P eter P omets / S pecerey- H aͤndlers in Paris , A ufrichtiger M aterialist und S pecereij- H ändler Der aufrichtige M aterialist und S pecereÿ- H ändler Oder H aupt- und allgemeine B eschreibung derer S pecereyen und M aterialien: Worinnen Jn dreyen Classen, der Kraͤuter, Thiere und Materialien, alles und iedes, womit die Physica, Chymia, Pharmacia und andere hoch-nuͤtzliche Kuͤnste pflegen umzugehen, begriffen und enthalten ist, Benebenst einem ausfuͤhrlichen Discurs, worinnen aller und ieder Namen erklaͤret und ausgeleget, ihr Vaterland, wo sie wachsen und fallen, angedeutet, die Art und Weise, wie die wahrhafften von den falschen zu unterscheiden, gewiesen, und endlich ihre Eigenschaften, Kraͤfte und Tugenden angezeiget, zugleich auch die Jrrthuͤmer und Fehler alt- und neuer Scribenten angemercket werden. Ein dem gemeinen Besten hoͤchst-nuͤtzliches Werck, Auf Befehl und Verordnung des Herrn F agon, Koͤnigl. Frantzoͤsischen Staats-Raths und obersten Leib- Medici in Frantzoͤsischer Sprache nebst etlichen hundert Kupfern ausgefertiget von P eter P omet / Spezerey-Haͤndlern in Paris. Wegen sonderbarer Wuͤrdigkeit ins Teutsche uͤbersetzt. LEJPZJG , im Verlag Johann Ludwig Gleditschs und Moritz Georg Weidmanns , Anno 1717. Z ueignungs- S chrifft an den H errn F agon/ Koͤnigl. Maj. in Franckreich Rath und obersten Medicum. M ein H err/ O Bgleich mehr denn gewiß, daß die Er- kenntnuͤß und die Erwehlung der Ma- terialien eines der wichtigst- und nuͤtz- lichsten Stuͤcke in der Medicin sey, den- noch kan man mit gutem Fuge sagen, daß dieselbe bisanhero die allerverachteste gewesen. Nun solte man sich nimmermehr einbilden, was das gemeine Wesen bey dem Vertrieb so vieler verfaͤlschter Waaren lei- den muß, denn selbige auf keinerley Weise die erwuͤnschte * 3 Wir- Wirckung zu wege zu bringen vermoͤgen, es sey nun zu Wiederstattung des Menschen Gesundheit, oder zu der- selben Erhaltung angesehen. Allein man duͤrffte sich noch viel mehr entsetzen, wenn man vernehmen wird, daß ein so gar entsetzliches Unheil nichts ausserordentliches auf der Welt, und in den Laͤden der Materialisten und Apothecker nichts so gemeine sey, als dergleichen verfaͤlschte Waaren, welche die praͤchtigen Titel, wodurch blos ihr Werth erhoͤ- het wird, nicht im geringsten verdienen. Diese Bosheit, dadurch menschlicher Gesundheit ein so gar grosses Unheil zugezogen wird, habe, mein Herr/ ich mir vorgenom- men, in gegenwaͤrtigen Wercke zu entdecken. Dieweil aber niemand die Wercke der Finsternuͤß offenbaret, und sich den Haß und Feindschaft dererjenigen, welche ihnen der Leute Leichtglaͤubigkeit, hoͤchst unbillicher Weise, zu nutze zu machen wissen, nicht auf den Halsladen solte; dan- nenhero bin auch ich eines Beschuͤtzers, der in hohen Ansehen und Wuͤrden, hochbenoͤthiget. Einen solchen aber, Mein Herr, wuste ich nirgends als in dessen Person zu finden, allermassen jederman bekannt, wie daß Derselbe eine voll- kommene Wissenschaft von alle dem besitze, was die Natur nur seltsames und nuͤtzliches in denen dreyen Familien der Gewaͤchse, der Thiere und der Mineralien, beschlossen hat, und von mir in diesem Buche nach der Laͤnge sind beschrie- ben worden. Es hat sich auch Mein Herr bey den Ge- lehrten einen solchen Namen erworben, daß kein einiger Bedencken traͤgt, sich desselben Entscheidung zu unterwerf- fen. Diesemnach, und da Er mein Buch mit einer so guͤti- gen gen Genehmhaltung beehren wollen, darff ich mir schon versprechen, daß wenig Widersprechende sich finden wer- den, wie kuͤhne sonsten immer der Neid. Der Koͤnig, welcher in Erwehlung dererjenigen Personen, die Er zu der Ehre seiner Bedienung bestimmet, niemahls als mit allzeit verwunderbaren Verstande verfaͤhret, hatte nicht sobalde Jhn zu seinem vornehmsten Medico erkohren, als schon gantz Franckreich das gluͤckwuͤnschende Zuruffen wieder- hohlete, welches gelehrte und hochverdiente Leute, wegen dieser Ehre, dadurch Derselbe von andern unterschieden wurde, erschallen liessen. Jndem Jhm aber dieses Werck uͤberreiche, gebe ich nur einen Theil desjenigen wieder, was er mir ehemahls gegeben hat: denn alles was ich von Gewaͤchsen und vielen andern Dingen vor- bringe, ist alleine dasjenige, so ich in denen oͤffentlichen lectionibus, welche Derselbige vor diesem im Koͤnig- lichen Garten gehalten, zu erlernen das Gluͤcke gehabt. Ersuche schließlich pflichtschuldigst, Mein Herr wolle Jhm dieses oͤffentliche Zeugnuͤß meiner Erkenntlichkeit ge- fallen lassen, und mit seinem Schutz denjenigen beehren, der mit der tieffsten Ehrerbietung ist M ein H err, Desselben demuͤthigst- und gehorsamster Diener P. Pomet. Vorrede Vorrede des Autoris. N Achdem die goͤttliche Vorsehung mich zu einer solchen Profeßion beruffen, bey welcher eine genaue Kennt- nuͤß derer zur Artzney dienlichen Materialien mir hoͤchst von Noͤthen war, als habe mich mit aller ei- nem ehrliebenden Menschen anstaͤndigen Aufrichtig- keit und Eyffer/ dieselbe zu erlangen/ bemuͤhet und befliessen. Ge- stehen muß ich, daß michs nicht wenig kraͤnckete, da ich stracks an- fangs so gar schlechte Treue bey dieser Handlung verspuͤrete, ob sie gleich nicht nur die groͤsseste im gantzen Koͤnigreiche, sondern auch die wichtigste und noͤthigste in diesem Leben ist. Der Mißbrauch, den ich alsofort dabey bemerckete, und der bey mir einen desto groͤs- sern Abscheu erregete, weil denen Leuten die noͤthige Huͤlffe entzogen wird, welche sie doch von der Artzney erwarten solten, es sey nun ent- weder zur Erhaltung, oder zur Wiedererstattung der Gesundheit an- gesehen; dieser Mißbrauch, sage ich, veranlassete mich, diesen Ent- schluß zu fassen, ich wolte meine gantze Lebenszeit nur darauf ver- wenden, damit alle solche und dergleichen Schelmereyen offenbar und entdecket werden moͤchten, welche eine hoͤchst-straffbare Be- gierde (der Geitz) hat eingefuͤhret, da doch bey dieser Profeßion Treue und Glauben weit hoͤher und koͤstlicher solte gehalten werden, als sonst bey einer andern Handthierung. Diß ist also die Ursache und der Antrieb zu Ausfertigung dieses Wercks gewesen. Wofern mir demnach mein Vorhaben und Absehen nach Wunsche gelungen, so kan Vorrede. so kan ich mit gutem Fuge sagen, es werde wenig dergleichen geben, von denen das gemeine Wesen mehr und groͤssern Nutzen erhalten duͤrffte. Nichts ist ja faͤhiger, der Medicin den haͤßlichsten Schand- flecken anzuhaͤngen, und denenjenigen, welche Profeßion davon ma- chen, tausend Schimpf- und Scheltworte auf den Hals zu ziehen, als eben der Betrug, welcher taͤglich und stuͤndlich bey dem Verkauff der Spezereyen vorgehet. Und dieses hat mehr auf sich, als man wohl vermeinet. Jn Durchlesung dieses Wercks wird man verspuͤ- ren, wie fein es sich schicke, in selbigen wider solche gottlose, aller und iedweder Menschen Gesundheit so nachtheilige, und der gantzen menschlichen Gesellschaft hoͤchst schaͤdliche Gewohnheiten zu reden und sie zu straffen. Weil aber mein Vorsatz nicht war, einigerley Profeßion herunter zu machen, sondern vielmehr die Fehler und Miß- braͤuche zu bestraffen, so habe ich mir oftmahls selbst Einhalt gethan, und Mittel und Wege gezeiget, wie man die guten Materialien von denen schlimmen und verfaͤlschten, oder auch von denen, die dafuͤr pflegen eingeschoben und gegeben zu werden, unterscheiden; des- gleichen diejenigen, die doch nichts weniger sind, als dafuͤr sie ausgege- ben werden, erkennen soll. Wenn ich denn ein oder andere Redens- art im Eyffer vorgebracht, welche etwas zu harte klingen moͤchte (wo einer anders in solchen Sachen, welche schlechter dings des Men- schen Leben betreffen, kan zu harte reden) so mag man mir dergleichen geringe Bewegungen zu gute halten, denn sie alleine dahin zielen, daß man solche Unordnung, wider welche sich billich alle Welt legen solte, nur desto fuͤglicher und besser mercken koͤnne. Dannenhero dienet mein Werck nicht allein fuͤr diejenigen, die der Medicin obliegen, und eben soviel, ja wohl mehr Recht haben, als andere, daß zu denen von ihnen verordneten compositionibus und remediis keine, als gute und taugliche species genommen werden; sondern es kan auch denen Studiosis Pharmaciæ, Materialisten und Apotheckern guten Nutzen schaffen, damit sie ins kuͤnftige bey dem Gebrauch und Verkauff der Materialien, durch Huͤlffe des Lichtes, das ihnen in diesem Buche aufgestecket wird, das boͤse von dem gu- ten, das falsche vom wahrhaften, zu unterscheiden vermoͤgen. Welche Profeßion aber kan wohl eines solchen Wercks entrathen, das da von denenjenigen Dingen handelt, die zur Erhaltung der Gesund- heit des Menschen sollen angewendet werden? Und wie viel Leute ** richten Vorrede. richten nicht ihre Artzneyen selbsten zu Hause zu? diese aber sollen ja von rechts wegen wissen und kennen, ob auch dasjenige, was sie kauffen, eben dasselbige sey, welches es seyn, und ihnen zu ihrem Vor- haben verhelffen soll. Jch will hier nicht einmahl so vieler Kuͤnstler und Handwercker gedencken, als da sind, Wundaͤrtzte, Goldschmie- de, Mahler, Faͤrber, Schmiede, und alle insgesamt, die sich dieser oder jener Materialien bedienen, welchen allen, gleich so viel als denen andern, dran gelegen, daß sie nicht betrogen werden. Jch habe derowegen mit gutem Fug und Recht sagen koͤnnen, wenn mein Vorhaben solcher gestalt zu Wercke gerichtet worden, als es wohl der Sachen Wichtigkeit erfodert, daß ich der gaͤntzlichen Meinung waͤre, es sey dem gemeinen Besten durch die Herausge- bung dieses Buches kein schlechter Dienst erwiesen worden. Allein, ob ich gleich zu Erlangung einer recht genauen und gruͤndlichen Er- kenntnuͤß der Materialien noch so grossen Fleiß und Muͤhe angewen- det, auch keine Unkosten gesparet, dennoch fehlet gar viel, daß ich darinne so weit, als ich gewuͤnscht, gekommen waͤre. Denn ohn- erachtet ich bey nahe 20. Jahre zugebracht, mir ein Materialien- Buch zusammen zu tragen, dessen gleichen vielleicht in gantz Europa nicht wird anzutreffen seyn; was die Vollkommenheit und Curiosi- taͤten anbetrifft; dieserwegen auch nach Ost- und West-Jndien cor- respo n di ret und geschrieben, damit ich von denenjenigen Materia- lien, welche in unserm Europa nicht allzu wohl bekannt sind, richtige Nachricht erhalten moͤchte: so waͤre doch hierzu eines hohen Poten- taten nachdruͤckliche Huͤlffe hochnoͤthig, damit man alle die zu der- gleichen Nachforschung gehoͤrige Unkosten vorschiessen koͤnte. Es solte einem in Wahrheit Wunder nehmen, daß eine Privat-Person sich in so uͤbermaͤßige Unkosten gestecket, welche nothwendig aufge- wendet werden musten, theils auf die Ausforschung und Erkundi- gung der Foßilien, der Kraͤuter und Thiere, theils auch, damit die- selben in Kupfer gestochen wuͤrden (wie dann derer viele nach dem Leben gezeichnet sind) und endlich, damit das Buch in Druck kaͤ- me. Noch muß ich gedencken, daß, ungeachtet ich grosse Lust hatte, diese meine Gedancken uͤber die Wahl und Erkiesung der Materialien ans Licht zu stellen, solches doch noch nicht geschehen waͤre, wo nicht ein sonderlicher Zufall verboten haͤtte dasselbige laͤnger aufzuschieben. Denn es wurden mir alle meine Schrifften und Originalia gestohlen, und Vorrede. und muste vernehmen, wie man Willens sey, dieselben drucken zu las- sen; zudem, so wolte man mir fuͤr Gerichte kein Recht verschaffen, in Meinung, es sey eine Sache von keiner sonderbaren Wichtigkeit. Da- mit ich also verhinderte, daß kein anderer (gleich jener Kraͤhe in der Fabel, die sich mit fremden Federn schmuͤckete) den Nutzen von mei- ner Arbeit ziehen moͤchte, und ein unvollkommen Werck an den Tag kaͤme, als fand ich mich genoͤthiget mit Publicirung dieses Wercks zu eilen. Jch lebe der Zuversicht, es sollen alle, die dieses Buch durchlesen werden, gar bald beobachten, daß noch niemahls ein so vollkommener Tractat von Materialien ihnen zu Gesichte gekommen, und daß ich nicht allein zusammen getragen, was hin und wieder bey vielen Scri- benten, die nicht so leichtlich einem ieden unter die Haͤnde gerathen, da- von gefunden wird, sondern auch solche Sachen mit eingebracht, von denen bisanhero nichts ist gesehen, oder deren zum wenigsten von den Scribenten gar selten ist erwaͤhnet worden. Es befinden sich darinne viele neue Erfindungen, welche der Großmuth meiner Freunde zu dan- cken, und die sonst nicht sobald bekannt worden waͤren. Darum ha- be ich auch nicht vergessen, ihnen die schuldige Gebuͤhr abzustatten, und die Namen derer Gelehrten, welchen beliebet hat, ihre Gedancken mir zu communici ren und mitzutheilen, bey Gelegenheit mit angefuͤhret, allermassen an gar vielen Orten ersehen werden kan. Gleichwie ich nun mit groͤssestem Vergnuͤgen der Huͤlffe gelehrter Leute, welche mir mit ihrem Fleisse an die Hand gegangen, mich bedienet, also erklaͤre hiermit, daß ich mir gleichfalls aller wohlgesinneten Personen Nach- richt will zu Nutze machen, dafern dieselben ein oder andere Oerter in meinem Buche gefunden, welche zu vermehren oder zu verbessern noͤ- thig, und soll mir kein schlechter Gefallen erwiesen werden, wenn man mich dessen zu berichten wuͤrdiget. Belangend die Ordnung, welche ich in diesem Buche gehalten, darinne habe den Herren Physicis gefolget, welche von so langer Zeit her in den dreyen Classen der Vegetabilium, Animalium und Minera- lium, alles und iedes, womit die Physica, Chymia und Pharmacia samt andern in der menschlichen Gesellschaft nuͤtzlichen Kuͤnsten umzugehen pflegen. Weil ich auch mehr auf die Nutzbarkeit, als auf die Anmuthigkeit in diesem Wercke gesehen, mir auch vorgesetzet, in der Erwehlung und ** 2 Er- Vorrede. Erkenntniß der Materialien eigentlich nur solche Leute zu unterrichten, als da sind, Materialisten, Spezereyhaͤndler, Apothecker und alle, die dergleichen Sachen gebrauchen, darum habe ich keine Schwuͤrigkeit gemacht, diejenigen Namen der Materialien, welche in den Laͤden be- kannt, denenselbigen vorzuziehen, die vielleicht nur etlichen wenigen Gelehrten kundbar sind. Und eben aus dieser Ursache habe ich im gantzen Buche ihre Redens-Art gebrauchet, das ist, schlecht weg, ohne sonderbare zierliche Worte geredet, indem mein eintziger Zweck und Absehen gewesen, daß ich von ihnen moͤchte verstanden werden. Was die Gelehrten betrifft/ dererselben Hoͤfflichkeit, welche sie durch das Studiren erlangen/ laͤßt mich hoffen, sie werden die Worte nicht zu genau examini ren und untersuchen, sondern ihnen vielmehr an denen schoͤnen Sachen, welche in diesem Buche enthalten sind, begnuͤgen lassen. Approbation D es H errn FAGON, S. K. M. Raths und obersten Leib- Medici. D Em gemeinen Wesen ist absonderlich nicht wenig dran gelegen, daß unbekannter Sachen Natur und Ursprung gewiß entdecket wer- den, bevoraus, welche einen grossen Theil der Materia Medica aus- machen, und daß ein iedweder derjenigen Betruͤgereyen kundig werde, welche gemeiniglich bey dem Materialien-Handel vorzugehen pflegen, daß man dieselbigen nicht genugsam ruͤhmen kan, welche dergleichen mit sonderbaren Fleiß zu untersuchen auf sich nehmen. Dieses hat der Autor gegenwaͤrtigen Buches, seit vielen Jahren her, mit solcher Sorg- falt, Unkosten, Verstand und Aufrichtigkeit getrachtet zu bewerckstelli- gen, daß er mit allem Recht verdienet, daß seiner Muͤhe Frucht mit voͤlligem Beyfall und jedermans Genehmhaltung aufgenommen wer- de. Unmoͤglich ist es zwar, daß eine so gar weitlaͤufftige Materie durch- gehends klar und deutlich solte koͤnnen erlaͤutert werden, zumahlen da schier gantz unuͤberwindliche Schwerigkeiten fuͤr eine Privat-Person und deren Vermoͤgen sich dabey befunden. Jedennoch muß man auch gestehen, daß eine ziemlich grosse Anzahl solcher Articul, davon bishero keine Gewißheit nicht zu haben, in diesem Wercke uͤberaus wohl deci- di ret und entschieden ist, und daß solches, wegen der Wege und Mittel, vermittelst deren die verfaͤlschten Waaren alsobalden zu erkennen sind, fuͤr eines der best- und nuͤtzlichsten zu halten, dergleichen iemahls von Approbationes. von dieser Materie zum Vorschein sind gekommen, der Autor aber allerdings als ein vollkommen rechtschaffener Mann zu achten sey, des- sen gleichen an Aufrichtigkeit, ohn allen Eigennutz, gar kein Exempel nicht vorhanden. Welches uns dann verpflichtet, unsere Approba- tion und gaͤntzliche Beystimmung zu ertheilen. Geschehen zu Ver- sailles den 24. Novembr. im Jahr 1693. FAGON. Approbation Des Herrn DE CAEN, Medicinæ Doctoris und der Facult aͤt zu Paris. D Je Begierde allerhand zu wissen ist dem Menschen angebohren, und die Wis- senschaft und Erkenntnuͤß aller natuͤrlichen Dinge ist hoͤchst lobens wuͤrdig. Jn gegenwaͤrtigem Wercke finden wir, woran wir uns vergnuͤgen koͤnnen, wann wir daraus erkennen lernen, was nur die Erde zu des Menschen Nutz und seines Lebens Erhaltung hervor bringt, es moͤgen nun solche Dinge seyn, die aus frem- den Landen zu uns kommen, oder die auch bey uns selbsten wachsen. Die Han- delsleute, deren Profeßion ist allerhand Materialien und Spezereyen zu ver- kauffen, welche sie anders woher und aus andern Haͤnden uͤberkommen, sind schon zu frieden, daß sie dieselbigen an ihrem Werth und Preisse kennen, ohne daß sie um deren Kraft und Wuͤrdigkeit sich bekuͤmmern solten. Allein, mit groͤstem Rechte mag man sagen, das gemeine Beste muͤsse dem Herrn Pomet sehr verbunden seyn, daß er ihm nicht an dem begnuͤgen lassen, was seinen Colleg en insgemein bewust, sondern, daß er allen Fleiß und Muͤhe vorgekehrt, auch un- gemeine Kosten auf diese Collection und Versammlung verwendet, damit er uns mittheilen moͤchte, wessen er so wohl von sich selbst, als auch durch gute Freunde kundig worden, und uns bedeuten koͤnte, von was fuͤr unterschiedenen Orten diese Materialien herkaͤmen, wie ingleichen deren Guͤte und Wahl; wel- ches gewißlich kein geringer Vortheil ist, nicht allein fuͤr alle und iede, so gleicher Profeßion mit ihm sind, sondern fuͤr jederman, der nur die geringste Liebe zu natuͤrlichen Dingen bey sich haͤget. Dieses Zeugnuͤß habe ich seinem Wercke ertheilen sollen. Geschehen zu Paris den 15. Novembr. 1693. DE CAEN, D. M. P. Approbation Des Herrn MORIN, Medicinæ Doctoris und der Facult aͤt zu Paris, wie auch Leib- Medici vormahls Jhrer Hoheit der Printzeßin von Guise. J Ch unterzeichneter Doctor Regens der Medicin bey der Universitaͤt zu Paris, urkunde, daß ich die meisten Capitel eines Buchs durchgangen und gelesen, worinnen diejenigen Materialien beschrieben werden, welche zu der Artzney ge- hoͤren, und welches Herr Pomet, Materialist und Spezereyhaͤndler zu Paris ver- fertiget, auch in demselben mancherley Sachen angemercket, deren Erkenntnuͤß bis zu diesen Zeiten uns gefehlet, so daß ich erachte, es konne dessen Druck dem gemeinen Besten gar sehr nuͤtzlich seyn. Gegeben zu Paris den 27. Novembr. 1692. MORIN. ** 3 Appro- Approbationes. Approbation Des Herrn THEVAR, Medicinæ Doctoris. J Ch unterzeichneter Doctor Regens Facultatis Medicæ zu Paris, bezeuge allen, denen dieses vorkommen wird, daß oberwaͤhntes Buch, durch Herrn Pomet verfertiget, dem gemeinen Besten sehr grossen Nutzen schaffen werde. Gegeben den 27. Novembr. 1692. THEVAR. Approbation Des Herrn CHARRAS, Medicinæ Doctoris. J Ch unterzeichneter Medicinæ Doctor, bekenne, daß ich mit sonderbaren Ver- gnuͤgen ein Buch durchgangen, dessen Titel Histoire generale des Drogues, mit Figuren ausgezieret, so alle, soviel moͤglich, nach dem Leben gezeichnet, und von dem Herrn Pomet, Materialisten und Spezereyhaͤndler in Paris verfertiget. Weil ich nun befunden, daß es weit vollkommener, als irgend einiges Buch, so von dergleichen bisanhero ist ans Licht gekommen, und daß es nicht nur Leuten von seiner Profeßion, sondern auch denenjenigen hoͤchst dienlich koͤnne seyn, welche die Materiam medicam von Grunde aus verstehen lernen wollen: so er- mahne ich ihn, ohne Aufschub sich um ein Privilegium und Freyheit, es in Druck zu geben, zu bewerben, der gaͤntzlichen Meinung, es werde dieses Buch, als dem gemeinen Besten gar sehr nuͤtzlich, bald erkennet und gesuchet werden. Paris den 26. Novembr. 1692. Unterzeichnet CHARRAS. Approbation Des Herrn MORIN, Medicinæ Doctoris, und der Facul taͤt zu Montpellier. W Jr unterzeichneter Doctor Medicinæ der Facul taͤt zu Montpellier thun kund, daß Herr Pomet, Materialienhaͤndler, ein Buch mit groͤstem Fleisse und Be- hutsamkeit geschrieben, welches er Histoire generale des Drogues tituliret, dabey er mit gantz ungemeiner Sorgfalt sich nach solchen Waaren umgethan, welche aus fremden Landen zu kommen pflegen, und selbige mit uͤbergrossen Kosten bringen lassen, damit er solche examinir en und untersuchen, auch nichts, soviel als nur an ihm gelegen, vorbringen moͤchte, welches ihme unbekannt, und in seinem Ma- terialien-Magazin nicht zu befinden, welches ich zu mehrenmahlen mit sonder- lichen Vergnuͤgen besehen. Da nun dasselbige ohne Widerrede das allervollkom- menste Cabinet im gantzen Koͤnigreiche ist, wegen aufgewendeter langwieriger Muͤhe und Unkosten: mag man wohl sagen, daß dasjenige Buch, welches alle darinn beschlossene Materialien beschreibet, deren unterschiedene Namen anzei- get, zusamt dem Orte, von dannen sie kommen, die Art und Weise, wie die guten von den unrechten und verfaͤlschten zu sondern und zu unterscheiden, desgleichen ihren Gebrauch und Nutzen, auch wie sie mehrentheils sind zu verfertigen, nicht anders als sehr dienlich und gemeinem Besten gantz vortraͤglich werde seyn. Zu dessen Beglaubigung wir gegenwaͤrtiges Certificat auch unterschrieben. Gesche- hen Paris den 20. Novembr. 1692. Unterzeichnet, MORIN. Appro- Approbationes. Approbation Des Herrn BEAULIEU, Sr. Koͤnigl. Maj. obersten Leib-Apotheckers. J Ch habe ein Buch durchlesen, intituli ret Histoire generale des Drogues, und von Herrn Pomet, Spezereyhaͤndlern verfertiget. Sein Eyffer fuͤr das ge- meine Beste ist nicht genug zu loben: dann, ausser die gantz sonderbare und genaue Untersuchung, die er mit den Materialien angestellet, damit er sie beschreiben koͤnte, hat er auch insonderheit mit grossem Fleiß dergleichen Dinge angemer- cket, welche die Wahl und Erkiesung der Materialien betreffen. Da nun eine gute Wahl das allervornehmste Stuͤcke eines Apotheckers ist, so muß man be- kennen, daß nicht nur jederman demselbigen zum hoͤhesten dafuͤr verbunden ist, sondern daß es ihm insonderheit die Apothecker Danck muͤssen wissen; darum ich auch diesem seinem Buche meine Approbation und Genehmhaltung ertheilen wollen. Gegeben zu Versailles den 16. Mertz 1693. Unterzeichnet BEAULIEU, Sr. K. M. oberster Leib-Apothecker. Approbation Des Herrn BUISSIERE, Sr. Durchl. des Herrn Printzen Apothecker. J Ch habe mit voͤlliger Vergnuͤgung die Histoire generales des Drogues durchlesen, welche der Herr Pomet verfertiget hat, in welcher alle und iede Species aufs ge- naueste beschrieben werden, die auch mit vielen Figuren ausgezieret ist, welche saͤmt- lich nach den Originali en, die in seinem Magazin vorhanden, sind gezeichnet worden, so daß man sagen kan, es sey ein Werck, welches nicht alleine trefflich zahlreich, sondern auch uͤberaus sehr muͤhesam und curieux, von wegen so sauberer Specie- rum, dergleichen iemahls noch zum Vorschein kommen, wie ich dann selbst gese- hen, daß er seit zwantzig Jahren hat daran gearbeitet, und von allen Orten und Enden her die Waaren kommen lassen, gute und falsche, damit er entscheiden koͤnne, was bis anhero die Scribenten falsch oder zweiffelhaft davon geschrieben haben. Dannenhero kan dieses Werck nicht anders als hoͤchstnuͤtzlich seyn fuͤr solche Leute, die sich lassen angelegen seyn, in der Erkenntnuͤß der Materialien eine sattsame Geschicklichkeit zu erlangen, welches gewißlich das Hauptstuͤck ist der Apotheckerkunst. Welches oͤffentliche Zeugnuͤß diesem Wercke zu ertheilen mich verbunden erachtet. Gegeben zu Paris den 13. Augusti 1693. Unterzeichnet BUISSIERE, Jhrer Durchl. des Herrn Printzen Apothecker. Approbation Der H erren Gardes en Charge und aͤltesten Consuls bey der Spezerey- und Materialien- Handlung. W Jr unterschriebene Gardes en Charge und Anciens Consuls de la Marchandise d’Epicerie \& Droguerie in dieser Stadt Paris, thun kund allen und ieden, de- nen dran gelegen, wie daß wir gesehen und gelesen ein Buch, dessen Titel Histoire generale des Drogues, so Herr Pomet, Spezerey und Materialienhaͤndler zu Pa- ris, Approbationes. ris, verfertiget, in welchem wir nichts gefunden, so dem gemeinen Besten nicht solte nuͤtzlich seyn, und absonderlich allen und ieden Kauff- und Handelsleuten, welche diese Handlung treiben: dann denen mag es zu einem Wegweiser dienen, sie in diesem Handel, bey Ein- und Verkauff der hierinn enthaltenen Materialien, entweder zu unterrichten, oder auch ihrem Gedaͤchtnuͤß zu statten zu kommen, zu Folge angewiesener Zeichen und Beschreibung ihrer guten oder schlechten Be- schaffenheit, damit sie dieselbigen genau und recht unterscheiden, oder, gleichwie noͤthig, zu allerhand Gebrauch und Nutzen, es sey zur Artzney, Faͤrberey oder andern Kuͤnsten und Handwercken, gebuͤhrend auserlesen koͤnnen. Zu dessen Beglaubigung wir gegenwaͤrtiges Certificat unterschrieben. Geschehen zu Pa- ris den 25. Novembr. 1692. HARLAN, Garde en Charge. N. DROUET, ancien Garde \& Consul. C. LAROZE, Ancien Garde \& Consul. A. FREMIN, Ancien Garde. Approbation Des H errn ROUVIERE, Koͤnigl. M aj. ordentlichen Apotheckers, wie auch J. M. obersten Apothecker Major s bey dero Laͤgern, Spitalen und Armeen. J Ch habe mit sonderlichem Fleisse das Buch durchlesen und examini ret, welches betitelt wird Histoire generale des Drogues, und vom Herrn Pomet, Spezerey- und Materialienhaͤndler in Paris ist aufgesetzet worden, und in demselbigen nichts gefunden, als was zum Nutzen und Behuf der Medicin kan dienlich und hoͤchstnuͤtzlich seyn. Junge Anfaͤnger bey der Apotheckerkunst, koͤnnen aus Durchlesung dieses Werckes ihnen eine rechtschaffene Erkenntnuͤß aller der rare- sten Materialien, so aus fremden Landen kommen, zu wege bringen. Der Au- tor hat dabey durchgehends eine gantz genaue und recht sonderbare Untersuchung angestellet, daß ihm die Nachwelt fuͤr die uͤber sich genommene Muͤhe und auf- gewandte Unkosten muß verbunden seyn, die er hat machen muͤssen, daß er eine so grosse Anzahl rarer Gewaͤchse aus weit entfernten Landen hat erlangen moͤ- gen, davon er dann die accuratesten Figuren und Beschreibung mitgetheilet. Diese sind meine Gedancken von diesem Buche, habe mich auch verpflichtet ge- halten, solch ein oͤffentliches Zeugnuͤß abzulegen. Gegeben zu Paris den 27. Novembr. 1692. Unterzeichnet H. ROUVIERE. Der Spe- TAB. I. Fig. i. Wuͤrmsamen. p.i Fig. 2. Choiian. p. 5 Fig. 3. Macedonische Petersilie. p.5 Fig. 4. Masstlischer Hesel. p.5 Fig. 5. Ammeij. p.7 Fig. 6. Bauͤrnsenfst. p.7 Der S pezereyen und M aterialien H auptbeschreibung/ Darinnen Diejenigen Kraͤuter, Thiere und Mineralien, samt deroselben Theilen, mit einem Worte, alle und iede Simplicia und Composita, welche die Spezereyhaͤndler und Materialisten ordentlich fuͤhren und verkauffen duͤrffen, beschrieben und vorgestellet werden, E rster T heil. D as E rste B uch, Von Samen. Vorrede. D Er Samen/ auf Lateinisch Granum oder Semen genannt, kom̃t alsdann erst hervor/ wann die Bluͤte allbereit vergangen/ und ist aller und ieder Kraͤuter bestes Theil, dadurch sie gleichsam aufs neue und wiedergebohren werden. Dan- nenhero kan einer/ der sie genau und wohl will kennen ler- nen/ nie genugsamen Fleiß anwenden/ indem es gewißlich nichts leichtes ist, so viel und mancherley Arten der Sa- men/ welche ohne diß gar oft einander ziemlich aͤhnlich sehen/ von ein- ander zu unterscheiden. Duͤrffte derohalben auch schier sagen, daß die Erkenntnuͤß der Gesaͤme/ bevoraus, wenn sie einem nicht zum oͤftern durch die Haͤnde gehen/ gar bald wiederum vergessen wuͤrde seyn: und wolte iedwedem/ der dergleichen einkauffen muß/ diesen aufrichtigen Rath geben, daß er sich zu rechtschaffenen und aufrichtigen Leuten hal- te, welche stets damit zu thun haben/ und nicht zu solchen/ die sie sonst insgemein zu verkauffen pflegen. Dann/ weil diese selbst keine genaue Kundschaft noch rechte Wissenschaft davon haben, verkaufen sie offtmahls/ was sie selbsten nicht einmahl kennen/ und geben quid pro quo, eines fuͤr das andere, alte und verlegene Samen fuͤr frische/ hitzige an statt der kuͤhlenden/ u. s. f. wann selbige nur in etwas einer dem an- dern gleich sehen. Will derohalben selbige mit allem Fleiß und so viel moͤglich, aufs genaueste beschreiben. A Das Der Spezereyen und Materialien Das erste Capitel. Vom Wurmsamen. Siehe Fig. 1. S Emen contra vermes, der Wurmsamen/ hat seinen Namen von seiner vor- nehmsten Kraft und Ei- genschaft bekommen, dann er toͤdtet die Wuͤrme in des Menschen Leibe, absonderlich bey Kindern. (Er wird auch Santolina oder Xantolina, Semen sanctum, Semen santoni- cum, Semencine, Barbotine und Poudre à Vers, Wurmpulver genennet.) Es ist ein gantz kleines Koͤrnlein, wird von den Caravanen sind ein Hauf- fen Leute, die sich des Jah- res ein oder zweymahl versammlen/ und mit einer grossen Men- ge Pferde, Ca- meele/ und anderer bela- denen Thiere aus Persien nach andern Orten im Morgenlan- de reisen. Persianern mit den Caravanen jaͤhr- lich nach Aleppo/ Alexandretta und Smirna gesendet, und von dannen uͤber Holland, England und Marseille auch zu uns gebracht. Die Blaͤttlein des Krautes, das diesen Samen traͤgt, sind dermassen klein, daß sie sich gantz schwerlich vom Samen ab- sondern lassen: deshalben bedienen sich die Einwohner des Koͤnigreichs Bou- tan, sonderlich hierzu gemachter Koͤrbe, in denen sie es hin und wieder schwingen, und solcher gestalt die Blaͤttlein zusam̃t dem Staube davon bringen. Es geben etliche vor, dieser Semen contra sey der Samen einer gewissen Gattung Wer- muth, welche von einigen Santonicum genennet wird, dieweil dieselbe in Xain- tonge waͤchset; welches ich aber nicht ver- sichern kan, indem, ohngeachtet alles an- gewendeten Fleisses, ich nichts nicht wei- ter davon habe erfahren koͤnnen, als daß derjenige Samen, den wir zu ver- kauffen pflegen, in Persien/ und an der Moscowitischen Graͤntze wachse, so mir auch durch Briefe, von unterschie- denen Orten her, fuͤr gewiß berichtet worden. Diesem will ich noch beyfuͤgen/ was Tavernier im II. Theil seiner Reisen, im 15. Cap. des III. Buchs, hievon vermel- det. „Die Semencine oder das Wurm- „pulver betreffend, solches kan man „nicht wie andere Samen einsammlen; „denn es ist ein Kraut, welches in Wie- „sen waͤchst, und wohl zeitig werden „muß. Das uͤbelste ist, daß der meiste „Theil, wenn es nun zu zeitigen begin- „net, durch den Wind ausgeschlagen „wird, und hernach unter dem Kraute „umkommt und verdirbet. Das macht „auch, daß es so gar theuer ist. Man „darff es nicht mit der blossen Hand an- „ruͤhren, es wuͤrde sonsten desto eher ver- „derben, und deshalben wird es nie, als „in ein Schuͤsselgen gefasset und gezei- „get. Wann sie nun das wenige, das „annoch in denen Aehren uͤberblieben, „sammlen wollen, so bedienen sie sich „dieses Handgriffs: sie haben zwey Koͤr- „be mit Henckeln; wenn sie nun in den „Wiesen herum gehen, dann schwingen „sie den in der rechten nach der lincken, „und den in der lincken nach der rechten „zu, gleich als ob sie das Kraut abmaͤhen „wolten, welches sie doch nur allezeit o- „ben, das ist, bey der Aehre fassen, und die- „ser gestalt faͤllt aller Samẽ in die Koͤrbe. „Die Semencine waͤchst wohl auch in der „Provintz Kerman/ allein sie ist bey „weiten nicht so gut, als die von Bou- „tan/ wiewohl auch allda kaum so viel „gesammlet wird, als das Land von noͤ- „then hat. Dieser Samen dienet nicht „allein die Wuͤrme bey jungen Kindern „abzutreiben, sondern es brauchen ihn „auch die Persianer und alle gegen Nor- „den wohnende Voͤlcker, selbst die Holl- „und Englaͤnder, als wie den Anis, und „mengen ihn unter die mit Zucker uͤber- „zogenen Sachen. Dem sey aber wie ihm wolle, der Se- men contra soll fein vollkommen seyn, an Farbe gruͤnlicht, von gutem Geruch, und so reine, als immer moͤglich: denn es werden manchmahl allerhand Kleinig- keiten drunter gemenget, hierdurch aber seine Guͤte nicht um ein kleines verrin- gert, der Preiß im Gegentheil um so viel mehr gesteigert. Auch muß man Ach- tung geben, daß er nicht allzu gruͤne sehe, oder daß man nicht an seine statt etwa Semen Abrotani, den Stabwurtzsamen, Stabwuꝛtz/ Lateinisch A- brotanum, ist ein gering und gantz ge- meines Kraut, denn es wenig Gaͤꝛten giebt, in denen es nicht solte an- getꝛoffen wer- den. Es wird in zwey erley Geschlecht, das Maͤnn- lein, und welcher oͤfters dafuͤr substitui ret und ge- geben wird, bekomme. Wiewohl die- ses gar leicht zu mercken, indem Semen contra noch ziemlich dicke, laͤnglicht und gruͤnlicht ist, hingegen ist der Stabwurtz- samen leichte, und sieht gelblicht, viel ehe wie klein zerrieben Stroh, als wie ein Samen. Uberdiß hat auch der Se- men contra einen viel bitterern und aro- matischern Geschmack, als dieser. Der Semen contra ist zu bekannt, und also Hauptbeschreibung ersten Theils erstes Buch. Weiblein, eingetheilet. Jhrer etliche haben dem Stabwurtzsamen, eben als wie dem Wurmsamen, den Namen Barbotine beygeleget. also unnoͤthig, viel von dessen Gebrauch zu erinnern. Wegen seiner Bitterkeit wird er mit Zucker uͤberzogen, und Bar- botine, oder uͤberzogener Wurmsamen genennet. Das andere Capitel. Vom Chouan. Siehe Fig. 2. C houan ist ein kleiner und leichter/ gelbgruͤner Samen, schmeckt ein we- nig saltzicht und saͤuerlich, und sieht dem Wurmsamen ziemlich aͤhnlich, ohne daß er etwas dicker und leichter ist. Er waͤchst in kleinen Buͤschlein auf ei- nem niedrigen Kraute, schier als wie nur erwaͤhnter Wurmsamen. Doch ist mir nicht eigentlich bekannt, wo er wachse, und ich habe nichts mehr davon erfahren koͤnnen, als daß etliche von dem Gefolge des Herrn de Guille- rague, der von dem Koͤnig in Franckreich als Gesandter nach Tuͤrckey geschicker war, eine ziemliche Partie desselbigen mit nach Paris gebracht. Jm uͤbrigen soll der Chouan fein gruͤnlicht sehen, dicke, rein und von Spal- tzen wohl gesaubert seyn. Er wird, meines Wissens, in Franck- reich, zu nichts gebrauchet, als zur Be- reitung der Karmesinfarbe, wie auch von denen Federschmuͤckern: wiewohl anietzo nicht so haͤuffig mehr, als wie vor diesem. Das dritte Capitel. Von der Macedonischen Petersilge. Siehe Fig. 3. D Jese kommt mit der Garten-Peter- silie einiger massen uͤberein, nur daß dieser ihr Samen um ein gutes kleiner, laͤnger und spitziger ist, auch in Umbellen oder Dolden und Cronen waͤchst. Das Kraut hat seinen Namen von dem Koͤnigreich Macedonien bekom- men, woselbst es von sich selbsten waͤchst: von dannen wird der Samen, welcher allein zur Artzeney gebrauchet wird, zu uns gebracht. Es soll aber dieser Samen frisch, rein, voͤllig, laͤnglicht und dunckelgruͤn seyn, auch einen guten recht aromatischen Ge- schmack haben, denn dieses sind die eigent- lichen Kennzeichen der Macedonischen Petersilge/ an deren statt ihrer viele, ob schon gantz ungereimt, den Samen von unserer gemeinen Petersilie gebrauchen. Andere aber nehmen das schwartze Korn von einer gewissen Art des grossen Ep- pichs, den die Gaͤrtner, wiewohl unrecht, Macedonische Petersilge nennen. Als die Roͤmer mit dem Hannibal Krieg fuͤh- reten, hat Andromachus der Leibmedi- cus Neronis, welcher die Roͤmischen Le- gionen als General commandir te, den Theriac erfunden, und dazu auch diesen Samen, unter dem Titel Petroselinum Macedonicum, als ein vortreffliches Mit- tel wider den Gift, genommen. Man braucht ihn so bloß, zu Pulver gestossen, morgens fruͤh nuͤchtern, eines halben Qvintleins schwer, in Wein, oder einem zur Kranckheit dienlichen liquore genommen. Das vierdte Capitel. Vom Marsilischen Seselsamen. Siehe Fig. 4. D Jeser Seselsamen hat deswegen den Zunamen von Marseille be- kommen, weil er daselbst herum gantz haͤuffig waͤchst: wiewohl seiner auch ge- nug in Provence und Languedoc zu finden. Dieses Kraut koͤnte gar fuͤglich unter die Arten des Fenchels gerechnet werden; wie es denn auch etliche Scribenten Fœ- niculum tortuosum, gewundenen Fen- chel zu nennen pflegen. Doch hat es nicht so viel und lange Blaͤtter, wie der gemeine Fenchel, sein Stengel ist auch nicht so hoch, noch so gerade, sondern voll Knoten, die Aeste sitzen desgleichen nicht so ordentlich daran, und breiten sich aller Enden aus. Es wird sonst nichts davon gebraucht, als nur der Samen, welcher, gleichwie die Dille, auf Dolden oder Cronen wachst, und wenn er reiff ist worden, bald wie der wilde Fenchel siehet. Er soll von mittelmaͤßiger Groͤsse seyn, laͤnglicht, schwer, und reine, gruͤnlicht sehen, scharff und aromatisch schmecken, auch wohl riechen. Es giebt vielerley Arten des Sesels, A 2 denn Der Spezereyen und Materialien denn er waͤchst in Candien/ Pelopon- nes/ Morea/ Egypten, und andern angraͤntzenden Orten mehr. Weil aber der Maßilische allein im Brauch, als will ich die uͤbrigen mit Stillschweigen uͤbergehen, zumahl sie ohnediß von an- dern Scribenten schon zur gnuͤge sind be- schrieben worden. Diesem, dem Maßilischen Seselsa- men, wird bey nahe eben dergleichen Kraft und Wirckung, als wie der Ma- cedonischen Petersilie zugeschrieben. Einige Botanici nennen es auch Siler montanum. Die Karnleute, welche uns aus Franche Comte Berner und Velt- liner Kaͤse, Buͤchsen zu eingemachten Sachen, und dergleichen zufuͤhren, brachten einsmahls einen Samen in kleinen Ballen mit, welchen sie gleich- falls Seselsamen nenneten: denselben gaben sie dem Viehe, das ihre Wahren fuͤhrete, an statt des Futters, damit es fett wuͤrde, und zu Paris desto theurer koͤnte verkauffet werden. Dieser Sa- men war aber viel dicker als der Marsili- sche, und roche weit staͤrcker. Das fuͤnffte Capitel. Vom Ammi oder Ammey. Siehe Fig. 5. A Mmi oder Ethiopischer Kuͤmmel/ ist ein Kraut, dessen Blaͤtter klein und gezackt sind, und welches einen hohen Stengel hat, mit vielen Aesten, an deren Enden ein Hauffen mit weissen Bluͤm- lein besetzte Straͤuslein zu ersehen, nach welchen kleine, zarte rundlichte Koͤrner, den Sandkoͤrnlein nicht ungleich, folgen; daher auch das Gewaͤchse seinen Namen bekommen hat. Es wird nichts nicht von diesem Kraut gebraucht, dann nur der Samen, dersel- be soll frisch, gruͤnlicht, fein vollkommen, und am Geschmack ein wenig bitter seyn, auch einen aromatischen oder wuͤrtzhaf- ten Geruch haben. Der Ammisamen, welcher von Ale- xandretta/ oder aus Candien gebracht wird, ist demjenigen billig vorzuziehen, welcher an unterschiedlichen Orten in Franckreich in den Gaͤrten erbauet wird; denn jener riecht wie Origanum und Thy- mus, Wohlgemuth und Thymian, ist auch sonst in allen Stuͤcken weit besser. Dieser Samen soll eben solche Kraͤfte, als wie die vorhergehenden beyden ha- ben. Das sechste Capitel. Vom Baurensenff. Siehe Fig. 6. T Hlaspi, der Baurensenff/ ist ein Kraut, ohngefehr eines Fusses hoch, hat sattgruͤne Blaͤtter, welche des hal- ben Fingers lang, und hinten breit sind, vornen aber spitzig zu lauffen. Der Stengel stoͤst einen Hauffen Aeste von sich, die mit weissen Blumen besetzt sind, nach denen breite Schoten, wie Linsen gestaltet, kommen, in deren ieder zwey roͤthlichgelbe Koͤrnlein stecken, welche a- ber mit der Zeit dunckelroth, und endlich immer schwaͤrtzer werden: sonst sind sie laͤnglicht-rund und etwas spitzig. Diesen Samen soll man erwehlen, wenn er frisch, fein roͤthlicht, scharff und beissend ist, und in warmen Laͤndern ge- wachsen, z. e. in Languedoc und Pro- vence. Auch soll er, eben so wenig als andere Samen, bey den Samenhaͤnd- lern gesuchet werden, denn sie geben de- nen, die ihn nicht wohl kennen, insgemein Kressensamen dafuͤr. Es giebt noch eine andere Gattung des Baurensenffs/ dessen Stengel/ Blaͤtter und Schoten viel kleiner sind, wie auch der Samen, welcher gantz gel- be, ob er schon an Geschmack dem ersten ziemlich nahe komt: iedoch, weil er ihm an Kraͤften weit nachgehet, deswegen wird er von rechtswegen auch verworf- fen. Die andern Geschlechte des Bau- rensenffs lasse ich mit Willen aus, weil sie gar nicht im Brauch sind. Man haͤlt dafuͤr, dieser Samen sey zu dem Huͤftweh gar dienlich, und ver- moͤge den Stein zu zermalmen, in- gleichen das geronnene Gebluͤte zu zer- theilen, wenn er fruͤh nuͤchtern, des hal- ben Quintleins schwer, eingenommen werde. Das TAB. II. F. 7. Wilde Pastinac. p. 10 F. 8. Feld. oder Wiesenkümmel. p. 10 F. 9. Steinbrech. p. 10 F. 10. Kramkämmel. p. ii F. ii. Fenchel. p. ii F. i2. Meerfenchel. p. i4 Hauptbeschreibung ersten Theils erstes Buch. Das siebende Capitel. Von der wilden Pastinacke/ oder Vogelnest. D Aucus Creticus, die wilde Pastina- cke/ ein Kraut, den Pastinacken nicht ungleich, daher es auch etliche fuͤr eine Art derselben halten, waͤchst anderthal- ben Fuß hoch, und bekommt auf seinen Spitzen einen Hauffen Buͤschelgen mit weissen Bluͤmlein, nach welchen lange, blaßgruͤne und rauhe Samen folgen, die schier wie Kuͤmmel sehen, ausser, daß sie nicht so lang und dicke sind, auch nicht so gar starck riechen, haben dennoch ei- nen gar angenehmen Geruch, nebst ei- nem aromatischen Geschmack, sonder- lich, wenn man sie etwas lang im Mun- de behaͤlt. Weil diese Samen rauch sind, deswe- gen bleibet Staub und allerhand Un- rath dran behangen, dessen auch immer mehr und mehr wird, ie aͤlter sie wer- den, denn sich fort und fort einige Stuͤ- cken davon abloͤsen: dannenhero muß man solche aussuchen, welche frisch, voll- kommen, und so rein sind, als immer- Siehe Fig. 7. mehr moͤglich. Wir bekommen dergleichen Samen aus Teutschland, und von denen an die Alpen stossenden Gebirgen: allein er hat weder diese Merckzeichen, noch die Guͤte, wie der Candiotische oder Cretische/ deswegen soll man auch diesen alleine suchen. Dieser Samen ist ein gantz sonderba- res Mittel wider die Steinbeschwe- rung und Colicam flatulentam, die Darmwinde ; massen er unter die li- thontriptica und carminantia, Stein- und Wind-treibende Artzneymittel gehoͤret. Jn Steinbeschwerung wird er fruͤh morgens eines halben Quintleins schwer, gepuͤlvert, mit Ruͤbenwasser o- der weissem Wein genommen: wider die Winde aber und Blaͤhungen wird er mit Anis-Fenchel-Faͤrberꝛoͤthe- oder Nußwas- ser gebraucht, dazu ihrer etliche noch e- ben so schwer Wermuthsaltz thun. Das achte Capitel. Vom Feld- oder Wiesen-Kuͤmmel. D En Feld- oder Wiesen-Kuͤmmel nennen die Lateiner Carum, die Grie- chen Κάϱθν. Er siehet fast aus, als wie die wilden Pastinacken, die Blaͤtter sind ziem- lich groß, ausgezackt und ausgeschnitten, zwischen denen ein Hauffen viereckte, knotichte und des Fusses hohe Stengel hervor sprossen, auf deren Spitzen Dol- den zu sehen, welche anfangs uͤber und uͤber mit weissen Bluͤmlein bedecket sind, daraus hernachmahls Koͤrner werden, die der Garten-Petersilge nicht ungleich sehen, ohne daß sie dunckler und platter sind, auch einen schaͤrffern und beissen- dern Geschmack haben. Dieser Kuͤmmel waͤchst zwar auch bey uns in vielen Gaͤrten, allein, weil dergleichen aromatische Kraͤuter in war- men Laͤndern viel besser gerathen, des- halben lassen wir den Feldkuͤmmel, den wir zu Paris verkauffen, aus Langue- Siehe Fig. 8. doc und Provence bringen. Man soll diesen Samen aussuchen, welcher fein vollkommen, gruͤnlicht, scharff und beissend sey, einen aromati- schen Geruch habe, und angenehm schmecke, wenn man ihn auf die Zunge nimmt. Und dieserwegen haͤlt man da- fuͤr, daß er gut sey, einen lieblichen A- them zu machen, die Verdaͤuung zu be- foͤrdern, den Magen zu staͤrcken, und den Harn und Winde zu treiben. Die Teutschen halten so viel auf die- sen Samen, daß sie ihn in den Teig, dar- aus sie ihr Brod backen, gantz und unzer- stossen, thun, auch wie wir den Anis, in die Bruͤhen schuͤtten. Jhrer viele brau- chen auch das Kraut, wie andere Kraͤu- ter, die man in die Suppen thut. Das neunte Capitel. Vom Steinbrech. S Axifragia ist ein Kraut, dem Thymian dermassen aͤhnlich, daß man mit ge- nauer Noth, eines von dem andern un- terscheiden kan. Es waͤchst haͤuffig in Provence/ Dauphine und Langue- Siehe Fig. 9. doc, zwischen den Steinen und Klippen, daher es auch, gleichwie andere mehr, den Namen Steinbrech hat erhalten. A 3 Der Der Spezereien und Materialien Der Samen soll frisch seyn, so viel als nur moͤglich, und einen heissen beissenden Geschmack haben, dabey aber wohl riechen. Jhm wird die Kraft den Stein zu zermalmen beygeleget, wenn er naͤmlich fruͤh nuͤchtern mit dem aus seinem Krau- te distillirten, oder einem andern harn- treibenden Wasser, eines halben Qvint- leins schwer, gepuͤlvert, eingegeben wird. Es werden wohl noch mehr Arten des Steinbrechs von den Scribenten be- schrieben: weil aber allein obbeschrie- benen Krautes Samen bey uns ge- brauchet wird, wir auch keinen andern in unsern Laͤden haben, deshalben will ich nichts von denenselbigen vermelden, da- zumahl ihrer ohnediß in vielen Kraͤuter- buͤchern gedacht wird, sonderlich beym Dodonæo und Dalechampio, welche die Saxifragias weitlaͤufftig genug beschrei- ben. Ja es wollen etliche lieber allen Kraͤutern, welche zwischen Steinen und Klippen hervor wachsen, den Namen Steinbrech beylegen. Das zehnde Capitel. Vom Kramkuͤmmel. Siehe Fig. 10. C Uminum, Kramkuͤmmel, oder sau- rer Anis, ist der Same eines Krau- tes, welches dem Fenchel nicht unaͤhn- lich sieht, und gantz haͤuffig in der Jn- sel Maltha waͤchset, allwo es, wie das Korn, gesaͤet wird. Man suche solchen Kuͤmmel, welcher frisch und gruͤn, auch ziemlich starck und widerlich rieche: nehme dabey wohl in Acht, daß er nicht wurmstichicht sey, denn diesem Unfall ist er gar sehr unter- worffen. Doch kan man dieses stracks daran vermercken, wenn er sehr stau- bicht ist, und an einander behangen bleibt, wenn man eine Handvoll in die Hoͤhe hebt, als ob er an Faͤden, welches die Zaͤserlein der Koͤrner sind, behienge. Dieser Samen wird zu weilen in der Windwassersucht, Tympanites, ge- braucht, denn er denen carminativis, windtreibenden Artzneymitteln zuge- rechnet wird. Er wird ingleichen zum oͤftern den Pferden, Ochsen und andern Viehe gegeben. Es kan auch daraus, wie aus dem Anis, ein Oel gepresset wer- den, welches trefflich gut zum Schnup- pen ist, allein man bekommt gar wenig. Die Tauben sind darauf sehr begierig, deswegen wird er gar oft von denenje- nigen gebrauchet, die ihre Taubenhaͤuser und Schlaͤge gerne voll Tauben haͤt- ten: sie muͤssen ihn aber mit einer gewis- sen Art saltzigter Erde, welche die Tau- ben selbst auf denen Aeckern entdecken, vermischen, oder aber andere Erde, die vorher mit Urin, Haͤringslacke, und der- gleichen angemachet ist, vermengen. Dieserwegen duͤrffen auch an unterschie- denen Orten die Kramer keinen nicht verkauffen. Das eilffte Capitel. Vom Fenchel. Siehe Fig. 11. D As Kraut, das diesen Samen traͤgt, ist so bekannt, daß ich nicht noͤthig habe, viel davon zu schreiben: will also nur dieses gedencken, daß der Fenchel, den wir zu verkauffen haben, aus Lan- guedoc gebracht, und sonderlich um Nimes herum mit grossem Fleiß gebauet werde, dieweil er in sehr grosser Menge durch gantz Franckreich, vornehmlich aber nach Paris, verfuͤhret wird. Der Fenchelsamen muß frisch, fein voͤl- lig, lang und gꝛuͤnlicht seyn, angenehme u. als wie zuckeꝛsuͤsse schmecken, daneben von allem Wust u. Unꝛath, welcher nicht selten darunter befindlich, wohl gesaubert seyn. Dieser Samen wird auch etwa zur Artzney gebrauchet, denn er so wohl zu Zertheilung der Winde und Blaͤhun- gen dienlich ist, und auch an statt des Ani- ses kan gebrauchet werden. Am aller- meisten aber brauchen ihn die Zucker- becker, von denen er mit Zucker uͤberzo- gen, und hernach unter gewissen Num- mern verkauffet wird, nachdem sie naͤm- lich mehr oder weniger Zucker darzu ge- nommen haben. Sie nehmen auch die Dolden oder Umbellen vom gruͤnen Fen- chel, und uͤberziehen sie gleicher gestalt mit Zucker, welche alsdenn einen liebli- chen Athem machen, dazu auch weit kraͤftiger seyn sollen, weil der Fenchel noch gantz gruͤne dazu genom̃en worden. Aus TAB. III. F. i3. Auis. p. i4 F. i4. Coriander. p. i5 F. i5. Steckrübe. p. i5 F. i6. Blumen kohl. p. i7 F. i7. Wilder Kohl. p. i8 F. i8. Reis. p. i8 Hauptbeschreibung ersten Theils erstes Buch. Aus dem frischen Kraute wissen die Apothecker ein Wasser zu distilliren, welches in Entzuͤndungen der Augen vortrefflich gut: wie nicht weniger ein weisses Oel, das einen starcken und aro- matischen Geruch hat; wiewohl es so wenig giebt, daß es kaum die Muͤhe be- lohnet. Weil der Fenchel so gar trucken, deswegen wird man schwerlich ein gruͤ- nes Oel, wie aus dem Anis, pressen koͤn- nen. Uber alles dieses aber wird er auch zu den eingesaltzenen Oliven eingelegt, damit sie einen guten Geschmack bekom- men. Es giebt noch eine Gattung Fenchel, den man, weil er fast uͤberalle auf dem Felde und Mauern von sich selbsten waͤchst, den wilden nennen moͤchte. Selbiger ist bey nahe gantz rund, kleiner und platter, von Geschmack schaͤrffer, und nicht so gruͤne, wie der erste. Er wird auch gar nicht gebraucht, weil er zu scharff, der rechte Fenchel aber zu ge- meine ist, sonderlich, seit dem man die- sen in Languedoc zu bauen angefan- gen. Doch vor diesem, da wir keinen andern, als den Jtalienischen und Flo- rentinischen hatten, wurde der wilde noch zuweilen gebraucht. Noch eine andere Art Fenchel, im La- Siehe Fig. 12. teinischen Creta marina oder Bati genen- net, auf Frantzoͤsisch Bacille, Passepierre und Fenouil marin, Meerfenchel/ wird mit Weineßig eingelegt, und Winters- zeit mit eingelegten kleinen Gurcken verkauffet. Das zwoͤlffte Capitel. Vom Anis. Siehe Fig. 13. D Er Anis waͤchst auf einem Kraute, das bey uns so bekannt ist, als wie dasjenige, das den Fenchel bringt, indem schier kein eintziger Garten, darinnen es nicht zu befinden waͤre. Doch derjenige, den wir verkauffen, wird von unterschied- lichen Orten, vornehmlich aber, und in- sonderheit in Kriegslaͤufften, aus Tou- raine gebracht: hergegen zu Friedens- zeit kommt fast keiner als aus Maltha und von Alicanten, dieweil es beqve- mer, ihn uͤber die See, als von Saint Genou bey Tours kommen zu lassen. Zudem ist jener viel suͤsser und dicker, hat auch einen weit kraͤftigern Geruch und staͤrckern Geschmack, denn der Frantzoͤsi- sche, ob er gleich nicht so gruͤne siehet. Man soll den Anis erwehlen, der nur ein Jahr alt, fein dicke, rein und wohl- riechend ist, und einen etwas beissenden aromatischen Geschmack hat: auch muß man Achtung geben, daß er nicht bitter schmecke, denn es giebt solchen, den einer kaum kosten kan, so bitter ist er, abson- derlich, der von Chinon gebracht wird. Unnoͤthig ists, viel von seinem Ge- brauch und Nutzen zu vermelden, die- weil doch iederman bewust, daß er wider die Blaͤhungen gar dienlich, auch zu corrigir- und Veꝛbesserung der Wirckung derer Sennensblaͤtter gebrauchet werde. Die Zuckerbecker brauchen ihn am mei- sten, denn, wenn er trucken und mit Zu- cker uͤberzogen worden, nennen sie ihn uͤberzogenen Anis, Anis Reine, und petit Verdun, solcher gestalt die andern Sorten Anis, welche schlecht weg Verdun geheissen weꝛden, und nur von Fenchel, nicht von A- nis, gemachet sind, davon zu unterscheidẽ. Es wird ferner ein Wasser und weis- ses Oel aus dem Anis destilliret. Die- ses letztere, das von der geringsten Waͤr- me aber wiederum zergehet und aufge- loͤset wird, hat einen gar starcken pene- tran ten Geruch, und besonders herrli- che Tugenden. Dieweil es aber so gar starck riecht, deswegen soll es selten, oder doch gantz maͤßig gebrauchet werden. Die Parfumirer machen ihre Teige darmit an, und mischen es unter aller- hand Gewuͤrtze, so sie hernach Pots-pour- ris nennen. Einige brauchen es auch, wiewohl sehr ungereimt, ein so genann- tes Aniswasser zu machen. Sonsten hat dieses Oel uͤberaus grosse Tugenden, denn es nicht nur ein herrlich Mittel wi- der das Grimmen und Bauchwehe/ sonderlich der jungen Kinder/ wenn man ihnen den Nabel damit streicht, oder nur ein eintziges Troͤpflein unter die Speise mischet; sondern es hat auch, mit einem Worte, alle Tugenden des Anises, und kan eben also gebrauchet werden. Weiter wird auch ein gruͤnes Oel aus dem Anis gepreßt, welches sehr starck riecht, und alle Eigenschafften mit dem weissen gemein hat, nur daß es nicht so gar kraͤftig ist, weil man es zwar in groͤßrer Menge, aber nicht so rein und purifi- Der Spezereyen und Materialien purificir et bekommt; wie Charras in seiner Koͤniglichen Apotheckerkunst an- mercket: deme wir, als dessen Erfinder, Danck schuldig sind. Das weisse bekommen wir aus Hol- land, theils, weil es weniger kostet, theils aber, weil es viel weisser und klaͤrer, auch staͤrcker von Geruch ist, denn das in Franckreich bereitet wird. Ob hieran der Anis Schuld, oder ob sie hierzu ein sonder- liches Menstruum gebrauchen, solches ist uns unbekannt: wiewohl ich dennoch versichern wolte, daß in Paris eben so wohl dergleichen Leute zu finden, die es gleich so gut, als die in Holland, machen duͤrfften; doch glaube ich gantz gerne, daß es auch wohl noch eins so hoch zu stehen kommen duͤrffte. Wie gedacht, es muß weiß, klar und helle seyn, starck riechen, von der geringsten Kaͤlte zusam- men lauffen, und bey der gelindesten Waͤꝛme wiederum zerfliessen, auch, wenn mans ins Wasser thut, oben auf schwim- men. Sonst wird es insgemein Essen- tia und Quinta Essentia Anisi geheissen. Das Wasser, welches zusammt dem Oele heruͤber gehet, dienet zu gleichen Zufaͤllen, alleine, man muß sein ein gut Theil mehr nehmen. Das dreyzehende Capitel. Vom Coriander. Siehe Fig. 14. D Er Coriander ist eines gantz ge- meinen Krautes Samen, welches in grosser Menge um Paris, absonderlich zu Aubervilliers waͤchset, von wannen aller Coriander, den wir verthun, ge- bracht wird. Man muß den Coriander erwehlen, welcher fein frisch, gelblicht, vollkom- men, und so dick und reine, als nur seyn kan, ist. Diejenigen, die ihn von den Bauern, welche ihn zu Marckte bringen, kauf- fen, legen ihn vorhero auf den Boden, damit er recht trucken werde, denn er verdirbt gar leichte alle mit einander, wenn er nicht wohl getrocknet aufgeho- ben wird: so muß er auch an einem vor Ratzen und Maͤusen wohlverwahrten Orte aufbehalten werden, denn diese ge- hen ihm sehr nach. Der Coriander wird wenig zur Artz- ney gebraucht, dahingegen brauchen ihn die Bierbrauer desto oͤfter, absonder- lich in Holl- und England zum Dop- pelbier, welches davon einen angeneh- men Geschmack uͤberkommt. Die Zuckerbecker bespritzen ihn zuvor mit Weineßig, uͤberziehen ihn hernach mit Zucker, und nennen ihn sodann uͤberzogenen Coriander. Das vierzehende Capitel. Vom Steckruͤben-Samen. Siehe Fig. 15. D Jesen Samen traͤgt eine Gattung wilder Ruͤben/ die gemeiniglich viel Aeste und gelbe Blumen haben; biß- weilen sind gelbe drunter. Die Blaͤtter sind einander fast alle gleich, groß oder klein, also auch die gantze Staude, nach- dem naͤmlich das Land, darinnen diß Ge- waͤchse stehet, fett oder mager ist. Sie tragen auch alle mit einander ihren Sa- men in Huͤlsen, welche einen oder an- derthalben Zoll lang, und nachdem der Samen darinne beschaffen, dick oder duͤn- ne sind: wie dann die Huͤlsen der Steck- ruͤben/ deren Samen wir verkauffen, gut zweymahl so dicke sind, als der meiste Theil der andern; so ist auch der Samen viel dicker. Dieser Samen ist rund, purperfar- bicht, scharff und beissend, und kommt mit dem gemeinen Ruͤbensamen in allen uͤberein, ausgenommen, daß er virtutem alexiteriam, eine sonderliche Kraft wider den Gift hat; hingegen sieht der Bu- niassamen, welcher uͤberall und haͤuf- fig waͤchst, gelb, ist auch um die Helfte kleiner, als der andere, und wird wenig geachtet. Der rechte Steckruͤbensamen wird meistentheils zum Theriac verbraucht, welches allein Ursache genug waͤre, daß sich die Materialisten mit einer gute n Partey dieses Samens versehen solten. Man soll ihn aber bey aufrichtigen Leu- ten suchen, und Acht haben, daß sie nicht an statt des gerechten Steckruͤbensamens nur schlechten Ruͤbesamen geben, massen sie schwerlich, als durch den Geschmack, von einander zu erkennen und zu unter- scheiden, indem jener nicht so sehr, wie die- ser, nach Ruͤben schmeckt. Es ha- Hauptbeschreibung ersten Theils erstes Buch. Es haben mich ihrer etliche versichert, daß die Bryonia, Stickwurtz, die rechten wilden Ruͤben waͤren; allein der Herr Cournefort spricht es denen nicht gut, welche den Bryonien- oder Zaunruͤben- samen an statt des Steckruͤbensamens gebrauchen. Das funffzehende Capitel. Vom Blumenkohl. Siehe Fig. 16. D Jeses ist ein kleiner runder Samen, dem Ruͤbsamen nicht unaͤhnlich, aus- ser daß er etwas dicker. Er wird aus der Jnsul Cypern uͤber Marseille uns zu- gesandt, denn allda, meines Wissens, der Blumenkohl eintzig und alleine Samen traͤgt. Man kan ihn zwar auch von Genua bekommen, allein er ist weit geringer als jener, laͤßt sich auch nicht so leichte aufbringen. Dieser Samen soll frisch und unver- faͤlscht, und gewiß aus Cypern uͤberbꝛacht seyn. Damit man aber desto sicherer gehe, deßhalben muß man diejenigen, die ihn uͤbersenden, eine Versicherung oder Schein von sich stellen lassen, daß er ge- recht, und nicht uͤber ein Jahr alt sey, anderst wird einer gar leichte betrogen, welches gewißlich nicht wenig auf sich hat; denn die Gaͤrtner, welche ihn theu- er eingekaufft, duͤrffen einen wegen Ver- spielung der Zeit und uͤbelangewendeter Unkosten zur Rede setzen. Das aller- verdruͤßlichste dabey ist, daß man so lan- ge gut davor seyn muß, biß er aufgegan- gen, da doch solches erst den vierten oder fuͤnfften Monat nach dem Verkauff zu ge- schehen pflegt. Was das Gewaͤchse selbsten betrifft, so ist dasselbe viel zu bekannt, als daß ich mich lange dabey aufhalten solte. Wilder Kohl, der Ruͤbsa- men traͤgt. Der Blumenkohl giebt mir Anlaß von einer Gattung Kohl zu handeln, wel- che einige Scribenten wilden Kohl zu nennen pflegen, der aber in Holland, Siehe Fig. 17. Flandern, Normandie und Brie, theils um des Samens willen, meistens aber wegen des Oels, das man daraus presset, mit Fleiß gebauet wird. Dieses Oel wird auf Frantzoͤsisch Navette und Huile de la Navette, Ruͤboͤl, von den Nie- derlaͤndern aber Colsa und Colsaoͤl ge- heissen, und in Franckreich so wohl zum brennen, als auch von den Hutmachern haͤuffig verbraucht, und in grosser Men- ge verthan, sonderlich wenn zu Kriegs- zeiten, oder wegen des schlechten Fanges, der Fischthran seltsam ist. So dienet auch zu wissen, daß obgleich der Frantzoͤsische wilde Kohl, und der in Flandern waͤchst, einerley Geschlech- te ist, sie nichts destominder unterschiede- nen Samen tragen, sowohl was die Di- cke, als auch die Guͤte anbetrifft: denn obschon der Flandrische viel dicker ist, als der Frantzoͤsische, dennoch ist das Oel davon weit schlechter, als das, wel- ches in Champagne, Brie und Nor- mandie daraus gemachet wird. Zwar kennen es die meisten, dieweil es so sehr gebraucht wird: dessen ohngeach- tet aber will ich annoch dieses davon ver- melden, daß es, wenn es rein, und mit keinem andern Oele vermischet worden, fein goldfarbicht sehe, und annehmlich rieche, alldieweil das aufrechte Ruͤboͤhl suͤsse, das Leinoͤl aber bitter ist. Das sechzehende Capitel. Vom Reiß. Siehe Fig. 18. D Er Reiß ist der Samen eines gar gemeinen Gewaͤchses, welches in Europa an unterschiedenen Orten im Wasser waͤchst, und von dem man saget, daß, ob das Wasser noch so hoch gewach- sen, dennoch die Aehren allezeit daruͤber heraus rageten. Der Reiß, den wir zu Paris verkauffen, kommt aus Spa- nien und Piemont. Dieser Samen ist dermassen nuͤtzlich und brauchbar, daß er mit allem Rechte armer Leute Manna mag genennet werden, sonderlich in denen Laͤndern, wo sie sonst schier keine andere Speise haben. Thangalot berichtet, daß im Koͤnig- reich Marsinga eine grosse Anzahl Schiffe mit schwartzem Reiß beladen, und dieser in Malabar verkaufft wuͤr- de. Derselbe Reiß soll, nach Eduard Barbosaͤ Berichte, viel besser und ge- suͤnder seyn, als der weisse. Er meldet auch daselbst, daß es vielerley weissen Reiß gebe: die erste Sotre wuͤrde Giro- B calli Der Spezereien und Materialien calli genennet, und sey der beste; die an- dere hiesse Eambucal, die dritte Cana- car, und die vierte Pacharil. Diese alle aber waͤren am Preisse und an der Guͤte von einander unterschieden. Aus dem Reiß wird Wein gemacht, der so klar ist als wie Wasser, hat einen sehr guten Geschmack, und macht rau- schig. Er wird Arac genannt. Piga- fetta Reisebeschreibung. Es soll aber der Reiß frisch und nicht alt, dicke, das heißt, fein vollkommen seyn, weiß, und nicht staubicht oder mo- dricht: und daran kan man den Piemon- tesischen erkennen, deswegen er auch iederzeit hoͤher gehalten wird, als der Spanische, welcher insgemein roͤth- licht siehet, und saltzicht schmeckt. Der gantze Reiß wird, vornehmlich zu Paris, in der Fastenzeit gebrauchet, und erstlich in Wasser, hernachmahls in Milch gekocht: man braucht auch zur selbigen Zeit das Reißmehl an statt des Roggenmehls, Brey oder Mus daraus zu machen. Wenn der Reiß soll gestossen oder zu Mehle gemachet werden, dann muß er erstlich in siedendheisses Wasser geschuͤt- tet, und darauf so lange mit kaltem ge- waschen werden, biß das Wasser nicht mehr druͤbe davon wird: nach diesem stoͤßt man ihn in einem Moͤrsel, laͤßt ihn, wenn er zarte genug, recht trucken wer- den, und hebt ihn zum Gebrauche auf. Doch soll er noch vorhero durch ein zar- tes Sieb gestaͤubet werden, denn ob er gleich noch so klar zu seyn scheinet, nichts desto weniger ist er grob genug, nach- dem er trucken worden, und mag nicht wohl verkauffet werden. Wir verkauffen auch noch mehr an- dere Koͤrner, z. e. Gersten-Graupen, unter denen die zu Vitry le François ge- macht werden, die besten sind. Sie muͤssen aber frisch seyn und trucken, dick und voͤllig, wie auch weiß, nicht ge- bleichet, oder schimmlicht und modricht. Sie werden gleichfalls zu Charenton bey Paris gemacht, doch, wie gedacht, die von Vitry kommen, sind die besten. Wir verkauffen ingleichen Roggen, der zu Beausse und andern Orten waͤchst, sonderlich, seit dem der Caffee aufgekommen, und man in Acht ge- nommen hat, daß er geroͤstet, eben als wie Caffee schmecke. Wir moͤgen auch Habergruͤtze ver- Habergruͤtze. kauffen, den man wie die Graupen oder wie den Reiß gebrauchen kan. Wir lassen ihn aus Touraine und Breta- gne kommen, allwo er auf sonderlich da- zu gemachten Muͤhlen zugerichtet wird, da dem Haber die Spitzen abgestossen und die Huͤlsen abgezogen werden. Noch weiter bekommen wir von la Hirse, in und ohne Huͤlsen, auch andere Huͤlsenfruͤch- te mehr. Forest d’ Orleans Hirse, mit und ohne Huͤl- sen; ingleichen mehr andre dergleichen Fruͤchte, z. E. gruͤne und gelbe Erbsen, welche aus Normandie und von Ga- lardon zu uns gebracht werden, wie auch Schminck-Bohnen aus Picar- die und von andern Orten. Dieser Huͤlsenfruͤchte haͤtte ich gar nicht gedacht, wofern es denen Spezereyhaͤndlern nicht vergoͤnnet waͤre, dieselben von obgemeld- ten Orten bringen zu lassen; denn sie son- sten mit nichten unter die Materialien gehoͤren. Ausser diesen verkauffen wir noch an- dere Sachen mehr, welche von Weitzen gemacht werden: naͤmlich, weiß und gel- be Nudeln und Kraftmehl. Die Nudeln haben die Jtaliener erdacht, und sie Tagliani, mille fanti, oder vermicelli genennet. Sie bereiten von dem schoͤnsten Weitzenmehl, welches sie Semoule nennen, mit Wasser einen Teig, und machen daraus, vermittelst gewis- ser Spritzen, die voller Loͤcher sind, lau- ter Faͤden, so lang und so dicke, als ihnen beliebet: und deswegen werden sie Ver- micelli, Wuͤrmlein geheissen. Sie ma- chen derer auch wie Band, zwey Finger breit, welche sie Kagne heissen, und Ma- carron, wenn sie als ein Federkiel lang und dicke sind, endlich Semoule, nach dem Mehle, daraus sie bereitet worden, wenn sie wie Senffkoͤrnlein sind: die letzte Gattung heißt Patrez, weil sie wie Pa- ternosterkoͤrner sehen. Den Teig, darein sie bisweilen Eyerdotter, Zucker und Kaͤse thun, faͤrben sie nach Gefallen mit Saffran und andern Sachen. Seit etlichen Jahren her werden auch zu Paris von dem schoͤnsten Mehle Nudeln gemacht, derer sich viel Leute, eben als wie in Jtalien, Provence und Languedoc zu den Potagien oder Bruͤ- hen und Suppen bedienen: weil es aber so wunderlich siehet, nicht anders, als wenn die Bruͤhe voll Wuͤrmer waͤre, des- TAB. IV. F. ig. Vockshorn. p. 2i. F20 Sichel klee. p2i F 2i. Schafmülle. p 23 F. 22. Mahalep p. 25 F 24 Mijrfenast voll Mijrtenbeeren p 25. F. 25 Heydelbeer. p 30 Hauptbeschreibung ersten Theils erstes Buch. deshalben werden sie nicht mehr so viel gebraucht. Die weissen Nudeln sollen frisch ge- macht seyn, und so weiß, als immer moͤglich, sehen: die gelben aber sollen eine schoͤne goldgelbe Farbe haben, recht trucken seyn, und allzeit frisch bereitet. Kraftmehl oder Staͤrcke. Das Kraftmehl oder die weisse Staͤrcke, Lateinisch Amylum, ist die Fe- cula oder das hinterstellige Pulver, wel- ches in den Faͤssern der Staͤrckemacher zuruͤcke und am Boden liegen bleibt. Diese Fecula ist von geschrotenem Wei- tzen bereitet, welcher ins Wasser ge- schuͤttet wird, und nachdem die Kleyen davon gesondert worden, zu Brocken oder Klumpen gemacht wird, die her- nach beym Ofen oder an der Sonne ge- trocknet, und darauf in Stuͤcken ge- brochen werden, so wie wir sie haben. Vor diesem bekamen wir die Staͤrcke aus Flandern, anietzo aber wird sie zu Paris weit schoͤner, als an einem eintzi- gem Orte bereitet, und in gar unglaͤu- biger Menge, nicht allein durch gantz Franckreich, sondern auch an auswaͤr- tige Oerter verfuͤhret. Das Kraftmehl soll zart und weiß seyn, in grossen Stuͤcken, und an der Sonne getrucknet, soll sich auch leicht- lich zerreiben lassen (denn dieses ist das beste, und eher zu verkauffen) hingegen ist das, so beym Ofen getrocknet worden, graulicht, und viel sproͤder. Es wird zum Kleister gebraucht, in- gleichen zur weiß- und blauen Staͤrcke, da dann ein wenig blaue Farbe dazu ge- than wird, wie auch ein klein bisgen Schoͤpsenfett und Englische Alaune, da- mit es desto angenehmer sehe. Das siebenzehende Capitel. Vom Bockshornkraut. Siehe Fig. 19. F Oenum græcum, das Bockshorn- kraut, wird von etlichen Senegré ge- nennet, ist aber unrecht; desgleichen Buceros und Ægoceros, weil die Samen- schoten einiger massen den Ochsen- und Bocks-Hoͤrnern gleich sehen. Es waͤchst hin und wieder in Franckreich, hat run- de, hole, etwas dunckle, weißlichte Sten- gel, kleine Blaͤtter, welche rundlicht und ausgezackt sind, stehen, fast wie Klee, drey und drey beysammen; die Blumen sind gleichergestalt ziemlich klein und weiß, daraus wachsen hernachmals die Schoten, welche dicke genug, lang und spitzig sind, und wie Ochsen- oder Bocks- Hoͤrner aussehen. Jn diesen liegt der Samen, welcher unter dem Namen des Krautes alleine verkauffet wird. Wann dieser Samen noch neu ist, sieht er goldgelb; wenn er aber aͤlter wird, alsdann wird er roͤthlicht, und endlich gar braun. Er ist wie ein halb Ger- stenkorn dicke, schier dreyeckigt, in der Mitten ein wenig ausgekerbt, und hat einen starcken haͤßlichen Geruch. Die Bauern zu Aubervilliers saen und ernden den Bockshornkrautsamen als wie den Coriander, und bringen ihn nach Paris/ da er dann theils verthan, theils aber nach Holland und andere Orte versandt wird. Die Alten, wie auch noch ietzo die Teutschen, wollen haben, man soll es kochen, und die Suppe davon trincken, oder es, wie andere Huͤlsenfruͤchte ge- niessen, denn der Leib werde dadurch er- oͤffnet und erweichet: ich glaube aber nicht, daß ihnen dieses ein eintziger Fran- tzose nachthun, oder ihm diesen haͤßli- chen Geschmack und Geruch werde be- lieben lassen. Es ist so mehr denn zu viel, daß es etliche dem Viehe, sonder- lich den Pferden, unter den Haber men- gen, davon sie fett werden sollen, da es doch eine schlechte Nahrung giebet, wie mich dessen einige, die es versucht, be- richtet haben. Aeusserlich wird es ofte gebraucht, so- wohl zu decoctis, als auch zu Cataplas- matibus emollientibus und resolventibus, zu erweichenden und zertheilenden Um- schlaͤgen, darunter es, zu Pulver gestos- sen, gemischet wird. Das Fœnum græcum braucht keines Aussuchens, wenn es nur frisch und fein voͤllig ist, auch fein goldgelbe siehet. Das achtzehende Capitel. Vom Sichelklee. Siehe Fig. 20. L Ucerne, der Sichelklee, ist ein Ge- schlecht des Klees, oder Fœni sancti, wird auch von etlichen Medica genennet, weil die Griechen, als sie gegen den Koͤ- B 2 nig Der Spezereien und Materialien nig Darius zu Felde gezogen, dasselbe mit nach Hause gebracht, und nach sei- nem Vaterlande, Meden, genennet. Dieses Kraut ist in Languedoc, Provence, und Dauphine, gantz ge- meine: am haͤuffigsten aber waͤchst es langs der Rhone, wie auch in Nor- mandie, von wannen fast alles, was wir in Paris verthun, gebracht wird. Man saͤet es allda gemeiniglich in ein gut und fett Land, welches von Zeit zu Zeit kan gewaͤssert werden; und wann es dergestalt handthieret wird, so mag mans bey schoͤnem Wetter fast alle Monat, wenigstens des Jahres fuͤnff oder sechs mahl abhauen. Woruͤber sich niemand verwundern darf, weil dieses Kraut, indem es eine gerade, ziemlich dicke und Ellen lange Wurtzel hat, dazu auch im Winter nicht vergehet, weit mehr Nahrung, denn mehrentheils andere Kraͤuter, aus der Erde ziehen kan. Es bestockt sich, und mehrt sich sehr haͤuffig, bevoraus in warmen Laͤndern, daher es auch, wenn es einmahl gesaͤet worden, viel Jahre dauert, iedoch muß es zu weilen geduͤnget, und bey heissem Wetter befeuchtet werden. Die Lucerne kriecht nicht auf der Erde herumb, gleich wie der Klee, son- dern hat einen runden, dick- und starcken geraden Stengel, mit vielen Aesten, be- voraus nach der Spitze zu; und diese Aeste sind mit vielen Blaͤttern, deren immer drey und drey beysammen ste- hen, besetzt. Das gantze Gewaͤchse aber ist gemeiniglich anderthalben, biswei- len auch zwey Fuß hoch. Zwischen den Blaͤttern kommen violbraune oder pur- perfarbichte Blumen hervor, die schier wie die Steinklee- oder andere Kleeblu- men sehen, und auf diese folgt der Sa- men, wann man ihm so viel Zeit laͤsset, und nicht viel lieber das Heu, als den Samen, zu sammlen begehret. Dieser Samen ist beynahe gantz rund, iedoch ein wenig laͤnglicht und spitzig, sieht blaß- gelb, wenn er noch frisch ist, wird aber roͤthlicht, wenn er aͤlter wird, und end- lich schier gantz braun. Er ist ein we- nig kleiner als der Kressensamen, und schmecket fast also, ohne daß er nicht so gar scharff ist. Die Pferde, Rindvieh und Esel lieben dieses Kraut uͤberaus, insonderheit, wenn es noch gruͤne ist, ja, wo man sie nicht davon triebe, wuͤrden sie so lange fressen, biß sie zerplatzten. Auch darff man ihnen nicht zuviel auf einmahl vor- werffen; denn obschon das gedoͤrrte Kraut gar gut maͤstet, wuͤrde doch all- zuviel ihnen hoͤchstschaͤdlich seyn. Wann man den Samen davon sam̃- len will, so dann laͤßt man das Kraut verbluͤhen, und hauet es nicht eher ab, als bis es gantz zeitig wird: und hierzu wird das erste oder andere Kraut ge- brauchet, welches aber dadurch verdir- bet; denn wenn es einmahl gebluͤhet, und der Samen reiff worden, verdirbt das Heu nicht allein, sondern es wird auch, weil der Samen die beste Saft und Kraft daraus gezogen, uͤber die massen hart, und verliert die Blaͤtter, daß es auch das Vieh nicht fressen mag, dienet deshalben zu nichts, dann zur Streu und Miste. Weil demnach das Heu zu nichte wird, auch zu besorgen stehet, daß der geringste Wind den Sa- men verstreuen moͤchte, deswegen laͤßt man diesen Samen gar selten reiff wer- den, welches denn verursachet, daß er so theuer ist. Das neunzehende Capitel. Von Schafmuͤllen. A Gnus castus, Schafmuͤllen/ dem et- liche den Namen Vitex gegeben, ist ein Gewaͤchs, welches in Gestalt eines klei- nen Baͤumleins, langs an den Fluͤssen waͤchst, wiewohl es auch in den Gaͤrten Siehe Fig. 21. zu finden. Seine Bluͤte gleichet der Oli- ven-Bluͤte, ausgenommen, daß sie etwas laͤnger ist. Der Stamm und die uͤbri- gen Aeste, welche holtzicht sind, zerthei- len sich in viel lange, duͤnne und schwan- cke Reiser, worauf zu gehoͤriger Zeit, Blaͤtter, Blumen und Samen durch einander wachsen. Der Samen erschei- net anfangs weiß, wird aber nach und nach roͤthlicht. Diese kleinen Koͤrner nennen etliche kleinen oder wilden Pfeffer/ weil sie fast eben so rund sind, und dem Pfeffer ziemlich aͤhnlich sehen, der Geschmack ingleichen etwas scharff und aromatisch ist. Dieses Gewaͤchs wird darum Vitex ge- nannt, weil seine Zweige eben so schwanck sind, TAB. V. F. 23. Granum avenionense. p 25 F. 26. Läüskraüt. p. 29 F. 28 Iamacaru. p. 37 F. 29. Cardasse. p. 37 F. 27. Bisamsamen kraüt. p. 29 F. 30. Scharlach körner. p. 40 Hauptbeschreibung ersten Theils erstes Buch sind, als wie der Haarweiden; und Agnus castus, dieweil das Frauenzimmer zu Athen, in denen der Ceres geweiheten Oertern, Thesmophoria genannt, zu Be- wahrung ihrer Keuschheit, auf solchen Blaͤttern zu schlaffen pflegte. Allein der Name Agnus castus ist diesem Samen nur spottweise beygeleget, massen er un- ter die Artzney wider die Venerischen Kranckheiten/ welche denenjenigen, die ihre Keuschheit verletzet, nicht selten zuzustossen pflegen, gethan wird. Dem sey aber wie ihm wolle, wann nur der Samen fein frisch, dick und voll- kommen, auch an warmen Orten ge- wachsen ist, weil solcher viel kraͤftiger, denn welcher in kalten Laͤndern erbauet worden. Das zwantzigste Capitel. Vom Magalep. M Agalep/ oder wie andere wollen, Mahalep, ist der Kern einer kleinen Frucht, und den Kirschkernen nicht un- Siehe Fig. 22. aͤhnlich: waͤchst auf einer Staude, wel- che einige Scribenten fuͤr eine Sorte der Phillyræa halten, und hat grosse, spitzige, in etwas zuruͤckgebogene Blaͤtter, die schier wie Kirschlaub anzusehen. Zwi- schen diesen kommt die Frucht hervor, die mit einer zarten gruͤnen Schale be- deckt, und sehr klein ist. Wir bekommen diesen Samen von unterschiedenen Orten her, absonderlich aus England: er muß aber, wenn er gerecht seyn soll, frisch, fein dicke, und von seinen kleinen Schalen wohl gesaubert seyn. So muß man auch Acht geben, daß er nicht allzu uͤbel rieche, denn etlicher stinckt so sehr wie Wantzen, daß er fast gar nicht zu brauchen ist. Die Parfumirer brauchen ihn am meisten: sie stossen ihn, weichen ihn in ge- meines Wasser oder in Rosenwasser ein, heꝛnach destilliren sie ihn, und waschen die Seiffe damit, aus der sie ihre Seiffen- kugeln machen. Das ein und zwantzigste Capitel. Vom Grano Avenionensi. Siehe Fig. 23. G Raine d’Avignon, das Korn von A- vignon, welches im Lande Grainette, desgleichen Grain jaune, das gelbe Korn genennet wird, ist der Samen einer Stauden, welche die Scribenten Lycium heissen, weil sie in Lycia und Cappado- cia haͤuffig waͤchst. Sie heißt auch Piza- cantha, welches dem Griechischen nach, einen stachlichten Buchsbaum be- deutet. Dieses Baͤumlein oder Staude, waͤchst in Menge um Avignon herum, auch fast uͤberalle in der Grafschaft Ve- naißin, an rauhen und steinichten Or- ten, wie nicht weniger hier und da in Dauphine, Provence und Langue- doc. Es ist ein stachlichtes Gewaͤchs, dessen Aeste zwey biß drey Fuß lang, haben ei- ne graulichte Rinde. Die Wurtzeln sind gelb und holtzicht, die Blaͤtter klein, und dicke, welche wie die Myrtenblaͤtter an den Zweigen sitzen, und so groß wie Buchsbaumblaͤtter sind. Der Same ist so dicke, als ein Weitzenkorn, drey oder viereckigt, bisweilen wie ein Hertz gestalt, sieht gelbgruͤn aus, und hat einen anzie- henden bittern Geschmack. Die Faͤrber faͤrben gelb damit. Die Hollaͤnder lassen diesen Samen in Was- ser, darinne Roͤmische oder Englische Alaune zergangen, aufsieden, thun her- nach das Weiß, damit sie das Bleyweiß verfaͤlschen, drunter, machen daraus ei- nen Teig, und aus diesem kleine gewun- dene Stengel, welche sie uns unter dem Namen Stil de graine uͤbersenden, die, Stil de graine. wenn sie recht gut seyn sollen, fein gold- gelbe sehen, zarte, aber nicht voll Sand und Steine seyn, sich auch leichtlich zer- reiben lassen muͤssen. Der Stil de graine dienet so wohl zum faͤrben, als auch zur Mignatur-Arbeit. Das zwey und zwantzigste Capitel. Von Myrten- und Heydelbeeren. Siehe Fig. 24. M Rrtilles, Myrten- oder Welschhey- delbeeren sind die Beeren oder der Samen gewisser Stauden, welche im Frantzoͤsischen Myrtes, auch Meurtes, zu B 3 Teutsch, Der Spezereyen und Materialien Teutsch, Myrtenbaͤumlein genennet werden, und sind derer so vielerley Ge- schlecht und Arten, als vielleicht Mei- nungen der Scribenten davon zu finden. Weil aber solchen Streit beyzulegen ich viel zu unvermoͤgend bin, als habe mir vorgenommen, nur zwey Gattungen derselben, welche auch zu Paris bekannt sind und gebauet werden, zu beschreiben, und zwar die eine unter dem Titel des Maͤnnleins, die andere unter dem Na- men des Weibleins. Das Maͤnnlein, welches viel dicker und staͤrcker wird, als das Weiblein, hat blaßgruͤne, spitzige, glatte, wohlriechende Blaͤtter, die wohl drey oder viermahl so groß sind, als des Weibleins, welche dunckelgruͤne, und bald wie Buchsbaumblaͤtter sehen, ohne daß sie ein gut Theil kleiner sind, und fein ordentlich beysammen wachsen. Bey- derley Myrtenblumen sehen wie Roͤs- gen, weiß und roͤthlicht, wachsen in glei- cher Weite zwischen denen Blaͤttern her- vor. Sie tragen auch kleine Fruͤchte, welche unter die Beeren zu rechnen, und anfangs gruͤn sehen, hernach aber immer schwaͤrtzer werden, voll Saft und glatt sind: inwendig stecken ein Hauffen kleine Kerne, die wie halbe Monde mit ein- warts gekehrten Spitzen gestaltet, dichte und sehr harte sind, auch wie das gantze Gewaͤchse, anziehend schmecken. Sie sind mit einer rundlichen Huͤlse umge- ben, obschon die Frucht selbst laͤnglicht ist, indem sie gleichsam ein Kroͤnlein oben auf hat, welches, so lange die Beeren noch auf dem Stamme stehen, gantz wohl zu sehen ist; wenn sie aber an der Sonne gedoͤrret und runtzlicht worden, alsdann kan man es fast gar nicht mehr erkennen. Damit ich sie aber desto genauer be- schreiben moͤchte, mich aber bey demje- nigen, was ich irgend selbst auf meinen Reisen davon angemercket, nicht aufhal- ten duͤrffte, deswegen befragte ich mich mit unterschiedlichen Personen welche ihrer Handlung halber zum oͤftern in Languedoc und Provence zu reisen haben, welche mir dann saͤmtlich eben das, was ich bereits gemeldet, berichtet, und dabey versichert haben, daß diese Beeren, welche wir bekommen, meisten- theils auf der kleinen Art, oder dem Weiblein, wuͤchsen. Es sollen aber die- selben an etlichen Orten in Provence und Languedoc von sich selbsten, unter dem Rosmarin und Kermesbeerstauden, wachsen: von dannen werden sie zu uns gebracht. Allein, ich haͤtte gerne noch bessere Nachricht davon gehabt, fragte derowegen den Herrn Charras, Med. Doct. ebenmaͤßig darum, der mir dann zu verstehen gab, wie er zwar viel rare und seltsame Kraͤuter gesehen, als er vor einigen Jahren in Spanien, und im December von Cadix nach Madrit ge- reiset waͤre: doch da er durch Cremona, Corduba und Eßica uͤber den koͤnig- lichen Weg fortgezogen, welcher eintzig und allein nach Toledo fuͤhret, und uͤber das Gebirge Sierra morena gehet, das von der braunen Farbe also benennet wird, die man von ferne erblicket, und die dicken Straͤuche verursachen, vornehmlich das Ladanum, welches uͤberall aus den Steinritzen herauswaͤchst, und das gan- tze Jahr uͤber gruͤne bleibt; so habe er unterwegens gantze Striche Landes, et- liche Meilen lang, angetroffen, woselbst nichts andeꝛs als Myrten, mehrentheils Weiblein, von ziemlicher Hoͤhe und Di- cke, zu sehen gewesen, durchgehends gruͤ- ne, und mit weissen Blumen gantz bede- cket, deren starcken und uͤber die Maas angenehmen Geruch er bereits von fer- ne empfunden, sich auch daran viel Mei- len weit ergoͤtzet, obgleich das Jahr schon fast zu Ende gelaufen: daher er zu glau- ben veranlasset worden, daß die Beeren, weil die Landschaft warm genug, ohn- fehlbar auf die Bluͤte folgen muͤsten, und duͤrffte einer, der sich nur die Muͤhe neh- men und sie sammlen wolte, ihrer mehr zusammen bringen, als gantz Franckreich verbrauchen koͤnte. Er vermeldete fer- ner, daß ob er gleich unter diesen Myr- ten-Weiblein ziemlich starcke Maͤnnlein angetroffen, dennoch habe er im August- monat, als er zwey Meilen von dem Staͤdtlein Rondodella, nicht gar zu weit von dem Gallizischen Meere, hinge- zogen, etliche Myrten, maͤnnliches Ge- schlechts, gesehen, deren Stamm, als ein ziemlich dicker Mann starck gewesen, und die Aeste nach Proportion des Bau- mes, gleichfalls lang und starck: die Hoͤ- he der Baͤume sey drey bis vier Ellen, und die Aeste dermassen starck und veste gewe- sen, daß sie einen Mann tragen koͤnnen wie er dann selbst auf einen derselben aus Neugierigkeit gestiegen. Allein, er habe weder Hauptbeschreibung ersten Theils erstes Buch. weder Bluͤte noch Beeren drauf ange- troffen, und daraus geschlossen, sie muͤ- sten mit denen zu Sierra morena zugleich, das ist im December, bluͤhen. Die Beeren werden zu allen Kranck- heiten, wo man stopfens und anhaltens von noͤthen hat, so wohl innerlich, als aͤusserlich gebrauchet. Die Apothecker machen einen Saft oder Syrup davon, und ein Oel, welche aber beyde in Franck- reich gar selten gebrauchet werden. Jn Teutschland faͤrben sie blau mit den Beeren, als wie wir in Franckreich gelb mit dem Korn von Avignon, und gruͤn mit den Creutzbeeren. Die Englaͤnder nehmen die Myrten- blaͤtter und Reisig, und gerben das Leder damit, als wie mit dem Sumach oder Gerberbaum. Die Myrtenbeeren, die wir bekom- men, sind an der Sonnen gedoͤrret, und daher gantz eingeschrumpfen, und die Haut auch also schwartz, da sie doch, wenn sie gesammlet werden, und recht reiff worden, nicht nur glatt sind, son- dern auch voll Saft, den man gleicher- gestalt auspressen und zu vielerley ge- brauchen kan: das uͤbrige wird getrock- net und aufgehebt. Weil aber diese Fruͤchte nicht seltsam, dahero braucht es dieser Muͤhe nicht. Ob mich nun schon der Herꝛ Charras versichert, daß diejenigen Myrtill en, die wir zu verkauffen haben, die Beeren der Myrten waͤren, dennoch sind es viel- mehr, nach des Herrn Tourneforts Erachten, die Beeren des Vitis Ideæ, die Heydelbeeren, welche bey allen Auto- Siehe Fig. 25. ribus beschrieben und gantz gemeine sind. Das drey und zwantzigste Capitel. Vom Laͤuskraut. S Taphis agria ist der Samen eines Krau- tes, das in Povence und Languedoc insgemein waͤchst. Siehe Fig. 26. Das Kraut hat grosse, dicke, gar sehr zerkerbte, gruͤne Blaͤtter, auf welche himmelblaue Blumen, und nach diesem die Baͤlglein folgen, in denen der Sa- men liegt, und dermassen gedrungen beysammen stickt, daß man kaum sehen kan, was ihn zusammenhaͤlt: wird er von einander gerissen, dann ist er als eine Erbis groß, dreyeckigt, auswendig schwaͤrtzlicht und rauch, innwendig weiß- gelblicht, und schmeckt bitter, beissend und unangenehm. Man suche diesen Samen, der fein vollkommen und frisch ist, unter dem auch nicht viel Unrath befindlich. Er wird fuͤr die Laͤuse/ vornehmlich bey Kindern, gebraucht, wie auch zum Blasenziehen und Stillung der Zahn- schmertzen/ wenn er vorher in Wein- eßig geweichet worden: weil es aber ei- ne gefaͤhrliche Sache, deswegen wolte ich nicht leichte iemand dazu rathen, zu- mahl da schon andere Mittel vorhan- den, dabey keine solche Gefahr zu besor- gen, und dennoch einerley Wirckung zu hoffen steht. Das vier und zwantzigste Capitel. Vom Bisamsamen. A Mbrette, Graine de Musc, der Bisam- samen, ist ein klein, braun und rau- ches Koͤrnlein, wie eine Nadelkoppe groß, und wie eine kleine Niere gestalt, riecht nach Mosch und Ambra, sonderlich, wenn es noch frisch ist, daher es dann auch seinen Namen hat bekommen. Siehe Fig. 27. Das Kraut schiest gerade in die Hoͤhe, hat gruͤne Blaͤtter, die so weich als Sam- met sind, und bald wie die Pappel- blaͤtter sehen, darum es auch Alcea In- dica villosa, die Jndianische Sammtpap- pel genennet wird. Es traͤgt gelbe Blu- men, wie Glocken, aus denen dreyeckig- te Huͤlsen entstehen, die auswendig braun, inwendig weiß sehen, und des Fingers lang sind; in diesen liegt der Samen. Der Samen aber soll frisch seyn, fein voͤllig, wohlriechend, trucken und reine. Derjenige, welcher aus der Jnsel Mar- tinigo gebracht wird, riecht viel staͤrcker, als der aus den andern Jnseln kommt. Dieses Kraut waͤchst auch in Egypten/ woselbst es Mosch, und der Samen Abelmosch genennt wird. Die Parfumirer, sonderlich in Jta- lien, brauchen diesen Samen am mei- sten; inngleichen die Paternoster- und Rosenkraͤntzmacher. Man Der Spezereyen und Materialien Man darff diesen Samen durchaus zu keinen Sachen thun, die man wohl- riechend zu machen gedencket, oder es muß einer wohl damit umzugehen wis- sen. Widrigen Falls wird alles ver- derbet werden. Der Bisamsamen hat, meines wis- sens, keinen Nutzen in der Artzney, weil uns entweder seine Kraft und Tugend annoch verborgen, oder aber, weil mir nur seine Eigenschaften zur Zeit noch unbekannt sind. Das fuͤnff und zwantzigste Capitel. Von der Conzenille. Siehe Fig. 29. D Je Conzenille, mit dem Zuna- men Misteca, ist der Samen eines Gewaͤchses, welches drey Fuß hoch waͤchst, und zwey Finger dicke, schoͤne gruͤ- ne und sehr stachlichte Blaͤtter hat, nach welchen die Schoten, die gelbgruͤn sind und wie Hertzen sehen, folgen, darin- nen ein Hauffen Koͤrnlein, wie grosse Nadelkoppen stecken, unter denen etliche ziemlich platt, andere dagegen dreyeckigt sind, alle aber und insgesamt rauch und wie Chagrinleder, aussenher weiß, inn- wendig blutroth. Diese Samkoͤrner werden aus Peru und andern Orten in Neuspanien/ naͤm- lich von der Saltz- und Mexicanischen See/ zu uns gebracht, inngleichen von Cadix, einer in Andalusien am Ge- stade des mittaͤgigen Oceans gelegenen Stadt, theils mit denen Spanischen Gallionen, theils mit der Flotte, wel- che mit Silber und Golde aus den Pe- ruanischen Goldgruben beladen, alle Jahre nach Spanien segelt, und zu- gleich Jpecacuanha/ Quinquina, Sarsaparilla/ und andere selbiger Orten gangbare Wahren mitbringet. Von Cadix wird sie durch andere Schif- fe nach Holland, England und Mar- seille abgefuͤhret, und von dem letztern Orte auch zu uns gebracht. Die Conzenille wird von den Spa- niern dermassen hochgehalten, daß sie dieselbige, aus Beysorge, sie moͤchte auch in Franckreich aufgehen, mit Feuer und Kalch zu fernern Wachsthum untaug- lich machen. Ja was noch mehr, dafern sich iemand, der kein gebohrner Spani- er ist, an denen Orten, wo die Conze- nillen-Pflantzen stehen, betreten laͤßt, wird er, wie mir gesaget worden, also- fort aufgeknuͤpft. Die meisten glauben und wollen be- haupten, es sey die Cochenille ein Thier- lein: ich selbst haͤtte es vermeinet, wenn ich nicht in zweyen Briefen von Herren Frantz Rousseau, der aus der Land- schaft Auxerre buͤrtig, und zu Leogan- na auf der Kuͤste S. Domingo seßhaft ist, eines bessern waͤre versichert worden. Jm ersten Briefe, den 15. Maji 1692. datir et, schreibt er also: Mein Herr, „Die Cochenillenpflantze, die ihr „zu kennen und Nachricht davon zu ha- „ben verlanget, schießt ohngefehr zwey „oder drey Fuß hoch in die Hoͤhe, als „wie lauter Reiser, mit zwey Finger „dicken Blaͤttern besetzt, welche gar lieb- „lich gruͤn sehen, und uͤber und uͤber mit „Stacheln bewehret sind. Der Sa- „men steckt in kleinen Huͤlsen, die wie „ein Hertz aussehen, und wenn sie reiff „worden, gelblicht sind: diese laͤst man „trocknen, und thut sie in leinene oder „lederne Saͤcke, auf die Weise, wie sie „nach Franckreich gebracht werden. Die „ihr bekommen habt, waͤchst auf Spani- „schen Boden, meistentheils an der „Saltzsee, denn das wenige, das bey uns „zu Leoganna waͤchst, verdient nicht, „daß ich davon melde. Diß lautet gantz anders, als was Furetiere davon erzehlet, welcher die Kermesbeeren mit der Conzenille ver- menget, und zu Ende seiner Beschrei- bung saget, daß es ein graues Wuͤrm- lein sey, aus Jndien kommend, mit dem ein so grosser Handel getrieben werde, daß allein in die Stadt Tlascala, im Koͤnigreich Mexico gelegen, des Jah- res fuͤr mehr als zweymahl hundert tau- send Thaler werth gebracht werde. Nach ihm hat mir der Ehrw. P. Plumier, ein Minorit, folgendes zum theil muͤnd- lich erzehlet, zum theil aber mit eigner Hand geschrieben gegeben. Die Cochenille, Misteca genannt, ist ein kleines Thierlein, einer Wantze nicht unaͤhnlich: wird sowohl in Neu- spanien/ als auch in denen Americani- schen Jnseln auf unterschiedlichen Ge- waͤchsen gefunden, und zwar so haͤuffig, daß Hauptbeschreibung ersten Theils erstes Buch. daß die Einwohner, nachdem es trocken worden, so zu reden, eine rechte Ernde halten. Es geben aber nicht alle Pflantzen diesen Thierlein eine taugliche Nahrung, davon sie so schoͤn roth werden; dannen- hero erziehen sie die Einwohner auf dem Gewaͤchs Opuntium, daraus sie den ro- then Saft saugen, welcher nicht wenig zu ihrer hochrothen, denen Faͤrbern so angenehmen Farbe beytraͤgt. Weil auch die Ameisen diesen Thierlein gar hef- tig nachstehen, deswegen umgeben die Spanier die Plaͤtze, wo ietztgedachte Ge- waͤchse stehen, mit Wassergraͤben, daß also die Ameisen davon bleiben muͤssen. Das vornehmste Gewaͤchse, darauf die Concenille waͤchst, wird von den Americanern Raquette und Cardas- se genennet, von den Botanicis aber Opuntium majus, spinosum, fructu sangui- neo, das heißt, ein grosser stachlich- ter Jndianischer Feigenbaum, mit blutrothen Fruͤchten. Diß Gewaͤchse ist etwas gantz wun- derbarliches, indem es nichts anders ist, als ein Hauffen grosser langrunder, stachlichter Blaͤtter, die uͤberaus schoͤn gruͤn sind, mit langen spitzigen gelben Stacheln besetzet. Oben auf diesen Blaͤttern wachsen grosse leibfarbene Blumen, und hernach hochrothe Fruͤch- te, welche zu oͤberst gleichsam einen erd- fahlen Nabel haben. Die Pflantzen sind von unterschiedener Groͤsse, wie dann etliche in Manns-Hoͤhe gefunden werden, welches aber blos der Guͤte des Bodens muß zugeschrieben werden. Wann nun die Einwohner dieses Unge- ziefer sammlen wollen, so schlagen sie dieselben mit ausdruͤcklich hierzu ge- machten Ruthen in die mit Asche und Wasser erfuͤllten Gefaͤsse herunter, und nehmen sie wiederum heraus, wenn sie ersoffen sind, damit sie trocken werden. Wenn diese Wuͤrmlein noch leben- dig, sind sie roth, und als ob sie mit Meh- le bestreuet waͤren: und darum sieht die Conzenille, die uns geschickt wird, also weißlicht. Dieses ist auch noch als etwas sonderliches anzumercken, daß dieses Ungeziefer sich so gar haͤuffig vermehret; denn hundert vermoͤgen gar wohl eine Million Junge auszuhecken. Den 30. Julius 1693. brachte mir eben dieser P. Carolus Plumier/ ei- nen Zettel, darauf er nachfolgendes eigenhaͤndig aufgeschrieben. P. Carl Plumiers, Minoriten- Ordens, Beschreibung der Conzenille. Es ist die Conzenille/ welche man aus Neuspanien oder von dem vesten Lande in America bringet, ein Insectum und Ungeziefer, an Gestalt und Groͤsse einer Wantze nicht ungleich. Dasselbe haͤnget sich an die Baͤume, fuͤr allẽ an die Acacien, und diejenigen, welche in de- nen Frantzoͤsischen Jnseln Kirschbaͤume genennet werden. Dieses Thierlein ist trefflich fruchtbar, denn es traͤgt zwi- schen denen Beingen und am Bauche eine gantze Menge schier unbegreiffli- cher Eyergen, aus denen eine unzehliche Anzahl kleiner rother Wuͤrmlein her- fuͤr schlieffet, denen die Ameisen gar sehr nachstehen. Wenn man die Muͤtter zerdruͤckt, lassen sie einen Saft von sich, der sich auf Scharlach ziehet, mit etwas gelb vermischt: daß also diese Thierlein, die auf dergleichen Baͤumen wachsen, keine rechte lebhafte Farbe geben. Da- mit sie aber diesen schoͤnen Saft empfa- hen moͤgen, deswegen erziehen sie die Jndianer auf gewissen Gewaͤchsen, im Latein Opuntium, Frantzoͤsisch Raquette genennet, auf. Gemeldte Gewaͤchse tragen eine Frucht, wie eine Feige groß, welche voll unvergleichlich schoͤnes ro- thes Saftes ist, dahero auch der Saft der Conzenillen, die auf dergleichen Gewaͤchsen erzogen worden, weit glaͤn- tzender und lebhafter ist, als deren, die auf denen andern Gewaͤchsen befindlich sind. Als ich diese Wuͤrmlein zum er- sten mahle auf der Jnsel S. Domingo zu petit Goive antraff, wiese ich dieselben zweyen Jndianischen Sclaven, die aus dem Lande, darinne die Conzenille waͤchst, gebuͤrtig waren, und diese sag- ten beyde, daß es Conzenillen waͤren. Ein gleiches versicherten mich etliche Flibustiers oder Corsaren, welche in demselben Lande herum gereiset waren, und sagten dabey, daß die Jndianer diese Wuͤrmlein von den Raqvetten sammleten, woraus ich abnahm, daß allein die Wartung diese schoͤne Farbe zu wege braͤchte, zu mahl da die Farbe derjenigen Conzenille, die ich auf den Kirschbaͤumen angetroffen, bey weitem nicht so schoͤne war. C Nach- Der Spezereyen und Materialien Nachdem ich hernach von der Reise nach Domingo zuruͤck kommen, durch- suchte ich diejenigen Scribenten, welche America beschrieben haben, und fand folgendes in Johann Laets Be- schreibung Westindiens: Das Conzenillenkorn waͤchst in Neuspanien an vielen Orten auf den Tunabaͤumen, deren Blaͤtter sehr dicke sind; muͤssen aber an der Sonne, und vor dem Nordwinde wohl beschirmet stehen. Es ist ein kleines lebendiges Thierlein, oder besser zu reden, ein Un- geziefer, fast wie eine Wantze gestalt. Wenn es sich zu erst an die Baͤume haͤn- get, ist es nicht groͤsser, denn ein Floh, und sein Samen wie Kaͤsemuͤlben; fuͤllet ei- nen gantzen Baum, ja wohl einen gan- tzen Garten an, und wird des Jahrs ein oder zweymahl gesammlet. Die Baͤu- me pflantzen sie ordentlich in Reihen, wie die Weinstoͤcke, nehmen sie fleißig in acht, und jaͤten das Unkraut herum aus. Je juͤnger die Baͤume, ie mehr und bes- sere Conzenille tragen sie; doch muͤssen sie mit grosser Sorgfalt vor dem Unge- ziefer, und sonderlich vor den Huͤnern, welche die Conzenillen gerne fressen, verwahret werden. Die Pflantzen saͤubern sie mit Fuchsschwaͤntzen, damit der frische Same nicht verderbe. Wann dann die Wuͤrmlein groß genug, wer- den sie mit sonderlichem Fleisse abgele- sen, und mit kaltem Wasser, welches druͤber her gespritzet wird, ertoͤdtet, her- nach im Schatten getrocknet, und in ir- denen Geschirren aufgehoben: zuwei- len toͤdtet man sie mit Asche, welche her- nachmahls wieder abgewaschen wird. Hier ist zu mercken: Der Baum Tuna sey nichts anders, denn obgedach- tes Opuntium, oder Raquette, dessen es vielerley Geschlechte giebt, jedoch muß diejenige Art zu Pflegung der Conze- nille erwehlet werden, deren Frucht den schoͤnen rothen Saft in sich enthaͤlt. Allein, dieser des Herren Furetiere, P. Plumiers und Laets Meinung kan ich durchaus nicht beypflichten, son- dern muß vielmehr glauben, die Coche- nille sey der Samen eines Gewaͤchses; weil mir der Herr Rousseau zu Ende seines Briefes geschrieben, daß er zu mehrer Bestaͤrckung seines Vorgebens mit ehesten eine solche Pflantze uͤbersen- den wolle, hoffe auch, er werde es mit Goͤttlicher Huͤlffe gewiß thun, denn er uͤberdiß in seinem andern Schreiben vom 25. Maji erwehnten Jahres folgen- der massen schreibet. Mein Herr, Die Cochenille betreffend, davon ich ihm gedacht, davon muß ich ihm eine artige Begebenheit vermelden, die sich mit einem Pater, Minoriten-Ordens, der, wie es scheinet, aus Provence buͤr- tig, zugetragen. Dieser, welcher sich auf die Kenntnuͤß der Kraͤuter gar wohl verstehen wolte, mochte zwischen 45. und 50. Jahren seyn, und war schwartz von Gesichte. Man haͤtte ihn auch fuͤr einen verstaͤndigen Mann gehalten, wenn er nur schweigen koͤnnen; so aber ersahe er zu seinem Ungluͤcke, etliche Acacien/ welches sehr stachlichte Baͤu- me sind, denn er wolte auch in der Zei- chenkunst erfahren seyn, und Cardas- sen, ein Gewaͤchs, dessen Blaͤtter zwey Finger dicke, und bey nahe, als wie die Raquete, die man in Franckreich zum Ballspiel brauchet, sehen. Diese tra- gen Fruͤchte, wie Feigen, welche einen etwas scharffen Geschmack haben, und den Harn roth faͤrben. Auf diesen Baͤumen fand er einige Thierlein, und gab fuͤr, das waͤren die Conzenille, wo- ruͤber die Einwohner zu S. Domingo/ denen dieses Gewaͤchse, und was es ist, nur gar zu wohl bekannt, zu heftigem Gelaͤchter bewogen wurden. Es wur- de auch dieses guten Paters Credit und Ansehen hierdurch bey iederman, und insonderheit bey dem Herrn de Cussi, wel- cher, gleichwie auch andere, ein sonder- lich Vertrauen in dieses Mannes Wor- te gesetzt, uͤber die Masse verringert. Bald darauf ist er nach Franckreich ge- reiset, und hat auch, so viel ich weiß, sei- nen Jrrthum, den er von der Conze- nille zu S. Domingo gefasset, mit dahin uͤberbracht. Es gedencket auch der Herr Rous- seau, daß auf den Acacien eine Gat- tung kleiner Wuͤrmlein, wie eine Wan- tze groß, zu finden sey, welche Vermeil- lon genennet wuͤrden, waͤren aber zu nichts nicht nuͤtze, weil sie sich nicht treu- gen liessen: und diese werden wohl, mei- nes Erachtens, des P. Plumiers Con- zenille seyn. So verdienen auch des Herrn Rous- seau Briefe darum mehr Glauben, weil Hauptbeschreibung ersten Theils erstes Buch. weil man an unserer Conzenille weder Fluͤgel noch Fuͤßgen, weder Kopf noch andere Theilgen solcher Thierlein erbli- cken kan, da sie hingegen alle Kennzei- chen eines Korns oder Samens an sich hat. Und wenn es auch hieran noch nicht genug, so besehe man nur, was Ximenes und Wilhelm Piso in der Beschreibung der Brasilianischen Ge- waͤchse davon meldet; denn nachdem dieser letztere eine Gattung Jndiani- Siehe Fig. 28. scher Feigenbaͤume, die er Jamacaru nennet, weitlaͤufftig beschrieben, so sagt er endlich, dieses sey eben das Gewaͤchse, das in Neuspanien die Conzenille trage. „Ausser diesen wird auch in der Be- „schreibung Virginiens einer ange- „nehmen Frucht, Metaquesunnauk, „gedacht, in Groͤsse und Gestalt einer „Birne, welche durch und durch roth ist, „und auf einem Gewaͤchse waͤchst, des- „sen Blaͤtter ziemlich dicke und voll spi- „tziger Stacheln sind. Etliche, die in „Jndien gewesen, und diese rothe und „kostbare Farbe, die man Conzenille „heißt, wachsen gesehen, beschreiben die- „ses Gewaͤchse eben also, als wie die „Frucht Metaquesunnauk beschrie- „ben wird. Dem sey nun wie ihm wolle, man soll iederzeit die feinste Gattung der Conzenille erwehlen, das ist, die da schwer, dicke, voͤllig, rein, trucken, weiß und gleissend sey, die auch, wenn ein Korn davon im Munde zerdruͤckt wird, dem Speichel eine dunckelrothe Farbe gebe: dagegen soll man die verwerffen, welche garstig, gering und leichte ist. Endlich muß man auch sich vorsehen, daß keine Steinlein drunter, wiewohl ehe geschicht; bevoraus, wenn sie theu- er ist. Die Conzenille wird, meines be- halts, gar nicht in der Medicin ge- braucht, es muͤsten dann einige, und zwar nicht wenige Medici samt andern Personen diese und die Kermeskoͤrner fuͤr einerley gehalten haben und noch halten, welches iedoch der Wahrheit schnurstracks zuwider ist, wie aus fol- gendem Cap. zu ersehen. Die Schoͤn- faͤrber aber brauchen sie gar haͤuffig, denn sie die basis und vornehmstes Stuͤ- cke zur Scharlachfarbe ist. Etliche faͤrben den Zucker damit, und thun als- dann gantz zart geriebenen Weinstein oder andere acida und saure Sachen dazu. Vom Carmesin. Carmin oder Carmesin ist die theu- erst- und kostbarste Wahre, die aus der Cochenilla Misteca bereitet wird. Es ist aber eine Fecula oder ein gantz zartes Pulver, das eine hochrothe Farbe hat, und wie Sammt siehet, und vermittelst eines sonderlichen Wassers, darinne Chouan und Autour geweichet worden, zugerichtet wird. Wenn es denn sol- cher gestalt recht zubereitet und getreu- get ist, wird es Carmin, oder Carmesin genennet, der, wenn er aufrichtig, und wie er soll, beschaffen ist, ein unbegreif- lich Pulver, hoch an der Farbe, und best- moͤglich præpari ret seyn muß. Weil ihn aber boͤse Leute des hohen Preisses we- gen ofte zu verfaͤlschen pflegen, derowe- gen soll man ihn allein bey solchen Han- delsleuten kauffen, welche zu gewissen- haftig sind, denselben zu verfaͤlschen, oder die andere Sorte, so um ein gutes geringer und schlechter ist, an statt der ersten zu verkauffen. Etliche thun Rocou dazu, allein davon wird der Carmin gantz Pome- rantzenfarbicht. Der Carmin wird zur Mignatur- Arbeit gebrauchet, wie auch zu den schoͤ- nen Tuͤchern, daraus die koͤstlichen Ta- pezereyen gemacht werden. Von der feinen Lacca, und andern derselben Sorten. Die feine Lacca wird auch die Ve- nedische genennet, weil sie ehedessen nirgend anders her gebracht wurde: seit dem aber einige Personen zu Paris sich unterfangen sie nachzumachen, und es ihnen gelungen (wie sie denn von den besten Mahlern der Venedischen vor- gezogen wird) so kommt ihrer ietzund wenig mehr dorther. Die Lacca ist eine haͤrtliche Massa, Etliche thun die Terra Me- rita dazu. wird aus dem Marck oder dem innersten der Fischbeine, Ossa sepiæ genannt, so mit einer gewissen Tinctur gefaͤrbet worden, bereitet. Diese Tinctur wird aus der Cochenilla Misteca, Brasilien- und Pernambuc-Holtz, mit gebrann- ter Englischer Alaune, Arsenic und der Lauge von Egyptischem Salpeter, oder weisser Suda, oder in deren Erman- C 2 gelung, Der Spezereyen und Materialien gelung, von Alicantischer Suda, ge- macht, und darauf durch ein Seihe- tuch oder Beutel geseihet: hernach ver- faͤhrt man auf gleiche Art, wie mit dem Jndigo, und macht aus dieser Massa kleine Kuͤchlein oder trochiscos, welche getrucknet und zum Gebrauch aufbehal- ten werden. Es ist diese Lacca, wenn sie ist, wie sie seyn soll, in kleinen Kuͤchlein, an Farbe hochroth, zart und laͤßt sich leicht zerreiben. Von der Lacca Columbina. Diese wird von geschornem Schar- lach oder scharlachenen Scheerflocken bereitet, welche in eben solcher Lauge, wie obengemeldet, gesotten, durchge- seihet, und auf zart gestossene weisse Kreide und Englische Alaune gegossen worden. Aus der Massa werden her- nach vier Finger dicke viereckigte Stuͤck- gen nach gefallen gemacht, getrucknet, und zum Gebrauch verwahret. Die Venedische ist weit schoͤner als die Hol- laͤndische und Pariser/ denn das Weiß, das die Venediger drunter thun, ist un- gleich feiner und besser, als das Hol- laͤndische, und das wir zu Paris dazu gebrauchen. Wenn diese Lacca gut seyn soll, so muß sie aufrichtig Vene- disch, hoher Farbe und nicht steinicht seyn. Die Mahler brauchen sie gleich- falls. Man hat noch eine andere Lacca/ liquida, die fluͤßige genannt, deren im Cap. von Pernambuc-Holtz, Meldung geschehen soll. Vom feinen Rothlapp. Die feine Constantinopolitani- sche Tornesol wird von Hollaͤndischem Kammertuch oder Crespon gemacht, welche mit Conzenille, dazu ein oder ander acidum gethan worden, gefaͤr- bet werden. Man braucht sie, allerhand liquores und Saͤfte, Branntwein und derglei- chen damit zu faͤrben, und liegt nichts dran, ob Kammertuch oder Crespon dazu genommen worden, wenn es nur recht fein ist, eine hohe Farbe hat, und fein roth faͤrbet. Die Tuͤrcken und orientalischen Voͤl- cker heissens Bizerera rubra. Vom Portugallischen Tornesol auf Cotton. Die Portugisen senden uns Roth- lapp von Cotton/ in der Form, Dicke und Runde eines Thalers, damit wer- den die dickgesottenen Saͤfte von Fruͤch- ten oder die Gallerden gefaͤrbet, wie- wohl dieser Rothlapp nicht so sehr ge- brauchet wird, als wie der andere. Je- dennoch soll er auch schoͤn roth, trucken und wohl beschaffen, das ist, nicht schmutzig seyn. Alle diese bisher erzehl- te Sachen werden aus der Cochinilla Misteca gemacht. Die uͤbrigen Sorten der Conzenille heissen Campeschane/ Tetrechalle und Sylvestre oder die Wilde. Campeschane ist nichts anders, als der Cochenille Campeschane. Unrath, und Uberbleibsel von der Coche- nilla Misteca, darunter ein hauffen duͤr- re und ausgetrocknete Koͤrner, kleine Dieses sind wahrscheinlich diejenigen Baͤlglein/ in denen bisweilen einige Conzenil- lenkoͤrnlein/ die ohngefehr drein gerathen/ ge- funden werden; wie auch die Wuͤrmlein/ wel- che Anlaß gegeben, daß ihrer viele die Conze- nille fuͤr Wuͤrmlein gehalten. Baͤlglein und rothe Wuͤrmlein, welche die Kinder Gottes-Kuͤhlein zu nennen pflegen, samt anderm Wust zu finden. Es wird auch die Cochenilla Misteca, die schon einmahl zum Faͤrben ist gebꝛau- chet worden, Campeschane genennet. Tetrechalle heist die Erde, die unter Cocbenille Te- trechalle. der Campeschane befindlich ist. Cochenille Sylvestre, die wilde oder die Cochenille Syl- vestre, die wil- de Cochenille. koͤrnichte, wird an denen Wurtzeln der grossen Pimpinelle, von den Simpli- cisten Pimpinella sanguisorba genennet, gefunden, wie in dem Buche, welches von den Blaͤttern handelt, wird zu erse- hen seyn. Diese letztere wird zu nichts anders, dann zum Faͤrben gebraucht. Das sechs und zwantzigste Capitel. Von den Scharlachkoͤrnern oder Kermesbeeren. D Je Scharlachkoͤrner oder Ker- mesbeeren nennen die Lateiner Grana tinctorum, auch Coccus infectorius, und die Araber Kermen oder Kermes. Sie sind das Korn oder vielmehr ein Auswurff und excrementum eines klei- nen Baͤumleins, dessen Blaͤtter stach- Siehe Fig. 30. licht sind, und den Stechpalmen fast aͤhnlich Hauptbeschreibung ersten Theils erstes Buch. aͤhnlich sehen, nur daß sie viel kleiner. Sie werden so wohl in Portugall, als auch in Spanien, Provence und Lan- guedoc in grosser Menge gefunden. Jch will mich nicht lange mit Be- schreibung dieses Baͤumleins aufhal- ten, dieweil es bereits von gar viel Scri- benten sattsam beschrieben worden, son- dern nur dieses melden, daß dasjenige, was wir Scharlachkoͤrner heissen, auf und unter den Blaͤttern wachse und hange: auch, wann die Ernde gut, den armen Leuten in selbigen Landen, ab- sonderlich in Provence und Langue- doc, trefflich zu statten komme, indem sie diese Koͤrner nur sam̃len und den Apo- theckern bey Pfunden verkauffen duͤrf- fen. Diese nehmen das inwendige da- von, und machen den Alkermessyrup daraus, verkauffen hernach, was im Siebe zuruͤcke bleibt, den Faͤrbern eben so theuer, als ihnen das gantze Wesen zu stehen kommen. Welche aber die Beeren verfuͤhren, oder anders wohin schicken wollen, dieselben treugen sie, so wohl zum Gebrauch der Artzney, als auch fuͤr die Faͤrber, welche sie gantz haͤuffig verbrauchen, dazu dann die dicksten und frischesten, das ist, die nur ein Jahr alt, und voll Pulver, uͤberdiß recht roth und reine sind, muͤssen ausge- suchet werden. Denn so bald sie aͤlter werden, wachsen Wuͤrme drinnen, wel- che das Pulver verzehren, und Loͤcher drein beissen, dahero werden sie loͤchricht und leichte, bleibt auch nichts uͤber, als die blosse Haut, und wird also ihre Guͤte gar sehr verringert. Die in Langue- doc wachsen, werden fuͤr die besten ge- halten, weil sie insgemein groß und sehr schoͤn roth sind, hingegen werden, die in Portugall wachsen, weit geringer ge- achtet, indem sie viel kleiner, duͤrre und schwartz sind. Diese Beeren werden fuͤr ein herr- lich cardiacum und sonderliche Hertzstaͤr- ckung gehalten, so den Schwangern Weibern, wenn sie gefallen, vortreff- lich dienen soll, massen ihnen ein halbes Quintlein schwer dieses Pulvers in ei- nem Ey gegeben wird. Die Conzenil- le aber soll durchaus nicht dafuͤr gege- ben werden, ob sie gleich unterschiedliche Personen, die beyde fuͤr einerley halten, zu verordnen pflegen. Pastel d’Ecarlatte. Dieses ist das Pulver, das in denen annoch frischen Beeren befindlich ist, und fein roth sehen soll, muß aber nicht mit Weineßig besprenget seyn, als wie das, so aus Portugall kommt, damit es desto schwerer wiege, und denn auch eine hoͤhere Farbe bekomme. Allein, solcher Betrug wird gar leicht gemer- cket, wenn es feuchte ist, und einen star- cken unangenehmen Geruch hat. Dennoch aber wird es nicht zur Artz- ney gebrauchet, ob es schon das beste von den Beeren ist, weil seine Kraft unbe- kannt: hingegen brauchen es die Schoͤn- faͤrber desto haͤuffiger. Vom Alkermes Syrup. Der Alkermes Syrup ist das Marck oder inwendige der frischen Scharlachbeeren ; wird mit dem Brasilianischen Kastenzucker, oder mit den kleinen Zuckerbroden, vorher gestos- sen, vermischet, und bey gelindem Feuer untereinander geschmoltzen, darauf in kleine weisse Faͤßlein gethan, und in sol- cher Gestalt von Nimes und Mont- pellier zu uns gebracht; denn daselbst wird er in grosser Menge bereitet, und theils auf den Marckt nach Beaucaire geschickt, theils aber an andere Orte verfuͤhret. Wann dieser Syrup oder Saft recht gut ist, dann hat er eine hochrothe Far- be, ist frisch, mittelmaͤßiger Consistentz und dicke; nicht zu dicke, noch zu duͤnne; nicht gruͤmplicht oder candisiret, auch nicht sauer. Es soll auch nicht zuviel Zucker dazu genommen worden seyn, welches man an der bleichrothen Farbe, und wenn er nicht bitterlich, sondern zuckersuͤsse schmeckt, abnehmen kan; denn welcher recht bereitet ist, sieht hoch- roth, und schmeckt ziemlich bitter. Confectio Alkermes. Der Alkermes Syrup wird selten zur Artzney gebraucht, wenn er aber mit dem Syrup, der aus suͤssem Apfel- safte, Rosenwasser, roher Seide, weis- sem Zucker, praͤparirten orientalischen Perlen, gelben Sandel, dem besten Zimmt, praͤparirten Asurstein und Goldblaͤttlein gemacht ist, incorporir et und vermischet worden, alsdann wird daraus ein Opiatum oder Electuarium li- quidum, unter dem Titel Confectio Al- C 3 kermes. Der Spezereyen und Materialien kermes. Etliche thun Ambra und Bi- sam dazu, welches aber nur mit Gut- befinden gelehrter Medicorum geschehen soll, indem dergleichen wohlriechende Dinge denen meisten Weibspersonen zuwider sind. Wer sie bereiten will, der mag die Pharmacopoeas, oder diejeni- gen Buͤcher nachschlagen, welche lehren, wie die Artzneyen zuzurichten, und auch von dieser composition handeln. Wir verschreiben sie von Montpellier/ woselbst die beste gemacht wird, dieweil der Syrup allda viel besser und frischer zu bekommen ist, als an andern Orten, dahin er verfuͤhret wird. Auch huͤte man sich, und kauffe sie bey Leibe nicht bey solchen Leuten, welche dergleichen Spezereyen verkauffen, die ihm kein ehr- licher Mensch einbilden soll, ja die nicht werth sind, daß sie iemand in seinen Leib einnehme: und solcher unnuͤtzen Leute finden sich gar viel, welche die Confectio Alkermes machen, und selbige spottwohl- feil verkauffen, da doch sonsten zwey Un- tzen hoͤher kommen, als sie ein gantzes Pfund geben. Damit sie aber ihren Betrug desto besser bescheinigen moͤgen, derohalben thun sie dieselbe in saubere steinerne Buͤchsen, und kleben Zettel dran, mit der Aufschrifft Confectio Al- kermes von Montpellier; wollen also iederman weiß machen, als ob sie selbi- ge daher bekommen: welches doch ge- wiß recht viel auf sich hat, denn diejeni- gen, die sie verordnen, finden sich in ih- rer Hoffnung betrogen, und die Pati- enten erhalten keine Staͤrckung. Die- ses kan ich mit Wahrheit bezeugen, in- dem ich es unzehliche mahl selbst gese- hen. Solche Compositiones und ande- re, welche zu Paris aus etwa zwey oder dreyer Personen Haͤnden kommen, de- rer Namen dennoch aus Christlicher Lie- be und mit Vorbedacht verschweigen will, solte man alle viel ehe ins Feuer schmeissen, als daß sie jemand gebrauche- te: und doch verkauffen sie eine schier unglaͤubliche Menge dieser Sachen an die Tabulettraͤger aus la Forest de Lyon in Normandie, welche sich fuͤr Speze- reyhaͤndler ausgeben, und sie auf dem Lande herum tragen, oder bes- ser zu reden, halb Franckreich damit vergiften, sonderlich gegen Burgund/ Nivernois/ Flandern/ Touraine und andere Orte zu; ja, welches noch mehr zu bewundern, sie verkauffen selbst in Paris in die Kloͤster, an die Apothe- cker, Wundaͤrtzte und andere Leute un- saͤglich viel von dieser Confectio Alker- mes und de Hyacintho, ingleichen The- riac und andere Galenische compositio- nes, die doch allzumahl verfaͤlschet und unrecht bereitet sind. Jch habe mich verpflichtet erachtet, dieses zu eroͤffnen, damit ferner hin weder Apothecker noch Wundartzt, weder Klosterleute noch andere Personen in Paris und auf dem Lande, diesen Landstreichern etwas ab- kauffe, denn was sie verkauffen, taug gar nichts, und ist nichts anders, denn der Ausschuß, und was wir nicht mehr in unsern Laͤden haben moͤgen. Charras schreibet in seiner Apo- theckerkunst Bl. 314. der wahrhaften Confectio Alkermes trefflich grosse Tu- genden zu, sagend, daß dieselbe ohne Widerrede eine der besten Hertzstaͤrckun- gen sey, dergleichen die Medicina Galenica iemahls erfunden: denn sie ersetze und erfrische die Lebensgeister, stille das Heꝛtz- klopfen, steure den Ohnmachten, staͤr- cke das Gehirn, samt den andern edlen Theilen des Leibes, widerstehe der Faͤu- lung, erhalte die natuͤrliche Waͤrme, bringe die verlohrnen und ermatteten Kraͤfte wieder, verjage die Melancho- ley und Traurigkeit, und erhalte den Leib und das Gemuͤthe in gutem Wohl- stande. Man gebrauchet sie Messer- spitzen weise, in Wein oder Bruͤhe, wie auch andern Hertz- und Hauptstaͤrcken- den Saͤften: sie wird ingleichen mit Opiatis und duͤnn- und dicken Lattwer- gen zuweilen vermischet. Die ordent- liche dosis ist von einem Scrupel bis auf ein halbes Qvintlein. Man thut sie ebenfalls in die Hertz- und Leber-ver- wahrenden Umschlaͤge und Epithe- mata. Das sieben und zwantzigste Capitel. Amomum racemosum. A Mome en grappe, ou en raisin, das trau- bichte Amomum, ist eine gewisse Frucht, die wir aus Holland uͤber Marseille bekommen. Sie waͤchst an vie- TAB. VI. F. 3j. Traübichtes Amoniüm. p. 45 F. 32. Rose von Jericho. p. 46 F. 34. Mittlere Cardamomen. p. 47 F. 35. Kleine Cardamomen. p. 48. F. 33. Grosse Cardamomen oder Paradiskörner. p. 45 F. 36. Schwartz kümmel. p. 47. Hauptbeschreibung ersten Theils erstes Buch. an vielen Orten in Jndien, allein sel- ten wie Trauben, sondern meisten- theils in Huͤlsen oder Schalen. Siehe Fig. 31. Sie waͤchst aber auf einem Baͤum- lein, dessen Blaͤtter blaßgruͤn, laͤnglicht und schmal sind: kommt an Gestalt, Groͤsse und Farbe den Muskatentrau- ben sehr nahe, ausser daß sie mehr Koͤr- ner, und weniger Saft hat. Dieses ist auch noch etwas sonderliches, daß alle Huͤlsen keinen Stiel haben, sondern auf die Art, wie die Pfefferkoͤrner, gantz haͤuffig und dicke um einen langen Ner- ven sitzen, als ob sie daran geleimet waͤ- ren: sie umgeben ihn aber von unten bis oben aus, und er muß ihnen zur Stuͤtze und Halt dienen. Diese Huͤlsen haben zu oberst einen kleinen Knopf, und sind gemeiniglich in Faͤchlein abge- theilet. Wenn man diese Huͤlsen aufbricht, sind sie mit einen Hauffen purperrothen viereckigten Koͤrnern angefuͤllet, welche so dichte beysammen liegen, als ob sie zusammen geleimet waͤren, und stellen eine runde Figur, die der Huͤlse gleich ist, dar. Sie sind auch mit einem gantz zarten weissen Haͤutlein uͤberzogen, und durch eben dergleichen Haͤutlein von einander abgesondert, daß man sie gar leichte heraus, und von einander neh- men kan. Jhr Geschmack ist scharff und beissend, der Geruch durchtringend und gewuͤrtzhaft. Man soll das Amomum auslesen, welches so frisch, als nur moͤglich zu be- kommen ist, dessen Huͤlsen rund, lichte gelb, schwer und voll Koͤrner sind: hin- gegen soll man die leichten, die aufge- sprungenen, und die schwartze ver- schrumpfelte Koͤrner in sich halten, ver- werffen. Die Koͤrner aber muͤssen dick und vollkommen seyn, scharff und gantz aromatisch, fast wie Cardamomen, schmecken. Es wird mehrentheils zum Theriac gebraucht, dazu alsdann feine reine, und voͤllige Koͤrner sollen genommen werden. Das Amomum nennen ihrer viele Cardamomum majus, grosse Carda- momen, welche aber nichts anders, als Maniquette, Paradiskoͤrner sind, da- von in folgendem Cap. Den Namen Amomum fuͤhren gleich- falls mehr andere Fruͤchte, als da ist die Corallkirsche, Amomum Plinii, welches eine Frucht, die bey nahe wie eine Juͤ- denkirsche siehet, waͤchst bey uns auf ei- nem gantz bekannten Baͤumlein, sinte- mahl wenig Apothecken sind, in denen es nicht zum Putz aufgesetzet waͤre. Die Holl- und Englaͤnder nennen ferner noch eine andere Frucht Amomi, wir aber Pfeffer aus Jamaica, und dieser ist die Frucht des Jndianischen Holtzes, von dem an seinem Orte. Schließlich dienet zu mercken, daß, wann bey denen Scribenten der Name Amomum oder Amomi gelesen wird, allezeit das Amomum racemosum dar- unter verstanden werde. Obgleich die Rose von Jericho kei- Siehe Fig. 32. nen Nutzen in der Artzney hat, dennoch habe ich sie hierbey mit anfuͤhren wol- len: sie ist von dem Amomo gaͤntzlich unterschieden. Jhre Kraft und Wir- ckung belangend, daß sie naͤmlich in der Christnacht im Wasser sich aufthun solle, desgleichen, wenn eine Frau nie- derkommen soll, davon will ich nichts melden, weil mir nichts nicht gewisses bewust ist. Das acht und zwantzigste Capitel. Von den grossen Cardamomen. D Jese nennen wir Maniguette und Paradiskoͤrner ; sind dreyeckigt, aussen roth, inwendig weißlicht, haben einen scharffen Geschmack, und beissen wie Pfeffer, daher sie auch von den Pfennigkramern fuͤr Pfeffer verkaufft werden. Siehe Fig. 33. Die Pflantze, darauf sie wachsen, hat gruͤne Blaͤtter, nach denen die Fruͤchte, oder vielmehr die Huͤlsen folgen, in Ge- stalt und Groͤsse einer Feige, an Farbe schoͤn roth; darinne stecken die Para- diskoͤrner, welche vielleicht wegen der schoͤnen Frucht und um des angeneh- men Geruchs willen also genennet wor- den sind. Wir pflegen sie auch Mani- Mich haben etliche versi- chern wollen/ die Maniquet- te wuͤchse auch in Au- vergne: wie- quette oder Melaquette, von der Stadt Melega, in Africa gelegen, zu benen- nen, denn von dannen wurden sie ehe- mahls nach Franckreich gebracht; an- ietzo Der Spezereyen und Materialien wohl ich nun allen Fleiß angewendet/ dennoch habe ich nichts ge- wisses erfah- ren koͤnnen, daher ichs auch nicht fuͤr gewiß sagen kan. ietzo aber lassen wir sie von unterschie- denen Orten uͤber S. Malo oder an- derwaͤrts herbringen. Diese Koͤrner werden wenig zur Artz- ney, wohl aber von denen, die sie unter den Pfeffer mischen, gebrauchet. Flacourt meldet, daß die Maniquette auf der Jnsel S. Maria und zu Ga- lambula in solcher Menge wachse, daß man alle Jahr ein Schiff damit bela- sten moͤge. Das neun und zwantzigste Capitel. Von den mittlern Cardamomen. D Jese stecken in dreyeckigten Haͤus- lein, welche so lang, als eines kleinen Kindes Finger, sind, und auf einer Siehe Fig. 34. Pflantze wachsen, welche, wie ich von etlichen bin berichtet worden, auf der Erde hinkriecht, und deren Blaͤtter, wie der Klee, drey und drey beysammen ste- hen, spitzig und gar sehr ausgezacket sind: sie wachsen aber in Jndien, an unterschiedenen Orten. Gar selten werden sie nach Franckreich gebracht, dieweil die kleine Art von uns und an- dern Fremden weit mehr gesuchet wird, weil selbige mehr Kraft hat, weder die mittlere Gattung. Jedoch, wenn sie ja bisweilen gefunden wird, sodann mag man die aussuchen, welche der klei- nen, von der ich gleich handeln werde, an Kraft und Tugend am meisten bey- kommt. Von den kleinen Cardamoͤmlein. Diese sind bey uns sehr gemeine, und werden aus Holland gebracht, stecken in einem kleinen Baͤlglein, welches drey- eckigt, voller Striche, und auswendig graulicht ist, hangend an einem kurtzen Stielgen von gleicher Farbe. Wann sie offen sind, erblicket man einen Hauf- fen Koͤrnlein, die wie das Amomum ra- cemosum, davon nur erst gedacht, sehen und schmecken. Das Gewaͤchse, das sie traͤgt, ist mir noch unbekannt, wiewohl ich mich gar sehr darum bemuͤhet habe: doch allen Umstaͤnden nach, mag es demjenigen, Siehe Fig. 35. welches die mittlere Gattung bringet, nicht so gar unaͤhnlich sehen, so kan auch vielleicht die unterschiedene Landesart allein den Unterschied dazwischen ma- chen. Nur dieses will ich noch geden- cken, daß sie die Holl- und Englaͤnder aus dem Koͤnigreiche Visiapaur brin- gen, wiewohl sie auch daselbst ziemlich rar sind, und nur auf grosser Herren Taffeln kommen, alldieweil es des Lan- des bestes Gewuͤrtz ist. Die Cardamoͤmlein soll man aus- suchen, welche frisch und voͤllig sind, un- ter denen keine kleine ausgetreugte und zerfressene Huͤlsen befindlich. Diese Gattung der Cardamomen wird allein in der Artzney gebraucht, denn sie sind besser, als die beyden vor- hergehenden. Oftmahls nennen wir (Frantzosen) die Cardamomen, Cardamomum ma- jus, medium \& minus, die grossen, mitt- lern und kleinen Cardamomen. Das dreyßigste Capitel. Vom schwartzen Coriander, oder Schwartzkuͤmmel. N Igella Romana, schwartzer Corian- der oder Schwartzkuͤmmel, ist Siehe Fig. 36. der Samen eines Krautes, das ohnge- fehr zwey Fuß hoch ist, und kleine, gruͤ- ne, zarte, zerschnittene Blaͤtter hat, auf welche blaulichte Blumen, und nach die- sen die Baͤlglein folgen, in denen der graulichte Samen liegt, der einen scharffen Geschmack, und einen starcken aromatischen Geruch hat. Man soll den Samen erwehlen, wel- cher frisch, fein voͤllig und an Farbe graulicht ist, auch lieblich riecht und schmecket, und aus Jtalien kommt, denn dieser ist besser und wird hoͤher geachtet, als der bey uns im Korne waͤchst. Dieser Samen dient wider die Wuͤr- me, stillet die Blaͤhungen; und sagen einige, er sey wieder allen Gift gut: er wird ingleichen den Saͤugerinnen, zu Befoͤrderung der Milch/ dienlich erach- tet. Sonst giebt es noch vielerley Arten Gesaͤme, davon ich aber nichts vermel- den mag, theils, weil mir nichts gewis- ses davon bewust, theils aber, weil gar selten etwas zu uns gebracht wird. Zum Hauptbeschreibung ersten Theils erstes Buch. Mens, Messe, Mungo. Zum Exempel, Mens, Messe oder Mun- go, davon bey unterschiedenen Autori- bus gar viel gemeldet wird. Das Kraut geben die Jndianer den Pferden zu fres- sen; mit dem Samen aber vertreiben sie das Fieber, wie beym Garcias ab Hor- to in seiner Jndianischen Historie zu ersehen. Bisnaga oder Visnaga. Bisnaga, oder Visnaga, davon bekom- men wir nur die Kronen, wiewohl auch sehr selten, und werden von den Tuͤr- cken und vornehmen Leuten in Franck- reich fuͤr Zahnstocher gebraucht. Badian, Chi- nesischer oder Siberischer Anis. Siehe Fig. 111. Der Badian, Chinesischer oder Siberischer Anis/ wird von den Mor- genlaͤndern/ welche hierinne den Si- nesern nachahmen, zum Thee und Sorbet gebraucht. Dieser Samen, der den Coloqvinten-Kernen nicht un- gleich siehet, ohne daß er um ein gut Theil braͤuner, viel glaͤntzender und von angenehmern Geruch ist, liegt in einer harten Schale. Mit diesem Samen und der Wurtzel Nisi wissen die Hol- laͤnder, besser als die Frantzosen, den Thee und Sorbet lieblich zu machen. Man nimmt fuͤr einmahl zwey Quint- lein von der Wurtzel Nisi, vier Untzen siedend Wasser, eine halbe Untz Thee, und ein Quintlein Badian. Andere Samen, welche gnugsam be- kannt, und uͤberall wachsen, lasse ich mit Fleiß aus; als da ist Semen Fumariæ, Erdrauchsamen, Cichorei, Wegwar- ten, Acetosæ, Sauerampfer, Lactucæ, Sallat, Violariæ, Veilgenkraut, Portula- cæ, Burtzelkraut, Hyoscyami, Bilsen- kraut, Sophiæ, Sophien, oder Habicht- kraut, Thalictri, Wiesenrauten, Malvæ, Pappeln, Milii Solis, Meerhirschen, Ebu- li, Attichkraut, Apii, Eppich, Rapi, Ruͤ- ben, Basilici, Basilien, Brusci, Maͤus- dorn, Psyllii, Floͤhkrautsamen, den die Hutmacher brauchen, und viel andre mehr, welche bey den Samenhaͤndlern in Paris zu finden. Weil auch ohne- diß fast alle Medici, Apothecker und Wundaͤrtzte wissen, daß sie von vielen Autoribus beschrieben sind, deswegen habe ich fuͤr unnoͤthig gehalten, viel da- von anzufuͤhren. Uber ietzt angefuͤhrte Samen ver- Vier kuͤhlen- de Samen. kauffen wir auch die vier kuͤhlenden Samen/ Citrullen, Melonen, Gur- cken, und Kuͤrbskerne, so wie sie aus Jtalien, Touraine/ und anderwaͤrts herkommen, mit und ohne Schalen, oder geschaͤlet und abgezogen. Diese sollen stets frisch und jaͤhrig, schwer und trucken, nicht schimmlicht oder dum- pficht seyn; absonderlich muß man Ach- tung geben, daß einer nicht Gurcken- fuͤr Melonen- oder Melonen- fuͤr Gur- ckenkerne bekomme, wie nicht selten zu geschehen pfleget, wenn eine von bey- den schwerlich zu haben: solches aber kan man gantz leichtlich erkennen, wenn einer nur weiß, daß die Melonenkerne viel kuͤrtzer, und schmaͤler sind, als die Gurckenkerne. Weil diese vier Samen vortrefflich kuͤhlen, deshalben werden sie zur Kuͤhl- milch gebraucht. Auch wird ein Oel daraus gemacht, dessen sich das Frau- enzimmer bedienet, das Antlitz glatt zu erhalten. Dieses Oel muß recht zu- gerichtet seyn, frisch gemacht, fein weiß, und weder Geruch noch Geschmack ha- ben. Was in der Presse zuruͤcke blei- bet, wird Kleyen genennet, und dienet die Haͤnde damit zu waschen, doch ist es besser, wenn das Oel noch nicht heraus gepresset ist, denn es nimmt den Schmutz besser weg. Vor diesem wurden schwartze Ci- Schwartze Citrullen. trullen aus Jtalien gebracht, und weit hoͤher geachtet, als die wir anietzo ha- ben. Weil auch den Spezereyhaͤndlern vergoͤnnt ist, nicht nur dieses Oel, son- dern noch andere mehr, die ohne Feuer bereitet werden, ebenmaͤßig zu machen, und zu verkauffen, darum habe dienlich erachtet, die Art und Weise, wie es ge- macht wird, anher zu setzen, zugleich zu erinnern, wie dasselbe muͤsse beschaffen seyn, wenn es recht gut seyn soll. Nehmet derowegen der kuͤhlenden Samen, die fein rein und trucken sind, ein oder mehr Pfund, nach belieben, stosset sie in einem meßingenen oder glat- ten marmorsteinernen Moͤrsel, nur groͤblich, und treibet sie durch ein grob haͤrin Sieb: wenn alles hindurch, so thut es in ein doppelt Tuch, das zu kei- nem andern Oele, wenigstens zu keinem Brennoͤle ist gebrauchet worden. Nachdem solcher gestalt alles fertig, dann bringt es unter die Presse, verfah- ret gemach, und presset allezeit fein gleich, keinmahl staͤrcker denn das ande- re: wenn nichts mehr heraus gehet, so D nehmt Der Spezereyen und Materialien nehmt das Oel hinweg, gießt es in eine Phiole, welche blos mit einem durchloͤ- cherten Papire darff verwahret wer- den, damit das Oel nicht dumpficht werde, und hebt es also auf zum Ge- brauch. Die Kleyen, wie gedacht, sind gut zum Haͤnde waschen. Es moͤchte sich aber mancher wun- dern, warum ich gesaget, es sey zu die- ser Arbeit nur ein grob Sieb von noͤ- then; denn etliche stossen den Samen so lange, bis ein Mus draus wird. Al- lein, ich versichere, wenn sie es nur ein- mahl werden versuchet haben, daß ihnen diese Art weit besser, als die ihrige, ge- fallen wird: zudem ist es auch viel eher geschehen, und man bekommt ein viel klarer und reineres Oel. Noch ist zu mercken, daß man niemahls mehr Oel mache, als von noͤthen; es wird gar selten darnach gefraget: ie reiner es aber ist, ie besser ist es. Eben auf diese Art kan man auch aus Been, Pinien oder Zirbelnuͤssen, Nuͤs- sen, weissen Mohn, suͤssen und bittern Mandeln, Pistazien, Winterkresse oder Barbarea, Creutzblumen oder Palma Christi, und allen andern Samen, Bee- ren und Fruͤchten, welche viel Oel geben, Oel machen, wie ein ieder, der es versu- chen wird, erfahren soll. Die Autores legen auch den Namen eines Samens demjenigen Kraute zu, welches weder Blaͤtter noch Wurtzeln hat, und Cuscuta, Flachsseide heisset, des- sen Beschreibung siehe im Cap. vom Epi- thymo. Ende des Ersten Buchs von Kraͤutern und Samen. Des Ersten Theils Der Hauptbeschreibung der Spezereyen und Materialien Zweytes Buch. Von Wurtzeln. Vorrede. D Urch das Wort Wurtzel verstehe ich denjenigen Theil eines Gewaͤchses, der in der Erde stickt/ und aus derselbigen den Nahrungssaft ziehet, um solchen denen andern Theilen/ die er hervortreibt/ als da ist, der Stengel, die Blaͤtter/ der Sa- men, und so fort/ mitzutheilen. Es sind aber der Wurtzeln/ die wir ordentlich verkauffen/ nicht allein eine ziemliche Menge/ sondern sie sind auch an Gestalt und Wirckung gar sehr von einander unterschieden. Unsere Wurtzelmaͤnner bringen uns sehr viele Wurtzeln/ die sie, so wie sie es verstehen, bald gut/ bald schlecht genug gereiniget und getrucknet, z. E. Rad. Enulæ campanæ, Bismalvæ, Caryo- phyllatæ, Iridis nostratis, und dergleichen. Andere lassen wir aus fremden Landen bringen/ aus denen zum Theil der Kern oder das Hertz, das ist, der fasichte harte und unnuͤtze Theil gezogen worden, dergleichen sind/ Turbith, Thapsia, Dictamnus albus \&c. welches auch in Franckreich mit etlichen geschicht/ namentlich, Esula, Pentaphyllum oder Quinquefolium. Andere werden zerschnitten und in Scheiben uͤbersendet, z. E. Jalappa, Mechoacanna; andere in kleinen Stuͤcken, Galanga minor, oder in groͤssern, Rhabarbarum und Rhaponticum, oder auch gantz, wie Angelica: wieder andere mit ihren Blaͤttern als Viperina. Von etlichen aber bekommen wir nur die langen Faͤden TAB. VII. F. 37. Jnecacüanha würtzel. p. 53 F. 38. Contrayervawürtz. p. 57. F. 39. Firginianische Schlang Ratterwürtz. p. 59. F. 40. Dodonœi Rhabarber. p. 61. Hauptbeschreibung ersten Theils zweytes Buch. Faͤden oder Zasern/ z. E. von der Sarsaparilla, und endlich ist voneinigen blos die oberste Haut abgenommen, als von der Squina, Iris Florentina, in- massen aus folgenden wird zu ersehen seyn. Die Kenntnuͤß der Wurtzeln hat nicht geringere Schwierigkeiten/ als wie die Erkennung der Samen, so wohl, weil ihrer so gar viel und unterschiedene Sorten und Gattungen sind, als auch, weil ihrer etliche meist einerley Kennzeichen mit einander gemein haben. Derowegen soll einer/ der sie suchen muß, fein behutsam gehen, und einer ieden eigent- liches Zeichen wohl inne haben, will er sie recht von einander unterschei- den; und dieses lernet man aus der Ubung und Gebrauch/ ist aber gar bald wiederum vergessen, dafern man nicht stets damit zu thun gehabt. Wer nun nothwendig Wurtzeln einkauffen muß, der sehe ja nie auf den wohlfeilen Preiß, sondern verfuͤge sich zu solchen Kauffleuten, auf deren Treu er sich verlassen darff, vor allen, wenn der Preiß etwas hoch ist. Diejenigen, die ein weites Gewissen haben/ machen ihnen keinen grossen Kummer, wenn sie eine Wurtzel an statt der andern einschie- ben; verkauffen diesemnach eine Untze dieser untergeschobenen Wurtzeln hoͤher und theurer, als sonst ein gantzes Pfund: wie ich denn mit meinen Augen selbst gesehen, daß sichere Personen das Pfund Tormentillwurtz, fuͤr Contrayerva, um 50 Francken/ und dergleichen noch mehr/ verkauffet haben. Es ist aber kein grosser Vortheil dabey, wenn man sich mit dieser Gattung Wahre uͤberleget/ bevoraus mit solchen, welche nicht balde vertrieben werden; dann, wann sie zu lange liegen, gehet ihnen zu viel ab, theils werden wurmicht, wie die Angelica, Acorus verus; andere ver- derben gar, wie das Suͤßholtz/ Rhabarber und andere mehr. Allein dieses Capitel wuͤrde viel zu weitlaͤufftig werden, und ich nicht auskommen/ wenn ich alle Wurtzeln in selbigem zu beschreiben ge- daͤchte: will dannenhero mich nur bey denenjenigen aufhalten, welche aus diesem oder jenem Orte der Welt zu uns gebracht werden/ ohne mich um diejenigen zu bekuͤmmern, welche bey uns in Gaͤrten und Feldern, oder auch in so entfernten Laͤndern wachsen, daß deren Kuntschaft noch nicht zu uns gelanget ist. Das erste Capitel. Von der Jndianischen Wurtzel wider die Ruhr. Siehe Fig. 37. J Pecacuanha, sonst auch Be- guquella, ingleichen Speca- cuanha, Cagosanga, Beculo, Beloculo, Mine d’Or genañt, ist eine kleine Wurtzel, wel- che die Hollaͤnder und Portugisen von Rio de Gen- ceyro, ist ein Fluß in West- indien. einem Orte in Brasilien, Rio de Gen- eeyro benamset, zu uns bringen. Sel- bige wird nirgends als um die Gold- gruben gefunden, daher sie auch den Namen bekommen. Sie wird von de- nen zur Arbeit in den Goldgruben ver- dammten Sclaven gesammlet: weil nun der beste Kerl mehr nicht denn 12. Pfund im Jahre sammlen kan, deshal- ben ist sie so gar theuer, wuͤrde auch noch viel theurer seyn, wenn man sie nicht gegen andere Wahren eintauschte. Die Hollaͤnder uͤberschicken uns drey Sor- ten Ipecacuanha: eine braune/ welche die erste und beste ist, und folglich auch die theuerste. Die zweyte sieht grau, und hat keine so heftige Wirckung, wie die braune. Die dritte ist weiß/ von der ich hiernaͤchst handeln werde. Die Pflantzen der braunen und grauen Ipecacuanha sind von mittel- maͤßiger Hoͤhe, zum Theil kriechend, theils aber eines halben Fusses hoch er- haben. Jhre Blaͤtter kommen der Pa- rietaria, Tag und Nachtkraut/ ziem- lich gleich; darzwischen wachsen kleine fuͤnffblaͤtterichte Bluͤmgen, auf kleinen Knoͤpflein, aus welchen Beeren wer- den, die wenn sie reiff worden, braun- roth sind, und wie eine wilde Kirsche D 2 groß. Der Spezereyen und Materialien groß. Diese Beeren haben ein weisses saftiges Fleisch, darinne zwey harte gelblichte Kerne, wie Linsen gestalt, be- findlich sind. Diese Wurtzel soll man erwehlen, wenn sie frisch, huͤbsch von Farbe, nicht leichte bruͤchig, und inwendig fein hartz- icht ist, auch in der Mitten einen Ner- ven hat: dabey muß man sich wohl in Acht nehmen, daß keine Stengel oder Fasen drunter gemenget, welche diejeni- gen, die sie uns uͤbersenden, gar gerne dran zu lassen pflegen: desgleichen soll sie scharff, bitter und widerlich schme- cken. Einige meiner guten Freunde ha- ben mich versichert, die braune Jpeca- cuanha sey die beste, und wachse vor- nehmlich auf den Goldminen: die an- dern zwey Sorten finde man unten an den Bergen, in Wiesen und andern feuchten Orten. Es dienet diese Wurtzel wider die ro- the Ruhr: und wollen einige, daß sie eine Giftartzney sey. Doch diesem ohngeachtet, will ich niemanden rathen, daß er dieselbe ohne die groͤste Vorsich- tigkeit und Rath erfahrner Leute ge- brauche, dieweil sie gar zu heftig ist, man mag sie gleich in substantia, die Wur- tzel fuͤr sich selbst, oder in infuso, wenn man Wein oder etwas anders drauf gegossen, brauchen. Die ordentliche dosis und soviel, als auf einmahl gegeben wird, ist ein halbes Quintlein, bis auf ein gantzes, und wird fruͤh nuͤchtern gepuͤlvert, in einem oder andern liquor, der sich dazu schicket, ein- genommen, drauf kan man, ein Paar Stunden hernach, eine fette Suppe oder Milch geniessen. Ehe sie anhaͤlt, erregt sie Erbrechen, welches wider die Natur der andern ad- stringentium. Von der weissen Jpecacuanha. Die weisse Ipecacuanha ist darinne von denen andern unterschieden, daß ihre Wurtzeln weiß, und der Wurtzel des weissen Been oder weissen Diptams in allen gleichen, die Blaͤtter aber wie die Blaͤtter des rundblaͤttrichten Sau- erampfers sehn: wiewohl andere sagen, sie sehen wie Poley. Jhre rechte Ge- stalt habe ich unmoͤglich erfahren koͤn- nen. Die Spanier und Portugiesen zie- hen die weisse, die sie Ipecacuanha blanca nennen, denen beyden andern vor, son- derlich fuͤr Schwangere und Kinder zu brauchen, dieweil sie nicht so gar starck ist. Sie verordnen dieselbige in substan- tia zu einem halben Quintlein, zu einer infusion aber nehmen sie bis auf zwey Quintlein, und verfahren auf obgemeld- te Weise. Jm Jahr 1698. wurde im Jenner zu Paris im Medicinischen Collegio ei- ne thesis von der Brasilianischen Brasiliani- sche Jpeca- cuanha. Wurtzel Jpecacuanha ventili ret, und in selbiger angemercket, daß sie die Ame- ricaner sonderlich hoch hielten, weil sie, ihrem Vorgeben nach, ein herrliches Gegengift sey, auch andere langwieri- ge und verdruͤßliche Kranckheiten zu he- ben vermoͤgend, vor allen aber die ro- the Ruhr ; nur muͤsse man sich huͤten, und sie diejenigen nicht gebrauchen las- sen, die mit dem fluxu hepatico behaftet. Huetius, ein Hollaͤndischer Medicus, hat diese Wurtzel, nach etlicher Mei- nung, zu erst, vor ohngefehr vier bis fuͤnff Jahren, in Ruff gebracht: allein ich kan das Gegentheil behaupten, denn ich sie vor mehr als 20. Jahren gesehen. Zu desto groͤsserer Bescheinigung dienet, daß sich eine ziemliche Quantitaͤt dersel- ben in des Herrn Clanquenelle Apothe- cken befunden, welche hernachmahls in seines Eidams, des Herrn Poulain, auch eines Apotheckers, Haͤnde gerathen, der sie auf Verordnung nur gedachten Herrn Huetius in Schwung gebracht. Jch habe gleichfalls fuͤr dienlich er- achtet, dasjenige hierbey anzufuͤgen, was mir der Herr Tournefort von der Jpecacuanha communici ret. „Man bringt uns dreyerley Sorten „ Jpecacuanhana aus America/ die „ gelblichte/ die schwaͤrtzlichte, und „die weisse. Die gelblichte kommt aus „ Peru/ wir aber empfangen sie von „ Cadix. Die Spanier nennen sie „ Bexugillo, welches wir in Frantzoͤsischen „ Becouguille aussprechen. Die dicksten „Wurtzeln sind ohngefehr drey Linien „dicke; krumm, voll Runtzeln und Rin- „ge, gelblicht, und mitten durchhin geht „ein langer, blaßgelber Nerve, mit ei- „ner Haut, nur eine Linie dick, uͤberzo- „gen, bricht leichtlich, wenn er trucken, „ist bitter und hartzicht, und in ihm steckt „die groͤste Kraft. Die Wurtzeln, wel- „che insgemein verkaufft werden, sind andert Hauptbeschreibung ersten Theils zweytes Buch. „anderthalb bis zwey Linien dicke, und „trefflich gut. Sie stillen die lang an- „haltende rothe Ruhr/ dysenteriam „inveteratam, wenn auch schon der Mast- „darm von der scharffen Materie exul- „cerir et und angangen waͤre. Gemei- „niglich machen sie Brechen. Jedoch „habe ich auch etlichen damit geholffen, „welche weil sie nicht so leicht zum vo- „mir en zu bewegen, uͤberaus viel gar- „stige Materie durch den Stuhlgang „von sich gegeben, empfunden aber zu- „vorher grossen Grauen und Eckel, „gleich als ob sie sich brechen solten. Jch „habe auch dabey in Acht genommen, „daß diejenigen, bey denen dergleichen „nicht zu spuͤren, nie aufgekommen sind. „Welches mich zu glauben veranlasset, „es muͤsse nicht nur der Magen, von sol- „chen Sachen, die nicht drein gehoͤren, „ à peregrinis, und die die Saͤure desselben „verderben, sich entledigen, sondern „auch selbst das Gebluͤte befreye sich, „vermittelst der Glanduln oder Druͤs- „lein, welche diesen Theil, und alles, was „ primæ viæ heißt, inwendig bekleiden, „von vielen serositatibus und Feuchtig- „keiten, welche alsdenn die Salia hetero- „genea, der Kranckheit Ursache, mit sich „abfuͤhren. Und auf solche Weise, in- „dem die humores in den Gedaͤrmen „dererjenigen, welche schwerlich vomi- „r en, pæcipitir en und niedergeschlagen „werden, werden die Patienten dieser „beschwerlichen Kranckheit los. Man „kan auch versichert seyn, daß wir kein „einig remedium haben, welches der- „massen geschwinde und so gar sicher „helffe. Die dosis ist ein halbes oder „ein gantzes Quintlein, in Wein, Sup- „pe oder einem andern liquor genom- „men. Jst eine dosis nicht genug, muß „man die andere, ja auch die dritte, da- „fern es die Noth erfordert, geben. „Doch ist es gut, daß, wenn das Bre- „chen uͤberhin, nachfolgendes Traͤnck- „lein oder ein anders zu trincken geord- „net werde, damit der Magen und Ein- „geweide wiederum gestaͤrcket und in „vorigen Stand gesetzet werde: R. aq. scabios. card. benedict. aa. iij. Scabiosen- und Coꝛdebenedic. Was- ser iedes 3. Untzen. Confection. de Hia- cintho j. Corn. Cerv. præp. Corall. rubr. præp. Sal. absinth. aa. Jj. praͤparirt Hirschh. u. rothe Corallen, Wermuthsaltz, von iedem 1. Scrupel. Syrup. flor. tunic. oder absinth. j. Nelckensaft, oder Wermuthsaft, 1 U. „Bey gewissen Zufaͤllen habe ich den „ Syrup papav. alb. wie auch das lauda- „num gut befunden. „Die schwaͤrtzlichte Jpecacuan- „ha wird mit der Flotte/ welche von „ Rio de Janeiro kommt, gebracht. Wir „erhalten sie von Lissabon oder Porto „in Portugall, und ich halte sie fuͤr „diejenige, davon Piso redet. Sie ist „schwaͤrtzlich, und geschmeidiger als die „gelblichte, viel bitterer und staͤrcker. „Es ist wohl wahr, daß man sie in ge- „ringer dosi geben kan, allein sie hilfft „auch nicht sowohl, gleichwie die erste. „Die weisse ist weder so bitter, noch „so runtzlicht, als wie die andern. Die „allerdicksten Wurtzeln sind zwey oder „drey Linien dicke, und die duͤnnesten „eine. Sie purgiren noch ziemlich, „und ohne sie habe ich noch keinmahl die „rothe Ruhr curir et. Sie koͤmmt glei- „chergestalt aus Brasilien. Piso ge- „stehet, daß sie gelinder als die vorher- „gehenden, auch ein herrlich Gegengift „sey. Das andere Capitel. Von der Contrayerva. Siehe Fig. 38. E S ist die Contrayerva die Wurtzel eines Krautes, dessen Blaͤtter auf der Erde hinliegen, gruͤne, voller Adern und Nerven sind, und wie ein Hertz aussehen: in deren Mitten ein Stengel, gantz ohne Blaͤtter, empor steigt. Sie wird aus Spanien gebracht. Man soll aber solche Wurtzeln aus- suchen, die fein frisch, voͤllig, voll lan- ger Zasern, knoticht und schwer sind, von aussen Kastanienbraun, inwendig weißgrau sehen, und einen lieblichen aromatischen Geruch haben. Sie ist ein maͤchtig alexiterium, das allerley Gift aufs kraͤftigste widerste- het; deswegen ist sie auch von den Spa- niern Contrayerva/ welches in ihrer Sprache, soviel als Widergift bedeu- tet, geheissen worden. Jn Peru waͤchst noch eine Wurtzel, D 3 die Der Spezereyen und Materialien die dieser ersten ziemlich gleich, welche nach dem Ritter Franciscus Drack/ der sie zu erst nach England gebracht, Drack oder Drackena genennet worden. So eine herrliche Artzney wider Gifft diese Wurtzel ist, so ein toͤdtlich Gift sind im Gegentheil ihre Blaͤtter. Viele brauchen anietzo die Contra- yerva mit doppelt soviel gleichfalls ge- puͤlverter Quinquina das Fieber zu vertreiben, oder doch zum wenigsten des- sen Anfall eine weile zu verhindern; andere vermischen sie auf eben solche Art mit der Jpecacuanha und gebrauchen sie in der rothen Ruhr/ und Durch- lauff. Wir verkauffen ferner die Wurtzel von einem Kraute, das in Franckreich, Weisse Con- trayerva. in den Gaͤrten haͤuffig waͤchst, auch fast iederman, unter dem Namen Asclepias, bekannt ist; wird sonsten von den Sim- Jn der Phar- macopœa des Herrn Char- ras am 141. Blat steht ei- ne Composi- tion von gar vielen ingre- dienti en, wel- cher deswe- gen der Na- me lapis Con- trayervæ gege- ben worden/ dieweil die Contrayerva das Hauptstuͤck drunter ist. plicist en Hirundinaria genannt. Diese Wurtzel ist uͤberaus zarte, weißlicht, und der Haselwurtz nicht unaͤhnlich: etliche nennen sie die weisse Contrayerva/ weil sie, ihrem Vorgeben nach, gleiche Kraͤfte haben soll. Man muß sie aber also aussuchen, daß sie fein frisch und voͤllig sey, auch einen etwas beitzenden und aromatischen Geschmack habe. Das dritte Capitel. Von der Virginianischen Natterwurtz. Siehe Fig. 39. V Iperina, von andern Serpentaria und Serpentina Virginiana, ingleichen Di- ctamnus, Pulegium und Contrayerva Virgi- niana, die Virginianische Natter- oder Schlangenwurtz, Virginianischer Diptam/ Poley, und Contrayerva aus Virginien/ ist ein Kraut, welches in Virginien, einer Landschaft in West- indien gelegen, waͤchst, von daher es die Englaͤnder hohlen, und gar oft wi- der allerhand Gift gebrauchen, seit dem sie dessen herrliche Wirckung in denen Landen, allwo es waͤchst, zur Gnuͤge erfahren, absonderlich, daß es so treff- lich wider das Gift einer Schlangen helffe, welche fuͤnff Schuh lang ist, von Farbe braun mit gelb vermischet, und lange spitzige Zaͤhne, unter dem Schwantze aber gar sonderbare Schel- len hat, und uͤberaus schnell fort krie- chet, auch den Reisenden gar sehr gefaͤhr- lich ist, die deshalben viel oͤfter von ihr wuͤrden angefallen und verletzet wer- den, wo sie nicht der Thon dieser Schel- len, den man von ferne vernim̃t, auf der Hut zu stehen, und den Einwohnern hierinne nachzuahmen, anmahnete, welche ihnen rathen, einen langen Stock bey sich zu fuͤhren, dessen eines Ende aufgespalten, in den Spalt aber ein Stuͤcke Natterwurtz gestecket ist, und hervor raget, damit sie es der Schlan- gen, wenn sie an sie kom̃t, in den Rachen stossen, und sie toͤdten, oder doch verja- gen koͤnnen. Weil nun des Landes Einwohner diese Schlange fuͤr ein Ge- schlecht der Nattern halten, diese Wur- tzel aber ihre Bisse heilet, derowegen ist ihr der Name Viperina beygeleget, und der Zuname Virginiana von ihrem Va- terlande gegeben worden. Die Spa- nier haben diese Schlange Cascavel ge- nennet, von wegen der Schellen, die sie unter dem Schwantze hat. Von diesem kleinen Gewaͤchse kan gantz fuͤglich gesaget werden, daß dassel- bige, wegen seines aromatischen Ge- ruchs und Geschmacks, alle die andern, welche unter die gewuͤrtzhaften Kraͤu- ter pflegen gezehlet zu werden, uͤber- treffe. Es wird aber dieses Kraut nicht al- lein aus obgemeldten erkannt, sondern auch an der grossen Menge gantz zarter Fasen, aus denen es bestehet, welche alle mit einander an einem Ner- ven hangen, und einen ziemlich grossen Bart vorstellen. Uber diese gantz be- sondere Kraft wider die Schlangen- und Natter-Bisse, ist es auch sonsten wider allen Gift vortrefflich gut, ja selbst in denen allgemeinen Landseuchen, morbis epidemiis, dessen man genugsam versi- chert seyn kan, nachdem S. M. vornehm- ster Medicus, der Herr Arquin, sie als eines der vornehmsten Stuͤcke und in- gredienti en zu seiner Theriaca reforma- ta, die in des Herrn Charras Pharma- copoea Regia Galenico-Chymica beschrie- ben stehet, genommen hat, welches doch weder des Theriacs Erfinder, noch ein einiger von denen neuern Autoribus ie- mahls beobachtet. Die Wahl betreffend, so soll sie frisch seyn, Hauptbeschreibung ersten Theils zweytes Buch. seyn, groß und voͤllig, einen starcken Geruch, fast wie Spickenarden oder La- vendel das Maͤnnlein, haben, man mag sie nun vor die Nase halten, oder ein wenig davon in den Mund nehmen. Diejenige, deren Blaͤtter fein gruͤn und wohl gesaubert sind, soll billich hoch ge- halten werden, denn weil es ein in allen Stuͤcken gar kleines Gewaͤchse ist, ge- schichts ofte, daß die Helffte daran ver- dorben, welches durch den Unrath, der sich dabey befindet, verursachet wird: es sey nun, daß diejenigen, die es samm- len, selbiges nicht fleißig durchlesen, oder aber, daß dieses Zeug, weil das Kraut so theuer ist, mit Fleiß dazu gethan wird. Das vierte Capitel. Von der Rhabarber. D Je Rhabarber aus Lepanto ist Siehe Fig. 40. die Wurtzel von einem Kraut, von dem ich weder den Ort, wo es waͤchst, noch auch die rechte Gestalt genau erfah- ren koͤnnen. Was die Blumen betrifft, von denen habe ich einen ziemlichen Theil von ei- nem guten Freunde verehret bekom- men. Dalechampius haͤlt einen langen Dis- curs von der Rhabarber, und dem Or- te, wo sie herkommt, Tom. II. histor. plan- tar. pag. 558. allein, er und andere Au- tores haben also unterschiedlich davon ge- handelt, daß ich fuͤr besser erachtet, nur dasjenige allhier anzufuͤhren, was ich erst kuͤrtzlich davon vernommen; ande- re moͤgen davon geschrieben haben, was sie wollen. Diß aber ists, was man mir den 25. Julius im Jahr 1692. aus Marseille berichtet. „Die Rhabarber kommt aus Per- „sien, und sagen etliche, daß sie daselbst „wachse: andre hingegen wollen, daß „sie von den Moscowitischen Graͤn- „tzen komme, doch ist die gemeinste Sa- „ge, sie wachse in Persien. Und sol- „ches kommt auch mit dem Bericht „des Herꝛn Taverniers ziemlicher mas- „sen uͤberein, wenn er in seiner Reisebe- „schreibung anzeiget, die beste Rhabar- „ber wachse in dem Koͤnigreich Bou- „tan. Die Wurtzel, erst neulich aus der Er- de gezogen, ist dick und zasericht, sieht von aussen schwaͤrtzlicht, inwendig roͤthlicht, als ob sie marmoriret waͤre. Sie trei- bet lange wollichte Blaͤtter, drauf kom- men kleine fleischfarbichte Bluͤmlein, als wie Sternlein, und nach diesen folgt der Samen. Man suche die Rhabarber aus, wel- che frisch, und soviel immer moͤglich, in kleinen Stuͤcken ist, die fein dicht und schwer sind, einen anziehenden etwas bittern Geschmack haben, angenehm und ein wenig aromatisch riechen, von aussen schoͤn gelb, inwendig wie eine Muscatnuß sehen, und dem Wasser, da- rein sie gelegt worden, eine Farbe, fast wie Saffran geben. Wann sie zerbro- chen wird, soll sie fein frisch und roͤth- licht sehen; allein die Verkauffer lassen solches nicht gerne zu, denn sie eben so leichte, als die Kaͤuffer koͤnnen betro- gen werden. Dannenhero muß ihm ein ieder an ietztgemeldten Zeichen be- gnuͤgen lassen, oder sie an einem Orte, wo sie ohnediß schon schadhaft ist, auf- brechen, iedoch ohne weitern Schaden zu verursachen, welches gar leichtlich mit einem spitzigen Messer oder einer Packnadel geschehen kan. Auch muß man sich vorsehen, daß die Rhabarber nicht mit diesem oder jenem Pulver, de- ren Namen allhier anzuzeigen nicht eben noͤthig, angefaͤrbet und wieder zu- gerichtet sey, welches gar fuͤglich an dem gelben Pulver zu erkennen, das einem an den Haͤnden hangen bleibt, wenn man sie reibt. Der Rhabarber werden gantz son- derbare Eigenschaften zugeschrieben, vornehmlich aber soll sie den Magen staͤrcken, die Galle gelinde abfuͤhren, insonderheit, wenn ihr ein und anderer stimulus zugesetzet wird. Desgleichen wird sie im Durchlauff und rothen Ruhr sehr dienlich erachtet, wenn sie gekauet, oder nur groͤblich zerstossen in einem dienlichen liquor genommen wird. Man braucht sie gleichfalls die Wuͤr- mer bey Kindern zu toͤdten. Mit ei- nem Worte, es ist ein dermassen sanft und gelindes remedium, welches allerhand Leuten, jungen und alten, Schwangern und Kindern, kan gebrauchet werden. Wegen dieser seiner so herrlichen Be- schaffenheit wird es gar fleißig von den Medicis verschrieben, denn sie wissen, daß nicht Der Spezereyen und Materialien nicht die geringste Gefahr dabey zu be- sorgen, dagegen sie zur Gnuͤge versichert sind, daß es ein uͤberaus herrliches Mit- tel, deshalben es auch zu einem Pfei- ler in der Artzney gemachet worden. Jch will noch dieses, gleich als im vorbeyge- hen, erinnern, daß obschon derjenige Ort an der Rhabarber/ dadurch der Faden gezogen ist, noch so sehr verachtet wird, dennoch, wenn man ein Quintlein da- von in Rosen- oder Wegbreit-Wasser einnimmt, solches ein bewaͤhrtes Mittel wieder den Durchfall sey. Extractum Rhabarbari. Die Apothecker heissen diß ein Ex- tractum, wenn mit heissem Wasser aus der Rhabarber eine gelbe Tinctur gezo- gen, und diese uͤber einem gelinden Feu- er, bis sie wie Honig dicke worden, abge- rauchet wird. Wann es nun gerecht seyn soll, dann muß es von guter Rha- barber bereitet und wohl gekochet seyn, welches alsofort zu erkennen, wenn man mit dem Finger druͤber hinfaͤhrt: denn, wo es wohl zugerichtet ist, so bleibet nichts an dem Finger kleben, und wenn mans im Wasser zergehen laͤßt, muß es eine schoͤne Farbe geben, darff auch nicht brandicht riechen. Diesem Rhabarber Extract, des- sen gar viel Scribenten gedencken, wer- den gar grosse Kraͤfte zugeschrieben, vor allen aber soll es gelinde purgiren, und den Magen staͤrcken. Die das Extractum Rhabarbari in Men- ge machen, koͤnnen aus dem Uberrest ein Sal fixum Rha- barbari. Sal fixum ziehen, dem ebenmaͤßig grosse Kraͤfte und sonderbare Eigenschaften zugeschrieben werden. Die Americanische Rhabarber. Seit etlichen Jahren her hat man in unsern Gaͤrten die Rhabarberpflan- tzen haͤuffig gesehen, welche der Herr Toisy, Vice-Re in den Jnseln, aus West- indien nach Franckreich bringen las- sen. Ja es giebt Oerter, da diese Rha- barber so dicke und der wahrhaften Per- sianischen dermassen aͤhnlich waͤchst, daß man sie mit genauer Noth von einander unterscheiden kan. Jch selbst habe zu Lyon bey der Bruͤcke uͤber die Rhone, an dem Flusse hin, mehr denn eine solche Rhabarber-Wurtzel aus der Erde ge- zogen, und kan versichern, daß diesel- ben, wenn sie geschabet und ausgetrock- net worden, fast gar nicht von der rech- ten Rhabarber unterschieden waren. Es geben ihrer viele diese Rhabarber Siehe Fig. 41. fuͤr das Rhaponticum aus, von wegen ihrer grossen Gleichheit: unter andern Prosper Alpinus, der sie aus Jndien nach Padua gebracht; wiewohl ein ziemli- cher Unterschied darzwischen. Denn da die Rhabarber gemeiniglich in runden Stuͤcken ist, und inwendig lauter Queer- striche hat, so kommt dagegen die Rha- pontic in langen Stuͤcken, und ihre Li- nien lauffen wie lange Strahlen die Laͤn- ge hin. Weil nun dieser Unterschied gar wenigen bewust, derowegen mischen die- jenigen, die uns die Rhabarber uͤbersen- den, gar oftmahls die Rhapontic drun- ter. Und eben deshalben ist die orien- talische Rhabarber so gar rar. Wer aber der Rhapontic noͤthig hat, kan solche allezeit unter der Rhabarber fin- den, sintemahl wir keinmahl Rhabarber empfangen, darunter keine Rhapontic solte gemenget seyn. Ohne obgedachte Zeichen kan man die Rhapontic am sichersten von der Rha- barber durch den Geschmack unterschei- den, massen die Rhabarber keinen sol- chen Schleim im Munde macht, wie die Rhapontic. Rhaponticum montanum, Muͤnchs-Rhabarber. Die Seltsamkeit der orientalischen Siehe Fig. 42. Rhapontic hat etlichen losen Leuten Anlaß gegeben, die Wurtzel des Hippo- lapathi foliis rotundis Lobelii, welches ihrer viel in den Gaͤrten ziehen, dafuͤr zu sub- stitui ren, und denen, die sie nicht kennen, an ihre statt zu geben: ingleichen noch eine andere Gattung des Hippolapathi, dessen Blaͤtter zwar groß, iedennoch aber nicht so rund sind, und auf gewissen Ge- birgen gefunden wird. Doch ist ein gros- ser Unterschied zwischen ihnen, indem die orientalische Rhapontic, auswen- dig gelb, inwendig roͤthlicht sieht; das Hippolapathum dagegen obenher schwaͤrtzlicht und duͤpflicht, fast wie das Chagrin Leder, inwendig gelb ist, ohne Marmorflecken. Dannenhero, wenn sie Leute antreffen, die des Dinges kun- dig seind, und denen sie diese Wurtzel nicht fuͤr die orientalische Rhapontic aufhaͤngen koͤnnen, so geben sie ihr den Namen Rhaponticum montanum, Berg-Rhapontic, oder Rhamonacho- rum, Muͤnchs-Rhabarber. Das Hauptbeschreibung ersten Theils zweytes Buch. Das fuͤnffte Capitel. Von der Jalappe. Siehe Fig. 43. D Je Jalappa ist die Wurtzel eines Gewaͤchses, das vier oder fuͤnff Fuß hoch waͤchst, und dessen Blaͤtter den Blaͤttern der grossen Hedera oder Ephen sehr nahe kommen, ohne daß sie nicht so dicke sind. Die Jalappe/ welche wir verkauffen, soll, wie mir der Herꝛ Rous- seau geschrieben, und der P. Plumi- er selbst gesaget, desjenigen Krautes Wurtzel seyn, welches vor nicht gar zu langer Zeit aus Neuspanien gebracht, und von dem Herren Tournefort also ist genennet worden: Solanum Mexicanum, magno flore, semine rugoso, Jalap existima- tum, Mexicanischer Nachtschatten/ mit grossen Blumen und runtzlich- ten Samen/ so fuͤr die Jalappe ge- halten wird. Der P. Plumier will, es sey dieser Nachtschatten einer von denenjenigen, die wir auf Frantzoͤsisch Belle de nuit nen- nen, denn er dieser Gattung, die auf La- teinisch Mirabilis Peruviana, zu Teutsch Schweitzerhosen/ heißt, gantz und gar gleich siehet. Dieses Gewaͤchs ist in den Gaͤrten sehr gemeine, und wird deshal- ben Belle de nuit geheissen, weil es nur die Nacht uͤber bluͤhet. Vielleicht duͤrfften einige nicht glau- ben wollen, daß die Jalappe die zer- brochenen Stuͤcke von der Wurtzel die- ses Gewaͤchses waͤren: allein, weil der P. Plumier selbst an denenselbigen Or- ten gewesen, mir aber ein guter Freund ein Stuͤcke einer solchen Wurtzel gege- ben, und ich beobachtet, daß sie blos dar- inne von der Jalappe unterschieden, weil sie weisser und leichter, und mehr Figuren hatte; welcher Unterschied aber ohne Zweiffel von der unterschied- lichen Landesgegend herruͤhrete; als will ich diesen Punct uneroͤrtert lassen, zumahl, da ich nichts mehr davon erfah- ren koͤnnen, und nur dieses annoch sa- gen, man solle dieselbe Jalappe erweh- len, welche in grossen Stuͤcken ist, und sich nicht leichtlich mit blossen Haͤnden zerbrechen, aber wohl im Moͤrsel stossen laͤßt; die auch aͤusserlich schwartzgrau, innerlich glaͤntzend schwartz siehet, voll Hartz ist, und ziemlich scharff und wider- lich schmecket. Endlich gebe man auch Achtung, daß nicht, wie oftmahls ge- schicht, rad. Eryoniæ, die Stickwurtz, und andre drunter gemenget. Die Jalappe, die in Franckreich verkaufft wird, koͤmmt aus Westin- dien ; doch meistens aus der Jnsel Ma- dera, woselbst sie wilde und ungebauet waͤchst. Man erachtet, die Jalappe sey gut, die uͤberfluͤßigen Feuchtigkeiten abzu- fuͤhren; allein, es muß einem ihre Kraft genau und wohl bekannt seyn, denn sie uͤberaus starck operi ret, vornehmlich, wenn sie in substantia, an und fuͤr sich selbst, gegeben, und die dosis, welche alle- zeit nach der Leibesbeschaffenheit, Alter und Vermoͤgen der Personen soll einge- richtet werden, nicht vermindert wird: und um dieser Ursache willen soll man sie iederzeit mit der groͤsten Behutsam- keit gebrauchen. Die ordentliche dosis ist von einem halben Scrupel bis auf ein halbes Qvintlein, in weissem Wein oder andern tauglichen Saͤften zu nehmen. Man kauffe bey leibe kein Jalap- penpulver, als bey solchen Kauffleu- ten, auf die man sich verlassen kan, und deꝛer Aufrichtigkeit maͤnniglich bekannt ist; denn es giebt ihrer, welche keine Ja- lappe pulverisiren, sie sey denn mit Stickwurtz vermischet, oder vermodert und wurmstichicht. Es soll auch durch ein seidin Tuch oder Flor gestaͤubet wer- den, denn je zaͤrter es ist, ie mehr Kraft hat es, und verursachet desto weniger Ungelegenheit. Ein Pastetenbecker zu Paris berei- tet mit diesem Pulver Purgier-Bisco- Purgir-Bi- scoten. ten, welche zu allem gut seyn sollen, und er verthut derselben, in Wahrheit, sehr viel: ob solches wegen der guten Wir- ckung, die man daran verspuͤret, ge- schicht, oder weil sie so wohlfeil sind, lasse ich an seinen Ort gestellet seyn, weil die- ses den Herꝛen Medicis und Apotheckern ehe als mir zu entscheiden zukommt. Von der Resina oder dem Magi- sterio Jalappæ. Aus der Jalappenwurtz wird mit Weingeist und gemeinem Wasser ein fluͤßiges, weisses und klebrichtes Hartz gezogen, dem Terpentin nicht ungleich: E wenn Der Spezereyen und Materialien wenn es aber trucken worden, sieht es dem gemeinen Hartz fast aͤhnlich. Es muß wie Scammonienhartz riechen, ab- sonderlich, wenn es recht zugerichtet ist, denn, wenn es nicht wohl bereitet wor- den, alsdann ist das Extractum Jalappæ drunter gemischt, oder man hat es uͤber dem Feuer getrucknet. Es muß auch braun sehen, wie Arcanson, insgemein Colophonium genennet. Sonst soll die recht schoͤne Resina Jalappæ ausser nur gemeldten Geruch und Farbe, trucken, durchsichtig und zarte seyn, sich leicht zerreiben lassen, und, wenn sie zwischen den Fingern zerdruckt woꝛden, wie Asche oder als ein graues Pulver sehen. Dieses Hartz wird hoͤher geachtet, als die Jalappe selbst, weil es eine staͤrckere Wirckung hat; und dann auch, weil es besser einzunehmen. Die ordentliche dosis sind fuͤnff bis sechs Gran in einem Eydotter. Ob nun schon dieses Hartz gar treff- liche Eigenschaften hat, dennoch soll es nie ohne Rath rechtschaffener Medico- rum gebrauchet werden. Wenn der Spiritus Vini von dem Ja- lappenhartz abgezogen, und die Feuch- tigkeit abgerauchet worden ist, so be- kommt man einen braunen Extract, wie Honig dicke, der fast gleiche Wir- ckung hat, wie die Resina, ohne daß er nicht so starck ist. Das sechste Capitel. Von der Mechoacanna. D Je Mechoacanna wird auch weisse Rhabarber, Americani- sche Scammonea oder Bryonia ge- nennet, und ist eine leichte, inn- und aus- wendig weisse Wurtzel, die wir in Schei- ben zerschnitten, aus der Provintz Me- choacan in Neuspanien, davon sie auch den Namen bekommen, erhalten. Die Jnsel S. Domingo soll, nach des Herrn Frantz Rousseau Berichte, so viel Mechoacanna bringen, daß man in weniger Zeit ein gantzes Schiff damit belasten koͤnte. Siehe Fig. 44. Wenn diese Wurtzel noch in der Erde steckt, stoͤst sie Stengel hervor, an denen duͤnne, weißlichte, gruͤne, wie Hertzen formirte Blaͤtter wachsen, auf welche die Beeren folgen, die anfangs gruͤne sind, bald aber immer roͤther und roͤther werden, ie mehr sie nemlich reiffen. Das Kraut der Mechoacanna kriecht immer fort, und ist von der Stickwurtz, wenn es noch auf dem Stocke, oder auf der Wurtzel stehet, allein am Geschmack und Gestalt der Blaͤtter unterschieden. So ist auch zwischen denen zerschnitte- nen und getreugten Wurtzeln der Me- choacanna und Bryonia dieser ein- tzige Unterschied, daß jene fast gar nicht riecht oder schmeckt, da diese hingegen gantz unertraͤglich bitter ist. Man soll die Mechoacanna erweh- len, wenn es feine huͤbsche Scheiben, innen und aussen weiß sind, dagegen die garstige, schlechte, gering und duͤrre hin- weg werffen, auch Acht haben, daß kei- ne Stickwurtz drunter sey, wiewohl oͤf- ters geschicht, wenn die Machoacanna etwa theuer ist, als wie im Jahr 1676. wiewohl man es gar leichtlich mercken kan, weil die Linien und Striche oder Circkul in der Mechoacanna viel dich- ter beysammen stehen, der Geschmack auch gantz suͤsse ist; dahingegen ist die Bryonia steinicht, und schmeckt, wie gedacht, uͤberaus bitter. Die Mechoacanna/ gepuͤlvert, und davon zweymahl soviel als von der Ja- lappa eingenommen, ist das herrlichste Remedium die schleimichten und waͤsse- richten Feuchtigkeiten abzufuͤhren, des- gleichen bis dato nicht vor den Tag ge- kommen. Weil aber ihre Wirckung nicht so schnelle, auch nicht so heftig ist, als wie der Jalappe, dieserwegen wird sie fast gar nicht mehr gebraucht, weil sich die Patienten einbilden, sie haͤtten nicht recht purgiret, wenn das remedium das seinige nicht bald und heftig thut. Ob es nun wohl ein viel gelinder Mit- tel, weder die Jalappa ist, dennoch moͤch- te man es dieser immer vorziehen, alldie- weil weniger Gefahr dabey, auch aller- hand Leuten, jungen und alten, kan ge- geben werden. Man nimmts, wie das vorhergehende, fruͤh nuͤchtern, in Wein, oder etwas anders ein. Lac oder Fecula Mechoacannæ. Wenn wir die Mechoacanna frisch haben koͤnten, so moͤchten wir wohl fecu- lam, oder wie es andere nennen, lac Me- choacannæ, ein weisses gantz zartes Pul- ver TAB. VIII. Jalappen Wurtzel. Fig. 43. p. 66 Mechoacana Wurtzel. Fig. 44. p.67. Turbit. Fig. 45. p. 69. Hauptbeschreibung ersten Theils zweytes Buch. ver oder Mehl, daraus bereiten. Nach- dem aber wegen Mangel der frischen Wurtzel unmoͤglich faͤllt es zuzurichten, als wird auch unnoͤthig seyn, daß man sich viel darum bekuͤmmere. Von der Stickwurtz. Die Stickwurtz, Bryonia, welcher auch der Namen Coulevrée und Vitis alba beygeleget worden, ist ein gantz bekann- tes Gewaͤchse, und also nicht noͤthig, viel davon zu melden, zumahl da desselben bereits alle Scribenten gedacht haben, auch schier alle Gaͤrten und Hecken des- sen voll sind. Die frische Wurtzel die- ses Krautes ist dermassen starck und hef- tig, daß derjenige, der sie genossen, als- bald, als wie rasend wird, ja wohl gar in Gefahr des Lebens geraͤth: und des- halben nennen sie die Bauern die tolle Steckruͤbe. Wenn sie aber getrocknet worden, hat sie noch einigen Nutzen in der Artzney, und wird zu etlichen com- position en gebrauchet. Der Herꝛ Mathurin Sebille, ein beruͤhm- ter Herborist, dessen gleichen wir in viel hundert Jahren zu Paris nicht gehabt, hat mich versichert, daß die Bryonia die Wilde Steck- ruͤbe. rechte wilde Steckruͤbe sey, und man muͤsse nur allein das Korn, das in den trocknen Beeren stickt, zur Bereitung des Theriacs gebrauchen. Auch geben etliche fuͤr, die Bryonia sey ein treffli- ches Mittel wider die Schlangenbisse, darum habe sie auch den Namen Colu- brina bekommen, gleich wie sie deshal- ben Vitis alba \& nigra genennet worden sey, weil ihre Blaͤtter dem Weinlaube gleichen. Fecula Bryoniæ. Aus der Bryonia kan man eine Fe- cula, das ist ein zartes Pulver und Mehl machẽ, welches, nachdem es trucken wor- den, wie Kraftmehl anzusehen ist: dieweil man aber befunden, daß es ein Mittel von schlechten Kraͤften, derohalben wird es anietzo gar selten zugerichtet. Von der schwartzen Stickwurtz. Es giebt noch eine Gattung der Stickwurtz, Vitis nigra, oder, wie ande- re wollen, Unsrer lieben Frauen Sie- gel genennet: zu Paris heissen wir sie Racine Vierge. Weil wir aber diese bey- den Wurtzeln nicht zu verkauffen pfle- gen, die Scribenten auch genug davon vermelden, deshalben habe ich auch nicht weitlaͤufftig davon handeln wollen. Dieses aber wolte ich noch gedencken, wenn man die frische Zaunruͤbe auf die Contusiones, wann einer gestossen oder geschlagen worden, leget, so wird sie ver- hindern, daß das Gebluͤte nicht gerinne, und der Ort braun und blau werde; und daher hat sie den Namen radix ad contu- siones bekommen. Das siebende Capitel. Vom Turbit. D Er Turbit, Lateinisch Turpethum, ist die Wurtzel von einem Kraute, welches die Baͤume hinan laͤufft, und Siehe Fig. 45. fast wie der Eibisch, Blaͤtter und Blu- men traͤgt; wie solches die Scribenten vermelden. Unter andern sagt Garzias ab Horto im II. Theil seines Buches pag. 232. also: Turbit ein Kraut, dessen Wurtzel mittelmaͤßig dicke und lang ist, auch wie der Epheu auf der Erde hin und her kreucht, hat Blaͤtter und Blu- men, als wie der Eibisch; der beste Theil daran ist, was er den Strunck heißt. Er sagt auch, das gantze Gewaͤchs habe nicht den allergeringsten Geschmack, und werde an den Seekuͤsten in Cam- baya, Suratte und andern Gegen- den in Jndien gefunden. Ferner er- zehlet er, daß es auch zu Goa wachse, doch werde es von dasiges Ortes Medi- cis nicht geachtet. Allein ich will mich bey dem, was Garzias davon gedacht, nicht aufhalten, habe vielmehr fuͤr gut befunden, allhier anzufuͤhren, was Pau- lus Hermannus, Medicinæ Doctor und Demonstrator in horto Medico-Lugdu- „nensi, in seinem Buch pag. 78. davon ge- „dencket, und daselbst vermeldet, daß er „das wahre Turbit an vielen Orten in „ Jndien/ sonderlich aber in der Jnsel „ Ceylon gesehen. Selbiges sey ein krie- „chendes Gewaͤchs, das sich entweder in „einander verwirre, oder um die naheste- „henden Baͤume schlinge. Die in der „Erde steckende Wurtzel triebe fuͤnff bis „sechs Schuh lange Rancken hervor, da „denn die Blaͤtter an mittelmaͤßig dicken „Stielen, mitten aus denenselben her- „aus wuͤchsen. Diese Blaͤtter seyen den „Eibischblaͤttern gantz gleich, ausser daß E 2 sie Der Spezereyen und Materialien „sie weisser, rauher und stachlichter, „oder vielmehr mit kleinen Spitzen be- „setzt waͤren, darnach folgeten die fleisch- „farbenen Blumen, den Glocken der „Winde nicht ungleich. Und darum „hat er es auch also genennet, Convol- „vulus Indicus alatus maximus, folio Ibisco „non nihil simili, Turbith Officinarum, das „ist, die groͤste Jndianische Winde, „deren Stengel gleichsam gefluͤ- „gelt/ und die Blaͤtter den Eibisch- „blaͤttern nicht so gar ungleich se- „hen, in den Apothecken Turbit ge- „nennet. Wann die Blumen abge- „fallen, hinterbleiben die Samenknoͤ- „pfe, in denen vier schwartze halbrunde „Koͤrner, wie Pfefferkoͤrner, stecken. Den Turbit soll man aussuchen, der fein wohl gesaubert, d. i. entzwey gespal- ten ist, und das Hertz daraus genom- men; der auch nicht bruͤchicht ist, aus- wendig grau, inwendig graulicht sieht; der fein schwer, nicht wurmstichicht, und so wohl in der Mitten, als an den Enden resinos und hartzicht ist. Hin- gegen soll man den weissen und leichten verwerffen, oder, wenn er sich leichtlich zerbrechen laͤßt, oder wurmstichicht ist; desgleichen, wenn er nur an den Enden hartzicht ist, welches daher kommt, ent- weder daß die Jndianer diese Wurtzel, so bald sie dieselbe aus der Erde gezogen, zusammen gekruͤmmet, damit sich der Saft nach beyden Enden ziehe, welcher alsdann, nachdem er eingetreuget, wie Hartz aussiehet: oder sie muͤssen irgend in ein Gummi oder fliessend Hartz geste- cket worden seyn. Etliche ziehen die kleinern Stuͤcken des Turbits den groͤs- sern vor, welches ich auch eben nicht ta- deln will. Viele nehmen und brauchen die Thapsia an statt des Turbits, welches man aber stracks mercken kan, und aus folgenden wird zu ersehen seyn. Der Turbit wird die uͤberleyen Feuchtigkeiten abzufuͤhren dienlich er- achtet: doch meistens brauchen ihn die Apothecker, massen er zu vielen Galeni- schen compositionibus genommen wird. Man haͤlt dafuͤr, der Name Turbit komme vom Lateinischen Wort turbare her, weil er eben als wie die Jalappe die humores turbi re und dergestalt aus- fuͤhre. Resina oder Extractum Tur- pethi. Aus dem Turbit kan auf gleiche Wei- se, wie aus der Jalappe, ein Hartz und Extract gemachet werden: weil man aber sehr wenig bekommt, deshalben will ich niemand rathen sich damit zu bemuͤhen. Von der weissen Thapsia. Die weisse Thapsia oder der graue Turbit ist die Wurtzel eines Gewaͤch- ses, das von allen Scribenten beschrie- ben wird. Es hat Blaͤtter, wie der Fenchel, drauf kommen die Kronen oder Dolden, wie auf der Tille. Die Blu- men sind gelb, und der Samen breit, dem Samen der Ferula guten Theils aͤhnlich. Wegen der gar zu heftigen Wiꝛckung wird dieses Kraut wenig gebraucht, sin- temahl der Saft oder die Milch, so dar- aus laufft, dermassen scharff ist, daß ei- nen die blosse Dunst davon des Gesichtes berauben kan. Die Wurtzel wird gleicher gestalt gar wenig in der Artzney gebrauchet, ohne von etlichen Apotheckern, die sie (wiewohl ziemlich ungereimt) an statt des rechten Turbits nehmen, es geschehe nun aus Unver- stande, und weil sie es nicht kennen, oder weil sie besseres Kauffs ist; da doch kein geringer Unterscheid zwischen beyden, indem der Turbit von aussen roͤthlicht grau, inwendig aber weißgrau siehet, schwer ist und nicht leichtlich bricht, da hingegen die Thapsia, welche leichte und runtzlicht ist, silberfarben siehet, auch ei- nen dermassen scharffen und brennen- den Geschmack hat, daß sie einem den Mund aufzeucht, sonderlich, wenn sie noch frisch ist. Es giebt sonst noch eine Gattung der Thapsia, die schwartze genennt, wel- Schwartze Thapsia. che in der Artzney gar nicht gebrauchet wird: und deshalben will ich auch nichts davon vermelden, sondern nur dieses gedencken, daß man diese beyden Wur- tzeln, wegen ihrer grossen Schaͤrffe, gar fuͤglich unter die heftigsten remedia, welche hoͤchstgefaͤhrlich zu gebrauchen, rechnen koͤnne. Derowegen sollen die Apothecker und andere sich wohl in Acht nehmen, und diese Wurtzel nicht an statt des wahren Turbits geben. Das Hauptbeschreibung ersten Theils zweytes Buch. Das achte Capitel. Vom Costo Arabico. Siehe Fig. 46. D Er Arabische Costus ist die Wur- tzel einer dem Hollunder nicht un- aͤhnlichen Staude, waͤchst haͤuffig in dem gluͤckseligen Arabien, daher ihm auch sein Zuname entstanden. Man muß die schoͤnsten Wurtzeln aussuchen, welche schwer sind, auswen- dig aschfarben, inwendig roͤthlicht grau sehen, die sich nicht gerne zerbrechen las- sen, starck riechen, und einen aromati- schen, mit einiger Bitterkeit vermisch- ten Geschmack haben. Die Wurtzel des Costus wird mei- stentheils zum Theriac verbraucht, und bedarsf keiner fernern Zubereitung, wenn sie nur frisch, dicke, vollkommen, und von dem Schilffe, welcher oftmahls an den Wurtzeln haͤnget, wie auch von der Erde und anderm dran befindlichen Unrathe wohl gesaubert ist. Costus dulcis. Der suͤsse Costus ist eine kleine Wur- tzel, kommt der Terra merita, was an- langet die Gestalt, Farbe und Groͤsse, ziemlich nahe. Allein, diese Wurtzel ist ietziger Zeit so gar rar, daß sie fast nicht mehr zu haben. Weil uns nun dieses Gewaͤchs eben so unbekannt, als wie der Costus amarus, darum mochte ich auch nichts mehr davon melden. Costus amarus. Der bittere Costus wird von etli- chen Costus Indicus, der Jndianische ge- nannt, und ist eine grosse, harte dicht- und glaͤntzende Wurtzel, die viel eher einem Stuͤcke Holtz, als einer Wurtzel gleichet. So seltsam ist er nicht, als wie der vorige, denn er annoch in etlichen alten Kramlaͤden anzutreffen. Wie aber die Seltsamkeit einer Wahre diesem oder jenem Anlaß giebet, genau nach selbiger zu forschen, andere aber daher Gelegen- heit bekommen, etwas anderes dafuͤr auszugeben, eben also ists auch hier er- gangen: denn es haben etliche Gebirger die Wurtzel Agriocynera, die sie aus Jta- lien, sonderlich von Monte S. Angelo, gebracht, fuͤr den bittern Costus ange- geben, obgleich ein grosser Unterschied zwischen beyden, indem die Agriocynera fast gar keinen Geschmack hat, da hin- gegen der Costus, wie sein Name weiset, bitter ist. Andere, die sich nicht gerne wollen betruͤgen lassen, oder auch ihres Beutels zu schonen pflegen, nehmen an statt des bittern Costus, den Corticem Winteri, welchen sie auch Costum album, den weissen Costus nennen, oder den Zittwer, oder die Wurtzel von demjeni- gen Kraute, welches die Botanici Men- tham hortensem corymbiferam auf Fran- tzoͤsisch Coq de jardin, auf Teutsch Gar- tenmuͤntze heissen, oder auch wohl die Alantwurtzel, u. s. w. Solchem Miß- brauch und Unterschleiff vorzukommen, kan man sich nur schlechter dinges des bittern Costus bedienen, denn dieser der beste ist, und den Namen Costus alleine verdienet. Wiewohl man auch sicher- lich glauben mag, daß alle diese unter- schiedenen Gattungen des Costus, wel- che in vorigen Zeiten zu sehen gewesen, blos von den unterschiedlichen Oertern, da sie gewachsen, entstanden sind, wie solches Charras im Tractat vom The- riac articul. de Costo pag. 125. sehr wohl angemercket, woselbst er saget, diß sey seine Meinung, wie daß aller Costus insgesammt die Wurtzel einer eintzigen Pflantze sey, die doch an unterschiedli- chen Orten in der Welt wachse: koͤnte dannenhero wohl seyn, daß der Costus, der an verschiedenen Orten eines Lan- des wachse, von der unterschiedlichen Erde, daraus er seine Nahrung ziehet, auch eine gantz andere Gestalt, Farbe und Geschmack bekomme. Wir sehen dieses an Korn, Wein und allerhand Gewaͤchsen, welche ebener massen nicht nur ihre Gestalt, sondern auch den Ge- schmack und Kraft veraͤndern, ie nach- dem sie in feucht- oder trucknen, fett- oder sandichten Boden, oder in einem mehr oder weniger steinichten Lande gestan- den. Derowegen soll man den Arabi- schen Costus durchgehends eintzig und allein zu allen Composition en gebrau- chen. E 3 Das Der Spezereyen und Materialien Das neunte Capitel. Vom Jngber. D Er Jngber ist desjenigen Gewaͤch- ses Wurtzel, welches von denen Bo- tanicis also genennet wird; Arundo hu- milis, clavata, radice acri, niedriges Kol- benrohr, dessen Wurtzel einen scharf- fen Geschmack hat. Diese Wurtzel verkriecht sich nicht tieff in die Erde, sondern spreitet sich oben auf derselben die laͤnge hin aus, sieht an den Enden bald wie eine Hand oder Pfote, und wird auch deswegen von den Einwohnern der S. Christof- fels- und anderer Antillen-Jnseln patte du Gingembre, Jngberpfote oder Zehe genennet. Siehe Fig. 47. und 48. Wann der Jngber annoch in der Er- de liegt, dann stoͤst er einen Hauffen Rohrstengel von sich, mit grossen, lan- gen gruͤnen Blaͤttern, nach denen die roͤthlichte mit etwas gruͤn vermischte Bluͤte folget: und zwar waͤchst aus dem Stengel eine gruͤne Spitze heraus, die nicht unfuͤglich mit einer Kolbe zu ver- gleichen, weswegen ihm auch von den Lateinern der Name Zingiber flore clava- to gegeben worden. Vor diesem wurde der Jngber aus Ostindien zu uns gebracht, seit dem er aber auch in den Antillen-Jnseln er- bauet worden, kommt nichts mehr, oder doch sehr wenig, daselbst her. Wenn die Americaner den Jngber aus der Erde gezogen haben, so legen sie ihn an die Luft und Sonne, damit er trucken werde, und wenden ihn von Zeit zu Zeiten um. Wenn sie aber geschwin- der damit fertig seyn wollen, alsdann treugen sie ihn im Ofen; und solchen be- kommen wir auch unterweilen, wie- wohl er uͤber die massen duͤrre und tru- cken ist. Man soll den Jngber aussuchen, der fein frisch, trucken, voͤllig und schwer- lich zu brechen ist, der von aussen roͤth- licht grau siehet, und inwendig hartzicht ist, auch einen hitzigen und beissenden Geschmack hat; hingegen soll man den Englischen wegschmeissen, weil er weich, fasicht, in- und auswendig weiß, und mehrmahls wurmstichicht ist; eine herrliche Beschaffenheit, die ihm gewiß- lich beyzulegen, denn wenn ihn nicht die Wuͤrme zerfressen, so ist er dennoch dergestalt voll Fasen, daß man ihn un- moͤglich zu Pulver stossen kan. Jn der Artzney wird der Jngber gar selten gebrauchet, hergegen desto haͤuf- figer von den Landkramern und Tabu- lettraͤgern unter den Pfeffer gemischet. Wir aber stossen ihn zu Pulver, und heissen diß hernach Epice blanche, so zu vie- lerley Sachen, sonderlich zu Verferti- gung der vier Spezereyen, pour la compo- sition des quatres epices, gebrauchet wird. Vom eingemachten Jngber. Die Americaner machen den erst aus der Erde gezogenen Jngber mit Zucker ein, nachdem sie ihn zuvor einge- weichet, damit er nicht allein seine mei- ste Schaͤrffe verlieren moͤge, sondern auch die oberste Haut fahren lasse. Wenn er nun recht und wohl zugerichtet ist, alsdann versenden sie ihn an viele Orte. Sie machen auch eine Marmelade da- raus, ingleichen allerhand truckne Tei- ge, eben wie wir aus unsern Fruͤchten und Wurtzeln. Dieses eingemachte wird darum ge- brauchet, weil es sich uͤber die See fuͤh- ren laͤßt, auch alten Leuten Waͤrme mittheilet. Die Jndianer, Holl- und Englaͤnder/ desgleichen alle Nordi- sche Voͤlcker insgesamt gebrauchen es, theils sich zu erwaͤrmen, theils aber die Daͤuung zu befoͤrdern, nicht weniger sich vor Scorbut und Mundfaͤule/ welche nichts seltsames auf der See, zu præservir en und zu verwahren. Von der Wurtzel Zerumbeth, und dem Zittwer. Zerumbeth und Zittwer, Zedoaria, sind zwey an Farbe und Gestalt gantz unterschiedene Wurtzeln, welche nichts destoweniger von einem Kraute oder Gewaͤchse, dessen Blaͤtter den Blaͤttern des Jngbers nicht so gar ungleich sind, und deswegen auch wilder Jngber ge- nennet wird, ihren Ursprung haben. Beyde werden aus Ostindien und der Jnsel Laurentius gebracht, woselbst sie in grosser Menge wachsen. Zerumbeth heißt der Wurtzel run- des Theil, und wir bekommen es, wie die Jalappe, in Scheiben zerschnitten: soll aus- und inwendig grau sehen, schwer TAB. IX. Arabische Lostuswurtz. Fig. 46. p. 73. Jngber. Fig. 47. p. 75. Prosperi Alpini Rapontie. welche wie Journefort versichern wil, die wahrhafte Rhabarber seijn sol. Fig. 41. p. 64. Münchs Rhabarber oder Rhaponticum montanum. Fig. 42. p. 64. TAB. X. Veilgenwürtz. F. 49. p. 77. F. 52. Lürcüma. p. 79. Kleiner Galgant. F. 50. p. 79. Grosser Galgant. F. 51. p. 80. Hauptbeschreibung ersten Theils zweytes Buch. schwer seyn, und sich nicht leichtlich zer- brechen lassen, noch von Wuͤrmern zer- fressen seyn: auch soll es einen heissen und aromatischen Geschmack haben. Der Zittwer aber ist der lange Theil der Wurtzel, und gleichsam der Fuß oder das unterste am Zerumbeth. Soll des kleinen Fingers lang und dicke seyn, weißroͤthlicht von aussen, inwendig weiß- licht, fein voͤllig und schwer, uͤbel zu zer- brechen, auch nicht wurmfreßicht, wel- chem Ubel er gar sehr unterworffen: des- gleichen soll er einen heissen und aroma- tischen Geschmack haben, bald wie Ros- marin. Jn der Artzney wird Zerumbeth nicht so sehr gebraucht als wie der Zitt- wer/ denn dieser fuͤr ein gutes cordial und hertzstaͤrckendes Mittel gehalten wird, und zugleich wider allen Gift vor- trefflich dienlich. Es uͤberlege sich ja keiner mit diesen beyden Wurtzeln, denn es wird selten darnach gefragt, so koͤnnen sie auch nicht gnugsam vor den Wuͤrmen bewahret werden. Das zehende Capitel. Von der Veielwurtz. Siehe Fig. 49. I Ris Florentina, die so genannte Veiel- wurtz/ ist die Wurtzel eines Gewaͤch- ses, dessen Blaͤtter lang und schmal, von Farbe schoͤn gruͤn sind, wonach weisse Blumen folgen. Der Hertzogin von Guise ehmahliger Leib-Medicus Mo- rin, ein wackerer und in Erkaͤntniß der Kraͤuter hocherfahrner Mann hat mich dessen versichert. Sonst ist die Iris Florentina in Franck- Der Herr Au- tor gestehet in dem Frantzoͤ- sischen An- hang aufrich- tig, daß er allhier gefeh- let/ und die Iris Florentina denen andern gar nicht glei- che/ sondern also aussehe, wie er sie o- ben beschrie- ben. reich unter dem Namen Flambe, Glayeul, und Iris nostras gantz bekannt, waͤchst uͤberalle auf den Mauern, an den Fluͤs- sen, und auch in den Gaͤrten, und es giebt ihrer gar vielerley Arten, wie von einigen Autoribus berichtet wird. Der Name Iris soll ihr, wie man sagt, daher gekommen seyn, weil sie so unterschie- dene Farben hat, die einiger massen den Farben des Regenbogens, der auf Latei- nisch Iris genennet wird, aͤhnlich sehen. Die Veilgenwurtz soll man erweh- len, welche fein dicke, voͤllig und dichte, aussenher weiß, inwendig trucken, und schwerlich zu zerbrechen sey, darneben suͤßlicht, und wie Veilgen rieche: dage- gen muß man die geringe und unsau- bere, die keinen Geruch hat, aus- werffen, wie nicht weniger die, welche weich und wurmfreßicht ist, denn diesem Unfall ist sie vor andern unterworffen. Hiebey dienet zu mercken, daß die frische Iris ausser dem, daß ihr soviel ab- gehet, auch einen uͤber alle massen haͤß- lichen Geschmack habe, so daß man sie nicht lange im Munde behalten kan, weil sie einem den Hals gantz rauhe macht, welches hingegen an der trucknen nicht zu spuͤren, als welche einen liebli- chen und nach Veilgen riechenden A- them macht; um welches willen sie auch so viel junge Leute kaͤuen und stets bey sich tragen. Uberdiß gebrauchen sie auch die Parsumirer/ sowohl zum Pu- der, als zu andern Dingen, dazu sie noͤ- thig ist. Die Faͤrber und andre legen sie zu den Stoffen und Tuͤchern, die sie gefaͤrbet, und benehmen ihnen damit den Geruch nach der Farbe. Die Con- fiturirer geben nicht allein einer gewis- sen Conserve, welche Mißbrauchs hal- ber allhier zu nennen unnoͤthig, damit einen bessern Geruch, sondern sie uͤber- ziehen sie auch selbst, wenn sie vorher durch ein seiden Tuch gestaͤubet worden, mit Zucker, und machen daraus ihre pe- tites dragées, Zuckerkoͤrner, die wir Nom- pareilles nennen. Jm uͤbrigen wird die Veielwurtz, ohnerachtet ihrer so herrlichen Beschaf- fenheit, gar wenig zur Artzney gebrau- chet, sondeꝛn nur zu etlichen Galenischen compositionibus genommen. Die Apothecker brauchẽ auch von der- jenigen Iris, die in unseꝛn Gaͤrten waͤchst, den Saft zu ein und andern Dingen, z. E. zum emplastr. diachyl. und dergleichen. Es wird ingleichen aus diesem Safte, wie aus der Stickwurtz, eine fecula oder Fecula Irldis. Mehl gezogen, welches bey nahe von gleichen Kraͤften ist. Aus der blauen Schwertelblumen ziehen wir eine gruͤne Farbe, Verd d’Iris genannt, de- Verd d’Iris. ren sich die Mignaturarbeiter bedienen. Dieses Gruͤn wird auf gar vielerley Art zugerichtet, und koͤnnen die es zu ma- chen verlangen, sich in dem Buͤchlein de la Der Spezereyen und Materialien de la mignature, Raths erhohlen, denn in demselben stehet beschrieben, wie so wohl der Carmin, als auch andere feine Far- ben zuzurichten. Das eilfte Capitel. Von der groͤssern Galanga. Siehe Fig. 50. D Er groͤssere Galgand/ welchen ei- nige, wie wohl hoͤchst unrecht, Aco- rum verum nennen, ist die Wurtzel eines Gewaͤchses oder Schilffes, dessen Blaͤt- ter fast wie die Schwertlilien-Blaͤtter sehen; waͤchset haͤuffig auf der Jnsel Java und in China. Man soll aber diese Wurtzel erweh- len, wenn sie dicke und schwer ist, von aussen roͤthlicht, inwendig weißlicht sie- het, und einen heissen und beissenden Geschmack hat, der hinten nach etwas bitter ist. Dargegen soll man die ver- werffen, die schier gar nicht schmecket, welches doch nicht zu vermuthen, sie muͤste denn gar zu alt und zu verlegen seyn. Diese Wurtzel hat meines Wis- sens keinen andern Nutzen, als daß sie die Eßigbrauer an statt des kleinern Galgands zum Eßigmachen gebrau- chen. Die kleinere Galanga Jst eine in- und auswendig roͤthlich- te Wurtzel, eines scharffen und aroma- tischen Geschmacks, die wir aus Ostin- dien und China in Stuͤcklein zerschnit- ten bekommen. Wenn sie annoch in der Erde steckt, treibt sie einen Hauffen Siehe Fig. 51 Stengel hervor, wie einen Strauch, daran die Blaͤtter, die wie Myrtenblaͤt- ter sehen, sitzen. Den kleinern Galgand soll man aussuchen, der fein voͤllig ist, hoch an Farbe, und einen beissenden aromati- schen Geschmack hat, wenn er gekaͤuet wird: auch muß man sich in Acht neh- men, daß nichts nicht von dem grossen drunter gemenget sey, welches man stracks erkennen kan, dieweil der kleinere Galgand niemahls dicker ist, als ein klei- ner Finger, und eine viel schoͤnere Farbe, nebst einen weit heissern Geschmack hat, weder der groͤssere. Der kleinere Galgand wird viel- mehr in der Artzney gebrauchet, weder der groͤssere, denn er mehr Kraft und Tugenden hat. Es brauchen ihn glei- cher gestalt die Eßigbrauer. Das zwoͤlffte Capitel. Von der Terra merita. T Erra merita wird von etlichen Curcuma genennet, ingleichen Jn- dianischer/ Babylonischer oder auch Malabarischer Saffran, und wil- der Galgand/ und ist eine auswendig und inwendig gelbe Wurtzel, die ziem- lich grosse gruͤne Blaͤtter hat. Eben diese Wurtzel traͤgt auch Blumen in Siehe Fig. 52. Form einer Aehre. Diese kleine Wur- tzel sieht dem Jngber fast gleich, und wird von vielen Orten in Ostindien/ wie auch aus der Jnsel Laurentius/ in haͤuffiger Menge durch die Compa- gnie gebracht. Die Terra merita soll man erweh- len, welche dick, frisch, hartzicht, schwer zu zerbrechen, und wichtig ist, nicht wurmstichicht oder staubicht, soviel sichs nur thun laͤst. Zu Paris giebt es viel Leute, wel- che rothe Terra merita verlangen: allein es ist ein grosser Jrrthum, sinte- mahl nicht zweyerley Gattungen sind. Diß ist wohl wahr, daß die Terra me- rita, wenn sie lange gelegen, braun wird, wie auch das Pulver davon, wenn sie gestossen worden, viel roͤther siehet, als wie das Pulver von der frischen: ja man findet gantze Stuͤcken, welche sehr braun sehen, wenn sie zerbrochen wer- den; solches aber kommt daher, daß sie mehr oder weniger hartzicht sind. Diese Wurtzel wird von den Faͤrbern, Beutlern und Parfumirern gebraucht, und die Rothgiesser geben damit dem Metall eine Goldfarbe; desgleichen faͤr- ben die Knopfmacher die Hoͤltzer, die sie mit Gold und Silber-Faͤden belegen wollen, damit, auf daß das Holtz nicht durchscheine. Die Jndianer brauchen sie als wie den Saffran, und faͤrben ih- ren Reiß und andere Speisen gelb da- mit. Vom runden wilden Galgand. Cyperus rotundus, Egyptischer oder Siehe Fig. 53. Flandrischer/ runder wilder Gal- gand TAB. XI. Langer wilder Galgant Fig. 53. p. 80. Runder wilder Galgant. Fig. 54. p. 81. Wilder Jngber Fig. 48. p. 75. Fünfffingerkraut. Fig. 56. p. 82. Wolffsmilch. Fig. 55. p. 81. Hauptbeschreibung ersten Theils zweytes Buch. gand/ ist eine Wurtzel aus lauter Kno- ten bestehend, die so groß sind als Pater- nosterknoͤpfe, sehen auswendig braun, inwendig grau, und haben einen anzie- henden Geschmack, und schier keinen Geruch, wenn sie erst aus der Erde ge- zogen worden. Diese Wurtzel waͤchst im Wasser, oder langs an den Baͤchen, und treibt dreyeckigte, veste, glatte Stengel mit- ten zwischen den langen schmalen Blaͤt- tern hervor; die Blumen sind klein, und kommen buͤschleinweis oben auf dem Stengel heraus. Vor diesen wurde diese Wurtzel aus Flandern und England gebracht, da- rum sie auch also genennet worden: weil sie aber gar selten zu Paris gebrauchet wird, deswegen begnuͤgen wir uns mit der, die wir aus der Nachbarschaft, vor- nehmlich von Estampes, bekommen. Man zerquetschet diese Wurtzel, und kocht sie in Weine, trinckt hernach den- selben, wenn er durchgeseihet worden, so warm, als mans erleiden kan: soll ein sonderlich Mittel wider die Colica seyn. Vom langen wilden Galgand. Siehe Fig. 54. Cyperus longus, der lange wilde Galgand, ist eine kleine knorrichte Wurtzel, voll Zasern, laͤst sich ungern zerbrechen, sieht aussen braun, inwen- dig graulicht, und riecht sehr annehm- lich, wenn sie fein frisch und wohl ge- trucknet ist. Diese Wurtzel waͤchst in Baͤchen und waͤßrichten Orten, wie auch in Graͤben; stoͤst gruͤne Blaͤtter von sich, welche de- nen Knoblauchsblaͤttern ziemlich nahe kommen: Stengel und Blaͤtter sind des runden Galgands Blaͤttern und Sten- geln sehr gleich, sehen auch gar lieblich. Man soll diese Wurtzeln erwehlen, welche dicke, trucken und weder schimm- licht noch modericht riechen, vielweniger wurmicht sind. Sie hat wohl einigen Nutzen in der Artzney, iedoch gebrauchen sie die Par- fumirer und Handschuhmacher viel oͤfter. Noch dienet zu mercken, daß, wann man den Cyperus von den Bauern, die ihn nach Paris zu Kauffe bringen, erkauffet, es nicht genug sey, die erste Hand voll, die zu oberst im Sacke liegt, zu beschauen, denn diese ist noch wohl tru- cken; sondern man muͤsse fleißig zusehen, ob auch alle das uͤbrige also beschaffen. Das dreyzehende Capitel. Von der Wolffsmilch. Siehe Fig. 55. D Je Wolffsmilch, Esula, ist die Rin- de von einer kleinen roͤthlichten Wurtzel, welche gantz gruͤne, schmale Blaͤtter, die voll Milch sind, hat. Man soll diese Rinden aussuchen, die fein frisch, schoͤn, und innen wie aussen roͤthlicht sind, auch, wenn sie in den Mund genommen werden, einen ziem- lich unangenehmen Geschmack, mit ei- ner heftigen Schaͤrffe begleitet, haben. Diese kleine Wurtzel oder Rinde wird gar selten zur Artzney gebraucht. Ehe sie aber gebrauchet wird, wird Weineßig drauf gegossen, und ihr auf diese Art die Schaͤrffe benommen, wie solches der Herr Charras in seiner Pharmacopœa, ubi de benedicto laxativo, angemercket. Es kan auch nach ietztgedachten Au- toris Anweisung pag. 138. ein Extract aus dieser Wurtzel gemachet werden. Wenn es nun recht und wohl gemacht ist, so ist es ein sehr starckes Mittel das Wasser bey Wassersuͤchtigen abzu- fuͤhren. Sonst sind noch mehr Gattungen der Esula, allein wir fuͤhren keine andere, als deren Wurtzel wir nur erst beschrie- ben. Vom Fuͤnfffingerkraute. Obgemeldte Wurtzel hat mich veran- lasset, bey dieser Gelegenheit von einer andern Wurtzel, welche ihr an Gestalt und Farbe ziemlich gleichet, zu handeln. Die Griechen nennen dieselbe Penta- phyllon, die Lateiner Quinquefolium, die Frantzosen Quintefeuille, und die Teutschẽ Fuͤnfffingerkrautwurtz/ dieweil alle- Siehe Fig. 56. zeit fuͤnff und fuͤnff Blaͤtter auf dieser kleinen Wurtzel beysammen wachsen. Sie ist gantz gemein, und uͤberall in Gaͤrten und an den Wegen anzutreffen. Sie wird sehr wenig zur Artzney ge- braucht, so daß ich ihrer nicht einmahl gedacht haͤtte, wenn sie nicht unter die ingredienti en zum Theriac genommen F wuͤrde. Der Spezereyen und Materialien wuͤrde. Wenn sie nun soll gebrauchet werden, muß man sie zuvor rein ab- schaben, und den Kern heraus neh- men, darnach um einen Stock win- den, damit sie krumm werde, und also trocknen. Das vierzehende Capitel. Von der Thymelæa. D Jß ist eine geringe Wurtzel, unter- schiedener Laͤnge und Dicke, aus- wendig roͤthlicht, inwendig weiß, hol- tzicht und fasicht, schmeckt suͤsse, im An- fang, wenn sie aber ein wenig im Mun- de gehalten wird, empfindet man den saporem causticum, daß sie wie Feuer brennet, bevoraus, wenn sie noch frisch ist. Siehe Fig. 57. Aus dieser Wurtzel wachsen gruͤne, dicke, klebrichte Blaͤtter, fast wie die Lein- blaͤtter, und Fruͤchte, wie die Pfeffer- koͤrner, welche zu anfangs gruͤne, wenn sie aber reiff worden, schoͤn roth sind, und werden im Lateinischen Coccus cni- dius, auch granum cnidium genennet. Das Kraut wird gar wenig, hingegen die Wurtzel desto oͤfter gebrauchet, ab- sonderlich zu Lion und Paris/ allwo sie ein Stuͤcklein davon in die mit Fleiß durchbohrte Ohren stecken, um also die scharffen Fluͤsse des Hauptes, welche auf die Augen fallen, abzuziehen. Hier- zu aber dienet diejenige, welche aus Lan- guedoc gebracht wird, viel besser, als die so aus Burgund kommt. Von der Pareira brava. Siehe Fig. 58. Seit etlichen Jahren her hat man ei- ne Wurtzel zu Paris gesehen, welche der Thymelaͤa in allen aͤhnlich siehet, aus- ser daß sie viel haͤrter und schwaͤrtzer ist. Der erste, der sie nach Paris gebracht, war des Koͤnigs Gesandter nach Por- tugall/ Monsieur Amelot, und nach ihm der Herr Tournefort/ welcher mir auch das Stuͤcke, welches ich besitze, ver- ehret hat. Mich haben sonst etliche ver- sichert, daß diese Wurtzel Rancken trie- be, an denen die Blaͤtter wie Weinlaub sehen; dieselben kroͤchen die Mauren und Baͤume hinan. Und um deswillen haben sie auch die Portugiesen, als welche sie zu erst aus Mexico gebracht, Pareira brava genen- net, welches soviel heißt als ein wilder und unaͤchter Weinstock. Seit dem sie der Herr Amelot nach Paris gebracht, hat sie der Herr The- ward Medicus Facultatis, nebst andern, als ein specificum und gantz sonderliches Mittel wider den Stein gebraucht. Es wird fruͤh nuͤchtern, als ein Pulver, in weissem Weine genommen. Jhre Wahl betreffend, davon hat mich der Herr Thevard versichert, daß die Mexicanische weit besser sey, als die Portugallische ; und in einem Briefe, den ich am 16. October 1692. aus Lissa- bon empfangen, wird folgendes ange- mercket: Die Pareira brava, die aus Jndien und Brasilien kommt, ist eine Wurtzel, viel gemeiner als die Jpecacu- anha, und wird fast in allen Gaͤrten, hiesiges Landes, wiewohl in nicht gar zu grosser Menge angetroff en. Sie ver- kauffen das Pfund um 10 Testons, welche ohngefehr fuͤnff Frantzoͤsische Pfund be- tragen. Und dieses ist alles, was ich von dieser Wurtzel, die nur ohnlaͤngst in Franckreich bekannt geworden, habe er- fahren koͤnnen. Das funffzehende Capitel. Von der weissen Nieswurtz. H Elleborus albus, auch Veratrum album, die weisse Nieswurtz, waͤchst auf dem Gebirge in Dauphine und Bur- gund/ hat eine weisse Wurtzel, die vol- ler langen Zasern, von gleicher Farbe, ist; und breite Blaͤtter, die anfangs gruͤn sind, endlich aber gelb werden, in Siehe Fig. 59. deren Mitten ein holer Stengel mit gesternten Blumen empor waͤchset. Die Wurtzeln werden allein zu uns gebracht, und sollen dicke und schoͤn seyn, voll Zasern, aussen her gelb, inwendig weiß; und scharff, unangenehme schme- cken. Etliche halten mehr davon, wenn die Zasern herabgerissen, welches ich auch eben nicht widersprechen will, be- voraus, wenn sie sollen zu Pulver gestos- sen werden. Diese Wurtzel macht einen niesen, wird aber meistentheils fuͤr die Pferde, und raͤudige Schafe gebraucht. Von TAB. XII. Thymelea. Fig. 57. p. 83. Pareira Braua. Fig. 58. p. 83. Gift heil. Fig. 63. p. 89. Tisetthüttein. Gemsen Wurtz. Fig. 61. p. 85. TAB. XIII. Schwartze Nieswurtz. Fig. 60. p. 85. Weisse Meswurtz. Fig. 59. p. 83. Thora. Fig. 62. p. 90. Meisterwurtz. Fig. 65. p. 87. Angelica. Fig. 64. p. 85. Hauptbeschreibung ersten Theils zweytes Buch. Von der schwartzen Nieswurtz. Elleborus niger, oder Veratrum nigrum, Siehe Fig. 60. die schwartze Nieswurtz, eine braune Wurtzel, ist mit kleinen Zaͤserlein bese- tzet, sieht schwartz von aussen, inwendig gelb: daraus wachsen gruͤne Stengel mit gleichfarbichten zackichten Blaͤtteꝛn und fleischfarbenen Blumen, wie Ro- sen gestalt. Von diesem Helleboro soll man die schoͤnsten Wurtzeln aussuchen, daran die Zaͤserlein noch hangen, und fein sau- ber und trucken sind. Sie wird nicht eben viel zur Artzeney gebrauchet, ohne wenn man das Ex- tract daraus zurichten will: dagegen brauchen es die Schmiede desto oͤfter fuͤr die Pferde. Das sechzehende Capitel. Von der Gemswurtz. D Oronicum, insgemein Romanum, die Roͤmische Gemswurtz genennet, ist eine kleine Wurtzel, die aͤusserlich gelb, inwendig weiß siehet, und einen suͤßlich- ten anziehenden Geschmack, mit etwas Schleim vermischet, hat. Diese Wur- tzel wird von ihren Zaͤserlein gesaubert, und von den Gebirgen in Languedoc, Provence, in der Schweitz und Teutschland zu uns gebracht. Siehe Fig. 61. Jn der Erde siehet diese Wurtzel wie ein Scorpionschwantz; daraus wach- sen breite Blaͤtter, schier wie die wilde Gurcken- oder Wegbreitblaͤtter; dar- um wird es auch Aconitum pardalianches Plantaginis folio geheissen. Man soll die Gemsenwurtzeln aus- suchen, die fein dicke, nicht gypsicht oder wurmstichicht sind, die fein weiß sehen, wenn sie zerbrochen werden, auch also schmecken, wie oben erwaͤhnet. Dem Menschen soll sie ein herrliches Mittel wider den Gift, den er durch den Mund zu sich genommen, den vierfuͤs- sigen Thieren hingegen ein toͤdtlich Gift seyn. Das siebenzehende Capitel. Von der Angelica. D Je Angelica, sonst Archangelica, und Heiligen Geistwurtz genen- net, ist ein Gewaͤchs, das haͤuffig in Boͤhmen waͤchst, daher es auch den Zu- namen bekommen; desgleichen in Spanien/ England, Jtalien/ und Siehe Fig. 64. auch in Franckreich. Die Wurtzel, welche als eine Nuß groß, und mit einem Hauffen des halben Fusses langen, schwartzen kleinen Wuͤrtzelgen besetzt ist, sieht der schwartzen Nieswurtz nicht so gar unaͤhnlich. Aus dieser wachsen viel dicke, hole, rothgruͤne Stengel, auf wel- che alsofort dunckelgruͤne zerkerbte Blaͤtter folgen, nach diesen kommen die Dolden oder Kronen, mit weissen Bluͤm- lein besetzet, und der kleine rund und breite Samen, welcher in England mit Zucker uͤberzogen wird, desgleichen auch die Ribben, welche eben als wie die frische Wurtzel, mit Zucker eingelegt, eingemachte Angelica. und hernach eingemachte Angelica genennet werden. Man soll die schoͤnst und dicksten Wurtzeln von der Angelica nehmen, die fein lang sind, und inwendig weiß, auswendig aber gantz dunckel sehen; die auch nicht wurmstichicht sind, welchem Unheil sie gar sehre unterworffen zu seyn pfleget, wenn sie nur ein wenig schlecht in Acht genommen wird. Sie muß auch einen aromatischen, mit etwas Bit- terkeit vermischten Geschmack und Ge- ruch haben. Die Boͤhmische soll al- len den andern vorgezogen werden, wenn sie nur zu haben ist, sonst muß man sich wohl mit der, die aus Holl- und England gebracht wird, begnuͤgen lassen. Auch mag man sich in Acht nehmen, daß einer nicht an ihre statt die Wurtzeln des Mei bekomme, denn die Burgun- dier selbige nach Paris zu bringen, und denen Unwissenden fuͤr die Angelica zu verkauffen gewohnt sind. Allein, es kan dieses gar leichtlich mercken, wer nur ein wenig in Acht nimmt, daß die rechte An- gelica der schwartzen Nieswurtz ziem- lich aͤhnlich ist, das Meum aber eine Wur- tzel wie Petersilge hat, die aussenher graulicht, inwendig aber weiß ist, fast ohne Geruch; dahingegen die Angeli- ca schwaͤrtzlicht sieht, und gar lieblich riecht. F 2 Die Der Spezereyen und Materialien Die herrlichen Tugenden dieses Krau- tes, sonderlich der Wurtzel, haben ihr den so schoͤnen Namen zu wege gebracht. Sie wird fuͤr ein gewisses Mittel wieder den Gift und die Pest gehalten, und fruͤh nuͤchtern, wie und auf was Weise es ei- nem nur beliebet, eingenommen, auch sonst gar viel zur Artzeney gebraucht. Das achtzehende Capitel. Von der Meisterwurtz. Siehe Fig. 65. I Mperatoria, die Meisterwurtz, ist die Wurtzel eines Krautes, dessen Blaͤt- ter gruͤn, rauh und zachigt sind; nach denenselben kommen die Umbellen mit weissen Blumen: aus diesen entstehet ein kleiner Samen, der mit dem Maßi- lischen Seselsamen gar grosse Verwant- nuͤß hat. Von der Meisterwurtz soll man die schoͤnst- und frischesten Wurtzeln ausle- sen, die sich nicht so leicht zerbrechen las- sen; die auswendig braun, inwendig gruͤnlicht sehen, starck riechen, und einen aromatischen Geschmack haben. Hier- naͤchst soll man die, welche auf dem Ge- birge in Auvergne/ Monts d’or, und an- dern Gebirgen waͤchst, derjenigen vor- ziehen, die in unsern Gaͤrten anzutreffen. Dieser Wurtzel werden eben derglei- chen Eigenschaften, wie der Angelica beygeleget: daher geben etliche vor, sie habe den Namen Imperatoria deswe- gen bekommen, weil ihre Tugend und Kraͤfte so vortrefflich, und weil sie ein Kaͤyser, der auf Lateinisch Imperator heißt, erfunden. Das neunzehende Capitel. Vom Entzian. G Entiana, der Entzian/ ist ein Ge- waͤchs, das nach dem Koͤnig Gentius, der seine treffliche Wirckung zu erst ent- decket, genennet worden ist. Es waͤchst in grosser Menge um Chabli in Bur- gund, und an andern feuchten Orten, sowohl in nurgemeldetem Burgund, als anderwaͤrts in Franckreich, wie nicht weniger auf den Pyrenaͤischen und Al- pen Gebirgen. Siehe Fig. 66. Die Wurtzel, welche wir gantz allein, und sonsten nichts von diesem Gewaͤchse verkauffen, ist bisweilen so dicke, als ein Arm, in kleine, des kleinen Fingers oder Daumens dicke Wuͤrtzelgen zertheilet, welche gelb sind, und uͤberaus bitter schmecken. Die Blaͤtter sehen den We- gerichblaͤttern einiger massen gleich, und wachsen allezeit zwey und zwey an ie- dem Knoten des Stengels beysammen, seind glatt, bleichgruͤn, und von einem Ende bis zum andern lauffen erhabene Nerven oder Adern durchhin. Die Stengel sind gerade, starck, zwey bis drey Fuß hoch, und tragen im Junius gelbe Blumen, welche rund um diesen Stengel und uͤber einander, staffelwei- se, zwischen den Blaͤttern hervor wach- sen. Jede Blume bestehet aus einem eintzigen Stuͤck, welches iedoch in fuͤnff sehr schmale spitzige Theile zertheilet ist. Der pistillus oder das Stielgen in der Mitten (also genennet, weil es mehren- theils als ein kleiner Staͤmpfel oder Pistill aussiehet) bringt eine Capsul oder Huͤlse, welche in zwey Theil zer- springt, in denen ein Hauffen ziemlich dicke und doch gar platte Koͤrner sticken, die im Julius zu ihrer voͤlligen Reiffe gelangen. Man soll nur die mittelmaͤßig dicken Wurtzeln erwehlen, die fein frisch und wohlgetrocknet sind, denn im treugen geht ihnen gar viel ab; auch muͤssen sie von den kleinen Wurtzeln und der Erde bestmoͤglichst gereiniget seyn. Jnglei- chen gebet Acht, daß sie nicht beym Ofen getreuget, welches ihr stracks erkennen koͤnnet; denn die beym Ofen getreuget worden, sehen inwendig schwaͤrtzlicht, die aber an der Luft getrocknet sind, goldgelb. Man haͤlt dafuͤr, diese Wurtzel wider- stehe dem Gift, ja selbst der Pestilentz/ wegen ihrer alexiteri schen Kraft. Sie wird starck zum Theriac und andern dergleichen composition en gebraucht: ist auch ein gutes Schweißmittel, das in febribus intermittentibus mit gutem Nu- tzen mag gebrauchet werden, und wird deshalben die Europaͤische Quinqui- na genennet. Das TAB. XIV. F. 66. Entzian. p. 87 F. 67. Weisser Diptam. p. 87. F. 86. Weisse Eberwůrtz. p. 92. F. 69. Scwartze Eberwůrtz. p. 92. Hauptbeschreibung ersten Theils zweytes Buch. Das zwantzigste Capitel. Von der Thora und Anthora, Giftheyl. D Je Anthora Giftheyl, Eisenhuͤt- lein/ ist nach Tourneforts Mei- nung, ein Gewaͤchs, etwas seltsamer als der Entzian, und eine Gattung der Wolffswurtz/ Aconiti, so denenjeni- gen, die Wolffswurtz gefressen zu einem Gegengifte dienet, darum es auch C. Bauhinus Aconitum salutiferum, die gesun- de und heilsame Wolffswurtz, und Ant- Siehe Fig. 63. hora nennet. Seine Wurtzel ist aus zwey kurtzen Ruͤben zusammen gesetzet, welche trefflich bitter schmecken, inwen- dig fleischicht und weiß sind, auswendig braun sehen, und mit einem Hauffen Zaͤserlein umgeben sind. Der Sten- gel steigt etwa zwey Fuß hoch in die Hoͤ- he, und ist bis oben an mit vielen Blaͤt- tern besetzt, die an Gestalt und Groͤsse den Blaͤttern der Petersilie fast gleich kommen. Zu oberst auf dem Stengel wachsen die Blumen in Gestalt einer Aehre, sehen gelb, und fast wie ein Kopf mit einem Helm bedeckt. Der Samen, welcher schwartz und runtzlicht ist, waͤchst in Haͤuslein oder Hoͤrnlein zu fuͤnff und sechsen beysaminen. Die Wurtzel dieses Gewaͤchses ist ein trefflich Gegengift, und es gebrauchens die Bauern in den Alpen und Pyrenaͤi- schen Gebirgen wider der tollen Hun- de Biß/ wie auch die Colica, mit gutem Nutzen. Jngleichen erachtet man es fuͤr das allerkraͤftigste Mittel fuͤr dieje- nigen, die das Kraut Thora genossen. Diese Thora waͤchst auf den hoͤhesten Thora. Bergen. Vorgemeldter Autor nennet sie Aconitum pardalianches, die strangu- lirende und toͤdliche Wolffswurtz, wie auch Thora major, die groͤss ere Thora. Jhre Wurtzel ist knortzicht, wie des Tuͤr- Siehe Fig. 6 2 . ckischen Hanefusses: die Blaͤtter, die ziemlich rund, veste, und umher ausge- zacket sind, stehen auf gar zarten Stie- len. Die Stengel, welche nicht hoͤher als 7. oder 8. Zoll, sind nach oben zu in viel Zweiglein zertheilet, und mit etli- chen gelben Blumen besetzt, die aus vier Blaͤttlein bestehen, zwischen denen ein kleiner Knopf hervorraget, schier wie beym Hanefuß, darinne, wenn die Blu- me vergangen, etliche platte, und des Ranunculi Samen nicht unaͤhnliche Koͤr- ner wachsen. Mit dem Safte dieses Krautes wer- den die Pfeile vergiftet, und damit Woͤlf- fe, Fuͤchse, und dergleichen Bestien ge- schossen. Beyde Wurtzeln sind in un- sern Laͤden wenig uͤblich, theils, weil sie nicht sehr bekannt, theils auch, weil gar selten darnach gefraget wird, und eben deswegen schafft man ihrer nicht ziwiel an. Das ein und zwantzigste Capitel. Vom weissen Diptam. D Ictamnus albus, weisser Diptam oder Fraxinella; dessen Wurtzeln sind weiß, viel kleiner als ein kleiner Finger, ein wenig bitterlich, und eines ziemlich Siehe Fig. 67. starcken Geruchs. Die Stengel, die zwey Fuß hoch, sind roͤthlicht, voll Blaͤtter, welche, als wie das Eschenlaub sehen: zu oberst auf den Spitzen wachsen ein Hauffen grosse Blumen, in Form einer Aehren, welche gris de lin farbicht mit Purpur vermischt sind, bestehen aus fuͤnff gar spitzigen Blaͤttlein, nebst et- lichen langen zuruͤck gebogenen Zasern, in deren Mitten ein pistillus befindlich, welcher ein Knoͤpflein in fuͤnff Fach abge- theilet, bringet, darinne schwartze, glaͤn- tzende, langrunde, an dem einen Ende zugespitzte Koͤrner liegen. Man soll die dicksten Wurtzeln aus- lesen, die inwendig, wie auswendig, weiß sehen, wenig Fasen haben, und so sauber, als immer moͤglich, sind. Es findet sich dieses Gewaͤchs in den Waͤldern in Provence und Langue- doc. Die Wurtzel ist alexiteria, und gut wider den Biß giftiger Thiere, wider die Wuͤrme und Schneiden im Leibe, treibt auch den Harn, und wird desgleichen in morbis convulsivis gebrau- chet. Zwelffer, Charras und andere unter den heutigen Scribenten, neh- men das Pulver von dieser Wurtzel an statt des Mehls vom Orobo, zu den tro- chiscis squilliticis. F 3 Das Der Spezereyen und Materialien Das zwey und zwantzigste Capitel. Von der Eberwurtz. Siehe Fig. 68. D Je weisse Eberwurtz/ Carlina oder Carolina, von etlichen auch Cha- mæleon albus und Chardonerette genen- net, ist ein Gewaͤchs, dessen Wurtzel ei- nes Daumens dicke, auswendig aufge- borsten und braun, inwendig aber weiß ist, und des halben Fusses lang, von star- cken Geruch und annehmlichen Ge- schmack. Die Blaͤtter, welche rund herum an der Erde liegen, sind blaß- gruͤn, ausgeschweifft, und sehr zerschnit- ten, an beyden Seiten mit Stacheln versehen. Mitten zwischen diesen Blaͤt- tern steht die Blume, hart an der Wur- tzel, ohne Stiel, und ist vier bis fuͤnff Zoll breit, wie ein klein Becken gestalt, mit einigen spitzigen schmalen Blaͤttern gleichsam verbremet. Die Samen, welche nach den Blumen kommen, sind ziemlich lang, und haben oben einen pap- pum oder Bart. Man soll die frische Wurtzel wehlen, welche fein voͤllig und trucken ist, suͤsse schmeckt und einen aromatischen Ge- ruch hat; auch muß man wohl Achtung geben, daß man keine andere dafuͤr be- komme, die sonst gar gerne dafuͤr pflegen eingeschoben zu werden, bevoraus wenn jene theuer ist. Sie ist eines von den allerbesten Mit- teln, die wir haben, wider die Pest, und wird insgemein dafuͤr gehalten, daß sie Carln dem Grossen zu erst von einem Engel sey gezeiget worden, die Solda- ten, die in seinem Lager mit der Pest be- fallen waren, damit gesund zu machen, welches ihr denn hernach den Namen zu wege gebracht. Dioscorides und Bauhinus nennen die weisse Eberwurtz, Carlina acaulos, flore magno, ohne Stiel, mit einer grossen Blume. Carlina nigra oder Chamæleon niger, Siehe Fig. 69. die schwartze Eberwurtz sieht der erst beschriebenen in allen gleich, ausser daß sie einen hoͤhern Stengel, und dunckel- gruͤne Blaͤtter hat. Matthiolus geden- cket zwar noch einer andern Art, derer Blumen purperfarben, allein diß ist ein gar rar Gewaͤchs, und hat schlechten Nutzen. Die Kraft der gemeinen Carlina ist, dem Gift zu widerstehen, Schweiß zu erregen, den Harn zu treiben, die Ver- stopfungen zu eroͤffnen; deshalben sie auch in der Pest, Wassersucht, passione hypochondriaca und dergleichen Kranck- heiten mehr gebrauchet wird. Dieses Gewaͤchse findet sich auf den Alpen und Pyrenaͤischen Gebiꝛgen, desgleichen in Auvergne auf dem Mont d’ or, allwo beyderley Carlina so haͤuffig waͤchst, daß die Bauern die Wurtzeln und Koͤpfe, wenn sie noch jung und zarte sind, neh- men und zur Speise gebrauchen. Die- se Koͤpfe sollen sich, wie etliche vorgeben, auf und zu thun, nachdem das Wetter gut oder boͤse. Die Wurtzel der schwartzen Carlina ist allein in dem Stuͤck von der weissen unterschieden, daß sie gemeiniglich oben als wie halb offen, auch nicht so schwer, wie diese ist. Das drey und zwantzigste Capitel. Vom grossen Baldrian. V Aleriana major, der grosse Baldri- an/ von Johann Bauhin Valeri- ana major radice odorata, mit der starck- Siehe Fig. 70. riechenden Wurtzel, genennet, ist ein Kraut, dessen Wurtzeln Daumens dicke, aussenher braun und knorricht sind, als ob sie aus lauter Ringen bestuͤnden; an den Seiten sind sie mit Zasern besetzt, und haben einen starcken aromatischen gantz unangenehmen Geruch. Er schießt drey Fuß hoch gerade in die Hoͤhe, ist hol und hat bey iedem Knoten zwey Blaͤtter ge- gen einander uͤber stehend. Die ersten Blaͤtter sind gantz, die andern aber an beyden Seiten gar sehr zerkerbet, oft- mahls bis an den Strunck. Die Blu- men sind weiß, riechen wie Jasinin, und wachsen in Buͤschlein, oben auf den Stengeln, sehen wie kleine Roͤhrlein, die zu oberst in fuͤnff Theile zerspalten, und lassen lange platte Samen hinter sich, welche oben einen rauchen weissen Bart haben. Der kleinen Valeriana Wurtzeln Siehe Fig. 71. sind TAB. XV. Grosser Baldrian. F. 70. p. 91. Kleiner Baldrian. F. 71. p. 92. Cormentille Wůrtz. F. 73. p. 93. Ratter Wůrtz. F. 74. p. 94. Bertram. F. 79. p. 97. Hauptbeschreibung ersten Theils zweytes Buch. sind klein und riechen gut: ihre Blaͤtter, welche eintzeln wachsen, sind fast laͤng- licht rund, iedoch am Ende zugespitzt. Die Stengel, so nicht hoͤher, denn einen Fuß und etliche Zoll, haben bey iedem Knoten zwey Blaͤtter, welche bis an die Ribbe hinein gantz subtil zerkerbet sind. Die Blumen sind purpurroͤthlicht, der groͤssern Valeriana Blumen gleich, ie- doch gar zart und klein; der Samen des- gleichen. Belangend die Wahl dieser beyden Wurtzeln, da sollen sie fein frisch und wohl getrucknet seyn, auch so wenig Zaͤ- serlein haben, als nur moͤglich. Diese Wurtzeln, besonders die vom grossen Baldrian, werden wider Gift und Pest gebraucht, desgleichen in lang anhalten- dem Husten, Engbruͤstigkeit/ und der Wassersucht. Einige Autores nennen diese Wurtzel Phu Ponticum. Das vier und zwantzigste Capitel. Von der Baͤrwurtz. D Je Baͤrwurtz, Meum, dem die Al- ten den Zunamen Athamanticum, von dem Griechischen Gebirge Athaman- the gegeben, ist eine Wurtzel in der Di- cke des kleinen Fingers, auswendig schwaͤrtzlicht, inwendig weißlicht, scharff und ein wenig bitter, dabey eines ziem- Siehe Fig. 72. lich aromatischen Geruchs. Die Blaͤt- ter gleichen den Fenchelblaͤttern, sind aber um ein gutes kleiner, vielmehr zer- kerbet, und weit zaͤrter. Die Stengel, so eines Fusses hoch, sind mit Dolden oder Kronen besetzet, deren weisse Bluͤmlein aus fuͤnff kleinen Blaͤttlein bestehen, nach welchen zwey braune Samenkoͤrnlein kommen, die viel dicker, als der Fenchelsamen sind, auch viel- mehr Holkehlen haben. Dieses hat et- liche veranlasset zu glauben, es sey das Meum eine Gattung des Fenchels oder Dille, daher sie es auch Fœniculum con- tortum, zusammen gedreheten Fen- chel geheissen. Die Wurtzel des Mei dient wider den Gift/ und ist deswegen wohlgethan, daß sie zum Theriac genommen wird. Sie ist auch ein Schweiß- und Harn- treibend Mittel. Alle Baͤrwurtz, die wir verkauffen, wird von den Bergen in Auvergne und Burgund, auch von den Alpen und Pyrenaͤischen Gebirgen gebracht. Das fuͤnff und zwantzigste Capitel. Von der Tormentille und Ratterwurtz. Siehe Fig. 73. D Je Tormentille, welche zur Artz- ney gebraucht, und von Caspar Bauhin Tormentilla sylvestris, die wil- de genennet wird, ist eine knollichte und Daumens dicke Wurtzel, sieht braun oder roͤthlicht von aussen, hat einen an- ziehenden Geschmack, und ist mit einigen Zaͤserlein umgeben. Die Blaͤtter se- hen dem Fuͤnfffingerkraute gleich, sind glatt und glaͤntzend, stehen zu sechs und sieben auf einem Stiele. Die Stengel sind niedrig, kurtz, aͤstig, tragen etliche gelbe Bluͤmlein, mit vier Blaͤttlein, nach denen ein Knopf zu finden, darin- ne etliche kleine Samen beysammen stecken. Die Tormentille waͤchst an grasich- ten und feuchten Orten auf den Alpen und Pyrenaͤischen Gebirgen. Die Wurtzeln werden zu den alexiteri schen composition en genommen, treiben den Schweiß, und widerstehen dem Gifte; werden auch im Durchlauff verord- net. Man erwehle die Tormentillwur- tzel, die fein frisch, trucken, und in war- men Landen gewachsen ist, denn sie bes- ser als die, welche in unsern Gaͤrten waͤchst. Die Bistorta, Natterwurtz, ist ein Siehe Fig. 74. Kraut, dessen Wurtzel Daumens dicke, gekruͤmmet und in einander verwickelt ist, sieht auswendig braun, inwendig fleischfarben, wird mit haarichten Fasen umgeben, und hat einen anziehenden Geschmack. Die Blaͤtter, die schier wie der Grindwurtz Blaͤtter sehen, sind oben her lichtgruͤn, unten aber meergruͤn. Der Stengel, der ebenfalls mit etlichen Blaͤttern besetzt ist, die aber kleiner sind als die ersten, stehet im May in der Bluͤ- te. Die Bluͤmlein, welche in einer Aeh- re gantz gedrungen beysammen sitzen, sind fleischfarben, aber sehr klein, lassen iedwe- Der Spezereyen und Materialien iedwede einen Samen hinter sich, mit drey ziemlich scharffen Ecken. Caspar Bauhin nennet diese Sorte bistorta major, radice magis intorta, die Natter- wurtz mit gar sehr gekruͤmmter Wurtzel. Die Schlangen- oder Natter- wurtz waͤchst auf den Alpen und Py- renaͤischen Gebirgen, wie auch in Au- vergne, und anderswo. Sie wird in solchen Zufaͤllen gebrauchet, wo adstrin- gentia, anhaltende Dinge noͤthig sind, z. E. im Durchlauff und Bruͤchen; so ist sie auch ein staͤrckend Mittel, und die- net wider den Gift. Man soll aber die erwehlen, die da fein frisch und voͤllig ist, aussenher braun, inwendig roͤthlich siehet, und in warmen Laͤndern gewachsen. Das sechs und zwantzigste Capitel. Von der Osterluzey. W Jr verkauffen insgemein drey Sorten Osterluzey, naͤmlich, die lange/ die runde/ und die kleine. Auch giebt es noch eine andere Gattung, Ari- stolochia clematites und sarmentosa ge- nennet: weil wir aber mit dieser nichts zu thun haben, so will ich auch nichts weiter von ihr gedencken. Siehe Fig. 75. Die runde Osterluzey hat eine run- de, knollichte und fleischichte Wurtzel, unterschiedener Groͤsse und Dicke; denn etliche haben bis drey Zoll im Durch- schnitt: sind irregular, d. i. meh- rentheils unten breit, und voller Bu- ckel, fast wie die Erdnuͤsse. Diese Wur- tzel, die uͤber die massen bitter ist, sieht in- wendig gelblicht, auswendig braun, und hat keinen unangenehmen Geruch; ist sonst mit einigen subtilen Zaͤserlein ver- sehen. Aus dem obersten Theile schies- sen viel Stengel hervor, welche sich einen Fuß hoch in die Hoͤhe erheben: die Blaͤt- ter sitzen Wechselsweise daran, sind ziem- lich rund, und haben keine Stiele, son- dern umgeben den Stengel mit dem un- tern Theile, welcher ausgeschnitten ist, und wie zwey runde Ohren siehet. Die Blumen kommen zwischen dem Stengel und Blaͤttern hervor, sind als wie kleine gelbe Roͤhrlein mit anderthalb Zoll lan- gen Strichen bezeichnet, die von der Mit- ten an creutzweis durcheinander lauffen, sie sind als wie eine Ochsenzunge ausge- breitet, und sehen schwartzroth, mehr- mahls gar Rusfarben; haben aber kei- nen Geruch. Der Samen ist schwartz, uͤberaus subtil und breit, schier drey- eckigt, und liegt in kleinen Haͤuslein ver- schlossen, welche zu anfangs gruͤn sind, hernach aber, wenn sie zeitig, braun wer- den, und der Laͤnge nach in sechs Zellen abgetheilet werden. Siehe Fig. 76. Der langen Osterluzey Wurtzel sieht einem Rettich gleich, ist aber viel dicker und laͤnger, fleischicht, bruͤchicht, braun von aussen, gelblicht innen, sehr bitter, und mit etlichen Zaͤserlein umge- ben. Sie hat laͤngere Stengel, als die runde, welche an der Erde liegen, und die Blaͤtter sitzen eben also dran, eins ums andre, wie an der vorigen, sind aber nicht so rund, und haben einen kleinen Stiel. Die Blumen sehen bey nahe, wie die Blumen der runden Osterluzey, hingegen sind die Fruͤchte, wie eine kleine Birne, welche ebenfalls in ihren Zellen gantz platte schwartze Samen beschlies- sen. Die Osterluzey, welche Johann Bauhin Aristolochiam polyrrhizon, die Osterluzey mit vielen Wuꝛtzeln nen- net, und Caspar Bauhin, Aristolochi- am, dictam Pistolochia, die Osterluzey, welche auch Pistolochia genennt wird, ist unter diesen Wurtzeln die aller- kleinste, und bestehet aus einer unzehl- baren Menge subtiler gelber Zaͤserlein, welche alle an einem fasichten Kopfe hangen, sehr bitter schmecken, und gar angenehme riechen. Die Stengel sind schwanck und zart, liegen an der Erde, sind auch ebenmaͤßig wechselsweise mit kleinen bleichgruͤnen Blaͤttern besetzt, die wie ein umgekehrtes Hertz aussehen. Zwischen den Blaͤttern und Stengeln Siehe Fig. 77. wachsen die Bluͤmlein hervor, welche zwar der runden ihren Blumen gleich sehen, dennoch aber viel kleiner sind, von Farbe gelblicht, mit untergemisch- ter Rusfarbe: es sind auch die Fruͤchte viel kleiner. Und diese Osterluzey ver- kauffen wir unter dem Titel Aristolochia tenuis, die geringe Osterluzey, ob es Geringe oder kleine Oster- luzey. schon nicht recht ist, und das Lateinische Wort tenuis nicht gering, sondern zart und subtil heißt. Der TAB. XVI. Ruͤnde Osterluͤceij. F. 75. p. 95. Aristolochia Clematites. F 78. p. 97. Lange Osterlůceij. F. 76. p. 95. Kleine Osterlůceij. F. 77. p. 96. Weisser Wiederstoß. F. 81. p. 99. Rother Wiederstoß. F. 82. p. 100. Hauptbeschreibung ersten Theils zweytes Buch. Siehe Fig. 78. Der Aristolochia Clematites Wurtzeln lauffen auf allen Seiten aus, sind bitter und haben einen nicht unangenehmen Geruch. Die Stengel sind zwey bis drey Fuß hoch, gerade, veste, staͤrcker denn der vorhergehenden, daran die Blaͤtter gleichermassen wechselsweise sitzen, welche wie ein umgekehrtes Her- tze gestalt und blaßgruͤn sind, und ziem- lich lange Stiele haben. Die Blumen, welche haͤuffig zwischen den Blaͤttern heraus wachsen, sind bleichgelb, eben wie die andern formiret, nur daß sie klei- ner. Dagegen sind ihre Fruͤchte um ein gutes dicker, laͤnglicht rund, und in sechs Haͤuslein abgetheilet, voll breite und schier dreyeckigte Samen. Diese Gattung wird bey Caspar Bauhin Aristolochia Clematites recta genennet. Alle diese Arten der Osterluzey trifft man in Provence und Languedoc, in den Wiesen und Weinbergen an, aus- genommen die kleine, welche die Buͤ- sche, die Olivenfelder und duͤrre steinich- te Huͤgel in selbiger Landschaft liebet, auch viel staͤrcker und aromatischer ist. Deswegen haben Rondelet und Charras allerdings recht, daß sie an statt der gemeinen die kleine Osterluzey zum Theriac gebrauchen. Alle Sorten der Osterluzey vertrei- ben die Verstopfungen, und purgiren: werden immerfort in decoctis, injectio- nibus, lotionibus und potionibus deter- sivis \& vulnerariis, in abfuͤhrenden Cly- stiren und Wundtraͤncken gebrauchet. Weil die gemeine Osterluzey in mei- ner Handlung nicht befindlich: haͤtte ich sie nicht beschrieben, wenn es nicht des- wegen geschehen waͤre, damit man den Unterschied zwischen ihr und der klei- nern erkennen moͤchte. Es sollen aber die Wurtzeln, wenn man die auslieset, trucken und fein voll- kommen seyn, vornehmlich die runde und die lange, denn zuweilen findet man gantz ausgedoͤrrte, eingeschrumpfte und ausgetreugte drunter, daran nichts als die blosse Haut ist: hingegen ist die gute Osterluzey gar schwer, inwendig gelb, auswendig grau, darneben sehr dichte. Die kleinere soll feine schoͤne Wurtzeln haben, der schwartzen Nieswurtz ihren nicht ungleich, recht voͤllig und so frisch und trucken, als immer moͤglich. Diese kleinere Osterluzey wird schier zu nichts als zum Theriac gebraucht. Das sieben und zwantzigste Capitel. Vom Bertram. P Yrethrum, der Bertram, ist eine Wur- tzel von mittelmaͤßiger Laͤnge, des klei- nen Fingers dicke, auswendig grau, in- wendig weißlicht, mit etlichen Zaͤserlein besetzt, scharffes und brennenden Ge- Siehe Fig. 79. schmacks. Sie hat kleine gruͤne Blaͤtter, und leibfarbene Blumen, die schier wie die Tausendschoͤngen sehen. Man soll solch Pyrethrum aussuchen, welches fein frisch, vollkommen, tru- cken, uͤbel zu zerbrechen, und von Farbe und Geschmack, wie obgedacht, ist. Wir bekommen den Bertram uͤber Marseille, aus dem Koͤnigreiche Tunis, woselbst er insgemeine waͤchst. Er wird zu Stillung des Zahnwehes gar sehr gebraucht, da er dann im Munde gehal- ten wird: hat auch sonsten andern Nu- tzen mehr in der Artzney. Man braucht ihn auch zum Eßigmachen. Es wollen etliche, der Koͤnig in Egypten Pyrrhus habe ihm den Namen zu erst gegeben, weil er seine Kraft zu allererst entdecket, denn sie, wie andere Wurtzeln mehr, die den Speichel erregen, auswerffen macht. Es giebt noch eine andere Gattung Bertram, auf Frantzoͤsisch Pied d’ Ale- Pied d’ Ale- xandre. xandre genannt, welches eine kleine, des halben Fusses lange Wurtzel ist, von aus- sen braun und graulicht, inwendig weiß- licht, und mit einigen Zaͤserlein versehen, darauf stehet ein Busch, wie auf der Baͤrwurtz. Der Geschmack ist scharff und beissend, bey nahe wie des Ber- trams, um welches willen er auch wil- der Bertram genennet wird. Dieses Siehe Fig. 80. Gewaͤchs hat gar sehr kleine gelbgruͤne Blaͤtter, und bleichrothe Kronen. Wir bekommen es aus Holland und von andern Orten her. Man muß solche Wurtzeln aussuchen, die fein dicke, wie die vorhergehende sind; hingegen die, welche wie Faͤden sind, weg- werffen. Diese Wurtzel wird, gleich der vorigen, zum Eßigmachen ge- braucht. G Das Der Spezereyen und Materialien̄ Das acht und zwantzigste Capitel. Von der weissen und rothen Been- oder Wiederstoß- Wurtzel. D Je weisse Been-Wurtz/ sieht der Bertramwurtzel gleich, ist auswen- dig graulicht, inwendig ein wenig weis- ser, und hat schier keinen Geschmack: wenn man sie aber ein klein wenig im Munde behaͤlt, so hinterlaͤßt sie eine gar ungemeine Bitterkeit. Diese Wurtzel wird nebst der folgen- den von einerley Orten zu uns gebracht; ihre Blaͤtter sehen auch bald eben als wie Siehe Fig. 81. derselben Blaͤtter aus, ohne daß annoch unten an einem iedweden vier kleinere Blaͤttlein gegeneinander uͤber stehen, von gleicher Farbe und Gestalt. Dar- zwischen steiget ein hoher Stengel in die Hoͤhe, an welchem auch noch einige Blaͤttgen sitzen, und schuppichte Knoͤ- pfe, welche, wenn sie sich aufgethan, kleine gelbe Blumen hervor bringen. Man erwehle die Beenwurtz/ wel- che dicke, nicht wurmicht, nicht bruͤchig, und so frisch, als immer moͤglich ist, auch, wie obgemeldet, schmecket. Sie wird eben dazu gebraucht, dazu man die rothe brauchet, ja oftmahls eine fuͤr die andere genommen. Die rothe Beenwurtz wird, als wie die Jalappe, in Stuͤcke zerschnitten, vom Berge Libanon und andern Or- ten in Syrien uns uͤberbracht. Sie hat die Gestalt einer grossen Ruͤben, Siehe Fig. 82. wenn sie noch in der Erde steckt, ist mit Zaͤserlein besetzet, sieht auswendig braun, inwendig roͤthlicht, daraus wach- sen lange gruͤne Blaͤtter, die wie des Li- monii, des vermeinten rothen Beens Blaͤtter aussehen, deshalben es auch et- liche fuͤr das andere Geschlechte dessel- ben halten. Jn Mitte der Blaͤtter er- heben sich die Stengel mit rothen Blu- men, zwey und zwey beysammen, be- setzt, dieselben sehen bald wie kleine Gra- natenbluͤten, oder wie die Bluͤte des Pfeffers aus Jamaica. Man mag die aussuchen, welche fein trucken, hoch an der Farbe und frisch sind, denn sie leichtlich verderben: sie muͤssen auch einen anziehenden aroma- tischen Geschmack haben. Sie werden nicht eben sonderlich zur Artzney ge- braucht, mehrmahls aber nehmen dieje- nigen, die ihrer noͤthig haben, an ihre statt, dieweil sie so gar rar ist, die Wur- tzel der Angelica, Zittwer, Borragen und Ochsenzungen, welches aber nur aus dringender Noth geschehen soll. Diese Wurtzel wird fuͤr ein hertzverwahrend Mittel wider den Gift gehalten. Das neun und zwantzigste Capitel. Von der rothen Ochsenzungenwurtzel. Anchusa. Siehe Fig. 83. O Rcanette , die rothe Ochsenzungen- wurtz, ist mittelmaͤßig lang und dicke, auswendig dunckelroth, inwendig weiß, traͤgt gruͤne rauhe Blaͤtter, gleich den Ochsenzungenblaͤttern, daher sie auch wilde Ochsenzunge genennet wird. Mitten aus den Blaͤttern schießt ein gerader Stengel hervor, mit kleinen Blaͤttern und Knoͤpflein, darauf blau- lichte ( bleu mourant ) Bluͤmlein, wie Sternlein stehen, besetzt. Man erwehle die Anchusa, welche frisch, zaͤhe, und doch treuge ist, aus- wendig dunckelroth, inwendig weiß sie- het, und einen kleinen blauen Kopf hat; die auch eine huͤbsche rothe Farbe giebt, wenn man sie entweder angefeuchtet, oder also trucken auf dem Nagel und der Hand gerieben hat. Dieweil aber solche Farbe nur aus- senher an der Wurtzel haftet, darum nehmen diejenigen, welche Wachs, Fett und Oel damit faͤrben wollen, die dicken nicht so gerne, als die duͤnnen, mit de- nen, wenn sie wohl gereiniget sind, sie uͤberaus schoͤn roth zu faͤrben wissen, nur daß keine Feuchtigkeit an denenje- nigen Dingen, die sie faͤrben wollen, be- findlich sey. Sie waͤchst in Provence/ deswegen hohlen wir sie von Marseille und Nismes in Languedoc. Sie wird sehr oft in der Artzney gebraucht, und hat schier keine andere Eigenschaf- ten als die obige. Die TAB. XVII. Spanische Sarsaparille. Sarsaparille von Marignan. F. 87. p. 103 Färberröthe. F. 85. p. 101. Clina Wůrtzel. F. 88. p. 103. TAB. XVIII. Gemeine Ochsen Zůngen Wůrtz F. 83. p. 99. Orientalische Ochsen Zůngen Wůrtzel F. 84. p. 101. Wilder Bertram. F. 80. p. 98 Sasel Wůrtz. F. 89. p. 103. Steingůnderman. F. 90. p. 104 Hauptbeschreibung ersten Theils zweytes Buch. Ochsenzunge aus Levante. Siehe Fig. 84. Die Orientalische oder Constanti- nopolitanische Anchusa ist einer gar wundersamen Natur, sowohl was ihre Groͤsse und Dicke; denn sie offt so starck als ein Arm; als auch ihre Gestalt; mas- sen sie dem Ansehen nach nichts anders ist, als ein Buͤndlein lang und breiter Blaͤtter, die wie dick zusammengerollter Tabac anzuschauen; und endlich die Vielheit der Farben belanget, unter de- nen die vornehmste die dunckelrothe ist, auf welche zu etlichen mahlen gar schoͤn violbraun folget: zu oͤberst aber sieht sie weiß und blaulicht, wie verschimmlet aus, welches gleichsam ihre Blume. Mitten in der Wurtzel befindet sich der Kern, welches eine kleine subtile Rinde ist, so lang, als wie die Zimmtroͤhren, sieht auswendig gar schoͤn roth, inwen- dig weiß: Diese Anchusa wird selten ge- braucht, ob sie gleich besser ist als die unsrige. Das dreyßigste Capitel. Von der Faͤrberroͤthe. Siehe Fig. 85. G Arance, die Faͤrberroͤthe, ist eines bekannten Krautes Wurtzel, davon die Hollaͤnder so grossen Gewinn ziehen, weil sie dieselbige in grosser Menge an unterschiedene Orte, sonderlich nach Franckreich versenden. Wir bekommen dreyerley Art Roͤthe, die wir um besseren Unterschieds willen, Garance en branches. Garance enbranches, Garance en grappe ou robbée, und Garance non robbée zu nennen pflegen. Garance en branches heißt dieje- nige Roͤthe, davon uns die Wurtzel ohne die geringste Bereitung, so wie sie aus der Erden kommt, iedoch getrocknet, zu- Garance en grappe ou rob- bée. gesendet wird. Garance en grappe ou robbée ist diejenige, welche, nachdem die aͤusserste Haut oder Schale davon abge- zogen, auf sonderlichen Muͤhlengroͤblich zerstossen worden ist, so wie wir sie fuͤh- ren. Garance non robbée, heißt, wenn die Garanec nen robbée. gantze Wurtzel, ohne daß das geringste davon genommen worden, zu Pulver gemahlen ist. Daß derowegen die mit- telste Sorte die beste ist, welche, wenn sie recht beschaffen, erst kuͤrtzlich aus den Ballen oder Tonnen soll genommen seyn, und blaßroth sehen; ie aͤlter sie aber wird, ie schoͤner und roͤther muß sie werden. Die Seelaͤndische wird fuͤr die beste gehalten. Die Faͤrber brau- chen die Roͤthe. Das ein und dreyßigste Capitel. Von der Sarsaparille. Siehe Fig. 86. D Jeses sind die langen Faͤden von der Wurtzel eines Gewaͤchses, welches die Mauern und Baͤume hinan kreucht; dessen Blaͤtter lang, schmal und spitzig, voller Nerven oder Adern, und gruͤn sind. Unter den Blaͤttern wachsen klei- ne Zaͤserlein, wie die Gaͤblein am Wein- stock, damit hencket es sich an die Baͤu- me. Zu oberst an den Aesten wachsen kleine weisse Bluͤmlein, wie Sternlein, daraus entstehen kleine rothe saͤuerliche Fruͤchte. Die Sarsaparille waͤchst haͤuffig in Spanien und Peru, wie auch in Ostin- dien, und liebet feuchte morastige Oer- ter. Etliche geben vor, die Sarsaparil- le sey eben dasjenige Gewaͤchse, welches in Franckreich haͤuffig im Wilden waͤchst, und Smilax aspera major, die groͤs- sere Stechwinde, genennet wird. Dem sey nun wie ihm sey, genug, daß wir drey Sorten der Sarsaparille verkauffen, die Jndianische, die Spa- nische/ und die dicke aus Marignan. Unter diesen ist die Spanische die schoͤn- ste und beste, welche, wenn sie, wie sie soll, beschaffen ist, als wie lange Faͤden seyn muß, in der Dicke einer Schreib- feder, von aussen grau, inwendig weiß, mit zwey roͤthlichten Adern versehen; sie muß sich auch leichte spalten lassen, und alsdann nicht staubicht oder wur- micht seyn: desgleichen muß sie das Wasser, darinne sie gekocht wird, roth anfaͤrben. Die Feuchte, gantz duͤnne, und die voll Haare ist, soll man wegwerf- fen, wie nicht weniger eine weisse Art Hollaͤndischer Sarsaparille, welche in kleine Buͤndlein gebunden, und an beyden Enden abgeschnitten ist. Es wollen auch etliche vorgeben, ob sey die roͤthlichte Sarsaparille/ welche ge- meiniglich in langen Gebunden von G 2 Mar- Der Spezereyen und Materialien Marseille gebracht wird, nicht so gar gut. Allein, ich fuͤr meine Person, will versichern, daß ich nicht den geringsten Unterschied zwischen ihr und der Spa- Siehe Fig. 87. nischen finden koͤnnen. Die dicke und falsche Sarsaparille von Marignan, welche einige, wiewohl unrecht, die Moscowitische nennen, soll man schlechterdings verwerffen, denn sie viel eher zum Feuer anmachen, als zur Artz- ney dienlich ist; sie sieht auch viel eher einem Bund Reißig, denn der Sarsa- parille aͤhnlich. Die Sarsaparille wird zu vielerley Traͤncken und zu solchen Kranckheiten, die man gerne verschwiegen haͤlt, ge- brauchet, wie auch diejenigen, die sich in der Kuͤche zu sehr uͤberladen, wiede- rum geschlanck zu machen. Das zwey und dreyßigste Capitel. Von der China. Siehe Fig. 88. D Je China/ welche wir Squine, auch gemeiniglich Esquine nennen, ist ei- ne knorrichte, hoͤckrichte Wurtzel, sieht inwendig und auswendig roͤthlicht; wenn sie in der Erde steckt, treibt sie Stengel hervor, welche die Baͤume hin- ankriechen, und aus denen grosse, gruͤne, wie Hertzen formierte Blaͤtter entspries- sen; der gantze Stengel ist voll Stacheln, wie die Dornen. Die China, die wir verkauffen, kommt von mancherley Orten aus Jn- dien und China, sowohl uͤber Holl- und England, als auch uͤber Marse- ille; manchmahl rohe, d. i. wie sie aus der Erden kommt, meistens aber von der ersten Schale zum Theil gesaubert, damit ihr die aͤussersten Spitzen koͤnnen genommen, und sie um soviel theurer verkauffet werden. Man soll die China erwehlen, wel- che wichtig und hartzicht ist, die sich nicht wohl schneiden laͤßt, und die von der er- sten Schale gesaubert, an Farbe aber roͤthlicht ist. Dabey muß man Acht ha- ben, daß sie nicht von Wuͤrmen zerfres- sen, oder die Loͤchlein mit Bolus und an- derer leimichten Erde verschmieret seyn, welches nur gar zu ofte geschicht. Es wird die China sehr zu Schweiß- traͤncken gebrauchet, und zu eben sol- chen Sachen, als wie die Sarsaparille, dannenhero wird man gar selten eine oh- ne die andere finden. Jn den Antillen Jnseln waͤchst eine dicke Wurtzel, welche ihrer etliche fuͤr die wahrhafte China ausgeben; weil die- ses aber sich nicht behaupten laͤßt, des- wegen mag der Leser des P. Tertre Buch nachschlagen, der gar fein und weitlaͤuff- tig davon geschrieben. Dieweil ieden- noch solche Nachricht gar nichts zu mei- nem Vorhaben hilfft, darum habe ich sie auch allhier nicht anfuͤhren moͤgen. Das drey und dreyßigste Capitel. Von der Haselwurtz. D Je Haselwurtz, auf Lateinisch Asarum, Frantzoͤsisch Cabaret und Nard sauvage, ist eine Wurtzel, die in Levante an vielen Orten, in Canada, auch selbst in Franckreich sehr gemei- ne ist, sonderlich gegen Lyon zu, von daher wir alles bekommen, was wir da- von verthun. Siehe Fig. 89. Diese Wurtzel treibt lange Stengel hervor, an deren aͤussersten Enden gruͤ- ne, dicke und wie ein Hertz gestalte Blaͤt- ter, nebst roͤthlichten Blumen, die wie Rosenknospen sehen, wachsen. Man soll, dafern es moͤglich, die Ori- entalische Haselwurtz erwehlen, wel- che feine huͤbsche Wurtzeln hat, die we- der fasicht noch zerstossen, sondern innen und aussen graulicht sind, durchdringen- den Geruchs, und eines scharffen mit etwas Bitterkeit vermischten Ge- schmacks. Auch muß man Achtung ge- ben, daß es nicht die Wurtzeln der Asa- rina (von den Kraͤuterweibern Stein- gundermann genennet) sind, die wir oftmahls aus Burgund bekommen: dieses aber kan man gar bald gewahr werden, dieweil das Asarum kleine grau- lichte Wurtzeln hat, in der Dicke einer Schreibefeder, der Asarina Wurtzeln Siehe Fig. 90. hingegen sind gar klein und schwaͤrtzlicht, duͤrre, trucken, und so voll Haare, daß man nicht weiß, was es seyn soll, und Muͤhe genug giebt, die rechten Wur- tzeln von diesen Fasen zu unterscheiden. Die Haselwurtz wird wenig in der Artzney gebraucht, sondern meistentheils den Hauptbeschreibung ’ersten Theils zweytes Buch. den Pferden wider die Raude, von einer bis zu zwey Untzen mit ungefeuchteten Kleyen gegeben, ist auch ein trefflich Mit- tel wider diesen Mangel, dahero anietzo eine gute Menge verthan wird. Noch ist zu mercken, daß die Wurtzeln des Asari bey nahe oben auf der Erde liegen, und nicht gar tieff hinein gehen: wie auch, daß unter ihnen einige zu finden, an denen, ohngefehr ei- nes Schuhes tieff in der Erde, eine Gat- tung runder Knollen hangen, die von aussen gelb sehen, inwendig aber weiß sind; wenn man dieselben trucket, geht eine Milch heraus, die wie Feuer brennt. Jch habe dieses deswegen hierbey erin- nern wollen, wil mir nicht wissend, daß solches iemahls bekannt gewesen, oder daß iemand davon geschrieben haͤtte. Das vier und deyßigste Capitel. Vom suͤssen Holtze. Siehe Fig. 91. D As Suͤßholtz/ Frantzoͤsisch Reglisse, Lateinisch Glycyrrhiza, Liquiritia, radix dulcis, ist ein Gewaͤchs, dessen Blaͤt- ter klebricht, gruͤn, glaͤntzend und halb- rund sind, die Blumen an Farbe den purpurfarbenen Hyacinthen gleich; nach diesen kommen die Schoten, wel- che zusammen eine runde Kugel vorstel- len, und den Samen beschlossen halten. Das Suͤßholtz, das wir zu Paris haben, koͤmmt in gantzen Ballen von unterschiedenen Orten in Spanien/ vornehmlich aber aus der Gegend um Bayonna und Saragossa, der Hauptstadt in Arragonien, woselbst es in uͤberaus grosser Menge waͤchst. Man soll das Suͤßholtz erwehlen, welches dichte und Fingers dicke ist, aus- wendig roͤthlicht, inwendig gelb siehet, sich leicht zerschneiden laͤßt, und einen suͤssen angenehmen Geschmack hat, gleich- wie das Sarragoßische/ welches auch das beste, und derohalben billich dem von Bayonne vorgezogen werden soll, denn dasselbe sieht aussenher schwartzgrau, ist gar duͤnne und voll Erde, laͤßt sich auch nicht wol erhalten. Man muß grosse Muͤ- he anwenden, es so zu verwahren, daß es nicht verderbe, denn sobald diese Wahre nur einmahl angegangen, ist es nicht an- ders, als ob es den Brand bekommen, und wenn ein Stuͤck einmahl an beyden Enden zu verderben anhebt, so wird das uͤbrige in kurtzen auch verdorben seyn: und dieses geschieht vornehmlich, wenn es im Regen oder in der Kaͤlte gefuͤhret worden, desgleichen, wenn es im Keller gelegen hat. Was das truckne Suͤßholtz betrifft Trucken Suͤßholtz. Diejenigen, welche mit dem Süß- holtz han- deln, will ich hiermit war- nen, daß sie sich nicht mit etwas ver- wirren/ wel- ches sie nicht recht verste- hen oder ken- nen. Denn es ist keine kuͤtzli- chere Wahre, als diese, da- zu so viel Ver- stand gehoͤ- rig, so wohl dieselbe zu erhalten, als auch Gewinn damit zu ma- chen. Allein der Umstaͤnde sind so viel, daß sie etliche Bogen Pap- pir erforder- ten, wenn man sie alle eꝛoͤffnen solte. dasselbige soll gelb und recht trucken seyn: dabey man sich in Acht zu nehmen hat, daß es nicht der Ausschuß derer Ballen sey, denn solcher insgemein schwartz, ver- stockt und nichts nuͤtze ist. Der Gebrauch des Suͤßholtzes ist also bekannt, daß ich mich nicht dabey aufhalten mag. Wenn man zwey bis drey Untzen des trocknen und gepuͤlverten Suͤßholtzes, mit gleichem Gewichte Schwefelblu- men vermischt, einem Pferde, nachdem es groß, des Tages zweymahl, unter Kleyen gemenget, eingiebt, das ist ein herrlich Mittel fuͤr die Pferde, daß sie nicht daͤmpficht werden, wenn man es nur bey Zeiten gewahr wird: es ver- huͤtet auch, daß man diese Kranckheit in etlichen Tagen nicht verspuͤret, welches diejenigen, die da Pferde einkauffen, wohl in Acht nehmen moͤgen. Bey waͤh- rendem Gebrauch dieser Artzney muß man das Pfeꝛd ruhen lassen, u. ihm so we- nig Heu vorwerffen, als immer seyn kan. Zu Lyon wird uͤberaus viel Suͤßholtz verthan, dieweil sich gar viel Leute dessel- bigen bedienen. Das fuͤnff und dreyßigste Capitel. Vom Suͤßholtzsafte. A Us dem suͤssen Holtze wird mit heis- sem Wasser eine gelbe Tinctur gezo- gen, welche aber schwartz wird, wenn sie uͤber dem Feuer abgerauchet, und bis sie die gehoͤrige Dicke bekommen, einge- kochet ist: dieses nennen wir Suͤß- holtzsaft, und lassen ihn aus Holland, Spanien und von Marseille kom- men, in Kuchen von unterschiedener Groͤsse, denn sie oͤfters vier Untzen, auch wohl ein halb Pfund wiegen. Wenn er so gut ist, als er seyn soll, denn ist er aussen her schwartz, inwendig aber glies- send schwartz, laͤßt sich leichte zerschlagen, G 3 und Der Spezereyen und Materialien und schmeckt angenehme: dagegen taug der gar nichts, welcher weich ist und roͤth- licht sieht, auch wenn er zerschmissen worden, voll Sand ist, und dazu bran- dicht schmeckt. Dieser Saft wird sehr gebraucht, die- jenigen, die mit Catarrhen beladen, ingleichen die Lungensuͤchtigen zu cu- riren; er wird gekaͤuet, als wie der Ta- bac, oder in einem dienlichen liquor ein- genommen. Wir verkauffen ferner noch mehr Suͤßholtzsaft von Blois. andere Sorten Suͤßholtzsaft/ z. E. gelb und weissen von Blois/ von Rheims und Paris/ welches platte Kuͤchlein sind, oder runde Stengel, in der Groͤsse eines 15. sols. Der weisse Weisser Suͤß- holtzsaft. Pariser Suͤßholtzsaft wird von ge- trocknetem Suͤßholtze, Zucker, Kraft- mehl und gestossener Veilgenwurtz ge- macht. Weil aber aller dieser so ge- nannter Suͤßholtzsaft eigentlich nichts als Zucker und Gummi ist, deswegen will ich auch nichts weiter davon geden- cken, ausser, daß man sich eintzig und al- leine zu dem schwartzen Suͤßholtz- safte halten solle, als welcher der aller- beste ist, sonderlich, wenn er so, wie ich ihn beschrieben habe, beschaffen ist. Uber obbeschriebene Wurtzeln ver- kauffen wir sonst noch viele andre mehr, die wir in unsern Gaͤrten ziehen, als da ist, der Aland/ die Poͤonienwurtz/ Maͤnnlein und Weiblein, groß und klein Aron oder Schlangenwurtz/ Pestilentzwurtz/ Schweinbrod- wurtz, Quaͤckengraswurtz, Engel- suͤß, und einen Hauffen andere, die wir auf allen Fall, und blos deswegen hal- ten, daß wir mit denen Kraͤuter- und Wurtzel maͤnnern nichts moͤgen zu thun haben, und denn, damit wir sie allzeit haben koͤnnen. Es giebt auch noch mehr Wurtzeln, die wir aber, weil sie zu rar sind, nicht verkauffen, z. E. Wurtzel Membroni Chini, Chini Cattai, in welche die Sineser so verliebt sind, und sie hoͤher achten, als die Rhabarber; Sandera aus Pegu, eine roͤthlichte Wurtzel, die die Jndianer unter die Chocolate thun. Gingging aus der Tartarey oder China, davon die Sineser so groß We- sen machen. Nisi, eine weisse Wur- tzel, die fast wie die weisse Beenwurtzel aussieht, und von den Hollaͤndern dem Golde gleich verkauffet wird. Die Wur- tzel Palay aus Canada, Saliunca aus Neapolis. Mit einem Worte, wir duͤrfften ihrer noch vielmehr verkauffen, wenn wir nur solche haben koͤnten, die nicht so schlechten Profit geben. Das sechs und dreyßigste Capitel. Vom Calmus. Siehe Fig. 92. A Corus verus, der Calmus/ den wir, obschon unrecht, Calamus aromaticus nennen, ist ein Schilff, oder eine kno- tichte Wurtzel, sieht aussenher roͤthlicht, inwendig weiß, ist mit langen Zasern be- setzt, leichtes Wesens, und wird deshal- ben stracks wurmstichigt. Aus dieser Wurtzel entspriessen lange und schmale gruͤne Blaͤtter, samt den Fruͤchten, die ohngefehr drey Zoll lang, als wie der lange Pfeffer gestaltet, und auch so dicke sind. Man soll den Calmus erlesen, der recht frisch ist, und voͤllig, von den Zaͤ- serlein wohl gereiniget, schwerlich zu zerbrechen, eines scharffen Geschmacks, mit einer lieblichen Bitterkeit vermi- schet, eines angenehmen und starcken aromatischen Geruchs, daher er auch unter dem Namen Calamus aromaticus, Calamus are maticus. wiewohl es gantz unrecht, viel bekanter ist, als unter dem Titel Acorus. Die Wurtzel, welche gemeiniglich des kleinen Fingers dicke, und ohngefehr ei- nen halben Schuh lang ist, wird von vielen Orten des Koͤnigreichs Polen, und der Tartarey, wie auch aus der Jnsel Java, woselbst es Diringo Diringo. heißt, zu uns gebracht. Bisweilen wird der Calmus in der Artzney gebraucht, und gehoͤret unter die ingredienti en des Theriacs, dazu er keiner andern Bereitung von noͤthen hat, als daß er auserlesen, und von der Erde und andern mehrmahls dran han- gendem Unrathe wohl gesaubert sey: doch brauchen ihn die Parfunirer noch weit oͤfter. Das TAB XIX. Rechter Lalmus. Fig. 93. p. 109. Lalmus. Fig. 92. p. 107. Bucker Rohr. Fig. 94. p. 109. Süßholtz. Fig. 91. p. 105. Aloe Holtz. Fig. 96. p. 125. TAB. XX. Hauptbeschreibung ersten Theils zweytes Buch. Das sieben und dreyßigste Capitel. Vom rechten Calmus. Siehe Fig. 93. C Alamus verus, oder besser zu sagen, amarus, der rechte und bittere Cal- mus, ist ein Rohr, wie ein Federkiel dicke, zwey oder drey Schuh hoch, durch Knoten abgetheilet, aus denen gruͤne Blaͤtter und kleine Dolden, mit gelben Blumen, hervorwachsen. Dieses kleine Rohr waͤchst an vielen Orten in Levante/ von dannen es un- terweilen gantz, meistentheils aber in Buͤndlein, die eines halben Fusses lang sind, nach Marseille gebracht wird. Man soll dasjenige eꝛwehlen, welches fein dicke, dazu von seinen kleinen Wur- tzeln und Aesten wohlgesaubert, in Buͤndlein gebunden sey: sich auch vor- sehen, daß nicht viel Wurtzeln und klei- ne Reißlein drunter gemischet. Von aussen soll es roͤthlicht grau, inwendig weiß sehen, und ein weisses Marck ha- ben, denn, wenn das Rohr zu alt, wird dieses gelb und zu Staube, als ob es die Wuͤrme zerfressen: es muß auch kra- chen, wenn man es zerbricht, und uner- traͤglich bitter schmecken, wenn es in den Mund genommen wird. Es wird vornehmlich zum Theriac gebrauchet, und hat keiner præparation noͤthig, als daß es also ausgesuchet wer- de, wie oben angezeiget. Das acht und dreyßigste Capitel. Vom Zuckerrohr. D Je Zuckerrohr/ Canna melles, wach- sen an gar vielen Orten in Jndien, Brasilien und in den Antilleninseln. Siehe Fig. 94. Wenn diese Rohre in der Erde liegen, stossen sie bey iedweden Knoten ein an- deres, fuͤnff bis sechs Schuh hohes Rohr hervor, welches mit gruͤnen, langen, schmalen und scharffen Blaͤttern besetzet ist. Wann das Rohr zur Helffte in die Hoͤhe gewachsen, schießt ein Stengel hervor, der oben spitzig ist, daran sitzen zu oberst die silberweissen Blumen in Gestalt eines Federbusches. Wann nun die Americaner ihre Felder wohl zugerichtet, alsdann ma- chen sie, eben als wie wir auf unsern Feldern, eines halben Schuhes tieffe Furchen, darein legen sie ein Rohr, das ohngefehr drey Schuh lang ist, und an dessen beyde Enden wiederum zwey an- dere, creutzweis uͤber einander, und fah- ren also fort, bis sie die Felder gantz be- stellet. Nach Verlauff sechs oder sieben Monaten, binnen welcher Zeit ihre Schosse zu treiben pflegen, schneidet man sie ab, und macht den Zucker dar- aus, wie in folgenden soll gemeldet wer- den. Diese Schoͤßlinge dienen denen Wil- den Bogen daraus zu machen. Das neun und dreyßigste Capitel. Wie der Zucker aus den Rohren gezogen wird. Siehe Fig. 95. N Achdem die Americaner ihre Zu- ckerrohre uͤber dem ersten Knoten abgeschnitten, streiffeln sie die Blaͤt- ter davon ab, und machen Buͤndel draus, welche sie nach der Muͤhle brin- gen, die aus drey Waltzen, von einerley Staͤrcke, mit gleich dicken eisernen Plat- ten beleget, bestehet. Die mittelste ist um ein gut Theil hoͤher, zu dem Ende, damit die beyden Baͤume, welche zu oberst dadurch gehen, und daran die Ochsen gespannet sind, ohne Hinderung des Wercks, koͤnnen herum gedrehet werden. Um diese grosse Waltze gehet ein Kamm, dessen Zaͤhne in die Loͤcher, welche eben deswegen in die andern bey- den Waltzen gemacht sind, greiffen, und dieselben solcher gestalt herum drehen. Also zerdrucken und zerqvetschen sie die Rohre, daß sie gantz trucken und ohne Saft sind, wenn sie auf der andern Sei- te heraus kommen. (Wann ohngefehr ein Americaner oder ein Frantzose, der die Rohr auf die Muͤhle bringt, einen Finger darzwischen bekommt, muß ihm also fort der Arm abgeschlagen werden, oder er wuͤrde, ehe er sichs versaͤhe, zer- malmet seyn. Dannenhero, so bald je- mand bey dem Finger erwischet wird, hauet ihm ein anderer den Arm mit dem Hauer ab, und wird hernach, wenn er geheilet worden, zum Botschafft lauf- fen Der Spezereyen und Materialien fen gebrauchet.) Der Saft faͤllt in ein Gefaͤß, das unter der Muͤhlen stehet, laufft darauf in einer kleinen Rinne bis in den ersten Kessel, der etwa zwey Ey- mer haͤlt, und wird in selbigem bey ge- lindem Feuer gewaͤrmet, bis er fast sie- den will, auf daß er den dicksten Schaum von sich stosse. Mit diesem Schaume fuͤttern die Americaner ihr Vieh. Wann nun der Saft recht wohl ge- schaͤumet, und in den andern Kessel ge- schuͤttet worden, laͤßt man ihn sieden, und schuͤttet fort fuͤr fort Kalchwasser dazu, darinne Eyer zerschlagen sind. Nachdem er solcher gestalt wohl gereini- get worden, laͤßt man den Zucker durch gewisse Tuͤcher, welche wie ein spitziger Seihebeutel oder Manica Hippocratis, formiret ist, lauffen; und hierauf wird er in den dritten Kessel, der insgemein von Metall ist, gethan, geschaͤumet, und so lange gesotten, bis er fleugt. Nach diesem schuͤtten sie ihn in den vierten Kessel, versuchen mit dem Schaumloͤffel oder einem hoͤltzernen Spatel, ob er sich koͤrnen will; und dieses geschicht, indem sie mit dem Schaumloͤffel, durch den Zu- cker, von der rechten Hand nach der Lin- cken hin fahren. Wann dann der Zu- cker seine gebuͤhrende Dicke bekommen, und annoch warm ist, sodann wird er in die Formen gegossen, welche unten zu- gestopffet sind. Nach Verfliessung 24. Stunden, binnen welcher Zeit der Zu- cker gemeiniglich gestehet, tragen die Schwartzen diese Formen in ihre Huͤt- ten oder Haͤuser, oͤffnen die Loͤcher, und durchstechen den Zucker, stellen hierauf die Formen, uͤber gewisse kleine Gefaͤsse, die wir auf Frantzoͤsisch Jarrons nennen, damit sie den abrinnenden Syrup auf- fangen moͤgen. Nachdem nun der Sy- rup abgelauffen, dann nehmen sie den Zucker aus den Formen heraus, und hauen ihn mit einem Messer entzwey. Solchen entzwey gehauenen Zucker nennen wir grauen Moscovad, oder Grauer Mo- scovad. unzerschlagenen Zucker aus den Jnseln, und muß, wenn er ist, wie er seyn soll, weißlicht grau, trucken und nicht fett oder schmiericht seyn, auch so wenig, als moͤglich, brandicht riechen. Dieser Muscovad ist die basis und Materie, dar- aus unterschiedene Gattungen Zucker, die wir verkauffen, bereitet werden. Doch wird er gar wenig gebraucht, ob es gleich eine gute Wahre ist, Saͤfte und rothe Confituren damit zu machen. Das viertzigste Capitel. Vom Kastenzucker. D Je Cassonade, oder Sucre des Isles at- teré, zerschlagner Zucker, ist grauer Muscowad, welcher geschmoltzen, und nachdem er wohl gelaͤutert worden, durch ein Tuch geseihet, und bis er feder- leichte worden, gesotten, darauf in die Formen geschuͤttet und auf obgedachte Weise verfertiget wird. Wenn der Sy- rup abgetroffen, wird des Daumens di- cke Thon, in Wasser erweichet, darauf gestrichen, damit das Wasser, welches im Thon ist, den Zucker durchgehe, und alle uͤbrige Fettigkeit und Schmutz mit sich hinweg nehme. Wann nichts mehr heraus laufft, und der Thon treuge wor- den, nimmt man den Zucker aus den Formen und schlaͤgt ihn in drey Stuͤcken, d. i. man legt das Boden- oder untere Stuͤcke, auf einen Ort, den mittlern Theil auf diese Seite, und die Spitze auf die andere: oder besser zu sagen, die Americaner machen aus einem Zucker- hute dreyerley Cassonade, daher man insgemein in einer Parthey Cassonade dreyerley antrift, welche in die Casso- nade vom untern Theil/ von der Mitten und von der Spitze der Bro- de abgetheilet wird. Nachdem die Zuckerbrode also zerschlagen, so legen sie die Americaner auf grosse Tuͤcher, lassen sie an der Luft trocknen, und thun sie hernach in grosse Kaͤsten, wie sie zu uns kommen. Der beste Kastenzucker kommt aus Brasilien, und soll recht Brasiliani- sche Cassona- de. schoͤn weiß seyn, trucken und koͤrnicht, auch wie Violen riechen und schmecken. Auf diesen folget der, welcher la Cayenne genannt wird, sonderlich, wann er von dem untersten Theil der Brode gemacht worden, und weiß und trucken ist. Die Cassonade, bevoraus die Bra- silianische, wird starck von den Zucker- beckern gebraucht, weil sie sich nicht leichtlich candisiret, auch die Confituren viel schoͤner und dauerhafter davon wer- den. Etliche sind der Meinung/ ob ha- be der also zerstossene Zucker den Namen Cassonade oder Castonade, von den Kasten, wie Hauptbeschreibung ersten Theils zweytes Buch. wie die Teutschen sagen, in welchen er kommt, erhalten; solches aber darff nicht von allen verstanden werden, mas- sen er so schier in grossen Faͤssern, als in Kasten kommt. Das ein und viertzigste Capitel. Vom Zucker von sieben Pfunden. D Er Sucre à sept livres wird recht uͤbel also genennet, indem er insgemein 12. Pfund wiegt: wird von grauen Mu- scovad gemacht, welcher gelaͤutert und zu Bꝛoden formiret woꝛden, auf die Wei- se, wie obgedacht. Nachdem er hernach einige Tage in der Treugestube aufbe- halten worden, damit er harte genug werde, wird er in grau oder blau Pap- pier gewickelt, also wie wir ihn zu sehen bekommen. Diesen Zucker zu sieben Pfunden unterscheiden wir so wohl, als alle die andern Sorten, den Koͤniglichen hiervon ausgenommen, in den weissen, den so genannten resse, und den fleckich- ten. Der weisse ist der feinste, auf die- sen folgt der, welcher reßé genennt wird, und der dritte oder der fleckichte ist der gemeinste, wird also genennet, weil er insgemein braune Flecken an der Spi- tze hat. Je weisser, ie truckner, vest- und koͤr- nichter, wohl getreuget, und klingend der Zucker ist, ie hoͤher wird er gehalten. Der Zucker von 7. Pfund wird mei- stens in den Buͤrgerhaͤusern verthan, dieweil er wohlfeiler, auch wie man vor- giebt, besser zu gebrauchen ist. Wenn er wieder umgeschmoltzen und gelaͤutert worden, werden kleinere Bro- de zu 2. 3. 4. und 6. Pfund weiß, reßé und fleckicht, daraus bereitet und auch auf solche Art unterschieden. Je klei- Kleine Zu- ckerbrode. ner diese Brode, ie weisser und auch theu- rer sind sie. Doch muͤssen sie recht wohl getrucknet seyn, ein feines weisses, dicht- und glaͤntzendes Korn haben, und als wie Glas klingen, wenn man mit dem Finger dran schlaͤgt. Mit diesem Zucker werden die weissen Syrupe und Confi- turen bereitet, z. E. Abricosen ꝛc. oder er wird zu Verehrungen gebraucht. Das zwey und viertzigste Capitel. Vom Koͤniglichen Zucker. S Ucre royal hat daher den Namen be- kommen, weil er so weiß ist: wird aus den kleinen weissen Zuckerhuͤten oder der Brasilianischen Cassonade, welche ge- schmoltzen, und eben wie die vorigen, zu Broden gemacht worden ist, bereitet. Er muß uͤber alle massen weiß seyn, und durchgehends gleich, d. i. oben so schoͤn, wie unten, ein feines, vestes, dicht, und glaͤntzendes Korn haben, und sich dennoch leicht zerschlagen lassen, denn dieses das eigentliche Kennzeichen des Zuckers, welcher recht wohl getreuget, und wie sichs gebuͤhret, beschaffen ist. Ubrigens verkauffen wir auch eine Sor- Demy-royal Zucker. te Zucker, Demy-royal genennet, welches kleine uͤberaus weisse Brode sind, die in violblau Pappier gewickelt, aus Hol- land kommen. Vor diesen schickten uns die Hollaͤn- der Zuckerbrode von 18 bis zu 20 Pfund welche an statt des Pappiers in Pal- menblaͤtter gewickelt waren, und des Palm-Zucker. wegen Palmzucker genennet wurden: war ein weisser, fetter, sehr guter Zu- cker, der wie Violen schmeckte. Wir hatten ingleichen Maderischen Zu- Maderischer Zucker. cker. Seit dem wir aber den Zucker aus den Jnseln bekommen, sieht man jene Arten fast gar nicht mehr. Jch will mich nicht aufhalten, noch von der Alten ihrem Zucker, den sie Ta- baxir und Saccar Mambu nannten, oder auch von dem Zucker, Alhasur oder Alkasir genennet, handeln; so- wohl, weil wir diese Sorten nicht mehr bekommen, als auch, weil sie von den al- ten Scribenten sattsam beschrieben sind. Dieses will ich nur annoch ver- melden, daß wir viel andere Sorten Zu- cker mehr haben, welche bloß darinne unterschieden sind, daß sie mehr oder we- niger gelaͤutert worden, desgleichen, daß sie von unterschiedenen Orten, woselbst sie gelaͤutert werden, herkommen: denn da sind anietzo die besten Zucker, welche zu Diepe und Orleans bereitet wer- den, da im Gegentheil ehedessen der Rou- anische fuͤr den besten und der am mei- sten gelaͤutert, gehalten wurde. H Das Der Spezereyen und Materialien Das drey und viertzigste Capitel. Vom braunen Zucker. S Ucre de la Chypre ist eine Gattung Mus- covad, eben wie die Cassonade formi- ret, und aus dem Syrup des Zuckers von 7. Pfund bereitet. Er soll roͤthlicht grau sehen, recht trucken seyn, und nicht sehr brandicht schmecken; denn man fin- det solchen, welcher dermassen feuchte ist, und so gar brandicht schmeckt, daß er fast unmoͤglich zu gebrauchen. Dieser Zucker war vor diesem sehr im Gebrauch, und wurde, an statt des Cry- stalli mineralis in die Clystire gethan: an- ietzo aber brauchen ihn die Apothecker zu ihren Syrupen, weil er bessers Kauffs ist, sie auch vermeinen, er sey die Ma- terie, daraus der Zucker gemachet wer- de; wie solches unterschiedene Autores aufgezeichnet. Allein es ist wider alle Vernunft, denn es blos ein solcher Zu- cker ist, der nicht kan weiß und zu Bro- den gemachet werden. Dieses solten sich alle Apothecker gesaget seyn lassen, und diesen Zucker nicht ferner gebrau- chen, denn er taug durchaus nicht, daß ihn ein Mensch in seinen Leib einnehme, weil er so uͤbel schmeckt, und alle Sachen, die sie damit bereiten, stets haͤßlich und garstig sind, ob sie gleich noch so grosse Muͤhe daran spendiren. Wolten sie aber ja ihrer Beutel schonen, moͤchten sie doch nur den grauen Muscovad an jenes Stelle nehmen, sodann koͤnten sie schweren, ihre Sachen waͤren mit der- jenigen Materie zugerichtet, aus welcher der Zucker gemachet wird. Welche die- sen Muscovad recht wohl zu laͤutern wissen, dieselben werden damit eben so schoͤne rothe Syrupe bereiten koͤnnen, als wenn sie den gemeinen Zucker, oder den Zucker von 7. Pfund dazu genom- men haͤtten. Die Pfefferkuͤchler und Oblatenbecker verthun dieses Zuckers sehr viel. Aller Syrup vom braunen Farin/ Syrup. auf Frantzoͤsisch Doucette, Mallasses und Syrup de Sucre soll noch vielmehr verworf- fen werden, denn es nur der schmierichte Syrup vom braunen Farin ist, welcher niemahls gestehen wird, auch zu gar nichts nicht, sonderlich zur Artzney, sol- te angewendet werden. Allein dieses beobachten ihrer viele gar schlecht, son- dern machen immer zu ihre Syrupe und Lattwergen damit an, dahero auch kein Wunder, daß es so viel solcher Leute gie- bet, die dergleichen compositiones verfer- tigen, und dennoch diese ihre Wahre spottwohlfeil geben. Uberdiß wird sehr viel dieses Syrups oder Malasses nach Holland versendet, allwo sie den Ta- bac mit anschmieren, oder ihn den ar- men Leuten, die ihn an statt des Zuckers gebrauchen, verkauffen. So haben mich auch etliche berichten wollen, daß man aus der Doucette oder dem Syrup ein Aqvavit und Branntwein machen koͤnne, welches ich aber nicht versucht: doch mit dem Moscovad laͤßt sichs thun, und dieser Branntwein berauscht so sehr, als immermehr der Wein. Das vier und viertzigste Capitel. Vom weissen Zuckerkant. D Er Zuckerkant wird aus der weis- sen Brasilianischen Cassonade und weissen Zucker gemacht, welche unter einander geschmoltzen, und so lange ge- kochet werden, bis er als grosse Perlen stehet: alsdann wird er in kuͤpferne Pfannen geschuͤttet, in denen kleine Stoͤcklein liegen, damit sich der Zucker dran lege, und cantisire, welches inner- halb vierzehen Tagen in der Treugestu- ben geschicht. Jndessen muß das Feu- er, welches wohl zu mercken, allezeit gleich erhalten werden. Hernach wird er aus der Treugestube gethan, damit er voͤllig austrieffe und trockne, darauf in Buͤchsen gelegt, und zum Gebrauch aufbehalten. Man soll diesen Zucker erwehlen, wenn er fein weiß, trucken, klar und durchsichtig ist. Der schoͤnste, den wir haben, kommt aus Holland, und ist das Pfund allezeit um vier bis fuͤnff Sols theurer, weder der, welcher von Tours, Orleans/ Paris, oder anders- wo herkommt. Dieser Zucker wird zu Anfeuchtung der Brust, und zu Vertreibung des Hustens dienlich erachtet. Das Hauptbeschreibung ersten Theils zweytes Buch. Das fuͤnff und viertzigste Capitel. Vom braunen Zuckerkant. D Jeser wird auf gleiche Art, wie der weisse bereitet, nur daß der braune Muscovad dazu genommen wird, und daß er so lange kochen muß, bis er sich blaͤttert oder staͤubet: drauf wird er in irdene Geschirre gethan, denn in diesen legt er sich besser an, als in den kupfer- nen. Dieser Zucker ist ebenfalls zu obge- nannten Kranckheiten dienlich. Der recht trucken, recht braun und gewiß Hollaͤndisch Gut ist, ist der beste. Das sechs und viertzigste Capitel. Vom Alphœnix, gewundnen oder Penid-Zucker. D Jesen nennen die Frantzosen auch Weisser Ger- stenzucker. Sucre d’ orge blanc, weissen Gersten- Zucker. Es wird naͤmlich der Zucker so lange gekocht, biß er bricht, alsdann auf einen mit etwas suͤssen Mandeloͤhl bestrichenen Marmelstein ausgegossen, wie ein Teig gewircket, und vermittelst eines gewissen Jnstruments nach belie- ben geformet: auf daß man sich aber die Haͤnde nicht verbrenne, werden sie mit Kraftmehle gerieben. Dieser Pe- nidzucker wird zu Vertreibung des Hustens trefflich dienlich erachtet. An- dere, damit sie ihn wohlfeiler geben koͤn- nen, mischen, wenn er noch wie ein lau- terer Syrup ist, so viel Kraftmehl drun- ter, als sie nur vermoͤgen, bis er ein Teig wird, aus dem sie hernachmahls die ge- wundenen Stengel machen, uñ auftrock- nen. Allein, man kan ihn stracks fuͤr den andern erkennen, weil er in den Mund genommen, wie ein Teig oder wie Leim ist. Es giebt noch eine Gattung bruͤchich- Gerstenzu- cker. tes Zuckers, welcher aber gantz unrecht Sucre d’orge genennet wird, denn es ist nichts anders, als die blosse Cassonade, die in blosem Wasser zerlassen und wie- der gekocht werden muß, so lange biß sie bricht, hernach wird sie auf einen mit etwas suͤssen Mandeloͤhle bestrichenen Marmor geschuͤttet, und daraus solche kleine Stuͤcklein, dergleichen wir haben, formiret. Es ist sehr schwer diesen Zucker zu be- reiten, so wohl was das Kochen betrifft, als auch, was die Stangen zu machen belanget, denn man muß genau wissen, wie lange der Zucker kochen muß, auch muß man ihn hernach hurtig zu Stan- gen machen koͤnnen, desgleichen Ach- tung geben, daß er nicht schmutzig werde. Dieser Zucker muß wie Ambra sehen, trucken und frisch gemacht seyn, und sich nicht an die Zaͤhne hencken. Etliche Confiturirer pflegen ihn mit Saffran anzufaͤrben, damit er dergestalt eine schoͤnere Farbe bekomme. Man sagt, dieser Zucker sey gar dien- lich, den Husten zu curiren, und ihm sey deswegen der Name Gerstenzucker ge- geben worden, nicht, als ob Gerste dazu komme, sondern vielmehr, weil er so schoͤn, wie Gerste siehet. Das sieben und viertzigste Capitel. Vom Rosenzucker. D Jeser Zucker wird von weissem wohlgelaͤuterten Zucker gemacht, welcher so lange mit Rosenwasser ge- kocht wird, bis er eine Morsellenconsi- stentz bekommen: hernach werden Morsellen und Taͤfflein in beliebiger Groͤsse daraus bereitet, oder auch wohl nur kleine Koͤrner, indem er so lange ge- schwungen wird, biß er erkaltet und trucken worden. Der Rosenzucker ist anders nichts als Zucker, dem der Geruch und Eigen- schaft des Rosenwassers mitgetheilet worden, dannenhero er mit gar gutem Fug denenjenigen kan verordnet wer- den, welche die Molcken trincken. Man soll aber solche Rosenzucker- taͤfflein nehmen, welche trucken, und wohl zubereitet sind, die nicht gar zu geschwinde brechen, auch wie Rosen riechen und schmecken. Die Rosen- zuckerkoͤrner sollen gleicher gestalt weiß und trucken seyn, darneben erst besagten Geruch und Geschmack ha- ben. H 2 Das Der Spezereyen und Materialien Das acht und viertzigste Capitel. Brustkuͤchlein aus Portugall. D Je besten Brustkuͤchlein kommen aus Portugall, und sind nichts anders, denn der beste Puderzucker und Ambergris, mit Tragantschleime zu ei- nem Teig, und hernach zu so kleinen Taͤflein, wie wir sie haben, gemacht. Man soll dieselben aussuchen, die ge- wiß aus Portugall sind, oder unter die zum wenigsten kein Kraftmehl gemi- schet ist, welches man alsofort daran vermercken kan, wenn sie gantz meh- licht, und gar wenig nach Zucker schme- cken. Sie dienen einen wohlriechen- den Athem zu machen und zur delicatesse und Wollust. Das neun und viertzigste Capitel. Von uͤberzogenen Sachen. E S wuͤrde ein gantzes Buch dazu er- fodert werden, wenn man alle Arten des Zuckerwercks, und auf wie vielerley Weise der Zucker verkleidet wird, be- schreiben wolte. Weil aber mein Vor- haben ist, in diesem Capitel allein von denen mit Zucker uͤberzogenen Sachen zu handeln, als will ich sagen, daß die Nompareille. kleineste Sorte, auf Frantzoͤsisch Nompa- reilles genennet, aus Zucker, oder gestos- sener und mit Zucker uͤberzogener Veiel- wurtzel gemacht werde, welche man hernach auf allerhand Gebackens, wie auch auf das Kraftbrod von Rheims zu streuen pflegt. Anis reine. Die zweyte Sorte heißt Anis reine, und ist anders nichts, als uͤberzogener Anis, welcher gut ist die Blaͤhungen zu stillen. petit Verdun. Die dritte ist le petit Verdun, welcher nicht gar viel von jenem unterschieden, ohne daß er ein wenig mehr mit Zucker uͤberzogen ist, und etwas nach Zibet riecht. Die andern Gattungen, die auch den Namen des uͤberzogenen Anises fuͤhꝛen, belangend, dieselben sind nichts anders als Fenchel mit Zucker uͤberzogen, und werden durch gewisse Nummern unterschieden, zum Exempel: No. I. davon sollen auf 1. Loth gehen 120. St. Die vier letztern werden les gros Ver- gros Verdun. duns genennet. So werden auch mit Zucker uͤberzo- gen, Berbisbeeren, Himbeeren, Me- lonenkerne, zerschnittner Zimmt, wel- cher hernach Canella de Milan genennet wird, Pomerantzenschalen, die wir alsdann Orangeat heissen; der beste kommt von Lyon; Pistazien/Pinien und Mandeln: diejenigen, von denen die Schalen abgezogen, werden geschaͤl- te Mandeln geheissen, welche aber die Schalen behalten, nennet man glatte Mandeln/ die aber noch eins so groß und inwendig roth sind, heissen Spa- nische Mandeln: Haselnuͤsse, und so weiter. Wer nun solch Zuckerwerck verlan- get, der suche solches, welches frisch und wohl bereitet ist; denn es giebt einige, die den Royal-Zucker der Confitu- rirer/ oder teutsch zu sagen, Kraftmehl dazu nehmen, damit sie wohlfeiler ge- ben koͤnnen: und darum darff sich nie- mand verwundern, daß es soviel schlech- tes Zuckerwerck und von so unterschie- denem Preise giebet. Es soll auch fein hart und trucken seyn; denn es moͤgen die Confituren noch so gut seyn, wenn die Mandeln oder die Fruͤchte, die dazu gebrauchet worden, nichts nuͤtze gewe- sen, sodann taug alles zusammen nichts. Und endlich sollen sie an einem trucknen Orte aufbehalten werden, sonst, wenn sie im feuchten stehen, bekommen sie ei- nen garstigen Geschmack, und moͤgen nicht verkauffet werden. Den Spezereyhaͤndlern, als welche zugleich Confiturirer sind, ist auch ver- goͤnnet, ausser die vorgemeldten Sorten Zuckerwerck, allerhand Confituren, truckne und feuchte, zu verkauffen, auch selbst Hauptbeschreibung ersten Theils zweytes Buch. selbst zu verfertigen, oder sie von andern Orten, woselbst sie gemacht werden, kom- men zu lassen, z. E. Citronenschalen von Madera, Pomerantzenschalen von Tours, Nuͤsse von Rouan/ Quittenbast von Orleans, und andern Orten mehr, auch selbige im Groß und eintzeln, als wie die Zuckerbecker, zu verkauffen. Es ist ihnen ferner erlaubet, mit allerley Blu- men-Zucker und Conserven, dicken und duͤnnen, zu handeln, wie nicht weniger mit allerley Syrupis simplicibus und Saͤf- ten, als da ist Aepfelsaft, Kirschsaft, Quittensaft, Berbisbeeꝛensaft, Johañs- beerensaft, Granatensaft, unreiffer Weinbeerensaft, Citronen- und Limo- nensaft, Pomerantzensaft, und von an- dern Fruͤchten mehr. Von Blumen, der Syrup von leibfarbenen und rothen Rosen, welchen die Apothecker unter dem Titel Syrupus Rosarum solutivus und de Rosis siccis, verstecken: (Was diese letz- tern betrifft, da wolte ich den Spezerey- haͤndlern rathen, daß sie dieselben aus Provence kommen liessen, wie inglei- chen die Conserven, rothe und weisse, dicke und duͤnne, denn sie allda am besten bereitet werden:) den Syrup von Pfer- sichbluͤten, von Violen, von Katzen- kraut, von Hufflattich, Seeblumen, und insgesammt alle andere: iedoch, mit dem Beding, daß sie nur simplices sind, d. i. daß sie allein von Blumen oder Fruͤchten und Zucker bereitet worden, sonsten gehoͤren sie, sobald etwas mehr dazu kommt, nicht ferner fuͤr die Speze- reyhaͤndler und Zuckerbecker, sondern es ist der Apothecker ihr Thun. Das funffzigste Capitel. Spiritus Sacchari. U Ber alle oberzehlte Sachen, welche mit und aus dem Zucker bereitet wer- den, ziehet man auch, mit Huͤlffe der Chymie, und vermittelst des Salis Am- moniaci einen sauern Spiritum heruͤber, welcher, nachdem er rectificir et worden, ein treflich aperiens und eroͤffnendes Mit- tel ist, zu allerley Kranckheiten dien- lich, z. E. zum Podagra/ der Wasser- sucht und Durchlauff. Er wird aber in einem zur Kranckheit dienlichen li- quor, soviel als zu einer angenehmen Saͤure genug ist, auf einmahl eingege- ben, wie dieses Lemery und andere Chy- mische Scribenten gantz wohl lehren. Das ein und funffzigste Capitel. Vom Zuckeroͤhl. D Jeweil dasjenige Zuckeroͤl/ wel- ches nach der rectification zuruͤcke bleibt, schwartz und stinckend ist, deswe- gen hat man darauf gesonnen, wie ein anderes zuzurichten; welches aber ei- gentlich zu reden, kein Oel ist, sondern im Keller geflossener Zucker, der mit hartgesottenen Eyern bereitet wird, eben als wie das Myrrhenoͤl, davon im Cap. von der Myrrhe. Dieses Oel ist trefflich dienlich das Gesichte schoͤn zu machen, und curiret den boͤsen Magen, wenn man es ein- nimmt. Weil der Zucker zu erst aus Jn- dien kommen, darum haben ihn die Alten Saccharum oder Sal Indum genen- net. Wir handeln auch mit Roͤhren und Staͤben, sie moͤgen nun von diesen oder jenen Handwerckeꝛn gebrauchet werden, odeꝛ aber sonst unter dem Namen gemei- ner Roͤhre, Bambusen, ꝛc. von den Drechslern und andern Kuͤnstlern zuge- richtet, und mit goldnen, silbernen, helf- fenbeinernen, agtsteinernen oder crystal- linen Knoͤpfen gezieret werden, daß man dieselben in der Hand tragen koͤnne. Ende des Buchs von Wurtzeln und Rohren. H 3 Des Der Spezereyen und Materialien Des Ersten Theils Der Hauptbeschreibung derer Spezereyen und Materialien Drittes Buch. Von Hoͤltzern. Vorrede. D Asjenige/ was wir Holtz zu nennen pflegen, ist nach des Englaͤnders Grew Meinung/ nichts anders, als eine un- nennliche Anzahl kleiner Roͤhrlein und Canaͤle, oder holer Aederlein, unter denen etliche in die Hoͤhe erhaben, und in einen vollkommenen Circkel geordnet und gestellet sind, die uͤbrigen/ die er insertiones nennet, weil sie zwischen die ersten gestecket/ gehen à circumferentia ad centrum, von dem auswen- digen Begriff nach dem Mittelpuncte zu. Sie lauffen creutzweis durch- einander/ als wie auf dem Globo die lineæ longitudinis \& latitudinis, oder wie die Faͤden des Webers/ welche in die Laͤnge und Breite ausgespannet und mit einander vermenget sind. Mit der Zeit erhalten sie ihr Wachsthum von dem Safte der Erde/ werden hart, und machen solcher gestalt das corpus der Baͤume, sind auch haͤrter und schwerer, ie mehr oder weniger sie geschlossen und mit Hartz angefuͤllet seyn. Die Scribenten sind gar nicht mit einander eins, wo doch eigentlich das Frantzoͤsische Wort Bois her entsprossen. Nicod derivi rt es von dem Griechischen όσκον, welches lignum, Holtz heisse: Menage leitet es von bosceum her, welches von boscum oder boscus herstammen/ und einen Wald bedeuten soll. Andere wollen gar, daß es vom teutschen Worte Busch herkomme. Weil aber alle diese definitiones und Beschreibungen das sub- jectum, oder die Sache/ davon ich zu handeln gesonnen bin/ durchaus nichts angehen, deshalben will ich sagen/ daß wir keine andern Hoͤltzer verkauffen/ als solche/ die zur Artzney, oder Faͤrberey gebrauchet wer- den, oder auch zur Schreiner- und Tischler-Arbeit dienen/ von denen andern aber nichts gedencken. Das erste Capitel. Vom Aloe-Holtz. U Nter allen denen Hoͤltzern, die wir verkauffen, ist kein einiges also rar und theuer, wie das wahrhafte Aloe- holtz: und dieses darum, weil es gar wenig bekannt ist, auch ein ieder eine besondere Gattung Holtz da- fuͤr ausgiebet. Dannenhero, wenn es hat sollen beschrieben werden, haben die- jenigen, welche sich druͤber gemacht, und es beschreiben wollen, so unterschieden davon gehandelt, daß man unmoͤglich recht eigentlich wissen koͤnnen, was es sey, keiner aber hat so gar wieder die Ver- nunft geschrieben, als Furetiere; denn er saget, die Aloe sey ein grosser Baum, acht bis zehen Fuß hoch, und wachse in Jndien: sein Stamm sey so dicke als ein Schenckel, am Gipffel stuͤnden ein Hauf- fen zackichte Blaͤtter, welche am Ende breit waͤren, und nach der Spitze zu im- mer schmaͤler wuͤrden, in der Laͤnge hiel- ten sie vier Fuß. Die Bluͤte sey roth mit gelb vermenget, und gefuͤllet, wie die Hauptbeschreibung ’ersten Theils drittes Buch. die Nelcken, saͤsse an kleinen Zweiglein, welche nebst den Blaͤttern, darunter sie sich versteckten, aus dem Baume heraus wuͤchsen. Nach der Bluͤte komme die Frucht, welche rund, wie eine dicke Erb- se, weiß und roth sey. Aus den Blaͤt- tern, wenn sie mit einem Messer aufge- ritzet worden, werde der Saft gezogen, und in Calebassen oder Kuͤrbsen gesamm- let, da er dann an der Sonne getrocknet, wie Hartz werde. Es gebe vielerley Gat- tung Aloeholtz/ darunter das Jndi- anische Agallochum, welches aus Ca- licut kommt, das beste. Das allerbeste aber sey schwartz und scheckicht, voͤllig, schwer, dichte, dick und starck, ziehe sich nicht aufs weisse, lasse sich auch schwer- lich anzuͤnden. Jch weiß nicht, wo Furetiere ietzt an- gefuͤhrtes mag hergenommen haben, denn er vermenget das Gewaͤchse, von dem die Aloe kommt, mit dem wahr- haften Aloeholtz. Andere sagen, es kaͤme daher, daß wir kein wahrhaftes Aloeholtz haͤtten, weil es nirgends als in dem irdischen Paradise wuͤchse, da- raus man keines habhaft werden koͤnne, ohne bey grossen Wasserfluten. Ande- re aber geben vor es wuͤchse nur in der Wuͤsten, und auf hohen, unersteiglichen, auch wegen der Loͤwen, Baͤren, Tyger und Panterthiere hoͤchstgefaͤhrlichen Gebirgen. Und dergleichen Maͤhrlein giebts noch mehr, welche der Laͤnge nach zu erzehlen allzu lange fallen duͤrfte. Jndessen will ich vermelden, daß mir von den Leuten der Abgesandten aus Siam/ welche dem ietztregierenden Koͤ- nige Ludwig dem XIV. dergleichen Holtz, theils gearbeitet, theils ungearbeitet, zum Geschencke mitgebracht, unter an- dern, eine Gieskanne zusamt dem Be- cken, welche in Siam/ nach dasiger Lan- desart gemacht waren, folgendes davon kund gethan worden: naͤmlich, es wach- se der Baum des wahrhaften Aloehol- tzes in Cochinchina, im Koͤnigreich Lao und China, so gestaltet wie unsere Siehe Fig. 96. Oelbaͤume, die Blaͤtter sehen schier auch so aus; nach denenselben komme die Frucht, die unsern Kirschen gleiche. Von Suratte wird des Aloeholtzes die Menge gebracht, da denn dasjenige, das am hartzigsten ist, am hoͤhesten gehalten, und nach den Stuͤcken, ob sie groß oder klein sind, unterschieden wird. Auch dienet zu mercken, daß der Stamm dieses Baumes dreyerley Far- be habe, welches doch nur die unterschie- denen Theile desselben sind, wie sie in der Massa oder Substantz des Baumes auf einander folgen. Das erste Holtz, so sich unmittelbar unter der Rinde befin- det, ist schwartz, sehr dichte, schwer, und dem Ebenholtze ziemlich gleich; hat we- gen seiner Farbe von den Portugiesen den Namen Pao d’ Aquila, Adlerholtz, Adlerholtz. bekommen. Das andere ist leichte, voll Adern, sieht als ob es verbrannt waͤre, und Tannetfarben aus. Dieses nennen wir Calambouc oder das wahrhafte Calambouc- holtz. Aloeholtz. Das dritte, der Kern oder das Hertz, ist das koͤstliche Holtz Tam- bac oder Calambac: Weil es aber so Calambac- holtz. gar rar und theuer ist, mir auch noch nie zu Gesichte kommen, deshalben will ich nichts davon gedencken, sondern nur sa- gen, daß, wenn man ja des wahrhaf- tigen Aloeholtzes benoͤthiget waͤre, moͤge man sich an das Calambouc- holtz halten, ob es gleich nicht das beste, dieweil das rechte oder das Calam- bacholtz unmoͤglich anders, als durch Huͤlffe grosser Herren zu bekommen. Man soll das Calambouc holtz er- wehlen, welches tannetfarben und fein glaͤntzend ist, auswendig so schoͤn, wie ein Jaspis, inwendig gelblicht weiß sieht, und bitter schmecket, absonderlich, wenn man es ein wenig im Munde gehalten, daher es auch, und weil seine Bitterkeit der Aloe ihrer gleichet, den Zunamen er- halten. Es muß ingleichen leichte seyn, und hartzicht, dem faulen Holtze aͤhnlich sehen, und einen lieblichen suͤßlichten Geruch von sich geben, wenn es ver- brennet wird. So mag man auch dem andern dasselbige vorziehen, in welchem gantze Klumpen Hartz befindlich; doch muß man Achtung geben, daß solches nicht durch Kunst darein gebracht. Dieses Aloeholtz wird, meines Wis- Aloeholtz. sens, zu nichts, als zur Artzney ge- braucht, indem es sehr aromatisch ist. Was das Adlerholtz betrifft, dassel- be ist in Franckreich wenig braͤuchlich. Die Jndianer machen allerhand Klei- nigkeiten daraus, desgleichen ihre Waf- fen. Jn Franckreich ist es auch der- massen rar, daß es gar schwerlich zu fin- den, welches dann denenjenigen, die da- von geschrieben, und gemeldet haben, ob sey Der Spezereyen und Materialien ob sey es gantz gemein, schlechterdings zu wider ist. Wir haben sonst auch, ausser dem Ca- lambouc oder dem wahrhaften Aloe- holtze, noch einen Hauffen andere Sor- ten, welche eben diesen Namen fuͤhren. Allein, weil es unmoͤglich seyn wuͤrde, sie alle von einander zu unterscheiden, deswegen will ich nichts weiter davon vermelden, als daß man sie alle zu- sammen verwerffen muͤsse, dieweil es lauter falsche und dafuͤr eingeschobene Hoͤltzer sind, uͤberdiß auch ihre Gestalt und Form gantz unrecht ist; denn diese fuͤr das rechte Aloeholtz ausgegebenen Hoͤltzer sind grosse Stuͤcken, schwer, se- hen bald roͤthlicht, bald gruͤnlicht, u. s. f. hingegen koͤmmt das Calambouc holtz in platten leichten Stuͤcken, daran es dann gar leichtlich zu erkennen. Es geben etliche vor, der Baum des Tuya oder Baum des Lebens. Lebens oder Tuya, welcher in dem Koͤ- niglichen Garten zu Fontainebleau stehet, sey der Baum des Aloeholtzes, welches ich aber unwahr zu seyn befun- den: denn ich einen solchen Baum drey gantze Jahr lang gehabt, weil er aber verderben wolte, zog ich ihn aus der Er- de: da er nun eine Zeit lang an der Luft gelegen, vergieng der starcke Geruch und Geschmack, den er hatte, als er noch gruͤn ware, wurde uͤberaus leichte, un- geschmack, und inwendig, wie auswen- dig, lichte. Das andere Capitel. Vom Rhodiser Dorn oder Rosenholtz, und Aspalatho. D Jeses Holtz ist den Alten eben so un- bekannt gewesen, als wie das Aloe- holtz. Wir aber kennen es anietzo blos aus den relation en und Bericht anderer, darauf iedennoch gar nichts nicht zu bauen. Jch selbst habe die Wahrheit zu erkundigen nicht vermocht, was Fleiß ich auch angewendet, welches dann ver- ursachet, daß ich nichts anders berichten werde, als was mir davon kund wor- den, und darauf anzeigen, was an statt des Aspalathi verkaufft werde. ( Jn dem Anhange aber hat unser Autor folgendes gesetzt: ) „Nachdem dieses Cap. bereits ge- „druckt war, habe ich nachfolgendes da- „von gefunden: „Es sind Stuͤcken Holtz von einem „ Sinesischen Baume, der dem klei- „nen Calambouc sehr nahe kommt, „welche dichte, mit schwartzbraunen „oder weißlichten Adern gezieret, har- „tzicht, viel luckerer und dicker, als die „vom Aloeholtze, doch nicht so dichte „sind, einen bitterlichen, fett- und har- „tzichten Geschmack haben, auch eben „nicht so gar starck riechen. „Der Strauch des Aspalathi ist stach- „licht, waͤchst auf den Bergen, und „wird fuͤr giftig gehalten. „Bey den Alten werden unterschie- „dene Gattungen Aspalathum beschrie- „ben, welche aber nicht mehr zu haben, „ja man weiß fast gar nichts mehr da- „von. Sie gebrauchten dieses Holtz zu „Salben, kochten es in Oele, damit sich „das Hartz heraus zoͤge, und gebrauch- „ten hernachmahls dasselbe Oel. „Das Holtz wird gleicher gestalt als „wie das Aloeholtz gesammlet, doch nur, „der Sineser Vorgeben nach, die har- „tzichten Stuͤcke, und welche starck „riechen. Wir verkauffen dreyerley Holtz un- ter dem Titel Aspalathum. Das erste ist schwaͤrtzlicht, welches ich das wahr- hafte Adlerholtz zu seyn erachte. Das andere ist so ein wenig bitter, schwer, oͤlicht, voll Adern von allerley Farben; welche unter einander gemi- schet, machen, daß es roͤthlicht scheinet. Es wird mit einer grauen, dicken und gantz holprichten Rinde bedecket. Was die Gestalt des Baumes, der Blaͤtter, der Fruͤchte und Bluͤte belanget, des- gleichen, in welchem Lande es wachse, davon habe ich nichts gewisses erfahren koͤnnen, werde derowegen nur vermel- den, daß dieses Aspalathum, es sey nun falsch oder wahrhaft, dasjenige sey, welches am meisten von denenjenigen die sich gar gut darauf verstehen wollen, dafuͤr angenommen werde, und auch gemeiniglich von uns verkauffet wird. Das Aspalathum, so schwaͤrtzlicht, als roͤthlicht, wird meistentheils zu den tro- chiscis Hedychroi verbraucht. Die dritte Gattung des Aspalathi ist bey uns so bekannt und gemeine, als rar und unbekannt die beyden erstern sind. Und dieses dritte nennen wir Rhodiser Rhodiser- holtz. oder Rosenholtz, weil es wie Rosen riecht, Hauptbeschreibung ersten Theils drittes Buch. riecht, nicht aber, weil es eine Staude, die, wie etliche meinen, Rosen traͤgt. Rosen- oder Cyprisch- Holtz. Das Rosenholtz hat eine dunckelgel- be Farbe, und erstermeldeten Geruch, wird von unterschiedenen Orten aus Orient zu uns gebracht, vornehmlich aus der Jnsel Rhodis und Cypern/ daher es auch Rhodiser- und Cyprisch- holtz genennet wird, wie wohl der P. Tertre saget, es sey ein und anderer Un- terschied zwischen dem Rhodiser und Cy- prischen Holtze. Er redet aber folgen- der massen. Was wir zu Guadeloupe Rosen-„ holtz heissen, ist eigentlich dasjenige„ Holtz, welches die Einwohner der Jn-„ sel Martinigo Cyprischholtz nennen.„ Es ist mehr als zu gewiß, daß es zwey„ Arten Rosenholtz giebet, die wir unter„ diesem Namen vermengen, ohne daß„ wir des Cyprischen gebrauchen, und„ zwar um soviel desto eher, weil beyde„ Baͤume, was die Hoͤhe und Dicke, die„ Rinde, Blaͤtter, Blumen und den Ge-„ ruch betrift, einander so gleich sind, daß„ der meiste Theil der Einwohner gar„ keinen Unterschied dazwischen macht.„ Doch habe ich in Acht genommen, daß„ etliche curieuse Leute zu Guadeloupe „ das Holtz, welches die zu Martinigo „ Marmel- holtz. Rosenholtz heissen, Marmelholtz „ zu nennen pflegen, dieweil das Hertz„ von diesem Holtze weiß, schwartz und„ gelb untereinander, wie ein Jaspis„ siehet: und dieses ist der eintzige Unter-„ schied, den ich bemercken koͤnnen. Der„ Siehe Fig. 97. Baum waͤchst sehr hoch und schnurge-„ rade, hat lange Blaͤtter, wie der Casta-„ nienbaum, nur daß sie viel zaͤher, rau-„ her und weisser sind; traͤgt grosse Buͤ-„ schel weißlichter Blumen, und hernach„ kleine schwartze Koͤrner; die allerdick-„ sten sind ohngefehr eines Fusses ins ge-„ vierdte dicke. Die Rinde des Baumes„ ist weißlicht, bald wie die Rinde der jun-„ gen Eichen, und sieht dem Nußholtze,„ wenn es verarbeitet wird, so gar aͤhn-„ lich, daß man Muͤhe hat, sie von einan-„ der zu unterscheiden. Wenn es gear-„ beitet wird, giebt es einen angenehmen„ Geruch, gegen dem der Rosen Geruch„ gar nichts zu achten. Und ob er gleich„ mit der Zeit vergehet, kommt er doch„ wieder, wenn das Holtz starck gerieben„ wird: es dienet auch zum bauen.„ Man soll das Rosenholtz erwehlen, welches frisch und dunckelgelbe, wie Rosen riechend, und so dicke und gerade, als immer moͤglich, ist. Aus diesem Holtze werden Paterno- ster gemacht; desgleichen wird es, wegen seines angenehmen Geruchs, einiger massen zur Artzney gebraucht, welches etliche destillatores und Wasserbrenner veranlasset, ein Rosenoͤl daraus zu verfertigen, daher auch ihrer etliche das Rosenoͤl so wohlfeil geben. Die Barbierer sieden die Spaͤne im Wasser, das sie zum Bartputzen ge- brauchen. Etliche nehmen es zu den Raucherkertzlein, an statt des weissen Sandels, wenn es vorher zu Pulver gestossen worden. Die Hollaͤnder distil- liren ein weisses starckriechendes Oel daraus, welches sie uns uͤbersenden, wir aber unter dem Titel oleum rhodium an Rosenoͤhl. andere verkauffen, z. E. an die Parfu- mirer, und dergleichen Leute, die es als ein gutes Parfum gebrauchen. Wenn dieses Oel noch frisch ist, ist es wie Baumoͤl: wenn es aber alt worden, wird es dicke und roth, als wie das Oleum de Cade. Aus dem Rosenholtze wird vermit- telst einer Retorte, ein rother Spiritus, nebst einem schwartzen stinckenden Oele, so gut fuͤr die Schwinden, heruͤber ge- trieben. Das dritte Capitel. Vom Sandelholtze. E S giebt dreyerley Gattungen dieses Holtzes, von unterschiedener Farbe, Gestalt und Geruch, und kommen doch alle drey, wie man mich versichert, von einem Baume, sind aber darinne von einander unterschieden, daß sie in unter- schiedenen Laͤndern wachsen. Siehe Fig. 98. Der Baum ist so hoch als unseꝛe Nuß- baͤume, hat Blaͤtter wie der Mastix- baum, drauf folgen die Fruͤchte, die so groß wie unsere Kirschen, und anfangs gruͤne sind, hernach aber werden sie im- mer schwaͤrtzer, ie mehr sie zeitigen: wenn sie reiff worden, fallen sie leichtlich ab, und sind ungeschmack. Der gelbe Sandel wird aus China Gelber Sa-n del. und Siam, als wie grosse Scheiter ge- bracht, die von der Rinde gantz und gar J ent- Der Spezereyen und Materialien entbloͤset sind: wie denn unsre Frantzo- sen, als sie im Jahr 1686. aus Siam zuruͤcke kamen, dessen eine ziemliche Partie mitbrachten. Man soll aber den erwehlen, der fein schwer ist, gut riecht, und eine Farbe, wie der Buchs- baum hat, deswegen er auch den Zuna- men citrinum, welches gelb als wie Zi- tronen heißt, bekommen: auch mag man Acht haben, daß man nicht Zitro- nenholtz dafuͤr bekomme, denn dieses gar ofte dafuͤr eingeschoben wird. Dieser Sandel wird starck in der Artz- ney gebraucht, ingleichen von den Par- fumirern. Weisser San- del. Jhm kommt der weisse Sandel ziemlich nahe, und wird allein durch den Geruch und Geschmack davon unter- schieden. Er wird auch als wie Schei- ter, von denen die Rinde abgenommen, aus der Jnsel Tymor gebracht. Man nehme den, der wichtig, weiß, und so gut riechend ist, als immer moͤg- lich. Er wird gemeiniglich nebst dem gelben in der Artzney gebraucht. Rother San- del. Den rothen Sandel bringen sie wie lange dicke Scheiter aus der Jnsel Ta- nassarin und von der Kuͤste Coro- mandel. Erwehlet den, welcher auswendig schwartz, und inwendig braun oder hochroth siehet, sich auch schwerlich spal- ten laͤßt, weil er nicht faselicht ist; der auch keinen Geschmack hat, und fast gar nicht riecht: gebet dabey Achtung, daß es kein Corallenholtz sey, welches oft- mahls dafuͤr gegeben wird, ob es gleich gantz etwas anders ist, wie aus nachfol- genden wird zu ersehen seyn. Der rothe Sandel wird nicht allein samt denen andern beyden insgemein gebrauchet, sondern es giebt auch Leute, die ihn zu Pulver stossen, und unter die Salben, die sie bereiten, mischen. Ohne diese giebt es auch noch eine Art Sandel, en taffetas, auf Taffent genen- Sandal en taffetas. net, der von Constantinopel gebracht wird: und dieses ist Taffent, dem die Farbe mit Sandelpulver gegeben wor- den, nachdem man beyde nebst ein und andern Sauern im Wasser sieden lassen. Er dient sonst zu nichts als zu boͤsen Augen, an statt des gruͤnen Taffents, und soll gut gefaͤrbet seyn, das ist, so roth, als immer moͤglich. Das vierte Capitel. Vom Citronenholtze. D As Citronenholtz heissen die Ame- ricaner Lichtholtz, weil sie es zu Spaͤnen schneiden, und ihnen damit leuchten. Es ist der Stamm eines dicken und grossen Baumes, der insgemein in den Jnseln unter dem Wind waͤchst. Der Baum ist lieblich anzusehen, massen er viel grosse lange Aeste hat, wel- che mit Blaͤttern besetzt sind, die den Lorbeerblaͤttern gleichen, ohne daß sie groͤsser und glaͤntzender: die Bluͤte sieht wie die Pomerantzenbluͤt, und riecht wie Jasinin, darauf folgen kleine schwartze Fruͤchte, so groß wie der Pfeffer. Dieses Holtz hat der P. Tertre fuͤr gelben Sandel gehalten, und solches etlichen Spezereyhaͤndlern zu Rouan, allem Ansehen nach, Anlaß gegeben, dasselbi- ge von der Compagnie zu erhandeln, und vermessentlicher Weise fuͤr rechten gelben Sandel, nicht nur an diejenigen, die ihn nicht gar wohl kennen, zu ver- kauffen, sondern auch an solche Leute, die ihn ohnbesehen, und entweder blos auf ihr Wort erkauffet, oder weil sie ihnen ein Stuͤck vom Jndianischen gel- ben Sandel vorgewiesen, und dennoch hernachmahls Citronenholtz oder fal- Falscher Sandel. schen Sandel dafuͤr gegeben. Sol- cher gestalt verkauffen sie eine Wahre, die ihnen gar wenig kostet, rechtschaffen theuer, und betruͤgen also diejenigen, die sie ihnen abgekaufft, oder denen sie die- selbige zugesendet; und diese betruͤgen hinwiederum andere, sie moͤgen sie nun zur Artzney, oder an die Parfumirer, welche sich des gelben Sandels zu ihrem Rauchwerck bedienen, verkauffen. Doch ist dieser Betrug gar leicht zu vermer- cken, indem der Sandel einen suͤßlich- ten lieblichen Geruch und Geschmack hat, auch etwas schwer und hartzicht ist, da im Gegentheil das Citronenholtz sehr schwer, dichte und oͤlicht ist, auch ziemlich starck nach Citronen riecht, da- her es dann den Namen bekommen. Uberdiß wiegen die Sandelhoͤltzer nicht uͤber 100. Pfund, da hingegen ein Stuͤck Citronenholtz wohl 1000 Pfund wieget. Ob gleich aber das Citronholtz zur Artz- ney Hauptbeschreibung ersten Theils drittes Buch. ney nicht taug, dennoch ist es zur Schrei- ner- und Tischler-Arbeit gar dienlich, denn wenn es poliret ist und hat eine Zeitlang an der Luft gelegen, alsdann sieht es nicht anders, als ob es polirte Coccusnuß waͤre. Es wird ingleichen wegen seiner Blu- Jasminholtz. men, Jasminholtz genennet. So findet sich auch in den Jnseln noch ein ander Lichtholtz. Lichtholtz, welches eben solche Blaͤt- ter, Blumen und Fruͤchte traͤgt, als wie das Zitronenholtz, ausser daß die Blu- men viel dicker, breiter und runder sind: weil aber dieses Holtz nicht zu uns ge- bracht wird, deswegen will ich auch nichts weiter davon melden. Der P. Tertre berichtet, es sey dieser Baum gar rar, wachse nur am Seestrande, und er halte ihn fuͤr eine Gattung Aloeholtz; welches ich gantz gerne glauben will, weil wir so vielerley Aloeholtz haben. Er mercket ferner an, daß dieser Baum ein sehr starck riechend Gummi gebe, wel- ches mehr und besser rieche, ie aͤlter der Baum sey, und werde von den Wilden zum Brennen gebrauchet: sie pflegten auch die zweyte Rinde zu nehmen, und den Saft heraus zu ziehen, den sie als ein unfehlbar und bewaͤhrtes Mittel in Entzuͤndungen der Augen gebrauche- ten. Das fuͤnffte Capitel. Vom Corallenholtze. O Hne das Lichtholtz wird noch ein ge- wisses rothes Holtz aus den Jnseln unter dem Wind gebracht, dem man den Namen Corallenholtz gegeben, weil es wie Corallen siehet. Mit die- sem Holtze wird der rothe Sandel oft- mahls verfaͤlschet, wiewohl es leicht zu mercken ist, indem das Corallenholtz hellroth siehet, ziemlich leichte und fla- dricht ist: der Sandel hingegen ist satt- roth und sehr schwer, auch ohne Flaser. Die Americaner brauchen das Co- rallenholtz zu allerhand Arbeit, und weil vorjetzo die Rohr so theuer, dan- nenhero wird der Sandel nicht mehr mit diesem Holtze verfaͤlschet. Es wach- sen auch noch zwey Sorten Holtz in den Jnseln, welche gleichergestalt Co- rallenholtz genennet werden, weil ihre Fruͤchte so roth, wie die Corallen sehen, ausser daß sie recht auf den Keimen ei- nen schwartzen Flecken haben: und diese Fruͤchte verkauffen wir unter dem Titel rothe oder Americanische Erbsen. Rothe oder Americani- sche Erbsen. Sie sind uͤberaus bitter, und man soll damit, wenn sie dem Berichte nach, ei- nige Zeit in Citronsafte geweichet, Gold und Silber so gut, als mit Borrax loͤten koͤnnen. Der P. Tertre meldet, daß es uͤber die massen viel roth Holtz in den Jnseln gaͤbe; man treffe allda von zwey zu zwey Meilen allerley Farben darunter an, ietzt mehr, dann weniger. Diese waͤren allesamt voͤllig, wichtig und dichte, dien- ten gut zu Schreiner-Arbeit, und der mehrere Theil verderbe nimmermehr. Das sechste Capitel. Vom Griesholtze. D As Lignum Nephriticum wird aus Neuspanien gebracht, sonderlich aus dem Koͤnigreich Mexico, woselbst es Coult und Tlapalcypatly genen- net wird: wir aber heissen es lignum Ne- phriticum, Griesholtz, weil es ein be- waͤhrtes Mittel ist fuͤr diejenigen, die mit dem Stein beladen: es dienet auch Siehe Fig. 99. den Urin zu treiben. Der Baum ist so groß, als unsere Birnbaͤume, hat Blaͤt- ter wie die Kichern, iedoch noch kleiner. Von diesem Holtze muß die Rinde zu- sammt dem Spind, welche weiß und nichts nuͤtze, abgenommen seyn: es muß ferner bitter schmecken und gelbroth se- hen; desgleichen, wenn es nur etliche Augenblicke in kalten Wasser gelegen, diesem eine himmelblaue Farbe geben, welches ein ohnfehlbares Kennzeichen und Merckmahl ist, daß dieses Holtz auf- richtig. An seine Statt verkauffen sie das rothe Eben- oder Granadillen- holtz, so aber gar bald kan erkennet wer- den, weil es viel roͤther siehet, und das Wasser, darein es geleget worden, nur ein wenig gelb anfaͤrbet, welches auch ein ander Holtz thut, das in Jndien und Brasilien waͤchst, dessen Namen J 2 ich aber Der Spezereyen und Materialien ich aber noch nicht erfahren koͤnnen. Derowegen soll alle das Holtz, das fuͤr das Griesholtz ausgegeben wird, und doch das Wasser nicht faͤrbet, verworf- fen werden. Die mit dem Stein beladen sind, ge- brauchen das Wasser, darinne dieses Holtz eingeweichet worden, zu ihrem ordentlichen Tranck, mischen es auch zuweilen unter den Wein, um sich da- durch des Steines und Sandes zu ent- ledigen. Wer aber die Kraft dieses Holtzes erhoͤhen und verstaͤrcken will, kan Ruͤbenwasser dazu brauchen, und etwas Wermuthsaltz drein thun, in ie- des Glas ein halbes Quintlein. Das siebende Capitel. Vom Mastixholtze. Siehe Fig. 100. L Entiscus ist ein Baum, dessen Blaͤtter den Myrtenblaͤttern gleichen; nach diesen wachsen die Blumen, welche ei- nen Hauffen Beeren, traubenweise bringen, die erstlich gruͤn sind, und nach und nach, ie mehr sie zeitigen, schwartz werden. Nebst diesen sind auch kleine Huͤlsen dran, voll Saft, daraus werden kleine fliegende Thierlein erzielet, als wie in den Scharlachbeeren. Diese Baͤume sind in Jndien und Egypten gantz gemeine, absonderlich auf der Jnsel Chio, woselbst sie so gar sorgfaͤltig gewartet, und bewahret wer- den, daß sie demjenigen die Hand abhau- en, wer einen solchen Baum umschlaͤgt, es geschehe solches mit Fleiß oder nicht, und ob er gleich der Eigenthumsherr selbsten waͤre: der Baum muͤste denn alt seyn, und nichts mehr tragen. Aus diesem Baume rinnet der Ma- stix, davon ich hernach handeln werde. Jn Jtalien werden diese Baͤume gleichfalls haͤuffig gebauet. Aus den Beeren oder Fruͤchten ziehen die Jtalie- ner ein Oel, auf die Art, als wie wir aus den Lorberbeeren, und brauchen es sowohl, als wie das Holtz und die Blaͤt- ter, im Durchfall: aber in England/ Teutschland, Provence und Lan- guedoc werden Zahnstocher aus dem Holtze gemacht. Man muß dieses Holtz aussuchen, wel- ches frisch ist, denn es wird gar leichte wurmstichigt: es muß auch schwer seyn, und sich nicht gerne zerbrechen lassen. Von aussen muß es grau sehen, inwen- dig weiß seyn, einen angenehmen Ge- schmack haben, und wenn es moͤglich, muͤssen die Blaͤtter noch dran seyn. Da- bey muß man auch Achtung geben, daß es nicht das Holtz vom Spindelbaume sey, als welches sie nicht selten zu substi- tui ren pflegen: doch dieses mercket einer gar leichtlich, dieweil der Lentiscus viel schwerer ist, als der Spindelbaum. Das achte Capitel. Von Mastixkoͤrnern und Tropfen. D Er Mastix in lacrymis, wie Thraͤ- nen oder Zaͤhren, wird deshalben also genennet, dieweil sie auch Mastix aus Hartz, mit zerstossenen Ziegeln ver- mischet, machen. Es ist ein hartzichtes Gummi, welches bey grosser Hitze aus den dicksten Aesten rinnet, ohne daß sie drein geschnitten; wiewohl sie es auch zu weilen zu thun pflegen. Diese Tropfen werden, wenn sie vom Baume fallen, in einem mit Steinen ausgesetz- ten Graben, unten am Fusse des Bau- mes, aufgefangen. Man erwehle den Mastix in feinen grossen Tropfen, welcher goldgelb ist, und wie weiß Wachs wird, wenn man ihn ein wenig gekaͤuet. Der beste kommt aus Chio/ dann er ist weit dicker, weder der, so aus Levante uͤber Mar- seille zu uns gebracht wird. Weil wir aber in Franckreich fast keinen andern, als den letztern bekommen, deswegen soll man ihn en sorte, unsortirt, neh- men, das ist, er muß nicht allbereit aus- gesuchet, und feine grosse Stuͤcke oder Zaͤhren seyn, auch muß er, wie obge- meldet, sehen, darneben so viel nur moͤg- lich, ohne allen Unrath seyn. Der Mastix wird sehr zur Artzney gebraucht, insonderheit das Zahnweh zu stillen, er kan auch sonst noch auf vie- lerley Weise genuͤtzet werden, z. E. Ver- niß zu machen. Die Art und Weise, wie die Leute aus Levante den Mastix uͤbersenden, ist eigentlich diese: den allerschlechtesten legen TAB XXI. Tamariskenholtz. Fig. 101. p. 137. Mastivholtz Fig. 100. p. 135. Rosenholtz. Fig. 97. p. 129. Sandelholtz. Fig. 98. p. 129. Griesholtz. Fig. 99. p. 133. TAB. XXII. Sassafras. F. 102. p. 137. Franßosenholtz. F. 103. p. 139. Meon. F. 72. p. 94 Ledern von Libanon. F. 104. p. 141 Kleine Leder. F. 105. p. 141. Hauptbeschreibung ersten Theils drittes Buch. legen sie zu unterst an den Boden, her- nach den besseren, und endlich den besten oben auf, wollen auch durchaus keinen ohne den andern verkauffen. Das neundte Capitel. Von Tamarisken. Siehe Fi g. 101. D Jß ist ein Baum von mittelmaͤßi- ger Groͤsse, der haͤuffig in Langue- doc waͤchst; hat sehr kleine Blaͤtter, und traͤgt schwaͤrtzliche Fruͤchte, in Trauben Gestalt, dieselben werden an statt des Gallus zum Faͤrben gebꝛaucht. Suchet das Tamariskenholtz aus, an dem die Rinde noch ist, das auswen- dig, wie inwendig weiß sieht, und bey nahe weder Geschmack noch Geruch hat. Tamari isken- holtz/ Rinde, Fäßlei n/ Schal en und Becher lein. Dieses Holtz wird zusammt der Rin- de gebraucht, die Miltzbeschwerung zu vertreiben; weil es aber etwas zu beschwerlich, deshalben werden kleine Faͤßlein, Schalen und Becherlein, die hernach den Zunamen von Tama- risken bekommen, daraus gemacht. Wer nun mit der Miltzbeschwerung be- haftet ist, fuͤllet dergleichen Faͤßlein mit gutem Wein, laͤßt ihn eine Zeitlang dar- inne stehen, und braucht ihn alsdann zum taͤglichen Tranck, trinckt auch den Wein aus solchen Bechern und Scha- len. Aus dem Holtze wird ein weisses crystallines Saltz gemacht, sal Tama- risci, Tamariskensaltz genennet/ wel- Tamarisken- saltz. ches, wenn es recht beschaffen, weiß seyn muß und kleine Crystallen, die nicht so leichtlich in Staub zerfallen. Diesem Saltze wird ebenmaͤßig die Kraft, die Miltz zu heilen, beygelegt. Das zehende Capitel. Vom Sassafras . Canel aholtz. D Er Sassafras, Canela/ oder Pa- vanaholtz ist ein Baum, der gar lieblich anzusehen, und auf Florida haͤuffig waͤchst, massen daselbst gantze Waͤlder anzutreffen. Siehe Fig. 102. Des Baumes Stamm ist schnur ge- rade, hat zu oͤberst einen Hauffen Aeste mit gruͤnen Blaͤttern beladen, die schier wie Feigenblaͤtter sehen; diese werden von den Einwohnern zerqvetscht und die Wunden damit geheilet. Man erwehle den Sassafras, dar- an die dicke, roͤthlichte und rauhe Rinde noch sitzt, denn diese ist der allerbeste Theil des Baumes, so wohl wegen des scharffen Geschmacks, als auch wegen des scharffen aromatischen Geruchs, der den Geruch des Baumes weit uͤber- trifft, sonderlich, wenn er noch auf der Wurtzel stehet. Daher vermeinten auch die Spanier, als sie das erste mahl an der Jnsel Florida gelandet, es waͤ- ren Zimmtbaͤume, weil sie den starcken lieblichen Geruch auf zwey Meil weges empfunden; als sie aber ausgestiegen und unter den Baͤumen stunden, sahen sie sich zwar in ihrer Hoffnung betro- gen/ iedoch, nachdem sie dieselben genau examiniret und untersuchet, urtheilten sie gar wohl, daß sie nicht aller Kraft entbloͤset waͤren, brachten sie deswegen mit nach Spanien, woselbst das Pfund um 40. Francken verkaufft wurde, nach- dem es gebraucht, und zur Neapolita- nischen Kranckheit so trefflich dienlich befunden ward. Dieses veranlassete die Spanier wieder nach Florida zu kehren, von dannen sie eine solche Men- ge Sassafras mit zu ruͤcke brachten, daß er bald darauf sehr wenig galt: wie nun der Preiß gefallen, so verminderte sich auch der Gebrauch; welches in Franckreich nichts seltsames. Jhrer viele ziehen die Schale des Baumes dem Holtze und starcken Aesten vor, welches auch nicht ohne Ursache ge- schicht, sintemahl sie viel staͤrcker riechet, denn das Holtz. Sie ist ordentlich leich- te, aus- und inwendig roͤthlicht, laͤßt sich leichtlich zerbrechen, und schmeckt und riecht gar aromatisch. Daß also die Rinde besser ist als die Wurtzel, und diese besser denn das Holtz. Das Holtz wird zum Gebrauch ge- spalten oder geraspelt, da es dann der- massen starck riecht, daß sowohl den Ar- beitern, als auch denen, die es gebrau- chen, die Koͤpfe darnach wehe thun, wel- ches dann seinen Credit um ein gutes verringert hat. Wer nun dieses gespaltenen oder ge- raspelten Holtzes von noͤthen hat, mag J 3 zuse- Der Spezereyen und Materialien zusehen, daß es frisch sey, denn wenn es lange gespalten, geraspelt oder gestossen gelegen hat, verliehrt es seinen Geruch, und hat keine Kraft. Wie dieses Holtz noch theuer war, kochten ihrer viele Fen- chel in Wasser, und liessen hernach Stuͤ- cke von der weissen Fichte darinne sieden, nachdem es aber so gar wohlfeil worden, bemuͤht sich niemand mehr damit. Das eilffte Capitel. Vom Frantzosenholtze. G Ayac, Gayacan , lignum sanctum sive Indicum, heilig oder Jndia nisches Holtz, ist ein Baum, der haͤuffig in Jn- dien waͤchst, wie auch in America/ von dannen alles dasjenige, was wir zu se- hen bekommen, in Gestalt dicker und langer Scheiter darunter einige 4. bis 500. Pfund wiegen, gebracht wird. Siehe Fig. 103. Der Baum ist so hoch, als unsere Nußbaͤume, mit gruͤnen, langen oder runden Blaͤttern belastet, nach dem Un- terschied des Geschlechtes, denn er in Maͤnnlein und Weiblein abgetheilet wird. Nach den Blaͤttern kommen gan- tze Buͤschlein Blumen, die wie Stern- lein sehen, davon iedwede einen kleinen braunen Knopf hat, in Groͤsse einer Ha- selnuß, darinne eine kleine pomerantzen- farbichte Frucht steckt. Das Holtz wird in Franckreich zu Schreiner- und Dreherarbeit sehr ge- braucht, insonderheit aber werden Ku- geln zum Spielen, Moͤrsel, Staͤmpfel, Waltzen fuͤr die Pastetenbecker, und der- gleichen daraus verfertiget. Die Chi- rurgi und andere, welche die Venus- kranckheiten zu curiren auf sich nehmen, brauchen die Spaͤne zu Schweißtraͤn- cken. Man hat bey diesem Holtze keiner andern Wahl noͤthig, als nur daß es oh- ne Spind sey, welcher sich gar oft dabey befindet. Dannenhero sollten diejeni- gen, die es so, wie sichs zu seyn gebuͤhret, verlangen, dasselbe in Stuͤcken kauffen, und, nachdem das Weisse, welches der Spind ist, davon gethan worden, das Holtz, welches schwartz, schwer, hart und hartzicht ist, spalten oder raspeln lassen, alsdann kan es, wie obgemeldet, gebraucht und angewendet werden. Man muß es nicht also machen, wie ih- rer viel zu thun pflegen, die, an statt, daß sie das Frantzosenholtz selbst solten klein machen, selbiges von denenjenigen erkauffen, welche Spaͤne davon machen, die sodann voll Spind und ander un- nuͤtze Zeug sind, und deme ohnerachtet, dennoch, an statt des rechten Holtzes, ge- brauchet werden: sondern man soll es fuͤr sich selbst raspeln lassen, und Acht ge- ben, daß der Spind daraus gelesen wer- de, auch der Ebenholtzarbeiter oder der Dreher den Platz, darauf die Spaͤne fallen, vorher wohl saubere, oder ein Tuch drauf breite. Aus dem Frantzosenholtze distilliret Phlegma, Spi- ritus, Oleum u. Sal Guajaci. man ein phlegma, spiritum und schwar- tzes, dickes, heftig stinckendes Oel: was in der Retorte zuruͤcke bleibt, ist kohl- schwartz, und wird, nachdem es ausge- lauget, ein Saltz daraus bereitet: so kan Resina und Extractum Gnajaci. man auch ein Hartz oder Magisterium davon, wie von der Jalappe, bereiten. Die Rinde wird gleichfalls zu obge- Rinde vom Frantzosen- holtze. dachten Kranckheiten gar sehr gebrau- chet, und deshalben muß diejenige dazu ausgesuchet werden, welche gleich, schwer, uͤbel zu zerbrechen, obenher grau, inwendig weißlicht ist, bitter und unanehmlich schmecket. Es werden grosse Stuͤcken Gummi aus Jndien gebracht, welche dem Ar- canson dermassen gleich sehen, daß man eines fast unmoͤglich von dem andern unterscheiden kan: iedoch, wenn jenes nur ein wenig mit den Fingern gerie- ben, oder auf gluͤhende Kohlen geleget wird, giebt es einen gar lieblichen Ge- ruch von sich, der den gantzen Ort, da es verbrennet worden, erfuͤllet, welches das Arcanson nicht thut, dann es riecht nach Terpentin. Es ist eines der kraͤf- tigsten Schweißmittel, die man bis an- hero gefunden hat. Seit etlichen Jahren her sind die Wundaͤrtzte auf die Gedancken gera- then, es habe der Buchsbaum, dem sie den Namen Frantzoͤsischer Guayac Frantzoͤsi- scher Guayac. gegeben, eben die Eigenschaften, wie das rechte Guayacum, deshalben auch nicht die Helffte mehr so viel von diesem, als ehe dessen, verbrauchet wird. Allein, wenn sie klug waͤren, und das geraspel- te Guayacum, darunter kein Spind nicht, gebraucheten, wuͤrden sie den Unterscheid wohl spuͤren. Den Jrrthum aber TAB. XXIII. Grosser Wachholder F. 106. p. 142. Kleiner Wachholder. F. 107. p. 143. Brasilien holtz. F. 108. p. 145. Jndianisch holtz. F. 109. p. 145. Hauptbeschreibung ersten Theils drittes Buch. aber verursachet, daß sie insgemein sol- che Spaͤne brauchen, welche voll Unrath sind, und ihnen von den Drechslern das Pfund fuͤr 1. Sols oder 18. Deniers ver- kaufft werden, da sie doch mit Recht zu sagen, das Auskehricht ihrer Werck- staͤdte sind, darunter sich allerley Holtz befindet. Wiewohl es dennoch seyn kan, daß das Buchsbaumholtz mit dem Guayac gleiche Kraͤfte habe. Das Buchsbaumholtz ist in Buchsbaum. Franckreich gantz gemeine, und wird zu allerhand Arbeit gebraucht. Das beste kommt aus Spanien und vielen Orten in Franckreich, sonderlich aus Burgundien und Champagne. Aus diesem Holtze wird ein spiritus Spiritus und Oehl vom Buchsbaum. und schwartzes Oel distilliret, welches man, wie das Oel vom Frantzosenholtze, rectifici ren kan. Das zwoͤlffte Capitel. Vom Cedern vom Libanon. Siehe Fig. 104. D Jeser Baum waͤchst wie eine Pyra- mide unglaublich hoch in die Hoͤhe: die Aeste sind mit kleinen gruͤnen und schmalen Blaͤttern besetzt, die Fruͤchte sehen fast wie die Tannzapfen. Aus dem Stamm und dicken Aesten des Baumes rinnet bey grosser Hitze, von ihm selbst, das weisse, klar und durch- Cedern Gum- mi oder Ma- stix Manna. sichtige Hartz, welches wir Cedern Gummi oder Manna Mastichina zu nen- nen pflegen, dessen die allergroͤsten Baͤu- me nicht mehr als sechs Untzen des Ta- ges geben. Es entstehen auch an eben dieses Baumes Stamme, von der gros- sen Sonnenhitze, kleine Blaͤslein, aus denen, wenn man sie aufsticht, ein weis- ser klarer Saft, wie Wasser, laͤufft, eines Liquor vel te- rebinthina Ce- dri. starcken durchtringenden Geruchs. Wenn der Baum nichts mehr von ihm selber giebt, alsdann ritzen sie ihn auf, da dann eine schmierichte Fettigkeit her- aus laufft, welche indem sie den Baum herab rinnet, gestehet, und Cedernhartz Cedernhartz. genennet wird. Allein es ist in Franck- reich eben so rar, als was dieser Baum sonst noch mehr hervor bringt. Dieses Hartz, so gar schoͤn gelb, laͤßt sich leichtlich zerreiben, ist hell und durch- sichtig, und hat einen gar angenehmen Geruch. Das dreyzehende Capitel. Vom kleinern Cedern, Oxycedrus. Siehe Fig. 105. D Jeser Baum ist von unterschiedli- cher Hoͤhe, und meistentheils krum̃, hat lange, spitzige, stets gruͤnende Blaͤt- ter, sonderlich zur Winterszeit, nach denen die Fruͤchte, die wie des Maͤus- dorns Fruͤchte groß sind, folgen: diese se- hen anfangs gruͤn, werden aber immer roͤther, ie zeitiger sie werden. Aus dem aufgeritzten Stamme dringt ein sehr klares durchsichtiges Wahrhafte Sandaraca. Hartz, welches die wahrhafte San- daraca ist: weil wir es aber gar selten zu sehen bekommen, deswegen gebrau- chen wir das Wachholder Gummi da- fuͤr, von dem hiernechst. Durch Huͤlffe des Feuers und einer Retorte wird aus dem Holtze ein schwar- tzes Oel gezogen, welches, wenn es r e - dificir et worden, oleum Cadæ oder Wach- holderoͤl mag genennet werden. Al- lein, weil diese Baͤume bey uns nicht gar zu gemeine, kan man sich an seine statt des groͤssern und kleinern Wachholders bedienen. Das aufrichtige oleum Cadæ oder Ce- dria ist gut fuͤr die Schwinden und Schuppen/ ingleichen fuͤr die Raude der Pferde, Ochsen, Schafe und ande- rer Thiere. Es duͤrften aber diese Oele zu hoch kommen, derowegen braucht man dafuͤr das klare Pechoͤl, welches um dieser Ursache willen ebenfalls oleum Cadæ genennet wird, inmassen aus dem Cap. vom Pech zu ersehen. Das vierzehende Capitel. Vom grossen Wochholder. D Jeser Baum, den die Lateiner Iuni- perus nennen, ist unterschiedener Groͤsse, nachdem er naͤmlich in diesem oder jenem Lande gewachsen. Er waͤchset insgemein krumm, und Siehe Fig. 106. hat zu oberst viel Aeste, mit kleinen, schma- Der Spezereyen und Materialien schmalen, stechenden, stets gruͤnen Blaͤt- tern besetzt, nach denen die Beere n kom- men, die wie ein kleiner Kern groß, und im ersten Jahre gruͤn sind, im andern braun, und im dritten, wenn sie nun recht zeitig, schwartz werden. Aus dem aufgeritzten Stamme und starcken Aesten laufft bey grosser Hitze die Sandaraca/ welche uns aus Africa uͤberbracht wird, woselbst diese Baͤume uͤberaus hoch und haͤuffig wachsen. Die- Sandaraca A- rabum, Vir- niß oder Wachholder- Gummi. se Sandaraca ist die Arabische San- daraca/ und Vernix, der truckne Ver- niß. Die Schweden, Hamburger und Englaͤnder treiben einen grossen Han- del damit. Wenn sie zu einem unbegreifflichen Pulver gemacht worden, wird es ge- braucht, das Papier, ehe es noch plani- ret wird, damit zu reiben und zu uͤber- vernissen, auf daß es weiß werde, und nicht durchschlage, damit auch die Buch- staben desto besser darauf erscheinen. Man braucht es ingleichen zur Mahle- rey, Verniß daraus zu machen, und zu andern Dingen mehr. So giebt es auch einigen Nutzen der Medicin, und soll deshalben dasjenige, welches in schoͤ- nen Tropfen und weiß ist, dazu ausgele- sen werden. Das funffzehende Capitel. Vom kleinern Wachholder. Siehe Fig. 107. D Jeser ist bey uns so gemeine, daß niemand seyn wird, der ihn nicht kennen solte. Aus dieses Strauches fri- schen und reiffen Beeren wird erstlich Weisses Wachholder- Oel u. Was- ser. ein weisses starckriechendes Oel, samt einem Wasser, welches gar gute Tugen- den hat, gezogen: nach der Distillation kan man das Marck trocknen, und ein Wachholder- saltz. weisses Saltz daraus machen, dieses aber in das distillirte Wasser thun; wel- ches ich iedoch nicht rathen wolte, son- dern, die dieses Saltz bereiten wollen, sol- len sich viel lieber der getrockneten, als der ausgesottenen Beerẽ dazu bedienen; die Unkosten werden so groß nicht seyn. Aus dem Holtze wird vermittelst ei- Spiritus und Oleum Juni- peri. ner Retorte ein phlegma, spiritus und schwartzes stinckendes Oel gezogen: wenn dieses rectificir et worden, kan man es oleum de Cade oder Wachholder- oͤl nennen. Was in der Retorte zu- ruͤcke bleibt und kohlschwartz ist, daraus vermag man ein weisses Saltz zu berei- ten. An statt des Holtzes werden gleich- falls die neuen und frischen Beeren ge- braucht, und aus ihnen ein schwartzes stinckendes Oel gemacht. Das Wachholderholtz und Beeren werden insgemein verbrennet, und die boͤse Luft dadurch gereiniget. Die Teutschen thun diese Koͤrner in ihre Tuncken, und brauchen sie als Theriac, dahero wird auch der Extract davon, oder das Mus, armer Leute und Teutscher Theriac genennet. Dieser Extract wird von frischen zer- Wachholder- saft oder Ex- tract. stossenen Beeren gemacht, welche man in Wasser kochen laͤßt und hernach durchseihet; das durchgeseihete aber darauf bey kleinem Feuer, bis es ho- nigdicke worden, einkochet: und nun ist es ein herrlich Mittel wider den Gift. Man kan auch den nach der Di- stillation im Kolben zuruͤckgebliebenen Saft filtriren, und auf gleiche Weise da- mit verfahren, so bekommt man eben- maͤßig einen Extract, der mit allen ihm zugeschriebenen Tugenden begabet ist. Unsere Wachholderstraͤuche geben zwar auch etwas Sandaraca, allein in so geringer Menge, daß es nicht der Muͤhe werth davon zu reden. Es wollen et- liche, ob sey die Rinde des Wachholder- baums die wahrhafte Rind Bugiæ. Das sechzehende Capitel. Vom Brasilienholtze. U Nter dem Titel Brasilienholtz ver- kauffen wir vielerley Arten roth Unterschiede- ne Gattun- gen des Bra- silienholtzes. Holtz, zum faͤrben. Das erste, welches am hoͤhesten gehalten, auch am meisten verbraucht wird, ist das Brasilienholtz, mit dem Zunamen Fernambouc, weil das allermeiste aus der Stadt Fernam- bouc in Brasilien zu uns gebracht wird. Das andere ist das Brasilien- holtz von Japon/ dem die Holl- und Englaͤnder den Namen Sapanholtz Sapanholtz. gegeben; dessen sind zweyerley Gattun- gen, das dicke Sapanholtz oder das Brasilienholtz von Japon, und das schlechte- Hauptbeschreibung ersten Theils drittes Buch. schlechtere Brasilienholtz von Ja- pon/ oder Sapanholtz von Bimaes, weil es viel schlechter ist. Das dritte ist das Brasilienholtz von Lamon. Das vierte das von S. Martha. Das fuͤnffte, und geringste ist dasjenige, wel- ches aus den Antillen Jnseln kommt. Daß also der Unterschied unter dem Bra- silienholtze blos von den unterschiedenen Orten und Laͤndern, in welchen es ge- wachsen, herruͤhret. Siehe Fig. 108. Der Baum dieses Holtzes ist dicke und groß, hat lange Aeste, welche mit einer wundersamen Menge kleiner halbrun- der und hellglaͤntzender gruͤner Blaͤtter beladen sind, nach denen die Bluͤtlein, den Mayenbluͤmlein gleich, kommen, sehen lieblich roth, und riechen uͤberaus angenehme; daraus entstehen breite Fruͤchte mit zwey breiten Kernen, die wie die Citrullenkerne gestaltet sind. Wenn die Wilden das Holtz, das sie uns zusenden, zurichten wollen, hauen sie es glatt an der Erde ab, aͤsten es aus, und nehmen den dicken Spind davon, daß es hernach nur so dicke wird als ein Bein, da es doch vorhero als ein Mann dicke war. Man soll das Brasilienholtz erweh- len, welches gewiß von Fernambouc und schwer ist, als wie dicke Scheiter, die kein Marck oder Kern haben, und ge- sund, d. i. ohne Faͤulnuͤß und Spind sind, welche auch, wenn sie zerstuͤcket worden, blaß sehen, hernach aber roth werden, und zuckersuͤsse schmecken, wenn man sie kauet: uͤberdiß mag man Acht haben, daß der andern Sorten keine drunter gemenget sey, welches aber, weil die an- dern alle, bis auf das von Japon, ohne Marck sind, stracks zu erkennen ist. Das von Lamon kommt als wie dicke Scheiter, und kan dahero von dem Fer- nambouc holtz auch gar leichte unter- schieden werden. Es haben mich ihrer etliche versichert, das Brasilienholtz von Lamon komme aus der Bay al- Brasilien- holtz aus der Baya de to- dos los San- tos. ler Heiligen, daselbst wachse es in haͤuf- figer Menge, werde auch deswegen von vielen Brasilienholtz aus der Bay und aller Heiligen Holtz genennet. Was das geraspelte Brasilienholtz be- langet, von dem kan ich keinen bessern Bericht geben, als, man kauffe es bey rechtschaffenen Leuten, die nicht faͤhig sind einen zu betruͤgen. Das Brasilienholtz wird von den Schwartzfaͤrbern gebrauchet, man kan auch, wenn ein wenig Alaun dazu ge- than wird, die Eyer damit roth faͤrben. Aus dem Fernambouc wird vermit telst eines acidi eine hochrothe Farbe ge- zogen, und aus derselben soll, wie mir ist gesagt worden, Carmin koͤnnen berei- tet werden, wie von der Conzenille, wel- ches ich aber nicht versucht. Es wird ferner ein fluͤßiges Lack Lacca liquida. daraus gemacht, dessen sich die Mahler zur Mignatur bedienen: ingleichen eine rothe Kreide, welche wir Rosette nennen. Diese wird von Rouanischem Weiß ge- macht, deme, wenn es etliche mahl in die Brasilienfarbe getuncket wird, eine Amaranthenfarbe gegeben worden. Die Rosette ist eigentlich zu reden, ei- Rosette. ne Art Stil de grain, denn sie auf eben dieselbe Art zugerichtet wird. Das siebenzehende Capitel. Vom Jndianischen Holtze. D Jeses Holtz, welches wir insgemein Campeschenholtz, oder Holtz aus Jamaica nennen, ist das Hertz von dem Stamme eines grossen Bau- mes, welcher haͤuffig in vorgenannten beyden Jnseln, desgleichen auf der Jn- sel S. Cruz in America waͤchset, denn es allda gantze Waͤlder voll giebet. Siehe Fig. 109. Die Baͤume sind groͤsser oder kleiner, ie nachdem sie einen Boden angetroffen. Wenn sie noch auf der Wurtzel stehen, haben sie einen geraden und starcken Stamm, der mit einer sehr zarten, gleich- und glatten, silberfarbenen oder gelben Rinde bedecket ist; an dessen obern Theil ein Ast befindlich, der mit langen gruͤnen Blaͤttern, die bald wie Chagrinleder sehen, und den Lorber- blaͤttern gantz aͤhnlich sind, beladen ist. Diese Blaͤtter, in den Mund genom- men, schmecken so starck nach Wuͤrtz- naͤglein, daß man sie ehe fuͤr des Wuͤrtz- naͤgleinbaumes, als fuͤr eines andern, Blaͤtter halten solte. Deshalben und wegen dieses trefflichen Geschmackes ist er der Jndianische und Wurtz-Lor- Jndianischer oder Wuͤrtz- Lorbeer. beer genennet worden. Nach den Blaͤttern folgt eine kleine Frucht, wie K eine Der Spezereyen und Materialien eine Erbse groß, die ist mit einem kleinen Stielgen, gleichwie die Cubeben, an den Ast geheftet, am andern Ende hat sie ein kleines Kroͤnlein. Diese Frucht siehet tannetbraun, hat einen scharffen und beissenden, doch dabey angenehmen Ge- schmack, wie Nelcken, deshalben sie auch Naͤgleinkorn genennet wird. Wenn diese Frucht aufgeschlagen wird, findet man drey Koͤrner drinnen, die schier wie der Bisamsamen sehen. Hierbey ist zu mercken, daß der Jn- dianische Lorbeerbaum oder der Baum des Jndianischen Holtzes, ein solches Holtz sey, davon man drey herrlich gute Wahren nehmen koͤnne, unter denen die erste das Holtz, welches, wenn es so beschaffen, wie es wohl seyn soll, das wahrhafte Campeschenholtz aus Spanien seyn muß, denn dasselbe ist das beste, und darff nicht verfaulet, oder durchs Wasser verderbet seyn: es muß ferner an beyden Enden abgehau- en seyn, nicht abgesaͤget, als wie das Holtz von Jamaica/ welches dadurch von diesem unterschieden wird, und uͤber England uns zukommt. Das Jn- dianische Holtz brauchen die Faͤrber, Hutmacher und andere, violbraun und schwartz damit zu faͤrben. Die andere Wahre von diesem Bau- me sind die Blaͤtter/ welche gar fuͤglich zu alle denen Sachen, dazu das folium Indum kommt, koͤnnen genommen wer- den, sintemahl sie gar herrliche Tugen- den haben, und weit mehr Kraft, als ietztgedachtes Jndianisches Blatt: dan- nenhero nehmen es die Americaner zu den Baͤhungen wider die Gicht und andere Kranckheiten, die ex causa frigida entstanden. Die dritte ist die Frucht, deren man sich eben, als wie die Englaͤnder bedie- nen koͤnte, denn sie ein herrliches Ge- wuͤrtz, und also zu vielerley Gebrauch dienlich. Weil aber diese Frucht erst vor weniger Zeit ist bekannt worden, dieserwegen fuͤhren wir sie auch nicht; iedoch, da ohngefehr vor einem Jahre unsere Caper den Englaͤndern eine ziemliche Menge derselbigen abnah- men, seit dem giebt es wenig Spezerey- haͤndler, welchen sie nicht solte unter dem Namen Grain de Girofle, Naͤglein- korn/ bekannt seyn. Man beginnet es unter die vier Spezereyen zu neh- men; denn es hat in der Wahrheit die- se Frucht, wenn sie zerstossen, in diese oder jene Bruͤhe gethan wird, einen sol- chen Geschmack, gleich als ob Naͤglein, Mußkaten und Zimmet drein gethan worden waͤren. Doch, ohnerachtet die- ser so herrlichen Beschaffenheit, gebrau- chen es gar wenig Leute, entweder, weil ihnen die Fꝛucht nicht gnugsam bekannt, oder aber der Geschmack nicht anstaͤndig ist. Hingegen brauchen es die Englaͤn- der haͤuffig und in Menge, eben als wie die Wilden, die es unter dem Na- men Melaguetta unter die Chocolate Melaguetta. thun. Die Englaͤnder nennen diese Frucht Pfeffer aus Jamaica, A- momi, Fꝛucht des Jndiani- schen Holtzes, Naͤgleinkorn. Pfeffer aus Jamaica, die Hollaͤn- der Amomi/ wir aber, die Frucht des Jndianischen Holtzes, und insge- mein, wiewohl es unrecht ist, Naͤglein- korn. Betreffend die Bluͤte, welche dem Bericht nach, sehr schoͤn seyn soll, von der habe ich darum nichts melden wol- len, weil mir von ihrer Gestalt und Far- be nichts bewust ist. Diß eintzige will ich noch gedencken, wie daß man mich versichert habe, es waͤren unter allen Baͤumen in Ost- und Westindien, das Lichtholtz oder der falsche Sandel, und das Jndianische Holtz, die zwey schoͤnsten und wohlriechendesten. Das achtzehende Capitel. Vom Fustel oder Gelbholtze. D Jeses Holtz, welches wir insgemein Fustel heissen, ist der Stamm und Siehe Fig. 110. die Wurtzel eines Strauches, von den Botanicis Coccygria Theophrasti, auch Cotinus Plinii genennet. Seine Blaͤtter sind gruͤn, und bey nahe gar rund; nach denenselben kommt die Bluͤte, die an- fangs als wie ein dunckelgruͤn Traͤub- lein siehet, sich aber endlich als ein Fecher ausbreitet: unter der Wolle seiner Kaͤtzlein finden sich schwartze Koͤrner, wie ein Hertz gestaltet. Die Wurtzeln und der Stamm dieses Strauches, wel- che uns die Jtaliener und die aus Pro- vence, nachdem sie dieselben vorher ge- schaͤlet, fuͤr Fustelholtz verkauffen, sollen gelb und trucken seyn, und aus Pro- vence kommen, denn diese besser als die Jta- Hauptbeschreibung ersten Theils drittes Buch. Jtalienischen. Obgleich dieses Holtz auch in Franckreich waͤchst, dennoch be- kommen wir es manchmahl aus Holl- und England in bessern Preiß, als wenn wir es aus Provence bringen lassen. Die Schwartzfaͤrber faͤrben abge- schossen gelb oder Feuille morte und Coffe- farb damit: auch brauchen es die Eben- holtzarbeiter zu weilen. Gelbholtz oder Englisch Holtz. Wir lassen auch noch eine Art Gelb- holtz wie grosse Scheiter aus Holl- und England bringen, welches meines be- halts, keinen andern Namen, als Gelb- holtz fuͤhret, dessen sich ersterwehnte Leute ebenfalls bedienen: mehr habe ich sonst nichts davon erfahren koͤnnen. Aus Lothringen kommt ein gewis- ses Holtz, welches graulicht und ein we- nig roͤthlicht siehet, hart und daneben so etwas schwer ist, mit einer duͤnnen brau- nen Rinde versehen: dasselbe nennen S. Luzien- holtz. wir S. Luzienholtz, und wird wegen seines angenehmen Geruchs von den Ebenholtzarbeitern gebrauchet. Es muß fein dichte und ohne Knorren seyn. Dieses Holtz ist von einer gar beson- dern und unvergleichlichen Natur, mas- sen es gantz keinen Spind nicht hat, und immer staͤrcker riecht, ie aͤlter es wird. Der Herr Tournefort hat mich ver- sichert, das S. Luzienholtz sey der Stamm desjenigen Strauches, darauf der Mahalep wachse, von dem ich im Buch von den Samen gehandelt habe. Es wird auch ein gewisses gruͤnlich- Calambourg- holtz. tes Holtz, unter dem Namen Calam- bourg, aus Jndien gebracht, als wie dicke Scheiter, von sehr gutem Geruch, dessen sich verschiedene Handwercker be- dienen, theils wegen seines guten Ge- ruchs, und denn, weil es zu allerley Ar- beit bequem ist, z. E. zu eingelegter Ar- beit, zu Rosenkraͤntzen und andern Din- gen. Die Barbierer brauchen es an statt des Rosenholtzes, und lassen es in dem Wasser, das sie zum Bartputzen gebrauchen, sieden. Desgleichen senden uns die Hollaͤn- Violbraun Holtz. der zweyerley Gattung violbraun Holtz/ wie starcke Scheiter, welche zu nichts als zu Tischlerarbeit dienen. Die- ses Holtz aber soll fein voll Adern und Streiffe seyn, sowohl aussen als innen, ohne Spind und Faͤulnuͤß, so gut als nur moͤglich. Das dichte violbraune Holtz heißt Polixanderholtz. Polixander- holtz. Ausser diesem senden sie noch ein an- deres, einer roͤthlichten Farbe, die sich auf violet ziehet, welches sie Letterhout, Litternholtz/ wir aber Bois de Chine, Litternholtz, Sinesisch Holtz nennen. Furetiere Sinesisch Holtz. sagt, es waͤre nirgends als auf dem ve- sten Lande zu Guyanne anzutreffen; wel- ches ich aber nicht weiß, weil ich nicht allda gewesen: es dienet ebenfalls zur Tischlerarbeit. Wir verkauffen ingleichen uͤber obge- dachte Sorten Holtz auch dreyerley Ar- ten Ebenholtz; das schwartze/ wel- Dreyerley Ebenholtz. ches die Hollaͤnder aus der Jnsel Mau- ritius bringen, und die Alten fuͤr Ad- lerholtz ausgegeben. Das rothe oder Granadillenholtz/ und das gruͤne. Was den Baum anbelanget, der das schwartze Ebenholtz bringt, von dem geben einige vor, ob solte er so hoch und dicke seyn, als unsre alten Eichen, ihnen auch den Kern und Spind nach gleich se- hen, ausgenommen, daß er sehr schwartz, und derohalben so gleissend sey, auch deswegen also hoch geschaͤtzet werde. Ferner sagen sie, seine Blaͤtter gleicheten den Lorberblaͤttern, und es saͤsse allezeit zwischen zweyen eine Frucht, wie eine Eichel an einem kurtzen Stiele. Das schwartze Ebenholtz soll pechschwartz seyn, ohne einige Adern und Spind, auch so dichte, als immer seyn kan. Das rothe soll gleichfalls dichte seyn, voll Adern und hoher Farbe. Das gruͤ- ne muß auch also beschaffen seyn; alle zusammen aber fein wohl von dem Spind gereiniget. Das Ebenholtz dienet zu aller ley ausgelegter Arbeit. Weil nun in ver- strichenen Zeiten dieses Holtzes so gar viel verbraucht wurde, deshalben wur- den diejenigen, welche Ebenholtz verar- beiteten, Ebenisten (soll etwa soviel ge- sagt seyn, als Ebenholtzarbeiter) geheis- sen, und machen eine ziemlich starcke Zunft. Es versichern einige, der Spind vom Ebenholtze in Wasser geweicht, ha- be die Kraft die schleimichten Feuchtig- keiten abzufuͤhren, auch heimliche Kranckheiten zu heilen. Es kommt sonst noch ein graulicht und wie Anis riechendes Holtz aus Jn- dien/ wie dicke Scheiter, und wird des- K 2 wegen Der Spezereyen und Materialien wegen von den Ebenisten und Tischlern Anis- oder A- nilholtz. Anis- oder Anilholtz genennet. Auch verkauffen wir ohne dieses Holtz, den Samen davon, unter dem Titel Chi- nesischer Anis/ Siberischer Anis/ Anis aus denen Philippinischen Jn- Zingi oder Jndianischer Anis. seln/ Badian/ Zingi, Jndianischer Anis, dessen Gebrauch im 1. Buch die- ses ersten Theils, im Cap. vom Schwartz- kuͤmmel beschrieben, die Figur aber un- ter dem Fustelholtze zu besehen ist. Noch findet sich ein Hauffen andere Siehe Fig. 111. Hoͤltzer mehr z. E. Sambaranne/ ei- ne Gattung weisser Sandel, das Aca- jouholtz/ Eisenholtz, Schlangen- holtz, Holtz aus den Moluccischen Jnseln, von den Einwohnern Panava genannt, und noch viele andere, von welchen ich nichts melden mag, weil wir sie nicht fuͤhren, indem sie uns gar selten zu Handen kommen. Was das Moluccische Holtz be- trifft, davon haben mich etliche bere- den wollen, es sey der weisse Zimmt, welches ich aber nicht glauben kan. Ende des Buchs von Hoͤltzern. Des Ersten Theils Der Hauptbeschreibung derer Spezereyen und Materialien Viertes Buch. Von Rinden. Vorrede. D Urch die Rinden verstehe ich die erste/ andere und dritte Decke oder Uberzug des Stammes von einem Baume, welche wir so/ wie sie von Natur sind und von den Vegetabilien und Gewaͤch- sen abgezogen worden, bekommen/ z. E. die Quinquina, Alraunwurtzel- rinde, und dergleichen; oder die von der obersten Haut gesaubert wor- den, wie der Caneel/ Mutterzimmt/ und so weiter. Demnach will ich dieses Buch mit dem Baume, der den Caneel traͤgt, anheben/ theils dar- um, weil er so vortreffliche Eigenschaften hat, theils aber/ weil wir so viel von dieser andern Rinde vertreiben. Das erste Capitel. Vom Caneel oder Zimmt. D Er Caneel, von den Alten Cinnamomum, Zimmt ge- nennt, ist die mittelste Rin- de von den Aesten eines Baumes, der so hoch als wie die Weiden waͤchst, und dessen Blaͤt- ter den Jndianischen Blaͤttern der- massen aͤhnlich sehen, daß niemand zu anfangs einigen Unterschied dazwischen machen kan: welches dann ihrer etliche veranlasset zu sagen, unser folium Indum sey desjenigen Baumes Laub, der den Caneel traͤgt. Weil nun diese Blaͤtter einander so gar aͤhnlich sehen, daß das Gesichte sie nicht vermag zu unterschei- den, so wird solches der Geschmack desto behender verrichten, denn die Caneel- blaͤtter haben einen dermassen lieblichen Geruch und Geschmack, daß sie den schlechten Caneel einiger massen uͤber- treffen. Nach den Blaͤttern kommen die weissen Blumen in Form eines klei- nen Kelchs, daraus entstehen an demje- nigen Orte, woselbst sie an den Ast ge- hencket Hauptbeschreibung ersten Theils viertes Buch. hencket sind, die Beeren, in Gestalt eines Olivenkerns, also, wie die Figur aus- Siehe Fig. 112. weiset, die ich nach dem Original, wel- ches in des Herrn Tourneforts Haͤn- den ist, habe stechen lassen, der auch zu gleicher Zeit so guͤtig gewesen, und mir vier oder fuͤnff Blaͤtter, die eben die ob- gedachte Gestalt und Geschmack hatten, verehret hat. Was den Ort anbetrifft, von dannen der Caneel kommt, auch wie man den Baum entrinde, davon habe ich dasjeni- je, was Tavernier davon aufgezeichnet, allhier anzufuͤhren fuͤr gut erachtet. „Der Caneel kommt aus der Jnsel „ Ceylon. Der Baum, der ihn traͤgt, „kommt unsern Weiden gar sehr nahe, „und hat drey Rinden, davon nimmt „man allein die erste und andere, von „welchen diese viel besser ist als jene. Die „dritte wird gar nicht angeruͤhret, denn, „wenn dieselbe mit dem Messer zer- „schnitten wuͤrde, verduͤrbe der Baum. „Dannenhero lernt man es, als wie ein „ander Handwerck, von Jugend auf. „Der Caneel kostet die Hollaͤnder weit „mehr, als man gedencket: denn weil „der Koͤnig von Zeilon, oder, wie er ge- „woͤhnlich genennet wird, der Koͤnig „von Candy, welches der Name der „Hauptstadt ist, der Hollaͤnder abgesag- „ter Feind geworden, um weilen sie „ihm einsten ihr Wort nicht gehalten, „darum schickt er alle Jahre seine Voͤl- „cker aus, und laͤßt versuchen, ob sie die „Hollaͤnder bey Einsammlung des Ca- „neels uͤberfallen moͤgen; welches sie „dann noͤthiget, funffzehn bis sechszehn „hundert gewaffnete Mann zu halten, „um eine gleiche Anzahl Volck, das den „Caneel entrindet, zu beschirmen. Uber- „diß muͤssen sie diese Arbeiter das gantze „Jahr hindurch unterhalten, ohnge- „rechnet die Besatzungen, die sie an vie- „len Orten der Jnsel unterhalten muͤs- „sen. Diese so grossen Unkosten erhoͤ- „hen den Preiß des Zimmets um ein „merckliches, welches sich doch zur Zeit „der Portugiesen gantz anders verhiel- „te; denn diese hatten nicht noͤthig, alle „diese Unkosten aufzuwenden, sondern „kunten alles zu Nutze machen. Nun „waͤchset an dem Caneelbaum eine „Frucht, wie eine Olive, wird aber nicht „gegessen: deren sammleten sie eine „Menge, thaten sie, zusamt den aͤusser- „sten Spitzlein der Aeste, in einen Kes- „sel mit Wasser, und liessen sie mit ein- „ander sieden, bis daß alles Wasser „verrauchet. Wann es erkaltet, so war „das oberste als ein weisser Wachsku- „chen, und am Boden lag der Campher. „(Allhier verstoͤßt der Herꝛ Tavernier, „daß er es Campher nennet, denn der „Campher kommt aus dem Stamme „eines Baumes, wie ich in Cap. von „Gummi erweisen werde; es ist nur eine „dem Campher gleichende Mateꝛie. Das „Wachs belangend, um dasselbige habe „ich nach Lissabon geschrieben, allein „man weiß nichts davon.) Von den „Wachskuchen machten sie die Wachs- „kertzen, deren sie sich an hohen Festen „unter waͤhrendem Gottesdienste in der „Kirchen bedieneten, welche dann, so „bald als nur die Kertzen angestecket „wurden, voll Zimmtgeruch wurde. „Sie haben derselben mehrmahls nach „Lissabon fuͤr die Koͤnigliche Capelle ge- „sendet. Auch bekamen sie, die Portugi- „sen, Zimmet aus den Laͤndern der Ka- „jas um Cochin: seit dem aber die „ Hollaͤnder dieselben erobert, und sich „der Jnsel Ceylon bemaͤchtiget, dabey „vermercket, daß ihnen der Zimmt, der „um Cochin wuchse, Schaden braͤchte, „weil er nicht so gut als der Ceylonische, „und derowegen wohlfeil hin gegeben „wurde, darum verderbten sie alle Or- „te, wo er sonst gewachsen: daß solcher „gestalt keiner mehr zu finden, als nur „der Ceylonische, welcher anietzo gantz „und gar in ihrer Gewalt ist. Als die „Portugisen diese Kuͤsten inne hatten, „kaufften die Englaͤnder den Caneel von „ihnen. Wann nun die Einwohner den Zimmt gesammlet, ziehen sie die oberste Schale, welche braun und hoͤckericht ist, herunter, und lassen ihn hernachmahls trocknen, da er dann zusammenlaufft, und die Gestalt, die er hat, annimmt, wird roͤthlicht, bekommt einen angeneh- men Geruch, und beissenden, aromati- schen, lieblichen Geschmack. Es haben mich etliche vergewissern wollen, daß der Caneel diese herrlichen Eigenschaf- ten nicht ehe, denn nach Verlauff eines Jahres erhielte, welches ich aber nicht versichern kan, weil ich selber nicht ge- wiß bin. Sage immittelst, man solle den Caneel auslesen, welcher als wie feine K 3 duͤnne Der Spezereyen und Materialien duͤnne Rinden ist, einen beissenden, lieb- lichen und aromatischen Geschmack hat, und von Farbe so hoch, als immer moͤg- lich, ist: dagegen soll man den dicken, der wie Holtz schmeckt, auswerffen. Diejenigen, welche gantze Parteyen Zimmt einkauffen, moͤgen Achtung ge- ben, daß kein solcher Zimmt darunter gemenget sey, aus dem die Essentz oder das Oel gezogen ist, welches doch sehr schwerlich zu mercken, man muͤste denn Stuͤck vor Stuͤck kosten. Dannenhero kan ich auch keine bessere Anweisung ge- ben, als, daß man den Zimmt bey sol- chen Leuten kauffe, die einen nicht be- truͤgen moͤgen. Der Caneel/ ist sowohl wegen seiner herrlichen Eigenschaften, als auch sei- nes angenehmen Geruchs halber, so starck im Brauch, daß wir wenig feine Spezereyen haben, welche dermassen haͤuffig vertrieben wuͤrden. Die Hol- laͤnder senden uns auch eine andere Gattung Caneel zu, das sind breite di- cke Rinden, die sie, den Arabern hier- inne nachahmend, Darcheni, wir aber Canella matto. Siehe Fig. 113. Canelle matte nennen. Dieser Caneel ist die Rinde von dem Stamme und di- cken Aesten des Zimmtbaums; allein, weil es eine Wahre, die nicht viel taug, eines Theils, weil sie nicht mag vertrie- ben werden, und denn, weil sie weder Geruch noch Geschmack hat, es muͤste denn ein und ander Stuͤcke das zarte Haͤutlein annoch haben, in welchem ein also beissender aromatischer Geschmack stickt, daß man es schier unmoͤglich im Munde leiden kan: weil auch uͤberdiß gar wenig dergleichen darunter gefun- den wird, so lohnt es nicht die Muͤhe, daß man davon rede: zudem verkaufft niemand diesen Caneel, denn nur die Ta- buletkraͤmer. Von dem Escavisson, welchen etliche Escavisson. fuͤr den geringsten unter dem feinen Zimmt, andere fuͤr Canela matto, an- dere aber fuͤr Mutterzimmt halten, will ich nichts melden, weil doch nachgehends von einem iedweden der Ordnung nach soll gehandelt werden. Den feinen Ca- neel uͤberziehen die Zuckerbecker, wenn sie ihn vorher in warmen Wasser gequel- let, und in gantz kleine Stuͤcklein zer- schnitten, mit Perlenzucker, welches wir hernachmahls Canelle de Milan nennen, Canelle de Milan. und unter diesem Namen verkauffen. Wir bereiten auch kleine Zeltlein davon, indem aus Zimmtpulver und Tragant- schleime ein Teig gemachet wird, und aus diesem allerhand Figuren, nach be- lieben. Auf der Jnsel Ceylon machen die Hollaͤnder den Zimmt, der erst kuͤrtzlich von dem Baume abgezogen worden, mit Zucker ein, welches eine gute Confection ist, die sich wohl uͤber See fuͤhren laͤßt, allein in diesen Landen gar selten gesehen wird. Das andere Capitel. Vom Zimmtoͤle. A Us dem Caneele wird vermittelst ei- nes oder des andern Zusatzes und menstrui, ein dickes, klares und rothes Oel uͤber den Helm getrieben, welches einen dermassen starcken und scharffen Geschmack hat, daß man es kaum auf die Zunge nehmen kan: dennoch aber verursachet der Geschmack und liebliche Geruch, daß sich viel Leute desselbigen bedienen. Dieweil der Caneel eine Rinde ist, welche eben nicht gar zu reich von Oele, deswegen finden wir uns genoͤthiget, es aus Holland kommen zu lassen, zumahl da allein die Hollaͤnder dasselbe so, wie es beschaffen seyn soll, und um einen billichen Preiß, verschaffen koͤnnen. Solten wir aber unsere Zuflucht zu demjenigen nehmen muͤssen, welches un- sre Wasserbrenner und Apothecker in Franckreich bereiten koͤnnen, wuͤrde es uns wohl zweymahl hoͤher zu stehen kommen, denn das Hollaͤndische: wel- ches iedennoch bloß von ihrer Nachlaͤßig- keit herruͤhret, und weil sie sich nicht bes- ser auf ihre Profeßion legen. Ein Jrr- thum aber waͤre es, wenn einer, wie sie ausgestreuet, glauben wolte, daß uns die Hollaͤnder keinen guten Caneel zu- sendeten, sondern den besten fuͤr sich be- hielten: es ist irrig, und vielmehr wahr- scheinlich, daß die Apothecker und destil- latores, die in Holland das Zimmtoͤl bereiten, keinen andern Caneel dazu gebrauchen, als wie er aus Zeilon kom̃t, und wie sie ihn uns uͤbersenden. Die- sen nun legen sie gantz, und ohne daß sie das geringste dran aͤnderten, in grosse mit Hauptbeschreibung ersten Theils viertes Buch. mit kaltem Wasser erfuͤllte Gefaͤsse, und lassen ihn darinne 24. Stunden lang liegen, nehmen ihn darauf wiederum heraus, und legen andern drein, also fortfahrende, bis sich das Wasser wohl und schoͤn roth gefaͤrbet; alsdann gies- sen sie dasselbige in grosse kuͤpferne Blasen, und schuͤtten eine grosse Menge spiritus vini dazu, welcher auf eine gar besondere Art bereitet worden ist, gleich- wie aus folgenden wird zu ersehen seyn: und dieser Weingeist hat die Kraft, das Wasser von dem Oel zu sondern, und es in die Hoͤhe zu treiben. Es giebt auch keinen Zimmet, da ein Pfund nicht sol- te eine Untze Oel geben, welches dann demjenigen, welches allhier gemacht wird, gerade entgegen ist, wie beym Lemery kan ersehen werden. Denn dieser gestehet frey, daß vier Pfund gu- tes Zimmts mit genauer Noth sechs Quintlein Oels gegeben. Allein die Wissenschaft dieses Oel heraus zu zie- hen, ist bey den Hollaͤndern ein Ge- heimnuͤß, daß sie auch nicht einmahl die Namen derjenigen Sachen, die sie zur Bereitung des Weinspiritus gebrau- chen, wollen wissen lassen. Nichtsde- stoweniger will ich eroͤffnen, was ich von einer Person, welche lange Zeit in Hol- land dabey gearbeitet, erfahren habe: diese sagte, daß diejenigen, welche Zimmt- Naͤglein und andere Gewuͤrtzoͤle berei- teten, alle Jahre nach der Picardie rei- seten, und daselbst eine Anzahl Stuͤck Weine einkauften: wann sie nun die- selben erkauffet, oͤffneten sie den Spund, schuͤtteten eine Bouteille voll von einem liquore composito darein, und liessen die Bouteillen oben auf dem Weine stecken, welche gantz gewiß innerhalb 24. Stun- den mit dem reinsten und subtilsten vom Wein angefuͤllet waͤren, die naͤhmen sie mit sich hinweg, nach Holland, um sie zu ihrem Behuf zu gebrauchen. Diß aber ist hierbey als etwas recht wunder- liches zu bemercken, daß der Wein, da- rein sie den liquor geschuͤttet, und eine gleiche Quantitaͤt Spiritus herausgezo- gen, also garstig und stinckend wird, daß man ihn wegschuͤtten und die Vasse ver- brennen muß, alldieweil kein anderer Wein wiederum kan drauf gezogen wer- den. Jch haͤtte diese Historie, die ich selbst fuͤr ein Maͤhrlein gehalten, hie- selbst nicht vorgebracht, wann nicht die Person, die mir dieselbe erzehlet, ein/ auf- richtiger Mensch waͤre, dem man trau- en duͤrffte: er sagte mir uͤberdiß, daß es etwas rares waͤre, wenn uns die Hol- laͤnder das Zimmtoͤl, so natuͤrlich, wie sie es ausgezogen, zusendeten, sondern sie vermischeten es mit einem sehr wohl gereinigten und uͤber das Weinsteinsaltz gezogenen Weingeist. Dieses hat et- liche Materialisten zu Paris veranlas- set, es nach zu machen, ist ihnen aber so wohl gelungen, daß sie, da sie eine Un- tze Oels zu haben vermeinten, nicht ein- mahl eine halbe hatten, welches nicht wenig betraͤgt, indem es eine der kost- barsten Wahren ist, die wir haben. Doch ist noch etwas gutes, daß man die Schel- merey auf zweyerley Weise erkennen kan. Denn erstlich, so kleine Blaͤslein in den Flaͤschlein sind, zeigen selbige an, daß Feuchtigkeit darinne: hernach- mahls darff man nur eine Messerspitze drein tuncken, und ans Licht halten, so wird es alsofort, dafern nur ein wenig Weingeist drunter ist, Feuer fangen, welches das reine Oel nicht thut, sondern nur verrauchet. Und dieses reine Oel kan man mit Fug und Recht die Essentz Essentz oder Quintessentz des Zimmts. und Quintessentz des Zimmets nen- nen, welche zu allen, dazu sie erfordert wird, dienlich ist. Auch ist dieses, so wohl als der Caneel selbsten, eine der trefflichsten Hertzstaͤrckungen, und diß die Ursach, warum die Teutschen, Holl- und Englaͤnder so viel davon verthun. Ohne das Zimmtoͤl lassen wir auch Zimmtwasser von Marseille kom- men, welches auf unterschiedliche Arten zubereitet wird: denn etliche nehmen nur schlecht Wasser dazu, andere aber weissen oder blancken Wein, oder auch Rosen- oder Melissenwasser. Andere brauchen an statt des Weins Brannt- wein, und Wein- oder Zimmt- Spiritus, und ziehen im Marienbade einen weis- sen truͤben liquor, wie Buttermilch her- uͤber, der aber, wenn er einige Zeit ge- standen, sich klaͤret, und so lauter als Brunnenwasser wird. Was dieses frisch abgezogene Wasser so tꝛuͤbe macht, ist das wenige rectificir te und verduͤnnte Oel, dessen Theilgen sich im Wasser durch eine fermentation und Jaͤhrung dergestalt ausgebreitet, daß sie zwar nicht moͤgen vermercket werden, doch aber mit der Zeit sich wiederum vereini- gen Der Spezereyen und Materialien gen und zu Boden fallen: denn dieses ist des Zimmetoͤles Eigenschaft, daß es sich in diesem liquor als wie kleine Kuͤgel- gen zu Boden setzt. Das Zimmtwasser wird denen zur Geburt arbeitenden Weibern sehr ofte eingegeben, dieweil es ein trefflich staͤr- ckendes Mittel ist, das den Magen staͤr- cket, und die Ausfuͤhrungen befoͤrdert: man nimmt es ingleichen wider die boͤse Luft, und zu Wiederbringung der na- tuͤrlichen Waͤrme ein. Es bereiten etliche aus Zucker und Zimmtwasser eine Art kleiner Kuͤchlein, Elæosaccha- rum. so die Alten Elæosaccharum genennet; al- lein diese Kuͤglein sind nicht so gut, als die vom Zimmtoͤl und gestossenen Zu- ckerkant gemacht- und wie kleine Pillen formirten, welche hernach zum Ge- brauch aufgehebet werden, denn dieses Oleosaccharum mag gar fuͤglich in allen hertzstaͤrckenden liquoribus und Saͤften aufgeloͤset werden. Zimmtsyrup. Wir lassen auch Zimmtsyrup von Montpellier kommen, welcher nichts anders ist, als eine Zimmt-tinctur, die mit Zucker so lange, bis sie als ein Sy- rup dicke worden, gekochet, und mit ein wenig Zimmtoͤle angemachet ist. Die- ser Syrup hat schier eben die Tugenden, als wie das Zimmtwasser, wenn er in weissem Wein oder einem andern be- qvemen Safte eingenommen wird. Uberdis verkauffen wir auch noch ei- ne Zimmt-Tinctur, deren Kraft und Staͤrcke durch die zugesetzten Gewuͤrtze, als da sind, Naͤglein, Muscatblumen, langer Pfeffer, kleiner Alant, Jngber, Coriander, Mosch und Ambra, verstaͤr- cket werden. Alles dieses zusammen wird groͤblich zerstossen, und in einer wohlverwahrten Flasche, mit gutem Weingeist erfuͤllet, in den Hundstagen an die Sonne gestellt, und alsdann un- ter dem Titel rothe Hipprocras-Es- roth und weisse Hip- pocras-Es- sentz. sentz verkaufft. Wenn diese Essentz un- ter Wein, darinnen Zucker zerlassen, und darauf durchgeseihet, und clarifici- ret worden, geschuͤttet wird, vermag sie denselben in einen recht guten Hippo- cras zu verwandeln. Wer eine weisse Hippocras-Essentz zurichten will, darff nur die rothe Essentz im Sande oder im Marienbade distilli- ren. Allein man muß sie mit gnugsa- mer Vorsichtigkeit gebrauchen, denn sie sich gar zu sehr vermehret; wann also mehr, dann sichs gebuͤhret, genommen wird, macht sie den Wein dermassen un- angenehm, daß er nicht kan getruncken werden. Hierbey ist zu mercken, daß wenn die- se Essentz recht zugerichtet worden, sie besser sey, wenn sie alt, als wenn sie noch frisch ist; doch muß sie wohl verwahret werden, sonst verfleucht zu viel. So kan man auch aus dem Zimmt einen Zimmt-Ex- tract und Saltz. Extract und Saltz bereiten, allein, weil sie nicht gar zu gebraͤuchlich sind, dan- nenhero haben wir auch nichts nicht da- mit zu thun. Das dritte Capitel. Vom Mutterzimmt. C Assia lignea ist ebenfalls die andere Rinde von dem Stamme und Aesten gewisser Baͤume, die denen, welche den Caneel tragen, ziemlich aͤhnlich sind. Diese Baͤume wachsen unter den an- dern Zimmttragenden Baͤumen. Und mit diesem Zimmt ist es eben, wie mit dem andern Zimmt beschaffen, denn ie feiner die Rinde, ie schoͤner die Farbe, ie lieblicher, beissend- und aromatischer er schmeckt, ie hoͤher wird er gehalten. Er mag aber gleich noch so gut seyn, den- noch ist er gar weit von dem Caneel un- terschieden, indem er ein schleimichtes Wesen im Munde hinterlaͤßt, welches an dem Caneel nicht zu verspuͤren. Die Caßia wird selten in der Artzney gebraucht, so wuͤrde auch der Vertrieb gar schlecht seyn, wenn sie nicht von ih- rer vielen an statt des Caneels verkaufft wuͤrde: welches aber eine purlautere Betruͤgerey, so wohl, weil ein Pfund Caneel so viel kostet, als vier Pfund Caßia, als auch, weil diese nicht wie je- ner beschaffen ist. Die Caßia wird zum Theriac genommen, und darff nur, wie sie anietzo beschrieben, seyn; da man im Gegentheil diejenige verwerffen soll, welche wie breite, dicke Rinden ist, nicht besser als Holtz schmeckt, und folglich zu nichts nicht taug. Von den Blaͤttern, Bluͤte und Fruͤch- ten des Mutterzimmts habe ich gar nichts erfahren koͤnnen. Das TAB XXIV. Näglein Zimmt. Fig. 115. p. 161. Weisser Zimmt. Fig. 114. p. 161. Zimmt. Fig. 112. p. 153. Wilder Zimmt. Fig. 113. p. 155. Alraun. das Weiblent. Fig. 118. p. 168. Alraun das Männlein. Fig. 117. p. 168. Hauptbeschreibung ersten Theils viertes Buch. Das vierte Capitel. Vom weissen Zimmt. D Er weisse Zimmt/ den etliche Co- stus albus, Costus corticosus und cor- ticus, auch Cortex Wintheranus nennen, weil ihn Wilhelmus Winther zu erst Siehe Fig. 114. nach England gebracht, ist die Rinde von dem Stamm und Aesten eines Baumes, der so groß, als bey uns die Birnbaͤume sind. Die Aeste sind duͤn- ne, hoch und gerade, uͤber und uͤber mit Blaͤttern besetzet, welche den Kellerhals- Blaͤtteꝛn nicht ungleich sehẽ, ohne daß sie viel zaͤrter und zaͤher, von Farbe meer- gruͤn sind, und trefflich angenehme rie- chen: nach diesen waͤchst die runde uͤber- aus schoͤne rothe Frucht. Dieser Baum waͤchst zu S. Domingo auf Guada- lupa haͤuffig, bevoraus an trucknen und steinichten Orten: auch finden sich sei- ner die Menge auf der Jnsul S. Lau- rentius oder Madagascar, woselbst sie Fippi genennt werden. Wir pflegen auch den weissen Costus weissen Zimmt zu nennen, wegen der grossen Gleichfoͤrmigkeit, die er mit der Canela Matto hat, dann, wann die Farbe und der Geschmack nicht thaͤte, wuͤrden gar wenig Personen sie von ein- ander scheiden koͤnnen. So rar und seltsam diese Rinde vor diesem war, so ge- meine ist sie anietzo, welches einige lieder- liche Leute, die ich nicht nennen mag, ver- anlasset, dieselbe zu stossen, und an statt der Muscaten, denen sie am Geschmacke ziemlich nahe kommt, unter die vier Spezereyen zu mengen. Eben diese Rinde ist es, welche die Apothecker, wie- wohl gantz ungereimt, fuͤr den Arabi- schen Costus, der oben beschrieben, aus- geben und gebrauchen, ihm auch des- Costus Indi- cus. halben den Namen Costus Indicus bey- geleget haben, welches aber wider die gesunde Vernunft, indem der Jndia- nische Costus, wie bereits oben ange- mercket, eine uns bey nahe gantz unbe- kannte Wurtzel, dieser aber eine Rinde ist, der man gar leicht habhaft werden kan. Ob nun schon dieser weisse Zimmt einen heissen, beissenden und gar aroma- tischen Geschmack hat, und deswegen mit trefflichen Kraͤften begabet ist, den- noch wird er von erfahrnen und recht- schaffenen Leuten nicht viel gebrauchet, und daher auch wenig zur Artzney ge- nommen. Nichts desto minder, und weil ihrer etliche seiner moͤchten benoͤ- thiget seyn, will ich sagen, daß man den erwehlen muͤsse, welcher als wie feine zarte Rinden ist, die aussen und innen weiß, das ist, von der oͤbersten Schale, welche dicke, grau und hoͤckricht ist, und scharff und beissend schmecket, gereiniget sind, und wie Mußkaten schmecken. Diese Rinde wird wider den Schar- bock uͤberaus dienlich zu seyn erachtet. Auch haben etliche diesem Costus den Namen Jndianische Rinde beygele- Jndianische. Rinde. get. Bey grosser Hitze rinnet aus dem Stamme dieses Baumes ein schwaͤrtz- lichtes, feistes, starckriechendes Gummi, welches etliche Materialisten Gummi Gummi A- louchi. Alouchi nennen, und es bald an statt des Epheugummi, bald fuͤr das Bdelli- um verkauffen, so aber unschwer zu mer- cken, indem das Gummi hederæ trucken, klar und durchsichtig seyn soll, das Bdel- lium aber fast wie das Arabische Gum- mi siehet, ohne daß sichs nicht im Was- ser aufloͤsen laͤßt: hingegen ist das Gum- mi Alouchi klebricht, vielfarbicht und haͤßlich. Die Einwohner der Jnsul S. Lau- rentius, vornehmlich die zu Galembu- la, brauchen dieses Gummi Alouchi, welches sie Litemanghits zu nennen pflegen, zu ihrem Rauchwerck, weil sein Geruch nicht eben allzu unannehmlich ist. Das fuͤnffte Capitel. Vom Relcken-Zimmt. D Er Naͤgleinzimmt, Capelet, Bois de Crabe, den wir gantz unrecht Naͤg- Siehe Fig. 115. leinholtz nennen, ist die andere Schale von dem Stamme und Aesten eines Baumes, dessen Blaͤtter den Lorbeer- blaͤttern aͤhnlich genug sehen. Nach diesen kommen ein Hauffen runde, ca- stanienbraune, sehr leichte Fruͤchte, in Groͤsse der Gallaͤpfel, in denen, wenn sie zerschlagen werden, eine gewisse Art L Kerne Der Spezereyen und Materialien Kerne anzutreffen sind. Diese Frucht hat einen Naͤglein-Geruch und Ge- schmack, welches den Alten Anlaß gege- Naͤgleinnuß, Nuß von Madagascar. ben, dieselbẽ Naͤgleinnuͤsse oder Nuͤsse von Madagascar zu nennen, weil die- ser Baͤume die Menge auf der Jnsul Laurentius/ allwo sie Ravendsora, und die Frucht Rao-Ravendsora ge- heissen wird, zu finden ist. Sie wird auch in Brasilien gefunden, und von den Portugiesen nach Lissabon, von dannen wir sie insgemein bekommen, Cravo de Marenhan. gebracht, und Cravo de Marenhan genennet. Das Naͤgleinholtz, oder vielmehr die Naͤgleinrinde/ weil sie wie Naͤglein schmeckt und riecht, ist ietziger Zeit so sehr im Brauch, daß wenig Tabuletkraͤmer sind, die sie nicht, klein zerstossen, fuͤr ge- stossene Naͤglein verkauffen solten, und dahero rechtschaffenen Handelsleuten grossen Schaden thun, weil die gestosse- nen Naͤglein wohl vier bis fuͤnffmahl so theuer sind, als diese Rinde. Sie ver- kauffen dieselbe auch gantz an die Buͤr- ger und Pastetenbecker, und bereden sie, es sey die Rinde des Naͤgleinholtzes, wel- ches doch die Unwahrheit, sintemahl die Naͤglein nirgend anders woher, als aus der Jnsul Ternate kommen, diese Rin- de aber kommt aus Brasilien, und der Jnsul S. Laurentius oder Mada- gascar. Weil nun diese Rinde so vielfaͤltig ge- brauchet wird, deswegen will ich sagen, man solle diejenige erwehlen, welche von der ersten Schale, die insgemein grau und hoͤckricht ist, gesaubert worden, tan- netfarben siehet, sehr zarte ist, und einen beissenden, scharffen aromatischen Ge- schmack hat: mit einem Worte, die dem Geschmack der Naͤglein, so viel nur im- mer moͤglich, beykomme. Auch mag man Achtung geben, daß sie nicht mo- dricht rieche, oder die Buͤndel mit dicken Rinden, welche weder Geschmack noch Geruch haben, verfaͤlschet seyen, welches sich gar ofte zutraͤgt. Diese Rinde wird gar nicht zur Artz- ney gebraucht, es muͤste denn von sol- chen Leuten geschehen, die eine Tinctur mit Brantwein oder Weinspiritus dar- aus ziehen, und dieselbe ungescheut un- ter dem Titel Naͤgleintinctur oder Essentz verkauffen. Die Zuckerbecker nehmen sie an statt der Naͤglein, und machen davon ihre also genañten uͤber- zogenen Naͤglein. Weil diese Wahre in kleinen Koͤrben, die aus Rohr gemacht, und mit Blaͤt- tern, welche gar angenehme anzusehen, umwickelt sind, zu uns kommen, als ha- be fuͤr gut angesehen, zu vermelden, daß diese Blaͤtter dasjenige seyn, welche der P. Plumier Arum hederaceum foliis bi- sectis, rigidis, scutatis, d. i. Arum mit star- cken, gefaltenen und gespaltenen Blaͤt- tern nennet. Wer mehr davon zu wis- sen begehret, mag seine Zuflucht zu sei- nem Buche nehmen, dann er es da- selbst weitlaͤufftig beschrieben. Mir aber beduͤnckte nicht thunlich zu seyn, seinen ziemlich langen Discurs hier anzufuͤh- ren, da ohnediß diese Blaͤtter nicht den geringsten Nutzen haben, wir uns auch deshalben nicht im geringsten drum be- kuͤmmern. Das sechste Capitel. Von der Quinquina. D Je Quinquina/ China China/ Peruvianische oder Fieber-Kin- de, ist die aͤusserste Rinde des Stammes und der Aeste von verschiedenen Baͤu- men, welche haͤuffig in Peru wachsen, von dannen die Quinquina nach Cadix und zu uns gebracht wird. Weil ich niemahls in Peru gewesen, und diesemnach von denen Baͤumen, welche die Quinquina tragen, nichts ge- wisses melden kan, darum nahm ich mei- ne Zuflucht zu dem Herrn Bernard, einem koͤniglichen Medico, welcher ein rechtschaffener Mann, auch was die Kenntnuͤß der Simplicium betrifft, sehr curieus ist, der dann so gefaͤllig war, und mir eine Beschreibung der Quinquina mittheilete, die ihm der Herr Kinssot, ein Medicus zu Rheims, gegeben, wel- cher sie von einem seiner guten Freun- de, Namens Gratian, so vier und zwantzig Jahr in Portugall gewesen, und zu vielen mahlen nach Jndien und Peru gereiset, bekommen. Diese lau- tet also: Die TAB. XXV. Quͤinquina Fiebr rinde. Fig. 116. p. 165. Virginianische Schlang Natterwuͤrtz. Fig. 34. p. 54. Thee Fig. 124. p. 175. Gelb Holtz. Fig. 110. P. 147. Mechoacara Wuͤrtzel. Fig. 44. p. 67. Hauptbeschreibung ersten Theils viertes Buch. Die wahrhafte Beschreibung der Quinquina. Die Quinquina ist die Rinde eines Baumes, der in der Peruvianischen Landschaft Quito, auf den Bergen bey der Stadt Loxa waͤchst. Dieser Siehe Fig. 116. Baum ist bey nahe so groß, als ein Kirschbaum, hat runde, zackichte Blaͤt- ter, traͤgt eine lange rundlichte Blume, daraus entstehet eine Art Schoten, in denen ein Kern, wie eine Mandel, platt und weiß, mit einer gantz geringen Schale bedecket, zu finden. Die Quin- quina, die zu unterst an den Gebirgen waͤchst, ist die dickste, weil sie die aller- meiste Nahrung aus der Erde zeucht; ihre Rinde ist platt, von aussen weißlicht- grau, inwendig licht-tannetbraun. Die oben auf den Bergen waͤchst, derselben Rinde ist viel zaͤrter, doch ist sie rauher, auswendig viel braͤuner, inwendig einer gantz hohen Farbe. Die Baͤume aber, die mitten auf diesen Gebirgen wachsen, haben eine noch viel braͤunere aufge- sprungene Rinde: doch alle mit einan- der sind bitter, wiewohl die unten an den Bergen wachsen, nicht so sehr, als wie die andern. Hieraus nun folget, daß diejenige Quinquina, die an niedrigen Orten waͤchst, die schlechteste sey, weil sie mit allzu viel irdischen und waͤßrichten Theilgen uͤberladen, hergegen sey die- jenige, die zu oberst waͤchst, viel besser; die allerbeste aber, die mitten auf den Bergen waͤchst, indem sie weder zu viel, noch zu wenig Nahrung hat. Es giebt noch eine Gattung Quin- quina, welche von dem Berge Potosi kommt, und viel braͤuner, aromatischer und bitterer ist, weder die vorhergehen- den: sie ist aber auch viel rarer. Die Quinquina soll, ohne die andern Beschaffenheiten, die man an ihr be- mercket, schwer seyn, eines dichten We- sens, trucken und derb: so muß man auch Acht haben, daß sie nicht verfaulet, oder vom Wasser durchzogen sey, oder staubicht, wenn man sie zerbricht, oder voll Unrath und kleiner Stuͤcklein, der- gleichen sich gemeiniglich an den Boden der Cerons, darinne sie kommt, befindet. Desgleichen soll derjenigen der Vorzug gelassen werden, welche aus kleinen zar- ten Rinden bestehet, die aussenher schwaͤrtzlicht sind, und hoͤckricht, wie das Chagrinleder, mit etwas Moos oder kleinen Blaͤttlein des Farnkrautes be- streuet, inwendig roͤthlicht, eines gar bittern unangenehmen Geschmacks. Dagegen soll man die verwerffen, wel- che fasicht ist, wenn sie zerbrochen wird, und leibfarben siehet, eben so wohl als diejenige, welche zimmtfarben ist, ob sie gleich von denen, die eine schlechte Wissenschaft davon haben, weit hoͤher geachtet, und denen andern vorgezogen wird, weil sie viel besseres Kauffs ist, denn die schwartze. Auch mag man zu- sehen, daß keine Spaͤne vom Baume, die oftmahls an der Rinde behangen bleiben, darunter gemischet sind. Diese Rinde wurde erst im Jahr 1650. durch den Cardinal Lugo, ei- nen Jesuiten, der sie selbst aus Peru gebracht, in Franckreich eingefuͤhret, und war in so grossem Ansehen, daß man sie gegen gleich so schwer Gold aufwoge: allein die Menge, welche die Spanier und wir aus Peru kommen lassen, hat ihren Preiß um ein gutes vermindert. Die Quinquina wird zu Vertrei- bung der Fieber gebraucht, sie mag nun in substantia oder in infuso gebrauchet werden. Weil es aber ein Mittel, das noch nicht von iederman an- und aufge- nommen worden, auch nicht, als zu rech- ter Zeit, mit Nutzen kan gebrauchet werden, deswegen rathe ich niemand, es ohne Beystand erfahrner Leute zu gebrauchen. Die hohe Eigenschaft, welche die Spa- nier der Quinquina in Veꝛtreibung des Fiebers zugeschrieben, hat verursachet, daß sie ihr sowohl, als dem Holtze, den Namen Palo de Calenturas, d. i. Fie- berholtz, gegeben. Was die Quinquina, die gestossen gekaufft wird, betrifft, davon kan ich keinen bessern Bericht geben, als daß man sie bey rechtschaffenen Leuten kauf- fe, und nicht auf den Preiß sehe; doch muß sie durch ein zartes Sieb gestaͤu- bet seyn. Aus der Quinquina wird mit distil- lirtem Nußoͤl uͤbern Feuer ein Extract Extractum und gemacht, der ein trefflich febrifugum, Mittel wider das Fieber ist, von 12. bis zu 30. Gran, als Pillen, oder in Wein zerlassen, eingenommen. Auch kan man ein Sal fixum daraus Sal Quinqui- næ. L 2 ziehen, Der Spezereyen und Materialien ziehen, wenn man sie verbrennet, wel- ches ein herrlich aperitivum, und eroͤff- nend Mittel, uͤberdiß zu viertaͤgigen Fiebern uͤberaus dienlich ist: es wird von 10. bis zu 20. Gran in einem dienli- chen liquor eingenommen. Von der Quinquina dem Weiblein. Der Herr Bourdelot hat mir eine Quantitaͤt Quinquina verehret, wel- che wie Caneel gestalt, aber viel blasser von Farbe und anfangs ohne Geschmack ist, giebt aber im Augenblick eine ziem- lich unangenehme Bitterkeit von sich. Es hat sie der Hr. Legros im Jahr 1670. aus Peru gebracht. Die Jndianer giessen kalt Wasser auf zwey Gran, und brauchens also. Und mir bedunckt, es sey dasjenige, was die Jndianer Falsa- kaskarina zu nennen pflegen. Das siebende Capitel. Von der Allraunwurtzel-Rinde. D Jese ist die Rinde von der Wurtzel eines Gewaͤchses, welches in zwey- erley Geschlecht, das Maͤnnlein und Weiblein, abgetheilet wird. Jch will mich aber nicht lange mit Erzehlung al- ler der vergeblichen Reden, welche die Alten von diesem Gewaͤchse gefuͤhret, aufhalten, sondern nur vermelden, daß beyderseits Allraun sehr selten um Pa- ris gefunden werde, welches denn ver- ursachet, daß die Apothecker diese und die Blaͤtter vom Venusnabel aus der com- position der Pappelsalbe weglassen muͤs- sen; welches aber ein grosser Fehler, weil diese Salbe solcher gestalt, und so bald die zwey vornehmsten Stuͤcke dar- aus gelassen werden, unmoͤglich diejeni- gen Kraͤfte, die ihr die Scribenten bey- legen, haben kan. Denn, an statt daß sie kuͤhlen solte, welches ihre vornehm- ste Tugend, verursacht sie vielmehr Hi- tze, theils, weil obgedachte beyde Ge- waͤchse dabey fehlen, theils aber, weil die Herren Apothecker mehrmahls drey und vierjaͤhriges unguentum populeum an statt des frischen zu verkauffen pfle- gen, welches doch wider aller Scriben- ten Meinung laͤufft; denn diese sagen, der Pappelsalbe Kraft daure nicht uͤber ein Jahr; wie solches aus der Apothe- ckerkunst des Herrn Bauderon, uͤber die der Herr Verni commenti ret hat, zu ersehen ist. Er redet aber am 136. Blat folgender massen: „Sie muß alle Jahr „verneuret werden, sonst verliehrt sie „mit der Zeit die kuͤhlende Kraft, und „die Hitze des Fettes uͤbersteiget die Kaͤl- „te, folglich ist sie nichts nutze.„ Sollen derowegen die Apothecker in Paris und umliegenden Staͤdten gewarnet seyn, daß sie forthin sich nicht mehr unterste- hen, diese Salbe zu bereiten, weil ihnen unmoͤglich ist, dieselbe der Gebuͤhr nach, zu verfertigen: sondern sie sollen diesel- be von Montpellier kommen lassen, woselbst sie unverfaͤlscht, und auf die Art, wie die Autores haben wollen, kan zugerichtet werden. Oder, so sie dieses nicht thun wolten, weil ihnen ohne dem nicht gebuͤhret Wahren kommen zu las- sen, solten sie diese Freyheit denen Spe- zereyhaͤndlern uͤberlassen, die es gantz gerne thun werden. Dieses waͤre auch ein Mittel, daß die Apothecker ihr Ge- wissen nicht beschweren duͤrfften, dem gemeinen Besten aber wuͤrde viel getꝛeu- licher gedienet werden. Aber wieder auf die Allraunwurtzel zu kommen, Siehe Fig. 117. und 118. diese treibt, wenn sie in der Erde steckt, gruͤne, breite, auf der Erde hinliegende Blaͤtter, und bringt Fruͤchte, welche an Groͤsse und Gestalt den Coloquinten, welche noch nicht gereiniget, sondern noch so, wie sie am Stocke stehen, sind, ziemlich nahe kommen. Von dem Un- terschiede, welcher zwischen dem Maͤnn- lein und Weiblein ist, viel zu gedencken, erachte ich nicht fuͤr dienlich, massen sol- ches allbereit von vielen Scribenten verrichtet worden, wir auch von dem gantzen Gewaͤchse nichts als die Rinde verkauffen, welche von ihrem Holtze fein wohl gereiniget, und so frisch, als nur moͤglich seyn soll: inwendig muß sie eine graue Farbe haben, und auswendig roͤthlich grau sehen, auch ihre duͤnne Schale, die ein wenig holpricht ist, fast wie das Chagrinleder siehet, oder als ob sie mit Sande bestreuet waͤre, annoch haben. Die Allraunwurtzel hat einigen Nutzen in der Artzney, denn sie zu etli- chen Galenischen compositionibus genom- men wird. Bisweilen schickt man uns zugleich Hauptbeschreibung ersten Theils viertes Buch. zugleich mit der Rinde, die Wurtzel, wie die Jalappe in Stuͤcken zerschnitten: al- lein sie ist nicht so sehr im Brauch, als wie die Rinde, weil das Hertz annoch darinnen, welches nicht mehr Kraft hat, als ein Stuͤckgen Holtz. Das achte Capitel. Vom Autour. D Jß ist eine Rinde, welche an Farbe und Gestalt dem dicken Caneel gar nahe kommt, ausgenommen, daß sie aussenher ein wenig bleichgelb, inwen- dig wie eine zerbrochene Mußkatnuß sie- het, und dabey einen Hauffen glintzern- de Fuͤncklein hat. Sie ist sehr leicht und schwammicht, fast ohne Geschmack und Geruch. Sie wird aus der Levante und Tuͤrckey nach Marseille/ und von dar zu uns gebracht. Diese Rinde wird sowohl als der Chouan zu nichts anders, denn zur Be- reitung des Carmins gebrauchet, und darff nicht anders, als wie erwaͤhnet, beschaffen seyn. Mich hat iemand versichern wollen, der Autour wuͤchse um Paris/ ja er hat mir gar eine Rinde gegeben, welche schier eben so sieht; sie schmeckt aber bit- ter, sieht eisenfarbicht, und hat keine Flittern. Jch habe durchaus nicht erfahren koͤnnen, was fuͤr ein Gewaͤchs oder Baum den Autour trage, kan derowe- gen auch nichts nicht davon berichten. Das neundte Capitel. Vom Pantoffelholtz. L E Liege, Lateinisch Suber, ist die aͤusser- ste Rinde der Baͤume, welche in Spa- nien, Jtalien, auch in Franckreich, und sonderlich in Gasconien und auf den Pyrenaͤischen Gebirgen, haͤuffig Siehe Fig. 119. wachsen. Die Blaͤtter dieser Baͤume sind von maͤßiger Groͤsse, obenher gruͤn, und unten weißlicht, rund herum aus- gezackt, worauf die Fruͤchte, wie die Ei- cheln gestaltet, folgen. Wann die Einwohner diese Wahre sammlen wollen, so zerspalten sie die Baͤume von unten bis oben aus, und ziehen die Rinde, welche das Pantof- felholtz ist, herab, legen diese hernach uͤber einander auf einen Hauffen, bis zu einer gewissen Hoͤhe, in ausdruͤcklich hierzu gemachte und mit Wasser erfuͤll- te Graͤben, beschweren sie mit Steinen, und lassen sie eine geraume Zeit also ste- hen: wenn sichs nun gnugsam gesetzet, nehmen sie das aus einem andern Gra- ben darzu, und legen es oben auf dieses, bringen also vier Graͤben in einen, las- sen hierauf das Wasser ab, trocknen das Holtz und versenden es hin und her. Man erwehle das Pantoffelholtz in schoͤnen Taffeln, die fein dichte, ohne Knorren und Spalten sind, von mittel- maͤßiger Dicke, aussen und innen gelb- graulicht, die auch fein dichte sind, wenn sie zerbrochen werden. Dieses Pan- toffelholtz nennen wir insgemein weisses oder Frantzoͤsisches Pantof- Weisses Pan- toffelholtz. felholtz, weil diese Gattung in Gui- enne, vornehmlich um Bayonne/ zu- bereitet, und schier alles, was wir sehen, daher gebracht wird. Es werden auch noch andere Sorten Pantoffelholtz von eben diesen Orten gebracht, welche wir Spanisches Pan- Schwartzes oder Spani- sches Pantof- felholtz. toffelholtz zu nennen pflegen, und, wenn es beschaffen ist, wie es soll, gleich- falls leichte ist, aussenher schwartz, und als ob es verbrannt waͤre, inwendig gelblicht siehet, laͤßt sich leichtlich zerbre- chen, ist nicht loͤchricht, und muß so dich- te seyn, als immer moͤglich, denn dieses wird viel hoͤher gehalten, als das duͤnne. Mich hat ein guter Freund versichert, es kaͤme allein daher, daß dieses Pan- toffelholtz so schwartz waͤre, weil es in Seewasser geweichet worden. Sein Gebrauch ist zu bekannt; des- halben mag ich mich auch nicht dabey aufhalten: will also nur gedencken, daß etwas weniges zur Artzney gebrauchet werde, sowohl zu Stillung des Blutes, da es dann gepuͤlvert oder gebrannt in einem anhaltenden Wasser genommen wird, als auch zu Vertreibung der Milch, wenn man es den stillenden Frauen an den Hals haͤnget. Es ist auch das gebrannte Pantoffelholtz, mit ein wenig frischer Butter und Bleysaltze vermischet, gut wieder die goldne Ader. L 3 Die Der Spezereyen und Materialien Die Spanier verbrennen das Pan- toffelholtz, und bereiten ein uͤberaus leichtes Schwartz davon, welches wir Spanisch Schwartz. Spanisch Schwartz nennen, und wenn es recht gut, schwartz, leichte und ohne Sand und Gries seyn muß. Dieses Schwartz gebrauchen unterschiedliche Handwercker. Es giebt auch noch einen gantzen Hauffen Rinden, mit denen wir aber nichts zu thun haben, als da ist, die Rin- Macer, Coru und Hivou- rahé. de von dem Baum Macer, Coru/ Hi- vourahe, und andere dergleichen; aus der Ursache, weil wir gar wenig davon haben, ob es gleich herrliche Artzney- mittel sind, wie aus des Garzias ab Horto und Christoph Acosta ihren histori- schen Beschreibungen der Jndianischen Spezereyen zu ersehen, dahin der Leser mag verwiesen seyn. Hiebey wird erinnert, weil einige Personen den Macer wider den Durch- lauff verlangen, denn dazu wird er vor- nehmlich verlanget, daß ihrer etliche an dessen Stelle die Macis verkauffen, in Meinung, es sey einerley, da es doch gantz unterschiedene Dinge sind, indem Macer die Rinde eines Baumes, Ma- cis aber die Decke der Mußkatnuß ist. Ende des Buchs von Rinden. Des Ersten Theils Der Hauptbeschreibung derer Spezereyen und Materialien Fuͤnfftes Buch. Von Blaͤttern. Vorrede. D Urch die Blaͤtter verstehe ich das allererste gruͤne/ welches die Ge- waͤchse, die wir unter den Geschlechten der Baͤume, Stauden/ fruticum \& suffruticum, und Kraͤuter begreiffen, hervorstossen/ sobald nur der Fruͤhling kommt. Will also in diesem Capitel nichts als die Blaͤtter beschliessen, welche aus den Aesten der Baͤume und Stengeln der Kraͤuter entspriessen, denn sonst kein anderer Theil derselben diesen Na- men feuilles, das heißt Blaͤtter/ welchen sie von dem Griechischen Worte φύλλον, und dem Lateinischen folium, herleiten/ fuͤhren soll. Einige wol- len wohl, dieser Name koͤnne auch etlichen Blumen beygeleget werden, gestalt man insgemein Rosenblaͤtter/ Tulipanenblaͤtter, und so fort an/ zu sagen pflegt: weil ich aber dieser Ordnung zu folgen nicht gesonnen bin/ derowegen will ich in diesem Capitel allein von gruͤnen Blaͤttern/ wel- che aus den Aesten und Stengeln entstehen/ nicht aber von farbichten oder bunten Blaͤttern, die den wesentlichen Theil der Blumen ausmachen, handeln. Auch werde ich in diesem Cap. von solchen Blaͤttern reden, welche verarbeitet werden, als da ist der Tabac, desgleichen von denenjenigen/ daraus eine fecula und zartes Pulver und Saltz gezogen wird/ als wie aus dem Waid, Kali und andern/ inmassen aus folgenden wird zu ersehen seyn. Das erste Capitel. Vom Cretischen Diptam. Siehe Fig. 120. D Er Cretische oder Candia- nische Diptam ist ein Ge- waͤchs, zwey oder drey Fuß hoch, dessen Blaͤtter so groß, und fast eben als wie die Poleyblaͤtter sehen, sind oben und un- ten wollicht, und schmecken lieblich aro- matisch: nach ihnen folgen die langen violblauen Bluͤmlein, auf Art der Aeh- ren. Dieses kleine Gewaͤchs, welches sehr TAB. XXVII. Jndianisches blatt. Fig. 123 p 173. Amberkraut Fig. 122. p. 173. Berg Pol Fig. 121. p. 173. Lretischer Diptam. Fig. 120. p. 171 Pantoftel holtz. Fig. 119. p. 169. Hauptbeschreibung ersten Theils fuͤnfftes Buch. sehr lieblich anzuschauen, waͤchst haͤuf- fig in der Jnsel Candien, davon es auch den Zunamen hat erhalten. Man soll den Diptam erwehlen, wel- cher frisch ist, daran die Blaͤtter weiß, breit, weich und wollicht sind, und der einen lieblichen aromatischen Geschmack hat. Auch soll man den Diptam, der die meisten blaulichten Bluͤmlein hat, dem andern vorziehen; hingegen den wegwerffen, der kleine Blaͤttlein hat, die nicht wollicht sind, und darunter mehr kleine Hoͤltzlein und Spaͤnlein, als Blaͤt- ter befindlich. Der Cretische Diptam wird eini- ger massen zur Artzney gebraucht, weil er hitzig und aromatisch ist: er wird auch zum Theriac genommen, dazu er dann keiner andern Zurichtung von noͤthen hat, als daß er, wie gemeldet, ausgesucht, und von den Reißlein und andern Unra- the gesaubert werde. Das andere Capitel. Vom Berg-Poley. Siehe Fig. 121. P Olium montanum ist ein Gewaͤchs, des halben Fusses hoch, hat kleine, dicke, ausgekerbte Blaͤtter, die oben und unten mit einer goldgelben Wolle bele- get sind: die Bluͤmlein, welche sich wie Sternlein ausbreiten, sind goldfarben, sehr lieblich anzusehen. Dieses Kraut waͤchst haͤuffig in Pro- vence und Languedoc, auf den Ber- gen und erhabenen Qrten. Man bringt es uns in Buͤndlein zusamt demjeni- gen, welches auf der Ebene und an dem Wege, sonderlich an sandigten und trock- nen Orten waͤchst, und von jenem we- nig unterschieden ist, ohne daß es um ein gut Theil kleiner, auch nicht so gar wol- licht ist, viel bitterer schmeckt, und gantz weiß siehet. Man soll dasjenige erwehlen, wel- ches erst neulich gesammlet worden, da- ran die Bluͤmlein noch sind, und wel- ches bitter und gantz unangenehme schmeckt; nicht allein zu unterschiedli- chen composition en, sondern auch zum Theriac, da es dann keiner andern Be- reitung benoͤthiget, als daß es, wie ge- dacht, beschaffen, ingleichen so wenig weisses drunter sey, als immer moͤglich; denn dieses hat weniger Kraft, als je- nes. Das dritte Capitel. Vom Amberkraute. Siehe Fig. 122. D As Marum ist ein niedriges Ge- waͤchs, gantz lieblich anzuschauen, hat gruͤnlichte, sehr kleine Blaͤttlein, in Gestalt eines Spieseisens, einen bittern unangenehmen Geschmack, darum es auch Marum, quasi amarum, genennet worden. Nach den Blaͤttern kommen die Aehren, fast wie am Lavendel, da- raus entspriessen die purpurroͤthlichten sehr starck riechenden Bluͤmlein. Es waͤchstsehr haͤuffig auf den Hieres- inseln nahe bey Toulon, von dannen es, die sein benoͤthiget sind, moͤgen kom- men lassen. Man soll dasselbe erwehlen, welches frisch ist, einen starcken Geruch hat, und an dem die Bluͤmlein noch sitzen; das auch so gruͤne ist, als nur moͤglich. Es wird in der Medicin fast gar nicht gebraucht, es muͤste dann zu den tro- chiscis hedichroi seyn. Allein, weil die- ses Kraut bey uns gar rar, dannenhero nehmen die Apothecker an seine Stelle, den kleinen Majoran, mit dem Zuna- men Gentille, der edle. Das vierte Capitel. Vom Jndianischen Blatt. Siehe Fig. 123. F Olium Indum, Malabatrum, Thama- lapatra/ das Jndianische Blatt, oder das Blatt von Malabatra, das sind die Blaͤtter eines grossen Baumes, der insgemein in Jndien, vornehmlich gegen Cambaya zu, waͤchst. Das Jndianische Blatt ist den Al- ten eben so unbekannt gewesen, als vie- le andere Spezereyen mehr, denn ihrer etliche geschrieben, daß es in Jndien auf unterschiedenen Pfuͤlen treibend angetroffen werde. Die beste Meinung davon ist diese, daß es naͤmlich die Blaͤt- ter eines Baumes seyen, der so groß als ein Der Spezereyen und Materialien ein Castanienbaum. Nach den Blaͤt- tern kommen kleine Beeren, bey nahe wie auf dem Zimmtbaume, doch sind sie viel kleiner. An einigen Blaͤttern fin- det sich eine Art kleiner Blaͤslein, in der Groͤsse eines Nadelknopfs, welche ihrer etliche fuͤr die Frucht angeben. Jch weiß gar nicht, was die Alten bewogen, dieses Blatt zum Theriac zu nehmen, da es fast weder Geschmack noch Geruch hat. Doch will ich eben nicht sagen, daß sie deshalben zu schelten, denn es mag wohl seyn, daß dieses Blat, wenn es erst kuͤrtzlich gesammlet worden, Ge- schmack und Geruch genug habe. Al- lein, was mich betrifft, muß ich gestehen, daß ich zwar viel davon gesehen und ver- kauffet, nie aber befunden, daß es eine oder andere merckliche Kraft gehabt, welches iedennoch daher mag gekommen seyn, daß es zu alt gewesen. Dieweil ich nun nicht wehren kan, daß es ge- brauchet werde, so will ich sagen, man solle diejenigen Blaͤtter aussuchen, wel- che schoͤn, breit, gruͤn, und so wenig, als nur moͤglich, zerbrochen sind. Das fuͤnffte Capitel. Vom Thee. D Er Thee, den die Sineser und Ja- paner Cha oder Tcha nennen, sind die Blaͤtter von einer kleinen Staude, die um Peking und Nanking in ziem- licher Menge waͤchst. So waͤchst auch der Thee an vielen Orten in Japan; und dieser wird nicht nur fuͤr besser ge- halten als jener, sondern auch wegen seiner Guͤte und Vortrefflichkeit die Blume vom Cha oder Thee genennet. Es ist aber der Thee ein gruͤnes, duͤnnes Blaͤttlein/ das an dem einem Ende spitzig zulaͤufft, am andern aber in et- was rund ist, und umher ausgekerbet: mitten durch das Blat laufft ein mittel- maͤßiger Nerve, aus dem ein Hauffen Siehe Fig. 124. kleine Aederlein entstehen. Nach die- sen Blaͤttern kommen die Knoͤpfe, de- ren ieder so dicke als die Spitze des Fin- gers ist, einer gantz sonderlichen Gestalt; darinne sind zwey oder drey Fruͤchte, die wie die Arecafruͤchte sehen, zu befinden, welche auswendig und inwendig maͤuse- fahl, und einen weissen Kern, der gar leichtlich vermodert, in sich enthalten. Der Japanische Thee ist von dem Sinesischen nur darinne unterschie- den, daß er viel kleinere Blaͤtter hat, auch weit angenehmer schmeckt und riechet: weil er nun zugleich insgemein lieblich gruͤne siehet, so erhoͤhet dieser be- sondere Geruch, Geschmack und Farbe seinen Werth dermassen daß ein Pfund aufrichtiger Japanischer Thee, der so kleine Blaͤtter, und ersterwaͤhnte Farbe nebst einem angenehmen Heugeruche hat, und dabey auch wie Veilgen riecht, unter 150. bis 200. Francken nicht kan verschaffet werden. Daß also gar ein grosser Unterscheid zwischen diesem und dem Chinesischen Thee, von welchem der allerbeste iederzeit zwey dritte Theile weniger gilt. Der Thee, den uns die Hollaͤnder/ Englaͤnder und andere zufuͤhren, das sind kleine zusammen gerollte Blaͤttlein, wie wir sie verkauffen; die Art aber und Weise, den Thee zuzurichten, ist diese: wenn die Chineser und Japaner den Thee gesammlet haben, lassen sie ihn beym Feuer trocknen, so lauffen die Blaͤttlein, indem daß sie trocknen, also zusammen, wie wir sie zu sehen bekom- men. Andere aber wollen, man wicke- le sie in eine Matratze von feinem Cot- ton, und schuͤttele sie hin und her, bis sie sich erhitzen, so dann bekaͤmen sie diese Figur. Doch dem sey wie ihm sey, ich sage, daß die unterschiedenen Sorten Thee/ samt ihrem unterschiedenen Preisse, darum wir sie verkauffen, nicht daher entstehen, weil wir den guten und schlechten Thee unter einander vermi- schen, wie etwa ein neuer Scribent in seinem Buͤchlein vom Thee, Chocolate und Coffe gar uͤbel angemercket; son- dern der Geruch, die Guͤte und Schoͤn- heit desselbigen machen und verursachen den unterschiedlichen Preiß, wie nicht weniger, wenn er in Menge, oder wenn er nicht wohl zu haben, oder auch, nach- dem er vertrieben und verthan wird. Wir wissen ja aus der Erfahrung, daß die Wahren nie wohlfeiler oder theurer sind, als wenn sie haͤuffig vorhanden, oder wenn sie mehr oder weniger ver- trieben werden, nicht aber, weil sie ge- mischet worden. Denn unmoͤglich wird ein Kauffmann gemengten Thee ver- kauffen Hauptbeschreibung ersten Theils fuͤnfftes Buch. kauffen koͤnnen, bevoraus an solche Leu- te, die sich gut darauf verstehen. Uber- diß verbindet der hohe Preiß, darum der gute Thee verkauffet wird, die Kauff- leute, ihn zu geben, wie sie ihn bekom- men. Allein Mißbrauch aber vorzu- kommen, wenn ja irgend etliche so un- redlich handeln wolten, will ich vermel- den, daß man den Thee, der recht gruͤn, starckriechend, und, so viel als moͤglich, gantz ist, erwehlen, iedennoch, wie be- reits erinnert worden, den Japanischen dem Sinesischen vorziehen soll. Bey den Morgenlaͤndern ist der Thee so sehr im Brauch, daß es gar we- nig Leute giebet, die sich desselbigen nicht bedienen solten. So war er auch vor etlichen Jahren in Franckreich dermas- sen braͤuchlich, daß wenig vornehme Leute oder wackere Buͤrger waren, die ihn nicht gebrauchet haͤtten. Seit dem aber der Coffe und die Chocolate bekañt worden, wird er schier gar nicht mehr gebraucht. Was seine Tugenden be- trifft, von denen will ich nichts geden- cken, sondern den Leser an die Buͤcher, welche die Herren du Four und Blegny da- von geschrieben, verweisen. Dieses Capitel habe nicht beschliessen wollen, ohne von der Blume des Thees zu handeln: denn es hat mir eben dieselbe Person, welche mir die Blaͤtter gegeben, zu einer Zeit auch ei- ne Art Thee verehret, welche von dem gemeinen Thee gantz und gar unterschie- den. Diese ist schwartzbraun, und hat viel ehe die Form einer Blume, als ei- nes Blattes: und dieser Thee, es sey nun ein Blatt, oder eine Blume, wird von den Hollaͤndern also hoch geschaͤtzt, daß sie ihn gegen gleiches Gewichte Gold verkauffen, entweder, weil sie dessen gar wenig haben, oder aber, wegen seines angenehmen Geschmacks und Geruchs, den er, sonderlich, wenn er noch frisch ist, hat, und in diesem Stuͤcke auch den wahrhaften Japanischen uͤbertrift. Was anlanget, daß etliche vorgeben, wir haͤtten in Europa den Thee viel wohlfeiler als in Japan und China, solches ruͤhret daher, daß ihn die Hol- laͤnder gegen Salbey eintauschen, in welche die Sineser und Japaner so sehr verliebet sind: welches auch aller- dings mit allem Recht geschicht, massen wir kein eintziges Kraut haben, das mit so herrlichen Tugenden begabet waͤre, als die kleine krausse Salbey, sie wuͤr- de auch viel hoͤher geschaͤtzet werden, wo- fern sie nur in Jndien wuͤchse. Weil sie aber bey uns zu gemeine ist, deshal- ben achten wir ihrer so wenig, als etwa jenes Lateinische Sprichwort: cur mo- rietur homo, quando crescit Salvia in hor- to? Je warum solte denn der Mensche sterben, wann die Salbey im Garten waͤchst? Darff sich also niemand be- fremden lassen, wenn die Japaner und Sineser den Thee gegen die Salbey ver- tauschen. Auch habe ich nicht unterlassen koͤn- nen, denjenigen Jrrthum, darein der Autor oberwehnten Buͤchleins gera- then, zu widerlegen: denn er saget am 14. Blat gemeldten Buͤchleins, er habe einem Kauffmanne, der nach Jndien zu Segel gehen solte, gebeten, daß er ihm doch den schwartzen Theesamen, aufs beste verwahret, mitbringen moͤchte, ob es vielleicht moͤglich waͤre, denselben gleichfalls in Franckreich aufzubrin- gen. Allein er ist gar uͤbel berichtet, denn die Fruͤchte des Thees sind, als schon gesagt, der Arecafrucht gleichende Fruͤch- te, in Groͤsse eines Paternosterknopfs, oder noch besser zu reden, wie eine zer- spaltene Eichel, welche selb dritte mit ei- ner duͤnnen castanienbraunen Schale bedecket ist. Jch haͤtte das Gegentheil nicht gehalten, wenn ich nicht selbst die Frucht, die mir aus Holland gesendet worden, in Haͤnden haͤtte, und in dieser Meinung, theils durch Gegenhaltung derjenigen Frucht, welche der Herr Tournefort besitzet, bestaͤtiget, theils aber von eben diesem Manne, als einer Person, auf die man sich verlassen kan, dessen versichert worden waͤre. Obgemeldter Autor mercket auch an, daß aus dem Thee ein Syrup wider das Fieber koͤnne bereitet werden, legt ihm auch treffliche Eigenschaften bey: die ihn nun verlangen, moͤgen ihre Zuflucht zu dem Tractat, den er davon verfer- tiget hat, nehmen. M Das Der Spezereyen und Materialien Das sechste Capitel. Von den Sennesblaͤttern. L E Sené, Sennet oder die Sennes- blaͤtter, denen etliche den Namen des orientalischen Blattes gegeben, sind die Blaͤtter eines Gewaͤchses, oder vielmehr einer Stauden, welche ohnge- fehr eines Fusses hoch ist, und in Levan- te, auch selbst in Europa an vielen Or- ten waͤchst. Das Gewaͤchs oder die Staude, so den Sennet traͤgt, treibt, wenn es an- noch in der Erde steckt, Blaͤtter hervor, die mehr oder weniger gruͤn sind, und unterschiedliche Gestalt haben, nachdem sie naͤmlich einen Geburtsort gehabt, inmassen aus folgenden zu ersehen. Nach den Blaͤttern kommen kleine pur- purfarbichte Bluͤmlein, wie Sternlein, und auf diese, die duͤnnen, platten Scho- Siehe Fig. 125. ten; in beygefuͤgter Figur; darinne be- finden sich fuͤnff oder sechs kleine Sa- menkoͤrnlein, die ebenmaͤßig platt, und an dem einen Ende breit, am andern aber zugespitzt sind. Die Schoten wer- Sennes- schoͤtlein. den folliculi Sennæ, Sennesschoͤtlein geheissen. Dieweil die Sennesblaͤtter in so gros- ser Menge verthan werden, und dan- nenhero bey uns gantz gemeine sind, des- halben will ich erinnern, daß wir sie in drey Sorten abtheilen, naͤmlich, in die Siehe Fig. 126. von Palte oder Alexandria/ von Tri- polis und von Mocca; wie auch, daß unter diesen dreyen Gattungen noch vie- lerley Arten sich befinden, welches doch blos von den unterschiedenen Orten, all- wo sie gebrauchet worden, herruͤhret: wie man dann gar oͤfters siehet, daß ein Gewaͤchse sich an Blaͤttern, Blumen und Fruͤchten veraͤndert, nachdem der Boden, darinne es erbauet worden, be- schaffen ist. Diesemnach sind die schoͤnst- und besten Sennesblaͤtter, welche von Alexandria kommen, und deswegen Alexandrinische genennet werden, in- Siehe Fig. 127. gleichen, Sennesblaͤtter aus Levan- te oder de la Palte, weil alle Sennesblaͤt- ter, die aus Levante und des Groß-Tuͤr- cken Landen kommen, Zoll, welches auf Frantzoͤsisch Palte heißt, bezahlen muͤssen. Man soll die Sennesblaͤtter de la Palte aussuchen, welche fein schmal und nicht gar zu uͤbrig groß, wie ein Spies- eisen gestalt, gelb von Farbe, sehr starck riechend, sanft anzufuͤhlen, und nicht zerknickt sind, unter denen auch so we- nig als moͤglich, Stiele und verdorrte Blaͤtter samt anderem Unrath zu befin- den. Diese Beschreibung der Sennes- blaͤtter wird ohne Zweiffel denen gar laͤcherlich vorkommen, welche sie nicht eben allzu wohl kennen, sondern vorge- ben, die guten Sennesblaͤtter muͤsten groß, breit und gruͤne seyn. Allein das ist mein Trost, daß ich versichert bin, es werden diejenigen, die die Sennesblaͤt- ter genauer kennen, meinem Vorbrin- gen nicht widersprechen. Solte aber auch die grosse Menge der Sennesblaͤt- ter, die durch meine Hand gehen, nicht zulaͤnglich seyn, mir eine recht gewisse Kenntnuͤß dererselben zu verschaffen, so besitze ich eine gantze Pflantze, welche mir von Aleppo zukommen, und dasje- nige, was ich vorgebracht, bestaͤtigen kan. Der Gebrauch der Sennesblaͤtter ist so gemeine, daß ohnnoͤthig, mich lan- ge dabey aufzuhalten, indem doch ieder- man bekannt, daß sie ein sehr gut Pur- girmittel sind. Die andere Sorte, die wir Sennes- blaͤtter von Tripoli oder Seyde heis- sen, sind die gruͤnen Sennesblaͤtter, die wir auch zuweilen verkauffen, und un- ter denen sich, wiewohl gar selten, solche befinden, welche denen de la Palte an Kraͤften ziemlich nahe kommen. Sie sind ziemlich rauh, und haben schier kei- nen Geruch, zum Vergelt aber sind sie von unverstaͤndigen Leuten ihrer gruͤ- nen Farbe halber gar wohl aufgenom- men worden. Wiewohl anietzo ist die- se Gattung bey uns ziemlich rar, sinte- mahl in Franckreich verboten worden, sie einzufuͤhren: und um deswillen sind die Blaͤslein und Stiele um ein gutes theu- rer, als vor 15. Jahren, weil sich unter diesen Sennesblaͤttern eine grosse Men- ge derselben befunden. Die dritte Art sind die von Mocca/ welche die Landkramer Senne de la pique, spitzige Sennesblaͤtter nennen, indem es lange und sehr schmale Blaͤttlein sind, die noch einmahl so lang, als die rechten Sennesblaͤtter aus Levante. Allein die uͤble Beschaffenheit dieser Blaͤtter ver- Hauptbeschreibung ersten Theils fuͤnfftes Buch. verursachet, daß ich nichts davon nicht sagen kan, denn daß sie gaͤntzlich sollen verworffen werden, dieweil sie gar zu nichts taugen, welches denn auch ver- wehren solte, daß sie weder eingefuͤhret, noch von den Kauffleuten verkauffet werden duͤrfften. Die Sennesschoͤtlein belangend, dererselbigen gute Beschaffenheit solte wohl billich die Aertzte verpflichten, sie oͤfters als geschicht, zu gebrauchen; denn sie uͤberaus sanfte purgiren, auch den Medicamenten bey nahe weder Geruch noch Geschmack geben, welches bey den Blaͤttern gerade das Wiederspiel, in- dem sie einen so widerlichen Geschmack machen, daß viel Leute, wegen des Ge- schmacks und Geruchs der Sennesblaͤt- ter, die Artzney zu nehmen verweigern. Man muß aber diejenigen Sennes- schoͤtlein aussuchen, welche fein dicke, groß und gruͤn sind, in denen auch der Samen recht voͤllig und dicke ist, den Rosinenkernen bey nahe gantz aͤhnlich, ausser daß er viel platter. Hingegen sollen die schwartzen, und die zurissenen, in denen die Kerne ausgedorret, ver- trocknet und schimmlicht, weggeworf- fen werden, denn sie sind durchaus nicht tuͤchtig, daß sie ein Mensche zu sich neh- me, weil sie nicht allein zu alt, sondern auch zum oͤftern in Seewasser geweichet worden sind. Ausser diese Sorten der Sennesblaͤt- ter und dererselben Blaͤslein verkauf- fen wir auch noch den Staub und Un- rath davon, wiewohl es nicht recht ist, denn es ist den mehrern Theil nichts als Erde und die Blaͤtter eines Krau- tes, welches die Tabuletkramer Ourdon nennen, und entweder sich von ungefehr darunter befindet, oder mit Fleiß unter die Sennesblaͤtter in die Kuͤsten und Ballen gethan worden ist. Dieses aber solte aufs schaͤrffste verbo- ten werden, nicht nur wegen der uͤbeln Beschaffenheit dieser Blaͤtter, sondern auch, weil vielen liederlichen Gesinde da- durch Anlaß gegeben wird, allerley Lumperey drunter zu mengen, und der- gestalt aus einer Wahre, die nicht werth ist, daß man sie von der Erde aufhebe, Geld zu machen. Andere verkauffen an statt des Staubes von Sennesblaͤt- tern, getrocknete, zerhackt- und zerstuͤck- te Wegrichblaͤtter, denen sie den Na- men Ourdon geben, und, ihrer Be- truͤgerey ein desto besseres Ansehen zu machen, petit Sené, schlechte Sennet- blaͤtter nennen, welches iedennoch gantz leichtlich zu mercken ist, denn die zerstuͤckten rechten Sennesblaͤtter, sind kleine zarte Stuͤcklein, Ourdon dagegen sind dickere Stuͤckgen, und die Nerven des Wegrichs noch daran zu spuͤren. Hier werden mir etliche einwerffen wol- len, der reine und saubere Staub der Sennesblaͤtter habe eben eine so gute Kraft, als die gantzen Blaͤtter: denen antworte ich aber, dieweil die Sennes- blaͤtter, aus so gar subtilen Theilgen be- stehen, derowegen haben sie weniger Kraft, ie mehr sie zustossen sind. Und darum solte auch der Sennesblaͤtter- staub ausdruͤcklich bey der Handlung verboten seyn, wie ingleichen die Stiele, welche etliche gebrauchen; eines theils, weil sie gar gutes Kauffs, theils aber, weil sie viel heftiger purgiren, weder die Sennesblaͤtter. Aus den Sennesblaͤttern wird uͤbern Feuer mit Wasser ein Extract gemacht, Extractum fo- liorum Sennæ. so gar ein gutes purgans ist. Auch kan man ein Saltz daraus ziehen, welchem etliche sehr grosse Eigenschaften zulegen, bevoraus, wenn es zu der infusion der Sennesblaͤtter gethan wird, denn durch solches Mittel wuͤrde, ihrem Vorgeben nach, eine viel groͤssere Kraft heraus ge- zogen; und daran irren sie auch nicht. Es haben zwar etliche Scribenten ge- schrieben, daß in Jtalien, vornehmlich in Toscanen uñ der Genuesischen Re- vier, wie auch in Provence, die Sen- nesblaͤtter in Menge wuͤchsen: weil ich aber glaube, daß diese Art Sennet, viel- mehr desjenigẽ Gewaͤchses Blaͤtter sind, welches die Kraͤuterverstaͤndigen Colu- tea, Bagnaudier, Schaflinsen heissen, derowegen will ich nichts davon geden- cken, indem bereits genug Autores da- von gehandelt haben. Jn Franckreich findet sich ein Kraut, Gratia Dei oder Gratiola, Got- Gratiola. tes Gnad/ genennet, welches eben so starck purgiret, als wie die Sennesblaͤt- ter: weil es aber bey uns waͤchst, dar- um macht man kein groß Werck davon. Auch giebt es noch ein ander Kraut, welches die Simplicist en Alypum montis Ceti nennen, weil es auf dem Berge M 2 Cete Der Spezereyen und Materialien Cete bey Montpellier sehr haͤuffig waͤchst. Dieses purgiret noch staͤrcker als die Sennesblaͤtter, und wird von et- lichen weisser Turbit genennet. Weisser Tur- bit. Das siebende Capitel. Von den Plantis Capillaribus, allerhand Sorten Frauenhaar. D Jeses sind kleine Kraͤutlein, die uns von unterschiedenen Orten gantz uͤberbracht werden, unter denen die vor- nehmsten, und die am meisten geachte- ten, diejenigen sind, die aus Canada gebracht, und deshalben von den Bota- nicis Adiantum album Canadense, weisse Siehe Fig. 128. Steinraute aus Canada betitelt werden. Das Kraut waͤchst ohngefehr eines Fusses hoch, der Stengel ist sehr duͤnne, hart und schwaͤrtzlicht, daraus entspriessen kleine Zweiglein, mit gruͤ- nen zackichten Blaͤttlein beladen. Es waͤchst auch in Brasilien, und wird Adiantum Brasilianum geheissen. Jn dem koͤniglichen Garten zu Paris wird die- ses Gewaͤchs mit grosser Sorgfalt, nebst einem Hauffen anderer fremden Ge- waͤchse erzogen, welche aus vielen Orten der Welt durch die Herren Fagon und Tournefort, die beruͤhmtesten Botanicos unserer Zeit, darein gebracht sind wordẽ. Syrupus de Ca- pillaribus Ca- nadæ. Ohne diese Kraͤuter, die uns Cana- da zusendet, lassen wir auch den Sy- rup davon kommen, welcher wenn er recht beschaffen, eine Ambrafarbe und guten Geschmack haben soll, anbey muß er wohl und gnugsam gekocht seyn, nicht sauer oder modricht riechen, soviel als moͤglich klar und helle, und gewiß aus Canada gebracht seyn. Diesem Syrup werden gewaltige Eigenschaften beygeleget: absonderlich soll er die Fluͤsse und andere Brustbe- schwerungen vertreiben, auch den klei- nen Kindern, mit etwas Mandeloͤl ge- geben, gar dienlich seyn. Gleichfalls lassen wir, ausser diese Kraͤuter und Syrup, einen dergleichen Syrupus Capil- larium Mon- speliensium. Syrup von Montpellier kommen, der von einem Kraute, bey den Botanicis Adiantum album Monspeliense genannt, Steinraute von Mont- pellier. Siehe Fig. 129. bereitet wird. Dieser ist von jenem gar wenig unterschieden, sonderlich, wenn er recht zugerichtet ist, das heißt, wenn er nicht von solchem Kraute, das schon einmahl dazu gebrauchet, und wiede- rum getrocknet worden, gemachet ist/ welches bey ein und andern Apothecker zu Montpellier nicht selten geschicht, aber gar leichte kan gemercket werden, weil er uͤberaus weiß ist, und schier nicht anders als zerlassener Zucker schmeckt, da hingegen der, welcher recht und ge- treulich zugerichtet ist, wie Amber sie- het, und sehr angenehme schmecket. Dieser Syrup soll eben, als wie der Canadische, erwehlet werden: wie ihm dann auch gleiche Kraͤfte zugerechnet werden. Man lasse ihm ingleichen ge- sagt seyn, und kauffe beyde Sorten die- ses Syrups bey redlichen Kauffleuten und Spezereyhaͤndlern, die ihn selbst kommen lassen, denn der, den die meisten Apothecker verkauffen, ist nichts anders, als ein zusammen gesetzter Syrup von den Capillaribus dieses Landes, dem Adi- anto nigro, oder Frauenhaar, Politry- Siehe Fig. 130. 131. 132. 133. cho, Ceterach, und Scolopendria, der Hirschzunge. Etliche thun noch die fri- schen Wurtzeln vom Engelsuͤß, Salvia Vitæ Mauerraute und Suͤßholtz dazu, Siehe Fig. 134. 135. da dann diese Kraͤuter zusammen den Syrup roͤthlicht machen, wiewohl eꝛ bey weitem nicht so sehr, als wie der aus Ca- nada und von Montpellier vertrieben wird. Damit aber die Apothecker diesen Syrup desto besser nachmachen moͤgẽ, so ziehẽ sie ein Wasser aus diesen Kraͤutern, und beꝛeiten damit einen Syrup, welcher weiß ist, und viel verkauffet wird, ob er schon nicht mehr Kraft, denn zerlassener Zucker hat. Wir lassen auch eine duͤnne Conserve von den Capillaribus von Montpellier kommen, wiewohl nur selten, dieweil wenig darnach gefraget wird. Was die Zubereitung dieser Syrupe betrifft, davon habe ich nichts gedacht: wer sie aber von den Capillaribus von Canada oder Montpellier zurichten will, mag sich in den Pharmacopœis, die davon han- deln, umsehen. Man lasse sich auch warnen, und ge- be Achtung, ob die Capillares, welche et- liche verkauffen, gewiß von Montpellier oder aus Canada kommen; denn ihrer etliche die getrockneten Capillares, die hie- TAB. XXVI. Mauerraute. F. 135. p. 184. Miltz Kraut F. 133. p. 184. Engelsüs. F. 134. p. 184. Stanraute aus Lanada F. 128. p. 183. Polijtrichum F. 131. p. 184. Frauenhaar F. 130. p. 184. Steinraute von Mont-pellier F. 129. p. 183. Hitsch Zunge F. 132. p. 184. Sennes blätter von Mocca. F. 126. p. 179. Sennes blätter von Alepandria. F. 125. p. 179. Sennesblätter aus Levante F. 127. p. 179. Hauptbeschreibung ersten Theils fuͤnfftes Buch. hieherum wachsen, dafuͤr verkauffen, welches aber aus dem grossen Unterschie- de, der darzwischen ist, ohnschwer er- kannt kan werden. Das achte Capitel. Von der Soldanella. Siehe Fig. 136. D Je Soldanella oder der Meer- kohl ist ein klein Kraut, dessen Wur- tzeln gar duͤnne, und die Blaͤtter den Blaͤttern der Osterluzey ziemlich aͤhn- lich sind, ausser daß sie viel kleiner und dicker: nach diesen wachsen die purpur- farbigten Blumen, welche schier wie die Glocken der Winde sehen. Das Kraut wird gantz und in Buͤndlein gebunden, von den Seekuͤsten, an welchen es uͤber- fluͤßig anzutreffen ist, zu uns gebracht. Es wird gar selten in der Artzney ge- braucht, ob es gleich gar dienlich ist, bey Wassersuͤchtigen das Wasser abzufuͤh- ren: daher es auch der Herr Boude- ron gantz fuͤglich unter sein Pulver wi- der die Wassersucht genommen, wozu es keiner andern Wahl bedarff, als daß es, so viel nur immer moͤglich, frisch und unzerstossen sey. Wir verkauffen auch noch ein Kraut, Wintergruͤn. ohne die Soldanella, Pyrola, Winter- gruͤn benamset. Dasselbige wird dar- um Pyrola genennet, weil seine Blaͤtter dem Birnbaumlaube einiger massen gleichen: und Wintergruͤn, weil es im Winter, der Strengigkeit dieser harten Jahreszeit ohnerachtet, dennoch seine Gruͤne behaͤlt. An gewissen Orten ist es gantz gemein, z. E. in Teutschland und andern kalten Laͤndern. Weil nun dieses Kraͤutlein bey uns dermassen rar ist, darum haben unsere Kraͤutermaͤn- ner, die dessen auch gerne Meister seyn wollen, es gantz gemeine gemacht, indem sie Birnbaumkerne gesaͤet, und die Blaͤt- ter, so bald sie nur aus der Erde hervor gekrochen, an statt der Pyrola verkaufft. Es ist auch solches, wegen der uͤberaus grossen Gleichheit, welche die Pyrola mit dem Birnbaumlaube hat, sehr schwer- lich zu bemercken. Damit man aber diesen Betrug vermeide, darff man sie nur bey aufrichtigen Leuten hohlen: doch ist das verdruͤßlichste, daß sie nicht anders als trocken zu haben. Man giebt vor, das decoctum von diesem Kraute sey ein sehr starck adstrin- gens, ein anhaltend Mittel, diene auch zu Heilung der Geschwuͤre, und anderer Kranckheiten gleicher Art. Wenn das Wintergruͤn annoch in Siehe Fig. 137. der Erde ist, so stoͤst es einen Hauffen klei- ner Stengel von sich, da an iedweden derselben, vorne an der Spitze, ein klein rundlicht Blat sitzet, braungruͤner Far- be. Mitten zwischen diesen Stielen steigt ein Stengel empor, daran zu oͤberst viel kleine, weisse, wohlriechende Bluͤmgen entspriessen. Das gantze Gewaͤchs aber ist kaum eines oder an- derthalben Fusses hoch, und liebet die mitternaͤchtigen Laͤnder uͤber alle mas- sen, welches auch die Ursache, daß es in warmen Laͤndern so gar seltsam ist, da es doch in kalten Landen gantz gemeine. Das neundte Capitel. Vom Anil. Siehe Fig. 138. D Er Anil ist ein kleines Kraut, ohn- gefehr zwey Fuß hoch, mit runden Blaͤttern, welche obenher gruͤn und braͤunlicht sehen, unten aber silberweiß sind, und ziemlich dicke: nach diesen wachsen die Blumen, welche der Erb- senbluͤte gleichen, und roͤthlicht sind, dar- aus entstehen die langen, als wie Si- cheln, zuruͤckgebogenen Schoten, die den kleinen Olivenfarbenen Samen, dem Ruͤbsamen gar aͤhnlich, beschliessen. Die Americaner saubern das Land vorher wohl, wenn sie den Anil saͤen wollen; hernachmahls machen sie Loͤ- cher drein, einen Fuß weit von einan- der, werffen in iedes 10. bis 12. Anilkoͤr- ner, und bedecken sie nur schlecht hin mit ein wenig Erde, da dann nach Verlauff sechs Wochen, oder zum laͤngsten zweyer Monate, das Kraut abgeschnitten, und der Jndich oder Jndigo daraus gezo- gen werden kan, wie im folgenden Cap. zu ersehen. Wird es aber drey Monat im Lande gelassen, so bringt es seine Blu- men und Samen. Allein bey diesem Kraute hat man eine Art Raupen zu befuͤrchten, welche etliche mahl auf der Jnsel S. Christoffel beobachtet wor- M 3 den, Der Spezereyen und Materialien den, daß sie in einer Nacht gewachsen, und alle Hoffnung der Einwohner zu nichte gemacht. Diesem Unheil abzu- helffen, schneiden sie alles Kraut mit ein- ander geschwinde ab, und werffen es sammt den Raupen in die Faͤsser: denn, was sie wieder von sich geben, ist auch noch gut. Andere aber kommen diesem Ubel also vor, daß sie zwischen demjeni- gen, was sie bereits angefressen, und dem, welches sie noch nicht beruͤhret, eine grosse Scheidung machen. Dieser Schade ist auf der Jnsel Martinigo noch nie verspuͤret worden. Das zehende Capitel. Wie der Jndich und Jndigo bereitet werden. D Er Jndich ist eine Fecula oder gantz zartes Pulver, welches mit Wasser und Baumoͤl allein aus den Blaͤttern gezogen wird. Und dieses macht den Un- terschied zwischen dem Jndich und Jn- digo/ denn sie diesen aus den Blaͤttern und kleinen Zweiglein bereiten, gleich- wie aus folgendem wird zu ersehen seyn. Der vollkommenste Jndich ist, der den Zunamen Serquisse, von einem Dorffe gleiches Namens/ welches 24. Meilen von Suratte/ nahe bey Ama- dabat liegt, erhalten hat. Er wird auch um Biana Jndoua und zu Cossa, nahe bey Ayra; desgleichen im Koͤnigreich Golconda gemacht. Die Hollaͤnder bringen ihn gleichfalls von Brampour aus Bengalen, welcher aber der schlechteste unter allen ist. Siehe Fig. 139. Wenn nun die Einwohner ietztge- dachter Orten das Pulver aus dem Anil ziehen, und den Jndich bereiten wollen, so schneiden sie dieses kleine Kraut mit einer Sichel ab, sobald nur die Blaͤtter, wenn man sie angreifft, zu brechen beginnen, und nachdem sie die Stiele heraus gelesen, legen sie die Blaͤt- ter in eine gnugsame Menge Wasser, welches in einem Fasse, das sie das Ein- weich-Faß heissen, stehet, und lassen sie 25. bis 30. Stunden lang darinne wei- chen. Nach derer Verfliessung drehen sie den Han auf, und lassen das Wasser, welches nunmehro eine gruͤnlichte Far- be, die sich aufs blaue ziehet, bekommen, in ein ander Faß, welches sie das Schla- gefaß nennen, ablauffen. Jn diesem lassen sie das Wasser anderthalb Stunden lang durch vier starcke Jndia- ner fort fuͤr fort mit hoͤltzernen Loͤffeln schlagen, welche achtzehen bis zwantzig Fuß lange Stiele haben, und auf vier Stuͤcken Eisen, die sie chandeliers, Leuch- ter, heissen, ruhen. Damit sie aber nicht gar zu viel Leute zu dieser Arbeit noͤthig haben, so bedienen sie sich einer grossen sechseckigten Waltze, an deren beyden Enden zwey eiserne Zacken her- vor gehen, welche in zwey Pfannen, von gleicher Materie, liegen. An zweyen Seiten, unten an der Waltze, sind sechs zugespitzte Eymer, die zu un- terst offen, angehencket, und ein Jndia- ner beweget diese Waltze immerfort, so daß, wenn die Eymer auf dieser Seite in die Hoͤhe kommen, die andern wieder hinab gehen. Dieses treibt er so lange, bis das Wasser uͤber und uͤber mit Schaum bedecket ist, da sie dann etwas weniges Baumoͤl mit einer Feder hin- ein thun, kaum ein Pfund, in ein Faß, das 70. Pfund Jndich, so wie wir ihn haben, giebet. Sobald das Oel drein gethan worden, theilt sich der Schaum mitten von einander, uñ lassen sich kleine Klumpen, wie in der geronnenen Milch sehen: alsdann hoͤren sie auf zu schla- gen, damit sichs setzen moͤge. Wenn es sich nun gnugsam gesetzet, wird die Roͤh- re des Schlagefasses geoͤffnet, daß das klare Wasser ablauffe, und sie das Pul- ver, das wie Schlamm am Boden liegt, heraus nehmen koͤnnen. Wenn es heraus genommen, wird es in zugespitz- te Saͤcke von Tuch gethan, auf daß das wenige Wasser, welches noch etwa darinne verblieben, vollends abgezogen werde. Drauf thun sie es in Kaͤsten, welche irgend einen halben Zoll hoch sind, damit es recht trucken werde, und so dann ist es der so genannte Jndich, dem allem Ansehen nach, dieser Name deswegen gegeben worden ist, weil er aus Jndien kommt. Ehedessen berei- teten die Jndianer den Jndich in son- derlich dazu verfertigten und wie ein Becken formirten Teichen, welche sie vorhero mit Kalch, der dem Marmor an Haͤrte gleichte, zugerichtet hatten, und brauchten nicht halb so viel Vor- sichtigkeit dabey, wie heutiges Tages; entweder weil sie es nicht so gar genau nahmen, TAB. XXX. Hauptbeschreibung ersten Theils fuͤnfftes Buch. nahmen, oder, weil sie es so gut mach- ten, als sie konten. Man sey nicht so wunderlich, und glaube, was Matthiolus im Buch uͤbeꝛ den Dioscoridem angemercket, als ob es naͤmlich zweyerley Jndich gebe; der eine wuͤchse von ihm selbst, wie ein Schaum, an dem Jndianischen Rohre, wenn es Knoten gewinnet: der andere werde von Farbe gemacht, und sey der Schaum, der auf den Kesseln schwim- me, von den Faͤrbern aber gesammlet und getrocknet werde; und viel derglei- chen Maͤhrlein mehr, die er davon er- zehlet. Hingegen erwehle man den Jndich/ der in platten Stuͤcken ist, von rechtmaͤßiger Dicke, die nicht zu weich, auch nicht zu harte sind, hoch an der Far- be, d. i. gantz dunckelviolet, leicht, und auf dem Wasser schwimmend, daher Schwim̃en- der Jndich. auch der Name Inde flottante, schwim- mender Jndich, entstanden. Wenn er zerbrochen wird, muͤssen keine weisse Flecken, wohl aber silberhelle Flinterlein darinne seyn. Letzlich muß er auch kupfricht seyn, das ist, seine blaue Far- be muß sich in roth verwandeln, wenn man ihn mit dem Nagel kratzt; auch sollen so wenig kleine Stuͤcklein drunter seyn, als immer moͤglich. Wir haben keine eintzige Wahre, die mehr verfaͤlschet wird, als wie der Jn- dich, wenn er so theuer ist als ietzo; allein ich wuͤrde etliche Boͤgen damit anfuͤllen, wenn ich alles erzehlen wolte, so aber unnoͤthig: es kan ein ieder aus dem, was ich anietzo vorgebracht habe, den guten von dem verfaͤlschten gar leichtlich un- terscheiden. Jndich von Agra oder wie Castani- en gestaltet. Ohne den platten Jndich haben wir auch eine Gattung desselben in Form der Castanien, welchen wir Jndich von Agra zu nennen pflegen, und schier eben so gut ist, als wie der Jn- dich von Serquisse: weil aber seine Ge- stalt nicht iederman anstaͤndig, deshal- ben bedient sich seiner fast niemand, als die Faͤrber. Auch bekommen wir sonst noch einen Hauffen andere Sorten, wel- che aber blos nach denenjenigen Ortẽ, an denen sie gewachsen, von einander un- terschieden werden; desgleichen, nach- dem diejenigen, die ihn bereitet, mehr oder weniger Behutsamkeit darauf ge- wendet: und dann, nachdem das Kraut, daraus er gemachet worden, alt oder jung gewesen. Denn der Jndich, der aus denen zu erst gesammleten Blaͤttern bereitet worden, ist weit besser, als der aus denen zum andern mahl abgelese- nen Blaͤttern gemacht worden ist, und der andere viel besser, denn der dritte. Je juͤnger nun das Kraut, das dazu ge- braucht wird, ie schoͤner ist auch der Jn- dich, als dessen Blau weit lebhaft- und glaͤntzender ist. Der Jndich wird zum Faͤrben und von den Waͤscherinnen zum leinenen Geraͤthe gebraucht. Die Mahler rei- ben ihn mit weiß ab, wenn sie blau da- mit mahlen wollen; denn wenn sie ihn alleine naͤhmen, wuͤrde er gantz schwartz werden, wenn sie aber gelb drunter thun, giebt er eine gruͤne Farbe. Zwar bedienen sich seiner auch etliche Zuckerbecker und Apothecker, und faͤr- ben den Zucker damit, darunter sie ge- stossene Veilgenwurtzel gethan haben, und verkauffen ihn hernach fuͤr Violen- zucker und Syrup: allein dieses ist un- recht, und kan dem Dinge leichtlich ge- rathen werden, wenn man nur den Preiß nicht ansehen, und aufrichtigen Kauffleuten abkauffen wolte. Das eilffte Capitel. Vom Jndigo. D Er Jndigo ist eben sowohl eine Fe- cula und zartes Pulver, welches als wie der Jndich aus dem Anil gezogen wird, und allein darinne von diesem un- terschieden ist, daß er aus dem gantzen Kraute, das ist, aus den Blaͤttern und Stielen, gemacht ist. Wann wir aber vielerley Gattungen Jndich haben, so haben wir derer nicht weniger unter dem Jndigo. Allein, weil ich nur von denenjenigen zu reden willens bin, die in der Handlung gangbar, dannenhero will ich sagen, daß dieser der vollkom- menste sey, der den Namen Guatima- Jndigo Gua- timalo. lo fuͤhret, und aus Ostindien kommt, auch, wenn er recht beschaffen, leichte seyn muß, nicht gar zu harte, kupfricht, und auf dem Wasser schwimmend: kurtz, er muß dem Jndich an Guͤte so nahe kommen, als immer moͤglich ist. Die zweyte Gattung Jndigo heißt Jndigo von S. Domingo. von S. Domingo, und ist von dem Guati- Der Spezereyen und Materialien Guatimalo nichts unterschieden, als daß die Farbe nicht so frisch und kupf- richt sieht. Jndigo von Jamaica. Die dritte von Jamaica/ kommt aus England zu uns. Jndigo aus denen Jnseln. Die vierte ist der Jndigo aus den Jnseln. Alle diese Arten Jndigo sind besser oder geringer, nachdem sie rein oder un- rein sind. Denn die ihn bereiten, sind wohl so boshaft, daß sie Sand und Er- de drunter mengen; welche Schelme- rey aber gar bald zu entdecken ist, die- weil der Jndigo wie Wachs brennen muß, da dann der Jndigo verbrennet/ die Erde und Sand aber zuruͤcke bleiben. Tavernier gedenckt in seiner Reise nach Jndien am 102. Blatt, daß der Staub vom Jndigo also subtil und durchdrin- gend sey, daß diejenigen, die ihn reitern oder sieben, vermummt seyn, und von Zeit zu Zeit Molcken trincken muͤssen. Solches zu behaupten, und die durch- dringende Kraft des Jndigo zu erwei- sen, vermeldet er, daß er etliche mahl des Morgens ein Ey bey diese Jndigorei- terer hingeleget, und dasselbe inwendig blau befunden habe, wenn er es des Abends aufgemacht. Das zwoͤlffte Capitel. Vom Waid. Siehe Fig. 140. J N Franckreich, sonderlich um Tou- lon, erbauen wir ein Kraut, das die Lateiner Isatis, wir aber Guesde und Pastel, die Teutschen Ward nennen. Aus diesem Kraute wird eine Waare gezo- gen, die mit dem Jndigo einige Ver- wandtnuͤß hat: nicht zwar, wie sie zu uns gebracht wird, denn da ist sie wie Erde; sondern, weil die Blaͤtter des Waids, gleichwie des Anils koͤnten zubereitet werden. Der Waid ist eine uͤberaus schwere Waare, und als wie Erde: dessen bedie- nen sich die Faͤrber. Den Waid nun zu bereiten, werden zu Ende des Hor- nungs, oder zu Anfang des Mertzen die jungen Blaͤtter abgeschnitten, und zu Hauffen getragen, auf daß sie uͤber ein- ander heiß werden, und sich in sich selbst verzehren, deshalben sie auch mit Was- ser besprenget und woͤchentlich zwey- mahl umgewendet werden. Wenn diese nun wie Erde und trocken worden, so legen sie dieselben auf eine Ecke, damit sie die Blaͤtter von eben diesem Kraute, die es wiederum aufs neue hervorgetrie- ben hat, gleichfalls dahin bringen koͤn- nen, die sie alsdann, und wann sie die- selben, gleichwie die ersten zugerichtet haben, unter die ersten mengen; und solcher gestalt schneiden sie zum dritten und vierten mahle die frischen Blaͤtter ab, so daß sie vom Ende des Hornungs, bis zum Ende des Septembers den Waid viermahl abschneiden, welches denn die Ursache ist, warum der Waid so gar uͤbel beschaffen und voll Erde ist. Wann sie uns aber den Waid, den sie zum ersten mahle abgeschnitten, uͤber- sendeten, wuͤrde er weit besser seyn, als derjenige ist, darunter sie den, der im September abgeschnitten worden, ge- mischet haben, theils, weil die Blaͤtter viel haͤrter, theils aber, weil sie voll Sand und Kiß sind, welches der Regen und die Winde, die um dieselbe Zeit lang anzuhalten pflegen, verursachen. Die Faͤrber, die diese Waare brau- chen, lassen den Schaum davon trock- nen, welcher alsdann dem Jndigo, der Farbe nach, ziemlich gleich kommt, und von uns unter dem Namen Floré d’Inde, Jndichblume verkaufft wird, auch den Scribenten, die sich auf die Waaren nicht verstanden, als da ist Dalechamp, und andere, Anlaß gegeben, daß sie den- selben Schaum fuͤr rechten Jndich ge- halten. Jst also aus dieser Beschrei- bung zu ersehen, daß es gar wohl moͤg- lich waͤre, eine dem Jndigo gantz gleiche Farbe aus den ersten und jungen Blaͤt- tern des Waids zu ziehen. Ohne den Waid lassen wir auch aus Picardie ein Kraut bringen, welches gantz ist, und von uns und den Faͤrbern Gaude oder Herbe à jaunir, von den La- teinern Lutea oder Luteola, zu Teutsch aber Wau genennet wird. Siehe Fig. 141. Ferner lassen wir fuͤr die Faͤrber ein Kraut aus Picardie kommen, welches gruͤne Blaͤtter hat, und von uns Sereque, Sereque oder Orisel. Siehe Fig. 142. nach dem Arabischen Worte Sereth, ge- nennet wird. Es wird ingleichen herbe à jaunir, ein Kraut, damit man gelb faͤr- bet, oder kleiner Ginst, auch gelbe Scharte/ und von den Einwohnern der TAB. XXVIII. Krelskraut. F. 144. p. 193. Färber baum. F. 143. p. 193. Scharle F. 142. p. 192. Wcut. F. 141. p. 192. Soldanella. F. 136. p. 185. Waid F. 140. p. 191. Wintergrün F. 137. p. 186. Hauptbeschreibung ersten Theils fuͤnfftes Buch. der Canarien Jnseln, von dannen das erste gekommen, Orisel geheissen. Uber obgemeldte Kraͤuter ziehen wir auch aus Portugall, bevorab von ei- nem Orte und Seehafen, Porto ge- nannt, eine gewisse Waare, welche nichts anders ist, als zerstossene Blaͤtter und junge Zweige eines Baumes, den Sumach von Port a Port. Siehe Fig. 143. wir eben als wie die Araber Sumac nennen, die Lateiner heissen ihn Rhus, deswegen wir ihn auch zuweilen, wie- wohl in etwas verstuͤmmelt, Roux zu nennen pflegen. (Bey den Teutschen heist er Gerberbaum oder Faͤrber- baum. ) Diese Waare wird von den Faͤrbern, Cordubanmachern, und Ger- bern sehr gebrauchet, und dienet zum gruͤn faͤrben. Der beste Sumach ist gruͤnlicht und frisch. Dieser Waare hat man den Na- men Port a Port gegeben, weil sie meistentheils aus selbigem Hafen in Portugall zu uns gebracht wird. Uberdiß, daß die Faͤrber die zerstosse- nen Blaͤtter gebrauchen, kan man sich auch der Frucht, die wie ein angenehmes rothes Traͤublein siehet, bedienen, den Durchlauff zu stillen, wenn sie mit Granatschalen und Wasser ein klein wenig gekochet worden; es ist ein siche- res und oft probirtes Mittel. Die Koͤrner aus den Trauben genommen, und getrocknet, nennen wir Sumach- samen oder Koͤrner, und haben eben die Eigenschaft, als wie die in der Trau- be, wiewohl sie keine so kraͤftige Wir- ckung haben, weil sie zu trucken sind. Derohalben soll man zu Vertreibung dieser Kranckheit frischen Samen neh- men, denn wenn er aͤlter ist als ein Jahr, verliert sich sein saͤuerlicher Geschmack zusamt der anhaltenden Kraft. Das dreyzehende Capitel. Von der Hollaͤndischen Orseille oder Tornesol, en pâte \& en pierre, hart und weich. D Je Hollaͤndische Orseille ist, so viel ich davon erfahren koͤnnen, ein Teig, der aus der Frucht eines Gewaͤch- ses, bey den Botanicis Heliotropium tri- coccon, von uns Tornesol, auf teutsch Siehe Fig. 144. Krebskraut, genennet, der Perelle, einer gewissen Erde; davon weiter un- ten; Kalch und Urin bereitet wird. Wenn sie nun diese vier Stuͤcke mit ein- ander vermischet, thun sie dieselbigen in kleine Faͤßlein, darein ohngefehr 30. Pfund gehen: wiewohl von diesem Tor- nesol fast nichts zu uns gelanget, indem auch von Lyon und aus Auvergne Tor- nesol kommt, der schier eben so gut ist. Die diesen Teig bereiten, verkauffen ihn nicht allezeit weich, sondern in Form kleiner viereckter Stuͤcken, welche sie, nachdem sie trucken worden, Tornesol en pierre oder en pâte, steinharte Tornesol, oder Tornesolbrode heissen. Weil auch in den frischgemachten Teig, was man nur will, kan gemenget werden, da- her unterlassen die Hollaͤnder und ande- re nicht eine gute Menge Sand darun- ter zu mengen, damit nicht nur das Ge- wichte vermehret werde, sondern auch, daß sie es bessern Kauffs geben koͤnnen, welches dann Ursach ist, warum der trockne Tornesol wohlfeiler ist, als der weiche. Dem sey aber wie ihm wolle, der har- te Tornesol soll recht wohl trocken seyn, und blau, auf violet sich ziehend, sehen: er soll auch das Papier, darauf er ge- rieben worden, blau faͤrben, denn die- ser ist besser, als welcher es roth faͤrbet. Der harte Tornesol wird ebenfalls von den Faͤrbern, Kartenmahlern, und an- dern an statt des Jndichs gebraucht. Das vierzehende Capitel. Vom Rothlapp. D Er Tornesol auf Lappen hat sei- nen Namen daher erhalten, weil es nur alte Lumpen, denen man mit den Beeren des Krebskrautes und diesem oder jenem sauern eine rothe Farbe ge- geben, dergestalt wie wir ihn zu sehen bekommen. Dieser Rothlapp wird sehr gebrauchet, und dem Weine eine rothe Farbe damit gegeben; soll dero- wegen hierzu aufrichtig Hollaͤndisch Gut erwehlet werden, der sehr hoch an Farbe, recht trucken, nicht schmutzig oder vermodert ist. Man soll ein klein Stuͤcklein ins Wasser stecken, zu sehen, N ob er Der Spezereyen und Materialien ob er es vielleicht violbraun faͤrbe, denn welcher dieses thut, taug nichts. Wir lassen ihn auch in Menge aus Languedoc von der Seite Galargue kommen: wie denn fast alles, was wir verkauffen, allda bereitet wird, weil nicht allein der Tornesol haͤuffig um Nimes und Montpellier waͤchset, son- dern er auch bey nahe eben so gut, als wie der Hollaͤndische ist: er darff nur wohl bereitet seyn, und die waͤßrichten liquores roth anfaͤrben. Doch soll der Hollaͤndische/ als welcher viel besser ist, denn der zu Galargue und andern Or- ten in Languedoc bereitet wird, diesem allzeit vorgezogen werden. Hierbey ist zu erinnern, daß zwar die Frucht des Krebskrautes blau faͤrbe; allein, so bald nur etwas sauers dazu kommt, wird es stracks roth. Will dem- nach iemand wissen, ob etwas sauers in einer Sache ist, der darff nur diese Tin- ctur dazu thun, oder das saure auf et- was, das mit dem Safte dieser Frucht bestrichen worden, reiben. Von der Lionischen Orseille. Dieses ist ein zusammengesetzter Teig von Perelle, lebendigem Kalch und Urin. Etliche thun noch uͤberdiß eine Tinctur von Brasilienholtze dazu, ihr also ein besseres Ansehen und roͤthere Farbe zu geben. Diese Orseille wird gegen Lion zu und in Auvergne in Menge bereitet, und soll eine hochrothe Farbe haben, die, wenn sie aufs Papir gestrichen wird, fein frisch sehe. Die Faͤrber geben ihren Sachen eine solche Farbe damit: doch duͤrffen sie al- lein die Schwartzfaͤrber fuͤhren. Das funffzehende Capitel. Vom Tabac. D Er Tabac ist deshalben also be- namset worden, weil er auf der Jn- sel Tabago haͤuffig und in Menge waͤchst. Er wird von etlichen Nicotiana geheissen, weil Nicod, der Frantzoͤsische Gesandte nach Portugall, ihn zu erst der Koͤnigin in Franckreich uͤberbracht hat, daher ihm auch der Name, der Koͤ- nigin Kraut gegeben worden. Fer- Siehe Fig. 1 4 6. ner wird er Buglossa antarctica genennet, weil er haͤuffig in den Jnseln waͤchst: desgleichen, das heilige Kraut, von wegen seiner herrlichen Eigenschaften; und endlich Petun, welches sein erster und rechter Name ist, den ihm die Jn- dianer gegeben. Wann uns annoch, wie vor 15. Jah- ren frey stuͤnde, Tabac zu verkauffen, so haͤtte ich weitlaͤufftiger davon han- deln wollen: allein, weil wir keinen an- dern verkauffen duͤrffen, als den wir bey der hierzu verordneten Cammer neh- men muͤssen, so will ich auch nur seiner unterschiedenen Namen gedencken. Wir kauffen demnach bey den Pach- tern des Tabacs zweyerley Sorten Ta- bac: gesponnenen und pulverisirten. Der gesponnene wird vermittelst un- terschiedlicher Namen von einander un- terschieden: denn da ist der Brasilia- nische, welcher schwartz und Fingers dicke ist: der andere à l’andouille genannt, wird von trucknen und roͤthlichten Blaͤt- tern gemacht, in der Dicke eines star- cken Rohrs, oder einer mittelmaͤßigen Wurst, daher ihm auch der Zuname ent- standen: es giebt auch noch einen an- dern dieses Namens, der aus Holland kommt. Der dritte heißt petit briquet, oder Tabac von Dieppe, welcher gleich- falls gesponnen, und ohngefehr so dicke ist, als eines Kindes kleiner Finger: man hat auch Hollaͤndischen petit briquet, und noch ein Hauffen andere, z. E. Vir- ginischen, von Verine/ S. Domingo/ und so fort. Was den pulverisirtẽ oder Schnupf- Tobac betrifft, so parfumirt, als ohn Parfum, dessen giebt es so viel Arten, die ich unmoͤglich alle beschreiben koͤnte. Dannenheꝛo will ich nichts davon geden- cken, sondern mich vergnuͤgen dasjenige allhier anzufuͤhren, was der P. Tertre davon aufgezeichnet hat: naͤmlich, die Einwohner der Jnseln erbauen insge- mein vier Geschlecht des Petun; das gruͤne, das Zungen-Petun, das Ama- zonen-Petun, und das von Verine, oder das moschirte. Alle diese Arten nennen die Jndianer ohne Unterschied Voly. Das gruͤne Petun ist das schoͤn- ste, und hat das beste Ansehen, denn sei- ne Blaͤtter sind eines guten Fusses breit, und zwey Fuß lang, allein es geht ihm im TAB. XXXII. Hauptbeschreibung ersten Theils fuͤnfftes Buch. im treugen zuviel ab, und giebt nie- mahls recht viel. Petun à langue, das Zungen-Petun/ wird also genannt, weil seine zwey Fuß lange und der Hand breite Blaͤtter die Gestalt einer Zungen zu haben scheinen: Dieses giebt reichlich, und geht ihm beym aufhaͤngen nichts im geringsten ab. Diß sind die beyden Sorten, von denen am meisten verthan wird. Das Vetun Perine ist viel klei- ner, als die zwey vorhergehenden; seine Blaͤtter sind etwas haͤrter, runtzlicht und am Ende weit spitziger, als die an- dern. Es giebt am wenigsten, und ver- liehrt am meisten auf der Haͤnge, iedoch wird es am hoͤhesten geachtet, und ist am theuersten, weil nicht allein das Blatt nach Mosch riecht, sondern auch der Rauch, wenn es geschmaucht wird, sehr angenehme ist, da sonsten der Rauch von denen andern fast iederman unertraͤg- lich faͤllt. Uberdiß hat man in Acht ge- nommen, daß eine eintzige Pflantze von diesem Petun vier andern Pflantzen ih- re Eigenschaft mittheile, also daß sie gleichfalls fuͤr Petun Verine paßiren koͤnnen, welches auch in den Jnseln ge- meiniglich practisiret wird, anders duͤrf- te man seinen Conto nicht dabey fin- den. Das Amazonen-Petun ist das geringste unter allen: sein Blatt ist vor- ne rund, nicht zugespitzt, als wie der an- dern ihre, und die kleinen Ribben, wel- che auf beyden Seiten des Blattes zu sehen sind, lauffen nicht krumm nach der Spitze zu, sondern gehen schnurgerade zwerch durchhin. Dieses Petun giebt uͤberaus viel, allein es ist auch uͤber alle massen schaͤdlich, wenn es noch frisch ist, schmeckt unangenehme, und macht, daß sich diejenigen, die es gebrauchen, von Stund an erbrechen muͤssen: ie aͤlter es aber wird, ie besser wird es, und nach Verlauff zweyer Jahren uͤberaus gut. Obgleich die Art und Weise, wie das Petun zugerichtet und erbauet wird, den Einwohnern in den Jnseln bekannt genug, dennoch will ich zur Vergnuͤ- gung vieler curieuser Leute in Europa, denen sie noch unbekannt, dieselbe so kurtz, als mirs wird moͤglich seyn, be- schreiben. Zu erst wird der Samen gesaͤet, und mit fuͤnff oder sechsmahl so viel Asche vermenget, damit er desto weitlaͤuffti- ger koͤnne ausgestreuet werden. So bald er nun beginnet aufzugehen, wird er alle Morgen mit Laube verdecket, und also vor der Sonnenhitze beschirmet, die ihn sonsten verderben wuͤrde, ehe er die zum verpflantzen noͤthige Groͤsse erlan- get haͤtte. Jmmittelst wird der Garten, darinnen er soll auferzogen, oder gesam̃- let werden, zugerichtet, indem man ihn umpfluͤget, das Gebuͤsche umhauet und es auf dem Lande verbrennet, welches gewißlich keine kleine Arbeit. Wenn aber das Land bereits zugerichtet ist, wird es von dem Unkraute aufs beste ge- reiniget und gesaubert. Wann nun der Garten dergestalt zu- gerichtet ist, alsdann hebt man die Pflantzen aus, wenn es geregnet, auf daß sie desto eher wieder Wurtzeln schla- gen, und pflantzt sie alle nach der Linie. Es wird aber beym pflantzen diese Ord- nung gehalten, daß allezeit zwischen zwey Pflantzen drey Fuß breit Raum bleibe, und auch so viel zwischen zwey Zeilen: so daß ein Garte von hundert Schritten ins Gevierte, zehen tausend Pflantzen beherbergen kan. Eine Per- son muß zum wenigsten 3000. Pflan- tzen warten und in Acht nehmen koͤn- nen, und damit ihr Brod erbauen, wel- ches ihm 1000. bis 1500. Stuͤck Petun bringen moͤgen. Wenn das Petun ge- pflantzet ist, so muß man stets und mit allem Fleiß trachten zu verhindern, daß kein Unkraut darunter aufkomme. Wann dann die Pflantze ietzt bluͤhen will, haͤlt man sie gantz kurtz, indem sie ohngefehr eines Knies hoch uͤber der Er- de abgeschnitten wird. Drauf werden alle die untersten Blaͤtter, die auf der Erde liegen, weggenommen, und nicht mehr denn zehen oder zwoͤlffe am Sten- gel gelassen, zugleich die jungen Schoͤß- linge, die es zwischen allen Blaͤttern wie- derum hervor treibt, aller acht Tage aufs fleißigste ausgebrochen; Solcher gestalt nehmen diese 10. oder 12. Blaͤtter wunder wohl zu, und werden so dicke, als Leder. Will man nun sehen, ob sie zeitig, so biegt man ein Blatt, bricht es, dann ist es Zeit dasselbige abzuschneiden. Nachdem es abgeschnitten, laͤßt man es an der Erde welck werden, und knuͤpft es mit einem Bande, von Mahot ge- macht, zusammen, und hencket es auf kleine Stangen, doch so, daß keine Pflantze die andere beruͤhre. Also laͤst N 2 man Der Spezereyen und Materialien man sie 14. Tage oder drey Wochen an der Luft trocknen. Wann dieses ge- schehen, werden alle Blaͤtter von den Stengeln abgerissen, und darauf, nach- dem die Ribben, die mitten durch die Blaͤtter hinlauffen, davon gethan wor- den, mit etwas Seewasser bespritzt, ge- Siehe Fig. 145. sponnen und auf die Rollen geschlagen. Liquor, schwartzes Oel u. Saltz vom Tabac. Aus dem Tabac wird vermittelst des phlegmatis Vitrioli ein Saft gezogen, wel- ches ein starckes Brechmittel ist, auch dienlich die Schwindẽ und Raude zu hei- len, wenn man sich gelinde damit reibt. Wenn er in eine Retorte gethan wird, treibt man ein schwartzes stinckendes Oel heruͤber, welches fast eben solche Kraͤfte hat. Desgleichen wird ein Saltz daraus gemacht, welches ein starckes Schweißmittel, in einem dienlichen Saf- te oder Wasser, von vier bis auf zehen Gran, genommen. Es giebt auch sonst noch einen Hauf- fen andere Blaͤtter, die wir ebenfalls verkauffen duͤrfften, wenn wir sie nur Betel. haͤtten, z. E. Betel oder Tambul, wel- ches die Blaͤtter eines kriechenden Ge- waͤchses sind, davon die Jndianer eine Gattung Confect, mit Areca und ge- Coca. brañten Austerschalen zurichten. Coca/ sind Blaͤtter von einem kleinen Baͤum- lein, den Myrten nicht unaͤhnlich: der- selben bedienen sich die Abendlaͤnder, als wie die Morgenlaͤnder des Betels, oder die Europaͤer des Tabacs. Die Ein- wohner in Peru brauchen die Cocablaͤt- ter auf zweyerley Weise: einige machen mit gebrannten Austerschalen eine Art Confect daraus, sich damit des Hungers und Dursts auf einen Tag zu erwehren: andere vermengen sie mit Tabacsblaͤt- tern, und machen die Leute damit so dumm, daß sie tausenderley naͤrrische Haͤndel vornehmen. Die Alcanna oder Cyprus, welches die Blaͤtter eines Baͤumleins sind, das in Egypten und in der Levante in Menge waͤchst, und den Jndianern Haar und Naͤgel gelb zu faͤrben dienet, wenn es vorher in Wasser geweichet worden, oder in Weineßig, Citronen- saft, Alaunwasser, und andere saure Dinge, wenn sie sich roth mahlen wol- len. Die Egypter ziehen ein Oel aus den Beeren der Alcanna oder des Cy- prus, welches Cyprusoͤl genennet wird, und trefflich starck riecht, auch gar dienlich ist die Nerven gelinde und schmeidig zu machen. Es haben mich ihrer viel versichert, die Alcanna oder der Cyprus aus Egypten, sey eben das, was die Botanici Ligustrum Ægyptiacum zu nennen pflegen: und dergleichen noch mehr. Wobey annoch zu mercken, daß ob es zwar viele andere Arten Kraͤu- ter mehr giebt, wir dennoch keine ver- kauffen, weil wir besondere Kraͤuterleu- te haben, die damit umgehen und han- deln. Allein in andern Staͤdten in Franckreich sind die Droguisten gehal- ten, sie zu verkauffen, dieweil es bey ih- nen keine solche Kraͤuterhaͤndler giebet, welches dann den Apotheckern keine ge- ringe Muͤhe giebet, wenn sie bisweilen nach einer Handvoll frischen Kraute drey oder vier Meilen gehen muͤssen, wie- wohl sie dieses dafuͤr zur Belohnung ha- ben, daß sie die Kraͤuter viel besser ken- nen, als die Apothecker zu Paris, wel- che sich auf die Kraͤutler verlassen, die ih- nen doch nicht selten eines fuͤr das ande- re geben. Uber alle diese Blaͤtter und was dar- aus kan gezogen werden, davon ich all- bereit gehandelt, verkauffen wir auch noch ein kleines dunckelrothes Koͤrnlein, in Groͤsse eines Nadelknopfs, welches an der Wurtzel der grossen Bibernell zu finden ist, und von den Faͤrbern un- ter dem Titel Cochenille de graine oder Sylvestre, wilde oder koͤrnichte Conze- nille gebrauchet wird. Was das Kraut betrifft, dasselbe ist so gemeine, daß ich fuͤr unnoͤthig erachtet habe es zu beschrei- ben. Es soll aber diese Conzenille frisch seyn, recht trucken, dick, so hoch an der Farbe, und so reine, als nur moͤglich. Die Kraͤuter, die in Franckreich wachsen, und zu der Zahl der Materia- lien gehoͤren, sind, Scordien, Berg- muͤntze, Gamanderlein/ Schlaf- kraͤutlein, weisser Andorn/ Stab- wurtz und Gartencypreß/ groß und kleine Wermuth/ Miltzkraut/ Beto- nien/ Bergbenedicten/ Chamillen/ Sinngruͤn/ Flachsseide/ Hunds- zunge/ Wasserdosten/ Bruchkraut, Schafgarbe, groß und klein Tau- sendguͤldenkraut, Steinklee/ Bey- fuß oder S. Johannisguͤrtel, Muͤn- tze, Melisse/ Basilien, Wohlgemuth/ Poley/ Saturey/ Jsop/ Scabiose/ Quendel, und noch viel andere Kraͤu- ter TAB. XXX I. Rechte schwa r tze Lorallen Fig. 149 p 203 Gemeine weisse Lorallen Fig. 148. p. 202. Rechte weisse Lorallen Fig. 147 p 202 Rothe Lorallen Fig. 146. p. 202 Lorallen moos Fig. 152 p 205 Coralloides Fig. 151 p. 206. Falsche schwartze Lorallen oder Anti pathes. Fig. 150 p 206. Meerschwamm Fig. 153. p. 207. Paneratium Fig. 155. p. 209. Rothe Meerzwiebel Fig. 154. p. 207. Meisse Meer zwiebel. Fig. 155. p. 208 Hauptbeschreibung ersten Theils fuͤnfftes Buch. ter mehr, von denen ich nichts melden mag, weil alle Autores, die nur von Kraͤutern geschrieben, weitlaͤufftig ge- nug davon geschrieben haben, dahin ich auch den Leser will verweisen. Ob wir nun gleich zu Paris diese Kraͤuter nicht verkauffen, weil wir die Kraͤuterkramer haben, dennoch ver- kauffen wir die Saltze davon, sie moͤgen nun figirt und essentialia, oder fluͤchtig seyn, unter andern das Saltz von Car- debenedicten/ Wermuth, Beyfuß/ klein Tausendguͤldenkraut, Melisse, Salbey, Rosmarin/ Wegwarten, Sauerampfer, Bohnen und vielen andern Kraͤutern. Kurtz: uns ist ver- goͤnnet, alle Salia, die aus Kraͤutern koͤn- nen gemacht werden, weil sie zur Chy- mie gehoͤren, zu verkauffen. Was aber dererselben Wahl betrifft, da kan ich keinen bessern Rath geben, als daß man sie bey rechtschaffenen Leuten nehme, die niemand eines an statt des andern geben, und daß man nicht auf den Preiß sehe; denn unmoͤglich koͤnnen dergleichen Salia also wohlfeil gegeben werden, wie etliche doch thun, und ein gantzes Pfund wohlfeiler geben, als an- dere ehrliche Leute eine Untze zu geben vermoͤgen. Dieses aber geschiehet ver- mittelst des Salpeters, den sie drunter thun, oder des Salis polychresti, das sie zu Pulver stossen, und in ein Hauffen Glaͤser thun, daran sie allerley Zettel kleben, ob es gleich nur einerley ist: daß man sich also vor denen, die mit Salpe- ter vermischet sind, wohl zu huͤten hat. Jedoch kan es einer leichte entdecken, er darff nur ein wenig auf gluͤhende Koh- len legen, so zischet es, wenn es mit Sal- peter vermenget ist; ausser diesem ist es ohne Zusatz. Das sechzehende Capitel. Von den Corallen. E S sind die Corallen/ wie der Herr Tournefort will, ein Gewaͤchs, das im Abgrund der See waͤchst, und keine Blaͤtter hat, daran man auch weder Bluͤte noch Samen bemercken kan; in- dessen sind sie dennoch, als wie mit einer Wurtzel an die Klippen veste angehef- tet. Sie werden mit einer Rinde be- decket, welche uͤber und uͤber voller klei- ner Loͤchlein ist, die als Sternlein ge- stalt, biß mitten hineingehen. Auch sind sie in Aeste zertheilet, und man fin- det Strahlen dran, welche ihre Fibern und Zaͤserlein anzudeuten scheinen. Endlich vermehren sie sich ohnstreitig durch ihren Samen. Dieses kommet trefflich mit der Meinung dererjenigen uͤberein, welche die Corallen unter die Gewaͤchse zehlen. Heut zu Tage ist man darinnen einig, daß sie bereits in der See harte sind: denn es kan die Weich- heit der Schale, welche sonsten schluͤ- pfricht und harte ist, diejenigen verfuͤhret haben, welche geschrieben, es sey das gan- tze Gewaͤchse weich. Diese Schale ist eine Tartarische Kruste, und an den ro- then Corallen roth, an den weissen weiß. Die Spitzen der Aeste sind weich und rund, wie kleine Kuͤglein, in Groͤsse der Johannisbeeren, ordentlich in sechs Fach abgetheilet, und mit einem milch- weissen Safte, dergleichen die Geschlech- te der Wolfsmilch von sich geben, er- fuͤllet. Dieser Saft ist fettich, scharff und anziehend, auch verspuͤret man da- ran einen Geschmack wie Pfeffer mit Castanien vermenget, iedoch nur, wenn sie annoch weich und frisch sind; denn wenn sie vertrocknet, sind sie alleine an- ziehend. Diese kleine Kuͤglein werden insgemein die Corallenblute genennet, wiewohl sie billicher die Samenbehaͤlt- nuͤsse dieses Gewaͤchses heissen moͤchten, massen die neuern Scribenten angemer- cket, daß dieser Saft, den sie vergiessen, die Corallenpflantzen, auf denenjenigen Coͤrpern, darauf er gefallen, erzeuge. Jch selbst besitze ein ziemlich grosses Stuͤck, welches auf einem Scherben ei- nes zerbrochenen irdenen Geschirres, dergleichen zu Fayenie gemacht wer- den, gewachsen ist; will demnach des- jenigen Corallenzinckens, den man zu Pisa zeiget, und auf einem Hirnschedel siehet, nicht gedencken. Eigentlich sind nur drey Gattungen der Corallen, die zur Artzney gebrau- Siehe Fig. 146. 147. 148. chet werden, die rothen, die wahrhaf- ten weissen, und die rosenrothen oder leibfarbenen, welche man aber zu den ro- then rechnen muß. Die rechten weis- sen Corallen, welche von den rothen blos durch die Farbe unterschieden wer- den, sind sehr rar und theuer. An statt N 3 der Der Spezereyen und Materialien der weissen wird insgemein diejenige Gattung gebrauchet, welche Johann Bauhin Corallum album Officinarum oculatum, weisse geaͤugelte Corallen, in den Apothecken gebraͤuchlich, genennet hat, weil sie mit unterschiedlichen Loͤch- lein, als wie die Sorten der Madrepora, Siehe Fig. 149. uͤberstreuet sind. Der schwartze Co- rall, Antipathes genannt, ist zu nichts nuͤtze, scheinet uͤberdiß eine gantz andere Natur, denn die anderen, zu haben. Die Corallen werden in dem Mittel- meer an der Kuͤste von Provence, bey Toulon/ an Capo Creux zwischen Colioure und Roses, an den Catalo- nischen Kuͤsten, in der Enge zwischen Sicilien und Jtalien, gegen Bastion de France zu, und an andern Orten mehr, z. E. an den Kuͤsten von Sar- dinien, bey der Jnsel Corsica, und so weiter, gefischet. Tavernier meldet, die Corallen wuͤrden vom Anfang des Aprils, bis zu Ausgang des Heumonats, gefischet. Dazu werden gemeiniglich 200. Bar- qven gebrauchet, doch ein Jahr mehr, das andere weniger. Diese werden langs der Rivier von Genua gebauet, und sind uͤberaus leicht, fuͤhren grosse Segel, auf daß sie desto schneller lauf- fen koͤnnen, und werden sonst keine auf der Mittelsee gefunden, die so grosse Se- gel fuͤhreten; es vermag sie auch keine Galeere einzuhohlen. Jn ieder Bar- qve befinden sich sieben Mann, nebst ei- nem Jungen, der ihnen zur Hand gehet. Diese Fischerey geschiehet 25. bis 40. Meilen vom Lande ab, woselbst sie Klip- pen anzutreffen vermeinen, begeben sich aber aus Furcht vor den Corsaren nicht gar zu weit in die See, und entge- hen ihnen, wann sie derselben gewahr werden, durch die Macht ihrer Segel. Weil die Corallen auf denen tieff in der See liegenden Klippen wachsen, dannenhero bedienen sie sich folgendes Handgriffs, damit sie dieselben uͤber- kommen moͤgen. Die Fischer binden zwey Balcken creutzweis uͤbereinander, und hencken ein groß Stuͤcke Bley dran, auf daß sie in den Grund sincken: vor- her aber umwickeln sie die Hoͤltzer mit verworrenen Hanffe, welchen sie Dau- mensdicke, nur liederlich hin zusammen gedrehet haben, und machen die Hoͤltzer an das Vorder- und Hintertheil der Barque mit zweyen Seilen veste, lassen sie drauf fallen, indem sie langs der Klip- pe hinlauffen. Wann sich dann der Hanff in die Corallen verwickelt, sind oftmahls fuͤnff oder sechs Barquen noͤ- thig, die Balcken heraus zu ziehen. Sol- te nun, indem sie eine so grosse Gewalt gebrauchen, eines von den Seilen reis- sen, so sind alle Ruderer in Lebensge- fahr: daß es demnach ein gefaͤhrliches Handwerck. Jndem sie aber die Co- rallen mit solcher Gewalt abreissen, faͤllt eben so viel in die See, als sie heraus zie- hen, und weil am Grunde dersel- ben alles voll Morast und sumpficht ist, verzehren sich die Corallen von Tag zu Tage, als wie etwa die Fruͤchte auf der Erden von den Wuͤrmern verzehret und benaget werden. Derohalben, ie eher sie die Corallen aus dem Schlam- me ziehen, ie weniger sind sie verdorben. Doch werden schier keine, als die rothen Corallen gebrauchet, so wohl zur Artz- ney, als zu andern Sachen, dazu sie er- fodert werden. Unter allen Voͤlckern schaͤtzen die Japaner und andere Na- tionen sie am hoͤhesten; allein sie achten keine, denn die rothen, und diese muͤssen dichte, glaͤntzend, uͤberaus roth und schoͤ- ne Aeste seyn: hingegen werden die klei- nen Stuͤcken, die mit einer tartarischen Materie und anderm Unrathe uͤberzo- gen sind, verworffen. Jedoch, wenn sie sollen zu Pulver gestossen werden, liegt eben nichts dran, ob es schon nur kleine Stuͤcklein sind, wenn sie nur, wie obgedacht, beschaffen. Man ziehet, vermittelst eines oder des andern acidi, eine Tinctur aus den Corallen, die hernach, bis sie honigdi- cke worden, eingekocht, und alsdann, wiewohl unrecht Corallen-Syrup oder Corallen-Tinctur genennet, ihr auch grosse Kraft und Tugend zugeleget wird. Welches iedennoch wieder alle Vernunft, alldieweil die gerechte Co- rallen-Tinctur ohne Zuthun einiges sauern muß bereitet, und die Tinctur mit geschmoltzner Butter oder zerlasse- nem weissen Wachse ausgezogen wer- den. Diese wird hernach wiederum mit Weingeist aus dem Schmaltze gezogen, und abgerauchet, bis sie zu gebuͤhrender Dicke und Consistentz gebracht worden. Und diese Tiuctur ist eine gantz unver- gleichliche Hertzstaͤrckung und Blutrei- nigung Hauptbeschreibung ersten Theils fuͤnfftes Buch. nigung. Weil aber gar grosse Muͤhe dazu gehoͤret, man auch sehr wenig be- kommt, dannenhero rathe ich niemand sich damit zu verwirren. Aus den rothen Corallen wird mit Magisterium und Saltz von Corallen. Eßig ein Magisterium und Saltz gezogen, welche wegen ihrer Eigenschaften in ziemlichen Gebrauch sind. Und endlich werden noch vielerley andere Sachen aus den Corallen gemacht, die ich aber nichts nuͤtze zu seyn erachte, als da ist die Corallenessentz und Spiritus, sammt andern mehr, deren gar viel Scriben- ten gedencken; die auch hoͤher oder ge- ringer gehalten werden, nachdem naͤm- lich die Marckschreyer, aus deren Haͤn- den sie kommen, in Ansehen sind, eben als wie die unterschiedenen præparatio- nes der Perlen. Ambesten werden sie gebrauchet und bereitet, wenn sie auf einem Reibesteine oder Seeschildkroͤte zu einem unbegreiflichen Pulver gerie- ben, und zu kleinen trochiscis und Kuͤch- lein formiret werden, die wir hernach praͤparirte Corallen nennen, und Praͤparirte Corallen. uns ihrer, als eines sehr guten Alcali be- dienen koͤnnen, moͤgen auch wohl zu al- len Sachen, dazu sie noͤthig, gebrauchet werden. Belangend die weissen Corallen/ diese werden so wenig in der Medicin ge- brauchet, daß es nicht die Muͤhe lohnet, viel davon zu reden. Allein, weil sie doch einiger massen gebraͤuchlich, dahero soll man die erwehlen, welche schoͤn, weiß, dick, dichte, nicht sehr loͤchricht, auch so wenig schmutzicht, als immer moͤglich, sind. Etliche praͤpariren die Corallen, und gebrauchen sie, als wie die rothen. Das siebenzehende Capitel. Von den schwartzen Corallen. D Je schwartzen Corallen betref- fend, von denen sind die rechten der- massen seltsam, daß fast schwerlich eini- ge moͤgen gefunden werden: denn die- jenigen, die wir zu Gesichte bekommen, sind nichts anders, als ein in der See- versteintes Gewaͤchse, welches von etli- chen Antipathes genennet wird, und gantz und gar von den wahrhaften Corallen unterschieden ist: sintemahl es leichte und dichte ist, glaͤntzend und sehr schoͤn schwartz, wie Agat, siehet auch viel eher dem Horne, als den Corallen gleich, welches an den rechten schwartzen Corallen nicht zu befinden, denn diese sind schwer, schwartzroth und sehr rau- he. Jch habe unmoͤglich mehr als ein kleines Stuͤcke der rechten antreffen koͤnnen, ob ich schon allen Fleiß ange- wendet, und dasselbe ist so dicke, als der kleine Finger. Von den Antipathes a- ber, oder den gemeinen schwaꝛtzen Coral- len habe ich ein Stuͤck, so bey nahe zwey Fuß lang ist, welches bey Bastion de Siehe Fig. 150. France gefischet, und von dem Herrn von Sene, welcher einen Antheil an der Corallenfischerey hat, in Franck- reich gebracht worden. Was das Corallenaͤhnliche Ge- Siehe Fig. 151. waͤchs Coralloides belanget, solches ist nichts anders, als ein unvollkommener Corall, und also auch zu nichts nicht nuͤ- tze, ausser, daß er an statt des weissen Co- ralls verkauffet werde, welches man aber gar leicht erkennen kan, angesehen es leichte, dicke, und nicht zur Helfte ge- formet ist. Das achtzehende Capitel. Vom Corallenmoos. Siehe Fig. 152. D Je Corallina, Corallenmoos, ist ein Gewaͤchs, das in der See an den Klippen und Muscheln waͤchst, und haͤn- get: insgemein wird es zu den Geschlech- ten des Meermooses gerechnet. Zwar giebt es unterschiedliche Gattungen des- selben, allein, das von Bastion de Fran- ce und andern Orten an dem Mittel- meer zu uns gebracht wird, ist eintzig und allein im Gebrauch. Von Caspar Bauhin wird es Muscus Coralloides squamulis loricatus, ein Corallen aͤhnli- cher Moos/ wie ein schuppichter Pantzer, Pin. p. 364. Tab. icon. p. 813. ge- nennet. Dieses Moos oder die Corallina wird etlicher massen in der Artzney gebrau- chet, denn man giebt vor, es habe die Kraft die Wuͤrme zu toͤdten. Die Wahl dieses Mooses betreffend, so soll es gruͤnlicht seyn, und ohne kleine Stuͤcklein, soviel als immer moͤglich. Das Der Spezereyen und Materialien Das neunzehende Capitel. Von Meerschwaͤmmen. Siehe Fig. 153. D Jese sind eine Art der Schwaͤmme, welche in der See an den Klippen hangen. Jch will mich aber allhier nicht auf- halten, noch erzehlen, was ein Hauffen Scribenten von den Meerschwaͤmmen gemeldet, daß es naͤmlich Maͤnnlein und Weiblein drunter gaͤbe, ingleichen, daß sie weder ein Gewaͤchs noch Thier waͤ- ren, sondern ein Zoophytum, ein Thier- gewaͤchs oder Thierpflantze, und dergl. sondern werde vielmehr sagen, daß wir zwey Sorten der Meerschwaͤmme zu verkauffen haben; feine, denen die Al- ten den Namen des Maͤnnleins aufge- hencket, und schlechte, welche sie die Weiblein geheissen. Die Schwaͤmme, die wir verkauffen, werden meistentheils aus dem Mittelmeer gebracht, doch ist auch in Asien eine gewisse Jnsel, welche eine grosse Menge Schwaͤmme lieffert. Dieselbe Jnsel heißt Jcaria oder Ni- caria, allda sich die Juͤnglinge nicht eher verheyrathen, bis sie die Schwaͤmme aus dem Abgrund und Mittel der See heraufzuhohlen gelernet. Wann dero- halben iemand Willens ist seine Tochter zu verheyrathen, ziehen sich ein Hauffen Juͤnglinge nackend aus, und stuͤrtzen sich ins Meer, da dann derjenige, der am laͤngsten unter Wasser bleibt, und die meist- und schoͤnsten Schwaͤmme zuruͤ- cke bringt, die Braut nach Hause fuͤhret: doch muͤssen sie dem Großtuͤrcken von den Schwaͤmmen Tribut erlegen. Die feinsten Schwaͤmme werden am hoͤhesten gehalten; sollen aber fein gelb- licht sehen, recht zart und leichte seyn, auch muͤssen die Loͤchlein klein seyn und dichte beysammen stehen: ingleichen muͤssen sie, soviel moͤglich, dichte und nicht voll Steinlein seyn. Was die schlech- ten betrifft; ie naͤher dieselben den fei- nen kommen, ie mehr werden sie geach- tet. Der Gebrauch der Schwaͤmme ist so bekannt, daß unnoͤthig, viel davon zu be- richten. Man bedient sich der feinen Schwaͤmme, wenn sie in lange Stuͤck- lein zerschnitten und in heisses Wachs gelegt, hernach aber wieder ausgepres- set worden, und legt sie in die Wunden, dieselben dadurch zu erweitern. Die al- so zugerichteten Schwaͤmme verkauffen wir an die Wundaͤrtzte und andere, un- ter dem Titel praͤparirte Schwaͤm- Praͤparirte Schwaͤmme. me . Man calcinirt und verbrennt auch die Schwaͤmme, und gebraucht das Pul- ver die Zaͤhne damit zu butzen. Jn den schlechten Schwaͤmmen wer- Steine die in den Schwaͤn- men gefun- den werden. den gewisse Steinlein gefunden, samt andern Zeuge, welche gestossen, wider den Stein gut seyn sollen. Diesen Steinen haben etliche den Namen Cy- steolithos gegeben. Auch versichern ein und andere Scribenten, daß diejenigen Steinlein, die in den Schwaͤmmen, wie Mandeln gestalt, gefunden werden, zu Ertoͤdtung der Wuͤrme bey kleinen Kindern dienlich sind, wenn sie gantz zarte gerieben und in dienlichen Was- sern eingegeben werden. Sie muͤssen aber gerecht seyn. Allein davor kan niemand gut seyn, als diejenigen, die sie aus den Schwaͤmmen gezogen haben. Das zwantzigste Capitel. Von den Meerzwiebeln, de Squillis. D Jese Zwiebeln werden uns aus Spanien uͤberbracht, woselbst sie haͤuffig wachsen, sonderlich an den Ufern der Fluͤsse. Auch waͤchst ihrer die Men- ge in Normandie, bevoraus um El- beuf, 18. Meilen disseits Rohan . Sie sind zwar von unterschiedener Siehe Fig. 154. Groͤsse und Farbe, doch die wir insge- mein zu sehen bekommen, sind roth, und von den Alten das Weiblein genennet worden: den weissen gaben sie den Na- men des Maͤnnleins, allein wir bekom- men ihrer gar wenig zu Gesichte. Wann sie in der Erde stecken, stossen Siehe Fig. 155. sie breite, gruͤne, lange Blaͤtter hervor, und weisse Blumen, wie Sterne. Man soll die frischen Zwiebeln aus- lesen, welche schwer, veste, und fein voͤl- lig sind, auch Acht haben, daß sie nicht am Kopfe verfaulet; denn diesem Zu- fall sind sie gar sehr unterworffen. Sie werden in den Apothecken gebraucht, und TAB. XXXIIII. Suͤda Fig. 156. p. 209. Provinsrosen Fig. 158. p. 219. Lameelheu Fig. 157. p. 217. Saftran Fig. 159. p. 223. Saftlor Fig. 160. p. 225. Hauptbeschreibung ersten Theils fuͤnfftes Buch. und Meerzwiebel-Honig und Eßig gemacht, ingleichen diejenigen trochisci und Kuͤchlein, die das vornehmste Stuͤck zum Theriac sind: sie werden auch zu etlichen Salben und Pflastern, der- gleichen ist de Althea, diachylum magnum, und andern mehr genommen. Viel haben mich versichert, daß diejenigen Meerzwiebeln, die man in Norman- die findet, ich auch selbst gesehen habe, eben dieselbigen waͤren, welche die Bota- Pancratium. Siehe Fig. 156. nici Pancratium nenneten, so ich aber nicht fuͤr gewiß sagen will. Die Meerzwiebeln, absonderlich das Hertz, werden fuͤr giftig gehalten; de- rowegen, wenn man sie brauchen will, werden sie entzwey gespalten, die trock- nen Blaͤtter samt dem Hertzen wegge- schmissen, und das mittelste an der Luft getreuget, daraus hernachmahls, wenn es trucken worden, Honig und Eßig ge- macht wird. Eben also verfaͤhrt man damit, wenn sie zum Theriac sollen ge- brauchet werden, iedoch werden sie nicht an die Luft geleget, sondern mit Teig umschlagen, und im Ofen gebacken, son- derlich, wenn man sie zu den trochiscis haben will: wie solches aus unterschie- denen Pharmacopœis zu ersehen. Die Meerzwiebeln sind sehr bitter, und ihr Saft ist gantz schleimicht. Das ein und zwantzigste Capitel. Von der Suda. D Je Suda, ein graues Saltz, wird uns von Alicanten und Cartage- na in Spanien, als ein Stein, unter- schiedener Groͤsse, uͤbersendet. Sie wird aus einem Kraute bereitet, welches hin und her an der See waͤchst, Siehe Fig. 156. und das die Kraͤuterverstaͤndige Kali, die Werckleute aber, die es verbrennen, Marie nennen. Dieses Kraut stoͤst einen Stengel, ohngefehr anderthalb Schuh hoch, hervor, der mit kleinen schmalen Blaͤttlein besetzet ist. Es wird gesaͤet, und wenn es seine vollkommene Groͤsse erlanget, abgeschnitten, hernach, wie bey uns das Heu, getrocknet. Wann es nun trocken worden, als- dann machen die Spanier grosse Gru- ben in die Erde, wie in den Steingru- ben, werffen dahinein ein Bund duͤrre Kraut, das sie angezuͤndet, und auf die- ses mehr andere: wenn diese sich recht und wohl entzuͤndet, fuͤllen sie die Gru- be gantz und gar mit solchen Buͤndeln an, verstopffen sie, wenn sie voll worden, und lassens dergestalt eine zeitlang bey- sammen, damit es nicht allein gantz zu Asche werde, sondern auch zusammen backe, und als ein Stein werde, auf die Weise, wie wir es zu sehen bekommen. Nach diesem eroͤffnen sie das Loch, und finden das Kraut verbrannt, und als wie einen harten Stein, den sie zerschla- gen, und gleichwie die Steine aus den Steingruben herauf hohlen muͤssen. Suba von A- licant und Zu Paris verkauffen wir viererley Suda, welche die Alten Salicornia/ Salicore und Salicota, ingleichen deroselben unterschied- liche Namen. Alun Catin, Alumen Catinum genennet, darunter die erste und am meisten ge- achtete die Suda von Alicanten ist, und muß, wenn sie, wie sichs gehoͤret, beschaffen seyn soll, trucken und klingend seyn, aussen und innen gruͤnlicht blau sehen, und kleine Loͤchlein, oder Augen haben, auch wenn man drauf speyet, und alsdann fuͤr die Nase haͤlt, nicht im geringsten nach Seewasser oder sum- pficht riechen. Man soll auch Acht ha- ben, daß die Steine nicht etwa mit einer gruͤnlichten Kruste umgeben, oder vol- ler Steine seyen, denn der erste Mangel verursachet, daß die Leinwand fleckicht wird, und wohl gar verdirbet: der an- dere vermehrt das Gewichte, und macht die Leinwand gleichfalls fleckicht, nach- dem naͤmlich die Steine, die darinne be- findlich, und insonderheit, wenn es Zie- gelsteine sind. Nicht weniger mag man zusehen, daß die Ballen uneroͤffnet: denn es giebt Leute, welche die guten Stuͤcken herausnehmen und schlechte dafuͤr hin- ein legen. Und endlich soll man diejeni- ge der andern vorziehen, welche in klei- nen Stuͤcken ist, so groß wie die Kiesel- steine, daher auch der Name Cailloti entstanden, denn diese ist gemeiniglich gut, und weniger Gefahr dabey, als wie bey der, die in grossen Stuͤcken, oder gantz zermorselt ist. Die Alicantische Suda wird haͤuf- fig von den Glasmachern zum Glasma- chen verbraucht, denn sie die basis und das Grundstuͤcke, sowohl zum Glase, O als Der Spezereyen und Materialien als zu dem feinen Schmeltze ist, wie aus folgenden zu ersehen. Es brauchen sie ferner die Seiffen- fieder sehr, alswelche das Saltz, das sie hernach unter die weisse und marbrirte Seiffe thun, daraus ziehen. Noch eine weit groͤssere Menge der Spanischen Suda wird zu Paris und in den um- liegenden Dorffschaften verthan und an die Waͤscherinnen verkauffet, welche das leinene Geraͤthe damit weiß zu wa- chen pflegen. Man ziehet mit Wasser ein weisses Sal alkali. Saltz aus der Suda, welches Sal kali oder Alkali genennet wird: denn Al, ein Arabisches Wort, bedeutet Saltz, und Kali, die Suda. Wobey zu mer- cken, daß sonst kein einiges Saltz den Na- men Sal alkali fuͤhren soll: denn obschon die salia fixa aller und ieder Kraͤuter gleichfalls salia alkalia genennet werden, geschiehet es doch mit diesem Unterschie- de, daß man den Namen des Krautes dazu setzet, z. E. Sal alkali absinth. centaur. min. und dergleichen mehr. Und darum sollen Kauffleute bey denen das Sal alkali gesuchet wird, durchaus kein anderes, denn das Saltz von der Suda geben. Es wendem zwar etliche vor/ das rechte Sal alkali sey das Glassaltz, oder die Glas- galle, allein diese betruͤgen sich, wie in folgenden Capitel zu ersehen seyn wird. Sie werden sich demnach in Acht neh- men, und es nicht mehr hinfort fuͤr das Sal alkali verkauffen. Suda von Cartagena. Die andere Gattung ist die Suda von Cartagena, welche an Guͤte von der Alicantischen unterschieden, massen sie nicht so blau, und mehr Kruste drum her ist, die Loͤchlein aber sind viel kleiner, und die Ballen weit groͤsser. Suda von Bourde. Die dritte Suda, mit dem Zuna- men von Bourde, soll gaͤntzlich ver- worffen werden, weil sie zu nichts nicht tauget, als die Kaͤuffer damit zu betruͤ- gen: es ist eine Suda, die recht uͤbel be- schaffen, und gemeiniglich feuchte ist, schwartz und gruͤnlicht, uͤberaus stin- ckend. Suda von Cherbourg oder Vareq. Die vierte ist die Suda von Cher- bourg mit dem Zunamen Vareq . Sie wird aus einem Kraute, das langs der Kuͤsten von Normandie waͤchst, berei- tet, und ist gleichfalls gar uͤbel beschaf- fen, denn sie gar zu feuchte und voll Steine ist, wie Koth siehet und riecht. Diese beyde Sorten, zusammt derjeni- gen, welche von den Seiffensiedern kommt, und ihres Saltzes entbloͤset ist, dienen allein zu Verletzung der Gewis- sen dererjenigen, die sie gestossen oder Stuͤckweise verkauffen, denn sie solcher- gestalt die armen Waͤscherinnen, die sie gebrauchen, betruͤgen. Weil aber die- se Arten Suda fast gar kein Saltz bey sich haben, deswegen mischen sie Kalch drunter, welches denen, die es stossen und vermengen, grosse Ungelegenheit verur- sachet, indem es ihnen die Haut von den Fingern frißt. Sie mengen ingleichen tausenderley andere Dinge drunter, theils, um das Gewichte also zu vermeh- ren, und dann, damit sie besseres Kauffs geben koͤnnen, als rechtschaffene Kauff- leute, die dergleichen Leichtfertigkeit zu begehen sich nicht entschliessen wollen. Jch vermeine, diß solle genug gesaget seyn, die Spezereyhaͤndler von Verfaͤl- schung der Suda und anderer Waaren abzuhalten, denn sie sodann ein frey Gewissen haben, und vielmehr gewin- nen werden, als wenn sie sich auf solchen Mischmasch legen, werden auch verur- sachen, daß sie ein ieder um einerley Preiß verkauffen muͤsse, und niemand betruͤge, bevoraus die Waͤscherinnen, welche arme Leute ofters kaum das Geld haben die Suda zu bezahlen, und noch dazu die meiste Zeit ihre eigne Sa- chen versetzen muͤssen. Wenn sie nun diese Wahre, die ihnen so viel Muͤhe ge- kostet, bis sie dieselbige bekommen, ge- brauchen, finden sie sich genoͤthiget, sie wegzuschmeissen, und mit groͤssern Un- kosten frische Lauge, gleich als haͤtten sie gar keine bereitet gehabt, anzustellen, welches ihnen denn grossen Schaden und Kuͤmmernuͤß bringet. Anderseits aber muͤssen diejenigen, die diese Waaren von noͤthen haben, sich auch das Geld nicht dauren lassen, denn der geringe Preiß, darum man sie zum oͤftern verlanget, ist Schuld und Ursach an dem Betruge, der dabey vorgehet, welches doch von keiner schlechten Wich- tigkeit ist, indem das gemeine Wesen drunter leidet. Das Hauptbeschreibung ersten Theils fuͤnfftes Buch. Das zwey und zwantzigste Capitel. Vom Glassaltze. L E Sel de verre, von den Gewercken Sa- lin und Ecûme de verre, Glasschaum, Glasgalle genannt, ist eine Feistigkeit, die auf dem Glase stehet, wenn es im Flusse ist. Dieser Schaum kommt sonst von nichts als von der Suda oder von der Asche, welche die Glasmacher zum Glasmachen gebrauchen; denn die Kie- selsteine, die sie dazu nehmen, geben kei- nen Schaum. Es soll aber die Glasgalle in gros- sen Stuͤcken seyn, aus- und inwendig weiß, schwer, und dem Marmor, soviel nur moͤglich, gleich sehen: hingegen, welche garstig, schwartz und feuchte ist, soll verworffen werden. Die Glasgalle ist sonderlich bey denenjenigen im Brauch, welche den weissen Schmeltz bereiten, mit dem her- nach die (blau und weissen) Geschirre von Fayence verglasuret werden, denn es hilfft den Sand zu Glase machen: und ist merckwuͤrdig, daß die Glasgalle den Glasmachern nicht diene, daherge- gen die Toͤpfer, welche die obgedachten Geschirre verfertigen, derselben nicht entrathen koͤnnen. Wenn der dicke Glasschaum abge- nommen, findet sich noch ein anderer unter diesen, daraus allerley Zeug ver- fertiget wird: wir nennen ihn Suif de verre, Glasschmutz . Glasschmutz. Das drey und zwantzigste Capitel. Vom Crystallin. D Urch dieses Wort werden die klaren Glaͤser und Schmeltze verstanden, welche aus der Suda von Alicant und Sande, mit einander zu Glase ge- Unterschiede- ne Arten Schmeltz- glas. schmoltzen, bereitet worden. Diesem Crystall giebt man eine Meerwasser- oder Meer-Elster-Farbe, wenn es mit Cyprischen Vitriol oder rothen Kupfer gefaͤrbet wird: gruͤn wird es mit gelben Kupfer oder Nadler-Feilstaub: Pur- pur, mit Magnesie oder Braunstein: roth, wie der Rachen eines Loͤwen, mit rothen Kupfer und Eisenrost: hellroth, mit rothem Kupfer: fein roth, wie ein Rubin, mit Gold und eben solchem Kupfer: gelb, mit Eisenrost und Meer- wasser, dazu etliche noch Quecksilber und Bley zusetzen: agat Farben, mit Silber und Schwefel: gelb wie Ambra, oder Glascorallen, mit Minie: gruͤn als ein Schmaragd, mit gelben Kupfer: ame- thistenfarbicht, mit Braunstein. Wann diese unterschiedene Glaͤser beym Lampenfeuer geschmoltzen und ge- blasen worden, so wird daraus, was wir geblasen und glaͤntzend Glas nennen, dessen sich hernach die Goldschmiede und die Glasmahler bedienen, um es mit de- nen aus Zinn bereiteten Schmeltzen zu vermischen. Was ihre Erkenntnuͤß anbetrifft, da kan niemand, als die damit umgehen, besser wissen, ob sie gut und schoͤn, ab- sonderlich der rubinrothe, als dessen Far- be im Feuer verschiesset. Das vier und zwantzigste Capitel. Vom Lasur. A Zur en pierre, oder Schmalte ist ein aus Suda von Alicant, gebrannten Weinstein, Sand und Saffran berei- tetes Glas. Diesem giebt man eine mehr oder weniger dunckle Farbe, nach- dem man naͤmlich viel Saffran ( wird Zaffera heissen sollen ) dazu thut; wel- ches auch Ursach ist, warum wir mehr und weniger gefaͤrbten Asur und Schmeltz haben. Die Teutschen stos- sen dieses Glas oder Stein zu Pulver, und machen daraus, was wir Azur en poudre, gepuͤlverten Asur nennen. Gepuͤlverter Asur. Aus diesem zu Pulver gestossenem Lasur wird eine Art Schmeltz gemacht, wel- cher schoͤner oder schlechter ist, nachdem er fein oder hoch an Farbe. Die Hol- laͤnder uͤbersenden uns blauen Schmeltz, der zwar uͤberaus blaß sie- het, nichts destoweniger aber weit hoͤher geschaͤtzet wird, auch viel theurer ist, als die andern Gattungen des Schmeltzes, weil er ein gar schoͤnes Blau, das dem Ultramarin sehr nahe kommt, giebet, O 2 wenn Der Spezereyen und Materialien wenn es mit Oel gebrauchet wird, daher ihm der Name Hollaͤndisch oder ge- mein Ultramarin gegeben worden. Dieses Lasur muß sandicht und koͤr- nicht, auch so dunckelblau seyn, als im- mer moͤglich. Was aber das Hollaͤn- dische Ultramarin betrifft, ie feiner und blasser es ist, ie hoͤher wird es gehal- ten, denn ie mehr man es reibet, ie mehr verliehrt es die Farbe, welche iedennoch wiederkommt, wenn es gebrauchet wird. Das Lasur und die Schmalte brau- chen die Mahler sehr, wiewohl keine Farben so schwerlich zu gebrauchen sind, als wie diese, dieweil sie keinen Coͤrper haben. Man braucht auch die Schmal- te, und faͤrbt das Kraftmehl oder die weisse Staͤrcke damit, und macht blaue Staͤrcke davon. Das fuͤnff und zwantzigste Capitel. Von der Taͤfflein Schmalte. E Mail en tablette, wird auch gemeiner Jndigo genennet, und ist unsortirt und unter einander, hoch von Farbe. Es wird naͤmlich von Jndigo aus den Jnseln und Kraftmehle mit Gummi- wasser ein platter Teig gemacht, und hernach in kleine Taͤfflein von gehoͤriger Groͤsse und Dicke zerschnitten. Dieser Jndigo dienet zu Zeichnung der Schoͤpse. Allein, diß ist das verdrieß- lichste, daß ihn ihrer etliche denen, die sich nicht darauf verstehen, fuͤr rechten Jndich verkauffen, welches iedennoch gar leichte kan gemercket werden, weil dieser Jndich zu viereckten dicken Stuͤck- lein gemachet ist, gruͤnlicht blau siehet, und wann er ins Wasser geleget wird, faͤllt die Schmalte zu Boden, und sieht als wie Sand, welches an dem recht gu- ten niemahls zu spuͤren. Das sechs und zwantzigste Capitel. Von der Rochetta. D Je Rochetta oder Levantische Asche, kommt von dem zu Asche verbrennten Kraute, auf Frantzoͤsisch Roquette, zu Teutsch Raucken genannt, und wird deshalben Levantische Asche geheissen, weil sie zu S. Johann von Acre, 10. Meilen von Jerusalem und Tripoli in Syrien bereitet wird. Doch ist die erste die beste. Meines wissens hat die Rochetta keinen andern Nutzen, als daß die Seif- fensieder und Glasmacher Seiffe und Glas daraus machen. Betreffend die Wahl, da ist wohl nie- mand, der sie besser erkennen kan, als diese Handwercksleute, nachdem sie die- selbe vorher gepruͤfet. Die von S. Johann von Acre kommt in grauen, die von Tripoli aber in blauen Saͤ- cken. Ohne dieses gemeldte Kraut ver- brennt man auch, insonderheit in Lo- thringen, noch ein ander Kraut, Fougere, Fahrenkraut genannt, und braucht die Asche an statt der Suda, Bouteil- len daraus zu machen, die man hernach- mahls de fougere, Flaschen von Fahren- kraut heißt. Wir verkauffen uͤber diß annoch Asche in Tonnen, die aus dem Lande Morvan von Montargis kommt, und deswegen schwartze Asche oder Asche von Morvan genennet wird. Sie soll schwartz seyn, uñ sehr scharff auf die Zunge fallen, das ist, sie soll soviel, als immer moͤglich, saltzicht seyn. Habet Acht, daß sie nicht mit Wasser angefeuch- tet. Die Waͤscherinnen brauchen sie an statt der Suda. Ausserhalb dieser Tonnenasche, giebt es auch noch Dantziger Asche : allein das wenige, das wir davon bekommen, verdient nicht, daß man viel Worte da- von mache. Ferner verkauffen wir le Groisin, d. i. zerbrochen und zerstuͤckt Glas, das wir von unterschiedenen Orten kommen las- sen, damit es wieder umgeschmeltzet und andere Glaͤser daraus gemachet werden moͤgen. Ende des Buchs von Blaͤttern. Des Hauptbeschreibung ersten Theils sechstes Buch. Des Ersten Theils Der Hauptbeschreibung der Spezereyen und Materialien Sechstes Buch. Von Blumen. Vorrede. D Je Blumen sind die ausgearbeiteten Knoͤpfe/ unterschiedener Groͤsse und Farbe/ welche die Vegetabilien von sich stossen/ und daraus ihre Fruͤchte und ihre Samen entstehen und wachsen. Eine Blume aber hat drey Theil, den Kelch oder die Decke/ das Laub- werck zusamt dem Boden/ und das Hertz oder die Mitten. Das Wort Fleur kommt her von dem Griechischen Worte φλὼξ und dem Lateini- schen Flos oder flamma, welches eine Flamme bedeutet, dieweil man will/ die Blumen stelleten eine Gattung Feuerflammen vor. Jch aber werde in diesem Capitel ohne die Blumen dieser oder jener Kraͤuter/ die wir verkauffen, auch die Blumen/ oder dererselben Theile, ingleichen die Gewaͤchse, welche in diesem Wercke keine Stelle haben kun- ten, indem sie kein gewisses genus und Geschlechte hatten, als da ist Spi- ckenard/ Thymseide, und andere mehr, zugleich begreiffen. Das erste Capitel. Vom Cameelheu. S Quinanthe, Stecananthe, Fleur d’ Esquinant, ou de Jonc odorant, Pature de Chameau, Cameelheu/ Cameel- stroh, ist die Bluͤte eines kleinen Kraͤutleins, oder besser zu sagen, einer gewissen Art Binsen, welche in dem gluͤcklichen Arabien, unten am Berge Libanon waͤchst, und von dan- nen uͤber Marseille zu uns gebracht Siehe Fig. 157. wird. Wenn es noch auf dem Stocke stehet, ist es ohngefehr des Fusses hoch, hat eine knotichte, schlechte Wurtzel, mit kleinen, harten, langen und weissen Fa- sen besetzt; aus ieder Wurtzel steigen viel kleine Roͤhrlein, die ebenmaͤßig har- te sind, in der Dicke, Figur und Farbe ei- nes Gerstenhalms: drauf solgen kleine Bluͤmlein, die uͤber und uͤber rauch sind, als wie Sammet, und am Boden leib- farben sehen, so daß diese Bluͤmlein, wenn sie in der Bluͤte stehen, wunderan- genehme anzuschauen. So angeneh- me nun die Blume dem Gesichte, so lieb- lich ist sie dem Geschmacke, inmassen sie einen heissen, beissend- und aromatischen Geschmack hat. Die Blumen und Binsen werden uns von Marseille iedes absonderlich, uͤberschickt; die Binsen in Buͤndlein, die Blumen aber, wie sie gesammlet wor- den, bald rein, bald ziemlich voll Wust. Deswegen pflegen sie die Apothecker, welche gerne schoͤne Sachen bereiten, in einem Tuche zu reinigen, welches aber eine verdruͤßliche Arbeit ist. Auch muß man die frischesten, und die am schoͤnsten und fein roth sehen, erwehlen. Das Cameelheu hat keinen sonder- lichen Nutzen in der Artzney, ausser daß es meistentheils zum Theriac verbrau- chet wird. Weil aber die Bluͤte insge- mein rar ist, und theuer, deshalben mag man statt ihrer sich der Binsen bedienen: wenn sie aber nicht gar zu theuer sind, und man kan sie haben, soll man die Binsen nicht dazu nehmen, sondern die Bluͤte, denn diese vielmehr Kraft hat. O 3 Das Der Spezereyen und Materialien Das andere Capitel. Von Provins-Rosen. Siehe Fig. 158. D Je also genannten Provins-ro- sen sind sattrothe Blaͤtter, als ob sie von Sammet waͤren, und werden von Provins, einem Staͤdtlein, achtzehen Meilen von Paris entlegen, gebracht. Diese Rosen wachsen dermassen haͤuffig um dieses Staͤdtgen, daß ohnstreitig der Boden daselbstherum zu Erbau- und Erziehung dieser Art Rosen uͤberaus geschickt und tuͤchtig seyn muß: denn die Provinsrosen uͤbertreffen an Guͤte und Anmuth alle die andern, sie moͤgen auch herkommen, wo sie wollen. Diß aber traͤgt ein gutes zu ihrer Vollkommen- heit bey, daß die Einwohner desselben Ortes sie so gar geschicklich aufzutrock- nen wissen, daher sie auch Geruch und Farbe viel laͤnger als die andern be- halten. Man bringt uns aber zweyer- ley Sorten Rosen von Provins, die wir vermittelst unterschiedener Namen von einander zu unterscheiden pflegen, denn die schoͤnsten nennen wir Roses de la bonne ou grande sorte, von der guten oder feinen Sorte, und die andern de la moyenne sorte, von der mittlern oder ge- ringern Art Rosen. Wann diese Ro- sen recht vollkommen sind, muͤssen sie schwartzroth, und als wie mit Sammt bezogen sehen, wohlriechend, recht tru- cken, ohne Steine und kleine Blaͤtter, so viel nur moͤglich, auch gewiß von Pro- vins seyn: sie duͤrffen ingleichen nicht mit einem oder dem andern Sauern an- gefaͤrbet seyn, welches leichte daran zu mercken, wenn sie gar zu hellroth sehen, auch die Farbe bald verschwindet. Wer mit den Provins-Rosen star- cken Handel treibet, muß Sorge tragen, daß sie an trucknen und wohlverwahr- ten Orten aufbehalten werdẽ, damit kei- ne Luft dazu komme; sie muͤssen auch starck zusam̃en gepꝛesset seyn, sodann koͤn- nẽ sie in solchem Zustande ein oder andeꝛt- halb Jahr lang dauren: nach Verflies- sung dieser Zeit verlieren sie die Farbe und den Geruch, was man fuͤr Vorsicht gebrauche, und wachsen Wuͤrme drin- ne. Etliche legen alt Eisen dazu, und trachten dadurch zu verhindern, daß die Wuͤrme drein gerathen. Die Provinsrosen werden von maͤnniglich hochgehalten, weil sie sehr adstringi ren, und zu Staͤrckung der Ner- ven und anderer geschwaͤchter Leibes- theile, sie seyen geqvetschet oder verren- cket, sehr dienlich sind, wenn man sie in Tropfweine oder mit Weinhefen auf- sieden lassen. Zur Artzney werden sie sehr gebraucht, und zu vielen Composi- tion en genommen. Seit dem aber die Provinsrosen etliche Jahre her so theu- er gewesen, weil ihrer nicht viel gesamm- let worden, haben sich die meisten Apo- thecker, welche die Provinsrosen zu ver- kauffen und zu brauchen pflegen, an un- sern rothen Rosen, die um Paris und an andern Orten wachsen, begnuͤgen lassen, wiewohl solches unrecht ist: und eben deswegen werden ietziger Zeit bey weitem nicht so viel Provinsrosen ver- than, als wie vor diesem. Die aber et- was daran gewinnen wollen, haben des- sen gar schlechte Ursache, indem die an- dern Rosen den rechten Provinsrosen weder an Guͤte noch an Kraft beykom- men, moͤgen uͤberdiß auch nicht so lange aufbehalten werden, ohnerachtet diese Leute alle Muͤhe darauf wenden. Die rechten Provinsrosen werden in Jn- dien dermassen hochgeschaͤtzet, daß sie wohl ehe um gleiches Gewichte Gold verkauffet worden sind: sie muͤssen sie haben, sie gelten auch was sie wol- len. Ausserhalb der grossen Menge der Conserve von rothen Rosen. Provinsrosen, die wir verkauffen, las- sen wir auch daselbst her truckne und fluͤs- sige Conserven und Rosenzucker, wie auch zuweilen den Syrup und Rosen- saft kommen, weil diese Sachen allda am besten zugerichtet werden, und darff nur niemand gedencken, daß dieser Zu- cker und Saft daselbst nicht weit besser gemacht wuͤrden, als diejenigẽ, welche an andern Orten und von andern Rosen bereitet werden. Was die Wahl die- ser Conserven und Syrup betrifft, da duͤrffen sie nur zu Provins zugerichtet seyn; man muß auch zusehen, daß sie nicht mit Vitriolspiritus oder andern sauern angeroͤthet werden, welches nur gar zu oft geschicht, bevoraus, wenn sie zu alt sind. Diese Conserven werden sehr Hauptbeschreibung ersten Theils sechstes Buch. sehr hoch gehalten, und zwar die fluͤßige oder feuchte, damit einer eine Purgantz in boli forma, auf einmahl oder auf einen Bissen koͤnne zu sich nehmen, oder, weil sie zu Hertz- und Magen-Staͤrckung dienlich ist. Die truckne ist zu eben dergleichen Kranckheiten, wie nicht we- niger die Engbruͤstigkeit zu vertrei- ben, und den Durchlauff zu stillen. Der Syrup hat gleiche Kraft, nur daß er das seine mit keiner solchen Staͤrcke verrich- tet. weisse Rosen- zucker. Sie bringen auch uͤber diese eine Con- serve und Zucker von weissen Rosen von Provins, welcher fast eben solche Kraͤfte, wie der von rothen Rosen, bey- geleget werden: doch kan ich wohl sa- gen, daß sie nicht so haͤuffig verthan werde. Wir lassen noch ferner eine andere fluͤßige Conserve von Provins brin- gen, oder besser zu sagen, einen in Pro- vinsrosensafte zerlassenen und hernach bis zu einer Syrupconsistentz eingesot- tenen Honig: diesen nennen die Apo- thecker mel rosatum, Rosenhonig, und soll seine gebuͤhrende Dicke haben, gantz klar, d. i. wohl clarifici ret und bestmoͤg- lichst bereitet seyn. Er wird fast zu nichts anders als zu Gurgelwasser und Bevestigung des Zahnfleisches gebrau- chet, sonderlich, wenn man sich seiner nebst dem Saltzgeiste zu Reinigung der Zaͤhne bedienet. Allein, aller Rosen- honig, den die Apothecker verkauffen, wird von ihnen selbst, von den Rosen, die hieherum gewachsen, gemacht, und zum oͤfftern nicht gnugsam gelaͤutert; siehet demnach viel ehe wie Hefen, als gekoch- ter Honig aus. Doch hiervon muß man rechtschaffene Leute ausschliessen, denn es ja noch wohl etliche Apothecker, erfahrne Maͤnner, zu Paris giebet, welche allezeit das schoͤnst- und beste neh- men. Dahingegen sind ihrer auch, die solche Waaren fuͤhren, welche gar nicht taugen, daß sie ein Mensch in seinen Leib nehme, dieweil sie haͤßliche und unnuͤtze Dinge dazu gebrauchen, sie auch diesel- ben gar selten verkauffen. Diesem aber waͤre gantz leichtlich abzuhelffen, wenn nur das Volck nicht so geitzig waͤre, als es ist, und die Besichtigungen, welche al- le Jahre zu bestimmter Zeit pflegen ge- halten zu werden, fein allgemein und durchgehend waͤren, das heißt, wenn man dem einen nicht mehr, denn dem andern nachsaͤhe. Uber alle diese præparata und Sachen, die von Rosen bereitet werden, verkauf- fen wir noch weiter, als Confiturirer, den Syrup von leibfarbenen, oder un- sern gemeinen Rosen, wie bereits oben im XLIX. Cap. des II. Buchs erwehnet worden. Und dieser muß mit recht gu- ter Brasilianischer Cassonade oder weis- sem Zucker bereitet seyn, wenn er, wie sichs gebuͤhret, beschaffen seyn soll: er muß auch die gebuͤhrende Dicke, und da- bey einen guten Geruch und Geschmack haben. Belangend desselben Bereitung, so machen ihn etliche per infusionem, wenn sie blos das siedend heisse Wasser auf die Rosen giessen; andere aber machen ihn mit Rosenwasser selbst, auf die Weise, wie in den meisten Buͤchern von der A- potheckerkunst gewiesen wird. Weil auch die Kunst allerhand Rauchwerck zu verfertigen einem ieden erlaubet ist, deshalben verkauffen wir desgleichen Rosenwasser, das wir bey den Apothe- ckern und Wasserbrennern, die es berei- ten, kauffen. Uns aber ist nicht vergoͤn- net einigerley Waaren zuzurichten, ob es wohl das groͤste Unrecht von der Welt ist, indem es viel besser waͤre, daß ein ie- der selbst bereitete, was er verkauffet, eines Theils darum, damit er davon Red und Antwort geben koͤnte; denn es sind viel Sachen, deren man keine rechte Kundschafft haben kan, ob einer auch noch so verstaͤndig ist, und die Sa- che noch so genau untersuchet; zum Theil aber, damit sich keiner auf den an- dern beruffen koͤnte. Dieses kan man bey dem Rosenwasser beobachten, denn es Muͤhe genug setzet, will einer dasje- nige, welches von lauter leibfarbenen Rosen gemacht ist, von dem unterschei- den, da unter die Rosen Rosenholtz ge- mischet ist. Andere machens noch schlimmer, sie distilliren Brunnenwas- ser, daß sie doch bestehen koͤnnen, und schuͤtten etwas weniges Rosenoͤl dazu: andere aber nehmen sich nicht einmahl die Muͤhe es zu distilliren, sondern ma- chen auf solche Weise zu aller und ieder Zeit Rosenwasser um selbst beliebigen Preiß, welches aber rechtschaffenẽ Han- delsleuten grosses Nachtheil bringt. Des Rosenwassers Gebrauch ist ie- derman Der Spezereyen und Materialien derman gnugsam bekant, daß unnoͤthig mich lange dabey aufzuhalten, doch wird es meistentheils in Zufaͤllen der Augen verbrauchet, wie nicht weniger sonst von vielen Leuten, Parfumirern, Pastetenbeckern und dergleichen. Was anlanget, wie das Rosenwasser zu erkennen, da kan ich keine bessere Nachricht ertheilen, als diese: man neh- me es bey rechtschaffenen Leuten, und nicht bey den Hausirern, die es von Haus zu Haus herum tragen, und oͤf- ters nichts taugliches Zeug verkauffen. Es soll aber einen guten Geruch haben und nicht brandicht riechen, auch fein helle sehen: ingleichen soll es aufs laͤng- ste vor dem halben Jahre abgezogen, und das erste seyn; denn dieses ist besser, als das hinten nach kommt, wie einem iedweden, der damit umgehen kan, be- kannt genug; daß naͤmlich allezeit das beste sey, was von den aromatischen wuͤrtzhaften Kraͤutern zu erst uͤbergehet, obgleich ein neuer Autor spricht, wenn man das Rosenwasser bereite, so gehe zu erst das Wasser, nach diesem der Spiri- tus, und dann das Oel heruͤber: denn es geschiehet gerade das Widerspiel, und gehet das Oel mit samt dem wohlrie- chenden Wasser flugs zu erst heruͤber. Es wird auch ohne das Wasser ein Rosenspiri- tus. wohlriechender Spiritus aus den Ro- sen gezogen, welcher sich leichtlich ent- zuͤndet, und zu Staͤrck, und Erfrischung des Magens und Hertzens gar dien- lich ist. Desgleichen kan man ein weisses sehr starck riechend Oel aus den Rosen ziehen. Rosenoͤl. Allein, weil es so unmaͤßig theuer, und man so gar wenig daraus bekommt, die- serwegen verkauffen wir es auch gar sel- ten. Es melden etliche Autores; die Rosen, welche in dem Kolben, oder in dem Gefaͤß, welches Rosaire genennet wird, nachdem sie abgezogen, als ein Teig zuruͤcke bleiben, seyen eben dasje- nige, was man chapeau oder pain des Ro- ses, Rosenhut oder Rosenkuchen zu nen- nen pflegt, und als eine Staͤrckung ge- brauchet wird. Jch aber fuͤr meine Person, kan nicht unterlassen zu sagen, daß diese ausgekochten Rosen keine son- derlichen Kraͤfte haben, und daß dieje- nigen, welche dergleichen Rosenbrod verlangen, diese, daraus allein der Saft gezogen worden, denen andern vorzie- hen sollen; denn es ja die Vernunfft giebt, daß eine ausgekochte Sache nie so viel Kraͤfte habe, als diejenige, daraus nur der Saft gezogen; absonderlich wenn es Gewuͤrtze sind. Dieses mein Vorbringen wird noch mehr dadurch bestaͤtiget, daß man von den ausgekoch- ten Rosen nie so viel fixes Saltz machen kan, als von denen, daraus nur der Saft gezogen ist: dazu braucht es auch grosse Muͤhe, bis man sie trocknet, obgleich ein Rosensaltz daraus gezogen werden kan. Der wenige Gebrauch ist Ursach, daß ich nichts weiter davon melde. Kurtz: aus den Rosen werden so vielerley Sa- chen gezogen, daß ohne dieselben die Me- dicin nicht halb so bluͤhend waͤre, als sie ist. Das dritte Capitel. Vom Saffran . D Er Saffran, den die Lateiner we- gen seiner roͤthlichten Farbe Crocus nennen, ist ein Faͤslein, oder besser zu sagen, ein klein Faͤdemlein, das an dem einen Ende uͤberaus schoͤn roth ist, an dem andern aber gelb, und wird von vie- len Orten in Franckreich zu uns ge- bracht. Siehe Fig. 159. Es ist eine Zwiebel, die den Saff- ran traͤgt, und gleichet unsern dicken Schnittlauch; ausser, daß sie etwas roͤ- ther und runder ist; daraus entspriessen mit langen gruͤnen und schmalen Blaͤt- tern besetzte Stengel, nach denen waͤchst die Blume, von Farbe bleu mourant, in deren Mitten drey kleine Faͤslein be- findlich, welche dasjenige sind, das wir Saffran zu nennen pflegen. Der allerbeste und vollkommenste Saffran, der auch am meisten geach- tet wird, ist der von Boisne und Bois commun en Gatinois, einer Land- schaft in Poictou/ woselbst er mit groͤ- stem Fleisse gebauet wird, indem er des Landes groͤster Reichthum ist. Jm Fruͤhlinge werden die Saffranzwiebeln, Reihenweise, als wie die Reben, des Fusses tieff in die Erde gesetzt, die als- dann im ersten Jahre nichts nicht, als Kraut hervorstossen, welches den gan- tzen Winter hindurch, bis zu Anfang des Sommers gruͤn bleibet, hernach ver- Hauptbeschreibung ersten Theils sechstes Buch. vergehet es. Das andere Jahr bre- chen sie wiederum hervor mit einer blau- lichten oder gris de lin farbichten Blu- me, in deren Mitte drey Faͤslein stehen, welche der Saffran sind. Wann er nun zum sammlen tauglich worden, welches in den September und October faͤllt, sodann sammlet man ihn vor Aufgang der Sonnen, zieht ihn alsofort zusamt der Blume heraus, uñ legt ihn, nachdem er vorhero wohl gesaubert, auf Flechten, darunter ein klein Feuer gemacht ist, da- mit er trocken werde. Des andern Mor- gens kehrt man wieder dahin, auch die andern Blumen, welche aufs neue her- vorgekommen, einzusammlen: denn es ist verwunderlich, daß diese Zwiebeln alle 24. Stunden frische Blumen her- vortreiben. Und also fahren sie taͤglich fort mit einsammlen und auftrocknen, bis die Zwiebeln nichts mehr geben. Allerhand Gattungen Saffran. Es wachsen auch noch mehr Sorten Saffran in Franckreich : in Ora- nien, zu Toulouse/ Angoulesme und Menilla in Normandie ; dieser letzte aber ist der schlimmste unter allen, wie- wohl auch die drey ersteren weder so schoͤn, noch so gut sind, als wie der rech- te Saffran Gatinois, welcher des- wegen den andern allen vorzuziehen. Wenn er nun, wie sichs gehoͤret, beschaf- fen seyn soll, so muͤssen die Faͤslein fein lang und breit seyn, auch als wie Sammt und schoͤn roth sehen, einen gu- ten Geruch haben, auch mit so wenig gelben Blumen, als immer moͤglich, vermenget seyn. Jn der Medicin wird der Saffran starck gebraucht, indem er eine der groͤ- sten Hertzstaͤrckungen, die wir haben, ist. Auch brauchen ihn unterschiedene Hand- wercker, weil er gelb faͤrbet. Die Teut- schen samt den Holl- und Englaͤndern lieben den Saffran Gatinois dermassen, daß sie alle Jahr eine grosse Menge des- selben in ihre Laͤnder verfuͤhren. Gestossener Saffran. Dieweil auch der Saffran gestossen verkaufft wird, derowegen mag man ihn ja nirgend, als bey aufrichtigen Kauff- leuten erkauffen; denn es giebt derer, die solche Sachen drunter mischen, die sich auch die leichtfertigsten Gemuͤther nicht einbilden solten, da doch sein vor- nehmster Gebrauch ist, daß man ihn in Rosenwasser weichet, und den Kindern auch andern, die die Pocken haben, uͤber die Augen streicht. Es ist uͤberdiß eine gar theure Waare, und darum nie- mand ein Dienst, wenn er betrogen wird. Man uͤbersendet uns ferner eine Gat- Spanischer Saffran. tung Saffran aus Spanien/ mit dem aber unmoͤglich etwas anzufangen; daheꝛ rathe ich auch keinem, sich damit zu belegen, denn er gar zu nichts nicht taug. Und dieses ruͤhret blos von der Unwis- senheit der Spanier her, indem sie mei- nen, der Saffran koͤnne anderst nicht erhalten werden, man thue dann Oel dazu. Die Alten bereiteten Kuͤchlein aus Saffran, Myrrhen, Rosen, Kraftmehl, Arabischen Gummi und Weine. Alle diese Stuͤcke zu Pulver gestossen wur- den mit dem Weine zu pastillis gemachet. Diese pastillos oder trochiscos brachten sie ehedessen aus Syrien, und gebrauch- ten dieselben in Zufaͤllen der Augen, des- gleichen den Harn zu treiben. Den al- so zugerichteten Teig nennten sie Croco- Crocomagma. magma, wir aber pastilles und trochisques de Saffran, Saffrankuͤchlein : allein anietzo ist dieses remedium wenig mehr bekannt und braͤuchlich. Aus dem Saffran kan zwar ein Ex- Saffran Ex- tract und Saltz. tract und Saltz gemachet werden, allein ihr hoher Preiß verursachet, daß keines nicht bereitet wird. Was den Saffran aus Oranien betrifft, dessen wir am meisten verkauf- fen, wenn der Gatinois theuer ist, der- selbe muß diesem so nahe kommen, als moͤglich: wiewohl diesem ungeachtet, dennoch ein gnugsamer Unterschied zwi- schen beyden verbleibet, indem er nie- mahls so dicke, noch so gut und schoͤne ist, auch weder die Farbe noch den Geruch hat, wie jener. Das vierte Capitel. Vom Safflor. Siehe Fig. 160. D Jß ist ein gantz gemeines Gewaͤchse, ohngefehr zwey Fuß hoch, mit rau- hen, stechenden, laͤnglichten und ausge- kerbten Blaͤttern versehen. Zu Ende eines ieden Astes entstehet ein Dau- mensdicker, weisser, schuppichter Knopf, P dar- Der Spezereyen und Materialien daraus ein Hauffen roth und gelbe Fa- sen kommen, die wir den wilden oder Teutscher Saffran oder Safflorblu- men. teutschen Saffran, wie auch die Blu- men des Safflors nennen. Weil man sich aber um Paris herum nicht die Muͤhe nimmt, diesen Saffran zu sammlen, derohalben lassen wir ihn aus dem Elsaß, diß und jenseits, Rheins brin- gen, denn daselbst wird er mit allem Fleiß gebauet. Er waͤchst auch haͤuffig in Provence, sonderlich in der Gegend Selon und an andern Orten. Dieser Saffrau wird von den Faͤr- bern gar sehr gebraucht, wird auch spa- nisch Roth davon gemacht; hingegen hat er keinen Nutzen in der Artzney, da doch im Gegentheil der Samen vielfaͤltig ge- brauchet wird. Den Samen belangend, denselben brauchen die Apothecker, wenn sie ihn ausgehuͤlset, zu den morsulis de Cartha- mo, denn er dazu die basis und das Haupt- stuͤcke ist, davon sie auch ihren Namen bekommen haben. Hierzu nun muß er ausgelesen werden, und fein frisch, schwer und voll, auch vollkommen seyn. Der ausgehuͤlsete aber muß nur kuͤrtz- lich von den Huͤlsen gesaubert und fein trocken, auch gewiß vom wilden Saff- ran oder Safflor seyn, sintemahl es ih- rer viel giebt, die an statt des Safflor- samens, zerschnittene Melonen- und Kuͤrbskerne verkauffen, welches ieden- noch stracks zu mercken ist, weil der rech- te Safflorsamen an dem einen Ende rund, am andern spitzig, und niemahl so weiß ist, als wie die Melonen- und Kuͤrbskerne. Das fuͤnffte Capitel. Saffranum. M An uͤbersendet uns ohne den Saff- lor, noch eine Art wilden Saff- ran aus Levante/ sonderlich von Ale- xandria, welches kleine, uͤber die mas- sen zarte, krausse, roͤthlichte Faͤsgen sind. Es ist aber dieser Saffran gleichfalls die Blume einer gewissen Gattung des Carthami, und allein darinne von der ersten Sorte unterschieden, daß dieses Pflantze viel kleiner, denn jenes seine Pflantze ist. Die Blumen soll man er- wehlen, welche hoher Farbe, das ist, schoͤn roth seyn, als wie Sammet, auch so frisch als moͤglich. Das sechste Capitel. Von den Balaustien oder Granatenbluͤten. Siehe Fig. 161. D Je Balaustien/ sind die Bluͤten der wilden Granatbaͤume, die man insgemein aus Levante bringt. Wir verkauffen aber zweyerley Arten dieser Blumen, die feinen und die gemeinen. Durch die feinen verstehen wir diejeni- gen, daran die Blumen annoch beysam- men sitzen, durch die gemeinen aber, wenn es nichts als die Blumenknoͤpfe sind. Weil nun die feinen Balausti- en ein und andern Nutzen in der Artz- ney haben, indem sie adstringir en und an- halten, derowegen soll man solche aus- lesen, die fein frisch und mit ihren Blu- men, welche, breit, hoch von Farbe, das ist, schoͤn roth und wie Sammet sehen muͤssen, annoch versehen sind; anbey muß so wenig Unrath und Blumen- knoͤpfe drunter seyn, als immer moͤglich. Dagegen sollen die gemeinen gaͤntzlich verworffeu werden, weil sie nicht zu ver- kauffen, und aller Kraft entbloͤset sind. Siehe Fig. 162. Was den zahmen Granatbaum be- langet, dessen Bluͤten verkauffen wir gar nicht, denn man kan sie nicht so lan- ge erhalten, als wie die wilden. An de- ren statt aber lassen wir die Menge Gra- Granat- aͤpfel. nataͤpfel aus Provence und Lan- guedoc bringen, weil es eine Frucht, die nicht alleine angenehm zu essen, sondern auch ihren Nutz in der Artzney hat, vor- nehmlich Syrup davon zu machen. Weiter verkauffen wir auch Gra- Granat- schalen. natschalen/ weil sie adstringir en oder anhalten. Nur sehe man drauf, daß sie wohl getrocknet und nicht verschim- melt sind, denn die meisten Leute, die die- se Schalen zu verkauffen pflegen, ver- kauffen nur solche Schalen, welche, noch ehe sie inwendig ausgeputzt worden, ge- treuget sind: wenn sie nun trocken sind, und man will sie verkauffen, so sind sie dermassen schimmlicht, und schmecken so garstig, daß sie dem Patienten viel ehe allen Geschmack verderben, als daß sie ihm zur Labung dienen solten. Wir TAB. XXXIII. Granatbaum. F. 162. p. 227. gefüelte granat-blüten F. 161. p. 227. Rainblume. F. 165. p. 230. Eine ganße blu- me vom Arabischen Stöchaskraute. F. 164. p. 229. Arabisches Stöchaskraut. F. 163. p. 229. Spicanard. F. 167. p. 237. Rosmarin. F. 166. p. 229. Hauptbeschreibung ersten Theils sechstes Buch. Falsche Gra- naten-Con- serve. Wir verkauffen ferner eine trockne Granaten-Conserva, welche nichts an- ders ist, als geschmoltzner Zucker, dem man mit ein wenig Concenille, Cremor Tartari und Alaune eine Farbe gegeben. Sie ist sehr schwerlich zu bereiten, so daß ein Zuckerbecker, wo er sie nicht wohl zu arbeiten weiß, niemahls zu seinem Zweck gelangen wird, aus der Ursache, weil man ein klein wenig Alaune dazu thun muß. Denn unter allen Mate- rialien ist dem Zucker nichts so sehr ent- gegen als die Alaune, welches dann den Jrrthum dererjenigen zur Gnuͤge er- weiset, die da vorgeben, man brauche die Alaune, den Zucker dadurch fein zu machen: und es sind wuͤrcklich vier Un- tzen Alaune faͤhig 2000. Pfund Zuckers am gestehen zu hindern. Allein wieder auf unsere Conserve zu kommen; so mag man gewarnet seyn, daß sich nie- mand zu sehr damit belege, sintemahl gar selten darnach gefraget wird. Uber- diß, wenn sie einmahl feuchte worden, und deshalben nicht mag verkauffet werden, weiß man nicht, was man da- mit anfangen soll; alldieweil sie nicht wiederum kan zugerichtet werden, wel- ches doch mit andern Conserven gantz wohl angehet; blos, weil, wie gedacht, ein wenig Alaun drunter kommt. Kurtz zu sagen, die Alaune thut beym Zucker, was das Oel bey der Dinte. Das siebende Capitel. Vom Arabischen Stoͤchas. D As Stoͤchaskraut wird mit hoͤch- stem Unrechte das Arabische ge- nennt, indem alles, was wir verkauf- fen, aus Provence und Languedoc gebracht wird, denn daselbst waͤchst es in grosser Menge. Siehe Fig. 163. Es ist aber Stoͤchas die Blume ei- nes Krautes, dessen Blaͤtter ziemlich Siehe Fig. 164. schmal und gruͤnlicht sind. Die Blu- men wachsen in Form einer Aehren, in Dicke der Spitze eines Fingers, daraus kommen die kleinen Bluͤmlein, welche blau, fast wie die Veilgen sind. Der Stoͤchas wird meistentheils von Marseille zu uns uͤberbracht, dann er in Menge auf den Hieres Jnseln waͤchset, welche ehemahls Stœchades ge- nennet wurden: scheinet also, ob habe er seinen Namen daher uͤberkommen. Es wird gar selten zur Artzney ge- braucht, deswegen verkauffen wir auch gar wenig. Und eben dieses ist Ursach, daß unser Stoͤchaskraut guten theils alt und verjahꝛet, schier ohne Geschmack, Geruch und Farbe, auch gantz zerstossen ist, da es doch solte schoͤne Aehren und ei- ne blaue Farbe haben. Die Apothecker zu Montpellier erhalten die Farbe der Blumen, indem sie die Blumen, die sie den Bauern abgekauffet, alsofort in Buͤchern trocknen lassen, und haben sol- cher gestalt guten Stoͤchas, den sie alle Jahr verneuen, weil es bey ihnen eine gangbare Waare. Wir verkauffen auch ausser dem Ara- bischen Stoͤchas die Bluͤte der Stœchadis Stœchas citri- næ. citrinæ, der etliche den Namen gelber Amaranth, auch Rainblume, gege- Siehe Fig. 165. ben. Allein sein weniger Gebrauch machet, daß ich nichts davon gedencken werde. Dieses Kraut ist in Provence und Languedoc uͤberaus gemeine. Der Arabische Stoͤchas wird in Spanien dermassen groß und dicke, daß man ihn findet, der wie ein kleiner Fin- ger lang und dicke ist; es giebt auch sol- chen, der weisse Blumen hat. Weisser Ara- bischer Stoͤ- chas. Der Stoͤchas wird vornehmlich zum Theriac gebraucht, und hat keines Auslesens noͤthig, wenn er nur fein dicke, frisch und rein ist, auch violblau siehet. Das achte Capitel. Vom Rosmarin . Siehe Fig. 166. D Er Rosmarin ist ein so gemeines Kraut, daß es gantz unnuͤtzlich seyn wuͤrde, wenn ich es lange beschreiben wolte: wenn auch nicht so unterschiede- ne Sachen daraus bereitet wuͤrden, mit denen wir einen ansehnlichen Handel treiben, wolte ich gar nichts davon ge- meldet haben. Will also bey dem Oel Rosmarinoͤl. den Anfang machen, welches aus seinen Blaͤttern und Blumen gezogen wird, wenn man einen gantzen Hauffen Ros- marin in einen ausdruͤcklich hierzu ver- P 2 fer- Der Spezereyen und Materialien fertigten Kolben thut, und eine gebuͤhr- liche Menge schlecht Wasser dazu geußt, hernach Feuer drunter macht, und auf diese Weise ein weisses klares Oel her- uͤber treibt, welches uͤberaus durchdrin- gend ist, und starck riechet, auch viele herrlich schoͤne Eigenschaften hat. Die Kostbarkeit dieses Oels, zumahl, weil man so gar wenig bekommt, hat etliche veranlasset, dasselbige zu verfaͤlschen, und ein anders dafuͤr unterzuschieben. Wie dann die meisten, die dieses Oel zu verkauffen haben, kein anderes, denn ein solches Rosmarinoͤl verkauffen, dar- unter sie Spir. Vin. gethan: oder sie ver- kauffen Spicoͤl, Lavendeloͤl und andere aromatische Oele an jenes statt, welches aber gar bald zu verspuͤren, denn das wahrhafte Rosmarinoͤl muß weiß, klar und durchscheinend seyn, von lieblichem und durchdringendem Geruch. Essentz oder Quintessentz des Rosma- rins. Dieses Oel, das man mit allem Recht die Essentz oder das fuͤnffte Wesen des Rosmarins nennen koͤnte, hat in der Medicin einen und den andern Nu- tzen: doch wird es weit mehr von den Parfumirern und andern Pri- vatleuten gebraucht, welche zum Theil ihre Saͤfte und Wasser damit anma- chen, zum Theil aber dasselbe zu Heilung der Wunden anwenden, denn es ein herrlich specificum und koͤstlicher Bal- sam zu dergleichen Schaͤden ist. Diese treffliche Eigenschaften haben denen auf dem Theater stehenden Marcktschrey- ern und Qvacksalbern Anleitung gege- ben, daß sie ihre vornehmste Waare daraus bereiten, und stets bey ihrer auf- richtigen Rosmarin-Essentz und Oel zu schweren pflegen, ob schon diese so ge- Falsche Ros- marinessentz. ruͤhmte Essentz blos aus Terpentinoͤle und Burgundischem Peche, das sie unter einander geschmoltzen, zugerichtet, und hernachmahls mit der rothen Ochsen- zungenwurtzel gefaͤrbet ist. Dieses ver- kauffen sie hernachmahls boshafter Weise fuͤr wahres Rosmarinoͤl, und schneiden dergestalt ein ziemlich Stuͤcke Geld aus einer Waare, die ihnen bey nahe gar nichts kostet. Auf solche Weise wird der gemeine Mann betro- gen, insonderheit, wer sich dergleichen Springern vertrauet, und verursachet, daß redliche Leute so gar wenig verkauf- fen, daß es auch kaum der Muͤhe werth ist dran zu gedencken. Die andere Waare, die wir aus den Rosmarinblaͤttern ziehen, ist das so ge- nannte Eau de la Reine d’ Hongrie, das Ungrische Wasser, von dem man vor- Ungrisch Wasser. giebet, es habe ein Einsiedler einer Un- grischen Koͤnigin das Recept dazu gege- ben. Die grossen Tugenden, die man an diesem Wasser, oder eigentlich zu re- den, an dem Weingeist, damit die Kraft der Rosmarinbluͤten ausgezogen wor- den, verspuͤret hat; ingleichen, daß an- fangs von diesem Wasser ein so grosses Wesen gemacht, und es folglich aus der- massen theuer verkauffet wurde: wie es denn wuͤrcklich sehr theuer ist, wenn es, wie sichs gebuͤhret, bereitet worden ist: dieses alles hat den mehrern Theil derer- jenigen, die es gemachet, und noch ma- chen, veranlasset, nach Mittel und We- gen zu trachten, damit sie es um einen wohlfeilen Preiß verlassen koͤnten, auch eine gantze Maas ihnen kaum so hoch zu stehen kaͤme, als sonsten ein halb Stuͤbgen des andern. Und sicherlich, wir haben fast keine eintzige Waare, da- bey so viel Betrug mit unterlaͤufft, als wie bey dem Ungrischen Wasser, abson- derlich, wenn man es von Beaucaire, Montpellier/ und andern Orten in Languedoc kommen laͤßt; vor allen aber, wenn es von gewissen Leuten ist gemacht worden, die ich doch nicht nen- nen will. Denn die meisten, die damit handeln, und eine Handthierung dar- aus machen, nehmen statt der wohlge- reinigten Bluͤten und des recht starcken Weinspiritus, Spir. Vin. dephlegmati, den sie dazu gebrauchen solten, zuweilen die blosen Blaͤtter; bisweilen auch, daß die Blumen annoch dabey; und schlech- ten Branntwein, distilliren es hernach zusammen, und ziehen einen Spiritum Vini heruͤber, der einen uͤber die massen starcken Rosmaringeruch hat: oder, da- mit es noch hurtiger zugehe, so distilliren sie den Branntwein allein, schuͤtten her- nachmahls etwas weniges von dem weissen Rosmarinoͤl dazu, und thun es darauf in die Glaͤser von unterschiede- ner Groͤsse, die sie mit ihrem Pitschaft versiegeln und einen Zettel dran kleben, mit der ordentlichen Aufschrift: Verita- ble Eau de la Reine d’ Hongrie, faite par un tel à un tel lieu: das heißt, aufrichtiges Ungrisches Wasser, durch den und den, an dem und dem Orte gemacht. Ein herr- Hauptbeschreibung ersten Theils sechstes Buch. herrlich testimonium ihre Schelmerey zu bemaͤnteln. Wenn es noͤthig, mein Vorbringen zu bestaͤtigen, darff ich nur aus des Herrn Verin, Apotheckers zu Montpellier, Apotheckerkunst im Tractat von distillirten Wassern das 829ste Blat, und aus des Herrn Char- ras Chymischer Apotheckerkunst das 632. Blatt anfuͤhren, so wird man sattsam ersehen, wie daß ich nicht der er- ste sey, der wider diese Verfaͤlscher gere- det. Jch kan es uͤberdiß selbst bekraͤf- tigen, als der es zum oͤftern an denen- selben Orten habe machen sehen. Wo aber auch dieses nicht genug, will ich mich auf rechtschaffene Kuͤnstler beruf- fen, und vernehmen, ob es wohl moͤg- lich, daß einer dieses Wasser um einen solchen Preiß, als wie diese Kauffleute zu Paris, verkauffen koͤnne, und das Glas noch dazu geben, auch noch daruͤ- ber den Zoll und die Fracht davon be- zahlen. Wenn ich ihnen dieses vorge- halten, antworteten sie mir, die Blu- men kosteten sie ja nichts, worinne ich zwar mit ihnen eins bin; allein die gros- sen Unkosten, die sie so wohl auf die Sam̃- lung der Blumen, als auch dererselben Reinigung, aufwenden muͤssen, benebst der Kostbarkeit des Weinspiritus, den sie dazu gebrauchen solten, diese wuͤrden schon verwehren, daß sie es nicht so wohl- feil hingeben koͤnten; denn sie wuͤrden sich genoͤthiget befinden, eine Maas so theuer zu verkauffen, als sonst sechse: man wuͤrde auch nicht so einen Hauffen Ungrisch-Wasser-Kraͤmer sehen, und dem gemeinen Besten duͤrffte gleichfalls besser gedienet werden. Dannenhero sey iederman gewarnet, kauffe es ja nir- gends, als bey erfahrnen Leuten, die dasselbe zu verfaͤlschen unfaͤhig sind, und kehre sich nicht an den Preiß: denn es ist unmoͤglich, daß es, wie sichs gehoͤret, solte koͤnnen bereitet werden, und dem ohnerachtet, dermassen wohlfeil gege- ben werden. Ob es nun gleich viel ko- stet, dennoch werden diejenigen, die es kauffen, mehr Nutzen dabey finden, als bey dem, das ihnen nicht so hoch zu ste- hen kommt. Das aufrechte Ungarische Wasser kan an seinem lieblichen und anmuthi- gen Geruch erkannt werden: es ist kraͤf- tig, diejenigen, die der Schlag auch noch so heftig getroffen hat, wieder zu sich selbst zu bringen, wenn man es ih- nen vor die Nase haͤlt und einfloͤsset; es vertreibet auch die boͤse Luft. Derglei- chen aber wird man fast bey denen mei- sten in Paris nicht finden, sondern es hat einen dermassen starcken Geruch, daran ohnschwer zu mercken, daß es nur von den Blaͤttern, nicht aber von den Blumen gemacht sey. Damit man also desto besser sehen moͤge, daß das mei- ste nur abgezogener Branntwein sey, so darff man allein etwas weniges in ei- nen silbernen Loͤffel schuͤtten, und auf ei- nen Teller mit Wasser stellen, und Feu- er drunter machen, dann wird man se- hen, daß mehr als der vierte Theil Feuch- tigkeit zuruͤcke bleibe, welches nicht ge- schiehet, wenn es mit dem recht starcken Weingeist bereitet worden ist. Diese Probe ist sehr artig, und kan gleicherge- stalt bey dem Weinspiritus gebrauchet werden, wie ich an seinem Orte weisen will. Das Ungrische Wasser wird so starck gebrauchet, und seine Kraͤfte sind so be- waͤhret, daß ich nichts davon melden mag, sondern will den Leser zu denjeni- gen Buͤchern verweisen, die davon han- deln, wie auch in die Zettel, welche die Verkaͤuffer des also genannten Ungri- schen Wassers umsonst ausgeben. Wir verkauffen auch ohne das Ros- Rosmarin- bluͤten/ Sa- men u. Saltz. marinoͤl und Ungrische Wasser die ge- trockneten Bluͤten, den Samen und das Saltz vom Rosmarin, wiewohl sehr wenig, alldieweil gar selten darnach ge- fragt wird. Nicht weniger den Ros- Rosmarin- bluͤtenzucker. marinbluͤten-Zucker oder Conserve: was den trocknen betrifft, dessen wird wenig verthan. Ferner lassen wir aus Languedoc und Provence Spicoͤl bringen, wel- Spicoͤl. ches aus den Bluͤten und kleinsten Blaͤttlein eines Krautes gezogen wird, das die Kraͤuter-verstaͤndigen Spica, Spic, Lavendula mas, Lavendel, das Siehe Fig. 167. Maͤnnlein, Nardus Italica, Jtalieni- scher Narden, wie auch Pseudo-Nar- dus, falscher Narden zu neñen pflegen. Dieses Kraut ist in Provence und Languedoc so gemeine, daß es weiter nichts kostet, als daß man es hohle. Ob nun gleich diejenigen, die es bereiten, wenig Unkosten aufwenden duͤrffen, und es auch gutes Kauffes geben, den- noch koͤnnen sie das Pfund unter 20. bis P 3 25. Sols Der Spezereyen und Materialien 25. Sols nicht geben; wir aber muͤssen noch mehr Unkosten thun, bis 25. aufs Hundert, und solches wegen des leichten Gewichtes, welches dann den Preiß des Oeles um die Helffte erhoͤhet. Jndes- sen sehen wir zu Paris ihrer viele das Pfund Spicoͤl um 16. und 18. Sols verkauffen, und zwar unter dem Na- men des Spicoͤls von der andern Sorte, damit sie dergestalt den Betrug verde- cken moͤgen. Andere machens noch schlimmer, und geben es um die Helffte wohlfeiler, welches aber daher kommt, daß sie nichts als Terpentinoͤl, dem sie mit ein wenig Peteroͤle eine Farbe wie Agtstein gegeben, verkauffen. Doch ist diese Schelmerey gar bald zu mercken, dieweil das Spicoͤl weiß seyn muß, eines ziemlich aromatischen Geruchs, und ein- tzig und allein die Sandaraca aufzuloͤ- sen vermoͤgend. Es ist dieses Oel vielerley Leuten dien- lich, z. E. denen Mahlern, Schmieden und andern. Auch hat es einigen Nu- tzen in der Medicin, weil es nicht nur un- terschiedene Arten der Schaͤden und Kranckheiten zu heilen vermag, sondern auch, weil es zu vielen Galenischen com- position en genommen wird. Auch lassen wir von eben denenselben Allerley di- stillirte Oele. Orten Lavendel-Majoran-Thy- mian-Salbey- und andere Oele von aromatischen Kraͤutern bringen. Doch hievon kan ich keine bessere Kundschaft mittheilen, als daß man sich zu redlichen Leuten halten solle, denn es ist allzu- schwer, wenn man sie iemand will ken- nen lernen, indem eines dem an- dern an Geruch und Farbe nahe genug koͤmmt. Das neundte Capitel. Von der Thymseide. Siehe Fig. 168. D As Epithymum sieht fast wie Haare, und findet sich auf unterschiedlichen Kraͤutern, z. E. auf dem Thymian, da- her ihm auch der Name Epithymum, Teigne de Thym, gekommen. Wir ver- Venetiani- sche, Candia- nische, inlaͤn- dische Thym- seide. kauffen aber zwey Sorten des Epithymi, eine aus Candien, die andere von Ve- nedig . Jene sind lange braune Fasen, riechen gar aromatisch: die andere her- gegen ist viel kleiner und zerknickt, riecht aber staͤrcker denn die erste. Es giebt auch sonst noch eine andere Sorte dessel- ben, welche unsere Kraͤuterleute unter dem Namen Epitbym de pays, inlaͤndi- sche Thymseide verkauffen; soll aber gaͤntzlich verworffen werden, angesehen sie weder Geruch noch Geschmack hat, dessen die andern dagegen genug haben. Jndessen soll das Epithymum, das Vene- tianische, sowohl, als das aus Candien, fein frisch und wohlriechend seyn, auch so wenig, als moͤglich, zerstossen. Es wird einiger massen in der Artz- ney gebraucht, und zu unterschiedenen Galenischen composition en genommen. Flachsseide. Wir verkauffen auch ohne das Epi- thymum eine Art eines Krautes, welches wir Cuscute, Podagre, Goute, und Angure de lin, die Lateiner Podagra oder Anguria lini, die Teutschen Flachsseiden/ heis- sen. Dieses Kraut und das Epithymum sind einerley, und allein die Kraͤuter, da- ran diese sich hencken, Ursache, daß die Namen veraͤndert werden. Zu dessen Bekraͤftigung will ich allhier anfuͤhren, was dem Herrn Tournefort beliebet hat mir hievon geschrieben mitzuthei- len. Die Flachsseide ist einer sonderbaren Natur; entstehet aus einem sehr zarten Samen, welcher gantz duͤnne Faͤden, wie Haare, hervorbringt, die eben so- wohl, als wie die Wurtzel, gar bald ver- derben wuͤrden, wofern sie nicht andere Kraͤuter nahe bey sich faͤnden, um welche sie sich schlingen, die Stengel und deren Aeste genau umfassen, und ihre Nah- rung aus dieser ihrer Schale ziehen koͤnten. Sie bringt von einer Zeit zur andern etliche Blumen, die als wie Kuͤ- gelgen beysammensitzen. Diese Bluͤm- lein sehen wie kleine Becherlein, sind weißlicht, fast fleischfarbicht, in vier Theil zerschnitten, davon iedes ein noch ziemlich rundes haͤutichtes Samenbe- haͤltnuͤß hinterlaͤßt, mit vier oder fuͤnff zarten braunen, oder grauen Samen gefuͤllet, welche eben so klein sind, als wie der Mohnsamen. Dieses Gewaͤchse waͤchst auf allerley Kraͤutern, ohne Unterschied: wie ich dann mehr als hundert Sorten habe, an die es sich gehencket, und man haͤlt dafuͤr, daß es, indem es von demjenigen Krau- te, das TAB. XXX VI. grosser indianischer Rarden Fig. 170. p. 237 Hirculus Fig. 173. p. 238. Latischer Rarden Fig. 173. p. 238. Frantzösischer Rarden Fig. 171. p. 237. Falscher Rarden Fig. 172. p. 238. Kleiner indianischer Rarden Fig. 169. p. 277. Rarden ohne W uͤrtzel. Satuͤre y voller Th y m seide Fig. 168. p. 235. Aml Fig. 138. p. 185. Hauptbeschreibung ersten Theils sechstes Buch. te, das es umfasset, Nahrung erhaͤlt, auch zugleich desselbigen Kraft uͤber- komme. Jnsgemein wird die Cuscuta, die auf dem Flachse waͤchst, gebrauchet, und eigentlich Cuscuta, Flachsseide, ge- heissen: denn die auf dem Thymian waͤchst und auch zur Artzney gebraucht wird, heißt Epithymum, Thymseide . Sie hat die Kraft, die Glieder zu staͤr- cken, der Eingeweide Verstopfungen bey Seite zu schaffen, und den Harn zu treiben. Das zehende Capitel. Vom Spicanard . S picanaꝛd odeꝛ Jndianischer Nar- den, so des Fingers lang und dicke Aehren, uͤber und uͤber mit kleinen, ziem- lich rauhen, rothen Haaren besetzt, ent- stehet aus einer kleinen Wurtzel, die so dicke ist, als ein Federkiel, und der Ber- tram Wurtzel gar gleich siehet, nur daß sie nicht so lang ist. Man will, der Spi- canard wachse buͤschlicht, hart uͤber der Erde, und stosse einen langen, zarten Stengel hervor: weil ich ihn aber nie- mahls auf dem Stocke gesehen, derowe- gen will ich ihn nur also, wie wir ihn zu verkauffen haben, beschreiben, wie denn auch seine Gestalt, zusamt der Wurtzel auf diese Art gestochen worden, damit man sehen moͤge, daß diese Wurtzeln nicht so duͤnne sind, gleichwie die Auto- res, die davon handeln, vermelden. Jch habe dergleichen Stuͤcken, die eben so gestaltet sind, und unter dem Spica- nard, den ich fort fuͤr fort vertreibe, ge- funden worden. Wir verkauffen aber drey Sorten Narden : naͤmlich den Jndianischen, der deshalben also genennet wird, weil er aus Jndien kommt, und von diesem giebt es zwey Arten, den grossen und den kleinen . Die andere Gattung ist der Berg-Narden/ und kom̃t aus dem Delphinat . Der kleine Jndianische Siehe Fig. 169. Narden sieht, wie die Figur weiset, ist bitter, und hat einen starcken gar an- Siehe Fig. 170. genehmen Geruch. Der grosse ist so lang und dicke, als ein Finger, kommt sonst dem andern ziemlich nahe, ausser daß er insgemein viel braͤuner oder roͤ- ther ist; daraus zu schliessen, daß er nothwendig entweder muͤsse gefaͤrbet seyn, oder aber, daß solches der Unter- schied des Landes verursachen muͤste: Siehe Fig. 171. denn der im Delphinat waͤchst, ist maͤu- sefahl, inwendig, als ob er mit roͤthlich- ten Zweigen besetzt waͤre, und hat eine Wurtzel, des kleinen Fingers dicke, wel- che gedrehet ist, gleich als ob sie einmahl waͤre herum gedrehet worden; sie ist auch mit einen Hauffen Zaͤserlein umge- ben. Der Celtische Narden/ das sind Siehe Fig. 172. kleine schuppichte Wurtzeln, voll ziem- lich langer Zaͤserlein, daraus entste- hen lange Blaͤtter, welche unten schmal, in der Mitten breit, und oben in etwas zugespitzt seyn, gelber auf roth sich zie- hender Farbe, wenn sie trucken sind, und also, wie wir sie verkauffen. Mit- ten aus den Blaͤttern steigt ein kleiner ohngefehr des halben Fusses hoher Sten- gel hervor, an dessen Ende ein Hauffen goldgelber kleiner Bluͤmlein, wie kleine Sternlein sitzen. Dieser Narden wird in Buͤndlein, von unterschiedenen Or- ten hergebracht, meistens aber von den Alpen/ von dannen wir ihn uͤber Mar- seille und Rouan bekommen. Der Celtische Narden wird schier zu nichts, denn zum Theriac, gebrauchet, dazu aber eine lange und beschwerliche Zubereitung desselben noͤthig ist. Denn man muß ihn zuvor eine geraume Zeit in den Keller legen, damit er feuchte wer- de, und man die kleinen Wuͤrtzelgen fein wohl reinigen koͤnne, alldieweil diese ein- tzig und allein unter gemeldte composi- tion kommen. Auch muß man auf unterschiedliche kleine Kraͤutlein, die zwar nicht drunter gehoͤren, und dennoch gemeiniglich sich dabey befinden, Achtung geben, als da ist der falsche Narden/ Hirculus, und Siehe Fig. 173. andere mehr. Man soll den kleinen Jndianischen und den Celtischen Narden erwehlen, der so frisch ist, und so starck riecht, als immer moͤglich: hingegen soll man den grossen Jndianischen nur in Erman- gelung des kleinen gebrauchen; den von den Gebirgen aber gantz und gar ver- werffen. Jedoch, weil der kleine Jndia- nische Narden so gar theuer ist, dahero verkauffen wir seiner sehr wenig; wie- wohl Der Spezereyen und Materialien wohl dieses allein daher kommt, daß die Apothecker, an statt sie ihn zu dem Syrupo de Cichorio composito und zu andern Galenischen composition en, dazu er von Rechtswegen kommen muß, gebrau- chen solten, den Zimmt dafuͤr nehmen, und zur Ursach vorgeben, es hinderte blos sein starcker Geruch, daß sie ihn nicht gebrauchten: welches sie aber sicherlich nicht sagen wuͤrden, wenn der Spicanard wohlfeiler waͤre, als der Zimmt. Das eilffte Capitel. Von der Visnaga. Siehe Fig. 174. V Isnaga, auch Bisnaga, sind die Spitz- lein und Stiele der Dolden oder Kronen eines Gewaͤchses, welches haͤuf- fig in Tuͤrckey waͤchst, von dannen al- les, was wir verthun, gebracht wird. Doch wird es auch in Franckreich gefun- den und erbauet, meistentheils aber nur in dem koͤniglichen Garten zu Paris. Von dem gantzen Gewaͤchse verkauffen wir nichts als die Stiele, weil die vor- nehmen Leute es den Tuͤrcken nach- thun, und sich dererselben an statt der Zahnstocher bedienen, zumahl, da sie ei- nen angenehmen Geschmack haben. Was die Wahl dieser Stiele betrifft, da braucht es weiter nichts, als daß sie fein gantz seyn muͤssen, so dicke und gelb- licht, als nur moͤglich. Das zwoͤlffte Capitel. Von Veilgen. W Jr verkauffen auch ausserhalb der Bisnaga eine gewisse violbraune Blume, die wir aus Provence und Siehe Fig. 175. Languedoc kommen lassen: weil sie nun blau, und denen getreugten Veil- gen aͤhnlich siehet, deswegen hat man ihr den Namen Veilgen gegeben, und um eben dieser Ursache willen gebrau- chen sie die Apothecker zu unterschiede- nen composition en, dazu sie die Mer- tzenveilgen brauchen solten, welches doch ein grausamer Schnitzer ist, wie Charras in seiner Pharmacop. edit. in 4. pag. 334. sehr wohl angemercket hat. Man lasse ihm dahero nochmahls ge- saget seyn, daß diese keine rechten Veil- gen, sondern desjenigen Gewaͤchses Blumen sind, welches von den Botanicis Viola tricolor erecta, an Jovis flos Theo- phrasti, B. Pinac. Viola Martia surrectis cau- liculis Joh. Lobel. Assurgens tricolor Dod. genennet wird. Jm Frantzoͤsischen heißt sie fleur de la Trinité, Dreyfaltig- keitsblume, weil sie, wenn sie noch frisch ist, drey Farben hat, violbraun, blau und gelb. Weil demnach diese Blumen den rechten Veilgen pflegen substitui rt zu werden, deswegen moͤgen die Kauffleute sich berichten lassen, und keine mehr verschreiben, sondern sie viel- mehr samt denen, die eine gelbe Blume haben, nach Alexandria in Egy- pten senden, woselbst sie von den Egyptiern gar sehr gesucht, und in Wasser gekocht, als wie Bier gebrauchet werden; wie auch das Wasser, welches nicht so gar gut ist, damit zu verbessern; und denn, weil dieses decoctum und ab- gesottene Wasser die fallende Sucht curi ret, den Lungenkranckheiten wi- derstehet, und die Brust staͤrcket. Man koͤnte sich dessen bey uns gleicher gestalt bey gedachten Zufaͤllen bedienen, allein es muͤsten auch die Apothecker zu denen- jenigen compositionibus, dazu die Mer- tzenveilgen erfordert werden, den Vio- lensamen nehmen, und nicht die Violen, die wir verkauffen, denn dieselben sind keine Mertzenviolen. Von den feuchten und trucknen Veil- gen-Conserven oder Zucker und dem Veilgensafte will ich nichts gedencken, es handeln die Pharmacopœæ der Herren Bourdon und Charras zur Gnuͤge davon, daselbsthin kan der Leser seine Zuflucht nehmen. Doch will ich sagen, daß der Veilgensaft ein Syrup sey, der, weil er nur blos uͤber dem Feuer aufge- wallet hat, sehr schwerlich laͤnger als ein Jahr zu erhalten ist. Damit man aber verhindere, daß die Farbe nicht verschies- se, er auch nicht jaͤhre, so muß man ihn, nach dem Exempel derjenigen Confitu- rirer und Apothecker, die sich auf ihre Kunst recht wohl verstehen, in kleine Kruͤge thun, und klein gestossenen Zu- cker drauf streuen, sie hernach wohl ver- stopfen, und an einen temperir ten Ort, ohne T AB. XXXV II. Veilgenstock Fig. 175. p. 239. Visnaga Fig. 174. p. 239. Groß uͤ. klein Lacao auͤs den Jnseln Fig. 196. p. 266. Lacao Fig. 194. p. 265. Groß uͤ. kleitt Laraguͤa Fig. 195. 266. Muscatnuͤß, so noch mit der Blüte bedecket Fig. 192. p. 261. Muͤscatnuͤß, das Weiblein Fig. 191. p. 259. Muͤscatnuͤß, darauͤs dieser Stengel mit be y den Blättern entffrossen. Muͤscatnuͤß das Männ- lein Fig. 190. p. 259. Hauptbeschreibung ersten Theils sechstes Buch. ohne sie zu bewegen, verschliessen. Durch dieses Mittel, und wenn der Saft recht zubereitet worden, kan man ihn ein Jahr lang so schoͤn erhalten, als ob er erst gemachet worden waͤre: ich selbst kan versichern, daß ich ihn anderthalb Jahr lang gut erhalten habe. Was die Conserven betrifft, damit muß man sich wohl in Acht nehmen, absonderlich mit der trocknen, denn was die Zucker- becker verkauffen, ist meistentheils nichts anders, als Zucker, Violenwurtz und Jndich: jene giebt ihr den Geruch, und dieser die Farbe. Diesen Betrug aber verursachet, daß der rechte Veilgenzu- cker ziemlich schwer zu machen ist, sich nicht lange haͤlt, auch um ein gutes hoͤ- her zu stehen kommt, denn diese falsche Conserva. Doch ruͤhret es auch guten theils daher, daß die Leute, die solche Sachen noͤthig haben, so gar geitzig sind, und wenig darnach fragen, ob sie schon betrogen werden, wenn sie nur fein wohlfeil einkauffen koͤnnen. Ohne diese Sorten der Blumen ver- kauffen wir auch die getrockneten Blu- men vom rothen Mohn, Huff lattich, Katzenfuß, Schafgarbe, Tausend- guͤldenkraut/ Mayenbluͤmlein, und so fort. Wiewohl ich bereits in vorher- gehendem Buche erinnert habe, daß wir ihrer zu Paris gar wenig verkauffen, weil es allhier Kraͤuterleute giebt, die sie das gantze Jahr uͤber, bald gut, bald schlecht genug, aufzuheben bemuͤhet le- ben. Jch sage gut und schlecht, denn es sind ihrer, die eben so viel davon wis- sen, was Kraͤuter sind, oder wie und auf was Weise sie aufzubehalten, alswenn ich mich wolte mit einer Waare ver- mengen, von der ich keinen Verstand haͤtte: welches uns dann noͤthiget, daß wir und die Apothecker, sie das gantze Jahr hindurch aufzubehalten, besorget muͤssen seyn. Ende des Buchs von Blumen. Des Ersten Theils Der Hauptbeschreibung der Spezereyen und Materialien Siebendes Buch. Von Fruͤchten. Vorrede. J N diesem Buche will ich alles beschliessen, was nur den Namen ei- ner Frucht fuͤhren kan; ja alles/ was unmittelbar nach der Bluͤte aus den Kraͤutern, Stauden und Baͤumen entstehet. So will ich auch darunter begriffen haben, alles und iedes/ was daraus kommt, es sey nun von ihrer eignen Natur, oder eine Excrescentz und Auswurff/ z. E. der Mistel an der Eichel, der Lerchenschwamm am Lerchenbaum/ und andere mehr: dabey ich dann zugleich von demjenigen, was man aus diesen Fruͤchten macht oder ziehet, handeln werde. Gemeiniglich aber werden die Fruͤchte in zweyerley Geschlechte abgetheilet, naͤmlich/ in Fruͤchte mit kleinen Kernen, und in Fruͤchte mit grossen Nuͤssen. Auch sagt man/ es bestuͤnden die Fruͤchte aus dreyen wesentlichen Stuͤcken/ naͤmlich der Haut, die wir auf Frantzoͤsisch Pelure nennen, dem parenchyma oder Fleisch, und den Fibern oder Fasen. Es giebt aber auch Fruͤchte/ deren Kerne mit einer Capsel, die den Samen beschließt/ bedecket sind/ andere hergegen haben keine. Q Das Der Spezereyen und Materialien Das erste Capitel. Vom weissen Pfeffer. D Er weisse Pfeffer ist die Frucht eines kriechenden Gewaͤchses, dessen Blaͤtter unsern Johannisbeerblaͤt- tern durchaus aͤhnlich se- hen; hernach wachsen die kleinen Traͤub- lein, mit runden Koͤrnern besetzt, wel- che zu anfangs gruͤn sind, und denn, wenn sie reiff worden, eine graulichte Farbe uͤberkommen. Weil sich das Pfefferkraut nicht allei- ne aufrecht erhalten kan, derowegen pflantzen es die Einwohner derselbigen Oerter unten an diese oder jene Baͤume, z. E. an die Areca, Cocus und andere dergleichen Baͤume. Dieweil aber die- ser Pfeffer so gar selten zu uns kommt, deshalben halten ihrer viel dafuͤr, daß es gar keinen weissen Pfeffer gebe, son- dern es sey lauter schwartzer Pfeffer, dem die Haut abgezogen. Allein, gleich- wie ich sattsam versichert worden, daß es allerdings weissen Pfeffer gebe, ob er gleich viel rarer sey, als der schwartze, also habe ich mich auch verpflichtet er- achtet, solches allhier anzufuͤhren, zu- Siehe Fig. 176. gleich auch die Figur stechen zu lassen. Zu mehrern Beweiß, wie naͤmlich Oer- ter seyn, allda der weisse Pfeffer zu finden, kan dienen, daß der Herr Fla- court, Gouverneur auf der Jnsel Lau- rentius oder Madagascar wohl schwerlich in seinem Buche mit aus- druͤcklichen Worten wuͤrde geschrieben „haben, Lalé Vitsie ist der wahrhafte „ weisse Pfeffer/ und waͤchst auf einem „Rancken, dessen Stengel und Blaͤtter „eben als wie Pfeffer schmecken. Es „waͤchst in diesem Lande sein so viel, daß „ausserhalb Kriegszeiten, und wenn ei- „ne rechtschaffene Frantzoͤsische Volck- „pflantzung allda waͤre, mit der Zeit „ein grosses Schiff jaͤhrlich damit koͤnte „belastet werden; denn die Hoͤltzer sind „uͤberall, sonderlich zu Manghabei, „damit angefuͤllet. Er ist der Holtz- „und Turteltauben Nahrung, und „wird im August, September und Octo- „ber zeitig. Ob nun gleich unterschie- dene Scribenten, darunter auch Wil- helm Piso in der Jndianischen Histo- rie, und nach ihm Charras anmer- cken, daß es keinen weissen Pfeffer von Natur gaͤbe, so kan ich doch nicht um- hin das Gegentheil zu glaͤuben, weil dem Pfeffer unmoͤglich die Haut kan abgezo- gen, und er so gleich gemachet werden, wie gleichwohl der weisse Pfeffer ist, den uns die Hollaͤnder uͤbersenden. So siehet man uͤberdiß die Haut noch dran, wenn man ihn zerschlagen hat, welches denn ein unfehlbares Merckmahl, daß sie niemahls davon genommen worden. Dazu, wenn auch dieser Pfeffer solte ge- schaͤlet worden seyn, wuͤrde man den- noch viel Koͤrner drunter finden, an de- nen die runtzlichte Haut annoch saͤsse, denn es ist eine ausgemachte Sache, daß unter dem Pfeffer, der in Holland ge- schaͤlet und gebleichet wird, allezeit fast der dritte Theil noch mit der runtzlichten Haut bedecket ist. Jhm sey nun wie ihm wolle, man soll den weissen Pfeffer erwehlen, welcher sicher und gewiß aus Holland uͤber- kommen, dabey recht dicke, voͤllig, wich- tig und mit so wenig schwartzen Pfeffer- koͤrnern und Staube, als immer moͤg- lich, vermischet sey. So mag man auch Acht haben, daß es kein gebleichter sey, welches alsofort zu mercken, wenn man ihn ein wenig in den Haͤnden reibt, denn wo er gebleichet ist, wird seine mehlichte und weisse Farbe gar bald in gelb ver- wandelt werden. Zudem, so siehet man auf dem ohngebleichten Coriander- pfeffer eine Art Striemen, als wie Ribben, und wenn er gestossen worden, muß er angenehme grau, auf weiß sich ziehend, sehen. Wir zerquetschen und machen den weissen Corianderpfeffer zu einem groͤblichten Pulver, und giessen Ambra- essentz daruͤber; welches also zugerich- tete Pulver ambrirter Pfeffer oder Ambrirter Pfeffer/ poi- vre à la Ber- gerac. Poivre à la Bergerac genennet, und nur von vornehmen Leuten gebrauchet wird. Das TAB. XXXV. Weiser Pfeffer so einen Are aa baum Hinanlauͤfft F. 176 Scwartz er Pfeffer, so einen Aoiiay baum hinan laufft F. 177. p. 245. Scwartz Pfefferbl F. j78. p. 245. Langer Ameriani seher Pfeffer F. j82. p. 25j. Cuͤbeben so ein Pfeffer bauͤm, de Thevet genant, hin ankriegen F. j79. p. 249. Schwartzer langer Pfeffer oder Pfeffer auͤs Edhiopien F. j84. p. 252. Meraxuchitl. F. j83. p. Langer jndianischer Pfeffer. F. j8j. p. 25j. Dreÿerleÿ Horten jndianischen Pfeffer. F. j86. p. 252. F. j86. p. 253. F. j87. p. 254. Hauptbeschreibung ersten Theils siebendes Buch. Das andere Capitel. Vom schwartzen Pfeffer. Siehe Fig. 177. und 178. D Er schwartze Pfeffer ist gleich- falls einer kriechenden Pflantze Frucht: Derselben Blaͤtter sind groß, voll Adern und Striche, auch mit sieben sehr starcken Nerven oder Ribben ver- sehen. Die Holl- und Englaͤnder senden uns drey Sorten schwartzen Pfeffer/ welche blos darinne von einander un- terschieden, daß sie nicht an einem Orte gewachsen sind. Der erste und schoͤnste ist der von Malabar : der naͤheste nach diesem, der ihm auch ziemlich beykommt, der von Jamby . Der dritte ist der ge- ringste, trucken und ausgedorrt; kommt von Balipatam . Ob nun gleich der von Balipatam der schlechteste unter allen ist, dennoch wird er von den Ma- hometanern am hoͤhesten gehalten: denn ie kleiner der Pfeffer, ie mehr We- sens machen sie davon, und geben zur Ursach an, daß der Pfeffer desto mehr Koͤrner habe, ie kleiner er sey, sey auch nicht so hitzig, als wie der dicke; wel- ches auch die Ursach ist, daß die Hollaͤn- der so gar selten dergleichen kleinen Pfef- fer zu uns bringen. So koͤnnen sie auch den dicken Malabarischen Pfeffer viel wohlfeiler geben, als andere Natio- nen, sintemahl sie ihn niemahls um baar Geld einkauffen, sondern ihre mitge- brachten Waaren, Quecksilber, gantzen und geriebenen Ziñober, desgleichen zu- weilen Opium und Cotton, an die Ma- labaren dafuͤr vertauschen. Und ob- schon die Englaͤnder diesen Pfeffer um baares Geld erkauffen, selbigen auch viel wohlfeiler bekommen als die Hol- laͤnder, dem ohnerachtet koͤnnen sie ihn doch nicht um einen so schlechten Preiß, wie diese Hollaͤnder geben, als welche gemeiniglich cento pro cento an ihren Waaren, die sie ihnen verkauffen, ge- winnen, welches zugleich verursachet, daß die Englaͤnder mit genauer Noth ei- nen Ballen Malabarischen Pfeffer auf ein Lot, das sind zehen Ballen schwar- tzes Pfeffers, zugeben koͤnnen: dazu ist auch der Pfeffer, den wir aus England bekommen, nie so schoͤn, noch so dicke, als der, den wir aus Holland bekom- men. Man soll aber den schwartzen Pfef- fer erwehlen, welcher recht voͤllig, nicht zu sehr eingeschrumpfen und fein schwer ist, darunter auch viel weisse Koͤrner, hingegen so wenig Staub ist, als nur moͤglich. Auch mag man Acht haben, daß es nicht solcher Pfeffer sey, daraus der dickste gelesen, und weisser davon ge- macht worden, welches nicht selten ge- schicht, absonderlich da einige Kauffleu- te zu Rouan und Paris, als wie in Holland, die iedoch Ehrenthalben nicht zu nennen, den Pfeffer zu bleichen an- gefangen haben: welcher Betrug ieden- noch stracks zu erkennen, alldieweil der schwartze Pfeffer, welcher gebleichet woꝛden, und aus dem sie die dicksten Koͤr- ner heraus gesuchet, im Wasser nicht zu Boden faͤllt, sondern oben auf schwim- met; auch, wenn man ihn mit den Haͤn- den trucket, gantz leichtlich entzwey bricht. Dieweil der allermeiste Theil des Pfeffers, so weiß, als schwartzer, gestos- sen verkaufft wird, deshalben soll man ihn nirgends, denn bey redlichen Kauff- leuten kauffen, massen aller Pfeffer, den die Hausirer zu verkauffen haben, nichts anders ist; was den weissen betrifft; als die Epices d’ Auvergne, oder auch wohl schwartzer Pfeffer, den sie mit gestosse- nem Reisse weiß gemacht: der schwartze aber ist nichts anders denn Staub, oder Brodrinde, oder die Epices d’ Auvergne grises, oder auch Paradiskoͤrner; daher auch diese Betruͤger ihren Pfeffer, um 15. bis 16. Sols das Pfund, wohlfeiler geben koͤnnen, als er ihnen zu stehen koͤmmt, wenn sie gantze Ballen kauffen. Allein, sie thun ehrlichen Leuten, die der- gleichen Schelmereyen zu veruͤben sich nicht entschliessen koͤnnen, grossen Schaden. Der schwartze Pfeffer wird nicht an- ders, als wie der weisse, gebraucht, hat auch wegen seiner grossen Hitze einen und andern Nutzen in der Artzney, und wird daher zu unterschiedenen erwaͤr- menden Artzneyen, als da ist der The- riac und andere, genommen. Von dem Staub und Unrath des Pfeffers will ich nichts vermelden, denn sie sind nicht werth, daß sie ein Mensch zu sich nehme, so wohl als wie die Epices Q 2 d’ Au- Der Spezereyen und Materialien d’ Auvergne, die man lieber in die Luft streuen, als gebrauchen solte, auch die- jenigen noch dazu straffen, die sie ver- kauffen, oder gebrauchten, indem sie der schaͤdlichst- und gefaͤhrlichsten Sa- chen eine sind, die wir haben. Es sind auch eben die Epices d’ Auver- gne und der Pfefferstaub Schuld und Ursach, daß zu Paris nicht 1000. Ballen Pfeffer des Jahrs vertrieben werden, welche doch sonst verthan wuͤrden, da- fern man diese vermaledeyete Waare nicht kommen liesse. Jedoch koͤnten die Herren Generalpachter diesem Un- fug gar wohl vorkommen, und zwar um zweyerley Ursache willen. Erstlich des gemeinen Nutzens halber: fuͤrs an- dere, wegen des Verlusts, den sie selbst dabey leiden. Sie koͤnten aber dem Dinge gar leichte abhelffen, wenn sie nur den Pfeffer, so bald er in Franck- reich ankommen, sieben liessen, und die- jenigen zu hoher Strafe zoͤgen, welche dergleichen Waaren kommen liessen, und selbige verkaufften, oder auch ge- brauchen, dabey allen denenjenigen zu handeln untersagten, welche auf Rech- nung und Conto ihrer Fꝛeunde handeln, das ist, die sich fuͤr Großirer ausgeben, und haben doch nicht das geringste, das ihr eigen ist. Und eben diese Commis- sionarien sind es, die solche Unordnung anrichten, indem sie allerley Waaren empfangen, davon sie oͤfters kaum eine einige kennen. Dergestalt betruͤgen sie das gemeine Wesen, und verhindern ein Hauffen rechtschaffener Kauffleute, wel- che den Eyd, den sie abgeleget, als sie in die Kauffmannsinnung aufgenom- men worden, nicht brechen wollen, sich nicht unterstehen moͤgen zu handeln, weil jene die Waaren, die ihnen doch nicht einmahl zustehen, also wohlfeil hingeben, und dennoch daruͤber qvitti- ret werden, wenn sie nur denenjenigen, denen die Waaren zugehoͤren, einen Schein, von zweyen Kauffleuten ihres Gelichters, unterschrieben, er sey nun falsch oder recht, zusamt dem Preiß, darum sie die Waaren verkaufft haben, uͤbersenden. Wenn man aber solchen Kauffleuten das Handwerck legte, wuͤr- de nicht von soviel Banqveroten gehoͤ- ret werden, als wie ietzo, ihnen selbst aber koͤnte auf zweyerley Weise ein Dienst geschehen. Denn fuͤrs erste, wuͤrden sie niemand mehr betruͤgen: zum andern, duͤrfften sie sich nicht so ofte bemuͤßiget finden, ihre Sachen zusam- men zu packen, indem sie Wechselbriefe accepti ren muͤssen, wollen sie anderst Waaren haben: wann dann die Zah- lungszeit herbey kommt, muͤssen sie ent- weder zu den Banqvirern und den Schoͤppen von Jerusalem ihre Zuflucht nehmen, oder aber gar Banqverot spie- len, alldieweil es Leute sind, die mehren- theils nichts als ihre Briefe, daß sie in die Jnnung aufgenommen worden, ha- ben, ja diese noch wohl schuldig sind. Se- het, also wird ietziger Zeit die Handlung zu Paris getrieben: welchem Unwesen aber zu steuern die Obrigkeit und Vor- stehere unserer Jnnung ersuchet wer- den. Von andern Staͤdten will ich nicht reden, weil mir nicht bewust ist, wie sie sich daselbst auffuͤhren. Das dritte Capitel. Von den feinen Spezereyen. L Es Epices fines, die feinen Speze- reyen/ sind ein Gemenge unterschie- dener mit einander vermischter Gewuͤr- tze. Damit nun dem Mißbrauch, der bey Zusammensetzung dieses Gemen- ges sich einschleichet, moͤge vorgebauet werden, als habe ich fuͤr gut befunden, das Recept davon allhier mitzutheilen, welches iederzeit als gut aufgenommen worden, dabey sich auch die Jahrkoͤche gar wohl befunden haben. Nehmet derowegen Hollaͤndischen schwartzen Pfeffer _ _ 5. Pfund, trockne Naͤgelein _ _ 1 ½ Pfund, Muscatnuͤsse _ _ 1 ½ Pfund, trucknen und frischen Jngber _ _ 12 ½ Pfund, gruͤnen Anis und Coriander/ von iedem _ _ ¾ Pfund. Von diesen muß ein iedes Stuͤck ab- sonderlich zu Pulver gestossen, und durch ein zartes Sieb gestaͤubet, hernach mit denen andern wohl vermischet, und in wohlverwahrten Geschirren zum Ge- brauch verwahret werden. Wobey zu mercken, daß der meiste Theil dererjenigen, die diese Spezereyen zurich- Hauptbeschreibung ersten Theils siebendes Buch. zurichten, an statt des Pfeffers Pfef- ferstaub, an statt der Naͤglein den Pfef- fer aus Jamaica oder den Naͤglein- zimmt, und an statt der Mußcaten den weissen Costus nehmen, oder sonst eine gewisse Rinde: wiewohl ich nicht erfah- ren koͤnnen, was es sey, ausser, daß sie aus Jndien gebracht werde, und der Canella matto so gleich sehe, daß man sie unmoͤglich davon unterscheiden koͤn- ne, als durch den Geschmack, welcher gantz und gar anders. Denn die- se unbekannte Rinde habe einen ver- mischten Geschmack, wie Sassafras, kleiner Galgant und Naͤglein unterein- ander. Die sie verkauffen, nennen sie Naͤgleinzimmt, Naͤgleinholtz, auch Zimmtholtz/ und sagen, es sey die Rin- de vom Naͤgleinbaume, welches aber falsch ist, und halte ich sie, meines Orts, fuͤr die Rinde einer oder der andern Art Sassafras. Doch darff man sich auf dasjenige, was ich allhier vermelde, nicht verlassen, weil ich dessen selbst nicht recht gewiß bin. Dem Jngber zwar geben sie keinen Substituten, weil er ohnediß spottwohlfeil ist, iedennoch aber nehmen sie alles wurmstichichte, das sie nur finden koͤnnen, dazu, welches, mit wenigen zu sagen, viel eher solte ins Feu- er geschmissen, als gebrauchet werden; und sagen zu ihrer Entschuldigung, man koͤnne es viel eher zu Pulver stos- sen. Das vierte Capitel. Von den Cubeben. Siehe Fig. 179. D Je Cubeben, poivre à queue ou musqué, geschwaͤntzter oder mo- schirter Pfeffer, sind kleine Fruͤchte, dem schwartzen Pfeffer dermassen aͤhn- lich, daß, wo sie nicht ein kleines Schwaͤntzlein haͤtten, und etwas grauer als der Pfeffer saͤhen, sie kein Mensch wuͤrde von einander unterscheiden koͤn- nen. Es waͤchst diese Frucht gleichfalls auf einer kriechenden Pflantze, deren Blaͤt- ter laͤnglichtrund und schmal sind, nach welchen die mit diesen Fruͤchten belastete Trauben folgen, an die sie mit kleinen Stielgen geheftet sind. Die Jnsel Ja- va, Mascaregna und Bourbon brin- gen die Cubeben in Menge hervor. Man soll aber diejenigen erwehlen, die fein dicke sind, fein vollkommen, und so wenig runtzlicht, als nur seyn kan. Die Cubeben werden einiger massen in der Artzney gebraucht, ihres ange- nehmen Geschmacks halber, bevoraus, wenn man sie im Munde haͤlt, und nicht kaͤuet: also gebrauchet, sind sie unver- gleichlich gut einen lieblichen Athem zu machen, auch die Verdaͤuung zu befoͤr- dern. Das fuͤnffte Capitel. Poivre de Thevet. D Jeser ist eine kleine runde Frucht, so groß als wie der weisse Pfeffer, roͤth- licht von Farbe, und hat an dem einen Ende gleichsam ein kleines Kroͤnlein. Weil aber dieser Pfeffer wegen seiner Seltsamkeit gar nicht im Gebrauch ist, so verursachet solches, daß ich nichts da- von vermelden werde, sondern nur sa- gen, daß er einen lieblichen aromatischen Geschmack habe. Der Baum der ihn Siehe Fig. 180. traͤgt, sieht so, wie er in der Figur abge- bildet ist. Die Hollaͤnder haben ietzgedachten Pfeffer auch Amomi genennet, weil er nicht nur einige Gleichheit mit dem Pfeffer aus Jamaica hat, sondern auch fast eben also schmecket. Weil er gleichsam rund ist, darneben einen Naͤg- lein Geschmack hat, deswegen ist er petit girofle rond, kleine runde Naͤglein, ge- nennet worden, damit man ihn derge- stalt von der Naͤgleinnuß oder der Nuß von Madagascar unterschei- den koͤnne; sonst wird er eben als wie die gemeinen Naͤglein gebraucht. Jn Brasilien finden sich Baͤume, welche kleine Fruͤchte tragen, die so groß sind, als wie der Pfeffer aus Jamaica, welches entweder von dem Boden, oder von der Natur des Baumes herruͤhret. Dieweil sie mir aber niemahls zu Ge- sichte gekommen, habe ich fuͤr gut erach- tet, allhier beyzubringen, was mir ein guter Freund davon berichtet. Caryophylli Plinii, des Plinius Naͤg- lein, sind die runden, schwartzbraunen Q 3 Beeren Der Spezereyen und Materialien Beeren des Americanischen Baumes Canunga/ der beym Hernandez be- schrieben stehet. Sie sind so groß, als wie der Pfeffer, und oben wie ein Na- bel gestaltet, und beschliessen in einem duͤnnen Haͤutlein und schwammichten Wesen oder Fleische, zwey kleine schwar- tze Kerne, die mit einem zarten Haͤut- lein umgeben sind, und wie Naͤglein schmecken und riechen, wiewohl nicht so gar starck: sonst werden sie Amomum genennet. Die Rinde dieses Baumes wird in unsern Apothecken Cassia caryophyllata genennet, und giebt es dreyerley Gat- tung dieser Baͤume, welche aber nur durch die Groͤsse ihrer Fruͤchte von ein- ander unterschieden werden. Sie ha- ben einerley Kraft mit den Naͤglein, auch einen solchen Geruch und Ge- schmack. Das Naͤgleinoͤl faͤllt zu Bo- den, das aber aus diesen bereitet wird, schwimmet oben auf. Herrmann haͤlt dafuͤr, diese Fruͤchte seyen das rechte Amomum der Alten, wie sie denn auch in unsern Apothecken Amomum genennt werden. Das sechste Capitel. Vom langen Pfeffer. Siehe Fig. 181. D Er lange Pfeffer ist die Frucht ei- nes Gewaͤchses, welches eben also siehet, als wie dasjenige, das den schwar- tzen Pfeffer traͤgt, ausgenommen, daß es nicht so hoch laͤufft, und gemeiniglich die Gestalt einer Stauden uͤberkommt, sich auch selbst aufrecht erhaͤlt, indem es gewoͤhnlich einen starcken Stamm hat; dazu sind die Blaͤtter viel zarter und klei- ner, haben auch keine so lange Stiele. Der Ostindische lange Pfeffer, den wir insgemein zu verkauffen pfle- gen, ist eine Frucht, die so lang und di- cke, als eines kleinen Kindes Finger. Oder deutlicher zu reden, es ist nichts an- ders, denn ein Hauffen kleiner Koͤrn- lein, die von aussen so ein wenig roth, inwendig schwaͤrtzlicht sind. Jn iedwe- dem Koͤrnlein steckt eine Art Kerne, oder ein weisses Pulver, eines hitzigen und beissenden Geschmacks, sind auch der- massen mit einander vereiniget, daß man sie unzerbrochen nicht von einan- der bringen kan: und diese also zusam- men gehaͤuffte Koͤrnlein machen eine Frucht von obgemeldter Laͤnge und Dicke. Die Eng- und Hollaͤnder senden uns dieses Pfeffers die Menge, der dann, wann er die erfoderte Beschaffenheit haben soll, frisch seyn muß, fein voͤllig, dicke, schwer, uͤbel zu zerbrechen, nicht schimmlicht, und noch viel weniger voll Erde oder Staub, welchem Ubel er gar sehr unterworffen. Der lange Pfeffer wird etwas we- niges in der Artzney gebraucht, und zu vielen Galenischen Artzneyen genom- men, dazu er keiner andern Bereitung noͤthig hat, als daß er obbeschriebener massen ausgesuchet und mit einem rau- hen Tuche abgerieben werde, damit die Erde, die etwa dran ist, davon komme. Etliche verordnen ihn eines halben Quintleins schwer, in warmer Bruͤhe zu nehmen, auch den Saͤugerinnen, da- mit sie Milch bekommen. Das siebende Capitel. Vom Americanischen langen Pfeffer. Siehe Fig. 182. J N den Americanischen Jnseln be- findet sich ein Staudengewaͤchs, des- sen Blaͤtter den Wegrichblaͤttern nicht ungleich sind, und, wie Nicolaus Mo- nardes berichtet, eine Frucht, die ohn- gefehr eines Fusses lang ist, traͤget. Diese Frucht bestehet aus vielen kleinen Koͤrn- lein, welche haͤuffig um einen langen Stiel in guter Ordnung sitzen, und ein- ander beruͤhren, und also die Figur des langen Pfeffers darstellen. Gemeldter Monardes meldet gleichfalls, daß die- se Frucht, wenn sie noch frisch, gruͤn sey: die Sonne aber mache sie zeitig und schwartz: auch habe sie mehr Schaͤrffe, denn der Ostindische lange Pfeffer. Die Americaner nennen diesen lan- Siehe Fig. 183. gen Pfeffer Mecaxuchitl, und thun ihn unter die Chocalate. Allem Ansehen nach, hat der Autor des Buͤchleins vom Thee, Coffee und Chocolate nichts von dieser Frucht gehoͤret, weil er ihrer gar keine Meldung thut. Dieser lange Pfeffer ist vermuthlich der- Hauptbeschreibung ersten Theils siebendes Buch. derjenige, den der P. Plumier unter dem Namen Saururus Botrytis major, fo- liis plantaginis verstehet, welches so viel heißt, der grosse Eydechsenschwantz/ ein Baum mit Traͤublein und Weg- richblaͤttern . Gemeldter Pater mer- cket an, daß dieser lange Pfeffer eine Frucht, oder vielmehr eine Traube, des halben Fusses lang, und zu unterst vier oder fuͤnff Linien dicke sey, werde aber nach der Spitze zu immer schmaͤler, und sey mit einem Hauffen Koͤrnern be- schweret, welche schier so dicke wie die Senffkoͤrner, u. anfangs schwaͤrtzlicht seyen, hernach aber, wenn sie reiff wor- den, schwartz werden, und einen hitzi- gen und beissenden Geschmack haben. Eben dieser Pater gedencket, daß dieser Pfeffer bey den Einwohnern der Jnseln gar sehr gebraͤuchlich sey, so wohl als die Wurtzel dieser Pflantze, denn dadurch curirten sie sich von einer Kranckheit, die sie Schwachheit des Magens nenneten. Er mercket uͤberdiß noch an, daß es zwar verschiedene Sorten dieses Gewaͤchses in den Jnseln gebe, die aber nur durch die Groͤsse ihrer Blaͤtter von einander unterschieden wuͤrden. Dieses aber zu entscheiden duͤrffte gar zu lang fallen, will dannenhero den Leser an dasjenige Buch verweisen, welches er ohnlaͤngst heꝛaus gegeben, denn eꝛ in selbigem weit- laͤufftig genug davon handelt. Das achte Capitel. Vom schwartzen langen Pfeffer. A Usser ietzgedachte zwey Sorten des langen Pfeffers verkauffen wir auch noch die dritte Gattung, wiewohl gar selten unter dem Namen des schwar- tzen langen Pfeffers, oder des Moh- Siehe Fig. 184. ren- und Ethiopischen Pfeffers/ wie auch der Selimskoͤrner . Dieser Pfef- fer ist die Frucht eines an der Erde hin- kriechenden Stengels, der weder Blaͤt- ter noch Bluͤte traͤgt, sondern nur fuͤnff oder sechs halbrunde harte Knoͤpfe, die so dicke sind, als wie die Spitze vom Dau- men: daraus entstehen gar viel Scho- ten, so lang als der kleine Finger, und so dicke wie eine Schreibfeder, sehen aus- senher braun, inwendig gelblicht. Die- se Schoten werden in Knoten abgethei- let, in deren iedem eine kleine Bohne steckt, die auswendig schwartz, inwen- dig roͤthlicht ist, fast ohn Geschmack und Geruch. Dagegen hat die Schote ei- nen heissen, beissenden, scharffen und gar aromatischen Geschmack, bevoraus, wenn man sie einige Zeit im Munde ge- halten. Dannenhero und wegen die- ser ihrer Schaͤrffe bedienen sich die Egypter derselben zu Vertreibung des Zahnwehes, eben als wie wir mit der Bertramwurtzel zu thun pflegen. Weil aber dieser Pfeffer in Franck- reich gar wenig bekant, und sehr rar ist, deswegen will ich auch nichts weiter da- von reden. Das neundte Capitel. Vom Pfeffer aus Guinea. D Er Pfeffer aus Guinea, Gar- ten-Corall/ den die Americaner Pfeffer von Mexico/ Tabago, und Brasilien, ingleichen Spanischen/ und rothen langen Jndianischen Pfeffer nennen, wie auch Chilli, Axi, wir aber Piment, Frantzoͤsischen oder Americanischen Pfeffer ; dieser ist ein rother Pfeffer, dessen es drey Sorten Siehe Fig. 185. giebt. Die erste, die wir verkauffen, waͤchst als wie eine Schote, und ist so lang und dicke als der Daumen. Siehe Fig. 186. Die zweyte ist weit subtiler, waͤchst schier wie eine Sichel, und ist gleichsam voll Buckeln. Die dritte ist die kleinste, und bey na- Siehe Fig. 187. he gantz rund. Alle diese drey Gattun- gen Pfeffer, wenn sie noch am Stengel hangen, sind anfangs gruͤn, drauf wer- den sie gelb und endlich roth. Doch verkauffen wir allein die erste Art dieses Pfeffers, dieweil die andern zu scharff sind, und deswegen nur von den Wilden, die darauf sehr verleckert sind, gebraucht werden. Der Guineische Pfeffer/ den wir verkauffen, koͤmmt aus Languedoc, vornemlich von denen um Nimes her- um gelegenen Doͤrffern, woselbst er haͤuffig gebauet wird. Es ist auch die- ses Der Spezereyen und Materialien ses Gewaͤchs anietzo so gemein, daß es wenig Gaͤrten giebt, in denen es nicht sol- te zu finden seyn: dienet desgleichen zum Putz der Kramlaͤden. Die Eßigbrauer brauchen ihn zum Eßigmachen, und dazu muß er fein frisch seyn, huͤbsche gantze, truckne und schoͤne Schoten haben. Einige machen diesen Pfeffer mit Zu- cker ein, und verfuͤhren ihn uͤber die See. Die Siammer essen ihn rohe, als wie wir die Ruͤben. Das zehende Capitel. Von Wuͤrtznaͤglein. D As Naͤglein ist eigentlich zu reden, eine ausgehaͤrtete Blume gewisser Baͤume, welche ehemahls in den Mo- luccischen Jnseln gar gemeine waren. Allein fuͤr etlichen Jahren beschlossen die Hollaͤnder/ weil sie unmoͤglich ver- wehren kunten, daß nicht auch die Eng- laͤnder, Portugisen, und Wir (die Frantzosen) gleichfalls dahin zogen, und Naͤglein hohleten, alle Baͤume auszu- rotten, und in die Jnsel Ternate zu ver- setzen: daß also nunmehr alle Voͤl- cker die Naͤglein von ihnen kauffen muͤs- sen, dieweil sie nirgend anderswo zu ha- ben sind. Was das Laub des Baumes, der die Naͤglein traͤgt, betrifft, so ist die hierbey Siehe Fig. 188. gesetzet Figur nach dem Original, welches der Hr. Tournefort besitzet, gezeichnet worden. Die Wurtzel, Stengel und Blaͤtter, deren Abriß mit dem Buchsta- ben A. bemercket, sind von zweyen gesaͤe- ten Naͤglein erzielet worden, denn sie diese allhier abgebildete Wurtzel, Sten- gel und Blaͤtter in kurtzer Zeit hervor gebracht. Wenn das Naͤglein beginnet sich se- hen zu lassen, denn ist es lichtgruͤn, her- nachmahls wird es braunroth, und end- lich immer braͤuner, ie mehr es zeitiget; daß also die Farbe, nicht, wie etliche Scribenten meinen, von dem Seewas- ser, darein die Naͤglein gelegt, und dar- auf wieder beym Feuer getrocknet wer- den, entstehet. Denn die Hollaͤnder und die Einwohner der Jnsel thun sonst nichts an den Naͤglein, als daß sie diesel- ben mit Stangen von den Baͤumen her- abschlagen, und sie nach diesem auf dem freyen Felde an der Sonne treugen las- sen, alsdann einschliessen und verwah- ren. Weil nun unmoͤglich ist, daß nicht etliche auf den Baͤumen solten stehen bleiben, wenn die Lese vorbey, daher werden dieselbigen als ein Daumen di- cke, und findet sich in ihnen ein hart und schwartzes Gummi, welches einen an- genehmen Geruch und starcken aroma- tischen Geschmack hat: wiewohl ich nie- mahls keine gesehen, welche dicker, als ein kleiner Finger gewesen waͤren. Zu- weilen findet man einige unter den an- dern Naͤglein, iedoch sehr selten; denn die Hollaͤnder sie unter dem Namen Mutternaͤg- lein. Olou matrix oder Mere de Girofle, Mut- ternaͤglein, absonderlich verkauffen. Und diese Naͤglein sind in der Medicin unter dem Titel Anthophylli bekannt: ihr geringer Gebrauch aber verursa- chet, daß die Apothecker in Franckreich kein Werck machen, die andern gemei- nen Naͤglein dafuͤr zu nehmen und zu substituir en; ob es gleich besser waͤre, wenn sie jene an der andern statt dazu gebrauchten, wozu sie erfordert werden, weil sie voll uͤberaus starck riechend- und aromatisches Gummi sind, anch uͤber- diß mit gar besondern Eigenschaften be- gabet, die an den gemeinen Naͤglein nicht befindlich. Man hat beobachtet, daß an dem Or- te, wo die Naͤgleinbaͤume wachsen, kei- ne anderen Baͤume oder Gewaͤchse fort- kommen; daran die uͤbergrosse Hitze die- ser Baͤume Schuld, welche alle Feuch- tigkeit der Erde verzehret. Auch hat man in Acht genommen, daß in der gan- tzen Welt kein eintziger Baum einen dermassen lieblichen Geruch von sich streue, als wie die Naͤgleinbaͤume, wenn die Naͤglein anheben hervor zu brechen. Die Naͤglein soll man erwehlen, welche fein vollkommen, trucken und leicht zu zerbrechen sind, einen auch in die Finger beissen, wer sie zerreibet: an- bey muͤssen sie braunroth sehen. So muß auch der Fust, welcher von einigen, wiewohl gantz ungereimt, den Namen Antophyllus bekommen, annoch dran seyn. Durch das Wort Fust aber ver- stehe ich den kleinen Knopf der oben an den Naͤglein befindlich und sehr zarte ist, einen heissen, beissenden und aromati- schen Geschmack hat, wenn man ihn in den Hauptbeschreibung ersten Theils siebendes Buch. den Mund nimmt. Dagegen soll man die duͤrren, die schwaͤrtzlichten und locke- ren Naͤglein, die weder Geruch, noch Geschmack haben, verwerffen. Auch mag man sich in Acht nehmen, daß die guten Naͤglein mit keinen solchen vermi- schet sind, aus denen allbereit die Tin- ctur oder das Oel gezogen; wie denn bisweilen wohl die Helffte solcher unnuͤ- tzen Naͤglein drunter gemenget ist, wel- ches in Wahrheit keine geringe Sache, indem die Naͤglein eine so theure Waare sind. Allein ich will mich nicht aufhal- ten, noch alle die Schelmereyen, die mit dieser Waare vorgenommen werden, entdecken, weil es nicht wenig schwer fallen duͤrffte, alle solche Betruͤgerey sattsam zu eroͤrtern, ich auch dieselben denenjenigen lehren moͤchte, die sie noch nicht wissen; zumahl da die guten Naͤg- lein an obgedachten Zeichen gar leicht- lich von den geringen koͤnnen unterschie- den werden. Am sichersten aber ists, wenn man sie bey solchen Leuten kauf- fet, welche nicht faͤhig sind, die Waaren zu verfaͤlschen, und thut derjenige wohl, der sich nicht an den wohlfeilen Preiß kehret. Der Gebrauch und Nutzen der Naͤg- lein ist zu bekannt, als daß ich mich dabey aufhalten solte, will dannenhero nur vermelden, daß die herrliche Kraft und der angenehme Geruch ihnen den Rang unter denen Cordialibus und Hertzstaͤr- ckungen erworben habe. Die Hollaͤnder machen die annoch Eingemachte Naͤglein. gruͤnen Naͤglein ein, und bereiten also ein herrlich Eingemachtes, welches sie theils uͤber See versenden, theils aber und vielfaͤltig fuͤr alte Leute gebꝛauchen, die sich dessen zu Wiederersetzung der natuͤrlichen Waͤrme bedienen. Diese Naͤglein sollen weich seyn, und einen heissen anmuthigen Geschmack haben; es soll auch nicht zu viel Syrup drauf seyn, sondern nur so viel, als zur Erhal- tung der Fruͤchte von noͤthen, denn er ohne diß nicht so hoch geachtet wird, als wie die Frucht. Sie ziehen auch aus dieser Frucht ein Oel, welches goldgelb siehet, wenn es noch frisch ist, und immer roͤther wird, wenn es lange stehet. Wenn dieses Oel aufrichtig seyn soll, denn muß es ietztge- meldte Farbe haben, fetticht seyn, und oben auf dem Wasser schwimmen, dazu muß es auch so starck und penetrant schmecken, als immer moͤglich, wie nicht weniger einen Naͤglein Geschmack und Geruch haben. Uberdiß mag man be- sorget seyn, es bey rechtschaffenen Leu- ten zu erkauffen, weil es auf gar unter- schiedene Weise kan vermischet werden, welches alsdann gar schwerlich zu mer- cken, indem dieses Oel einen aus dermas- sen starcken Geruch hat. Man kan desgleichen aus den Naͤg- lein, vermittelst eines Trinckgeschirrs u. einer Wagschale, mit Feuer ein weisses Oel ziehen; wie solches bey dem Herrn Lemery aufgezeichnet stehet. Allein es duͤrffte die Muͤhe nicht belohnen, theils, weil man eine geraume Zeit da- zu anwenden muß, und denn, weil es doppelt so viel kostet, als das, welches wir aus Holland bekommen, und weit besser ist. Das Naͤgleinoͤl brauchen die Parfu- mirer gar starck, in der Artzney aber hat es wenig Nutzen, ausser daß man vor- giebet, es sey ein Universal und allge- meines Mittel wider die Zahnschmer- tzen. Die gestossenen Naͤglein betꝛeffend, diese kauffe man ja bey rechtschaffenen ehrlichen Leuten, und frage nicht nach dem wohlfeilen Kauff; denn es nicht schwer faͤllt, diejenige Rinde, welche, wiewohl falsch, Naͤgleinholtz gemen- net wird, und am Geschmack und Ge- ruch den Naͤglein nahe kommt, darun- ter zu mischen. Die nun dieses thun, beruffen sich auf gewisse Scribenten, welche berichten, daß die Rinde des Naͤg- leinbaumes wie Zimmt sehe, und wie Naͤglein schmecke; so aber von der Wahrheit ziemlich weit entfernet ist, wie aus dem Cap. vom Naͤglein- zimmt zu ersehen. Das eiffte Capitel. Von den Koͤnigs- oder Kronen-Naͤglein. Siehe Fig. 189. A Usser ietzbeschriebenen Naͤglein fin- det man auch in Holland, iedoch gar selten, eine kleine Frucht, in der Ge- stalt und Groͤsse eines Gerstenkorns, welche zu aͤusserst Spitzen hat, und sitzen zu fuͤnff und sechsen beysammen an ei- R nem Der Spezereyen und Materialien nem kleinen Stielgen, solcher gestalt, daß sie gleichsam eine kleine Krone formiren. Diese Frucht sieht eisenfarbicht, und riecht und schmeckt wie Naͤglein. Es ist aber in der gantzen Welt nur ein ein- tziger Baum, der sie traͤgt: derselbe be- findet sich in Ostindien, mitten auf der Jnsel Maßia (Makian) und wird Thinca Ra- doi. von den Einwohnern Thinca Radoi, d. i. Koͤnigs-Naͤglein genennet. Die Frucht wird von dem Koͤnige dermassen hoch geschaͤtzet, daß er sie mit Soldaten bewachen laͤßt, damit niemand einige davon bekommen moͤge. Man giebt auch vor, die andern Baͤume neigeten sich gegen diesen, wenn er bluͤhete, gleich als ob sie ihm huldigen und Ehre erwei- sen wolten; es fielen ingleichen alle der andern Bluͤten ab, wenn dieses seine sich zu zeigen beginneten. Die Jndianer reihen diese Fruͤchte an Faͤden, und ma- chen Armbaͤnder davon, die sie wegen des angenehmen Geruchs umzuthun pflegen. Jch haͤtte gar nichts von diesem Naͤg- lein gemeldet, wofern ich nicht versichert worden waͤre, daß es ihrer gebe, ob ich sie gleich nicht selbst gesehen, oder ie- mahls anzutreffen vermocht habe, was Fleiß ich auch dran spendiret. Doch hat mich dessen eine sichere Person, die sie in Holland gesehen, vergewissert, auch Wilhelm Piso in seiner Jndianischen Historie davon gehandelt, ingleichen Olaus Wormius in seinem Buche am 203. Bl. ihrer mit folgenden Wor- ten gedacht: „Das Koͤnigs-Naͤglein, eine „Frucht, die meines Behalts, noch nie- „mand beschrieben, hat eher die Gestalt „einer Blumen, als einer Frucht, und „ist so lang als ein Gerstenkorn, auch „schier so breit; laͤnglicht und eckigt: „zur Seiten stechen sechs oder acht Spi- „tzen hervor, die oben gleichsam ein klei- „nes Kroͤnlein vorstellen, und braun se- „hen, als wie Rost, riechen wie die „Wuͤrtznaͤglein, und schmecken scharff, „gantz und gar als wie diese Naͤglein. „Die Frucht waͤchst in Ostindien/ auf „der Jnsel Makia, und wird von den „Einwohnern Thinca Radoi genen- „net, welches bey ihnen soviel heißt, als „ein Koͤnigs Naͤglein . „Diese Naͤglein sind bey den Jndia- „nern in hohem Werth, und werden „gar selten zu uns gebracht. Man sagt, „es sey nur ein eintziger Baum in gantz „ Jndien, der diese Frucht trage, und „derselbige stehe mitten in der Jnsel. „Wenn dieser Baum bluͤhet, fallen al- „le der andern gemeinen Wuͤrtz-Naͤ- „gleinbaͤume Bluͤten ab. Auch beugen „sich die uͤbrigen Baͤume gegen diesem, „als wolten sie ihn verehren: wie sol- „ches einer, der es gesehen, berichtet „hat. Der Koͤnig laͤßt diesen Baum, so „lange er Fruͤchte traͤgt, durch seine Tra- „banten verwahren, damit sonst nie- „mand, als er, dererselben habhaft wer- „den moͤge. Dieses habe ich aus dem „Munde einer Person, die auf der Jn- „sel gewesen, und, daß sie es gesehen, ver- „sichert hat. Welches, wenn es wahr, „gewiß etwas recht wunderbares waͤ- „re. Sie pflegen die Fruͤchte anzurei- „hen, auf daß sie, des lieblichen Geruchs „halber, wie ein Armband, koͤnnen ge- „tragen werden. Das zwoͤlffte Capitel. Von den Mußkaten. D Je Mußkatnuß/ auf Lateinisch Nux muscata, myristica, aromatica, ist eigentlich zu reden, der Kern einer Frucht, die so dicke ist, als eine gruͤne welsche Nuß bey uns: werden in zwey Geschlecht abgetheilet, in Maͤnnlein, Mußkatnuͤsse Maͤnnlein u. Weiblein. Siehe Fig. 190. und 191. oder lange Mußkatnuͤß, und Weib- lein oder runde und gemeine Nuͤsse. Der Baum, der die Mußkaten traͤgt, ist nach Dalechamps Berichte, so groß als ein Pfersichbaum, hat auch schier eben solche Blaͤtter, ohne, daß sie viel kuͤrtzer und schmaͤler sind, wornach die Frucht folget, in Groͤsse einer Nuß oder Abricose. Dieser Baum, meldet Ta- vernier/ wird nicht gepflantzet, sondern waͤchst durch Huͤlffe gewisser Voͤgel, wel- che aus den gegen Mittag gelegenen Jn- seln kommen, und die Mußkatnuͤsse gantz verschlucken, dieselben aber eben also und unverdauet wieder von sich ge- ben, da sie dann mit einer zaͤhen und schleimichten Materie uͤberzogen sind: wenn nun diese Nuͤsse auf die Erde fal- len, schlagen sie die Wurtzeln, und brin- gen einen Baum hervor, welcher nicht wuͤchse Hauptbeschreibung ersten Theils siebendes Buch. wuͤchse, wenn er wie andere gepflan- tzet wuͤrde. Die Mußkatnuß ist auch eine von denjenigen Waaren, davon die Hollaͤn- der alleine Meister sind, massen es sonst keine giebet, als auf den Jnseln Nero/ Lontour, Poulay/ Rosgain, Po- leron/ Granapuis/ Dame, und auf der grossen Jnsel Banda in Asien ; nicht in Westindien, wie zwar ein neu- er Scribent saget; und ist bewunderns werth, daß so wenig Land dennoch der gantzen Welt vollauf Mußkatnuͤsse zu verschaffen vermag. Doch ist es gar leichtlich zu glauben; denn man muß wissen, daß diese Jnseln dermassen voll solcher Baͤume sind, daß es schier un- glaublich. So liegen uͤberdiß diese Jn- seln unter einer so herrlichen Himmels- Gegend, daß diese Baͤume fort fuͤr fort mit Bluͤten und Fruͤchten beladen ste- hen, und man sie des Jahres dreymahl zu sammlen pflegt; im April, August und December: doch werden diejenigen, die im April gesammlet worden, hoͤher denn die andern geschaͤtzt. Diese Ge- gend ist auch dermassen temperiret, daß die Maͤnner bis ins 120. Jahr leben, und sich um nichts, als um essen und trincken, schlaffen und spatziren gehen bekuͤmmern, da indessen die Weiber be- muͤßiget sind die gruͤne Schale von den Mußkatnuͤssen zu reissen, die Macis zu trucknen, und die harte Schale, darin- nen die Nuß lieget, zu zerbrechen, denn sie die vornehmste Waare des Landes ist, und bey nahe alles, wovon sie das Leben erhalten. Diesemnach sind die Mußkatnuͤsse nichts anders denn der Kern dieser Fruͤchte, mit einer harten, duͤnnen und schwaͤrtzlichten Schale bedecket. Uber dieser befindet sich noch eine Decke, wel- che aber diese Schale nur zum Theil um- huͤllet, und zart und roͤthlich ist, eines lieblichen Geruchs und aromatischen Macis, Muß- katenblumen. Siehe Fig. 192. wuͤrtzhaften Geschmacks, die wir Ma- cis, gemeine Leute aber Mußkaten- blumen nennen. Nach der Macis folgt die auswendige gruͤne, zu nichts nicht dienliche Schale. Dergestalt kan man aus ietzt angefuͤhrten ersehen, daß die Mußkatnuͤsse nicht nur zwey (nach dem Berichte eines neuen Scribenten) sondern drey Decken oder Schalen ha- ben, die innerste Schale, die Macis, und die aͤusserste Schale: und diß ist so ge- wiß, daß iedweder, der sich nur die Muͤ- he geben, und eine eingemachte Muß- katnuß mitten von einander schneiden will, ietztgedachte drey Theile alsobald finden wird. Die Baͤume, welche die runden oder gemeinen Mußkatnuͤsse tragen, wach- sen allein an wohlgebaueten Orten: die aber die langen tragen, stehen im Holtze und Waͤldern, daher sie auch von den Hollaͤndern Maͤnnlein oder wilde Wilbe Muß- katnuͤsse. Mußkatnuͤsse genennet werden. Die- weil sie aber gar wenig braͤuchlich sind, indem sie bey nahe weder Geruch noch Geschmack haben, derowegen bekom- men wir sie so gar selten zu sehen. Die Alten nenneten sie Azerbes. Azerbes. Was die gemeinen Mußkatnuͤsse betrifft, dieselben muß man in der Sor- te, oder unsortirt, d. i. wie sie aus Hol- land kommen, erwehlen, doch daß sie wohl bebluͤmet seyn, schwer und dichte, aussenher graulicht, innen roͤthlicht, und als ob sie marmoriret waͤren sehen, auch voller fetticht- und schmierichter Feuch- tigkeit sind, denn dieses ist das Zeichen, daß sie frisch seyn. Dabey muͤssen sie fein lieblich riechen, wenn sie geschaͤlet oder gerieben werden, und wenn man sie in den Mund nimmt, muͤssen sie einen heissen und beissenden aromatischen Ge- schmack haben. Das Loͤchlein belan- gend, davon ist der allgemeine irrige Wahn, daß man glaubet, dieses verrin- gere ihre Guͤte; denn es ist keine eintzige Mußkate ohne dieses Loͤchlein, und er- blickt man es alsofort, so bald man das kleine Haͤutlein, welches, so zu sagen, ihr Kaͤume ist, hinweggenommen hat. Der Gebrauch der Mußcaten ist zu bekannt, daß unnoͤthig, mich dabey auf- zuhalten: nur will ich dieses gedencken, daß sie auch in etwas zur Artzney ge- brauchet werden; denn, wenn man sie mit Zucker zu Pulver gestossen, in war- men Weine einnimmt, ist dieses ein vor- treffliches Mittel wider die kalten Fluͤs- se/ und man hat diesem Pulver den Na- men poudre Duc, Hertzogspulver, ge- Hertzogs- Pulver. geben. Die ordentliche dosis zu einem Pfund Zucker sind zwey Untzen Muß- katnuͤsse, dazu etliche noch etwas Zimmt thun. Die Einwohner der Jnsel Ban- da machen die annoch gruͤnen Mußkat- Eingemachte Mußkatnuͤsse nuͤsse ein, welche uns hernach die Hol- R 2 laͤn- Der Spezereyen und Materialien laͤnder/ dann mit, dann ohne Zucker, und blos mit Zucker bestreuet, uͤberbrin- gen. Diese eingemachten Mußkatnuͤsse sind eine der besten Confituren, massen sie den Magen vortrefflich staͤrcken, und bey abgelebten Leuten die natuͤrliche Waͤrme wiederum ersetzen. Der vor- nehmste Nutzen aber ist, daß sie uͤber Meer moͤgen gefuͤhret werden, sonder- lich von den Mitternaͤchtigen Voͤlckern, welche uͤberaus grosse Liebhaber von dergleichen eingemachten Sachen sind. Sie sollen aber fein dicke und so frisch, als nur moͤglich, seyn, auch nicht mo- dricht oder rantzicht schmecken. Ausgepreß- tes Mußka- tenoͤl. Von dem Mußkatenoͤl/ das wir aus Holland kommen lassen, will ich dieses vermelden, naͤmlich, man muͤsse es gaͤntzlich verwerffen, indem es fast nichts anders ist, als frische Butter. Demnach thaͤten die Apothecker und an- dere, die es von noͤthen haben, weit bes- ser, wenn sie es selbst bereiteten, als daß sie, das wir verkauffen, und aus Hol- land bringen lassen, kauffeten; denn also waͤren sie versichert, daß sie gerech- tes Mußkatoͤl haͤtten, und wuͤrde ih- nen das Pfund kaum einen Thaler hoͤ- her zu stehen kommen. Es muß aber das aufrichtige Muß- katoͤl dicke seyn, goldgelbe sehen, und einen aromatischen Geruch nebst ei- nem heissen und beissenden Geschmack haben. Die Art und Weise, wie dieses Oel zu bereiten, ist gantz leichte; denn man darff die Mußkatnuͤsse nur groͤblich zer- stossen, und in einem haͤrinen Siebe uͤber siedendheisses Wasser stellen, und mit einem doppelten haͤrinen Tuche und einer Schuͤssel zudecken. Wann nun der Boden der Schuͤssel von der Dunst des siedenden Wassers heiß worden, kehrt man das Tuch auf der Schuͤssel um, nimmt mit aller moͤglichen Behut- samkeit die vier Zipfel des Tuchs zusam- men, und bindet sie mit einer Schnure aufs vesteste zusammen. Drauf legt man die dergestalt erwaͤrmeten Nuͤsse unter die Presse, zwischen zwey warme Bleche, und preßt fein gleich und so hur- tig, als nur seyn kan, zu, so rinnet ein Goldgelbes Oel hervor, welches, wie es in die Schuͤssel faͤllt, gestehet. Auch kan man aus den Mußkaten ein klares staꝛck- riechendes Oel distilliren, welches eben Distillirt Mußkatenoͤl. die Tugenden hat, wie das ausgepreßte, allein es kommt um ein gutes hoͤher. Das eine und das andere haben treff- liche Eigenschaften, sie moͤgen innerlich oder aͤusserlich gebrauchet werden, sinte- mahl sie den Magen uͤber alle massen staͤrcken. Was die Macis belanget, welche der Schale, die die Nuß beschließt, zur Decke dienet, dieselbe soll man aussuchen, wenn sie fein breitblaͤttricht, und recht hoch von Farbe ist, auch so wenig kleine Stuͤcklein, als immer moͤglich, darun- ter zu befinden: sie soll ingleichen einen heissen und starcken aromatischen Ge- schmack haben. Es versichern etliche, daß die Macis, wenn sie noch gantz frisch, und erst neulich von der aͤussersten Schale entbloͤset worden, roth, als wie Scharlach sehe; ie aͤlter sie aber werde, te mehr verliehre sie die Farbe, und wer- de endlich gantz weiß. Man kan aus der Macis ebenfalls Mußkatblu- men Oel. wie aus den Mußkatnuͤssen ein Oel pres- sen und distilliren. Allein, weil sie bey- de viel hoͤher zu stehen kommen, als die- jenigen, die von den Nuͤssen bereitet wer- den, deshalben macht man auch so we- nig, ob sie gleich uͤber die massen herr- liche Eigenschaften bey sich fuͤhren. Was die Rinde, den Stamm und die Aeste des Mußkatenbaums betrifft, da verdient das wenige, das davon verthan wird, nicht, daß man davon rede; wie- wohl es ohne diß gar selten zu uns ge- bracht wird. Etliche verkauffen den weissen Costus fuͤr Mußkatenbaumrin- de, daher man sich wohl in Acht zu neh- men hat. Das dreyzehende Capitel. Vom Coffee. C Affé, Coffé, Cahue, Chaube, Caoua, Buna, Bonca, Bonco, Bunnu, Buna, Bon oder Elkarie, ist eines neuen Scribenten Be- richte zu Folge, die Fꝛucht eines Gewaͤch- ses, welches Stengel unsern gemeinen Bohnen gleichet. Dieweil es aber ei- ne Person, zu der ich gar ein schlecht Ver- trauen trage, als habe mich viel lieber an das- TAB. XXXVIII. Loffee. F. 193. p. 265. Vanillerr. F. 196. p. 269. Eine gartze Vantllen Sehote. F. 197. p. 269. Acajouy F. 200. p. 271 Acajouy samt. seitter Frucht. trocken. F. 198. p. 271. Acajouy baum. F. 199. p. 271. Hermadac ly len. F. 204. p. 271 Gewächs, das die Elephanten läuse trägl. F. 202. p. 271 Elepantenläusein der Schote. F. 203. p. 271 Elephantenlaus. F. 201. p. 271. Näglein Würtznäglein. F. 188. p. 255. Königs Näglei n . F. 189. p. 257. Hauptbeschreibung ersten Theils siebendes Buch. an dasjenige halten wollen, was Bau- hin, ein beruͤhmter, und bey allen Ge- lehrten beliebter Autor, davon gedacht, und gemeldet, daß Bon die Frucht eines Baumes sey, dessen Samen uns aus Siehe Fig. 193. dem gluͤcklichen Arabien uͤberbracht werde. Der Baum vergleiche sich dem Spindelbaum, Evonymo, die Blaͤtter seyen dicke, und immer gruͤn. Jn dem von Paris sechs Meilen ab- gelegenen Dorffe, Roches en Gati- nois genannt, hat iemand Coffee in Schalen gesaͤet, welcher auch Blaͤtter hervor getrieben die wie die Blaͤtter der kleinen weissen Schminckbohnen ausge- sehen, weil aber die Maulwuͤrffe die Wurtzel gefressen, ist dieser gute Mann in seinem Vorhaben ungluͤcklich gewe- sen. Man soll aber den Coffee erwehlen, der fein gruͤnlich und frisch, nicht mo- dricht ist; die Koͤrner sollen von mittel- maͤßiger Groͤsse seyn, so wie sie vom Baume kommen, und ohne Huͤlsen. Mit einem Worte, so wenig als nur seyn kan, mit trucknen und ausgedoͤrr- ten Koͤrnern vermenget. Diejenigen, die ihn von Marseille kommen lassen, oder gantze Ballen kauf- fen, moͤgen zusehen, daß die Ballen zu unterst nicht feuchte seyn, denn sobald nur diese Waare angangen, verdirbt sie, und steckt den Uberrest des Ballens zu- gleich mit an: daher man darauf wohl Achtung zu geben hat. Der Coffee wird sonst zu nichts ge- brauchet, als daß man davon, wenn er vorher gebrannt worden, ein Getraͤn- cke mache, dem alsdann mehr oder we- niger Kraft zugeschrieben wird, nach- dem ihn naͤmlich diejenigen, die ihn ge- brauchen, schaͤtzen. Doch ausser dem, daß der Coffee so haͤuffig verbrennt und verthan wird, hat man auch seit einigen Jahren her den Coffee kochen lernen, und ißt ihn an statt der Erbsen. Welches denn gantz und gar anders lautet, als das, was der Au- tor des Tractats vom Thee, Coffee und Chocolate am 91. Bl. folgender Gestalt gemeldet: was das Coffekorn betrifft, dasselbe ist dermassen dicht und veste, daß man es weder erweichen, noch kochen kan, man mag es gleich nur einweichen, oder gar im Wasser sieden lassen. Die- ses aber ist falsch, oder der Coffee muͤste seit dem 1687sten Jahre, da er dieses Buch verfertiget hat, seine Natur ver- aͤndert haben. Den gebrannt- und gestossenen Cof- Praͤparirter Coffee. fee zu erwehlen und zu erkennen, ist gar schwer, indem ihn etliche mehr, ande- re weniger brennen: dahero kan ich auch keine bessere Kundschaft davon mitthei- len, als daß man ihn bey redlichen Leu- ten kauffen solle; daß er auch so frisch, als moͤglich, bereitet sey: denn man sagt, dem Coffee entgehe die Kraft und verliehre sich, wenn er lange bereitet ge- legen. Das vierzehende Capitel. Vom Cacao. D Er Cacaos, von den America- nern Cacavi genennet, ist eine Frucht von unterschiedlicher Groͤsse. Jnsgemein sind sie so groß, als eine Mandelkerne, und stecken beysammen in einer sonderbaren Huͤlse: sind nicht groͤsser oder kleiner, denn die Granat- kerne, und es giebt Huͤlsen, welche 60. bis 80. Stuͤck beschliessen. Was die Fi- Siehe Fig 194. gur der Blaͤtter und der gantzen Fruͤch- te dieser Baͤume belanget, die ist allhier vorgestellet, und nach dem Original, das der Herr Tournefort in Haͤnden hat, gezeichnet worden. Die Blaͤtter sind gruͤn und die Fruͤchte, wenn sie noch am Baume sitzen, sehr schoͤn gelb, und haben Ribben, wie die Melonen. Wormius gedencket in seinem Buche am 191. Bl. daß es viererley Cacaos tragende Baͤume gebe; unter diesen wuͤrde der erste und andere Cacahua- quahitl, der dritte Xuchicacahua- quahitl, und der vierte Tlacacahua- quahitl genennet. Welches denn mit denen vier Sorten des Cacaos, die wir verkauffen, ziemlich uͤberein trifft, denn dieselben gewiß genug von unterschiede- nen Baͤumen kommen. Die erst und Cacao Cata- gua und Ca- cao aus de- nen Jnseln. Siehe Fig. 195. und 196. beste Gattung wird klein und groß Ca- ragua genennet, nach der Provintz Nicaragua, von dannen diese Cacaos zu uns gebracht worden. Die dritt- und vierte aber wird klein und groß Cacao aus den Jnseln geheissen, weil sie aus den Americanischen Jnseln und S. Domingo kommen. Unter R 3 diesen Der Spezereyen und Materialien diesen viererley Cacao wird der grosse Caragua am meisten geachtet, und meistentheils zur Bereitung der Choco- late verbrauchet, das wenige, das, so wie es zu uns kommt, gegessen wird, ist nicht der Rede werth. Wann nun dieser Ca- cao ist, wie sichs gebuͤhret, dann muß er dicke seyn, schwer und frisch, auswendig schwaͤrtzlicht, inwendig dunckelroth se- hen, einen guten Geschmack haben, und nicht modricht riechen. Der kleine Ca- ragua muß dem grossen an Guͤte so na- he kommen, als moͤglich ist. Je mehr auch der Cacao aus den Jnseln/ in- sonderheit der grosse, dem grossen Cara- gua beykommt, ie hoͤher wird er geach- tet. Der kleine aber wird gar selten gebraucht, weil er so schlecht ist, und die Chocolate, die davon verfertiget wird, nichts im geringsten taug, inmassen aus folgenden wird zu ersehen seyn. Es melden einige Scribenten, der Cacao sey in Mexico so sehr gebraͤuch- lich, daß er der Einwohner vornehmstes Getraͤncke sey, diene ingleichen armen Leuten ein Allmosen zu reichen. Uber obgedachte Cacao wird uns auch aus den Jnseln solcher Cacao zugesendet, der gantz geroͤstet und zu Kuchen, von unter- Cacao-Ku- chen. schiedener Groͤsse, gemachet ist. Das funffzehende Capitel. Von der Chocolate . W Jr verkauffen gar vielerley Cho- colate, welche dennoch nichts als ihre Guͤte und Schoͤnheit von einander unterscheidet, oder aber die Spezereyen, daraus sie zusammen gesetzet ist, oder auch die Laͤnder, in denen sie bereitet worden. Die schoͤnst- und beste ist, die wir allhier zu Paris machen lassen, oder auch selbst verfertigen, insonderheit, wenn sie von dem grossen Caragua ge- macht worden, und man recht schoͤnen Zucker, den besten Zimmt, und gute schoͤne Vanilie dazu genommen hat. Kurtz, wenn sie aus aufrichtiger Leute Haͤnden kommt, die sie wohl zuzurich- ten wissen, und man sich das Geld nicht dauern laͤßt: denn unmoͤglich kan die recht gute Chocolate also wohlfeil gege- ben werden, wie doch die meisten thun, und die Chocolate um einen so geringen Preiß hingeben, daß der feine Zucker bey nahe so viel kostet, als ihre Chocolate. Man lasse ihm derowegen gesaget seyn, und brauche keine eintzige von allen de- nen so genannten Chocolaten aus Jndien, Spanien und Portugall/ oder die zu S. Malo gemachet worden, unter denen die beyden ersten stets fuͤr die besten gehalten worden sind. Anietzo aber sey man versichert, daß die Choco- late in keiner Stadt in der Welt besser bereitet werde, als zu Paris . Doch habe ich nicht fuͤr thunlich gehalten, die gantze composition hieher zu setzen, weil ihrer bereits in gedruckten Buͤchern Meldung geschehen, in welchen unter- schiedene Manieren die Chocolate zu be- reiten gefunden werden, davon dann ein ieder diejenige ergreiffen mag, die ihm am anstaͤndigsten ist. Jndessen sey man erinnert, und lasse sich nicht in die Gedancken kommen, als ob man die Blume Orejevalla dazu haben muͤsse, wie Blegny in seinem Buche gedencket: denn dieses ist eine Sache, die meines er- achtens blos in der Einbildung bestehet, allermassen ich, alles angewendten Fleisses ohnerachtet, unmoͤglich erfah- ren koͤnnen, was es doch seyn moͤchte. So hat auch dieser Herr Blegny, der sich fuͤr den Verfasser erstgedachten Buͤchleins angiebet, Ursache gnug ge- habt, zu schreiben, wie daß bey den Spezereyhaͤndlern nichts davon zu ha- ben sey, denn er selbst mir keinen Be- scheid davon zu geben wuste als ich ihn in Beyseyn eines rechtschaffenen Man- nes befragte, was doch wohl die Blu- me Orejevalla waͤre, sondern gab mir zur Antwort, wenn er ja gesetzt haͤtte, daß sie zu der Jndianischen oder Ameri- canischen Chocolate muͤsse genommen werden, wuͤrde er solches etwa in einem Buche gelesen haben. Was dem Achiotl betrifft; derselbe ist nichts an- ders, als was wir Roucou zu nennen pflegen, und wird nicht also, wie der Au- tor berichtet, sondern auf solche Weise bereitet, wie an seinem Ort und Stelle soll gewiesen werden. Haͤtte er nun gewust, daß Achiotl der Roucou sey, wuͤrden wenig Spezereykraͤmer gewest seyn, die ihm denselben nicht haͤtten ge- ben koͤnnen, er wuͤrde auch nicht gesetzt haben, daß er bey den Materialisten nicht zu finden sey. Was Hauptbeschreibung ersten Theils siebendes Buch. Was er aber durch die Jndiani- schen oder Americanischen kleinen Nuͤsse verstehet, weiß ich nicht, habe ihn auch nicht drum fragen moͤgen, aus Beysorge, er duͤrfte mir eben wieder ei- ne solche Antwort geben, als da ich ihn wegen der Blume Orejevalla befragte. Jndessen will ich gedencken, daß wir un- ter dem Titel der Jndianischen Nuß, Cocos-Areca- und Mußcat-Nuͤsse, so Maͤnnlein, als Weiblein, verkauffen. Doch will ich eben auch nicht sagen, daß er die Cacaomandeln, welche unter die andern zur Chocolate gehoͤrigen Sachen kommen, dadurch verstehe, alldieweil ichs nicht versichert bin. Das sechzehende Capitel. Von den Vanilien . Siehe Fig. 196. und 197. D Je Vanilien, sind nach des Herrn Rousseau Berichte, Schoten, ohngefehr des halben Fusses lang, und so dicke, als der kleine Finger eines Kindes, hangen an einer Staude, die zwoͤlff bis funffzehen Fuß hoch ist, und wie unsre gemeinen Bohnen muß gestengelt wer- den; darum sie auch zum oͤftern an der Mauer hin, oder unten an den Stamm eines Baumes, oder aber an Pfaͤle und andere dergleichen Dinge, daran sie sich halten kan, gepflantzet wird. Der Sten- gel ist rund, voller Knoten, wie die Zu- ckerrohr: daran hangen, an iedem Kno- ten oder Gelencke, breite, dicke, Fingers- lange Blaͤtter, die eben so gruͤn sind als wie der Stengel, und dem grossen Weg- breit nahe genug kommen. Nach die- sen folgen die Schoten, die anfangs gruͤn, und hernach gelb sind, endlich a- ber immer braͤuner werden, ie mehr sie reiffen. Wenn sie nun reiff worden, sammlen sie die Leute zu Mexico, Gua- timalo und S. Domingo ein, binden sie mit den Enden zusammen, und legen sie in den Schatten, damit sie trucken werden. Nachdem, als sie trucken wor- den, und gut aufzuheben sind, reiben sie sie mit Oele, daß sie nicht allzutrucken werden, und zerbrechen; machen 50. 100. bis 150. Stuͤck in ein Paͤcklein, und uͤbersenden sie uns. Andere aber, die sich mehr um den Profit, als um das Ge- wissen bekuͤmmern, lassen sie so lang am Stocke, bis sie uͤberreiff worden, und auf- springen: vorher aber setzen sie kleine ir- dene Geschirr, oder Becherlein unter die Gewaͤchse, den schwartzen wohlriechen- den Balsam, der herausrinnet, aufzu- fangen. Wann dann nichts mehr her- auslauft, lesen sie die Schoten zusam- men, und thun an statt des Balsams kleine Reislein und dergleichen Dinge drein, naͤhen sie wieder zu, und machen Paͤcklein davon, die sie dergestalt zurich- ten, daß sie den vorgedachten gantz und gar gleich sehen: Dannenhero findet man zuweilen einige zusammengenaͤhe- te drunter, welche ausgedorret und ohn alle Kraͤfte sind. Die grossen Herren in Mexico lie- ben dieses Gewaͤchse uͤberaus, theils we- gen des lieblichen Geruchs derer Scho- ten, und denn, weil sie dieselben so haͤuf- fig unter die Chocolate thun. Die an- dern aber handeln gern damit, weil sie sehr grossen Gewinn davon ziehen. Und diese sind die Spanier, die uns diese koͤstliche Waare zusenden, der sie den Namen Vanilla gegeben, welches dem Spanischen nach eine kleine Scheide heißt, weil diese Schoten, als wie Schei- den formiret sind. Sie haben einen angenehmen Geruch und Geschmack. Man erwehle aber diejenigen Vani- lien, die fein voͤllig, dicke, lang, frisch, wichtig, nicht runtzlicht oder mit Bal- sam angerieben sind, die auch nicht an einem feuchten Orte gelegen; denn, wenn sie gut, muͤssen sie feist und sehr zaͤhe seyn, und dazu angenehme riechen. Jngleichen mag man sich in Acht neh- men, daß sie fein gleich seyn, eine wie die andere, denn manchmahl sind mitten in den Paͤcklein lauter kleine ausgedoͤrr- te Vanilien, die gar keinen Geruch ha- ben. Der Samen darinne, der uͤber alle massen klein, muß schwaͤrtzlich und glaͤntzend seyn. Die Vanilien sind in Franckreich sehr gebraͤuchlich, denn sie werden unter die Chocolate gethan: andere aber ma- chen den Tabac damit wohlriechend. Man wil, daß sie innerlich gebꝛaucht, den Magen zu staͤrcken, gar dienlich seyen. Was den Vanilien-Balsam belan- get, denselben behalten die Spanier fuͤr sich, und kommt gar keiner zu uns. Das Der Spezereyen und Materialien Das siebenzehende Capitel. Von denen Acajoux. Siehe Fig. 198. A Cajoux oder Cajous, Anacardia Antarctica sind die Fruͤchte, oder bes- ser zu reden, die Samen einer Frucht, die sich von gelb aufs rothe ziehet, in Groͤsse einer Magdalenenbirne, oder Siehe Fig. 199. Pomerantze. Der Baum, der diese Fruͤchte traͤgt, soll des Herrn Rousseau Sendschreiben nach, fuͤnff bis sechs Fuß hoch seyn, mit gelbgruͤnen Blaͤttern be- setzt, welche bey nahe die Figur der Epheublaͤtter haben. Die Blumen wachsen buͤschlicht, sind klein und leib- farben, daraus entstehet die obgedachte gelbe Frucht, an welcher unten die ande- re Frucht oder der Samen waͤchst, in Siehe Fig. 200. Groͤsse einer Kastanie, und Gestalt einer Niere, olivenfarbicht, bevoraus, wenn sie noch frisch sind: inwendig befindet sich ein weisser Kern, der, wenn er beym Feuer gewesen, wie wir es mit den Ma- ronen zu machen pflegen, ein angeneh- mes Essen ist. So findet sich auch in den Acajoux, rund um dem Kern, ein schwartzes brennendes Oel, welches ein Acajouxoͤl treffliches Mittel wider die Huͤneraugen und rothe Flecken im Gesichte ist. Die Americaner schneiden die gelbe Frucht in Stuͤcken, und essen sie, wie wir die Zitronen, mit Zucker, sowohl das Hertz zu erfreuen, als auch sich sonsten zu erfrischen, massen diese Frucht gantz voller Wassers ist, welches ziemlich an- genehme schmecket. Man soll die Acajoux erwehlen, wel- che dicke, frisch und olivenfarbicht sind, der Kern aber weiß ist, denn dieses sind die wahrhaften Kennzeichen, daß sie frisch. Hergegen, wenn sie kastanien- braun sehen, ist es ein Zeichen, daß sie gar zu reiff und zu verlegen sind. Jn Franckreich wird diese Frucht zu nichts anders, denn zu Vertreibung der Huͤ- neraugen gebraucht. Das achtzehende Capitel. Von Elephantenlaͤusen. Siehe Fig. 201. D Je Anacardia sind eine Gattung Bohnen, die uns aus Jndien uͤber- bracht werden. Der Baum, der sie traͤgt, hat gruͤn- Siehe Fig. 202. lichte, halbrunde Blaͤtter, worauf die Schoten folgen, die wie unsre grossen Siehe Fig. 203. Bohnen (Bauerbohnen) gestalt sind; darinnen befinden sich ordentlich zwey Anacardia, welche, wenn sie halbzeitig, wie gebrannter Coffee sehen, und wenn sie voͤllig reiff, schwartz und glaͤntzend werden. Man soll aber die Anacardia erlesen, welche fein voͤllig und trucken sind, der Kern aber weiß ist. Die gruͤnen Fruͤchte sollen ein gefaͤhr- lich Gift seyn, die trucknen hingegen keines weges. Nachdem sie mit Wein- eßig zugerichtet worden, geben sie eine gute Purgantz, doch soll man dieses nicht ohne Rath eines rechtschaffenen Artztes unternehmen. Jn den Anacardien findet sich ein Oel, wie in den Acajoux, welches der Sage nach, einerley Wirckung hat. Die Apothecker bereiten einen Honig davon, den sie mel anacardinum nennen. Das neunzehende Capitel. Von den Hermodactylen. Siehe Fig. 204. D Jeses sind Fruͤchte, wie ein Hertz formiret, von aussen roͤthlich, in- nen weiß, einer geringen Substantz, da- her sie auch gar leichte vermodern. Sie werden aus Egypten gebracht, woselbst die Baͤume, die sie tragen, in Menge wachsen. Jch habe, aller Bemuͤhung ungeachtet, dennoch nicht erfahren koͤn- nnen, wie die Bluͤten und Blaͤtter die- ses Baumes gestaltet waͤren, zweiffle de- rohalben nicht, man werde sich verwun- dern, daß ich die Hermodoctylen Fruͤch- te genennet, da doch alle Scribenten sa- gen, es waͤren Wurtzeln. Allein, ihre Figur erweiset das Gegentheil gnug- sam, und ist daher leichte zu schliessen, daß es keine Wurtzeln, sondern Fruͤchte sind; uͤberdiß ist mir im Jahr 1694. von Marseille geschrieben worden, die Hermodactylen kaͤmen aus Egy- pten, TAB. XXIX. Sebesten Fig. 206. p. 273. Bruͤstbeerlein Fig. 205. p. 273. Tamarinden Fig. 223. p. 285. Bellirische Mirobal Fig. 227. p. 286. Aschenfarbne Mi - robal. oder Emblici Fig. 228. p. 286. Schwartz brauͤne Mirobal oder Chepuli Fig. 226. p. 286. Jndianische Mirobalan. Fig. 225. p. 286. Gelbe Mirobalanen. Fig. 224. p. 285. Hauptbeschreibung ersten Theils siebendes Buch. pten/ und waͤren die Fruͤchte eines gros- sen Baumes. Doch dem sey wie ihm wolle, man er- wehle nur solche Hermodactylen, welche frisch, dick und voͤllig, aussenher roth, inwendig weiß sind, dazu auch recht tru- cken, und so viel als moͤglich, ohne Staub. Mit dieser Waare darff man sich nicht zu sehr belegen, weil sie, wie erwaͤhnet, gar leichtlich verdirbet. Die Hermodactylen werden oft- mahls in der Artzney gebraucht, und zu vielen compositionibus Galenicis genom- men. Das zwantzigste Capitel. Von den Brustbeerlein. Siehe Fig. 205. D Je Brustbeerlein sind die Fruͤchte eines Baumes, der in Provence insgemein waͤchst, sonderlich nahe bey Toulon, en jardin d’ Hieres, woselbst ih- rer eine solche Menge wachsen, daß schier alle, die wir verkauffen, von dorther, uͤber Auriole und Marseille, kommen. Der Baum, der sie traͤgt, ist mittel- maͤßiger Hoͤhe, hat gruͤnlichte, zarte und adrichte Blaͤtter; nach denen wachsen die Fruͤchte, so dicke als die Spitze des Daumens, sind anfangs gruͤn, und werden immer roͤther, ie mehr sie zeiti- gen. Man erwehle die Brustbeerlein/ welche frisch, fein dicke und voͤllig, flei- schicht und von der guten Art sind, die auch fein wohl getrocknet worden, auf daß sie zum mindesten zwey Jahr lang koͤnnen erhalten werden. Welches diejenigen wohl in Acht nehmen moͤch- ten, die da gantze Kisten voll kommen lassen; denn wenn sie zu zeitlich einge- leget worden, erhitzen sie sich auf einan- der, und verfaulen, oder werden schwartz. Desgleichen soll man Ach- tung geben, ob sie unter wegens nicht etwa naß worden, oder an einem feuch- ten Orte verwahret gestanden: auch moͤgen diejenigen, die dieser Waare viel haben, fleißig und ofte dazu sehen, ab- sonderlich, wenn diese Fruͤchte nicht recht wohl getrocknet sind, oder aber, wenn sie gar zu reiff gesam̃let worden: denn ohne dergleichen besondeꝛe Aufsicht steht man in Gefahr, alles zu verliehren. Merckt man demnach, daß sie heiß wer- den wollen, muß man sie alsofort aus- balliren, und ein Paar Tage auf dem Boden liegen lassen, und sich ihrer ent- schlagen, wie und um was Preiß man nur kan, sonderlich zu Ende des Som- mers, wenn man mercket, daß der Herbst gut seyn werde; denn manchmahl ge- schichts, daß ihrer nicht uͤbrig viel wer- den, und sie deshalben im Nachwinter ziemlich aufschlagen. Auch lasse ihm einer gesaget seyn, und packe seine Kisten bey leibe nicht aus, wenn die Fꝛuͤchte recht und wohl getreu- get, und sonst wohl conditioniret seyn; sie halten sich viel besser, wenn sie nicht an die Luft kommen, sondern an einem beqvemen Orte verwahret werden. Der Brustbeeren Gebrauch und Nutzen ist in Franckreich dermassen bekannt, daß unnoͤthig, viel davon zu gedencken. Das ein und zwantzigste Capitel. Von den Sebesten. Siehe Fig. 206. D Je Sebesten sind schwaͤrtzlichte Fruͤchte, die uns aus Orient und der Gegend Saide uͤber Marseille zu- gefuͤhret werden. Der Baum, der sie traͤgt, ist so hoch, als unsre fruchtbare Baͤume, hat gruͤne Blaͤtter, bey nahe wie der Pflaumen- baum, nur daß sie ein wenig runder sind. Die Bluͤten sind weißlicht, in Form der Sterne, daraus entstehet die Frucht, die so dicke ist, als vorne der kleine Fin- ger, und vermittelst des kleinen Kelch- leins, den wir daran zu sehen bekom- men, an dem Aste hanget. Man erwehle die Sebesten, welche frisch sind, fein voͤllig und fleischicht, die aussenher schwartzbraun sehen, und ihre weissen Huͤtgen annoch haben, denn die- ses ist das eigentliche Zeichen, daß sie frisch, und weder gewaschen noch abge- rieben sind. Das Fleisch soll suͤsse und schleimicht seyn, braunroth und weich- lich: dagegen soll man diejenigen ver- werffen, welche schwartz und gleissend seyn, aufgeblasen, und meistens ohne Huͤtlein, den dieses bezeichnet, daß sie gewaschen sind; desgleichen die kleinen, die hart- und roͤthlichten. S Die Der Spezereyen und Materialien Die Art, und wie man die Sebesten aufbehaͤlt, ist derjenigen allerdings gleich, von der ich bey den Brustbeeren gehandelt habe, es kommen auch ihre Eigenschaften dermassen mit einander uͤberein, daß schier niemahls eine ohne die andere gebrauchet werden. Die Egyptier ziehen einen Leim aus diesen Alexandrini- scher Vogel- leim. Fruͤchten, welcher Alexandrinischer Vogelleim genennet wird: doch weil er nicht bis zu uns kommt, dannenhero bedienen wir uns dessen, der in Franck- reich gemacht, und also bereitet wird. Gemeiner Vogelleim. Man legt die mittlere, zarte gruͤne Rin- de der Stechpalmen in Tonnen, und laͤßt sie im Keller verfaulen; drauf stoͤßt man sie so lange im Moͤrsel, bis alles zu Mues worden: wenn es nun wohl un- tereinander geruͤhret und mit Wasser ausgewaschen ist, dann thun sie es in Faͤsser, und versenden es hin und her. Die Wahl des Vogelleims betref- fend, die ist diese: er soll gruͤnlicht se- hen, nicht gar zu sehre stincken; so soll auch so wenig Wasser dabey seyn, als nur moͤglich. Dieser Leim, wenn er mit Oele wohl durchwircket worden, wird gebrauchet, Vogel und dergleichen Thiere zu fangen. Man kan ihn lange Zeit im Keller gut erhalten; es muß aber stets Wasser oben drauf seyn. Das zwey und zwantzigste Capitel. Von Datteln. Siehe Fig. 207. D Je Datteln sind Fruͤchte, deren wir dreyerley Sorten verkauffen. Die besten wachsen und kommen aus dem Koͤnigreiche Tunis . Es kommen zwar ihrer auch von Salee/ allein sie sind duͤrre und mager, und von den Tu- netanischen, welche fett und fleischicht sind, gar sehr unterschieden. Man bringt uns ihrer auch aus Provence/ welche sehr wohl zu verkauffen, massen sie dicke und fleischicht sind, sehen von aussen gelblicht, inwendig weiß. Wenn sie aber nicht recht in Acht genommen werden, gerathen die Wuͤrme drein, sie schrumpfen zusammen, und werden duͤrre, daß sie hernachmahls gar nicht dienen, daß sie ein Mensch zu sich neh- me, welches alsdann denen, die sich da- mit uͤberleget, ein grosser Schaden ist. Der Baum, der sie traͤgt, ist der Palmbaum/ der in der gantzen Welt also bekannt, daß es nicht noth mich da- bey aufzuhalten, wie nicht weniger bey der Fabel, da man erzehlet, des Palm- baums Weiblein trage nichts, dafern nicht das Maͤnnlein ihm gegenuͤber ste- he, und die Blaͤtter einander beruͤhre- ten. Es ist nicht wahr: denn es giebt die Menge Palmbaͤume, welche allein im Felde stehen, und dennoch mit Fruͤch- ten gantz beladen sind. Man erwehle aber die Datteln, wel- che frisch, fein voͤllig und fleischicht sind, von aussen goldgelb, inwendig weiß se- hen, und einen suͤssen, zuckerhaften, gantz angenehmen Geschmack haben. Die Tunetanischen Datteln sind, wie ge- dacht, weit besser und eher zu erhalten, weder die, so von Salee und aus Pro- vence kommen. Die Datteln oder die Fruͤchte des Palmbaums sind so gemeine, daß sie mehr denn zwey Millionen Seelen zur Nahrung dienen. Bey uns aber wer- den sie nur, nebst den Brustbeeren und Sebesten, zu Brusttraͤncken gebrauchet. Einige essen sie, als wie andere Fruͤchte: sie werden auch etlicher massen zur Artz- ney und ein und andern Galenischen composition en genommen, z. E. zum diaphœnix, und andern. Das drey und zwantzigste Capitel. Vom Palmoͤl. D As Palmoͤl/ Oel von Senega, oder auch Pumicin, ist ein schmierich- ter dicker Saft, wie Butter, von Farbe blaßgelb, und riecht wie Veilgen, oder Veilwurtz, absonderlich, wenn es frisch und aufrichtig ist. Siehe Fig. 208. und 209. Dieses Oel wird aus den Kernen ei- ner Frucht, die so groß als ein Ey ist, und in langen Buͤscheln waͤchst, entweder ge- sotten oder gepresset. Dergleichen Buͤschel tragen unterweilen bis zu 100. Stuͤck. Der Baum, der sie traͤgt, ist ein Ge- schlecht des Palmbaums, welcher insge- mein in Africa waͤchst, bevoraus zu Senega ; ingleichen in Brasilien . Die Hauptbeschreibung ersten Theils siebendes Buch. Die Africaner ziehen das Oel dar- aus, eben auf die Art, als wie die Leute zu Calvisson in Languedoc das Lor- beeroͤl machen, und brauchen es zum Essen, wie die Butter. Das alte ver- brennen sie in den Lampen. Man erwehle das Palmoͤl, welches frisch ist, und gut riecht, suͤsse wie Butter schmeckt, und so hoch an der Farbe ist, als immer seyn kan: denn so bald es begin- net alt zu werden, wird es stinckicht und weiß. Diese weisse Farbe, die es uͤber- kommt, wenn es alt wird, hat einige veranlasset zu glauben, daß es auch weis- ses Palmoͤl gebe. Desgleichen mag man sich in Acht nehmen, daß es kein Mischmasch sey, von Wachs, Baumoͤl, gestossener Veielwurtz und Curcuma, dergleichen bey gewissen Kauffleuten, die ich doch deswegen nicht nennen will, nur gar zu ofte sich findet; denn sie es geschickt genug wissen nachzumachen. Wiewohl der Betrug ist leichtlich zu entdecken, indem das gerechte Palmoͤl seine Farbe stracks verliehret, wenn es an die Luft gestellet wird, welches hinge- gen dem nachgemachten nicht wieder- faͤhret. Uberdiß nimmt auch das Palmoͤl seine Farbe wieder an, wofern es etwa dieselbige verlohren, wenn man es nur bey gelindem Feuer schmeltzen laͤßt: die- ses geschicht dagegen bey dem vermischt und nachgemachten nicht. Jn Franckreich wird dieses Oel zu Stillung der Gicht, und Curirung der kalten Fluͤsse gebrauchet. Das vier und zwantzigste Capitel. Von Cocos-Ruͤssen. Siehe Fig. 211. 212. und 213. D Je Cocosnuͤsse haben unterschied- liche Gestalt und Groͤsse, wie sie denn in der Figur beym Palmbaum ab- gebildet, und nach denen Originalien, die ich in Haͤnden habe, gestochen sind. Die- se Cocosnuͤsse sind zu allerley dienlich, z. E. zu Trinckschalen, Tobacksbuͤchsen, Paternostern, und dergleichen. Diepe ist in Europa der Ort, woselbst diese Gattung Fruͤchte, sowohl, als wie das Helffenbein, am besten verarbeitet wer- den. Jch mag mich aber nicht aufhal- ten, und die Baͤume beschreiben, welche sie tragen, sondern will allein geden- cken, daß es unterschiedene Geschlechte Siehe Fig. 214. der Palmbaͤume seyen: weil ihrer auch bey vielen Scribenten Meldung ge- schicht, deshalben will ich lieber gar da- von stille schweigen. Diejenigen Cocosnuͤsse/ mit denen wir einen ziemlich starcken Handel trei- ben, sind die mittlere Art, und werden aus den Antilleninseln gebracht, die- weil sie zu Tobacksbuͤchsen und Pater- nostern dienen. Was die dicken Cocos- nuͤsse belanget, dieselben geben in Afri- ca, Arabia/ und vielen andern Orten, einen dermassen grossen Nutzen, daß sie alleine mehr denn 200. Millionen See- len erhalten und ernaͤhren. Was oben- her, als wie fasicht ist, dienet Tuch und Seile daraus zu machen: die Schale zu Trinckgeschirren, Loͤffeln und anderem Geraͤthe: die Spaͤne zu Dinte: der Kern zum Oele, und der Saft, der sich darinne befindet, wenn sie noch frisch sind, ist gut zu Ernaͤhr- und Aufferzie- hung der Kinder, auch erwachsenen Leu- ten den Durst zu loͤschen, indem er gar suͤsse und angenehme. Mit einem Wor- te, es ist diese Nuß die groͤsseste, aber auch die nutzbarste in der gantzen Welt, wel- che sattsam zu beschreiben, etliche Boͤ- gen Papier nicht zureichen duͤrfften. Es giebt ausser diese noch eine Gat- tung Cocosnuͤsse, welche aber viel ra- rer sind, und von Caspar Bauhinus Nux Indica ad venena celebrata genennet wird, ingleichen Nux Maldiva, die Mal- Siehe Fig. 215. divische oder Jndianische Nuß, wel- che vortrefflich wider den Gift dienet. Jch besitze eine, die von den andern gantz nicht unterschieden, ohne daß sie laͤnger und spitziger ist, die Schale auch viel braͤuner siehet. Jhre herrlichen Tu- genden und Kraͤfte machen sie dermas- sen rar und theuer. Besiehe davon den Herrn Dalechamp/ welcher der Laͤnge nach davon gehandelt. Das fuͤnff und zwantzigste Capitel. Von denen Kraͤhen-Aeuglein. Siehe Fig. 216. D Je Kraͤhenaͤuglein/ Nuces vomi- cæ, sind runde platte Kerne. Sie lassen sich wie Sammt anfuͤhlen, und sehen obenher maͤusefahl; wenn man S 2 sie von Der Spezereyen und Materialien sie von einander bricht, sehen sie wie Horn, werden sie aber zerspalten, so giebt es allerhand Farben, gelb, weiß, braun, u. s. f. Diese Nuͤsse sind, nach ein und des andern Berichte, die Kerne einer Frucht, welche so groß ist als der Reinet- tenapfel, und wachsen in Egypten an vielen Orten, auf einer Staude; denn von daher kommen die Kraͤhenaugen, die wir verkauffen. Mehr habe ich nicht davon erfahren koͤnnen, ob ich gleich grossen Fleiß darauf gewendet. Jeden- noch hat mir eine gar aufrichtige Per- son den Gefallen erwiesen, und einen Lateinischen Bericht zukommen lassen, dabey versichert, daß er denselbigen von einem Manuscript Herrn Paul Herr- manns/ Medici und Botanici zu Leyden in Holland, der sie selbst mit Augen ge- sehen, abgeschrieben habe. Ermeldter Bericht kommt mit demjenigen, was ich nur allererst berichtet, ziemlich uͤber- ein, ausgenommen, daß er saget, sie wuͤchsen auf der Jnsel Ceylon. Wie- wohl dieses thut nichts zur Sache, sinte- mahl es nicht verhindert, daß sie nicht auch in Egypten wachsen solten, indem ja maͤnniglich bekannt, daß einerley Fruͤchte an unterschiedenen Orten wachsen koͤnnen. Er gedencket auch noch einer andern Sorte Kraͤhenau- gen, die auf der Jnsel Tymor wuͤchsen, und wohl viermahl kleiner waͤren, dann die Ceylonischen: das Gewaͤchse wuͤrde Lignum colubrinum, Schlangenholtz geheissen. Jm Teutschen moͤchte dieser Bericht also lauten: „Das Schlangenholtz ist die hol- „tzichte Wurtzel eines Baums auf der „Jnsel Tymor, welche eines Arms dicke „ist: beschliesset unter der Schale, die „braun und wie Rus siehet, auch hin „und her mit weissen Tuͤpfeln bezeich- „net ist, ein vestes, dichtes und schweres „Holtz, das einen sehr bittern Ge- „schmack, aber gar keinen Geruch hat. „Sein Kennzeichen und eigentliches „Merckmahl ist, daß es ein Baum mit „fuͤnffblaͤttrichten Blumen, der Nuͤsse „traͤgt, in denen die vielen Kerne, die so „rund sind als ein Teller, in einem „Schleime verwickelt liegen. Er waͤchst „auf der Jnsel Tymor: feine Nuͤsse „werden insgemein Nuces vomicæ, „ Kraͤhenaͤuglein, genennet, und sind „mit einem heftig stinckenden Schleim „umgeben. „Wegen dieses so gar bittern Ge- „schmacks wird es unter die hitzigen und „wider das Fieber dienenden Artzney- „mittel gerechnet. Je aͤlter aber das „Holtz, je besser ist es zu gebrauchen; „denn wenn es noch frisch, erreget es, „von wegen des uͤber alle massen bitte- „ren Geschmacks, nicht selten, Brechen „und Hertzensbangigkeit, wird auch „fuͤr ein Gift gehalten. Jm uͤbrigen „ist es ein gantz sonderbares Harntrei- „bendes Mittel. „Es giebt sonst noch eine Gattung „ Schlangenholtz/ das Ceylonische „genannt, welches einerley Kennzeichen „mit dem Tymorischen traͤgt; allein die „Nuͤsse, die es bringt, sind viermahl „groͤsser als diejenigen, die in den Apo- „thecken gemeiniglich unter dem Titel „ Nuces vomicæ zu finden, und die Kerne „der Ceylonischen Fruͤchte sind. Die „Fruͤchte von dieser Art sind auch viel „groͤsser; insgemein wie die Pomeran- „tzen. Das Holtz wird den Schweiß „und den Harn zu treiben gebraucht.„ Dem sey aber wie ihm wolle, ich will dieses annoch hierbey gedencken, daß die Kraͤhenaͤuglein/ die wir verkauffen/ gelblicht seyn muͤssen, dicke, frisch, und soviel als nur moͤglich, ohne Unrath. Man braucht sie zu Ertoͤdtung der vier- fuͤßigen Thiere, denn sie ihnen ein toͤdtli- ches Gift sind. Weil aber diese Kerne uͤberaus harte, und sich sehr schwerlich stossen lassen, deshalben muß man sie vorhero raspeln, oder uͤbern Feuer ein wenig roͤsten, so lassen sie sich gantz ger- ne puͤlvern. Sie sind, der gemeinen Sage nach, dem Menschen nicht schaͤd- lich, welches ich aber nicht versuchet, und derowegen auch nicht weiß. Das sechs und zwantzigste Capitel. Von den Tollkoͤrnern. C Occulæ Levanticæ, diese haben mir eben, als wie die Hermodactylen, Kraͤhenaͤuglein, und etliche andere Spe- zereyen mehr, nicht geringe Bemuͤhung verursachet, womit ich nicht wenig Zeit verderbet. Habe mich derowegen blos an dasjenige zu halten genoͤthiget be- funden, was Dalechamp im II. Buch, am Hauptbeschreibung ersten Theils siebendes Buch. am 577. Blat, folgender massen davon vermeldet: Cordus saget, in Egy- pten wachse der tolle Nachtschatten haͤuffig, und daher bringe man uns die Fruͤchte, welche die Apothecker Culi di Levante, den orientalischen Nacht- schatten/ nennen: denn Cuculus soll so viel seyn, als Cacubalus, welches eben so- viel als Solanum, Nachtschatten ist, und di Levante heißt aus Orient . Ehe sie es aber zu uns bringen, lassen sie bey- des den Kern, der inwendig steckt, und das Fleisch, das voll Saft, und unter der Schale ist, trocken werden. Siehe Fig. 217. Jhm sey nun wie ihm sey; die Toll- koͤrner, die wir verkauffen, sind kleine Fruͤchte, wie ein Paternosterknopf, halbrund, und beynahe, wie eine kleine Niere formiret. Diese Fruͤchte, die aussenher roͤthlicht, sind mit einem Stiel- gen von gleicher Farbe, an das Gewaͤch- se, das sie traͤget, angeheftet. Jnwen- dig, in der Frucht, befindet sich ein klei- ner Kern, welcher in viel Stuͤck zerfaͤllt, und sehr geschwinde vermodert, welches denn die Ursache ist, daß die meisten Cocques de Levante leer sind; und solches hat, dem Ansehen nach, den Alten Ge- legenheit gegeben, sie Cocque, das ist, ei- ne Schale zu nennen, denn es bleibt wuͤrcklich nichts uͤbrig, als eine leichte und ledige Schale, bevoraus, wenn sie alt sind. Diese Fruͤchte oder Schalen muß ei- ner erwehlen, welche fein schwer und frisch, sehr hoch an Farbe, fein dicke und ohn allen Unrath sind. Jhr Gebrauch ist, daß sie wider das Ungeziefer dienlich erachtet werden, und braucht man sie gemeiniglich mit und nebst dem Lauskraute. Es melden etli- che Scribenten, daß die Fische davon gleichsam truncken wuͤrden, und man sie alsdann mit den Haͤnden fangen koͤnte. Sonst giebt es noch eine Frucht, Faga- ra Avicennæ genannt, die dieser sehr gleich siehet, so daß niemand, wer der auch waͤ- re, einigen Unterschied darzwischen fin- den koͤnne, wo nicht die kleine gruͤnlich- te Schale thaͤte, mit der sie zur Helfte bedeckt ist. Zwar finden sich ihrer un- terschiedene Sorten, allein, weil wir gar nicht damit zu handeln pflegen, deshal- ben will ich lieber davon stille schweigen. Die Figur besiehe bey den Datteln: Fig. 218. Das sieben und zwantzigste Capitel. Von der Cassia. D Je Caßia, auch Flos Siliquæ genañt, ist eine Gattung Fruͤchte, von un- terschiedener Dicke und Laͤnge, welche an den Aesten unterschiedlicher Baͤume hangen. Die Caßia aus Levante ist die vornehmste, und wird am meisten geachtet. Sie waͤchst an gar vielen Or- ten in Levante, von daher wird sie uͤber Marseille gebracht. Die Figur des Baumes ist Fig. 219. vorgestellet. Die Blaͤtter sind gruͤn, die Blume gelb. Man soll die Levantische Caßia er- wehlen, welche frisch ist, und feine lange Roͤhren hat, die fein schwer, und nicht hol sind, auch tannetfarben sehen; de- ren Rinde, wenn sie zerbrochen worden, zart und inwendig weiß ist, mit einem schwartzen, wie Sammt gleissendem Marck, und kleinen, harten, weissen, wie ein Hertz formirten Kernen erfuͤllet. Dieses Marck oder Pulpa, muß suͤsse, als wie Zucker schmecken, nicht sauer oder modricht riechen, sich auch gerne von der Rinde absondern und ausziehen las- sen. Ferner muß man Acht haben, daß diese Caßia nicht eckigt, das ist, nicht knortzicht oder krumm sey, sondern durchgehends gleich, nicht klingend, und so zuckersuͤsse, als nur immer moͤglich: desgleichen sollen auch die kleinsten Stuͤ- cken eines Fusses lang seyn. Es geben einige vor, das eigentliche Merck- und Kennzeichen der Levanti- nischen Caßia bestehe in der Erhoͤ- hung, welche die Laͤnge hin an den Roͤh- ren zu sehen; welches aber keine allge- meine Regel, denn sich dergleichen eben- falls zuweilen an den Caßiaroͤhren/ die aus den Jnseln kommen, befinden. Das beste Zeichen, das ich dran finde, ist dieses, man lasse sie von Marseille brin- gen; denn durch diesen Weg kommt sie nirgend anders her, als aus Levante und Egypten . S 3 Das Der Spezereyen und Materialien Das acht und zwantzigste Capitel. Von der Egyptischen Cassia. Siehe Fig. 221. D Je Egyptische Caßia ist eine der vorhergehenden gantz aͤhnliche Frucht, ausser daß sie viel zaͤrter und kleiner. Der Baum, der sie traͤgt, waͤchst uͤbermaͤßig dicke: wie es dann deren giebt, die so dicke sind, als irgend ein Baum in Franckreich . Sonsten ist er in keinem Stuͤcke von jenem unterschie- den, ausserhalb daß seine Blaͤtter um ein gutes kleiner sind. Jn Egypten giebt es eine solche Menge dieser Baͤume, daß die Caßia, die drauf waͤchst, fast umsonst hingegeben wird, sonderlich zu groß Cairo . Die Egyptische Caßia soll man gleich, als wie die Levantische, auslesen, doch muß sie einem zwischen den Fingern zerbrechen, wenn man sie saubern will. Jm Orient und in Egypten wird die noch gruͤne Caßia mit Zucker einge- macht, und zu Eroͤffnung des Leibes ge- brauchet, massen es dazu ein gar beque- mes Mittel ist, das sich auch gantz wohl einnehmen laͤßt. Die eingemachte Caßia aber muß Eingemachte Caßia. frisch seyn, und der Syrup oder Saft recht und wohl gekocht, nicht modricht oder sauer. Zu Paris bedienen sich ih- rer ein und andere Personen, als wie in Levante, den Leib zu oͤffnen. Das neun und zwantzigste Capitel. Von der Brasilianischen Cassia. Siehe Fig. 221. J N Brasilien wachsen Baͤume, deren Blaͤtter, Bluͤten und Fruͤchte eben al- so, als wie die Figur weiset, sehen. Die Caßia/ welche die Baͤume tragen, ist dermassen dicke, daß ich nimmermehr geglaubet haͤtte, es gebe so gar dicke Cas- sia, wenn ich nicht bey dem Herrn Tournefort, ein Stuͤcke, anderthalben Fuß lang und einer Faust dicke, gesehen. Weil aber diese Caßia sehr selten ge- braucht wird, deshalben will ich nur sa- gen, daß diejenige Caßia, die wir am meisten verbrauchen, aus den Ameri- canischen Jnseln komme. Das dreyßigste Capitel. Von der Cassia aus den Jnseln. Siehe Fig. 222. D Je Caßia aus den Jnseln, die wir vorietzo zu Paris verkauffen, ist eine Frucht, von gleicher Natur, wie die vorigen, und bestehet der Unterschied zwischen ihnen blos darinne, daß sie nicht an einerley Orte gewachsen. Die Antillen-Jnseln sind mit diesen Baͤumen so gar angefuͤllet, daß diese Caßia mehr nichts kostet, als die Muͤhe dieselbige einzusammlen. Solches ist der Bootsleute Profit, als welche sie mit herausbringen, so dienet sie auch zum Schiffsballaste, denn sie den untern Theil der Schiffe und Waarenraum viel lieber mit Caßia anfuͤllen, als daß sie sich der Steine und dergleichen unnuͤ- tzer Dinge dazu bedienen solten. Da- her ist diese Caßia insgemein schmutzig, und als wie mit Zucker uͤberzogen, oder voller Wust und Unrath, der sich in den Schiffen befindet. Man erwehle diese Caßia, wenn sie der Levantischen an Eigenschaften gantz nahe kommt. Welche die Caßia von Rochelle/ Nantes oder Dieppe bringen lassen, moͤgen an ihre Factoren die Ordre stel- len, daß dieselbe frisch sey, und mit kei- ner verlegenen vermischet, welches son- sten ofte geschicht; die auch nicht vergra- ben gewesen, oder lange unter der Erde und in Kellern aufbehalten worden; ingleichen, daß diejenigen, die sie in die Faͤsser legen, sie mit allem Fleiß der Laͤn- ge nach darein thun sollen, zu verhuͤten, daß sie nicht zerbreche, und auch, daß man die Faͤsser ersparen moͤge. Der Gebrauch der Caßia ist so be- kañt, daß ich mich nicht dabey aufhalten darff. Dieses aber will ich erinnern, daß es besser sey, wenn sie in infuso ge- brauchet wird, d. i. wenn man Wein oder etwas anders drauf gegossen, als wenn man sie in substantia, an und fuͤr sich selbsten, gebrauchen wolte. Denn weil die ausgezogene Caßia nichts an- ders als ein Leim ist, duͤrffte sie mehr Schaden, als Nutzen bringen, sonder- lich, TAB. XXXVIIII Lassia aus den Jnseln. F. 222. p. 283. Brasilianische Lassia. F. 221. p. 283. Lassia aus Egÿpten. F. 220. p. 283. Lassia aus Levante. F. 219. p. 281. Palm baum der die Früchte lrögt daraus das Palmölgemacht wird. F. 209. p. 275. Frucht des Pahnbaums auf der Fn- sel Leilan. F. 210. p. 276 Tollkörner. F. 217. p. 287. Lange Locos. F. 213 p. 277. dicke Locosmissem ihren Schalen. F. 211. p. 275 Krähen Auge. F. 216. p 218. Baum der die Locosnüsseträgt. F. 214. p. 277. Fagara F. 218. p. 281. Palm baum der dattelnträgt. F 207. p 275. Locosnüsse von unt erschiedener Dicke ausser i hren Schalen F. 212. p. 277. Maldinische Nuß. F. 215. p 278. Hauptbeschreibung ersten Theils siebendes Buch. lich, wenn sie lange ausgezogen gelegen, oder von verdorbener Caßia bereitet worden ist. Will zugleich, als im vor- beygehen, jederman gewarnet haben, daß ja niemand dergleichẽ Caßia bey den meisten Apotheckern kauffe; denn viele, wenn sie die Caßia ausgezogen, lassen dieselbe mit Zucker sieden, und machen sie also recht ein, auf daß sie dergestalt dieselbige zu aller Zeit fertig haben koͤn- nen, welches aber ein graͤulicher Betrug ist, indem diese im Zucker gekochte Caßia gar wenig kostet, und eigentlich zu re- den, blos eine confectio und Eingemach- tes ist, welches viel ehe erhitzet als erfri- schet, da es doch purgiren solte. Darum soll man keine ausgezogene Caßia weder bey Spezereyhaͤndlern, noch Apothe- ckern kauffen sondern sie in seinem Bey- seyn ausziehen lassen; nicht zwar, daß man befuͤrchten muͤsse, die Spezerey- haͤndler moͤchten mit Zucker eingesotte- ne Caßia verkauffen, denn sie dieses Stuͤckgen nie im Gebrauch haben, son- dern, weil sie die laͤngst ausgezogene Cas- sia fuͤr frische verkauffen duͤrfften. Die Caßia ist in Franckreich so we- nig braͤuchlich, daß ausser die composi- tiones, dazu sie genommen wird, keine hundert Pf. des Jahres verthan werden. Das ein und dreyßigste Capitel. Von Tamarinden. D Je Tamarinden sind saͤuerliche Fruͤchte, welche uns aus Levante/ bald als wie Trauben, bald aber von den Kaͤmmen abgenommen, und ohne dieselben, uͤberbracht werden. Siehe Fig. 223. Der Baum, der sie bringt, hat gantz kleine Blaͤtter, nach welchen die weissen Bluͤten, den Pomerantzenbluͤten nicht ungleich, kommen: aus diesen entstehen die Schote, welche zu anfangs gruͤn sind, und braun werden, wenn sie zeitig wor- den, da sie dann die Einwohner also trau- benweise einsam̃len, und ein wenig trock- nen lassen, ehe sie dieselbẽ zu uns senden. Man soll aber die Tamarinden er- wehlen, welche feiste und frisch sind, schwartz wie Agat sehen, und einen lieb- lichen saͤuerlichen Geschmack haben; die auch nicht im Keller gelegen, welches gar leichtlich daran zu erkennen, wenn sie gar zu feuchte sind, und nach dem Keller riechen, ingleichen, wenn die Kerne geqvollen haben. Sie muͤssen auch nicht mit Syrup, Zucker und Weineßig angemacht, und verfaͤlschet seyn. Zur Artzney werden sie oft ge- braucht, dieweil sie eine kuͤhlende und purgirende Kraft haben. Die Tamarindenbaͤume wachsen zu Senega sehr haͤuffig: dererselben Fruͤch- te machen die Neger zu Kuchen, wenn sie zuvor die Kerne und das fasichte We- sen heraus gethan, und bedienen sich ih- rer gemeiniglich zu Loͤschung des Dur- stes. Diese Tamarindenkuchen sind roͤthlicht, und in Franckreich sehr rar. Man richtet die Tamarinden eben als wie die Caßia zu, und bereitet davon, mit Zucker, eine Gattung Eingemachtes, welches in Warheit nicht unangenehm: desselben koͤnte man sich auch in Franck- reich, als wie die Jndianer, bedienen. Das zwey und dreyßigste Capitel. Von den gelben Mirobalanen. M Irobalani citrini, die gelben Miro- balanen/ sind Fruͤchte, die in Jn- dien, an vielen Orten, sonderlich zu Ba- tacala und Goa auf gewissen Baͤu- men wachsen, deren Blaͤtter so, wie die Siehe Fig. 224. Figur weiset, sehen. Wenn diese Fruͤch- te reiff sind, vergleichen sie sich unsern Mirabellpflaumen, und beschliessen ei- nen Stein, darinne ein Kern steckt, den weissen Pinien nicht unaͤhnlich. Die Jndianer machen diese Fruͤchte, wenn sie noch gruͤn sind, ein, als wie wir die Pflaumen, und bedienen sich derer- selben zu Eroͤffnung des Leibes. Die Portugiesen und Hollaͤnder bringen sie eingemacht zu uns, die man alsdann eben zu solchem Ende gebꝛauchen koͤnnte. Meistentheils aber werden sie getreugt zu uns gebracht, und von den Apothe- ckern zu den Galenischen composition en gebrauchet, wenn sie den Kern zuvor her- aus genommen. Die gelben Mirobalanen sollen gelbroth sehen, lang und voͤllig, gleich- sam aus eitel Ribben zusammen gesetzet, anbey auch wichtig seyn, und schwerlich zu zer- Der Spezereyen und Materialien zu zerbrechen, eines anziehenden unan- genehmen Geschmacks. Jngleichen mag man Achtung geben, daß es keine Bellerische und schwartzbraune Miro- balanen seyn, welche gar oͤfters an jener Stelle gegeben werden; wie solches aus folgendem zu ersehen. Das drey und dreyßigste Capitel. Von den Jndianischen Mirobalanen. D Jese sind laͤnglichte Fruͤchte, so dicke als eines Kindes Fingerspitze, aus- sen und innen schwartz, ohne Kern, und sehr harte; werden aus Jndien ge- bracht, woselbst sie in Menge wachsen, und daher ihren Namen bekommen ha- ben. Siehe Fig. 225. Der Baum, der sie traͤgt, hat Blaͤt- ter, wie die Weiden, nach denen kom- men die Fruͤchte, in Gestalt und Groͤsse der Spanischen Oliven, sind anfangs gruͤn, werden aber immer braͤuner, ie mehr sie zeitigen, und endlich schwartz und trucken; so daß sie gantz harte und schwartz sind, wenn sie zu uns gebracht werden. Man muß diese Mirobalanen erweh- len, welche fein voͤllig, trucken und schwartz, auch so schwer, als moͤglich sind, und einen anziehenden saͤuerlichen Geschmack haben. Das vier und dreyßigste Capitel. Von den schwartzbraunen Mirobalanen. D Je Mirobalani Chepuli, oder Quibus, sind den gelben nicht unaͤhnlich, aus- genommen, daß sie dicker, schwaͤrtzer und laͤnger. Siehe Fig. 226. Der Baum, der sie traͤgt, ist so hoch, als wie ein Birnbaum, und hat Blaͤt- ter, als wie der Pfirsichbaum, samt roͤth- lichten Bluͤten, wie Sternen gestaltet. Diese Art waͤchst um Decan und in Bengalen ohne Wartung. Man muß aber diejenigen auslesen, welche fein voͤllig, nicht runtzlicht, und so schwartz, als moͤglich, sind, die auch inwendig holtzicht scheinen, und braun sehen, anbey einen anziehenden bitter- lichen Geschmack haben. Das fuͤnff und dreyßigste Capitel. Von den Bellirischen Mirobalanen. M Irobalani Bellirici sind kleine Fruͤchte, wie eine Mußkatnuß groß, sehen auswendig gelbroth, inwendig gelblicht; in denen befindet sich ein Stein, mit ei- nem Kern, der nicht die geringste Kraft hat. Siehe Fig. 227. Der Baum, der sie traͤgt, ist groß, und hat Blaͤtter, wie der Lorbeerbaum. Die Fruͤchte haͤngen an den Aesten, als wie kleine gelbe Kuͤrbse. Diese Mirobalanen sollen fein voͤllig und frisch seyn, denn sie leichtlich wurm- stichicht werden, weil sie gar eine gerin- ge Substantz und Wesen haben, auch sollen sie eine hohe Farbe haben, gantz dichte, uñ eines anziehenden Geschmacks seyn, so viel als nur moͤglich. Das sechs und dreyßigste Capitel. Von den aschfarbenen Mirobalanen. M Irobalani Emblici, das sind schwaͤrtz- lichte Fruͤchte, sehen schier wie das Chagrinleder, sind wie ein Gallapfel dicke, und springen leichtlich in vier Theil, zumahl, wenn sie ein wenig dicke und offen sind. Darum sind auch fast alle, die wir zu sehen bekommen, entzwey und geviertheilet. Siehe Fig. 228. Der Baum, der sie traͤgt, ist so hoch als ein Palmbaum; seine Blaͤtter sind dem Fahrenkraute nicht unaͤhnlich. Man erkiese diejenigen, unter denen nicht viel Steine oder anderer sonst da- bey befindlicher Unrath sey, sondern die fein fleischicht, und so schwartz, als im- mer moͤglich, sind. Die Jndianer brauchen diese Miro- balanen weder roh noch eingemacht, wie sie mit denen andern zu thun pfle- gen, es sey dann, wenn sie noch gruͤne sind, das Hertz zu erfrischen, dieweil sie saͤuerlich schmecken. Hingegen brau- chen Hauptbeschreibung ersten Theils siebendes Buch. chen sie dieselbigen, wie bey uns die Cor- dubanmacher den Sumach, das Leder gruͤn zu faͤrben, und Dinte davon zu machen. Es haben einige behaupten wollen, die Mirobalanen wuͤchsen alle auf ei- nerley Baͤumen: solches aber ist von der Wahrheit weit entfernet, gleichwie wir allbereit gesehen. Und ob sie gleich alle zusammen in Jndien wachsen, so sind sie doch mehr als 50. Meilen von einander entfernet. Die gelben, welche die Jndianer Arare nennen, fuͤhren die Galle ab. Die Jndianischen, welche die ge- meinen Leute Rezanuale, samt den Bellirischen, die sie Gotin heissen, fuͤh- ren die schwartze Galle aus. Die Emblischen, Annuale/ und die Chepuli, Areca bey ihnen genannt, fuͤh- ren den Schleim ab. Diese fuͤnff Sorten der Mirobala- nen werden sehr oft in den Apothecken gebraucht, und haben alsdann keines weitern auslesens noͤthig, wenn sie nur, wie oben beschrieben, beschaffen, und die Steine herausgenommen sind. Das sieben und dreyßigste Capitel. Vom Areca. D Jeser Fruͤchte giebt es zweyerley, halbrunde, und andere, die wie eine Egyptische Flamm- oder Spitzseule oder Pyramide formiret sind. Sie sehen, bevoraus inwendig, einer zerbrochnen Mußkatnuß durchaus aͤhnlich, und wer- den von unterschiedlichen Orten aus Jndien zu uns gebracht. Weil wir aber wegen ihrer Seltsamkeit nicht da- mit handeln, deshalben will ich auch nichts weiter davon vermelden. Der Arecabaum steht bey dem Pfef- fer abgebildet. Siehe Fig. 176. Das acht und dreyßigste Capitel. Von Coloqvinten. Siehe Fig. 229. D Je Coloquinte ist eine Frucht, so groß als der Reinettenapfel auf ei- nem kriechenden Gewaͤchse, dessen gruͤ- ne Blaͤtter den Gurckenblaͤttern ziem- lich nahe kommen. Wenn diese Frucht noch auf dem Stocke steht, ist sie wie un- sere Kuͤrbse gefaͤrbet, und waͤchst an etli- chen Orten in Levante gantz haͤuffig: von daher werden uns die Coloquinten gebracht, nachdem vorher die gelbe Schale davon abgenommen worden. Es muͤssen aber die Coloquintenaͤp- fel schoͤn weiß sehen, leichte und rund seyn, nicht garstig, oder zerbrochen. Diejenigen, die Coloquinten von Marseille oder anderswoher kommen lassen, moͤgen ihren Correspondenten ja fleißig anbefehlen, daß sie dieselbigen wohl in Acht nehmen lassen, damit sie nicht zerstossen werden, und die Kerne aus einander fallen: sonst, wenn sie nicht wohl verwahret seyn, werden dieselben, die da vermeinten, sie haͤtten 100. Pfund schoͤne Coloquinten, deren kaum 40. Pfund finden, das uͤbrige sind Kerne, die zu nichts dienen, als daß man sie weg- schuͤtte; so aber kein kleiner Schaden. Die Coloquinte ist eine dermassen bittere und starckpurgirende Sache, der- gleichen es keine mehr in der Artzney giebt. Derowegen mag man sie ja mit der groͤsten Behutsamkeit gebrauchen, und vor allen Dingen, als schon erweh- net, die Kerne wegschmeissen. Diese Kerne werden von den Zucker- beckern mit Zucker uͤberzogen, und ein Confect davon gemacht: dieses verkauf- fen sie die Kinder, auch wohl Erwachse- ne, damit zu betruͤgen und zu vexiren. Einige Apothecker aber stossen und mi- schen sie unter die Compositiones purgan- tes, vornehmlich unter das lenitivum commune, welches aber ein abscheulicher Betrug und schaͤndliches Mittel ist. Was die Landstreicher betrifft, die wis- sen nicht einmahl, was Coloquinten brauchen heißt, denn sie sich nur allein der Kerne bedienen. Das neun und dreyßigste Capitel. Von den Treibkoͤrnern. P Ignons d’ Inde, Treibkoͤrner sind klei- ne gelblichte Kerne, so dicke als eine Erbse, iedoch viel laͤnger, eines unange- nehmen Geschmacks, der mit einer hef- T tigen Der Spezereyen und Materialien tigen Schaͤrffe begleitet wird. Diese kleinen Kerne sind alle mit einander mit einem weissen uͤberaus duͤnnen Haͤut- lein und einer kleinen, harten und gnug- sam dicken Schale bedecket, welche des- halben gar leichtlich zerbricht. Diese kleinen Fruͤchte wachsen in einer drey- eckigten Schale oder Huͤlse, darinnen mehrentheils drey Stuͤck beysammen gefunden werden. Das Gewaͤchs, das diese Frucht bringt, wird in Herr- manns Buche, welches er Paradisus Ba- tavus tituliret, also genennet. Ricinus arbor, fructu glabro, Grana tiglia officinis dicto: der Baum Ricinus/ oder Wunderbaum/ mit glatten Fruͤch- ten, in den Apothecken Grana tiglia genennet . Die Gestalt des Gewaͤchses, der Blaͤt- ter und Bluͤten ist mir unbekannt, doch halte ich dafuͤr, daß es eben dasjenige Siehe Fig. 230. Gewaͤchse sey, welches ich stechen lassen. Es muͤssen aber diese Treibkoͤrner frisch seyn, und fein schwer, auch keine ledige Huͤlsen, oder andere Dinge, die nicht dazu gehoͤren, darunter zu finden seyn. Desgleichen mag man Achtung geben, daß es die rechten sind, weil etli- che an ihre Statt die Fruͤchte der Palma Christi, der kleinern Sorte des Wun- derbaums zu geben pflegen, welches gar schwerlich zu erkennen, wenn zu- mahl die Palma Christi nicht scheckicht ist: denn, wenn sie scheckicht, kan einer, der sie nur ein wenig kennet, unmoͤglich da- mit betrogen werden: wenn sie aber die Farbe der groͤssern Treibkoͤrner haben, so kan man sie mit genauer Noth von einander unterscheiden. Die Treibkoͤrner werden zum pur- giren gebraucht, und sind wuͤrcklich ei- nes von denen staͤrcksten purgantibus, des- halben sie mit der groͤsten Behutsam- keit muͤssen gebraucht, und niemand, als den staͤrcksten Leuten gegeben wer- den. Die dosin belangend, da nimmt man 1. 2. bis 3. Stuͤck, nach Beschaffen- heit der Person. Jhrer etliche wollen versichern, daß alleine das in diesem Korne befindliche kleine Haͤutlein die Kraft zu purgiren habe, welches ich aber, als dessen ungewiß, zu bekraͤftigen mich nicht unterstehe. Ohne die Pignons d’ Inde, die wir recht uͤbel die kleinern Treibkoͤrner nennen, verkauffen wir auch eine Sorte solcher Koͤrner, Pignons aus der Barbarey Dicke Treib- koͤrner aus der Barba- rey. genannt, ingleichen die dicken Pignons oder Treibkoͤrner aus Jndien und America/ welche Caspar Bauhinus Ricinus Americanus, semine nigro, Ame- ricanischen Ricinus mit schwartzen Samen nennet. Es giebt auch noch zwey Sorten der Jndianischen Treibkoͤrner, damit Jndianische Treibkoͤrner. wir aber nichts zu thun haben, weil sie so gar rar sind. Die ersten sind Kerne, wie eine Haselnuß dick und gestalt, uͤber die massen weiß, und mit einer bunten, roth und graulichten Schale bedecket. Dieser Koͤrner wachsen dreye beysam- men in einer dreyeckigten Huͤlse. Das Gewaͤchs, das sie traͤgt, heißt Ricinus fru- ctu maximo, Ricinus mit der groͤsten Frucht. Die andern sind kleine laͤnglichte Kleine Jndia- nische Treib- koͤrner. Koͤrner, so dicke wie ein Nadelkopf, ge- sprenckelt, schier wie die Palma Christi: wachsen drey und drey beysammen in einer dreyeckigten Huͤlse, die so groß als eine Erbse ist. Diese kleinen Huͤlsen se- hen gantz anders, als die Huͤlsen der an- dern Treibkoͤrner; denn, was ihnen zur Huͤlse oder Dicke dienet, das sind fuͤnff kleine, wie Sammt gliessende gruͤne Blaͤttlein, welche zusammen eine solche Figur machen. Das Gewaͤchs, das die- se kleinen Koͤrner traͤgt, hat Blaͤtter, die dem Cretischen Diptam gantz aͤhnlich se- hen, ohne, daß sie gruͤnlicht sind, dahin- gegen des Diptams Blaͤtter weißlicht se- hen. Allein diese kleinen Koͤrner sind uͤberaus seltsam. Das Gewaͤchs koͤnte man etwa nennen, Ricinus Indicus fructu minimo, Jndianischer Ricinus mit der aller kleinsten Frucht . Was die groß und kleine Palma Chri- Palma Christi und Spring- koͤrner. sti betrifft, desgleichen die Springkoͤr- ner, von denen will ich nichts gedencken, weil ausser diesem gar viel Scribenten davon geschrieben haben, und uͤberdiß niemand von rechtschaffenen Leuten damit handelt. Siehe Fig. 231. und folgende bis Fig. 239. Das Hauptbeschreibung ersten Theils siebendes Buch. Das viertzigste Capitel. Von den Pinien. D Je Pinien, Pignons blancs, sind klei- ne laͤnglichte, halbrunde Kerne, ei- nes suͤssen Geschmacks, daher sie auch Suͤsse Pinien. suͤsse Pinien geneñet werden, mit einem duͤnnen, geringen roͤthlichten Haͤutlein und einer sehr harten Schale uͤberzogen. Diese Schalen samt ihren Kernen be- finden sich in den Fichten-Zapfen oder Aepfeln, Pommes des Pins, und werden deswegen Pignons, Pignolas oder auch Pignolas. Amandes du fruit du Pin, Kerne aus den Fichtenaͤpfeln und Pinien geheissen. Siehe Fig. 240. und 241. Die Pinien, die wir verkauffen, kom- men aus Catalonien, ingleichen aus Provence oder Languedoc uñ andern Orten in Franckreich . Damit man aber die Pinien aus den Aepfeln nehmen koͤn- ne, werden sie in heisse Oefen und aufs Feuer geworffen, bis sie aufboͤrsten: her- nach zerstossen sie die Nuͤsse oder Kerne, nehmen die Pinien heraus, und versen- den sie hin und her. Man soll die Pinien erwehlen, welche weiß, frisch und fein dicke sind, und un- ter denen so wenig Schalen, als nur moͤglich, zu finden, sie muͤssen auch einen guten Geschmack haben: mit einem Worte, sie muͤssen weder oͤlicht seyn, noch modricht riechen. Es vermelden etliche, daß die duͤnnen Haͤutlein sie gut erhielten, denen ich auch nicht wider- sprechen kan; wiewohl ich niemahls eine besondere Wirckung davon verspuͤret: doch kan man schon zu frieden seyn, weil diese Haͤutlein ihnen nichts schaden wer- den, wenn sie ihnen ja nichts helffen sol- ten: selbige koͤnnen uͤberdiß keinen gros- sen Abgang verursachen, indem sie uͤber alle massen leichte sind, iedennoch hin- dern sie, daß diejenigen, die dieses nicht wissen, die Pinien nicht kauffen. Die Pinien werden sehr gebrauchet, sonderlich in der Fasten, und allerley ap- petitliche Bißlein damit zugerichtet. Die Zuckerbecker uͤberziehen sie mit Zu- cker, wenn sie vorher eine Zeitlang in Kleyen gelegen, damit sich die Fettigkeit daraus ziehe. Es wird auch ein Oel Pinienoͤl. daraus gemacht, welches eben dazu die- net und solche Wirckung hat, als wie das Mandeloͤl, bevorab, wenn es von frischen Pinien bereitet ist. Sie wer- den auch bisweilen den Canarienvoͤgeln zu fressen gegeben. Die Kuchen, dar- aus das Oel geschlagen worden, sind gut die Haͤnde zu waschen. Das ein und viertzigste Capitel. Von den weissen Been- oder Jndianischen Ruͤßlein. Siehe Fig. 243. D Je Beennuͤßlein, eine dreyeckigte Frucht, von unterschiedlicher Far- be, denn es graue und weisse giebet, ist so dicke als eine Haselnuß: darinne befin- det sich ein Kern, der einen suͤssen und ziemlich unangenehmen Geschmack hat. Siehe Fig. 142. Der Baum, der diese Fruͤchte traͤgt, ist in Europa ziemlich rar. Die Figur aber von demjenigen gezeichnet worden, der in des Cardinal Farnese Garten befindlich. Man muß die Been erwehlen, welche frisch sind, und deren Kerne weiß, so schwer und dicke, als immer moͤglich. Die Beennuͤßlein werden zu nichts anders gebrauchet, das ich wuͤste, als daß man Oel daraus schlaͤgt, welches gar besondere Eigenschaften hat. Denn erstlich ist es ohne Geruch und Ge- schmack, wird auch nie stinckicht; dar- um gebrauchen es die Parfumirer und andere haͤuffig, und ziehen damit den Geruch aus den Jesminblumen, Pome- rantzenbluͤten, Tuberosen, und derglei- chen. Solches mit dem Geruch besag- ter Blumen imprægni rt und erfuͤllte Oel wird hernachmahls Jasminessentz, Pomerantzenessentz, u. s. f. geheissen. Jedoch nehmen diejenigen, die solche Oele bereiten, vor andern aber die Par- fumirer mehrentheils, an statt des Beenoͤls, weil es zu theuer, das blose Mandeloͤl, oder auch wohl gar nur Baumoͤl, damit sie dieselben fein wohl- feil geben koͤnnen. Von ihren Berei- tungen will ich nichts vermelden, wohl aber den Leser in des Herrn Barbe/ ei- nes Parfumirers, erst neulich heraus gegebenes Buͤchlein weisen, welches weitlaͤufftig gnug von dieser Materie handelt; wenigstens nach meinem Be- duͤncken, denn ich mich hierauf wenig T 2 ver- Der Spezereyen und Materialien verstehe. Wiewohl ich dennoch dabey erinnern will, daß wenig oder gar nichts davon zu halten sey, wofern die Art und Weise allerhand Parfumir- und Raͤucherwerck zu machen, nicht besser ist als die Beschreibung der Spezereyen, welche er sich unterstanden hinzuzufuͤ- gen: denn alles, was er von den Waa- ren, die wir verkauffen, geschrieben, ist falsch, so daß er besser gethan, wenn er schlechter dings allein von denenjenigen Dingen, die seine Profeßion angehen, nicht aber von solchen Sachen gehan- delt haͤtte, davon er keinen Verstand hat: wie er denn solche Dinge vorge- bracht, die weder gewesen sind, noch ie- mahls werden seyn; sonderlich, was an- langet den Ambergries, it. den Mosch, Zibet, Benzoin, Storax, Peruviani- schen Balsam, Mahalep, welchen er ziemlich ungereimt, Macanet nennet, das Ungrische Wasser, und dergleichen mehr. Das zwey und viertzigste Capitel. Von den Pistazien. D Je Pistazien oder welsche Pim- pernuͤßlein/ die so dicke und gestal- tet wie gruͤne Mandeln sind, werden von unterschiedlichen Orten aus Per- sien, und anders woher aus Asien/ mei- stens aber aus der Stadt Malaver ge- bracht. Siehe Fig. 244. Der Baum, der sie traͤgt, ist so hoch, als wie bey uns die jungen Nußbaͤume, und hat bey nahe gantz runde Blaͤtter, nach denen die Fruͤchte, als wie Trau- ben, beysammen wachsend, folgen, wel- ches gar anmuthig anzusehen, indem sie gruͤne, mit roth vermenget, sind. Un- ter der Schale befindet sich eine weisse harte Huͤlse, die den Kern beschließt, welcher aussenher gruͤn und roth, in- wendig aber gantz gruͤn ist, und einen suͤssen angenehmen Geschmack hat. Man erwehle die Pistazien/ welche annoch in der Schale stecken, frisch, schwer und fein voll sind: kurtz zu sagen, da drey Pfund mit Schalen ein Pfund ausgehuͤlsete oder Kerne geben koͤnnen. Aufgeschla- gene oder Was die aufgeschlagenen anbetrift, die sollen ebenfalls frisch seyn, von auf- ausgehuͤlsete Pistazien. sen huͤbsch gruͤn und roth, inwendig aber gantz gruͤn sehen, nicht oͤlicht oder mo- dricht schmecken, erst kuͤrtzlich aufgeschla- gen, und so wenig, als moͤglich, zerstos- sen seyn. Jhre Dicke belangend, da liebt einer die dicken, ein anderer die klei- nen, insonderheit die Zuckerbecker, denn diese ersparen die Muͤhe und duͤrffen sie nicht erst zerschneiden, wenn sie dieselben mit Zucker uͤberziehen, und die also ge- nannten uͤberzogenen Pistazien da- Uberzogene Pistazien. von machen wollen. Sie werden auch sonst zu allerhand Leckerbißlein genom- men. Jn der Artzney braucht man die Pi- stazien sehr selten, und allein zu etlichen Galenischen composition en, denn sie gar dienlich sind, alte verlebte Leute wieder munter zu machen. Man kan zwar auch Oel aus den Pi- stazien machen; weil es aber gar wenig im Gebrauch, deshalben will ich davon schweigen. Das drey und viertzigste Capitel. Von den Mandeln. Siehe Fig. 245. W Jr verkauffen insgemein zweyer- ley Mandeln bittere und suͤsse. Die Baͤume, die sie tragen, sind so gemeine, daß ich nichts davon geden- cken mag, sondern werde nur vermel- den, wie daß die Mandeln, so bittere, als suͤsse, von gar vielen Orten kom- men, z. E. aus Provence, Langue- doc/ oder Barbarey/ und von Chi- non im Touraine : doch werden die in der Grafschaft Venaiß in bey Avignon wachsen, unter allen am meisten ge- achtet, weil sie gemeiniglich breit sind, und schoͤn von Farbe, das ist aussenher roͤthlicht, und inwendig weiß, und ha- hen einen suͤssen Geschmack: dagegen sind die von Chinon und aus der Barba- rey kommende, klein, und schier gantz rund. Derowegen sollen diejenigen, die der Mandeln noͤthig haben, ietztge- meldter Ursache halber, die Mandeln, die aus nurerwehnter Grafschaft ge- bracht werden, allen denen andern vor- ziehen; liegt auch nichts dran, wie sie kom- TAB. XL. beennüßleitt schale. beennüßlein. F. 243. p. 295. Zweig vom beennüßlein baum. F. 242. p. 295. Pislazien. Fig. 244. p. 296. Mandeht. F. 245. p. 296. Ricinus. F. 230. p. 291. Grosseindianische Treibkor- ner in der Schale. F. 236. Jndianische Treibkönter inder Schale. F. 231. p. 291. Grosse indiantsche Treibkörner ausser der Schale F. 237. Jndianische Treibkörner ausser der Schale. F. 232. Kleine Jndianische Treib- körner. F. 233. Hülse der so genañ- ten Palma Christi oder des Samens vom Wund er baum F. 238. Treibkömer aus der bar bareÿin der Schale. F. 234. Treibkörner aus der Batba- reijausser der Schale F. 235. Erstesblatt des Ricinus. Sammdes wunder- baums. F. 239. Pinien F. 241. p. 293. Pinienapfel. F. 240. Loloquinten. F. 229. p. 289. Hauptbeschreibung ersten Theils siebendes Buch. kommen, wenn sie nur, wie gemeldet, beschaffen sind. Die aber gantze Ton- nen, Kisten und Ballen nehmen, diesel- ben moͤgen Achtung geben, daß sie durchgehends gut; denn es giebt sowohl zu Lyon, als zu Paris, gewisse Kauff- leute, welche dieses Gut dergestalt zuzu- richten wissen, daß man in Gefahr ste- het, betrogen zu werden, wenn es nicht auf allen Seiten und uͤberalle wohl und genau besehen wird. Was den Gebrauch der suͤssen Man- deln belanget, derselbe ist so groß, und iedermann also bekannt, daß es unnoͤ- thig, viel davon zu gedencken. Dero- halben will ich alleine von dem Oele, das daraus geschlagen wird, handeln, indem es wegen des haͤuffigen Ge- brauchs eine Waare von grosser Wich- tigkeit ist. Ohne die aufgeschlagenen Mandeln, welche man uns von obberuͤhrten Or- ten bringet, verkauffen wir auch Man- Mandeln in Schalen. deln in Schalen, denen man den Na- men duͤnnschaͤlichte Mandeln gege- ben, und welche gantz unrecht Floren- tiner Mandeln genennet werden, weil alle, die wir verkauffen, aus Langue- doc und Provence kommen. Diese Mandeln muͤssen zart seyn, wenn sie recht gut seyn sollen, und sich stracks mit den Fingern zerbrechen las- sen. Ubrigens werden sie allein auf grosser Herren Taffeln gebraucht. Das vier und viertzigste Capitel. Vom suͤssen Mandeloͤl. D As suͤsse Mandeloͤl wird auf un- terschiedene Art bereitet. Etliche ziehen die Mandeln ab, andere stossen sie, so wie sie dieselben bekommen; an- dere zerquetschen sie nur, und reiben sie durch ein starck haͤrin Sieb. Einige neh- men gute Mandeln, andere nur schlech- te. Kurtz, ein ieder macht es nach sei- nem Verstande, und nachdem er ein Ge- wissen hat. Damit aber dem grossen Betruge, der mit diesem Oele getrieben wird, moͤge vorgebauet, auch denenje- nigen, die es nicht zu machen wissen, eine Muͤhe ersparet werden, so will ich die Art und Weise, wie es zu bereiten, anher setzen. Nehmet derowegen anderthalb Pfund geschaͤlte suͤsse Mandeln, die fein trucken und frisch sind, weder oͤlicht, noch modricht oder stinckend, thut sie in einen feinen reinen Moͤrsel, und reibet sie durch ein starck haͤrin Tuch, wenn ihr sie zerqvetschet habt: drauf schuͤttet sie auf ein gedoppelt haͤrin Tuch, und legt sie unter die Presse zwischen zwey Platten von Zinn, oder polirten Stahl, oder Kupfer, oder weissen Blech, presset fein gelinde und gleich, sonst moͤchte das Tuch zerreissen, und die Presse zersprin- gen. Wenn ihr nun, wie sichs gebuͤh- ret, verfahren habt, werdet ihr ein suͤs- ses Oel bekommen, welches treffliche Tugenden hat, und fast ohne Hefen ist. Dieses aber geht mit ungeschaͤlten Mandeln, oder welche gar zu Brey ge- stossen worden, nicht an. Man muß sich sehr wohl in Acht neh- men, wann man das Mandeloͤl auf die Art, wie das Diarium pharmacevticum lehret, bereiten will, und zwar um zwey- erley Ursachen willen. Denn erstlich geben die Mandeln kein Oel, wenn sie aus dem warmen Wasser kommen, ob sie gleich an die Luft geleget worden sind. Zum andern wuͤrde man mehr Tuch da- bey zerreissen, als wohl ein Weber ver- fertigen koͤnte. Nicht weniger, wann daselbst gesaget wird, man muͤsse die bit- tern Mandeln im Marienbade aufwaͤr- men, wenn man das Oel davon verlan- gete, da weiß ich nicht, was fuͤr ein Un- terschied oder groͤssere Beschwerlichkeit sich eraͤugnen solte, wenn man das Oel von bittern Mandeln auf die Art, wie das suͤsse Mandeloͤl, machen wolte. Jch bin versichert, daß ein ieder, der dieses Capitel lesen wird, diese Art nicht soll verachten, und dieses wegen unter- schiedener Ursachen. Weil es naͤmlich, fuͤrs erste, nicht so viel Muͤhe braucht: zum andern, ehe fertig wird: drittens, wenig Hefen giebt: und endlich, weil mir nicht bewust, daß iemand dieser Art erwehnet haͤtte. Auf eben diese Weise kan man auch Bitter Man- deloͤl. das bittre Mandeloͤl bereiten, inglei- chen das Oel von Haselnuͤssen, grossen Nuͤssen, Beennuͤßlein, Pinien, Treib- koͤrnern, welches wir Huile de Figuier d’en- fer, das Oel vom hoͤllischen Feigen- Oel vom hoͤl- lischen Fei- genbaum. baum zu nennen pflegen, und gar sehr von denen Wilden zu Toͤdtung des Ge- T 3 wuͤrms Der Spezereyen und Materialien wuͤrms gebrauchet wird: wie auch von der Palma Christi, weissen Mohn, den vier kuͤhlenden Samen, Hanff, Lein, und vielen andern Fruͤchten oder Sa- men mehr, aus denen man ein ausge- prestes und ohne Feuer bereitetes Oel zu machen belieben traͤgt. Von der Wahl dieser Oele kan ich kei- ne bessere Nachricht geben, als daß man sie bey rechtschaffenen Leuten, die nicht faͤhig sind einen zu betruͤgen, kauffe, und nicht bey den Umlaͤuffern oder Tabulet- traͤgern; insonderheit das suͤsse Man- deloͤl, welches sie hausiren tragen; denn es ist von verfaulten verdorbenen Man- deln gemacht, oder von Stuͤcken, die die Zuckerbecker nicht gebrauchen, und der- gestalt nicht werth, daß es ein Mensch in seinen Leib nehme, dieweil es garstig ist, und als ob es gebraten waͤre, schmeckt! indem die Stuͤcken vorher in der Treugestube gelegen. Und derglei- chen Betrug geht noch mehr vor. Man sendet uns auch von unterschied- lichen Orten ausser dem ohne Feuer be- reiteten Mandeloͤl, ein Oel in Stuͤcken von unterschiedlichen Gewichte, welches durch Feuer bereitet ist, und zu nichts als zum brennen taug. Das suͤsse und ohne Feuer bereitete Mandeloͤl wird zu vielen Kranckheiten, wo man Linderung noͤthig hat, gebrau- chet; es werden auch ein und andere Theile des Leibes damit gerieben: doch wird es mehrentheils den neugebohrnen Kindlein eingegeben. Die Kuchen (Kleyen) von geschaͤlten Mandelku- chen oder Kleyen. suͤssen Mandeln dienen die Haͤnde damit zu waschen, und vom Schmutz zu reini- gen. Die bittern Mandeln brauchen kei- nes auslesens, wenn sie nur so hoch von Farbe, breit, nicht zerbrochen, und so frisch, als moͤglich, sind: dabey in Acht zu nehmen, daß sie nicht mit suͤssen Man- deln vermischet, welches nur zu ofte ge- schicht, absonderlich, wenn die bittern theuer sind. Die bittern Mandeln werden von den Zuckerbeckern gebrauchet, und die also genannten bittern Mandel-Bi- Bittere Man- del-Biscoten. scoten davon bereitet. Es werden auch Kuchen daraus gemacht, die Haͤnde zu waschen, und Oel daraus geschlagen, wie schon gedacht, welches trefflich gut zum Ohrenzwang, wenn es mit ein we- nig Aquavit oder Weinspiritus vermi- schet worden. Die bittern Mandel- kleyen sind sehr dienlich, den Schmutz von den Haͤnden zu bringen, und ma- chen die Haͤnde weisser, als die suͤssen Mandelkleyen. Das fuͤnff und viertzigste Capitel. Von den Citronen. Siehe Fig. 246. D Je suͤssen und sauern Citronen sind gantz gemeine und maͤnniglich bekannte Fruͤchte, daher ich auch nur dieses gedencken will, daß diejenigen, die wir verkauffen, von S. Rennes in der Genuesischen Revier, von Nizza und Manton/ so ein kleines, dem Hertzog von Savoyen zustaͤndiges Staͤdtlein, kommen, und von dannen zu Wasser und Lande nach Marseille, Lyon, Rouan, und alsdann auch nach Paris gebracht werden. Jn allen diesen Staͤdten, Nizza aus- genommen, werden die Zitronen nicht verkaufft, als mit Bewilligung des Stadtraths, und dieses geschicht des Jahrs zweymahl, im May und im September, bisweilen auch dreymahl, nachdem es viel, oder wenig gegeben. Wann nun die Zitronen sollen ver- kaufft werden, oder der und jener Kauffmann verlangt ihrer von einem Buͤrger zu erhandeln, so suchen sie die Meckler selbst aus, und nehmen keine, die nicht ihr rechtes Maas hat, oder durch den ausdruͤcklich hierzu gemach- ten eisernen Ring gehet, denn die da- durch gehen, werden ausgeschossen, und dienen sonst zu nichts, als daß der Saft daraus gedrucket werde, den man nach Avignon und Lyon zum Behuf der Schoͤnfaͤrber verfuͤhret. Was die Wahl der suͤssen und sau- ern Zitronen betrifft, da ist unnoͤthig, daß ich mich lange dabey aufhalte, in- dem diese Waare gar zu kenntlich ist. Das Hauptbeschreibung ersten Theils siebendes Buch. Das sechs und viertzigste Capitel. Vom Zitronoͤle. W Jr verkauffen zweyerley Zitron- oͤl, das gemeine und Essenza di Ce- Zitron- Essentz. dro, oder Zitronessentz . Das eine, das am hoͤhesten gehalten wird, fuͤhret den Namen des Zitronoͤls, oder der Zi- tronessentz, und wird auf zweyerley Art bereitet: Naͤmlich von Citronschalen, davon das Weisse weggeschnitten wor- den, oder von abgeriebenen Zitronen, daraus man dann, vermittelst des Feu- ers und eines Kolbens, ein weisses starck- riechendes Oel ziehet, welches dem suͤssen Mandeloͤle gantz gleich sieht, ausser daß es nicht so dicke ist. Das andere und ge- meine Zitronenoͤl sieht gruͤnlicht, und ist klar, riecht gut, und wird ebenfalls mit Huͤlffe eines Kolbens, aus den dicken Hefen, die in den Faͤssern, darinnen man den Zitronensaft sich setzen lassen, be- findlich sind. Es geben aber 50. Pfund dieser Hefen gemeiniglich drey Pfund lauteres Oel, mehr oder weniger, nach- dem die Citronen gut oder schlecht ge- wesen. Die Parfumirer brauchen die Citro- nenoͤle, wegen ihres guten Geruchs, vor allen aber die Zitronenessentz. Belangend den Zitronensaft, Aigre de Cedre, das ist ein Saft, der aus einer gewissen Gattung halbreiffer Zitronen, welche von Bourgaire bey S. Ren- nes gebracht werden, bereitet und hin und her verfuͤhret wird. Er ist auch bey den Parfumirern und andern Leuten, die sich dessen bedienen, gebraͤuchlich. Das sieben und viertzigste Capitel. Von eingemachten Citronen. S Je senden uns von Madera kleine Citronen, von unterschiedlicher Groͤsse, immer eine dicker, denn die an- dere, mit Zucker eingemacht, trucken oder feuchte, so ein sehr angenehmes Es- sen, muͤssen aber, wenn sie recht gut seyn sollen, wohl eingelegt, zarte, gruͤn und frisch seyn. So werden auch ausser diese Citro- nen, uͤberzogene oder truckene Citron- schalen von Madera gebracht, und muͤssen, sollen sie die gehoͤrige Beschaf- fenheit haben, frisch seyn, duͤnne Schnit- gen, hell und durchscheinend, und oben- her gantz gruͤn sehen, unten aber, als ob sie mit Eis beleget: sie muͤssen inglei- chen recht trucken seyn, und nicht ge- sprenckelt, oder voller schwartzen Fle- cken, welches von der Feuchtigkeit her- ruͤhret, die sie an sich ziehen, wenn sie alt werden. Die Citronschalen sind sehr gebraͤuch- lich, denn sie ein gutes Essen sind. Es giebt auch Zitronat, welches einge- machte in Stuͤcken zerschnittene Citron- schalen sind. Die Tuͤrcken bereiten ihren Sor- bait von Zucker und Zitronsafte: der beste aber kommt von Alexandrien . Aus gelaͤutertem Zitronsafte und fei- nen Zucker wird der Citronen- und von denen Apotheckern der Limonensyrup gemacht, welcher in Wasser zerlassen, zur Erquickung und Durst zu loͤschen ge- braucht wird. Was anlanget den Zitronensaft, der zu Paris verkaufft wird, denselben mag man nur gaͤntzlich verwerffen, weil er blos von verfaulten Zitronen gemacht worden ist. Derowegen thun diejeni- gen, die ihn noͤthig haben, weit besser, daß sie ihn selbst machen, als schon berei- tet kauffen. Das acht und viertzigste Capitel. Von Pomerantzen. Siehe Fig. 247. D Je Pomerantzen, saure und suͤs- se, kommen von Nizza, Asiouta, Grace, aus den Hieresinseln und von Genua/ aus Portugall, den Ameri- canischen Jnseln, und gar aus China . Doch kommen die allermeisten, die wir anietzo sehen, aus Provence, woselbst sie ohne Unterschied und ohne die gering- ste Verordnung verkaufft werden. Die Pomerantzen sind so gemeine, als wie die Zitronen, und darum will ich auch nichts nicht davon vermelden. Wenn Der Spezereyen und Materialien Pomerantzen- schalen. Wenn die Pomerantzen geschaͤlet und ausgenommen sind, werden sie al- so gantz mit Zucker eingemacht, und das nennen wir gantze/ oder eingemachte Pomerantzenschalen . Die besten wer- den zu Tours gemacht, denn sie uͤber- aus helle und durchscheinend, auch hoch von Farbe sind. Wir lassen ingleichen Pomerantzen- schalen von Lion kommen, welche in schmale Stuͤcklein zerschnitten sind, Orangeat. und nennen sie Orangeat : wenn sie aber mit Zucker uͤberzogen, werden sie Orangeat en dragée, uͤberzogen, genen- net. Siehe Fig. 248. und 249. Ausser dem starcken Handel, den wir mit suͤß- und sauern Pomerantzen, auch Bigarades treiben, verkauffen wir glei- Eingemachte Pomeran- tzenbluͤten. chergestalt eingemachte Pomeran- tzenbluͤten, die wir aus Jtalien brin- gen lassen; ferner das distillirte Wasser, Aqua Namphæ oder Pome- rantzenbluͤt- wasser. aqua Namphæ, Pomerantzenbluͤtwas- ser genannt, welches ebenfalls aus Pro- vence kommt, und von den Parfumi- rern samt andern, welche dieses oder je- nes wohlriechend machen wollen, ge- brauchet wird. Wenn es recht beschaf- fen seyn soll, so muß es bitter schmecken, lieblich und angenehme riechen, auch eben in diesem Jahr gemacht seyn, denn sobald es uͤber ein Jahr alt wird, ent- gehet ihm der Geruch. Die die Pome- rantzenbluͤten distilliren, ziehen auch ein uͤberaus starckriechendes Oel daraus, Neroli. dem die Parfumirer den Namen Ne- roli gegeben: das beste wird zu Rom/ und nach diesem in Provence gemacht. Doch mag man sicherlich glauben, daß dieses ein bloser irriger Wahn der Al- ten, indem das Neroli zu Paris eben so leichte, ja noch besser als in Jtalien und Provence verfertiget werden kan. Die Ursach ist diese, weil es in Jtalien und Provence viel heisser ist, als in un- serer Gegend, und daher die Sonne den Geruch viel ehe zerstreuet. Wiewohl noch dieser Unterschied verbleibet, daß man allhier, zu Paris, viel weniger be- reiten kan, weder in jenen heissen Laͤn- dern: denn man muß wissen, daß der Geruch der Blumen allein von der Sonnenhitze und dem Thaue entstehe, und solchergestalt in Jtalien und Pro- vence viel koͤnne distilliret werden; das heist, wenn die Blumen zu Paris ihre Kraft nur einen Monat haben, so haben sie dieselbe in Provence zweyfaͤltig, in Jtalien aber dreymahl so starck, weil ihnen die Sonne so nahe. Aus Provence senden sie uns ein Pomeran- tzenoͤl. Oel, welches mit Wasser aus den Po- merantzenschalen, davon das Weisse ab- geschnitten ist, uͤber den Helm getrieben wird, und einen gantz lieblichen Geruch hat. Auch senden sie uns noch eine an- dere Gattung Oel, welches wir buile de buile de petit grain. petit grain (Oel von kleinen Korn) zu nennen pflegen: dasselbe wird von klei- nen Pomerantzen bereitet, die sie mit einer sattsamen Menge Wasser, darin- ne diese Pomerantzen ein fuͤnff oder sechs Tage geweichet haben, im Kolben distil- liren. Das Oel sieht goldgelb, und hat einen starcken guten Geruch. Die Pomerantzenoͤle sind ein treff- liches Mittel wider die Wuͤrme der klei- nen Kinder; wie auch das Wasser, das zur Bereitung des Oels gebraucht wird. Daher bringen die Parfumirer aus Provence desselbigen gar viel zu unterschiedenen Leuten, um solches den Kindern einzugeben. Das meiste wird zu Grace/ Biot, drey Meilen von Gra- ce, Canette und zu Nizza gemacht. Zur Nachricht dienet, daß alle diese Oele, die aus Provence kommen, ver- faͤlschet sind, und einen Zusatz von Been- oder suͤssem Mandeloͤle bekommen ha- ben. Derowegen kauffe man sie ja nir- gends, als bey rechtschaffenen Handels- leuten, und sehe nicht auf den wohlfei- len Preiß, absonderlich, wenn sie zu Toͤdtung der Wuͤrme bey jungen Kin- dern dienen sollen. Wir verkauffen ferner die kleinen Pomerantzen an die Paternoster- und Rosenkraͤntzemacher. Die Abgaͤnge von diesen Pomerantzen mit gleichem Theile getrockneter Zitronschalen und andern Spezereyen mit einander zu Pulver gestossen, davon wird ein hertz- staͤrckend und universal Pulver bereitet, Universal, Pulver. welches auch zu vielerley Kranckheiten der Pferde uͤberaus gut ist, wie solches aus des Herrn Soleysels vollkomme- nem Hufschmid pag. 44. 45. weitlaͤufftig zu ersehen, denn es darinne nebst andern diesen Thieren gar dienlichen und nuͤtz- lichen Huͤlffsmitteln der Laͤnge nach be- schrieben stehet. Die Herren Apothe- cker wollen von dergleichen remediis und Artzneyen nichts wissen, sagen, es sey fuͤr sie TAB. XLI. Ananas. F. 251. p. 305. Apfel aus Sina. F. 250. p. 304. Saure Pomeranßen. F. 248. p. 303. Bigarates. F. 249. p. 303. Süsse Pomeranßen F. 247. p. 301. Litronen. F. 246. p. 299. Hauptbeschreibung ersten Theils siebendes Buch. fuͤr sie zu geringe: weil aber der Koͤnig will, und verlanget, daß dem gemeinen Besten auf alle Weise gedienet werde, dannenhero ist schlechter dings noͤthig, daß die Spezereyhaͤndler dieselben fuͤh- ren und zu verkauffen haben, damit die- jenigen, die ihrer benoͤthiget sind, sie alle- zeit bey ihnen finden koͤnnen, im Fall sie die Apothecker nicht machen und selbst verkauffen wollen, denn einmahl ists vonnoͤthen, daß sie jemand bereite und verkauffe. Das neun und viertzigste Capitel. Von der Frucht Ananas. Siehe Fig. 251. D Je Ananas kan man, gleichwie der P. Tertre gethan, mit allem Rech- te die Koͤnigin der Fruͤchte nennen, mas- sen sie die schoͤnste und beste unter allen auf dem Erdboden ist. Denn eben da- rum hat ihr, ohne allen Zweiffel, der Koͤnig aller Koͤnige eine Krone zum ei- gentlichen Kennzeichen ihrer koͤniglichen Hoheit aufs Haupt gesetzt, welche nach dem Hinfall der Mutter eine junge Koͤ- nigin erzeuget, die derselben in allen ih- ren unvergleichlichen qualitæt en und Be- schaffenheiten nachartet. Zwar finden sich noch andere junge Sproͤßlinge un- ten an der Frucht, wie auch zu unterst an dem Stengel, welche gleichfalls und in wenigerer Zeit, auch viel geschwinder als diejenigen, die ihr an statt der Krone dienen, Ananassen bringen, allein es ist auch gewiß, daß die Fruͤchte von die- sen (den Kronpuͤschen) unvergleichlich schoͤner sind, als der andern ihre. Diese Frucht waͤchst auf einem run- den Stengel, welcher zwey Zoll dicke, und anderthalb Schuh hoch ist, und mit- ten aus dem Gewaͤchse, eben als wie die Artischocken mitten aus ihren Blaͤttern, hervorsteiget. Die Blaͤtter, die ohnge- fehr drey Fuß lang, und vier Finger breit, sehen als ob sie aus eitel kleinen Roͤhrlein bestuͤnden, sind am Rande mit lauter stechenden Spitzlein besetzet, und endigen sich mit einer Spitze, die als wie eine Nadel sticht. Zu anfangs ist diese Frucht nicht di- cker als eine Faust, und der Busch, oder die Krone, die sie auf dem Haupte traͤgt, feuerroth. Aus ieder Schuppe der Frucht, welche wohl an Gestalt, aber nicht dem Wesen nach, einem Fichten- apfel gleichet, entstehet eine kleine pur- purfarbichte Blume, welche vergeher und abfaͤllt, wenn die Frucht zunimmt. Unsere Leute theilen sie in drey Ge- schlechter ab, zu denen alle die andern koͤnnen gerechnet werden; denn da ist die weisse Ananas/ das Zuckerbrod oder der Zuckerhut, und der Reinet- tenapfel . Die erste Art haͤlt bisweilen acht bis zehen Zoll im Durchschnitt, und 15. bis 16. in der Hoͤhe. Das Fleisch ist weiß und fasicht, die Schale aber wird recht goldgelb. Wenn sie zeitig, dunstet sie einen uͤberaus angenehmen Geruch von sich, der schier wie unsre Quitten riecht, doch aber viel lieblicher ist. Allein, ob sie schon weit dicker und schwerer ist denn die andern, dennoch ist ihr Geschmack bey weiten nicht so herrlich, sie selbst auch deshalben nicht so hoch geachtet, weil sie die Zaͤhne stumpf, und das Zahn- fleisch viel eher, denn die andern, bluten macht. Die zweyte fuͤhret ihren Namen wegen der Gestalt, indem sie gerade wie ein Zuckerhut aussiehet. Sie hat et- was laͤngere und schmaͤlere Blaͤtter, denn die vorhergehende, wird aber nicht so gelb. Jhr Geschmack ist zwar besser, iedennoch machet sie ebenfalls das Zahnfleisch dererjenigen, die zu viel da- von geniessen, bluten. Jn dieser habe ich eine Art Samen gefunden, dem Kressensamen gleich: wiewohl es eine ge- meine Sage, die Ananassen truͤgen nie- mahls keinen Samen. Die dritte Art ist die kleinste, aber auch die koͤstlichste, und deswegen Pomme de Reinette genennet worden, weil sie dieses als eigen hat, daß sie schier wie die- ser Apfel schmeckt und riecht. Sie macht auch die Zaͤhne nicht stumpf, noch das Zahnfleisch bluten, man muͤste dann gar zu unmaͤßig viel davon geniessen. Diß ist also, was sie eignes haben. Alle zusammen aber wachsen auf einerley Art, tragen alle mit einander einen Busch, Blaͤtter oder Krone auf der Spitze oder dem Haupte, und haben ei- ne Schale, die wie ein Fichtenapfel sie- het, iedoch sich aufheben und abschaͤlen laͤßt, als wie die Schale der Melonen. Und obgleich das Fleisch, der einen so U wohl Der Spezereyen und Materialien wohl als der andern, fasicht ist, zergehet es doch wie Wasser in dem Munde, ist dabey so schmackhaft, daß ichs nicht besser auszudruͤcken weiß, als wenn ich sage, es schmecke wie Pfirschen, Aepfel, Quitten und Mußkaten untereinander. Jhrer etliche, die ihr die Eigenschaft, daß sie naͤmlich das Zahnfleisch bluten, und diejenigen, die zu viel, oder ehe sie noch recht zeitig worden, davon gegessen, rauschig macht, benehmen wollen, loͤsen zuvor die Schale davon ab, und schnei- den sie zu Stuͤcken, lassen sie hernach ei- ne Zeit lang in Spanischen Weine wei- chen, so verliehrt die Ananas nicht al- lein ihre Schaͤdlichkeit, sondern sie thei- let auch dem Weine einen lieblichen Ge- ruch und Geschmack mit. Aus dem Safte wird Wein gemacht, der fast so gut ist als der Malvasier, und berauschet so sehr als etwa der staͤrckste Frantzoͤsische Wein. Wenn man die- sen Wein laͤnger denn drey Wochen auf- behaͤlt, so steht er auf, und scheinet, als waͤre er gar verdorben; allein, habt nur noch so lange Gedult, er wird wie- der so gut, ja viel staͤrcker und koͤstlicher werden. Wird er nun maͤßiglich ge- brauchet, so erfrischet er das Hertz, er- muntert die ermatteten Lebensgeister, stillet die Bloͤdigkeit des Magens, ist gut wider die Verstopfung des Harns, und ein Gegengift und Artzney fuͤr die- jenigen, welche das Manyocwasser ge- soffen: schwangere Weiber aber sollen sich dessen enthalten, auch nicht zu viel von der Frucht geniessen, es duͤrffte ih- nen sonst gar bald unrichtig gehen. Anietzo verkauffen wir zu Paris ein- gemachte Ananas/ welche aus den Jnseln kommen, und ein treffliches Essen sind, insonderheit, wenn sie recht gut zugerichtet. Sie dienen bey alten Personen die Waͤrme zu ersetzen. Das funffzigste Capitel. Von der Baumwolle. Siehe Fig. 252. 253. 254. D Je Baumwolle oder der Cotton ist eine weiche, weisse Wolle, in ei- ner braunen Schale befindlich, welche auf einem Strauche, gleich den Dorn- hecken, waͤchst. Also aber redet der P. Tertre davon: „Jm Anfang, als unsre Jnseln von „den Frantzosen bewohnet wurden, ha- „be ich Leute gesehen, welche ihren gan- „tzen Wohnungsplatz mit Cottonbaͤu- „men anfuͤlleten, in Hoffnung, es wuͤr- „de ihnen dieser Handel stattlichen Nu- „tzen bringen. Weil aber die meisten „Handelsleute sich nicht damit belegen „mochten, weil sie zu grossen Platz ge- „braucht, wenig wieget, und Feuers „halber gar gefaͤhrlich ist, als wurden sie „genoͤthiget, dieselben wieder auszurot- „ten, und keine als an den Graͤntzen ih- „rer Wohnungen stehen zu lassen.„ Dieses Baͤumlein waͤchst wie eine Hecke, die Aeste breiten sich weit aus, und sind uͤber und uͤber mit Blaͤttern be- laden, die etwas kleiner sind, als des Egyptischen Feigenbaums Blaͤtter, se- hen auch schier eben also aus. Es treibt einen Hauffen schoͤne gelbe Blumen hervor, die viel groͤsser sind, als die Blu- men der Manthe musquée, die Frauen- muͤntze . Der Boden an diesen Blu- men ist purpurroth, und dergleichen Striemen lauffen inwendig durch die- selbe hin. Jn der Mitten erscheinet ein laͤnglichter Knopf, welcher mit der Zeit so groß wird, als ein Taubeney: wenn er nun reiff worden ist, wird er schwartz, und theilt sich von oben herab in drey Theil, da dann die schneeweisse Baum- wolle hervor blicket. Jn diesem Flocken, der von der Waͤrme auflauft, und als ein Huͤnerey dicke wird, stecken sieben schwartze Koͤrner, welche so dicke sind, wie die Feigbohnen oder Lupinen, und hencken beysammen, sehen inwendig weiß, sind oͤlicht und schmecken gut. Die Baumwolle waͤchst haͤuffig in den Jnseln, denn die Wilden wenden grosse Muͤhe auf ihre Erbauung, als auf eine Sache, die ihnen gar zu nuͤtzlich ist, indem sie ihre Betten davon berei- ten. An der Blume des Cottons ha- be ich etwas beobachtet, welches die Scribenten entweder gar nicht gewust, oder doch zum wenigsten nicht beschrie- ben haben: naͤmlich, diese Blumen, wenn sie in die Blaͤtter ihres Baumes gewickelt und auf gluͤhenden Kohlen ge- braten worden, geben ein roͤthlicht zaͤhes Oel von sich, welches in wenig Zeit alle Schaͤden heilet. Jch habe es mehr- mahls mit gutem Nutzen versucht. Der Samen dieser Stauden berauschet die Papa- Hauptbeschreibung ersten Theils siebendes Buch. Papageyen, ist aber auch gut zu Blut- stuͤrtzungen und wider den Gift. Wir verkauffen allerhand Sorten Cotton, welche blos nach dem Lande, darinne sie gewachsen, unterschieden werden, ingleichen, durch die Art der Bereitung. Die erste Sorte heist Cotton Baumwolle. en laine, Baumwolle, so wie sie aus der Schale kommt, und aus der man nur die Koͤrner gesuchet. Diese koͤmmt aus Cypern/ von S. Johann von Acre und von Smirna . Die andern Gesponnene Baumwolle. Sorten sind gesponnen, und unter den- selben die besten die Cottons d’ once, wel- che nach dem Loth verkaufft werden, und kommen von Damasco : ferner die Cottone von Jerusalem/ die wir Ba- zac nennen. Sonst giebt es auch noch mehr andere Gattungen Cotton, als da sind demy bazac, von Rama/ moins bazac, geringere, von Beledin, Gadezel/ Payas de Montesin/ Cotton Jo- seph und Genequin . Der aufrichti- ge Bazac oder Cotton von Jerusalem soll recht weiß, fein dichte, gantz trucken, wohl gesponnen, und so gleich, als im- mer moͤglich, seyn. Was den Cotton en laine, die Baumwolle/ betrifft, ie weisser dieselbe ist, und ie laͤnger und lin- der, ie hoͤher wird sie gehalten. Wer gantze Ballen kaufft, mag zusehen, daß keine vermoderte oder verfaulte darun- ter sey, weil sie etwa naß oder mit Was- ser angefeuchtet worden ist. Aus dem schwartzen Samen, der sich unter der Baumwolle befindet, kan man ein Oel bereiten, welches gar ein herrlich und unvergleichlich Mittel zu Heilung und Veꝛtreibung der Kupfer- flecken des Gesichtes ist, ingleichen das Antlitz schoͤn zu machen: es hat nicht weniger eben eine solche Wirckung, als wie das Oel aus den Cocosnuͤssen/ Cocosnußoͤl. wenn man es, wie die Wilden, sonder- lich die auf der Jnsel Assomption/ zu thun pflegen, uͤber dem Feuer zergehen lassen: aus dieser Jnsel werden fast alle Cocosnuͤsse gebracht, die wir verkauf- fen. Das ein und funfftzigste Capitel. Von der Houatte. D Je Houatte ist eine Gattung Wolle, die in den Schoten desjeni- gen Gewaͤchses sich befindet, welches bey den Botanicis Apocynum Cynocrambe, Siehe Fig. 255. Hundskohl, genennet wird. Nahe bey Alexandria in Egypten waͤchst dieses Gewaͤchs in Menge, son- derlich aber an morastigen Oertern; und von daher kommt die Houatte, die wir verkauffen. Sie dienet sonst zu nichts, als vornehmer Leute Roͤcke zu fuͤttern. Wir verkauffen auch Flachs, Hanff, rohe und ungehechelt, so wie ihn die Sei- Garn von Guibray. ler von uns erkauffen. Jt. Garn von Guibray/ welches aus dem Wercke ge- sponnen und in Straͤnge geschlagen worden, zuvor aber in Wasser und Asche gesotten ist, damit die Spaltzen davon kommen, wenn es alsdann mit Lauge gewaschen, gebleichet und recht weiß worden, bringt oder sendet man es zu uns. Und dieses thun die Normander in dem Flecken la Chapelle Mosche, wo- selbst bey nahe alles dieses Garn gema- chet wird. Den Zunamen Guibray hat es daher bekommen, weil sie ehe des- sen keines zu uns bꝛachten oder sendeten, sondern alles auf dem Marckte zu Gui- bray verkauffeten. Die Wachszieher brauchen dieses Garn sehr zu Wachsstoͤcken, Wachs- lichtern und Fackeln auf die Armleuch- ter. Was die Dochte betrifft, die zu Pont Garn zu Dochten. Sainte Mexane gemacht werden, die- selben werden aus haͤnffinen Wercke lincks gesponnen, hernach auf Kneuel, zu 13. und 14. Untzen schwer gewunden, und zu Dochten in die Fackeln auf Wandleuchter gebrauchet. Wir verkauffen auch Lunte/ die von eben solchem Wercke bereitet wird, und ist kein Unterschied darunter, als daß die- se wie andere gemeine Seile gesponnen wird, hernach nimmt man drey Faͤden zusammen, und uͤberspinnet sie mit Hanffe, so, daß diese drey Faͤden nur wie einer scheinen; darauf wird sie in Was- ser mit Potasche gesotten, auf daß sie die gehoͤrige Farbe uͤberkomme: wenn sie nach diesem trucken worden, uͤbersen- den sie uns dieselbe in Gebunden von unterschiedener Groͤsse und Dicke. Ferner verkauffen wir Bindfaden von Rouan und Troyes : der eine U 2 wird Der Spezereyen und Materialien wird in kleinen Paͤcklein, der andere aber auf Rollen zu uns gebracht, und braucht keines auslesens, wenn er nur fein trucken und wohl gesponnen, das ist, fein dichte, und so duͤnne, als moͤg- lich ist: auch muß man Acht haben, daß er inwendig gleichergestalt fein huͤbsch sey, besonders der Rouanische, welcher inwendig selten so gut ist, als auswen- dig. Es ist uns desgleichen vergoͤnnet, uͤ- ber alle diese Waaren, die aus Flachs und Hanff gemachet werden, auch aller- hand Papier zu verkauffen; und dessen giebt es gar vielerley Sorten, naͤmlich, das Papier von Auvergne, Limoge und andern Orten: groß- und kleines, Herren und Frauenzimmer Papier, welches wir von Rouan bekommen. Das zwey und funfftzigste Capitel. Von Oliven. Z U Paris verkauffen wir dreyerley Oliven, welche allein die Groͤsse von einander unterscheidet, und die Laͤnder, daher sie kommen. Die Veronesischen werden am meisten geachtet, und sind ebenfalls dreyerley, le gros \& petit moule, die grossen und kleinen, und les semences, die Samoliven: hiernaͤchst folgen die Spanischen, und drittens die aus Pro- vence, welche den Zunamen Picholine oder Pauline fuͤhren, nicht aber von Lucca, denn daher kommen keine. Der Baum, der die Oliven traͤgt, Siehe Fig. 256. ist gemeiniglich kleine, und die Gestalt, wie die Figur weiset. Die Blaͤtter sind dicke und gruͤnlicht, die Blumen weiß, und die Fruͤchte anfangs gruͤn, werden aber, wenn sie zeitig worden, roͤthlichtgruͤn. Jch will mich aber nicht aufhalten, noch vermelden, was fuͤr allerley Sachen aus dem Holtze des Oelbaumes verfer- tiget werden, sondern nur von dem Oele handeln, das aus den Oliven gezogen wird, desgleichen von der Art und Wei- se, wie sie eingeleget werden, und der- gestalt zum verspeisen aufzubehaltẽ sind. Sobald demnach die Bauern sehen, daß die Oliven zum sammlen und ein- legen taugen, welches im Heu- und Brachmonat geschicht, sammlen sie die- selbigen, und bringen sie in die Staͤdte zu verkauffen, als wie etwa die Kirschen, da sie dann diejenigen, die sie einmachen wollen, sobald sie dieselben nur bekom- men haben, alsofort in frisches Wasser schuͤtten, und einige Zeit darinne liegen lassen: hernachmahls nehmen sie diesel- bigen wiederum heraus, und schmeissen sie in eine Lauge, die von Suda und Asche von verbrannten Olivenkernen, oder von Kalche gemacht ist. Wenn sie nun in dieser eine Zeitlang gelegen, neh- men sie sie wieder heraus, und legen sie in Faͤßlein, von unterschiedener Groͤsse, welche sie mit Saltzwasser anfuͤllen, und noch dazu etwas von einer gewissen Es- sentz, von Zimmt, Naͤglein, Coriander, Fenchel und andern Gewuͤrtzen bereitet, dazuthun. Und in der Wissenschaft die- se Essentz recht zuzurichten, bestehet die gantze Kunst Oliven einzulegen; darum halten sie auch dieselbige so geheim. Was die Wahlder Oliven, sonder- lich der Veronesischen, betrifft, so sol- len sie fein frisch und aufrichtig gut seyn, harte und mit Bruͤhe wohl versehen, denn sonsten, so bald ihnen die Bruͤhe entgehet, werden sie weich und schwartz, und dienen, mit einem Worte, nicht zum Verkauff: welches gewißlich eine Sache von keiner geringen Wichtigkeit, indem es eine Frucht, die ziemlich theuer ist. Die Spanischen Oliven belangend, diese sind so groß als ein Taubeney, blaß- gruͤn, und schmecken bitter, welches nicht jederman anstaͤndig. Hingegen werden die Oliven, die aus Proven- ce kommen, bevoraus die Picholines, fuͤr die besten gehalten; weil die Herren Picholini von S. Gemas sie besser einzulegen wissen, als alle die andern; woran man auch nicht irret, alldieweil die Picholines die schoͤnst- und besten Oliven sind, und insgemein viel gruͤner sehen, auch besser schmecken, weder die Paulines und andere Oliven aus Provence . Der Gebrauch der Oliven ist der; man isset sie an statt des Salates: wo- bey diß in Acht zu nehmen, daß sich nie- mand damit, ohne zur Winterszeit, ver- sehe; denn so bald die Fasten kommt, ißt man schier keine mehr, daher diejenigen, die ihrer annoch haben, selbige um die Helffte wohlfeiler hingeben muͤssen, als sie ihnen selbst zu stehen kommen. Das Hauptbeschreibung ersten Theils siebendes Buch. Das drey und funfftzigste Capitel. Vom Baumoͤle. A Usser diesem treiben wir auch einen starcken Handel mit Oele, das wir aus denen Oliven machen, welches Oel so noͤthig ist zu unserm Leben, daß ich mich erkuͤhne, es dem Brod und Weine an die Seite zu stellen. Die Art und Weise aber, wie das Baumoͤl zu ma- chen, ist von der Weise das Mandeloͤl zu bereiten, gar wenig unterschieden, denn es braucht keiner andern Arbeit ein recht gutes Oel zu machen, als daß man die Oliven sammle, wenn sie beginnen roth zu werden, oder, welches eben so viel, wenn sie vollkommen reiff wor- den, welches im December und Jenner geschicht, und sie hernach auf ausdruͤck- lich hierzu verfertigten Muͤhlen presset oder schlaͤgt, da dann alsofort das suͤsse Oel heraus laufft, so uͤberaus lieblich riecht und schmecket. Dieses ist das Oel, das wir Jungfernoͤl zu nennen pflegen, und wird am hoͤhesten gehalten, wenn es von Grasse, Aix/ Aramont/ Nice, und einigen andern Orten ge- kommen. Allein, weil die frisch gesam̃- leten Oliven bey weitem nicht so viel Oel geben, als wenn sie eine Weile auf dem Boden gelegen, deshalben lassen sie die- jenigen, die gerne fein viel Oel haͤtten, roͤsten, und pressen sie hernach erst: das- selbe Oel aber riecht und schmeckt gar unangenehme. Andere, die noch mehr haben wollen, schuͤtten siedend heisses Wasser auf die ruͤckstelligen Drester, und pressen sie darauf noch eines so starck: dieses also bereitete Oel pflegen wir gemeines Oel zu nennen, und ist an der Guͤte von dem andern wenig un- terschieden, ausser, daß es von diesem oder jenem Orte koͤmmt. Das beste gemeine Oel wird von Oneglia, Ge- nua/ und andern Orten in Jtalien und Provence gebracht, das schlechteste aber koͤmmt aus Spanien/ sonderlich aber aus Majorca und Portugall . Was bey der Wahl dieser Oele zu beobachten, dasselbe ist so bekannt, daß unnoͤthig, mich damit aufzuhalten. Die Kauffleute aber, die sie in gantzen Par- teien kauffen, dieselben moͤgen zusehen, mit wem sie zu thun haben; denn es ist eine Waare, mit welcher soviel Betrug getrieben wird, daß ich Muͤhe genug ha- ben duͤrffte, wenn ich alles entdecken wol- te, absonderlich, seit dem wir zu Paris deꝛgleichen Oelhaͤndler haben, die es nicht groß achten, wenn sie iemand betruͤgen, oder ihre Mitbruͤder zu Grunde richten moͤgen, dafern sie nur einigen Profit dabey machen koͤnnen. Das Baumoͤl ist dergestalt gebraͤuch- lich, daß wir gar keine Waare mehr ha- ben, die also haͤuffig verthan wird, weil niemand dessen entrathen kan, selbst in der Artzney; massen es das Haupt- und Grundstuͤck ist zu den oleis compositis, ce- ratis, balsamis, emplastris und unguentis. Uber alle die herrlichen Dienste, die man von diesem Oel erhalten mag, ist es auch, welches zu erinnern ich nicht um- hin kan, ein herrlicher Wundbalsam, wenn es mit Wein zerschlagen worden: denn auf diese Weise bediente sich der Samariter im Evangelio des Weins und Oels, denjenigen, den er auf der Strasse verwundet angetroffen, zu hei- len; so gebrauchen auch noch heut zu Tage dieses Mittel Arme und Reiche. Es dienet das Baumoͤl auch zum bren- nen: wiewohl es nur in Kirchen und von vermoͤgenden Leuten gebrauchet wird, weil es nicht so haͤßlich stincket, als wie die andern Sorten Oel. So waͤh- ret es auch viel laͤnger: nur die Theu- rung macht, daß es von armen Leuten nicht gebrauchet wird, es muͤste das an- dere Oel auch, wie anietzo, zu theuer seyn. Ausser diesem handeln wir auch starck mit Nußoͤle, das wir aus Burgund, Touraine und von Orleans bringen lassen, und viel verthan wird, weil die Mahler, und andere Handwercker, wel- che seiner noͤthig haben, z. E. Buch- und Kupferdrucker, samt andern, es gar sehr gebrauchen. Uberdiß bedienen sich ihrer viele dessen als eines natuͤrlichen Balsams, zu Heilung der Wunden, nicht weniger zum Backen und Braten. Solte es aber zum Brennen gebraucht werden, wuͤrde man wenig ersparen, dieweil es gar zu geschwinde wegbren- net, und dazu zu lauter Rus und Koh- len wird. Noch ferner treiben wir einen sehr grossen Handel mit Colsa- oder dicken U 3 Steck- Der Spezereyen und Materialien Steckruͤben- Oel, welches wir aus Flan- dern kommen lassen; wie auch mit ge- meinem Ruͤb oͤle, das wir aus Cham- pagne und Normandie bekommen; ingleichen mit Hanff- oder Camillen- und Leinoͤl, das wir ebenfalls aus Flan- dern und anderwaͤrtsher bekommen, sonderlich, wenn der Fischthran zu theuer ist. Jch muß auch allhier berichten, wes- sen sich die Lichtzieher zum Nachtheil un- serer Profeßion unterstanden haben, und wie sie sich noch immer fort bearbei- ten, es dahin zu bringen, damit sie solche Sachen verkauffen moͤgen, die zu fuͤh- ren ihnen nicht gebuͤhret. Nun haben sie zweyerley Zuͤnfte unter sich: die Lichtzieher, welche Lichter ziehen und verkauffen duͤrffen; und diejenigen Kra- mer, welche allerhand Waaren, die bey Pfennigen verkaufft werden, verkauf- fen. Sie aber lassen sich auch Oelhaͤnd- ler schelten, und geben vor, daß ihre Vor- fahren in der posseß gewesen, und zu Paris Lein-Hanff- und Ruͤboͤl gemacht und verkauffet haͤtten. Allein solcher ihr Vorwand ist auf kein eintzig recht- maͤßiges Gesetze gegruͤndet, und die, de- ren sie sich bedienen wollen, sind offen- bahrlich falsch. Die Klage, welche unsre Geschworne vor dem Parlament wider dergleichen ihnen nicht gebuͤhrende Ti- tel erhaben, ist angenommen worden; braucht es also keiner Weitlaͤufftigkeit. Und gesetzt, daß es zu Paris derglei- chen Oelhaͤndler gegeben, welche her- nach samt den Lichtziehern in eine Zunft oder Jnnung derjenigen Handwercker, die solche Sachen, die sie selbst verferti- gen, verkauffen duͤrffen, gebracht wor- den, so folget hieraus doch noch nicht, daß sie deswegen die Freyheit haͤtten Waaren zu verkauffen: denn es nie- mand als den Kauffleuten zustehet, wel- che Waaren kommen lassen, und da- durch die Handlung unterhalten. Dan- nenhero kan man auch mit Bestande der Wahrheit sagen, daß diese Lichtzie- her gar keine Macht haben Oel zu ver- kauffen, es sey welcherley es wolle, all- dieweil sie anietzo keines selbst bereiten, viel weniger damit gehandelt haben, oder handeln koͤnnen. Dieser Schluß gruͤndet sich auf den Abschied, den der General Lieutenant der Policey im Jahr 1674. gegeben, als wir gleichfalls einen Proceß mit den Lichtziehern, wegen des Baumoͤls und anderer Materialien fuͤhreten, die sie, kraft obberuͤhrter Rechte, zu verkauffen berechtigt zu seyn, vorgaben. Auch will ich anfuͤhren, was sich gleicher ge- stalt auf andere Oele deuten laͤßt, des- gleichen auf die angemaste Qvalitaͤt der Oelhaͤndler: denn diese wurde dazu- mahl fuͤr wahr und eine ausgemachte Sache gehalten, indem die Falschheit derer Rechte, darauf sie sich gruͤndeten, noch nicht offenbar worden war. „Wir erkennen, mit gut befinden des „Hofes, daß das Recht, allerley Oele, „mit eingeschlossen das Baumoͤl, zu ver- „fertigen ihnen, den Lichtziehern, kraft „ihrer Statuten, im Jahr 1396. zuge- „standen, gar keine Folge mache. Zu- „mahlen, da das Recht, als ein Hand- „wercker zu arbeiten, und die Freyheit, „gleich als ein Kauffmann zu verkauf- „fen, gantz und gar unterschiedene Din- „ge sind. Wie nun ordentlich ein Hand- „wercksmann nichts nicht verkauffen „darff, als was er selbsten verfertiget, „also wird das Recht etwas zu bereiten, „ihme, dem Handwercksmann, nicht die „Freyheit geben, icht was zu verkauf- „fen, das er nicht verfertiget hat. So „haben auch die Zeiten einen gar gros- „sen Unterschied eingefuͤhret, von Zeit „derselben Statuten an, und seit dem „daß die Oelkramerinnung mit der „Lichtzieherzunft vereinbaret worden. „Es mag wohl seyn, daß zur Zeit dieser „Statuten, die Wissenschaft Oel zu be- „reiten allein in feinen Staͤdten bekañt „gewesen, und die um Paris liegenden „Oerter, als noch nicht sattsam mit „Volck besetzt, Samen gnug nach Pa- „ris geliefert, damit er zum Theil an und „fuͤr sich selbst verkauffet, theils aber „Oel daraus gemachet werden koͤnte. „allein, seit gemeldeter Vereinigung, „und eine geraume Zeit bereits zuvor, „ist gewißlich kein Oel mehr in Paris ge- „machet worden, vielweniger aber hat „man, wegen der dabey sich eraͤugnen- „den Unmoͤglichkeit, Baumoͤl allda ge- „macht. Daß diesemnach die Freyheit „Baumoͤl zu verkauffen, durch vorge- „dachte Statuten zugestanden, eine den „Oelkramern gantz unnuͤtze Freyheit „ware, und den Lichtziehern noch viel „weniger nuͤtze, als deren keiner iemahls sich Hauptbeschreibung ersten Theils siebendes Buch. „sich bemuͤhet Oel zu machen. Es haͤt- „ten nur die Lichtzieher die Briefe von „ihrer Vereinigung auch anfuͤhꝛen koͤn- „nen, gleichwie sie die Statuta de anno „1396. angefuͤhret, so wuͤrde sichs ge- „wiesen haben, daß die rationes dieser „Vereinigung nicht zureicheten, ihnen „den Verkauff des Baumoͤls zu veꝛgoͤn- „nen.„ Es ist auch ein Urthel, diesem Berichte gleichlautend, ergangen. Dennoch hat man, welches fast un- glaublich, nach diesem erfahren muͤssen, wie diese Leute einen Gebrauch, oder vielmehr einen Mißbrauch, beym Ver- kauff der andern Oele einzufuͤhren ver- mocht, und zwar nicht allein unter ih- nen selbst, sondern auch unter den Spe- zereyhaͤndlern, denen sie Gesetze aufzu- buͤrden gewust, da sie doch vielmehr von den Kauffleuten solten Gesetze empfan- gen, indem sie von diesen fast taͤglich mit allerley Seiffe, Baum wolle und andern dergleichen Waaren, die sie zu ihrer Handthierung von noͤthen haben, oder eintzeln verkauffen, versehen werden. Denn, ohnerachtet ihnen alle diese Sa- chen nach dem Gewichte verkauffet wer- den, wie sie denn dieselben gleichfalls selbst also verkauffen, es sey nun eintzeln, oder wenn sie vorher dieselben zugerich- tet haben, so wollen sie doch durchaus das Oel nicht anderst verkauffen, als nach dem Maas, koͤnnen auch nicht lei- den, daß es die Spezereyhaͤndler auf an- dere Weise verkauffen. Jch habe nie- mahls begreiffen koͤnnen, aus was Ur- sache solches geschehe, allein ich weiß aus der Erfahrung, daß das gemeine Wesen nicht wenig darunter leide, sich auch ie- derman heftig uͤber diese Gewohnheit beschwere, anbey solches der Bosheit oder der Nachlaͤßigkeit des Verkaͤuffers zuschreibe, als welcher gar leichtlich dem Kaͤuffer geben koͤnte, wenn er sich nur des Gewichtes bedienete; da es hinge- gen unmoͤglich anders seyn kan, oder dieser muß bey dem Messen bevortheilet werden. Denn es ist ja in Wahrheit augenscheinlich und offenbar, daß das Oel, als ein von Natur fett- und kle- brichtes Wesen, sich an die Gefaͤsse, die es enthalten, haͤnge, und allezeit ein ziemlicher Theil desselben darinne ver- bleibe, insonderheit, wenn es von der Kaͤlte oder anderer Beschaffenheit des Wetters, auch wohl wegen seiner eige- nen Natur, gestehet, gelieffert, und nicht abrinnen kan. Wie ich dann unzehliche mahl beobachtet, daß den Leuten un- moͤglich soviel Oel, als sie verlanget, kun- te gegeben werden, wenn man die von den Lichtziehern eingefuͤhrete Maase ge- brauchet, die Leute zu betruͤgen: dahin- gegen nichts so billich ist, als wenn das Oel, alles und iedes, wie wir es mit dem Baumoͤle und etlichen andern zu ma- chen pflegen, nach dem Gewichte ver- kauffet wird, es sey hernach zu welcher Zeit es wolle, der Kaͤuffer habe ein ledi- ges Gefaͤß oder nicht. Denn, wenn Tara heißt, wenn man das Gefaͤß in die eine, und eben so viel Gewichte in die andere Wagschale leget, bis sie wagrecht ste- hen. man die Tara von dem Gefaͤß abgezoge, thut man darauf soviel Oel, als der Kaͤuf- fer begehret, ohne den allergeringsten Abgang, drein, und solcher Gestalt wird dem gemeinen Wesen viel besser gedie- net, so duͤrffen auch die Spezereyhaͤnd- ler ihr Gewissen nicht also beflecken, als wenn sie dreyviertheil Pfund statt eines gantzen geben. Dieses ist gewiß und wahrhaftig: massen ich eine Bescheini- gung in Haͤnden habe, welche mehr denn 100. Kauffleute, alte und junge, deren Aufrichtigkeit maͤnniglich bekannt, ei- genhaͤndig unterschrieben, und darinne mit einander bekennen, wie sie, wider ihren Willen, die Leute betruͤgen muͤ- sten, weil ihnen nicht frey stehe, sich des Gewichtes zu gebrauchen, indem es den Spezereyhaͤndlern ofters mit Gewalt von den Lichtziehern weggenommen wuͤrde, damit sie den Gebrauch, oder besser zu sagen den Mißbrauch der Maase moͤchten in die Hoͤhe bringen. Welchem Unfug abzuhelffen die Obrig- keit schuldigster massen ersuchet und ge- beten wird. Denn es liegt dem gemei- nen Wesen hieran eben so viel, ja noch mehr, als wann das Nußoͤl und andere, die zur Artzney, oder auch wohl gar zum Essen gebrauchet werden, vermi- schet, oder mit einem haͤßlichen Ge- schmack und unertraͤglichen Gestanck nach Fischthran veꝛgiftet befunden wer- den, vor allen aber das Hollaͤndische: wie denn auch sonsten, blos wegen der Maase, vielerley kostbare Arbeit, als da ist, Buch- und Kupferdruckerarbeit, Mahlerey, und dergleichen zu schanden gehen muͤssen. Das Der Spezereyen und Materialien Das vier und funfftzigste Capitel. Von der Seiffe. D As Baumoͤl wird nicht allein zu allerhand Sachen, dazu es noͤthig, ingleichen zu allerley Speisen, wie auch zur Artzney, in so grosser Menge ver- verbrauchet, sondern es ist gleichfalls der Grund und das Hauptstuͤck zu un- terschiedlichen Gattungen der Seiffe/ die wir verkauffen. Wiewohl ich nur die guten Sorten verstehe, unter denen die beste und meist geachtete die von Alicanten ist; die andere, die von Car- thagena/ die dritte, die rechte Maßili- sche/ die vierte die Gayette, und die fuͤnffte, die von Toulon, die wir, wie- wohl unrecht, Genueser Seiffe zu nen- nen pflegen. Es ist aber die Seiffe ein zusammen gesetztes Wesen von Baumoͤl, Kraftmehl, Kalchwasser und Lauge von der Suda, welches alles mit einander gekocht, und hernach zu Ta- feln oder Broden und Kugeln, in solcher Gestalt und Form, wie wir sie zu sehen kriegen, gemachet wird. Was die Marbrirung belanget, da- von kan ich nichts nicht melden, denn es der Seiffensieder arcanum und Ge- heimnuͤß ist. Doch hat man mir gesa- get, sie thaͤten Vitriol, bis zur Roͤthe ge- brannt, dazu, auch wohl Scheidewasser. Allein, weil ich nichts gewisses davon weiß, darum mag ich auch nichts davon melden. Die Wahl der Seiffe ist diese: sie soll trucken seyn, fein marmoriret, und gewiß von dem Orte her, dessen Namen sie fuͤhret, das ist, die fuͤr Alicantische verkaufft wird, soll auch gewiß von Ali- canten seyn, und also auch die anderen. Die Weisse und die Gayette betreffend, diese sollen die Parfumirer der andern vorziehen, und ihre Seiffenkugeln da- von machen: weil aber die Gayette zu rar, deshalben gebrauchen sie die von Toulon, oder sonst eine gewisse Art harter und weisser Seiffe. Die Seiffe von Toulon soll tru- cken seyn, weiß, und ein klein wenig blaulicht, sich fein gleich zerschneiden las- sen, dabey gliessen und angenehme rie- chen, auch so wenig schmiericht seyn, als nur moͤglich ist. Was die marbrirte belanget, da wird diejenige, welche an den Seiten roth, inwendig fein schoͤn marbriret ist, am meisten geachtet, weil sie recht wohl gearbeitet, und derowegen desto besser zu gebrauchen, auch viel eher kan verkauffet werden. Die Eigenschaften der Seiffe sind be- kañt genug. Jedennoch weil ihrer wenig sich einbilden duͤrften, daß sie auch eini- gen Nutzen in der Artzney habe; als will ich denenselben wenigstens dieses eroͤffnen, daß sie von etlichen in Wein- geist ( Spirit. Vini ) zerlassen, und mit gu- tem Nutzen wider die kalten Fluͤsse ge- brauchet werde: desgleichen, daß man ein Pflaster, Emplastrum de Sapone, Seiffenpflaster, genannt, davon be- reite, welches nach dem Berichte eini- ger Scribenten, vortreffliche Tugenden hat. Ohne diese ietzgemeldte Sorten Seif- fe, wird auch zu Rouan eine Gattung derselbigen von Flambart (das ist das Fett, das bey den Jahrkoͤchen und Trai- teurs an den Kesseln hangen bleibt) ge- macht: weil es aber eine haͤßliche Seif- fe, deshalben will ich nichts davon ver- melden, ausser, daß sie gantz und gar verboten werden solte, indem sie zu nichts nicht taug, als die armen Leute damit zu betruͤgen, sie mag nun weiß seyn oder fleckicht. Wir verkauffen ferner eine fluͤßige oder weiche Seiffe, und nennen dieselbe schwartze Seiffe : diese kommt von Abbeville, und wird von Brennoͤlhe- fen, Bleyasche, oder mit Kalchwasser bereitet. Dieweil sie aber gar braun siehet: derowegen lassen wir aus Hol- land Seiffe kommen, die so gruͤn siehet, als wie Epheu, weil sie an statt des Brennoͤls, das Hanffoͤl, welches gruͤn ist, dazu gebrauchen. Die schwartze Seiffe von Abbe- ville oder von Amiens, die in kleinen Faͤßlein, welche wir Quartalen nennen, gebracht wird, gebrauchen die Hutma- cher und andere sehr haͤuffig. Etliche brauchen die Hollaͤndische gruͤne weiche Seiffe, und reiben den Fe- bricitanten die Fussohlen damit, vorge- bend, diese vertreibe es: ist auch nicht gantz und gar zu verwerffen, denn ich selbsten Personen kenne, denen auf sol- che Weise geholffen worden. Allein, weil T AB. XLII . Sibeben Fig. 259. p. 326. Fig. 258. p. 322 Lappern Fig. 257. p. 322. Oliven Fig. 256. p. 311. Haselnüsse Fig. 262. p. 342. Maronen Fig. 263. p. 342. Feigen Fig. 261. p. 339. Lorinthen Fig. 260. p. 325. Zweig vom bauͤmvollen Hauͤm Fig. 252. p. 307. Sauͤmwollen Fruͤcht Fig. 253. p. 307. Hauͤmwollen Samen Fig. 254. p. 307. Houͤatte Fig. 255. p. 309. Hauptbeschreibung ersten Theils siebendes Buch. weil sie so seltsam, und man keine brin- gen laͤßt, derohalben muß man sich an der von Abbeville begnuͤgen las- sen. Das fuͤnff und funfftzigste Capitel. Von Cappern. D Je Cappern sind Blumenknoͤpfe, welche an der Kuͤste von Toulon und an andern Orten in Provence wachsen, denn daher kommen fast alle Cappern, die wir verkauffen. Wie- wohl wir ihrer auch aus der Jnsel Ma- jorca bekommen, gleich wie aus fol- genden zu ersehen ist. Wir verkauffen zwar vielerley Cap- pern/ die dennoch nur alleine durch die Groͤsse von einander unterschieden wer- den, und nicht nach den Laͤndern, deren Namen sie fuͤhren: denn es ist ausge- macht, daß alle Cappern, ausgenom- men die von Majorca/ von Toulon kommen. Sie solten derowegen viel- mehr den Namen Frantzoͤsische Cap- pern, oder Cappern von Toulon fuͤh- ren, an statt daß sie, wie bisher allezeit, Cappern von Nizza oder Genua ge- nennet worden. Wann nun die Cappern zum samm- len taugen, muͤssen sie innerhalb vier und zwantzig Stunden gesam̃let wer- den; sonst wo man sie nicht gerade zur Zeit, da sie noch Knoͤpfe sind, einsamm- let, thun sie sich auf, und moͤgen alsdann weder mit Saltz, noch mit Weineßig eingeleget werden. Wenn denn die Bauern die Cappern abgelesen, lassen sie dieselben, noch ehe sie eingeleget wer- den, durch unterschiedene Siebe, deren immer eines groͤssere Loͤcher hat, als das andere, lauffen, und machen also aller- hand Cappern, die dennoch alle zusam̃en auf einer eintzigen Staude gewachsen. Je kleiner nun die Cappern sind, und mehr Stiele dran, ie hoͤher werden sie geachtet. Was die Cappern von Majorca belanget, dieselben sind kleine eingesaltz- ne Cappern, deren wir zu Friedenszei- ten ziemlich viel verthun. Zu Lyon wird noch eine Gattung Cappern verspeiset, welche Sauvagine, wilde/ genennet werden. Sie sind breit gedruckt, eingesaltzen, und so groß als ein Denier/ und kommen von Ale- xandria . Allein, weil allhier gar sel- ten darnach gefraget wird, deshalben lassen wir ihrer auch gar wenig bringen. Wir verkauffen uͤberdiß noch zwey andere Sorten mit Weineßig eingeleg- ter Blumen, davon die eine Capucine, die andere Genette heißt. Die Ge- Siehe Fig. 258. waͤchse sind dermassen bekannt, daß ich fuͤr unnoͤthig gehalten, davon zu han- deln. Das sechs und funfftzigste Capitel. Von Lorberbeeren. D Je Lorbeeren sind Fruͤchte, so di- cke als die Spitze des Daumens, und anfangs gruͤn, werden aber immer braͤuner, ie mehr sie zeitigen. Diese Beeren sind eben so bekannt, als wie der Baum, der sie traͤgt, deswegen ich auch nicht viel davon vermelden wollen, sondern nur gedencken, daß die Lor- beeren fein frisch und neu seyn sollen, wohl trucken, recht vollkommen, und so schwaͤrtzlicht, als immer seyn kan. Auch habe man Acht, daß sie nicht wurmsti- chicht sind, welches gar leichte zu geschehẽ pflegt, wofern sie nur ein wenig schlecht in Acht genommen werden. Das sieben und funfftzigste Capitel. Vom Lorbeeroͤle. O Leum laurinum, das Lorbeeroͤl, wird aus den frischen Lorbeern, die man im Wasser sieden lassen, gezogen; wenn es dann erkaltet, wird es in Faͤß- lein gethan, und hin und her versendet. Das Lorbeeroͤl, das wir verkauf- fen, kommt aus Languedoc und Pro- vence/ sonderlich von einem nahe bey Montpellier gelegenem Orte Caluis- son, von dannen wir das allerbeste uͤber- kommen: denn das aus Provence taug gar nichts, sintemahl es nichts anders ist, als Schmeer und Terpentin, mit Gruͤnspan oder Nachtschatten angefaͤr- bet. Solte derohalben gantz und gar verboten seyn, und denenjenigen, die es X berei- Der Spezereyen und Materialien bereiten, untersaget werden, dasselbe fernerhin zu machen und zu verkauffen. Man solte auch kein anderes gebrau- chen, als das aus Languedoc gebracht wird, weil es das beste unter allen, da- fern es nur die erforderte Beschaffen- heit hat, das ist, wenn es frisch, wohlrie- chend, koͤrnicht, gnugsam dicke und gelb- gruͤn ist: dagegen soll man dasjenige verwerffen, welches gruͤn, gantz dichte und doch dabey fluͤßig ist, auch gantz an- ders als Lorbeeroͤl riecht, wie das aus Provence, oder das zu Lion, Rouan und Paris von solchen Leuten gemacht wird, die weder auf Ehre noch Gewissen sehen, und deren Betruͤgerey, die sie bey dieser Waare veruͤben, dermassen groß ist, daß ich sie kaum mit grosser Muͤhe allhier duͤrfte erzehlen koͤnnen. Derowegen will ich die Obrigkeit noch- mahls gebeten haben, daß sie doch den Geschwornen bey unserer Jnnung auflegen wolte, auf dergleichen Miß- brauch, der bey diesem Oele vorgehet, Acht zu haben, wie nicht weniger auf viele andere Schelmereyen, die bey allen unsern so unterschiedenen Waaren mit unterlauffen: inmassen solches in gegen- waͤrtigem Wercke zur Gnuͤge kan erse- hen werden. Diesem aber koͤnte gar leichte abgeholffen werden, wenn nur die Herren Geschworne sich die schlechte Muͤhe nehmen wolten, und verwehren, daß nicht soviel Leute, ohne Erlaubnuͤß, allerhand Waaren zurichten duͤrften, sondern was recht und billich ist, beob- achten muͤsten: sie selbst aber solten die- ses auch fein in Acht nehmen, und der- gestalt denenjenigen ein gut Exempel ge- ben, die unter ihrer Aufsicht stehen, mit- hin bey aller Gelegenheit erweisen, daß sie das gemeine Beste ihrem eignen Nu- tzen vorzoͤgen. Allem Mißbrauch aber vorzubeugen, duͤrfften sie nur die Waa- ren unter der Hand kauffen lassen, und besehen, ob sie gebuͤhrend beschaffen waͤ- ren. Jch verstehe aber solche Waaren, welche nachgemachet oder gar verfaͤl- schet sind, z. E. wenn sie an statt des Scammonienhartzes Glaspech ver- kauffen, fuͤr das Gummi vom Guajac Galipot, fuͤr Benzoin Schmierpech, Ar- canson fuͤr das Gummi Elemi, gruͤn ge- faͤrbtes Schmeer fuͤr Lorbeeroͤl, Curcu- ma fuͤr Saffran, gekochten Honig und gestossene Wurtzeln fuͤr Theriac: mit ei- nem Worte, alle dergleichen Waaren, welche mit Fleiß gemachet sind um die Leute damit zu betruͤgen, und daß sie wohlfeiler verkauffen koͤnnen, als ihre Cameraden. Was aber die Simplicia und einfachen Waaren betrifft, da ist unmoͤglich, daß sich nicht iederzeit etliche mangelhafte darunter befinden solten, es sey nun, weil sie leichtlich anlauffen, als wie die Rhabarber, das suͤsse Holtz, und andere mehr; oder aber, weil sie gerne wurmstichicht werden. Es waͤre demnach gut, daß zu denen hierzu ver- ordneten feine verstaͤndige Kauffleute genommen wuͤrden, welche die gerech- ten Materialien von den verfaͤlschten, und die Spezereyen von solchen Din- gen, die keine Spezereyen sind, zu unter- scheiden wuͤsten. Dargegen muͤste man keine solche Leute mehr zu Geschwornen erwehlen, welche sich nur auf Butter, Kaͤse und andere gemeine Waaren ver- stehen: vielweniger aber solte dieser oder jener vorgezogen werden, das ist so viel gesagt, man solte fein nach dem Re- gister oder Ordnung, wie sie eingeschrie- ben worden, gehen, denn es giebt ja noch wohl ein und andre Spezerey- haͤndler, die zum wenigsten eben so wuͤr- dig sind dieses Amt auf sich zu nehmen, als diese eingebildete Spezereykramer. Zum andern solten kuͤnftighin nicht al- lerley unverstaͤndige ungeschickte Leute in die Spezereyhaͤndler-Jnnung, weil in deren Macht alle zum Leben noͤthige Dinge stehen, an- und aufgenommen werden. Dergleichen unverstaͤndige Kauffleute und ignoran ten aber koͤnte man fuͤglich den Ursprung und die Qvel- le alles Mischmasches und aller unge- reimten Dinge nennen, dieweil sie mei- stentheils eine Waare an statt der an- dern verkauffen, und Gift vom Gegen- gift nicht wissen zu unterscheiden. Wel- chem Unfug aber durchaus muß abge- holffen werden, indem dem gemeinen Besten zu viel dran gelegen. Denn kurtz zu sagen, es ist die Quelle alles Gif- tes; welches durch den Betrug, der taͤg- lich begangen wird, ohnschwer zu erwei- sen stuͤnde. Das Lorbeeroͤl wiꝛd zu Zertheilung der kalten Fluͤsse gebrauchet, auch etli- cher massen sonst in der Artzneykunst angewendet, uñ zu unterschiedenen Ga- lenischen composition en genommen: das meiste aber gebrauchen die Hufschmiede. Das Hauptbeschreibung ersten Theils siebendes Buch. Das acht und funfftzigste Capitel. Von den Damascenischen Rosinen oder Zibeben. Siehe Fig. 259. D Je Zibeben, welche auch Damasce- nische Rosinen genennet werden, sind platte Rosinen, so lang und dicke als die Spitze des Daumens, und werden von Damasco, der Hauptstadt in Sy- rien, in halbrunden Schachteln, Bustes genannt, zu uns gebracht. Man soll diese Rosinen erwehlen, welche frisch, fein dicke und vollkommen; und dabey Acht haben, daß es nicht Ca- labrische, oder breitgequetschte Jubis- rosinen seyn, die mit Fleiß in solche Ro- sinschachteln geleget worden, welches von gar vielen Spezereykramern und Apotheckern geschicht, die ihnen keine grosse Schwierigkeit machen, wenn sie eine Sache an statt der andern verkauf- fen koͤnnen. Dieses aber kan einer gar leichtlich mercken, wer nur ein wenig weiß, was es ist; denn die Zibeben sind dicke, groß, fett, trucken und veste, ha- ben insgemein zwey Kerne, und einen wunderlichen fast widerlichen Ge- schmack: dagegen sind die Calabrischen fett und weich, schmecken zuckricht, als wie die Jubisrosinen. Uberdiß kan man auch gar balde sehen, ob sie mit Fleiß darein geleget worden, oder aber gar nicht geruͤhret und noch so sind, wie sie von Damasco kommen. Diese Rosinen werden oͤfters zu- sammt den Brustbeeren, Sebesten und Datteln zu Brusttraͤncken gebraucht. Weil ich nicht habe erfahren koͤnnen, wie sie diese Rosinen, bevor sie in die Schachteln gethan werden, zurichten, darum kan ich auch nichts weiter davon vermelden, als daß ich berichtet worden, es waͤren dieselben dermassen dicke, daß es Trauben gaͤbe zu 24 Pfunden schwer: welches gar wohl seyn kan, denn wir in Provence gleichfalls Trauben haben, die bis 12. Pfund wiegen. Das neun und funfftzigste Capitel. Von den kleinen Rosinen oder Corinthen. D Je Corinthen sind kleine Rosinen, von unterschiedener Farbe, indem es schwartze, rothe und weisse giebet, welche insgemein so dicke sind, als wie die Johannsbeeren. Siehe Fig. 260. Der Stock, der sie traͤgt, ist niedrig, mit dicken, gar sehr zerkerbten Blaͤttern besetzet, waͤchst haͤuffig und in Menge auf einer uͤberaus grossen und gerau- men Ebene hinter dem Schloß zu Zan- ten in Griechenland. Dieser Platz ist rund umher mit Bergen und Huͤgeln umgeben, und in zwey Weingaͤrten, da- rinnen ein Hauffen Cupressen, Oliven- baͤume und Lusthaͤuser stehen, abgethei- let, welche nebst der Fortresse und dem Berge Discoppo in einer uͤber alle massen angenehmen Gegend liegen. Wenn diese kleine Rosinlein reiff sind, welches im August geschicht, so sam̃len sie die Leute, beeren sie ab, und machen hernachmahls Bette in die Erde, damit sie dieselben trocknen koͤnnen. Nach- dem sie nun trucken worden, bringen sie sie nach der Stadt, und schuͤtten sie durch ein Loch in grosse Haͤuser, die sie Serra- glio nennen, da sie dann durch ihr Ge- wichte dermassen veste zusammen fal- len, daß sie die Eigenthumsherren mit eisernen Jnstrumenten von einander zerren muͤssen. Drauf schlagen sie die- selben in Tonnen oder Ballen, von un- terschiedenem Gewichte, und lassen sie von hierzu bestellten Leuten mit Fuͤssen, die sie deshalben mit Oele bestreichen, eintreten, so werden sie dermassen veste, wie wir sehen. Bisweilen werden solche Rosinen von Cephalonia uns uͤberbracht, in- gleichen von Natoligo oder Anatoli- go, Messalonga, Patrasso, Lepan- to und Corinthen, davon sie ihren Zu- namen bekommen. Zu Zanten haben die Englischen ein Kauffhaus oder Comptoir, wel- ches durch einen Consul und sechs Kauff- leute, der Handlung wegen, bestellet wird, welches ihnen kein geringes ein- traͤgt, massen sie in einem Jahr mehr Corinthen verthun, als das uͤbrige gan- tze Europa. Die Hollaͤnder halten allda einen Consul und zwey Kauffleute: die Fran- tzosen aber haben nur einen Commissa- X 2 rium, Der Spezereyen und Materialien rium, welcher alles zusammen ist, Con- sul und Kauffmann. Die Einwohner zu Zante glauben noch bis dato, daß die Europaͤer die Tuͤ- cher mit diesen Rosinen faͤrbeten, und meinen nicht, daß sie gegessen werden. Diese kleine Rosinen sind der Orten so gemeine, daß der Centner nicht hoͤher, als um drey Pfund verkaufft wird; hin- gegẽ muß man den Venetianeꝛn, auch so- viel fuͤr die freye Ausfuhr bezahlen, und kan deswegẽ den Centner unter 9. bis 10. Pfund zu Marseille nicht haben: wie- wohl der Preiß bisweilen ziemlich aͤn- dert, nachdem naͤmlich die Lese gut ge- wesen, und wenig Gefahr zur See. Wann die See frey ist, so bringen sie die Hollaͤnder haͤuffig nach Bour- deaux, Rochelle, Nantes, und Rouan/ von dannen kan man sie viel wohlfeiler haben, als von Marseille. Man soll die Corinthen erwehlen, welche neu, klein, und in grossen Klum- pen sind, das ist, die abgebeeret, und nicht mit Honig bestrichen sind: so muß man auch Acht haben, daß der Ballen umher nicht weiß sehe, und folglich von Muͤlben angefressen sey: ingleichen, daß es keine Spanische Rosinlein seyn. Sie halten sich zwey oder drey Jahr, wenn sie nur nicht sehr geruͤhret wer- den, oder zu viel Luft bekommen. Das sechtzigste Capitel. Von den Jubis-Rosinen. D Jeses sind Rosinen, welche wir aus Provence kommen lassen, bevor- aus von Roqvevarre uñ von Ouriol . Wenn sie zeitig, werden die Trauben abgelesen, und in warme Lauge von Suda eingeweichet, hernach auf Hor- den gelegt, und an der Sonne getrock- net, da sie dann einmahl uͤber das ande- re umgewendet werden muͤssen, damit sie fein zugleich trucknen. Wenn sie nun trucken worden, werden sie in klei- ne weisse Faͤßlein geleget, auf die Weise, wie wir sie zu sehen bekommen: und muͤssen alsdann, wann sie gebuͤhrend beschaffen, frisch und trucken seyn, schoͤ- ne Trauben, die nicht schmutzig oder ab- gebeeret sind, so wenig als moͤglich ist: auch muͤssen sie klar und glaͤntzend seyn, und zuckersuͤsse schmecken. Ohne diese bekommen wir noch eine Gattung Rosinen, die wir Picardans, die Picardischen, zu nennen pflegen; selbige sind viel kleiner, trucken und duͤr- re, kurtz zu sagen, weit geringer als die Jubis. Allerley Ro- sinen. Wir verkauffen auch ferner Calabri- sche Rosinen/ welche fett sind und gar gut schmecken. Jngleichen die Marro- quins, welches schwartze Rosinen sind: raisins d’arc au ciel, weil sie wie ein Re- genbogen sehen: sie kommen aus Spa- nien, und wird Spanischer Wein da- raus gemacht: Es sind truckne, roth und blaulichte Rosinen, von sehr gutem Geschmack: Spanische Rosinen/ wel- che klein, und ein wenig groͤsser sind, als die Corinthen; und noch andere Sor- ten mehr. Wir treiben gleichfalls einen starcken Allerhand Weine. Handel mit allerhand Weinen, z. E. mit Spanischen/ Alicanten, S. Lau- rent/ Frontignan/ Coste-rotie, Thin/ Hermitage/ Barbatanne oder aus Languedoc/ und so fort. So verthun wir auch ohne die Weine nicht viel weni- ger Branntwein, den wir von Co- Bꝛanntwein, oder Aquavit. gnac/ Blois/ Saumur und ander- waͤrts herkommen lassen. Es giebt aber vielerley Branntwein, naͤmlich, von Wein, Bier, Apfel- oder Birnmost, von Zucker und von Korn. Allein weil ich nicht gesinnet bin, als nur blos von demjenigen, der von Weine gemacht wird, zu handeln, zumahl da die uͤbrigen, ihrer schlechten Beschaffenheit halber, verboten sind, so will ich erinnern, daß man den erwehlen solle, welcher weiß, und klar ist, einen guten Geschmack hat, und die Probe haͤlt, das ist, wenn er in ein Glas gegossen wird, muß sich ein klei- ner weisser Schaum erheben, und einen Zirckel machen, wenn er vergehet, wel- ches auf Frantzoͤsisch chapelet, das Kaͤpp- lein oder der Krantz genennet wird; denn wenn er nicht gut gemacht ist, oder zuviel Feuchtigkeit bey sich hat, so wird sich dieser Kreis nicht zur Helffte zeigen. Die andre Probe ist diese, man tuncket einen Finger in den Branntwein, und haͤlt ihn ans Feuer, faͤngt er, so ist er gut. Jch will mich nicht lange aufhalten, noch von der Art und Weise, wie der Brannt- Hauptbeschreibung ersten Theils siebendes Buch. Branntwein gemacht wird, viel Wor- te machen, denn es eine Sache, die be- kannt genug ist; so weiß auch ein ieder- mann, daß er von Weine, er sey aufge- standen oder nicht, gedistilliret wird. Der Branntwein wird ietziger Zeit dermassen haͤuffig verbrauchet, daß wir bey nahe keine einige Waare haben, die in so grosser Menge verthan wird, unge- achtet alle diejenigen, die ihn trincken, al- lerhand Unfug und lose Haͤndel treiben, weil es die Leute zugeben, die ihn verlas- sen, und ihre Schencken stets offen hal- ten, daß man sie mit allem Rechte der Spitzbuben Herberge nennen moͤchte. Welches ihnen nicht wenig Spezerey- kraͤmer solten gesaget seyn lassen; wie- wohl ich sie lieber Branntweinschencken nennen wolte, indem sie Tag und Nacht zu sauffen geben; und moͤchten sich nicht mit solchem liederlichen Thun verwir- ren: das heißt so viel, sie solten nicht zu- lassen, daß so ein Hauffen liederlich Ge- sinde mit Brod, oder auch zuweilen mit anderm Essen in ihre Laͤden kaͤme, Aqua- vit, Hypotheque und Ratafia auf einem umgestuͤrtzten Fasse, oder auch wohl gar an einem ausdruͤcklich fuͤr sie aufgeschlagenen Tische zu trincken. Jn- dessen nun die Commissarien nebst der Wache bemuͤhet sind, damit die Laͤden, so bald die Glocke zehen geschlagen, ge- schlossen, auch an Sonn- und Festtagen unter waͤhrendem Gottesdienste zuge- halten werden, haben diese Kraͤmer der- gleichen Saͤuffer gnug bey sich im Hau- se, die hernachmahls halb berauschet, zum Theil auch gar besoffen, von ihnen gehen; welches aber Schuld und die ein- tzige Ursache ist, daß so viel Mord und Todtschlag zu Paris geschiehet, und man eine solche Menge blinder Leute siehet. Uber dieses wird auch der Brannt- wein zur Artzney gebraucht; denn er staͤrcket die Nerven: ingleichen wird er zu andern Sachen mehr genommen. Von dem Branntwein ziehen wir ein geistiges Wasser, aquam spirituosam, ab, welches klar und durchsichtig ist, und wird Esprit de Vin , Spiritus vini, Wein- Spiritus Vini. geist genennet. Wenn dieser die gehoͤ- rige Beschaffenheit hat, ist er fein weiß, und verbrennet ohne Hinterlassung der geringsten Feuchtigkeit, wenn man ihn anzuͤndet. Damit man nun erfahre, ob eꝛ auch ohne phlegma und Wasser sey, so darff man nur etwas weniges in ei- nen eisernen oder silbernen Loͤffel gies- sen, und auf einen Teller mit Wasser stellen; verbrennet dann der Spiritus, bis alles trocken, und das Pulver, das drein geschuͤttet worden, geht zugleich mit auf, so ist es ein ohnfehlbares Zeichen, daß er ist, wie er seyn soll, und mag zu allerhand Dingen, dazu der Weingeist erfordert wird, gebrauchet werden. Der Spiritus Vini hat so herrliche Ei- genschafften, daß einer kaum glauben solte, was fuͤr Kraͤfte er hat, und ist zu vielerley dienlich. Wir handeln auch allhier gar starck mit Eßig und Agrest oder unreiffen Weinbeersaft, und versenden den ersten, welchen wir von Orleans und ander- waͤrts her bekommen, in fremde Lan- de: diesen aber haben wir deshalben zu verkauffen, weil er einiger massen in der Artzney gebrauchet wird, und die Spe- zereyhaͤndler gehalten sind ihn zu fuͤh- ren, weil er zu Reinigung des Wachses vortrefflich dienet. Das ein und sechtzigste Capitel. Vom weiß und rothen Weinstein. E S ist der roth- und weisse Tartarus eine Art Stein, der sich in den teutschen Foudres, Stuͤckfaͤsser sind Fasse/ die bis 1000. Pipen hal- ten. Stuͤckfaͤssern; foudres auf Frantzoͤsisch genennt; oder in andern roth und weis- sen Weinfassen anhaͤnget, und wird, nach seiner Dicke, oder nach den Landen, von dannen er gekommen, benennet. Der teutsche Weinstein, ist der schoͤn- ste, und auch der dickste, denn er viel laͤn- ger in diesen Fassen verblieben, soll auch deshalben den Namen des roth- und weissen Weinsteins fuͤhren; muß aber, wenn er anderst recht beschaffen, dicke seyn, und leichtlich brechen, aussen- her weiß, inwendig glaͤntzend seyn, und so viel moͤglich, ohne Erde: der rothe soll dem weissen so nahe als immer seyn kan, kommen. Der andere ist der, den wir aus der Gegend Provence und Languedoc bekommen, und kommt dem Rheinischen ziemlich bey. Den drit- ten nennen wir la Gravelle de Lyon , und Gravelle de Lyon X 3 ist in Der Spezereyen und Materialien ist in keinem Stuͤcke von dem Pariser unterschieden, als daß er dicker und hoͤ- her von Farbe. Der Tartarus und die Gravelle dienen fuͤr die Faͤrber/ und Muͤntzer, denn er das Silber auszuhellen, wie auch zu vie- len chymischen operationibus gar dienlich ist, gleichwie aus nachfolgenden zu er- sehen. Der weisse, weil er viel besser ist, soll dem rothen vorgezogen werden. Das zwey und sechtzigste Capitel. Von den Weinstein Crystallen. D Er Cremor und die Crystalli Tartari sind weiß- oder rother Weinstein, welcher zerstossen, und vermittelst sie- dend heissen Wassers und eines Seihe- beutels im Keller zu solchen kleinen Cry- stallen, wie wir sie sehen, gemachet wor- den ist. Der allerbeste Cremor Tartari wird von Montpellier gebracht, woselbst er, wie nicht weniger um Nimes herum, in grosser Menge bereitet wird; wie- wohl der letzte nicht so schoͤn ist, als der erste. Wenn er vollkommen gut seyn soll, muͤssen die Crystallen schoͤn weiß und durchsichtig seyn, auch nicht viel kleine braune Koͤrner darunter befindlich. Der Cremor Tartari wird zur Artzney gebraucht, sonderlich zu purgirenden Traͤncken; muß aber zuvor zerstossen werden, denn er zergeht gar uͤbel. Doch gebrauchen ihn die Schoͤnfaͤrber und Zuckerbecker weit mehr. Das drey und sechtzigste Capitel. Vom Sale Vegetabili. D As Sal vegetabile oder der Tartarus solubilis wird aus dem Cremore und Sale Tartari, untereinander geschmol- tzen, bereitet, und zu einem Saltze ge- macht, so wie wir es zu sehen kriegen, und muß, alsdann, wann es die gehoͤri- ge Beschaffenheit haben soll, recht weiß seyn, trucken, und aufrichtig bereitet: welches die allerbeste Kundschaft ist, die man davon haben kan, wie auch von allen denen Waaren, die man nachma- chen kan, denn dieselben wird nie- mand kennen, als die sie fabriciret ha- ben. Etliche crystallisiren dieses Saltz, das ist, ehe sie es treugen, stellen sie es in ei- nen Keller, welches zwar seine Guͤte nicht vermehret, doch aber verursachet, daß es desto eher kan verkauffet werden. Der Gebrauch dieses Saltzes ist erst neulich aufkommen, und wie man mich versichert, die Erfindung Bruder An- ges, eines Carmeliters, der es solcher- gestalt in Schwang bracht, daß es an- jetzo in fast unglaublicher Menge ver- than wird. Welches ich auch selbst be- zeugen kan, als der ihm alle Jahre mehr denn 12. Centner rothen Weinstein, und mehr als 1000. Pfund Cremor Tar- tari verkauffe. Es machens zwar viel andere nach, haben es aber nie so schoͤn, wie er, zurichten koͤnnen. Dieses Saltz wird zu vielerley Kranckheiten dienlich erachtet, und purgiret uͤberaus gelinde, wenn es eines Quentleins schwer in Wasser oder Ger- stentranck genommen wird. Das vier und sechtzigste Capitel. Der mit Stahl zugerichtete Weinstein. T Artarus chalybeatus, martiatus, Cry- stalli tartari chalybeati, sind Wein- stein und Eisenrost, welche mit heissem Wasser in einen eisernen Kessel gekochet, und hernach zu Crystallen gemacht werden. Diese Crystallen werden eini- ger massen in der Artzney gebraucht, denn sie ein treffliches Mittel wider die Melancholey, und das viertaͤgige Fieber sind. Die dosis ist von 15. bis auf 40. Gran in einem zur Kranckheit dienli- chem liquor. Die schoͤnsten Crystalli Tartari chaly- beati sind die, welche schoͤn weiß sind, und sich doch aufs graue ziehen. Wer sich aber nicht die Muͤhe nehmen, und Cry- stallen machen will, der mag ein grau- lichtes Pulver daraus machen, denn es eben die Kraft hat, welche die Crystallen haben. Das Hauptbeschreibung ersten Theils siebendes Buch. Das fuͤnff und sechtzigste Capitel. Tartarus martiatus solubilis. W Jrd aus dem Sale vegetabili und der Tinctura Martis bereitet, welche mit einander getrucknet, und zu einem braͤunlichen Pulver gemachet werden. Es ist ein gut Mittel fuͤr Wassersuͤch- tige Leute, und treibt den Harn: die dosis ist 10. Gran, bis auf ein halb Quintlein. Das sechs und sechtzigste Capitel. Tartarus emeticus. D Er erbrechen machende Wein- stein/ wird aus dem Cremor tartari und dem Glase oder der Leber des Spies- glases bereitet, welche in Wasser gethan, und hernach zu Crystallen oder einem weißgraulichten Pulver gemachet wer- den. Wenn er recht und getreulich be- reitet worden, ist er ein Brechmittel, das ietziger Zeit gar sehr gebraͤuchlich ist, denn es fein gelinde brechen macht. Die dosis ist von 3. bis auf 4. Gran, in einem gehoͤrigen liquor, oder in eine eingemach- te Kirsche an statt des Kerns gethan, oder auch in einer tꝛucknen oder feuchten Con- serva. Jch kenne gewisse Leute, welche den Tartarum emetic. mit Sale ammoniaco zu- richten, und er ist zu demjenigen, dessen nur erst gedacht worden, sehr gut und dienlich. Andere bereiten ihn mit Urin, damit er destoweniger zerfliesse; und wieder andere machen ihn mit dem Sale vegetabili. Doch liegt daran nichts, wenn er nur recht gut ist, und zu obigen dienet. Das sieben und sechtzigste Capitel. Wie der Weinstein distilliret wird. W As man Weinstein distilliren heißt, geschicht also: es werden zwey dritte Theile einer irdenen verlu- tirten Retorte von Beauvais mit zer- stossenem rothen oder weissen Weinstein angefuͤllet, und sodann durch das Feuer ein phlegma, das ist ein weisses unge- schmackes Wasser, welches wegzuschuͤt- ten, heruͤbergetrieben. Wann dieses heruͤber, so folget ein roͤthlicht Wasser, Weinstein- spiritus. welches der Weinsteinspiritus, Spiritus Tartari, und endlich ein schwartz, stin- ckend und sehr dickes Oel, das wir buile Schwartzes Weinsteinoͤl. noire de tartre ou par la cornue , schwartzes Weinsteinoͤl, oder aus der Retorte zu nennen pflegen. Das in der Retorte hinterstellige ist so schwartz als eine Koh- le, daraus wird, wenn es calcinir et und weiß gebrennet worden, ein weisses Saltz gezogen, welches das wahrhafte Weinstein- saltz. Sal tartari ist. Der Spiritus tartari rectifi- catus, der mehr als einmahl uͤbergezoge- ne Weinsteingeist, ist trefflich dienlich wider die fallende Sucht/ Laͤhmung der Glieder, Engbruͤstigkeit, und den Scharbock. Die dosis ist ein Quint- lein bis auf dreye in dienlichen Saͤften. Das schwartze Weinsteinoͤl, so wie es aus der Retorte kommt, ist ein unver- gleichlich Mittel fuͤr die Schwinden und obgemeldte Kranckheiten: allein, weil es so gar heftig stincket, deswegen muß es zuvor und ehe man es brauchet, uͤber trocknen Thon rectificir et werden. Das Weinsteinsaltz wird gar starck zu Bereitung des Salis vegetabilis, wie auch in der Medicin zu Ausziehung der Tinctur aus den Vegetabilien gebrau- chet, ingleichen das weisse Weinstein- oͤl, oleum tartari per deliquium genannt, zu verfertigen, gleichwie in folgenden wird zu ersehen seyn. Es moͤchten aber die meisten unter denenjenigen, die das Weinsteinsaltz von noͤthen haben, ihnen nicht vornehmen den Weinstein zu distilliren, weil weder der Spiritus, noch das Oel so sonderlich gebrauchet wird. Dahero, wer sich nicht soviel Muͤhe geben will, mag den rothen Weinstein bey einem guten Kohlfeuer calciniren, so daß er allezeit zwey Untzen in Papier oder Deuten thue; wann er dann calciniret ist, bis er weiß geworden, alsdann wird er wieder aus dem Feuer heraus genommen, und das Saltz, welches sich crystallisiren laͤßt, heraus gezogen, in ein wohlverwahrtes Glas gethan, und zum Gebrauche auf- behalten. Das rechte fixe Weinsteinsaltz oder Sal Der Spezereyen und Materialien Sal alkali Tartari muß weiß seyn, trucken, am Geschmack beitzend und ein wenig bitter; es muß auch nicht spritzeln, wenn es auf gluͤhende Kohlen geleget wird. Ein Hauffen Chymisten, bevoraus die auf den Strassen herum lauffen, ver- kauffen ein weisses mit Salpeter zuge- richtetes Weinsteinsaltz, welches denen, die sich nicht darauf verstehen, trefflich in die Augen faͤllt, indem es uͤberaus weiß ist, und in grossen Stuͤcken; allein der Nutzen ist desto geringer: uͤberdiß laͤßt sichs nicht gut aufbehalten. Und also verkauffen sie eine Waare, die sie wenig gnug kostet, uͤberaus theuer: doch ist der Betrug gar leichte zu mercken, all- dieweil es uͤber dem Feuer spritzelt, wel- ches hergegen das rechte nicht thut. Aus dem wahrhaften Weinsteinsal- tze, wenn es in einen Keller gesetzet wor- den, bekommt man ein klares weisses Oleum tartari per doliquium. Oel, welches oleum tartari per deliquium, im Keller geflossenes Weinsteinoͤl, wie- wohl ziemlich ungereimt, genennet wird, denn es nichts anders ist, als ein Keller zerflossenes Saltz, so zu vielen Sachen gut. Die dieses Oel bereiten wollen, koͤn- nen sich des calcinirten Weinsteins be- dienen, und selbigen im Keller in einer Blase aufhaͤngen: das Oel wird eben so schoͤn und klar seyn, als wenn es vom Saltze bereitet worden waͤre. Zu Pa- ris hat eine gewisse Dame ein Geheim- nuͤß, dieses Saltz ohne Zuthun einiger Feuchtigkeit abzusuͤssen, und gebrauchet es das Gesichte damit abzureiben, ohne daß sie davon Runtzeln bekomme. Etliche, die dieses Oel fein geschwinde haben wollen, loͤsen das Weinsteinsaltz in Wasser auf, und verkauffen dieses Wasser fuͤr wahrhaftes Weinsteinoͤl, welches ich aber nicht gut sprechen kan, weil es nicht alleine roͤthlicht siehet, son- dern auch, weil man es nicht so gerade treffen kan, als wie der Keller; das ist, es gehoͤret Feuchtigkeit dazu, bis man es aufloͤse. Jndessen koͤnnen sie es doch, vermittelst dieses Griffs fein wohlfeil geben. Das acht und sechtzigste Capitel. Von der Weinstein-Tinctur. T Inctura Tartari wird vom Weinstein bereitet, welcher in der heftigsten Glut gestanden, und hernach in spiritu vini tartarisato aufgeloͤset worden ist: dieses wird hingestellt, damit sichs setzen moͤge, und darauf abgegossen, und in einem wohlverwahrten Glase aufbe- halten. Wann nun diese Tinctur ist, wie sie seyn soll, so muß sie roth sehen, und getreulich bereitet worden seyn. Sie wird dann und wann in der Artzney ge- braucht, absonderlich wider den Schar- bock und als eine Blutreinigung. Die dosis ist von 10. bis auf 30. Tropfen. Hierbey kan man mercken, daß diese Weinsteintinctur, ie roͤther ie voll- kommener sey: doch ist das verdruͤß- lichste, daß diese schoͤne Farbe nach und nach vergehet, wenn sie aͤlter wird. Das neun und sechtzigste Capitel. Tartarus vitriolatus. M Agisterium Tartari oder Tartarus vi- triolatus wird aus dem Weinstein- saltze oder im Keller geflossenem Wein- steinoͤle und recht gutem Vitriolspiritus gemacht; welche unter einander gemi- schet, und auf dem Sande getrocknet werden, bis sie zu einem schneeweisen Saltze geworden: denn also muß es se- hen, wenn es gut seyn soll, auch dabey so trucken und so leichte seyn, als immer moͤglich. Auch mag man Acht haben, daß es kein Cremor tartari sey, mit Vi- triolgeist aufgesotten, wie gar ofte ge- schicht: deme aber ohngeachtet, wird das Pfund dennoch zu 15. und 16. Fran- cken verkaufft, eben als ob es recht und nach den Regeln der Kunst bereitet wor- den waͤre. Andere, die es noch schlim- mer machen, und blos darum, damit sie das Pfund fuͤr 6. bis 7. Francken geben koͤnnen, richten ihn mit figirten Salpe- ter, oder mit den mineralischen Cry- stallen zu. Jedoch kan jener, der naͤm- lich mit dem Cremor ist bereitet worden, gar leichte an den harten Koͤrnern, die gemeiniglich darunter sind, erkannt werden: der andere aber daran, daß er im Feuer spritzelt, und leichte von sich selbst zerfleußt. Der Tartarus vitriolatus wird in der Artzney Hauptbeschreibung ersten Theils siebendes Buch. Artzney gebraucht, indem er ein herr- lich aperiens, eroͤffnend Mittel, auch zu allerhand Kranckheiten gut ist. Man muß ihn aber, welches wohl zu mercken, in einem sehr wohlverwahrten Glase aufbehalten, denn er zerfleußt gerne. Das siebentzigste Capitel. Vom fluͤchtigen Weinsteinsaltze. D As Sal volatile tartari wird aus den Hefen von weissem Weine gezogen, welche zuvor ausgedruckt, und an der Sonne oder anderswo getreuget wor- den. Diese werden hernachmahls in ei- ne Retorte gethan, und bey einem Gradfeuer distilliret. Doch kan ich nicht besser thun, als daß ich den Leser zu dem verweise, was der Herr Charras in sei- ner koͤniglichen, Galenisch- und Chymi- schen Apotheckerkunst, die er im Jahr 1676. drucken lassen, davon gemeldet hat: denn ich selbst dabey gewesen, als er in seinem Cursu Anno 1675. dieses Saltz ohne eintzigen Zusatz, auf chymi- sche Art, aus den ausgedruckten und gedoͤrrten weissen Weinhefen gezogen, zum groͤsten Vergnuͤgen der saͤmtlichen Anwesenden, welche insgesammt ge- stunden, daß sie dergleichen præparation weder in dem koͤniglichen Garten, noch anderswo gesehen, auch kein einiger chy- mischer Scribent dieselbe gelehret oder ihrer Erwaͤhnung gethan. Dieweil mir nun bewust, daß diejenigen, denen das fluͤchtige Weinsteinsaltz gantz unbekannt gewesen, in ihrem Anno 1675. herausge- gebenen Buche, allein von ihrem figir- ten Weinsteinsaltze gehandelt, und jenes nicht ehe in ihre neuen Editiones mit ein- geruͤcket, als nachdem des Erfinders Buch herausgekommen, ob sie sich schon noch so sehr bemuͤhet ihre præparation en zu verkleiden; so haben sie auch nichts gewisses davon schreiben koͤnnen, oder das mit deme, was der Autor von der præparation und rectification desselbigen uns mitgetheilet, uͤbereinkaͤme. Das fluͤchtige Weinsteinsaltz ist zwar von Natur ein starck diaphoreticum und schweißtreibende Artzney: doch hat es noch dieses besonder, daß es zugleich ein aperitivum und diureticum ist, eroͤff- net, und den Harn starck treibet. Man giebt es von 6. bis auf 15. Gran schwer ein, in gutem Weine und andern liquo- ribus. Das ein und siebentzigste Capitel. Von der Pottasche. L A cendre gravelée , die Pottasche, wird von getrockneten und gebrann- ten Weinhefen bereitet, und muß, wenn sie gut seyn soll, wie ein Stein und frisch gemacht seyn, weiß und gruͤn sehen, sal- tzicht und bitter schmecken. Die Pottasche wird von den Faͤr- bern und andern Leuten gebraucht. Die beste ist, die wir aus Burgund bringen lassen, weil sie von guten Weinhefen gemacht ist, und weit mehr gilt, als die unsere Eßigbrauer verfertigen. Saltz u. Oel von der Pott- asche. Weil die Pottasche von calcinirten Weinhefen gemacht ist, deswegen kan man mit warmen Wasser ein Saltz her- ausziehen, welches schier eben die Tu- genden, wie das Sal tartari hat, ausser, daß es corrosivi scher und etzender ist, als jenes; eben also ist auch das oleum per deliquium, das man davon macht, und im Keller fliessen laͤßt. Es ist auch gebraͤuchlich, aus der Pottasche und lebendigem Kalch ein Saltz zu ziehen, welches, nachdem man es in einem guten Schmeltztiegel fliessen lassen, auf einen Stein oder in ein Be- cken gegossen, und wenn es erkaltet, in kleine Stuͤcken zerschnitten, darauf aber in ein wohlverstopftes Glas gethan wird. Und dieses sind die rechten Cau- Cauterisir- steine. terisirsteine/ welche unterschiedene Au- tores beschrieben haben, bey denen man sich Raths erhohlen mag. Dannenhe- ro solte man alle solche Steine verwerf- fen, welche etliche Kauffleute und Ta- bulettraͤger zu verkauffen haben, denn sie sind nichts anders als Seiffe und Sublimat, oder anderer Mischmasch, daraus sie kleine Kuͤchlein, in Krebsau- gen Gestalt und Groͤsse, formiren. Ob ich aber gleich gesaget, daß diese Cauteri- sirsteine sollen verworffen werden, den- noch thun sie das ihre noch so ziemlich, wiewohl viel langsamer, als die ersten. Y Es Der Spezereyen und Materialien Es werden auch Cauterisirsteine aus Pottasche, Eichenholtzasche, Alaune und ungeleschtem Kalche verfertiget, und daraus, nachdem alles mit Wasser, uͤbern Feuer, unter einander gemischet Cauteres de Velours . worden, cauteria gemacht, und cauteres de velours , Sammt- cauteria genennet, weil sie gantz gelinde und sanfte operi- ren. Etliche thun annoch das Saltz von Krautstruͤncken dazu. Die Pottasche, die von Lyon kommt, halten einige hoͤher, als alle die andere: ich aber fuͤr mein Theil sage, daß eine iede Art Pottasche gut seyn kan, wenn sie nur von gutem Weinstein be- reitet worden ist. Wir lassen auch ohne diese, eine Gat- tung Pottasche von Dantzig/ des- gleichen aus Moscau bringen, die wir Potasse oder Vedasse zu nennen pflegen, Potasse oder Vedasse. und an die Faͤrber verkauffen. Dieselbe sieht unserer Pottasche sehr gleich, so daß ich erachte, daß nur die unterschiedenen Laͤnder den Unterschied darzwischen machen. Das zwey und siebentzigste Capitel. Vom Teutschen Schwartz, Noir d’ Allemagne . V On Franckfurt/ Maͤyntz und Strasburg lassen wir eine Gat- tung Schwartz, als wie Steine, oder wie Staub und Pulver, kommen, wel- ches von Weinhefen gemacht wird, die man verbrennet und darauf in Wasser schuͤttet: wenn sie hernach trucken wor- den, werden sie auf ausdruͤcklich hierzu gemachte Muͤhlen gebracht, und ver- brannte Beine, verbrannt Helffenbein, auch wohl gar Pfirsichkerne dazu ge- than: nachdem nun alles fein zarte zer- rieben und unter einander gemischet worden, wird uns dieses vollkommen gute Teutsche Schwartz uͤbersendet. Welches nun feuchte, und doch nicht mit Wasser genetzet ist, schoͤn gleichssend schwartz siehet, sanfte anzufuͤhlen, leich- te zu zerbrechen, ohne glaͤntzende Koͤr- ner, so viel als moͤglich, und mit Helffen- beine bereitet ist, dasselbige ist besser, als das mit Beinen oder Pfirsichkernen zu- gerichtet worden: es muͤssen auch recht gute Hefen dazu genommen worden seyn, denn davon bekommt es die Guͤte. Daß demnach zu Paris dieses Schwaꝛtz eben so gut koͤnte gemachet werden, als wie in Teutschland, wenn sie nur auch so gute Hefen dazu naͤhmen. Es wird auch ohne dieses teutsche Schwartz, der- gleichen zu Troyes/ Orlcans, ja selbst Schwartz von Troyes und andern Orten. zu Paris gemacht, und darum hat es so vielerley Namen, weil ihm ein ieder den Namen desjenigen Ortes, woselbst es bereitet worden, beyleget. Gewisse Personen haben mich versichert, daß die Teutschen Weinstein dazu nehmen, so auch nicht uͤbel gethan. Jhm sey aber wie ihm wolle, ich will mehr nicht sagen, als daß es niemand denn die Kupfer- drucker gebrauchen. Das drey und siebentzigste Capitel. Von Feigen. Siehe Fig. 261. D Je Feigen sind Fruͤchte, welche al- lerhand Farben haben, massen es gruͤne, violbraune, weisse und andere Arten mehr giebet: wir aber verkauffen keine, als die violbraunen und die gemei- nen. Wenn die Feigen reiff, so sammlen sie die Leute in Provence ein, und lassen sie auf Flechten treugen, thun sie her- nach in Koͤrbe von Palmblaͤttern ge- macht, oder in Kisten und Schachteln mit Lorbeerblaͤttern und Anissamen. Der Feigen aus Provence haben wir drey Sorten: namentlich, die violbrau- nen, die Maßilischen in kleinen Koͤrben, und die dicken, die auch sonst fette Fei- gen heissen. Die Violbraunen sollen groß, trucken und frisch seyn: die Maßi- lischen klein, weiß, trucken, nicht zaͤhe, als wie Leder, und in kleine bunte Koͤrbe geleget: die fetten aber muͤssen recht groß seyn, und den Maßilischen, soviel als moͤglich, an Guͤte beykommen. Die Feigen, welche in grossen Koͤr- ben ebenmaͤßig aus Provence, wie auch aus Spanien kommen, sind viel geringer, als die in kleinen Koͤrben, mas- sen sie viel haͤrter sind, und eine weit zaͤhere Haut haben. Der Gebrauch der Feigen ist so be- kannt, daß unnoͤthig, mich dabey aufzu- halten; nur will ich gedencken, daß sie eini- Hauptbeschreibung ersten Theils siebendes Buch. einiger massen zur Artzney gebrauchet werden, indem man sie zu Brusttraͤn- cken brauchet, desgleichen wenn man mucilagines, Schleim, machen will. Die fetten roͤstet man uͤber Feuer, und steckt sie in den Mund, das Zahn- weh dadurch zu stillen: wiewohl man auch andere Feigen an ihre Stelle neh- men kan. Das vier und siebentzigste Capitel. Von Brunellen. W Jr handeln uͤberdiß auch ziemlich starck mit Brunellen oder Pflau- men von Brugnole/ die wir aus Pro- vence bringen lassen, sonderlich von Aubagne und Brugnole ; so ein Staͤdt- lein nahe bey S. Maximin gelegen; davon sie den Namen bekommen. Diese Pflaumen werden in laͤnglich- ten Kaͤstlein gebracht: sonst aber und insgemein in Einmachebuͤchsen, wel- che mit gar zierlich ausgeschnittenem Papiere beleget sind. Wenn die Brunellen, wie sichs ge- hoͤret, seyn sollen, so muͤssen sie trucken, gelblicht und fleischicht seyn, wenn auch das Papier, damit sie bedecket sind, fein trucken ist, so ist es ein unfehlbares Zei- chen, daß sie gut sind und keinen Schaden gelitten haben. Weiter verkauffen wir auch Pflau- men und kleine Pflaͤumlein: z. E. grosse und kleine Cathrinen-Pflaumen, und kleine schwartze von Damas und S. Julien, die wir von S. Maure, Chinon und andern Orten in Touraine brin- gen lassen. Ferner verkauffen wir gar viel gedoͤrrete Pflaumen, welche laͤng- licht sind, und von Bourdeaux kom- men. So giebt es auch noch viel mehr andere Gattungen, z. E. die von Mont- mirel, von Padriguon, Kaͤyser- pflaumen, und viele andere, ingleichen, uͤberhaupt, alle andere Arten getrockne- ter Fruͤchte, die wir hie und daher kom- men lassen, vor allen aber von Tours ; denn da sind, geschaͤlte und gedoͤrrte Aepfel, Kirschen in Buͤschlein, und der- gleichen noch mehr, die in der Fastenzeit pflegen gespeiset zu werden. Die Wahl dieser Fruͤchte ist diese: sie muͤssen frisch, und wenn sie in Buͤchsen und Schach- teln liegen, oben wie unten seyn. Der Gebrauch ist so bekannt, daß ich billich davon schweige. Auch verkauffen wir in der Fastenzeit und sonsten das gantze Jahr hindurch, Haselnuͤsse, die wir aus Provence Haselnuͤsse. Siehe Fig. 262. bringen lassen: dererselben giebt es zweyerley, Lacadieres und gemeine. Je- ne sind dicke und gelblicht, sehen den klei- nen Nuͤssen nicht im gerinsten gleich, muͤssen auch frisch seyn, die Kerne aber gut schmecken und ein weisses Fleisch ha- ben. Die Haselnuͤsse werden nicht allein in der Fastenzeit verbrauchet, denn sie unter die so genannten quatre Mendiants Quatre Men- diants . gehoͤren, das sind Feigen, Rosinen, Mandeln und Haselnuͤsse, welche in glei- chem Gewichte untereinander gemenget werden: wiewohl dieses gar selten ge- schicht, indem diejenigen, die sie haben, von diesen oder jenen mehr oder weni- ger dazu nehmen, nachdem sie naͤmlich theuer sind: sondern sie werden auch mit Zucker uͤberzogen. Es wird inglei- chen Oel daraus gemacht, welches mit dem kleinen Nußoͤle gleiche Kraft hat, und die Haare gut erhaͤlt. Das fuͤnff und siebentzigste Capitel. Von den Maronen. Siehe Fig. 263. D Je Maronen sind Fruͤchte/ mit denen wir einen ziemlich starcken Handel treiben, sowohl als mit den Kastanien aus Limoge. Weil aber diese Fruͤchte allzugemein, dahero will ich nichts mehr davon vermelden, als daß die besten Maronen um Lyon, und in Vivarets wachsen, welche dann, wenn sie recht gut sind, dicke, frisch, veste und gleichsam Aschfarben seyn muͤssen, weder verfaulet, noch vermodert, oder auf einander verbrannt: denn sobald sie heiß werden, hat man Muͤhe sie zu erhalten, oder ihrer loß zu werden. De- rohalben muß man, sobald ein Ballen angekommen, das Stroh und uͤbrigen Umschlag herunter reissen, und ihnen Luft geben. Was die Kastanien belanget, diese muͤssen den Maronen einiger massen Y 2 gleich Der Spezereyen und Materialien gleich kommen, wiewohl sie viel kleiner, heller und roͤthlichter sind. Die Maronen samt den Kastanien, werden, wie iederman bewust, zum Es- sen gebraucht. Auch werden die Ma- ronen etlicher massen zur Artzney ge- nommen, denn sie sehr starck stopfen. Die Zuckerbecker uͤberziehen sie mit Zu- cker, und nennen sie hernachmahls Ma- Marons gla- cez . rons glacez , weil sie sehen, als ob sie mit Eise uͤberzogen waͤren. Das sechs und siebentzigste Capitel. Von Eichen. Siehe Fig. 264. D Je Eiche ist ein in der gantzen Welt bekannter Baum, theils, weil er so gar lange dauert, theils aber, weil man ein und andern Nutzen von ihm erhaͤlt, gleichwie aus folgenden wird zu ersehen seyn. Es stellet dieser Baum die Tugend, die Staͤrcke, die Bestaͤndigkeit und die Langwierigkeit vor, daher er auch von den Alten dem Jupiter gewidmet wor- den. Etliche wollen, er sey des Nuß- und Oelbaums Todfeind, weil sie ohne ihren Verderb nicht lange bey ihm ste- hen koͤnnen. Das erste und betrachtens wuͤrdige, das wir von der Eiche nehmen, ist der Siehe Fig. 265. Mistel, welches eine excrescentz oder Auswuchs ist, so sich zu oberst auf dem Baume angehencket befindet. Dieses Gewaͤchs scheinet etwas ausserordentli- ches zu seyn, dieweil nicht uͤberall die Ei- chen Mistel tragen, und giebt es ihrer, so viel mir wissend, nur wenige, welche denenjenigen, die zwischen Rom und Loretto, nahe bey dem Staͤdtlein Fol- ligni, welches der halbe Weg ist, in die- sem Stuͤcke gleich waͤren; denn daselbst giebt es Eichen, die dergestalt mit Mistel belastet sind, daß eine eintzige gar gerne einen gantzen Karn voll geben koͤnte. Dieser Auswuchs hat eine Gestalt, als wie die Aeste eines Baumes, ist eines dichten und schweren Wesens, und sieht aussenher braunroth, inwendig weiß- gelb, und gleichsam als wie eine Sonne. Diese dermassen harten und dichten Aeste treibẽ einen Hauffen kleiner Zwei- ge, welche sich in einander verwickeln: daraus entstehen viel laͤnglichte, dicke, halbrunde, blaßgruͤne Blaͤtter, samt kleinen weissen Beeren, die unsern weis- sen Johannsbeeren gantz gleich sehen, und eine schleimichte Feuchtigkeit ent- halten, aus welcher unsere Vorfahren Leim gemacht. Der Mistel mit seinen Blaͤttern beladen, erhaͤlt sich allzeit gruͤn, das Wetter mag gleich noch so boͤ- se seyn. Man soll den Mistel aussuchen, wel- cher dicke, schwer und fein voͤllig ist: und an der dunckeln Farbe, wie auch der Sonne inwendig, kan man erkennen, ob er gerecht sey. Das gewisseste Kenn- zeichen aber ist, wenn man ihn kauffet, daß er noch an einem Stuͤck Eiche han- get, oder, man halte den erkaufften Mi- stel gegen denjenigen, den man bereits hat, und man weiß, daß er gerecht sey. Dem Eichenmistel werden gar viel Kraͤfte zugeschrieben, so daß ihn die Al- ten hoch verehret und fuͤr heilig gehal- ten, eben als wie den Baum, der ihn ge- tragen. Julius Caͤsar und Plinius berichten, daß die Druiden unter diesen Baͤumen sich versammlet haͤtten: selbi- ge befanden sich in der Gegend, die wir heut zu Tage la Ville de Dreux nennen, nahe bey Chartres, woraus zu ersehen, daß es auch in Franckreich Eichen gege- ben, welche Mistel getragen. Der Mistel eingenommen, wird fuͤr ein herrlich Mittel wider die Laͤhmung der Glieder, den Schlag, und fallen- de Sucht gehalten. Um solcher seiner vortrefflichen Tugenden willen, welche alle hier zu erzehlen gar lang fallen duͤrffte, haben die Jtaliener ein ziemlich weitlaͤufftiges Buch, unter dem Titel, Holtz des heiligen Creutzes, ausge- hen lassen. Das andere, das wir von der Eiche Engelsuͤß von Eichen. Polypodium quernum. Siehe Fig. 266. nehmen, ist ein klein Kraͤutlein, welches wir Engelsuͤß nennen, und demjenigen gleich siehet, das auf den Mauern waͤchst. Dieses Kraͤutlein entstehet an denenjenigen Orten der Eichen/ wo sie sich gabeln, und zwar vermittelst ein klein wenig Erde, die sich allda befindet, oder auch wohl von verfaultem Wasser: es waͤchst ingleichen unten an den Staͤm- men dieser Baͤume. Dieses Engelsuͤß wird gar selten zu uns gebracht, wiewohl es nicht gut ist; denn Hauptbeschreibung ersten Theils siebendes Buch. denn dieses ist weit besser, als das, so auf den alten Mauern waͤchst, und von de- nen um Paris gelegenen Orten zu uns gebracht wird. Man erwehle demnach das Engel- suͤß/ welches frisch, fein voͤllig, trucken, leicht zu zerbrechen, auswendig grau, inwendig gruͤnlicht ist, und zuckersuͤsse schmecket, und ziehe das Eichene dem an- dern vor: welches man iedoch nicht mercken kan, man sammle es denn sel- ber, oder lasse es von Leuten sammlen, denen zu trauen ist. Das sieben und siebentzigste Capitel. Vom Eicheloͤl. D Je Eiche traͤgt ohne das Engelsuͤß, Eicheln, welche ihre Fruͤchte sind: von denen koͤnnen einige, wie sie sich ruͤhmen, Oel machen, und verkauffen es auch. Weil mir aber solches bis an- hero nicht gelingen wollen, als will ich lieber davon schweigen, und nur dieses vermelden, daß alles Eicheloͤl/ welches die Leute aus Provence zu uns brin- gen, nichts anders sey, denn Been- oder Nußoͤl, mit dem sie die Eicheln abgezo- gen: koͤnne derowegen durchaus nicht Eicheloͤl heissen. Lemery hat in seiner Chymie weitlaͤufftig genug davon ge- schrieben, dahin dann der Leser seine Zu- flucht nehmen mag. Die grosse Seltsamkeit des wahrhaf- ten Eicheloͤls ist Ursach, daß ihm eben, als wie dem wahren Talckoͤle, so gar grosse Eigenschafften beygeleget wer- den. Man kan zwar wohl vermittelst einer Retorte ein rechtes Oel aus den Eicheln ziehen, allein dasselbe ist schwartz und riecht haͤßlich. Ohne das Oel, das man aus den Eichenmoos. Siehe Fig. 267. Eicheln ziehet, bringet die Eiche auch ei- ne Art Moos, Usnea, Eichenmoos ge- nannt, daraus allerley Haarpuder, z. E. de Chypre, Franchipane, la Mareschalle , Poudre de Chy- pre, de Franchi- pane, \&c. und andere mehr bereitet werden, und wir von Montpellier bringen lassen. Die wahrhafte Beschreibung, auf was Weise diese Haarpuder zu machen, ist mir unbekannt, daher ich den Leser zu denenjenigen weisen muß, die sich genau darauf verstehen, oder aber, er mag sich an des Herren Barbe Beschreibung halten, welche in einem kleinen Buͤch- lein, zu Lyon gedruckt, zu finden sind, dawider ich nichts sagen kan, weil ich nicht weiß, ob sie just sind. Sonst giebt es noch ein Hauffen an- Andre Sor- ten Haarpu- der. dere Sorten Puder, die mit Ambra, Veilgenwurtz, Rosen, Pomerantzenbluͤ- ten und dergleichen angemachet sind, welche ebenfalls in obangezogenen Buͤchlein beschrieben stehen, darinne dann der Leser sich ersehen kan. Das acht und siebentzigste Capitel. Von Gallaͤpfeln. Siehe Fig. 268. 269. 270. D Je Gallaͤpfel sind die Fruͤchte ei- nes besondern Geschlechts der Ei- chen, welches haͤuffig in Levante waͤchst, vornehmlich um Aleppo und Tripoli herum; und werden bey uns Gallaͤ- pfel von Aleppo und Tripoli genen- net. Wir bekommen sie auch von Smirna. Es waͤchst ihrer auch die Menge in Franckreich, absonderlich in Provence und Gascogne, doch sind sie weit schlechter als die Levantischen, denn sie insgemein roͤthlicht, leichte, und durch und durch dichte sind: dahingegen sind die Levantischen stachlicht, (und wer- den deswegen stachlichte Gallaͤpfel genennet) schwer, schwaͤrtzlicht, gruͤn- licht oder weißlicht. Der Unterschied zwischen diesen Fruͤchten verursachet, daß sie auch zu unterschiedenen Dingen gebraucht und angewendet werden: denn die von Aleppo und Tripoli die- nen zum schwartzfaͤrben, desgleichen zu schwartz und gruͤner Dinte; mit den weis- sen wird die Leinwand, mit dem gerin- gen aber oder mit den Frantzoͤsischen die seidenen Zeuge gefaͤrbet. Die Gallaͤpfel werden auch einiger massen zur Artzney gebraucht, denn sie sehr anhalten. Sie werden auch ausgele- sen, damit man diejenigen, welche schwartze oder weisse verlangen, vergnuͤ- gen koͤnne: die sie aber unsortirt begeh- ren, moͤgen Achtung geben, daß die klei- nern, die nicht gar zu dicke, nicht heraus gesuchet worden. Was diejenigen be- trifft, die sie ballenweise kauffen, diesel- Y 3 ben Der Spezereyen und Materialien ben muͤssen auf die Einballirung sehen: denn die von Aleppo kommen, sind in langen schmalen Ballen, die von Tri- poli aber in kurtzen und dicken, und das Tuch, das drum geschlagen, ist insge- mein streifficht. Dieses melde ich des- wegen, weil die von Tripoli weit gerin- ger sind, denn die von Aleppo. Auch mag man sich vorsehen, daß sie nicht voll Staub und Unrath sind, denn wir schier keine Waare haben, darunter so viel Wust und Unflath von Eichen zu fin- den. Jn Tuͤrckey waͤchst auf einer Gat- tung Eichen eine Frucht, in Groͤsse einer kleinen Nuß, welche die Tuͤrcken Baz- gendge nennen; deren Figur bey denen Siehe Fig. 271. Eicheln zu besehen. Jn Levante, son- derlich zu Aleppo nehmen sie 100. Pfund Conzenille, die sie Cormeti nen- nen, 50. Quintlein Bazgendge, und 50. Quintlein Weinstein: dieses alles stos- sen sie zu Pulver, und machen einen wunderschoͤnen Scharlach daraus. Al- lein in Franckreich ist diese Frucht uͤber- aus rar, und wird deshalben gar nicht gebrauchet, ja wann auch schon zuwei- len die Bazgendge unter dem Gallus sich befindet, wird sie dennoch ausge- worffen, dieweil man sie nicht kennet. Das neun und siebentzigste Capitel. Vom Lerchenschwamm. A Garicus, der Lerchenschwamm, ist ein Auswurff oder excrescentz, so an den Staͤmmen und dicken Aesten unter- schiedener Baͤume zu befinden, sonder- lich an dem Lerchenbaum, auf Fran- tzoͤsisch Melasse , im Latein Larix genannt; wie auch an etlichen Eichen. Doch ist der erste der beste, und muß weiß, leicht und zart seyn, bitter schmecken, sich in- gleichen leichtlich zerbrechen lassen. Die Alten nenneten diese Art das Weiblein: dann der, welchen sie das Maͤnnlein nenneten, ist insgemein schwer, gelblicht und holtzicht, soll dannenhero durchaus nicht zur Artzney gebrauchet werden. Also nun sage ich, der gute Agaricus muͤs- se, wie erst gedacht, beschaffen seyn, und wahrhaftig aus Levante/ sintemahl er weit vollkommener ist, als der, den uns die Savoyer aus Savoyen und dem Delphinat bringen. Auch bringen sie ihn aus Holland ; allein der ist mit der Raspel uͤberfahren, und mit Kreide weiß gemacht, soll dannenhero ebenfalls ausgeworffen werden, und kan man ihn an seiner weissen Farbe, wenigem Gewichte, und daß er sich gerne zerrei- ben laͤßt, erkennen. Hingegen brau- chen ihn die Faͤrber desto haͤuffiger zum schwartzfaͤrben, wie dann, welches gar wenigen duͤrffte bewust seyn, wir nicht gar zu viel Waaren haben, es moͤgen gleich Samen, Wurtzeln, Hoͤltzer, Rin- den, Blaͤtter, Blumen, Gummata, Saͤf- te, Thiere oder derselben Theile, Foßili- en, oder solche Sachen, die aus der Erde gegraben werden, ja auch Chymische Dinge seyn, derer sich die Faͤrber nicht solten wissen zu bedienen: welches auch Ursach ist, daß eine so gꝛosse Menge Waa- ren nach Franckreich gebracht wird. Waͤre sonst niemand, der mehr Mate- rialien verthaͤte, als die zur Artzney ge- brauchet werden, wuͤrde ein eintziger Materialiste alle Medicos, Apothecker und Wundaͤrtzte, samt allen andern, die sich drein mengen, zur Gnuͤge versehen koͤnnen, und solches ohne sonderbare grosse Bemuͤhung. Der Agaricus von Eichen sieht insgemein roͤthlich und ist schwer: die- weil er demnach wenig taug, derohal- ben mag ich auch gar nichts von ihm vermelden. Das achtzigste Capitel. Von der Confectione Hamech. D Jeweil der Agaricus unter diese Composition kommt, welche wir nebst der de Hyacintho und Alkermes, dem Theriac und Mithridat von Mont- pellier bringen lassen, als habe fuͤr gut erachtet, allhier davon zu handeln, an- bey auch die Beschreibung, welche fuͤr die richtigste gehalten wird, und aus der Pharmacopœa des Herrn Charras ge- nommen ist, mit anzufuͤhren. Dieses aber soll nicht hindern, daß ein anderer denen Buͤchern, die von der Apothecker- kunst handeln, oder denen Verordnun- gen der Stadt Paris und anderer feinen Staͤdte Hauptbeschreibung ersten Theils siebendes Buch. Staͤdte folgen duͤrffe, sondern es steht einem ieden frey, dem zu folgen, welches ihm am leichtesten vorkommt. Wiewohl ich blos von denen Materialien, die da- zu kommen, reden werde, die Bereitung aber und derselben Art und Weise, wie sie in den Pharmacopœis beschrieben, las- sen will, in welchen sich diejenigen, wel- che sie zurichten wollen, Raths erhohlen koͤnnen. Derowegen nehmet Eichenmistel/ reine Rosinlein/ Damascener Pflaͤumlein, von ieden 8. Loth. gelbe, schwartzbraune, und Jndianische Myrobalanen/ Veilgensamen, Coloquinten/ Orientalischen Lerchenschwamm/ Sennesblaͤtter, iedwedes 4. Loth. Wermuth, Thymian, iedes 2. Loth. rothe Rosenblaͤtter, Anis und Fenchelsamen, von ieden anderthalb Loth. gereinigten Erdrauchsaft/ zwey Pfund. Zucker und Honig von Narbonne/ iedwedes drey Pfund. ausgezogene Caßia, Tamarinden/ auserlesene Manna/ von iedweden 8. Loth. Der besten Rhabarber/ des schoͤnsten Lerchenschwamms/ Sennesblaͤtter/ diagrydii , iedes drey Loth. der fuͤnff Myrobalanen, Thymseide/ Erdrauchsamen/ von iedem 2. Loth. Zimmt/ Jngber/ und Anis, von iedem 3. Quintl. Aus allen diesen Stuͤcken wird nach der Kunst ein Electuarium liquidum, oder eine weichliche Lattwerge gemacht, so sich sehr lange halten kan, wann sie nur wohl und getreulich bereitet worden ist. Jhrer etliche halten mehr von dieser composition, wenn sie alt, als wenn sie noch frisch ist, welches ich aber nicht gaͤntzlich gut sprechen kan, bevoraus, wenn sie aͤlter als zehen Jahr worden. Die Confectio, soll sie anders gut seyn, muß schwartz und glaͤntzend sehen, ge- treulich und recht nach der Kunst zuge- richtet, auch bis zu gehoͤriger Consistentz und Dicke eingekochet seyn. Wegen ihrer vortrefflichen Tugenden, die man ihr beyleget, wird sie gar ofte in der Artz- ney gebraucht, wie solches aus unter- schiednen Pharmacopoeis zu ersehen. Jch muß hierbey die Pariser Kauff- leute erinnern, daß sie doch weder diese, noch andere Confectiones, bey niemand als bey redlichen und verstaͤndigen Han- delsleuten erkauffen wolten; indem ein gar zu grosser Betrug damit getrieben wird, insonderheit von denenjenigen, die das Pfund von dieser Confection um 15. bis 20. Sols geben, da sie doch, wenn sie nach den vorgeschriebenen Regeln bereitet wird, 45. und 50. Sols zu ste- hen kommt. Allein, es muß sich niemand verwun- dern, wer dieses Capitel in diesem Buche erblicket: denn ob ich wohl weiß, daß das zwischen den Spezereyhaͤndlern und Apotheckern aufgerichtete Regle- ment und Ordnung jenen nur vergoͤn- net Theriac und Mithridat, zusamt der Confectio Alkermes und der de Hyacin- tho, die wir unter dem Namen der vier grossen Galenischen Composition en ver- Die vier grossen Com- positiones. stehen, zu verkauffen. Jedennoch, weil es mit dieser Confectio Hamech eine glei- che Bewanntnuͤß hat, als wie mit denen andern, indem sie aus so vielen Mate- rialien, als irgend eine der andern, zu- sammen gesetzet ist, wie sie auch, vermoͤ- ge der Taxa und Ordnung S. Majest. darinne sie nebst andern Spezereyen und Materialien ausdruͤcklich gesetzt und begriffen wird, von denenjenigen Orten, allwo man sie zum Behuf der Handlung, die damit getrieben wird, verfertiget, moͤgen kommen lassen, so habe ich mich verbunden erachtet, davon zu handeln. Wir verkauffen auch ohne den Ler- Allerhand Wurtzeln u. Zwiebeln. chenschwamm, getreugte Morcheln, und Schwaͤmme, die wir aus Proven- ce und Languedoc bringen lassen, Tu- berosen und Jonquilienzwiebeln, Ra- nunculn und andere Wurtzeln, welche wir aus Jtalien und Provence, auch wohl gar von Constantinopel kom- men lassen, eingemachte Stendelwurtz, Judasoͤhrlein/ ein schwammichtes, Judasoͤhr- lein. leichtes Der Spezereyen und Materialien leichtes Gewaͤchs oder excrescentz, und zaͤhe wie Leder, siehet wie ein kleines Ohr, deshalben es auch also benamset worden, hat eine veraͤnderliche Farbe, naͤmlich roth, wie Sammt, und schwaͤrtz- licht, und wird an den alten Hollunder- staͤmmen, ehe sie beginnen Blaͤtter zu kriegen, gefunden. Weil aber weni- gen bekannt ist, was es eigentlich sey, des- halben habe ich fuͤr dienlich gehalten, fol- gendes aus dem Lateinischen uͤbersetzt, hier anzufuͤhren. Auriculæ Judæ, Judasoͤhrlein, sind ein schwammichtes haͤutichtes Gewaͤchs, leichte, und zaͤhe, als wie Leder: sind untenher aschgrau, oben schwaͤrtzlicht, haben einen waͤßrichten Geschmack und keinen Geruch. Auricula wird es genen- net, weil es wie ein Ohr gestaltet ist. Es waͤchst an den uralten Hollunder- straͤuchen, bevor sie Blaͤtter bekommen. Der Geschmack bemercket eine kuͤhlende und anziehende Kraft. Die Wundaͤrtzte brauchen es bey Entzuͤndung des Halses und Zaͤpfleins, denn es wird zu aller- hand Entzuͤndungen trefflich dienlich be- funden. Jnnerlich wird es selten ge- braucht, wiewohl ihrer etliche dafuͤr hal- ten, daß es eine blutstillende und das Gebluͤte dickmachende Kraft habe. Zu Rouan kochen sie es in Wasser und Es- sig, und brauchen es zum Ausgurgeln der boͤsen Haͤlse. Uber alle diese Gewaͤchse und Excres- centi en lassen wir auch eine gewisse graue Erde, in Gestalt kleiner Schuppen, von S. Flour in Auvergne bringen, und Perelle. nennen sie la Perelle , welche die Leute in Auvergne von den Felsen abscharren. Diese Erde wird gleichsam von dem Winde erziehlet, und hervorgebracht, denn er dieselbe auf die Klippen fuͤhret, allda sie von dem Regen befeuchtet, und von der Sonne calciniret wird. Es versehen sich aber diese Bergleute mit eisernen Jnstrumenten, damit sie die Erde abkratzen koͤnnen, und einem leder- nen Schurtz, an dessen zweyen Ecken Pech ist, damit es an den Felsen moͤge veste gemachet werden, wenn sie die Er- de abkratzen wollen. Man soll die Perelle erwehlen, wel- che, als wie feine schoͤne Schuppen sie- het, dabey, soviel nur moͤglich, grau und trucken, weder grumplicht, noch sonst voll Unrath ist. Sie wird zur Berei- tung der Orseille gebraucht, allermassen im Cap. vom Tornesol ist angemercket worden. Sobald diese Erde abgekratzet ist, sobald waͤchst wiederum andere, die nicht dicker ist, denn ein Ortsthaler oder Achtgroschenstuͤck. Wir verkauffen auch ein gewisses Kraut, welches wir Presle , die Botanici Presle. aber Queue de Cheval , Equisetum, nen- nen, zu teutsch heißt es Katzenzagel, Schachtelhalm ; dessen bedienen sich die Helffenbeindreher, auch andere, die in Holtz arbeiten, und poliren ihre Ar- beit damit, wenn sie zuvor die Haut des Seehundes dazu gebrauchet. Wobey zu mercken, daß la Perelle und Presle nicht ein Ding sey, indem dieses ein Kraut, jenes aber eine Erde ist. Wir koͤnten auch noch viel mehr an- dere Fruͤchte verkauffen, wenn dieselben nur bey uns gemeine waͤren; als da sind, die Betelfrucht, Bananas, Fau- fel oder Areca, Fagora, die Frucht An- da, beym Piso/ Boulduc, beschrie- ben, und andere mehr. Es giebt ihrer aber auch, die wir nicht einmahl zu ver- kauffen begehren, weil sie gar zu gemei- ne sind, z. E. Birnen, Aepfel, und der- gleichen Fruͤchte, welche fuͤr die Obstkraͤ- mer, und nicht fuͤr die Spezereyhaͤndler gehoͤren, denn fuͤr diese sind sie zu gerin- ge, eben sowohl als alle andere Eßwaa- ren, welche eintzeln und nach dem klei- nen Gewichte, wie auch nach dem Maa- se verkauffet werden; und waͤre gewiß- lich eine Schande, wenn Kauffleute sol- che schlechte Sachen verkauffen wolten, hingegen aber ihre Gewoͤlber von koͤstli- chen Waaren entbloͤseten, ob sie gleich an diesen mehr gewinnen koͤnten, als an jenen geringschaͤtzigen Dingen, die uͤber- diß nicht einmahl fuͤr sie gehoͤren. Die- ses aber kommt blos daher, daß die al- lermeisten aufgenommen werden, ob sie schon, wie bereits erwaͤhnet, weder Ver- stand, noch Geschicke dazu haben; fin- den sich demnach genoͤthiget, nur solche Sachen, die sie kennen, zu verkauffen. Welches dann den Auslaͤndern Gele- genheit und Anlaß giebet, die Parisi- schen Kauffleute gantz geringe zu achten, und Hauptbeschreibung ersten Theils siebendes Buch. und sie in keine Betrachtung zu ziehen; wie sie doch wohl thun wuͤrden, dafern sich diese nicht mit etwas anders vermen- geten, sondern nur dergleichen Waaren fuͤhreten, von denen ich in gegenwaͤrti- gem Buche gehandelt habe. Ende des Buchs von Fruͤchten. Des Ersten Theils Der Hauptbeschreibung der Spezereyen und Materialien Achtes Buch. Von Gummen. Vorrede. D Je Gummata werden in waͤßrichte und hartzichte abgetheilet, und durch jene dieselbigen verstanden, welche sich in Wasser/ Wein und andern dergleichen Saͤften aufloͤsen lassen/ wie z. E. Manna/ Gummi Gutta und andere mehr: durch diese aber verstehe allein dieje- nigen, welche mit Oel muͤssen aufgeloͤset werden/ als da ist, Gummi Elemy, Tacamahaca/ und so fort an: inmassen aus folgenden wird zu er- sehen seyn. Zu diesen zweyen Sorten der Gummen setzen etliche annoch die dritte, die sie irregular zu nennen pflegen, weil es ihrem Vorgeben nach, Muͤhe giebet, wenn man sie mit waͤßrichten oder oͤlichten liquori- bus aufloͤsen soll; dergleichen ist die Myrrhe und die Benzoe. Koͤnnen aber die Samen/ Wurtzeln, Hoͤltzer, Rinden, Bluͤten, Blaͤt- ter und Fruͤchte so gar schwerlich von einander unterschieden werden/ es sey dann, daß einer eine vollkommene Kenntnuͤß dererselben besitze/ und stets damit zu thun habe/ so giebt es bey den Gummen, es seyen gleich waͤßrichte oder hartzichte, nicht geringere Schwierigkeit. Weil dann die Erkenntnuͤß dererselben dermassen schwer ist, veranlasset solches ih- rer viele, daß sie fast allen Gummen/ es geschehe aus Unverstande/ oder aus Bosheit, gewisse Substitut en setzen, und etwas anders dafuͤr zu geben pflegen, wie von mir in folgenden wird erwiesen werden. Das Wort Gomme , Gummi/ will man vom Lateinischen Gummi, oder dem Griechischen Κόμμι, herleiten/ und daß sie der schleimichte Saft/ der aus den Baͤumen dringet/ und gleichsam das Fett dererselben seyn. Das erste Capitel. Von derjenigen Manna, damit GOTT der HERR die Kinder Jsrael in der Wuͤsten gespeiset. N Achdem die Kinder Jsrael wundersamer Weise durchs rothe Meer gegangen, und von ihren Feinden befreyet waren, verursachte der Hunger, der sie in der Wuͤsten druͤckete, daß sie wider Mosen murreten. Wie aber dieser getreue Diener des HErrn sein Gebet verrichtete, unterließ GOtt nicht ihnen zu Essen zu geben, indem er noch selben Tages eine grosse Menge Wachteln kommen, und des Morgens drauf das Manna auf die Erde fallen liesse, auch damit die viertzig Jahr uͤber, Z so lan- Der Spezereyen und Materialien so lange naͤmlich die Hebraͤer in der Wuͤ- sten verharreten, anhielt. Das Volck stund anfangs bestuͤrtzt, wie es sahe, daß die Erde uͤber und uͤber gleichsam wie mit Korne, das ihnen zur Zeit unbe- kannt war, bedecket lag: und lehret uns die Schrift, daß sie, als die da nicht wu- sten, was es war, fuͤr Verwunderung aufgeschrien, Man hu, was ist das? Allein Moses lehrete sie, daß GOtt vom Him- mel es ihnen sendete, und befahl, daß sie alle Morgen vor der Sonnen Aufgang kommen, und diese goͤttliche Speise sammlen solten, dieweil es keine Zeit mehr sey, das Manna zu sammlen, wenn der Tag ein wenig hoch worden, denn es kurtz darauf, nach dem die Son- ne aufgegangen, zerschmoltze. Auch gebot ihnen Moses, nichts davon aufzu- heben, bis auf den andern Tag, und sag- te, damit sie den Sabbath desto heiliger beobachten koͤnten, moͤchten sie des Tags vorher fuͤr zwey Tage sammlen, denn es wuͤrde nicht verderben, was sie fuͤr den Sabbath gesammlet haͤtten, wie dasjenige, welches sie sonsten bis auf den andern Tag aufbehalten wolten. Die- ses ist gantz gewiß, und keine Schwierig- keit dabey, allermassen es der heilige Text im 16. Cap. des II ten Buches Mose ausdruͤcklich bezeuget. Dennoch aber kommen die Ausleger, so Christen, als Juden, das Manna be- treffend, in vielen Stuͤcken gar nicht mit einander uͤberein. Bald anfangs entzweyen sie sich uͤber der Etymologie, und dem Namen des Manna: und wollen etliche, es komme von den Ebraͤischen Worten, Man hu, her, welche die Juͤden gesprochen, da sie die Erde mit kleinen weissen Koͤrnern be- decket ersehen, so die Nacht hindurch ge- fallen waren. Jmmittelst sind andere, und unter denen auch Buxtorff, wel- che sagen, Manna bedeute soviel als ei- ne bereitete Speise: als wolten sie sa- gen, eine Speise, welche GOtt selbst fuͤr sein Volck zugerichtet. Noch viel weniger eins sind sie wegen der Natur der Sache selbst. Denn vie- le behaupten die Manna sey eben die Manna, deren man sich in der Artzney zum purgiren bedienet, das ist, ein li- quor und Saft, welcher wie der Thau faͤllt, und als wie kleine Koͤrnlein, dem Coriandersamen nicht ungleich, zusam- menfrieret: welcher Meinung Kaͤyser Carls des V ten Leibmedicus, Vale- sius, gewesen. Der sehr gelehrte Jesuit, Cornelius a Lapide gedencket in sei- nem Commentar. uͤber das II. Buch Mo- se, daß er in Polen kleine Koͤrner, als wie Hirsekoͤrner gesehen, welche ein wenig laͤnglicht und roͤthlicht gewesen, und bey heitern Naͤchten im Heu- und Brachmonat zu fallen pflegten: daß er auch einen Brey oder Mus davon ge- gessen habe, der eben also geschmecket, ob waͤre er von Heidekorn gemacht gewe- sen. Welches gleichfalls einer von mei- nen guten Freunden bekraͤftiget, der sich geraume Zeit in Polen, und sonderlich gegen Schlesien zu, aufgehalten, wo- selbst dieser Thau in grosser Menge faͤllt. Jch selbst kan versichern, daß ich auch im obern Delphinat/ unten am Ber- ge Genevre dergleichen Manna die Menge, fruͤh um vier Uhr, gesehen, die ich erstlich fuͤr Reiff gehalten; nachdem ich sie aber gekostet, erkannte ich an dem zuckersuͤssen Geschmack, daß es Thau sey, demjenigen gleich, dessen die heilige Schrifft gedencket, denn so bald die Son- ne aufgieng, zerschmoltze er. Hingegen sagen diejenigen, welche erachten, daß das Manna, damit GOtt die Juͤden in der Wuͤste ernaͤhret, nicht von derselbigen Art gewesen, die man zur Artzney brauchet; dann, alles was purgire, mache den Menschen matt und schwach, gaͤbe aber keine Nahrung. De- nen antwortet Voßius auf diesen Ein- wurff: die Manna in der Wuͤsten sey von der Manna, die man zur Artzney braucht, nicht der Natur nach, sondern nur was die accidentia und zufaͤllige Dinge belanget, unterschieden gewesen. Dieser Unterschied aber sey von der Zu- richtung entstanden, welche die Engel gemacht haͤtten, indem sie diesen Thau gehaͤrtet und gekoͤrnet, und dadurch die Duͤnste, mit denen die gemeine Manna erfuͤllet sey, davon abgesondert, damit ein dichtes Brod und Mus, gleich als wie aus dem Thau, der im Heu- und Brachmonat in Polen faͤllt, daraus be- reitet werden konte. Hernachmahls kan der stetige Gebrauch einer Artzney gar wohl verhindern, daß dieselbige ihre ordentliche Wirckung nicht thue. Hat man nicht Leute gesehen, welche sich von dem heftigsten Gifte genaͤhret, weil sie densel- TA B. XLIII. Manna von Brianson Fig. 273. p. 361. Flüssige Manna Fig. 274. p. 363. Manna auͤs Lalabrien Fig. 272. p. 358. Schlechter Galluͤs Fig. 269. p. 345. Galluͤs von Brodeauͤy Fig. 270. p. 345. Galluͤs von Aleppo Fig. 268. p. 345. Eichenmistel Fig. 265. p. 365. Eiche Fig. 264. p. 343. Eichenmoos Fig. 267. p. 346. Fig. 271. p. 348. Engelsüß Fig. 266. p. 344. Hauptbeschreibung ersten Theils achtes Buch. denselben oft zu gebrauchen gewohnet waren? So thut ja auch der Wein den Krancken auf dem Lande, die ihn nie- mahls zu trincken bekommen, so viel gutes, den Patienten aber, die ihn im- merfort geniessen, ist er schaͤdlich genug. Welches dann den Valesius zu sagen bewogen, es sey kein Zweiffel, daß das Manna in der Wuͤsten die Juden im Anfange werde haben purgiret, indem sie doch viele boͤse Feuchtigkeiten von dem Knoblauch und Zwiebeln, die sie zu ihrer gewoͤhnlichen Nahrung ge- braucht, wuͤrden gesammlet haben: nach diesem aber, und da die Manna nichts mehr auszufuͤhren gefunden, haͤtte sie ihnen zur Nahrung gedienet, bevoraus, da sie von den Engeln zube- reitet worden; wie denn im LXXVIII. Psalm, im 25. 26. und 27sten Vers, ausdruͤcklich stehet: Der HErr gebot den Wolcken droben, und thaͤt auf die Thuͤre des Himmels. Und ließ das Mann auf sie regnen, zu essen, und gab ihnen Speise die Fuͤlle. Daß also diese Auslegung allerdings gar gut mit dem Hebraͤischen Worte Mann uͤberein zu kommen scheinet, als welches eine berei- tete Speise bedeutet, wie aus dem 31. Vers des XVI. Cap. im II. Buch Mose kan geschlossen werden, woselbst stehet, das Manna in der Wuͤsten habe ge- schmeckt, wie Semmelmehl mit Honig vermischet. Was ferner die Dicke und Groͤsse die- ser Mannakoͤrner betrifft, da kommen sie alle mit einander uͤberein, daß sie weiß gewesen, und so dicke, wie Corian- dersamen; ist auch hieran nicht zu zweif- feln, massen die Schrifft im XVI. Cap. des II. Buchs Mose diese Gleichheit ei- gentlich genug andeutet. Allein, wann die Schrifft das Manna mit dem Cori- andersamen vergleichet, ist solches, nach dem Juͤdischen Talmud, von der runden Gestalt, nicht von der Farbe zu verste- hen, sintemahl die Corianderkoͤrner nicht weiß sind: daher auch der Sama- ritanische Ausleger, an statt, daß er sa- gen solte, wie Coriander, setzet, wie Reiskoͤrner. Endlich sagt man auch insgemein, das Manna habe einen Geschmack ge- habt, wie ihn ein ieder, der es genossen, nur gewuͤnschet haͤtte: und diese Mei- nung gruͤndet sich auf den 20sten Vers des XVI den Cap. des Buchs der Weis- heit, woselbst gesagt wird, es haͤtte sich nach eines ieglichen Geschmack beque- met. Allein, es koͤnte dieses auch wohl bedeuten, daß obgleich der Geschmack bey den Menschen so gar sehr unterschie- den, dennoch ein ieder unter den Juͤden dasselbe nach seinem Geschmack befun- den haͤtte. Denn, wenn das Manna einen Wachtelgeschmack gehabt, wie es die Juͤden verlangten, warum waͤren sie denn sein uͤberdruͤßig worden? sie haͤtten sich gewißlich nicht gegen Mose uͤber den langen Gebrauch dieser Spei- se beklaget, wie sie nach dem XXI. Cap. des III. Buchs Mose thaten. Und ist merckwurdig daß Augustmus, welcher im 8. Cap. seines 118 den Sendschrei- bens gelehret, daß das Manna diese Ei- genschafft gehabt, daß alle Juͤden dessel- bigen Geschmack daran gefunden, da- von sie zu essen sich gesehnet, im. Buch Retractation cap. 21. diesen Satz geaͤndert, und gesaget, daß allein die frommen Juͤden diesen so unterschiedenen Ge- schmack, nach ihrem Verlangen, ein- pfunden. Doch scheinen diese anderen Gedancken dieses heiligen Mannes mit den Worten des Apostels Pauli 1. Co- rinth. 10. nicht vollkommentlich uͤberein zu treffen: denn dieser sagt, daß alle Jsraeliten einerley Speise gegessen. Gesetzt nun, es sey wahr, das Manna habe allerley Geschmack annehmen koͤn- nen, so muß man dennoch sagen, wie es auch etliche auslegen, daß solches von der unterschiedlichen Zurichtung herge- ruͤhret, wie auch, nachdem die Juͤden sich bemuͤhet dasselbe zuzurichten. Das andere Capitel. Von der Manna. D As, was wir Manna zu nennen pflegen, und unter diesem Titel ver- kauffen, ist ein weisser crystalliner Saft, welcher von den Eschen, auf Frantzoͤ- sisch Fresnes domestiques \& sauvages , von den Jtalienern Fraxini und Orni ge- nannt, ohne Schnitt, und von ihm selbst, theils aber auch, wenn man in die Baͤume geschnitten, abrinnet. Jetztge- Siehe Fig. 271. meldte Baͤume wachsen haͤuffig in Ca- Z 2 labri- Der Spezereyen und Materialien labrien und Sicilien, doch vornehmlich zu Gallipoli auf dem Berge S. An- gelo/ und zu Tolfa, von dannen schier alle Manna, welche wir verkauffen, gebracht wird. Allerhand Sorten Manna. Wir verkauffen aber vielerley Man- na unter dem Titel der Calabrischen. Die erste und beste ist die Manna vom Berge S. Angelo : doch ist das ver- druͤßlichste, daß sie insgemein schmiericht ist, und wird deshalben von den Leuten, die sich nicht drauf verstehen, wenig be- gehret. Die andere ist die aus Sizilien und insgemein weiß, trucken und in Toͤpfen, iedoch auch mehrentheils voll Feigen und Maronen. Die dritte und schlechteste ist die von Tolfa/ die wir, obschon unrecht, Man- na von Brianson nennen: sie ist tru- cken, bleich, sandicht und sehr zerbroͤ- ckelt. Diß sind also mit wenigen, die drey Sorten Manna, die wir verkauffen, und die in Franckreich und zu Paris ordentlich gesehen werden: daß man also alle die Fabeln, welche sowohl alte als neue Scribenten von dem Ursprunge der Manna, und denen Orten, wo sie, ihrem Vorgeben nach, wachsen soll, zu erzehlen wissen, nicht glauben darff: denn es ist gewiß genug, daß alle Arten der Manna, die wir vertreiben, von ob- benamten Orten kommen. Was aber die Gestalt und Figuren, die sich an der Manna, die wir verthun, befinden, da sage ich, daß diejenige Manna, welche wie Tropfen oder Zaͤhren siehet, am mei- sten geachtet werde, sowohl, weil sie viel weisser, und auch wohlgeschmackter ist, auch nicht garstig, und sich dahero wohl verkauffen laͤßt. Weil nun auch Manna von einer ausserordentlichen Dicke und Laͤnge sich findet, hat solches einem und dem andern Anlaß gegeben, zu sagen, sie sey verfaͤlschet, welches ich ihnen zu Gefallen mit geglaubet haͤtte, dafern ich mich der Wahrheit nicht bes- ser erkundiget. Diesemnach kan man ihm zur Nach- richt dienen lassen, daß es allerdings na- tuͤrliche Manna in Tropfen gebe; daß selbige aber so groß, so dicke und so lang sind, verursachet, daß die Einwoh- ner selbiger Orten, wenn sie den Stam̃ oder die dicken Aeste der Eschenbaͤume aufgeritzet, Strohhalmen oder Reißlein von Holtz in die Ritzen stecken, daran lauft die Manna herab, gerinnet und wird zu laͤngern oder dickern Tropfen, nachdem naͤmlich die Haͤlmlein oder Hoͤltzlein lang gewesen, und der Baum viel oder wenig Saft gegeben. Es ist die- ses gantz gewiß, massen ich einen solchen Mannatropfen oder Thraͤne habe, wel- che des halben Fusses lang und so dicke ist, als eines Kindes Faust; sie haftet an ei- nem Halme. Auch habe ich andere klei- ne Stuͤcken mehr an kleinern Stroh- halmen. Hier moͤchte man mir einwerffen, eben dieses sey das Zeichen, daß sie, die Manna, nachgemachet, und auf die Hoͤltzlein und Haͤlmlein geleget worden, damit sie eine solche Gestalt uͤberkaͤme: doch ich gebe zur Antwort, daß ich es von einer glaubwuͤrdigen Person vernom- men; zudem so ist es ja natuͤrlich und so thulich, daß niemand verstaͤndiges daran zweifeln wird, da uͤberdiß unmoͤg- lich ist, daß man so schoͤne Manna, als wir zu verkauffen haben, bereiten moͤge. Dieses will ich wohl sagen, daß mich ihrer etliche versichern wollen, wie daß die Juden zu Livorno dermassen abge- richtet waͤren, und die Manna derge- stalt zuzurichten und nachzumachen wuͤ- sten, daß sie bey nahe eben so schoͤn sey, als diejenige, welche natuͤrlicher Weise aus den Baͤumen rinnet. Jch kan auch versichern, daß ich ihrer selbst verfertiget habe, allein, sie ist schwer, gantz bleich, und von den andern Sorten, die wir verkauffen, gantz und gar unterschieden, wiewohl solches auch von meiner Uner- fahrenheit herruͤhren koͤnte. Jmmittelst will ich vermelden, daß die Manna in gedachten Laͤndern, im Monat Junius, Julius und August ge- sammlet werde, und daß das Wetter nothwendig schoͤn und trucken seyn muͤs- se. Denn so bald es regnet oder feuchte Wetter ist, faͤllt die Manna/ welche oh- nedem fluͤßig, wenn sie aus dem Baume kommt, und die Sonne sie nicht stracks dicke macht, herab und verdirbet. Die- ser Unfall, der der Manna begegnet, ist Ursach, daß die Manna bald theuer, bald wohlfeiler ist, nachdem naͤmlich die Jahre trucken oder feuchte gewesen. Man erwehle demnach die Manna, es moͤgen grosse oder kleine Stuͤcken seyn, Hauptbeschreibung ersten Theils achtes Buch. seyn, welche frisch, trucken, leichte, weiß und etwas roͤthlicht sind, eines angeneh- men Geschmacks, darunter nicht viel kleine Broͤcklein, oder Feigen und Ma- ronen befindlich; in den Stuͤcken muß eine Art Syrup seyn, wenn sie zerbro- chen worden, denn dieser das eigentliche Zeichen, daß die Manna frisch; so bald aber die Manna beginnet alt zu werden, vertrocknet er, und hinterlaͤßt eine Hoͤle, in welcher kleine Spitzlein zu finden, gleich ob sie, die Manna, sublimiret wor- den waͤre. Dannenhero soll man, so viel einem moͤglich, dergleichen garstige und haͤßliche Manna verwerffen, weil es lauter verlegen Gut ist, darunter zum oͤftern dergleichen Dinge anzutreffen, welche kein Mensch zu sich nehmen kan. Wer es zu erfahren verlanget, darff sie nur schmeltzen, sodann wird er ersehen, ob es nicht wahr sey, was ich gemeldet. Ein Jrrthum aber ists, ohngeachtet er ziemlich eingerissen, daß diese Manna viel staͤrcker purgiren solle: doch, sie ha- ben recht, wofern die Manna, wenn sie verlegen und voll Unrath ist, eine purgi- rende Kraft uͤberkommt. Jch aber dencke, sie duͤrfften sich haͤßlich betruͤgen; auch daß sich niemand dieses falschen Vorwandes bediene, als diejenigen, die sich damit uͤberleget, damit sie ihrer desto eher quit werden koͤnnen. Und dieses hat, allem Ansehen nach, Anlaß gege- ben, daß diejenigen, durch derer Haͤnde sie gehet; redliche Kauffleute hiervon ausgeschlossen; unter die tropfichte fri- sche Manna so viel schmierichte, haͤßliche und zerbroͤckelte Manna mischen, nur daß sie dieselbe wohlfeiler geben koͤnnen, und dennoch groͤssern Profit dabey ma- chen moͤgen. Welches dann die damit handeln, bewegen solte, sie von Livor- no bringen zu lassen, woselbsthin sie jaͤhrlich durch des Groshertzogs von Toscana Galeeren oder andere Gele- genheit in Kisten und Tonnen gebracht wird, nachdem ihrer viel gesammlet worden: oder sie moͤchten sie von Mar- seille kommen, und bey redlichen Leu- ten einkauffen lassen. Denn es ist aus- gemacht, daß die Manna/ ie mehr sie durch die Haͤnde geht; bevorab durch die Haͤnde einiger gewisser Personen, die doch anietzo zu nennen nicht eben noͤ- thig; ie mehr und mehr sie mit gemeiner Manna, oder auch wohl gar mit Maro- nen vermenget werde. Dadurch aber wird ihre Guͤte nicht ein wenig veraͤn- dert, und kein kleiner Abgang verur- sachet. Was den Gebrauch und Nutzen der Manna belanget derselbe ist so bekannt, und gedencken dessen so viele Scribenten, daß es fast unnuͤtzlich, mich dabey aufzu- halten. Nichts destominder will ich er- innern, daß es eines der staͤrcksten und doch dabey gelinden Purgantien sey, die wir haben moͤgen, dessen man sich mit der groͤsten Sicherheit bedienen koͤnne. Es wird ein saurer Spiritus aus der Spiritus \& aqua spirituo- sa Mannæ. Manna distilliret, welcher zu allerley Brustbeschwerungen dienlich ist. Auch kan man ein spiritu oͤses Wasser uͤber den Helm treiben, welches alles, was das beste an der Manna ist, enthaͤlt, und ein trefflich Schweißmittel, beyneben ein herrlich specificum wider alle abwech- selnde Fieber ist. Sonst haben mich etliche berichtet und versichern wollen, man koͤnne aus der Manna ein dissolvens und aufloͤsend Wasser bereiten, welches auch das Gold aufzuloͤsen vermoͤgend sey. Jch aber kan es nicht fuͤr gewiß sagen, dieweil ich es nicht versucht habe. Das dritte Capitel. Von der Manna von Brianson. D Jese ist eine truckne weisse Manna, derjenigen, welche Manne de la Tolfe genennet wird, durchaus gleich. Weil sie aber gar nicht im Brauch, auch von uns nicht verkauffet wird, dannenhero will ich nichts nicht davon melden. Sie Siehe Fig. 273. rinnet aus den dicken Aesten der Ler- chenbaͤume/ und wird deshalben Man- na laricea geheissen: findet sich in gros- ser Menge im obern Delphinat/ son- derlich um Brianson, und hat daher den Zunamen erhalten. Ohne die Manna von Brianson giebt es auch noch andre Sorten Man- na, darunter die Manna mastichina aus Levante und Syrien die rareste und meist geachtete ist. Diese kommt der Calabrischen an Farbe sehr nahe, und ist koͤrnicht, wie der Mastix, daher dann ihr Zuname entstanden. Sie rinnet Z 3 aus Der Spezereyen und Materialien aus den Cedern auf dem Berg Liba- non, wie ich bereits im Cap. von Cedern angemercket habe. Diese Manna ist in Franckreich uͤberaus rar, und habe ich ihrer ohnge- fehr vier Untzen, die, wie ich versichert worden bin, aufrichtig ist, und obbe- meldete Gestalt und Farbe hat, nebst ei- nem bittern, und ziemlich unangeneh- men Hartzgeschmacke: welches dann nicht mit des Herrn Fuchsius Berich- te uͤbereintrifft, wenn er gemeldet, daß sie die Bauern am Berge Libanon zur Speise gebrauchten. Doch es kan die- ser Unterschied auch wohl daher ruͤhren, daß sie zu alt worden, oder aber, weil sie die Landesgegend verwechselt hat. Es sind noch mehr Arten der Man- na, z. E. die Africanische, welche die Africaner an statt des Zuckers und Ho- nigs gebrauchen. Die Mexicaner ha- ben auch eine Manna, welche sie, gleich als wie wir den Kaͤse, essen. Und in Persien giebt es Manna, die so dicke als wie die Maronen. Allein, weil die- se Arten nicht zu uns kommen, derowe- gen will ich auch nichts weiter davon gedencken. Das vierte Capitel. Von der fluͤßigen Manna. D Je fluͤßige Manna/ Manna liquida und Tereniabin genannt, ist eine fluͤs- sige, weisse, klebichte Manna, die als wie weisser Honig siehet. Sie findet sich auf gewissen Gewaͤchsen, die mit hell- Siehe Fig. 274. gruͤnen Blaͤttern welche so groß sind, als die Blaͤtter des Hartriegels oder der Rainweide, mit roͤthlichten Doꝛnen und Blumen, aus denen die Schoten, wie an der Colutea, Schaflinsen, entstehen, besetzt sind, und in grosser Menge in Persien um Aleppo und Gros Cairo wachsen. Daselbsthin wird sie alle Marcktage in Toͤpfen gebracht, und an die Einwohner zu Cairo verkauffet, die sich alsdann ihrer bedienen, eben als wie wir der Calabrischen Manna. Dieser Saft ist in Franckreich eben- falls gar sehr rar. Jm Jahr 1683. aber verehrete mir ein guter Freund, der in Tuͤrckey gewesen, etwa vier Untzen, die ich auch noch aufbehalte, und dazumahl, wie er sie mir gabe, als oben gemeldet, beschaffen war: gleichwie aber die Zeit alles verderbet, also hat sich ihre Farbe in grau verwandelt. Oben drauf be- findet sich ein braunrother Syrup, von gar guter Consistentz: was aber am merckwuͤrdigsten, ist, daß sein suͤsser, zu- ckerhafter und angenehmer Geschmack nicht im geringsten sich veraͤndert hat oder sauer worden. Jm groͤssern Asien findet sich gleich- falls auf ein und andern Baͤumen, den Eichen nicht ungleich, eine fluͤßige Manna : sonderlich aber um Ormus, in welche Stadt sie dieselbe in Bockfellen bringen, und viel nach Jndien verhan- deln, ja gar bis nach Goa versenden. Diese Manna hat zwar eben eine solche Gestalt und Farbe, als wie die vorige, sie haͤlt sich aber nicht so lange. Jch solte demnach vermeinen, daß ich meine Gedancken wegen der natuͤrlichen Manna, und derjenigen, die aus den Baͤumen rinnet, sattsam eroͤffnet. Des- halben sey man erinnert, und glaube ferner nicht, daß diejenige Manna, die wir verkauffen, vom Himmel falle: sie solte ingleichen nicht ferner himmlisches Honig genennet werden, sondern viel- mehr Eschen-Gummi, oder nach dem Namen der Baͤume, die sie tragen. Und dieses wird daher noch mehr erwiesen, dieweil das himmlische Manna, wie oben erwehnet, an der Sonne zerschmol- tze, dieses hingegen, das wir verkauffen, wird davon hart und trucken. Das fuͤnffte Capitel. Vom Gummi Gutti. G Ummi Gutta, Gutta Gamba, Gamboi- dea, Gamandora, Gutta gemu, Gutta gemau oder Gummi Peruanum, ist ein Gummi, welches aus dem Stamme ei- nes kriechenden Gewaͤchses rinnet. Die- ses Gewaͤchs ist einer gantz sonderbaren Natur, indem es weder Blaͤtter noch Fruͤchte hat, sondern nur eine Anzahl Aeste, wie aus der Figur zu ersehen. Siehe Fig. 275. Die Siammer und Cochinchine- ser ritzen den Stamm dieses Gewaͤchses auf, so lauft ein Saft, der eben nicht so gar dicke ist, heraus, wird aber, wenn er einige Zeit an der Luft gelassen wor- den, TAB. XLIV . Buͤmmi von Senega. Fig. 277. pag. 369. Arabisches Buͤmmi Fig. 276 pag. 365. Lampher Fig. 279. pag. 371. Buͤmmi Tragant. Fig. 278. p. 371. Buͤmmi Buͤtta Fig. 275. p. 364. Hauptbeschreibung ersten Theils achtes Buch. den, gelb und dicke. Hierauf knaͤten ihn diese Leute, wie einen Teig, und ma- chen Stuͤcken draus, die als die tuͤrcki- schen Turbante sehen, auf die Art, wie wir sie zu Gesichte kriegen. Die Bau- ern um Odia oder Jndia, welches die Hauptstadt in Siam ist, bringen ihn nach der Stadt zu kauffe, wie etwa bey uns die Bauern die Butter und andere Eßwaaren. Was ich anietzo vorge- bracht, ist mir von einem Siamischen Dollmetscher, dem ich eine ziemliche Partey abgekaufft, erzehlet worden. Nach diesem habe ich folgendes erfah- ren: „Das Gummi Gutti ist ein gum- „mosisch und hartzicht Wesen, hart und „gelb, und wird von einem Sinesischen „Baume, bey den Jndianern Code- „lampulli oder Cantopili, auch Can- „na Ghorca genennt, gesammlet. Es „wird in Wasser zerlassen, hernach „uͤberm Feuer zu einem Klumpen ge- „macht, und hat einen scharffen eckel- „haften Geschmack, und gar keinen Ge- „ruch. Der Baum traͤgt rothe Aep- „fel. Die aus der aufgeritzten Rinde „hervordringenden Tropfen werden in „Gefaͤssen aufgefangen, und darauf in „Schaf- oder anderer Thiere Maͤgen „gethan, und auf solche Art in einem „Stuͤck zu uns gebracht. Den aufge- „sammleten Saft lassen die Jndianer „in Wasser zergehen, filtriren und in- „spißiren ihn: oder sie lassen ihn durch „ein Tuch lauffen und machen ihn dicke: „und geben ihm hernach eine cylindri- „sche Form oder eine andere, nach ihrem „belieben. Er wird mit Zitronsafte „corrigiret.„ „Es ist hitzig, und fuͤhrt den Schleim „und uͤberfluͤßige Feuchtigkeiten ab. „Wird von 10. bis auf 16. Gran schwer „gegeben, kan auch zu Pulver gestossen „gebrauchet werden: doch wird es mei- „stentheils mit etwas anders, z. E. mit „Jalappen ꝛc. vermischet und gegeben. „Es wird ingleichen mit Eßig corrigi- „ret, und dergestalt ein Extract daraus „gemacht, welcher gar fuͤglich auf 10. „Gran kan gegeben werden. Dem sey nun wie ihm wolle; man er- wehle nur dasjenige Gummi Gutti, welches trucken, hoch von Farbe, und wie ein Tulband, oder anderer Gestalt formiret ist. Die Gestalt oder Form thut nichts zur Sache, wenn es nur sonst, wie erst erinnert, beschaffen, auch nicht sandicht ist, wann man es zer- bricht. Es muß ingleichen kein rothes, klares und durchsichtiges Gummi dar- inne stecken, welches zwar der recht schoͤ- nen Aloe Succotrina gantz aͤhnlich sie- het, und dennoch, ohnerachtet dieser sei- ner Schoͤnheit, verhindert, daß die Gut- te nicht kan verkauffet werden, dieweil es nicht allein gantz etwas anders ist, sondern auch keine so schoͤne Farbe giebet. Es wird in etwas zur Artzney ge- braucht, denn es ein heftig purgirend Artzneymittel ist, das ohne sonderbare Vorsicht und Rath erfahrner Leute nicht soll gebrauchet werden; welches sich recht wohl zu dem schicket, was Me- sue davon berichtet, daß man es naͤm- lich von vier bis auf sieben Quintlein gebrauchen koͤnne. Allein dieses ist ein ziemlich grober Schnitzer, und steht Lebensgefahr darauf. Sonst wird es zur Mignaturarbeit gebrauchet, und gelb damit gemacht: reibt man es mit Jndigo ab, so giebt es eine schoͤne grasgruͤne Farbe, welche vorietzo an statt des Saftgruͤns ge- braucht wird. Das sechste Capitel. Vom Arabischen Gummi. D As Arabische Gummi/ welches auch Thebaicum, Saracenicum und Achantinum genennet wird, wie nicht weniger das Gummi von der Egy- ptischen Acacia oder Schoten-Dorn, welches der Name des Baumes, der es giebet; ist ein weißlicht Gummi, in Siehe Fig. 276. kleinen Tropfen. Es rinnet aus kleinen stachlichten Baͤumlein, deren Blaͤtlein dermassen klein sind, daß man sie gar schwerlich zu zehlen vermag: wachsen haͤuffig in dem gluͤcklichen Arabien/ daher auch das Gummi seinen Zuna- men bekommen. Dieses Gummi wird uͤber Marseille nach Franckreich gebracht. Seit dem a- ber das Gum̃i von Senega zu uns ge- bracht worden, ist das wahrhafte Arabi- sche Gummi so gar seltsam worden, daß mans ietzo schier nicht mehr antrifft. Man Der Spezereyen und Materialien Man erwehle dasjenige, welches, weiß, hell und durchsichtig, recht trucken, und so viel nur moͤglich, in kleinen Tropfen ist, absonderlich, so es zum Theriac kommen soll, denn dazu wird es am meisten gebrauchet. Desglei- chen wird es mit gutem Nutzen zu vie- lerley Zufaͤllen der Lunge gebrauchet, wie auch den scharffen Husten zu lin- dern: daher es ihrer viele zur basi und zum Grundstuͤck ihres Suͤßholtzsaftes machen, welches aber unrecht: nicht zwar wegen seiner uͤbeln Beschaffen- heit, oder daß es sich nicht dazu schicken solte, sondern vielmehr deswegen, weil sie dergestalt aus einer Sache, die ihnen nicht so sonderlich viel kostet, gar zu viel Geld schneiden; und dann, weil sie wohl gar an statt des rechten Arabischen Gummi nur das Gummi von Senega dazu nehmen. Das siebende Capitel. Vom Gummi von Turis. D As Gummi von Turis ist anders nichts als rechtes Arabisches Gum- mi, welches bey Regenwetter von den Baͤumen gefallen, und nachdem es auf- gelesen, und in Escaphas geleget worden, also nach Marseille gebracht wird. Darunter findet man Stuͤcken, deren eines allein oftmahls mehr denn fuͤnff Centner wiegt: welches blos daher ruͤh- ret, daß es in den Schiffen, die es brin- gen, eingeschlossen und zusammenge- presset gelegen. Man erwehlet aber dasselbe, welches trucken, sauber, helle und durchsichtig ist, darunter auch soviel weisses, als im- mer moͤglich, sich befindet. Zu Lyon brauchen es die Seidenfaͤr- ber haͤuffig. Jn dem Anhange seines Buches setzt der Autor dieses : Ob ich gleich gemeldet, daß das Gum- mi von Turis Arabisches Gummi sey, welches bey Regenwetter von den Baͤu- men gefallen, so hat mich dennoch ein guter Freund bereden wollen, es sey nicht dieses, sondern ein roͤthlichtes Gummi, welches aus Egypten uͤber- bracht werde. Das achte Capitel. Gummi vermiculatum. D Jeses hat den Namen daher bekom- men, weil es sich zusammenkruͤm̃t, indem es von den Baͤumen faͤllt, und die Gestalt eines Wuͤrmleins behaͤlt: sonst ist es Arabisches Gummi oder Gummi von Senega. Man soll es aussuchen, daß es weiß, hell und durchsichtig sey, wie kleine Wuͤrmlein gestalt, trucken und gewiß aus Arabien/ sonderlich, wenn es zum Theriac soll genommen werden, denn dazu wird es vornehmlich gebraucht. Hierbey will ich erinnern, daß diese wurmhafte Gestalt eine blose Mumme- rey sey, denn, wenn es nur erstgemeldte Farbe hat, mag es zu allem, dazu es er- fodert wird, gebrauchet werden. Das neundte Capitel. Vom Englischen Gummi. D Jß ist weisses Arabisches Gummi oder Gummi von Senega, welches in ein wenig Wasser zerlassen und wie- derum zu einem Teige gemachet wor- den, nachdem man es auf einem mit Oel bestrichenen Steine ausgebreitet, und so dicke, als beliebig, gemacht hat: wenn es nun etwas trucken worden, oder eine solche Consistentz, als wie der Flandri- sche Leim, bekommen hat, so schneiden sie es in Stuͤcken, wie es ihnen gefaͤllt, und lassen es voͤllig trocknen. Dieses Gummi dienet zum Haar- kraͤuseln oder frisiren, wird deshalben Frisirgummi genennt, und Engli- sches Gummi, weil es die Englaͤnder zum ersten gemacht. Das zehende Capitel. Vom Gummi von Senega. D As Gummi von Senega/ das wir insgemein Arabisches Gummi zu nennen pflegen, und biß auf diese Stunde in unsern Laͤden zu verkauffen haben, Hauptbeschreibung ersten Theils achtes Buch. haben, ist ein Gummi, so aus dem Stamm und staͤrcksten Aesten unterschie- Siehe Fig. 277. dener Baͤume rinnet, die mit Stacheln, kleinen stetsgruͤnenden Blaͤttlein und weissen Blumen, aus denen gelbe Fruͤch- te, schier wie unsere Feigen, entstehen, besetzet sind. Diese Baͤume wachsen an vielen Orten in Africa/ sonderlich an der Kuͤste Guinea und Brasiliens, von dannen es durch die Schwartzen oder durch die weissen Leute, die von dem Gebirge kommen, auf dem Ruͤcken, oder auch auf Kameelen, in Koͤrben von Palmblaͤttern, oder in Ochsenhaͤuten, denenjenigen nach Senega uͤberbracht wird, welche von wegen der Frantzoͤsisch- Westindischen Compagnie sich daselbst aufhalten, die es alsdann geꝛeiniget nach diesem oder jenem von unsern Hafen, z. E. nach Nantes, Rouan und andere Oerter versenden, von dannen wir es hernachmahls abhohlen. Dieses Gummi muß unsortirt, oder noch nicht ausgelesen seyn, recht trucken, und so weiß, als moͤglich. Der Gebrauch dieser Waare ist so be- kannt, daß ich nichts davon melden mag. Die Ursach aber, warum schier gar kein weisses mehr unter demjenigen, das zu uns gebracht wird, sich befindet, ist diese, weil es die Wilden zum essen auf- behalten. Beschreibung der Wohnung, welche die Frantzoͤsische Compagnie zu Senega hat, welche mir der Herr Chambonneau , gemeldter Compagnie Gouverneur zu Senega/ mitgetheilet, betref- fende das Gummi, das zu uns gebracht wird. S Enega ist der Wohnplatz der Koͤnigl. Africanischen Compagnie, dreyßig Meilen von Capo Verde ent- legen. Der Fluß heißt Niger. Drey Meilen in dessen Munde liegt die Ve- stung der Jnsel S. Ludwigs, das Hauptmagazin bemeldeter Compa- gnie, woselbst sie Handlung treibt, und ihre Barquen auf gedachten Fluß Ni- ger 300. Meilen aufwaͤrts sendet. Und koͤnte man noch hoͤher kommen, wo nicht ein Felsen, welcher quer uͤber dem Stro- me liegt, und einen Wasserfall macht, der den Frantzosen allererst im Jahr 1686. bekannt worden, nachdem ihn der Herr Chambonneau persoͤnlich entdecket, das Ziel setzte. Er fieng seine Reise in erwehntem Jahre mit Anfang des Julius an, da die Wasser begunten zu wachsen, und der Fluß schiffbar ward; reisete quer durch das Koͤnigreich Brac- que/ sonst Houalle genannt, und be- sahe die Wuͤste, welches ein sehr grosser, oͤder, und ungebaueter Strich Landes ist, und in die 30. Meilen von der Woh- nung ablieget, woselbst der Gummi- handel mit den Mohren auf der Bar- barischen Kuͤste getrieben wird, denn da- hin bringen sie es auf Kameelen oder Ochsen. Von da durchzog er dieses Koͤnigreich Bracque, welches auf die 40. Meilen von der Wohnung entlegen ist, und beschloß seine Reise bey der Stadt Angone. Er kam in das Koͤnigreich Foudre, dessen Koͤnig sich Sirati nen- net. Dieses Reich ist sehr lang, denn es wohl 200. Meilen begreifft, und ist noch von niemand, als von gemeldtem Herrn Chambonneau durchreiset worden, obgleich solches wider des Koͤni- ges Willen geschahe. Es ist geschehen im Jahr 1690. Er begab sich darein, un- geachtet aller Furcht und Ungemach, so er zu uͤberstehen hatte, ob auch schon al- len Negern verboten war, ihm Lebens- mittel zu uͤberlassen: er durchzog es, und kam in das Koͤnigreich Galand/ dessen Koͤnig Toucamache hieß, der ihn sehr wohl empfieng, deshalben er ihm hernachmahls Barquen zusendete, und die Handlung in selbem Lande an- stellete. Das Koͤnigreich Bracque giebt Haͤute und Gummi, welches aus der Barbarey von den Mohren dahin ge- bracht wird: hingegen hat es wenig Helffenbein und Sclaven. Das Koͤ- nigreich Foudre giebt gleichfalls Haͤu- te und Gummi, sehr viel Helffenbein, Tabac und gewirckten Cotton; allein die Compagnie handelt nicht damit. Das Koͤnigreich Galgand, allwo der Wasserfall ist, treibt grossen Han- del mit Sclaven, Helffenbein, und ge- arbeitetem Golde, welches alles ist, das A a die Der Spezereyen und Materialien die Frantzoͤsische Compagnie zu Sene- ga daraus ziehet. Von Coré oder Cabo Verd, woselbst die Compagnie eine Vestung hat, ziehet sie eben dergleichen Sachen, iedoch kein Gummi: dagegen desto mehr Wachs, welches aber insgemein voll Erde ist, so von den Schwartzen drunter gemischet worden: deswegen wird es zuvor in dem Wohnplatz umgeschmoltzen, ehe es nach Franckreich versendet wird. Das eilffte Capitel. Vom innlaͤndischen Gummi. D Jeses sammlen die Bauern von al- lerhand Baͤumen, als da sind Ae- pfel-Kirsch- und andere Baͤume, und bringen es uns nach Paris. Man erwehle aber, das fein trucken ist, denn es gerne weich, und mehren- theils in einem eintzigen Klumpen ge- bracht wird: auch muß es so weiß seyn, als nur moͤglich. Es gebrauchens die Hutmacher und andere. Das zwoͤlffte Capitel. Vom Tragant. G Ummi Tragacanthæ, so von uns auch Adragan genennet wird, ist ein weis- ses Gummi, als wie kleine Wuͤrmlein zusammen gekruͤmmet. Siehe Fig. 278. Die Staude, welche es giebt, ist klein und stachlicht, hat weißlichtgruͤne, gantz kleine Blaͤttlein. Die Marseiller nen- nen es barbe de renard und rame de bouc , Fuchsbart, Bocksdorn. Das Gummi rinnet aus dem aufge- ritzten Stamm und Aesten dieser kleinen Stauden, welche haͤuffig in Syrien/ vornehmlich um Aleppo herum, waͤch- set, daher man auch allezeit Gallaͤpfel oder Mastix drunter finden wird. Man nehme es unsortirt, das heißt, das weisse muß nicht bereits heraus ge- suchet worden seyn, denn sie gar ofters drey Sorten davon zu machen pflegen; eine, welches eitel kleine Stuͤckgen, und folglich der schoͤnste Tragant ist. Die andere Sorte sieht weißgrau; und die dritte roͤthlicht oder schwaͤrtzlicht, voll Unrath. Darum mag man zusehen, daß man ihn von Marseille oder aus England bekomme, doch daß er, soviel nur moͤglich weiß, und ohne Wust und roͤthlichte Stuͤcker sey. Dieses Gummi, und sonderlich das weisse, wird von unterschiedenen Hand- wercken gar sehr gebraucht. Das schwartze aber verbrauchen bey nahe al- lein die Kuͤrschner. Das dreyzehende Capitel. Vom Campher. D Er Campher ist ein leichtverbrenn- liches Gummi, eines durchdringen- den Geruchs, verfleugt bald in der Luft, indem es aus Schwefel und fluͤchtigem Saltze bestehet: es rinnet aus dem Stamm und dicksten Aesten vieler gros- Siehe Fig. 279. ser Baͤume, deren Blaͤtter also ausse- hen, wie sie im Kupfer abgebildet sind, und ich das Original davon, welches mir der Herr Tournefort verehret, in Haͤn- den habe. Diese Baͤume wachsen in Menge auf der Jnsel Borneo und an andern Ort n in Asien/ wie auch in Sina. Das Gummi, so wie es aus dem Bau- me dringt, und aus dem Lande kommt, Roher Cam- pher. wird Camphor brutto, roher Campher genennet, der dann, wann er gebuͤhr- lich beschaffen, in kleinen Stuͤcken seyn muß, die sich nicht zerbroͤckeln lassen, und, wenn er gekoͤrnet worden, wie ein weis- ses Saltz sehen, und obgedachten Geruch haben muß. Uberdiß soll er, soviel als moͤglich, fein trucken und nicht schmu- tzicht seyn. Man findet zu Rouan/ ja selbst zu Paris/ gar oftmahls rohen Campher, von dannen er nach Holland gebracht wird, damit er allda gelaͤutert werde, weil man sich niemahls bemuͤhen wol- len, und ihn selbst zurichten, es sey nun, daß es an der Wissenschaft gefehlet, oder weil man nicht die Muͤhe, die doch gerin- ge, nehmen mag. Nur weiß ich nicht, was doch immermehr unsere Chymisten gedacht haben, daß kein eintziger unter ihnen Hauptbeschreibung ersten Theils achtes Buch. ihnen die Art und Weise, wie der Cam- pher zu laͤutern oder zu reinigen, in sei- nem Buche aufgezeichnet: wahrschein- lich haben sie es nicht gewust, oder mit Fleiß nichts davon melden wollen. Wie- wohl ich nimmermehr glauben kan, daß sie, wofern sie etwas darum gewust haͤt- ten, solches nicht solten kund gemachet haben, vielweniger aber gemeldet, der Campher rinne aus einem Baume, so wie wir ihn verkauffen; welches doch weit genug von der Wahrheit entfer- net ist, indem der rohe Campher, wie er aus dem Baume gedrungen, in Stuͤ- cken von unterschiedlicher Groͤsse ist, die dem weissen Saltze gantz und gar aͤhn- lich sehen, und ziemlich schmutzig sind: da hingegen der, den wir verkauffen, weiß, klar und durchsichtig ist, in Form der Topfstuͤrtzen, welches denn genug- sam zu erkennen giebt, daß er zugerichtet worden, und nicht sey, wie er vom Baume gekommen. Zudem, so habe ich selbst beyde Sorten, den rohen und den ich selbst gelaͤutert: bin auch bereit, iederman, der es verlanget, die Wahr- heit dieser Sache sehen zu lassen. Da- mit man aber dessen noch gewisser seyn moͤge, als will ich hiemit die Art und Weise, wie der Campher zu laͤutern, be- kannt machen, und offenbaren, welche mir von keinem Menschen ist gesaget worden, sondern ich selbst ausgearbeitet und erfunden habe. Man laͤutert demnach den Cam- pher, oder reiniget ihn, indem man ihn in eine Retorte oder ein anderes Subli- mirgefaͤß thut, wenn er vorher zerstos- sen worden; fuͤllet die Helfte desselbigen mit diesem Pulver an, und verstopfet es darauf nur schlecht hin. Hernach setzt man es auf ein klein Feuer, so erhebt sich das subtilste vom Campher alsobald, und henckt sich oben an. Wann also die sublimation zu Ende, findet man einen schoͤnen, weissen, durchsichtigen Cam- pher/ der dicker oder duͤnner ist, nach- dem naͤmlich viel roher Campher dazu genommen worden. Nach der sublima- tion bleibt das Caput mortuum, welches nichts mehr nuͤtze, am Boden zuruͤcke. Auch findet sich bey dem gelaͤuterten Campher ein uͤberaus weisser Campher in gantz kleinen Koͤrnern, welcher wie es scheinet, nicht wie der andere, zusam- men wachsen koͤnnen. Dieweil nun der rohe Campher bey uns nicht seltsam, so waͤre eben nicht mehr noͤthig, daß sel- biger unumgaͤnglich durch der Hollaͤn- der Haͤnde gehen muͤste: auch duͤrften wir uns nicht ferner genoͤthiget befin- den, unsere Zuflucht zu ihnen zu neh- men, wenn wir gereinigten Campher verlangen, es sey zur Artzney, oder fuͤr andere Leute, die ihn brauchen, z. E. Feuerwerck zu machen, oder andere Dinge, dazu er erfodert wird. Jch kan auch nicht unterlassen zu berichten, daß mich ein guter Freund wegen Laͤute- rung des Camphers versichert, wie daß man von den Hollaͤndern 100. Pfund gelaͤuterten Campher fuͤr 100. Pfund rohen Campher bekomme, wenn man ihnen 25. Francken zugiebet. Jch fuͤr mein Theil gestehe, daß ich nicht wisse, wie sie es thun koͤnnen, habe auch, ohn- geachtet ich mich sehr darum bemuͤhet, nichts davon erfahren koͤnnen. Dem aber sey wie ihm wolle, ich sa- ge, daß man den Campher erwehlen solle, welcher am weissesten und klaͤrsten, der auch, so wenig immer seyn kan, fleckigt oder zerbroͤckelt sey: obgleich die kleinen Stuͤcken eben so schoͤn und gut zu gebrauchen sind, als die grossen. Dem Autor des Dictionarii Pharmacevtici darff niemand glauben, wenn er angemer- cket, daß der Campher, weil er so gar rar und theuer, verfaͤlschet werde. Allein, ich frage ihn, was es doch wohl fuͤr Ma- terialien seyen, die einer so reinen Sa- che, als der Campher ist, koͤnten zuge- setzet werden? Mag demnach dieser zu- gleich mit denen andern hinstreichen; denn dieser ist es nicht alleine, sondern es sind bey nahe alle Capitel desselbigen Buches, welche von Materialien han- deln, falsch. Derohalben darff man ihm auch keinen Glauben zustellen, wann er spricht, der Campher uͤber- komme seine weisse Farbe, wenn er ge- kocht, und an der Sonne, oder durch des Feuers Hitze gereiniget wuͤrde. Recht aber hat er, wenn er gemeldet, es kaͤme der auf solche Weise gereinigte Cam- pher gar selten zu uns, denn ich gaͤntzlich glaube, daß weder er, noch iemahls ein einiger Mensch dergleichen beym Feuer oder an der Sonnen gekochten Cam- pher gesehen. Noch weniger aber ist ihm Glauben zu geben, wenn er geden- cket, man erkenne den Campher, wenn A a 2 man Der Spezereyen und Materialien man ihn auf ein warmes Brod, das nur allererst aus dem Ofen gekommen, legte: dann, wann er nur roͤstere, so sey er verfaͤlschet, wo er aber zergienge, waͤ- re er gut. Was die letztere Probe be- trifft, dieselbe ist richtig: denn ie mehr der Campher gelaͤutert ist, ie geschwin- der zerfleußt er. Ob er aber gleich nicht so gar geschwinde zergehet, kommt die- ses doch nicht daher, daß er, wie gedacht, verfaͤlschet worden, sondern, daß er nicht sattsam gereiniget ist. Was die Tugenden des Camphers, und seine Kraft betrifft, von denen will ich nichts gedencken, dieweil gemeldter Autor zur Gnuͤge davon gehandelt hat, und dem kan ich nicht widersprechen, weil ich von dem, was ich nicht verstehe, auch nichts nicht sagen kan. Uberlasse solches den Herren Medicis, und will nur annoch gedencken, daß wir mit dem Salpetergeist ein amberfarbenes Oel Campheroͤl. aus dem Campher ziehen, welches wider die Faͤulung der Beine trefflich dienlich ist. Lemery hat sehr schoͤn da- Er soll auch fuͤrs Fieber gut seyn, wenn er in Scharlach genaͤhet, und an den Hals gehenckt wird. von geschrieben, und zu dem mag man seine Zuflucht nehmen. Das vierzehende Capitel. Vom wohlriechenden Asand. D Er wohlriechende Asand, oder die Benzoe ist ein Gummi, welches aus dem Stamme und den dicksten Aesten eines grossen Baumes dringet, wenn dieselbigen aufgeritzet worden. Siehe Fig. 280. Die Blaͤtter sehen, wie sie abgebildet, und die Baͤume wachsen haͤuffig in Co- chinchina/ sonderlich in den Waͤldern, der Koͤnigreiche Lao und Siam : dar- um brachten auch die Leute der Siami- schen Gesandten dessen so viel mit nach Paris, allda es spottwohlfeil verkaufft wurde. Man erwehle die Benzoe en larmes , in Tropfen, oder die tropfichte, die aus- Tropfichte Benzoe. senher goldgelb, inwendig weiß ist, mit vielen hellen, weissen und rothen Aeder- lein durchzogen; die sich gerne zerbre- chen laͤßt, darneben keinen Geschmack, wohl aber einen suͤssen lieblichen und wuͤrtzhaften Geruch hat. Diese Beschreibung der Benzoe wird denen meisten nicht anstaͤndig seyn, welche sie niemahls so, wie sie aus dem Baume geflossen, und an seiner Rinde hanget, gesehen haben, indem man zu Paris einen gantzen Hauffen aller- hand Sorten derselben zu Gesichte be- kommt, darunter die erste Benjoin en lar- mes , der tropfichte Asand genennet wird, ob es gleich nur ein einiges Stuͤcke ist, das insgemein klar und durchsichtig ist, roͤthlicht und mit weissen Tropfen, in Gestalt zerknirschter Mandeln, vermi- schet, deswegen sie auch Benzoë amygda- loides , Mandelbenzoe, genennet wor- den, und soll oberwehnten Geruch und Geschmack haben, auch so viel als moͤg- lich, ohne Unflat seyn. Die zweyte Gattung heissen wir Ben- join en sorte , unsortirte Benzoe, und Unsortirte Benzoe. soll, wenn sie recht beschaffen, fein sau- ber seyn, von gutem Geruch, voll weis- ser Tropfen, fein hartzicht, und so viel moͤglich, ohne Staub. Die aber schwartz, voll Erde und ohne Geruch ist, muß gaͤntzlich verworffen werden, denn es ein von vielen unter einander ge- schmoltzenen Gummen gekuͤnstelter Asand ist. Was die Farbe betrifft, die ist gantz gemeine, massen man grauen und schwartzen darunter findet; thut aber nichts zur Sache, wenn er nur sonsten, wie oben gemeldet, beschaffen ist. Diese Spezerey hat viel Namen, denn sie wird Asa dulcis, Ben judaicum, Benivinum, de Boninas, und so fort, ge- heissen, und wollen einige, sie rinne nur aus jungen Baͤumen. Aus der Benzoe werden, vermittelst einer papiernen Deute, uͤbern Feuer flo- Flores Ben- zoës. res oder Blumen gemacht, welche weiß sind, sehr angenehme riechen, und den Engbruͤstigen dienlich sind: sie muͤssen auch frisch bereitet, und leichte seyn, da- bey einen lieblichen Geruch von sich ge- ben. Was im Topfe zuruͤcke bleibt, daraus kan man ein Oel ziehen, das ei- Oleum Ber- zoes. nen trefflichen Wundbalsam giebt. Das TAB. XLV . Rother Storay bauͤm so an einer Mauͤer hinan kreuͤcht. Fig. 281. p. 377. Wohl Riechender Asand Fig. 280. p. 375. Galbanum Fig. 284. p 385. Mürrhe Fig. 282. p. 381. Teuͤffelsdreck. Fig. 283. p. 383. Hauptbeschreibung ersten Theils achtes Buch. Das funffzehende Capitel. Vom rothen Storax. D Er rothe Storax oder Jndiani- sche Weyrauch, dessen wir uns insgemein bedienen, ist ein Hartz, wel- ches aus dem Stamme und staͤrcksten Aesten eines Baumes tringet, der von Siehe Fig. 281. mittelmaͤßiger Hoͤhe ist. Die Blaͤtter desselben gleichen dem Quittenlaube, ausser daß sie etwas kleiner sind. Die Fruͤchte sind so groß, als wie die Hasel- nuͤsse, darinne steckt ein weisser oͤlichter Kern, dessen Geruch dem Storaxgeru- che gantz und gar gleich ist. Weil auch zuweilen und von ohngefehr etwas Storax in diesen zerbrochenen Schalen gefunden wird, deshalben haben ihrer viele vermeinet, der Storax kaͤme aus diesen Schalen. Dieses Gummi wird uͤber Marseil- le/ von vielen Orten aus Syrien und Levante/ allwo diese Baͤume hauffen- weise wachsen, zu uns gebracht. Man erwehle aber diejenigen Stuͤ- cken, welche roͤthlicht, fett und weich sind, und angenehme riechen: verwerffe hin- gegen, welches trucken, voller Reißlein und andern Unrath ist, und wie Styrax li- quida riechet; desgleichen die Storax- Storaxku- chen. kuchen, und den Storax, der wie Ku- geln oder Maronen formiret ist, indem es nichts anders ist, als Storax liquida und Reißlein vom rechten Storax, und an- deren geringen Materialien unter ein- ander gemischet: wie auch den, der wie Staub ist, als welcher nichts ist, denn die Saͤgespaͤne vom Holtze. Der Storax wird oft zur Artzney gebraucht, doch mehrentheils von den Parfumirern, und andern Leuten, die ihn an statt des Weyrauchs gebrau- chen. Es wird auch ein Hartz aus dem Storax gezogen, wie in der Pharmaco- pœa des Herrn Charras pag. 297. ge- lehret wird, dahin man seine Zuflucht nehmen kan. Es soll vortreffliche Kraͤfte haben. Das sechzehende Capitel. Storax Calamitæ. S Torax calamitæ, en larmes , der tro- pfichte Storax, den wir von Mar- seille und aus Holland bekommen, ist eine roͤthlichte Massa, mit weissen Tropfen erfuͤllet, welche auch zuweilen von einander abgesondert sind: das heißt so viel, es ist inwendig durch und durch voll weisser Tropfen, und sieht aussen- her roͤthlicht, ist mittelmaͤßiger Consi- stentz, und hat einen sehr lieblichen Ge- ruch, der dem Peruvianischen Balsam ziemlich nahe kommt. Man lese den tropfichten Storax aus, wenn die Tropfen weiß und nicht beysammen sind; der obgedachte Far- be und Geruch hat, recht trucken, nicht an den Fingern klebend, auch so wenig, als moͤglich, bitter ist. Diese Spezerey wird gar wenig ge- braucht. Denn die meisten nehmen den ordinari Storax dafuͤr, eines theils, weil er zu theuer, und dann, weil er ih- rem Vorgeben nach, eben so viel Kraft haben soll: welches ich zwar nicht in Abrede seyn will, doch muß ich dieses dabey erinnern, daß man sein Gewissen nicht beschweren, und niemahls eines fuͤr das andre geben solle. Jm uͤbrigen haben diejenigen Materialien, daraus er zusammen gesetzet ist, zum wenigsten eben so viel Kraft, als der rechte Storax. Man wird sich gewiß genug verwun- dern, daß ich gesaget, der Storax en larmes , sey von vielen Stuͤcken zusammengese- tzet; dann ihrer viele stehen in den Ge- dancken, daß er natuͤrlich sey, ohnerach- tet Charras in seiner Apotheckerkunst pag. 296. vermeldet, er hielte dafuͤr, es sey ein zusammengemischtes Wesen. Doch wuͤrde ich mich solches nimmer- mehr unterfangen haben, wofern ich es nicht selbst im Jahr 1692. den 30. Julii versucht und Storax bereitet haͤtte, der eben so schoͤn und brauchbar war, als der aus Holland und von Marseille kommt: den ich auch unterschiedlichen verstaͤndigen Kauffleuten gewiesen, wel- che insgesammt befunden, daß er alle die Beschaffenheiten habe, die sich an dem- jenigen, der von obberuͤhrten Orten ge- bracht wird, befinden muͤsse. Zudem, so bin ich iederzeit bereitet, ihn in Ge- genwart derer, die es nicht glauben koͤn- nen, zu verfertigen. A a 3 Es Der Spezereyen und Materialien Es wird aber diese composition des- wegen Storax calamitæ geheissen, weil er, der Sage nach, ehedessen aus Pamphi- lia in Federkielen und Roͤhrlein, welche bey den Lateinern calami heissen, ge- bracht wurde. Das siebzehende Capitel. Storax liquida. D Er fluͤßige Storax wird aus vier Stuͤcken, welche untereinander ge- schmoltzen werden, gemacht: naͤmlich aus Storax, Galipot, Oel und Wein, welche so lange mit Wasser geschlagen werden, bis sie die Consistentz und Dicke einer Salben uͤberkommen, welche grau, und schier wie die Toͤpfererde oder Thon siehet. Man nehme aber den fluͤßigen Sto- rax/ welcher maͤusefahl siehet, wie Sto- rax riechet, und eine feine Consistentz hat, auch nicht voll Wust und Feuchtig- keist ist und gewiß aus Holland kom- men. Er wird zur Artzney gebraucht, son- derlich aber zu einer Salbe, die seinen Namen fuͤhret, indem er die basis und das vornehmste Stuͤcke dazu ist. Die- se Salbe wird gar sehr in den Spitalen, absonderlich im Hotel de Dieu zu Paris gebrauchet, und der Scharbock, Krebs und Wunden gluͤcklich damit geheilet. Er kommt auch zu etlichen Galenischen Artzneyen, und wird gleichfalls von den Parfumirern und andern zu den so ge- nannten pots pourris (welche ein Gemen- ge von allerhand Spezereyen sind) ge- brauchet: doch meistens von denen, wel- che die Storaxmassa und Kugeln berei- ten. Der fluͤßige Storax kan lange Zeit im Keller gut erhalten werden, wenn man nur Sorge traͤgt daß immerfort Wasser drauf geschuͤttet werde. Das achtzehende Capitel. Von Raucherkertzlein. P Astilles à bruler , die Raucherkertz- lein oder Rauchtaͤfflein werden von Storax und Benzoe gemacht, wel- che uͤber gelindem Feuer, so hurtig als moͤglich ist, zusammengeschmoltzen wer- den: hernach formirt man, nach belie- ben, allerhand Taͤfflein draus. Diese Pastilli, eine zwar schlechte com- position, sind dennoch gut, wenn sie nur von guten Sachen bereitet werden. Et- liche thun Mosch, Amber und Zibet da- zu. Mit einem Worte, man kan sie gut oder schlecht machen, nachdem man naͤmlich Gewuͤrtze dazu nimmt. Andere hingegen, die nur gemeine Kertzlein machen, nehmen allerley Lum- perey dazu, fluͤßigen Storax, Rosen- holtz, Ladanum und Kohlen von wei- chem Holtze, damit sie schwartz werden, und Feuer halten. Diesen koͤnte man, als wie dem Galipot, den Namen Encens de village , Dorff- oder Bauren- weyrauch, beylegen. Charras beschreibt in seiner Chymie pag. 1057. dreyerley Sorten solcher Pa- stillen, welche aber blos durch die Spe- zereyen, aus denen sie bestehen, von ein- ander unterschieden werden. Allein, es duͤrfte zu lange werden, wenn ich sie alle beschreiben wolte: wer sie beliebet nachzumachen, kan sich in demselben Buche darnach umsehen. Sonst fuͤh- ren sie den Titel trochisci odorati auch Aviculæ Cypriæ, Oyselets de Chypre . Das neunzehende Capitel. Von der Jungfermilch, Lac virginis. A Usserhalb der Jungfermilch, wel- che von der Silbergloͤt gemachet wird, kan man auch eine andere berei- ten, wenn man die Benzoe und Storax in Weingeiste aufloͤset. Dieser bedie- nen sich die Chirurgi und Barbirer, we- gen ihres angenehmen Geruchs. Es wird aber die Tinctur der Benzoe und vom Storax darum Jungfernmilch genennet, dieweil sie das Wasser, wenn man ein wenig drein schuͤttet, so weiß als Milch machet. Die eine feinere Jungfermilch bereiten wollen, diesel- ben nehmen den Balsam en coques , in Schalen, und den tropfichten Storax, dazu sie wohl gar Mosch, Ambra und Zibet Hauptbeschreibung ersten Theils achtes Buch. Zibet zu thun pflegen. Etliche dage- gen, die sich nicht groß um den Geruch bekuͤmmern, thun Myrrhe drunter, weil dieselbe, wie sie sagen, gut seyn soll, die Kupferflecken im Gesichte zu vertrei- ben. Allein diese Milch muß recht schoͤn roth und klar seyn, und starck, iedoch nicht nach dem Weinspiritus riechen. Das zwantzigste Capitel. Von der Myrrhe. D Je Myrrhe ist ein Hartz, rinnet aus dem aufgeritzten Stamme ei- nes stachlichten kleinen Baͤumgens, wie helle durchsichtige Tropfen, welche weiß sind, und dunckelroth, wenn sie aͤl- ter werden. Siehe Fig. 282. Diese kleinen Baͤumlein, deren Blaͤt- ter dem Ulmenlaube gleich sehen, wach- sen in Menge in dem gluͤcklichen Ara- bien, in Egypten und Africa, sonder- lich bey den Trogloditen/ daher auch ihr Zuname entstanden: wie sie denn um gleicher Ursache willen die Abyßi- nische Myrrhe genennet wird, weil ih- rer gar viel in Abyßinien und des Prie- ster Johannis Lande gesammlet wird. Man soll aber dieselbige Myrrhe er- wehlen, welche als wie schoͤne goldgelbe Tropfen, hell und durchsichtig ist, sich leicht zerdruͤcken laͤßt, und leichte ist, an- bey einen bittern Geschmack und einen starcken ziemlich unangenehmen Ge- ruch hat: denn also muß die rechte Stacte in Tropfen. Myrrhe oder Stacte in Tropfen se- hen. Dagegen darff man nicht glauben, wenn ein neuer Scribente vorgiebt/ er muͤste gestehen, daß alle die Myrrhe, welche die Spezereyhaͤndler verkauffen, nicht wie sichs gebuͤhre, beschaffen sey. Es muß demnach nie keine gute Myrrhe gewesen seyn, denn sie die Spezerey- haͤndler von langen Zeiten her verkauf- fet haben; das wenige aber, das die Apothecker verkauffen, kaum der Rede werth ist. Dazu kauffen ja die Apothe- cker alle die Myrrhe, die sie wiederum verkauffen, samt allen denen andern Spezereyen, die sie zu ihren Sachen noͤthig haben, bey den Spezereyhaͤnd- lern, welches iederman zur Gnuͤge be- kannt ist, und wenig Muͤhe brauchte, es zu beweisen. Weil aber dieser Myrrhe gar wenig zu finden, deshalben muß man mit der- jenigen zu frieden seyn, welche in klei- nen Stuͤcklein, oder als wie dicke rothe Tropfen ist, welche helle und durchschei- nend sind; die, wenn man sie zerbricht, inwendig kleine weisse rothe Striemen hat, gleich als ob sie mit dem Nagel waͤre geritzet worden: daher auch der Name Myrrhe onglée , gekommen: inglei- Myrrhe onglée . chen muß ein weisser schmierichter Saft darinne seyn, welcher die von den Alten so hochgeruͤhmte Stacte ist. Und die- se Gattung mag zu den allerbesten com- positionibus genommen werden, denn sie mit allen denenjenigen herrlichen Be- schaffenheiten, die ihr die Scribenten beylegen, ausgeruͤstet ist. Auch ist zu mercken, daß wir die Myr- rhe unsortiret in ledernen Ballen, zu vier bis fuͤnffhundert Pfund schwer, von Marseille bekommen. Allein, darun- ter befindet sich nicht wenig Unrath, Baumrinden und ander unnuͤtze Zeug; und dieses geschieht gar oͤfters. Nicht weniger wird die beste heraus gesucht, insonderheit, wenn sie in solcher Leute Haͤnde gerathen, welche die Waaren auszulesen gewohnt sind. Und die- ses mag, allem Ansehen nach, unsern Autor zu sagen bewogen haben, daß bey den Spezereyhaͤndlern keine gute Myr- rhe zu finden waͤre; denn er wuͤrde sol- ches gewißlich nicht gethan haben, wenn ihm so viele rechtschaffene Kauffleute waͤren bekannt gewesen, welche sie las- sen, wie sie aus dem Lande kommt, und noch nicht ausgelesen worden ist. Die Myrrhe wird sehr starck zur Artz- ney gebraucht, denn sie vortrefflich die- net die Wunden zu heilen: auch ist sie eine der vornehmsten Spezereyen, deren man sich zu Balsamirung der Coͤrper grosser Herren bedienet. Aus der Myrrhe wird vermittelst hartgesottener Eyer, aus denen das Gelbe genommen worden, ein sonder- licher liquor gemacht, gleichwie aus der Chymie des Herrn Lemery zu ersehen, welcher oleum Myrrhæ per deliquium, im Jm Keller gefloßnes Myrthenoͤl. Keller geflossenes Myrrhenoͤl ge- nennet wird, und die Flecken des Ange- sichts Der Spezereyen und Materialien sichts in kurtzer Zeit vertreiben soll. So wird auch, vermittelst einer Retorte, ein Spiritus, ole- um \& Tinctu- ra Myrrhæ. stinckend Oel und Spiritus, desgleichen mit Weinspiritus eine herꝛliche Tinctur daraus gezogen, wie solches erstgemeld- ter Lemery p. 737. und Charras p. 711. und 761. gelehret, dahin allenfalls der Leser mag gewiesen seyn. Das ein und zwantzigste Capitel. Von der Stacte. D Je Stacte oder fluͤßige Myrrhe ist, was unserm Heylande von den Weisen verehret wurde, und die Alten Stacte/ Myrrha Stacte zu nennen pflegten, deren Geruch uͤber alle massen angenehme war, gleichwie in der dritten Lection des Amts der Jungfrau Maria ausdruͤcklich angemercket stehet: quasi myrrha electa dedi suavitatem odoris, mein Geruch war so lieblich, wie der aus- erlesenen Myrrhen. Es war aber ein fett- und oͤlichter Saft, der sich in der erst frisch von den Baͤumen herabgefal- lenen Myrrhe befande, desgleichen sol- che Myrrhe, die von sich selbsten aus den jungen Baͤumen, ohne daß man sie auf- geritzet, hervorgedrungen. Allein, weil diese kostbare Waare uns anietzo gantz und gar unbekannt ist, deswegen haben sich ihrer etliche beflissen, eine der- gleichen Art Myrrhe nachzukuͤnsteln, indem sie die Myrrhe in Oel zergehen lassen, und sie hernachmahls Myrrham Stacte unguen- taria. unguentariam, Myrrhensalbe nennen. Andere lassen sie wieder dicke werden, und heissen sie Myrrham artificialem, ge- Gekuͤnstelie Myrrhe. kuͤnstelte Myrrhen. Die Rinde und das Holtz des Myr- rhenbaͤumleins werden zwar gleich- falls in etwas gebrauchet, doch habe ich niemahls erfahren koͤnnen, wozu sie gut waͤren. Das zwey und zwantzigste Capitel. Vom Teuffelsdreck. A Sa foetida ist ein Gummi, welches bey grosser Hitze aus dem Stamme eines Siehe Fig. 283 kleinen Baͤumleins dringet, dessen Blaͤt- ter dem Rautenkraute gar aͤhnlich se- hen; waͤchset haͤuffig in Jndien/ son- derlich um die Stadt Utard/ woselbst es Hingt genennet wird. Es wird auch aus Persien gebracht, desgleichen aus Assyrien und Lybien. Wie einige Scribenten berichten, so dringet der Teuffelsdreck aus einem Baͤumlein, dessen Blaͤtter als wie Ruͤbenkraut se- hen. Die Einwohner ritzen diese Baͤum- lein oder Stauden bis in die Wurtzel hinunter auf, so dringet ein weisses, auf roth sich ziehendes Gummi heraus, wel- ches heftig stinckt, und deshalben auf teutsch Teuffelsdreck genennet wird. Diese Asa muß in gantzen Klumpen ausgelesen werden, welche voll weisse Tropfen und trucken sind: wenn sie erst aufgebrochen worden, muͤssen sie weiß- gelb sehen, bald aber schoͤn roth werden, und schier als wie veielblau; der Geruch muß auch nicht gar zu unertraͤglich seyn. Dagegen soll man diejenige auswerffen, welche schmutzig und garstig ist, voll Eꝛde und Rohr, darinne sie gekommen: in- gleichen wenn sie schwer ist, einen uner- traͤglichen uͤbeln Geruch hat. Uberdiß mag man sich in Acht nehmen, daß es auch die rechte Asa sey, und nicht etwa andere Sachen, die man sehr gerne da- fuͤr pflegt einzuschieben: wie dann im Junio, im Jahr 1692. geschahe, da mir ihrer zweye ein Stuͤck Galipot madré oder gemeinen Weyrauch, ohngefehr 5. bis 600. Pfund schwer abkaufften, und ihn noch in demselben Monate wiederum an gar viele Spezereyhaͤndler, Apothe- cker, Hufschmiede und andere Leute, das Pfund zu 30. bis 40. Sols verkaufften, da ich ihnen doch den Centner um 20. Pfund gelassen hatte. Sie wird gar selten zur Artzney, son- dern meistentheils von den Hufschmie- den gebrauchet. Sie hat vielerley Namen bekom- Unterschiede- ne Namen des Teuffels- drecks. men, z. E. Succus oder liquor Syriacus, Succus Mediæ, Stercus diaboli. Der allermeiste Theil des Teuffels- drecks, den wir in Franckreich haben, kommt von Londen/ dahin er in gros- sen irdenen Geschirren gebracht wird, die von eben solcher Art und Groͤsse sind, als diejenigen, die wir annoch zu Paris haben, und in denen man uns das Ter- pentinoͤl TAB. XLVI . Opopanax. Fig. 286. p. 387. Sagapenum Fig. 285. p. 385. Drachen Bluͤth auͤs den Lanarien Jnseln Fig. 289. p. 389. Gummi Amoniacum Fig. 287. p. 387. Jndianisches Drachen Bluͤth. Fig. 288. p. 389. Hauptbeschreibung ersten Theils achtes Buch. pentinoͤl aus Provence gebracht. Die- ser Asa und anderer Waaren giebt es in Londen unterweilen so viel, daß man gantze grosse, uͤberaus lange Packhaͤuser damit voll angepfropfet siehet. Allein, sie, die Englaͤnder/ senden uns keine Asa in solchen Geschirren, sondern thun sie in Tonnen, welche unterschiedliches Gewichte haben, und mit eisernen Reif- fen beleget sind, dergleichen wir zu Pa- ris gar oft zu sehen bekommen; hinge- gen, was uͤber Marseille kommt, wird in Koͤrben von Palmblaͤttern uͤber- sendet. Dieweil die Asa fœtida in Tropfen so wenig gebrauchet wird, deshalben lohnt es nicht die Muͤhe, daß ich viel davon melde: denn die Schmiede, welche sie fast eintzig und allein gebrauchen, blei- ben dermassen veste auf ihrem Wahn bestehen, daß, ob man ihnen auch gleich die tropfichte Asa um die Helffte wohl- feiler geben wolte, sie dennoch dieselbe nicht begehren, blos und alleine darum, sagen sie, weil sie nicht gewohnet waͤren diese Gattung zu gebrauchen. Was aber den Gebrauch zur Artzney betrifft, da rathe ich iedweden, der sie noͤthig hat, daß er die in Tropfen der andern vorzie- he, denn sie ist weit schoͤner und reiner. Das drey und zwantzigste Capitel. Galbanum. D Jß ist ein Gummi, welches aus der Wurtzel eines Gewaͤchses fliesset, so von den Kraͤuterverstaͤndigen Ferula Galbanifera, die das Galbanum brin- gende Ferula genennet wird. Seine Siehe Fig. 284. Blaͤtter sehen, wie die Figur weiset, als welche ich nach dem Original, das in meinen Haͤnden, und mir von dem Herrn Tournefort verehret worden, gezeichnet ist. Zu oberst auf dem Sten- gel wachsen die platten Samen, so groß und dicke, wie die Linsen, wie man in dem gemeinen Galbanum, darinne sie gar oft befindlich, sehen kan. Das Ge- waͤchs waͤchst haͤuffig in Syrien, dem gluͤcklichen Arabien und Jndien. Von Marseille wird zweyerley Galbanum zu uns gebracht, in Tropfen und in Stuͤcken. Das er- stere soll man erlesen, wenn es lauter schoͤne Tropfen sind, die inwendig gelb- licht, auswendig goldgelb sehen, und ei- nen bittern starcken Geruch haben. Das in Stuͤcken muß trucken seyn, fein rei- ne, voll weisser Tropfen, und so wenig stinckend, als moͤglich. Das vier und zwantzigste Capitel. Sagapenum. S Agapenum oder Serapinum, auf Fran- tzoͤsisch Gomme Seraphin genannt, weil es bey nahe wie Tannen riecht, rinnet Siehe Fig. 285. aus dem Stengel eines Gewaͤchses, des- sen Blaͤtter sehr klein sind, und die Sa- men dem Samen des Galbani sehr nahe kommen, ausser, daß sie um ein gutes kleiner sind. Es waͤchst in Persien in Menge, und wird von daher zu uns ge- bracht. Man erwehle aber dasjenige, welches feine schoͤne Tropfen hat, welche helle und durchscheinend sind, die einen star- cken Geruch, fast als wie Tannen, ha- ben, auch fein weiß, und so viel nur moͤg- lich, ohne Unrath sind. Es wird gleichfalls ziemlich starck von den Apotheckern zu vielen Galenischen Artzneyen gebraucht. Charras hat in seinem Buche ge- meldet, und mich dessen persoͤnlich ver- sichert, daß er im Jahr 1650. auf dem Marckte zu Beaucaire ein Kistlein Sagapanum gesehen, welches inwen- dig so weiß als Milch gewesen: gestehet auch, daß er es nicht wuͤrde dafuͤr er- kannt haben, dafern es nicht der starcke Geruch verrathen. Der Daͤnische Medicus, Wormius, sagt in seinem Buche, daß es wider die schwere Noth und Schlag ein gantz unvergleichlich Mittel waͤre. Jch aber habe aus der Erfahrung, daß es eng- bruͤstigen Leuten vortrefflich dienlich sey, wenn es einer Erbse groß in eine eingemachte Kirsche, an statt des Kerns, gethan, Abends vorm schlaffengehen, ingleichen des Morgens beym aufste- hen, genommen wird. B b Das Der Spezereyen und Materialien Das fuͤnff und zwantzigste Capitel. Opopanax. D Jeses ist ein Gummi, welches, eini- ger Scribenten Berichte zu Folge, aus einer Pflantze, rinnet die zu den Ge- schlechten der Ferula gerechnet, und Pa- nax Heracleum genennet wird. Dieselbe waͤchst gantz haͤuffig in Boͤotia/ der Griechischen Landschaft Phocis und in Siehe Fig. 286. Macedonien : ihre Blaͤtter sind rauch, und schier wie die Feigenblaͤtter gestalt, auf beyden Seiten in fuͤnff Theile zer- spalten. Der Stengel ist sehr hoch und ziemlich wollicht, bringt zu alleroberst einen grossen Straus gelber Blumen, und nach diesen den Samen, welcher einen auf die Zunge brennet, anbey sehr starck riechet. Die Wurtzeln sind weiß, in etwas bitter, mit einer ziemlich dicken Schale bedecket. Aus der aufgeritzten Pflantze rinnet das fluͤßige Opopa- nax, welches anfangs weiß ist, wird aber bald drauf harte, und nach und nach goldgelbe. Man bringet zweyerley Opopanax zu uns von Marseille, in Tropfen, und in breiten, oder auf andere Art geform- ten Stuͤcken. Tropfichtes Opopanax. Jenes mag man erwehlen, wenn die Tropfen recht schoͤne sind, inwendig weiß, aussenher weiß und goldfarbicht, eines starcken Geruchs und bitteren Ge- schmacks, und recht trucken, darunter auch so wenig kleine Broͤcklein, als moͤg- lich, zu befinden. Opopanax in Massa. Die Stuͤcken sollen voll Tropfen seyn, auch dem tropfichten an Farbe und Geruch, so nahe als nur seyn kan, kommen. Was das breitgedruckte betrifft, wel- Breites oder der Compa- gnie Opopa- nax. ches auch der Compagnie Opopanax genennet wird, dasselbe verkauffen lie- derliche Leute fuͤr das Opopanax in Tropfen/ ob es gleich stracks zu erken- nen, indem das gerechte als wie kleine runde Tropfen, das andere aber platt ist, und so breit und dicke als ein Dau- men. Welches ich desto mehr versichern kan, weil ich dergleichen selbst gemacht, und auch noch habe. Derowegen soll es gaͤntzlich verworffen werden, denn es nichts anders ist, als ein geringes mit Opopanax vermischtes Gummi, des- sen Namen ich aber mit Willen ver- schweige. Das Opopanax hat einen dermas- sen starcken Geruch, daß, als ich im Au- gust 1691. eine Kuͤste voll von Marseil- le bekommen und eroͤffnet hatte, unse- rer zehen, die dabey waren, ein so hefti- ges Kopfweh bekamen, daß wir bey vier Stunden lang kaum zu bleiben wusten; welches sich diejenigen, die es frisch be- kommen, zur Nachricht moͤgen die- nen lassen: denn, wenn es aͤlter wird, vergeht so wohl der starcke Geruch, als auch die weisse Farbe, und wird hinge- gen gantz dunckelroth. Es koͤmmt dem Sagapeno an Kraͤften gleich, und ist gut zu Heilung der Wun- den ; zu welchem Ende es so wohl, als das Sagapenum, Ammoniac und Bdel- lium, unter das Emplastrum divinum ge- nommen wird. Das sechs und zwantzigste Capitel. Gummi Ammoniacum. D Jeses ist ein Gummi, das als wie weisse Tropfen aus den abgeschnit- tenen Aesten und aufgeritzten Wurtzeln einer Pflantze tropfet, die zu den Ge- schlechten der Ferula gehoͤret, und in Siehe Fig. 287. dem sandichten Lybien haͤuffig waͤchst, bevoraus um die Gegend, wo vordessen der Tempel des Jupiter Ammons ge- standen, daher es auch seinen Namen bekommen hat. Es wird in gar dicken Stuͤcken zu uns gebracht, daran inwendig und auswen- dig gar viel weisse Tropfen zu befinden, und hat einen angenehmen Geruch, ein wenig wie Opopanax. Man soll dieses Gummi erwehlen, wenn es feine schoͤne Tropfen hat, wel- che trucken, weiß und rund, von Ge- schmacke bitter und ziemlich unange- nehme schmecken: die Stuͤcken aber muͤssen gantz voll Tropfen, und so reine, als moͤglich, seyn: denn es gerne voll Unreinigkeit zu seyn pfleget, und ab- sonder- Hauptbeschreibung ersten Theils achtes Buch. sonderlich voll Samen, der wie des Gal- bani Samen siehet. Es wird, als wie das vorige, zu gar viel remediis topicis gebraucht. Mævius in Dictionario Pharmacevtico, dahin ich den Leser will gewiesen haben, legt ihm gar sonderbare Tugenden zu. Es wird auch ein Oel und Spiritus da- Oel und Spi- ritus vom Gummi Am- moniaco. von distilliret, und abgezogen, die gleich- falls gantz vortreffliche Kraͤfte haben, wie erstgemeldter Autor angemercket hat. Das sieben und zwantzigste Capitel. Vom Jndianischen Drachenblut. Siehe Fig. 288. D As Jndianische Drachenblut, ein Gummi, troͤpfelt aus dem Stamme vieler Baͤume, deren Blaͤtter, als wie die Degenklingen sehen, eines halben Fusses breit, und von Farbe gruͤn sind: unter denen wachsen die runden Fruͤchte, die so groß, als wie bey uns die Kirschen, und anfangs gelb sind, werden darauf roth, und wenn sie recht zeitig, sehr schoͤn blau. Wann man ihnen die oberste Haut abziehet, so erscheinet eine Drachengestalt, welche ihm auch den Namen Drachenblut zu wege ge- bracht, ob es gleich etwas ungereimtes ist; indem es das Gummi und Hartz von einem Baume, nicht aber das Blut eines Drachen ist, wie ihrer viele annoch vermeinen. Die Einwohner derselben Oerter ri- tzen die Staͤmme auf, so laufft alsobald ein fluͤßiger blutrother Saft heraus, der stracks von der Sonnen harte gemacht und zu kleinen Tropfen formiret wird, die sich gleich zerreiben lassen, und sehr schoͤn roth sind. Wann dieser erste Saft ausgetroffen, folgt ihm ein ande- rer, welcher uns sonsten in der Groͤsse ei- nes Taubeneyes, in eben dieses Bau- mes Blaͤtter gewickelt, zugefuͤhret wur- de: anietzo aber kommt er in eben sol- chen Blaͤttern, in der Laͤnge und Dicke des kleinen Fingers, bisweilen auch in der Form und Groͤsse der Sebesten. Man soll das Drachenblut in klei- Drachenblut als kleine Tropfen. nen Tropfen erwehlen, die fein helle und durchsichtig, auch leichtlich zu zer- reiben sind, und deren Pulver purpur- roth ist. Dieses erstere Drachenblut ist in Franckreich uͤberaus rar, und man siehet fast kein anderes, als wel- ches in kleinen Stuͤcken Rohr rohe Drachenblut in Rohr oder Schilff. kommt, und ebenfalls trucken und zer- brechlich seyn, das Pulver auch wie das erste sehen muß: ingleichen muß es, auf Papier, oder auf einen genetzten Wetz- stein, oder ein warm gemachtes Glas gestrichen, einen sehr schoͤnen rothen Strich nach sich lassen: daher man es auch vor diesem zum Glasmahlen ge- braucht. Das acht und zwantzigste Capitel. Vom Drachenblut aus den Canarischen Jnseln. Siehe Fig. 289. D Jeses ist ebenmaͤßig ein Gummi, welches von dem Stamme und starcken Aesten zweyer gantz unterschie- denen Baͤume herabrinnet, wenn sie vorhero aufgeritzet worden. Der eine hat Blaͤtter, wie ein Birnbaum, iedoch ein wenig laͤnger, und Bluͤten, die wie Nestelstifte sehen, und gar schoͤn roth sind. Des anderen Laub gleichet dem Kirschlaub. Die Fruͤchte sind gelb, und voller Ribben, so groß als ein Huͤner- ey, darinne befindet sich eine Nuß, wie eine Mußkate, welche einen Kern von gleicher Form und Farbe beschliesset. Dieser Baͤume waͤchst die Menge in den Canarischen Jnseln, sonderlich auf der Jnsel Porto Santo und S. Laurentius/ allwo diese Baͤume Rha genennet werden, welches Blut bedeu- tet, die Fruͤchte aber heissen sie Mafou- tra oder Voafoutra. Aus den Kernen bereiten die Ein- wohner ein Oel, damit sie allerhand Brandschaͤden zu heilen wissen, in- gleichen die Rose und andere Kranckhei- ten, die von Hitze entstehen. Diese Jnsulaner ritzen den Stamm auf, so lauft das rothe Gummi heraus: davon machen sie hernachmahls Baͤlle von unterschiedener Groͤsse. Weil aber unter dieses Drachenblut allerhand Lumperey gemenget wird, deshalben will sich niemand damit belegen, ob es wohl noch gut genug ist. Etliche machen dieses Drachenblut mit Wasser weich, und thun es darauf B b 2 in Der Spezereyen und Materialien in Stuͤcklein Rohr, eben auf die Weise, als wie das aus den Canarischen Jn- seln. Obgemeldte Voͤlcker schmeltzen dieses Gummi, und legen kleine weisse, leichte Stoͤcklein drein; wenn sie sich nun gnug- sam voll Gummi gezogen, nehmen sie dieselbigen wieder heraus, und lassen sie trucken werden: damit reiben oder sto- chern sie hernach die Zaͤhne, und nen- Bois de Palile . nen diese Hoͤltzlein Bois de la Palile . Der- gleichen Stoͤcklein bringt die Jndiani- sche Compagnie gemeiniglich mit her- aus. Auch ist noch zu mercken, was etwa mag Gelegenheit gegeben haben, daß dieses Gummi Drachenblut ist genen- net worden: naͤmlich, es nennen die Einwohner den Baum, der dieses Gum- mi giebt, Draco. Da nun das Gum- mi eine rothe Farbe hat, und dazu un- ter der obersten Schale der Frucht eine Drachengestalt erscheinet, hat solches zusammen verursachet, daß man dieses Gummi Drachenblut genennet, da es doch billicher das Blut des Baumes Draco heissen sollte. Das neun und zwantzigste Capitel. Vom falschen Drachenblute. D Je Hollaͤnder uͤbersenden uns eine Gattung Drachenblut, in Gestalt breiter Kuchen, welche eine uͤberaus dunckelrothe Farbe haben, und auswen- dig und inwendig glaͤntzend sind, und ziemlich bruͤchig: wenn man es kratzet, sieht es noch roth genug; wird es ver- brennet, so riecht es wie Spanisch Wachs. Es ist aber nichts anders, als rechtes Drachenblut, nur daß es mit zweyen andern Gummen vermischet worden, deren Namen ich verschweige. Daß dieses gantz gewiß, kan man aus seiner viereckigten Figur ersehen, und wie es, annoch heiß, auf die Palmblaͤtter ge- schuͤttet worden. Uberdiß habe ich es selbst nachgemacht, und bewahre dassel- bige auch noch. Ausser diesem bekommen wir noch ei- ne Art Drachenblut aus Holland/ welches nichts anders ist als Arabisches Gummi oder Gummi von Senega, mit Fernambouc gefaͤrbet. Derowegen lasse man ihm dieses zur Nachricht die- nen, und gebrauche die beyden letzteren Sorten gar nicht; denn sie sind nichts anders, als ein und anderes Gummi, die weder die Farbe noch den Geruch des Drachenblutes, wohl aber eine gantz widrige Beschaffenheit haben. Das dreyßigste Capitel. Gummi Elemy. J St ein weisses Hartz, das sich nach dem gruͤnen ziehet, oder gruͤnlicht sie- het. Es rinnet aus den Ritzen, die man Siehe Fig. 290. in den Stamm und dickste Aeste eines Baumes gemacht, welcher von mittel- maͤßiger Hoͤhe ist, und lange schmale Blaͤtter hat, die weißgruͤn, und oben wie unten, als ob sie versilbert waͤren, sehen. Die Bluͤte entstehet aus einem kleinen Kelch, der wie die Blaͤtter gefaͤr- bet ist. Die Fruͤchte haben die Gestalt und Farben der Oliven: daher auch die- se Baͤume wilde Oelbaͤume genennet worden. Jn dem spanischen Jndien finden sich diese Baͤume in Menge, und von da- her wird dieses Gummi zu uns gebracht, als wie Kuchen, von zwey bis zu drey Pfund schwer, in Jndianische Rohr- blaͤtter gewickelt, deswegen es auch Gummi Elemy im Rohr betitelt Gummi Ele- my in Rohr. wird. Man erwehle dasjenige, welches tru- cken, nichts destoweniger aber weichlicht ist, weiß und gruͤnlicht siehet, und einen suͤssen, ziemlich lieblichen Geruch hat: auch gebe man Acht, daß es nicht Gali- pot in schlechtem Spicoͤl gewaschen sey, welches nur gar zu oft geschicht. Doch dieses kan gar bald gemercket werden, theils, weil es gar zu weiß, und dann, weil es sehr uͤbel, wie Terpentin riecht: so ist es auch allezeit in solche Blaͤtter ge- wickelt, dergleichen man an den Koͤrben des Naͤgleinholtzes zu sehen bekommt. Das also verfaͤlschte Gummi Elemy Falsches Gummi Ele- my. nennen diejenigen, die es verfertigen, Gummy Elemy aus America, und bedie- TAB. XLVII. Epheuͤstrauͤch der einen Lorberbauͤm hinan läuͤfft. Epheuͤ guͤmmi Fig. 292. p. 395. Gummi Elemy. Fig. 290. p. 391. Gummi Carannæ Fig 293. p. 395. Gummi Tacamacha Fig. 291. p. 393. Hauptbeschreibung ersten Theils achtes Buch. bedienen sich dieses saubern Vorwan- des, ihre Schelmerey dadurch zu ver- maͤnteln. Das aufrichtige Gummi Elemy, das wir aus Holland oder von Marseille bekommen, ist ein natuͤrlicher Wund- balsam, deshalben es auch unter den balsamum Arcæi genommen wird. Jn den Americanischen Jnsuln fin- det sich ein Baum, dessen Holtz weiß ist, und die Blaͤtter den Lorbeerblaͤttern gleich sehen, ohne, daß sie um ein gut Theil groͤsser sind. Dieser Baum ist dermassen voll Hartz, daß man ihrer fin- det, die bis 50. Pfund weisses Gummi geben, welches dem Galipot durchaus aͤhnlich ist, nur daß es nicht so heftig stincket. Weil aber dieses Hartz den Handelsleuten noch gar wenig bekannt ist, ob es gleich bey uns gantz gemeine, dannenhero verkaufft es ein ieder, so gut er kan: einige fuͤr das Gummi Elemy, andere fuͤr Gummi Anime, und noch andere fuͤr Tacamahaca. Allein man Americani- scher Galipot. moͤchte es viel eher Americanischen Galipot nennen, indem sein Geruch und Gestalt dem Galipot dergestalt bey- kommt, daß es gewißlich Muͤhe giebt, sie von einander zu unterscheiden. Dieses Hartz kommt in Faͤssern von unterschiedenem Gewichte, und ist in grosse Blaͤtter eingewickelt, deren Na- men ich bisanhero nicht habe erfahren koͤnnen. Sonst verkauffen wir noch zwey Sorten des Gummi Elemy, von de- nen das eine dem Hartzpeche so aͤhnlich siehet, daß kein Mensch einigen Unter- schied darunter zu machen vermoͤchte, wenn nicht der liebliche aromatische Geruch thaͤte, und daß es allezeit mit solchen Blaͤttern, als wie das Naͤglein- holtz umwickelt ist. Die andere Gat- tung des Gummi Elemy sieht aschgrau, und zieht sich aufs braune, und kommt in dicken, trucknen und leicht zerbrech- lichen Stuͤcken. Weil mir aber un- moͤglich gewesen zu erfahren, was doch nur diese beyden Sorten dieses Gummi Elemy seyn moͤchten, deshalben will ich lieber gar nichts weiter davon geden- cken, sondern nur vermelden, wie daß ich gaͤntzlich glaube, daß es gutes und verdorbenes Gummi Elemy seye, das man in ziemlicher Menge umgeschmol- tzen und wieder umgesotten haben wird. Wiewohl ich auch dieses fuͤr keine Wahrheit auszugeben begehre, dieweil ichs selbsten nicht recht weiß. Das ein und dreyßigste Capitel. Tacamahaca. Siehe Fig. 291. T Acamahaca ist ein fluͤßiges durch- sichtiges Hartz; rinnet aus dem Stamme gar dicker Baͤume, deren die Menge in Neuspanien waͤchst, wie auch auf der Jnsul Madagascar, wo- selbst sie Harame genennet werden: sie sehen unsern Pappelbaͤumen gleich genug. Diese Baͤume sind mit gruͤnen, den Buchsbaumblaͤttern nicht unaͤhnlichen Laube besetzet, nach welchem die rothen Fruͤchte folgen, die so dicke sind als unsre gruͤnen Nuͤsse, in denen ein wohlriechen- des balsamisches Hartz befindlich ist. Die Einwohner selbiger Jnseln ritzen den Baum auf, daraus dringet alsdann ein weisser heller Saft, welcher stracks darauf, so bald er nur herabgefallen, er- hartet. Dessen bedienen sich die Leute wider die kalten Fluͤsse, wie ingleichen zu Stillung der Zahnwehtagen ; vor- nehmlich aber ihre Schiffe und Gefaͤse damit zu verpichen. Aus dem Holtze machen sie Breter. Die auf der Jnsel S. Laurentius hatten die Gewohnheit, daß sie das erste Hartz, welches von sich selbst, und ohne daß sie in den Baum geschnitten, heraus geflossen, in kleine halb von einander ge- spaltene Kuͤrbse thaten, und ein grosses Blatt, als wie ein Palmblatt, oben dꝛauf legten: welches dann etliche Scriben- ten unter dem Namen Tacamahaca sub- Tacamahaca sublimis, oder en coque . limis verstehen. Dasselbe aber muß, wenn es, wie sichs gebuͤhret, beschaffen seyn soll, trucken und roͤthlicht seyn, und durchsichtig; gut riechen, fast wie La- vendel, und bitterlich schmecken. Wir pflegen es Tacamabaca en coque , in Scha- len, zu nennen. Was aber aus den Ritzen, die in den Tacamahaca in Stuͤcken und in Tro- pfen. Baum gemachet worden sind, abrin- net, das wird in Stuͤcken zu uns ge- bracht, bisweilen auch in Tropfen Ge- stalt, schier wie der Jndianische Wey- B b 3 rauch, Der Spezereyen und Materialien rauch, und man soll es erwehlen, wenn fein viel schoͤne Tropfen drunter sind, es auch fein sauber und trucken ist, dazu dem erstern, was den Geruch betrifft, so nahe kommt, als immer moͤglich. Das zwey und dreyßigste Capitel. Vom Epheugummi. L A Gomme de Lierre , Gummi Hederæ, das Epheugummi ist ein fluͤßiges Hartz, welches im herabrinnen harte wird. Dieses Gummi waͤchst haͤuffig in Jn- dien/ Jtalien, Provence und Lan- guedoc/ auf den grossen Epheustraͤu- chern/ welche die Baͤume und Mauern hinan kriechen. Als ich im Jahr 1680. zu Montpel- lier in dem koͤniglichen Garten herum- spatzirte, wurde ich eines grossen Epheu- Siehe Fig. 292. strauchs gewahr, der an einem Lorber- baum hinauf gelauffen: an dessen Hauptzweige, gantz oben, sasse ein Stuͤ- cke Gummi, so dicke als eine Faust. Die- ses verlangte ich von des damahligen Cantzlers, des Herrn Chiconneau Sohne, der es mir auch geben lies. Sol- ches, nachdem ichs wohl examiniret, be- fand ich als wie einen Leim, roth von Far- be, eines starcken durchdringenden und sattsam uͤbeln Geruchs. Nachdem ich es aber eine Zeitlang verwahret, wurde es trucken, ließ sich leichtlich zerreiben, und sahe Tannetfarben aus, eben also, als wie das aus Jndien uͤber Mar- seille zu uns kommt. Man lese dasjenige aus, welches fein trucken und durchsichtig ist, anbey einen balsamischen Geruch hat, und nehme sich in Acht, daß es nicht das Gummi Alouchi sey, welches oftmahls dafuͤr eingeschoben wird, absonderlich, wenn jenes theuer ist. Es wird zu Wegnehmung der Haare dienlich erachtet, wie auch zu Heilung der Wunden. Das drey und dreyßigste Capitel. Gummi Carannæ. Siehe Fig. 293. J St ein Gummi, welches aus den Staͤmmen sehr vieler, dem Palm- baum gantz aͤhnlicher Baͤume rinnet, welche in Neuspanien befunden wer- den. Dieses Gummi wird uns in solchen Rohrblaͤttern, deren oben gedacht, uͤber- sendet, und muß, wenn es gebuͤhrend beschaffen, so weich, als wie ein halbge- kochtes Pflaster seyn, graulichter und auf weiß sich ziehender Farbe, eines an- genehmen, ziemlich aromatischen Ge- ruchs. Es melden einige Scribenten, daß es auch weisse Caranna gebe, welches ich gantz gerne glaube, denn sie also sehen kan, wenn sie erst kuͤrtzlich vom Baume kommt. Wann sie demnach die obbe- schriebene Farbe hat, ruͤhret selbige nir- gend anders her, als von ihrem Alter. Dannenhero soll sie auch um soviel desto hoͤher gehalten werden, ie weisser man sie findet: dagegen muͤssen alle die har- ten Gummen verworffen werden, die man an ihre Statt gestellet hat, wenn sie zu theuer ist, ob sie auch schon eine gleiche Farbe haͤtten. Wann dieses Gummi in Form eines Pflasters aufs Haupt geleget wird, stil- let es recht wundersam desselben und sei- ner Sutur en oder Naͤthe Schmertzen: denn es hat solche Kraft, daß man zu sagen pflegt, was die Tacamahaca nicht vermag zu heilen, dasselbe heilet die Caranna. Aus diesem Gummi bereiten die Americani- scher Balsam. Americaner einen Balsam, der zu Hei- lung der Wunden und zur goldnen Ader gar dienlich ist, auf folgende Art. Sie nehmen des besten Terpentins 1. Loth oder halbe Untze. Liquidambar/ 6. Loth. Copayvabalsam/ Tacamahaca, Caranna, von iedem 4. Loth. Mastix, Myrrhen/ Aloe/ Weyrauch/ Drachenblut/ Fleischleim, iedwedes anderthalb Quintlein. Und daraus bereiten sie den Balsam solcher Hauptbeschreibung ersten Theils achtes Buch. solcher Gestalt. Sie lassen die Gum- mata und Hartze uͤbern Feuer zerge- hen, und ruͤhren hernach die Pulver drein. Das vier und dreyßigste Capitel. Bdellium. Siehe Fig. 294. D As Bdellium ist ein Gummi, wel- ches die Alten so gar auf unter- schiedliche Weise beschrieben haben. Denn etliche sagen, es fliesse aus dem Stamme eines stachlichten Baumes, dessen Blaͤtter dem Eichenlaube gleich waͤren, die Fruͤchte wie die Feigen, von ziemlichen guten Geschmack. Andre wollen, daß er demjenigen Baume gleich sey, der die Myrrhen giebt, und daß die- se Baͤume sehr haͤuffig in der Landschaft Bactriana, dem gluͤcklichen Ara- bien und in Jndien wuͤchsen. Und die- ses ist dem Ansehen nach, dasjenige Bdellium/ das man uns anietzo von Marseille uͤbersendet, und in der That nichts anders ist, als das Gummi Alouchi/ ob es schon von ihrer etlichen fuͤr das wahrhafte Bdellium gehalten wird. Jch aber will nur dieses sagen, daß dasjenige, das auch in der Handlung und von allen verstaͤndigen Kauffleuten dafuͤr erkannt und aufgenommen wer- de, das Gummi sey, welches vor acht- zehen oder zwantzig Jahren unter dem Gummi von Senega gefunden, und den Faͤrbern bekannt wurde, weil es nicht, als wie das andere, zergienge. Dannenhero examinirten es ein und andere Personen, und erkannten es fuͤr das wahrhafte Bdellium. Allein, seit der Zeit, daß seine Tugend bekannt worden, findet man sehr wenig mehr darunter, und kaum fuͤnff Untzen in ei- nem Stuͤcke, das fuͤnff Centner schwer ist. Man soll das Bdellium erwehlen, welches in hellen und durchsichtigen Stuͤcklein ist, die von aussen grau und roͤthlicht, inwendig wie der Englische Leim aussehen, und ihre Farbe veraͤn- dern, wann man mit der Zunge druͤber hin faͤhret. Doch darff man sich weder an die Farbe, noch an die Gestalt kehren, in- dem dieselbe nicht einerley ist: iedennoch ist die schoͤnste insgemein laͤnglicht, als wie ein Ohrgehencke. Groͤstentheils wird es zum Mithri- dat, Emplastro divino und andern Gale- nischen Artzneyen gebraucht. Das fuͤnff und dreyßigste Capitel. Vom Fleischleim. S Arcocolla, der Fleischleim/ ist ein Gummi, das aus einem kleinen stach- Siehe Fig. 295. lichten Baͤumlein rinnet, dessen Blaͤt- ter den Sennesblaͤttern, de la Palthe ge- nannt, gleich sehen, und von Farbe weiß- gelblicht sind. Es melden fast alle Scribenten, daß diese Baͤumlein in Persien wachsen: mir aber haben dennoch zwey gute Freunde den 25. des Brachmonats 1692. aus Marsilien folgendes uͤber- schrieben. „Der Fleischleim ist ein Gummi, wel- „ches im wuͤsten Arabien gesammlet „wird: der Baum ist klein, und sehr „stachlicht. Es soll aber der Fleischleim wie Tro- pfen oder koͤrnicht erwehlet werden, an Farbe weiß seyn, doch daß sie sich nach gelb oder roth ziehen, an Geschmack, als wie Zucker, mit einer ziemlichen un- angenehmen Bitterkeit begleitet. Dieses Gummi ist einer wundersa- men Natur, denn es von ihm selbst, und ohne Schnitt aus den Baͤumen drin- get, als wie Thraͤnen, welche allerley Groͤsse und Farbe haben, inmassen es weisse, gelbe und rothe giebet, die wenn sie trucken worden, sich dergestalt koͤr- nen, wie wir sie von Marseille/ und zu Gesichte bekommen. Sonst findet sich noch eine Gattung des Fleischleimes, in Gestalt einer braunen Massa, welche einem vermisch- ten Wesen nicht ungleich siehet: doch halte ich dafuͤr, daß es zwar Fleischleim sey, der aber auf der See oder auf an- dere Weise Schaden genommen, und auch deswegen gantz und gar ausge- worffen werden soll, sowohl als wie der- jenige, dessen kleine Koͤrner braun sind, und mit tausenderley Unreinigkeit er- fuͤllet, dann diesem Unfall ist er gar sehr unterworffen. Jm Der Spezereyen und Materialien Jm uͤbrigen ist dieses Gummi vor- trefflich gut zu Wunden: und eben des- wegen hat es auch den Griechischen Na- men Sarcocolla, welches soviel heißt, als Fleischleim, uͤberkommen. Das sechs und dreyßigste Capitel. Euphorbium. Siehe Fig. 296. D Jß ist ein Gummi, welches zwischen dicken und stachlichten Blaͤttern, so die Gestalt eines Baumes haben, her- abrinnet: dieselben befinden sich in Menge in Lybien, und auf dem Berge Atlas in Africa. Die Alten haben vielerley Dinge von der Natur des Euphorbii, und wie es ge- sammlet werde, aufgeschrieben. Etli- che sagen, es rinne aus den Ritzen, die mit langen und an der Spitze mit Ei- sen beschlagenen Stangen darein gema- chet wuͤrden, damit man den Geruch, welcher uͤber alle massen schaͤdlich seyn soll, nicht empfinden duͤrffe. Sobald nun diese Blaͤtter aufgeritzet worden, so lauffe alsofort ein milchweisser Saft heraus, welcher in Schafsmaͤgen, die die Einwohner ausdruͤcklich zu diesem Ende darunter gestellet, aufgefangen werde. Andere aber vermeinen, es sey der dick- gemachte Saft einer gruͤnen Frucht, welche so groß und gestaltet sey, als wie die Gurcken. Allein, wer es so viel mahl gesehen, und handthieret hat wie ich, wird bald erkennen, daß es kein dick- gemachter Saft, sondern das Gummi eines Baumes sey. Zudem, so habe ich ein Blatt von diesem Gewaͤchse, welches so lang und so dicke ist als der Mittelfin- ger an der Hand, und vierecket: an ie- der Ecke sitzen ein Hauffen kleine sehr spitzige Stacheln, und unter diesen das Euphorbium, welches sonder Schnitt hervorgedrungen, gleichwie aus der Fi- Siehe Fig. 297. gur mit A. bezeichnet, zu ersehen. Man erwehle aber das Euphorbium, welches feine frische Tropfen hat, die goldgelb sehen, und mit so wenig klei- nen Broͤcklein, als nur seyn kan, ver- menget, anbey recht trucken und sauber sind. Unter dem Euphorbio befinden sich ein Hauffen kleiner Koͤrner, die wie Klee aussehen, oder noch besser zu sagen, wie die Fruͤchte des Spindelbaums, Pfaf- fenmuͤtzlein; sind sehr leichte, und an Farbe dem Coriander gleich: inwendig liegt ein klein Korn, wie ein Nadel- knopf, das soll, wie man mich versichert hat, des Euphorbii Samen seyn. Diese Spezerey ist in der Artzney sehr wenig braͤuchlich, wegen ihrer uͤber- maͤßigen Hitze, und allzu grossen Schaͤrffe: dagegen wird sie vielfaͤltig von den Schmieden gebraucht, weil sie trefflich gut ist wider die Raude und Schaͤbigkeit der Pferde. Die Africaner brauchen dieses Gummi auch innerlich: allein sie wa- schen es vorher mit Portulacwasser, ihm dergestalt die Schaͤrffe zu benehmen. Das Euphorbium ist dermassen gefaͤhr- lich zu stossen, daß, wann diejenigen, die es zu stossen willens sind, nicht alle er- sinnliche Vorsichtigkeit gebrauchen; es sanfte stossen, den Moͤrser oben mit Oel oder Wasser bestreichen, und also das subtilste zuruͤcke halten, ihn auch mit ei- nem sonderlich dazu verfertigten Felle bedecken, und die Nasenloͤcher mit Baumwolle verstopfen; sie in Gefahr stehen, so lange zu niesen und zu raͤu- spern, bis das Blut nachgehet, und da- bey die heftigsten Schmertzen auszuste- hen. Dannenhero duͤrffen diejenigen, wel- che viel Euphorbium haben, so wie es aus dem Lande kommt, dasselbe nur sanf- te durch ein bedecktes Sieb staͤuben las- sen: denn weil diese Waare ohnediß voll kleines Zeugs und Staubes ist, als ha- ben sie nicht noͤthig, es stossen zu lassen, damit sie das Pulver davon bekommen. Was das Euphorbium vitrificatum ist, dessen Mævius gedencket, weiß ich nicht. Das sieben und dreyßigste Capitel. Vom Weyrauch. Siehe Fig. 298. O Libanum, auch Encens mâle , Olibanum masculinum genennet, ist ein Gum- mi, welches aus den Ritzen der Staͤm- me gar vieler Baͤume fliesset, welche in dem gelobten Lande und dem gluͤck- lichen Arabien zu befinden sind, allda sie in haͤuffiger Menge wachsen, abson- derlich am Berge Libanon, dah er es auch Hauptbeschreibung ersten Theils achtes Buch. auch den Namen Thus Libani, Wey- rauch vom Berge Libanon uͤber- kommen hat, weil es die Heyden ihre Goͤtzen zu beraͤuchern und zu weihen ge- brauchet. Es wird aus Arabien uͤber das rothe Meer, nach Egypten, fol- gends nach Cairo, von da nach Alexan- dria/ und endlich zu Schiffe nach Marseille gebracht. Es berichten einige, daß, wann der Stamm der Weyrauchtꝛagenden Baͤu- me aufgeritzet worden, und sie nun zu fliessen beginnen, niemand vergoͤnnet sey den Weyrauch zu sam̃len, als einer gewissen Familie, welche fuͤr heilig ge- halten wird. Man mag den Weyrauch erwehlen, wenn die Tropfen schoͤn weiß und etwas gelblicht sehen, und den Speichel weiß machen, als wie Milch, wenn man sie gekaͤuet hat, dazu auch, wenn sie bitter und unangenehme schmecken. Hinge- gen soll man denselbigen verwerffen, darunter viel Staub und ein Hauffen Maronen und Feigen, desgleichen kleine gelblichte Tropfen befindlich sind, wel- ches sich gar ofte zutraͤgt. Er kommt unter viel Galenische und Chymische Artzneyen, vornehmlich aber wird er zu den Osterlichtern gebraucht, desgleichen zu Stillung der Zahn- schmertzen/ ob dieses gleich hoͤchst un- recht ist; dann indem er die Schmertzen stillet, verderbt er die zu nechst stehenden Zaͤhne zugleich: welches ich dennoch fuͤr gewiß auszugeben nicht getraue, weil ich es nicht versucht habe. Das acht und dreyßigste Capitel. Vom Weyrauch von Mocca. D Jeses ist nichts andeꝛs, als eine Gat- tung Weyrauch in kleinen Tropfen oder Stuͤcken, die aber uͤberaus voll Un- rath sind, sieht roͤthlicht und schmecket etwas bitter. Die Jndianische Com- pagnie hat ihn nach Franckreich ge- bracht, deshalben er auch der Compa- gnie Weyrauch, desgleichen Jndia- Jndianischer, Weyrauch. nischer Weyrauch und Olibanum genennet wird. Er wird zu nichts gebraucht, als nur den guten nachzumachen, wird auch von etlichen gantz faͤlschlich fuͤr Bdellium verkaufft. Das neun und dreyßigste Capitel. Manna thuris. S Jnd kleine, runde, klare und durch- sichtige Koͤrner, die sich unter dem Weyrauch befinden, und zu eben sol- chen Sachen, dazu der Weyrauch kommt, genommen werden. Das viertzigste Capitel. Vom Weyrauch-Rus. D Er ist nichts anders, als das kleine Zeug vom Weyrauch, welches auf gleiche Weise, wie das Arcanson, ver- brannt und Rauchschwartz oder Rus davon bereitet wird. Seit dem man aber erkennet, daß der Weyrauch mehr Kraͤfte habe, wenn er gantz ist, als wenn er verbrennet worden, daher gebraucht man diese Waare gar nicht mehr. Wer mehr davon zu wissen begehrt, der schlage den Plinius pag. 737. nach, woselbst von diesen, wie auch von der Myrrhe, weitlaͤufftig genug gehandelt worden ist. Das ein und viertzigste Capitel. Vom Gummi Copal. D As Gummi Copal, das wir Co- pal aus Orient, oder das Orien- talische Copal nennen, ist ein klares durchsichtiges gelbes Hartz, welches von nicht gar zu hohen Baͤumen herabrin- Siehe Fig. 299. net, die mit gruͤnen, und also, wie die Fi- gur weiset, formirten Blaͤttern versehen sind; die lichtbraunen Fruͤchte gleichen unsern Gurcken, in denen ein trefflich wohlgeschmacktes Mehl verborgen steckt. Von diesem Hartze erwehle man die schoͤnen und recht goldgelben Stuͤcken, dadurch man das Licht erblicken kan; C c die Der Spezereyen und Materialien die Stuͤcken moͤgen gleich noch so dicke seyn; auch muͤssen sie sich nicht allein mit den Fingern, sondern auch zwischen den Zaͤhnen leichtlich zerdruͤcken lassen, und einen guten Geruch, fast wie Wey- rauch, von sich geben. Dieses Hartz wird gar selten nach Franckreich gebracht, deshalben auch sein Gebrauch, und wie es anzuwenden, so gar unbekannt ist, ob es schon in Jn- dien und Neuspanien gnugsam genu- tzet wird. An seine statt aber bringen sie uns aus den Americanischen Jn- Americani- sches Copal. seln ein ander Gummi Copal, wel- ches etliche, wiewohl unrecht, Carabe nennen. Es rinnet dieses Gummi, von ihm selbst, aus den Staͤmmen und Aesten gar grosser Baͤume, die unsern schwar- tzen Pappelbaͤumen nicht unaͤhnlich se- hen, und haͤuffig auf den Bergen in den Antillen Jnseln wachsen, von dannen es durch die Schlag- und Platzregen, welche an den Baͤumen, von denen die- ses Gummi natuͤrlicher Weise herabge- fallen, hingelauffen, an die Ufer der Fluͤsse gefuͤhret wird. Man soll es aber unsortirt erweh- len, d. i. so wie es von Nantes und Rochelle gebracht worden ist: doch soll das weisse dem roͤthlichten, dem schwar- tzen und erdfahlen vorgezogen werden. Es wird ein Verniß, mit Weinspiri- tus, daraus gemacht: auch wird es an statt der rechten Carabe verkauffet, wel- ches aber unbillich ist, weil es nicht nur derselben gantz und gar nicht gleichet, sondern auch bey weitem nicht so sehre stincket, wenn es angezuͤndet wird, und diesemnach auch nicht so kraͤftig ist, die Duͤnste zu zertheilen. Das zwey und viertzigste Capitel. Cancamum. D Jeses ist eine Waare, darum man bisanher genug gestritten, indem es einige fuͤr das Gummi Lacca, andere aber fuͤr Myrrhen, Benzoe oder Terra merita gehalten. Allein es hat der Herr Brissot, ein Medicus aus Paris, bey seiner Zuruͤck- kunft aus Westindien, ein Gummi mit vier unterschiedenen Farben nach Franckreich mitgebracht, unter denen die erste wie Agtstein, die andere wie Arcanson, und die nach dieser, als wie Horn gesehen, an welcher hernach ein trucknes weisses Gummi hienge, wel- Gummi Ani- mæ ches wir unter dem Titel Gummi Ani- maͤ verkauffen. Viel werden zwar meinen Worten keinen Glauben geben, obgleich Da- lechamp und andere auch davon ge- handelt haben; jedoch bin ich bereit der Sache Wahrheit mit einem Stuͤcke von solchem Gummi, das einer Faust dicke ist, und ich besitze, zu erweisen, denn daran sind alle diese vier Arten Gummi an ein- ander gleichsam gefuͤget, zu sehen. Siehe Fig. 300. Der Baum, der diese vier Gummen traͤgt, ist nicht allzuhoch, und hat Blaͤt- ter, wie die Myrtenbaͤume, waͤchst haͤuf- fig in Africa/ Brasilia, und auf der S. Christophels Jnsel, von dannen mein Stuͤck hergekommen, so mir den 31. Julius 1686. von einem guten Freunde verehret worden, der es von ei- ner vornehmen Person, zu welcher er von dem Gouverneur der gemeldten Jn- sel gesendet worden, erhalten hat. Dasjenige, das dem Agtsteine glei- chet, zerschmiltzet, wenn es angezuͤndet oder verbrannt wird, und riecht wie Gummi Lacca. Das andere und schwartze zerschmiltzt ebenfalls, riecht aber viel anmuthiger. Das dritte aber, das wie Horn sie- het, hat fast gar keinen Geruch, sowohl als das vierte, welches das Gummi Ani- maͤ ist. Sehet also, was das wahrhafte Cancamum sey. Die dessen habhaft werden koͤnnen, moͤgen es, in Oel zer- lassen, zu Heilung der Wunden gebrau- chen. Zu Stillung der Zahnschmer- tzen wird es so, wie es von dem Baume kommt, aufgeleget. Weil aber wir zu Paris nur allein das Gummi Animaͤ zu sehen bekom̃en, deswegen soll man dasselbe aussuchen, welches weiß und trucken ist, sich leicht zerreiben laͤßt, einen guten Geruch hat, und so viel als moͤglich, weder gypsicht, noch mit den andern Gummen vermi- schet ist: denn obgleich diese an Kraͤften nicht von jenem unterschieden, dennoch hindern T A B X LV III . Euphorbium Fig. 297 p. 399. Sarcocolla oder Fleischlein. Fig. 295. p. 397. B. dellium Fig 294. p. 397. Euphorbium Fig 296. p. 399. Samen des Euphorbu Gummi Copal Fig. 299. p. 401. Cancamum Fig. 300. p. 403. Hauptbeschreibung ersten Theils achtes Buch. hindern sie den Verkauff, sonderlich, wenn es Leute sind, die nicht wissen, auf was fuͤr Art und Weise es von dem Baume fleußt. Dieses Gummi wird selten zur Artz- ney gebraucht, ob es gleich mit herrli- chen Kraͤften begabet, und ein natuͤrli- cher Balsam ist. Etliche geben das Gummi Animaͤ/ wiewohl gantz irrig, fuͤr das Gummi Elemy aus, ungeachtet kein geringer Unterschied darzwischen, indem das G. Animaͤ weiß und trucken, das Elemy dagegen schmiericht ist, und gruͤnlicht weiß siehet. Das wie Arcanson siehet, wird von einigen Myrrha Animaͤ genennet. Myrrha ani- mæ. Die Africaner brauchen dieses Gummi an statt des Weyrauchs. Das drey und viertzigste Capitel. Vom Gummi Lacca. D Je natuͤrliche Lacca/ oder die Lacca auf Stoͤcklein ist ein roͤth- lich, hartes, hell- und durchsichtiges Gummi, welches an kleinen Stoͤcklein und Bißlein Rohr hangend, in der Laͤn- ge und Dicke eines Fingers, aus dem Koͤnigreiche Pegu, woselbst es in Men- ge zu finden, zu uns gebracht wird. Von diesem Gummi berichtet der Dieser Rous- seau war ein Kauffmann zu Paris: nachdem er aber durch den Brand, welcher den grossen Saal des Palastes verzehrete, in Grund ver- derbet wor- den, sich also nebst seinem Weibe und fuͤnff Kindern in das groͤste Armuth ge- setzet sahe, ward er Raths, Sie- gelwachs zu machen, und zwar auf die Art und Wei- se, wie eꝛ es in Jndien berei- ten sehen. Solches Sie- gelwachs zei- gete die Frau von Lon- gueville, ei- ne sehr gut- thaͤtige Da- me, dem Koͤ- nig Ludwig XIII. und da es bey Hofe eingefuͤhret wurde, ver- that er dessen so viel, daß er in weniger, als Jahres Herr Rousseau ; welcher sich eine ge- raume Zeit in Jndien/ und sonderlich in Persien und Pegu aufgehalten auch allda das Gummi Lacca zuzurichten er- lernet; wie daß es in selbiger Gegend viel Ungeziefer gebe, unsern gemeinen Fliegen gantz und gar aͤhnlich, welche, als wie bey uns die Bienen, den Thau auf den Baͤumen sammleten: wenn sie nun sich damit angefuͤllet, legten sie ih- re Buͤrde auf alles, was ihnen vorkaͤ- me, ab. Dahero pflegten die Leute an denenselbigen Orten einen Hauffen klei- ne Zweige von Baͤumen, oder andere Hoͤltzlein und Stuͤcklein Rohr zu neh- men, steckten dieselben nur ein klein we- nig in die Erde, etwa so, wie wir die Erbsen zu stengeln pflegen, da dann die- se Thierlein alsobald darauf kroͤchen, und sich ihrer Last entledigten. Wenn sie nun dieselbe abgeleget, sich selbst aber darinne begraben, sodann waͤren ge- meldte Leute bemuͤhet, und liessen, ver- mittelst besonderer Schleusen, Wasser druͤber her lauffen: wann denn hernach die Sonne drauf geschienen, wuͤrde es trucken, und dermassen harte, als wie wir es zu sehen bekommen. Es ist auch ohnedem gar leichtlich und wohl zu erkennen, daß das Gummi nicht aus diesen Hoͤltzlein, an denen es han- get, geflossen, weil nicht die geringste Spur zu finden, daß es daraus gelauffen koͤnte seyn. Die Schoͤnheit und Guͤte dieses Gummi entstehet aus der Men- Zeit, mehr denn 50000. Pfund ge- wanne. Er gab diesem Wachse den Namen Spanisch Wachs/ es also von der geschmoltz- nen und mit Vermeillon gefaͤrbten Lacca, der- gleichen man ehedessen sa- he, und den Namen Po tugisisch Wachs fuͤh- rete, zu un- terscheiden. ge derer darinne steckenden Fliegen. Wie dann der Herr Rousseau versichert, daß der Hintertheil dieser Fliegen, in Weinspiritus geleget, demselben eine so schoͤne rothe Farbe mittheile, als man sich kaum einbilden solte: und diese Hin- tertheile der Fliegen koͤnte man mit bes- serm Rechte das Conzenillenthierlein nennen, weder die Conzenille Misteca, davon oben. Wann nun dieses Gummi seine Vollkommenheit erlanget hat, so ziehen sie die mit Lacc belastete Stoͤcklein wie- der aus der Erde heraus, und behalten sie auf, zum Theil die Farbe daraus zu ziehen, zum Theil aber sie an andere Nationen zu verhandeln, sonderlich an die Hollaͤnder, von denen wir hernach bekommen, was wir Lacca an Stoͤck- Lacca an Stoͤcklein oder Rohr hangend. lein oder Roͤhrlein hangend zu nen- nen pflegen. Man soll aber dieses Gummi erweh- len, wenn es fein hell und durchsichtig ist, und fein bald zergehet; wenn auch nicht viel Stoͤcklein, schwartzes Gummi oder anderer Unrath darunter zu befin- den, welches doch sehr ofte zu geschehen pflegt: so muß es auch den Speichel faͤr- ben, wenn es gekauet wird, und mit Wasser und etwas sauern gekocht, ei- ne schoͤne rothe Farbe geben. Aus die- ser Tinctur verfertigen die Jndianer die rothe Farbe, die wir auf denen in Jn- dien gefaͤrbten Tuͤchern ersehen, und im Wasser nicht ausgehet. Eben damit faͤrben die Morgenlaͤnder das Saffi- anleder, und die Jndianer das so ge- nannte Jndianische Wachs, wie aus folgendem zu ersehen seyn wird. Die Holl- und Englaͤnder bereiten Schar- lach draus. Wann die Holl- und Englaͤnder C c 2 das Der Spezereyen und Materialien das beste aus der Lacca ziehen wollen, lassen sie dieselbe auf einer Muͤhle nur durchlauffen; was nun durch den Beu- tel faͤllt, behalten sie zur Farbe: aus dem Uberrest, den sie uns uͤbersenden, und das schlechte ist, und jenem, haben sie vermittelst eines oder des andern sau- ern, die Tinctur herausgezogen, ohne daß sie ihm seine Gestalt und Form ge- nommen: hernach lassen sie es wieder trucken werden, und thun es in Ballen, die sie uns uͤbersenden. Dieses nennen Granulirte oder koͤrnich- te Lacca. wir granulirte oder koͤrnichte Lacca, welche fein bald zergehen, und der Lac- ca auf Stoͤcklein, so viel immer moͤglich, an Guͤte gleich kommen muß. Wann obbemeldte Nationen die Platte Lacca. platte Lacca zurichten wollen, neh- men sie die Lacca, wie sie von den Roh- ren kommt, lassen sie zergehen, und schuͤt- ten sie darauf auf einen Marmorstein, und machen sie so breit und duͤnne, als wie wir sie zu sehen bekommen. Ob sie uns auch schon zweyerley solche Lac- ca zuschicken, ruͤhret dieses doch allein daher, daß die Lacca schoͤner oder gerin- ger gewesen. Uber diese aber giebet es noch eine dritte Sorte, welche schwaͤrtz- licht ist, allein die Ursache ist, daß sie die Tinctur bereits herausgezogen. Und vor einigen Jahren brachten die Eng- laͤnder eine grosse Menge recht schoͤner Lacca nach Franckreich, dieselbe sahe wie Ohren aus und bekame deshalben Ohren Lacca. den Namen Gomme en oreilles , Ohren Gummi : seit dem aber hat man sie nicht weiter gesehen. Was endlich die Wahl der Laccgum- men betrift, so ist wohl das vornehmste Zeichen ihrer Guͤte, wenn sie fein bald zergehen: denn alles Lacc, das nicht stracks zerfliesset, dienet zu nichts als wegzuschmeissen, bevoraus, wenn es zum Spanischen Wachs, wozu es doch sonderlich gebrauchet wird, soll genom- men werden. Die platte Lacca be- langend, dieselbe soll glaͤntzend seyn, hell und durchsichtig, nicht gruͤnlicht, so hoch an der Farbe, und so duͤnne, als immer seyn kan. Die nach dieser soll bey nahe, gleichwie die erstere beschaffen seyn. Die dritte, aus der die Farbe gezogen, und die deswegen zu nichts nicht taug, als zum Spanischen Wachse, die muß nicht verbrannt seyn, auch fein bald zergehen. Unter der koͤrnichten aber solche Lacca zu suchen, die stracks zergehet, duͤrffte schier gar ein Fehler seyn, denn es nur von ohngefehr kommt, wenn man ihrer darunter antrifft. Derowegen lassen sie die Siegelwachsmacher klein mah- len, weil sie sich sonst nicht schmeltzen laͤßt. Vom Jndianischen Wachse. Dieses wird aus Gummi Lacca berei- tet, welches geschmoltzen, und mit etwas Vermeillon oder Zinnober angefaͤrbet, hernach zu runden oder platten Stan- gen gemachet ist, so wie wir es sehen. Man soll aber dieses Wachs auslesen, welches fein wohl fliesset, fein dichte, und ohne braune flecken und Reißsprey, da- neben so hoch an Farbe sey, soviel nur moͤglich. Es wird zu nichts anders, als zum Briefversiegeln, gebrauchet: und dieses soll den Namen, aufrichtiges Sie- gelwachs, fuͤhren. Das andere, wel- ches diejenigen, die damit umgehen und handeln, zu Paris verkauffen, ist meh- rentheils nichts anders, als koͤrnichte Lacca, welche gemahlen und mit zer- schmoltzenem Hartze incorporiret und vermischet, und hernach mit blanc de Seve und Vermiellon gefaͤrbet ist, und al- so verkauffet wird. Weil aber dieses Wachs eine haͤßliche Farbe hat, indem sie nicht gnug Vermeillon drunter thun, deshalben nehmen sie schoͤn roth gefaͤrb- tes Laccgummi, stecken ihre haͤßliche Es giebt auch ohne das ro- the Siegel- wachs noch ander gefaͤrb- tes, z. E. schwartzes/ so mit Rus, gel- bes, mit ge- riebenen O- perment ge- faͤrbet, und dergleichen noch mehr. So thun auch etliche etwas Zibet darunter, da- mit es einen guten Geruch bekomme. Wachsstangen drein, halten sie darauf zum Feuer und rollen sie hernach, ma- chen also und auf diese Weise Wachs, das aussenher gar schoͤn, das ist, roth und glaͤntzend siehet. Allein, der Betrug ist leichte zu entdecken, denn man im bre- chen bald sehen wird, daß das inwendi- ge sich zu dem auswendigen nicht schicke: man wuͤrde uͤberdiß das Papier viel eher zerreissen, als das Wachs davon und herabbringen. Jch wuͤrde nicht zum Ende kommen, wenn ich recht gruͤndlich wolte von dem Siegelwachse handeln, welches, obwohl faͤlschlich, fuͤr Spani- sches Siegelwachs ausgegeben wird, da es doch die Spanier niemahls gemacht haben, auch nicht einmahl wis- sen, was es ist, denn sie sich nur gewis- ser kleiner Massen zum siegeln bedienen. Das Hauptbeschreibung ersten Theils achtes Buch. Das vier und viertzigste Capitel. Vom Balsam aus Judea. D Er Balsam aus Judea, den wir insgemein Opobalsamum, Egypti- schen Balsam, desgleichen Balsam von groß Cairo zu nennen pflegen, derselbe ist ein fluͤßiges weisses Hartz, welches im Sommer aus dem Stamme eines kleinen Baͤumleins rinnet, dessen Siehe Fig. 301. Blaͤtter den Rautenblaͤttern nicht un- aͤhnlich sehen: die weissen Bluͤmlein sind wie Sternlein formiret, aus deren Mit- ten kleine Beerlein entstehen, die an dem einen Ende zugespitzt sind, und ein klei- nes Korn beschliessen. Diese kleine Frucht, Carpobalsamum, Balsamfrucht genañt, haͤnget an klei- nen Stielgen an den Aesten, und ist an- fangs gruͤne, wird aber immer braͤuner, ie mehr es zeitiget. Sonst war Jericho der eintzige Ort, allwo der wahrhafte Balsam wuch- se: seit dem aber der Tuͤrcke das gelob- te Land unter seine Gewalt gebracht, hat er die Balsambaͤumlein in seinen Garten zu Materra bey groß Cairo versetzen lassen, woselbst sie, so lange der Balsam laufft, von einem Truppen Janitscharen bewachet werden. Ein guter Freund, der zu groß Cairo gewesen, hat mich versichert, daß man diese Baͤumlein nicht anders, als uͤber die Mauern des damit verschlosse- nen Gartens sehen koͤnte, dann der Ein- tritt wuͤrde den Christen verwehret. Den Balsam selbst an der Stelle zu er- halten, ist fast ohnmoͤglich, es sey dann durch Vermittelung der Gesandten an die Pforte, die der grosse Herr damit zu beschencken pflegt, oder durch Huͤlffe der Janitscharen, die den Garten bewahren. Welches dann zu erkennen giebt, daß der Balsam/ der von etlichen Marckt- schreyern verkauffet wird, nichts als nur weisser Peruvianischer Balsam sey, den sie mit dem staͤrcksten Weinspiritus, oder ein und andern distillirten Oele zugerich- tet haben. Doch bisweilen findet er sich in grosser Herren Inventariis: wie dann im Jahr 1687. fast vierzehn Untzen bey der Frau von Villefarin/ in zweyen blechernen Flaschen, wie er von Cairo kommt, ge- funden, und an eine Person verkaufft wurde, die mir ihn sehen liesse. Wir befanden ihn gantz harte, goldgelb von Farbe, und wie Citronen riechend. Nach diesem hat mir ein guter Freund eine Un- tze gegeben, die er selber von Cairo mit gebracht, woselbst er sie von einem Bas- sa von Adrianopel bekommen: dersel- be ist so ziemlich dicke, bald wie der Ter- pentin von Chio, und hat obgemeldten Geruch: denn dieser ist das eigentliche Kennzeichen seiner Guͤte. Das fuͤnff und viertzigste Capitel. Von der Balsamfrucht. C Arpobalsamum sind, wie schon erwaͤh- net, die kleinen Beeren des Bal- sambaͤumleins, welche, wenn sie ge- buͤhrend beschaffen seyn sollen, frisch seyn, und einen gewuͤrtzhaften Ge- schmack nebst einem annehmlichen Ge- ruch haben muͤssen, absonderlich, wenn sie noch neu sind. Sie werden etwas weniges zur Artzney gebraucht, iedoch nur meistentheils zum Theriac, da sie dann keiner andern Bereitung von noͤ- then haben, wenn sie nur, wie erst ge- meldet, ausgelesen, und von den ledigen Huͤlsen, Stielen und wurmstichichten Beeren gesaubert werden. Das sechs und viertzigste Capitel. Vom Balsamholtz. X Ylobalsamum sind der Stamm und die von Blaͤttern und Fruͤchten ent- bloͤseten Aeste des Balsambaͤumleins, die uns in kleinen Buͤndlein von Cairo nach Marseille uͤbersendet werden. Und dieses koͤmmt daher, daß man die Balsambaͤumlein alle Jahre, als wie bey uns die Weinstoͤcke, beschneidet; die Tuͤrcken aber wollen lieber etwas draus loͤsen, als sie verbrennen. Man soll das Balsamholtz erweh- len, wenn es kleine Ruͤthlein voller Kno- ten sind, mit einer roͤthlichten Rinde uͤberzogẽ: das Holtz muß inwendig weiß C c 3 sehen/ Der Spezereyen und Materialien sehen, sehr hartzigt und aromatisch seyn. Es wird mehrentheils zu den trochiscis hedichroi gebraucht, dazu es keiner andern Zubereitung von noͤthen hat, als daß es nur also beschaffen sey, wie ietzt gemeldet worden. Das sieben und viertzigste Capitel. Vom Balsam aus Mecha. D Je Tuͤrcken, welche alle Jahr nach Mecha wallfahrten, bringen einen sonderlichen trocknen und weissen Bal- sam mit, der der Gestalt nach dem weiß- gebrannten Vitriol nicht ungleich siehet, insonderheit, wenn er zu alt worden. Diejenige Person, die mich mit ohn- gefehr einer halben Untze verehret hat, versichert, daß er selbst ihn zu Mecha fluͤßig gekauffet, und daß ihn der Seege- ruch also veraͤndere, wie ich oben erin- nert. Auch hat mich eben diese Person vergewissert, daß man aus diesem Bal- sam eben so gute Schmincke, wie aus dem Juͤdischen Balsam bereiten koͤn- ne. Das acht und viertzigste Capitel. Vom Peruvianischen Balsam. Allerley Bal- sam. W Jr verkauffen zu Paris dreyerley Balsam, unter dem Titel des Bal- sams aus Peru : einen weissen, der Balsam vom Schnitt genennet, den in Schalen, der truckne Balsam, und den schwartzen, der gewaschne betitelt. Der erste ist eine weisse Feuchtigkeit, dem Bijon, dessen ich im Cap. vom Terpen- tin gedencken werde, in allem gleich. Er tropfet aus dem Stamm und dicksten Aesten gewisser Baͤumlein, deren Blaͤt- Siehe Fig. 302. ter, gleichwie die Figur weiset, gespaltet sind, und in Neuspanien und Peru in Menge wachsen. Der andere, der Balsam in Schalen, oder der harte Balsam, der aus den abgehauenen Aesten rinnet, daran man allerhand Gefaͤsse haͤnget, die Milch, welche dar- aus, eben als wie bey uns das helle Wasser aus dem Weinstock, dringet, darinne aufzufangen: wann diese voll, setzen sie andre drunter, und fahren fer- ner also fort, bis daß die Baͤume nichts mehr schwitzen. Drauf stellt man die- se Gefaͤsse etliche Tage an warme Orte, damit diese Milch gerinne, und ihre Far- be veraͤndere. Der dritte und schwar- tze Balsam wird von der Rinde, den Aesten und Blaͤttern dieser Baͤumlein, welche in Wasser gekocht werden, berei- tet: wenn selbige nun eine zeitlang ge- sotten, nimmt man sie vom Feuer hin- weg, und sammlet die oben drauf schwimmende schwartzbraune Feistig- keit zusammen. Und diese nennen wir den schwartzen Peruanischen Bal- sam. Der erste, der aus den Aesten triefft, ist der harte Balsam : wann der vollkom- men gut seyn soll, so muß er roͤthlicht sehen, wohl riechen, und so trucken, als nur moͤglich, seyn. Es bedienen sich seiner gar viel Privatleute, nicht allein zur Artzney, sondern sie machen auch Jungfermilch daraus, welche viel staͤr- cker riecht, als die von der Benzoe und Storax gemachet wird. Mich haben etliche versichern wollen, der Balsam in Schalen sey aus Benzoe, Storax und Peruvianischen Balsam zusam- men gesetzet, welches ich zwar zu unter- schiedenen mahlen untersuchet aber unwahr befunden. Doch dem sey wie ihm wolle, ich will indessen gedencken, wie daß der Balsam des Commandeurs de Perne , von diesem trucknen Balsam und andern Spezereyen bereitet werde, will ihn auch seiner vortrefflichen Tu- genden halber iederman bekannt und gemein machen. Wenn die Aeste nicht mehr trieffen, reisset man den Stamm selbst auf, so rinnet eine klare milchweisse Feuchtig- keit heraus, welche wir weissen Bal- sam oder Balsam vom Schnitt zu nennen pflegen. Derselbe muß fein weiß seyn, und dem Juͤdischen Balsam so nahe als moͤglich, kommen, wenn er anders recht gut seyn soll. Dieser Bal- sam wird meines wissens, blos und al- lein zu Wunden gebraucht, oder an statt des wahrhaften Opobalsami verkauffet, ob gleich ein ziemlich grosser Unterschied zwischen beyden, indem das wahrhafte Opobalsamum einen Citronengeruch hat, welcher hingegen an dem weissen Peru- Hauptbeschreibung ersten Theils achtes Buch. Peruvianischen Balsam nicht zu ver- spuͤren. Man muß auch zusehen, daß er nicht schmiericht, oder wohl gar nur Bijon sey, denn sie sehr schwerlich vor einander zu erkennen. Der kuͤrtzeste Weg ist, daß man ihn von redlichen Leu- ten erhandele. Dieser Balsam wird nicht so sehr gebraucht, dagegen der schwartze desto oͤfter, theils wegen sei- nes angenehmen Geruchs, theils aber weil er zu den Wunden gar vortrefflich dienlich ist. Derowegen brauchen ihn auch Privatleute zu frischen Wunden, desgleichen die Parfumirer, alldieweil er gar ein schoͤnes Rauchwerck giebt. Wann er nun, wie sichs gebuͤhret, seyn soll, so muß er dicke seyn, schwaͤrtzlicht sehen, und einen angenehmen Geruch haben: dabey hat man sich vorzu sehen, daß er nicht, wie zum oͤftern geschicht, mit suͤssem Mandeloͤle vermischet sey. Diesen Betrug aber kan man leichtlich entdecken, wenn man nur ein klein we- nig auf Papier thut; denn wenn er roͤthlicht sieht, und leichtlich herablaufft, ist es ein Zeichen, daß er einigen Zusatz bekommen: da hingegen, wenn er rein ist, wird er schwartz und dicke seyn. Auch haben mich einige versichern wollen, die Portugiesen richteten diesen Balsam von unterschiedenen aromatischen Oe- len und Spezereyen zu, und verkauff- ten ihn hernachmahls an die Hollaͤn- der, von denen wir ihn zum oͤftern kauffen. Die Species waͤren folgen- de. Das neun und viertzigste Capitel. Wie der Peruanische Balsam nachzumachen. Nehmet D Es feinsten Terpentins, Galipot/ iedes ein Pfund. Beenoͤl/ Olibanum/ Gummi Elemy/ von iedem sechs Untz. Lavendelblumen, Mußkaten/ iedwedes vier Untzen. Spickenard/ Aloeholtz/ eines ieden zwey Untzen. Myrrhen/ Aloe, Drachenblut, von iedem drey Loth. kleine Baldrianwurtzel/ Veielwurtz/ langen wilden Galgant/ rothen Callmus/ Haselwurtz/ Macis/ Benzoe/ Storax, von iedem zwey Loth. Zittwer, kleinen Galgant/ Naͤglein, Zimmet, Mastix, iedwedes anderthalb Loth. Die Spezereyen duͤrffen nur groͤblich zerstossen werden: drauf lasset den Ter- pentin, Galipot, Gummi Elemy und Beenoͤl unter einander zergehen, und wenn sie zergangen, so ruͤhret die Pul- ver drein. Wenn nun der Teig fer- tig, alsdann thut ihn in eine glaͤserne Retorte, jedoch, daß der dritte Theil le- dig bleibe: nachdem ihr sie wohl verlu- tiret und getrocknet, so stellt sie in den Sand, und es wird zu erst ein klares Wasser heruͤber gehen, nach diesem ein Oel und Was- ser vom schwartzen Balsam. goldgelbes Oel, und endlich ein schwar- tzer Balsam, welcher, nach einiger Mei- nung, derjenige ist, den wir unter dem Titel des schwartzen Peruvianischen Balsams verkauffen. Das Wasser, eingenommen, ist treff- lich gut fuͤr diejenigen, die mit der fal- lenden Sucht, Gliederzuͤcken/ Bloͤ- digkeit des Magens und Blehun- gen beladen sind. Das Oel dient wider den Schlag/ fuͤr verletzte Nerven und andere Glie- derkranckheiten/ wenn man sich da- mit reibt. Der Balsam aber kom̃t dem Perua- nischen an Kraͤften bey. Das funfftzigste Capitel. Des Commandeurs de Perne Balsam, welcher mir von des Koͤnigs Lieutenant zu Toul in Lothringen, dem Herrn Bimodan, ist gegeben worden. Nehmet D Es trocknen Balsams, 2. Loth Storaxtropfen/ 4. Loth Benzoetropfen, 6. Loth Aloe Succotrina/ auserlesene Myrrhen/ Oliba- Der Spezereyen und Materialien Olibanum in Tropfen, Boͤhmische Angelica, Schafgarbenblumen, iedes 1. Loth. Weinspiritus, zwey Pfund. Dieses alles miteinander zerstossen, und in eine wohlverwahrte Flasche oder ander Glas gethan, und die Hundstage hindurch an die Sonne gehangen: nach verflossener dieser Zeit, druckt man alles durch ein Tuch, und gebraucht es zu nachfolgenden Zufaͤllen. Die Tugenden und Kraͤfte des Balsams de Perne, wie solche der Herꝛ Bimodan in Ori- ginal gegeben. Erstlich ist weder Schuß, noch Hieb, noch Stoß, es muͤste denn die Wunde toͤdlich seyn, welcher nicht in acht Tagen solte koͤnnen geheilet wer- den, wenn man diesen Balsam in die Wunden spritzet, oder mit einer Feder, oder etwas Carpy hineinschmieret: ie- doch muß man die Wunde auch selbst mit diesem Balsam verbinden, weiter hat man nichts von noͤthen. Denn, wenn man die Wunde stracks mit dem Bal- sam verbindet, so eitert sie nicht: wird sie aber mit den gewoͤhnlichen Mitteln verbunden, so giebt sie alle Tage Eiter. Dergestalt braucht man weder Meisel, noch Pflaster, wenn man den Balsam drauf legt: das erstemahl zwar verur- sacht er heftige Schmertzen, allein die- ses waͤhꝛet kaum so lange, als ein Ave Ma- ria, hernach fuͤhlt man weiter nichts. Wider die Colica ist dieser Balsam unvergleichlich: nehmet derowegen ein klein wenig Claret, ein Paar Finger- huͤte voll, und thut vier oder fuͤnff Tro- pfen dieses Balsams drein: diese werden den Wein truͤbe machen, ruͤhrt es aber nur um, und verschluckt es, es hilft au- genblicklich. Wider das Podagra ist es ein allge- meines Mittel: man streicht es blos mit einer Feder oder ein wenig Baumwolle auf den schmertzhaften Ort. Wider das Zahnwehe hilft es gantz wundersam, wenn man ein wenig Baumwolle in diesen Balsam getun- cket, auf den wehthuenden Zahn leget. Es heilet alle Geschwuͤre/ selbst den Krebs und krebsartige Schaͤden. Es ist ein sicheres Mittel wider aller giftigen Thiere und toller Hunde Bisse. Auch verhindert er, daß man von Bo- cken oder Blattern nicht gezeichnet werde, wenn man sie naͤmlich, indem sie hervorkriechen, damit reibet: denn er trocknet sie aus, daß sie nicht zum Eitern kommen, dadurch sonsten die Gruben verursachet werden. Jngleichen ist er ein herrliches Mit- tel fuͤr die goldne Ader, wenn man dieselbe, ehe man sich zu Bette leget, da- mit reibt. Nicht weniger wunderbar ist er, wenn einer braun und blau geschla- gen worden: man darff sich nur damit reiben. Wider den Friesel dient er gleichfalls recht unvergleichlich, und muß man al- lein fuͤnff oder sechs Tropfen mit vier oder fuͤnff Loͤffeln warmer Suppe hinab- schlucken. Fuͤr das Augenweh ist er gut, wenn man ihn mit einer Feder drauf streicht. Uberdiß ist er auch ein uͤber alle mas- sen herrliches Mittel fuͤr das Magen- weh ; man nehme ihn, wenn man das Fieber hat, in einer Suppe: ohne die- ses, in Weine ein. Es reiniget den Ma- gen, und machet Appetit. Dieser Balsam muß niemahls ge- waͤrmet, sondern allezeit kalt aufgele- get werden; da er dann, sobald er aufge- leget worden ist, eintrocknet. Er dienet nicht nur den Weibern die Zeit zu erregen, sondern auch die Blut- stuͤrtzungen bey ihnen zu stillen, wenn sie fuͤnff bis sechs Tropfen in Suppe oder Wein einnehmen. Wenn man den Balsam aus der Fla- sche nimmt, soll man dieselbe alsobald hinwiederum verstopfen, damit er nicht verrieche. Jst dann eine Wunde bereits mit ei- nem sonst gewoͤhnlichen Mittel verbun- den, und man wolte diesen Balsam ge- brauchen, so soll die Wunde vorher mit warmen Weine ausgewaschen, und so- dann erst der Balsam applicir et werden: sie wird zwar gewiß genug, doch nicht sobald heilen. Dieser Balsam heilet auch alle Fi- steln/ sie moͤgen gleich an diesem oder an jenem Orte sich befinden, und noch so alt seyn. Er ist auch sehr gut wider den Durch- fall und rothe Ruhr, fuͤnff bis sechs Tropfen Hauptbeschreibung ersten Theils achtes Buch. Tropfen in blancken Wein, oder drey oder vier Loͤffel Suppe genommen. Desgleichen ist er sehr dienlich, wenn ein Pferd vernagelt ist, denn man darff nur einen oder zwey Tropfen die- ses Balsams in das Loch, daraus der Na- gel gezogen worden, fallen lassen; es hei- let augenblicks. Das ein und funfftzigste Capitel. Vom Copayva-Balsam. M An bringet zweyerley Gattung die- ses Balsams zu uns, den einen als ein klares, den andern als ein dickes Oel: welches aber blos von der Zeit, wenn sie naͤmlich vom Baume geflossen, her- ruͤhret; dann der, welcher stracks aus Siehe Fig. 303. dem Baume, dessen Figur besiehe, her- vordringet, sobald nur drein geschnitten worden, ist ein klar und weisses Oel, das wie Hartz riecht, worauf der andere, welcher ein wenig goldgelbe ist, und di- cker, folget, hat auch eben deswegen den Titel eines Balsams empfangen. Die- ser Balsam wird insgemein aus Por- tugall in irdenen Flaschen uͤberbracht, welche oben zugespitzet sind: in denensel- bigen befindet sich ein Hauffen Feuchtig- keit, welches aber Schaden thut, und den Balsam weiß machet, als wie Mol- cken, daß er nicht wohl kan verkauffet werden. Dannenhero muß man wohl drauf Achtung geben, wie nicht weni- ger zusehen, ob auch irgend viel Koth und Unflat darinne ist. Die Wilden haben kein besseres Mit- tel zu allerhand Wunden, als ihr Colo- cai ; denn also nennen sie diesen Balsam, die Brasilianer aber Copaiba, die Portugallier Gamelo, und wir Copau, Copaif oder auch Campaif . Und es ist wuͤrcklich eines der herrlichsten Wund- mittel, welche bisanhero gefunden wor- den, insonderheit, wenn er pur ist, und nicht vermenget, oder auch, wenn nichts von seiner Feuchtigkeit, das ist, von dem- jenigen Wasser dabey ist, welches, wenn der Balsam aus dem Baume fließt, zu- gleich mit heraus laufft. Die Wilden haben die Kraͤfte dieses Balsams von den Schweinen, die auf den Jnseln sind, erlernet. Denn so bald diese Thiere sich verwundet befinden, lauffen sie an diese Baͤume, und hauen mit ihren Waffen in die Staͤmme, rei- ben den Balsam, der heraus laufft, in die Wuuden, und fahren damit fort, bis sie gaͤntzlich heil worden. Dieses hat mir der Herr Rousseau aus S. Do- mingo berichtet. Das Holtz dieses Baumes betreffend, mit demselben faͤr- ben sie roth, als wie mit dem Brasilien- holtze. Das zwey und funfftzigste Capitel. Vom Tolutanischen Balsam. D Jeser ist ein Hartz, das aus dem Stamme gar vieler Baͤume, durch die Ritzen, die man darein gemacht, her- vordringet. Siehe Fig. 304. Diese Baͤume haben Blaͤtter, bey nahe wie der Baum, darauf das Jo- hannsbrod waͤchst, und finden sich in grosser Menge in einer gewissen Land- schaft in Neuspanien, zwischen Car- tagena und Nombre de Dios. Die Einwohner der Orten hencken kleine Gefaͤsse, aus schwartzem Wachse des Landes gemacht, unten an die Baͤu- me. Wann nun der Saft herabgefal- len, wird er haͤrtlich, und uͤberkommt die Gestalt und Consistentz des Flandri- schen Leimes, der erst neulich gemachet worden ist. Dieser Balsam ist in Franckreich uͤberaus rar; doch wer ihn noͤthig hat, kan ihn aus England bringen lassen, denn daselbst findet man ihn gemei- niglich. Man erwehle den Balsam, welcher frisch ist, von lieblichen durchdringenden Geruch, der dem Geruch des Juͤdischen Balsams sehr nahe kommt: denn, wann er alt worden, bekommt er die Consi- stentz des trocknen Balsams. Es werden ihm im uͤbrigen alle Ei- genschaften der andern Balsame beyge- leget: diß aber hat er als etwas eignes, daß er kein Brechen erreget, wenn man ihn einnimmt. D d Das Der Spezereyen und Materialien Das drey und funfftzigste Capitel. Vom neuen Balsam. D Jeser kommt dem Balsam von Tolu an Farbe und Gestalt ziem- lich nahe, allein er hat einen weit ange- nehmern Geruch. Siehe. Fig. 305. Er wird, als wie das Lorbeeroͤl, aus kleinen runden Fꝛuͤchten gezogen, welche Traͤubleinweise auf einem Geschlecht der Baͤume wachsen, deren Blaͤtter sehr groß und breit, obenher gantz gruͤn, un- ten aber nur gruͤnlicht sehen; sie wachsen in Westindien, sonderlich auf der Jnsel S. Domingo. Dieser Balsam ist in Franckreich der- massen rar, daß man schier gar keinen zu sehen bekommt. Das vier und funfftzigste Capitel. Vom Liquidambar. D Er Liquidambar ist ein fluͤßiges Hartz, klar und roͤthlicht, rinnet aus dem Stamme starcker und grosser Siehe Fig. 306. Baͤume, deren Blaͤtter den Epheublaͤt- tern ziemlich gleich sind, und haͤuffig in Neuspanien, allwo sie Osocotl ge- nennet werden, wachsen. Die Jndianer ritzen die dicht- und dicke Rinde dieser Baͤume auf, da dann sofort das Hartz heraus fleußt; wann sie nun dessen eine gute Menge haben, senden sie es nach Spanien, allda es in Faͤßlein, wie bey uns der Terpentin, ver- kaufft wird. So gemein es aber vor dem in Franckreich war, so rar ist es anietzo. Dieweil es gantz fuͤglich aus Spa- nien zu bekommen, derowegen erkiese man solches, das fein klar ist, und gut riecht, fast wie Ambra; denn darum ist es auch liquidambar, welches eben so viel als fluͤßiger Ambar heißt, genennet wor- den: so muß es auch goldgelbe sehen, denn wenn es altworden, ist es dicke und roth. Es ist ein gantz unvergleichlicher Balsam zu Wunden und Fisteln am Hintern. Wir verkauffen aber zweyerley Li- quidamber: der eine ist als ein klares Oel, und wird auch deswegen Liqui- damberoͤl genennet: der andere ist ein Oel, das so dicke ist als wie Terpentin, und derohalben Liquidamberbalsam be- titelt worden. Doch ruͤhret dieser Un- terschied allein daher, daß sie nicht zu ei- ner Zeit aus dem Baume getroffen: denn der zu erst herausdringt, ist allzeit klaͤrer, und darum dem andern billich vorzuziehen. Weil aber dieser Liqui- damber gar zu rar ist, dieserwegen braucht man an seine statt das Johan- Johannsoͤl. nisblumenoͤl, welches von den Blu- men dieses Krautes, in Baumoͤl gethan, und an die Sonne gestellet, bereitet wird. Diese Blumen geben dem Oele eine sehr schoͤne rothe Farbe, dazu etliche, und zwar mit gutem Fug und Rechte, annoch feinen Terpentin, ja auch Saf- ran thun. Je aͤlter das Oel, ie kraͤfti- ger ist es, und koͤnte man es gantz wohl einen wahrhaften Balsam nennen, der doch nicht kostbar ist, indem die Blumen sehr wohlfeil sind. Dieses aber muß dabey in Acht genommen werden, wenn das Oel eine schoͤne rothe Farbe bekom- men soll, daß man allein die schoͤnen gel- ben Bluͤmlein darein thue, sonst wird das gruͤne verhindern, daß es nicht so schoͤn roth wird. Man macht sonst auch noch ein blau- Camillenoͤl. es Oel von den Camillenblumen, und verfaͤhrt damit auf obgedachte Weise, allein es hat bey weitem nicht die Tu- genden, die das erste hat. Das fuͤnff und funfftzigste Capitel. Vom Terpentin. D Er Terpentin ist ein klarer durch- sichtiger liquor, oder Saft, welcher aus den aufgeritzten Staͤmmen und Ae- sten unterschiedener Baͤume rinnet; gleichwie aus folgenden zu ersehen. Wir verkauffen aber gemeiniglich dreyerley Terpentin/ den von Chio, den von Bois de Pilatre - und den von Bourdeaux. Es finden sich zwar noch mehr Sorten in den meisten Kramlaͤ- den, TAB. XLIX. Peruvianischerbalsam F. 302. p. 411. Tolutanischer balsam. F. 304. p. 417. Liquidambra. F. 306. p. 419. Neuer balsam. F. 305. p. 419. Lopaÿra balsam. F. 303. p. 417. Weÿrauch. F. 298. p. 399. Füdischerbalsam. F. 301. p. 409. Fanitscharen wathtbeym balsam strauche. Hauptbeschreibung ersten Theils achtes Buch. den, allein dieses entstehet nirgend an- ders her, als daß ihm falsche Namen ge- geben worden, oder weil man sie ver- faͤlschet hat, wie ich gleich ietzo berichten werde. Terpentin von Chio. Der erste und auch der theuerste Ter- pentin ist der aus Chio : rinnet aus dem Stamm und starcken Aesten eines Baumes von mittelmaͤßiger Hoͤhe, der Terpentinbaum genannt, welcher haͤuffig in der Jnsel Chio/ Cypern/ Spanien, und auch in Franckreich waͤchst. Diese Baͤume treiben gruͤne Blaͤtter; Bluͤte und Fruͤchte sehen wie Siehe Fig. 307. die Figurweiset. Der Fruͤchte giebt es zweyerley: die einen sind so dicke, wie die Haselnuͤsse, und sehen wie die Pista- zien; die andern sehen den Wachhol- derbeeren gleich. Allein, weil wir we- der mit diesen noch mit jenen zu handeln pflegen, derohalben will ich den Leser zu denenjenigen Buͤchern weisen,, wel- che deren Meldung thun. Was nun den Terpentin von Chio betrift, der- selbe soll eine dichte Consistentz haben, bey nahe weder Geschmack noch Ge- ruch, eine weisse Farbe, die sich doch aufs gruͤne ziehet, und so wenig als moͤglich, an den Haͤnden und Fingern kleben bleibt. Dabey soll man Achtung ge- ben, daß es kein Terpentin aus dem Holtze bey Pilatre sey, den man praͤ- pariret, das ist, kochen und bis zur Helf- te eintrucknen laͤßt; denn diesen ver- kauffen ihrer etliche, wiewohl faͤlschlich, fuͤr den aufrechten Terpentin aus Chio. Jedoch ist solches ohnschwer aus dem starcken Geruch zu mercken, und daß er an den Zaͤhnen behangen bleibt, dane- ben bitter schmeckt, und wohlfeil ist, da wir dagegen das Pfund des rechten Terpentins aus Chio unter 6. bis 7. Francken aufs mindeste, nicht schaffen koͤnnen. Darum auch, und weil dieser Ter- pentin so gar theuer ist, wird er wenig zur Artzney gebrauchet, und das weni- ge, das davon verthan wird, verdient kaum, daß man davon rede. Ja wenn nicht annoch einige curieuse Leute und rechtschaffene Apothecker waͤren, wel- che den Theriac machen, oder ihn auch andere Privatpersonen nicht gebrauche- ten, so glaube ich, daß man die Muͤhe nicht mehr nehme, und ihn bringen lies- se. Doch ruͤhret dieses zum Theil da- her, weil es Leute giebet, die den Ter- pentin aus dem Holtze bey Pilatre und Forest an dieses Stelle verkauffen, dafuͤr man sich also zu huͤten hat. Die andere Gattung des Terpentins ist der de bois de Pilatre , aus dem Hol- tze bey Pilatre/ welchen wir unter dem falschen Namen des Venedischen Ter- pentins verkauffen, und absonderlich bey grosser Hitze aus den Lerchen-Fich- Siehe Fig. 308. und 309. ten- und Tannenbaͤumen, ohne daß sie aufgeritzet worden, rinnet. Dieser Terpentin, oder vielmehr, natuͤrliche Balsam, wird von den Leuten im Lyo- nischen Gebiete Bijon genennet: Wie- Bijon. wohl das wenige, das sie uns davon uͤbersenden, kaum der Rede werth ist. Allein daran ist unsere Unwissenheit Schuld und Ursache, indem sie ihn uns fuͤr weissen Peruvianischen Balsam verkauffen. Jedoch, was die Kraft und Tugend betrifft, da wird einer wohl nicht betrogen, denn ich versichern kan, daß der wahrhafte Bijon oder Terpen- rin, der ohne Schnitt herausgelauffen, eben soviel Kraft habe, als der weisse Peruvianische Balsam. Welches denn des Herrn Furetiere Berichte schnur- stracks entgegen laͤuft, als welcher ge- meldet, der Bijon sey eine Waare, wel- che die Apothecker an statt des Terpen- tins einzuschieben pflegten; so aber ein ziemlicher Schnitzer. Sie habens bes- ser gelernet: denn erstlich koster ein Pfund des rechten Bijon mehr als sechs Untzen Terpentin: zum andern bin ich sicher, daß sehr wenig Apothecker, ja wohl gar Spezereyhaͤndler in Paris wissen, was es ist. Drittens halte ich dafuͤr, daß wenn iemand zehen Pfund Bijon noͤthig haͤtte, er Muͤhe genug ha- ben duͤrfte, bis er sie gefunden, da er hingegen wohl 5000. Pfund Terpentin antreffen solte. Allein, wieder auf unsern also ge- nannten Venedischen Terpentin zu kommen; von dem will ich annoch ver- melden, daß die Bizeards, welches ar- me Leute sind, die sich in dem Holtze bey Pilatre und in den Gebirgen auf- halten, und die Baͤume, wenn sie sehen, daß sie nichts mehr geben, aufreissen, da dann ein Saft, wie klar Wasser her- aus laufft, welcher gelblicht weiß siehet, und wenn er aͤlter worden, dicke wird, und eine Citronenfarbe uͤberkommt. D d 2 Wann Der Spezereyen und Materialien Wann sie nun den Terpentin gesamm- let, welches des Jahres zweymahl ge- schicht, im Fruͤhling und im Herbste, so bringen sie ihn in Tonnen und Bocks- haͤuten nach Lyon, und verkauffen ihn den Spezereyhaͤndlern, von denen wir ihn hernach erhandeln. Derohal- ben lasse man sich berichten, und glaube nicht, daß dasjenige, was wir unter dem Titel des Venedischen Terpen- tins verkauffen, solcher sey und daher komme: so soll man ihn auch fernerhin Feiner Ter- pentin. nicht mehr also nennen, sondern feinen Terpentin aus dem Holtze bey Pi- latre/ oder von Lyon. Doch dem sey wie ihm wolle, man erwehle nur diesen Terpentin, der so klar und so weiß sey, als immer seyn kan, und nehme sich in Acht, daß eꝛ nicht nach- gemacht, oder Terpentinoͤl dazu gethan worden sey; welches man iedoch gantz leichtlich an Geruch, Farbe und der Con- sistentz vermercken kan: oder aber, man tuncket ein Stuͤcklein Papier drein, und zuͤndet es an, so giebt es eine schwartze stinckende Flamme, wenn er mit diesem Oele vermehret worden, da hingegen, wann sie ihn gelassen, wie er von Na- tur ist, als wie Hartz riecht, und nicht so geschwinde weglodert. Auch kan man es erkennen, wenn man einen Tropfen auf den Nagel thut, denn wo er rein ist, bleibt er darauf stehen, wo er aber ver- mischet ist, zerfließt er. Es ist dieser Terpentin, wegen seiner herrlichen Eigenschaften, nicht allein zu vielen dienlich, sondern es gebrauchen ihn auch allerley Handwercker, doch vornehmlich diejenigen, welche Verniß machen. Die dritte Gattung des Terpentins ist der gemeine, deme der Name Ter- pentin von Bayonne oder von Bour- deaux/ gegeben worden. Er ist weiß, und so dicke, wie Honig; wird solcher gestalt bereitet, als wie in dem Berichte stehet, der mir von Dax zugeschicket worden, denn von diesem Orte kommt schier aller Terpentin, den wir verkauf- fen, uͤber Bourdeaux, Nantes und Rouan. Dieser Terpentin aber rin- net nicht aus den Fichten und Tannen, wie zwar ihrer viele vermeinen; son- dern er wird von einem weissen und harten Hartz bereitet, das wir Galipot zu nennen pflegen, die Bergleute aber Barras. Was nun den aufrichtigen Vene- tianischen und Cyprischen Terpen- tin betrifft, zusamt dem, der von Pisa kommt, von denenselben bekommen wir gar keinen zu sehen, dann der, den wir unter dem Namen des Venedischen verkauffen, ist nur Terpentin aus dem Holtze bey Pilatre/ etliche Meilen von Lyon gelegen. Dem Cyprischen wird der von Chio substituiret, und dem von Pisa derjenige, der aus Fran- che Comte kommt, ingleichen der ge- meine/ unter den Terpentinoͤl geruͤhret worden und etwas weniges Gruͤnspan, damit er einen gruͤnlichten Blick bekom- me: wiewohl es ziemlich ungereimt heraus kommt. Denn erstlich ist der aufrichtige Pisische Terpentin weiß- gelblicht. Zum andern verderbt dieser nachgemachte Terpentin alle Sachen, damit er vermischet wird, und dieses wegen des Terpentinoͤls, welches sich nicht zu allen und ieden Dingen schicket. Und drittens, weil er gruͤnlicht siehet, da doch im Gegentheil der Pisanische gelb- licht ist. Es wird aber schier an keinem Orte so viel falscher Terpentin gemacht, als wie zu Rouan : daher auch alle Tabu- letkramer daselbst hin ziehen, und diese liederliche Waare kauffen, welche sie hernachmahls den Apotheckern und an- dern Leuten auf dem Lande, die sich eben so genau nicht darauf verstehen, fuͤr aufrichtigen Venedischen Terpentin verhandeln. Treffen sie aber verstaͤn- dige Apothecker an, so sagen sie, es sey freylich kein rechter Venedischer, doch kaͤme er von Pisa. Und diese abgefeim- ten Betruͤger; darunter ich doch die- jenigen nicht will mit begriffen haben, welche etwa ohngefehr noch ehrlich seyn moͤchten; nennen diesen Terpentin und alle Spezereyen, so wohl einfache als zusammengesetzte; ob sie schon wissen, daß sie nachgemachet sind, und sie diesel- ben entweder bereits gemischt gekauffet, oder aber sie selbst verfaͤlschet; la Gourre , Gourre . und diejenigen, die sie verkauffen, Gourreurs . Was die compositiones Pharmacevticas betrifft, dieselben heissen sie Bernetz/ da- Bernez. mit die Apothecker, denen es gehoͤret, sie zu visitiren, nicht verstehen moͤgen, was es Hauptbeschreibung ersten Theils achtes Buch. es fuͤr ein Gemenge sey. Auf daß aber die Apothecker in den kleinen Staͤdten sie nicht ertappen koͤnnen, so ist das ihr erstes, daß sie sich, sobald als sie in die Staͤdte kommen, nach dem Wirthshau- se machen, und ihr also genanntes Per- nez in eine Kammer tragen, hernach dann lassen sie die Simplicia von den Apo- theckern, die oftmahls auch, nach dem Sprichworte, fuͤnffe lassen gerade seyn, beschauen. Denn versichert, diese Ta- buletkramer sind also abgerichtet, und ohne Widerrede, dermassen durchtrie- bene Gaͤste, daß zu verwundern, wie die- se Leute, die doch nur in dem wilden Walde erzogen, weit mehr wissen, als, wenn ich anderst also reden darff, alle redliche Kauffleute: verstehe aber von der Bosheit. Welche schoͤne Wissen- schaft sie von etwa zwey oder drey Kauff- leuten, dergleichen es in allen grossen Staͤdten, als da ist, Paris, Lyon, Rouan, und andere mehr, giebet, erler- net haben. Diesem Unheil aber vorzubauen, daß naͤmlich weder Patienten, noch Hand- wercker betrogen wuͤrden, damit auch die Apothecker ihre Sachen durchsuchen koͤnten, solten diese alsofort bey jener ih- rem Eintritt in die Staͤdte, Flecken und Doͤrffer, die Untersuchung anstellen, und nicht zugeben, daß sie vorher in den Gasthoͤfen ihre Sachen ablegen duͤrff- ten. Vermeine also, daß ich von diesen Ta- buletkramern genug gesaget, um zu ver- huͤten, daß das gemeine Wesen nicht betrogen werde, sowohl auch, daß die- ser Tabulettraͤger selbsteigenes bestes da- durch befoͤrdert werde. Anderseits sol- ten die Apothecker, Wundaͤrtzte und an- dere dergleichen Leute betrachten, was grosse Muͤhe und haͤuffige Unkosten diese armen Leute aufwenden muͤssen, dahe- ro, weil man alles aufs wohlfeilste von ihnen haben will, zu dergleichen Betruͤ- gerey genoͤthiget werden. Diesem Un- fug aber koͤnte noch ferner gesteuert wer- den, wenn sie von denenjenigen einen Schein bringen muͤsten, denen sie ihre Waaren abgekaufft, und wenn sie die- selben nicht anders, als in Buͤchsen und Packetlein, von unterschiedlichem Ge- wichte, verkauffen duͤrfften, welche noch uͤberdiß von dem Verkaͤuffer muͤsten ver- siegelt seyn. Jch halte dafuͤr, es solte eines der groͤsten Liebeswercke seyn, die man thun koͤnte: denn es ist mehr denn zu gewiß, daß eben soviel Leute von de- nen haͤßlichen Materialien, die ihnen eingegeben werden, als vielleicht durch Kranckheit sterben, welches man auch in gegenwaͤrtigem Wercke zur Gnuͤge bemercken koͤnnen. Das sechs und funfftzigste Capitel. Vom Barras. Galipot, weisser und scheckichter Weyrauch. W Jr veꝛkauffen zweyerley Barras, den einen unter dem Namen Ga- lipot/ oder weisser Weyrauch, den andern unter dem Titel Encens marbré , oder wie die Leute aus Provence spre- chen, madré , fleckicht- oder scheckich- ter Weyrauch : daß sie also nur durch die Farbe von einander unterschieden werden. Der erste und weisse, ist ein Hartz, welches aus den Fichten, durch die darein gemachte Ritzen dringet, und deshalben auch den Namen Fichten- gummi oder Fichtenhartz bekommen hat. Wenn es bey schoͤnem Wetter herabfleußt, so ist es sauber und weiß: dafern es aber im herabrinnen etwas von der Rinde antrifft, wird es garstig, und zuweilen durch und durch marbri- ret und gescheckt. Und um dieser Mar- brirung willen, sonderlich, wenn der Galipot sonsten schoͤne ist, verkauffen ihn die Tabuletkramer fuͤr Benzoin, da er doch nicht ein wenig davon unter- schieden, indem die Benzoe einen lieb- lichen Geruch hat, der Galipot hinge- gen uͤberaus sehr stincket: darum er auch gemeiner Weyrauch und Bau- renweyrauch ist tituliret worden. Baurenwey- rauch. Jhm sey nun wie ihm sey, es ist der Ga- lipot eine Waare, die vielerley Nutzen hat, und die basis und das Grundstuͤcke aller hiernechst beschriebenen Waaren ist: derohalben soll man den Galipot erwehlen, der fein sauber, weiß, und so trucken, als moͤglich, sey. Allein man braucht ihn auch, ausser diesem, noch, wiewohl es hoͤchst unbillich, um ihn un- ter das Wachs zu mischen; welches be- reits eine geraume Zeit ist practisiret worden. Der fleckichte hat meines Behalts, kei- nen andern Nutzen, als daß er an statt D d 3 der Der Spezereyen und Materialien der Benzoe verkaufft werde, alldieweil er ihr dermassen gleich siehet, daß, wo nicht der Geruch thaͤte, es Muͤhe genug geben duͤrffte, wenn man ihn davon unterscheiden solte. Der weisse Galipot wird geschmol- tzen und darnach in gantze und halbe Bariques gethan, welches Stuͤcken sind, die 350. bis 700. Pfund wiegen. Nach diesem wird es uns, unter dem Schlechter oder gemei- ner Terpen- tin. Titel, schlechter oder gemeiner Ter- pentin zugesendet, und muß so klar als moͤglich, auch nicht voll Wasser seyn. Gleichwie aber der Terpentin ein Hartz ist, welches bald mehr, bald we- niger klar und lauter ist, also findet sich iezuweilen in den Tonnen, darinne die- se Waare gebracht wird, bis zu 50. Pfund Terpentin, der so klar ist wie Wasser, und oben auf schwimmt: den- selben verkauffen etliche fuͤr Venedischen Terpentin, mag aber an der roͤthlichten Farbe gar bald erkennet werden. Der gemeine Terpentin wird gar sehr von den Buchdruckern zu ihrer Farbe gebraucht: desgleichen von den Schmieden, und zur Bereitung des Schlechter Verniß. schlechten Vernisses, welcher also verfer- tiget wird: man laͤst den gemeinen Ter- pentin in Terpentinoͤle zergehen; doch soll es an abgelegenen Orten, wegen Feuersgefahr, geschehen. Der Terpentin wird in grossen Kol- ben distilliret, so gehet zu erst ein Wasser, hernach ein weisses, und denn ein rothes Oel heruͤber, welches letztere ein rechter natuͤrlicher Balsam ist, sowohl zu Wun- den, als zu erfrornen Gliedern dienlich. Weil aber dieses weisse und rothe Oel gar wenig im Brauch ist, dahero pfle- gen wir auch nicht damit zu handeln. Jm Gegentheil und gleichsam zum Ver- gelt vertreiben wir eine bedenckliche Menge Oels, das aus dem Galipot, der nur erstlich aus dem Baume ge- lauffen, uͤber den Helm getrieben, und in dem Walde bey Cuges, vier Meilen von Marseille, und in den Einoͤden bey Bourdeaux sehr haͤuffig bereitet wird. Wir nennen und verkauffen es mit und Essentia, spiri- tus und oleum terebinthinæ. unter dem Titel oleum æthereum, spiri- tus und essentia terebinthinæ. Aus dem in Kolben hinterstelligen wird ein tru- cken Pech bereitet, welches wir Arcan- son und schwartzes Pech zu nennen pflegen. Das Terpentinoͤl, welches gut zu verkauffen, und zu allerhand Sachen dienlich seyn soll, muß klar seyn, und weiß, wie Wasser, eines starcken durch- tringenden Geruchs. Es ist aber auch eine Waare, die sich uͤbel aufbehalten laͤßt, weil ihr so gar viel abgehet, und grosse Gefahr, Feuers halber, dabey ist: daß demnach wenig Profit davon zu ge- warten, sonderlich wer es in gantzen verkaufft; daher es auch ihrer viele nicht einmahl fuͤhren moͤgen. Es wird ingleichen von vielen andern Leuten, z. E. von Mahlern, Schmieden und so fort, gebraucht. Auch ist es ein natuͤr- licher Balsam zu allen frischen Wun- den dienlich. Mich haben etliche versicheꝛn wollen, das Terpentinoͤl, welches von Mar- seille in weissen blechernen Flaschen ge- bracht wird, sey mit denen wie Gewuͤr- tze riechenden Kraͤutern, als da ist, Thy- mian, Rosmarin, Lavendel, und der- gleichen, abgezogen worden, und werde deshalben huile des herbes , Kraͤuteroͤl, Kraͤuteroͤl. genennet. Alleine dieses ist mir nie- mahls, ohnerachtet ich gar viel Briefe von Marseille erhalten, nicht bekraͤfti- get worden; vielmehr hat man mich vergewissert, es werde von Galipot ge- macht. Den Galipot laͤßt man mit ein klein wenig Terpentinoͤl und gemeinem Ter- Weisses oder Burgundi- sches Pech. pentin zergehen; das nennen wir her- nach poix grasse , und poix blanche de Bour- gogne , schmierichtes und weisses Burgundisches Pech, dieweil, der sage nach, das beste zu S. Nicolaus in Lothringen gemachet wird. Heut zu Tage aber kommt das beste aus Hol- land und von Straßburg/ daher las- sen wir es bringen. Wobey zu mercken, daß es nur incognito und verstohlner Weise komme, denn wo man diejenigen, die es bringen, ertappet, werden sie so fort gestraft, dieweil es eine contreban- de und verbotene Waare: und dennoch thun die Hollaͤnder, als ob man ihrer in Franckreich nicht entrathen koͤnte. Wahr ists, daß es viel vollkommener: iedennoch aber wird es auch hier und da in Franckreich bereitet, welches dem Hollaͤndischen dermassen beykommt, daß man es mit genauer Noth davon unterscheiden kan. Jch vermeine, diß sey die Ursache, warum Hauptbeschreibung ersten Theils achtes Buch. warum dieses Pech ( poix grasse ) das wir in Franckreich bereiten, staͤrcker von Geruch sey, nicht aber dicke gnug, und viel weisser, denn das Strasburgische, weil wir zu viel Oel und schlechten Ter- pentin drunter thun: ja ich halte dafuͤr, daß die Hollaͤnder nichts anders, als was wir Galipot zu neñen pflegen, dazu gebrauchen. Wiewohl es auch von der so unterschiedenen Gegend der Laͤnder herruͤhren kan. Doch ihm sey, wie ihm wolle, noch dieses will ich vermel- den, daß man dieses Pech erwehlen solle, welches aufrichtig Hollaͤndisch Gut ist, und so gelblicht, als moͤglich, siehet, das auch nicht voller Wasser, auch nicht zu fluͤßig ist. Jn der Artzney wird es etli- cher massen gebraucht, denn es ein starck anziehend Mittel, wiewohl auch ein gar beschwerlich Pflaster ist: denn so er nur eine kleine weile auf dem Fleische oder auf der Haut gelegen, muß man es durchaus drauf liegen lassen, oder we- nigstens mit Oele herabbringen. Man bereitet auch mit dem Galipot, wenn er bis zu einer gewissen Consistentz und Dicke gekochet worden, was wir Hartzpech. poix resine , Hartzpech zu nennen pfle- gen; jedoch ist das, was wir verkauf- fen, allein von solchem Galipot gemacht, der unter den Baͤumen zusammen ge- suchet worden, und kurtz zu sagen, gar- stig und haͤßlich ist. Wann es nun ge- schmoltzen, wird es in Faͤsser geschuͤttet, und solche grosse Stuͤcken oder Taffeln, wie wir sie sehen, bis zu 150. Pfund schwer daraus gemacht. Das schoͤnste kommt aus Burgund und von Bour- deaux, und muß, wenn es recht schoͤn seyn soll, trucken, gelblicht, und soviel nur moͤglich, ohne Wasser und ohne Sand seyn. Jhrer viele brauchen dieses Hartz- pech, als da sind die Blech- und Ku- pferschmiede, denn sie ohne dasselbe un- moͤglich verzinnen koͤnnen. Auch hat es seinen Nutzen in der Artzney, und wird zu allerhand Salben und Pfla- stern genommen. Man bereitet auch uͤberdiß von dem Galipot, welchen man so lange kochen laͤßt, biß er schier gar ver- Arcanson o- der trucken Pech. brennet, was wir Arcanson und bray sec heissen; obgleich alles, was wir verkauf- fen, und von Bayonne und Bour- deaux kommt, nichts anders ist, als was im Kolben zuruͤcke blieben, nachdem das Oel davon abgezogen worden. Dieses Pech aber soll trucken, durchsichtig und soviel als moͤglich, dunckel an der Far- be seyn. Arcanson/ welches wir unrecht Co- lophonium zu nennen pflegen, hat auch einigen wenigen Nutzen in der Artzney: meistentheils aber wird es von unter- schiedlichen Handwercken, die sich sein bedienen, verbrauchet. Wenn es noch warm, schuͤttet man es in geziemende Menge Theer, damit es eine schwartze Farbe uͤberkomme: hernach wird es von uns Poix noire , schwartz Pech geheissen, und zweyer- Schwartz Pech. ley Arten desselben verkaufft, die aber nur darinne, daß sie hart oder weich, unterschieden sind. Das beste und vollkommen gute schwartze Pech kommt eben sowohl, als wie der Theer, aus Norwegen und Schweden/ vornehmlich aber von Stockholm : dieses, wenn es gebuͤh- rend beschaffen seyn soll, muß gleissend schwartz seyn, wenn es in die Sonne ge- stellet wird, und mit wenigen zu mel- den, dem Judenpeche, soviel nur immer seyn kan, gleich kommen. Es wird auch zuweilen in Franckreich dergleichen Pech zugerichtet, allein, man sage was man will, es ist doch niemahls so schoͤn, als wie das Stockholmische. Dieses schwartze Pech ist wegen seiner herrlichen Eigenschafften sehr starck im Gebrauch, denn es dienet nicht alleine die Schiffe zu calfatern oder zu verpichen, sondern es wird auch von un- terschiedenen Profeßionsverwandten gebrauchet, z. E. von Goldschmieden. Auch hat es seinen Nutzen in der Medi- cin; iedoch das wenige, das davon ge- brauchet wird, ist kaum der Rede werth. Aus diesem Pech wird ein roͤthlicht Oel uͤber den Helm getrieben, welches so wohl wegen seiner Vortrefflichkeit, als auch seiner herrlichen Eigenschaff- ten halber Pechoͤl und Pechbalsam Pechoͤl und Pechbalsam. genennet worden. Und es ist sicherlich ein guter Balsam, dessen Tugenden, wie man saget, des natuͤrlichen Balsams Kraͤften gleich sind. Es wird auch geschmoltzen, und Lun- te darein getaucht, welche man hernach- mahls waltzet und kalt werden laͤßt: diese verkaufften wir unter den Namen bougie noire , und wurde ehedessen die bougie noire . Schu- Der Spezereyen und Materialien Schuhe zu schwaͤrtzen gebrauchet: seit dem aber ein Satz von schwartzem Wachs erdacht worden, weiß man von jener gar nichts mehr. Auch giebt es ausser diesem noch eine Sorte Pech, deme unsere Vorfahren den Namen Zopissa beygeleget, und ei- gentlich ist, was die Seeleute Goudron , Schiffpech oder Zopissa. Schiffpech, nennen, denn sie es ihre Schiffe zu verpichen, gebrauchen. Diese Zopissa wird von schwartzem Pech und Hartzpech, Schmeer und Theer, unter einander geschmoltzen, bereitet. Und dieses ist, wie einige vorgeben, das wahr- hafte Schiffpech, welches die Apothe- cker unter diejenigen compositiones, dazu es erfordert wird, nehmen sollen: ich aber weiß es nicht. Wohl aber ist mir bewust, daß sie sich nicht bemuͤhen, und dasjenige, das von den Schiffen abge- kratzet wird, zu ihren Sachen nehmen, sondern sie bedienen sich nur des gemei- nen schwartzen Pechs. Das sieben und funfftzigste Capitel. Vom Theer. T Arc, Goudron, Bray liquide , fluͤßiges Pech, ist ein klarer feister Saft, wel- cher aus dem Stamme der alten Fich- ten rinnet. Wenn man nun will, daß sie gar eingehen sollen, so reissen sie die Schweden und Norweger auf, und ziehen die Rinde rund herum ab, so ge- ben diese Fichten an statt des weissen Ga- lipots oder Hartzes, einen schwartzen Saft, welches der Theer ist: allein, so bald der Saft, der gleichsam die Seele des Baums ist, heraus gelauffen, stirbt der Baum, und dient zu nichts mehr, als zum verbrennen. Man sey nicht so artig, und glaube, wann ein und andere Scribenten ange- mercket, als ob der Theer gemachet wer- de, indem man die Fichten verbrennet: denn aller Theer, den wir verkauffen, wird auf obgemeldte Weise bereitet, und nicht, wenn sie die Fichten verbren- nen. Das klare, das sich oben auf dem Theer befindet, wird gantz unrecht ole- Oleum de Ca- de oder Pech- oͤl. um de Cade oder Pechoͤl genennet. Der Theer ist bey den Seeleuten und Schmieden sehr gebraͤuchlich, sowohl zum zeichnen, als auch fuͤr die Raude der Schoͤpse und anderer Thiere. Er- wehlet aber den, der natuͤrlich und sau- ber ist, nicht aber von Oelhefen und schwartzem Pech bereitet; er muß auch gewiß von Stockholm gekommen seyn. Wir verkauffen dieses klare Oel un- ter dem Namen das falsche oleum de Ca- de, um es dergestalt von dem wahrhaf- ten, und das auf die Weise, als oben im Cap. vom Wachholder erwehnet, berei- tet wird, zu unterscheiden. Von dem Hartz oder Arcanson wird eine Gattung Schwartz bereitet, wel- ches wir noir de fumée , Kuͤhnrus nen- Kuͤhnrus. nen, und zweyerley fuͤhren, gepuͤlvert, und in Stuͤcken. Jenes wird Metzen- weise verkauffet, oder in kleinen langen Faͤßlein, das andere nach dem Gewich- te. Es wird von unterschiedenen Hand- werckeꝛn, die seiner noͤthig haben, gebrau- chet. Diese Waare ist, wie alles das an- dere, so von dem Peche gemacht wird, uͤberaus faͤhig Feuer zu fangen, denn, wenn es einmahl angangen, hat man grosse Muͤhe es zu loͤschen. Welches dann den Spezereyhaͤndlern zur Nach- richt dienen mag, daß sie ihren Jungen nicht zuviel vertrauen, noch dieselben dergleichen Waaren aus den Gewoͤlben hohlen lassen. Auch, wenn man Platz genug bey seiner Wohnung hat, sollen alle diese Waaren von den andern abge- sondert und in einem wohlverwahrtem Gewoͤlbe aufbehalten werden, damit, wenn ja durch Ungluͤck Feuer drein ge- riethe, doch die andern Waaren nicht zugleich verderben. Jst aber einmahl Feuer drein gekommen, so darff man kein Wasser nehmen es zu daͤmpfen, son- dern es muß vielmehr mit feuchten Ha- dern oder Saͤgspaͤnen ersticket werden. Das meiste Schwartz, das wir ver- kauffen, wird von den kleinen Klumpen des Hartzpeches und Arcansons ge- macht: denn, wenn es geschmoltzen und nur ein wenig vom Wust gereiniget worden, so fuͤllet man eiserne Haͤfen da- mit an, und steckt drauf Feuer drein, unter einem Camin oder einem andern Orte, der mit Tuͤchern verwahret wor- den, um solcher Gestalt den Rus zu fan- gen: wann dann, was in den Haͤfen war, Hauptbeschreibung ersten Theils achtes Buch. war, verzehret ist, wird anders drein gethan, und dergestalt fortgefahren, bis man gnug Rus hat. Endlich wird er in Tonnen und andere Gefaͤsse zum Ge- brauch eingeschlagen. Das acht und funfftzigste Capitel. Vom Geigenhartz. D As rechte Colophonium wird von dem feinen Terpentin gemacht, welcher so lange im Wasser gekochet worden, bis er eine dichte Consistentz und Wesen uͤberkommen, und durch dieses Mittel zum tragen bequem gemachet worden ist. Man lasse sich aber nicht ferner bereden, ob sey unser braunes Arcanson, welches zu unterschiedenen Sachen gebrauchet wird, das Colo- phonium ; man soll es auch hinfort nicht weiter also nennen. Wann nun der Terpentin, so bald er aus dem Was- ser gezogen ist, harte worden, und bricht, so erkennt man hieran, daß er genug- sam gekochet hat. Diese also zuberei- tete Materie wird von den Apotheckern gekochter Terpentin genennet, dar- Gekochter Terpentin. aus sie, wenn er noch warm ist, Pillen machen, und selbige in gestossenem Suͤs- senholtze weltzen, oder mit Goldblaͤttlein uͤberziehen: hernach nennen sie diesel- ben Terpentinpillen, und werden zu Terpentin- pillen. Curirung der Venerischen Kranckhei- ten gebrauchet. Weil auch das Colo- phonium, es sey gantz, oder zu Pillen gemacht, ohne eintzigen Zusatz ist, des- halben duͤrffen es die Spezereyhaͤndler, eben als wie die Apothecker verkauffen. Das neun und funfftzigste Capitel. Vom Verniß. W Jr verkauffen sechserley Verniß, Trucknender Verniß. naͤmlich, den trucknenden/ wel- cher von Spicoͤl, feinem Terpentin, und Sandaraca unter einander geschmol- tzen, verfertiget wird. Der andere und Venedischer, oder weisser Verniß. weisse, der Venedische genannt, ist von Terpentinoͤl, feinem Terpentin und Mastix, gleichfalls unter einander ge- schmoltzen, bereitet. Der dritte, der Verniß von Weinspiri- tus. Verniß vom Weinspiritus, wird von Sandaraca, weisser Carabe, Gum- mi Elemy und Mastix gemacht. Der Goldverniß. vierte, der Goldverniß/ von Leinoͤl, Sandaraca, Aloe, Gummi Gutti und Goldgloͤte. Der fuͤnffte, der Verniß Chinesischer Verniß. auf Metall/ oder der Chinesische/ von Gummi Lacc, Colophonio, Mastixkoͤr- nern und Weingeist. Der sechste ist der Gemeiner gemeine Verniß/ und nichts anders, als gemeiner Terpentin in Terpentin- Verniß. oͤle zerlassen, wie ich bereits oben im Cap. vom Terpentin erwehnet habe. Es giebt auch sonst noch einen Ver- niß, welchen etliche Muͤnche zurichten: allein, weil wir nichts damit zu thun haben, so will ich auch nichts davon ver- melden. Was aber die Art und Weise den Verniß zuzurichten betrifft, und inson- derheit, wieviel man von iedwedem dazu nehmen muͤsse, da macht es ein ieder nach seinem Gutduͤncken. Nur ist dabey zu beobachten, daß man mit dem Feuer be- hutsam umgehen, auch allezeit die schoͤn- sten Sachen dazu nehmen muͤsse. Denn man kan den Verniß nie schoͤn genug machen. Ende des Buchs von Gummen. E e Des Der Spezereyen und Materialien Des Ersten Theils Der Hauptbeschreibung der Spezereyen und Materialien Neuntes Buch. Von Saͤften. Vorrede. D As Wort Saft bedeutet das fluͤßige Wesen/ aus welchem die Ge- waͤchse meistentheils bestehen/ und welches den andern Theilen mitgetheilet wird/ damit es ihnen zur Nahrung und fernerm Wachsthum dienen moͤge. Daß also der Saft in den Gewaͤchsen eben das/ was in den Thieren das Blut ist. Es heist auch Succus, der Saft, ein dicker liquor, der aus den Kraͤutern und andern Gewaͤchsen/ oder de- roselben Theilen gezogen/ hernachmahls durch Huͤlffe der Sonnen oder des Feuers zu fliessenden oder dicken Electuariis und Extract en gemacht, und folglich in Stand gesetzet wird/ daß er sich eine geraume Zeit halten koͤn- ne. Doch werde ich allhier von den fluͤßigen und duͤnnen Saͤften nicht handeln, sondern allein von denenjenigen, welche gearbeitet und zube- reitet worden sind, und demnach ein Stuͤcke von unserer Handlung aus- machen. Will derowegen bey dem Scammonio anheben, weil es der theu- erste unter allen Saͤften ist/ und welcher unter allen am meisten gebrau- chet wird/ dabey aber auch viel Betrug mit unterlauffet. Das erste Capitel. Scammonium. D As Scammonium ist der dickgemachte Saft von der Siehe Fig. 310. Wurtzel eines Gewaͤchses, welches die Baͤume und Waͤnde hinanlaufft, und gruͤne Blaͤtter hat, die wie ein Hertz aussehen, worauf die weissen Glocken- blumen folgen. Diese Gestalt der Blu- men hat Anlaß gegeben, daß einige ge- schrieben, es sey das Gewaͤchse des Scam- monii das fuͤnffte Geschlecht der Winde. Dem aber sey wie ihm wolle, das Scammonium/ das wir verkauffen, ist der uͤbern Feuer dickgemachte Saft, der aus der Wurtzel erstgemeldter Pflantze gepresset worden. Die Pflantze waͤchst in haͤuffiger Men- ge an vielen Orten in Levante, vor- naͤhmlich aber um Aleppo und S. Jo- hann von Acre/ denn von dannen wird das beste Scammonium gebracht; welches, wenn es recht vollkommen seyn soll, gewiß von Aleppo seyn muß, leich- te, grau, zarte und stracks zu brechen, und hartzicht: wenn man es mit den Naͤgeln kratzet, muß das Pulver grau sehen, und einen bittern Geschmack nebst einem wunderlichen gantz unangeneh- men Geruch haben. Hingegen soll man das schwere, hart und schwaͤrtzlichte ver- werffen. Diejenigen, welche grosse Parteyen oder gantze Saͤcke voll Scammonium von Aleppo kauffen, moͤgen zusehen, daß sie inwendig wie auswendig beschaf- fen sey: denn ich kan selbst bezeugen, daß ich unter diesem Scammonio Kohlen, Holtz und andere dergleichen Dinge ge- funden; uͤberdiß war es in der Mitten gantz verbrannt, und nicht mehr als drey Daumen dicke recht gut Scammo- nium drumher. Befinde mich dannen- hero genoͤthiget zu glauben, daß die Leute aus Levante mit Fleiß Klumpen von Hauptbeschreibung ersten Theils neundtes Buch. von solchem verbranten Scammonio ma- chen, das noch dazu inwendig voll Koh- len, Steine, und anderer unnuͤtzen Din- ge steckt, die entweder von ohngefehr drein gerathen, oder aber von diesen boͤ- sen Leuten, die es bereiten, mit Willen drunter gemenget, und hernach mit dem Teig von gutem Scammonium uͤber zo- gen worden, auf eben die Art, als wie unsere Siegelwachsmacher das schlech- te so genannte Spanische Siegelwachs bekleiden, wovon im Cap. vom Jndiani- schen Wachs Erwaͤhnung geschehen: wenn sie dieselben hernach beym Ofen, oder an der Sonne trocknen lassen, thun sie dieselbigen in lederne Beutel, so wie wir sie zu sehen bekommen. Aus dieser Beschreibung ist leicht zu ersehen, daß das Scammonium nicht an der Sonne gemacht worden ist, ob es gleich ihrer viele vermeinen; indem wir es mehrmahls gantz verbrannt zu seyn befinden, mich auch ein guter Fꝛeund und Wundartzt zu Montpellier/ der sich eine gute Zeit zu Aleppo aufgehal- ten, alles dessen, was ich oben gemel- det, versichert hat, und uͤberdiß annoch berichtet, daß die Bauern, die diese Waare zurichteten, selbige nach Alep- po zu Kauff braͤchten, eben als wie un- sere Bauern ihre Sachen zu uns brin- gen. Resina Scam- moni. Aus dem Scammonio von Aleppo wird nach Anleitung des Herrn Leme- ry, mit Weinspiritus ein Hartz gezogen, welches weit kraͤftiger ist als das Scam- monium selbst: weil aber dieses Hartz so gar theuer ist, dahero wird auch sein wenig verthan, so gar, daß es kaum die Rede verlohnet. Hingegen wird das Scammonium desto mehr ver- braucht, und koͤnte mit gutem Fug und Rechte ein Pfeiler der Medicin genen- net werden. Weil es auch eines der staͤrcksten Purgantzien ist, deshalben richten es die meisten unter den Verstaͤn- digen auf allerhand Arten zu, damit ihm seine Schaͤdlichkeit benommen wer- de, und nennen es hernachmahls dia- Diagrydium grydium, auch Scammonium diagrydium. Einige richten es mit Schwefeldampfe zu; andere stossen es mit lebendigem Schwefel. Wieder andere lassen es in einer Quitte backen. Die beste præpa- ration unter allen ist diese: man loͤse es mit Weingeist auf, und bereite das Hartz, gleichwie ich allbereit gemeldet habe. Seit einigen Jahren her pflegt man das gestossene Scammonium in Branntwein aufzuloͤsen, und zuͤndet es hernachmahls an; wenn es nun ge- brannt, bis das Feuer von sich selbst er- loschen, laͤst man den liquor, so bald nur die Flamme ausgangen, durch ein zar- tes Tuͤchlein lauffen, und gießt ihn in ein Glas, bedient sich hernach desselben, als einer guten Purgantz, fruͤh Mor- gens, ein oder zwey Loͤffel voll davon genommen: und dieses heissen wir Sy- rupum de Scammonio, Scammonien- syrup. Aus Scammonio von Aleppo, Cremor tartari, und einem diaphoretico wird ein graues Pulver bereitet, und pulvis Pulvis Corna- chinus s. de tribus. de tribus oder Cornachinus genennet. Der Herr Lemery hat es weitlaͤufftig beschrieben, den besiehe. Das andere Capitel. Vom Smirnischen Scammonium. O Hne das Scammonium von A- leppo und aus Levante verkauf- fen wir auch noch, ob es gleich gantz un- gereimt ist, ein schwartzes, schwer und weiches Scammonium, welches voll Steine, Schneckenschalen und andern Unrath ist: mit einem Worte, es ist dem Scammonio von Aleppo gantz und gar zu wider. Solte derohalben gaͤntzlich verworffen werden, zusammt dem grau- en, ziemlich leicht- und zarten Scammo- nio, welches sich stracks zerreiben laͤßt, weil es nichts anders ist, als Hartzpech, darein man einige heftig operir ende Din- ge gemenget, damit es seine Farbe ver- aͤndern, und desto besser verkauffet wer- den moͤge. Diejenigen aber, die der- gleichen schaͤdliche Sachen zurichten, und solche Schelmereyen aussinnen, muͤssen in Wahrheit ehr- und gewissen- lose Leute seyn, und zwar um zweyer- ley Ursache willen. Erstlich, weil die- ses Mengsel, wie ich nur erst erwiesen, so gar uͤbel beschaffen. Zum andern, weil ein so grosser Unterschied zwischen diesem Hartzpeche, von welchem das E e 2 Pfund Der Spezereyen und Materialien Pfund insgemein zwey Sols kostet, und dem also genannten Scammonio, das sie von 40. Sols bis zu 10. Francken verkauffen, nachdem sich naͤmlich dieje- nigen, die das Scammonium von ih- nen begehren, drauf verstehen. Diese abscheuliche Leichtfertigkeit zu beschoͤni- gen, haben sie ihm den Namen Jndia- nisches Scammonium oder Scam- monium der Compagnie gegeben. Ge- wißlich eine treffliche Ehre, die sie den Herren von der Compagnie erzeigen; massen es das Ansehen gewinnet, als ob diese Betruͤger diejenigen Fehler, welche in Franckreich mit so uͤbel be- schaffenen Materialien begangen wer- den, jenen rechtschaffenen ehrlichen Leuten aufbuͤrden wolten. Ja ich erachte mich verbunden, diese Betruͤgerey zu eroͤffnen, und zu melden, daß der mehrere Theil der also verfaͤlsch- ten Waaren, von denenjenigen, die sie verkauffen, selbst gemachet sey; kan die- ses auch mit dem Exempel dererjenigen, die das Arcanson fuͤr Frantzosenholtz- gummi verkauffen, erweisen. Woraus man zur Gnuͤge abnehmen kan, daß die Herren von der Compagnie ihre Waa- ren nicht anders, als wie sie dieselben be- kommen, verkauffen; denn alles Gua- jacum, das durch ihre Vermittelung gekommen ist, und annoch kommt, ist gut; allein, die es ihnen abgekaufft, verfaͤlschen es mit dem Arcanson, nur damit sie desto bessern Profit damit ma- chen moͤgen. Wenn aber auch, zu al- lem Ungluͤck, diese Herren selbst waͤren betrogen worden, so gebuͤhrte sichs, daß diejenigen, welche die Waaren von ih- nen kauffen, fein Achtung gaͤben, und sie ihnen lassen solten, damit sie ein an- der mahl sich besser in Acht naͤhmen, wenn sie ersehen, daß sie betrogen wor- den sind. Jch vermeine, daß ich genug gesaget, wie man den Betrug, der bey den Materialien vorgehet, mercken und zugleich erkennen solle, was wohl die armen Patienten ausstehen muͤssen, und wie die Medici in ihrem Absehen gehindert werden. Jch gestehe gantz gerne, daß ich nim- mermehr geglaubet, daß Leute so bos- haft seyn koͤnten, dafern ich nicht selbst eine ziemliche Menge dieses haͤßlichen Scammonii verkauffen sehen, und wenn ich nichts mehr davon in Haͤnden haͤtte, welches ich bereits eine geraume Zeit aufbehalten, und denenjenigen zeigen kan, die es nicht glauben wollen. So will ich auch noch zum Uberfluß einen Schein allhier zugleich mit anfuͤhren, den der Herr von Tour, ein Medicus zu Montpellier, dieses Scammonii halber von sich gestellet, und dadurch die Schaͤd- lichkeit dieser liederlichen Materie um so viel desto mehr erweisen. „Mir ist es begegnet, daß als ich eine „halbe Untze einer Materie, die man „mir fuͤr Scammonium verkaufft, praͤ- „pariret hatte, der Syrup davon, nach „geschehener Praͤparation, bey nahe „grasgruͤn sahe; welches mir die Ge- „dancken machte, es muͤsse giftig gewe- „sen seyn: welches mir auch die Erfah- „rung bestaͤtigte. Denn als ich einem „kleinen Hunde davon gegeben, lieff „ihm der Leib auf, und ward fuͤnff oder „sechs Tage drauf sehr kranck, ohne daß „es ihn purgiret haͤtte. De la Tour, Medicus zu Montpellier. Welches gewißlich eine Sache, darob sich desto mehr zu verwundern, dieweil die ordentliche Wirckung des Scammo- niums purgirend ist. Das dritte Capitel. Opium. D As Opium, von den Tuͤrcken Amphion. Amphion genennet, ist ein weisser Saft, als wie Milch, welcher aus den Koͤpfen des schwartzen Mohns trief- fet, wenn man dieselben aufgeritzet hat. Nachdem er hervorgedrungen, wird er dicke, und seine weisse Farbe veraͤndert sich in braun. Das aufrechte Opium aber, das sind kleine Tropfen, als wie der Mastix, ohne daß ihre Farbe viel dunckler. Und diß ist nun das wahrhaf- te Opium, dessen sich die Tuͤrcken so sehr bedienen, und eine oder zwey Tage ohne einige andere Nahrung leben koͤnnen: welches ihnen dann eine grosse Huͤlffe. Wann sie aber in Streit gehen wollen, brauchen sie es gantz uͤbermaͤßig; da- durch werden sie aller Vernunft berau- bet, daß sie als wie blind drauf gehen, und sich um keine Gefahr bekuͤmmern. Es TAB. L. Stachlichter Mohn. Fig. 313. p. 441. Schwartzer Mohn. Fig. 311. p. 441. Weisser Mohn. Fig. 312. p 441. Fichte. Fig. 308. p. 422. Tanne. Fig. 309. p. 422. Terpentin-bauͤm. Fig. 307. p. 421. Hauptbeschreibung ersten Theils neundtes Buch. Es giebt noch ferner eine Gattung Opium, welches aus den Haͤuptern des Siehe Fig. 311. schwartzen Mohns, ohne daß man sie aufgeritzet, herablaͤufft, und im herab- fallen gerinnet, da es dann von der Son- nenhitze braun gemachet wird. Die- ser dicke Saft solte noch eher denn der vorige, den Namen Opium fuͤhren, wel- cher von dem Griechischen Wort ὀπὸς oder ὄπιον, welches einen Saft bedeutet, herstammet. Und uͤber diese ist noch eine dritte Sorte, die aus den aufgeritz- Siehe Fig. 312. ten weissen Mohnhaͤuptern gezogen wird, welcher Saft alsdann eben, als wie der aus den schwartzen Mohnkoͤ- pfen, dicke wird. Die Tuͤrcken nennen Maslach der Tuͤrcken. ihn Maslach. Weil aber diese drey Sorten nicht bis zu uns gelangen, des- halben will ich auch nichts weiter davon erwaͤhnen, sondern vielmehr weisen, daß dasjenige, was wir Opium zu nennen, und dafuͤr zu verkauffen pflegen, und ei- ne schwaͤrtzlichte Massa ist, die uns die Tuͤrcken und die Leute aus Levante zu- senden, nichts anders sey als ein ausge- preßter Saft, aus den Koͤpfen und Blaͤttern des Mohns, welcher hernach beym Feuer die Dicke eines Extracts be- kommen: aus diesem machen sie heꝛnach- mahls Kuchen, von unterschiedener Groͤsse, und umwickeln sie mit Mohn- blaͤttern, damit sie dieselben desto besser fortbringen koͤnnen. Dieses Opium braucht keine grosse Kosten. Oftmahls ziehen die Tuͤrcken den Saft aus einem Kraute, Glaucium Siehe Fig. 313. stachlichter Mohn genannt, so dem gehoͤrnten Mohn ziemlich gleich sie- het; und mischen ihn unter den andern Mohnsaft, daraus sie hernachmahls ei- ne Massa machen. Daß aber das Opi- um, das wir verkauffen, nichts anders, als ein ausgeprester Saft, ist gantz ge- wiß, und weiset der wohlfeile Preiß, da- rum es verkauffet wird, zur Gnuͤge, daß es ein bloser Mischmasch sey, keines we- ges aber ein Saft, der von ihm selbst, und von Natur herab geflossen. Selbst unsere Vorfahren, weil sie nicht ge- zweiffelt, daß das Opium, so wie wir es verkauffen, nichts anders als ein ausgeprester Saft sey, haben ihm des- Meconium. wegen den Namen Meconium gege- ben. Jch habe zwar allen Fleiß angewen- det, daß ich ein weisses Opium finden moͤchte, dessen von einigen neuen Scri- benten gedacht wird; allein ich kan nicht glauben, daß sie es einmahl gesehen, oder daß es iemahls dergleichen gegeben haͤt- te: denn es ist wohl wahr, daß das Opi- um als wie Milch aus den Mohnhaͤu- ptern rinne, es wird aber nicht harte, be- vor es die Farbe veraͤndert. Derowe- gen haben sie nur von hoͤren sagen, daß es weisses Opium gebe, oder sie haben solches von andern vernommen, die es gleicher gestalt nur sagen gehoͤrt, oder sie haben sichs nur eingebildet, und uns dennoch uͤberreden wollen, ob gebe es Materialien, die doch niemahls in rerum natura gewesen, noch iemahls seyn werden. Wider diese und derglei- chen Fehler und Jrrthuͤmer zu schrei- ben, habe ich meiner Schuldigkeit zu seyn erachtet, damit doch iederman die Wahrheit kund und offenbar wuͤrde, wie auch, daß diese Scribenten nichts nicht geschrieben, als was ihnen andere berichtet und vorgeschwatzt. Besser waͤre es gewesen, sie haͤtten von nichts anders gehandelt, als was ihres Thuns ware, noch sich bemuͤhet, solche Dinge zu beschreiben, davon sie nicht die gering- ste Wissenschafft haben: zum wenigsten zeigen ihre Schrifften, daß sie dieselbi- gen nicht einmahl kennen. Es ist mir leid, daß meine Feder also spitzig seyn soll: allein, es ist doch die lautere Wahrheit, daß ihre Schrifften an alle diesem Unheil Schuld und Ursa- che sind, und weit dienlicher gewesen waͤre, wenn dieselben niemahls an das Taglicht gekommen, verstehe, in so weit sie die Materialien angehen. Was das schwartze und harte, gelblicht und weiche Opium anbe- trifft, da haben sie recht: doch ist es nichts neues: denn man wird keine Kiste oder Baril Opium finden, darinne man nicht auch schwartzes oder gelbes, hart und weiches Opium antreffen solte. Da- zu ist ja bekannt genug, daß ein solcher dicker Saft, ie aͤlter er wird, ie truckner und schwaͤrtzer werde. Findet sich dem- nach gelber drunter, so ist diß die Schuld, daß er nicht genugsam gekocht und ge- trocknet worden. Wann sie aber sa- gen, der weisse kaͤme von Gros Cairo, allein die Tuͤrcken behielten ihn fuͤr sich; so habe mich deswegen mit Leuten be- fraget/ welche sich lange daselbst aufge- E e 3 hal- Der Spezereyen und Materialien halten, ja ich habe auch Briefe, welche erweisen, daß alle das Opium, das man zu Cairo siehet, und dessen sich die Tuͤr- cken bedienen, braun sey. Des Herrn Furetiere Einfall taug auch nicht, wenn er saget, das Opium werde also gemacht. Man stiesse den Saft in einem alten Moͤrsel, und formie- re daraus, nachdem er trucken worden, trochiscos oder kleine Kuͤchlein. Es sind die rechten kleinen Kuͤchlein, indem es gemeiniglich Klumpen, einer Faust di- cke. Endlich will ich mich auch nicht laͤnger aufhalten, noch diejenigen lusti- gen Histoͤrgen beschreiben, welche alte und neue Scribenten von dieser Mate- rie erdacht, vielweniger mich um seine Beschaffenheit, ob es naͤmlich kalt oder hitzig sey, bekuͤmmern: nur dieses ge- denckende, daß man das Opium, oder vielmehr das Maconium/ so man zu uns sendet, erwehlen muͤsse, welches recht trucken, recht dichte, und fein schwaͤrtz- licht ist, und einen Geruch hat, der einen gantz Schlafftruncken machet. Auch muß es nicht gruͤmplicht seyn, oder kle- bricht, vielweniger in einem Stuͤcke: denn ie besser es beschaffen, ie besser laͤßt es sich verkauffen. Extractum O- pii, sive Lau- danum. Das Opium wird sehr wenig zur Artzney gebraucht, hingegen der Ex- tract, der mit Regenwasser und Wein- geist davon bereitet wird, desto mehr. Dieser Extract, wenn er, wie Charras und Lemery lehren, recht und wohl zu- gerichtet, ist dasjenige, was wir und die Apothecker Laudanum zu nennen pfle- gen. Es giebt auch noch ein ander Laudanum opiatum, welches vom Lauda- no, Extracto Croci, Magisterio perlarum orientalium, oleo caryophyllorum, Carabe, Moscho \& Ambra grysea zusammen ge- setzt, und ein weichliches Electuarium dar- aus verfertiget wird. Alldieweil es aber ein Stuͤck der Apotheckerkunst, deshal- ben handeln wir gar nicht damit. Das Laudanum simplex und das Opium sind zwey solche Sachen, die man mit der allergroͤsten Behutsamkeit gebrauchen muß, sintemahl es die gefaͤhrlichsten Mittel. Derowegen soll man sich ih- rer ohne Rath verstaͤndiger Leute nie bedienen, bevoraus des Laudani, ob es schon getreulich und von erfahrnen Leu- ten bereitet worden ist: welches auch alles ist, was ich davon kund thun kan. Nichts desto minder soll es fein glaͤntzend schwartz, und bis zur gehoͤrigen Consi- stentz eingekochet seyn. Zu Paris bereiten ihrer etliche einen Pariser Opi- um. Extract von dem Safte, der aus den schwartz- und weissen Mohnkoͤpfen, die um Aubervilliers in sattsamer Men- ge wachsen, und nennen dasselbige Opi- um und Diacodium simplex, um es der- gestalt vom Diacodio composito, dessen bey gar vielen Scribenten Meldung ge- schicht, zu unterscheiden. Dieses Opi- um aber hat bey weiten keine so starcke Wirckung, als das wir von Marseille bekommen. Was den Syrupum diacodii, oder den weiß- und rothen Mohnsaft betrifft, davon werde ich nichts vermelden, son- dern den Leser zu denenjenigen Buͤ- chern, die von der Apotheckerkunst ge- schrieben sind, verweisen. Das vierdte Capitel. Von der Aloe. D Je Aloe ist ein Gewaͤchs, welches kleiner bleibet oder groͤsser wird, ie nachdem es einen Boden angetroffen: welches denn einige zu sagen veranlasset hat, daß es Aloen gebe, die so hoch waͤ- ren, als bey uns die groͤst- und staͤrcksten Baͤume. Wiewohl sie auch nicht gaͤntzlich unrecht haben, allermassen in Spanien/ sonderlich in dem Gebirge Sierra morena uͤberaus hohe Aloen gefunden werden deren Blaͤtter so dicke, hart und stachlicht sind, daß es einige drunter giebet, mit denen ein Mensche koͤnte entzwey gesaͤget werden. Mit- ten zwischen diesen Blaͤttern steiget Siehe Fig. 314. nach Anweisung der Figur, ein Stengel hervor, der einen weissen, leichten und halbrunden Samen bringt. Allhier aber will ich nicht stehen blei- ben, und erzehlen, was gar viel Scri- benten von dem Aloegewaͤchs berichten; daß es naͤmlich alle hundert Jahre ein- mahl bluͤhe, und die Blumen mit gros- sem Geraͤusche hervorbraͤchen: denn dieses alles ist falsch, und haben wir sie zu unsern Zeiten, im koͤniglichen Gar- ten zu Paris/ vielfaͤltig bluͤhen sehen, die dennoch niemahls einiges Geraͤusch gemacht; Hauptbeschreibung ersten Theils neundtes Buch. gemacht; wenigstens, wo sie ja eines erreget, ist es so geringe gewesen, daß man es naͤhrlich beobachten koͤnnen: solte mir auch ein leichtes seyn, dieses mein Vorbringen durch diejenigen La- teinischen Worte, die in der Beschrei- bung desselbigen Gartens am 8ten Blat im Cap. von der Aloe stehen, zu behaup- ten. Sie lauten also: floruit in horto Regio, Anno 1663. \& 1664. quod ignotum fuerat hactenus Lutetiæ, idque nullo strepi- tu, nulla subitanea caulis eruptione, ut per- peram multi fabulantur. „Jm Jahr „1663. und 1664. hat sie, die Aloe, im „koͤniglichen Garten gebluͤhet, welches „bisher zu Paris etwas gantz unge- „woͤhnliches: und zwar ohn alles Ge- „raͤusche, oder, daß der Stengel jaͤhling „hervor gebrochen waͤre, wie doch ihrer „viele gar ungereimt davon fabuliren. Hingegen will ich vermelden, wie daß sich ihrer viele verwundern duͤrfften, wenn ich gesaget, die Aloe braͤchte ihre Fruͤchte par trochets , d. i. wenn fuͤnff und sechs, oder noch mehr Fruͤchte auf ei- nem Buͤschlein beysammen hangen, Siehe Fig. 315. gleichwie die Figur weiset. Allein, ich haͤtte dieses nicht gethan, wo mir nicht der Herr Tournefort einige gegeben haͤtte, die er selbst von diesem Gewaͤch- se gesammlet. So hat er auch eine Spitze von A- loe gemacht. roͤthlichte Spitze, ohngefehr einer hal- ben Elle lang und vier Finger breit, welche von der Seide, die aus diesem Ge- waͤchse bereitet wird, gemachet ist. Diese Beschreibung der Aloe klingt gantz anders, als welche Furetiere ge- geben, wenn er den Baum des Aloe- holtzes mit dem Aloegewaͤchs verwirret, da sie doch dergestalt von einander un- terschieden sind, als ich bereits oben im Cap. vom Aloeholtz angemercket habe. Dem sey aber wie ihm wolle, vorietzo will ich gedencken, daß wir dreyerley Aloe verkauffen, nachdem sie naͤmlich reine oder unreine ist, oder aber, nach- dem sie an diesem oder jenem Orte be- reitet worden, oder auch, nachdem das Gewaͤchse, davon sie gemacht worden, beschaffen gewesen. Die vollkommen- ste Aloe unter allen ist die, welche wir Aloe Ciccotrina oder Succotrina nennen, es sey nun gleich ein succus concretus, wie die Lateiner reden, ein zusammen ge- lauffener geronnener Saft, oder, weil die beste aus der Jnsel Succotra koͤmmt. Die Einwohner dieser Jnsel ziehen den Saft aus der Wurtzel, und giessen ihn, wenn er sich gesetzet hat, ab und in ein Gefaͤß, das im Feuer bestehen kan: wenn sie ihn alsdann gekochet, bis er als ein Extract dicke geworden, thun sie ihn in gantz duͤnne Blasen, damit sie ihn fortbringen koͤnnen, und er sich so lange, als ihnen beliebig, halten moͤge. Man soll aber die Socoterische A- loe erwehlen, welche sich zerreiben laͤßt, leichte ist, hell und durchsichtig, an Far- be als ein schoͤnes Glas vom Antimonio; das Pulver, welches man davon abge- kratzt, muß schoͤn goldgelbe sehen: an- bey muß sie bitter schmecken, und schier gar keinen Geruch haben, auch nicht voll Blasen seyn. Sie wird ziemlich starck in der Artz- ney gebraucht, indem es ein trefflich purgans: derowegen soll es auch nur eintzig und alleine innerlich gebrauchet werden: desgleichen zu den beyden Ex- tracten, die von uns und den Apothe- ckern Aloë rosata und violata genennet Aloë vosata, violata. wird, und also bereitet werden: man loͤset recht schoͤne Socoterische Aloe in Rosen- oder Veilgensafte auf, filtrirt hernachmahls die solution, oder das Auf- geloͤsete, und setzt dieses entweder an die Sonne, oder auf eine kleine Glut, da- mit es die Consistentz eines Extracts uͤberkomme: nach diesem macht man Pillen draus, denen einige den Namen pilules gourmandes , Freßpillen, Franck- Franckfurter Pillen, Freß- pillen. furterpillen/ ja wohl gar Angelicapil- len/ gegeben, da dieses doch wider alle Vernunft, und die wahrhaften Ange- lican- oder Englische Pillen aus gar vie- len zusammen vermischten Stuͤcken, darunter zwar die Aloe das vornehmste ist, zusammengesetzet werden. Das fuͤnffte Capitel. Aloë hepatica. S Eit etlichen Jahren her sendet man uns aus den Americanischen Jn- seln einen dicken Saft, den unsre Leute aus der Wurtzel und den Blaͤttern der Americanischen Aloe ziehen. Diese Aloe wird in Kuͤrbsen, von un- terschiedlicher Groͤsse, zu uns gebracht, denn sie von zwey bis hundert Pfund wie- Der Spezereyen und Materialien wiegen, ja noch druͤber, welches iedoch etwas ausserordentliches ist, ich aber mit einem solchen Aloekuͤrbis erweisen kan, der 102. Pfund wieget. Dem sey, wie ihm sey, man erwehle nur die Aloe/ wenn sie leberfarben siehet, denn daher hat sie den Zunamen hepatica bekom- men, dieweil das Griechische Wort He- par so viel bedeutet als Leber; die auch recht trucken sey, und so wenig als moͤg- lich, stincke. Denn man findet ihrer, welche schmiericht ist, und zweyerley Farbe hat, castanienbꝛaun und schwartz, ist anbey glaͤntzend, und stinckt dermas- sen, daß man es schier unmoͤglich ertra- gen kan: welches, wie man mich berich- tet, daher kommen soll, daß sie von den Blaͤttern dieses Gewaͤchses bereitet worden. Welches auch gar wohl seyn kan, alldieweil diese Blaͤtter, wenn sie zerbrochen oder zerschnitten werden, so sehr stincken, daß man sie bey nahe nicht einmahl vor die Nase bringen kan. Da- gegen ist die, so von der Wurtzel bereitet worden, hierinne gantz und gar von je- ner unterschieden, denn sie hat fast gar keinen Geruch, ist aber im Gegentheil desto bitterer. Diese Aloe solte billich nicht zur Artz- ney genommen, sondern allein fuͤr die Pferde gebrauchet werden, weil sie doch noch besser ist als die Pferde Aloe, Aloë Caballina, von der ich hernach reden werde. Was die unterschiedenen Farben be- trifft, die sich an dieser Aloe befinden, dieselben sind ihr an ihrer Beschaffen- heit nicht im geringsten nachtheilig, weil selbige nur daher entstehen, daß sie in der Mitten nicht so trucken ist, wie aus- senher, dieweil die Luft nicht gnugsam dazu gekonnt, sie auch noch gantz warm in die Kuͤrbse ist geschuͤttet worden, da sich denn die Waͤrme inwendig concen- triret oder zusammengezogen, und ihr diese schwaͤrtzlichte Farbe gegeben; wel- ches ingleichen auch die Ursache ist, daß sie so weich und klebricht. Die dritte Sorte der Aloe ist die, welche schwartz, trucken, und schier oh- ne allen Geruch ist; wird von uns Aloë Aloë Caballi- na. Caballina genennet, weil sie gemeiniglich in Koͤrben von Palmblaͤttern oder Bin- tzen, von den Lateinern Caballino be- namset, gebracht wird: oder weil sie, nach anderer Meinung, blos fuͤr die Pferde soll gebrauchet werden. Doch ist dieses ein ziemlich grober Schnitzer; denn sie dienet weder fuͤr die Menschen, noch fuͤr die Pferde, weil sie nichts als eitel Unrath ist, oder besser zu sagen, ver- brannt Zeug, welches weder Kraft noch Macht hat, und darum billich sol- te verworffen werden. Ja man solte den Kauffleuten nicht nur diese, sondern auch andere dergleichen schaͤndliche Waaren zu fuͤhren und zu verkauffen verbieten, absonderlich, wenn selbige zur Artzney sollen gebrauchet werden. Das sechste Capitel. Vom Succo Hypocistidis. H Ypocistis, im Frantzoͤsischen Hypochiste genannt, ist ein dicker Saft, den man aus einer Art Beyschoͤßlingen machet, welche aus der Wurtzel eines Strau- ches, Cistos benamset, herauswachsen. Dieser Strauch ist in Provence und Languedoc gar sehr gemein, und wir lassen allen Succum hypocistidis, den wir verkauffen, daher bringen. Der Herr Charras, und der ihn so wacker ausgeschrieben, Maͤvius/ ha- ben beydes die Figur und die Farbe die- ser Nebenschossen, also wohl beschrieben, wie ingleichen den Strauch, der sie brin- get, daß ich nicht fuͤr dienlich erachtet, dieses Cap. zu vergroͤssern, sondern ha- Siehe Fig. 316. be mich begnuͤgen lassen, die Figur, die ich nach dem Originale stechen lassen, Siehe Fig. 316. hierbey zu setzen. Diesen Saft nun muß man erkiesen, der da fein wohl gekocht, das ist, frisch sey, glaͤntzend schwartz, gar wenig ver- brannt, und so viel nur moͤglich, eines anziehenden Geschmacks, auch gewiß von Hypocistide bereitet. Jch sage nicht ohn Ursache, daß man den erwehlen muͤsse, der gantz gewiß vom Hypocistide bereitet worden, denn Maͤvius saget, die Apothecker, welche die Leute zu be- truͤgen pflegten, gebrauchten insge- mein den an der Sonne getreugten Saft der Bocksbartwurtzel dafuͤr. Al- lein, ich dencke immer, er habe ihnen in diesem Stuͤcke ein wenig zu viel gethan, denn TAB. LL. Trutsche Acatia oder Schlehen dorn F. 318. p. 452. Rechte Acatia. F. 317. p. 449. Hypocustis. F. 316 p. 448. Scam̃oneum. F. 310. p. 435. Versianische Aloe. p. 455. Americanische Aloe. F. 314. p. 444. Aloe Frucht F. 325. p. 445. Hauptbeschreibung ersten Theils neundtes Buch. denn ich versichert bin, daß die Apothe- cker hieran wohl niemahls gedacht, und zwar um dreyerley Ursache willen. Vors erste ist dieser Saft ein Extract, den wir spottwohlfeil schaffen koͤnnen, nicht nur, weil diese Beysprossen in Provence sehr gemeine sind, sondern auch sehr viel Saft geben. Die ande- re Ursache ist, daß der Extract der Bocks- bartwurtzel um ein gutes hoͤher kommt, als der aufrechte Succus hypocistidis. Drittens, muß dieses nur aus einer blosen Einbildung herruͤhren, dieweil der Herr Charras, dessen Buch er so redlich ausgeschrieben, davon gar nichts erwaͤhnet, sondern vielmehr eine gantz widrige Meinung gehaͤget hat, erstan- gefuͤhrter Ursachen wegen, welches auch die Wahrheit ist. Diesemnach darff man nicht ferner glauben, daß der Succus hypocistidis ver- faͤlschet werde, vielmehr kan man ver- sichert seyn, daß derjenige Saft, den die Apothecker gebrauchen, eben also sey, wie wir ihn an dieselbigen verkauf- fen. Dieses aber ist wahr, daß diejeni- gen, die den Theriac bereiten, ihn um- schmeltzen, damit die Erde und anderes unnuͤtzes Wesen, das sich darinne befin- den moͤchte, davon komme, denn die Leute in Provence und Languedoc/ die ihn bereiten, geben nicht so gar ge- naue Achtung drauf, meistentheils da- rum, weil man ihn fast umsonst von ih- nen haben will, und denn, weil sie ihn in so grosser Menge bereiten. Es wird aber dieser Saft nicht nur zum Theriac genommen, sondern er wird auch von ihrer etlichen an statt des Succi acaciæ veræ gebrauchet, theils, weil er wohlfeiler ist, theils aber, weil sie vorgeben, er habe eben solche Kraͤfte. Er kommt ingleichen unter das Pflaster des Priors von Chabriere, welches Re- cept der Koͤnig public machen lassen. Das siebende Capitel. Succus Acaciæ veræ. D Jeses ist ein dicker Saft, nach ein und anderer Scribenten Berichte, von den Fruͤchten derjenigen Baͤume, die das Arabische Gummi geben, ge- macht: welcher Baͤume auch in dem Siehe Fig. 317. Buch von Gummi abgebildet zu ersehen seyn. Weil ich aber dessen nicht ver- sichert bin, so werde mich begnuͤgen las- sen zu sagen, daß dieser Saft von der rechten Acacia, ein dicker und zu einer gantz dichten Consistentz gebrachter Saft sey, und komme aus Levante, in Gestalt runder Baͤlle, verschiedner Groͤsse, in sehr zarte Blaͤtter gewickelt, damit er nicht zerfliesse, und auch besser fortzu bringen sey. Man erwehle den rechten Acaci- ensaft, welcher wohl gekocht ist, und Tannetfarben, d. i. braunroth, siehet, und ein wenig roͤthlicht, welches sich nicht wohl zu dem Berichte ein und an- derer Scribenten schicket, welche ein- haͤllig sagen: indem es einer aus dem andern geschrieben: es muͤsse der Succus Acaciæ veræ, wenn er recht gut seyn sol- te, gar schoͤn- und zwar ziemlich hoch- roth sehen. Nun habe ich nicht wenig solchen Saft gesehen, und unter Haͤn- den gehabt, alleine niemahls einigen ge- funden, der dergleichen hohe Farbe ge- habt haͤtte. Und darum werde ich auch sagen, daß diejenigen, so sein beduͤrffen, den tannetfarbenen dem andern vorzie- hen sollen: denn erstlich ist es ein Zei- chen, wann er diese Farbe hat, daß er wohl gekocht sey. Vors andere, daß er aus denen recht zeitigen Fruͤchten gezo- gen worden: und deswegen muß er fein dichte und glaͤntzend seyn, dabey einen anziehenden in etwas unangenehmen Geschmack haben. Allein, dieser Saft wird so wenig ge- braucht, daß, wo er nicht unter den The- riac genommen wuͤrde, der schlechte Vertrieb kaum der Rede werth waͤre. Die ihn nun zu dieser weitlaͤuftigen composition von noͤthen haben, brauchen ihn zuweilen nur so, wie wir ihn ver- kauffen, blos, daß sie die Blasen, darein er gewickelt ist, herabziehen: andere aber machen mit sonderlichen Formen allerhand Figuren draus, welches zwar der Sache ein feines Ansehen macht, im uͤbrigen aber keine einige Kraft zu geben vermag. Ausser diesem Acaciensaft, von dem ich bisanher gehandelt, verkauffen wir auch noch einen andern, wiewohl gar F f selten, Der Spezereyen und Materialien selten, Succus Acaciæ Germanicæ genannt, der aus den Schlehen gezogen und her- nach gekochet worden ist, bis er die Con- sistentz eines hart und vesten Extracts uͤberkommen: drauf wird er in Blasen gethan, wie der Egyptische Acacien- saft/ dem er auch an Gestalt gleichet, nicht aber an der Farbe: denn der Suc- cus Acaciæ veræ sieht braunroth, wie ich oben gemeldet habe, der Succus Acaciæ Germanicæ aber so schwartz, als wie der frische Suͤßholtzsaft. Das achte Capitel. Vom Roucou . Achiotl oder Orlean. W As die Jndianer Achiotl und Urucu/ die Hollaͤnder aber Or- lean nennen, wird im Frantzoͤsischen Roucou geheissen, und ist eine Fecula oder zartes Pulver, welches die Einwohner der Jnseln unter dem Wind und S. Domingo, aus einem kleinen Korn be- reiten, das in einer Huͤlse steckt, deren Siehe Fig. 319. Gestalt ich nach demjenigen Stuͤcke, das in meinen Haͤnden ist, zeichnen und mit dem Buchstaben A bemercken lassen. Siehe Fig. 320. Das Baͤumlein, das den Roucou traͤgt, stoͤst, nach des P. Tertre Berich- te, aus seiner Wurtzel einen Hauffen Zweige hervor, welche sich wiederum in viel kleinere Aeste zertheilen, und also eine Staude formiren. Seine Blaͤtter sehen bey nahe als wie die Blaͤtter des Spanischen Holders, und es bringt zweymahl des Jahres ein Hauffen Buͤschlein weisser mit roth vermengter Blumen, welche der Gestalt nach, bald wie die Blumen der schwartzen Nies- wurtz sehen. Diese Blumen sind gantz voll kleiner gelber Zaͤserlein mit rothen Zuͤnglein besetzet. Wann die Blumen abgefallen, alsdann kommen die casta- nienbraunen Knoͤpfe hervor, welche uͤber und uͤber mit kleinen und zarten braunen Spitzlein oder Stacheln verse- hen sind, die aber gar nicht stechen. Wann diese zeitig worden, so finden sich in der Mitte zwey gedoppelte Kerne, welche um und um mit einem hochro- then glaͤntzenden Safte, den die Wilden Roucou nennen, umgeben sind. Mit dieser Farbe mahlen sich die Jndianer/ wenn sie verreisen wollen; doch muͤssen sie dieselbe zuvor mit einem gewissen Oele, welches sie ausdruͤcklich hierzu von einem und dem andern Samen be- reiten, aufloͤsen. Die Europaͤer machen es in einem Moͤrsel mit Leinoͤl an, und daraus, nach- dem sie es genugsam gestossen, eine Massa, die sie nach Franckreich ver- senden, woselbst es gebraucht, und das Wachs, wenn es zu blaß ist, gelb damit gefaͤrbet wird. Man braucht es auch die Chocolate zu faͤrben. Einige be- gnuͤgen sich, wenn sie es nur in einem Moͤrsel ohne Oel gestossen, und machen hernachmahls gleichfalls eine Massa oder Taͤflein draus, welche, wenn sie in Urin zerlassen, eine rothe Farbe geben, die so gut als die beste Europaͤische Farbe faͤrbet. Sie ist auch ohne diß eine sehr gute Waare. Jm uͤbrigen ist dieses Baͤumlein eben dasjenige, dessen Sca- liger gedencket, und es arborem finium regundorum, einen Baum der die Graͤn- tzen bezeichnet, oder den Graͤntzbaum/ nennet. Dieser Bericht lautet gantz anders, denn des Hrn. Frantz Rousseau seiner, welcher mir geschrieben, daß es ein Baum sey, acht oder neun Fuß hoch, dessen Blaͤtter dem Pfirsichlaube schier gleich saͤhen; nach diesen wuͤchsen die Schoten, die fast wie unsre Kastanien- schalen saͤhen, und um und um mit klei- nen Dornen oder Spitzlein besetzet waͤ- ren. Jnwendig befinde sich ein kleines Korn, welches im Moͤrsel oder auf ei- nem Steine zerquetschet und darauf in ein mit Wasser angefuͤlltes Geschirr ge- leget wuͤrde. Mit einem Worte, der Roucou wird in den Jnseln eben als wie bey uns das Staͤrckmehl gemacht: doch nicht auf solche Art wie Maͤvius beschreibet, sondern wie es unsere Staͤrckmacher bereiten: hernach wenn es zu Klumpen gemacht, und getrucknet worden ist, wird es zu uns gebracht. Dieser letztere Bericht ist viel richti- ger, denn der erste, dieweil die Huͤlsen, die ich besitze, allerdings also sehen, wie in dem Briefe des Herrn Rousseau vermeldet worden. Uberdiß ist an dem Roucou, den wir verkauffen, zumahl wenn er, wie er soll, beschaffen ist, gar leicht zu mercken, daß er nicht mit Oele angemachet sey, dieweil der gute Geruch des gerechten Roucou sattsam erwei- set, Hauptbeschreibung ersten Theils neundtes Buch. set, daß er nicht gemischet worden. Auch lasse man sich eines bessern be- richten, und glaube nicht, daß der Achiotl auf solche Weise bereitet wer- de, wie Blegny pag. 222. meldet, daß naͤmlich der Achiotl ein dicker Saft sey, den man aus der Frucht des Americani- schen fruchtbaren Baumes Achiotl ziehe. Denn, wann dieses Korn aus der Huͤlse genommen, wuͤrde es gestossen und der Saft heraus gepreßt, den man darauf an einen warmen Ort setze und die Feuchtigkeit verrauchen lasse: wenn er nun als ein Teig dicke worden, wuͤr- den kleine Klumpen in unterschiedener Form daraus gemacht, die dann, wann sie gantz und gar ausgetrocknet, eigent- lich das so genannte Achiotl waͤren. Allein, es ist nichts gewissers, als daß der Roucou oder Achiotl, gleichwie die Staͤrcke bereitet wird; denn un- moͤglich kan der Saft herausgepresset werden, weil die Materie, daraus der Roucou gemacht wird, ein roͤthlicht fasichtes Wesen ist, so an den Koͤrnern in der Huͤlse hanget, und sich nicht davon absondern laͤßt, als mit Wasser, wenn man auf solche Weise damit verfaͤhret, als wie die Staͤrckmacher, die das Mehl, das noch in denen Kleyen, welche auf Frantzoͤsisch Recoupe heissen, davon ab- zusondern, und Staͤrcke daraus zu ma- chen wissen. Und darum ist es kein Saft, der aus den Kernen gepresset worden, wie obgemeldter Autor vorgiebt. Dem sey aber wie ihm sey, man muß den Roucou aussuchen, der wie Violen oder Veilgenwurtzel riecht, und gewiß aus Cayenne gebracht ist: denn dieses die eintzige unter allen Americani- schen Jnseln, woselbst der beste und truckenste Roucou gemacht wird; der muß auch an Farbe so hoch als moͤglich seyn. Der also bereitete Roucou soll Achiotl. den Namen Achiotl fuͤhren: denn der- jenige, den wir verkauffen, ist insgemein und meistentheils feuchte und garstig, schimmlicht, und riecht nach dem Keller: in Summa, er taug durchgehends nicht zum Einnehmen, und soll weder zur Chocolate, noch fuͤr Krancke gebrauchet werden, ob ihn gleich Blegny dazu re- commendiret, ich ihm auch eben nicht widersprechen will, indem ichs nicht versucht habe. Den Roucou brauchen die Faͤrber sehr viel. Auch wird das Wachs gelb damit gemachet, wenn man ihn in ein wenig Nußoͤl zerlassen, unter das ge- schmoltzene Wachs geschuͤttet hat. Das uͤbelste aber ist, daß diese Farbe nicht lange dauert, sondern an der Luft ver- schiesset. Vor etlichen Jahren sendeten sie uns aus den Jnseln, und auch aus Holland, Roucou in kleinen Klumpen, in Ge- stalt und Groͤsse eines Thalers, welcher alle gehoͤrige Beschaffenheiten hatte, und gar gut innerlich zu brauchen war; dagegen ist der, den wir anietzo haben, in grossen viereckten Stuͤcken, wie die Maßilische Seiffe, oder als wie runde Kuchen, und bisweilen so haͤßlich und stinckend, daß man ihn kaum anruͤhren kan. Die Americanischen Cannibalen warten des Baumes, der den Roucou traͤgt, mit der groͤsten Sorgfalt, in An- sehung des grossen Nutzens, den sie da- von ziehen. Denn erstlich zieren sie ih- re Gaͤrten damit aus, und setzen ihn vor ihre Huͤtten und Wohnungen. Vors andere, ist dieses Holtz dermassen harte, daß sie Feuer damit aufschlagen koͤnnen, als wie wir mit den Feuer- und Flinten- steinen. Zum dritten machen sie Seile und Tuch aus der Schale. Viertens thun sie die Wurtzel und Blaͤtter in ihre Suppen, davon bekommen sie einen gu- ten Geschmack, und eine Farbe wie Saffran. Der fuͤnffte Nutzen bestehet in den Koͤrnern, daraus sie den Roucou bereiten, mit dem sie sich nicht allein und sonderlich an ihren Festtagen zu mahlen pflegen, nachdem sie ihn vorher in Carapaoͤl zergehen lassen, sondern sie tauschen auch andere Waaren, deren sie beduͤrfftig, dafuͤr ein. Der Roucou giebt mir auch Anlaß und Gelegenheit von dem Creutzbee- ren-Extract oder Safte zu handeln, den wir recht ungeschickt, Blasengruͤn zu nennen gewohnet sind. Es ist aber dieser Extract der Saft, der aus den Creutzbeeren, die in den Hoͤltzern gantz gemeine sind, gezogen worden. Wann nun dieser Saft aus den Beeren gezo- gen ist, wird er mit blancken Weine und etwas Alaune vermischet, in Schweins- blasen geschuͤttet und aufgehaͤnget, da- mit die Feuchtigkeit durch die Luft da- von getrieben, und er zu einem Extracte F f 2 werde, Der Spezereyen und Materialien werde, der endlich, wenn er alt worden, steinharte wird. Es gebrauchen ihn die Miniaturarbeiter: in der Artzney aber hat er keinen Nutzen. Wann er nun recht schoͤn ist, so muß er frisch und wohl bereitet seyn, und eine schoͤne gruͤ- ne Farbe geben, wenn er auf weiß Pa- pier gestrichen wird. Allein seit eini- gen Jahren her, und nachdem man ge- lernet, daß das Gummi Gutt und der Jndich ein viel schoͤners Gruͤn geben, wird es nicht mehr so viel gebraucht. Hieraus ist demnach leicht abzuneh- men, daß dieses Gruͤn gantz ungereimt Blasengruͤn genennet werde, weil es der blose Saft der Creutzbeeren ist, wel- cher dicke gemachet worden: nicht aber aus den Blasen ein und anderer Thiere bereitet wird, wie etliche vermeinen. Saftgruͤn. Wer derohalben dieses Gruͤn berei- ten will, mag Acht haben, daß er die rechten Creutzbeeren bekomme, denn die meisten Bauern, welche sie uns brin- gen, pflegen an statt der Creutzbeeren, die sie Bourge-Epine nennen, und um die Weinlese nach Paris bꝛingen, zu geben. Aus diesen Beeren machen die Apothe- cker den Creutzbeerensaft, den sie gemei- niglich Syrupum rhamni cathartici zu nen- nen pflegen, und ein unvergleichlich Mittel wider die Wassersucht ist, daher er auch den Namen syrupus hydragogus, Wasserabfuͤhrender Syrup bekom- men: denn hydor heißt nach dem Grie- chischen Wasser. Die Saͤmischgerber faͤrben das Saͤmische Leder gruͤn mit diesem Safte: und die das gruͤne Pa- pier machen, brauchen ihn anietzo an statt des Gruͤnspans, dieweil er nicht so viel als dieser kostet. Sonst giebt es noch ein Hauffen Extracta, solida und fluida, dicke und duͤn- ne, die wir alle verkauffen duͤrfften, wenn man sie nur bey uns suchte. Durch liquida verstehe diejenigen, welche so lan- ge muͤssen gekochet werden, bis sie, als wie eine Lattwerge dicke worden, z. E. Extractum hellebori nigri, pæoniæ, cucu- meris sylvestris, das die Apothecker Elate- rium nennen, und wenn es noch frisch oder neu, sehr schaͤdlich ist: wie denn al- le gute Autores sagen, man solle es nicht gebrauchen, es sey denn gar alt, und sehr glaͤntzend schwartz, wenn mans ans Licht haͤlt, und schmecke dabey sehr bit- ter. Desgleichen wird aus diesen Fruͤch- ten eine Fecula gemacht, und Elaterium album genennet. Und andere derglei- chen Extracte noch mehr. Was die solida betrift, welche die sind, die sich forttragen lassen, z. E. der Suͤßholtzsaft oder der Succus hypocisti- dis, da finden sich ihrer gleichfalls noch gar viel, die wir ebenmaͤßig verkauffen duͤrfften, wenn sie uns nur auch so ge- meine waͤren, z. E. das Lycium aus Jn- dien und Candien, samt andern mehr. Ende des Ersten Theils von Vegetabilien. Der Hauptbeschreibung zweyter Theil. Der Hauptbeschreibung derer Spezereyen und Materialien Zweyter Theil/ Von Thieren. Vorrede. E S verhindert weder die Herrschafft/ die GOtt der HERR dem Menschen uͤber alle Thiere verliehen/ noch auch die Herrlichkeit der Gaben/ die Er, der grundguͤtige Schoͤpfer/ ihm vor allem andern/ so das Leben hat/ mitgetheilet/ daß die Naturkuͤndiger/ welche von Thieren geschrieben, sich nicht selbst auch/ zum wenigsten, was anlanget den Leib, unter deren Zahl zugleich solten begriffen haben. Die Er- fahrung, welche vielen Medicis die trefflichen Wirckungen und Kraft der Theile/ ja auch der Excrement en eines todten oder annoch lebendigen Men- schen gelehret, hat sie gleichfalls dahin gebracht, daß sie viel ehe zu die- sen ihre Zuflucht genommen/ als zu solchen Dingen, welche von den Thieren kommen/ und wohl gar Beschreibungen und besondere Zuberei- tungen der Theile vom Menschen aufgesetzet/ wie sie etwa vermeinet/ daß sie es verdienten. Bis endlich der meiste Theil der Scribenten/ wel- che von Thieren/ und solchen/ die davon zum Behuff und Nutzen der Artzneykunst moͤgen bereitet werden/ gehandelt/ insgemein mit Beschrei- bung des gantzen Menschen, oder doch von desselbigen Theilen, und ehe nichts von andern Thieren gemeldet haben, als bis sie deroselben Beherr- scher beschrieben. Welches mich dann gleicher gestalt verbunden ihnen hierinne zu folgen, und was ich gesonnen von den Thieren zu vermelden, bis zu Ende derjenigen Sachen zu versparen/ welche denselbigen angehen/ der ihr Herr und Meister ist/ und nach belieben mit ihnen schalten und walten kan. Jch setze aber beyseit das grosse Licht und die Erkenntnuͤß, welche GOtt dem Menschen/ seinen Leib betreffend, geschencket hat/ daß er naͤmlich an sich selbst/ oder einem Coͤrper seines gleichen/ er sey nun lebend oder todt/ etwas finden koͤnne, dadurch er seine Kranck- und Schwach- heiten zu vertreiben/ oder doch aufs wenigste dieselben zu lindern und zu mildern vermoͤge/ wie nicht weniger seines Lebens Tage erhalten und verlaͤngern koͤnne. Damit ich aber mich desto genauer an diejenigen Sachen/ deren mein Verstand faͤhig, halten/ und meinem Vorsatz zu Folge/ allein an solche Dinge binden moͤge/ welche die Thiere, Gewaͤch- se und Mineralien eigentlich und insonderheit dem Spezereywesen dar- reichen/ als habe fuͤr gut erachtet, von der Mumie den Anfang zu ma- chen/ denn diese doch alle Theile des menschlichen Leibes in sich enthaͤlt. Das erste Capitel. Von der Mumie. U Nter allen Ehrenbezeugun- gen, welche das Alterthum den Leuten erwiesen, ist die Begraͤbnuͤß iederzeit fuͤr die groͤste gehalten worden: denn durch diese letzte und loͤbliche Er- kenntlichkeit wolten sie das Gedaͤchtnuͤß dererjenigen beehren und erhalten, de- rer Thaten und Verdienste sie, Zeit ih- res Lebens, beliebet und belobet ge- F f 3 macht, Der Spezereyen und Materialien macht, und vermeinten also, bey diesem Liebesdienste Trost fuͤr die Hinterbliebe- nen, und Friede und Ruhe fuͤr die Ver- storbenen zu finden. Die Verwunderungs wuͤrdigen Egyptischen Pyramiden und Flamm- seulen, deren ich unten gedencken will; die mit so grossem Fleiß ausgegrabenen und ausgehauenen Obelisci und Spitz- seulen, Mausolea und herrliche Begraͤb- nuͤsse, mit einem Worte, alle die praͤch- tigen und kostbaren Monumenta und Epitaphia, Denck- und Ehrenmahle, die in der gantzen Welt zerstreuet sind, be- zeugen gnugsam und zu gewiß von die- ser so loͤblichen Zuneigung der Alten ge- gen ihre Todten. Dieweil es aber stets allerley Nati- onen und Religionen gegeben, so haben auch diese ihre besonderen Gewohnhei- ten bey Ausuͤbung dieser letzten Schul- digkeit gehabt. Und zwar haben sich alle Elemente in den Raub der Verstorbenen gethei- let, und die Erde ist nicht faͤhig gehal- ten worden, daß sie mit diesem beygesetz- ten alleine beladen wuͤrde. So weisen uns die Geschichte, daß das Feuer die Todencoͤrper der Griechen/ der Roͤmer/ der Gallier/ der Teut- schen/ und noch viel anderer Voͤlcker mehr verbrennet und verzehret; daß die zu Colchis ihre Toden an die Luft und an die Aeste der Baͤume gehaͤnget; auch daß die alten abgelebten Nordlaͤnder ihre Begraͤbnuͤß in dem Abgrunde der See, gleichwie die Mohren in den Fluͤs- sen gefunden: und daß die Voͤlcker des kalten Scythenlandes in den Schnee begraben worden. Allein die alleraͤl- teste Art zu begraben ist diese gewesen, daß man die Coͤrper in die Erde ver- scharret und vergraben, welches denn auch zu glauben verursachet, es sey un- ser erster Vatter gleichfalls auf diese Weise begraben worden. Die Christen haben von den Juden gelernet die Toden zu begraben, und machten die Graͤber an unterirdischen und abgelegenen Orten, welche sie Cata- combas nenneten, insgemein Cœmeteria, als wolten sie sagen, Schlafkammern, welcher Name auch noch heut bey Tage ihnen verbleibet. Ehe und bevor sie aber die Leichname begruben, balsamirten sie dieselbigen, auf eine so besondere als wundersame Weise, welche wir alsofort betrachten wollen. Die erste Art zu balsamiren war die kostbarste, und kostete ein Talent Silber, welches zu selbiger Zeit ohngefehr 850. Pfund oder zweyhundert und etliche achtzig Thaler unsers Geldes machte: anietzo aber wuͤrde es 1000. Pfund oder uͤber dreyhundert und funffzig Thaler betragen. Es gehoͤrete aber diese Art zu balsa- miren nur fuͤr vornehme Personen. Und dazu wurden dreyerley Leute ge- brauchet, einer, der Zeichner genannt, bezeichnete diejenigen Orte am gantzen Leibe, welche musten geoͤffnet und die Eingeweide heraus gezogen werden: der Zerschneider/ welcher ein Messer, aus einem Mohrenlaͤndischen Steine gemacht, hatte, schnitte soviel Fleisch hinweg, als noͤthig war, und die Gese- tze vergoͤnneten, und lieff darauf, so starck er lauffen konte, davon, weil die Gewohnheit des Landes mit sich brach- te, daß die Befreundte und Hausgenos- sen ihn mit Steinen verfolgeten, ihm al- les uͤbels an den Hals wuͤnscheten, und als den leichtfertigsten liederlichsten Bu- ben tractireten. Nachdem dieses ver- richtet, traten die Balsamirer, welche fuͤr geheiligte Leute gehalten wurden, ein, ihr Amt zu verrichten; da dann et- liche die obern Eingeweide, bis auf das Hertz und Lunge heraus zunehmen be- gunten, die andern aber den Leib zu rei- nigen, den sie alsdann mit Palmen- weine, oder andern gewuͤrtzhaften Saͤf- ten auswuschen: hernach wuschen sie den Leib gantzer vier Wochen hindurch mit Balsam, Cederngummi, oder Hartz, und fuͤlleten ihn mit Pulver, von Myr- rhen, Aloe, Jndianischen Narden, Ju- denpech und andern dergleichen Sachen bereitet, aus; doch nahmen sie keinen Weyrauch, den wir heut zu Tage Oli- banum zu nennen pflegen, nicht dazu, es sey nun, daß sie gar zu grosse Ehrer- bietung gegen diese Spezerey haͤgeten, oder aber, weil sie zu theuer ware. Was den Kopff anbetraff, da bedien- ten sie sich gewisser Eisen, welche sie in die Nasenloͤcher stiessen, und damit al- le Substantz des Hirns herauszogen: nach dem spritzten sie koͤstliche gewuͤrtz- hafte Saͤfte hinein. Die andere Art zu balsamiren galt ein Hauptbeschreibung zweyter Theil. ein halb Talent, und war fuͤr mittlere Standespersonen bestimmet, dabey man sich begnuͤgen liesse, daß man dem Verstorbenen Wasser in den Hintern spritzte, oder ein decoctum von Kraͤu- tern und Spezereyen und Cedernoͤl: hernach ward der also zubereitete Coͤr- per gantzer sechs und sechzig Tage lang in Saltz geleget. Wann dieses vorbey, ward er wieder heraus genommen, und das Loch geoͤffnet, damit die Eingewei- de, welche nunmehro fast gantz zerfres- sen und zergangen waren, herausgehen konten. Nachdem nun solches alles ver- richtet, wurde der Leib in zarte Lein- wand-Binden, die mit Myrrhen und Judenpech getraͤncket waren, gewickelt, und der Zeichner, den sie Scribam nenne- ten, uͤberdeckte alles mit einer gemahlten Leinwand, auf welche die Ceremonien und Gebraͤuche ihrer Religion, ein Hauffen hieroglyphische Figuren, zu- samt den Thieren, die der Verstorbene am liebsten gehabt, abgebildet stunden. Das vornehmste Thier, und das sie am meisten zu verehren pflegten, war der Kaͤfer, nicht allein wegen seiner wun- dersamen Geburt, sondern auch von we- gen der Gleichheit, die dieses Ungezie- fer, ihrem Vorgeben nach, mit der Son- ne haben solte. Und gewiß, so haͤßlich auch dieses kleine Thierlein ist, indem es mehrentheils im Kothe stecket, dennoch hat es einen recht wunderbaren inner- lichen Trieb sein Geschlechte zu vermeh- ren, und zu erhalten. Denn dieses Thierlein zeuget sich selbsten, ohne Huͤlffe eines Weibleins, und wenn das Maͤnnlein hecken will, so sucht es ihm ei- nen Kuͤhfladen: wenn es den gefunden, macht es eine runde Kugel davon, in Gestalt einer Weltkugel, hernach wal- tzet es dieselbe mit seinen Fuͤßgen von Morgen gegen Abend zu, er aber kehrt sich gegen Morgen, und ahmet also der Bewegung der Weltkugel nach, indem als denn die Kugel von Morgen gegen Abend zu lauffen muß, auf eine gantz andere und widrige Art, als die Ster- ne zu lauffen pflegen. Wann es dann dergestalt seine Kugel genug gewaltzet hat, versteckt es dieselbe in die Erde, und laͤßt sie vier Wochen lang darinne, in welcher Zeit der Mond den Thierkreis durchlauft, und binnen dieser Zeit zeu- get und erzielt es die Kaͤferlein in dieser Kugel. Am neun und zwantzigsten Ta- ge, an dem die Conjunction der Sonnen und des Monden geschicht, wie denn auch alles an diesem Tage hervorkom̃t, waltzet dieses Thierlein seine Kugel ins Wasser; darinne zergeht sie, und die Kaͤferlein kriechen heraus. Und eben darum hat man unter diesem Denck- und Sinnebilde die Geburt und die Vaͤter vorgestellt, weil dieses kleine Ge- wuͤrme einen Vater, aber keine Mut- ter hat. Sie bilden auch die Welt da- runter vor, von wegen der Kugel, die sie machen und herum waltzen; und die Mannsbilder, weil es lauter Maͤnnlein unter den Kaͤfern giebt. Es werden zwar gar viel Arten der Kaͤfer gefun- den, doch diejenigen, welche die Egypter am meisten verehren, waren die, welche einen Kopf, wie einen Katzenkopf hat- ten, mit etlichen Baͤrten, welches ihnen zu glauben Anlaß gegeben, daß diese Thiere einige Gleichheit mit der Sonne haͤtten: zumahl, da diese Wuͤrmlein an- noch 30. kleine Klauen, wie Finger ha- ben, welche die 30. Tage vorstellen, die die Sonne alle Monate zubringt, wenn sie die Zeichen des Thierkreises durch- laufft. Die andern hieroglyphischen Zeichen und Bilder zu erklaͤren wuͤrde allzulan- ge fallen, es kan sie ein iedweder bey dem P. Kircher nachsehen. Die dritte Art zu balsamiren war fuͤr arme Leute, und wurde mit Pech und Judenhartz, untereinander vermi- schet, gemacht, oder die Coͤrper wurden mit Kalch oder andern wohlfeilen Din- gen ausgetrucknet: unterweilen ge- brauchten sie auch Egyptisches Na- trum, Saltz, Honig und Wachs dazu. Desgleichen liessen sie die Leichen in Oele kochen, damit alle Feuchtigkeit verzeh- ret wuͤrde, als welche die Ursache der Verfaulung ist: oder, mit Erlaubnuͤß und nach Anmerckung eines Gelehrten unserer Zeit zu reden, der Anfang der Verwesung ist eine feuchte Waͤrme, wel- che sich in das Fleisch einschleichet, wann dessen Theilgen von einander getrennet und andere fremde Coͤrper, die sich in die Raͤumlein, von der Waͤrme eroͤff- net und locker gemacht, setzen und sie einnehmen, mit ihnen vermischet wor- den. Die Luft aber, welche warm und feuchte, ist insgemein dasjenige, das die Coͤrper Der Spezereyen und Materialien Coͤrper auf, und von einander trennet, daher auch das sicherste Mittel, wenn man sie zu erhalten begehret, ist, daß man verhuͤte, damit keine Luft dazu komme. Hierzu kommt noch, daß die Luft, die wir beym athemhohlen einziehen, mit einer unnennlichen Menge kleiner Wuͤrmlein erfuͤllet ist, die man nicht einmahl sehen kan, weil sie so gar kleine sind. Diese kleinen Wuͤrmlein hencken sich an das Fleisch, und zernagen es, und weil sie sich gantz leichtlich vermehren, ist die Luft zu zeiten gantz und gar mit ihnen angefuͤllet, absonderlich zu Pest- zeiten, oder wann andere ansteckende Seuchen im Schwang gehen. So hat man auch durch die Vergroͤsserungsglaͤ- ser in Acht genommen, daß, was der Krebs genennet wird, nichts anders sey, als eine unzehliche Menge gantz kleiner Wuͤrmlein, welche das Fleisch, als wie die Muͤlben den Kaͤse zernagen. Da- mit nun das Fleisch verwahret werde, muß man diese Wuͤrmlein davon aus- zuschliessen trachten, welches vermit- telst des Honigs, Oels, Weingeists und anderer Saͤfte geschehen mag, denn die- selben verwickeln und bedecken dieses Ge- wuͤrme, und toͤdten es. Allein der Egypter Vorwitz erstreck- te sich noch weiter: denn, indem sie ge- gen ihꝛe abgelebeten Freunde gar zu gros- se Ehrerbietung haͤgeten, und sich nicht entschliessen konten, dieselben zu begra- ben, mithin dererselben Anschauens sich zu berauben, versuchten sie ein Mittel zu erfinden, durch dessen Huͤlffe sie die- selbigen stets bey sich und vor Augen ha- ben moͤchten, das ist, daß sie eben so ehr- bar, wie ihre verstorbenen Freunde le- ben, und sich nach deroselben Auffuͤh- rung auch richten koͤnnten. Derowegen, wenn iem and von ihren Befreunden versturbe, richteten sie dererselben Leichname dermassen artig zu, und truckneten sie dergestalt auf, daß diese Coͤrper, denen marmorsteinernen Bildseulen an Haͤrte gleicheten, und Gabaras/ dafuͤr man Mumie sa- gen soll, ist nach unter- schiedlicher Scribenten Meinung, ein Persisch Wort, und nenneten sie auf ihre Sprache Gaba- ras, welches Wort eben so viel als Mumie bedeutet. Sie wendeten hier- bey die groͤste Geschicklichkeit an, so daß man niemahls etwas ungestaltes dar- an zu sehen bekommen: bemahleten ihnen das Gesichte mit allerhand Far- ben, auch wohl gar mit Golde, wenn sie selbige vorhero ausgenommen und bedeutet ei- nen mit aller- hand Speze- reyen, son- derlich aber mit Juͤdi- schem Peche eingebalsa- mirten Coͤr- per. balsamiret, die Arme creutzweis uͤber einander geleget, und sie hernach mit feiner Leinwand umwickelt hatten, wel- che mit aromatischen Gummen zuge- richtet war: hernach legten sie ihnen ein Tuch uͤber das Haupt, wie einen Weiberschleyer, der zu beyden Seiten Momie aber soll man nicht spre- chen, wie an- dere Autores schreiben, die es von denen Woͤrtern Cinnamo- mum, Carda- momum, oder Amomum herleiten, weil die Mu- mien, ihren Gedancken nach, damit zugerichtet gewesen. Besiehe Fig. 322. it. 323. 324. bis auf die Brust, und hinten bis auf die Schultern herab hienge. Noch hatten sie ein zusammen gerolltes Tuch unter das Kinn geleget, welches dazu dienete, daß es die Wangen zusammen druckte und die Kinnbacken zusammen hielte, damit sie nicht herabfielen: so daß, wer sie ge- sehen, selbige viel eher fuͤr schlaffende, als todte ansehen sollen. Wenn sie aber durch Kranckheit ver- stellet worden waren, dann legten sie dem Verstorbenen eine Larve von Pap- pe oder gemahlter Leinwand, die ihm gleich sahe, uͤber das Gesichte: hinge- gen, wenn die Person nicht enstellet war, liessen sie das Gesichte samt den Ohren frey und bemahlten sie mit aller- hand Farben. Wann nun die Todten dergestalt ausgeputzet waren, verschlossen sie die- selben in glaͤserne Kasten, die ausdruͤck- lich dazu, nach der Groͤsse der Person verfertiget waren, und stelleten sie dar- auf in die alleroͤbersten Gemaͤcher ihrer Haͤuser. Alsdann waren es die kostbar- sten Pfaͤnder, und eine solche Versiche- rung ihrer Treu und Glaubens, daß wenn iemand unter ihnen Geld von noͤthen hatte, er kein besser Pfand aus- lieffern konte, als diese seiner Vorfah- ren balsamirten und im Glas liegenden Coͤrper, es war auch derjenige, der auf dergleichen Verpfaͤndung Geld ausleh- nete, wegen Wiedererstattung desselben gantz unbesorget; denn wenn der Schuldner, das entlehnte Geld nicht wiederersetzen, und sein versetztes zuruͤ- cke nehmen kunte, wurde er fuͤr unehr- lich gehalten: welches ihn denn unver- meidlich dazu anhielte, daß er entweder Mittel ausfinden muste, seine versetzten Vorfahren zu bestimmter Zeit wieder einzuloͤsen, oder aber gewaͤrtig zu seyn, daß ihn ein iedweder aufs aͤusserste schimpfte und ausschaͤndete. Sie gebrauchten auch diese Toden- coͤrper zu weit hoͤhern Dingen; massen sie kein Fest begiengen, daß sienicht diese Coͤrper TAB. LII. Hauptbeschreibung zweyter Theil. Coͤrper herzu bringen liessen, damit sie nicht vergessen moͤchten, daß sie auch sterben muͤsten, und diesen Bildern der- mahleins ebenfalls wuͤrden gleich und aͤhnlich werden. Eben diese Egyptier wendeten noch sehr viel andere Unkosten auf die Erhal- tung ihrer Todencoͤrper: denn nach- dem sie dieselben balsamiret, und nichts desto minder mit den koͤstlichsten Spe- zereyen ausgetrucknet, bewickelten sie dieselben mit grossen Tuͤchern von zar- ter Leinwand uͤber und uͤber; hernechst uͤberwunden sie sie oftmahls mit mehr denn 200. Ellen Band, so daß man nichts davon, als das Gesichte, iezuwei- len auch wohl nichts davon zu sehen be- kame. Ehe denn sie sie aber einschar- reten, waren sie besorget, daß ihnen die Naͤgel an Haͤnden uñ Fuͤssen mit Alkan- nen Blaͤttern gefaͤrbet wurden. Wann sie nun dergestalt beschicket waren, wur- den sie in die Todenkisten von koͤstlichen Holtze, welche ihnen die Verstorbenen selbst machen lassen, verschlossen, und mit ihnen zugleich das Goͤtzenbild, das sie in ihrem Leben angebetet. Siehe Fig. 325. Diese Goͤtzenbilder oder Pagoden waren von Gold und Silber, oder von einem andern Metalle, doch meisten- theils von der Erde des Landes ge- macht, mit allerhand Bilderzeichen, welche des Verstorbenen Stand und Beschaffenheit, die Kosten der Balsa- mirung und die Zeit derselben, wie auch die Stadt, daraus er buͤrtig, bemercke- ten. Wann hernach die Todenkisten zu- geschlagen waren, wurden sie mit gros- ser Pracht nach denenjenigen Orten hingebracht, welche sie sich gleicher ge- stalt bey ihrem Leben erbauen lassen, welches noch heut zu Tage an den Egy- Siehe Fig. 326. ptischen Pyramiden zu ersehen, die zwey oder drey Meilen weit von Gros Cairo stehen. Von diesen melden die Geschichtschreiber, daß Chamis, ein Egyptischer Koͤnig, eine solche Pyrami- de erbauen lassen, dazu hundert tau- send Mann gantzer fuͤnff und zwantzig Jahre lang waͤren gebrauchet worden: sie war viereckt, in der Tieffe ohngefehr funffzehn Fuß: die Gesichtslinie auf iedweder Seite hielt am Grunde acht hundert Schuhe in der Breite, und auch so viel in der Hoͤhe; inwendig war eine ewigbrennende Lampe. Hieraus kan man abnehmen, was fuͤr Sorge diese Voͤlcker vor ihre Toden getragen, und darff niemand ferner glauben, daß diejenigen Mumien, die uns uͤberbracht werden, wahrhafte Mumien seyen; denn man wuͤrde sich nimmermehr so viel Muͤhe machen, und sie hernach so wohlfeil hingeben; sondern es sind mit Pech uͤberzogene Coͤrper, gleichwie wir hiernechst ersehen werden. Uber diese dafuͤr ausgegebenen Mu- mien, und die nur erstermeldeten, findet sich noch eine andere Gattung, naͤmlich die aus Libien, welche die weissen Weisse Mu- mien. Mumien genennet werden. Diese sind nichts anders, als die Coͤrper derer- jenigen, die im Meer ertruncken, her- nach an dem Lybischen Seestrande ans Land geworffen, und von dem uͤber alle massen heissen Sande begraben und ausgetrocknet worden sind: dergestalt, daß die staͤrcksten Personen, wenn sie nur einige wenige Zeit allda gelegen, kaum dreyßig Pfund waͤgen, und ewig koͤnnen aufbehalten werden. Zu Pa- ris auf der Strassen S. Croix de la Bretonnerie siehet man eine in der Raritaͤtenkammer des Herrn Bou- det/ welcher des Herrn Boudets, des koͤniglichen Medici Sohn ist. Allein diese Mumien sind nicht im Gebrauch, theils weil sie zu rar, theils aber, weil sie von aller Kraft entbloͤset, und nichts anders sind, als ein Perga- ment auf die Beine geleimet. Sehet also, was die weissen Mu- mien seyn, welcher Name ihnen doch keines weges mit Rechte zukommt, all- dieweil der Name Mumie einen Coͤrper bedeutet, der mit allerhand Gewuͤꝛtz und Spezereyen einbalsamiret und vor der Verwesung verwahret worden ist: wel- ches aber an diesen ausgedoͤrrten Coͤr- pern nicht zu befinden. Derowegen darff man auch nicht glauben, daß die Mumien, die wir zu verkauffen haben, solche im Wasser ersoffene, und im San- de ausgetreugte Coͤrper sind. Nunmehr wollen wir die Schelme- Falsche Mu- mien. rey der Juden/ die sie mit den Mumi- en begehen, und hernach auch den Be- trug, den die Christen damit zu veruͤben G g pflegen, Der Spezereyen und Materialien pflegen, betrachten. Sage demnach, daß diejenigen Mumien/ die man von Alexandria in Egypten, von Vene- dig, ja auch von Lyon zu uns bringt, nichts anders sind, als tode Coͤrper, auf unterschiedene Art verstorbener Leute, aus denen, sie moͤgen begraben gewest seyn oder nicht, das Eingewei- de zusamt dem Hirn ausgenommen, und sie darauf mit Pulver von Myr- rhen, Roßaloe, Judenhartz, schwar- tzem Pech und andern Gummi wieder- um angefuͤllet, und in haͤßliche grobe Leinwand, die in ietztgemeldtes Zeug eingetauchet ist, eingehuͤllet worden. Also bereitet, werden sie in einen Ofen geschoben, damit alle Feuchtigkeit da- von abkomme, und hierauf, wenn sie recht wohl getreuget, zu uns gesendet, und denenjenigen fuͤr wahrhafte Mu- mien verkaufft, welche sich nicht drauf verstehen, oder nicht vernommen ha- ben, wie sorgfaͤltig die Egyptier ge- wesen, ihre Toden zu begraben, und daß sie nichts gesparet, damit sie derer- selben Gedaͤchtnuͤß erhalten, nicht aber einen Handel damit treiben moͤchten. Zu mehrerer Beglaubigung dieses mei- nes Vorbringens will ich anietzo an- fuͤhren, was der Herr Guy de la Fontaine , ein koͤniglicher Medicus, und nach ihm Ambrosius Pareus davon berichten. Als ietzgemeldter Herr de la Fontaine zu Alexandria in Egypten sagen hoͤr- te, daß ein Jude in selbiger Stadt sich aufhielt, welcher ein recht Handwerck und Handlung mit den Mumien trie- be, reitzte ihn die Begierde dieses mit Augen anzusehen, daß er sich nach des ermeldten Judens Behausung verfuͤg- te: wie er nun denselben angetroffen, bat er ihn, daß er doch seine Waare, oder die zu Mumien gemachte Coͤrper wolte sehen lassen, woruͤber zwar der Jude zu anfangs ein und andere Schwuͤrigkeit machte, doch endlich sein Magazin eroͤffnete, und ihm ein Hauf- fen schichtweis uͤber einander gelegte Coͤrper zeigete. Nachdem er diese eine Viertheils Stunde lang beschauet hat- te, fragte er den Juden, was er denn fuͤr Coͤrper und Spezereyen dazu ge- brauchte, worauf dieser antwortete, die Coͤrper betreffend, da nehme er, die er nur bekommen koͤnte, und fragte we- nig darnach, wessen sie waͤren, wenn sie nur tod waͤren, bekuͤmmerte sich auch nichts darum, ob sie an einer gemeinen Kranckheit, oder an einer ansteckenden Seuche gestorben waͤren. Die Spe- zereyen aber anlangend, die waͤren ein Gemenge von allerhand alten und ver- legenen Spezereyen, damit richtete er diese Coͤrper zu, welche er hernach, wenn sie im Ofen getreuget worden, nach Europa versendete: muͤste sich ver- wundern, wie doch die Christen so gros- se Liebhaber von dergleichen Wust und Unrath seyn koͤnten. Dieses lautet in Wahrheit anders, als was die alten Medici davon geglau- bet, wenn sie die Mumien verordnet. Dieweil ich aber viel zu wenig bin, al- len Mißbrauch zu verwehren, es auch noch Leute giebt, die sie zu gebrauchen Beliebung tragen, als will ich ihnen sagen, daß sie diejenigen erwehlen sol- len, welche fein sauber, glaͤntzend, huͤbsch schwartz, ohne Bein und Staub sind, gut riechen, und nicht wie Pech stincken, wenn sie angezuͤndet werden. Man erachtet sie gut zu allerhand Quetsuren, auch dienlich zu verwehren, daß das Gebluͤte im Leibe nicht gerinne: doch meistentheils verbraucht man sie zum Fischfang. Ein und andere Scribenten geben vor, es sey das Fett mit dem Judenhartz vermischet, welches aus den Saͤrgen hervordringet, das Asphaltum und die wahre Mumie: andere aber sagen, daß es also zugerichtetes Fleisch sey, welches durch die Bosheit eines Juͤdi- schen Artztes in Gebrauch gekommen, denn er geschrieben, das also zubereite- te und eingebalsamete Fleisch sey zu vie- len Zufaͤllen gut, und insonderheit zu oberwaͤhnten. Man hat auch ein und anderer Gat- tung Hartz den Namen Mumia zuge- leget, z. E. dem Juͤdischen, und welche natuͤrlicher Weise in Arabien und an- dern heissen Laͤndern aus den Bergen rinnen: allein es reimet sich nicht wohl dazu, indem es, so zu reden, ein lauter Fett- und klebrichter, stinckender Saft ist, der in dem Eingeweide der Erde er- zeuget wird. Von Hauptbeschreibung zweyter Theil. Von andern Dingen, Welche aus dem menschlichen Leibe gezogen und bereitet werden. A Usserhalb der Mumie, die sich in un- sern Laͤden befindet, verkauffen wir auch Menschenfett, das wir von un- terschiedenen Orten bringen lassen. Weil aber bekannt, daß zu Paris der Scharffrichter es einem ieden, der es be- noͤthiget ist, verkauffet, dannenhero verkauffen die Spezereyhaͤndler und Apothecker gar wenig. Jedennoch solte dasjenige, das wir verkauffen, und mit aromatischen Kraͤutern zugerich- tet wird, ohnstreitig besser seyn, als welches aus den Haͤnden des Nachrich- ters kommt. Man haͤlt dafuͤr, das Menschenfett sey trefflich gut wider die Stoͤckfluͤsse, und andere von Erkaͤltung herruͤhren- de Kranckheiten. Præparationes Chymicæ. Auch verkauffen wir, ohne das Menschenfett, annoch das fluͤchtige und fixe Saltz vom Menschenblute und dem Hirnschedel, dem Haar und Urin, samt vielen andern auf Chymische Weise be- reiteten Artzneyen mehr, welche in des Herrn Charras seiner koͤniglichen Galenisch-Chymischen Apotheckerkunst am 771. Blat zu finden sind: und da- hin koͤnnen diejenigen, welche diese præ- parationes zu wissen ein Verlangen tra- gen, sich verfuͤgen, ingleichen zu andern Scribenten mehr, die ihrer Meldung thun. Die Wahl dieser Dinge kan man ei- nem sehr schwerlich erklaͤren. Die best- und sicherste Art sie zu erkennen ist, daß man sie bey rechtschaffenen ehrlichen Leuten kauffe, und nicht auf den wohl- feilen Preis sehe, denn auch dem Ver- staͤndigsten kan eines fuͤr das andere ge- geben werden, indem niemand dafuͤr stehen mag, als diejenigen, die sie berei- tet haben, vornehmlich die Oele, die uͤber den Helm getrieben werden. Vom Moos von Menschen- Hirnschedel. Jn England/ sonderlich zu Lon- den, verkauffen die Spezereyhaͤndler auch Todenkoͤpfe, an denen ein klein gruͤnlichtes Moos befindlich ist, dem man den Namen Usnea gegeben, von wegen seiner grossen Gleichheit, die es mit dem auf den Eichen wachsenden Moose oder Usnea hat. Der Herr Charras/ welcher sich geraume Zeit in England aufgehalten, hat dessen eine gute Menge gesehen: dannenhero will ich allhier mit anfuͤhren, was ihm be- liebet hat mir davon mit zu theilen. Die Usnea ist ein Auswuchs oder ex- crescentia, einem gruͤnlichten Moose gleich, welches auswendig und inwen- dig in den Hirnschedeln der Gehenckten, die man sehr lange am Galgen gelassen, entstehet, und zwey oder drey Linien hoch waͤchst. Es beginnet aber als- dann zu wachsen, wenn das fleischichte Haͤutlein verfaulet und von dem Ge- witter verzehret worden ist, und dem- nach den Hirnschedel verlassen hat: wenn nun die noch uͤbrige Feuchtig- keit, die der Kopf, gewoͤhnlicher massen, zur Nahrung der Haare und des Bar- tes herzufuͤhret, kein Fleisch mehr fin- det, in dem sie ihr Werck verrichten koͤnte, so zeuget sich alsdann dieses Moos, als wie das Haar, und hencket sich aufs vesteste an den Schedel, eben als wie das Moos an die Klippen und Steine. Die Englischen Materiali- sten lassen diese Koͤpfe aus Jrrland bringen, allwo man gewohnt ist die ge- henckten so lange am Galgen zu lassen, bis sie stuͤckweise herunter fallen. Man siehet auch zu Londen in den Laͤden gewisser Spezereyhaͤndler solche Koͤpfe, entweder gantz, oder nur zum Theil mit diesem gruͤnen Moos bede- cket, unter andern Waaren zugleich mit aufgesetzt, welches ich sonst nirgendwo gesehen. Man darff sich aber nicht uͤber das Wachsen dieses Mooses auf den Koͤpfen der Gehenckten verwun- dern, denn man ja gar oft erfahren hat, daß die Haare am Haupte, Bart und andern Theilen des menschlichen Leibes, auch nach dem Tode gewachsen, so lange die Theile, die sie tragen, beste- hen, und ihnen Nahrung geben koͤnnen: welches gleichfalls, nach einiger Erach- ten, mit den Naͤgeln und Zaͤhnen ge- schehen soll. Eben diese Spezerey- G g 2 haͤnd- Der Spezereyen und Materialien haͤndler uͤbersenden diese mit Moos be- wachsenen Koͤpfe in fremde Lande, son- derlich nach Teutschland, damit es moͤ- ge zu dem unguento sympathetico oder constellato Crollii gebrauchet werden, welches er in seiner koͤniglichen Chymie beschrieben und trefflich herausgestrie- chen hat, als ein vortreffliches Mittel wider die fallende Sucht. Sie ver- kauffen aber nur die ledigen Koͤpfe, in- dem das Hirn, die Augen/ und alles was weich und verderblich ist, von dem Wetter verzehret worden. Man koͤn- te zwar auch wohl dem Hirnschedel von diesen Koͤpfen einige Kraft zuschreiben, weil sie zumahl von erhenckten genom- men werden, allein man darff auch sicherlich glauben, daß die Hitze des Sommers, und die Kaͤlte des Winters, den allermeisten Theil daraus getrie- ben hat. Dagegen solte der Hirnschedel von neulich erhenckten, davon das fleischlich- te Haͤutlein herabgezogen, und das Hirn, samt allem was noch mehr da- rinne enthalten ist, herausgenommen worden, und darauf wohl abgewaschen, getrucknet, und mit einer Saͤge von dem untern Theile abgesondert ist, um ein merckliches besser seyn: und der- gleichen verkauffen die Materialisten unter dem Titel des Menschenhirnsche- dels. Das andere Capitel. Vom Einhorn. Siehe Fig. 327. und 328. D As Einhorn ist ein Thier, welches uns die Naturkuͤndiger unter der Gestalt eines Pfeꝛdes daꝛstellen, das mit- ten auf der Stirne ein zwey oder drey Ellen langes und schlangenweis gedre- hetes Horn habe. Allein, weil man bis auf diese Stunde die wahre Be- schaffenheit der Sache nicht zu erfah- ren vermocht hat, darum will ich ver- melden, daß dasjenige, was wir unter dem Namen des Horns vom Einhorn verkauffen, das Horn von einem Fische sey, welchen die Eislaͤnder Narwall nennen, inmassen unten in dem Capitel von diesem Fische wird zu vernehmen seyn. Ehedessen wurde dieses Horn, wegen seiner vortrefflichen Eigenschaften, die ihm von den Vorfahren beygeleget worden, sehr starck gebrauchet, und son- derlich wider den Gift, daher es auch von grossen Herren so werth gehalten, und eben um dieser Ursache willen ge- gen gleich so schweres Gold verkauffet ward. Welcher Jrrthum also einge- nistelt, daß es noch anietzo Leute gie- bet, die sich solches dermassen veste einge- bildet, daß sie es haben muͤssen, solte es auch noch so theuer seyn. Ambrosius Pareus meldet in seinem kleinen Tractaͤtlein, welches er vom Einhorn geschrieben, daß sich in dem gluͤcklichen Arabien wilde Esel befaͤn- den, welche Camphur genennet wuͤr- Camphurs. Siehe Fig. 329. den, und ein Horn vor der Stirne fuͤh- reten, mit dem sie sich gegen die Buͤffel beschuͤtzeten: die Jndianer aber ge- brauchten dasselbe zu allerhand Kranck- heiten, vornehmlich aber wider die gif- tigen. So befaͤnde sich auch noch ein ander Thier in Arabien, welches die Einwohner Pirassoupi nenneten: Pirassoupi. Siehe Fig. 330. dasselbe habe zwey lange, gerade und geschlaͤngelte Hoͤrner, deren sich die Araber bedieneten, wenn sie von giftigen Thieren verwundet oder gebissen worden waͤren: sie legten sie auch sechs oder sieben Stunden lang in ihr Trinckwasser, sich dergestalt zu præ- servir en. Er meldet ferner, daß dieses Thier so hoch sey, wie ein Maulesel, auch einen solchen Kopf habe, der Leib sey zotticht, wie ein Baͤr, sehe etwas hoͤher als goldgelb, und habe gespalte- ne Klauen, als wie ein Hirsch. Jonstonius gedenckt in seinem Siehe Fig. 331. Thierbuche, daß es noch mehr Arten des Einhorns gebe, dahin kan der Le- ser seine Zuflucht nehmen. Das dritte Capitel. Vom Bezoar. Siehe. Fig. 332. D As Bezoarthier/ von den Jndi- anern Pazan genennet, ist ein Thier, das in seinem Magen oder in der Blase einen Stein zeuget, der gleichen Namen TAB. LIII. Einhorn. F. 327. p. 471. Camphur. F. 329. p. 472. Einhorn. F. 328. p. 471. Einhornbeijm Jon- stonius. F. 331. p. 472. Pirassoipi. F. 330. p. 472. Thierdas den Bezoar giebet. F. 332. p. 471. Hauptbeschreibung zweyter Theil. Namen fuͤhret. Diesem schreibt man gar unvergleichliche Kraͤfte zu, und eben deswegen ist er vor diesem uͤber- aus hoch gehalten, auch sehr theuer ver- kaufft worden. Wie dann noch heut zu Tage derjenige, welcher recht orien- tal, und wie er soll, beschaffen ist, gleich- falls gar theuer ist, theils, weil es Muͤ- he setzet, einen natuͤrlichen anzutreffen, seit dem ein und andere Person hinter die Kunst gerathen, wie er nachzuma- chen; als auch, weil diese Thiere nicht eben gar zu viel Steine bringen, und es ihrer sehr viel giebt, die gar keine ha- ben. Zu dem, so kommt er weit her, und muß schweren Zoll geben, daß er noch eins so hoch wuͤrde zu stehen kom- men, wenn ihn die Morgenlaͤnder nicht auch wie andere feine Waaren, z. E. Mosch, und dergleichen, unerkannt durchzubringen, oder sich mit den Zoll- bedienten zu verstehen wuͤsten. Wegen seiner Natur, Gestalt, und dem eigent- lichen Kennzeichen seiner Guͤte ist man eben so wenig, als wegen anderer Spe- zereyen einig. Tavernier vermeldet im II. Theil seiner Reisebeschreibung nach folgendes vom Bezoar. Der Bezoar kommt aus einer Landschafft des Koͤnigreichs Golcon- da, gegen Nordosten gelegen, und fin- det sich unter dem Miste in dem Leibe der Ziegen, welche ein gewisses Kraut zu fressen pflegen, dessen Namen ich aber vergessen. Dieses Kraut treibt kleine Knospen, um welche, wie auch um die Spitzen der Zweige, sich der Bezoar in dem Bauche der Ziegen an- legt, und die Gestalt der Knospen und Spitzen der Zweige annimmt, daher es auch kommt, daß so viel und unter- schiedene Figuren darunter gefunden werden. Wenn die Bauern den Zie- gen die Baͤuche befuͤhlen, wissen sie, wie viel dieselben Steine bey sich ha- ben, und verkauffen sie alsdann, nach- dem derer viel sind. Damit sie es aber erfahren moͤgen, stecken sie beyde Haͤn- de den Ziegen unter den Bauch, klopfen an den Wanst, der Laͤnge nach zu bey- den Seiten, damit sich dergestalt alles in die Mitte des Bauches zusammen be- gebe, so dann koͤnnen sie gewiß zehlen und fuͤhlen, wie viel der Steine drinne sind. Die Raritaͤt des Bezoars bestehet in der Groͤsse, obgleich der kleine nicht geringere Kraͤfte hat, denn der dicke. Man wird auch oftmahls in diesem Stuͤcke betrogen, indem es Leute giebt, die den Bezoar mit einem Teige, aus Gummi und einer andern, dem Bezoar an der Farbe gantz und gar gleichen Materie gemacht, zu vergroͤssern wis- sen, Diesen Betrug aber kan man vor- nehmlich auf zweyerley Weise erken- nn . Fuͤrs erste, muß man den Bezoar waͤgen, und eine zeitlang in laulichtem Wasser weichen lassen: aͤndert nun das Wasser seine Farbe nicht im geringsten, und der Bezoar verliehrt auch nichts von seinem Gewichte, so ist er unver- faͤlscht. Der andere Weg ist dieser, man haͤlt ein spitzig und gluͤhendes Eisen an den Bezoar; wenn das Eisen drein gehet und ihn braun machet, dann ist es ein Zeichen, daß er vermischet wor- den, und nicht natuͤrlich sey. Ubrigens, ie groͤsser der Bezoar/ ie theurer ist er, und steiget nach Proportion, gleichwie die Diamanten. Denn, wenn fuͤnff oder sechs Bezoarsteine eine Untze waͤ- gen, wird dieselbe fuͤnff bis sechs Thaler gelten, ist es aber ein Bezoarstein von einer Untzen, duͤrffte er wohl hundert Francken, oder etliche und dreyßig Tha- ler gelten. Jch habe einen von 4¼ Untz bis fuͤr 2000. Pfund verkaufft. Auch war ich begierig, mich von alle dem, was von dem Bezoar zu wissen stehet, vollkommen unterrichten zu lassen, und hatte allbereit unterschiede- ne Reisen nach Golconda gethan, denn allda wird er am meisten verhan- delt, kunte aber nicht erfahren, in wel- chem Theil des Leibes die Ziegen den Stein stecken haͤtten. Allein auf mei- ner fuͤnfften Reise wurden mir einige Particulirpersonen, die bey der Engli- schen und Hollaͤndischen Compagnie in Diensten stunden, und fuͤr sich nicht handeln durfften, verbunden, weil ich zu wege brachte, daß sie fuͤr ohngefehr 6000. Rupien Bezoar verkauffen kun- ten. Diese Leute wolten mir ihre Er- kenntlichkeit bezeugen, und eine Ver- ehrung thun, welche ich aber ausschlu- ge, und zu ihnen sagte, wie daß ich nie- G g 3 mahls Der Spezereyen und Materialien mahls von einigen Menschen wegen der Dienste, die ich ihm erweisen koͤn- nen, etwas genommen. Doch gab ich ihnen zu verstehen, wie ich ihnen in kuͤnfftiger Zeit noch weiter dienen koͤn- te, sie wuͤrden mich aber auch ihrer seits verbindlich machen, wenn sie mir drey oder vier Bezoar Geisen verschaffen wolten, versprach ihnen dabey, sie ih- nen zu bezahlen, was sie kosten wuͤrden. Uber diesem Begehren, das ich an sie that, schienen sie sehr betroffen zu seyn, und gaben mir zur Antwort, das Ver- bot sey so scharff, daß derjenige, der sich unterstuͤnde dergleichen Ziegen aus dem Lande zu fuͤhren, und daruͤber be- treten wuͤrde, ohnfehlbar sterben muͤ- ste. Jch sahe wohl, daß es ihnen nahe gieng, denn eines theils fuͤrchteten sie sich vor der Strafe, andern theils aber besorgeten sie, ich moͤchte ihnen an ei- nem andern Kauffe hinderlich seyn, wel- ches ihnen grossen Schaden bringen duͤrffte, angesehen die guten Leute dem Koͤnige 6000. alte Pagoden, welche 45000. Pfund, oder 15000. Thaler unserer Muͤntze betragen, Pacht erle- gen muͤssen, sie moͤgen nun etwas ver- kauffen oder nicht. Ohngefehr vier- zehn Tage drauf, da ich schon nicht mehr dran gedachte, kam jemand drey Stund vor Tage, und klopfte an meine Thuͤr. So bald als sie in meine Kam- mer getreten, da ich noch auf dem Bet- te lag, fragten sie mich, ob alle meine Leute Auslaͤnder waͤren? Weil ich nun keinen eintzigen aus der Stadt hatte, sondern eitel Persianer, sagte ich wie- der sie, sie waͤren allezusammen Frem- de, worauf sie, ohne drauf zu antwor- ten, hinweg giengen. Eine Stunde hernach kamen sie wieder, und brach- ten sechs Ziegen, die ich mit Vergnuͤgen betrachtete. Es sind in Wahrheit, sehr schoͤne Thiere, ziemlich hoch, und haben ein Haar, wie Seide. Alsbald diese Geisen allezusammen in meinem Saa- le waren, nahm der aͤlteste unter den drey Kauffleuten, die mir die Ziegen ge- bracht hatten, das Wort, machte mir ein Compliment, und sagte, weil ich dasjenige Geschencke nicht annehmen wollen, das sie mir neulich zu verehren gesonnen gewesen, um willen ich ihnen dazu verholffen, daß sie eine so grosse Party Bezoar verkauffet haͤtten, so solte ich zum wenigsten diese sechs Gei- sen nicht ausschlagen, die sie mir hiemit von Hertzen gern und willigst verehre- ten. Allein ich wolte sie nicht als ein bloses Geschencke annehmen, sondern fragte, was sie wohl werth waͤren, und wurde, nachdem sie viel Schwierigkeit solches zu sagen, gemacht, ziemlich be- stuͤrtzt, meinete auch, sie spotteten mei- ner, als sie sagten, daß eine von diesen Ziegen, die sie mir zugleich wiesen, drey, die zwey folgenden vier, und die uͤbri- gen dreye 4¾ Roupien werth waͤren. Jch befragte sie wegen der Ursache, warum unter diesen Ziegen die einen theuerer waͤren, als die andern, und mu- ste vernehmen, daß die einen nur einen Bezoar im Leibe haͤtten, die andern aber haͤtten derer zwey, drey oder viere, welches sie mir auch zur Stunde sehen liessen, da sie auf obgemeldte Weise den Ziegen an die Waͤnste klopften. Sie hatten zusammen 17. Bezoarsteine und einen halben, als eine halbe Haselnuß groß. Jnwendig war es, wie weicher Ziegenkoth, indem die Bezoarsteine/ wie bereits erwaͤhnet, in dem Miste, der in dem Bauche der Geisen ist, zu wach- sen pflegen. Einige sagten mir, der Bezoar wuͤchse gegen der Leber zu, an- dere aber behaupteten, daß es um die Gegend des Hertzens geschehe, allein die eigentliche Wahrheit habe ich nie erfahren koͤnnen. Es giebt sowohl in Orient/ als in Occident/ sehr viel Bezoarsteine/ die von Kuͤhen kommen, unter wel- Kuh-Bezoar. chen solche zu finden, die 17. und 18. Un- tzen waͤgen, massen ich selbst einen ge- habt, den der Großhertzog von Toscana bekommen. Allein von diesem Bezoar wird kein groß Wesen gemacht, indem sechs Gran von jenem mehr thun als dreyßig von diesem. Der Bezoar aber, der nach einiger Affen-Bezoar. Beduͤncken, von den Affen kommt, ist so starck, daß zwey Gran davon eben so- viel verrichten, als sechs Gran von dem Bezoar von Ziegen. Allein er ist sehr seltsam, und dieser Affen finden sich in- sonderheit auf der Jnsel Makasser. Der Stein ist rund, da doch der andere allerley Figuren hat, nachdem er naͤm- lich nach den Knospen oder Spitzlein der Hauptbeschreibung zweyter Theil. der Zweige, die die Geissen fressen, for- miret worden ist. Weil dann diese Stei- ne viel rarer sind, als die andern, so sind sie auch um soviel theurer, und werden mehr gesucht; und wenn man einen findet, der so groß ist als eine Ha- selnuß, muß er mehrmahls hundert Thaler gelten. Die Portugisen halten unter allen Voͤlckeꝛn am meisten auf die- sen Stein, weil sie sich stets vor einander in Acht zu nehmen haben, u. sich befuͤrch- ten, ihr Feind werde ihnen vergeben. Allein, ich kan dem Herrn Taver- nier unmoͤglich Beyfall geben; denn, wenn er soviel Bezoartragende Thiere gesehen, wie er vermeldet, wuͤrde er ja ausser Zweiffel eines haben stechen las- sen, als wie das Bisamthier: habe mich dannenhero lieber an den Bericht des Herrn Renou halten wollen, welcher in seinem Buch am 451. Bl. folgendes gemeldet: Es ist ein uͤberaus behendes Thier, welches nach seinem Gefallen von Stein zu Stein zu springen pflegt, dabey sehr grausam, und toͤdtet die Jn- dianischen Jaͤger oftermahls, wenn sie es zu heftig draͤngen. Seine Klauen sind gespalten, gerade wie der Ziegen, die Schenckel sind dicke genug, der Schwantz kurtz und krumm gebogen, der Leib zotticht, wie ein Bock; ieden- noch ist das Haar weit kuͤrtzer, und Asch- grau, ein wenig roͤthlicht, oder, es sie- het vielmehr wie ein Rehe, am Bauche. Der Kopf ist wie der Kopf eines Bocks gestalt, und mit zwey Hoͤrnern gewaff- net, welche gantz schwartz sind, unten hol und zuruͤckgekehret, liegen fast auf dem Ruͤcken, da sie dann, indem sie na- he zusammen gehen, einen stumpfen Winckel machen. Daß solches die Wahrheit, kan ich selbst bezeugen, und um soviel desto mehr versichern, dieweil ich deren zweye zu Coubert auf des Marschalls de Vitri Schlosse gesehen, auch die Fuͤsse zusamt den Hoͤrnern und der Haut des Thiers gefunden, welche durchgehends mit dem Berichte des Herrn Renou uͤbereinkamen. Was die Haut betrifft, die ist nach aller Ver- staͤndigen Gedancken, eine der groͤsten Raritaͤten, die man in langer Zeit in Franckreich gesehen hat. Siehe Fig. 333. Diese Haut, im Kupfer mit A be- zeichnet, ist so dicke, wie ein Gaͤn- seey, aussenher mit rauhen, kurtzen und tannetfarbenen Haaren versehen. Wann diese entzwey geschnitten wor- den, findet sich eine Schale drunter, welche zart ist und braun siehet, und ei- ne andere, weisse und harte Schale be- decket, in welcher der Stein, den man Bezoar betitelt hat, liegt. Dieses ist demnach alle demjenigen, was die Au- tores davon geschrieben, gantz und gar entgegen; ich aber wuͤrde mich nicht unterstanden haben, etwas solches vor- zubringen, dafern ich nicht das Origi- nal in Haͤnden haͤtte, woraus zur Gnuͤ- ge erhellet, daß in dem Bauch eines ie- den Thieres mehr nicht deñ ein eintziger Stein gefunden werde, und diß von we- gen der Dicke dieser Haut. Allem An- sehen nach ist auch das die Ursache, wa- rum der Bezoar so gar theuer ist, weil naͤmlich eine grosse Menge dieser Thie- re sonder Steine gefunden werden. Dem sey aber wie ihm sey, der ori- entalische Bezoar muß gleissend seyn, Bisweilen findet sich orientalischet Bezoar mit Goldflin- terlein/ wel- cher alle dem andern vor- zuziehen ist. gut und fast als wie Ambra riechen, sanft anzufuͤhlen, und wenn er auf Pa- pier, das mit Bleyweiß bestrichen ist, gerieben wird, muß er dasselbe gelb faͤr- ben: auch muß er unzerbrochen, und ohne uͤbelgestalte Stuͤcklein seyn, soviel nur immer moͤglich. Desgleichen muß man Acht haben, daß kein nachgemach- ter unter den guten gemischet sey, be- voraus, wenn man eine grosse Quan- titaͤt kauffet: denn ie gleissender, dicht, dick und runder er ist, ie hoͤher wird er gehalten. Was aber die Gestalt be- trifft, dieselbige hilfft nichts zum medi- cinischen Gebrauch, eben als wie die Farbe, indem es gar zu vielerley Arten giebet, runde, lange, gekruͤmmte, hoͤck- richte, dichte, sandichte, weisse, gelbe und graue. Die vornehmste Farbe, die am meisten gefunden wird, ist die Olivenfarbe. Vor diesem wurde der Bezoar hauf- fig gebrauchet, anietzo aber weiß man bey nahe gar nicht mehr, was es ist; entweder, weil die Zeiten so elende wer- den, oder aber, weil er zu theuer ist; oder, weil er aus der Mode gekommen, ob es gleich eine vortreffliche Artzney ist, die sowohl das Hertz vor boͤser Luft ver- wahret, als auch denenjenigen, welche mit den Bocken, und andern giftigen und Der Spezereyen und Materialien und pestilentzialischen Kranckheiten be- haftet sind, sehr dienet. Er wird auch wider den Schwindel trefflich gut und dienlich erachtet, desgleichen wider die schwere Noth und Hertzklopfen/ die gelbe Sucht, Colica/ rothe Ruhr und den Stein: nicht weniger wider die Wuͤrme/ giftige Fieber und Gift; wie auch zu Befoͤrderung der Ge- burt. Die dosis ist von vier bis auf sechs und zwoͤlff Gran, gestossen, in ei- nem zur Kranckheit dienlichen liquor genommen. Die herrlichen Tugen- den dieses Steines haben verursachet, daß ihn die Ebraͤer Bel Zaard, das ist, einen Meister oder Bezwinger des Gif- tes genennet. Vom Occidentalischen Bezoar. Der Occidentalische Bezoar ist darinne von dem Orientalischen unter- schieden, daß er gemeiniglich viel dicker ist, indem er oftermahls so dicke als ein kleines Huͤnerey gefunden wird. So hat er auch unterschiedene Farben, doch meistentheils ist er weiß und graulicht. Er ist zwar eben als wie der vorige for- miret, und wie Blaͤttlein oder Schup- pen auf einander geleget, doch sind die- se Schuppen weit dicker, und wenn er zerbrochen worden, sieht er nicht an- ders aus, als wenn er sublimi ret waͤre; denn inwendig erblicket man ein Hauf- fen kleine Spitzlein, als wie am Bley- saltze: aussenher aber ist er glatt, und sehr dichte, von Farbe roͤthlicht grau. Dieser Bezoar wird auch aus Pe- ru gebracht, woselbst es Ziegen, Hirsche und andere Bezoar tragende Thiere mehr giebet: weil man sie aber gar sel- ten in den Baͤuchen dieser Thiere findet, deshalben sind sie auch in Franckreich so gar rar. Er hat gleichfalls einen lieblichen, und fast staͤrckern Geruch denn der Orientalische. Dieweil dann dieser Bezoar so gar seltsam ist, dero- wegen machen ihn die Hollaͤnder und andere Voͤlcker nach, aus einem grau- en Teige, den sie zu runden Ballen machen, so dicke als ihnen beliebig: wie ich denn versichern kan, daß ich einen gesehen, der so groß als eine Kugel, die man zum Maillespiel gebrauchet, und in eine vergoldete Schale veste gema- chet war, daß er sich nicht bewegen kunte, und dergestalt von dem Getraͤn- cke, das man dareingiessen wolte, be- decket wurde, welches dann ein wenig stehen bliebe, ehe man es truncke. Das vierdte Capitel. Vom Muscus oder Bisam-Thier. Siehe Fig. 334. D As Bisamthier kommt einem Re- he an Farbe und Gestalt so ziemlich nahe, ohne daß es einen viel laͤngern Leib hat, wie an dem Felle zu ersehen, welches ich zu Rouan bey dem Herrn Roudeau gesehen. Jn den Koͤnig- reichen Tunquin und Boutan giebt es dieser Thiere die Menge. Was wir aber Mosch/ oder Bisam zu nennen pflegen, solches ist verdorben Blut, welches sich unten an dem Bau- che dieses Thierleins, wie ein Geschwuͤ- re zusammen setzet: wenn es denn zei- tig worden, gehet dieses Thier, von der Natur dazu angetrieben, an einen Baum, und reibt sich so lange gegen denselben, bis es aufgehet; alsdann uͤberkommt dieses Blut, von der Son- ne getrocknet, den so starcken und ziem- lich unangenehmen Geruch, welchen es haben muß, wenn es rein seyn soll, und noch nicht in Holland oder anderer Or- ten durch der Juden und anderer Leute Haͤnde gegangen ist, welche es mit Er- de, gedoͤrrten Blute und anderem Lum- penzeuge zu verfaͤlschen gewohnet sind. Darum darff niemand glauben, daß es die Nieren dieses Thieres sind, wie ihrer etliche vorgeben; noch auch, daß dises Thier sich selbst castrire, wenn es verfolget wird, indem ihm wohl bewust, daß man es alleine wegen seiner Geilen zu fahen trachte. Dieses aber kommt daher, daß diejenigen, die es in die Bla- sen thun, dieselben in Gestalt der Nie- ren zurichten. Andere wollen, der Bi- sam sey das geronnene Gebluͤte, wel- ches uͤber den gantzen Leib zusammen- gelauffen, nachdem es mit Pruͤgeln wohl zuschlagen worden: drauf wuͤrde es in Stuͤcke seines Fells gethan, wel- che sie als wie Nieren zuschnitten und zusammen naͤheten. Allein, weil mir diese beyde Arten des Ursprungs des Bisams Hauptbeschreibung zweyter Theil. Bisams gar zu wunderlich geschienen, als erachtete ich dienlich zu seyn, das- jenige hieher zu setzen, was Tavernier im II. Buche seiner Jndianischen Reise- beschreibung davon vermeldet, damit hernach der Leser diejenige Partey er- wehlen moͤchte, welche ihm am anstaͤn- digsten. Der beste und meiste Bisam kommt aus dem Koͤnigreiche Boutan, von dannen wird er nach Patua, der Hauptftadt in Bengalen gebracht, und an die Einwohner desselben Landes ver- kauffet. Aller Bisam, der nach Per- sien verhandelt wird, kommt daher, und alle Bisamhaͤndler sehen lieber, daß ihr ihnen Agtstein und Corallen dafuͤr gebet, als wenn ihr ihnen Gold oder Silber bringet, denn sie halten jene zwey Dinge uͤberaus hoch. Wann nun das Thier getoͤdtet ist, schneiden sie ihm die Blatter aus, wel- che unten an dem Bauche in der Groͤs- se eines Eyes zu sehen, und naͤher an den Geburtsgliedern, weder an dem Na- bel liegt. Drauf ziehen sie den darin- ne befindlichen Bisam heraus, welcher dazumahl als wie gelieffert Blut siehet. Wenn ihn die Bauern verfaͤlschen wol- len, thun sie die Leber und das Blut, untereinander gehacket, an statt des Bi- sams, den sie heraus genommen, da- hinein. Diese Vermischung zeuget, binnen zwey oder drey Jahren, eine ge- wisse Art kleiner Thierlein in den Blat- tern, welche den guten Bisam verzeh- ren, so daß, wann sie eroͤffnet worden, grosser Abgang daran verspuͤret wird. Andere hingegen, wenn sie die Blasen geoͤffnet, und soviel Bisam, als sie nur koͤnnen, heraus genommen haben, oh- ne daß man es so gar sonderlich mercken koͤnne, thun an dessen statt kleine Stuͤck- lein Bley hinein, damit er desto schwe- rer waͤge. Doch vertragen die Kauff- leute, die ihn kauffen, und in fremde Lande fuͤhren, diesen Betrug lieber, als den andern, weil keine solche Thierlein darinne wachsen. Noch viel schwer- licher aber ist der Betrug zu entdecken, wenn sie aus dem Felle des Thieres klei- ne Beutel machen, die sie mit Faͤden oder Riemlein von derselben Haut uͤberaus geschicklich zu naͤhen wissen, und den wahrhaften Blasen gantz und gar gleich sehen. Denn diese Beutel fuͤllen sie mit dem, was sie aus den rechten Blattern gezogen, und der be- truͤglichen Vermischung, die sie noch da- zu thun wollen, an, welches dann die Kauffleute schwerlich erkennen moͤgen. Es ist gewiß, daß, wenn sie die Blat- tern, so bald sie dieselben hinwegge- schnitten, zubaͤnden, und ihm also kei- ne Luft gaͤben, oder dem Geruche nicht Raum liessen etwas von seiner Kraft zu verliehren, und nichts davon verfloͤ- ge, indessen sie davon nehmen, was sie wollen, so wuͤrde es geschehen, daß das Blut darnach gienge, wenn jemand diese Blattern vor die Nase hielte, die- weil der Geruch uͤber die massen heftig ist, welcher nothwendig temperiret und gemaͤßiget werden muß, so fern er an- genehme werden, und dem Gehirn nichts schaden soll. Der Geꝛuch des Thie- res, das ich mit nach Paꝛis gebꝛacht, waꝛ dermassen starck, daß ich es unmoͤglich in den Gemaͤchern behalten konte, denn er stieg jederman in den Kopf, so daß ich es in die Niederlage muste hencken las- sen, allwo endlich meine Leute die Bla- se herabgeschnitten; dem ungeachtet behielte doch das Fell stets etwas vom Geruch. Dieses Thier wird nicht eher, als ohngefaͤhr um den 56sten Grad ge- funden, unter dem 60sten aber hat es ihrer eine grosse Menge, indem das Land voll Waldung ist. Auch ist es ge- wiß, daß diese Thiere im Hornung und Mertz; nachdem sie in dem Lande, wo- selbst sie sich aufhalten, wegen des Schnees, der allda haͤuffig und zu zehen bis zwoͤlff Schuh tieff faͤllt, grossen Hunger erlitten; von der Mittagssei- te bis auf 44. und 45. Grad herab kom- men, das Getreide und den jungen Reiß abzufressen: und zu dieser Zeit warten ihnen die Bauern auf dem Wege auf, legen ihnen Schleiffen, uñ toͤdten sie mit Pfeilen und Pruͤgeln. Es haben mich etliche von ihnen versichert, daß sie so mager, und fuͤr Hunger, den sie erlit- ten, so kraftlos waͤren, daß sich ihrer viele im lauffen fangen liessen. Es muß aber eine recht entsetzliche Menge dieser Thiere geben, indem ein iedes nur eine Blatter hat, darunter die dick- ste nicht groͤsser ist denn ein Huͤnerey, auch nicht mehr denn ein Loth Bisam H h geben Der Spezereyen und Materialien geben kan: oftmahls muß man wohl drey und vier Blattern haben, ehe man eine Untze Bisam bekommt. Der Koͤnig von Boutan/ befuͤrch- tend, es moͤchte der Betrug, der mit dem Bisam getrieben wird, der Hand- lung schaden bringen, zumahl da man ihn auch von Tunpuin und Cochin- china bekommt, ob er gleich viel theu- rer ist, weil er allda nicht so haͤuffig zu haben: dieser Koͤnig, sage ich, aus Bey- sorge, es duͤrffte diese verfaͤlschte Waa- re die Handlung in seinem Reiche in schlechten Credit setzen, befahl vor eini- ger Zeit, daß keine Blattern mehr nach Boutan, woselbst er residiret, zugenaͤ- het, sondern offen solten gebracht, und mit seinem Siegel versiegelt werden. Die ich gekauffet, waren alle von dieser Art: doch aller des Koͤniges Vorsichtig- keit unerachtet, oͤffnen die Bauern die Blattern fein saͤuberlich, und thun, wie ich bereits erwaͤhnet, kleine Stuͤcklein Bley hinein, welches die Kauffleute auch nicht achten, indem das Bley, wie ich gleichfalls angemercket, den Bisam nicht verderbet, sondern nur am Ge- wichte Schaden thut. So weit Ta- vernier. Man muß den Bisam erwehlen, welcher fein trucken, und das Haͤutlein, darein er gewickelt, fein zarte ist: denn es giebt derer, an denen mehr Haut und Haare sind, als Waare darinne ist. Es sollen auch gar wenig Haare an der Haut seyn, und die Haut muß braun sehen, denn dieses ist das Zeichen der ge- rechten Bisamblasen oder Nieren aus Tunquin/ welcher weit hoͤher ge- halten wird, und viel besser ist, als der Bengalische, der in Blasen mit weis- sen Haaren gewickelt ist. Der Bisam ohne Umschlag soll auserlesen wer- den, wenn er recht trucken und tannet- braun von Farbe ist, einen unertraͤg- lich starcken Geruch und bittern Ge- schmack hat: wenn er ohne schwartze und harte Broͤcklein ist, so viel nur im- mer moͤglich: und wenn er aufs Feuer gelegt, brennet und verzehret wird. Wiewohl diese Regel nicht allemahl zu- trifft, und nur bey demjenigen Bisam gilt, der mit Erde vermenget ist: denn welcher mit Blute vermischet worden, an demselben schafft das Feuer nichts. Andere wollen, der gute Bisam muͤsse eine Fettigkeit von sich geben, wenn man ihn zwischen den Fingern druͤcket. Weil es dann eine Waare, die gar schwerlich zu erkennen ist, so daß auch wohl die Verstaͤndigsten damit sind be- trogen worden, als hat solches ihrer vielen Anlaß und Gelegenheit gegeben, denselben zu vermischen. Und eben darum darff man sich nicht an den wohlfeilen Preiß kehren, sondern man soll ihn bey rechtschaffenen Kauffleuten erkauffen, und alle den Bisam ver- werffen, den die Hausirer mit und ohne Blasen zu verkauffen haben, weil es nichts als Unflat ist. Sie geben aber zu besserer Beschoͤnigung ihrer Betruͤ- gerey vor, und bereden die Leute, wel- che ihn von ihnen kauffen, daß sie ihn deshalben so gutes Kauffes geben koͤn- ten, weil sie ihn selbst mit aus dem Lan- de gebracht, und keinen Zoll, der in Wahrheit sehr wichtig ist, davon gege- ben: oder aber, sie waͤren Matrosen, und haͤtten ihn von ihren Capitainen statt der Besoldung bekommen: oder wissen sich durch Anfuͤhrung anderer Ursachen, ihrer liederlichen Waaren dermassen meisterlich zu entschlagen, daß sie mehr Waaren um 20. Sols hin- geben, als ein redlicher Handelsmann kaum um 20. Pfund verlassen koͤnte: und dennoch ziehen sie bey diesem schlechten Preisse einen grossen Ge- winn. Dahero sage ich, daß derjenige Bisam, der mit Erde vermenget ist, gar leichtlich moͤge erkennet werden, wenn man ihn nur auf eine gluͤhende Kohle leget, denn so bleibt die Erde uͤber, wenn welche drunter: hingegen, wann er mit Blute vermischet ist, verbleibet nur ein wenig Asche oder graulicht Pulver uͤbrig, und dieser soll eben so wohl ver- worffen werden, als wie der, dessen Ge- ruch gar zu lieblich ist, denn diesen gu- ten Geruch bekommt er nirgend an- ders her, als wenn er mit einer oder der andern Materie versetzet worden ist, dadurch seine Theilgen von einan- der gesondert werden. Der Bisam wird wenig zur Artzney gebraucht, weil er den Frauensperso- nen so gar zu wider, hingegen brauchen ihn die Parfumirer desto mehr. Doch wird sein auch bey weitem nicht mehr so viel TAB. LIV. Zibet katz. F. 335. p. 485. Roucou Staude F. 320. p. 451. Schwartze, die den Koucou m achen. Roucou Schote F. 329. p. 452. Hisam oder Muscus Thier F. 334. p. 479. Hauptbeschreibung zweyter Theil. soviel verthan, als wie vor diesem, in- dem die koͤstlichen Rauchwercke nicht mehr so sehr im Schwange sind. Die Lateiner haben dem Bisam- thiere vielerley Namen gegeben, zum Exempel: Moschus, Moschius, Moschi capreolus, Dorcas Moschi, Gazella Indica, weil unsere Vorfahren das Thier, das den Bisam giebt, Gazella genennet. Von den Bisam Ratten. Diejenigen, die aus den America- nischen Jnseln kommen, bringen uns die Nieren von kleinen Thierlein mit, welche die Americaner Piloris oder Bisamratten zu nennen pflegen, die- weil sie unsern Ratten gantz aͤhnlich se- hen, ausser daß sie viel groͤsser sind. Sie verkauffen diese Nieren fuͤr die Nieren vom Bisamthier, an diejenigen, die sich nicht darauf verstehen: alleine, sie sind gantz leichtlich zu erkennen, dieweil sie so lang und dicke sind als eines kleinen Kindes Finger. Nach des P. Tertre Berichte haben die Piloris oder Bisamratten die Ge- Piloris oder Bisamratten. stalt unserer Ratten, sind aber so ent- setzlich groß, daß viere von unsern Rat- ten nicht so schwer sind, als ein Piloris. Am Bauche sind sie weiß, auf dem Ruͤ- cken aber schwartz, und riechen dermas- sen starck nach Bisam, daß sie die Luft in der gantzen Gegend, wo sie sich auf- halten, mit dem lieblichsten Geruche erfuͤllen. Sie nisteln gerne in den Kel- lern, allein sie hecken nicht so starck als wie die andern Ratten. Die Einwoh- ner auf Martinigo essen sie, muͤssen sie aber abgezogen, eine gantze Nacht uͤber an der Luft hangen lassen, ja selbst die erste Bruͤhe wegschuͤtten, damit sie ih- nen den allzustarcken Geruch benehmen moͤgen. Diese Ratten befinden sich von Na- tur auf der Jnsel Martinigo/ hinge- gen keine anderen gemeinen, ausser seit einigen Jahren her, und nachdem die Jnsel durch die Schiffe ist besuchet wor- den. Das fuͤnffte Capitel. Vom Zibet. Die Zibetka- tze liebet den Gestanck uͤ- ber alle mas- sen, desglei- chen die Rat- ten und Maͤu- se. Siehe Fig. 335. D Er Zibet/ la Civette, ist ein schmie- richter dicker Saft, befindet sich in dem Saͤcklein, welches ein Thier unter dem Schwantze, nahe bey dem Hintern hat. Das Thier sieht wie eine Spani- sche oder Cyprische Katze, ist aber viel wilder, und frißt trefflich gerne Fleisch: im Frantzoͤsischen fuͤhrt es gleichfalls den Namen Civette, auf Teutsch aber wird es eine Zibetkatze genennet, und ist in China/ wie auch in Ost- und Westindien/ ja selbst in Holland, sehr gemein. Die Scribenten sind wegen der Na- tur dieses Thieres, und dessen, was wir von ihm nehmen, nicht wenig uneins. Dieweil aber nicht zu meinem Zwecke dienet, solches alles und iedes, was sie geschrieben, allhier zu wiederhohlen, als will ich alleine vermelden, was ich mit einer Zibetkatze/ die ich ein gantzes Jahr uͤber lebendig erhalten, vorge- nommen habe. Sie war aus China, von einem unter des Siamischen Ge- sandten Gefolge mitgebracht, und ei- nem meiner guten Freunde verehret worden, der sie hernach im Jahr 1688. mir geschenckt. Als ich nun dieses Thier etliche Tage lang bewahret hat- te, ward ich gewahr, daß die Mauer und das Gitter, darinne es beschlossen war, uͤber und uͤber voll dicker, schmie- richter und gantz brauner Feuchtigkeit waren, welche starck und unannehm- lich roche, daher ich dieses Thier, die Zeit uͤber, da ich es aufhielte, aller zwey Tage, wiewohl nicht sonder Muͤhe und Gefahr, reinigen liesse, denn ihm dieses einigen Schmertzen verursachte, zum wenigsten ward es scheu gemacht. Wie ich nun zwey Monate dergestalt mit ihm verfahren, brachte ich bey nahe anderthalb Untzen zusammen, bin aber versichert, wenn alle dabey noͤthige Fuͤr- sichtigkeit waͤre angewendet worden, und man haͤtte dem Thiere das reiben koͤnnen verwehren, es haͤtte moͤgen viel- mehr gesammlet werden. Allein ich unterließ eines mit dem andern, weil die Farbe dieser Materie, denenjenigen, welchen ich sie zeigete, nicht anstaͤndig ware, ob sie schon eben also starck roche, und wenigstens eben so gut ware, als die man uns aus Holland sendet. H h 2 Und Der Spezereyen und Materialien Und darum hat man keine Ursache zu glauben, daß der Zibet dieses Thie- res Mist oder Schweiß sey, wie ihrer etliche geglaubet haben, auch wohl gar geschrieben, daß es keinen Zibet von sich gebe, wenn es nicht wacker zerblaͤuet werde: ie zorniger es nun wuͤrde, ie mehr Zibet gaͤbe es unter dem Bauche und zwischen den Beinen von sich, wel- ches aber der Wahrheit entgegen ist, wie aus demjenigen, was ich davon erzeh- let, abzunehmen. Was die weisse Far- Hollaͤndischer Zibet. be betrifft, welche der Hollaͤndische Zibet hat, dieselbe entstehet daher, daß sie, die Hollaͤnder/ welche sehr starck damit zu handeln pflegen, diese Thiere mit Milch und Eyerdottern fuͤttern. Wir bekommen auch, ohne den Hol- Brasiliani- scher Zibet, oder Zibet aus Guinea. laͤndischen/ Zibet aus Brasilien/ welcher braun siehet, und an Farbe und Geruch demjenigen, den ich von meiner Zibetkatze uͤberkommen, gantz und gar gleich ist: man koͤnte ihm den Namen Brasilianischer Zibet, oder Zibet aus Guinea, geben. Es giebt ingleichen noch eine dritte Occidentali- scher Zibet. Sorte, der Occidentalische Zibet ge- nennet, von dem ich aber nichts nicht melden will, weil er gar zu gemeine ist, und sich in dieses Capitel durchaus nicht schicket, den Leser aber will ich zu den vielen Scribenten weisen, die davon ge- schrieben haben. Man soll den Zibet erwehlen, wel- cher frisch ist, und eine gute Consistentz hat, das ist, der weder zu harte noch zu weich ist, weiß von Farbe, und eines starcken unangenehmen Geruchs. Die- se Waare kan man eben so schwerlich erkennen, als wie den Bisam. Daher sind die Hollaͤnder so sorgfaͤltig, und kleben kleine in ihrer Sprache bedruck- te oder geschriebene Zettel an die Zibet- toͤpfe, zu mehrer Beglaubigung, daß er pur und unverfaͤlschet, auch so sey, wie er aus den Saͤcklein der Zibetkatzen gekommen. Allein der sicherste Weg ist der; man erkauffe ihn bey redlichen Leuten, und kehre sich weder an die Zettel, noch an die Farbe, weil er wohl eine Goldfarbe haben, und dennoch gut seyn kan: denn, wenn man ihn nur ei- ne kleine Zeit aufbehaͤlt, ob auch gleich die Toͤpfe niemahls waͤren eroͤffnet wor- den, dennoch wird der oberste, so weiß als er immer war, gelb und goldfar- ben werden, daß er allezeit braͤuner wird, ie aͤlter er wird. Jhrer viel wollen behaupten, daß, wenn man ein Papier mit Zibet be- striche, und dem unerachtet, doch noch drauf schreiben koͤnne, sey solches ein ohnfehlbares Zeichen, daß der Zibet na- tuͤrlich: welches ich aber vielmahls versuchet, und unwahr befunden habe. Dehero muß man nicht alleine Sorge tragen, daß man ihn von aufrichtigen Leuten kauffe, sondern man soll auch Achtung geben, ob er, wenn man ihn aufbehaͤlt, nicht etwa schimmle oder sonsten verderbe: denn wenn er vermi- schet ist, wird er oben und unten schimmlicht werden, insonderheit, wenn er nicht dichte auf einander gedrucket ist, sondern hier und da Raum dazwi- schen geblieben; er bekommt auch ei- nen haͤßlichen Geruch. Wann dieses denenjenigen wiederfaͤhret, die ihn ver- faͤlschet haben, und er dienet nicht zu verkauffen, weil er eine so garstige Far- be hat, und gantz anders riechet als Zie- bet, so faͤrben sie ihn mit einer oder andern Materie an, und vertreiben ihn unter dem Titel des Zibets aus Gui- nea. Solches aber mag an der roͤth- lichten Farbe, die sie ihm insgemein zu geben pflegen, stracks erkennet werden, auch, wenn man denen auf Hollaͤndisch oder Frantzoͤsisch gedruckten Zetteln, die sie dran kleiben, nicht trauet, denn die- se dienen zu nichts, als zu Bedeckung ihrer Betruͤgerey, ingleichen, daß sie aus einer Untze solcher Waare wohl 20. oder 22. Pfund loͤsen moͤgen, da sie ihnen doch nicht 40. Sols gekostet. Den Zibet braucht man sehr selten zur Artzney, hauptsaͤchlich aber dienet er den Zuckerbeckern und Parfumi- rern, welche vielerley Dinge damit wohlriechend zu machen wissen. Doch muß man diese Waare mit sonderba- rer Maͤßigkeit anwenden, denn wo man der Sache nur ein klein wenig zu viel thut, wird man an statt des liebli- chen Geruchs, alles mit einander ver- staͤnckern. Das TAB. LV Biber geil. F. 337. p. 490. Biber F. 336. p. 489. Elend. F. 338. p. 495. Elend, das die Jäger verfolgel und mit der fallenden Surht befallen ist. Elephant. F. 339. p. 499. Nashorn. F. 341. p. 501. Hauptbeschreibung zweyter Theil. Das sechste Capitel. Vom Biber. Siehe Fig. 336. D Er Biber auf Frantzoͤsisch Castor und Biévre, Lateinisch, Castor und Fiber genannt, ist ein vierfuͤßig Thier, welches unter die Amphibia, unter die- jenigen Thiere gerechnet wird, welche beydes im Wasser und auf dem Lande leben. Auf dem Lande naͤhrt er sich von allerhand Fruͤchten, Blaͤttern und Rin- den dieser oder jener Baͤume, sonderlich der Weiden, in Fluͤssen aber lebt er von Fischen und Krebsen, die er ertappen kan. Und diese so unterschiedliche Nah- rung ist auch Ursache, daß sein hinte- rer Theil, bis an die Rippen zu, einen Fischgeschmack hat, und deswegen an Fasttagen dafuͤr pfleget gegessen zu wer- den; das uͤbrige schmeckt wie Fleisch, welches man nicht brauchen darff, ohne wenn es erlaubt ist Fleisch zu essen. Der Biber hat schier einen Kopf, als wie ein Murmelthier, doch ist er groͤsser, und nach der Groͤsse seines Lei- bes wohl proportioniret. Der Leib ist dicke, und fast so gros als ein halojaͤh- rig Schwein. Er ist mit vesten und ziemlich grossen Zaͤhnen gewaffnet, un- ter denen die vordersten hauend sind. Der Hals ist des halben Fusses lang, der Leib anderthalb oder zwey Fuͤsse, der Bauch ziemlich groß, die Fuͤsse kurtz, in- sonderheit die voͤrdersten. Die voͤrdern Pfoten sehen wie Dachsfuͤsse, die hin- tern wie Schwanepfoten. Sein Fell ist uͤber und uͤber mit sehr zarten Haa- ren bedecket, darunter die einen viel laͤn- ger sind, denn die andern: diese sehen oben als wie Fischotterhaare, untenher aber graulicht, und kommen zum Vor- schein, wenn man die laͤngsten ausgezo- gen hat, und nur das feine weiche ste- hen lassen, das zu den Castorhuͤten ge- nommen wird. Alle Biber haben platte, und zu- nechst an der Wurtzel hol ausgeschweiff- te Schwaͤntze, vier Finger breit, einen Zoll dicke, und eine halbe Elle lang: er hat die Gestalt und die Farbe der Schollen, und wird durch starcke Ge- lencke, welche bis in die Spitze mit ein- ander verbunden sind, unterhalten. Dieweil der Biber wegen seiner star- cken Zaͤhne gar fuͤrchterlich ist, so schei- net es, daß ihm die Natur deswegen sei- nen Schwantz dergestalt ausgeschweif- fet hat, damit man ihn dabey fahen und binden moͤge, sich also seiner versichern, und ihn, wohin man wolle, fuͤhren koͤn- ne. Der Schwantz der Frantzoͤsischen Biber ist gantz und gar ohne Haar; al- lein, ich habe ein Fell von einem Dan- tziger Biber in meinen Haͤnden, zu- samt dem gantzen Schwantze, den mir ein guter Freund verkaufft hat, dessen Haar bedeckt den Schwantz beym An- fange wohl vier bis fuͤnff Zoll weit, das uͤbrige ist ohne Haar. Jch bin zwar keines weges gesonnen mich mit den Herren der Koͤniglichen Academie der Wissenschaften, welche vor einigen Jahren in einem Biber/ den sie zerleget, zwischen den Huͤften und Schenckeln die kleinen Geburts- geilen, mit denen zur Erzielung noͤthi- gen Gefaͤssen begleitet, entdecket; wegen dererselben Existentz, und ob sie auch in Wahrheit allda zu befinden, mich in ei- nen Streit einzulassen: iedennoch aber, weil ich niemahls gesehen, daß diese kleinen Geburtsgeilen unter die Ma- terialien waͤren gerechnet worden, ich auch niemahlen etwas anders fuͤr das Bibergeil verkauffet habe, als denje- nigen Theil dieses Thiers, welchen die Vorfahren Fibri testes, die Geilen des Bibers zu nennen pflegten, unbekuͤm- mert, ob es wahrhafte Geburtsgeilen waͤren oder nicht, indem mir nichts dar- an gelegen; darum will ich allhier eine recht und genaue Beschreibung dessel- ben mittheilen, welche mir auch um so viel noͤthiger zu seyn beduncket, alldie- weil mir kein einiger Theil von einem Thiere bekannt ist, der so sehr verfaͤlschet wuͤrde, als wie dieser. Man heisset demnach Castoreum, das Castoreum. Siehe Fig. 337. Bibergeil/ das fleischichte Wesen wel- ches zu unterst in zweyen nicht gar zu grossen, einander gieichenden und un- terschiedenen Saͤcklein aufbehalten wird; welche Saͤcklein eines dem an- dern zur Seite liegt, und von einem ihnen beyden gemeinen, etwas groͤssern Saͤcklein bedecket werden. Dieses Saͤcklein, so dem Thiere unter dem Ge- H h 3 saͤsse Der Spezereyen und Materialien saͤsse, zwischen den Schenckeln ange- heftet ist, wird von der gemeinen Haut, welche den gantzen Bauch uͤberziehet, verdecket. Jene aber sehen von aussen, wie zwey Eber- oder wilde Schweins- geilen aus, und man kan sie, ob sie gleich inwendig liegen, dennoch durch die Haut unterscheiden, ja gar mit der Hand fuͤhlen, wiewohl sie nicht, als wie bey andern Thieren, herabhengen. Wann nun das erste rauhe Haͤutlein zerschnitten worden, findet man das erste gemeine Saͤcklein, und in diesem die zwey von einander gesonderten bey- den kleineren, welche, eines wie das an- dere, die Materie, das Bibergeil ge- nannt, enthalten, und beyde zusam- men die zwey rechten Geilen des Thie- res vorstellen. Man pflegt diese zwey Saͤcklein, in dem Stande, wie man sie antrifft, zu binden, und in den Rauch zu hangen, sie auch allda so lange zu lassen, bis sie recht und wohl getreuget, und die da- rinne befindliche Materie gantz harte worden, das aͤussere Saͤcklein aber eine braune Farbe bekommen hat. Wenn hierauf die inneren Saͤcklein eroͤffnet werden, so findet man zu un- terst an einem iedweden ein fleischichtes und dichtes Wesen, das sich zu Pulver stossen laͤßt, an Farbe dem Camele glei- chet, und mit uͤberaus zarten Faͤslein und Haͤutlein durchzogen und durch- schnitten ist, auch einen uͤberalle mas- sen starcken Geruch hat. Jn einem ie- den von diesen beyden kleinern Saͤcklein, ein wenig uͤber der fleischichten Mate- rie, ist noch ein absonderliches Saͤcklein oder Beutel befindlich, welcher aber viel kleiner ist, und an dem vorigen han- get, von welchen er auch umschlossen wird. Dieser enthaͤlt eine schmierichte Feuchtigkeit, die eben als wie das uͤbri- ge, einen sehr starcken Geruch hat, und wenn sie frisch ist, als wie ein schoͤner Honig siehet, der gestehen will; wenn sie aber alt wird, nimmt sie die Farbe und die Dicke des Unschlits an. Dieses sind also die eigentlichen Kennzeichen des Bibergeils/ wie wir es verkauffen, es mag nun zum Theri- ac oder Mithridat, oder zu andern fuͤr Hauptschmertzen und Mutterkranck- heiten dienlichen Artzneyen genommen werden: und kan ich versichern, daß sie gewiß und wahrhaftig sind, weil ich selbst viel Bibergeil gekauffet habe, auch versichert bin, daß mir kein eintziger Verstaͤndiger in diesem Stuͤcke wider- sprechen wird. Jch kan auch mit desto groͤsserer Gewißheit davon reden, die- weil mich der Herr Charras/ welcher vor diesem an der Rhone, und um die Gegend, wo man von Zeit zu Zeit eini- ge dieser Thiere faͤhet, gewohnet, ver- sichert und bekraͤfftiget hat, daß er da- mahls die Saͤcklein eines Bibers, wel- che erst kuͤrtzlich aus dem Leibe des Thie- res gezogen waren, von einer jungen Baͤurin gekaufft haͤtte: diese haͤtten eine Fleischfarbe gehabt, und auch wie Fleisch gesehen, und eine ziemliche Schuͤssel angefuͤllet. Ob auch gleich das Maͤgdlein, die sie zu verkauffen ge- habt, sie nicht bey ihrem rechten Na- men nennen wollen, haͤtte er sie den- noch stracks an ihrem starcken Geruch erkannt; als er sie nun erkauffet, und oben zusammen gebunden, damit er sie in den Rauch haͤngen koͤnte, haͤtten sie als wie zwey Geilen gesehen, welche Gestalt sie auch behalten, nachdem sie recht trucken worden, da sie dann vier- zehn Untzen gewogen. Wie er sie hier- auf eroͤffnet, haͤtte er alle die inwendi- gen Theile also beschaffen gefunden, wie ich sie oben beschrieben. Uberdiß ver- sicherte er mich annoch, daß als er eini- ge Zeit nach diesem von einem Bauer einen lebendigen Biber verlanget, haͤt- te ihm dieser, etliche Tage drauf, einen in einem Fasse gebracht, der eben so, wie ich ihn beschrieben, ausgesehen, sonder- lich aber um die Saͤcklein, welche eben an demjenigen Orte gelegen, wo sie im Eber liegen, und so dicke gewesen, daß er sie nicht mit der Hand umfassen moͤ- gen. Weil denn die Biber von unter- schiedlicher Groͤsse sind, so kommen auch die Beutel mit derselben uͤberein, dahero kommts, wenn man sie trucken kaufft, daß ihrer gefunden werden, die vier, sechs, acht und zwoͤlff Untzen, ei- nige auch sechszehn Untzen waͤgen. Diese Thiere nehmen insgemein ih- re Zuflucht zu denen grossen Loͤchern und Hoͤhlen, die sie unter den Ufern der grossen Fluͤsse in Franckreich, der Rhone, Jsere Hauptbeschreibung zweyter Theil. Jsere und Oise finden, allda sie auch bis- weilen gefangen werden. Allein in der Elbe, und in andern grossen Fluͤssen in Teutschland und Polen/ vor allen aber in der grossen Rivier in Canada werden ihrer viel gefangen. Die Theurung des Bibergeils, und der Geitz gewisser loser Leute bringt dieselben dazu, daß sie alles versuchet, ob sie es nachzumachen vermoͤchten. Sie machen aber ein Gemenge von rechten Bibergeilpulver und einigen Gummen, die zu nennen unnoͤthig, damit fuͤllen sie die Beutel, darinne die Geilen von Laͤmmern oder jungen Zie- gen gelegen, an, binden und hengen sie einige Zeit in den Rauch, und verkauf- fen dieselben, wenn sie harte genug worden, denenjenigen, die es nicht wohl zu unterscheiden wissen, fuͤr aufrichti- ges Bibergeil. Allein dieser Betrug mag gar leichtlich erkannt werden; man schneide nur die Saͤcklein auf, und sehe nach obbemelden Zeichen, unter denen das vornehmste, daß man hier weder Fasen, noch Haͤutlein durchein- ander gezogen finden wird; wie auch, daß man das gerechte Bibergeil stossen und durch ein Florsieb staͤuben kan, da dann die kleinen Haͤutlein auf dem Flore zuruͤcke bleiben; die Gummen aber koͤnnen nicht hindurch fallen, son- dern bleiben drauf, sonder Haͤutlein, in einem Klumpen beliegen. Jch setze beyseit, was gar viel beruͤhm- te Scribenten vom Biber geschrieben, daß er naͤmlich, wenn er sich von denen Jaͤgern verfolget siehet, mit den Zaͤh- nen die Geilen abbeisse, oder ausreisse, und sie ihnen zu seiner Rantzion hin- werffe; denn es ist ihm eben so unmoͤg- lich seinen Leib bis zu denenselbigen hin zu beugen, daß er sie mit den Zaͤhnen erreichen koͤnte, als unmoͤglich dieses ei- nem Eber fallen wuͤrde: uͤberdiß, kan er sich auch gar leichte ins Wasser stuͤr- tzen, weil er sich nicht zu weit vom Ufer entfernet. Das Bibergeil wird auf unterschie- dene Art zugerichtet oder praͤpariret, und wider die Haupt- und Mutter- Kranckheiten trefflich geruͤhmet, es mag nun innerlich oder aͤusserlich ge- brauchet werden. Den schmierichten Saft braucht man zu Salben und zur Bereitung des Bibergeiloͤls. Jn der Academie derer Wissenschaf- ten ist ein Biber zerschnitten oder ana- tomir et worden, welcher drey und einen halben Fuß lang gewesen, von der Schnautze an bis zum Ende des Schwantzes gerechnet. Wo er am brei- testen, war er zwoͤlff Zoll breit, und wu- ge uͤber dreyßig Pfund. Seine Farbe war braun und glaͤntzend, ohngefehr wie die Farbe an der Minoriten Klei- dung: das laͤngste Haar war andert- halb Zoll lang, und so zart wie das Haupthaar eines Menschen, das kuͤr- tzeste einen Zoll, und so gelinde als wie Pflaumfedern. Die Ohren waren rund und sehr kurtz, inwendig ohne Haar, auswendig aber rauch. Er hat- te vier hauende Zaͤhne, als wie die Eich- hoͤrnlein, Ratten und andere Thiere, welche zu beissen und zu nagen gewoh- net sind: die untersten waaren laͤnger denn acht Zoll, und die oͤbersten, welche uͤber die andern hervorrageten, stunden jenen nicht gerade entgegen, sondern waren also gesetzet, daß er als wie mit einer Scheere schneiden koͤnnen, wenn er sie gegen einander gerieben: vornen an der Spitze waren sie uͤber die Maas scharff, und schneidend und gleichsam als eine Scheere zugeschliffen: inwen- dig sahen sie weiß, auswendig lichtroth und fast so gelb, als wie Safflor. Er hatte ferner 16. Backenzaͤhne, achte auf ieder Seite. Die hintersten Zaͤhen wa- ren wie die Gaͤnspfoten, mit einer Haut zusammengehencket; die vordersten aber ohne Haut, wie die Murmelthier- leinpfoten, deren sie sich, als wie die Eichhoͤrnlein, an statt der Haͤnde bedie- nen. Die Naͤgel waren krum, und hol, wie eine Schreibefeder. Der Schwantz dieses Thiers hat mehr von der Natur eines Fisches, denn eines Landthieres, desgleichen auch die hin- tern Fuͤsse, welche auch eben also schme- cken. Er war mit Schupen bedeckt, welche so dicke als ein Pergament, und anderthalbe Linie lang und sechsecket, doch irregular, welche das Haͤutlein, das sie zusammenhielte, machten oder formirten: lang war er eilff Zoll, und laͤnglichtrund, als wie ein Ey, an der Wurtzel vier Zoll, und in der Mitten fuͤnff Zoll breit, und das Thier bedien- te sich desselben, nebst den Hinterfuͤs- sen Der Spezereyen und Materialien sen zum schwimmen. Auch dient er ihm fuͤr einen Staͤmfpel oder Blaͤuel den Zeug veste zu schlagen, den er zu sei- nem Bau, der mehrmahls zwey und drey Stockwerck hoch ist, von noͤthen hat. Die Geilen hiengen nicht an dem Ruͤckgrade, wie Matthiolus/ Ama- tus Lusitanus, und Rondelet ver- melden, sondern waren an den Seiten- theilen des Huͤfftgebeines, um die Ge- gend der Huͤffte, verborgen; kunten so wenig, als die Ruthe, von aussen ge- sehen, noch ausgeschnitten werden, be- vor das Thier getoͤdtet worden. Er hatte vier grosse Beutel, unten an dem Schamgebein gelegen, von denen die zwey oberen als eine Birne, oder wie ein weit ausgesperrtes V sahen, und in einander giengen: ihre innere Haut war fleischicht und aschgrau, mit vielen weissen Linien durchstriemet, und ge- faltet, als wie die Schoͤpsmaͤgen, und zwey Zoll breit. Jn denenselbigen be- fand sich noch etwas von einer grau- licht, und stinckenden Materie, welche das Bibergeil ist, davon man so viel re- dens macht. Das Bibergeil soll man erwehlen, welches gewiß von Dantzig kommen, denn es viel dicker ist, und weit staͤrcker riecht, als das aus Canada; welches insgemein trucken, haͤßlich, und bey nahe sonder Geruch ist; und wenn die Nieren dicke, schwer und fleischicht sind. Dagegen mag man wohl Acht geben, daß sie nicht mit Honig oder andern un- nuͤtzen Wesen, wie obgemeldet, erfuͤl- let sind, welches doch bald zu mercken, weil die also ausgestopften Nieren auf- geblasen sind, gantz dichte und gleissend: so tringt auch der fluͤßige stinckende Ho- nig hervor, wenn man sie nur ein we- nig druͤcket. Hingegen sind die andern schwer und harte, und man befindet sie, wenn sie aufgeschnitten worden, voller kleiner Faͤden, ingleichen, daß sie einen starcken durchtringenden Geruch ha- ben. Was die Biberhaare betrifft, da- raus die Huͤte gemachet werden, diesel- ben sind eine der schoͤnsten und besten Waaren in Franckreich : muͤssen ei- nen schweren Zoll bezahlen. Weil nun die Felle, daran die Haare noch sitzen, Biberfelle. ein Stuͤck unserer Handlung sind, de- rowegen muß man sie folgender Gestalt aussuchen: naͤmlich, an denen magern Bibern muͤssen die Haare lang und so weich als Seide seyn, die fetten aber muͤssen ebenfalls ein lindes Haar, wie Seide, haben: die Felle aber muͤssen so weich seyn, als die Hasenfelle, welche erst kuͤrtzlich geschossen worden. Jedoch wird der fette Biber hoͤher geachtet als der magere. Das siebende Capitel. Vom Elend. Siehe Fig. 338. D As Elend ist ein wildes Thier, das sich gemeiniglich in kalten Landen aufhaͤlt, vor allen aber in Schweden, Norwegen, Canada und andern der- gleichen Orten. Es ist so hoch, als wie ein Kutschpferd, oder als ein grosser Ochse, hat einen sehr dicken Kopf, glaͤn- tzende Augen, und traͤgt ein Geweih, wie die Dammhirsche, die Schenckel sind hoch und rahn, die Fuͤsse schwartz und gespalten, wie eines Ochsens oder einer Kuhe: das Haar ist ziemlich sanft, und schwartzgelb. Nun will ich zwar bey demjenigen allen, was die Scribenten von diesem Thiere gemeldet haben, mich nicht aufhalten, iedennoch aber will ich nur dieses gedencken, daß ihm der Name Elend, von denen Teutschen, bey de- nen das Wort Elend, soviel als bey de- nen Frantzosen das Wort misere heißt, gegeben worden sey, zum Theil, weil es nur an unbewohnten Oertern, in Hoͤl- tzern, und dergleichen Orten sich auf- haͤlt, theils aber, weil es der fallenden Sucht so gar sehre unterworffen ist. So bald es nun von diesem Ubel uͤber- fallen wird, pflegt es den lincken Fuß in das lincke Ohr zu stecken, und sich auf diese Weise von diesem Elend zu befrey- en. Welches dann denen Alten Anlaß gegeben, zu glauben, daß die Klaue oder das Horn vom lincken Fusse dieses Thiers ein specificum und sonderbares gantz gewisses Mittel wider die schwere Noth und fallende Sucht, welche die Frantzosen das heilige oder das S. Jo- hannis Hauptbeschreibung zweyter Theil. hannis Ubel zu nennen pflegen, sey. Man hat mir aus Stockholm nachfolgendes, wie naͤmlich die Elende gejagt und getoͤdtet wuͤrden, uͤberschrie- ben. Das Elend ist ein Thier, ohngefehr acht oder neun Fuß hoch: Kopf und Ohren gleichen einem Esel, die Laͤuffe einem Hirsche, das Gehoͤrn aber siehet so, wie ich es habe stechen lassen, doch ist es viel breiter. Wenn sie es fahen wollen, thun sich vier Litthauer zu- sammen, und gehen in das Holtz, ein ieder mit einem guten Sebel, Feuer- rohr, Bajonet und dickem Seile geruͤ- stet: iedweder traͤgt noch uͤberdiß eine Leiter drey Fuß hoch, damit sie auf die Baͤume steigen koͤnnen, wenn sie den Schnee drunter weggefegt. Also lie- gen und lauren sie, ohne das geringste Geraͤusche zu machen. So bald sie die Elende entdecken, welche allezeit in ungerader Zahl aufzustehen pflegen, 5. 7. 9. 11. 13. 15. 17. 19. bis zu 21. Stuͤck, und kaum, daß sie aus ihrem Lager gekommen, alsofort von der fal- lenden Sucht angegriffen werden, so giebt ein iedweder von den vier lauren- den dem Thiere stracks einen Schuß, nicht in den Leib, sondern in die Wei- chen oder in die zaͤrtesten Theile, und se- hen zu, daß sie ihm ein oder das andere Glied entzwey schiessen moͤgen; drauf steigen sie herab, und binden das Thier mit ihren Stricken an allen vieren zu- sammen: indessen sich nun das Thier abmattet, bemuͤhen sie sich ihm den lin- cken Fuß abzuhauen, welcher voll gruͤ- nes Mooses worden, indem sich das Thier abgeschlagen. Wann sie denn den Fuß abgehauen, lassen sie das Thier liegen, und hohlen die Bauern mit Wa- gen und Ochsen herbey, das Thier, welches sie oftmahls annoch lebend finden, hinweg zu fuͤhren: ist es noch nicht todt, so schlagen sie ihm den Kopf mit Aexten ein, ziehen es ab, und ma- chen Pasteten draus, denn sie leben von dem Fleische dieses Thieres, welches ein herrlich gut Essen ist. Dabey aber muͤssen sie Achtung geben, daß die an- dern Elende nicht dazu kommen, mitt- lerweile sie eines toͤdten, denn grosse Gefahr dabey: deswegen schiessen sie fort fuͤr fort, oder machen sonst ein groß Getuͤmmel, oder steigen wieder auf die Baͤume, und halten ihr Gewehr allzeit fertig. Auch ist zu mercken, daß wann denen Thieren, welche die fallen- de Sucht haben, so viel Zeit gelassen wird, daß sie ihren Fuß in das Maul nehmen, und hernach ins Ohr stecken moͤgen, sie sich alsofort wiederum er- heben, einen Sprung uͤber den andern thun, und so wuͤtend sind, daß sie alles umbringen solten, was sie nur erreichen koͤnten. Die Haare auf dem Ruͤcken des Elen- des sehen maͤusefahl. Die Elende in Canada sind Zwit- ter und viel kleiner denn die Litthaui- schen und Schwedischen. Jn der Artzney wird von dem gan- tzen Thiere mehr nicht, denn der lincke Hinterfuß gebraucht, weil er, wie ge- dacht, denenjenigen so trefflich dienen soll, welche mit obbemeldten Kranck- heiten beladen; und deswegen moͤgen dieselben, die eine Elendsklaue noͤthig haben, Sorge tragen, daß sie auch auf- richtig sey, und nicht etwa ein Fuß von einen andern ihm gleichenden Thie- re, welches iedoch gar schwerlich zu mercken, wofern nicht wenigstens der Schenckel nebst der Haut noch dran sitzet, daß man es dergestalt an denen Haaren erkennen mag und sehen, daß es der lincke Hinterfuß. Desgleichen habe man Acht, daß er nicht von Wuͤr- mern zerfressen, welches sehr ofte ge- schicht, wenn er alt wird: dahingegen soll die Klaue gewichtig, schwartz, glaͤn- tzend und gantz dichte seyn. Diese Klaue, oder das Horn davon, ist bey denen Apotheckern einiger massen gebraͤuch- lich, nicht nur zu denenjenigen Artzney- en, die wieder obbenannte Kranckhei- ten dienen, sondern auch zu etlichen an- dern, dazu es erfodert wird. Etliche geben fuͤr, es habe seine Ruthe eben die- selbe Kraft, die der Fuß hat, dem die Lateiner den Namen Ungula Alcis ge- geben. Andere heissen das Elend das grosse Thier/ nicht sowohl, weil es das hoͤheste unter allen Thieren, sondern weil es das schnelleste ist im lauffen, und wegen seiner Staͤrcke schier nicht zu baͤn- digen, indem es alles, was ihm begeg- net, zerbricht und niederstoͤßt. Aus der Haut dieses Thiers wird al- lerhand Zeug gemacht, Handschuhe, und dergleichen. J i Das Der Spezereyen und Materialien Das achte Capitel. Vom Elephanten. Siehe Fig. 339. D Er Elephante ist ein Thier, das alle Thiere, die auf Erden leben, an Hoͤhe und Dicke uͤbertrifft. Er hat gnugsam Verstand und Geschicklichkeit, ist auch gar gelehrig. Er ist mit einem fleischichten Ruͤssel, der voller Spann- adern, bewaffnet, und dieser die- net ihm in vielen Stuͤcken, an statt der Arm und Haͤnde: so weiß er auch seinen Leib dermassen zu strecken, und zu bie- gen, daß er durch eine Thuͤre aus und einkommen kan, ob sie schon etliche Fuß niedriger ist denn sein Leib, wenn sie nur zu seiner Dicke weit genug ist. Jch dencke nicht, daß es noͤthig seyn werde, dieses Thier genauer zu beschreiben, weil man es doch in denen meisten grossen Staͤdten in Franckreich mehrmahls gesehen hat: nur will ich dieses erin- nern, daß man diese Thiere aus Ostin- dien/ und sonderlich aus den Lan- den des grossen Mogols kommen lasse: daß es Maͤnnlein und Weiblein gebe, und daß allein die Maͤnnlein mit den grossen Zaͤhnen bewaffnet seyen, welche ihnen zu hinterst in dem untern Kieffel eingesetzet stehen; denn die Weiblein haben keine: auch daß die Zaͤhne das wahre Elffenbein seyn, da- raus soviel schoͤne Sachen, und ein Hauf- fen Artzneymittel bereitet werden, samt andern Dingen noch mehr, die etwa im Leben noͤthig sind. Jch werde mich auch nicht lange auf- halten, noch alle diejenigen Reden, so falsche, als wahrhafte, welche die Al- ten vom Elephanten gefuͤhret, allhier anfuͤhren, oder aber erzehlen, wie hoch sie an vielen Orten gehalten werden, dieweil bereits soviel Geschichtschreiber davon gehandelt, und es gar zu lange waͤhren duͤrffte, auch uͤberdiß zu mei- nem Vorhaben gar nichts dienet. Nur dieses will ich melden, daß kein eintziges Geschlechte der Thiere also lange lebe, ingleichen, daß das Helffenbein viel ra- rer seyn wuͤrde, als es nicht ist, dafern nicht die Elephanten von denen Men- schen, oder auch von denen fliegenden Drachen, derer es zweyerley Arten gie- bet, umgebracht wuͤrden. Von diesen zweyerley Drachen re- det Pareus also: diese Drachen schlin- Drachen, welche die Elephanten umbringen. gen sich denen Elephanten um die Bei- ne, stecken ihnen hernachmahls die Koͤpfe in die Nasenloͤcher, stossen ihnen die Augen aus, stechen sie, und saugen ihnen das Blut aus, so lange bis sie ster- ben. Vom Helffenbein. Das Helffenbein/ von den Latei- nern Ebur genannt, sind die Zaͤhne, oder vielmehr die Waffen der Maͤnnlein unter denen Elephanten. Das beste und weisseste kommt aus Angola/ Ceilan und andern Orten in Jndien. Der Helffenbeinhandel ist in Franck- Es giebt auch eine Gattung Elffenbein/ welche gruͤn- licht ist/ und nicht die ge- ringste. reich nicht wenig betraͤchtlich, bevor- aus, wenn es recht gut und gebuͤhrend beschaffen ist, denn nicht nur allerley artige Sachen daraus verfertiget wer- den/ sondern es wird auch zur Artzney und andern Dingen angewendet. Aus dem Helffenbein wiꝛd ein Geist und fluͤch- tiges Saltz durch die Retorte getrieben, Spiritus \& Sal volatile Ebo- ris. welches letztere in Hertz- und Haupt- kranckheiten hoch gehalten wird. Das geraspelte Helffenbein wird samt dem Hirschhorn zu anhaltenden Traͤncken gar oft gebraucht. Weil nun diese Waare wenig gilt, indem sie die Helffenbeinarbeiter fast umsonst hinge- ben, deshalben wird sie auch nicht ver- faͤlschet. Vom schwartzen Helffenbein. Le noire d’Ivoire ist Elffenbein, wel- ches bis es schwartz worden, gebrannt wird, hernach zieht mans Blaͤtterweis heraus, reibt es mit Wasser gantz zar- te, und macht kleine platte Kuͤchlein oder trochiscos draus, welche zum mah- len gebrauchet und noir d’ivoire, Elffen- beinschwartz, ingleichen noir de velours, Noir de ve- lour. Sammtschwartz genennet werden. Wenn es seyn soll, wie es sich gehoͤret, so muß es recht wohl abgerieben und zarte seyn, muß sich stracks zerreiben lassen. Die Apothecker, und andere, welche das Elffenbein distilliren, koͤnten das gebrannte Helffenbein, an statt daß es die meisten wegzuschmeissen pflegen, reiben und zu kleinen Kuͤchlein machen lassen, Hauptbeschreibung zweyter Theil. lassen, auf die Art, wie ich allererst er- waͤhnet, und solches hernachmahls de- nenjenigen verkauffen, die das schwartze Helffenbein noͤthig haben: oder aber, sie koͤnten es wieder in die Kohlen legen, damit es seine weisse Farbe wieder uͤber- kaͤme, da es dann hernach von uns Spode, oder Ivoire brulé, gebrannt Helffenbein, genennet wird. Spodium. Das Spodium, oder das Elffenbein, welches weiß gebrennet oder calcini ret worden, ist Elffenbein, welches aus- druͤcklich darum gebrennet worden, da- mit es zur Artzney, dazu es erfordert wird, koͤnne gebrauchet werden. Das beste Spodium ist inwendig und auswendig weiß, gewichtig, leicht zu zerbrechen, in feinen huͤbschen Split- tern, darunter so wenig klein Zeug und Unrath, als nur seyn kan, befindlich ist. Das Spodium wird auf einem Mar- mor oder anderem Steine gerieben und zu trochiscis gemacht, die wir hernach zu Kuͤchlein gemachtes oder praͤparir- tes Helffenbein zu nennen pflegen. Jhm werden eben dergleichen Kraͤfte beygeleget, als wie denen Corallen und andern Alcalibus. Die Alten verbrannten auch Rohr- staͤbe, und nenneten die also zu Asche ge- machten Rohre, gerade wie das Helffen- Antispodium. bein, Spodium, auch Antispodium. Vom Nashorn. Siehe Fig. 340. Das Nashorn ist ein vierfuͤßiges Thier, in der Groͤsse eines Ochsens: des- sen Leib vergleicht sich an Gestalt einem wilden Eber. Es ist wegen des Horns, das es auf der Nase traͤgt, also genen- net worden, und dasselbe ist schwartz, ei- ner Elle lang, und als wie eine Pyra- mide formiret: die Spitze stehet in die Hoͤhe, und ist hinterwaͤrts gekehret. Mitten auf dem Ruͤcken hat es noch ein ander Horn, von gleicher Farbe und Haͤrte, dessen Spitze ebenfalls hinter sich gekehret; ist aber nicht laͤnger denn einer Hand lang. Der Leib dieses Thieres ist uͤber und uͤber mit starcken Schuppen bedecket und bewaffnet, und ob es gleich viel kleiner ist, dennoch kaͤmpfet es mit dem Elephanten, und uͤberwindet ihn zuweilen, theils, weil es von Natur so starck, daß es den Leib des Elephanten zu ertragen vermoͤchte, wenn er auf das Thier fallen wolte, theils aber, weil es nicht aufhoͤret mit dem Horne, das es auf der Nase hat, zu fechten, als bis es den Bauch seines Feindes mit dem Horne, das es auf dem Ruͤcken traͤgt, durchbohret hat. Das Nashorn ist so zahm, wenn man es nicht aufreitzet, daß es sich al- lenthalben begreiffen laͤßt, so gar, daß man ihm die Hand in den Hals stecken und es bey der Zunge fassen kan; ob gleich die Alten das Gegentheil geschrie- ben, und gemeldet haben, es sey der- massen wilde, daß man ihm nicht zu na- he kommen duͤrffte. Welchem Vorge- ben ich auch nicht zu wiedersprechen vermocht, wann mich nicht ein guter Freund, der in England eines gesehen, dessen, was ich erst gedacht, versichert haͤtte. Man schreibet diesen Hoͤrnern, ei- nem wie dem andern, eine gleiche Kraft, als wie dem Einhorne zu, es mag nun an und fuͤr sich selbst, in substantia, ge- raspelt, oder aber in Traͤncken, von ei- nem bis zu zwey und drey Scrupel schwer gegeben werden, oder aber, man mag sich Schaͤlgen daraus drehen, und den Wein, bevor man ihn trincket, ei- ne Weile darinne stehen lassen: oder, man kan sich seiner als eines Trinckge- schirres, ordentlich bedienen, in der Meinung, daß dergleichen Schalen al- len Wirckungen des Giftes wiederste- hen. Die Klauen und das Blut des Na- senhorns sind bey den Jndianern dermassen hochgeschaͤtzt, daß sie fast kein besser Mittel zur Vertreibung giftiger Kranckheiten haben: sie bedienen sich aber dererselben, als wie wir des Theri- acs und anderer Artzneyen wieder den Gift. Aus der Haut machen sie Kuͤras- se, und bedecken sich damit, wenn sie gegen den Feind ziehen wollen. J i 2 Das Der Spezereyen und Materialien Das neunte Capitel. Vom Cameel. Siehe Fig. 341. D As Cameel ist eines von denenje- nigen Thieren, welche man dome- stica zu nennen pfleget, und gantz zahm. Es giebt ihrer die Menge durch gantz Africa/ absonderlich in der Barbarey, in Lybien/ und in dem wuͤsten Getu- lien : so haben auch die Araber sonst keinen groͤssern Reichthum. Die aus Africa sind unter allen denen andern die besten, weil sie gantzer sechs bis sie- ben Wochen keine Gerste fressen, auch zehen bis zwoͤlff Tage lang ungegessen und ungetruncken bleiben koͤnnen. Das Weiblein traͤgt eilff Monate: so- bald das Junge geworffen worden, bie- get man ihm alle viere unter den Bauch zusammen, legt ihm eine Decke uͤber den Ruͤcken, rund herum mit Steinen be- schweret, daß es in 20. Tagen nicht auf- zustehen vermag. Wann sie nun alt genug worden, werden sie, als wie bey uns die Pferde gebraucht. Wenn die Cameele mit den Cara- vanen oder ins Feld ziehen muͤssen, so singt ihr Fuͤhrer, oder pfeifft, soviel ihm immer moͤglich, denn ie mehr man diese Thiere erlustiget, ie besser gehen sie: man bedarff auch keiner andern War- tung fuͤr sie, als daß man ihnen unter- weilen mit einem kleinen Ruͤthlein den Staub aus dem Felle und von dem Ruͤcken klopfe, und Stroh oder Tep- pichte unter die Fuͤsse breite, wenn sie auf glatten Boden gehen sollen, damit sie sich nicht zersprengen oder zerreissen; welches sonsten gar leichte angehet. Wenn sie abgeladen, werden sie auf die Felder und in die Weide getrieben, da sie dann das Gras, Dornen und die Aeste von den Baͤumen abfressen, und die gantze Nacht hindurch wiederkaͤuen, was sie des Tages uͤber eingefressen. Es giebt aber drey Geschlechte der Hegin. Cameele. Diejenigen, welche Hegin genennet werden, sind die dicksten und groͤssesten, und tragen biß tausend Bechet. Pfund. Die zweyte Sorte wiꝛd Bechet genennet, und haben zwey Hocker auf dem Ruͤcken, welche man allebeyde be- laden kan: sind uͤberdiß bequem zum reiten, allein es giebt ihrer nirgends denn in Asien. Die dritte Gattung heissen sie Dromedarien : sind sehr Dromeda- rien. klein, und zart, und dienen nur zum reiten. Sie sind so geschwind, daß sie in einem Tage 35. bis 40. Meilen lauf- fen, und dergestalt acht bis zehn Tage, in der Wuͤsten, bey gar wenigem Fut- ter aushalten koͤnnen. Wann man sie beladen will, darff man sie nur mit einer Spiesruthe bey den Knien und am Halse beruͤhren, so fallen sie stracks zur Erde/ und bleiben in solchem Stan- de, bis sie beladen: wiederkaͤuen stets, und schreyen, wenn sie noch jung sind. Wenn sie vermercken, daß sie beladen, und der Huͤter nimmt ihnen den Ring ab, an welchen ein Strick gebunden, da- mit sie, als mit einem Zaume, geleitet werden, so erheben sie sich alsobald zu- samt der Last. Die Cameele leiden Hunger und Durst gedultig, und wer- den aller drey Tage aufs hoͤchste getraͤn- cket: andere sagen, daß sie das Wasser sehr lange im Magen behalten koͤnten, sich damit zu erfrischen, und dieses ver- mittelst eines grossen Schlauches, den sie haben, um welchen rund herum eine ziemliche Anzahl Saͤcklein, zwischen seinen Haͤuten stecken, in welchen, allem Vermuthen nach, das Wasser von die- sen Thieren aufbehalten wuͤrde; wel- ches denn auch einige veranlasset zu sa- gen, daß die Tuͤrcken, wenn sie mit ei- ner Caravana, oder nach Mecha reisen wolten, und aber an Wasser Mangel litten, die Cameele toͤdteten, damit sie das Wasser, welches sie in ihren Waͤn- sten haͤtten, zu trincken bekaͤmen. Und diese sind die Thiere, deren Haar Cameelhaar. zu uns gebracht wird, und auch dersel- ben Namen fuͤhret, daraus gar schoͤne Zeuge gemachet werden. Das beste ist, das vom Rumpfe kommt, und unter dem gar wenig weisses ist. Kuͤrtzlich: das Cameel ist das aller- zahmeste Thier, welches seinem Herrn sehr wenig kosten macht, und doch viel Nutzen schaffet. Vom natuͤrlichen Sale Armoniaco. Das natuͤrliche Sal Armoniacum, Das natuͤtli- che Salmiac oder vielmehr Sal Ammoniacum, ist ein Saltz TAB. LVI. Lamel. F. 341. p. 503. Natürlich Sal miac F. 342. p. 505. Durchbunst bereitet Salmiac. F. 343. Hirsch. F. 346. p. 515. Ochse. F. 344. p. 509. Widder. F. 345. p. 511. Hauptbeschreibung zweyter Theil. zerg ehet leichtlich an der Luft. Siehe Fig. 342. Saltz, welches innen und aussen weiß ist, und einen saltzichten Geschmack hat, fast wie das gemeine Saltz, ohne daß es ein wenig schaͤrffer ist. Vor diesem wurde es aus Arabien gebracht, oder aus Lybien; anietzo aber sieht man es uͤberaus selten. Dahero haben die Venediger und Hollaͤnder auf Mit- tel und Wege gesonnen, wie sie ein Saltz bereiten moͤchten, das diesem an Kraͤften gleich kaͤme, worinne sie auch weit gluͤcklicher gewesen, als da sie ihm die Gestalt zu geben versuchet, denn diese ist an dem natuͤrlichen Sale Ammo- niaco gantz und gar von der Gestalt des durch Kunst bereiteten unterschieden, wie aus dem Verfolg dieses Discurses wird zu ersehen seyn. Wenn die Tuͤrcken oder andere Voͤlcker in Asia und Africa auf den Streiff gehen, oder mit den Carava- nen reisen, und ihre Cameele durch die Wuͤste gehend, den Urin in den Sand lauffen lassen, wird er, so bald die Son- ne drauf scheinet, stracks trucken, und zu einer solchen Massa, dergleichen ich zu beschreiben gesonnen bin. Und ich kan versichern, daß dem also sey, weil ich das Stuͤcke, das mir der Herr Tour- nefort den 6. Mertz im Jahr 1693. verehret, untersuchet habe. Jch hebe dasselbige auf als eine grosse Raritaͤt, indem man es nicht mehr, oder doch sehr selten zu sehen bekommt. Dieses Saltz ist erystallisiret, das ist, obenauf scheinet es wie kleine Spitzlein, derglei- chen auf dem gereinigten Salpeter zu ersehen, untenher aber ist es hol, und noch etwas Sand daran: woraus zu schliessen, daß dieses Saltz, durch Bey- huͤlffe der Sonne, von selbsten sich sub- limi ret und aufgestiegen, und aus dem heissen Sande sich erhaben. Die Alten haben alle mit einander einerley Mei- nung gehaͤget, und gesagt, daß es na- tuͤrliches Sal Ammoniacum gebe, und daß dasselbe in dem sandigten Lybien gefunden wuͤrde: es entstuͤnde aus dem Urine der Cameele, welche nach dem Tempel des Jupiter Ammons, davon ihm auch der Name gekommen, zoͤgen. Andre aber wollen, das Wort Ammo- niacum komme von dem Griechischen Worte Ammos (ἄμμος) her, welches so viel als Sand bedeutet, und man muͤsse nicht Armoniacum sagen, gleich wie es insgemein genennet wird. Es findet sich sonsten noch ein ander natuͤr- Noch eine an- dere Gattung natuͤrlichen Salmiacs. liches Sal Ammoniacum oder Ammonia- le, oder besser zu reden, ein gekuͤnsteltes, welches eben auf solche Art, als wie bey uns der Salpeter gemachet, und aus einer gewissen Gattung Erde, oder aus einem saltzichten Schaume, der zwischen Labour/ Tanasseri und zu Therhint, aus denen Hoͤlen und Ritzen der Fel- sen, hervortringt, gezogen wird. Allein, weil diese beyden Saltze uns unbekannt sind, und sehr selten gefunden werden, dannenhero muͤssen wir uns an demje- nigen begnuͤgen lassen, das wir von Venedig und aus Holland bekom- men, darunter das letztere bey nahe al- leine zu Paris gesehen wird, absonder- lich zu Friedenszeiten. Von dem durch Kunst bereitetem Sale Ammoniaco. Das Sal Ammoniacum, oder vielmehr Vor diesen brachte man von Venedig und aus Hol- land Salmi- ac, als wie Zuckerhuͤte, der ungleich schoͤner war, als der, den wir anietzt zu sehen bekom- men. Siehe Fig. 343. Acrimoniacum, oder nach anderer Mei- nung, Acrimoniale, ist eine Massa von allerhand Farben, wie eine Topfstuͤr- tze gestalt, welche die Venetianer und Hollaͤnder/ zu folge nicht weniger Scribenten Berichte, aus Menschen- und Thierpisse, gemeinem Saltze, und Ofenruse bereiten, und vermittelst ei- nes sublimir Gefaͤsses, dergleichen Ku- chen verfertigen, wie wir sie zu sehen bekommen. Desgleichen haben mich einige ver- sichern wollen, es wuͤrde auch dieses Saltz aus allerley Blute gemacht, wel- ches ich aber fuͤr gewiß nicht ausgeben kan, weil ichs niemahlen machen sehen. Doch ihm sey, wie ihm wolle, das recht gute Sal ammoniacum soll weiß, klar und durchsichtig seyn, und wenn mans zerbricht, wie eitel kleine Spitz- lein sehen: es soll auch, soviel nur im- mer moͤglich, trucken, auch nicht schmu- tzicht seyn; zerstossen, soll es grau, oder gantz schwartz sehen, anbey so durchsich- tig seyn, wie eine sechs ellen dicke Mau- er, welches von der Gewalt des Feu- ers herruͤhret, denn dieses die groͤbsten und irdischen Theilgen des Gemenges, daraus es gezogen worden, zugleich mit in die Hoͤhe getrieben hat. Und eben dieses ist die Ursache, warum wir sol- J i 3 ches Der Spezereyen und Materialien ches unter dem andern zu sehen bekom- men, an welchen bald oben, bald auch wohl inwendig, eine schwartze und dem Ofenruse nicht unaͤhnliche, garstige Ma- terie, wie zwey Thaler dicke, sich befin- det, welche Unvollkommenheit doch nir- gend anders her entstehet, als von dem Geitze und dem wohlfeilen Preisse, da- rum es die Arbeiter machen muͤssen, deshalben sie dann das Feuer dermas- sen vermehren, daß sie, so es in ihrem Vermoͤgen stuͤnde, gerne alles mit ein- ander aufsteigen liessen, blos zu dem Ende, damit sie einen geringen Profit an einer Waare haben koͤnten, die sie fast umsonst hinzugeben genoͤthiget werden. Mich wundert in Wahrheit nichts so sehr, als daß ich sehen muß, wie diejenigen, die diese Waare berei- ten, selbige so wohlfeil zu geben vermoͤ- gen, da es doch weit besser waͤre, daß sie dieselbe recht und gut zurichteten, und desto theurer verkauffeten, als daß man ein Pfund von diesem Saltze fuͤr 16. bis 18. Sols bekommt, welches her- nach, wenn es umgeschmoltzen und ge- reiniget worden ist, wohl mehr als 50. Sols kostet, indem ihm mehr als die Helfte abgehet. Der Gebrauch dieses Saltzes ist in Franckreich nicht geringe, weil nicht nur allerley Chymische Sachen, zur Artzney hochnoͤthig, daraus bereitet werden, sondern auch, weil es von al- lerhand Handwerckern, Faͤrbern, Gold- schmieden, Schmeltzern, Nadlern, Schmieden und andern gebrauchet wird. Es ist so scharff und etzend, daß, wenn es in Scheidewasser oder Salpe- tergeist zerlassen worden ist, es auch das Gold vermag aufzuloͤsen, welches we- der dieser noch jenes ohne diesen Zusatz zu thun vermoͤgend sind. Das zu einem unbegreifflichen Pul- ver gestossene Sal ammoniacum, ist ein unfehlbares Mittel wider die Flecken der Augen, dieselben bey Pferden und andern dergleichen Thieren hinweg zu bringen, wenn man es ihnen mit einem Federkiel in die Augen blaͤset. Es duͤrffte auch dem Menschen nicht weni- ger dienlich seyn, wofern nicht die all- zuheftige Gewalt und die allzugrossen Schmertzen, die es verursachet, thaͤten. Derowegen will ich niemand rathen, daß er sich dessen bediene, weil andere Mittel zur gnuͤge vorhanden, die fast eben dergleichen Wirckung haben, aus- ser, daß sie das ihrige mit keiner solchen Heftigkeit verrichten, als da ist der Zu- ckerkant, zu einem unbegreifflichen Pulver zerstossen; Rosen oder Weg- breitwasser, darinne ein wenig weisser Vitriol, Zuckerkant und Aloe Succo- trina zerlassen worden, oder auch das distillirte Wasser von Tausendschoͤn- gen, welche bey uns auf den Wiesen und in Gaͤrten insgemeine wachsen. Dieses Wasser ist ein gantz unfehlbar Mittel, nur daß die Wirckung fast eben so heftig ist als das Salis ammoniaci, doch gehen die Schmertzen, so bald es aufge- leget worden, auch uͤberhin. Aus dem Sale Ammoniaco werden unterschiedene chymische Sachen berei- tet, die wir gemeiniglich aus Holland kommen lassen, theils, weil sie die Hol- laͤnder am besten zurichten, theils aber, weil sie dieselben viel wohlfeiler, als un- sere Laboranten, geben koͤnnen, es sey nun, daß es ihnen an tauglichen Ma- terialien fehlet, oder daß sie nicht so ge- schickt sind, als jene. So koͤnte ich auch hierbey, wie bey allen andern præpara- tis erinnern, daß diejenigen, die wir von andern Orten bekommen, weit schoͤner und viel wohlfeiler sind, als welche all- hier zu Paris gemachet werden, gleich- wie in dem gantzen Wercke wird zu er- sehen werden. Von der Reinigung dieses Saltzes. Die erste præparation des Salis Ammo- niaci ist dessen Reiniguug, so vermittelst des Feuers, Wassers und Loͤschpapirs geschicht. Wenn es hernachmahls tru- cken und ein gantz weisses Saltz worden, ist es ein treffliches Schweiß- und Harn- treibendes Mittel, widerstehet der Faͤulung, dienet zum viertaͤgigen Fie- ber, dem kalten Brand, und fuͤr die Au- gen zum Augenwasser. Die dosis ist von acht bis auf vier und zwantzig Gran, in einer warmen Suppe, oder andern gehoͤrigen liquoribus. Man macht auch aus dem Salmiac Blu- men, mit Huͤlffe des verpufften gemei- nen Saltzes, oder der Feilspaͤne und ei- nes Sublimirgefaͤsses, und bereitet auf solche Hauptbeschreibung zweyter Theil. solche Weise weisse Blumen daraus, die als wie Mehl sehen. Diese Blumen haben eine viel staͤrckere Wirckung, we- der das gereinigte Sal ammoniacum, und werden auch deswegen in weit geringe- rer dosi verordnet, zum hoͤchsten auf 15. Gran. Vom fluͤchtigen Geiste des Salis ammoniaci. Aus dem Sale ammoniaco wird mit Weinsteinsaltze, lebendigen Kalche, Asche von eichenem Holtze ein fluͤchti- ger, sehr stinckender und penetranter Spiritus, durch eine wohlverlutirte Retorte, an welche ein gleichfalls wohl verlutirter grosser Recipiente geleget worden, getrieben, der den staͤrcksten Mann zu Boden werffen kan, so bald man ihn nur vor die Nase bringt; in- sonderheit, wenn das phlegma recht wohl davon gebracht worden, so wie wir ihn aus Holland bringen lassen. Dieser Spiritus ist ein trefflich remedium, das diejenigen wieder zu sich selbsten bringen kan, die vom Schlag, der schweren Noth und Schlaffsucht betrof- fen: doch ausser diesen hat er noch sehr vielerley andern Nutzen, wie aus des Herrn Charras Chymischer Apothe- ckerkunst p. 859. zu ersehen, woselbst er von seinen Tugenden weitlaͤufftig han- delt, wie auch von allen andern præpa- ratis, die aus dem Sale ammoniaco koͤn- nen gemachet werden, dahin mag der Leser seine Zuflucht nehmen, wie nicht weniger zu andern Buͤchern, die von der Chymie geschrieben worden, z. E. von Glasern/ Lemery und andern. Vom sauern Salmiacgeist. Aus dem Salmiac wird mit Bolus ein saurer Spiritus uͤber den Helm gezo- gen, welcher eines der staͤrcksten dissol- ventium und aufloͤsender Dinge ist, die wir haben; denn er dienet nicht allein Gold und andere Metalle aufzuloͤsen, sondern er gehoͤret auch unter die ange- nehmsten acida, und ist derohalben zu Stillung der Hitze in Fiebern, wie auch den Harn zu treiben gar dienlich, wenn er in einem gehoͤrigen liquor, den man damit angenehm saͤuerlich gemacht hat, oder aber von sechs bis auf dreyßig Tropfen eingenommen wird. Sal Ammoniacum fixum. Der Salmiac kan mit Eyerschalen und lebendigen Kalch im Feuer sigiret werden, denn so wird es eine helle und durchsichtige Massa, wie ein Crystall, so ein sehr gut Causticum und Etzung giebt, doch zerfließt es gar leichte. Dannen- hero muͤssen es diejenigen, die es auf- heben wollen, in eine wohlverstopfte glaͤserne Flasche thun, daß keine Luft dazukomme. Diesen also figirten und geflossenen Salmiac nennen ihrer et- liche, wiewohl gantz ungereimt, oleum Oleum Salis Ammoniaci. Salis Ammoniaci, und viele brauchen es zur Wiederweckung des lauffenden Mercurs oder Quecksilbers. Das zehende Capitel. Vom Ochsen. Siehe Fig. 344. D Er Ochse, das Rind, der Widder und der Hirsch sind so bekannte Thiere, daß es gantz unnuͤtzlich seyn wuͤr- de, wenn ich sie beschreiben wolte: auch haͤtte ich gar nicht davon gehandelt, wenn man nicht ein und andere nutzba- re Stuͤcke von ihnen naͤhme, welche mit in unsere Handlung gehoͤren. Vom Bezoar oder Gallblasenstein von Ochsen. Bisweilen findet man in der Gall- blase der Ochsen einen Stein, der die Gestalt und die Farbe eines Eydotters hat, weich ist, und gantz schuppicht, als wie der Bezoar, daher ihm auch der Name Ochsen-Bezoar oder Gallen- stein ist zugeleget worden. Wenn die- ser Stein gebuͤhrend beschaffen seyn soll, so muß er hoch von Farbe und recht tru- cken seyn, denn wenn er frisch aus dem Thiere genommen worden, geht ihm beym trocknen zuviel ab, und verursacht dem Kaͤuffer Schaden und Verlust, in- dem dieser Stein ziemlich theuer ver- kaufft wird, bevoraus, wenn er aus sol- cher Leute Haͤnden kommt, die da ver- stehen, was er werth ist. Er wird meistentheils zur Migna- turarbeit verbrauchet, denn man be- dient sich seiner als wie des Gummi Gutti. Auch werden ihm des Bezoars Tugen- Der Spezereyen und Materialien Tugenden zugeschrieben: allein, weil dieser Stein nicht aus der Ferne kommt, deshalben wird er nicht so hoch geach- tet, als wie der orientalische Bezoar. Ochsenhertz- creutz. Man findet gleichfals bisweilen in dem Hertzen der Ochsen einen Knor- pel, als wie im Hirsche; demselben hat man den Namen Ochsenhertzcreutz ge- geben, und wird manchmahl an statt des Hirschhertzcreutzes in der Artzney gebraucht, wiewohl es ein wenig ziem- lich ungereimt herauskommt. Beinschwartz. Die Ochsenbeine werden verbrannt, und eine Gattung Schwartz daraus be- reitet, welches nach dem es zarte gerie- ben woꝛden, dasjenige ist, was wir Bein- schwartz zu nennen pflegen. Es muß aber zarte, glaͤntzend und wohl gerieben seyn, sich auch alsbald zerdruͤcken lassen: man braucht es zum mahlen. Aus den Knorpeln und Nerven der Ochsen, welche gantz und gar im Was- ser zerkochet worden, wird Leim ge- macht, welcher in Formen geschuͤttet, zu Blaͤttern geschnitten, und getruck- net wird: wenn er trucken worden, wird er Ochsenleim genennet, dessen wir in Franckreich keine geringe Menge vertreiben, insonderheit, wenn er in England und Franckreich bereitet worden ist. Englischer Leim. Der Englische Leim soll gut gekocht und wohl getrocknet, auch hell und durchsichtig, braunroth, und nicht voll Sand oder sonst haͤßlich seyn, so muß er sich auch stracks mit der Faust zerschla- gen lassen: er muß ingleichen fein dichte und so sauber seyn, als immer moͤglich. Dagegen soll man den verwerffen, wel- cher, wenn er zergangen, uͤber alle mas- sen stincket, desgleichen alle diejenigen Sorten Leim, die zu Paris und dahe- rum gemachet worden, denn sie nicht halb so hoch von denen Handwercksleu- ten geachtet werden, als wie derjenige Leim, den wir aus England bekom- men. Flandrischer Der Flandrische Leim soll gleicherge- stalt trucken und wohl gekocht seyn, klar Leim. Etliche gebrauchen zur Berei- tung dieses Leimes die Abschnitzlein von Elend- und Hirsch- haͤuten, nie- mahls aber von Schaf- fellen. und durchscheinend, roth und auf braun sich ziehend, denn der gar zu roth ist, wird nicht fuͤr so gut gehalten; ob es gleich scheinet, als waͤre er besser zu ver- kauffen; alldieweil er nicht so gut ge- kochet ist. Diesen Leim brauchen die Hutmacher, und verbrauchen mehr von diesem, als vom Englischen. Er dienet auch zu den Wasserfarben. Die Herren der Frantzoͤsischen Ost- indischen Compagnie senden uns, inson- derheit nach Rouan, eine uͤberaus grosse Menge Ochsenhaͤute aus Bar- Ochsenhaͤute aus der Bar- barey. barey, mit denen die Kauffleute zu be- meldten Rouan einen trefflich starcken Handel treiben. Zu Paris aber ver- kauffen wir ihrer gar wenig. Der meiste Theil dererselben koͤmmt von Senega, mit dem Gummi und Goldstaube: al- lein, wenn es der Compagnie nicht um die Haͤute zu thun waͤre, derentwegen sie auch dahin ziehen, wuͤrden sie sich wohl nicht die Muͤhe nehmen, das Gummi von dar nach Franckreich zu fuͤhren. Weil nun die Spezereyhaͤndler de- nen Gerbern wohl drey Jahr lang borgen muͤssen; und aber einer nicht bezahlen koͤnte, oder verstuͤrbe, so stehet ihnen frey, desselben Gruben eroͤffnen zu lassen, und ihre Waaren wiederum zuruͤck zu nehmen. Wir moͤgen auch allerhand Leder verkauffen; darunter das beste ist, wel- ches am Schnitt gantz weiß, und dabey aufrichtig Hungarisch Gut ist, wel- Hungarisch Leder. ches auch weit besser ist, als das in Franckreich bereitet wird: ingleichen Englische Kalbfelle und andere Felle ohne Haar, die wir von diesen und je- nen Orten kommen lassen; wie nicht weniger Haar und Flocken, bereitet und unbereitet. Uber alle diese Waaren, welche von Ochsen genommen werden, verkauffen wir auch noch gar viel Unschlit, das wir aus Jrrland bringen lassen, und wenn es gebuͤhrend beschaffen seyn soll, frisch und weiß seyn muß. Das eilffte Capitel. Vom Widder. Siehe Fig. 345. D Er Widder oder Hammel ist ein Thier, von dem nicht weniger dem Menschen noͤthige Dinge genommen werden, denn vom Ochsen: doch, was am Hauptbeschreibung zweyter Theil. am meisten gebrauchet wird, ist die Fet- tigkeit der ungewaschenen Wolle. Die Fettig- keit von un- gewaschner Wolle. Diese nennen die Lateiner Oesypus humida, und ist eine Gattung Fett, wel- che man auf dem Wasser treibend fin- det, und an der Wolle der Schaafe und Schoͤpse, sonderlich die zwischen den Schenckeln u. am Halse behangen bleibt. Die nun die Wolle waschen, pflegen dieses Fett zu sammlen, und es durch ein altes Tuch zu druͤcken, thun es her- nach in kleine Faͤßlein, und versenden es hin und her. Die Landschaft Berry, Beausse/ und die Normandie, sind die Orte, von dannen man uns diese Waare mehrentheils zusendet: allein der schlechte Gebrauch verursachet, daß gar wenig vertrieben wird. Man soll aber dasjenige erwehlen, welches fein frisch ist, nicht zu dicke, auch nicht zu duͤnne; denn ie aͤlter es wird, ie haͤrter wird es, und endlich mit der Zeit dermassen harte, als wie wohl ausgetrocknete Seiffe. Es muß auch sein Geruch noch zu ertragen seyn: denn etliches stinckt so gar sehr, daß einer kaum dazu nahen kan. Die Farbe muß maͤusefahl seyn; und endlich muß auch so wenig Wust und garstiges We- sen drunter seyn, so viel nur immer moͤglich. Auch dienet zu mercken, daß dieses Fett, so stinckend es nur ist, den Gestanck verliehre, wenn es eine ziemlich lange Zeit aufbehalten worden, und einen angenehmen Geruch uͤberkomme, fast wie Ambra. Dieses aber habe ich nicht von hoͤren sagen: denn ich besitze selbst ein Stuͤcke, welches, wie ich ietzt vermeldet habe, beschaffen ist. Dieses Fett hat einigen wenigen Nu- tzen in der Artzney, und kommt zu etli- chen Galenischen composition en. Oftmahls verordnen die Medici, de- nenjenigen, welche angelauffene Haͤlse haben, dergleichen fette Wolle mit Li- lien und Camillenoͤle, und sonderlich die schwartze, welche man von der Keh- le und zwischen den Schlaͤgeln der Hammel nimmt, als woselbst sich die- ses Fett befindet: deswegen koͤnnen die- jenigen, die solche Wolle nicht bekom- men koͤnnen, sich dieses Fettes, mit Li- lien und Camillenoͤle unter einander geschmoltzen, bedienen. Namen der Wolle. Wir treiben einen ziemlich starcken Handel mit Wolle, und unter andern mit Persianischer : da dann die beste ist, welche sanft, und so viel moͤglich, ohne lange Haare ist. Spanische Wolle. Von Vigogna, gantz feine von Se- govia/ dito feine, Soria Segoviana, de los Rios/ ordinar Soria, Sege- wens Segovia/ Segewense, schlech- te Segovianische und Caseres, Mo- line, Castellische/ Florettonnes von Segovia/ dito gemeine, aus Navar- ra/ Arragon/ Cabesa del buri und Extrematura/ feine Albaßin, ge- ringe Campo/ Sevilische, von Ma- laga und aus Portugal. Laͤmmer Wolle. Gewaschene Segovische, Soria Segoviana, ungewaschene Sego- vische/ Moline und Castellische, Al- baßin und Navarrische. Teutsche Wolle. Von Rostock und Greiffswalde, Stralsund und Anklam, Neu- marck und Weidecker/ Stettin, Thoren/ Dantzig und Colberg, aus Preussen, Luͤneburg und Bremen: Polnische Laͤmmerwolle/ dito von Thoren/ Polnische Sommerwolle, ungebundene von Halberstadt, feine graue, blaulichte ordinar vom Rhein/ dito gebundene, eine Art, Kiste ge- nannt, Schaͤrwolle von Muͤhlhausen, dito vom Rhein, dito von Wißmar/ Baͤyerische Wolle, Jrrlaͤndische dito. Es giebt noch ferner Wolle aus Ber- ry und andern Landschaften in Franck- reich : und endlich Rifflard, welches die allerlaͤngste Wolle ist, die auf denen unbereiteten Schaffellen zu befinden, und fuͤr die Buchdruͤcker dienet, welche ihre Ballen, mit denen sie die Drucker- farbe aufzutragen pflegen, damit aus- stopfen. Die Schaf- und Ziegenfelle, wenn sie wohl zugerichtet sind, dienen zum Pergament; die Kalbfelle aber zum gantz feinen Pergament. K k Es Der Spezereyen und Materialien Es wird auch, ohne den Wollhan- del und den Handel mit der Feistigkeit von ungewaschener Wolle, ein starcker Handel mit Schoͤpsen Unschlit gefuͤhret, welches wir von unterschiedenen Orten herbringen lassen, sonderlich aber aus Holland, weil es das beste: nach die- sem kommt das vom Platze, das ist das- jenige, welches unsere Fleischhauer zu Paris verkauffen: allein, wir haben damit nichts zu thun. Das Maͤrckische oder das Hollaͤn- Schoͤpsen- unschlitt. dische Schoͤpsenunschlit muß schnee- weiß sehen, und lauter Schoͤpsenun- schlit seyn, denn wenn Rindsunschlit drunter gemischet worden, sieht es gelb- licht. Das zwoͤlffte Capitel. Vom Hirsche. Siehe Fig. 346. D Er Hirsch ist ein in der gantzen Welt allzubekanntes Thier, das al- lerdings unnuͤtzlich seyn wuͤꝛde, wenn ich ihn beschreiben wolte. Dannenhero will ich nur allein vermelden, daß wir kein eintziges Thier von so gar langem Leben haben, welches an dem Gehoͤrn eines Hirschen, das in dem Schloß zu Amboise aufbehalten wird, abzuneh- men ist, denn dasselbige ist von einer gantz entsetzlichen Laͤnge, und bezeuget ein sehr hohes Alter. Unsre Geschicht- schreiber gedencken, daß Koͤnig Carl der VI te in dem Walde zu Senlis ei- nen Hirsch gefaͤllet, welcher ein gold- nes Halsband umgehabt, auf dem die- se Lateinische Worte gestanden, hoc Cæ- sar me donavit, Caͤsar hat mich damit begabet. So giebt es auch kein ander Thier mehr, von welchem so vielerley Artzney- mittel und andere im Leben noͤthige Dinge koͤnnen genommen werden, als wie vom Hirsche. Das allererste, das man vom Hir- sche nehmen kan, ist das Wasser, wel- ches aus den Hirschkolben gezogen, Hirschkolben- wasser. und insgemein Hirschkolbenwasser genennet wird. Dasselbige ist ein un- vergleichlich Mittel zu Befoͤrderung der Geburt, und wider die hitzigen Fie- ber. Doch wer dieses Wassers benoͤ- thiget ist, mag ihm rathen lassen, und es bey rechtschaffenen Leuten kauffen, denn es ist ein gar rares Wasser, theils, weil es nicht gar zu ofte gebrauchet wird, theils aber, weil es gar schwer- lich zu haben. Geraspelt Hirschhorn. Das Gehoͤrn wird geraspelt, und die Spaͤne, eben als wie die vom Elffen- bein zu anhaltenden Traͤncken gebrau- chet: es wird auch Gallrede davon ge- macht, mit dem Titel Hirschgallrede. Diese Spaͤne muͤssen frisch und aufrich- tig seyn, denn es giebt Leute, welche ge- raspelte Ochsenbeine dafuͤr verkauffen; solches kan jedoch ein ieder stracks ver- mercken, wer nur ein wenig weiß, was Hirschhorn ist. Die beste Kundschaft, die ich davon ertheilen kan, ist diese: man kauffe sie bey redlichen Leuten, oder lasse sie selbst raspeln. Aus dem Hirschhorn wird ein Spiritus Spiritus, Sal volatile, und oleum vom Hirschhorn. und Sal volatile durch die Retorte getrie- ben, welche zu Hertz- und Haupt- Kranckheiten vortrefflich dienlich erach- tet werden. Jngleichen ein schwartzes Oel, welches rectificir et werden kan, und ein unfehlbares Mittel wieder die Schwinden ist. Was in der Retorte zuruͤcke bleibt, ist schwartz, und kan mit Wasser abgerieben, folglich eine Art schwartz daraus zugerichtet werden, Hirschhorn schwartz. welches fast so schoͤn, als wie das vom Elffenbein. So kan auch dieses schwar- tze Horn wieder weiß gebrennet werden, und giebt hernachmahls eben solchen Nutzen, wie das gebrannte Helffen- Praͤparirt Hirschhorn. bein, und koͤnte gleichfalls Spodium ge- nennet, und zu kleinen trochiscis, gema- chet werden: es hat auch eben solche Kraͤfte. Das Bein oder der im Hertzen be- findliche Knorpel, deme der Name Hirschhertzbein, oder Hirschcreutz Hirschereutz. gegeben worden, ist eine treffliche Hertz- verwahrende Artzney, und kommt des- wegen auch unter die confection de hya- cintho. Sie muͤssen aber nicht gar zu dicke und weiß, und gewiß aus dem Her- tzen des Hirsches genommen seyn, denn etliche verkauffen die Beine aus dem Hertzen des Ochsens dafuͤr, ist auch kein Unterschied dazwischen, als daß die vom Ochsen Hauptbeschreibung zweyter Theil. Ochsen viel dicker und nicht so dreyeckigt seyn. Hirschmarck. Wir verkauffen auch uͤberdiß das Hirschmarck, welches zu kalten Fluͤssen gar dienlich erachtet wird, sonderlich, wenn es mit ein wenig Weingeist zer- lassen worden. Das gerechte Hirsch- marck siehet weiß und goldgelb, und soll so, wie es von dem Hirsche kommt, ge- brauchet werden. Hirschunsch- litt. Das Hirschunschlit hat bey nahe gleiche Tugend, doch so kraͤftig ist es nicht. Es soll aber reine, und mit kei- nem Rind- oder Schoͤpsen-Unschlit vermischet seyn. Es soll auch eben sol- che Eigenschafften haben, als wie das weisse Wachs. Die Hirschruthe wird fuͤr ein gut Hirschruth, Blase und Thraͤnen. Harntreibend Mittel ausgegeben. Die Blase, auf den Kopf eines Menschen, der den Erbgrind hat, geleget, heilet ihn von Grund aus. Die Thraͤnen, welche in den Augenwinckeln hart und trocken worden, werden dem Be- zoar gleich geschaͤtzt. Kurtz: es ist der Hirsch/ wie bereits ein und anderer gemeldet, eine gantze Welt voll Artzney/ Nutzen und Vortheil fuͤr den Men- schen. Von der Haut und Fleisch mag ich nichts gedencken, als daß jene zu allerhand Sachen, zu Handschuhen, und dergleichen diene; das andere aber koͤnne auf grosser Herren Tafeln, als ein koͤstliches Gerichte, aufgesetzet werden. Das dreyzehende Capitel. Vom Bock. Siehe Fig. 347. D Er Bock ist ein Thier, welches gleicher gestalt in Franckreich, Jtalien/ Cypern, Candia/ und an andern Orten mehr, bekannt genug ist. Die vornehmste Waare aber, die wir von den Boͤcken oder Ziegen bekom- men, und verkauffen, ist eine besondere Fettigkeit, die sich an den Baͤrten die- ser Thiere, und bevoraus dererselben befindet, welche sich von den Blaͤt- tern eines Baͤumleins ernaͤhren, das in warmen Laͤndern sehr gemeine ist, und von denen Kraͤuterverstaͤndigen Ci- stus Ledon genennet wird. Seine Blaͤt- ter sind lang und ziemlich schmal, rauch, sehr klebricht, dunckelgruͤn, und gruͤnen das gantze Jahr hindurch. Die Einwohner selbiger Orten sam̃- len diese Fettigkeit mit hoͤltzernen Jn- strumenten, wie Kaͤmme gestalt, und machen hernach, ob sie gleich insgemein voll Haare und andern Unrath ist, ein eintziges Stuͤcke oder auch etliche Klum- pen daraus, von unterschiedenem Ge- wichte, dergleichen man vor diesem zu sehen bekame, und natuͤrliches Lada- Natuͤrlich La- danum, oder Bart Lada- num. num oder Labdanum, auch Bart La- danum genennet wurde. Allein, seit dem die Einwohner dieser Jnseln ver- mercket, daß in dieser Feistigkeit ein suͤs- ser lieblicher Geruch verborgen, diesel- be auch nicht wenig geachtet wuͤrde, wenn sie von aller dabey befindlichen Unreinigkeit gesaubert worden, so neh- men sie sich die Muͤhe, lassen sie zerge- hen, und druͤcken sie durch ein Tuch, da- mit nicht nur die Unreinigkeit davon komme, sondern sie auch einen bessern Geruch erhalte. Wenn sie es nun dergestalt gereiniget, alsdann wickeln sie es in gantz zarte Blasen, auf die Art, wie wir es zu sehen kriegen, und wird hernach fluͤßiges Ladanum oder Fluͤßiges La- danum oder schwartzer Balsam. schwartzer Balsam genennet. Diese also bereitete Feistigkeit ist in England, wegen ihres angenehmen Geruchs, uͤberaus im Gebrauch: dahingegen das wenige, das in Franckreich davon ver- than wird, nicht verdienet, daß man sei- ner gedencke; vielleicht, weil es zu theuer, oder aber, weil es so wenig be- kannt ist. Was von diesem fluͤßigen Ladano zu- ruͤcke bleibt, daraus machen sie Rollen, die sie auf die Art, als wie die aufge- wundenen Wachsstoͤcke aufzuwickeln wissen, und werden aufgerolltes La- Aufgerolltes Ladanum. danum geheissen. Das natuͤrliche Ladanum, oder das Bart Ladanum, sol so starck riechen, und so sauber seyn, als nur immer moͤglich. Das fluͤßige muß eine dichte Consistentz haben, und so schwartz, als wie Agat se- hen, suͤß und lieblich riechen, fast wie Ambra, welches auch etlichen Kauff- leuten Anlaß gegeben, das fluͤßige oder weiche Ladanum fuͤr schwartzen Am- ber zu verkauffen. Das aufgerollte K k 2 aber Der Spezereyen und Materialien aber betreffend, dasselbige soll wegge- schmissen werden, indem es nichts an- ders ist als Erde und Sand, welches an der Schwere und denen haͤuffig glintzen- den Flinterlein zu erkennen: dennoch wird es gar starck gebrauchet, weil es wohlfeil ist, und sich leicht stossen laͤßt. Die Parfumirer brauchen dieses La- danum so wohl zu den gemeinen Rau- cherkertzlein, als auch zu denen so ge- nannten Pots-pourris . Wenn dieses Ladanum nun fein huͤbsch aufgerollet ist, und kleine Kuchen, so soll es demje- nigen vorgezogen werden, welches wie grosse Klumpen ist, denn es laͤßt sich besser verkauffen. ( Pot-pourri heißt in dem grossen Dictio- naire de l’Academie Françoise, allerhand unter einander gemengte wohlriechende Kraͤuter und Blumen, welche man mit Wuͤrtznaͤglein, Saltz und Eßig zusam- men in ein Gefaͤs gethan/ und damit ein Zimmer oder Kammer auszuraͤuchern pfleget.) Ausser diese unterschiedene Sorten Bocksblut. Ladanum wird auch das Bocksblut zugerichtet oder praͤpariret, und eine Artzney daraus gemacht. Allein, wenn dieses Blut dieselben Tugenden haben soll, die ihm unsre Vorfahren beygele- get, so muß das Thier eine geraume Zeit mit lauter gewuͤrtzhaften aroma- tischen und steinbrechenden Kraͤutern gefuͤttert worden seyn, darff auch nicht aͤlter als drey oder vier Jahr seyn. Wann es dann abgekehlet, behaͤlt man nur das mittelste Blut auf, das ist, das Blut, das zu erst herauslaufft, das wird weggeschuͤttet, denn es ist zu waͤßrig, das hernach kommt, behaͤlt man auf, das letzte aber wird wiederum wegge- schuͤttet, weil es gar zu grob und dicke ist. Hierauf wird das Blut in eine irde- ne Schuͤssel geschuͤttet, mit einem zar- ten Tuche bedecket, damit nichts unrei- nes darein fallen koͤnne, und alsdann in die Sonne oder in den Schatten ge- stellet: wann es nun recht trucken, wird es in ein glaͤsern oder irden Ge- schirre gethan, und zum Gebrauch auf- gehebet. Jnsgemein wird das Bocks- blut im Monat Julius praͤpariret, zu welcher Zeit diese Thiere ihre Nahrung von lauter guten und aromatischen Kraͤutern haben koͤnnen. Von Helmont will, daß, wenn man den Bock bey den Hoͤrnern aufgehen- cket, und die hintern Fuͤsse nach dem Kopffe zu gezogen, schneide man ihm in solcher Positur die Hoden ab, fange das herablauffende Blut auf, und lasse es trucken werden, welches dann stein- hart werde, und nicht so wohl zu zer- stossen sey, sey auch gantz und gar von demjenigen, das aus der Kehle gelauf- fen, unterschieden: dabey versichert er, daß ein Quintlein davon eingenommen, das Seitenstechen, ohne Aderlassen, un- fehlbar heile und curire. Das gemei- ne Bocksblut wird sehr dienlich erach- tet den Stein zu zermalmen, wenn man das eine oder das andere in etwas, das sich zur Kranckheit schicket, einnimt. Wir bekommen aus Auvergne und der Gegend um Lyon und Nevers gar viel Bock- und Ziegen-Unschlitt, Bocks- und Ziegen-Unsch- litt. weil es doch einigen Nutzen in der Artzney hat, bevoraus das Bocks- unschlit, als welches noch dazu fuͤr al- lerley Handwercksleute dienet, die es gebrauchen. Es soll aber trucken seyn, aussen und innen weiß sehen, und man mag Achtung geben, daß es mit keinem Schoͤpsenunschlit vermischet sey, wie- wohl dieses gar schwerlich zu vermer- cken. Dannenhero muß man es nur bey solchen Leuten kauffen, die einen zu betruͤgen nicht gewohnet sind. Die Bockshaͤute werden gebrauchet, Wein, Baumoͤl, Terpentin und ande- re dergleichen Dinge darinne zu verfuͤh- ren. Die Morgenlaͤnder bedienen sich derselben auch, wenn sie uͤber die Fluͤsse schwimmen wollen, desgleichen die Floͤssen, darauf sie ihre Waaren uͤber den Euphrat und andere Fluͤsse in Ostindien fuͤhren, uͤber Wasser zu hal- ten. Die Leute in Levante richten uͤber- diß die Bockshaͤute, Ziegen- und Ham- melfelle zu, gerben sie, und geben ih- nen mit Lacca auf Stoͤcklein und an- dern Dingen, eine schoͤne lebhafte rothe Farbe; und dann nennen wir sie Mar- Marroquin oder Saffian. roquin de Levante, Levantischen Cor- duan oder Saffian/ und fuͤhren einen gar starcken Handel damit, weil er in Franckreich zu sehr vielen Sachen in grosser Menge verbrauchet wird. Der aufrichtige Saffian muß recht schoͤn Hauptbeschreibung zweyter Theil. schoͤn scharlachroth sehen, sanft anzu- fuͤhlen seyn, und ein schoͤn Korn haben, ziemlich gut riechen, und knarren, wenn man ihn reibt. Er wird zwar wohl auch zu Mar- seille und zu Paris gemacht: allein, er sieht nicht so schoͤn roth, haͤlt auch nicht Schwartzer Corduan. also lange. Was den schwartzen Cor- duan betrifft, da kommt der allerbeste aus der Barbarey, und ist viel schoͤner und schwaͤrtzer, hat auch ein weit schoͤ- neres Korn, als der, welcher zu Rouan gearbeitet, und Peaux fraiches, frische Felle, genennet wird, und mag man mir sagen, was man will, er ist doch nicht so gut, noch so schoͤn, als wie der aus der Barbarey. Die Bockhaͤute, die wir zu Paris haben, in denen Oelaus Provence ge- bracht wird, verkauffen wir gewissen Leuten, die sie zu allerhand Gebrauch zurichten. Es vermeinen etliche, der Frantzoͤ- sische Name Bouc komme vom Teutschen Bock, oder vom Jtalienischen Becco her: die Lateiner nennen ihn Hircus. Das vierzehende Capitel. Vom Steinbock. Siehe Fig. 348. D Er Steinbock oder der wilde Bock ist ein Thier, das in Franck- reich wenig bekannt, desto mehr aber in der Schweitz. Derowegen habe ich fuͤr dienlich erachtet, dasjenige all- hier anzufuͤhren, was Peter Bellon Mans in seiner Reisebeschreibung am 14. Blatte, folgender Gestalt davon vermeldet hat. Weil es keine Woͤlffe auf der Jnsel Candia giebet, dannenhero lassen die Leute ihr Vieh gantz sicher und ohne Furcht des Nachts uͤber auf dem Felde, und sonderlich die Schafe und Haͤm- mel. Koͤnnen nun die Einwohner jun- ge Steinboͤcke, derer es eine grosse Men- ge giebt, in den Gebirgen herumir- rend antreffen, so ziehen sie dieselben bey den zahmen Ziegen zugleich mit auf, und machen sie gleichfalls zahm. Die wilden aber gehoͤren dem, der sie faͤhet oder toͤdtet. Jhre Groͤffe uͤber- trifft die gebuͤhrende Groͤsse und Dicke der zahmen Ziegen nicht: doch haben sie wohl eben soviel Fleisch, als ein gros- ser Hirsch, sind auch mit dergleichen gelblichten und kurtzen Haar bedecket, nicht wie die Ziegen. Die Maͤnnlein haben einen grossen braunen Bart, welches eine Sache, die sonst an keinem Thiere mehr, das Hirschhaar hat, zu befinden. Wenn sie alt worden, wer- den sie grau, und haben einen schwar- tzen Streiffen uͤber den Ruͤckgrad. Wir haben ihrer auch in unsern Gebirgen, bevoraus an jaͤhen und unersteiglichen Orten. Zu verwundern ist es, daß ein so kleines Thier dermassen schwere Hoͤr- ner tragen kan, wie ich dann ein Paar habe, die zwey Ellen lang sind. Diese haben so viel Qveerstriche oder Linien, oder Ringe, so viel Jahre die Boͤcke oder Ziegen alt sind. So habe ich auch be- funden, daß es ihrer zweyerley Ge- schlechte giebt, welches ich auch mit de- nen Hoͤrnern, die ich aus Cypern und Creta bringen lassen, und dem Herrn Landvogt des Lyonischen Gebirges ver- ehret habe, erwiesen. Unterschiedliche mahl habe ich die Vergnuͤgung gehabt, und sie mit Griechischen Hunden hetzen sehen. Auf denen allerhoͤhesten Ge- birgen in Candia/ und sonderlich um das Gebirge Spacchia und Madera, giebt es Bauern, welche so gute Bogen- schuͤtzen sind, daß sie die Boͤcke, auf fuͤnff und zwantzig Schritte weit, mit ihren Pfeilen treffen koͤnnen. Sie nehmen aber die Weiblein, welche sie aufgezo- gen und zahm gemacht haben, und bin- den dieselben hier oder dort in dem Ge- birge an, wo etwan die Maͤnnlein ihren Lauff zu haben pflegen. Drauf macht sich der Schuͤtze auf die Seite, und ver- birgt sich hinter das Gestraͤuche, dem Wind entgegen, weil er wohl weiß, daß der Steinbock einen dermassen scharf- fen Geruch hat, daß er ihn auch auf hundert Schritte riechen wuͤrde. Wann dann das Maͤnnlein das Weiblein auf dem Lauffe findet, steht es stille, und der Bauer drucket seinen Bogen ab. Fuͤgt sichs, daß der Steinbock nur schlecht verwundet, oder das Eisen ihm im Lei- be stecken geblieben, so weiß er ihm selbst meisterlich zu helffen: denn er geht nur K k 3 hin Der Spezereyen und Materialien hin und suchet das Diptamkraut, wel- ches an den Felsen in Candia han- get, frißt es und heilt sich durch dieses Mittel gar behende. Die Schweitzer jagen diese Thiere nicht alleine darum, weil sie dieselben Steinbocks- Blut. essen, sondern auch, damit sie das Blut davon bekommen moͤgen, welches sie eben als wie das obgedachte zurichten und doͤrren, und hernachmahls wider den Stein gebrauchen, sintemahl es weit mehr Kraft hat, denn das gemeine Bocksblut, und insonderheit, wenn er Steinbrech, und andere Kraͤuter, die mit der Kraft den Stein abzutreiben, begabet sind, gefressen hat. Die Wahl betreffend, so ist schon ge- nug, wenn es nur aufrecht ist, das heißt, wenn es gewiß und wahrhaftig das Blut vom Steinbocke, und wohl praͤ- pariret ist. Das funffzehende Capitel. Von der Gems. Siehe Fig. 348. J N denen Gebirgen, und sonderlich im Pyrenaͤischen/ findet sich eine Art wilder Ziegen, denen man den Na- men Tsard, Chamois, Gems, gegeben. Wir handeln starck mit denen Haͤuten, nachdem sie mit Oel bereitet worden sind; denn man bedient sich ihrer zu al- lerhand Sachen. Die Gems ist ein sehr wildes Thier, das nirgend lieber ist, als auf den hoͤhe- sten Felsen und Gebirgen: daher es auch die Lateiner Rupicapra genennet haben. Es naͤhret sich ofters mit eitel Roͤmischer Gemsenwurtz. Zuweilen wird in der Blase dieser Thiere ein Stein gefunden, von aller- ley Farbe und unterschiedener Groͤsse, und wird der teutsche Bezoar genen- net, weil ihme von den Teutschen eben die Kraft, als wie dem orientali- schen Bezoar beygeleget wird. Die Gems ist so groß als eine Ziege, hat sehr kleine, schwartze, vorwaͤrts ge- bogene, gantz spitzige Hoͤrnlein, die es sich oftmahls selbst in die hintern Beine stoͤst, wenn es sich kratzen will; da es dann entweder sterben, oder aber ein Stuͤcke mit heraus reissen muß. Der Schwantz ist ohngefehr drey Zoll lang. Es hat grosse Augen, und geht allzeit auf der Spitze der Fuͤsse. Das Haar ist gelbroth, und uͤber den Ruͤcken hin laufft ein Strich. Das sechzehende Capitel. Vom Chagrin. Siehe Fig. 349. D Er Chagrin ist die Haut von ei- nem Thiere, welches in Tuͤrckey und in Polen gar sehr gemeine ist, und wird von denen Tuͤrcken und Polen, als wie bey uns die Maulesel gebrauchet, die Bagage zu tragen. Wenn es um- gefallen ist, so ziehen sie ihm die Haut vom Hintertheile ab, und spannen sie an der Luft aus, nachdem sie dieselbe vorhero, wenn sie noch feuchte ist, uͤber und uͤber mit Senffkoͤrnern bestreuet haben. Solchergestalt wird sie viel Ta- ge lang im Wind und Wetter gelassen, hernach aber nehmen sie dieselbe, uñ ger- ben sie: wenn sie nun zugerichtet wor- den, uͤbersenden sie sie uns. Diese Haͤu- te sind uͤber die massen harte, wenn sie trucken sind, und gantz weich, wenn sie im Wasser geweichet worden. Es soll aber wie man sagt, und mich versichert hat, daher kommen, daß sie naͤmlich so gar harte sind, dieweil das Thier stets auf dem Hintern sitzt und lieget. Aus Tuͤrckey wird zweyerley Chagrin ge- bracht, grauer, der am meisten geach- tet wird, und weisser oder schmutziger, welcher geringer. Die Chagrinhaͤute soll man erweh- len, welche aus Tuͤrckey und von Con- stantinopel kommen, denn diese viel hoͤher geschaͤtzet werden, als die von Algir und Tripolis. Auch werden ih- rer aus Polen gebracht, sollen aber ausgeworffen werden, weil sie zu tru- cken sind, und die Alaune nicht anneh- men, wenn man sie faͤrben will. Des- gleichen soll man die groͤsten aussuchen, und die schoͤnsten, die fein gleich sind, und ein klein rund wohlgestaltes Korn, aber wenig Spiegel haben: denn ob- schon TAB. LVII. Chagrin Fig. 349. p. 523. Gems Fig. 348. p. 523. Erderocodil Fig. 365. p. 571. Bock, welcher List uͤskrauͤt frist Fig. 347. p. 517. Steinbock Fig. 348. p. 521. Hauptbeschreibung zweyter Theil. schon diejenigen, welche ungleich sind, und grosse Koͤrner haben, sich eben so gut gebrauchen lassen, sind sie doch nicht so leichtlich zu verkauffen. Spiegel auf dem Chagrin bedeuten die- jenigen Plaͤtze auf diesen Haͤuten, auf denen nicht ein eintziges Korn ist, sondern sind gantz gleich, und gleissend wie ein Spiegel, daher auch der Name entstan- den. Mit dem Chagrin werden Buͤcher, die man stets gebrauchet, uͤberzogen, wie ingleichen und sonderlich Uhrge- haͤuse, und andere Geraͤthe, z. E. Schreibzeuge, Schreibtafeln und der- gleichen. Der Chagrin wird nach belieben, gefaͤrbet, und dahero sieht man schwar- tzen, rothen und gruͤnen Chagrin. Al- lein der beste und theuerste ist der rothe, denn er ist mit Vermeillon und Car- min zugerichtet. Den aufrechten Cha- grin aber erkennet man vor den zu Cha- grin gemachten Corduan daran, daß er sich nicht abzeucht. Uber alle diejenigen Theile der vier- fuͤßigen Thiere, die wir zu verkauffen Baͤren- schmaltz. pflegen, verkauffen wir auch noch Baͤ- renschmaltz/ das wir aus denen Schweitzergebirgen/ aus Savoy- en und aus Canada bringen lassen. Es soll aber frisch geschmoltzen seyn, graulicht und klebricht, eines starcken haͤßlichen Geruchs, nicht zu harte, auch nicht zu weich. Denn welches weiß- licht und harte ist, dasselbe soll man ver- werffen, dieweil es mit Unschlit ver- mischet ist. Dieses Schmaltz ist ein voll- kommen herrlich Mittel wider die kal- ten Fluͤsse: so haͤlt man es auch fuͤr das Podagra gar dienlich, wenn man den schmertzhaften Ort damit reibet: in- gleichen soll es die Haare wachsen ma- chen, sonderlich wenn man pulverisirte Bienen drunter mischet und Nußoͤl. Auch wird es etwas weniges in der Artzney gebraucht, und zu unterschied- lichen Galenischen composition en, als da ist mundificans de apio \&c gebrauchet. Baͤrenunsch- lit. Baͤrenunschlit lassen wir gar sel- ten bringen, weil es in Franckreich nicht sehr gebraͤuchlich, und nur fuͤr diejenigen dienet, die nicht gerne viel Geld fuͤr das Schmaltz geben wollen. Wir verkauffen auch Dachsfett/ Dachsfett. weil es ein gar herrlich Mittel ist wider die Nierenbeschwerung und Huͤfftweh: ingleichen Pinsel von Dachshaaren fuͤr die Mahler. Getreugte Wolffsleber und Daͤr- Wolffsleber. me, welche denenjenigen dienlich seyn sollen, die mit Leberkranckheiten und der Colica beladen sind. Noch weiter verkauffen wir Fuchs- Fuchs- schmaltz und Lunge. schmaltz und die getreugte Lunge : das Schmaltz, weil es vortrefflich gut ist wider den Ohrenzwang, wie auch, daß man denenjenigen, welche die schwere Noth bekommen, die Glieder damit reibe. Die getrucknete und ge- puͤlverte Lunge aber dienet fuͤr die Lun- gensuͤchtigen und die einen kurtzen Athem haben. Jngleichen Hasenlaab, welches fuͤr Hasenlaab. eine Artzney wider den Gift ausgege- ben wird, und das geronnene Gebluͤte im Leibe zertheilen soll. Ausser diesen verkauffen wir auch wilde Schweinszaͤhne/ Schincken von Maͤyntz, Bayonne/ Anjou, wie auch, die um Paris herum gemacht werden. Bologneser und Provence Wuͤrste/ Parmesan und Planzentini- schen Kaͤse/ welcher in der Normandie nachgemachet wird, Gasconischen Rocfort genannt, oder von Rovergue, Auvergne, Gruyere, Vachelin, Bern, Roche, Hollaͤndischen, und viele andere Sorten Kaͤse mehr, die wir von diesen und jenen Orten bringen lassen. Uber diß handeln wir auch starck mit gesaltzner Butter, die wir aus Holland, England, Jrrland, Bretagne, von La- mion und Jsigny aus der Normandie kommen lassen, denn daher wird die allermeiste Butter gebracht, die wir zu Paris verthun. Diese sind also alle diejenigen Theile von vierfuͤßigen Thieren, damit wir zu handeln pflegen. Ob nun ihre Anzahl geringe ist, dennoch bringen sie keinen schlechten Nutzen, nehmen viel Geld hin- weg, und bezahlen bey der Ein- und Ausfuhr nicht wenig Zoll. Thaͤte aber nicht der so starcke Handel, und bestuͤnde nicht der meisten Parisischen Speze- Der Spezereyen und Materialien Spezereyhaͤndler ihr Thun fast alleine darinne, duͤrffte ich vielleicht nicht, wie der Titel dieses Wercks verspricht, da- von gehandelt und geredet haben. Das siebenzehende Capitel. Vom Strausse. Siehe Fig. 350. D Er Strauß ist ein Vogel, der kur- tze Fluͤgel hat, welche wegen ihrer Federn sehr hoch geschaͤtzet werden, in- dem sie zum Zierrath auf die Huͤte, Betten, und Thronhimmel dienen. Die Straussen werden in Africa ge- jaget, und sind in Peru also gemeine, daß sie bey gantzen Schaaren gehen, als wie das Vieh. Die Wilden essen das Fleisch, und ihre Eyer sind gut, doch schwerlich zu verdauen. Die Weiblein sind uͤber und uͤber grau, schwartz und weiß gescheckt: die Maͤnnlein schwartz und weiß, und werden weit hoͤher ge- halten, weil ihre Federn viel breiter und besser staffiret sind, die Spitzen daran weit dicker, und die Pflaumen viel zaͤr- ter. Es sind uͤberaus geschwinde Voͤ- gel, werden mit Hunden gehetzet, als wie die Hasen, und im Lauffe gefangen. Der Strauß bedient sich seiner Fluͤ- gel nicht zum fliegen, sondern sich im lauffen fortzuhelffen, wenn ihm nur der Wind fuͤget, denn als dann dienen sie ihm, gleichwie die Segel einem Schif- fe. Wann der Strauß mercket, daß seine Eyer ausgebruͤtet sind, so bricht er sie entzwey; die verfaulen dann, und waͤchst eine Menge Wuͤrmer darinne, davon ernaͤhren sich die Jungen: wie solches der P. Acaret in der Beschrei- bung Peru bezeuget. Ein gleiches hat vor diesem Ælianus vermeldet. Man hat auch um das Haupt der guten Hoffnung so grosse Strausseneyer ge- sehen, daß sieben Mann an einem gnug zu essen gehabt. Jn der Academie derer Wissenschafften sind viel Straussen zerleget worden, unter de- nen der groͤste, vom Kopf an bis auf die Erde, sieben und einen halben Fuß hoch gewesen. Der Strauß hat laͤnglicht- runde Augen, als wie der Mensch, und grosse Augbraumen; das oberste Au- genlied ist beweglich, wieder die Ge- wohnheit der andern Voͤgel, mit noch einem Augenliede inwendig, derglei- chen die meisten Thiere haben. Der Schnabel ist kurtz und rund, die Zun- ge klein und angeheftet, wie bey den Fischen; die Schenckel sind dicke, flei- schicht, und ohne Federn, mit einer weis- sen Haut uͤberzogen, die etwas roͤthlicht sieht, und mit Runtzeln durchzogen ist, welche ein Gegitter vorstellen, dazwi- schen man bey den Maͤnnlein einen Finger stecken kan. Die Beine sind vorneher mit grossen Schuppen, als wie mit Tafeln bedeckt, die Fuͤsse gespal- ten, und bestehen nur aus zwey Zaͤhen, die sehr groß und gleichfalls mit Schup- pen bedecket. An den grossen Zaͤhen haben sie Klauen, nicht aber an den kleinern. Sie haben nicht wie die an- dern Voͤgel, unterschiedene Arten Fe- dern, weiche und wollichte oder Pflaum- federn, die ihnen an statt des Beltzes dienen, und harte und steiffe, zum flie- gen; sondern des Straussen Federn sind alle mit einander weich und ausge- faselt, als wie die Pflaumfedern, und dienen ihm weder zum fliegen, noch zur Decke: der Kiel steht gerade mitten in der Feder, darum auch die Egyptier die Gerechtigkeit unter dem Bilde einer Straussenfeder vorgestellet. Die Haut am Halse sieht wie angelauffen Fleisch, ist mit weissen zarten und glaͤntzenden Pflaumfederlein bedecket, so aber gar duͤnne gesaͤet, und viel ehe wie Haar, als wie Federn sehen. Der Leib hin- gegen wird mit weissen, grauen und schwartzen Federn bedeckt; denn die anders sehen, sind gefaͤrbet. Die gros- sen in den Fluͤgeln und im Schwan- tze, sind insgemein weiß, auf diese fol- gen schwartze, am Bauche aber und auf dem Ruͤcken sind sie weiß oder schwartz. An den Seiten, wie auch an den Schenckeln und unter den Fluͤ- geln hat er gar keine Federn. Am En- de eines ieden Fluͤgels hat er gleichsam wie zwey Sporen, des Daumens lang, hol und als wie Horn, sehen fast aus, als wie die Stacheln der Stachel- schweine. Jnwendig befanden sich fuͤnff diaphragmata und Unterschiede, welche den Leib in fuͤnff Theil zertheil- ten, Hauptbeschreibung zweyter Theil. ten, von denen viere von oben gerade herab giengen, das fuͤnffte aber lieff qveer durch die Maͤgen, welche alle voll Gras, Heu, Gerste, Bohnen, Beine und Kieselsteine, darunter einer wie ein Huͤnerey groß war, gefuͤllet waren. Auch fand man bis 70. Stuͤck Doubles, meistentheils abgenuͤtzet und verzehret, wahrscheinlich, mehr durch das stete an einander reiben, als daß sie waͤren zer- fressen worden. Allein, man soll auch wissen, daß die Straussen das Eisen, eben zu dem Ende wie andere Vogel die Steinlein, hinabschlucken, damit es naͤmlich ihre Nahrung zerreiben helffe, nicht daß sie sich davon ernaͤhren, oder es verdauen solten, als wie die Alten ge- glaubet, denn sie sterben, wenn sie des- sen zu viel verschlucket. Von etlichen werden sie Cerf-oyseau, Hirsch-Vogel, auf Lateinisch, Struthio-camelus genen- net. Von diesen grossen Vogeln verkauf- fen wir nichts als die Federn, die Eyer, und das Fett. Das achtzehende Capitel. Vom Adler. Siehe Fig. 351. D Er Adler ist ebenmaͤßig ein grosser Vogel, welcher einen langen, schwaͤrtzlichten krummen Schnabel hat. Die Beine sind gelb, mit Schuppen be- leget, die Federn vielfarbig oder bunt. Dieser Vogel findet sich an unterschie- denen Orten in Europa, und auch in Provence haͤuffig. Adlerstein. Von dem gantzen Vogel verkauffen wir gar nichts, als nur einen gewissen Stein, der in dem Eingange des Loches, darein der Adler sein Nest machet, be- findlich ist, um seine Jungen fuͤr dem Donner und Ungewitter dadurch zu be- schirmen. Diesen Stein haben uns die Pilgramme von S. Jago aus Galli- cien uͤberbracht. Diejenigen Adlerstei- ne aber werden am hoͤhesten gehalten, welche platt sind, schwaͤrtzlicht, voll Narben, wie das Chagrinleder, und hellklingend, das ist, wenn man sie fuͤr die Ohren haͤlt und schuͤttelt, muͤssen sie einen Laut geben, welches von dem harten oder weichen Steine herkoͤmt, der darinne steckt. Diesem Steine wer- den grosse Kraͤfte zugeschrieben, denn er soll verhelffen, daß die Frauen gluͤcklich entbunden werden, auch verhindern, daß sie nicht fallen, weil sie schwanger gehen. Etliche sagen auch, die Adler hohleten diese Steine aus Jndien/ da- mit sie ihre Jungen ausbruͤten koͤnten. Das neunzehende Capitel. Vom Geyer. Siehe Fig. 352. D Er Geyer ist ein Raubvogel, der nur von Todenkoͤrpern und Aesern lebt; an Gestalt kommt er dem Adler ziemlich bey, ja einige wollen gar, daß er ein Geschlechte desselben sey. Von diesem Thiere verkauffen wir nichts mehr, als nur das Schmaltz, welches Geyerfett und Fell. wider die Zufaͤlle der Nerven trefflich dienlich erachtet wird. Die Haut des Geyers ist vortrefflich schoͤn, und wird deshalben von einem und dem andern gesuchet. Das zwantzigste Capitel. Von der Fregatte. Siehe Fig. 353. D Je Fregatte ist ein Vogel, welchen die Jndianer wegen seines schnel- len Flugs also nennen. Der Leib die- ses Vogels ist nicht dicker denn der Leib eines Huns, alleine der Magen ist uͤber- aus fleischicht. Alle Federn des Maͤnn- leins sind Rabenschwartz: der Hals ist nicht zu lang, der Kopf klein. Er hat zwey grosse schwartze Augen, und ein so scharffes Gesichte, als wie der Adler. Der Schnabel ist ziemlich dicke, gantz schwartz, sechs bis sieben Zoll lang und durchaus gerade, doch ist der obere Theil am Ende ein klein wenig, wie ein Ha- ken, gebogen. Er hat gantz kurtze Pfoten, und zwey Klauen, wie der Geyer, sind aber gantz schwartz. Seine Fluͤgel sind so entsetzlich groß, daß bis- L l weilen Der Spezereyen und Materialien weilen von dem Ende des einen bis zu dem Ende des andern, sechs bis sieben Fuß sind: und dieses hat seine Ursach; denn diese Fluͤgel sind ihm hoͤchst noͤthig, weil er sich unter weilen mehr denn 300. Meilen vom Lande entfernet. Er hat grosse Muͤhe, bis er sich von den Aesten erheben kan, wenn er aber ein- mahl im Flug ist, so sieht man, wie er die Luft mit gantz sanftem Flug zerschneidet, denn er haͤlt die Fluͤgel aus- gebreitet, und bewegt sie fast gar nicht, oder beweget sich etwa. Wenn ihm der Regen oder der ungestuͤmme Wind ungelegen faͤllt, so braviꝛt er den Wol- cken, schwingt sich in die mittlere Ge- gend der Luft, und entzeucht sich dem Gesichte der Menschen. Allein, ob er gleich noch so hoch gestiegen, dennoch merckt er genau auf denjenigen Ort, wo die Dorades die fliegenden Fische jagen, und stuͤrtzt sich als ein Blitz aus der Luft herab, nicht zwar bis auf das Wasser, sonst er Muͤhe haben wuͤrde sich wiederum zu erheben; sondern, wenn er etwa noch zehen bis zwoͤlff Ellen davon ist, nimmt er einen grossen Umschweiff, und kommt gleichsam un- vermerckt, immer tieffer herunter, bis er der See gantz gleich flieget, da er dann die kleinen Fische im Wasser mit dem Schnabel oder Klauen, zuweilen auch mit beyden zugleich, erwischet. Das Maͤnnlein hat nicht allein ei- nen grossen rothen Kamm auf dem Kopfe, als wie ein Hahn, sondern auch unter der Gurgel: wiewohl solcher nur an den Alten zu sehen ist. Die Weib- lein haben keine, hingegen sind ihre Fe- dern viel weisser, sonderlich am Bau- che. Gleichwie aber in Europa die Rei- ger ihre gewissen Oerter und Winckel in den Hoͤltzern haben, die ihnen zur Zu- flucht dienen, woselbst sie sich versamm- len, zur Ruhe begeben, sich aufhalten und ihr Geschlechte vermehren; eben also haben auch diese Voͤgel eine kleine Jnsel bey Guadalupa, eine geraume Zeit zur Wohnung eingehabt, dahin alle Fregatten daherum zusammen ge- kommen, die Nacht uͤber allda zu ru- hen, oder bey bequemen Wetter zu ni- sten. Diese kleine Jnsel wurde das Fregatten Jnselgen genennet, fuͤhret auch diesen Namen annoch, obgleich die Voͤgel den Ort geaͤndert: denn im Jahr 1643. und 1644. wurden sie dermassen heftig gejaget, daß sie aus Noth diese Jnsel verlassen musten. Der P. Tertre ein Predigermoͤnch, von der Bruͤderschafft des Heiligen Ludwigs, und Apostolischer Mißiona- rius nach den Antillen Jnseln, ließ sich durch die vortheilhaften Reden, die man ihm von dem Oele, das aus den Fregatten koͤnte gezogen werden, bewe- gen, und sie das letzte mahl jagen, be- kam ihrer auch durch Huͤlffe drey oder vier Personen, in weniger als zwey Stunden Zeit, uͤber hundert Stuͤck. Die grossen ertappten sie auf den Ae- sten, oder auf dem Neste, denn weil sie grosse Muͤhe haben, bis sie recht in Flug kommen, hatten diese Leute Zeit sie mit ihren Pikenlangen Stangen zwischen die Fittige zu schmeissen, da sie dann stracks, wie halb tod blieben. Es ent- flohe kein eintziger, der sich nicht zuvor gebrochen, und zwey oder drey halb verdauete Fische, als wie Haͤringe, von sich gegeben haͤtte: und dieses zwar, wie er vermuthete, darum, damit sie desto behender davon fliehen moͤchten. Das Oel oder das Schmaltz von die- Fregatten- schmaltz. sen Voͤgeln ist ein vollkommen gutes Mittel wieder das Huͤftweh, und alle andere Zufaͤlle, die von Erkaͤltung ent- stehen. Es wird in gantz Jndien da- von, als von einer unschaͤtzbaren Sa- che, groß Wesen gemacht. Das ein und zwantzigste Capitel. Von Vogelnestern. D Je Vogelnester, welche die Siam- mer vor etlichen Jahren mit nach Franckreich brachten, sind der Spei- chel oder Auswurff gewisser Voͤgel, Eisvoͤgel genannt, welche in Franck- reich/ sonderlich in der Normandie, gantz gemeine. Die Frantzoͤsischen Eisvoͤgel halten sich fleißig an der See und um die Moraste auf, haben die Groͤsse einer Schwalbe oder Wach- tel: Hauptbeschreibung zweyter Theil. tel: Federn und Schnabel sind vielfar- bicht, gruͤn, roth und blau. Diese Voͤ- gel haben allerhand Namen, z. E. Al- Siehe Fig. 354. cyon-Martinet, Martinet pescheur, S. Martinsvogel, oder auch Drapier. Sie bauen ihre Nester gemeiniglich ins Schilff, oder auf die Felsen. Wann die Jndianischen Eisvoͤgel, vor- nehmlich an der Kuͤste des Koͤnigreichs Cambaya, sich begatten, lassen sie einen weissen Schaum aus dem Schnabel ge- hen, aus welchem sie ihr Nest, in Groͤsse eines Theeschaͤlgens, machen, darein ihre Eyer legen und die Jungen aus- hecken. Diese Nester sind weiß, und etwas gelblicht, fest und trucken, und haben keinen sonderlichen Geschmack, sondern schmecken fast wie Nudeln. Die Chineser sind dermassen auf die- se Vogelnester verliebt, daß schier un- glaublich ist, was fuͤr eine Menge der- selben nach Peking, der Hauptstadt in China, gebracht wird, woselbst das Hundert insgemein 50. Tahers gilt, das ist nach unsrer Muͤntze 600. Pfund oder 200. Thaler. Sie legen ihnen treffliche Eigenschafften zu, denn ausser dem, daß sie dieselben stets zum verspei- sen brauchen, und mit Gefluͤgel und Jngber kochen lassen, so achten sie sie auch gut fuͤr die Magenkranckheiten, und denen, die uͤber Mattigkeit klagen, dienlich. Vor diesem waren uns diese Nester unbekannt, und man glaubte, sie waͤ- ren aus dem Schaume des Meeres er- bauet: seit dem sie aber die Siammer zu uns gebracht, sind sie ziemlich ge- mein worden. Sonst sind auch noch einige andere Stuͤck von Vogeln, die wir verkauffen, und einen nicht geringen Handel damit fuͤhren, denn da sind die Schwanenfe- dern und Kielen, die Federn und Siehe Fig. 355. Siehe Fig. 356. Pflaumfedern von Gaͤnsen, und an- derm Gefluͤgel, welche wir aus Gasco- gne, Normandie und der Landschafft Nivers bringen lassen: ingleichen Schwalbensteine, dann diese Voͤgel Schwalben- stein. Siehe Fig. 357. vornehmlich des Sommers in Franck- reich sehr gemeine seyn. Diese Stei- ne braucht man als wie die kleinen Krebssteine, wenn einem ein Staͤublein oder sonst etwas ins Auge gefallen. Das zwey und zwantzigste Capitel. Von den Spanischen Fliegen. D Je Cantharides sind Fliegen, welche die Bauersleute um Paris herum zu uns bringen, und sich haͤuffig auf den Eschenbaͤumen, Rosenstoͤcken und Siehe Fig. 358. dem Getraide befinden. Diese Fliegen haben gruͤne glaͤntzende Fluͤgel, die we- gen der schoͤnen lasurblauen Farbe, welche unter dem goldgelben hervor- sticht, gar schoͤn anzusehen, dagegen aber sind sie sehr giftig und stincken Jtalienische Cantharides. heftig. Jn Jtalien giebt es eine Art dicker Spanischer Fliegen, so aber in Franckreich nicht gebraͤuchlich sind. Man muß die Spanischen Fliegen erwehlen, welche frisch, trucken und fein gantz sind, dann so bald sie zwey oder drey Jahr alt werden, verzehren sie sich in sich selbst und werden zu eitel Staube. Die Spanischen Fliegen werden aͤusserlich gebrauchet, denn sie sind ein starckes Vesicatorium und Mittel zum Blasenziehen: daher sie auch die Apo- thecker zum Grundstuͤcke desjenigen Pflasters machen, welches zum Bla- senziehen gebrauchet wird. Die Schmiede brauchen sie gleichfalls sehr offte, zur Raude und andern Kranck- heiten der Pferde, dazu sie trefflich die- nen. Allein sie sind eines von den staͤrcksten Giften, und soll der innerli- che Gebrauch durchaus verboten seyn, denn man darff denen nicht trauen, welche vorgeben, daß sie auch innerlich koͤnten gebrauchet werden, wenn nur die Fluͤgel, der Kopf und die Beine da- von gethan wuͤrden. Deswegen sol- ten sie auch die Spezereyhaͤndler und Apothecker nicht einem ieden, und den sie nicht wohl kennen, verkauffen; oder aber, sie muͤssen gewiß wissen, daß sie nur aͤusserlich gebrauchet werden. So sollen sie auch besorget seyn, und, zu Fol- ge des koͤniglichen Befehls, sich von den Kaͤuffern, eben als wie wegen ande- rer Gifte, die in diesem Buche sollen bemercket werden, Zettel oder Scheine geben lassen. L l 2 Das Der Spezereyen und Materialien Das drey und zwantzigste Capitel. Von denen Bienen. Siehe Fig. 359. D Je Bienen oder Honigfliegen sind kleine Thierlein, deren Natur und Klugheit eben so verwunderbarlich, als noͤthig ihre Arbeit ist; denn sie geben uns Honig und Wachs, mit denen wir eine starcke Handlung treiben. Die- weil ich aber niemahlen selbst Bienen gehalten, so habe mich auf einen guten Freund verlassen muͤssen, welcher viel Jahre lang damit umgangen, und ge- handelt hat, der dann belieben gehabt mir alles, was er nur dabey beobach- ten koͤnnen, zu geben, auf daß ich es mit demjenigen, was die Scribenten davon gemeldet, conferi ren und vergleichen moͤchte. Einige unter denen Naturkuͤndigern geben vor, daß die Bienen ihren Ur- sprung von todten Loͤwen und Ochsen naͤhmen, und daß an statt der Wuͤrme, welche aus denen Coͤrpern der andern Thiere zu wachsen pflegen, aus denen Coͤrpern der Loͤwen und Ochsen Bie- nen herfuͤr kaͤmen. Allein diese Geburt oder Ursprung scheinet mir um so viel mehr von der Wahrheit entfernet zu seyn, weil eine gewisse Person dasjenige/ was der Poet Virgilius im IV. Buch vom Ackerbau davon geschrieben, auf die Probe ge- stellet und nichts dergleichen gefunden. Der gantze Handel steht in einem ge- druckten Buͤchlein, welches einem Dorffpriester zugeschrieben wird, wel- cher allda am 14. Blat also redet. Mir bedunckte, der Virgilius sey ein Autor, der Ansehens genug haͤtte, ei- ne, allem Vermuthen nach, nicht so gar unglaubliche Sache zu bestaͤtigen, und verdiente noch wohl, daß ich sie auf sein Wort, auf die Probe fuͤhrete. Jch that solches auch, zu allem Ungluͤck, und gedachte nicht anders, oder ich wuͤr- de das gantze Dorff inficir en und anste- cken. Denn ich ließ einen jungen Stier, bina cornua ferens, der zwey Hoͤrner hat- te, todschlagen, und demselben, bis er starb, viel tausend Streiche mit Pruͤ- geln geben. An statt des Begraͤbnuͤs- ses ward er zerstuͤcket, samt seinen bey- den Hoͤrnern in ein hoͤltzern Vaß gele- get, welches vier Loͤcher hatte, nach de- nen vier Winden, damit die vielen Millionen Bienen, nach des Virgilius Worten, heraus kriechen koͤnten. Der Koͤnig entspriesset aus dem Magen, und die faulen Bienen (Afterbienen oder Threnen,) aus dem untern Leibe. Die Koͤnige bekriegen einander zu Was- ser und zu Lande, stellen ihre Kriegs- heere in Schlachtordnung, beschencken die Obersten und Hauptleute, straffen die nachlaͤßigen, lassen sie durch die Ru- then lauffen, die Diebe lassen sie wip- pen: und was dergleichen Possen mehr sind, welche ihrer viel geglaͤubet haben, und noch feste darauf verbleiben. Al- lein, an statt, daß etliche tausend Bie- nenschwaͤrme aus dem Leibe dieses Thiers herfuͤr kommen solten, krochen eine gantz unzehliche Menge dicker Wuͤrme herfuͤr, und entstund ein sol- cher heftiger Gestanck, daß ich vermein- te, er wuͤrde die gantze Gegend vergif- ten, denn er war dermassen heftig, daß iederman glaubete, das Land wuͤrde von der Pestilentz angegriffen werden. Dieses sind also zwey ziemlich wie- drige Meinungen, welche zu entschei- den ich viel zu unvermoͤgend bin: will derowegen viel lieber eine und andere Anmerckungen, welche sich auf die taͤgli- che Erfahrung gruͤnden, allhier anfuͤh- ren Diejenigen aber, welche mehꝛ davon zu wissen begehren, koͤnnen den Grenade lesen, oder auch das Buͤchlein, das ob- gedachter Dorffpriester verfertiget hat, oder ein ander kleines Buͤchlein, das erst kuͤrtzlich zu Paris heraus gekom- men, und also heißt: Tractaͤtlein von Bienen, worinne beschrieben stehet, auf was fuͤr Art und Weise man die Bienen warten soll, und was dabey in Acht zu nehmen, auch wie man, durch Sammlung des Honigs und des Wach- ses, einen grossen Gewinn davon ziehen solle. Anmerckungen von den Bienen, welche mir eine gewisse Person mitgetheilet. Die Erzielung derer Bienen hat das- jenige zu ihrem Anfange, woraus sie gezeuget werden, und eine Gattung ei- nes kleinen weissen Sames ist, welcher unten TAB. LVIII. Hauptbeschreibung zweyter Theil. unten an dem Boden der kleinen Haͤus- lein oder Kelchlein derer Honigkuchen lieget, die sie in denen Bienenkoͤrben oder Stoͤcken machen und bauen, und allezeit am Boden der Stoͤcke anheben, da wo die Handhabe feste gemachet ist. Dieser Same wird vermittelst der na- tuͤrlichen Waͤrme derer Bienen dicke, und zu einem weissen Wurm, der zu Anfang seiner Bildung in keinem eini- gen Stuͤcke einer Fliege gleichet; wenn aber ein Monat vorbey, wird er als wie eine Fliege, behaͤlt dennoch die Far- be des Wurms annoch, bis er nach und nach die rechte Gestalt uͤberkommt, schwartz wird, und aus seinem Haͤus- lein herfuͤrkriecht. Und also hebt sich die Erzielung der Bienen an, so viel ich abmercken koͤnnen, vom Hornung an bis zu Ende des Octobers, dergestalt, daß wann die Stoͤcke bey guter und be- qvemer Witterung angefuͤllet worden, sie im May oder im Junius schwaͤr- men; doch die im Maymonat ge- schwaͤrmet haben, werden hoͤher gehal- ten, als die spaten, denn die Zeit ist da- zumahl anmuthiger und die Hitze nicht so groß, dahingegen die im Junius ge- schwaͤrmet, nicht sowohl fortkommen koͤnnen, indem sie gemeiniglich die groͤ- ste Hitze und Duͤrre uͤberfaͤllt, sie auch offtmahls nicht Zeug genug finden koͤn- nen, sich damit zu verwahren, oder mit sattsamen Vorrath auf einen langen Winter zu versehen. Von ihrer Arbeit. Habe ich durch gantz sonderbare Bemuͤhung und ungewoͤhnlichen Fleiß nachfolgendes beobachtet: denn ich viel Zeit, ja gantze Stunden des Tages uͤber bey denen Bienenkoͤrben zugebracht, damit ich meine Begierde vergnuͤgen, und sie arbeiten sehen moͤchte; wozu ich etliche hoͤltzerne Stoͤcke, mit glaͤser- nen Leisten, gebrauchet. Wann dann der Winter zu Ende ge- het, und es wird gelinde, wie zuweilen geschicht, und die Luft beginnet sich von der groͤsten Kaͤlte zu reinigen, etwa um den Horuung, so kriechen sie aus denen Stoͤcken herfuͤr, ziehen zu Felde, und bringen allerley Wachs, weißlichtes, gelblichtes, citronengelbes und roͤthlich- tes: dieses haͤnget als wie Linsen an ih- ren hintersten Fuͤßgen, von dem sie sich, sobald sie in ihr Gehaͤuse kommen, aufs sorgfaͤltigste entledigen, und ihre Zel- len und Bruthaͤuslein davon bauen. Diese bauen sie sechseckigt, und machen sie noch duͤnner, als den feinst- oder zar- testen Talck, und beynahe auch also durchsichtig. Und dieses sind die Loͤch- lein, oder Hoͤhlen, darein sie den Sa- men legen, aus welchen die Bienen werden, und mit Honig angefuͤllet sind, wenn die jungen Bienen ausgekrochen, und sie also ledig worden. Die Bienen nehmen das Wachs von allen Blumen, ausgenommen von Ro- sen, Pomerantzenbluͤhe, Erbsen und Tausendschoͤn. Sie bringen auch eine Art purperfarbichtes Wachs, welches eben so gut siegelt, als wie das weiche Wachs, das wir zum siegeln auf Holtz oder zu Gerichtssiegeln gebrauchen: mit diesem Wachse verkleiben sie die Loͤ- cher, die in denen geflochtenen Koͤrben sind, verstopfen die Fugen an denen hoͤltzernen Stoͤcken; dergleichen ich mich bediene, und die von zwey Stuͤ- cken gemachet sind; damit kein Licht hineinfalle. Sie koͤnnen diese zwey Stuͤcke mit ihrem purperfarbenen Wachse (Vorstoß, Stopfwachs) der- massen feste verstreichen, daß sie so feste halten, als ob sie von Menschenhaͤnden waͤren verkuͤttet worden. Dieses Wachs hat einen viel staͤrckern und gantz andern Geruch, als das, welches geschmoltzen und zu Kuchen gemachet ist. Von der Art und Weise, wie sie das Honig bereiten, auch von der Zeit, die zu ihrer Erndte am fuͤrtraͤglich- sten ist. Die bequemste Zeit im Jahre, den Honig zusammlen, ist der Monat April und May. Sobald demnach der Tag anbricht, und es ist schoͤn und heiter Wetter, fliegen sie, die Bienen/ aus, ins Feld, den Thau, der in selbiger Zeit haͤuffiger faͤllt, weder im gantzen Jah- re, einzusammlen: sie kehren/ so ge- schwinde ihnen nur moͤglich, wiederum zuruͤcke nach ihren Stoͤcken, damit sie den Thau, den sie von den Kraͤutern des Feldes eingesogen und abgelecket, und in ihrem Leibe haben, in obbeschrie- bene Loͤchlein oder Kelchlein wieder von sich geben moͤgen, und zwar auf die Art, L l 3 als Der Spezereyen und Materialien als wie die Tauben ihre Jungen fuͤt- tern. Wenn sie nun ein Loͤchlein mit dem Thaue angefuͤllet, verstopfen und versiegeln sie es gleichsam mit einem gantz zarten waͤchsenen Haͤutlein, auf- daß nichts herauslauffe und verderbe. Zu dem Ende des Junius und Ju- lius, wenn der Thau nicht mehr so haͤuf- fig faͤllt, als wie im April und May, faͤllt doch noch bisweilen des Morgens etwas Thau, den diese Bienen eben als wie den andern einzusammlen nicht we- niger bemuͤhet sind. Es geschiehet aber auch oftmahls (wiewohl zum Schaden des Korns und anderer Feld- fruͤchte) daß gewisse kleine Reiffe und Regen fallen, welche sich an die Nuß- baͤume und das Getraide legen, und dieselben verderben, denen Bienen ie- dennoch zu ihrem sammlen und Honig- machen gar dienlich sind. Wann auch gleich ihre Erndtezeit vorbey ist, lassen sie doch nicht ab zu arbeiten, indem sie Wachs eintragen, welches sie von aller- hand Blumen, davon aber obgemeldete ausgeschlossen sind, einsammlen. Merckwuͤrdig ists, daß wenn sie schwaͤrmen, und die Jungen, aus wel- chen der Schwarm bestehet, nur aus dem Stocke sind, dieselben gleichsam ei- ne schwartze Wolcke von Fliegen vor- stellen, welche dann diese oder jene Ge- stalt bekommt, nachdem naͤmlich die Bienen auf einen Hauffen, wie ein streitendes Kriegsheer herausziehen. Sie hencken sich zusammen, und folgen der vornehmsten unter ihnen, welche laͤnger ist, als die andern, und iederzeit gar kurtze, nicht so gar lange Fluͤgel hat, wie die andern, und roͤthlicht siehet. Wann sie diese verliehren, werden sie irre, und dieser Zufall bringet den Ei- genthumsherrn kurtz drauf in Verlust. Sobald der Schwarm herausgeflogen, hencken sie sich insgemein in den Schat- ten eines Astes, als anderswo an: da muß man sie dann, alsbald sie sich nur gesetzet/ aufs behendeste zuruͤck bringen, und in einen Stock fassen, auf daß sie nicht durchgehen; denn wo man sie un- eingefasset laͤßt, bis die Sonne auf sie scheinet, werden sie munter und fliegen davon: wann sie aber in dem Stocke sind, ist es besser, daß man ihn aus der Sonne setze, damit das frische Wachs von der Sonnenhitze nicht zerschmel- tze. Es dienet ferner zu mercken, daß ihr Wachs gantzer drey Jahr, zu Erzie- lung der jungen Bienen gut und taug- lich bleibe. So kan man auch das Al- ter des Wachses an der Farbe stracks erkennen, im ersten Jahre ist es weiß- licht, im andern wird es gelb, und im dritten braun. Wird es aͤlter, so wird es schwartz, unfruchtbar und untaug- lich; die Bienen legen auch weder Brut noch Honig drein. Auch ist nichts ungereimtes, wenn man unter den Stock, der geschwaͤrmet hat, andere Stoͤcke stellet, und weisse Taffeln, von Gyps, denn diese Farbe fuͤr andern mercklich. Jch habe mich doch nicht so wohl dabey befunden, als wenn ich Breter drunter gelegt. Jch habe Bienen gehabt, die ich vom Ende des Winters, bis es wiederum schoͤn Wetterworden, fuͤttern muͤssen, weil sie nicht genug Honig zu ihrer Zeh- rung eingetragen: Dieselben aber fun- den sich hernachmahls besser, denn die andern. Je dicker der Schwarm, ie eher wird der Stock voll Wachs und Honig, ist auch um ein gut Theil besser, und giebt im folgenden Jahre fruͤhzei- tig. Weil es auch faule Bienen giebet, so werden dieselben von den staͤrckern und arbeitsamern, gegen den Winter ausgetrieben oder getoͤdtet. Jm October hoͤren sie auf Brut zu setzen, und heben nicht ehe wieder an, als bis auch die Erde aufs neue beginnt zu treiben, und Laub und Gras hervor- bringt, welches im Februar zu gesche- hen pflegt. Oben habe ich gedacht, daß ich Stoͤ- cke haͤtte von zwey Stuͤcken zusammen- gesetzt: diese sind wie ein Vaͤßlein oder Zuckerhut formiret, und in der Mitten entzwey geschnitten; damit nun die Bienen nicht sterben, muß man sie alle Jahr zeideln, und dieses Jahr den einen Theil hinweg nehmen, im folgenden den andern, nachdem sie voll sind, und an statt der vollen ledige hinstellen, da- mit die Bienen darinne arbeiten koͤn- nen: und dieses heißt man zeideln oder schneiden. Bisweilen triffts zu: wie ich sie dann unterschiedene mahl zwey- mahl Hauptbeschreibung zweyter Theil. mahl geschnitten, und an die Stelle der beyden vollen Theile zwey ledige hinge- setzt, so auch gut angangen: wiewohl es gar selten in dieser Gegend angehet, alldieweil sie zu trucken ist. Denn die Bienen sind gewißlich gerne um das Wasser, und waͤssrichte Oerter, weil sie viel Wasser zum Wachsmachen ge- brauchen. Einsmahls war ich mit vielen guten Freunden bey einem koͤniglichen Be- dienten, der in seinem Garten zu Argen- teuil Bienen hatte, und in demselben war ein Teich: nach diesem flogen sie unaufhoͤrlich, und trugen Wasser in ih- re Stoͤcke. Jch befragte ihn deswe- gen und was seine Gedancken davon waͤren, da sagte er zu mir, daß dieses eine Sache waͤre, die er allezeit in Acht genommen, seit dem er Bienen gehal- ten. Es muß auch kein Raum, oder ledi- ge Loͤcher, weder unten noch oben, in den Stoͤcken gelassen werden, sonst kriechen die Schmetterlinge oder Zwey- falter, die im Julius und August erzie- let werden, hinein, legen ihre Eyergen darein, und erzeugen dicke, kurtze, har- te Wuͤrme, welche ein Gewebe, wie Spinnengewebe, spinnen, und die Ge- wercke zusammenhaͤngen, und den Brand drein bringen: alsdann gehen kaum zwey oder drey Tage vorbey, so verlassen die Bienen den Stock, und weichen daraus, wenn sie ihn vorher gantz ausgeleeret. Diese Wuͤrme, ob ihrer gleich noch so wenig waͤren, ver- mehren sich doch dergestalt, daß in we- niger als fuͤnff oder sechs Tage Zeit, man keine Untze Wachs, das die Bie- nen zusammen getragen, daraus be- kommen kan, sondern die Wuͤrme legen ihre Eyer, und formiren die harten Schalen darinne, welche dann nebst dem Gespinste, das sie darinne gespon- nen, lauter Klumpen in dem Stocke machen. Weiter ist auch zu mercken, daß es unter den Bienen Muͤßiggaͤnger ge- be, welche entweder gar nicht, oder doch selten zu Felde ziehen, auch schier nie- mahlen des Vormittages, sondern nur um vier Uhr aus dem Stocke kommen: hingegen verzehren sie, was die andern gesammlet, und die guten Bienen toͤd- ten diese Faullentzer, soviel sie nur koͤn- nen, im August. Diese sind viel schwaͤr- tzer und dicker, denn die andern, haben keinen Stachel, damit sie stechen koͤnten, sondern, wenn man sie hinten druͤckt, erscheinen zwey kleine Hoͤrnlein, wie durchsichtige Haͤutlein, welche zu aͤus- serst gelb sind. Jn Polen und Moßkau bauen die Bienen in die Stoͤcke der alten Baͤu- me, daher diese Voͤlcker, ohne den gros- sen Nutzen, den sie von den Bienen ziehen, indem sie sich fast eintzig und al- lein vom Honig erhalten muͤssen, auch noch diesen Vortheil haben, daß sich die Bienen selbst, und ohne Handanlegung, warten, welches aber bey unsern nicht angehet. Es erzehlet Muͤnster und Guyon eine wunderbare Geschichte. Ein Bauer war in dem Moßkowitischen Walde in einen solchen Baum, in wel- chen die Bienen Honig getragen, und er das Wachs gesuchet, gefallen: da er nun nicht konte herauskommen, weil die Hoͤle des Baumes zu tieff und zu weit, kommt ein Baͤr, aus GOttes Schickung, dahin, sich an dem Jmmen- honig zu ersaͤttigen; der Bauer aber ergreifft das Thier bey dem einen Hin- terfusse, und wird dergestalt der Ge- fahr, in diesem Baume umzukommen, entrissen. Das vier und zwantzigste Capitel. Vom Honig. J N Franckreich bekommt man drey- erley Honig zu sehen, den wir von unterschiedenen Orten bringen lassen, als erstlich den weissen, der ohne Feuer aus dem Wachse gezogen worden, und von etlichen Jungferhonig genennet wird, theils, weil er von ihm selbst her- aus fleußt, theils aber, weil er aus dem jaͤhrigen und gantz frischen Honigfla- den gezogen worden ist. Wann man nun dieses Honig haben will, sodann zerschneidet oder zerbricht man die Ge- wercke, oder legt sie auf Flechten von Weiden, die uͤber ein sauber irden oder hoͤltzern Gefaͤß gelegt sind: der Honig, der herabrinnet, ist trefflich koͤstlich, sieht hell Der Spezereyen und Materialien hell und weiß, gestehet in weniger Zeit, und wird hart und koͤrnicht. Die an- dere Sorte wird aus allerley Gewuͤrcke oder Roos gemacht, das man in einen Sack von Bindfaden stecket, wenn es vorher wohl abgeputzet worden, und vermittelst einer Presse ein weisses Ho- nig heraus treibet, welches aber von dem erstern gantz und gar unterschieden ist, weil es nicht allein nicht so weiß ist, sondern auch nicht so lieblich schmecket. Das dritte ist gelb, und wird aus alle dem uͤbrigen Noos gezogen, welches man mit ein wenig Wasser in einem Kessel uͤbers Feuer gestellet hat: drauf schuͤttet man es in einen Sack, und presset es aus; was heraus laufft, ist ein gelbes Honig, welches schoͤner oder ge- ringer ist, nachdem es wenig Hitze be- kommen, denn wo es zu heiß worden, sieht es nicht so schoͤn gelb, sondern braungelb, und riecht haͤßlich. Auch sagt man, der Honig sey nicht so gar gut und schoͤn, wann zu viel Wasser drun- ter gegossen worden. Der schoͤnste Honig, und der am meisten geachtet wird, kommt aus Languedoc, und ist weiß, insonderheit der von Corbiere/ einem kleinen Dorf- fe, drey Meilen disseits Narbonne/ welches der Ort ist, da der schoͤnste Ho- Weisser Ho- nig von Nar- bonne. nig herkommt, der insgemein Honig von Narbonne genennet wird, so aber falsch ist, indem man in Narbonne nicht einmahl weiß, was Honig von Narbonne seyn soll, wohl aber von Corbiere: doch dieser Zuname ist ihm deswegen gegeben worden, weil Nar- bonne eine grosse Stadt und besser be- kannt ist, als Corbiere, welches nur ein Doͤrfflein. Der gerechte Honig von Corbiere oder Narbonne, wann er seyn soll, wie sichs gebuͤhret, muß frisch und neu seyn, dicke, koͤrnicht, und dem Royal-Zucker gantz und gar gleich, eines suͤssen und et- was beissenden Geschmacks, und eines lieblichen gewuͤrtzhaften Geruchs. Nach diesem kommt der von andern Or- Weisser Ho- nig aus Pro- vence. ten in Languedoc und Provence, ist aber gar sehr von dem von Corbiere unterschieden, sowohl, weil er niemahls so sehr weiß ist, als auch, weil er nie so lieblich schmeckt, auch nicht den Ros- maringeruch hat, er muͤste ihn denn durch Kunst bekommen haben, welches gar ofte zu geschehen pflegt, und an der Menge der Rosmarinbluͤten mag er- kennet werden, welche in dem weissen Honig aus Provence und Langue- doc gemischet worden sind: wie ich dann selbsten solche Tonnen gesehen, in denen, am Boden, ein Klumpen sol- cher Blumen, wie ein Ey dicke gelegen, welche ausdruͤcklich deswegen darein geleget waren, damit der Honig diesen Geruch und Geschmack uͤberkommen, und fuͤr rechten Honig von Corbiere oder Narbonne durchgehen moͤchte. Der dritte und letzte ist der weisse Ho- nig/ der innerhalb 20. bis 30. Meilen um Paris herum faͤllt, und den Na- men Landhonig bekommen hat. Zu- Weisser Land- Honig. weilen trifft man ihn so vollkommen gut an, daß er dem von Corbier, ausser dem Geruch und Geschmack, nicht im geringsten weichet: welches auch gar wohl zu glauben ist, alldieweil der Ge- schmack und Geruch des Honiges blos von der Guͤte der Blumen, davon sich die Biene ernaͤhret, herruͤhret. Da nun Languedoc und Provence warme Landschafften sind, und folglich voller wuͤrtzhafter Blumen und Kraͤuter, als da ist, Thymian, Rosmarin, Stoͤchas und andere, so muß nothwendig auch der Honig viel besser seyn, und einen angenehmen Geruch haben: dahero wird er auch weit mehr gesucht, und vornehmlich zu Brusttraͤncken genom- men. Wiewohl der Landhonig eben auch dazu gebrauchet wird, desgleichen zu andern Sachen und Confituren, an statt des Zuckers, oder wird in der Fa- stenzeit verspeiset. Was den gelben Honig betrifft, da Gelber Honig aus Cham- pagne. ist der beste, den man zu Paris siehet, und der am meisten verlanget wird, der aus Champagne kommt, und muß, wenn er recht gut seyn soll, frisch, und weder zu dicke noch zu duͤnne seyn, gold- gelbe, fein koͤrnicht, und nicht voll Wachs, welcher Fehler von der uͤbeln Zubereitung entstehet: wenn im uͤbri- gen der Geruch gut ist, und der Honig gewiß aus Champagne, wird er viel eher verkaufft, und ist weit besser, als alle die andern Sorten, die wir hier und daher kommen lassen, z. E. aus Touraine/ Picardie, und sonderlich aus Hauptbeschreibung zweyter Theil. aus der Normandie welcher stinckend und roͤthlicht ist, auch nicht wohl mag verkauffet werden, ob er schon mehr purgiret, als alle die andern Arten. Der Honig aus der Normandie ist gar leichtlich zu erkennen, so wohl an der Farbe, und Geruch, als auch, daß er ge- meiniglich in Fett-Toͤpfen gebracht wird, die wir Talevanes, ingleichen Buttertoͤpfe zu nennen pflegen, weil wir die Butter von Jsigny in der Nor- mandie gelegen, in solchen Toͤpfen brin- gen lassen. Dieses Honig dienet fuͤr die Apothecker zu ihrem Honig und Saͤfften, z. E. zum Veilgensaft, See- blumensaft, und andern. Der Gebrauch des gelben Honigs ist dermassen gemeine, absonderlich zu Paris, daß wohl niemand zu finden, dem seine Kraft und Wirckung unbe- kannt, deswegen ich auch nichts davon gedencken, iedennoch aber sagen will, daß so bekannt auch der Gebrauch des- selben sey, so wenig wisse man ihn recht anzuwenden: denn die meisten, die den Honig schmeltzen, schaͤumen ihn so lan- ge, als er Blasen wirfft, welches man dennoch nicht thun solte, weil er bis auf den letzten Tropfen schaumet; sondern man muß ihn nur zergehen, oder ein- mahl aufwallen lassen, hernach vom Feuer abheben, und wenn er halb und halb erkaltet, durch ein Tuch giessen, und dann gebrauchen. Er wird, ausser dem ordentlichen Gebrauch, von den Spezereyhaͤndlern zu dem so genann- ten Spezerey- oder Zuckerbrod gebrau- chet, dessen in Franckreich sehr viel ver- than wird, sonderlich aber zu Rheims, woselbst das beste gemacht wird, weil der Honig in Champagne besser ist, sie auch Spezereyen, Pfeffer und andere mehr, darunter thun, wie ingleichen Citron- und Pomerantzenschalen, und uͤberstreuen es hernach mit denen gantz kleinen Zuckerkoͤrnern, Nompareilles ge- nannt. Uber diß distilliren wir auch aus dem Honig ein Wasser, Geist, und Oel, Honigwasser, Spiritus und Oel. welche alle mit einander die Haare wachsen machen, und die Flecken des Gesichts vertreiben sollen. Dem wohl- rectificirten Honigspiritus wird die Kraft das Gold und Bley aufzuloͤsen beygeleget. Aus dem Honig, welcher verjohren, kan man auch Eßig machen: allein, weil er gar wenig gebrauchet wird, deshalben will ich niemand ra- then, sich damit zu verwirren, sowohl als wie mit dem Oel und Saltze vom Honig, denn er giebt uͤberaus wenig. Das fuͤnff und zwantzigste Capitel. Vom gelben Wachs. W Jr fuͤhren auch noch uͤberdiß einen starcken Handel mit weissen und gelben Wachse. Das erste Wachs/ das man bekommt, ist das gelbe, und wird also gemacht: man nimmt das, was man von den Flechten und aus den Saͤcken, die unter der Presse ge- legen, genommen hat, und thut es in grosse Kessel, mit soviel Wasser, als da- zu genug ist; wann dann alles zergan- gen ist, laͤßt mans durch ein Tuch lauf- fen, und legt dieses auch hernach noch unter die Presse, damit alles Wachs herauskomme. Wann das Wachs alles herausgelauffen, sich gesetzet hat, und annoch warm ist, nimmt man den Schaum mit einem angefeuchteten Zie- gelsteine oder einem Stuͤcke Holtz ab. Das abgeschaumte und erkaltete Wachs wird aus den Geschirren, in die es geschuͤttet worden, damit es zu Kuchen oder Scheiben werde, heraus- genommen, und wenn sich, wie oft- mahls geschicht, Bodensatz daran befin- det, wird solcher mit einem Messer oder absonderlich hierzu verfertigtem Jn- strumente herunter geschnitten. Be- vor aber das heisse Wachs in die For- men geschuͤttet wird, welche von Holtz, Kupfer oder einem andern Metalle ge- macht seyn moͤgen, so muß man sie mit Honig, oder Baum- und Nußoͤl bestrei- chen, oder auch mit Wasser, damit das Wachs nicht daran hangen bleibe. Jh- rer etliche brauchen zu besserer Reini- gung des Wachses roͤmischen oder an- dern Vitriol, ich aber habe nichts bes- sers ersinnen moͤgen, als daß man es wohl schmeltze und reinige. Was wir Wachs heissen, ist eigent- lich zu reden, dasjenige, das den Honig in den Stoͤcken enthaͤlt, und auf den M m Flech- Der Spezereyen und Materialien Flechten und in den Saͤcken zuruͤcke bleibet, wenn man, als schon gedacht, das Honig heraus ziehet. Polen/ die Barbarey/ Bretagne, Champagne, und andere Gegenden in Franckreich versehen uns haͤuffig mit gelben Wachse, doch liegt nichts dran, von was Orten es auch komme, wenn es nur, wie sichs gebuͤhret, recht gut beschaffen, und nichts drunter ge- than worden ist: wiewohl das Dan- tziger Wachs/ das aus Bretagne und Champagne, fuͤr das beste gehal- ten wird. Man soll aber das gelbe Wachs erwehlen, welches hoch an der Farbe, von gutem Geruch, und leicht- lich zu zerbrechen ist, auch nicht an den Zaͤhnen behangen bleibet: desgleichen muß man Acht haben, daß nicht zuviel Wust am Boden sey, das ist, es soll recht wohl gereiniget seyn, und oben wie unten sehen: nicht weniger mag man zuschauen, absonderlich, wenn es dicke Wachsscheiben sind, als wie die Dantziger, daß kein Wasser, oder Stei- ne, oder Erde in der Mitten stecke. Kurtz: es muß so seyn, wie es von Na- tur ist, weder mit Hartz, Galipot oder Pech vermischet, noch auch mit Terra merita oder Roucou angefaͤrbet. Das gelbe Wachs dienet zu vieler- ley, zu Wachskertzen, duͤnnem Zug und zu andern Sachen mehr. Es wird auch starck zur Artzney gebraucht, denn es den Pflastern und Salben ihre gebuͤhrende Dicke giebet. Desgleichen wird es von vielen Handwercksleuten zu allerhand Sachen, dazu sie es noͤthig haben, gebrauchet. Nichtweniger wer- den die Pergamente damit besiegelt, auf welchen Privilegia und Freyheiten, oder andere dergleichen Dinge geschrie- ben stehen. Doch wollen etliche, das gelbe Wachs schicke sich durchaus nicht zur Artzney. Aus dem gelben Wachs wird vermit- telst Erde, Bolus und andern derglei- chen Dingen, die keinen Geschmack ha- ben, oder auch mit eichener Asche, ein Wachsoͤl oder Butter. weisses dickes Oel heruͤber getrieben, welches gantz und gar wie Butter sie- het, und deswegen auch den Namen Wachsbutter bekommen hat: dassel- be aber muß weiß sehen, und wie Wachs riechen. Aus dieser Wachs- butter, wenn sie mit gestossenem Bo- lus oder Kalch incorporiret worden ist, wird aus einer glaͤsernen Retorte, in Sand gestellt, ein klares und helles Oel, wie Wasser, gezogen, welches einen an- genehmen Geruch hat. Die Butter und das Oel vom Wachse sollen gut zu denen Frostbeulen seyn, insonderheit, wenn sie aufgesprungen; wie auch zu andern dergleichen Kranckheiten mehr. Was in dem leinenen Sacke, wenn das Wachs ausgepresset worden, zu- ruͤcke bleibt, und anders nichts als tode Bienen und anderer Unflat ist, das brauchen die Schmiede sehr starck, und wird von uns Marc des mouches, Bienen- drester, genennet. Jn den Bienenstoͤcken befindet sich auch noch eine Gattung rothes Wachses, welches von etlichen Jung- feꝛnwachs, Propolis, Voꝛstoß Stopf- wachs/ Bienenhartz genennet wird, und ist dasselbige Wachs, damit die Jm- men die Ritzen und Loͤcher in den Stoͤcken zu verkuͤtten und zu verstopfen pflegen, damit keine Luft dadurch gehe: iemehr nun Loͤcher und Spalten in ei- nem Stocke sind, iemehr wird auch sol- ches Stopfwachs daran zu befinden Propolis Stopfwachs. seyn. Dieses Wachs wurde vor diesem sehr gebrauchet, anietzo aber weiß man schier nicht mehr, was es ist, ob es gleich ein herrliches remedium ist fuͤr die Zu- faͤlle der Nerven. Vom weissen Wachs. Das weisse Wachs wird von dem gelben bereitet, wenn dasselbe geschmol- tzen und im Wasser gekoͤrnet, oder zu kleinen Broͤcklein gemachet worden ist. Hernach wird es auf Tuͤcher, welche an Jn Langue- doc wird das Wachs nicht gekoͤrnet, son- dern sie ma- chen es uͤber- aus duͤnne, und in Ge- stalt der Zu- ckerhuͤte, die sie hernach- mahls an die Sonne stel- len, und oft mit frischen Wasser be- spritzen, da- mit sie nicht von der hefti- gen Soñenhi- tze zerfliessen. Haken aufgehencket sind, geleget, und Tag und Nacht, vom April an, bis zu Ende des Octobers an der freyen Luft gelassen. Wobey zu mercken, daß das Wachs, wenn es zwey oder drey Tage auf den Tuͤchern gelegen hat, zu drey oder viermahlen wieder umgeschmol- tzen wird, nachdem es schoͤn Wetter ist, und es viel Thau giebet, die Sonne auch heiß scheinet. Wann es dann recht weiß worden, wird es abermahls in grossen Kesseln geschmoltzen, und dar- auf mit einem sonderlich dazu verfertig- ten Gefaͤß von weissen Bleche ausge- gossen, Hauptbeschreibung zweyter Theil. gossen, das heißt so viel, es wird auf eine Tafel geschuͤttet, in welcher ein Hauf- fen runde Loͤcher sind, in Form der klei- nen runden weissen Wachsscheiben, darein vorher frisch Wasser gegossen worden, damit das Wachs nicht an dem Holtze behangen bleibe. Nach diesem wird es abermahls noch ein Paar Tage und Naͤchte auf die Tuͤcher geleget, da- mit es noch durchscheinender und tru- cken werde. Das Wachs aus Bretagne laͤßt sich am allerbesten und am fuͤglichsten bleichen. Wenn es denn recht schoͤne weiß ist, als wie insgemein das von Chateau-Gontier, einer Stadt, acht Meilen von Angers gelegen, woselbst, wie man sagt, die beste Bleiche in gantz Franckreich seyn soll, und ist, so muß es schoͤn weiß, hell und durchsichtig seyn, feine dicke Scheiben, die, wenn man sie zerbricht, nicht garstig schmecken, noch an den Zaͤhnen bekleben bleiben: denn sodann ist es mit nichts nicht vermi- schet. Von diesem schoͤnen Wachse werden auch schoͤne Sachen gemacht, Kertzen, duͤnner Zug, Fackeln, Bilder und an- dere dergleichen Wachsarbeit. Man mag sich aber auch vorsehen, daß es kein verlegenes weisses Wachs sey, welches wieder angerichtet und umgeschmoltzen, indessen aber stets mit einem Spatel umgeruͤhret, und darauf ins Wasser geschuͤttet, und zu Scheiben gemachet worden ist. Doch kan man solches gar leichtlich erkennen, weil die- ses also zugerichtete Wachs niemahls recht helle, sondern allezeit matt siehet, auch so bald es geschmoltzen und verar- beitet worden, zur Stunde so gelb als Urin wird. Dieses wiederfaͤhrt dem andern nicht; Dieses ist auch die Ursa- che, warum einige Kauffleute das weis- se Wachs wohlfeiler geben, denn die andern. Unterschiede- ne Sorten weiß Wachs. Nach dem Wachse von Chateau Gontier folgt das von Angers, drit- tens, das von Mans/ und viertens, das Hollaͤndische, welches wir gemei- niglich in Kisten zu vier bis fuͤnff Cent- nern schwer, bekommen, darunter das vornehmste ist, welches wir koͤniglich Wachs aus Holland zu heissen pfle- gen: die fuͤnffte Gattung ist das von Amboise, die sechste von Chaumont, nahe bey Troyes, die siebende und letz- te ist das von Rouan/ alldieweil sie gar zuviel Schmaltz unter das weisse Wachs thun: denn es ist besser oder schlechter, nachdem sie naͤmlich mehr oder weniger Bockunschlit oder Ziegen- und Schoͤp- senfett darunter gemenget. Jm uͤbri- gen giebt es sehr wenig Orte, an denen nicht allerhand Arten weiß Wachs be- reitet wuͤrde, ausgenommen zu Anjou/ daher es auch am theuersten ist, und nur zu schoͤner Arbeit dienlich gehalten wird. Nicht allein aber muß man trachten schoͤn Wachs zu haben, sondern man soll auch zusehen, daß die Dachte in den Kertzen und Wachslichtern von reiner Baumwolle; die aber zu dem gezogenen Wachse, das man in Buͤch- sen thut, oder aufwindet, von Garn von Guibray, zum Venedischen Wachs- stock aus Coͤllnischen Garn oder auch von Garn von Guibray, und zu den Wachslampen von Cotton gemachet seyn: den die zu denen letzteren von Gar- ne bereitet werden, brennen nicht lange, sondern loͤschen bald aus. Die Wachs- fackeln, es seyen nun weisse oder gelbe, sollen weisse Dachte haben, denn sie sind viel besser, auch ehender zu ver- kauffen. Wir machen auch noch uͤber- diß Schneiderlichtlein, welche die Schneider zum verwaͤchsen gebrau- chen. Uber alle diese Sachen, die aus dem weissen Wachse gemachet und bereitet werden, lassen wir es auch noch schmel- tzen, und machen es vermittelst eines Feimloͤffels oder einer Handvoll Ru- then, in kaltem Wasser, zu gantz kleinen Koͤrnern, und pflegen es hernachmahls granuliret oder gekoͤrnet Wachs zu Gekoͤrnet oder granu- liret Wachs. nennen. Dieses Wachs dienet zu nichts anders, denn zu Pomaden und Schmincke fuͤrs Frauenzimmer, wenn Wallrath, Borrax, Venedischer Talck und andere dergleichen Dinge darunter geruͤhret werden. Das allermeiste granirte Wachs, das wir verkauffen, ist auch allhier ge- macht, indem der wenige Gebrauch nicht lohnet, daß man es anderswoher bringen lasse. M m 2 Vom Der Spezereyen und Materialien Vom weichen roth- und gruͤnen Wachse. Das weiche rothe Wachs wird von weissem Wachs und gewaschenen Terpentin, unter einander geschmol- tzen, bereitet, und mit Vermeillon oder Orcanette angefaͤrbet. Es muß aber eine geziemende Consistentz haben, schoͤn roth und sauber zubereitet seyn, soll es anders die gebuͤhrende Beschaffenheit haben. Die Commissarien und Be- amten brauchen es zum siegeln. Das gruͤne Wachs wird eben auf diese Art zugerichtet, nur daß es mit Gruͤnspan gefaͤrbet ist. Es wird zu den Huͤneraugen oder Leichdornen ge- brauchet: es brauchens auch die Land- leute, als wie das rothe, und machen die Spitzen und Enden der Kertzen und Fackeln damit gruͤn und roth. Wachs zum waͤchsen. Wir machen auch Wachs, die Feder- betten damit zu waͤchsen, von weissen oder gelben Wachse, mit Terpentin ge- schmoltzen, oder mit weichen Peche, das hernach in gewissen blechernen Foꝛmen, wie ein Becher gestalt, zu Kuchen gefor- met wird. Die Tapetenmacher brau- chen es. Zu dem so verkauffen wir noch einen Hauffen andere Wachsarbeit, Bilder, Fruͤchte, und so fort an, von allerhand Farben; solches alles aber ist gut oder schlecht, nachdem naͤmlich der Wachs- bereiter ein ehrlicher Mann und guter Arbeiter ist. Vom Jndianischen schwartzen Wachs. Es giebt an vielen Orten in Ost- und West-Jndien kleine Bienen, welche ihre Stoͤcke in die holen Baͤume bauen, gleichwie in der Figur zu ersehen. Sie Siehe Fig. 359. machen aber ihr Honig in kleinen Haͤuslein von schwartzem Wachse, in der Groͤsse und Gestalt der Taubeneyer. Das Honig ist sehr lieblich, und hat eine Farbe wie der Ambra. Das Wachs brauchen die Jndianer zu Kertzen, und den Balsam von Tolu von dem Bau- me damit aufzufangen, gleichwie ich bereits oben berichtet habe. Einige Scribenten vermelden, daß es ein Thier gebe, welches wie eine Katze gestalt sey, und von den Jndianern Heirat oder das Honigthier genen- net werde: dasselbe steige mehrmahls auf diese Baͤume, und fresse allen Ho- nig auf. Das wunderbareste aber sey, daß zwar das Thier die Honigkuchen mit seinen Pfoten heraus ziehe, den Bienen aber kein Leid zufuͤge, die ihm dagegen gleichfalls nichts zu leide thun, weil sie keinen Stachel haben, als wie die unsern. Dieses Wachs war vor diesem in Spanien uͤberaus im Gebrauch, auch einiger massen in Franckreich: anietzo aber weiß man nicht mehr, was es ist, denn es ist eine der raresten Speze- reyen. Das sechs und zwantzigste Capitel. Vom grauen Ambra. D Er Amber ist die koͤstlichste und al- lertheuerste Waare, die wir in Franckreich haben, zugleich aber auch eine Spezerey, die am wenigsten be- kannt ist, um deren Ursprung man sich heftig gezancket. Denn so ich alles vorbringen wolte, was die Scribenten davon geschrieben, haͤtte ich Materie genug ein gantzes Buch davon zu ver- fertigen. Allein, damit ich niemand nicht Unrecht thun moͤge, auch nicht wiederhohlen duͤrffe, was so viele Auto- res aufgezeichnet, als will ich sagen, daß der Ambra/ den wir von sehr vielen Orten kommen lassen, und insonderheit von Lissabon/ nichts anders sey, als ein Klumpen Gewircke der Bienen, welcher von den Steinklippen herab ins Meergefallen, oder auch durch die Gewalt der Wellen und des Windes, oder sonst auf eine an- dere Art herabgerissen worden. Dieses honigvolle Gewircke wird in der See, entweder durch die Eigenschafft des Seewassers, oder durch die Kraft der Sonne, fliessend und schwimmend gemacht, welches sich denn gar oft zu- traͤgt. Viel werden sich verwundern, daß ich vorgeben duͤrffen, der Ambra, des- sen Natur bis ietzo so gar wenig be- kannt, sey nichts anders als Wachs: allein, Hauptbeschreibung zweyter Theil. allein, ich wuͤrde solches wohl nicht ge- than haben, wann mich nicht ein gu- ter Freund versichert haͤtte, daß er ein Stuͤcke gesehen, welches zur Helfte Ambra, zur Helfte aber Wachs gewe- sen. So bekraͤftiget auch dieses mein Vorgeben der Herr Monconnys, Lieutenant General zu Lyon, welcher in seiner Reisbeschreibung gedencket, wie daß er in England vernommen, der Ambra sey Honig und Wachs, welches die Bienen in Jndien, am Ge- stade des Meeres, an die Steinklippen legten. Wann nun diese Honiggewer- cke von der Sonne zerschmeltzeten, loͤse- ten sie sich ab, und fielen in die See, wel- che sie alsdann durch ihr stetes bewegen vollend vollkommen machte. Auch habe man ein grosses Stuͤcke Amber entzwey gebrochen, welches seine gaͤntz- liche Vollkommenheit noch nicht muste bekommen haben, und mitten in dem- selben das Gewircke zusammt dem Ho- nig annoch beysammen angetroffen. Zu mehrerer Beglaubigung darff man nur den Ambra mit dem spiritu vini tar- tarisato aufloͤsen, so bleibt endlich eine dem Honig gleichende Materie uͤbrig. Damit ich aber noch ferner erwei- sen moͤge, daß der Ambra nichts an- ders seyn koͤnne, als Wachs, weil er zu- weilen in so grosser Quantitaͤt und Schwere gefunden wird, nicht zwar als wie Stuͤcken zu 300. Pfunden schwer, doch aber zu dreyßig und vier- tzig Pfunden, so will ich auch anfuͤhren, was der Herr Tavernier im II. Buch seiner Reisbeschreibung am 145. Blat, nachfolgender massen davon vermel- det. Man weiß noch nicht recht, wie oder wo er formiret und bereitet werde: doch scheinets, daß es nirgend anders, denn in der Ostsee geschehe, ob er gleich iezuweilen bey England und andern Kuͤsten in unsern Europa auch gefun- den worden. Die groͤste Menge findet sich auf der Kuͤste von Melinda/ son- derlich am Munde der Fluͤsse, und unter diesen vornehmlich am Munde des Flusses di Sena. Wann der Gou- verneur von Mosambiqve zu Ende der drey Jahre, da sich seine Verwal- tung geendiget, nach Goa zuruͤcke kommt, bringt er gemeiniglich fuͤr 300000. Pardos grauen Amber mit. Pardos ist eine Muͤntze, welche 20. Sols oder 8. Groschen gilt. Jm Jahr 1627. fuhr ein Portugesisch Schiff von Goa nach den Manillen- Jnseln: als es aber durch die Enge bey Malacca kommen, wurde es von ei- nem Sturme uͤberfallen, welcher etliche Tag und Naͤchte anhielt: der Himmel war stets bedecket, und dem Steuer- mann unmoͤglich die Hoͤhe zu nehmen. Jndessen begunte der Reiß und andere Eßwaaren zu fehlen, da berathschlag- ten sie, ob sie die in dem Schiffe befind- lichen Schwartzen wolten in die See schmeissen, und also das Proviant fuͤr die weissen Leute aufbehalten, welches sie auch bey nahe vollstrecket haͤtten, als eines Morgens sich ihnen die Sonne zeigete, und eine Jnsel entdeckete, der sie nahe genug waren, und dennoch erst des andern Tages dabey vor Ancker kommen kunten, dieweil die See hoch gieng, und der Wind ihnen zu wider war. Auf diesem Schiffe war ein Frantzos, Namens Morin Renau, samt seinem Bruder, welche, da sie zu Lande waren, einen Fluß fanden, bey dessen Munde sie nebst zweyen Portu- gifischen Corporalen und einem Ser- geanten baden wolten. Von diesen beyden Corporalen ersahe der eine im baden, einen grossen Klumpen, nahe am Strande schwimmen, welchen er fuͤr ein Stuͤck von einem schwammich- ten Steine hielte, nachdem er sich dazu gemacht, ließ ihn also ohn bedencken fahren, wie ingleichen seine vier Came- raden, welche ihn ebenfalls besehen und betastet, und doch nicht gewust, was es seyn moͤchte. Als aber dieser Corpo- ral wiederum aufs Schiff gekommen, dachte er die gantze Nacht an den Klum- pen, dessen Beschaffenheit er nicht er- gruͤnden koͤnnen, und, da er vom Am- bra schwatzen hoͤren, kam ihm ein, es koͤnte wohl ein Stuͤck desselben seyn, fand sich auch darinne nicht betrogen. Denn des Tages drauf nahm er einen Sack, ließ sich ohnbewust seiner Came- raden ans Land setzen, und gieng nach dem Fluß, als ob er sich noch einmahl baden wolte, fand das Stuͤcke Ambra und brachte es gantz heimlich ins Schiff, allwo er es in eine Kiste legte. Doch konte er sich nicht enthalten, die Sache noch denselben Abend dem Morin Re- M m 3 nau Der Spezereyen und Materialien nau zu vertrauen, welcher anfangs nicht glauben wolte, daß es ein Stuͤck Ambra waͤre: nachdem er es aber wohl betrachtet, glaubte er endlich selbst, daß der Corporal nicht unrecht haͤtte. Die- ser bote dem Morin, auf gerathe wohl, das Stuͤcke Amber vor zwey Chinesische Goldklumpen an, deren iedes 600. Pfund oder 200. Thaler unserer Muͤn- tze betraͤget; allein Morin war hals- starrig, und wolte ihm nicht mehr denn eines davor geben, dannenhero ließ es der andere auch gut seyn, und behielt also das Stuͤck in seinem Kasten. We- nig Tage drauf, es sey nun, daß Morin aus Verdruß, daß er das Stuͤck Ambra fuͤr dasjenige, was er dafuͤr geboten, nicht haben koͤnnen, sich etwas mochte davon haben verlauten lassen, oder daß die Sache auf andere Weise ausgekom- men, breitete sich das Geschrey auf dem gantzen Schiffe aus, der Corporal haͤt- te ein ziemlich grosses Stuͤck Ambra in seiner Kisten, welches er ohngefehr in einem Flusse derselben Jnsel gefunden, als die Portugisen dabey vor Ancker ge- legen, derowegen wolten die Soldaten und Bootsleute ihren Theil auch da- von haben. Morin Renaud, von ei- ner kleinen Nachgier getrieben, hetzte sie immer weiter an, und unterrichtete sie, wie sie es angreiffen muͤsten. Sie sagten demnach zu dem Corporal, weil sie alle seine Spiesgesellen waͤren und einerley Gefahr unterworffen, so waͤre auch billich, daß sie gleichfalls alle mit einander an denenjenigen Guͤtern, die ihnen das Gluͤcke zuschantzete, Theil haͤtten, da zumahl er nicht der eintzige waͤre, und dieses Stuͤcke Ambra alleine entdecket, muͤste derowegen dasselbe un- ter alle im Schiffe ausgetheilet wer- den. Der Corporal verthaidigte sich seines theils bestmoͤglichst, und weil sich etliche fanden, die seine Seite hielten, in Hoffnung, es wuͤrde groͤssere Stuͤcken setzen, wenn ihrer weniger dazu waͤren, so kamen sie mit Worten immer hefti- ger zusammen, daß es sich schon zum Aufstand anließ, als der Capitain des Schiffes denselben im Augenblick durch seinen guten Verstand zu stillen wuste. Denn er stellete den Soldaten und Matrosen vor, weil dieses Stuͤcke Am- bra, welches er in ihrer Gegenwart waͤgen ließ, und 33. Pfund schwer be- funden ward, ein sonderbares rares Stuͤck, und wohl werth, daß selbiges dem Koͤnige uͤberreichet wuͤrde, als waͤ- re es schade, wenn es in so einen Hauf- fen kleiner Stuͤcklein solte zerbrochen werden: sie wuͤrden besser zukommen, wenn es bis nach Goa aufbehalten wuͤrde, daselbst werde es der Vice-Roy, dem es koͤnte praͤsentiret werden, ohn- fehlbar reichlich bezahlen, und derge- stalt koͤnte ein ieder wohl etwas meh- rers bekommen. Dieser des Capitains ausgesonnener Vorschlag wurde von allen beliebet, und sie verfolgten ihre Reise nach den Manillen Jnseln; nach ihrer Ruͤckkunft aber ward das Stuͤcke Ambra dem Vice-Roy uͤberbracht. Diesem hatte der Capitain bereits vor- her berichtet, was vorgegangen, und sie redeten mit einander ab, wie sie den Ambra uͤberkommen moͤchten, ohne daß es dem Vice-Roy das geringste ko- stete. Derowegen wurde denenjenigen, die es dem Vice-Roy im Namen der Soldaten und Matrosen uͤberbracht, dafuͤr gedancket, und der Vice-Roy sagte wieder sie, daß er ihnen wegen ei- nes so trefflichen Geschenckes hohen Danck wuͤste, und wuͤrde selbiges dem Koͤnige uͤbersenden, welches dazumahl Philippus IV. ware, dem Portugall annoch unterthaͤnig war. Also fehle- ten alle und iede, die an dem grauen Amberstuͤcke wolten Theil haben, in ihrer Hoffnung, denn sie weder von dem Stadthalter, noch von dem Koͤnige das geringste empfiengen. Jch will auch noch nur mit wenig Worten eines andern Stuͤck Ambers gedencken, welches 44. Pfund gewogen. Dasselbe fand ein Seelaͤnder, der aus einem der besten Geschlechte zu Middel- burg entsprossen, und von wegen der Hollaͤndischen Compagnie auf der Jn- sel Mauritius/ welche ostwerts der Jnsel Laurentius commandirte, im Jahr 1646. oder 1647. in der Rivir, und uͤbersendete es der Compagnie. Wie aber diese Leute immerzu ihre Fein- de haben, sich auch ein Zeichen an dem Amber befand, als ob ein Stuͤck davon gebrochen, so wurde der Commandeur beschuldiget, als haͤtte er die Helfte da- von genommen, deshalben er sich aber zu Hauptbeschreibung zweyter Theil. zu Batavia rechtfertigte. Allein weil der Verdacht in denen meisten Gemuͤ- thern verbliebe, und der Commandeur sahe, daß man ihm keine andere Char- ge geben wolte, reisete er mit eben dem- selben Schiff, darauf ich (Tavernier) mich befande, wieder zuruͤck nach See- land. Dem sey nun wie ihm wolle, den Am- ber/ welchen einige orientalisches Suc- cinum nennen, soll man erwehlen, wenn es feine schoͤne Stuͤcken sind, aussenher grau, inwendig aber grau mit schwar- tzen Tuͤpfeln bezeichnet, eines angeneh- men, lieblichen und recht aromatischen Geruchs: dagegen soll man denjenigen verwerffen, welcher weichlich, unflaͤtig, inwendig und auswendig verschim- melt und mit einer Rinde uͤberzogen ist, Die eigentti- che Ursache/ und warum sich zu weilen Papageyen- schnaͤbel dar- inne befin- den, ist, daß diese Voͤgel so gar verleckert darauf sind. auch voll Papageyen Schnaͤbel steckt, welche zu der Zeit, da sie sich mausen, und der Amber noch weich ist, darein gerathen; oder der sonst voll liederlich Zeug ist, dergleichen sich nur gar zu of- te darunter befindet. Der graue Amber dient fuͤr die Parfumirer, und viel andere Leute, die sich seiner, um des guten Geruchs wil- len bedienen. Er hat zwar auch einigen Nutzen in der Artzney; allein, weil sein Geruch den Weibspersonen zu wieder ist, dan- nenhero wird er sehr wenig gebrau- chet. Weil demnach der graue Amber eine so uͤberaus theure Waare ist, dero- wegen moͤgen diejenigen, die dessen ei- ne gute Parthey einkauffen, sich in Acht nehmen, daß nichts anders drunter ge- menget, oder aber er wohl gar nachge- machet sey. Amberessentz. Aus dem Amber ziehet man mit Weingeist, Mosch und ein klein wenig Zibet, eine sehr starckriechende Essentz, derer man sich, eben als wie des Am- bers, zu vielerley bedienet, sonderlich aber die Zuckerbecker, Parfumirer, und andere dergleichen mehr. Die aufrichtige Amberessentz muß von recht gutem Amber bereitet wor- den seyn. Die aus Holland und Por- tugall kommt, wird hoͤher geachtet, als die, welche in Franckreich gemacht wird, weil sie viel angenehmer ist, in- dem gar wenig Bisam und Zibet dazu gethan wird, sie auch nicht so sehr nach Branntwein riecht. Wir verkauffen auch, ohne den grau- en Amber, noch eine Sorte, weisser Weisser Am- ber. Amber genannt, welcher allein von Standespersonen gebrauchet, und zu Erquickung des Hertzens, auch zur Er- setzung der natuͤrlichen Waͤrme in einer Suppe genommen wird. Es giebt ingleichen noch eine dritte Art Ambra, welche eben so schwartz als Schwartzer Amber oder Fuchsamber. wie das fluͤßige Ladanum siehet, und von etlichen den Namen Fuchsamber bekommen hat, weil er ihrem Vorge- ben nach, diese Farbe daher uͤberkom- men haben soll, weil er einige Zeit in dem Magen gewisser Fische gelegen, die ihn hernachmahls wieder von sich gege- ben: welches ich aber nicht versichern kan, dieweil ichs nicht gesehen. Der schwartze Amber wird iezu- weilen von den Parfumirern gebrau- chet, denn er nicht allein einen liebli- chen Geruch hat, sondern auch ein gut Theil wohlfeiler ist als der graue. Diese drey Sorten des Ambers fin- den sich uͤberalle an dem Seestrand, doch koͤmmt die groͤste Menge aus dem Archipelago, indem durch die Erdbeben, den dieselbige Gegend unterworffen ist, alle Bienenstoͤcke von den Felsen herab in die See gestuͤrtzet werden. Wann man den Amber, Bisam und Zibet gebrauchen will, muß man ihn klein reiben und ein wenig Zucker drun- ter mengen. Uber diese drey Sorten Amber, da- von ich ietzt gehandelt, naͤmlich, schwartz, weiß und grau; giebt es auch noch die vierte, welches insgemein kleine runde Ballen sind, und von uns Ambra von Bayonne genennet werden. Allein, weil er gemeiniglich nachgemachet ist, deshalben muß man ihn entzweyschnei- den, und zusehen, ob er auch inwendig vollkommen gut sey, und dem grauen, von dem vorher gesaget worden, an Guͤ- te gleich komme. Das Der Spezereyen und Materialien Das sieben und zwantzigste Capitel. Von Schlangen oder Nattern. Siehe Fig. 360. D Je Natter ist ein Geschlechte der Schlangen, die sich in Franckreich in gar grosser Menge finden, sonderlich aber in Poictou/ von daher wir fast alle Vipern/ die wir zu Paris verkauf- fen, kommen lassen. So sehr sich iederman ehedessen vor diesen Thieren scheuete, so gemeine sind sie anietzo, indem es wenig vornehme Personen giebet, die sie nicht, als ein herrliches Gerichte und gantz besonde- res Mittel wieder allerhand Gebrechen genuͤssen solten, inmassen aus dem Bu- che des Herren Charras/ das er davon geschrieben, zu ersehen ist, denn er in demselben alles angemercket und ver- meldet hat, was nur von diesen Thie- ren kan erinnert werden; zu diesem kan der Leser seine Zuflucht nehmen. Jch aber will nur dieses sagen, daß man naͤmlich diejenigen Vipern erwehlen solle, welche dicke, munter, und erst kuͤrtzlich gefangen sind, auch daß man besorget seyn muͤsse, sie an solche Orte zu stellen, die weder zu kalt, noch zu warm sind, denn gar zu grosse Kaͤlte und allzuheftige Hitze ihnen sehr zu wi- der. Auch muß man sie nach ihrer An- kunft fein balde aus der Kiste nehmen, und die todten davon thun, derer sich gar oftmahls etliche drunter befinden. Drauf muß man sie in ein mit Kleyen oder Moos erfuͤlltes Vaß thun, nicht zwar, als ob es ihnen, wie etliche waͤh- nen, zur Nahrung dienen solte; denn sobald sie gefangen sind, essen sie nichts mehr, sondern leben blos von der Luft, zum oͤftern sechs Monate. Jngleichen mag man mercken, daß man sie nicht beym Schwantze fassen muͤsse, oder, wenn mans noch besser machen will, mit einer Zange; denn sobald sich die- ses Thier gedruͤckt fuͤhlet, beisset es in al- les, was ihm vorkommt: weil nun ihr Biß uͤber die massen gefaͤhrlich ist, ja gar toͤdlich, deshalben hat man sich wohl in Acht zu nehmen. Auch muß man sie an solche Oerter stellen, dahin nie- mand nicht kommt, als der mit ihnen umzugehen weiß; und Acht haben, daß sie nicht aus dem Kasten kriechen; denn wenn diese Thiere in ein Haus gerathen solten, wuͤrde man, ohne die Muͤhe sie wieder zu finden, sonst auch noch in grosse Gefahr gerathen, absonderlich wo Kinder sind. Wir lassen auch getreugte Vipern Getreugte Vipern. Siehe Fig. 361. aus Poictou bringen, welche, wenn sie, wie sichs gebuͤhret, beschaffen seyn sollen, schwer muͤssen seyn, dicke, lang, fein frisch, und erst neulich getoͤdtet: sonst verzehren sie die Wuͤrme gar bald, nachdem sie sind getoͤdtet worden, der- gestalt, daß nichts nicht davon uͤbrig bleibet, als die Graͤte. Auch gebe man Achtung, daß bey einem ieden Buͤnd- lein, darinne gemeiniglich ein Dutzt sind, das Hertz zusamt der Leber, weil Siehe Fig. 362. es die besten Theile dieser Thiere, sich befinden: am Gewichte muͤssen sie drey und eine halbe Untze halten, denn vier Untzen schwer findet man sie selten. Es muͤssen gleichfalls keine selbstgestor- bene drunter seyn, welches gar leicht zu mercken, alldieweil sie viel schwaͤrtzer sind. Es wollen etliche vorgeben, daß es Leute gebe, die an statt der Vipern, Ottern verkaufften: doch vermag ich dieses nicht zu bejahen, weil ich es zu Poitiers niemahls gesehen. Wir lassen auch sehr viel Vipernpul- Vipernpul- ver. ver kommen: allein, wer dessen benoͤ- thiget ist, mag sich nicht an den wohlfei- len Preiß kehren, denn es fast keine ei- nige Materie giebet, die mehr verfaͤl- schet wird. Darum soll man es bey rechtschaffenen Leuten kauffen, oder selbst machen, welches gantz leichte ist, indem es nur von getrockneten Vipern, in denen Hertz und Leber befindlich, und welche zu Pulver gestossen, und durch ein zartes Sieb gestaͤubet werden, be- reitet wird. Die trucknen und gestossenen Vipeꝛn werden von etlichen Thierbezoar ge- Thierbezoar. nennet, weil, ihrem Vorgeben nach, dieses Pulver, bevoraus, wenn das Hertz und die Leber darunter gemischet worden sind, eben so viel Kraft hat, als der Bezoar von demjenigen Thiere, davon ich oben gehandelt. Wir bekommen auch von Poitiers Fluͤchtiges u. figirtes Saltz, das fluͤchtige und figirte Saltz von Vi- pern; Hauptbeschreibung zweyter Theil. Schmaltz und Oel von Vipern. pern, das Schmaltz, und ein roͤthlich- tes Oel, vermittelst einer Retorte ge- macht, deren Kraft und Tugend, eine nach der andern, in dem Buche, das Charras davon geschrieben hat, erse- hen koͤnnen werden. Wann man verwehren will, daß die getreugten Vipern, samt ihren Hertz und Lebern nicht sollen von den Wuͤr- men gefressen werden, darff man sie nur mit Quecksilber oder Wermuth in wohlverwahrte Gefaͤsse legen. Uber alle diese obermeldte und von den Vipern bereitete Sachen lassen wir auch noch aus Jtalien/ absonder- Vipernkuͤch- lein von Pa- dua. Siehe Fig. 363. und 364. lich von Padua, desgleichen von Montpellier ein compositum und aus vielen zusammen gesetztes Stuͤcke brin- gen, welches von Vipernpulver, oder von Vipern gemachet worden, so man mit Dille in Wasser gesotten, und her- nach mit Diptamwurtz oder Brod- krume, zu Pulver gestossen. Daraus werden mit Mußkatoͤle oder Jndia- nischen oder Peruanischen Balsam gantz duͤnne zarte Taͤflein gemacht, in der Groͤsse eines XXX. Sols oder halben Thalers, denen man den Namen tro- chisci oder pastilli de Viperis, Viperu- Die Vipern- kuͤchlein von Padua sind gelb, die von Montpel- lier aber schwartz, weil jene mit Muß- katenoͤle, diese dagegen mit Peruviani- schem Valsam bereitet wer- den. kuͤchlein/ gegeben. Diese verkauffen wir an die Apothecker, oder andere Leu- te, welche Theriac machen wollen, die- weil sie eines der vornehmsten Stuͤcke dazu sind. Wenn diese Kuͤchlein der Gebuͤhr nach beschaffen seyn sollen, muͤssen sie frisch und getreulich zuberei- tet seyn: iedoch sollen diejenigen, wel- che mit der Diptamwurtz bereitet sind, denen, die mit Brodkrume gemacht worden, von rechtswegen vorgezogen werden, ob solches schon wider die Mei- nung der Alten laͤufft. Das acht und zwantzigste Capitel. Vom Theriac. D Er Theriac wird von den aus- erlesensten Spezereyen zusammen gesetzet, welche praͤpariret, pulverisiret, und mit Honig zu einem Opiat, oder feuchten und weichen Lattwerge gema- chet werden, allermassen aus nachfol- genden wird zu ersehen seyn. Der Theriac hat seinen Namen von den Vipern bekommen, welche die Griechen Θήρια, theria, zu nennen pfle- gen, und ist vom Andromachus dem aͤltern, der aus Candien gebuͤrtig, und des Nero Leibartzt war, zusammen ge- setzet worden. Die Venetianer haben seit etlich hundert Jahren her den Ruhm erhal- ten, daß sie alleine die rechte Art und Weise den Theriac zu machen haͤtten: iedennoch aber richten vorietzo die Apo- thecker zu Montpellier desselben eine so grosse Menge zu, daß man in Paris gantze Faͤsser voll Theriac zu sehen be- kommt, welcher dermassen wohlfeil hin- gegeben wird, daß ein Pfund weisses Honiges mehr kostet, als dieser so ge- nannte Theriac. Waͤre mir nun er- laubet, alle die Betruͤgereyen, die bey der Bereitung dieses antidoti und Gift- artzney vorgehen, offenbar zu machen, bin ich versichert, daß die Obrigkeit nicht unterlassen duͤrffte solchem Mißbrauch zu steuern, so wohl was den Theriac betrifft, der zu Beaucaire, Guibray und auf andern Jahrmaͤrckten ver- kauffet wird, als auch, den man zu Pa- ris das Pfund um 18. Sols verkauffet. Und dennoch haben die Veꝛkauffer gros- sen Profit dabey, indem es nichts an- ders ist, als zerlassener gelber Honig, in welchen sie einen Hauffen haͤßliche, ver- faulte, verdorbene, und von Wuͤrmen zerfressene Wurtzeln geruͤhret. Auf daß er sich aber desto besser verkauffen lasse, derowegen bekleiben sie die irdene Geschirre mit einem Papier, darauf ein Paar Vipern stehen, die einen mit Lilien gekroͤnten Kreis machen, welcher diesen Titel beschliesset und umgiebt, feiner Venedischer Theriac, ob er gleich zu Orleans oder zu Paris ver- fertigt worden ist. Den Theriac von Montpellier be- langend, von dem kan ich versichern, als der ihn selbst etliche mahl allda be- reitet, daß er mit allem nur moͤglichen Fleisse gemachet sey. Allein, weil die- se Waare muß auf die Maͤrckte gefuͤh- ret werden, woselbst das Pfund um acht oder zehen Sols gegeben wird, und der- jenige, der ihn bereitet, ersiehet, daß ihm das Pfund auf 38. bis 40. Sols zu stehen kommt, die geringern Unko- N n sten Der Spezereyen und Materialien sten ungerechnet, wie auch die lange Zeit, die zu diesem Wercke gehoͤret, so unterlaͤßt er nicht den Theriac mit einer ziemlichen Menge gekochten Honig zu vermischen; daß also diejenigen, wel- che vermeinen, sie haͤtten sechs Pfund Theriac, nicht mehr als eines haben. Dergleichen Theriacs fabricitantẽ wer- den von rechtschaffenen Apotheckern, zum Schimpf und aus Possen, Mu- stardirer oder Mustardhaͤndler genen- net. Von dem Venedischen Theriac kan ich nichts nicht melden, weil ich nicht ei- gentlich weiß, wie er aus ihren Haͤnden kommt. Damit einer aber nicht moͤge betrogen werden, deshalben kan er sich desjenigen Theriacs gebrauchen, wel- chen unterschiedliche wackere Leute zu Paris recht wohl und gluͤcklich berei- tet haben, als da ist, der aͤltere Herr Charras, der Herr Geoffroy/ Jos- son/ Bouldouc und Rouviere, wel- chen ich mit allem nur ersinnlichen Fleis- se habe machen sehen. So kan ich auch mit Wahrheit versichern, daß ich selbst im Mertzen des 1688sten Jahres eine nicht geringe Quantitaͤt desselbigen ver- fertiget habe, und dazu kein eintziges an- deres Stuͤcke genommen, als die schoͤnst- und feinsten Spezereyen, dergleichen man iemahls gesehen: zumahl, da es ohnediß ein Meisterstuͤcke seyn solte. Dieweil wir aber alle sterblich sind, so werden diejenigen, die ihn verkauffen, hier nechst bey die wahrhafte disposition finden, damit sie die rechte Zusammen- setzung erlernen, und ihn selbst nach den Regeln der Kunst bereiten moͤgen: wel- ches ich wohl nicht wuͤrde gethan ha- ben, wenn der Herr Charras in sei- nem kleinen Tractaͤtlein vom Theriac, und andere, die Namen auf Frantzoͤ- sisch hinzugesetzet. Gemeldtes Buͤch- lein fuͤhret diesen Titel: Beschreibung der Natur und Beschaffenheit der- jenigen Thiere, Kraͤuter und Mine- ralien/ welche zu dem Theriac des Andromachus genommen wer- den. Theriac des aͤltern Andro- machus. Nehmet Meerzwiebel kuͤchlein/ 12. Loth. Vipernkuͤchlein, Trochiscorum hedychroi, langen Pfeffer, praͤparirt Opium/ von iedem 6. Loth. rothe Rosenblaͤtter, Veilwurtz, Suͤßholtzsaft/ wilden Ruͤbsamen/ Jndianischen Balsam, feinen Zimmt, Lerchenschwamm, iedwedes, 3. Loth. auserlesene Myrrhen/ Arabischen Costus, Saffran Gatinois, Cassiæ ligneæ, Holtz Caßia/ Jndianischen Narden/ Blumen vom Cameelheu/ Weyrauchtropfen, weissen und schwartzen Pfeffer/ Cretischen Diptam, die Spitzen vom weissen Andorn/ orientalische Rhapontic, Arabisches Stoͤchaskraut, Macedonischen Petersilgensamen, Bergmuͤntze/ Terpentin aus Chio, Fuͤnffingerkrautwurtz, Jngber/ eines ieden anderthalb Loth. Berg Polium/ Schlafkraͤutlein/ Storaxtropfen/ Baͤrendill vom Gebirge Athamas aus Griechenland, traubichtes Amomum/ Baldrian, Celtischen Narden, gesiegelte Erde/ Gamanderlein/ Jndianische Blaͤtter, Chalcitis naturalis, Entzianwurtz, Anis, Hypocistis Saft, Opobalsami, Arabisches Gummi, Fenchel, kleine Cardamomen, Marsilischen Seselsamen/ Baurensenff- und Ammisamen, Johannes krautblumẽn/ wahrhaften Egyptischen Acacien oder Schotendornsaft, Serapintropfen, von iedem 1. Loth. Dantziger Bibergail, kleine Hauptbeschreibung zweyter Theil. kleine Osterluzey/ Cretischen Moͤhrensamen/ Judenpech, Tausendguͤldenkrautblumen/ Opopanax und Galbanum in Tropfen, eines ieden ein halb Loth. Narbonnischen Honig, dreymahl so schwer, als das Pulver ist, Spanischen Wein/ soviel als noͤthig. Meerzwiebelkuͤchlein. Mus von Meerzwiebeln, 24. Loth. Ervenmehl, 16. Loth. Vipernkuͤchlein. Vipernfleisch, mit Dille und Saltz in Wasser gekocht, und von den Graͤten gereiniget, 16. Loth. Truckne und durchgesiebte Brodkru- me, 5. Loth, oder: wie es Charras haben will: Diptamwurtzel an statt der Brod- krume. Trochisci Hedychroi. Nehmet Amberkraut, kleinen Majoran, Haselwurtz/ wahrhaften Callmus, grossen Baldrian/ Balsamholtz, Balsamfruͤchte, Zimmt, Arabischen Costus, von ieden 3. Quintl. auserlesene Myrrhen/ Jndianische Blaͤtter, Saffran Gatinois, Jndianischen Narden/ Holtz Caßia, iedes anderthalb Loth. traubichtes Amomum, drey Loth, Mastixtropfen/ 1. Quintlein, Spanischen Wein/ so viel als zum Tei- ge noͤthig ist. Die Art und Weise, wie diese dreyer- ley Kuͤchlein zu bereiten, findet man in allen Dispensatoriis, z. E. in der Pharma- copœa Parisina, Bauderoni, Charras, und andern mehr. Des Herrn Aquin Reformirter oder geaͤnderter Theriac. Nehmet Getreugte Vipern mit Hertz und Le- ber 24. Untzen. Meerzwiebelkuͤchlein, ausgezogenes Opium/ eines ieden 12. Untzen. Contrayerva/ und Virginianische Natterwurtz/ Angelicawurtzel/ grosse Baldrianwurtzel/ Baͤrendillwurtzel vom Griechischen Gebirge Athamas, Entzian, lange Osterluzey/ Costus/ Jndianischen und Celtischen Narden/ Zimmt, ausgepreßtes Mußkatenoͤl/ Saffran/ Cretischen Diptam, Jndianische Blaͤtter, Scordien, Bergmuͤntze/ Berg Polium mit gelben Blumen, Gamanderlein, Tausendguͤldenkraut- und Johannskrautblumen, Arabischen Stoͤchas, Amomumkoͤrner/ kleine Cordamomen, , Macedonischen Petersilgensamen/ Ammeysamen, Marsilischen Seselsamen/ auserlesene Myrrhen/ von ieden 8. Untzen. Storax/ Sagapenum in Tropfen, Opopanax in Tropfen, gereinigtes Bibergail, iedwedes 4. Untzen. Wachholderbeerensaft oder Wach- holdermus 72. Pfund. Malvasir, dritthalb Pfund, medici- nisch Gewichte. Ob nun gleich der Theriac des An- dromachus seit vielen hundert Jahren her, durchgehends gut befunden wor- den, auch noch heut bey Tage von einem und dem andern gut erachtet wird, so hat doch die uͤbergrosse Anzahl derer da- zu kommenden und dazu gehoͤrigen Stuͤcken, und die schlechte Kraft etli- cher unter denenselben, den Herrn Aquin, des Koͤnigs vornehmsten Medi- cum, dahin gebracht, daß er, was uͤber- fluͤßig war, davon gethan, und hinzu ge- N n 2 setzet, Der Spezereyen und Materialien setzet, was etwa mangeln moͤchte. Jch aber habe meiner Schuldigkeit zu seyn erachtet, diejenige Beschreibung hieher zu setzen, welche er dem Herrn Charras gegeben, damit er dieselbe seiner Koͤnig- lichen Galenischen Apotheckerkunst ein- verleiben moͤchte. Was die Kraͤfte und Eigenschaften des Theriacs betrift, bey denenselben will ich mich nicht aufhalten, weil es Autores genug giebet, die sie beschrei- ben, man auch die Menge solcher ge- druckter Zettel zu Paris siehet, welche von Venedig und von Montpellier kommen, auf den der Gebrauch dessel- ben beschrieben stehet: so giebt es auch Apothecker, welche, indem sie den The- riac verthun, dergleichen Zettel mit auszugeben pflegen. Jn unterschiedenen Dispensatoriis fin- Theriaca Dia- tessaron. det sich eine dritte Art Theriac, Diates- saron benamset, weil er von vier Stuͤ- cken zusammengesetzet ist, namentlich, von Entzian/ runder Osterluzey/ Lorbeern und Myrrhen/ welche mit einander zu Pulver gestossen, und her- nach mit weissem Honig und Wachhol- derbeerensafte vermischet, und zu einem Opiat oder feuchten Lattwerge gema- chet werden. Ob nun gleich dieser Theriac nur aus wenig Stuͤcken beste- het, auch wenig taug, nichts destomin- der hat er noch ziemliche Kraͤfte, und ist sehr gut fuͤr allerhand Vieh. Jhrer Theriac fuͤr arme Leute/ oder Teut- scher Theriac. etliche haben ihm den Namen armer Leute Theriac, und Teutscher Theriac gegeben. Von Montpellier senden sie uns zu- samt dem Theriac, ein also genanntes Theriacalisches Wasser, alldieweil der Theriac das vornehmste und Grund- stuͤcke darinne ist, es auch einiger massen ihm an Kraͤften gleich kommt, darum es denn verdienet, daß man genau und wohl zusehe, damit man es bey niemand anders, als bey verstaͤndigen und auf- richtigen Leuten kauffe, dergleichen der Herr Pelerin der aͤltere ist, vor diesen mein Lehrherr, ein Apothecker zu Montpellier, dessen Artzneyen so voll- kommen gut, als getreulich bereitet wurden; sie waren auch also beruffen, daß man zu Bemerckung ihrer Guͤte nur sagen durffte, sie waͤren auf Pele- rins Art und Weise zubereitet. Des Herꝛn Bauderon von Mont- pellier Theriacalisches Wasser. Nehmet recht feinen Theriac/ 3. Untzen. Tormentill- Angelica- Scorzonerawurtz/ Cretischen Diptam, und Sassafras, eines wie des andern 2. Untzen. Orientalischen Bolus/ 1. Untz. Wochholderbeeren/ wohlgereinigte Citronenkerne, Cardebenedicten- Sauerampfer- und Portulacsamen, von ieden eine halbe Untze. Betonien/ Ringelblumen/ Scordien/ Borragen/ Ochsenzunge/ iedwedes eine Hand voll. feinen Zimmt und Mais, iedes 2. Quintlein. Roseneßig, mit Weineßig von blan- cken Weine gemacht, ein Pfund. Citronsaft und Agrest/ von ieden 6. Untzen. Alle diese Stuͤcke muͤssen auserlesen seyn, und dergestalt praͤpariret werden, wie des Herrn Bauderons Apothe- ckerkunst pag. 756. lehret, hernach wird ein klares, starckriechendes, theriacali- sches Giftwasser davon in einem Kol- ben abgezogen. Allein, nachdem der Herr Pelerin, dessen ich oben erweh- net, erwogen, daß der Weineßig, Ci- tronsaft und Agrest nicht tuͤchtig waͤ- ren die Kraft und Tugend der Gewuͤr- tze bey der Distillation aufzuloͤsen, und mit sich heruͤber zu nehmen, als hat er dieses Recept gantz gerne fahren lassen, und demjenigen gefolget, das der Herr Charras in seiner Apotheckerkunst am 1030. Blat gesetzet, weil es ihm viel bes- ser geschienen; das alte aber wolte er zum theriacalischen oder Gifteßig ge- brauchen. Des Herrn Charras Theriacalisches dem Gift wieder- stehendes Wasser. Nehmet Entzian, Ange- Hauptbeschreibung zweyter Theil. Angelica/ Baidrian/ Contrayerva- und Meisterwurtz, von ieder 2. Untzen. truckne und uneingemachte Citronen- und Pomerantzenschalen/ feinen Zimmt, und Wachholderbeeren/ von ieden 1. Untz. Scordien mit der Bluͤte, Raute und Johanniskraut, iedwedes 1. Hand- voll. Weinspiritus, Nußwasser/ und Cardebenedictenwasser/ iedes 2. Pfund. recht guten Theriac/ 2 Untzen. Alle diese Sachen muͤssen auf die Art zugerichtet werden, wie der Herꝛ Char- ras selbsten lehret, und sodann aus ei- nem Kolben das Wasser abgezogen werden, welches viel staͤrcker riecht und weit kraͤftiger ist, sich auch viel besser aufbehalten laͤßt, denn das vorherge- hende. Man kan sich desselben gantz fuͤglich wider allen Gift bedienen. Die dosis ist von einem Quintlein bis auf ein hal- bes Loth, in einem dienlichen liquore. Man giebt es auch bisweilen alleine, iedoch in weit geringerer dosi. Der Herr Charras meldet gleich- falls, daß es Leute gebe, welche ein the- riacalisches Wasser von Theriac ma- chen, den sie in gleichen Theilen Wein- geist und distillirtem Weineßig aufgeloͤ- set und zergehen lassen. So koͤnte man auch zu frieden seyn, wenn man augenblicklich ein gutes the- riacalisches Wasser haben muͤste, uñ den Theriac nur in Weinspiritus zergehen lassen, bevoraus zum aͤusserlichen Ge- brauch; oder aber in recht starcken Weineßig, wenn man einen Gifteßig haben wolte, der zum riechen und wie- der die boͤse Luft dienen koͤnte, damit man auch die Pulse und die Haͤnde, die Schlaͤffe und die Nasenloͤcher bestrei- chen koͤnte. Zu anfangs, als der Orvietan in Franckreich bekannt wurde, liessen wir ihn von Rom und von andern Or- ten in Jtalien bringen, z. E. von Or- vieta, daher er auch seinen Namen be- kommen; allein, seit dem der Herr Contugi nach Paris gekommen, und unter dem Fuͤrwand einer koͤniglichen Vergoͤnstigung, sich alleine zum Herrn daruͤber machen wollen, so haben die Droguisten denselben Handel faͤhren lassen, entweder aus allzugrosser Furcht, oder auch, weil der Vertreib nicht eben gar zu starck war. Hernach- mahls aber erfuhren sie, daß Seine Majestaͤt, als sie dem Contugi das Privilegium und Freyheit, den Orvie- tan in Paris zu vertreiben und zu ver- kauffen, ertheilet, nicht gesonnen gewe- sen, denen Spezereyhaͤndlern zu ver- wehren, daß sie ihn auch anderswoher kommen liessen, noch den Apotheckern, denselben zu bereiten, damit Franck- reich eines so bewaͤhrten und hoͤchst nuͤtzlichen Artzneymittels nicht berau- bet wuͤrde; zumahl mehr denn zu ge- wiß waͤre, daß ohnerachtet aller Vor- sichtigkeit, die Contugi zur Bereitung dieses Gegengiftes angewendet, er den- noch denselben nicht so, wie in Jtalien, zurichten koͤnnen, dieweil die in grosser Anzahl dazu gehoͤrigen Stuͤcke in Franckreich die Kraͤfte nicht haben, als wie in Jtalien/ welches ein warmes Land, in dem die Kraͤuter und Wur- tzeln viel groͤssere Kraft haben. Als end- lich Contugi samt seiner Frauen ver- storben, war ich zwar willens, die wahr- hafte Beschreibung desselben an den Tag zu legen, samt vielen andern Re- cepten mehr, die ich hier und da, wo ich gewesen, zusammengetragen. Allein, der Diebstahl, dadurch mir ein gutes Theil meiner geschriebenen Nachrich- ten entwendet worden, deswegen auch der Proceß annoch fuͤr Gerichte schwe- bet, hat solches mein Vorhaben zuruͤ- cke gesetzt, mich aber in unmaͤßige Un- kosten gebracht, die ich auf den Druck dieses Buches verwenden muͤssen, nach- dem ich bereits gantzer 16. bis 18. Jahr es mich nichts geringes kosten lassen, da- mit ich eine gantz besondere Kaͤnntnuͤß und Wissenschaft der seltsamsten Ma- terialien erlangen, und alle nur moͤgli- che Erfahrung in diesem Stuͤcke erhal- ten moͤchte, die sowohl zu meiner Pro- feßion, als auch zu Verfertigung dieses Wercks, mir dienen koͤnte. N n 3 Orvie- Der Spezereyen und Materialien Orvietan. Nehmet Scorzonerenwurtz/ Eberwurtz/ Meisterwurtz/ Boͤhmische Angelica/ weissen Diptam/ Galgant/ Entzian/ Arabischen Costus gerechten Callmus/ Macedonischen Petersilgensamen/ Blaͤtter von Salbey/ Rosmarin/ Geisraute, Cardebenedicten/ Cretischen Diptam/ Lorbeer- und Wachholderbeeren, iedes 1. Untz. Zimmt und Naͤglein/ von ieden eine halbe Untz. getreugte Vipern/ mit Hertz und Le- bern, alten Theriac/ von ieden 4. Untzen. weissen geschaumten Honig/ 8. Pfund, medicinisch Gewichte; das ist 12. Un- tzen auf ein Pfund gerechnet, oder 6. Pfund al marco oder Kauffmanns- und Kramergewichte: damit man es nicht mache, als wie etliche Apo- thecker zu thun pflegen, die entweder nicht drauf dencken, oder es auch wohl nicht wissen, oder aber, wenn ichs sagen darf, vielleicht aus Vor- satz, stets Kramergewichte gebrau- chen, und also alle ihre Waaren um den vierten Theil zu vermehren wis- sen. Das neun und zwantzigste Capitel. Vom Erdcrocodil. Siehe Fig. 365. S Tincus marinus ist ein Thier, das so- wohl auf dem Lande, als in dem Was- ser leben kan: an Gestalt kommt es ei- ner Eydechse ziemlich nahe. Dieses Thier ist ohngefehr einen halben Fuß lang, und haͤlt einen Zoll im Durch- schnitt, hat eine spitzige Schnautze, mit Schuppen bedeckt, kleine helle Augen, und einen bis an die Ohren aufgeschlitz- ten Rachen, wenn es anders Ohren hat, zusamt einen Hauffen weiß und ro- ther kleiner Zaͤhne. Es gehet auf vier Fuͤssen, die ohngefehr eines Daumens hoch sind, und den Affenpfoten sehr gleich sehen. Es ist mit runden Schup- pen bedecket, welche gantz anders sehen, als die es auf dem Kopfe hat, denn die- selben sind lang und breit, die aber auf dem Ruͤcken sind grau mit einem brau- nen Raͤndlein; die am Bauche silber- farben. Der Leib wird nach dem Schwantze zu, immer schmaͤler, als wie die Vipern. Dieser Thiere giebt es in dem Egy- ptischen Flusse Nilus die Menge, von daher bekommen wir sie uͤber Mar- seille/ doch ohne Eingeweide und das Spitzlein vom Schwantze. Man muß die Dicken erwehlen, wel- che lang und breit, schwer und trucken, gantz und so wenig als nur seyn kan, von Wuͤrmen zerfressen sind, denn die- sem Unfall sind sie gar sehr unterworf- fen. Sie dienen, wie man sagt, vor die al- ten Maͤnner, dieselben aufzumuntern; werden auch unter den Mithridat ge- nommen. Der P. Tertre vermeldet, daß er nicht allein zu Guadalupa, sondern auch in den andern Jnseln wahrhaf- te Stincos gesehen, welche denenjenigen, die aus Egypten gebracht werden, durchaus gleich gewesen. Es ist aber ein Geschlechte der Eydechsen, welche von den Einwohnern der Jnsel Gua- dalupa Mabouya genennet werden, in andern Jnseln heissen sie Landhech- te, aus was Ursache, weiß ich nicht: doch ich glaube, daß sie vielmehr Land- bratspieß sagen wollen, weil dieses Thier sich fast stets auf dem Lande aufhaͤlt, und, wann ihm die Beine abgeschnit- ten worden, ehe einem Bratspieß ( broche ) als einem Hechte ( brochet ) glei- chet, wie gleichwohl der Herr Roche- fort zu melden Belieben gehabt, indem er sich nach dem Namen, den man die- sem Thiere gegeben, richten wollen, und so kuͤhn, als faͤlschlich hingeschrieben, daß es eben die Gestalt, Haut und Kopf, wie unsere Hechte habe. Diese Thiere sind viel fleischichter, denn die andern Eydechsen, haben einen dickern Schwantz, Hauptbeschreibung zweyter Theil. Schwantz, und die Beine oder Pfoten sind dermassen kurtz, daß sie gantz auf der Erde hinkriechen. Die Haut ist uͤber und uͤber mit unzehlichen kleinen Schuppen bedecket, als wie die Schlan- genbaͤlge, sind aber gelb, silberweiß und glaͤntzend, als ob sie mit Oele beschmie- ret waͤren. Jhr Fleisch ist gut wider alles Gift, und dienet zu den Wunden von vergifteten Pfeilen, nur muß man sie maͤßig gebrauchen, weil sie die Feuch- tigkeiten mehr verzehren, als die andern Eydechsen. Vom Mithridat. Nehmet auserlesene Myrrhen/ Saffran Gatinois, weissen Lerchenschwamm/ Jngber, feinen Zimmt/ Jndianischen Narden/ Weyrauch und Baurensenffsamen/ von iedwedem 10. Quintlein. Marsilischen Seselsamen, Jndianischen Balsam, Camelheu/ Arabischen Stoͤchas/ Galbanum/ Terpentin/ langen Pfeffer/ Biberg il/ Hypocistissaft/ Storaxtropfen/ Opopanax/ und Jndianische Blaͤtter/ iedes gleich viel, 1. Untz. Holtz Caßia/ Berg Polium/ weissen Pfeffer/ Scordien aus Candia, Cretischen Moͤhrensamen/ Balsamfruͤchte/ trochiscos cypheos, und Bdellium/ iedes 7. Quintlein. Celtischen Narden/ Arabisches Wuͤrmleingummi/ Macedonische Petersilge/ Optum/ kleine Cardamomen/ Fenchel/ Entzian/ rothe Rosen und Cretischen Diptam/ von ieden 5. Quintlein. Anis/ rechten Callmus/ kleinen Baldrian und Serapingummi, eines ieden 3. Quintlein. Baͤrendill vom Griechischen Gebirge Athamas, Johanniskrautsamen/ von einem wie vom andern, dritthalb Quintl. Spanischen Wein/ so viel als genug. Narbonnischen Honig/ 9. Pfund, sech- zehn und ein halb Loth. Trochisci Cypheos. Fette Rosinen/ Terpentin, auserlesene Myrrhen/ Cameelheu/ feinen Zimmt/ rechten Callmus/ Bdellium/ Spicenard/ Holtz Caßien/ wilden Galgant/ Wachholderbeeren/ Aspalatum, Saffran Gatinois/ Narbonnischen Honig/ Spanischen Wein. Die Art und Weise, wie der Mithri- dat zuzurichten, ist in keinem Stuͤcke von der Weise, wie der Theriac zu berei- ten, unterschieden, dannenhero will ich auch nichts davon vermelden, ohne, daß ihrer viele, welche schlechten The- riac zu verkauffen pflegen, denselbigen Mithridat nennen, und unter diesem Namen verkauffen, vorgebende, daß diese composition viel weniger koste als der Theriac, welches aber nicht wahr ist, und brauchen sie diesen Vorwand blos ihre Schelmerey damit zu bemaͤn- teln. Was die trochiscos cyphios betrifft, dieselben lehret die Pharmacopoea des Herrn Bauderons und Charras zu verfertigen. Das Der Spezereyen und Materialien Das dreyßigste Capitel. Von den Seidenwuͤrmen. Siehe Fig. 366. D Je Seidenwuͤrme sind ein klein Gewuͤrme, dessen Ursprung recht verwunderlich, so wohl als ihre Gestalt und Veraͤnderungen, die sich mit diesen Thierlein begeben. Es haben viele davon geschrieben, und unter diesen der Herr Jsnard/ welcher in einem kleinen Tractaͤtlein, das er von den Seiden- wuͤrmen verfertiget hat, ihre Geburt am 254. Blat nachfolgender massen be- schreibet: zur Zeit, wenn die Maulbeer- blaͤtter gesammlet werden, welches 14. Tage, nachdem sie ausgeschlagen, zu geschehen pflegt, zu Anfang des Fruͤh- lings, nimmt man eine Kuh, die bald kalben will, fuͤttert sie mit eitel Maul- beerlaube, und giebt ihr sonst nichts an- ders zu fressen, weder Gras, noch Heu, noch Stroh, oder Frucht, bis daß sie ge- kalbet hat; und dergestalt verfaͤhrt man noch acht Tage druͤber. Nach die- sen laͤßt man die Kuh und das Kalb an- noch etliche Tage mit lauter Maulbeer- blaͤttern fuͤttern, schlachtet darauf das Kalb, wenn es mit Maulbeerblaͤttern und Milch von der Kuh genugsam ist gefuͤttert worden, und hauet es in Stuͤ- cken, bis auf die Hoͤrner und Klauen, schuͤttet hernach das Fleisch, Beine, Haut und Eingeweide, alles unter ein- ander in einen hoͤltzernen Trog, und stellet es zu oberst auf das Haus, bis es verfaulet. Daraus entstehen dann kleine Wuͤrmlein, welche man mit Maulbeerblaͤttern zusammenlieset, und sie hernachmahls auf eben solche Art erziehet, als wie die andern, die aus dem Samen entsprossen sind. So sind auch die Seidenwuͤrme, welche aus dem Kalbfleisch erzeuget werden, un- vergleichlich fruchtsamer, denn die an- dern: dahero werden diejenigen, die starck damit handeln, nicht unterlassen, aller zehn oder zwoͤlff Jahr, auf diese Art, Seidenwuͤrme anzuschaffen. Bey der Wart- und Auferziehung dieser Thierlein giebt es dermassen viel zu beobachten, und genau in Acht zu nehmen, daß es gar zu verdruͤßlich fal- len duͤrfte, wenn man sich bey diesem Stuͤcke alleine aufhalten wolte: da es ohnediß meine Handlung gar nichts an- gehet, der Herr Jsnard auch ein gan- tzes Buch davon geschrieben hat, zudem diejenigen ihre Zuflucht nehmen moͤgen, die mehr davon zu wissen begehren. Diese kleinen Thierlein verschaffen uns eine gar kostbare Waare, darein sich vor diesem nur vornehme Leute klei- deten. Es giebt aber gar vielerley Seide/ weisse, gelbe und andere, wel- che sich auf den kleinen Eyergen be- findet, die so dicke und wie Taubeney- er gestaltet, und vermittelst eines beson- dern Haspels im warmen Wasser abge- wunden, und heꝛnach mit alleꝛhand Ma- terialien nach Belieben gefaͤrbet wird. Jch will mich abermahls nicht lange aufhalten, noch alle die unterschiedenen Sorten der Seide, die wir hier und daher kommen lassen, beschreiben, son- dern nur vermelden, daß diejenige Sei- de, die zur Artzney gebrauchet wird, die natuͤrliche Seide/ oder so wie sie von Natur ist, seyn muͤsse, das ist, entweder noch auf denen Eyergen, oder aber, wenn sie abgesponnen doch in kein war- mes noch Wasser gekommen ist: diese wurde von den Alten rohe Seide/ Rohe Seide. soye crûe, soye grege, soye en matasse, ge- nennet. Diese Seide/ wenn sie zu Pulver ge- machet worden, welches aber so gar leichte nicht ist, kommt unter etliche compositiones, als da ist, confectio Al- kermes, de Hyacintho, und andere. Auch bedient man sich der scharlachro- then Seide, und giebt sie den schwan- gern Frauen, wenn selbige gefallen, und an statt der Scharlachbeeren ein. Es wollen etliche Scribenten, die Sei- de habe die Kraft das Hertz zu erfri- schen, die Lebensgeister zu staͤrcken, und das Gebluͤte zu reinigen. Die aber die Seidenwuͤrmereyergen gebrauchen wollen, muͤssen sie noch, ehe sie dieselbigen puͤlvern, entzwey schnei- den, und den darinne steckenden Wurm, der bisweilen noch gantz, bisweilen aber schon verfaulet ist, herausnehmen, zu- samt dem ersten Haͤutlein, das ihn um- giebet, als welches nicht taug, daß es ein Mensch zu sich nehme. Die aber noch besser thun wollen, dieselben ge- brauchen TAB. LX. Hauptbeschreibung zweyter Theil. brauchen nur die abgewundene Seide, indem der Uberrest nichts als nur Flo- cken und Pergament ist. Die Seide kan man also zu Pulver machen; man zerschneidet sie so klein, bis daß sie durch ein Sieb gehet: denn wer sie stossen wolte, wuͤrde lange zubringen muͤssen, duͤrfte ihm auch wohl die Helfte davon fliegen. Zu der confectio Alkermes und de Hyacintho soll die carmesinfarbene Sei- de der andern durchgehends vorgezogen werden, obgleich alle Scribenten rohe Seide und ungefaͤrbte haben wollen. Wir verkauffen auch sonst noch ein Hauffen andere kriechende Thiere, als da sind, Blutegeln, welche in dem Gra- ben zu Gentilli/ nahe bey Paris ge- funden, von den Wundaͤrtzten gebrau- chet, und an unterschiedene Theile des Leibes pflegen angesetzt zu werden, ab- sonderlich, wo keine Laskoͤpfe haften koͤnnen. Es giebt zwar unterschiedli- che Arten dieser Blutsauger/ doch sind die kleinsten die besten, welche einen klei- nen Kopf haben, und einen roͤthlichten Bauch, den Ruͤcken mit gruͤnen und goldgelben Striechen bezeichnet: und diese befinden sich in klaren fliessenden Wassern. Die andern soll man ver- werffen, als giftig; diejenigen naͤmlich, die einen dicken gruͤnen Kopf haben, und wie die Feuerwuͤrme glaͤntzen, die blaue Streiffen haben und sich in sum- pfichten Wassern aufhalten: denn an statt, daß sie dem Patienten Huͤlffe schaffen sollen, verursachen sie Entzuͤn- dungen, Geschwuͤre, Fieber, boͤse Schweeren, die zuweilen unheilbar sind. Wenn man sie erhalten will, muß man sie stets im Wasser halten, und dasselbige von Zeit zu Zeit erfrischen: etliche thun auch Sand und Erde drein. Fluͤchtiges Saltz und Oel von Kroͤ- ten. Wir verkauffen ferner, das Pulver, fluͤchtige Saltz und Oel von Kroͤten, wie auch den Stein, der in dem Kopfe der grossen und alten gefunden wird, und den Namen Crapaudine, Kroͤten- Kroͤtenstein. stein uͤberkommen hat. Die Alten ha- ben ihm grosse Kraͤfte zugeschrieben: insonderheit aber hat der Herr Char- ras in seiner Chymischen Apothecker- kunst p. 794. davon gehandelt, dahin ich diejenigen weisen will, die weitere Nachricht davon verlangen. Es rech- nen etliche den Kroͤtenstein unter die Edelsteine, nicht allein, weil er so gar selten gefunden wird, sondern auch, weil er mit so trefflichen Tugenden be- gabet ist, und faͤhig, allerley Gifte zu widerstehen. Der weisse wird am hoͤhesten geachtet, obgleich derjenige, welcher eine andere Farbe hat, nicht ge- ringere Kraͤfte haben mag. An die Stelle des Kroͤtensteins stellt man oder giebt dafuͤr ein rundes oder ein laͤng- lichtes Steinlein, das an vielen Orten in Europa/ und auch in Franckreich selbst gefunden wird, inmassen weiter unten zu ersehen. Uberdiß verkauffen wir auch das Saltz/ Oel und Pulver von Keller- eseln. fluͤchtige Saltz, Oel und Pulver von Kellerschaben/ welchen der Herr Charras eben so grosse Eigenschaften zugeschrieben, als wie dem fluͤchtigen Saltz von Spanischen Fliegen, Regen- wuͤrmen und Ameisen, wie solches in seiner Chymischen Apotheckerkunst kan gesehen werden. Nicht weniger Scor- Scorpionoͤl gemeines und von vie- len Stuͤcken zusammen gesetztes. pionoͤl, gemeines und mit andern Sa- chen vermischtes, welches wir aus Pro- vence und Languedoc bringen lassen, und wohlfeiler geben koͤnnen, als das die Apothecker zu Paris bereiten. Zu- dem, so ist es auch viel besser, weil es in selbigen Landschaften viel Scorpionen giebet, auch die Kraͤuter, davon das Scorpionoͤl des Matthiolus zu- sammen gesetzet wird, viel groͤssre Kraͤf- te haben, alldieweil das Land viel waͤr- mer ist. Das erste wird das gemeine oder schlechte genennet, indem es blos von Scorpionen und bittern Mandel- oͤle bereitet wird. Das andere heißt, Matthioli oleum scorpionum compositum. Diese aber sind die Sachen, die dazu kommen: Scorpionen, alt Baumoͤl, Johannskraut mit Blaͤttern, Blumen und Samen, Gamanderlein, Berg- muͤntze, Cardebenedicten, Scordien, klein Tausendguͤldenkraut, Eisenkraut, Cretischer Diptam, Zittwer, weisser Diptam, Entzian, Tormentille, runde Osterluzey, Storaxtropfen, Benzoe, Wachholderbeeren, Schwartzkuͤmmel, feiner Zimmt, Cameelheu, wilder Gal- gant, weisser Sandel, Rhabarber, Myrrhe, Aloe, Jndianischer Narden, Saffran, Theriac, Mithridat und blan- O o cker Der Spezereyen und Materialien cker Wein: von allen diesen Stuͤcken wird ein Oel bereitet, und von iedwe- den so viel dazu genommen, als wie Matthiolus in seinem 6 ten Buche vom Gifte weiset, und Bauderon in seiner Apotheckerkunst, und Charras; zu denen koͤnnen diejenigen, die es berei- ten wollen, ihre Zuflucht nehmen. Es ist dieses Oel gewißlich eines von den schweresten Stuͤcken der Apothe- ckerkunst, von wegen derer so unter- schiedenen Sachen, die man dazu neh- men muß, wie auch, daß man so gar schwerlich lebendige Scorpionen aus Provence und Languedoc bekommen kan: daher kommt auch dasjenige, das zu Paris gemachet wird, wie bereits erwehnet, viel hoͤher zu stehen, als das wir von Montpellier und andern Orten bringen lassen. Das Scorpionoͤl, absonderlich die- ses compositum, ist mit trefflichen Eigen- schaften begabet, wie solches der Herr Charras in seiner Apotheckerkunst pag. 457. angemercket, und am besten und ohne grossen Umschweiff beschrie- ben hat. Das ein und dreyßigste Capitel. Vom Wallfisch. D Er Wallfisch ist der groͤste unter allen Fischen, die sich in der Nord- see aufhalten: wie man dann im Jahr 1658. zu Paris das Gerippe von einem Wallfisch gesehen, an welchem der Hirn- schedel 16. oder 17. Fuß gehabt, und 4600. Pfund gewogen, die Kiefel, so 10. Fuß weit von einander gestanden, und 14. Fuß lang gewesen, wugen ein ieder 1100. Pfund. Die Floßfedern, wel- che als wie Haͤnde sahen, und 12. Schuh lang waren, wugen iedwede 600. Pfund. Die Ribben 13½ Fuß lang, wugen eine iede 24. Pfund. Der Ruͤck- grad war vom Kopfe an bis in die Spi- tze des Schwantzes 54. Fuß lang, die er- sten Gelencke 50. Pf. schwer, und die an- dern nach Proportion im̃er leichter. Al- lein ich werde mich nicht aufhalten, und alles dasjenige, was dieses Thier betrift, oder auf was Art und Weise es gefan- gen werde, beschreiben, weil solches all- bereit von sehr viel Geschichtschreibern geschehen ist; sondern ich will allhier nur anfuͤhren, was mir ein guter Freund, der es selbst gesehen, davon er- zehlet hat. Zu London strandete im Jahr 1671. im November ein junger Wallfisch, welcher mit der Flut die Temse hinauf, bis an die Bruͤcke gestie- gen war; als nun die Flut wiedrum zu- ruͤcke gieng, blieb er auf dem Sande sitzen, kam doch herunter bis nach Greenwich/ woselbst er, ehe er starb, aus Mangel des Wasses, zwey oder drey mahl wie ein Ochse bruͤllete. Er war 55. koͤnigliche Schuh lang, die Scham ohngefehr fuͤnff oder sechs Zoll, und allernechst beym Kopfe, zwey oder drey queer Finger davon, hatte er zwey Zitzen, wie eine saͤugende Frau. Jch begab mich selb 25. mit einer Laterne auf die Zunge, woselbst einer aus der Gesellschaft ein Pistol loͤsete, welches einen solchen Knall gab, als ob es in einer wohlverwahreten Kainmer ge- schehen waͤre. Die Haut sahe bald als wie das Fell eines Elephanten. Auf dem Ruͤcken kunte man 20. Schritte, in der Laͤnge hin, gehen. Auch sagte man, daß vor 24. Jahren sich eben derglei- chen begeben haͤtte. Hiernechst will ich vermelden, daß es Siehe Fig. 367. und 368. zwey Geschlechte der Wallfische gebe, von den das eine Cachalot, das ande- re aber Baleine genannt wird, und von jenem darinne unterschieden ist, daß jenes, des Cachalots Rachen mit kleinen breiten Zaͤhnen besetzet ist, und keine Baͤrte, fanons, hat, da hingegen Fanons de ba- leine , wird der Bart genen- net, welcher dem Thiere zu beyden Sei- ten des Ra- chens herab- hanget, dar- aus, wenn er gebuͤhrend zugerichtet worden, aller- hand Sachen verfertiget werden. die Baleine alleine solche Baͤrte hat. Von dem Specke dieser Thiere wird der Wallfischthran gemacht, mit dem wir, sonderlich zu Friedenszeiten, gar starck zu handeln pflegen, indem er in Franckreich sehr gebrauchet wird, so wohl zum brennen, als auch zu andern Dingen, dabey man seiner nicht entra- then kan, vor andern zu Reinigung des Schwefels und zur Bereitung ein und anderer Gattung Leder, dazu er noth- wendig muß gebrauchet werden. Zu Paris aber siehet man zweyer- ley Fischthran/ darunter der beste ist, welchen wir huile de grande baye nennen, und von unsern Frantzosen, so bald sie nur TAB. LXI. Cachalot, oder Wallfisch, das Männlein Fig. 367. p. 580 Wallfisch das Weiblein Fig. 368. p. 580. Hauptbeschreibung zweyter Theil. nur den Speck vom Wallfische geschnit- ten, bereitet wird. Und daher koͤmmt es auch, daß der Frantzoͤsische Fisch- thran nicht so uͤbel stinckt, als wie der Hollaͤndische, alldieweil die Hollaͤn- der den Thran nicht alsofort bereiten, sobald sie den Speck vom Wallfische ab- genommen haben, sondern ihn erst in Holland zu machen pflegen. Daher soll man auch den Frantzoͤsischen dem Hollaͤndischen vorziehen, diesen aber daran erkennen, daß er zwar roth und stinckend, iedennoch aber klar und ohne Hefen ist. Der Wallfischthran kommt meistentheils aus der Eissee, insonderheit der Hollaͤndische: denn dieses ist der Ort, an welchem sich die allermeisten Wallfische aufhalten. Vom Wallrath. Le blanc de Baleine, der Wallrath/ welchen alle alte und neue Scribenten den Samen oder die Natur des Wall- fisches genannt haben und noch nennen, ist das Gehirn von einem gewissen Ge- schlechte der Wallfische, welche die Gasconier Byaris, und die von S. Jo- hann de Luz Cachalot nennen. Die- ses Thier wird, nach einiger Meinung, das Wallfischmaͤnnlein/ und von den Lateinern Orca genennet; ist ohnge- fehr 25. Fuß lang, und zwoͤlffe hoch: iedweder von seinen Zaͤhnen wieget ein Pfund, daraus kan man allerley Sa- chen verfertigen. Diese Thiere sind auf der Kuͤste von Gallizien/ bey Cabo Finis Terraͤ/ sehr gemeine; wie auch in Norwegen. Jm Jahr 1688. ward einer von einem Spanischen Schiffe gefangen, und nach S. Sebastian gebracht: aus dessen Kopfe wurden 24. Barill Gehirn ge- zogen, und von dem Leibe 96. Baril oder Tonnen Speck geschnitten. De- rohalben darf man hinfort nicht mehr glauben, daß der Wallrath etwas an- ders als des Wallfisches Gehirne sey; wie ich denn dieses um soviel desto ge- wisser sagen kan, weil ich es habe be- reiten sehen, und auch selbst bereitet, wie folget. Der Wallrath wird insgemeine zu Bayonne gemacht, wie auch zu S. Jean de Luz; in Franckreich aber ist diese Bereitung etwas also rares, daß vorietzo nicht mehr als zwey Per- sonen zu S. Jean de Luz im Leben, welche es recht wohl zuzurichten wissen, und unter diesen ist der Herr Johann von Haraneder Monsequir. Diejenigen nun, die damit umgehen, nehmen das Gehirne, lassens uͤber ei- nem kleinen Feuer zerschmeltzen, und schuͤtten es hernach in solche Formen, welche als wie diejenigen, darein man den Zucker schuͤttet, gemachet sind: wann es dann erkaltet, und das Oel herausgetroffen, nehmen sie es heraus, schmeltzens auf ein neues, und verfah- ren dergestalt so lange fort, bis es recht wohl gereiniget und schneeweiß worden ist. Darauf zerschneiden sie es mit ei- nem sonderlich dazu gemachten Messer, daß es zu Schuppen werde, so wie wir es zu sehen bekommen. Weil es dann eine Waare von keiner geringen Wich- tigkeit, des hohen Preisses halber, dero- wegen will vermelden, daß man das- jenige erwehlen solle, welches feine schoͤ- ne Schuppen, die helle und durchsichtig sind, und einen wildentzenden Geruch haben: wobey in Acht zu nehmen, daß es keinen Zusatz von weissem Wachse bekommen habe, welches nur gar zu ofte geschicht, iedennoch gar bald kan gemercket werden, so wohl an dem Wachsgeruch/ als auch, weil es gar zu sehr zerbroͤckelt und die Farbe gar matt ist. Jngleichen dienet zu mercken, daß es allezeit von dem Gehirne muͤsse bereitet werden; denn welches vom Fette ge- machet worden ist, wird leichtlich gelb: und daher kommts, daß man Wall- rath hat, welcher stracks gelb wird, so er an die Luft kommt. Wir haben auch keine einige Waa- re, welche die Luft so gar uͤbel vertragen kan, als wie der Wallrath/ dannen- hero soll man besorget seyn, und ihn in Glaͤsern aufbehalten, oder in den Tonnen, darinne er kommt, und sie wohl verstopfen, damit keine Luft da- zu komme, und diese Waare nicht gelb werde. Der Wallrath wird von dem Frauenzimmer zur Schmincke ge- braucht, wie auch zu den Teigen, damit sie sich die Haͤnde zu waschen pflegen. O o 2 Es Der Spezereyen und Materialien Er wird gleichfalls, wiewohl sehr we- nig, zur Artzney gebrauchet, so daß es kaum der Muͤhe werth, daß man da- von rede. Das zwey und dreyßigste Capitel. Vom Fischleim. W As im Frantzoͤsischen Colle de poisson, auf Lateinisch gluten alkanak, auf Griechisch Ichthyocolla, auf Arabisch Alkanna, und auf Teutsch Fischleim/ Hausenblase genennet wird, dasselbi- ge sind die schleimichten Theile eines Fi- sches, dessen Ruͤcken gantz voller weisser Schuppen ist, welche sehr stachlicht und in sehr zierlicher Ordnung an einander gestellet sind. Gemeiniglich wird er in der Moßkowitischen See gefunden, und deshalben wird auch alle Hausen- blase/ die wir aus Holland bekom- men, von Archangel dahin uͤberbracht, denn dieses ist die Stadt, in welcher der so beruͤhmte Marckt von Archangel ge- halten wird. Jhrer etliche, die von dem Fische, von dem der Fischleim gemachet wird, geschrieben haben, und unter die- sen Rondelet/ vermelden, daß er keine Graͤten habe, daher er auch der Fisch ohne Graͤten ist benennet worden; und geben vor, daß er keine Stacheln habe, welches aber unwahr, alldieweil sein Ruͤcken dermassen damit versehen ist, daß ihn kein Fisch, er sey so groß er nur wolle, zu beissen getrauet, indem seine, obschon sehr kleine Schuppen, dennoch uͤberaus stachlicht sind, und Siehe Fig. 369. eben also sehen, wie sie die Figur darstel- let, die ich nach dem Originale stechen lassen, das ich in Haͤnden habe. Die Alten haben auch gesaget, daß es ein Fisch, und dem Geschlechte nach, ein Wallfisch sey, weil er des Wallfisches und Delphins Natur und Groͤsse ha- be, indem sein Kopf uͤberaus dicke, schwer und breit sey, der Rachen weit und offen stehend, am obersten Kieffel aber etwas langes, als wie ein Bart, herabhange. Das Fleisch ist klebricht, und weich, folglich ohngeschmack, wenn es nicht eine Zeit vorher, ehe denn es verspeiset wird, im Saltze gelegen hat. Was die Art und Weise diesen Leim zu machen betrifft, da nehmen die Moßkowiter die spannadrichten Theile dieses Fisches, welche, nachdem sie gesotten worden, dem schleimichten Wesen, das an dem Felle des Kabe- liaues befindlich ist, gleichet, und lassen sie bis zur gebuͤhrenden Dicke einsieden: hernach breiten sie die Materie auf son- derlich dazu verfertigte Jnstrumente aus, damit sie so duͤnne werde als ein Blatt Papier, und machen daraus, nachdem sie trucken worden, solche Stuͤ- cklein, von der Groͤsse und Dicke, wie wir sie zu sehen bekommen. Fast aller Fischleim/ den wir aus Holland kommen lassen, ist an Faͤden gereihet und wie ein halber Mond zu- sammen gebogen: soll er aber seyn, wie sichs gebuͤhret, so muß er weiß, hell und durchsichtig seyn, ohne Geruch, und so wenig, als moͤglich, mit anderem Zeuge ausgestopfet; denn es giebet solchen, sonderlich, der an starcken Schnuͤren haͤnget, welcher mit gelben, trucknem und duͤrren, bisweilen heftig stincken- dem Leime ausgestopfet und angefuͤllet ist. Daher auch diejenigen, die ihn noͤthig haben, sich lieber an den halten, welcher an kleinen Schnuͤren hanget, und da ein Stuͤck eine oder anderthalbe Untze wieget, weil er nicht so leichtlich ausgestopfet ist: welches nun wohl nicht so gar uneben ist, doch aber ist es auch keine allgemeine Regel, und finden sich unter den kleinern so wohl als un- ter den groͤssern, mangelhafte Stuͤcke. Darff man derohalben weder auf die Gestalt, noch auf die Dicke sehen, son- dern man muß Achtung geben, daß er sey, wie oben gemeldet, welches man auch stracks erkennen kan, wenn man ihn entzwey bricht, und vor die Nase haͤlt, zu erfahren, ob er nicht etwa uͤbel rieche. Was diejenigen belanget, die gantze Faͤsser voll kauffen, die muͤssen nicht nur ein Dutzt dieser Schnuͤre, son- dern alle mit einander durchsehen, und das um so viel desto mehr, weil es eine Waare, da allezeit die gute mit mangel- hafter vermenget ist. Doch ist ein Faß mehr denn das andere mit solchen aus- gestopften Schnuͤꝛen uͤberladen, welches aber nichts geringes, indem es eine ziemlich theure Waare ist. Auch muß sie in wohlverwahrten Behaͤltnuͤssen auf- Hauptbeschreibung zweyter Theil. aufgehoben werden, weil ihr die Luft nicht wenig Schaden zufuͤgen kan. Von diesem Leime wird zwar in Franckreich sehr viel verbrauchet, doch nicht zur Artzney, denn das wenige, das damit verthan wird, ist nicht werth, daß man dran gedencke, und wenn es nicht noch zum Emplastro diachylon genom- men wuͤrde, glaube ich, daß alle Apo- thecker in Paris zusammen, das gantze Jahr hindurch nicht ein Pfund verthaͤ- ten; im Gegentheil wird er von den Weinhaͤndlern und Weinschencken de- sto haͤuffiger gebrauchet, denn diese machen ihre Weine damit klar, darauf die Alten nicht wohl zu sprechen gewest, wiewohl sonder Ursach. Es ist ein gar zu vest eingewurtzelter Jrrthum, wenn die meisten Leute glauben, der Fischleim sey eine toͤdtliche Materie, da doch ge- wiß, daß er nicht die geringste uͤbele Be- schaffenheit habe, der Fisch auch, von dem er herkommt, eine der vornehm- sten Speisen der Moßkowiter sey, und ein recht herrliches Essen, wenn er nicht gar zu suͤßlicht schmeckte. Dieser Leim aber hat keine andere Eigenschaft, was den Wein angehet, als daß er, so bald er nur in den truͤben Wein ge- worffen wird, sich als wie eine Haut daruͤber ausbreitet, zu Boden faͤllt, und alle Hefen mit sich zu Grunde reisset, welches nicht allein sehr vielen Leuten aus der Erfahrung bewust, sondern man darff nur in die Faͤsser sehen, dar- ein er gethan worden ist, so wird man ihn mit den Hefen vermischet finden. Wann demnach die Weinschencken ih- re Weine mit nichts anders vermische- ten, wuͤrde man nicht so viel von Pati- enten und jaͤhen Todesfaͤllen hoͤren muͤssen. Ausser diesen gebrauchen ihn auch die Seidenwircker, und geben den Baͤndern und andern seidenen Zeugen den Glantz damit: desgleichen die mit Gold und Silber durchzogene feine Leinwand weiß zu machen. So ist er auch das vornehmste Stuͤcke derjenigen composition, davon die feinen Orienta- lischen nachgemachten Perlen bereitet werden. Den Namen Leim hat man ihm gegeben, weil wir bey nahe keine Materie haben, Porzellan und die fei- nen Geschirre von Faͤyence zu leimen, als diesen in Branntwein oder Wein- geist erweichten Fischleim. Etliche weichen ihn nur in bloses Wasser ein, und brauchen ihn das Gesichte und die Haͤnde damit zu waschen und schoͤn zu machen. Wir bekommen auch eine Art Fisch- leim aus England, Holland und von andern Orten her, welcher als wie klei- ne Buͤchl ein zusammen gewickelt ist, wird aber in Franckreich gar wenig gebrauchet, weil er nicht gerne zergehet, auch niemahls recht weiß ist. Ein und andere Personen haben mich versichern wollen, es wuͤrde dieser Leim aus dem Uberrest des erstern bereitet: andere aber geben vor, er wuͤrde von dem schlei- michten Theilen des Fisches gemachet, den die Scribenten Silurus, die Frantzo- sen Etourgeon nennen, und bey ihnen sehr rar ist: im Teutschen heißt er Wels. Zuweilen findet er sich doch Siehe Fig. 370. auch in den Fluͤssen in Franckreich/ allein in Ansehung dieses Nutzens, und weil er so gar rar ist, auch sehr dicke und wohlgeschmack, verkauffen ihn diejeni- gen, die ihn fangen, um drey bis vier hundert Pfund. Das drey und dreyßigste Capitel. Vom Narwall. D Er von den Jslaͤndern also ge- nannte Narwall, von andern Rhoar, und von uns See-Einhorn/ ist ein grosser Fisch, welchen etliche fuͤr ein Geschlechte der Wallfische halten, und haͤlt sich in der Eis- und Nordsee auf, insonderheit langs der Js- und Siehe Fig. 371. Gronlaͤndischen Kuͤste. Dieses Meer- wunder traͤgt auf der Spitze seiner Na- sen, ein schweres, weisses, glaͤntzendes und schlangenweise gedrehetes Horn, dergleichen eines zu S. Denis in Franckreich zu sehen ist. Man findet sie auch, von unterschiedenen Gewicht und Groͤsse in den Cabineten und Kunstkammern der Liebhaber natuͤrli- cher Seltenheiten, dergleichen eine ist des Herrn Morin/ der verstorbenen Mademoiselle von Guise Medici, wel- ches ich gesehen und in Haͤnden gehabt, auch zeichnen lassen. So hat mir auch der Herr Charras gesaget, daß er eins O o 3 gehabt Der Spezereyen und Materialien gehabt haͤtte, welches viel laͤnger und dicker gewesen waͤre, als das zu S. De- nis. Und dieses sind die Stuͤcken von diesem Horne, welche wir zu Paris/ eben als wie anderswo, fuͤr das wahr- hafte Einhorn verkauffen, deme von ih- rer vielen gar grosse Eigenschaften zu- geschrieben werden, welche zu wider- sprechen, ich mich nicht unterstehe, weil ich es nicht versucht habe, auch keine Ge- legenheit gefunden, sattsame Proben davon zu nehmen. Siehe Fig. 372. Es findet sich auch noch ein anderer Fisch, dem der Name See-Einhorn ist beygeleget worden, welcher sich an unterschiedenen Orten aufhaͤlt. Der Herr Dumantel berichtet, daß er in dem Flusse der Jnsel Tortuga, nahe bey S. Domingo, im Jahr 1644. ei- nen solchen Fisch von ungeheurer Groͤs- se gesehen. Dieses See-Einhorn/ vermeldet er, verfolgte eine Carague/ oder einen andern Fisch von mittelmaͤßi- ger Groͤsse, mit solchem Ungestuͤm, daß er nicht beobachtend, wie er mehr Was- sers zum schwimmen noͤthig haͤtte, mit dem halben Leibe aufs trockne und auf eine grosse Sandbanck gerieth, von dar er nicht wieder in die Tieffe gelangen konte, sondern ward von den Ein- Siehe Fig. 373. wohnern tod geschlagen. Er hatte sechs grosse Floßfedern, welche am Ende schier wie die Ruder an den Galeren sahen: zwey derselben stunden, wo die Ohren zu sitzen pflegen, die andern viere aber zur Seiten am Bauche, in gleicher Weite von einander. Der gantze obe- re Theil seines Leibes war mit grossen Schuppen bedecket, die so breit waren, als ein Stuͤcke von 58. Sols, und gantz blau, schienen gleich als ob sie mit silber- nen Flittern besetzet waͤren. Hinten am Halse stunden sie weit enger bey- sammen, und waren braun, als ob er ein Halsband umgehabt. Die Schup- pen am Bauche sahen gelbe. Der Kopf war ein wenig dicker, als ein Roß- kopf, auch schier also gestalt. Dieser, der Kopf, war mit Haaren bedeckt und mit einer braunen harten Haut uͤberzo- gen; und gleichwie das Einhorn sein Horn auf der Stirne traͤgt, also hatte auch dieses See-Einhorn ein uͤber alle massen schoͤnes Horn vor dem Kopfe, welches neun und einen halben Schuh lang war. Es war vollkommen gera- de, und von der Stirne an, da es seinen Anfang nahme, wurde es immer duͤn- ner, bis es also spitzig ward, daß es auch die haͤrtesten Dinge damit durchstossen koͤnnen. Das dicke Ende, das am Kopfe stund, hielt sechs zehen Zoll im Umfang: von da an war dieses wunderbarliche Horn bis auf zwey Drittheil seiner Laͤn- ge, wie eine Kelterschraube gestalt, oder besser zu sagen, Wellenweis, und wie eine gedrehete Saͤule, ausser daß die Holkehlen gegen das Ende zu, immer schlechter wurden, bis sie sich endlich gantz und gar in einer angenehmen Ebe- ne verlohren, welche sich zwey Zoll uͤber dem vierten Schuh endigte. Dieses gantze untere Theil war mit einer asch- farbenen Haut uͤberzogen, welche uͤber und uͤber mit sanften kurtzen Haͤrlein, als wie mit Sammet, von abgeschosse- ner gelber Farbe, bedecket, darunter aber ware es so weiß als Elffenbein. Belangend das andere Theil, welches gantz blos erschien, dasselbe war von Na- tur spiegelglatt und glaͤntzendschwartz, mit etlichen weiß- und gelben sehr zar- ten Strichlein durchzogen, und dermas- sen veste, daß man mit schwerer Muͤhe ein wenig zartes Pulver, mit einer gu- ten Feile, herabbringen kunte. Er hat- te keine erhabene Ohren, sondern zwey grosse Fischohren, wie die andern Fische. Die Augen waren so groß, als wie Huͤ- nereyer. Der Augapfel, welche Him- melblau, mit gelb gezieret, war mit ei- nem hochrothen Ringe umgeben, auf den ein anderer heller, und wie ein Cry- stall glaͤntzender folgete. Das Maul war ziemlich weit aufgespalten, und voller Zaͤhne, unter denen die ersten und vordersten scharff und spitzig waren, die hintersten aber, in beyden Kieffeln, breit, und wie kleine Buckel erhaben. Die Zunge war von rechter Laͤnge und Dicke, mit einer rauhen zinnoberrothen Haut uͤberzogen. Jm uͤbrigen hatte dieser seltzame Fisch noch etwas auf sei- nem Kopfe, als wie eine Krone, welche ohngefehr zwey Zoll hoch uͤber der Haut hervorꝛagete, laͤnglicht rund war, und spitzige Enden hatte. Mehr als dreyhundert Personen haben von die- sem Fische gegessen, und ihn uͤberaus delicat und niedlich befunden. Das Fleisch Hauptbeschreibung zweyter Theil. Fleisch war mit weissem Fette, gleich als mit Specke, durchwachsen, und wenn es gekocht wurde, loͤsete es sich als wie Schuppen von einander, gleich- wie der frische Kabeliau; doch war es viel schmackhafter. Die diesen Fisch lebendig gesehen, und ihm den Ruͤckgrad mit Hebebaͤumen entzwey geschlagen, sagten, wie heftig er sich bemuͤhet haͤtte, sie mit seinem Horne zu durchstossen, welches er mit unvergleichlicher Geschicklichkeit und Behendigkeit gedrehet und gewendet, so daß er sie alle spiessen koͤnnen, wofern er Wassers genug gehabt, und sich zu erhalten und nur ein wenig fort zu schwimmen vermocht. Als man ihn ausgenommen, sahe man wohl, daß er sich vom Raube genaͤhret, denn man fand sehr viel Fischschuppen in seinem Leibe. Die abgezogene rare Haut von die- sem seltsamen Fische, sonderlich der Kopf und das dran vest gemachte Horn, sind fast zwey Jahr lang in dem Wachthaus der Jnsel aufgehencket blie- ben, bis der Herr Vasseur/ welcher auf derselben Jnsel Gouverneur war, dem Herrn Trancarts, einem Edelmann aus Saintonge/ der ihn besucht hatte, einen Gefallen erweisen wollen, und ihm dieses Horn verehret. Als ich aber mich samt diesem Edelmanne, der dieses kostbare Stuͤck und Seltenheit in einem langen Kasten fuͤhrete, auf ein Schiff von Vlißingen begeben, gieng unser Schiff nahe bey Fayal/ einer von den Azores Jnseln, zu Grunde, so daß wir alle unsere Sachen und Waa- ren verlohren: der Edelmann aber be- klagte vor allen seinen Kasten. Demnach darff niemand ferner glauben, daß dasjenige, was wir Frau- tzosen Licorne, die Lateiner Unicornu, die Griechen Monoceros, die Teutschen aber Einhorn nennen, das Horn von einem Landthiere sey, dessen im alten Testa- mente gedacht wird; oder ein Horn von einem dererjenigen Thiere, welche bey dem Cap. von Einhoͤrnern abgebil- det zu ersehen sind: sondern es ist nichts anders denn das Horn vom Narwall. Was die Wahl belanget, da darff es nur fein schoͤn weiß seyn: die, welche am allerhoͤhesten, dicksten und schwer- sten sind, am meisten glaͤntzen, und wel- che die meisten Zuͤge haben, dieselben werden auch am hoͤhesten gehalten und am meisten geschaͤtzet. Vor diesem aber waren sie also rar, daß Andreas Rock, ein Florentinischer Medicus, ei- nem Pabste eines um 4500. Pfund oder 1500. Thaler verkauffet: herge- gen anietzo findet man sie hauptschoͤn, und sind doch um ein gut Theil wohl- feiler. Das vier und dreyßigste Capitel. Vom Seeroß, oder Wallroß. D Er Nil/ Niger, und andere Fluͤs- se in Africa bringen uns ein Thier, welches einem Ochsen sehr aͤhnlich sie- het, und ich allhier zu beschreiben fuͤr gar dienlich erachtet habe, dieweil wir die Zaͤhne davon verkauffen. Siehe Fig. 374. Dieses Thier siehet einem Pferde nicht im geringsten gleich, sondern viel- mehr wie ein Ochse: die Fuͤsse sind wie Baͤrentatzen. Es ist dreyzehen Schuhe lang, und vier und einen halben breit: der Bauch mehr platt als rund: die Schenckel haben drey Schuh im Um- fang, der Fuß ist einen Schuh breit, und iede Klaue hat gleichsam drey Zaͤhen. Der Kopf ist zwey und einen halben Schuh breit, drey Schuhe lang, neun Schuh im Umfang, und scheinet, gegen den Leib zu rechnen, gar zu dicke. Der Rachen ist eines Schuhes lang, die Na- se fleischicht und zuruͤck gebogen, die Au- gen sind klein, einen Zoll breit, und zwey lang: die Ohren klein und kurtz, nur drey Zoll lang. Uber den gantzen Leib ist es sehr fett; die Klauen sind in vier Theil zerspalten, und sehen schier wie die Ochsenklauen: der Schwantz sieht wie der Schwantz eines Baͤren. Die Nasenloͤcher lauffen krumm, und sind dritthalb Zoll tief: die Schnautze ist wie einer Loͤwinn oder einer Katzen Schnautze, und rauch, ob es gleich auf dem gantzen uͤbrigen Leibe kein eintzi- ges Haͤrlein hat. Sechs Zaͤhne hat es im untern Kieffel, darunter die zwey aͤussersten des halben Schuhes lang sind, Der Spezereyen und Materialien sind, und dritthalb Zoll breit, und eines halben Fusses dicke. Auf ieder Seite hat es auch sieben kurtze, aber gar dicke Backenzaͤhne. Eben so viel hat es ih- rer im Oberkieffel, den es eben als wie das Crocodil, beweget. Die Zaͤhne sind so hart als wie ein Feuerstein, und geben Funcken, wenn man mit einem Messer drauf schlaͤgt: welches dann die Meinung der Alten bestaͤtiget, welche geglaubet, dieses Thier speye Feuer aus, wenn es die Zaͤhne auf einander reibt. Oftmahls steigt es aus dem Nil her- aus aufs Land, und gehet, wenn es sich mit Korne angefuͤllet, ruͤcklings wie- derum ins Wasser, und betreugt also die Bauern mit den Jaͤgern, daß sie sei- ne Spur nicht finden koͤnnen. Es ist nicht weniger schaͤdlich, als der Croco- dil. Wenn es zu fett worden, reibt es sich gegen ein Rohr, bis es ihm eine Ader geoͤffnet, die er hernach mit Schlamme wiederum verstopft, nach- dem es sich von einer gnugsamen Men- ge Blutes entlediget hat. Die Mohren essen, nach Clusius Berichte, das Fleisch, denn dieser ver- meldet, daß der Capitain von der Ha- gen solches in Guinea/ nahe bey Cabo Lopez Gonsalves gesehen, auch in der Stadt Libetto sehr viel Seepferde- koͤpfe angetroffen, aus welchen sein Volck die Zaͤhne, von ungemeiner Groͤs- se, gerissen. Diese haͤngen die Egy- ptier an den Leib/ wider die goldne Ader, oder tragen einen Ring von sol- chen Zaͤhnen. Die Schwartzen ge- brauchen sie auch wider andere Kranck- heiten. Peter von den Brock erzehlet, daß er auf seiner Reise nach Angola/ auf dem Landen Lavango/ vier Seepfer- de weiden sehen, welche als wie grosse Buͤffel ausgesehen, ihre Haut waͤre schier so glaͤntzend gewesen als wie der Kaninchen, die Koͤpfe wie die Roßkoͤ- pfe, die Ohren kurtz, die Nasenloͤcher weit, und haͤtten zwey krumme Zaͤhne im Rachen gehabt, wie die Hauer, kur- tze Schenckel, Fuͤsse wie Huflattichblaͤt- ter gestalt, und haͤtten gewiehert wie die Pferde. Bey Erblickung der Ma- trosen haͤtten sie gestutzt, und waͤren her- nach gantz gemachsam wieder nach der See zugegangen. Bisweilen haͤtten sie die Nase uͤber das Wasser erhaben, al- lein gleich wieder untergetauchet, sobald sie nur die Bootsleute verspuͤret, daß sie demnach kein eintziges toͤdten koͤnnen, ob sie es auch gleich noch so listig ange- gangen. Von dem gantzen Thiere bekommen wir in Franckreich nichts, denn nur die Zaͤhne zu sehen, aus denen, wegen ih- rer Groͤsse und Haͤrte, solche Zaͤhne ge- machet werden, dergleichen man denen- jenigen einzusetzen pflegt, welche Man- gel daran haben. Diese Zaͤhne brauchen keines wei- tern auslesens, wenn sie schoͤn weiß und aufrichtig Gut sind. Es wird auch noch ein ander Thier bey vielen Scribenten beschrieben ge- funden, und eben als wie dieses Hippo- Siehe Fig. 374. potamus, Seepferd genennet: ist aber, soviel ich wuͤste, weder zur Artzney, noch sonst zu etwas anders dienlich: und die- ses ist auch die Ursache, warum ich nichts davon vermelden werde. Matthio- lus aber sagte pag. 189. daß die Asche von diesem Seepferde mit Laspech und an- derm Fette vermischet, das Haar wach- sen mache. Das fuͤnff und dreyßigste Capitel. Vom Seekalbe. Siehe Fig. 375. L Amantin, Vache marine, Manati, die Seekuh, oder das Seekalb ist, nach des P. Tertre Berichte, in Europa ein gantz unbekannter Fisch. Er ist oft- mahls bis 15. und 16. Fuß lang; der Leib sieben oder acht Fuß in der Runde. Er hat ein Ochsenmaul, und Hundsau- gen, ein sehr schwaches Gesichte und gar keine Ohren; an deren Stelle aber zwey kleine Loͤchlein, darein man mit genauer Noth den kleinen Finger stecken koͤnte. Durch diese Loͤcher hoͤret er den- noch so scharf, daß die Bloͤdigkeit des Gesichtes durch die Schaͤrffe des Ge- hoͤrs zur Gnuͤge ersetzet wird. Unter dem Kopfe hat es zwey kleine Pfoten, wie Haͤnde, und an ieder vier kleine Fin- ger mit Naͤgeln, daher es auch von den Spa- TAB. LXIII. Seekuͤh oder Seekalb Fig. 375. p. 591. Seekäl berfang Fig. 376. p. 593. Seeschildkröte Fig. 377. p. 595. Seehuͤnd Fig. 378. p. 603. Fig. 380. p. 603. Roussette Hauptbeschreibung zweyter Theil. Spaniern Manaty, das ist, der Fisch mit Haͤnden betitelt worden. Von dem Nabel an wird es auf einmahl und jaͤhling kleiner, so daß der uͤbrige Leib, von diesem Theile an zu rechnen, den Schwantz ausmachet, der die Form ei- ner Ofenschauffel hat. Er ist andert- halben Fuß breit, und fuͤnff bis sechs Zoll dicke, auch mit eben einer solchen Haut, als wie der Leib, uͤberzogen, und eitel Fett und Nerven. Dieser Fisch hat keine Schuppen, wie die andern Fische, sondern er ist mit Leder bekleidet, welches dicker ist, als Ochsenleder; Die- se Haut oder Leder sieht als wie brau- ner Schieferstein, und ist gantz spaͤrlich mit braunen Haaren, den Wolffshaa- ren nicht ungleich, besetzet. Sein Fleisch schmeckt wie Kalbfleisch, allein es ist viel haͤrter, und an vielen Orten mit drey oder vier Finger dicken Specke bedecket, damit man spicken, und alles machen kan, was man sonst mit dem schweinen Specke zu machen pflegt. Dieser Speck ist trefflich koͤstlich. Viele schmeltzen das Schmeer heraus, und essen es an statt der Butter auf Brod gestrichen. Wann das Fleisch dieses Thieres einge- saltzen wird, verliehrt es viel von seinem Geschmack, und wird so harte, wie Holtz: wiewohl ich dafuͤr halte, daß dieses von dem Saltze des Landes herruͤhre, als welches uͤberaus scharff und beitzend ist. Jn dem Kopfe dieses Thieres wer- den vier Steine, zwey grosse und zwey kleine gefunden, welche die Kraft, den Blasenstein zu zertheilen und den Gries aus den Nieren zu treiben, haben sol- len. Allein ich weiß nicht, ob dieses Mittel zu gebrauchen ist, absonderlich, weil es Erbrechen erreget, und dem Ma- gen zuviel Gewalt anthut. Die Nahrung dieses Fisches ist ein kleines Kraut, das im Meere waͤchst, und er, als wie die Ochsen das Gras auf der Wiese, abweidet: hernach, wenn er satt worden, sucht er suͤß Wasser, und traͤnckt sich des Tages zweymahl. Wann er sich dann gesaͤttiget, entschlaͤft er, und haͤlt die Schnautze uͤber dem Wasser, welches ihn den Fischern von weitem entdecket, die alsofort nach ihm zu eilen, und auf folgende Art zu ertap- pen wissen. Siehe Fig. 376. Jhrer drey oder viere setzen sich in ein klein Canoes, welches ein kleiner Nachen ist, aus einem holen Baume in einem Stuͤcke gehauen, und in Form einer Chalupe. Der Fuͤhrer ist hinten im Canoes und beweget sein Ruder im Wasser lincks und rechts, regieret der- gestalt nicht allein das Canot, sondern treibt es auch so geschwinde fort, als ob es von einem kleinen Winde und mit halben Segeln fortgetrieben wuͤrde. Der Harponirer das ist der das Thier schießt, steht aufgericht vorne im Ca- noes, auf einem Brete, eine Stange oder Stock, wie eine Pique, in der Hand haltend, an dessen Spitze der Har- pon oder eiserne Wurfpfeil gestecket ist. Der dritte befindet sich mitten in dem Schifflein, und legt die Leine, die an den Harpon veste gemachet ist, zu rechte, damit er sie koͤnne fahren oder schiessen lassen, wenn das Thier getroffen wor- den. Alle zusammen sind stockstille, denn dieses Thier hat ein dermassen scharffes Gehoͤre, daß ein eintziges Wort, oder das geringste Anschlagen des Wassers an das Schiffgen, faͤhig ist das Thier fliehen, und der Fischer ihre Hoffnung zu schanden zu machen. Es ist eine rechte Lust zu sehen, wie dem Harponi- rer das Hertz im Leibe klopfet, aus Furcht, das Thier moͤchte ihm entwi- schen, dabey er sich dann immerzu ein- bildet, sein Fuͤhrer wende nicht die Helffte seiner Kraͤfte an, ob dieser gleich alles thut, was seine Arme vermoͤgen, und seine Augen nie von der Stange abwendet, mit deren Spitze ihm der Harponirer den Weg zeiget, den er halten muß, wenn er an das Thier, wel- ches schlaffend ihrer erwartet, gelangen soll. Wann nun der Kahn noch drey oder vier Schritte davon ist, so thut der Har- ponirer den Wurff, aus allen Leibes- kraͤften, und schießt dem Thier den Har- pon zum wenigsten einen halben Fuß tieff in den Leib. Die Stange faͤllt ins Wasser, der Harpon aber verbleibt in dem Thiere stecken, welches alsdann schon halb gefangen ist. Und nunmehr versammlet es, dieweil es sich heftig verwundet befindet, alle seine Kraͤffte, und legt sie zu seiner Rettung an: es springt in die Hoͤhe, wie ein entrissen P p Pferd, Der Spezereyen und Materialien Pferd, zertheilt die Wellen, wie der Ad- ler die Luft, und macht die See uͤberall, wo es durchstreicht, weiß und schau- mend. Es gedenckt sich von seinem Feinde zu entfernen, den es doch allent- halben mit sich schleppet, so daß man den Harponirer fuͤr den Neptunus anse- hen moͤchte, der gleichsam im Triumph von diesen Thieren gezogen wird. End- lich aber, und nachdem es sein Ungluͤck uͤberall hinter sich her geschleppet, an- bey einen guten Theil seines Blutes verlohren, entgehen ihm die Kraͤfte, der Athem mangelt ihm, und es muß ohn- maͤchtig und gezwungen, auf einmahl anhalten, um ein wenig auszuruhen. Allein es haͤlt nicht so balde stille, so zie- het der Harponirer seine Leine zu sich, naͤhert ihm abermahls, und schießt es mit der andern Harpon viel hefftiger, denn vorhin. Nach diesem andern Schuß oder Stoß spannet zwar das Thier seine noch uͤbrige wenige Kraͤfte an; allein, es ist bald darauf mit ihm aus, und die Fischer ziehen es gemaͤch- lich an das Gestade der ersten Jnsel, oder nehmen es in ihre Schuyte, wo sie an- ders groß genug dazu ist. Das Weiblein bringt zwey Junge, welche ihm uͤberalle folgen. Unter dem Bauche hat es zwey Zitzen, mit denen es die Jungen in der See saͤuget, als wie auf dem Lande eine Kuh ihr Kalb. Faͤngt man die Mutter, so hat man die Jungen auch gewiß, denn sie riechen ihre Mutter, und schwimmen so lange um den Kahn herum, bis man sie auch ihres Ungluͤcks theilhaftig macht. Die Einwohner dieses Landes ernaͤh- ren sich meistentheils mit dem Fleische dieses Thieres; auch werden jaͤhrlich gantze Schiffe voll vom vesten Lande und den umliegenden Jnseln nach Guadalupa, S. Christoffel/ Mar- tinigo und andere angelegene Jnseln gebracht und das Pfund um anderthalb Pfund Tabac verkaufft. Das sechs und dreyßigste Capitel. Von dreyerley Geschlecht der Schildkroͤten, la Franche, le Caret, und la Caoüanne genannt. Siehe Fig. 377. D Je Figur der Schildkroͤte/ sagt der P. Tertre, die ich allhier mit- theile, ist so nett und eigen gemacht, daß ich nur die Zeit verderben wuͤrde, wenn ich mich mit der Beschreibung ih- rer Gestalt lang aufhalten wolte. Dan- nenhero will ich nur berichten, was ei- gentlich die Schildkroͤten in den Jn- seln an sich haben, dadurch sie von den Europaͤischen unterschieden werden. Von allen diesen drey Gattungen oder Arten der Schildkroͤten kan man gantz fuͤglich sagen, daß es rechte dumme Thiere sind, schwer, taub und ohne Ge- hirn, denn in dem gantzen Kopfe, der doch so dicke ist als ein Kalbskopf, findet sich das Hirn nicht groͤsser als eine klei- ne Bohne: Dagegen haben sie ein treff- liches Gesichte, und eine ungemeine Groͤsse; wie dann das unterste Schild oftmahls allein fuͤnff Schuhe lang und viere breit ist. Jhr Fleisch, bevoraus derselbigen, welche la Franche genen- net wird, sieht dem Rindfleische der- massen aͤhnlich, daß einer ein Stuͤcke Fleisch von einer Schildkroͤte, bey ein Stuͤcke Rindfleisch geleget, kaum an- ders wird davon unterscheiden koͤnnen, als durch das Fett, welches gelbgruͤn siehet. Unter diesen Schildkroͤten, ver- stehe die Franches/ befinden sich welche, die eine gantze Tonne Fleisch geben, wenn alle Gebeine heraus genommen worden sind, den Kopf, Hals, Pfoten, Schwantz, Gedaͤrme und Eyer unge- rechnet, als von denen wol dreyßig Per- sonen auch noch eine gute Mahlzeit hal- ten koͤnnen. Uberdiß bekommt man so viel und uͤberfluͤßiges Fett davon, daß man gar gerne 15. oder zwantzig Kan- nen Oel machen kan, welches so gelb wie Gold siehet, und vortrefflich gut ist, Gebackens und allerhand Tuncken da- mit zu machen; doch muß es frisch seyn: denn wenn es zu alt worden, dient es allein zum brennen in die Lampen. Das Fleisch der Schildkroͤten ist mit so viel Lebensgeistern erfuͤllet, daß es sich des Morgens annoch ruͤhret, wenn sie gleich Abends vorher zerhauen wor- den. Jch bin eine geraume Zeit der Mei- nung gewesen, als ob die Schildkroͤten in diesen Quartiren drey Hertzen haͤt- ten, Hauptbeschreibung zweyter Theil. ten, weil oben aus dem Hertzen, welches so groß ist als eines Menschen Hertz, ein sehr grosser Pulsaderstamm entspries- set, an dessen beyden Seiten gleichsam zwey andere Hertzen angehencket sind, die so dicke als wie ein Huͤnerey, und von eben der Gestalt und Wesen, gleich- wie das erstere: allein, ich habe hernach- mahls meine Gedancken geaͤndert, und glaube nunmehro vestiglich, daß es nur die Hertzoͤhrlein sind. Doch ists ge- wiß, daß, wenn alles fein ordentlich auf eine Tafel geleget wird, solches eine Li- lie vorstelle; woraus denn ein gar vor- theilhafter Schluß von dem Zunehmen unserer Frantzoͤsischen Colonien und Volckpflantzungen in America koͤnte gemachet werden, alldieweil die goͤtt- liche Vorsehung, welche nichts umsonst gemachet hat, eine Lilie an das Hertz desjenigeu Thieres gepflantzet, welches das Sinnbild dieses Landes ist. Von der Schildkroͤte Caouanne. Diese ist von der erstern in diesem Stuͤcke unterschieden, daß sie einen viel groͤssern Kopf, gegen den Leib zu rech- nen, hat, als alle die andern Schild- kroͤten. Sie ist auch viel boͤser, und wehrt sich mit dem Rachen und den Pfoten, wann man sie angreiffen und umkehren will. Jedennoch wird sie we- nig geachtet, ob sie gleich unter allen diesen dreyen Geschlechten die groͤsseste ist, weil ihr Fleisch schwartz ist, seehaftig riechet, und gar uͤbel schmecket. Das Oel, welches daraus gezogen wird, ist scharf, und verderbet die Tuncken, darein es gethan wird, und deswegen wird es auch nicht, als in Ermangelung des andern, gegessen. Doch ist es nicht gantz und gar undienlich, sondern man ge- braucht es zum brennen in die Lampen. Diejenigen, welche sie bey der Jnsel der Crocodilen oder Caiman fangen, pfle- gen die Schildkroͤte la Franche darun- ter zu mengen, damit sie desto besser ver- kauffen moͤgen, allein sie theilt ihm ih- ren haͤßlichen Geschmack mit. Wenn der Kaouanne das grosse Schild abgenommen, und die Knorpel beginnen zu faulen, so loͤsen sich bald darauf acht grosse Blaͤtter oben ab, wel- che viel groͤsser sind, als die von der Schildkroͤte Caret, sind aber viel zaͤrter, und schwartz und weiß marbriret. Die grossen Spiegel werden damit beleget, und ist gewiß, wofern sie dicker waͤren, daß sie den Schilden der Caret wuͤrden gleich gehalten werden. Von der Schildkroͤte Caret. Diese ist die kleineste unter den drey Geschlechtern derer Schildkroͤten: das Fleisch ist zwar nicht so gut, als das Fleisch von der Franche/ iedennoch aber ist es besser als das von der Kaouanne. Das Oel ist ein trefliches Oel von der Caret. Mittel zu Staͤrckung der Nerven, zum Huͤftweh, und zu allerley kalten Fluͤs- sen. So kenne ich auch Leute, die sich dessen in Zufaͤllen der Nieren, von uͤber- nehmen entstanden, ersprießlich bedie- net haben. Was sie aber am meisten schaͤtzbar macht, ist das Schild, das sie oben auf dem Ruͤcken traͤgt, davon ein Pfund bis zu sechs Francken verkauffet wird. Al- les, was man von dieser Schildkroͤte nimmt, bestehet in dreyzehen Blaͤttern, acht platten, und fuͤnffen, die wie ein Eselsruͤcken gebogen sind. Unter den acht platten Schilden sind vier grosse, welche bis einen Schuh hoch und sieben Zoll breit, seyn muͤssen. Die schoͤnsten aber muͤssen dicke seyn, klar, durchsichtig, wie Spiesglas sehen, und weiß und braun, wie der Minoriten Kleidung, jaspiret. Es giebt Schild- kroͤten von dieser Art, welche bis zu sechs Pfund Blaͤtter auf dem Ruͤcken haben: daraus werden Kaͤmme und an- dere kleine Sachen verfertiget, die dann uͤberaus schoͤne, aber auch fein theuer sind. Dieses aber ist die Art und Wei- se, wie die Blaͤtter von der grossen Schale, welche eigentlich die Wohnung der Caret ist, herabzubringen: nach- dem man alles Fleisch herausgenom- men, wird Feuer drunter gemacht, so- dann lassen sich diese Blaͤtter, wenn sie die Waͤrme empfinden, gar fuͤglich mit der Spitze eines Messers abloͤsen. Das Oel, das aus dem Schmeer und Fett dieser Schildkroͤten bereitet wird, ist hitzig, und wird von den Wilden und Frantzoͤsischen Einwohnern hochgehal- ten, indem sie sich dessen wider das Huͤfftweh, Podagra, Krampf und Laͤh- mung der Glieder zu bedienen wissen. P p 2 Wie Der Spezereyen und Materialien Wie die Schildkroͤten gefangen werden. Die Schildkroͤten werden auf drey- erley Weise gefangen, wenn sie sich be- gatten, mit dem Harpon, und wenn sie aufs Land kommen. Die Schildkroͤten gatten sich vom Anfang des Mertzens bis mitten in den May. Alle Umstaͤnde, die dabey vor- gehen, lasse ich mit Willen aus, und sa- ge nur, daß es auf dem Wasser geschehe, dergestalt, daß sie gar leichtlich koͤnnen entdecket werden. Alsdann fallen ge- schwind zwey oder drey Mann in ein Kahn, fahren ihnen behende nach, und kommen gantz leichtlich an sie. Drauf legen sie ihnen eine Schlinge um den Hals, oder an eine Pfote, oder ergreif- fen sie, im Fall sie keinen Strick bey sich haben, mit der Hand, oben beym Hal- se, wo sich die Schale endiget. Bis- weilen bekommt man sie allebeyde, ins- gemein aber entwischet das Weiblein. Allein die Maͤnnlein sind um dieselbe Zeit mager und harte, hingegen die Weiblein sehr fett. Die Jagt der Schildkroͤten mit dem Harpon geschicht auf eben die Art, wie sie die Seekaͤlber zu jagen pflegen, ausgenommen, daß an statt des Har- pons, unten in die Stange, welche Varre genennt wird, ein viereckter sehr spitziger Nagel, des halben Fingers lang, geschlagen, und an diesen die Lei- ne feste gemachet wird. Wenn nun die Varre oder die Stange der Schild- kroͤte auf den Buckel geworffen wird, tringet der Nagel bis in die Helfte der Schale, die aus lauter Bein bestehet, hinein, und haͤlt darinne, als ob er in eine Eiche geschlagen waͤre. Die Schild- kroͤte so sich getroffen empfindet, wendet eben soviel Kraͤfte an, als wie der La- mantin, und der so sie geschossen, und Varreur genennet wird, gleichen Fleiß. Nun sagen wohl etliche, der Schildkroͤ- te entgiengen die Kraͤfte, von wegen des vergossenen Blutes; dieselben aber wis- sen nicht, daß sie keinen einigen Tro- pfen Bluts aus dem verwundeten Or- te, ehe und bevor der Nagel herausge- zogen worden, vergiesset. Vom April an bis auf den August- monat kommen die Schildkroͤten zu Lande: dann um dieselbige Zeit befin- den sie sich ihres Wachsthums halber, und wegen der grossen Menge Eyer, de- rer zuweilen bis auf 2000. sind, be- schweret, und also von Natur genoͤthi- get, daß sie ohnverzuͤglich bey der Nacht die See verlassen, und einen Ort am Strande aussuchen muͤssen, an dem sie sich ihrer Buͤrde, wenigstens zum Theil, entledigen moͤgen. Wenn sie nun ei- nen Ort ausgefunden, der zu ihrem Vorhaben dienlich und beqvem, und iederzeit sandicht ist, so lassen sie es die- selbe Nacht dabey bewenden, daß sie den Platz erkundiget, kehren gantz ge- machsam zuruͤcke nach der See, und verschieben das uͤbrige auf die folgende Nacht, oder auch auf eine andere; den Tag uͤber weiden sie in dem Grase an den Steinklippen, und schwimmen hin und her, sonder Zweiffel, damit sie sich von demjenigen Orte, dahin sie legen wollen, nicht allzuweit entfernen moͤ- gen. Wann dann die Sonne wiederum will zu Ruͤste gehen, lassen sie sich gantz oben auf den Wellen sehen, und schau- en auf allen Ecken um, gleich als ob sie sich einiger Nachstellung befuͤrchteten. Wann sie nun iemand am Strande ge- wahr werden, denn sie ein uͤberaus scharffes Gesichte haben, suchen sie also- fort einen sicherern Ort. Mercken sie aber niemand, so kommen sie bey der Nacht aufs Land, und nachdem sie sich uͤberall wohl umgesehen, heben sie an zu arbeiten, und mit den Vorderpfoten ein rundes Loch zu graben, welches sie eines Fusses breit und anderthalb Schuh tieff machen. Darauf setzen sie sich druͤber, und legen auf einmahl, hintereinander, zwey oder drey hun- dert Eyer, welche so groß und rund sind, als wie ein Spielball. Die Schale dieser Eyer ist zaͤhe, wie ein feuchtes Perga- ment: das weisse kan niemahls gar gekochet werden, ob schon das gelbe leichtlich harte wird. Die Schildkroͤte verharret laͤnger als eine Stunde uͤber dem legen, und zu solcher Zeit koͤnte ein geladener Wagen uͤber sie hinfahren, ohne daß sie von der Stelle weichen wuͤrde. Nachdem sie nun ihr Werck vollbracht, verstopft sie das Loch so ge- schicklich, und scharret so viel Sand drum herum, daß einer alle Muͤhe hat die Hauptbeschreibung zweyter Theil. die Eyer zu finden. Wann dieses ge- schehen, so verlaͤßt sie dieselbigen, und kehret wieder nach der See. Die Eyer aber werden dergestalt in dem Sande, darinne sie sechs Wochen liegen, ausge- bruͤtet: nach deren Verlauff kriechen die kleinen Schildkroͤten, die so groß sind als die Wachteln, aus, und fliehen ge- rade nach der See, ob ihnen schon nie- mand den Weg dahin weiset. Be- kommt man sie aber, ehe sie noch dahin gelangen, werden sie mit Haut und Haar zugerichtet, denn sie geben ein delicates Essen. Die Requiem und andere grosse Fi- sche mehr bekriegen sie gantz grausam- lich, und fressen bey nahe so viel, als nur in die See kommen, und denn ist die gemeine Sage der Einwohner, daß das gantze Land damit bedeckt seyn wuͤrde, wenn gleich von iedem Satze mehr nicht denn zwey davon kommen solten. Die nun entwischen, begeben sich in die saltzichten Seen und Mora- ste, unter die Klippen, und unter die Wurtzeln der Paretuvierbaͤume/ welche als wie Boͤgen und dermassen in einander geschlungen seyn, daß die grossen Raubfische ihnen nicht zukom- men koͤnnen: allda verbleiben sie, bis sie entweder zu entfliehen, oder sich selbst zu beschuͤtzen vermoͤgend sind. Sie kommen niemahls aufs Land, ausser bey der Nacht, und wenn der Mond untergangen. Am haͤuffigsten aber kommen sie zu Lande, wenn es regnet, donnert und blitzt. Wenn sie aufs Land gekommen, so senden unsre Frantzosen ihre Leute uͤberallehin, wo sich gute Sandbaͤncke befinden, hernach wird das Fleisch un- ter sie gleich ausgetheilet. Andere aber thun sich zu sechsen oder sieben zusam- men, ruͤsten ein Canoe aus, welches ze- hen, zwoͤlff, bis funffzehn Vaͤsser, auch wohl drey oder vier Tonnen zu tragen vermag, und suchen die Sandbaͤncke, welche am meisten von den Schild- kroͤten besuchet werden; hernach thei- len sie die Nacht in vier Theil, und ein ieder haͤlt den vierten Theil hindurch Wache, und gehet langs der Banck auf und ab. Finden sie eine Schildkroͤte, so kehren sie dieselbe um und auf den Ruͤcken, und lassen sie also bis an den Morgen liegen, unbesorget, daß sie sich wieder umkehren werde. Einige sagen, daß sie seuftzeten und weineten, wenn sie solcher gestalt umgewendet worden: daß sie seuftzen, mag wohl wahr seyn, was aber die Thraͤnen betrifft, die sind nichts anders als eine gewisse Feuchtig- keit, die ihnen aus den Augen rinnet, und man fuͤr Zaͤhren angesehen hat. Begiebt sichs, daß etwa eine Schild- kroͤte so groß waͤre, daß ein Mann mit ihr nicht koͤnte zu rechte kommen, so bringt er sie doch stracks zu paaren, wann er sie nur ein vier oder fuͤnffmahl mit seinem Kolben auf die Schnautze schmeißt. Wer sich eine Lust will machen, der setzt sich ihr auf dem Ruͤ- cken, haͤlt ihr die Augen mit den Fingern zu, und leitet sie, wohin es ihm belie- bet: wann es aber auch schon zehen Meilen tief ins Land hinein waͤre, wird sie doch, wenn man sie frey laͤßt, ihren Weg gerade nach der See zu nehmen, ob man sie auch schon hundert mahl um- drehete. Ein iedweder giebt seinen An- theil zu Saltze, damit das Fleisch ein- gesaltzet wird; bey der Wiederkehr aber wird das Fleisch unter sie gleich ausge- theilet, doch bleibt ein Loos vor denje- nigen, dem der Fang zustehet. Die Caret kommt siebenzehn Tage vorher, ehe sie ihre Eyer legt, und be- sichtiget das Land: so daß, wann einer einen Zug oder Gang derselben ange- troffen, und keine Eyer gefunden hat, er nur den siebenzehenden Tag hernach wieder dahin gehen darff, so wird er sie unfehlbar erwischen. Die Caret ist eben so boͤse als die Kaouanne; sie beißt haͤrter, und haͤlt recht hartnaͤckicht: denn als ich eines Tages eine lebendige wolte nach unse- rer Huͤtte tragen lassen, und sie an bey- de Hinterfuͤsse uͤber einen Hebebaum, den zwey von unsern Knechten auf der Achsel trugen, aufgehencket hatte, bisse sie den einen in die Hinterbacken, daß er erschroͤcklich zu schreyen begunte, so daß iederman von den Hausleuten zulieffe, auf sie schlug und sie brennete, sich auch bemuͤheten ihr den Rachen mit eisernen Staͤben aufzubrechen; al- lein sie ließ das, was sie einmahl gefas- set, nicht wieder gehen, bis man ihr den Hals abgestochen. P p 3 Das Der Spezereyen und Materialien Das sieben und dreyßigste Capitel. Vom Seehund. Siehe Fig. 378. D Jeser ist ein ziemlich dicker Fisch, der sich an unterschiedlichen Orten aufhaͤlt, sonderlich aber um Spanien und Bayonne. Von diesem Fische ver- kauffen wir nichts, als die Haut, welche diejenigen, die in Holtz arbeiten, gar sehr gebrauchen, indem sie trefflich wohl zum poliren dienet. Die rechten See- hundehaͤute, wenn sie schoͤn seyn sollen, muͤssen groß und breit seyn, die Koͤrner darauf rauh, nicht zu groß, noch zu klein; so muͤssen auch die Ohren und Floßfedern annoch dran seyn. Man bringt uns ingleichen von la Hogue, in der niedern Normandie ge- legen, die Haut von einem Fische, der dem Seehunde ziemlich aͤhnlich ist, und Siehe Fig. 379. den Namen Doucette oder Bosette bekom- men hat; und dieser Haut bedienen sich die Handwercksleute, als wie der Haut vom Seehunde, obschon kein geringer Unterschied dazwischen ist, indem die Haut des Seehundes uͤber die massen rauch ist, diese dagegen nur ein wenig. Es ist uͤberdiß die Haut des Seehun- des allezeit braun, der Roussetten aber von allerhand Farben, auch viel kleiner, und iederzeit auf dem Ruͤcken wie mit kleinen Sternlein besetzt, daher sie auch zu Paris sehr wenig, und fast nirgends als in Auvergne gebrauchet werden. Es gebrauchen auch diese beyde Haͤu- te, ohne diejenigen Handwercker, die in Holtz arbeiten, noch andere mehr, als da sind, Scheidenmacher, und derglei- chen. Wir verkauffen auch noch eine an- dere Fischhaut, welche, nach einiger Beduncken eine Gattung Rets seyn soll, die aber in Franckreich, England und an andern Orten blos zu Messergriffen gebrauchet werden. Das acht und dreyßigste Capitel. Vom Thunnfisch. Siehe Fig. 380. D Er Thunnfisch/ den die Lateiner Thunnus, auch Thynnus nennen, ist ein ziemlich grosser, dicker und groß- baͤuchichter Fisch. Er befindet sich haͤuffig in der Mittellaͤndischen See, sonderlich in der Gegend um Proven- ce/ bey S. Tropez und Nizza/ von welchen Orten alle derjenige kommt, den wir verkauffen. Er wird zwar auch in Spanien gefangen, allein der kommt nicht bis zu uns. Er wird im September und October gefangen; bey welcher Fischerey so vie- lerley sonderliche Sachen vorgehen, daß sie die Fischer den Fremden sehen lassen: denn dieses ist die Zeit, da sie aus dem grossen Weltmeere kommen, und nach der Mittelsee, von dar aber, als wie die Anchovies, nach Levante zu, streichen. Allein, ich will alle besondere Umstaͤnde dieser Fischerey bey seite setzen, und melden, daß die Leute in Provence/ wenn nun der September herbey ge- kommen ist, grosse Netze in die See werffen, welche aus Stricken von Bin- Siehe Fig. 381. sen, die sie Madrague nennen, gema- chet, und dergestalt zugerichtet sind, daß sie gleichsam in Kammern und be- sondere Zimmer abgetheilet, unter de- nen das erste das groͤste ist, damit die Thunnfische, wenn sie aus dem groͤssern in die kleinern gegangen, nicht wieder zuruͤcke koͤnnen. Wann dann das Netze voll ist, oder die Fischer haben der Fische genug, welches in gar weni- ger Zeit geschicht, entweder, weil es ih- rer so gar viel giebet, oder aber, weil die andern, wenn nur einer in das Netz ge- gangen, demselben, wie die Schaafe zu thun pflegen, alle mit einander folgen. Sobald das Netz aus der See gezogen, stehen die Fische gleich ab, weil sie nicht ausser dem Wasser leben koͤnnen: drauf werden sie an die Luft gehangen, aus- genommen, und ihnen der Kopf abge- schnitten. Hernach, wenn sie in Stuͤ- cken zerschnitten worden, werden sie auf grossen eisernen Rosten gebraten, in Oel geroͤstet, und endlich, wenn sie mit Saltz, Pfeffer, Naͤglein, und etlichen Lorbeer- blaͤttern abgewuͤrtzet, also gekocht und zum Essen bereitet worden, mit Baum- TAB. LXIIII. Hauptbeschreibung zweyter Theil. Baumoͤl und Eßig in kleine Faͤßlein ein- gelegt, und an unterschiedene Oerter versendet, woselbst er wegen dieser Zu- richtung Thon oder Thonine marine ge- heissen wird. Wir zu Paris verkauffen zweyerley Thunnfisch, welcher doch nur darinne unterschieden ist, daß aus dem einen die Graͤten samt dem Ruͤckgrate genom̃en worden, und deshalben ausgegraͤte- ter Thunnfisch, oder Thunnfisch ohne Graͤten genennet wird, und ist insge- mein in kleine weisse hoͤltzerne Faͤßlein geleget, die oben weit und unten enge sind: der andere, aus dem die Graͤten nicht genommen sind, liegt in runden Faͤßlein. Beyderley Thunnfisch soll man er- wehlen, der da frisch sey und harte, mit gutem Baumoͤl eingeleget, und an dem das Fleisch so weiß, wie Kalbfleisch sey. Der Thunnfisch ist in Europa sehr gebraͤuchlich, wie auch an andern Or- ten, weil er nicht nur zum Essen bereit und fertig ist, sondern auch, weil er als wie Kalbfleisch schmecket. Mit dem Thunnfisch wird noch ein andrer Fisch zugleich gefangen, welchen die Leute in Provence Jmperador, Jmperador und Delphi- nen. den Kaͤyser nennen. So siehet man auch Delphinen dabey, deren allezeit zwey und zwey beysammen schwim- men: weil nun diese gewohnet sind, al- le beyde zugleich in die Hoͤhe zu sprin- gen, so entgehen sie aus dem Netze, und lassen sich nicht fangen, und muß man sich verwundern, daß sie sogleich, einer nach dem andern aus dem Wasser sprin- gen, und in einem Augenblicke in die See fallen, gleich als ob sie zusammen gebunden waͤren. Das neun und dreyßigste Capitel. Von den Anchovies und Sardellen. Siehe Fig. 382. und 383. W Jr verkauffen desgleichen, ohne den Thunnfisch, Anchois/ die wir eben von denselben Orten, daher der Thunnfisch kommt, bringen lassen. Weil wir denn einen grossen Handel damit treiben, derowegen soll man die erwehlen, welche fein klein sind, frisch, aussenher weiß, inwendig roͤthlicht, und fein derb, die auch einen runden Ruͤ- cken haben: denn man sagt, die dicken und platten waͤren die Sardellen. Die Bruͤhe muß auch, wenn man die Faͤß- lein eroͤffnet gut schmecken, und nicht uͤbel riechen. Die Anchovis werden an unter- schiedlichen Orten gefangen, in der Genuesischen Rivier/ in Catalonien/ zu Nizza, Cannes/ bey Antibes/ Saint Tropez und andern Orten in Provence. Solches aber geschicht al- leine bey der Nacht, und allezeit im May, Junius und Julius, denn in diesen Monaten kommen sie aus der grossen Weltsee, und ziehen in die Mit- telsee, und gegen den Morgen. Wenn sie auf den Anchoviesfang ausgehen, und eine rechte Menge der- selben fangen wollen, so machen sie vor- ne auf das Schiff ein Feuer, auf einen eisernen Rost, und fahen also die Fische, welche dem Scheine folgen. Diß aber ist betrachtens werth, daß die Anchois/ welche vermittelst des Feuers gefangen werden, nicht so gut sind, noch so derb, lassen sich auch nicht so wohl aufbehal- ten, als wie diejenigen, welche man oh- ne Feuer faͤhet. Nach verrichtetem Zuge werden ihnen die Koͤpfe abgeris- sen, damit man sie vor den Sardellen erkennen moͤge, denn an diesen werden sie gelassen: auch werden zugleich die Gedaͤrme heraus gezogen, damit sie nicht verderben, nicht aber deswegen, wie Furetiere meinet, weil sie die Gal- le im Kopfe haben. Was die Art und Weise ihrer Zurichtung betrifft, da thut man weiter nichts an, als daß man sie fein ordentlich in kleine Faͤßlein le- get, von denen die groͤsten zum hoͤchsten fuͤnff oder sechs und zwantzig Pfund waͤgen, und eine sattsame Menge Saltz dazu thut. Wir lassen wohl auch trock- ne Sardellen kommen, iedoch gar sel- Trockne Sar- dellen. ten; denn weil ihrer gar wenig verthan werden, auch ein sehr schlechter Ge- schmack an diesem kleinen Fische befun- den wird, deshalben lassen diejenigen, welche sie einmahl verschrieben, keine mehr zum andern mahle kommen. Als ich zu Royan/ welches ein klei- nes Staͤdtlein in Xaintonge ist, mich aufhielte, woselbst es die meisten Sar- dellen Der Spezereyen und Materialien dellen giebt, ob ihrer schon in Jtalien und Provence gleichfalls nicht wenig zu finden, haben mich etliche Fischer ver- sichert, daß diese Fische niemahln an- ders als Truppenweise zoͤgen, und von ihrem Koͤnige und Obersten, gleichwie die Bienen, gefuͤhret wuͤrden. Das viertzigste Capitel. Vom Meerschwein. Siehe Fig. 384. M Arsouin oder Meerschwein, ist ein grosser, gar sehr bekannter Fisch, der viel gebrauchet wird, indem er ein recht herrliches Essen, und darum auch unter die koͤniglichen Fische gezehlet worden ist. Von diesem Fische ver- kauffen wir dennoch allein das Fett, oder das gewuͤrtzte und ungewuͤrtzte Oel, welches nichts anders ist, als das geschmoltzene Fett, dessen Gestanck mit ein und anderem Gewuͤrtz in einen an- genehmen Geruch verwandelt worden. Diesem Fett und Oel wird die Kraft zu- geschrieben, daß es die kalten Fluͤsse zer- theilen soll. Einige Apothecker berei- ten von dem Meerschwein, vermittelst einer Retorte, unterschiedene Sachen, denen gleichergestalt unterschiedliche Ei- genschaften beygeleget werden. Das ein und viertzigste Capitel. Vom Blackfisch. Siehe Fig. 385. W As die Lateiner Ossa sepiæ nennen, das ist der Ruͤcken eines Fisches, der im Ocean, wie auch in dem mittel- laͤndischen Meere gantz gemeine ist. Diese Fische haben eine sonderliche Ein- bildungskraft, und gantz wundersame Natur. Sie werden in Franckreich in unterschiedenen Staͤdten gegessen, zu Lyon, Bourdeaux, Rochelle/ Nan- tes/ und anderswo mehr. Die Bei- ne dieses Fisches haben nicht einerley Groͤsse, iedennoch sind die groͤsten nicht groͤsser denn ein halber Schuh: sie sind weiß, und auf der einen Seite harte, an der andern aber gantz zarte, daher sie auch von den Goldschmieden zu For- men gebrauchet werden. Etliche aber bꝛauchen sie die Zaͤhne damit zu saubeꝛn, doch meistentheils werden sie von den Goldschmieden, und von denenjenigen verbrauchet, welche das so genannte Venedische Lack machen. Das zwey und viertzigste Capitel. Vom Soldat. Siehe Fig. 386. D Er Soldat/ sagt der P. Tertre/ ist ein Geschlecht der kleinen Kreb- se, drey oder aufs hoͤchste vier Zoll lang: die Helfte seines Leibes gleichet der See- heuschrecke, doch ist er mit einer etwas haͤrtlichen Schale bedecket. Er hat vier Fuͤsse, als wie die Krabben oder Taschenkrebse, und zwey Scheeren, von denen die eine kaum so groß ist als der an- dern Fuͤsse einer; die andere aber ist breiter als ein Zoll, und rund, kneip- pet uͤber alle massen scharff, und ver- schließt das gantze Loch der Schnecken- schale, darinne er wohnet. Der uͤbri- ge gantze Leib, so nichts anders als eine Gattung mit Blut erfuͤllter Wuͤrste, daran die Haut ziemlich rauh, und dicke, ist nicht dicker als ein Finger, und halb so lang oder noch etwas laͤnger. Zu hinterst hat er einen kleinen Schwantz, der aus drey kleinen Naͤgeln oder Schulpen bestehet, gleich als der Schwantz der Seeschildkroͤte. Diese gantze Helfte des Leibes steckt voll Tau- maly/ welches ein oͤhlichtes Wesen, der- gleichen auch in den Schalen der Krab- ben zu befinden: allein, dieses ist roth, und zergehet oder zerfließt als ein Oel, Balsam oder Oel vom Sol- dat. wenn es zum Feuer oder an die Sonne gestellet wird, und ist ein herrlicher Bal- sam zu frischen Wunden, den ich selbst an viel Personen mit gantz gluͤcklichem Erfolg probiret und versuchet habe. Die Einwohner halten uͤberaus viel drauf, und ist kein eintziger unter ihnen, der sich nicht damit versehen solte. Alle Jahr ziehen sie einmahl herab an den Seestrand, nicht weiß ich, ob sie sich allda baden, oder ob sie die Eyergen abschuͤtteln, als wie die Krebse thun: wohl TAB. LXV. Meerschwein Fig. 374. p. 607. Hlackfisch Fig. 375. p. 607. Soldat Fig. 384 p. 607. Krebs Fig. 388 p. 611. Huͤmmer Fig. 387. p. 611. Hauptbeschreibung zweyter Theil. wohl aber weiß ich, daß solches darum geschehe, damit sie ihre Haͤuser veraͤn- dern moͤgen, denn ihnen die Natur, die sie um das Hintertheil gantz nackend geschaffen hat, stracks bey ihrer Ge- burt einen innerlichen Trieb einge- pflantzet, daß sie sich nach einer Woh- nung umthun. Daher, so bald sie nur auf die Welt gekommen, suchet ihm ein ieder alsofort ein Schneckenhaͤuslein, das sich zu seiner Groͤsse schicke: darein stoͤst er den Hintern, und packt es auf, und kehret also mit eines andern Haut und Schale bekleidet und verwahrt, samt den andern, wie die Soldaten, nach den Gebirgen wiederum zuruͤcke, nisten in den Klippen und holen Baͤu- men, als wie die Krabben, und leben, eben wie diese, von Blaͤttern, faulen Holtze und verfaulten Fruͤchten, zuwei- len auch von den Manzenillenaͤpfeln. Und daher kommts, daß sie so hoͤchst ge- faͤhrlich sind, ob sie schon die Einwohner zu essen pflegen, und hoch halten. Jch selbst vermeinte einsmahls, ich wuͤrde die Seele druͤber ausblasen muͤssen, als ich ihrer ein Paar auf dem Lande, un- ter den Manzenillenbaͤumen/ geges- sen hatte. Jnzwischen nehmen unsere Solda- ten in dem Gebirge zu, und die Scha- len, die ohne dem eigentlich vor sie nicht gemachet waren beginnen sie zu druͤ- cken, und den Hinterleib dermassen einzuklemmen, daß sie abermahls ge- noͤthiget werden, an den Strand herab zu kommen und ihre Behausung zu ver- aͤndern. Diejenigen, welche in acht ge- nommen, was bey dieser Veraͤnderung pflegt fuͤrzugehen, werden nebst mir aufrichtig bekennen muͤssen, daß es ei- ne recht grosse Lust sey, wenn man ih- nen zusiehet: denn sie halten bey allen Schneckenhaͤuslein, die sie antreffen, stille, verlassen so fort das alte, wenn sie eines gefunden, das ihnen anstaͤndig zu seyn beduncket, und stossen das Hinter- theil ihres Leibes darein, so daß es schei- net, die Luft muͤsse ihnen sonderlich zu wider seyn, oder sie schaͤmen sich ihrer Bloͤse. Aristoteles hat gemeldet, die Thiere kaͤmpfeten nur um die Nahrung mit einander, und wegen des Begattens, haͤtte er aber wissen sollen, was diese Thiere zu thun pflegen, wuͤrde er ge- wißlich noch dazu gesetzet haben, und auch um das Quartir oder die Woh- nung. Denn so ofte als ihrer zwey zu ei- ner Zeit sich entbloͤset, und in ein Schne- ckenhaͤuslein kriechen wollen, beissen und schlagen sie sich so lange, bis der schwaͤchere dem staͤrckern weichen und das Haͤuslein uͤberlassen muß; der dann, sobald er sich nur damit beklei- det, drey oder viermahl am Strande herum laͤuft: dafern ihm aber dasselbe nicht anstaͤndig ist, verlaͤßt ers, und su- chet ein anders. Sie aͤndern oftmahls wohl fuͤnff und sechsmahl, ehe sie eines antreffen, daß ihnen recht anstehet. Jn ihrer Schale haben sie einen hal- ben Loͤffel voll klares Wasser, welches ein allgemeines Mittel ist wider die Blasen und Beulen, welche von dem Wasser oder der Milch, die von den Manzenillenbaͤumen einem auf die Haut getroͤpfelt, auflauffen. Wenn man einen anfasset, laͤßt er seinen Unwillen spuͤren, und schreyet gleichsam gre, gre, gre, versucht auch den, der ihn haͤlt, mit seiner grossen Scheere zu ertappen, und laͤßt sich ehe erschlagen, ehe er gehen liesse, was er einmahl angepackt. Mich erwischte einsten ein solcher Soldat vornen beym Finger, und machte mir bey zwey Stunden lang unertraͤgliche Schmer- tzen. Nach der Zeit hat man mich ge- gelernet, daß man nur die Schale heiß machen duͤrffte, so liessen sie nicht allein gehen, sondern verliessen auch ihre Be- hausung, und trachteten zu entflie- hen. Sobald die Einwohner diesen Fisch gefangen, ziehen sie ihm einen Faden durch den Kopf und hencken ihn an die Sonne, und fangen das Oel auf, das herauslaͤufft, welches so dicke ist als Butter, und uͤberaus heftig stinckt. Mit diesem Oele lauft zugleich ein roͤth- lichtes Wasser herab, welches verhin- dert, daß das Oel nicht rantzicht werde. Es ist trefflich gut fuͤr die Fluͤsse, und ver- treibet sie dermassen geschwinde, daß die- jenigen, die dessen Kraft empfunden, sol- ches viel ehe einem Wunderwerck als menschlicher Huͤlffe zugeschrieben. Die Wilden, welche mit dieser Kranckheit sehr geplaget sind, brauchen keine andere Q q Artzney, Der Spezereyen und Materialien Artzney, welches denn verursachet, daß sie dieses Oel also theuer verkauffen, und dasselbe in Franckreich so gar selt- sam ist. Jhrer etliche haben mich vergewis- sern wollen, der Soldat habe die Ge- stalt des Fisches Eperlan; allein weil ihn der Ehrw. P. Tertre/ so genau be- schrieben, und solches auch der P. Plu- mier bekraͤftiget hat, als habe ich besser zu seyn erachtet, wenn ich vielmehr die- sen folgete, als jenen Leuten, die es nur von hoͤren sagen haben; doch habe ich niemahls eine Schale, oder das Fett und Oele bekommen moͤgen, ob ich mich gleich sehr darum bemuͤhet. Das drey und viertzigste Capitel. Von See- und Fluß-Krebsen. Siehe Fig. 387. E S vermeldet der P. Tertre, daß es zweyerley Gattung der Krebse, die man insgemein Hummer zu nen- nen pfleget, gebe, welche blos darinne von einander unterschieden, daß die ei- nen zwey grosse Scheeren haben, viel laͤnger und brciter, denn’ eine Hand, auch weit staͤrcker denn der Krabben ih- re: dahingegen die andern gar keine Scheeren haben, sondern nur zwey grosse emporstehende Baͤrte, Fuͤsse wie die andern Krabben und eines Armes lang. Jch glaube gaͤntzlich, daß es die- selben sind, die wir auf Frantzoͤsisch Pan de marine nennen. Sie wachsen uͤber- maͤßig groß, und es giebt ihrer, die bey nahe drey Fuß lang sind. Jhr Fleisch ist weiß und saftiger, denn das Fleisch der Krabben, allein viel haͤrter und schwerlich zu verdauen: wird mit Pfef- fer und Zitronsafte gegessen. Sie werden des Nachts bey Fackeln gefangen, an steinichten Orten, wenn das Meer abgelaufen, und kleine Pfuͤ- tzen und Graͤben voll Wasser gelassen hat, da sucht man sie zusammen, und sticht sie, oder haut sie auch wohl mit ei- nem Saͤbel von einander. Von diesen Seekrebsen oder Hum- mern wird nichts zur Artzney ge- braucht, als die grossen schwaͤrtzlichten Scheeren, welche von etlichen, und son- Chelæ Can- crorum. derlich in England, Chelæ Cancrorum genennet werden. Krebsaugen oder Steine. Von den Flußkrebsen verkauffen wir ordentlicher Weise allein die klei- nen weissen Steine, wie ein Auge for- miret, daher auch ihr Name entstan- den, ob es sich schon nicht gar zu wohl reimet, weil es nichts als kleine Stein- lein sind, die man in den Koͤpfen oder Siehe Fig. 388. Nasen der grossen Bachkrebse findet. Diese Steine, welche von den mei- sten Oculi Cancrorum, Krebsaugen, genennet werden, werden fast allein im May und Junius gefunden, denn um dieselbe Zeit werffen die Krebse ihre Schalen ab. Die Krebssteine/ die wir verkauf- fen, kommen aus Holland. Wolte man nun dem Medico des Polnischen Abgesandten glauben, der sonsten ein rechtschaffener und gelehrter Mann ist, so hat derselbe mich versichert, daß das- jenige, was wir unter dem Namen der Krebsaugen zu verkauffen haben, nichts anders waͤre, als eine gewaschene weisse Erde, welche zu solchen kleinen Kuͤchlein gemachet, und mit einem aus- druͤcklich hierzu verfertigtem Jnstru- mente gestaͤmpfelt wuͤrden, damit auf diese Art das kleine Gruͤblein drein ge- bracht moͤchte werden, hernach wuͤr- den sie im Ofen gebacken und zu uns ge- sendet. Zu mehrerer Bescheinigung seines Vorgebens, vermeldete er, daß zwey Personen in Amsterdam waͤ- ren, welche nichts anders thaͤten, als diese kleine Steine nachmachen, wel- ches ich dennoch durch Briefe nicht er- fahren koͤnnen, ob ich gleich grossen Fleiß darauf gewendet. Endlich moͤchte wohl was dran seyn, indem doch unmoͤglich in Holland, und an andern Orten so viel Krebse duͤrfften gefunden werden, aus den man eine solche Menge dieser Steine ziehen koͤnte, als nur allein in Holland verthan werden, massen schier kein ein- tziger Hollaͤnder zu finden ist, der sie nicht gebrauchen und immerfort im Munde haben solte, ohne was noch zur Artzney, wie auch in Franckreich und an andern Orten davon verbrauchet wird. Ja ich habe selbst gesehen, daß die Krebsaugen zu Paris so wohlfeil gewesen, daß man nicht mehr als 20. und 22. Sols fuͤr das Pfund gegeben. Anders Hauptbeschreibung zweyter Theil. Anders Theils aber kan ich auch nicht wohl glauben, daß die Hollaͤnder, als welche sonsten klug und witzig genug sind, so einfaͤltig seyn solten, und fort fuͤr fort eine Artzney gebrauchen, die doch nur blose Erde waͤre. Weil ich dann dieses Dinges nicht recht kundig werden koͤnnen, als will ich es den Ver- staͤndigern zu entscheiden uͤberlassen, indessen aber sagen, daß sie fein weiß seyn sollen, und so groß, als immer moͤg- lich. Anietzo werden sie starck gebrau- chet und sehr hoch gehalten, absonder- lich, seit dem man verspuͤret, daß sie ein kraͤftiges Alcali, und vermoͤgend sind das Erbrechen zu stillen: iedoch soll man sie nicht ehe gebrauchen, als bis sie gantz zarte gerieben worden, sodann nimmt man sie, ohngefehr eines halben Quintleins schwer, in warmer Bruͤhe oder in einem andern tauglichen liquor ein. Die allerkleinsten thut man in die Augen, wenn etwas hineingefallen. So hat auch der Herr Charras wieder mich gesaget, wie daß er aus den Krebs- steinen viel fluͤchtiges Saltzes und eine Tinctur gezogen habe, erwehnet auch derselbigen in seiner Apotheckerkunst p. 797. welches ihm auch gantz gerne glaube, massen er kein solcher Mann ist, der etwas fuͤrzugeben pfleget, das sich doch anders befinden duͤrffte. Wie- wohl dieses mit demjenigen, was obge- dachter Medicus gesaget, nicht aller- dings uͤbereinkommt; sintemahl aus der Erfahrung bekannt, daß Erde, die keinen Geschmack hat, als wie die weis- se Hollaͤndische, weder Oel noch Saltz geben kan. Zudem, wenn diese Krebs- augen auf gluͤhende Kohlen geleget werden, werden sie schwartz und ver- brennen, wie alle andere Beine. Wir verkauffen auch, ausser die Krebssteine, die Asche von Krebsen, Krebsasche. welche mit leichter Muͤhe kan bereitet werden; wenn man naͤmlich die Krebse in einem Topfe, der im Feuer aushaͤlt, verbrennet: dieselbige muß gelb sehen, und wohl zugerichtet seyn, weil die, wel- che schwartz ist, nichts taug, indem sie gar zu sehr gebrannt ist. Sie wird aber wenig zur Artzney gebraucht, ohne zu etlichen Galenischen composition en, z. E. zum Emplastr. mundificatio de apio, welches der Laͤnge nach in der Pharma- copœa des Herrn Verny, Apotheckers zu Montpellier, mit dem zu sprechen ich mehrmahls die Ehre gehabt, beschrie- ben stehet. Er hat auch uͤber des Herrn Bauderons, Apotheckers zu Macon, commenti ret. Das vier und viertzigste Capitel. Vom Boutarc und Caviaro. B Outarc ist der Rogen eines Fi- sches, den die Leute in Provence/ Muge oder Mujon nennen, und der sich haͤuffig in der Mittellaͤndischen See antreffen laͤßt. Der allerbeste kommt von Tunis aus der Barbarey, doch wird er auch zu Martegue, acht Meilen von Marseille/ gemacht. Der am meisten geachtet wird, sieht roͤth- licht, und wird an Fasttagen mit Baumoͤl und Citronen gespeiset. Der Caviaro, den wir aus Jtalien kommen lassen, derselbe wird in Le- vante an vielen Orten zubereitet, und ist ebenfalls der Rogen, oder die Eyer- gen eines Fisches, und wie etliche wol- len, des Stoͤrs, welches ich doch nicht so eigentlich bejahen kan. Will dem- nach nur sagen, daß er in Jtalien sehr starck, in Franckreich aber sehr wenig gegessen werde, weil er eben als wie der Boutare, und sonderlich zu Paris nicht so uͤbrig bekannt ist. Das fuͤnff und viertzigste Capitel. Von dem Hay. D Jeser Fisch wird von den Spani- ern Phiburon, von den Hol- laͤndern Hay/ und von den Frantzosen Requiem genennet, weil er die Men- schen frißt, und dadurch verursachet, daß man ihrenthalben das Requiem an- stimmen muß. Er sieht gantz und gar wie der Seehund. Es ist das allergefreßigste Thier auf der gantzen Welt: denn es ist alles gut Q q 2 und Der Spezereyen und Materialien und tauglich, ob es auch gleich ein Stuͤ- cke Holtz waͤre, wofern es nur mit ein wenig Fette bestrichen ist. Er verschlin- get alles ungekaͤuet, ist grausam, ver- wegen, und schießt bisweilen ans Ge- stade, daß er auf der Droͤgte liegen bleibt, nur damit er die voruͤbergehen- den verschlingen moͤge. Zuweilen beis- sen sie in die Ruder, aus Verdruß, daß sie den Leuten im Canoe nicht beykom- men koͤnnen. Jn seinem Kopfe wird zwey oder drey Loͤffel voll weisses Hirns gefunden, welches ein gar vortrefliches Mittel wider das Podagra ist, wenn es ge- trucknet, zu Pulver gestossen, und in blancken Weine eingenommen wird. Aus seiner Leber wird Brennoͤl ge- macht. Der P. Tertre fuͤhrt einen langen Discurs von diesem Thiere, dahin ich den Leser will gewiesen haben. Etliche nennen diesen Fisch Tubero, und andere, den Fisch mit zweyhundert Zaͤhnen: er ist so grausam, daß er einem Men- schen auf einen Biß den Schenckel ab- beissen kan. Uber alle diese Thiere, und deren Theile, die wir bisanhero beschrieben haben, verkauffen wir auch, wiewohl sehr selten, die Beine von den Koͤpfen der Tuberonen, der Crocodilen, der Karpfen, Paͤrsche, und Plateis/ nebst den Hechtzaͤhnen. Endlich ist auch den Spezereyhaͤndlern unverweh- ret, allerhand Sorten gesaltzener Fische bringen zu lassen, und sie ins groß oder eintzeln zu verkauffen. Das sechs und viertzigste Capitel. Von den Perlen. Siehe Fig. 390. D Je Perlen sind kleine runde oder knortzichte Coͤrper, welche sowohl in Orient/ als in Occident in der See gefunden werden. Es giebt aber sehr vielerley Arten der Perlen/ welche hoͤ- her oder geringer geschaͤtzet werden, nachdem sie naͤmlich groß und rund sind, ein schoͤnes Wasser haben, und an diesem oder jenem Orte gefischet wer- den: inmassen dieses aus nachfolgen- dem Discurs wird zu vernehmen seyn. Weil auch der Herr Tavernier auf sei- nen Reisen gar fleißig darnach gefor- schet, deswegen habe ich den Leser in sein Buch nicht weisen, sondern viel lie- ber allhier erzehlen wollen, was er fol- gender Gestalt daon aufgezeichnet hat. Es giebt sowohl in dem morgen-als abendlaͤndischen Meere Perlen: Und ob ich schon in America nicht gewesen bin, will ich doch dem Leser zu Gefal- len, und auch, damit von dieser Ma- terie nichts ausgelassen werde, alle Oer- ter erzehlen, an den es Perlenfische- reyen giebet, und bey den orientalischen anheben. Erstlich ist eine Perlenfischerey um die Gegend der Jnsel Bahren im Per- sischen Seebusen. Diese gehoͤrt dem Koͤnige in Persien, und hat eine gute Festung, in welcher er eine Besatzung von dreyhundert Mann unterhaͤlt. Das Wasser, das auf dieser Jnsel und an dem Persischen Seestrande getrun- cken wird, ist als wie gesaltzen, und schmeckt haͤßlich; es koͤnnens auch nur allein die Jnnlaͤndischen trincken. Den Fremden aber kostets genug, wenn sie gutes haben wollen, denn man muß dasselbe in der See, bey nahe ein bis zwey Meilen vom Lande ab, schoͤpfen. Die es nun hohlen, deren muͤssen fuͤnff bis sechse in einer Barcke seyn, und ei- ner oder zwo muͤssen sich ins Meer hin- ablassen, mit einer oder zwo Flaschen, die sie am Guͤrtel hangen haben, und dieselben mit Wasser anfuͤllen, und da- rauf wohl verstopfen: denn ohngefehr zwey oder drey Fuß vom Grunde des Meeres ist das Wasser suͤsse und treflich gut zum trincken. Wann dann dieje- nigen, die sich in den Grund der See hinabgelassen, das Wasser geschoͤpfet, und an dem Seile ziehen, welches an einen Mann, der im Schiffe geblieben, angebunden ist, so geben sie das Zeichen, daß sie ihre Gesellen wiederum herauf ziehen sollen. Als die Portugiesen Ormus und Maskata annoch besassen, muste ein iedes Fischerschifflein einen Paß von ih- nen nehmen, welcher fuͤnff Abaßis ko- stete, sie aber hielten iederzeit viel Bri- gantinen, diejenigen in Grund zu boh- ren, die keinen Paß von ihnen nehmen wolten. Seit dem aber die Portugi- sen Hauptbeschreibung zweyter Theil. sen nicht mehr so maͤchtig auf dem Gol- so sind, auch die Araber Maskate wiederum eingenommen, zahlet ein ieder, der auf die Fischerey ausgehet, dem Koͤnige in Persien funffzehn Abas- sis, er mag nun viel oder wenig fangen. Auch giebt der Kauffmann dem Koͤnige etwas weniges von tausend Austern. Die andere Perlenfischerey ist gerade gegen Bahren uͤber, an der Kuͤste des gluͤcklichen Arabiens/ nahe bey der Stadt Catifa/ welche nebst dem gan- tzen umliegenden Lande einem Arabi- schen Fuͤrsten zustehet. Alle Perlen, die an diesen Orten gefischet werden, werden meistentheils nach Jndien ver- kaufft, denn die Jndianer sind nicht so eigensinnig wie wir, es gehet dorten al- les leichtlich mit durch, die eckigten so wohl als die runden, und wird alles nach seinem Werthe los. So werden auch Perlen nach Balsara gefuͤhret. Die nach Persien und Moßkau ge- hen, werden zu Bander Congo/ zwey Meilen von Ormus, verkaufft. An allen diesen obgedachten Orten, und an- derswo in Asien, lieben sie das Was- ser, das sich in etwas aufs gelbe ziehet, und zwar eben so sehr, als ein weisses, denn sie sprechen, daß die Perlen, deren Wasser ein wenig vergoldet ist, allezeit lebhaft verblieben, und sich niemahls nicht aͤnderten; die weissen hingegen dauerten nicht dreyßig Jahr, alsdann verloͤhren sie ihre Lebhaftigkeit, und naͤhmen von der Hitze des Landes, und dem Schweiß der Leute, eine garstige gelbe Farbe an. Bevor ich aus dem Meerbusen, bey Ormus scheide, will ich diejenige ver- wunderns wuͤrdige Perle, welche der A- rabische Fuͤrste, der den Poꝛtugisen Mas- kata abgenommen, besitzet, etwas weit- laͤufftiger beschreiben, weder ich in mei- ner Persischen Reisebeschꝛeibung gethan habe. Er lies sich dazumahl Jmenect, Fuͤrst von Maskate nennen, da er zuvor Aceph Ben Ali/ Fuͤrst von Norenwar geheissen. Es ist zwar nur eine kleine Landschaft, allein die allerbeste im gan- tzen gluͤcklichen Arabien. Denn da- selbst waͤchst alles, was zu des Menschen Leben noͤthig ist, und insonderheit die schoͤnsten Fruͤchte, und bevoraus gar herrliche Trauben, aus denen man ei- nen recht guten Wein solte machen koͤn- nen. Und dieser ist derjenige Fuͤrste, welcher die allerschoͤnste Perle in der gantzen Welt hat, nicht zwar wegen ih- rer Groͤsse, massen sie nicht mehr als zwoͤlff Karat waͤget, auch nicht um ih- rer vollkommenen Runde willen, son- dern, weil sie dermassen durchsichtig ist, daß man bey nahe den Tag dadurch er- blicken kan. Wie nun der Meerbusen gegen Ormus uͤber kaum zwoͤlff Mei- len breit ist, von dem gluͤcklichen Ara- bien an bis an die Persische Kuͤste, und die Araber mit den Persianern Friede hatten, so besuchte der Fuͤrst von Mas- kate den Chan von Ormus, der ihn aufs praͤchtigste bewirthete, auch die Holl- und Englaͤnder, nebst einigen Frantzo- sen, unter denen ich mich zugleich befan- de, zu diesem Panquet mit einlude. Zu Ende des Gastgebots zoge der Fuͤrste diese Perle aus einem kleinen Beutel, den er am Halse hangen hatte, hervor, und wiese sie den Chan zusamt der gan- tzen Gesellschaft. Der Chan wolte sie vor den Koͤnig in Persien zum Praͤsent erkauffen, und bot ihm bis zwey tau- send Tomans drauf: allein er wolte sie nicht lassen. Hernach bin ich mit einem Banianischen Kauffmanne uͤber die See gereiset, den der Grosse Mogul an diesen Fuͤrsten abgeschickt, und ihm vier tausend Thaler bieten lassen, die er aber nicht annehmen wollen. Aus dieser Begebenheit kan man zur Gnuͤge erse- hen, daß einer nicht allemahl, was schoͤn ist, nach Europa fuͤhren darff, sondern vielmehr aus Europa nach Asien, als wie ich gethan habe, weil allda viel auf Edelgestein und Perlen gehalten wird, wenn dieselben von einer ungewoͤhnli- chen Schoͤnheit sind: nur in China und Japan fragt man nichts im gering- sten darnach. Es ist noch ein anderer Ort im Ori- ent, woselbst es eine Perlenfischerey hat, und zwar in der See, welche einen grossen Flecken auf der Jnsel Ceylon, Manaar genannt, bespielet. Diese Perlen sind wohl die allerschoͤnsten, was das Wasser anbelangt, und die Runde, vor allen andern, allein man findet ihrer gar selten, welche mehr als drey oder vier Karat waͤgen solten. Endlich giebt es auch an der Japa- Q q 3 nischen Der Spezereyen und Materialien nischen Kuͤste Perlen von sehr schoͤ- nem Wasser und ziemlicher Groͤsse, al- lein sie sind gar hoͤckricht, und werden auch nicht gefischet, weil die Japaner nichts nicht auf Edelgesteine halten. Ob auch gleich die Perlen, die um Bahren und bey Catifa gefunden werden, sich ein wenig aufs gelbe zie- hen, dennoch werden sie so hoch geschaͤ- tzet, als die von Manaar/ wie allbereit erinnert worden: und man sagt im gantzen Orient, daß sie zeitig oder recht reiff waͤren, und die Farbe niemahls aͤnderten. Nun komme ich zu den Perlen- fischereyen im Occident/ welche sich alle in dem grossen Golf von Mexico/ langs der Kuͤste von Neuspanien befin- den, und sind an der Zahl fuͤnffe, wel- che von Morgen gegen Abend zu auf einander folgen. Die erste liegt langs der Jnsel Cu- bagua/ hat nur drey Meilen im Be- zirck, und liegt ohngefehr fuͤnff Mei- len vom festen Lande ab. Sie liegt auf zehn und einen halben Grad der Nordlichen Breite, und 160. Meilen von S. Domingo auf der Jnsel Hispa- niola. Das Land ist trefflich unfrucht- bar, und hat an allem und ieden Man- gel, insonderheit aber an Wasser, wel- ches die Einwohner von dem vesten Lande hohlen muͤssen. Diese Jnsel ist im gantzen Occident beruffen, weil die allermeisten Perlen daselbst gefischet werden, obwohl die groͤssesten nicht uͤber fuͤnff Karat waͤgen. Die zweyte Perlenfischerey ist bey der Jnsel Margarita, oder der Per- leninsel, eine Meile von Cubagua, wel- che sie an der Groͤsse uͤbertrifft. Sie bringt alles, was zu des Lebens Noth- durft gehoͤret, fehlet ihr auch nicht, als wie der Jnsel Cubagua, an Wasser, welches aus dem Fluß Cumana, nahe bey der Stadt Neu Cadix, gehohlet werden muß. Diese Fischerey ist zwar unter den fuͤnff Americanischen Per- lenfischereyen nicht die reichste, ieden- noch wird sie vor die vornehmste gehal- ten, weil die Perlen/ die allda gefun- den werden, viel vollkommener sind, denn die andern, sowohl was das Was- ser, als auch die Groͤsse anbetrifft. Von diesen letztern habe ich eine in Haͤnden gehabt, welche wie eine Birne gestalt war, und ein schoͤnes Wasser hatte: sie wug 55. Karat, und ich verkauffte sie dem Cha-Est-Chan, des grossen Mogols Oheim. Es werden sich ihrer viel verwun- dern, daß man die Perlen aus Europa nach dem Orient verfuͤhret, von da- her sie doch in Menge kommen. Al- lein man muß wissen, daß keine so schwe- re Perlen in den orientalischen Fische- reyen, als wie in den occidentalischen gefunden werden. Dazu bezahlen die Koͤnige und grosse Herren daselbst weit besser, als in Europa, nicht allein die Perlen, sondern auch andere Juweelen, wenn sie nur etwas sonderlich schoͤ- nes an sich haben; doch werden die Dia- manten hievon ausgenommen. Die dritte Perlenfischerey ist zu Co- mogota, gantz nahe am festen Lande. Die vierte im Flusse la Hache/ langs an derselben Kuͤste hin. Die fuͤnffte ist bey S. Martha/ sech- tzig Meilen vom erstgenannten Fluß. Diese drey Fischereyen bringen insge- gesamt schwere Perlen, allein sie sind gemeiniglich ungestalt, und haben ein bleyfarbichtes Wasser. Was endlich die Schottischen Per- len belanget, ingleichen die, welche in Bayern in einem Flusse gefunden wer- den, dieselben kommen gar in keine Ver- gleichung mit denen oriental- und occi- dentalischen, obschon Halsbaͤnder zu tausend Thalern, und druͤber, daraus verfertiget werden. Vielleicht, daß auch noch keiner von denenjenigen, welche vor mir die Per- len beschrieben haben, angemercket hat, daß vor einigen Jahren eine Perlen- fischerey an einem gewissen Orte auf der Japanischen Kuͤste ist entdecket wor- den, davon ich auch etliche gesehen ha- be, welche die Hollaͤnder mit heraus gebracht. Sie haben ein sehr schoͤnes Wasser, und man findet auch grosse drunter, so aber alle mit einander eckigt sind. Die Japaner machen kein Werck von den Perlen, sonst, wenn sie ein wenig begierig darnach waͤren, koͤnte man doch wohl einige Baͤncke ent- decken, auf den noch schoͤnere duͤrften angetroffen werden. Ehe denn ich aber dieses Capitel be- schliesse, Hauptbeschreibung zweyter Theil. schliesse, will ich noch etwas recht merck- wuͤrdiges anfuͤhren, den Unterschied der Perlen und ihres Wassers betreffend, indem einige sehr weiß sind, andere aber sich aufs gelbe ziehen, und wieder an- dere aufs schwartze, welche gar bleyhaft sehen. Was diese letztern anlanget, die- selben werden nur alleine in America gefunden, und kommt blos von der Be- schaffenheit des Grundes her, welcher allhier mehr schlammicht ist, als im Orient. Einsmahls fanden sich nach Zuruͤckkunft der Spanischen Gallio- nen unter derjenigen Schiffsladung, bey welcher der so beruͤhmte Juwelirer Jardin auch einen Theil hatte, sechs vollkommen runde Perlen, die aber so schwartz waren, als ein Gagat, und ei- ne in die andere gerechnet, zwoͤlff Karat wugen. Er gab sie mir zwar nebst noch mehr andern Dingen, daß ich sie mit nach Orient nehmen solte, und zu- sehen, ob ich ihrer los werden koͤnte; allein ich brachte sie ihm wieder mit zu- ruͤcke, weil sie niemand gefallen wolten. Was die gelblichten betrifft, so kommt dieses daher, daß die Fischer die Perlen- muscheln hauffen weise verkauffen, die Kauffleute aber bisweilen vierzehen Tage und laͤnger warten, bis sie sich sel- ber oͤffnen, damit sie die Perlen heraus nehmen koͤnnen, da dann einige von diesen Muscheln ihr Wasser gehen las- sen, verderben und werden stinckend: das Perlein aber wird dadurch ange- steckt und gelb, welches gantz gewiß ist, denn in allen Muscheln, die ihr Wasser behalten, sind die Perlen weiß. Oder aber, man wartet darum so lange, bis sich die Muscheln selbst aufthun, weilen sonst die Perlen Schaden moͤchten neh- men und zersprenget werden, wenn man die Perlenaustern, als wie die an- dern, mit Gewalt aufmachen wolte. Die Austern aus der Enge bey Ma- naar oͤffnen sich, natuͤrlicher Weise, fuͤnff oder sechs Tage eher, dann die aus dem Persianischen Golfo, dieweil die Hitze zu Manaar viel groͤsser ist, indem es unter dem zehenden Grad der Nor- derbreite liegt, als auf der Jnsel Bah- ren, die ohngefehr auf 27. Graden liegt. Und aus dieser Ursachen finden sich gar wenig gelbe unter denen, die von Ma- naar kommen. Endlich habe ich auch beobachtet, daß alle Orientalische Voͤl- cker der weissen Farbe halber mit uns einig sind, denn sie lieben die weissesten Perlen, die weissesten Diamanten, das weisseste Brod, und das weisseste Frau- enzimmer gantz ungemein. Das sieben und viertzigste Capitel. Wie die Perlen in den Austern oder Muscheln erzielet werden. J Ch weiß sehr wohl, daß die meisten glauben, die Perlen wuͤrden, nach dem Zeugnuͤß etlicher alter Scriben- ten, die der Sache nicht recht kundig ge- wesen, von dem Thau des Himmels er- zielet, und daß mehr nicht als eine eintzi- ge Perle in einer Auster befindlich waͤ- re: allein die Erfahrung bezeuget das Gegentheil. Denn was das erste anbe- trifft, so kommt die Auster gar nie vom Grunde des Meeres, und dahin kan der Thau nicht tringen, wie man dann oft- mahls wohl zwoͤlff Klafftern tieff unter- tauchen muß; davon wir bald ein meh- rers vernehmen wollen. Vor das an- dere aber ist gewiß, daß bis zu sechs und sieben Perlen in einer einigen Muschel gefunden werden: wie ich dann eine in Haͤnden habe, in welcher wohl zehen Stuͤck waren, die nunmehr solten for- miret werden. Das ist wahr, daß sie nicht alle von einer Groͤsse sind, indem sie in den Muscheln, gleich als die Eyer in dem Leibe der Huͤner gezeuget wer- den. Gleichwie nun das groͤste Ey sich am ersten nach dem Ausgange begiebet, und am ersten hervor tringet, die klei- nern aber annoch zuruͤcke bleiben, bis sie voͤllig formiret worden; eben also kommt auch die groͤste Perle zu aller- erst hervor, indessen die andern und kleinern, die ihre Vollkommenheit noch nicht erhalten, unter der Auster, am Grunde der Schale, liegen bleiben, bis sie die Groͤsse erlanget, die ihnen die Na- tur mittheilen kan. Doch darff man auch darum nicht gleich sagen, daß in allen Muscheln Perlen zu finden waͤ- ren; Der Spezereyen und Materialien ren, sintemahl ihrer viele geoͤffnet wer- den, in denen nicht eine gefunden wird. Jm uͤbrigen muß man sich auch nicht einbilden, ob sey es ein so herrlich Thun um die Perlenfischer: denn, wenn diese armen Leute etwas anders vorzuneh- men wuͤsten, wuͤrden sie gewißlich diese Fischerey, welche bloͤslich verhin- dert, daß sie nicht gar Hungers sterben, alsofort verlassen. Jn der Persianischen Reisebeschreibung habe ich erinnert, daß das Land von Balsa- ra an bis an das Cap von Jasque, diß- und jenseits des Persischen Seebu- sens, gantz und gar nichts trage. Das Volck ist allda so arm, und lebet so elen- diglich, daß es weder Brod noch Reiß zu sehen bekommt, sondern nur mit Dat- teln und gesaltzenen Fischen sein Leben erhalten muß: so reiset man auch wohl zwantzig Meilen zu Lande, ehe man ein Kraͤutlein zu sehen bekommt. Jm Orient geschiehet die Fischerey des Jahres zweymahl, erstlich im Mertz und April, und hernach im August und September: der Handel aber waͤhret vom Junius bis in den November. Doch geschicht diese Fischerey nicht alle Jahr: denn diejenigen, welche fischen lassen, wollen zuvor wissen, ob sie auch ihre Rechnung dabey finden moͤchten. Damit sie nun nicht zu kurtz kommen, dannenhero senden sie sieben oder acht Nachen auf die Baͤncke, woselbst gefi- schet wird, von denen iedweder ein tau- send Austern zuruͤcke bringt. Diesel- ben oͤffnen sie, und wenn in iedem tau- send Austern nicht fuͤr fuͤnff Fanos Per- len gefunden werden, welches nach un- serm Gelde einen halben Thaler be- traͤgt, so ist es ein Zeichen, daß die Fische- rey nicht gut seyn werde, und die armen Leute koͤnten die Unkosten, die sie drauf wenden muͤssen, nicht wieder daraus be- kommen: denn sie nehmen, sowohl zu ihrer Ausruͤstung, als auch zu ihrem Unterhalt, Geld auf, gegen drey und vier vom hundert des Monats. Wann derohalben das tausend Austern nicht fuͤr fuͤnff Fanos Perlen geben, so fischen sie dasselbige Jahr nicht. Die Kauff- leute aber muͤssen die Austern auf gera- the wohl kauffen, und sich mit dem, was sie darinne finden, begnuͤgen lassen. Demnach ist es ein grosses Gluͤck fuͤr sie, wenn sie grosse Perlen finden: welches iedoch gar selten geschicht, absonderlich zu Manaar/ woselbst es, wie oben be- reits erwaͤhnet, gar nichts grosses gie- bet, sondern nur meistentheils Lot- perlen/ die zum pulverisiren dienen. Unterweilen befinden sich einige drun- ter von einem halben und gantzen Gran: ein groß Gluͤcke aber ists, wann etliche von zwey und drey Gran dabey. Es giebt Jahre, da das tausend Austern bis zu sieben Fanos gilt, und der Fang sich auf 100000. Piaster, und druͤber belauft. Weil die Portugisen annoch Herren uͤber Manaar waren, nahmen sie von iedem Schiffe ein gewisses: seit dem sie aber von den Hollaͤndern ih- nen abgenommen ist, ziehen diese von iedwedem Taucher acht, auch zuweilen wohl neun Piaster: welches ihnen in den besten Jahren bis 17200. Realen eingetragen. Die Ursach aber, und warum die Portugisen dergleichen Tri- but von diesen armen Leuten nahmen, welches die Hollaͤnder auch noch bis da- to thun, ist diese, weil sie dieselben wi- der ihre Feinde, die Malabaren be- schuͤtzen muͤssen, welche mit ihren be- waffneten Schiffen kommen, und diese Fischer zu fahen und zu Sclaven zu machen trachten. So lange nun die Fischerey waͤhret, so lange halten die Hollaͤnder zwey oder drey geruͤstete Barquen in See, um dieselbige Gegend, und verschaffen also, daß sie in Friede fischen koͤnnen. Diese Fischer sind der mehrere Theil Goͤtzendiener, wiewohl es auch Mahometaner drunter giebet; iedoch diese haben ihꝛe besonderen Schif- fe, und mengen sich nicht unter jene: die Hollaͤnder nehmen von diesen mehr als von jenen: denn ausser dem, daß sie eben soviel zahlen muͤssen als die Hey- den, muͤssen sie auch noch einen gantzen Tag fuͤr die Hollaͤnder fischen, welchen Tag diese wollen. Je mehr Regen des Jahres faͤllt, ie besser ist der Perlenfang. Zwar haben sich viel eingebildet, daß die Perlen viel weisser waͤren, wenn die Austern fein tieff am Grunde sich befaͤnden, dieweil daselbst das Wasser nicht also heiß sey, und die Sonne nicht bis dahin und auf den Grund der See zu treffen vermoͤge: allein diesen Jrrthum muß man fah- ren Hauptbeschreibung zweyter Theil. ren lassen. Man fischet von vier bis zu zwoͤlff Klafftern tieff, auf solchen Baͤncken, darauf sich zuweilen gegen dritthalb hundert Barquen befinden. Auf den meisten ist nur ein Taucher, auf den groͤsten aber sind ihrer zwey. Diese Barqven fahren alle Tage vor der Sonnen Aufgang vom Strande ab, mit einem Landwinde, der niemahls mangelt, und bis um zehen Uhr vormit- tage anhaͤlt. Nachmittage kehren sie wieder mit einer Seeluft zuruͤcke, wel- che auf den Landwind folget, und un- fehlbar allezeit gegen eilff oder zwoͤlff Uhr entstehet, sobald nur der andere aufhoͤret. Die Baͤncke, darauf sie fischen, liegen fuͤnff oder sechs Meilen in der See, und wenn sie drauf sind, so verfahren sie auf folgende Weise mit dem fischen. Sie binden den Tauchern einen Strick unter die Arme, welchen dieje- nigen, die im Schiffe verbleiben, bey dem einen Ende vest halten. Jene ha- ben einen grossen Stein von achtzehn bis zu zwantzig Pfund an der grossen Zaͤhe hencken, welchen die im Schiffe gleichergestalt halten. So hat der Tau- cher auch ein Netz, als wie einen Sack, so obenher an einen Reiffen veste gema- chet ist, damit es stets offen verbleibe, und dieses ist gleichergestalt angebun- den. Alsdann senckt er sich in die See, machet den Stein, durch dessen Schwe- re er gar bald auf den Grund gelanget, geschwinde los, und die in der Barque ziehen ihn wiederum hinauf. So lan- ge der Taucher den Athem halten kan, thut er Austern in das Netze: wenn er aber vermercket, daß es nicht laͤnger gut thun will, so ziehet er an dem Stricke, der ihm unter die Arme gebunden ist, zum Zeichen, daß sie ihn wiederum her- auf ziehen sollen, welches dañ von denen in der Barque aufs behendeste verrich- tet wird. Die von Manaar sind ge- schickter zu dieser Fischerey, als die Fi- scher von Bahren und Catifa, denn sie klemmen die Nase nicht ein, stecken auch keine Baumwolle in die Ohren, damit das Wasser nicht hinein tringen koͤnne, als wie die im Persischen Seebusem thun. Nachdem sie den Taucher wieder ins Schiff genommen, ziehen sie auch das Netz mit den Muscheln herauf: indes- sen verlaufft ohngefehr eine Viertheil- stunde, bis sie die Austern heraus ge- nommen haben, und der Taucher wie- der zu Athem gekommen, alsdann keh- ret er abermahls nach dem Grunde der See, wie zuvor, und treibet dieses in zehen oder zwoͤlff Stunden etliche mahl, darnach kehrt er wieder zu Lande. Die- jenigen nun, welche Geld benoͤthigt sind, verkauffen alsofort, was sie ge- fischet: die aber noch zu leben haben, be- halten ihre Austern, bis die Fischerey ein Ende hat, und lassen sie uneroͤffnet liegen, denn wenn sie anheben zu ver- derben, thun sie sich selbst auf. Es giebt Schalen drunter, die wohl viermahl so groß sind als unsre Austerschalen zu Rouan: das Fleisch aber, welches, wie gedacht, garstig und ungeschmack, wird weggeworffen und nicht gegessen. Zum Beschluß dieser Erzehlung die- net zu mercken, daß die Perlen in gantz Europa nach dem Karat verkauffet werden. Diß ist ein Gewichte von vier Gran, als wie das Diamantgewichte. Jn Persien aber wiegt man sie mit Abas, welches ein Achttheil weniger ist als ein Karat. Jn Jndien, bevor- aus in den Laͤndern des Grossen Mo- gols/ und der Koͤnige von Golconda und Visapour werden sie mit Ratis ausgewogen, so gleicher gestalt ein Acht- theil weniger ist denn ein Karat. Goa war ehemahls der Platz, wo- selbst die groͤste Handlung im gantzen Asien getrieben wurde, was anlanget die Diamanten, Rubinen, Sapphiren, Topasen und andere Edelgesteine. Alle Graͤber und Kauffleute kamen dahin, daß sie daselbst verkauffen moͤchten, was sie schoͤnes aus den Gruben mitge- bracht, dieweil sie an selbigem Orte alle Freyheit zu handeln hatten; dahinge- gen musten sie in ihrem Lande den Koͤni- gen und Fuͤrsten alles, was sie ihnen ge- zeiget, um einen selbst beliebigen Preiß uͤberlassen. So war auch der groͤste Perlenhandel zu Goa, so wohl mit de- nen, die aus der Jnsel Bahren und dem Persischen Seebusen gekommen, als auch, welche in der Enge bey Ma- naar/ auf der Kuͤste von Ceylon ge- fischet, oder auch aus America gebꝛacht worden. Man muß demnach wissen, R r daß Der Spezereyen und Materialien daß die Portugisen zu Goa, und in allen andern Orten, welche sie in Jn- dien besitzen, etwas besonders haben, desgleichen man an keinem Orte, wo Perlen verkauffet werden, finden wird, weder in Asien/ noch in America, noch in Europa. Von Africa sage ich nichts, denn allda ist diese Waare gantz unbekannt, und in diesem Theile der Welt sind die Weiber mit einem Stuͤcke Crystall, an statt der Juwelen vergnuͤ- get und zufrieden, oder aber mit etlichen falschen Corallkoͤrnern, oder mit Agt- stein, davon sie Hals- und Armbaͤnder machen, und dieselbe um die Arme und Beine legen. Und also verkauffen die Portugisen uͤberalle in Jndien/ wo sie zu befehlen haben, die Perlen/ nach einem gewis- sen Gewichte, welches sie Cingos nen- nen: sie hergegen kauffen sie von den Handelsleuten nach dem Karat, Aboes und Ratis, nachdem sie naͤmlich hier oder dorther gebracht werden. Diejenigen Perlen, die wir verkauf- fen, werden Lotperlen genennet, auch Perlen zum stossen und puͤlvern Perlensamen. und reiben, ingleichen Perlensamen/ nicht als ob sie andere hervorbringen koͤnten, sondern, weil sie so klein sind. Sie muͤssen aber, sollen sie gebuͤhrend beschaffen seyn, hell und klar, und ori- ental seyn: dagegen soll man die, wel- che matt und blaß sehen, und voll Un- reinigkeit sind, verwerffen. Nun finden sich so vielerley Perlensamen, daß ich sie nicht alle wuͤrde beschreiben koͤnnen: dieweil aber keine anderen zur Artzney sollen genommen werden, als diejeni- gen, welche oriental sind; derowegen soll man alle die andern verwerffen, in- sonderheit die kleinen runden, die als wie Mehl sehen, und insgemein Schot- tische oder Brusselsche Perlen genen- Schottische oder Bruͤssel- sche Perlen. net, weil sie nur Glas sind. Jm uͤbri- gen liegt an der Groͤsse nichts, wenn sie nur ein schoͤnes Wasser haben, und gewiß oriental sind. Die Perlen werden zu den hertzstaͤr- ckenden Traͤncklein und andern Artz- neyen gebraucht und genommen, doch muͤssen sie gantz zarte gerieben seyn. Das Frauenzimmer braucht sie auch, und schmincket sich damit. Aus den Orientalischen Perlen Magisterium, Saltz und Oel von den Perlen/ auch andere præ- parationes mehr. wird vermittelst eines oder des andern Sauern oder andern liquoribus und Saͤften, ein Perlensaltz/ wie auch ein Magisterium gemacht, und denenselben gar grosse Eigenschafften zugeschrieben. Weil nun beyde sehr kostbare Waaren sind, dannenhero moͤgen diejenigen, die ihrer benoͤthiget, dieselben nirgends, als bey rechtschaffenen Leuten kauffen. Das Perlenoͤl betreffend, dasselbige ist nichts anders, als das im Keller geflos- sene Perlensaltz, dem man den Namen Perlenoͤl, und im Keller geflossenes Perlenoͤl, per deliquium, gegeben. Es giebt auch sonst noch ein Hauffen ande- re, in der blossen Einbildung bestehende Zubereitungen und præparationes der Perlen, Arcana, Flores, Spiritus, Essen- tzen, Tincturen, und dergleichen mehr, welche aber viel ehe, die Narren ums Geld zu schnaͤutzen taugen, als daß sie einige Huͤlffe leisten solten. Die aller- beste Bereitung der Perlen ist, wenn sie wohl gerieben werden. Das acht und viertzigste Capitel. Von der Perlenmutter. Siehe Fig. 391. und 392. W Jr verkauffen zu Paris gar grosse Austerschalen, welche auswendig grau und rauh sind, inwendig aber weiß, und so etwas gruͤnlicht, denen man, wiewohl mit hoͤchstem Unrecht, den Titel Perlenmutter/ beygeleget: und zwar nicht deswegen, als ob die Perlen in ihnen gezeuget wuͤrden, wie doch ihrer viele glauben, sondern, weil sie inwendig die Farbe und Wasser wie die Orientalischen Perlen haben, wie auch auswendig, wenn man sie mit Scheidewasser abgeputzt. Aus diesen Schalen wird allerhand gemacht, viele aber praͤpariren und reiben sie klein, machen hernachmahls trochiscos und Kuͤchlein draus, die sie alsdann fuͤr praͤparirte Perlen ver- kauffen. Das TAB. LXVI Falsche Zahnschnecke. F. 396. p. 630. Falsche Zahnschnecke. F. 395. p. 630. Rechte Zahnschnecke. F. 394. p. 629. Porzellanschnecken. F. 393. p. 630. Salsche Perlenmutter F. 392. p. 627. Rechte Perlenmutter Schale. F. 392. p. 627. Seine Perlen F. 390. p. 625. Jndianische Muschelschalendeckel. F. 402. p. 633. Nerita. F. 401. p. 632. Solen. F. 403. p. 633. Kleine Meernabel. F. 399 p. 631. Groß F. 400. p. 631. Falsche Purpurschttecke. F. 398. p. 629. Rechte Purpurschttecke F. 397. p. 629. Hauptbeschreibung zweyter Theil. Das neun und viertzigste Capitel. Von den Porzellanschnecken. W As wir Porcelaines en coquillage , und die Lateiner Concha venerea nen- nen, das sind kleine weisse Schnecken- haͤuslein, die uns von unterschiedlichen Orten, aus Ost- und Westindien uͤberbracht werden, und als wie Pater- noster angereihet oder angehencket sind; so daß in einem Paquet, darinne viel dergleichen Gehencke liegen, mehr als tausend dergleichen Schneckenhaͤuslein befindlich sind. Die Siammer, Arouarger und die Einwohner in Neuspanien bedienen sich dieser klei- nen Schneckenschalen, als wie wir der Muͤntze. Diese Haͤuslein haben in der Artzney keinen andern Nutzen, als daß sie zu ein und andern Galenischen Artzneyen genommen werden, und man braucht sie, wenn sie zuvor, als wie die Perlen, wohl abgerieben wor- den sind. Was ihre Wahl betrifft, da muß man die kleinest- und weissesten ausle- sen. Es giebt zwar noch mehr Schnecken- schalen, welche auch Porzellanschne- cken genennet, und von Jonston sehr wohl beschrieben werden: allein, weil man keine andere gebrauchen soll, als welche bey den Perlen abgebildet zu se- Siehe Fig. 393. hen sind, so habe ich auch nicht noͤthig der andern Beschreibung hieher zu se- tzen. Das funfftzigste Capitel. Von den Zahn-Schnecken. D Je wahrhafte Zahnschnecke/ Den- talium, und nicht Dentalis, wie ei- nige wollen, ist ein kleines Roͤhrlein, ohngefehr drey Zoll lang, an dem einen Ende dicke, am andern aber duͤnne, und wie ein Hundszahn gestalt. Dieses Roͤhrlein siehet weißlicht gruͤn, und glaͤntzet, ist mit Strichen besetzet, die von dem einen Ende bis zum andern lauffen: es ist hol, leichte, und so dicke, wie ein Federkiel, am obern Ende, und wird von da an immer spitziger. Die wahrhaften Zahnschnecken sind dermassen rar, daß sie noch von nie- mand beschrieben worden. Dafern auch der Herr Tournefort mir nicht eine verehret haͤtte, deren Figur nebst andern Schneckenarten bey den Per- Siehe Fig. 394. len abgezeichnet stehen, wuͤrde ich sie mit Stillschweigen haben muͤssen uͤber- gehen, und allein mit den Herren Renou/ Schroͤder und andern sagen, daß das kleine hole Roͤhrlein, von un- terschiedenen Farben, welches insge- mein an dem Seestrande gefunden, und Siehe Fig. 395. in den Laͤden verkauffet wird, das wahr- hafte Dentalium sey, so die Apothecker, obschon wieder die Billichkeit, zu etli- chen Galenischen composition en zu neh- men pflegen, als da ist unguentum citri- num, \&c. Wiewohl ich dennoch sagen duͤrffte, daß sie deswegen eben nicht zu schelten, dieweil sie bisanher keine rech- te Kundschaft davon gehabt, und sie auch gar seltsam zu haben. Jhrer etliche nehmen auch an statt der wahrhaften Zahnschnecken, das Bein von dem Kopfe eines Seefisches, Siehe Fig. 396. dessen Namen ich so eigentlich nicht er- fahren koͤnnen. Dieses Bein ist aus- und inwendig weiß, und rund umher ausgezackt, kommt an Gestalt und Groͤsse den Kellereseln durchaus gleich. Seine Kraͤste belangend, so soll es ein treffliches Alkali seyn, wenn es fein klar gerieben worden. Das ein und funfftzigste Capitel. Von den Purpurschnecken. Siehe Fig. 397. und 398. D Je wahrhaften Entalia sind eben so unbekannt, als wie die vorherge- henden, dieweil die Apothecker, an statt der rechten Purperschnecken, allezeit ein holes Roͤhrlein gebraucht, von un- terschiedener Farbe und Gestalt, wie- wohl sie niemahls dicker sind, als eine Federkiele. Diese kleine Roͤhrlein be- R r 2 finden Der Spezereyen und Materialien finden sich auf dem Grunde der See und auf den Klippen, ietzt eintzeln, dann viel beysammen, und dienen dem klei- nen Seegewuͤrm zur Zuflucht. Einige Scribenten, und unter diesen der be- ruͤhmte Medicus zu Montpellier/ Rondelet/ haben diesen kleinen Roͤhr- lein den Namen tubuli marini gegeben. Jch aber werde mich nicht aufhalten, noch den langen Discurs, den Renou in seinem Buche davon fuͤhret, allhier beyfuͤgen, sondern will nur vermelden, daß die wahrhaften Entalia wie der Herꝛ Tournefort/ ein Mann, der was Kraͤuter und Schnecken betrifft, eine vortreffliche Wissenschafft besitzt, ver- meinet, eine gantz andere Gattung der Roͤhrlein seyen, welche im Meere wach- sen. Ein solches Roͤhrlein ist ohnge- fehr anderthalben Zoll lang, oben so dicke als eine starcke Federkiele, unten aber wie eine kleinere Kiele, hol, an dem einen Ende breit, am andern enge, mit kleinen Holkehlen versehen, die von ei- nem Ende bis zum andern reichen. Die Farbe ist zwar allezeit weiß, iedoch mit diesem Unterschiede, daß die einen gar blaß, die andern gruͤnlicht, und so fort, aussehen. Die Wahl dieser Roͤhrlein ist von der Wahl derer andern in keinem Stuͤcke unterschieden, wenn sie nur recht und echt sind. Die Eigenschafften treffen mit der Zahnschnecken ihren uͤberein. Das zwey und funfftzigste Capitel. Vom Meernabel. Siehe Fig. 399. und 400. W As wir Nombril marin , und die La- teiner Umbilicus marinus heissen, ist der Deckel einer Seeschnecken oder Mu- schelschale, und in der Mittellaͤndi- schen See gemeine genug. Rondelet giebt ihm den Titel Cochlea cælata. Die- ser Deckel ist an dem Fische, der in der Schale wohnet, veste gemacht, so daß dieß Thier, wenn es sich tieff in sein Haus hinein begiebet, den Deckel nach sich ziehet, und das Loch der Schale oder die Oeffnung dermassen genau ver- schließt, daß kein Troͤpflein Seewassers hinein zu tringen vermag. Rondelet sagt zwar gar recht, daß der rechte Meernabel eine Schneckenschale, und von diesem Deckel gantz und gar un- trrschieden waͤre, beschreibet auch diesel- bige im 38. und 39. Cap. seines Buchs: allein der Gebrauch spricht vor den De- ckel, den man auch nehmen soll, wenn der Meernabel verordnet worden. Es ist aber der Meernabel von unterschie- dener Groͤsse: doch die wir gemeiniglich zu sehen bekommen, sind nicht groͤsser, denn ein Denier, und so dicke wie ein Thaler, wiewohl man auch viel groͤßre findet: wie denn der Herr Tournefort einige hat, die bis ein halbes Pfund waͤ- gen, welches ich schwerlich sollte geglau- bet haben, wo ichs nicht selbst gesehen, dann die groͤsten, die ich finden koͤnnen, waren nur eines Daumensbreite groß. Diese Deckel werden darum Meerna- bel genennet, weil sie einem Menschen- Nabel so gar aͤhnlich sehen, und allezeit halben theils platt und bunt sind: doch giebt es ihrer auch, an denen die platte Seite gantz weiß ist: meistentheils aber sind sie braun und schwartz durch einan- der, welches gar schoͤn, und wie ein Jaspis siehet. Die runde und auswen- dige Seite ist weiß mit roth vermischet; doch sind diese kleinen Meernabel nicht so gar rar. Andere nehmen an ihre Stelle die Schale einer Schnecken, Ne- Siehe Fig. 401. rita genannt, davon mir der Herr Tournefort nachfolgenden Bericht mitgetheilet hat. Die Beschreibung der Nerita ist bey Nerita. alten und neuen Scribenten gar sehr verwirret. Diejenige, welche Ron- delet fuͤr die Nerita Daͤlia haͤlt, ist ein Geschlechte der Meerschnecken, so in der Mittellaͤndischen See be- findlich, welche die Wellen zusamt den Solen auf den Sand herauswerffen. Diese Schnecke ist so groß als wie eine Landschnecke, und siehet fast eben also aus; allein sie ist viel dicker, und glat- ter, inwendig insgemein roͤthlicht: aus- wendig hat sie mancherley Farben. Rondelet versichert, daß dieselbe Art, von welcher er redet, schwartz getuͤpfelt sey: allein diese Gattung ist rar. Jch habe etliche gantz weisse gesehen; ande- re waren aschenfarben, wieder andere braunlicht oder graulicht, und zogen sich Hauptbeschreibung zweyter Theil. sich aufs Gelbe, mit etlichen durchlauf- fenden weissen oder rothen breiten Streifen, welche mit braunen Strichen durchschnitten, oder mit etlichen Pun- cten, die wie ein umgekehrtes V sahen, besetzet waren. Bellonius im II. Buch von Wasserthieren pag. 427. redet von einer, welche des Rondelets / der Ge- stalt nach, sehr gleich kommt, allein er beschreibet ihre Farbe nicht, versichert dennoch, daß sie zu Paris Virlis/ und in Bretagne Bigouret oder Bigou- reau genennet werde. Ein und andere Apothecker vermen- gen auch, ausserhalb der Nerita, mit dem Meernabel ein Kraͤutlein, dessen Blaͤtter rund und dicke sind, welches die Alten Cotyledon, ingleichen Capillus Veneris, Venusnabel, geheissen, weil seine Blaͤtter einige Gleichheit mit der Gestalt eines Nabels haben. Dieses Gewaͤchs ist rar genug zu Paris/ allein in Languedoc gantz gemeine, wie denn allda fast kein Haus zu befinden, auf dessen Dache es nicht stehen solte. Dan- nenhero moͤgen sich diejenigen, die des Meernabels von noͤthen haben, allein an den Deckel des obbeschriebenen Fisches halten. Das drey und funfftzigste Capitel. Von der Blatta Byzantina, Jndianischen Muschel- schalendeckel. Siehe Fig. 402 B Latta Byzantina, auch Unguis odoratus genannt, ist gleichfalls der Deckel einer Muschelschale, welche die Latei- ner Conchylium nennen, hat unterschie- dene Groͤsse, und siehet an Gestalt den Klauen dieses oder jenes Thieres gleich. Sie ist zart, von Farbe braun, ver- brennt leichtlich, und riecht gar unan- genehme, bey nahe wie Horn, welches sich doch nicht wohl zu ihrem Namen schicket: so weiß ich auch nicht, warum es die Alten wohlriechende Klauen ge- nennet, massen sie gar keine Gleichheit mit den Klauen hat, es muͤsten denn dieses oder jenes Thieres Krallen oder Klauen seyn: zudem so stinckt sie auch sehr heftig, und solte doch einen liebli- chen Geruch haben. Dioscorides nennt diesen Deckel Onguis und Onyx, und sagt, dieser Deckel sieht als wie der Deckel der Purpurschnecke. Welche sich in Ostindien/ in den Seen, darin- ne der Narden waͤchset, finden lassen, riechen sehr angenehme, dieweil der Fisch, der sie traͤgt, sich davon naͤhret. Gemeldter Autor ziehet die aus dem ro- then Meere kommen, denenjenigen vor, die in der Babylonischen Gegend ge- funden werden, denn dieselben sind schwartz und sehr klein. Zu seiner Zeit ward einer wie der andere an statt des Rauchwercks verbrannt, weil, wie ge- meldet, sein Geruch mit dem Geruche des Bibergeils uͤbereinkommt, welches dann mein Vorgeben bestaͤrcket, weil beyder, des Bibergeils und dieses De- ckels Geruch unangenehme ist. Da- hero solte er auch billich nicht mehr wohlriechende Klaue, sondern schlecht weg Blatta Byzantina genennet werden. Weil aber dieser Deckel sehr seltsam ist, deshalben nehmen die meisten an seine Stelle, die Solen/ so Maͤnnlein, als Weiblein, deren Beschreibung also gleich erfolget. Das vier und funfftzigste Capitel. Von den Solen. Siehe Fig. 403. D Je Solen sind Muscheln, aus zwey Stuͤcken bestehend, welche an dem einen Ende vermittelst eines Ge- lencks zusammengefuͤget, und vier oder fuͤnff Zoll lang, und sieben oder acht Linien breit sind, ausgehoͤlet, als wie eine Rinne, auswendig erhaben, zarte und an dem einen Ende vierecket. Wenn sie noch beysammen hangen, se- hen sie wie ein klein Kaͤstlein, oder als wie ein Messer- und Loͤffelfutter. Rondelet nennet die Solen, derer Schalen blaulicht sehen, oder als wie Schieferstein, die Maͤnnlein, worinne er dem Apulejus gefolget: die Weib- lein heißt er diejenigen, derer Schalen R r 3 weiß Der Spezereyen und Materialien weiß oder braͤunlicht sehen, und insge- meine kleiner sind denn der andern. Beyderley Geschlecht sind in der Mit- tellaͤndischen See gar sehr gemeine, wie ich dann ihrer selbst auf dem San- de bey den Hieres-Jnseln und am Strande bey Martigues in Proven- ce, desgleichen in Languedoc/ an der Kuͤste von Peraut und Cete aufgele- sen. So findet man auch noch eine Gattung Solen an der Kuͤste der Nor- mandie, deren weisse Schalen sich auf Purpur ziehen; sind aber weit dicker, als die in der Mittelsee, sieben Zoll lang, und uͤber einen breit. Wir verkauffen auch uͤber ober- wehnte Schneckenschalen, ingleichen Calcinirte Austerscha- len. calcinirte und zu Kuͤchlein gemachte Austerschalen: doch ist bey diesen tro- chiscis zu mercken, daß man sie nicht kan gantz erhalten, sondern sie zerfal- len als wie Kalch. Die also gebrann- ten Austerschalen geben einen guten Kalch, wie denn die Hollaͤnder sich keines andern bedienen. Ettmuͤller ein Teutscher Medicus, gedenckt in sei- nem Buche von Thieren pag. 400. daß die gebrennten Austern sehr gut waͤren die Pestbeulen zu heilen, wenn sie dar- auf geleget wuͤrden: auch sagt er, daß man sich des Fisches dazu bedienen koͤnne. Noch hat er angemercket, daß man sich ihrer an statt der Perlen ge- brauchen koͤnte, welches ich aber nicht gut sprechen kan; nicht zwar darum, als ob sie nicht eben solche Kraft haben koͤnten, sondern, weil zwischen dem Werthe ein so gar grosser Unterschied ist. Derowegen soll man auch weder von diesen, noch von den andern allen, niemahls eines fuͤr das andere geben, ob sie schon einerley Kraft und Preiß haͤtten, denn es gebuͤhret den Kauff- leuten nicht eines an statt des andern zu geben. Sonsten giebt es auch noch uͤber obgedachte Schneckenschalen viele andere mehr, davon ich aber nichts vermelden will. Erstlich, weil sie nicht im Gebrauch: vors andere, weil ich sie nicht kenne: und zum dritten, weil der Herr Tournefort/ der eine vollkom- mene Wissenschaft dieser edlen und an- genehmen Curiositaͤt besitzet, in kurtzen genaue Kenntnuͤß derselben heraus zu geben willens ist, welches ihm auch um so viel leichter seyn wird, weil er sie nicht alleine sehr wohl kennet, sondern auch ihrer eine ziemliche Anzahl, die sich uͤber 3000. Stuͤck erstrecket, besitzet, davon man gantz fuͤglich sagen mag, daß man in dieser grossen Anzahl Muscheln die Augen der Natur bewundern kan. Ende des Zweyten Theils von Thieren. Der Hauptbeschreibung dritter Theil. Der Spezereyen und Materialien Haupt- Beschreibung Dritter Theil. Das Erste Buch. Von den Foßilien. Vorrede. D Urch das Wort Fossile verstehe ich uͤberhaupt/ alles dasjeni- ge/ was in dem Eingeweide der Erden anzutreffen ist/ als da sind Metallen, halbe Metallen, Mineralien, Hartze, Stei- ne und Erden. Weil nun von den Metallen der Anfang soll gemachet werden, so will ich auch zuvor vermelden/ was das Wort Metall bedeute, naͤmlich/ einen harten Coͤrper, der durchaus ei- nerley Substantz und Wesen hat/ im Feuer fliesset/ von dem Hammer sich strecken und dehnen laͤßt/ auch von den Mineralien/ Hartzen/ Steinen und Erden unterschieden ist/ gleichwie aus folgenden wird zu ersehen seyn. Es giebet zwar vielerley Meinungen wegen der Anzahl der Me- tallen/ indem etliche wollen, es waͤren ihrer neune/ andere aber sagen nur von achten/ oder siebenen/ oder sechsen: denn nach ihrem Bedun- cken/ sind das Quecksilber/ das Zinn/ Wißmuth und Gies-Ertz ebenfalls Metalle. Weil aber dieser ihre Meinung gar schlecht gegruͤndet ist/ indem das Zinn/ Wißmuth und Giesertz durch Kunst bereitete Dinge sind/ deswegen werde ich es mit denen halten, welche erachten/ daß ihrer nur sieben/ und so viel sind als Planeten und Tage in der Woche, mit denen sie auch/ dem Namen nach/ uͤbereinkommen/ naͤmlich/ ☉ das Gold mit der Sonne/ und dem Sonntage/ ☽ das Silber mit dem Mond und Montage/ ♂ das Eisen mit dem Mars und Dienstage/ ☿ das Quecksil- ber mit dem Mercurius und der Mittwoche/ ♃ das Zinn mit dem Jupi- ter und Donnerstage/ ♀ das Kupfer mit der Venus und dem Freytage/ ♄ das Bley mit dem Saturnus und dem Sonnabend. Nun wollen wohl einige behaupten/ Mercurius sey nur ein Halb-Metall; allein ich befinde fuͤr gut/ an diesem Orte nichts davon zu gedencken/ sondern weise den Leser in das Cap. vom Quecksilber/ damit ich mit dem Golde/ als dem schoͤnsten unter den Metallen, anfahen moͤge. Das erste Capitel. Vom Golde. D As Gold/ welches gelb und weich ist, laͤßt sich haͤm- mern, und ist unter den andern Metallen das edel- ste, reineste, koͤstlichste und schwerste. Es wird dasselbe von gar vielen Orten in der Welt zu uns ge- bracht: doch das allermeiste kommt aus den Goldgruben zu Carauaya in Peru, und Voldivia in Chili/ denn es allda so gemeine ist, daß sie es, als wie wir das Zinn, Kupffer und Eisen gebrau- Der Spezereyen und Materialien gebrauchen. Ob aber gleich das Land so vortrefflich ist, und, soviel uns be- kannt, vor allen Laͤndern an Golde das reichste, so sind dennoch die Leute in demselben blutarm, dieweil die Lebens- mittel uͤber die massen theuer. Es giebt zwar noch viel Orte, woselbst auch Gold gefunden wird, iedoch kommt das meiste aus Peru, indem es daselbst ins- gemein gefunden, und mit wenigerer Muͤhe und Kosten gelaͤutert wird. Africa/ Asia, und Europa brin- gen das Gold auf viererley Weise her- vor. Erstlich in Stuͤcken, von unter- schiedener Groͤsse, welches dermassen weich und reine ist, daß man darein, wie in das Wachs, was man nur will, mit einem Petschaft druͤcken kan. Dieses Jungfern- gold. natuͤrliche Gold wird Jungfrauen- gold geheissen. Das zweyte ist koͤrnicht, das dritte im Stein, und das vierte wie Sand Unterschiede- ne Arten Gold. oder Flittern. Diese letztern drey Ar- ten werden um solche Gegenden gemei- niglich gefunden, wo bey grossen Schlag-Regen die Wasserstroͤme durch- gerissen, ingleichen am Grunde der Fluͤsse, sonderlich dererjenigen, welche uͤber Goldadern hingelauffen, welcher Art die Fluͤsse Datzin und Daguira in Africa sind, woselbst die Schwar- tzen nichts anders thun, als das Gold am Grunde der Stroͤme suchen. Das meiste Gold, das wir in Franckreich zu sehen bekommen, kommt aus Peru/ daher es mit den Spanischen Gallio- nen nach Cadix gebracht wird. Die Herren der Frantzoͤsischen Compagnie lassen auch Gold von Senega bringen, Or an aurilles. welches Or en aurillet genennet wird, da- rum/ weil es von den Schwartzen ist verarbeitet worden, die es aus dem Koͤ- nigreiche Gualate/ welches an das Reich Tombut stoͤst, zu hohlen pflegen. Auch bringen die Hollaͤnder aus Su- matra/ und andern Jndianischen Or- ten, Gold zugleich mit dem Pfeffer und andern Waaren heraus. Es giebt uͤber diese noch eine Gat- tung Gold, Alchymistisch oder Chy- Chymisches Gold. misches Gold genennet, von dem ich aber, weil es mir unbekannt, nichts vermelden werde: uͤberlasse es denen- jenigen, welche Zeit haben sich damit zu verwirren, und ihrer Geschlechter und Familien Verderben und Unter- gang in einem Wercke suchen, dabey doch die lautere Unmoͤglichkeit ist, und will nur dieses gedencken, daß man dem Golde, weil es unter allen Metallen das schoͤnste ist, deswegen den Namen des Koͤniges derer Metallen beygeleget Koͤnig unter den Metallen. habe; und daß man, mit Huͤlfe der Chy- mie, oder der Feuerkuͤnstlerey (wie sie einige nennen) allerhand gar nuͤtzliche Dinge, zu des Menschen Leben dienlich, aus demselben ziehe und bereite. Die allererste Bereitung, die mit dem Gol- Unterschiede- ne Arten das Gold zu laͤu- tern. de vorgenommen wird, ist die Reini- gung oder Laͤuterung desselben, und ge- schicht auf viererley Weise. Erstlich, durchs Antimonium oder Spiesglas, welches die allerbeste Art: hernach mit der Capelle: drittens mit Scheidewas- ser, und viertens durchs cementiren. Cupellirt Gold nennt man, welches mit Bley, ausgelaugter oder auch Bein-Asche ist gelaͤutert worden, der- gleichen die Goldschlager zu ihren Gold- blaͤttlein gebrauchen. Das durchs Scheidewasser gegangen, heißt geschie- den Gold: und viertens, cementiret Gold heißt dasselbige, welches vermit- telst eines Teiges von Ziegelsteinen, ge- meinem Saltze, Salmiac, Steinsaltze und Urin bereitet, gereiniget worden. Es giebt zwar noch eine, und die fuͤnffte Art das Gold mit Quecksilber zu laͤu- tern, allein diese Sachen alle allhier anzufuͤhren duͤrffte zu lange werden; daher mag man seine Zuflucht zu den vielen Chymischen Buͤchern, die davon handeln, nehmen. Das andere Capitel. Vom Goldkoͤnig. R Egulus auri heißt das durchs Spies- glas gegossene Gold, welches her- nach in einen metallenen Giespuckel, oder in einen Moͤrsel geschuͤttet worden, der eben also geschmieret und gewaͤrmet ist, als wie derjenige, darein das Spies- glas selbst geschuͤttet wird. Es ist aber diese operation gar wenig im Gebrauch, weil Hauptbeschreibung dritter Theil. weil sie zu kostbar; und gehoͤret nur vor curieuse Leute, welche sie blos und allein zur Vergnuͤgung ihrer Begierde, wie auch ein vollkommen feines Gold zu ha- ben, vornehmen. Das dritte Capitel. Vom Blaͤttgengolde. B Laͤttgengold nennen wir das cu- pellirte Gold, welches vermittelst eines Pergaments oder Ochsengedaͤr- me, so die Kuͤnstler in Franckreich Bau- druche zu nennen pflegen, und Hammer- schlaͤgen zu uͤberaus zarten und leichten Blaͤttlein gemachet worden ist. Es ist etwas recht verwunderliches, daß ein Goldschlager, aus einer Untze Gold 1600. Blaͤttlein schlagen kan, de- ren ein iedes 37. Linien ins gevierte haͤlt. Und der Herr Furetiere sagt, daß man das Gold 159092. mahl klei- ner machen kan, denn das gantze Stuͤ- cke gewesen: ein Dratzieher aber 65192. mahl. Unterschiedli- che Gattun- gen Blaͤttgen- gold. Zu Paris findet man fuͤnfferley Blaͤttleingold bey den Goldschlaͤgern, darunter das schoͤnste und staͤrckste ist, welches sie den Degenschmieden ver- kauffen, die damit die Damascener Klin- gen vergolden. Die andere Sorte brauchen die Schloͤsser und Waffenschmiede, allerley Eisenwerck und Gewehr damit zu ver- golden; welches aber bey nahe nicht mehr gebraͤuchlich. Die dritte Gat- tung wird zum Buͤcher vergolden an- gewendet. Die vierte dient fuͤr dieje- nigen, welche auf Holtz vergolden/ und fuͤr die Mahler. Die fuͤnffte und letzte wird zur Artzney verbraucht, und von den Apotheckern unter allerhand Pul- ver und confectiones gemischet, und zwar nicht allein zum Zierrath, son- dern auch ihnen einige mehrere Kraft zu geben. Man zerreibet die Goldblaͤttlein, oder aber die Abgaͤnge, welche die Gold- schlager in Franckreich bracteole nen- nen, mit weissem Honig, und thut sie darauf in kleine Muschelschalen, daher es den Namen Muschelgold oder Muschelgold oder Gold- pulver. Goldpulver bekommen hat: dieses also zubereitete Gold ist zur Mignatur- arbeit sehr dienlich. Das vierte Capitel. Vom Schlag-Gold und Gold-Saffran. A Urum fulminans oder Crocus Solis ist gekoͤrnet Gold, im aqua regis aufge- loͤset, und hernach mit Weinsteinoͤl, welches in die solution oder das aufge- loͤsete getroͤpfelt worden, wiederum niedergeschlagen ist. Das aufgetrock- nete Pulver ist weit staͤrcker, und zuͤn- det viel eher, denn das Buͤchsenpulver. So ist auch dieses dergestalt zubereitete Gold ein vortreffliches Schweißmittel und Artzney fuͤr diejenigen, welche die Pocken haben, und wird von zwey Gran bis auf sechse gegeben: es stillet ingleichen das Erbrechen, und wider- stehet der allzuheftigen Wirckung des Quecksilbers. Das fuͤnffte Capitel. Vom Goldpulver oder gemahlnen Golde. M An calciniret das Gold mit Queck- silber und Salmiac, und nennt es hernachmahls Goldpulver oder amalgamiret Gold. Es dienet fuͤr die Goldarbeiter, weil es sich leichtlich auftragen laͤßt. Etliche lassen den Salmiac davon, und brauchen den Mercur alleine. So giebt es auch sonst noch vielerley præparationes des Goldes, Tincturen, Extracte, das so genannte Aurum po- tabile. Allein, weil sie nicht uͤberalle guͤltig sind, deswegen will ich nichts mehr als dieses sagen, es sey des Gol- des vornehmste Kraft und Eigenschaft, daß es seinem Besitzer alle Arten der Vollkommenheit zu wege zu bringen vermoͤge. S s Das Der Spezereyen und Materialien Das sechste Capitel. Von der Marcasit. U Nter diesem Namen, wird nach dem erachten des Herrn Morin/ Do- ctors in der Medicin zu Montpellier, verstanden ein metallisches Mineral, welches mit Schwefel und Erde ver- menget: diese absorbi re und verschlin- ge die metallischen Theilgen, welche sich abloͤsen, jener aber fuͤhre diejenigen Theilgen, welche, weil sie gar zu subtil und mercurialisch, und daher weniger fixe sind, sich leichtlich erheben und sub- limi ren, mit sich hinweg, daß also nichts zuruͤcke bleibe, als ein vitrificirt es, nichts nuͤtziges corpus, welches auf Frantzoͤ- Letier. sisch Letier genennet wird. Ob nun gleich dieses unvollkommene Mineral im schmeltzen nichts nicht gie- bet, was man ihm auch fuͤr Fluß zusetzt, dennoch wird es von allen wahren Alchymisten aufs eifrigste aufgesuchet, und alle dem andern vorgezogen, dar- aus man die Metalle bringt/ und von ihrer etlichen, wiewohl nur improprie, auch Marcasita genennet wird; da sie es doch in der Wahrheit ist; denn weil die principia noch nicht so gar genau verbunden sind, ist es auch eben nicht zu schwer sie zu scheiden, und folglich zu ihren Verrichtungen anzuweisen und zu vermehren. Dieser Ursach halber werffen sie die Bergleute zusammt dem Quartz hin- weg, welche doch um so viel besser ist, ie weniger Schwefel und Erde sie bey sich hat. Man kan sich leichte einbilden, wenn ich sage, daß ein iedes Metall seine Mar- casit habe, daß diese gleichsam desselben Samen sey, wie auch daß sie um so viel weiter von der eigentlichen Benen- nung der Marcasite entfernet sey, oder um soviel weniger diesen Namen ver- diene, ie mehr sie fermenti re und gleich- sam jaͤhre, und der Vollkommenheit des Metalles gleich komme. Nichts desto minder aber dienet zu mercken, daß wir gemeiniglich mehr nicht als drey Sorten Marcasit zu verkauffen pflegen, naͤmlich, Gold- Silber- und Kupfer Marcasit. Die Gold-Marcasit sieht insgemein wie kleine runde Kugeln, ist sehr schwer, und laͤßt sich nicht leichtlich zerbrechen. Die Silber-Marcasit siehet schier eben al- so aus, nur daß sie nicht so sehr gefaͤrbet ist. Die Kupfer-Marcasit ist rund, lang, und mehrmahls hoͤckricht, in Groͤs- se eines Ballens. Diese Marcasit ist zwar sehr harte, wenn man sie aber an einem feuchten Orte liegen laͤßt, so durchtringt und durchzieht sie die Naͤsse, und verwandelt sie in eitel Vitriol; daß demnach nichts draus wird. Wenn man die Kupfer-Marcasit in Stuͤcken bricht, es sey nun die runde, à rognon , auf Frantzoͤsisch, oder die lange à boudin , benamset, so sieht sie in- wendig goldgelbe und als wie lauter Nadeln und Spitzen, die gleichsam eine Sonne vorbilden. Dieses waͤren also die Beschreibungen derer drey Marca- siten, welche man insgemein gebrau- chet: denn was die andern betrifft, die Eisen-Zinn- und Bley-Marcasit, von denen habe ich noch nichts eigentliches erfahren koͤnnen. Doch giebet es et- liche, welche vorgeben, der Magnet sey die Eisenmarcasit, der Bißmuth des Zinns, und der Zinck des Bleyes: an- dere aber sagen, daß Zinn und Bley einerley, und nur an der Farbe von ein- ander unterschieden waͤren, und gruͤn- den sich darauf, daß die Alten das Zinn weisses Bley, und das Bley schwartzes Bley genennet. Also gebe es nur zweyerley Marcasit; welcher Mei- nung ich bey nahe beypflichten wolte, indem mir unmoͤglich gefallen, eine Zinnmarcasit zu finden, wie ich auch unten erinnern werde. Wieder an- dere, zum Exempel, Furetiere, geben vor, die Eisenmarcasit diene zu Vergla- suͤrung der toͤpfernen Gefaͤsse, worin- nen er aber fehlet: denn die Materie, damit die Toͤpfe glasuͤret werden, nen- nen wir plumbum minerale oder Alqui- foux, und zwar mit Rechte, alldieweil aus diesem das Mullenbley gemacht wird, und es folglich Bleyertz, und kei- ne Marcasita ist. Auch ist zu mercken, daß ich zwar wohl gesaget habe, es wuͤrden nur dreyerley Arten Marcasit von uns ver- kauffet; alleine, es sind wenig recht- schaf- Hauptbeschreibung dritter Theil. schaffene Materialgewoͤlbe, in denen nicht annoch unterschiedene andere Sorten Marcasite anzutreffen waͤren, vierecket, platt, schwartz, grau, gelb, und so fort. Dieses aber ruͤhret da- her, daß alles, was man nicht kennet, und nur fuͤr ein Mineral gehalten wird, stracks eine Marcasit heissen muß, da doch oftmahls weder der Kaͤuffer noch der Verkaͤuffer wissen, was Marcasita ist: dadurch werden dann diejenigen, die damit zu thun haben, betrogen, und ihre Arbeit ist vergebens. Jch besitze eine weisse Marcasit mit Goldadern durchzogen, die aus den Jnseln gebracht worden ist, und man hat mich versichert, daß es wahrhaftig Goldertz sey. Das siebende Capitel. Vom Silber. D As Silber/ welches die Spanier in Peru Plata nennen, ist, nach dem Golde, das schoͤnste und vollkom- menste Metall. Es ist weiß und ge- schmeidig, denn es laͤßt sich ziehen und ausdehnen, und faͤllt gut in die Augen. Die beruffensten Silbergruben sind bey Rio de la Plata , beym Silberfluß/ und zu Potochi in Peru/ welche im Jahr 1545. entdecket worden. Die Gegend daselbst herum heist Potosi, und ist ein Berg im freyen Felde, der schier als wie ein Zuckerhut siehet, und untenher im Bezirck eine Meile hat, oben aber ist er eine Viertheil Meile breit. Es giebt noch andere Silbergruben mehr, in Jndien/ Europa/ und auch in Franck- reich. Das Silber aus den Gruben wird mit dem Mercur oder Quecksilber ge- reiniget, und es sind Jahre gewesen, da man 3000. Quintalen des feinest- und reinsten Silbers aus den Minen be- kommen, dazu dann ein sechs oder sie- ben tausend Quintalen Quecksilbers gebrauchet worden: denn iemehr es damit gereiniget wird, ie besser ist es. Weil auch das Silber ein sehr rei- nes Metall ist, absonderlich, wenn es recht und wohl gelaͤutert worden, des- halben wird es zu verschiedenen Chy- mischen operationibus und Arbeit ge- brauchet, darunter die purificatio und Reinigung die erste ist. Das achte Capitel. Vom cupellirten Silber. D Jß ist Silber, das in geschmoltzen Bley gethan worden, da dann durch Huͤlffe des Feuers und einer ver- borgenen Eigenschafft das Bley eben dasjenige beym Silber verrichtet, was das Eyweiß beym Zucker thut. Wann es nun wohl gelaͤutert ist, so wird es gra- nuli ret oder gekoͤrnet, auf bekannte Weise, und ist alsdann recht gereiniget, weiß und glaͤntzend, wenn es anders ist, wie sichs gebuͤhret. Das cupellirte Silber wird zu ein und anderer Chymi- schen Arbeit gebrauchet, gleichwie aus folgenden zu ersehen. Das neunte Capitel. Crystalli oder Vitriolum Lunæ. D Je Crystallen oder der Vitriol vom Silber werden aus dem cu- pellirten Silber gezogen, welches in Salpeterspiritus solviret worden ist. Denn wenn die Feuchtigkeit bey nahe alle abgerauchet, so laͤßt man die Cry- stallen anschiessen, die dann, wenn sie auf Fleisch applicir et werden, eine gleiche Wirckung haben, als wie der Lapis in- fernalis. Das zehende Capitel. Lapis infernalis, Luna caustica, oder causticum perpetuum. L Apis infernalis, der hoͤllische Stein, wird er tituliret, von wegen seiner brennenden und etzenden Eigenschaft und Wirckung, wie auch wegen der schwartzen Farbe, und wird aus cupel- lirten Silber bereitet, welches in Sal- S s 2 peter- Der Spezereyen und Materialien peterspiritus aufgeloͤset, uͤbern Feuer abgerauchet, und darauf in eine wohl- geschmierte und gewaͤrmte Forme ge- schuͤttet worden ist, worinne es erkal- tet, gestehet und als ein Stein wird, in Gestalt der Giesforme, darein man es geschuͤttet hat. Von diesem Steine soll man die klei- nen Stuͤcken erwehlen, die des Fingers lang, trucken, und dichte sind, von Far- be braun und etwas eisenfarbicht, die auch weder die Finger, noch das Pa- pier angreiffen, sie muͤsten denn naß ge- machet worden seyn; die auch, an die Luft geleget, nicht leichtlich zerfliessen, dennoch aber alsofort zu brennen anhe- ben, wenn man sie nur ein klein wenig angefeuchtet hat: und dieses sind die ge- wissesten Kennzeichen, daß der lapis in- fernalis von cupellirtem Silber bereitet. Dagegen soll man denjenigen verwerf- fen, welcher gruͤn ist, uñ das Papier, dar- ein er gewickelt ist, gruͤn faͤrbet, auch an der Luft gar balde feuchte wird und zer- fleußt, denn er ist von Kupfer gemacht. Andere nehmen das Silber von silbernẽ Geschirren oder von alten ausgebrann- ten Spitzen dazu; allein dieser lapis haͤlt sich nicht so wohl, als wie der, welcher von cupellirtem Silber zugerichtet wor- den ist. Einige bꝛauchen auch wohl falsche Geldstuͤcken: hingegen kan er dem von feinen Silber an der Guͤte gar nicht gleich kommen. Die Chirurgi und Wundaͤrtzte brauchen diesen Stein viel- faͤltig, und bedienen sich desselben das todte und wilde Fleisch dadurch weg zu bringen und weg zu beitzen, allein, man muß wohl und genau Achtung geben, daß das gesunde und frische Fleisch nicht zugleich mit angegriffen werde, denn der Stein wuͤrde dasselbige ohnfehlbar nebenst dem andern verbrennen, und dem Patienten unleidliche Schmertzen verursachen, insonderheit, wenn der Ort naß waͤre. Dieser Stein hat auch diese Eigen- schaft, daß, wenn man damit auf Mar- mor mahlet, er sich einfrißt, so daß die Figur/ welche man aussen drauf gezeich- net, auch inwendig zu sehen ist, wenn man ihn zerschneidet; es geht auch nie- mahls aus: und dieses zu verrichten, darff man nur, als wie mit einem Grif- fel drauf hinfahren. Seine Farbe ist schwartz. Das eilffte Capitel. Tinctura Lunæ. D Je Tinctur des Monden ist eine solutio Lunæ in spiritu Nitri, daraus hernach das Silber mit Saltzwasser ge- schlagen worden. Auf dieses wird als denn Weinspiritus, mit fluͤchtigem Weinstein- und Urinsaltze geschaͤrfft, ge- gossen, und auf solche Weise eine him- melblaue Tinctur herausgezogen, wel- che gar vortreflich wieder die fallende Sucht, Laͤhmung der Glieder und den Schlag, wie auch zu andern Kranck- heiten oder Zufaͤllen des Hirns dienet und recommendir et wird. Die dosis ist von sechs bis auf funffzehn und sechs- zehn Tropfen. Das zwoͤlffte Capitel. Vom Eisen. D As Eisen, von den Chymisten Mars genennet, weil es ihrem Vor- geben nach, von demselben Gestirn sei- nen Einfluß bekommen soll, ist unter al- len Metallen das haͤrtest- und trucken- ste, und laͤßt sich am alleruͤbelsten schmel- tzen. Es bestehet aus Erde, Saltz und einem uͤbel digerirt en und gereinigten Schwefel, daher es auch dem Roste un- terworffen. Jn Spanien, Teutsch- land und Schweden giebt es wohl auch Eisengruben, doch fehlt gar viel, daß sie so reich seyn solten, als wie die Frantzoͤsischen. Unter diesen sind die besten in Champagne/ Lothringen/ und in Normandie/ wiewohl ihrer auch in Burgund, Berry und andern Provintzen zu finden sind. Zuweilen trifft man das Ertz nur einen eintzigen Zoll tieff in der Erde an, bisweilen aber liegt es einen, zwey, drey, vier und sechs Fuß tieff. Dieses Ertz findet man in unterschiedlicher Gestalt; denn bald siehet es, wie bey uns die Erdaͤpfel, bald aber Hauptbeschreibung dritter Theil. aber wie Sand. Allein, ich will mich nicht aufhalten, und beschreiben, wie und auf was Weise die Berggeher mit ihrer Hasel- oder Wuͤnschelruthe dieses Ertz zu finden wissen; denn der Abt von Vallemont hat nur vor weniger Zeit ein nettes Buͤchlein davon heraus- gegeben. Das dreyzehende Capitel. Wie das Eisen aus dem Ertz gezogen und geschmol- tzen wird. W Enn das Eisen aus der Grube ge- kommen, wird es in fliessendem Wasser gewaschen, damit die Erde da- von gebracht werde: drauf tragen sie das gewaschene Ertz in die grossen Oe- fen, und legen es auf Kieselsteine oder Erdenkloͤse und Kohlen, so wird dieses Ertz, vermittelst zweyer hoͤltzernen oder ledernen Blasbaͤlge, welche vom Was- ser getrieben werden, als wie geschmol- tzen Bley. Wenn denn die Schlacken, die wie Glas sehen, nachdem sie kalt worden, herabgenommen worden, hal- ten sie die Baͤlge an, und oͤffnen das Loch, das unten im Ofen ist, mit einer eisernen Stange, so laufft es alsofort, als wie ein feuriger Strom heraus, und faͤllt in die Loͤcher oder Kammern, wel- che als wie die Giesformen der Gold- schmiede gemachet, und sechs, sieben bis acht Fuß lang, auch bis auf einen Fuß dicke sind. Das in diese Kammern ge- flossene Eisen nennen die Schmiede Gaͤnse. Wenn sie Canonkugeln, Moͤr- sel, Gewichte, Platten zu Caminen und andere Sachen aus diesen Gaͤnsen, oder besser zu reden, aus diesem gegossenen Eisen machen wollen, so fassen sie das geschmoltzene Metall mit grossen eiser- nen Loͤffeln, und schuͤtten es in die For- men, die entweder in den Sand ge- macht, oder auch aus gegossenem Eisen sind. Noch stehet zu mercken, daß, ie fei- ner die Sachen seyn sollen, ie laͤnger muͤsse das Eisen im Flusse stehen, denn, wenn man nur grobe Arbeit zu verfer- tigen hat, bleibt die Materie nur zwoͤlff Stunden im Feuer, zu feiner Arbeit aber gehoͤren funffzehn bis achtzehn Stunden. Das Frantzoͤsische gegosse- ne Eisen laͤßt sich nicht feilen, sondern wird mit Fett und Schmergel polirt und helle gemacht; allein dazu gehoͤ- ren gute starcke Arme: das Teutsche dagegen und andere Gattung des Ei- sens vertragen die Feile. Das vierzehende Capitel. Von Stangen- und andern Eisen. W Enn sie nun das Eisen zu rechten Eisen machen wollen, so nehmen sie ein solch Stuͤcke gegossen Eisen, und bringen es in den Laͤuterofen, welcher platt auf der Erde ist, und in der Mit- ten ein Loch hat, daraus die geschmol- tzene Materie nach und nach ablaufft. Dieses Metall wird bey Kohlen ge- schmoltzen, und durch Huͤlffe zweyer grosser Blasebaͤlge, welche gleicher ge- stalt vom Wasser getrieben werden, nachdem die Materie bald schmiltzet. Derjenige, der es fein machet, ruͤhrt es mit einer eisernen Stange wohl um, denn ie mehr es umgeruͤhret wird, ie geschmeidiger und besser wird es. Nach diesem wird die Materie mit starcken Zangen auf den Ambos gebracht, und daselbst aller Unrath, das ist, Erde und ander Zeug, das nicht dazu gehoͤret, und annoch dran verblieben ist, mit dem grossen Hammer herabgeschlagen. So- dann ist das Eisen fertig, und darff nicht mehr geschmoltzen werden; so vertraͤgt es auch nunmehr das feilen. Will man es zu Staͤben und andern Sachen haben, so nimmt man die Masse, welche die Schmiede in Franckreich Piesse nen- nen, und bringt sie in eine andre Schmiede, in den Gluͤ-Ofen. Wann nun diese Masse von den Kohlen und beyden Baͤlgen, welche von zweyen Knechten gezogen werden, wohl erhi- tzet, und gluͤend worden, wird sie auf den Ambos gebracht, und mit dem grossen hoͤltzernen Hammer, der unten mit Eisen beschlagen, nach des Ham- merschmieds belieben, lang und duͤnne S s 3 geschla- Der Spezereyen und Materialien geschlagen. Auch ist zu mercken, als eine Sache von Wichtigkeit, naͤmlich, weil der Hammerschmied allein die eine Helffte der Masse oder des Stuͤcks zu Stangen schmieden kan, denn er sie bey dem einen Ende halten und sie deswe- gen ins Wasser stecken muß, damit er das andere Ende auch schmieden koͤnne, daß dieses die Ursach sey, warum das Frantzoͤsische Eisen so schieffricht ist und zerspringet, deme doch leichtlich abzu- helffen waͤre, wenn sie es von sich selbst erkalten liessen. Man moͤchte mir zwar einwenden, es kaͤme eigentlich nicht da- her, daß das Eisen so bruͤchig und sprin- gend wuͤrde, weil es ins Wasser geste- cket worden, sondern die Schuld laͤge im Ertz, und ob es wohl oder nicht recht umgeruͤhret worden, ich will es auch eben nicht laͤugnen, iedennoch heist es nach dem Sprichworte, mal sur mal n’ est pas santé: weil man es nun so leichtlich verhuͤten kan, deshalben ist es besser, man verfahre auf oberwehnte Weise. Und dieses ist die Art das Stangeneisen zu verfertigen. Das funffzehende Capitel. Vom Stabeisen und eisernen Drate. D Je Staͤbe werden aus dem Stan- geneisen gemacht, wenn es in ei- nem besondern Ofen ergluͤet, und durch staͤhlerne Raͤder, dergestalt zerschnitten worden, wie wir es zu sehen bekommen. Den Drat betreffend, derselbe wird aus dem Stabeisen bereitet, welche eben als wie das duͤnne Wachs durch kleine Loͤcher gezogen werden. Man hebt bey dem groͤssern an und hoͤrt bey den kleinen auf, so muß es immer duͤn- ner und duͤnner werden. Das sechzehende Capitel. Von schwartzen und weissen Blech. D Jeses wird aus Stangeneisen ge- macht, welches gegluͤet und darauf also duͤnne geschlagen worden: und es giebt dessen zwey Sorten, grosses und kleines. Uber dieses wird auch noch mit kleinen Haͤmmern das, was die Frantzosen fer noir heissen, daraus ge- macht. Jn Teutschland aber wird annoch absonderlich das weisse Blech bereitet, welches allerley Handwercker gebrauchen. Es wird naͤmlich das fei- ne geschmeidige Eisen zu duͤnnen Ble- chen geschlagen, und diese hernach mit Zinn uͤberzogen, dazu sie, wie etliche sagen, Scheidewasser gebrauchen sol- len. Um Nivers herum wird zwar wohl auch weiß Blech gemacht, allein es ist nicht so gut, als wie das Teutsche, denn es rostet, welches das Teutsche nicht thut, sondern ist noch dazu viel hel- ler und weisser. Wir fuͤhren auch eine gar starcke Handlung nicht nur mit Eisen, Stahl und andern Metallen, rohen und un- gearbeiteten, sondern auch mit aller- hand verarbeiteten Eisen und Stahl, samt andern Dingen mehr, die fuͤr die Eisenhaͤndler zu Paris gehoͤren: denn man muß wissen, daß diese Leute keine besondere Zunft oder Corpus machen, sondern alle mit einander entweder Spezereyhaͤndler oder Kramer sind, und diese Handlung beyden gemein sey. Das siebenzehende Capitel. Vom Stahl. D Er Stahl ist Eisen, das oftmahl geschmoltzen, und entweder nur in schlechten, oder aber in einem aus vielen Stuͤcken zusammengesetzten Wasser, gehaͤrtet worden: gleichwie aus fol- genden zu ersehen. Teutschland uͤbersendet uns den besten Stahl, welcher Acier de Carme genannt wird, nach einer Stadt in Teutschland (*) Kerment/ woselbst (*) oder viel- leicht in Steyer- marck. der allerbeste Stahl gemachet wird. Diese Gattung Stahl wird auch Stahl mit dem doppelten Marck genennet, und allein zu feinen Sachen gebrau- chet, als da sind, Scheermesser, Lanzet- ten, und dergleichen Chirurgische Jn- strumente: desgleichen Zieheisen fuͤr die Dratzieher, und Grabstichel fuͤr die Kupfer- Hauptbeschreibung dritter Theil. Kupferstecher, und so fort an. Die zweyte Sorte wird Stahl mit der Rose genennet, nicht allein, weil inwendig gleichsam wie eine Rose, als wie ein Rebhuͤnerauge gefaͤrbet, erscheinet, sondern auch, weil die laͤnglichten, aus Fichtenholtze gemachten Faͤßlein mit einer Rose bezeichnet sind. Dieser Stahl kommt in gar kleinen Stangen, welche einen oder zwey Fuß lang, und eines halben Zolls breit sind. Wir fuͤhren ingleichen Ungarischen Stahl, Jtalienischen und Piamon- tesischen/ zusamt noch ein Hauffen an- derer Sorten mehr, die in Franck- reich gemachet werden, als da ist der Stahl von Vienne und Rive im Delphinat/ Clamecy/ in Auvergne und S. Disier in Champagne: so wird auch zu Nevers und Charite Stahl gemacht, und gemeiner Stahl genennet. Es dienet zu mercken, daß in gantz Europa kein Stahl an Guͤte demjeni- gen beykomme, der zu Kerment ge- machet wird; selbst unter 150. Gru- ben, welche die Teutschen haben, sind keine, ausser die zu Kerment/ welche recht guten Stahl geben: denn sie wis- sen allda aufs genaueste, wieviel sie Huͤttenrauch, Realgar, Operment, Sublimat, Spiesglas, weiß Kupfer- wasser und andere dergleichen Dinge nehmen muͤssen, wenn sie das Wasser zum Haͤrten zurichten wollen. Und dieses ist mit wenig Worten die Ursache, warum allein in Teutschland recht guter Stahl kan zubereitet werden, auch warum unterschiedene, die ihn nachzumachen unternommen, zu Grunde gangen. Was die Haͤrte des gemeinen Stahls betrifft, dazu ge- braucht man insgemein kein anderes, als schlechtes Wasser. Sonst sahe man auch Damasceni- schen Stahl/ der uͤberaus gut war, und wofern man dem Herrn Furetiere Glauben zustellen will, seine Haͤrte von der Luft erhalten, indem ihn einer zu Pferde, in vollem rennen, stets her- um schwingen muͤssen. Er meldet auch, daß er also gehaͤrtet wuͤrde; man zoͤge die Schneide uͤber ein nasses Gemsenfell hinweg, eben als ob man es zerschnei- den wolte. Der recht gute Stahl muß bruͤchicht seyn, von feinem Korn, und so weiß, als immer seyn kan. Was die Gestalt belanget, da giebet es allerhand Arten, doch meistentheils kommt er in Stan- gen oder viereckten Stuͤcken. Der Stahl wird zu allerhand Holtz und Eisen schneidenden Jnstrumenten gebraucht. Durch Huͤlffe der Chymie werden allerhand Sachen daraus gezo- gen, wie aus nachfolgendem zu ersehen. Die Stahlfeilspaͤne betreffend, die- selben haben ihren Nutzen in der Artz- ney: die besten, und die gewiß wie sie von Natur sind, sind die Nadlerfeilspaͤ- ne. Wer sie probiren will, der halte sie nur uͤber ein brennend Licht, wel- che denn nur halb verbrennen, und bla- sen, dieselbigen sind mit Eisen ver- mischt. Das achtzehende Capitel. Vom Eisen-Saffran. D Er eroͤfnende Eisensaffran wird von Eisen oder Stahl auf dreyer- ley Weise bereitet. Erstlich, wenn man eiserne Bleche in den Thau legt. Zum andern/ wenn man die Eisenfei- le mit gemeinen, oder auch mit Honig- wasser besprenget, so bekommt man eine Zeit hernach, einen braunen Rost davon. Diese Bereitungen des Martis oder des Eisens sind zwar langweilig, iedoch zu unten benannten Kranckhei- ten uͤber die massen vortraͤglich. Weil aber, wie gesagt, diese zwey Bereitun- gen des Eisensaffrans eine gar lange Arbeit erfordern, und eine gar haͤßliche Farbe haben, derowegen halte man sich lieber an die dritte Art diesen Saffran zuzurichten, welches auf diese Weise ge- schicht: man nimmt ein Stuͤck Stahl, laͤßt es in einer Schmiede oder Schloͤsser- Esse wohl ergluͤen, und vermittelst einer Schwefelroͤhre, die man dran haͤlt, flies- sen und zu Pulver werden. Hierauf wird dieser geschmoltzene Stahl mit Schwefel in einen Schmeltztiegel ge- than, und im Reverbirfeuer zu einem gar Der Spezereyen und Materialien gar schoͤnen rothen Pulver gemacht. Andere brauchen nur gemeine Eisen- spaͤne an statt der Stahlfeilspaͤne. Dieser eroͤffnende Eisensaffran wird insgemein Crocus Martis aperitivus genennet, und ist ein recht herrliches Mittel wider die Wassersucht, und den Jungfern von der weissen Farbe zu helf- fen gar dienlich. Die dosis ist von zehn zu viertzig Gran, in ein oder anderer Lattwerge, Zucker oder Taͤfflein, oder wie der Herr Lemery haben will, mit einem oder dem andern purgante. Das neunzehende Capitel. Vom anhaltenden Eisen-Saffran. C Rocus Martis adstringens ist eine von oberwehnten Stahl- oder Eisenbe- reitungen, und wird von Stahl berei- tet, der vorher mehr als einmahl mit Eßig abgewaschen, und in einen Schmeltztiegel geworffen worden ist, darinne er innerhalb fuͤnff oder sechs Stunden, vermittelst der heftigsten cal- cination in ein rothes Pulver verwan- delt wird, welches iedennoch bey wei- tem nicht so schoͤne ist, als wie das vo- rige. Dieser Saffran wird zu Verstellung des Blutens gebrauchet, es entgehe ei- nem nun gleich von unten oder von oben. Er wird in gleichem Gewichte, als wie der vorhergehende gebraucht, und in diesem oder jenem zur Kranck- heit dienlichem liquore genommen. Die Alten haben diesen beyden præ- parationibus, wie auch andern mehr, we- gen ihrer roͤthlichten Farbe, den Na- men Saffran gegeben. Das zwantzigste Capitel. Vom Stahlsaltz oder Stahl-Vitriol. E S giebt zweyerley Saltz vom Ei- sen oder Mars; das beste aber ist, welches von Vitriol und Weinspiritus, zusammen in eine eiserne Pfanne ge- schuͤttet, bereitet wird: wenn es dann ein drey oder vier Wochen gestanden, findet sich am Boden ein graulichtes Saltz, welches man trucken werden laͤßt, und zum Gebrauche aufbehaͤlt. Das andere Saltz vom Mars wird ge- machet, wenn man Stahlfeile in distil- lirten Eßig schuͤttet, und eben also da- mit verfaͤhret, als ob man Bleysaltz be- reiten wolte, gleichwie aus folgenden kan ersehen werden. Das erstere ist ein trefflich Mittel wider allerley Ver- stopfungen, und wird von vier bis auf zwoͤlf Gran, auf einmahl, in einem zur Kranckheit dienlichen Safte oder Was- ser gegeben. Was die Wahl betrifft, da soll das weisseste und trockenste vor das beste gehalten werden. Das ein und zwantzigste Capitel. Oleum Martis. D As im Keller geflossene Saltz vom Stahl wird Stahloͤl genennet; ist aber eigentlich nicht recht. Etliche ge- brauchen es eben als wie das Saltz, nur daß sie solchs in groͤsserer Menge ge- ben. Das zwey und zwantzigste Capitel. Von den Stahl-Crystallen. A Us dem Stahle werden auch Cry- stallen bereitet, wenn man naͤmlich Stahlfeil ins Wasser thut, und recht guten Vitriolspiritus dazu schuͤttet. Hernach werden im Keller die gruͤnlich- ten Crystallen daraus gezogen, die man, wenn sie trucken worden, gleich also, als wie das Saltz und Oel gebrauchen kan: doch muͤssen sie in viel geringerer dosi ge- geben werden, weil sie gar zu scharff sind. Etliche geben vor, daß man aus diesen Crystallen vermittelst einer Re- torte einen Vitriolspiritus ziehen koͤn- ne: allein, weil er ziemlich schwach ist, dannenhero wolte ich keinem rathen, sich damit zu verwirren. Das Hauptbeschreibung dritter Theil. Das drey und zwantzigste Capitel. Von der Martistinctur oder Syrup mit Weinstein. M An ziehet aus dem Eisenrost oder Feilspaͤnen, mit Weinstein und sie- dendheissem Wasser, eine schwaͤrtzlichte Tinctur, welche, nachdem sie bis zur Honigdicke abgerauchet worden, Tin- ctura oder Syrupus Martis genennet wird. Andere lassen fast alle Feuchtigkeit ver- Tinctura Mar- tis coagulata. rauchen, das wird hernach bey uns Tin- ctura Martis coagulata genennet. Diesen Stahl-Tincturen oder Sy- rupen wird eine eroͤffnende Kraft beyge- leget. Die dosis und wieviel auf ein- mahl davon zu geben, ist unterschied- lich, denn ie dicker der Saft, ie weniger nimmt man davon: also koͤnte ordent- lich vor einmahl ein Quintlein bis eine halbe Untze genug seyn. Das vier und zwantzigste Capitel. Anhaltende Stahltinctur. M An ziehet auch aus dem Eisenrost, mit Tropfwein, oder Quittensaft, und andern anziehenden Saͤften, eine Tinctur oder Syrup, oder Extract, dem eine anhaltende Kraft zugeschrie- ben wird. Die dosis richtet sich gleich- falls nach der Dicke der Tinctur; or- dentlich aber werden zehen Gran bis auf ein halb Quintlein, in einem oder dem andern anhaltenden Safte genom- men. Das fuͤnff und zwantzigste Capitel. Mars diaphoreticus. D Er Schweistreibende Mars wird von Eisenroste, mit gleichen Theilen Salmiac vermischet, gemacht, und daraus in einem Sublimir-Gefaͤs- se flores oder Blumen bereitet, die man in Wasser zergehen laͤßt, und darauf mit Weinsteinoͤle niederschlaͤget. Das Pulver treuget man, und wird hernach mit obgesetztem Titel benennet, obgleich die Schweistreibende Kraft, die er vom Salmiac bekommen koͤnnen, nicht gar zu groß ist, indem das Wasser fast alles wiederum hinweggenommen. Das sechs und zwantzigste Capitel. Vom Quecksilber. D Asjenige, was Argentum vivum, Mercurius crudus, Mercurius currens, Hydrargyrum, Argentum aqueum, Aqua argenti, Protheus naturæ, Sal fugitivum, Spiritus mineralis, Quecksilber/ roher/ auch lauffender Mercur, waͤßricht Silber, Silberwasser/ Protheus der Natur/ fluͤchtiges Saltz/ minera- lischer Spiritus geneñet wird, ist nach des Hn. Charras beduncken, ein metall- und mineralischer Saft, welcher einer gantz fluͤchtigen Natur, in den Berg- wercken befindlich, und wie man glau- bet, aus einer weissen Erde und seinem eignen innerlichen Mercur, den die Weisen oder Philosophi fuͤr eines von ihren principiis halten, und eben der- gleichen, was ihr Saltz und Schwefel ist, zusammen bestehet. Etliche, und darunter auch ietztgemeldter Autor, sa- gen, daß der Mercurius nicht sey un- ter die Metalle gerechnet worden, son- dern man habe ihm den Titel, Semime- tallum, Halb-Metall, gegeben, dieweil er weder harte sey, noch sich haͤmmern lasse, welches doch die wahrhaften Me- talle vertragen: nichts destominder fuͤgt er sich gar leichtlich bey alle die andern, und insonderheit bey das Gold, welches er gar ofte mit andern vereini- gen hilfft. Die Silberfarbe, und daß er sich so gar leichtlich beweget, sind Ur- sach, warum er Argentum vivum, leben- diges Silber genennet worden ist; so hat ihm auch eben diese seine Farbe und Fluͤßigkeit den Griechischen Namen Hy- drargyrum, welches eben so viel heißt, als waͤßricht Silber oder Silberwasser, zu wege gebracht. Mercurius wird er tituliret, von wegen der Gleichheit, die T t er mit Der Spezereyen und Materialien er mit dem Planeten dieses Namens fuͤhret. Man koͤnte ihn auch deswegen also nennen, dieweil er in Veraͤnderung der Gestalt, welche die Heyden dem Mercur, einem ihrer Goͤtzen, zuge- schrieben, gar aͤhnlich ist. Wie er denn noch uͤberdiß ietzt angefuͤhrter Ursache halber, wie auch wegen der unterschie- denen Farben, die man ihm geben kan, Aqua Prothei, und um seiner Fluͤchtigkeit und Fluͤßigkeit willen, den Titel Sal fu- gitivum, fluͤchtiges Saltz, bekommen hat. Das Quecksilber wird auf unter- schiedene Art in den Schachten gefun- den, bald in seinem eignen Ertz ver- schlossen, bald aber also fluͤßig und rin- nend, wie wir es zu sehen bekommen, und weil es auch natuͤrliches Quecksil- ber giebet, so haben etliche demselben Jungfer- Mercurius. den Namen Jungfrauen-Quecksil- ber gegeben. Bisweilen findet man es auch zwischen der Erde, und dem Ge- stein, auch oftmahls, daß es allbereit zu Zinober worden, gleichwie im nachfol- genden kan ersehen werden. Diejeni- gen, die das Quecksilber aus den Schachten, oder besser zu reden, aus den Orten, woselbst es befindlich ist, hervorziehen, gebrauchen grosse eiserne Retorten, um selbiges von seinem Ertz, und andern harten Coͤrpern, daran es hanget, abzusondern und zu scheiden, und machen es durch Huͤlffe des Feuers und kalten Wassers also fluͤßig, wie es Quecksilber- ertz. ordentlicher Weise ist. Das Queck- silberertz sieht dem Spiesglas aus Poictou dermassen aͤhnlich, daß sie kein Mensch solte von einander unterschei- den koͤnnen, wenn nicht die Spitzlein thaͤten, welche etwas weisser sind. Wird es rinnend oder lauffend in der Erde angetroffen, so thun die Sclaven, die es heraus bringen, mehr nichts, als daß sie es durch eine Gemsenhaut oder Le- der druͤcken, damit die Unreinigkeiten davon abkommen. Es werden bey nahe mehr nicht denn nur zwey Oerter in Europa seyn, wo- selbst das Quecksilber gefunden wird, naͤmlich, Hungarn und Spanien, davon das Hungrische nach Wien und von dar nach Holland gefuͤhret wird, daher wir es hernachmahls kommen lassen. Das Spanische aber wird nach Peru gebracht, um allda, wie schon er- waͤhnet, zur Scheidung des Goldes vom Silber zu dienen. Jedoch kommt alle das Queckfilber oder Mercurius, das wir von Marseille ziehen, aus den Quecksilberbergwercken in Friaul/ den Venetianern zustaͤndig. Ein guter Freund, der die Oerter, daraus der Mercurius gehohlet wird, besichtiget, hat mich versichert, daß sie dermassen tieff waͤren, daß man fuͤnff Stunden Zeit zum Einfahren haben muͤste. Vor diesem war der Spanische Mercurius in Franckreich gemeine genug, weil er auf Silber, welches nur ein klein wenig erwarmet, gebracht, die Kraft hatte, dasselbige anzuroͤthen, und ihm eine wunderschoͤne Farbe zu geben. Diese, nach einiger Alchymi- sten Gutduͤncken, so hohe Eigenschaft, die doch im Grunde gar nichts ist, und die Beschwerlichkeit dasselbe zu ietziger Zeit zu bekommen, indem der Koͤnig in Spanien ausdruͤcklich verboten dassel- bige in andere Laͤnder zu verfuͤhren, sind Ursache, daß es anietzo so sehr ge- suchet wird, als wie der natuͤrliche Zi- nober. Es haben zwar etliche unter den neuern Scribenten geschrieben, daß der Mercurius auch in Jndien/ Polen, Teutschland/ und selbst in Franckreich gefunden wuͤrde, welches auch vielleicht wahr seyn mag; ieden- noch aber habe ich die rechte Wahrheit der Sache nicht entdecken koͤnnen, ob ich schon allen moͤglichsten Fleiß ange- wendet habe. Das ist wohl gewiß, daß man vor weniger Zeit in der Norman- die, zwischen S. Lo und Charenton/ in der Parochie la Chapelle en juge , in der Herrschaft Menildo/ einen Zino- bergang gefunden, allein man hat ihn wegen der grossen Unkosten, die man drauf wenden muͤssen/ wiederum ge- stopft. Der Herr Lemery meldet, daß der Mercurius gemeiniglich in solchen Bergen sich finden lasse, welche mit weis- sen und als wie Kalch so zarten Steinen bedecket sind. Die Kraͤuter, die auf dergleichen Bergen wachsen, sind viel gruͤner und weit groͤsser denn andere, die Baͤume hingegen, welche nahe an der Quecksilberader stehen, bringen sel- ten Bluͤten und Fruͤchte, es brechen auch Hauptbeschreibung dritter Theil. auch ihre Blaͤtter viel spaͤter hervor als an andern Orten. Eine Anzeigung ists, daß man einen Quecksilbergang entdecken koͤnne, wenn im Monat April und May, an beson- dern Orten, dicke Duͤnste und Nebel aufsteigen, welche aber wegen ihrer Schwere nicht allzuhoch steigen: dan- nenhero macht man sich an solche Orte und suchet das Metall, insonderheit aber, wenn sie ohngefehr gegen Mitter- nacht zu liegen, denn man glaͤubet, der Stollen muͤsse recht reich seyn. Auch findet man um diese Gaͤnge viel Was- ser. Wem etwas mehr vom Golde, Sil- ber und Quecksilber zu wissen beliebet, der lese den Acosta und den Jndiani- schen Mercur/ darinnen ist weitlaͤuff- tig genug davon gehandelt. Jhm sey nun wie ihm sey, man er- wehle nur das Quecksilber, welches weiß, lauffend, rein und sauber, wie auch fein lebendig ist, und ein schoͤnes Wasser hat: dagegen verwerffe man dasjenige, welches, wenn es in ein ku- pfern Gefaͤß, Wage oder anderes Ge- schirr geschuͤttet worden, bleyfarbicht scheinet, das ist, wenn es braun siehet, und sich als wie Fett dehnet und ziehet, oder auch an den Fingern behangen bleibt, wenn man es ruͤhret, und zu ei- tel Kuͤgelgen wird: welches in Wahr- heit nichts geringes ist, indem das mei- ste Quecksilber von den Spiegelma- chern, Goldarbeitern, Degenschmie- den, Vergoldern, und andern verthan wird, deren Arbeit alle zu schanden ge- hen duͤrffte, wenn nur ein eintzig Pfund Bley unter ein bouillon Quecksilber ge- rathen, es sey nun aus Zufall, oder aus Schelmerey geschehen. Ausser obberuͤhrte Beschaffenheiten, die das Quecksilber haben muß, kan man es auch probiren, wenn man nur ein wenig davon in einen silbernen Loͤffel schuͤttet, und uͤber dem Feuer verrau- chen laͤßt; denn wenn ein gelber Flecken zuruͤcke bleibt, ist es ein Zeichen, daß er recht natuͤrlich sey: bleibt aber im Ge- gentheil ein schwartzer Fleck, so ist die- ses ein Merckmahl, daß es mit Bley vermischet worden. Das Quecksilber ist eine dermassen schwere Materie, daß, wie Furetiere da- von meldet, ein Cubischer Fuß dessel- ben 947. Pfund waͤge, da doch ein sol- cher Fuß Wasser aus der Seine nicht mehr denn 70. Pfund betrage. Das ist soviel gesagt, ein Gefaͤß, das 35. Kan- nen, Pariser Maas, Wassers aus der Seine halten kan, kan auch 947. Pfund Quecksilber fassen. Jst nun das Queck- silber so uͤberaus schwer, so ist es auch nicht weniger starck, sintemahl ein ei- sern Gewichte von 50. Pfunden, wenn es in ein bouillon Quecksilber, welches insgemein, wie es aus Holland koͤmt, 160. bis 180. Pfund schwer ist, geleget wird, nicht tieffer darein sincket, als ei- ne Untze, die man drein geleget. Wel- ches ich nicht geglaubet, wenn ich es nicht selbst versucht haͤtte. Die Eigenschaften des Quecksilbers betreffend, dieselben sind groͤsser, denn man sich wohl einbilden solte; wie denn etliche vorgeben, daß ein einig Quint- lein Quecksilber eben so grosse Kraft ha- be, als wenn man es in grosser Men- ge nehmen liesse; und wenn es ja zu- weilen in grosser dosi verordnet wuͤrde, sonderlich in der Colica, welche die Darmverwickelung oder Miserere mei genennt wird, geschehe solches doch blos darum, damit es desto geschwinder durchgehen, und die Gedaͤrme, durch sein grosses Gewichte, aus einander bringen moͤge. Es ist ingleichen etwas recht ver- wunderliches, daß man den Mercur allezeit seine vorige Gestalt, und zwar ohne sonderlichen Verlust und Abgang, wiedergeben kan, man mag ihn auch verstellet haben, wie man nur wolle. Der Daͤnische Chymicus Borrichius gedencket in seiner Chymie, daß der Mercur/ welchen er ein gantzes Jahr hindurch gemartert, und auf vielerley Weise verkehret haͤtte, dennoch seine erstere Gestalt, vermittelst des Wein- steinsaltzes, mitten in den Flammen, wiederum angenommen. Weil dann der Mercurius in allen Koͤnigreichen, und besonders in Franckreich/ so gar haͤuffig verthan und verbrauchet wird, dannenhero haben die Hollaͤnder den Preiß aufs Pfund, um zwey Sols Hollaͤndischer Wehrung, erhoͤhet, wel- ches fast drey Sols, nach unserm Gel- de, betraͤgt: weil auch diese Waare T t 2 schon Der Spezereyen und Materialien schon lange gangbar gewesen, deshal- ben wird das Pfund nicht unter 36. Sols verkaufft. Die grosse Anzahl der Tugenden und Kraͤfte, welche die- sem Halb-Metalle beygeleget werden, stelle ich beyseits, sintemahl dieselben von sehr vielen Scribenten sattsam be- schrieben worden sind, so mag ich auch nicht entscheiden, ob es hitzig oder kalt sey, iedennoch aber will ich sagen, daß es aͤusserlich von Natur also kalt sey, daß einer die Hand unmoͤglich eine Vier- theilstunde in einem bouillon Quecksil- bers halten koͤnne; und dabey erin- nern, daß ein Jrrthum sey, wenn man glauben wolte, welches doch alle neuere Scribenten angemercket, daß sich die Hollaͤnder die Muͤhe naͤhmen, und das Quecksilber zu Zinober macheten, da- mit sie es hernach hin und her versen- den koͤnten; und dieses um dreyerley Ursache willen. Erstlich, weil es sich gantz wohl in Schafsfellen oder Leder fortbringen laͤßt, welche veste zusam- men gebunden, und in hoͤltzernen Kisten oder Faͤssern, die man, so weit sie noch ledig sind, mit Kleyen oder Saͤgespaͤ- nen, oder mit geschnittenem Strohe (Heckerling) ausfuͤllet, verwahret werden. Zum andern, wenn wir den Zinober wiederum in lebendigen Mer- cur verwandeln solten, koͤnten wir ihn um den Preiß nicht hingeben, darum wir ihn doch verkauffen: Zudem, so wird alle der Mercurius, welcher in Holland zu Zinober gemacht worden ist, in Franckreich und uͤberalle, wieder gerieben und dergestalt verbraucht. Es muͤste dann iemand so begierig seyn, und um einen recht reinen und saubern Mercur zu haben, sich die Muͤhe geben, und ihn aufs neue belebt machen. Und dieses ist so gewiß, daß da wir jaͤhrlich wohl tausend Pfund Quecksilber und eben soviel geriebenen Zinober bringen lassen, wir dagegen zum hoͤchsten ein 50. Pfund Zinober verschreiben. Und wenn ja drittens die Hollaͤnder Belie- ben haͤtten ihn also zuzurichten, damit er sich desto besser fortbringen lasse, so figiren und machen sie ihn mit einer gar geringen Sache stehend, thun ihn in allerhand Gefaͤsse, auch wohl nur in Papier, und senden ihn denenjenigen uͤber, die das Geheimnuͤß besitzen, wie er ohne Unkosten wieder lauffend zu machen ist. Das sieben und zwantzigste Capitel. Vom mineralischen oder natuͤrlichen Zinober. D Er mineralische Zinober ist ein rothes, schwer und glaͤntzendes Ge- stein, welches an unterschiedlichen Or- ten in der Welt gefunden wird: doch ist der Spanische der beste und schaͤtzbar- ste. Jch habe grosse Muͤhe gehabt, bis ich den rechten Namen desjenigen Or- tes erfahren koͤnnen, woselbst der Zino- ber gegraben wird. Denn ob mich gleich eine hochverdiente Person versi- chern wollen, weil sie ihn selbst gesehen und auch gesammlet, daß der allerbeste in Andalusien/ auf dem Grund und Boden der Klosterleute S. Hierony- mi, gefunden werde, und daß man da- ruͤber gienge, als wie auf andern Stei- nen; habe ich doch nicht gar wohl glau- ben koͤnnen, daß dieses so eine schlechte Sache waͤre, und deswegen von dem Herrn Charras mich unterrichten zu lassen vor noͤthig befunden, welcher mir denn auch zu verstehen gegeben, daß in dem Gebirge Sierra morena gar gros- se Zinober Bergwercke waͤren, allda der Koͤnig von Spanien, auf eigne Ko- sten, sehr viel Arbeiter hielte, die das Quecksilber, das nach Peru gesandt wird, herausziehen muͤsten. Weil mir nun diese Erzehlung weit richtiger zu seyn bedunckte, so halte ich auch sicher- lich dafuͤr, daß die groͤste Menge des Zinobers, den man vor diesem allhier gesehen, und auch noch heut zu Tage zu sehen bekommt; wiewohl gar selten; aus diesem Gebirge Sierra morena gekommen sey, auch daß der schlechte Preiß, um welchen er damahls hinge- geben wurde, uns gnugsam zu erken- nen gebe, daß es nicht schwer oder kost- bar gewesen, den Zinober aus seinen Adern zu gewinnen. Welches auch einiger massen dem Gutachten ober- wehnter Person zu statten kommen koͤnte, Hauptbeschreibung dritter Theil. koͤnte, indem sie mich versicherte, daß er so gemeine waͤre, als die Steine, und weiter nichts, als nur die Muͤhe ihn zu sammlen, kostete. Man soll den mineralischen Zino- ber erwehlen, welcher hoch an der Far- be, und so glaͤntzend und ohne Gestein, als immer moͤglich sey. Seit dem der Spanische Zinober in Franckreich also seltsam worden, hat man so vieler- ley Arten desselben gesehen, daß ich Muͤhe gnug haben duͤrffte, wo ich sie alle beschreiben wolte. Wegen dieser so grossen Seltsamkeit sieht und hoͤrt man fast nichts, als nach wahrhafti- gen Spanischen Zinober fragen. Die- weil auch diejenigen, die ihn verkauf- fen, ihnen keinen Scrupel und Gewis- sen machen, wenn sie schon eines fuͤr das andere hingeben, darum geben sie den von S. Lo dafuͤr, ob er gleich nicht ein wenig von jenem unterschieden ist, in- dem der Spanische glaͤntzend roth, der von S. Lo aber gar matt siehet, und noch dazu weit weniger Quecksilber bey sich fuͤhret, unerachtet einige mir ent- gegen behaupten wollen, daß ein Pfund Zinober von S. Lo eben so wohl vier- zehn Untzen Mercurius gebe, als wie der Spanische: welches ich auch nicht wiederreden will, weil ich es nicht zur Probe gefuͤhret. Das Zinoberbergwerck, welches in der Parochie de la Chapelle en jugé , gefun- den worden, steht in einer losen Erde, da man stets graben muß, und nie- mahls schuͤrffen kan. Sie ist voll klei- ner, doch sonder grosse Wasseradern. Zu erst ist sie mit einer Ockerfarbe an- gefaͤrbet, welche sich auch sehr veste an die Haͤnde legt, wenn man die Erde da- zwischen reibet, drauf folgen allerhand und unterschiedene Anbruͤche, und un- ter andern ein gelber Ocher, den Mar- casiten gleich, mit einer weissen Erde bedecket, welche sie die Seiffe der Adern nennen, und nicht an den Fingern kle- ben bleibt. Ohngefehr auf funffzig Fuß tieff, findet man ein blaues hartes Gestein, und zwey oder drey Fuß tieff den Zinober im Gestein, das anfangs etwas braun ist, und Staffeln- oder Banckweise liegt, die Banck zu zwan- tzig und dreyßig Fuß in die Laͤnge, und vier bis fuͤnff Fuß dicke. Gantz in der Mitten stickt der Vermillon/ als ein hellglaͤntzendes Pulver. Der Spanische mineralische Zi- nober/ ob er gleich vielfaͤltig gesuchet wird, hat dennoch, soviel mir bewust, keinen andern Nutzen, als daß sie den Mercur heraus ziehen, aus welchen die recht erfahrnen Alchymisten, wie sie vor- geben, rothguͤlden Ertz, ja selbsten Gold machen koͤnnen, wenn sie ihn figiren und die Farbe geben; denn dem Ge- wichte nach gleichet er dem Golde. Le- mery sagt, der natuͤrliche oder minera- lische Zinober sey ein vermischtes Queck- silber mit Schwefel, die sich durch Huͤlf- fe der unterirdischen Waͤrme, mit ei- nander sublimiret haͤtten, welches bey nahe auf die Art und Weise, als wie wir mit dem durch Kunst bereiteten Zi- nober verfahren, geschehe. Furetiere hat in seinem Buche an- gemercket, daß es einen mineralischen Zinober gebe, welches ein gantz rother, schwerer, doch nicht allzuharter Stein sey, dem Blutstein gleich; derselbe ent- halte Quecksilber in sich, so von ihm selbst und ohne Feuer heraus troͤpfle. Er meldet ferner, daß dieser Zinober in Krain gefunden wuͤrde, und mit der Alten ihrem Minio einerley, dabey aber giftig sey. Sagt auch, das Wort Zi- nober kaͤme vom Griechischen Worte ϰινάβρα her, welches einen Bocks- oder sonst einen unertraͤglichen Gestanck be- deutet: denn, wenn sie den gegrabenen Zinober aus der Erde hervor ziehen, soll er, wie Matthiolus berichtet, einen also wunderlichen Geruch von sich las- sen, daß sie die Nase verstopfen, und das Gesichte verdecken muͤssen, damit sie nicht dadurch vergiftet werden. Von dieser letztern Gattung des Zinobers haͤtte ich wohl nichts gedacht, wenn ich nicht glaubte, daß er falsch waͤre: und wenn Matthiolus und Furetiere nicht bereits verstorben waͤren, wolte ich ihnen in diesem Capitel, eben als wie in vielen andern, unter die Augen sagen, daß sie von solchen Sachen ge- schrieben haͤtten, die sie doch niemahls gesehen, und die wider die Vernunfft streiten; und endlich, damit ich es de- nenjenigen ausreden moͤchte, welche T t 3 glau- Der Spezereyen und Materialien glauben duͤrfften, daß es dergleichen mineralischen Zinober gebe, aus dem das Quecksilber natuͤrlicher Weise ab- tropfte. Das acht und zwantzigste Capitel. Vom dem durch Kunst zubereitetem Zinober. D Er durch Kunst zubereitete Zi- nober ist ein Gemenge von Queck- silber und Schwefel, welches hernach- mahls sublimiret und zu einem Steine gemachet worden ist, auf die Art, wie wir es zu sehen bekommen. Jn Holland ist wegen Feuersgefahr und des Schwefelsgestanck halber nach- druͤcklich verboten worden, dergleichen Zinober in den Staͤdten zu machen: er wird dannenhero alleine auf den Doͤrf- fern gemacht. Man soll diesen Zinober aussuchen, welcher feine schoͤne Spitzen oder Stri- che hat, anbey so hoch als moͤglich, an der Farbe ist. Der Gebrauch dieses Zinobers be- stehet, wie bereits erinnert, darinne, daß diejenigen, welche ein reines und sauberes Quecksilber verlangen, sowohl zur Mercurial Panacee, als auch zu al- lerhand anderer Arbeit, dazu der revi- vificirte Mercurius aus dem Zinober erfodert wird, dasselbe daraus bereiten koͤnnen. Auch wird dieser als ein Stein zu- gerichtete Zinober einiger massen von den Mahlern gebraucht, wenn sie ihn zuvorher abgerieben, alldieweil er ein weit lebhafter Roth giebet, denn derje- nige, welcher bereits gerieben aus Hol- land kommt; doch ist diß das verdruͤß- lichste, daß es so grosse Muͤhe setzt, bis er wiederum trucken worden. Er hat desgleichen bey der Artzney seinen Nu- tzen, und wird nicht nur zum raͤuchern, sondern auch zu andern aͤusserlichen und innerlichen Artzneyen gebrauchet. Nichts destominder aber will ich sagen, daß der Zinober fast gar nicht innerlich gebrauchet werde, es sey denn fuͤr die Pferde, um die also genannten Zinober- pillen daraus zu machen. Aller Zinober, so geriebener als un- geriebener, kommt aus Holland/ und ist zu verwundern, daß diejenigen, die ihn machen, Stuͤcken zu drey bis vier hundert Pfunden bereiten koͤnnen; und dieses ohne sonderbare Muͤhe, denn sie setzen fuͤnff und zwantzig Pfund Ma- terie, das ist, Quecksilber und Schwefel ein, und wenn sie diese aufgetrieben oder sublimiret, setzen sie aufs neue fuͤnff und zwantzig Pfund ein, und fahren also fort, bis das Gefaͤß voll worden; und eben darum ist auch der wie ein Woher es komme/ daß der Zinober schichtweis auf einander liegt. Stein bereitete Zinober, den wir zu sehen bekommen, stets Schicht- oder Bettweise anzusehen. Es setzen aber die Hollaͤndischen Bauern und andere, die den Zinober be- reiten, insgemein 100. Pfund Schwe- fel auf 300. Pfund Mercur, und weil sie niemahls mehr als ohngefehr 25. Pfund auf einmahl einsetzen, so haben sie einen sonderlichen Stock, welcher zu Verstopfung des Loches, das oben im Gefaͤß ist, dienet, dennoch aber bis auf den Boden hinab reicht: indem nun allezeit, wenn 25. Pfund sich sublimi- ret und aufgestiegen sind, eine Haut entstehet, so zerstossen sie dieselbige mit dem gedachten Stocke, damit sie andere Materie eintragen, und zugleich zuse- hen moͤgen, ob das Gefaͤsse voll sey. Das gantze Geheimnuͤß diesen Zino- ber zu bereiten, bestehet eintzig und al- lein in der Vermisch- und Zurichtung der Erde, daraus die Gefaͤsse oder Toͤpfe zur Zinoberbereitung verfertiget wer- den: denn wenn ein solches Gefaͤß, we- gen der Menge, die sie darinne bereiten, zerbersten solte, wuͤrde es ihnen grossen Schaden bringen, ja sie stuͤnden in Ge- fahr, alles mit einander zu verliehren. Was den Vermillon betrifft, der- selbe ist nichts anders, als solcher wie ein Stein zubereiteter Zinober, der mit gemeinem Wasser, oder aber mit Seewasser abgerieben worden. Wir bekommen aber zweyerley Vermillon aus Holland, rothen und Vermillon. blassen, welches iedoch alleine daher kommt, daß er mehr oder weniger ge- rieben worden: denn ie mehr er gerie- ben ist, ie feiner ist er, ie blaͤsser er ist, ie mehr wird er geachtet, sonderlich von denen- Hauptbeschreibung dritter Theil. denenjenigen, die ihn gebrauchen, und das Spanische Wachs damit faͤrben. Man soll aber den Vermillon er- wehlen, der wohl gerieben sey, trucken und soviel moͤglich, ohne Erde, anbey recht rein und sauber. Die Hollaͤnder muͤssen nothwen- dig Bleyertz und andere trucknende Sa- chen unter den Vermillon mischen, denn der als ein Stein zubereitete Zi- nober, wie ich bereits erinnert habe, trucknet so gar schwerlich, wenn er ge- rieben wird, welches doch derjenige, den sie allbereit gerieben uns uͤbersenden, nicht thut. Jn Franckreich wird der Vermil- lon uͤberaus gebrauchet, sowohl von den Spanischen oder Siegel-Wachs- machern, als auch von den Mahlern, wiewohl er auch sonst noch zu vielen an- dern Sachen mehr angewendet wird. Man lasse sich warnen, und brauche bey Leibe nicht den geriebenen und mit diesem oder jenem Fette vermischten Zi- nober, das Gesichte zu schmincken, gleich- wie der Herr Charras sehr wohl ange- mercket hat: denn es ist eine gefaͤhrliche Schmincke, und duͤrfften allerhand ver- druͤßliche Zufaͤlle zuschlagen. An sei- ne Statt hingegen koͤnte man den so ge- nannten Spanischen Vermillon ge- brauchen, denn dessen mag man sich mit aller Sicherheit gebrauchen, indem er blos vom Saffran aus Levante oder Saffranum bereitet ist. Aus dem Zinober oder Vermillon Mercurius aus dem Zi- nober. ziehet man durchs Feuer und mit Stahlfeile oder ungeloͤschtem Kalche, in eine Retorte gethan, ein uͤberaus reines Quecksilber, das zu allerley Sa- chen gut ist, dazu sonst das Quecksilber von noͤthen. Weil aber dieser Mercu- rius gar zu theuer, nicht allein wegen der Unkosten, sondern auch des Abgangs halber; derowegen bedienen sich dieje- nigen, die des Quecksilbers benoͤthiget sind, es muͤsten denn gar curieuse Leute seyn, des Hollaͤndischen. Was die Wahl dieses Mercurs be- trifft, so muß er uͤber die massen weiß und recht lebendig seyn. Das neun und zwantzigste Capitel. Vom corrosivischen Sublimat. D Jesen bekommen wir aus Hol- land/ oder von Venedig, und wird von gemeinen oder aufs neu beleb- ten Mercurius, Salpeterspiritus, weiß gebrenntem Vitriol und verpufften Meersaltze gemacht: hernach wird es zu einer weissen und glaͤntzenden Massa sublimiret und aufgetrieben. Den Sublimat/ es mag Hollaͤndi- scher oder Venedischer seyn, soll man aussuchen, der fein weiß und glaͤntzend, auch soviel als moͤglich, nicht zu schwer, auch nicht zu dicke ist. Dagegen soll man, soviel man kan, den Smirnischen verwerffen, welcher schwer und voller Spiegel ist, denn er soll, wie man sagt, mit Arsenic bereitet seyn; welches ich dennoch nicht fuͤr gewiß ausgeben kan, weil ichs selbsten nicht gewiß weiß. Al- les was ich davon sagen kan, ist dieses, man troͤpfle nur ein wenig Weinsteinoͤl darauf, oder reibe ihn mit Weinstein- saltze: wird er alsdann gelb, so ist es ein unfehlbares Zeichen, daß er von Mer- eurius gemacht, und wie er soll beschaf- fen sey: dahingegen, wenn er schwartz wird, es bedeutet, daß er uͤbel beschaf- fen und deshalben solle verworffen werden. Der corrosivische und etzende Sub- limat wird von allerley Leuten ge- brauchet; als da sind Wundaͤrtzte, Goldschmiede, Hufschmiede und der- gleichen. Jedennoch aber muß er mit der groͤsten Vorsicht gebrauchet werden, denn es eines der aͤrgsten Gifte ist: auch solten es die Kauffleute, die es fuͤhren, niemand, als solchen Leuten geben, die es zu ihrem Thun und Ar- beit noͤthig haben, gestalt denn dieses die koͤniglichen Befehle vermoͤgen, in welchen allen Kauffleuten ausdruͤcklich untersaget ist, keinem Menschen, als den Herren und Meistern, Gift zu verkauffen; und verordnet, daß sie sich von denenjenigen, die es kauffen, einen Schein geben lassen sollen, und verneh- men, was sie damit machen wollen; ingleichen, daß die Kauffleute selbst es unter ihrem Beschluß und eigner Ver- wah- Der Spezereyen und Materialien wahrung halten, und niemand, denn sie selbst, etwas davon weggeben solle. Jch verhoffe nicht, daß jemand diese Erinnerung uͤbel aufnehmen werde, als welche auf die allgemeine Sicher- heit gerichtet ist. Das dreyßigste Capitel. Vom ausgesuͤßtem Sublimat. D Er suͤsse oder versuͤsste Subli- mat oder Mercurius/ Mercurius dulcis, dulcificatus, auch Aquila alba, der weisse Adler/ genannt, wird vom cor- rosivischen Sublimat und rohen Mer- cur zubereitet, welche durchs Feuer und mit Huͤlffe einer glaͤsernen Retorte, zu einer weissen Masse, die voll kleiner Spitzlein oder Striemlein ist, gemachet werden. Das Sublimatum dulce oder der Mer- curius dulcis, muß weiß und glaͤntzend seyn, voll kleiner harter Spiesse, und darf durchaus keinen Geschmack haben, wenn man es auf die Zunge nimmt. Wenn es gepuͤlvert worden, muß es weiß und ein wenig gelblicht sehen. Man sey auch gewarnet, und habe ja wohl Acht, daß es zum wenigsten drey- mahl edulcorir et worden sey: denn da- fern diese Waare nicht die gehoͤrige Be- schaffenheit hat, das heist, wenn sie nicht gantz und gar ohne Geschmack ist, solte sie allerhand verdruͤßliche Zufaͤlle erre- gen koͤnnen. Die ihn aus Holland brin- gen lassen, moͤgen nicht zuviel auf seine Schoͤnheit sehen, welche ihm die Hol- laͤnder zu geben wissen, sondern viel- mehr darauf, ob er auch ohne Ge- schmack sey: denn ich kan versichern, daß ich dergleichen aus Holland bekom- men habe, welcher groß Ungluͤck anrich- ten duͤrffen, wofern ich nicht genaue Acht gegeben haͤtte. Diß aber kam nirgend anders her, als daß er nur ein einiges mahl sublimiret oder versuͤsset worden ware. Wenn der abgesuͤssete Sublimat recht wohl zugerichtet ist, denn ist er ein vortrefflich und herrliches Mittel zu den geheimen Kranckheiten, wie auch zu Ertoͤdtung der Wuͤrme, absonder- lich bey jungen Kindern. Die dosis ist gemeiniglich von zwey bis auf zehen Gran, in einem bolo oder Bissen ge- nommen, es sey nun mit einer oder der andern purgirenden Artzney oder aber in einer Conserve. Das ein und dreyßigste Capitel. Panacæa Mercurialis. A Lso nennen wir ein ausgesuͤßtes Sublimat, welches von revivificir- ten Mercurius aus Zinober bereitet, und bis auf achtmahl dulcifici ret oder sublimi ret worden ist. Jch aber will mich bey diesem Stuͤcke nicht lange auf- halten, dieweil die Directores des Hospi- tals fuͤr die beschaͤdigten Soldaten ei- nen Zettel drucken lassen, in welchem der Laͤnge nach davon gehandelt wird, sondern will nur sagen, daß dieses reme- dium sehr gesuchet und hoch gehalten werde, eines Theils, weil es noch etwas neues ist, und dann, weil es ein Univer- sal zu obgedachten Kranckheiten seyn soll. Man schreibet ihm auch so viel andere Tugenden und Kraͤfte zu, daß es deshalben Panacæa genennet wor- den, welches eben so viel heißt, als ein universal remedium, und allgemeine Artzney wider alle und iede Kranckhei- ten. Gemeiniglich wird diese Artzney in Tragantpillen verstecket, welche, wenn sie trucken worden, weder an der Groͤsse, noch an der Farbe von dem uͤber- zogenen Coriander unterschieden sind. Das zwey und dreyßigste Capitel. Vom weissen Praͤcipitat. D Er weisse Praͤcipitat ist Quecksil- ber, das in Salpeterspiritus auf- geloͤset, und mit Saltz als ein weisses Pulver niedergeschlagen worden. Die- ses Pulver ist hernach, wenn es wohl ausgewaschen worden, was wir weis- sen Praͤcipitat von Quecksilber zu nennen pflegen, um ihn also von denen zweyen Hauptbeschreibung dritter Theil. zweyen andern Praͤcipitaten zu unter- scheiden, von denen der eine aus corrosi- vischem Sublimat bereitet wird, wel- cher in einem mit Salmiac zugerichte- ten Wasser zerlassen, nach diesen mit darein geschuͤtteten Weinsteinoͤle zu ei- nem weissen Pulver niedergeschlagen, und darauf gleichwie der vorige gewa- schen und getreuget wird. Der dritte wird ebenfalls vom corrosivischen Sub- limat gemacht, welcher gestossen und in warm Wasser geschuͤttet wird, sodann bekommt man ein weisses Pulver da- raus, welches nachdem es gleicher ge- stalt gewaschen und aufgetrocknet wor- den ist, eben dergleichen Eigenschafften hat, als wie die andern, naͤmlich, die Salivation und Geifferung zu erwecken, oder aber mit Fett und Pomade vermi- schet, die Schwinden und Raude zu vertreiben. Weil aber diese Praͤcipitaten, und uͤberhaupt alles was vom Quecksilber kommt, die heftigsten Mittel sind, da- bey eine und die andere Gefahr zu be- sorgen stehet, dannenhero soll man sie ohne die groͤste Vorsichtigkeit und Rath erfahrner Leute niemahls gebrauchen. Wann nun der weisse Praͤcipitat vom Quecksilber recht gut seyn soll, so muß er weiß, schwer und getreulich zubereitet seyn, welches man daran er- kennen kan, wenn man nur etwas we- niges davon auf eine gluͤhende Kohle leget, denn es ist das Zeichen seiner Guͤ- te, wenn er gar verfleugt: dahingegen, wenn er auf der Kohle liegen bleibet, oder aber Bley davon herablaͤuffet, sol- ches eine unfehlbare Probe ist, daß es nichts anders als Bleyweiß oder ein ander Weiß, z. E. Rouanisches oder der- gleichen sey. Was den vom Sublimat bereiteten Praͤcipitat betrifft, derselbe soll auch aus dermassen weiß seyn, und um ein gutes leichter, denn der vom Mercur gemacht ist; welches doch etwas unge- meines zu seyn scheinet, indem alles, was vom Mercurius kommt, schwer ist. Daher verlangen ihn auch diejenigen nicht, die sich nicht darauf verstehen, ob er schon eben so schoͤn und so gut ist, als der, welcher mit dem Quecksilber berei- tet wird. Das drey und dreyßigste Capitel. Vom rothen Praͤcipitat. D Er rothe Praͤcipitat ist in Sal- petergeist aufgeloͤster Mercurius, welcher darauf so lange im Feuer gehal- ten wird, bis er so roth und glaͤntzend worden, als wie er aus Holland uͤber- kommt. Was die rothen Praͤcipitate betrifft, welche von den Kuͤnstlern in Paris und in andern Staͤdten verfer- tiget werden, so giebt es unter denensel- bigen fast eben so viel und gantz unter- schiedene Farben, als Leute ihn bereiten, und sind ihrer gar wenig, die ihn als wie die Hollaͤnder zurichten koͤnnen. Deswegen sind auch die meisten rothen Praͤcipitate, welche die Apothecker zu verkauffen haben, bald roth, bald Po- merantzenfarben, niemahls aber glaͤn- tzend; sie muͤsten ihn denn bey Mate- rialisten, die ihn aus Holland bringen lassen, gekauffet haben. Jch will zwar nicht sagen, daß er nicht eben so gut sey, iedennoch aber laͤßt er sich nicht so gut verkauffen. Rosenfarbi- Sonst giebt es noch zweyerley rothen Praͤcipitat, einer ist Rosenfarben, wel- ger Praͤcipi- tat. ches alleine daher kommt, daß man den im Salpetergeist aufgeloͤseten Mercu- rius nicht zum Feuer gebracht, sondern warmen Urin drauf geschuͤttet hat, da dann alsofort der Rosenrothe Praͤc- pitat niederfaͤllt; welcher, wenn er ausgewaschen worden, vortrefflich gut ist wider die Wuͤrme, den Scharbock und Kraͤtze: man kan ihn auch sonsten eben als wie denjenigen, der vom Feuer roth worden, gebrauchen. Der dritte rothe Praͤcipitat wird von Sublimat, in warmen Wasser zerlassen, bereitet, und daruͤber Weinsteinoͤl geschuͤttet. Der Herr Lemery sagt, daß diese Be- reitung des Sublimats der rechte ro- Rechter ro- ther Praͤci- pitat. the Praͤcipitat waͤre, doch sey er nicht so starck, noch so heftig, als der vom Quecksilber gemacht wird. Die bey- den letzten Praͤcipitate sind wenig im Brauch, dieweil man sich nur des er- steren bedienet, der aber, wenn er gut seyn soll, getreulich muß bereitet seyn; U u dabey Der Spezereyen und Materialien dabey man auch wohl zuzusehen hat, daß kein Bleyertz drunter gemischet sey, welches iedennoch leichtlich zu mer- cken, wenn man ein Stuͤcke Gold damit reibet: denn wenn dasselbe weiß wird, so ist er gut, und vom Mercur gemacht. Dahingegen, wenn es schwartz wird, ist es ein Zeichen, daß er Bley haͤlt, und damit vermenget ist. Auch darff man ihn nur aufs Feuer bringen, wenn er denn verfleugt, ist es ein gut Zeichen. Nichts destominder sage ich, daß man dem Hollaͤndischen den Vorzug lassen muͤsse, weil er nicht allein viel schoͤner ist, und darum auch desto besser zu ver- kauffen; sondern auch, weil wir ihn um ein gutes wohlfeiler lassen koͤnnen, sonderlich zu Friedenszeiten, als denje- nigen, welcher in Franckreich kan berei- tet werden. Das vier und dreyßigste Capitel. Arcanum Corallinum. A Lso wird ein rother Praͤcipitat vom Quecksilber genannt, auf dem man Weinspiritus abbrennen lassen, und die- ses zum sechsten mahle wiederhohlet hat. Dieses ist das Arcanum Coralli- num und der rothe Praͤcipitat, den man innerlich gebrauchen kan, indem ihn der Weinspiritus versuͤsset, und die groͤ- ste Schaͤdlichkeit benommen hat. Das fuͤnff und dreyßigste Capitel. Vom gelben Praͤcipitat. D Er gelbe Praͤcipitat oder das Turpethum minerale, wird von revivificirt em Mercurius aus dem Zinober bereitet, welcher mit Vitriolgeist aufgeloͤset, und hernachmahls mit laulichtem Wasser zu einem gelben Pulver niedergeschla- gen worden ist: wenn dieses hierauf wohl ausgewaschen und getrocknet worden, gebraucht man es als ein sehr starck Purgir- und Brechmittel. Man macht auch einen gelben Praͤcipitat/ wenn man zerstossenen Sublimat in warmen Wasser zergehen laͤßt, und Kalchwasser dazu giesset, als dann kan das gelbe Pulver, welches sich am Bo- den findet, wenn es gleicher gestalt ge- waschen und getrocknet worden, fuͤr ei- nen gelben Praͤcipitat oder minerali- schen Turbit mitgehen. Lemery sa- get, daß diese solution oder dieses gelbe Wasser Aqua phagedæna oder ad ulcera Aqua phage- dæna vera. genennet wuͤrde, weil es zur Vertreib- und Heilung der Geschwuͤre sehr dien- lich sey: es gebrauchen auch dasselbe die Wundaͤrtzte zum oͤftern, und abson- derlich in den Spitalen. Allein die ordentliche Aqua phagedæna wird von Kalckwasser, darinne ein wenig Subli- mat zerlassen worden, bereitet. Das sechs und dreyßigste Capitel. Vom gruͤnen Praͤcipitat. D Jeser wird vom Mercurius und Kupfer zubereitet, welche in Sal- niterspiritus aufgeloͤset, und darauf mit distillirtem Weineßig zu einem gruͤ- nen Pulver sind praͤcipitiret worden, welches man brauchet, wenn man oben und unten zugleich purgiren will. So soll es auch, wie ihrer etliche vorgeben, ein specificum und gantz sonderbares Mittel wider die Venus-Kranckheiten seyn. Diejenigen, die dieses Pulver verfertigen, finden auch ein gelbes Pul- ver dabey, welches dem mineralischen Turbit ziemlich aͤhnlich siehet. Es dienet zu mercken, daß dieses præ- paratum mehrere Schaͤrffe und Kraft bekomme, ie mehr man ihm Kupfer zusetzet. Allein dieser Praͤcipitat ist wenig gebraͤuchlich und bekannt gewe- sen, ehe und bevor der Herr Faveur, Koͤniglicher Destillator zu Montpel- lier eine Beschreibung davon heraus- gegeben. Das Hauptbeschreibung dritter Theil. Das sieben und dreyßigste Capitel. Oleum Mercurii. D As Oel, oder besser zu sagen der li- quor Mercurii, ist Quecksilber in Vi- trioloͤle aufgeloͤset, und durchs Feuer zu einer weissen Masse gemacht. Diese Masse, in Keller gesetzt, zergeht leicht- lich, und wird zu Wasser. Auch kan man ein anders, weit suͤsseres Oel aus dem Mercur bereiten, wenn man das Quecksilber in Weinspiritus dissolviret, und dieses mag mit groͤsserer Sicherheit gebrauchet werden. Man kan es des- gleichen mit versuͤßtem Sublimat und Salmiac zurichten, oder an statt des Salmiacs Bleysaltz, oder aber an die- ses Stelle Zuckerkant nehmen, auch noch viele andere Sorten mehr ma- chen, deren die Autores alle voll sind. Das acht und dreyßigste Capitel. Vom Zinne. D As Zinn/ welches unsre Vorfah- ren weisses Bley genennet haben, ist ein weisses Metall, das nicht so har- te ist, als wie das Silber, iedoch viel haͤrter denn das Bley. Es haben etli- che dem Zinne den Namen des Jupi- ters beygeleget, dieweil es, ihrem Vor- geben nach den Einfluß von dieser fal- schen Gottheit bekommt: sie sagen auch, daß es aus zweyerley Materie formiret werde, aus Silber und Bley, indem in den Zinnstollen nicht selten Silber und Bley gefunden wird, wie ingleichen Diamanten, welche an dem Gesteine hangen, daraus das Zinn gezo- gen wird. Diese sind bereits von Na- tur poliret, vierecket und spitzig, und werden von unterschiedener Groͤsse, zu- weilen als eine Nuß groß, gefunden, doch nicht so harte, als wie die gerechten Dia- manten, haben auch keine solche Ver- tieffung wie die andern. Auch will man sagen, daß es aus Erde, unreinem Schwefel, metallischen Saltze und ei- nem Mercur bestehe, welcher weit rei- ner sey, und besser gekocht und digerir et, denn der Mercurius des Bleyes; sey auch des Silbers und des Goldes Feind, und gebe Muͤhe, bis man es wieder da- von absondern koͤnne, wenn es sich ein- mahl mit ihnen vermischet habe. Das meiste Zinn, das wir in Franck- reich zu sehen bekommen, empfangen wir aus England, als Mulden, von unterschiedenem Gewichte, insonder- heit aber aus der Provintz Cornwall; so giebt es auch Jnseln bey England, welche dermassen reich von Zinne sind, daß sie deswegen desselbigen Namen fuͤhren. Jn Paris haben wir im uͤbri- gen dreyerley Zinn/ das geschlagene, das klingende, und das gemeine. Das geschlagene Zinn, welches das schoͤnste und beste, ist das Englische/ wie es aus den Schachten kommt. Damit es aber koͤnne verarbeitet wer- den, wird etwas Bißmuth und Kupfer zugesetzt, damit sichs reinigen moͤge. Et ain sonnant , das klingende Zinn/ wird vom Englischen bereitet, welches mit schlechtem Zinn verringert worden ist. Weil nun das klingende Zinn aus Bißmuth und Kupfer zusammen ge- setzet ist, daher geschichts, welches der Herr Lemery gar fein angemercket, daß diese aus starren und bruͤchigen Theilgen bestehende Materien, wenn sie mit dem Zinn vereiniget worden sind, desselbigen Theilgen verstaͤrcken, und dieses Metall weit haͤrter, vester und dichter machen, um welcher Ursach willen es auch klingend oder thoͤnend wird. Denn nothwendig muß eine klingende Materie aus solchen steiffen und dergestalt geordneten Theilgen zu- sammen gesetzet seyn, daß dieselbigen, wenn drauf geschlagen wird, sich bewe- gen und erschuͤttern, indem sie wider einander stossen, welches an dem reinen Zinne, weil es weich ist, und sich biegen laͤßt, nicht zu verspuͤren. Das ge- meine Zinn wird auch vom Englischen zugerichtet, unter welches sie Bley mit gelben Kupfer legiret, gethan. Wenn man nun wissen will, wie fein das Zinn sey, so nimmt man weisse Kreide, der- gleichen bey Tonnerre in Burgund gefunden wird, macht aus derselben U u 2 eine Der Spezereyen und Materialien eine Gießforme, und gießt das geschmol- Dieses ist der Zinngiesser groͤste Wissen- schafft/ das Zinn durch diese Probe zu erkennen. tzene Zinn darein, und durch dieses Mittel erkennen die Zinngiesser die Guͤ- te des Zinnes, und solches zwar an den kleinen Strahlen, die sich drauf sehen lassen. Oder aber sie giessen Mußque- tenkugelformen voll Zinn, und halten alsdann das leichteste fuͤr das beste. Es melden einige Scribenten, daß das Zinn oder das weisse Bley an sandich- ten Orten und in vertrockneten oder versiegenen Fluͤssen gantz oben in der Erde gefunden werde, als wie Koͤrner gestalt, welche dann von den Leuten ge- waschen, geschmoltzen und in Formen gegossen werden, damit das Zinn die Gestalt bekommen moͤge, in welcher wir es zu sehen kriegen. Uber alle denjenigen Nutzen, den wir davon er- halten, werden auch noch allerley Chy- mische Sachen daraus bereitet, gleich- wie aus folgenden zu ersehen. Wir bekommen auch bisweilen aus Teutschland Zinn/ allein es ist nichts dran, und blos der Uberschuß von dem- jenigen Zinne, mit dem sie das Blech verzinnet haben. So wird auch iezu- weilen aus Lothringen Zinn ge- bracht. Das neun und dreyßigste Capitel. Vom geschlagenem Zinn oder Stanniol. E Tain en feuille , Zinn das wie Blaͤt- ter sieht/ ist geschlagen Zinn, wel- ches die Hollaͤnder auf einer Seite mit einem Verniß, nach ihrem Gefallen, uͤberziehen: und daher kommt es, daß sie uns gelbes, rothes, schwartzes, weis- ses, aurorfarbenes, und dergleichen mehr uͤbersenden. Man muß aber dieses Zinn erweh- len, wenn es fein an einem Stuͤcke oder gantz, wohl gevernisset, und soviel moͤg- lich, fein sauber aufgerollet ist. Die Hollaͤnder senden es uns in kleinen Buͤchsen und Schachteln, in denen ins- gemein ein Groß, das ist zwoͤlff Dutzent Blaͤtter liegen. Vor diesem war es starck im Gebrauch, alldieweil sich die Wachszieher desselben bedieneten, und es um die Fackeln und andere Wachs- arbeit legten, anietzo aber braucht man es nicht mehr, als daß man die Wapen damit beleget, wenn vornehme Leute gestorben. Das viertzigste Capitel. Von dem Zinnpulver. D As Zinn macht man auf zweyer- ley Weise zu Pulver: naͤmlich, entweder mit zerstossenen Kohlen, oder mit Kreide, auf die Art, welche im Cap. vom Bley soll gewiesen werden. Die- jenigen, die in Zinn arbeiten, verbren- nen es, an statt daß sie es zum Pulver machen solten, das ist, sie calcinir en es, und machen ein graulichtes Pulver draus, welches wir und die Zinngiesser unter dem Titel der Zinnasche verkauf- fen. Sie reiben ihre Haͤmmer damit, andere aber poliren die Spiegel damit. Wer diese Asche gantz weiß haben will, der calcini re sie so lange, bis sie schoͤn ge- nug worden, welches auf diese Weise Zinnkalch, Spanisch Weiß, oder bezoardicum joviale. calcinir te Zinn, von denen Chymicis Ce- russa und Calx Stanni, Zinnkalch/ von andern aber Spanisch Weiß/ oder auch Bezoardicum Joviale genennet wird. Es berichten einige Scribenten, daß man das Zinn mit Urine koͤnne zu ei- nem Kalche machen, denn der Urin ar- beite oder zerfresse dasselbige, eben als wie der Eßig das Bley. Dieses also calcinir te Zinn, welches die Chymici auf allerhand Weise zu Nutze zu machen wissen, wird auch von den Toͤpfern, die die blau und weissen Geschirre ma- chen, gebraucht, und die irdenen Geschir- re damit gevirnisset oder verglasuret. Wobey dennoch dieses zu mercken ist, daß dieser Kalch den Toͤpfern nicht die- ne, wenn er nicht ein gantzes Jahr uͤber im Wind und Wetter gestanden, und also von der Luft noch einmahl calcini- ret worden; allein da muß man Ach- tung geben, daß er nicht voll Unflat oder sonsten unrein werde, sonst wuͤrde es eitel Flecken auf den Geschirren setzen. Das Hauptbeschreibung dritter Theil. Das ein und viertzigste Capitel. Vom Zinnsaltze. D As Zinnsaltz kommt vom calcinir- ten Zinn, darauf man distillirten Eßig gegossen, und mit Huͤlffe des Feu- ers und eines kuͤhlen Ortes ein weisses Saltz heraus gezogen, in Gestalt klei- ner Crystallen, deren man sich fuͤr die Schwinden bedienet, und sie mit unter die Pomade mischt. Es muß aber trucken, leichte und weiß seyn, und wie kleine Spitzlein sehen. Das zwey und viertzigste Capitel. Von den Zinnblumen, Flores ex Jove. M An ziehet aus dem Zinn mit Sal- miac in einem Sublimirgefaͤsse weisse Blumen: andere aber nehmen an statt des Salmiacs gelaͤuterten Sal- peter. Aus diesen floribus kan man hernach mit dem fluͤchtigen Salmiac- geiste, oder auch mit Weinsteinoͤle das Magisterium Stanni bereiten, welches, wenn es mit Wasser ausgesuͤsset, gewa- schen und getrocknet worden ist, zur Schmincke dienen kan. So koͤnnen auch die Blumen, eben als wie das Ma- gisterium gebrauchet werden. Das drey und viertzigste Capitel. Diaphoreticum Stanni. D Jeses ist, was Lemery Diaphoreti- cum Joviale, ein aus dem Zinn be- reitetes Schweißtreibendes Mit- tel nennet, oder das Antihecticum Po- terii, des Poterius Mittel wieder die Schwind- und Lungensucht, und wird von feinem Englischen Zinn und dem Koͤnig von: Spiesglas mit Eisen zu- sammengeschmoltzen, bereitet, hernach mit Salpeter vollends verfertiget, und zu unterschiedenen mahlen ausgewa- schen. Davon bekommt man alsdann ein Pulver, welches zu Leberkranckhei- ten, hitzigen und giftigen Fiebern, Blat- tern und andern Zufaͤllen mehr gebrau- chet werden kan: wie solches alles ober- meldeter Lemery gelehret hat. Das vier und viertzigste Capitel. Vom natuͤrlichen Bißmuth. O B ich gleich alle erdenckliche Muͤhe angewendet, damit ich entdecken moͤchte, daß es Et ain de glace naturel , na- tuͤrlichen Bißmuth gaͤbe, dennoch habe ich es unmoͤglich erforschen koͤnnen, sin- temahl alle, die ich entweder durch Briefe, oder auch muͤndlich darum be- fraget, einhellig berichtet haben, daß es keinen andern Wißmuth gebe, als den wir verkauffen, welcher aber durch Kunst bereitet ist, gleichwie im folgen- den Capitel zu ersehen. Jedennoch mag ich nicht fuͤr gewiß ausgeben, daß gar keiner zu finden waͤre, sondern, weil ich noch nichts davon zu erfahren ver- mocht, kan ich denenjenigẽ eben so wenig widersprechen, welche geschrieben, der Bißmuth sey eine schwefelhafte Mar- casit, die in den Zinngruben gefunden werde, sowohl als denenselben, welche vorgegeben, daß es ein mineralischer Coͤrper, auf die Art wie ein Halbme- tall sey, und bestehe aus dem ersten We- sen des annoch unzeitigen Zinnes, mel- den auch dabey, daß es von Natur sehr harte sey, gewichtig, bruͤchig, von gro- ben Korn, poliret, weiß und glaͤntzend. Ferner sagen sie, es hiesse deswegen im Frantzoͤsischen Et ain de glace , dieweil es zerbrochen einen gantzen Hauffen spie- gelgleicher hellpolirter Coͤrper weise. Sie nennen es auch Marcasite par excel- lence , den vortrefflichsten Marcasit, weil es die andern alle an Guͤte und der weissen Farbe weit uͤbertrifft: geben uͤber dieses annoch vor, es enthielte ein arsenicalisch Gift in sich, sey darum ge- faͤhrlich zu gebrauchen. Dem aber ohn- U u 3 er- Der Spezereyen und Materialien erachtet, bin ich sicher, daß alle diejeni- gen, die dergestalt davon gehandelt oder geschrieben haben, nicht anders gemei- net haben, als daß der Bißmuth, den wir verkauffen, natuͤrlich sey. Das fuͤnff und viertzigste Capitel. Vom gemeinen Bißmuth. D As Et ain de glace , von etlichen Biß- muth genennet, ist ein Gemenge von Zinn, Weinstein und Salpeter, aus welchen vermittelst des Feuers, in einem Schmeltztiegel, Bißmuth ge- machet wird, der uͤberaus weiß und rein, auch viel schoͤner und weisser ist, als der, welchen wir aus England uͤberkommen. Dieser Unterschied aber ruͤhret allein daher, daß die Englaͤnder, wie man mir berichtet, Kupfer darun- ter thun, damit er den rothlichen Blick bekomme, den er hat. Dem Bißmuth koͤnte man mit al- lem Fug den Titel eines Koͤniges vom Zinne geben, weil er in der Wahrheit nichts anders ist. Denn es ist gewiß, und stehet zu erweisen, daß der Biß- muth, den wir verkauffen, durch Kunst bereitet sey, und kan man gantz wohl sehen, das es ein geschmoltznes Metall, so hernach in einem zuvor ge- waͤrmten und eingeschmirten Moͤrsel geschuͤttet worden, gleichwie man etwa mit den andern Koͤnigen zu verfah- ren pfleget. Uberdiß habe ich selbst dergleichen Bißmuth verfertiget, kan es auch allezeit denenjenigen, die mir nicht glauben wollen, sehen lassen. Man soll aber den Bißmuth oder den Koͤnig vom Zinne erwehlen, wel- cher feine breite weisse Schuppen hat, und sich leichtlich zerschlagen laͤßt, dar- gegen denselben verwerffen, dessen Schuppen klein sind, und der mit einem Worte, dem Koͤnig vom Spiesglase aͤhnlich siehet, wie ingleichen denjeni- gen, welcher, wenn er zerschlagen wor- den, halb grosse, halb kleine Schuppen zeiget, und dabey eine dunckle Farbe hat. Der Bißmuth dienet fuͤr die Zinn- giesser, die ihn ietziger Zeit an statt des Spiesglases gebrauchen, wiewohl auch durch Huͤlffe der Chymie Blumen und Blumen oder Magisterium vom Wiß- muth. das Magisterium oder der weisse Praͤci- pitat daraus gemachet werden. Das sechs und viertzigste Capitel. Magisterium Bismuthi. Spanisch o- der Perlen- weiß. D Jeses wird von etlichen, wiewohl gar unrecht, blanc d’Espagne oder de Perles , Spanisches oder Perlen- weiß/ geheissen, und ist von Bißmuth gemacht, welches in Salpeterspiritus aufgeloͤset, und mit ein klein wenig Meersaltz als ein weisses Pulver nie- dergeschlagen worden, so hernach mit klarem Wasser wohl ausgewaschen und getrocknet wird. Es sind Paruckenmacher, die das Ma- gisterium vom Bißmuth nehmen, und den rothen Haaren mit demselben eine blonde Farbe geben, welches aber nicht recht ist: es wird auch der Betrug gar balde offenbar, weil die Farbe nicht lan- ge dauert, sonderlich, wenn man eine solche Parucke im Regenwetter traͤgt. Es wird auch unterweilen das Ma- gisterium vom Bißmuth gebrauchet, das Gesichte dadurch weiß zu machen, und unter die Pomaden geruͤhret, oder aber mit Lilien- und Bohnen-Wasser zertrieben. Desgleichen ist es auch wi- der die Raude und Kraͤtze gut, denn es verzehret die Saͤure oder Saltzigkeit, als den Zunder dieser Kranckheit, wie solches der Herr Lemery vermeinet. Allein, man lasse sich zugleich warnen, und uͤberlege sich ja nicht mit diesem Magisterio, denn wenn es alt wird, ver- kehret sich seine weisse Farbe in die gelbe, und mag alsdann nicht mehr verkauf- fet werden. Man soll es aber bey redlichen Leu- ten kauffen, denn es laͤufft grosser Be- trug mit unter, und kan niemand da- von Red und Antwort geben, denn der es bereitet hat. Eben deswegen darff man auch nicht auf den wohlfeilen Preiß sehen. Das Hauptbeschreibung dritter Theil. Das sieben und viertzigste Capitel. Vom Schmeltz. D Je Schmeltze sind aus Zinn, Sand und Alicantischer Suda be- reitete Glaͤser, denen mit unterschiede- nen Metallen auch unterschiedene Far- ben gegeben, gleichwie aus folgenden wird zu ersehen seyn. Sie kommen von Venedig und aus Holland, in kleinen platten Stuͤcken, von unterschiedener Groͤsse, auch mit allerley Zeichen bemercket, indem etli- che mit dem Namen JEsus bezeichnet sind, andere mit einer Syrene, Affen, Sonne, und dergleichen: welche Zei- chen alleine von den Meistern, die sie bereitet haben, herruͤhren. Der erste Schmeltz ist weiß/ und die basis und das Grundstuͤck aller an- dern Schmeltze; wird von calcinirtem Zinn oder Zinnasche, Sand und Suda bereitet, welche, nachdem sie eine hefti- ge Hitze ausgestanden, zu Klumpen ge- macht werden, die, wenn sie erkaltet, steinharte sind. Mit diesem Schmel- tze werden die Geschirre von Fayence verglasuret, denn man braucht das cal- cinirte Zinn, welches ein gantzes Jahr lang im Wetter gestanden, nicht mehr dazu, weil es eine gar zu langweilige Arbeit. Es wird auch dieser Schmeltz von den Schmeltzarbeitern, Gold- schmieden und andern gebraucht. Be- treffende die Wahl und das Auslesen, da kan niemand erkennen, ob er gut und schoͤne sey, als diejenigen, die ihn ge- brauchen. Was aber die weisse Farbe anlanget, dieselbe ist schoͤner oder schlechter, nachdem das Zinn, damit es bereitet worden, fein gewesen ist. Der andere ist Gris de lin/ und zieht sich fast auf Schieferfarbe, wird von weissem Schmeltz, mit Lasur oder Schmeltze gefaͤrbet, bereitet. Der dritte ist Himmelblau/ und von weissem Schmeltz, der mit Kupfer oder Roͤmischen Vitriol gefaͤrbet wor- den gemacht. Der vierte ist Leibfarben/ von weis- sem Schmeltz und Braunstein zuge- richtet. Der fuͤnffte ist Gelb/ von weissem Schmeltz mit Eisenroste gefaͤrbet. Der sechste, so gruͤne ist, wird mit Nadlerfeile oder anderm gelben Kupfer oder Meßing bereitet. Der siebende, der blaue/ den die Schmeltzbereiter Faux-lapis , den fal- Der falsche Stein. schen Stein zu nennen pflegen, wird von weissem Schmeltz mit Zaffera ge- faͤrbet, gemacht. Es werden auch al- len diesen Schmeltzen selbst noch vieler- ley Farben mehr gegeben, oder, aus einer Farbe werden viel gemacht, wenn man naͤmlich mehr oder weniger Me- tall zusetzet. Das acht und viertzigste Capitel. Vom Kupfer. D As Kupfer ist ein Metall, wel- ches in Europa, an unterschiedli- chen Orten, vornehmlich aber in Schweden und Daͤnemarck, gefun- den wird, von dannen uns auch fast al- les, das wir verkauffen, uͤberbracht wird. Das Kupfer kommt aus den Bergwercken als wie Kies und Gestein, bey nahe wie das Eisen, und wird, nach- dem es gewaschen und von der Erde, mit welcher es vermischet ist, gereini- get worden, in die Formen, welche al- lerhand Gestalt haben, geschuͤttet oder gelassen. Damit aber recht Kupfer draus werde, wird es zum zweyten mahle geschmoltzen, und wenn es genug gereiniget worden, lassen sie es in die Formen lauffen, die sie in den Sand ge- macht, und machen solche uͤbelgestalte Platten oder Scheiben draus, als wie das Kupfer de rosette ist. Wenn man aber das Kupfer zurichten will, daß es sich treiben lasse, so wird es zum drit- ten mahle geschmoltzen, und Scheiben daraus gemacht, welche zwey Zoll dicke sind, und im Diameter oder Durch- schnitt ohngefehr funffzehn Zoll halten. Diese Scheiben werden entweder gantz, oder in vier Theil zerhauen, ins Feuer gelegt, und Platten daraus gemacht, aus diesen aber Kessel und ander der- gleichen Geraͤthe verfertiget, welches ohne Der Spezereyen und Materialien ohne sonderbare Muͤhe mit gewissen Staͤmpfeln, die das Wasser treibet, verrichtet wird; denn diese Platten oder Bleche werden von einem Manne zu Kesseln gemacht, der sie mit den Bei- nen, die mit Schaffellen umgeben sind, drehet, und ihnen nach Belieben die Forme giebet, dazu er doch die Haͤn- de bey nahe gar nicht gebrauchet. Es ist das Kupfer, ehe und bevor es ge- schmoltzen worden, ein hartes und truck- nes Metall, wenn es aber recht ge- schmoltzen worden, laͤßt sichs dehnen, und schier eben so gut, als wie das Sil- ber, und Gold schlagen. Etliche nen- nen das Kupfer Venus, weil sie glau- ben, dieser Planete verleihe diesem Me- talle seinen Einfluß. Mit Huͤlffe der Chymie werden vielerley nuͤtzliche und noͤthige Sachen, zu allerhand Ge- brauch, aus dem Kupfer gezogen, gleichwie aus folgenden kan ersehen werden. Das neun und viertzigste Capitel. Vom gelben Kupfer. D Jeses wird von Roͤslein-Kupfer oder altem rothen Kupfer bereitet, welches geschmoltzen und vermittelst des rechten Gallmeysteines gelb gema- chet worden ist: das meiste wird in Teutschland und in Flandern verfer- tiget. Man schlaͤgt dieses Kupfer und machet Blaͤttlein draus, die so dicke sind Auripeau, Clinquant, Knittergold/ Klingklang. als wie Papier, und Auripeau, Clinquant , Knittergold/ Klingklang genennet werden. Diese aber werden noch ein- mahl geschlagen, und uͤberaus duͤnne gemacht und in papierne Buͤchlein ge- leget, das heissen wir hernachmahls Teutsches Gold. Teutsches Gold, oder geschlagen Metall. Dieses Gold wird gerieben und zu Metall gemacht, welches eine bessere oder schlechtere Farbe hat, nach- dem es viel Hitze ausstehen muͤssen. Nach diesem wird es noch einmahl ge- rieben, und wenn es zu einem unbe- greifflichen Pulver worden, unter dem Titel teutsches Goldpulver verkaufft. Andre thun dieses Pulver in kleine Muschelschalen, und nennen es Mu- schelgold. Muschel- gold. Das Muschelgold von Augspurg, welches eine Stadt in Teutschland, und den Namen einer Person, die Augusta geheissen, fuͤhret, wird am meisten ge- achtet. Was aber die Wahl dieses Teutschen Goldes anbelanget, es moͤ- gen nun Blaͤttlein, oder Pulver, oder das Muschelgold seyn, so wird dasselbi- ge, welches an Farbe das schoͤnste und feinste ist, iederzeit fuͤr das beste gehal- ten. Was das Metall betrifft, dassel- be wird in Paris gemacht. Das Teutsche Gold dient fuͤr die Mahler, und insonderheit zur Migna- turarbeit. Des Metalles koͤnten sie sich zwar auch bedienen, allein es wird mehrentheils zu Uberziehung der Bil- der von Gyps und anderer Materie verbraucht. Aus dem gelben Kupfer oder Mes- sing werden nicht alleine obgemeldte Sachen bereitet, sondern man hat mir auch berichtet, daß die Venetianer das- jenige davon verfertigten, was wir Purpurine zu nennen pflegen, damit vor Purpurine. diesem die Kutschen vergoldet wurden. So wird auch aus dem gelben Kupfer ein solches Glas verfertiget, welchen die Schmeltzarbeiter den Titel Avanturine Durch Kunst bereitete A. vanturine. ertheilet; denn man saget, dieser Name sey ihm deswegen gegeben worden, weil das Werck unversehens und ungefehr erfunden worden, indem etwas Feil- staub von Meßing in einen Glasofen ge- fallen. Und dieses Glas ist gantz voll Goldflitterlein. Es giebt auch noch eine andere Art der Avanturine , welche von Natur an Natuͤrliche Avanturine. vielen Orten in Franckreich gefunden, und von vielen Leuten gebrauchet wird. So bin ich auch berichtet worden, der Kupferstaub auf Papier gestreuet, sey gleichfalls eine Gattung Avanturine. Das funfftzigste Capitel. Vom weissen Nicht. P Ompholyx, auch weisser Gallmey/ weisser Nicht und Ertzblumen/ unrecht aber Metallasche genannt, ist dasjenige, was an dem Deckel des Schmeltz- Hauptbeschreibung dritter Theil. Schmeltztiegels und an den Zangen der Schmeltzer, wenn sie das Meßing schmeltzen, behangen bleibt; denn es ist mehr als zu gewiß, daß weder die Glockenspeise, noch das Metall, noch der Potin , Potin soll vermoͤge des grossen Dictiona- rii der Frantzoͤsischen Academie eine Gattung Meßing seyn, und darum also genennet werden, weil daraus zum oͤf- tern Pots , das ist Toͤpfe gemachet wer- den. den wahrhaften Nicht ge- be, sondern allein das Meßing, obschon die meisten Scribenten das erstere ge- glaubet, da doch natuͤrlicher Weise nichts anders ist als der Meßing oder das gelbe Kupfer, das den weissen Gall- mey oder den Pompholyx giebet. Ob aber gleich der Pompholyx gar leichtlich mag gefunden werden, ist den- noch fast keine einige Waare mehr so unbekannt, und hieran die Unwissen- heit oder die Nachlaͤßigkeit der Apothe- cker eintzig und alleine Schuld, indem die meisten vermeinen, die Tutia und der Pompholyx seyen ein thun, daher sie auch die Tutia stets an dieses statt gebrauchen. Der schoͤnste Pompholyx kommt aus Holland/ ist aber deswegen nichts besser, sondern nur sauberer zusammen gelesen. Man soll aber den Pompholyx er- wehlen, der fein weiß, und leichte ist, sich leichtlich zerreiben laͤßt, und sauber ist: ob es Hollaͤndischer oder Frantzoͤsischer sey, daran liegt nichts, wenn er nur fein weiß siehet. Die Glockengiesser koͤnnen wohl et- was weniges davon sammlen, allein die geringe Menge, und weil er uͤberdiß nicht gar zu sauber ist, verdient nicht, daß sich jemand bemuͤhe und darnach frage. Der Glockengiesser, bey dem ich den Pompholyx machen sehen, versichert mich, daß er ihn niemahls verkauffete, ohne an etliche gewisse Personen, wel- che kaͤmen und ein Quintlein desselbigen begehreten, um solches in einem Trunck Wein wider das Fieber einzunehmen, sagte mir auch fuͤr gantz gewiß, daß es ein unfehlbares Mittel waͤre, welches alle Fieber vertriebe, so ich aber nicht probiret, auch niemand rathen will, daß er es ohne die groͤste Vorsichtigkeit gebrauche, denn mir der Mann gestun- de, daß es uͤber alle massen heftig und starck waͤre. Das ein und funfftzigste Capitel. Æs ustum. Æ S ustum, gebrannt Kupfer kom̃t vom rothen Kupfer, welches man in kleine Stuͤcklein zerhauen, mit Schwefel und etwas Meersaltz, in ei- nem Schmeltztiegel, stratifici ret, und in ein starckes Kohlenfeuer gesetzet hat. Wenn nun der Schwefel verbrannt, nimmt man das Kupfer aus, welches aussen oder obenher grau siehet, wie Ei- sen, inwendig aber roͤthlich grau und glaͤntzend, dabey sehr bruͤchig ist. Wann es beschaffen seyn soll, wie sichs gehoͤret, dann muß es nicht gar zu dicke seyn, oberwaͤhnte Farbe haben, und so roth, als wie Zinober werden, wenn man es wieder einander reibt, welches iedennoch nicht geschicht, wenn man nicht zum wenigsten etwas Saltz dazu gethan hat: und dieses ist der Hol- laͤnder Geheimnuͤß und die Ursache, wa- rum sie es viel schoͤner machen, als wir in Franckreich. Das Æs ustum hat einigen Nutzen in der Artzney, als ein detergens und rei- nigend Mittel. Es lassen aber diejeni- gen, die sich dessen bedienen wollen, das- selbe bis neunmahl gluͤend werden, und loͤschen es ein iedes mahl in Leinoͤl ab: hernach, wenn sie es zu Pulver gema- chet, gebrauchen sie es das wilde Fleisch damit weg zu beitzen, und nennen das auf solche Art bereitete Æs ustum, Ku- Kupfer- Saffran. pfer-Saffran/ Crocus Cupri. Das zwey und funfftzigste Capitel. Vom natuͤrlichen Gruͤnspan. D Jeser ist eine Gattung gruͤner Marcasit, und den am Kupferertz befindlichen Schlacken gleich, alleine, meines wissens, zu nichts nicht nuͤtze. X x Das Der Spezereyen und Materialien Das drey und funfftzigste Capitel. Vom Gruͤnspan. V Erdet, Verd de gris, rouillure de Cuivre Gruͤnspan/ Kupferrost/ wird von rothen Kupferblechen gemachet, welche mit Weintrestern, die mit gutem Weine angefeuchtet worden, zugleich in grosse irdene Geschirre uͤbereinan- der oder schichtweise geleget und stratifi- cir et werden, das heißt, man legt eine gute Handvoll Trester auf den Boden des Geschirres, und auf diese etliche Stuͤcken Blech, hernach wiederum Tre- ster und darauf Kupfer, und faͤhret al- so fort, bis das Geschirre angefuͤllet ist, welches man in einen Keller setzt, und nach Verlauff etlicher Tage die Bleche heraus nimmt, die alsdann voll gruͤ- nes Rostes sind, den die Lateiner Ærugo nennen; wenn sie nun den Rost davon abgeschabt, legen sie diese Platten aber- mahl in die Geschirre mit Weintre- stern, und verfahren dergestalt und so lange fort, bis das Kupfer entweder gar verzehret, oder doch dermassen duͤn- ne worden, daß es sich unter den Gruͤn- span mengen laͤßt, welches sich gar ofte zutraͤgt. Die meisten unter denenje- nigen, die vom Gruͤnspan geschrieben, sagen, daß er mit Weineßig bereitet werde, welches aber nicht wahr ist, in- dem auch der beste Wein hierzu nicht taug; hingegen ist diß die Wahrheit, daß schier kein anderer Wein, denn der aus Languedoc sich zum Gruͤn- spanbereiten schicke. Dannenhero wird der allermeiste Gruͤnspan/ der in Franckreich und auch in andern Laͤn- dern verthan wird, in und um Mont- pellier verfertiget, und ist eine Waare, dabey es schwer herzugehen pfleget, wenn man sie machen will, daß sie recht gerathen soll, ob es gleich das Ansehen hat, als sey nichts leichters. Denn wenn man nur im geringsten fehlet, und er wird schmutzig, so verdirbt er, und wird schwartz, man wird ihn auch hernach nicht wieder zusammen bringen koͤn- nen. Wann ich nicht waͤre bestohlen worden, so haͤtte ich die rechte Art und Weise, wie der Gruͤnspan gemachet wird, auch wie ich ihn zu Montpellier machen gesehen, samt allen dazu ge- hoͤrigen Umstaͤnden, kund thun wollen: da ich aber zu diesem mahle solches nicht vermag zu leisten, kan es doch, mit der Huͤlffe GOttes, bey der andern Her- ausgebung dieses Wercks geschehen, da- fern ich nur wiederum dahinter kom- men solte. Es vermelden auch etliche Autores, daß man gleichergestalt Grunspan be- reiten koͤnne, wenn man Kupferbleche, Saltz, Schwefel und Weinstein in ei- nen Schmeltztiegel zusammen thaͤte; denn wenn es calcini ret und kalt wor- den, wuͤrden diese Bleche in den schoͤn- sten Gruͤnspan verkehret seyn. Allein, gesetzt, daß alle diese und dergleichen Be- reitungen wahr waͤren, so sind sie doch ietziger Zeit fast gar nicht mehr ge- braͤuchlich, weil aller Gruͤnspan/ den wir verkauffen, auf obbemeldte Weise gemacht und fabriciret wird. Wir bekommen aber zweyerley Grunspan von Montpellier, gepuͤl- verten und in gantzen Stuͤcken; der muß dann, wenn er die gehoͤrige Beschaf- fenheit haben soll, trucken seyn, recht schoͤn dunckelgruͤn, und so viel nur im- mer moͤglich, ohne Flecken. Allein es ist eine Waare, daran wenig zu ge- winnen ist, hingegen desto mehr einzu- buͤssen, als sonst bey irgend einer Spe- zerey; denn es muͤssen diejenigen, die ihn bereiten, solche Sachen darunter thun, die zu nennen eben nicht noͤthig, und muͤssen ihn dermassen anfeuchten, daß die Kauffleute, die ihn bekommen, nur gar zu viel daran verliehren, weil ihm so viel abgehet, die Haut nicht ein- mahl mit gerechnet, welche doch eben- falls von den Kramern fuͤr Gruͤnspan angerechnet wird. Besser waͤre es, daß ihn, die ihn gebrauchen, theurer be- zahleten, und er auch waͤre, wie er seyn soll: denn ich will wetten, daß nicht ein eintziges Stuͤck Gruͤnspan von fuͤnff und zwantzig Pfunden, dergleichen man uns von Montpellier uͤbersendet, zu finden ist, an welchen, wenn es trucken worden, nicht mehr als der dritte Theil abgehen solte, daß also der Gruͤnspan/ der annoch weich nur 20. Sols gekostet hat, auf 28. Sols zu stehen kommt, wenn er recht trucken worden ist. Jeden- Hauptbeschreibung dritter Theil. Jedennoch aber ist der Gruͤnspan ei- ne von denjenigen Waaren, die gar sehr haͤuffig verbrauchet werden, und fast unglaublich, was fuͤr eine Menge desselben verthan wird, nicht zwar zur Artzeney, sondern von den Faͤrbern, Kuͤrschnern, Muͤtzenmachern, Schmie- den und Mahlern. Man muß aber hierbey zugleich mit mercken, daß man den Gruͤnspan allein mit Oele abge- rieben, nicht gebrauchen koͤnne, sondern man muͤsse Bleyweiß drunter mischen, wenn man damit mahlen will, denn sonsten wird er schwartz und nicht gruͤn faͤrben. Was im uͤbrigen des Gruͤn- spans Eigenschafften betrifft, so wird er zur Verzehrung und Wegnehmung des wilden Fleisches gar dienlich erach- tet. Die Apothecker nehmen ihn un- ter etliche Salben und Pflaster, als da ist das Unguentum Ægyptiacum, Aposto- lorum, Emplastrum divinum und andre mehr. Die das gruͤne Papier machen, bedienen sich auch des Gruͤnspans, und des weissen Weinsteins, damit sie ihm diese Farbe geben moͤgen: seit einiger Zeit aber gebrauchen sie an seiner Stelle den Creutzbeersaft. Die Apothecker und andere, die sei- ner noͤthig haben, und ihn unter diese oder jene Artzney oder andere Sachen thun muͤssen, koͤnten ihn, an statt daß sie ihn zerstossen, in Eßig zergehen, und durch ein haͤrin Sieb lauffen lassen, so wuͤrden sie durch dieses Mittel aller Un- gelegenheit, die sie beym stossen des Gruͤnspans erdulten muͤssen, entuͤbri- get seyn. Das vier und funfftzigste Capitel. Vom crystallisirten Gruͤnspan. D Er crystallisirte Gruͤnspan/ oder die Gruͤnspancrystallen/ oder aber, wie die Kauffleute und Mahler zu reden pflegen, das calcinirte oder crystallisirte Gruͤn, ist Gruͤnspan, der in Eßig ist zerlassen, hernach filtri- ret, abgerauchet, und im Keller zu Cry- stallen gemachet worden. Diese Cry- stallen haben einigen wenigen Nutzen in der Artzney, um das wilde Fleisch hin- wegzubringen. Die Mahler aber mahlen gruͤn damit, und brauchen ihn insonderheit zur Mignaturarbeit. Alle die Crystallen, die wir zu Paris verkauffen, kommen aus Holland/ oder aber von Lyon/ und werden blos durch die Farbe von dem Zuckerkant unterschieden, sonderlich, wenn dieser auch an Stoͤcklein sitzt. Wann er nun seyn soll, wie sichs gebuͤhret, so muͤssen die Crystallen schoͤn, hell und durchsich- tig seyn, recht trucken, und ohne Holtz, so viel als immer moͤglich. Hierbey kan man mercken, daß diese Crystallen, welche die Apothecker bereiten, nur im Keller gemachet sind, dahingegen die- jenigen, welche wir kommen lassen, eben auf die Art und Weise, als wie der Zu- ckerkant zugerichtet sollen seyn, massen mir solches ein und andere Personen fuͤr gewiß berichtet haben. Was die Kauffleute dazu gebracht, daß sie diese Crystallen calcinirtes oder distillirtes Gruͤn genennet haben, weiß ich nicht, denn es weder calcinirt noch distilliret ist, sondern wird vielmehr auf ietztgemeldte Weise verfertiget. Auch kan man Gruͤnspancrystal- len machen, wenn man gekoͤrntes Kupfer in Salmiacspiritus aufloͤset, hernach bis zum Haͤutlein abrauchet, und darauf in den Keller zum anschies- sen setzt. Will einer diese Crystallen zu einem liquor oder Wasser machen, der bringe sie nur wieder in den Keller, so werden sie daselbst gar bald wieder- um zu Wasser werden; welcher liquor hernachmahls von den Apotheckern und Chymisten liquor Cupri sive Veneris, in- Liquor vel crystalli ve- neris. gleichen Vitriolische Crystallen der Venus oder des Kupfers genennet wird. Das fuͤnff und funfftzigste Capitel. Vom Berg- oder Meergruͤn. D As Berggruͤn oder Hungarische Gruͤn ist als ein gruͤnlichtes Pul- ver, wie kleine Sandkoͤrner, und findet sich in dem Gebirge bey Kernhausen in Hungarn/ welches sich von Preß- burg bis in Polen erstreckt. Es wird X x 2 auch Der Spezereyen und Materialien auch in den Maͤhrischen Gebirgen gefunden. Andere geben fuͤr, dis sey, was die Alten Flores æris, Kupferblu- men/ genennet, welche daher entstehen, wenn man auf das noch gluͤhende Roͤs- lein Kupfer, so wie es aus dem Ofen kommt, Wasser, oder vielmehr Wein schuͤttet. Diese Blumen werden mit andern Kupferplatten, die man druͤber haͤlt oder stellet, aufgefangen, denn sie sich als wie kleine Sandkoͤrnlein dran hangen; und solches geschicht vermit- telst des Dampfes, der davon auffaͤhret, wenn man Wasser oder Wein uͤber die- ses heisse Kupfer geußt, welches auch die Ursache ist, warum das Kupfer, das wir haben, also ungleich und voll kleine Figuren ist. Andere haben mich ver- sichern wollen, das Meergruͤn werde bey nahe eben auf die Art, als wie der Gruͤnspan, von Kupferblechen, die man in Weine dissolviret, bereitet und ge- macht. Weil ich aber nichts weiter da- von zu erfahren vermocht, derohalben will ich sagen, daß man es erwehlen muͤsse, wenn es trucken, fein koͤrnicht und wie Sand ist, denn dieses ist das ei- gentliche Merck- und Kennzeichen des natuͤrlichen Berggruͤns, und unter- scheidet es von dem nachgemachten, wel- ches etliche von gestossenem Gruͤnspan, darunter sie ein wenig Weiß vermi- schen, zurichten. Das Berggruͤn wird allein zur Mahlerey gebraucht/ absonderlich, wenn man Grasgruͤn mahlen will, wie denn fast alle gruͤne Gemaͤhlde in den Gaͤrten von Berggruͤn gemachet wer- den. Dieweil das Berggruͤn eine ziem- lich theure Waare ist, und von unter- schiedenen Orten kommt, deshalben giebt es so vielerley Sorten und so un- terschiedliche Preisse desselben. Und eben darum moͤgen diejenigen, die seiner benoͤthiget sind, nicht auf den guten Kauff sehen, sondern ob es auch obbe- schriebene Beschaffenheiten habe. Das sechs und funfftzigste Capitel. Vom Giesertz oder Glockenspeis. B rontz ist, nach dem Berichte des Herrn Furetiere/ ein Gemenge von unterschiedlichen Metallen, darun- ter das Kupfer, mit einem Theil Zinn geschmoltzen, das vornehmste. Etli- che, die etwas ersparen wollen, setzen Bley dazu, weil man kein Kupfer im Reverberirofen schmeltzen kan, das nicht durch und durch voll kleiner Loͤch- lein, als ein Schwamm solte befunden werden. Es giebt auch noch eine Gat- tung zusammengesetztes Kupfer, wel- Metall. ches Metall genennet wird, da es doch in der That nichts anders ist als Brontz, und man giebt ihm den Namen, nach- dem mehr oder weniger Zinn dazu ge- than worden, welches zwoͤlff bis fuͤnff und zwantzig Pfund auf den Centner betraͤgt. Der Auswurff vom Brontz Diphryges. wird Diphryges genennet, und ist etli- cher massen in der Medicin gebraͤuch- lich. Die Blumen vom Brontz ent- stehen, wenn man reines Wasser auf geschmoltzen Brontz schuͤttet, denn, wenn es in den Rinnen hinlaͤufft, haͤn- get man eine eiserne Platte uͤber den Dampf, so gerinnet es und wird zu kleinen Koͤrnern, wie Hirsenkoͤrner, welche glaͤntzend und roth sind, und die- se werden flores oder Blumen von Brontz geheissen. Was davon ab- Blumen und Schlacken vom Glocken- speis. springet, indem es geschlagen und ge- arbeitet wird, dasselbe nennen sie Schuppen oder Schlacken vom Brontz. Brontz und Metall gebrauchen wir, und verfertigen Bilder, Glocken, Moͤrser und dergleichen Dinge daraus. Das beste Metall sieht weiß, und klingt wie Silber. Doch wenn die Tutia, deren Beschreibung nechstfolgend besie- he, nicht gewesen, haͤtte ich gar nichts vom Brontz gemeldet. Das sieben und funfftzigste Capitel. Von der Tutia. D Je Tutia, mit dem Zunamen von Alexandria/ auch Spodium Græ- corum genannt, ist eine metallische Art, wie Schuppen, oder Rinnen gemachet und formiret, von verschiedener Groͤs- se und Dicke, die inwendig gleich und eben, Hauptbeschreibung dritter Theil. eben, auswendig aber als wie das Cha- grinleder gestaltet, und uͤber und uͤber mit Koͤrnern, die so groß wie die Nadel- knoͤpfe, besetzt sind, welches die Vorfah- ren veranlasset, daß sie es das traubich- te Spodium oder Tutia botritis ge- heissen. Die Tutia, die wir in Franck- reich verkauffen, kommt aus Teutsch- land, woselbst sie von Meßing und Me- tall bereitet wird. Man darff forthin gar nicht mehr glauben, ob es gleich bey nahe alle alte und neue Scribenten angemercket, daß naͤmlich die Tutia vom gelben Kupfer ihren Ursprung habe, und mit dem Pompholyx zugleich entstehe: denn sol- ches ist falsch, und die Tutia haͤnget sich an die erdenen Waltzen, welche aus- druͤcklich und eben darum in die Ofen der Rothgiesser gehencket oder aufgestel- let werden, damit der Dampf vom Me- tall, als wie der Rus im Camin, zu- ruͤckgehalten werde. Dergestalt und vermittelst dieser Waltzen wird der Rauch aufgehalten und zu einer Scha- le, nach Gestalt der Waltzen, so wie wir sie zu sehen bekommen. Und die- ses ist so gewiß, daß wer nur unter der Tutia nachsuchen will, wird solche Stuͤ- cken drunter finden, die noch an der Erde hangen. Nicht aber haͤuffet sie sich unten im Ofen und dessen Umfang, oder wird so dicke, wie sie ingemein ist. So bezeuget auch uͤberdiß die Tutia selbst, daß dieses ein bloses Vorgeben sey, indem sie alle mit einander wie Rin- nen gemacht und allezeit halbrund ist. Die sie bereiten, nennen diese Weise die Tutia zu machen, brazer la Tutie. Die Tutia soll in feinen dicken Stu- cken oder Schalen seyn, und koͤrnicht, auswendig fein schoͤn mausfahl, und in- wendig weißgelblicht sehen, sich uͤbel zerbrechen lassen, und soviel als moͤg- lich, ohne kleine Stuͤcklein und Unrath seyn. Sie hat, soviel als mir bewust, in der Medicin keinen Nutzen, wird auch nicht gebrauchet, bevor sie gantz zarte gerieben worden. Andere bren- nen sie, und machen, wenn sie dieselbe gewaschen, kleine Kuͤchlein draus, de- ren sie sich wider die Zufaͤlle der Au- gen bedienen, und sie entweder mit fri- scher Butter vermischen, oder aber in Rosen- und Wegbreitwasser zertrei- ben. Die recht wohl praͤparirte Tutia in frische Butter geruͤhret, ist ein recht herrliches und sicheres Mittel wider die goldne Ader. Auch soll man diejenige, die von Orleans kommt, der andern Tutia von Orleans. vorziehen, weil sie entweder besser zu- gerichtet ist, oder aber, weil sie zu allen Zeiten uͤblich und gebraͤuchlich gewe- sen. Das acht und funfftzigste Capitel. Chalcitis. C Halcitis oder Colchotar ist Vitriol, der von der Natur, durch das unter- irdische Feuer rubifici ret und roth ge- brennet worden ist, woraus denn er- folget, daß Chalcitis ein roͤthlichter Stein sey. Doch werde ich mich nicht aufhalten, noch alles dasjenige allhier anfuͤhren, was unsre Vorfahren von denen unterschiedenen Veraͤnderungen, denẽ der Chalcitis unterworffen, vermel- det haben; vielweniger bin ich willens Misi, Melante- ria und Sori. zu erklaͤren, was Misi/ Melanteria, und Sori heisset, indem ich unmoͤglich habe erfahren koͤnnen, was es sey, und wo diese drey letzten Dinge gefunden wuͤrden. Matthiolus sagt zwar in seinem Buche uͤber den Dioscorides pag. 729. daß Misi hart und dem Golde gleich sey, glaͤntze wie ein Stern, und werde in Cypern gefunden. Der Me- lanteria gebe es zweyerley, von denen die eine beym Eingange der Kupfer- bergwercke sich befinde, und als ein Saltz wachse: die andere finde man zu oberst in diesen Bergwercken, als wie einen harten Stein zusammengewach- sen. So will er auch, daß diejenige die beste Melanteria sey, welche sau- ber und nette, fein dichte und schwefel- gelbe sey, und stracks schwartz werde, so bald nur ein Tropfen Wasser darauf gefallen. Sori/ spricht er, sey schwartz, loͤchricht, und eines anziehenden Ge- schmacks, rieche sehr haͤßlich, und wer- de sehr viel in Egypten/ Libyen/ Spanien und Cypern gefunden. Pli- nius dagegen meldet das Widerspiel, und saget, Chalcitis, Misy, Sory und X x 3 Me- Der Spezereyen und Materialien Melanteria sey nur einerley, und veraͤn- dere sich blos mit der Zeit, das eine in das andere; aus dem Chalcitis werde Misy, aus diesem Melanteria, und diese verwandele sich in das Sory, welches ich dennoch nicht beobachten koͤnnen: denn ob ich gleich ein Stuͤcke davon laͤnger als achtzehn Jahr gehabt, habe ich doch niemahls in acht nehmen koͤnnen, daß es sich entweder an der Farbe oder Na- tur veraͤndert haͤtte, wiewohl ich genau drauf gemercket. Das aber ist wahr, daß es Chalcitis giebet, da an einem Stuͤcke unterschiedene Farben befind- lich sind: dieweil ich aber so lange Zeit uͤber nicht die geringste Veraͤnde- rung wahrgenommen, dannenhero glaube ich gaͤntzlich, daß er natuͤrlicher Weise also sehe. Jhm sey nun wie ihm wolle, man erwehle nur den Chalcitis in feinen schoͤ- nen Stuͤcken, welche braunroth sehen, und als wie Vitriol schmecken, auch stracks zergehen, wenn sie ins Wasser ge- leget werden, dabey eine glaͤntzende Ku- pferfarbe haben, wenn sie zerschlagen worden. Der natuͤrliche Chalcitis und Colcho- tar wird uns von unterschiedlichen Or- ten zugefuͤhret, z. E. aus Schweden und Teutschland. Es ist eine Sache, die in der Artzney sehr wenig braͤuchlich ist, weil sie so seltsam; doch duͤrffte sie noch viel weniger gebrauchet werden, dafern sie nicht unter den Theriac ge- nommen wuͤrde. Die Seltsamkeit und die Kostbarkeit dieses Steines hat viele veranlasset, ihn nachzumachen, und dahin zu trachten, wie sie ein und an- deres dafuͤr einschieben moͤchten, als da ist das Chalcanthum, oder der roth ge- brennte Vitriol, der weiß gebrennte Vitriol, der Gallmey, weil er ihm so gar aͤhnlich siehet, und andere derglei- chen Dinge mehr: welches dann ver- ursachet, daß diejenigen, die den wahr- haften Chalcitis noͤthig haben, sich fein zu aufrichtigen Leuten halten muͤs- sen, und ihnen das Geld nicht dauern lassen. Das neun und funfftzigste Capitel. Vom Roͤmischen Vitriol. D Er Roͤmische Vitriol ist, wie alle die andern Gattungen des Vi- triols oder Couperoses und Comproses , eine Art Crystallen, welche man mit Wasser aus einer gewissen Sorte Marcasite ziehet, welche sich in den Kupferberg- wercken befindet, und von den Alten Pyrites und Quis genennet worden ist. Dergleichen Pyrites findet man in der Thonerde bey Paßi, eine Meile von Paris, daraus allerhand gemachet wird; wie man dann mich versichert hat, daß ein gewisser Abt sein Universale daraus bereite. Auch wird der Pyrites, aus dem man den Roͤmischen Vitriol ziehet, in Jtalien/ an vielen Orten ge- funden. Wenn sie nun aus dieser Marcasit den Vitriol machen wollen, so wird sie einige Monate an die freye Luft und ins Wetter geleget, damit die Luft hinein zu tringen vermoͤge, und sie sich solcher Gestalt calcinire, und in einen gruͤnlichten Kalch verwandele. Wann dann der Pyrites im Stande ist, daß er sich handthieren laͤßt, so schmeis- sen sie ihn ins Wasser, hernach wird er mit Huͤlffe des Feuers und vermittelst hoͤltzerner Kasten, zu solchen Crystallen gemacht, dergleichen wir aus Jtalien uͤberkommen. Kurtz zu sagen, alle Arten des Vitriols werden als wie A- laune in England, und der Salpeter in Franckreich bereitet, es entstehet auch der Unterschied zwischen ihnen blos von denen Orten, woselbst die Bergwercke befindlich sind, wie ingleichen, daß eini- ge Arten derselben Kupfer, andere aber Eisen bey sich fuͤhren. Diejenigen, welche Kupfer halten, sind der Cypri- sche und Teutsche Vitriol. Eisen aber fuͤhret der Roͤmische, der Pisi- sche und der Englische. Diese so unterschiedene Beschaffen- heit ist Ursach, daß der Teutsche und der Cyprische Vitriol eine mit Speichel an- gefeuchtete Messerklinge anroͤthen, wel- ches hingegen der Roͤmisch, der Pisische und der Englische nicht thut, sondern lassen die Farbe des Messers unveraͤn- dert. Weil auch der Pisische und Engli- sche Vitriol nicht mehr faͤrben, denn der Roͤmische, so hat dieses einigen Leuten, die Hauptbeschreibung dritter Theil. die doch zu nennen nicht eben noͤthig, Gelegenheit und Anlaß gegeben, den Roͤmischen Vitriol vermittelst des Eng- lischen nachzumachen, welches sie zu Wercke richten, indem sie diesen Vitriol ein wenig waschen, und etliche Tage an der Luft stehen lassen, damit sich sei- ne gruͤne Farbe in grau verkehre, wel- ches man jedennoch gantz leichtlich mer- cken kan, dieweil der Roͤmische Vitriol eitel dicke, lange Stuͤcken ist, Seladon- gruͤn siehet, schwerlich zergehet, und, wenn er zerschlagen worden, durchsich- tig ist, als wie Glas, davon er auch sei- nen Namen bekommen haben soll: wiewohl andere wollen, es stecke in dem Worte VITRIOLUM ein besonder Geheimnuͤß, und bedeute ein ieder Buchstabe ein gantzes Wort, und solle soviel heissen, Visitando Interiora Terræ, Rectificando Invenies Occultum Lapi- dem Veram Medicinam. Der wahrhafte Roͤmische Vitriol wird ietziger Zeit gar sehr gesuchet, zum Theil, weil er so seltsam, zum Theil aber, weil er sich trefflich zu dem also ge- nannten sympathetischen Pulver schi- cket, denn dieses nichts anders ist, als Roͤmischer Vitriol, welcher in den Hundstagen bey heitern Wetter in die Sonnenhitze gestellet worden ist, und hernach, wenn er durch die Hitze der Sonnen schneeweiß calciniret, zu al- lerhand Wunden und Stillung des Blutens gebrauchet wird. Etliche neh- men auch Tragant unter den Vitriol. So bringt man uns ingleichen aus Jtalien noch eine Sorte Vitriol, der dem Roͤmischen sehr nahe kommt, oh- ne daß er viel gruͤner und in kleinen Stuͤcken ist: denselben nennen wir Vi- triol von Pisa/ und wird von den Faͤr- bern gebrauchet. Der dritte Eisenhaltige Vitriol, der auch gantz gemeine, und folglich nicht theuer, ist der Englische Vitriol, und Englischer Vitriol. wird von den Faͤrbern, Huͤtern und andern, die schwartz faͤrben, vielfaͤltig gebraucht, und man sagt, das sey die Ursache, warum er schwartz faͤrbe, weil er naͤmlich vom Eisen participi re: andre aber geben vor, es verursache solches das alte Eisen, welches diejenigen, die damit umgehen, drein schmeissen, wenn er zerlassen worden ist. Wenn der Englische Vitriol/ wie sichs gehoͤret, seyn soll, so muß er tru- cken, hellgruͤn und durchsichtig seyn, auch so wenig klein Zeug und weisse Stuͤckgen sich darunter befinden, als immer moͤglich ist. Das sechtzigste Capitel. Vom Cyprischen oder Hungarischen Vitriol. W As ich auch fuͤr Bemuͤhung ange- wendet, um zu erfahren, was doch der Cyprische Vitriol, den wir zu ver- kauffen haben, eigentlich seyn moͤchte, so habe doch solches unmoͤglich entde- cken koͤnnen. Die Alten, auch einige neuere Scribenten, haben zwar vorge- geben, daß dieser Vitriol mit einem blauen Wasser, daß man in Cypern/ davon er auch den Namen bekommen, an unterirdischen Orten finde, bereitet werde. Und ein anderer wohlverdien- ter redlicher Mann hat mich versichert, daß der Cyprische Vitriol von Roͤslein Kupfer, in Vitriolspiritus aufgeloͤset, und wiederum crystallisiret, gemachet werde. Noch ein anderer aber hat mir fuͤr gewiß berichtet, der Cyprische Vitriol wuͤrde von dem Teutschen Vi- triol verfertiget. Allein, weil ich nicht weiß, zu welcher unter diesen dreyen Partheyen ich mich halten soll, als will ich sagen, daß man zweyerley Cypri- schen Vitriol zu uns bringe: der eine ist in dicken Stuͤcken, den nennen wir der Compagnie Cyprischen Vitriol/ Der Compa- gnie Cypri- scher Vitriol. weil ihn insgemein die Herren von der Jndianischen Compagnie nach Franck- reich bringen. Der andere ist der zer- schlagene Vitriol, denn er mit allem Fleiß in kleine Stuͤcklein zerschlagen worden, und so spitzig als wie Diaman- ten ist, damit er eines Theils ein desto schoͤneres Ansehen gewinne, andern Theils aber auch sich besser verkauffen lasse. Den Cyprischen oder Ungrischen Vitriol soll man erwehlen, der schoͤn Himmelblau siehet, insonderheit, wenn er zerschlagen worden ist: denn weil es eine Der Spezereyen und Materialien eine Waare, welche die Luft gar leicht- lich durchtringet, so bekommt sie meh- rentheils aussenher eine gruͤnlichte Far- be, welches doch seine Beschaffenheit nicht im geringsten vermindert; denn man darff ihn nur an die Zunge brin- gen, so wird ihm auch die allergeringste Naͤsse seine vorige Farbe wiedergeben, ihm diesen Blick benehmen, und erwei- sen, daß nichts daran, als nur die oͤbere Flaͤche verderbet worden. Es haben mir auch etliche gesaget, daß man einen dermassen durchtringenden Spiritus aus dem Cyprischen Vitriole bereiten koͤnne, der alle Glaͤser zustiesse, wenn sie auch gleich noch so dicke waͤren; doch sey er ein allgemeines Mittel zu aller- hand frischen Wunden, und das Blut zu stillen, wann er mit gleichem Theile Wassers uͤbergeleget wuͤrde. Welches nicht so gar unwahrscheinlich, indem wir keine Materie mehr haben, die der- massen an- und zusammen ziehend waͤ- re, oder das Bluten eher stillete, als wie der Cyprische Vitriol. Diesen Vitriol gebrauchen gleicher Gestalt viel Handwercksleute, wie in- gleichen viel andere Leute, die ihn stets bey sich fuͤhren, und die Buckeln und Beulen im Gesichte damit zu vertrei- ben suchen. So wird er auch an statt des Roͤmischen zum sympathetischen Pulver gebraucht. Das ein und sechtzigste Capitel. Vom Teutschen Vitriol. D Er Teutsche Vitriol sieht gruͤn- lichtblau, ist hell und durchsichtig, und wird zu Goßlar in Sachsen ge- macht, deswegen ihn auch etliche bey uns Couprose d’ Allemagne, Vitriol oder Goßlarisch oder Saͤch- sisch Kupfer- wasser. Comprose de Goslar oder de Saxe zu nen- nen pflegen. Dieses Kupferwasser soll man erwehlen, wenn es in feinen grossen Stuͤcken ist, die hell und durch- sichtig sind, und wenn es fein trucken, auch so viel moͤglich, ohne klein Zeug ist. Der Teutsche Vitriol wird starck zur Artzney gebraucht, das heißt, die meisten Chymici machen allerhand Sa- chen draus, gleichwie aus folgenden wird zu ersehen seyn: es bedienen sich auch dessen die Faͤrber. Jm Fall der Noth kan er eben als das Cyprische Kupferwasser zur Blut- stillung gebrauchet werden, allein er ist nicht so kraͤftig. Das zwey und sechtzigste Capitel. Vom weissen Vitriol. D Er weisse Vitriol/ den wir aus Teutschland bekommen, wird von Goßlarischen Vitriol, dessen ich nur allererst erwaͤhnet, gemacht; denn die- ser wird so lange calciniret, bis er weiß worden, hernach schuͤtten sie ihn ins Wasser, und filtriren ihn. Wann er dann beginnet zu gerinnen, und zusam- men zu lauffen, so machen die Teutschen viertzig bis funffzigpfuͤndige Stuͤcken daraus, in der Gestalt und Form, wie wir sie zu sehen bekommen. Demnach darff man nicht glauben, wenn ein neuer Scribente meldet, daß der weisse Vitriol um und bey den Quellen ge- funden werde, und das allerreineste metallische Wesen sey. Dieses Kupferwasser soll man er- wehlen, wenn es fein veste ist, recht weiß, und so viel als moͤglich, wie feiner Zucker siehet. Auch dienet zu wissen, daß man den weissen Vitriol nicht an der Luft lassen muͤsse, denn so bald ihn die Luft angehet, sobald wird er gelb, und laͤßt sich nicht wohl verkauffen. Er wird in etwas in der Artzney ge- braucht, denn etliche thun ihn mit Veielwurtz und Aloe Succotrin in Ro- sen- oder Wegbreit-Wasser, und ver- treiben damit boͤse Augen. Die Mah- ler brauchen ihn, wenn er zuvor calci- niret worden, unter ihre Farben, da- mit sie desto hurtiger trucknen. Doch wird er meistentheils von den Schmie- den verbrauchet. Es werden auch Crystallen aus die- sem Vitriol mit Vitriolspiritus berei- tet, welche hernachmahls Gilla Vitrioli Gilla Vitrioli. oder Brechvitriol genennet werden; denn Hauptbeschreibung dritter Theil. denn wann man davon zwoͤlff Gran bis auf ein Quintlein schwer mit etwas Suppe einnimt, erregen sie ein sanftes Brechen. Das drey und sechtzigste Capitel. Vom Vitriol-Spiritus und Oel. A Us dem Teutschen oder Englischen Kupferwasser, welches man, bis es weiß worden, calciniret hat, wird mit Huͤlffe des Feuers und einer Retorte, ein Wasser oder phlegma, Spiritus und Oel gezogen. Weil aber dieses eine gar zu langweilige Arbeit, und sehr be- schwerlich ist, derohalben will ich nie- mand rathen sich damit zu verwirren. Dazu ist der Vitriolspiritus und Oel, den unsre Apothecker und Destillatores bereiten, bey weiten nicht so gut, auch nicht so wohlfeil, als die wir aus Holl- und England bekommen. Man be- liebe aber zu mercken, daß dasjenige, was wir, die Apothecker und Destillato- res Vitrioloͤl zu nennen pflegen, ein blosser wohl dephlegmatisir ter Spiritus sey: und man muß in diesem Capitel eben wie in den andern allen, verstehen, daß das Oel fett seyn, und auf dem Wasser oben schwimmen muͤsse, wel- ches doch das Vitrioloͤl nicht thut, son- dern es vermischt sich gantz leichtlich mit den waͤssrichten liquoribus. Was Vitriolspiritus heißt, das ist derselbe liquor und Feuchtigkeit, so un- mittelbar auf das phlegma folget, und muß, wenn er gut seyn soll, so klar, als wie Wasser seyn, fein saͤuerlich schme- cken, und das weisse Papier schwartz faͤrben, wenn er darauf gestrichen und ans Feuer gehalten wird. Dieser Spiritus wird sehr oft zur Artzney ge- braucht, hat auch noch mehr andern Nutzen, dazu er erfodert wird. Der wohl dephlegmatisir te Vitriolspiritus wird Oel von uns genennet, wiewohl es eigentlich nicht recht ist, und muß dunckel sehen, einen durchtringend und brennenden Geschmack haben, so gar, daß man ihn unmoͤglich auf der Zunge erdulten kan. Jrrig aber ists, wenn etliche meinen, man duͤrffe die sauern Spiritus nicht verstopfen, weil selbige, ihrem Vorgeben nach, nicht verfliegen sollen, welches zwar auch wohl wahr ist, alleine, lasset nur einen solchen recht wohl dephlegmatisir ten Vitriolgeist in einer offnen Flasche stehen, wie bald wird sich die Luft drein schleichen, Maas und Gewichte vermehren, ihn aber end- lich so ungeschmack, als wie Wasser, machen. Das Vitrioloͤl ist ein heftig starckes Etzmittel, dannenhero wird es auch zu Aufloͤsung der Metallen gebraucht. Man kan es ingleichen in eben den Kranckheiten, in welchen der Spiritus gebrauchet wird, einnehmen und ge- brauchen, nur daß man bey weiten nicht soviel auf einmahl nehmen darff, weil es viel kraͤftiger und staͤrcker ist. Den Vitriolspiritus soll man nie- mand anders, als aufrichtigen Leuten abkauffen; denn es giebt ihrer, welche Vitriolgeist machen, und Scheidewas- ser drunter thun, deswegen sie es auch also wohlfeil hingeben koͤnnen. Und dieser mit Scheidewasser bereitete Vi- triolgeist wird Spiritus Vitrioli philoso- phicus genennet, darum man dann wohl Acht darauf zu geben hat. Was das Phlegma oder das Wasser vom Vitriol betrifft, davon ich oben ge- meldet, dasselbe ist zu nichts nicht nutze, weil es ohne allen Schmack ist. Je- dennoch gebrauchen es etliche, und wa- schen die Augen damit. Es gedencket der Herr Lemery/ daß man zu obbeschriebenen operationibus und Arbeit den Englischen Vitriol neh- men solle, alldieweil er nicht so scharff als wie der Teutsche: nichts destomin- der gebrauchen fast alle diejenigen, die mit dem Vitriol umgehen, den Teut- schen zu ihrer Arbeit, welches ich aber denenselben zu entscheiden uͤberlasse, die hierzu geschickter sind als ich. Was nach der Distillation in der Retorte zu- ruͤcke bleibt, ist eine roͤthlichte Erde, welche von den Chymicis Toden- kopf, Caput mortuum Vitrioli, Colcho- Colchotar. tar Vitrioli, Vitriolum rubefactum genen- net wird, daraus man mit Wasser, beym Feuer, ein Saltz ziehen kan, wel- ches Vitriolsaltz geheissen wird, und eben als wie die Gilla kan gebrauchet werden, ausser daß man es in viel ge- ringerem Gewichte giebet. Dieses Y y Vi- Der Spezereyen und Materialien Vitriolsaltz. Vitriolsaltz soll weiß und getreulich bereitet seyn, denn es giebet etliche, die an statt des Saltzes die Gilla Vitrioli, oder gruͤn Vitriol, das weiß gebrennet worden ist, verkauffen. Der Colchotar wird einiger massen in der Artzney gebraucht, denn etliche nehmen ihn an statt des Chalcitis, weil er wohlfeiler und doch eben so gut ist. So thun ihn auch etliche Apothecker unter das Palmpflaster, damit nicht al- lein das Pflaster davon roth werde, son- dern auch, damit sie sich nach dem Ver- langen einiger Wundaͤrtzte bequemen moͤgen, welche gerne wollen, daß der gemeine Mann nicht mercke, daß es Palmpflaster sey; und eben zu solchem Ende, damit sie es desto besser verste- cken koͤnnen, haben sie diesem Pflaster den Namen diachalciteos gegeben. Von dem Colchotar, gebrannter Alaune, Zuckerkant, Urin und Rosen- wasser wird ein Wasser zugerichtet, wel- ches uͤberaus anziehend ist, und ein treffliches Mittel das Blut zu stillen, wie solches der Herr Lemery angezei- get, zu dem der Leser seine Zuflucht neh- men kan. Es giebt sonst noch ein dergleichen Aqua styptica des Herrn Faveur, wel- ches beym Charras beschrieben stehet. Auch dienet zu mercken, daß der Col- chotar gantz ungereimt Chalcanthum ge- nennet werde, denn das Wort Chalcan- thum bedeutet nichts anders als Vi- triol. Das vier und sechtzigste Capitel. Lapis medicinalis vel medicamentosus Crollii. D es Crollius medicinischer Stein wird von Englischen und weissen Kupferwasser, Alaune, weisser Suda oder Egyptischen Natron, gemeinen Saltze, Weinsteinsaltz, Wermuthsaltz, Beyfußsaltz, Wegwartsaltz, Wegbreit- saltz, Wasserpfeffersaltz, Bleyweiß, Ori- entalischen Bolus, Myrrhen, Weg- rauch und Roseneßig gemacht. Alle diese Stuͤcke werden auf die Weise mit einander versetzet, wie Crollius am 442. Blatte gewiesen, und daraus mit Huͤlffe des Feuers ein roͤthlichter Stein gemacht, der grosse Kraͤfte hat, welche gleichergestalt bey nur erwaͤhntem Au- tor beschrieben stehen, die aber der Laͤnge nach allhier zu erzehlen zu ver- druͤßlich fallen duͤrffte. Weil dieser Stein nicht von geringer Wichtigkeit, theils weil er Geld kostet, und denn, weil die meisten Leute diesen Stein gar nicht kennen, so geben die meisten Apothecker den Medicinischen Stein dafuͤr, wel- cher bey denen Herren Charras und Lemery beschrieben stehet, denn sie ihn um ein gutes wohlfeiler geben koͤnnen, als diejenigen, welche allein den rechten Stein des Crollius verkauffen, indem derselbe Medicinische Stein aus eitel wohlfeilen Dingen bereitet wird, gleich- wie aus folgenden zu ersehen. Das fuͤnff und sechtzigste Capitel. Vom Medicinischen Stein. D Er Herr Charras hat in seiner Apotheckerkunst pag. 1041. einen Medicinischen Stein beschrieben, wel- cher von Cyprischen Vitriol, Salniter, Bleyweiß, Alaune, Bolus, Glassaltz, Salmiac, und gemeinen Eßig zusam- men gesetzet wird. Lemery aber be- reitet den seinigen von Colchotar oder rothem Vitriol, Gloͤte, Alaune, Bolus, Salniter, Salmiac und Eßig. Aus diesen beyden Beschreibungen kan man zur gnuͤge sehen, daß zwischen diesen und des Crollius Medicinischem Stei- ne kein geringer Unterschied sey, daher man sich auch nicht wundern darff, wenn dieser oder jener unter den Kauffleuten und Apotheckern ihn wohlfeiler als andere giebet. Das sechs und sechtzigste Capitel. Vom Wunderstein. L Apis mirabilis wird wegen seiner vor- trefflichen Eigenschaften also genen- net, denn er absonderlich zu den Flecken und andern Zufaͤllen der Augen der Pferde dienet. Dieser Stein wird also gemacht: man Hauptbeschreibung dritter Theil. man thut eine Menge weissen Vitriol oder Galitzenstein, in einen irrdenen Ha- fen mit Alaune, Bolus, Gloͤte und ge- meinem Wasser, auf die Art, wie in des Herrn Soleysels Buche pag. 86. be- schrieben stehet, zu dem diejenigen, die dessen noͤthig haben, ihre Zuflucht moͤ- gen nehmen, damit sie sowohl die dosin, und wieviel von iedweden zu nehmen, als auch die herrlichen Tugenden, wel- che dieser Autor dem Steine beygelegt, und um deren willen er diesen Namen fuͤhret, ersehen moͤgen. Seine Wahl betreffend, da bedarff es keines weitern Aussuchens, wenn er anders wohl und getreulich bereitet worden ist. Das sieben und sechtzigste Capitel. Mondique. M Ondique von etlichen auch Quis und Pyrites, Feuerstein, genennet, ist eine Art Kupfer-Marcasit, daraus man den Vitriol machet. Sie ist schwer, sieht maͤusefahl, und ist voll gel- ber glaͤntzender Flecken. Jn Franckreich giebt es ihrer die Menge, und koͤnte noch mehr aus dem lettichten Boden zu Paßi bey Paris gezogen werden. Es darff aber niemand wunder neh- men, daß ich den Vitriol Comprose ge- nennet habe, denn ob es schon unrecht ist, so nennen ihn dennoch die Kauffleu- te also. Wer ihn aber bey seinem rech- ten und eigentlichen Namen nennen will, der sage Couperose , welches von dem Lateinischen Worte Cuprum, oder von Cupri rosa, welches eben soviel heißt als Roͤslein Kupfer, herstammet. Wir verkauffen auch meßingenen Drat, welcher von gelben Kupfer, als wie der eiserne, auf der Ziehebanck ge- zogen wird. Das acht und sechtzigste Capitel. Vom Bley. W Jr haben dreyerley Arten aus der Erde gegrabenes Bley, welche al- lein darinne von einander unterschie- den sind, daß sie mehr oder weniger in dem Eingeweide der Erden gekochet worden. Das erste, welches die wenigste Hitze empfangen, und folglich das schwerste ist, fuͤhret den Namen Plomb mineral , Bleyertz, denn aus diesem wird das Mullenbley bereitet. Alquifoux. Von etlichen wird es Alquifoux ge- nennet, und ist ein schweres Metall, das sich leichtlich zu Pulver machen, dahin- gegen schwerlich schmeltzen laͤßt. Es wird in Stuͤcken von unterschiedener Groͤsse aus den Schachten gezogen, bis- weilen rein und sauber, zuweilen aber mit einer Gattung Gestein vermischet, welches dem Marmor aͤhnlich ist, und von denenjenigen, die sich auf die Mine- ralien verstehen, la Gangue genennet wird. Wenn dieses Bley zerschlagen wor- den, siehet es wie glaͤntzende Schuppen, ist weiß und auf schwartz sich ziehend, bey nahe als wie die Spießlein des Spiesglases. Die Englaͤnder schmeltzen es, und schuͤtten es in Formen, damit derglei- chen grosse und schwere Stuͤcken draus werden, welche man Mullen nennet, und wir zu sehen bekommen. Dieses Bleyertz wird in Franckreich eintzig und allein von den Toͤpfern verbrau- chet, die es stossen, und ihre Toͤpfe gruͤn damit glasuͤren. Ob es nun schon eine Waare von kei- ner sonderbaren Wichtigkeit ist, den- noch haben wir fast keine mehr, auf welche man so genaue Achtung zu ge- ben haͤtte: denn wo sich ein ander Me- tall drunter befaͤnde, wie wohl ehe ge- schicht, wuͤrde es alle Arbeit der Toͤpfer verderben, welches den Verkaͤuffern ein und andere Ungelegenheit zuziehen duͤrffte. Dannenhero muß man ihnen keinen Alquifoux verkauffen, bevor man ihnen ein Stuͤck nach dem andern gezeiget, und sich ein Scheinlein druͤber geben lassen, daß sie zu frieden, und man dergestalt den Proceß vermeiden moͤge. Wenn nun das Bleyertz gut seyn soll, so muß es in grossen Stuͤcken seyn, gewichtig und schoͤne Schuppen haben, Y y 2 welche Der Spezereyen und Materialien welche glaͤntzend und gleichsam fetticht seyn, das heißt, es muß sich gelinde an- greiffen lassen. Kurtz, es muß dem Wißmuth so nahe kommen, als nur immer moͤglich ist. Das aber voll Kies, Stein und Staub ist, soll man auswerf- fen, denn es taug eben so wohl zu nichts, als wie dasjenige, welches mit der an- dern Art Bleyertz vermischet ist; wie ich denn bald erweisen werde. Die zweyte Art des Bleyertzes ist nicht so gewichtig, iedoch viel haͤrter, als das vorige. Wenn es zerschlagen wor- den, sieht es maͤusefahl und hat ein gar sproͤde Korn, obenher aber ist es gantz linde, und siehet etlicher massen der schwartzen Kreide aͤhnlich: woraus zu schliessen, daß es nicht gnugsame Hitze gehabt, dadurch es haͤtte koͤnnen in schwartz Bley verwandelt werden. Das Bleyertz, das also beschaffen, soll gaͤntzlich verworffen werden, denn es zu gar nichts nicht nutze, iedennoch oͤfters unter dem Alquifoux befindlich ist, und den Handwercksleuten nicht wenig Haͤndel macht, denn es eben so wenig im Feuer zerschmeltzet, als wie der Marmor, und machet ihnen ihre Arbeit nur zu nichte. Allein, ob ich gleich anietzo gesaget, man solle dieses Bleyertz schlechter Dinge verwerffen, so hab ich dennoch fuͤr dienlich erachtet, allhier zu vermelden, daß es einige un- ter den Alchymisten gbee, welche der- gleichen Bley aufsuchen, und das Bley daraus bringen wollen, weil es ihrem Vorgeben nach, viel linder und viel vester seyn soll, als das gemeine. An- dere aber vermeinen, es halte etwas weniges Silber, welches ich aber un- entscheidet lasse. Jedennoch will ich niemand rathen sich damit zu belegen, alldieweil es gar wenig gebrauchet wird. Jm Gegentheil ist die dritte Art des Bley-Ertzes desto gebraͤuchlicher, und dasjenige, was wir schwartz Bley- Bleyertz. ertz/ Bleyertz und Kreide zu nennen pflegen, dieweil das Vollkommenste zum Zeichnen dienet. Die Alten ha- ben es Bleyglantz und Wasserbley genennet, und vorgegeben, es wuͤrde aus dem Abgrund des Meeres heraus gehohlet. Die Fremden nennen es Potelot. Wir haben zweyerley solche Mine de Plomb , oder Wasserbley, das feine, und das gemeine. Wenn das feine recht vollkommen, und wie sichs gebuͤhret, beschaffen seyn soll, so muß es leichte seyn, schwartz, wie etwa das Silber, glaͤntzend, nicht zu harte, auch nicht zu weich, und muß sich entzwey saͤgen las- sen: wann es dann zerschnitten wor- den, muß es dichte und nicht gruͤmplicht seyn, auch ein dichtes und feines Korn haben. Es soll ingleichen in mittelmaͤs- sigen Stuͤcken seyn, das ist, die fein lang und wohlgemacht sind, und sich wohl schneiden lassen, denn aus dem man fei- ne lange Stiffte machen kan, dasselbe wird am hoͤhesten gehalten. So hat auch das Bleyertz, das dergestalt be- schaffen ist, keinen gesetzten Preiß, son- dern der Verkaͤuffer kan es verkauffen, wie er nur selber will, indem es von Baumeistern, und andern, die es zum reissen gebrauchen, sehr verlanget wird. Es kommt insgemein aus England, das gemeine aber wird aus Holland gebracht, und dienet zu nichts, als die Platten damit zu reiben, oder fuͤr die Kesselflicker, welche das alte Eisen damit beschmieren, damit es fuͤr neues gehen moͤge, welches aber stracks zu erkennen ist; denn man darff nur Wasser drauf schuͤtten, oder mit den Fingern druͤber hinfahren, so wird es das Wasser bald davon bringen, wenn es, das Eisen, da- mit beschmieret ist, oder es wird euch die Finger besudeln; dann man hat keine Waare, die das Wasser so sehr scheuet, als das Wasserbley. Was uͤbrigens das gemeine Was- serbley belanget, da liegt nichts dran, ob es hart oder weich, grob oder fein sey, wenn es nur in Stuͤcken ist, und nicht voll Eisenschlacken, Stein und klein Zeug. Das von Eisenschlacken berei- tet ist, dasselbe kan man alsofort, wenn es zerbrochen wird, erkennen: denn, wenn sich Rost darinne befindet, wel- ches eine harte und eisenhafte Materie ist, die wir auf Frantzoͤsisch Machefer heis- sen, so dient es zu nichts. Dieses aber kan man nicht mercken, ohne, wenn man es zerbricht, denn alles was in das Wasserbley faͤllt, wird dergestalt damit verwickelt, daß man es durch das blose Anschauen von dem schwar- tzen Hauptbeschreibung dritter Theil. tzen Bleyertz nicht vermag zu unter- scheiden. Was das zu Pulver gemachte Was- serbley betrifft, dasselbe erkauffe man ja allein bey redlichen Leuten, weil sich gar leichtlich solche Sachen drunter mi- schen lassen, die ich allhier zu nennen un- noͤthig erachte. Etliche streichen es zwar auf die Hand, um zu erfahren, ob es auch fein schwartz wie Silber sehe, allein die Probe ist nicht richtig. Der Herr Morin, ein Medicus, der sich vortrefflich wohl auf die Minera- lien verstehet, hat mir berichtet, wie daß es in Franckreich/ bevoraus in Au- vergne/ einen Hauffen Bleygruben ge- be, daraus auch wohl alle diese drey Ar- ten Bley koͤnten gewonnen werden: und man kan dessen versichert seyn, die- weil er ein solcher Mann ist, der nicht leichtlich etwas saget, was nicht wahr seyn solte. Das neun und sechtzigste Capitel. Vom Mullenbley. A Lso wird genennet das Bleyertz, wenn es geschmoltzen, von Gestein und anderer Unreinigkeit gesaubert, und hernachmahls, wenn es recht ge- reiniget worden; welches geschicht, in- dem sie es entweder schaͤumen, oder aber Unschlit und ander Fett darauf werf- fen; in sonderliche Formen geschuͤttet wird, damit es, wie ich allbereit erwaͤh- net habe, zu solchen Stuͤcken, Mullen genannt, werde, welche unterschieden Gewichte und Dicke haben. Das dergestalt geschmoltzene Bley muß, wenn es gebuͤhrend beschaffen seyn soll, linde seyn, muß sich zerschnei- den und biegen lassen, anbey so weiß und glaͤntzend seyn, als immer moͤglich. Wir nutzen das Bley auf vielerley Weise, denn es nicht allein unterschie- dene Handwercker gebrauchen, sondern es werden auch allerhand chymische Sachen daraus gemacht, welches dann verursachet, daß das Bley, sowohl in Europa/ als auch an vielen andern Orten in der Welt in so grosser Menge verthan wird. Das siebentzigste Capitel. Vom Bleypulver oder Bleysande. D Je erste operation und Handlung, die mit dem Bleye vorgenommen wird, ist das pulverisiren: nicht zwar auf solche Weise, als wie viele Apothe- cker thun, welche es, damit sie es zu Pulver machen moͤgen, feilen, und im Moͤrsel stossen lassen; oder aber, wie andere vermeinen, daß man geschmol- tzen Bley, welches in runde mit Weiß beschmierte Buͤchsen gethan wird, da- zu gebrauche, denn es belohnet nicht die Muͤhe. Vielmehr lasse man das Bley in einem irdenen oder eisernen Gefaͤsse fliessen, schuͤtte alsdann gestossene Koh- len darein, und ruͤhre es fort fuͤr fort um. Auf diese Art kan man viel ehe tausend Pfund Bley zu Pulver ma- chen, als eine Untze im Moͤrsel, oder zehen Pfund in einer Buͤchse. Will man es reinigen, das heißt, die Kohlen davon bringen, so darff man es nur mit Wasser waschen, und treuge werden lassen. Es wird aber sehr selten ge- braucht, ausserhalb, daß es den Toͤ- pfern, als wie das Bleyertz, die Ge- schirre zu verglasuren dienet. Doch wird auch etwas weniges da- von in der Artzney gebraucht, sonder- lich, wenn es unbegreifflich oder gantz zarte ist, denn es kommt zu etlichen Sal- ben, als da ist Pompholyx, und andere mehr. Diejenigen, welche das Bley reinigen, oder Musqueten Kugeln und Schrot daraus machen, senden uns den Schaum, welchen wir den Toͤpfern verkauffen, und Bleyschaum oder Bleyasche zu nennen pflegen. Bleyasche. Das ein und siebentzigste Capitel. Vom gebrennten Bley. D Jeses nennen die Lateiner plum- bum ustum, und wird von bleyer- nen Platten, die aus dem Mullenbley gemachet worden sind, bereitet; denn, Y y 3 wenn Der Spezereyen und Materialien wenn sie mit Schwefel zusammen in ei- nen Topf gethan werden, so bekommt man durch Huͤlffe des Feuers ein brau- nes Pulver daraus. Das gebrannte oder calcinirte Bley wird einiger massen zur Artzney gebrauchet, dieweil es austrocknet, und zu etlichen Salben und Pflastern kommt. Seine Wahl betreffend, da ist nichts mehr noͤthig, als daß es recht und wohl gebrennet und fein sauber sey. Etliche waschen es, damit der Schmutz davon komme, wie auch der Schwefel, der etwa dabey moͤchte verblieben seyn. Das zwey und siebentzigste Capitel. Von der Minie. M Ine de Plomb rouge , die wir auch Mi- nium zu nennen pflegen, kommt vom Alquifoux oder Bleyertz, welches zu Pulver gemacht, calciniret und in ein rothes Pulver verwandelt worden ist, auf die Art, wie wir es zu sehen be- kommen. Es ist ein Jrrthum, wenn man glaubet, daß die Minie/ die wir aus England bringen lassen, von Mullenbley gemachet sey, denn der wohlfeile Preiß, darum sie uns gelas- sen wird, giebt sattsam zu erkennen, daß sie nur von dem Bley, wie es aus den Schachten kommt, bereitet sey. Uberdiß wird auch das Mullenbley vom Feuer niemahls so gar roth, als wie das Bleyertz, ob man ihm gleich auch noch so starckes Feuer giebt. Man soll aber die Minie erwehlen, welche eine hohe Farbe hat, und so viel als moͤglich, eitel Pulver und ohne Un- rath ist. Dabey muß man Acht haben, daß sie nicht gewaschen sey, welches man gar leichtlich an der weißlichten Farbe, ingleichen, daß sie insgemein voll kleiner Klumpen ist, erkennen kan. Man kan auch mit Kalch oder Feil- staub einen Mercur aus der Minie zie- Mercurius aus dem Bley. hen, allein die geringe Menge desselben ist kaum der Rede werth. Die Minie wird etlicher massen in der Artzney gebraucht, weil sie austrock- net und etlichen Salben und Pflastern die behoͤrige Dicke giebet. Die Mah- ler gebrauchen sie gleichfalls und mah- len roth damit, mischen sie auch unter andere Farben, damit sie desto eher tru- cken werden. Die Toͤpfer glasiren die irdenen Gefaͤsse damit und machen sie roth, und brauchen sie eben als wie das Bleyertz oder ander Bley: es gebrau- chen sie auch noch andere Handwercker mehr. Das drey und siebentzigste Capitel. Vom Schieferweiß. D Jeses wird von Mullenbley ge- macht, welches zu Blaͤttern ge- schlagen, und als wie Papier zusam- men gerollet worden, doch so, daß es nicht auf einander trifft. Dieses der- gestalt aufgerollte Bley wird in Toͤpfe, mit Eßig gefuͤllet, auf kleine Staͤblein gelegt. Wenn sie nun voll sind, wer- den sie dermassen veste verstopfet, daß keine Luft nicht dazu kommen kan, und darauf in Mist verscharret, in welchen man sie in die vier Wochen stehen laͤßt. Nach deren Verlauff eroͤffnet man die- se Toͤpfe, und findet, daß das Bley dar- inne gantz und gar bruͤchig worden, und weiß wie das Schieferweiß, ist. Wenn man denn diese bleyernen Blaͤt- ter heraus genommen, bricht man sie in Stuͤcken, und legt sie an die Sonne, damit sie trocken werden. Man muß das Schieferweiß er- wehlen, welches zarte, aus- und inwen- dig weiß ist, und feine schoͤne Schiefer hat, unter denen keine schwartze befind- lich, oder anderer Unrath und klein Zeug, so wenig als nur moͤglich. Meines wissens dienet es alleine fuͤr die Mahler, wenn es mit Oel oder mit Wasser abgerieben worden, denn es das allerschoͤnste Weiß ist, das wir ha- ben koͤnnen, so auch sehr lang bestaͤndig bleibt, alleine zum Vergelt ist es sehr gefaͤhrlich zu stossen und zu reiben. Das Hauptbeschreibung dritter Theil. Das vier und siebentzigste Capitel. Vom Bleyweiß. D Je rechte Cerussa oder der Bley- kalch ist vom Schieferweiß ge- macht, welches mit Wasser abgerieben, und in Formen gethan worden, damit es zu kleinen Stuͤcken werde, die man trucknen laͤßt und in blau Papier ein- wickelt, auf die Art, wie sie es uns uͤber- senden. Und diese also bereitete Cerus- Bleykalch. sa kan man Bleykalch nennen; nicht aber, was wir ietziger Zeit aus Hol- land bekommen, als welches fast nichts anders ist, als Kreide, wie ich gleich ie- tzo beschreiben werde. Die rechte Cerussa belegen wir mit dem Titel die Venedische, dieweil sie die Venetianer zu erst gemacht. Nach- dem aber dieselbe sehr theuer und des- halben sehr rar worden, derowegen las- sen wir allein die Hollaͤndische brin- gen, denn sie von den Mahlern eben so hoch geachtet wird, als wie die Venetia- nische, ob es gleich nicht wohl gethan ist, indem die Hollaͤndische mit Oel oder Wasser abgerieben, ein Weiß ist, das nicht gar lange haͤlt, und solches wegen der Kreide, die darunter ist; dieses aber wiederfaͤhret der Venedischen nicht. Man koͤnte dieser Weisse gantz wohl entrathen, und damit von denenjeni- gen, die es reiben muͤssen, alle Gefahr und Kranckheiten, ja oftmahls den Tod selbst abwenden. Die sie zur Artzney noͤthig haben, oder das Bleysaltz daraus bereiten wollen, solten sich billich des gerechten Venedischen Bleyweisses dazu bedie- nen, so wuͤrde auch ihre Arbeit desto bes- ser gerathen. Sie duͤrffen auch an statt der gantzen Stuͤcken nur das zerriebene Bleyweiß nehmen, und sich dessen zu allen Sachen gebrauchen. Dabey aber ist zu mercken, daß sie dieses Weiß bey niemand als bey redlichen Leuten erkauffen muͤssen, denn keiner kan da- vor stehen, oder Red und Antwort ge- ben, als der es selbst gerieben hat: doch ist das veritabl e Bleyweiß uͤber alle massen weiß, linde und zart, laͤßt sich auch gerne zerreiben. So dienet auch zu wissen, daß die Hollaͤnder zur Bereitung der Cerussa sich blos des Staubes bedienen, welcher von dem zerbrochenen Schieferweiß entstehet. Weil aber dieser Staub zu einer so grossen Menge Bleyweiß, das in Franckreich und an andern Orten verbrauchet wird, nicht zureichen wuͤr- de, sie auch dasselbe nicht also wohlfeil geben koͤnten, derohalben mengen sie eine Gattung weisser Kreide drunter. Was das Englische Bleyweiß be- trifft, dasselbige ist noch schlechter, als das Hollaͤndische, dieweil sie noch mehr von diesem Weiß darunter mischen; es ist auch uͤberdiß nicht einmahl so schoͤn. Die das Bleyweiß reiben und die Cerufsa davon machen, haben besonde- re Muͤhlen dazu, hernach machen sie einen Teig daraus mit Wasser, und thun denselben in gewisse Formen, da- mit er zu solchen Stuͤcken werde. Sie muß demnach, wenn sie anders gebuͤh- rend beschaffen seyn soll, uͤberaus weiß, linde und trucken seyn, sich leicht zerrei- ben lassen, auch weder zerbrochen, noch voll kleiner Stuͤcklein seyn, so viel sichs nur thun laͤßt; absonderlich, wenn sie soll verkauffet werden. Die aber nicht veste genug ist, sondern dermassen weich, daß sie im brechen zerfaͤllt, die- selbe soll man verwerffen, denn sie ist eingepacket worden, bevor sie recht tru- cken war, oder aber, sie ist feuchte wor- den. Das fuͤnff und siebentzigste Capitel. Sandyx. D As ist Bleyweiß, welches gantz ge- machsam beym Feuer roth gema- chet worden. Allein, weil der Sandyx oder die rothe Cerussa nichts anders ist als eine Art der Minie, dannenhero wird sie gar selten gebraucht. Etliche unter den neuen Scribenten haben zwar geschrieben, daß die rothe Minie von der Cerussa, durchs Feuer angeroͤ- thet, bereitet werde. Dieses aber ist in Wahr- Der Spezereyen und Materialien Wahrheit falsch, und diese Leute haben es nur von hoͤren sagen, indem die Ce- russa aus Holland/ die Minie aber aus England gebracht wird: dazu ist jene allzeit theurer als dieses. Das sechs und siebentzigste Capitel. MASSICOT . W Jr lassen dreyerley Massicot aus Holland bringen; weissen, gel- ben und goldgelben. Diese so unter- schiedene Farben entstehen von dem Grad des Feuers, welches man dem zer- broͤckelten Bleyweiß, das zur Berei- tung des Maßicots gebrauchet wird, gegeben hat. Ob man nun gleich der ersten Gattung des Maßicots/ das ist, dem, der das wenigste Feuer ausgestan- den, den Namen weisser Maßicot beygeleget, so folgt doch darum noch nicht, daß er weiß seyn muͤsse, sondern er muß gelblicht seyn. Der andere ist gelb, und hat mehr Hitze ausgestanden, denn der erste. Der dritte aber, der goldgelbe/ hat noch mehr als dieser vertragen muͤssen. Man koͤnte auch ei- ne vierte Art zurichten, wenn man den Maßicot so lange calciniren liesse, bis er roth wuͤrde, welches denn ein wahr- hafter Sandyx, oder rothe Cerussa, oder gemeiner Vermillion waͤre. Was ih- re Wahl und auslesen betrifft, so muͤs- sen sie gewichtig seyn, als ein unbegreiff- lich Pulver, und hoch an der Farbe, zu folge des Namens, den sie fuͤhren, und aufrecht. Deshalben mag man sich zu rechtschaffenen Leuten halten. Sie sind sonst zu nichts nuͤtze, als zur Mahlerey. Das sieben und siebentzigste Capitel. Von der natuͤrlichen Gloͤte. D Je natuͤrliche Gloͤte, welcher die Alten den Namen Molybdæna er- theilet, ist eine Gattung eines metalli- schen Minerals, wie Schuppen formi- ret und so dicke und gestalt als wie das Schieferweiß, roͤthlicht von Farbe, und leichtlich zu zerbrechen. Es wird in den Bleygaͤngen gefunden. Weil aber diese Gloͤte nur wenigen bekannt, dazu auch gar selten gefunden wird, dannen- hero gebraucht man nur die durch Kunst verfertigte Gloͤte, davon in folgendem Capitel. Das acht und siebentzigste Capitel. Von der durch Kunst zubereiteten Gloͤte. D Je Gloͤte, die wir verkauffen, heißt man gantz unrecht, Gold- und Sil- ber-Gloͤt, dieweil die Alten, und auch wohl neuere Scribenten vorgeben, es werde diese Gloͤt zur Reinigung des Goldes und Silbers gebrauchet: wel- ches iedoch wieder alle Vernunfft, in- dem die Gloͤt, die wir aus Polen/ England und andern Orten, z. E. aus Teutschland, Schweden und Daͤne- marck bekommen, das Bley ist, wel- ches sie gebrauchet, das Kupfer, das aus den Stollen gekommen, fein und zu Garkupfer zu machen. Wiewohl ich doch darum nicht laͤugnen will, daß diejenigen, welche Gold und Silber scheiden, solches nicht auch mit der Gloͤ- te verrichten koͤnten. Allein dieselbe Gloͤt wird nirgend verkaufft, sondern die Muͤntzer schmeltzen sie wieder um, und machen sie wieder zu Bley, damit sie es ein andermahl mehr gebrauchen koͤnnen, auch das wenige Gold und Silber, das noch darinne stecken duͤrff- te, heraus bekommen moͤgen. Dan- nenhero lasse man ihm dienen, und glaube nicht ferner, daß unsere Gloͤte zum Gold- und Silberscheiden gedienet habe: und eben deshalben soll sie auch forthin nicht mehr Gold- und Silber- gloͤt heissen, sondern blos den Namen Gloͤte fuͤhren. Auch darffman nicht vermeinen, wie etwa einige Scriben- ten geschrieben haben, die Gloͤte sey der Rauch vom Bley, welchen es bey der Scheidung des Gold und Silbers von sich Hauptbeschreibung dritter Theil. sich gestossen, und daß sie gleichsam ein Rus sey, der sich an den Camin des Ofens angehencket, und andere der- gleichen fabelhafte Erzehlungen mehr, derer die Buͤcher von der Gloͤte voll sind. Man muß auch nicht waͤhnen, ob sey zwischen der Gloͤte, welche gelbroth siehet, und derjenigen, welche weisser ist, ein Unterschied; keines weges: denn dieser entstehet alleine von der Gewalt des Feuers, die das Bley beym schmel- tzen ausstehen muͤssen. Man soll aber die Gloͤte erwehlen, welche eine hohe Farbe hat, und gewiß von Dantzig ist, denn dieselbe ist weit schoͤner als die Englische/ indem nicht soviel Erde drunter zu befinden: sie hat auch eine viel schoͤnere Farbe. Man soll auch diejenige, welche in kleinen Stuͤcken und zerbroͤckelt ist, derselbigen vorziehen, welche aus lauter grossen Stuͤcken bestehet, denn sie ist besser cal- ciniret, und hat eine weit lebhaftere Farbe: laͤßt sich auch deswegen in den fettichten liquoribus, die man dazu ge- brauchet, viel besser und leichter auf- loͤsen. Diese Waare ist in Franckreich haͤuf- fig im Gebrauch, denn es wird ihrer ziemlich viel zur Artzney verthan, in- dem sie das Grundstuͤck, oder besser zu sagen, das Corpus der meisten Pflaster und eines guten Theils der Salben ist. Die Toͤpfer gebrauchen sie in Menge, und geben den Geschirren da- mit eine gelbe Farbe. Faͤrber, Kuͤrsch- ner, Mahler und Wachstuchmacher bedienen sich derselben gleichfalls, wie- wohl gantz unrecht, indem die Gloͤte ein Gift ist, wie solches ein Hauffen Scri- benten gar fein angemercket, und auch unschwer zu glauben ist, indem die Er- fahrung und Vernunft uns weiset, daß unsere Gloͤt mit einander nichts anders sey, als Bley, mit dem Wust und Schla- cken des Kupfers vermischet. Das neun und siebentzigste Capitel. Vom Bleyzucker. D As Bleysaltz oder der Bleyzu- cker ist von Schieferweiß oder auf- richtigen Venedischen Bleyweiß und distillirten Eßig bereitet, welche mit ein- ander infundi ret, filtri ret, evapori ret, und dergestalt zu einer leichten, weissen und spießichten Massa gemachet wor- den, die suͤsse und zuckerhaft, doch wi- derlich schmeckt. Der meiste Theil dererjenigen, die das Bleysaltz zurichten, bedienen sich dazu des Hollaͤndischen Bleyweisses, dergleichen wir verkauffen, und koͤnnen dannenhero dasselbige nicht so wohlfeil geben, als wie die, welche das Schiefer- weiß oder die Venedische Cerussa dazu nehmen, denn die Hollaͤndische Cerussa ist, wie schon erinnert, nur eitel Kreide, die gar kein Saltz nicht giebt. Ein gleiches wiederfaͤhret denen, welche das gepuͤlverte Bley, Minie oder Gloͤt dazu gebrauchen, denn weil diese drey letztern Dinge nicht so sehr aufgeschlossen sind, deswegen koͤnnen sie auch nicht so viel Saltz geben. Man soll den Bleyzucker oder das Bleysaltz erwehlen, welches obermeld- ten Geschmack habe, weiß, leichte, glaͤn- tzend und spiessicht sey; und welches das recht gute Wegbreitwasser so truͤbe, wie Molcken macht: dieses experiment kan zu zweyerley dienen, naͤmlich, zu erfahren, ob das Bleysaltz oder der Bleyzucker gebuͤhrend beschaffen, und ob das Wegbreitwasser richtig sey. Das Bleysaltz dienet zur Kuͤhlung/ und mag innerlich und aͤusserlich ge- brauchet werden, daher wird es zu Stillung des Durchlauffs gar dienlich erachtet, wie auch zu boͤsen Haͤlsen, wenn es in Wegbreit-Wasser, von zwey bis auf vier Granschwer einge- nommen wird. Die meisten, die dieses Saltz bereiten, machen es schwer und graulicht, wel- ches aber nirgend anders herruͤhret, als daß sie es nicht genugsam gereiniget oder mit gutem Eßig zugerichtet haben: denn wenn dieses Saltz schoͤn leichte werden soll, muß man es zum allerwe- nigsten viermahl reinigen, und gemein Wasser und distillirten Eßig dazu ge- brauchen, gleichwie der Herr Lemery recht und wohl erinnert hat. Jch will mich zwar nicht aufhalten, noch ent- scheiden, ob dasjenige, was wir Bley- Z z saltz Der Spezereyen und Materialien saltz zu nennen pflegen, auch das wahr- hafte Saltz des Bleyes sey, doch will ich sagen, daß uns die Erfahrung lehret, es sey nur das Saltz vom Eßig, welches die Kraft und Beschaffenheit des Bley- es uͤberkommen, die ihm dann auch den suͤssen zuckerhaften Geschmack zu wege bringen: will auch zugleich gedencken, daß erstermeldter Autor eine Disputa- tion davon geschrieben, zu welcher der Leser seine Zuflucht nehmen mag. Das achtzigste Capitel. Balsam oder Oel vom Bley. D Er Balsamus oder das Oleum Saturni heißt Bleysaltz, in Terpentinoͤl zer- lassen. Andere aber begnuͤgen sich, daß sie das Bleysaltz in den Keller setzen, bis es zu Wasser worden. Allein der erste soll diesem letztern billig vorgezo- gen werden, denn er weit dienlicher ist die Geschwuͤre reine zu halten und zu- zuheilen, auch der Faͤulung zu wider- stehen. Andere bereiten das Bleyoͤl/ indem sie den spiritum ardentem Saturni aus dem Bleye ziehen, welches also ge- schicht; sie fuͤllen zwey Drittheile einer Retorte mit Bleysaltze an, und ziehen durch Huͤlffe des Feuers einen Spiri- tus heraus, welcher Feuer faͤngt, als wie der Branntwein. Weil nun die- ses Oel so heftig starck nicht ist, als wie dasjenige, das mit dem Terpentinoͤle gemachet worden, dannenhero braucht man es zu Saͤuberung der Augen, son- derlich der Pferde und anderer Thiere. Der Spiritus Saturni ist ein treffliches Spiritus Sa- turni. Mittel wieder die Faͤulung der Saͤfte oder der Feuchtigkeiten des Leibes. Das ein und achtzigste Capitel. Magisterium Saturni. D Jeses wird von recht gutem Bley- saltze gemacht, welches in distillir- ten und mit Wasser vermengtem Eßig zerlassen worden ist, hernach wird mit Weinsteinoͤle ein schneeweisses Pulver daraus gefaͤllt, welches nachdem es trocken worden und vorher gewaschen ist, zu Vertreibung der Schwinden die- net, wenn es unter Pomade gemischet wird. Man kan sich der imprægnatio Sa- turni, das ist, des Eßiges und Wassers, darinne der Saturnus zerlassen wor- den, eben als wie der Jungfermilch be- dienen, nicht zwar so blos alleine, son- dern man muß etliche Tropfen davon ins Wasser fallen lassen, damit es weiß werde, und auch die Kraft habe die Entzuͤndungen zu stillen, und die Hitz- blattern im Gesichte zu vertreiben. Obgleich dieses Magisterium Saturni ein uͤber die massen weisses Pulver ist, dennoch soll man es eben so wenig, als alle die andern weissen Pulver von Me- tallen gebrauchen, weil sie die Haut, an statt dieselbe weiß zu machen, schwaͤr- tzen. Das zwey und achtzigste Capitel. Vom Bleyeßig. D Er Eßig vom Bley oder Acetum Saturni ist von distillirtem Eßig ge- macht, der auf Bleyweiß oder andere aus dem Bleye gemachte Sachen ge- gossen und in digestion gesetzet worden. Man braucht ihn zu Vertreibung der Schwinden, oder vermischt ihn mit Ro- senoͤl, und macht eine sonderliche Sal- be davon, die wir Butyrum Saturni, Bleybutter/ zu nennen pflegen. Bleybutter. Das drey und achtzigste Capitel. Vom Zinck. E S gehet mit dem Zinck gerade als wie mit dem Wißmuth, denn es wahrscheinlich und gewiß ist, daß es na- tuͤrlichen Zinck giebet, welchen die Teutschen Beauter/ und die Hollaͤn- der Speauter zu nennen pflegen. Diesen Mineralischen Zinck findet man in grosser Menge zu Goßlar in Sach- sen/ Hauptbeschreibung dritter Theil. sen/ daher wir den Teutschen Vitriol bekommen. Jn Franckreich ist er zu ietziger Zeit trefflich rar, und wird dan- nenhero von unterschiedlichen Leuten gar sehr gesucht. Dieses Metall ist eine Art Bleyertz, doch ist es haͤrter, weisser und glaͤntzen- der. Mich haben etliche versichern wol- len, daß der Zinck in grossen dicken und viereckten Stuͤcken, wie wir sie verkauf- fen, mineralischer Zinck sey, welcher ge- schmoltzen, gereiniget, und hernach- mahls in Giesformen geschuͤttet wor- den, auf solche Art wie wir ihn zu sehen bekommen: welches ich auch gantz ger- ne glauben will, weil mir unmoͤglich gewesen Zinck/ nach der Anweisung des Herrn Charras/ aus Arsenic oder Huͤttenrauch, Weinstein und Salpe- ter zu bereiten. Doch dem sey, wie ihm wolle, der Zinck, den etliche, wie- wohl ziemlich ungereimt, Spiesglas, das Weiblein, nennen, muß weiß seyn, feine schoͤne Schuppen haben, nicht sproͤde und doch schwerlich zu zerbre- chen: denn ie mehr Feuer er ausgestan- den, und ie schoͤner und breiter die Schuppen sind, ie hoͤher wird er von den Handwercksleuten, die ihn gebrau- chen, geachtet, vor allen aber von den Schmeltzern. Solches aber kan man an den kleinen Sternlein erkennen, wel- che darauf erscheinen, absonderlich, wenn er umgeschmoltzen und zu kleinen Barren gemachet worden ist. Der Zinck ist anietzo trefflich im Ge- brauch, seit dem die Zinngiesser verspuͤ- ret, daß er viel tauglicher sey, das Zinn zu reinigen, als die Nadlerfeile und das Hartzpech. Dagegen ist es irrig, wenn man glaubet, daß der Zinck deshalben unter das Zinn gethan werde, damit er dessen Gewichte vermehre; denn auf einen Guß von fuͤnff bis sechs hundert Pfund Zinn setzen sie nicht mehr, als ein eintziges Pfund Zinck; und ist et- was recht verwunderliches, daß der Zinck die Kraft, das Zinn zu laͤutern und weiß zu machen, und eben eine sol- che Wirckung, als wie das Bley auf Gold, Silber und Kupfer, hat. Der Zinck dienet fuͤr die Schmeltzer, und fuͤr diejenigen, welche Lot berei- ten: allein man muß zusehen, daß er auch recht gut sey, sonst duͤrffte er alles mit einander verderben. Er dienet gleichfalls dem Kupfer eine Farbe zu geben, bevoraus, wenn er mit der Ter- ra merita vermenget worden ist, und verrichtet eben dasjenige bey dem Ku- pfer, was der Huͤttenrauch thut, wenn man dem Kupfer die Silberfarbe geben will, oder der Gallmey, der das rothe Kupfer gelb machet, und der Hunga- rische Vitriol, der das Eisen wie Kupfer faͤrbet, welches in der Historie der Londischen Societaͤt pag. 349. ange- mercket stehet. Ende des Ersten Buchs von den Foßilien. Z z 2 Des Der Spezereyen und Materialien Des dritten Theils Der Hauptbeschreibung der Spezereyen und Materialien Zweytes Buch/ Von Mineralien. Vorrede. U Nter dem Worte Mineral wird alles verstanden, was etwas von Ertz in sich haͤlt/ oder in den Ertzgruben waͤchst/ oder durch dieselben gegangen ist. Man haͤlt auch dafuͤr, daß die Mineralien dichte veste Coͤrper sind/ die von denen Duͤnsten und Daͤmpfen/ welche in der Erde verschlossen liegen/ generiret und erzeuget werden/ eben als wie die Meteora in der Luft. Andre aber wollen, daß es sehr schwache Coͤr- per waͤren/ welche in der Erde gefunden wuͤrden, woselbst sie durch eine coagulation und zusammengerinnen erzeuget und durch einen Zusatz em- pfindlicher Theilgen vermehret worden/ und oftmahls die Materie ge- ben, aus welcher mit der Zeit das Metall formiret wird. Dannenhero will auch ich unter diesem Namen alles begreiffen/ was nur einiger mas- sen vom Metall participi ret/ und allein in diesem Stuͤcke davon unterschie- den ist/ daß es den Hammer nicht vertraͤget/ und es etliche darunter gie- bet/ die sich nicht einmahl schmeltzen lassen; als da ist der Magnet/ und dergleichen noch mehr. Will also bey dem Spiesglase anheben/ alldie- weil es dem Metall am naͤhesten kommt/ auch nicht davon unterschieden ist, ohne daß es sich weder ziehen noch dehnen laͤßt. Furetiere vermeldet, daß das Spiesglas ein Mineral sey/ welches der Natur der Metallen sehr beykomme; und andere glauben gar/ daß es aller andern Dinge principia und Anfang in ihm enthalte/ dieweil es sich in allen Ertzgruben finden laͤßt/ vornehmlich aber in den Silber- und Bley-Stollen/ und bestehe aus zweyerley Schwefel; deren einer metal- lisch sey/ und an Reinigkeit und Farbe dem Goldschwefel gantz gleich komme/ der andere aber sey irdisch und verbrennlich, beynahe/ wie der gemeine Schwefel; und dann aus einem rusigen und uͤbel digerir ten Mer- cur/ der etwas von der Natur des Bleyes an sich habe, wie auch ein we- nig irdisches Saltzes. Er sagt auch/ das Spiesglas sey vor dem XIII den Jahrhundert nicht weiter bekannt gewesen/ als daß man es zur Schmin- cke gebraucht. Um selbe Zeit aber habe der Moͤnch/ Basilius Valen- tinus, ein Buͤchlein geschrieben, das er den Triumphwagen des Spies- glases betitelt/ und darinne erwiesen/ daß es eine Artzney wider alle Kranckheiten sey. Drey hundert Jahr hernach brachte es Paracelsus wieder in Schwang, allein im Jahr 1566. wurde es durch einen Befehl des Parlaments verdammet und zu gebrauchen verboten/ auch im Jahr 1609. ein Medicus/ Besnier/ der dawider gehandelt, aus der Facultaͤt gestossen. Jm Jahr 1637. ward es autoritate publica, unter die purgiren- den Hauptbeschreibung dritter Theil. den Artzneymittel auf- und angenommen. Jm Jahr 1650. ward der Arrest/ im Jahr 1566. gegeben/ aufgehoben/ und die Facultaͤt setzte es/ auf gut befinden des Matthiolus, in dem Antidotario, das auf ihre Verord- nung im Jahr 1637. gedruckt wurde, unter die purgiren den Artzneyen. Und endlich ließ sie im Jahr 1668. am 2. May einen Befehl ergehen/ darinnen allen Doctoren der Artzney Erlaubnuͤß gegeben wurde/ sich dessen zu be- dienen, allen andern aber untersaget/ dasselbe ohne ihren Vorbewust zu ge- brauchen. Das Wort Antimoine soll daher entstanden seyn: es habe naͤmlich ein Teutscher Moͤnch, eben der Basilius Valentinus, welcher den Stein der Weisen suchte/ den Schweinen Antimonium oder Spiesglas/ das er gebrauchet, die Metalle desto ehender in Fluß zu bringen, vorgeworf- fen und beobachtet, daß die Schweine/ die davon gefressen, uͤberaus heftig purgiret/ darauf aber viel fetter geworden: dieses habe ihn auf die Gedancken gebracht, es wuͤrden sich vielleicht seine Mitbruͤder glei- chergestalt besser befinden/ wenn er sie eben auf diese Art purgirete. Al- lein die Probe lieff gar schlecht ab, denn sie sturben alle. Dieses ver- ursachete, daß man dieses Mineral Antimoine nennete, gleich als ob man sagen wolte, contraire aux Moines, den Moͤnchen zuwider. Das Spiesglas, wie es aus dem Stollen gezogen wird, ist ein Stein/ unterschiedener Groͤsse, und dem Bleyertz der Gestalt nach, ziemlich aͤhn- lich/ ausser/ daß es viel leichter und haͤrter ist: daher es auch von etlichen, wegen solcher Gleichheit, schwartzes Bley/ oder Bley-Marcasit ist ge- nennet worden; von andern wird es der Wolff und Saturnus der Wei- sen genennet, weil es alle Metalle/ bis auf das Gold/ frißt und verzeh- ret. Es ist auch Protheus genennet worden/ weil es im Feuer aller- hand Farben annimmt. Sein gemeinester Name ist Antimonium minerale, Spiesglasertz/ und bey den Verstaͤndigsten Antimonium crudum, rohes Spiesglas, weil es noch niemahls im Feuer gewesen ist. Das erste Capitel. Vom Spiesglasertz. V Or diesem war Hungarn eintzig und allein die Ge- gend, allwo Spiesglas- gruben gefunden wurden, anietzo aber, und seit dem man auch in Franckreich dergleichen Gruben entdecket hat, kommt gar kei- nes mehr daher. Das best- und schoͤn- ste Antimonium koͤmmt aus den Gru- ben in Poictou und Bretagne. Dieses Spiesglas findet sich bis- weilen gantz sauber und nette, zuweilen aber voller Felsen oder Gestein, welches die sich auf die Mineralien verstehen, Gangue zu nennen pflegen: etliches da- runter sieht wie lauter Spiesse, ein ande- res aber siehet matt und schwartzgrau. Zur Artzney wird dieses Spiesglas nicht gebrauchet, wenn es nicht zum we- nigsten geschmoltzen worden ist, wie aus folgendem Cap. zu ersehen. Die Alchy- misten aber gebrauchen es zu allerhand geheimen operation en. Man erwehle das Spiesglasertz, wenn es fein reine ist, das ist soviel; es muß, soviel nur moͤglich, ohne Gestein seyn; und liegt nichts dran, wo es auch herkomme, wenn es nur sauber und nette ist. Wiewohl dennoch etliche vor- geben wollen, das aus Auvergne fuͤh- re mehr Schwefel bey sich. Die Leute von des Siammischen Ab- Spiesglas aus Siam. gesandten Gefolge brachten auch eine grosse Menge Spiesglas mit sich, des- sen Gebrauch aber bis dato annoch un- bekannt. Dasselbe war weiß und klein- spießicht, und soviel ich mercken koͤn- nen, eben dazu dienlich, wozu das Frantzoͤsische Spiesglas gebrau- chet wird. Von dem Hungarischen Spiesglase kan ich nichts sagen, weil ichs nie gesehen habe. Z z 3 Das Der Spezereyen und Materialien Das andere Capitel. Vom geschmoltznen Spiesglas. D As geschmoltzne Spiesglas nen- nen wir, obschon gantz unrecht, rohes Antimonium, denn es ist bereits im Feuer gewesen, damit es zu solchen Kegeln, und so spießicht werde, gleich- wie wir es zu sehen bekommen. Wann diejenigen, die mit dem Ertz umgehen, das Spiesglas schmeltzen wollen, so naͤhmen sie zwey irdene Toͤpfe, und fuͤllen den einen mit gestossenem Spies- glasertz gantz an, den ledigen aber setzen sie mitten in eine grosse Glut, und be- decken ihn mit einem Eisen, das schier wie ein Schaumloͤffel siehet; auf dieses stuͤrtzen sie den gefuͤllten Topf, und wenn sie beyde mit Feuer umgeben sind, schmeltzet das Antimonium, laufft durch die Loͤcher, und faͤllt in den ledi- gen Topf, da es dann zu solchen Stuͤ- cken wird, dergleichen uns zu Gesichte kommen. Diese Gattung des Schaumloͤffels, oder die durchloͤcherte Platte, welche zwischen die Toͤpfe geleget wird, dienet dazu, daß das Gesteine, das bey dem Spiesglas sich befindet, zuruͤcke bleiben muß. Wann dann das Spiesglas zerschmoltzen, nimmt man es vom Feu- er, und versendet es dahin, da es ver- langet worden, wenn man es vorher erkuͤhlen lassen, und die Toͤpfe zerschla- gen hat. Hungarisch Spiesglas. Vor diesen bekam man in Franck- reich Hungarisch Spiesglas zu se- hen, in Stuͤcken zu drey und vier Pfun- den, von Farbe gelb, auf Gold sich zie- hend, daran die Spiesse in einander ver- wirret waren, auf einem silberweissen Grunde. Dasselbe Spiesglas wird in den Bergwercken, die nach Preß- burg/ der Hauptstadt in Nieder-Hun- garn, gehoͤren, gefunden, woselbst es geschmoltzen und dergestalt formiret wird, wie man es dazumahl zu sehen bekame. Anietzo aber ist es dermassen rar worden, daß man es bey nahe gar nicht mehr finden kan. Die dergleichen Antimonium verarbeitet haben, ha- ben mich versichert, daß es sich viel bes- ser zu denenjenigen Sachen schicke, die wir aus dem Frantzoͤsischen Spiesglase machen; so koͤnne man auch aus iedem Pfunde desselben zwey Untzen Queck- silber ziehen, welches weit schoͤner sey, denn das Spanische. Wir haben zwar vielerley Arten Spiesglas in Franckreich, alleine dieselben sind blos darinne von einan- der unterschieden, daß sie die Leute bes- ser oder weniger zu schmeltzen und zu reinigen gewust. Das beste Spies- glas/ nach dem Ungrischen, ist dasje- nige, welches wir von Saumur/ in Anjou gelegen, bekommen, dahin es, allbereit geschmoltzen, aus Poictou ge- bracht wird. Es muß aber das Antimonium Spiesglas aus Poictou. aus Poictou feine, schoͤne, gerade, lan- ge, weisse, breite und glaͤntzende Spies- se haben, leichte seyn, und sich alsofort zerschlagen lassen: auch muß es gar we- nig halbgeschmoltzen Spiesglas bey sich haben, welches, als wie Schlacken, sich oben auf den Kegeln befindet, und der Fuß oder der Kopf des Spiesglases geheissen wird. Dergleichen Mangel findet sich an dem Spiesglase aus Poictou bey nahe gar nicht, denn sie wissen es gar zu wohl zu schmeltzen. Und dieses Antimonium soll man zu aller unten beschriebenen Arbeit und opetation en nehmen, und gebrauchen, denn es haͤlt weniger Schwefel, und giebt in kurtzer Zeit viel Koͤnig. Man Spiesglas aus Bre- tagne. sendet uns wohl auch aus Bretagne eine Gattung Spiesglas/ welches kleine, sehr reine Spieslein hat, und zu eben den Sachen, dazu das Spies- glas aus Poictou gebraucht wird, gantz fuͤglich koͤnte genommen werden; alleine, weil es noch nicht gar zu sehr bekannt ist, derowegen mag man sich nur an das Spiesglas aus Poictou halten. Die dritte Art kommt aus Auverg- ne, und ist, mit wenigen zu sagen, zu gar nichts nutze, bis etwa die Leute, die es bereiten, dasselbe werden besser schmeltzen und reinigen lernen. Denn alles Antimonium, das aus Auver- Spiesglas aus Auver- gne. gne kommt, ist uͤber die massen harte, voller Schlacken und kleinspießicht, gelb und blaulicht, welches gnugsam zu er- kennen giebet, daß es nicht zur Helfte gerei- Hauptbeschreibung dritter Theil. gereiniget sey, noch seines stinckenden boͤsartigen Schwefels beraubet wor- den: es macht auch denen, die es verar- beiten wollen, gar grosse Muͤhe. Ausserhalb der grossen Anzahl der chymischen Medicamenten, die aus dem Spiesglase bereitet werden, bedienen sich auch desselben gar viele Hand- wercksleute, damit sie sowohl die Me- talle desto besser schmeltzen, als auch den Koͤnig davon verfertigen moͤgen: ab- sonderlich in England, dahin wir ihn in gantzen Partheien senden, damit er unter das Zinn gethan, und dieses da- durch haͤrter, weisser und klingender werde. Doch seit etlichen Jahren her brauchen ihn die Englaͤnder nicht mehr so starck, indem sie an statt des Spies- glaskoͤniges, Wißmuth dazu nehmen. Die Schrifftgiesser gebrauchen das Spiesglas auch, das Bley dadurch haͤrter zu machen. Das geschmoltzne Antimonium mit Sarsaparill, China und Frantzosen- holtze abgekocht, ist ein gantz sicheres und gewisses Mittel wider solche Kranckheiten, die man nicht gerne offenbaret. So sehr man sich nun vor diesem vor dem Spiesglase gefuͤrch- tet, eben so sehre wird es zu ietziger Zeit gebrauchet. Wenn man es aber brauchen will, so schlaͤgt man es zu klei- nen Stuͤcken, oder stoͤßt es nur groͤblich zu Pulver, thut es in ein Stuͤcklein Leinwat, und laͤßt es mit denen andern Sachen kochen. Etliche gebrauchen das Spiesglas/ und geben es den Pferden, an statt der Leber des Spies- glases; denn sie sagen, es habe eben die- selbe Wirckung. Jch werde mich nicht aufhalten, noch mich bekuͤmmern, ob es zweyerley Antimonium/ ein Maͤnnlein, und ein Weiblein, gebe, wie zwar ein und an- dere Scribenten vorgeben, und spre- chen, das Maͤnnlein sey viel groͤber, san- dicht, steinicht, nicht so schwer, und folg- lich auch nicht so kraͤftig denn das Weib- lein, welches schwer und glaͤntzend sey, lasse sich auch ehe zerreiben: denn ich habe gleichwohl auch nicht wenig mit Spiesglas zu thun gehabt, und viel ver- kauffet, dennoch aber, ausserhalb der Reinigung, keinen Unterschied daran verspuͤren koͤnnen. Wenn es demnach nur gebuͤhrend beschaffen ist, so kan man eines wie das andere gebrauchen, und wird also schwerlich zweyerley Spies- glas geben. Das dritte Capitel. Vom Spiesglaskoͤnig. D Er gemeine Koͤnig des Spies- glases/ das ist, dazu kein Eisen ge- kommen, wird von Spiesglas gemacht, welches mit Salpeter und Weinstein zusammen geschmoltzen, und in einen kleinen mit Fett geschmierten Moͤrsel geschuͤttet worden ist; hernach wird der Regulus durch Hammerschlaͤge zu Bo- den gefaͤllt, und muß, wenn er schoͤn seyn soll, feine schoͤne Schuppen haben, die gantz und gar dem Wißmuth aͤhnlich sehen. Wenn dieser Koͤnig nicht gleich das erste mahl schoͤne genug ist, kan man ihn wieder umschmeltzen, und mit ein wenig Salpeter reinigen. Je oͤfter er aber geschmoltzen wird, ie mehr geht ihm zwar ab, allein er wird auch desto schoͤner. Aus diesem Koͤnig werden kleine Be- cher, Pillen, und andere Chymische Dinge bereitet, immassen aus nachfol- genden wird zu ersehen seyn. Das vierte Capitel. Vom Martialischen Spiesglaskoͤnig. D Er Martialische Spiesglaskoͤ- nig wird von Spiesglas, Salpe- ter und Hufnaͤgeln oder kleinen Naͤgeln bereitet, welche unter einander ge- schmoltzen, und durch Huͤlffe des Feu- ers, wenn man auf obermeldte Weise und eben als wie mit dem vorigen ver- faͤhret, zum Koͤnige gemachet werden. Dieser Koͤnig muß gleich als wie der vorhergehende seyn, wenn er schoͤn seyn soll, und muß noch dazu einen Stern oben auf haben. Doch will ich mich mit Erzehlung derer Fabeln, welche die Alten von diesem Sterne und seinem Ur- Der Spezereyen und Materialien Ursprunge erdichtet, nicht aufhalten, sondern nur sagen, daß er nirgend an- ders herkomme, als von dem starcken Feuer, das dieser Koͤnig ausstehen muͤs- sen: denn ie heftiger die Glut gewesen, ie schoͤner und groͤsser wird der Stern. Man gebrauchet diesen Koͤnig, wenn man einen Purgir- oder vielmehr einen Brechwein machen will, doch soll man Becher aus Spiesglas. den Wein, den man in diesen Becher- lein hat stehen lassen, zuvor zwey oder dreymahl wegschuͤtten, er moͤchte sonst ein und andere Zufaͤlle erwecken. Dieweil diejenigen, die dergleichen Becherlein benoͤthiget sind, viel Muͤhe haben, bis sie ihren Zweck erhalten, de- rowegen moͤchten sie sich nur zu einem Rothgiesser verfuͤgen, der wuͤrde sie ih- nen in beliebiger Form und Groͤsse, und dazu gantz wohlfeil verfertigen, ohne daß er sich um die Formen bekuͤmmern solte, dergleichen ihrer viele haben, wel- che aber grosse Muͤhe und Schaden bringen; ja oftmahls muß man es gantz und gar unterwegen lassen, die- weil man diese Becherlein nie ohne Loͤ- cher und andere Maͤngel verfertigen kan. Man kan auch diese Leute die Jmmerwaͤh- rende Pillen. immerwaͤhrenden Pillen machen lassen, oder man kan sie selbst in einer Musquetenkugelforme giessen, denn es etwas gantz leichtes ist. Diese Pillen dienen fuͤr diejenigen, welche mit dem Miserere beladen sind; hernachmahls wenn sie wieder aus dem Leibe gekommen, waͤscht man sie ab, und kan sich ihrer immerfort gebrau- chen, wie sie denn auch daher ihren Na- men bekommen haben. Man kan in- gleichen auf diese Pillen Wein giessen, wie auf den Koͤnig, und zwoͤlff Stun- den im Kalten stehen lassen; solches soll alsdenn, der Sage nach, fuͤr starcke Leute eine herrliche Artzney seyn. Das fuͤnffte Capitel. Vom Spiesglas-Glase. V Itrum Antimonii oder Antimonium vi- trificatum, ist Spiesglas welchem alle sein Schwefel genommen worden, denn dieser ein toͤdliches Gift ist. Deshalben soll man es auch unter einem Camin zu- richten, damit die Ausduͤnstung und Dampf vermieden werde, hernach- mahls wird es vitrificir et und in einem Schmeltztiegel geschmoltzen, bis es wie ein Oel wird, und darauf auf einen warm gemachten Marmorstein ge- schuͤttet, damit es also werde, wie wir es zu sehen bekommen, und uns aus Holland uͤbersendet wird. Allein es ist eine solche Arbeit, dazu ich niemand rathen will, nicht nur we- gen der dabey befindlichen Gefahr und Muͤhe, sondern auch, weil wir es nicht so wohlfeil geben koͤnnen, als wie die Hollaͤnder. Dieses Glas soll man erwehlen, wenn es platt und schoͤn roth ist, hell und durchsichtig, wenn auch, soviel als moͤglich, weder kleine noch grosse dicke, schwartze oder graue Stuͤcken sich drun- ter befinden. Man hat mir berichtet, daß die Hollaͤnder wohl die Helfte zerstossen Glas in den Fluß schuͤtteten, damit sie ihm die schwartze Farbe beneh- men und oberwehnte schoͤne Farbe ge- ben moͤchten, welches ich aber nicht weiß. Man kan auch das Antimo- nium in eine Rothgiesserforme schuͤt- ten, und Becherlein draus machen las- sen, da man es sonsten auf einen Mar- morstein ausgießt: doch dieses gehoͤret nur fuͤr curieuse Leute, denn es wird wenig darnach gefragt. Das Glas vom Antimonium braucht man zum erbrechen. Die Apothecker richten ei- nen Brech-Syrup und Wein damit zu. Das sechste Capitel. Von der Leber des Spiesglases. E Par Antimonii wird unrecht Crocus Metallorum genennet, und wird von Spiesglas und Salpeter gemacht, wel- che mit einander vermenget werden, hernach wird die Materie, vermittelst einer gluͤenden Kohle zu einem Steine gemacht, so wie wir ihn zu sehen bekom- men. Man soll die Leber des Spiesgla- ses erwehlen, wenn es feine schoͤne, glaͤn- Hauptbeschreibung dritter Theil. glaͤntzende, gesternte, dichte und zarte Stuͤcken sind, die ein roͤthlichtes Pul- ver, wie Saffran geben, wenn man sie kratzet, oder zu Pulver stoͤßt: daher hat es auch den Namen Crocus Metallorum bekommen, und Epar Antimonii wird es genennet, weil die Stuͤcken wie Le- ber sehen. Diese Leber ist ein universal und all- gemeines Mittel vor allerley Kranck- heiten der Pferde, sonderlich aber dient sie dieselben zu purgiren und leibig zu machen, wenn sie ihnen bis auf zwey Untzen schwer mit angefeuchteten Kley- en gegeben wird, wie solches der Herr Soleysel in seinem vollkommenen Hufschmid gelehret. Zur Artzney wird sie zwar auch in etwas gebraucht, allein das wenige, das davon ver- brauchet wird, ist kaum der Rede werth. Hingegen wird sie fuͤr die Pferde in de- sto groͤsserer Menge gebrauchet, und zwar unter obgedachten Namen, und Kaͤyserlich Pulver. auch unter dem Titel des kaͤyserlichen Pulvers. Diese operation und Arbeit scheinet zwar noch so leichte zu seyn, doch gehet sie nicht allzeit wohl von statten, abson- derlich, wenn man kein gut Spiesglas und Salpeter hat, oder, wenn dieser voll Saltz ist, wie sichs denn ofte begiebt. Dannenhero, und ehe man das Werck angehet, soll man den Salpeter trock- nen, und sich des Spiesglases aus Poictou dazu bedienen, nicht aber das Spiesglas aus Auvergne nehmen, weil es gar zu viel Schwefel fuͤhret, und auch nicht allzuwohl gereiniget ist. Wenn es nun eine Weile unter einan- der geruͤhret an der Luft gestanden hat, so traͤgt man einen guten Theil davon ein in einen eisernen Tiegel oder Topf, der unter einem Camin stehet, und legt Feuer drein, so entstehet ein grosses Ge- raͤusche, welches die Chymici die Ver- puffung nennen. Wenn dieses vor- uͤber, und das Gefaͤsse kalt worden, son- dert man die weissen Schlacken oder den Schaum, davon, und der Boden erscheinet wie ein Stein, auf obbeschrie- bene Weise. Hierzu darff man aber keinen metallenen Moͤrser brauchen, er moͤchte zerspringen, wie denn zuweilen geschicht, wenn man mit dem Feuer nicht vorsichtig gnug umgehet. Da- gegen ist auch nichts nicht in der Welt, das die Schorsteine reiner feget, als wie diese Arbeit, nur haͤnge man wegen des Dampfes ein Tuch vor das Camin. An offnen Orten aber soll man es nicht machen, oder allerley Posituren dabey vorstellen, denn das ist eine recht naͤrrische Art. Jch selbst habe gesehen, daß sie eben dergleichen Materie aufs neue genommen, und auch eben also damit umgangen sind, es ward aber bey weitem nicht so schoͤn/ ja es mißriethe gantz und gar. Dan- nenhero sollen diejenigen, die des Pul- vers von noͤthen haben, drauf sehen, daß es fein schoͤn roth sey, und nicht von demjenigen, welches sich oben und zur Seiten des Gefaͤsses, wie kleine, duͤnne, braune Schuppen anleget, oder aber gar mißrathen ist; welches auch die Ursache ist, daß es einer immer wohl- feiler giebet, denn der andere, darauf man also Acht zu geben hat. Die einen Saffran der Metallen/ Saffran der Metallen. Crocus Metallorum, haben wollen, muͤs- sen ihn mit gleichen Theilen Spiesglas und gereinigten Salpeters bereiten, hernach zu einem Pulver machen, und oftmahls mit warmen Wasser auswa- schen, damit sowohl der zuruͤck gebliebe- ne Salpeter davon komme, als auch, daß er eine etwas staͤrckere emeti sche oder Brechen erregende Kraft uͤber- komme. Je mehr er nun Brechen er- regen soll, ie mehr Salpeter thut man dazu. Doch geht ihm zuviel ab, und er kommt alsdann viel hoͤher zu stehen: dieses darff man aber nicht achten, weil diese Waare, die nach dem kleinen Ge- wichte verkauffet wird, die Unkosten und dabey gehabte Muͤhe gar wohl be- lohnet. Dem Kaͤyserlichen Pulver oder der Leber vom Spiesglas giebt man eine Farbe, die einem nur beliebet, und nach- dem man sie bereitet und Salpeter da- zu genommen hat: dann sie wird eher tannetfarben als leberfarben sehen, wenn der Salpeter schlecht gewesen, als wenn man gelaͤuterten Salpeter dazu genommen hat. Wirfft man aber de- crepiti rt Saltz dazu, d. i. welches getrock- net und halb calcinir et worden, so lan- ge, bis es nicht mehr knistert, so wird es eine gar schoͤne rothe Farbe, fast wie A a a ein Der Spezereyen und Materialien ein Opal, und die Gestalt einer Mar- casite uͤberkommen, daher es auch den Rubin des Spiesglases. Namen Magnesia Opalina und Rubin des Spiesglases erhalten hat. Etliche gebrauchen die weissen Schla- cken, und geben sie den Pferden ein, oder laugen das Saltz und Salpeter draus, welcher gleichfalls ein treffliches Mittel fuͤr die Pferde ist, und nennen es Sal polychrestum, ein Saltz, das zu vielen Dingen nuͤtzlich ist, wie auch Re- medium universale und generale. Den gewaschenen und ungewaschenen Cro- Brechwein. cus metallorum gebraucht man zum Brechwein, wenn man diesen Saffran oder die Leber des Spiesglases in Wein legt, und vier und zwantzig Stunden drauf stehen laͤßt. Das siebende Capitel. Vom Schweistreibenden Spiesglas. D Iaphoreticum Antimonii, Antimoni- um diaphoreticum, Spiesglaskalch ist von Spiesglas aus Poictou und ge- laͤutertem Salpeter gemacht, welche man mit einander vermischet hat, und durch Huͤlffe des Feuers und mit lau- lichtem Wasser ein weisses Pulver be- reitet, welches, wenn es fast trocken worden, zu kleinen Kuͤchlein gemachet wird, die man hernachmahls recht wohl trucken werden laͤßt, und zum Ge- brauch aufhebt. Diese Artzney wird bisweilen zu giftigen Fiebern ge- braucht, daher es auch ihrer etliche in der Pest und andern ansteckenden Seu- chen verordnen, weil es den Schweiß erreget, und den Gift austreibet. Viele aber haben wenig Glauben daran, und sagen, es koͤnne keine Kraft haben, weil es nichts sey als eine Gattung Kreide, welches mir dennoch unbewust ist, und dannenhero den Herren Medicis uͤber- lassen wird. Weil nun die Herren, die dergleichen Gedancken haͤgen, allerhand Dinge dafuͤr einschieben, die ihm ein redlicher Mensch kaum einbilden solte, als da ist, blanc de Seve, Bleyweiß und dergleichen, darum mag man wohl und genaue Acht drauf haben: denn ich weiß keine Probe, dabey es zu erken- nen, als daß das rechte Antimonium dia- phoreticum uͤberaus weiß seyn muß, linde anzufuͤhlen, stracks zu zerreiben, ohne Geschmack und Geruch, denn es ist gantz und gar ungeschmack. Etliche verstaͤndige Maͤnner haben mich versi- chert, daß des Antimonii diaphoretici Wirckung sich mit der Zeit veraͤndere, denn da es, frisch gemacht, ein sudori- ferum sey, wuͤrde es ein vomitorium, wenn es alt worden, welches ich aber nicht versuchet habe. Doch ihm sey, wie ihm sey, das frisch bereitete soll dem alten iederzeit vorgezogen werden. Aus dem Wasser, damit es ausge- waschen worden, koͤnte man zwar zwey- erley Saltz bekommen, allein, weil man gar wenig heraus bringen kan, deshal- ben rathe ich keinem, daß er sich darum bemuͤhe. Das achte Capitel. Von den Spiesglas-Blumen. F Lores Antimonii sind nichts anders denn Antimonium, welches in den uͤber einander gesetzten Toͤpfen, Aludel genannt, verbrennet worden, da dann das Feuer einen Dampf in die Hoͤhe treibt, welcher hernach in diesen Toͤ- pfen, als ein weisses Pulver befunden wird, welches man darauf mit einer Feder zusammen streichet. Wenn man eine Retorte dazu gebrauchet, so be- kommt man rothe Blumen. Diese Spiesglasblumen werden widerdie schwere Noth und Wechselfie- ber dienlich erachtet. Die dosis ist von zwey bis auf zehen Gran, und die ro- then werden von zwey bis auf vier Gran gegeben, weil sie staͤrcker sind, und werden in ein oder andern Zucker, Taͤflein oder Suppe genommen. Jch will hier im vorbeygehen erinnern, daß alle die Chymischen Artzneyen niemahls ohne Rath eꝛfahrner Leute sollen gebꝛau- chet werden, und man die vielen Quack- salber nicht achten solle, denn sie mehr Leute ums Leben bringen, als wohl kaum bey einer Armee umkommen: denn obgleich alle dergleichen Artz- neyen mit gar herrlichen Kraͤften be- gabet Hauptbeschreibung dritter Theil. gabet sind, wenn sie zu gehoͤriger Zeit gebrauchet und an gebuͤhrenden Orten angewendet werden, dennoch sind sie auch hoͤchstschaͤdlich, wenn man sie zu unrechter Zeit und ohne Verstand ein- nimmt. Das neundte Capitel. Von der Spiesglasbutter und Zinober. B Utyrum und Cinnabaris Antimonii kommen von einer Materie, indem blos der Grad des Feuers den Unter- schied zwischen ihnen zu wege bringt. Diese Materie aber ist anders nichts, als Antimonium und corrosivischer Sublimat, die man mit einander ver- mischet, und in eine Retorte gethan hat. Zu erst geht ein helles Oel heruͤber, darauf folgt ein anderes, so dicke als Wachs, und wenn man wohl damit umgehet, siehet es wie weisser Zucker- kant. Das dritte, das durch die Ge- walt des Feuers hervorgetrieben wird, ist eine roͤthlichte Materie, wie kleine Spieslein, und dem mineralischen Zi- nober gantz gleich, denn eben deswegen ist sie also genennet worden. Die Butter des Spiesglases ist ein sehr starck causticum, brennende oder aͤtzende Sache, doch wird sie meisten- theils zu Verfertigung des Englischen Pulvers gebraucht, wie in folgenden kan ersehen werden. Der Zinober aber ist ein schweißtreibend Mittel, und wird deshalben in den Pocken von sechs bis zu funffzehen Gran verord- net. Man soll die Spiesglasbutter er- wehlen, welche fein weiß ist, und durch- aus dem Zuckerkant gleich siehet, anbey nicht sehr zerflossen ist; das ist, sie soll, so viel moͤglich, trucken seyn, und in ei- ner wohlverwahrten Flasche aufbehal- ten werden. Den Zinober aber soll man erkiesen, welcher in feinen schoͤnen Stuͤcken, spie- sicht und roth ist, so viel als immer seyn kan: den schwaͤrtzlichen aber soll man verwerffen. Das zehende Capitel. Pulvis Algarot oder Mercurius Vitæ. P Ulvis Algarot, emeticus oder angelicus ist ein weisses Pulver, das von der Butter des Spiesglases bereitet wird, welche man geschmeltzet und in laulicht Wasser geschuͤttet hat: das Pulver wird zu mehrmahlen gewaschen, ge- trucknet, in ein Glas gethan und zum Gebrauch aufgehebt. Dieses Pulver ist ein treffliches pur- gans; wird von zwey bis auf acht Gran auf einmahl eingegeben, in einer Sup- pe oder andern liquor; und soll fein weiß, und von dem oleo glaciali oder der Butter des Spiesglases bereitet seyn, das ist, von derjenigen Butter, die mit dem Koͤnige bereitet worden ist, gleichwie aus folgenden zu ersehen. Denn wenn dieses Brechpulver von der aus rohem Spiesglase verfertigten Butter gemachet wird, so siehet es um ein gut Theil weniger weiß, als dasje- nige, welches von dem Koͤnige gema- chet worden. Das eilffte Capitel. Bezoardicum minerale. D As mineralische Bezoarpulver wird von der Spiesglasbutter ge- macht, welche mit dem Salpeterspiri- tus praͤpariret, und dergestalt in ein weisses Pulver verwandelt worden ist. Es werden ihm eben solche Kraͤfte, als wie dem diaphoretico zugeschrieben, da- her es auch die meisten dafuͤr einschie- ben, worauf aber Acht zu haben. Auf einmahl giebt man acht bis zwantzig Gran. A a a 2 Das Der Spezereyen und Materialien Das zwoͤlffte Capitel. Oleum glaciale Antimonii. D As dem Eis gleichende Oel oder Butter des Spiesglases wird von dem Regulo Antimonii und Subli- mato corrosivo gemacht, welche, als wie die vorigen, durchs Feuer zu ei- nem dicken Oele gemachet worden sind. Wenn das Oel heruͤber, muß man das Feuer verstaͤrcken, den Recipienten hin- wegnehmen, und einen andern vorle- gen, in welchem kalt Wasser ist, so geht der lauffende Mercurius auch heruͤber, welcher sehr schoͤn und gut ist. Dieses Oel ist ein starckes causticum, und verzehret das unnuͤtze wilde Fleisch. Es soll auch aus diesem Oele das Pul- ver Algarot und das mineralische Bezo- ardische Pulver bereitet werden. Das dreyzehende Capitel. Oleum causticum Antimonii. D Jeses wird von gestossenem Spies- glase, Saltzspiritus und dem aͤtzen- den Vitrioloͤl bereitet, indem aus die- sen Stuͤcken zusammen, durchs Feuer, ein weißlichter liquor gezogen wird, den man zum Gebrauch verwahren soll. Man gebraucht ihn aber zur Faͤulung der Beine, denn es ist ein trefflich escha- roticum, welches auch zum Krebs und Reinigung alter Schaͤden dienet. Dieser liquor ist eigentlich zu reden, kein Oel, denn er ist nicht fett. Auch kan man noch einen andern dergleichen liquor mit Spiesglas und Zuckerkant bereiten. Das vierzehende Capitel. Von der Spiesglas-Tinctur. T Inctura Antimonii wird von Wein- steinsaltze und Spiesglase, welche zusammen geschmeltzet worden, ge- macht; denn daraus ziehet man mit Weinspiritus eine rothe Tinctur, wel- che wider den Scharbock und aufstei- gende Duͤnste der Weiber sehr gut ist: auch vertreibet sie die Kraͤtze. Die do- sis ist vier bis zwantzig Tropfen. Das funffzehende Capitel. Magisterium Antimonii, sive Præcipitatum. D Jeser Praͤcipitat ist von gantz zart gestossenem Spiesglase und Aqua Regis gemacht, wenn solche mit einan- der vermischet, und in ein mit Wasser er- fuͤlltes irdenes Becken ausgeschuͤttet werden: hernach muß man das Pul- ver, das am Boden liegt, auswaschen. Dieses ist nun eigentlich Sulphur Anti- monii, der Schwefel vom Spiesgla- se, der gleichwie der gemeine Schwefel Feuer faͤngt. Man braucht es wider den Schlag und Laͤhmung der Glieder, und giebt auf einmahl zwey bis auf zwoͤlff Gran ein, in einem zur Kranck- heit dienlichen liquor. Ohne diesen Schwefel des Spiesgla- ses giebt es noch einen andern, Sulphur Guͤldischer Antimonii auratum, der guͤldische Spiesglas-Schwesel genennet, Spiesglas- Schwefel. welcher aus den Schlacken des gemei- nen Koͤniges vom Spiesglas, dazu kein Eisen gekommen, bereitet wird, indem man sie in Wasser zergehen lassen; her- nach filtrirt und faͤllt man das Pulver mit Eßig, so bekommt man ein rothes Pulver, dessen man sich, wenn es ge- trocknet worden, zum erbrechen bedie- net. Die dosis ist von vier bis auf sechs Gran, in einer Suppe oder Pille. Man mag sich aber nicht verwundern, daß ich von Chymischen Sachen nichts weiter vermelden werde, denn es ist den Kauff- leuten nicht erlaubet, dergleichen zu ver- fertigen. Uberdiß haben die Herren Charras und Lemery weitlaͤufftig ge- nug davon geschrieben. Das Hauptbeschreibung dritter Theil. Das sechzehende Capitel. Vom Magnet. A Imant , der Magnet/ ist nach einiger Scribenten Berichte, ein schwartzer mineralischer Stein, welcher gar wun- dersame Eigenschaften hat: unter an- dern ziehet er das Eisen an sich, und kehret seine Polos gegen Mitternacht und Mittag, ja er verleihet auch dem Eisen, das ihn beruͤhret, eine gleichmaͤs- sige Kraft. Man findet ihn in allen Ertzgruben, sonderlich aber in Kupfer- und Eisenwercken, denn er hat etwas von ihrer Natur an sich. Der gute Magnet ist sehr dichte, wenig poros und loͤchricht, auch nicht so gar schwer, einerley Wesens, und wasserfarbicht, oder glaͤntzend schwartz, zuweilen auch Pfirsichbluͤhfarben, oder dunckelblau, oder zieht sich aufs rothe. Die Kraft die der Magnet dem Eisen mitgethei- let, vergeht, wenn man seine Gestalt veraͤndert, es geschehe nun mit einem Hammer oder blos mit den Fingern, wenn man zum Exempel, eine gerade Nadel krumm beuget, oder eine krum- me gerade macht, wie solches der Pater Franciscus Maria Grimaldi in sei- ner Physica berichtet. Man soll aber den Magnet an einem trucknen Orte, in Scharlach gewickelt, aufbehalten: doch am allerbesten erhaͤlt man ihn bey seinen Kraͤften, wenn man ihn armiren laͤßt, und bey seinem æquator, just in der Mitten, an einer Geigenseite aufhaͤn- get, damit er sich gegen den Mittag keh- ren koͤnne. Die Polos findet man, wenn man ein Stuͤcke von einer Naͤhe- nadel dran haͤlt, denn die beyden Orte, dahin beyde Ende der Nadel gerichtet sind, dieselben sind die Poli. Man sagt, der Magnet mache diejenigen naͤrrisch, welche ihn eingenommen haben; die Artzney dawider oder das Gegengift sey Gold oder ein Schmaragd. Mat- thiolus meldet, das Dimocrates von Alexandria den Tempel der Ar- sinoe mit Magnetsteinen woͤlben lassen, damit ihr Bildnuͤß, welches von puren Eisen war, in der Luft moͤchte behan- gen bleiben, dergleichen man auch das gemeine Volck von dem Grabe des Ma- homets bereden will: allein es sind Fabeln. Gassendus und P. Four- mier wollen das Wort Aimant von der Liebe, die der Magnet zu dem Eisen und den Polis traͤgt, herleiten, quia nihil A- mantius, quam attrahere \& retinere, weil doch nichts lieblichers ist, als an sich zie- hen und behalten. Menage fuͤhret es von Adamante her, welches der Abla- tivus casus des Wortes Adamas ist, und in eben dieser Bedeutung gebrauchet worden. Jm Lateinischen wird er Magnes, lapis Lydius und Heracleus ge- nennet, weil er zu Heraclea einer Stadt in Magnesia, so ein Theil von Lydien ist, gefunden wurde: oder aber nach einem Schaͤfer, der Magnes geheissen, und ihn zu erst auf dem Ber- ge Jda mit der Spitze seines Schaͤfer- stocks erfunden und entdecket, welches Nicander bezeuget. Er wird inglei- chen Herculeus betitelt, weil er diejeni- gen Wege zeiget, uͤber welche Hercules zum Schutzgott und Wegweiser bestel- let war; wie er denn um dieser Ursach willen beym Euripides also genennet wird. Man heißt ihn auch Sideritis, weil er das Eisen an sich zeucht, welches die Griechen Sideros zu nennen pflegen; und auf alt Frantzoͤsisch Calamite. So hat man auch ohne diesen eine Magnet von Chartres in Beausse. Art Magnet im Jahr 1691. oben auf dem Kirchthurme zu Chartres gefun- den, von welchem der Abt Vallemont einen Tractat verfertiget hat, und in demselben durch angestellte Experimenta gewiesen, daß er das Eisen an sich ziehe, seine Polos nach Norden und Suͤden keh- re, und gleichfalls, wie der gemeine Magnet, auch davon abweiche. Zu wuͤntschen waͤre, daß dergleichen Mag- net fein ofte gefunden wuͤrde, und man solte unter den Ruinen der alten ver- stoͤrten Gebaͤue darnach suchen: dann es ist gewiß, daß er eine gantz ungewoͤhn- liche Kraft hat, massen mir der Herr Vallemont einen gezeiget, welcher in Wahrheit ein nicht geringes Gewich- te hub. Jch wolte wohl noch mehr von diesem Magnet vermelden, wenn er nur gemeine waͤre, so aber ist er treff- lich rar, und wird mit dem groͤsten Fleisse aufgesuchet, seit dem er dem Koͤ- nige ist praͤsentiret worden. Weil dann A a a 3 der Der Spezereyen und Materialien der von Vallemont diesen Magnet beschrieben, und gewiesen, wie die Na- tur denselbigen zu oͤberst auf dem Glo- ckenthurme zu Chartres erzeuget, als mag der Leser seine Zuflucht dahin neh- men, und alles, was er nachdenckliches davon hat angefuͤhret, selbst nachsehen. Es giebt noch ferner eine dritte Art des Magnetsteins/ wiewohl sehr sel- ten, den wir Calamite blanche , oder Weisser Ma- gnet. Aimant blanc , den weissen Magnet zu nennen pflegen. Uber diese aber ist noch die vierte Art, welche gantz gemeine, auch schier nichts anders ist als Eisen- schlacken, so wie wir ihn insgemein ver- kauffen; dieweil der wahrhaft schwar- tze Magnet aus Ethiopien wegen sei- ner vortrefflichen Eigenschaften gar sehr begehret wird, und man seiner nicht wohl entrathen kan, insonderheit diejenigen, welche zur See reisen, denn er zeiget allezeit nach Norden, und wei- set den Steuerleuten, wo sie sich befin- den. Den weissen Magnet betreffend, so verursachet dessen Seltsamkeit, und die trefflich grossen Tugenden, die man ihm beyleget, doch aber allhier anzufuͤh- ren nicht noͤthig sind, daß er uͤberaus gesuchet, und von den meisten la Marne , die weisse Erde, die an dem gemeinem Magnete hanget, dafuͤr eingeschoben wird: dergestalt verkauffen sie eine Sa- che, die, kurtz zu sagen, gar nichts taug, uͤber die massen theuer; welches man dennoch gar balde mercken kan, alldie- weil der weisse Magnet graulicht weiß, und schwer ist, und ebenfalls als wie der schwartze Ethiopische das Eisen an sich zeucht. Dieses alles aber be- findet sich gar nicht an demjenigen, den etliche verkauffen: so giebt auch der wohlfeile Preiß, darum sie ihn hinge- ben, sattsam zu erkennen, daß er nicht aufrichtig sey. Derowegen muͤssen wir vergnuͤgt, und mit demjenigen zu frieden seyn, den wir hie und daher bringen lassen, sonderlich aus Auver- gne/ und ihn denenselbigen verkauffen, die mit Muͤhe und Noth ein Pfund um viertzig Sols bezahlen wollen, und folg- lich ihn noch weniger um eine so grosse Summe, dafuͤr der rechte schwartze Mohrische verkauffet wird, bezahlen duͤrfften, denn fuͤr diesen bekommt man manchmahl eben so schwer Gold. Ob ich nun gleich den Magnet, den wir verkauffen, nicht loben kan, den- noch befindet sich unterweilen etwas gutes drunter, wiewohl so selten, daß man auch unter tausend Pfunden kaum zehen Pfund guten findet. Da- mit aber, diesem ohnerachtet, ein Mit- tel moͤchte getroffen werden, so koͤnten diejenigen, die ihn zur Artzney noͤthig haben, endlich noch mit dem vergnuͤget seyn, der sich unter demjenigen, den wir verkauffen, befindet, und kleine Na- deln aufzuheben, auch den Feilstaub zu bewegen vermag, wenn man ihn, den Teller unberuͤhret, unten herum fuͤhrt, oder wenn man Eisenfeile drauf wirfft, dann wann sich dieselbe in die Hoͤhe rich- tet, und an dem Magnet behangen bleibt, ist es ein Zeichen, daß noch et- was gutes drunter sey, welches zu dem also genannten Emplastro divino koͤnte genommen werden, denn dazu wird er am meisten gebraucht. Das siebenzehende Capitel. Vom Gallmey. P Ierre calamine ou calaminaire , lapis cala- minaris, Cadmia, Gallmey oder Galmeystein, ist ein Mineral, dessen man zwey Sorten hat, grauen und ro- then. Der erste und graue, kommt an Ge- stalt dem Bolus ziemlich nahe, ausge- nommen, daß er viel haͤrter ist, und wird in Teutschland und in England/ um die Bleybergwercke, wie auch nahe bey Luͤttig/ gefunden. Die andere Art, welche roth ist, ist gleichfalls als ein Stein, welcher roͤth- licht und mit weissen Adern durchstri- chen, hart und schwer, und voll harter runder Koͤrner ist, die so groß sind als wie die Pfefferkoͤrner. Diese Steine wachsen in Menge in Berry/ nahe bey Bourge und Saumur, denn daselbst giebt es gantze Bruͤche dieser Steine, die dermassen wohlfeil sind, daß es wei- ter nichts als sie heraus zuziehen kostet. Sie kommen zwar auch von andern Orten her, allein, weil die aus Berry eben Hauptbeschreibung dritter Theil. eben so gut sind, darum ist nicht noͤthig, daß wir sie anderwerts herbringen las- sen. Dieser Stein wird etwas weniges zur Artzney gebraucht, denn er kommt zu etlichen Galenischen Sachen, und soll deswegen auf einem Marmorsteine praͤpariret und mit Rosenwasser zu Kuͤchlein gemachet seyn, welche die Apo- thecker praͤparirten Gallmey zu nen- Praͤparirter Gallmey. nen pflegen. Was den erstern betrifft, derselbe wird wenig in der Medicin gebraucht, ob es gleich der rechte ist: sondeꝛn er wird meistentheils verbrauchet, wenn man das rothe Kupfer in gelbes, so sie Mes- sing zu nennen pflegen, verwandeln will. Das achtzehende Capitel. Vom Blutstein. D Er Blutstein/ den wir gemeinig- lich Feret d’ Espagne nennen, ist ein Mineral, welches roͤthlicht, hart und schwer ist, voll langer, spitziger, gefaͤhr- licher Spiesse, insonderheit, wenn man sich darein sticht. Dieser Stein wird von vielen Orten zu uns gebracht, und ist kein Eisen- schacht, da er sich nicht solte antreffen lassen. Man soll aber den Blutstein erwehlen, welcher hoch an Farbe ist, und schoͤne Spiese hat, auch dem Zino- ber so nahe kommt, als immer moͤglich ist. Dieses Mineral hat seinen Nutzen in der Artzney, und saget Charras in sei- ner Chymischen Apotheckerkunst am 823. Blat selbst, daß man daraus, mit Salmiac, durch eine Retorte, Blumen treibe, welche wie Saffran sehen und Aromatische Blumen der Weisen. riechen, und daher Flores aromatici Phi- losophorum, die aromatischen Blumen der Weisen betitelt werden: ingleichen einen sauern Spiritum martialem, und mit Weinspiritus eine Tinctur aus den Blumen, welche insgesamt gar herrliche Tugenden haben, wie nur er- waͤhnter Autor vermeldet, zu dem ich auch den Leser will gewiesen haben. Man sagt, dieser Stein sey einer der trefflichsten Blutstillungen, und davon der Name Hæmatites entstanden, die- weil das Griechische Wort Hæma Blut heißt, und Blutstein/ weil er wie Blut siehet, Feret aber, weil er in den Eisen- gruben gefunden wird. Wenn dieser Stein, als wie der Ma- gnet, gerieben worden, wird er unter etliche Galenische compositiones ge- than: so bedienen sich auch seiner dieje- nigen, welche mit den Metallen und dem Goldmachen umgehen. Die Vergolder und die Goldschmiede gebrauchen ihn desgleichen, und poli- ren damit das Blaͤttgengold, welches sie auf allerley Arbeit von Silber, Ku- pfer, Eisen, Holtz, oder etwas anders, geleget. Es giebt uͤberdiß noch eine Gattung Sanguine , oder Blutstein/ welcher zum Zeichnen gebrauchet, und von uns ro- the Kreide/ (Roͤtelstein) genennet Roͤtelstein. wird: er sieht dem Feret d’ Espagne ziem- lich aͤhnlich, doch ist er nicht spiesicht, sondern wie Erde. Dergleichen Blutstein oder Kreide wird uns aus England uͤberbracht, und unter selbiger ist die beste, welche etwas zarte und linde ist, die sich auch leichtlich saͤgen, oder zu Griffeln und Stiften zerschneiden laͤßt: die schlechte- re ist harte, sandicht, schwer zu zerschnei- den, und soll, mit einem Worte, gar verworffen werden. Das neunzehende Capitel. Vom Spanischen Schmergel. D Er Spanische Schmergel ist ein Mineral, voller Gestein und durchhinlauffender Goldaͤderlein, und wird in den Goldgruben in Peru, auch anderswo gefunden. Weil er nun nichts anders ist als eine Marcasit, oder ein harter Stein, wie Marmor, mit Goldadern durchzogẽ, welches ihm auch die Hochachtung dererjenigen, die den Stein der Weisen suchen, zu wege ge- bracht, dannenhero wird er anietzo der- massen verlangt, daß wer sein viel haͤtte, solches um gleich so schwer Gold verkauf- fen koͤnte. Dieweil dann diese Marcasite sehr Der Spezereyen und Materialien sehr viel Gold bey sich fuͤhret, deshalben hat der Koͤnig in Spanien verboten sie aus dem Lande zu fuͤhren, welches also die Ursache ist, warum man sie zu ietzi- ger Zeit so gar selten zu sehen bekommt. Jn der Artzney hat sie keinen Nutzen, obgleich Maͤvius saget, daß sie corro- sivisch und etzend sey. Es giebt ferner noch zwey Arten Rother Schmergel. Schmergel, von welchen die eine roth siehet, und in den Schwedischen Ku- pferbergwercken, wie auch an andern Orten zu finden ist. Diesen verkauf- fen etliche fuͤr den Spanischen, welches man aber gar leichtlich vermercken kan, denn er sieht gantz matt, ist dichte, hart und ziemlich schoͤne roth, hat aber durch- aus keine Goldaͤderlein. Gemeiner Schmergel. Der dritte ist der schlechte, dessen sich vor allen andern die Waffen- und Mes- serschmiede, und uͤberhaupt alle diejeni- gen, die in Stahl und Eisen arbeiten, bedienen, denn die sonst nichts, als den gestossenen Schmergel haben, damit sie poliren koͤnnen: so werden auch die staͤhlernen Spiegel, und noch ein Hauf- fen andere Sachen mehr, ingleichen die Steine damit poliret und geschliffen. Der Schmergel wird uns von vie- len Orten, allwo es Eisen giebet, zuge- fuͤhrt, auch selbst aus England, denn es ist sonst niemand, als die Englaͤnder, der sich die Muͤhe nehme, ihn zu Pulver zu machen; und solches verrichten sie vermittelst sonderlicher Muͤhlen, die zu sonst nichts, denn zur Pulverisirung dieses und anderer Steine gleicher Art, dienlich sind: denn der gemeine Schmergel ist so harte, daß, wer ihn in einen Moͤrsel selbst stossen, oder stos- sen lassen wolte, Loͤcher in den Staͤmpfel machen wuͤrde, darein man den Dau- men legen koͤnte. Weil aber dieses Mineral, und insonderheit das gestosse- ne, gar starck gebrauchet wird, deswe- gen soll man es erwehlen, wenn es fein zarte ist, als wie reiner feiner Pfeffer, und das in Stuͤcken, welche die hoͤheste Farbe und wenig Gestein bey sich ha- ben. Der Schmergel schneidet das Glas, als wie der Diamant, doch diesen greifft er nicht an, gleichwie die andern Edelsteine. Man saget, wenn er mit Bley und Eisen geschmoltzen wuͤrde, vermehre er das Gewichte, mache sie harte und roth, welches ich aber nicht versuchet habe. Man vermischt ihn auch mit dem Golde aus Madaga- scar, welches weich und blas ist: doch dieses ist die andere Sorte, die man aus den Kupferstollen bringt. Man braucht ihn ingleichen den Marmor zu schneiden, und giebt vor, daß er in Branntwein oder Weinspiri- tus zu einem unbegreifflichen Pulver werde, welches ich doch ebenfalls nicht probiret. Was von den Muͤhlen der Edelgesteinschneider herabfaͤllt, und als wie Koth oder Schlamm ist, daraus werden Kugeln gemacht, und unter dem Namen Schmergelasche ver- Schmergel- asche. kauffet. Das zwantzigste Capitel. Von der Magnesie. M Agalaise, Meganaise, Magne oder Magnese , Magnesie und Braun- stein genannt, ist ein Mineral, das dem Spiesglas ziemlich beykommt, ausser- halb, daß es viel zaͤrter ist, als wie ein Schmaltz zerbricht, und an statt der Fuͤncklein nur kleine Flinterlein hat. Es giebt zwey Arten Braunstein, grauen und schwartzen; der graue ist sehr seltsam, und dannenhero wenig braͤuchlich: der schwartze aber wird sehr gebraucht, nicht nur von den Schmeltzbereitern und Toͤpfern, son- dern auch von den Glasmachern, wel- che mit einem kleinen Stuͤcklein Ma- gnesie ihr Glas reinigen und weiß ma- chen; denn wo sie zu viel drein thaͤten, wuͤrde es blau und purpurfarbicht wer- den. Wir lassen die Magnesie von unter- schiedenen Orten aus Piemont brin- gen, woselbst sie in den Bruͤchen, als grosse Stuͤcke von verschiedener Dicke und Gestalt gefunden wird. Die Wahl betreffend, so muß sie zarte seyn, und soviel als moͤglich, ohne Gestein und klein Zeug. Man darff nicht glauben, was Fure- tiere Hauptbeschreibung dritter Theil. tiere sagt, daß der Braunstein, die Zaffera, zusamt dem Perigueux ein Ding sey; wie ich denn solches in dem Cap. von der Zaffera berichtet habe. Das ein und zwantzigste Capitel. Vom Perigueux. P Erigueur oder Perigueux ist ein Mine- ral oder Stein, schwartz, als wie ei- ne Kohle, schwer und hart, und deswe- gen sehr schwerlich zu zerstossen. Die Schmeltzbereiter und Toͤpfer be- dienen sich dessen, und braucht keines weitern Auslesens, als daß er rein und sauber sey, denn, wenn nur das gering- ste von einem andern Mineral darun- ter waͤre, koͤnte es alles miteinander verderben. Dannenhero moͤgen die- jenigen, die es an diese Handwercksleu- te verkauffen, eben die Vorsicht gebrau- chen, deren oben beym Bleye ist erwaͤh- net worden. Der Perigueux, den wir zu Paris verkauffen, komt aus dem Delphinat, und aus Auvergne. Das zwey und zwantzigste Capitel. Von der Zaffera. D ie Zaffera ist ein Mineral, welches von den Holl- und Englaͤndern aus Jndien/ sonderlich aus Suratte gebracht wird. Die allermeiste Zaffera/ die wir ha- ben, wird uns als ein aschgraues Pul- ver zugesendet, daran man nichts er- kennen kan: derowegen muͤssen wir es auch durch die Handwercksleute probi- ren lassen, um zu erfahren ob sie damit zu frieden, und ob es gebuͤhrend be- schaffen sey. Wir verkauffen aber zweyerley Zaffera, die feine, und die schlechte. Durch die feine wird gemeiniglich dieje- nige verstanden, welche wie ein Stein ist, und eine blaulichte Farbe hat, wie etwa die Rebhuͤner Augen: durch die gemeine oder durch die schlechte verste- hen wir dieselbige, welche uns gestossen uͤbersendet wird, und oftmahls dermas- sen schlecht ist, daß sie zu gar nichts taug. Die gepuͤlverte Zaffera muß nothwen- dig mit Gangue oder Gestein vermischet seyn, denn sie ist uͤber die massen schwer- da doch die noch in Stuͤcken ist, um ein gut Theil leichter ist. Die Zaffera wird von den Toͤpfern, welche die feinen Geschirre machen, und von den Glasmachern starck ge- brauchet, und damit den Glaͤsern und Geschirren eine blaue Farbe gegeben. Auch faͤrben sie das calcinirte Zinn da- mit/ und bereiten davon den so genann- ten falschen Stein, faux lapis , gleich- wie im Cap. von Schmeltz ist erinnert worden. Es wird ingleichen das Glas damit gefaͤrbet, wenn man Lasur ma- chen will, wie ich auch bereits erwaͤhnet habe. So koͤnnen auch die Sapphire daraus verfertiget werden, daher es dann den Namen Saphre bekommen. Das drey und zwantzigste Capitel. Vom Rusma. R Usma/ ein Mineral, kommt an Gestalt und Farbe den Eisenschla- cken gleich, und findet sich in grosser Menge in Galatia/ so heut zu Tage Chiancare genennet wird. Mit die- sem Mineral machen die Tuͤrcken die Haar ausfallen, und gebrauchen es, groß und klein, sehr starck: daher auch der Großtuͤrck jaͤhrlich mehr als 30000. Ducaten von diesem Minerale ziehet. Doch dieses die Haar ausfallen-ma- chende Mittel ist in Franckreich wenig gebraͤuchlich, ob es gleich, im Fall es be- kannt waͤre, gewiß genug dem Kalch und Operment duͤrffte vorgezogen wer- den, weil es staͤrcker ist, und folglich auch mehr Kraft hat, und dennoch keine Ge- fahr dabey zu besorgen stehet. B b b Das Der Spezereyen und Materialien Das vier und zwantzigste Capitel. Vom Operment. O Rpin und Orpiment , Operment, ist ein Mineral, welches sich insge- mein in den Kupferbergwercken finden laͤßt, als wie Steine, von unterschiede- ner Groͤsse, Gestalt und Farbe; denn es giebt goldgelbe, gelbrothe und gelb- gruͤne, auch zuweilen bey nahe gantz rothe. Diese letztere Farbe entstehet daher, wenn es in dem Eingeweide der Erde und in den Kupferstollen mehr oder weniger Hitze empfangen hat. Das Operment fuͤhrt nicht selten et- was weniges Gold bey sich, daher sich die Handwercksleute bemuͤhen dasselbe auf bekannte Weise davon zu scheiden. Des gelben Operments giebt es vielerley: daher uns auch die Holl- und Englaͤnder dasselbige unter allerhand Gestalt und Farbe zusenden. Allein das schoͤnste, und das am meisten gesu- chet wird, ist dasjenige, welches in fei- nen grossen Stuͤcken ist, und glaͤntzen- de, goldgelbe Schiefer hat, sich auch leichtlich schiefert, das ist, welches sich als zarte, wie Gold glaͤntzende Schie- fer oder Schuppen aufheben laͤßt. Zum andern ist auch das gelbe Operment in grossen Stuͤcken zur Helfte roth, zur Helfte gelb, oder mit rothen Adern durchstrichen, und man soll dasjenige durchaus verwerffen, wel- ches kleine gruͤnlichte Steine sind, denn es nur die blosse Erde ist: wie inglei- chen, welches eitel Staub ist. Das Operment wird von allerley Leuten gebraucht, sonderlich zu Rou- an/ woselbst sie das Holtz damit gelb faͤrben, daraus sie Kaͤmme machen, und hernach fuͤr Buchsbaum verkauffen. Die Schmiede brauchen es gleichfalls zu diesem und jenem. Es ist ein hefti- ges Gift, und soll deswegen keinem, als wer es zu seiner Handthierung von noͤ- then hat, oder wem es der koͤnigliche Befehl zu lassen vergoͤnnet, verkauffet werden. Die Mahler brauchen es gleichergestalt, wenn sie es abgerieben. Das natuͤrliche rothe Operment solte billicher Sandaraca Græcorum, die Griechische Sandaraca genennet werden, weder die nachfolgenden, wie doch die meisten Scribenten thun, denn aus diesem wird das durch die Kunst be- reitete rothe Operment verfertiget, wie ich alsofort erweisen werde. Das fuͤnff und zwantzigste Capitel. Vom rothen Operment. D As rothe Operment, so wir ins- gemein rothen Arsenic zu nennen pflegen, ist, wie der Herr Morin, ein Medicus von Montpellier, mich berich- tet hat, von gelbem Operment, wie solches aus der Grube kommt, bereitet und gemacht: denn es wuͤrde dasselbe so lange ans Feuer gelegt, bis es eine rothe Farbe bekommen; hierauf thue man es in einen Schmeltztiegel mit Lein- oder Nußoͤl; schuͤtte, sobald dieses verrauchet, wiederum anders dazu, und verfahre auf diese Weise so lange, bis das Operment vitrifici ret worden, und in die Formen koͤnne geschuͤttet werden, damit es zu solchen Stuͤcken oder Stei- nen werde, wie wir zu sehen bekommen. Weil mir nun diese Art dasselbige zuzu- richten, ziemlich thunlich schiene, so ver- suchte ich es auch: allein es wolte mir nicht gelingen, indem das Operment calciniret und weiß ward, als wie Gyps, da es doch roth werden solte. Jeden- noch aber will ich darum nicht sagen, daß es eine Sache sey, die sich thun liesse, weil es mir nicht angegangen, denn ich glaube doch, daß der Herr Morin viel zu aufrichtig sey, als daß er etwas sagen solte, dessen er nicht gewiß waͤre. Es sey nun wie ihm sey, man erweh- le das Operment oder den rothen Huͤttenrauch, in grossen, schweren und glaͤntzenden Stuͤcken, der auch so- viel als moͤglich, eine hohe Farbe hat. Das rothe Operment wird fast gar nicht, als von den Mahlern gebrau- chet, die sich dessen bedienen, und Feuil- le mort, verschossen gelb, damit mahlen, wenn sie ihn vorhero wohl abgerieben. Das Hauptbeschreibung dritter Theil. Das sechs und zwantzigste Capitel. Vom natuͤrlichen weissen Huͤttenrauch. D Er natuͤrliche weisse Arsenic ist ein weisses Mineral, welches dem ge- meinen und durch Kunst bereiteten Huͤttenrauche gantz aͤhnlich siehet, oh- ne, daß es viel weisser und glaͤntzender, und nicht so schiefricht ist. Diesen Ar- senic findet man auch in den Kupfer- bergwercken, und ist ein gewisses Zei- chen, daß die Bergleute Kupfer finden werden, wenn sie dergleichen Arsenic antreffen. Gemeiniglich aber befin- det es sich in den Klunsen, wo das Ge- stein und die Erde zusammentreffen; so finden sich auch zuweilen gantz lose Stuͤcken in der trucknen Thonerde. Allein dieser Arsenic ist gantz unbe- kannt und wenig braͤuchlich. Das sieben und zwantzigste Capitel. Von dem durch Kunst zubereiteten Arsenic oder Huͤttenrauch. W Jewohl ich allen Fleiß angewen- det habe, damit ich entdecken moͤch- te, was doch der weisse Arsenic sey, den wir verkauffen, dennoch habe ich es un- moͤglich erfahren koͤnnen; muß dan- nenhero, auch wider meinen Willen, als wie die andern sagen, der Arsenic sey von Operment und gemeinem Sal- tze gemacht, welche mit einander aufge- fuͤhret oder sublimiret worden. Alleine diese Gedancken scheinen mir dermassen von der Wahrheit entfernet zu seyn, daß ich nicht glauben kan, dafern der Arsenic aus Saltz und Operment be- stuͤnde, daß ihn die Hollaͤnder um den Preiß lassen koͤnten, dafuͤr sie ihn uns geben; denn der Arsenic gilt zu Paris, in Friedenszeiten, mehr nicht als zehen Pfund der Centner, woraus abzuneh- men, daß ein Pfund demjenigen, der ihn bereitet, nicht hoͤher, denn zwey Liards muͤsse zustehen kommen. Die- weil ich aber dieses nicht vermag zu ent- scheiden, so will ich sagen, daß man den- selben erwehlen solle, welcher in grossen Stuͤcken ist, die in- und auswendig weiß sind. Der meiste Arsenic, den wir aus Holland bekommen, ist oben- her blas, und durchsichtig, wie Glas, wenn man ihn zuschlagen hat, welches die Alten veranlasset, daß sie ihn cry- Crystalliner Arsenic. stallinen Arsenic genennet, welcher von diesen und jenen gesuchet, von an- dern aber verworffen wird: das heißt, die einen halten mehr auf denjenigen, welcher blos ist, andre aber achten den crystallinen weit hoͤher. Jn der Medicin wird der Huͤtten- rauch zu ein und anderer Arbeit ge- brauchet, wie solches aus folgenden zu ersehen. Man lasse ihm dieses gesaget seyn, daß der Huͤttenrauch ein gefaͤhrliches Gift sey, und verkauffe ihn dahero bey leibe niemand, als denen man ihn lassen muß, z. E. Faͤrbern, Schmieden und dergleichen. Das acht und zwantzigste Capitel. Vom Koͤnig des Huͤttenrauchs. D Er Regulus Arsenici wird von Arse- nic, Pottasche und Seiffe gemacht, welche man in einen Schmeltztiegel thut, und vermittelst des Feuers und ei- nes eingeschmierten Giespuckels oder eines Moͤrsels, einen Koͤnig heraus bringet, welcher aber bey weiten nicht so heftig ist, als wie der Arsenic selbsten. Auf die Schlacken des Koͤnigs vom Huͤttenrauch in Wasser gekocht und durchgegossen, wird Eßig geschuͤttet, und ein gelbes Pulver heraus geschla- gen, welches man den Schwefel des Ar- Schwefel des Arsenics. senics nennet, und eine weit heftigere Wirckung hat als der Arsenic selbst. B b b 2 Das Der Spezereyen und Materialien Das neun und zwantzigste Capitel. Arsenicum causticum. D Jeses ist Arsenic, Salpeter und Schwefel, welche man in einen Moͤrsel znsammen thut, und, wie beym Croco metallorum geschiehet, Feuer drein steckt. Wenn es verpuffet hat und alles verbrannt ist, und kalt wor- den, stoͤst man die Massa zu Pulver, thut sie abermahls in einen Schmeltz- tiegel, und laͤßt sie calciniren. Wer dieses Arsenicum zu Wasser machen will, darff es nur etliche Tage in einen Keller stellen. Mankanauch aus dem Huͤttenrauch, mit Beyhuͤlfe des Sublimats eine But- Butter vom Arsenic. ter oder corrosivisches Oel ziehen, wel- ches ein sehr starckes causticum vom Arse- nic uñ escharoticum ist. Allein, weil alles, was vom Arsenic gemachet wird, sehr schaͤdlich ist, deshalben soll man sich auch desselben niemahls ohne Rath erfahr- ner Leute und mit der groͤsten Behut- samkeit bedienen. Das Arsenicum wird mit gebrann- ten Seesaltze sublimi ret, und mit diesem Sublimate, der Sage nach, der Vene- tianische Sublimat verfaͤlschet, wie- Falscher Sublimat. wohl ich solches nicht gewiß versichern kan, weil ich selbst dessen nicht gewiß bin, es auch allbereit im Cap. vom corrosi- vischen Sublimate angemercket habe. Das dreyßigste Capitel. Magnes Arsenicalis. D Er Arsenicalische so genannte Magnet wird von Spiesglas aus Poictou, Schwefel und crystallinen Arsenic bereitet, welche zu Pulver ge- stossen und in ein Gefaͤß gethan werden, das im Feuer bestehen kan, damit alles zu einer solchen durchsichtigen Masse ge- machet werde, gleichwie der arsenicali- sche Magnet seyn soll. Man sagt, er sey ein sehr gelindes causticum, welches iedoch sein Thun fein behende verrichtet. So wird er auch unter das Emplastrum Magneticum An- geli Salæ genommen, welches in vielen Buͤchern, die von der Apotheckerkunst handeln, z. E. des Herren Zwoͤlffers und Charras/ beschrieben stehet. Das ein und dreyßigste Capitel. Vom Steinsaltze. S Al Gemmæ ist ein natuͤrlich Saltz, und deshalben also genennet worden, weil es eben so helle und durchsichtig ist, als ein Edelstein, der von den Lateinern Gemma betitelt wird. Dieses Saltz befindet sich natuͤrlicher Weise in dem Eingeweide der Erde, an vielen Orten in Europa/ vornehmlich in Polen und Catalonien. Weil ich aber die Oerter nicht eigentlich weiß, und also mein Vorgeben nicht bestaͤtigen kan, so habe dienlich erachtet, hieher zu setzen, was der Herr Perou/ Med. D. und der Facult aͤt zu Montpellier Mitglied, ge- schrieben und eigenhaͤndig unterzeich- net mir davon mitzutheilen belieben ge- tragen. Er meldet demnach, daß als er im Mertz des 1674sten Jahres mit dem Cardinal Janson von Fourbin in Polen gewesen, sey seiner Eminentz ei- ne Lust angekommen, die Saltzgruben zu Miliske bey Krakau zu besichti- gen; habe derowegen einen eignen Sessel dazu verfertigen lassen, darauf er hinunter fahren koͤnte, und er, der Herr Perou/ als Leib-Medicus, wolte auch nicht davon bleiben. Also musten etliche von seiner Eminentz Pagen und Laquaien die Machine probiren, und einige angezuͤndete Fackeln mit sich hin- unter nehmen, diese unterirdische un- maͤßig tieffe Oerter damit zu erleuchten, da ihnen dann das Salve Regina, welches die Kinder in dem Dorffe zu singen pfle- gen, indem man hinabfaͤhret, einen hef- tigen Schauer einjagete. Als nach einer halben Stunde die Machine wiederum heraufgekommen, fuhr S. Eminentz selbst ein, und ward darunten von den aͤltesten Einwohnern dieser Orte, die sich nebst ihrem Hausgesinde daselbst aufhalten, daher sie auch im Gesichte gantz Hauptbeschreibung dritter Theil. gantz blaß und bleich sehen, empfangen. Diese armen Leute verehreten S. Emi- nentz mit Rosenkraͤntzen und Cruci- fixen, welche er dem Herrn Perou uͤber- reichete, damit er sich der Beschaffen- heit dieser Materie erkundigen moͤchte, der auch die Zunge dran hielt, und ge- gen S. Eminentz sagte, daß es Saltz sey, und eben einen solchen Geschmack haͤtte, als wie dasjenige, das die Ma- terialisten Sal Gemmæ nenneten. Jn- zwischen fuͤhreten sie S. Eminentz da- hin, woselbst die Arbeiter diese saltzichte Materie, mit Schlaͤgel und Eisen, auf die Weise, wie in den Steinbruͤchen die Steine, losarbeiteten. Diese Ar- beiter finden auch in den Adern eine Art Saltz, welches weit durchsichtiger ist, und sauberer denn das andere: das- selbe sondern sie von dem andern, wel- ches die Polen und andere Nordische Voͤlcker in der Kuͤche und auf der Tafel brauchen, ab; daraus der Herr Perou abnahme, daß die Sachen, damit sie seine Eminentz verehret, aus diesem reinern und am Gesch mack viel schaͤrf- fern Saltze bereitet waren, und daß dieses das wahrhafte Sal Gemmæ sey, dessen sich die Schoͤnfaͤrber bedienen. Was das Catalonische Stein- saltz betrifft, von demselben hat mir der Herr Tournefort nachfolgendes, geschrieben, gegeben, denn er an selbi- gen Orten gewesen. Jn dem Gebir- ge bey Cordona, einer ziemlich gros- Viererley Steinsaltz in Catalonien. sen Stadt in Catalonien/ findet man viererley Saltz. Das erste und das gemeinste, ist das gegrabene, welches weiß, und dem Meersaltze aͤhnlich ge- nug ist, allein es ist nicht koͤrnicht, son- dern wird zu grossen viereckten Stuͤcken, den Bruchstuͤcken in den Steinbruͤchen gleich, gehauen. Das andere hat eine eisengraue Farbe, oder als wie Schie- fer, und ist alleine darinne von dem ge- grabenen unterschieden, daß es mit et- was schwaͤrtzlichter Erde vermischet ist. Das dritte ist roth, und sieht wie Ro- senzucker, ist auch von dem andern gar nicht unterschieden, ausser daß sich Bo- lus und Eisenrost darunter befindet. Das vierte ist das Sal Gemmæ, das rech- te Steinsaltz, welches unter allen am reinsten, und so helle ist als ein Crystall. Alle diese Arten Saltz liegen in diesem Gebirge schichtweis uͤber einander, sind zum Gebrauch sehr dienlich, und durch- gehen das Fleisch besser als das Meer- saltz, weil sie nicht so fix sind, und dem Salpeter beykommen. Dieses Stein- saltz laͤßt sich leicht arbeiten, und es werden Kaͤstlein, Creutze, Paternoster und andere dergleichen kleine Sachen draus gemacht. Nichts aber kommt der einen Grube in diesem Gebirge an Schoͤnheit gleich, denn sie uͤber und uͤber mit allerhand Figuren, die das geschmol- tzene Saltz formiret hat, uͤberzogen ist. Es sagen auch die Leute, daß das Saltz an diesen Orten wiederum anwachse, und daß die Gruften, welche man ledig gemacht, wieder voll frisches Saltz wuͤr- den: allein dieser Bericht erfordert ei- ne mehrere Gewißheit, wird auch nur auf anderer Leute sagen vorgebracht. Von allen obbeschriebenen Arten des Steinsaltzes verkauffen wir kein anderes, denn das uns in grossen, hel- len und durchsichtigen Stuͤcken uͤber- bracht wird, und fuͤr die Faͤrber dienet. Es hat dieses Saltz eine wundersame Natur, denn es gluͤhet und schmiltzt im Feuer, wie das Eisen, und knistert gar wenig, hergegen zerfleußt es stracks an der Luft. Es muß in grossen Stuͤcken seyn, die sich leichte zerschlagen lassen, und sodann in kleine, viereckte, hell- und durchsichtige Stuͤckgen zerspringen. Wiewohl ich nun gesaget, daß dieses Saltz sehr leicht zerfliesse, nichts desto weniger kan man es waschen, wenn es schmutzig ist, denn es laͤßt schier gar nichts im Wasser gehen, und wird also- fort wieder trucken. Das Sal Gemmæ, welches etliche auch Sal Gemma. Sal fossile, gegraben Saltz, nennen, wird von unterschiedenen Orten zu uns ge- bracht: die groͤste Menge aber kommt aus Polen. Fouretiere meldet nebst andern, daß es aus Jndien komme, und daß allda ein Koͤnigreich sey, Dansal genannt, welches eben so viel bedeute, als Saltzland/ in welchem alle Jahr sechshundert Cameele damit belastet wuͤrden, und daß sie es im Mohren- lande an statt des Geldes gebrauche- ten. Jch will mich nicht aufhalten und sagen, daß Plimus und andere vermelden, wie daß in der Stadt Car- rhos, in Arabien, die Haͤuser von sol- B b b 3 chem Der Spezereyen und Materialien chem Saltze gebauet wuͤrden, dazu sie an statt des Kalches nur Wasser ge- braucheten: kan auch nicht glauben, wie etliche vorgeben, daß das Sal Gem- mæ dasjenige sey, welches das See- wasser saltzicht machet, und andere der- gleichen Dinge mehr, deren ich versi- chert bin, und die auch wider die Ver- nunft zu lauffen scheinen. Doch kan ich nicht umhin allhier zu erinnern, daß dieses Saltz auf solche Weise in den Gruben wachse, gleichwie des Herrn Tourneforts gewachsenes Stuͤcke gegraben Saltz, welches fast so weiß wie Zucker, uͤber zwey Fuß hoch, und in Gestalt eines Baͤumleins auf ei- nem Strunck von Marsilischen Sesel gewaschen, auch ohne Wiederrede, ei- nes der curieusesten Stuͤcke in Europa ist. Das zwey und dreyßigste Capitel. Vom Meersaltze. D As See- oder Meersaltz sind Cry- stallen, die aus dem Seewasser, durch Huͤlffe der Sonnenhitze als wie viereckte Koͤrner gemachet worden sind, wie solches der Herr Cartesius ange- zeiget. Was seinen Ursprung anbe- langet, da wollen einige, daß es von dem gegrabenen Saltze oder dem Sal gemmæ entspriesse; allein ich kan dieses nicht entscheiden, will dannenhero nur sagen, daß das Meer- oder Seesaltz/ dessen wir uns bedienen, und aus dem ein und andere Chymische Sachen bereitet wer- den, von Brouage und anderwerts herkomme, habe auch dienlich erachtet, hieselbst anzufuͤhren, was der Herr Le- mery pag. 345. davon berichtet hat. Das Meersaltz wird in den Saltz- pfuͤlen bey Rochelle gemacht, wel- ches solche Oerter sind, die viel niedri- ger als die See seyn muͤssen, und wer- den von Thonerde zugerichtet; sonst koͤnten sie das Saltzwasser, das man drein lauffen laͤßt, nicht halten: und da- rum sind nicht alle Gegenden an der See zu solchen Pfuͤlen tauglich. Wann man nun verspuͤret, daß es beginnet heiß zu werden, welches ins- gemein gegen den May geschicht, so schoͤpft man das Wasser, welches zu dem Ende den Winter uͤber drein gelas- sen worden, damit man sie erhalten koͤn- nen, heraus, oͤffnet die Schleusen, und laͤßt soviel Wasser, als man nur will, hin- einlauffen. Dieses wird durch ein hauf- fen und unterschiedene Canaͤle geleitet, in denen es sich reiniget und erhitzet: drauf bringt man es in die platten und ebengemachten Plaͤtze, darinne gestehet oder gerinnet es. Doch wird es nur bey grosser Hitze bereitet, denn die Son- ne muß zuvor ein Theil der Feuchtig- keit vertreiben, hernach folgt mehren- theils auf die groͤste Hitze ein kleines Luͤftlein, sonderlich um die See herum, durch dessen Kuͤhlung wird das Saltz dicke und zu Crystallen gemacht. Wenn es aber in dieser Zeit nur ein Paar Stunden regnet, so koͤnnen sie in vierzehn Tagen kein Saltz bereiten, weil sie die Pfuͤle rein machen, und al- les Wasser daraus bringen muͤssen, da- mit sie anderes drein lassen koͤnnen: wenn es also nur ein eintziges mahl in vierzehn Tagen regnete, so koͤnten sie auf diese Weise keinmahl Saltz ma- chen. Uber obbeschriebenes Meersaltz hat Weisses Saltz aus der Nor- mandie. man auch noch das weisse Saltz aus Normandie/ welches sie mit Wasser aus einer gewissen Gattung Leimen oder Sand, den die See im Sommer auswirfft, und auf den die Sonne ge- schienen, bereiten. Wenn denn das Wasser Saltz genug haͤlt, welches sie daran erkennen, wenn ein Ey darein geworffen wird, und dasselbe schwim- met: denn dieses ein Zeichen, daß das Wasser Saltz genug halte, nnd keines mehr zu solviren vermoͤge; wie denn auch iederman bekannt, daß das Was- ser nicht mehr Saltz oder Zucker an- nimmt, als es vertragen kan: alsdann lassen sie das Wasser durch Stroh lauf- fen, und wenn es helle genug worden, uͤber dem Feuer so lange kochen, bis es ein Haͤutlein uͤberkommt, hernach wird es in Koͤrbe geschuͤttet, damit es also werde, wie wir es zu sehen bekommen. Je besser das Saltz gearbeitet wird, ie weisser und gelinder ist es, auch sonst gar fein beschaffen. Dieses aber hat es von Hauptbeschreibung dritter Theil. es von der Natur besonders, daß es stets weichlich ist, und immer unge- schmacker wird, ie aͤlter es wird. Es giebt zwar noch mehr Sorten Saltz in Saltz aus Lo- thringen und Franckreich, als da ist, das Lothringi- sche/ welches aus Saltzwasser, das sie auf heisse Bleche geschuͤttet, bereitet Franche Comte. wird, das aus Franche Comte und an- dere mehr, allein ich werde nichts da- von vermelden, weil ich nicht damit han- dele. Das drey und dreyßigste Capitel. Wie das Meersaltz zu reinigen. W Enn man das Seesaltz reinigen will, so laͤßt man es im Wasser zer- gehen, und gießt es durch ein Fließpa- pier, hernachmahls raucht man alle Feuchtigkeit in einem irdenen Becken davon ab, so hinterbleibt ein weisses Saltz, welches aber viel weisser wird, wenn man nicht alle Feuchtigkeit ver- rauchen, sondern einen Theil derselben dabey laͤßt, damit es an einem kuͤhlen Orte zu Crystallen anschiessen koͤnne: und alsdann wird man am Boden des Geschirres das reineste Saltz finden. Nach diesen kan man noch einen Theil des Saltzwassers abdampfen lassen, und das Gefaͤs in den Keller setzen, da- mit abermahls Crystallen werden, auch dergestalt mit abrauchen und crystalli- siren fortfahren, bis man endlich das uͤbrige Wasser gaͤntzlich abrauchet, denn nunmehr wird sich nichts weiter crystallisiren. Die Ursach ist, daß das uͤbrige Saltz, voll hartzichter Schmie- rigkeit ist, welche verhindert, daß es nicht ferner zu Crystallen werden kan. Diejenigen, die dieses Saltz zu solchen Broden oder Huͤten, als wie den Zu- cker, machen wollen, koͤnnen es in die Formen schuͤtten, wenn es ein etwas dickes Haͤutlein bekommen hat, her- nach, wenn es gestanden, traͤgt man es in eine Stube und laͤßt es trocken werden. Dieses dergestalt getreugte Saltz sieht bald als wie der demy-royal Zucker. Sal decrepitatum nennt man das Gebrannt Saltz. Meersaltz, welches calcini ret worden, und zu allerhand Gebrauch dienet. Das vier und dreyßigste Capitel. Vom Saltzspiritus. D Er Saltzspiritus ist ein Spiritus, der eine gelbe Farbe hat, beynahe wie der Agtstein, und wird durch eine Retorte im Feuer aus dem getreugten Meersaltze, mit duͤrrem Thon vermi- schet, getrieben. Der gute Saltzspiri- tus kommt insgemein aus England/ und muß, wenn er, wie sichs gebuͤhret, beschaffen seyn soll, wohl dephlegmatus, das ist, recht wohl und getreulich berei- tet und zugerichtet seyn. Jch mag aber alles dasjenige, was bey dem Saltzspiritus zu beobachten, allhier nicht anfuͤhren, es hat der Herr Leme- ry weitlaͤufftig genug davon geschrie- ben: doch will ich sagen, daß der Saltz- spiritus fuͤr diejenigen, die mit Bruͤchen beladen, vortrefflich dienlich sey, massen solches aus des P. Cabriere Geheim- nuͤß, welches der Koͤnig kund und be- kannt machen lassen, sattsam erhellet. Auch dienet er fuͤr diejenigen, die der Schlag geruͤhret, wenn man ihn ent- weder allein, oder aber mit ein wenig Wasser vermischet, ihnen eingiebt. Er wird ingleichen mit clarificirten und gelaͤuterten Rosenhonig vermenget, und die Zaͤhne damit reine gemacht. Wem er zu scharff ist, der kan ihn suͤsser Versuͤßter Saltzspiri- tus. machen, wenn er, wie beym Basilio Va lentino stehet, eben soviel Weinspiritus dazu schuͤttet, und drey Tage in einem geringen Sandfeuer digeri ren laͤßt: und dann kan man den also versuͤsten Saltzspiritus in weit groͤsserer Menge gebrauchen, denn er ist nicht so scharff und aͤtzend, als wie der erstere. Was nun die dosin betrifft, und wieviel auf einmahl einzunehmen, so schuͤttet man in die liquores, soviel zu einer angeneh- men Saͤure von noͤthen ist. Nun ha- be ich zwar gesaget, der gute Saltzspiri- tus komme aus England, dieses aber hindert nicht, daß er in Franckreich nicht eben so gut solte koͤnnen gemachet werden, allein er kommt auch hoͤher zu stehen. Das Der Spezereyen und Materialien Das fuͤnff und dreyßigste Capitel. Vom Salpeter und Salniter. D Er Salpeter, den die Chymici den Drachen, den Hoͤllenhund, das hoͤllische Saltz zu nennen pflegen, ist ein durch Kunst bereitetes Saltz, welches aus allerhand Materialien gezogen wird, z. E. aus alten Steinen, daher er auch den Namen bekommen, aus Erde, aus Asche, ja gar aus Tauben- miste. Jch will mich aber bey den vielerley Arten, wie der Salpeter be- reitet wird, nicht aufhalten, indem die Londische Societaͤt ein grosses Buch ausgehen lassen, man auch an vielen Orten in Franckreich ihn machen se- hen kan, wie dann dessen zu Paris im Arsenal oder Zeughause eine grosse Menge bereitet, und mit sechserley Na- men von einander unterschieden wird. Salpeter de Houssage. Denn da ist der Salpeter de Houssage , welcher von abgekratzten Mauerwerck bereitet wird, und durch Eßig gehen Aus Erde be- reiteter Sal- peter. Gemeiner Salpeter oder vom er- sten Wasser. muß: der zweyte ist der aus Erde berei- tete Salpeter, so aber zu fuͤhren ver- boten: der dritte ist der gemeine, und aus Stein und Asche gemacht, wird von den Salpetersiedern Salpeter vom ersten Wasser, oder zum ersten mahl gekochter Salpeter genennet. Gereinigter Salpeter. Der vierte ist der gereinigte Salpeter, oder vom zweyten Wasser. Der fuͤnffte heißt Salpeter vom dritten Wasser, oder zum dritten mahl gekochter Sal- peter. Der sechste ist der schoͤnste und feinste, welcher nicht gern im Wasser zergehet, und wird von dem Salpeter vom dritten Wasser zugerichtet, und ohne die geringste Feuchtigkeit ge- schmoltzen: wenn er drauf wieder kalt worden, schuͤttet man ihn in Wasser, und versendet ihn auf die Graͤntzen. Diesem Salpeter geht weiter nichts mehr ab, man mag ihn auch hinlegen, wohin man wolle, allein er wird gar nicht verkaufft. Also sind alle Sorten des Salpeters schlechter oder schoͤner, nachdem sie mehr oder weniger gereiniget oder ge- laͤutert worden: sind auch, dafern sie nur gut und wohl beschaffen, zu allerley dienlich; so kan man auch das beste dar- aus ziehen, gleichwie in nachfolgenden zu ersehen. Endlich werden auch gantze Parthei- en Salpeter, uͤber die in Europa durch Kunst bereitete Arten desselben, aus Jndien gebracht, zuweilen rohe, zuweilen gelaͤutert, welches dann ein sehr schoͤner und trefflich reiner Salpe- ter ist. Auch giebt es noch mehr ande- re Sorten Salpeter/ welche natuͤr- lich sind, das ist, die man an den Felsen und alten Gemaͤuer, natuͤrlicher Weise, wie kleine Crystallen, angehencket fin- det, und von den Alten Aphronitrum ge- Aphronitrum. nennet worden. Jn Egypten wird er aus dem Nilwasser bereitet, eben als wie das Saltz zu Brouage und Ro- chelle: und diß ist der Salpeter, aus Nilwasser bereitet, der fuͤr 20. Jahren in Franckreich gantz gemeine gewesen, und den Waͤscherinnen unter dem Ti- tel weisse Suda, Natrum und Anatrum, spottwohlfeil verkauffet wurde. Wir haben schier keine Waare, wel- che den alten und neuen Scribenten mehr zu schaffen gegeben, denn das Egyptische Natrum, ob es gleich so Egyptisches Natrum. gemein, als etwas auf der Welt gewe- sen, wie denn allein in Paris mehr denn zehen Millionen Pfund verthan werden, ohne was die Fleischhauer zu Einsaltzung ihrer Haͤute verbrauchten; darum auch diese weisse Suda oder Egyptisches Natrum gar verboten, und deswegen dermassen rar worden ist, daß es zu ietziger Zeit dem Silber gleich verkauffet wird, wie dann auch den Kauffleuten bey hoͤchster Strafe untersaget ist, es zu verkauffen. Dero- halben darff man nicht glauben, daß das Egyptische Natrum oder die weisse Suda entweder natuͤrlicher Borras sey, oder aber ein Saltz, das natuͤrlicher Weise, wie eine graulicht- und dichte Massa aus der Erden gezogen worden; obgleich diese beyde Vergleichungen der Wahrheit naͤher kommen, weder der- jenigen ihre, welche vorgegeben haben, und geschrieben, das Anatrum sey ein fluͤchtiges Saltz, und der Schaum des Glasgemenges, welchen man aus den Glasoͤfen bekommt, und grau, weiß, braun und blaulicht siehet, und zum Glasmachen gar nicht dienet, auch sonst zu nichts Hauptbeschreibung dritter Theil. zu nichts nicht nutz ist, als daß er den Schafen oder Tauben gegeben werde. Es kan nichts ungereimters seyn; denn das wahrhafte Glassaltz ist annoch also gemeine, daß wir das Pfund um vier oder fuͤnff Sols verkauffen, dahinge- gen die weisse Suda nicht zu haben, was man auch dafuͤr geben wolte, und die- ses wegen obangefuͤhrter Ursache. So wiꝛd auch uͤberdiß die Glasgalle oder das Glalssaltz nicht fuͤr das Vieh gebrau- chet, sondern die Toͤpfer bedienen sich ihrer, den Sand, daraus sie das Weiß machen, damit sie die feinen Geschirre verglasuͤren, desto geschwinder zu schmeltzen: ja es ist ein solcher Unter- schied zwischen der Glasgalle und dem Anatrum, als wie zwischen Tag und Nacht, indem die Stuͤcken der Glas- galle wie Kuchen oder vierecket sind, uͤberaus schwer, und kurtz zu sagen, dem Marmor gantz aͤhnlich, werden auch an der Luft nicht im geringsten feuchte. Das Natrum dagegen ist ein weisses Saltz, und grosse crystallisirte Stuͤcke, so gleichfalls schwer, saltzicht schmecket und stinckt; dem unerachtet gebrauchten es die armen Leute zur sel- bigen Zeit, da es zum waschen gebrau- chet wurde, an statt des Saltzes: es zer- schmiltzt auch dermassen leichtlich an der Luft, daß es in gar kurtzer Zeit zu lauter Wasser wird. Das Egyptische Natrum wird einiger massen in der Artzney gebraucht, denn es eines von denen Stuͤcken ist, die zu dem Stein des Crollius genommen werden; dannen- hero moͤgen sich diejenigen, die es noͤthig haben, wohl vorsehen, und an seine statt nicht das Glassaltz nehmen, weil es nicht wenig von jenem unterschieden, jenes auch ein reines Saltz, dieses aber ein bloser Schaum ist. Allein, weil die letztern Gattungen des Salpeters bey uns nicht gebraͤuch- lich sind, dieweil wir so gar wenig da- von haben, uns auch keines andern, denn des durch Kunst bereiteten Salpe- ters bedienen, als will ich sagen, daß man denjenigen erwehlen solle, welcher gut, und wie sichs gebuͤhret, bereitet ist, der auch allezeit trucken, und soviel moͤg- lich, ohne Saltz sey. Damit man aber seiner Guͤte versichert seyn moͤchte, so solten die Einwohner in- und um Pa- ris den Salpeter im Arsenal erkauffen, denn dieselben Leute koͤnnen einen nicht betruͤgen; und nicht bey solchen Leuten, die ihn hausiren tragen, dazumahl es gar verboten ist, ihn von solchen Kerlen zu erkauffen, weil sie mehrentheils un- nuͤtze Zeug zu verkauffen pflegen. Der gemeine soll recht weiß seyn, tru- cken, und so wenig als nur seyn kan, mit Saltze beschweret: ie truckner und weis- ser der gelaͤuterte Salpeter ist, ie schoͤ- ner, breiter und laͤnger auch die Crystallen sind, ie hoͤher wird er gehal- ten. Der Gebrauch des Salpeters ist uͤberaus groß, weil nicht nur eine un- maͤßige grosse Menge desselben zum Pulver verbrauchet wird, sondern auch, weil ihn gar vielerley Handwercksleute gebrauchen, und noch uͤberdiß aller- hand Chymische Dinge daraus bereitet werden. Darum und von wegen die- ses so grossen Gebrauchs ist den Spe- zereyhaͤndlern untersaget worden, ihn zu verkauffen: so duͤrffen auch diejeni- gen, die ihn in und um Paris benoͤthigt sind, keinen andern gebrauchen, als den sie im Arsenal gekauffet haben, und zwar bey Straffe der Confiscir- oder Wegnehmung und Erlegung zehen Francken fuͤr iedes Pfund, das man antrifft. Jngleichen ist verboten, das Salpetersaltz zu gebrauchen, welches, wie etliche sagen, das Jucken und Beis- sen der Haut vertreiben und stillen soll, welches auch Lemery versichert. Das sechs und dreyßigste Capitel. Vom geschmoltznen Salpeter. S Alniter nennt man den geschmol- tzenen Salpeter, welcher geschmol- tzen in eine Pfanne geschuͤttet, und sol- chergestalt zu drey oder vier Finger di- cken Stuͤcken gemachet worden ist. Der auf diese Weise bereitete Sal- niter aber wird wenig, hingegen der Salpeter desto mehr gebraucht, wenn er geschmoltzen worden, und man ein wenig Schwefelblumen drauf geworf- C c c en Der Spezereyen und Materialien fen hat, welches wir hernachmahls mineralischen Crystall zu nennen pflegen. Figirter Sal- peter. Der Salniter oder Salpeter wird mit Kohlen figiret, und man haͤlt da- fuͤr, daß der also figirte Salpeter eben die Kraft habe, als wie das Weinstein- saltz, auch daß man, gleichwie aus die- sem, mit Weinspiritus eine rothe Tin- ctur ziehen koͤnne. Das sieben und dreyßigste Capitel. Vom Salpeterspiritus. A Us dem Salpeter de Houssage oder anderem wird vermittelst ei- ner Retorte, trocknen Thon, und Feu- er, ein heftig starcker Spiritus gezo- gen, der zu allen Dingen, wozu er er- fodert wird, gut ist. Der Spiritus Nitri, wenn er, wie sichs gehoͤret, seyn soll, muß helle, als wie Wasser seyn, und stetig dampfen, wenn er aufgemachet wird, wobey man sich vorzusehen hat, daß es kein Scheide- wasser sey, welches etliche lose Leute ver- kauffen, so man iedennoch gar balde mercken kan, nicht alleine bey demjeni- gen, was ich nur ietzo erst gemeldet ha- be, sondern auch daran, weil sie das Pfund kaum um vier Francken oder hundert Sols geben koͤnnen. Der wenige Gebrauch, oder viel- mehr der Geitz der Handwercksleute ist Schuld, daß wir sehr wenig aus Hol- land bringen lassen, dannenhero sind auch alle diejenigen Sachen, welche doch mit dem Salpeterspiritus solten gemacht und zubereitet werden, nur mit Scheidewasser zugerichtet, und da- rum niemahls recht gut, noch wohl be- reitet. Dieweil der Salpeterspiritus ein so starckes corrosiv ist, deswegen wird er innerlich sehr selten gebrauchet. Man Versuͤßter Salpeter- spiritus. kan ihn zwar wohl mit gleich soviel Weinspiritus edulcori ren, oder versuͤs- sen und gelinder machen, allein es ist die- ses dabey zu beobachten, daß man das gelindeste Feuer dazu gebrauchen muͤsse, denn diese beyde mit einander vermisch- te Spiritus brudeln dergestalt, als ob sie uͤber einer grossen Glut stuͤnden: auch muß man sich vor dem Dampfe huͤten, denn er ist sehr schaͤdlich. Wenn nun diese beyde vermischte Spiritus klar worden, haͤlt man sie fuͤr ein treff- lich gutes Mittel wider die Colica, die von Blaͤhungen, oder vom Nierenweh entstehet. Die dosis ist vier bis auf acht Tropfen in einem dienlichen Saft oder Wasser. Wenn man Salmiac in dem Salpetorspiritus zergehen laͤßt, wird es ein treffliches Wasser das Gold aufzuloͤ- sen, und darum auch Aqua regis, das Aqua regis. koͤnigliche Wasser genennet, weil es naͤmlich das Gold, als den Koͤnig der Metalle, aufzuloͤsen vermag. Das acht und dreyßigste Capitel. Vom Scheidewasser. S Cheidewasser nennt man einen gewissen Spiritus, der aus Sal- peter und Teutschen oder Englischen weißgebrannten Vitriol, vermittelst truckner Erde oder Thon und einer Re- torte, durchs Feuer gezogen worden ist. Das Scheidewasser, welches we- gen seiner Macht und Staͤrcke Aqua fortis, auf Frantzoͤsisch l’Eau forte genen- net wird, ob es gleich nicht so heftig starck ist, als wie der Salpeterspiritus, wird von vielen Kuͤnstlern und Hand- wercksleuten gebrauchet, z. E. von Muͤntzern, von Goldschmieden, von Ku- pferstechern, von Degenschmieden und vielen andern mehr; ingleichen von den Schoͤnfaͤrbern. Das beste Scheidewasser aber, das wir in Franckreich haben, kommt aus Holland/ nicht zwar, als ob man es in Franckreich nicht eben so gut verferti- gen koͤnte, sondern darum, weil sie das phlegma nur zur Helfte abtreiben, da- mit sie es fein wohlfeil geben koͤnnen. Das Scheidewasser probiret man also: man schuͤttet etliche Tropfen da- von auf ein Holtz, und legt zwey oder drey Doubles drauf, wenn sie denn das Scheidewasser beweget und fort- stoͤßt, so ist es ein Zeichen seiner Guͤte; dage- Hauptbeschreibung dritter Theil. dagegen, wenn es nur den Schmutz da- von wegnimmt, und sie nicht forttrei- bet, so ist es schwach und mit dem phleg- ma vermischet. Es wird auch noch ein ander Wasser mit Scheidewasser von Kupferabgaͤn- gen bereitet, so eine blaue Farbe hat, und von den Schmieden gebrauchet wird, wiewohl sie sich auch dessen, wel- ches die Silberarbeiter zurichten, bedie- nen, oder aber, damit sie es noch eher bereiten moͤgen, so kauffen sie das phleg- ma vom Vitriol oder Vitriolspiritus, mit Scheidewasser gemacht, dem sie den Namen Eau seconde , das andere Wasser Eau seconde. gegeben. Es darff niemand besorgen, daß man andere Spiritus an statt des Scheide- wassers verkauffe, denn es sind keine wohlfeilere zu haben, und derowegen kan einer versichert seyn, daß es gut sey, und wie sichs gehoͤret, wenn es nur auch recht distilliret ist. Das neun und dreyßigste Capitel. Crystallus mineralis. D Je mineralischen Crystallen/ welche von etlichen Sal anodynum Sal prunellæ. oder minerale, Sal und lapis Prunellæ ge- nennet werden, sind gelaͤuterter Salpe- ter, welcher in einem feinen reinen eiser- nen Hafen oder Kessel ist geschmoltzen worden. Wenn er denn im Fluß ste- het, so schuͤttet man ein wenig Schwe- felblumen drauf, und wenn die Mate- rie wohl geflossen, und der Schwefel ab- gebrannt, es auch noch einige Zeit ge- standen hat, so ziehet man den Schaum auf die Seite, und nimmt den lautern Salpeter mit einem eisernen Loͤffel, der gleichfalls fein reine seyn soll, heraus, und schuͤttet ihn in eine eiserne Pfanne, damit er so kleine und wie Kuͤchlein werde, gleichwie wir ihn zu sehen be- kommen. Wir lassen den minerali- schen Crystall aus Holland bringen, der zwar sehr weiß und gut ist; weil sie ihn aber als wie kleine dicke Kuchen uns zusenden, deshalben vertreiben wir gar wenig, denn er kan allein nach dem Ge- wichte, und an diejenigen, die ihn ge- brauchen, verkauffet werden. Man soll den mineralischen Cry- stall erwehlen, welcher fein weiß, frisch gemacht und klein ist, bevoraus, wenn man ihn eintzeln oder Pfennigweis ver- kauffen will; wie auch trucken und nicht zerfressẽ, so wenig als nuꝛ seyn kan. Auch soll man den, der von gelaͤutertem Sal- peter gemacht ist, dem, der von schlech- ten zubereitet worden, vorziehen, wel- ches man denn an der schoͤnen weissen Farbe, und wenn er sich wohl haͤlt, gar leichtlich abnehmen kan. Jrrig aber ists, wenn man glauben will, was ein neuer Scribente angemercket, daß die Leute, die den mineralischen Crystall auf den Strassen zu verkauffen pfle- gen, denselben mit Alaune verfaͤlsche- ten; denn er irret sich, welches ich doch mit der ihm gebuͤhrenden Ehrerbie- tung will gesaget haben, oder aber, er ist uͤbel berichtet worden, sintemahl es fast eben so unmoͤglich ist, Alaune in den Salpeter zu bringen (weil sie alsofort, sobald sie nur drein geworffen, zu Schaume wird) so wenig als moͤglich ist, sie unter den Zucker zu mischen, ob- schon ein und andere berichtet haben, man thue die Alaune unter den Zucker, damit man ihn weiß machen koͤnne. Mehr als zu gewiß aber ists, daß dieje- nigen, die diesen Crystall fein wohlfeil geben wollen, sich des schlechten oder gemeinen Salpeters dazu bedienen, welchen sie eben so weiß machen, wenn sie ihn zweymahl schmeltzen, sonderlich, wenn sie ihr Handwerck recht verstehen, als ob er von gelaͤutertem Salpeter bereitet worden waͤre. Der Unter- schied zwischen beyden bestehet darinne, daß er sich nicht so gut auf behalten laͤßt, welches demjenigen, den man von de- nen Hausirern kaufft, nur gar zu ofte wiederfaͤhret, und daher denen, die sich zu sehr damit belegen, grossen Schaden verursachet. Man darff ihn auch in kein Papier einwickeln, denn weil das Papier, gleich als ein Schwamm voll kleiner Loͤchlein ist, so ziehet es die Feuch- tigkeit an sich und netzet den Crystall, macht also, daß er nicht kan verkauffet werden. Auch muß man ihn an truck- nen Orten halten, dieweil die Feuchtig- keit und der Staub dieser Waare son- derlich zu wider sind. Die groͤste Kund- C c c 2 schaft Der Spezereyen und Materialien schaft, die ich davon ertheilen kan, ist diese, man lasse ihn in seiner Gegenwart bereiten. Der mineralische Crystall oder die Salpeterkuͤchlein werden viel zur Artzney gebraucht, und sind dermassen Mode und gaͤnge, daß an statt des braunen Zuckers, dessen man sich vor diesem bedienete, nichts anders als die- ser Crystall gebrauchet wird. Man sagt, der Name Sal prunellæ sey ihm deswegen gegeben worden, weil er zur Heilung der boͤsen Haͤlse und der Braͤu- ne, die von etlichen pruna oder prunella genennet wird, trefflich dienlich ist. Andere aber sagen, das sey die Ursache, weil das Sal essentiale, das man aus den Prunellen ziehet, bey nahe wie der mineralische Crystall aussiehet: oder aber, weil man es in hitzigen Fiebern, die einer Kohle, welche auf Lateinisch pruna genennet wird, verglichen wer- den, gebrauchet. Andere dagegen meinen, es sey nur darum geschehen, weil ihm die Teutschen die Gestalt einer Prunelle geben. Das viertzigste Capitel. Sal polychrestum. S Al polychrestum, das Saltz, so zu vie- lerley dienlich, ist wegen seiner herr- lichen Tugenden also genennet worden, und wird von gelaͤuterten Salpeter und Hollaͤndischen Schwefel bereitet, die man mit einander zu Pulver stoͤßt, und bey einem kleinen Feuer ein schnee- weisses, sehr hartes Saltz daraus verfer- tiget. Diese Art und Weise es zuzurichten ist gantz anders, als alle der andern Au- torum, die davon geschrieben haben: denn sie befehlen insgesamt, man solle einen Schmeltztiegel lassen gluͤend wer- den, und das Feuer drey oder vier Stunden drum herum erhalten. Nun will ich zwar nicht sagen, daß diese Weise nicht gut sey, alleine, weil er un- moͤglich kan verkauffet werden, dieweil er schwer ist und scheckicht siehet, so ver- ursachet solches, daß man ihn nicht kan los werden. Dannenhero glaube ich, daß meine Weise denen andern noch wohl vorzuziehen sey, indem man mit ein Paar gluͤenden Kohlen, in einer Stunde, ein weisses, sehr leichtes Saltz bereiten kan, welches auch im uͤbrigen gebuͤhrend beschaffen seyn wird, sich wohl verkauffen laͤßt, und viel weniger kostet, als das erstgemeldte. Dieweil ich dann aller der andern Art und Wei- se das Sal polychrestum zuzurichten re- futi re und verwerffe, derohalben ists noͤthig, daß ich vermeldte, wie man verfahren muͤsse, wenn es gerathen soll. Nehmet demnach gleiche Theile Schwe- fel und feines Salpeters, und wenn ihr einen unglasirten Topf warm werden lassen, und denselben auf vier oder fuͤnff gluͤende Kohlen gestellet habt, so daß der Boden desselben roth werden kan, alsdann schuͤttet einen Loͤffel voll des vermischten Schwefels und Salpeters drein: wenn es nun verpuffet hat, so traget einen andern Loͤffel voll von eben dieser Materie aufs neue ein, so lange, bis alles zusammen verbrannt ist. Her- nach nehmet den Topf vom Feuer, und zerschlaget ihn, wenn er kalt worden, so werdet ihr das Sal polychrestum dar- inne finden, weiß und leichte, das sich wohl wird verkauffen lassen. Man mag mir sicherlich glauben, was ich ge- sagt habe, denn allein die heftige Ge- walt des Feuers zwingt es in eine so klei- ne und schwere Massa. Die aber ein noch reiner und schoͤner Sal polychre- stum verlangen, moͤgen es in Wasser zergehen lassen, und hernachmahls, wenn es filtrirt und abgerauchet wor- den, bis er ein Haͤutlein uͤberkommen, in den Keller oder an einen andern kuͤhlen Ort hinsetzen, damit es zu Cry- stallen anschiesse. Wenn es dann tru- cken worden, muͤssen es kleine, nicht gar zu dicke, breite Stuͤcklein seyn, die wie Diamanten glaͤntzen, und helle, weiß und veste sind, das heißt so viel, sie muͤssen sich nicht stracks zerbrechen las- sen: denn wenn sie flugs zerbrechen, ist es ein Zeichen, daß sie nicht gar zu gut bereitet sind. Dieses crystallisirte Sal polychrestum Sal polychre- stum crystalli- satum. soll man viel eher gebrauchen, weder das erste, ob selbiges gleich noch so gut bereitet worden, denn es kan nicht wohl anders seyn, als daß noch etwas Schwefel darinne stecke, welcher ihm einen Hauptbeschreibung dritter Theil. einen haͤßlichen Geschmack und uͤble Beschaffenheit giebet. Mit dieser Waare treiben die Tabu- letkraͤmer einen grossen Betrug, denn sie tragen nichts anders in ihren Tabu- leten und Kasten herum, als Salpeter, den sie geschmoltzen und zu einem Stein gemachet haben. Diese Betruͤgerey aber ist leicht zu mercken, weil das wahr- hafte Sal polychrestum im Feuer nicht zischet, sondern gluͤend wird, da hinge- gen das falsche brennet und wie der Salpeter spritzelt. Man kan es auch an der sehr weissen Farbe, ingleichen, wenn sie es gar zu wohlfeil geben, ab- nehmen. Das Sal polychrestum en roche , als ein Stein, das ist, wie es aus den Toͤpfen kommt, oder das crystallisirte, ward vor einigen Jahren starck zur Artzney gebraucht, nachdem aber dieselbe Mo- de abgekommen, wird es gar selten ge- braucht. Daß also dieses Saltz unter diejenigen Sachen gehoͤret, welche, wenn sie noch etwas neues sind, vor- treffliche Kraͤfte haben, sobald sie aber aus der Mode kommen, scheinets, als ob auch die Kraͤfte zugleich mit vergien- gen, oder besser zu reden, es kommt da- her, daß die Frantzosen die Neuigkei- ten so sehre lieben. Man hat auch diesem Saltze den Na- men Sulphur fusibile und Nitrum fixum Sulphur fusibi- le, oder Ni- trum fixatum. gegeben, inmassen beym Penoto à Porta der Laͤnge nach beschrieben stehet, da- raus zu schliessen, daß dieses Saltz nicht eben so etwas neues sey, und man es vorlaͤngst unter dem Titel Nitrum fixum gekennet. Das ein und viertzigste Capitel. Fiebersaltz. S Al antifebrile, oder das Saltz wi- der das Fieber/ bestehet aus gelaͤu- terten Salpeter, Schwefelblumen und distillirten Urin, welche man zusam- men vermischet, und damit auf die Wei- se verfaͤhret, wie in Glasers Chymie pag. 223. beschrieben stehet, dahin sich der Leser wenden mag. Dieses Sal antife- brile oder febrifugum ist ein herrliches Mittel wider die Fieber, stracks beym Anfange, oder wenn sie verdoppelt wer- den. Man nimmt es von acht bis auf dreyßig Gran ein, in dienlichen Was- sern oder Saͤften. Das zwey und viertzigste Capitel. Nitrum vitriolatum. D Jeses ist Salpeter, den man in Vi- triolgeist zergehen laͤßt, hernach praͤpariret, und eben dergleichen Kraͤf- te zuschreibet, als dem Tartaro vitriola- to. Er muß weiß seyn, leichte und klein spießicht, als wie das Spiesglas. Butter vom Salpeter. Man ziehet auch mit Huͤlfe des Weinsteins eine Gattung Butter da- heraus. Die Art und Weise, wie die- se Butter/ welche den Zunamen vom Salpeter/ oder den Namen Johann Fabers Stein fuͤhret, zu bereiten, ste- het in der Chymie des Herrn Charras beschrieben, dahin der Leser seine Zu- flucht nehmen kan. Das drey und viertzigste Capitel. Vom natuͤrlichen Borras. D Er natuͤrliche Borras/ dem die Alten den Namen Chrysocolla ge- geben, ist ein mineralisches Saltz, in Gestalt des gemeinen Steinsaltzes, und wird an unterschiedenen Orten in Per- sien in der Erde, und am Grunde eines Flusses in dem Gebirge Purbeth in der Landschaft Radziaribron, welche sich bis an die weisse Tartarey erstrecket, ge- funden. Wenn nun dieses Mineral aus der Erde gezogen worden, wird es an die freye Luft geleget, damit es gleich- sam ein rothes Schmeer uͤberkomme, so ihm zur Nahrung dienet, und verhin- dert, das es die Luft nicht calciniren kan. Wenn er dann ist, wie er seyn soll, alsdann senden ihn die Persianer insgemein nach Amadabat/ von da- her ihn die Englaͤnder und Hollaͤn- der nebst uns kommen lassen. Bey uns C c c 3 wird Der Spezereyen und Materialien Natuͤrlicher oder roher Borras. wird derselbe Borrax naturel, brutte, gras , natuͤrlicher/ roher und feister Bor- rax genennt, und von ein und andern Handwercksleuten als wie der gelaͤuter- te Borrax gebraucht. Wir bekommen auch noch eine ande- re Sorte Borras/ von jenein allein in diesem Stuͤcke unterschieden, daß er viel truckner ist und grau siehet, welches ie- doch blos daher kommt, daß er zu lan- ge an der Luft gelegen hat, und seine roͤthlichte Fettigkeit, damit er uͤberzo- gen war, vertreuget, er aber dem En- glischen Vitriol, das lange an der Luft gelegen, gleich worden ist. Weil nun diese zwey Arten Borras dann und wann begehret werden, dannenhero moͤgen diejenigen, die ihn kauffen oder bringen lassen, drauf sehen, daß er nicht voll Steine, oder andre nicht drunter gehoͤrige Dinge sey, welches doch gar ofte geschicht. Diß ist der Borras, fett oder trucken, den die Venediger und Hollaͤnder laͤutern, und denselben unter dem Titel gereinigter oder ge- laͤuterter Borras uns zusenden. Die Alten haben sich nicht betrogen, wenn sie gesaget, daß es natuͤrlichen Borras gebe, der so gruͤn sehe, als wie Lauch: so hat auch Agricola sehr wohl erinnert, daß es eine Gattung gegrabe- nen Salniter gebe, der so dicke und har- Nitrum fos- sile. te waͤre, als wie der Stein, aus dem sie zu Venedig den Borras machten. Dagegen hat er trefflich verstossen, wenn er an ermeldtem Orte spricht, man gebrauche ietziger Zeit fast keinen andern Borras, als den durch Kunst bereiteten, der vom Urine junger Kin- der, denen man Wein zu trincken gege- ben, gemachet sey, welcher solange in einem meßingenen Moͤrsel gestossen wuͤrde, bis er so dicke als eine Salbe ge- worden: bisweilen schuͤtte man auch Rost von Eisen, bisweilen aber Salpe- ter dazu. Allein solches ist nur gar zu weit von der Wahrheit entfernet, mas- sen der Borras von gereinigten und crystallisirten Borras bereitet wird. Das vier und viertzigste Capitel. Vom gelaͤuterten Borras. D Jeweil der natuͤrliche Borras al- lerhand Farben hat, und bald gruͤn, bald gelb siehet, so sind die Ve- netianer/ als die ersten, die den Bor- ras in Schwang gebracht, nachdem sie gesehen, daß er sich nicht wohl gebrau- chen liesse, wenn er annoch fett waͤre, darauf bedacht gewesen, ob sie ihn laͤu- tern koͤnten, wenn sie ihn in Wasser zer- gehen liessen, filtrirten und crystallisir- ten. Damit er aber zu Crystallen wuͤr- de, so gebrauchten sie Baumwollene Stricke, an die sich die Borrascrystal- len hiengen, als wie die Crystallen des Gruͤnspans oder des Zuckerkants an das Holtz. Andere, die sich keiner solchen Stri- cke bedienen, machten den Borras zu kleinen Stuͤcklein, in Gestalt und Figur eines Nestelstifts: weil aber dieser Bor- ras einen gruͤnlichten Blick hatte, dan- nenhero haben sich die Hollaͤnder be- muͤhet, wie sie ihn weisser machen und in so grosse Stuͤcken bringen moͤchten, dergleichen wir zu sehen bekommen, da- mit er sich desto besser verkauffen liesse; welches sie auch zu wege gebracht. Man soll den Borras/ es sey nun Venetianischer oder Hollaͤndischer, er- wehlen, welcher klar und durchschei- nend, und bey nahe ohne allen Ge- schmack ist, dabey Acht haben, daß kei- ne Englische Alaune drunter gemenget, welches sehr schwerlich zu mercken, da- fern sie die Alaune in einen weissen Saft, der aber zu nennen mir nicht an- stehet, getuncket und hernach etliche Ta- ge an der Luft liegen lassen, damit sie ei- nen solchen matten Blick, gleichwie der Borras gemeiniglich hat, uͤberkomme: doch kan man die Schelmerey leichtlich vermercken, weil diese Alaune die Me- talle nicht alleine nicht angreifft, son- dern auch nicht so sehr aufschwillet, wenn sie auf Kohlen geleget wird, als wie der Borrax: so ist sie auch nicht so weiß, noch so leichte, daraus man dann abnehmen kan, daß niemand den Bor- ras gruͤndlich erkennen moͤge, als nur die Handwercksleute und das Feuer. Der gereinigte Borras wird von vielen Handwercksleuten zum loͤten und Hauptbeschreibung dritter Theil. und schmeltzen der Metalle gebrauchet, auch thun ihn ihrer etliche unter dieje- nigen Sachen, daraus sie hernach- mahls Schmincke bereiten. Er wird desgleichen etlicher massen in der Medi- cin gebraucht, denn er kommt unter das unguentum citrinum. Das fuͤnff und viertzigste Capitel. Von der Alaune. D Je Alaune ist eine Art gegraben Saltz, und wird in Europa/ an vielen Orten, sonderlich in Jtalien, England und Franckreich/ gleich als ein Stein von unterschiedener Groͤsse und Gestalt gefunden. Wenn die Alaune aus den Bruͤchen herausgezo- gen worden, und zwar eben auf solche Weise, wie die Steine zu Montmar- tre brechen, so werden dieselben Steine in sonderlich hierzu verfertigten Oefen, gleichwie der Kalch, gebrannt; wenn sie nun calciniret sind, so ziehet man das Saltz, welches die Alaune ist, mit Was- ser heraus, und verfaͤhret damit gerade, als wie man hier den Salpeter macht. Mich hat zwar eine gewisse Person in Beyseyn eines wackern Mannes ver- sichern wollen, daß man kein Wasser zum Alaunmachen brauchete, sondern an dessen Stelle Urin dazu nehme: al- lein, weil es eine Person, die in der Welt nicht gar zu wohl bekannt, ich ihm auch nicht Glauben zustellen koͤnnen, als ha- be viel lieber mit dem Matthiolus es halten wollen, der es selbst mit Augen gesehen, und in seinem Buche uͤber den Dioscorides am 733. Blatt davon ge- schrieben hat, dahin dann der Leser soll verwiesen seyn. Wir verkauffen ordentlich sechserley Alaune, Feder-Alaune, Roͤmische, Eng- lische, Luͤttigische, gebrannte und Zu- ckeralaun. Was aber die runde, die fluͤßige und schwartze betrifft, da weiß ich nicht, was es seyn soll. Das sechs und viertzigste Capitel. Von der Federalaune. F Ederalaun ist ein Mineral, das in Negroponte gefunden wird, und soll, nach etlicher Leute vorgeben, der Stein seyn, dem die Vorfahren den Namen Amianthus gegeben. Dieweil ich aber der Sache nicht gewiß bin, als will ich sagen, der Feder-Alaun/ den wir verkauffen, sey eine Art eines fel- sichten Steines, von unterschiedlichen Farben, doch meistentheils weiß und gruͤnlicht, an Gestalt dem Venedischen Talck nicht ungleich, ohne daß er nicht so gruͤn und gleissend ist, sich auch nicht schuppenweis aufheben laͤßt, sondern als wie weisse bunte Faͤden ist, als wie das rauche an einer Feder, daher er auch den Namen bekommen. Und eben darum ist der mehrere Theil der Feder- alaune lauter kleine Faͤden, und wenig steinichtes drunter, oder das zum spin- nen und zu ewigen Dochten dienlich waͤre. Die Federalaune, welcher von Alumen soissi- le. etlichen der Namen Alumen scissile gege- ben wird, schaft wenig Nutzen der Artz- ney, und wird zu ietziger Zeit, seit dem die Kunst dieselbige zu spinnen verloh- ren gangen, fast gar nicht mehr ge- braucht. Das Tuch, das aus der Fe- deralaune bereitet wurde, durffte man nur, wenn es schmutzig worden, ins Feuer werffen, so ward es wiederum schneeweiß herausgezogen. Derglei- chen Tuch, von diesem Mineral ge- macht, gebrauchten vor Alters die Roͤ- mer, die Asche der Kaͤyserlichen Coͤrper zu erhalten, und von der Asche der wuͤrtzhaften Hoͤltzer, die sie zur Ver- brennung dererselbigen gebraucheten, abzusondern. Und heut bey Tage ge- brauchen auch noch ihrer etliche den Fe- deralaun an statt der Baumwolle, und Ewigwaͤh- rende Dochte. machen Dochte davon: dazu aber muß er lang und fein linde seyn. Es ist diese Alaune ein maͤchtiges corrosif, denn man mag es auf den Leib legen, wohin man will, so macht es Blasen, und er- regt ein unertraͤgliches jucken, dawider, meines wissens, kein ander Mittel ist, als daß man denselben Theil mit Baumoͤl reibe, so hoͤret das jucken von stund an auf. Wir haben auch ohne die Federalau- ne ei- Der Spezereyen und Materialien ne einen gewissen mineralischen schwe- ren Stein zu verkauffen, der weiß und fasicht ist, und/ kurtz zu sagen, der Feder- alaune gantz und gar aͤhnlich siehet, auch eben also unverbrennlich ist, wel- ches dann Anlaß gegeben, daß man ihn nach dem Griechischen Wort Asbeston, welches unverbrennlich heißt, und cor- rupté auf Frantzoͤsisch Asbestes nennet. Dieser mineralische Stein wird in Franckreich, an vielen Orten gefun- den, vornehmlich aber in der Graf- schaft Foye in Gasconien/ woselbst es Steinbruͤche giebet, in denen man Stei- ne von entsetzlicher Groͤsse findet, daraus man gar schoͤne Faͤden machen, und aus diesen Tuch bereiten kan, welches, als wie das von der Federalaune, im Feuer weiß wird. Desgleichen werden in Franckreich/ insonderheit auf dem Pyrenaͤischen Gebirge, in dem Cam- panischen Thale, bey den Mar- morbruͤchen, drey Meilen von Grippe, uͤber diesen Asbest, auch gewisse Kraͤu- ter gefunden, die ohngefehr zwey Fuß hoch sind, und gantz silberweisse Sten- gel und Blaͤtter, den Nesselblaͤttern nicht ungleich, haben, nur daß sie unten- her weiß sind, oben aber braungruͤn, und als wie Chagrinleder. Von die- Plinius hat sich demnach nicht betre- gen, wenn er meldet, daß es unver- brennlichen Flachs gaͤbe, ob es gleich Matthio- lus im Capit. vom Amianth fuͤr eine Fa- bel halten will. sen weissen Stengeln, wenn sie wie der Hanff, im Wasser geroͤstet worden, be- kommt man eine Gattung langer und breiter Faͤden, daraus man gleicher Gestalt gar schoͤne Leinwand wircken koͤnte, welche, eben als wie die Feder- alaune, dem Feuer widerstehen wuͤrde, doch duͤrffte sie nicht so weiß werden. Zu mercken dienet, daß wenn man diesen Flachs zum Feuer bringt, er zur Stun- de roth und schwartz werde, sonderlich aber vom Lichte. Man wird zwar die- sem meinem Vorbringen keinen Glau- ben zustellen, iedennoch, da ich dessen selbst habe, und denen, die mir solches nicht glauben koͤnnen, sehen lassen kan, die Person auch, die ihn an selbigen Or- ten selbst gesammlet, annoch beym Le- ben und ein glaubwuͤrdiger Mann ist, als habe fuͤr gut befunden, maͤnniglich kund zu machen, daß die Federalaune und der Asbest nicht alleine im Feuer bestehen moͤgen. Dieses unverbrennliche Gewaͤchse koͤnte ebenfalls Asbeston genennet wer- den, und die Faͤden unverbrennlicher Flachs, dieweil sie lang, breit und linde sind, als wie der Flachs. Das sieben und viertzigste Capitel. Von der Roͤmischen Alaune. D Je Roͤmische Alaune, welche auch die Alaune von Civitaveo- chia genennet wird, weil der meiste Theil derselben um diese Stadt gema- chet wird, ist eine Gattung Alaune, als wie mittelmaͤßige Steine, die aussenher roͤthlicht, inwendig klar und durchsich- tig sind, von sauern unangenehmen Ge- schmack. Diese Alaune ist roͤthlicht, weil auch die Minera oder der Stein, daraus sie gemachet wird, roͤthlicht ist. Man soll die Roͤmische Alaune er- wehlen, die es auch in der That ist, und aus- und inwendig roͤthlicht siehet, denn sie auch wohl die Englische oder Luͤtti- gische Alaune mit Braunroth anroͤ- then. Dieselbe Betruͤgerey aber kan man gar bald erkennen, denn wenn sie nicht inwendig wie auswendig, roth ist, so ist diß bereits ein Zeichen, daß sie nachgemacht. Es soll auch, soviel nur moͤglich, kein klein Zeug drunter seyn, welches iedoch niemand, als denenjeni- gen hinderlich ist, die sie eintzeln verkauf- fen: denn sonst liegt nichts dran, wenn sie nur im uͤbrigen fein sauber und rein ist. Die Faͤrber und Gerber brauchen die Roͤmische Alaune haͤuffig, wie nicht weniger, die die Perlen nachmachen, allein dazu muß sie recht sehr vollkom- men seyn. Das acht und viertzigste Capitel. Von der Englischen Alaune. D Je Englische Alaune/ welche die Alten Alumen Rochæ, Alumen al- bum und glaciale genennet, ist eine klare durchsichtige Alaune, als wie Crystall, die uͤbersendet man uns aus England, wie Steine, in unterschiedener Gestalt und Hauptbeschreibung dritter Theil. und Groͤsse; wie es denn Stuͤcken giebt, die so dicke sind als ein Mann, bisweilen klar und weiß, wie ein Crystall, zuwei- len aber bunt und schwaͤrtzlicht, und feuchte. Mit wenigen, das Alumen glaciale ist schoͤner oder schlechter, nach- dem es mehr oder weniger gereiniget worden. Weil diese Alaune von vielen Hand- werckern, die sie noͤthig haben, gebrau- chet wird, unter andern von Muͤntzern und Faͤrbern, auch allerhand zur Artz- ney draus præpari ret und zugerichtet wird, wie hernach folget, deshalben soll man diejenige erwehlen, welche weiß, hell und durchsichtig ist, recht trucken und soviel als immer moͤglich, ohne Staub und Bodensatz. Auch muß man Acht haben, daß es keine Alaune Alaune von Luͤttich oder von Me- zieres. von Luͤttig oder von Mezieres sey, denn diese nur darinne von jener unter- schieden, daß sie etwas schmutzichter ist, und daher fuͤr die Faͤrber nicht dienet, sie muͤsten dann keine rechte Englische haben koͤnnen. Vor kurtzer Zeit haben wir auch ei- ne gruͤnlichte Alaune gesehen, wel- che aus einem Steine gemacht wird, den man aus dem Steinbruch unweit Sois- sons in der Picardie ziehet; weil aber diese Art bishero nicht gebraͤuchlich ge- wesen, indem sie nicht allein gar uͤbel beschaffen, sondern auch ihre Kraft und Wirckung noch nicht genug bekannt ist, dannenhero will ich auch nichts weiter davon gedencken. Alaunwasser und Spiri- tus. Aus der Alaune wird ein klares sau- res Wasser uͤber den Helm getrieben, welches wir Alaunwasser nennen, und in die Augen gethan wird: nach dem Wasser geht der saure Spiritus her- uͤber, den man in anhaltenden und drey- taͤgigen Fiebern gebrauchen kan; auch dient er zu den kleinen Geschwuͤren im Munde: auf einmahl werden vier bis acht Tropfen genommen. Was im Gefaͤß zuruͤcke bleibt, ist eine weisse leich- te Massa, die wir gebrannte Alaune nennen. Weil aber das Wasser und der Spiritus von der Alaune so wenig Gebrannte Alaune. braͤuchlich, so bemuͤhen sich, die der ge- brannten Alaune noͤthig haben, nicht mit dem distilliren, sondern legen das Alumen glaciale in ein Gefaͤs, und stel- len sie mitten in ein gutes Feuer; wenn es denn gantz weiß worden, und leichte, so nehmen sie es heraus und heben es zum Gebrauch auf. Die calcinirte oder verbrannte Alaune muß leichte seyn, uñ sich stracks zerreiben lassen, das ist, man muß sie alsofort zu Pulver machen koͤn- nen, dabey muß man Acht haben, daß es nicht Alaune sey, die man durch ein seiden Sieb gestaͤubet, und hernach- Verfaͤlschte gebrannte Alaune. mahls in einen wohlverwahrten Sack gethan, damit es als ein Stein oder zu Stuͤcken werde. Diesen Betrug aber kan man leicht erkennen, weil diese fal- sche Alaune haͤßlich ist, und uͤberaus weiß, gypsicht, und von Geschmack sauer. Die rechte gebrannte Alaune dienet zu Wegbringung des wilden Fleisches; vornehme Leute aber legen sie in Saͤck- lein unter die Achseln und Fussohlen, den Schweiß derselbigen zu vertreiben, die Alaune aber muß uͤber alle massen zarte seyn. Das neun und viertzigste Capitel. Von der Zucker-Alaune. A Lumen Saccharinum, die Zucker- alaune, wird darum also genennet, weil sie als wie Zucker siehet: sie wird von der wie Eis gestalten Alaune, Ro- senwasser und Eyweis gemacht, welche mit einander gekochet werden; wenn es nun genug gekochet hat, und zu ei- nem Teige worden ist, formiret man sie nach belieben, da sie dann, wenn sie er- kaltet, steinharte wird. Diese Alaune wiꝛd unter die Schmin- cke gethan und gebrauchet. Es giebt noch andre Sorten der Alaune/ als da ist ein weisser durchschei- nender Stein, dem Berg-Crystall bey nahe gleich, dem man den Namen Alu- Alumen Sca- jolæ. men Scajolæ oder lapis specularis, Frauen- eis, und Miroir d’asne, Eselsspiegel gegeben: derselbe befindet sich unter dem Quis in den Steinbruͤchen bey Paßi. Wenn er gebrennt und calci- niret wird, so giebt er wohl ein sehr schoͤ- nes Weis, das verdruͤßlichste aber ist, daß es gypsicht ist. Vor weniger Zeit D d d ward Der Spezereyen und Materialien ward eine grosse Menge dieser Alaune in der leimichten Erde zu Paßi unter dem Quis, dessen ich nur erst Erwehnung gethan, gefunden. Andere brauchen noch eine andere Gattung des Frauen- eises, welches wir Gyps zu nennen pfle- gen. So hat man auch der Suda den Alumen cati- num. Namen Alumen catinum gegeben, gleich- wie ich an seinem Orte erinnert habe. Etliche geben fuͤr, das Wort Alumen komme von dem Lateinischen Worte Lumen her, welches soviel als Licht heißt, alldieweil die Alaune den Farben das Licht oder den Glantz giebet, und man ohne Alaune bey nahe weder faͤrben noch illuminiren kan. Ende des Zweyten Buchs von Mineralien. Des dritten Theils Der Hauptbeschreibung der Spezereyen und Materialien Drittes Buch/ Von Hartzen. Vorrede. D As Wort Hartz bedeutet eigentlich eine leicht entzuͤndliche/ fette und schmierichte Materie, von unterschiedlicher Farbe und Consistentz/ die sich innerhalb der Erde/ oder auch uͤber und oben auf derselbigen befindet/ oder auch auf dem Wasser schwimmend angetroffen wird. Und dieses ist die Ursache/ warum wir so vielerley Hartz haben, hart und weiche/ auch fluͤßige wie Oel. Dicke Hartze/ die wir verkauffen/ sind der Agtstein, der Gagat/ das Judenpech, das Pissasphaltum/ der schwartze Stein und der Schwe- fel. Die weichen sind Maltha und das Hartz von Colao/ Surinam und Copalhartz. Fluͤßige sind die Jtalienische Naphtha und das Peteroͤl/ welche allesamt hiernaͤchst nach einander beschrieben zu finden sind. Das erste Capitel. Vom Agtstein. A Mbre jaune, gelber Amber, den die Alten Succinum und Cara- be, Agt- oder Birnstein zu nen- nen pflegen, ist ein Hartz von unterschiedener Farbe, denn es weis- sen und gelben giebt. Dieses Hartz ist in seinem centro oder Geburtsort fluͤs- fig, ie weiter es aber davon entfernet wird, ie haͤrter wird es, und also, wie wir es haben. Jndem dieses Hartz her- vortringet und sich auf dem fliessenden Wasser ausbreitet, reißt es alles mit sich, was es nur antrifft, welches ver- ursachet, daß wir so vielerley Dinge, die nicht darein gehoͤren, unter unserer Carabe finden: weil auch dieses Hartz nicht auf einmahl harte wird, so gera- then ein Hauffen Thierlein drein, und sterben Hauptbeschreibung dritter Theil. sterben darinne. Der meiste Agtstein, den wir zu sehen bekommen, wird in ge- wissen kleinen Fluͤssen, am Baltischen Meer, im Hertzoglichen Pommern/ an den Ufern gefunden: auch findet man ihn in dein Sande, der von dem Winde dahin gefuͤhret worden ist, und diese Waare traͤgt dem Churfuͤrsten von Brandenburg nichts geringes ein; denn von denenjenigen Orten, allwo der Agtstein gefunden wird, ziehet er des Jahres mehr denn 20000. Thaler, die Unkosten, welche die Pachter auf die Unterhaltung derjenigen Leute, welche verwehren, daß ihn niemand wegneh- me, aufwenden muͤssen, ungerechnet: daß demnach der Agtstein mehr als 100000. Thaler traͤgt. Dieses, was ich anietzo vermeldet ha- be, duͤrffte denenjenigen doch wohl frem- de deuchten, welche nicht wissen, wie sehr gebraͤuchlich der Agtstein in Chi- na/ unter den Wilden, und selbst in Europa sey: doch wird er mehrern- theils in Oesterreich, Teutschland und Polen, und um Venedig her- um vertrieben, denn an diesem letzten Orte haben ihn die Venediger in Schwang gebracht, so daß wenig Leu- te in der Lombardey und langs dem Po hin zu finden, welche nicht eine Schnure Agtsteinkoͤrner um den Hals tragen solten, denn sie glauben, der Agt- stein sey vor die boͤsen Haͤlse gut, wel- chem Unfall sie, wegen des boͤsen Was- sers, das sie trincken, gar sehr unter- worffen sind. So melden auch die Hi- storien, daß die Roͤmer dermassen viel darauf gehalten, daß Nero eine grosse Menge desselbigen dahin bringen lassen. Es ist aber schier kein Ort, als Polen und Nieder Hungarn, allwo der Agt- stein besser verarbeitet und theurer ver- kauffet wird, denn wenn diese Voͤlcker ein recht grosses Stuͤcke Agtstein, ohne Fehler und Mangel gefunden, halten sie es so hoch als Gold, ja sie ziehen es demselben vor, und wenn iemand ein Stuͤcke von einer rechten oder ausseror- dentlichen Groͤsse hat, kan er es fast so theuer, als er nur will, los werden, denn diese Leute lieben den Agtstein dergestalt, daß ihnen nichts schoͤners zu seyn beduncket. Jn Franckreich aber wird er schon so hoch nicht geachtet, wie- wohl es doch auch nicht so gar lange ist, daß alle vornehme Personen derglei- chen Halsbaͤnder trugen: anietzo aber ist er so gemeine, daß ihn niemand als nur die Maͤgde tragen. Auch hat er, ausser dem, daß Schmincke daraus be- reitet wird, in der Artzney seinen Nu- tzen, denn er wird nicht allein gerieben, sondern es werden auch eine Tinctur, Spiritus, fluͤchtiges Saltz und ein Oel daraus gezogen, nicht weniger mit Weinspiritus ein Verniß daraus ge- macht. Der Agtstein muß hell und klar seyn, und Spreu an sich ziehen, denn daher ist der Name Carabe entstanden, Carabe. welches in Persischer Sprache soviel heißt, als ziehe Spreu an dich: er muß auch weiß seyn, wenn man etwas dar- aus will arbeiten lassen, oder wenn man ihn reiben will. Wenn er aber durchs Feuer gehen soll, sodann liegt nichts daran, was fuͤr Farbe er habe, wenn es nur aufrechte Carabe ist, denn es sind etliche, welche das Americani- sche Gummi Copal, davon oben, an statt des Agtsteins verkauffen, welches aber unschwer zu mercken, indem das Gummi Copal in Stuͤcken ist, die so dicke sind und wie das Arabische Gummi ge- staltet, dahingegen die Carabe insge- mein dicke Stuͤckgen sind, welche oft- mahls mit einer besondern Haut uͤber- zogen sind, welche ihnen an statt der Mutter dienet. Es stinckt uͤberdiß der Agtstein heftig, wenn er beym Lichte angezuͤndet wird, und ausser diesem zieht er auch das Stroh an sich, welches das Gummi Copal nicht thut. Mich ha- ben etliche bereden wollen, man koͤnte den Agtstein mit Terpentin und Cot- Falsche Cara- be. ton, oder aber mit dem gelben von Ey- ern und Arabischen Gummi nachma- chen, allein ich glaube, daß die dafuͤr ausgegebene Carabe gar wenig gelten duͤrffte, und ist derohalben nicht zu be- fuͤrchten, daß sie von dergleichen Sachen nachgemachet werde. Man reibt die Carabe auf einem Trochisei de Carabe. Steine, und macht kleine Kuͤchlein draus, welche in der Artzney ihren Nu- tzen haben, und insonderheit gar dien- lich sind den Durchlauff, das Blutaus- werffen, und andere dergleichen Kranck- heiten zu stillen. Es wird fuͤr einmahl D d d 2 von Der Spezereyen und Materialien von zehen bis auf dreyßig Gran einge- geben, in einem zur Kranckheit dienli- chen Safte oder Wasser. Agtstein Tin- ctur. Aus dem geriebenen Agtsteine wird auch eine gelbe Tinctur mit Weinspiri- tus gezogen, welche trefflich herrliche Tugenden oder Kraͤfte hat, absonder- lich aber dienet sie wider den Schlag, Laͤhmung der Glieder und die fallende Sucht, wenn man zehen Tropfen davon bis auf ein Quintlein, in einem taug- lichen liquor einnimmt. Etliche zerlas- sen gereinigten Campher in dieser Tin- ctur, und bereiten daraus, was der Herr Soleysel Balsamum ardens, den Balsamum ardens. brennenden Balsam nennet, und sa- get, daß es ein Mittel sey zu den Wun- den, auch wenn man braun und blau geschlagen, ingleichen wider die kalten Fluͤsse, und diene fuͤr Menschen und Vieh, wie er denn solches in seinem Bu- che am 274. und 275sten Blate beschrie- ben, dahin der Leser seine Zuflucht neh- men kan. Das andere Capitel. Vom Agtstein-Oel und Spiritus. A Us dem Agtstein, der groͤblich zer- stossen worden, ziehet man vermit- telst einer glaͤsernen oder irdenen Netor- te einen roͤthlichten Spiritus, und ein gruͤnlicht stinckendes Oel. Der Spiritus ist ein vortrefflich er- oͤffnendes Mittel, und gut wider den Scharbock: er wird von zehen bis auf 24. Tropfen genommen. Was das Oel betrifft, dasselbe hat schier keinen andern Nutzen, als daß es zu Vertreibung der Duͤnste gebrauchet wird, wenn man es bey sich traͤgt, und die Gelencke an der Hand und die Nase von Zeit zu Zeit gelinde damit reibet Oleum Succi- ni rectifica- tum. oder streicht. Will man es aber schoͤn helle und klar haben, so darff man es nur mit Erde und Sand vermengen, und aufs neue uͤbertreiben. Wer das fluͤchtige Saltz, den Spi- Sal volatile, spiritus \& ole- um Sucoini. ritus und das Oel vom Agtstein weiß haben will, darff nur eine glaͤserne Re- torte und Sandfeuer dazu gebrauchen, so wird er drey schoͤne Sachen bereiten, die mit herrlichen Tugenden versehen, und zu oberwaͤhnter Kranckheiten Ver- treibung gar dienlich werden seyn. Jst das fluͤchtige Saltz noch nicht schoͤne ge- nug, so thue man es in eine kleine Phiole und fuͤhre es uͤber einem gantz gelinden Feuer nochmahls auf, trage aber auch wohl Sorge, daß es stets wohl versto- pfet sey, denn es ist eine Waare, wel- che sich gar bald an der Luft verliehret und zerstreuet wird. Was in der Re- torte zuruͤcke blieben, ist ein sehr schoͤnes Schwartz, glaͤntzet und sieht als wie Ju- denpech. Das dritte Capitel. Vom Gagat. G Est oder Iayet, der Gagat, wel- chen man mit allem Rechte schwar- tze Carabe, oder Agtstein nennen moͤch- te, ist gleichfalls eine Gattung Hartz, und findet sich in der Erde, iedoch nicht so gar nahe am Wasser. Es ist aber der Gagat ein sehr hartes, schwartzes und glaͤntzendes Hartz, das in Europa, an vielen Orten, sowohl in Teutsch- land und in Schweden/ als auch in Franckreich und Jrrland gefunden wird. Jn Franckreich wird der mei- ste Gagat zwischen S. Beaume und Toulon gefunden: in Jrrland aber ist er so gemeine, daß man oftmahls sie- het, wie er mitten durch die Klippen und Felsen hinlaͤufft. Einige Scriben- ten meinen, der Gagat sey gelber Am- ber oder Agtstein, aus dem das Oel durch das unterirdische Feuer gezogen worden, und von diesem komme die Naphtha und das Peteroͤl her, welches auch nicht eben so gar wider die Ver- nunft ist. Von dem Gagat wird eben sowohl, als wie von dem Agtstein allerley Schmuck bereitet, zur Artzney aber wird er schier gar nicht gebrauchet, oh- ne wenn das Oel daraus getrieben wer- den soll, welches gleichergestalt wieder diejenigen Kranckheiten dienet, dafuͤr das Agtsteinoͤl gut ist. Seine Wahl betreffend, da darff er nur fein hart, und schoͤn glaͤntzend schwartz seyn. Das Hauptbeschreibung dritter Theil. Das vierte Capitel. Vom Judenpech. A Sphaltum, das Judenpech/ ist ein Hartz, welches auf dem Wasser des- jenigen Sees schwimmet, wo ehemahls Sodom und Gomorrha gestanden. Den Namen Asphaltum hat es von dem Lacu Asphaltite bekommen, welches soviel be- deutet, als ein Meer der Sicherheit, denn es ist uͤberaus starck, und alles was man drauf wirfft, schwimmet: es wird auch das todte Meer genennet, weil es weder Fische noch andere leben- dige Thiere ernaͤhret, indem es uͤber alle massen saltzicht und bitter ist, auch einen stinckenden Geruch hat. Dagegen und zum Vergelt findet sich allda die Menge dieses Hartzes, welches als wie Fett oben drauf schwimmet. Die an denen- selben Orten wohnende Araber ziehen guten Nutzen davon, und bedienen sich seiner ihre Schiffe damit zu calfatern und zu verpichen. Zu bewundern ists, wenn der See zuviel mit Peche beschwe- ret ist, daß sich ein grosser Gestanck in die Luft erhebet, der die Einwohner daher- um bemuͤßiget, dasselbige zu sammlen und ans Land zu bringen, auch ist der Gestanck also groß, daß die uͤber den See hinfliegende Voͤgel darein fallen, und verursachet, daß die Leute der Orten nicht gar zu lange leben. Das Juͤdische Hartz, bitume de Ju- dée oder Asphaltum sieht dem schoͤnen schwartzen Stockholmer Peche dermas- sen aͤhnlich, daß kein Mensch einigen Unterschied darzwischen wuͤrde zu ma- chen wissen, wofern der heftige Gestanck des Pechs nicht thaͤte, und das Juden- hartz nicht etwas haͤrter waͤre. Welche grosse Gleichheit den Propheten Esras veranlasset, daß er es Pech genennet, allermassen aus dem 10. Vers des IV. Cap. im IV. Buche zu ersehen, da er spricht: Du boͤses Volck, sey eingedenck, was ich Sodom und Gomorrha gethan habe, derer Land in Pech- und Aschen- hauffen liegt. Das Judenhartz oder Pech wird gebrauchet, wenn man das schoͤne glaͤn- tzende Chinesische Schwartz zurichten will: auch wird es etwas weniges in der Artzney gebraucht, indem es unter die Stuͤcken, die zum Theriac genom- men werden, gehoͤret, da es denn keiner andern Zubereitung noͤthig hat, als daß es aufrichtig sey, fein glaͤntzend schwartz und ohne Geruch: dabey muß man Achtung geben, daß kein schwartz Pech, gekuͤnsteltes Pissasphaltum genen- Gekuͤnsteltes Pissasphal- tum. net, drunter gemischet sey, welches doch ohnschwer zu erkennen ist, indem dieses gekuͤnstelte Pech gar haͤßlich schwartz siehet und stincket. Man irret, wenn man glaubet, was etliche Autores auf- gezeichnet, und unter diesen auch Fure- tiere, welcher meldet, daß kein Juden- pech mehr herausgebracht werde; was aber die Apothecker zu verkauffen pfleg- ten, sey ein Gemenge von Pech und Pe- teroͤl. Allein, dieses ist so weit von der Vernunft entfernet, daß ich nicht den- cke, es werde unter den Apotheckern der- gleichen Betruͤger und unverstaͤndige Leute geben, die einen solchen Misch- masch zurichten solten, indem wir ja das Judenpech wohlfeil genug geben. Es waͤre besser, daß er und viele andere ge- schwiegen haͤtten, die sich unterfangen von Materialien zu schreiben, darauf sie sich doch eben so wenig verstehen, als wenn sie Hochteutsch reden sollen. Das ist aber die Ursache so vieler schrecklicher Fehler gewesen, und ist es auch noch heut zu Tage, daß eines an statt des andern gegeben wird, welches doch des Koͤniges hohe Person und den gemeinen Nutzen angehet. Das fuͤnffte Capitel. Von Steinkohlen. D Je Steinkohlen sind eine Gat- tung Hartz, derer sich die Schloͤsser und Schmiede bedienen, das Eisen heiß zu machen. Die Englischen werden fuͤr die besten gehalten, wiewohl einige versichern, daß die in Auvergne gegra- ben werden, ihnen nichts im geringsten nachgeben. Es ist eine Waare, die in Franckreich haͤuffig verthan wird, wie wir dann einen starcken Handel damit D d d 3 trei- Der Spezereyen und Materialien treiben. Die besten sollen seyn, die nicht gar zu schweflicht sind, die sehr heiß ma- chen, und lange im Feuer dauern. Es wollen auch etliche fuͤr gewiß ausgeben, daß die Steinkohlen der Uberrest vom Peteroͤle seyn, das in dem Eingeweide oder innersten der Erde zubereitet wer- de, welches auch wahrscheinlich genug ist, indem man ein Oel aus denen Stein- Steinkohlen- oͤl. kohlen ziehen kan, welches dem Peter- oͤle gantz und gar gleich ist. Das sechste Capitel. Terra Ampelitis. T Erre Ampelite, oder Pierre noir, der schwartze Stein, ist ein trucken Hartz, voll Schwefel, das sich leichtlich zerstossen und schuppenweise aufheben laͤßt, und wird in Franckreich an vielen Orten in der Erde gefunden. Wir haben zwey Sorten dieses schwartzen Steines; der eine ist zart und weich, der andere aber hart; die lassen wir bey Alenson, in der Landschaft Nimes ge- legen, herbringen. Der Bruch darin- ne diese Steine gebrochen werden, stehet einem Dorffpriester zu, welcher alle Jahre vier bis fuͤnff hundert Thaler davon einnimmt. Dieser Bruch ist 40. bis 50. Fuß tieff, und ob es gleich eine gantz wohlfeile Waare ist, dennoch wird sehr viel davon vertrieben. Sie muß aber, soll sie anders gut seyn, frisch aus der Grube gezogen seyn, denn wenn sie alt worden, wird sie zu eitel Staub und Salpeter: sie muß uͤberdiß auch leichte seyn, weder zu harte noch zu weich, und recht trucken. Diesem Stei- ne haben etliche den Namen Ampelitis, Weinbergerde gegeben, weil er denen Wuͤrmern, die in die Weinberge gera- then, steuert und sie toͤdtet: sie wird auch Pharmacitis genennet, weil sie zur Artz- ney kan gebrauchet werden. Das siebende Capitel. Vom lebendigen Schwefel. D Er lebendige Schwefel ist eine fette Erde, die sich leichlich entzuͤn- det, und indem sie brennet, einen Schwefelgeruch von sich streuet. Sie wird aus Sizilien und anderswoher zu uns gebracht. Den lebendigen Schwefel/ wel- cher darum also genennet wird, weil man ihn, so wie er aus der Erde kommt, gebrauchet und verkaufft, den soll man erwehlen, wenn er fein zarte ist, und sich gerne zerbrechen laͤßt, wenn er dich- te ist und gelinde, auswendig und in- wendig glaͤntzend und Maͤusfahl siehet, deswegen er auch von etlichen grauer Schwefel genennet wird. Er muß des- gleichen ohne Kiß und Sand, auch so- viel moͤglich, ohne klein Zeug und Stuͤck- lein seyn. Dieser Schwefel wird wenig ge- braucht, es sey dann zu einigen beson- dern operation en und Galenischen Artz- neyen, dazu er genommen wird. Von den Weinschencken wird er oͤfter ge- brauchet, denn diese bedienen sich seiner mit Schwefelblumen, Zucker, Anis, Zimmt, Mußkaten, Naͤglein und an- dern dergleichen Sachen, die Weinfaͤs- ser damit zu schwefeln oder Einschlag zu geben, auf daß sich der Wein desto besser verfuͤhren lasse und nicht verder- be. Einige Apothecker brauchen ihn, stos- sen ihn mit dem Scammonio, und nen- nen es hernachmahls praͤparirt Scam- monium und Diagrydium, koͤnnen es auch wohlfeiler geben, als ihre Nach- barn, welche alle Muͤhe dran spendiren, damit sie es, wie sichs gebuͤhret, zurich- ten moͤgen; welches aber sehr uͤbel ge- than ist. Das achte Capitel. Vom mineralischen Schwefel. D Er mineralische Schwefel ist ein hartes Hartz, voll Erde, gelber Farbe und ziemlich glaͤntzend, eines schwefelhaften stinckenden Geruchs, laͤßt sich leichtlich schmeltzen und ver- brennen, und ist schoͤner oder geringer, nach- Hauptbeschreibung dritter Theil. nachdem es naͤmlich mit Unreinigkei- ten erfuͤllet, oder aber in den Gruben angetroffen worden ist. Er kommt aus dem Berg Vesuvius. Dieser Schwefel wird zwar gar we- nig gesuchet, weil er nicht viel nutzt, ie- dennoch aber fragen ein und andere darnach, die ihn noͤhig haben, derowe- gen sollen die Stuͤcken fein schoͤn gold- gelb und glaͤntzend seyn, und soviel moͤg- lich ohne Erde und klein Zeug. Was seinen Nutz und Beschaffenheit belanget, davon weiß ich nichts mehr, als daß er denjenigen Nutzen und die Be- schaffenheit habe, wie die Schwefelroͤh- ren, welche nichts anders sind, als die- ser gereinigte Schwefel, wie solches aus folgendem Cap. wird zu ersehen seyn. Das neundte Capitel. Von den Schwefelroͤhren. D Je Schwefelroͤhren werden von dem mineralischen Schwefel ge- macht, und sehen gelb, sind geschmol- tzen, und vermittelst des gerechten Wallfischthrans und besonderer For- men solcher gestalt zugerichtet, gleichwie wir sie zu sehen bekommen. Es ist die- ser Schwefel besser oder schlechter, nach- dem er wohl gereiniget worden, und er von diesem oder jenem Orte gekommen, woselbst sie ihn reinigen. Wie dann der Hollaͤndische weit schoͤner ist, als der von Venedig oder von Marseille, welches die drey Orte sind, daher wir den Schwefel bekommen, und allwo er gereiniget wird. Die Herren im Ar- senal lassen wohl auch eine Menge be- reiten, allein sie gebrauchen ihn selber. Man soll die Schwefelroͤhren aus- suchen, welche gewiß aus Holland ge- bracht worden, und dicke und lang sind, nicht zwar als ob sie besser waͤren, son- dern weil man sie besser verkauffen kan; dabey muͤssen sie goldgelb sehen, leichte seyn, und leichtlich brechen, auch wenn man sie in die Hand nimmt und vors Ohr haͤlt, knistern, rauschen und zerfallen: wenn er zerfallen ist, soll er als wie Crystallen sehen. Dieses sind die eigentlichen Zeichen des Hollaͤndischen Schwefels/ oder des Venedischen : den von Marseille soll man gaͤntzlich verwerffen, denn es sind insgemein kleine und dicke uͤbelgestalte Roͤhren, und siehet graulicht, weil es fast lauter Erde. Nichts destominder kan ich sagen, daß die Marseiller, seit dem in zwey oder drey Jahren kein Schwefel mehr aus Holland gekom- men, sich so lange bemuͤhet, bis sie ein Mittel gefunden, den Schwefel fast eben so gut, als beyde obgemeldte zu- zurichten, wie denn auch ietzo die Ver- staͤndigsten damit koͤnnen betrogen wer- den. Und es ist allerdings die Wahr- heit, daß wir unsere Zuflucht nicht zu den Auslaͤndern nehmen duͤrfften, noch uns dazu um unser eigen Geld ausla- chen lassen, wenn wir nur die Muͤhe neh- men und arbeiten wolten: Franck- reich bringt ja alles hervor, was man nur wuͤntschen mag, ohne daß man noͤ- thig habe weit darnach zu lauffen. Daß wir aber in Unwissenheit gelebet, ruͤh- ret daher, daß sich niemahls ein Kauff- mann unterstanden hat zu erforschen und zu beschreiben, wo diese oder jene Waare herkomme, oder wie und auf was Weise sie bereitet werde. Weil auch iederzeit nur Medici und einige Apothecker und andere Particulir-Per- sonen, die sich aber auf die Handlung nicht verstanden, gereiset, und die Feder zur Hand genommen haben, so ist es ge- schehen, daß die Fremden, und insonder- heit die Hollaͤnder, sich diese unsere Nach- laͤßigkeit und Unverstand trefflich zu Nutze gemacht, welches wir aber mit GOttes Huͤlffe ferner nicht thun wol- len; ich wenigstens fuͤr meine Person, will mich dergestalt auffuͤhren, daß mei- ne Cameraden mir folgen sollen, damit sie aller Muͤhe und Gefahr koͤnnen ent- uͤbriget seyn, und keine Waaren von weiten her duͤrffen bringen lassen, die wir selbst in Franckreich verschaffen koͤn- nen, zum wenigsten um eben so guten Preiß; damit auch der gemeine Mann nicht weiter dergestalt betrogen werde, gleichwie man in gegenwaͤrtigen gan- tzen Wercke ersehen kan. Jch kan zwar, ohne Aufdeckung der Fehler unserer Vorfahren, nicht erweisen, was ich an- ietzo vorgebracht, doch soll mich GOtt davor behuͤten, daß ich etwa Ubels von ihnen reden wolte, denn von Todten muß Der Spezereyen und Materialien muß man nichts boͤses reden; sie koͤn- nen sich nicht mehr verantworten. Da- gegen kan ich nicht umhin, sondern muß derer Lebenden, wenn ihrer vorhanden, die da koͤnnen Red und Antwort geben, ihre Unachtsamkeit an Tag legen, oder, wenn ich anderst so reden darff, den Un- verstand etlicher neuer Scribenten offenbaren, welche dergleichen Unwahr- heiten, die Materialien betreffend, hin- geschrieben, welche doch nie gewesen, noch iemahls seyn werden, da sie doch viel besser gethan haͤtten, wenn sie gar nichts davon gemeldet haͤtten, als daß sie solche Dinge geschrieben, die sie we- der gesehen noch verstanden, und da- durch verursachet haben, daß jederman in Unwissenheit lebet, selbst unterschied- liche wackere Maͤnner, die nach ihnen geschrieben, als da ist der Herr Furetie- re/ der sie fuͤr verstaͤndige Leute gehal- ten, und in gleiche Jrthuͤmer verfallen sind. Jch waͤre nimmermehr so kuͤhne ge- wesen, dasjenige, was ich gemeldet, hie- her zu setzen, wenn ich nicht den Beweiß in Haͤnden haͤtte, und was ich geschrie- ben, einem ieden vor die Augen legen koͤnte. Wir kehren demnach wieder zu unseren neuen Scribenten, welche sa- gen, daß die Schwefelroͤhren, oder der gemeine Schwefel, den sie Schwefel in Magdaleonibus heissen, von lebendigen Schwefel gemacht sey. Jst wohl ge- geben: und wuͤrde eben soviel seyn, als wenn ich Zinn zu Bley machen wolte, denn der lebendige Schwefel ist viel theurer als die Roͤhren, ob jener schon natuͤrlich, und diese mit Muͤhe bereitet worden sind. Haͤtten nun diese Her- ren ihn fein genau durchforschet, und sich die Muͤhe genommen, ihn zu schmel- tzen und zu laͤutern, so wuͤrden sie wohl gesehen haben, ob sie ihn also zuzurich- ten vermocht, wie sie doch sagen, daß er wuͤrde, nachdem er gelaͤutert wor- den: so aber haben sie sehr wohl gethan, denn sie sonst demjenigen gleich gewesen waͤren, der einem Mohren den Kopf wusch und ihn weiß machen wolte. Dem aber ohnerachtet, sind wir ihnen sowohl als den Verstorbenen, allen Danck schuldig, denn es ist kein Buch so schlecht, in welchem man nicht etwas gutes finden solte: diß aber befinde ich unrecht, daß sie von Dingen geschrieben, deren sie keine Kenntnuͤß gehabt. Die- semnach darff man nicht ferner glau- ben, daß der gelbe oder gemeine Schwe- fel, oder die Schwefelroͤhren von leben- digen Schwefel gemacht sey, sondern er wird vom mineralischen Schwefel bereitet, denn dieser ist von Natur gelb. Wer es nicht glauben kan, demselben will ich den natuͤrlichen, zusamt dem- jenigen, den ich gemacht habe, sehen lassen, ihn auch in seiner Gegenwart machen, denn es meine groͤste Freude ist, wenn ich iemand dergleichen Jrrthum benehmen, hingegen die Wahrheit er- weisen kan, und dieses weder um Geld noch Gewinsts willen. Es giebt noch mehr Sorten Schwe- fel durch Kunst bereitet, wie ich auch bereits erinnert habe; solches aber ruͤh- ret blos von den unterschiedenen Laͤn- dern und Formen her, darinne er ge- gossen worden, wie auch von der unter- schiedlichen Bereitung: denn also ist der gruͤne Schwefel von Marseille in Gruͤnerer Schwefel von Mar- seille. kleinen dicken Roͤhren, welchen man auch, der Sage nach, besser zum distil- liren brauchen kan, gleichwie aus fol- genden zu ersehen. So giebt es auch ohne die zwey Ar- ten des natuͤrlichen Schwefels, dessen wir uns insgemein bedienen, noch zwey andere, allein sie sind bey uns nicht gar zu gemeine, weil sie nicht nur von fer- ne kommen, sondern auch nicht in der Menge zu haben sind. Der erste und schoͤnste ist der Schwe- Schwefel von Quito. fel von Quito, welcher goldfarbicht, und wie die gelbe Carabe gestalt ist, und wird haͤuffig um die Goldgruben gefun- den. Der zweyte kommt von Nicara- Schwefel von Nicaragua. gua/ und ist als eine gelblichte Massa, demjenigen durchaus gleich, den man vor einigen Jahren in einem Hauffen Erde, welcher bey den S. Martins- Schwefel von S. Martin zu Paris. thore umgegraben wurde, gefunden ward, wie ein und andere Personen bezeugen koͤnnen, die ihn selbst aufgele- sen. Der dritte ist der Schweitzerische, Schweitzeri- scher Schwe- fel. und dem von Ouito ziemlich aͤhnlich; anderer mehr zu geschweigen, denn wir nicht damit handeln. Der Gebrauch der Schwefelroͤh- ren Hauptbeschreibung dritter Theil. ren ist maͤnniglich also bekannt, daß ich nichts davon gedencken mag, als daß er auch zum Stuͤckpulver genommen wer- de; deswegen moͤgen diejenigen, die ihn in grossen Partheyen ins Arsenal ver- kauffen, ansagen, ob er etwa schad- oder mangelhaft, denn mit grossen Herren ist nicht gut schertzen: und eben darum, weil so grosse Gefahr dabey, die Ober- aufseher des Arsenals ihn auch selbst bringen, und an unterschiedlichen Or- ten, z. E. zu Etonne, reinigen lassen, deshalben lieffern die Spezereyhaͤndler keinen mehr. Die Paretkramer ma- chen die zarten Leinwanten, in Franck- reich Gazes genannt, damit weiß, des- gleichen noch andere ihre Arbeit, denn es ist nichts auf der Welt, das die Wolle weisser machet, als der Schwefel, dage- gen schwaͤrtzet er das Silber gar sehr. Zur Artzney wird er gleichergestalt einiger massen gebraucht, nicht nur zu ein und anderen Artzeneyen, sondern es werden auch ein Hauffen Chymischer Sachen daraus verfertiget, inmassen aus folgenden zu ersehen. Es ist eines der kraͤftigsten Mittel wi- der die Kraͤtze, allein man muß wissen ihn recht zu gebrauchen, sonsten verhin- dert er, daß sie nicht recht ausschlagen kan, und verursachet allerhand Zufaͤlle, ja wohl gar den Tod. Das zehende Capitel. Von den Schwefelblumen. D Je Schwefelblumen sind Schwe- fel, der in gewissen, ausdruͤcklich hierzu verfertigten Toͤpfen verbrannt, und zu solchen Blumen gemachet wor- den ist, dergleichen wir zu sehen bekom- men. Die schoͤnst- und besten Schwe- felblumen kommen aus Holland, je- doch anietzo, und seit dem man sie auch zu Marseille/ Rouan und selbst in Paris bereitet, gar selten. Die rech- ten Hollaͤndischen Schwefelblu- men werden uns, als wie der Stil de grain, in Kuchen gebracht, und sind sehr leichte, lassen sich uͤbel zerreiben, und sind mehr weiß als gelb. Allein, weil der Geitz allenthalben regieret, der Krieg auch ie mehr und mehr uͤberhand genommen, sehen wir sie nicht mehr, so daß anietzo die Marsilischen Schwe- felblumen die schoͤnsten sind, welche dennoch, und ob sie auch gleich noch so schoͤne, den Hollaͤndischen nicht bey- kommen, als welche, wenn sie, wie sichs gebuͤhret, beschaffen sind, uͤber die mas- sen fein seyn, das ist, als ein unbegreiff- liches, gantz zartes und leichtes Pulver, dabey goldgelb sehen, und ziemlich lieb- lich schmecken. Die dritte Gattung, sind die zu Rou- an bereitet werden, und insgemein weißlicht gelb: sind aber nichts anders, denn Schwefel, der durch ein heftiges Feuer aufgetrieben, und mit recht fein gestossenem Mehle oder Kraftmehl ver- mischet worden, deswegen sie auch sol- len verworffen werden, sowohl als alle diejenigen, welche ein Hauffen Leute in Paris von Haus zu Haus herumtra- gen, und lauter Staub von Hollaͤndi- schen Schwefel ist, der gestossen uñ durch ein gantz zartes taffetes Sieb gestaͤubet worden. Andere aber reiben ihn, gleichwie man vor diesen zu Charen- ton thate, damit er desto feiner werde. Damit nun allen dergleichen Betruge vorgebauet werden moͤge, ob man ihn schon sonsten auch gar leichtlich entde- cken kan, so sey diß eine Hauptregel fuͤr diejenigen, die sie, verstehe die Schwe- felblumen, noͤthig haben, und ein ge- wisses Zeichen, daß sie verfaͤlschet und nicht nach den Regeln der Kunst berei- tet worden, wenn sie das Pfund um 7. oder 8. Sols bekommen koͤnnen, und der Schwefel kostet doch 4. Sols: es ist unmoͤglich recht gute Schwefelblu- men, in dicken, leichten, erystallinen und goldgelben Stuͤcken, wie sie seyn sollen, zu bereiten, daß ein Pfund nicht zum wenigsten 30. Sols kosten solte, da doch der Centner Schwefel mehr nicht als 15. Francken kostet. Deswegen lasse man ihm gesaget seyn, und ziehe die Hollaͤndischen Schwefelblumen allen andern vor; nach diesen nehme man die Marsili- schen. Hingegen verwerffet die von Rouan und Paris gaͤntzlich, denn sie, naͤmlich die falschen, die die Hausirer herum tragen, sind nicht werth, daß sie iemand gebrauchen soll. Die aufrichtig bereiteten Schwe- E e e fel- Der Spezereyen und Materialien felblumen sind ein natuͤrlicher Bal- sam fuͤr die Lunge, und mit so vielen herrlichen Eigenschaften versehen, daß ich nicht wuͤrde zum Ende kommen, wenn ich sie alle beschreiben wolte. Man macht auch zuweilen die Schwefelblumen auf eine andeꝛe Aꝛt, und thut figirten Salpeter oder das Sal polychrestum dazu: und dieses ist die Weise, weñ wir sie weiß machen wollen. Allein es wird wenig darnach gefraget, welches auch verursachet, daß sie gar sel- ten bereitet werden, ob sie gleich herr- lich schoͤne Kraͤfte haben, auch sich weit besser dann die andern einnehmen las- sen. Das eilffte Capitel. Sal Sulphuris. D As Schwefelsaltz kan man auf vielerley Weise zurichten: doch soll man allezeit den leichtesten Weg erweh- len, insonderheit, wenn er von denen an- dern wenig oder gar nicht unterschieden ist; denn es ist eine allgemeine Regel, daß man sich uͤber keine Muͤhe beschwe- ren solle, wenn man etwas dem gemei- nen Besten nuͤtz- und erspriesliches ver- richten kan. Und derowegen soll auch dieses Saltz dergestalt bereitet werden, als wie der Herr Charras in seiner Apotheckerkunst p. 887. gelehret hat, dahin dann der Leser mag gewiesen seyn. Es bestehet aus gelaͤutertem Salpeter und Schwefelspiritus, dar- aus man vermittelst einer Retorte, im Sandfeuer, eine weisse Massa bekommt, welche recht herrliche Tugenden bey sich fuͤhret. Auch kan man es mit dem Sale polychresto, so wie dasselbe aus dem Tie- gel kommt, und sonst auf allerhand Ar- ten zubereiten, welche man in den Buͤ- chern, die von der Chymie handeln, fin- den kan: iedennoch aber mag man sich immer an diese Bereitung halten, um so viel mehr, weil sie sich gar leichtlich practisiren laͤßt, und von einem Man- ne beschrieben worden ist, der sie gewiß- lich nicht wuͤrde ans Licht gestellet ha- ben, wenn er sie nicht selbst vorher pro- biret und versuchet haͤtte. Das Schwefelsaltz wird zu Maͤs- sigung der Fieberhitze, in ordentlichem Getraͤncke zerlassen, sehr starck gebrau- chet, doch hat es kein gewisses Maas oder Gewichte, denn man kan soviel drein thun, bis es eine angenehme Saͤure uͤberkommen. Das zwoͤlffte Capitel. Magisterium sive Lac Sulphuris. D Je Schwefelmilch wird von Schwefelblumen und Weinstein- saltze bereitet, welche mit einander ge- kocht, und mit distillirten Eßig zu einem weissen Pulver niedergeschlagen wer- den, welches, wenn es trucken worden, eine weisse Farbe haben muß, und wird fuͤr die Lunge und fuͤr die Engbruͤstigen gar dienlich erachtet. Das dreyzehende Capitel. Spiritus Sulphuris. D Er Swefelgeist ist ein liquor, den man mit Huͤlffe des Feuers, und vermittelst sonderlicher Toͤpfe aus dem gruͤnen Schwefel ziehet, gleichwie der Herr Charras, Lemery, und andere mehr gezeiget, die ihm auch zweyerley Namen gegeben, nachdem er naͤmlich eine Farbe hat und ohne phlegma ist. Denn er heißt Schwefelspiritus, wenn er ist, wie er aus den Toͤpfen kommt; da er dann, wann er gebuͤh- rend beschaffen, so klar wie Wasser seyn, angenehme saͤuerlich schmecken, und das blaue Papier, darauf er gestrichen wird, roth anfaͤrben muß. Allein die beste Proba ist, wenn man ihn bey recht- schaffenen ehrlichen Leuten kaufft. Der Schwefeloͤl oder rectifi- cirter Schwe- felspiritus. andere ist der, dem die uͤberfluͤßige Waͤssrigkeit oder das phlegma benom- men worden, und der eine goldgelbe Farbe uͤberkommen hat, der auch uͤber alle massen starck ist, so daß man ihn nicht Hauptbeschreibung dritter Theil. nicht auf der Zunge leiden kan. Die- sem liquor hat man, ob es schon eigent- lich nicht recht ist, den Namen Schwe- feloͤl, ertheilet. Vor einigen Jahren hatte sich ein bleßirter Soldat auf das Schwefeloͤl- machen geleget, welches er auch von La- den zu Laden herum trug: derselbe brachte zu Zeiten etwas recht gutes; weil er aber ein wenig zu liederlich war, und ein Glas Wein mehr liebte, als was er mit gutem Gewissen erwarbe, so verkauffte er unterweilen denenjeni- gen, die es nicht kenneten, und sonder- lich den Weinschencken, die dessen eine gute Menge verbrauchen, solch Oel, welches nichts anders war, als Eßig, mit Vitriolwasser oder phlegma vermischet. Dannenhero, sey man gewarnet, und kauffe ja niemahls den Schwefel- spiritus bey jemand anders als bey red- lichen Leuten, und gebe Acht, daß er nicht nachgemachet sey, entweder mit Vitriolspiritus, oder vielmehr das phlegma, und Eßig, oder mit Wasser, darein man etliche Tropfen Scheide- wasser getroͤpfelt hat, wie einige solche liederliche Tropfen und Hausirer zu thun pflegen, sehe dabey nicht auf den Preiß, und erkauffe ihn bey bekannten und rechtschaffenen Leuten. Vor weniger Zeit hat man entdecket, daß nichts nicht als der Schwefelspiri- tus oder vielmehr das Schwefeloͤl dem Peridot den Glantz geben koͤnne, gleich- wie im Buch von Edelsteinen wird zu ersehen seyn. Man faͤrbet auch die Blumen damit, welche wir immortelles, unvergaͤngliche, oder Amaranthen zu nennen pflegen. Das vierzehende Capitel. Vom Schwefelbalsam. D Er Schwefelbalsam wird auf zweyerley Weise bereitet: erstlich, mit gruͤnem Anisoͤl und aufrichtigen Schwefelblumen, die man mit einan- der zergehen laͤßt, und hernachmahls Mit Anisoͤl zugerichteter Schwefel- balsam. Balsamum sulphuris anisatum, den mit Anisoͤl zugerichteten Schwefelbalsam benennet, ihm auch grosse Kraft zu- schreibet/ gleichwie aus folgenden wird zu ersehen seyn. Charras sagt in seinem Buche pag. 470. daß einige glaubeten, die Kraͤfte dieses Balsams kaͤmen denen Kraͤften des natuͤrlichen Balsams ziemlich bey, dieweil er gleichergestalt erwaͤrme und sittiglich trockne, und vor der Faͤulung bewahre: so ist er auch wider alle Zu- faͤlle der Brust, und absonderlich wider den Husten, Engbruͤstigkeit und Lun- gengeschwuͤre beruͤhmet. Er dienet desgleichen wider die Bloͤdigkeit des Magens und Unverdaͤulichkeit, bringet den Appetit wieder, und stillet die Ble- hungen und alle Arten der Colica. Jn- gleichen wird er gelobet, daß er wider die Pest, morbos epidemicos und Land- Seuchen, Venerische Kranckheiten, an- haltende und nachlassende Fieber, auch wider die fallende Sucht dienlich sey. Man nimmt ihn in einem oder dem an- dern dienlichen liquore ein, von 3. bis auf 10. und 12. Gran. So kan man ihn auch auf den Nabel streichen, wenn man einen schwachen Magen oder die Colica hat. Das distillirte Anisoͤl koͤnte wohl auch zur Bereitung dieses Balsams ge- brauchet werden, alleine, weil es fluͤch- tig ist, und daher viel mehr verflieget als das gruͤne, man auch das Glas nimmermehr so wohl verstopfen koͤnte, daß der Balsam nicht solte einen ziem- lichen Abgang an der Quantitaͤt leiden, deshalben brauchet man das ausge- preßte Oel dazu. Der andere ist der gemeine Schwe- felbalsam/ und wird mit Nußoͤl, das ohne Feuer ist bereitet worden, von Schwefelblumen, Weinsteinsaltz, und weissen Wein, unter einander vermi- schet, gemacht, und hat gar feine Ei- genschaften, denn er ist gut die rohe un- verdauliche Materie, die sich in diesen oder jenen Theil des Leibes gesetzet hat, zu digerir en, zu zerstreuen uñ zu zertheilen: man schmieret sich auch aͤusserlich da- mit, und er ist das Grundstuͤck des Schwefelpflasters. Etliche nehmen an statt des Nußoͤls, suͤsse Mandeloͤl, weiß Mohnoͤl, und Ter- pentinoͤl zur Bereitung dieses Bal- sams, welche Veraͤnderung dennoch sei- ne Wirckung nicht verhindert; kan al- so ein ieder nach seinem Belieben damit E e e 2 ver- Der Spezereyen und Materialien verfahren. Etliche thun auch Myr- rhen, Aloe, Saffran und dergleichen dazu. Von Neapolis bringt man uns, ausserhalb des Schwefels, eine Erde oder gelben Stein, welchen der Berg Neapolitani- sches Gelb. Etna auswirfft, und wir Neapolita- nisches Gelb zu nennen pflegen; das- selbe wird von den Mahlern ge- braucht. Diese Erde ist sehr rar, und wenn sie gebuͤhrend beschaffen seyn soll, so muß sie sandicht seyn, und so hoch an Farbe, als nur moͤglich. Diese Erde ist ein in der Erde gekochter Schwefel, und deswegen also trucken, daß sie sich zerreiben laͤßt. Das funffzehende Capitel. Von der Naphtha. D Je Naphtha/ oder Bitume limo- neux, ist ein Hartz oder Leimen, der sich in Europa an vielen Orten finden laͤßt, und der Name Maltha ist ihm zu voͤrderst von einem Hartze gegeben worden, welches bey Comagena in Sorien gefunden wird. Plinius meldet, daß dieses Hartz dermassen kle- bricht sey, daß es sich an alles hencke, was es nur antrifft: und daher soll auch der Name Maltha entstanden seyn, denn man erzehlet, daß es den von dem Lucullus belagerten Samo- satenern trefflich zu statten gekommen, sintemahl, sobald nur ein Soldat von diesem Leimen beruͤhret worden, habe es alsobald in dessen Waffen hinein ge- brannt, und sey nicht eher zu loͤschen gewesen, bis man Erde drauf geworf- fen: denn alles Hartzes Eigenschaft ist, ie mehr man Wasser drauf geußt, ie mehr entzuͤndet es sich. So findet sich auch eine Gattung Hartz nahe bey Ra- gusa in Griechenland, welches wie Pech riecht, und eben also gebrauchet wird: u. diesem hat man den Titel Mal- Natuͤrliches Pissasphal- tum oder Erdpech. tha und natuͤrliches Pissasphaltum oder Erdpech gegeben. Weil aber beyde Sorten der Maltha uns unbe- kannt, wir auch sie in Franckreich nicht zu sehen bekommen, deshalben will ich nur von derjenigen, die man in Au- vergne findet, handeln. Das Hartz aus Auvergne ist eine Gattung Pech, eines ziemlich haͤßlichen Geruchs, und wird zwischen Clar- mont/ Montferrant und Rion/ an einem Orte, Puis de Pege, und zwar in so grosser Menge gefunden, daß es aus der Erden herausquillt, welches denen vorbeygehenden grosse Ungelegen- heit verursachet, denn es sich der- massen veste ihnen an die Fuͤsse henget, daß sie mit Muͤhe und Noth von dem Platze wegkommen koͤnnen, ofters muͤs- sen die Reisenden die Schuhe im Stiche lassen. Diese herrliche Waare nun lassen einige Tabuletkraͤmer trucken werden, und verkauffen sie hernach den Spezereykraͤmern, Apotheckern und andern, die sich nicht sonderlich auf die Materialien verstehen, fuͤr wahr- haften Judenleim, ob es schon gantz leichtlich an dem haͤßlichen Geschmacke mag erkennet werden, da im Gegen- theil das rechte Judenpech fast gar nicht riecht: deswegen und um dieses stin- ckenden Geruchs willen haben es etliche Asa fœtida und Teufelsdreck genennet. Es giebt zwar noch eine gar grosse Menge anderer Arten Hartz, die aus der Erde kommen, allein, weil wir damit nicht handeln, indem wir sie nicht ha- ben, deshalben will ich auch davon gar nichts gedencken. Das sechzehende Capitel. Von der Jtalienischen Raphtha. D Jese ist ein Oel, das unterschiedene Farben hat, und aus einem Felsen rinnet, der in dem Thale Montfestin/ im Hertzogthum Modena lieget. Die- ses Oel ist nur vor einigen Jahren, durch einen, Namens Roque Foura/ der in dem Staͤdtlein Pra/ bey Brian- son im Oberdelphinat gebohren und wohnhaft war, bekannt gemachet wor- den, und von demselben habe ich auch folgenden Bericht bekommen; so hat er mir auch unterschiedliche Sorten Naphtha Hauptbeschreibung dritter Theil. Naphtha verkauffet, die ich auch an- noch habe. Die Naphtha aus Jtalien oder von Montfestin, kommt aus einem Felsen, der in einem Gebirge liegt, da- hin sie durch die unterirdischen Adern ge- leitet worden, und wird als ein Oel, das unterschiedliche Farben hat, ver- mittelst gewisser Canaͤle und Kessel, die es von einander sondern, gesammlet: oder besser zu reden, der Hertzog von Sara und Darce/ und Marquis Orpia im Hertzogthum Modena, dem ermeldter Felsen zustehet, hat ku- pferne Rinnen oder Roͤhren machen lassen, welche solchergestalt geleget sind, daß sie das Oel unmittelbar empfangen, welches hernach vermittelst dieser Roͤh- ren in die kupfernen Kessel faͤllt, und darinne aufgefangen wird. Dieses Oel veraͤndert die Farbe, nachdem es mehr oder weniger von der Sonne entfernet ist; denn, welches an der Seite, die die Sonne bescheinet, hervorkommt, ist Naphtha von unterschiede- ner Farbe. weiß wie Wasser, und wird fuͤr das beste gehalten; das an der andern Seite aber ist roth/ als wie Wein; das auf dieses folget, ist gelb, nach diesem kommt das gruͤne, und endlich das an der an- dern Seite des Felsens, dem Weissen gegen uͤber, ist schwartz. Die weisse Naphtha/ welche wir auch das weisse Peteroͤl zu nennen pflegen, nicht allein, weil es weiß, klar und schoͤn ist, sondern auch, weil es sich mit keiner eintzigen Sache auf der Welt vermischen laͤßt, indem es viel leichter ist, als alles dasjenige, das man drun- ter mischen will, und allzeit oben auf schwimmet; wie ingleichen seines star- cken und durchtringenden Geruchs hal- ber, der sich dem Schwefelgeruch ver- gleichet, und es uͤberaus fluͤchtig macht, und daß es Feuer fasset, welches denen- jenigen zur Nachricht dienen kan, die es verkauffen, damit sie sich als wie mit dem Pulver wohl in Acht nehmen moͤgen. Die herrlichen Eigenschaften dieses Oels sind Ursache, daß ich nichts weiter davon vermelden, sondern den Leser auf diejenigen Zettel weisen werde, die obgemeldter Roque Foura drucken lassen, daselbsthin koͤnnen diejeni- gen, die sie zu wissen verlangen, ihre Zuflucht nehmen. Was die rothe, gelbe und gruͤne Naphtha betrifft, die werden so wenig gebraucht, daß wir sie auch nicht einmahl zu Gesichte bekom- men: uͤberdiß vermischen sie die Jtalie- ner mit der schwartzen, bevor sie die- selbe zu uns senden. Und eben darum ist das Peteroͤl, das wir aus Jtalien bekommen, hellroth und gelblicht, da es doch dicke und schwartz seyn solte, so wie es aus dem Felsen tringet; und hat einen annoch ertraͤglichen Schwefel- geruch. Weil dieses Oel ziemlich theu- er ist, deswegen schieben etliche ein ver- faͤlsches Peteroͤl dafuͤr ein, gleichwie aus folgenden wird zu ersehen seyn. Das siebenzehende Capitel. Von schwartzen Peteroͤl von Gabian. D As Peteroͤl/ oder das schwartze Oel von Gabian ist ein fluͤßiges Hartz, welches aus der Erde hervor trin- get, und durch die unterirdischen Canaͤle uͤber das Wasser eines kleinen Fluͤß- leins, nahe bey dem Doͤrfflein Gabian in dem Bißthum Bezieres in Lan- guedoc gelegen, sich ergiesset. Vor diesem war dieses Oel also gemein und uͤbrig, daß man nicht viel darnach frag- te, denn man kunte in einem Tage eine ziemliche Menge desselbigen sammlen, anietzo aber wird es nur alle Morgen geschoͤpft, und der Ort, wo man es sammlet, ist mit Mauren umgeben, und wird von einem Manne bewahret. Man hat mich berichtet, daß der Bi- schoff von Bezieres groß Einkommen davon haͤtte, doch ietzo bey weiten nicht so viel, als wie vor diesem. Dieses Oel soll eine mittelmaͤßige Consistentz und Dicke haben, nebst einem starcken durchtringenden Geruch und schwartzer Farbe. Man nehme sich in Acht, daß es kein dickes Terpentinoͤl sey/ welches mit Theer und schwartzem Peche gefaͤrbet worden. Die beste Kundschafft, die ich davon mitzutheilen vermag, ist diese, man kauffe es bey redlichen Leuten, die nicht faͤhig sind eines statt des andern E e e 3 zu Der Spezereyen und Materialien zu verkauffen, und kehre sich nicht an den wohlfeilen Kauff. Das schwartze Peteroͤl aus Jta- lien oder das von Gabian wird wenig zur Artzney gebraucht, das meiste ver- thun die Schmiede und Feuerwercker. Es giebt auch noch andere Sorten Peteroͤl, oder Hartz, die an vielen Or- Allerhand Arten Hartz. ten und Enden in der Welt gefunden werden, als da ist, das Hartz von Ca- lao/ Surinam und Copal; weil wir aber deren keines haben, auch nicht da- mit handeln, deshalben will ich auch nichts davon vermelden. Das achtzehende Capitel. Von der Sinesischen Dinte. D Je Sinesische Dinte ist ein harter dichter Teig, den die Sineser/ nach dem Berichte etlicher Scribenten, aus einer schwartzen, hartzichten Erde ma- chen, die sie zu Pulver stossen und mit Tragant einen Teig bereiten, aus die- sem aber kleine Stuͤcklein formiren, die sie, nachdem sie einige Chinesische Buch- staben und Zeichen drein getruckt, truck- nen lassen, und verkauffen, so wie wir sie zu Gesichte bekommen. Weil ich aber nicht eigentlich erfahren koͤnnen, woraus sie bestehe, als will ich sagen, daß man diejenige erwehlen muͤsse, wel- che aufrichtig Chinesisch Gut ist, denn dieselbe weit besser, als die, welche in Holland gemacht wird, welches man auch unschwer mercken kan, indem die Hollaͤndische kleine platte, graulicht schwartze Stuͤcklein, hingegen die Chi- nesische in kleinen viereckten, des Fin- gers langen und dicken Stuͤcklein oder Kuchen ist, und so schwartz siehet, als Gagat. Die Chinesische Dinte dienet zum schreiben auf die Landcharten; kurtz, sie wird von denenjenigen, die etwas mit schwartz zeichnen wollen, gebrauchet, denn es ist eine Dinte, die man bey sich fuͤhren kan. Das neunzehende Capitel. Vom Stuͤckpulver. D As Stuͤckpulver wird von Salpe- ter, Schwefel und Kohlen, aus Weiden oder andern leichten Holtze ge- brannt, und mit Eßig zusammengesetzt, und vermittelst besonderer Siebe oder loͤcherichten Jnstrumente so grob und so klar, als man nur will, gemachet. Doch will ich mich nicht lange dabey aufhalten, denn mir die rechte Weise, wie es gemachet wird, unbekannt ist, wiewohl ich auch keinem Kauffmanne rathen will, daß er es verkauffe, wenn es nicht sein eigentliches Thun und Handlung ist, weil zuviel Gefahr da- bey. Ende des Buchs von Hartzen. Dritter Hauptbeschreibung dritter Theil. Dritter Theil Der Hauptbeschreibung der Spezereyen und Materialien Das Vierte Buch/ Von Steinen. Vorrede. D Urch das Wort Stein verstehe ich einen harten und dichten Coͤrper/ der sich weder im Feuer schmeltzen/ noch unter dem Hammer ausdehnen laͤßt, und mit der Zeit in der Erde for- miret wird/ und ein Geschlechte der Mineralien ist. Jch werde aber dieses Capitel in zwey Classen abtheilen, und in denenselben die Edlen und gemeinen Steine vorstellen. Durch die Edelsteine verstehe ich diejenigen, welche theuer sind/ entweder weil sie gar rar und seltsam, oder weil sie aus der Ferne kommen, anbey sehr harte, klein und glaͤntzend sind: durch die gemeinen aber verstehe dieselben, die bey uns gantz gemeine und unwerth sind. So will ich demnach bey dem Hyacinthe anheben/ welcher unter allen denenjenigen, die wir verkauffen/ der schoͤnste ist/ von dem wir auch den meisten Nutzen ziehen. Doch dieses muß man wissen/ daß ich allein von denen/ die wir verkauffen/ gesonnen bin zu handeln/ und nicht von den Steinen/ welche die Juwelirer und Edelgesteinschneider verkauffen/ denn darauf verstehe ich mich nicht. Das erste Capitel. Vom Hyacinth. D Er Hyacinth/ den man zur Artzney gebraucht, ist ein Stein, dessen es drey Sor- ten giebet, naͤmlich einen weiß und roͤthlichten, welches ein kleiner Stein ist, in der Groͤsse und Gestalt eines mittelmaͤßigen Saltzkorns, ziemlich zarte, von obge- dachter Farbe, daher er auch den Na- men uͤberkommen hat. Der andere ist auswendig und in- wendig roͤthlicht, von Natur wie ein Diamant geschnitten, und wird gemei- niglich in Polen/ Boͤhmen und Schle- sien, auch in Jtalien gefunden. Es giebt auch zuweilen weisse Hyacinthe unter die rothen, gelben und andere vermischet. Allein, weil diese und der- gleichen Arten des Hyacinthes nur von solchen Apotheckern und Tabuletkra- mern gebrauchet werden, die entweder wohlfeil einzukauffen suchen, oder aber die andern gar nicht kennen, derowegen sollen sie gaͤntzlich verworffen werden, denn sie sind nur Sand und Kies; wie auch eine andere Gattung falscher Hya- cinthen, welches kleine Steinlein sind, in Groͤsse eines Nadelknopfs, roth und glaͤntzend. Diese werden sehr oft in Franckreich gefunden, vornehmlich in Auvergne/ und wir pflegen sie Jargons Jargons. grobe oder falsche Hyacinthe zu nennen. Die nun der Hyacinthen zu derjeni- gen composition, die ihren Namen fuͤh- ret, Der Spezereyen und Materialien ret, noͤthig haben, dieselben sollen auch keine andere, als die weiß und roͤthlichten dazu gebrauchen, denn diese sind die rechten, und oriental, und brauchen, wenn sie zur Artzney kommen sollen, keiner andern Zubereitung, als daß sie zu einem zarten unbegreifflichen Pul- ver muͤssen gerieben werden. Das andere Capitel. Confectio de Hyacintho. D Jese ist eine fluͤßige oder feuchte Hertzstaͤrckende Lattwerge, von Hyacinthen, rothen Corallen, orienta- lischen Bolus, Siegelerde, von iedem 9. Loth, Kermesberen, Cꝛetischen Diptam, Tormentillwurtz, geschaͤlten Citronker- nen, Saffran, auserlesener Myrrhe, Provinsrosen, Sandal, Hirschhertz- creutzen, geraspelten Hirschhorn und Helffenbein, Sauerampfer- und Por- tulac-Samen, eines ieden 2. Quintlein und 2. Scrupel, rothen Sapphir, Schmaragd, Topas, feinen Perlen, roher Seide, Gold- und Silberblaͤttlein, von ieden 16. Scrupel, so 5. Quintlein und 1. Scrupel machen, Mosch und Ambra von ieden 40. Gran, oder ein halb Quintlein und zehen Gran. Alle diese Stuͤcke werden gestossen, und die Steine auf einem Porphir oder Reibe- steine wohl untereinander gerieben, und daraus, mit Limonen oder Nelckensy- rup eine feuchte Lattwerge gemacht, gleichwie in des Herren Charras und Bauderons Apotheckerkunst ange- mercket ist, woselbst sie diejenigen, die sie zu machen verlangen, finden koͤnnen. Es soll aber diese Confectio von rech- ter Dicke seyn, frisch und getreulich be- reitet, roth als wie Vermillon und auf gelb sich ziehend. Doch sollen, die die- se confection bereiten, den Mosch und Ambra, ohne Gutbefinden recht- schaffener Medicorum, nicht drein thun, denn der meiste Theil dererjenigen, die sie verlangen, wollen sie ohne Mosch und Ambra haben, weil diese beyde Stuͤcke dem Weibesvolcke gar sehr zu wider sind; oder, wenn sie ja dieselbe damit zurichten, sollen sie selbige abson- derlich thun, das ist, sie sollen sie mit und ohne Mosch haben. Die Confectio de Hyacintho, nach den Regeln der Kunst gemacht, wird in der Medicin gar sehr gebraucht, wegen ih- rer vortrefflichen Tugenden, denn sie staͤrcket das Hertze, widerstehet dem Gifte, und ihr werden eben dergleichen Kraͤfte beygelegt, als wie der Alkermes Confection, wie sie denn auch auf eben dieselbe Art gebrauchet wird. Jn dem Lionischen Gebirge/ in Provence und Languedoc brauchen sie diese Confection so ofte, daß wenig Leute sind, die nicht solten ein Buͤchslein mit die- ser oder der Alkermes Confection bey sich fuͤhren, und alle Morgen, sobald sie nur aufgestanden, etwas davon zu sich nehmen. Weil diese Confection so theuer ist, und dennoch so starck vertrieben wird, hat solches einen Hauffen liederlicher Leute veranlasset, sie auf eine solche laͤ- sterliche Weise zu verfaͤlschen, daß ich auch nicht einmahl sagen mag, womit sie es verrichten, denn etliche nehmen blos gekochten Honig dazu, gestossenen Bolus, Myrrhen und Kupferblaͤtter: andere aber, die noch ein wenig gewis- senhafter sind, nehmen Saffran, der in Orange waͤchst, auch wohl nur Saff- ranum und Safflor: und deshalben sind auch alle diese Tabulettraͤger be- fliessen diese Confectionen und Theriac herum zu tragen, denn ohne diese drey Stuͤcke wuͤrden sie es den andern schwerlich gleich thun koͤnnen. So giebt es auch fast keine andere Confectiones, davon sie einen Gewinn ziehen moͤgen, als diese, und den erhalten sie gantz leich- te, indem sie eine Sache, die sie bey na- he gar nichts kostet, also theuer verkauf- fen, da indessen ein ehrlicher Mann, der alle Muͤhe angewendet, damit er sie ge- buͤhrend zurichte und bey ihrer Farbe erhalte, (welches gewißlich nichts leich- tes ist, bevoraus, wenn aus Versehen oder sonsten einig Eisen drein gestecket worden, oder wenn man schwartze Sapphire dazu genommen hat) aller Muͤhe und Unkosten ungeachtet, sie den- noch verderben sehen muß, da indessen diese Leute, duͤrffte lieber Schelme sa- gen, viel eher etliche und mehr Pfund verthun, als ein ehrlicher Mann, und dieses allein darum, weil sie dieselben so wohl- Hauptbeschreibung dritter Theil. wohfeil hingeben. Dieses dencke ich, kan von dieser und der Alkermes Confection, wie auch vom Theriac, genug gesaget seyn, um dadurch zu verhindern, daß sie niemand von diesen Hausirern, oder auch wohl von Kramern, die derglei- chen Handel treiben, erkauffe, denn es gehet gar schwer zu, wenn man sie er- kennen will, indem diejenigen, die diese Sachen zurichten, nicht die ungeschick- testen sind, und gehoͤret eine groͤssere Wissenschaft dazu, wenn man ein schoͤn Stuͤck von haͤßlichen Materialien ver- fertigen soll, als wenn man etwas gu- tes mit guten Sachen zurichtet. Jch selbst kan versichern, daß ich dergleichen Hyacintheonfectiones gesehen, und un- ter den Haͤnden gehabt habe, durch die auch der geschickteste Mensch solte betro- gen worden seyn. Demnach ist die be- ste Wissenschafft oder Kundschafft, die ich davon ertheilen kan, diese; man muß sie bey redlichen Leuten erkauffen, und nicht auf den Preiß sehen. Das dritte Capitel. Vom Topas. D Je Topasen/ die zur Artzney ge- brauchet werden, sind Steine von unterschiedener Groͤsse, uͤberaus schwer, hell und durchsichtig, und den Spie- geln, die sich in dem Gyps von Mont- martre befinden, durchaus aͤhnlich. Man haͤlt dafuͤr, daß diese Steine in Ost- und Westindien/ in Boͤhmen und Teutschland gefunden wuͤrden. Der Topas zur Artzney braucht kei- ner weitern Zubereitung, als daß er, gleichwie der Hyacinth, und andre hier- naͤchst folgende Edelsteine, mit Rosen- wasser abgerieben werde. Das vierte Capitel. Vom Schmaragd. D Er Schmaragd ist ein gruͤnlich- ter Stein, welcher an unterschied- lichen Orten in Ethiopien, Egypten und Persien, auch Ost- und Westin- dien gefunden wird. Die Schmaragden, welche am hoͤ- hesten geachtet werden, sind diejenigen, die man Prima zu nennen pflegt, weil sie insgemein rein und sauber sind, das ist, sie sind sehr schoͤn gruͤn auf blau, ohne Marmor und Stein. Es scheinet, als ob die Schmaragden in den Eisen- schachten gefunden wuͤrden, denn ich habe etliche, an denen annoch Eisen haͤnget. Man hat in Acht genommen, daß der Schmaragd seine gruͤne Farbe in den Bergwercken uͤberkomme, ie mehr er naͤmlich zu seiner Vollkommenheit ge- langet, gleich als wie die Fruͤchte auf den Baͤumen: iedoch will ich es nicht fuͤr gewiß ausgeben, weil ich es nicht selbst gesehen habe. Das fuͤnffte Capitel. Vom Sapphir. W Jr verkauffen zweyerley Sorten Sapphir/ rothe und schwaͤrtz- lichte. Es sind aber dieselben kleine Steinlein, wie Nadelknoͤpfe groß, uͤber die massen harte und folglich sehr schwer zu reiben. Die rothen, welche insge- mein eine Farbe, wie der Wein haben, sollen zur Artzney gebrauchet werden, denn was die schwaͤrtzlichten betrifft, dieselben sind viel eher den Eisenschla- cken, als einem Edelsteine aͤhnlich, und machen die Hyacinth-Confection schwartz, wenn man sie dazu nimmt. Jhrer etliche schieben an statt der rothen orientalischen Sapphire dieje- nigen kleinen Steinlein ein, welche in Holland gantz gemeine sind, und von uns Vermeil genennet werden, oder kleine Granaten; dannenhero muß man wohl drauf Achtung geben: wie- wohl es ohnschwer zu mercken ist, denn die wahrhaften Sapphire sind sehr schoͤn roth, klar und durchsichtig, da- hingegen die Vermeils dunckelroth und sehr veste sind. F f f Das Der Spezereyen und Materialien Das sechste Capitel. Vom Rubin. D Je Rubinen sind gleichergestalt kleine roͤthlichte Steinlein, welche uns aus Jndien gesendet werden, und in der Artzney sehr wenig gebraͤuchlich sind: dahero will ich auch sowohl von diesen, als von vielen andern, die wir ebenmaͤßig verkauffen koͤnten, wenn sie nur abgiengen, nichts gedencken; ihre Namen findet man besser unten. So habe ich auch diesen Theil nur allein mit den fuͤnff Sorten der Edelsteine oder de- ren Stuͤcken, welche in der Artzney eini- gen Nutzen haben, vergroͤsseꝛn wollẽ, den Leser aber in dasjenige Buch verweisen, der vollkommene Juwelirer, oder Be- schreibung der Edelsteine genannt, wel- ches Anselmus Boetius Boot, Kaͤy- ser Rudolphs II. Leib-Medicus, verfer- tiget, ingleichen zu dem Jndianischen Mercurius des Herrn Rosnel, wo- selbst der Laͤnge nach davon gehandelt wird. Die Edelsteine, die wir ausser obbe- schriebene haben, sind Diamanten von Alenson, Amethisten aus Au- vergne und von Carthagena, Gira- sol, Peridot, Agat/ Berill, Sardo- nich/ Corallin/ Granat, Malachites, ingleichen allerhand Arten Marmor/ Florentiner Stein, und so fort an. Weil ich nun einen gar grossen Unter- schied zwischen den Steinen, die wir verkauffen, und zwischen den feinen Steinen, die die Edelsteinschneider ge- brauchen, befinde, als wolte ich rathen, daß diejenigen, welche die Confectionem de Hyacintho bereiten wollen, viel ehe die Abgaͤnge von den feinen Steinen erkauffen moͤchten, als sich an die Stei- ne halten, die wir zu verkauffen pflegen, denn ich glaube gaͤntzlich, daß sie gar schlechte Kraͤfte haben duͤrfften, und daß sie nichts als ein purer Felsen seyn; welches mir doch niemand uͤbel deuten wird. Jch bin derjenigen Meinung, welche sagen, daß alle geriebene Edel- steine keine andere Kraft haben, als die Saͤure zu absorbi ren uñ zu verschlucken. Das siebende Capitel. Vom Lasurstein. D Er Lasurstein/ insgemein Lapis lazuli, von andern aber cyaneus und stellatus genannt, ist ein schwerer, him- melblauer Stein, voller Felsen, und noch oͤfter mit Kupferadern, welche alte und neue Scribenten fuͤr Gold anse- hen, versetzet. Die groͤste Menge die- ses Steines, die wir haben, kommt aus Persien und Jndien, und wird, nach einiger Berichte, in den Goldgruben, dessen Marcasit er ist, gefunden. Dem sey nun wie ihm sey, gewiß ists, daß dieser Stein, gerade als wie bey uns die Steine aus den Steinbruͤchen, ge- brochen und gezogen werde; welches auch die Ursach ist, daß wir diesen Stein in so unterschiedener Groͤsse und Dicke bekommen. Wenn der Lapis Lazuli vollkommen, und zum Ultramarin/ dazu er am meisten verbrauchet wird, oder auch zu andern Sachen dienlich seyn soll, so muß er schwer seyn, dun- ckelblau, gleichwie schoͤner Jndich, und, so viel immer moͤglich, ohne Schwefel- und Kupferadern. Desgleichen muß man zusehen, daß er nicht mit Baumoͤl gerieben worden, damit er fein dunckel- blau, und als ein Tuͤrckis erscheine. Doch diesen Betrug kan man gar leicht- lich mercken, dieweil der rechte Lasur- stein inwendig mehr als auswendig, blau, als wie ein Tuͤrckis siehet. So soll man auch denselbigen verwerffen, der voller Gestein und so genannte Gold- aͤdergen ist, denn wenn man ihn brennt, und das Ultramarin davon bereiten will, stinckt er uͤber die massen sehr, wie Schwefel, welches dann ein Zeichen ist, daß er kein Gold, sondern Kupfer hal- te: oder wenn man ihn durch eine Pa- sta oder Teig treibet, den Stein davon zu bringen, findet sich ein grosser Ab- gang, welches in Wahrheit nichts ge- ringes, indem diese Waare gar zu theuer ist. Es ist ingleichen ein grosser Fehler, wenn man glaubet, was etliche aufgezeichnet, daß naͤmlich der gute Stein im Feuer am Gewichte zunaͤhme. Das Hauptbeschreibung dritter Theil. Das ist wohl wahr, ie besser der Stein, ie weniger gehet ihm ab, so trifft man auch wohl bisweilen dergleichen Stein an, dem so wenig abgehet, daß es kaum der Muͤhe lohnet daran zu gedencken. Allein, ob er gleich noch so gut waͤre, den- noch gehet ihm allzeit etwas ab, an statt, daß ihm zugehen solte. Man muß ihn auch, als wie das Ultramarin, ins Feuer legen, und zusehen, ob er gut sey, denn der gute Lasurstein muß die Farbe nicht veraͤndern, wenn er gegluͤet worden. Diese Nachricht von der Wahl des Lasursteins lautet gantz anders, als der Bericht aller dererjenigen, die davon ge- schrieben haben, und sagen, ie mehr der Stein mit gelben oder goldnen Ae- derlein erfuͤllet sey, ie hoͤher sey er zu schaͤtzen, welches ich aber falsch zu seyn hiermit erklaͤre, denn ie mehr sich der- gleichen darinne befinden, ie weniger wird er geachtet, und sonderlich von de- nenjenigen, welche wissen, was es ist, wie auch von denen, die das Ultramarin draus machen wollen. Desgleichen soll man Acht haben, daß es nicht der gruͤnlichte, in Franckreich gantz gemei- Frantzoͤst- scher Lasu stein, ne lapis lazuli sey, dessen genug bey Tou- lon gefunden wird, oder aber der fal- sche, aus Zinn und Zaffera bereitet, wie oben im Cap. vom Schmeltz erinnert worden. Der lapis lazuli wird etlicher massen zur Artzney gebraucht, und zu einigen Galenischen Artzneyen, zur Confectio Alkermes, und andern genommen. Es giebt Autores, welche diesem Stei- ne trefflich grosse Tugenden zuschrei- ben, und unter andern Mævius, dem der Leser nachgehen mag. Andere melden, der Lapis lazuli und Armenius seyen ei- nerley, welches aber in folgenden Cap. wird falsch befunden werden. Das achte Capitel. Vom Ultramarin. D Jß ist eigentlich zu reden, ein Praͤ- cipitat, den man aus dem Lasur- stein, vermittelst eines Teigs oder Pa- sta von Schmierpech und gelben Wachs, Leinoͤl, und andern derglei- chen Dingen gemacht, bereitet. Es gedencken etliche, ob sey dieses Praͤei- pitat deswegen mit dem Titel Ultra- marin beleget worden, weil das aller- erste in der Jnsel Cypern verfertiget worden ist. Andere aber vermeinen, es werde deshalben also genennet, weil seine blaulichte Farbe viel schoͤner denn des Meeres Farbe sey. Mich hat ein guter Freund versichert, daß das erste Ultramarin in England/ von einem Bedienten der Jndianischen Compa- gnie bereitet worden; weil sie aber mit einander in Zwist gerathen, habe er sich nicht besser zu raͤchen gewust, als wann er dieses Geheimnuͤß andern mehr ent- deckete. Doch dem sey wie ihm wolle, erwehlet nur dasselbe Ultramarin, welches hoch an der Farbe, und wohl gerieben sey, so alsdann zu erkennen, wenn man es zwischen die Zaͤhne bringt, denn wenn es sandicht ist, deu- tet solches an, daß es nicht recht gerie- ben: will man aber sehen, ob es etwa verfaͤlschet sey, dann darff man nur ein klein wenig davon in einen Schmeltztie- gel legen und gluͤen lassen, wo es als- dann die Farbe nicht aͤndert, so ist es rein, denn dafern etwas drunter gemi- schet worden ist, bekommt es schwartze Flecken. Es wird zur Oelfarbe und Mignaturarbeit gebraucht. Die Weise, wie das Ultramarin zu- zurichten, findet man in denen Buͤchern beschrieben, die ich allhier zu wiederhoh- len anstehe. Dieses will ich annoch erinnern, daß diejenigen, die es berei- ten, wohl viererley Sorten davon ver- fertigen, welches blos und allein von dem oftmahligen waschen herruͤhret, wie denn das erste besser ist als das letzte. Das neundte Capitel. Lapis Armenius. D Er Armenische Stein ist ein klei- ner Stein, so groß als eine Bley- kugel, auswendig und inwendig gruͤn- licht blau, mit kleinen weissen und glaͤn- F f f 2 tzenden Der Spezereyen und Materialien tzenden Steinlein versetzt, welche sich als wie Gestein oder kleine Diamanten er- heben. Diesem Steine werden treffliche Kraͤfte zugeschrieben, denn er soll gut seyn wider die schwere Noth, Melancho- ley, und dergleichen. Er ist eines von denen Stuͤcken, die zu den Pillen ge- nommen werden, welche den Zunamen vom Armenischen Steine bekommen haben, gleichwie bey vielen Scriben- ten, die davon gehandelt, kan ersehen werden. Weil aber dieser Gebrauch von keiner grossen Wichtigkeit ist, als will ich sagen, daß dieser Stein, nachdem er gerieben und gewaschen; damit das Gestein, und die kleinen Flinterlein, die wie Goldstaͤublein schimmern, da es doch nur Sand ist, davon kommen moͤgen; hernach getrocknet worden ist, uns unter den Titel cendre verte und Aschgruͤn, Bergblau. Vert de terre, gruͤne Asche und Berg- blau zugesendet, auch gar sehr zu der Mahlerey gebrauchet werde, absonder- lich von denjenigen, die das Berggruͤn damit zu vermehren wissen, indem sie Pfund auf Pfund setzen, und derge- stalt den Preiß vermindern, damit sie es wohlfeiler geben koͤnnen, als diesel- bigen, die sich mit dergleichen Betruge nicht behelffen koͤnnen: welches auch gar schwerlich zu mercken ist. Dan- nenhero mag man ja das Berggruͤn nirgend anders als bey redlichen Kauff- leuten erkauffen, und wenn es derge- stalt beschaffen ist, gleichwie ich oben erinnert habe. Es muß uͤberdiß nicht schmiericht seyn, wenn man etwas da- von auf Papier streicht, sondern als wie Sand, welches denn ein Zeichen seyn kan, daß es mit der gruͤnen Asche nicht vermischet. Wir verkauffen sonst auch noch mehr Sorten der gruͤnen Asche, welche aber nur, nachdem sie auf diese oder jene Art bereitet worden, von einander unter- schieden sind, oder nachdem viel von dem zarten, eben als wie vom Ultramarin, davon genommen worden. Jm uͤbri- gen soll die schoͤne gruͤne Asche trucken, gantz fein und hoch an Farbe seyn. Sie dient zur Mahlerey. Das zehende Capitel. Von der blauen Asche. C Endre blëue, die blaue Asche/ ist eine composition oder geriebener Stein, so wir aus England oder von Rouan bekommen, dahin sie von den Schweden/ Hamburgern und Daͤ- nen gebracht worden ist. Die aller- meiste blaue Asche kommt von Dantzig in Polen/ wie andere Mahlerfarben mehr, selbst der Zinck und Bißmuth. Weil aber dieses ein Handel, der nur gar wenigen bekannt ist, deswegen koͤn- nen diejenigen, die dergleichen Waaren von Dantzig bringen lassen, dieselben um ein gutes wohlfeiler geben, denn die, welche sie aus England, oder von Rou- an bekommen. Jch habe zwar allen Fleiß drauf gewendet, damit ich erfah- ren moͤchte, was doch nur die blaue Asche sey, und bin von etlichen ver- sichert worden, daß es eine gewisse com- position sey, die zu Rouan bereitet wuͤr- de: weil aber diejenigen, die es zurich- ten, gar geheim damit thun, deshalben habe ich auch nicht vermocht zu erfah- ren, wovon sie gemachet werde. Die blaue Asche soll fein seyn, hoch an Farbe, so trucken und dem Ultra- marin so gleich, als immer moͤglich. Sie wird ebenfalls zur Mahlerey ge- braucht. Das eilffte Capitel. Vom Jaspis. D Je vielerley Sorten des Jaspis, die es giebet, sind Ursach, daß ich nur von demjenigen reden werde, wel- chen wir verkauffen, und gruͤn ist: doch wuͤrde ich auch nichts davon gemeldet haben, dafern er nicht etwas weniges in der Artzney gebrauchet wuͤrde. Weil denn der gruͤne Jaspis also theuer ist, und durch allerhand Glaͤser, die man dafuͤr einzuschieben pfleget, kan verfaͤl- schet werden, deswegen soll man denje- nigen erwehlen, welcher recht schoͤn dunckelgruͤn ist und glaͤntzend, voll ro- ther Puncten, als wie Blutstropfen, es muß Hauptbeschreibung dritter Theil. es muß auch eine Nadelspitze, mit wel- cher man druͤber hin faͤhret, nicht das geringste Rißgen machen, denn dieses ist das Merck- und Kennzeichen, daß er ge- wißlich oriental. Es melden etliche, der gruͤne Jaspis sey gut wider die schwere Noth, und eine treffliche Hertz- staͤrckung. Er wird auch, als wie die andern Edelsteine praͤpariret. Das zwoͤlffte Capitel. Vom Tuͤrckis. D Jß ist ein gruͤnlichter Stein, der sich aufs graue ziehet, uͤberaus harte und rar ist. Zur Artzney wird er gar wenig gebraucht, allein gar oft zu aller- hand Sachen, welche dann sehr hoch ge- schaͤtzet werden, weil er sich sehr schwer- lich arbeiten laͤßt. Die Tuͤrcken und Polen brauchen ihn mehrmahls zu Messer-Hauer- und Sebelhefften, die sie hernachmahls mit Golde belegen. Der schoͤnste ist der Orientalische. Das dreyzehende Capitel. Vom Griesstein. D Er Griesstein ist ein graulichter Stein, mit etwas blau vermischet, so daß er ordentlich grau und blaulicht, fett und schmiericht ist, als wie der Ve- nedische Talck. Dieser Stein wird von einigen wider den Sand und Gries sehr dienlich er- achtet, daher ist er auch so rar, und wird sehr gesuchet, und eben darum, weil er die Kraft hat, diejenigen, die mit dem Stein oder Gries in den Nieren bela- den sind, zu curiren, haben sie ihm den Namen Lapis Nephriticus gegeben, denn Nephros bedeutet im Griechischen eine Niere. Die Raritaͤt und der Werth dieses Steins hat ein und andere veranlasset, daß sie eine gewisse Art Marmor, welche gruͤn ist und Malachites heißt, dafuͤr ein- schieben, und bilden ihn wie einen Vo- gelkopf: denn die Alten haben geglaͤu- bet, daß der wahrhafte Griesstein wie ein Vogelkopf oder Papageyenschna- bel sehe. Der wahrhafte Griesstein kommt aus Neuspanien : wer aber mehr da- von zu wissen verlanget, derselbe lese des Herrn Wormius weitlaͤufftigen Tra- ctat, welchen er davon geschrieben, denn er zu lang ist, wenn ich ihn allhier an- fuͤhren solte. Das vierzehende Capitel. Vom Venedischen Talck. D Er Venedische Talck ist eine Gat- tung eines gruͤnlichten Steines, der gleichsam aus eitel Schuppen beste- het, und scheinet, als ob er fett waͤre, wenn man ihn mit den Haͤnden reidet, da er doch gantz trucken und schwer ist. Der schoͤnste ist der, welcher in den Bruͤchen bey Venedig gefunden wird, daher er auch der Venedische Talck betitelt worden. Er wird desgleichen in Teutschland und in den Alpen haͤuffig gefunden. Der allerschoͤnste ist gleich als wie dicke Steine, gruͤnlicht weiß und glaͤntzend: wenn diese zerbro- chen werden, glaͤntzen sie wie Silber, wenn sie aber zu kleinen Blaͤttern zer- schlagen werden, muͤssen dieselben recht sehr weiß seyn, hell und durchsichtig. Man habe Acht, daß er durchgehends gleich schoͤne sey, denn der, welcher als wie dicke Steine siehet, ist mehrmahls gar schlecht und uͤbel beschaffen, und in- wendig voll gelb- und roͤthlichter A- dern, und einer besondern Erde, daher er mangelhaft wird, daß man ihn nicht verkauffen kan: zuweilen befindet sich auch wohl solcher drunter, der gelb und roͤthlicht siehet, da er doch gruͤnlicht weiß seyn sollte. Dannenhero soll der- jenige hoch geachtet werden, welcher nur als wie mittelmaͤßige Stuͤcke ist, und durchs Gesichte mag erkannt wer- den. Der Talck wird von vornehmen Frauenzimmer sehr verlanget, und Schmincke davon gemacht. Weil es F f f 3 aber Der Spezereyen und Materialien aber ein Stein, der sich gar schwerlich pulverisiren, ja nicht einmahl calciniren laͤßt, dannenhero ist man anietzo schon vergnuͤget, wenn man ihn mit einer Seehundehaut raspelt, und durch ein Seiden oder Taffet Sieb schlaͤgt, her- nach bedienen sie sich seiner, wozu sie ihn noͤthig haben. Und um deswillen wird auch kein anderer Talck mehr gebraucht, als wenn es so ziemlich grosse Stuͤcken sind, die man halten kan. Die Alten, und sonderlich die Ara- ber haben geglaubet, man koͤnne ein solch Remedium aus dem Talcke brin- gen, dadurch der Leib immerfort in ei- nem guten Stande erhalten wuͤrde, deshalben sie auch diesem Steine den Namen Talck gegeben, welches so viel heißt, als eine stets gleiche Beschaffen- heit, welche den Leib bey guter Gesund- heit erhaͤlt. Daher ist auch allem An- sehen nach der gemeine Wahn entstan- den, das Talckoͤl betreffend, daß ihm so gar grosses Lob und sonderbare Kraͤf- te beygeleget werden. Und dieser Jrr- thum war vor diesem dermassen groß, wie er denn noch heut bey Tage ist, daß wenn einer das Geheimnuͤß erfinden solte, ohne Zusatz einiges Saltzes ein Oel aus dem Talck zu ziehen, derselbe versichert seyn koͤnte, daß er solches um gleich so schwer Gold, ja ich wolte schier sagen, zwantzigmahl so theuer los wer- den koͤnte. Allein mir beduncket, diese Hochachtung und hohe Eigenschaften tuͤhren eintzig und alleine daher, weil sie unmoͤglich auszufinden sind; und eben deswegen will ich auch nichts wei- ter davon vermelden, sondern nur erin- nern, daß einige Personen, die ihnen selbsten schmeicheln, daß sie es bereiten koͤnten, versichern, daß nichts so gut und tauglich sey die Haut weiß zu machen, und die Runtzeln im Gesichte zu vertrei- ben, kurtz zu sagen, alte Leute wieder jung zu machen, als wie dieses Oel. Aus Persien und Moscau bringt Rother oder blaͤtterichter Talck. man uns noch eine Gattung Talck, der rothe genannt, weil er roͤthlicht siehet, und blaͤttricht, weil man ihn gar leicht- lich, als wie duͤnne Blaͤttlein, nach Be- lieben, kan aufheben. Dieser rothe oder blaͤttrichte Talck dienet, meines wissens, zu nichts anders, als fuͤr die Religiosen, Nonnen und andere, welche kleine Bilder und Agnus DEI damit zu uͤberziehen pflegen, und nicht den Ve- nedischen Talck dazu gebrauchen, wie gleichwohl etliche Scribenten geschrie- ben haben. Weil nun dieser Talck sonst zu nichts anders, als zu dergleichen Arbeit gebrauchet wird, dannenhero mag man sich mit keinem andern, als welcher aus feinen grossen Blaͤttern be- stehet, belegen, an dem auch die gantz zarten Blaͤttlein, wenn man sie aufge- hebet, weiß, hell und gantz durchsichtig sind. Es wird schier keine Waare mehr so sehr gesucht, als wie der recht schoͤne Talck, indem er schwerlich so, wie er seyn soll, zu finden ist. So ist auch der Talck dermassen schwer zu kennen, daß ich nie- mand, als denenjenigen, die ihn gebrau- chen, sich damit zu belegen, rathen will. Findet man aber keinen, der, so wie sichs gebuͤhret, beschaffen ist, alsdann ist der schwartze, wenn er dicke ist, und sich in gantz zarte Blaͤttlein zertheilen laͤßt, der beste. Das funffzehende Capitel. Von der Kreide von Brianson. D Je Kreide von Brianson (Fran- tzoͤsische Kreide) ist eine Art Stein, dessen Natur mit dem Talck fast uͤber- einkommt, ausgenommen, daß er nicht so schiefricht, obwohl viel haͤrter ist. Es giebt aber zweyerley dergleichen Kreide, weisse und gruͤne. Diese Kreide wird von niemand, das ich wuͤste, als von den Schneidern ge- braucht, an statt der weissen Kreide, die Zeuge damit zu zeichnen, oder auch Flecke aus den Kleidern zu machen. Und um deswillen haben etliche die gruͤ- ne lieber, andere dagegen ziehen dieser die weisse voꝛ, welche als wie gantz schlech- ter Talck aussiehet. Sie brauchet auch keines weitern auslesens, als nur, daß sie aufrichtig sey und ohne kleine Stuͤcken, auch daß es kein anderer schwerer, harter, gruͤnlich- ter, nichts nuͤtzer Stein sey, welchen die Lateiner lapis scissilis, die Teutschen Schieferweiß zu nennen pflegen. Der Zuname von Brianson ist ihr des- Hauptbeschreibung dritter Theil. deswegen gegeben worden, weil man vorgiebet, diese werde in denen um Bri- anson/ im obern Delphinat/ gelege- nen Steinbruͤchen gefunden. Das sechzehende Capitel. Vom Spalt. S Palt, der Spalt ist ein schiefrichter glaͤntzender Stein, dem Gypse gleich, ausser daß er viel weisser. Diese Steine findet man in Teutschland haͤuffig, und sonderlich um Augspurg. Jn Eng- land finden sich derer auch, sind aber nicht so gut. Unter dem Weyrauch giebet es ihrer gleichfalls genug, zum Zeichen, daß er auch an denenselbigen Orten, von welchen der Weyrauch her- gebꝛacht wird, zu finden und anzutreffen sey. Er muß langspiesicht seyn, und zarte, so daß man mit dem Nagel ein Pulver herabkratzen kan, welches mit dem Englischen, weil er zu harte, nicht angehet. Das siebenzehende Capitel. Vom Judenstein. D Er Judenstein hat unterschiedene Gestalt und Groͤsse, insgemein aber siehet er und ist so groß als eine Olive, mit kleinen Strichen besetzt, welche von einem Ende bis zum andern gehen: bisweilen ist er gantz dichte. Dieser Stein ist insgemein gantz grau, unterweilen aber grau und roͤth- licht, und gleissend, gleich als wie unsere kleine Kieslinge, darum ich ihn auch fuͤr eine Gattung dererselben halte. Dergleichen Steine werden uns von unterschiedlichen Orten des Juͤdischen Landes zugefuͤhret, dessen Namen sie auch fuͤhren, und werden insgemein Syrischer o- der Phoͤnizi- scher Stein. Syrische oder Phoͤnizische Steine genennet. Ob es gleich das Ansehen hat, daß die- ser Stein als ein Kiesling sey, dennoch ist er uͤberaus harte, und laͤßt sich nicht leichtlich zerreiben, ob es wohl einige Autores sagen: wenn er zerschlagen worden, sieht er inwendig grau und glaͤntzend. Der Herr Charras sagt in seiner Saltz vom Judenstein. Chymie am 81. Blatt, wenn dieser Stein mit Schwefel gebrennet wuͤrde, so koͤnte man mit distillirten Eßig, Saltz- und Honigspiritus ein Saltz daraus ziehen, welches den Stein zu zermal- men unvergleichlich diene: dahin koͤn- nen dann diejenigen, die es zu bereiten gesinnet sind, ihre Zuflucht nehmen. Das achtzehende Capitel. Vom Albschoß, Luchsstein. B Elemnites, den man gantz faͤlschlich Luchsstein nennet, ist ein Geschlecht der Steine oder Kieslinge, wie eine Py- ramide formiret. Die Alten haben ihn Belemnites genennet, weil er an Ge- stalt einen Pfeil vorstellet: andere aber heissen ihn Dactylus Idæus, weil er auf dem Berge Jda gefunden wird, und wie ein Finger siehet. Andere wiederum sagen, er sey darum Lapis Lyncis genen- net worden, weil sie geglaubet, er wer- de aus dem Urine der Luchsen formiret. Er ist viel haͤrter denn der Juden- stein, dem aber ohnerachtet, werden ihm gleiche Kraͤfte beygeleget: auch hat der Herr Charras mir gesaget, daß man ihn eben also præpari ren und zu- richten, und auf gleiche Weise gebrau- chen koͤnne. Dieser Stein zerschlagen, sieht in- wendig in der Hoͤle aus wie Horn, und in dieser befindet sich eine graue truckne Erde, sonder Geschmack, die folglich zu nichts nicht nutze seyn kan. Jn der Spitze des Steins erscheinet eine Ge- stalt der Sonne. Um Paris herum werden diese Stei- ne in Menge gefunden, wenn man die Erde, bevoraus die sandichte, umgraͤbet oder durchsticht. Das Der Spezereyen und Materialien Das neunzehende Capitel. Vom Bononischen Stein. D Jeser ist ein schwerer, silbergrauer, glaͤntzender Stein, der dem Gries- stein ziemlich aͤhnlich siehet, und insge- mein um Bononien herum, davon er auch den Namen bekommen hat, gefun- den wird. Er dienet zu nichts anders, als daß man ihn calcini ret und einen Phospho- rum draus machet, von welchem der Herr Lemery zu Ende seines Buchs von der Chymie einen sehr langen Dis- curs gehalten, der auch der Wahrheit aͤhnlicher und geschickter zu seyn schei- net, als alle diejenigen, die zuvor davon sind geschrieben worden, wiewohl auch Wormius gleichfalls eine sehr lange Rede davon hat, zu demselben moͤgen diejenigen, die den Phosphorus nachma- chen wollen, sich verfuͤgen. Der Bononische Stein ist noch zur Zeit nicht gar zu sehr bekannt, derhal- ben verkauffen wir auch gar wenig, doch koͤnte sichs mit der Zeit wohl schi- cken. Einige tituliren diesen calcinirten Allerley Titel des Phos- phorus. Stein Spongiam Solis aut Lunæ, Son- nen- oder Monden-Schwamm, den leuchtenden Stein/ den Luciferstein/ des Caßiolanusstein, ingleichen den Phosphorus des P. Kirchers. Das zwantzigste Capitel. Vom Bimsstein. P Ierres de ponce, Bimssteine/ zu La- tein Pumex, sind Steine, die aller- hand Farbe, Figur und Gewichte ha- ben, denn es giebt graue, leichte, schwe- re, dicke, kleine, runde und platte. Sie sind besser oder schlechter, nachdem sie gesuchet werden, denn etliche halten mehr auf die weissen, andere auf die grauen, oder auf die leichten: wieder andere haben die schweren lieber: nichts destominder sage ich, daß die di- cken und die leichten die besten sind, son- derlich fuͤr die Pergamentmacher und Bildhauer in Marmor, welche ihrer nicht wenig verthun. Die kleinen wer- den fast alleine von den Zinngiessern verbraucht, welche sie zu Pulver stossen. Die platten Bimssteine gebrauchen nur die Weißgerber. Mit einem Wor- te, die Bimssteine haben so vielerley Nutzen, daß wir fast keine Waare ha- ben, von welcher mehr verthan wuͤrde, dieweil sie so vielerley Handwerckern dienen. Was die Artzney betrifft, da verdient das wenige, das dazu verbrau- chet wird, nicht die Rede, denn sie wer- den blos calcini ret und gerieben, und mit dem Pulver die Zaͤhne weiß gemacht. Was die Natur des Bimssteins anbelanget, und was er eigentlich sey, habe ich unmoͤglich recht erfahren koͤn- nen: dannenhero muß ich mir begnuͤ- gen lassen und anfuͤhren, was soviel Scribenten davon gemeldet haben, naͤmlich, daß es ein Stein sey, der aus dem Berg Vesuvius oder Etna kaͤme, daraus er durch die Gewalt des Win- des in die See geschmissen worden, und alsdann oben auf dem Wasser schwim- mend angetroffen und gesammlet wuͤr- de. Andere aber sagen, daß sie von den durch das unterirdische Feuer aus- gebrannten Felsen entstuͤnden. Dem sey nun wie ihm wolle, gewiß ist, daß der Bimsstein ein calcinir ter und ver- brannter Stein ist, weil er leichte, loͤch- richt und schwammicht ist, in der See gelegen hat oder sonsten von Natur saltzicht ist, denn alle Bimssteine, die wir verkauffen, schmecken saltzicht oder sumpficht, und sind durch und durch voll kleiner Spieslein. Das ein und zwantzigste Capitel. Vom Adlerstein. A Dlersteine werden weisse Steine genennet, welche in der Mitten hol sind, und einen steinichten oder thonich- ten Kern beschliessen, der ein Geraͤu- sche machet, wenn man den Stein schuͤt- telt. Jnsge- Hauptbeschreibung dritter Theil. Jnsgemein findet man vier Sorten, welche ohne Unterschied im Lateinischen Ætites genennet werden, der Kern aber wird Callimus geheissen. Die erste Sor- te ist braun, und langrund, ordentli- cher Weise zwey bis drey Zoll lang und einen halben breit, und holpricht, laͤßt sich aber gar fein poliren. Der ande- re ist ein wenig kleiner denn dieser, und es scheinet, als ob er par couches, schicht- weise, formiret sey, und vom Eisen participi re, denn er als wie die Eisen- Marcasit mit Ocher bedecket ist. Die dritte Gattung ist holpricht, und sieht, als ob sie aus eitel glaͤntzenden Kieslin- gen, unterschiedener Dicke, zusammen gesetzet sey. Unter denenselben sind ei- nige braun, andere aber roͤthlicht, noch andere gleichsam durchsichtig: doch alle sind von der Natur aufs vesteste zusam- men gekuͤttet und veꝛbunden, auch findet man oftmahls in der Hoͤle nichts denn nur ein wenig Sand. Die vierte Art ist weiß, wie Asche, und enthaͤlt Thon oder Mergel in sich Diese kommt aus Teutschland. Die erste und andere Art wird in dem Abgrund bey Cado Vincente in Portugall, und in dem Gebirge bey Trevour im Fuͤrstenthum Dombes gefunden; denn man glaubt nicht mehr, daß sie in dem Neste des Ad- lers anzutreffen. Zu wuͤnschen waͤre, daß die Kraͤfte, die dem Adlersteine beygeleget werden, gewiß und wahr- haftig waͤren: denn es versichern die Seribenten, daß der Adlerstein/ einer Frauen, die zur Geburt arbeitet, ans dicke Bein gebunden, die Geburt befoͤr- dere, hingegen Mißfall verhuͤte, wenn man ihn ihr an den Arm gebunden hat. Gestossen und unter ein Cerot oder Wachspflaster gemischet, und aufs Haupt geleget, soll er die Anfaͤlle der schweren Noth vermindern. Auch sagt man, daß der Thon oder Mergel, der sich inwendig in der Hoͤle befindet, ein schweißtreibendes Mittel sey, und den Durchlauff stille. Nun duͤrffte wohl einem und dem an- dern wunderlich vorkommen, daß ich oben im Andern Theil, im Cap. vom Adler gemeldet, wie daß wir Steine verkaufften, welche die Adler in den Ein- gang des Loches zu ihrem Neste legten, ihre Jungen dadurch vor dem Donner und Gewitter zu verwahren; allein dasselbe ist geschehen, weil ich der Sa- chen wahrer Beschaffenheit nicht recht kundig bin gewesen: doch heut zu Tage ist die beste Meinung, daß diese Steine, die wir unter dem Titel des Adlersteins verkauffen, nichts anders sind, als ich hier angezeiget habe. Das zwey und zwantzigste Capitel. Vom Kroͤtenstein. C Rapaudine, auf Lateinisch Bufonites und Batrachites genannt, ist ein Stein, der im Gebirge und in den Fel- dern gefunden wird. Sonst glaubte man, er wuͤrde in den Koͤpfen der alten Kroͤten gefunden, oder sie gaͤben ihn von sich, wenn man sie auf ein rothes Tuch setzete. Allein Boot und andere, die diese Sache genauer untersuchet, ver- sichern, daß dieser Stein in der Erde ge- bildet werde. Man siehet insgemein zweyerley Gattungen desselben, die runden und die langen. Die runden haben die Gestalt einer kleinen Muͤtze, sind im Umfang rund, innen tieff, aus- wendig erhaben, uͤber und uͤber poliret, und unten ohngefehr des halben Zolles breit. Man findet ihrer, welche gantz dunckelgrau sind, und sich aufs blaue ziehen, andere aber ziehen sich nach dem gelben, doch beyde sind am untern Thei- le nicht so gar gefaͤrbet. Die langen sind oͤfters eines Zolles lang, und vier oder fuͤnff Linien breit, an beyden En- den rundlich, und unten her ausgehoͤ- let, als wie eine Rinne oder Trog. Es giebet ihrer auch, welche mehr oder we- niger dunckelgrau sind, und mit einigen roͤthlichten Flecken gleichsam maꝛbriret, dabey so glatt, als wie die runden. Die Kroͤtensteine/ absonderlich die runden, werden oftmahls in Ringe ge- setzt, alleine mehr zum Zierrath, als wegen der Kraͤfte, die ihnen beygeleget werden, denn deren ist man nicht ver- sichert, bevoraus, wenn man vorgiebet, daß sie die Entzuͤndung und Geschwulst des Bienenstichs und anderer Thiere tilgen sollen. Wie dann auch falsch ist, daß sie die Farbe veraͤndern und schwi- G g g tzen Der Spezereyen und Materialien tzen sollen, wenn man sie an ein Gefaͤsse haͤlt, darinne Gift ist. Und obgleich Boot sammt andern saget, daß der Kroͤtenstein in der Erde gefunden werde, deshalben will ich doch nicht eben streiten, als solte er nicht auch in den Koͤpfen der alten Kroͤten moͤgen ge- funden werden; diß aber ist gewiß, daß diejenigen, die wir verkauffen, nicht von diesen Thieren kommen, sondern in der Erde gefunden werden, gleichwie ich nur erst angezeiget habe. Diese Be- schreibung des Kroͤtensteins, der aus der Erde kommt, ingleichen des Adler- steins, hat der Herr Tournefort mir mitgetheilet, welches ein Mann ist, dem sicherlich zu trauen. Das drey und zwantzigste Capitel. Vom Amiant. L Apis Amiantus ist ein Stein, der oben und unten schwartzgruͤn siehet, und ziemlich schwer, auch, wenn er zerschla- gen worden, dem Federweiß gantz aͤhn- lich ist, denn er laͤßt sich als wie weißgruͤ- ne Faͤden aufheben, oder besser zu sagen, diese Faͤden haben eine Farbe, als wie Horn. Dieser Stein verbrennet nicht; daß also die Alten nicht geirret, wenn sie geschrieben, der Amiant und das Feder- weiß seyen einerley. Jedennoch aber ist noch einig er Unterschied zwischen ih- nen, indem das Federweiß lange Faͤden hat, da hingegen die Faͤden des Amiants gar kurtz sind; zudem so ist das Feder- weiß oben und unten, oder besser zu re- den, an den Enden nicht also gefaͤrbet, als wie der Amiant. Dem aber sey wie ihm wolle, dieser Stein wird aus der Tuͤrckey gebracht, denn alles, was wir daher bekommen, kommt von Constantinopel. Von seiner Wahl und Gebrauch weiß ich nichts. Das vier und zwantzigste Capitel. Vom Cobalt. D Er Cobalt ist ein roͤthlichter Stein, hart, gewichtig, und als wie Koͤr- ner, die so groß sind, als wie bey uns die Erbsen: derselben hencken viel bey- sammen, an einer Mutter, gleichwie das Spiesglasertz. Dieser Cobalt wird gemeiniglich in den Silberschaͤch- ten gefunden, und ist der Bergleute Pest, und ein gefaͤhrliches Gift; denn wenn es ohngefehr ins Wasser gefal- len, darinne die Haͤuer gehen muͤssen, bekommen sie die Beine voll Geschwuͤ- re. Jm uͤbrigen ist dieser Cobalt von demjenigen, welchen etliche Autores Gallmey nennen, gaͤntzlich unterschie- den, denn sie sich ziemlich betrogen ha- ben; wie solches der Augenschein klaͤr- lich bezeuget. Sein Gebrauch ist mir unbekannt, und seine Seltsamkeit verursachet, daß er gar wenig verlanget wird. Das fuͤnff und zwantzigste Capitel. Vom Beinleim. O Steocolla oder der Stein zu zerbro- chenen Beinen ist ein sandichter Stein, und loͤchricht, als wie ein Bein: dessen haben wir zwey Sorten, die schwere, sandichte, ungleiche und ziem- lich runde, und die leichte, welche auch nicht so gar holpricht ist. Die Osteocolla wird an gar vielen Orten in Teutsch- land gefunden, und Beinbruch genen- net, absonderlich aber um Speyer/ Heydelberg und Arnstad. Man sagt, daß dieser Stein die zerbrochnen Beine wieder zu ergaͤntzen vermoͤge, wenn er eingenommen oder aͤusserlich uͤber den Bruch geleget werde. Jm uͤbrigen verkauffen wir noch vie- lerley Steine, z. E. den Stein von As- so/ der als wie Marmor sieht, den Serpentin- und Blutstein/ so eine Gattung Marmor, mit rothen Flecken, daher er auch den Namen Blutstein be- kommen hat, und weil man vorgiebt, er stille Hauptbeschreibung dritter Theil. er stille das Bluten. Der Sternstein/ der sich im Eßig bewegen soll, den Am- monites oder Hornstein, den Sonnen- stein/ Bergcrystall, Crystall aus Madagas ca r, und noch mehr andere dergleichen, deren bey den Scribenten Meldung geschicht. Ende des Buchs von Steinen. Des dritten Theils Der Hauptbeschreibung der Spezereyen und Materialien Fuͤnfftes Buch/ Von Erden. Vorrede. J N diesem Buche werde ich nicht alleine diejenigen Erden dar- stellen/ welche in der Artzney einigen Nutzen haben, sondern auch dieselbigen/ derer sich die Mahler bedienen/ mit einem Worte/ alles was zarte ist/ und sich zerreiben laͤßt, und um deswillen nicht kunte unter die Steine gezehlet werden Auch will ich darinne alle Sachen begreiffen, die man aus den Erden ziehet/ das ist/ solche Dinge/ die einen Theil unserer Handlung ausmachen. Unter ihre Zahl habe ich die terram Catechu, den Cachou gesetzt/ nicht so wohl, weil er als wie Erde siehet/ sondern, weil die meisten wollen/ daß er eine Erde sey/ wie er denn auch diesen Namen fuͤhret; davon in fol- gendem Capitel. Das erste Capitel. Vom Cachou. N Ach dem Berichte des Herrn Caen Med. Doct. Facultat. Paris. und wie der- selbe einen seiner guten Freunde versichert hat, so ist der Cachou eine Erde, die in Le- vante gefunden, und daselbst Mas- quiqui genennet wird. Sie findet sich auf denen hoͤhesten Bergen, auf wel- chen die Cedern wachsen, denn unter dieser Wurtzeln befindet sich diese Erde, die an sich selbst sehr harte ist, und wie ein Klumpen. Damit nun die Algon- quaner, welche sie sammlen, nichts da- von verliehren moͤgen, weil sie gar san- dicht ist, deswegen machen sie dieselbe mit Fließwasser gantz fluͤßig, und her- nach zu einem Teige, den sie so lange an der Sonne trocknen lassen, bis er so har- te wird, wie er ist. Diese Algonqua- ner fuͤhren ihn stets bey sich, und ge- brauchen ihn wider das Magenweh, und legen ihn, als wie eine Salbe auf. Ob nun wohl diese Beschreibung des Cachou der Wahrheit nicht eben gar zu aͤhnlich zu seyn scheinet, indem es fast nicht das Ansehen hat, daß der Ca- chou eine Erde sey, iedennoch, weil G g g 2 derje- Der Spezereyen und Materialien derjenige, der dieselbe dem Herrn Caen gegeben, solches betheuert hat, sie auch von den Lateinern terra Japonica genen- net wird, so fand ich mich gemuͤßiget, sie unter die Zahl der Erden zu setzen, und denenjenigen die Entscheidung zu uͤberlassen, was sie eigentlich sey, die ih- rer bessere Kundschaft haben, damit ich sagen koͤnne, man solle den Cachou er- wehlen, welcher aussenher roth und tannetbraun sehe, inwendig aber licht- roth sey, so glaͤntzend und soviel nur seyn kan, nicht verbrannt. Dieweil aber der Cachou eine Sa- che ist, die ziemlich bitter und unange- nehme schmecket, sobald man sie nur in den Mund genommen hat, deswegen wird sie zu einem subtilen Pulver ge- macht, und Ambra drunter gethan, hernach ein Teig davon gemacht, und Praͤparirter Cachou. aus diesem kleine Koͤrnlein, welche an Farbe und Gestalt dem Maͤuskoth gleich sehen. Je kleiner nun diese sind, ie hoͤher werden sie geachtet. Der Nutzen des Cachou/ gantz oder zugerichtet, ist, daß er den Magen staͤrcke und den Athem angenehme mache: mit einem Worte, er ist eine der besten Sa- chen, die wir haben, die aber heut zu Tage wenig im Gebrauch, und zwar nur seit daß der Thee und Coffee so ge- meine worden, obgleich der Cachou weit mehrere Kraͤfte hat, als diese bey- de letztere. Weil dann der Cachou einen gar unangenehmen Geschmack hat, inson- derheit zu anfangs, wenn man ihn in den Mund genommen, deshalben ver- mischen ihrer etliche den Ambra auch mit Zucker. Die Japonische Erde oder Cate- chu ist ein gummosisch, hartzicht und hartes Wesen, brauner und dunckel- schwartzer abgeschossener Farbe, so aus den Arecafruͤchten und den unzeitigen Schalen eines Jndianischen Baumes Catechu genannt, gepresset und durch des Feuers Hitze zu einer Masse gema- chet wird, schmeckt zu erst herbe und haͤrtlich, hernach suͤß und angenehme, riecht gar nichts oder doch sehr wenig. Was ihre Kraͤffte betrifft, so ist sie temperiret, denn der suͤsse Geschmack verbleibt eine Weile, der herbe aber ver- gehet stracks: bitter ist sie, weil sie aus unreiffen Fruͤchten bereitet wird. Sie dienet in den Zufaͤllen der Lunge, Hu- sten und Heiserkeit, wie auch die Fluͤs- se des Hauptes zu vertrocknen; zu sol- chem Ende werden Pillen aus dieser Massa gemacht, wenn sie vorher in Wasser zerlassen, und Suͤßholtzsaft, Ambra und Mosch dazu gethan wor- den. Sie werden so lang im Munde gehalten, bis sie zergehen. Also aber wird die Japonische Er- de bereitet: sie kochen die Areca Fruͤch- te, und kochen das abgekochte bis es als Honig dicke worden: damit nun dieses schwartze decoctum einen lieblichen Ge- schmack bekomme, so nehmen sie un- geloͤschten Kalch, kochen ihn gleicherge- stalt und vermischen es mit dem erstern. Drauf kochen sie die schwartze Rinde der Acastæ nigræ auch ab, und schuͤtten das gekochte zu dem vorigen. Endlich ko- chen sie auch das Suͤßholtz und schuͤtten es gleichfalls dazu, lassen es hernach so lange kochen, bis eine Masse draus wird, aus welcher sie nach diesem ihren Ca- chou verfertigen. Dieweil mir aber diese Beschreibung des Cachou gar zu dunckel schiene, als habe ich dienlich erachtet eine andere Be- schreibung desselbigen allhier mit zuthei- len, welche der Herr Boudelot/ des Koͤnigs Rath und ordentlicher Medi- cus, mir zu geben Belieben getragen. Catechu ist ein Saft der aus Japan zu uns gebracht wird, meistentheils kug- licht und dicke, braun von Farbe, und bekommt seinen Ursprung von dem Safte eines Baumes, der mit etlichen Pulvern vermischet, und in der Artzney oft und vielfaͤltig mit grossen Nutzen ge- brauchet wird. Diß ist die Beschrei- bung, welche Hagedorn in seinem Bu- che, tractatus physico-medicus de terra Catechu sive terra Japonica in vulgus sic dicta, zu Jena in 8. 1679. gedruckt, gege- ben hat. Er lencket sich sehr auf die Seite derer- jenigen, welche vermeinen, der Cachou sey keine einfache mineralische Erde, son- dern ein aus dem Arecasaft, Suͤßholtz- extract und Callmus zusammengesetz- ter Saft. Es thun auch etliche das Korn Bangua noch hinzu, von wel- chen Clusius im Buche von Gewuͤr- tzen im 54. Cap. handelt. Gleich- Hauptbeschreibung dritter Theil. Gleichwie es aber zweyerley Gat- tung Areca giebet, die eine sind roͤthlicht mit kleinen weißlichten Aederlein ver- setzet, die andere so etwas schwaͤrtzlicht, welche einem den Hals bꝛaunroth anfaͤꝛ- ben, uñ rauschicht machen, also wiꝛd auch zweyerley Cachou bereitet: der erste und gemeinste ist roͤthlicht, und zieht sich nach dem schwartzen, ist mit kleinen weißlichten Strichen versehen, und viel dichter und gewichtiger denn der ande- re, welcher nicht so schwartz, weit schwammichter und blasser ist. Oder aber, es muͤste dieser Unterschied daher kommen, daß zu dem einen mehr Are- casaft, als zu dem andern genommen worden, und daß der schwaͤrtzeste und schwereste der frischeste waͤre, welcher letztern Meinung der Autor auch selbst ist. Jhm sey nun wie ihm wolle/ gewiß ists, daß der Cachou seinen grossen Nutzen in der Artzney haben moͤchte. Ehe und bevor ihn Garzias ab Hor- to beschrieben, war er in Europa gantz unbekannt. Der Herr Boudelot saget gantz recht, daß der Cachou einen grossen Nutzen in der Artzney haben koͤnne, in- dem mehr denn zu gewiß, daß wir keine eintzige Materie von so herrlicher Be- schaffenheit haben: doch diesem allen unerachtet, so kan auch wohl der uͤble Geschmack, welchen man stracks em- pfindet, sobald man ihn in den Mund genommen hat, oder aber, weil der meiste, welcher verkaufft wird, schad- und mangelhaft ist, dem doch gar leich- te zu rathen, wenn man ihn nur er- wehlet, wie oben erinnert worden, vielleicht die Ursach seyn, warum er so gar wenig bekannt ist und gebrauchet wird. Das andere Capitel. Von der Siegelerde. D Je Siegelerde oder die gesiegel- te Erde ist eine Gattung des weis- sen und etwas roͤthlichten Bolus, den man in Wasser erweichet, und hernach- mahls kleine halbrunde und Daumens dicke Kuͤchlein daraus formiret hat, auf welchen allerhand Characteres und Zei- chen zu ersehen. Der Unterschied der Figur, der Farbe und des Siegels macht mich schliessen, daß sie ein ieder nach sei- nem Kopfe und Gutduͤncken mache, und daß es vielleicht nichts anders sey, als eine fette anhaltende Erde, mehr oder weniger gefaͤrbet, und zu solchen Kuͤchlein gemacht, dergleichen wir zu se- hen bekommen. Die Histoͤrgen, sie moͤgen meinethalben wahr oder nur Fabeln seyn, welche die Alten von die- ser Siegelerde und ihrem Geburtsor- te erzehlen, ingleichen, was fuͤr Cere- monien und Gebraͤuche dabey vorge- nommen wuͤrden, wenn sie sie sammle- ten, mag ich nicht anfuͤhren, noch viel- weniger vermelden, daß sie der Groß- tuͤrck eintzig und allein mit seinem Sie- gel bezeichne, sondern will sagen, weil ich doch den Gebrauch derselben weder lo- ben, noch versprechen kan, daß die Sie- gelerde, welche am meisten gebrauchet, und fuͤr die beste gehalten wird, als wie kleine roͤthlichte Kuͤchlein sey, die nicht sandicht, und soviel moͤglich anziehend sind. Zur Artzney wird sie oͤfters ge- braucht, und hat wegen ihrer anhalten- den Kraft, sehr grossen Nutzen. Sie kommt auch zum Theriac, und bedarff hierzu keiner andern Bereitung, als daß sie aufrichtig sey, und zum wenig- sten so, wie oben beschrieben. Was die Lemnische Erde betrifft, von derselben sagt man, daß sie gleich- falls eine gesiegelte Erde sey, und wie sie aus der Erde hervor gezogen worden, ohne daß sie im geringsten praͤpariret waͤre. Das dritte Capitel. Vom Bolus. H Aben wir vielerley Arten Siegel- erde, so haben wir auch nicht viel we- niger Sorten Bolus/ unter denen der- jenige der beste ist, dem man den Zuna- men aus Levante oder Armenten ge- geben, er mag nun vor diesem aus der- G g g 3 selben Der Spezereyen und Materialien selben Gegend seyn hergebracht wor- den, oder diesen Namen aus der Ursache bekommen haben, damit man ihn desto besser verkauffen koͤnne. Weil ich aber niemahlen ihn gesehen habe, aller der- jenige aber, der in unterschiedenen Or- ten verkauffet wird, in Franckreich zu finden ist, so will ich sagen, daß derselbe am meisten geachtet werde, der aus der Gegend um Blois und Saumur oder aus Burgund gebracht wird, darun- ter allerhand Farben befindlich sind, grau roth und gelb. Dieser, der gelbe, wird am hoͤhesten geschaͤtzet, weil er am ersten fuͤr den Levantischen durchgehen kan, auch uͤberdiß die Vergolder sich des- sen am meisten bedienen. Alleine, weil es viel zu kostbar den Bolus von Blois und Saumur bringen zu lassen, deswegen ziehen wir ihm denjenigen vor, den uns die Bau- ern von Baville, und andern Orten um Paris herum, bringen, ihn auch um ein gutes wohlfeiler verkauffen, als den wir kommen lassen. Es muß aber aller Bolus/ wenn er gebuͤhrend be- schaffen seyn soll, sanfft oder linde anzu- fuͤhlen seyn, nicht sandicht, glaͤntzend und anziehend, das ist, man muß ihn kaum wieder von der Zunge, oder den Lippen abbringen koͤnnen, wenn man ihn einmahl dran gebracht. Darum aber werden alle Sorten des Bolus ge- brauchet, weil sie sehr anhalten, oder anziehen. Die den Bolus aus den Bruͤchen heraus langen, waschen ihn, damit der grobe Kies davon komme, hernach machen sie einen Teig davon, und aus diesem platte Stuͤcklein, des Fingers lang und dicke, die wir Brouilla- Brouillamini. mini oder Boluskugeln zu nennen pflegen. Das vierte Capitel. Vom Ocker. D Er gelbe und rothe Ocker ist einer- ley. Von Natur ist er gelb, wird aber im Reverberirofen roth gemacht, dann man ihn eben darum dahinein leget, damit er von des Feuers Hitze roth werde. Die Frantzoͤsischen guten Ochergruben liegen alle mit einander in Berry, und unter andern eine an einem Orte, S. George sur la Pree/ am Fluß Ucher, zwey Meilen von Vierzon in Berry/ woselbst man ihn als wie die Steinkohlen aus den Gru- ben zeucht. Dieser Ocker wird 150. bis 200. Fuß tieff in der Erde gefunden, allein nicht dicker denn vier bis sechs Zoll. Unter dem Ocker liegt ein weis- ser Sand, eben als wie zu Estampes, oben aber und uͤber dem Ocker eine gel- be thonichte Erde, die zu nichts taug. Rother Ocker. Es kommt auch gelb- und rother Ocker aus England/ von einem Orte, Rue genannt, welcher viel brauner ist, als der Frantzoͤsische, weil er von Na- tur trucken ist, indem er aus einer stei- nichten Erde kommt, die auf sonderli- chen Muͤhlen gemahlen wird, da hinge- gen der aus Berty recht natuͤrlich und viel fetter ist, auch vielmehr aufschwil- let, und besser zur Oelfarbe taug, wel- ches die Hollaͤnder selbst bekraͤftigen, all- dieweil sie den Englischen Ocker nicht brauchen koͤnnen, wofern sie nicht die Helfte des Berrischen drunter thun. Der gelb- und rothe Ocker wird zum mahlen gebraucht; derjenige aber am meisten geachtet, welcher trucken und zart ist, sich leicht zerreiben laͤßt, und eine hohe Farbe, und wenig Sand bey sich hat. Wir bekommen auch eine Gattung rothen Ocker aus England den wir insgemein Bergroth nennen, und wird zur Mahlerey gebraucht. Das Braunroth aber, welches recht tru- Braunroth, Potée. cken ist, wird Potée genennet, und die Spiegelglaͤser damit poliret. Das fuͤnffte Capitel. Terre verte. W Jr verkauffen zweyerley Art die- ses Gruͤns, das von Verona, wel- ches uns von Verona in Jtalien uͤber- bracht wird, davon es auch den Namen bekommen, und das gemeine. Das Veronesische muß steinicht seyn, Hauptbeschreibung dritter Theil. seyn, und so gruͤn, als nur seyn kan, da- bey man in Acht zu nehmen hat, daß keine Erde drunter. Das gemeine muß auch recht schoͤ- ne seyn, und dem Veronesischen so na- he, als nur moͤglich, kommen. Das sechste Capitel. Von der Coͤllnischen Erde. D Je Coͤllnische Erde sieht dem Um- bra gantz und gar gleich, ausser daß sie viel brauner ist. Sie wird zur Mah- lerey gebrauchet. Man soll aber die- jenige erwehlen, welche zart und rein ist, sich leicht zerbrechen laͤßt, und unter der so wenig klein Zeug ist, als immer moͤglich. Das siebende Capitel. Vom Umbra. D Jß ist ein Stein von unterschiede- ner Dicke, und kommt aus Egy- pten und von andern Orten in Levan- te. Man soll dasjenige Umbra erweh- len, welches zart ist, in grossen Stuͤ- cken, braun und auf roth sich ziehend, denn dieses ist besser denn das graue. Es wird gleichfalls zum mahlen ge- braucht. Vorher aber, und ehe es ge- rieben wird, wird es gebrannt, es mag nun zur Oelfarbe, oder von den Beut- lern gebrauchet werden. Wenn es ge- brannt wird, wird es roͤthlicht. Den Rauch mag man vermeiden, denn er stinckt heftig, und ist sehr schaͤd- lich. Das achte Capitel. Vom Tripel. D Es Tripels/ auch Alana genannt, giebet es zwey Sorten in Franck- reich : einer wird bey Poligny in Nie- der Bretagne nahe bey Rennes/ der andere aber zu Menna in Auvergne, ohnweit Rion/ gegraben. Der aus Bretagne wird hoͤher ge- halten, und ist viel besser, auch fuͤr die Steinschneider, Goldschmiede, Kessel- macher, und sonst zu allerhand Arbeit weit dienlicher, und wird aus einem Berge 10. bis 30. Fuß tieff herausge- graben. Er liegt allda schichtweis, des Fusses dicke, mehr oder weniger, uñ wird nach Redon gebracht, daselbst einge- schiffet, und nach Nantes gefuͤhret. Dagegen wird der aus Auvergne viel geringer gehalten, weil er fuͤr ob- gedachte Leute nicht dienet, denn er nicht alleine gar zu klar ist, sondern er faͤllt auch, wenn er trucken worden, aus einander, wie die Blaͤtter in einem Bu- che. Man braucht ihn auch blos die Gefaͤsse damit helle zu machen. Dieser wird fast gantz oben auf der Erde ge- funden. Man sagt, der Tripel sey ein Stein, der in der Erde von den Schwefeladern, die unter ihn hin gebrennet haben, leich- te gemachet worden ist, und die Kraft bekommen hat, daß er das Kupfer weiß, hell und sauber machen kan. Jn Jtalien und an andern Orten giebt es auch dergleichen Tripelgruben: allein, weil diese Waare nicht viel gilt, und wenig davon verbrauchet wird, da- hero fragt man gar selten darnach, und weil wir ihrer in Franckreich genug haben, so ist unnoͤthig, daß man sie an- derwaͤrts herbringen lasse. Das neundte Capitel. Vom Jndianischen Roth. D As Jndianische Roth oder die Persische Erde/ die wir gantz un- recht Englisch Roth zu nennen pfle- gen/ ist eine ziemlich theure Waare, son- derlich diejenige, welche als wie kleine, nicht allzuharte Steine ist, und eine ho- he Farbe hat. Die Schuster brauchen dieses Roth, wenn sie es mit Eyweis einge- Der Spezereyen und Materialien Hauptbeschr. dritter Theil. eingeruͤhret, und faͤrben die Absaͤtze an den Schuhen damit. Wir verkauffen auch sonst noch viel andere Sorten Erde mehr, so wie sie aus den Bruͤchen kommen, als da ist Marne, oder weisser Bo- lus. la Marne, welche etliche unter dem Ti- tel weisser Bolus verkauffen. Andere aber sind gewaschen, z. E. das Weiß von Rouan/ le blanc de Seve und von Port Neuilli/ die Kreide aus Champagne/ und andere, die wir gar nicht verkauffen, weil wir sie nicht wissen wieder zu bekommen, als da Smectis. ist Smectis, welches eine Art Thon, fett, klebricht und schwer ist, bald gelb, bald schwaͤrtzlicht. Diese Erde wird in England von den Wollenkaͤmmern sehr gebraucht, die ihr den Namen So- leterd gegeben; weil sie auch fast eben dasjenige verrichtet, was die Seiffe thut, deswegen wird sie von den Latei- nern terra saponaria, Seiffenerde, ge- nennet. Ferner die Mexicanische Erde/ welches eine uͤber alle massen weisse Erde ist, und von den Mexica- nern zum bleichen gebrauchet wird; in der Artzney aber an statt des Bleyweis- ses. Sie poliren auch das Silber da- mit. Mergel. Der Mergel, welches eine Art Ge- stein, und bald als wie die Kreide aus Champagne siehet. Agaricus mi- neralis. Das Steinmarck/ Lithomarga, im Frantzoͤsischen Moëlle de pierre genannt, ingleichen Agaricus mineralis und Lac Lu- næ. Dieser Stein befindet sich in den Klunsen und Ritzen der Steinfelsen in Teutschland; die so unterschiedene Benennung aber hat er um des willen bekommen, weil er uͤber die massen weiß ist, und leichtlich zu zerreiben, diese weis- se Farbe aber nirgends anders her- kommt, als daß er durch die metallischen Duͤnste calciniret worden. So giebt es auch noch vielerley Erde, Allerhand Arten Erde. als da ist die terra Erethria, Samia, Chia, Selusia, Cymolia, arenosa und noch ein Hauffen andere, derer bey den Scri- benten Meldung geschicht. Wir handeln desgleichen mit Ta- Tabacks- pfeiffen. backspfeiffen/ Hollaͤndischen/ und welche zu Rouan gemachet werden. Die rechten Hollaͤndischen sind lang und sehr schoͤn, hingegen die von Rou- an sind kurtz, und aus einer graulich- ten haͤßlichen Erde bereitet. Doch will ich mich nicht dabey aufhalten, oder sie weitlaͤufftig beschreiben, weil es eine Waare, die bekannt genug ist, und kei- nes fernern auslesens bedarff, als daß man sich in Acht nehme, daß sie nicht zerbrochen seyn, und ein iedes Groß zwoͤlff Dutzt halte. Was die præparation oder Bereitung Praͤpartrung der Steine und Erden. der Steine und der Erden anbelangt, dieselbe geschicht auf zweyerley Weise; wenn man sie auf einem Porphyrstei- ne reibet, oder in einer Seeschulpe, z. E. Perlen, Hyacinthen, Topasen, Schmaragden, Sapphiren, Eorallen, den Magnet, Gallmey, Tutia, und an- dere mehr: oder aber, sie werden mit Wasser in einem Moͤrsel gestossen, da- mit man das zarteste davon bekomme, z. E. von der Gloͤte, Bleyweiß und Mi- nie. Jene werden mit Rosenwasser abgerieben, und hernach als kleine Kuͤchlein aufgesetzt, die andern aber werden, als wie der Bleyzucker zu Taͤf- lein gemacht, wenn sie aus dem Wasser gekommen. Ende des Dritten und letzten Theils. Sonder- TAB. LX VII Sonderliche Anmerckungen des Autoris, Von ein und andern Gewaͤchsen, Thieren und Mineralïen, auch andern mehr, welche er vergessen bey der ersten Edition seines Werckes einzuruͤcken, oder aber erst hernach gefunden hat. Vom Quecksilber. A Usserhalb der Ungarischen und Spanischen Quecksil- berbeꝛgwercke, giebt es auch dergleichen in Friaul, wel- che Landschaft den Vene- tianern zustaͤndig ist: und von dannen wird zu ietziger Zeit, uͤber Marseille, schier das meiste Quecksilber uͤberbracht, welches wir zu verkauffen pflegen. Diese Bergwercke in Friaul, liegen etwan anderthalbe Tagereise von Caͤrn- ten, gegen Norden zu. Die Grube, darein wir fuhren, ist die reichste und groͤsseste unter allen, uͤber sechs hundert Fuß in der Teuffe. Dahinunter kommt man, mit schwerer Muͤhe auf den Lei- tern oder Fahrten, welche schnurgera- de auf stehen: doch findet man in dem einen Schachte, in gemessener Weite, Breter in die Quere gelegt, darauf man rasten kan. Als wir nun gantz in der Teuffe waren, sahen wir das Ertz, wel- ches sie mit Hauen gewinnen muͤssen, dieweil es so harte ist, als wie Stein. Es siehet leberfarben aus, oder als wie Crocus Metallorum. Jnwendig in den Stuͤcken befindet sich eine weiche Erde, und in derselben ist der Mercurius in Ge- stalt gantz kleiner Broͤcklein und Kuͤglein zu ersehen. So finden sich auch dabey runde Steine, wie Kieslinge, von aller- hand Form, sehen schier aus, als wie die Klumpen Haare, dergleichen ich zu mehrenmahlen in England, aus dem Wanste der Ochsen nehmen sehen. Es wird aber das Quecksilber auf folgende Weise ausgezogen. Sie nehmen die Erde, welche in der Teuffe der Gruben gewonnen, und in Koͤrben herauf und zu Tage gefoͤrdert worden, und schuͤtten sie in ein Sieb mit einem meßingenen Dratboden, der so weit ist, daß man den kleinen Finger dadurch stossen kan. Dar- inne bringen sie dieselbe Erde in ein Baͤchlein, und waschen sie so lange, bis nichts nicht mehr hindurch will. Die- jenige Erde nun, welche nicht durchge- het, wird auf einen Hauffen besonders geschuͤttet, die aber durchgegangen ist, wird in das Loch G bey der ersten Figur, Siehe Fig. 1. geschuͤttet, daraus nimmt sie ein ande- rer Mann, schuͤttet sie in ein ander Sieb, und aus diesen noch in zehen oder zwoͤlff andere, deren eines immer enger ist, als das andere. Oftmahls wird bereits Quecksilber in dem ersten Loche gefun- den, aus welchen der andere Mann die Erde hat genommen: wo aber die Sie- be am engsten sind, daselbst sindet es sich in weit groͤsserer Menge. Die Erde, welche besonders ist geschuͤttet worden, stampfen sie gantz klein, oder kleinen sie, nach Bergmanns Art zu reden, und fangen aufs neue wieder damit an. Die gantz zarte Erde, der Schlich genannt, welche zuruͤcke bleibet, und aus der sie kein Quecksilber mehr im Wasser brin- gen moͤgen, wird in eiserne Retorten geschuͤttet, Vorlagen vorgelegt und lu- tiret, darein treibet alsdann des Feuers Macht das Quecksilber. Der Beam- te, welcher die Aufsicht druͤber hat, nahm in unsern Anwesen unterschiedene ab, und zeigete sie uns, da ich dann bey allen H h h beob- Des Autoris Anmerckungen beobachtete, daß zu erst der vollkomme- ne und lauffende Mercuꝛius vorankam, darauf folgete ein schwartzer Staub, wann der gefeuchtet ward, war es eben so gutes Quecksilber, als wie das vorige. Das Caput mortuum, oder den zuruͤck- gebliebenen Rest kleinen sie wiederum, und verfahren damit, wie zuvor, bis daß kein Quecksilber mehr heraus zu bringen. Damit ich aber diese Arbeit desto deutlicher vorstellen moͤge, habe ich zu solchem Ende die Figur N. 1. stechen las- sen, damit mans um soviel genauer sehen koͤnne, und die Erklaͤrung hierbey gesetzt. A bedeutet das Wasser, C B ist der Lauff, darinne das Wasser fort laͤufft, D G E H F I sind die Canaͤle oder Rinnen, in denen es bestaͤndig aus dem Lauffe ablaufft, D E F sind drey Siebe, deren draͤterne Boͤden einer immer en- ger ist als der andere; G ist der Ort, da- hin die Erde geschuͤttet wird, welche durch das Sieb D gegangen, und dar- aus sie der andere Mann heraus nim̃t: was nun durch das Sieb E gehet, wird zu H geschuͤttet, und solcher gestalt fer- ner fortgefahren. K L M ist die Truͤbe, oder das truͤbe Wasser, welches derge- stalt mit des Quecksilbers Kraft ange- fuͤllet ist, daß es die Kraͤtze und eiternde Geschwuͤre heilet. Auf diese Weise wird das Quecksil- ber, welches sie das gemeine Quecksilber zu nennen pflegen, ausgezogen. Dann, was Mercurius virgineus und Jungfrau- en Quecksilber geheissen wird, findet sich allbereits gediegen in dem Ertze, daraus es durchs waschen gebracht wird: Und sie halten vielmehr auf dieses, als auf das andere. Jch fragete etliche Be- dienten, ob es dann eine sonderbare Kraft haͤtte: die gaben mir zum Be- scheid, wann das Gold mit dergleichen Quecksilber amalgami ret und in eine Massa gebracht, hernach aber ins Feuer gestellet wuͤrde, so fuͤhrete dieser Mercu- rius alles Gold mit sich davon, welches der andere nicht zu thun vermoͤchte. Des gemeinen Quecksilbers findet sich weit mehr, als wohl des Jungfraͤu- lichen: dann aus der Rechnung, so die Beamten dem Kaͤyser uͤbergeben, war zu ersehen, daß unter sechs mahl hun- dert und fuͤnff und neuntzig tausend drey hundert und vier und dreyßig Pfund Quecksilber, welche im Jahr 1661. 1662. und 1663. gegraben wor- den, 667666. Pfund gemein Quecksilber, und nur 27668. Pfund jungfraͤulichs sich befunden. Die Machinen und Zeuge, deren sie bey diesen Bergwercken brauchen, sind recht unvergleichlich: wie ich denn mein Lebetage keine so gar grossen Raͤder gesehen habe, welche alle durch das Was- ser getrieben werden, das sie ohne son- derliche Kosten, von einem drey Meilen davon entlegenen Berge, darauf gelei- tet. Das Wasser aber, das aus den Schachten, vermittelst 52. Personen, 26. auf ieder Seite, gezogen wird, treibt noch andere Raͤder, die zu diesem und jenem Gebrauche dienen muͤssen. Die Arbeiter bekommen mehr nicht, als einen Julier des Tages zum Lohn: koͤnnen aber bey dieser Arbeit nicht lang aushalten. Dann, obgleich keiner nicht uͤber sechs Stunden unter der Erde blei- bet, werden sie dannoch allesamt con- tract, und sterben an der Lungensucht, einer eher, der andere spaͤter. Wir sahen daselbst einen solchen Ar- beiter, der etwan vor einem halben Jah- re dazu gekommen, der war so voller Quecksilber, daß er kaum ein Stuͤcke Kupfer in den Mund genommen, oder es auch wohl nur mit den Fingern rei- ben durffte, so ward es so weiß als wie Silber, oder, als ob es mit dem Queck- silber selbst gerieben worden waͤre. Er war dermassen contract, daß er kein halb- volles Glas, unverschuͤttet, zum Mun- de bringen kunte. Hernach erfuhr ich in Venedig, daß diejenigen, die mit dem Spiegel machen umgehen, ebenfalls der Gicht gar unterworffen waͤren. Be- obachtet habe ich gantz nicht, daß die Leute haͤtten schwartze Zaͤhne gehabt, so daß wir vielleicht dem Quecksilber un- verdienter Weise beymessen, als ob es die Zaͤhne verderbete, wann es in den Venuskranckheiten gebrauchet wird. Es ist zwar wahr, daß ich an diesem Orte hierauf nicht Acht gegeben; alleine, weil doch schwartze Zaͤhne an diesen Or- ten etwas seltsames sind, so wuͤrde ich sie ohn Zweiffel, auch in Acht genom- men haben, dafern es ihrer daselbst haͤt- te gegeben. Von uͤber ein und andere Gewaͤchse, Thiere ꝛc. Von dem so kostbaren wilden Schweinsteine aus Westin- dien. Siehe Fig. 2. Pierre de Porc, der Schweinestein, den die Hollaͤnder Pedro de Porco zu nennen pflegen, und die Portugiesen, welche dergleichen Steine zu erst in Europa ge- bracht, Pedro de Vassar, oder Piedra de Puerco, ist eine Art Bezoar, so in der Gal- le der ostindischen wilden Schweine an- zutreffen. Der Schweinstein, oder Schweinbezoar, ist insgemein so dick als eine Haselnuß, oder, wie die Spitze an dem Finger, unterschiedener Gestalt und Farbe. Doch seine gemeinste Far- be sieht wie die Toulonische Seiffe, das ist weiß und etwas gruͤnlicht, dabey ist er gar linde anzufuͤhlen. Wiewohl nun diese Steine trefflich seltsam sind, dannoch habe ich deren zwey Stuͤck, die ich in meinem Cabinet verwahrlich aufbehalte, um sie denen- jenigen zu zeigen, die sie gerne moͤchten kennen lernen. Wie rar aber dieser Stein, solte man sich nicht einbilden koͤnnen, und dennoch ist nichts nicht gewisseꝛs, als daß auch bey dem staͤrckesten Verkauff der Jndiani- schen Waaren zu Amsterdam und Lissa- bon sich niemahls uͤber drey oder vier solcher Steine nicht befinden. Wie dann im Jahr 1694. bey so schwerer und kostbarer Ladung unterschiedener Schif- fe, die in dem Februar. von Batavia ab- gegangen, und welche uͤber zwey Mil- lionen betrugen, mehr nicht, als zwey Sausteine sind mit uͤberbracht worden, inmassen solches ihre Cargaison oder ge- druckte Waaren-Liste bezeuget. Die Jndianer nennen diese Steine, auf ihre Sprache, Mestica de soho, und halten ungemein viel drauf, wegen ihrer Kraft wider den Gift: ja die Leute im Koͤnigreich Malacca, woselbst sie insge- mein zu finden, wollen sie gar dem ori- entalischen Bezoar vorziehen, unerach- tet derselbige in den uͤbrigen Theilen Jndiens fuͤr das allerherrlichste Mittel wider den Gift gehalten wird, derglei- chen nur in der Welt zu haben. Der Schweinstein findet sich gar sel- ten bey den Hollaͤndischen Materiali- sten, und bey uns ist er noch viel seltsa- mer, entweder, weil er in Jndien selbst so rar, oder aber, weil ihn die Jndianer lieber fuͤr sich behalten, nicht allein, als ein dermassen kraͤftiges Verwahrungs- mittel wider den Gift, sondern auch als eine allgemeine und unfehlbare Artz- ney wider diejenige Kranckheit, welche sie Mordoxi heissen, so von verderbter Galle kommt, und ihnen eben so gefaͤhr- lich ist, als wie bey uns in Europa die Pest. Wann die Schweinsteine nach Hol- land uͤberkommen, werden sie gemei- niglich um hundert, bis hundert und dreyßig Thaler, auch wohl noch hoͤher verkaufft. Allein die reichen Kauffleu- te, denen alle ihre Kraft und Wirckung wohl bekannt, verwahren sie als einen kostbaren Schatz, und machen entweder ein Present davon an grosse Herren, oder bedienen sich ihrer selbst auf den Nothfall. Sie schliessen sie in ein run- des goldnes durchloͤchertes Buͤchslein ein, welches an einer goldnen Kette han- get, damit man es brauchen koͤnne, wenn man will. Unterschiedene ansehnliche Leute und Familien in Amsterdam, im Hag und an andern Orten in Holland, verwah- ren diesen Stein, schon viele Jahre, von Kind zu Kindeskind, und ihre guten Freunde und Bekannten nehmen als- dann im Nothfall ihre Zuflucht zu ih- nen, absonderlich, wann ihre Kinder die Pocken haben. Sonst werden ihm auch noch viel an- dre Kraft und Tugenden mehr beyge- legt, wider Fieber und bey nahe alle Be- schwerungen der Weiber: und die Jn- dianischen haben ein solches Vertrauen darauf, daß sie glauben, sie erhielten al- sofort eine sonderliche Linderung ihrer Schmertzen, sobald sie ihn nur koͤnnen anruͤhren: allein die schwangern ge- trauen sich nicht ihn zu gebrauchen, aus Beysorge, es moͤchte ihnen unrichtig ge- hen. Wann man diesen Stein gebrauchen will, wird er einige Augenblicke in ein Glas mit Wasser oder Wein gehangen: so theilet er demselben seine Kraft und Tugend mit, und machet es ein wenig bitter, doch nicht unangenehm. Die- ses trincket man fruͤh nuͤchtern, und em- pfindet alle oben angeruͤhrte Huͤlffe. Man kan ihn auch zu aller Stund H h h 2 und Des Autoris Anmerckungen und Zeiten brauchen, wann mans hoch- noͤthig hat. Vom Malaccischen oder Jndiani- schen Stachelschweinstein. Ausser oberwaͤhnten Schweinesteine, giebt es noch zwey andere, welche ins- Siehe Fig. 3. gemein, die Malaccischen Steine ge- nennet werden, dieweil dieselbigen son- sten schier an keinem Orte dieses Koͤnig- reiches zu befinden. Die meisten ver- mengen den Schweinestein mit dem Malaccischen, weil sie einander so gar aͤhnlich sehen, welches ich auch mit de- nenjenigen, die ich besitze, erweisen kan, als welche nur durch die Groͤsse von ein- ander unterschieden sind, und mehr Schiefer haben, weder der Bezoar und andre. Diese Steine werden ebenfalls, iedoch sehr selten, in der Galle und dem Magen der Jndianischen Stachel- schweine gefunden. Der Malaccische Stein oder der Jn- dianische Stachelschweinstein, wird gleicher Gestalt, als wie der Schweine- stein, in dem Koͤnigreich Malacca und an andern Orten in Jndien, gar ofters zu einem Present und Geschenck fuͤr grosse Herren gebraucht, oder auch fuͤr die Gesandten auslaͤndischer Fuͤrsten. Garcias ab Horto meldet in seinen Ge- schichten, daß zu seiner Zeit der Portu- giesische Viceroy in Jndien einen sol- chen Stein verwahret, der ihm von dem Koͤnige in Malacca war verehret wor- den, woraus leicht abzunehmen, wie hoch die Jndianer diese Steine halten muͤssen. Der andere Malaccische Stein wird in dem Kopfe dieser Thiere gefunden, und gedencket dessen der Herr Taver- nier in seinem zweyten Buche. Dieweil ich ihn aber noch niemahls nicht gese- hen, deswegen mag ich auch nichts wei- ter davon melden. Vom Affenstein oder Affen- Bezoar. Von diesem Steine will ich allhier nichts nicht mehr anfuͤhren, dieweil ich im Cap. vom Orientalischen Bezoar weitlaͤufftig gnug davon gehandelt ha- be, ohne daß ich noch vermelde, wie ich, seit dem mein Buch gedruckt ist worden, zwey solche Steine wiederum gefun- Siehe Fig. 4. den, welche wie eine kleine Nuß gꝛoß sind, und schwaͤrtzlicht sehen. Kurtz, die zwey Schweinesteine, die zwey Affensteine und der Malaccische Stein, die ich besi- tze, sind einige von den raresten und kostbarsten Seltsamkeiten, die in Euro- pa, insonderheit unter gleichen Dingen/ zu befinden. Vom Ambergris. Jm Cap. vom Ambra p. 551. habe ich zwar gemeldet, man solle denjenigen Amber verwerffen, welcher inwendig und auswendig gleichsam vermodert scheinet. Allein es hat mich der Herr le Boiteux, ein galanter Parfumirer und aufrichtiger Mann, des Gegentheils versichert, und daß das eigentliche Merck und Zeichen eines guten Am- bers sey, wann er grau saͤhe, und kleine Tuͤpfel, als wie Rebhuͤneraugen haͤtte; der auch auswendig, wie inwendig, gleichsam gebluͤmelt waͤre; das ist, wann der Amber als wie modricht und schimmlicht siehet, so ist er fuͤr den aller- besten zu erachten. Weil nun dieser Freund sich ungemeine wohl auf die Parfum versteht und lange damit um- gegangen ist, dannenhero kan man sicher seinem Urtheil folgen und das meinige hintansetzen. Dieweil ich nun mit dem Capitel vom Ambra zu thun habe, so habe auch dienlich gehalten, wann ich hierbey anfuͤgete, wie daß die Herren Directores der Ostindischen Compagnie in den vereinigten Provin- tzen im Jahr 1694. ein gantz vollkom- men schoͤnes Stuͤcke Ambra, von 182. Pfunden oder 2912. Untzen bekommen, welches das koͤstlichst- und kostbarste Amberstuͤcke ist, dergleichen iemahls ist zu sehen gewesen. Damit ich aber auch erweisen moͤge, daß der Amber von dem Wachs entspriesse, so will ich hier an- fuͤhren, was ich aus dem Journal des Sça- vans habe ausgezogen. Die Naturkuͤndiger reden gar unter- schiedlich von dem Amber, und ihre Meinungen von dem Ursprunge, der Natur und den Eigenschaften desselben sind trefflich unterschieden. Einige sprechen, der Amber sey nichts anders, als der Samen vom Wallfische, Sperma Ceti: andere halten ihn fuͤr einen Meer- schaum, welcher nach und nach gleich- sam zeitiget und harte wird. Andere wollen mit dem Cardano behaupten, daß es der uͤber ein und andere Gewaͤchse, Thiere ꝛc. es der Schaum von Meerkaͤlbern sey: und noch andere geben mit Serapione vor, es sey ein Balsam, der in gewissen Felsen und Klippen erzielet wuͤrde, und von da herab in die See fiele. Einige aber versichern mit Ferdinando Lopez, daß es zusammen gesammleter Mist sey von etlichen Voͤgeln, welche lauter wohlriechende Kraͤuter zu fressen pfleg- ten, die in den Maldivischen Jnseln wuͤchsen: und endlich wollen ein und andere haben, es sey eine Fettigkeit der Erde, die rinne aus gewissen Adern in die See, und werde unvermerckter Weise hart. Allein diese Meinungen insgesamt sind auf gar schlechte Muthmassungen gegruͤndet, dadurch aber solche Dinge mit einander verwirret werden, welche eine gantz unterschiedene Natur und unterschiedene Beschaffenheiten haben. Dann ob schon alle Arten Amber sich in der See befinden, und von dessen Flut und Wellen in die Fluͤsse getrieben wer- den duͤrfften, so erkennen iedoch Kuͤnst- ler mehr als zu bald, wann sie dieselben unter ihre Haͤnde nehmen, daß ihre Materie durchaus nicht die angegebene sey, und die Medici gebrauchen sie in solchen Faͤllen, daraus gantz leichtlich zu urtheilen, daß sie aus gantz unter- schiedenen Dingen bestehen muͤssen. Auf daß nun nichts nicht unter ein- ander geworffen werde, so muß man die zwey Sorten Ambra, den grauen naͤmlich, und den weissen, wohl von ein- ander unterscheiden. Der erstere fin- det sich an unterschiedlichen Orten in dem grossen Weltmeere, z. E. an den Kuͤsten von Moscau und Rußland, hauptsaͤchlich aber in den Fluͤssen des Jndianischen Meeres. Dieser graue Ambra ist dunckel, von lieblich und suͤß- lichten Geruch, und zerschmiltzet leicht- lich auch von geringer Waͤrme: er hat, ohne einige sonderliche Zurichtung, so wie er aus der See genommen, so herr- liche Kraft und Wirckung, daß er das Hertze staͤrcket, desgleichen Kopf und Magen, nicht weniger die Lebensgei- ster erfrischet, und selbst den Samen kraͤftiger und fruchtbar macht. Keine bessere und vernuͤnftigere Mei- nung finde ich nicht, als diejenige, welche gewiß bestaͤtiget, der Ambergris sey nichts anders, als ein zusammengesetz- tes Wesen aus Wachs und Honig, so von den Bienen auf den Baͤumen zu- sammen getragen wird, deren die Mos- cowitischen Kuͤsten voll sind, oder aber in den Felsloͤchern am Ufer des indiani- schen Meers, und diese Materie werde von der Sonne gekocht, nicht aber voͤllig ausgearbeitet, und sodann entweder durch starcke Winde, oder vom hohen Wasser, oder wegen eigenen starcken Gewichtes abgeloͤset, und falle in das Meer, allwo sie endlich ihre gaͤntzliche Vollkommenheit erhalte, zum Theil durch die Wellen des Meers, zum Theil durch den darinne befindlichen Saltzspi- ritum. Und die Erfahrung giebets, wann man Wachs und den besten Ho- nig nimmt, stellet sie zusammen eine Zeitlang in digestionem und bestaͤndige gelinde Waͤrme, daß man daraus ein Elixir und Essentz bereiten und ziehen koͤnne, die nicht alleine einen trefflich an- genehmen Geruch, sondern auch solche Kraft und Tugend haben, welche der Kraft und Wirckung des Ambergris bey nahe gantz gleich kommen. Jch zweiffle auch gar nicht, daß dergleichen Elixir weit koͤstlicher werden solte, koͤnte man des Jndianischen Honigs darzu habhaftig werden, oder doch des Mos- cowitischen, dieweil die Bienen allda viel bessere, wohlriechendere und aroma- tische Blumen finden. So sind uͤberdiß iezuweilen gar grosse Stuͤcken Ambergris gefunden worden, die noch nicht ihre gaͤntzliche Vollkom- menheit erhalten hatten: dann, wann man sie zerbrochen, hat man noch mit- ten drinne Honigwaben, Wachs und Honig, angetroffen. Und endlich wann der Ambragris mit spiritu vini tartarisato aufgeloͤset wird, so hinterbleibet allezeit eine dicke, dem Honig gleichende Materie. Vom schwartz und weissen Peruvi- anischen Balsam. Die drey Sorten des Balsams aus Peru will ich allhier nicht wiederum an- fuͤhren, als davon in meinem Buche p. 411. seqq. weitlaͤuftig genug ist abgehan- delt worden, da mag man nachsehen. Jedennoch will ich noch erinnern, wie daß von allen dreyen schier keiner nicht so H h h 3 sehr Des Autoris Anmerckungen sehr im Brauch, als wie der schwartze, sowohl, weil er gar sehr kraͤftig ist, als auch um seines starcken und angeneh- men Geruchs willen. Den Baum, der diese Balsame giebet, nennen die Jndianer im Neu-Spanien, Xiliogo- mor alito. Er wird auf dreyerley Art und Wei- se gebrauchet, erstlich eingenommen, hernach auf den schmertzhaften Ort aͤusserlich aufgestrichen, wie sonsten ei- ne Salbe, und dann auch unter andere Compositiones und Medicamenten ge- mischet. Zum ersten, wann fruͤh morgens in dem gelben von einem Ey, oder in ei- nem Loͤffel warmer Bruͤhe, oder in Wein, vier bis fuͤnff Tropfen einge- nommen werden, so dienet er Leuten, die mit kurtzen Athem belaͤstigt, oder mit Schmertzen in der Blase beladen sind: er stillet die langwierigen Schmertzen des Magens, und giebet den Lungen- und schwindsuͤchtigen stattliche Linde- rung. Fuͤr die Gebresten der Leber ist er vortrefflich, oͤffnet derselben Versto- pfung, und macht und erhaͤlt eine gute Farbe im Gesicht, er macht auch guten Athem. Die taͤglichen Fieber vertrei- bet er, fuͤnff oder sechs Tropfen davon eingenommen, wie allbereit erwaͤhnet, eine halbe Stunde zuvor, ehe dann es kommt, und den Ruͤckgrad zugleich ein wenig damit gestrichen. So hat er endlich auch, innerlich gebraucht, die Kraft die Winde und Blaͤhungen zu zertreiben, der boͤsen Luft und dem Gift zu widerstehen, und die edlen Lebens- theile zu erhalten. Er ist uͤberdiß ein bewaͤhrtes und unfehlbar Mittel wider die Pest und die rothe Ruhr. Die andere Art diesen Balsam zu gebrauchen, ist unter der Gestalt einer Salbe. Und da ist er durchgehends gut zu allerhand frischen Wunden, sie moͤ- gen seyn an welchem Theile des Leibes sie nur wollen, insonderheit am Kopfe, nur daß der Hirnschedel nicht beschaͤdigt sey: dann er erfrischet und heilet sie stracks bey dem ersten Verbande, wann er warm in die Wunde gestrichen, und ein Bausch und Band angeleget wird, so da verhindert, daß keine Luft nicht darzu komme. Auch ist er trefflich gut zu solchen Wunden, bey denen die Ouet- furen verwehren, daß sie nicht koͤnnen zusammen heilen: dann er heilet sie schnell, und verschaffet, daß sie bald zu- sammen halten, wann es noͤthig ist. Vor allen andern Medicamenten heilet und reiniget er die alten krebsartigen Schaͤden, heilet die Wunden der Ner- ven und der Gelencke, absonderlich im Huͤftweh, und zertheilet alle Haͤrte und Geschwulst, so etwa noch zuruͤcke blie- ben. Er stillet alle Schmertzen/ die von Erkaͤltung her entstanden, wenn der schmertzhafte Ort damit gestrichen und gerieben wird. Auch nimmt er alle Geschwulst hinweg, die etwan durch Kaͤlte verursachet, und staͤrcket alle und iede Theile des Leibes, die damit gerie- ben werden. Auch staͤrckt und erhaͤlt er das Gehirn in guten Stande, und zertheilet alle schaͤdliche Feuchtigkeiten zusamt den Schmertzen, die es irgend treffen, wann man die Schlaͤfe und das Hintertheil vom Haupte damit reibet. Die Laͤhmung der Glieder curiret er, wann man den Kopf, das Genick, den Ruͤckgrad und den preßhaften Theil oder Glied damit einsalbet. Er staͤr- cket den Magen, wann man denselbigen mit diesem Balsam streicht und reibet, und er zertheilet die Blaͤhungen und Winde in demselben, eroͤffnet ingleichen alle dessen Verstopfungen. Die Miltz erweichet er, wann er warm auf den schmertzhaften Ort gestrichen wird: auch stillet er die Steinschmertzen, be- nebst dem Bauchwehe; absonderlich, wann er mit warmen Brode aufgele- get wird. So stillet er auch die Schmer- tzen der Zaͤhne, wann man sich hinter den Ohren, auf der Seite, wo der Schmertz ist, streichet, vertreibet auch das Kneippen und Reissen im Leibe, bey Kindern und alten Leuten: nicht weni- ger die Colic, so von Winden und Gries entstanden, wann man ihn auf den Nabel streicht und wohl einreibt. Er heilet desgleichen die Zittermaͤhler und Flechten, die Rose, und andere solche Zu- faͤlle, wann man sie damit streicht. Die Weibspersonen haben an ihm ein herr- liches Huͤlffsmittel in allerhand ihnen aufstossenden Kranckheiten und Be- schwerungen, denen sie von Natur un- terworffen sind. Dabey dienet zu mercken, daß dieser Balsam uͤber ein und andere Gewaͤchse, Thiere ꝛc. Balsam warm gemacht seyn muͤsse, man mag ihn auch gebrauchen, wann und wozu man will, und das muß ge- schehen, entweder in dem Gefaͤse, daraus man ihn will lauffen lassen, oder aber, wann solches bereits geschehen, auf ei- nem Teller, oder in einem Loͤffel. Alle diese Kraft und Tugenden ha- ben beyde Balsame, der schwartze und der weisse. Der weisse hat zwar kei- nen so starcken und angenehmen Ge- ruch, ist aber weit koͤstlicher, rarer und kraͤftiger, indem er recht natuͤrlich ist und von der Sonne aus dem Baum er- zwungen. So ist uͤberdiß der weisse ein durchgehend gutes und unvergleich- liches Mittel wider die Flecke und Nar- ben, so nach den Pocken im Gesicht und sonst zuruͤcke bleiben, oder die etwan von einer andern Kranckheit kommen, wann dieser weisse Balsam mit Eyweiß, oder nur mit klaren Wasser zertrieben wird. Alles dieses ist aus eines Arabischen Me- dici gedruckten Zettel gezogen, und das allermeiste bey Gelegenheit probirt und gut befunden worden. Vom Copaiva Balsam. Vorietzo bringt man uns, ausserhalb des Peruvianischen Balsams, von denen- jenigen Orten, derer ich in meinem Bu- che pag. 411. erwaͤhnet, noch einen, un- ter dem Titel Balsam von Copaiva, doch werde weiter nichts, als nur von seiner Eigenschaft, gedencken. Seine Kraft ist unvergleichlich, und er kan in einer Apothecke statt aller anderer von Menschen zubereiteter Artzneymittel dienen. Dann er resolvi rt und digerir et, und staͤrcket, weil er warm und trocken ist, wann man des Morgens nur ein paar Tropfen davon nimmt, vertrei- bet die Engbruͤstigkeit und Unverdau- lichkeit des Magens, wann er laulicht gemacht und der Magen damit gerie- ben wird, oͤffnet die Verstopfungen, durch Kaͤlte verursachet, wann man den Kopf und Hals wohl damit streicht, staͤrckt das Gehirn, und verwahret vor Schlag und Ohnmachten. Auch hat er eine sonderliche Kraft wider giftger Thiere Biß und Wunden: wie dann die Thiere selbst, die sich verletzt empfinden, sich zu diesem Baume finden, in die Rinde beissen, und das benoͤthigte Mit- tel zur Genesung dadurch erhalten. Diese Baͤume wachsen an unterschie- denen Orten in Brasilien, naͤmlich um den Fluß, Rio de Janeiro genannt, zu Sanct Vincentz, und zu Pernambuc: iedannoch ist er allda nicht in solcher Menge anzutreffen, als wie in dem Lan- de des heiligen Geistes. Die Leute von Copaigba nennen die andere Sorte Oel von Copaigba; das sind gleichergestalt gar grosse aschengraue Baͤume, doch ist ihr Laub annoch weit groͤsser. Wann der Stamm bis auf den Kern geboh- ret worden, so sammlen sie eine grosse Menge Saft davon: der wird nach den Baum Copaigba genennt: wann er dann aufhoͤret zu lauffen, und sie ver- stopfen das Loch etwan acht Tage lang, auch etwas laͤnger, und eroͤffnen es her- nachmahls wieder, so laufft er eben so haͤuffig heraus, gleichwie zuvor, und riecht so gut, als wie der Balsam, doch ist er nicht so koͤstlich, wie der erste, hat aber dannoch eben eine so gute medicina- lische Kraft. Von der Wurtzel Nisi. Das Gewaͤchs, oder die Wurtzel, wel- che die Japaner Nisi, die Wilden Canna, und die Chineser Ging-ging, auch Nim- ging zu nennen pflegen, ist ein kleines weißlichtes Wuͤrtzelgen, der Wurtzel vom Diptam oder weissen Behen durchgehends gleich. Dieweil nun die- se Wurtzel gar wenig bekannt ist, so will ich zuvoͤrderst allhier anfuͤhren, was mir S. Koͤnigl. Maj. und des Herrn Cantzlers Medicus ordinarius, der Herr Bourdelot, geschrieben davon mitgethei- let. Ging-ging ist ein Gewaͤchs, welches Siehe Fig. 5. die Chineser deswegen also nennen, die- weil es die Gestalt eines Menschen hat, der die Beine von einander sperret. Denn sie nennen einen Menschen Ging. Jhre Wurtzel kommt der Mandragora, Allraunenwurtzel ziemlich nahe, ist aber viel kleiner, und ihre Blaͤtter be- zeugen, daß sie zu einem gantz andern Geschlecht gehoͤre. Der Pater Martini, weil er die Wurtzel nur gesehen, hat sie in seinem Chinesischen Atlas zu einer Sorte der Allraunenwurtzel gemacht: allein, er ist in diesen Jrꝛthum verfallen, weil er die Blaͤtter nicht hat koͤnnen zu sehen Des Autoris Anmerckungen sehen bekommen, wie er es dann selbst gestehet. Diese Wurtzel wird gelblicht, wann sie vertrocknet, hat schier keine Faͤden und Fasen, dadurch sie die Nah- rung an sich ziehen koͤnte, und ist mit ei- nem Hauffen kleiner schwartzen Adern durchzogen, als ob man soviel zarte Li- nien mit Dinte drein gemachet haͤtte. Wann sie gekauet wird, schmeckt sie un- angenehm, wegen ihrer Suͤßigkeit mit etwas bittern vermischt. Sie vermeh- ret die Lebensgeister gewaltig, wiewohl auf einmahl uͤber ein Paar Scrupel nicht genommen werden darff. Wird mehr davon gebraucht, so giebet sie de- nen schwachen neue Kraͤfte, und erwe- cket eine liebliche Waͤrme in dem Leibe. Sie wird mehrentheils gebrauchet, wann sie ist durchs Marienbad ( Balne- um maris ) gegangen, und da giebet sie ei- nen recht angenehmen Geruch, als wie sonst andere aromatische oder wuͤrtzhaf- te Dinge. Diejenigen, die eine starcke und hitzige Natur haben, lauffen Le- bensgefahr, wann sie dieselbige zu starck gebrauchen, dann sie erreget eine allzu grosse Aufwallung der Lebensgeister. Allein fuͤr schwache Personen und abge- mattete ist sie gantz unvergleichlich, wie auch fuͤr solche, die lange kranck gelegen, oder auf andere Weise von Kraͤften kommen sind. Die Lebensgeister er- setzet sie dergestalt bey schon sterbenden, daß sie noch Zeit erhalten sich anderer Mittel zu bedienen und die Gesundheit wieder zu erhalten. Sie wird um drey- mahl so viel Geld verkaufft, als sie schwer ist. Jm Cabinet der Societaͤt zu Londen. Die Wurtzel Nisi ist gleichsam eine Panacea bey den Chinesern, in Franck- reich aber, wie auch in Holland nicht so gar bekannt, und wegen ihrer Seltsam- keit wird sie uͤber alle massen theuer ver- kauffet. Die ich zuletzt aus Holland kommen lassen, davon hat mich die Un- tze 25. Pfund in Amsterdam gekostet, und ist daselbst auch nur in einem eini- gen Laden anzutreffen. Wann diese Wurtzel annoch in der Erde stickt, trei- bet sie einen Stengel etwan eines Fus- ses hoch, der ist so dicke, als ein Stroh- halm, und aus demselben kommen die Blaͤtter, die schier als wie das Veilgen- kraut aussehen: hernach folgen die Blu- menknoͤpfe, die sehen roth, wann sie sich aber aufgethan, kommen weisse Blu- men heraus, die bestehen aus sechs Blaͤttlein, drey und drey beysammen. Das Siamische Tagebuch, wann es von der Wurtzel Nisi redet, berichtet, daß Ginseng eine kleine Wurtzel sey, wel- che in der Chinesischen Landschaft Houn- lamsoutchouan und Couli : sonst ist sie nir- gends in der Welt mehr anzutreffen. Jhre vornehmste Tugend ist das Ge- bluͤt zu reinigen, und die verlohrnen Kraͤfte wieder zu ersetzen. Man giesset Wasser in eine Schale, und laͤssets ei- nen Wall thun; darein werden als- dann die Ginseng Wurtzeln gethan, in kleine Stuͤcken zerschnitten; darauf wird die Schale zugedeckt, und derge- stalt das Wasser auf den Wurtzeln ei- nige Zeitlang stehen gelassen: ist es nun laulicht worden, so wird es davon abge- truncken, fruͤhe morgens, ehe man et- was genossen hat. Die Wurtzeln hebt man auf, und laͤsset Abends noch ein- mahl Wasser sieden, doch thut man nicht mehr als die Helffte davon in die Scha- le, legt die Ginseng drein, decket die Scha- le zu, und wann es gnugsam verkuͤhlet, trincket man es. Hernach laͤst man die Ginseng wieder an der Sonne trucken werden, und wann es beliebig, kan man noch einmahl Wein darauf giessen, und gebrauchen. Die Proportion, und wie viel Wurtzel man auf einmahl neh- men muß, wird nach dem Alter der Person eingerichtet, die sie gebrauchen soll. Dann zu zehen bis zwantzig Jah- ren nehmen sie die Helffte so schwer, als ein und ein halber Soang thut: von dreyßig bis siebentzig und druͤber, ein Mayon schwer: druͤber nehmen sie nie- mahlen nicht. Die Vogelnester werden insonder- heit in Cochinchina gefunden: die die- nen trefflich zu Bruͤhen, und sind gar gesund, wann Ginseng drunter gethan wird. Sie nehmen ein Hun, dessen Fleisch und Beine fein schwartz sind, und machen es wohl rein. Hernach nehmen sie Vogelnester, die lassen sie in Wasser weichen und reissen sie zu kleinen Bißlein: Auch schneiden sie Ginseng in kleine Stuͤcklein, stecken alles mit ein- ander in das Hun, und naͤhen das Loch zu. Nach diesem legen sie das Hun in ein über ein und andere Gewaͤchse, Thiere ꝛc. ein bedecktes Geschirr von Porcellan, stellen dasselbige in einen Kessel voll Wasser, und lassen es so lange sieden, bis daß das Hun gar gekochet ist: und end- lich stellen sie den Kessel in die gluͤhen- den Kohlen und die heisse Asche, die gan- tze Nacht hindurch. Des Tages drauf verzehren sie das Hun, zusamt der Gin- seng und den Vogelnestern, ohne Saltz und Eßig, oder, wie es bey uns heist, un- gesaltzen, ungeschmaltzen: wann sie nun alles rein aufgezehret haben, halten sie sich fein waꝛm, und bekommen zuwei- len einen Schweiß. Sie pflegen auch Reiß mit Wasser ge- kocht, und mit Vogelnestern und Gin- seng, auf obige Weise zugerichtet, zu ge- niessen. Das thun sie bey anbrechen- dem Tage, und wann es moͤglich, rasten sie darauf. Vom Agtstein. Dieweil ich in meinem ersten Buche allzuwenig vom Agtsteine vermeldet, als habe nicht undienlich erachtet, hie- selbsten anzufuͤhren, was ich seit dem davon erfahren koͤnnen. Die Carabe, oder der Agtstein, wird, wie gedacht, ordentlicher Weise, nir- gend anders als in dem Balthischen Meere, auf der Preußischen Kuͤste und Strande gefunden. Wann da gewisse Winde wehen, so wird er auf den Strand geworffen: und die Einwoh- ner sammlen ihn im groͤsten Sturme, aus Beysorge, die See moͤchte ihn wie- derum zuruͤcke reissen. Es finden sich aber Stuͤcken in verschiedener Gestalt und Groͤsse, und was das allerwunder- samste, und das den Naturkuͤndigern hauptschwer faͤllt zu ergruͤbeln, ist, daß bisweilen solche Stuͤcken Agtstein ge- funden werden, in deren Mitten Blaͤt- ter von Baͤumen, Splitter, Spinnen, Fliegen, Ameisen und ander Geschmeis- se zu ersehen, so doch sonst nur auf dem Lande zu leben pfleget. Und derglei- chen Stuͤcken, darinne solche Dinge be- graben liegen, halten nicht nur heut zu tage die Liebhaber hoch, und sehen sie als die groͤssesten Seltsamkeiten an: son- dern schon Martialis zu seiner Zeit hat ein Epigramma gemacht auf eine Ameise, die man ihm in einem solchen Stuͤcke sehen lassen. Dum Phaëtonteâ formica vagatur in undâ Implicuit tenuem Succina gutta fe- ram. Sic modo quæ fuerat vitâ contemta ma- nente, Funeribus facta est cum pretiosa suis. Und gewiß, es ist eine solche Sache, die nicht so leichtlich zu erklaͤren, wie naͤmlich Spreu und Splitter, auch Ge- wuͤrme, welche, weil sie allzu leicht, be- staͤndig auf dem Wasser schwimmen, in die Agtsteinstuͤcken moͤgen gerathen, die dannoch allezeit aus dem Abgrunde des Meers heraus gezogen werden. Bis- anhero haben die Philosophi noch keine recht taugliche Ursache angeben koͤnnen, sondern haben vermeinet, sie muͤsse eben so verborgen seyn, als wie diejenige Ei- genschaft des Agtsteins, wann er Stroh und Spalten an sich ziehet und aufhe- bet. Nichts desto minder wollen wir versuchen, ob wir sowohl auf des einen, wie auf des andern Grund und Ur- sprung kommen koͤnnen. Diejenigen, die das Balthische Meer, oder die Ostsee beschiffet, haben ange- mercket, daß auf der Preußischen Kuͤste gar grosse Stranden sind, von welchen einige mehr, andere weniger uͤberstroͤ- met werden: allein, an der Schwedi- schen Seite giebet es hohe Sandberge, und erhabene Oerter, an deren Ufer gantze Waͤlder von Pappelbaͤumen und Fichten sich befinden, welche alle Som- mer eine grosse Menge Hartz und Gum- mi von sich geben. Dieses voraus gesetzt, so ist gar leicht- lich zu erachten, daß eine grosse Menge dieser klebrichten und zaͤhen Materie muß an den Aesten hangen bleiben, wel- che im Winter vom Schnee bedeckt, und von der Kaͤlte hart und sproͤde wird ge- macht: wann dann die Aeste von dem Wind geschuͤttelt werden, reissen sie die- selben ab und fuͤhren sie ins Meer: so- dann faͤllt sie, von wegen ihrer Schwe- re, zu Grunde, wird nach und nach als gleichsam ausgekocht, und durch die be- staͤndige Bewegung des Saltzgeistes von der See gehaͤrtet: daher kommt endlich der Agtstein, dessen Natur wir gegenwaͤrtig untersuchen. Wann nun das Meer sich ungewoͤhnlich aufruͤh- risch erzeiget, und der Wind treibet die J i i Wel- Des Autoris Anmerckungen Wellen von der Schwedischen Seite nach der Preußischen, so muß nothwen- dig der Agtstein dieser Bewegung fol- gen, und den Fischern Anlaß geben, sich dieses Sturms zu ihrem Vortheil zu be- dienen und sich zu bereichern. Dieserhalben muß derjenige Ort in der Ostsee, allwo es den meisten Agtstein giebet/ weit tieffer liegen, als wie diese Baͤume, an der Schwedischen Sei- te: wann nun die See nicht so gar grau- sam tieff daselbsten waͤre, so wuͤrde aus- ser allen Zweiffel, immerfort eine sehr grosse Menge desselben allda anzutreffen seyn, und duͤrfften nicht so lange war- ten, als wie auf den Preußischen Kuͤ- sten, bis ihnen der Wind darzu behuͤlff- lich waͤre. Daraus aber folget dennoch nicht, ob solten gar keine Stuͤcken Agtstein an andern Orten dieser See gefunden wer- den, auch wohl gar in dem grossen Meer oder Ocean, als mit welchen es zusam- menhanget, dann wann die See dermas- sen unruhig ist, kan sie ja leichtlich ein und ander Stuͤck mit wegfuͤhren und an gantz entlegene Strandorte trei- ben: doch kan solches nicht so gar ofte, noch in so grosser Menge geschehen, wie auf den Preußischen Kuͤsten. Sonst ist dabey nicht die geringste Schwierigkeit zu finden, wie Fliegen, und Muͤcken, Ameisen und ander Ge- schmeisse mitten in den Agtstein hinein gerathen moͤgen. Dann wann ein der- gleichen Thierlein auf den Zweigen sol- cher Baͤume herum laufft, und ohnge- fehr an einen Tropfen dieser klebrichten Materie geraͤth, wann sie aus der Rin- de dringet, und alsdann noch gantz weich ist, muß es geschwinde kleben bleiben, dieweil es keine Kraft sich los zu wickeln hat, und wird sodann von andern Tro- pfen, welche auf den ersten folgen, und immer groͤsser und groͤsser werden, und sich rund herum anlegen, gleichsam be- graben. Wann nun dergleichen Stuͤck, in dessen Mitten ein Gewuͤrme zu befin- den, herunter in das Meer faͤllt, gleich- wie wir allbereits gemeldet haben, so wird dasselbige darinne voͤllig zugerich- tet und gantz hart gemacht: geschiehet es alsdann, daß es an dieses oder jenes Ufer angetrieben wird, und geraͤth in der Fischer Haͤnde, so setzet es Ver- wunderung genug bey denen, die die Sache nicht verstehen. Wir wollen nunmehro auf die Ei- genschaft des Agtsteins kommen, daß er naͤmlich die Spreu aufhebt und an sich zeucht, und besehen, was die Philo- sophi davon gedencken moͤgen. Des Aristotelis Nachfolger sprechen, daß die- se Eigenschaft von einer Qualitate oc- culta, von einer gantz verborgenen Be- schaffenheit, die drinnen steckt, herruͤh- rete, und daß er gleichsam eine groͤssere Sympathie und Zuneigung gegen das Stroh oder Spreu haͤtte, als gegen et- was anders. Allein, was heisset dann erstlich diese Facultas attractrix und Kraft die Spreu anzuziehen? Jst es dann nicht eben so viel als eine Macht und Vermoͤgen dasselbige an sich zu ziehen? Will man nun sagen, der Agtstein zie- het die Spreu an sich, weil ers zu thun vermag, das ist noch lange nicht genug gesagt: sondern vielmehr, wie man in Schulen pflegt zu reden, ein Ding mit eben demselbigen Dinge erklaͤren wol- len: idem per idem. 2. Will man aber sprechen, der Agt- stein fuͤhre aus verborgener Beschaffen- heit gleichsam eine heimliche Liebe zu der Spreu: so heissen diese duncklen Worte soviel, die Ursache sey verborgen, und unerkannt: dann qualitas occulta, eine verborgene Beschaffenheit, oder eine solche Beschaffenheit, die man nicht erkennen kan, oder erkennet hat, sind wohl einerley. 3. Jsts nicht wahr, daß der Agtstein solte gegen die Spreu eine groͤssere Zu- neigung haben, als gegen irgend etwas anders. Dann wann er gerieben wird, so ziehet er alles an sich, wann es nur leichte ist, es sey Spreu oder Papier. Wie ich mich dann selbst bey unserer Versammlung dessen bedienet, und ei- ne Magnetnadel angezogen habe, sie auch auf ihrer Spitze herum drehen ge- macht, eben als ob man ihr einen Ma- gnetstein vorgehalten. 4. Dieweil auch eben dergleichen Ei- genschaft sich am Agat, im Gummi, Glas, Siegelwachs, und meisten Edel- steinen findet, so muß man nothwendig um eine solche Hauptursach umsehen, welche sich zu allen Dingen, zu einem, als wie zu dem andern, schicken kan. Dan- uͤber ein und andere Gewaͤchse, Thiere ꝛc. Dannenhero wolte ich lieber sagen, in diesen Coͤrpern sey eine uͤberalle mas- sen subtile Materie vorhanden, wel- che, weil sie also zart, nimmermehr oh- ne einige Bewegung sey, und, da sie gerne sich aus ihren Loͤchlein und Haͤus- lein wolte heraus machen, alsofort von der widerstrebenden Luft, die drum her- um ist, zuruͤck gestossen wuͤrde. Da folgt dann, wann diese Coͤrper nun ge- rieben werden, daß die Bewegung der darin enthaltenen Materie zugleich ver- mehret werde, daß sie die Macht und Kraft bekomme, die widerstrebende Luft zu gewaͤltigen, und sich ein wenig rund herum auszubreiten: wann dann diese Bewegung nach und nach sich ver- mindert, wird sie von der Luft auf ein neues zuruͤcke getrieben, und muß sich wiederum in ihre Loͤchlein machen, dar- aus sie gekommen, sonst duͤrffte sie sich nicht so gar wohl und bequem darein lo- giren koͤnnen. Kan aber diese Materie nicht wieder dahin kehren, und wird folglich von der Luft zuruͤcke gejaget, so muͤssen dergleichen leichte Dinge, die ihr unterwegs begegnen, nothwendig die- ser ihrer Bewegung folgen, und dero- halben sich dem Agtstein, oder andern Coͤrpern nahen, dahinein diese subtile Materie gerne wieder kehren will. Und diese Erklaͤrung scheinet der Wahrheit um soviel aͤhnlicher zu seyn, dieweil uns die Erfahrung lehret, wie daß der Agtstein, auch kein anderer Coͤr- per, so ihm zu vergleichen, gar keine Kraft etwas an sich zu ziehen, haben, wofern nicht die in ihren Loͤchlein ent- haltene Materie, durchs reiben ist erregt und in die Bewegung gebracht worden. Jch meines Orts halte diese Meinung fuͤr besser weder dererjenigen, welche wollen, daß diese Coͤrper, ein und andere von ihren selbeigenen und zugehoͤrigen Theilgen gehen liessen, wann sie gerieben wuͤrden, und diese Theilgen, sollen ihren Gedancken nach, fettig seyn, daheꝛ sie sich gantz leichtlich an dieselbigen Dinge, die ihnen aufstossen, haͤngen, uñ sie mit sich fortreissen koͤnten. Wer aber solte ihm Fett und Schmutz bey den Edelsteinen einbilden, und in- sonderheit beym Glase, welches aus Asche und Sand bereitet wird, welche in der heftigsten Glut erst fliessen muͤs- sen. Wider obenangefuͤhrte Meinung, der wir auch gern beypflichten, koͤnte man zwar eines und das andere ein- wenden, und fuͤrs erste fragen, warum dann diese Materie, die aus dem Agt- steine und andern dergleichen Coͤrpern heraus kommt, wann dieselbigen gerie- ben werden, bey ihrem Ausgange, Spreu und Papier nicht von sich stosse, gleichwie sie dieselbigen bey der Ruͤck- kehr forttreibet und mit zeucht? Dar- auf ist aber gar leicht zu antworten, wie daß diese Materie, wann sie sich her- aus begiebet, gleichsam eitel kleine Faͤ- den mache, welche sehr richtig zusam- men geordnet werden, und dannenhero durch die Loͤchlein dererjenigen Dinge, welche ihnen aufstossen, einen freyen Durchgang finden: wann sie aber zu- ruͤcke kehret, halten sie keine so gerade Linie mehr, und koͤnnen derowegen nicht wiederum durch dieselben Oerter zuruͤcke kehren, zum Theil weil sie von der Luft gebrochen und in Unordnung gebracht werden, zum Theil weil die Loͤchlein in diesen leichten Dingen meist alle mit einander von der Materie, wel- che annoch immerfort aus dem Agtstei- ne herauskommt und gleichfalls da- durch steichen will, erfuͤllet sind, daher auch nothwendig die zuruͤckkehrende Materie an dererselben dichte Theile treffen und anstossen muß. Daraus erfolget dann, daß diese Dinge muͤssen sich dem Agtsteine naͤher machen, und an demselbigen behangen bleiben, so lange sie die Luft, welche der zuruͤcke kehrenden Materie bestaͤndig folget, daran erhaͤlt. Endlich fragt sichs auch, ob der Agt- stein unter die Gummata, oder unter die Resi nen zu rechnen, und dafuͤr zu halten sey? worauf aber gleichergestalt gantz leichtlich zu antworten. Dann, weil die ersten im Wasser bald zergehen, die Resin en hingegen anders nicht, als an dem Feuer schmeltzen, so muß auch, dem Ansehen nach, der Agtstein, als welcher nur am Feuer schmeltzet, nothwendig unter die Resin en gestellet werden, noch viel eher als unter die Gummata. Ob- gleich Kerckringius ein sehr artiges Secre- tum hat den Agtstein gantz auf eine an- dere Weise und ohne Feuer, weich zu machen. Dann er machet als wie ei- J i i 2 nen Des Autoris Anmerckungen nen Teig daraus, und weiß demselbi- gen, nach eigenem Gefallen, eine Ge- stalt zu geben: und er hat auf solche Art eine unzeitige Geburt mitten in ei- nen Klumpen Agtstein eingeschlossen, welcher auch seit vielen Jahren her zu Utrecht verwahrt und aufbehalten wird. Diese Weise tode Coͤrper gut zu erhalten, ist wohl die allerschoͤnste, als bishero mag erfunden worden seyn: dann, ausser dem, daß sie von aller Faͤu- lung unverletzet bleiben, hat man noch die Vergnuͤgung alle Zuͤge dran, durch den dicken Agtstein zu betrachten, die- weil derselbige hell und durchsichtig ist. Weil ich mich bey dem Capitel vom Agtstein aufhalte, wird nicht undien- lich seyn die Art und Weise den Agtstein nachzukuͤnsteln, bekannt zu machen: diese hat mir eine gewisse Person mit- getheilet, welche ihn gemacht will ha- ben. Jch fuͤr mein Theil habe es nie- mahls versucht. Durchsichtige Agtsteine zu machen. Lasset Terpenthin in einem verzinn- ten Geschirr mit etwas Baumwolle kochen, und ruͤhret ihn ofte und wohl um, bis er so dick ist worden, als wie Brey. Alsdann giesset ihn aus, wor- ein ihr wollt, und setzet ihn acht Tage lang in die Sonne, so wird er hart und durchsichtig werden. Daraus koͤnnt ihr Paternoster, Messerhefte, und an- dere dergleichen Dinge mehr, verferti- gen lassen. Auf eine andere Art. Nehmt sechzehen Eyerdotter, schla- get sie wohl mit einem Loͤffel; und neh- met hernach zwey Untzen Arabisches Gummi, und eine Untze Kirschhartz, stosset es zusammen klein zu Pulver, und mischet es unter die Eyerdotter; das Gumm und Hartz lasset wohl zer- gehen, und schuͤttet es mit einander in ein verzinnt Geschirr, setzets acht Tage in die Sonne, so wird es harte werden und durchsichtig, als wie Glas, und wann mans reibet, so ziehet es die Spreu an sich, gleichwie die anderen Agtsteine. Vom Caphe. Der Caphe ist eine Gattung Boh- nen, die in Arabien, um Mecha herum, wachsen. Jhre Figur ist ovalrund, und ihre Dicke als wie die gemeinen Oliven. Der Vertrieb dererselben ist dermassen starck in Tuͤrckey, daß allein der Zoll, den der Großtuͤrck drauf geleget hat, sich auf eine nahmhafte Summa belauffet. Sie machen einen Tranck davon, des- sen man sich nunmehro auch in Europa zu bedienen pfleget, und in Paris wird derselbige in unterschiedlichen Laͤden verkaufft. Die Araber bereiten ihn auf zweyerley Weise, entweder allein von dem Korne, oder aber von dem Korne mit der Schale zugleich. Der von dem Korne oder Kerne allein gema- chet wird, ist nicht so kraͤftig, als wie der von dem Kern und Schale, dann sie ha- ben dabey angemerckt, wie daß von die- sen beyden Saͤften, einer kuͤhle, der an- dere erhitze. Sie lassen diese Frucht uͤberm Feuer roͤsten, stossen sie hernach zu Pulver, und lassen es einen Tag lang mit dem drauf gegossenen heissen Was- ser stehen. Die Tuͤrcken lassen das Wasser sieden, werffen hernach das Pul- ver drein, und lassens noch einmahl auf- sieden, bis daß es nicht mehr bitter schmeckt, als wie es schmecken wuͤrde, wann es nicht recht ausgesotten haͤtte. Die es noch wohlgeschmackter haben wollen, mischen eine gewisse Menge Zucker, etwas Zimmt, und ein wenig Naͤglein drunter, das macht ihm einen lieblichern Geschmack und viel nahrhaf- ter. Jn Tuͤrckey wird er eben so starck gebraucht, als wie bey uns der Wein in den Weinhaͤusern: ja die aͤrmsten Leu- te trincken ihn zum wenigsten zwey bis dreymahl des Tages: und das ist eine solche Sache, die in diesem Lande ein Mann der Frauen schaffen muß. Durchgehends stehen sie in den Ge- dancken, dieses Getraͤnck erwaͤrme und staͤrcke den Magen, und es sey ein gar vortreffliches Mittel die Verstopfungen in dem Gedaͤrme zu heben, es diene auch wider die kalten Fluͤsse, so auf Miltz und Leber fallen. So hat ingleichen die Er- fahrung in England, Schweden und Daͤnnemarck vielfaͤltig erwiesen, daß der Caphe nicht weniger gut sey wider die Catarrhen und Fluͤsse, so die Brust beschweren, in verhaltener weiblichen Blume und Urin, fuͤr hitziges Gebluͤte und bey verlohrnen Kraͤften, nichts minder, uͤber ein und andere Gewaͤchse, Thiere ꝛc. minder, wider die Winde und Blaͤhun- gen, wider die Wassersucht und haͤuffi- ge Galle, verderbtes Gebluͤte und ver- lohrnen Appetit. Willisius haͤlt ihn vor allen hoch we- gen seiner Kraft das Kopfweh zu ver- treiben, und hat sich seiner so oft, und mit so gutem Erfolg dazu bedienet, daß er gestehet, wider dergleichen Beschwe- rung gebrauche er kein ander Mittel. Er schlaͤget die Duͤnste nieder, die son- sten in das Haupt zu steigen pflegen, und ersetzet den Schlaf auf solche Weise, daß einer, welcher alle Abende ein Glas voll zu sich nimmt, viel Naͤchte hinter ein- ander, ohne seine Beschwerung, wird wachen koͤnnen. Alle diese verwun- dersame Wirckungen schreibet Willisius der Kraft dieser Fruͤchte zu, als deren Schale warm im ersten Grad und tro- cken in dem andern ist. Der Kern hin- gegen ist nur temperirt. Und dennoch trocknet er allezeit, dahero kommt es auch, daß diejenigen, die ihn gar zu haͤuffig brauchen, mager werden. Wann nun der Mißbrauch schaͤdlich ist, so weiset hingegen die Erfahrung, daß dieser Tranck, fruͤh nuͤchtern und zu rechter Zeit, mit etwas Zucker gebrau- chet, der Gesundheit gar vortraͤglich ist. Von den Schlangensteinen. Siehe Fig. 6. Der von der Schlange, welche die Portugiesen Cobra de Capelos nennen Brillen- schlange heist sie darum, dieweil auf dieser ihrer Muͤtze eine Figur wie ei- ne Brille sich zeiget. (in Teutschen wird sie die Brillenschlan- ge genannt) findet sich in dem Kopfe ei- ner Schlange, welche darum so genennt ist worden, weil sie auf dem Kopfe et- was erhabenes fuͤhret, das als wie eine Muͤtze sieht. Man sagt, es sey nichts bessers noch vortrefflichers wider den Stich und Biß vergifter Thiere. Dann, wann er auf die Wunde geleget wird, so haͤnget er sich veste dran, und ziehet das Gift heraus. Hat er sich vollgezogen, so faͤllt er von sich selbsten ab, weil er kei- ne Macht mehr hat: wird er aber in Milch geworffen, legt er darinne das angezogene Gift von sich, und bekommt seine vorige Kraft wieder. Der P. Kir- cher meldet, wie er solches eine geraume Zeit nicht glauben wollen, unerachtet gar viel Scribenten, denen gar wohl Glauben zuzustellen, es fuͤr eine gantz gewisse Sache angegeben: bis daß er endlich durch die Erfahrung und ange- stellte Probe dessen uͤberzeugt seyn muͤs- sen, die er in Gegenwart vieler Perso- nen an einem Hunde, der von einer Ot- ter sey gebissen worden, habe angestellt. Diese Begebenheit wird durch einen Bericht bestaͤtiget, welcher dem Her- tzog von Braunschweig und Luͤneburg Johann Friedrichen, sey zugesendet worden, als welchem alle Gelehrten von demjenigen, was sie neues erfahren, Nachricht ertheilet, nicht nur weil er ein grosser Liebhaber solcher Dinge, son- dern auch in den allermeisten Wissen- schaften vortrefflich wohl erfahren ist ge- wesen. Tachenius meldet in einem Schreiben an ermeldten Printz, wie daß er einen solchen Stein, den ein Arme- nier nach Venedig gebracht, gesehen, und dessen Kraft probiren wollen, habe des- halben einen Hund von einer Otter in den Schenckel beissen lassen: eine halbe Stunde drauf, als man aus dem Win- seln des Hundes, und daß ihm das Bein starck aufgelauffen, verspuͤret, der Gift wuͤrde sich nunmehro durch die Adern ausgebreitet haben, und ihm die grossen Schmertzen verursachen, habe der Graf Schlick, bey dem diese Probe angestellet worden, den Stein auf die Wunde ge- halten, der sich in dem Augenblick so veste dran gehangen, daß man ihn nicht her- unter reissen moͤgen, das Thier habe auch zu winseln nachgelassen. Er waͤ- re zwey Stunden lang dran hangen blieben, nach deren Verlauff er von sich selbsten abgefallen, da habe man ihn in Milch geleget, welche er dergestalt ver- giftet, daß ein Hund, der davon gesof- fen, in selbiger Nacht gestorben. Man legte ihn noch einmahl auf die Wunde, und er bliebe auch noch daran behangen, fiel aber eine halbe Stunde drauf herunter; und da er in andere Milch geleget worden, ward dieselbige nicht so starck dadurch vergiftet. Dann, da dieser Bericht geschrieben worden, waren allbereits drey Tage verstrichen, da ein Hund diese Milch gesoffen, der dannoch noch lebete, und wie sie verhoff- ten, beym Leben bleiben wuͤrde. Als er das dritte mahl aufgeleget wur- de, wolte er gar nicht dran kleben blei- ben, dieweil kein Gift nicht mehr vor- handen. J i i 3 Tache- Des Autoris Anmerckungen Tachenius fuͤget hinzu, dieser Stein sey rund, schwartz, und so groß als ein Sol, aber viermahl so dicke gewesen: es habe auch der Armenier gemeldet, wie daß eꝛ nicht nur gleichergestalt rasen- der Hunde und aller andern giftigen Thiere Bisse zu heilen vermoͤchte, son- dern sey auch noch darzu ein gantz un- fehlbares Mittel wider die Pest. Es giebet aber zweyerley Schlan- gensteine, natuͤrliche und nachgekuͤnstel- te: jene werden in dem Kopfe einer gros- sen dicken Schlange gefunden, welche auf der Kuͤste von Melinde nicht seltsam ist. Dieweil ich aber keinen einigen na- tuͤrlichen Schlangenstein antreffen koͤn- nen, so will ich allhier anfuͤhren, was Ta- vernier davon veꝛmeldet, welcher der ein- tzige ist, der am weitlaͤufftigsten von die- sem Steine geschrieben. Es giebet einen Stein, der wird Stein von der gehaubeten Schlange ge- nennet. Diese ist eine Schlangenart, welche in der That hinten an dem Ko- pfe, als wie eine herunter hangende Haube oder Kappe hat: und hinter die- ser Haube findet sich der Stein, der zum wenigsten so groß ist, als ein Huͤnerey. Diese Steine werden bey keinen an- dern Schlangen nicht gefunden, ohne die zum mindesten zwey Fuß lang sind. Wofern sie nun mit dem Thier zugleich anwachsen, so muß es wuͤrcklich ziemlich grosse geben, indem in Asien und in Afri- ca solche Schlangen gefunden werden, die bis auf fuͤnff und zwantzig Fuß lang sind, dergleichen die gewesen, deren Fell zu Batavia verwahrlich aufbehalten wird, und ein achtzehenjaͤhriges Weibs- bild eingeschlucket hatte. Jetztgemeldeter Autor spricht auch, dieser Stein sey gar nicht hart; dann wann er gegen einen andern Stein ge- rieben wuͤrde, so gaͤbe er einen gewissen Schleim: wann dieser mit Wasser zer- trieben, und von einer Person einge- truncken wuͤrde, welche Gift im Leibe haͤtte, haͤtte er die Kraft denselbigen im Augenblick heraus zu treiben. Man koͤnte diese Steine anders nicht bekom- men, als durch Vermittelung der Por- tugiesischen Soldaten und Matrosen, die von Mozambique zuruͤcke kaͤmen. Jm uͤbrigen ist dieser Stein nicht von derjenigen Art, die ich allhier weitlaͤuff- tig zu beschreiben vorgenommen, son- dern es ist derjenige, davon so viel Ge- schrey und Wesens unter den Leuten ist gemachet worden, dem man auch soviel und sonderliche Kraͤfte beygeleget, und den die allermeisten fuͤr natuͤrlich hal- ten, ob er gleich nur gemachet ist, gleich- wie ich in nachgehenden erweisen werde. Nachdem ich nun die Schaͤtzbarkeit dieses Steines, und die unterschiedenen Meinungen von demselbigen gewiesen, so muß ich sagen, daß man durchaus nicht glauben duͤrffe, als ob dieser Stein natuͤrlich sey; sondern, er sey nur nach- gemachet und gekuͤnstelt. Dieses zu er- weisen, will ich hieselbst erzehlen, wor- aus er zusammen gesetzet ist, damit ihn ein ieder, deme es beliebig, machen koͤn- ne: wie ich dann ihrer mehr als einen bey mir verwahre. Derowegen neh- met von dem Frantzoͤsischen Bezoar ani- mali eine Untze, Pulver von Kroͤten von Krebsen, so alle- samt im Julius ist bereitet worden, von ieden eine halbe Untze, Siegelerde die mit der Wurtzel von der Scorzonera, (Haberwurtz) und Con- trayerva ist ab- gekochet und zubereitet oder praͤpariret worden, eine Untze, gegraben Einhorn eine Untze. Aus diesen allen machet Kuͤchlein in Groͤsse und Dicke eines Pfennigs, groͤsser oder kleiner, nach- dem es gefaͤllig, lasset sie im Schatten trocknen, und hebet sie auf, bis ihr deren noͤthig habt. Die Jndianer machen sie insgemein so groß und dicke, als ein Frantzoͤsischer Liard oder Double ist. Das waͤre also der gar beruffene Schlangenstein. Ausser obangefuͤhrete beyde Nach- richten hat Tavernier annoch folgendes davon vermeldet. Endlich will ich auch noch des Schlan- gensteins gedencken, welcher bey nahe so groß ist, als ein Frantzoͤsischer Double, und deren einige in etwas laͤnglicht rund oder oval sind, in der Mitten dicke, und an dem Rande duͤnne. Die Jndianer sprechen, er werde auf den Koͤpfen ge- wisser Schlangen formiret: ich aber wolte viel eher glauben, daß ihnen ihre Goͤtzenpfaffen solches glauben machen, und daß dieser Stein vielmehr aus ein und andern Materialien von ihnen zu- sam- uͤber ein und andere Gewaͤchse, Thiere ꝛc. sammengesetzet und bereitet werde. Dem sey nun wie ihm wolle, er hat dennoch eine sonderliche und vortreff- liche Kraft den Gift auszuziehen, wann jemand von einem oder andern giftigen Thiere ist gebissen worden. Wofern das Glied, darein der Biß gegangen, nicht wund ist, so muß ein Schnitt dar- ein gemachet werden, daß das Blut her- aus gehe; wann dann der Stein dar- auf geleget wird, so faͤllt der Stein nicht eher ab, als bis der Gift alle mit einan- der ausgezogen, welches sich darum he- rum zusammen zeucht. Will man ihn wieder davon saubern, so nimmt man Weibermilch, oder in deren Er- mangelung, nur Kuhmilch; wann er dann zehen bis zwoͤlff Stunden drinn gelegen, so bekommt die Milch, welche alles Gift an sich zeucht, eine Farbe, wie Geschwuͤre. Als ich eines Tages bey dem Ertzbischoff von Goa des Mittags zur Mahlzeit war, fuͤhrete er mich in sein Raritaͤten-Cabinet, in dem er aller- hand rare und curieuse Dinge hatte. Unter andern zeigete er mir einen sol- chen Stein, und da er mir von dessen Kraft und Tugend allerley erzehlet, versicherte er mich, daß er ihn nur vor wenig Tagen probiret haͤtte, worauf er mir denselbigen verehrete. Als er auf der Jnsel Salsette, auf welcher Goa lieget, zoge, und sich auf ein Land- gut begeben wolte, wurde einer von denen, die seinen Pallekin, oder Trage- sessel trugen, welche Leute schier gantz nackend sind, von einer Schlange ge- bissen, und zu gleicher Zeit durch diesen Stein geheilet. Jch habe ihrer unter- schiedliche gekauffet, iedoch hat niemand nicht dieselben zu verkauffen, als die Braminen, daher ich urtheile, daß sie dieselbigen auch machen. Man bedie- net sich zweyerley Art zu probiren, ob dieser Schlangenstein gut sey, und kein Betrug dahinter. Dann erstlich, nimmt man ihn in den Mund: ist nun der Stein gerecht und gut, so faͤhrt er in die Hoͤhe, und haͤnget sich stracks an den Gaumen an. Fuͤrs andre legt man ihn in ein Glas voll Wasser, da dann das- selbe alsobald, in Fall der Stein unver- faͤlschet ist, anhebt als wie zu sieden, und kleine Blasen steigen von dem Steine, der auf dem Grunde liegt, bis oben auf das Wasser in die Hoͤhe. Vom gegrabenen Einhorn. Die Jndianer nehmen diesen Stein nicht ohne Ursache unter diejenigen Din- ge, aus denen sie den Schlangenstein be- reiten wollen. Dieweil er nun ein sol- ches Material ist, welches eben nicht so gar bekannt, und von wenig Scriben- ten beschrieben wird, deshalben will ich hier anfuͤhren, was Wormius in seinem Musæo davon berichtet, damit Siehe Fig. 7. ihn die Herren Medici auch gebrauchen koͤnnen. Cornu fossile, das gegrabene Horn oder Einhorn, welches beym Gesnero Ceratites, Hornstein, beym Clusio Ebur fossile, gegraben Einhorn, beym Cæsal- pino Lapis Arabicus, der Arabische Stein, und bey andern dens Elephanti petrefa- ctus, versteinter oder zu Stein gewor- dener Elephantenzahn genennet wird, desgleichen Lithomarga alba, weisses Steinmarck; welche unterschiedliche Benennungen es von wegen seiner mancherley Gestalt, unter der wir es zu sehen bekommen, bey den Scribenten erhalten hat. Dieses hat mit andern Arten Osteo- colla, des Beinleims oder Beinwelle, ei- ne gar grosse Verwandtschaft: daher es auch von ihrer etlichen unter die weichen Steine gerechnet wird. Es ist aber ein steinichtes Wesen, so an Farbe, Glaͤtte und Gestalt bisweilen einem Horne ziemlich aͤhnlich kommt: zuweilen ist es haͤrter, zuweilen weicher, mit einer har- ten, gelblichten, schwartzen oder aschfar- benen Rinde uͤberzogen, das Marck ist weich, weiß, leicht, zerbrechlich, dicht und ohne Loͤchlein, anziehend, austrock- nend, und haͤnget sich vest an die Zunge, hat auch einen angenehmen Geruch. Es wird sowohl in Jtalien, als auch in Teutschland gefunden, bey Elbingero- de im Hartz, bey Heydelberg und Hil- desheim, in Maͤhren, Schlesien und in Sachsen. Die Materie, auch auf was Weise es erzielet werde, beschreibet Anshelmus Boëtius â Boot mit folgenden Worten: Jch erachte, daß die allermeiste Materie zur Erzielung dieser Hoͤrner sey ein Mergel Des Autoris Anmerckungen Mergel oder eine und andere Art dessel- ben: wann diese von dem unterirdischen und eine zu Stein machende Kraft fuͤh- renden Wasser angefeuchtet worden, so zergeht sie, und laͤufft, in Gestalt einer Milch, durch die Hoͤlen der Erde. Wird nun von der darum befindlichen Erde der molckigte Theil des Wassers ver- schlucket, oder laͤufft hinweg, so muß der dickere Theil gestehen: ist dann alle Feuchtigkeit verdampfet, so waͤchst er zusammen, und nimmt die Gestalt ei- nes Steins oder eines Horns an, oder wird auch wohl nur zu einem Mergel, wofern der Saft keine gnugsame Kraft zum Stein zu machen hat gefuͤhret. Und dieses ist die Ursache, warum man bald kleinere, bald so gar dicke Stuͤcken zu Gesicht bekommt. Geraͤth aber diese milchhaftige Feuchtigkeit nicht in eine Hoͤle, sondern faͤllt auf ein Stuͤcke Holtz, das fuͤr Alter verdorret und ver- rottet ist, und dringet in dessen leicht und locker Corpus hinein, so verrauchet der duͤnnere Theil vom Wasser, der di- ckere aber bleibt zuruͤcke, dadurch wird das Holtz veraͤndert, und alle dessen Theile ihr gleich gemacht, iedoch auf solche Weise, daß man erkennen kan, was fuͤr eine Art Holtz es gewesen; ist auch wohl bisweilen der Geruch noch dran zu spuͤren. Was nun dem Holtze dergestalt begegnet, eben dasselbige wie- derfaͤhret auch den Hirschhoͤrnern und Elephantenzaͤhnen, ingleichen andern Theilen der vierfuͤßigen Thiere, wann sie in dergleichen Orte gerathen. Diese Gedancken scheinen der Wahr- heit ziemlich nahe zu kommen. Dann endlich erhalten solche Hoͤrner eben der- gleichen Kraft, als wie dem Mergel, dem Bolus und der Siegelerde zuge- schrieben wird. Was andere von den Einhoͤrnern, so durch die Suͤndflut hier und dortenhin verfuͤhret worden sollen seyn, desgleichen von dem fliessenden Erdpeche, dem Agtsteine und verrotteten Steinen philosophir en, hat wenig, oder auch gar nichts wahrscheinliches. Es wird aber zu allen und ieden hitzi- gen Kranckheiten dienlich erachtet, zur Pest, hitzigen Fiebern, Gift, so gut als wie die Terra Lemnia: es staͤrcket das Hertz und verwahret dasselbige vor al- lem Anstoß: wird es eines Quintleins schwer, in einem darzu bequemen Was- ser, oder auch in Weine genommen, so treibt es durch den Schweiß alles, was im Leibe schaͤdliches ist, mit Macht heraus: eines Scrupels schwer mit ei- nem dienlichen Wasser gebrauchet, dient wider die Ohnmacht, Hertzensangst und pochen, auch andere Gebrechen: wie ingleichen wider das boͤse Wesen der Kinder. Sie wollen haben, daß es die Wuͤrmer toͤdte, den Durchlauff, Blut- stuͤrtzungen der Weiber, Nasenbluten und goldnen Aderfluß stille, und fuͤr trieffende Augen diene, wann es mit Milch zu einem gantz zarten Pulver ge- rieben und in die Augen getroͤpfelt wer- de. Auch hat man in Acht genommen, daß es, vermittelst seiner austrocknen- den anziehenden Kraft die Wunden schliesse und zur Narben bringe, des- gleichen die Schwinden vertreibe und gut sey, wann man sich verbrennet hat. Alleine es haben ihrer etliche, die ei- nen nicht geringen Unterschied daran betrachtet, gar recht und wohl geschlos- sen, wie daß dergleichen Kraft und Wirckung nicht durchgehends allen Sorten moͤge zugeleget werden. Dann, wie sie an Gestalt, Ursprung, Natur und Wesen von einander unter- schieden, also haben sie auch nicht alle einerley Tugenden und Kraft. Die steinhart sind, ohne Geruch und Marck, haben bey nahe keine andere, als eine austrocknende Kraft. Wie ich dann ein dergleichen Stuͤck besitze, wel- ches so hart ist wie ein Stein, dicht und schwer, und siehet als wie Eschenholtz: dann es bestehet aus Adern, Streiffen und eitel Blaͤttern, ist auch voller Kno- ten und Loͤcher, wo Knoten gesessen, so daß die aͤusserliche Gestalt dem Eschen- baume gleichet; deshalben ich es auch lieber unter die gemeinen Hoͤltzer, so zu Steine worden, als unter die gegrabe- nen Hoͤrner rechnen wolte. Anziehend ist es nicht, hat auch gantz keinen Ge- ruch. Welche sich bald puͤlvern lassen, an die Zunge fallen und weich sind, diesel- ben haben oberwaͤhnte Kraft und Tu- genden; insonderheit, welche angeneh- me riechen: die werden zu dergleichen Beschwerungen, dabey das Hertze lei- den muß, gar sonderlich geruͤhmt: dann man uͤber ein und andere Gewaͤchse, Thiere ꝛc. man beobachtet, wie sie dasselbe staͤr- cken und verwahren. Sind sie, bevor sie veraͤndert worden, von einem Hir- sche, Elephanten, Eschenbaume, Nuß- baume, oder andern dergleichen etwas, das dem Gifte widerstehet, gewesen, dann haben sie eine ungemeine Kraft den Gift zu bezwingen und auszutrei- ben, um soviel staͤrcker aber, wann an- noch der Geruch des Baumes, oder was es sonst zuvor gewesen, dran zu ver- spuͤren. Und ist alsdann gantz glaub- lich, es werden dieses verwandelten Coͤrpers Qualitaͤten zuruͤcke blieben, und seine Kraͤfte, welche in der gantz subtilen Materie vorhanden, nicht ver- schwunden, sondern durch den Zugang dieser neuen unterirdischen Materie um ein grosses vermehret worden seyn. Jch habe unterschiedliche solche Stuͤ- cken. Eines, des Armes starck, drey Zoll in der Laͤnge, und zwey und einen halben im Umfang, davon ist die Scha- le abgerissen, so daß das schneeweisse Wesen zuruͤck geblieben: wie es dann die Haͤnde weiß machet. Es lauffen nach der Laͤnge drauf hin einige blau und braune Striche, im uͤbrigen ist es dichte, doch dabey loͤchericht, und haͤngt sich an die Zunge, sieht als wie ein Stuͤ- cke Hirschhorn, und wieget fuͤnff Untzen: ich erachte, daß es unter die guten Sor- ten gehoͤre. Ein anderes ist aschgrau, viel dichter, iedoch weich und wohlriechend, siehet auch als wie Hirschhorn, und ist starck anziehend vom Geschmack. Das dritte ist braun, die auswendige Schale schwaͤrtzlicht, etwas haͤrter als das andere, doch laͤst sichs mit dem Mes- ser schaben; es ist leicht, anziehend, nicht also leichte zu zerreiben, wie das andere, und siehet wie gebranntes Helffenbein. Noch ein anderes ist braun, iedoch mit schwartzen, weissen und gelben Strichen gezeichnet, die Fibern oder Fa- sen dran lauffen nach der Laͤnge hin; sonst ist es eines Fingers lang, fuͤnff Quentlein schwer, gar bruͤchig und san- dig, siehet als wie eine Schindel, riecht nicht unangenehm, ist starck anziehend, daher ich es auch unter die guten Sor- ten der gegrabenen Hoͤrner rechne. Das gegrabene Einhorn giebt mir Gelegenheit von einer weissen Erde zu reden, welche auf einem Huͤgel, in der Herrschaft Moscau, Churfuͤrstlich Saͤchsischen Gebiets, gefunden wird; die gebrauchen die Einwohner, und machen Brod daraus, wann sie es mit Mehle vermischen. Dergleichen ist auch bey Girone in Catalonien zu fin- den. Diese weisse Erde wird daselbst Medulla Saxorum, Steinmarck genen- net. Wobey zu mercken, daß sie nicht alle solche Erde zum Brod backen neh- men, sondern nur gewisse kleine Klum- pen und Kuͤglein, die so weiß sind als Mehl, und aus der Erde heraus kom- men, sobald dieselbe von der Sonne ist durchwaͤrmet worden. Vom Oxipetra. Um Rom herum wird eine Gat- tung Erde gefunden, die schmeckt saͤuer- lich und siehet weiß und etwas gelblicht, dienet vortrefflich hitzige Fieber zu cu- riren. Der oberste oder vornehmste Me- dicus des Papsts, Pharisiani, hat ihr den Titel Oxipetra Romanorum Pharisiani, ge- geben, dieweil er in dieser Erde die Kraft der Fieber Hitze zu benehmen, hat er- funden. Von der Radice Britannica. Bisanhero haben alle und iede Ma- Siehe Fig. 8. terialisten, ich auch selbst, an statt der Britannica die Wurtzel der Bistorta oder Natterwurtzel/ wiewohl unrecht, ver- kauffet, indem die meisten Autores ge- schrieben, die Britannica sey nichts nicht anders, als Bistorta; wiewohl andere Cyclamen, das Schweinbrod, Tormen- tillam, die Tormentillwurtzel, Betoni- cam, die Betonie, Plantaginem aquaticam, den Wasserwegerich, und andere noch was anders, dafuͤr ausgegeben. Allein es hat mir einer von meinen guten Freunden ein kleines Lateinisches Buͤch- lein gezeiget, so in Holland, unter dem Titel Britannica antiquorum vera, ge- druckt ist worden, darinne gewiesen wird, daß die Britannica nichts anders sey als Radix Lapathi sylvestris, oder Hydro- lapathi nigri, die Wurtzel der wilden Grindwurtz, oder der schwartzen Grind- wurtz, die im Wasser, oder sonst an feuchten Orten waͤchst, daher sie auch in- sonderheit den letzteren lateinischen Ti- tel uͤberkommen. K k k Jm Des Autoris Anmerckungen Jm uͤbrigen sind dieser Wurtzel gar besondere Kraft und Tugend zugeleget worden, die ich auch willig hieher setzen will; indem doch oberwaͤhntes Buͤch- lein nicht bey iederman bekannt. Dann sie wird ausgegeben als ein gantz sonder- bares und recht eigentliches Mittel wi- der den Scharbock; sie soll das Zahn- fleisch, wie nicht weniger die Zaͤhne veste machen: denen Zufaͤllen der Nerven abhelffen, und dem Gifte widerstehen, die Hagerkeit vertꝛeiben, desgleichen den Durchlauff, welches insgemein die Zu- faͤlle beym Scorbute sind: auch wil man, daß sie uͤber dieses auch annoch die Mast- koͤrner und goldne Ader, die Wasser- sucht und Braͤune, die rothe Ruhr und Durchfall, das Seitenstechen und viele andere Kranckheiten mehr curire, habe desgleichen noch einen andern Hauffen sonderlicher Kraft und Tugenden, davon in ob erwaͤhntem Buͤchlein Meldung ge- schehen. Was endlich ihren Gebrauch anbetrifft, der ist unterschiedlich, dann sie wird als ein Pulver, oder als ein Ex- tract genommen: doch gemeiniglich laͤst man sie in Wasser kochen, es sey in ge- meinen oder in distillirten, und trinckt dasselbige; kuͤrtzlich, man gebrauchet sie, wie die Medici verordnen. Von der Wurtzel Essaye. Das Journal des Sçavans gedencket ei- ner kleinen Wurtzel, von saltzigtem Ge- schmack und rother Farbe, die wachse auf der Kuͤste von Coromandel, zwi- schen Penna und Caliaturas, deren be- dienen sich die Jndianer zum Scharlach faͤrben. Es kommt ihrer wohl auch von Papaculi, unweit Massulipatnam: allein die Jndianer achten sie nicht so hoch, als wie die vorige, dieweil sie eine gar zu helle Farbe hat. Jch fuͤr mein Theil, muß gestehen, daß ich sie eben so wenig gesehen, als wie die Ronas, welche ich mit dieser fuͤr einerley halte. Vom Chinesischen Porcelain. Bisanhero hat jederman geglaubet, das Chinesische Porcelain wuͤrde von kleinen Seemuscheln bereitet, welche im Frantzoͤsischen insgemein Porcellaine en coquillage, Porcellanmuscheln ge- nennet werden, oder aus andern der- gleichen, und aus klar geriebenen Eyer- schalen, die sie funffzig Jahr lang in der Erde vergraben liegen lassen: und das sey das Erbgut, welches die Chineser ihren Kindern zu verlassen pflegten. Al- lein, vorietzo kan man sich eines besseren bereden lassen: dann auch mich ein Freund, der in China gewesen, versi- chert, daß es nichts anders waͤre, als ei- ne Gattung Erde, als wie Sand, die werde in der Provintz Nanking gefun- den, um den Fluß Poyant: wann sie nun wolten Porcellan verfertigen, so siebten sie diese Erde durch, und mach- ten mit Wasser aus dem Dorffe Sincte- simo allerhand Gefaͤse draus, von sol- cher Form und Groͤsse, als beliebig. Dieselben liessen sie hernach im Schat- ten oder an der Sonne trocknen, mahl- ten sie darauf mit Jndigo, Gruͤnspan, oder andern Farben, und stellten sie in wohl verwahrte Oefen, darinne sie vier- zehen Tage lang bestaͤndig Feuer unter- hielten: nach 14. Tagen drauf, nachdem sie das Feuer abgehen lassen, kaͤme der Vorsteher des Handwercks, oͤffnete den Ofen, und naͤhme den fuͤnfften Theil davon fuͤr den Kaͤyser von China oder Japan, als welches die beyden Oerter sind, allwo das aufrechte Porcellan gemachet wird. Zu mehrerer Bekraͤf- tigung dieses Vorbringens, kan man nur das Journal des Sçavans am 2. Au- gust, Montags 1666. durchlesen, als welches alles obangefuͤhrete bestaͤtiget, ausser, daß darinne gemeldet wird, die Mahlerey, welcher sich die Chineser und Japaner zum Porcellan bedieneten, sey ein Geheimnuͤß unter ihnen, so sie nur ihren Kindern und naͤhesten Anver- wandten lehreten, auch daß das Wasser im Dorffe Sinctesimo, dessen oben auch erwaͤhnet worden, alleine zu Verferti- gung des Porcellans tuͤchtig waͤre, sonst taugte kein ander Wasser, weder in Chi- na noch in Japan, hierzu nicht. Von der Chinesischen Moxa. Die Moxa ist das rauche, oder die Wolle von den zaͤrtesten Stengeln und Blaͤttern des breitblaͤttrichten Beyfus- ses, welche getrocknet und zwischen den Haͤnden gerieben werden, damit das Holtz davon komme, zusamt den Faͤden und andern Fasen. Die Wolle nun, welche sich davon absondert, ist die wahr- hafte Moxa, die den Gelehrten bisanher soviel zu schaffen hat gemacht. Die uͤber ein und andere Gewaͤchse, Thiere ꝛc. Die Chineser, Japaner, und auch die Englaͤnder nehmen diese Wolle, und machen Stricklein, als wie Dochte, und bedienen sich dererselben zu Vertrei- bung des Podagra: sie brennen das wehthuende Glied damit, nachdem sie es zuvor mit Speichel haben gerieben; und man sagt, wie daß es gantz und gar keine Schmertzen verursache, weil diese Wolle solche Tugend haben soll, wel- ches ich aber nicht versichern kan, dieweil ichs nicht versuchet habe. Diese Stricklein werden insgemein so dicke gemacht, als ein Federkiel: doch ist mir nicht bewust, daß es in Franck- reich auch gebraͤuchlich waͤre. Wolte GOtt, daß es gewiß waͤre, es solte gewiß das einige Mittel seyn, daß uns von die- ser Beschwerung befreyen koͤnte. Wer es noͤthig hat, mag es versuchen, dann es giebet in Franckreich eben so wohl Beyfuß, als wie in China. Vom Koͤnigs Naͤglein. Jn meinem Buche, im Articul von den Naͤglein, pag. 259. habe ich gemeldet, daß ich die koͤniglichen Naͤglein annoch nie gesehen; was ich aber davon ge- schrieben, sey andrer Leute Unterricht: allein nunmehr kan ich versichern, daß ich deren viere habe, die mir der Herr Surian, Medicinæ Doctor, gegeben. Es ist dieses Naͤglein weit kleiner, weder die gemeinen, auch gantz und gar von sol- chen unterschieden: es waͤgen auch die- se viere, die ich habe, noch nicht einen Gran, und haben dennoch einen viel lieblichern und aromatischern Ge- schmack. Damit ich sie nun desto bes- ser moͤchte lernen erkennen, deshalben Siehe Fig. 9. habe ich sie auch mit auf die Platte se- tzen lassen: und waͤre zu wuͤnschen, daß wir dergleichen Naͤglein haben moͤch- ten. Der Hollaͤndischen koͤnten wir so- dann gar leicht vergessen. Vom Chinesischen oder Sternanis. Die Beschreibung des Chinesischen Anises, so am 49sten Blatte zu befinden, ist zwar gantz richtig, allein, was die Fi- gur anbetrifft, die ich aus dem Bauhino habe genommen, und unter das Fustel- Siehe Fig. 11. holtz stechen lassen, dieselbige ist falsch. Dann, da ich erst vor weniger Zeit eine andere gefunden, so ist dieselbige und die Figur des Bauhini, als wie Tag und Nacht unterschieden: dann diese siehet als wie ein Raͤdlein am Sporen, hin- gegen jene so, wie die beygesetzte Figur Siehe Fig. 10. ausweiset. Wann wir diesen Anis ha- ben solten, so koͤnten wir denjenigen gar leichtlich missen, den wir zu verkauf- fen pflegen: und wolte ich fuͤr mein Theil lieber ein Pfund solchen Anis, als zehen Pfund andern haben, inson- derheit weil der Samen einen weit staͤr- ckern Geschmack und Geruch hat. Von den Cauris. Die Cauris oder Kauris sind kleine Schneckenhaͤuslein, so aus den Maldi- vischen Jnseln kommen, und werden von uns, in unserer Sprache Porcellaine en coquillage, auf Teutsch aber/ Schlan- genkoͤpflein genennet. Jn Guinea und an andern Orten, wo die Leute unbeklei- det gehen, werden diese Cauris meist ge- brauchet und die Laͤtze, damit sie ihre Bloͤse verhaͤngen, damit uͤberzogen. Vom Chinesischen Calin. Das ist ein Metall, weit besser als das Bley, allein geringer als das Zinn, und in China, Japan, Cochinchina und dem Koͤnigreiche Siam gantz gemein. Daher verfertigen auch die Morgenlaͤn- der allerhand Geraͤthe daraus, decken ihre Haͤuser damit, und die Theebuͤch- sen, die wir bekommen, sind auch von Calin. Vom Jndigo Gatimalo. Der allerbeste Jndig ist, der den Ti- tel Indigo Guari- oder Gati-malo, auch Gonti-malle fuͤhret, nach der Stadt Gonti-malle, woselbst er verfertiget wird. Bey derselbigen laden ihn die Spanischen Schiffe, uñ fuͤhren ihn nach Cadix und an andre Orte. Jn meinem Buche pag. 188. im Capitel vom Jndigo, Das Wort Oriental ist/ aus Verse- hen/ an statt Occidental gesetzet wor- den. habe ich vermeldet, er kaͤme aus Ostin- dien ( des Indes Orientales ) so aber nicht wahr ist: dann die Stadt Gontimalle liegt in Westindien ( aux Indes Occidenta- les ) in der Provintz Honduras, welche an die Landschaft Florida, so voller Thaͤ- ler ist, stoͤsset. Er wird zu S. Domin- go verkaufft. Die Einwohner zu S. Domingo koͤnnen in vier Tagen nach Honduras kommen, dieweil der Wind in dieser Gegend stets bestaͤndig ostlich K k k 2 ist: Des Autoris Anmerckungen ist: wann sie aber zuruͤck nach S. Do- mingo wollen, so muͤssen sie wegen der widerwaͤrtigen Winde, drey bis vier Monate Zeit dazu haben. Was uͤbri- gens den Jndigo selbst anbetrifft, davon habe ich auf oben angezognen Blatte sattsam gehandelt: iedennoch will ich hier nochmahln wiederhohlen, wie daß des guten Jndigo eigentliches Merck- und Kennzeichen sey, wann er, wie Wachs, im Feuer brennet, und nichts nicht, als nur Asche uͤbrig bleibt. Von der Essenza di Berga- motto. Diese Essentz wird aus den Schalen der Citronaten, Poncires genannt, und der grossen Citronen bereitet, welche auf Bergamottenbirnbaͤume gepfropft oder oculiret sind. Es ist diese Essentz weit lieblicher, als wie die von den Pon- cires bereitet wird. Was ihre Wahl betrifft, da kauffe man sie bey redlichen Kauffleuten. Dann, weil sie eine kost- bare Waare, wird sie sehr gern verfaͤl- schet, oder man giebt an statt der Ber- gamotten Essentz die Essenza di Cedro. Sie wird gebraucht, Tabac und an- dere Sachen damit wohlriechend zu ma- chen. Die Essenza di Limonetti ist mit dieser einerley. Die Limonetto ist eine liebliche Frucht, daher ist auch die Essentz davon gar schwach. Gemeiniglich wird sie in Portugall oder zu Rom bereitet. Die Roͤmische sieht weiß, die Portugie- sische aber gelblicht, und schier ein wenig als wie die vom Ambra. Von der Tragea sancti Rochi. Die Tragea des heiligen Rochus wird deshalben also genannt, dieweil sie ein gantz unfehlbares Mittel wider die Pestilentz abgiebet. Eigentlich aber ist sie nichts anders, als mit Zucker uͤberzogener Wachholderbeerensamen. Ein gewisser Medicus zu Montpellier will haben, daß diese Tragea auf fol- gende Weise zugerichtet wuͤrde. Nehmet zwey Untzen von der Contra- yerva- Wurtzel, vier Untzen Scorzonera- Wurtzel, und eben soviel Angelica- Wur- tzel, alle mit einander wohl getrocknet, und eine Untze Saffran. Dieses alles stosset unter einander recht wohl zu Pul- ver; schuͤttet es alsdann in einen gros- sen glaͤsernen Kolben, und giesset darauf ein Maas Limonensaft, ein Maas blan- cken Wein, und etwan ein Noͤsel Scor- zonerenwasser. Legt einen blinden Helm drauf, und last es zweymahl vier und zwantzig Stunden mit einander weichen, hernach legt einen andern Helm mit einem Schnabel dran, und di- stilliret es aus dem Marienbade. Von diesem Wasser nehmet vier Pfund, giesset solches in eine grosse Vor- lage, und thut vier Untzen recht gut Ot- ternpulver darzu, vier Untzen im Schat- ten getrockneter und gestossener Rauten- blaͤtter, und zwey Untzen guten Schwe- felgeist. Thut alles in ein Recontrir gefaͤsse verlutiret die Fugen wohl, und lassets vier Tage lang in der Sonne circuliren, sodann eroͤffnet das Gefaͤß, und lasset das Wasser durch grau Loͤschpapier fil- triren und lauffen. Hierauf nehmet vier Pfund Wach- holderbeerkerne, so auf nachgesetzte Weise praͤpariret worden, schuͤttet die- selben in eine grosse Vorlage, giesset von diesem Wasser soviel drauf, daß es uͤber die Kerne gehet, und lasset sie im Bade so lange digeriren, bis daß sie wohl ge- quollen, hernach giesset das Wasser gantz maͤhlig davon ab, nehmt eure Kerne heraus, und trocknet sie mit klein gestossenen Royal- Zucker, dafern ihr die Tragea recht gut und nach der Kunst, wie sichs gebuͤhrt, bereiten wollt. Kraft und Tugend der Tragea Sancti Rochi. Sie machet nicht so gar viel Hitze, als wie die Grana vitæ \& sanitatis, die Lebens und Gesundheitskoͤrner: in- dessen wird sie doch eben zu derglei- chen Beschwerungen mit gantz gutem Erfolg verordnet. Zurichtung der Wachholder- beeren. Nehmet soviel als ihr wollt, von den gemeinen Wachholderbeeren, die fein recht zeitig sind, rein ausgelesen und im Schatten getrocknet, waschet sie mit Brunnenwasser, reibet sie alsdann gantz gelinde zwischen den Haͤnden, da- mit aller Staub und Unrath davon komme. Wann sie dann fein sauber sind, so legt sie in die Sonne, bis daß sie trocken werden, und wann sie trocken find, so schuͤttet sie in ein glasuͤꝛt Geschirꝛ, giesset uͤber ein und andere Gewaͤchse, Thiere ꝛc. giesset darauf Angelica oder Scorzone- renwasser, oder von Cardebenedicten, oder Scabiosen, soviel, bis es uͤber eure Beeren gehet, lasset sie vier und zwan- tzig Stunden lang darinne weichen, da- mit ihnen das wenige bittere vergehe, das sie haben, und dennoch ihre Bezoar- dische Kraft nicht vernichtiget werde. Wann dieses geschehen, so koͤnnt ihr sie ein wenig, und dazu gantz gelinde, zwi- schen den Haͤnden reiben, damit ihr sie nicht zerdruͤcket: giesset das Wasser weg, und trocknet sie in der Sonne. Vom Bezoar animali, Bezoar, der von Thieren kommt. Der Kummer, welchen die allermei- sten Droguisten und Apothecker ma- chen, wann man das Bezoar animale bey ihnen begehret, will mir glauben ma- chen, es sey gar noͤthig, sie zu belehren, was dann das Bezoar animale sey. Jch will ihnen derowegen melden, daß, was wir Bezoar animale zu nennen pflegen, sey Bezoar Orientale, der Ostindische Be- zoar, Bezoar Occidentale, der Westindi- sche Bezoar, Lapis porcinus, der Schwei- nestein, Lapis Malaccensis, der Stein von Malacca, Lapis Fellis, der Gallblasen- stein, Bezoar Simiarum, der Affenbezoar, Pulvis ex epate \& corde Viperarum, das Pulver von Natterhertzen und Lebern, welchem ich den Titel Bezoard de France, Frantzoͤsischer Bezoar, gegeben, Pulvis ex carnibus Viperarum, Pulver von Ot- ternfleisch, Oleum Viperarum, Otternoͤl, Oleum Scorpionum \& Matthioli, das ge- meine Scorpionoͤl, und wie es Mat- thiolus zurichten lernen. Uber dieses haben einige dem Theriac, Mithridat, und Orvietan, den Titel Bezoardicum compositum beygeleget, und auch endlich die Wachholderbeeren Bezoardicum ve- getabile genennet, indem sie vorgegeben, daß alles und iedes, was nur vermoͤchte dem Gifte zu widerstehen, koͤnte Bezoar- dicum betitelt werden. Es moͤgen dannenhero die Herren Medici hinfort fein mit Fleiß in ihren Recepten deutlich erklaͤren, was sie verlangen, und dem Patienten am besten zukommet. Weiter mag ich nichts von allen Sorten Be- zoar vermelden, indem ich von einem iedweden an gehoͤrigen Orte gnugsam vermeldet habe. Vom Acajougummi. Das ist ein roͤthlicht, klar und durch- sichtiges Gummi, dem Gummi Taurico nicht gar ungleich, und moͤchte auch wohl also gebrauchet werden koͤnnen, wann es nur bey uns recht bekannt waͤ- re. Es kommt aus den Jnseln und rin- net von den Baͤumen, welche die Aca- jou tragen, eben als wie das Hartz von Kirsch- und andern Baͤumen. Von der Wurtzel Aninga. Diese waͤchst in den Jnseln, und ist der Chinawurtzel nicht unaͤhnlich. Das decoctum und gesottene Wasser von dieser Wurtzel brauchen die America- ner zum Zucker laͤutern, an statt des Sublimats und Arsenics, dessen sie sich dazu bedienten, bevor ihnen diese Wur- tzel ist bekannt geworden. Jch haͤtte wohl nimmermehr nicht glauben sollen, daß die Americaner den Sublimat und Arsenic hierzu gebrauchten, wann der Herr Surian mich dessen nicht versi- chert haͤtte. Vom Assalise-Phœnix- Oel. Dieses ist ein roͤthlichtes Oel, welches aus gewissen Wuͤrmern gezogen und be- reitet wird, die sich in dem feuchten Hol- tze einer Art der Palmenbaͤume aufhal- ten. Diese Wuͤrmer sind anders nichts, als kleine Klumpen Fett, welches fuͤr das Lendenweh und einschrumpfen der Nerven sehr dienlich ist. Es wird uns auch aus den Jnseln das Anoli- Oel gebracht, welches trefflich gut ist zu den Haaren, dieselbigen wachsend und kraus zu machen, auch allerhand Geschwuͤr und Beulen zu vertreiben. Dieweil aber der Herr Surian eine General Hi- storie ans Licht zu stellen Sinnes ist, dannenhero will ich allhier weiter nichts davon gedencken, sowohl als wie von denen uͤbrigen Dingen, deren Na- men in meinem Catalogo befindlich sind. Die Anolis sind eine Gattung Ey- dechsen, die in den Jnseln wohl be- kannt. Vom Sale polychresto. Jn meinem Buche, pag. 773. im Ca- pitel von diesem Saltze, habe ich weit- K k k 3 laͤuff- Des Autoris Anmerckungen laͤufftig genug davon gehandelt, und die Art dasselbige zu bereiten gewiesen, wie ingleichen, woran das rechte vom ver- faͤlschten zu erkennen. Alldieweil aber von Tag zu Tage die Betruͤgereyen, so mit dergleichen Waaren vorgenom- men werden, an den Tag kommen, so achte mich verpflichtet, dergleichen Be- trug zu entdecken, welcher mit diesem Saltze vorgenommen wird, indem ein und andere Wasserbrenner, ohne Be- sorgung der Strafe, und ungescheut, in Paris den Uberrest vom Scheidewasser an statt dieses Saltzes an die Spezerey- haͤndler, Apothecker, Barbirer und an- dere verkauffen; welches eine schaͤdliche Betruͤgerey, welcher billig solte vorge- bauet werden. Allein, weil solches schwerlich zu erkennen, und ich gantz uͤberdruͤßig bin dergleichen lieder- liches Thun bekannt zu machen, so ersuche ich alle diejenigen, welche das Sal polychrestum nebst andern Waaren, welche nur zu oft verfaͤlschet werden, daß sie dieselbigen doch ja bey niemand, als bey ehrlichen Kauffleuten nehmen wolten. Von der Leber des Spieß- glases. Die Chymischen Scribenten, welche von der Leber des Spießglases ( Epar Antimonii auf Lateinisch genannt) ge- handelt, haben uns berichtet, daß man zu deren Zubereitung solch Spiesglas nehmen muͤsse, welches fein klein spies- sicht sey: und ich habe es gleichergestalt gemeldet. Nachdem aber habe ich in Acht genommen, daß das Antimonium minerale, das ist, dasjenige Spießglas, wie es aus der Grube und Erde kommt, eine weit schoͤnere Leber giebet, als wie das geschmoltzene und spießichte; allein sie kommt auch um ein gut Theil hoͤher zu stehen. Dannenhero mag das An- timonium minerale mehr fuͤr curieu se Leute dienen, und fuͤr solche, welche zu ihrem eigenen Nutzen lieber recht gute Waare verlangen. Jst diese Leber recht und wohl zubereitet, so ist sie glaͤntzend, und das Pulver davon siehet gar schoͤn roth; nur muß man nicht in einigem Puncte fehlen, und insonderheit recht trocknen Salpeter und recht schoͤn aus- gesuchtes Spießglas dazu nehmen. Jch wuͤrde dieses nimmermehr erwaͤhnet haben, wofern ich nicht so oftmahls Antimonii Epar mit dem Antimonio mi- nerali gemacht haͤtte: und ich habe auch deren noch in meiner Verwahrung, die ich einem ieden zeigen kan, der es nicht glauben will, bin auch erboͤthig sie zu praͤpariren, dafern es solte noͤthig seyn. Auf solche Weise darff man auch nicht fuͤrchten, daß sie werde als wie Ham- merschlag aussehen, dergleichen man- chen Laboranten wiederfaͤhret, die aber eben nicht zu nennen. Vom gelben Arsenic oder Realgar. Dieweil ich vergessen habe in meinem Buche von dem gelben Arsenic, Realgal, Reisgar oder Arsenic jaune, zu handeln, bekomme ich Anlaß, solches an diesem Orte zu thun. Realgal ist ein gelber Stein, dem weis- sen Arsenic durch und durch aͤhnlich, nur daß die Farbe einen Unterschied darzwi- schen macht; welches auch die Ursach ist, deshalben es Arsenicum flavum, gelber Arsenic genennet worden. Jch mei- nes Orts, habe eben so wenig erfahren koͤnnen, was dieses sey, als, was der weisse Arsenic sey; iedoch ist leichtlich zu erachten, es muͤsse aus einem und dem andern bestehen und gemachet seyn. Jm uͤbrigen ist der gelbe Arsenic oder Realgal sehr wenig bey den Chirurgis und Schmieden braͤuchlich: wird auch son- sten so selten gebrauchet, daß eher tau- send Pfund vom weissen Arsenic ver- than werden, als zehen Pfund vom gelben. Dieses will ich nur noch obenhin beruͤhren, wie daß der gelbe Arsenic ein eben so gefaͤhrliches Gift sey, als wie der weisse, dannenhero moͤgen diejenigen, die ihn veꝛkauffen, wohl zusehen, wem sie ihn geben. Was seine Wahl betrifft, da darff er nur eine feine schoͤne Farbe haben, fein glaͤntzend und in grossen Stuͤcken seyn: dann, das kleine Zeug begehrt niemand. Vom Gummi Chibou oder vom Gummi des Arabischen Gummi- baums. Dieses ist eben dasjenige Gummi oder Hartz, von dem ich in meinem Bu- che, pag. 393. unter dem Namen des Americanischen Galipots gehandelt habe. Dieses Gummi kommt aus ei- nem grossen Baume, den ich bereits be- schrie- uͤber ein und andere Gewaͤchse, Thiere ꝛc. schrieben, und der von den Americanern der Gummibaum genennet wird, all- dieweil er eine so gar haͤuffige Menge Gummi giebt: welches auch mich ver- anlasset, daß ich dieses Hartz oder Gum- mi, Gomme de Gommier des Isles d’Ame- rique, Gummi vom Gummibaum in den Americanischen Jnseln betitelt ha- be. Weil ich nun allbereits zur Gnuͤge davon habe gehandelt, so werde hier nichts mehr vermelden, ausser, daß sei- ne Blaͤtter, deren Namen mir noch nicht bewust, wie ich daselbst erinnert, gar grosse und breite Blaͤtter eines Baumes sind, welcher Cachibou genen- net wird, deren sich die Americaner und Wilden zu allerhand Dingen bedienen: insonderheit aber legen sie dieselbigen in die Koͤrbe, so sie zu den Gewuͤrtzen brauchen; dadurch zu verhindern, da- mit kein Wasser nicht drein dringen moͤge. Auch mag man sich warnen lassen, und kein solches Gummi an statt des spanisch indianischen Gummi Elemi erkauffen; dann das rechte ist gruͤn- licht, weichlicht und wohlriechend, die- ser Galipot aber weiß und trucken, da- bey ziemlich aromatisch. Es giebt auch ohne dieses Gummi, das Hartz von die- sem Baume, das ist hell und durchsich- tig, und sehr schoͤn, allein in Franckreich unbekannt. Von der feinen Lacca. Jn meinem Buche pag. 38. habe ich gemeldet, wie daß die feine Venedische Lacca ein Teig sey, so von dem weichen in den Schupen des Kuttel- oder Black- fisches ( Ossa Sepiæ ) bereitet wuͤrden. Allein der Herr Langlois, welcher wohl der geschickteste Mann ist in Bereitung dieser koͤstlichen Waare, hat mir gestan- den, daß er nichts anders brauchte, als die Conzenille, wann er die Lacca ma- chen wolte. Kurtz, wann er aus der Conzenille Mesteca den besten Carmin heraus gezogen, so machte er aus dem Uberrest noch Lacca. Daher ist auch kein Wunder, wann die feine Lacca des Herrn Langlois die Venedische in allen uͤbertrifft, und ihm alleine haben wirs zu dancken, daß wir der Venedischen entrathen koͤnnen. Von der Leberaloe. Auch habe ich in meinem Buche pag. 447. erinnert, daß man die Aloëhepatica, die in Kuͤrbsen kommt, gantz und gar aus der Medicin verwerffen solle, von wegen ihres haͤßlichen Gestancks. Man mag sie aber noch um soviel mehr ver- werffen, dieweil es meistentheils nichts andeꝛs ist als ein Gemenge von alleꝛhand Gummi, so sie in Aloesafte zergehen las- sen. Die meiste dieser Art Aloe kommt aus den Jnseln, und ist darum von ih- rer etlichen Aloe aus Barbados betitelt worden. Vom Chalcites aus der Jnsel S. Christophel. Dieser ist gantz und gar von demjeni- gen unterschieden, den wir gemeiniglich verkauffen, dann er ist nicht so roth, son- dern vielmehr gruͤnlicht, wie halb ge- brannter Vitriol. Er wird nunmeh- ro an unterschiedlichen Orten in Franck- reich verkauffet, zu Paris, Rouan und anderswo, an statt des andern und wahrhaften. Von der Conzenille. Es darff sich niemand nicht verwun- dern, daß ich allhier nichts von der Con- zenille Mesteca melde, indem ich wei- ter nichts gewisses davon habe erfah- ren koͤnnen, als was mir der Herr Rous- seau davon geschrieben mitgetheilet hat. Nun muͤssen wir erwarten, bis der Ehrw. P. Plumier von seiner Reise wird zuruͤck gekommen seyn, da wir dann vernehmen werden, ob er dasjenige, was er davon ausgegeben, wird bestaͤ- tigen koͤnnen, oder ob des Herrn Rous- seau Bericht wahrhaftig ist. Weil dann nun dieser der einige Articul in meinem Buche ist, welcher angefochten worden, als ersuche ich alle diejenigen, denen etwas gewissers davon bewust, mir zu berichten, ob naͤmlich die Con- zenille Mesteca ein Thierlein oder ein Samen sey, sowohl damit es moͤge koͤn- nen zu iedermans Wissenschaft gelan- gen, als auch, damit ich erfahren moͤge, was dann diese theure und kostbare Waare sey. Jn einem ohnlaͤngst herausgekom- menen Buche wird gemeldet, das Wort Cochenilla bedeute einen grauen Wurm, der aus Jndien kommt. Die- ses aber kan nicht gar wohl bestehen, weil Cocquenilla oder Cochenilla ein Spa- Des Autoris Anmerckungen Spanisches Wort ist, welches nichts anders bedeutet, als ein kleines Korn: dann es stammet von dem Griechischen Worte Coccus her, welches so viel heist, als ein Korn. Eben so wenig kan auch ge- saget werden, daß es aus Jndien komme: dann das wuͤrde soviel heissen, die Con- zenille Mesteca wuͤchse in allen beyden Jndien, da doch dieselbige nirgend an- ders her, als aus Neu-Spanien kommt. Dieser Autor betreugt sich gleich- falls, wann er die Cochenilla Campe- schana und Sylvestre einerley zu seyn ver- meinet: davon ich doch nichts ferner sagen mag, indem ich weitlaͤufftig gnug davon in dem Capitel von der Conzenil- la Mesteca gehandelt habe. „Die Liebhaber koͤnten sich in dem „Tractaͤtlein von der Conzenille, wel- „ches fuͤr etlichen Jahren Lateinisch „und Teutsch ist heraus gekommen, „umsehen, sodann duͤrfften sie den Her- „ren Pomet und den Ehrw. P. Plumier „noch wohl entscheiden moͤgen, und sa- „gen, ob dieselbige unter die Gewuͤrme, „oder unter die Gesaͤme zu rechnen und „zu stellen sey. Von den unterschiedenen Sor- ten des Zinobers. Es giebt so vielerley Sorten natuͤr- lichen Zinobers, daß es Muͤhe genug se- tzen wuͤrde, wann ich sie alle mit einan- der solte beschreiben. Daher will ich nur sagen, daß es ohne diejenigen, da- von ich in meinem Buche gehandelt, auch noch Zinober aus Kaͤrnten, aus Armenien, und S. Christophel gebe, wel- che aber insgesammt viel geringer, als der Spanische. Darum moͤgen, die die- ser theuren Waare noͤthig haben, nur bey dem Spanischen verbleiben, wann er diejenigen Zeichen hat, die im 27. Capit. pag. 663. sind beschrieben worden, und keines wegs die andern, als viel schlechtere, gebrauchen. Vom Unterschied des Nam- phaͤ und Pomerantzenbluͤt Wassers. Man wird gesehen haben, daß ich in meinem Buche sowohl als alle andere vor mir, gar keinen Unterschied zwi- schen dem Namphawasser und zwischen Orangebluͤtenwasser gemachet habe. Und dannoch ist ein gar grosser Unter- schied zwischen diesen beyden, indem das eine von denen Orangebluͤten gemachet wird, so wie sie von dem Baume gebro- chen werden: hingegen des Nampha- wasser wird alleine aus den weissen Blaͤtterlein der Pomerantzenbluͤten verfertiget. Deshalben ist auch das Namphawasser viel lieblicher und an- genehmer, als das gemeine Pomeran- tzenbluͤtenwasser, und darum auch viel theurer. Vom Kraftmehl. Weil in den Jahren 1693. und 1694. das Getreide so gar theuer gewesen, hat solches uns genoͤthiget, daß wir aus Holland haben muͤssen Kraftmehl oder Staͤrcke kom̃en lassen, dieweil das zu Pa- ris so uͤbertheuer war. Doch dessen un- erachtet ward es dannoch dem Hollaͤn- dischen weit vorgezogen, dieweil dieses in gar grossen Stuͤcken war, welche also fort in eitel kleine Broͤcklein zerfielen, so bald mans nur anruͤhrete, es war dabey spreißicht und hart; hingegen ist das Parisische ist weiß und zart, bald zu zerreiben, und giebt nur mittel- maͤßige Brocken, insonderheit, wann es an der Sonne getrocknet worden. Diese Nachricht kan zu besserer Bestaͤr- ckung dessen dienen, was ich vermeldet habe, wie daß naͤmlich das Pariser Kraftmehl alles andere an Guͤte und Schoͤnheit uͤbertreffe. Von den Kupferblumen oder Kupferkoͤrnern. Die Floresæris sind eine Waare, wel- che in Franckreich dermassen unbe- kannt, daß ich gewiß gar nichts davon erwaͤhnet haͤtte, wann sie nicht in der letzteren Apothecker-Taxa zu befinden waͤren, bin auch versichert, daß bey allen Apotheckern im gantzen Koͤnigreiche kei- ne anzutreffen, die also beschaffen, gleichwie sie Matthiolus verlanget, kan ingleichen nicht begreiffen, was doch diejenigen darzu veranlasset, welche die erstere Taxa reformir en und verbessern wollen, die iedoch in Gegenwart des General Lieutenants von der Policey, vierer Medicorum von der Facul taͤt, und so vieler Apothecker aufgesetzt ist wor- den, darinnen nicht die geringste Mel- dung der Kupferblumen, der Gruͤn- spanblumen, des Oels vom Kramkuͤm- mel uͤber ein und andere Gewaͤchse, Thiere ꝛc. mel geschehen, auch noch anderer unbe- kannten Materialien, die auf einen so hohen Preiß gesetzet sind, daß zwey Pfund dererselben nicht so viel kosten, als sie eine eintzige Untze gesetzet haben: z. E. Pottasche die Untze auf 15. Sols, oder einen Orts Thaler, u. s. f. welchem dennoch zu begegnen hoch von Noͤthen, indem das gemeine Wesen dabey zu viel leidet, nicht weniger dererjenigen ihr Gewissen, die dergleichen um solchen Preiß verlassen. Allein wieder auf die Kupferblumen zu kommen: Matthio- lus spricht in seinem Buche pag. 707. daß es kleine Kuͤglein waͤren, die von dem Kupfer aufgetrieben wuͤrden, wann es geschmeltzet wuͤrde, und zwar vermit- telst drauf geschuͤtteten kalten Wassers. Jch meines Orts erachte, die Kosten duͤrfften den schlechten Nutzen ziemlich uͤbersteigen, habe sie auch deshalben niemahls nicht machen moͤgen, sondern uͤberlasse diese Arbeit lieber denenjeni- gen, die ihrer noͤthig haben. Will aber einer mehr davon wissen, der kan sich im Matthiolo auf obangezogenen Blat- te darnach umsehen. Was die Gruͤnspanblumen seyn sol- len, weiß ich nicht; habe mich wohl bey solchen Personen deswegen befraget, die darum wissen solten, alleine nichts erfahren koͤnnen, so wenig als vom Oleo Cumini minoris, es muͤste dann das Oel vom Sesel, Ammi oder andern der- gleichen Samen seyn. Von den Scharlachkoͤrnern. Von diesem habe ich in meinem er- sten Buche weitlaͤufftig genug gehan- delt, will dannenhero nichts nicht all- hier vermelden, auf was fuͤr Art und Weise dieselben zuzurichten, wann man sie will aufheben, noch auch von dem Pastel, oder dem darinn enthaltenen Pulver, welches ohnedem in der Medi- ein gar unbekannt. Die Portugiesen, Spanier, ingleichen die Einwohner in Languedoc, Provence und andern Or- ten, welche diese Waare zu sammlen pflegen, lassen sie mit sonderlichen Fleiß durch Weineßig gehen, damit die un- zehlbare Anzahl der gantz kleinen, fast unbegreifflichen Wuͤrmlein davon ster- ben, und legen sie hernachmahls an die Sonne, bis daß sie wiederum recht tro- cken worden. Sonst, wann sie den Weineißig nicht wohl empfunden, be- vor daß sie getreuget werden, so kommt eine gantz unglaubliche Menge kleiner Wuͤrmer oder Muͤcken heraus. Daher kommt es auch, daß die meisten Schar- lachkoͤrner, die wir zu veꝛkauffen haben, ledige und durchloͤcherte Huͤlsen und Schalen sind: welches auch geschiehet, wann sie zu alt werden, indem der dar- inne befindliche Pastel (so wie gedacht, nichts anders ist, als eitel kleine Wuͤrm- lein) sich selbst verzehret, und zu weissen Staube, darauf aber gar zu nichts nicht wird. Und das sind die beyden Maͤngel, davon die Scharlachkoͤrner schadhaft werden und zum Verkauff undienlich: einer, wann sie nicht gebuͤh- rend und wohl zugerichtet sind, der an- dere, wann sie gar zu sehr alt worden. Hierbey ist auch zu mercken, wie daß ich im Articul von diesem Pulver gemeldet, daß man dasjenige auswerffen muͤsse, welches feuchte und zu starck nach Eßig riecht, und das ist auch recht, um erst an- gefuͤhrter Ursachen willen: doch muß man ihm zugleich gesagt seyn lassen, daß alles solches Pulver nothwendig muͤsse mit Eßig bespritzet werden, damit die Wuͤrmer davon sterben, dann sie sich sonsten in Muͤcken verwandeln wuͤr- den. Dem aber unerachtet, muß es recht trocken seyn und gar wenig nach Eßig riechen, das ist alsdann ein Zei- chen, daß es nicht zuviel Eßig hat be- kommen, und uͤber dem Feuer wohl ge- trocknet worden ist, alldieweil sie dieses Pulver weder mit Eßig anfeuchten, noch an der Sonne trocknen, als wie die Scharlachkoͤrner, sondern sie ma- chen es uͤber einem Kohlfeuer trocken, und ruͤhren es bestaͤndig um, so hurtig, als es immermehr seyn kan. Weil ich dann bey dem Capitel von dem Scharlach bin, so muß ich auch etwas von dem Jrrthume melden, wann sie diese kleinen Huͤlsen Koͤrner nennen; da es doch nur kleine Blaͤslein sind, wel- che auf den Blaͤttern und der Rinde ei- nes in hiesigen Landen gar zu wohl be- kannten Strauches zu entstehen pfle- gen: zu desto besserer Bekraͤftigung will ich allhier anfuͤhren, was mir der Herr premier Medecin am 22. Decembr. 1694. davon hat zugeschrieben. Der L l l Ker- Des Autoris Anmerckungen Kermes ist durchaus kein Korn, sondern die Schale eines kleinen Wuͤrmleins, welches dieselbige wachsen machet, wann es die Rinde der Steineiche (Ilex) sticht, und sich in den Saft, der daraus laufft, verwickelt, als wie die Wuͤrmer, welche die Gallaͤpfel auf den Steinei- chen, und die Eichaͤpfel auf den Eichen- laube zu verursachen pflegen. Der Sa- men oder die Frucht dieses Strauches ist auch kein Kermes, sondern eine Ei- chel, als wie an andern seines gleichen: und dieses ist unwidersprechlich wahr. Dannenhero solte man die Kermeskoͤr- ner nicht mehr Koͤrner, sondern Huͤlsen oder Blaͤslein nennen. Von den Krebssteinen. Jn meinem Buche, im Cap. von Krebsen, pag. 613. habe ich vermeldet, wie ich nicht erfahren koͤnnen, was eigent- lich die Krebssteine seyn moͤchten. Nun aber kan ich gewiß versichern, daß dasje- nige, was wir unter dem Titel, Oculi Cancri, Krebsaugen, zu verkauffen pfle- gen, nichts anders sey, als Steine, so in den Koͤpfen der Krebse in Ostindien ge- funden werden: dann daher bringen sie die Hollaͤnder. Es darff sich auch niemand uͤber die gewaltige Menge de- rerselbigen, die wir zu sehen bekommen, so sehr verwundern, indem sich zu gewis- ser Zeit ihrer eine so abscheuliche Menge, an dem Ufer der Fluͤsse, und auch am Seestrande selbsten, finden laͤst, daß sie alsdann so haͤuffig zu haben, als wie Sand, und man sie handvoll weise auf- lesen kan: welches daher kommt, daß die Krebse in dasiger Gegend dieser Art Stein sehr unterworffen sind, welche sie dann in December und Jenner, um welche Zeit der groͤste Sommer in Jn- dien ist, gemeiniglich ablegen. Dieses zu erweisen, hat mir der Herr Surian, ein Medicus zu Marseille, gewiß versi- chert, daß er in den Jnseln, durch seinen Sclaven, in einem Tage mehr als 50. Pfund aufsammlen lassen. Der groͤste Unterscheid aber zwischen denen Ost- und Westindianischen Krebssteinen, bestehet alleine darinne, daß die letzteren viel dicker sind. Vom Zinck in grossen Kuchen. Le Zainc en gros pains ist uns seit eini- gen Jahren her aus Holl- und England zugesendet worden, und anders nichts, als was die Teutschen Bauter, die Hol- laͤnder aber Spauter zu nennen pflegen. Dieser Zinck wird aus dem geschmoltze- nen Marcasit oder Zinck-Ertz bereitet. Dem sey nun wie ihm sey, es ist derselbi- ge den Handwercksleuten, z. E. den Zinngiessern, Rothgiessern und andern ihres gleichen, uͤber alle massen hinder- lich: dann, da sie den Zinck in kleinen Stuͤcken und Stangen gar wohl ge- brauchen koͤnnen, denselbigen auch noͤ- thig haben, so ist dieser ihnen desto schaͤd- licher, indem er ihre Arbeit alle mit ein- ander verderbet. Deshalben moͤgen sich die Kauffleute warnen lassen, und ihn weder verschreiben, noch einkauffen und wiederum verkauffen, dieweil er gar zu nichts nicht taug, als etwan fuͤr diejenigen, die mit dem Lapide Philoso- phorum umgehen, und denselbigen auf- suchen; dann diese Leute sind recht sehr darauf erpicht. Es ist uͤberdiß dieser Zinck dermassen schlecht, daß bey dem schmeltzen ein stinckender und sehr ge- faͤhrlicher Schwefel davon fleucht, so daß, wann ihr ein Pfund solches Zincks in einen Schmeltztiegel einsetzet, ihr kaum ein halbes Pfund wiederum be- kommet: dazu ist er auch gar uͤbel zu schmeltzen. Vom Wallrath. Jch habe zwar in meinem Buche, im Cap. vom Wallrathe, pag. 583. ge- meldet, daß der Wallrath, welcher gar unrecht sperma Ceti oder Nature de Ba- leine, Samen des Wallfisches, genennet wird, wenig in der Medicin gebraͤuch- lich sey. Allein die Teutschen brauchen ihn vielfaͤltig und mit gutem Erfolg, in mancherley Kranckheiten, z. E. im Sei- tenstechen und andern dessen gleichen. Schrœderus und andere Teutsche Scri- benten handeln weitlaͤufftig gnug da- von. Vom Pockenstein und andern Steinen, deren weder in meinem ersten Buche, noch in meinem kleinen Catalogo ist erwaͤhnet worden. Der Pockenstein ist eine Gattung gruͤnlichter Kieselsteine, voller kleiner Huͤbel, die gleicher gestalt gruͤnlicht aussehen, sind aber viel heller, und ste- hen drauf als wie Pocken, daher ihm auch, allem Ansehen nach, sein Name worden, über ein und andere Gewaͤchse, Thiere ꝛc. worden. Andere wollen, er habe ihn wegen seiner Kraft und Tugend, die man ihm beygelegt, bekommen, indem er ungemein gut seyn soll und verhin- dern, daß man keine Narben und Gru- ben nicht bekomme. Jhm sey nun wie ihm sey, es ist ein sehr rarer Stein, wel- cher gar hoch gehalten wird. Sonst habe ich auch noch viel andere Steine, von allerhand Gestalt und Farben, z. E. den Schneckenstein, Lapis Conchites, den Sternstein, Astroites, den Muschelstein, Ostracites, das Cꝛeutz aus dem Wallfisch- kopfe, Lapis Crucis ex cranio Balænæ, das Ammonshorn, Cornu Ammonis, den Regenbogenstein, Lapis Iris, deren Wor- mius und andere Scribenten gedencken, ich aber weiter nichts davon vermelden mag, indem sie wenig gebrauchet wer- den. Vom Gummi von Senega. Jn meinem Buche pag. 369. habe ich angemercket, wie daß uns die weissen und schwartzen Leute aus dem Gebirge dieses Gummi zufuͤhreten, und weiter habe ich nichts davon gedacht. Nach- dem ich aber die Reisebeschreibung des Herrn le Maire gelesen, so erachte nicht undienlich hieher zu setzen, was er von dieser Waare pag. 67. vermeldet hat. Das Arabische Gummi bekommen wir von den Mohren. Sie sammlen es in den Wuͤsteneyen des innern Ly- biens: Es waͤchset an den Baͤumen, die es geben, als wie das Kirsch- und Pflau- menbaumhartz in Franckreich. Sie kommen und bringen es zu Kauff, vier oder sechs Wochen zuvor, ehe dann sich der Fluß Niger zu ergiessen pfleget. Dafuͤr tauschen sie blaues Tuch und Leinwand, auch ein wenig Eisen; und kommen fuͤnff bis sechs hundert Meilen Land einwarts, bringen einer ein halb Quintel solch Gummi, der andere mehr oder weniger. Sie kommen fadennackt auf ihren Cameelen und Ochsen, auf denen sie auch oͤfters ihre andern Waa- ren herbey zu bringen pflegen. Die ansehnlichsten unter ihnen haben eine Art von Maͤnteln mit Fellen gefuͤttert, bald wie die langen Roͤcke unserer Can- toren. Die andern haben weiter nichts, als ein Stuͤcke beschmutztes Fell, damit sie ihre Bloͤse bedecken. Sie erhalten sich blos von Milch und diesem Gum- mi, welches sie darinne zergehen lassen. Wir sind gewohnet, ihnen zum Theil Unterhalt zu geben, wann sie zu han- deln kommen, und kauffen ihnen ihre Ochsen ab, sie damit zu erhalten; iedoch stechen sie dieselben selbst, dann sonsten wuͤrden sie sie durchaus nicht essen, und es sind gewisse Leute unter ihnen hierzu bestellt. Ob sie nun gleich sehr viel Vieh haben, dennoch essen sie es selten, sie muͤ- sten denn sehen, daß es von Kranckheit oder Alters halber fallen wolte. Man hat unbeschreibliche Muͤhe mit ihnen zu handeln, dann entweder man wird von ihnen betrogen oder doch be- schimpfet. Weil iedennoch der Han- del am Gestade des Flusses geschiehet, so koͤnnen sie leichtlich nicht betriegen, dann wann man die Waare von ihnen bekommen, wird dieselbige alsobald in die Fahrzeuge gebracht. Der Handel geschicht im Maͤy und im Junius, dreys- sig Meilen unterhalb der Wohnung. Wann der Handel geschehen, so wer- den sie euch tausend unnuͤtze Worte zu- schreyen: und wann sie einen Frantzo- sen, oder einen andern Weissen ertap- pen, den schmeissen sie todt, und das we- gen einiger Haͤndel, die vor zwantzig Jahren vorgegangen; Vor ein Paar Monaten erhaschten sie einen Bots- knecht, der das Arabische verstehet, und dem der Capitain von der Compagnie nach Arguin gesendet hatte; fuͤr densel- bigen begehren sie nicht mehr als funff- tzig Sclaven zur Ausloͤsung. Erklaͤrung einiger selten gebraͤuchlicher Woͤrter, die in meinem Catalogo zu befinden. A Brus Alpini sind kleine rothe Erbsen, welche aus America gebracht wer- den. Aldabac ist ein Gummi, das sich bis- weilen unter dem rothen Hartz de la Caline befindet. Alcebram ist die Schale oder Rinde von der Esula Wurtzel. Amurca ist, was im Frantzoͤsischen Oelhefen genennet wird. Anthera sind das gelbe in den Rosen. Arnabo ist Zittwer. L l l 2 Apara Des Autoris Anmerckungen Adarca ist ein saltziger Schaum, der nicht mehr im Gebrauch. Aquila alba ist der Mercurius dulcis. Arbor sancti Thomæ oder Arbor sancta ist der Macer- Baum. Arbor Dianæ ist eine Chymische Ar- beit, die der Herr l’ Emery beschrieben hat. Anjubin sind grosse dicke Trauben, welche von Frontignan gebracht und fuͤr Damas- Trauben verkaufft weꝛden. Antigorium ist das Lasurblau oder schlechtes Blau, deren sich die Porcellan- toͤpfer bedienen, und ihre Geschirre da- mit mahlen. Assourou ist das Jndianische Holtz. Balsamum Guileadense, ist nach einiger Gedancken der Jndianische Balsam. Balsamum sancti Spiritus, Pernambuc- canum, fluvii Januarii, sancti Vincenti, san- cti Dominici, de Handures vel Hondures, ist der Copaivabalsam. Beringi oder Berungi sind nach einiger Meinung, die Cubeben, oder, wie an- dere wollen, der Rauckensamen. Bdegar ist der Weißdorn. Bister ist der harte glaͤntzende Ruß aus den Feuermaͤuern, dessen sich die Mahler bedienen. Bouchet ist Hippocras von Wasser. Bellerici oder Belliculi sind Meer- nabel. Blatta byzantia heist auch Unguis ado- ratus. Bois de Caleatour, Caleaturholtz, ist eine Gattung Brasilienholtz. Bois de Lettre, Letterholtz, ist ein har- tes, rothlichtes Holtz, davon die Wilden ihre Boͤgen machen. Bois petrifié, Holtz das zu Steine wor- den, ist das Lignum S. Macarii. Cire de Guinée, Guineisch Wachs, ist rothlicht Wachs, in Franckreich nicht gar sehr bekannt. Cyperus Nili, ist ein Riet, dessen inwen- diges vor Zeiten an statt des Papiers ge- brauchet wurde, daher es auch Papyrus genennet worden: von dem kommt der Name Papier her. Cyphi Thymiama sind die Trochisci Cyphi. Eau de Mille-fleurs, Tausendbluͤmlein- wasser, ist das destillirte Wasser vom Pferdemist, nach dem Berichte des Herrn Surian. Ecume de ver ou de verrerie, Glas- schaum, Glasgalle, ist das Saltz vom Glase. Essence de Cocai, ist Spiritus Vini alco- holisatus, darinnen Balsamum de Tolu und de Copaiva zerlassen worden. Fiel de Verre, Glasgalle, ist das Saltz vom Glase. Fruit ou grand Gorganne des Isles, eine in den Frantzoͤsischen Jnseln bekannte Frucht. Fust de Gerofle des Hollandois, ist was im Frantzoͤsischen tête de Gerofle genen- net wird, der Knopf an den Wuͤrtznel- cken. Gip heist soviel als Gips. Gith ist die Nigella Romana, der Schwartzkuͤmmel. Huile de Canelle sauvage, ist das Oel von der Canella matta oder von der Cafsia lignea. Hirculus ist eine Gattung des Nardi celtici. Hydrargyrum heist Quecksilber. Huile petit Cumain, besiehe in diesem Anhange. Indigo lauro ist der Jndigo aus den Frantzoͤsischen Jnseln. Ichthiocolla, heist die Hausenblase, Fischleim. Laserpitium geben einige fuͤr Benzoe an. Laudanum liquidum ist der weiche Ex- tract vom Opio. Mekin ist Jngber. Mellade ist Tereniabin. Nouga, weiß und roth, ist ein Teig von Honig und Mandeln. Narcapthum heist bey einigen Wey- rauch, bey andern Storax, bey andern Benzoe, auch noch wohl etwas anders. Piment des Hollandois ist die Wuͤrtz- naͤgleinbluͤte. Racine d’Epecoanne und Radix Ipeca- cuanhæ ist einerley. Tendrune heist Glassaltz. Tourvu d’Alican, ist ein Teig fast auf solche Art, wie die Nouga und kommt aus Spanien. Appro- Approbationes. Approbation Des Koͤniglichen obersten Leib- Medici FAGON. U Ns, Sr. Koͤnigl. Maj. Staats- und Geheimden-Raths, auch Obersten Leib- Medico, ist berichtet worden, welcher gestalt diejenigen Materialien, welche Herr POMET, Specereyhaͤndler und Materialist in Paris, in dem Koͤniglichen Garten, waͤhrenden Lection en, die verwichene Tage darinne sind gehalten wor- den, bringen und zeigen lassen, ihrer Menge und Schoͤnheit wegen, bey jeder- man, der sie gesehen, Vergnuͤgen erwecket und ihnen ein Verlangen machet, sich derentwegen eigentlich unterrichten zu lassen, und zu dem Ende in obgedachten Herrn Pomet Behausung dieselbigen nochmahlen zu besehen. Weil wir dann unserer Pflicht erachtet, ihm seines Eyffers halber, den er fuͤr das gemeine Beste haͤget, freye Macht zu ertheilen und Erlaubnuͤß seine Materialien iedweden vor- zulegen, der sich bey ihm angeben wird, und seines guten Willens sich bedienen will, mithin die Materiam Medicam recht gruͤndlich kennen lernen; alldieweil eine vollkommene Erkenntnuͤß von derselben denenjenigen hoch noͤthig ist, die sich zur Medicin anschicken wollen. Haben wir zu Urkund dessen gegenwaͤrtige Concession eigenhaͤndig unterschrieben und unser Wapen vorsetzen lassen. Gegeben zu Trianon, als sich der Koͤnig da befand, den 8. August 1694. Unterzeichnet FAGON. Approbation Des Hrn. de Saint-Yon, Medicinæ Doctoris und der Facult aͤt zu Paris, Sr. K. Maj. Medici Ordinarii und Professoris im Koͤniglichen Garten zu Paris. D Jeweil ich bey der Demonstration aller Materialien gewesen, welche Herr Pomet dieses Jahr im Koͤniglichen Garten gehalten, als kan ich versichern, daß dem gemeinen Wesen kein groͤsserer Nutzen zuwachsen mag, als durch in Druck-Gebung dieses Buches. Gelehrten Leuten wird es Vergnuͤgen geben, die Unwissenden aber unterrichten. Jch fuͤr mein Theil muß sicherlich gestehen, daß diese neue Erfindung mich ungemein geruͤhret. Gegeben zu Paris den 30. Decembr. 1694. Unterzeichnet DE SAINT-YON. L l l 3 Regi- Register Zu dem Ersten Theile Der Spezereyen und Materialien Hauptbeschreibung, Worinnen Die Namen der Vegetabilien, das ist, der Samen und Koͤrner, der Zwiebeln und Bollen, der Wurtzeln, der Rohre, der Rinden und Schalen, der Hoͤltzer, der Kraͤuter und Blaͤtter, der Fruͤchte, der Gummen und Hartze, der Saͤfte und vieler andern Sachen mehr, die aus denenselbigen gezogen und gemachet werden/ als da sind, Oele Essentzen/ Spiritus, Saltze, und dergleichen zu befinden sind. Alles aufs fleißigste nach Al- phabetischer Ordnung eingerichtet/ zu welchem Ende auch die allermeisten Frantzoͤsischen Titel aus dem Frantzoͤsischen Exemplar, zu besserer Vergnuͤgung des geehrten Lesers beybehalten worden. A. A Belmosch, Abel-Mosc . 30 Abrotani semen 1 Absinthe grande \& petite 200 Acacia Germanica aut Germanorum und deren Saft 451 Acacia Vera, und deren Saft, Acaciensaft 449 Acajoux, Acajoux 271 - - Oel 272 Achiotl, Achiotl, ou Urucu 268 . 451 . 452 Aconitum Pardalianches 86 Aconitum Pardalianches 90 Aconitum Salutiferum 89 Acorus Verus 79 Acorus Verus, ou Acore vray, der rechte Cal- mus 107 Adiantum Album Canadense, ou Adiante blanc de Canada 183 Adiantum Album Montpeliense 183 Adiantum Brasilianum, ou Adiante du Bresil 183 Adiantum nigrum 184 Adlerholtz 126 Adragan 371 Ægoceros 21 Agallochum/ Jndianisches, Agalochum d’Inde 125 Agaricus, Agaric, Lerchenschwamm 347 Agnus Castus 23 Aland 108 -- -- Wurtzel wird an statt des bittern Costus gegeben 74 Alcanna aut Cyprus 199 Alcea Indica Villosa, Guymauve des Indes veloutée 29 Alkermes-Syrup 42 Aloe/ Aloës 443 Aloë Cabalina, Aloës Caballin 448 Aloë Ciecotrina, vel Succotrina, Aloës Cicotrin ou Sucotrin, Succoterische Aloe 446 Aloë hepatica, Aloës Hepatique 445 Aloë rosata \& violata, Aloës Rosat \& Violat 446 Aloeholtz 123 . 126 Alphœnix, Penidzucker 117 Alraunwurtzel 167 Alumen catinum, Alun Catin 210 Alypum Montis Ceti, ou Turbit blanc 182 Amandes, Mandeln 298 Amandes d’Espagne, lissés, pelées 120 Amandes Douces \& Ameres, bittere und suͤsse 296 Amandes du fruit du Pin, Kerne aus den Pi- nien und Fichtenaͤpfeln 293 Amandes en Coque, in Schalen 298 Amazonen-Petun 197 Amberkraut 173 Ambre liquide 419 Ambrette 30 Amidon 21 Ammi, ou Ameos, Ammi, Ammey 7 Amomi V. Amomum 46 Amomi/ Amomi 148 Amomi, ou Poivre de Thevet 249 Amomum, ou Amome de Pline 46 Amomum Racemosum, Amome en Grappe, ou en Raisin 43 Amphion, Amphion 435 Amylum 21 Anacardes, Anacardia 271 Anacardes, Antartiques, Anacardia antarctica 271 Anacardin, Mel Anacardinum 272 Ananas, Ananas 305 -- -- der Reinettenapfel 306 -- -- der Zuckerhut 308 -- -- die weisse 306 -- -- eingemachte 308 Anchusa, rothe Ochsenzungenwurtzel 99 Aneth, ou Fenoüil Tortu 93 Angelica, Angelique, ou Archangelique, Ange- lica 85 Angelique confite, eingemachte 85 Angure de Lin, Anguria lini 235 Anil, Anil 185 Anilholtz 151 Anis, Anis 13 -- Oel 17 Anis Aigre, saurer Anis 11 Anis Badian 151 Anis Couvert, Anis Reyne, Anis Verdun, uͤber- zogener Anis 12 . 13 . 119 Anis Register zum Ersten Theil. Anis de la Chine, ou de Sibery, des Isles Philip- pines, ou des Indes, Chinesischer, Jndiani- scher, Siberischer Anis/ Anis aus den Philippinischen Jnseln 49 . 151 Anisholtz 151 Annuale 290 Anthophylli 256 Anthora, Giftheyl 88 Antipates 203 Antolfe de Gerofle 256 Apocynum Cynocrambe 309 Aqua Namphæ 303 -- -- Vita, Aquavit 328 Arare 289 Arbre de Vie, ou Thuia 128 Arcançon ou Poix Noire 429 Archangelica 85 Arbor regundorum finium 452 Areca, Areca 289 . 290 Areca-Baum 290 Aristolochia Clematitis, ou Aristoloche Clema- tite 95 . 97 Aristolochia longa, Aristoloche longue 95 Aristolochia Pistolochia 96 Aristolochia polyrrhizos 96 Aristolochia rotunda, Aristoloche ronde 95 Aristolochia tenuis, Aristoloche legere 96 Artemisia, Armoise, ou Herbe de S. Jean, Bey- fuß 201 Arum majus \& minus, ou grande \& petite Ser- pentaire, groß und klein Schlangen- wurtz 107 Arundo humilis clavata radice acri 75 Asarina 104 Asarum 103 Asa dulcis, Asa doux, Asand/ wohlriechen- der 375 Asa fœtida 383 Asche in Tonnen 216 -- -- Dantziger 216 -- -- Levantische 215 -- -- schwartze von Morvan 216 Asclepias 60 Aspalath, Aspalathum 127 Asplenium aut Cæterac 200 Asur 213 Asur/ gepuͤlverter 214 Avelines, Haselnuͤsse 120 Avelines Lacadieres 342 Aviculæ Cypriæ 380 Autour, Autour 169 Axi, ou Carive 253 Azarina, Steingundermann 104 Azarum, Haselwurtz 103 Azerbes 262 Azur en pierre 213 Azur en poudre 214 B. B Acille, ou Batis 14 Balaustes, Balaustien 227 Badian 49 . 152 Baͤrwurtz 93 Baldrian und Wurtz, grosser 91 -- -- -- -- kleiner 92 Bananas, Bananes 352 Balsam, Americanischer 396 -- -- aus Judea 409 -- -- aus Mecha 411 -- -- Egyptischer 409 -- -- neuer 419 -- -- des Commandeurs de Perne 413 -- -- Perudianischer, und dessen Sor- ten 411 -- -- wie derselbige nachzumachen 413 -- -- in Schalen oder harter 411 -- -- schwartzer Peruvianischer, oder vom Schnitt 412 -- -- Tolutanischer 417 -- -- von Groß-Cairo 409 Balsamfrucht 409 Balsamholtz 409 Barbe de Renard 371 Barbotine 1 Barils de Tamaris, Tamariskenfaͤßlein 138 Barras/ Barras 425 Basilic, Basilien 200 Baume artificiel du Perou, \& la maniere de le faire 413 Baume blanc du Perou d’incision 412 Baume de Copaü, Copaif, ou Campaif 417 Baume d’Egypte ou du Grand Caire 409 Baume de Judée 409 Baume de l’ Amerique 396 Baume de la Mecque 411 Baume de Liquid-Ambar 420 Baume de M. le Commandeur de Perne 413 Baume de Tolu 417 Baume de Vanille 270 Baum des Lebens 128 Baum des Jndianischen Holtzes 147 Baume du Perou en Coque, ou Baume sec 411 Baume noir du Perou 411 Baume noir du Perou, ou Baume de Lotion 411 Baume nouveau 419 Baume ou Huile de Mille-pertuis, Johannis- blumenoͤl 420 Baume ou Huile de Poix noire, Pechoͤl oder Balsam 430 Baumoͤl 313 Baumwolle 307 -- -- gesponnen 309 Baumwollensamenoͤl 310 Baurensenff 7 Baurenweyrauch 380 . 426 Bayes de Laurier 321 Bazgendge, Bazgendge 348 Bdellium 397 Beculo, Beguquella, Beloculo, Becouguille 53 . 56 Been album \& rubrum, Behen blanc \& rouge, Beenwurtz/ roth und weiß 99 Beennuͤßlein/ weisse 293 -- -- Oel 294 Belle de nuit 65 Belleris Gotin 287 Ben blanc 293 Benjoin, Ben de Judée, ou Benjoin de Boninas, Benivinum, Benzoe und dessen Sorten 375 Benoi- Register zum Ersten Theil. Benoiste, ou Caryphyllata, Bergbenedicten 200 Benzoës flores \& oleum 376 -- -- Tinctur 379 Bergbenedicten 200 Berg-Narden 238 Berg-Poley 171 Berg-Rhabarber 64 Bernez, Bernez 424 Bertram 97 Betel, ou Tambul, Betel oder Tambul 199 Betoine, Betonien 200 Bexagillo 56 Bigarades 303 Bijon/ Bijon 422 Bindfaden 310 Bisamsamen 310 Biscuits d’amandes ameres, bittere Mandel- biscuiten 300 Biscuits Purgatifs 66 Bisnague ou Visnague 49 . 239 Bistorta Sylvestris, Bisiorte, Natterwurtz 94 Bizerera Rubra 40 Blasengruͤn 454 Blaͤtter 171 Blumen 217 Blumenkohl 17 Bocksbart 371 Bockshornkraut 21 Bois d’Acajoux, Acajouholtz 152 Bois d’Aigle, Adlerholtz 126 Bois d’Aloes, Aloeholtz 123 Bois d’Anis, ou d’Anil, Anis- oder Anilholtz 152 Bois d’Aspalath, Aspalathum 127 Bois de Bresil, Brasilienholtz 143 Bois de Calambac, ou de Tambac, Calambac oder Tambacholtz 126 Bois de Calambouc, Calamboneholtz 126 Bois de Campesche, Campeschenholtz 145 Bois de Cannelle ou Saxafras, Canela oder Sassafrasholtz 138 Bois de Chandelle, Lichtholtz 133 Bois de Citron, Citronenholtz 131 Bois de Corail, Corallenholtz 133 Bois de Couleuvre, Schlangenholtz 152 Bois de Crabe 161 Bois de Fer, Eisenholtz 152 Bois de Fernambouc, Fernambuc 143 Bois de Fustet, ou Fustel, Gelbholtz 149 Bois de Jassemin, Jasminholtz 131 Bois d’Inde, Jndianisches Holtz 145 Bois de la Chine, Chinesisches Holtz 150 Bois de la Jamaique, Holtz von oder aus Jamaica 147 Bois de la Palile 391 Bois de Polixandre, ou gros Bois violet, Viol- braunholtz 150 Bois de Rhodes ou de Roses, Rhodieserdorn/ oder Rosenholtz 127 Bois de Roses ou de Cypres, Rosen- oder Cy- prischholtz 129 Bois de Sainte-Lucie, S. Luzienholtz 149 Bois de Tamaris, Tamariskenholtz 137 Bois de Sapan, Sapanholtz 144 Bois de Sapan de Bimaes, Sapanholtz von Bimaes 145 Bois des Molucques, Moluccisches Holtz 152 Bois Jaune, ou Bois d’Angleterre, Gelbholtz oder Englisches Holtz 149 Bois Indien, Jndianisches Holtz 139 Bois Marbré, Marmelholtz 129 Bois Nephretique, Griesholtz 133 Bois, ou Ecorce sentant le Girofle, Holtz oder Rinde, die wie Naͤglein riechen, Naͤg- lein-Holtz 161 Bois Saint, Heiliges Holtz 139 Bois Violet, violetbraun Holtz 149 Bon, Bonca, Bonco 263 Bougie noire 430 Bourge-Epine 455 Brantewein 328 Brasilienholtz 143 -- -- aus den Antillen-Jnseln 145 -- -- aus der Baya de todos los San- tos 146 -- -- aus Japan 144 . 145 -- -- von Fernambouc 143 -- -- von Lamon 145 -- -- von S. Martha 145 Bray liquide, Tarc ou Goudran 431 Bray sec, ou Arcançon 429 Bresil de Fernambouc 143 Bresil de Japon, ou Sapan de Bimaës 145 Bresil de la Baye de tous les Saints 146 Bresil de Lamon 145 Bresil de Sainte-Marthe 145 Bresillet, Brasilienholtz aus den Antillen Jnseln 145 Brustbeerlein 273 Brustkuͤchlein aus Portugall 119 Brugnoles, Brunellen 341 Bryon, Corallenmoos 205 Bryonia 17 . 69 . 70 Bryoniæ fecula 70 Bryonne de l’ Amerique, Virginianische Bryo- nia 67 Bryonne ou Vigne blanche, Bryonia 69 Bryonne ou Vigne noire, Vitis nigra 70 Buceros 21 Buchsbaum 140 . 142 -- -- Oel und Spiritus 142 Buglossa Antarctica 195 Buis, ou Bouis, Buchsbaum 140 Buna, Bonca, Bonco, Bunno, Bon 263 Bunias, Steckruͤbensamen 15 C. C Abaret ou Nard sauvage, Haselwurtz 103 Cacao/ Cacao 265 Cacao Caraque, \& des Isles, Cacao Caragua und aus den Jnseln 266 Cacao en Pain, Cacaokuchen 266 Cacaos tragende Baͤume und deren Sor- ten 266 Cacavi 265 Caffé, Cahue, Caoua 263 Cago-Sanga 53 Cajoux 271 Calam- Register zum Ersten Theil. Calambacholtz 126 Calamboucholtz ib. Calambourgholtz 149 Calamante de Montagne, Bergmuͤntze 200 Calamus Aromaticus, Calmus 107 Calamus Verus vel Amarus, der rechte und bit- tere Calmus 109 Cameelheu/ Cameelstroh 217 Camillen, Camomille 200 Camillenoͤl 420 Campaif 418 Campeschenholtz 145 Campher, Camphre 371 Camphre brute, Camphor brutto, roher Cam- pher ib. Campheroͤl 376 Cancamum 403 Candi blanc, Candi rouge, weiß und brauner Zu- ckerkant 115 . 117 Caneelholtz 137 Cannamelles, Zuckerrohr 109 Canelle, Zimmt 151 Cannelle blanche, weisser Zimmt 161 Cannelle coupée, ou Canella de Milan, zerschnit- tener Zimmt 156 Cannelle Giroflée, Nelckenzimmt 161 Canella matto, Cannelle matte 155 Cannes à Sucre, Zuckerrohr 109 Capelet, Nelckenzimmt 161 Capillaires, Capillares plantæ 183 Cappern/ Cappes 321 wilde oder von Alexandria, Cappes Sauva- gines, ou d’Alexandrie 322 Capucine/ Capucines 321 Carannæ Gummi, Caragne blanche \& grise, weiß und grau 395 Carague, groß und klein 267 . 268 Cardamomum Majus, grosse Cardamomen 45 . 46 Cardamomum medium, mittlere Cardamo- men 47 minus, kleine Cardamoͤmlein ib. Cardasse, Cardasse, ou Raquette, 33 Carive 243 Carlina acaulos vel alba, Carline blanche, weisse Eberwurtz 91 Carlina nigra, Carline ou Caroline noire, schwar- tze Eberwurtz 92 Carmesin, Carmin, Carmin 38 Carpobalsamum 409 Carui, Carum, ou Caron 9 Caryophyllata, ou Benoiste 200 Caryophylli Plinii 250 Cascavel ou Serpent à Sonnettes 60 Casse Confite, eingemachte Caßia 280 Casse d’Egypte, egyptische Caßia 283 Casse des Isles, Caßia aus den Jnseln ib. Casse du Bresil, Brasilianische Caßia ib. Casse du Levant, Levantische Caßia 281 Casse Mondée, ausgezogene Caßia 284 Caßia 281 Cassia caryophyllata 251 Cassia lignea 159 Caßiaroͤhren 282 Cassonnade, Kastenzucker 111 Cassonnade de Cayenne 112 Cassonnade du Bresil, Brasilianische Cassona- de ib. Castonade ib. Cautere de Velours, 339 Cauterisirsteine 338 Cedern von Libanon, Cedre du Liban 141 Gummi und Hartz 141 . 142 kleiner 141 Cedri liquor \& terebinthina 142 Cedria, ou Huile de Cade ib. Celtischer Narden 238 Cendres de Levant, Levantische Asche 215 Cendre gmvelée 337 Centaure grande \& petite, klein und groß Tau- sendguͤldenkraut 200 Cha, ou Thca, ou Tsia, 175 Chamaras, ou Scordium, Scordien 200 Chamæpytis, ou Jué Musqué, Schlafkraͤut- lein ib. Chamædris, ou Germandré, Gamanderlein ib. Chameleon blanc, Chamæleon albus 91 Chameleon noir, Chamæleon niger 92 Chardonerette 91 Chaube 263 Chepule Areca 287 Chesne, Eiche 343 China China 163 Chinawurtzel/ radix Chinæ, Esquine, Squine 103 Chinesischer Anis 49 Chini-Cathai 108 Chiendent, ou Gramen, Qveckengraswurtz 108 Chilli, ou Carive 253 Chocolat, Chocolate, und deren Bereitung 267 Chou Marin 185 Choux-Fleurs 17 Choux Sanvages, wilder Kohl ib. Chouan, ou Kouan 6 Chypre, brauner Zucker oder Farin 115 Cinamome, Cinamomum 152 Cire à cachetter, Siegelwachs 408 Cire d’Espagne, spanisches Siegelwachs ib. Cire des Indes, indianisches Wachs ib. Cistos 447 Citronen/ Citrons, saure und suͤsse 299 eingemachte 301 oͤl ib. schalen ib. Citronenholtz 131 Citronnats, Zitronat/ Citronat 302 Citroüilles noires d Italie, Citrullen/ schwartze aus Jtalien 50 Clematis Daphnoides, ou Pervanche, Sinn- gruͤn 200 Clou Matrix 256 Coca 199 Cocculæ Levanticæ 279 Coccus Gnidius 83 Coccus Infectorius 39 Coccygria Theophrasti 147 Cochenille 131 . seqq. M m m Coche- Register zum Ersten Theil. Cochenille Campeschane, 40 Cochenille de graine 200 Cochenille Mestéc 31 Cochenille Tetrechalle 40 Cochenille Sylvestre 40 . 200 Cochenille Animal, Conzenillenthierlein 406 Cocos, Cocosnuͤsse und deren Unterscheid 277 Cocosnußoͤl 310 Coffe, Coffi, Cabué, Chaube, Caoua, Coffee 263 Coggygria de Theophraste 147 Colocai 417 Colophane, vid. Arcançon . Colophone, ou Therebentine cuite, Colopho- nium 433 Coloquinte, Coloquinten 289 Coloquintenkern/ mit Zucker uͤberzogen 290 Colsa, Colsa 18 Colsaoͤl 18 . 314 Composition des quatre epices 76 Confectio Alkermes 42 Confections d’Alkermes, d’Hyacinte, \&c. 350 Confectio Hamech 347 Confitures, uͤberzogene Sachen 119 Conserve blanche \& rouge de Provins, weisse und rothe Rosenconserve oder Zucker 320 . 321 Conserve de Romarin, Rosmarinbluͤtenzu- cker 234 Conserve seche \& liquide de Violette, feucht und trockner Veilgenzucker 240 Contrayerva/ Contra-y-erva 57 Contra-y-erva blanc, weisse 60 Contrayerva Virginiana, Contra-y-erva de la Virginie, Contrayerva aus Virginien 59 Con volvulus Indicus 71 Conzenille, soll ein Samen seyn 31 wird aber widerleget 34 Campechane 31 Tetrechalle 40 wilde oder koͤrnichte 200 Conzenillenthierlein 406 Copaiba/ Copaybabalsam/ Copaiba, Co- paif, Copau 417 Copal aus Orient oder orientalisches Co- pal, americanisches 403 Copal d’Orient 401 Coque du Levant 279 . 281 Corail blanc \& rouge, weiß und rothe Coral- len 202 Corail de Jardin, Garten-Corall 253 Corail noir, parfait ou veritable, schwartze, wahrhafte Corallen 205 Corall/ schwartzer 203 Corallen 201 Bluͤte 202 Fischerey 203 Holtz 133 magisterium und Saltz 205 praͤparirte 206 Tinctur und Syrup 204 Corallenmoos/ Corallina, Coraline, Mousse Marine ou Bryon 205 Coralloides, Corallenaͤhnliches Gewaͤchs 206 Coriander, Coriandre 14 schwartzer 16 uͤberzogner, Coriandre sutrée, ou en dragée 14 Corinthen 325 Cormeti 348 Cortex Wintheranus 161 Coru 171 Costus amarus, Costus amer, ou Costus Indicus, bitterer Costus 73 Costus Arabicus, ou Arabique, arabischer Co- stus 73 Costus blanc, Costus Corticus, ou Costus Cor- ticosus, Costus albus, weisser Zimmt 161 Costus blanc, Costus albus, weisser Costus 74 Costus doux, Costus dulcis, suͤsser Costus 73 Costus Indicus, indianischer Costus 161 Cotignat d’Orleans, Qvittenbast von Or- leans 121 Cotinus Plinii, 147 Cotton, Baumwolle 307 Cotton en laine, \& Cotton filé 309 Coulevrée, 69 Coult, Coult 133 Cravo de Marenhan 163 Cremor \& Crystalli Tartari, Cresme, ou Cristal de Tartre 331 Creta Marina, ou Creta Marine 14 Creutzbeerensafft 454 Cristal de Tartre Chalibé, Crystalli Tartari cha- lybeati 332 Cristalin, Crystallin 213 Crithmum 14 Crocomagma 226 Cubeben, Cubebes 249 Cuculi di Levante 281 Cumin, Cuminum 11 Curcuma, Curcuma 79 Cuscute 235 Cyclamen, ou Pain de Pourceau, Schwein- brodwurtz 108 Cynoglossum, ou Langue de Chien, Hunds- zunge 200 Cyperus longus 81 Cyperus rotundus 80 Cyprisch Holtz 129 Cyprus ou Alcanna 199 Cyprusoͤl 199 D. D Archeni 155 Dattes, Datteln 275 Daucus Creticus 9 Destillirte Oele 236 Diacodium simplex, vel Opium nostras 444 Diacodium compositum ib. Diagrede, ou Scamonée Diagredé, Diagrydium 436 Dictame blanc, Dictamnus albus, weisser Dip- tam 89 Dictame de Crete, ou Candie, Dictamnus Cre- ticus 171 Dictame de la Virginie, Dictamnus Virginia- nus 59 Di- Register zum Ersten Theil Diptam, weisser 89 cretischer 171 Diringo 108 Dorff-Weyrauch 380 Doronic Romain, on Doronium Romanum, Gemsenwurtz 86 Doucette ou Sirop de Sucre 116 Drachenblut, indianisches 389 als kleine Tropfen 390 in Rohr und Schilff 390 aus den Canarischen Jnseln 389 falsches 391 Draco, Draco, oder Drachenbaum, von dem das Drachenblut kommt 389 . 392 Dragées de toutes sortes 120 Drak, ou Drakena 59 Dreyfaltigkeitsblume 239 E. E Au de la Reyne d’Hongrie 232 Eau de Naphe, ou de Fleurs d’Orange 303 Eau de Vie, Branntwein 328 Ebeine noire, Ebenholtz, schwartzes 150 Ebeine rouge, ou grenadillé, rothes 150 Ebeine verte, gruͤnes 150 Eberwurtz/ schwartze 92 weisse 91 Ecarlatte, Scharlach, woraus er in Tuͤrckey gemachet wird 348 Eiche 343 die in Tuͤrckey die Bazgendge traͤgt 347 Eicheln 345 Eicheloͤl 345 Eichenmistel 343 Eichenmoos 346 Eisenhuͤtlein 89 Elæosacçharum Cinnamomi 159 Elaterium 456 Elaterium album 456 Elephantenlaͤuse 271 Elkarie 263 Ellebore blanc, ou Elleborus Albus 83 Ellebore noir, ou Elleborus niger 85 Email en tablettes 215 Encens blanc, ou Galipot, weisser Weyrauch 425 Encens commun, ou Encens de Village, gemeiner oder Baurenweyrauch 426 Encens de Moca, des Indes, ou de la Compagnie 402 Encens de Village 380 Encens du Liban 399 Encens marbré ou madré 425 Encens mâle ou Oliban 399 Engelsuͤß von Eichen 344 Englisch Holtz 149 Entzian 87 Enula Campana 108 Epenides, V. Alphœnix 117 Epheugummi 395 Epices blanches 76 Epices d’Auvergne 246 . 247 Epices fines 247 Epine-Vinette, Berbisbeeren 121 Epithym, Epithymum 235 Eponges, Meerschwaͤmme 202 Equisetum 352 Erbsen/ rothe americanische 134 Escavisson 156 Esprit de Vin, 330 Esquine 103 Esula, Esule, Wolffsmilch 81 Ethiopischer Pfeffer 253 Euphorbe, Euphorbium 399 Extracta 456 Extractum cucumeris asinini ib. Hellebori nigri ib. Pæoniæ ib. Eydechsenschwantz grosser/ ein Baum 253 F. F aͤrberbaum 193 Faͤrberroͤthe 101 Fagara Avicennæ 282 Fahrenkraut 215 Faufel, oder Areca, 352 Feigenbaum, grosser/ stachlichter indianischer, mit blutrothen Fruͤchten 33 Feigen und deren Sorten 339 Feldkuͤmmel 9 Fenchel 11 wilder 13 Fecula Bryoniæ, 70 Fecula Iridis 78 Fecula Mechoacannæ 68 Fenoüil 11 Fenoüil de Florence 14 Fenoüil Marin 14 Fenoüil Sauvage 13 Fenoüil Tortu, ou Aneth 93 Fenoüil Tortu, ou Fœniculum Tortuosum 5 Fenugrec 21 Fernamboucholtz, Bresil de Fernambouc 143 Ferula Galbanifera 385 Féves, Bohnen, Schminckbohnen 20 Fieberrinde 163 Figues, 339 Fil de Guibray 309 Fimpi 161 Flambe 77 Flachsseide 235 Fleischleim 397 Fleur d’Esquinant, ou de Jonc odorant 217 Fleurs de Benjoin, Flores Benzoës 376 Fleurs de la Trinité 239 Florée d’Inde 192 Flos siliquæ 281 Fœniculum contortum 93 Fœniculum tortuosum 5 Fœnum græcum 21 sanctum 22 Foliorum Sennæ Extractum 182 Folium Indum 173 Folliculi Sennæ 179 Foudres, was es sind 329 Fougere 215 Franckfurter Pillen 446 Frantzosenholtz 139 Rinde 140 Frauenhaar/ und dessen Sortene 184 M m m 2 Fraxi- Register zum Ersten Theil. Fraxinella, Fraxinelle, weisser Diptam 89 Freßpillen 446 Frucht des indianischen Holtzes 148 Fruͤchte 241 . seqq. Fructus Anda Pisonis 352 Fuchsbart 371 Fuͤnfffingerkraut und Wurtz 82 Fustel 147 G. G Alanga Major, groͤssere Galanga 79 Galanga Sauvage, wilder runder Gal- gand 80 Galbanum/ Galbanum 385 Galgand/ egyptischer 79 flandrischer 79 groͤsserer 79 kleinerer 79 wilder 79 langer 81 runder 80 Galipot/ Galipot 425 Galipot/ Americanischer/ Galipot de l’ Ameri- que 393 Galipot/ weisser 427 Gallaͤpffel/ Galles, ou Noix de Galles, und un- terschiedne Sorten 345 stachlichte, Galles à Pépine 345 Gamelo 417 Garance, Faͤrberroͤthe und deren Unter- schied 101 . seq. Garn von Guibray 309 zu Dochten 310 Gartencorall 253 Gaude, ou Herbe à jaunir 192 Gayac, Gayacan 139 Gayac de France, Frantzoͤsischer Guayac 139 Geigenhartz 433 Gelbholtz 147 . 148 Gemsenwurtz 86 Genette, Genette 322 Gentiana, Gentiane, Entzian 87 Gerberbaum 193 Germandré, ou Chamædris 200 Gerstengraupen 19 Giftheyl 89 Gingembre, Jngber 75 Gingembre Confit, eingemachter Jngber 76 Gingembre Sauvage, wilder Jngber 76 Ging Ging aus der Tartarey oder China 108 Ginst/ kleiner 192 Girofle, Naͤglein, Wuͤrtznaͤglein 255 Girofle Confit, eingemachte 257 Girfle en Poudre, gestossene 258 Girofle Royal, Koͤnigs- oder Kronen-Naͤg- lein 257 Glasgalle 213 . 214 saltz 213 schaum 213 schmutz 214 Glaucium 441 Glayeul 77 Glycyrrhiza, Reglisse, Suͤßholtz 105 Glu d’Alexandrie, Alexandrinischer Vogel- leim 275 Goldverniß 433 Gomme Achantine, ou d’Acacia d’Egypte 365 Gomme Adragan, ou Tragacanth 371 Gomme Alouchi 162 Gomme Ammoniac 387 Gomme Animée 393 . 403 Gomme Arabique, Thebaique, Saracene 365 Gomme Caragne, ou Caregne 395 Gomme Copal 401 Gomme Copal de l’ Amerique 403 Gomme d’Acacia d’Egypte 365 Gomme d’Angleterre 367 Gomme de Cedre, ou Manne Masticine 362 Gomme du Perou 363 Gomme du Senega 367 Gomme Ederæ, ou de Lierre 395 Gomme Elemi en Roseaux \& autres sortes 392 Gomme en oreilles 407 Gomme-Gutte, Gomme Gutte-Gambe, Gamboi- de-Gamandre, Gutte-Gemou, Gutte- Gomme 363 Gomme Lacque, naturelle, ou en bâtons 405 Gomme, ou Resine de Pin 425 Gomme de Genevrier, ou Vernix sec, ou en lar- mes 141 Gomme Sagapenum, ou Seraphin 385 Gomme Saracene 360 Gomme Seraphin, ou Sagapenum 385 Gomme Tacamacha 393 Gomme Tacamacha Sublime, ou en Coque, en Masse, \& en Larmes 393 Gomme Thebaîque 365 Gomme Turique, ou Turis 367 Gomme Vermiculée 367 Goute, ou Angoure de Lin 235 Gotin 290 Gottes Gnad 180 Goudran, ou Bray Liquide 431 Goudran, Zopissa, ou Poix noire 431 Gourre \& Gourreurs 424 Goute 235 Graͤntzbaum 452 Grain de Tilli 291 Graine d’Avignon 25 Graine d’écarlatte 39 Graine de Girofle 148 Graine jaune 25 Graine de Musc, ou Ambrette 29 Graine de Paradis 46 Gramen, ou Chiendent 108 Granadillenholtz 134 Granataͤpfel 228 Granatbluͤten 228 Granatenschalen 228 Granaten-Conserve, falsche 229 Grana Tinctorum 39 Granum Avenionense 25 Granum Gnidium vel Coccus Gnidius 83 Gratiola, vel Gratia Dei 180 Gravelée, ou Cendre Gravelée 337 Gravelle de Lyon 330 Gre- Register zum Ersten Theil. Grenad e s 228 Griesholtz 133 Groisin 216 Gros Bois de Sapan, ou gros Bresil de Japon 144 Gros Pignons de Barbarie, gros Pignons d’Inde, ou de l’ Amerique 292 Gros Pignons d’Inde de deux autres especes 292 Gros Verdun 124 Grosse Terebenthine, ou Terebenthine commune 427 Gruau, und andere dergleichen Gesaͤmig 20 Guadeloupe Rosenholtz 129 Guajac, Frantzoͤsischer 140 Guajaci ligni Extractum, Oleum, Resina, Sal, Spiritus 140 Guesde, ou Pastel 191 Gummi, allerhand Gattungen 353 . seqq. -- -- Alouchi 162 -- -- Arabisches 365 -- -- Elemy im Rohr 392 -- -- Englisches 367 -- -- Gutti, Gummi Gutta 363 -- -- innlaͤndisches 371 -- -- Lacca 405 -- -- von der Egyptischen Acacia oder Schotendorn 395 -- -- von Turis 367 -- -- von Senega 367 Gummi Achantinum 365 - - Ammoniacum 387 - - Animæ 403 - - Carannæ 395 - - Copal 401 - - Elemy und Sorten 391 - - Gutta 363 - - Hederæ 395 - - Peruanum 363 - - Sagapenum 385 - - Saracenicum 365 - - Serapinum 385 - - Thebaicum 365 - - Tragacanthæ 371 - - vermiculatum 367 Gutta Gamba, Gamboidea, Gamandora, Ge- ma, Gemau 363 Guy de Chesne 343 H. H Aarpuder, allerhand Sorten 346 Habergruͤtze 20 Harame/ Harame 393 Hartzpech 429 Haselnuͤsse 342 Haselwurtz 103 Heiligen Geist Wurtz 85 Heiliges Kraut 195 Heliotropium tricoccum 193 Helleborus albus, weisse Nieswurtz 83 - - niger, schwartze Nieswurtz 85 Herbe à la Reyne 195 Herbe de S. Jean, ou Armoise 200 Herbe jaune, ou Gaude 192 Herbe-Sainte 195 Hermodactylen/ Hermodates 271 Herniaria, ou Turquette 201 Hertzogspulver 262 Heydelbeeren 25 Hingt/ Hingt 383 Hippolapathum 64 Hirse 20 Hirundinaria 60 Hivorahé 171 Hoͤltzer 123 Holtz aus Jamaica 145 Houatte ou Houette, Houatte 309 Huile des Herbes 428 Huile noire de Tartre, ou par la cornue 333 Hundskohl 309 Hypocistis, ou Hypochiste 447 I. J Amacaru, Jamacaru 37 Jalap, Jalappe 65 Jalappæ resina vel magisterium, Jalappen- hartz 66 Jalappen-Pulver 66 Jasminholtz 133 Imperatoire, Imperatoria, Meisterwurtz 87 Inde \& Indigo, Jndich und Jndigo, und dessen Bereitung 187 Jndich, schwimmender 189 - - Serquisse 187 - - von Agra, wie Castanien gestalt 189 Jndichblume 192 Inde commun 215 Inde en Marrons, ou Indigo d’Agra 189 Inde Flottant, Inde Plat, ou Inde Serquisse 189 India, ou Odia 365 Jndianische Nuß 278 Jndianische Nuͤßlein 293 Jndianischer kleiner Narden 238 Jndianisches Blatt 173 Jndianisches Holtz 145 Jndianische Wurtzel, wider die Ruhr 53 Jndich/ siehe Inde. Jndigo 189 Indigo Gatimalo, Jndigo Guatimalo 190 Indigo de la Jamaique, Jndigo von Jamai- ca 191 Indigo de S. Domingue, Jndigo von S. Do- mingo 190 Indigo des Isles, Jndigo aus den Jnseln 191 Jngber 75 - - eingemachter 76 Johanns-Oel 420 Jonc Odorant 217 Jpecacuanha, Americanische 56 - - Brasilianische 56 - - schwartzlichte 58 Ipecacuanha blanc, weisse Jpecocuanha 55 Ipecacuanha, brun \& gris, braune und graue 54 Iris de Florence, Iris Florentina 77 Iris Nostras 77 Iridis fecula 78 Isatis 191 Jubisrosinen 327 Judasoͤhrlein 351 Jungfernoͤl 313 Jungfernmilch 379 Jue Musqué 200 M m m 3 Jujubes Register zum Ersten Theil. Jujubes 273 Juniperus 141 K. K Agne 20 Kali, Kali 209 Kastanien 342 Kastenzucker 111 Katzenzagel 351 Kermen oder Kermes/ Kermen ou Kermes 39 Kinquina 163 Kinquina d’Europe, Europaͤische Quinqui- na 88 Koͤniginkraut 195 Koͤnigsnaͤglein 257 Kohl/ Frantzoͤsischer wilder 18 - - Flandrischer 18 - - - - - - wilder 17 Korn von Avignon 25 Koüan, ou Choüan 5 Kraͤhenaͤuglein 277 Kraͤuteroͤl 428 Kraftmehl 21 Kramkuͤmmel 11 Krebskraut 193 Kronennaͤglein 257 Kuͤhlende Samen 49 Kuͤhnrus 432 Kuͤmmel/ Ethiopischer 7 L. L Acca an oder auf Roͤhrlein und Stoͤck- lein 405 . 406 - - Colombina 39 - - feine 38 - - fluͤßige 146 - - granulirte oder koͤrnichte 407 - - natuͤrliche 405 - - platte 407 - - Venedische 39 Lacque Colombine ou Platte 39 Lacque en Graine 407 Lacque en Oreilles 407 Lacque fine ou de Venise 38 . 39 Lacque Liquide 246 Lacque Platte 407 Laͤuskraut 29 Lait Virginal, Lac Virginis 379 Lalé Vitsie 243 La Marie 209 Larix 347 Lasur 213 Laudanum Opiatum 443 Laudanum, ou Extrait d’Opium 443 Laurier Aromatique, ou des Indes 146 Lentiscus, Lentisque, Mastixbaum 135 Lerchenbaum 347 Lerchenschwamm ib. Letterhout 150 Levantische Asche 215 Lichtholtz 131 . 133 Lichtzieher in Paris fuͤhren einen Proceß mit den Specereyhaͤndlern 315 Licyum 5 Lycium aus Jndien und Candien 456 Liege 169 Liege blanc 170 Liege noir, ou d’Espagne, 170 Lignum Colubrinum Zeilanicum 279 Lignum indicum 139 Lignum nephriticum 133 Lignum sanctum 139 Ligustrum Ægyptiacum, ou Troesne d’Egypte 200 Liqueur de Syrie 384 Liqueur ou Terebenthine de Cedre 142 Liquid-Ambar, Liquidambra 419 Liquid-Ambar Balsam 420 Liquiritia 105 Lit Emanghits 162 Litternholtz 150 Lorbeer oder Lorbeerbaum indianischer 146 . 147 Lorberbeeren 321 Lorberoͤl 321 Lucerre 21 Lumignon, Dochte 310 Lunte 310 Lutea, Luteola 192 Lutzienholtz 149 M. M Acaron 20 Macer 171 Macis, Macis 261 Magisterium Coralliorum, Magistere de Corail 205 Magisterium Jalappæ vel Resina, Magistere ou Resine de Jalap 66 Magisterium Tartari 335 Magalep, Mahalep 25 Malabatrum 173 Maldivische Nuß/ indianische Giftnuß 278 Mallasses 115 Mandelbiscotten/ bittere 300 Mandeln bittere und suͤsse 295 - - geschaͤlte 120 - - glatte 120 - - in Schalen oder Florentiner 298 - - spanische 120 Mandeloͤl, bitteres 298 - - - suͤsses 297 Mandelkleyen und Kuchen 300 Maniquette, ou Graine de Paradis 45 . 46 Manna/ Manne, und deren Sorten 357 Manna aus Levante und Syrien, Manne Masticine du Levant ou de Syrie, Manna Mastichina 362 Manna/ fluͤßige/ Manna liquida, Manna liqui- de 363 Manna, himmlisches, Manne celeste 353 Manna Mastichina Cedri, Mastixmanna, Manne Masticine ou du Cedre 141 Manna thuris, Manne d’Encens 401 Manna vom Berg S. Angelo, Siciliani- sche Manna, Manna von Tolfa, Manne du mont saint Ange, Manne de Sicile, Manne de Tolfe 359 Manna von Brianson, Manne de Brian- çon 361 Marmelholtz 129 Ma- Register zum Ersten Theil. Maronen/ Marons 341 Marons glacez, uͤberzogene Maronen 344 Maroquins, schwartze Rosinen 327 Marube blanc, ou Pratium Album, weisser An- dorn 200 Marum 173 Mastic en Larmes, Mastixtropfen 135 Mastixbaum 135 koͤrner oder Tropfen 135 Manna 141 Maßlach der Tuͤrcken 441 Mecaxuchitl 252 Mechoacan, Mechoacanna, Mechoacanna 67 Mechoacannæ lac vel fecula 68 Meconium 441 Medica 22 Meerkohl 185 Meerschwaͤmme 207 praͤparirte 208 Meerzwiebeln 207 Mehon, Meum, ou Meu 93 Melaguetta 148 Mel anacardinum 272 Melaquette 46 Melasse de Sucre, ou Malasses 116 Melesse ou Meleze 347 Melilot, Steinklee 200 Melisse, Melisse 200 Membroni Cini, ou Racine de Membroni Cini 108 Mens, Messe, ou Mungo 49 Mentha hortensis corymbifera, Garten- muͤntze 74 Menthe, Muͤntze 200 Mere de Girofle, ou Clou Matrix 256 Meslac des Turcs 441 Metaquesunnauk 37 Meu, Meum 93 Meurtes 26 Mil, ou Millet, Hirse 20 Mille-Fanti 20 Mille-Pertuis, Johannskraut 200 Miltzkraut 200 Mine d’Or 53 Mirabilis Peruviana, ou Belle de Nuit 65 Mirabolanen, Mirabolans Belleris, Bellirici, Bellirische 287 Mirabolans Emblis, Emblici, aschfarbene 287 Mirabolans Chepules, ou Quibus, schwartz- braune 287 Mirabolans Citrins, citrini, gelbe 285 Mirabolans Confits, eingemachte 285 Mirabolans Indiens, indici, indianische 287 Mithridat/ Mithridat 349 Mohn/ stachlichter 441 Mohrenpfeffer 253 Morcheln/ getreugte, Morilles seches 350 Mosc 29 Moscovade Grise 112 Mousse Marine, 205 Mousserons Confits, eingelegte Schwaͤmme 350 Muͤnchs-Rhabarber 64 Mungo 49 Muscade, Mußkaten, und deren Unterschied 259 . seqq. Muscades Consites, eingemachte Mußkaten 262 Mußkatenblumen 261 Mußkatnuͤsse 259 wilde 262 Mußkatenoͤl destillirtes 264 geprestes 23 Muscovade 115 graue 112 Mutternaͤglein 256 Mutterzimmt 159 Myrrha Stacte, ou Electa Stacte, Myrrha 383 Myrrhe Abyssine, Abyßinische 381 Myrrhe Animée 406 Myrrhe Onglée 382 Myrrhæ spiritus, oleum \& tinctura 383 Myrrhenoͤl im Keller geflossen/ Myrrhæ oleum per deliquium 382 Myrtenbaͤumlein 27 beeren 25 Myrtes 25 Myrtilles 23 N. N Achtschatten, Mexicanischer, so fuͤr die Jalappe gehalten wird 65 orientalischer 279 Naͤglein 256 eingemachte 217 kleine runde 250 oͤl 258 Naͤgleinholtz 161 Naͤgleinkorn 148 Naͤgleinnuß 250 Nard Celtique, Celtischer Narden 238 Nard de Montagne, Bergnarden 237 Nard Indique, indianischer Narden 237 . 238 Nard Sauvage, ou Cabaret, Haselwurtz 103 Natterwurtz 94 Virginianische 59 Naveau, ou Navet Sauvage, wilde Ruͤben 15 Nelckenzimmt 161 Neroli 303 Nicotiana, Nicotiane, Tabac 195 Nielle ou Nigelle Romaine, Nigella Romana 47 Nieswurtz, schwartze 85 weisse 83 Nisi, Nisi, ou Racine de Nisi 108 Noir d’Allemagne 339 Noir d’Espagne 171 Noir de Fumée 432 Noir de Troyes \& autres lieux 340 Noisettes Indiennes, ou Ameriquaines, Ameri- canische oder indianische kleine Nuͤsse 269 Noix Aromatiques, Mußkatnuͤsse 259 Noix Consites de Roüen, Nuͤsse von Rouan/ Rouanische eingemachte Nuͤsse 121 Noix de Coco, ou de Maldives 278 Noix de Girofle, ou de Madagascar 250 Noix d’Inde, vid. Coco, Areca, ou Muscade 269 Noix Vomiques 277 Nompareilles 78 . 119 Nu- Register zum Ersten Theil. Nuces vomicæ 277 Nudeln 20 Nußoͤl 313 Nuß von Madagascar 250 Nux Maldiva 278 Nux Indica ad venena celebrata 278 Nux Moscata, Myristica, ou Aromatica 259 O. O Chsenzungenwurtzel/ constantinopo- litanische oder aus Levante 101 Ocosotl/ Oçoçotl, Baum, von dem der Li- quid-Ambar rinnet 419 Odia ou India, eine Stadt in Jndien 365 Oel, wie zu bereiten 50 von Senega 275 vom hoͤllischen Feigenbaum 299 Oelbaͤume, wilde 391 Ohrengummi, Ohrenlacca 407 Oiselet de Cypre 380 Oleo-saccharum 159 Oleum Cadæ oder de Cade 142 . 143 . 431 Oleum Rhodium, ou Huile Rhodium 130 Oleum Tartari per deliquium 334 Oliban, ou Encens mâle, Olibanum, Olibanum masculinum 399 Oliban, ou Encens des Indes 401 Oliven/ Olives, allerhand Sorten 311 Olivier Sauvage, 391 Opii Extractum sive Laudanum 443 Opium, Opium und dessen Sorten 435 . seqq. Opium de Paris, Pariser Opium 444 gelblicht und weiches 442 schwartzes und hartes 442 Opobalsamum 469 Opoponax 387 Opoponax aplati, ou de la Compagnie, breitge- drucktes/ oder der Compagnie Opo- ponax 388 Opoponax en larmes, tropfichtes Opopanax 387 Opoponax en masse, Opopanax in Stuͤcken 387 Opuntium majus spinosum fructu sanguineo 33 Orangeat en dragée 303 Orangelettes, kleine Pomerantzen 304 Oranges douces \& aigres, suͤsse und saure Po- merantzen 301 Orcanette, rothe Ochsenzungenwurtzel 99 Orcanette du Levant, ou de Constantinople, Och- senzungenwurtzel aus Levante oder aus Constantinopel 101 Orejevalla soll eine Blume seyn 268 Oreilles de Judas 350 Orge Mondé, Gerstengraupen 17 Origan, Wolgemuth 200 Orisel, ou Sereque 192 Orlean/ Orleane 451 Orseille d’Hollande, hollaͤndische Orseille, hart und weich 193 Orseille de Lyon, Orseille von Lyon 196 Osterlucey/ Osterluzey kleine 96 lange 95 mit vielen Wurtzeln 96 runde 95 Oüate, Houatte 303 Ourdon, Ourdon, oder Staub von Sennes- blaͤttern der Hausirer 179 Outremer d’Hollande 215 Oxycedrus, Oxycedre 141 P. P Ain de Pourceau, ou Cyclamen 108 Pain de Roses, Rosenkuchen 224 Palay de Canada, eine Wurtzel 108 Palma Christi 291 . 292 Palmoͤl 275 Palo de Calanturas 166 Panaces Heracleum, planta ferulacea, von wel- cher das Opoponax rinnet 257 Pancratium 209 Pantoffelholtz 169 schwartzes oder spanisches 170 weisses 170 Pao d’Aquilla, ou Bois d’Aigle 126 Papier, allerley Papier 312 Paradiskoͤrner 46 Pareira Brava, Pareira brava 83 Passepierre 14 Pastel d’Ecarlatte 42 Pastel, ou Guesde 191 Pastilles á bruler, Raͤucherkertzlein 379 Pastilles de Portugal, Brustkuͤchlein aus Por- tugall 119 Pastilles ou Trochisques de Safran, Saffran- kuͤchlein 226 Pastinacke wilde 9 Pâte d’Amandes, Mandelkuchen 231 Pâte des quatre Semences froides à laver les mains, Kleyen von den vier kuͤhlenden Saamen zum Haͤndewaschen 50 Pature de Chameau 217 Patrez 20 Pavanaholtz/ Pavame 137 Pavana, ou bois des Molucques, Moluccisches Holtz 152 Pech, Burgundisches oder weisses 428 fluͤßiges 431 schwartzes 430 trucknes 429 Pechbalsam 430 oͤl 430 . 431 Penidzucker 117 Pensée, ou menuë Pensée, Veilgen dreyfarbig- te 241 Pentaphyllum, Quinte-feuille, Fuͤnfffinger- kraut 82 Pepins de Coloquinte en dragées, Coloqvinten- kern mit Zucker uͤberzogen 290 Perelle 351 Persil de Macedoine, Macedonische Petersilge 6 Pervanche, ou Clematis Daphnoides, Sinn- gruͤn 200 Peruvianischer Balsam 411 wie derselbige nachzumachen 413 Peruvianische Rinde 163 Petazites, Pestilentzwurtz, Petasites 107 Petersilge Macedonische 6 Petit briquet 196 Petit Galanga, kleinere Galanga 79 Petit Register zum Ersten Theil. Petit Genevre, kleinere Wachholder 143 Petit Girofle rond 250 Petit Poivre Petit Senné 182 Petit Verdun 12 . 13 . 119 Petite Cardamome, kleine Cardamomen 47 Petite Valeriane, kleiner Baldrian 92 Petites dragées 78 Petites Oranges ou Orangelettes, kleine Pome- rantzen 304 Petits Pignons d’Inde, kleine indianische Treib- koͤrner 292 Petroselinum Macedonicum 6 Petun/ Petun 195 Petun à la langue 196 . 197 d’Amazonne 196 . 197 musqué 196 verd 196 Verine 196 . 167 Pfeffer/ ambrirter 244 Americanischer 253 aus Brasilien ib. aus Guinea ib. aus Jamaica 148 ethiopischeꝛ 253 frantzoͤsischer 253 kleiner 24 langer 251 americanischer 251 rother langer Mexicanischer 253 schwartzer langer 253 schwartzer und dessen Sorten 245 spanischer 253 von Mexico ib. von Tabago ib. weisser 243 wilder 243 Pflaumen 341 Phu Ponticum, Phu Pontique 94 Picardans, Picardans/ Picardische Rosi- nen 327 Picholines, \& Paulines, Oliven, welche Picho- lines und Paulines genennet werden 312 Pied d’Alexandre 97 Pierre à Cautere, ou Ruptoire Potentiel, Caute- risirsteine, und deren Unterscheid 338 Pierre de Contra-y-erva, Lapis Contrayervæ 60 Pierres d’Eponges, Schwammsteine 208 Pignons, Pignolas, ou Amandes du Pin, Pignons blancs, ou doux, Pinien 293 Pignos de Barbarie, Treibkoͤrner aus der Bar- barey 292 Pignons d’Inde, Treibkoͤrner aus Jndien und America 289 Pignons en Dragées, uͤberzogene Pinien 120 . 294 Pillules Angeliques, Pillules de Francfort, ou Gour- mandes 446 Pillules de Terebenthine 434 Piment 253 Pimpinelle, die grosse/ Pimpinella sanguisorba, giebt eine Art Concenille 40 Pinien 293 oͤl 294 Pirethre, Pyrethrum, Bertram 97 Pirole, ou Verdure d’Hyver, Pyrola, Winter- gruͤn 185 Pistacien, Pistazien aufgeschlagene oder aus- gehuͤlsete, Pistaches cassées 296 in Schalen Pistaches en cocque 296 uͤberzogene Pistaches en Dragées 120 . 296 Pivoine Mâle \& Femelle, Poͤonienwurtzel, Maͤnnlein und Weiblein 108 Pizacantha 25 Plantæ capillares 183 Syrupus de capillaribus Canadæ. ib. Monspeliensium ib. Plinius Naͤglein 250 Podagra, Podagre 235 Pois vers \& jaunes, gruͤn und gelbe Erbsen 20 Poivre Ambré, ou à la Bergerac 244 Poivre à Queuë, ou Musqué 249 Poivre blanc 244 Poivre de Guinée, und dessen Sorten 253 Poivre de la Jamaïque 148 Poivre du Mexique, de Tabaco, de Bresil, d’Espa- gne, Poivre long rouge des Indes, Poivre de France, Piment, \& Poivre de l’ Ameri- que 253 Poivre de Thevet 249 Poivre long 251 Poivre long de l’ Amerique ib. Poivre long des Indes orientales ib. Poivre long noir 253 Poivre noir 245 Poivre rond blanc, ou noir, 244 . 245 Poivre sauvage, ou petit Poivre 24 Poix grasse, Poix blanche, ou de Bourgogne 428 Poix Navale, Goudran, ou Zopissa 432 Poix Noire 430 Poix Resine 429 Poley aus Virginien 59 Polium Montanum 173 Polixanderholtz 150 Polypode, Polypodium 90 Polytrichum 184 Pomerantzen/ suͤsse und saure 301 kleine, Orangelettes 304 Pomerantzenbluͤten/ eingemachte 303 wasser 303 Pomerantzenoͤl 304 Pomerantzenschalen 303 uͤberzogene 303 Pommes de Pin Pinienaͤpffel/ Fichtenzapfen oder Aepfel 293 Potasse, Pottasche/ ou Vedasse 337 . 339 Pots pourris, was das heißt 380 Pottaschen Saltz und Oel 337 Poudre à Vers 1 Poudre Cornachine ou de Trois 436 Poudre de Chypre, de Franchipane \&c. 346 Poudre Duc 262 Pouliot, Poley 200 Pouliot de la Virginie, Pulegium Virginianum 59 Pratium album, ou Maruble blanc, weisser An- dorn 200 Presle 352 N n n Pro- Register zum Ersten Theil. Provinsrosen 219 Pruneaux, Pflaͤumlein 341 Prunes 342 Pulegium Virginianum 59 Pulvis cornachinus 436 Pumicin 275 Purgir-Biscoten 66 Pyrethre, Pyrethrum, Bertram 97 Pyrola 185 Q. Q Uatre Mendiens 342 Queue à cheval 351 Quinquefolium 82 Quinquina, Quinkina, Quina-Quina, \&c. Qvinqvina 163 Quinquina europaͤische 88 Quinquina/ Weiblein 165 Quinquinæ Extractum \& Sal 166 Quinte-feuille, Fuͤnfffingerkraut 82 R. R Acine Vierge 70 Radix ad contusiones 70 Raisins d’Arc au Ciel 327 Raisins aux Jubis 326 Raisins de Calabre 325 Raisins de Corinthe ib. Raisins de Damas ib. Raisins d’Espagne 327 Rame de Bouc 371 Raquette ou Cardasse, Raqvette 33 Raucherkertzlein 379 Rauchtaͤfflein 379 Raucken 215 Ravendsora, Ravendsara 163 Reglisse, Suͤßholtz 105 Reglisse seche, trucken Suͤßholtz 106 Reiß 17 Rezanuale 290 Rha, Baum, der in den Canarischen Jnseln Drachenblut giebet 390 Rha barbari extractum 63 fal fixum 63 Rhabarber 61 americanische 63 weisse 68 Rha Monachorum, Rhaponticum montanum, Muͤnchs-Rhabarber, Rhapontic de Montagne, ou Rubarbe des Moines 64 Rhapontic de Levant, orientalische Rhapon- tic 64 Rhaponticum Prosperi Albini 64 Rhodiser Dorn 127 Rhus 193 Ricinus, Ricinus/ der Baum der die Grana tiglia traͤgt 291 Ricinus mit der allerkleinesten Frucht 292 mit der groͤsten Frucht ib. mit schwartzen Samen 292 Rinden 151 indianische 162 Rochetta 215 Rocou, Roucou, ou Rocourt 451 Roggen 19 Roquette 215 Rosaire 224 Rosen 220 Conserve 221 Holtz 128 . 129 Honig 221 Kuchen 224 Oel 130 . 224 Spiritus und Zucker 117 . 220 . 221 von Jericho 46 Rosinen, und deren Sorten 325 . seqq. Calabrische 327 Damascenische 325 kleine 325 Picardische 327 schwartze 327 Roses de Provins 219 Rosette 146 Rosmarin, Romarin, 229 Oel 230 Essentz 231 Bluͤten 234 Bluͤtenzucker ib. Samen und Saltz ib. Rothlapp 193 Portugiesischer 40 Tuͤrckischer 39 Roucou 451 Roux ou Rhus 193 Royalzucker der Confiturirer 120 Rubarbe de Dodon, de Prosper Albin 61 Rubarbe de l’ Amerique 63 Rubarbe de Levant 61 Rubarbe des Moines, ou Rhapontia de Montagne 64 Rubia Tinctorum 101 Ruͤboͤl 18 S. S Acchari Spiritus 121 Safflor/ Safran Bâtard 227 Saffran, Safran 223 dessen Sorten 225 Safran d’Allemagne, ou Fleur de Carthame, teutscher oder wilder Saffran 227 Safran d’Espagne, spanischer 226 Safran/ Jndianischer, Babylonischer, oder Malabarischer, Safran des Indes, de Ma- labar, ou de Babylone 79 Safran en Poudre, gestossener 225 Saffrankuͤchlein 226 Safranum 227 Saͤfte 435 . seqq. Saftgruͤn 455 Segapenum, aut Serapinum 385 Sal alcali 211 Salicora, Salicornia, Salicote 210 Salin 213 Saliunca de Naples 108 Salsepareille des Indes \& d’Espagne, Jndianische und Spanische Sarsaparilla 102 Salsepareille de Maregnan, Sarsaparilla von Marignan 103 Sal vegetabile 331 Salvia Vitæ 184 Sa- Register zum Ersten Theil. Sal volatile Tartari 337 Sambaranne/ Sambarame 151 Samen 1 . seqq. Sammtpappel, indianische 29 Sanct Luzienholtz 149 Sandaraca, die wahrhafte 141 Sandaraca Græcorum, Sandarac des Grecs 143 Sandaraca Arabum, Sandarac des Arabes 142 Sandel auf Taffent 132 Sandelholtz, Sandel falscher 132 gelber 130 rother 131 weisser 131 Sandera du Peron 108 Sang de Dragon 389 Sang-Dragon des Canaries 389 Sang-Dragon des Indes, 389 Sang-Dragon en Roseaux 390 Sang-Dragon faux 391 Santal Cittin, blanc \& rouge 131 Santal en Taffetas 132 Santal-Faux 132 Santolina, Santoline, ou Xantoline, Semen-Con- tra 1 Sapanholtz 144 von Bimaes 145 Sarcocolla, Sarcocolle 397 Sariette, Saturey 200 Sarsaparilla, Sarsaparilla, Salsepareille 101 Hollaͤndische 102 Jndianische 102 Moscowitische 103 Spanische 102 von Marignan 103 Sassafras 137 Satyrions Confits, Stendelwurtz, eingemach- te 350 Savon 319 Savon liquide ou Savon noir 320 Savon verd liquide 320 Saururus botrytis 253 Saxafras, ou bois de Cannelle 137 Saxifrage, Saxifragia 9 Scabieuse, Scabiose 200 Scammonium 435 Scammonii resina 437 Scamonée d’Alep, Scammonium von Alep- po 437 Scamonée de l’ Amerique, Americanische Scammonea 67 Scamonée Diagredé 438 Scamonée de Smirne, Smirnisches Scammo- nium 437 Scamonée des Indes, ou de la Compagnie, Jndia- nisches Scammonium/ oder der Com- pagnie Scammonium 439 Schachtelhalm 351 Schafmuͤlle 23 Scharlach, woraus er in der Tuͤrckey ge- macht wird 348 Scharlachkoͤrner 39 Scharte 192 Schiffpech 431 Schlangenholtz 279 Schlangenwurtz 59 . 95 . 107 Schmalte 213 Schmeltz, Schmeltzglas/ allerhand Sor- ten 213 Schwaͤmme 207 Schwammsteine 208 Schwartz, Spanisches 171 Teutsches 339 von Troyes und andern Orten 340 Schwartzkuͤmmel 47 Schweinbrodwurtz 108 Schweitzerhosen 65 Scilles, Squillæ, Meerzwiebeln 207 Scolopendria 183 Scordium, ou Chamaras, Scordien 200 Sebesten/ Sebestes 273 Seiffe, und deren Sorten 319 schwartze 320 gruͤne Hollaͤndische 320 Seigle, Roggen 19 Selimskoͤrner 253 Semencine, Semen-contra, Semen contra ver- mes, Semen Sanctum, Semen Santonicum 1 Semen-contra en Dragées, uͤberzogen 6 Senegré 21 Sené de la Palte, ou d’Alexandrie 179 Sené de Moca, ou de la Pique 180 Sené du Levant 180 Sené de Tripoli, ou de Seide 180 Sennesblaͤtter/ Sennet 179 schlechte 182 spitzige 181 Sennesschoͤtlein 179 . 181 Serapinum 385 Sereque, ou Orisel 192 Sermontain 7 Serpent à Sonnettes, ou Cascavel 60 Serpentaire, ou Serpentine de la Virginie, Serpen- taria Virginiana 59 Serpentaire grande \& petite 94 Serpentina Virginiana 59 Serpolet, Qvendel 200 Seseli de Candie, Seseli Creticum, Seselsamen aus Candien, oder Cretischer 7 Seseli d’Ethiopie, Seseli Æthiopicum, Seselsa- men aus Ethiopien 7 Seseli de Marseille, Seseli Massilionse, Marsi- lischer Seselsamen 5 Seseli des Prés 8 Seseli du Peloponese, ou de la Morée 7 Siberischer Anis 49 Sichelklee 21 Siegelwachs 408 davon wird einer in Franckreich reich 405 Siler montanum 7 Sinesisch Holtz 150 Sinngruͤn 200 Sirop de Sucre, Syrup vom braunen Farin 116 Siseleos 5 Smilax Aspera 102 Solane Orientale 281 Solanum Mexicanum 65 N n n 2 Sol- Register zum Ersten Theil. Soldanelle ou Chou Marin, Soldanella 105 Sorbec d’Alexandrie, Sorbait 302 Souchet d’Angleterre, ou de Flandre 80 Souchet des Indes, de Malabar, ou de Babylone 79 Souchet long, ou Cyperus 81 Souchet rond, ou Cyperus 80 Soude, Suda und ihre Arten 209 Soude de Bourde \& soude de Varecq, sind schlech- te Sorten 211 Specacuanha 53 Spicnard, Spicanard, und dessen Sorten 237 . 238 Spicoͤl 234 Spiritus Tartari 333 Spiritus Vini 330 Spitze aus Aloe gemacht 445 Springkoͤrner 292 Squenanthe, Squinanthe 217 Squillæ 207 Squine, ou Esquine, Chinæ radix, Chinawur- tzel 103 Stabwurtzsamen 1 Stacté ou Stacten, fluͤßige Myrrhe 383 Stacté en larmes, Stacte in Tropffen 381 Stacté en Onguent ou artificiel 384 Stacté ou Myrrhe liquide, fluͤßige Myrrhe 383 Staphisagria, Staphisagre 29 Staͤrcke 21 Stecananthe 217 Steckruͤbe/ rechte wilde 69 Steckruͤbensamen 15 Steinbrech 9 Steine/ die in den Schwaͤmmen gefunden werden 208 Steingunderman 104 Steinraute aus Canada 183 von Montpellier 183 Stercus Diaboli 384 Stielwurtz 69 schwartze 70 Stil de grain 26 Stœcas Arabique, Arabischer Stoͤchas 229 Stœcas Arabique blanc, weisser Arabischer Stoͤchas 230 Stœcas Citrin, Stœchas citrina 230 Stoͤchaskraut 229 Storax, Storax/ rother 377 calamitæ, en larmes, tropfichter 377 Kuchen 378 liquida, fluͤßiger 379 Succus acaciæ veræ 449 Hypocistidis 447 Mediæ 384 Syriacus 384 Sucous Concretus 446 Suc de Medie, ou Syriniac 384 Sucre, Zucker/ welchergestalt er aus den Roh- ren gezogen wird 109 Sucre Albasur \& Alkaser 114 Sucre Candi blanc 115 Sucre Candi roux 117 Sucre de la Chypre 115 Sucre de Madere 114 Sucre de Mambu ou Tabaxir 114 Sucre demy-royal 113 Sucre d’Orge 117 Sucre d’Orge blanc 117 Sucre de sept livres 113 Sucre des Isles atteré, Kastenzucker 101 Sucre Rosat 117 Sucre rouge, ou Chipre 116 Sucre royal 113 Sucre tors 117 Suda 209 von Alicant 210 von Bourde 211 von Cartagena 211 von Cherbourg oder Vareq 211 Suͤßholtz/ trucknes 106 safft 105 von Blois 107 weisser 107 Suif de Verre 214 Sumac de Port-en-Port, Sumach 193 Sumac rouge 194 Suye d’Encens 401 Syrup von braunen Farin 116 Syrupus hydragogus oder Rhamni cathartici 455 T. T Abac/ Tabac, dessen Sorten und War- tung 195 . seqq. Tabac en Corde \& en Poudre, de toutes sortes, allerhand Arten gesponnener Tabac und Schnupftabac 195 . 196 Tabacs Bau und Wart 197 Tabacs schwartzes Oel, liquor und Saltz 199 Tabaxir, ou Sucre de Menbu 114 Tacamahaca, Tacamahaca 393 en coque oder sublimis 394 in Stuͤcken und Tropfen 394 Tagliani 20 Tamalapatra, Thamalapatra 173 Tamarinden/ Tamarins 285 eingelegte Tamarins Confits 286 von Senega/ Tamarins du Senega 286 Tamarindenkuchen 286 Tamaris, ou Tamarise, Tamarisken. Becher- lein/ Faͤßlein und Schalen, Holtz, Rin- de und Saltz 137 . 138 Tapsie, ou Tapsia blanche 72 Tapsie noire 72 Tara/ was es heißt 318 Tare, Goudran, ou Bray liquide 431 Tartarus, Tartre blanc \& rouge, Weinstein 329 Tartarus chalybeatus, Tartre Chalybé 331 Tartarus emeticus, Tartre Hemetique 333 Tartarus martialis, vel Crystalli Tartari chaly- beati, Tartre Martial, ou Cristal de Tartre Chalybé 331 Tartarus solubilis, Tartre Martial soluble 331 Tartarus solubilis, Tartre soluble 331 Tartarus vitriolatus, Tartre Vitriolé 335 Tasses, Barils, \& Gobelets de Tamaris 137 . 138 Teinture de Benjoin, Lac Virginis, Jungfer- milch 379 Tein- Register zum Ersten Theil. Teinture de Sel de Tartre 335 Tembul ou Betel 199 Terebinthina, Terpentin/ Terebenthine 419 Terebinthinæ essentia, oleum und spiritus 427 Terebenthine commune, ou grosse Terebenthine, Terpentin gemeiner, schlechter 427 Terebenthine cuite, ou Colophone, Colopho- nium, oder gekochter Terpentin 434 Terebenthine de Bayonne, ou de Bordeaux 419 Terebenthine de Cedre, Terebinthina Cedri 142 Terebenthine de Chio, Terpentin von Chio 421 Terebenthine de Venise, Venedischer Terpen- tin 422 Terebenthine du bois de Pilatre, aus dem Holtze bey Pilatre 422 Terebenthine fine, feiner Terpentin 423 Tereniabin 363 Terpentinpillen 434 Terra-Merita, Terra merita 79 Terra-Merita rouge, rothe Terra merita 79 Teuffelsdreck 383 Thapsia, Thapsia, schwartze 72 weisse 72 Thé, Thee 175 Theeblume 175 Theer 431 Thinca-Radoi 257 . seqq. Thlaspi, Baurensenff 7 Thora Major, Thore, groͤssre Thora 90 Thus-Liban, ou Encens du Liban 399 Thuya, ou Arbre de Vie 128 Thymelæa, Thymelée 83 Thymseide 235 Tinctura Tartari 335 Tlapalcypatly/ Thlapalcypatly 133 Tollkoͤrner 279 Tormentilla Sylvestris, Tormentille, die wil- de 93 Tornesol de Constantinople, Rothlapp Con- stantinopolitanischer 39 Tornesol de Portugal, ou Tornesol en Cotton, Rothlapp oder Portugallischer Tur- nesol auf Coton 40 Tornesol en Drapeau, Tornesol auf Lappen 193 Tornesol en Pain, Tornesolbrode 194 Tornesol en pâte, ou en pierre, steinharte Tor- nesol 193 Tornesol fin en Drapeau, Rothlapp 39 Tragant 371 Treibkoͤrner 289 aus der Barbarey 292 indianische 292 Trochisques, ou pastilles de Safran 226 Truffes, ou Truffles 350 Tunal, ou Opuntium 33 Turbith, Turbit/ Turpethum 69 Turbith gris, grauer Turbit 72 Turbit, weisser 184 Turpeti extractum 72 Tuya 128 V. V Aleriana Major, Grande Valeriane, grosser Baldrian 91 Valeriana minor, Petite Valeriane, kleiner Baldrian 92 Vanillen/ Vanilles 269 Balsam 270 Vao Ravendsara 163 Uberzogene Sachen 119 Naͤglein 164 Vedasse, Potasse, ou Gendasse 340 Veielwurtz 77 Veilgen 239 Veilgenkrautwurtz 77 Veratrum album 83 Veratrum nigrum 85 Verd d’Iris 78 Verd de Vessie 455 Verdun gros \& petit 119 . 120 Veretre 83 . 85 Vermicelli 20 Vermichel blanc \& jaune 20 Verniß 433 Verniß, chinesischer, Vernix à la Bronze, ou de la Chine 433 Vernix blanc, ou de Venise, Venedischer oder weisser Verniß 433 Verniß, gemeiner, schlechter/ Vernix Com- mun 427 . 434 Verniß von Weinspiritus, Vernix d’Esprit de Vin 434 Vernix Doré, Goldverniß 434 Vernix siccatif, truckner Verniß 433 Vernix, ou Gomme de Genevrier, trockner Ver- niß 143 Verre soufflé, ou brillant, geblasen und glaͤn- tzend Glas 214 Violbraunholtz 149 Vigne blanche ou noire 69 . 70 Vigne sauvage, ou batarde 85 Vitis alba \& nigra 70 Vitis idæa 30 Ultramarin, gemeines 215 hollaͤndisches 215 Ungarisch Wasser 232 Vogelleim, Alexandrinischer 275 gemeiner 275 Vogelnest 9 Violes 239 Viperina, Viperine, ou Serpentaire Virginienne 59 Visnagua, ou Bisnagua 49 . 239 Vitex 23 Voafutra 390 Urucu, Urucu, ou Achiotl 451 Uray Sandarac 141 Usnea, Usnée de Chesne 346 W. W Achholder/ grosser 141 kleiner 143 Gummi, Oel, Saltz/ Saft oder Ex- tract, Spiritus und Wasser 141 . 142 . 143 Wachs, indianisches 408 Waid 191 Wau 192 Wein, allerhand Arten 328 N n n 3 Wein- Register zum Ersten Theil. Weingeist 330 Weinstein/ roth und weisser 329 mit Stahl zugerichtet 331 Weinsteincrystallen 331 Saltz, fluͤchtiges 339 Tinctur 335 zu destilliren 334 Welsche Heydelbeeren 25 Wermuth/ groß und klein 200 Weyrauch 399 indianischer 402 von Mocca 401 Weyrauchrus 401 Wiesenkuͤmmel 9 Winde/ die groͤste Jndianische 71 Wintergruͤn 185 Wolffsmilch 81 stangulirende und toͤdtliche 90 Wolgemuth 200 Wurmsamen, Wurmpulver 1 uͤberzogener 2 Wurtzel Agriocynera 73 Brasilianische 56 Chiai Cattai 108 Coq de Jardin 74 Membroni lini 108 Nisi 108 Palay aus Canada 108 zum unterlauffenen Gebluͤte/ ad contusio- nes 70 Wurtzeln 51 und Zwiebeln, allerhand 350 Wuͤrtzlorbeer oder Lorbeerbaum 146 . 147 Wuͤrtznaͤglein 255 eingemachte 257 X. X Antolina, Xantoline 1 Xylo Balsamum 409 . 410 Y. Y Oli 196 Z. Z Aunruͤbe 70 Zedoare, Zedoaria, Zittwer 76 Zerumbeth, Zerumbet 76 Zibeben 325 Zimmt 151 Essentz oder Quintessentz 158 Extract und Saltz 160 oͤl 155 syrup 159 weisser 161 Zingi, Zingi, ou Anis des Indes 152 Zingiber flore clavato 75 Zitronat 302 Zitronenoͤl 301 Zitronensaft 302 Zittwer 76 Zopissa, Goudran, ou Poix Navale 431 Zucker/ brauner 115 demy-royal 113 gewundner 117 koͤniglicher 113 maderischer 114 Palm- 113 Penid- 117 Rosen- 117 von sieben Pfunden 113 weisser Gersten- 117 Zuckerbrode/ kleine 114 Zuckerkant/ brauner 117 weisser 115 Zuckerkoͤrner 78 Zuckeroͤl 121 Zuckerrohr 109 wie der Zucker aus den Zuckerrohren ge- zogen wird 109 Zungen-Petun 197 Register Zu dem Andern Theile Der Spezereyen und Materialien Hauptbeschreibung, Welcher Begreiffet die Thiere, so auff der Erden leben, das Gefluͤgel, die Thiere/ so allein im Wasser leben, wie ingleichen, welche sich zugleich im Wasser und auf dem Lande aufzuhalten pflegen, die kriechenden Thiere, das Gewuͤrme, die Schnecken und die Muscheln: nicht weniger dererselben Theile, Excrescentias und Auswuchs/ auch an- dere Dinge mehr, die von ihnen genommen werden/ als da ist, die Seide, die Wolle, das Haar/ die Federn/ das Blut, Fett und Schmaltz, Unschlitt/ Wachs und Ho- nig, samt andern noch mehr. A. A Beilles, Bienen 535 Adler/ Adlerstein 529 Affenbezoar 476 Aigle 529 Alcyon, Martinet, ou Alcyon de France 533 Alcyons des Indes, indianische Eisvoͤgel 533 Ambra, grauer, Arabre gris 552 Ambra, schwartzer 558 Ambra/ weisser, Ambre blanc 558 Ambra von Bayonne/ Ambre de Bayonne 558 Amberessentz 558 Ambre Renardé, Fuchsamber 558 An- Register zum Andern Theil. Anchoix, Anchovies 605 Antalé, ou Entalia 629 Antispode, Antispodium 501 Austruche 527 Axonge humaine 469 Aufterschalen, calcinirte 635 B. B aͤrenschmaltz 525 Baͤrenunschlitt 525 Baleine 579 Balsamirer 460 Balsamirung der Alten, und deren Arten 460 Bart Ladanum 517 Baume noir, ou Labdanum liquide 518 Bechet, Bechet, eine Gattung der Cameele 503 Beinschwartz 511 Bel-Zaar, au Maître du Venin 471 Belier, Widder 511 Bezoar 471 Bezoard Animal, Thier Bezoar 560 Bezoard de Bœuf, ou Pierre de Fiel, Ochsenbe- zoar 509 Bezoard de Singe, Affenbezoar 476 Bezoard de Vache, Kuhbezoar 476 Bezoard Occidental, occidentalischer Be- zoar 479 Bezoard Oriental, orientalischer Bezoar 478 Bezoar Probe aus dem Tavernier 474 Bezoar Thier 471 dessen Beschreibung 477 Bezoar von Kuͤhen 476 Bezoarziegen oder Geisen 473 Biber, Bievre, ou Castor 489 Biberfelle 496 Bibergeil 491 sind nicht die Geilen des Bibers 490 . sq. Biberhaare 496 Bibers Anatomie 494 Bienen 535 Anmerckungen von denenselbigen 536 Arbeit 537 Art und Weise den Honig zu bereiten 538 Hartz 548 ohne Stachel 552 Bisam 477 Bisamratten 485 Bisamthier 477 Blackfisch 607 Blanc de Baleine, Wallrath 381 Blatta Bizantia, ou Ongle odorant 633 Blutegeln 577 Bock, Bouc 517 Bocksblut 519 Bockshaͤute 522 Bocks- und Ziegen-Unschlitt 520 Bœuf, Ochse 31 Bouc-Estain, Steinbock 521 Boutarc/ Boutarque 613 C. C Achalot, Cachalot, ein Wallfisch 580 Caillé de Lievre, Hasenlaab 526 Cameel und dessen Sorten 503 haar 504 Camphur, ou Ane sauvage, Camphur, eine Art wilder Esel im gluͤcklichen Ara- bien 472 Cantharides, spanische Fliegen 533 Cantharides d’Italie, italienische Canthari- des 533 Caouanne, Caouanne/ eine Art Schildkroͤ- ten 597 Capreolus Moschi 485 Caret, Caret/ eine Art Schildkroͤten 598 Castor, ou Bievre 489 Castoreum 490 Cavial, Caviaro 613 Cerf, Hirsch 515 Cerf-oyseau 530 Chagrin/ Chagrin 523 Chameau, Cameel 503 Chamois, Gems 523 Chelæ Cancrorum, ou Pattes d’Ecrevisses de mer, Seekrebse oder Hummer Schee- ren 611 Cheval Marin 592 Chien de Mer 603 Cire à Gommer, Wachs zum waͤchsen 548 Cire blanche \& ses differences, weiß Wachs und dessen Sorten 548 Cire jaune, gelb Wachs 545 Cire grenée, granulirt Wachs 545 Cire molle rouge \& verte, weiches roth und gruͤnes Wachs 551 Cire noire des Indes, schwartz indianisches Wachs 552 Cire Vierge, Jungfern Wachs 548 Civette 485 Civette de Guinée ou de Brefil 487 Civette d’Hollande 487 Civette Occidentale 487 Cochlea cælata 631 Colle d’Angleterre, englischer Leim 511 Colle de Flandres, flandrischer Leim 511 Colle de Poisson 583 Concha venerea 529 Corne de Licorne de mer, Horn vom See-Ein- horn 585 Crapaudine, ou Pierre de Crapaud, Kroͤten- stein 577 Cuirs de Barbarie, Ochsenhaͤute aus der Barbarey 512 Cuirs d’Hongrie, hungrisch Leder 512 D. D Achsfett 526 Dauphins, Delphinen 606 Dantalé, Dentalium 629 Dorcas Moschi 485 Dragons, Drachen/ welche die Elephanten umzubringen pflegen 499 Drapier 533 Dromadaire, Dromedarien, ein Geschlecht der Cameele 504 Duvet, Pflaumfedern 534 Eau Register zum Andern Theil. E. E Au Theriacale de M. Charas 568 Eau Theriacale de Montpellier de Baude- ron 568 Ecailles de Caret, Schilder von der Schild- kroͤte Caret 598 Ecrevisses de Mer, Seekrebse 611 Ecrevisses de Riviere, Flußkrebse 611 Einhorn 471 Eisvoͤgel/ Jndianische 533 Elan, Elend, Elendthier/ 495 Elendthiere Jagd 497 Elendshaut 498 Elendsklaue 498 Elephant, Elephant 499 Elffenbein schwartz 500 Entalia 629 Erdcrocodil 572 Esel/ wilde im gluͤcklichen Arabien 472 Esprit d’Yvoire 500 Essence d’Ambre gris 558 Esturgeon, Etourgeon 586 F. F Anons de Balaine 580 Fausses Mumies, falsche Mumien 466 Fettigkeit von gewaschener Wolle 513 Fischleim 583 Flußkrebse 611 Franche, ein Geschlecht der Schildkroͤten 595 Fregate, Fregatte 529 Fregattenschmaltz 531 Fromages Etrangers, allerley Kaͤse 526 Fuchsamber 558 Fuchsschmaltz und Lunge 526 G. G Abaras 463 Gallenstein von Ochsen 509 Gazella Indica 485 Gems 524 Geyer 529 Geyerfell und Fett 530 Gluten alkanak 583 Grosses Thier 498 H. H Asenlaab 526 Hay, Haye 613 Haͤyenhirn, ein trefflich Mittel wider das Podagra 575 Hegin/ Hegin, eine Art Cameele 503 Heirat 552 Helffenbein 500 gebranntes 501 gruͤnlichtes 500 praͤparirtes 501 Hippopotamus 592 Hirsch 515 Hirschereutz 516 Hirschhorn Gallrede 515 geraspeltes 515 praͤparirtes 516 Hirschhornschwartz 516 Hirschkolbenwasser 515 Hirschmarck 517 Hirschruthe/ Blasen und Thraͤnen 518 Hirschunschlitt 517 Hirschvogel 530 Hommar, ou grosse Ecrevisse de mer 611 Honig 541 gelber aus Champagne 544 weisser Landhonig 544 aus Provence 543 von Narbonne 543 Huile de Balaine ou de grande baye, 580 Huitres Calcinées, Austerschalen, calcinirte 635 Hummer 611 Hungarisch Leder 512 I. J Ambons de Mayence, de Bayonne, Schin- cken 526 Ichthyocolla 583 Jmperador/ Imperador, ou Empereur, ein Fisch im Mittellaͤndischen Meer 606 Ivoire ou Yvoire 500 Jungferwachs 548 K. K Aefer und Historie davon 461 Kaͤse 526 Kalbfelle/ Englische 512 Kaoüanne, ein Geschlecht der Schildkroͤ- ten 297 Kelleresel Saltz, Oel und Pulver 578 Krebsasche 614 Krebse 611 Krebssteine oder Krebsaugen 611 Kroͤten Saltz und Oel 577 Kroͤtenstein 577 Kuhbezoar 476 L. L Abdanum en Tortis, auffgerolltes Lada- num 518 Labdanum liquide, ou Baume noir, fluͤßiges La- danum oder schwartzer Balsam 518 Labdanum naturel ou en Barbe, natuͤrlich La- danum oder Bart-Ladanum 517 Lamantin, ou Vache Marine, Seekalb, See- kuh 591 wie es gefangen wird 593 Larmes de Cerf, Hirschthraͤnen 518 Leim/ Englischer 511 Flandrischer 511 Licorne de Mer, ou Narwal, See-Einhorn 585 Licorne, \& ses especes, Einhorn und dessen Ar- ten 471 M. M Agistere de Perles, Magisterium Perla- rum 628 Manati, ou Vache Marine 591 Marc de Mouches 548 Marroqvin/ Marroquin noir de Barbarie 521 Marroquin rouge de Levant 520 Marsoüin ou Cochon de mer, Meerschwein 607 Martinet Pescheur, Martinsvogel 533 Meernabel 631 Meerzwiebelkuͤchlein 565 Menschenfett 469 Miel, Honig 543 Miel Register zum Andern Theil. Miel blanc de Narbonne, weisser aus Narbon- ne 543 Miel blanc de pays, weisser Landhonig 543 Miel blanc de Provence, weisser aus Proven- ce 544 Miel jaune de Champagne, gelber aus Cham- pagne 544 Miroir sur les Peaux de Chagrin, Spiegel auf dem Chagrinleder 525 Mithridat/ Mitridat 573 Moëlle de Cerf, Hirschmarck 517 Moos von Menschenhirnschedel 469 Mortadelles de Provence, Proventzer Wuͤr- ste 526 Moschi capreolus 485 Moschius 485 Moschus 485 Mouches à Miel, Bienen 535 Mouton ou Belier, Schoͤps oder Widder 511 Muge ou Mujon, ein Fisch, dessen Eyer sind, was Boutarque genennet wird 513 Mumie, Mumie 457 . 465 Mumie blanche, weisse Mumien 466 Mumie contrefaite, ou fausse, falsche Mu- mien 466 Musc, Muscus- oder Bisamthier 477 Muscheldeckel, Jndianischer 633 N. N Acre de Perles, Perlenmutter 627 Narwal/ Narwal, ou Licorne de mer 471 . 585 Nashorn 502 Klauen und Blut 502 dessen Horn, welches es auf der Nase traͤgt 502 Haut 502 Nattern 559 Nerita/ Nerita 632 Nids d’Oiseaun, Vogelnester 531 Noir de Cerf 516 Noir d Os, Beinschwartz 511 Noir d’Yvoire, ou de Velours 500 Nombril Marin 631 O. O Chse 509 Ochsenbezoar oder Gallenstein 509 Haͤute aus der Barbarey 512 Hertzcreutz 511 Oculi Cancri, ou Pierres d’Ecrevisse 611 Oesipe, Oesipus humida 513 Oiseau de saint Martin, Martinsvogel 533 Ongle odorant, ou Blatta Bizantia 633 Ongle, ou Pied d’Elan, Elendsklau 498 Orvietan/ Orvietan, und dessen Zubereitung 571 Os d’Austruche 551 Os de Cœur de Bœuf, Ochsenhertzcreutz 511 Os de Cœur de Cerf, Hirschhertzcreutz 516 Os de Seiche, Ossa Sepiæ 607 P. P Agoden 465 Pardos, Pardos, eine indianische Muͤn- tze 554 Pastilles, ou Trochisques de Vipere, Vipern- kuͤchlein 561 . 562 Pazan, Pazan 471 Peaux de Bouc, Bockshaͤute 522 Peaux de Castor, Biberfell 496 Peaux de Chagrin, Chagrinleder und dessen Unterschied 523 Peaux de Chien de Mer, Haut vom Seehund 603 Peaux fraîches 521 Perlen, Perles, und deren Sorten 616 Perlen, Bruͤsselsche 628 Schottische und Baͤyrische 620 . 628 Perlen Erzielung 622 Perlenfischereyen in Osten und Westen 615 . seqq. Perlen Magisterium, Saltz und Oel/ auch andere præparationes mehr 628 Perlenmutter 627 Perlensamen 627 Perles à l’Once, à Piler, ou à Broyer, Stoßper- len, Unzenperlen 627 Pflaumfedern und Federn Duvet \& Plu- mes 534 Phiburon 613 Pierre d’Aigle, Adlerstein 529 Pierre d’Hyrondelle, Schwalbenstein 534 Pierres d’Ecrevisses, Krebssteine 611 Piloris, ou Rats Musquez, Piloris oder Pi- samratten 485 Pirassoupi/ Pirassoupi 472 Plumes d’Austruche, Straussenfedern 528 Plumes de Cigne, Schwanenkielen 534 Poil de Chameau, Cameelhaar 504 Porcelaine en Coquillage, Porcellanschne- cken 629 Pots-pourris, was es zu bedeuten hat 519 Priape de Cerf, Hirschruthe 518 Purpurschnecken 629 Pyramiden 465 R. R Ats Musquez, ou Piloris 485 Reqviem, Requiem 513 Rhincceros, Nasenhorn, Nashorn 501 Rhoar, Rhoar 585 Rind 509 Rognons de Rats Musquets, Nieren von Bi- samratten 485 Roussettes, ou Doucettes 603 Rupicapra 523 S. S Affian 520 Sal acrimoniacum, armoniacum, vel am- moniacum 504 . 506 sixum 510 oleum 510 Salmiac/ durch Kunst bereitetes 506 natuͤrliches 504 Salmiacgeist, fluͤchtiger 509 saurer 510 Salmoniacs Reinigung 509 Sammtschwartz 500 Sang de Bouc, Bocksblut 510 O o o Sang Register zum Andern Theil. Sang de Bouc-Estain, Stein-Bocksblut 523 Sangsues, Blutegel 577 Sardellen, Sardines 606 Saucissons de Bologne, Boloneser Wuͤrste 526 Schaf- und Ziegenfelle 514 Schildkroͤten, und deren Arten 595 wie sie gefangen werden 599 Schildkroͤten-Schilder 597 . 598 Schlangen 559 Schoͤpsen-Unschlitt 516 maͤrckisches und hollaͤndisches 516 Schwalbenstein 534 Scorpionoͤl/ gemeines und von vielen Stuͤ- cken zusammengesetztes 578 See-Einhorn 585 Seehund 603 Seide/ rohe 578 Seidenwuͤrme 575 Seekalb 591 Seekrebse 611 Seekuh 591 Seepferd 592 Seeroß 589 Sel Armoniac artificiel 508 Sel Armoniac naturel 506 Sel de Perles, Perlensaltz 628 Sel volatil de Corne de Cerf 516 Sel volatile d’Yvoire, Sal volatile Eboris 500 Semence de Perles, Perlensamen, Stoß- oder Staub-Perlen 627 S i lurus 586 Soldat/ Soldats, ou Cancelles 607 Solen/ Solen 633 Balsam oder Oel davon 608 Soye cruë, Soye Grege, ou en Matasse, rohe Sei- de 578 Spiegel auf dem Chagrrn 525 Spiritus Eboris 500 Spode, Spodium 501 Staubperlen 627 Steinbock 521 Steinbocksblut 523 Stinci marini, Stincs Marins 571 Stopfwachs 547 Stoßperlen 627 Strauß 527 Straussenfedern 528 Struthiocamelus 530 Suif de Boucs ou de Chevre, Bocks- oder Zie- gen Unschlitt 520 Suif de Cerf, Hirsch-Unschlitt 517 Suif de Moucon, ou de Marque, maͤrckisches oder hollaͤndisches Schoͤpsen-Un- schlitt 516 Suif d’Ours, Baͤrenschmaltz 525 T. T Aureau, Ochse 509 Theriac, Theriaque 561 Theriac, fuͤr arme Leute, oder Tentscher Theriac/ Theriaque des Pauvres ou des Allemands 567 Theriaca Andromachi, Theriaque d’Androma- que 563 Theriaca diatessaron, Theriaque Diatessaron 567 Theriaque reformée de M. d’Aquin, reformir- ter oder geaͤnderter Theriac des Herrn Aquin 565 Thiere 457 Thierbezoar 560 Thon, ou Thonine, Thunnfisch, Thunus, Thyn- nus 603 Todencoͤrper/ wozu sie die Alten gebrau- chet 464 Tortuë, Schildkroͤten 595 Trochisques de Ciphi, Trogisci Cipheos 574 Trochisques d’Hedychroi, Trochisci Hedychroi 565 Trochisques de Scilles, Trochisci de Squilla 565 Trochisques ou Pastilles des Viperes 561 . 562 Tubero 616 Tubuli Marini 631 V. V Ache Marine, Seekuh 591 Vautour, Geyer 529 Veaux d’Angleterre, englische Kalbfelle 512 Vers à Soye, Seidenwuͤrme 575 Vinaigre Theriacal, Gifteßig 66 Viperes, Vipern, Nattern, Schlangeu 560 Viperes seches, getreugte Vipern 561 Vipernkuͤchlem 565 von Montpellier 562 von Padua 561 Vipernpulver 560 fluͤchtiges und figirtes Saltz/ Schmaltz und Oel 560 . 561 Umbilicus Marinus 631 Unguis Odoratus 633 Ungula Alcis 498 Vogelnester 531 Vorstoß 548 Usnée humaine, Moos von Menschen-Hirn- schedel 469 W. W Achs gelbes 545 granulirtes oder gekoͤrntes 550 indianisches schwartzes 552 weisses 548 dessen Bereitung 548 Oel oder Butter 547 unterschiedene Sorten 549 weich roth und gruͤnes 551 zum waͤchsen 551 Wallfisch 579 Wallfischthran 580 Wallrath 581 Wallroß 589 Wels 586 Widder 511 Wolffsleber 526 Wolle/ allerhand Sorten 514 Laͤmmer- 514 spanische 514 teutsche 514 Y. Y Sard ou Chamois, Gems 523 Tvoire, ou Ivoire 500 bru- Register zum Dritten Theil. brulé, gebrannt Helffenbein 501 Z. Z Ahnschnecke 629 Zeichner 466 Zerschneider 466 Zibet 485 aus Guinea 487 Brasilianischer 487 Hollaͤndischer 487 Occidentalischer 487 Ziberkatze 485 liebet den Gestanck, desgleichen die Rat- ten und Maͤuse 485 Register Zum Dritten Theile Der Spezereyen und Materialien Hauptbeschreibung, Betreffend Die Fossilia und Dinge, die aus der Erden gegraben werden/ als da sind Metallen und Semimetalla, halbe Metallen, Marcasiten, Mineralien, Edel- steine und andere Steine: Desgleichen Erdhartze, Erden/ und solche Sachen, die davon her- kommen, z. E. Crystallen, Schmeltz, Farben, Extracta, Spiritus, Olea, Salia, Essen- tiæ, Raͤucherwerck, und dergleichen. A. A Cetum Saturni 721 Acier, Stahl, wird auf unterschiedne weise gehaͤrtet 651 Acier à double marque 652 Acier à la Rose, Stahl mit der Rose 653 Acier de Carme 651 Acier de Damas, Damascenischer Stahl 654 Adlerstand 829 Æs Ustum, ou Cuivre brûlé 687 Ætites 829 Agaric Mineral, Agaricus mineralis 845 Agathe, Agat 817 Agtstein 785 Aaimant, Magnet 743 Aimant Arsenical, Magnes arsenicalis 757 Aimant blanc, weisser Magnet 745 Aimatistes d’Auvergne \& de Carthagene, Ame- thisten aus Auvergne und von Eartha- gena 818 Alana 841 Albschoß 827 Algarot pulvis 734 Alquifoux, Alquifoux 707 Alun, Alaune 779 Alun brûlé, gebrannte Alaune 784 Alun Catin, Alumen catinum 785 Alun d’Angleterrt, englische Alaune 781 Alun de Civitavesche, Alaune von Civitavec- chia 781 Alun de Liege ou de Meziere, Alaune von Luͤttich oder Mezieres 783 Alun de Plume, Federalaun 779 Alun de Roche, Alumen Rochæ, Alun blanc, Alumen Album, Alun de Glace, Alumen glaciale 781 Alun de Rome, roͤmische Alaune 781 Alun Scayolle, Alumen Scajolæ 784 Alun Sicille, Alumen Scissile 779 Alun succarin ou saccarin, Alumen succhari- num, Zuckeralaun 783 Ambre jaune, Agtstein, gelber Amber 785 Ambre noir 789 Amiant, Amiantus 779 Amiantstein/ Lapis Amianthus 833 Anatrum 766 Ancre de la Chine, Chinesische Dinte 807 Antihecticum Poterii, Antihectique de Pote- rius 679 Antimoine, Antimonium 727 . sqq. Antimoine d’Auvergne 730 Antimoine de Bretagne 730 Antimoine d’Hongrie 729 Antimoine de Poitou 730 Antimoine de Siam 728 Antimoine Diaphoretique, ou Diaphoretique d’Antimoine, Antimonium diaphoreti- cum 737 Antimoine Vitré, ou Verre d’Antimoine, Anti- monium vitrificatum 733 Aphro-nitre, Aphronitrum 766 Aqua argenti 655 fortis 769 phagædena 674 regis 770 Aquila alba 669 Arcane Coralin, ou Precipité rouge, Arcanum corallinum, vel Præcipitatum rubrum 673 Argent, Silber Argent de Coupelle, cupellirt Silber Argent-vif, ou Viv-Argent, Argentum vivum 655 Argentum aqueum 655 Armenischer Stein 819 Arsenic artificiel, weisser Arsenic, durch Kunst bereitet 755 Arsenic blanc naturel, weisser natuͤrlicher Ar- senic 755 O o o 2 Ar- Register zum Dritten Theil. Arsenic caustique, Arsenicum causticum 757 Arsenic Cristalin, Crystalliner Arsenic 756 Arsenic rouge, rother Arsenic 753 Asbeston, Asbestes 781 . seq. Asche, gruͤne 822 blaue 821 Asphaltum 791 Avanturine artificielle, durch Kunst bereitete Avanturine 686 Avanturine naturelle, natuͤrliche Avanturi- ne 686 Auripeau, Klingklang 685 Aurum fulminans 641 potabile 642 B. B Actreole d’Or 642 Batrachites 831 Baume ardent, Balsamus ardens 790 Baume de Saturne, ou Huile de plomb, Bley- Balsam oder Oel 721 Baume de Soufre, Schwefel-Balsam 803 Baume de Soufre anisé, mit Anisoͤl zugerichte- ter Balsam 803 Beauter 721 Becher aus Spießglaß 734 Beinleim 833 Belemnites 827 Bergblau 821 Berggruͤn 691 . 822 Berill/ Berille 818 Beurre d’Antimoine, Butyrum Antimonii 739 Beurre de Nitre, Butyrum Nitri 776 Beurre ou Huile d’Arsenic, Butyrum vel Oleum Arsenici 757 Bezoard Jovial, Bezoardicum joviale 677 Bezoard Mineral, Bezoardicum minerale 739 Bimsstein 829 Birnstein 785 Bismuth, ou Etain de glace 679 . 681 Bitume de Judée, Judenhartz oder Pech 791 Bitume limonneux, Naphtha 805 Blaͤttgen Gold 641 Blanc d’Espagne, ou Bezoard Jovial 677 Blanc d’Espagne, ou blanc de Perles 681 Blanc de plomb, Schieferweiß 713 Bley 707 Bleyasche 711 Bleybalsam 721 Bleyertz 707 . seqq. schwartzes 709 Bleyeßig 721 Bleykalch 715 Bleyoͤl 721 Bleypulver 711 Bleysaltz 719 Bleysand 711 Bleyweiß 715 Bleyzucker 719 Blumen/ Aromatische der weissen 747 Blutstein 747 Bol blanc, ou Marne, weisser Bolus 845 Bol du Levant, ou d’Armenie, Armenischer Bolus und andere mehr 839 Bol en Bille, ou Broüillamini, Boluskugeln 842 Bononischer Stein 829 Borax naturel, brute, ou gras, Borras, natuͤrlicher oder roher 775 Borax sec, ou rafiné, gelaͤuterter Borras 777 Braunroth, Brun rouge 842 Braunstein 749 Brontz, Bronze 693 Broüillamini 842 Bufonites 831 Butyrum vid. Beurre . C Achou, Cachou 835 Cachou praͤparirter 837 Cadmie ou Calamine, Cadmia, calaminaris la- pis 745 Calamine blanche, 745 Callimus 831 Calx stanni 677 Caput mortuum Vitrioli 704 Carabe 785 Catechu 837 Caustique perpetuel, Causticum perpetuum 645 Cendre blûë 821 Cendre de Bronze, Metallasche 686 Cendre ou Ecume de plomb, Bleyasche 711 Cendre verte, ou Verd de Terre 821 Cerberus, Draco, vel Sal infernalis 765 Ceruse de Venise, Venedische Cerussa 715 Ceruse ordinaire, ou d’Hollande, ou d’Angleterre, gemeine, Hollaͤndische oder Englische Cerussa 715 . 716 Ceruse ou Chaux d’Etain, Zinnasche 677 Ceruse rubifiée, Sandix ou le quatriéme Massicot, rothe Cerussa 715 . seqq. Chalcitis, Chalcite 695 Charbon de Terre, Steinkohlen 793 Chrysocolla 775 Cinabre artificiel, durch Kunst bereiteter Zi- nober 665 Cinabre d’Antimoine, Cinnabatis Antimonii 739 Cinabre mineral, ou naturel, mineralischer oder natuͤrlicher Zinober 661 Clinquant, Knittergold 685 Coͤllnische Erde 841 Colchotar Vitrioli 604 Cobalt/ Cobalthum 833 Colcothar naturel 695 Comperose blanche, weisser Vitriol 701 Comperose blanche calcinée 701 Comperose d’Allemagne, teutscher Vitriol 701 Comperose d’Angleterre, Englischer Vitriol 700 Comperose de Pise, Vitriol von Pisa 700 Comperose de Suede. Comperose, ou Vitriol de Gosselar, ou Saxe, Goß- larischer oder Saͤchsischer Vitriol 701 Comproses ou Couperoses, Vitriol 697 . 708 Confection de Hyacintho 813 Crapaudine, Kroͤtenstein 831 Craye de Briançon, Frantzoͤsische Kreyde 825 Crayon, ou Plomb de mine, Wasserbley 710 Crayon rouge, rothe Kreyde 748 Cristal Mineral, Crystallus mineralis 771 Cri- Register zum Dritten Theil. Cristal de Madagascar, Crystall von Mada- gascar 835 Cristal de Roche, Bergerystall 835 Cristaux d’Argent, Crystalli lunares 645 Cristaux de Mars, Crystalli Martis 655 Cristaux de Verdet, Crystalli Veneris 692 Crocus Cupri, ou Safran de Cuivre 688 Crocus Martis, Eisensaffran 654 adstringens 655 aperitivus 655 Crocus Metallorum Crocus Solis 641 Crollius, medicinischer Stein 705 Cuivre, Kupfer 683 Cuivre de Rosette 684 Cuivre Jaune 685 D. D Actylus 827 Diamant d’Alençon, Diamant von A- lenson 817 Diaphoretique d’Antimoine, Diaphoreticum Antimonii 737 Diaphoretique d’Etain, Diaphoreticum jovia- le 679 Dinte, Sinesische 807 Diphryges 694 Dochte, ewigwaͤhrende 780 Dragon, Cerbere, ou Sel d’Enfer 765 Drat/ eiserner 651 E. E Au ou Esprit d’Alun, Aqua \& spiritus alu- minis 782 Eau forte, Scheidewasser 769 Eau Regale, ou Royale, Aqua Regis 770 Eau Seconde 772 Ecailles de Bronze, Glockenspeisschlacken 694 Ecume, ou Cendre de Plomb, Bleyasche 711 Eisen 647 Saffran 654 anhaltender 655 eroͤffnender 654 wie es aus dem Ertz gezogen und geschmol- tzen wird 649 Emaux, Schmeltz 683 Emeraude, Schmaragd 815 Emeril commun, gemeiner/ schlechter Schmer- gel 749 Emeril d’Espagne, spanischer Schmergel 747 Emeril rouge, rother Schmergel 749 Epar Antimonii 733 Erden 835 Erdpech 805 Ertzblumen 686 Eselsspiegel 784 Esprit, \& Eau d’Alun, Spiritus \& aqua Alumi- nis 783 Esprit de Karabé, Agtstein Spiritus 790 Esprit de Nitre, Spiritus Nitri 769 Esprit de Nitre dulcifié, Spiritus Nitri dulcis 770 Esprit de Saturne, Spiritus Saturni 721 Esprit de Sel, Spiritus Salis 763 Esprit de Sel dulcifié, Spiritus Salis dulcis 764 Esprit de Souphre, Spiritus Sulphuris 801 Esprit de Souphre rectifié, ou Huile de Souphre, Spiritus rectificatus aut oleum Sulphu- ris 802 Esprit de Vitriol, Spiritus Vitrioli 703 Esprit de Vitriol Philosophique, Spiritus Vitrioli philosophicus 704 Esprit fugitif, Spiritus fugitivus 655 Esprit Martial, Spiritus martialis 747 Esprit \& Huile de Vitriol, Spiritus \& Oleum Vitrioli 703 Etain, Zinn/ und dessen Sorten 675 Etain commun, gemeines Zinn 676 Etain de Glace naturel, natuͤrlicher Biß- muth 679 Etain de Glace ordinaire, gemeiner Bißmuth 681 Etain en feüilles, ou appeau, Stanniol 677 Etain en poudre, Zinnkalch/ Zinnpulver 677 Etain sonnant, klingendes Zinn 675 F. F Ausses Hyacinthes, ou Jargons 810 Faux Lapis, falscher Stein 684 . 752 Fer, ou Mars, Eisen 647 Fer en Barre, Stangeneisen 649 Fer en Verge, Stabeisen 651 Fer noir \& Fer blanc, Blech/ schwartz und weisses 651 Feret d’Espagne 747 Feuerstein 707 Fiebersaltz 775 Fil de Fer, eiserner Drat 651 Flachs unverbrennlicher 782 Fleurs d’Airain, ou Pompholix, Ertzblumen/ weisser Nicht 685 Fleurs d’Antimoine, Flores Antimonii 737 Fleurs de Bismuth, Flores Bismuthi 682 Fleurs de Bronze, Glockenspeisblumen 694 Fleurs d’Etain ou de Jupiter, Flores Stanni, vel ex Jove 679 Fleurs de Mars, Flores Martis 747 Fleur de Souphre, Schwefelblumen 799 Flores aromatici Philosophorum 747 Fossiles, Foßilien insgemein 638 Foye d’Antimoine, Spießglasleber 733 Fraueneiß 784 G. G Aense 649 Gallmey/ Gallmeystein 745 praͤparirter 748 Gallmey, weisser 685 Gangue 752 Geest, ou Geais, ou plûtôt Jays ou Jayet, Ga- gat 789 Gelb/ Neapolitanisches 805 Gießertz 693 Gilla Vitrioli, ou Vitriol vomitif 702 Girasole 818 Gloͤte/ durch Kunst bereitet 717 natuͤrlich 717 Glockenspeiß 693 Blumen und Schlacken 694 O o o 3 Gold Register zum Dritten Theil. Gold 637 amalgamirtes 641 chymisches 640 teutsches 685 unterschiedene Arten 639 zu laͤutern 640 Goldkoͤnig 639 Gold Marcasit 643 Goldpulver 641 . 642 Gold Saffran 641 Granaten/ Grenats 818 kleine 816 Griesstein 823 Gruͤnspan 689 natuͤrlicher 687 Gruͤnspancrystallen 691 H. H Artze 785 Hoͤllischer Stein 645 Huͤttenrauch/ durch Kunst bereitet 755 natuͤrlicher weisser 755 Huile d’Antimoine caustique, Oleum causticum Antimonii 741 Huile d’Antimoine glacielle, Oleum glaciale An- timonii 741 Huile de charbon de terre, Steinkohlen- oͤl 794 Huile de Karabé, Oleum succini 790 Huile de Karabé blanche, Oleum succini al- bum 790 Huile de Karabé rectifiée, Oleum succini re- ctificatum 789 Huile de Mars, Oleum Martis 655 Huile de Mercure, Oleum Mercurii 675 Huile de Petrole blanche, weisses Peteroͤl 807 Huile de Petrole noire de Gabian, schwartzes Peteroͤl/ oder schwartzes Oel von Gabian 807 Huile de Saturne, ou Baume de plomb, Bley- oͤl oder Balsam 721 Huile de Souphre, ou Esprit de Souphre rectifié, Schwefeloͤl/ oder rectificirter Schwe- felspiritus 802 Huile de Vitriol, Oleum Vitrioli 703 Huile Glaciale, ou Beurre d’Antimoine, Oleum glaciale, vel Putyrum Antimonii 741 Huile ou Beurre d’Arsenic, Butter von Ar- senic 757 Hyacinth/ Hyacinthe 809 Hydrargyre, Hydrargyrum 655 I. I Ade, Tuͤrckis 824 Jargons, ou fausses Hyacinthes, falsche Hya- cinthen 810 Jaspe, Jaspis 821 Jaune de Naples, Neapolitanisches Gelb 805 Jaye, Jais, ou Jayet, Gagat 789 Judenpech 791 Judenstein 827 Jungferngold 639 Jungfernqvecksilber 657 Jupiter, Zinn 675 K. K Aeyserlich Pulver 735 Karabé, Agtstein 785 Karabé, Succin, ou Ambre noir, Gagat 789 Knittergold 685 Kobaltum, ou Cobalthum, Cobalt 833 Koͤnig des Huͤttenrauchs 755 Koͤnig unter den Metallen 640 Kreide rothe 748 von Brianson 825 Kupffer 683 gebranntes 687 gelbes 684 Kupffer Marcasit 643 lange, à boudin 643 runde/ à rognon 643 Kupferrost 689 Kupfer Saffran 688 L. L Ac Lunæ 845 Lait de Souphre, Lac Sulphuris 801 Lapis Amiantus, 833 Lapis Armenius 819 Lapis calaminaris 745 Lapis Cyaneus, ou Stellatus 817 Lapis infernalis 645 Lapis Lazuli, ou Pierre d’Azur 817 Lapis Lazuli de France 820 Lapis Lincis 827 Lapis medicamentosus vel mirabilis Crol- lii 705 Lapis Mirabilis 705 Lapis specularis 784 Lasurstein 817 Frantzoͤsischer 820 Lemnische Erde 840 Letier 643 Liqueur de Cuivre ou de Venus, Liquor Ve- neris 691 Liqueur de Mercure, Liquor Mercurii 675 Litarge artificielle, durch Kunst bereitete Gloͤte 717 Litarge naturelle, natuͤrliche Gloͤte 717 Lithomarga, ou Lait de la Lune, Stein- marck 845 Luchsstein 827 Luna caustica, Lune caustique 645 M. M Achefer 710 Magalaise, Meganese, Magne, ou Magnese, Magnesie/ Braunstein 749 Magistere d’Antimoine, Magisterium Anti- monii 741 Magistere de Bismuth, Magisterium Bismu- thi 681 Magistere d’Etain, Magisterium Stanni 679 Magistere de Saturne, Magisterium Satur- ni 721 Magistere, ou Lait de Souphre, Magisterium sive lac Sulphuris 801 Ma- Register zum Dritten Theil. Magnes arsenicalis 750 Magnesia Opalina 737 Magnet 743 von Chartres 744 weisser 745 Malachites, Malaquitte 818 Marcasite d’Or, d’Argent, \& de Cuivre, Gold- Silber- und Kupfer-Marcasit 643 . 644 Marcasite par excellence 680 Marga, Mergel 845 Marne, ou blanc, weisser Bolus 845 Mars, Eisen 647 Mars Diaphoretique, Mars diaphoreticus 655 Massicot blanc, jaune \& doré 717 Medicinischer Stein 705 Meergruͤn 691 Meersaltz 761 wie es gereiniget wird 763 Melanteria 695 Mercure, Mercurius 656 Mercure crud, Mercure coulant, Hydrargyre, Mercurius crudus, Mercurius currens, Hydrargyrum 655 Mercure de plomb, Mercurius aus dem Bley 714 Mercure doux, Mercurius dulcificatus, Mer- curius dulcis 669 Mercure de Vie, Mercurius Vitæ 739 Mercure revivifié de Cinabre, Mercurius aus Zinober 668 Mercure vierge, Jungfernquecksilber 657 Mergel 845 Meßing 683 . 686 Métail, Metall 693 Metallasche 686 Mine de Mercure, Quecksilberertz 657 Mine de plomb noire, Wasserbley 710 Mine de Plomb rouge, ou Minium, Minio 713 Mineraux en general, Mineralien uͤber- haupt 725 Mines d’Argent, Silbergruben 645 Minium, Minie 713 Miroir d’asne 784 Misi 695 Moëlle de Pierre, ou Lithomarga, Steinmarck 845 Mondique 707 Muͤllenbley 711 Muschelgold 642 . 685 N. N Aphta, Napta, ou Bitume Limonneux 805 Naphta von unterschiedenen Farben 807 Naphta blanc, ou Huile de Petreol blanche, weis- se Naphtha 805 Naphta d’Italie ou de Monifestin, italienische oder von Montefestino 806 Natrum d’Egypte, ou Soude blanche, Egypti- sches Natrum 766 Nicht, weisser/ Nil, Nihil, Nihili Album 685 Nitre fixe, ou Souphre fusile, Nitrum fixum 775 Nitre Fossile, Nitrum fossile 778 Nitre, ou Salpetre, Salpeter 765 Nitre Vitriolé, Nitrum Vitriolatum 775 O. O Cker, Ocre, und dessen Sorten 84 1 Ocre jaune, Ocre rouge, gelbeꝛ und rother 84 1 Oleum vid. Huile . Or, Gold, und wie es zu laͤutern 640 Or d’Allemagne, teutsches Gold 685 Or d’Allemagne en Coquille, Muschelgold 685 Or des Alchimistes, chymisch Gold 640 Or en Aurillet 639 Or en Coquille, ou en poudre, Muschelgold oder Goldpulver 642 Or en Feüilles, allerhand Blaͤttgen Gold 642 Or en Poudre, ou Moulu, Goldpulver oder gemahlen Gold 642 Or Fulminant ou Safran d’Or, Schlaggold 641 Or vierge, ou naturel, Jungfergold 639 Orpin ou Orpiment, Operment 753 Orpin jaune, gelbes Operment 753 Orpin rouge, ou Arsenic rouge, rothes Oper- ment 753 Osteocolla, Osteocolle 833 Outremer, ou verd d’Azur, Ultramarin 819 P. P Anacæa mercurialis, Panacée Mercurielle 669 Peridot 818 Perigueur, ou Perigueux 751 Perlenweis 681 Petroleum, ou Huile noire de Gabian, schwar- tzes Peteroͤl von Gabian 807 Pharmacitis 793 Phoͤnizischer Stein 827 Phosphore, Phosphorus und dessen Titel 830 Pierre Amomites, Ammons oder Hornstein 835 Pierre Armenienne, Armenischer Stein 819 Pierre Belemnite, Luchsstein 827 Pierre Calamine, ou Calaminaire 745 Pierre d’Aigle, Adlerstein 829 Pierre d’Asso, ou Assienne 833 Pierre d’Azur 817 Pierre de Boulogne, Bononischer Stein 829 Pierre de Florence, Florentiner Stein 818 Pierre de Lyn, Luchsstein 827 Pierre de Phenicie, Phoͤnizischer Stein 827 Pierre de Ponce 829 Pierre de Sang, Blutstein 834 Pierre de Syrie, Syrischer Stein 827 Pierre Etoilée, Sternstein 835 Pierre Hematite, Blutstein 747 Pierre Infernale, Lapis infernalis 645 Pierre Judaique, Judenstein 827 Pierre Medicamenteuse, Pierre Medicinale, ou Medicamenteuse de Crolius 705 Pierre Nephretique, Griesstein 823 Pierre noire, ou Terre Ampelite 794 Piesse 650 Pillules perpetuelles, immerwaͤhrende Pillen 734 Pisasphaltum artisiciel, gekuͤnstelt Pisasphal- tum 792 Pisasphaltum naturel, ou Poix de terre, na- tuͤrlich Pisasphaltum oder Erdreich 805 Pipes à Tabac, Tabacspfeiffen 846 Plata, Plata 645 Plombagine, ou plomb de mer, Wasserbley 709 O o o 4 Plomb Register zum Dritten Theil. Plomb brûlé, gebrannt Bley 711 Plomb de Mine, ou Crayon 709 Plomb en poudre, Bleypulver/ Bleysand 711 Plomb en saumons, Muͤllenbley 711 Plomb mineral, Bleyertz 707 Plumbum ustum 713 Pompholix, Pompholyx 685 Potée, 842 Potée d’Emeril, Schmergelasche 750 Potelot 709 Pothée, Zinnasche 677 Poudre à Canon, Stuͤckpulver 808 Poudre de Sympathie, sympathetisches Pul- ver 696 Potin 687 Praͤcipitat, weisser, Precipité blanc, Præcipita- tum album 669 Precipité d’Antimoine, Præcipitatum Antimo- nii 741 Praͤcipitat, rosenfarbiger, Precipité de couleur de Rose, Præcipitatum roseum 672 Praͤcipitat, gelber, Precipité jaune, Præcipita- tum luteum 673 Praͤcipitat, rother/ Precipité rouge, Præcipita- tum rubrum 669 Praͤcipitat, gruͤner, Precipité vert, Præcipita- tum viride 673 Prima 815 Proteus naturæ 655 Pulvis Algarot, angelicus, emeticus 739 Pumex 829 Purpurine 686 Pyrites, ou Quis 707 Q. Q Uecksilber 655 Quecksilberertz 657 Quis, ou Pyrites 707 R. R Egule d’Antimoine avec le Mars, Martia- lischer Spiesglaskoͤnig 731 Regule d’Antimoine ordinaire, Spiesglaskoͤ- nig 731 Regule d’Arsenic, Regulus Arsenici 755 Regule d’Etain, Regulus Stanni 682 Regule d’Or, Regulus auri 639 Roͤtelstein 748 Roth, indianisches 843 Rouge d’Inde, indianisch roth 843 Ruillure du cuivre 689 Rubine d’Antimoine, Spiesglasrubin 737 Rubine, Rubis 817 Rusma 751 S. S Asran de Cuivre, Kupffer Saffran 688 Safran de Mars aperitif, eroͤffnender Eisen- Safran 653 Safran de Mars astringent, anhaltender Eisen- saffran 655 Safran d’Or, ou Or fulminant, Crocus auri, oder Schlaggold 641 Safran des Métaux, Metallensaffran 736 Safre, ou Zafre, Zaffera 751 Sal anodynum vel minerale 771 Salniter/ Salpeter 765 Salpeterkuͤchlein 773 Salpestre, Salpeter und Sorten 765 . seqq. Salpestre fixe, figirter Salpeter 769 Salpestre fondu, geschmoltzener Salpeter 767 Saltz, vid. Sel. weisses aus Normandie 762 Saltzspiritus 763 versuͤster 764 Sandarache des Grecs, Sandaraca Græcorum, Griechischer Sandaraca 754 Sandyx, Sandix 715 Sanguine fine \& blanche, Roͤtelstein 748 Sapphir, Saphirs 815 Saphre 752 Schiefer weiß 713 Schlaggold 641 Schmaragd 815 Schmeltz 683 Schmergel, gemeiner 749 rother 749 spanischer 747 Schmergelasche 750 Schwefel, allerhand Sorten 798 des Arsenics 755 grauer 793 lebendiger 793 mineralischer 793 Schwefelbalsam 803 Schwefelblumen 799 Schwefelmilch 801 Schwefeloͤl 802 Schwefelroͤhren 795 Schwefelsaltz 801 Seiffenerde 845 Sel Antifebrile, ou Febrifuge, Fiebersaltz 775 Sel d’Etain, Zinnsaltz 679 Sel de Lorraine \& de Comté, Saltz aus Loth- ringen und der Franche Comte 763 Sel de Mars, Sal Martis, Stahlsaltz 655 Sel de Pierre Judaique, Saltz vom Juden- stein 828 Sel de Prunelle, Sal Prunellæ 771 Sel de Soufre, Schwefelsaltz 801 Sel de Vitriol, Vitriolsaltz 704 Sel Fossile, gegraben Saltz 760 Sel fugitif, Sal fugitivum 655 Sel Gemme de Catalogne de quatre couleurs, vie- rerley Steinsaltz in Catalonien 759 Sel Gesme, ou Gemme, Sal Gemmæ, Steinsaltz 757 Sel Marin, Meersaltz 761 Sel Marin decrepité, gebrannt Seesaltz 764 Sel Nitre, Sal Nitri 765 . 767 Sel, ou Vitriol de Mars Sel Polycreste, Sal polychrestum 773 Sel Polycreste crystalisé, Sal polychrestum cry- stallisatum 774 Sel Saturne, ou Sucre de Saturne, Saccharum Saturni 720 Sel volatil de Karabé, Sal volatile Suceini 789 Siegelerde 839 Silber 645 cupellirtes 645 Sil- Register zum Dritten Theil. Silbercrystallen 645 Silbermarcasit 644 Silbervitriol 645 Sirop de Mars avec le Tartre, Syrupus Martis cum Tartaro 655 Sirop de Mars épaissi, Syrupus Martis coagula- tus 657 Smectin, ou Soleterd . 845 Sory 695 Soude blanche, ou Natrum d’Egypte, weisse Sude oder Egyptisches Natrum 766 Souphre d’Antimoine, Sulphur Antimonii, Spiesglasschwefel 741 Soulfre d’Arsenic, Schwefel des Arsenics 765 Soulfre de Nicaragua, \& de la porte saint Mar- tin à Paris, Schwefel von Nicara- gua und der bey dem Martinsthore zu Paris gefunden worden 798 Soulfre de Quitto, Schwefel von Quito 798 Soulfre de Suisse, Schweitzerischer Schwe- fel 798 Soulfre doré d’Antimoine, Sulphur Antimonii auratum 741 Soulfre en Canon, ou en Magdaleons, Schwe- felroͤhren 795 Soulfre Fusible, ou Nitre fixe 776 Soulfre gris, grauer Schwefel 793 Soulfre mineral, mineralischer Schwefel 793 Soulfre verd de Marseille, gruͤner Schwefel von Marseille 798 Soulfre vif, lebendiger Schwefel 793 Spalt/ Spalt 827 Speauter, Speauter 721 Spießglas, allerhand Sorten 729 aus Siam 728 geschmoltzenes 729 Hungarisches 729 Schweißtreibendes 737 Spießglasblumen 737 Spießglasbutter 740 Spießglasertz 727 Spießglasglas 733 Spießglaskoͤnig 731 martialischer 731 Spießglases Leber 723 Spießglases Rubin 737 Spießglases Schwefel goldischer 741 Spießglases Tinctur 741 Spießglaszinnober 739 Spiritus vid. Esprit . Spode des Grecs, Spodium Græcorum 693 Spode en grappe, ou Tutie, botrytis, traubichte Tutie 695 Stabeisen 651 Stahl 651 mit dem doppelten Marck 652 mit der Rose 653 Stahlerystallen 655 Stahlfeilspaͤne 654 Stahloͤl 655 Stahlsaltz 655 Stahlvitriol 655 Stanniol 677 Stangeneisen 649 Steine 809 Steinkohlen 791 Steinmarck 845 Steinsaltz 757 viererley in Catalonien 759 Stein, schwartzer 793 Steno marga, ou Lithomarga 345 Stuͤckpulver 808 Sublimé contrefait, falscher Sublimat 758 Sublimé corrosif, Sublimatum corrosivum, cor- rosivischer Sublimat 667 Sublimé doux, ausgesuͤster Sublimat 669 Succin, ou Karabé, Succinum, Agtstein, Birn- stein 785 Sulphur fusibile 776 Syrischer Stein 827 Syrupus, Vid. Sirop . T. T Alck, rother und blaͤttrichter, Talc rouge, ou en feüilles 826 Talck, Venedischer 823 Teinture d’Antimoine, Tinctura Antimonii 741 Teinture d’Argent, Tinctura Lunæ 647 Teinture de Karabé, Tinctura succini 789 Teinture de Mars, Tinctura Martis 657 Teinture de Mars astringent, Tinctura Martis adstringens 655 Teinture de Mars avec le Tartre, ou Teinture ou Sirop de Mars épaissi, ou Teinture épaisse de Mars, Tinctura Martis cum Tartaro, vel coagulata 655 Terre Ampelite, ou Pierre noire, Terra Ampeli- tis 793 Terre Areneuse, Terra arenosa 846 Terre à Vigne, Weinbergerde 793 Terre Cimolienne, Terra Cimolia 846 Terra de Chio, Terra Chia 846 Terre de Cologne, Coͤllnische Erde 843 Terre Eretienne, Terra Erethria 846 Terre Lemnos, Lemnische Erde 840 Terre de Mexique, Mexicanische Erde 846 Terre d’Ombre, Umbra 843 Terre de Perse ou rouge d’Inde, Jndianisches Roth 843 Terre Samienne, Terra Samia 846 Terre Selusienne, Terra Selusia 846 Terre sigelée, Siegelerde 839 Terre verte ou de Veronne 841 Topas/ Topase 815 Tripel und Sorten, Tripoli 843 Trochisques de Karabé, Trochisci de Carabe 843 Todenkopf 704 Turbith mineral 673 Tuͤrckis 823 Tutia botrytis 695 Tutie d’Alexandrie, ou spode des Grecs, Tutia von Alexandria 693 Tutie d’Orleans, Tutie von Orleans 696 Tutie preparée, praͤparirte Tutia 696 V. V Enus, Venus/ Kupffer 686 Verd calciné, ou distillé, Gruͤnspan 689 Verd d’Azur, ou Outremer, Ultramarin 819 Verd Register uͤber die Anmerckungen. Verd de Gris cristalisé, Gruͤspancrystallen 692 Verd de Gris naturel, natuͤrlicher Gruͤnspan 687 Verd de Hongrie, Verd de Montagne, ou de Mer, Hungarisches Gruͤn/ Berggruͤn, Meer- gruͤn 691 Verd de terre, ou Cendre verte 821 Verdet, ou Verd de Gris 689 Vermeil, Vermeil 816 Vermillon, Vermillon 666 Vermillon commun, gemeiner Vermillon 717 Vernix, d’Esprit de vin, \& de Karabé, Verniß von Weinspiritus und Agtstein ge- macht 788 Verre d’Antimoine, Vitrum Antimonii 733 Vif Argent, ou Argent-Vif, Quecksilber 656 Vinaigre de Saturne, Bleyeßig 721 Vin-Emetique, Brechwein 734 Vitriol 697 . seqq. Vitriol de Chypre de la Compagnie, der Com- panie cyprischer Vitriol 700 Vitriol de Chypre, ou de Hongrie, cyprischer oder hungarischer Vitriol 696 Vitriol de Lune, Vitriolum Lunæ 645 Vitriol de Mars, Vitriolum Martis 655 Vitriol de Venus ou de Cuivre, Vitriolum Ve- neris oder Kupfer-Vitriol 691 Vitriol Roman, roͤmischer Vitriol 697 Vitriol rubifié, Vitriolum rubefactum 794 Umbra 843 Ultramarin 819 W. W Asserbley 709 Weinbergerde 792 Weiß/ spanisches 677 sonst allerhand weiß 845 Wißmuth 681 Wunderstein 705 Z. Z Affera/ Zafre, ou Safre 751 . 752 Zinc naturel, ou Mineral, Zinck 721 Zinn 675 geschlagenes 676 . 677 klingendes 676 Zinnasche 677 Zinnblumen 679 Zinngiesser, groͤste Wissenschaft 677 Zinnkalch, Zinnpulver 677 Zinnsaltz 679 Zinober, durch Kunst bereitet 665 mineralischer oder natuͤrlicher 661 woher es komme/ daß er schichtweise auf einander liegt 666 Zucker-Alaune 763 Anweisung zu denenjenigen Materialien/ Welche der Autor in seinen Anmerckungen hinzugefuͤget. A. A Cajogummi 888 Affenbezoar, Affenstein 853 Agtstein 863 dessen Ursprung 864 . seq. durchsichtigen zu machen 870 Ambrasgris 899 Ammonshorn 854 Aningha/ eine Wurtzel 888 Arsenic, gelber 890 Assalise-Phœnix Oel 888 B. Bezoar animale, Bezoar, der von Thieren kommt, und was darunter zu verstehen 889 Balsam, Peruvianischer/ schwartzer und weisser 856 C. Calin/ Chinesisches 884 Caphe 870 Carabe 862 Cauris 884 Ceratites 876 Chalcites, aus der Jnsel S. Christophel 892 Chinesischer Anis 883 Conzenille 892 Cobra de Capelos 871 Copaiva Balsam 859 Cornu fossile 876 Creutz aus dem Kopffe des Wallfisches 899 D. Dens Elephanti petrefactus 876 E. Ebur fossile 876 Einhorn gegrabenes, und dessen mancherley Sorten 876 Essaye, eine Wurtzel 881 Essenza di Bergamotto 885 F. Flores æris 894 G. Ging-ging 860 Gummi Chibou/ oder Gummi des Ara- bischen Gummibaums 890 Gummi von Senega 890 I. Jndigo Gatimalo, Indigo Gati- oder Guati- malo, auch Gontimalle 884 Kau- Register über die Anmerckungen. K. Ka ur is 884 Konigs-Naͤglein 883 Krafftmehl 894 Krebssteine 897 Kupfferblumen oder Kupfferkoͤrner 894 L. Lapis arabicus 876 Leberaloe 891 Lithomarga alba 876 M. Medulla saxorum 888 Mestica de Soho 851 Moxa, Chinesische 882 Muschelstein 899 N. Namphaͤ- und Pomerantzenbluͤten-Was- sers Unterschied 893 Nisi, eine Wurtzel 860 . seqq. O. Oxipetra Romanorum Pharisiani 880 P. Pedro de Porco, Pedro de Vassar, Piedro de Puer- co, Pierre de Porc 851 Pockenstein 898 Porcellain, Chinesisches 881 Q. Qvecksilber, und dessen Bereitung in Friaul 847 . seqq. R. Radix Britannica 880 Realgar 890 Regenbogenstein 899 S. Sal polychrestum 888 Scharlachkoͤrner 895 Schlangenstein 871 Schneckenstein/ Conchites 899 Schweinstein, wilder kostbarer aus West- Jndien 851 Spiesglasleber 889 Stachelschweinstein, Malaccischer oder Jndianischer 853 Sternanis 883 Sternstein 899 T. Tragea sancti Rocchi 885 W. Wacholderbeeren Zurichtung zu oben ge- setzter Tragea 886 Wallrath 898 Z. Zinck in grossen Kuchen 897 Zinober/ und unterschiedene Sor t en 893 ENDE.