Neu Alamodische Ritterliche F echt- und S chirm- K unst. Das ist: Wahre und nach neuester Frantzoͤsischer Manier eingerichtete Unterweisung Wie man sich in Fechten und Schirmen perfectioni ren und verhalten solle; Denen respectivè Herren Liebhaberen zu besserer Erleuterung mit 60. hierzu dienlichen Figuren herausgegeben Von Alexander Doyle aus Jrrland gebuͤrtig. Jhrer Churfuͤrstl. Gnaden zu Mayntz verordneten Hof-Fechtmeistern. Nuͤrnberg und Franckfurt / zu finden bey Paul Lochnern/ Buchhaͤndlern. A. M. D. C. C. XV. Dem Hochwuͤrdigsten Fuͤrsten und Herrn/ HERRN/ LOTHARIO Frantzen/ des Heil. Stuhls zu Mayntz Ertz-Bischoffen/ des Heyl. Roͤm. Reichs durch Germani en Ertz-Cantzlern und Churfuͤrsten/ Bischoffen zu Bamberg ꝛc. Meinem Gnaͤdigsten Herrn/ Hochwuͤrdigster Ertz-Bischoff und Churfuͤrst/ Gnaͤdigster Herr! S Eith deme/ daß in Eu. Churfuͤrstl. Bnaden hoher Protection und Diensten zu ste- zu stehen ich die hoͤchste Gnad gehabt/ habe nicht al- lein meine unterthaͤnigste Schuldigkeit und Incum- benz Eu. Churfuͤrstl. Bnaden Edelkna- ben in dieser Ritterlichen Schirm- und Fecht- Kunst mit treulichst- und sorgfaͤltigster Unterwei- sung zu dienen billig allstets vor Augen gehabt/ sondern bin anbey dahin bedacht gewesen/ wie ich einem jeden/ so theils zu seiner Schutz- und Siche- rung/ theils und insonderheit bey gegenwaͤrtigen gefaͤhrlichen Laͤufften dem Publico dienen zu koͤnnen/ durch Ritterliche Ubungen sich zu qualifici ren trach- )( 3 tet/ tet/ dem von GOtt mir verliehenen Talento nach darzu an Hand gehen/ und solche loͤbl. Intention, so viel an mir ist/ befoͤrdern helffen moͤge; Welchem- nach dann ich gegenwaͤrtige nach heutiger perfectio- nir ten so Frantzoͤs. als Italiani scher Manier eingerich- tete/ von mir so tituli rte: Neu Alamodische Ritterliche Fecht- und Schirmkunst ꝛc. zu verfassen/ und die darzu noͤthige Figu ren durch wohlerfahrne Kuͤnstler nach meiner Anweisung accuratè delinei ren zu lassen/ umb so mehr veran- lasset worden/ als mehr jedermaͤnniglich bekannt/ daß daß in denen wenigen von dieser Edlen Kunst hie- bevor zum Druck gekommenen Tract aͤtlein viele ungereimbte/ nicht practici rliche/ ja irrmachende/ und leichter zu groͤster Gefahr und Schaden gerei- chende Unrichtigkeiten/ auch von denen Kupfer- stecheren oder sonst herruͤhrende Fehler befindlich seynd; Obwohlen nun Gnaͤdigster Chur- fuͤrst und Herr/ ich mich fast entbloͤden solte/ Eu. Churfuͤrstl. Gnaden alseinem Geist- lichen Herrn und Regen ten dieses purè weltliche und fast fast nur zum Krieg dienende Wercklein unterthaͤ- nigst zu dedici ren/ so animi ret mich dannoch eines theils die von Deroselben geniesende hohe Chur- fuͤrstl. Clemenz, als welcher ich meine zeitliche Wol- fahrt zu dancken habe/ andern theils aber/ daß Eu. Churfuͤrstl. Gnaden diese und alle andere Ritterliche Exercitia und Wissenschafften nicht allein in Dero Jugend selbsten hoͤchstens geliebt und geuͤbt/ sondern nunmehro alle diejenige/ so adelich/ als unadeliche/ welche dem von Eu. Lhur- Churfuͤrstl. Gnaden bißhero in so grosser und Welt-gepriesener Sorgfalt gehabten werthe- sten teutschen Vatterland und gemeinen Besten zu ruͤhmlich- und ersprießlichen Diensten zu stehen ge- dencken/ gar gerne in dergleichen wohl geuͤbt und er- fahren sehen: Und gelanget solchem nach an Eu. Churfuͤrstl. Gnaden mein unterthaͤnigstes Bitten/ Dieselbe geruhen dieses Tractaͤtlein/ so Deroselben ich hiemit in tieffester Submission ge- horsamst devovi re/ gnaͤdigst anzunehmen/ und daß es es zum Druck befoͤrdert werde/ zu erlauben/ mich aber in bestaͤndigen hohen Churfuͤrstl. Hulden zu erhalten/ als Eu. Churfuͤrstl. Gnaden Unterthaͤnigst-treu-gehorsambster Alexander Doyle. Sum- S ummarischer U nterricht Derer J n der R itterlichen F echt- K unst sich befinden- den vier fuͤrnehmsten Quardien, wovon solche den Nahmen fuͤhren/ und worinnen deren Wuͤrckung bestehet/ als welche nach der Ordnung accuraté hierinnen beschrieben werden; Dahero zu bemercken/ daß so viele Quardi en/ als fuͤrnehmste oder Haupt- stoͤsse/ und zwar deren vier: als Prima, Secunda, Tertia, Quarta. A Die Die Erstere nun/ Prima genannt/ belangend/ ziehet selbige ihren Nahmen daher/ wann man den Degen aus der Scheiden ziehen will/ denselben mit verkehr- ter Faust auf der Seiten ergreiffet/ und nach dessen Entbloͤsung seinem Feinde die Spitze bietet/ da dann mit dem kleinen Finger in der Hoͤhe/ dem Daumen unten/ mit zugelegter Faust und ausgestrecktem Arm gegen die Achsel die Spitze præ- senti rt wird: Und in solcher Positur wird die so genannte Prima formi ret; Wobey gleichwohl nicht unrecht zu mercken/ daß solche nicht mehr im Gebrauch/ dessen Ursach diese ist/ weilen bey Ergreiff- und Ausziehung des Degens man mit dem Feind gleich in Tertia zu liegen kommt: Also dann gewiß/ daß/ wann ei- ner des andern Spitze oder Schwaͤche der Klingen stringi ret/ und solche abzu- wenden suchet/ der ander umb des Feindes Bloͤse in der Quart zu stossen/ inde- me er solche in der Tertz abgewiesen/ lavi rt/ und in der Quart zu stossen ge- zwungen wird; welche Manier von allen expedi ten Maiters ihren respectivè Herren Schola ren zu erst angegeben wird. Damit Damit aber auch der vorkommend und geziemenden Reverence, welche fuͤr die einige und fuͤrnehmste Zierlichkeit/ besonders bey Schertzfechten gehalten wird/ nicht moͤge vergessen werden/ so will hiemit anzeigen/ daß wann/ wie vorge- meldt/ die Klingen zusammen kommen/ man den rechten Fuß einen Schritt vor sich stellen/ den rechten Arm ausstrecken/ die Spitze so hoch/ als hoch des Fein- des Achsel/ fuͤhren/ die Fuͤsse in einer Linie/ desto fester auf denen Beinen stehen zu koͤnnen/ halten/ damit der rechte Daumen und die Zaͤhe des Fusses in einer Weite des Leibs sich gerichtet moͤge finden/ wie auch das lincke Knie so biegen/ daß der gantze Leib darauff ruhe/ und die lincke Hand so hoch/ als das lincke Aug ein wenig/ doch nicht zu weit/ zuruck halten muͤsse/ und dieses deßwegen/ damit man in schoͤner Positur sich sehen/ wie auch seinem Feinde desto weniger entbloͤsen moͤge. A 3 Jn Jn solcher Positur stehend/ greifft man in einem Tempo mit der lincken Hand nach dem Hut/ batti ret mit dem Fuß/ laͤsset die Spitze mit gehobener Faust in die Quart gegen die anwesende Compagnie sincken/ wie Num. 2. zeiget/ zween Schritt zuruck weichend/ batti ret man mit dem rechten Fuß/ thut einen Schritt mit dem lincken Fuß vor sich/ und nach auffgesetztem Hut in einem Tempo laͤsset man die Spitze gegen den Feind sincken/ und stellet sich also wie- der in sein voriges Lager/ wie lit. A. zeiget. Ob nun wohl die Figu ren oder Kupfer dieser hochzierlichen Manier der Reverence, in allen Stuͤcken nicht koͤn- nen so vollkommentlich gerichtet werden/ es seye dann/ daß eine jegliche Art de- ren ausgelegt wuͤrde/ welches aber in etwas verdrießlich vorkaͤme/ so wird jedoch hiebeneben stehende Figur zum theil solches vorzeigen/ mit welcher sich jede re- spective Herrn Liebhaber/ welches ich bitte/ zu vergnuͤgen belieben werden. Wie Wie man die Quart stosse? M Jt wider vor sich gestellten Fuß (wie oben gemeldet) gegen dem Feind hebet man die Faust so hoch/ als sein Angesicht in die Hoͤhe/ laͤst den lincken Arm ausgestreckt sincken/ haͤlt den lincken Fuß steiff/ die rechte Schulter hoch richtend/ um die lincke zu bedecken/ den Kopff grad hinter die Faust haltend/ auf daß der Feind den Kopff nicht lædir en moͤge/ und also wird die Quart gestossen/ wie Figur weiset. Wie die Quart zu parir en. H Jebey ist zu wissen/ und wohl zu observi ren/ daß man nur allein seine Faust in die quart inwarts umkehre/ damit der Daume in die Hoͤhe komme/ so wird und kan man/ des Feindes Schwaͤche zu parir en/ kraͤfftig und maͤchtig seyn/ solche abzuwenden/ wie solches aus nebenstehender Figur abzumercken ist. Wie B Wie die Tertia zu stossen. D Jeses geschicht/ wann eines Hand umgedrehet/ und deren Flaͤche unter sich gerichtet: die lincke Hand sinckend und die Flaͤche auswaͤrts gehalten/ den Kopff aber/ damit er vor seinem Adversario desto gesicherter sey/ dicht am rech- ten Arm gehalten wird/ und dann seinem Adversario von auswendig uͤber den Arm stossend/ als die Figur 4. zu verstehen gibt. Wie die Tertz zu parir en. D Erselbe wendet seine Faust/ die Finger unter sich/ in die Tertz, pari ret sei- nem Gegner die Schwaͤche/ richtet die Spitz gegen dessen Kopff/ damit/ wann derselbe zuruck gehet/ er in seinem Lager den Nachstoß desto leichter fuͤhren und anbringen koͤnne/ wie auch in Figur 4. zu sehen. Wie Wie man die Secund stossen solle. S Olche wird gestossen in derselbigen Linie als die Tertz, doch daß der Leib ein wenig niedriger sey/ die Brust aber uͤber das rechte Knie/ der Kopff am Arm/ und die Faust/ um den Kopff zu bedecken/ ein wenig hoch gehalten wer- de/ damit man seinen Feind unter der Klinge desto mehr und besser im Gesicht ha- ben kan/ wie bey der Figur 5. zu sehen. Wie die Secund parir et wird. Z U dem Ende kehret man wiederum die Faust mit der Klingen unter sich/ sei- nem Feind die Schwaͤche seiner Klinge abzuwenden/ richtet die Spitze gera- de auf des Adversarii seine Brust oder Leib/ damit man in der Secund, oder aber in der Tertz den Nachstoß/ wann der Feind etwan zuruck gehen solte/ je be- quemer fuͤhren moͤge/ welches bey der Figur 5. anzumercken ist. Nuͤtz- Y ützliche Observation und U nterrichtung deren drey Haubt-Stoͤß im Fechten. H Jebey ist zuvorderst zu melden/ daß/ wann einer mit seinem Adversario jetzo will angehen/ er vor allen Dingen sich wohl aus der Messur halte/ so lang/ bis daß er wohl betrachtet und beschauet/ wie sein Adversarius gegen ihn gestaltet; Ob er nemlich Erstlich den Leib vorwarts auf den rechten Schenckel liegend/ oder ob er Zweytens geschwinder Faust/ oder Drittens/ ob er mit einem krummen Arm/ oder ob er Vierdens hitzig im Fechten angehen/ oder ob er sich Fuͤnfftens auf seiner lincken Hand parade verlassen thue. Was das Erstere belanget/ ist zu wissen/ wann der Adversarius mit dem Leib vorwarts auf dem rechten Schenckel liegend sich befindet/ oder zu Fechten ge- wohnet ist/ muß er gleich zwey Tempo machen/ oder haben; Eines daß er vom Schenckel sich erst muß heben/ das andere zum Stoß: Und wann nun solches/ so kan Adversarius es leichtlich mercken/ und sich auf seine Defensiv desto besser stellen/ stellen/ also daß er seinem Adversario eine Tertz, oder Quart nachstossen kan und mag; Zweyten falls/ wann der Adversarius eine geschwinde Faust hat/ so muß man sich wohl vor der Klinge im Lager bedecken/ dann und wann eine falsche Bloͤ- se geben/ welches so viel gesagt ist/ wann einer von der Spitze sich entbloͤse/ daß er sich dann wohl mit der Staͤrcke bedecke/ oder wann sich mit der Staͤrcke entbloͤ- sete/ daß er sich mit der Spitze bedecke/ und also den Feind desto besser anlocken und verfuͤhren/ sich aber zum pari ren und nachstossen bereit machen/ und folgli- chen dardurch seinen Feind verletzen kan; Dritten falls/ wann einer mit krummen Arm fechtet/ so muß man wissen/ wann solches observi ret wird/ daß derselbige allezeit grausam auf der Klinge zu liegen und solche zu forci ren suchet und trachtet/ einem solchen Fechter aber soll und muß man der Klingen Schwaͤche mit nichten geben/ sondern vielmehr schau- en/ daß man ihm auf Tempo Stoͤsse ansetzen moͤge/ doch auch sich wohl in acht nehmen/ daß er nicht etwan zugleich einen Contra Stoß bekomme/ welches von solchen und dergleichen Herren Fechteren gar gemeiniglich geschiehet; Vierd- Vierdten falls/ ob eines Adversarius hitzig im fechten angienge? So muß solchen falls nothwendig dessen Leib wohl betrachtet werden/ ihn auf Tempo Stoͤß entweder zu arreti ren/ oder aber ihn auf Volt en zu empfangen; Fuͤnfften falls/ da der Adversarius auf seiner Hand parad en sich verlas- sen solte/ muß man beflissen seyn/ nur allein halbe Stoͤsse auszustossen/ damit man des Feindes Hand parade betruͤgen/ und ihn zum Stoß verfuͤhren moͤge/ er aber so leichter an seiner Klinge Nachstoͤsse vollbringen koͤnne/ wie solches alles aus nachfolgenden Lectionibus und Figuris mit mehrerm Vergnuͤgen zu mercken und zu erkennen. Von C Von Ab- oder Außtheilung der Klingen. D Jeselbige wird auß- oder abgetheilet in vier Theile/ mit diesen Worten: gantze und halbe Starcke/ so dann halbe und gantze Schwaͤ- che/ wie ein solches aus hier nebengebildeter Figur 6. abzunehmen ist. Hierher seynd nun auch gehoͤrig die bey der Fecht-Kunst vorkommende und gebraͤuchliche Termini, samt deroselben Ausdeutung: Als (1) Approchi ren/ ist so viel gesagt/ als Beyrucken. (2) Camini ren/ ist so viel als gehen/ und den Feind zu lædi ren suchen. (3) Attaqui ren/ den Feind angehen/ oder ihn an die Klinge gehen. (4) Engagi ren/ die Klinge gewinnen. (5) Batti ren/ an die Klinge schlagen/ oder mit dem Fuß an die Erde klappen. (6) Appelli ren/ weiter belangen/ oder einen entweder zum Stoß/ oder zur parade bewegen. (7) Stringi ren/ die Klinge bezwingen/ oder daͤmpfen. (8) Ligi ren/ den Degen anbinden/ oder umdrehen. (9) Cavi- (9) Cavi ren/ unten durch/ oder oben uͤber gehen. (10) Allongi ren/ ausstossen. (11) Pari ren/ ausnehmen/ oder den Stoß abwenden. (12) Repousi ren/ nachstossen. (13) Passi ren/ einlauffen. (14) Volti ren/ sich umdrehen. (15) Sessi ren/ den Degen ergreiffen. (16) Rumpi ren/ die Mensur brechen. (17) Retrahi ren/ sich zuruck begeben. (18) Disarmi ren/ den Degen nehmen. (19) Ludi ren/ den Feind zur Erden werffen. (20) Fainti ren/ oder fainte machen/ den Feind zu verfuͤhren/ oder dessen Bloͤse gewinnen. Art Art und Weise ein Fainte zu machen/ und dem Feind keine Bloͤse zu geben. E Rstlichen ist zu wissen/ wann man an des Adversarii Klinge kommet/ es geschehe solches in der Tertz, oder Quarta, daß man die Faust hebet/ um sich von oben wohl zu beschuͤtzen/ laͤsset dann die Spitze sincken/ und bat- ti ret in einem Tempo den Fuß/ machet eine kleine Fainte unter die Faust/ in die Tertiam, stoͤsset hernach eine Quartam, haͤlt die Faust hoch an des Fein- des Klinge/ und reteri ret sich geschwind in seiner Positur, und suchet in einem Tempo an des Feindes Klinge zu kommen/ die Schwaͤche zu gewinnen/ und so dardurch vor des Adversarii Nachstoß sich desto sicherer zu machen/ wie bey der Figur 7. gesehen wird. Zwey Zweyte oder gedoppelte Fainte. H Jerzu werden zwey oder drey Tempo gebraucht/ nemlich so Adversarius an die Kling in die Quart zu liegen kommet/ so laͤst man die Spitze sincken oder fallen/ unter des Adversarii seiner Klinge/ machet ihm eine Fainte in der Tertz und in der Quart, und stosset geschwind in die Tertz, wie bey der Figur 8. gezeiget wird. Wann Wann Adversarius in der Tertz lieget. S O machet man eine Fainte in der Quart und in der Tertz, laͤsset die Spitz und den Leib sincken/ und stosset hernach unter des Adversarii sei- nem Arm in die Secundam; Weil nun aber die Secunda von den dreyen Haubt- Stoͤssen die gefaͤhrlichste ist/ muß einer sich wohl suchen zu reteri ren/ und seines Feindes Klingen Schwaͤche zu gewinnen/ als an der Figur 9. kan gemercket werden. Drey- D Dreyfache Finte zu machen. D Jese nimmt an sich mit samt den Stoß/ vier Tempo, nemlich wann Ad- versarius in der Tertz zu liegen kaͤme/ oder kommet/ so macht man eine Finte in der Quart, und in Tertiâ und Secunda, und stosset Adversa- rio geschwind uͤber den Arm die Tertz, welches durch die Figur 10. bezeuget wird. Wann Wann Adversarius aus der Messur stehet. B Ey solcher Begebenheit attaqui ren die Klingen hoch die Quart im mar- chi ren/ den Feind zum pari ren zu bringen/ dann laͤsset man die Spitze sincken/ und stosset geschwinde seinem Adversario die Quart unter dem Arm/ wie gesehen wird bey der Figur 11. Wann Wann der Adversarius in der Tertz suchet zu attaqui ren. J M fall ein solches gesehen wird/ so machet man geschwinde eine Fainte in die Quart, und stoͤsset die Quart uͤber den Arm/ apponi ret seine Faust an des Feindes Klinge/ so daß man mit seiner Staͤrcke des Feindes Schwaͤche ge- winnen kan/ wie durch die Figur 12. vorgebildet wird. Wann Art und Weise/ wie hergegen man seinen Gegner an- locken und zum Stoß verfuͤhren soll. W Ann einer des Willens/ oder ein solches zu thun geneigt ist/ so muß er mit der Faust in der Quart, des Gegners Kling in die Tertz stringi ren/ also und dergestalten/ daß der Feind die Quart zu stossen bereit sey/ seine Schwaͤ- che zu pari ren/ und die Flanconade zu stossen/ so von denen Teutschen die Quart Revers genennet wird/ doch also/ daß er behender dings die Hand wohl apponi ret/ damit der Feind seine Faust nicht umdrehen/ und ihn selbsten ver- letze/ wie bey der Figur 13. gezeiget wird. Wann E Wann einer an des Adversarii Kling in der Tertz zu liegen kommet. S O machet der ander eine Appell, an des Adversarii Klinge in Quart, so daß derselbe sich beweget/ selbe zu pari ren/ alsdann kehret man die Faust um/ und stosset die Tertz Cavé dans les armes, welches die Tertz in Quart gestossen heisset/ oder teutscher zu sagen/ ein Winckel-Stoß genannt ist/ jedoch aber muß der Leib niedrig uͤber dem rechten Schenckel zu liegen kommen/ damit er unter des Adversarii Klinge sich befinden koͤnne/ und dann geschwind an des Feindes Klinge batti ren und sich retrahi ren/ oder zuruck springen/ wie zu se- hen bey der Figur 14. Wann Wann Adversarius in Quart mit seiner Schwaͤche an der Staͤrck zu liegen kommet. S Olchen falls drehet man in einer guten Geschwindigkeit die Faust herum/ ligir et dessen Klinge und stosset in die Secund, wie die Figura deutet/ welches alles dann von denen geraden Stossen gesagt sey; Doch muß man sich in acht nehmen/ daß Adversarius die Faust nicht an die Klinge ablauffen lasse/ und euch verletze/ welches gar leichtlich geschehen kan; Man kan auch/ wann Ad- versarius zuruck gehet/ eine kleine Fainte in die Tertz thun/ wollte aber Ad- versarius pari ren/ so stosse man in Secunda, wie Figur 15. zeiget. Art Wann Adversarius den Degen engagi ret in die Tertz. M Ache man eine Appell in die Quart, damit man ihn/ die Tertz zu stos- sen/ suche zu verfuͤhren/ und so dann solches von ihm geschicht/ nemlich/ daß er sich die Tertz zu stossen verfuͤhren lasse/ dann pari re man wohl/ und mit sei- ner Staͤrcke/ an des andern Schwaͤche/ den Arm wohl ausgestreckt haltend/ den Leib aber nidrig/ also wird der Adversar selbst in den Degen hinein lauffen/ und sich verletzt machen/ wie bey der Figur 16. wird gesehen werden. Wann Wann Adversarius seinen Degen hoch an die Kling in die Tertz attaqui ret. A Lsdann muß Gegner/ oder der/ so mit demjenigen zu fechten kommt/ sich gar wohl fuͤrsehen/ daß Adversarius nicht etwan einen Tempo Stoß in die Secund fuͤhret/ dieweilen die Faust hoch gehoben wird/ wo aber solches nicht/ nemlich/ daß Adversarius keinen Tempo Stoß thaͤte/ oder fuͤhrete/ so machet man alsdann eine Finte in Secund, daferne er dann solche pari ret/ so doupli- ret wieder eine Fainte in Tertz, und stoͤsset eine Quart; pari ret aber dann Adversarius und will nachstossen in die Flanconade, so kehre man die Faust nur geschwind um/ in die Secund, so wird zwarn Adversarius selbst in die Klinge hinein lauffen/ man muß aber alsdann in einer sonderlichen Geschwindig- keit an die Klinge in die Tertz reiteri ren/ damit Adversarius durch einen Nach- stoß nicht schaden koͤnne/ wie Figura 17. bemercket. Wie F Wie die gehobene Stoͤsse muͤssen gefuͤhret werden/ welche von denen Frantzosen die cupir te Stoͤß uͤber die Klinge genennet werden. D Arbey batti ret man mit dem Fuß/ machet eine Fainte hoch an des Ad- versarii seine Klinge in Form und Weise/ als wann man uͤber selbig seine Kling cupi ren wollte/ apponi ret oder bewegt er sich nicht zu pari ren/ so hebe man die Faust mit der Staͤrck an die Schwaͤche/ und stosse gerad in Quart; pa- ri ret er aber/ so cupi re man uͤber die Kling/ und stosse in Tertz, welche Lection in Tertz und Quart gar leicht gemacht werden kan/ man muß sich aber auch dabey wohl fuͤrsehen/ daß man seinem Widerpart keine Bloͤse gebe/ und er auf sel- bigem Tempo nicht etwan einige Verletzung anbringe/ deßwegen man dann auch den Leib wohl zuruck halten muß/ wie bey Figur 18. zu sehen. Wie Wie man seinen Adversarium zu verfuͤhren suchen/ und ihn mit Tempo Stoͤssen empfangen solle. W Ann der Widerpart anrucket/ und seines Gegners Klinge in demselbigen Tempo zu gewinnen suchet/ oder suchen sollte/ so breche man die Messur zuruͤck/ und suche wieder an seine Kling zu kommen/ wo er vorhin oder zuvor ge- legen/ es sey oder geschehe dann solches in Tertz, oder Quart, so wird Adver- sarius vermeinen/ es geschehe aus einer Forcht/ und so er dann nochmahlen an- marchi ren und die Klinge gewinnen wolle/ muß man seinen Leib wohl in acht neh- men/ geschwinde unter die Klinge cavi ren/ und in Tempo hinein stossen/ wie Figur 19. angibt. Wann Wann Adversarius an die Klinge in Quart zu liegen kommet. A Lsdann mache man eine Appell hoch in die Tertz, stosset er dann in Tem- po in Secund, muß man wohl pari ren und ihm eine Finte hoch in die Tertz machen/ gleich als wolle er die Tertz stossen; hebet er Adversarius die Faust alsdann zur parade, so repost irt man geschwind in die Secund, das ist nachstossen/ wie es die Frantzosen nennen/ welches gezeiget wird bey der Figur 20. Wann Wann Adversarius an der Klinge in der Tertz lieget. S Olchen falls/ so engagi ret man seine halbe Schwaͤche/ gibt ihm eine Bloͤse in die Tertz, ihn dadurch zu verfuͤhren/ nimmt alsdann seine Faust wohl in Obacht; so bald er sich nun bewegt uͤber den Arm in die Tertz zu stossen/ so falle man geschwind mit dem Leib niedrig/ lasse die Spitze sincken/ und arrêti re ihn in die Secund, wie Figur 21. anzeiget. Art G Wann Adversarius die Klinge attaqui ret in Quart. S O machet man ihm geschwind eine Fainte in die Tertz, und thut dann ei- nen halben Stoß in die Quart; und wann er wollte pari ren/ so stoͤsset man ihme eine Quart unter den Armen/ mit dem Leib innwendig sich jedoch wohl aus dem Wege haltend/ wie Figur 22. zeiget/ batti ret dann geschwind an des Ad- versarii Klingen/ und springet zuruck. Wann Wann Adversarius die Klinge suchet in Quart zu engagi ren/ und seine Spitze niedrig haͤlt. B Ey einem solchen Fall muß man mit seiner Staͤrcke seines Adversarii Schwaͤ- che subtiliter zu gewinnen suchen/ und stossen an die Klinge dem Leibe zu/ es seye solches in Tertz oder Quarta, wie Figur 23. andeutet/ ist aber auch wohl in acht zu nehmen/ daß Adversarius nicht etwan eine geschwinde Quart untern Arm zu stossen suche/ und anbringen moͤchte/ solchen falls aber muß man seines Adversarii Faust gar genau in acht nehmen/ und allezeit zur parade sich bereit halten. Wann Wann Adversarius suchet die Kling in Quart zu stringi ren. S O machet man ein Appell in Tertz hoch mit ausgestrecktem Armen; wann dann euer Adversarius solche pari ren wolle/ so kehret man die Faust an die Kling in Quart um/ und stosset ihme so fort eine Quart uͤbern Arm/ wie an Figur 24. zu sehen/ wiewohlen solches ein gefaͤhrlich- und besorglicher Stoß und schwehr zu pari ren ist. Wann Wann Adversarius den Degen sucht zu engagi ren. W Ann solches/ so muß man ihme eine Appell in Tertz machen/ und zwar mit ausgestrecktem Arm/ und wann er dann die Tertz oder Secund stossen wollte/ und Adversarius zeigen/ als wolle er pari ren/ oder nicht/ so dre- het man den Leib in die Quart wohl um/ und stellet sich in Positur, als die Figur 25. weiset. So H So Adversarius den Degen in Quart zu engagi ren/ oder zu string iren/ und so dardurch einen zum Stoß zu ver- fuͤhren/ suchete. W Ann ein gleiches an Adversario bemercket wird/ so machet man ihme Fainte in Tertz, oder aber eine Appell, so werden des Widerparts sei- ne Concept en von Stund an verruckt werden/ so er aber dann pari ret/ so stos- set man ihm eine Secund oder eine Quart, wo seine Bloͤse am besten zu finden ist/ wobey dennoch auch zu wissen/ und wohl zu mercken/ daß/ so offt als Ad- versarius mehrere Fint en zu machen suchet/ man alsdann ihme jedesmahl eine Gegen Appell machen muͤsse/ umb ihn in seinen Concept en fort und fort ver- ruͤckt zu machen/ wie Figur 26. zeiget. Wann Wann Adversarius den Degen in Quart zu engagi ren suchet. M Uß ihme geschwind eine Appell in Quart uͤber den Arm mit einem geschwin- den halben Stoß in Quart unter den Arm gemacht werden/ und muß sol- ches mit geschwinder Zuruckkommung in die Positur an Adversarii Klingen in Tertz geschehen/ umb seine Schwaͤche zu gewinnen/ wann nun solche gewonnen/ doupli ret man in Geschwindigkeit an die Klinge in Tertz, wie Figur 27. zeiget. Wann Wann Adversarius an marchi ret den Degen in Quart zu forci ren. S O muß man ihn die Klinge nicht finden lassen/ sondern ihme eine Finte in Tertz machen/ und eine Secund stossen/ batti ret dann die Klinge/ und springet geschwinde zuruck in sein Lager/ wie bey Figur 28. zu sehen. So So Adversarius die Klinge ihm engagi ret in Quart aus der Messur. A Lsdann so suchet man ihm die Messur zu gewinnen/ und mit seiner Staͤrcke an seine des Adversarii Schwaͤche zu kommen/ machet ihme eine Ligation in Quart, welches zu verstehen/ daß man den Degen anbinde/ oder umbdrehet/ aus der Faust/ wordurch dann Adversarius gezwungen wird um gut Wetter zu bitten/ wie in der Figur 29. gesehen wird. Wie J Wie und auf was Weis man suchen solle seines Adversarii Klinge in die Quart engagi ren. E Jn solches zu thun/ so gebe man ihme ein wenig Bloͤse/ daß er entweder in Quart, oder Tertz, desto leichter stossen kan/ uͤbern Arm; und wann als- dann Adversarius sich darob verfuͤhren laͤsset/ so pari ret man ihm mit der Ca- vation, und apponi ret die lincke Hand an seine Klingen/ damit er an dieselbe/ verstehendlich eure Klinge/ zu pari ren nicht kommen kan/ wordurch dann ihme leichtlichen zween oder drey Stoͤsse anzubringen/ ehe er in sein Lager zuruck kommen thut/ wie angemerckt bey Figur 30. Eine Eine Appell an seines Adversarii Klingen in Tertz zu machen/ und wie einer dabey sich zu verhalten? W Ann solches einer tenti ren oder fuͤrnehmen will/ muß er mit dem rechten Fuß batti ren/ und den Arm ausstrecken in Tertz, eben als wann er den Stoß in Tertz fuͤhren wollte/ und also suchen den Feind zu verfuͤhren/ in Quart zu stossen/ fuͤhret er aber dann einen Tempo Stoß/ so pari ret man ihm mit der Cavation, welches contra de gagement genennet wird/ und stosset dann ge- schwinde in Tertz; sollte aber etwan Adversarius pari ren/ so doupli ret man in Secund, und springet zuruck in sein Lager/ wovon dann Figur 31. anzeignng thut. An An Adversarii Kling in Quart liegend zu kommen. E Ben dieses zu fuͤgen/ so batti ret man in einer Geschwindigkeit mit dem Fuß/ und cavi ret unter des Feindes Klinge/ als wann man eine Tertz oder Quart uͤbern Arm stossen wollte/ cupi ret alsdann uͤber die Klinge/ und stoͤsset die Quart, wie Figur 32. euch zeiget/ und diese werden von denen Teutschen die geschobene Stoͤsse genennet; Eine solche Lection kan nun zwar in Tertz und Quart gemachet werden/ dennoch aber ist sie schwehr zu pari ren/ und hat man sich absonderlich dabey in acht zu nehmen/ daß Adversarius nicht etwan ein Tempo Stoß anbringe/ wie an Figur 32. zu sehen. Wie Wie die Quart Base, oder auf teutsch die niedrige Quart zu machen/ als welche gegen einen mit der lincken Hand Fechtenden gar nuͤtzlich ist. D Jeselbige zu machen/ haͤlt man die Faust hoch/ den Ober-Leib zu bedecken/ die Spitze aber niedrig/ den Unter-Leib zu bedecken/ und machet eine Ap- pell in Quart, wie Figur 33. zeiget/ und wann dann Adversarius ein geraden Stoß in Quart uͤbern Arm thun wollte/ so drehet man die Faust um/ apponi- ret die lincke Hand an seine Klinge/ und stosset eine gerade Quart, wie Fig. 33. zeiget/ und eine solche Parade ist bey der Nacht gar nutzlich/ absonderlich aber de- nen jenigen/ welche ohngefehr von zweyen oder dreyen angefochten werden/ doch muß man dabey auch dieses mercken/ daß man die Faust wohl umbdrehet/ die Muline oder Rad zu machen/ so lange und viel/ biß man Gelegenheit bekommet/ ein oder andern zu verletzen/ wie Figur 33. angemerckt. Wann K Wann sich die Klingen in Quart zusammen befinden. D Ann so mache man eine Appell in Tertz, gebe seinem Adversario eine kleine Bloͤse/ ihn zu zwingen/ oder zu verursachen/ die Quart untern Arm zu stossen/ pari re dann die Quart base, und mit der lincken Hand apponi re an Adversarii Kling/ so wird er so dann nicht wieder zu pari ren kommen koͤn- nen/ weil die lincke Hand seine Klinge nieder truckt/ wie Figur 34. anzeigt. Wie Wie man die Quart Base Reverse, das ist so viel als verkehrt gesagt/ machen solle. H Jerzu wird erfordert/ daß man eine Fint, oder Appell in die Quart uͤber den Arm gebe/ alsdann Adversario die voͤllige Bloͤse/ den Leib innwendig haltend/ um Adversarium dadurch zu locken; wann dann Adversarius die gerade Quart stoͤsset/ so lasse man die Spitze innwendig an Adversarii Klingen sincken/ pari re dessen Schwaͤche untern Arm von auswaͤrts/ und stosse ihm unter der Achsel zu/ und so balden als Adversarius stoͤsset/ pari re man im marchi- ren/ damit des Feindes Klinge hinter in Rucken komme/ wordurch er dann gar leicht und geschwind wehrloß gemacht wird/ und zwar ohne einige Sorge und Ge- fahr/ wie Figur 35. zeiget. Wel- Welcher gestalten die Tertz Base zu machen/ welche die Positur hat/ als wie die hohe Secund. H Jebey ist dieses zu mercken/ daß man die Lectiones eben als wie bey jetzt gemeldter Quart base geschicht/ gebrauchen kan/ wann man per Exem- ple an einem geschlossenen Ort/ oder an einem Wasser/ welches hinten auff dem Ru- cken waͤre/ so daß man sich nicht reteri ren koͤnne/ und dardurch in Gefahr stuͤnde/ so leget man sich geschwind mit einer Faust hoch vor das Angesicht/ doch den Leib ein wenig vorgestreckt/ und halte dann die Spitz gegen des Feindes Kling oder Brust; so dann Adversarius stossen thaͤte/ pari ret man in Ligation, gleichwie in der Quart base, wie Figur 36. zeiget; passi re dann rechts oder lincks/ wo/ oder wie man am besten eine Avantage zu finden/ und sich aus Gefahr zu halten/ die Gelegenheit sich erbietet/ so wird Adversarius wieder in sein vorigen Stand ge- bracht werden/ wo er zuvor gewesen ist. Auff Auff was Art und Weise eine Ligation zu machen/ seines Feindes Degen aus der Hand zu drehen. W Ann jetzo Adversarius den Degen mit der Spitze niedrig in Quarta at- taqui rete/ oder engagi rte/ so muß man seine Schwaͤche mit der Staͤrcke zu gewinnen suchen/ in formi rung einer an seiner Klinge zu machenden Ligation in Quart, und drehen die Faust mit der Staͤrcke an seiner Schwaͤche geschwind herumb/ so ligi ret oder drehet man ihm seinen Degen aus der Faust/ wordurch er also dann obligi ret wird/ um Pardon zu bitten/ springet aber dessen Dege nicht aus der Faust/ so kan man einen Stoß in die Tertz oder Secund in ihn thun/ ehe und bevorn derselbe wieder in sein Lager kommet/ und so gar leichte verletzet wer- den kan/ wie Figur 37. davon weiset. Wie L Wie die Ligation um die Klinge in Tertz oder Quart, auff teutsch ein Circul an die Kling zu machen. S O balden Adversarius an die Klinge in Quart mit seiner Spitze niedrig zu liegen kommt/ so muß man suchen mit seiner Klinge des Adversarii Schwaͤche zu gewinnen/ drehe demnach geschwind mit der Staͤrcke an seiner Klin- ge Schwaͤche/ dieselbe behend in Gestalt eines Circul s umkehrend/ und stosse eine gerade Quart zu/ welche Art nicht nur in Quart/ sondern auch in Tertz und Secund, auch ohne Gefahr gemacht werden kan/ wie davon gesehen wird in der Figur 38. Wie Wie und auff was Weise die Passade zu machen seye. Z U observi ren ist/ wann gefehen wird/ daß der Feind keinen Stand in seinem Fech- ten halten thue/ sondern hin und her wancke/ auch seine Messur also breche/ oder auch daß jemand ihm zu huͤlff kommen solte/ so ist noͤthig/ daß man von einem sich si- cher zu machen und zu befreyen suche/ wie dann zu dem Ende die Passade zu ergreiffen/ dabey aber auch sich wohl in acht zu nehmen/ wann man will passi ren und entkom- men/ daß nicht Adversarius (welches/ wann derselbe auch schlimm und behend seyn sollte/ gewißlich erfolget) einen nicht arresti ren thue/ oder sonst sein Maitre werde/ als per Exemple, wann Adversarius die Faust niedrig haͤtte/ so attaqui re man dessen Degen in Quart, mit einer Appell von der Klingen/ und halte die Faust hoch. Las- set sich aber Adversarius dardurch nicht schroͤcken oder verfuͤhren/ aus seinem Lager zu gehen/ so passi re man nur geschwinde die Quart uͤbern Arm mit seiner Staͤrcke an Ad- versarii seine Schwaͤche/ und wann dann derselbige diese Passade mit der Tertz pari ren thaͤte/ so laß man innwendig an die Kling ablauffen/ so daß man in Behendigkeit seinen Arm um des Adversarii seinen Arm oder Haͤnde/ suche zu winden/ und greiffe ihn um den Degen herum/ bey seinem Arm/ stelle sich also dann geschwinde mit dem rech- ten Fuß wieder zuruck/ und biethe seines Feindes Brust die Spitze/ sonst kan man auch seinen Feind mit dem lincken unter den rechten Fuß schlagen/ und ihn so auff die Erde nieder bringen/ wie gesehen wird bey der Figur 39. Wie Wie die Pasade in Quart uͤbern Arm zu machen. B Jllig ist in acht zu nehmen/ wann man sich mit seinem Feind in der Quart befinden thut/ daß dessen Degen stringi ret werde/ und ihm also eine Fain- te in die Quart zu machen suche/ wofern er sich dann verfuͤhren lasset/ so cavi re man durch und passi re in der Quart uͤbern rechten Arm/ die Schultern wohl zuruck haltend/ sonsten moͤgte Adversarius mit der Volte einen Arrest anbrin- gen/ wann aber Adversarius sich darinn nicht verfuͤhren lassen sollte/ muß man gerad in die Quart passi ren/ wie Figur 40. zeiget. Wie Wie die Passade unten in der Secund zu machen. W Ann man mit seinem Adversario, also beyderseits in der Tertz sich be- findet/ so cavi re man unten durch/ und mache ihme eine Finte an seine Schwaͤche nach seinem Haupt; bleibet er dann also still liegen/ so lasse man die Spi- tze in der Secunda sincken/ und passi re in Geschwindigkeit mit gebogenem Leib und stosse ihn untern Arm; man kan sonst auch mit einer Finte in der Secund seinen Feind suchen zu verfuͤhren; Daferne er aber sollte still liegen/ und auf einen Contra Stoß warten/ so erhebe man unten die Klinge mit einer Appell, verhin- dere dadurch sein Vorhaben/ passi re gleichfalls geschwind unten in der Secunda, wie Figur 41. zeiget. Wie M Wie die gerade Passade in Quart zu bemercken/ und wie sich darinn zu verhalten. W Ann sich die Degen zusammen in Quart befinden/ muß man an des Ad- versarii Kling eine Appell hoch in Quart uͤbern Arm machen; und wann er sich alsdann wuͤrde lassen verfuͤhren/ oder aber pari ren/ oder auch nicht pari- ren/ mit der Faust hoch/ mit seiner Staͤrcke an dessen Schwaͤche den Leib gerad in einer Linie sich haltend/ nehme sich dann wohl in Obacht/ wann er passi ret daß sein Adversarius ihn nicht bey dem Gefaͤß seine Klinge/ welches gar leicht gesche- hen kan/ ergreiffe; wann also solches gesehen wird/ muß man geschwinde (man kan sonsten auch/ wann Adversarius den Degen nehmen wollte) die Faust nur allein umkehren/ und ihme Adversario den Winckelstoß anbringen/ wie Figur 42. euch weiset. Wie Wie in der Passade man seinen Adversarium arreti- ren kan. W Ann Adversarius passi ren wollte/ so gebe man ihme eine falsche Bloͤse uͤ- ber den Arm/ mache ihme dabey etliche falsche Tempo oder Faintes, ihn desto ehend - und besser zu verfuͤhren/ aber dessen Faust und Leib gar wohl in acht habend; so balden man aber siehet/ daß Adversarius passi ren wollte/ so arre- ti ret man geschwind in die Secund; spuͤhrete man aber/ daß er sich auf die Klin- ge verlasse/ so kehre man geschwind den Leib herum/ und arreti re ihn in Volt; Jst aber Adversarius etwan zu geschwind in der Klinge/ so laͤsset man inwendig an den Degen ablauffen/ und nehme ihm seinen Degen beym Gefaͤß oder Griff/ wie gezeiget wird bey der Figur 43. Wie Wie die Volte am sichersten zu machen. H Jebey muß zwar gestehen/ daß ich hin und wieder offtmahls gesehen/ von de- nen/ welche die Information auf ihren Adversarium zu volti ren/ ge- ben haben/ nemlich daß man in seinem Lager auf seinen Feind volti ren solle/ ich hergegen versichere festiglich und getreulich/ daß ein solches gar schwer und unsicher oder gefaͤhrlich zu machen seye/ die Ursach aber ist diese/ weilen Adversarius in seinem Lager wohl bedecket ist/ und halte ich derowegen fuͤr das allergewisseste und beste zu seyn daß man seinen Feind zum Stoß zu verfuͤhren suche/ daferne aber Adversarius eines Klinge in die Tertz suchete zu stringi ren/ und zwarn starck/ so muß man ihm die Klinge nicht finden lassen/ und wann das aber ja gesehen wuͤr- de/ so volti ret man nicht/ sondern cavi ret vielmehr unter die Klinge durch/ und breche die Messur zuruͤck; wann dann aber Adversarius die Klinge dennoch wie- der zu stringi ren suchen sollte so lasse man die Spitze nur sincken/ mit dem lincken Fuß zuruck hinter den rechten/ und den Leib wohl umgedrehet/ stellend/ damit Ad- versarius in selbigem Tempo, in Volt, arresti ret werde/ welches dann das sicherste und gewisseste ist/ und gezeigt wird bey der Figur 44. Wann Wann sich die Degens zusammen in Quart findeten. A Lsdann mache man seinem Adversario eine Finte in Tertz, um einen halben Stoß in Quart zu stossen/ so bald nun Adversarius pari ret ha- ben wird/ und von der Kling die Quart zu stossen gehe/ drehet man den Leib in Geschwindigkeit herum/ und arresti ret ihn in Volt, wie die Figur 45. an- zeiget. Wie N Wie man eine Volte machen solle/ seinem Adversario das Gesicht oder dessen Haͤnde zu zerhauen. E Rstlichen so engagi ret man die Kling in Tertz, attaqui ret dann geschwind in die Quart mit einer wenig zu gebenden Bloͤse uͤbern Arm/ umb ihn zu verfuͤhren; und wann er dann in die Bloͤse floͤsset/ so laͤsset man die Klinge ablauf- fen/ thut den lincken Fuß hinter den rechten; so balden es abgelauffen/ machet man mit dem rechten Fuß einen langen Schritt/ und fuͤhret den Streich in einem Tem- po, in Feindes Angesicht/ oder uͤber die Faust/ welches gar fuͤglich und wohl zu thun ist/ wie Figur 46. zeiget. Wie Wie die doppelte Volte zu machen/ in geschwind- und leichtester Manier. D Jese ist zwar in scharffem Fechten gar schwehr zu vollbringen/ indeme man sei- nem Adversario den Ruͤcken zu kehren/ dennoch aber wann Adversarius den Degen sehr in Quart engagi rete/ so stringi re man denselbigen/ die Spitze aus dem Wege/ und gebe eine falsche Bloͤse uͤbern Arm in Quart, ihn dardurch desto besser zu verfuͤhren; so balden man aber siehet/ daß er sich ruͤhret oder den Stoß zu fuͤhren/ rich- tet/ so lasse man den Degen ablauffen/ als bey nechst vorstehender Lection angedeutet ist/ und wie man nun solchen hat lassen ablauffen/ kehret man sich gantz zuruck/ und schlage auf des Adversarii seine Klinge hinein/ kehre sich dann wieder gantz herum/ gehe auf seinen Adversarium loß/ und greiffe ihn fein geschwinde bey der Brust oder Faust/ jedannoch muß man sich aber auch gar wohl in acht nehmen/ daß Adversa- rius, indeme daß man sich umkehret/ einen nicht faͤnget und zur Erden wuͤrffet/ wie Figur 47. euch vorstellet. Einen Einen zu disarmi ren in unterschiedlicher Manier/ und wann solches zu thun seye. Z U diesem Zweck hat man fuͤrnemlich zu mercken/ wie Adversarius allenfalls gesinnet seyn moͤge; wann nun etwan derselbe einen langen Stoß in der Quart zu versetzen gemeinet/ alsdann pari ret man denselbigen Stoß in der Quart inn- wendig/ trette hernacher mit dem rechten Fuß fein behende zu/ und druͤcke seines Feindes Klinge etwas nieder/ ergreiffe in Geschwindigkeit mit der lincken Hand sei- nen Degen beym Gefaͤß/ und ziehe ihme in moͤglicher Geschwindigkeit seinen De- gen aus der Hand/ auch wann man wollte/ kan man alsdann mit seines Feindes eigenen Degen seinen Feind erlegen/ wie gesehen wird bey Figur 48. Wie Wie Adversarius nach gestossener Quart uͤbern Arm zu disarmi ren. W Ann der Feind die Klinge in Tertz engagi rete/ so mache man ihme eine Fainte in Quart uͤbern Arm/ so balden dann der Stoß geschehen/ so tritt man mit dem lincken Fuß herzu/ ergreiffet des Adversarii Degen/ und druͤcket selbigen auswaͤrts uͤber die Klinge herum/ so wird sich auf solche Art seine Hand eroͤffnen/ er selbsten aber seinen Degen entweder zu quiti ren gezwungen/ oder aber/ und wo solches nicht/ leidet doch wenigstens Schaden an seiner Hand/ welches dann denen/ so mit einem krummen Arm zu fechten gewohnet/ sehr gewiß und leichtlichen begegnen thut/ wie bey der Figur 49. zu sehen. Seines O Seines Feindes Degen im Ablauffen zu eroberen/ und wie solches zu fuͤgen. S Olches zu bewerckstelligen ist insonderheit zu mercken/ wann Adversarius entweder eine Tertz, oder aber eine Quart uͤbern Arm zu stossen inclini- ren thaͤte/ so ist das sicherste/ daß man dessen Stoß innwendig nach dem Leib/ uͤber der Klinge lasse ablauffen/ stellet den lincken Fuß vor sich/ und greiffet in einem Tem- po nach dem Gefaͤß seines Degens/ fuͤhre dann sofort einen Streich nach seinem An- gesicht/ mache einen langen Schritt mit dem rechten Fuß zuruck/ und biete die Spitze des Feindes Brust/ und weilen man dardurch seines Feindes Degen untern Arm be- findet/ muß man einen starcken Zug in die Hoͤhe/ oder aber nach sich/ thun/ so wird der Feind darob gezwungen/ seinen Degen zu quiti ren/ und selbst fahren zu lassen/ wie Figur 50. andeutet. Einen Einem in Tertz zu disarmi ren. D Arzu attaqui ret man den Degen frisch/ batti ret mit dem Fuß in Quart, so daß Adversarius sich verfuͤhren laͤst/ und so er dann einen Tempo Stoß in Tertz fuͤhren wollte/ pari ret man ihm und marchi ret auf ihn zu/ den Leib nied- rig haltend/ und greiffet behend nach dem Gefaͤß seines Degens/ haltet die Spitze nach des Feindes Brust zu/ und ob er dann etwan seine Faust zuruͤck ziehen thaͤte/ ehe und bevorn man dessen Degen beym Gefaͤß ergriffen/ ist man dennoch seiner Mei- ster worden/ dieweilen desselben Kling und Leib schon gewonnen ist/ wie die Figur 52. davon Deutung gibt. Wie Wie einer seinem Feind mittels der Cavation durch eine Tertz oder Quart uͤbern Arm zu disarmi ren. H Jerzu thue man seinem Feind/ eine falsche Bloͤse uͤbern Arm geben/ ihn dar- ob zu verfuͤhren suchend/ und solte solches allenfalls von ihme geschehen/ pari ret man mit der Cavati on/ marchi ret dann geschwind auf ihn zu/ und greiffet mit der lincken Hand seinen Degen beym Gefaͤß/ schlaget dann mit der Staͤrcke dessen Degen nieder/ und thut einen Zug mit der Faust/ so ist er und wird gezwungen denselbigen fahren zu lassen/ und wo man dann will/ kan denselben/ als dardurch eroberten Feindes Degen nur ein wenig/ Mittels dem Gefaͤße nach sich wenden; und stossen/ mit der Spitze/ seinen Feind mit dessen eigenen Degen darnieder/ doch muß man bey solchem Casu gar geschwinde sich finden/ damit (wann der Feind/ indeme daß man ihm nach seinem Degen zu greiffen trachte) er nicht die Faust umdrehet/ und den die Cavati on suchenden mit einem Winckelstoß verletze/ wie bey der Figur 51. zu mercken. Einen Wie man sich gegen einen Lincks-fechtenden zu verhalten. D Jeses belangend/ so seynd es nur contraire Stoͤsse/ also daß es mehrers nichts/ dann die Tertz auf Quart, und die Quart auf Tertz stossen/ sonst aber in allen Lectionibus mit denen vorhergangenen uͤberein kommen thut/ ohne daß einem/ der lincks zu fechten gewohnet/ es nur im Brauch hat; dann erstlich wann man sich vor einem Lincks-Fechter im Lager stellet/ so ist zu observi ren/ daß man sich in Tertz im Lager wohl bedecke/ attaqui ret alsdann seinen Degen in Quart auf Tertz, machet ihm eine Finte unter die Faust/ und so er alsdann darauff pari ren oder nicht pari ren moͤch- te/ so stosset man geschwind die Quart hinein. Zweytens so engagi ret man Adversarii Degen in die Quart frisch uͤbern Arm/ gibt ihm ein wenig Bloͤse/ ihn darob zu verfuͤhren und zugleich zu obligi ren/ die Quart zu stossen; lasset er sich dann nun locken die Quart zu stossen/ pari ret man ihm in die Cavation, und stosset in selbige Quart gerade uͤbern Arm hinein/ wie Figur 53. an- zeiget. Drittens/ wann aber Adversarius den Degen stringi rete/ so contra stringi ret man an seine Schwaͤche/ wollte er sich aber etwan an die Klinge apponi ren/ so cupi- P ret ret man geschwind unter die Faust/ und stoͤsset die Quart unter den Arm/ hernach und darauff muß man sich geschwind zu reteri ren suchen/ so daß man wieder an seine Schwaͤche komme/ sich aber auch wohl bedeckt halten/ damit Adversarius durch einen behenden Nachstoß nicht etwan jemand verfolgen oder verletzen koͤnne. Vierdtens engagi ret man Adversarii Degen frisch in die Quart, machet ihm ein falsch Tempo in die Tertz; stoͤssete aber Adversarius auf das Tempo gerade in Quart zu/ so pari ret man mit der Faust in Tertz, und stossetdie Flanconade oder teutsch Quart Revers, wie Figur 53. weisen thut. Fuͤnfftens/ solte Adversarius eine Bloͤse uͤbern Arm geben in Quart, so fuͤhret man einen halben Stoß als Quart, uͤbern Arm; laͤsset er sich dann darob verfuͤhren/ und zur Parade bewegen/ so kehret man die Faust nur geschwind um/ und stoͤsset ge- rade in Tertz uͤbern Arm hinein/ den Leib aber muß man niedrig ausgestreckt halten/ hernacher batti ret man geschwind an die Kling mit einem Sprung zuruck. Wann Wann Adversarius den Degen in die Tertz suchet zu engagi ren. S O machet man behꝛnd eine Appell in die Quart, wann aber Adversarius zum Stoß/ oder wieder an die Kling zu kommen/ cavi ren wolte/ so pari- ret man in Contra Cavati on/ und stosset gerade in die Quart hinein/ man kan ihme sonsten auch einen halben Stoß uͤbern Arm fuͤhren/ und wann er sich zur Parade bewegete/ kan man ihm doch einen Stoß oder Quart untern Arm gar leicht bey- practici ren/ wie Figur 54. zeiget. Wann Wann Adversarius seinen Degen frisch mit der Staͤrcke an die Schwaͤche in Tertz engagi ren wolte. S O gibt man ihm darauff eine falsche Bloͤse/ verstehe in Tertz, wann er dann hierauff/ unter die Faust/ geschwind cupi ren/ oder die Tertz stossen wolte/ so pari ret man hoch mit der Cavati on/ und stosset geschwind in die Secund, suchet dann schnell/ im zuruck springen/ wieder an seine Kling in Quart zu kommen/ damit Adversarius keinen Stoß einfuͤhren/ oder dar- durch verfolgen koͤnne/ wie solches sonsten geschicht/ und in der Figur 55. zu sehen. Wie Wie auf Lincks die coupir te Stoͤsse angebracht werden koͤnnen. A Llenfalls Adversarius die Klinge in Tertz oder Quart zu stringi ren suchete/ so machet man ihme eine hohe Appell in seine Spitze/ doch aber die Faust in seinem Lager haltend/ dergestalten/ daß nicht Adversarius eine Bloͤse findet; bewegte er sich dann zur Parade, coupi ret man geschwind uͤber seine Klinge/ und wann er sich aber zur Parade nicht finden moͤgte/ so apponi ret man mit der Staͤrcke an seine Schwaͤche/ und stoͤsset gerade auf den Leib zu/ so gar leichtlich zu thun ist/ wie zu mercken bey Figur 56. Auff Q Auff was Manier die Passade auff Lincks zu machen sey. S Olches geschicht also/ wann die Degen zusammen sich in Tertz befinden/ ma- chet man seinem Adversario einige falsche Bewegung in die Quart, gleich als wann man die Quart stossen wollte/ bewegte er sich dann/ oder bewegte er sich nicht/ so passi ret man mit ausgestrecktem Arm geschwind in die Quart, dabey aber hat man sich wohl in acht zu nehmen/ daß man sich nicht auf des Adversarii Klinge verlasse/ oder selbe zu stringi ren suche/ weil man den Leib gar leicht dabey verfehlen/ und sich in Gefahr geben kan/ sondern muß Adversario gerad auf den Leib zu/ zu passi ren suchen wie bey der Figur 57. gesehen wird. Wie Wie eine Volte auff Lincks zu machen sey. M Ache man eine Appell an die Klinge in Tertz, und gebe seinem Feind eine falsche Bloͤse; wann dann derselbe sich verfuͤhren laͤsst/ und wollte in Quart stossen/ so kehret man den Leib geschwind um/ und arresti ret ihn fort in Tem- po, in Volt, welches ebenmaͤssig unter den Arm/ und gar leichte auch zu thun ist. Jm fall daß aber Adversarius nur allein einen halben Stoß fuͤhren thaͤte so hat man sich zu huͤten/ daß er nicht pari ret/ und einen in Flanconade empfan- get. Man kan ihn sonsten auch in Tertz volti ren/ ein solches aber muß mit einer gar fuͤglichen Geschwindigkeit geschehen/ und sich dabey auch ein wenig aus der Messur gehalten werden; So balden dann aber Adversarius den Degen in Tertz zu stringi ren suchete/ so muß man fein geschwind in einem Tempo mit dem rech- ten Fuß volti ren/ den Degen in die lincke Faust nehmen/ und seinen Feind gerade in Volt empfangen/ wie die Figur 58. zeiget; welche Manier ich gar oͤffters mit vielen/ so sich auf die Klinge verlassen/ practici ret hab/ und ohne Gefahr wohl zu practici ren ist. Wie Wie einer auf Lincks disarmi rt oder Gewehr-loß koͤnne ge- macht werden. D Jeses zu thun/ ist zu wissen/ wann sich die Degen in Tertz zusammen be- finden/ so machet man seinem Adversario etliche falsche Tempo, densel- ben zum Stoß zu bewegen/ und wann dann solches von ihm gesehen wird/ und er die gerade Quart stosset/ so pari ret man niedrig mit dem Leib/ und marchi ret in einem Tempo auf ihn loß/ greiffet mit der lincken Hand an dessen Gefaͤß/ und reisset ihm den Degen aus seiner Faust/ welches dann in Tertz auch eben so leicht geschehen kan; So dann der Feind eine Tertz fuͤhrete/ pari ret man mit der Hand in Quart, gehet in ihn drein/ und ergreiffet seinen Degen beym Gefaͤß/ wie Figur 59. zeiget. E dle E dle und H ochgeehrtest-auch H ochgeehrte H erren. J Ch haͤtte zwarn (wie ich das mit Warheit wohl versicheren kan/ auch leichtlichen aus vorhergehenden allen ermessen und erkennet werden kan) noch weit mehrere Lectiones hierinnen anfuͤhren und beybringen koͤn- nen/ in specie von Paraden, Armbrechen/ Contra Volt en ꝛc. Jndeme aber alles solches von keiner Necessi taͤt oder Nothwendigkeit; als habe auch fuͤr ohnnoͤthig gehalten/ dieses mit dergleichen anzufuͤllen/ sonderlichen dahero/ weilen das auf einem Fecht-Boden/ wo sich der an Ort und En- den findet/ denen Edlen und Hochgeehrten Herren Schola ren selbige Din- ge besser muͤndlich/ als im Druck koͤnnen angedeutet werden/ wobey dann auch zu erwegen/ daß alles/ was hierinnen unterlassen/ bey scharffem zier- lichen Gefecht/ als wovon dieses einig und allein gehandelt ist/ nicht ge- braͤuchlich/ also daß ich diese meine auffrichtig ‒ und wohlmeynende obige In- Instruction im Nahmen GOttes hiemit beschliesse/ allen respectivè Her- ren Liebhabern dieser erklaͤrten Fecht-Kunst aber mich auffs beste recom- mendi rt haben will/ und nochmahlen recommendi re/ mit der gehorsam- sten Bitte/ dieser wegen mich stets hin im besten Angedencken zu halten; Jch aber offeri re mich hergegen/ daß/ wofern das Gluͤck sonst haben kan/ einem jeglichen/ so muͤndlich/ als auch sonsten meine Wissenschafft im Fech- ten/ gerne communici ren werde und communici ren will. Was letzli- chen aber die Voltegier- Kunst anbelanget/ so haͤtte gleichfalls zwarn da- von genugsame Figu ren woͤllen beyfuͤhren/ als aber ich etwogen/ daß sol- ches an den Figu ren nicht wohl koͤnne erlernet oder verstanden werden/ so hab auch davon/ weilen es doch nur allein pro formâ, und nichts davon geschoͤpffet werden kan/ mich abgehalten/ angesehen/ daß sine vivâ Voce \& Manuductione speciali selbige nicht zu etlernen; Und beschliesse dieses Werck hiemit in GOttes Nahmen. R Re- R egister A ller deren in diesem B uch sich befindlichen Lection en der Edlen Fecht-Kunst. S Ummarischer Unterricht. Pag. 1 Wie man die Quart stosse. 3 Wie die Quart zu pari ren. ibid. Wie die Tertia zu stossen. 4 Wie die Tertz zu pari ren. ibid. Wie man die Secund stossen solle. 5 Wie die Secund pari ret wird. ibid. Nuͤtzli- Register. Nuͤtzliche Observation und Unterrichtung deren drey Hauptstoͤß im Fechten. Pag. Von Ab- oder Austheilung der Klingen. 6 Ausdeutung derer bey der Fecht-Kunst vorkommender und gebraͤuchlicher Termino- rum. ibid. Art und Weise eine Fainte zu machen/ und den Feind keine Bloͤse zu geben. 7 Zweyte oder gedoppelte Fainte. 8 Wann Adversarius in der Tertz lieget. 9 Dreyfache Finte zu machen. 10 Wann Adversarius aus der Messur stehet. 11 Wann der Adversarius in der Tertz suchet zu attaqui ren. 12 Art und Weiß/ wie hergegen man seinen Gegner anlocken und zum Stoß verfuͤhren soll. 13 Wann einer an des Adversarii Kling in der Tertz zu liegen kommet. 14 Wann Adversarius in Quart mit seiner Schwaͤche an der Staͤrck zu liegen kommet. 15 Wann Adversarius den Degen engagi ret in die Tertz. 16 Wann Adversarius seinen Degen hoch an die Klinge in die Tertz attaqui ret. 17 Wie die gehobene Stoͤsse muͤssen gefuͤhret werden/ welche von denen Frantzosen die cupir te Stoͤß uͤber die Klinge genennet werden. 18 Wie man seinen Adversarium zu verfuͤhren suchen/ und mit Tempo Stoͤssen empfan- gen solle. 19 R 2 Wann Register. Wann Adversarius an die Klinge in Quart zu liegen kommet. 20 Wann Adversarius an der Klinge in der Tertz lieget. 21 Wann Adversarius die Klinge attaqui ret in Quart. 22 Wann Adversarius die Klinge suchet in Quart zu engagi ren/ und seine Spitze nied- rig haͤlt. 23 Wann Adversarius suchet die Kling in Quart zu stringi ren. 24 Wann Adversarius den Degen suchet zu engagi ren. 25 So Adversarius den Degen in Quart zu engagi ren oder zu stringi ren/ und so dar- durch einen zum Stoß zu verfuͤhren suchete. 26 Wann Adversarius den Degen in Quart zu engagi ren suchet. 27 Wann Adversarius an marchi ret/ den Degen in Quart zu forci ren. 28 So Adversarius die Klinge ihm engagi ret in Quart aus der Messur. 29 Wie und auf was Weise man suchen soll/ seines Adversarii Klinge in die Quart zu engagi ren. 30 Eine Appell an seines Adversarii Klingen in Tertz zu machen/ und wie einer dabey sich zu verhalten. 31 An Adversarii Kling in Quart liegend zu kommen. 32 Wie die Quart Base, oder auf teutsch die niedrige Quart zu machen/ als welche gegen einen mit der lincken Hand fechtenden gar nutzlich ist. 33 Wann sich die Klingen in Quart zusammen befinden. 34 Wie man die Quart Base Reverse, das ist so viel als verkehrt gesagt/ machen solle. 35 Welcher Register. Welcher gestalten die Tertz Base zu machen/ welche die Positur hat/ als wie die hohe Secund. Pag. 36 Auff was Art und Weise eine Ligation zu machen/ seines Feindes Degen aus der Hand zu drehen. 37 Wie die Ligation umb die Klinge in Tertz oder Quart, auf teutsch ein Circul an die Kling zu machen. 38 Wie und auf was Weise die Passade zu machen seye. 39 Wie die Passade in der Quart uͤbern Arm zu machen. 40 Wie die Passade unten in der Secund zu machen. 41 Wie die wahre Passade in Quart zu bemercken/ und wie sich darinn zu verhalten. 42 Wie in der Passade man seinen Adversarium arreti ren kan. 43 Wie man die Volte am sichersten zu machen. 44 Wann sich die Degen zusammen in Quart finden. 45 Wie man eine Volte machen solle/ seinem Adversario das Gesicht/ oder dessen Haͤnde zu zerhauen. 46 Wie die doppelte Volte zu machen/ in geschwind und leichtester Manier. 47 Einen zu disarmi ren in unterschiedlicher Manier, und wann solches zu thun seye. 48 Wie Adversarius nach gestossener Quart uͤbern Arm zu disarmi ren. 49 Seines Feindes Degen im Ablauffen zu erobern/ und wie solches zu fuͤgen. 50 Wie einer seinen Feind mittels der Cavation durch eine Tertz oder Quart uͤbern Arm zu disarmi ren. 51 R 3 Einen Register. Einen in Tertz zu disarmi ren. Pag. 52 Wie man sich gegen einen Lincks-fechtenden zu verhalten. 53 Wann Adversarius den Degen in die Tertz suchet zu engagi ren. 54 Wann Adversarius seinen Degen frisch mit der Staͤrcke an die Schwaͤche in Tertz engagi ren wollte. 55 Wie auff Lincks die coupi rte Stoͤsse angebracht werden koͤnnen. 56 Auff was Manier die Passade auff Lincks zu machen sey. 57 Wie eine Volte auff Lincks zu machen sey. 58 Wie einer auff Lincks disarmi rt oder Gewehrloß koͤnne gemacht werden. 59