Lehrbuch der Landwirthschaft auf wissenschaftlicher und praktischer Grundlage. Von Dr. Guido Krafft, Docent an der k. k. technischen Hochschule in Wien und Redacteur des „österreichischen landwirthschaftlichen Wochenblattes“. Erster Band. Allgemeine Ackerbaulehre. Mit 133 in den Text gedruckten Holzschnitten. Berlin, Verlag von Wiegandt, Hempel \& Parey. Verlagsbuchhandlung für Landwirthschaft, Gartenbau und Forstwesen. 1875. Allgemeine Ackerbaulehre auf wissenschaftlicher und praktischer Grundlage. Von Dr. Guido Krafft, Docent an der k. k. technischen Hochschule in Wien und Redacteur des „österreichischen landwirthschaftlichen Wochenblattes“. Mit 133 in den Text gedruckten Holzschnitten. Berlin, Verlag von Wiegandt, Hempel \& Parey. Verlagsbuchhandlung für Landwirthschaft, Gartenbau und Forstwesen. 1875. Lehrbuch der Landwirthschaft. Erster Band. Vorwort. D ie Anforderungen, welche an ein auf der Höhe der Zeit stehendes Lehrbuch der Landwirthschaft berechtigterweise gestellt werden müssen, sind so mannigfaltiger und schwerwiegender Natur, daß es erklärlich wird, weshalb verhältnißmäßig selten Zeit und Wissen von dazu Berufenen aufgewendet werden, um dem allgemein ausgesprochenen Verlangen nach solchen Werken zu entsprechen. Wenn ich auch weit entfernt bin, mich als Berufenen zu wähnen, so finde ich doch den Muth, die Arbeit zu beginnen in der sicheren Hoffnung einer nachsichtigen Aufnahme, falls es mir in Anbetracht der oft unüber- windlich scheinenden Schwierigkeiten nicht überall gelingen sollte, jene Vollkommenheit zu erreichen, welche ich selbst gerne meiner Arbeit geben möchte. An redlichem und eifrigem Bestreben das nach mehrjährigen Vor- arbeiten mit Lust und Liebe unternommene Werk zur Zufriedenheit zu gestalten, will ich es nicht fehlen lassen. Zu jenen Vorarbeiten kamen noch zahlreiche Studienreisen, welche mich im Verlaufe der Zeit von Südfrankreich bis nach Schweden, von den Rheinlanden bis in die ungarische Steppe führten, sowie während einer vorübergehenden Unterbrechung meiner Lehrthätigkeit die seltene Gelegenheit in die Verwaltung eines der vorgeschrittensten und ausgedehntesten Großgrundbesitze Oesterreichs des Besitzes des Fürstenhauses Schwarzenberg in Böhmen die genaueste Einsicht nehmen zu können. Das dabei gewonnene Beobachtungsmaterial soll die weitgehendste Verwerthung finden. Mit meiner Arbeit wende ich mich sowohl an jene, welche sich in der Schule oder durch Selbststudium für den schönen und edlen Beruf eines Land- wirthes vorbereiten und ausbilden wollen, als auch an jene ausübenden, praktischen Landwirthe, welche über die hervorragendsten Forschungen auf landwirthschaftlichem Gebiete im Laufenden bleiben wollen und für ihr Thun und Lassen einen — so hoffe ich — nicht unzuverlässigen Rathgeber zu er- halten wünschen. Die Eintheilung und Behandlung des Stoffes ist aus den einleitenden Bemerkungen zu dem vorliegenden ersten Theile des Werkes, welchem noch drei weitere folgen werden, zu entnehmen. Das Aufsuchen zahlreicher Einzel- heiten wird ein sehr ausführliches Register ermöglichen, welches gleichzeitig mit dem Schlußtheile ausgegeben werden wird. Zur Erläuterung des Textes dienen zahlreiche Holzschnitte, bei deren Aus- wahl die Absicht maßgebend war, mit möglichster Vollständigkeit gleichsam typisch gewordene Formen zur Anschauung zu bringen. Möchte es mir vergönnt sein, stets die richtige Fährte zur Erreichung des schönen Zieles einzuhalten, damit die aufgewendete nicht geringe Mühe und Zeit nicht ganz ohne Erfolg bleiben! Wien , im Jänner 1875. Dr. Guido Krafft. Inhalt. Seite Einleitung 1 I. Allgemeine Ackerbaulehre. I. Das Pflanzenleben. 1. Die Vertheilung des Stoffes im Pflanzenkörper 6 2. Die Bildung des Stoffes im Pflanzenkörper 15 1. Die Pflanze während der Keimung 16 2. Die Pflanze während der Vege- tation 19 3. Die Pflanze während der Blüthe und Fruchtbildung 25 II. Der Boden. 1. Die Entstehung und Ablage- rung des Bodens 29 2. Die Bestandtheile des Bodens 32 1. Die veränderlichen Gesteinstrümmer und der veränderliche Sand 33 2. Die Bodenskelettheile 36 a. Der Quarz 36 b. Der Thon 36 c. Der Kalk und die Magnesia 37 d. Der Humus 38 3. Die Bodennährstoffe 40 3. Die allgemeinen Eigenschaf- ten des Bodens und seiner Bestandtheile 43 1. Das Absorptionsvermögen des Bodens 43 Seite 2. Die physikalischen Eigenschaften des Bodens 45 1. Specifisches Gewicht 45 2. Lockerheit und Bündigkeit 45 3. Adhäsion des Bodens 46 4. Wasserfassende Kraft 46 5. Wasserhaltende Kraft 46 6. Capillarität 47 7. Wärmeleitungsfähigkeit des Bodens 47 8. Wärmecapacität 47 4. Die Bodenarten 48 1. Der Geröll- oder Kiesboden 48 2. Der Sandboden 48 a. Flugsand 50 b. Loser Sandboden 50 c. Lehmiger Sandboden 50 3. Der Thonboden 50 a. Strenger Thonboden 51 b. Gewöhnlicher Thonboden 51 c. Milder oder lehmiger Thon- boden 51 4. Der Lehmboden 51 a. Strenger oder thoniger Lehm- boden 52 b. Milder oder gewöhnlicher Lehmboden 52 c. Sandiger Lehmboden 52 5. Der Mergelboden 52 a. Thonmergelboden 53 b. Lehmmergelboden 53 c. Kalkmergelboden 53 d. Sandmergelboden 53 6. Der Kalkboden 53 7. Der Salz-, der Gypsboden ꝛc. 54 1. Der Salzboden 54 Seite 2. Der Dolomitboden 54 3. Der Gypsmergel und Gypsthon 54 4. Der eisenschüssige Boden 55 8. Der Humusboden 55 a. Humushaltige Bodenarten 55 b. Humusboden 56 III. Die natürliche Lage. 1. Die allgemeine Lage in kli- matischer Beziehung 57 1. Die Luft 58 2. Das Wasser 59 3. Das Licht 62 4. Die Wärme 63 2. Die besondere oder örtliche Lage 65 IV. Die Melioration. 1. Die Urbarmachung 67 1. Die Waldrodung 67 2. Der Weide- und Wiesenaufriß 68 3. Die Urbarmachung von Heideland 68 2. Die Standortsverbesserung 69 1. Die Entwässerung 69 a. Die Entwässerung durch Schutz- dämme 70 b. Die Entwässerung durch Aende- rung des Wasserspiegels 71 c. Die Entwässerung durch Aus- schöpfen 71 d. Die Entwässerung durch Ver- sickerungsgruben, Schachte 71 e. Die Entwässerung durch offene Gräben 71 f. Die Entwässerung durch gedeckte Abzüge 73 g. Die Röhrendrainage 74 2. Das Beseitigen der Steine 81 3. Die Bindung von Sandschollen 82 4. Das Bodenbrennen 83 5. Die Cultur des Moorbodens 84 6. Die Anschlemmung mit Erde 86 7. Das Ebenen des Bodens 87 8. Die Anpflanzung von Gehölzen 88 V. Die Bodenbearbeitung. 1. Die Handgeräthe zur Boden- bearbeitung 93 Seite 1. Der Spaten 93 2. Die Grabgabel und die Haue 94 2. Der Haken 95 3. Der Pflug 96 1. Die Wirkungsweise des Pfluges 97 2. Die Bestandtheile des Pfluges 100 1. Das Sech 100 2. Das Schar 101 3. Das Streichbrett 103 4. Die Griessäule 104 5. Die Sohle 105 6. Der Pflugbaum 105 7. Die Sterzen 106 8. Die Zugvorrichtung 106 3. Das Zugkrafterforderniß des Pfluges 109 1. Die Bodenbeschaffenheit 109 2. Die Pflugconstruction 109 3. Das Pfluggewicht 110 4. Die Länge und Beschaffenheit des Streichbrettes 110 4. Die Pflugformen 111 1. Schwing-, Stelz- und Räder- pflüge 112 2. Gewöhnliche und Untergrunds- Pflüge 113 3. Beet-, Glatt-, Schütt- u. Häufel- pflüge 113 4. Ein- und mehrscharige Pflüge 115 4. Die Bodenlockerungsgeräthe 116 1. Schälpflüge 116 2. Scarificatoren 117 3. Exstirpatoren 117 4. Grubber 119 5. Wühler 119 5. Das Pflügen 121 1. Der Zeitpunkt für das Pflügen 121 2. Die Tiefe und Breite des Pflügens 122 3. Die Tiefcultur 124 4. Die Gestaltung der Bodenober- fläche 126 a. Ebenbau 127 b. Beetbau 127 c. Kammbau 129 5. Die Zahl der Pflugfurchen 131 6. Die Brache 133 7. Die Leistungsfähigkeit des Pfluges 136 6. Die Egge 136 7. Die Walze 141 8. Die Schleife 146 9. Die Dampfculturgeräthe 147 Seite VI. Die Düngung. 1. Die absoluten Düngemittel 159 1. Der Stallmist 159 a. Die Excremente der Thiere 159 b. Das Streumaterial 163 c. Die Stallmistarten 164 1. Der Rindviehmist 164 2. Der Schafmist 166 3. Der Pferdemist 167 4. Der Schweinemist 167 d. Die Düngerbehandlung 168 a. Verwendung in frischem Zu- stande 168 b. Veränderungen im Stallmist 168 c. Stallmistzusätze 170 d. Düngerbereitung im Stalle 171 e. Düngerbereitung auf der Düngerstätte 171 f. Düngerverwendung 173 g. Stärke und Dauer der Düngung 176 2. Die Jauche und die flüssige Düngung 176 3. Die menschlichen Excremente 178 4. Der Compostdünger 181 2. Die relativen Düngemittel 182 a. Anwendung der Hilfsdünger 183 b. Düngungsversuche 184 c. Düngerstreumaschine 186 d. Eintheilung der Hilfsdünger 187 1. Die Stickstoffdünger 188 a. Chilisalpeter 188 b. Ammoniaksalze 188 2. Die Stickstoffphosphate 188 a. Peruguano 189 b. Fischguano 190 c. Excremente des Hausgeflügels 190 3. Die Phosphatdünger 190 a. Phosphatguano 190 b. Phosphorite ꝛc. 190 c. Superphosphate 190 d. Knochen und Knochenpräparate 191 4. Die Kalidünger 192 a. Holzasche 192 b. Abraumsalze 193 3. Die indirect wirkenden Düngemittel 194 1. Der Gyps 195 Seite 2. Der Kalk 196 3. Der Mergel 197 4. Das Kochsalz 198 5. Die Erd- und Schlammdüngung 198 6. Die Ernterückstände 199 7. Die Gründüngung 201 VII. Die Saat. 1. Die Auswahl des Saatgutes 204 1. Die Beschaffenheit des Samens 204 a. Keimfähigkeit 204 b. Keimprobe 205 c. Aeußere Beschaffenheit 206 2. Die Reinheit des Samens 207 2. Die Samengewinnung und der Samenwechsel 208 3. Die Saatzeit 210 1. Der Winteranbau 210 2. Der Sommeranbau 211 3. Der Stoppelfruchtbau 212 4. Die Säemaschine 212 a. Wagengestell 213 b. Saatkasten 213 c. Samenvertheilungsapparat 214 d. Saatleitung 218 5. Die Saatmethode 220 1. Die breitwürfige Saat 220 2. Die Reihen- oder Drillsaat 221 3. Die Dibbel- oder Tüpfelsaat 222 4. Die Gemengsaat 224 5. Das Anquellen und Einbeizen der Samen 224 6. Die Saatmenge 225 7. Das Unterbringen des Sa- mens 226 8. Das Verpflanzen 228 VIII. Die Pflege. 1. Der Schutz gegen nachtheilige Witterungseinflüsse 230 2. Der Schutz gegen ungünstige Bodenzustände 235 1. Das Behacken der Pflanzen 236 a. Die Handhaue 236 b. Die Pferdehacke 236 c. Die Hackarbeit 239 2. Das Anhänseln der Pflanzen 240 Seite 3. Der Schutz gegen schädliche Pflanzen und Thiere 240 1. Das Vertilgen der Unkräuter 241 2. Das Vereinzeln der Cultur- pflanzen 242 3. Der Schutz gegen Pflanzenkrank- heiten 243 4. Die Abwehr schädlicher Thiere 244 IX. Die Ernte. 1. Die Mähmaschine 246 1. Das Wagengestell 246 2. Die Betriebsvorrichtung 247 3. Der Schneideapparat 247 4. Die Zuführungs- und Ablegevor- richtung 250 2. Die Ernte grüner Pflanzen 253 1. Die Grünfutterernte 254 2. Die Dürrheubereitung 255 a. Heubereitung 256 b. Heuwendemaschine 257 c. Pferderechen 257 d. Trockenvorrichtungen 258 3. Die Braun- und Brennheube- reitung 259 4. Die Sauerfutterbereitung 260 Seite 5. Das Aufbewahren des Heues 261 3. Die Frucht- und Strohernte 262 1. Das Abschneiden der Frucht 265 2. Das Trocknen der abgeschnittenen Frucht 267 3. Das Einführen der Frucht 270 4. Das Aufbewahren der Frucht 271 5. Das Ausbringen der Körner aus dem Stroh 273 6. Das Reinigen und Sortiren der Körner 274 a. Getreidereinigungsmaschine 275 b. Unkraut-Auslesemaschine 276 c. Sortirmaschine 277 7. Das Aufbewahren von Stroh und Körnern 278 4. Die Dreschmaschine 281 1. Die Göpeldreschmaschine 282 2. Die combinirte Dreschmaschine 285 5. Die Knollen und Wurzel- ernte 290 a. Ernteverfahren 290 b. Kartoffelaushebepflug 291 c. Rübenheber 292 d. Aufbewahrung 293 6. Die Ernte einzelner Pflan- zentheile 294 Einleitung. D ie Landwirthschaft umfaßt alle jene Unternehmungen, deren Aufgabe darin besteht, Stoffe und Kräfte, welche an den Boden und die Atmosphäre gebunden sind, durch die Vermittelung des vegetabilischen und thierischen Lebens frei zu machen, damit dieselben entweder unmittelbar als Thier- und Pflanzenkörper zur Befriedigung des menschlichen Nahrungsbedürfnisses oder mittelbar als verarbeitete vegetabilische und thierische Rohstoffe zur Befriedigung der weiteren Bedürfnisse, an Wärme, Licht, Schutz ꝛc., verwendet werden können. Für den Landwirth als Unternehmer tritt noch die wirthschaftliche Forderung hinzu von einer bestimmten Bodenfläche die größte und werthvollste Menge an Pflanzen und Thieren mit Rücksicht auf die Nachhaltigkeit des Ertrages und den wirtschaft- lichen zu Nutzen erzielen. Um die allgemeine Aufgabe der Landwirthschaft zu erfüllen, wird für den Land- wirth die Erkenntniß der Gesetze von dem Kreislaufe und der Erhaltung des Stoffes und der Kraft, welche den Inhalt der Naturwissenschaft bildet, von entscheidendem Einflusse sein. Zur Lösung der speciellen Aufgabe muß der Landwirth nicht nur die naturwissenschaftlichen, sondern auch die volkswirthschaftlichen Gesetze zur Richtschnur für sein Handeln nehmen. Früher vor dem Erscheinen des Thaer'schen Werkes: „Grundsätze der rationellen Landwirthschaft (1809—1811)“, beschränkte sich die Lehre von der Landwirthschaft auf die Darlegung des „Könnens“, wie dasselbe durch die Erfahrung festgestellt wird; sie hatte daher nur den Anspruch auf die Bezeichnung Landwirthschaftskunde . Das Thaer'sche Werk bildete den Uebergang zur neueren Auffassung der Lehre der Landwirthschaft, welche durch Liebig's „Die organische Chemie in ihrer An- wendung auf Agricultur und Physiologie (1841)“ angeregt, die jetzt herrschende geworden. Nach derselben erhebt sich die Lehre der Landwirthschaft zur Darlegung des „Könnens und Wissens“, indem sie die einzelnen durch Erfahrung und Beobachtung festgestellten Wahrheiten als organische Folge des Wesens der Natur- und Wirth- schaftsgesetze — als deren oberstes das Gesetz der Ursache und Wirkung zu gelten hat — erkennt. Sie verdient als solche die Bezeichnung Landwirthschafts- wissenschaft . Krafft, Lehrb. d. Landw. I. 1 Einleitung. Die Ausbildung der Landwirthschaftswissenschaft ist nicht nur von ihrer eigenen fortschrittlichen Entwickelung abhängig, sondern auch von dem Fortschritte in der Ausbildung der Natur- und Wirthschafts-Wissenschaften, welche zu ersterer in das Verhältniß von begründenden Hilfswissenschaften Anderseits wird die Landwirthschaftslehre eine Hilfswissenschaft für andere Dis- ciplinen, wie für die Landwirthschaftsgeschichte, Landwirthschaftsstatistik, Landwirthschafts- politik, Agrargesetzgebung, Agriculturmeteorologie, Agriculturchemie, Agriculturphysik, Landwirthschaftsbaukunde ꝛc. treten. Durch dieses Verhältniß ergiebt sich von selbst der hohe Werth, welcher sowohl einer gründlichen naturwissen- schaftlichen als auch volkswirthschaftlichen Vorbildung für das erfolgreiche Studium der Landwirthschaftswissenschaft zukommt. Im Besonderen hat die Lehre der Land- wirthschaft die Kenntniß der Zoologie, Botanik, Mineralogie, Physik, Chemie, Ana- tomie, Physiologie und Volkswirthschaftslehre zur Voraussetzung. Das wahre Ver- ständniß der Landwirthschaftswissenschaft, wie jeder menschlichen Wissenschaft, ergiebt sich jedoch erst dann, wenn alle gegenwärtige Erkenntniß nur als ein Entwickelungsstadium der Zukunft aufgefaßt wird, welche allein den Maßstab zur Unterscheidung des Wahren von dem Falschen abgiebt. In Uebereinstimmung mit der allgemeinen und speciellen Aufgabe der Land- wirthschaft gliedert sich die Landwirthschaftslehre in die Productionslehre , welche die Anwendung der Naturgesetze auf die landwirthschaftliche Production, und in die Betriebslehre , welche die Anwendung der Natur- und Wirthschaftsgesetze auf die landwirthschaftliche Unternehmung zum Inhalte hat. Die Production bezieht sich entweder auf Pflanzen oder Thiere. Die Pflanzen- productionslehre läßt den Wald-, Wein-, Obst- und Gemüse-Bau unberücksichtiget und erstreckt sich nur auf jene Pflanzen, welche auf dem Acker oder der Wiese cultivirt werden. Die Pflanzenbaulehre (Phytotechnik) erhält daher richtiger die Bezeichnung Ackerbaulehre (Agronomie). Von der Ackerbaulehre und der Thierzuchtlehre (Zootechnik) läßt sich wieder ein allgemeiner Theil von einem besonderen Theile abtrennen. Die Landwirthschaftslehre gliedert sich demnach in die: 1. Allgemeine Ackerbaulehre . (Allg. Pflanzenbau.) 2. Besondere Pflanzenbaulehre . 3. Allgemeine Thierzuchtlehre . 4. Besondere Thierzuchtlehre . 5. Betriebslehre . I. Allgemeine Ackerbaulehre. 1* D er Ackerbau hat die Aufgabe, Stoffe und Kräfte, welche an den Boden und die Atmosphäre gebunden sind, durch Vermittelung des vegetabilischen Lebens für den menschlichen Verbrauch geeignet zu machen. Die Pflanze bildet das vermittelnde Moment zwischen der unbelebten Natur und dem animalischen Leben, sie allein vermag aus dem Boden Material zum Auf- baue ihres eigenen und indirect des Thierkörpers zu entnehmen, sofern ihr nur die Kraft in ihren verschiedenen Bewegungsformen als Wärme, Licht, Elektricität, Schwer- kraft, chemische Verwandtschaft zur Verfügung steht. Die Lehre vom Ackerbaue hat daher von der Kenntniß des Pflanzenlebens (Phytobiologie) auszugehen und die Bedingungen für dasselbe wie Stoff und Kraft, Boden und Atmosphäre festzustellen, um ermitteln zu können, inwiefern es möglich, entweder abgesehen von dem wirthschaftlichen Vortheile — durch den wissenschaftlichen Versuch — oder mit Rücksicht auf denselben — durch die praktische Ausführung —, einen Einfluß auf das Pflanzenleben zu gewinnen. Dieser Einfluß erstreckt sich entweder auf eine Umänderung des Pflanzenstandortes durch Melioration und Bodenbearbeitung, oder auf eine Vermehrung der Pflanzennährstoffe durch Düngung, oder schließlich auf eine Unterstützung des Pflanzenlebens während der einzelnen Entwickelungsstadien als des Keimens, Wachsens und Reifens der Pflanze. Demzufolge hat die allgemeine Ackerbaulehre zu umfassen: 1. Das Pflanzenleben . 2. Den Boden . 3. Die Atmosphäre . (Natürliche Lage.) 4. Die Melioration . 5. Die Bodenbearbeitung . 6. Die Düngung . 7. Die Saat . 8. Die Pflege . 9. Die Ernte . Allgemeine Ackerbaulehre. I. Das Pflanzenleben. Das Verständniß der Lebensvorgänge in der Pflanze wird wesentlich erleichtert, wenn die Entwickelungsvorgänge in den elementaren Formbestandtheilen der Pflanze getrennt betrachtet werden von jenen, welche sich in der Gesammtheit des Pflanzen- organismus ergeben Nachdem es die Grenzen eines Lehrbuches der Landwirthschaft überschreiten würde, wenn wir über die morphologischen und physiologischen Verhältnisse der Pflanzen mehr als einen allgemeinen Abriß geben wollten, so empfehlen wir zu eingehenderen Studien: Dr. J. Sachs, Lehrbuch der Botanik, 2. Auflage, Leipzig 1871, u. W. Hofmeister, Handbuch der physiologischen Botanik, 4. Bd.: J. Sachs, Handbuch der Experimental-Physiologie der Pflanzen, Leipzig 1865. . Die Betrachtung nach der ersten Richtung gewährt Aufklärung über die Vertheilung des Stoffes und der mit demselben verbundenen Kraft, nach der anderen Richtung Aufklärung über die Bildung des Stoffes und die Verwendung der Kraft durch die Lebensthätigkeit der Pflanze. 1. Die Vertheilung des Stoffes im Pflanzenkörper. Den elementaren Formbestandtheil des Pflanzenorganismus bildet die Zelle . Dieselbe besteht anfänglich als sog. hautlose oder primordiale Zelle aus einem Klümpchen einer zähflüssigen, unelastischen, quellbaren Substanz, dem Protoplasma . Das Protoplasma läßt eine wasserhaltige, hyaline, überwiegend aus stickstoffhaltigen Eiweißstoffen zusammengesetzte Grundsubstanz erkennen, in welcher Kohlehydrate und, meist als feine Körnchen, Stärkemehl und Fett vertheilt sind. Dasselbe zeigt die gleichen chemischen Reactionen wie die Eiweißstoffe Caseïn, Fibrin und Albumin, indem es wie diese bei der Behandlung mit Jod gelb bis braun, und bei Behandlung mit Zuckerlösung und darauf folgendem Zusatze von concentrirter englischer Schwefel- säure rosenroth gefärbt wird. Die Primordialzellen kommen bei den Samenpflanzen (Phanerogamen), welche der Landwirth vorzugsweise zu berücksichtigen hat, nur vorübergehend bei der sog. freien Zellbildung in dem Embryosacke des weiblichen Blüthentheiles vor. Bei dem weiteren Vorschreiten der freien Zellbildung entsteht zunächst in dem Fig. 1. Zellen aus dem Vege- tationskegel e. Kartoffelstengels. 1. Zellkern ( nucleus ), 2. dessen Ein- schlüsse Kernkörperchen ( nucleoli ). Protoplasmaklümpchen eine Verdichtung zu einem rundlichen Körper, der Zellkern , Fig. 1, und durch Ausscheidung aus dem jederzeit körnchenfreien Rande (Hautschicht) des Proto- plasmas und durch Umwandlung der in diesem enthaltenen Stärke ein elastisches, stickstofffreies, aus Cellulose bestehendes dünnes Häutchen, die Zellhaut (Zellmembrane). Die Zell- haut ist für Wasser durchdringbar, in Alkohol, verdünnten Säuren und Alkalien unlöslich, dagegen in Kupferoxyd- Ammoniak (Cuoxam) löslich. Durch Schwefelsäure wird Das Pflanzenleben. sie derart verändert, daß sie durch Jod, wie Stärkemehl, intensiv blau gefärbt wird, während Jod allein keine Färbung hervorbringt. In dieser Form als Zellen mit einer festen Haut, bilden sie in mannigfaltiger Verbindung das Zellgewebe , aus welchem sich der ganze Pflanzenkörper auf- baut. In demselben erfolgt sowohl bei der keimenden als wachsenden Pflanze die weitere Neubildung von Zellen, mit Ausnahme jener freien Zellbildung im Embryo- sacke, durch die Theilung einer Mutterzelle in mehrere, gewöhnlich zwei Tochter- zellen. Diese Theilung bei der Tochterzellbildung wird gewöhnlich durch das Verschwinden des Zellkernes in der Protoplasmamasse eingeleitet; an dessen Stelle erscheinen zwei neue durch eine hyaline Protoplasmaschichte getrennte Zellkerne. In der hyalinen Schichte wird plötzlich eine Zellhaut ausgeschieden, welche die Trennung der ursprünglichen Mutterzelle in die neuen Tochterzellen vollendet. Diese Tochterzellbildung findet nur an jenen Stellen der Pflanze statt, welche protoplasmagefüllte Zellen aufzuweisen haben, denn sobald das Protoplasma, dieser Träger der organischen Thätigkeit in der Pflanze, verbraucht ist, hört die Ent- wickelungsfähigkeit der Zelle auf. Zellen dieser Art bilden das fortbildungsfähige Gewebe ( Urmeristem , Nägeli), Fig. 2, V , welches sich stets an den Vegetationspunkten der Pflanze, der Spitze jedes Stammes (Zweiges und nahe der Spitze jeder Wurzel findet. Dieses fort- bildungsfähige Gewebe bewirkt das Längenwachsthum der Pflanze an Stamm und Wurzel. Ebenso finden sich derartige theilungsfähige Zellen an der Basis der Blätter und in jenem, Cambium genannten, Theile gewisser Gewebeformen (Gefäß- bündel, Fibrovasalstränge), welche die Wurzel, den Stamm und das Blatt durch- ziehen und durch welche das Dickenwachsthum der Pflanze herbeigeführt wird. Bei dem weiteren Wachsthume des Urmeristems, welches ein gleichartiges Zell- gewebe darstellt, gehen aus dessen einzelnen Zellschichten unter Vergrößerung und mannigfaltiger Formveränderung der Zellen ungleichartige Gewebesysteme hervor. Zunächst sucht sich die Pflanze aus dem Urmeristeme durch die Bildung einer Oberhaut ( Epidermis, E ) nach außen abzuschließen. Innerhalb des von der Oberhaut begrenzten Pflanzenkörpers sondert sich dann aus den Gewebemassen des Urmeristemes ein Grundgewebe — Mark M , und Rinde RP , — von strang- artigen Gewebemassen, den Gefäßbündeln (Fibrovasalsträngen G ) ab. Die Zellen dieser drei Gewebesysteme haben denselben Entwickelungsverlauf, nur bleiben sie auf verschiedenen Stufen der Entwickelung stehen. Die Verfolgung dieses Ver- laufes giebt uns Gelegenheit, auf die Vertheilung des Stoffes im Pflanzenkörper näher einzugehen. Die Zellen des Urmeristemes verharren in der lebenden Pflanze stets in einem gewissen Jugendzustande, der dadurch charakterisirt ist, daß die Zellen stets mit Protoplasma erfüllt bleiben. Eine weitere Entwickelungsstufe erreichen die Zellen des Markes (Fig. 4, MK ) und zum Theile jene der Rinde . In denselben scheidet sich aus dem körnigen Protoplasma eine wässerige Flüssigkeit, der eigentliche Zellsaft , aus. In dem Allgemeine Ackerbaulehre. Fig. 2. Längsschnitt durch einen zur Knolle anschwellenden Tragfaden (Zweig) der Kartoffel, nach Sorauer. — V Vegetationsspitze (Urmeristem); E Epidermis; M Markkörper; RP Rindenparenchym; G Spiralgefäße als Anfänge der Gefäßbündel; Bl , Bl 2 Gefäßanlagen der schuppenförmig bleibenden Blätter i; J Intercellularräume; Pc Procambium; C Cambium; Cu Cuticula; K Kork; KC Korkcambium (Phellogen); St mit Stärke, O mit Krystallen von oxalsaurem Kalk gefüllte Zellen. Das Pflanzenleben. Maaße, als sich diese Ausscheidung vermehrt, verringert sich das Protoplasma bis dasselbe nur mehr einen Wandbeleg in der Zelle, den Primordialschlauch , Fig 3, 2., bildet. Derselbe kann oft erst durch Behandlung mit wasserentziehenden Mitteln, wie Schwefelsäure, nachgewiesen werden, unter deren Einwirkung er sich zusammenzieht und von der Zellwand ablöst. Von dem Primordialschlauche gehen oft viel verzweigte Plasmaströmungen und Fäden, 2, durch das Lumen der Zelle zu dem stets im Protoplasma eingebettet bleibenden Zellkerne. Der ausgeschiedene Zellsaft besteht aus einer wässe- rigen Lösung von Eiweißstoffen, Zucker, Gummi, Gerbstoffen, Pectinstoffen, Pflanzensäuren, Alkaloiden, Salzen, in der sich auch häufig feste Ausscheidungen wie Stärkekörner, Oeltröpfchen und Krystalle finden. Derselbe dient nicht nur als Lösungs- und Trans- portmittel für die Nahrungsstoffe und für die über- Fig. 3. Jugendliche Parenchym- zellen. — 1. Vacuolen (mit Zellsaft er- füllte Hohlräume); 2. Protoplasma- stränge; 3. Primordialschlauch; 4. Chloro- phyllkörper. flüssig gewordenen Stoffwechselproducte, sondern nimmt durch seinen Gehalt an Wasser unmittelbaren Antheil an dem Aufbaue der Zellhaut, des Protoplasmas, der Stärkekörner ꝛc. In den Zellen, welche das parenchymatische Blattgewebe und die grünen Rinden- schichten des Stengels bilden, entstehen überdies aus körnchenfreiem Protoplasma kleine, anfänglich gelb gefärbte, dann unter Licht- und Wärmeeinfluß ergrünende Körner, Chlorophyllkörner , welche, wie der Zellkern, stets nur im Protoplasma vor- kommen. In den Chlorophyllkörnern erscheinen in wechselnden Mengen Stärkekörner, welche, wie die Chlorophyllkörner selbst, im Herbste vor dem Abfalle der Blätter wieder aufgelöst und dem Stamme zugeführt werden. Zuweilen sind die Stärke- einschlüsse so zahlreich, daß der grüne in Alkohol und Aether lösliche Farbstoff, das Chlorophyll, nur einen feinen Ueberzug auf den Körnern bildet. Durch diese Bildung von Stärke oder von neuer organischen Substanz aus den aufgenommenen Pflanzen- nährstoffen (Assimilation) erlangen die Chlorophyllkörner eine hohe Bedeutung für das Pflanzenleben. Die Entwickelungsvorgänge der Zellen des Grundgewebes (Mark und Rinde) sind daher vorzugsweise durch die Veränderungen des Zellinhaltes charakterisirt. Bei dem zweiten Gewebesysteme, den Gefäßbündeln , beziehen sich dagegen die stofflichen Umänderungen, neben dem Zellsafte, auch noch auf die Zellhaut . Der Zellinhalt erfährt ähnliche Veränderungen wie in den Zellen des Grund- gewebes. Im jugendlichen Zustande nach der Differenzirung aus dem Urmeristeme werden die Gefäßbündel von protoplasmahaltigen Zellen, dem Procambium , Fig. 2, Pc , gebildet. Bei der weiteren Differenzirung des Procambiums in Ge- fäße und Holzzellen wird das Protoplasma zur Bildung des Zellsaftes und der Verdickungsschichten verbraucht. Noch später tritt in den Gefäßen und Holzzellen Allgemeine Ackerbaulehre. an Stelle des Zellsaftes Wasser oder Luft, so zwar daß nur die verholzte und ver- dickte Zellwand allein übrig bleibt. Die Zellhaut erleidet nicht nur durch die Einlagerung von weiterem aus dem Protoplasma ausgeschiedenen Zellstoffe (Cellulose), sondern auch von Wasser und von unverbrennlichen Stoffen (Aschenbestandtheilen) mannigfaltige Veränderungen. Die Einlagerung von neuem Zellstoffe und von Wasser macht sich durch eine eigen- thümliche Streifung und Schichtung der Zellhaut bemerklich; sie führt zu einer all- mähligen Verdickung der Zellwand. Diese Verdickung erstreckt sich gewöhnlich nicht gleichmäßig über alle Theile der Zellwand, sondern einzelne Stellen — in benach- barten Zellen immer an demselben Orte — bleiben unverdickt. Die Verdickungs- schichten erscheinen daher entweder wie bei den Gefäßen, Fig. 4, PG , — langen röhrenförmigen Gebilden, welche durch Auflösung der Querwände zahlreicher in einer Reihe übereinander liegender Zellen entstehen — in Form von Ringen, Spiralen, Gittern, Treppen, oder wie bei den Holzzellen in Form von behöften Tüpfeln. Mit der Verdickung der Zellwand ist gewöhnlich eine theilweise Umwandlung des Zellstoffes in Holzstoff (Verholzung) verbunden. Der Holzstoff (Lignin) unter- scheidet sich von dem Zellstoffe dadurch, daß er nicht wie dieser durch Jod und Schwefelsäure blau gefärbt wird. Concentrirte Schwefelsäure greift den Zellstoff an und läßt den Holzstoff übrig. Durch Kochen in Salpetersäure mit chlorsaurem Kali wird dagegen der Holzstoff aufgelöst, während der Zellstoff nicht angegriffen wird. Besondere Erwähnung verdient die verschiedene Ausbildung der Gefäßbündel bei den beiden großen Gruppen der Samenpflanzen. Bei den monocotylen Pflanzen wird das Procambium vollständig in nicht mehr wachsthumfähiges Dauergewebe oder in sog. geschlossene Gefäßbündel umgewandelt, welche aus Gefäßen, Gitter und Holzzellen zusammengesetzt werden. Bei den dicotylen Pflanzen bleibt dagegen in den sog. offenen Gefäßbündeln ein Zellgewebe, das Cambium , Fig. 4, C , in fortbildungsfähigem Zustande. In letzterem Falle entstehen aus dem fortwachsenden Cambium auf der einen der Pflanzenachse zugekehrten Seite stark verholzte, von Ge- fäßen durchzogene Holzzellen HK , auf der entgegengesetzten Seite der elastische, saftige Weichbast und die zähen, festen, meist stark verdickten echten Bastzellen B. Das dritte Gewebesystem, die Oberhaut E , hat verhältnißmäßig nur eine kurze Lebensdauer. Da sich dieselbe nicht vergrößert, so wird sie bei dem Dickenwachs- thume der Pflanze, wie bei mehrjährigen Stämmen und Wurzeln, bald abgestreift. Die Epidermis bildet gewöhnlich nur eine einreihige Zellschicht an der Ober- fläche des Pflanzenkörpers, welche dadurch charakterisirt ist, daß sich die freie Außen- fläche dieser Zellen, unter gleichzeitiger Verdickung, in eine vom Wasser nicht benetz- bare und für Wasser und Luft undurchdringliche Substanz, die Cuticula , Fig. 2, Cu umwandelt. Wird die Epidermis bei fortschreitendem Wachsthume der Pflanze abgestreift oder sonst wie durch Verletzung entfernt, so entsteht aus einer Zelllage unter der Epidermis ein complicirtes, luftführendes Gebilde, der Kork , Fig. 2, K , welcher die Pflanze noch viel ausgiebiger gegen Außen schützt. Das Pflanzenleben. Die cuticularisirte oder verkorkte Zellwand wird zum Unterschiede von der ver- holzten Zellwand auch nach dem Kochen in Kali von Jod und Schwefelsäure nicht Fig. 4. Querausschnitt durch einen jungen Kartoffelstengel, nach Sorauer. — C Cambium'; HK Holz- körper (Xylemtheil des Gefäßbündels); PG Gefäße, Mn Markstrahlen; B Bastzellen (Phloemtheil); MK Markkörper; S Siebröhren; B 2 Bastzellen. O Zellen mit oxalsaurem Kalk; StR Stärkering (Gefäßbündel- scheide); RK Rindenkörper, Sch Leimgewebe (Collenchym, eigenthümlich verdickte, quellungsfähige Zellen); E Epidermis, Sp Spaltöffnung, A Athmungshöhle, H Haar. Allgemeine Ackerbaulehre. blau gefärbt und von concentrirter Schwefelsäure noch langsamer als die verholzte angegriffen. Trotz ihrer geringen Lebensdauer hat die Epidermis, wie später näher ausgeführt werden soll, durch die Ausstülpung von Haaren , Fig. 4, H , und durch die Bildung von Spaltöffnungen , Sp , an allen Pflanzentheilen mit Ausnahme der echten Wurzeln eine hohe Bedeutung für das Pflanzenleben. Außer der Verholzung, Cuticularisirung und Verkorkung kann die Zellwand auch noch weitere Veränderungen erfahren, welche jedoch in den verschiedensten Gewebe- systemen zum Vorscheine kommen. Zuweilen wird die Zellhaut in eine in Wasser stark aufquellende, gallertartige Masse verwandelt. Einer derartigen Verschleimung unterliegt z. B. die Zellhaut in den Endospermzellen des Hafers oder in den Oberhautzellen der Samenschale des Leines, des Rothklees, der Luzerne. Derartige Schleime werden nach J. Hofmeister mit Jod allein, wie Stärkemehl blau gefärbt. Nach J. Kühn J. Kühn. Die zweckmäßigste Ernährung des Rindviehes. 6. Aflg. Dresden 1873, S. 49. bestehen auch die Membranen des Zellgewebes in den Samenlappen des Leines aus einer solchen der Stärke sich analog verhaltenden Modification des Zellstoffes. Häufiger lagern sich auch unverbrennliche Stoffe, wie Kalk und Kieselsäure, in größeren Mengen in die Zellhaut ein. Diese mineralischen Einlagerungen bleiben beim Glühen des betreffenden Pflanzentheiles als Aschenskelet zurück. Kiesel- skelete erhält man z. B. durch Glühen der Gefäßzellen von Quercus suber, Phrag- mites communis etc. Bei den Gramineen verkieseln am häufigsten die Epidermis- zellen, besonders dort wo sich ein Haar ausstülpt. Kalkskelete geben die Gefäßzellen von Cucurbita pepo. Die Einlagerung von Kalk erfolgt übrigens auch in Form von Krystallen, welche zuweilen, wie in der Epidermis der Hopfenblätter, als Krystall- drusen (Cystolithen), in das Innere der Zelle hineinwachsen. Schließlich finden sich in den Zellen der verschiedensten Gewebesysteme, besonders in den meistens dünnwandig bleibenden Zellgeweben der Samen, Knollen, Zwiebeln, Knospen ꝛc. feste Ablagerungen von eiweißartigen Körpern, Fettkörnern, Stärke- körnern, Oeltröpfchen, Krystallen (Fig. 4, O ) u. s. w., welche größtentheils als so- genannte Reservestoffe zum Aufbaue neuer Zellen bei der wieder beginnenden Vegetation aufgespeichert werden. — Nach der chemischen Zusammensetzung lassen sich die mannigfaltigen festen und flüssigen Stoffe, welche den Pflanzenkörper aufbauen, je nach dem Vorhandensein von Stickstoff, in stickstoffhaltige und stickstofffreie Stoffe unterscheiden. Die stickstoffhaltigen Stoffe kommen vorzugsweise im Protoplasma vor, welches entweder im flüssigen, körnigen Zustande die jugendlichen Zellen erfüllt oder, wie in dem Endosperme der Samen, als steife, brüchige Masse abgelagert ist. Außer- dem kommt das Protoplasma in krystallähnlichen Formen, Krystalloiden , z. B. in den Kartoffelknollen, oder in rundlichen Klumpen mit Fett gemengt als sog. Aleuronkörner z. B. in den Kotyledonen der Hülsenfruchtsamen vor. Das Pflanzenleben. Das Protoplasma besteht vorzugsweise aus den Prote ï nstoffen, Eiweiß, Kleber und Pflanzencase ï n, welche aus Kohlenstoff (nach Ritthausen H. Ritthausen. Die Eiweißkörper der Getreidearten, Hülsensrüchte und Oelsamen Bonn 1872, S. 229. schwankend von 51.0—54.7 %), Wasserstoff (6.92—7.73 %), Sauerstoff (20.55—24.33 %), Stickstoff (15.6—18.4 %) und Schwefel (0.4—1.55 %) zusammengesetzt sind. Die größte Verbreitung im Pflanzenkörper erlangt von den verschiedenen Prote ï nstoffen das Pflanzeneiweiß (Pflanzenalbumin). Dasselbe ist in Wasser löslich und ge- rinnt bei dem Erhitzen auf 55—75° C. Der Kleber findet sich in der Kleberschicht (Fig. 7, S. 17), einer einfachen, bei Hafer, in der Nähe des Keimes, doppelten, bei Gerste dreifachen Zellreihe unter der Samenhaut der Getreidekörner. Derselbe besteht aus mehreren Formen von Prote ï nstoffen ( a. Gliadin [Pflanzenleim], b. Mucedin und c. Glutenfibrin [Pflanzen- fibrin]), welche sämmtlich in Alkohol und verdünnten Säuren löslich, und im wasser- haltigen Zustande eine zähe Masse bilden Das Pflanzencase ï n ( a. Legumin, b. Glutencase ï n, c. Conglutin) kommt am häufigsten in der in alkalischem Wasser leicht löslichen Modification des Legumin vor, welches in Form von zahlreichen, bei der Reife vertrockneten Protoplasmakörnchen, neben Stärke, die Zellen der Hülsenfrüchte, des Hafers (Avenin) und in sehr ge- ringen Mengen des Mais ausfüllt. Von den stickstofffreien , aus Kohlenstoff, Sauerstoff und Wasserstoff zu- sammengesetzten Stoffen werden die Kohlehydrate und von diesen, abgesehen von dem Zellstoffe und seinen Umwandlungsprodukten, das Stärkemehl in größter Menge in den Zellen der Samen, Knollen ꝛc. aufgespeichert. Die Stärke erscheint, je nach der Pflanzenart, in verschieden gestalteten Körnern, Fig. 5, welche durch abwechselnd wasserreiche und wasserarme Schichten einen concentrisch geschichteten Bau zeigen. Die einzelnen Schichten gruppiren sich stets um einen sehr wasserreichen Kern. Zuweilen finden sich wie in den zusammengesetzten Stärkemehlkörnern der Festucaarten und Polygoneen zwei und mehr Kerne. In den Samen von Weizen, Roggen und Gerste sind die Stärkemehl- körner einfach linsenförmig, in den Kartoffeln eiförmig, bei Mais, Hirse abgerundet eckig. Im kochenden Wasser quellen die Stärkekörner auf und zwar die weicheren, wasserreicheren Schichten schon bei 45° C. , die äußerste dichte, wasserärmste Schichte erst bei 70° C. Bei 86° C. ist die Quellung oder Verkleisterung vollständig eingetreten. Jedes Stärke- korn besteht aus Wasser, einer geringen Menge Asche und aus der Fig. 5. Stärkemehl- körner aus der Kar- toffelknolle. Stärkesubstanz (Amylum). Letztere besteht wieder aus einem leicht löslicheren Theile, der Granulose , welche von Jodlösung schön blau gefärbt wird, und aus einem schwerer löslichen Theile (2—6 %) der Stärke-Cellulose , welche, wie der verwandte Zell- stoff durch Jod gelb und erst bei Anwendung von Schwefelsäure blau gefärbt wird. Allgemeine Ackerbaulehre. Die Lösung der Granulose erfolgt bei dem Zerdrücken oder Zerreiben der Stärke- körner mit Quarzkörnern in Wasser oder durch Maceration in Speichel bei erhöhter Temperatur, ebenso durch die in den keimenden Samen sich bildende Diastase und durch die Einwirkung verdünnter Säuren. Bei der gleichmäßigen Mengung von Granulose und Cellulose in den Stärkekörnern werden diese bei beginnender Ein- wirkung des Lösungsmittels durch Ausziehen der Granulose allmählig corrodirt, bis schließlich bei längerer Einwirkung des Lösungsmittels auch die Stärke-Cellulose zum größten Theile gelöst wird. Bei der Keimung und dem Wachsthume der Pflanzen wird das Stärkemehl in Stärkegummi (Dextrin) und weiterhin in Traubenzucker übergeführt. Der letztere gleichfalls zu den Kohlehydraten gehörende Körper kommt, sowie der in den Rüben- wurzeln, den Halmen der Getreidepflanzen während der Blüthe, in manchen Früchten enthaltene Rohrzucker , gelöst im Zellsafte vor. Von weiteren stickstofffreien Stoffen finden sich in den Pflanzenzellen als nicht gelöste Ablagerungen die Pectin- oder Pflanzengallertstoffe . Dieselben sind höchst wahrscheinlich als Umwandlungsproducte der Zellhaut anzusehen, welche zu- nächst in die in Wasser unlösliche Pectose (Fr é my) übergeht. Aus der Pectose ent- stehen durch Einwirkung der Pflanzensäuren das lösliche gallertartige Pectin und Parapectin . Letztere bilden sich in den reifenden Früchten und in dem Safte der Wurzeln verschiedener Rübenarten. Mit Wasser quillt das Pectin erst bei einer höheren über 60° liegenden Temperatur an, eine Eigenschaft, welche bei der Zucker- gewinnung aus den Rübenwurzeln nach dem Robertschen Diffusionsverfahren (osmotische Maceration) ausgenützt wird. Zu den stickstofffreien Stoffen gehören schließlich die in mannigfaltigen Ver- bindungen oder im freien Zustande gelöst vorkommenden Pflanzensäuren , die in größter Menge in den Samen der Oelfrüchte enthaltenen fetten Oele , dann die Wachsarten , die ätherischen Oele , die Harze und die Pflanzenfarbstoffe . Vom allgemeinen Gesichtspunkte betrachtet, finden wir jeden Pflanzenkörper aus Wasser und Trockensubstanz zusammengesetzt. Letztere bleibt zurück, wenn man die Pflanze einer Temperatur von 100—110° C. aussetzt, bei welcher sich das Wasser verflüchtigt. Wird die Trockensubstanz einer noch höheren Temperatur ausgesetzt, geglüht, so entweicht der größte Theil der Pflanze, die verbrennliche oder organische Substanz , meist als Kohlensäure und Wasserdampf, während ein kleiner Rest, die unverbrennliche oder Mineralsubstanz (Asche) zurückbleibt. Der verbrennliche Theil wird von jenen organischen Stoffen gebildet, welche in ihrer Vertheilung im Pflanzenkörper weiter oben näher besprochen wurden. Trotz der großen Zahl der dort angeführten näheren Stoffbestandtheile des Pflanzenkörpers sind es doch nur die Elemente. Kohlenstoff, Wasserstoff, Sauerstoff, Stickstoff und Schwefel, welche zu ihrer Bildung erforderlich sind. Die Elementarzusammensetzung des unverbrennlichen Pflanzentheiles, der Asche, ist dagegen eine viel mannigfaltigere. Ausnahmslos finden sich in der Pflanzenasche: Kalium, Calcium, Magnesium, Eisen, Schwefel und Phosphor. Ohne diese Elemente Das Pflanzenleben. ist ein Wachsthum der Pflanzen unmöglich. Gewöhnlich enthält die Pflanzenasche auch noch: Natrium, Lithium, Mangan, Silicium, und Chlor, die Asche der Meeres- pflanzen: Jod und Brom. Außerdem wird, nach der großen Verbreitung im Thierkörper zu schließen, das Vorkommen von Fluor vermuthet, ohne daß es bisher gelungen wäre, dasselbe chemisch in der Pflanzenasche nachzuweisen. Seltener finden sich, meist je nach der besonderen Beschaffenheit des Pflanzenstandortes: Cäsium, Rubidium, Aluminium, Kupfer, Zink, Cobalt, Nickel, Bor, Strontium, Baryum, Arsen, Blei. Grandean (Pogg. Ann. CXVI. 508) fand Rubidium in den Runkelrüben, im Tabak, in den Weintrauben. Nach Knop (Landw. Versuchsstation. VII. 437) findet sich Aluminium in mehreren Flechtenarten; nach W. Wicke (Landw. Versuchsstation. VIII. 59) Kupfer in Möhrenblättern, Kleeheu, Weizenkleie, in vielen Holzaschen bis zu 0.13 %. Nach M. Freytag enthalten alle auf zinkhaltigem Boden, Galmeiboden, gewachsenen Pflanzen Zink. Nach Rößler (Mitth. d. l. Inst. der Universität Halle, 1865, S. 179) zeigen Pflanzen, welche auf arsenhaltigem Boden wachsen, deutliche Arsenreaktionen. 2. Die Bildung des Stoffes im Pflanzenkörper. Die Pflanze vermag durch ihre Lebensthätigkeit weder die Elemente des Wassers, noch die Elemente der verbrennlichen Substanz und der Asche neu zu schaffen. Dieselben müssen als Pflanzennährstoffe von Außen, aus der Luft und dem Boden aufgenommen werden. Mit den Pflanzennährstoffen treten zugleich molekulare Kräfte in den Pflanzenkörper ein, welche im Vereine mit jenen Kraftformen, die durch das Licht, die Wärme und die Schwerkraft der Pflanze zukommen, die Ueberführung der aufgenommenen Elementarstoffe in die den Pflanzenkörper aufbauenden Formbestandtheile bewerkstelligen. Die Wanderungen, welche dabei der Stoff von seiner Aufnahme bis zu seiner Verwendung zu machen hat, erfolgen stets durch die vollkommen geschlossene Zellwand, welche selbst bei der stärksten Vergrößerung keine Oeffnungen erkennen läßt. Diese Erscheinung, welche als Difussion bezeichnet wird kann daher nur durch die Voraus- setzung eines eigenthümlichen molekularen Baues Nach Nägeli's Theorie (siehe Hofmeister's Handbuch der physiologischen Botanik. 4. Bd. S. 398) sind die Zellwand, die Stärkekörner und die protoplasmatischen Ge- bilde aus Krystallmolekülen zusammengesetzt, welche sich nicht gegenseitig berühren, sondern von Wasserhüllen auseinander gehalten werden. Diese Wasserhüllen bilden den Weg, auf welchem das Wasser und in demselben gelöste feste Stoffe in die Zellwand oder in das Innere der Zelle von dem die Pflanze umgebenden Medium (Boden) oder von einer benachbarten Zelle eintreten können. Das Wachsthum der organisirten Gebilde wird nach dieser Theorie dadurch herbei- geführt, daß sich entweder aus den aufgenommenen Stoffen zwischen den schon vorhandenen Krystallmolekülen neue Moleküle mit Wasserhüllen einschieben (Wachsthum durch Intussus- ception) oder die vorhandenen Moleküle sich durch Ansatz neuer Theile vergrößern (Wachs- thum durch Apposition). der Zelle und ihres Inhaltes erklärt werden. Die erste stets von dem Samen ausgehende Lebensthätigkeit der Pflanze, die Allgemeine Ackerbaulehre. Keimung , begnügt sich im Allgemeinen mit der Umänderung der in den Pflanzen- samen aufgespeicherten Reservestoffe in jene Stoffe, welche die Keimpflanze aufbauen. Erst die wachsende Pflanze vermehrt ihren Körper durch Stoffaufnahme von Außen; während sich die reifende Pflanze in der Hauptsache wieder auf die Ueberführung der im Verlaufe des Wachsthums neugebildeten Stoffe in den Samen beschränkt. Die Wachsthumsvorgänge in der keimenden und reifenden Pflanze be- stehen daher nur in dem Stoffwechsel , während bei der wachsenden Pflanze zu dem Stoffwechsel noch die Neubildung von organischen Stoffen aus der aufgenom- menen Nahrung, die Assimilation hinzukommt. Diese Verschiedenheit in den Bildungsvorgängen je nach der Lebensperiode der Pflanze erfordert daher eine getrennte Betrachtung. 1. Die Pflanze während der Keimung. In jedem Samen, aus welchem eine Keimpflanze hervorgehen soll, findet sich umgeben von der schützenden Samenhaut (Samenschale, Fig. 6, a ) ein Keim (Embryo, Fig. 6. Große Saubohne Vicia Faba L. ☉ — a Same mit Samenschale ( Testa ): α Lage des Würzelchen, β Nabel, γ Mikrophyle, δ Samenschwiele; b und c Same nach Entfernung der Samenschale: α Würzelchen, β Kotyle- donen, γ Kotyledonenstiele; d Fragment der Samenschale (Innenseite): α Höh- lung, welche den Wurzelkeim umgiebt, β Leiste, γ schwammiges Parenchym, δ Nabeldurchschnitt; e Längendurchschnitt des Samens: α Samentasche, β Radicula, γ Plumula, δ schwammiges Parenchym der Samenhaut, ε Nabel, η Kotyledon; f Durchschnitt durch die Nabelpartie: α Nabel, β Gefäßbündel, γ schwammiges Gewebe. Fig. 7, e ) und wenig- stens der Anlage nach ein Mehlkörper (Endosperm, Fig. 7, a ). Bei den monocotylen Pflanzen, wie bei un- seren Getreide- und sonstigen Graspflanzen ist der Mehlkörper gegenüber dem Keime Das Gewicht der herausgelösten Keime beträgt nach Haberlandt (Wiener landw. Ztg. 1873 S. 40) im Mittel bei dem Weizen 4.82, dem Roggen 6.74, der Gerste 3.01, dem Hafer 3.72, dem Mais 11.93 % des ganzen Kornes. kräftig entwickelt. Bei den dicotylen Pflanzen wird der Mehlkörper durch den Embryo ganz verdrängt, so zwar, daß der ausgereifte Same nur von der Masse des Embryo's ausge- füllt wird und dann kein Endosperm besitzt. In manchen Fällen, wie bei Rübe, Kartoffel, Buchweizen, Umbellieferen erfolgt diese Verdrängung nur theil- weise; die Samen dieser dicotylen Pflanzen enthalten daher gleichfalls ein Endosperm. Das Pflanzenleben. Der Embryo besteht aus der Hauptwurzel (Radicula Fig. 6, e , β), neben welcher bei den Gräsern in der Anlage noch einige, meist 4, Seitenwurzeln hinzu- kommen, der embryonalen Stammachse (Cauliculus) und dem nackten oder mit einer kleinen Blattknospe (Plumula c γ) versehenen Vegetationskegel. Zur Seite des Stammes ist bei den monocotylen Pflanzen ein Keimblatt (Cotyledon) angewachsen, während bei den dicotylen Pflanzen zwei fleischige, meist bedeutend entwickelte, den Raum des Samens oft ganz ausfüllende Keimblätter, Fig. 6, η, vorkommen. Bei den monocotylen Graspflanzen wird die embryonale Blattknospe von einem Blatte, welches bei der Keimung als häutige, farblose Scheide aus dem Samen hervortritt, umhüllt. Außer dieser Cotyledonarscheide findet sich in dem Grassamen ein schildförmiges aus dem ersten Stamm- knoten hervorwucherndes Keimblatt, Scutellum , welches von Sachs, entsprechend seiner Function durch Vermittelung eines aus einer Reihe großer würfelförmiger Zellen bestehenden Epitheliums die Reservestoffe aus dem Samen aufzusaugen und dem Embryo zuzuführen, Saugorgan genannt wird. Das Endosperm und die dem Embryo angehörenden Keimblätter bilden die Reservoire, in welchen für die Ent- Fig. 7. Schematischer Längsschnitt durch einen Grassamen. — e Embryo (Knöspchen, Stammachse), w Würzelchen, s Epithel des Scutellums (Keimblat- tes); a Mehlkörper (Endo- sperm), k Kleberschicht. wickelung des Keimes zur Keimpflanze sowohl stickstoffhaltige als stickstofffreie Nähr- stoffe, Reservestoffe , aufgespeichert sind. Die stickstoffhaltigen Reservestoffe finden sich in Form verschiedener Eiweißkörper in den endospermfreien Samen in den Cotyle- donen, in den endospermhaltigen Samen im Zellgewebe des Endosperms, des Scutellums und in einer unter der Samenhaut liegenden äußersten Zellschicht des Mehlkörpers, der Kleberschicht, Fig. 7, k. Die stickstofffreien Reservestoffe füllen in reichlichster Menge entweder als Stärkekörner oder als Fett, oder als Gemenge beider, neben spärlichen Prote ï nstoffen die Zellen des Endosperms oder der Keimblätter. Aehnlich wie das Endosperm und die Keimblätter die Reservestoffbehälter für den Embryo im Samen bilden, dienen bei jenen Pflanzen, welche auch durch Knospen fortgepflanzt werden können, die Stammtheile, die Knollen, Rhizome, Zwiebeln und Wurzeln als Resevestoffbehälter. Neben den meist in den äußeren Zelllagen oder in dem Cambium der Gefäßbündel abgelagerten Prote ï nstoffen kommen hier am häufigsten Stärkekörner als stickstofffreie Reservestoffe vor. In den Knollen der Tobinambur tritt an Stelle der Stärke das verwandte Inulin, in den Zwiebel- schuppen von Allium Cepa nach Sachs eine dem Traubenzucker ähnliche Substanz und in der Runkelrübenwurzel der Rohrzucker. Zur Entfaltung des Keimes oder der Knospen sind neben einer bestimmten Wärmemenge nur Wasser und sauerstoffhaltige Luft erforderlich, das Licht ist entbehrlich. Die Keimung der Samen beginnt im Allgemeinen mit der Aufnahme von Wasser, durch welches die Samenhaut aufquillt. Bei der weiteren Wasserauf- Krafft, Lehrb. d. Landw. I. 2 Allgemeine Ackerbaulehre. nahme tritt eine Volumsvermehrung des Embryos und der Keimblätter ein. Durch das eingedrungene Wasser werden die im Samen aufgespeicherten Reservestoffe gelöst und dem Embryo zugeführt. In Folge dessen gehen in den Geweben des Embryos, unter gleichzeitiger Einwirkung des von dem Samen bei der Keimung aufgenommenen Sauerstoffes, mannigfaltige Veränderungen vor sich, welche jedoch nicht als Neu- bildungen, sondern blos als Streckung und Verstärkung der schon vorhandenen Zell- gewebe anzusehen sind. Durch die Zufuhr von Nahrung aus den Reservestoffbehältern des Samens gelangt im weitern Verlaufe der Keimung der Embryo zur Entwickelung. Zuerst durchbricht die sich verlängernde Hauptwurzel die Samenhaut. Derselben folgt nach aufwärts unter gleichzeitiger Streckung der Stammachse die Knospe, welche schließlich ihre ergrünenden Blattlagen entfaltet, während sich gleichzeitig an der Wurzel zahl- reiche Seitenwurzeln entwickeln. Mit dieser äußeren Entwickelung der Embryos zur Keimpflanze entleeren sich allmählich die Keimblätter und der Mehlkörper des Samens, bis zuletzt der Same nahezu ausgeschöpft und von demselben nicht vielmehr als die Samenschale oder die Fruchthaut übrig bleibt. Trotzdem die ausgebildete mit Seitenwurzeln und grünen Blättern versehene Keimpflanze an Volumen gegenüber dem Samen zugenommen hat, ist doch wie oben bemerkt, keine Vermehrung sondern oft eine Verminderung der Trockensubstanz ein- getreten. Diese Verminderung wird durch die Oxydation eines Theiles des Kohlen- stoffes und wahrscheinlich auch des Wasserstoffes der stickstofffreien Reservestoffe her- beigeführt. Als Ox i dationsprodukte werden von den keimenden Samen Kohlensäure und Wasser ausgeathmet. Mit der Aufnahme von Sauerstoff ist gleichzeitig eine Wärmeentwickelung verbunden, welche am auffälligsten in den keimenden Getreide- haufen bei der Malzbereitung beobachtet werden kann. In Betreff der näheren Stoffveränderungen bei der Entwickelung des Embryos zur Keimpflanze kann bemerkt werden, daß von den verschiedenen Reservestoffen un- streitig die stickstoffhaltigen Prote ï nstoffe das Baumaterial für den protoplasmatischen Zellinhalt (Protoplasma, Zellkern, Chlorophyllkörner ꝛc.) abgeben, während die stick- stofffreien Reservestoffe (Stärke, Inulin, Fett ꝛc.) das Baumaterial für die Zellwände liefern. Dieses Baumaterial wird vorzugsweise in den fortwachsenden Vegetations- spitzen der Keimpflanze verbraucht. Damit dasselbe von dem Samen an jene Orte des größten Verbrauches gelangen kann, muß dasselbe vorher gelöst werden. Die im Samen, in unlöslichem Zustande enthaltenen Prote ï nkörper werden daher in löslichere Formen übergeführt und gelangen dann in den Gefäßbündeln zu den wachsenden Pflanzentheilen. Die Kohlehydrate und Fette erfahren desgleichen eine Umwandlung und zwar in Zucker oder in feinkörniges wanderndes Stärkemehl, welche in den Parenchym- und Epidermiszellen der Keimpflanze zu den Orten des Verbrauches gelangen, um dort in dem Maße zu verschwinden, als sie zur Vergrößerung der Zell- haut verwendet werden. Die Aschenbestandtheile des Samens, besonders das Kali und die Phosphorsäure dürften nach H. Ritthausen zur Verflüssigung der in reinem Wasser unlöslichen Prote ï nstoffe beitragen. Das Pflanzenleben. 2. Die Pflanze während der Vegetation. Mit der Erschöpfung der Reservestoffe im Samen würde ein Stillstand im Wachsthume der Pflanzen eintreten — wie dies thatsächlich bei Pflanzen, welche in destillirtem Wasser gezogen wurden, der Fall ist — wenn nicht die Wurzel nach der Entwickelung des ersten grünen Blattes die Fähigkeit erlangen würde, aus dem Boden Nährstoffe aufnehmen zu können. Die von der Wurzel aufgenommene Bodennahrung wird durch den Stamm den grünen, chlorophyllhaltigen Pflanzentheilen zugeführt und dort mit jener Pflanzennahrung, welche durch die Blätter aus der Atmosphäre entnommen wird, in neues Bildungsmaterial umgewandelt. Die in den grünen Pflanzentheilen neu gebildete organische Substanz wird dann zur Weiterentwickelung der Keimpflanze verwendet. Dieselbe bildet als wachsende Pflanze ihre Glieder (Wurzel, Stamm und Blatt) soweit aus, daß dieselben geeignet werden, ihre bestimmte psysiologische Thätigkeit auszuüben. Die physiologische Thätigkeit der Pflanzenglieder erstreckt sich entweder auf die Nahrungsaufnahme von Außen oder auf die Umwandlung, die Assimi- lation , der aufgenommenen Nahrung in Pflanzensubstanz. Als Nahrungsquellen für die Pflanze dienen der Boden und die Luft . Ersterer liefert das Material für die unverbrennliche Pflanzensubstanz, da nur im Boden jene Elemente vorkommen, welche die Asche der Pflanze zusammensetzen. Die atmosphärische Luft und die Luft im Boden liefert dagegen durch ihren Gehalt an Sauerstoff, Wasser, Kohlensäure und Ammoniak das Material für die verbrennliche oder organische Pflanzensubstanz. Die Bodennährstoffe werden durch die Pflanzenwurzel aufgenommen und zwar in dem Maße als durch den Verbrauch eines Stoffmoleküles zur Neubildung, oder durch Verdunstung des Wassers von der Oberfläche der Pflanze, oder durch feste Ausscheidung eines vorher gelösten Körpers, das molekulare Gleichgewicht in der wachsenden Pflanze gestört wird. Je umfangreicher die Wurzel entwickelt und je reicher dieselbe verzweigt ist um so ausgiebiger wird sie andrerseits die Pflanze er- nähren können. Von den verschiedenen Zellen der Wurzel nehmen nur die durch Ausstülpung aus den Epidermiszellen sich entwickelnden Wurzelhaare , welche nach J. Sachs W. Hofmeister, Handbuch d. physiolog. Botanik. Leipzig 1865, 4. Bd. S. 186. zum Theile innig mit den Erdtheilchen verwachsen, die Bodennährstoffe auf. Die Wirksamkeit der Wurzelhaare ist jedoch nur eine beschränkte. Haben dieselben eine Zeit hindurch aus der sie umgebenden Bodenschichte die Nährstoffe aufgenommen, so trocknen sie mit dem Verholzen der älter werdenden Wurzel ab und an ihre Stelle treten neue Wurzelhaare, welche sich an den fortwachsenden jungen Enden der Wurzel ausstülpen. Im Jugendzustande der Pflanze werden daher die Nährstoffe aus den obersten Bodenschichten entnommen, späterhin jedoch auch tiefere Schichten in Anspruch genommen. Vorzugsweise entwickeln sich die Wurzeln und mit diesen die Wurzel- haare dort, wo Nährstoffe im Boden enthalten sind. Die Bodennahrung fließt 2* Allgemeine Ackerbaulehre. daher den Pflanzenwurzeln nicht zu, sondern diese suchen durch die Ortsveränderung bei ihrem Wachsthume die Bodennährstoffe auf. Einen schönen Beweis für diese beachtenswerthe Thatsache liefern die von Dr. F. Nobbe Landwirth. Versuchsstationen. 1862, Heft 11, S. 217. mit Mais ausgeführten Vegetationsversuche in einem Boden, in welchem die Nährstoffe in verschiedenen Schich- ten künstlich vertheilt waren. Am Schlusse der Vegetation waren bei diesen Versuchen die Wurzeln der Maispflanzen in jenen Bodenschichten, welche die Nährstoffe enthielten am stärksten verzweigt. Wenn nun auch die Pflanzenwurzeln (Haupt- und Nebenwurzeln) mit ihren behaarten Theilen den Nährstoffen nachgehen, so zeigen doch manche Culturpflanzen Nähere Ausschlüsse über die Wurzelbildung der Culturpflanzen geben: Dr. C. Fraas. Das Wurzelleben der Culturpflanzen. Leipzig 1870; Dr. H. Thiel, Bewurzelung einiger Culturpflanzen. Landw. Centralbl. f. Deutschl. 1870. II. S. 355; u. A. , welche sich mit einem geringeren Bodenvolumen begnügen, das Bestreben die Nahrung größtentheils aus den oberen Bodenschichten zu entnehmen. Derartige flachwur- zelnde Gewächse senden jedoch ihre Wurzeln unter Umständen auch in größere Tiefen. Die flachwurzelnden Getreidepflanzen entwickeln z. B. Wurzeln von zuweilen 1,25 Meter Länge. Andere die sog. tiefwurzelnden Gewächse , wie die blatt- reichen Klee- und Rübengewächse, die Hülsenfrüchte suchen die Nahrung ihrer Natur nach und angeregt durch ein größeres Wasserbedürfniß in tieferen Bodenschichten, selbst dann, wenn diese durch eine festere Beschaffenheit die Wurzelausbreitung wenig begünstigen. Die Pflanzennährstoffe sind im Boden entweder im gelösten oder wie der Sauer- stoff, die Kohlensäure und das Ammoniak im gasförmigen oder im festen Zustande enthalten oder sie werden durch molekulare und chemische Kräfte an der Oberfläche der Erdtheilchen festgehalten, absorbirt. Die gelöste und gasförmige Nahrung wird unmittelbar durch Diffusion von den Wurzelhaaren aufgenommen. Um auch die festen und absorbirten Nährstoffe zur Aufnahme durch Diffusion geeignet zu machen, scheidet die Wurzel eine Säure, nach Wiegmann Kohlensäure aus, welche entweder in der Zellwand vertheilt, die mit dieser verwachsenen festen Bodentheilchen löst oder ausgeschieden die festen und absorbirten Nährstoffe im Bodenwasser zur Lösung bringt. Wie aus den Versuchen von J. Sachs, welcher zuerst 1859 zeigte, daß polirte Ge- steinsplatten, durch wachsende Pflanzenwurzeln corrosirt werden, hervorgeht, werden in der That die festen Bodentheilchen als Pflanzennahrung aufgenommen. Daß auch die absorbirten Bodennährstoffe aufgenommen werden, beweisen die Vegetations- versuche von Ph. Zöller und Dr. F. Stohmann Landw. Versuchsstationen und Agronomische Ztg. 1864. in Torf, welcher mit absorbirten Nährstoffen versehen war. Die Pflanze nimmt jedoch die einzelnen Nährstoffe nicht in denselben Mengen- verhältnissen, als sie im Boden vorkommen auf, da die Aufnahme, wie oben erwähnt, von dem Verbrauche der Nährstoffe in der Pflanze und von dem Bestreben die dadurch herbeigeführte Störung des molekularen Gleichgewichtes wiederher- Das Pflanzenleben. zustellen, abhängig ist. Diese Thatsache erklärt sowohl die Möglichkeit, daß Pflanzen mit dem verschiedensten Aschengehalte neben einander auf demselben Boden zu wachsen ver- mögen, als auch daß die Pflanzen die zu ihrem Gedeihen erforderlichen Mengen an Nähr- stoffen auch dann noch sammeln können, wenn dieselben nur in sehr geringen jedoch nicht unter ein gewisses Minimum herabgehenden Mengen im Boden vorhanden sind. Um die Qualität und Ouantität der von den Pflanzen beanspruchten Boden- nährstoffe und deren physiologische Wirkung festzustellen, werden zwei verschiedene Ver- suchsmethoden angewendet. Die ältere von Fürst Salm-Horstmar angegebene Methode besteht in der Ausführung von Vegetationsversuchen in Kohlenpulver oder nach Dr. Hellriegel in Dahme in ausgeglühtem und mit Schwefelsäure ausgekochtem Quarz- sande, welchem die verschiedenen Nährsalze in fester oder flüssiger Form zugesetzt wer- den. Die zweite zuerst 1855 von Dr. Handtke in die Wissenschaft eingeführte und von J. Sachs 1857 weiter ausgebildete Methode besteht in der Erziehung von Landpflanzen in wässerigen Nährstofflösungen d. i. im destillirten Wasser, in welchem eine gewisse Menge (gewöhnlich auf 1000 Theile Wasser 0.5—1 Theile Salz) Mineralsalze aufgelöst sind. Nach den Ergebnissen zahlreicher derartiger Vegetations- versuche sind für das Wachsthum der Pflanzen Kali, Kalk, Magnesia, Eisenoxyd, Phosphorsäure, Schwefelsäure, Kieselsäure (?) und Chlor unentbehrlich. Alle übrigen außer in den genannten Verbindungen, in den Pflanzenaschen enthaltenen Elemente (S. 15) sind nur als zufällige Vorkommnisse zu betrachten, ohne welche die Pflanze gleichfalls ihre normale Entwickelung erlangt. Das gänzliche Fehlen eines Nährstoffes kommt in dem Habitus der Pflanze zum Ausdrucke. Nach Hellriegel Landw. Versuchsstationen. X. 105. entwickeln sich die (Gersten) Pflanzen bei Stick- stoffmangel normal, aber ganz en miniature. Bei Kalkmangel gehen die gebildeten Blätter sehr bald ein, vertrocknen und auf ihre Kosten bilden sich dann neue. Magnesiamangel bedingt ein langes, flattriges Aussehen und eine kränkliche blasse Farbe. Phosphor- und Stickstoffmangel bekunden sich durch eine rothe Färbung der Pflanzen. Durstpflanzen, bei mangelndem Wasser erzogen, verhalten sich ähnlich wie die Pflanzen, welche an Phosphorsäure und Stickstoff Mangel leiden. Ueber die Verbindungen, in welchen die Bodennährstoffe durch die Pflanzen- wurzeln aufgenommen werden, liegen verhältnißmäßig noch wenige Anhaltspunkte vor. Im Allgemeinen werden die schwer löslichen humus- und kieselsauren Verbindungen durch die Kohlensäure des Bodens und durch gewisse Bodensalze (Gyps ꝛc.) in leicht löslichere Verbindungen übergeführt und als solche von den Pflanzenwurzeln aufgenommen. Der Stickstoff, welcher als Ammoniak durch die atmosphärischen Niederschläge oder durch verwesende thierische Substanzen in den Boden gelangt wird wahrscheinlich nicht als Ammoniak sondern als Salpetersäure aufgenommen. Nach Hampe Landw. Versuchsstationen. VIII. 225 u. X. 49. wird auch der Harnstoff, als Stickstoffquelle, direct von den Pflanzen- wurzeln aufgenommen. Der freie Stickstoff der Luft ist kein Pflanzennährstoff. Kali und Natron werden als kohlensaure-, salpetersaure- oder Chloralkalien aufgenommen. Allgemeine Ackerbaulehre. Kalkerde und Magnesia treten als kohlensaure oder auch schwefelsaure Verbindungen ein. Der Schwefel wird in Form löslicher schwefelsaurer Salze, das Eisen als phosphorsaures Eisenoxyd aufgenommen. Die Aufnahme der Phosphorsäure erfolgt als phosphorsaures Alkali, der Kieselsäure als freie Säure und als kieselsaures Alkali und des Chlor als Chlorkalium und Chlorcalcium. Die von der Wurzel aufgenommene gasförmige, flüssige und feste Nahrung wird entweder in der Zellwand des Wurzelhaares selbst und zwar in den Wasser- hüllen der Krystallmoleküle Siehe Anmerkung auf S. 15. der Zellhaut durch Inbibition weiter geleitet oder sie tritt aus der Zellwand in das Innere der Zelle und wird von hier durch Diffusion und Capillarität durch den Stammtheil der Pflanze zu den Blättern weitergeschafft. In beiden Fällen erlangt das Wasser , welches gleichfalls durch die Wurzelhaare aus dem Boden aufgenommen wird, eine hohe Bedeutung für das Pflanzenleben. Nicht nur daß dasselbe als Transport- und Lösungsmittel für die Baustoffe verwendet wird und als Organisationswasser unmittelbaren Antheil an dem Aufbaue des Pflanzenkörpers nimmt, liefert es auch bei seiner Zerlegung den Wasserstoff und einen Theil des Sauerstoffes zur Bildung der organischen Substanz. Außer der Wasserbewegung, welche durch die Ernährungs- und Wachsthums- vorgänge in allen Zellen der Pflanze stattfindet, geht in der lebenden Pflanze auch noch eine continuirliche Wasserbewegung in den Zellhäuten des Holzes vor sich, zum Ersatze jener Wassermengen, welche durch die Pflanzenblätter verdunsten. Die Verdunstung, Transpiration der Blätter erfolgt nicht durch die Epi- dermis, welche durch Cuticularisirung der Zelloberfläche für Wasser undurchdringlich ist, sondern durch die gewöhnlich mit zwei Schließzellen versehenen Spaltöffnungen. (Fig. 4. Sp. S. 11). Dieselben bilden die Ausführungsöffnungen der zwischen den Zellen frei bleibenden Hohlräume, Intercellularräume (Fig. 2. J. , S. 8), welche die ganze Pflanze bis zu den Wurzeln durchziehen und mit den Hohlräumen der Gefäße und Holzzellen in Verbindung stehen. Der Wasserverlust durch die Spaltöffnungen, welche auf der Unterseite des Blattes reichlicher und zwar nach den Zählungen von A. Weiß Jahrb. f. wiss. Botanik. IV. S. 165. bis zu 700 auf 1 □ Mm. vorkommen, ist bedeutend, wenn er auch kaum den dritten Theil der Ver- dunstung von einer gleich großen Wasserfläche ausmacht. Das Gewicht des ver- dunsteten Wassers kann je nach der Temperatur, der Feuchtigkeit der Luft, das 2 — 3fache des eigenen Pflanzengewichtes betragen, während nur 7—8 % des aufgenommenen Wassers zu Neubildungen im Pflanzenorganismus verwendet werden. Nach Knop Landw. Versuchsstationen. I. S. 184. verdunsten z. B. 1 Mill. Blätter des Rapses in 24 Stunden 8352 Kilogr. Wasser. Nach den Untersuchungen von Dr. Dietrich Centralbl. f. Agricultur-Chemie 2. Jahrg. Leipzig 1873, S. 39. producirt ein und dieselbe Pflanzenart um so mehr Pflanzensubstanz, je mehr sie Wasser verdunstet und um- gekehrt. Mit der Menge des verdunsteten Wassers steht ferner die Menge der auf- Das Pflanzenleben. genommenen Nährstoffe in Beziehung. Nach demselben Forscher verdunsten auf 100 Gramm producirter Trockensubstanz: Buchweizen ......... 42,000 Gramm Wasser. Klee ........... 41,000 „ „ Lupinen, Bohnen und Hafer ꝛc. .. 36,000 „ „ Sommerroggen und Weizen .... 30,000 „ „ Gerste .......... 26,000 „ „ Diese Angaben bestätigen die Ergebnisse der früheren Untersuchungen von Dr. Wilhelm und Dr. Breitenlohner, über den Einfluß der Pflanzenvegetation auf die Bodenfeuchtigkeit. Nach den Genannten entziehen tiefgehende blattreiche und daher stark verdunstende Gewächse mit längerer Vegetation und perennirendem Stande wie Rüben, Mais, Luzerne, Wiesengräser dem Ober- und Untergrunde mehr Feuchtigkeit als die das Feld früher räumenden, flachwurzelnden Halmfrüchte. Ebenso enthält ein gebrachter Boden gegenüber einem mit Pflanzen bestandenen Boden mehr Feuchtigkeit. Nach Dr. Wilhelm Württemberg. Wochenbl. f. Land- u. Forstwirthschaft. 1866, Nr. 24. war im Februar 1866 der Feuchtigkeitsgehalt eines Feldes, welches im Jahre 1865 Mais getragen, gegenüber einem seit 1864 mit Luzerne bestandenem Felde von gleicher Bodenbeschaffenheit und je eines 1865 mit Weizen und Rüben bestellten Feldes der folgende: Mais Luzerne Weizen Rübe bei 15.8 Centim. Tiefe 22.2% 17.7.% 18.8% 16.9% „ 47.4 „ „ 16.9% 13.2% 20.8% 18.0% „ 79.0 „ „ 16.4% 12.2% 24.3% 21.6% Die Wasserverdunstung durch die Blätter hat noch die weitere Bedeutung, daß sich bei derselben nach der Entdeckung Schönbein's Annal. d. Chemie und Pharmacie. Bd. CXXIV. 1. und Journal für prakt. Chemie. Bd. 86, S. 131—154. unter Mitwirkung des sonst für die Pflanzenvegetation bedeutungslosen freien Stickstoffs der Luft salpetrigsaures Ammoniak bildet, welches als solches oder umgewandelt in kohlensaures Ammoniak sowohl durch die Blätter als auch durch die Wurzel aufgenommen wird. Der Ersatz der durch die Pflanze abgegebenen Wassermengen erfolgt durch das von der Wurzel aufgesogene und aufgetriebene Wasser. Die Blätter selbst, deren Spaltöffnungen sich beim Benetzen durch Aufquellen der Schließzellen schließen, neh- men flüssiges Wasser (Thau, Regen) nur durch die benetzbaren Fibrovasalstränge (Blattnerven) auf. Durch die Spaltöffnungen der oberirdischen Pflanzentheile, welche wie oben an- gegeben durch die Intercellularräume mit dem Zellgewebe im Innern der Pflanze in Verbindung stehen, wird auch der mit den Lebensvorgängen der Pflanze im innigsten Zusammenhange stehende Gasaustausch vermittelt. Außer durch die Spalt- öffnungen treten auch durch Diffusion Gasmengen in die mit der Luft in unmittel- barer Berührung stehenden Zellen der Wurzeln und oberirdischen Pflanzentheile ein. Diese Aufnahme und Abgabe von gasförmigen Stoffen steht mit zwei weiteren Lebenserscheinungen der Pflanze in Beziehung und zwar mit der Athmung Allgemeine Ackerbaulehre. (Respiration) der lebenden Zelle und mit der Assimilation der Pflanze, welche neben der Athmung nur in den grünen chlorophyllhaltigen Zellen unter dem Einflusse des Lichtes und der Wärme vor sich gehen kann. Die Athmung , welche am deutlichsten bei dem Stillstande der Assimilation im Dunkeln, während der Nacht oder bei der nicht assimilirenden Keimpflanze, so lange diese noch keine grünen Zellen gebildet hat, zur Beobachtung gelangt, besteht in der Aufnahme von Sauerstoff und in der Ausscheidung von Kohlensäure, welche durch die Oxydation der assimilirten Substanzen gebildet wird. Bei diesem Oxydations- processe, welcher mit einer Verminderung der Pflanzentrockensubstanz verbunden ist, wird Wärme frei, welche in Kraft umgesetzt neben der von Außen einwirkenden Wärme die mannigfaltige Fortbewegung des Stoffes im Pflanzenkörper unterstützt. Die Assimilation der unter dem Lichteinflusse stehenden chlorophyllhaltigen Zellen besteht dagegen in der Aufnahme von Kohlensäure, aus welcher unter Ab- scheidung von Sauerstoff und unter Mitwirkung der durch die Wurzeln den Blättern zugeführten Nahrung neue organische Substanz gebildet wird. Dieser nur bei Be- leuchtung und nur in den grünen Pflanzentheilen stattfindende Bildungsvorgang, bei welchem aus sauerstoffreicheren Nährstoffen durch Desoxydation sauerstoffärmere Pflanzensubstanz geschaffen wird, überwiegt die vorhin erwähnte durch die Athmung eingeleitete theilweise Zerstörung der assimilirten Substanz, so zwar, daß trotz dieser Zerstörung eine Gewichtszunahme der wachsenden Pflanze erfolgt. Das erste Assimilationsprodukt ist die Bildung von Stärkeeinschlüßen in den Chlorophyllkörnern. Außer der Stärke werden zuweilen auch Oeltröpfchen und Körner unbekannter Natur ausgeschieden. Das in den Chlorophyllkörnern aus dem Protoplasma entstehende autochthone Stärkemehl wächst nur so lange als es im Bereiche des Protoplasmas bleibt. Von seinem Bildungsorte wird es in einem sehr feinkörnigen Zustande als wanderndes Stärkemehl den wachsenden Pflanzen- theilen, vornehmlich den Zellschichten nahe an den Vegetationspunkten zu weiterem Verbrauche, wie zur Bildung der Zellhaut und anderer stickstofffreier Pflanzenkörper zugeführt. Das zu diesem Zwecke nicht verwendete Stärkemehl wird dann zu fer- nerem Verbrauche als eingewandertes Stärkemehl in den Samen, Knollen, Markstrahlen, Holzzellen ꝛc. abgelagert. Im Dunkeln hört die Stärkebildung auf, es verschwinden daher in dem Maße als die Stärke von den Chlorophyllkörnern den wachsenden Geweben zugeführt wird die Stärkeeinschlüsse. Stets im Festeren gehaltene Pflanzen bilden kein Stärkemehl und können daher nicht fortwachsen. Die Neubildung der eiweißartigen Stoffe geht wahrscheinlich gleichfalls in den grünen Zellen unter Einwirkung der Kohlehydrate aus den durch die Wurzeln oder durch die Blätter aufgenommenen Ammoniaksalzen vor sich. Die in den grünen Blättern neu entstandenen assimilirten Nahrungsstoffe wer- den von hier aus nach allen Richtungen zu den Orten des Verbrauches befördert und mischen sich dabei mit dem von der Wurzel zu den Blättern aufsteigenden rohen Nahrungssafte. Die Kohlehydrate, die Fette werden gewöhnlich im Parenchym der Das Pflanzenleben. Rinde und des Markes, die eiweißartigen Stoffe im Weichbaste durch Diffusion unter mannigfaltigen Umänderungen weiter befördert, somit in denselben Gewebe- formen, in welchen bei der keimenden Pflanze die Reservestoffe zu den Verbrauchs- orten gelangen. Schließlich erübriget noch der physiologischen Funktionen zu gedenken, welche in den wachsenden Pflanzen den Aschenbestandtheilen zukommen. Nach F. Nobbe Dr. F. Nobbe. Ueber die organische Leistung des Kalium in der Pflanze. Chemnitz 1871. vegetirt die Pflanze in kalifreier sonst vollständiger Nährstofflösung wie im reinen Wasser. Sie vermag nicht zu assimiliren und zeigt daher keine Gewichtszunahme, weil ohne Mitwirkung des Kali in den Chlorophyllkörnern keine Stärke gebildet wird. Fehlt in der kalihaltigen Nährstofflösung, Chlor oder Salpetersäure, so bildet die Pflanze zwar kräftige Blätter, in denen sich zahlreiche Stärkekörner erzeugen, aber diese Stärke wird nicht an die Verbrauchsorte, den wachsenden Pflanzenspitzen und Blüthen, transportirt; die Blätter werden zunehmend vollgepropft von Stärke, erkranken und fallen mit ihrer Ueberfülle an Nahrungsstoffen ab. Das Kali wirkt daher besonders günstig auf die Bildung der Kohlehydrate: Stärke, Zucker, Holzfaser ꝛc. Nach v. Liebig Chemie in ihrer Anwendung ꝛc. 7. Aflg. Braunschweig 1862. S. 92. stehen Kali, Kalk und Magnesia auch in Beziehung zur Bildung der Pflanzensäuren. Daß die genannten Basen auch in Beziehung zur Zellhautbildung stehen, ergiebt sich aus deren gleichmäßiger, inniger Vertheilung in der Zellhaut, wie aus den Aschenskeleten (S. 12) zu ersehen ist. Das Eisen ist, wenn auch nur in geringen Mengen zur Bildung des Chloro- phyll unbedingt nothwendig. Fehlt dasselbe, so werden die Blätter farblos (Chlorose) und die Assimilation der Pflanze erleidet durch die Verhinderung der Chlorophyll- bildung einen Stillstand. Das Chlor bethätigt seine physiologische Funktion, wie schon beim Kali an- gegeben, durch die Fortleitung der Assimilationsprodukte zu den Verbrauchsorten. Die Phosphorsäure steht nach Mayer Dr. W. Mayer. Ergebnisse der agricult.-chemischen Station in München. 1857, S 37. in einem bestimmten Verhältnisse zu dem Stickstoffgehalte der Pflanzen, was einen Einfluß derselben auf die Bildung der Eiweißkörper vermuthen läßt. Ebenso dürfte die Schwefelsäure in Beziehung zur Bildung der Eiweiß- körper stehen, da deren Schwefelgehalt nur von dieser herrühren kann. 3. Die Pflanze während der Blüthe und Fruchtbildung. Nach der vollkommenen Ausbildung der Wurzeln, des Stammes und seiner Verzweigungen und der grünen Blätter beschränkt sich die weitere Lebensthätigkeit der reifenden Pflanze auf die Verwendung der während des Wachsthums assimilirten Nahrung zur Hervorbringung der Blüthen und Früchte. Die Blüthe ist je nach der Planzenart entweder zweigeschlechtig (Zwitterblüthe, Fig. 8 rechts oben, umstehend) oder eingeschlechtig (einhäusig, monöcisch oder zweihäusig, Allgemeine Ackerbaulehre. diöcisch). In jedem Falle werden sowohl männliche Staubblätter s, deren Beutel die Bildungsstätte der Pollenzellen sind, als auch weibliche Fruchtblätter (Carpelle), die zu dem Fruchtknoten (Ovarium) verwachsen, gebildet. Der obere Theil des Frucht- knotens trägt die Narbe n, welche durch den Griffelkanal mit der Fruchtknotenhöhle in Fig. 8. Blühendes Haferährchen. — 1—3 Blüthchen; h 1 , h 2 Hüllblätter (glumae), b äußere oder untere Spelze (palea) v innere oder obere Spelze (Vorblatt). Rechts oben einzelne Haferblüthe: p Saftschüppchen (Perigon), s Staubgefäße, n zwei Narben des Fruchtknotens. Verbindung steht. In der Fruchtknoten- höhle entwickeln sich die Samenknospen, Fig. 9, welche aus einem Knospenkerne bestehen, der bis auf eine Stelle den Knospenmund(Mikrophyle m ) von Knos- penhüllen (Integumenten) β, γ umgeben ist. Im Parenchyme des Knospenkernes bildet sich eine größere Zelle, der Keim- sack oder Embryosack, ε, in welchem an seiner Spitze, der Kernwarze, durch freie Zellbildung (S. 6) zwei Keim- bläschen entstehen. Während der Be- fruchtung gelangen die verstäubten, reifen Pollenkörner auf die Narbe, der aus der Pollenzelle auswachsende Pollen- schlauch, Fig. 10 π, dringt im Griffel- kanal bis zu den Samenknospen und befruchtet durch die Microphyle die Keimbläschen. Aus dem einen be- fruchteten Keimbläschen entwickelt sich durch Tochterzellbildung der Embryo, dessen Zellen sich bei fortschreitender Ausbildung des Samens als Keimachse, Radicula, Plumula und Cotyledon differenziren. Zur selben Zeit entwickelt sich aus den übrigen Fig. 9. Samenknospe der Runkelrübe. (Beta vulgaris) nach Schacht (30/1). — α Knospenkern (nucleus), β innere, γ äußere Knospenhülle, δ Kernwarze, ε Embryosack, m Mikrophyle, r Raphe (Samennaht, Gefäß- bündel des Knospenträgers). Theilen des Keimsackes gleichfalls durch freie Zellbildung das Endosperm, welches in dem endospermfreien Samen von dem heranwachsenden Keime aufgesaugt und verdrängt wird. In Betreff des Stoffwechsels der reifenden Pflanze kann bemerkt werden, daß die Blüthen in viel größerer Menge als die Blätter Sauerstoff einathmen und dafür Kohlensäure ausathmen. Diese Respiration ist im Anfange der Blüthenentfaltung am intensivsten und nimmt mit zu- nehmender Ausreifung der Früchte immer mehr ab. Damit die bei der Ausbildung des Samens eintretende Stoffwanderung unterhalten werden kann, bedarf die reifende Pflanze eine bedeutende Wärmemenge. Unter dem Einflusse der letzteren vollzieht sich die Stoffwanderung in denselben Gewebeformen und unter denselben Stoffveränderungen nur in umgekehrter Reihenfolge, wie bei der Keimung die Wanderung des Stoffes aus den Reservestoffbehältern zu den wachsenden Gewebetheilen stattfindet. Das Pflanzenleben. Zunächst entleeren sich, unter gleichzeitiger Verfärbung die grünen Blätter. Die während des Wachsthums in denselben neugebildete Stärke, sowie der protoplasmatische Inhalt, besonders die Substanz der Chlorophyllkörner, dann die werthvolleren Aschen- bestandtheile, namentlich Kali und Phosphorsäure, werden aufgelöst und den Samen oder auch den übrigen Reservestoffbehältern, wie Stamm- theilen, Knollen, Rhizomen, Zwiebeln und Wurzeln zuge- leitet. Gleichzeitig erreicht bei einjährigen Pflanzen die Auf- nahme von neuem Bildungsmateriale durch die Wurzeln ihr Ende, indem die Stengeltheile, welche ebenfalls ihren Nähr- stoffinhalt an die Reservestoffbehälter abgeben, absterben. Die Stärke wird entweder als solche in feinkörnigem Zustande oder umgewandelt in eine glykose ähnliche Sub- stanz dem Samen zugeführt und dort wieder in feste Stärke oder in fettes Oel umgewandelt. Die eingewanderte stick- stoffhaltige Substanz wird zwischen den Stärkemehlkörnern abgelagert. Durch das Festwerden der eingewanderten Substanz wird das molekulare Gleichgewicht in der Frucht gestört und damit die Möglichkeit gegeben daß immer neue Substanzmengen durch Diffusion einwandern können, so lange bis die Blätter und Stengeltheile erschöpft sind. Bei der Kartoffel und den übrigen Knollen- und Wurzel- gewächsen wird die Stärke zur Reifezeit in den Blättern ge- löst und als solche oder als Glykose (Zucker) der Knolle oder Wurzel zugeführt, um dort in der Kartoffel als Stärke, in der Topinamburknolle umgewandelt in Inulin, in der Rüben- wurzel umgewandelt in Rohrzucker aufgesammelt zu werden. Fig. 10. Vergrößerte Mikro- phyle der Samenknospe von Erodium gruinum (Reiher- schnabel) nach Hofmeister (400/1). — π Pollenschlauch, α äußere, β innere Knospenhülle, δ Kern- warze, Spitze des Embryo- sackes, ε das durch die Be- fruchtung des Pollenschlauches zum Vorkeime ausgewachsene Keimbläschen. Für die mit der Samenbildung zusammenhängende Stoffwanderung in der reifenden Pflanze hat von den verschiedenen Aschenbestandtheilen das Chlor nach den Untersuchungen von Nobbe, wie schon S. 25 bei der physiologischen Funktion der Aschen- bestandtheile in der wachsenden Pflanze angegeben wurde, eine specifische Bedeutung. Bei der Bildung des Stärkemehls im Samen und in der Kartoffelknolle, des Zuckers in der Rübe hat unstreitig auch das Kali, die Magnesia und die Phosphorsäure einen näheren Einfluß. Ueber die Beziehungen der Aschenmenge zur Bildung der Trockensubstanz in der ausgereiften Pflanze liegen noch wenige Untersuchungen vor. Bemerkenswerth ist die Angabe von Dr. H. Hellriegel Annalen der Landw. Wchbl. VII Nr. 33 u. Landw. Versuchsstat. X, S. 103. , daß die Gerste um eine Maximalernte zu liefern, wenigstens für je 1000 Theile Stroh-Trockensubstanz 5 und für je 1000 Theile Körner-Trockensubstanz je 3.8 Theile Kali aus dem Boden aufnehmen muß. Zur Bildung von je 1000 Gewichtstheilen Gesammttrockensubstanz sind nothwendig 10 Gewichtstheile Stickstoff, 4.2 Gewichtstheile Kali, 3.6 Gewichtstheile Phosphor- säure, 1—1.2 Gewichtstheile Magnesia. Allgemeine Ackerbaulehre. Mit der Samenbildung oder der Aufspeicherung von Reservestoffen in der Knolle, der Wurzel ꝛc. hat die Entwickelung der Pflanze einen vorübergehenden Abschluß gefunden, welcher jedoch die Grundlage für eine neue Lebensthätigkeit der Pflanze bildet. II. Der Boden. Der Boden Für ein eingehenderes Studium der Bodenkunde (Agrologie) empfehlen sich Dr. F. Senst, Der Steinschutt und Erdboden. Berlin 1867; Dr. H. Girard, Grundlagen der Bodenkunde. Halle 1867; F. A. Fallou, Pedologie od. allg. u. bes. Bodenkunde. Dresden 1862; Dr. W. Knop, Die Bonitirung der Ackererden. Leipzig 1871. , welcher im landwirthschaftlichen Sinne als Produktionsfläche für die Pflanze benutzt werden soll, muß nicht nur eine ausreichende Menge an Pflanzen- nährstoffen enthalten, welche als Rohstoffe für die Aschenbestandtheile der Pflanze von den Wurzeln aufgenommen werden, sondern er muß auch eine solche physi- kalische Beschaffenheit besitzen, daß die Pflanzen einen genügenden Standort auf dem- selben finden. Mit Rücksicht auf diese Anforderungen an einen culturfähigen Boden kann in demselben eine Hauptmasse das Bodenskelet Gewöhnlich werden Sand, Thon, Kalk und Humus entsprechend einer älteren Auf- fassung als Bodengemengtheile angeführt. Da diese Bezeichnung der gegenwärtigen Er- kenntniß des Bodens, als Träger und Ernährer der Pflanze nicht mehr entspricht, halten wir es für zweckmäßig, dieselben in ihrer Gesammtheit als Bodenskelet, im Gegensatze zu den Gesteinstrümmern und Bodennährstoffen, zu bezeichnen. von den meist in geringerer Menge vorhandenen Bodennährstoffen unterschieden werden. Außer den genannten Bodenbestandtheilen kommen dann noch in jedem culturfähigen Boden Wasser und in den Bodenzwischenräumen gasförmige Stoffe, die Bodenluft, vor. Die einzelnen Theile des Bodenskeletes sind keine Pflanzennährstoffe, sondern dienen nur als Träger oder Behälter für diese. Sie bedingen durch ihre Beschaffen- heit vorzugsweise die physikalischen Eigenschaften des Bodens. Die Pflanzennährstoffe kommen entweder noch in unaufgeschlossenem Zustande als Gesteinstrümmer oder in assimilirbarem Zustande als Bodensalze vor. Die Gesteinstrümmer zerfallen durch die Verwitterung in Theile des Bodenskeletes und in Bodensalze; sie bilden daher in der Zukunft die Ouelle für neue Boden- nahrung, während der Gehalt des Bodens an Salzen den Reichthum an mineralischen Bodennährstoffen in der Gegenwart ausmacht. Die Lehre vom Boden hat im Verlaufe der Zeit mannigfache Aenderungen erfahren, welche im innigen Zusammenhange mit dem jeweiligen Stande der Lehre von der Pflanzen- ernährung stehen. In frühester Zeit galt der Boden nur als Standort, während das Wasser allein zur Pflanzenernährung ausreichen sollte. Weiterhin wurde auch dem Boden selbst ein Einfluß auf die Ernährung eingeräumt, indem Bernard Palissy von Chappelle- Biron (1499) dessen Gehalt an löslichen Bodensalzen als für seine Fruchtbarkeit als Der Boden. maßgebend erkannte, während Jethro Tull (1740) den Grundsatz aufstellte, die Pflanzen nahrung bestehe aus feinzertheilter Erde (Tullismus). Nach Thaer (1837) bedingt die Fruchtbarkeit des Bodens die als ernährende Materie der Pflanze anzusehende organische Substanz von ihm und Einhof Humus genannt (Humustheorie). Sprengel (1839) erkennt zuerst, daß in den Pflanzen nichts sein kann, was nicht früher im Boden gewesen wäre und daher die Mineralbestandtheile wesentlich für die Pflanzenernährung sind. Epochemachend war der Ausspruch v. Liebig's (1840), nach welchem der Boden die Quelle der Aschen- bestandtheile, die Luft die Quelle der verbrennlichen Substanz der Pflanze ist (Mineral- theorie). Hlubek (1841 u. 1846) bestreitet die Wirksamkeit der Aschenbestandtheile und läßt Sand, Thon, Kalk und Humus (Bodengemengtheile) die Fruchtbarkeit des Bodens bedingen. A. Stöckhardt (1849) und E. Wolff (1851) legen großen Werth auf den Gehalt des Bodens an Stickstoff (Stickstofftheorie) gegenüber v. Liebig, welcher den gebundenen Stickstoff der Luft für die Pflanzenernährung ausreichend erklärt. Alle diese Theorien hatten ihre Be- rechtigung, alle hatten jedoch den Fehler, daß sie einseitig nur immer einem Momente Wichtigkeit für die Pflanzenernährung beilegten. Gegenwärtig sucht man allen diesen Momenten gerecht zu werden, indem man nicht nur den Mineralbestandtheilen des Bodens, sondern auch dem physikalischen Verhalten der Bodenskelettheile zu Wasser und Wärme einen bestimmenden Einfluß auf die Ertragsfähigkeit des Bodens zuerkennt. 1. Die Entstehung und Ablagerung des Bodens. Der Culturboden entsteht durch die Verwitterung der Felsmassen, welche den festen Theil unseres Welttheiles zusammensetzen. Die Verwitterung oder Zerbröckelung der Felsmassen wird durch die Einwirkung der wechselnden Temperatur, des Wassers, der atmosphärischen Luft und durch den Einfluß lebender und abgestorbener Organismen herbeigeführt. Durch den Temperaturwechsel, besonders durch den Frost, entstehen in den Gesteinsmassen — entweder wie bei den gemengten Gesteinen durch ungleichmäßige Erwärmung oder Erkaltung der verschiedenen Gemengtheile oder wie bei den un- gemengten Gesteinen durch größere Erwärmung oder Erkaltung der oberen Schichten — vorerst zahlreiche feine Spalten und Klüfte, welche das Eindringen von Wasser und Luft ermöglichen. Das Wasser wäscht dann nicht nur lösliche und abschwemmbare Theile des Felsgesteines aus, sondern vermag auch mechanisch feine Sandtheile abzureiben und durch seine Ausdehnung beim Gefrieren die Felsmassen in kleinere Theile auseinander zu sprengen. Ueberdies wirkt das Wasser durch Einleitung chemischer Prozesse, und durch unmittelbaren Eintritt in verschiedene chemische Verbindungen zerstörend auf die Gesteinsmassen ein. Die chemische Wirkung des Wassers wird wesentlich unterstützt durch die Ein- wirkung des Sauerstoffes und der Kohlensäure der Luft. Der Sauerstoff oxydirt nicht nur Metalloxydule und Schwefelmetalle wie Schwefeleisen sondern befördert auch durch die Oxydation der im weiteren Verlaufe der Bodenbildung entstehenden Orga- nismenreste (Humus) die Entwickelung der Kohlensäure, welche wieder den hervor- ragendsten Antheil an den chemischen Veränderungen der Gesteine während des Ver- Allgemeine Ackerbaulehre. witterungsprozesses nimmt. Kohlensäurehaltiges Wasser löst an sich in reinem Wasser unlösliche für die Pflanzennährung jedoch sehr wichtige Mineralsubstanzen, wie kohlen- saure und phosphorsaure Salze und macht sie damit zur Aufnahme in den Pflanzen- körper geeignet. Ebenso verwandelt es kieselsaure und sonstige schwerlösliche Salze in leichter lösliche kohlensaure Salze um, welche wieder amorphe Kieselsäure unter Bildung von kieselsauren Alkalien lösen und dadurch weiter zersetzend auf die Gesteine einwirken. Ein anderer Bestandtheil der Luft, das Ammoniak, liefert im Boden nicht nur als kohlensaures Ammoniak ein Pflanzennährmittel, sondern dient auch als energisch wirkendes Zersetzungsmittel, besonders der schwefel- und phosphorsauren Schwermetall- oxyde. Kohlensaure Salze des Kali, Natrons und der Kalkerde werden durch das- selbe in die entsprechenden salpetersauren Salze überführt. Die stofflichen Aenderungen, welche durch die erwähnten Einwirkungen auf die Felsmassen eingeleitet werden, reichen im Beginne schon hin um das Wachsthum verschiedener Flechtenarten (Leprariae, Variolaricae, Parmelia etc.) zu unterhalten. Die Vegetation dieser niederen Pflanzenformen ermöglicht weiterhin, durch die Fest- haltung der Feuchtigkeit und durch die Bildung abgestorbener organischer Substanz die Ansiedlung höher organisirter Pflanzen, wie Moose und Gräser. Letztere unter- stützen am wirksamsten durch ihre Wurzelausscheidungen (S. 20) und durch die nach ihrem Absterben vermehrte organische Substanz die Verwitterung der Felsmassen und deren Umwandlung in culturfähigen Boden. Nachdem der Verwitterungsprozeß in jedem Culturboden noch fortdauert, finden sich daher in demselben gleichzeitig neben noch unzersetzten Gesteinstrümmern, so- wohl Gesteine, dessen Spaltung in Bodenskelettheile und Bodennährstoffe verschieden weit vorgeschritten, als auch in allen Stadien der Verwesung befindliche organische Reste. Die Verwitterung erlangt schließlich ihr Ende, wenn von den ursprünglichen Fels- massen nur mehr die unveränderlichen Theile des Bodenskeletes, wie der Thon, Sand, Kalk, übrig sind. Je nachdem der Boden in geologischer Hinsicht sein Bildungsmaterial von kry- stallinischen Gesteinsmassen des Urgebirges oder von zweifellos sedimentären Gesteins- ablagerungen herleitet, ergiebt sich ein bemerkenswerther Unterschied. Derselbe würde nach der heutigen Auffassung der Bildung der geschichteten Urgebirgsgesteine durch moleculare Umwandlung sedimentärer Ablagerungen in geologischer Beziehung nicht aufrecht zu erhalten sein, wenn sich nicht für die aus den beiden Gesteinsgruppen hervorgehenden Bodenarten eine Verschiedenheit der chemischen und physikalischen Be- schaffenheit ergeben würde. In chemischer Hinsicht bestehen im Allgemeinen die kry- stallinischen und eruptiven Gesteine aus Silicaten, während die sedimentären Gebirgs- massen neben den Silicaten, noch Quarzgesteine, Kalksteine, Dolomite und zuweilen auch Sulphate des Kalkes aufzuweisen haben. Diese verschiedene chemische Beschaffen- heit der Gesteine bedingt auch eine Verschiedenheit der aus denselben durch Verwitte- rung hervorgehenden Bodenarten, welche noch durch die verschiedene Ablagerung der Verwitterungsprodukte vermehrt wird. Bei der Beurtheilung eines Bodens muß Der Boden. daher auch auf die geologischen- und Ablagerungsverhältnisse desselben Rücksicht ge- nommen werden. Der Boden kann entweder auf dem Felsgesteine, aus welchem er durch Verwitte- rung hervorgegangen, gefunden werden, er heißt dann Primitivboden oder un- mittelbarer Verwitterungsboden , oder derselbe ist von seinem ursprünglichen Entstehungsorte fortgeschwemmt und anderwärts abgelagert, er heißt dann Schwemm- landsboden (Fallou) oder Schwemmboden. Ersterer wird im Allgemeinen eine geringere Ausdehnung in die Tiefe, eine geringere Mächtigkeit haben, daher weniger fruchtbar als angeschwemmter Boden sein. Die Mächtigkeit oder Tiefgründigkeit eines Bodens, welche durch die fortdauernde Verwitterung und durch die Bodenbearbeitung einer stetigen, wenn auch in der Zeit nur sehr unmerklichen Wandlung ausgesetzt bleibt, hat großen Einfluß auf die Eignung des Bodens für eine bestimmte Pflanzenart. Auf flachgrün- digem, seichtem Boden, dessen Mächtigkeit 15 Centim. und weniger beträgt, ge- deihen nur flachwurzelnde Pflanzen, während auf tiefgründigem Boden, welcher mindestens 30 Centim. mächtig ist, auch tiefwurzelnde Pflanzen fortkommen. Je mächtiger der Boden um so vortheilhafter ist derselbe für das Wachsthum der Pflanzen, da in demselben nicht nur ein größerer Vorrath an Pflanzennährstoffen voraus- gesetzt werden, sondern auch ein Austrocknen weniger leicht vorkommen kann. Ein mächtiger Boden vermag stets Wasser durch Capillarität aus der Tiefe aufzusaugen, während ein Zuviel an Wasser leichter in die Tiefe abgeleitet werden kann. Seichte Böden werden dagegen um so leichter austrocknen, je mehr sie ihrer Beschaffenheit nach dazu geeignet sind. Die oberste gewöhnlich dunkel gefärbte Schichte des Culturbodens, der Ober- grund oder die Oberkrume zeichnet sich, je näher zur Bodenoberfläche, durch um so reichlicher beigemengte, in Humification begriffene Pflanzenreste aus. Unter dieser Schichte befindet sich gewöhnlich eine Bodenlage, welche nur feinvertheilten Hu- mus oder noch in Vermoderung begriffene Wurzelabfälle enthält und die in ihrer größten Tiefe aus humusfreiem Mineralboden besteht. Unter dieser tiefsten Schichte des Obergrundes beginnt der Untergrund. Derselbe besteht bei den Primitivböden aus Felsgerölle oder festem Gesteine, bei den Schwemmlandsböden aus einem Boden von einer Beschaffenheit, welche verschieden ist von jener des Obergrundes. Bei einem angeschwemmten Boden können auch mehrere verschiedenartige Schichten Ein beachtenswerthes Beispiel bieten hierfür die von dem Meere angeschwemmten, sehr fruchtbaren Marschböden an der Westküste von Schleswig-Holstein. bis zu dem festen Gestein wechsellagern. Auf einem bearbeiteten Culturboden wird auch die Bearbeitung eine Verschiedenheit der Lockerheit oder mechanischen Beschaffenheit der bearbeiteten Schichte hervorbringen. So weit dieser Einfluß reicht bezeichnet man den Boden als Ackerkrume, welche gewöhnlich nur einen Theil des Obergrundes ausmachen wird, je mächtiger derselbe ist. Je seichter der Obergrund einen um so größeren Einfluß wird der Untergrund Allgemeine Ackerbaulehre. auf die physikalischen und selbst chemischen Eigenschaften des Obergrundes ausüben. Enthält der felsige oder erdige Untergrund Mergeln, Kalksteine, Basalte, Diabase, Granite u. dgl., welche bei ihrer Verwitterung die Menge der Bodensalze vermehren, so kann dies nur vortheilhaft sein. Ungünstig wird in stofflicher Beziehung der Untergrund, wenn durch die Verwitterung Eisenoxydul (Ortstein) und dessen lösliche Salze oder freie Säuren gebildet werden. Tritt an einzelnen Feldstellen ein felsiger oder kiesiger Untergrund nahe an die Bodenoberfläche, so werden auf solchen Schein-, Schrind- oder Schwind-Stellen die Pflanzen gar nicht oder nur kümmerlich fortkommen. In physikalischer Hinsicht wird sich der Untergrund um so günstiger heraus- stellen je verschiedener derselbe von dem Obergrunde ist. Ein durchlässiger Unter- grund mäßiget die Schädlichkeit einer undurchlässigen Oberkrume, während anderseits ein undurchlassender Untergrund günstig auf eine lockere, sandige, schnell austrocknende Oberkrume einwirkt. Ein sandiger Untergrund wird daher für einen thonigen Ober- grund günstig, für eine gleichfalls sandige Oberkrume ungünstig sein. Die Ablagerung des Bodens in Beziehung zu seiner Neigung zum Horizonte Siehe auch das Kapitel „Die örtliche Lage“. S. 65. ist ebenfalls von Einfluß auf seine Culturfähigkeit. Je nach der Größe der Neigung erhält der Boden die Bezeichnungen: sanft geneigt bei 1—5°, neigig, lehnig bei 5—10°, mäßigsteil bei 10—15°, abschüssig bei 15—20°, steil bei 20—30° und sehr steil, schroff, jäh bei 30—45° Neigung. 2. Die Bestandtheile des Bodens. Die schließlichen Verwitterungsprodukte der Gesteine sind entweder wie die Bodenskelettheile, keine Nährstoffe, oder wie die Bodensalze, Nährstoffe. In der Wirklichkeit dürfte es jedoch keinen Culturboden geben, in welchem diese Spaltung Die Trennung der Bodenskelettheile von den Bodensalzen ist nur erreicht in den künstlichen Nährstoffgemischen, welche bei Vegetationsversuchen (S. 21) im Laboratorium zur Anwendung gelangen. vollendet ist. In der Regel finden sich alle Uebergänge von dem un- verwitterten Gesteine bis zu jenen Spaltungsprodukten vor. Der Culturboden bildet daher ein Gemenge von zertrümmertem Felsgestein (Gesteinstrümmer), von chemisch verändertem, zu krümeligen oder pulverigen Massen verwittertem Gestein (Feinerde) und von Verwesungs und Verkohlungssub- stanzen verschiedenen organischen Ursprunges (Humus). Die mineralischen Boden- bestandtheile machen gewöhnlich gegenüber den organischen die Hauptmasse des Bodens aus. Der Gehalt eines Bodens an verschiedenen Humussubstanzen ergiebt sich aus dem Glühverluste der völlig trockenen Erde. Die Menge der gröberen Gesteins- trümmer wird durch die sog. mechanische Bodenanalyse durch Absieben von Der Boden. der Feinerde nachgewiesen. Aus der Feinerde werden schließlich durch Abschlemmen die abschlemmbaren Bodentheile, der Thon, von den sandigen Boden- theilen (feinere Gesteinstrümmer, Quarz- und Kalksand) ausgeschieden. Die angeführte Trennung der Bodenbestandtheile giebt jedoch nur wenig Auf- schluß über das Verhältniß der Nicht-Nährstoffe zu den Nährstoffen im Boden. Ueber dieses Verhältniß vermag nur allein die chemische Bodenanalyse Aufklärung zu geben, indem sie durch einen wässerigen oder salzsauren Auszug die in den Ge- steinstrümmern oder in der Feinerde enthaltenen löslichen Bodensalze nachweist. Aber auch sie kann nur ungenügend die zur Zeit im Boden in den Gesteinstrümmern noch gebundenen Pflanzennährstoffe von den aufnahmsfähigen unterscheiden. Sicher vermag sie nur anzugeben, wie viele Pflanzennährstoffe, aufnahmsfähige und unauf- geschlossene zusammen im Boden vorhanden sind. Die Ursache dieses Unvermögens liegt in dem Unterschiede der Lösungsmittel; der Chemiker verwendet Wasser, ver- dünnte und concentrirte Säuren, Aetznatron ꝛc., während im Boden auf die Lösung der Nährstoffe außer dem Wasser, die Kohlensäure, die Humussäuren und die Menge und Beschaffenheit der schon gelösten Salze Einfluß nehmen. Die chemische Ana- lyse giebt desungeachtet manche werthvolle Aufschlüsse wie z. B. über das Fehlen eines für die Pflanze unentbehrlichen Nährstoffes oder über das Vorhandensein eines für die Pflanzenvegetation nachtheiligen Stoffes, wie des schwefelsauren Eisens, des Schwefeleisens oder eines Uebermaßes von Eisenoxydul oder von Kochsalz und Salpeter. Obwohl es bisher nicht gelungen die in einem Boden vorhandenen Nichtnähr- stoffe von den im gebundenen und im aufnahmsfähigen Zustande befindlichen Nähr- stoffen auf einfache Weise zu trennen, so wird es doch zur Erleichterung des Ver- ständnisses beitragen, wenn wir diese Unterscheidung aufrecht halten. Die Eigen- schaften der einzelnen Bodenbestandtheile sollen daher in nachstehender Reihenfolge besprochen werden: 1. die veränderlichen Gesteinstrümmer und der veränderliche Sand, 2. die Bodenskelettheile und 3. die Bodennährstoffe. 1. Die veränderlichen Gesteinstrümmer und der veränderliche Sand. Die Gesteinstrümmer werden von verschieden großen, noch nicht verwitterten Felsmassen gebildet. Dieselben können im Verlaufe der Zeit durch die Verwitterung entweder mannigfaltige Veränderungen erfahren oder sie sind unveränderlich. Letztere Gesteine, wie der Quarzfels, Thon und Kalkstein werden bei den Bodenskelettheilen besprochen werden. Die veränderlichen Gesteinstrümmer bilden, wie schon S. 28 erwähnt, einen noch nicht aufgeschlossenen Vorrath an mineralischen Pflanzennährstoffen, welche zu- meist erst in der Zukunft durch die Verwitterung von den Bodenskelettheilen abge- schieden und dadurch den Pflanzenwurzeln zugänglich gemacht werden. Kleinere Mengen der in den Gesteinstrümmern enthaltenen Pflanzennährstoffe dürften jedoch auch schon zur Zeit, in dem Maße als Wurzelhaare mit denselben verwachsen (S. 19) aufnahmsfähig sein. Krafft, Lehrb. d. Landw. I. 3 Allgemeine Ackerbaulehre. Der Werth der veränderlichen Gesteinstrümmer — wenn dieselben nicht etwa durch zu massenhafte Ansammlung im Boden ungünstig auf die physikalischen Boden- eigenschaften einwirken — hängt von der näheren Beschaffenheit der Gesteinsarten ab, aus welchen sie zusammengesetzt sind. Im Allgemeinen bestehen die Gesteine entweder allein oder gemengt aus unlös- licher Kieselsäure in der unverwitterbaren Quarzmodification (Härte = 7), aus Sili- caten (Härte = 6), welche durch die Verwitterung, wenn auch langsam, verändert werden, oder aus kohlensaurem Kalk (Kalkstein, Härte = 3) und aus diesem und der kohlensauren Talkerde (Dolomit, Härte = 5), welche im Wasser löslich, aber durch die Verwitterung nicht verändert werden. Zuweilen findet sich in den Gesteinen auch noch das im Wasser schwer lösliche Sulphat des Kalkes, der Gyps (Härte = 2). Die Silicate liefern bei der Verwitterung sofern sie, wie die Feldspathe, Thonerde und Eisen als vorherrschende Basen enthalten, den Bodenskelettheil Thon und je nach ihrem Gehalte an Alkalien und alkalischen Erden wechselnde Mengen an Boden- nährstoffen. Der Quarz und der Kalk bilden die Bodenskelettheile Quarz und Kalksand. Je reichlichere Mengen an leicht löslichen Pflanzennährstoffen die Gesteinstrümmer neben den Bodenskelettheilen bei der Verwitterung liefern um so werthvoller sind sie für den Boden. Die wichtigsten und am häufigsten vorkommenden Mineralien und Ge- steine wollen wir daher geordnet nach ihrem Gehalte an den hervorragendsten Boden- nährstoffen aufzählen: a. Kali. Das Kali kommt entweder in zahlreichen Mineralien, wie im Kali- feldspath (Orthoklas mit einem Gehalte von 9.11—15.21 % Kali), Kaliglimmer (6.05—10.25 %), Magnesiaglimmer (6.06—13.15 %), Leucit (13.60—18.61 %) ꝛc. als wasserfreies Silicat oder wie in den Zeolithen (8.11—10.74 %) als wasser- haltiges Silicat vor. Die Feldspathe und Glimmer bilden wieder einen Hauptge- mengtheil der weitverbreiteten Gebirgsgesteine Granit, Gneis, Syenit, Porphir, Glim- merschiefer ꝛc.; der Leucit einen Gemengtheil der Laven. b. Natron. Das Natron findet sich neben Kali in den Feldspathen, beson- ders im Natronfeldspath (Albit, 4.10—10.97 %), im Oligoklas (6.15—9.37 %) und als wasserhaltiges Silicat in verschiedenen Zeolithen (7.39—16.00 %). Eine der verbreitesten Verbindung des Natron ist das Chlornatrium oder Kochsalz. Die Natronfeldspathe bilden wie die Kalifeldspathe einen hervorragenden Gemengtheil kry- stallinischer Gesteinsmassen, wie der Granite ꝛc. c. Kalk. In Verbindung mit anderen Silicaten kommt kieselsaurer Kalk im Labrador (8.05—16.53 %) einem Gemengtheil der Syenite, Grünsteine, Diorite ꝛc., im Augit (18.78—25.34 %), einem Gemengtheile der Basalte, Laven ꝛc., in der Hornblende (Amphibol, 9.55—13.80 %) einem Gemengtheile des Syenit, Diorit, Melaphyr u. s. w. vor. Als kohlensaurer Kalk (Kalkspath) bildet der Kalk einen weit verbreiteten Bodenskelettheil. d. Magnesia. Von den kieselsauren Verbindungen der Magnesia sind außer Der Boden. dem betreffenden Bodenskelettheil zu nennen: der Talk (24.81 %), Speckstein, Ser- pentin, die Chlorite. e. Eisen. Das Eisen bildet als Eisenoxyd einen Bestandtheil sehr vieler Mineralien. Am häufigsten findet sich das Eisen in den verschiedenen Eisenerzen, wie im Rotheisenstein (wasserfreies Eisenoxyd), im Braun- und Gelbeisenstein (Eisen- oxydhydrat), im Schwefelkies (Schwefeleisen) ꝛc. Den Boden färben diese Ver- bindungen ockergelb, roth, rothbraun, bis dunkelbraunschwarz. f. Mangan. Das Mangan kommt gewöhnlich als Begleiter des Eisens vor. Es verleiht wie jenes dem Boden eine dunklere Färbung. g. Mineralsäuren. Unter den Mineralsäuren nimmt besonders die Kiesel- säure und Kohlensäure einen hervorragenden Antheil an der Zusammensetzung der Gesteine. Die lösliche Kieselsäure bildet einen Bestandtheil der wichtigen zeolithischen Mineralien, welche als Thonalkali- oder Thonkalk-Silicathydrate anzusehen sind. Die Phosphorsäure findet sich im Apatit (Phosphorit, 36.88—42.28 %), dann in den Koprolithen und Osteolithen (Versteinerungen der Excremente und Knochen vor- weltlicher Thiere, 6.99—26.75 %), und in einer Mehrzahl seltener vorkommender Phosphatgesteine. Auf die physikalischen Eigenschaften der Gesteinstrümmer hat die Gestalt und Größe derselben wesentlichen Einfluß. Die Gesteinstrümmer sind entweder rund oder eckig oder sie treten wie der Glimmersand in Form von Schüppchen auf. Die- selben haben bis auf die sehr feinkörnigen oder schüppchenartigen Gesteinstrümmer, welche im feuchten Zustande einen geringen Zusammenhalt besitzen, keine Bindigkeit. Treten die Gesteinstrümmer in sehr grobkörniger Form auf, so bezeichnet man sie als Gerölle, Gruß, Geschiebe, Rollsteine. Sind die Trümmer 3—5 Millim. groß, so heißen sie grober Kies, bei 2—3 Mm. Größe feiner Kies. Feiner als erbsengroße bis staubfeine Felstrümmer bilden den veränderlichen Sand. Zuweilen wird der Sand auch von Resten verschiedener Thiergehäuse ge- bildet, welche in der Hauptsache aus kohlensaurem und phosphorsaurem Kalk bestehen. Je nach der Größe der einzelnen Sandkörner unterscheidet man: Perlsand (1—2 Mm.), groben Sand (0.5—1 Mm.), feinen Sand oder Triebsand (0.25—0.5 Mm.), sehr feinen Sand, Flugsand (0.1—0.25 Mm.) und staubfeinen Sand, Mehl- und Staub- sand (0.025—0.25 Mm.). Je nach der mineralogischen Zusammensetzung unterscheidet Senft Dr. F. Senft. Der Steinschutt und Erdboden. S. 200. quarzreichen Sand (Feldspath-, Glimmer-, kalkhaltigen, eisenschüssigen Quarz-Sand), kalkreichen Sand (Muschelsand, Wiesenmergel) und vulcanischen oder Lavasand. In Betreff der Eigenschaften des Sandes kann erwähnt werden, daß derselbe die Wärmestrahlen der Sonne unter gleichzeitiger rascher Erwärmung sehr stark absorpirt. Ebenso rasch, wie er sich erwärmt, kühlt er sich wieder ab und zwar um so rascher je grobkörniger und dunkler gefärbt derselbe ist. Die geleitete Wärme nimmt der trockene und lockere Sand dagegen nur sehr langsam auf und giebt sie 3* Allgemeine Ackerbaulehre. nur langsam wieder ab. Mit Sand bedeckter Boden hält sich daher im Winter warm, im Sommer kühl. Nasser Sand verhält sich als sehr guter Wärmeleiter gerade entgegengesetzt. Die wasserfassende Kraft des Sandes ist, wie S. 47 näher angegeben ist, sehr gering. Ebenso verdunstet das von dem Sande aufgenommene Wasser sehr rasch oder es läuft schnell in tiefere Bodenschichten ab. 2. Die Bodenskelettheile. Die durch die Verwitterung nicht weiter zersetzbaren Bodenskelettheile sind aus den verwitterten oder zerfallenen Gesteinstrümmern entstanden. Dieselben bestehen entweder aus Quarz, Thon oder Kalk und Magnesia. Obwohl sie keine Nährstoffe sind, bilden sie doch die Träger für die Bodennährstoffe. Sie bedingen wegen ihres der Masse nach überwiegenden Vorkommens vorzugsweise den physikalischen Charakter des Bodens, durch welchen sie, sowie durch die Gewährung des den Pflanzen Schutz und Halt bietenden Standortes die größte Bedeutung für die Pflanzenvegetation erlangen. a. Der Ouarz . Der Quarz besteht aus in Wasser unlöslicher Kieselsäure, welche von den Pflanzenwurzeln nicht aufgenommen wird. Er entsteht bei der Verwitterung quarz- haltiger Gesteine wie Granit ꝛc., oder durch das mechanische Zerfallen von Quarz- fels oder Kieselschiefer. Durch die Verwitterung wird er in seinem chemischen Bestande nicht weiter angegriffen. Je nach seiner Form kommt derselbe daher entweder als unveränderlicher Sand oder als unveränderliche Gesteinstrümmer im Boden vor. Je nach diesem Vorkommen theilt er mit dem veränderlichen Sand oder mit den ver- änderlichen Gesteinstrümmern die für diese angegebenen Eigenschaften. Besonders zu erwähnen ist, daß der Quarz keine Absorption und Hygroskopicität und nur geringe wasserhaltende Kraft besitzt. Aehnlich wie der Quarz verhalten sich auch jene sonst veränderlichen Sandkörner, deren Verwitterung durch einen Ueberzug von Eisenoxyd- hydrat verhindert wird. b. Der Thon. Der Thon oder die wasserhaltige, kieselsaure Thonerde bildet das letzte durch kohlensäurehaltiges Wasser nicht mehr veränderliche Verwitterungsprodukt von kiesel- säurereichen Feldspathen, Zeolithen und Glimmern, welche bei der Verwitterung ihre Alkalien, alkalischen Erden und einen Theil der löslichen Kieselsäure verloren haben. Letztere bleibt oft auch dem Thone beigemengt. Durch verschiedene Beimengungen, welche jedoch so innig mit dem Thone ver- bunden sind, daß sie durch Wasser nicht ausgeschlemmt werden können, und auch nicht auf chemischen Wege herzustellen sind, erhält der Thon die verschiedenste Beschaffenheit. Durch eine Beimengung von mehr als 10 % Kieselmehl und 5 % Eisenoxyd bildet sich der Lehm, von so viel kohlensaurem Kalk, daß jedes Theilchen mit Säuren begossen aufbraust, der Mergel, von soviel Eisenoxyd, daß der Thon ockergelb oder braunroth gefärbt wird, der eisenschüssige Thon und von soviel Bitumen, daß der Thon schwärzlich gefärbt wird, der bituminöse Thon. Der Boden. Im trockenen Zustande bildet der Thon eine fest zusammenhängende oder pulverige, im Wasser schlemmbare Masse, welche im reinen Zustande beim Glühen nicht schmilzt, sondern durch Verlieren des chemisch gebundenen Wassers zu einer harten Masse zu- sammenfrittet. Bei einer geringen Beimengung von Magnesia oder von Eisenoxyd fühlt sich die Thonsubstanz, im Gegensatze zu dem sich mager anfühlenden Sande fettig an. Im feuchten Zustande nimmt der Thon die Wärme nur langsam an, kühlt jedoch durch die Verdunstung des Wassers sehr rasch ab. Im trockenen, pulverigen Zustande erwärmt er sich gleichfalls nur langsam, bleibt jedoch lange warm. Sonnen- strahlen erwärmen weißgrauen Thon nur langsam, am schnellsten dunkelgefärbten Thon. Letzterer verliert jedoch einmal erwärmt seine Temperatur viel schneller als ersterer. Der Frost bewirkt durch das Gefrieren des aufgenommenen Wassers ein Auseinanderfallen des Thones in kleine Theilchen. Der Thon besitzt entgegen dem Sande eine große Bindigkeit. Im feuchten Zustande läßt er sich kneten und formen. Trocknet er rasch ab, so erhärtet er unter Volumsverminderung zu einer festen Masse. Weiter besitzt derselbe eine bedeutende Adhäsion an andere Körper. Wasser nimmt er langsam aber bis zu 70 % seines eigenen Gewichtes auf und hält dasselbe lange fest. In dem Wasser aufgelöste mineralische Pflanzennähr- stoffe und fein vertheilte Humussubstanzen hält er gleichfalls auch noch dann zurück, wenn das Wasser wieder verdunstet ist. Gase, wie das in der Luft enthaltene kohlen- saure Ammoniak werden von dem Thone aufgesaugt und in seinen Poren verdichtet. Beim Anhauchen oder Erwärmen giebt er dieselben, wie an dem eigenthümlichen Geruche des Thones zu erkennen ist, wieder frei. Im reinen Zustande bildet der Thon ebensowenig wie der Quarz weder ein Pflanzennährmittel, noch einen geeigneten Standort für die Pflanze. Als Boden- bestandtheil erhält er jedoch durch seine Eigenschaften, besonders durch seine Fähigkeit, feste und gasförmige Pflanzennährstoffe festzuhalten, eine hohe Bedeutung. c. Der Kalk und die Magnesia. Der Kalk kommt in der Natur am weitesten verbreitet in Verbindung mit Kohlensäure als Calcit, oder in Verbindung mit Schwefelsäure als Gyps vor. In Verbindung mit kohlensaurer Magnesia bildet der kohlensaure Kalk den Dolomit. Ein Gemenge von Thon mit mindestens 20 % kohlensaurem Kalk oder 15 % Dolomit bildet den Mergel. Außerdem kommen Kalk und Magnesia als Ver- witterungsprodukte zahlreicher Mineralien, besonders der Amphibolite (Hornblende), der augitreichen Felsarten oder als Reste von Cochylien vor. Am gewöhnlichsten treten dieselben im körnigen Zustande als Kalk- und Dolomitsand oder auch als unverwitterbares Gerölle auf. Noch häufiger sind sie im Boden in feinster Ver- theilung enthalten. Ihr Vorhandensein kann durch Uebergießen mit Säuren, z. B. mit Salzsäure, welche unter Aufbrausen ein Entweichen der gebundenen Kohlen- säure herbeiführen, nachgewiesen werden. Allgemeine Ackerbaulehre. Beide Bodenskelettheile sind nicht so unveränderlich wie der Quarz und Thon, indem sie besonders von kohlensäurehaltigem Wasser aufgelöst werden. In Berührung mit stickstoffhaltigen abgestorbenen Organismen befördert der Kalk die Bildung von salpetersaurem Kalk. In Berührung mit stickstofffreien organischen Resten begünstigt er dagegen die Bildung von Humussäuren. Als Bodenbestandtheil wirken der Kalk und die Magnesia erwärmend und lockernd, den Stoffumsatz befördernd. In feingepulvertem Zustande nimmt der Kalk bis 85 % Wasser auf, welches jedoch wieder schnell verdunstet oder durchgelassen wird. Der Zusammenhang und die Adhäsion dieser beiden Bodenskelettheile hält die Mitte zwischen Quarz und Thon. Die Absorption der Bodennährstoffe ist mit Ausnahme des phosphorsauren Salzes gering. d. Der Humus. Neben Quarz, Thon und Kalk bilden auch die Zersetzungsprodukte abgestorbener Pflanzen und Thiere, welche in ihrer Gesammtheit als Humus Dr. F. Senst. Die Humus-, Marsch-, Torf- und Limonitbildungen als Erzeugungs- mittel neuer Erdrindenlagen. Leipzig 1862. bezeichnet werden, einen Bestandtheil des Bodenskeletes. Der Humus ist im Boden unter der Ein- wirkung von Wärme, Luft und Feuchtigkeit den mannigfaltigsten Veränderungen ausgesetzt. Bei ungehinderter Einwirkung der genannten Agentien verwesen die Organismen- reste zu einer schwarzen oder braunen, erdig-pulverigen Substanz, dem eigentlichen Humus, welcher im Gegensatze zur folgenden Geïnsubstanz auf die Pflanzenvegetation nicht schädlich einwirkt und daher von den Landwirthen als „gutartiger Humus“ be- zeichnet wird. Bei gehindertem Luftzutritte, und unter Einwirkung von Wasser verfaulen die Reste zu einer grauschwarzen, sauer reagirenden Masse, dem sauren oder fauligen Humus, Geïn. Wird die bei vollem Luftzutritte beginnende Zersetzung durch Verhinderung des weiteren Luftzutrittes und unter Einwirkung erhöhter Temperatur und Wasser ge- hemmt, so vertorft und verkohlt die Masse und bildet den Torf. 1. Humus. Die abgestorbenen organischen Körper werden zunächst durch den Sauerstoff der Luft unter Abscheidung gasförmiger Stoffe wie Wasser, Ammoniak, Schwefelwasserstoff, phosphorige Säure und Kohlensäure in die kohlenstoffreichere und wasserstoffärmere, in Wasser unlösliche, indifferente Humussubstanz umgewandelt. Die Humussubstanz zeichnet sich dadurch aus, daß sie unter Wärmeentwickelung und Aufquellen Wasser und darin gelöste Stoffe bis zum 125—190fachen ihres Gewichtes aufzusaugen vermag und die atmosphärische Luft verdichtet. An Thon saugt sich fein vertheilter Humus fest und bildet mit diesem ein inniges Gemische, die Dammerde. Erfolgt diese Mengung so innig, daß jedes Bodentheilchen von Humus eingehüllt erscheint, so bezeichnet man den Boden als gar. Im trockenen Zustande bildet der Humus eine staubförmige dunkelgefärbte Masse. Strahlende Der Boden. Wärme erhöht die Temperatur des Humus, je dunkler seine Färbung, beträchtlich, dagegen kühlt er auch rasch wieder ab; der schwarze erwärmt sich daher mehr als der braune Humus. Wasserhaltiger Humus wird durch den Frost nach dem Aufthauen in ein staubförmiges Pulver umgewandelt. Der Humus ist sehr capillar, daß auf- genommene Wasser verdunstet daher rasch. Feuchte humose Erde ist deshalb auch kalt. Bei Gegenwart von Alkalien oder Ammoniak, Kalk entstehen aus der indifferenten Humussubstanz unter Aufnahme von Sauerstoff aus der Luft oder bei dem Fehlen desselben durch Reducirung der im Boden vorkommenden schwefelsauren Metalloxyde zu Schwefelmetallen, verschiedene Humussäuren, als Ulminsäure, Huminsäure, Quellsäure und Quellsatzsäure. Diese Säuren, welche eine aus der anderen durch fortgesetzte Oxydation hervorgehen, enthalten der Reihe nach immer weniger Wasserstoff und Kohlenstoff, bis sie als letztes Oxydationsprodukt der Humussubstanz in Kohlen- säure übergehen. Von der Humussubstanz bleiben daher nach der Zersetzung schließlich nur die vor derselben in den Organismen enthaltenen Aschensalze zurück. Die im Wasser löslichen humussauren Salze besitzen die für die Pflanzen- ernährung höchst wichtige Eigenschaft, an und für sich unlösliche und durch kohlen- säurehaltiges Wasser unzerlegbare Salze wie z. B. Silicate zu lösen oder in lös- liche Verbindungen umzuwandeln. Wenn nun auch der Humus und die Humussäuren als Bodenskelettheile, keine Pflanzennahrungsmittel abgeben, so erhöht doch ihr Vorhandensein die Fruchtbar- keit des Bodens. Ein hoher Humusgehalt ist im Allgemeinen ein Zeichen einer weit vorgeschrittenen Verwitterung des Bodens. „Die Faktoren der Fruchtbarkeit“, bemerkt Dr. W. Knop Dr. W. Knop. Die Bonitirung der Ackererde. Leipzig 1872, S. 128. „haften zwar nur an den Mineralbestandtheilen des Bodens; wo wir aber in einer Erde reichlich Humus vorfinden, da erhalten wir die Gewiß- heit, daß hier in einer früheren Periode der Erde schon eine üppige Vegetation Platz gegriffen hatte, oder was dasselbe ist, daß der hier vorhandene Ackerboden ein guter war.“ Durch das Vorhandensein des Humus in der obersten Bodenschichte der Acker- krume wird eine extreme physikalische Bodenbeschaffenheit verbessert, indem schwerer Thonboden mehr Porosität und Durchlässigkeit, leichter Sand mehr Zusammenhang und wasserfassende Kraft erhält. Weiter wird durch den Humus die Absorptions- und Condensationsfähigkeit des Bodens gegen Gase, Wasserdampf, sowie das Ver- halten des Bodens gegen die strahlende Sonnenwärme günstig beeinflußt. Durch die Kohlensäure und Ammoniakentwickelung des Humus bei ungehindertem Luftzutritte wird nicht nur eine Quelle für atmosphärische Pflanzennährstoffe geschaffen, sondern, wie früher erwähnt, auch die Aufschließung, Lösung und Verbreitung der Mineral- stoffe im Boden befördert. Schließlich werden durch den Humus die aufnahmsfähigen Bodensalze vermehrt, indem nicht nur die Aschensalze nach der vollständigen Zersetzung des Humus zurückbleiben, sondern auch durch die Zersetzungsprodukte desselben, wie Allgemeine Ackerbaulehre. Kohlensäure, Ammoniak, Schwefelwasserstoff, Phosphorsäure mehrfache Umwandlungen der im Boden vorkommenden Alkalien, alkalischen Erden und Schwermetalle herbei- geführt werden. 2. Ge ï nsubstanz. Die Ge ï nsubstanz entsteht vorzugsweise aus gerbstoff- reichen Substanzen, welche in stehenden Gewässern, Sümpfen verfaulen und eine schlammige, übelriechende, auch saurer oder atzdringirender Humus genannte Masse bilden. Diese Substanz verwandelt sich unter der Einwirkung von kohlensauren Alkalien in eine im Wasser lösliche, für die Pflanzenvegetation nachtheilige Säure, die Ge ï nsäure. Längere Zeit der Luft ausgesetzt, oxydirt sich diese Säure, besonders bei Gegenwart von Kalk und Asche, zu Quellsatz- und Quellsäure. 3. Torfsubstanz. Wird die Verwesung der organischen Reste durch unter Wasser setzen gehemmt, so tritt unter Wärmeentwickelung und Entbindung von Kohlen- wasserstoffen ein Verkohlen oder Vertorfen ein. Im Anfange der Bildung zeigt sich der unreife Torf von den Pflanzenresten noch faserig. Als reifer ausgebildeter Torf erscheint er im nassen Zustande als schwarzbrauner Schlamm (Schlamm- oder Bagger- torf) oder als eine seifige, wachsartig glänzende pechschwarze Masse (Pechtorf). Der Torf ist als Standort für die meisten Pflanzen wegen seiner großen Wasseransaugungs- und Wasserhaltungskraft ungeeignet. 3. Die Bodennährstoffe. Neben den Bodenskelettheilen Quarz, Thon, Kalk und Humus entstehen durch die Verwitterung aus den Gesteinstrümmern in geringeren Mengen die Bodennähr- stoffe, welche allein von den Pflanzenwurzeln aufgenommen werden können. Die Bodennährstoffe sind nicht unveränderlich, sondern unter dem Einflusse des kohlensäure- und salzhaltigen Wassers und der im Boden befindlichen Luft, in einer steten Veränderung begriffen, durch welche bestehende Verbindungen umgesetzt und neue Verbindungen gebildet werden. Außerdem findet eine stetige Wanderung der durch das Regenwasser gelösten Nährstoffe der Ackerkrume in den Untergrund und um- gekehrt durch das Aufsteigen des Grundwassers eine Wanderung der Nährstoffe des Untergrundes nach aufwärts statt. Diese Wanderung der Bodennährstoffe wird jedoch wesentlich durch das Absorptionsvermögen des Bodens (S. 43) beschränkt. Im Allgemeinen wird sich jedoch, abgesehen von einer Zufuhr von Pflanzennährstoffen durch die Düngung in der Ackerkrume, begünstigt durch die lebhaftere Verwitterung, ein größerer Nährstoffvorrath ansammeln können als im Untergrunde. Diese That- sache ist, nebenbei bemerkt, die Ursache, weshalb tiefwurzelnde Pflanzen nur nach gewissen Zeiträumen auf demselben Felde wieder angebaut werden können. Zu den wichtigsten im assimilirbaren Zustande im Boden vorkommenden Nähr- stoffen, zu welchen noch die an die Gesteinstrümmer gebundenen (S. 34) hinzu- kommen, gehören: a. Kali. Das Kali kommt im Boden entweder als wasserhaltiges Silicat oder als humussaures Salz vor. Außerdem findet sich im Bodenwasser gelöst oder durch Flächenanziehung festgehalten kohlensaures Kali, als Verwitterungsprodukt der Der Boden. Feldspathe und Glimmer, und schwefelsaures Kali, als Verwitterungsprodukt von Thonschiefer oder als Umsetzungsprodukt bei der Einwirkung von Gyps auf die wasserhaltigen Silicate. Bei Anwesenheit von stickstoffhaltigen Verwesungsmassen bildet sich auch salpetersaures Kali. Am spärlichsten sind Alkaliphosphate im Boden- wasser vertreten. b. Natron. Das Natron kommt am häufigsten als Chlornatrium und als Silicat vor. Außerdem finden sich im Boden kohlensaures, schwefelsaures, salpeter- saures, phosphorsaures und humussaures Natron. c. Ammoniak. Das Ammoniak kommt in denselben Verbindungen wie das Kali vor, ist jedoch im Boden sehr unbeständig da es bald in Salpetersäure über- geführt wird. d. Kalk. In Verbindung mit Kieselsäure findet sich der Kalk nicht im Boden- wasser gelöst, da der kieselsaure Kalk im Momente seiner Lösung in kohlensäure- haltigem Wasser in kohlensauren Kalk umgewandelt wird. Neben dem kohlensauren Kalk findet sich der Kalk im Boden als humussaurer, dann als Verwitterungsprodukt der meisten Augite und Glimmer als phosphorsaurer und in düngerreichen Boden- arten auch als salpetersaurer Kalk vor. e. Magnesia. Der Boden enthält die Magnesia als kohlensaure, humus- saure oder phosphorsaure Ammoniak-Magnesia oder als Silicat. f. Eisen. Das Eisen ist im Boden als Eisenoxydhydrat oder als phosphor- saures Eisenoxyd oder als wasserhaltiges Silicat anzutreffen. g. Chlor, Fluor. Das Chlor kommt in Verbindung mit Alkalien am häufigsten als Chlornatrium (Kochsalz) und Chlorammonium (Salmiak) im Boden vor. h. Kieselsäure. Die von den Pflanzen aufgenommene Kieselsäure stammt nicht von der unlöslichen krystallirten Form derselben, dem Quarz, her, sondern von der im kohlensäurehaltigen Wasser löslichen Kieselsäure, welche durch die Kohlensäure bei der Umwandlung der kieselsauren Salze in kohlensaure Salze aus- geschieden wird. i. Schwefelsäure. Schwefelsaure Salze bilden sich im Boden durch Oxy- dation der Schwefelmetalle. Letztere entstehen in tieferen von der Luft abgeschlossenen Bodenschichten bei Gegenwart von schwefelhaltigen, organischen Resten. Schwefelsaure Verbindungen entstehen auch durch Umwandlung der kohlensauren Alkalien und alkalischen Erden unter der Einwirkung von Schwefelwasserstoff-Ammoniak, welches sich aus den im Boden befindlichen Verwesungsmassen organischen Ursprunges ent- wickelt. Die größte Menge an Schwefelsäure kommt im Boden als unlösliche Eisen- oxyd- oder schwer lösliche Kalkverbindung vor. Zu erwähnen ist noch, daß saures schwefelsaures Eisenoxydul durch die Zerstörung der Zellmembrane für die Pflanzen- vegetation nachtheilig wird. k. Phosphorsäure. Die Phosphorsäure bildet einen der wichtigsten Pflanzen- nährstoffe, welcher jedoch in den meisten Bodenarten nur in sehr geringen Mengen angetroffen wird, und zwar entweder als phosphorsaures Eisenoxyd oder als phosphor- Allgemeine Ackerbaulehre. saure Ammoniak-Magnesia, welche jedoch vor ihrer Aufnahme durch die Pflanzen- wurzel in phosphorsaure Alkalien umgewandelt werden. l. Salpetersäure. Die Salpetersäure bildet sich bei Gegenwart von kohlen- sauren Alkalien und alkalischen Erden aus dem Ammoniak, welches sich bei der Verwesung organischer Reste entwickelt. Sie findet sich auch als salpetersaures Ammoniak im Boden. m. Kohlensäure. Die Kohlensäure kommt sowohl in unermeßlichen Mengen in zahlreichen Gesteinen vor als auch im freien Zustande in der Luft und dem Wasser, welche im Boden circuliren. Eine reichliche Quelle für die Kohlensäure bieten alle in Verwesung begriffenen Reste organischer Körper. Alle veränderlichen, an sich un- löslichen Silicate werden unter dem Einflusse kohlensäurehaltigen Wassers in lösliche kohlensaure Salze umgesetzt. Die Kohlensäure hat daher eine hervorragende Be- deutung für die Ernährung der Pflanze, da sie fast alle im Boden gebundenen, im reinen Wasser schwer oder unlöslichen Pflanzennährstoffe löslich und somit assimilirbar d. h. zur Aufnahme durch die Pflanzenwurzel geeignet macht. — Fehlt nur ein unentbehrlicher Pflanzennährstoff (S. 21) im Boden, so kann keine Pflanzenvegetation stattfinden, selbst dann nicht, wenn alle übrigen Nährstoffe in noch so großen Mengen vorhanden wären. Sind selbst alle Nährstoffe in den oben angegebenen Verbindungen in dem Boden enthalten, so reicht dies doch nicht hin, um ein Maximum an Pflanzentrocken- substanz zu ernten. Um dieses zu ernten muß überdies ein bestimmter nicht unter ein gewisses Minimum — Gesetz des Minimum J. v. Liebig. Die Chemie in ihrer Anwendung ꝛc. Braunschweig 1862. Bd. II. S. 225. — herabsinkender Vorrath an Pflanzennährstoffen im Boden vorhanden sein. Ueber die Größe dieses Minimum liegen nur wenige Untersuchungen vor. Nach Dr. H. Hellriegel Annalen der Landwirthschaft. Wochenblatt VII. Nr. 33 und Landw. Versuchsstat X. 103. beträgt bei der Gerste, welche in Sand cultivirt wurde, das Minimum an Kali, welches im Boden enthalten sein muß, um noch einen Maximalertrag zu gewährleisten, auf 1 Million Theile Boden zwischen 30 und 40 Theile. Eine Erhöhung dieses Minimum, selbst bis zum Acht- fachen hatte keinen wesentlichen Einfluß auf den Ertrag an Erntesubstanz, wenn auch entsprechend größere Kalimengen von der Pflanze aufgenommen wurden. Für den Stickstoff fand Hellriegel, daß bei Roggen 63 Theile assimilirbarer Stickstoff (Sal- petersäure), bei Weizen 70 und bei Hafer 63 Theile die Minimalmengen sind, welche den höchsten Ertrag zu erzielen vermögen. Zur ungefähren Beurtheilung der Mengenverhältnisse der im Boden in aufnahms- fähigem und gebundenem Zustande vorkommenden Pflanzennährstoffen stellen wir nachstehend die Minima und Maxima derselben nach einer großen Zahl chemischer Bodenanalysen zusammen: In 100 Gewichtstheilen lufttrockener Feinerde können enthalten sein: Wasser ........ 1.03—20.56 Organische Stoffe (Humus) . 0.10—20.00 In Säuren unlöslicher Rück- stand (Gestein, Quarz, Thon) 30.43—92.87 Der Boden. In Aetznatron lösliche zeo- lithische Kieselsäure ... 15.51—30.50 In Säuren löslich: Kali ....... Spur — 3.72 Natron ...... Spur — 1.88 Kalk ....... 0.02—26.21 Magnesia ...... Spur — 3.71 Eisen-, Mangan- und Alu- 2.27—17.98 minium-Oxyd ... Spur — 0.45 Chlor ....... Spur — 0.45 Kieselsäure ..... 0.01— 0.19 Schwefelsäure .... Spur — 3.12 Phosphorsäure .... Spur — 0.63 Kohlensäure ..... Spur —12.45 3. Die allgemeinen Eigenschaften des Bodens und seiner Bestandtheile. Die natürliche Ertragsfähigkeit des Bodens ist, abgesehen von dem Klima und der örtlichen Lage, von dem Vorrathe an Pflanzennährstoffen, von deren Verhalten im Boden (Absorption) und von dem Verhalten des Bodens gegen äußere Einflüsse wie Wärme, Luft und Wasser (physikalische Eigenschaften) abhängig. Im Allgemeinen werden die Pflanzen (ein gewisses unentbehrliches Minimum an einzelnen Pflanzennährstoffen im Boden vorausgesetzt) durch eine Verschiedenheit in der chemischen Zusammensetzung des Bodens am wenigsten beeinflußt, wie schon aus der Thatsache hervorgeht, daß Pflanzen der verschiedensten Art und Zusammen- setzung gleich gut auf ein und demselben Boden oder Nährstoffgemische gedeihen können. Eine Unterscheidung der Pflanzen nach ihrem Nährstoffbedürfnisse in Kiesel-, Kali-, Kalk-Pflanzen (v. Liebig) oder in Boden -stete, -vage und -holde Pflanzen (Unger), ebenso einer eigenen Salz-, Kalk- und Gypsflora hat daher nur bedingt eine Be- deutung. Dagegen wird das Wachsthum und die Erscheinungsweise der Pflanze in viel ausgiebigerer Weise durch: 1. ein verschiedenes Absorptionsvermögen und 2. durch eine Verschiedenheit in der physikalischen Beschaffenheit des Bodens beeinflußt. 1. Das Absorptionsvermögen des Bodens. Die für die Fruchtbarkeit eines Bodens höchst wichtigen Absorptionserscheinungen Diese wichtige Bodeneigenschaft wurde zuerst von dem Deutschen Bronner (1836) und unabhängig von diesem 1850 von Huxtable und Thompson beim Filtriren von Mist- jauche durch Erde beobachtet. Eine eingehende historische Darstellung der zahlreichen Ver- suche über das Absorptions-Vermögen des Bodens, welche besonders durch v. Liebig angeregt wurden, findet sich in Dr. E. Heiden. Lehrbuch der Düngerlehre. Stuttgart 1866. I. Bd. S. 223—292. Einen vollständigen Nachweis der bezüglichen Literatur bringt Dr. W. Knop. Der Kreislauf des Stoffes. Lehrbuch der Agricultur-Chemie. Leipzig 1868. äußern sich in dem Vermögen des Bodens aus einer wässerigen Lösung die wichtigsten Pflanzennährstoffe derart festzuhalten, daß sie von dem ablaufenden Wasser nicht fortgeführt werden können. Von den verschiedenen Pflanzennährstoffen werden von allen Bodenarten nur in ungleichem Maße Phosphorsäure, Kieselsäure, Schwefel- säure, Ammoniak, Kali, Natron, Kalk, Magnesia und Eisenoxyd durch Absorption festgehalten. Nur die Salpetersäure wird von den Ackererden nicht absorbirt. Salze werden bei der Absorption zerlegt und die Basen und Säuren für sich von den Bodentheilchen gebunden. In größter Menge werden die wichtigsten Allgemeine Ackerbaulehre. Pflanzennährstoffe, und zwar Ammoniak, Kali, und Phosphorsäure von dem Boden absorbirt. Die Absorption findet einerseits in der Flächenanziehung, welche die Boden- theilchen auf die Lösungen ausüben, anderseits in der chemischen Bindung einzelner Bestandtheile der Lösung ihre Erklärung. Durch die Absorption werden die Pflanzen- nährstoffe nicht absolut unlöslich, sondern nur schwer löslich gemacht, denn viel Wasser, namentlich wenn dasselbe kohlensäurehaltig, kann die absorbirten Nährstoffe wieder lösen und den Pflanzenwurzeln zugänglich machen. Von den einzelnen Bodenbestandtheilen besitzen die fein vertheilten wasserhaltigen Silicate das größte Absorptionsvermögen. Nach diesen kommen in absteigender Reihenfolge die wasserfreien Silicate, der Thon, der Kalk und zuletzt der Quarz mit dem geringsten Absorptionsvermögen. Ein nicht unbeträchtliches Absorptions- vermögen kommt nach den Untersuchungen von Heiden E. Heiden. Lehrbuch der Düngerlehre. 1866. Bd. I. S. 285. auch dem Humus zu. Die Beschaffenheit der Bodenbestandtheile nimmt insofern auch Einfluß auf die Größe des Absorptionsvermögens, als dieselbe mit der Dichte ihres Kornes entschieden abnimmt. Im Allgemeinen haben Erden von großer Fruchtbarkeit eine hohe Absorption. Umgekehrt kann jedoch die Wirkung einer hohen Absorption durch andere ungünstige physikalische Eigenschaften mit Bezug auf die Größe der Fruchtbarkeit abgeschwächt werden. Nach W. Knop W Knop. Die Bonitirung der Ackererde. 2. Aufl. Leipzig 1872. S. 79. können bei Feinerden Absorptionen von 0 Die Zahlen bedeuten die von 100 Grm. feingepulverter Substanz in Form von Ammoniak absorpirten Stickstoffmengen in Cubikcm., bei normaler Temperatur (0°C) und Spannung (76 Cm. Barometerstand). an bis weit über 100 vorkommen. Die meisten Feinerden besitzen jedoch Absorptionen von 30 bis 70. Absorptionen von 0—5 kann man für das Wachsthum der Pflanze als ungenügend, von 5—10 und darüber als genügend erklären. Aus den zahlreichen von Knop beobachteten Kali- und Ammoniakabsorptionen führen wir folgende charakteristische Beispiele an: Völlig unfruchtbarer Quarzsand aus Westphalen .......... 0 Stickstoff. Lockere Quarzsanderde mit 60 % Quarzsand .......... 8 „ „ Quadersandsteinboden aus der sächsischen Schweiz ..... 0.154 Kali. 33 „ „ Feinerde von Kalkstein mit Quarzgeröll ........ 0.193 „ 39 „ „ Guter Lehmboden von Minckwitz .......... 0.203 „ 46 „ „ Feinster Schlamm (Thon) aus einem Alluvialboden von Möckern — „ 77 „ „ Russische Schwarzerde .............. 0.202 „ 72 „ „ Texas Schwarzerde ............... — „ 134 „ „ Im Zusammenhange mit der absorbirenden Eigenschaft des Bodens, sowie mit dem Gehalte desselben an stickstoffhaltigen Substanzen, steht jene Bodeneigenschaft, welche von den Landwirthen der älteren Schule als die sog. alte Kraft des Bodens bezeichnet wurde. Mit Rücksicht auf die Größe des Absorptionsvermögens, den physikalischen Der Boden. Eigenschaften und dem Vorrathe an Pflanzennährstoffen (Bodenreichthum) bezeichnet der praktische Landwirth den Boden als arm, wenn er nach allen drei Richtungen an der untersten Grenze steht. Ein solcher armer Boden macht sich schon durch die Begünstigung einer eigenthümlichen Flechtenvegetation kenntlich. Dem armen Boden zunächst steht der dürftige , auch magerer, kraftloser Boden genannt. Entwickeln sich bei ausreichendem Absorptionsvermögen und ausreichendem Nährstoffvorrathe die Pflanzen vollkommen, so heißt der Boden vermögend oder kräftig, fruchtbar. Darüber hinaus bezeichnet man den Boden bei Hervorbringung einer üppigen Vegetation als reich und kräftig, und bei Hervorbringung einer mastigen, besonders auf die Blattentwickelung, weniger auf die Fruchtbildung, gerichteten Vegetation als überreich. 2. Die physikalischen Eigenschaften des Bodens. Die physikalischen Eigenschaften eines Bodens werden in noch viel hervor- ragenderer Weise als das Absorptionsvermögen von dem Mengungsverhältnisse, in welchem die einzelnen Bodenbestandtheile vorkommen, bestimmt. Unter denselben zeigen besonders die Bodenskelettheile (Quarz, Thon, Kalk und Humus) die auffälligsten. Unterschiede. 1. Specifisches Gewicht. Das specifische Gewicht der einzelnen Theile des Bodenskeletes zeigt mit Ausnahme des Humus nur einen geringen Unterschied. Dasselbe beträgt bei Quarz 2.2—2.65—2.8, bei Thon 2.2—2.53, bei Kalk 2.6—2.8, bei Humus 1.225—1.370 (nach Schübler) und bei Ackerboden verschiedener Art 2.362—2.502. 2. Lockerheit und Bündigkeit. (Cohäsion). Besitzen die einzelnen Bodentheilchen wenig Zusammenhang, so heißt der Boden lose, haften die Theil- chen fest aneinander, so heißt er gebunden. Je größer der Sandgehalt um so loser, je größer der Thon und Humusgehalt um so gebundener ist der Boden. Loser Boden bietet keinen genügenden Standort für die Pflanzen. Dagegen wird in einem lockeren Boden der Eintritt der Luft und des Wassers begünstigt und dadurch die chemische Thätigkeit desselben erhöht. Das Wasser wird leichter ver- dunsten oder in den Untergrund abfließen können. Gebundener Boden erschwert das Eindringen der Pflanzenwurzel, ebenso auch das Eindringen der Luft, weshalb die Verwitterung langsamer vor sich geht. Das Wasser wird stärker festgehalten. Der gebundene Boden kann daher leicht zu feucht und wegen der Verdunstungskälte zu naß werden. Auf die Aenderung der Bündigkeit hat neben der Bearbeitung und Düngung sowohl der Temperaturwechsel, besonders der Frost, als auch die Aenderung des Wassergehaltes Einfluß. Bei dem Austrocknen des Bodens entstehen Risse und Sprünge, welche eine Volumsverminderung des Bodens von 2—20 % herbeiführen. Diese Volumsverminderung ist bei Quarz nahe gleich Null und erreicht bei Thon und Humus ihr Maximum. Allgemeine Ackerbaulehre. 3. Die Adhäsion des Bodens. Die Adhäsion des Bodens äußert sich im Anhaften desselben an die Geräthe, welche denselben bearbeiten Sie bedingt die Unterscheidung von schweren, wiederspenstigen (schwer zu bearbeitenden) und leichten Boden. 4. Wasserfassende Kraft. Die wasserfassende Kraft (Imbibition, Sättigungs-Capacität) oder die Fähigkeit der Erde, Wasser aufzunehmen beruht auf der Adhäsion des Wassers an dem Boden. Je größer der Gehalt eines Bodens an Humus, Thon und feinvertheiltem Kalk ist, um so mehr Wasser (s. die Tabelle auf S. 47) kann derselbe aufnehmen, je größer der Gehalt an Sand und je grob- körniger dieser um so weniger. Auf die Größe der Imbibition hat auch die Tem- peratur des Bodens einen Einfluß. Nach F. Haberlandt Landw. Versuchsstationen. VIII. S. 458. nahm eine Erde (humusreicher Lehmmergel) bei 60° R. 18.4 % weniger Wasser auf als bei 15°, eine andere (humusarmer Kalk, Lehmmergel) nahm 12.6 % Wasser weniger auf. Dieses Verhalten wirkt entschieden günstig auf die Pflanzenvegetation, da bei zunehmender Wärme die bei niederer Temperatur gesättigte Erde Wasser abgiebt, welches dann um so leichter von den Pflanzenwurzeln aufgenommen werden kann. Die Pflanzenwurzeln entziehen übrigens dem Boden selbst dann noch Wasser wenn man nicht mehr im Stande ist durch Druck Wasser aus demselben heraus zu pressen. Die letzten Wasserreste, welche hygroskopisch an die Bodentheilchen gebunden sind, vermögen die Wurzeln nicht mehr dem Boden zu entziehen, die Pflanzen welken dann und zwar nach J. Sachs Landw. Versuchsstattionen. I. 234. wenn der humose Boden noch 12.3 %, der Lehm noch 8 %, der Quarzsand noch 1.5 % Wasser enthält. Mit Bezug auf die wasserfassende Kraft bezeichnet man den Boden als dürr, wenn er nur 10 % Wasser zu fassen vermag, ein solcher Boden ist staubtrocken und für die Pflanzenvegetation ungeeignet. Mit 12 % heißt er trocken, mit 20 % frisch. Ein frischer Boden läßt beim Pressen mit der Hand Spuren von Feuchtig- keit zurück. Derselbe ist für die meisten Pflanzen am geeignetsten. Tropft der Boden beim Pressen, so heißt er mit 30 % Wassergehalt feucht. Steht das Wasser im Boden (40 %), so heißt er naß. 5. Wasserhaltende Kraft. Im Zusammenhange mit der Imbibition steht die wasserhaltende Kraft des Bodens oder das Vermögen desselben das auf- genommene Wasser durch Verdunstung oder Durchlassung in den Untergrund wieder abzugeben. Die Verdunstung aus dem Boden hängt neben der Lockerheit des Bodens, der Temperatur und dem Feuchtigkeitsgehalte der Luft vorzugsweise von den Boden- skelettheilen ab, wie aus der nachstehenden Tabelle, welche zugleich die Versuchs- resultate von Schübler Schübler, Grundsätze der Agriculturchemie. Leipzig 1817. über einige weitere physikalischen Eigenschaften enthält, zu ersehen ist. Der Boden. Leop. Pfaundler. Ueber die Wärmecapacität verschiedener Bodenarten. Sitzgsbr. d. k. Ak. d. W. in Wien. LIV. Bd. II. Abth. 1866. Die wasserhaltende Kraft und die Lockerheit des Bodens steht in Beziehung zur Durchlässigkeit des Bodens für Wasser. Diese Eigenschaft kommt dem Quarz am stärksten, dem Thon am geringsten zu. Thonböden sind daher im Gegensatze zu den durchlässigen Sandböden undurchlassend. 6. Capillarität. Durch die Capillarität erfolgt die Ausgleichung des Wassergehaltes in verschiedenen Bodenschichten. Während durch die Schwere das von der obersten Schichte aufgenommenen Regenwasser, in die Tiefe versinkt, versorgt die Capillarität die ausgetrocknete oberste Bodenschichte mit Wasser aus der Tiefe. Den humosen und thonigen Erden ist die Capillarität im höchsten Grade eigen, dieselben können sich daher am leichtesten mit Feuchtigkeit aus dem Grundwasser versorgen. In Röhren, welche mit verschiedenen Erden gefüllt und in Wasser gestellt sind, steigt die Feuchtigkeit bei Sand auf 20—30 Cm., bei Lehm oder Thon auf 45—60 Cm. und bei humusreichen Erden auf 60—80 Cm. capillar in die Höhe. 7. Wärmeleitungsfähigkeit des Bodens. Diese Eigenschaft ist bei allen Bodenskelettheilen gering. Nach Helmersen Helmersen. Ueber die relative Wärmeleitungsfähigkeit verschiedener Felsarten. Pogg. Ann. LXXXVIII. S. 461. leitet die Wärme noch am besten der Quarz ihm folgen Marmor, feinkörniger Sandstein mit thonkalkigem Bindemittel und dichter Kalkstein. Diese geringe Leitungsfähigkeit ist Ursache, daß schon in geringer Tiefe, etwa bei 1,25 Meter die täglichen Temperaturschwankungen im Boden ausfallen. 8. Wärmecapacität Unter Wärmecapacität oder specifischer Wärme eines Körpers versteht man diejenige Wärmemenge, welche im Vergleiche zu Wasser (= 1) eine Gewichtseinheit (1 Kilo) des Körpers braucht, damit seine Temperatur um 1°C. erhöht werde. . Auf die Wärmecapacität hat der Humusgehalt und die Wasserfassende Kraft des Bodens den größten Einfluß. Der Humus wirkt nicht nur durch seine eigene specifische Wärme 0,50 (siehe obige Tabelle) sondern auch durch seine große Wasserfassende Kraft erhöhend ein. Eine Erde mit geringer Allgemeine Ackerbaulehre. Wärmecapacität ( heißer, hitziger Boden, wie Kalk-, Sandboden) erkältet und erwärmt sich früher als eine Erde mit höherer Wärmecapacität ( kalter Boden, wie Thon-, Humusboden). Ersterer ist daher für zarte Pflanzen unfruchtbar. Eine gewisse Höhe der Wärmecapacität, welche zwischen den beiden Extremen Quarz und Humus liegt ( milder, warmer Boden) ist eine nothwendige Bedingung für einen frucht- baren Boden. 4. Die Bodenarten. Die vorstehend besprochenen Bestandtheile bilden zusammen den Cultur- oder Ackerboden. Je nach dem Antheile, welchen dieselben an der Bodenbildung nehmen, entstehen Verschiedenheiten, welche besondere Eigenschaften des Bodens, oder verschiedene Bodenarten bedingen. Nachdem die physikalischen Eigenschaften eines Bodens unter der Voraussetzung eines bestimmten Nährstoffvorrathes, in hervorragendster Weise die Ertragsfähigkeit eines Bodens bestimmen, so ist es vollkommen gerechtfertigt, wenn die Bodenarten nicht nach dem Gehalte an Bodennährstoffen, sondern nach dem Vorherrschen von 1. Gesteinen, 2 Sand, 3. Thon, 4. Lehm, 5. Mergel, 6. Kalk, 7. Gyps ꝛc., 8. Humus unterschieden werden. 1. Der Geröll- oder Kiesboden. Enthält ein Boden größere Mengen an unverwitterten Gesteinstrümmern, während die Feinerde oft nur ⅓ der Masse und weniger ausmacht, so erhalten die physi- kalischen und chemischen Eigenschaften der Gesteinstrümmer über alle anderen Boden- bestandtheile das Uebergewicht. Je nach der Beschaffenheit und Menge der Gesteins- trümmer bezeichnet man derartigen Boden als Gruß-, Grant-, Geröll-, Kies- boden, als Schuttland. Je mehr Gesteine sich finden, um so weniger Erdkrume wird dieser Boden enthalten und um so mehr steht derselbe an der Grenze der Cultur- fähigkeit, da seine Bearbeitung um so schwieriger wird. Bestehen die Trümmer aus Gesteinen, welche durch Verwitterung werthvolle Bodennährstoffe liefern, so kann diese Bodenart immerhin, wenn auch nicht für die landwirthschaftliche Benützung, so doch für die Waldcultur oder die Cultur des tiefwurzelnden, mit der Hand bearbeiteten Weinstockes geeignet sein. Wird dagegen der Geröllboden von grobkörnigen, eisenoxydul- haltigen Sandsteinen oder von Quarztrümmern gebildet, so ist er unfruchtbar. Treten die Gesteinstrümmer gegenüber den anderen Bodenbestandtheilen zurück, so erhält die Bodenart nur das Beiwort „steinig“. Auf gebundenen Bodenarten kann ein mäßiger Gehalt an Steinen zur Lockerung nur vortheilhaft sein, ebenso können humose, leichte Kalkböden, Flugsand, stark abhängige Felder durch Steine vor dem schnellen Austrocknen, dem Verwehen und Abschwemmen geschützt werden. 2. Der Sandboden. Treten die Gesteinstrümmer in einer Menge von mindestens 80 % der Ge- sammtbodenmasse als Sand auf, so erhält der Boden die Bezeichnung Sandboden. Die größten Mengen Sand liefert die Verwitterung und das Zerfallen der Con- glomerate und Sandsteine. Je älteren Formationen (Grauwacke, Zechstein, Bunten- Der Boden. sandstein) dieselben angehören um so mehr alkalienreiche Mineraltrümmer liefern sie, je jünger die Formationen (Keuper, Lias, Jura und Kreide) um so mehr Quarz- trümmer enthalten dieselben. In letzterem Falle, wenn der Sandboden nur aus Quarzsand oder auch aus Kalksand besteht, ist er unfruchtbar, da weder die noth- wendigsten Nährstoffe noch die entsprechenden physikalischen Eigenschaften besonders die Wasserhaltung und die Bindigkeit vorhanden sind. Besteht er dagegen aus ver- änderlichen Gesteinstrümmern, so wird er um so fruchtbarer je reichere Mengen an Pflanzennährstoffen durch die Verwitterung gebildet werden können. Enthält er über- dies noch Humussubstanzen beigemengt, so erhöht sich noch weiter seine Fruchtbarkeit. Der Sandboden ist leicht an dem Mangel an Bindung, welche selbst im feuchten Zustande ein Ballen desselben nicht zuläßt, zu erkennen. Etwas Bindigkeit zeigt er nur dann, wenn er einige Procente Kalk- oder Glimmerblättchen beigemengt enthält. Er fühlt sich mager, bei grobkörniger Beschaffenheit rauh an. Bei der Be- arbeitung bilden sich keine oder nur wenige Schollen. Die Pflugfurchen sinken zusammen, erscheinen daher nicht scharfkantig. Die Eigenschaften dieses Bodens werden durch den größeren oder geringeren Sandgehalt Siehe auch die Eigenschaften des Sandes S. 35. bestimmt. Das Regenwasser läßt er, je grobkörniger und quarzreicher er ist, rasch in den Untergrund abfließen. Man bezeichnet daher den Sandboden als durchlässig trocken, dürr. Gegen in Wasser gelöste Stoffe zeigt er nur eine geringe Absorptionsfähigkeit. Der Sandboden ist im Allgemeinen sehr zum Aus- trocknen geneigt. Dabei wird sein Volumen nur wenig verändert, es bilden sich daher keine Sprünge. Die Pflanzen werden aus Mangel an Wasser leicht frühreif oder selbst nothreif. (Ausbrennen der Pflanzen). Im Frühjahre wird diese Boden- art rasch abtrocknen, weshalb die Bestellungsarbeiten früher begonnen und noch weit in den Herbst hinein fortgesetzt werden können. Nach Regengüssen wird der Sand- boden rasch soweit abgetrocknet sein, um ihn bald bearbeiten zu können. Wegen des großen Wärmeausstrahlungsvermögens kühlt sich der Sand rasch ab und erwärmt sich rasch; die Pflanzen leiden daher stark vom Froste. Anderseits bewirkt die schnelle Abkühlung während der Nacht eine sehr reichliche Thaubildung, welche wieder durch den Gehalt des Thauwassers an Kohlensäure und Sanerstoff zum Aufschließen der veränderlichen Gesteine beiträgt. Wegen der leichteren Er- wärmung wird besonders bei mittägiger Lage die Ernte früher eintreten. Die Behandlung des Sandbodens ergiebt sich aus den mitgetheilten Eigen- schaften. Er wird mit kleineren Quantitäten Stallmist aber öfter zu düngen sein. Den Dünger wird man, sowie die Samenkörner bei der Saat, zur Sicherung der nöthigen Feuchte tiefer unterbringen. Die Lockerung des Bodens durch den Pflug wird nicht so oft auszuführen sein. Im Gegentheile wird oft eine Bindung durch Ab- walzen oder Beweidenlassen, angezeigt sein. Man wird Sandboden schon im Herbste soweit vorbereiten, daß im Frühjahre nur mehr angebaut zu werden braucht, damit die Winterfeuchte nach Möglichkeit ausgenützt werden kann. Krafft, Lehrb. d. Landw. I. 4 Allgemeine Ackerbaulehre. In feuchter Lage und feuchtem Klima besitzt der Sandboden die größte Frucht- barkeit, unter entgegengesetzten Verhältnissen kann er aufhören, culturfähig zu sein. Im Allgemeinen wird der Futterbau auf Sandboden unsichere und schwankende Erträge geben. Vorzüglich gedeihen Lupinen, auch Sandluzerne ( Medicago media ), Wundklee ( Anthyllis Vulneraria L. ), Serradella ( Ornithopus sativus ). Am sichersten gedeiht Wintergetreide, besonders Roggen. Sommergetreide leidet bald Mangel an Feuchtigkeit. Seine nähere Bezeichnung erhält der Sandboden nach der Beschaffenheit der Sandkörner, wie schon S. 35 angeführt wurde, und nach dem Gehalte an anderen Bodenskelettheilen. In letzterer Beziehung lassen sich unterscheiden: a. Flugsand. Derselbe besitzt keine oder nur sehr wenig abschlemmbare Erde, wird daher leicht vom Winde verweht. Er ist unfruchtbar oder trägt nur spär- liches Weide- und Waldland; Kiefer. Wildwachsend kommen vor: Calluna vulgaris Sal., Elymus arenarius L., Carex arenaria L., Herniaria glabra L., Dianthus arenarius L. etc. b. Loser Sandboden mit einigen bis zu 10 % Thon. Winterroggen, Ackerspörgel, Lupinen, Buchweizen, mäßiger Ertrag von Kartoffeln; Zitterpappel; Festuca ovina L., Bromus tectorum L., Astragalus arenarius L., Euphorbia Cyparissias L. etc. c. Lehmiger Sandboden mit 20 % Thon. Roggen, Gerste, Hafer, Wicken, unsicher Rothklee, Weißklee, bei Tiefgründigkeit und bindigem Untergrunde Esparsette, Luzerne, Buchweizen, Spergel, Mohar, Kartoffel. Außerdem erhält der Sandboden bei 2—10 % Kalk die Bezeichnung mergelig bei einem größeren Gehalte an Eisenoxyd die Bezeichnung eisenschüssiger Sand und je nach dem Gehalte an Humus die Bezeichnung humusarm, humos, humusreich (S. 55). 3. Der Thonboden. Bodenarten, welche mindestens 60 % Thonsubstanz enthalten, heißen Thonböden. Dieselben enthalten überdies in wechselnden Mengen Sand, 2—7 % Kieselmehl, 4—5 % Eisenoxydhydrat oder Eisenoxyd und eine verschiedene Menge von Stein- trümmern beigemengt. Der Thon entsteht nur aus jenen Silicaten, unter deren Basen Thonerde und Eisenoxyd vorherrschen. Alle Feldspathe, oligoklas- und glim- merreichen Felsarten, wie Granit, Syenit, Gneiß, Felsitporphyr, dann Thonschiefer geben unter Ausscheidung von Alkalien bei der Verwitterung Thon. Der Thonboden ist an seiner bindigen, im feuchten Zustande je nach seinem Thongehalte zähen, klebenden Beschaffenheit zu erkennen. Wegen seiner Consistenz bedarf es bei seiner Bearbeitung starker Zugkräfte und fest gebauter Geräthschaften. In feuchtem Zustande gepflügt, zeigen sich die Pflugstreifen glänzend (schleißen sich). Die aufgeworfenen Pflugfurchen bleiben scharfkantig liegen. Wegen dieser Eigenschaften heißt er schwer, widerspenstig, zäh. Er fühlt sich fein und fettig an. Angehaucht giebt er den charakteristischen Thongeruch. Bei dem Benetzen mit der Zunge klebt er an. Beim Abtrocknen von feuchtem Thonboden entstehen durch Zusammenziehung des Bodens große Risse. Desgleichen bildet der Thonboden, besonders wenn er im feuchten Der Boden. Zustande gepflügt wurde, harte Schollen. Vermöge seiner großen wasserfassenden Kraft erwärmt er sich nur langsam und ist daher zumal in nasser Lage und nassem Klima, immer naß, kalt und schlufig. Seine Beschaffenheit wird deshalb durch trockene Lage und durchlassenden Untergrund verbessert. Das Regenwasser bleibt leicht stehen und bildet Pfützen, da es nur langsam aufgesaugt wird, besonders dann wenn der Boden durch trockene Zeit dicht geworden. Im Frühjahre und nach einem Regen trocknet er nicht so rasch ab, als wie der Sandboden. Im Herbste wird er früher naß. Die Zahl der Arbeitstage auf Thonboden ist daher eine geringere, da derselbe noch überdies eine fleißigere Bearbeitung bedarf, um jenen Grad der Lockerheit zu er- halten, welcher für die Saat nothwendig ist. Ebenso muß bei der Bearbeitung der richtige Feuchtigkeitszustand genauer wahrgenommen werden. Die Bewirthschaftung eines Thonbodens wird daher nicht nur mehr Aufmerksamkeit erfordern, sondern auch viel theuerer, als bei Sandboden zu stehen kommen. Je tiefer der Thonboden bearbeitet wird um so mehr Luft kann zutreten und die Verwitterung befördern. Ueber Winter läßt man den Thonboden in rauher Furche liegen, damit durch den Frost eine um so ausgiebigere Lockerung erzielt werden kann. Da die Verwesung des Düngers in dem geschlossenen, feuchten Thonboden nur langsam vor sich geht, aber um so nachhaltiger wirkt, so düngt man seltener aber mit um so größeren Mengen auf einmal. Am zweckmäßigsten wird langer d. i. strohiger Mist, verwendet, welcher mehr Feuchtigkeit zur Verwesung braucht und zugleich eine Bodenlockerung bewerk- stelligt. Die Unterbringung darf wie die des Saatgutes nicht zu tief erfolgen, wenn anders ein ausreichender Luftzutritt gewährleistet bleiben soll. Seine ungünstigen physikalischen Eigenschaften werden wesentlich durch Entwässerung und durch Düngung mit Kalk oder Mergel verbessert. Je nach seinem Gehalte an Thonsubstanz werden unterschieden: a. Strenger Thonboden. Der strenge, zähe Thonboden steht ebenso an der Grenze der Culturfähigkeit wie der Flugsand. In nassen Lagen versumpft er und trägt dann nur Sumpfflora. Die größte Sicherheit, wenn auch nur geringen Ertrag bieten noch der Hafer und die Weide. Tussilago Farfara L., Bellis perennis L., Carduus nutans L., Sonchus arvensis L., Cirsium arvense Scp., Tanacetum vulgare L. etc. b. Gewöhnlicher Thonboden mit 80 % Thon. Derselbe bietet einen sehr guten Standort für Weizen, Pferdebohne, Rothklee; Weißbuche, Rothbuche, Eiche. c. Milder oder lehmiger Thonboden mit 65 % Thon. Auf demselben gedeihen die Mehrzahl der Culturpflanzen besonders Raps, Zuckerrüben, Luzerne, Rothklee. Der Futterbau überhaupt ist sehr sicher. Lolium perenne L., Alope- curus pratensis L., Phleum pratense L., Avena elatior, Festuca elatior L., Delphinium Consolida L., Triticum repens L. etc. 4. Der Lehmboden. Der Lehmboden besteht aus einem Gemenge von Lehm mit 30—50 % feinem, durch Schlemmen abscheidbarem Sand und einigen Procenten kohlensauren Kalk. Derselbe 4* Allgemeine Ackerbaulehre. ist ein Verwitterungsprodukt der glimmer-, hornblende-, und augitreichen krystallinischen Felsarten oder auch mancher Conglomerate und Sandsteine jüngerer Bildung. Der Lehmboden steht mit seinen Eigenschaften in der Mittte zwischen Sand- und Thonboden. Er ist niemals so stark gebunden, wie letzterer, aber auch nicht so lose wie ersterer. Der Lehmboden fühlt sich nicht so fein wie der Thonboden, son- dern eher mager an, je gröber die beigemengten Sandkörner. Mit dem Fingernagel gerieben giebt er keinen glänzenden Strich wie der Thon, sondern bleibt matt. Durch seinen Eisenoxydgehalt (7—10 %) erhält er meistens eine ockerige, gelb- oder leder- braune Färbung. Luft und Feuchtigkeit zieht er in entsprechender Menge an, so daß der Dünger nicht so rasch wie im Sandboden aber auch nicht so langsam wie im Thonboden verwest. Ammoniak condensirt er nahezu so stark wie Thon. Der Humusgehalt steigt daher im Lehmboden oft auf 6—10 und mehr Procente. Durch die Nässe wird der Lehmboden, trotzdem er viel (40—50 %) Wasser aufzusaugen und festzuhalten vermag, nicht schmierig und zäh, sondern er behält seine, auch beim Austrocknen bewahrte krümelige Beschaffenheit. Seine Wärmecapacität hält die Mitte zwischen Thon und Quarz. Als Unterabtheilungen des Lehmbodens sind anzuführen: a. Strenger oder thoniger Lehmboden mit 55 % abschlemmbaren Theilen. Ertragsreicher Boden, welcher jedoch in feuchten Lagen leicht versumpft und schwer zu bearbeiten ist. b. Milder oder gewöhnlicher Lehmboden mit einem Gehalte von ungefähr 40 % abschlemmbaren Theilen, einigen Procenten Kalk und 6—10 % Humus. Bei Tiefgründigkeit gewährt diese Bodenart nahezu unter allen klimatischen Ver- hältnissen sehr sichere Pflanzenerträge. Sie wird daher auch Mittelboden genannt, da der Cultur-, Dünger- und Samenaufwand bei der günstigen physikalischen Be- schaffenheit mäßig ausfällt. Derselbe ist für alle Pflanzen geeignet. c. Sandiger Lehmboden mit 30 % Thon. Sinkt der Gehalt an ab- schlemmbaren Theilen unter 25 %, so nähert sich dieser Boden dem lehmigen Sand. In trockenen Lagen leidet auf diesem Boden der Futterbau, weniger der Getreidebau. Die Hackfrüchte gedeihen bei einer wenig kostspieligen Bearbeitung vorzüglich. Zeigt der Lehmboden bei größerer Bindigkeit einen blätterigen Bruch von bei- gemengten feinen Glimmerblättchen oder blätterig vertheilten Humussubstanzen, so erhält er den Namen Lettenboden. 5. Der Mergelboden. Der Mergelboden bildet ein Gemenge von wenigstens 15 % Kalk und höchstens 75 % Thon mit den verschiedensten anderen Bodenskelettheilen. Derselbe erscheint in den mannigfaltigsten Formationen besonders in der Zechstein-, Buntsandstein-, Muschelkalk-, Keuper-, Lias- und Kreideformation. Die Mergelböden sind wegen ihres innig beigemengten Kalkes zur Verkrustung sehr geeignet. Aufgeworfene Schollen zerfallen beim Austrocknen. Das Verhalten dieser Bodenarten gegen Wasser, Luft und Wärme wird durch die Eigenschaften des sonst vorherrschenden Skelettheiles bestimmt. Nach letzterem unterscheidet man: Der Boden. a. Thonmergelboden , eine Gemenge Nach F. Senft. Der Steinschutt ꝛc. S. 300. von 15—50 % Kalk, 50—75 % Thon und höchstens 25 % abschlemmbaren Sand; außerdem 2—6 % Eisenoxyd oder Eisenoxydhydrat, 10 % kohlensaure Magnesia und eine geringe Menge Gyps enthaltend. In seinen Eigenschaften schließt er sich dem Thone an, mit dem Unter- schiede, daß er beim Austrocknen ein äußerst loses Erdreich bildet. Am günstigsten für diese Bodenart sind feuchte, warme Lagen. Weizen, Gerste, Bohnen; Prunus spinosa L., Pyrus communis L., Anthyllis vulneraria L., Medicago falcata L., Adonis aestivalis L. etc. b. Lehmmergelboden aus 15—25 % Kalk, 20—50 % Thon und 25—50 % Sand bestehend. Derselbe zählt in mäßig feuchten Lagen zu den reichsten Bodenarten. Er bedarf häufiger und starker Düngung, wenn er seine Fruchtbarkeit bewahren und nicht austrocknen soll. Oelgewächse, Kartoffeln, Flachs, Gerste. c. Kalkmergelboden : 50—75 % Kalk, 20—50 % Thon und höchstens 5 % Sand. Derselbe leidet durch trockene Lagen am meisten, da er im trockenen Zustande sehr lose wird und nach einer Durchfeuchtung und darauf folgender plötz- licher Austrocknung mörtelartig verkittet. Eine derartige Beschaffenheit steht an der Grenze der Culturfähigkeit. d. Sandmergelboden enthält 40—50 % abschlemmbaren Sand. Diese Bodenart steht in ihren Eigenschaften zwischen dem sandigen Lehm und lehmigen Sand. In trockenen Lagen sinkt seine Ertragsfähigkeit mit dem zunehmenden Kalk- gehalte. Einen durch seine Fruchtbarkeit ausgezeichneten Sandmergelboden bildet der Lößboden , welcher sich von dem Lehm durch seinen hohen Gehalt an kohlensaurem Kalk und durch das Fehlen der Plasticität unterscheidet. Derselbe bildet eine intensiv braungelb gefärbte, lockere Masse, in welcher zahlreiche weiße Schneckenschalen und Knollen härterer Substanz, die sog. Lößmännchen, vorkommen. Charakteristisch für denselben ist nach Sandberger J. Sandberger. Einiges über den Löß. Journal für Landw. II. Folge. 4. Bd. 1869. S. 213. daß sich im Löß der kohlensaure Kalk auflöst und in der Tiefe wieder als schneeweiße, pulverige Rinde absetzt, welche die Klüfte und Spalten auskleidet oder die Pflanzenwurzeln als Kalkhülsen von mehreren Linien Dicke umgiebt. Durch diese Auslaugung wird der Lößboden aus einem sandigen Mergel in einen sandigen Lehm umgewandelt. An Stelle der Artemisia-, Polycnemum- Arten und anderen Lößpflanzen, treten dann Huflattig, Binsen u. dgl. Von den Culturpflanzen gedeihen auf Lößboden besonders die Getreidearten, aber auch Hanf, Cichorie, Kleearten und andere kalkliebende Futterkräuter. 6. Der Kalkboden. Diese Bodenart enthält als wesentlichsten Bestandtheil kohlensauren Kalk und zwar in einer Menge (bis 75 und mehr %), daß durch dessen Eigenschaften die Be- schaffenheit des Bodens in hervorragender Weise bestimmt wird. Von dem eben er- Allgemeine Ackerbaulehre. wähnten Kalkmergelboden unterscheidet sich diese Bodenart dadurch, daß sich der Thon von dem Kalk durch Schlemmen absondern läßt, während dies beim Mergel- boden nicht der Fall ist. Der Kalkboden ist meist trocken und im Allgemeinen ein humusverzehrender Boden. Der Dünger zersetzt sich daher rasch, weshalb spärlichere aber öftere Düngung angezeigt ist. Seine Ertragsfähigkeit hängt von dem Gehalte an Thon und Alkalien ab, je mehr diese zurücktreten um so ärmer, trockener, hitziger gestaltet sich derselbe. Erscheint der Kalk in Form verschieden großer Gesteinsbröckeln, so heißt er steiniger Kalkboden, auch Kreideboden , welcher bei warmen Lagen an der Grenze der Unfruchtbarkeit steht. Bei feuchten Lagen und mäßigem Thongehalte eignet sich der Kalkboden vorzüglich für den Hülsenfrucht- bau. Als lehmiger Kalkboden zeigt er die höchste Fruchtbarkeit besonders für Roggen, Gerste, Luzerne, Esparsette. Er zeigt eine ähnliche Flora wie der Mergelboden, dann Globularia nudicalis L., Saxifraga caesia L., Lathyrus sylvestris L., Stachys germanica L., Hieracium, Centaurea. Sinkt der Kalkgehalt soweit, daß er nicht mehr den Charakter des Bodens bestimmt, so erscheint er nur mehr in der Nebenbezeichnung. Thonböden, welche von 0—1 % Kalk enthalten bezeichnet man als kalkarm , diejenigen, welche 2.5 % Kalk führen, heißen kalkig , bis zu 5 % kalkreich und bis zu 10 % mergelig . Sandboden können schon bei 2.5 % kalkreich und darüber hinaus kalküberreich genannt werden. 7. Der Salz-, der Gypsboden ꝛc. 1. Der Salzboden . Bodenarten, welche durch einen Gehalt von einigen Procenten leicht löslicher Salze ausgezeichnet sind, bezeichnet man als Salzböden. Dieselben sind für die Culturpflanzen gewöhnlich unfruchtbar. An Abarten unter- scheidet man den Salzthon mit einigen Procenten Kochsalz (ein Kochsalzgehalt von 0.1 % im Boden wirkt schon schädlich auf die Begetation), den aulaun- und eisenvitriolhaltigen Thonboden , welcher von feinvertheiltem Eisenkiese durchsetzt ist, und den Saliterboden . Letzterer enthält kohlensaures Natron und ist durch seine Salzausblühungen beim Verdunsten des Wassers charakterisirt. Als Salzflora erscheinen: Salsola Kali L., Aster tripolium L., einige Arenarien, Salicornia herbacea L., Plantago -Arten u. dgl. 2. Der magnesiahaltige Mergelboden (Dolomitboden). Dieser Boden enthält 5—20 % kohlensaure Magnesia und zeichnet sich durch seine wechselnde Fruchtbarkeit aus. In feuchten Jahren wird er um so unfruchtbarer je mehr Thon er enthält, in trockenen Jahren wird er dagegen um so fruchtbarer. Noch seltener kommt Bittersalz führender Boden vor. Derselbe ist durch folgende Flora aus- gezeichnet: Atriplex mikrosperma W. K., Bupleurum tenuissimum L., Glaux maritima L., Glyceria aquatica Presl., Mentha, Plantago Wulfenii Willd., Spergularia salina Presl., Scorzonera parviflora Jcq. 3. Der Gypsmergel und Gypsthon . Gyps und Anhydritboden ist da- durch gekennzeichnet, daß alle Wässer, welche denselben durchdringen, farblos und humusfrei sind. Sie sind gewöhnlich dürr und unfruchtbar. Der Boden. 4. Der eisenschüssige Boden . Durch 5—20 % Eisenoxyd ausgezeichnete Thon- oder Sandböden, welche durch das Eisenoxyd rothbraun oder ockergelb gefärbt werden. Im feuchten Zustande ist derselbe gewöhnlich schmierig, in sonnigen Lagen trocknet er rasch ab. In der Formation des Rothliegenden und Buntsandsteines bildet er oft sehr fruchtbare, hopfentragende Böden. In eisenschüssigem Boden entstehen leicht bei Gegenwart vertorfter Pflanzenreste (durch Umwandlung des Eisenoxydes in Eisenoxydul, kohlensaures Eisenoxydul und Eisenoxydhydrat) die berüchtigten Eisensteinbildungen, welche unter dem Namen Ort- stein, Ortsand, Klumperz, Eisensandstein, Limonit ꝛc. bekannt sind. Bei ihrer Ent- stehung bildet sich zuerst um die Erde oder die Sandkörner ein ockergelber, schleimiger Ueberzug, welcher allmälig fest wird und die Erde oder den Sand zu festen schwer verwitterbaren Massen verkittet. Diese Bildungen können dem Boden vollständig seine Culturfähigkeit nehmen. 8. Der Humusboden. Je nach der Beschaffenheit und dem Culturzustande erhalten sich im Boden ver- schiedene Mengen von Humus-Substanzen. Sind nur wenige Procente (0—3) vor- handen, so bezeichnet man den Boden als humusarm . Steigt der Gehalt an Humussubstanzen durch die Wurzelrückstände der Pflanze, dem Dünger ꝛc. auf 3—5 % so wird derselbe als gewöhnlich nicht weiter angeführt oder der Boden wird kurzweg als humushaltig bezeichnet. Enthält der Boden noch mehr Humus, ohne daß deshalb die mineralischen Bodenbestandtheile aufhören den Charakter des Bodens zu entscheiden, so bezeichnet man ihn als humosen (5—10 %) und humusreichen (10—15 %) Boden. Darüber hinaus als moorigen Boden. Durch einen größeren Humusgehalt wird ein schwerer Thonboden gelockert und umgekehrt ein leichter Sandboden bindig gemacht. Ein Gehalt von 5 % kann schon an der schwarzen Färbung des Bodens, an der mit dieser Färbung verbundenen hohen Er- wärmungsfähigkeit und an der dem Humus zukommenden hohen specifischen Wärme erkannt werden. Im Allgemeinen steigt mit der Zunahme des Humus, wegen dessen günstigen physikalischen Eigenschaften die Fruchtbarkeit der Ackererden, wenn es immer- hin möglich, daß auch humusarme Böden wie z. B. der Nilschlamm (mit 1.17 % Humus W. Knop. Die Bonitirung ꝛc. S. 136 u. 147. ) sehr fruchtbar sind. a. Humushaltige Bodenarten . Dieselben entstehen entweder an Ort und Stelle durch die Verwesung von Pflanzenabfällen, oder durch Ablagerungen aus den mit Wald bedeckten Höhengegenden, oder durch Anschwemmungen an den Flußufern und Meeresküsten. Als Fluß- oder Meeresanschwemmungen heißen sie Alluviall-, Au-, Niederungs- oder Marschböden . Dieselben bilden gewöhnlich sehr tiefgründige, 8—20 % Humussubstanzen enthaltende, durch ihre hohe Fruchtbarkeit ausgezeichnete Bodenarten. Da die Humussubstanzen durch die Cultur, die Vegetation, die Luft fortwährenden Veränderungen unterliegen, so bilden die Allgemeine Ackerbaulehre. Marschböden mit allen übrigen humushaltigen Böden die in ihrem Werthe veränder- lichsten Bodenarten. Je mehr kohlensauren Kalk sie enthalten, wie z. B. die humosen Kalkthon- und Mergelböden, welche an der Nordsee unter der Bezeichnung Kleiboden vorkommen, um so rascher wird der Humusgehalt aufgezehrt. Weniger veränderlich sind die Humussubstanzen in lehm- oder thonreichen Böden, wie z. B. in den Schlick- ablagerungen der Meer- und Flußmarschen. Ist ein solcher Boden reich an Eisen- oxydhydrat, (in den marschen Schleswig-Holsteins Knick genannt) so kann leicht bei Luftabschluß unter Einfluß der Humussubstanzen sobald derselbe durch Umackern der Luft ausgesetzt wird die Bildung des verrufenen Ortsteines (S. 55) veranlaßt wer- den. Die Marschländereien zeichnen sich durch ihre üppige Grasvegetation aus, welche sie zu den vorzüglichsten Hutweiden geeignet macht. Außerdem gewähren auf den- selben je nach ihrer leichteren oder bindigeren Beschaffenheit Raps, Weizen, Roggen, Pferdebohnen, Hafer die höchsten Ernteerträge. Zu den humusreichsten Bodenarten zählen auch die ungarischen, russischen (Tscherno-sem) und amerikanischen Schwarz- erden. Auf diesen Böden meistens Thon- oder Lehmmergeln, welche auch „Jungfern- böden“ genannt werden, gedeihen Mais, Roggen, Hafer, Hanf, Mohn, Hackfrüchte vortrefflich. b. Humusboden . Derselbe besteht vorzugsweise aus Pflanzenresten, welche in den verschiedensten Stadien der Humificirung begriffen sind. Im Allgemeinen bilden diese Böden ausgetrocknet eine lockere, pulverige mulmige Masse, welche leicht von dem Winde vertragen werden kann. Wasser wird von dem Humusboden in großen Mengen unter gleichzeitigem Aufquellen aufgenommen, dabei zerfließt er in einen breiigen Schlamm Der Frost verursacht um so mehr Schaden je feuchter er ist, so zwar, daß der Anbau des Wintergetreides wegen des regelmäßigen Auf- frierens der Pflanzen aufgegeben werden muß. Je weniger erdige Bestandtheile die Humusböden enthalten um so ungünstiger werden sie für die Pflanzenvegetation. Die eigentlichen Humusböden werden näher unterschieden als: Torfboden, Moor- boden, Haidehumusboden. Der Torfboden besteht aus einem filzigen, erdigen Gemenge abgestorbener Torfgewächse, besonders der Torfmoose als Sphagnum, Hypnum, Polytrichum. Dann der Gräser Carex caespitosa, Scirpus lacustris L. ꝛc. Die Torfböden bilden sich stets auf einem durch Lage oder Beschaffenheit undurch- lassenden Untergrunde. Die beständige Nässe hindert die vollständige Zersetzung der Pflanzenreste, es bildet sich daher wachsharzhaltiger, kohliger Humus. Sie sind höchstens als schlechte sog. saure Wiesen brauchbar. Als der Torfflora angehörig, nennen wir folgende Pflanzen: Eriophorum -Arten, Phragmites communis Trin., Andromeda polifolia L., Betula pubescens Ehr., Comarum palustre L., Empe- trum nigrum L., Erica Tetralix L., Ledum palustre L., Menyanthes trifoliata L., Vaccinium oxycoccos und uliginosum L. etc. Ist der Boden nicht an Ort und Stelle, sondern durch Anschwemmung ent- standen so heißt er Moorboden . Derselbe enthält gewöhnlich etwas mehr Aschen- bestandtheile. Man erkennt bei ihm nicht mehr, wie bei dem Torfboden, die Struktur der organischen Reste. Steigt der Gehalt der Mineralbestandtheile auf Die natürliche Lage. 50 % so heißt der Boden mooriger Boden, Bruchboden . Als solcher bildet er schon den Uebergang zu den humusreichen Bodenarten. Verbessert wird der Moor-, wie der Torfboden durch Entfernung des stehenden Wassers und durch Aufbringung mineralischer Stoffe, besonders von gebranntem Kalk, Mergel, Erde, Sand. Sie werden dadurch zunächst als Wiesenland, späterhin auch als Ackerland verwendbar. Durch Humisicirung abgestorbener Haidepflanzen als Erica, Calluna, Myrica, Vaccinium -Arten bildet sich der Haidehumusboden . Der in demselben vor- kommende Humus enthält viel Gerbsäure und heißt deshalb adstringirender oder von seiner wachsartigen Beschaffenheit auch harziger Humus. In Betreff der Cultur- fähigkeit und Verbesserung gilt das bei dem Torf- und Moorboden Gesagte. III. Die natürliche Lage. Außer dem Boden als Standort und Träger der Pflanzennährstoffe bedürfen die Pflanzen zu ihrer Entwicklung auch noch der atmosphärischen Luft, welche den- selben durch die natürliche Lage eines Grundstückes geboten wird. Im Allgemeinen wird der letztere Faktor des Pflanzenwachsthums, als der weitaus veränderlichere und schwieriger zu beherrschende auf die Ertragsfähigkeit eines Grundstückes einen viel entscheidenderen Einfluß ausüben als der Boden. Abgesehen von dem wirthschaftlichen Vortheile, kann es gelingen auf jedem Boden ein normales Pflanzenwachsthum hervorzubringen, wenn für die nöthige Zu- fuhr der Pflanzennährstoffe durch die Düngung gesorgt wird, wie die Vegetations- versuche in ausgeglühtem Quarzsande oder auch ohne Boden in wässerigen Nährstoff- lösungen (S. 21) beweisen. Die Verschiedenheiten in der Atmosphäre, welche eben- falls auf die natürliche Lage eines Grundstückes Einfluß nehmen, stellen sich bisher als unüberwindbarer, als ungünstige Bodenzustände heraus. Die Verschiedenheiten in der geographischen, physischen und klimatischen Lage werden daher in weitaus ent- schiedenerer Weise als Bodenverschiedenheiten den Charakter der Landwirthschaft be- stimmen. Innerhalb 1. der allgemeinen Lage wird wieder 2. die besondere oder örtliche Lage eines Grundstückes mit Bezug auf die Umgebung und die Richtung gegen die Himmelsgegend ein sehr zu beachtender Einfluß auf die Ertrags- fähigkeit zukommen, gegen welchen selbst der Einfluß der Bodenbeschaffenheit zurück- stehen kann. 1. Die allgemeine Lage in klimatischer Beziehung. Zur Ermittelung der Ertragsfähigkeit eines Grundstückes reicht die alleinige Kenntniß des Bodens nicht aus, sondern es muß auch gleichzeitig auf die Beziehungen des Bodens zu der Regenmenge, zu der Vertheilung von Wärme und Wind oder zu den klimatischen Verhältnissen Rücksicht genommen werden. Allgemeine Ackerbaulehre. Die klimatischen Verhältnisse Für eingehendere Studien ist zu empfehlen: Dr. J. R. Lorenz u. Dr. C. Rothe. Lehrbuch der Klimatologie mit besonderer Rücksicht auf Land- u. Forstwirthschaft. Wien 1874. werden wieder bestimmt durch die geographische Lage nach dem Breite- und Längengrad, durch die physische Lage innerhalb des Binnen- oder Küstenlandes, durch die orographische und hydrographische Gestaltung des Landes und durch die Erhebung über die Meeresfläche. Die geographische Lage eines Grund- stückes entscheidet vorzugsweise über das Ausmaß an Wärme, welche demselben zu- kommt, die Meereserhebung über die Vertheilung von Regen und Schnee und die orographische Gestaltung über die Richtung der Luftströmungen (Winde). Für die Beurtheilung des Klimas in Beziehung zu seinem Einflusse auf die Vegetation ist es nicht genügend die jährlichen Normalmitteln der Temperatur, der Luftfeuchtigkeit und des Niederschlages zu kennen, sondern es muß auch die Verthei- lung der Wärme, der Feuchtigkeit, der Regenmenge auf die einzelnen Jahreszeiten und selbst auf die einzelnen Monate, sowie auch die Maxima und Minima dieser klimatischen Erscheinungen, welche oft eine entscheidende Rolle spielen, beachtet werden. Obwohl die Elemente, welche das Klima einer Gegend und weiterhin den je- weiligen Charakter der Witterung bedingen, niemals einzeln sondern stets vereinigt auftreten, wollen wir dieselben doch des leichteren Verständnisses wegen, getrennt nach 1. Luft , 2. Wasser , 3. Licht und 4. Wärme betrachten. In ihrem Zu- sammenwirken nehmen die klimatischen Elemente sowohl auf die Lebensthätigkeit der Elementarorgane der Pflanze, als auch auf das Gedeihen der gesammten Pflanze Ein- fluß und bestimmen damit den Gesammt-Charakter der Pflanzenvegetation einer Gegend. 1. Die Luft. Nächst dem Boden, welcher der Pflanze die mineralischen Nährstoffe darbietet) ist die Luft zum Wachsthume der Pflanzen unentbehrlich. Sie bietet nicht nur eine un- versiegbare Quelle für jene Nährstoffe (Kohlenstoff, Wasserstoff, Sauerstoff, Stickstoff), aus welchen die Pflanzen ihren verbrennlichen Theil oder ihre organische Substanz aufbaut, sondern sie wirkt auch durch ihre wechselnden Zustände befördernd oder hem- mend auf das Pflanzenwachsthum ein. Die atmosphärische Luft besteht aus einem nahezu constanten Gemenge von 23 Gewichtsprocenten oder 20.9 Volumsprocenten Sauerstoff und 77 Gewichtspro- centen oder 79.1 Volumsprocenten Stickstoff. Außerdem enthält die Luft 0.036—0.05 (im Durchschnitte 0.049) Volumprocente Kohlensäure. Am geringsten ist der Gehalt der Luft an Ammoniak (in 1 Million Gewichtstheile sind enthalten 0.169—3.680 Theile Ammoniak) und Salpetersäure; am schwankendsten der Gehalt an Wasser. Die Luft im Boden und jene, welche mit den Niederschlägen dem Boden zu- geführt wird, ist nach Peligot und Boussingault sauerstoffreicher, indem auf 32 Theile Sauerstoff 68 Theile Stickstoff kommen. Desgleichen ist die Bodenluft durch die Fähigkeit des lockeren, mürben Bodens Gase zu absorbiren und durch die Verwesungs- produkte der organischen Substanzen kohlensäure und ammoniakreicher. Nach Boussingault enthält die Luft in frischgedüngtem Boden 2.2, in sehr humusreichem Die natürliche Lage. Boden 3.6 Volumprocente Kohlensäure. Je größer die Gasabsorptionsfähigkeit um so mehr wird die chemische Thätigkeit des Bodens erhöht, und um so mehr Pflanzen- nährstoffe können aufgeschlossen werden. Von den verschiedenen Bodenskelettheilen vermögen der Humus und der Thon die größten Mengen Ammoniak und Kohlen- säure ꝛc. zu absorbiren. Der Gehalt des wasserfreien Bodens an Ammoniak be- trägt im Sandboden 0.00077, im Kalkboden 0.0220 und im Thonboden 0.0293 %. Ebenso zeigt die im gahren Zustande befindliche Ackerkrume die Gasabsorption in viel höherem Grade als der geschlossene, rohe Boden des Untergrundes. Außer den Bestandtheilen der Luft, welche, wie im Capitel „Das Pflanzenleben“ näher ausgeführt wurde, zur Ernährung der Pflanze unentbehrlich sind, wirken auch die verschiedenen mit der Luft im Zusammenhange stehenden meteorologischen Erschei- nungen bestimmend auf den Verlauf und die Gestaltung der Vegetation ein. Von den verschiedenen Luftzuständen hat der Luftdruck einen unleugbaren Einfluß auf die Verdunstung der Pflanze und auf die Gasabsorption und Wasserverdunstung des Bodens und damit indirekt einen Einfluß auf den gesammten Vegetationscharakter einer Gegend. Von noch entscheidenderer Einwirkung auf das Wachsthum der Pflanze sind die Störungen des Luftdruckes, welche die als Winde Die unmittelbare Einwirkung der klimatischen Elemente auf das Gedeihen der Pflanzen behalten wir uns vor unter Einem im Kapitel „Schutz gegen Witterungseinflüsse“ zu besprechen. bezeichneten Luftbewegungen herbeiführen. Die große Bedeutung dieser Einwirkung erhellt aus dem Umstande, daß die klimatischen Unterschiede der einzelnen Landstriche in letzter Linie auf die Lufströmungen zurückgeführt werden können. In dieser Hinsicht sei kurz erwähnt, daß die beiden fundamentalen Luftströ- mungen der warme Aequatorialstrom (obere Passat) und der kalte Polarstrom (untere Passat) durch ihre Temperatursdifferenz, ihren verschiedenen Wassergehalt und ihre verschiedene Dichte vorzugsweise die Verschiedenheit des Klimas bedingen. In Europa senkt sich der regenbringende Aequatorialstrom im Sommer auf Nordeuropa und den größten Theil von Oesterreich herab, während er über Süd- europa hoch hinwegzieht. Erstere Gebiete besitzen daher ihre einzige für die Vege- tation günstige Regenzeit meist im Sommer (Region der vorwiegenden Sommer- regen ). Im Winter senkt sich dagegen der obere Passat schon auf Nordafrika herab, während Nordeuropa von den kalten Polarwinden beherrscht wird. Nordafrika liegt daher in der Region der vorwiegenden Winterregen . Im Frühjahre und im Herbste trifft schließlich der feuchtwarme obere Passat besonders Südeuropa, welches daher zwei jährliche Regenzeiten, im Frühjahre und im Herbste besitzt. (Region der Aequinoctialregen ). 2. Das Wasser. Das Wasser kommt in der Atmosphäre entweder in Dampfform vor oder es verdichtet sich in flüssiger oder fester Form zu Regen, Schnee, Hagel, Nebel, Thau ꝛc. Der jeweilige dampfförmige Wassergehalt der Atmosphäre wird bei den Allgemeine Ackerbaulehre. meteorologischen Beobachtungen entweder als absolute Feuchtigkeit (Dunstdruck) oder als relative Feuchtigkeit (in Procenten von der Wassermenge, welche bei der jedesmaligen Temperatur in der Luft enthalten sein kann) angegeben. Die jeweilige Menge des Regensalles wird durch die Höhe gemessen, welche das Regen- und geschmolzene Schnee-Wasser, abgesehen von der Verdunstung, auf einer horizontalen Fläche aufgefangen, erreichen würde. Der Feuchtigkeitsgehalt der Luft nimmt nicht nur auf die Lebhaftigkeit der Ver- dunstung des Wassers durch die Pflanze, sondern auch auf die Wasserverdunstung des Bodens einen entscheidenden Einfluß. Die Niederschläge bestimmen nicht nur den Feuchtigkeitsgehalt des Bodens und versorgen dadurch die Pflanze mit dem un- entbehrlichen Wasser, sondern führen dem Boden auch Kohlensäure, Salpetersäure und Ammoniak zu, durch welche der Verwitterungsproceß im Boden begünstigt wird. Auf die Bedeutung des Wassers für die Vorgänge im Boden wurde schon im Kapitel „Der Boden“ aufmerksam gemacht. Ebenso wurde auch schon S. 22 des Antheiles gedacht, welcher dem Wasser bei dem Wachsthume der Pflanzen zukommt. Es erübrigt hier noch einige allgemeine Beziehungen zwischen diesem klimatischen Ele- mente und dem Boden und der Pflanze festzustellen, welche ihre weitere Ergänzung in dem Kapitel „Die Pflege“ finden werden. Das Regenwasser wird um so leichter in den Boden eindringen, je lockerer das Gefüge desselben ist. Bei dichtem Gefüge saugt sich die oberste Bodenschichte von 2—4 Centim. schnell mit Wasser an, wodurch sich das weitere Eindringen verlangsamt. Das weiterfallende Regenwasser wird dann je geneigter der Boden um so rascher abfließen, wenn nicht etwa Unebenheiten wie rauhe Furchen ꝛc. das Abfließen verzögern. Während des Winters sammelt sich von den Niederschlägen am meisten Feuchtigkeit im Boden an Siehe die auf der folgenden Seite mitgetheilten Zahlen. , da sich der Verlust durch Verdunstung, Abtrocknung bei der tieferen Temperatur sehr verringert. Diese Winterfeuchtigkeit wird für die kommende Vegetation um so vortheilhafter sein, je mehr sie sich nach der Beschaffenheit des Bodens auf die tieferen Bodenschichten vertheilt. Ein Uebermaß derselben kann je- doch besonders in einem kalten Klima durch Verzögerung der Bestellungsarbeiten und durch die nachtheilige Einwirkung auf die Pflanzenvegetation schädlich werden. Der Feuchtigkeitsgehalt des Bodens wird weiter vermehrt durch die Thau- bildung , welche an dem Boden und an blattreichen besonders stark behaarten Pflanzen eintritt, wenn sich dieselben durch einen Wechsel der Temperatur oder durch die Ausstrahlung rasch abkühlen. Je dunkler und humusreicher und je lockerer der Boden und je geringer seine Wärmecapacität um so stärker bethaut sich derselbe. Der Sandboden bethaut sich um so stärker je dunkler gefärbt er ist und je mehr Quarz- und Silicatkörner und je weniger Kalkkörner er enthält. Dunkelgefärbte Thon-, Lehm- und Humusböden haben eine starke Wärmeabsorption bei Tage und eine starke Wärmeausstrahlung nach Sonnenuntergang, bethauen sich daher um so reichlicher je höher ihr Humusgehalt. Die natürliche Lage. Das Wasser, welches durch die atmosphärischen Niederschläge und den Than in den Boden gelangt wird entweder capillar festgehalten oder es erfüllt alle Boden- zwischenräume als stauendes Wasser. In letzterm Falle wird das Wasser durch die Verhinderung der Durchlüftung des Bodens und durch die Verdunstungskälte nach- theilig für das Wachsthum der meisten Pflanzen. Liegt der Wasserspiegel des stauenden oder fließenden Grundwassers tiefer, so übt dasselbe dagegen in einem trockenen Klima durch die capillare Hebung des Wassers bei tiefgründigem Boden einen sehr günstigen Einfluß auf die Vegetation aus. Ueber die Bewegung des Wassers im Boden und der damit verbundenen Aenderung der Bodenfeuchtigkeit in den verschiedenen Monaten des Jahres geben die Beobachtungen von E. Risler in Cal è ves bei Nyon Aus einer Abhandlung von H. Mari é Davy, Annuaire météorologique pour 1873, pag. 249—307, mitgetheilt in der Zeitschrift der österr. Gesellschaft für Meteorologie. Wien 1874, S. 146. interessanten Aufschluß. Dieselben beziehen sich auf ein sehr günstig gelegenes Grundstück von 12,300 □Meter. Direkt beobachtet wurde die Niederschlagsmenge, welche auf das genannte Grundstück fiel, die Abgabe an Wasser durch Versickern in den Untergrund (gesammelt als Ausfluß aus den Drainröhren) und die Aenderung der Bodenfeuchtigkeit, um die Abgabe durch die Verdunstung berechnen zu können. Die Resultate für das Jahr 1869 sind nachstehend zusammengestellt: Wie viel Wasser zur Unterhaltung einer kräftigen Vegetation im Boden ent- halten sein muß wird sich nach der Beschaffenheit des Bodens, dem Wasserbedürfnisse der Pflanzenart und dem Wasserbedürfnisse in den verschiedenen Entwickelungsstadien der Pflanze richten. Im Allgemeinen benöthiget die keimende Pflanze am meisten Wasser, die wachsende weniger, je geringer ihre Blattoberfläche, und am wenigsten die reifende Pflanze. Manche Pflanzenart z. B. die Brunnenkresse ( Nasturtium am- phibium ) wächst im Wasser, während andere nur auf trockenem Sand- und Geröllboden fortkommen. Bei unsern Cerealien erfordert nach der reservirten Angabe von Dr. Hell- riegel Landwirthschaftliches Centralblatt. 1871. 2., S. 194. die Produktion von 1 Kilogr. lufttrockener Gerstenkörner (die Bodenverdunstung eingeschlossen) bis zur vollen Ernte 350 Kilogr. Wasser oder 131.7 Mm. Regenhöhe. Allgemeine Ackerbaulehre. Dieses Wasserbedürfniß der Culturpflanzen wird in einem trockenen Klima (in Mitteleuropa mit 400 Mm. Regenfall per Jahr) am sichersten von dem Lehm-, Thon- oder Humusboden, in einem feuchten Klima (in Mitteleuropa in der Ebene mit 800 Mm., im Gebirge mit 1050 Mm. jährlichem Regenfall) von dem Sandboden befriedigt werden. Die Höhe des Niederschlages, die Vertheilung desselben auf die einzelnen Jahres- zeiten und Monate und die Zahl der Regentage werden je nach dem Verhalten des Bodens zu Wasser und je nach den Wärmeverhältnissen entscheidend für die Pflanzenvegetation und für die Dauer der landwirthschaftlichen Betriebsperioden sein. Je feuchter das Klima und je wasserhaltiger, kälter der Boden um so mehr ver- kürzt sich die Vegetationszeit und die Zeit, welche zur Ausführung der Culturen verfügbar ist. Feuchtes Klima begünstigt die Blattentwickelung, daher das Gedeihen der Futterpflanzen, trockenes Klima bis zu einer gewissen Grenze die Samenbildung, daher das Gedeihen der Körnerfrüchte. 3. Das Licht. Das Sonnenlicht ist unentbehrlich für die Neubildung der Pflanzensubstanz, in- dem, wie schon S. 24 angegeben, unter dessen Einwirkung die Assimilation der auf- genommenen Nährstoffe in den chlorophyllhaltigen Zellen unter Sauerstoffabscheidung vor sich gehen kann. Im Dunkeln entstehen in den Blättern ꝛc. farblose Chlorophyllkörner (bleich- süchtige Pflanzen), welche erst, eine bestimmte Temperatur vorausgesetzt, bei Licht er- grünen und Stärkekörner bilden, die im Dunkeln wieder aufgelöst und zum Wachs- thume verbraucht werden. Hat sich unter dem Einflusse des Lichtes ein Quantum assimilirter Substanz in den grünen Pflanzentheilen gebildet, so kann dann die Zell- theilung und der Stoffwechsel, welche das Wachsthum der Pflanze herbeiführen, auch bei Ausschluß des Lichtes im Dunkeln so lange vor sich gehen als die assimilirte Substanz vorhält. Die grünen Internodien (Stengelglieder) verholzen sich im Dunkeln nicht und erlangen ein abnormes Längenwachsthum (Lagerfrucht). Durch Lichtabschluß wird nach Beobachtungen von J. Sachs Botan. Ztg. XXIII. 119. auch die Entstehung von Stammadventivwurzeln begünstigt. Am wirksamsten für das Ergrünen und die Stärkebildung zeigen sich nicht die sonst chemisch wirksamsten blauen, sondern die minder brechbaren, hellleuchtenden Strahlen (orange, gelb). Je intensiver die Beleuchtung (bei gleichen Wärme und Wassermengen) um so blüthen- und fruchtreicher werden die Pflanzen. An sonnigen Standorten blühen dieselben viel reichlicher als an beschatteten. Mit der Zeitdauer der Beleuchtung oder der Tageslänge nimmt die Thätigkeit der grünen Blätter, somit die Schnelligkeit des Wachsthums zu, so zwar, daß sich Die natürliche Lage. mit der Annäherung an den Pol die Vegetationszeit der Pflanzen verkürzt, unge- achtet die Temperatur sich erniedrigt. 4. Die Wärme. Neben dem Boden, welcher der Pflanze die nöthigen mineralischen Nährstoffe und den geeigneten Standort liefert, und dem Wasser, welches jene zur Lösung bringt, ist auch noch die Kraft, mit welcher die Aufnahme und Bewegung der Nährstoffe vor sich geht, zu beachten. Diese Kraft wird durch das Licht und durch den Ver- brauch einer entsprechenden Wärmemenge geliefert. Die aufgenommene Wärme wird entweder bei der Aufnahme der Aschenbestand- theile und der atmosphärischen Nahrungsstoffe oder bei der Verdunstung des Wassers aus den Blättern oder bei der Ausstrahlung, welche Ursache der Bethauung und Bereifung der Pflanzen ist, verbraucht. Gegenüber diesem Verbrauche tritt die Wärme- bildung bei der Athmung der Pflanze sehr zurück. Die Wärmequelle für die Pflanze bildet die gestrahlte Sonnenwärme (Insolation), welche abgemindert durch die Wärmeausstrahlung, die Temperatur des Bodens und der Luft bedingt. Die Bodenwärme erfährt an der Bodenoberfläche die größten Schwankungen. In einer gewissen Tiefe in unseren Breiten bei 2.5 Meter verschwinden dagegen schon die monatlichen Temperatursänderungen. Tiefwurzelnde Pflanzen leiden daher im Allgemeinen weniger von den Temperatursextremen, als wie flachwurzelnde. Auf die Schwankungen der Bodenwärme hat auch die Wärmecapacität des Bodens wesent- lichen Einfluß. Auf einem Boden mit geringerer Wärmecapacität würden deshalb frostempfindlichere Pflanzen am meisten leiden, während bei hoher Wärmecapacität auch zarte Pflanzen fortkommen. Der Beginn und die Sistirung des Pflanzenlebens scheint wesentlich von dem Unterschiede der Boden- und Lufttemperatur abzuhängen. Sobald im Frühjahre die Luftwärme höher ist als die des Bodens, beginnt die Entwickelung der Vegetation, und sobald die Bodenwärme im Herbste über die der Luft gestiegen, endigt dieselbe. Die Wachsthumsprocesse gehen daher erst dann vor sich, wenn den Pflanzen eine bestimmte Wärmemenge, welche sich jedoch nicht bis zu einem schädlichen Ueber- maße steigern darf, zugänglich wird. Die größte Lebhaftigkeit derselben ist stets an eine bestimmte Höhe der Temperatur gebunden. Die Samen keimen nur innerhalb gewisser Temperatursgrenzen. Fehlt aus- reichende Wärme so nehmen sie zwar Wasser auf, verfaulen aber. Nach J. Sachs W. Hofmeister, Physiologische Botanik 4. Bd. S. 54. beanspruchen die Pflanzen folgende Keimungstemperaturen: Allgemeine Ackerbaulehre. Das Ergrünen der Chlorophyllkörner beginnt bei Mais, Raps und Phaseole bestimmt oberhalb 6° C. Die Bestockung der Getreidepflanzen erreicht bei 8.8° C. ihre Grenze. Bei einer Mehrzahl perenirender Pflanzen beginnt die Entwickelung im Frühjahre erst dann, wenn die Bodentemperatur 5—6° C. erreicht hat. Die Wurzelthätigkeit der Pflanze, mithin auch die Wasseraufnahme derselben, wächst mit der steigenden Bodenwärme. Vermindert sich die Bodenwärme, so werden die Funk- tionen der Wurzeln geringer und schon bei einer Temperatur von + 5° C. genügt bei gewissen Pflanzen, wie z. B. bei Tabak, Kürbis, die Aufsaugung des Wassers nicht mehr um den Transpirationsverlust der Blätter zu decken, so daß sie welken müssen. Erhöhte Bodenwärme beschleunigt auch die Saftbewegung innerhalb der Pflanze. Für den Erfolg mit welchem eine Culturpflanze angebaut werden kann, ist nicht nur die mittlere Höhe der Jahrestemperatur der Luft und des Bodens, son- dern auch die mögliche Temperaturschwankung, das Maximum und Minimum der Temperatur und die mittlere Höhe der Sommertemperatur entscheidend. Die wich- tigsten Culturpflanzen machen in dieser Beziehung die folgenden Ansprüche: Um diese verschiedenen Wärmeansprüche der Culturpflanzen annähernd vergleich- bar zu machen sucht man die Mitteltemperaturen und die Anzahl der Vegetations- tage in einen Ausdruck den sog. Wärmesummen oder thermischen Vegetations Con- stanten zusammenzufassen. Die Wärmesumme giebt jedoch nur über einen, wenn auch sehr einflußreichen Faktor des Pflanzenwachsthums Aufschluß. Ein warmes Klima begünstigt im Allgemeinen die Pflanzenvegetation, wenn es gleichzeitig feucht ist, hindert jedoch dieselbe je trockener es sich gestaltet. Ein kaltes Klima verzögert die Entwickelung der Pflanzen, verkürzt daher die Vegetationszeit, wie sich unter andern auch bei der Abnahme der Temperatur bei zunehmender Seehöhe ergiebt. Nach Berghaus verspätet sich in Sachsen bei einer Erhebung um 332 Meter bei Weizen die Blüthe um 22 Tage, die Ernte um 22 Tage Roggen „ „ „ 13 „ „ „ „ 22 „ Gerste „ „ „ 22 „ „ „ „ 22 „ Hafer „ „ „ 20 „ „ „ „ 14 „ Kartoffel „ „ „ 23 „ „ „ „ 5 „ Ein kaltes Klima erhöht die Ungunst des eine hohe Wasserfassende Kraft be- sitzenden Thon- und Humusboden. Die nachtheiligen Eigenschaften eines Sandbodens treten dagegen in einem warmen und zugleich trockenen Klima am deutlichsten her- vor. Ungünstige klimatische Zustände sind für die Vegetation und die Ausführung des landwirthschaftlichen Betriebes um so nachtheiliger als sie sich entweder gar nicht Die natürliche Lage. oder nur mit einem hohen Aufwande von Zeit und Capital beseitigen lassen. Ander- seits wird die Ertragsfähigkeit der Grundstücke durch günstige klimatische Zustände wesentlich erhöht, selbst dann, wenn die Bodenbeschaffenheit zu wünschen übrig läßt. 2. Die besondere oder örtliche Lage. Die besondere oder örtliche Lage bedingt, ähnlich wie die allgemeine Lage das Klima einer Gegend, die klimatische Beschaffenheit einer einzelnen Oertlichkeit, eines einzelnen Grundstückes ꝛc. Wie für das Klima im Großen und Ganzen außer der geographischen Lage und der Meereserhebung die Größe des Welttheiles die Küstenentwickelung und die Meeres- strömungen maßgebend sind, so sind für das Lokalklima die Bodengestaltung, das Wassernetz und die Vegetationsdecke entscheidend. Die Ebene hat eine Neigung zu bedeutenden, aber nicht rasch wechselnden Ex- tremen der Temperatur und zu einer großen Gleichförmigkeit der Feuchtigkeitsverhältnisse. Welliges Land wirkt durch seitliche Ausgleichsströmungen auf die zeitliche Abwechselung und Verminderung der Temperatur und Feuchtigkeitsextreme. Im Allgemeinen wird ebener Boden für die Pflanzenvegetation günstiger als geneigter sein, da abgesehen von der gleichmäßigeren Besonnung auch Abschwemmungen durch Regengüsse nicht so leicht eintreten können. In kalten und feuchten Gegenden wird dagegen eine Neigung des Bodens (S. 32) vielfach vortheilhaft sein. Ab- hängige Felder sind schwieriger zu bearbeiten. Bei 10° Neigung kann die Acker- furche nicht mehr nach aufwärts, sondern immer nur nach abwärts gelegt werden. Bei 15° Neigung erreicht die Spannarbeit, bei 20° der Ackerbau, bei 30° der geschlossene Graswuchs, bei 45° der Wein- und Waldbau seine Grenze. Ebenso wird die Richtung der Neigung des Bodens gegen die Weltgegend nicht unbeachtet bleiben dürfen. An den Ost- (Morgenlage) und Süd- (Mittags- lage) Seiten, den Sommerlehnen oder sonnseitigen Gehängen, welche je nach der Jahreszeit 9—12 Stunden der Insolation ausgesetzt sind, wird der Boden je nach dem Grade der Neigung durch das Auffallen der Sonnenstrahlen leicht erwärmt, dadurch werden aber im Frühjahre bedeutendere Temperaturunterschiede gegenüber der Nacht hervorgerufen, welche die Frostgefahr erhöhen. Gegenüber den warmen, trockenen Südseiten sind die West- (Abendlage) und Nord- (Mitternachtlage) Abdachungen, die Winterlehnen oder schattenseitige Gehänge, welche je nach der Jahreszeit nur 3—6 Stunden der Besonnung ausgesetzt sind, kühl und feucht. Ueberdies sind die Nordwestseiten in Mitteleuropa den vorherrschenden Winden am meisten ausgesetzt. Je wechselnder die Bodengestaltung um so ungleicher sind die Pflanzenerträge und um so mehr erhöht sich der Culturaufwand. Je nach der Umgebung kann die Lage frei, offen oder durch Anhöhen, Ge- hölze ꝛc. geschützt, eingeschlossen , oder sonnig, trocken oder schattig, naß sein und dadurch die allgemeine klimatische Lage entweder verbessert oder verschlechtert werden. Benachbarte Wasserflächen bewirken eine Verminderung der Temperatur- Krafft, Lehrb. d. Landw. I. 5 Allgemeine Ackerbaulehre. extreme, da das Wasser sich vermöge seiner hohen Wärmecapacität und der Bindung eines Theiles der Insolationswärme durch Verdunstung langsamer und nicht so hoch erwärmt oder erkältet als der Erdboden. Ebenso wirken Wasserflächen ausgleichend auf den Wassergehalt der Luftströmungen ein, trockene Winde werden feuchter, feuchte durch Entledigung ihres Wassers über der Wasserfläche trockener. Nachtheilig werden benachbarte Gewässer, wenn sie unzeitgemäße Ueberschwemmungen verursachen oder wenn sie durch ihr Durchsickerungswasser die Veranlassung zu stauender Nässe im Boden werden. Die Wiesen und grünen Ackerflächen erniedrigen die Temperatur und erhöhen auf Kosten des Bodenwassergehaltes die Luftfeuchtigkeit in der wärmeren Jahreszeit, ähnlich, nur in geringerem Maße, als wie die Wasserflächen. Nach den Untersuchungen von Dr. Vogel Zeitschrift der k. bayer. Akad. d. Wissensch. 1868. verhält sich in letzterer Beziehung der Feuchtigkeits- gehalt der Luft über einem Brachfelde, gegenüber jenem über einer abgemähten ver- dorrten Wiese, einem eben abgeblühten Esparsettfeld und einer hochgrasigen Wiese wie 100 : 113 : 125 : 150. Am nächsten dem Einflusse einer Wasserfläche auf das Klima seiner Umgebung kommt der Einfluß des Waldes Dr. E. Evermayer, Die physikalischen Einwirkungen des Waldes auf Luft und Boden und seine klimatologische und hygienische Bedeutung. I. Band. Aschaffenburg 1873. . Der Wald mildert nicht nur die Sommer- wärme sondern auch die Winterkälte. Entwaldung steigert daher den excessiven Cha- rakter eines Klimas und bewirkt weniger eine Verminderung der jährlichen Nieder- schlagsmengen als eine ungünstigere Vertheilung der Regenfälle auf die einzelnen Jahreszeiten. — Das Zusammenwirken von Boden, Klima und örtlicher Lage bestimmt die Cultur- und Ertragsfähigkeit eines Grundstückes. Entscheidend für die Benutzungsweise des- selben sind jedoch erst die wirthschaftlichen Verhältnisse, welche festzustellen Aufgabe der Betriebslehre ist. Eine zweckentsprechende Einreihung der Verschiedenheiten der Standortsbeschaffenheit oder die Aufstellung eines Bonitirungs- und Classifi- cations-Systemes wird jedoch erst dann durchführbar sein, wenn die Ansprüche der verschiedenen Culturpflanzen an die Standortsbeschaffenheit durch die Lehren des besonderen Pflanzenbaues bekannt geworden sind. Diese Erwägung veranlaßt uns daher auf die Bodenbonitirung erst in der Betriebslehre näher einzugehen. IV. Die Melioration. Boden, Klima und Lage bilden die Faktoren von deren Zusammenwirken das Wachsthum der Pflanzen abhängig ist. Im natürlichen Zustande bedeckt sich der ausreichend verwitterte Boden mit einer Wald- und Grasvegetation. Erst durch die menschliche Thätigkeit wird das natürliche Wald- und Grasland durch die Urbar- Die Melioration. machung Sprengel, Lehre von der Urbarmachung. 2. Aflg. Leipzig 1844. in Culturland umgewandelt. Der Wald wird gerodet, das Grasland umgebrochen und durch Umwandlung in Ackerland für den Anbau von Culturge- wächsen geeignet gemacht, wenn nicht etwa die natürliche Beschaffenheit des Stand- ortes die Benützung als unbedingtes Wald- oder Gras- (Weide und Wiese) Culturland nothwendig macht. Je nach den wirthschaftlichen Verhältnissen und der Eignung der Grundstücke wird dann bei vorgeschrittener Cultur Wein-, Hopfen-, Obst-, Garten-, Gemüseland ꝛc. angelegt. Mit zunehmender Culturentwickelung wird es schließlich wirthschaftlich räthlich sein die natürliche Beschaffenheit der Wachsthum- faktoren durch Verbesserung des Standortes oft mit großem Arbeits- und Capitalsaufwande günstiger zu gestalten. 1. Die Urbarmachung. Von den Urbarmachungen kommen hier nur jene Culturumwandlungen in Be- tracht, welche die Herstellung landwirthschaftlich benutzbarer Culturländereien bezwecken. Dieser Zweck wird beabsichtiget wenn 1. Wälder gerodet, 2. Weideland umgebrochen, 3. Heideländereien cultivirt, Moorgründe entwässert, Teiche trocken gelegt werden. 1. Die Waldrodung. Vor der Umwandlung des Waldlandes in Acker- oder Wiesenland ist genau zu erwägen ob sich das Grundstück nach der Beschaffenheit des Bodens, des Klimas und der Lage für die Cultur von Acker- und Wiesenpflanzen besser als für die Waldcultur eignet. Sprechen die natürlichen und wirthschaftlichen Verhältnisse für die Umwandlung, so muß vorerst der Baumwuchs beseitigt werden. Bei geringen Holzpreisen und werthloserem Holze, wie Gestrüpp, Reisig, verbrennt man das aus- getrocknete Holz und vertheilt dann dessen Asche über das Grundstück. Bei der Hack- waldwirthschaft wird das Holz abgehauen und mit Schonung der verbleibenden Stöcke verbrannt. Nach diesem „Gereutbrennen“ bestellt man das Land durch 2, 3 Jahre mit Hafer oder Roggen und überläßt es dann wieder dem Holzwuchse, welcher sich durch Ausschlag der zurückgebliebenen Stöcke erneuert. Bei hohen Holzpreisen und werthvolleren Holzgattungen werden die Stämme regelrecht gefällt und die zurückblei- benden Wurzelstöcke durch Stockrodemaschinen oder durch Sprengen mit Pulver, Dy- namit aus dem Boden gebracht. Bei niedrigen Arbeitspreisen können die Stöcke und Wurzeln auch durch das Rajolen bei gleichzeitiger tiefer Bodenbearbeitung ent- fernt werden. Die während des Rajolens bei dem Aufgraben des Bodens auf 0.5—1 Meter gewonnenen Wurzeln und Stöcke decken oft einen Theil der Kosten. Das abgeholzte Land wird nun, sofern es nicht schon rajolt ist, mit Spaten oder stark gebauten Rajolpflügen so gut es geht vor Winter bearbeitet, damit der Frost zur Lockerung des Bodens mitwirken kann. Im Frühjahre bestellt man das Land mit Hafer, welcher von allen Culturpflanzen noch am besten in Neurissen gedeiht. Nach dem Hafer läßt man eine Hackfrucht, Mais, Kortoffeln folgen, damit 5* Allgemeine Ackerbaulehre. während der Bearbeitung noch zurückgebliebene Wurzeln aus dem Boden entfernt werden können. Dem Hafer zunächst eignen sich zum Anbaue in Neurissen der Roggen (Waldkorn), die Hirse, der Buchweizen. Erst nach einiger Zeit kann dann das Grundstück als Culturfeld benutzt oder als Wiese niedergelegt werden. Die Umwandlung des rohen Bodens in einen culturfähigeren, gahren Zustand wird be- schleunigt, wenn das Rodland gleichzeitig mit Stallmist oder anderem Dünger reich- lich versehen wird. 2. Der Weide- und Wiesenaufriß. Bei der Umwandlung von Weide- und Wiesenland in Ackerland handelt es sich zunächst um die Zerstörung der hinderlichen Grasnarbe. Dieselbe wird bei geringerem Zusammenhalte durch den Pflug aufgebrochen. Man wählt dazu am besten einen starken Pflug mit langem Streichbrette, welcher die Narbe umwendet und zur Be- schleunigung der Humificirung sicher in den Boden bringt. Lose Wurzelreste, un- zersetzte Narbenstücke werden, wie sie nach und nach bei wiederholter Bearbeitung zum Vorscheine kommen, mit der Egge gesammelt. Nach dem Umbruche, welcher bei stark geschlossenem Boden auch mit dem Spaten ausgeführt wird, folgt die Bestellung des aufgerissenen, mit Stallmist und Kalk gedüngten Landes mit Roggen, Hafer u. dgl. Durch den aufgebrachten Dünger, besonders den Kalk, wird das Zerfallen der Gras- narbe wesentlich befördert und die physikalische Beschaffenheit des Bodens günstig ver- ändert. Bei stark verfilzter Grasnarbe, feuchtem Boden, nasser Lage reicht zur Zer- störung der Narbe das einfache Unterpflügen nicht aus. In solchen Fällen wird sich das Brennen derselben, ähnlich wie dies bei der Urbarmachung von Heideland aus- geführt wird, viel wirksamer herausstellen. 3. Die Urbarmachung von Heideland. Die Urbarmachung von Heideland kann wie bei dem Graslande durch das Brennen eingeleitet werden. Ein sehr zweckmäßiges Verfahren dabei ist jenes, welches auf dem fürstlich Schwarzenberg'schen Besitzungen G. Krafft, Ein Großgrundbesitz der Gegenwart. Monographische Skizze der Be- sitzungen des Fürstenhauses Schwarzenberg. Wien 1872, S. 247. in Südböhmen zur Ausführung gelangt. Daselbst wird der mit einer spärlichen Vegetation von Heidekraut und Borstengras bedeckte strenge Lehmboden mit dem Pfluge bis auf 16—20 cm. Tiefe abgeschält. Die gewonnenen Heideplaggen werden durchschichtet mit Torfkleie in 1 — 1.5 Meter hohen Haufen aufgeschichtet, nachdem vorher über Kreuz Drainröhren- stränge zur Unterhaltung des Luftzuges auf den Boden gelegt worden sind. Die angezündeten Haufen brennen sehr leicht, nur hat man durch Bedecken mit Erde dafür Sorge zu tragen, daß die Flammen nicht aus den Kegeln hervortreten. Durch eine zu hohe Temperatur würde der Boden statt in Pulver zu zerfallen, sich in eine steinartige Masse verwandeln. Nach dem Brennen wird der verbleibende, größtentheils verkohlte Rückstand ausgestreut und mit aufgefahrenem Stallmiste durch den Pflug in den Boden gebracht. Die Melioration. Nach einem anderen Verfahren wird die Narbe mit breiten Plaggenhauen oder durch den Pflug, welchem querüber ein Messerpflug vorangegangen, in Plaggen abge- schält. Diese Plaggen werden nun mit Reisig, Holz oder Torfabfällen durchschichtet und derart gegen den Wind aufgestellt, daß sie angezündet durch den Luftzug in langsames Glühen kommen. Die zurückbleibenden Reste werden ausgestreut und untergepflügt. Ist der Boden trocken, so empfiehlt sich statt des Verbrennens der abgeschälten Plaggen, die Compostirung derselben. Zu diesem Zwecke werden die Plaggen mit gebranntem Kalk durchschichtet und der werdende Compost nach Bedarf umgestochen. Das durch Abbrennen oder Compostirung von dem Heidekraute oder dem Gras- wuchse befreite Land wird dann, wie umgebrochenes Waldland, weiter in Cultur genommen. 2. Die Standortsverbesserung. Die Verbesserung des Standortes bezieht sich entweder auf eine günstigere Ge- staltung der Eigenschaften des Bodens oder auf eine Abschwächung der Ungunst des Klimas oder schließlich auf eine Beseitigung jener Hindernisse, welche sich durch eine ungünstige Lage der Pflanzencultur entgegenstellen. Bei der Besprechung der Stand- ortsverbesserung folgen wir daher jener Eintheilung, welche den Kapiteln, Boden, Klima und Lage zu Grunde gelegt ist. 1. Die Entwässerung. Die physikalischen und chemischen Vorgänge im Boden stehen in einem innigen Zusammenhange mit dem Wassergehalte. Steigt der Wassergehalt des Bodens derart, daß sich alle Zwischenräume desselben mit Wasser füllen, so wird das Wachsthum der Culturpflanzen gestört und selbst unmöglich gemacht. Die Ursache des Absterbens der Culturpflanzen in nassem Boden liegt darin, daß durch den Wasserüberfluß der Luftzutritt gehemmt und durch die hohe Wärmecapacität des Wassers die Erwär- mung des Bodens vermindert wird. In Folge dessen werden der Verwitterungsproceß und die chemischen Umsetzungen im Boden verzögert und der Verlauf derselben un- günstig gestaltet, indem z. B. aus den Humussubstanzen anstatt der Pflanzennähr- stoffe Kohlensäure und Ammoniak, für das Pflanzenwachsthum nachtheilige Kohlen- wasserstoffe und saure Humussubstanzen, oder wegen Mangels an Luft durch Reduction verschiedener Sauerstoffverbindungen schädliche Eisenoxydulsalze, Schwefelmetalle ꝛc. ge- bildet werden. In wirthschaftlicher Hinsicht wird ein nasser Boden nicht rechtzeitig bearbeitet werden können. Die Bestellung im Frühjahre und die Ernte verzögern sich, weshalb sich der Culturaufwand beträchtlich erhöht. Je feuchter das Klima und die Lage, je größer die wasserfassende Kraft des Bodens um so mehr ist es daher geboten den Wasserüberfluß durch Entwässerung Aus der bezüglichen Literatur nennen wir: L. Vincent. Die Drainage, deren Theorie und Praxis. 4. Aflg. Regenwalde 1870; W. Dünkelberg. Der Landwirth als Techniker, 2. Abth. Braunschweig 1866; F. Kreuter. Praktisches Handbuch der Drainage. Wien 1851. Allgemeine Ackerbaulehre. zu beseitigen. Wie viel Wasser abzuleiten ist, hängt von dem Wassergehalte des Bo- dens und von der Wärmecapacität des wasserfreien Bodens ab. Sind diese beiden Größen bekannt, so läßt sich die Menge des abzuleitenden Wassers berechnen. Die Vortheile der Entwässerung ergeben sich nach dem Bemerkten von selbst. Die Beseitigung des Wassers erhöht vor Allem die Lockerheit des Bodens wodurch die Absorptionsfähigkeit desselben für die Luft und den Wasserdampf gesteigert wird. Die chemischen Processe im Boden, die Zersetzung des Düngers gestalten sich durch die Erleichterung des Luftzutrittes um so wirksamer. Das Regen- und Schneewasser kann um so leichter in den Boden eindringen. Die Bodenwärme erhöht sich nach J. Parkes um 5.5° C. gegenüber dem nicht entwässerten Boden Diese Verbesserung der chemischen und physikalischen Eigenschaften des Bodens bewirkt eine größere Siche- rung der Pflanzen gegen das Ausfrieren im Winter und gegen die Sommerdürre, die Ermöglichung einer rechtzeitigen im Frühjahre oft um 14 Tage früheren Bearbei- tung, die Beschleunigung der Ernte, ꝛc. Am augenfälligsten tritt der Erfolg der Ent- wässerung bei gleichzeitiger Verringerung der Culturkosten durch eine Ertragssteigerung von 30—200 % hervor. Die Art der Ausführung der Entwässerung richtet sich nach der Ursache des zu hohen Wassergehaltes im Boden. Das Wasser kann (S. 61) dem Boden entweder durch die atmosphärischen Niederschläge als Tagwasser oder durch das Grund- wasser , welches aus benachbarten Gewässern durchsickert oder durch Quellen ge- nährt wird, zugeführt werden. Das zugeführte Wasser wird jedoch nur dann nach- theilig, wenn es nicht rasch genug aus dem Boden verdunsten oder abfließen kann. In einem Thon- oder Humusboden wird daher das capillar festgehaltene Wasser eher nachtheilig als in einem durchlässigen Kalk- oder Sandboden. Das stauende Wasser wirkt dagegen dann am ungünstigsten auf die Pflanzenvegetation ein, wenn es sich zu nahe an der Oberfläche des Bodens ansammelt und durch Mangel an Gefälle oder durch Undurchlässigkeit des Bodens oder einer einzelnen Schichte desselben nicht abfließen kann. Bei geringen Wasserzuflüssen genügt oft eine tiefere Bodenbearbeitung um das Wasser gleichmäßiger in der kräftiger gelockerten Erde zu vertheilen. Ausgiebigere atmosphärische Niederschläge können durch die Herstellung von Ackerbeeten und Wasser- furchen unschädlich abgeleitet werden. Bei größerem Feuchtigkeitsgehalte des Bodens reicht diese Abwehr nicht aus; an ihrer Stelle müssen dann oft mit bedeutenden Kosten, je nach den Umständen, die eine oder andere der folgenden Entwässerungs- arten ausgeführt werden, die entweder benachbarte Wassermassen abzuwehren oder schon eingedrungene Wässer zu entfernen suchen. a. Die Entwässerung durch Schutzdämme . Durch die Anlage von Schutzdämmen (Deiche) werden flache Meeresufer, welche nur während der Fluth unter Wasser gesetzt werden, entwässert (Holland, Schleswig- Holstein). Ebenso sucht man durch Schutzdämme das Land gegen die Ueberschwem- mung bei dem zeitweiligen Austreten der Flüsse und Seen zu sichern. Die Wirk- Die Melioration. samkeit des Schutzdammes wird wesentlich erhöht und gesichert, wenn bei der Anlage auf die Belassung eines Vorlandes gegen den Fluß, den See oder eines Außerdeich- landes gegen das Meer zu, als Inundationsgebiet für das Hochwasser Rücksicht ge- nommen wird. b. Die Entwässerung durch Aenderung des Wasserspiegels . Durch die Correktion von Flußserpentinen mittelst Durchstichen wird der Wasser- ablauf beschleunigt und dadurch die gefahrbringende Erhöhung des Flußbettes durch Schlammablagerungen und die Häufigkeit der Ueberschwemmungen oft bedeutend ver- mindert oder ganz beseitigt. Eine Entwässerung des Landes läßt sich auch durch eine Senkung des Wasserspiegels durch Regulirung und Vertiefung des Flußbettes erzielen. Alle derartige, hydrotechnische Anlagen sind jedoch gewöhnlich so kostspieliger Natur, daß deren Ausführung die Kräfte eines Einzelnen übersteigt und daher nur durch das Zusammenwirken mehrerer (durch Deichverbände, Wassergenossenschaften ꝛc.) oder durch die Regierung unternommen werden können. — c. Die Entwässerung durch Ausschöpfen . Niederungen, flache Meeresufer, welche gar kein Gefälle oder nur ein sehr ge- ringes besitzen, stellen der Entfernung des überflüssigen Wassers besondere Schwierig- keiten entgegen. In solchen Fällen bietet sich oft als alleiniger Ausweg das Aus- schöpfen des Wassers durch Pumpen, welche entweder durch Dampf oder Wind in Betrieb gesetzt werden, oder das Ausschöpfen durch Schöpfräder, Wasserschnecken ꝛc. Bei mulden- oder kesselförmiger Bodengestaltung mangelt häufig gleichfalls das Gefälle um das Wasser durch Gräben u. dgl. ableiten zu können. Bei geringer Ausdehnung der Mulde läßt sich die Trockenlegung durch Aufführen von Erde, welche den Boden über die stauende Nässe erhöht, bewerkstelligen. Bei größerer räumlicher Ausdehnung der Mulde muß jedoch das überflüssige Wasser einem Sammelteich zu- geführt werden, von wo es ebenfalls durch Ausschöpfen entfernt wird. d. Die Entwässerung durch Versickerungsgruben, Schachte . Wird die Versumpfung durch eine undurchlassende Schichte hervorgerufen, so hilft oft die Anlage von Versickerungsgruben oder von Schachten, welche durch die undurchlassende Schichte bis zu dem durchlässigen Untergrunde gegraben werden. Um die Schachte für die Dauer wirksam zu erhalten füllt man sie mit festem, durchlässigem Material, als Steinen, Gerölle, Bruchsteintrümmern ꝛc. Zuweilen reicht selbst die Durchbrechung der undurchlassenden Schichte mit Bohrlöchern aus, welche durch ein- geführte Thonröhren (vertikale Drainage) offen erhalten werden. e. Die Entwässerung durch offene Gräben . Tagwasser, Wasser aus quelligem Terrain, aus Terrain mit unzureichendem Gefälle, aus schwammigem Torf- und Moorland läßt sich am zweckmäßigsten durch offene Gräben ableiten. Ebenso wird bei geringem Grundwerthe und dort, wo es sich darum handelt, bedeutende Wassermengen abzuführen, wie z. B. bei den Abflüssen aus ganzen Allgemeine Ackerbaulehre. Drainsystemen, die Entwässerung durch offene Gräben gerechtfertigt sein. In allen übrigen Fällen, besonders bei Ableitung von Grundwasser werden bedeckte Abzüge weitaus vortheilhafter sein, da die offenen Gräben zu viel Bodenfläche in Anspruch nehmen, die Communikation hemmen, wenn nicht mehrfache oft kostspielige Ueber- brückungen zur Ausführung kommen, ferner den Winter über durch Gefrieren der Seitenwände unwirksam werden und einen zu großen Aufwand für die Instandhaltung eingefallener Grabenränder, für die Reinhaltung der Grabensohle von Schlammabsatz und Pflanzenwuchs ꝛc erfordern. Der Anlage der Grabenentwässerung muß eine genaue Ermittelung des Gefälles durch ein Nivellement vorausgehen, je welliger und anscheinend ebener das zu ent- wässernde Grundstück ist. Desgleichen muß zur Feststellung der Grabendimensionen unter Berücksichtigung der Bodenbeschaffenheit eine möglichst genaue Berechnung der abzuführenden Wassermengen, dann eine genaue Untersuchung der Vorfluth, um sich den Abfluß des Wassers von dem zu entwässernden Grundstücke zu sichern, vorge- nommen werden. Zur unmittelbaren Sammlung des Wassers werden quer gegen das Hauptgefälle Auffangegräben mit mäßiger Neigung gezogen, welche das Wasser einem oder mehreren Ableitungsgräben oder Hauptableitungs- kanälen übergeben, die nach dem größten Gefälle ausgehoben werden. Die Entfernung der Auffangegräben, welche zwischen 50—100 Meter schwankt, richtet sich nach dem Wassergehalte und der Beschaffenheit des Bodens. Je größer der Wassergehalt und je bindiger der Boden um so mehr müssen die Gräben zu- sammenrücken, wenn eine vollständige Entsumpfung erzielt werden soll. Die Tiefe, bis zu welcher die Gräben eingeschnitten werden, gewöhnlich 1—1½ Meter, entscheidet sowohl über die Kosten der Ausführung als auch über den Bedarf an Bodenfläche. Zwei tiefe Gräben brauchen bei gleicher Sohlenbreite oft so viel Fläche als drei flache Gräben. Bei der Bemessung der Grabentiefe hat man sich gegenwärtig zu halten, daß Wiesen keine so tiefe Senkung des Wasserspiegels be- nöthigen als wie Ackerfelder. Bei Ersteren kann es in dürren Sommern selbst er- forderlich sein, das Wasser in den Gräben durch Hinderung des Abflusses mittelst eingesetzter Schleußen stehen zu lassen. Bei capillarem Boden wie Torfboden und bei undurchlässigem Boden wie Thon- und Lehmboden wird die Grabentiefe größer genommen werden um eine ausgiebige Entwässerung zu ermöglichen, als wie bei wenig capillarem und durchlässigem Sandboden. Die Sohle des Grabens wird ge- wöhnlich halb oder ganz so breit als die Tiefe genommen. Die Wände der Gräben müssen je nach der Bodenbeschaffenheit verschieden abgeböscht werden. Bindiger Boden bedarf nur geringer Böschung etwa in dem Verhältniß, daß auf den Meter Tiefe 0.5 Meter Dossirung kommt. Bei lockerem Boden steigt die Dossirung auf ¾—1 Meter für den Meter Tiefe. Die Dimensionen des Grabens oder das aus der Böschung, der Grabentiefe und der Sohlenbreite bestehende Querprofil berechnet man unter Berücksichtigung der erwähnten Umstände nach der Wassermenge, welche per Secunde abgeführt werden soll. Die Geschwindigkeit, mit welcher das Wasser abfließt, richtet sich nach dem Ge- Die Melioration. fälle. Dasselbe ist als ausreichend zu betrachten, wenn auf 5 Meter Länge 35 Mm. Gefälle kommt. Das geringste Gefälle, welches bei der Entwässerung noch benutzt werden kann, darf nicht unter 15 Mm. auf 60 Meter Länge, unter Voraussetzung größerer Wassermengen, herabgehen. Zu starkes Gefälle, welches der Erhaltung der Böschung und Sohle nachtheilig werden kann, sucht man durch Windungen der Gräben abzuschwächen. Gefährdete Stellen können auch durch Faschinen und Steinschüttungen gesichert werden. Besonders zu vermeiden sind schroffe Uebergänge von einem starken zu einem geringern Gefälle. Um das Gefälle nach jedem Ausputzen der Gräben leicht wieder herstellen zu können, pflegt man als Anhaltspunkte Holzschwellen in die Grabensohle einzulegen. Die Richtung des Grabens soll möglichst geradlinig verlaufen. Erfordert die Terraingestaltung Biegungen so müssen diese zur Verhütung von Schlammabsatz, bei starkem Gefälle zur Vermeidung von Einrissen möglichst sanft ausgeführt werden. Aus den gleichen Ursachen soll die Einmündung zweier Gräben nach Thunlichkeit nur in spitzen Winkeln bewerkstelligt werden. Mit der Ausführung der Gräben, welche vorher genau nach dem Nivellement durch Pflöcke abzustecken sind, beginnt man am tiefsten Punkte, indem man gleichzeitig die ausgehobene Erde zu Aufdämmungen verwendet oder gleichmäßig zu beiden Seiten des Grabens ausbreitet. f. Die Entwässerung durch gedeckte Abzüge . Die bedeutendsten Nachtheile der offenen Gräben — der Bodenverlust und die Er- schwerung der Bestellung — werden durch Anlage bedeckter Wasserabzüge vermieden. Diese Entwässerungsart ist jedoch viel kostspieliger, da ihr die vollständige Entwässerung durch offene Gräben vorausgehen muß. Ist diese ausgeführt, so werden die sämmt- lichen Gräben mit den verschiedensten Materialien, welche wenig Raum beanspruchen, und leicht und billig zu beschaffen, möglichst unverwüstlich und durchlässig sein sollen, von der Sohle aufwärts bis zu einer gewissen Höhe ausgefüllt und wieder mit Erde vollständig zugeworfen. Bei der Anfertigung der gedeckten Abzüge (Unterdrains) werden die Gräben nach den oben angegebenen Grundsätzen zuerst je nach der Bodenbeschaffenheit auf 0.8— 1.2 Meter, wenn möglich mit einem mäßigen Gefälle von 10 Mm. auf 5 Meter und nicht über eine Länge von 70—100 Meter ausgehoben. Mittlerweile hat man das Material, mit welchem die Grabensohle ausgefüllt werden soll, zugeführt. Mit dem Ausfüllen beginnt man jedoch erst dann, wenn das Wasser aus dem Graben abgelaufen. Die Arbeit des Ausfüllens nimmt man dabei zur Verhütung von Ver- stopfungen durch einrollende Erde nicht wie bei dem Ausheben der Gräben am tiefsten sondern am höchsten Punkte des Grabens in Angriff. Die Ableitungsgräben, in welche die gedeckten Auffangeabzüge einmünden, läßt man jedoch offen. Das einfachste und billigste Füllmaterial gewähren die Feldsteine, welche vom Felde selbst unter gleichzeitiger Säuberung desselben, aufgelesen werden. Die gröbsten Feldsteine, Fig. 11 (s. umstehend), legt man unten, die feineren obenauf in die Allgemeine Ackerbaulehre. 0.15—0.20 M. breite Sohle und schützt dann die Steinlage vor einrollender Erde ꝛc. durch aufgelegte Rasenstücke, deren Wurzelseite nach aufwärts gekehrt ist. In Er- Fig. 11. Querschnitt durch einen Unterdrain aus Feld- steinen. mangelung von Feldsteinen benützt man Bach- oder Fluß- schotter, geschlägelte Bruchsteine, Schlacken, Ziegeltrümmer u. dgl., sofern ihre Zufuhr nicht zu kostspielig wird. Sind billige Bruchsteine zu erhalten, so werden diese in der Grabensohle entweder dachförmig oder thorartig zu- sammengestellt und der verbleibende Grabenraum zuerst mit Rollsteinen, dann mit Rasenstücken und zuletzt mit Erde wieder ausgefüllt. Bei dem Auffüllen der Erde bringt man den rohen Boden wieder in die Tiefe des Grabens und den fruchtbaren nach aufwärts. In ähnlicher Weise, wie die Bruchsteine, werden auch gebrannte Mauerziegel, Hohl- und Flachziegel verwendet. Seit dem Aufkommen der Röhrendrains werden jedoch diese kostspieligen, gedeckten Abzüge nur mehr selten ausgeführt. In sumpfigen Moor- und Torfgründen bildet man Abzüge, durch hohlzusammen- Fig. 12. Querschnitt durch einen Unterdrain aus Faschinen. gestellte gepreßte Torfziegel, durch hohlgestochene Torfstücke, durch gepreßte Torfröhren oder durch Einschieben von stum- pfen Torfkeilen in den Graben, so daß unter denselben ein hohler Raum verbleibt. Für solchen schwammigen, weichen Boden, in welchem schweres Steinmaterial versinken würde, eignen sich auch Abzüge von Reisigbündeln, oder von 20—30 Cm. dicken Faschinen, welche in die Gräben eingelegt werden. Die Dauerhaftigkeit (50—60 Jahre) und Leistungs- fähigkeit derartiger Abzüge wird wesentlich erhöht, wenn man sie in der Weise herstellt, daß man 0.5—0.75 M. lange Erlenschwellen über Kreuz in die Grabensohle stellt, Fig. 12, und den oberen sich ergebenden Raum mit Reisig oder Faschinen ausfüllt und durch Rasenstücke abschließt. g. Die Röhrendrainage . Seit Ende der vierziger Jahre kam von England aus die Entwässerung durch ein System von Röhrenleitungen, welche in einer gewissen Tiefe in den Boden gelegt werden, in Aufnahme. Diese Leitungen aus gebrannten Thonröhren, nehmen das Wasser entweder unmittelbar aus dem Boden auf, sie heißen dann Saugdrains , oder sie führen das von vielen Saugdrains gesammelte Wasser von dem Felde fort. Die letzteren Röhrenstränge erhalten die Bezeichnung Sammeldrains . Fig. 13. Drainröhre. Jeder Strang besteht aus einer Reihe mit den Oeff- nungen aneinander gelegter Thonröhren, Fig. 13, von 0.2 bis höchstens 0.45 M. Länge. Die Aufnahme des Wassers aus dem Boden Die Melioration. erfolgt nur in sehr geringer Menge Nach den Untersuchungen von Krocker—Proskau läßt eine 0. 31 M. lange, 39.6 Mm. weite Röhre in 24 Stunden in scharf gebranntem Zustande nur 1.6—3.3 Dekagramm Wasser durch. durch die Thonwand der Röhren, der größte Theil dringt durch die Stoßfugen in den Röhrencanal. Die an der Stoßfuge anliegende Erde wird zunächst entwässert. Die entwässerte Bodenpartie erhält dann von oben her durch nachdrückendes Wasser stets neue Feuchtigkeit zugeführt. Während dieses Vorganges bahnt sich das Wasser beim Durchsickern den Weg durch zahlreiche Klüfte und kleine Rinnsale. Frisch gelegte Drainstränge werden daher bei aus- reichendem Wassergehalte des Bodens erst dann vollfließen, wenn sich das Wasser jene Wege durch den Boden gebildet hat. Ist der Boden entwässert, so geben die Drainzüge erst dann wieder Wasser, wenn sich der Boden neuerdings mit demselben durch das Steigen des Grundwasserspiegels, durch Regenwasser oder durch Conden- sirung von Wasserdampf bei plötzlichem Temperaturwechsel versorgt hat. Je höher die Wasserschichte ist, welche sich über einem Röhrenstrange befindet, um so schneller wird sie bei dem vermehrten Drucke zum Abfließen gelangen. Ander- seits wird die Bindigkeit des Bodens diesen Abfluß hemmen. Die Höhe der zu entwässernden Bodenschichte, das verfügbare Gefälle und die Beschaffenheit des Bodens werden daher die Art der Aus- führung der Drainage, besonders die Tieflage und Entfernung der Drains, sowie das Röhrenkaliber bestimmen. Der Ausführung der Drainanlage muß die Ausarbeitung eines genauen Drainirungsplanes, Fig. 14, vorausgehen. Derselbe stützt sich bei kleineren Anlagen auf die genaue Aufnahme des Terrain-Gefälles nach horizontalen Linien von allmälig abnehmender Höhenlage, bei umfangreicheren Anlagen auf die genaue Erhebung von Längen- und Querprofilen. Senkrecht auf die durch das Nivelle- ment ausgemittelten, horizontalen Linien d. h. im größten Gefälle wird nun die Richtung der Saug- drains eingezeichnet. Bei dieser Anordnung kann sich die Wirksam- keit der Drains nach beiden Seiten erstrecken. Dieselbe wird sich am Fig. 14. Plan eines drainirten Feldes. — Die den krummen Horizontallinien beigesetzten Ziffern sind Niveau- zahlen, welche sich auf die Meereshöhe beziehen. Die geraden, feinen Linien entsprechen den Saug-, die dicken Linien den Sammeldrains. Allgemeine Ackerbaulehre. günstigsten äußern, wenn das eingehaltene Gefälle nach Möglichkeit 2.5 oder 3:1000 beträgt. Ist das natürliche Gefälle zu gering, so hilft man sich damit, daß man bei der Ausführung das Kopfende der Drains seichter, das entgegengesetzte Ende tiefer in den Boden legt. Bei der glatten Innenwand der Röhren genügt übrigens schon das geringe Gefälle von 1:1000, um das Wasser zum Ablaufen zu bringen. Die einzelnen Drainstränge werden nach Thunlichkeit parallel und zur Ver- meidung unnöthiger Kosten geradlinig angeordnet. Man drainirt nicht bis an die Grenze des Grundstückes, sondern beginnt mit dem Kopfende der Züge erst 4.5—5 M entfernt von derselben. Baumreihen, Alleen u. dgl. geht man zur Verhütung des Eindringens der Wurzeln in die Drainröhren gleichfalls aus dem Wege. Von be- nachbarten Grundstücken eindringende Wässer werden zweckmäßig durch einen eigenen Drainstrang, den Kopfdrain , welcher längs der gefährdeten Grenze gezogen wird, abgeleitet. Die Länge der Drainstränge bestimmt man für gewöhnlich nicht über 300 Meter. Nur bei stärkerem Gefälle und größerem Röhrendurchmesser kann darüber hinausgegangen werden. Erfordert das Terrain längere Saugdrains, so müssen diese durch querlaufende Sammeldrains unterbrochen werden. Die Sammeldrains, in welche eine Mehrzahl von Saugdrains ausmünden, werden an den tiefsten Stellen des Terrains angeordnet. Sie erfordern wegen der größeren Wassermenge, welche sie ableiten, ein größeres Röhrenkaliber, dafür aber ein geringeres Gefälle. Bei einem größeren Drainsysteme werden wieder mehrere Sammel- drains mit einem, wegen der größeren abzuführenden Wassermasse, offenem Haupt- ableitungsgraben in Verbindung gebracht. Je seichter und undurchlässiger der Boden um so tiefer müssen die Drains gelegt werden. Die gewöhnliche Tiefe beträgt 1.25—1.5 Meter. Ausnahmsweise legt man sie jedoch auch auf 0.9—3 Meter Tiefe in den Boden. Jedenfalls müssen sie so tief liegen, daß sie der Frosteinwirkung entrückt und durch die Ackergeräthe, welche den Boden bearbeiten, weder aus ihrer Lage gebracht noch beschädigt werden. Die Entfernung der Drainstränge, welche mit der Tieflage vorzugsweise die Kosten der Ausführung bestimmt, richtet sich nach dem Wassergehalte des Bodens und dem Widerstande, welchen die Bodenart dem Durchsickern des Wassers entgegen- stellt. Je feuchter und bindiger der Boden um so näher müssen die Drainzüge aneinander gerückt werden. Je loser und trockener der Boden und je tiefer die Drains im Boden liegen um so weiter können die Stränge von einander abstehen Leclerc J. Leclerc. Anleitung zur prakt. Drainage. Berlin 1856. giebt die Entfernung der Drainstränge bei 1.2 Meter Tieflage der Röhren für verschiedene Bodenbeschaffenheit wie folgt an: Plastischer Thon .... 6—7 Meter, fetter Thon, Teichboden 9—12 „ gewöhnlicher Thon .. 9—11 „ Kalk- u. Kreideboden . 8—12 „ Torfboden ........ 11—14 Meter, feinkörniger, erdiger Sand 10—12 „ thoniger Sand ...... 12—14 „ grobkörniger Sand .... 16—18 „ Um für eine bestimmte Bodenbeschaffenheit die richtige Entfernung zu ermitteln, Die Melioration. gräbt man in der Mitte zwischen zwei vollkommen ausgeführten Probesträngen eine Grube und beobachtet die Aenderungen im Wasserstande besonders nach einem ausgiebigen Regen. Versinkt das Wasser gar nicht oder nicht rasch genug, so müssen die Drains näher oder auch tiefer gelegt werden. Im Allgemeinen wird man es der geringeren Kosten wegen vorziehen bis zu einer gewissen Grenze die Drains tiefer als näher zu legen, da im letzteren Falle mehr Gräben ausgehoben werden müssen und mehr Röhrenmaterial verbraucht wird. Zur Anfertigung der Röhren verwendet man gut durchgearbeiteten und geschlemmten Ziegel- lehm, aus welchem alle Steinchen und Concretionen mit größter Sorgfalt wäh- rend des Durchtretens ent- fernt worden sind. Der so verarbeitete Lehm wird zur Fabrikation der Drain- röhren in eine Röhrenpreß- maschine eingefüllt. Der Werth dieser Röhrenpresse hängt neben der Dauer- haftigkeit der Construction besonders von der Leistungs- fähigkeit ab. Eine auf zwei entgegengesetzten Seiten Röhren erzeugende doppel- wirkende Röhrenpresse liefert in zehn Arbeitsstunden wenigstens 1500—2000 Mtr. 40 Mm. weite Röh- ren. Bei unzureichender Bewegungskraft wie z. B. Menschenkraft sind einfach- wirkende Preßmaschinen trotz ihrer geringeren Lei- stungsfähigkeit vorzuziehen. Eine gute Röhrenpresse muß die Röhren vollkom- men rund, mit möglichst glatten Innenwänden, von gleichmäßiger Dicke ohne Fig. 15. Einfachwirkende Drainröhrenpresse von A. Burgu. Sohn, Wien. — Preis mit Sicherheitsapparat, Abschneidetisch, Thonsieb und 4 Röhrenformen von 40 bis 100 Mm. Durchmesser, nebst 4 Röhrenleg- gabeln 1060 Mark, 530 fl. Allgemeine Ackerbaulehre. Blasen und Streifen liefern. Sie muß durch Benutzung verschiedener Preßschablonen die Erzeugung verschieden weiter Röhren möglich machen. Ein besonderer Werth ist darauf zu legen, daß die Presse mit entsprechenden Vorrichtungen versehen ist, mit welchen die in einem Strange aus der Presse hervortretenden Röhren möglichst scharf und ohne verbogen oder zusammengedrückt zu werden in Stücke von der erforder- lichen Länge zerschnitten werden können. Zu den vorzüglicheren Constructionen von Drainröhrenpressen gehören die Maschinen mit intermetirender Wirkung von White- haed, Fig. 15 (s. vorstehend in der Ausführung von A. Burg—Wien), von Jordan. Continuirlich wirkende Röhrenpressen sind weniger verbreitet. Die von der Maschine gelieferten Röhren werden sorgfältig auf Lattengerüste, welche ähnlich jenen, die beim Trocknen der noch ungebrannten Dachziegel im Gebrauche stehen, getrocknet und nach dem Trocknen stehend in einen Ofen eingesetzt und sorg- fältigst gebrannt. Die gebrannte Röhre muß in ihrer Form wohl erhalten sein und beim Anschlagen hell klingen. Die Röhren für Saugdrains werden mit einem Durchmesser im Lichten von 30—50, gewöhnlich von 40 Mm. hergestellt. Bei langen Leitungen verwendet man anfänglich Röhren mit geringerer Weite und gegen Ende der Leitung, je mehr die Wassermenge zunimmt, Röhren größeren Kalibers. Zu den Sammeldrains nimmt man Röhren von 52—100 Mm. Durchmesser. Reicht auch diese Dimension nicht mehr aus, um das abfließende Wasser aufzunehmen, so legt man zur Vermeidung noch größerer und daher kostspieliger Röhren doppelte oder selbst auch dreifache (zwei unten, eine oben) Reihen von Röhren. Die Einmündung der Saugdrains in die gewöhnlich 26—52 Mm. tiefer gelegten Sammeldrains wird durch Einhauen von correspondirenden Löchern in den auf einander gelegten Drainsträngen oder bei sorg- fältigerer Ausführung durch Kniestücke, welche an die Röhren des Sammeldrains an- gesetzt werden, vermittelt. Die Ausmündungen der Sammeldrains in die Haupt- ableitungsgräben erfordern besondere Aufmerksamkeit. Damit der Frost die Enden der Leitungen nicht zerstört, pflegt man dieselben nicht aus Röhren, sondern aus Mauerziegeln, aus welchen ein entsprechend weiter Kanal gebildet wird, herzustellen. In holzreichen Gegenden läßt man die Sammeldrains auch in Holzröhren ausmünden. In jedem Falle versorgt man die Ausmündungen mit kleinen Drahtgittern, damit ein Verstopfen durch Hineinkriechen kleiner Thiere hintangehalten wird. Bei kleineren Drainanlagen läßt man die Sammeldrains öfters in Brunnenstuben, welche mit ent- sprechend höher angeordneten Abflüssen versehen sind, unter Wasser ausmünden. Sind die Richtungen der Drainstränge genau nach dem Drainirungsplane am Felde abgesteckt, das Röhrenmaterial vorbereitet, so beginnt man am zweckmäßigsten im Spätherbste mit der Ausführung der Drainage. Zuerst werden von dem tiefsten Punkte aus die Gräben für die Sammeldrains nach der Eröffnung des Haupt- abzugskanals in Angriff genommen und nach deren Vollendung die Gräben zu den Saugdrains ausgehoben. Zur Vermeidung unnöthiger Kosten wird der Graben, Fig. 16 (s. umstehend), nur so weit geöffnet, gewöhnlich 0.3—0.6 Meter, daß der Arbeiter noch die tieferen Die Melioration. Grabentheile ausschachten kann. Die Grabensohle wird nur so schmal (3—15 Cm.) ausgehoben, daß gerade die Drainröhre Platz findet. Wesentlich erleichtert wird die Grabenarbeit durch die Verwendung englischer Draingeräthe. Ein Satz solcher Geräthe besteht gewöhnlich aus 3 Drainspaten, Fig. 17, verschiedener Größe, deren verjüngtes Blatt den zweck- mäßigsten Grabendimensionen bei bindigerem Boden angepaßt ist, ferner aus einem Hohlspaten für den festeren Untergrund, 2 Schaufelhaken und dem Schwanenhals, Fig. 18, zum Ent- fernen der abgebröckelten Erde. Anstatt der Säuberung mit dem Schwanenhalse läßt man auch die Sohle mit einem Reisig- besen auskehren und überdies muldenförmig mit rund ge- schnittenen, an Stangen befestigten Holzstücken zusammenstampfen. Die mit dem Graben ausgehobene Erde wirft man auf die Fig. 16. Querschnitt durch einen Graben für einen Sammeldrain. eine Seite, während auf die andere Grabenseite mittlerweile die erforderlichen Drain- röhren zugeführt werden. Mit dem Legen der Röhren be- ginnt man gleichfals am tiefsten Punkte des Terrains. Sie werden entweder mit der Hand oder dem Legehaken in die richtige Lage in die Grabensohle gebracht und sorgfältig aneinander gestoßen. Im sehr fein- sandigen, sich verschlemmenden Boden schützt man zuweilen die Stoßfugen mit kurzen, über die Drainröhren geschobenen Röhren- stücken von größerem Durchmesser, den Muffen, Fig. 19. Für gewöhn- lich läßt man jedoch die Muffen weg, da sie die Anlage nicht nur vertheuern, sondern auch das Ein- strömen des Wassers durch die Stoß- fugen hemmen. Bei lockerem Erd- reiche schiebt man kleine Brettchen unter die Röhren oder spreitzt sie zur Sicherung ihrer Lage gegen die Fig. 17. Englischer Drainspaten. Fig. 18. Schwanenhals. Grabenwand. Gleich nach dem Legen wird der Graben mit der zur Seite gelegten Erde vorsichtig, damit die Röhren nicht aus ihrer Lage kommen, wieder zugefüllt. Bei leicht verschlemmendem Boden giebt man unmittelbar auf die Drainröhren Fig. 19. Zwei durch eine Muffe verbundene Drainröhren. eine Schichte thoniger Erde, um ein Verstopfen der Drainzüge zu verhindern. Abgemeine Ackerbaulehre. Die Kosten der Drainage richten sich nach den Kosten der Erdarbeiten und dem Materialverbrauche. Für letzteren ist die Entfernung und das Kaliber der Drains maßgebend. Bei 10 Meter Entfernung der Drainzüge beträgt z. B. die Grabenlänge auf 1 Hektar 1000 Meter, wofür sammt Einrechnung der durch Zerbrechen unbrauchbar werdenden Röhren rund 2860 Stück 0.35 Meter langer Röhren nothwendig sind. Das Tausend gebrannter Röhren kostet je nach dem Röhren- durchmesser 15—30 Mark. Die Kosten für einen bindigen Lehmboden stellen sich für ein Hektar auf folgende Summen: Nivellement, Planaufstellung ꝛc. ......... 5 Mark 1000 Meter Graben ausschachten à 8 Pf. ..... 80 „ 2520 Stück 0.35 M. langer Röhren von 40 Mm. Durch- messer per Tausend 15 Mark ........ 38 „ 340 Stück 0.35 M. langer Röhren von 80 Mm. Durch- messer per Tausend 30 Mark ........ 10 „ Röhrenlegen und Verschütten à Meter 3.5 Pf. .... 35 „ 4 Gespannstage zum Röhren zuführen ꝛc. à 5 Mark .. 20 „ Technische Leitung, Aufsicht ꝛc. 5 % des vorigen Capitals- aufwandes ..... ......... 9 „ per 1 Hektar in Summa 197 Mark (98 fl. 50) . Bei größerer Drainentfernung, leichterer Grabenarbeit verringern sich die Kosten per Hektar auf 170 Mark (85 fl.), steigern sich jedoch unter schwierigen Verhält- nissen bis auf 225 Mark (112 fl. 50 kr.). Nachdem sich diese Kosten bei der langen Dauer der Drainanlage auf eine Reihe von Jahren vertheilen, so beläuft sich der Jahresaufwand für ein drainirtes Feld nur auf 5 % Zins und 2 bis höchstens 3 % Amortisation und Reparatur d. i. in unserem obigen Falle auf 13.80—15.70 Mark (6.90—7.85 fl.). Diesem jährlichen Aufwande stehen oft bedeutende durch die Drainage herbeigeführte Mehrerträge gegenüber, welche sich jedoch in ihrer vollen Wirkung erst zwei, drei Jahre nach der ersten Anlage zeigen, dann aber 30, 60 bis 200 % des Ertrages vor dem Drainiren ausmachen können. Soll diese Erhöhung der Fruchtbarkeit bleibend sein, so muß die Drainage nicht nur stets wirksam erhalten werden, sondern es muß auch für den durch die Drainage hervorgebrachten schnelleren Umsatz der Pflanzennährstoffe im Boden ausreichender Düngerersatz geboten werden. Die meiste Veranlassung, daß die Drainage unwirksam wird, geben die Ver- stopfungen der Drainzüge durch Pflanzenwurzeln, Thiere und Schlammabsatz. Die- selben sind nur durch Aufreißen der Gräben und Erneuern der Drainzüge zu beheben. Um derartige kostspielige Reparaturen möglichst zu vermeiden, wird man schon bei der ersten Anlage auf die Möglichkeit derartiger Verstopfungen Rücksicht zu nehmen haben. Sind z. B. bei Torfboden oder kalkreichen Bodenarten Schlammabsätze von kohlen- saurem Kalk und Eisenoxydhydrat zu erwarten, so wählt man von vornherein ein engeres Röhrenkaliber, damit durch stetes Vollfließen der Röhren der Luftzutritt, welcher das Absetzen dieser Niederschläge bewirkt, ausgeschlossen bleibt. Ist nach der Die Melioration. Bodenbeschaffenheit eine Verstopfung durch feinen Triebsand zu befürchten, so wird diese Gefahr zweckmäßig durch Auflegen von Moosstücken oder einer schwachen Thon- schichte auf die Röhren oder nur auf die Stoßfugen beseitigt werden. Die Verstopfung der Drains durch Wurzeln tritt besonders häufig dann ein, wenn das Grundstück mit Rüben bebaut wird. Ebenso wachsen die Wurzeln mancher Bäume, wie der Pappel, der Linde ꝛc., in die Drainröhren hinein. Gegen das Verstopfen durch Pflanzenwurzeln sichert die Wahl größerer, häufiger nicht voll laufender Röhren, da die Pflanzenwurzeln in wasserleere Räume nicht hineinwachsen. Dagegen treten wieder in nicht voll fließenden Röhren leichter Verstopfungen durch Algenfäden ( Confervae conjugatae ) ein. Unter allen Umständen bleibt die Drainage, welche nebenbei bemerkt auch zur Entwässerung von Gebäuden, Eisenbahndämmen ꝛc. angewendet werden kann, für feuchte Lagen und Bodenarten eine der empfehlenswerthesten Bodenmeliorationen. Durch die Drainage werden die Vortheile der Entwässerung am sichersten erreicht. Sie wird in ihrer Wirksamkeit für gewisse Fälle nur noch übertroffen von der Drainbewässe- rung. Diese Melioration, sowie die Bodenbewässerung soll jedoch erst im Capitel: „Der Wiesenbau“ besprochen werden. 2. Das Beseitigen der Steine. So werthvoll veränderliche Gesteinstrümmer im Boden sind, so hinderlich können dieselben werden, wenn sie als Haftsteine die Bodenbearbeitung erschweren oder durch zu massenhaftes Auftreten ungünstige Bodenzustände mit sich bringen. Je größer der Gehalt an Steinen, um so weniger fruchtbare Erde wird vorhanden sein und um so schwieriger werden sich die Culturoperationen, wie z. B. das Pflügen, Mähen ꝛc., aus- führen lassen. In einem strengen Thonboden wird man jedoch nur sehr vorsichtig beim Entfernen der Steine vorgehen dürfen, da sie hier zur Lockerung des Bodens wesentlich beitragen können (S. 48). Am hinderlichsten sind Haftsteine oder zu Tage tretende Felsen. Dieselben können nur durch Sprengen mit Pulver oder Dynamit beseitigt werden. Lose Steine werden mit der Hand aufgeklaubt, bei massenhafterem Vorkommen mit dem Hand- oder Pferdesteinrechen gesammelt, welcher mit seinen weitgestellten Zinken nur die größten Steine aufnimmt, die unschädlicheren kleinen jedoch zurückläßt. Sind die Steine so groß, daß sie selbst mit Steinwagen nicht fortgeschafft werden können, so erübriget nur, sie gleichfalls durch Sprengen zu verkleinern. Bei günstiger Bodenbeschaffenheit führt auch das Versenken der Steine in den Boden zu ihrer Beseitigung. Zu diesem Zwecke gräbt man neben dem zu versenken- den Steine ein so tiefes Loch, daß der hineingewälzte Stein mindestens 0.6 Meter unter die Bodenoberfläche kommt. Die zusammengebrachten Steine können entweder als Bau-, Schottersteine, oder zur Ausfüllung der Gräben bei gedeckten Steinabzügen oder schließlich bei kleineren Parzellen zu Einfriedungen verwendet werden. Krafft, Lehrb. d. Landw. I. 6 Allgemeine Ackerbaulehre. 3. Die Bindung von Sandschollen. Soll die Culturbarmachung der Sandschollen, Flugsandfelder erfolgreich durch- geführt werden, so muß erst als unerläßliche Vorbedingung der Sand zum Stehen gebracht werden. Es wird dies erreicht durch das Bedecken mit Rasen- oder Torf- stücken, mit Strauch- oder Reisholz, durch Einflechten von Strohzöpfen, durch Auf- pflügen oder durch die Errichtung von Coupirzäunen und Schutzwällen. Bei geringerer Beweglichkeit des Flugsandes reicht ein Bedecken mit Torf- oder Rasenstücken aus. Durch dieses Bedecken wird sich der Boden feuchter halten und damit seine Beweglichkeit vermindert werden. Ein gewöhnlich angewendetes Material zum Bedecken ist Kiefernreisig. Dasselbe wird je nach der vorhandenen Menge über die ganze Sandscholle oder nur streifenweise quer gegen die Richtung des Windes ver- theilt, und zwar so, daß die Gipfel des Reisigs vom Winde abwärts zu liegen kommen. Der bedeckte Boden kann vom Winde nicht gehoben werden und kann dann unter dem Schutze des Deckmateriales, am zweckmäßigsten im ersten Frühjahre, um die Winter- feuchtigkeit zu benutzen, mit Holz bepflanzt oder besäet werden. Zuweilen pflegt man die Bindung des Sandes auch dadurch zu erreichen, daß man streifenweise mit dem Pfluge zwei Furchen in Kämme zusammenwirft und zwischen die Pflugfurchen Reisig, Strohwische u. dgl. steckt. Mit dem Aufwerfen der Kämme oder dem streifenweisen Bedecken mit Rasen- stücken, Reisig ꝛc. wird man an der am meisten gefährdeten Seite beginnen. Ge- wöhnlich sind die austrocknenden Südostwinde am verderblichsten. Je nach der Gefahr des Verwehens und dem vorräthigen Materiale werden diese Streifen oder Kämme näher oder weiter, oft erst auf mehrere Meter Entfernung hergerichtet. Bei größerer Beweglichkeit der Sandschollen stellt man im stumpfen Winkel gegen die herrschende Windrichtung Coupirzäune auf, indem man reihenweise 1.5 Meter lange Stöcke einschlägt, zwischen welche Reisig eingeflochten wird. Diese Zäune er- richtet man gegen den Südostwind in Entfernungen von 20—40 Meter. Durch ihre Höhe wird der Wind von dem Boden fern gehalten oder der Sand zum min- desten an der durch die Zäune gebildeten Wand angehäuft und nicht fortgeweht. Bei größeren Sandschollen, welche nicht auf einmal, sondern nur nach und nach von den am meisten gefährdeten Stellen aus gebunden werden können, errichtet man auch querüber, jedoch in größeren Entfernungen, Coupirzäune, um auch die heftigen Nord- winde abzuhalten. Ist durch die Coupirzäune allein oder unter Zuhilfenahme des Deckens der Sand zum Stehen gebracht worden, so wird der Boden zur dauernden Befestigung mit Gräsern und dann mit Holzpflanzen oder gleich mit Holzpflanzen bestellt. Von den Gräsern gedeihen auf Flugsandfeldern besonders der Sandroggen ( Arundo are- naria ), das Sandhaargras ( Elymus arenarius L. ), die Sandsegge ( Carex arenaria L. ) ꝛc. In neuerer Zeit wird das amerikanische Buffalogras ( Buchloë dactyloides ) empfohlen. Von den Holzpflanzen eignen sich zur Aufforstung der Flugsandfelder die Meerstrandskiefer ( Pinus maritima ), die österreichische oder Schwarzkiefer ( Pinus austriaca ), ebenso Pappeln, Weiden, Akazien, Ailanthusbäume, von den Sträuchern Die Melioration. der Besenstrauch ( Sarothamnus scoparius ), der Ginster ( Genista ) ꝛc. Die Wurzeln der Bäume halten den Boden zusammen und verleihen ihm mehr Stetigkeit; außer- dem wird durch den Blätterabfall bald eine schützende Humusdecke gebildet. Solche aufgeforstete Flugsandfelder müssen jedoch jederzeit vorsichtig behandelt werden. Sie ver- langen eine beständige Schonung vor Weidegang und Streurechen, das Stockroden hat zu unterbleiben, die Fällung selbst ist vorsichtig, erforderlichen Falls plänterweise zu leiten. Aehnlich wie die Sandschollen werden auch die Meeresdünen befestigt. Am ge- wöhnlichsten werden dieselben mit Ginster (6—8 Kilogr. pro Hektar) und Meer- strandskiefern (18—20 Kilogr. pro Hektar) besäet und die Saaten durch Bedecken mit Strauchwerk gegen die Sonnenstrahlen und das Austrocknen geschützt. An den exponirtesten Stellen legt man außerdem zum Schutze der Culturen gegen die herr- schende Windrichtung 1 Meter hohe Flechtzäune an. Anstatt dem Ginster werden auch Pflanzungen mit Sandroggen und Sandhafer vorgenommen, welche die Eigenschaft haben, durch Ueberschütten mit Sand nicht zu leiden, sondern sich um so lebhafter weiter zu entwickeln. Sobald sich die Düne über den Bereich der Sandanschüttung durch das Meer erhoben hat, wird schließlich zur Aufforstung mit Kiefern ꝛc. geschritten. 4. Das Bodenbrennen. Ein zäher, bindiger Thonboden, in einem feuchten, kalten Klima ist ebenso un- geeignet für die Pflanzenvegetation, als wie eine lose, trockene Sandscholle. Nicht nur befinden sich in einem solchen Boden die Pflanzennährstoffe in nicht aufnahms- fähigem Zustande, sondern auch die Nährstoffe, welche durch die Düngung von Außen in den Boden gelangen, können wegen der ungünstigen nassen, kalten Beschaffenheit des zähen Thonbodens nicht zur Wirksamkeit gelangen. Zur Verbesserung der physi- kalischen und chemischen Eigenschaften eines derartigen Bodens, besonders zur Ver- ringerung der Wärmecapacität, empfiehlt sich das Brennen desselben, eine Cultur- operation, welche in England, seit 1820 von Beatson besonders empfohlen, vielfach zur Ausführung gelangt. Durch das Brennen verliert der Thon sein Hydratwasser und damit die Fähig- keit mit Wasser eine plastische Masse zu bilden. Es verringert sich seine wasser- fassende und wasserhaltende Kraft und damit auch seine Wärmecapacität. Gebrannt zerfällt der Thon in ein Pulver, welches, dem ungebrannten Thonboden beigemengt, auf diesen ähnlich wie beigemengter Sand, lockernd, austrocknend und daher indirect auch erwärmend einwirkt. Brennt man den Thon zu stark, so sintert er, besonders wenn er kalkhaltig, zu steinharten Klumpen zusammen, indem der Kalk mit der Kieselerde und einem Theil der Alkalien zu einem unlöslichen Doppelsilicat (Glas) zusammenschmilzt. Bei richtig geleitetem Erdbrennen werden jedoch durch den im Boden enthaltenen Kalk die unlöslichen Silicate aufgeschlossen, indem der Kalk an die Stelle der Alkalien tritt und diese löslich macht. Ist der Thon kalkarm, so wird die Wirksamkeit des Brennens durch eine Kalkbeimischung wesentlich erhöht. Durch das Brennen des Thonbodens werden daher nicht nur dessen physikalischen Eigenschaften günstig beeinflußt, sondern auch aufnehmbare Pflanzennährstoffe, besonders 6* Allgemeine Ackerbaulehre. Kali, Kieselsäure und bei Vorhandensein von organischen Resten auch Phosphorsäure aufgeschlossen. Desgleichen wird das Eisenoxydul, welches in einem feuchten Boden leicht nachtheilig werden kann, durch das Brennen, wie die Rothfärbung des gebrannten Thons erkennen läßt, in Eisenoxyd umgewandelt und damit auch die Absorptions- fähigkeit des Bodens für die Phosphorsäure erhöht. Durch das Brennen werden gleichzeitig manche Larven schädlicher Insecten, sowie Unkrautsamen und Unkräuter vertilgt, welche letztere durch ihre Asche den Boden bereichern. Schließlich wird der Vorrath an Pflanzennährstoffen durch die Asche der zum Thonbrennen verwendeten Brennmaterialien vermehrt. Zum Brennen des Thonbodens werden entweder gemauerte Oefen, oder Feld- öfen, welche aus Rasenstücken aufgebaut werden, oder Gräben verwendet. Der Thon selbst wird entweder gleichmäßig von dem ganzen Felde in dünner Schichte abgeschält, oder nur von uncultivirten Feldrändern ausgestochen und vor dem Brennen etwas abtrocknen gelassen. In den gemauerten Oefen werden die abgeschälten Thonstücke auf das auf einen Rost aufgeschichtete, brennende Feuerungsmaterial allmählig auf- gelegt. Brennt man in Feldöfen, so wird aus Rasenstücken ein viereckiger Raum ein- geschlossen, auf dessen Bodenfläche vorher mit Rasenstücken ausgelegte Gräben als Luft- züge ausgehoben wurden. In diesen Raum schichtet man über den Gräben Brenn- material, wie Reisig, Torfstücke, Holzabfälle ꝛc. auf. Nach dem Anzünden desselben legt man allmählig ausgetrocknete Thonschollen auf. Nach dem Brennen wird der Ofen sammt seinem Inhalte eingerissen und gleichmäßig über das Feld verführt und untergepflügt. Viel häufiger angewendet, wie z. B. in österr. Schlesien, und weniger kostspielig als das Brennen in Oefen ist das Erdbrennen in dachförmig oder kegelförmig un- mittelbar auf den Boden gestellten Haufen. Das Brennmaterial, gewöhnlich Reisig, Nadelholzäste, trockenes Moos, Torf ꝛc., wird schon beim Aufstellen der Thonschollen gleichmäßig mit diesem untermengt. Bei den angezündeten Haufen hat man nur durch Auflegen neuer Erdstücke das Durchbrechen der Flamme, welches eine zu große Hitze hervorbringen würde, zu verhüten und dafür zu sorgen, daß nicht etwa durch Luftabschluß das Feuer erstickt werde. Wie oft das Brennen, welches gewöhnlich im Frühjahre vorgenommen wird, zu wiederholen ist, hängt von der Quantität der gebrannten Thonmasse ab. Beabsichtigt man durch das Brennen den physikalischen Zustand des Bodens zu verbessern, so wird ein größeres Quantum, 140 Tonnen ( à 1000 Kilogr.) für 1 Hektar, ge- brannt, die Wirksamkeit ist daher in einem solchen Falle um so nachhaltiger und erstreckt sich zuweilen auf 6—8 Jahre. Bei schwächeren Bränden bis herab zu 40 Tonnen für 1 Hektar ist schon nach 3—4 Jahren keine Nachwirkung mehr zu erkennen. 5. Die Cultur des Moorbodens. Der Torf- und Moorboden ist wegen seiner außerordentlichen Wassersaugungs- und Wasserhaltungskraft, wegen seiner Sauerstoffbegierde, welche bei Vorhandensein Die Melioration. von Eisenoxydhydrat durch Umwandlung in Eisenoxydul zur Bildung von Morasterz- Ablagerungen Veranlassung gibt, und wegen des Gehaltes an Torfsäuren für das Leben der Culturpflanzen untauglich. Bei seiner Verbesserung ist entweder die Torf- substanz zu verringern oder in eigentlichen Humus umzuwandeln. Letztere Umwand- lung wird besonders durch Zufuhr von Kalk und Alkalien und durch die Ermög- lichung des Luftzutrittes herbeigeführt. Mit den geringsten Kosten und am schnellsten wird die Torfsubstanz verringert durch Verbrennen derselben. Durch die Brandcultur werden die freien Humussäuren, das nachtheilige Eisenoxydul durch Verbrennung zu Eisenoxyd beseitigt. Die an Kalk gebundenen Humussäuren werden gleichfalls unter Freiwerden von Aetzkalk verbrannt. Die zurückbleibende Asche wird dem Boden reichliche Mengen aufnehmbarer Pflanzen- nährstoffe zuführen und den Boden zugleich trockener, wärmer, der Luft leichter zugänglich machen, da die Asche eine geringere Wärmecapacität und wasserfassende Kraft als der Humus besitzt. Allerdings wird der Boden durch das Verbrennen der organischen Sub- stanz an Kohlenstoff und Stickstoff ärmer, abgesehen von den mannigfaltigen Nachtheilen, welche der entstehende Moorrauch nach sich zieht. Dem Brennen muß eine Senkung des Wasserspiegels durch offene Gräben vorangehen. Bei trockener Zeit wird dann, nach Entfernung des etwa vorhandenen Gestrüppes, nach dem Vorschlage von Rimpau— Cunrau v. Funk, Zeitschr. d. landw. Vereins d. Prov. Sachsen. 1867, S. 253. der Moorboden mit Plaggenhauen abgeschält. Die Tiefe des Abschälens richtet sich nach der Vertorfung des Bodens, je weiter diese vorgeschritten um so tiefer bis auf 8 Cm., wird abgeschält werden müssen Die abgeschälten Torfstücke werden in Haufen zusammengeworfen und nach dem Austrocknen angezündet. Statt dem Schälen wird der Torfboden auch in Furchen aufgepflügt, und die Furchen nach dem Austrocknen an der dem Winde entgegengesetzten Seite angezündet. Bei der Leitung des Feuers hat man darauf zu achten, daß das Verbrennen zu Asche möglichst voll- ständig erfolge. Die gewonnene Asche wird ausgestreut, durch Eggen mit dem Boden vermischt und untergepflügt. Im nächsten Frühjahre wird das Land mit Hafer oder Hirse bestellt, welchen im nächsten Jahre gedüngte Rüben, dann Hafer mit Graseinsaat (58—70 Kilogr. pro Hektar) folgen. Die auf diese Art hergestellte Wiese wird nun zur dauernden Sicherung des Ertrages jährlich mit rohem Kalisalz (780 Kilogr. pro Hektar) und gedämpftem Knochenmehl (100 Kilogr.) zu düngen sein. Kostspieliger, aber zweckmäßiger ist die Entfernung des Torfes durch Ab- grabung, wie dies die Holländer bei ihrer berühmten Fehncultur Dr. Salfeld, Die Cultur der Haideflächen Nordwest-Deutschlands, 2. Ausgabe. Hildesheim 1870. ausführen. Diese Cultur setzt voraus, daß das ganze Moor von Schifffahrtskanälen durchzogen ist, auf welchen der ausgehobene getrocknete Torf nach den Absatzorten gebracht wird, während auf den zurückkehrenden Schiffen Dünger der verschiedensten Art zuge- führt wird. Mit dem Fortschreiten der Torfabgrabung beginnt sofort der Ackerbau, indem durch die Vermengung des unter dem Moore liegenden Sandbodens mit Dünger Allgemeine Ackerbaulehre. und Torfabfall eine Ackerkrume geschaffen wird, welche gleich im ersten Jahre Buch- weizen oder Kartoffeln trägt. Die Nachtheile der Brenncultur werden vermieden, wenn man den Moorboden durch Umwandlung der Torfsubstanz in eigentlichen Humus zu verbessern sucht. Es gelingt dies nur dann, wenn der Moorboden mit ausreichenden mineralischen Massen versehen wird. Bei günstiger Gelegenheit reicht zu diesem Zwecke oft die Ueber- sandung der Torffläche durch Aufleitung sandführender Gewässer (s. unten) oder bei kleineren Flächen durch Aufführen von Bauschutt ꝛc. vollkommen aus, um den Moor- boden in gutes Wiesenland umzuwandeln. Bei größeren Moorflächen führt auch die Mengung des Moores mit dem Unter- grunde, sofern dieser aus veränderlichem Sand besteht, durch das Rajolen oder die Dammcultur von Rimpau zum Ziele. Besteht die Unterlage des Moorbodens aus kalkarmem Boden oder Quarzsand, so wird die Mengung nur wenig zur Verbesserung beitragen. Das Rajolen wird nach vorangegangener Entwässerung durch drei auf einander folgende Pflüge vorgenommen, deren letzter so tief gestellt werden muß, daß er die Sandschichte erreicht und heraufbringt. Bei größerer Mächtigkeit des Torflagers ver- ringert man dieselbe durch vorausgehendes Brennen. Uebersteigt jedoch die Mächtigkeit der Torflage 40 Cm., so läßt sich das Rajolen nur mehr mit großen Kosten durch- führen. Bei bedeutenderer Mächtigkeit des Torflagers (0.5—1 Meter) und bei Vor- handensein einer Sandunterlage empfiehlt sich, Rimpau's Dammcultur anzu- wenden. Bei derselben werden entlang dem Hauptentwässerungsgraben im rechten oder spitzen Winkel 5 Meter breite, je nach der Torflage 1—1.5 Meter tiefe Gräben ausgehoben und das gewonnene Material, (in Cunrau Torf, Thon, Lehm, Letten und zuletzt Sand) zu beiden Seiten gleichmäßig ausgebreitet. Der Sand wird so tief ausgehoben und obenauf auf den Damm gelegt, daß dieser mindestens 10 Cm. hoch damit bedeckt ist. Die Kosten dieser Dammcultur betragen in Cunrau auf 1 Hektar berechnet 258 Mark (129 fl.). Durch die Dammcultur wird eine Ent- wässerung des Bodens durch Ableitung des Wassers und Erhöhung des Terrains, eine Lüftung desselben und eine Bereicherung an Mineralmasse erzielt, und damit ein Pflanzenwachsthum ermöglicht. Auf den frischen Dämmen gedeiht der Hafer ganz gut. Demselben folgt in Cunrau gedüngtes Wickfutter, Roggen in Knochenmehl, gedüngte Kartoffeln ꝛc. 6. Die Anschlemmung mit Erde. Eine unter Umständen wenig kostspielige Bodenverbesserung, besonders auf Wiesen, läßt sich durch Ueberfluthung mit schlammigem Fluß- und Bachwasser erreichen. In England wurden nach Thaer A. Thaer, Grundsätze der rat. Landw. 6. Aufl. Berlin 1868. 3. Bd. S, 219. zu diesem Zwecke die unter der Einwirkung der Meeresfluth und Ebbe stehenden, größeren, schlammführenden Flüsse benützt, indem Die Melioration. zur Fluthzeit das Wasser durch Schleußen über ein Terrain ausfließen gelassen und nach dem Absatze des Schlamms zur Zeit der Ebbe wieder abgelassen wurde. Die in neuerer Zeit von Fraas Landw. Centralbl. f. D. 1867, I. S. 389. wieder empfohlene künstliche Alluvion , d. h. die Ueberschlammung der Wiesen, verbessert nicht nur den physikalischen Boden- zustand, sondern bereichert den Boden auch mit Pflanzennährstoffen. Nicht nur wird durch das Regenwasser Schlamm von den Feldern in die Gewässer abgeschwemmt, sondern die Flüsse ꝛc. führen auch reichliche Mengen abgeschwemmter Verwitterungs- produkte der Gebirgsgesteine mit sich, welche bei der Ueberschlammung aus dem Wasser abgesetzt werden und den Wiesen zugute kommen. Durch den Absatz von Sand, Thon, Lehm aus dem trüben Wasser erhöht sich wenn auch nur sehr all- mälig der Boden, welcher dadurch trockener wird. Besteht der Boden der Wiese aus Thon, so verwende man das Wasser, wenn es durch starke Regengüsse oder durch das Schmelzen des Schnees recht trübe ist, da es dann auch gröbere Sandtheile mit sich führt, welche zur Lockerung des Bodens beitragen. Bei losem Boden verwende man Wasser, welches Lehm- und Thontheilchen suspendirt enthält, die sich beim Stehen des Wassers aus demselben ausscheiden. Den Schlammgehalt kleinerer Gewässer kann man dadurch vermehren, daß man an den Ufern des Oberlaufes derselben Erde abgräbt und in das Wasser wirft. Bei stärkerem Schlammgehalte der Gewässer ist es leicht thunlich durch Einlegen von Faschinen auch Niederungen und kleinere Mulden aus- zufüllen, zu ebenen. 7. Das Ebenen des Bodens. Die einfachste Art, einen Boden zu ebenen, läßt sich mit dem Pfluge durchführen, indem man die Pflugfurchen jedesmal gegen die Vertiefung hin in derselben Richtung umlegt. Schneller und vollkommener zum Ziele führt das Abgraben der Anhöhen mit dem Spaten und das Ausfüllen der Vertiefungen mit der beim Abgraben ge- wonnenen Erde, welche mittelst Hand- oder Pferdekarren zu- geführt wird. Ein besonders leistungsfähiges Geräthe für diesen Zweck ist das mit einem oder mit zwei Pferden be- spannte Muldbrett, Fig. 20, Fig. 20. Muldbrett. eine große, etwa 1 Meter breite, hölzerne Schaufel, deren vorderer Rand mit Blech beschlagen ist. Bei dem Gebrauche wird das Muldbrett in das gelockerte Erdreich hineingeschoben und dabei mit Erde gefüllt. An dem auszufüllenden Orte angelangt, hebt man den rückwärts am Muldbrette angebrachten Stiel nach aufwärts, wo- durch sich die Schaufel beim Fortziehen durch Ueberstürzen selbst entleert. Gruben und Löcher, welche sich beim Ausziehen von Baumstrünken ergeben, werden gleich beim Roden des Waldlandes ausgeglichen. Allgemeine Ackerbaulehre. Bei starken Abhängen wird der Boden auch durch Terrassirung in ebene Abschnitte gebracht Bei der Herstellung der Terrassen wird vorerst am tiefsten Punkte des Abhanges eine Steinmauer aufgeführt, hinter welcher zugeführter oder von dem Abhang abgegrabener Boden aufgefüllt wird. Man hat dabei, wie bei jedem Ebenen, sehr darauf zu achten, daß die etwa vorhandene Erdkrume möglichst wieder auf die Oberfläche gebracht werde. Bei der Kostspieligkeit der Terrassirung wird diese Boden- verbesserung nur bei hohem Bodenwerthe und bei werthvolleren Culturen, wie z. B. bei der Weincultur, in südlichen Ländern bei Oelgärten, Orangen-, Citronengärten zur Ausführung gelangen. 8. Die Anpflanzung von Gehölzen. Die bisher angeführten Bodenmeliorationen bezwecken alle die Umänderung einer ungünstigen Beschaffenheit des Bodens oder auch der örtlichen Lage. Im Vergleiche zu diesen Verbesserungen des Bodens wird es dem Landwirthe nur nach langjährigen, unausgesetzten Bemühungen gelingen gegen die Ungunst des Klimas anzukämpfen. Durch die Melioration des Bodens, wie besonders durch die Waldrodung, die Ent- und Bewässerung, die Aenderung der Neigung des Bodens, wird neben der Bodenverbesserung vielfach auch der Einfluß der klimatischen Elemente, als der Wärme, der Feuchtigkeit ꝛc., corrigirt. Gegen die Luftströmungen, welche durch ihre Kälte und Trockenheit oder durch ihre mechanische Gewalt (Verwehen, Zerreißen der Blätter und ganzer Pflanzen) der Cultur hinderlich werden, kann schließlich am erfolgreichsten nur durch die Anpflan- zung der verschiedenartigsten Gehölze, wie von Obst- und Wildbäumen, vorgegangen werden. Durch derartige Anlagen wird gleichzeitig ein Nutzen an Holz, Futterlaub oder bei Obstbäumen an Obst von Feldstellen erzielt, welche sonst, wie Feldränder, Bach- und Flußufer, Einrisse, Lehnen, Weidegründe ꝛc., ungenutzt bleiben würden, ganz abgesehen von dem Werthe, welcher derartigen Pflanzungen durch die Ver- schönerung der ländlichen Besitzungen zukommt. In wirthschaftlicher Hinsicht wird durch lebende oder auch todte Einfriedungen die Sicherheit des Besitzes gegen das Eindringen unberufener Menschen und fremden Weideviehes, besonders wenn die Grund- stücke an öffentliche Wege angrenzen, wesentlich gefördert und der Betrieb der eigenen Weidewirthschaft erleichtert. Bei zerstückelter Lage der Grundstücke werden bei der geringen Größe der ein- zufriedenden Gebiete die Holzanlagen zu viel Platz wegnehmen. Ist die Einfriedung in der Richtung von Ost nach West gestellt, so wird ihre Südseite leicht zu trocken werden, während die Nordseite, je gebundener der Boden, an Nässe leiden kann. Der Schnee wird sich im Winter an der Hecke anhäufen und dann im Frühjahre die Bearbeitung verzögern. Durch die Verhinderung des Austrocknens und die Be- schattung werden die Pflanzen unmittelbar an der Baumwand in ihrem Wachsthume gestört werden, besonders dann, wenn eine Holzart, wie z. B. Pappeln, gewählt wurde, welche durch ihre Wurzelausläufer den Boden weit ab von der Baumpflanzung aus- trocknet. Gegen die Wurzelausläufer, welche auch der tiefen Bearbeitung des Bodens Die Melioration. Hindernisse entgegenstellen, sichert übrigens die Anlage der Baumpflanzungen auf Dämmen mit Gräben an der Seite oder die Anlage eiues einige Meter breiten Streifens von Grasland. Derartige Streifen erleichtern auch die Bearbeitung des Bodens ent- lang der Hecke. Schließlich können die lebenden Einfriedigungen die Ausbreitung der Unkrautpflanzen befördern und als Brutstätten für schädliche Insekten dienen. Aus der Erwägung der Vor- und Nachtheile wird sich die Zweckmäßigkeit oder Unzweckmäßigkeit der Einfriedigungen für die jeweilige Oertlichkeit ergeben. Unstreitig am besten geeignet sind dieselben bei exponirten, mehr trockenen Lagen und bei Weide- wirthschaften. Die Gehölzpflanzungen umgeben entweder blos die Grenzen eines Gutes, be- sonders an jenen Seiten, welche den herrschenden Winden ausgesetzt sind, als soge- nannte Schutzringe, Schutzbaumwände, oder sie werden als Hecken derart angelegt, daß sie das Gut, gewöhnlich nach den Schlaggrenzen, in Abtheilungen bringen. Die Schutzringe sind gewöhnlich kleine Waldstreifen von 8—20 Meter Breite. Für dieselben empfehlen sich besonders immergrüne Nadelhölzer. Als beständig schützend verdienen auch nach Hecke W. Hecke, Die Forstwirthschaftslehre für Landwirthe. Wien 1858. im Mittelwaldbetrieb gehaltene Laubhölzer genannt zu werden, da nach Abtrieb des Unterholzes das Oberholz zur Brechung und Hebung der Winde dienen kann. Beständiger Schutz kann auch erreicht werden, wenn der Schutzring aus zwei Streifen besteht, von denen einer bereits die Hälfte des Umtriebsalters besitzt, wenn der andere abgetrieben wird. Die Hecken können entweder als Stutzhecken, Buschhecken, oder als Baumhecken angelegt werden. Die Stutzhecken , welche gewöhnlich unter der Scheere auf einer Höhe von 1—1.5 Meter und einer nach oben sich verjüngenden Breite von 0.6 Meter gehalten werden, brauchen wenig Platz und gewähren doch einen guten Schutz weniger gegen den Wind, als gegen das Betreten des Feldes. Ihre Anlage und Unterhaltung ist jedoch bei einem unbedeutenden Holzertrage kostspielig. Man wählt für dieselben Bäume und Sträucher, welche nicht nur das Beschneiden vertragen, sondern sich auch noch unter der Scheere vielfach verzweigen. Die vorzüglichste Heckenpflanze ist der Weiß- dorn ( Crataegus oxyacantha L. ), an dessen Stelle in neuerer Zeit häufig der hol- ländische Weißdorn ( C. monogyna Jacq. ) verwendet wird. Nächst dem Weißdorn sind zu nennen der Schlehdorn ( Prunus spinosa L. ), der Kreuzdorn ( Rhamnus cathartica L. ), der Liguster ( Ligustrum vulgare L. ) ꝛc. von den Bäumen die Weiß- buche ( Carpinus betulus L. ), der Maßholder ( Acer campestre L. ), die Linden ( Tilia ), Weiden ( Salix -Arten), Akazien ( Robinia pseud-acacia L. ), Fichten ( Abies excelsa DC. ) und Eiben ( Taxus baccata L. ). Die Busch- oder Strauchhecken , in Schleswig-Holstein Knicks genannt, läßt man bei einer Breite von 1.5—3 Meter, 6—10 Meter hoch heranwachsen, und haut sie dann bei einem Alter von 10—20 Jahren um. Damit die abgetriebene Hecke wieder frisch ausschlägt, wählt man Holzarten mit guter Reproduktion, besonders Allgemeine Ackerbaulehre. Hainbuchen ( Carpinus betulus L. ), Ulmen ( Ulmus campestris L. ), Eichen ( Quercus pedunculata Ehrh. ), Haseln ( Corylus avellana L. ), Akazien ( Robinia pseud- acacia L. ) ꝛc. In der Lombardei und anderen südlichen Gegenden nimmt man zu Buschhecken auch Maulbeerbäume. Die Buschhecken geben einen viel besseren Schutz als die Stutzhecken und liefern Brennholz, Futterlaub und selbst kleines Nutzholz. Um von den Buschhecken einen größeren Holzertrag zu erzielen, pflegt man die- selben auch gemischt mit Oberholz, welches entweder als Schneidelholz oder Kopfholz behandelt wird, anzulegen. Eine derartige Verbindung der Buschhecken mit hoch- stämmigen Bäumen bietet überdies den Vortheil, daß die Hecke auch dann noch, wenn das Unterholz abgehauen ist, durch die Hochstämme Schutz gewährt und umgekehrt. Für sehr dem Winde ausgesetzte Gegenden umpflanzt man die Grundstücke selbst mit hochstämmigen Bäumen, welche zu Baumhecken zusammengestellt werden. Die Richtung dieser Baumhecken wird stets gegen den herrschenden Wind gestellt. Außer- dem werden noch über quer Baumhecken angelegt, und zwar so, daß das ganze Gut in eine Mehrzahl von Abtheilungen getheilt wird. Je kleiner diese ringsum von Baum- hecken eingeschlossenen Abtheilungen (von 6—45, gewöhnlich 12—28 Hektar) sind, um so mehr schützen dieselben, allerdings steigern sich damit durch die größere Aus- dehnung die Kosten der Anlage und die Inanspruchnahme des Bodens. Die Anlage aller dieser verschiedenen Hecken geschieht entweder auf ebener Erde oder auf kleinen Erdwällen. Im letzteren Falle wird zur Bildung des Walles zu jeder Seite desselben oder nur auf einer Seite ein Graben ausgehoben, welcher dann die Verbreitung der Baumwurzeln in das Ackerland verhindert. Der ausgehobene gute Boden wird zweckmäßig obenauf in die Mitte des Dammes gelegt, woselbst dann die Bäume ihren Platz finden. Wird die Hecke auf ebenes Land gestellt, so wird der Boden, nachdem die Richtung der Heckenanlage abgesteckt, auf 1 Meter Breite 0.5 Meter tief gelockert und unter Umständen auch gedüngt. Im zeitlichen Frühjahre wird der vorbereitete Boden mit 2 Cm. starken, vor dem Einsetzen auf 0.15 Meter Länge zurückgeschnittenen, 2—3jährigen Holzpflanzen bepflanzt, indem bei dem Umspaten oder Umpflügen des Bodens die Stummelpflanzen gleich mit unter- gebracht werden, wenn man nicht etwa das Einsetzen in Löcher vorzieht. Zur An- lage von Baumhecken nimmt man Bäumchen, welche bereits mannshoch geworden. Die Buschhecken werden meist in zwei 25 Cm. von einander entfernten Reihen angelegt, in welche die Stummelpflanzen auf 30—40 Cm. abwechselnd eingesetzt werden. In den ersten Jahren ist die Hecke sorgfältig von Unkraut rein zu halten und zu lockern. Im zweiten Frühjahre (Anfang März) werden die Pflanzen sämmt- lich auf 5—6 Cm. Länge zurückgeschnitten, damit sie möglichst viel Seitenzweige entwickeln, die späterhin zur Verdichtung der Hecke bei kleineren Anlagen übereinander gebogen und ineinander verflochten werden können. Die Bodenbearbeitung. V. Die Bodenbearbeitung. Bezweckt die im Capitel IV erläuterte Melioration eine durchgreifende und dauernde Aenderung der Bodenbeschaffenheit, um damit den Pflanzenstandort bleibend zu verbessern, so sucht dagegen die Bodenbearbeitung jene periodischen Aenderungen in der Bodenbeschaffenheit wieder auszugleichen, welche durch die Benutzung des Bodens zur Pflanzencultur hervortreten. Jede Pflanze hinterläßt nach der Ernte den Boden nicht nur — um den Betrag der von ihr aus dem Boden aufgenommenen Aschen- bestandtheile — nährstoffärmer, sondern auch in einem ungünstigeren physikalischen Zustande. Während des Verweilens der Pflanze am Felde wird der Boden aus- getrocknet und die Einwirkung der Kohlensäure und des Sauerstoffes der Luft, oder die Verwitterung beeinträchtiget; der Boden „verschließt“ sich nach der Ausdrucks- weise des praktischen Landwirthes. Die Bodenbearbeitung ist das emfachste und billigste Mittel, um diese, wenn auch im Verlaufe einer Vegetation nur geringe Verschlechterung des Bodens wieder aufzuheben. Durch die mechanische Bearbeitung des Bodens werden der Kohlensäure und dem Sauerstoff der Luft neue Angriffspunkte geboten, daher die Verwitterung der alkalischen Thonerdesilicate beschleunigt, und somit, allerdings auf Kosten der ge- bundenen Bodennährstoffe, neue assimilirbare Pflanzennahrung geschaffen. Außerdem wird der physikalische Zustand des Bodens, welcher sich durch die Vegetation der Culturpflanzen verschlechtert hat, durch die Lockerung bei der Bearbeitung wieder in den Stand gesetzt. Mit Rücksicht auf die folgende Pflanze sucht die mechanische Bearbeitung den Boden vorerst zur Aufnahme der Pflanzensamen und weiterhin zum Tragen einer Vegetation von Culturpflanzen geeignet zu machen. In ersterer Hinsicht wird durch das Aufbrechen der dicht gewordenen Bodenoberfläche möglich gemacht, daß der in den Boden gebrachte Samen sicherer die Bedingungen zum Keimen findet. In letzterer Hinsicht werden durch die Lockerung des Bodens, welche die Bodennährstoffe für die Pflanzenwurzeln zugänglicher macht und eine Verbesserung des physikalischen Boden- zustandes nach sich zieht, die Bedingnngen für das weitere Fortkommen der Pflanzen nach Möglichkeit gesichert. Erfolgt die mechanische Bearbeitung lange vor der Wiederbestellung des Feldes, so tritt die Absicht, den Vorrath an aufnehmbarer Pflanzennahrung durch Beförde- rung der Verwitterung zu vermehren, in den Vordergrund. Sie wird erreicht ent- weder durch ein derartiges Wenden des Bodens, daß eine möglichst große Ober- fläche desselben und immer neue Bodentheilchen aus der Tiefe den Verwitterungseinflüssen preisgegeben werden, oder durch das Mischen der Boden- und Düngertheilchen, durch welches der Stoffumsatz lebhafter gestaltet wird. Neben diesen in erster Linie verfolgten Zwecken der Bodenbearbeitung sucht man durch dieselbe den Boden auch zu verdichten, oder dessen Oberfläche eine bestimmte Form Allgemeine Ackerbaulehre. (Beete, Kämme ꝛc.) zu geben, den Samen, den Dünger unterzubringen, den Boden von Unkräutern und Ungeziefer zu reinigen oder man verfolgt durch die Bearbeitung besondere Culturzwecke, welche mit der Saat, Pflege und Ernte der Pflanzen im Zu- sammenhange stehen. Je nach der Zeit kann die Bodenbearbeitung vor, während oder nach der Saat vorgenommen werden. Die Bodenbearbeitung zu den beiden letzteren Zeitpunkten wird späterhin bei der Saat, Pflege und Ernte besprochen werden. Hier beschränken wir uns nur auf die Bodenbearbeitung im engeren Sinne, wie sie vor der Saat zur Ausführung gelangt. Ein richtiges Verständniß der Bodenbearbeitung wird durch die genaue Bekannt- schaft mit den verschiedenen Bodenbearbeitungsgeräthen vermittelt. Es wird daher geboten sein, erst diese und dann jene zu besprechen. Im Allgemeinen unterscheiden sich die Geräthe je nach der Kraft, welche sie in Bewegung setzt, in Hand-, Spann- oder Dampfculturgeräthe. In Bezug auf den Gebrauch dieser Kräfte gilt der Grundsatz, daß man niemals einen Menschen ver- wenden soll, wo das Thier arbeiten kann und niemals die thierische Zugkraft in Ge- brauch nehmen soll, wenn der Dampf (Wind, Wasserkraft) benutzt werden kann. Nach Birnbaum J. v. Kirchbach's Handbuch für Landwirthe. 8.Aufl. hrsgb. v. Dr . K. Birnbaum. Berlin 1873. hat man berechnet, daß gegenwärtig die Arbeitseinheit durch den Menschen geleistet, im Durchschnitte 6 bis 7mal theuerer kommt, wie durch Spannvieh und 40 bis 60mal theuerer, wie durch Dampfkraft bewirkt. Die Zahl der Geräthe und Maschinen E. Perels, Rathgeber bei Wahl und Gebrauch landw. Geräthe und Maschinen. , welche zur Vorbereitung des Bodens zur Verwendung gelangen, ist eine bedeutende. Trotz der Mannigfaltigkeit ihrer Formen beruht ihre Wirksamkeit immer wieder nur auf einer Lockerung, Wendung, Mischung des Bodens oder auf einer Verdichtung, Formung, Klärung desselben. Um die Uebersicht über die gebräuchlichsten Bodenbearbeitungsgeräthe zu erleichtern, geben wir je nach ihrer verschiedenen Wirkungsweise nachfolgende Zusammenstellung: Die Bodenbearbeitung. 1. Die Handgeräthe zur Bodenbearbeitung. Die Handgeräthe für Bodencultur finden die umfassendste Anwendung bei der gartenmäßigen Hochcultur, bei der Cultur sehr werthvoller Pflanzen und bei land- wirthschaftlichen Unternehmungen so geringer Ausdehnung, daß die Zugkraft eines Thieres nicht ausreichend beschäftigt werden kann. In allen übrigen Fällen, besonders bei größerer Ausdehnung der Besitzungen, schütterer Arbeiterbevölkerung, hohen Preis der menschlichen Arbeitskraft läßt sich eine große Zahl der landwirthschaftlichen Arbeiten billiger durch die Spannkraft ausführen. Ganz entbehrlich werden jedoch die Handgeräthe zur Bodencultur nur in den seltensten Fällen. 1. Der Spaten. Der Spaten, das Grabscheit oder die Stichschaufel besteht aus dem Stiel und dem Blatte. Stiel und Blatt werden bei Spaten, welche zum Ausheben von Gräben oder zur Bearbeitung eines lockeren Bodens dienen, nicht so massiv gemacht als wie bei Spaten, welche zum Roden oder zur Bearbeitung eines festen, zähen, steinigen Bodens verwendet werden. Für alle Fälle soll jedoch der Spaten möglichst dauerhaft hergestellt werden. Das dauerhafteste Material zu den Spaten- stielen gewährt natürlich gewachsenes, ungespaltenes zähes Holz von Hainbuchen, Weißdorn, Apfelbaum, Rothbuche ꝛc. Das Blatt besteht entweder mit dem Stiel aus einem Stück Holz oder aus Eisen. Hölzerne Spaten, welche zur Verringeruug der Abnutzung an den Kanten mit Blech beschlagen werden, können nur in lockeren Bodenarten gebraucht werden. Für festeren Boden verwendet man für das Blatt Schmiedeeisen, in neuerer Zeit auch hämmerbares Gußeisen mit verstählter Spaten- schneide oder Gußstahl. Der Spatenstiel darf nicht zu lang sein, gewöhnlich macht man denselben 70—80 Cm. lang. Zur Erleichterung der Handhabung versieht man ihn mit einem entsprechenden Handgriff, einem Knopf oder mit dem bei englischen Spaten gewöhnlichen ohrartigen Handgriff (Fig. 17, S. 79). Die Form des Blattes ist entweder dreieckig oder viereckig. Im ersteren Falle ist die Spatenarbeit weniger anstrengend aber unvollkommener. Vollkommenere Arbeit läßt sich mit dem viereckigen nach unten zulaufenden, oben 20—25 Cm. unten 18—20 Cm. breiten Blatte verrichten. Die Länge des Blattes beträgt 25—40 Cm. Zur Erleichterung der Arbeit wird bei dem englischen Spaten der obere Rand des Blattes umgebogen, oder ein besonderer Steg angebracht, damit der Arbeiter auch mit dem Fuße das Blatt in den Boden drücken kann. Eine besondere Aufmerksamkeit verdient die Verbindung des Blattes mit dem Stiele. Bei dem deutschen Spaten wird das zugeschärfte Stielende durch eine dem Blatte angeschweißte Oese gesteckt und mit einem Nagel befestigt. Diese Verbindung ist nicht nur unsicher, sondern vermehrt auch durch das bis zur Mitte des Blattes 3. Aflg. Berlin 1872; E. Perels Anwendung der Dampfkraft in der Landwirthschaft. Halle 1872; C. Reitlechner, Lehrbuch der landw. Maschinenlehre. Wien 1869; M. Rühlmann, Allg. Maschinenlehre. 4. Bd. Braunschweig 1867—1872. Allgemeine Ackerbaulehre. vorgeschobene Stielende den Widerstand beim Eindringen des Spatens in den Boden. Sicherer und zweckmäßiger ist die Befestigung des Stieles zwischen zwei von dem Blatte ausgehende Schienen, wie dies häufig am englischen Spaten (Fig. 17, S. 79) vorkommt. Bei dem Gebrauche des Spatens wird das Blatt desselben bis zu einer Tiefe von 0.25 M. in den Boden hineingestochen, das etwa 0.5 M. breite Erdstück von seiner Unterlage abgerissen und das losgetrennte Erdstück durch eine Drehung des Spatens derart in den geöffneten Boden geworfen, daß der benarbte Theil desselben auf die Sohle des abgegrabenen Landes kommt. Das Umwenden erfolgt daher bei guter Spatenarbeit viel vollkommener als mit dem gewöhnlichen Pfluge. Durch das Abstechen, Losreißen und Umlegen wird die Erde gleichzeitig, neben dem Wenden, kräftig gelockert. Nach dem Umstechen bildet der Boden eine ebene Fläche, welche, um das Feld nicht zusammenzutreten, unter einem mit dem Rechen verkleinert und von den hervorgebrachten Wurzeln und Unkräutern ꝛc. gereinigt wird. Bei aller Voll- kommenheit der Spatenarbeit fördert dieselbe nur sehr wenig, da je nach der Boden- beschaffenheit, dem Feuchtigkeitsgehalt des Bodens zum Graben eines Hektares auf 0.25 M. Tiefe 50—120 Arbeitstage à 10 Stunden erforderlich sind. In einem Tage spatet daher ein Mann 0.83—2.00 Ar. Bei einer Leistungsfähigkeit von 60 Arbeitstagen à 1 Mark (50 Kr.) kostet demnach das Umspaten per 1 Hektar 60 Mark (30 fl.). Wird eine größere Tiefe durch das sog. Doppelspaten, mit zwei verschieden tiefen Spatenstichen genommen, wie bei dem Graben von Weinbergen, Hopfengärten ꝛc., so erhöhen sich die Kosten der Bearbeitung oft bis zum 4fachen, da der Boden in der Tiefe fester und schwieriger zu bearbeiten ist. Unter gewöhnlichen Verhältnissen be- schränkt man daher die kostspielige Anwendung des Spatens zur Bodenbearbeitung nur auf jene Fälle wo es nicht leicht thunlich ein Spanngeräth zu verwenden. So werden die ungepflügt bleibenden Bodenstreifen an den am Rande oder im Felde stehenden Bäumen gespatet. Feldecken, Bodenstreifen entlang von Gräben, Hecken u. dgl., sehr kleine Feldparzellen können oft nur schwierig mit dem Pfluge bearbeitet werden, sie müssen daher gespatet werden. 2. Die Grabgabel und die Haue. An Stelle des Spatens verwendet man in England zur Bearbeitung stark ge- bundener Thonböden die Grabgabel . Dieselbe gleicht vollkommen dem Spaten, nur daß deren Blatt 1—2 Mal geschlitzt ist, so daß zwei, häufiger drei, flache gegen das Ende zugeschärfte und gut verstählte Zinken gebildet werden. Mit diesem Handgeräthe wird der Boden mit geringerer Beschwerlichkeit kräftig gelockert, aber nur unvollkommen gewendet. Die Leistungsfähigkeit eines Arbeiters beträgt mit der Grabgabel 1—2.5 Ar. Die Grabgabel, besonders die zweizinkige wird auch dazu verwendet, um den festen Untergrund in der geöffneten Pflugfurche kräftig aufzulockern. Auf steinigem Boden und steilen Hängen verwendet man anstatt des Spatens und der Grabgabel, welche nicht mehr zur Bearbeitung ausreichen die Haue . Die- selbe bestehet aus einer an einem 50 Cm. langen Stiele befestigten verschieden ge- stalteten Klinge, welche bis zu 5 Kilogramm schwer ist. Zum Umarbeiten von Die Bodenbearbeitung. Waldland, vergrastem Boden, bedient man sich sehr starker Hauen (Rodhauen), deren Klinge entweder auf der einen Seite ein Beil bildet und auf der andern Seite in eine 5—8 Cm. breite Schärfe ausläuft oder eine horizontale und vertikale Schneide besitzt. Für sehr steinigen und harten Boden verwendet man die Spitzhacke, den Pickel. Bei der Weinbergshaue ist das Blatt oft so breit als wie bei dem Spaten, nur daß es nicht in der Verlängerung des Stieles, sondern im spitzen Winkel mit diesem befestigt ist. Dieselbe bildet den Uebergang zu den Hackgeräthen. Bei dem Gebrauche der Haue geht der Arbeiter nicht wie bei dem Umspaten rückwärts, sondern vorwärts, indem er die aufgehackte Erde an sich zieht. Die Arbeit geht schneller vor sich als mit dem Spaten, da der Boden zwar kräftig gelockert, aber nur unvollkom- men gewendet wird. Mit der Haue vermag der Arbeiter in einem Tage je nach der Bodenbeschaffenheit 1.5 bis 3 Ar umzuarbeiten. Für die Kartoffel-, Fig. 21. Der Karst. die Weincultur ꝛc. leistet der Zweispitz oder Karst, Fig. 21, vorzügliche Dienste, ob- gleich seine Handhabung anstrengend ist. 2. Der Haken. Anstatt des Pfluges wird in vielen östlichen Ländern, vereinzelt auch in den österreichischen Alpenländern der Haken und die Zoche zur Bodenbearbeitung be- nutzt. Beide Geräthe lassen unschwer vermuthen, daß sie durch Umwandlung der Handhaue und des Karstes in Spanngeräthe entstanden sind. Aufrecht geführt, be- steht ihre Arbeit in einem Durchwühlen des Bodens, welcher dann ohne gewendet zu werden, seitlich aufgehäuft wird. Etwas geneigt gegen die Furchenseite gehalten, läßt sich durch den Haken neben einer kräftigen Lokerung auch ein unvollkommenes Wenden ähnlich wie bei den Schüttpflügen erreichen. Die Furchensohle wird dabei nicht eben, sondern kammförmig aufgerissen. Jedenfalls steht die Hakenarbeit der Pflugarbeit beträchtlich nach. Es wird daher der Haken, trotzdem er leichter zu führen, weniger Zugkraft erfordert und billiger herzustellen ist, ganz sicher im Laufe der Zeit von dem vollkommneren Pfluge verdrängt werden. Verwendet man in einer Gegend gleichzeitig Pflug und Haken, so wird letzterer vorzüglich zum Ruhren der Sturzfelder, zum Legen, Bearbeiten und Ausnehmen der Kartoffeln ꝛc. gebraucht. An steilen und steinigen Lehnen oder dort, wo der Haken nur allein verwendet wird, wie in Mecklenburg, in den Ostseeländern, in Rußland ist er jedoch das einzige Werkzeug zu allen Pflugarbeiten. Der Haken (slavisch Radlo, Ralo) kann je nach seiner Unterstützung, wie der Pflug als Schwing-, Stelz- oder Vordergestellhaken gebraucht werden. Je nach dem Vorhandensein eines Streichbrettes und der Anzahl (1 oder 2) der Schare unter- scheidet man: den Ruhrhaken, Krümmelhaken, Streichhaken und die Zoche. Allgemeine Ackerbaulehre. Der Ruhrhaken besitzt kein Streichbrett, sondern nur, wie alle Haken, ein spitzes oder breites zweischneidiges, in der Mittellinie des Pfluges angebrachtes Schar, welches durch eine Griessäule mit dem Hakenbaume verbunden ist. Als Beispiel nennen wir den schlesischen Sprunghaken, den polnischen Ruhrhaken und den Danziger Karrhaken. Letztere beiden besitzen zwei hohe Räder, zwischen welchen das Schar an- gebracht ist. Der Krümmelhaken , am vorzüglichsten repräsentirt durch den Mecklenburger Haken oder den in der Umgegend von Saaz gebräuchlichen Perzhaken besteht aus einem Schar (Hakeisen), in dessen Fortsetzung auf der Griessäule (Krümmel) das Streichbrett (Hakbrett) derart aufliegt, daß es zu gleichen Theilen über die Mittel- linie des Geräthes hervorragt. Die Sohle (Höft), eine oder zwei Sterzen, und der Hakbaum vervollständigen das Gerätye. Durch Schrägstellen des Hakens auf der zweikantigen Sohle kann ein mittelmäßiges Wenden des Bodens erzielt werden. Häufig wird mit diesem Haken, wenigstens in der Saazer Gegend, das Feld in Kämmen bearbeitet. Der Streichhaken , in Steiermark und Kärnten Aadl genannt. bildet den Uebergang der Krümmelhaken zu dem Pfluge, indem an diesem ein oder zwei Streich- flügel oft nur in Form kurzer Holzpflöcke angebracht werden. Die Zoche kann als ein Ruhr- oder Krümmelhaken mit getheiltem Schar be- trachtet werden. Am weitesten verbreitet ist, von der chinesischen abgesehen, die russische und polnische Zoche. Am vollkommensten ist noch die ostpreußische Zoche und die Stagutte. 3. Der Pflug. Der Pflug dient, wie der Spaten, zur Ausführung der Bodenbearbeitung, eine der wichtigsten landwirthschaftlichen Arbeiten, von welcher das Gedeihen der Saat und das Wachsthum der Pflanzen abhängt und mit welcher die Zugthiere des Land- wirthes am meisten beschäftigt werden, da jedes Feld mindestens einmal im Jahre gepflügt werden muß. Gegenüber dem Spaten erweist sich der Pflug als viel leistungs- fähiger, indem er nicht nur durch die ausgiebigere Zugkraft der Thiere in Bewegung gesetzt wird, sondern auch die Arbeit des Abschneidens und des Umwendens des Erd- Fig. 22. Hohenheimer Schraubenpflug. (Furchenseite.) — a. Schar, b. Streichbrett, f. Griessäule, d. Sohle, c. Sech; e. Pflugbaum; g. Sterze. streifens nicht in zwei getrennten Operatio- nen wie der Spaten sondern unter einer ausführt. Bei der Wichtigkeit, welche dem Pfluge in der Landwirthschaft zu- kommt, verdient der- selbe eine eingehendere Besprechung. Die Bodenbearbeitung. Der wesentlichste Theil des Pfluges ist der Pflugkörper, Fig. 22 abdf , (s. vor- stehend), welcher durch den Pflugbaum e , und die Zugvorrichtung, Fig. 23 ik , mit der Zugkraft ver- bunden ist. Von dem Pflugkörper verrich- ten das Schar a und das Streichbrett b die eigentliche Pflug- arbeit, während die übrigen Theile des- selben, die Gries- säule f , die Land- seite (der ausgesparte Raum zwischen efad Fig 23. Hohenheimer Schraubenpflug (Landseite). — a—g wie bei Fig. 22. i Regulator, k Zughaken; lm Schleifstelze; Gewicht 40 Kilogr. Preis 50 Mark, 25 Gulden. in Fig. 23) und die Sohle d zur Verbindung des Schars und Streichbrettes mit dem Pflugbaume dienen. Zuweilen wird durch das Schälschar (Fig. 30, S. 102) und das Sech c die Arbeit des Pflugkörpers vorbereitet. Der Pflugbaum verbindet sämmtliche Pflugtheile zu einem Ganzen. An dem- selben sind rückwärts die Sterzen oder Handhaben g zur Führung des Pfluges und vorn die Zugvorrichtung angebracht. Tiese letztere besteht wieder aus der Stell- (Regulator Fig. 23 i ), der Unterstützungs- (Vordergestell ꝛc lm ) und der Anspann- vorrichtung k. 1. Die Wirkungsweise des Pfluges. Die Arbeit des Pfluges wird leichter verständlich, wenn die einzelnen Arbeits- momente: 1. das Abschneiden, 2. das Umwenden und 3. das Lockern eines Erd- streifens, trotzdem sie zu gleicher Zeit ausgeführt werden, getrennt betrachtet werden. Das Abschneiden des Erdstreifens erfolgt nach zwei Richtungen. Gewöhnlich wird der Boden zuerst mit dem Sech oder auch mit der vorderen Kante des Pflug- körpers vertical in der Richtung AC , Fig. 24, 25 u. 26 (s. S. 98), abgetrennt und dann mit dem Schar horizontal, Fig. 24 u. 26 AB , oder etwas geneigt Fig. 25 AB abgeschnitten. Die Gestalt des durch den Pflug bearbeiteten Erd- oder Furchenstreifens wird durch die Tiefe u. Breite des Abschneidens oder der Furchentiefe und Furchenbreite bestimmt. Bei einer gewissen Breite und Tiefe wird die größte Erdmasse der Luft ausgesetzt, wie später weiter ausgeführt werden soll. Vorläufig erwähnen wir, daß 18 Cm. als mittlere Tiefe und 25 Cm. als mittlere Breite angesehen werden können, bei welcher jene Absicht am vollkommensten erreicht wird. Am häufigsten bildet der Furchenstreifen im Querschnitt ein Rechteck, Fig. 24 u. 26, seltener ein Quadrat oder ein Trapez, Fig. 25. Letztere Form des Furchenstreifens benöthigt bei gleicher mittlerer Furchentiefe mehr Zugkraft, indem das Schar einen längeren Krafft, Lehrb. d. Landw. I. 7 Allgemeine Ackerbaulehre. Schnitt, Fig. 25 AB , gegen Fig. 24 AB , zu machen hat. Die Form des Furchen- streifens nimmt wesentlichen Einfluß auf die weitere Pflugarbeit und bestimmt die Beschaffenheit der Oberfläche des gepflügten Landes. Fig. 24. Fig. 25. Fig. 26. Fig. 24, 25 und 26 Querschnitte durch verschiedene Furchenstreifen und Darstellung ihrer Bildungs- weise. — Fig. 24 Kantfurchen; Fig. 25 Kammfurchen; Fig. 26 Glattfurchen (s. d. Text.) Das Umwenden des abgeschnittenen Erdstreifens wird mit dem Streichbrette ausgeführt, welches die Streifen entweder dachförmig aufeinander, Fig. 24 u. 25, oder nebeneinander, Fig. 26, hinlegt. Durch das Umwenden soll nicht nur die Narbe in den Boden gebracht werden, sondern gleichzeitig der über die Bodenebene XY hervorragende, der Luft ausgesetzte Bodentheil die größte Masse, im Querschnitte die größte Oberfläche, besitzen. Diese größte Oberfläche wird bei einem rechtwinkeligen Furchenstreifen (Kantfurche) erreicht, wenn der hervorragende Kamm, Fig. 24 C 1 EF , im Quer- schnitte ein gleichschenkeliges Dreieck bildet. Es ist dies für eine bestimmte Furchen- tiefe nur möglich, wenn die Furchenbreite 1.414 mal der Furchentiefe In dem gleichschenkelig rechtwinkeligen Dreieck C 1 EF , Fig. 24, ist C 1 F = EG = AB = Furchenbreite b; EF = CE 1 = CA = Furchentiefe t. Es ist daher in dem recht- winkeligen Dreiek C 1 EF, C 1 F 2 = C 1 E 2 + EF 2 oder b 2 = t 2 + t 2 = 2 t 2 oder b = t √ 2 = 1.414 t. genommen wird; der Furchenstreifen wird dann mit einer Neigung von 45 ° hingelegt. Ist Die Bodenbearbeitung. daher in unserem Falle (Fig. 24) die Furchentiefe 18 Cm., so wird die vortheil- hafteste Furchenbreite 25.4 Cm. ausmachen. Die Wendung des Furchenstreifens erfolgt zuerst um 90 °; er kommt dabei aus der Lage ABCD allmälig in die Lage A 2 BC 2 D 2 und A 3 BC 3 D 1 , während der Schwerpunkt des Furchenstreifens von O bis P steigt und wieder bis Q fällt. Weiterhin wird der Erdstreifen nicht mehr um den Punkt B sondern um den Punkt D 1 um 45 ° gedreht, während der Schwerpunkt neuerdings bis R gehoben wird, um schließlich wieder bis S zu fallen. Die Gesammtdrehung des Erdstreifens, während welcher der Schwerpunkt von O—S rückt, beträgt somit 135 °. Wird der Boden nicht horizontal sondern geneigt gegen die Furchenseite, Fig. 25 AB , abgeschnitten, so erhält der Furchenstreifen eine trapezoidische oder spitz- winkelige Form (Kammfurche). Die größte Querschnittsfläche der über die Boden- ebene hervorragenden Kammfurche ergiebt sich bei einer Tiefe von 18 Cm. dann, wenn die Breite des Erdstreifens 23.5 Cm. beträgt. Bei gleicher Tiefe mit den rechtwinkeligen Furchenstreifen an der Landseite bleibt bei jeder Kammfurche das Bodendreieck ABH = 4 × 23.5:2 = 47 □Cm. ungelockert. Außerdem müssen bei der um 2 Cm. geringeren Furchenbreite für die gleiche Feldbreite mehr Furchen auf- geworfen werden. Gegenüber diesen Nachtheilen verschwindet der Vortheil, daß mehr Erde über der Bodenebene der Luft ausgesetzt wird, und daß der breitwürfig gesäete Same tiefer mit Erde bedeckt wird, wenn die Kämme mit der Egge zugezogen werden. Bei den rechtwinkeligen 12.75 Cm. hohen Furchen wird der Same 6.37 Cm. (Fig. 24 KF = ½ EI ) und bei den spitzwinkeligen 13.63 Cm. hohen Furchen 6.81 Cm. (Fig. 25 KF = ½ EI ), mit Erde bedeckt. Bei beiden Furchenformen bilden sich im Boden durch das Aufeinanderlegen der Erdstreifen Hohlräume, welche als Luftkanäle die Verwitterung des Bodens be- fördern können. Haben sich jedoch dieselben bis zur Saatbestellung nicht mit ab- bröckelnder Erde gefüllt, hat sich der Boden nicht gesetzt, so können diese Lücken leicht für das Wachsthum der Pflanzenwurzeln hinderlich werden. Das Umwenden kann auch in der Weise vorgenommen werden, daß die Furchen- streifen nebeneinander zu liegen kommen, ohne daß rauhe Furchen gebildet werden. Es läßt sich dies erreichen, wenn ein im Querschnitte quadratischer Furchenstreifen um 90 ° gedreht oder ein rechtwinkeliger oder quadratischer Furchenstreifen um 180 ° gedreht neben einander gelegt wird. Im letzteren Falle wird ein vollständiges Um- drehen des Erdstreifens, wie bei der Spatenarbeit erzielt, indem die benarbte Seite auf die Furchensohle, die untere Seite AB des Furchenstreifens nach aufwärts in die Lage A 1 B 1 gebracht wird. Der gepflügte Boden bildet dann, wie im Querschnitte Fig. 26, eine glatte Fläche. Diese Form der Pflugarbeit kann mit jedem Pfluge am leichtesten mit den sog. Glatt- und Wechselpflügen ausgeführt werden. Die Glattfurche bietet den Vortheil, daß die Narbe vollkommen in den Boden gebracht wird, und daß der am meisten von der Luft abgeschlossen gewesene Boden nach auf- wärts gebracht, dem Einflusse der Verwitterungsagentien ausgesetzt wird. Außer- dem werden die Hohlräume, welche bei der in den Fig. 24 u. 25 dargestellten Pflug 7* Allgemeine Ackerbaulehre. arbeit entstehen, beseitigt. Da die Furchen neben einander gelegt werden, so ist es auch nicht wie dort erforderlich, beim Zusammenstoßen zweier Beete Doppelfurchen offen stehen zu lassen. Diese Pflugarbeit ist deshalb besonders bei allen thätigen Bodenarten die leicht zum Austrocknen hinneigen, unbedingt jeder anderen vorzuziehen. Das dritte Moment, welches bei der Arbeit des Pfluges Beachtung verdient, ist das Lockern des Bodens. Das Lockern und das Umwenden des Erdstreifens sind zwei Verrichtungen des Pfluges, welche sich entgegen stehen, indem ein Pflug, der gut lockert, schlecht oder gar nicht wendet, wie die Krümel- oder Schüttpflüge. Um- gekehrt wird ein Pflug, der die Erdstreifen vortrefflich umlegt, den Boden nicht ge- nügend lockern. Ob der Boden mehr gelockert oder vollkommener gewendet wird, hängt davon ab, ob das Umlegen des Erdstreifens um 135 ° bei den gewöhnlichen Beetpflügen oder um 180 ° bei den Glattpflügen plötzlich oder sehr sanft erfolgt. Plötzlich wird der Erdstreifen umgelegt, wenn der Pflug mit einem großen Winkel etwa mit 45 ° in den Boden eindringt, daher bald, allerdings mit verhältnißmäßig größerem Kraftaufwande, die nöthige Drehung des Erdstreifens unter gleichzeitigem Zerbrechen und Krümeln desselben vollführt. Langsam und ohne viel in seinem Zu- sammenhange gestört zu werden, wird der Furchenstreifen umgelegt, wenn der Pflug mit sehr spitzem Winkel in den Boden eindringt. Gegenüber dem ersten Falle muß jedoch das Streichbrett dann viel länger sein, damit der Erdstreifen um 135 ° ge- dreht werde. Ist das Streichbrett übermäßig lang, so vermehrt sich jedoch die Be- lastung durch den länger auf dem Pfluge ruhenden Erdstreifen und erhöht sich auch die Reibung. Bei welcher Länge die Widerstände am geringsten ausfallen, ist bisher theoretisch noch nicht festgestellt Siehe C. R. v. Kleyle, Der Pflug, der Anhäufler und der Wühler, Wien 1851. . 2. Die Bestandtheile des Pfluges. 1. Das Sech (Messer, Pflugmesser, Kolter, Fig. 27). Das Sech, welches gewöhnlich die Form eines großen Messers besitzt, hat die Bestimmung den Boden Fig. 27. Pflug- Sech von Ran- somes, Sims \& Heab—Ipswich. vor dem Schar in der erforderlichen Breite senkrecht abzuschneiden. In bindigem Boden ist dasselbe unentbehrlich, im losem Boden ver- richtet dagegen die vordere Kante des Pflugkörpers die Arbeit des dann in Wegfall kommenden Seches. Bei guter Beschaffenheit und richtiger Stellung trägt es jedoch viel zur Reinheit des Furchenabschnittes bei. Das Sech wird gewöhnlich aus Schmiedeeisen hergestellt und die Schneide an der Laudseite gut mit Stahl belegt, damit sich das- selbe beim Gebrauche selbst schärft. Die Klinge ist 6.5—8 Cm. breit. Die Dicke des Messerrückens richtet sich nach der Festigkeit und Vernarbung des Bodens, für gewöhnliche Pflugarbeit wird die Dicke zur Breite in dem Verhältniß von 1 : 4 genommen. Der Querschnitt des Messers bildet ein rechtwinkeliges Dreieck, dessen eine längere Seite platt an der Landseite anliegt, damit der Abschnitt rein ausgeführt wird. Die Bodenbearbeitung. Das Sech ist vor dem Schar am Pflugbaume derart zu befestigen, daß es leicht und unverrückbar in die entsprechende Lage gebracht und leicht zum Schärfen weggenommen werden kann. Am unzureichendsten wegen der Schwächung des Pflug- baumes ist das Durchschieben des kantigen oder runden Messerstieles durch ein Loch des Pflugbaumes, in welchem derselbe durch Keile festgehalten wird. Sicherer und vortheilhafter ist die englische Befestigung in einer Laufbüchse, Fig. 28, mit Stell- schraube, oder die amerikanische (s. Fig. 38, S 106), bei welcher das an den Pflugbaum angelegte Sech durch einen verschraubten Bügel festgehalten wird. Die Stellung des Seches richtet sich nach der Bodenbeschaffen- heit. Am leichtesten überwindet das Messer den Bodenwider- stand, wenn es mit dem Pflugbaume, die Spitze nach vorwärts, einen Winkel von 50—60 ° bildet. Bei stark mit Wurzeln durchsetzten Boden wird sich jedoch bei schräger Sechstellung der Winkel zwischen Sech und Pflugbaum mit Wurzelwerk, Fig. 28. Schmiede- eiserne Laufbüchse zur Befestigung des Pflug- messers von J. \& F. Ho- ward—Bedford. welches an der Schneide emporgeschoben wird, verstopfen. In diesem Falle empfiehlt sich eine mehr senkrechte Stellung, wenn auch dadurch das Eindringen des Pfluges in den Boten erschwert wird. Die Spitze des Seches wird gewöhnlich so gestellt, daß sie um etwa 16 Cm. vor und 2.5 Cm. höher als die Scharspitze steht. Zweckmäßiger ist es, das Sech bis zur Tiefe der Sohle herabgehen zu lassen, damit der Erdstreifen zur vollen Tiefe vertical durchschnitten werde. Zur Verminderung der Reibung des Pflugkörpers an der Landseite stellt man das Sech etwas mehr in das Land hinein und zwar parallel zur Landseite des Pfluges. Um diese Stellung leicht ausführen zu können, giebt man dem Schafte des Seches bei seinem Uebergange zur Klinge eine Biegung, die gegen die Landseite gerichtet wird (s. Fig. 22, S. 96). Bei manchen amerikanischen Adlerpflügen, welche auf steinigen, vernarbten Böden gebraucht werden, wird das Sech als Fortsetzung unmittelbar dem Schar auf der Landseite angesetzt (Nasensech). Für Moorböden, bei welchen mit einem gewöhnlichen Sech der Erdstreifen nicht geschnitten, sondern nur emporgehoben wird, verwendet man sog. Radseche, Fig. 29. Dieselben bestehen aus einer scharfrandigen Scheibe, welche sich bei der Fortbewegung des Pfluges in entgegengesetzter Richtung dreht und daher sicher den Boden zerschneidet. Bei manchen englischen Pflügen, welche bestimmt sind, ver- narbten Boden umzubrechen, wird vor dem Sech oder an Stelle desselben ein Schälsech (Schälschar, Skim, Fig. 30 s. S. 102) angebracht. Durch dasselbe, einem kleinen an einem Schafte be- festigten Schar mit Streichbrett, wird die oberste Bodenschichte, die Grasnarbe, Stoppel ꝛc. 4—5 Cm. tief abgeschält und in die vorangegangene Furche gelegt um dann sicher durch den hinter ihm umgelegten Furchenstreifen mit Boden bedeckt zu werden. Fig. 29. Radsech von Ransomes Sims \& Head— Ipswich. 2. Das Schar (Pflugeisen, Fig. 31—33 s. umstehend). Das Schar bildet Allgemeine Ackerbaulehre. jenen wesentlichen Theil des keilförmig in den Boden eindringenden Pflugkörpers, welcher die Aufgabe hat, den Erdstreifen in der Tiefe vertical abzuschneiden, etwas zu lüften und dem Streichbrette zu übergeben. Das Schar erhält gewöhnlich die Form eines Dreieckes oder wie bei dem Hohenheimer Pfluge die Gestalt eines Trapezes, oder wie bei den Wechsel- und Häufelpflügen eine pfeilförmige Gestalt mit doppelten Schneiden, Fig. 34 (s. S. 103). Manche Schare, welche in steinigem Boden arbeiten sollen, Fig. 30. Schälsech (Skim), wie Fig. 29. erhalten meißelförmige Verlängerungen (Grignon Pflug). Die Schneide des Schares bildet mit der Pflugsohle einen Winkel von 20—60 °. Je kürzer der Pflugkörper und je lockerer der Boden um so größer (bei dem Ruchadlo 60 °), und je länger der Pflugkörper und je mehr Widerstand der Boden dem Eindringen des Schares entgegengestellt, um so kleiner (bei dem Pflug von Kleyle 45 °, bei englischen Pflügen 30 °) muß dieser Keilwinkel genommen werden. Die Breite des Schares variirt zwischen 16—30 Cm. bei einer Länge von 26—30 Cm. Die schmälsten Schare, Fig. 31, besitzen die englischen Pflüge, welche den Erdstreifen nicht vollständig vertical Fig. 31. Fig. 32. Fig. 33. Fig. 31, 32 u. 33 Pflug- schare von Rausomes, Sims \& Head. — Fig. 31 für recht- eckige Arbeit; Fig. 32 für steinigen Boden; Fig. 33 zum Schälen der Stoppeln ꝛc. durchschneiden, sondern ein Stück an der Furchenseite durch Losreißen abtrennen. Die breitesten Schare besitzen die Land- pflüge, der amerikanische Pflug von Nourse ꝛc. Die Oberseite der Schare ist zuweilen etwas gewölbt, damit ein allmäliger Uebergang zum Streichbrette stattfindet. Aus demselben Grunde, damit keine unebene Fläche des Pflugkörpers der Fortbewegung des Erdstreifens Widerstand leiste, muß das Schar möglichst dicht mit dem Streichbrette zusammengefügt und die Schrauben, welche zur Befestigung des Schars an dem Streichbrette dienen, versenkt werden. Das Schar, welches einer großen Abnützung unterliegt, wird aus einem dauerhaften Materiale entweder aus Schmiede- eisen, Stahl oder Gußeisen hergestellt. In England werden die gegossenen Schare nach einer Erfindung von Robert Ran- some zum Sebstschärfen eingerichtet, indem man sie oben aus weichem und unten aus hartem Gusse anfertigt. Für zer- brochene Schare muß stets eine entsprechende Anzahl von Reserve- scharen in Vorrath gehalten werden. Schmiedeeiserne Schare, welche sich schneller als Gußschare abnützen, sind öfters zum Schärfen von dem Pflugkörper abzunehmen, weshalb sie nicht etwa durch Nieten mit diesem verbunden sein dürfen. Eine zweckmäßige Einrichtung besitzt das Schar des Eckert'schen Ruchadlo's (Fig. 41, S. 108). Der am meisten der Abnützung unterliegende Theil, die Scharspitze, besteht bei dem- selben für sich aus einem verstellbaren, meißelförmigen Stücke. Hat sich der Meißel bei der Arbeit abgenützt, so wird er entsprechend vorgeschoben oder umgedreht und das andere gleichfalls zugeschärfte Ende verwendet. Die Bodenbearbeitung. Die Stellung der Scharspitze (Nase) ist für den Gang des Pfluges entscheidend. Gewöhnlich wird die Spitze um einige Millimeter (6—8) unter die Ebene der Pflug- sohle und kaum merklich gegen die Landseite hin gebogen. Ist die Spitze zu stark nach abwärts gerichtet, so dringt der Pflug zu viel in den Boden (geht auf der Nase); im entgegengesetzten Falle hat er das Bestreben, aus dem Boden herauszufahren. Bei mehreren englischen Pflügen (von Ransome, Howard) läßt sich die Scharspitze nach Bedarf durch einen stellbaren Hebel ver- schieden richten. 3. Das Streichbrett (Rüster, Rüsterbrett) hat die Be- stimmung den abgeschnittenen Erdstreifen meistens um 135 ° so Fig. 34. Schar zu dem Häufelpflug von Ran- somes, Sims \& Head. umzulegen, daß ein möglichst großer Bodentheil der Luft ausgesetzt und der Boden in verschiedenem Grade gelockert werde. In welcher Weise das Umwenden des Erd- streifens vollbracht wird, wurde schon bei der Besprechung der Wirkungsweise des Pfluges näher ausgeführt. Am unvollkommensten wird diese Wendung erzielt durch ein gerades, plattes Streichbrett, wie solche noch bei Landpflügen vorkommen. Voll- kommen und mit viel geringerem Kraftaufwande erfolgt das Umlegen des Erdstreifens durch ein gewundenes Streichbrett. Die Dimensionen des Streichbrettes nach Länge und Breite nehmen gleichfalls darauf Einfluß ob der Furchenstreifen vollkommener und langsamer oder schneller (S. 100) umgelegt wird. Die Länge des Streichbrettes variirt bei verschiedenen Pflügen zwischen 26 und 160 Cm. Bei einem im Verhältnisse zur Breite langen Streichbrette genügt eine flache, sanfte Windung, im Durchschnitte bei einem, mit Inbegriff des Schares, dessen obere Fläche mit berücksichtigt werden muß, 135 Cm. langen Streich- brette auf jeden Centimeter 1 Grad, um den Furchenstreifen um 135 Grade zu drehen. Der Erdstreifen wird daher mit einem langen Streichbrette sanft und vollkommen umgelegt, aber nur wenig gelockert. Kurze Streichbretter krümeln dagegen den Boden viel kräftiger, wenden aber unvollkommener. Letztere Streichbrettform kann wegen der erforderlichen Steilheit der Windung mit vollem Erfolge nur in einem leicht verschiebbaren Boden verwendet werden. Für einige der weitverbreitesten Pflugformen, dem böhmischen Ruchadlo, Fig. 45 ( I ) dem Hohenheimer Schraubenpflug, Fig. 22 u. 23 ( II ) und dem Pflug von Ransome ( III ) er- geben sich die folgenden Dimensionen des Streichbrettes: Die Art der Windung des Streichbrettes läßt sich theoretisch nicht feststellen, da auf dieselbe zu sehr die Verschiedenheiten des Bodens, welche durch die Aenderungen des Feuchtigkeitsgehaltes noch vermehrt werden, Einfluß nehmen. Häufig formt man das Streichbrett als den Abschnitt einer Schraubenwindung (gewöhnlich 3/8 Allgemeine Ackerbaulehre. eines Schraubenumlaufes) entsprechend den Punkten A, A 2 , A 3 u. A 1 , in Fig. 24 (S. 97), welche der Punkt A bei der Wendung des Erdstreifens allmälig erreicht. Zweck- mäßiger bleibt es jedoch, die Windung des Streichbrettes der Veränderung der Lage des Schwerpunktes anzupassen. Mit Rücksicht auf diesen muß die Hebung des Erd- streifens zwischen dem Schwerpunkte O und dem Punkte A der Landseite erfolgen, wenn eine Drehung des Erdstreifens um B stattfinden soll. Im Anfange, bis der Schwerpunkt von O nach P gehoben ist, muß die Windung des Streichbrettes allmälig zunehmen, darüber hinaus kann die Windung wieder abnehmen. Eine gleichmäßige Schraubenwindung kann daher nicht als die zweckmäßigste Form für das Streichbrett angesehen werden. Entsprechender ist die Form einer lang gezogenen Spirale. Am Anschaulichsten wird die Windung des Streichbrettes dargestellt durch die Neigung jener schrägen Linien, welche sich ergeben, wenn man den Pflugkörper durch Ebenen senkrecht auf die Sohlenfläche und die Landseite durchschneidet. Für das Ruchadlo ( I ), den Hohen- heimer Pflug ( II ) und den Pflug von Ransome ( III ) giebt Reitlechner C. Reitlechner, Lehrbuch der landw. Maschinenlehre. Wien 1869. S. 113, 114 u. 120. den Neigungswinkel dieser schrägen Linien für je 2 Zoll (5.25 Cm.) wie folgt an: Von geringerem Einfluße auf die Arbeitsleistung des Streichbrettes ist die Be- schaffenheit der zur Windung des Streichbrettes angewendeten Fläche. Dieselbe kann entweder eben wie bei dem Hohenheimer Schraubenpflug, dem Kleyle'schen Pflug oder hohl (concav) z. B. bei dem Ruchadlo, dem flandrischen Pflug oder ausgebaucht (convex) wie bei dem Grignon Pflug, dem Pflug von Ransome sein. Die Streichbretter werden nur mehr selten aus Holz und mit Eisenblech be- schlagen angefertigt. Gewöhnlich nimmt man Schmiedeeisen, welches im rothglühenden Fig. 35. Gußeiserne Griessäule von Ransomes Sims \& Head. Zustande in einer Rüsterpresse in die richtige Form gebogen wird. Noch sicherer erhalten ihre Form gußeiserne Streichbretter, welche jedoch den Nachtheil besitzen, daß sie leichter dem Bruche ausgesetzt sind. In neuerer Zeit werden sie daher von fein polirten, stählernen Streichbrettern verdrängt. 4. Die Griessäule (Pflugsäule), Fig. 35. Dieselbe dient zur Verbindung der einzelnen Theile des Pflugkörpers (Schar, Streichbrett, Sohle) unter Die Bodenbearbeitung. einander und mit dem Pflugbaume. Bei einigen Pflügen (Kleyle, Zugmayer—Wiener- Neustadt, Vidats—Pest) ist sie nicht wie gewöhnlich fest, sondern derart mit dem Pflugbaume rerbunden, daß der ganze Pflugkörper zur Erreichung einer größeren Furchentiefe gesenkt und gehoben werden kann. 5. Die Sohle (Schlitten) sichert den ruhigen Gang des Pfluges, indem sie diesem die nöthige Unterstützung giebt. Bei älteren Landpflügen besteht dieselbe aus einem breiten, zuweilen mit Eisenschienen beschlagenen Brette, welches, abgesehen von der raschen Abnützung, den Nachtheil mit sich bringt, daß die Furche fest zusammen- geschliffen wird. Zweckmäßiger sind schmale, 70—90 Cm. lange, eiserne Sohlen, welche gewöhnlich an der Landseite etwas aufgebogen werden. (Englische Schlitten- formen, Fig. 36). Bei einigen Pflügen wird die ganze Landseite von der Sohle aufwärts bis zum Pflugbaume durch das sog. Molterbrett (Landseite) geschlossen. Fig. 36. Schlittenpflugsohle von J. \& F. Howard. Um das Auswechseln der ganzen abgenützten Sohle zu ersparen, wird zuweilen rück- wärts an der Sohle, z. B. bei dem Grignon Pflug ein kurzes Eisenstück (Ferse) an- geschraubt, welches nach Bedarf nur allein ausgewechselt wird. Bei manchen Pflügen (Sack—Plagwitz, Fig. 37, Eckert—Berlin) sucht man die immerhin erhebliche, gleitende Reibung der Sohle durch Um- wandlung in rollende Reibung abzumindern. Zu diesem Zwecke werden an Stelle der Sohle und Landseite eine oder mehrere Anti- frictionsrollen angebracht. Diese Vorrichtungen müssen jedoch sehr sorgfältig ausgeführt werden, wenn nicht die erhöhte Zapfenreibung durch das Verschmieren der Zapfen mit Erde den beabsichtig- ten Erfolg illusorisch machen soll. Fig. 37. Landseite des Gußstahl-Rajolpfluges für 30—50 Cm. Tiefgang von R. Sack—Plagwitz. — A Querschnitt des Doppel- Grindels bei a, F Sohle, welche an Stelle des Antifrictions- rades C gesetzt werden kann; Preis 175 Mark, 87 fl. 50 kr. 6. Der Pflugbaum (Grindel). Der Pflugbaum verbindet den Pflugkörper, das Sech ꝛc. mit der Zugkraft und dient zur Aufnahme der Führungs- und Stellungs- vorrichtungen. Der Grindel muß hinreichende Stärke besitzen, da derselbe allen zu besiegenden, oft bedeutenden Widerständen Trotz bieten muß. Bei den continentalen und amerikanischen Pflügen wird derselbe gewöhnlich aus Holz (Buchen-, junges Eichen-, Eschen-, Birken-Holz ꝛc.) bei den englischen Pflügen aus Eisen angefertigt. Um die eisernen Grindeln bei möglichst geringem Gewichte hinreichend dauerhaft zu machen, verwendet man zu ihrer Herstellung nach Hamm Dr. W. Hamm. Laudw. Wchbl. Wien. II. Jahrg. S. 485: „Pflug und Pflügen.“ Freie Bearbeitung von J. E. Ransome: „Ploughs and Ploughing.“ : 1. massives Walzeisen Allgemeine Ackerbaulehre. mit rechtwinkeligen Durchschnitte (Howard's Pflüge, Fig. 44, S. 111), 2. Doppelschienen (Spaltgrindel bei Ransomes Pflügen), welche durch eingesetzte Gußtheile von einander gehalten sind, um das Sech ꝛc aufzunehmen. 3. Röhren aus Walzeisen oder Stahl mit rundem oder ovalem Querschnitte, 4. sog. Formeisen, meistens in Gestalt eines T gewalzt ( T -eisen z. B. bei Eckert's Pflügen, Fig. 41, S. 108). Je länger (1.8—2.5 Meter) der Pflugbaum ist, desto empfindlicher wird der- selbe gegen Stösse und seitliche Abweichungen. Bei Schwingpflügen wird er zur Erleichterung der Führung stets kürzer genommen, als bei Räderpflügen. Gewöhnlich giebt man dem Pflugbaume eine gerade, zuweilen auch eine geschwungene Form. In letzterem Falle sucht man durch Anbringung einer Sicherheitskette oder Stange (Grignon Pflug) oder einer Zugschiene (Hohenheimer Schraubenpflug, Fig. 22, S. 96) am Pflugkörper oder nahe demselben am Pflugbaume den Zug mehr in directer Linie wirken zu lassen um den Grindel gegen die nachtheilige Einwirkung der Stöße zu sichern. 7. Die Sterzen (Handhaben). Bei leichterem Boden genügt zur Führung des Pfluges eine in der Ebene der Landseite, rückwärts am Pflugbaume gut befestigte Sterze (Sattelsterze). Für steinigen Boden, zum Aufbruche von Wiesenland wird dagegen die sichere Führung des Pfluges durch die Anbringung einer zweiten Sterze (Furchensterze) wesentlich erleichtert. Die Sterzen werden wie der Pflugbaum entweder aus Holz oder Eisen angefertigt. Lange (0.80—0.90 Meter) Sterzen, deren Griffe der Höhe des Pflügers angepaßt, sind empfindlicher, dafür aber unbequemer bei dem Umkehren des Pfluges am Feldrande. Am wirksamsten sind dieselben gestellt, wenn ihre Verlängerungslinie mit dem Mittelpunkte des Widerstandes am Pfluge zu- sammenfällt. 8. Die Zugvorrichtung . a. Das Vordergestell (Vorderkarre). Die Unterstützung des Pflugbaumes bedingt die Unterscheidung der Pflüge in Schwing-, Fig. 38. Pflug von Collins \& Co. — Hartford, Connecticut. — Gewicht 45 Kilogr., Tiefgang bis 30 Cm. Preis 120 Mark, 60 fl. Stelz-, und Räderpflüge. Den Schwingpflügen fehlt jede Unterstützung. Bei den Stelzpflügen (Hohenheimer Pflug) ist der Pflugbaum durch einen vertical verschiebbaren, hölzernen Schuh unterstützt. An Stelle dieses Schuhes, welcher leicht Die Bodenbearbeitung. eine feste Schichte auf der Furchensohle zusammenschleift, wird bei manchen amerikanischen Pflügen, Fig. 38 (s. vorstehend), an der Landseite des Grindels ein Lauf- oder Kopfrad (Radstelze) angebracht, um die gleitende Reibung des Schuhes in die rollende umzuwandeln. Bei vielen Räderpflügen des Continentes erfolgt die Unterstützung des Grindels durch kleine, zweiräderige, vom Grindel unabhängige Karren (Pflugkarren, Vorderwagen). Die- selben haben den Nachtheil, daß sie das Gewicht und den Gang des Pfluges, besonders wenn die beiden Räder von gleichem Durchmesser sind, erschweren. In neuerer Zeit wird daher — zuerst an englischen Pflügen — der Pflugkarren durch ein Vorder- gestell, Fig. 39 u. 40, verdrängt, welches eine seitliche Be- wegung des Pflugbaumes verhindert. Dasselbe besteht aus zwei verschieden oder gleich großen Rädern, von welchem jedes für sich an einen kurzen Achsstutzen befestigt ist, dessen Führung in einer an dem Grindelhaupte angebrachten Lauf- büchse verstellt werden kann. Das kleinere auf der Landseite des Pfluges angebrachte Landrad bestimmt die Pflugtiefe, das größere in der Furche laufende Furchenrad die Furchenbreite. Wegen der sehr zweckmäßigen und eigenthümlichen Ein- richtung verdient die Universal-Vorderkarre des F. Eckert'schen Fig. 39. Pflugvordergestell von J. \& F. Howard—Bed- ford. Ruchadlo's, Fig. 41 (s. Seite 108), besondere Erwähnung. Die Räder dieser Karre sind gleich groß, 50 Cm. Durchmesser; der rechte Schenkel der durchgehenden Achse ist um 13 Cm. gekröpft und mit einem Stellstifte versehen. Ueber die Achse ist eine guß- eiserne Pinole geschoben, an welcher mit der Kröpfung der Achse conform, ein ver- zahntes Segment angebracht ist. Je nachdem man den Stellstift der Achse in eine höher oder tiefer gelegene Zahnlücke des Segments einlegt, wird das in der Furche gehende Karrenrad höher oder tiefer gestellt. Ein Vorstecker an der linken Seite der Pinole sichert diese Stellung. Durch diese Einrichtung wird es ermöglicht, daß die Karrenachse bis zu einer Furchentiefe von 13 Cm. ihre wagrechte Lage bei- behält. In der oberen Seite der Pinole ist ein 22 Cm. langer Schlitz angebracht, in welchem der den Pflugbalken tragende runde Stiel zur Reguli- rung der Furchenbreite nach rechts oder links ver- schoben werden kann. Durch Auf- und Niederstellen dieses Stieles, in dem eigenthümlich construirten Pflugkopfe, welcher ein Umlegen des Pfluges für den Transport oder das Umwenden am Feldrande nach rechts und links gestattet, kann die erforder- liche Furchentiefe eingestellt werden. Fig. 40. Pflugvordergestell mit stell- barem Land- und Furchenrad von Ran- somes, Sims \& Head. b. Der Regulator . Für die Ausnützung der Zugkraft ist es von Be- deutung, daß die Spitze des Grindels oder der Grindelkopf stets in die ideale Zug- linie fällt. Die Zuglinie wird bestimmt durch einen Punkt am Kummet der Pferde, Allgemeine Ackerbaulehre. als Angriffspunkt der Kraft und einen Punkt etwas hinter der Scharspitze am Pflug- körper, in welchem alle dem Pfluge im Boden sich entgegenstellenden Widerstände vereinigt gedacht werden können. Der Mittelpunkt des Widerstandes ändert sich je Fig. 41. H. F. Eckert's Ruchadlo mit Universalkarre. — Gewicht mit vorstehender, meißelförmiger, isolirter Scharspitze 102 Kilogr., Preis 80 Mark 40 fl.; Gewicht der Universalkarre 43 Kilogr., Preis 30 Mark, 15 fl. nach dem verschiedenen Tief- gange des Pfluges, je nach der Verrückung des An- griffspunktes der Kraft durch verschiedene Größe der Zug- thiere, verschiedene Länge der Zugstränge. In Folge dessen ändert sich auch die Richtung der Zuglinie. Aus diesem Grunde muß, wenn keine andere Vorrichtung vorhanden ist, der Grindel- kopf mit einem Regulator versehen sein. Durch ver- schiedene Stellung des Re- gulators kann dann gleich- falls die Zuglinie geändert werden und somit rück- wirkend der Tiefgang des Pfluges bestimmt werden. Der Regulator hat jedoch nicht nur die Aufgabe den Tiefgang des Pfluges, sondern auch die Breite der Pflugfurche dauernd zu fixiren. Für momentane Aenderungen im Gange des Pfluges dienen die Pflughandhaben. Im Allgemeinen läßt sich bei allen Pflügen, ob sie nun Schwing-, Stelz- oder Räderpflüge sind, ein Tiefergehen erzielen, wenn jene Theile, welche wie der Grindel- kopf, die Scharspitze, die Griessäule vor dem Mittelpunkte des Widerstandes liegen, gesenkt oder jene Theile, welche wie das Ende der Sohle hinter jenem Mittelpunkte liegen, gehoben werden. Am wenigsten gebräuchlich sind Vorrichtungen, welche die Scharspitze (englische Pflüge), die Griessäule (Kleyle's, Zugmayer's Pflug) senken oder das Sohlenende heben (Vidats Pflug, Eckert's gegenwärtig nicht mehr gebauter Pflug mit stellbarer Antifrictionsrolle als Sohle). Am häufigsten sind am Grindelkopfe angebrachte Regulatoren. Die gebräuchlichste, wenn auch vielfach variirende Form des Regulators ist die eines vertical gestellten mit einem Zahnkamme versehenen Stellungsbügel, Fig. 42 u. 43 (s. umstehend und auch Ransomes Vordergestell Fig. 40, S. 107), oder die in einer Oese vertical verschiebbare Stange (Grignon Pflug, Howard's Pflug Fig. 44, S. 111). Durch Einhängen des Zughakens an einem höheren Punkte des Kammes, durch Hinaufrücken der Stange wird der Grindelkopf gesenkt und somit der Pflug tiefer gehen und umgekehrt. Die Bodenbearbeitung. Ein Tiefergehen der Schwingpflüge wird auch durch kleinere Pferde und längere Zugstränge, der Stelzpflüge durch Heben der Stelze erzielt. Vorübergehend wird der Schwing- und der Stelzpflug durch Heben der Sterzen tiefer in den Boden ein- dringen. Bei Räderpflügen wird der größere Tiefgang durch Verlängern des Grindels oder durch Senkung des Grindelkopfes er- reicht. Der Grindel wird verlängert, wenn der die Zugkette haltende Vorstecknagel weiter nach vorne durch den mit einer Reihe von Löchern versehenen Grindel gesteckt wird. Das Drücken auf die Sterzen läßt den Räderpflug vorübergehend tiefer gehen. Die Breite der Pflugfurche wird durch den am Grindelkopfe, Fig. 43 A , oder an dem Vordergestelle angebrachten horizontal stehenden Stellungsbügel regulirt. Wird der Zughaken im Stellungsbügel nach rechts gegen die Landseite des Pfluges verschoben, so nimmt der Pflug eine größere Breite, da dann das Schar einen weniger spitzen Winkel gegen die Zuglinie macht, daher einen breiteren Schnitt ausführt und umgekehrt. Fig. 42 Seitenanficht und Fig. 43 Grundriß des Regulators am Ball'schen Pfluge. — B ein um dem Bolzen C zur Regulirung des Tief- ganges drehbarer Kamm, welcher durch den doppelzinkigen Vorstecknagel D in der horizontal stehenden Schiene A zur Regulirung der Furchenbreite fixirt werden kann. 3. Das Zugkrafterforderniß des Pfluges. Die Zugkraft, welche der Pflug zur Ausführung seiner Arbeit erfordert, ist von sehr vielen Umständen abhängig. Es können sich in dieser Hinsicht bei der Be- arbeitung von Ackerland Unterschiede von 100—200 Kilogr. Zugkraft ergeben. Bei gleicher Bodenbeschaffenheit steigert sich der Bedarf bei dem Aufbrechen von Wiesen- land um weitere 50 Kilogr. Den hervorragendsten Einfluß auf den Zugkraftbedarf nehmen: 1. Die Bodenbeschaffenheit . Gebundene, sehr feuchte Bodenarten werden unzweifelhaft dem Eindringen des Pfluges in den Boden größeren Widerstand ent- gegenstellen, als lockere Bodenarten von mäßigem Feuchtigkeitsgehalte. Reichlich mit Wurzeln und Pflanzenresten versehener Boden wird gleichfalls mehr Widerstand dem Pfluge verursachen. Ebenso wird der Aufwand an Zugkraft mit der Tiefe und Breite der Arbeit zunehmen. 2. Die Pflugconstruction . Nach Versuchen von Pusey und Handley Nach Hamm. „Pflug und Pflügen.“ S. 498. gehen Räderpflüge leichter als Schwingpflüge so lange sich die Räder des Vorder- gestelles nicht mit Erde belegt haben. Zwei Pflüge mit völlig gleichen Pflugkörpern, der eine jedoch mit kurzem Grindel als Schwingpflug, der andere mit Rädern ergaben, Allgemeine Ackerbaulehre. trotzdem der Schwingpflug um 25.2 Kilogr. leichter war, für diesen 189, für den letzteren 138.6 Kilogr. Zugkraft. Dieser Unterschied findet seine Erklärung durch den weniger stetigen Gang des Schwingpfluges, gegenüber dem Räderpflug. Von Interesse ist auch das Ergebniß der in Ungarisch Altenburg W. Hecke, Landwirthschaft der Umgebung vom U. Altenburg. Wien 1861. S. 48. vorgenommenen Kraftmessungen, nach welchen in einem Sandmergelboden nachstehende Pflüge an Kraft erfordern: Ein mittelschweres Pferd übt bei einer Geschwindigkeit von 1 Meter per Secunde eine Zugkraft von 75—80 Kilogr. aus. Der Ransome Pflug erfordert daher zu andauernder Arbeit schon mehr als zwei Zugthiere. 3. Das Pfluggewicht . Ransome beschwerte einen und denselben Pflug mit verschiedenen Gewichten und bestimmte den Kraftbedarf bei 15.2 Cm. Furchen- tiefe und 22.8 Cm. Breite: Der belastete Pflug mit einem Gewichte von 126.0 Kilogr. erforderte 116.5 Kilogr. Zugkraft, „ „ „ „ 151.2 „ „ 135.4 „ „ „ „ „ „ 201.6 „ „ 176.4 „ „ „ „ „ „ 252.0 „ „ 211.0 „ „ Je 50.4 Kilogr. Mehrgewicht bewirkten daher eine Steigerung der Zugkraft um 34.6—41.0 Kilogr. Auf die nutzbare Arbeit des Pfluges entfällt schätzungsweise die Hälfte bis ⅔ der Zugkraft und zwar braucht das Abschneiden des Erdstreifens mehr Kraft als das Wenden, je stumpfer die Schneide des Seches und Schares ist. 4. Die Länge und Beschaffenheit des Streichbrettes . Nach Hamm hat sich der Unterschied bei dem nämlichen Pfluge mit einem langen und einem kurzen Streichbrette von 1.26 resp. 0.94 M., sonst ganz in gleicher Weise construirt wie 147:162 herausgestellt, da hier, wie bei dem Schar und Sech, das Princip des dünneren oder flacheren Keiles und seiner leichteren Wirkung in Betracht kommt. Das Material des Streichbrettes beeinflußt gleichfalls die Zugkraft. Die Zug- kraftdifferenz zwischen einem hölzernen Landpflug gegenüber einem eisernen Pflug beträgt nicht selten 4:1. Stählerne, gut polirte Streichbretter verdienen daher vor allen übrigen den Vorzug. Schließlich nimmt auch die richtige Stellung der Scharspitze, des Seches und die unverrückbare feste Verbindung der einzelnen Theile des Pfluges auf den Kraft- bedarf des Pfluges einen Einfluß. Bei Räderpflügen wird eine unrichtige Stellung Die Bodenbearbeitung. der Scharspitze (zu sehr in den Boden oder gegen das Land) wegen des Vorder- gestelles nicht so leicht bemerkbar als bei den Schwingpflügen. Zur Vermeidung eines unnöthigen Kraftverbrauches empfiehlt es sich daher erstere als Schwingpflüge zu versuchen und dann erst, nachdem die Scharspitze etwas nach abwärts gerichtet wurde, mit dem Vorderwagen zu versehen. 4. Die Pflugformen. Die überwiegendste Zahl der Pflugformen, die ortsüblichen Pflüge, verdanken ihre Entstehung der allmäligen Anpassung an die gegebenen Bodenverhältnisse, welche je nach der Culturstufe in verschieden vollkommener Weise erreicht wird. Neben diesen Landpflügen entstanden zahlreiche, verbesserte Pflugformen, bei welchen jedoch die nach mathematischen Grundfätzen construirten Pflüge die Minderzahl bilden. Von letzteren nennen wir J. Bailey's Pflug (Newcastle 1795), Strecker's Pflug (Wien um 1850) und Kleyle's Pflug (Wien 1851). Unter den verbesserten Pflügen treten besonders zwei Entwickelungsreihen durch die weite Verbreitung hervor, welche die diesen Reihen angehörenden Pflüge er- langt haben. Der ersten, formenreichsten Entwickelungsreihe diente als Ausgangspunkt der Bra- banter Landpflug. Von diesem Stammvater zweigen sich zwei Linien ab, die wir als die englische und deutsche bezeichnen wollen. Ersterer gehört wahrscheinlich der Rotherham Pflug an, welcher der Vater aller neueren englischen Pflüge, wie der Pflüge von Busby, Ball, Ransome, Hornsby, Finlayson und Howard, Fig. 44, ist. Fig. 44. J. \& F. Howard's Champion Pflug mit Schälschar. — Pflug LB für zwei Pferde, Gewicht 115 Kilogr., Preis 110 Mark, 55 fl. Der Rotherham Pflug steht in Beziehung zu dem Small'schen, schottischen und Bailey Pflug, welcher letzterer wieder als Stammvater für viele amerikanische Pflüge (Fig. 38, S. 106) anzusehen ist. Die amerikanischen Pflüge haben gegenüber den englischen ein kürzeres Streichbrett und statt des eisernen einen hölzernen Grindel. Die zweite, die deutsche Linie nimmt ihren Ausgang von einem durch Schwerz im Jahre 1819 in Württemberg eingeführten Brabanter Pflug. Aus dem Schwerz'- schen Pflug ist der Hohenheimer Pflug (Fig. 22. S. 96) hervorgegangen, welcher wieder das Vorbild für eine große Zahl von Pflügen mit mittellangem Streichbrette wurde, Allgemeine Ackerbaulehre. als des Vidats, Zugmayer Pfluges, des Pfluges von Clayton \& Schuttleworth (Wien 1871), des Pfluges von Knoche (1850) ꝛc. Die zweite weniger durch die Zahl der Formen als durch die schnelle und weit- gehende Verbreitung ausgezeichnete Entwickelungsreihe bildet das Ruchadlo, Fig. 45, Fig. 45. Böhmisches Ruchadlo. welches von den Vettern Wewerka zu Rybytev bei Bohdaneč (Böhmen) um 1831 erfunden wurde. Eine Abänderung des Ruchadlo's ist Horsky's Ruchadlo mit Wühl- scharen, welches in neuester Zeit von John Fowler \& Comp. in Leeds als Dampf- ruchadlo ausgeführt wurde. Dieselbe Abstammung hat H. F. Eckert's 1849 in Berlin construirtes Ruchadlo. — Die englischen Pflüge eignen sich mehr für schwer, das Ruchadlo für leicht zu bearbeitende Bodenarten, der Hohenheimer Pflug, die ameri- kanischen Pflüge für Bodenarten, welche in der Mitte zwischen schwer und leicht zu bearbeitende stehen. Je nach der Art der Construction unterscheidet man die verschiedensten Pflug- formen und zwar: 1. Nach der Unterstützung des Grindels werden die Pflüge in Schwing-, Stelz- und Räderpflüge unterschieden. Die Schwingpflüge haben keine Unterstützung, gehen daher sehr schwankend, je leichter ihr Gewicht und je ungeschickter ihre Führung. Bei hinreichend langen Sterzen sind sie dagegen viel empfindlicher in der Führung und verlangen daher eine viel größere Aufmerksamkeit. Ihre Con- struction ist einfacher. Bei gleicher Beschaffenheit sind sie um die Kosten des Vorder- gestelles billiger. (Mit hölzernem Grindel 45—60 Mark, 22.50—30 fl.) Das Umkehren mit den Schwingpflügen geht leichter vor sich, da der Pflug nur auf die Streichbrettseite gelegt zu werden braucht. Auf steinigem Boden verrichten sie bei geschickter und aufmerksamer Führung noch die beste Arbeit; bei ungeschickter Führung ist hier jedoch ihr Gang zu unsicher. Die Stelzpflüge (Preis 50—70 Mark, 25—35 fl.) gehen sicherer jedoch nicht immer in gleicher Tiefe, da diese geändert wird, wenn die Stelze über ein Düngerstück, einen Stein ꝛc. hinweggeht oder sich mit Erde belastet. Die Räderpflüge mit selbständigem Pflugkarren oder Die Bodenbearbeitung. mit am Grindel befestigten Laufrädern, haben bei gleicher Beschaffenheit des Pflug- körpers um das Vordergestell einen höheren Preis (mit hölzernem Pflugbaume 70—80 Mark, 35—40 fl.; mit eisernem Pflugbaume 90—110 Mark, 45—55 fl.) und ein größeres Gewicht. Sie sind dagegen am unempfindlichsten gegen alle Stöße, welche von dem Vordergestelle aufgenommen werden. Die Tiefe und Breite der Furchen kann mit den Vordergestellpflügen in größerer Gleichmäßigkeit erhalten werden, trotzdem die Führung dieser Pflüge leichter und nur mit geringem Kraft- aufwande verbunden ist. 2. Nach der Tiefe der Bodenbearbeitung unterscheidet man die gewöhnlichen Pflüge , welche den Boden auf eine Tiefe von 10—20 Cm. bearbeiten, und die Untergrundspflüge , deren Tiefgang zwischen 20 und 50 Cm. variirt. Je nachdem die Untergrundspflüge den Boden in der Tiefe nur lockern oder auch gleich- zeitig wenden und an die Oberfläche schaffen, unterscheidet man Wühler (S. 119) und Rajolpflüge. Zu den vorzüglicheren Rajolpflügen gehören der eiserne Rajolpflug von Sack — Plagwitz, Leipzig (Preis bei 21—37 Cm. Tiefgang 135 Mark, 67.50 fl.; bei 30—50 Cm. Tiefgang 175 Mark, 87.50 fl., Fig. 37, S. 105), der Rajolpflug von Garrett (Preis 150 Mark, 75 fl.), von Eckert—Berlin (90 Mark, 45 fl.) ꝛc. Die Rajolpflüge sind meist von der gleichen Construction wie die gewöhnlichen Pflüge, nur daß sie dem Zwecke entsprechend viel kräftiger ausgeführt sind. 3. Nach der Form der verrichteten Arbeit unterscheidet man Beetpflüge, Glatt- pflüge, Schüttpflüge und Häufelpflüge. Die Beetpflüge , welche entweder, wie schon S. 98 näher ausgeführt wurde, rechtwinkelige (die gewöhnlichen Kantfurchenpflüge) oder spitzwinkelige (Kammfurchen- oder Grätfurchenpflüge) Furchen aufwerfen, besitzen meistens an der rechten Seite ein festes Streichbrett, welches immer nur nach einer Seite die Erdstreifen umlegen kann, weshalb das Feld in Abtheilungen, Beete, die mit offenen Doppelfurchen aneinander stoßen, gepflügt werden muß. Die meisten deutschen oder continentalen Beetpflüge besitzen ein kurzes, daher steiles Streichbrett, welches den Erdstreifen rasch umlegt und dabei krümelt. (Nach Hamm Steilwender genannt.) Die meisten neueren englischen Pflüge, sowie einige Landpflüge besitzen dagegen ein langes, daher flaches Streichbrett, welches den Erdstreifen allmälig, ohne ihn zu zerbrechen, wendet. (Nach Hamm Flachwender.) Die Glattpflüge (Kehr-, Dreh-, Wechselpflüge) besitzen, neben einem stell- baren Sech und gewöhnlich lanzettförmigen Schar, entweder ein bis zwei versetzbare Streichbretter oder Pflugkörper. Durch das Versetzen des Streichbrettes oder des Pflugkörpers nach jedem Furchenzuge auf die rechte oder linke Seite ist es möglich, Furche an Furche zu legen, das Feld glatt zu pflügen. Am brauchbarsten erweisen sich dieselben zum Pflügen von Bergabhängen, sonst stehen sie gegen die Beetpflüge, bei welchen eine viel richtigere Verbindung des Streichbrettes mit dem Schar möglich ist, zurück. Am unvollkommensten sind jene Wechselpflüge, bei welchen ein völlig gerades Streichbrett umgesetzt wird. Zweckmäßiger ist der amerikanische Drehpflug Krafft, Lehrb. d. Landw. I. 8 Allgemeine Ackerbaulehre. bei welchem der Pflugkörper um eine horizontale mit der Sohle parallel laufende Achse gedreht werden kann, während die eine jeweilig aufstehende Kante des doppel- schneidigen Schares die Arbeit des Seches verrichtet. Aber auch bei diesem Pflug ist die Windung des Streichbrettes ungenügend. Bei dem norischen Leitenpflug sind zwei Pflugkörper um 90°, bei dem flandrischen Kehrpflug um 180° verstellt Fig. 46. Kehrpflug von Ransomes nach Skelton's Patent. — Marke SPT. Gewicht 140 Kilogr., Preis 204 Mark, 102 fl. an ein und demselben Grindel angebracht. Dieselben werden abwechselnd nach jedem Fur- chenzuge in die Arbeitsstellung gedreht. Der entsprechendste Kehrpflug ist zur Zeit der (1867) von Ransome nach Skelton's Patent, Fig. 46, ausgeführte. Derselbe besitzt zwei Streich- bretter, von welchen abwechselnd das eine in Wirksamkeit kommt, während das andere durch eine Kurbeldrehung, welche gleichzeitig das Schar in die richtige Stellung bringt, gegen die Landseite des Pfluges gelegt wird, um hier als Molterbrett zu dienen. Die Schüttpflüge (Krümel-, Sturz- pflüge, Krümler) zeichnen sich durch Einfachheit der Construction und somit auch durch billigen Preis (24—30 Mark, 12—15 fl.) aus. Die- selben, repräsentirt durch das Ruchadlo, be- stehen aus einer einfachen, concav gebogenen, viereckigen Eisenplatte, deren vordere aufrecht- stehende Kante die Arbeit des Seches und deren horizontale untere Kante die Arbeit des Schares verrichtet, während die gekrümmte Fläche die abgeschnittene Erde emporhebt und durch Ueber- stürzen derselben krümelt, mischt und theil- weise wendet. Das Ruchadlo läßt sich als Schwing- und Karrenpflug, ebenso als Beet- und Glattpflug gebrauchen. Um als Kehr- ruchadlo zu dienen, wird das Streichbrett nur um die Griessäule, welche in der Mitte des Streichbrettes angeordnet wird, drehbar ein- gerichtet. Die Häufelpflüge haben die Be- stimmung, gelockerten Boden in Kämme auf- zuwerfen. Zu diesem Zwecke erhalten die- selben neben einem doppeltwirkenden, zungen- förmigen Schar (Fig. 34, S. 103) jederseits ein Streichbrett. Bei ihrer Construction hat Die Bodenbearbeitung. man sich gegenwärtig zu halten, daß einerseits der Boden aus einer Tiefe von etwa 13 Centim. auf die Oberfläche gehoben werden und anderseits die gehobene Erde jederseits zu einem halben Kamme aufgehäuft werden muß. Dieser Anforderung entspricht allein der Häufelpflug von Hecke S. Wiener landw. Zeitung, Jahrg. 1866. S 858. . Derselbe be- sitzt jedoch zwei, unbewegliche Streichbretter, welche für jeden anderen Abstand der Kämme ausgewechselt werden müssen. Die englischen Häufelpflüge bilden die Kämme nur durch seit- liche Verschiebung der Erde. Die Streich- bretter sind bei denselben beweglich ein- gerichtet, um sie bei verschiedener Entfernung und Höhe der Kämme entsprechend einstellen zu können. Einer der bekanntesten Häufel- pflüge, jener von J. \& F. Howard, Fig. 47, ist überdies mit einem Markirstifte versehen, welcher durch Aufritzen des Bodens den Weg für den nächsten Gang des Häufelpfluges anzeigt. 4. Nach der Anzahl der in einer Richtung arbeitenden Pflugkörper unterscheidet man die ge- wöhnlichen einscharigen Pflüge, die Doppel- pflüge und die mehrscharigen Pflüge. Die Zugkraft von zwei Zugthieren wird an einem ein- scharigen Pflug, der bei jedem Gange nur eine Furche umlegt, nicht genügend ausgenützt. Man hat daher für eine Bespannung mit drei Pferden an einem Grindelgestelle zwei Pflugkörper an- gebracht, die bei einem Gange zwei Furchen neben einander aufwerfen. Es wird durch diese Doppelpflüge nicht nur an Zeit, sondern auch an Zugkraft gespart. Nach Amos kommt auf den mit zwei Pferden bespannten Ransome'- schen Einfurchenpflug eine Zugkraft von 160.6 Kilogr., somit auf jedes Pferd 80.3 Kilogr. Bei dem von drei Pferden gezogenen Ransome'- schen Doppelpflug, jedoch gegen den Vorigen mit etwas veränderten Pflugkörpern, entfiel auf jeden Pflugkörper nur 112.2 Kilogr., auf jedes Pferd 74.8 Kilogr.; bei dem Howard'schen Fig. 47. J. \& F. Howard's Häufelpflug mit Vordergestell u. Markirstift. — Gewicht 100 Kilogr., Preis mit eisernen Streichbrettern Marke B 97 Mark, 48.50 fl.; mit Stahlstreich- brettern 108 Mark, 54 fl. 8* Allgemeine Ackerbaulehre. Doppelpflug Fig. 48, 114.8, resp. 77.8 Kilogr. Werden mehr als zwei Pflugkörper zu einem Ganzen verbunden — vorausgesetzt, daß die Pflugkörper nicht wie bei den Fig. 48. „Union“ Doppelfurchenpflug von J. \& F. Howard. — Marke OBU mit Furchenrad, Steuerung, verstellbarem Grindel und schmiedeeiserner Griessäule. Gewicht 190 Kilogr., Preis 260 Mark, 130 fl. mehrscharigen Saat- pflügen in schwächeren Dimensionen aus- geführt werden — so reicht die Kraft der Zugthiere zur Fortbewegung nicht mehr aus, an ihre Stelle tritt dann die Dampfkraft. 4. Die Bodenlockerungsgeräthe. Die Zahl der Bodenlockerungsgeräthe, welche gewöhnlich unter dem allgemeinen, aber ebenso unbestimmten Ausdrucke Cultivatoren zusammengefaßt werden, ist eine sehr große. Viele derselben verdanken dem Bestreben an die Stelle des Pfluges oder Hakens ein der Zeit nach leistungsfähigeres Geräth zu setzen, ihre Entstehung. Um eine Uebersicht zu gewinnen, dürfte es am zweckmäßigsten sein, diese Geräthe, welche alle den gemeinsamen Zweck verfolgen, den Boden zu lockern ohne ihn zu wenden, nach der Tiefe, in welcher sie in den Boden eindringen, wie folgt zu gruppiren Diese Eintheilung und die Unterscheidung der in Rede stehenden zur Saatvorbereitung verwendeten Bodenlockerungsgeräthe von jenen, welche zur Reihencultur während des Wachs- thumes der Pflanzen benützt werden, kann nicht strenge aufrecht erhalten werden, da nicht nur mannigfaltige Uebergangsformen des einen Geräthes in das andere vorkommen, sondern auch viele Geräthe durch Einsetzen verschiedener arbeitender Theile auf die mannigfachste Weise benützt werden können. So kann z. B. der Universal Cultivator von R. Sack—Plag- witz, Leipzig nicht nur als Exstirpator, sondern auch als Pferdehacke, als Häufelpflug ꝛc. ver- wendet werden. : 1. Schälpflüge, 2. Scarificatoren, 3. Exstirpatoren, 4. Grubber, 5. Wühler. 1. Die Schälpflüge finden am Continente eine nur geringe Anwendung, um so gebräuchlicher sind sie auf den britischen Inseln. Dieselben werden verwendet zum 5—8 Cm. seichten Abschälen der vergrasten oder mit Wurzelunkräutern durch- wachsenen Bodendecke, zum vorläufigen Abschälen der Klee- und auch Getreidestoppeln (eine Arbeit, die gegenwärtig viel häufiger durch das am Pfluge angebrachte Vor- schar [Skim] vollführt wird), zur Gewinnung von Rasenstücken, zum Abschneiden von Erdplaggen für das Bodenbrennen ꝛc. Um diese Arbeit zu verrichten, besitzen die Schälpflüge, welche mit keinem Streichbrette versehen sind, eine oder mehrere flache Schneideklingen, welche meistens an einem gewöhnlichen Pfluggestelle befestigt sind. Durch Weglassung des Streichbrettes und Anbringung eines 35—40 Cm. langen Zungenschares läßt sich jeder Pflug leicht in einen Schälpflug umwandeln. Es ist dann nicht nothwendig das Inventar der Wirthschaft mit einem besondern Die Bodenbearbeitung. Schälpflug, von welchen der W. Smith'- oder Howard'sche der bekannteste ist, zu belasten. 2. Scarificatoren . (Messerpflüge, Messereggen, Wiesenreißer ꝛc.) Dieses seltener angewendete Geräth, welches als ein Uebergang der Egge zum Exstirpator angesehen werden kann, dient dazu, den Boden zwischen den Klee- oder Grasstöcken auf den mehrjährigen Kleeschlägen oder Grasländereien zu durchschneiden oder das vollkommenere Umbrechen von Wiesenland durch vorausgehendes Zerschneiden der Gras- narbe quer gegen die Richtung des nachfolgenden Pfluges zu erleichtern. Der Scari- ficator besteht aus einer Mehrzahl fechartiger Messer, welche an einem gemeinschaft- lichen hölzernen oder eisernen Gestelle derart befestiget sind, daß sie auf verschiedene Entfernung verstellt werden können. Die Wirksamkeit wird erhöht, wenn die Messer, wie bei den ganz aus Eisen hergestellten Hensmann'schen und Biddell'schen Scari- ficatoren, derart in zwei Reihen angeordnet werden, daß die 3 oder 4 vorderen Messer sich vor dem Zwischenraume der hinteren Reihe von 4 oder 5 Messern befinden. 3. Exstirpatoren . Der Exstirpator besteht aus einem verschieden geformten Rahmengestelle und aus mehreren langgestielten Scharen (Scharfüßen), den eigentlich wirksamen Theilen. Das hölzerne oder eiserne Rahmengestell ist zur leichteren Füh- rung des Geräthes mit zwei Sterzen und zur Regulirung des Tiefganges mit 1, 2—4 Führungsrädern versehen. Die Scharfüße, welche je nach dem beabsichtigten Tiefgange und der Bindigkeit des Bodens, für welchen der Exstirpator gebraucht werden soll, in einer Anzahl von 5—11, gewöhnlich von 7—9, zusammengestellt werden, bestehen aus dem Scharstiel und dem Schar. Der Scharstiel, von Rund- oder Flacheisen, dessen schmälere Seite nach vorne steht, soll so gebogen sein, daß er leicht in den Boden eindringen kann. Sie werden meist in 2 Reihen so vertheilt, daß jeder Fuß seine eigene Bahn im Boden zieht. Ihre Verbindung mit dem Rahmen soll möglichst fest ausgeführt sein. Zuweilen werden sie jedoch Fig. 49. Pabst's siebenschariger Exstirpator. — Gewicht 58 Kilogr., Preis 72 Mark, 36 fl. auch verstellbar eingerichtet und dann durch Druckschrauben im Rahmen festgehalten. Von Bedeutung für die Art der Arbeit des Exstirpators ist die Form der Schare. Allgemeine Ackerbaulehre. Für steinigen oder festen Boden verwendet man 5—7 Cm. breite, meißelförmige Schare, die sog. Gänsefußformen. Für leichter zu bearbeitende Böden empfehlen sich etwas breitere (8—10 Cm.) Schare in der Form gleichschenkeliger Dreiecke und für Fig. 50. Universal Cultivator von R. Sack—Plagwitz, als sechs- schariger Estxirpator . — Derfelbe kann auch durch Einsetzen verschiedener Schare, als Grubber, Scarificator, Hackmaschine und Marquer verwendet werden; Spurbreite 0.94 Meter, Preis 216 Mark, 108 fl.; complet mit 9 schmalen Scharen, 16 Hackmessern, 3 Anhäufelscharen, 7 Messern, 2 Markirzinken, 220 Mark, 110 fl. sandigen Boden kleine spitz- zulaufende, 13 Cm. breite, gewölbte Schare. Zur Ver- meidung eines unnöthigen Widerstandes soll die Schar- fläche allmälig in die Bie- gung des Stieles über- gehen. Gewöhnlich werden die Schare aus einem Stücke mit den Stielen angefertigt. Zweckmäßiger ist es, die Schare, welche dann ge- gossen sein können, gesondert an den Scharschaft anzu- schieben, damit gebrochene leichter ausgewechselt und für verschiedene Arbeits- zwecke verschieden gestaltete Schare aufgesteckt werden können. Als die besten Constructionen haben sich bewährt der siebenscharige, ganz aus Schmiedeeisen angefertigte Traiprain Exstirpator, auch Tennant Grubber genannt, (Gewicht 75—90 Kilogr., Preis 120—140 Mark, 60—70 fl.), der siebenscharige Pabst'sche Exstirpator, Fig. 49 (s. S. 117), mit gebrochenem durch ein Rad unterstützten Grindel, hölzernem Rahmengestelle und zwei Sterzen und der Universal Cultivator von R. Sack, Fig. 50. Letzterer besteht aus einem von 2 Fahrrädern und einem Vorder- karren getragenen Gestelle, unter welchem, von gekuppelten Hebeln getragen, ein für den Tiefgang stellbarer Rahmen mit Scharen angebracht ist. Die Exstirpatoren gehören zu den vorzüglichsten Bodenlockerungsgeräthen, welche viel häufiger angewendet zu werden verdienen, als dieß thatsächlich geschieht. Ihr größter Vorzug besteht darin, daß sie wegen ihrer größeren Breite eine viel schnellere (1—2 Hectar in 10 Arbeitsstunden) und doch kräftige Lockerung des Bodens bewerkstelligen, als wie der Pflug, welcher mit einem Gespanne nur 0.3—0.8 Hectar im Tage bearbeitet. Die Arbeit des Exstirpators besteht in einem mäßig tiefen (5—10 Cm.) Abschürfen des Bodens, welcher dabei kräftig gekrümelt, etwas ver- schoben und gemengt, jedoch nicht gewendet wird. Seine Wirksamkeit wird erhöht, wenn man denselben nach Bedarf zweimal in verschiedener Richtung und zwar das zweite Mal mit etwas tiefer eingreifenden Scharen über das Feld gehen läßt. Der Vortheil des Exstirpators wird am augenscheinlichsten dort hervortreten wo der Landwirth durch die Ungunst der Witterung mit der Bodenbearbeitung durch den Die Bodenbearbeitung. langsam gehenden Pflug nicht zu recht kommen kann. Am zweckmäßigsten wird der Exstirpator in Gebrauch genommen, wenn nach einer ersten Ackerung der Zustand des Bodens und das zu reichlich aufkeimende Unkraut eine Wiederholung der Bearbeitung in nicht zu großer Tiefe erfordert. In diesem Falle wird die zweite Pflugfurche vortheilhaft durch das Exstirpiren ersetzt, durch welches die Krümelung des Bodens und die Vertilgung des Unkrautes viel rascher und daher auch billiger ausgeführt wird. Ebenso wie an Stelle der zweiten Herbstpflugfurche kann der Exstirpator im Frühjahre zur Saatvorbereitung des im Herbste oder im Winter tief- gepflügten Feldes mit viel besserem Erfolge als der Pflug angewendet werden, da in Folge der schnelleren und seichteren Arbeit die Winterfeuchtigkeit besser zusammen- gehalten werden kann. Verspätet sich die Vorbereitung des Feldes in einem ungünstigen Frühjahre, so wird der Exstirpator vortreffliche Dienste leisten. Nach der Düngerfurche wird derselbe, besonders bei strohigem Dünger, viel weniger Dünger herauf bringen als der Pflug. Krümeliger Dünger, wie Knochenmehl, Mergel, Kalk, werden mit dem Exstirpator gleichmäßig mit der Erde vermengt. Schließlich werden die Samenkörner mit dem Exstirpator viel vollkommener und etwas tiefer als mit der Egge mit Erde bedeckt. Ein sehr scholliges, unklares, mit Wurzel- werk durchzogenes Feld muß jedoch vor Anwendung des Exstirpators, wenn dieser eine zufriedenstellende Arbeit leisten soll, entsprechend geklärt werden. 4. Grubber . Die Grubber unterscheiden sich von den Exstirpatoren, ent- sprechend ihrer Bestimmung den Boden auf eine größere Tiefe kräftig zu lockern, nur durch eine stärkere Ausführung. Ihre Anforderungen an die thierische Zugkraft sind zu bedeutend, gewöhnlich erfordern sie 4 kräftige Zugthiere, als daß sie in der Praxis viel Verwendung finden würden. Am bekanntesten ist der 320—350 Kilogr. schwere Coleman'sche Grubber (Preis 200—300 Mark, 100—150 fl.), dessen gußeiserne Schare an den schmiedeeisernen Scharstielen aufgesteckt werden können. Eine eigenthümliche Form des Grubbers ist Comstock's rotirender Spatenpflug ein 1 Meter breites mit rotirenden Stahlzinken versehenes, walzenförmiges Geräth, welches mit 4 Pferden bespannt 2—3 Hektar 20 Cm. tief bearbeitet. Eine besondere Bedeutung hat der Grubber erst durch die Anwendung der Dampf- kraft (S. 147) erlangt, indem mit derselben eine ausgezeichnete Arbeit bei dem tiefen Umbrechen der Stoppeln und bei der Tiefcultur geleistet wird, namentlich dann, wenn eine Vermischung des Untergrundes mit dem Obergrunde nicht räthlich erscheint. 5. Wühler . (Minirer, Untergrundspflug.) Die Arbeit des Wühlers besteht in einem horizontalen Abschneiden des Bodens 16—20 Cm. tief unter der gewöhnlichen Pflugfurche und im Krümeln des losgetrennten Bodens, ohne daß der Wühler zum Unterschiede von den eigentlichen, wendenden Untergrundspflügen (S. 113) den Boden umkehrt. Seine Verwendung wird dort am Platze sein, wo die Tiefcultur mit Rajolpflügen oder durch zwei verschieden tief in derselben Furche gehende Pflüge, wegen des Heraufbringens des unverwitterten oder sonst wie ungünstig beschaffenen Untergrundes nicht thunlich ist. Der Wühler gleicht dem Haken, aus welchem er hervorgegangen ist. Am gewöhnlichsten findet man denselben mit Stelzen oder Radstelzen versehen oder auch Allgemeine Ackerbaulehre. als Schwinghaken verwendet. Der wirksame Theil des Wühlers ist das Schar, welches durch eine entsprechend lange, zur Erleichterung des Eindringens nach vorn kantig zulaufende Griessäule mit dem hölzernen oder eisernen Pflugbaume ver- Fig. 51. Schar zum Untergrundpflug von Ransomes, Sims \& Head. bunden ist. Das aus Gußeisen oder Gußstahl gefertigte Schar, Fig. 51, hat je nach der Beschaffenheit des Bodens, in welchem es zu arbeiten bestimmt ist, eine zungen-, meißelförmige oder auch keilartige oder spitze Form. Für bindigen Boden werden über- dies zu jeder Seite des Schares zwei kleine Streichfortsätze oder Streichflügel symetrisch angesetzt, welche durch mäßiges Heben des Bodens eine kräftigere Lockerung und ein Aufwühlen des Bodens in der Furche bewerkstelligen, so daß dieser oft ganz gefüllt erscheint. Trotzdem die Breite der Schare gering (15—27 Cm.) so erfordert der Wühler zur Fortbewegung in dem meist fest geschlossenen Untergrunde eine Be- spannung mit 4 Zugthieren. Zu den bekanntesten Wühlern, welche stets sehr fest gebaut sein müssen, gehören der amerikanische Wühler oder Untergrundspflug (Gewicht 43—45 Kilogr, Preis 30—40 Mark, 15—20 fl.) und der für leichteren Boden geeignete Pietzpuhler Wühler, Fig. 52. Für schweren Boden eignet sich besonders Fig. 52. Pietzpuhler Wühler. — Gewicht 33—40 Kilogr., Preis 40—70 Mark, 20—35 fl. der Read'sche Wühler, dessen Tiefstellung durch zwei schmal beisammenstehende, am Pflugbaume angebrachte Räderpaare bewerkstelligt wird, welche gleichzeitig dem Geräthe einen ruhigen und sicheren Gang verleihen. (Mit hölzernem Pflugbaume Gewicht 75 Kilogr., Preis 90 Mark, 45 fl.; mit Pflugbaum aus eiserner Doppelschiene Gewicht 110 Kilogr., Preis 120 Mark, 60 fl.) Nicht unerwähnt darf der für leichtere Bodenarten geeignete Horsky'sche Untergrundswühler bleiben, welcher zwei schmale mit dem Pflugbaume verstrebte, in Hülsen verschieden tief stellbare Schare besitzt. (Gewicht 26 Kilogr., Preis 32 Mark, 16 fl.) Bei dem Horsky'schen Ruchadlo mit zwei meißelförmig hinter dem Ruchadlo angebrachten Wühlscharen ist es gelungen, einen gewöhnlichen Krümelpflug mit einem Wühler in einem Geräthe zu vereinigen und da- durch an Zugkraft und Führung zu sparen. Die Bodenbearbeitung. 5. Das Pflügen. Ueber die Art und Zeit der Anwendung des Pfluges und der übrigen Boden- bearbeitungsgeräthe zur Herstellung eines geeigneten Standortes für die Cultur- pflanzen entscheidet die genaue Erwägung des jeweiligen Zustandes, in welchem sich der zu bearbeitende Boden durch die Einwirkung der vorausgegangenen Pflanze, der vorausgegangenen Cultur und der jeweiligen Witterung befindet. Wenn nun auch manche allgemeine Winke für die zeitgemäße Bearbeitung des Bodens gegeben werden können, so giebt doch erst langjährige Beobachtung des Bodens oder die praktische Erfahrung Anhaltspunkte, welche mit voller Sicherheit den Erfolg gewähr- leisten. Im Allgemeinen wird das Pflügen derart einzurichten sein, daß durch mög- lichste Vermehrung des den Pflanzen zugänglichen Bodenvolumens, oder durch mög- lichstes Vertiefen der Ackerkrume oder durch die günstige Veränderung der Ab- sorptionsfähigkeit und der physikalischen Eigenschaften des Bodens — durch möglichste Vergrößerung der der Luft ausgesetzten Bodenoberfläche und durch entsprechende Lockerung des Bodens — der Zweck der Bodenbearbeitung — die Fruchtbarkeit des Feldes zu steigern — mit dem geringsten Aufwande an Kraft und Zeit erreicht werde. Bei der Bearbeitung des Bodens mit dem Pfluge ist daher zu beachten: 1. der Zeitpunkt für das Pflügen, 2. die Tiefe und Breite des Pflügens, 3. die Tiefcultur, 4. die Gestaltung der Bodenoberfläche und die Richtung der Bear- beitung, 5. die Zahl der Pflugfurchen, 6. die Brachbearbeitung und 7. die Leistungs- fähigkeit des Pfluges. 1. Der Zeitpunkt für das Pflügen. Die Wirkung der Bearbeitung des Bodens mit dem Pfluge erhöht sich wesent- lich, wenn die richtige Zeit für das Pflügen gewählt wird. Dieser Zeitpunkt hängt von dem jeweiligen Feuchtigkeitszustande des zu bearbeitenden Bodens ab. Der Boden darf weder zu trocken noch zu naß sein, sondern muß eine gewisse Menge an Feuchtigkeit aufgenommen haben, bei welcher derselbe den geringsten Zusammen- halt hat und dem Eindringen des Pfluges den wenigsten Widerstand entgegenstellt. Der praktische Landwirth bezeichnet diesen Bodenzustand als „abgetrocknet“, ohne daß es jedoch möglich wäre, zifferisch anzugeben, bei welchem Wassergehalte der Boden in diesen Zustand kommt. Im Frühjahre vor der Saatbestellung und bei Thon- oder Lehmboden, je bindiger dieselben sind, muß am forgfältigsten ein nasses Pflügen vermieden werden. Weniger Gefahr bringt das Naßpflügen vor Winter oder bei einem leichten, sandigen Boden. Beim Feuchtpflügen glatschen die Furchenstreifen, ohne gekrümelt zu werden, zusammen. Nach ihrem Austrocknen bilden sie dann harte Schollen, welche sich nur schwer verkleinern lassen. Ein weiterer Zweck des Pflügens, die Vertilgung des Un- krautes, wird dann gleichfalls nur mangelhaft erreicht, indem aus dem feuchten Boden das Unkraut nicht herausgebracht wird. Wird bindiger Thon- oder Lehmboden im trockenen Zustande gepflügt, so wird der Boden, wenn seine Verhärtung überhaupt ein Pflügen zuläßt, in großen, harten Allgemeine Ackerbaulehre. Schollen aufgebrochen, deren Verkleinerung oft bedeutende Schwierigkeiten und Kosten verursacht. Trockener, sandiger Boden wird dagegen durch unzeitgemäßes Pflügen um so mehr austrocknen. Gegenüber diesem Nachtheile, verschwindet der Vortheil des leichteren Ausziehens von Wurzelunkraut aus dem trockenen Sandboden. Das Stürzen von Stoppeln, vernarbtem Grasland ꝛc. wird leichter aus- zuführen sein, wenn vorher ein, wenn auch nur leichter Regen die oberste verhärtete Bodenschichte durchfeuchtet hat. Ebenso werden schollige Felder nach einem Regen leichter zu bearbeiten sein, indem die Schollen durch den Regen aufgeweicht und zer- bröckelt werden. 2. Die Tiefe und Breite des Pflügens. Von der Tiefe der Bearbeitung hängt die Größe des Vorrathes an auf- nahmsfähigen Nährstoffen ab, welcher den Pflanzen zu ihrer Ernährung zur Verfügung gestellt werden kann. Durch die Vertiefung der Ackerkrume werden Bodenschichten, welche bisher gegen die Atmosphäre abgeschlossen waren, dieser ausgesetzt und zur Vermehrung des Vorrathes an aufnehmbarer Pflanzennahrung herangezogen. Soll diese Vermehrung des Nährstoffvorrathes dauernd erhalten bleiben, so muß natur- gemäß mit der Vertiefung der Ackerkrume eine Verstärkung der Düngung Hand in Hand gehen. Mit der Tiefe der Bodenbearbeitung vergrößert sich auch das Bodenvolumen, welches den Pflanzenwurzeln zugänglich wird. Nach Hellriegel genügt zwar unter Voraussetzung einer ausreichenden Bodenlockerung und eines reichlichen Nährstoff- vorrathes ein sehr geringes Bodenvolumen zur Bildung einer großen Wurzelmasse. Es liegt jedoch nahe daß am Felde durch die Vermehrung des Bodenvolumens gleichzeitig eine Vergrößerung des Nährstoffvorrathes eintritt, welcher die Wurzel- entwickelung und entsprechend dieser die Ausbildung der oberirdischen Pflanzentheile wesentlich begünstigt. Acht Gerstenpflanzen producirten nach Hellriegel Landw. Centralbl. f. D. 1868. I. 2. an Trockensubstanz (Gramme) in Töpfen, welche I. 56—58 Cm. hoch, 12.5 Kilogr. Erde enthielten 20.25 Körner, 21.59 Stroh, 41.81 Summa, II. 28—29 „ „ 5.0 „ „ „ 12.77 „ 9.75 „ 22.52 „ III. 13—14 „ „ 1.67 „ „ „ 5.31 „ 4.71 „ 10.02 „ Per Kilogr. Boden ( I. 3.34, II. 4.50, III. 6.01) ist der Ertrag um so geringer je größer das Bodenvolumen. Bei jedesmaliger Anwendung des Pfluges wird es jedoch nicht zweckmäßig sein, immer bis auf die äußerste, zulässige Tiefe den Boden zu bearbeiten, sondern es wird je nach dem beabsichtigten Zwecke und der Bodenbeschaffenheit eine verschieden tiefe Bearbeitung vorgenommen werden. Man unterscheidet daher je nach der Tiefe, in welcher der Boden unter gleichzeitigem Umwenden des abgeschnittenen Erdstreifens gelockert wird, ein Die Bodenbearbeitung. 6—10 Cm. tiefes oder flaches Pflügen, 10—15 „ „ „ seichtes „ 15—18 „ „ „ gewöhnliches „ 18—20 „ „ „ tiefes „ 20—50 „ „ „ sehr tiefes „. Ueber 20 Cm. wird eine weitere Bearbeitung nicht mehr mit dem gewöhnlichen Pfluge oder Haken, sondern mit dem Untergrundspfluge oder dem Wühler vor- genommen. Man spricht dann von der Tiefcultur, welcher weiterhin ein besonderer Abschnitt gewidmet werden soll. Handelt es sich darum, organische, humusbildende Substanz, wie Stoppeln, Wurzelrückstände, Stalldünger in den Boden unterzubringen, um eine möglichst düngende Wirkung zu erzielen, so wird ein flaches oder seichtes Pflügen anzuwenden sein. Soll dagegen durch die organische Substanz, wie bei langen Stoppeln, strohigem Dünger, eine Lockerung des bindigen Bodens erzielt werden, so wird ein gewöhnliches und selbst ein tiefes Pflügen angezeigt sein. Die Unterbringung des Samens mit dem Pfluge erfordert gleichfalls, wenn derselbe die Bedingungen zum sicheren Keimen finden soll, ein seichteres Pflügen. Desgleichen wird die Bodenbeschaffenheit auf die Tiefe der Pflugfurche Einfluß nehmen. Im Allgemeinen wird der Sandboden tiefer als der Thonboden zu pflügen sein. Ein tiefes Pflügen wird sich besonders für tiefwurzelnde Pflanzen, wie mehr- jährige Klee- und Futtergewächse, Wurzel-, Oel- und Hülsenfrüchte eignen. Bei hoher Cultur der Landwirthschaft erhält selbst das Wintergetreide einen tief gelockerten Boden, um eine nachhaltige Steigerung der Erträge zu erzielen. Im Zusammenhange mit der Tiefe des Pflügens, steht die Breite des mit dem Pfluge abgeschnittenen Erdstreifens. Dieselbe wird je nach der Construction des Pfluges, besonders der Breite des Schares verschieden ausfallen. Ist es Absicht der Bodenbearbeitung, einen möglichst großen Furchenquerschnitt über die Bodenfläche der Einwirkung der Atmosphäre auszusetzen, so muß wie S. 98 nachgewiesen, die Breite zur Tiefe in einem Verhältnisse von 1 : 1.414 oder bei gewöhnlichem Pflügen auf 18 Cm. Tiefe eine Breite von 25.4 Cm., bei flachem Pflügen auf 10 Cm. Tiefe eine Breite von 14.1 Cm. genommen werden. Im ersten Falle wird ein Furchen- querschnitt von 457.2 □ Cm., im zweiten Falle nur von 141 □ Cm. abgeschnitten. Um nun im letzteren Falle die Arbeit schneller zu verrichten, und die Zugkraft besser auszunützen, nimmt man eine oft um das doppelte breitere Furche, wenn man darauf verzichten kann, daß das Feld nach dem Pflügen in möglichst rauher Furche gelegt werden soll, wie z. B. bei der Zerstörung des Unkrautes, bei dem Stoppelstürzen, der Unterbringung der Saat, wo ohnehin die Furchen bald durch das nachfolgende zweite Pflügen oder durch das Eggen verwischt werden. Anderseits nimmt man schmälere Furchen als oben angegeben, wenn es sich darum handelt, einen zähen, bindigen Boden kräftig zu lockern, trotzdem das Pflügen mit schmalen Furchen einen größeren Zeitaufwand nothwendig macht. Allgemeine Ackerbanlehre. 3. Die Tiefeultur. Die Tiefcultur besteht in der Vertiefung der Ackerkrume über 20 Cm. oder in der einfachen Lockerung des Untergrundes. In beiden Fällen beabsichtigt dieselbe eine Erhöhung der Ernteerträge durch Erleichterung der Wurzelverbreitung der Pflanzen, durch Regulirung der Feuchtigkeitsverhältnisse des Bodens und durch Auf- schließung der Bodennahrung. Der ausgiebiger gelockerte Boden und die größere Feuchtigkeit in den tieferen Boden- schichten begünstigt die Entwickelung tiefgehender Wurzeln , durch welche wieder die sichere Versorgung der Pflanze mit dem nöthigen Wasser, selbst während un- günstiger Witterungsperioden, gewährleistet ist. Die Sicherung der Ernteerträge durch die Tiefcultur wird sich am augenfälligsten bei jenen Pflanzen zeigen, welche ihrer Natur nach wie die Klee- und Rübengewächse auf die Ernährung aus tieferen Boden- schichten angewiesen sind. Angeregt durch den größeren Nährstoffvorrath, welcher den Pflanzen in den tief gelockertem Boden zur Verfügung steht, wird nicht nur der Tief- gang sondern auch die Verzweigung der Wurzeln wesentlich befördert. Daß letztere von der Vertheilung der Nährstoffe im Boden abhängig, wurde schon S. 20 erwähnt. Die Verzweigung der Wurzeln wird um so reichlicher erfolgen, je mehr mechanischen Widerstand der Boden vor der Anwendung der Tiefcultur dem Eindringen der Wurzelenden entgegengestellt hat. Ein wesentlicher Vortheil der Tiefcultur besteht weiter darin, daß durch die Ver- tiefung der Ackerkrume der Feuchtigkeitsgehalt des Bodens geregelt wird. In einem tief gelockerten Boden vertheilt sich die Wassermasse eines beträchtlichen Nieder- schlages auf ein viel größeres Bodenvolumen als wie in einem seicht gelockerten Boden. Ein Uebermaß an Wasser kann überdies in einem tief gelockerten Boden leichter abfließen oder durch Verdunsten verringert werden. Die Pflanzen werden daher viel weniger von nasser Witterung zu leiden haben. Im Frühjahre werden tief- gepflügte Felder schneller abtrocknen und daher rechtzeitiger bestellt werden können. Anderseits wird in trockenen Zeiten der Boden sich feuchter halten, indem die unteren, gelockerten Bodenschichten nicht so rasch als wie die oberen abtrocknen, und durch das erleichterte Aufsteigen des Grundwassers angefeuchtet werden. Dazu kommt, daß tief gelockerter Boden wegen seiner größeren Thaubildung viel mehr hygroskopisches Wasser festhält. Ganz abgesehen davon können die Pflanzen mit ihrer reichlicheren Wurzelentwickelung ihren Wasserbedarf aus einem viel weiteren Bodenraum ent- nehmen. Diese leichtere Befriedigung des Wasserbedarfes der Pflanze ist größtentheils die Ursache, daß in trockenen Gegenden die Ernteerträge auf tiefcultivirten Feldern viel mehr gesichert sind. Durch die Tiefcultur wird schließlich die Luft ungehindert in den Boden eindringen können und die Aufschließung und Umsetzung der Bodennährstoffe , die Ausnutzung des Düngers beschleunigen. Die in tiefere Schichten eingedrungenen Pflanzenwurzeln werden auch ihrerseits bei der Verwesung den Stoffumsatz in tieferen Bodenschichten befördern. Für sich allein angewendet führt daher die Tiefcultur zu einer Verminderung der Substanz des Bodens, je höher anfänglich die Ernteerträge steigen. Die Bodenbearbeitung. Bei unverständiger Anwendung der Tiefcultur können jedoch anfänglich auch Rückschläge H. v. Liebig (L. Centralbl. f. D. 1865 II. 169) findet die Ursache der Rückschläge bei der Tiefcultur in der verschiedenen Absorptionsfähigkeit des Ober- und Untergrundes. 1000 Grm. eines kalkarmen Bodens absorbirten: in den Ernteerträgen eintreten. Dieselben können um so empfind- licher ausfallen, wenn durch das Heraufschaffen des rohen Bodens aus dem Unter- grunde und durch das Versenken der fruchtbaren Ackerkrume in die Tiefe eine Ver- schlechterung oder ein sog. Todtpflügen des Feldes eingetreten. Eine derartige Boden- verschlechterung ist um so nachtheiliger als sie erst nach langjähriger Cultur wieder behoben werden kann. Befindet sich z. B. im Untergrunde Schotter, oder eine undurch- lassende Schichte bei einer durchlässigen Ackerkrume in einer trockenen Gegend ꝛc, so wird die Tiefcultur nur von Nachtheil sein. Im Allgemeinen wird die Vertiefung der Ackerkrume nur so weit auszu- führen sein, als nach der Bodenbeschaffenheit die Humussubstanz bei tieferem Unterbringen im Boden noch eine vortheilhafte Wirkung ausüben kann, als die Menge des heraufgebrachten Untergrundes den physikalischen Zustand und das Ab- sorptionsvermögen der Ackerkrume nicht ungünstig beeinflußt. Ebenso wird die mögliche Vertiefung von der Menge der verfügbaren organischen Düngersubstanz abhängen. Alle nicht zu stark gebundenen, tiefgründigen, humusreichen Böden können ohne Nachtheil tief gepflügt werden, je reichlichere Stallmistdüngungen zur Aufschließung des an die Oberfläche gebrachten Untergrundes zur Verfügung stehen. Bei gebundenen Böden, bei Böden mit flacher, humusarmer Krume wird das Heraufbringen des rohen Untergrundes um so nachtheiliger sein, je weniger dessen Verwitterung und Umwandlung in gare, mürbe Ackererde durch Stalldünger unterstützt werden kann. In jedem Falle ist die Tiefcultur im Herbste vorzunehmen, damit das in rauher Furche liegen gelassene Feld der Einwirkung des Frostes ausgesetzt wird, welcher am billigsten und schnellsten die Mürbung des Bodens herbeiführt. Am zweckmäßigsten wird die Tiefcultur, welche nicht jedes Jahr, sondern alle 3, 4, 6 Jahre auf das- selbe Feld wiederkehrend ausgeführt wird, vor der Bestellung des Feldes mit Hack- oder Oelfrüchten ausgeführt. Halmgetreide, besonders Gerste und Roggen, auf erst einmal rajoltem Boden gebaut, würde einen Ernteausfall erleiden, da diese Pflanzen zum Gedeihen einen gewissen mürben Zustand des Bodens verlangen, welcher etwa erst in zwei, drei Jahren nach der Ausführung der Tiefcultur eintritt. Um sich nach Möglichkeit vor Mißerfolgen bei der Tiefcultur zu schützen, empfiehlt es sich vor der Ausführung derselben, besonders den Untergrund einer ge- nauen Untersuchung zu unterziehen und auch dann erst nur probeweise eine kleine Fläche vorzunehmen. Bei dem geringsten Zweifel an dem Erfolge bleibt es immer räthlich, die Vertiefung der Ackerkrume nicht auf einmal, sondern nur nach und nach zur Ausführung zu bringen. Allgemeine Ackerbaulehre. Die Ausführung der Tiefcultur wird sich daher nach der Verschiedenheit der Verhältnisse zu richten haben. Läßt die Bodenbeschaffenheit ein Heraufbringen des Untergrundes zu, so wird die Tiefcultur entweder mit dem Spaten oder durch Doppel- pflügen oder mit dem Rajolpflug oder durch Pflugspaten ausgeführt. Der Spaten liefert die vorzüglichste Arbeit, gewöhnlich ist dieselbe aber zu kostspielig, um allge- meiner zur Tiefbearbeitung angewendet zu werden. Gebräuchlicher ist das Doppel- pflügen, bei welchem zwei verschieden tief gestellte Pflüge in ein und derselben Furche hinter einander geführt werden. Der erste gewöhnliche Pflug legt die oberste Bodeu- schichte von 15—20 Cm. in die geöffnete Furche, der nachfolgende zweite mit höherem Streichbrette greift noch 10—18 Cm. tiefer und legt den heraufgebrachten Boden auf die bereits in der Furche liegende obere Schichte. Eine ähnliche, jedoch voll- kommenere Arbeit verrichtet der Rajolpflug, dessen Vorschar die oberste Schichte ab- schält und in die Furche wirft, während der nachfolgende Pflugkörper den tief ab- geschnittenen Erdkörper umlegt. Bei dem Pflugspaten wird die Furchensohle nach einem vorausgegangenen Pflug mit dem Spaten aufgegraben und die ausgehobene Erde über den aufgepflügten, zur Seite gelegten Furchenstreifen gleichmäßig aus- gebreitet. Den bei der Tiefcultur gleichzeitig aufgefahrenen Dünger bringt man nicht so tief unter, sondern mit einer seichteren Pflugfurche, damit derselbe die Mürbung und Verwitterung des heraufgebrachten, humusarmen Bodens unterstütze. Läßt dagegen der Boden eine Vermischung der oberen mit den unteren Schichten nicht zu, so begnügt man sich mit der Lockerung der tieferen Bodenschichten, ohne diese heraufzuschaffen. Am ausgiebigsten wird dies durch die Anwendung des Dampf- grubbers erreicht. Steht jedoch nur Spann- und Handkraft zur Verfügung, so wird der Untergrund entweder durch den Wühler oder durch die Bearbeitung der Furchen- sohle mit der Grabgabel, ähnlich wie bei dem Pflugspaten gelockert. Erwähnenswerth ist der Vorschlag von W. Funke Dr. W. Funke. Ueber Untergrundsdüngung und einen Untergrundsdüngepflug. Grundlagen zu einer neuen Methode der Tiefcultur. Berlin 1872. , die Bearbeitung des Unter- grundes mit einer Düngung desselben zu combiniren. Bei dieser modificirten Tief- cultur oder Untergrundsdüngung, welche die Anwendbarkeit der Tiefbearbeitung er- weitert, und die höchste Ausnutzung des Düngers gewährleistet, soll der Stalldünger für die Ackerkrume verwendet werden und der concentrirte Hilfsdünger durch den Untergrundsdüngepflug zu den tieferen Bodenschichten gebracht werden. 4. Die Gestaltung der Bodenoberfläche. Bei der Besprechung der Wirkungsweise des Pfluges wurde angegeben, welche Formen die der Luft ausgesetzten Furchenstreifen durch die Verwendung verschiedener Pflüge erhalten können. Es sind dies die Kantfurche, die Gräthfurche, die glatte Furche und der Kamm. Hier handelt es sich nun zu erfahren, wie sich die Ober- fläche des ganzen Feldes durch das Pflügen gestaltet. In dieser Beziehung unter- scheidet man das Ebenpflügen (Ebenbau), das Beetpflügen (Beetbau) und das Kamm- aufwerfen (Kammbau). Die Bodenbearbeitung. Eine ebene Feldfläche läßt sich am leichtesten durch den Wechselpflug, welcher Furche an Furche nach derselben Seite hin legt, herstellen. Am vollkommensten wird der Ebenbau durch den Balancirpflug bei der Dampfcultur ausgeführt. Bei den Spannwechselpflügen tritt die unvollkommenere Ausbildung des Streichbrettes der allgemeineren Anwendung derselben entgegen. Beim Pflügen von Abhängen mit dem Wechselpflug, welcher hier nur allein gebraucht werden kann, werden die Furchen immer nach abwärts gelegt und damit eine Anhäufung des Bodens an dem Fuße des Abhanges herbeigeführt. Bei sorgfältiger Cultur muß daher von Zeit zu Zeit der Boden, der auch durch Abschwemmen in die Tiefe gebracht wird, wieder auf die Höhe geschafft werden. Mit dem Beetpfluge läßt sich annähernd eben pflügen, wenn man 10—15 Meter breite Abtheilungen in Angriff nimmt oder bei kleineren Abtheilungen (Beeten) die Zwischenfurchen nur flach aushebt und wieder zuschleift oder mit dem Exstirpator der Saatharke, oder auch dem Pfluge ausgleicht. Am vollkommensten und mit dem geringsten Zeitverluste, welcher bei dem eben angegebenen Verfahren durch das Leer- gehen bei dem Uebergange des Pfluges von einer Furche zur andern oft beträchtlich ausfallen kann, läßt sich das Ebenpflügen durch das sog. Carr é - oder Figuren- pflügen ausführen. Man beginnt dabei die Arbeit an einer Ecke und fährt längs den Grenzen um das ganze Feldstück und beendigt dieselbe in der Mitte mit einer offen bleibenden Furche. An jeder Ecke, an welcher der Pflug seine Richtung ändert und neu eingesetzt werden muß, treten jedoch die Zugthiere den bereits gepflügten Acker zusammen. Am Schlusse des Pflügens müssen daher die zusammengetretenen Streifen, von den Ecken einwärts, durch den Pflug oder Exstirpator wieder auf- gelockert werden. Hat man die Vorfurche in der Weise Carr é -gepflügt, so wird man die nachfolgende Saatfurche nicht am Rande sondern in der Mitte des Feld- stückes beginnen. Bei diesem Figurenpflügen wird man die Arbeit um so besser ausführen, wenn man erst im Innern des Feldstückes eine Figur absteckt und für sich pflügt. Diese Figur hat eine solche Gestalt zu erhalten, daß rings um dieselbe bis zum Feldrande ein gleich breiter Streifen bleibt, welcher dann nach allen Seiten durch eine gleiche Anzahl von Pflugfurchen aufgepflügt wird. Bei langen Feldstreifen und kleinen Ackerstücken läßt sich jedoch diese Art des Ebenpflügens mit Beetpflügen nicht durchführen. Durch das Beetpflügen wird der Boden in breite oder schmälere, flach oder stark gewölbte Abtheilungen (Beete, Gewende) gebracht. Die Herstellung der Beete erfolgt entweder durch das Zusammen- oder Anpflügen (Zusammenschlagen) oder durch das Auseinander- oder Abpflügen. Wird ein ebenes Feld in Beete gepflügt, so wird vorerst die Richtung der Beetrücken genau abgesteckt und dann jederseits der bezeichneten Linie eine Furche, die Anfurche, ausgehoben. Bei der Herstellung der Beete durch das Zusammenpflügen werden die Anfurchen wieder zusammengelegt und entweder rings um dieselben — dem Beet- rücken — Furche an Furche gelegt, bis das ganze Beet vollendet ist oder noch zweck- mäßiger die Hälften zweier benachbarter Beete, d. i. die Fläche zwischen zwei Aus- Allgemeine Ackerbaulehre. stichfurchen, aufgepflügt. Zwischen zwei angrenzenden Beeten bleibt immer eine Doppelfurche, die Ausstichfurche offen. Damit dieselbe nicht zu breit ausfällt, nimmt man die beiden letzten Furchenstreifen schmäler und hält dabei den Pflug etwas geneigt gegen die Landseite um eine dreieckige Ausstichfurche zu erlangen. Bei dem Auseinanderpflügen beginnt man in der früheren Ausstichfurche, so zwar daß an Stelle dieser der Beetrücken kommt, während die neue Ausstichfurche an der Stelle des bisherigen Beetrückens belassen wird. Durch das abwechselnde Aus- einander- und wieder Zusammenpflügen der Beete kann allein die gleiche Form und Wölbung der Beete erhalten werden. Die Zahl der Furchen, welche zu einem Beete zusammengelegt werden, richtet sich nach der Furchenbreite und der Breite des Beetes. Schmale Beete werden von 4—8 Furchen, breite von 10—20 Furchen gebildet. 4—6 Furchen breite und zugleich stark gewölbte Beete heißen in Oberösterreich, Baiern ꝛc. Bifänge. Beete, welche über 20 Furchen breit sind, lassen sich nur mehr schwer gleichmäßig wölben. Man spricht dann nicht mehr von Beet- sondern von Ebenpflügen (s. oben). Um die regelmäßige Wölbung der Beete zu erreichen, nimmt man die Furchenstreifen, welche den Beetrücken bilden, tiefer und pflügt dann in dem Maße als man sich der Beetfurche nähert immer seichter. Die richtige Anlage von Beeten ist daher viel mühsamer und verlangt geübtere und aufmerksamere Pflugleute als der Ebenbau. Durch den Beetbau will man die raschere Ableitung des Regenwassers erzielen und den capillar durchfeuchteten Boden schneller zum Abtrocknen bringen. Zu diesem Zwecke werden auch die offenen Furchen der Beete, welche auch nach dem Abeggen ihre Form bewahren, mit dem Anhäufler oder dem Haken vertieft und glatt aus- gestrichen, oder wie in Belgien aus denselben die Erde mit dem Spaten ausgehoben und zur Erhöhung der Beete über diese ausgebreitet. Diese ausgestrichenen Beet- furchen wirken dann ähnlich wie offene Entwässerungsgräben. Von der großen Oberfläche der Beete kann gleichzeitig der Wind die Feuchtigkeit leichter entführen. Dieser Vortheil des Beetbaues läßt sich jedoch viel sicherer durch die Drainage erreichen, welche jede Wölbung des Bodens, die um so unvortheilhafter je höher und schmäler sie ist, überflüssig macht. Die Beibehaltung des Beetbaues wird daher nur in gewissen Fällen gerechtfertigt sein wie auf bindigen, flachgründigen Böden, auf Böden, welche sich wegen eines felsigen Untergrundes, einer kesselförmigen Ab- lagerung, eines benachbarten hochstehenden Gewässers, nicht leicht auf andere Weise entwässern lassen. In den meisten übrigen Fällen ist bei den vielen Nachtheilen des Beetbaues der sachgemäße, d. h. zur Vermeidung von Ernterückschlägen allmälige Uebergang, zum Ebenbau dringend zu empfehlen. Gegenüber dem Ebenbau ergeben sich für den Beetbau die folgenden Nachtheile Bei dem Beetbau ist die Bodenbearbeitung viel ungleichförmiger. Ein Theil des Bodens bleibt besonders bei mangelhaftem Pflügen unter den beiden Furchen, welche den Beetrücken bilden, unbearbeitet. Wie diesem Uebelstande beim Anfurchen ab- geholfen werden kann, wurde früher angegeben. Unvermeidlich ist es jedoch, daß auf dem Beetrücken die fruchtbare Erde zusammengehäuft wird, während die Beetfurche Die Bodenbearbeitung. bei seichtem Boden von der Ackerkrume entblößt wird. Aehnliches gilt vom Stall- miste, wenn man nicht die Vorsicht gebraucht, bei dem Ausbreiten desselben am Beet- rücken einen Streifen beinahe frei zu lassen und in die Furche Dünger einzustreifen. Bei dem Unterbringen des Samens mit dem Pflug wird sich der Same am Beet- rücken häufen, während die Furchen nur durch Nachsäen mit Samen versehen werden können. Eggt man unter, so wird der Same in der Furche zusammengezogen. Nicht nur daß die Beetfurchen ungenügend bestellt sind, werden die etwa auflaufenden Pflanzen durch das von dem Beetrücken ablaufende, in den Furchen sich ansammelnde Wasser vernichtet. Je schmäler die Beete um so größer ist der Ausfall an ertrags- loser Fläche. Dieser Bodenverlust kann, wenn die Beetfurche nur 30 Cm. breit angenommen wird, bei 40 Furchen breiten Beeten 3% der Gesammtfläche, „ 20 „ „ „ 6% „ „ „ 10 „ „ „ 12% „ „ „ 8 „ „ „ 15% „ „ „ 6 „ „ „ 20% „ „ „ 4 „ „ „ 30% „ „ betragen. Durch den Beetbau werden überdieß die Bestellungsarbeiten vermehrt. Manche lassen sich gar nicht oder nicht mit jener Vollkommenheit wie bei der Ebencultur ausführen. Bei dem Eggen, Walzen ꝛc. wird ein Theil des Geräthes, welcher über die Furchen geht, unwirksam sein. Durch die Beetfurchen wird die Anwendung der Drill- und Mähmaschinen, das Einführen der Ernte sehr erschwert. Der Kammbau beschränkt sich im Vergleiche zu dem Eben- und Beetbau auf einen kleineren Verbreitungsbezirk. Die Kämme oder Dämme werden entweder mit dem Pflug, dem Haken, dem Häufelpflug oder dem Kammformer gebildet. Mit dem Pflug kann immer nur ein halber Kamm aufgeworfen werden, die Arbeit fördert daher nur sehr wenig, dafür erhalten jedoch die Kämme die größte Breite. Am häufigsten werden die Kämme mit dem Haken und mit dem Häufelpflug und zwar gleichzeitig zwei halbe Kämme ausgeführt. Um bei dem Häufelpflug die gleiche Entfernung der Kämme einzuhalten, werden vorher in den gewünschten Ent- fernungen Linien über das Feld gezogen oder wie bei dem Howard'schen Häufel- pflug (Fig. 47 auf S. 115) durch einen am Häufelpflug angebrachten Markirstab eine Linie für den nächsten Gang in der erforderlichen Breite in den Boden geritzt. Die gewöhnliche Breite der mit dem Anhäufler gebildeten Kämme wechselt zwischen 47 und 53 Cm. Genügt eine geringere Kammentfernung (42 Cm.), so wird die Arbeit rascher durch den Kammformer vollendet. Derselbe besteht aus drei kleineren, an einem gemeinschaftlichen Gestelle befestigten Häufelpflügen, welche gleichzeitig zwei ganze und zwei halbe Kämme auf dem vorher ebengewalzten Felde aufwerfen. Regelmäßig gestaltete Kämme lassen sich nur in lockerem Erdreiche ausheben. Die Kammcultur kann daher nur dann als vollkommen bezeichnet werden, wenn eine gewöhnliche Bearbeitung des Bodens mit dem Pflug vorausgegangen. Dieselbe wird um so nothwendiger Krafft, Lehrb. d. Landw. I. 9 Allgemeine Ackerbaulehre. als in ungelockertem Boden der Häufelpflug zu viel Zugkraft erfordert und nahezu die Hälfte des Bodens unter den Kämmen unbearbeitet bleibt. Durch die Kammcultur wird in vollkommenerer Weise als durch den Beetbau ein nasser Boden für die Pflanzencultur geeignet gemacht, indem sich durch die größere Ober- fläche der Kämme gegenüber dem ebenen Felde die Feuchtigkeitsverhältnisse viel zuträglicher für das Pflanzenwachsthum regeln. Das Wasser läuft von den Kämmen leichter ab, ohne dabei, wie dies bei ebener Fläche eintreten kann, den Boden zu verschließen und zu verkrusten. Von capillarem aus dem Untergrunde aufsteigendem Wasser durch- feuchtete Kämme werden durch Verdunsten des Wassers rascher abtrocknen. Die auf den Kämmen stehenden Pflanzen werden aus dem Bereiche der schädlichen Nässe gebracht und erhalten zugleich durch das partielle Aufhäufen des Bodens eine tiefere Ackerkrume. Der Kammbau vor der Saat, zum Unterschiede von dem Anhäufeln der wachsenden Pflanzen, eignet sich daher besonders für flachgründigen, an stauender Nässe leidenden Boden und für Gegenden mit reichlichen Niederschlägen. Allerdings erfordert dann der Kammbau, welcher stets mit der Reihencultur der Pflanzen ver- bunden ist, besonders eingerichtete Kammwalzen, Säe- und Hackmaschinen. Eigenthümlich gestaltet wird die Bodenoberfläche durch das Bälken , Halb- pflügen oder Reihen. Bei demselben wird neben je einem unberührt gelassenen Bodenstreifen von Furchenbreite ein benachbarter Furchenstreifen ausgehoben und auf jenen umgelegt. Da bei dem Bälken nur die Hälfte des Feldes streifenweise auf- gepflügt wird, so wird mit dem geringsten Zeitaufwande eine große Bodenoberfläche der Luft und Frosteinwirkung ausgesetzt, wenn das Bälken vor Winter ausgeführt wird. Im Frühjahre wird ein gebälktes Feld schneller abtrocknen und daher früh- zeitiger bestellt werden können. Das Bälken kann auch als Nothbehelf dienen, wenn die Zeit vor dem Winter zu kurz war, um die Stoppeln umzustürzen. In diesem Falle wird bei schmalen Beeten die Arbeit auch gefördert, wenn immer die letzten beiden in der Beetfurche stehenden Erdstreifen ungepflügt belassen werden. Von Bedeutung für die Cultur der Pflanzen ist die Richtung , in welcher die Beete und Kämme gezogen werden Hindert nicht die Gestalt und der Hang des Feldes, so giebt man wegen der gleichmäßigeren Besonnung den Beeten ꝛc. die Richtung von Nord nach Süd. Bei geneigten Feldern werden die Beete um so mehr in der Richtung des Gefälles angelegt, je mehr die Bodenbeschaffenheit und Regenmenge ein schnelleres Ablaufen des Wassers durch die Beetfurchen erfordert. Mit der Zunahme des Gefälles wird das Pflügen mit dem Hange immer schwieriger, ebenso das Ab- schwemmen des Bodens mehr zu befürchten sein, weshalb bei stärkerer Neigung die Beete schräg gegen dieselbe gerichtet werden. Eine wechselnde Neigung erfordert oft eine Anlage der Beete in mehreren Abtheilungen nach verschiedenen Richtungen. Bei zwei aufeinander folgenden Pflugarten empfiehlt es sich, die Richtung der Beete und Kämme zu wechseln, um eine ausgiebigere Krümelung und Ebenung des Bodens zu erzielen. Am zweckmäßigsten wird dieses Ouerpflügen durch den Haken oder auch den Exstirpator ausgeführt, welche bei größerer täglicher Leistungsfähigkeit den Boden kräftig lockern. Die Bodenbearbeitung. Ebenso werden häufig die Feldränder in einer anderen Richtung als das übrige Feld, in sog. Randbeeten oder Anwanden gepflügt. Hindern bebaute oder angrenzende, fremde Grundstücke, oder Hecken, Gräben u. dgl. das Ueberschreiten des Feldrandes, so muß der Pflug nach jedem Gange am Felde selbst umkehren. Dieser Theil wird dann nach Vollendung der Pflugarbeit als Anwand- oder Randbeet für sich bearbeitet. Um das Höherwerden der Randbeete zu vermeiden, müssen dieselben abwechselnd auseinander- und zusammengepflügt werden, aus demselben Grunde ist es zweckmäßig, den Pflug nicht am Feldrande sondern unterwegs nach Bedarf auszuputzen. Ist das Feld auf irgend eine Art fertig gepflügt, so erübriget noch das Ziehen der Wasserfurchen und das Einputzen des Feldes. Je länger die Beete und je mehr dieselben gegen das Gefälle gerichtet sind, um so nothwendiger ist die Her- stellung von Wasserfurchen. Für deren Anlage gelten dieselben Grundsätze, wie für die Anlage offener Entwässerungsgräben, deren Stelle sie theilweise vertreten. Richtig geführte Wasserfurchen machen oft zu schmale Beete vollkommen überflüssig. Zum Ziehen derselben bedient man sich des Pfluges, der etwas geneigt gehalten wird, um eine dreieckige Furche auszuheben, oder noch besser des Häufelpfluges oder Hakens. Die Einmündungen der Beetfurchen müssen jedoch nachträglich mit dem Spaten, um den Ablauf des Wassers zu ermöglichen, frei gemacht werden. Das Rein- und Offenhalten der Wasserfurchen ist eine Bedingung für ihre fortdauernde Wirksamkeit. Den Schluß der Ackerarbeit bildet das Einputzen des Feldes, indem man die un- gepflügt gebliebenen Feldecken, den Boden um die im Felde stehenden Bäume aufspatet und rings um das Feld mit dem Spaten oder dem Pflug eine Furche aushebt. Der Kamm der Furche wird sorgfältig mit dem Rechen geebenet. Diese Randfurche hat den Zweck, das Eindringen des Wassers, der Graswurzeln von den Feldrändern zu verhüten und den am Rande stehenden Pflanzen einen leichten, wenn auch viel- fach hinreichenden Schutz vor Beschädigungen durch Betreten des Feldes zu gewähren. 5. Die Zahl der Pflugfurchen. In manchen Fällen reicht eine Pflugfurche (Pflugart, Pflugfahre) aus um dem Boden jenen physikalischen Zustand zu geben, welcher für das Gedeihen der Pflanzen am zuträglichsten ist. In vielen Fällen wird das Feld jedoch erst durch 2—4 und mehrmaliges Pflügen in den erwünschten gahren Zustand gebracht. Unter der Ackergahre versteht man einen durch Bearbeitung und Düngung herbei- geführten krümligen Zustand des Bodens, welcher es möglich macht, daß die Wachsthums- factoren am vortheilhaftesten zur Wirkung gelangen. Dieser eigenthümliche Zustand der Gahre äußert sich nach v. Laer W. v. Laer. Die Ackergahre, die Brache und der Ersatz der Pflanzennährstoffe Für prakt. Landwirthe bearb. 4. Aflg. Münster 1865. S. 7 u. 53. , wie folgt: „1. Die Farbe des Ackers wird dunkler. 2. Die kleinen Schollen verlieren ihre Zähigkeit; sie werden mürbe und zerfallen. 3. Der Boden fühlt sich anders an. Er wird elastisch unter dem Fuße; in der Hand fühlt er sich weniger rauh an. 4. Die Ackerkrume dehnt sich aus. Sie pufft auf, gewinnt an Volumen. 9* Allgemeine Ackerbaulehre. 5. Zuletzt wird das Feld grün, nicht etwa von Unkrautpflanzen, sondern von einer eigenen Art von Pflanzen. Die einzelnen kleinen Schollen, welche aber schon morsch sind, sowie der ganze Acker, überziehen sich mit einer moosartigen grünen Masse.“ Ueber die Nothwendigkeit, die Pflugarbeit zu wiederholen, entscheidet die Art und Cultur der Pflanze, welche angebaut werden soll und welche vorausgegangen ist, die Bodenbeschaffenheit, der Cultur- und Düngungszustand des Bodens, die Wahl des rich- tigen Zeitpunktes bei dem vorausgegangenen Pflügen und die klimatischen Verhältnisse. Manche Pflanzen, wie der Hafer, Mais, Buchweizen (S. 68) gedeihen in Neu- brüchen, andere wie die Gerste, die Hackfrüchte benöthigen sorgfältiger bearbeitete Böden. Die Ausführung der Reihencultur setzt gleichfalls eine sorgfältigere Boden- bearbeitung voraus. Die vorangegangene Pflanze hinterläßt das Feld in sehr verschiedenem Zu- stande. Nach Hackfrüchten, welche während der Vegetation fleißig bearbeitet wurden, wird das Feld rein und lose zurückbleiben, so zwar, daß schon eine Pflugfurche oder auch nur ein Eggenstrich hinreicht, um den Acker für den Anbau der nach- folgenden Frucht wieder herzurichten. Nach Hülsenfrüchten und kleeartigen Pflanzen, welche, je blattreicher sie sind, durch Abhaltung der mechanischen Gewalt der Regen- tropfen und durch ihre Beschattung (Beschattungsgahre) den Boden in einem um so günstigeren physikalischen Zustand erhalten, wird das Pflügen nicht so oft zu wieder- holen sein, als wie nach dem Getreide, welches den Boden geschlossen und ver- unkrautet zurückläßt. Die Bodenbeschaffenheit nimmt auf die Zahl der erforderlichen Pflugfurchen gleichfalls Einfluß. Sandboden gelangt schon mit einer Ackerung in den erforder- lichen lockeren, mürben Zustand, während Thon- und Lehmböden erst nach mehr- maligem, verschieden tiefem Pflügen in jenen Zustand versetzt werden und zwar je ungünstiger der Zeitpunkt zum Pflügen getroffen wurde. Ein im guten Cultur- und Düngungszustande befindliches Feld erheischt ein mäßigeres Bearbeiten, um in den gahren Zustand zu gelangen, als ein verunkrautetes und verarmtes Land. Je mehr Unkraut aufkeimt, um so häufiger muß bearbeitet werden, selbst dann, wenn der sonstige Boden- und Culturzustand des Feldes es nicht erfordern würde. In warmen, feuchten Gegenden wird sich die Verwitterung und überhaupt der chemische Stoffumsatz im Boden viel lebhafter gestalten, als in kühlen, nassen Land- strichen. In letzteren Oertlichkeiten wird daher die Wiederholung der Pflugarbeit nicht so schnell auf einander folgen können, als wie in ersteren. Die Wurzel- rückstände, der Dünger werden längere Zeit zu ihrem Zerfallen brauchen, der Boden wird sich erst nach einem größeren Zeitraume, oft erst nach 1—1½ Monaten, wieder so fest legen, daß eine erneuerte Lockerung durch den Pflug angezeigt wird. Ebenso werden in trockenen Gegenden, längere Zwischenräume zwischen den einzelnen Pflug- arten erforderlich sein, da die Schollen langsamer zerfallen, das Zerbröckeln des Bodens, das Verfaulen des Mistes, der Stoppeln ꝛc. sich verzögert. Ausgiebige Regen- güsse verschlemmen und verkrusten den Boden derart, daß gleichfalls eine wieder- holte Bearbeitung geboten erscheint. Die Bodenbearbeitung. Zwischen zwei Pflugfahrten soll der Boden wenigstens einmal mit der Egge bearbeitet werden, um die Mürbung und Krümelung des Bodens zu vervollständigen, zu verhüten, daß die Schollen unzerbrochen in den Boden gelangen, um das Unkraut zu vertilgen und das folgende Pflügen zu erleichtern. Manche Bodenarten, welche nach dem Austrocknen bald erhärten, verlangen, daß sie gleich nach dem Pflügen, so lange die Schollen noch leicht verkleinert werden können, abgeeggt werden. In Gegenden mit bindigerem Boden pflegt man daher seitwärts von dem Pfluge eine Egge Wiener landw. Zeitung. 1873. S. 137. so weit anzuhängen, daß ihre Arbeit von der Ackerfurche nicht überdeckt wird. Bei diesem gleichzeitigen Ackern und Eggen wird nebenbei die Zugkraft besser ausgenutzt und das Zusammentreten des Feldes beim Eggen vermieden. Soll der Boden möglichst der Einwirkung des Frostes oder der Atmosphäre zur Beförderung der Verwitterung ausgesetzt bleiben, so wird er nicht abgeegt, sondern in rauher Furche liegen gelassen und das Eggen, sofern nicht früher Unkraut, besonders bei trockener Zeit, zu zerstören ist, erst kurz vor der zweiten Ackerung vorgenommen. In trockenen Gegenden und bei leichtem Boden walzt man den Boden nach dem Unter- pflügen des Düngers, um durch Andrücken an die Erde das Verfaulen desselben zu befördern. 6. Die Brache. Zur Ausführung der erforderlichen Zahl von Pflugfurchen steht entweder eine kürzere oder längere Zeit vor der Saatbestellung zur Verfügung. Bei vorgeschrittener Cultur wird gewöhnlich nur der Zeitraum von der im Spätsommer vorgenommenen Ernte bis zur Herbst- oder Frühjahrssaat verfügbar sein. Im Falle der Brach- haltung bleibt jedoch das Feld nahezu ein Jahr unbebaut, um genügende Zeit für die Bearbeitung zu erhalten und damit zwischen den einzelnen Pflugfurchen der Boden ausreichend lange der Einwirkung der Atmofphäre ausgesetzt bleiben kann. Wird zu dieser Bearbeitung ein ganzes Jahr verwendet, so spricht man von ganzer oder voller Brache oder auch da keine Culturpflanzen den Boden bedecken von reiner oder schwarzer Brache. Wird dagegen nur ein halbes Jahr, von Juni, Juli an, der Brachbearbeitung gewidmet, während das Feld vorher als Weideland oder noch zweckmäßiger als Grünfutterland benutzt wurde, so spricht man von halber Brache oder Sommerbrache . Wird an Stelle der Brachbearbeitung geweidet, so bezeichnet man die Brache als grüne Brache. Bestellt man das zur Brachbearbeitung bestimmte Feld mit einer Futterpflanze oder einer Hackfrucht, so heißt sie dann bebaute Brache. Durch die reine oder schwarze Brache beabsichtigt man, nachdem sich die frühere Ansicht von der Ruhe des Ackers, während welcher eine Bereicherung der Bodenkraft eintritt, als unhaltbar erwiesen hat, die Herstellung der Gahre des Ackers oder mit anderen Worten eine Bereicherung des Bodens an assimilirbaren Pflanzennährstoffen auf Kosten der unaufgeschlossenen Nährstoffe, die Verbesserung des physikalischen Bodenzustandes und die Vertilgung der Unkräuter. Allgemeine Ackerbaulehre. Zwischen den einzelnen Pflugfurchen ist bei der Brache hinreichende Zeit für die ungehinderte Einwirkung von Luft, Feuchtigkeit und Wärme gegeben, welche den Um- satz der organischen und unorganischen Stoffe in Pflanzennahrung befördert. Durch diese Einwirkung werden vorerst die im Boden enthaltenen Wurzelrückstände von der vorangegangenen Ernte und der Dünger in Humussubstanzen umgewandelt, und damit alle jene Vortheile erreicht, welche sich an die Vermehrung der Humuskörper im Boden knüpfen. Durch dieselbe wird nicht nur eine extreme physikalische Bodenbeschaffenheit verbessert, sondern auch durch die Kohlensäureentwickelung bei der Zersetzung die Mineralstoffe im Boden aufgeschlossen, gelöst und gleichmäßig vertheilt und durch die Kohlensäure- und Ammoniakentwickelung unmittelbar eine Vermehrung der atmo- sphärischen Nährstoffe im Boden besonders des Stickstoffes herbeigeführt. Ebenso werden durch die Brachbearbeitung und die durch dieselbe gesteigerte Verwitterung unorganische Stoffe, besonders die unaufgeschlossenen, jedoch veränderlichen Gesteine, die Silicate, Zeolithe ꝛc. in aufnehmbare Bodennährstoffe umgesetzt. Mit Bezug auf die Aenderung des physikalischen Bodenzustandes wird sich die Brache am wirksamsten bei bindigeren Bodenarten zeigen. Dieselben erhalten durch die fleißige Bearbeitung eine krümelige Beschaffenheit. In Folge davon verringert sich die übermäßige wasserhaltende Kraft, der Boden wird trockener, wärmer. Bei lockerem Boden liegt die Gefahr nahe, daß durch die Brachbearbeitung eine pulverige Beschaffenheit des Bodens eintritt, welche die Ungunst der physikalischen Beschaffenheit eines lockeren Bodens noch erhöht. Die Vertilgung der Unkräuter kann schließlich bei dem Ueberhandnehmen der- selben nur durch eine fleißige Brachbearbeitung gründlich erreicht werden. Die vorstehend näher ausgeführte Verbesserung des Bodenzustandes zeigt sich in der Erhöhung der Ernteerträge und der Qualität der Ernteproducte von den nach der Brache gebauten Pflanzen, besonders der Wintergetreidefrüchte, der Winter- ölfrüchte, der Rübengewächse. Dieser Steigerung des Ertrages steht jedoch der Ertragsausfall während des für die Pflanzencultur nicht verwendeten Brachjahres und die größeren Kosten der Bodenbearbeitung gegenüber. Bei vorgeschrittener Cultur lassen sich die Vortheile der Brache durch Düngung, Tiefcultur, Drainage, Hackfrucht- und Futterbau, entsprechende Fruchtfolge u. s. w. in viel kürzerer Zeit, ohne das Feld ein Jahr lang unbenutzt zu lassen, erreichen. Bei dem Uebergange zu inten- siverer Cultur wird die schwarze Brache aufgegeben und durch die bebaute Brache ersetzt. Durch die Bestellung des Brachfeldes mit Hackfrüchten, welche während ihres Wachsthumes bearbeitet werden, bleibt der Boden ebenso gelockert und unkraut- rein, wie nach der Brachbearbeitung. Ebenso erhalten besonders blattreiche Futter- pflanzen den Boden im gelockerten, gahren Zustande. Bei der Bestellung mit Klee tritt überdies eine Bereicherung des Bodens durch die Wurzelrückstände allerdings auf Kosten der tieferen Bodenschichten ein. Trotzdem wird in gewissen Fällen die Brache nicht zu entbehren sein. In rauhen Klimaten reifen die Früchte zu spät, um noch Wintergetreide, welches in solchen Lagen überdies frühzeitiger in den Boden soll, aussäen zu können, es muß Die Bodenbearbeitung. daher das Feld bis zum nächsten Herbstanbaue brach liegen bleiben. Es wird dies um so nothwendiger sein, als der Verwitterungsprozeß ohnehin bei der geringeren Temperatur langsamer verläuft. Ein gebrachter Boden hält sich nach den Untersuchungen von Dr. Wilhelm Württembergisches Wchbl. f. L. u. F. 1866. Nr. 24. S. a. S. 23. und Dr. Breitenlohner Allg. l. u. f. Z. 1867. S. 497. Zu verschiedenen Zeiten schwankte der Mehr- gehalt an Bodenfeuchtigkeit zu Gunsten der Brache gegenüber der Gerste von 2.17—6.81 %. viel feuchter als ein mit Pflanzen bestanden gewesener. Es erklärt sich dadurch in trockenen Gegenden der sichere Ertrag der Wintergetreide- und Rapsfelder nach der Brache. Für solche Gegenden, welche an atmosphärischen Nieder- schlägen Mangel leiden, rechtfertigt sich daher die Beibehaltung der Brache, welche eine Conservirung der Feuchte zuläßt. Zäher, strenger Thonboden wird zuweilen nur durch fleißige Brachbearbeitung in einen gelockerten Zustand gebracht werden können. Des- gleichen wird bei überhandnehmender Verunkrautung der Felder am ausgiebigsten durch die Brache geholfen werden können. Fehlt es an Dünger, so liegt es nahe, daß die Beibehaltung der Brache von Nutzen sein wird. Die Vortheile der Brache lassen sich am zuverlässigsten mit der schwarzen Brache erreichen; aber auch nur dann, wenn der Boden, je nachdem seine Beschaffenheit es er- fordert, öfters bearbeitet wird. Die volle Brachbearbeitung beginnt mit dem Stürzen (Brachfurche, Stürzfurche) der Getreide- oder Kleestoppeln. Letztere wird zur Erleichterung des Verrottens der Narbe seicht untergepflügt. Die Getreidestoppel kann jedoch, wenn keine Aussicht vorhanden, den Boden vor Winter nochmals zu pflügen, gleich tief untergebracht werden, damit über den Winter die Zerbröckelung des Bodens durch den Frost ausgiebiger stattfinde. Wird der Dünger auf die Stoppel gefahren, so wird das erste Pflügen nur flach ausgeführt und erst das zweite Mal tiefer gepflügt. Die zweite Furche (Wendefurche, Zwiebrache) wird in der Regel erst nach dem Frühjahrsanbaue nach einem vorangegangenen, scharfen Eggen auf voller Tiefe gegeben. Kurz vor der Saat wird dann die letzte Furche, die Saatfurche , gegeben. Bei 4maliger oder öfterer Bearbeitung der Brache werden zwischen der Wende- und Saatfurche eine oder mehrere Ruhrfurchen im Verlaufe des Sommers ein- geschaltet. Dabei wird der Dünger, wenn er nicht schon im Herbste aufgefahren wurde, während des Sommers seicht untergebracht. Durch die Ruhrfurche soll der Boden möglichst gekrümelt werden, sie wird daher stets nach der Quere vorgenommen oder auch namentlich wenn eine zweite Ruhrfurche folgt, mit dem Exstirpator oder dem Haken ausgeführt. Bei der halben Brache , welche am häufigsten nach Klee, Wickfutter an- gewendet wird, um von dem Klee noch einen Schnitt oder eine Weide zu erhalten, wird in ähnlicher Weise wie bei der bis in den halben Sommer als Weide aus- genützten grünen Brache verfahren. Die Kleestoppel oder die Weide wird im Juni, Juli gestürzt und der Boden bis zum Winteranbaue noch durch 2—3 Pflug- fahrten bearbeitet. Allgemeine Ackerbaulehre. 7. Die Leistungsfähigkeit des Pfluges. Die Leistungsfähigkeit des Pfluges richtet sich nach der Art der Zugthiere, nach der Construction des Pfluges, der Art des Pflügens, der Bodenbeschaffenheit und der Jahreszeit. Im Allgemeinen sind Ochsen wegen ihres ruhigeren Ganges den Pferden als Pflugbespannung vorzuziehen. Für die gewöhnliche Pflugarbeit reichen zwei Zug- thiere hin (S. 110). Bei bindigerem Boden und tieferem Pflügen fährt man jedoch vierspännig. Je nachdem der Pflug eine breitere oder schmälere Furche abschneidet und je nach der Consistenz des Bodens wird die Geschwindigkeit der Zugthiere und somit auch deren Leistungsfähigkeit verschieden ausfallen. Dazu kommt, daß sich im Verlaufe des Arbeitstages mancher Aufenthalt durch das Hinaus- und Hereinfahren zum Felde, durch das Umkehren und Leerfahren am Feldrande und durch das Rasten der Zugthiere ergiebt. Dieser Zeitverlust kann eine halbe Stunde bis zu 2, 3 Stunden ausmachen. Der geringste Zeitverlust tritt bei dem Figurenpflügen und bei dem Ebenpflügen mit dem Wechselpflug ein. Dagegen verlängert sich beim Beetbau der Weg, welcher ohne Arbeitsleistung zurückgelegt werden muß, je breiter die Beete und kürzer das Feld ist. Am meisten, bis zu 0.7 Hektar im Tag fördert das seichte Stoppelstürzen. Auf gewöhnliche Tiefe werden in 10 Arbeitsstunden 0.5 Hektar, bei dem Tiefpflügen 0.3 und weniger abgefertigt. Mit dem Häufelpflug werden täglich 1—1.2 Hektar bearbeitet. 6. Die Egge. Die Egge dient zum oberflächlichen Lockern, Krümeln und Ebenen des Bodens. Die Ausführung dieser Arbeit verrichten die Eggenzinken oder Eggenzähne, welche in verschiedenster Anordnung und Anzahl an einem Rahmen oder Gestelle befestigt sind. Das Eggengestell , welches aus hölzernen oder eisernen Längs- und Quer- balken zusammengefügt wird, vermittelt die Stellung der Zähne und die Verbindung derselben mit der Zugkraft. Zu hölzernen Eggenrahmen verwendet man zähes Eichen- oder Eschenholz, welches jedoch nicht über die Faser geschnitten sein soll. Eiserne Eggenbalken erhalten gewöhnlich einen rechtwinkeligen Querschnitt um die Befestigung der Eggenzinken sicher ausführen zu können. Je nach der Form des Eggenrahmens unterscheidet man dreieckige, viereckige, rhombische, trapezförmige, Zick- zack- und runde Eggen. Der Eggenrahmen ist entweder unbeweglich oder beweglich ein- gerichtet. Die Beweglichkeit bezieht sich entweder, wie bei der Expansionsegge auf die Verschiebbarkeit der Zinkenentfernung oder auf die Veränderlichkeit der Zinken in verticaler Richtung, wie bei den sogenannten geschmeidigen Eggen. Letztere Eggen bewähren sich besonders zur Bearbeitung von unebenen Böden oder von Beeten, welchen sie sich genau anlegen. Am vorzüglichsten wird diese Gruppe von Eggen durch die Gliederegge von Howard, Fig. 53 (s. S. 137), (Ketten-, Dreifuß-, Wiesenegge) repräsentirt, welche aus 45 durch Stahldrahtringe beweglich verbundenen Dreifüßen besteht. Umgelegt kann dieselbe mit ihren kürzeren in der Figur nach aufwärts Die Bodenbearbeitung. gerichteten Zinken als Schleife dienen. Die Schmiegsamkeit der Eggen an die Boden- unebenheiten wird auch dadurch erreicht, daß man, wie bei den mehrtheiligen Eggen, mehrere Eggenrahmen (Sätze) zu einem Ganzen vereinigt (s. Fig. 54, S. 139). Bei den Eggenzinken ist das Ma- terial, die Länge und Gestalt, die Befesti- gung, die Stellung, die Anzahl und be- sonders die Art der Vertheilung zu beachten. Die Eggenzinken werden je nach dem Boden und Zwecke, für welchen die Egge verwendet werden soll, entweder aus Holz für leichteren Boden und leichtere Arbeit, oder aus zuweilen verstähltem Schmiedeeisen, aus schmiedbarem Guße hergestellt. Weniger geeignet, da die Egge durch Stoß wirken soll, ist Gußeisen. Zu hölzernen Zinken verwendet man besonders Eichen-, Apfel- oder Hainbuchenholz. Bei eisernen Zinken genügt eine Dicke von 0.2—2.5 Cm., um denselben genügende Festigkeit gegen das Zerbrechen zu geben. Hölzerne Zinken nimmt man der größeren Abnutzung wegen etwas stärker. Soll die Egge in einem bindigen Boden oder zur kräftigen Lockerung verwendet werden, so wählt man gleichfalls Eggen mit stärkeren Zinken. Bei einem runden Querschnitte des Eggenzahnes wird derselbe im Boden nach allen Richtungen gleichen Widerstand finden. Für eine vollkommene Krümelung des Bodens ist es jedoch erwünscht, daß die Egge sich nicht geradlinig in der Richtung der Zuglinie fortbewegt, sondern eine hin und hergehende, schlängelnde Bewegung einhält. Diese schlängelnde Bewegung wird erhöht, wenn der Fig. 53. Gliederegge von J. \& F. Howard — Bedford. — Breite, Marke F 1. 2 und F 2. 2,5 M., Gewicht 75 u. 113 Kilogr., Preis 63 und 94 Mark, 31 fl. 50 kr. u. 47 fl. Querschnitt des Eggenzahnes nicht rund, sondern drei- oder vierkantig ist. Eine Kante muß dabei stets nach vorne in der Richtung der Zuglinie gestellt sein, um das Durchschneiden des Bodens zu erleichtern. Runde Eggen werden dagegen das Unkraut weniger zerschneiden, sondern sicherer aus dem Boden ziehen und zusammen- nehmen. Die Egge wird nur zum oberflächlichen Lockern des Bodens verwendet; soll tiefer gelockert werden, bedient man sich des Exstirpators. Von der Zinkenlänge braucht Allgemeine Ackerbaulehre. daher nur eine Länge von 8—13 Cm., bei schweren Eggen von 13—16 Cm. in den Boden einzugreifen. Außerdem muß bis zum Eggenrahmen noch eine Länge von mindestens 10 Cm. vorhanden sein, um ein ungehindertes Hinweggehen der Egge über Wurzeln, Steine, Schollen u. dgl. zu ermöglichen. Die Gesammtlänge der Zinken vom Eggenrahmen bis zur Spitze gemessen wechselt daher zwischen 18—30 Cm. Die Zinken sollen alle gleich lang sein, damit bei richtiger Anspannung alle Zinken gleich tief in den Boden eingreifen. Die Zinken erhalten meistens eine geradlinige, unten spitz zulaufende oder wie bei der hölzernen Brabanter Egge eine schräg abgeschnittene Form. Um das Eindringen besonders bei senkrechter Stellung zu erleichtern, wird die Spitze etwas aufgebogen. Bei den Krümereggen (Krümer, Feldgeier), welche den Uebergang der Egge zu dem Exstirpator bilden, erhalten die Zinkenspitzen die Form kleiner Schare. Es wird dadurch möglich, den Boden kräftiger zu mischen und den Samen sicherer unterzubringen als mit der gewöhn- lichen Egge. Die Zinken werden entweder vertical oder, um das Eindringen zu erleichtern etwas nach vorn jedoch nicht über 80° (zum Eggenbalken) geneigt eingesetzt. Ge- neigte Zinken, welche sich, je länger sie sind, für sehr verunkrauteten Boden der Ver- stopfung wegen weniger eignen, bieten den Vortheil, daß die Egge für verschieden tiefe Bodenbearbeitung gebraucht werden kann, je nachdem man die Egge mit oder gegen die Neigung der Zinken über das Feld zieht. Die Befestigung der Zinken muß möglichst sicher sein und doch leicht ein Aus- wechseln gebrochener Zinken gestatten. Am schlechtesten ist die Befestigung der Zinken durch einfaches Durchschlagen durch den hölzernen Eggenbalken. Nicht viel besser ist die Befestigung des Eggenzahnes durch Herumbiegen des platt geschmiedeten Endes um den Eggenbalken. Am zweckmäßigsten ist die Befestigung mit Schrauben, welche durch Contremuttern oder durch die Howard'schen Patentbleche vor dem Losdrehen gesichert sind. Die Zahl der Zinken, welche in einem Rahmen beisammen stehen, beträgt 12—36, in einer Egge mit 1—4 Sätzen 12—60 Zinken. Dieselben werden gewöhn- lich zu je 5—7 in den 1.2—1.5 M. langen Längsbalken angebracht. Von der Zinkenzahl hängt die auf einen Zinken entfallende Belastung und bei gleicher Eggen- breite die Entfernung der Eggenstriche ab. Die Belastung eines Eggenzahnes beträgt bei leichten hölzernen oder leichten eisernen Eggen, welche 15—18 Kilogr. resp. 22—25 Kilogr. schwer sind 0.4—1.2 Kilogr. Dieselben reicht nur für ein seichtes Eggen von leichtem Boden oder zum Ebenen eines schon gelockerten Bodens, sowie zum Unterbringen feiner Sämereien aus Für tieferes Eindringen der Eggenzinken verwendet man schwere, hölzerne Eggen oder mittelschwere, eiserne Eggen im Gewichte von 30—50 Kilogr. Dieselben werden für die meisten Eggenarbeiten ausreichen. Auf sehr scholligem, bindigem Boden verwendet man schwere, eiserne Eggen im Ge- wichte von 75—150 Kilogr. und der Belastung eines Zahnes von 1.2—2.5 Kilogr. Eine besondere Beachtung verdient die Vertheilung der Zinken am Eggenrahmen, von derselben hängt die Leistungsfähigkeit der Egge ab. Diese Vertheilung soll Die Bodenbearbeitung. derart vorgenommen sein, daß jeder Eggenzinken eine gleich tiefe Furche oder Rille zieht, die von der benachbarten gleich weit absteht. Unbeschadet dieser Forderung sollen die benachbarten Eggenzinken möglichst weit von einander am Rahmen an- gebracht sein, um ein Verstopfen der Egge möglichst hintanzuhalten. Bei leichten Eggen (Feineggen) soll die Strichweite 4 Cm., bei schweren Grob- und Tiefeggen etwa 8 Cm. betragen. Die leichten Eggen werden daher mehr Zähne als die schweren besitzen. Am besten wird diesen Anforderungen bei der schottischen Rhomboidalegge oder bei den englischen Zickzackeggen entsprochen. Zu den wirksamsten Eggen dieser Art gehört die dreitheilige, ganz eiserne Zickzackegge von Howard—Bedford, mit eckig abgebogenen Eggenbalken. Mit Bezug auf die Anordnung der Eggenzinken ähnlich gebaut ist die Zickzackegge von Ransomes, Sims \& Head, Fig. 54. Der Eggen- rahmen ist bei dieser Egge derart beweglich eingerichtet, daß sich jeder Zinken in einem Charniere frei drehen kann. Dadurch ist es möglich gemacht, daß die Egge allen Unebenheiten des Terrains folgen kann. Um die scharfen Biegungen der Zick- zackeggen zu vermeiden, werden dieselben in neuerer Zeit von Clayton \& Shuttle- worth — Wien mit geschwungenen Balken, Fig. 55 (s. S. 140), gebaut. Fig 54. Gegliederte Zickzackegge von Ransomes, Sims \& Head—Ipswich. — Leichtes Modell be- deckt mit 4 Eggensätzen eine Bodenbreite von 3 Meter. 60 Zinken mit einer Strichweite von 5 Cm., Gewicht 100 Kilogr., Last auf einen Zinken 1.6 Kilogr., Preis 136 Mark, 68 fl. Als Beispiel einer hölzernen Egge führen wir die Brabanter Egge an, bei welcher durch vier eigenthümlich gebogene Balken erreicht wird, daß jeder Zinken seine eigene Furche geht. Dieselbe besitzt 27—30 Cm. lange, schiefstehende Zinken. Gewicht 50 Kilogr. Belastung eines Zinkens 1.8 Kilogr., Strichweite 5.5 Cm., Preis 20 Mark, 10 fl. Allgemeine Ackerbaulehre. Die Anwendung der Egge ist eine sehr vielseitige. Bei der Vorbereitung des Feldes zur Saat wird zwischen je zwei Pflugfahrten geeggt, um die Schollen, welche sonst unzerbrochen untergepflügt würden, zu verkleinern, die oberste Ackerkrume zu Fig. 55. Zickzackegge von Clayton \& Shuttleworth — Wien. — Nr. 3 leichte Gattung. Breite 3 Meter, 60 Zinken in 3 Eggensätzen, Strichweite 5 Cm., Gewicht 84 Kilogr., Belastung eines Zinkens 1.4 Kilogr., Preis 100 Mark, 50 fl.; Nr. 4 schwere Gattung 120 Mark, 60 fl. krümeln und zu mischen, den Boden zu ebenen, damit der Dünger leichter ausgebreitet werden kann. Es wird so oft geeggt, als aufkeimendes Unkraut zu vertilgen ist. Das Unkraut wird dabei mit den durch den Pflug an die Oberfläche gebrachten unzersetzten Stoppeln, Düngertheilen ꝛc. gesammelt. Die Egge muß daher zeitweilig durch Heben des rückwärtigen Rahmentheiles von dem zusammengebrachten Geniste gereinigt werden, welches dann vom Felde abgeführt und auf den Composthaufen gegeben wird. Um den besten Erfolg zu erzielen, muß jedoch der richtige Zeitpunkt zum Eggen abgewartet werden. Es ist dies um so leichter möglich, als mit der Egge in einem Tage eine ziemliche Fläche bearbeitet werden kann. Der günstigste Zeitpunkt zum Eggen hängt noch vielmehr als wie beim Pflügen von dem Feuchtig- keitszustande des Bodens ab. Derselbe darf nicht so bedeutend sein, daß sich die einzelnen Schollen schneiden lassen oder die Erde schmiert, sondern die einzelnen Erd- theilchen müssen sich zerkrümeln lassen. Wäre das Feld zu feucht, so würde das Zusammentreten desselben durch die Zugthiere um so nachtheiliger werden. Ist das Feld zu trocken, so ist der Erfolg gleichfalls durch die Verhärtung der Schollen abgeschwächt, wenn sich auch dann das Unkraut leichter entfernen läßt. Um diese Verhärtung, besonders bei bindigen Bodenarten zu vermeiden, muß daher in diesem Falle gleich nach dem Pflug das Feld abgeeggt werden. Das gepflügte Land kann nicht unmittelbar zur Saat verwendet werden, sondern muß vorher durch die Egge oft mehrmals verkleinert und geklärt werden. Bei der Die Bodenbearbeitung Saat verwendet man die Egge zum Unterbringen der Samen. Nach derselben über- eggt man das Feld, um das Hervortreten der Keimpflanzen, besonders bei Rüben, Kartoffeln und Mais zu erleichtern, wenn sich durch Regengüsse eine Kruste gebildet hat. Gleichzeitig wird dabei das früher als die Culturpflanzen aufkeimende Unkraut zerstört. Zu üppig auflaufende Getreide-, Stoppelrübensaaten verdünnt man durch Uebereggen. Wiesen, mehrjährige Kleeschläge werden im Herbste abgeeggt, um zwischen den Klee- und Grasstöcken den Boden zu lockern. Stoppelfelder werden mit der Egge bearbeitet um das Unkraut früher zum Keimen zu bringen und um die Stoppeln zur Erleichterung des Unterpflügens umzulegen. Bei der Ausführung der Eggenarbeit kann entweder in der Richtung der Pflug- furchen oder quer gegen dieselben oder ähnlich dem Figurenpflügen rund geeggt werden. Wird eine möglichst gleichförmige Krümelung beabsichtigt, so soll bei jedem Eggen- zuge mit der Richtung gewechselt werden. Gestattet die Form oder Neigung des Grundstückes keine verschiedenen Richtungen, so kann man sich auch durch ein schlangen- förmig gewundenes oder zickzackförmiges Eggen behelfen. Die tägliche Leistungsfähigkeit der Egge wechselt nach der Construction der Egge, der Zugkraft und der Bodenbeschaffenheit. Breite, leichte Eggen können auf leichten Bodenarten viel mehr, bis zu 4.5—5 Hektar, bearbeiten als schwere und schmale Eggen. Bei letzteren sinkt besonders bei bindigen, nicht genügend abgetrockneten Bodenarten die tägliche Leistungsfähigkeit auf 2.3 — 1.7 Hectar. Eggen, deren Zinken unrichtig gestellt, leisten gleichfalls weniger, da dann zur Erzielung einer befriedigen- den Arbeit bei jedem Eggenzuge auf das schon geeggte Feld übergegriffen werden müßte. Mit Pferden (1—4) bespannte Eggen zeigen sich wirksamer als mit Ochsen bespannte, indem bei dem rascheren Gange der Pferde durch erhöhte Stoßwirkung die leichtere Zertrümmerung der Schollen erzielt wird. 7. Die Walze. Die Walze besteht aus einem Cylinder, welcher, in einem Gestelle gelagert, über den Boden gerollt, denselben drückt, ebenet, formt und verkleinert. Die Wirkung der Walze hängt von ihrem Gewichte, ihrer Länge (Breite) und ihrem Durch- messer ab. Das Gewicht und die Länge bestimmen den Druck, welchen die Walze auf den Boden ausübt. Je größer auf 1 Cm. Länge der Walze das Gewicht ausfällt, um so ausgiebiger wird dieselbe harte Schollen verkleinern. Bei einer 170 Cm. breiten Walze mit einem Gewichte von 360 Kilogr. vertheilt sich z. B. das Gewicht in der Weise, daß auf je 1 Cm. Länge ein Druck von 2.1 Kilogr, entfällt. Das Gewicht der Walze wechselt je nach der Art und Stärke des Materiales, welches entweder Stein, Holz oder Gußeisen sein kann. Steinerne Walzen werden ihrer Kostspieligkeit wegen nur für den Handgebrauch, seltener für die Bespannung verwendet. Die Walzen aus Ulmen-, Buchen- oder Eichenholz sind entweder massiv oder besonders bei größerem Durchmesser hohl. In letzterem Falle werden auf eine gemeinschaftliche Achse mehrere Radkränze aufgeschoben, über welche querüber dicht Allgemeine Ackerbaulehre. aneinander gefügt, starke Bohlen aufgelegt werden. Die hölzernen Walzen, welche ein geringeres Gewicht als eiserne besitzen, haben den großen Nachtheil, daß sie durch unregelmäßige Abnutzung leicht ihre regelmäßige Form verlieren. Am zweck- mäßigsten sind gegossene Walzen, welchen bei dem verschiedensten Gewichte die be- liebigste Form gegeben werden kann. Leichte, hölzerne Walzen haben ein Gewicht von 150—200 Kilogr., schwere hölzerne oder leichte eiserne und steinerne Walzen erreichen ein Gewicht bis zu 500 Kilogr. Sehr schwere eiserne Walzen wiegen 1000 und mehr Kilogr. Gewöhnlich ist das Gewicht der Walze unveränderlich, höchstens daß auf dem Gestelle ein Behälter zur Aufnahme von Steinen oder ähnlichen schweren Gegenständen angebracht ist. In neuerer Zeit fertigt man hohle Walzen, deren Gewicht beliebig durch verschiedene Fig. 56. Zweitheilige Ackerwalze von Amies, Barford u. Co. — Peterborough. Mengen von ein- geschüttetem Was- ser geändert werden kann. Fig. 56 zeigt eine derartige zwei- theilige, 2 M lange Ackerwalze von Amies, Barford u. Co. in Peter- borough aus dicht zusammengeniete- ten Kesselblech, welche mit 2 Oeffnungen zum Auffüllen oder Ablassen des Wassers versehen ist. Nach Perels E. Perels, Berichte über den landwirthschaftlichen Theil der Pariser Weltausstellung von 1867. II. S. 47. Berlin 1868. beträgt das Gewicht der Walze bei 50 Cm. Durch- messer leer 4.5, mit Wasser gefüllt 8 Kilogr. (Preis 304 Mark, 152 fl.); bei 70 Cm. Durchmesser 6 resp. 13 Kilogr. (Preis 420 Mark, 210 fl.). Die Länge der Walze muß, wie früher erwähnt, bei der Angabe des Gewichtes immer mit berücksichtigt werden. Sehr lange Walzen (2—2.5 Meter) sind nicht zweckmäßig, besonders wenn sie noch dazu aus einem Stücke angefertigt sind. Die- selben können sich nicht den Unebenheiten des Bodens anschmiegen und kommen daher stellenweise außer Wirksamkeit. Ungetheilte, lange Walzen wühlen beim Umkehren den Boden auf. Zur Vermeidung dieser Uebelstände theilt man die Walzen in zwei oder mehr Theile, welche entweder an einer gemeinschaftlichen oder noch zweckmäßiger an verschiedenen Achsen befestigt werden. Eine bekannte Form der getheilten Walze ist die Hohenheimer dreitheilige, gußeiserne Walze, bei welcher die einzelnen Cylinder von 0.5 M. Länge und 0.5 M. Durchmesser in einem gemeinschaftlichen, hölzernen Gestelle an drei Achsen derart befestigt sind, daß ein Cylinder vorausgeht und zwei andere rückwärts zur Seite nachfolgen. (Gewicht 3.5 Kilogr., Preis 170 Mark, 85 fl.) Noch zweckmäßiger ist die dreitheilige Walze von W. Siedersleben—Bernburg, Die Bodenbearbeitung. Fig. 57, welche den Vortheil besitzt, daß sich ihre einzelnen Theile in Gelenken selbstständig sowohl auf und nieder, als auch seitlich hin und her bewegen können. Fig. 57. Glatte, dreitheilige Gelenkwalze von W. Siedersleben \& Co. — Bernburg. — Breite 2.18 M., Durchmesser 36.6, 42 u. 47 Cm., Preis 300, 330 u. 360 Mark, 150, 165 u. 180 fl. Der Durchmesser der Walze wechselt von 0.3—1.1 M. Kleine Walzen zeigen sich bis zu einer gewissen Grenze wirksamer, indem sich bei denselben das Gewicht auf eine schmälere Berührungsfläche mit dem Boden vertheilt, und überdies zur Wirkung durch Druck noch die Wirkung durch Stoß hinzukommt. Gegen eine über- mäßige Verringerung des Durchmessers spricht jedoch die unverhältnißmäßige Vermehrung des Aufwandes an Zugkraft. Je größer der Durchmesser um so leichter werden sich die Walzen fortbewegen lassen und um so sicherer werden die Schollen, welche in diesem Falle nicht so leicht ausweichen können, zerdrückt werden. Je nach dem beabsichtigten Zwecke kommen außer glatten, cylindrischen Walzen manche andere Formen wie cannelirte, convexe oder concave, Scheiben- oder Ring-, Stachel- und Zapfenwalzen zur Verwendung. Die cannelirten Walzen oder Prismawalzen bestehen aus zwei oder drei großen Radkränzen, über welche mit der Kante nach Außen hölzerne oder schmiede- eiserne Stäbe gelegt werden, welche sich jedoch nicht gegenseitig berühren, sondern einen Zwischenraum frei lassen. Dieselben eignen sich vorzüglich zum Zerbrechen einer leichten Kruste und zum Unterbringen feiner Sämereien. Ihr Gewicht wechselt bei einer Breite von 2.5 M. und einem Durchmesser von 0.8—1.1 M. zwischen 940 bis 1450 Kilogr. (Preis 390—600 Mark, 195—300 fl.) Convexe oder concave Walzen werden nur selten angewendet. Erstere Walzen ( Furchenwalzen ) dienen zum Fest- und Glattdrücken der Beetfurchen um den Ab- lauf des Wassers zu erleichtern. Letztere benützt man zum Abwalzen von Beeten, welche jedoch sehr gleichförmig gepflügt sein müssen, wenn die Arbeit der concaven Walze befriedigen soll. Viel häufiger verwendet man wegen ihrer vorzüglichen Arbeit die Scheiben- oder Ringwalzen . Dieselben bestehen aus einer Mehrzahl an ihrem Umfange kantig zulaufender, gußeiserner Scheiben, welche in einer Reihe oder zur leichteren Reinhaltung in zwei in einander greifenden Reihen, wie in Fig. 58 (s. S. 144) an einem hölzernen Gestelle befestigt werden. Die Ringwalzen krümmeln den Boden viel kräftiger als glatte Walzen. Zuweilen verwendet man einfache Ringwalzen zur Herstellung einer Reihensaat. Beim breitwürfigen Aussäen der Samen fällt derselbe in die durch die Walze Allgemeine Ackerbaulehre. gebildeten Rinnen, welche dann mit der Schleife unter gleichzeitiger Bedeckung des Samens mit Erde ausgeglichen werden. In England verwendet man Walzen, welche Fig. 58. Ringwalze von W. Siedersleben \& Co. — Bernburg. — 20 und 21 Ringe, Durchmesser 42 Cm., Breite 7.34 M., Gcwicht 525 Kilogr., Preis 195 Mark, 97 fl 50 kr., mit Transporträdern um 45 Mark, 22 fl. 50 kr. mehr. aus zwei je 100 Kilogramm schweren Scheiben bestehen, die sog. Landpres- ser , um hohlgepflüg- ten Boden festzu- drücken und in Käm- me zu formiren. Die Ringwalzen bilden den Ueber- gang zu den Schollenbrechern , welche aus einer Mehrzahl auf einer Achse aufgeschobenen jedoch für sich beweglichen, schweren gußeisernen Ringen bestehen. Diese Ringe sind bei den Schollenbrechern am Umfange gezahnt und seitlich nahe dem Rande mit hervorstehenden Zapfen versehen, welche bewirken, daß Schollen, die zwischen zwei Ringe kommen, zerrieben werden. Diese Walzen, welche allerdings mit einem großen Aufwande von Zugkraft große, harte Schollen sehr wirksam verkleinern, erhalten ein bedeutendes Gewicht, gewöhnlich bei 1.58 M. Breite 1250 Kilogr., so- mit auf 1 Cm. Breite 8 Kilogr. Zu den leistungsfähigsten Walzen dieser Art ge- hört der Croskill'sche Schollenbrecher mit einem Gewichte bis zu 1500 Kilogr. (Preis für je 100 Kilogr. 40 Mark, 20 fl.) Den Uebergang von den Walzen zu den Eggen bilden die Stachelwalzen Fig. 59. Norwegische Rollegge. (Rolleggen). Dieselben be- stehen aus einer hölzernen Walze, welche mit eisernen 10—20 Cm. langen, 2 bis 2.5 Cm. starken Stacheln besetzt ist, oder wie bei der norwegischen Rollegge, Fig. 59, aus eisernen Sternen, welche auf einer oder mehre- ren eisernen Achsen aufge- schoben sind. Am wirk- samsten sind zwei-, dreireihige Stachelwalzen, welche sich gleichzeitig selbst reinigen. Die in der Fig. 59 dargestellte Rollegge besitzt noch den Vortheil, daß durch Heben oder Senken des eisernen Gestellrahmens mit dem rückwärts angebrachten Haspel ein seichteres oder tieferes Eingreifen der Stacheln in den Boden ermöglicht wird. Mit den Stachelwalzen werden selbst Schollen, die durch glatte Walzen sich nicht zerdrücken lassen, durchstochen und verkleinert. Zum Zerbrechen von Krusten bedient man sich der Krustenstachler , welche aus einer Mehrzahl kleiner, reichlich mit Stacheln besetzter Walzen bestehen und eine vorzügliche Arbeit verrichten. Die Bodenbearbeitung. Den Stachelwalzen ähnlich, nur mit viel geringerem Gewichte und daher mit größerer Breite gebaut, sind die Zapfenwalzen ( Markirwalzen ), an deren Um- fange in entsprechenden Entfernungen Zapfen eingesetzt sind. Dieselben haben den Zweck, in einen geebeneten Boden in regelmäßigen Abständen Löcher einzudrücken, in welche dann der Same hineingelegt oder die Pflanzen hineingesteckt werden. Bei der Kamm- cultur verwendet man zu demselben Zwecke kleine, hölzerne Hand-Markirtrommeln, welche ähnlich den Prismenwalzen mit ihren entsprechend weit gestellten Leisten die Kämme eindrücken und dadurch markiren. Für die Kleincultur verwendet man anstatt der mit Zugthieren bespannten Walzen die Handwalze , die Patsche und den Kloßhammer . Letzterer ein gestielter, starker hölzerner Schlägel wird zur Zertrümmerung, der nach der Bestellung des Feldes noch verbleibenden Schollen verwendet. Die Verschiedenartigkeit der Walzenformen läßt schon erkennen, daß die Walze ähnlich der Egge, zu den mannigfaltigsten Arbeiten gebraucht wird. Am häufigsten wird dieselbe verwendet, um den Boden zu verdichten, die Schollen zu verkleinern und den Boden zu ebenen oder zu formen. Durch das Abwalzen wird ein lockerer Boden verdichtet, bindiger. Unter- gepflügte Stoppeln, Düngermassen werden durch das Walzen an den Boden gedrückt und damit ihr schnelleres Verfaulen unterstützt. Bei Blachfrösten überwalzt man Wintergetreidesaaten, um durch Verdichten des Bodens den Nachtheil des Aus- frierens zu beseitigen. Durch die Verkleinerung der Schollen soll das Feld für die Saat vorbereitet werden. Ausgesäete feinere Sämereien wie Klee-, Gras-, Spergelsamen werden ab- gewalzt, um dieselben durch das Zerdrücken der Erdkrümeln und kleineren Schollen mit Erde zu bedecken oder an den Boden anzudrücken, damit sie dann sicherer an- keimen. Nach dem Aufgehen der Saat wird das Feld besonders mit der Stachel- walze bearbeitet, um eine durch Regengüsse entstandene Kruste, welche das weitere Eindringen des Regenwassers verhindert und das Aufgehen der Saat beeinträchtigt, zu zerbrechen. Auf dem glatt gewalzten und geebeneten Felde wird der richtige Anschluß der Drillbreiten leichter erzielt werden können, indem sich die Radspur der Drillmaschine kenntlicher eindrückt. Ebenso wird man die Linien und Punkte, welche der Marqueur (Reihenzieher) oder die Markirtrommel auf dem Felde bezeichnet, auf dem glatt gewalzten Felde leichter wahrnehmen. Das Ebenen durch die Walze erleichtert nicht nur den Gang der Säe-, sondern auch der Mähemaschine, ebenso das Mähen mit der Sense, welches sonst auf scholligem Felde nur bei Belassung höherer Stoppeln ausgeführt werden kann. Außer der Bodenbearbeitung wird die Walze auch zu verschiedenen anderen Zwecken verwendet. Zuweilen walzt man Wiesen zur Erleichterung des Mähens oder man walzt hohe grüne Pflanzen, welche als Gründüngung untergepflügt werden sollen, um dieselben sicherer durch den Pflug mit Erde zu bedecken. Schwere Walzen dienen auch zum Vertilgen mancherlei Ungeziefers, als Raupen, Schnecken u. dgl., Krafft, Lehrb. d. Landw. I. 10 Allgemeine Ackerbaulehre. welche durch Zerdrücken getödtet werden oder zur Beseitigung der Gänge, welche die Mäuse durch das Feld ziehen. Eine besondere Bedeutung erhält schließlich das Walzen für die Regelung der Feuchtigkeitsverhältnisse im Boden. In früherer Zeit wollte man durch das Walzen den Boden vor dem Austrocknen schützen. Nach den Untersuchungen von Dr. Neßler Dr. J. Neßler, Ueber Verdunstung des Wassers aus dem Boden. Landw. Wchbl. Wien 1870, S. 142. scheint jedoch bei mehr lehmigem und sandigem Boden im Gegentheile der gewalzte Boden in seiner Gesammtmasse durch Verdunstung mehr Wasser zu verlieren als der ungewalzte Boden. Dagegen bleibt die oberste Bodenschichte, deren Feuchtigkeitsgehalt für das Keimen der Pflanzen von Bedeutung ist, durch das Walzen feuchter, weil immer neues Wasser von unteren, dadurch aber um so mehr austrocknenden Schichten, aufsteigen kann. Oberflächlich gelockerte Erde trocknet an der Oberfläche rasch ab, bleibt aber in den tieferen Schichten feuchter, außerdem erleichtert dieselbe das Eindringen des Regenwassers. Um daher die Vortheile des Walzens ohne den Nachtheil des größeren Austrocknens zu erreichen, verwende man gerifte Walzen oder Ringwalzen, welche in den Boden Vertiefungen eindrücken, die vor dem Austrocknen durch den Wind besser geschützt sind. Neßler empfiehlt zur Erreichung desselben Zweckes den Boden nach dem Walzen mit einer leichten Egge, wenn auch nur sehr seicht wieder aufzurauhen. Der Zeitpunkt für die Ausführung der Walzenarbeit richtet sich nach dem beabsichtigten Zwecke. Im Allgemeinen wird erst dann zu beginnen sein, wenn der Boden soweit abgetrocknet, daß sich die Erde nicht anhängt oder gar schmiert. Durch Walzen eines nassen Feldes würde leicht eine Verkrustung desselben eintreten. Ist der Boden sehr schollig, so ist es geboten, nachdem man die unzerbrochnen, im Boden eingedrückten Schollen durch die Egge oder den Exstirpator hervorgezogen hat, das Walzen ein bis zweimal, immer nach einer anderen Richtung zu wiederholen. Je nach dem gewählten Zeitpunkte, der Breite und dem Gewichte der Walze schwankt die tägliche Leistungsfähigkeit von 1.6—5 Hectar. Der höhere Ansatz gilt für leichtere einspännige, 1.5—2.5 Meter breite, der niedere Ansatz für 2—4 spännige schwerere, 1—2 Meter breite Walzen. Stachelwalzen fertigen je nach ihrer Con- struktion 2—2.5 Hectar pro Tag ab. 8. Die Schleife. Die Schleife hat den Boden zu ebenen und oberflächlich zu lockern, ohne ihn zu- sammenzudrücken. Ihre Wirkung hält daher die Mitte zwischen der Wirkung der Egge und Walze. Die Schleife besteht aus einem unbeweglichen, 1.5 M. breiten, mit Strauchwerk verflochtenen oder auch ohne diesen ausgestatteten Rahmen, dessen Gewicht 10—15 Kilogr. beträgt. (Preis der belgischen Ackerschleife 6 Mark, 3 fl.) Zur Noth wird dieselbe auch durch eine auf den Rahmen gelegte Egge ersetzt. Um die Schleife wirksamer zu machen, stellt sich der Führer des Pferdes zur Beschwerung auf dieselbe. Die mit verästelten Zweigen verflochtene Strauchschleife oder Die Bodenbearbeitung. Dornegge , Fig. 60, verrichtet eine ähnliche Arbeit wie ein Besen. Für unebenen Boden verwendet man Schleifen, deren einzelne Theile beweglich sind und sich daher Fig. 60. Dornegge. den Bodenunebenheiten anschmiegen können. Derartige Schleifen, wie z. B. die belgische Balkenschleife, bestehen aus einer parallel an- geordneten Reihe von Balken, welche an einer Kette beweglich aufgeschoben und zur Verringerung der Abnützung an den unteren Kanten mit Eisenblech beschlagen sind. Die Schleife wird benützt um das Feld vor dem Säen mit der Maschine, zu ebenen und zu klären, damit die Radspuren der Säemaschine deutlicher sichtbar bleiben. Nach der Reihensäemaschine schleift man zuweilen die durch die Saatschare geöffneten Rillen zu, um den Samen besser mit Erde zu bedecken. Ebenso werden in Kämme gelegte Kartoffeln, auf rauher Furche oder auf durch die Ringwalze gerifften Boden gesäete Samen zugeschleift. Stoppeln, Unkrautwurzeln werden durch die Schleife bloßgelegt und können dann leichter entfernt werden. Zum Vermischen von pulver- förmigen Düngern mit dem Boden eignet sich die Schleife ganz vorzüglich. Maul- wurfshaufen, welche besonders auf Wiesen hinderlich sind, werden mit der Schleife auseinandergezogen und geebenet. 9. Die Dampfculturgeräthe. In neuerer Zeit erlangt die Bearbeitung des Bodens mit Anwendung der Dampfkraft Dr. E. Perels, Die Dampfbodencultur. Berlin 1870; Dr. E. Perels, Die An- wendung der Dampfkraft in der Landwirthschaft. Halle 1872. immer mehr Bedeutung, wenn auch einer allgemeineren Einführung derselben zur Zeit noch die hohen Anschaffungskosten der erforderlichen Dampfcultur- geräthe hinderlich entgegenstehen. Den größten Werth hat die tiefe und kräftige Be- arbeitung des Bodens mit dem Dampfpfluge, dem Dampfgrubber und der Dampf- egge, von minderem Belange ist die Verwendung der Dampfwalze, der Dampfsäe- maschine, der Dampfhackgeräthe, des Dampfrübenhebers und der erst kaum versuchs- weise ausgeführten Dampfmähemaschine. Die bewährteste Form des Dampfpfluges ist der von Fisken erfundene von John Fowler vervollkommnete Balancir- oder Kipppflug, Fig. 61 (s. S. 148). Derselbe besteht aus einem durch zwei große Fahrräder im Schwerpunkte unter- stützten, schmiedeeisernen Rahmen, an dessen beiden in einem stumpfen Winkel zu einander stehenden Seitentheilen in einer Reihe 4—8 stählerne Pflugkörper befestigt sind. Bei der Arbeit kommt nur ein Scharsatz, welcher durch das Gewicht des auf dem Rahmen sitzenden Führers niedergehalten wird, in Thätigkeit, während der 10* Allgemeine Ackerbaulehre. entgegengesetzte Rahmen mit seinen reihenweise angeordneten Pflugkörpern nach vor- wärts in die Höhe ragt. Ist der Pflug am Feldrande angelangt, so wird er um- gekippt und neben der vorher aufgeworfenen Furche in entgegengesetzter Richtung wieder fortgezogen. Fig. 61. Kippdampfpflug für Flachcultur zu sechs Furchen mit Stahlpflugkörpern von J. Fowler \& Co. — Leeds. — Preis 3060 Mark, 1530 fl. Für die Tiefcultur wird entweder ein besonders stark gebauter Kipppflug mit 2—5 Pflugkörpern oder noch zweck- mäßiger ein Grubber verwendet. Der Grubber ist entweder nach dem Kippsysteme oder nach dem Howard'schen Systeme mit doppel- wirkenden Arbeitstheilen, Fig. 62, (s. S. 149), construirt. Die Grubber letzterer Art bestehen aus 5—35 Cm. breiten, doppelwirkenden Zinken, welche zu 2—5 an einem sehr starken, stählernen Rahmen, etwas spielend, befestigt sind. Die Fahrräder des Grubbers werden durch den Führer gesteuert, der bei dem Kehren des Geräthes nur seinen Sitz zu wechseln hat. Beide Systeme, das Kippsystem im erhöhteren Maße, haben den Nach- theil, daß stets der nicht arbeitende Theil als todte Last über das Feld ge- führt werden muß. Dieser Uebelstand wird in neuerer Zeit bei den Um- wende-Cultivatoren gänzlich ver- mieden. Ein vorzügliches Geräthe dieser Art ist der neue, zweiräderige Umwende- Cultivator von J \& F. Howard, Fig. 63 (s. S. 150). Das Umwenden bei diesem Cultivator wird auf sehr einfache Weise bewerkstelligt. Sobald der Cultivator am Feldrande angelangt ist, so fängt das vom Cultivator rückwärts mitgeführte, abgewickelte Seil zu ziehen an. Der Culti- vator wird dadurch etwas nach rückwärts geschoben und das neue Fahrrad und mit diesem die Schare durch Aufstellen auf den mit einer Scharspitze versehenen Schuh gehoben. Der Cultivator kann nun nicht mehr weiter rückwärts gezogen werden, sondern wird nun auf der Drehscheibe des Schuhes für die nächste Furchen- reihe umgedreht. Die Bodenbearbeitung. Gleich zweckmäßig sind Howard's Patent- Dampfeggen deren doppel- wirkende Zinken rück- oder vorwärts, wie die Zinken des doppelwirkenden Grubbers arbeiten können. Der Antrieb des Pfluges oder sonstigen Culturgeräthes erfolgt entweder direct oder indirect. Bei dem älteren bereits verlassenen directen Systeme wird das Cultur- geräth nach oder vor einer über das Feld laufenden Dampfmaschine geführt. (Dampfpflug von James Usher in Edinburgh 1849 patentirt.) Gebräuchlicher ist die indirecte Bewegung des Pfluges ꝛc. durch ein Seil (meist ein Stahl- Drathseil) von der fest- stehenden Dampfmaschine aus. Bei dem älteren, in- directen Dampfpflugsysteme von Howard — Bedford, Round about system, Fig. 64 (s. S. 151), wird das 1506 M lange Drath- seil ringsum das Feld oder die Feldabtheilung über mehrere, verankerte Füh- rungsrollen c , d, e u. f laufen gelassen und durch einen, neben einer gewöhn- lichen, 12pferdigen Locomo- bile a aufgestellten Winde- apparat b in Bewegung gesetzt. Der Windeapparat besteht aus zwei Seil- trommeln, welche durch Kuppelungen in und außer Verbindung mit der Loco- mobile gebracht werden können. Wird die in der Zeichnung bei b links an- Fig. 62. F. \& F. Howard's doppelwirkender Dampf Cultivator. — Preis mit 5 Zinken 720 Mark, 360 fl.; mit 7 Zinken 1120 Mark, 560 fl. gedeutete Seiltrommel in Bewegung gesetzt, so wird durch Aufwinden des Seiles das bei g eingeschaltete Dampfculturgeräth in der Richtung des Pfeiles in Bewegung gesetzt. Bei d angelangt wird die Ankerrolle um die Pflugbreite gegen c zu versetzt, und nun die andere, rechtsseitige Seiltrommel in Bewegung gesetzt, welche den Pflug Allgemeine Ackerbaulehre. in der Richtung nach e zieht. Dieser Vorgang wiederholt sich so lange, bis das ganze Ackerstück unter steter Verkürzung des Seiles bearbeitet ist. Der allgemeineren Anwendung dieses Systemes stellt sich der Uebelstand entgegen, daß die Locomobile, der Pflug ꝛc. durch Zugthiere von einem Felde zum anderen geschafft werden müssen, Fig. 63. J. \& F. Howard—Bedford Patent-Umwende-Cultivator. — Preis mit 5 Scharen 1200 Mark, 600 fl.; mit 7 Scharen 1500 Mark, 750 fl. und mit 9 Scharen 1800 Mark, 900 fl. woselbst die neue Auf- stellung wieder viel Zeit in Anspruch nimmt. Bei dem neueren, ver- besserten Howard'schen Dampfpflugsysteme ist diesem Uebelstande durch Benützung einer oder auch zweier Stra- ßen-Locomobilen ab- geholfen. Ein großer Vorzug des Systemes, durch welchen dasselbe besonders für kleinere Besitzverhältnisse ge- eignet wird, besteht in den geringeren Kosten. Dieselben betragen für einen zehnpferdigen Dampf-Ackerbau-Ap- parat nach dem älteren stationären Systeme von J. \& F. Howard, bestehend aus einer Seilwinde mit 1506 Meter Stahl-Draht- seil, einem doppelwir- kenden Cultivator mit 5 Scharen und allen nöthigen Ankern, Seil- trägern ꝛc. ohne Dampf- maschine (5720 Mark, 2860 fl.), ein vier- schariger Pflug dazu (2040 Mark, 1020 fl). Die Leistungsfähigkeit des 4scharigen Pfluges beträgt für 1.1 Meter Gesammtbreite und 20 Cm. Tiefe bis zu 3.5 Hectar in zehn Stunden. Verbreiteter als das stationäre Howard'sche Dampfpflugsystem ist das Zwei- Die Bodenbearbeitung. maschinensystem von J. Fowler \& Co. in Leeds, Fig. 65 (s. S. 152). Bei demselben werden an jedem Feldrande zwei Straßenlocomotiven, unter deren Kessel je eine Seil- trommel angebracht ist, einander gegenüber aufgestellt. An beiden Seiltrommeln befindet sich je ein Ende des Drahtseiles, welches das eingeschaltete Dampfculturgeräth in Be- wegung setzt. Zunächst zieht die eine, in der Figur oben, aufgestellte Locomotive das Culturgeräth durch Aufwinden des Seiles auf seine Trommel an sich heran. Bei der Locomotive angelangt, wird das Geräth um seine Breite verrückt und umgestellt, damit es nun durch die Trommel der andern, unteren Locomotive herangezogen wer- den kann, während die losgekuppelte Trommel der oberen Maschine das Seil aus- wirft. Ist eine Furchenbreite bearbeitet, so fährt nach Anlagen des Culturgeräthes die Locomotive um die doppelte Geräthbreite weiter und die Arbeit beginnt von Fig. 64. Aufstellung der Apparate bei dem Howard'schen Dampfpflugsysteme. — a gewöhnliche Locomobile, b Windeapparat, c, d, e, f Ankerrollen, g Culturgeräth. Neuem. Dieses Zweimaschinensystem hat den ausschlaggebenden Vortheil, daß es leicht und schnell in Thätigkeit gebracht werden kann, ohne daß erst die annähernd 60 Tonnen schweren Apparate, die sich selbstthätig fortbewegen, durch Zugthiere wie bei dem Howard'schen Systeme fortgeschafft werden müssen. Ebenso erfordert es eine viel kürzere Länge des der Abnutzung unterliegenden Seiles. Häufig wird diesem Systeme nachgesagt, daß nur immer je eine der Maschinen in Thätigkeit ist. Diesem Einwande kann entgegengehalten werden, daß die Maschine mit der leergehenden Trommel Zeit gewinnt, um wieder die nöthige Dampfspannung anzusammeln, welche erheblich sinkt, sobald sie wieder in Thätigkeit kommt. Dieser Umstand erklärt es auch, warum das Zweimaschinensystem von Fowler, bei welchen jede Locomotive mit zwei Seiltrommeln ausgerüstet ist, damit 2 Culturgeräthe, in der Fig. 66 (s. S. 152), ein Pflug und ein Grubber gleichzeitig in Bewegung gesetzt werden können, sich nicht bewährt hat. Allgemeine Ackerbaulehre. Die Maschinen mußten in diesem Falle um die nöthige Spannung erhalten zu können, so stark gebaut werden, daß ihre Transportabilität trotz breiter Radfelgen sehr er- schwert wurde. Die großen Kosten des Zweimaschinensystems lassen jedoch dessen An- wendung nur unter bestimmten Verhältnissen als wirthschaftlich gerechtfertigt erscheinen. Ein aus folgenden Theilen bestehender, 14pferdekräftiger Apparat kostet: Zwei 14pferdige, Fig. 65. Fig. 66. Fig. 65. Aufstellung der Apparate bei den J. Fowler'- schen Zweimaschinen-Dampfpflugsystem. Fig. 66. Aufstellung des Zweimaschinensystems bei Ver- wendung von 2 Culturgeräthen. selbstfahrende Straßenlocomotiven mit Seilwindevorrichtung zum Pflügen und Riemenscheibe zum Betriebe von Dreschmaschinen ꝛc., 730 Meter Stahldrahtseil 36,860 Mark, 18,430 fl., dazu 1 Drei- furchenpflug zur Tiefcultur, 1 Fünffurchenpflug zur Flachcultur (Wanzlebenform), 1 Umwende- cultivator mit 7 Zinken, 1 Um- wende-Grubberegge, 2 Wasser- wagen, 5 kleine Seilträger, Re- servetheile und Werkzeuge zusam- men 15,680 Mark, 7840 fl.; 1 20pferdekräftiger Dampfpflug- apparat kostet zusammen 72,440 Mark, 36,220 fl.; ein 12pferde- kräftiger, completer Apparat 47,590 Mark, 23,795 fl. Die Leistung eines Apparates beträgt annähernd in 10 Arbeits- stunden mit dem Die Vortheile der Dampfbodencultur sind etwa folgende: 1. Höhere Ernteerträge, da die Bearbeitung des Bodens zu einer größeren und Die Bodenbearbeitung. gleichmäßigeren Tiefe vorgenommen werden kann und dabei die Lockerung bei der größeren Geschwindigkeit des Dampfluges gegenüber dem Gespannpflug viel kräftiger erfolgt. Eine kaum zu beachtende Ungleichheit in der Bodenbearbeitung entsteht nur dadurch, daß die Erdstreifen bei dem Hin- und Hergehen des Pfluges jedesmal nach einer anderen Richtung zerbrochen werden. Durch die höheren Ernteerträge allein, welche am bedeutendsten bei Mais und tiefwurzelnden Pflanzen, wie Zuckerrüben ꝛc. ausfallen, werden die größeren Kosten der Dampfbodencultur gegenüber der Spann- cultur reichlich, s. unten, ausgeglichen. 2. Die Bearbeitung kann zur richtigen Zeit vorgenommen und damit auch rückwirkend die nachfolgenden Culturarbeiten, besonders die Saat, rechtzeitig aus- geführt werden. Der auffallendste Unterschied wird sich in dieser Hinsicht bei schwer zu bearbeitenden Bodenarten und in regenreichen Gegenden ergeben, in welchen die zur Bodenbearbeitung verfügbare Zeit durch die Ungunst der Witterung wesentlich verkürzt wird. Bei der Spanncultur ist es nur bei sehr hohem Zugviehstande mög- lich, daß die Stoppel unmittelbar nach der Ernte umgebrochen werden kann, da ge- wöhnlich die Zugthiere mit dem Einführen der Ernte vollauf beschäftigt sind. Dieser Nachtheil entfällt bei der Anwendung der Dampfbodenbearbeitung. Der zeitgemäßen Ausführung der Culturarbeiten ist nicht zum geringsten Theile der höhere Ernteertrag bei der Dampfbodenbearbeitung zuzuschreiben. 3. Durch die Dampfbearbeitung wird das Zusammentreten des Bodens durch die Hufe der Zugthiere (per Hektar 4spännig ungefähr 400.000 Tritte) vermieden; dagegen ist allerdings das Zusammendrücken des Bodens durch die Räder und Pflug- sohlen des etwa 2000 Kilogr. schweren Balancirpfluges zu beachten. 4. Ersparung an Spannarbeitskraft, da zur Bedienung eines Zweimaschinen- apparates nur 4 Mann, 2 Jungen und 1—2 Pferde für die Wasser- und Kohlen- zufuhr erforderlich sind. Unter Umständen läßt sich der Zugviehstand bei Einführung der Dampfcultur bis zu ⅓ verringern. Nachtheile des Dampfpfluges sind seine bedeutenden Anschaffungs- und Unter- haltungskosten. Die Dampfbodencultur wird daher nur dort wirthschaftlich gerecht- fertigt sein, wo genügendes Capital zur Verfügung steht oder sie durch Miethpflügen ausgeführt werden kann. Ebenso erscheint sie nur dort am Platze, wo die nicht zu unebene, mit keinen Haftsteinen versehene Bodenfläche so groß, daß der Dampfflug mindestens durch 150 Tage im Jahre ausreichende Beschäftigung findet. Auf der Domaine Bellye—Ungarn mit bindigem Boden betragen z. B. die Dampf- ackerungskosten per 1 Hectar im Durchschnitte der 252tägigen Campagne auf eine Tiefe von 36.8 Cm. 44.20 Mark (fl. 22.10.), von 21 Cm. 31.40 Mark (fl. 15.70.), für das Grubbern auf 31.6 Cm. 24.44 Mark (fl. 12.22.) bei einem Preise von 2.44 Mark (fl. 1.22.) für das Kilogr. schlechter Kohle und mit Einrechnung von 20 % Amortisation, Verzinsung und Reparatur. Dagegen betragen die Ackerungskosten mit einem Viergespann Ochsen für 1 Hectar auf eine Tiefe von 26.3—28.9 Cm., bei einer durchschnittlichen Tagesleistung von 0.065 Hectar, 36.70 Mark (fl. 18.35.), für eine 2spännige Ackerung bei 0.065 Hectar Tages- leistung 18.42 Mark (fl. 9.21.). Allgemeine Ackerbaulehre. VI. Die Düngung. Der im Boden enthaltene Vorrath an Pflanzennährstoffen erleidet im Verlaufe der Zeit in verschiedenem Sinne eine mannigfaltige Veränderung. Durch die Ernte der Culturpflanzen wird derselbe um jenen Theil der Nährstoffe, welcher von den Pflanzen aus dem Boden aufgenommen wurde, vermindert, während demselben durch die unausgesetzt thätige Verwitterung stets neue Mengen, jedoch auf Kosten des noch unzersetzten Gesteines zugeführt werden. Durch den Anbau tiefwurzelnder Pflanzen, den Hackfruchtbau, die Tiefackerung, die Brache, den Fruchtwechsel, welche in früherer Zeit als bodenbereichernde Cultur- maßregeln angesehen wurden, wird zwar die Verwitterung beschleunigt und werden noch unberührte Bodenschichten für die Pflanzenernährung herangezogen, aber die Erschöpfung des Bodens an gebundenen und aufnehmbaren Nährstoffen zusammen- genommen nicht hintan gehalten, sondern noch erheblich vermehrt. In allen Böden, mit Ausnahme jener, welchen durch Ueberschwemmungs- oder Untergrundswasser Mineralsalze zugeführt werden, reicht daher die Verwitterung und die dieselbe befördernden Culturmaßregeln, welche die gebundenen Nährstoffe nur aufnahmsfähig machen können, nicht aus, um dem Boden die durch die Pflanzen- ernten entnommenen Nährstoffe wieder zu ersetzen. Wenn der Boden für das Wachs- thum der Culturpflanzen nicht ungeeignet, pflanzenmüde werden soll, so muß dieser Ersatz durch eine entsprechende Nährstoffzufuhr von Außen, durch die Düngung Dr. E. Heiden, Lehrbuch der Düngerlehre. 2. Band. Stuttgart. 1866—1868; Dr. E. Wolff, Praktische Düngerlehre mit einer Einleitung über die Nährstoffe der Pflanzen und die Eigenschaften des Culturbodens. 5. Aflg. Berlin 1874. gegeben werden. Durch letztere allein ist es möglich, den Nährstoffvorrath im Boden je nach dem wirthschaftlichen Bedarfe auf einer den Anforderungen der Pflanze an- gemessenen Höhe zu erhalten. Der Dünger wirkt jedoch nicht allein durch die in demselben enthaltenen Pflanzen- nährstoffe, sondern auch durch seinen Einfluß auf die Verwitterung und durch die Wiederherstellung des günstigen physikalischen Bodenzustandes, welcher durch die Pflanzenvegetation und die Witterungseinflüsse verschlechtert wurde. Die Düngung hat daher den Zweck, dem Boden mit Rücksicht auf seinen Nähr- stoffvorrath jene Nährstoffe, welche zur vollkommenen Entwickelung der nach der Düngung anzubauenden Pflanzen erforderlich sind, zuzuführen und einen günstigen physikalischen Zustand des Bodens herzustellen. Bei dem Ersatze, der durch die Ernten dem Boden entzogenen Nährstoffen ist noch weiter, abgesehen von dem wirthschaftlichen Vortheile, die Frage zu beachten, welche Nährstoffe im Dünger ersetzt werden sollen. Von den verschiedenen Nährstoffen, welche die Pflanze zu ihrer Entwickelung Die Düngung. benöthigt, wird der Kohlenstoff in so reichlicher Menge in der atmosphärischen Kohlensäure der Pflanze zur Verfügung gestellt, daß eine Zufuhr derselben in den Boden nicht erforderlich ist. Bei blattreichen Pflanzen, wie Hülsenfrüchte, Klee, welche vorzugsweise die Fähigkeit haben, durch ihre Blätter Kohlensäure aus der Luft auf- zunehmen, ist es selbst möglich, daß durch die Wurzelrückstände eine Bereicherung des Kohlenstoffgehaltes im Boden eintritt. Aehnliches gilt von dem Wasserstoff und von dem Sauerstoff, auf deren Zufuhr in den Boden durch den Dünger gleichfalls keine Rücksicht zu nehmen ist. Der Stickstoff gelangt zwar in der Form von Ammoniak oder Salpetersäure durch den Regen in den Boden, doch sind diese Zuflüsse meistens so gering, daß sie die Entnahme von Stickstoff durch die abgeernteten Pflanzen nicht auszugleichen ver- mögen. Wenn daher der Boden nicht reich genug mit verwesender, stickstoffhaltiger organischer Substanz versehen ist, so wird eine Stickstoffdüngung günstig auf das Pflanzenwachsthum einwirken. Ueberdieß befördern die Stickstoffverbindungen den Stoffumsatz und die Löslichmachung der Nährstoffe im Boden. Von den Stoffen, welche zum Aufbaue der organischen Substanz von den Pflanzen verwendet werden, braucht daher nur der Stickstoff und auch dieser nicht in allen Fällen durch die Düngung dem Boden zugeführt zu werden. Dagegen müssen alle übrigen Nährstoffe, welche den unorganischen Theil der Pflanzen zusammensetzen und welche ausschließlich nur im Boden enthalten sind, mit Ausnahme jener, die in so großer Menge im Boden vorkommen, daß ihre Verminderung unbedenklich ist, durch die Düngung in jenen Mengen, als sie durch die Ernten dem Boden entnommen wurden, wieder ersetzt werden. Unter den verschiedenen Aschenbestandtheilen erfordert die Zufuhr der Phosphor- säure und des Kali besondere Beachtung, indem die Pflanzen im Verhältnisse zu dem Vorkommen dieser Nährstoffe im Boden bedeutende Mengen derselben beanspruchen. Kalk, Magnesia, Kieselsäure, Schwefelsäure sind gewöhnlich in überflüssiger Menge im Boden vorhanden. Ihre Zufuhr wird daher erst dann nothwendig, wenn in einem Boden ein Mangel an diesen Nährstoffen eintritt. Natron, Chlor, Eisen und Mangan sind gewöhnlich, im Vergleiche zu dem geringen Gehalte der Pflanzenaschen an diesen Stoffen, in reichlicher Menge in dem Boden enthalten, weshalb eine Zu- fuhr dieser Stoffe im Dünger von allen Bodennährstoffen am wenigsten erforderlich sein wird. Als ungefähren Anhaltspunkt über die Menge an Stickstoff und Aschenbestandtheile, welche durch die Ernte von je 1000 Kilogr. lufttrockener Substanz dem Boden entnommen werden, mögen nachfolgende Zahlen Ausführlichere Zahlenangaben siehe „E. Wolff Aschen-Analysen von landw. Pro- ducten, Fabrik-Abfällen und wildwachsenden Pflanzen“. Berlin 1871 oder E. Wolff, Die mittlere Zusammensetzung der Asche. Stuttgart 1865. dienen. Unter einem führen wir in der Tabelle einige thierische Producte an durch deren Verkauf indirect eine Ausfuhr von Bodennährstoffen erfolgt: Allgemeine Ackerbaulehre. Als Beispiel für die Mengen an Bodennährstoffen, welche in einer Fabrikswirth- schaft G. Krafft, Ein Großgrundbesitz. Wien 1872. S. 151. durch den Verkauf von Körnern, Zuckerrüben und thierischen Producten dem Boden entnommen werden, mögen folgende Zahlen dienen: Die Pflanze beansprucht jedoch nicht nur jene Stoffmengen, welche bei ihrer Ernte, in derselben vorgefunden werden, sondern noch einen beträchtlichen Ueberschuß, wenn sie normal gedeihen soll. Wie groß dieser Ueberschuß oder der Vorrath an Die Düngung. assimilirbaren Nährstoffen sein muß, läßt sich zur Zeit noch nicht ziffergemäß an- geben. Nur so viel steht fest, daß dieser Vorrath nicht unter ein bestimmtes Mini- mum (S. 42) herabsinken darf, wenn eine vollkommene Pflanzenvegetation erzielt werden soll. Sind nur geringe Mengen eines Nährstoffes im Boden vorhanden, so wird übrigens die Pflanze, die zu ihrem Gedeihen nothwendige Quantität nur dann sammeln können, wenn durch den physikalischen Zustand des Bodens, besonders der Lockerheit desselben, der Wurzelentwickelung kein Hinderniß entgegengestellt wird. Je nach dem Nährstoffvorrathe und der physikalischen Beschaffenheit des Bodens wird sich die Wirksamkeit ein und desselben Düngemittels verschieden herausstellen. Von den verschiedenen Bodenskelettheilen verhält sich z. B. der Quarz W. Knop, Die Bonitirung der Ackererde. S 90. ganz indifferent bei der Zersetzung der humosen Substanzen und der Dünger, indem der- selbe gar keine Absorption und gar keinen Einfluß auf eine Lösung von Pflanzen- nährstoffen auszuüben vermag. Den Gegensatz zum Quarze bildet der Thon, welcher den entschiedensten Einfluß auf die humosen Substanzen und die Verwesung des Düngers nimmt. Bei seiner hohen Absorptionsfähigkeit entzieht er einer Nährstofflösung besonders Kali, Ammoniak und Phosphorsäure, während die feinsten Humustheilchen fest an dem Thone an- haften. Durch die Bildung von im Wasser unlöslicher, humussaurer Thonerde und humussauren Eisenoxyd wird die Humussubstanz lange conservirt. Der Kalkboden wirkt besonders verzehrend auf humusreiche Düngemittel, indem sich der Humus in der im Wasser unlöslichen Verbindung des humussauren Kalk rascher oxydirt als für sich allein. Kalkböden verzehren den Humus. Der Gypsboden mit geringer Absorptionsfähigkeit verhält sich im Ganzen passiv. Eine Gypslösung macht im Boden gebundenes Kali wieder frei. Die Wahl der Düngemittel hat sich daher je nach den verschiedenen Boden- classen zu richten. Diese Verschiedenheit in der Wirksamkeit der Düngemittel ist auch Ursache, daß sich die Resultate von Düngungsversuchen nicht ohne weiteres von einem Orte auf den andern übertragen lassen. Die Düngungsversuche haben in Folge dessen nur für jene Oertlichkeiten, an welchen sie ausgeführt wurden, einen sehr hohen Werth. Fassen wir die bisherigen Erörterungen, welche ihre Fortsetzung in der Betriebs- lehre finden werden, zusammen, so ergiebt sich, daß für die Ausführung der Düngung nicht nur der Stoffgehalt des Düngemittels, sondern auch das Bedürfniß der Pflanze und die Beschaffenheit des Bodens maßgebend sind. Als ungefähren Anhaltspunkt zur Beurtheilung der Mengen an Pflanzennährstoffen, welche durch je 1000 Kilogr. der wichtigeren Düngemittel in den Boden gebracht werden, führen wir nach denselben Ouellen , wie oben, die nachstehenden Mittelzahlen an: Allgemeine Ackerbaulehre. Bezüglich des frischen Mistes (mit Streu) ist angenommen, daß bei Pferden, Rind- vieh und Schweinen ein Drittel des producirten, frischen Urins aus dem Stalle abläuft und in den Jauchengruben sich ansammelt; als Streu sind für ein Pferd 3 Kliogr., ein Stück Rindvieh 4 Kilogr., ein Schwein 2 Kilogr. und für ein Schaf 0.3 Kilogr. Weizenstroh täglich berechnet worden. Je nach der Wirkungsweise der einzelnen Düngemittel unterscheiden wir dieselben in folgender Weise: 1. Dünger, welche durch ihren Stoffgehalt wirksam sind und zugleich die physikalische Beschaffenheit des Bodens beeinflussen. Dahin gehört vor allem der Stallmist. In früherer Zeit bezeichnete man diesen Dünger wegen seiner viel- seitigen Wirkungsweise bei der Anwendung auf den verschiedensten Bodenarten als Haupt- oder Normaldünger. Nachdem derselbe alle von den Pflanzen beanspruchten Nährstoffe in hinreichender Menge und in assimilirbaren Formen enthält, so wird der- selbe sowie, die weiteren Dünger dieser Gruppe, als absoluter Dünger J. Moser, Grundzüge der Agricultur-Chemie. Wien 1857. S. 166. bezeichnet. Die Düngung. 2. Dünger, welche vorzugsweise wegen ihres Stoffgehaltes zur Verwendung gelangen. Dieselben führen dem Boden nur einzelne Nährstoffe zu, weshalb sie zum Unterschiede von den absoluten Düngemittteln als relative Dünger bezeichnet werden. Düngemittel dieser Art faßt man auch unter den Namen Hilfsdünger, Beidünger, concentrirter, künstlicher Dünger, Kunstdünger, Handelsdünger, Special- dünger zusammen. 3. Dünger, welche vorzugsweise wegen ihres Einflusses auf die physikalische Beschaffenheit des Bodens zur Anwendung gelangen. Dieselben können viele (Mergel) oder nur wenige (Gyps) oder nur einen Nährstoff (gebrannter Kalk) enthalten. Dieselben können mineralischen oder wie die Gründünger und Ernterückstände, organischen Ursprunges sein. Dünger dieser Art bilden als sog. Bodenverbesse- rungsmittel oder indirect wirkende Dünger den Uebergang von der Düngung zu jenen Culturmaßregeln, welche wir in dem Capitel „Die Standortsverbesserung“ besprochen haben. 1. Die absoluten Düngemittel. Die absoluten Düngemittel bilden oft das ausschließliche Düngematerial in der Landwirthschaft, welches nur in Ausnahmsfällen ganz entbehrt werden kann. Durch dieselben, besonders durch den Stallmist, werden dem Boden gewöhnlich mit dem größten wirthschaftlichen Vortheile die erforderlichen Pflanzennährstoffe zugeführt. Die Ertragsfähigkeit eines Bodens hängt jedoch nicht allein von seinem Vorrathe an Nährstoffen ab, sondern unter andern auch von seinen physikalischen Eigenschaften, welche zu erhalten und zu verbessern bei den meisten Bodenarten nur durch eine von Zeit zu Zeit wiederkehrende Stallmistdüngung ermöglicht wird. Absolute Düngemittel sind 1. der Stallmist, 2. die Jauche, 3. die Excremente der Menschen, 4. der Compostdünger. 1. Der Stallmist. Der Stallmist bildet ein Gemenge der festen und flüssigen Ausscheidungen der Hausthiere mit dem verschiedensten Streumaterial. Sein Werth hängt sowohl von a. dem Werthe der thierischen Ausscheidungen ab, als auch von b. dem Werthe des Streumateriales, von c. der Mistart und von d. der Behandlung des Düngers bis zu seiner Verwendung. Im Anschlusse verdient noch die Jauche und die flüssige Düngung Erwähnung. a. Die Excremente der Thiere . Der Werth der thierischen Ausscheidungen richtet sich nach der Beschaffenheit des Futters und nach der Art und dem Ernährungszustande des Thieres. Aus dem aufgenommenen Futter nimmt sich der thierische Organismus durch seinen Verdauungsapparat alle jene Stoffe heraus, welche zu seiner Erhaltung erforderlich sind. Alle übrigen, unverdaut gebliebenen Bestandtheile des Futters werden als feste Excremente ausgeschieden. Der in den Thierkörper über- Allgemeine Ackerbaulehre. gegangene, verdauliche Theil der Nahrung wird jedoch nach seiner Verwendung zum Aufbaue der thierischen Substanz und zur Kraftentwickelung durch den Stoffwechsel des Thieres wieder ausgeschieden und zwar entweder in gasförmiger Form durch die Länge ausgeathmet und durch die Haut transpirirt oder in flüssiger Form durch den Harn abgesondert. Ein ausgewachsenes Thier, welches unter normalen Verhält- nissen sein Gewicht nur innerhalb geringer Schwankungen ändert, wird daher nahezu eben so viele Stoffe ausscheiden als es in der Nahrung aufgenommen hat. Nach den Untersuchungen über die Respiration des Rindes und Schafes mit dem Respirationsapparate in Weende von Henneberg, G. Kühn, M. Märcker, E. Schulze, H. Schultze ꝛc. Journal für Landwirthschaft. (Organ der landw. Versuchsstation Weende.) 1870. Göttingen. S. 190. ergeben sich im Durchschnitte der Versuchsperiode für das volljährige Schaf (Hammel) bei sog. Normalfutter (Wiesenheu) im Beharrungszustande folgende Beziehungen zwischen dem Futter und den gesammten thierischen Ausscheidungen: Stoffwechselgleichung pro Kilogr. Körpergewicht (Lebendgew. excl. Wolle) in Grammen Wasserüberschuß (entspr. Wasser aus 0.666 Wasserstoff gebildet) 5.988. (1.741—0.209) = 1.532 Körperansatz excl. Wolle, Minus 0.029 Körperzuschuß = 1.503 Zunahme des eigent- lichen Körpergewichtes. Die Düngung. Für die Düngerwirthschaft geht bei Erhaltungsfutter Unter Erhaltungsfutter versteht man jenen Theil des Futters, welcher erforderlich ist um das Thier am Leben zu erhalten. Bei der Verabreichung desselben verbleibt der Thierkörper in einem gewissen Beharrungszustande, in welchem derselbe sich anscheinend nicht verändert. nur jener Theil der Stoffe, welche als Respirationsproducte gasförmig ausgeschieden werden, verloren. Dieser Verlust ist jedoch bedeutungslos, da er vorzugsweise nur Stoffe wie Kohlen- stoff, Wasserstoff und Sauerstoff betrifft, welche keinen Düngerwerth besitzen. Die für die Düngerwirthschaft allein wichtigen Mineralstoffe und der Stickstoff finden sich in den festen und flüssigen Ausscheidungen der Thiere vollständig wieder. Werden von den Nutzthieren außer den Excrementen und dem Harne, noch nutzbare Stoffe hervorgebracht, so ändert sich etwas dieses Verhältniß. In diesem Falle tritt ein Verlust an Aschenbestandtheilen um jenen Betrag von Mineralsubstanzen ein, welche in den von den Thieren producirten, nutzbaren Stoffen enthalten sind. Erfolgt ein, wenn auch nur geringer Wolleansatz (s. die obige Tabelle) so tritt schon um den Gehalt der Wolle ein Verlust an Mineralsubstanzen ein. Bei einem volljährigen Mastochsen wird dieser Verlust am geringsten ausfallen, indem die Zunahme des- selben größtentheils in Fett besteht. Der Mastviehdünger wird daher schon deshalb werthvoller, als von einem anderen Nutzthiere sein. Bei einer Kuh, welche Milch giebt oder welche trächtig ist, wird der Aschengehalt des Düngers um jenen Betrag verkürzt, welcher in der Milch (s. die Tabelle S. 156) enthalten ist. Ein heran- wachsendes Thier wird gleichfalls einen Theil der Asche des Futters zur Ausbildung seines Körpers, besonders der Knochen verwenden. Der Dünger eines Kalbes kann daher um ein Vielfaches ärmer an Aschenbestandtheilen, besonders an Phosphorsäure und Kali sein, als der Dünger eines Mastochsens. Eine besondere Bedeutung für die Düngerwirthschaft hat die Vertheilung der einzelnen Mineralstoffe des Futters auf Koth und Harn. Im Allgemeinen stimmt dieselbe mit den Löslichkeitsverhältnissen der Mineralstoffe überein. Im Harn finden sich vorzugsweise, neben Harnstoff, Hippursäure, Harnfarbstoffe ꝛc. — den Rückbildungsstoffen der stickstoffhaltigen Futterbestandtheile —, die leicht löslichen Alkalien, während die schwer löslichen, alkalischen Erden, der Kalk, dann die Kiesel- säure, die Phosphorsäure neben den unverdaulichen Futterbestandtheilen in den festen Excrementen ausgeschieden werden. Der werthvollste Dünger wird daher nur dann gewonnen, wenn die Excremente und der Harn, welche sich in ihrem Gehalte an Pflanzennährstoffen gegenseitig ergänzen, gemeinschaftlich gesammelt und verwendet werden. Ein besonderes Interesse in Betreff des Kreislauses der Mineralstoffe bieten die oben angeführten Fütterungsversuche Journal f. Landwirthschaft. Göttingen 1870. S. 258 u. 259. . Die gefundenen Durchschnitte pro Tag und Kilogramm Körpergewicht giebt die nachfolgende Tabelle: Krafft, Lehrb. d. Landw. I. 11 Allgemeine Ackerbaulehre. Aus dem Vorstehenden ergiebt sich, welchen großen Einfluß die Fütterung der Thiere auf die Menge und die Güte des Düngers ausübt. Je reichlicher die Er- nährung der Thiere, in einem je besseren Ernährungszustande die Thiere sich befinden, um so werthvoller wird der Dünger ausfallen. Die Ausscheidungen eines gut genährten Thieres können doppelt so hohen Düngerwerth erlangen als die eines schlecht gefütterten. Schließlich wird es jedoch für den Werth der Excremente nicht gleichgiltig sein, durch welche Thierart das Futter verzehrt wird, und welchem Nutzungszwecke dieselbe dient. Auf letztere Beziehung haben wir bereits weiter oben aufmerksam gemacht. Die Unterschiede des Düngers je nach der Thierart, von welcher derselbe abstammt, sind vorzugsweise durch die verschiedene Fütterungs-, Tränkungs- und Ernährungs- weise der einzelnen Thierarten bedingt. Auf dieselben soll weiterhin unter Dünger- arten noch näher eingegangen werden. Für die Beziehungen zwischen dem Futter und den festen und flüssigen Ausscheidungen bei verschiedenen Thieren führt Dr. E. Wolff Dr. E. Wolff, Praktische Düngerlehre. Berlin 1874. S. 77—79. unter Zugrundelegung der Resultate neuerer Fütterungsversuche folgende Zahlen an. Von 100 Theilen der betreffenden Substanz wurden gefunden: Die Düngung. b. Das Streumaterial . Außer den flüssigen und festen Ausscheidungen der Thiere besteht der Stallmist noch aus dem Streumateriale. Dasselbe hat, abgesehen von der Aufgabe den Thieren ein trockenes und warmes Lager zu gewähren, den Zweck, die vollständige Gewinnung des Kothes und Harnes zu ermöglichen. Außerdem soll durch die Streu die Zer- setzung des Düngers geregelt werden. Man hat es daher in der Hand, durch die Wahl des Streumateriales auf eine Verzögerung oder Verringerung der Dünger- zersetzung hinzuwirken. In den meisten Fällen wird schließlich der Werth des Düngers durch die Beigabe des Streumateriales um den Aschengehalt des Letzteren erhöht. Den erwähnten Anforderungen an ein gutes Streumaterial entsprechen am meisten die verschiedenen Stroh arten. Von denselben wird am häufigsten das Wintergetreidestroh zur Einstreu verwendet, während das Gerste- und Haferstroh wegen seines größeren Futterwerthes seltener zu diesem Zwecke benützt wird. Die Menge der erforderlichen Stroheinstreu beträgt gewöhnlich ⅓ der Trockensubstanz des Futters. Das Stroh nimmt nicht nur durch seine Höhlungen sicher die Jauche auf, sondern hält dieselbe auch von Außen durch Adhäsion fest und trägt durch seine Beschaffenheit wesentlich zur Festhaltung der festen Excremente bei. Die Schnellig- keit der Düngerzersetzung richtet sich nach der Höhe seines Stickstoffgehaltes; durch die Beimischung des Strohes, einem Materiale mit geringem Stickstoffgehalte, wird daher die Zersetzung der Düngermasse verlangsamt. Bei Mangel an Stroh verwendet man an Stelle desselben, jedoch meistens mit viel geringerem Erfolge verschlemmtes oder durch den Regen verdorbenes Heu, schlecht eingebrachtes, befallenes Hülsenfruchtstroh, besonders Erbsen-, Pferdebohnenstroh, auch Maisstengel, Kartoffelkraut, Schilf, Teichgras ꝛc. An Meeresküsten verwendet man mit vielem Vortheile die oft in großen Quantitäten von dem Meere ausgeworfenen Tangmassen. Dieselben bestehen an den deutschen Meeren meistens aus dem Blasen- tang ( Fucus versiculosus L ) und dem sich etwas langsamer zersetzenden Seegras oder Wasserriemen ( Zostera marina L ). Dieselben zeichnen sich besonders durch einen hohen Aschen- und Natrongehalt aus. Alle genannten Streumaterialien stehen jedoch in der Brauchbarkeit gegenüber dem Strohe zurück. Dasselbe gilt von dem Streumateriale, welches dem Walde entnommen wird. Das gewöhnlichste Streumaterial, welches der Wald liefert, ist die Hackstreu — kurz gehacktes Kiefern- oder Fichtenreisig —, die Laubstreu — die dürren, abgefallenen Blätter der Laubholzbäume — und die Waldstreu — der zusammengerechte Ueberzug des Waldbodens als Moos, Haide ꝛc. Mitunter verwendet man auch die von den Brettsägen abfallenden Sägespäne als Einstreu. Der Werth dieser Streusurrogate steht in keinem Verhältnisse zu dem Nachtheile, welcher dem Walde durch die Ent- nahme der Streu zugefügt wird. Wenn auch die Aufsaugung des Harns durch die Nadel- und Laubstreu selbst größer als bei den Stroharten ist, so ist doch die Fest- haltung der festen Excremente eine ungenügende. Die genannten Streumaterialien sind fast durchgängig arm an Pflanzennährstoffen. 11* Allgemeine Ackerbaulehre. 1000 Kilogr. Buchenblätter enthalten z. B. nur 2.3 Kilogr. Kali, 2.4 Kilogr. Phos- phorsäure; Kiefernadeln 1.0 Kilogr. Kali und 1.0 Kilogr. Phosphorsäure, somit eine Menge von Kali, welche in 6, resp. 3 Kilogr. dreifach concentrirten Staßfurter Kalisalz oder eine Menge von Phosphorsäure, welche in 10, resp. 4 Kilogr. Knochenmehl enthalten ist. Die dem Walde entnommenen Streumaterialien sind überdies meist schwer zer- setzbar. Am meisten Werth haben dieselben noch für bindige Thonböden, welche durch die Beimengung von Waldstreu gelockert werden. Den vortheilhaftesten Ersatz für das Stroh bildet die Erde , eine je größere wasserfassende Kraft und eine je größere Absorptionsfähigkeit dieselbe besitzt. Am geeignetsten zur Einstreu ist daher Torf und humose Erde. Ein Hinderniß bei ihrer Verwendung bildet nur ihr großes Gewicht, welches die Transportkosten des Düngers erhöht. Ueber die Jauchenaufnahme einer Mehrzahl von Streumaterialien geben die Unter- suchungen von Dr. J. Breitenlohner Chemische Untersuchungen im Gebiete des Düngerwesens. Centralbl. f. d. ges. Landes- cultur. 1868 u. 1869. bemerkenswerthen Aufschluß. Dieselben erfordern jedoch noch eine Berichtigung durch die Einbeziehung der festen Excremente in die Unter- suchung: Bei gleichen Gewichtstheilen nehmen daher Torf durch Cappillarität und Laub durch Flächenadhäsion am meisten, Reisig am wenigsten Jauche auf, Roggenstroh steht in der Mitte der Extreme. Erde und Torf (am meisten die Erde) wirken dabei absorbirend auf die Jauche, während alle anderen Materialien, am auffallendsten das Bohnenstroh, ausgelau gt werden. c. Die Stallmistarten . 1. Der Rindviehmist . Unter den Stallmistarten, welche in gewöhn- lichen Wirthschaftsverhältnissen producirt werden, liefert die Rindviehhaltung die größten Massen. Bei der vielfältigen und oft wechselnden Ernährungsweise des Rindviehes mit Trockenfutter, Grünfutter, Wurzelwerk, Abfälle technischer Gewerbe ꝛc. wechselt naturgemäß die Beschaffenheit, besonders der Wassergehalt des Rindvieh- düngers bedeutend. Gewöhnlich nehmen die Milchkühe bei Winterfütterung auf 1 Kilogr. Trockensubstanz im Futter und dem Tränkwasser 4 Kilogr. Wasser, bei Grünfütterung selbst bis zu 6 Kilogr. Wasser auf. Von dieser Wassermenge werden Die Düngung. jedoch für die Milchsecretion und die Ausscheidung durch Lunge und Haut 1—2 Kilogr. in Anspruch genommen, erst das Ueberbleibende geht in den Dünger. Jungvieh und im Erhaltungsfutter stehende Ochsen nehmen etwas weniger, etwa 3—4 Kilogr. Wasser auf 1 Kilogr. Trockensubstanz auf, dafür geht dasselbe vollständiger in den Dünger über. Der Rindviehstallmist enthält daher 20—30 Procent Trockensubstanz und 70—80 Procent Wasser. (Siehe die Tabelle auf S. 158). In Folge dieses großen Wassergehaltes geht die Fäulniß und Verwesung des Rindviehdüngers nur langsam vor sich; in Haufen gesetzt erwärmt er sich nicht sehr rasch. Seine Wärmecapcität ist eine hohe, man bezeichnet ihn daher als kalten Dünger. Wegen seiner Eigen- schaften kann er in großen Mengen auf einmal angewendet werden. Die langsame Zersetzung desselben ist Ursache, daß seine Wirkung auf das Pflanzenwachsthum durch längere Zeit 3—4 Jahre anhält. Am geeignetsten ist derselbe für Bodenarten von geringerer Wärmecapacität z. B. für Sand und für humusarme Bodenarten. Für wenig thätige Bodenarten empfiehlt sich eine rascher wirkende Düngerart. Ueber die Wärmecapacität der Düngerarten liegen Untersuchungen von Dr. H. Platter Annalen d. preuß. Landwirthschaft. Mtsbl. Juli 1870. S. 52. vor, deren Resultate wir hier gleich im Zusammenhange mittheilen: Als ungefährer Anhaltspunkt für die Schätzung der Düngermenge , welche von dem Rindviehe gewonnen werden kann, dient die Angabe des jährlichen Dünger- erzeugnisses von einem Stücke Vieh Für eine Kuh von 350—400 Kilogr. Lebendgewicht werden gegenwärtig bei Stallfütterung 10,000 Kilogr. Stallmist an- genommen. Bei schwererem Vieh, guter Düngerbehandlung, reichlicher Streu ent- sprechend mehr, 12—15,000 Kilogr. Weidekühe, Jungvieh, Arbeitsochsen geben jedoch wesentlich weniger Dünger. Genauer läßt sich die Quantität an Stallmist aus der Menge des verabreichten Futters und der Einstreu berechnen. Nach den S. 162 von E. Wolff mitgetheilten Durchschnittswerthen geben 100 Kilogr. Trocken- substanz im Futter (Kuh 47.1, Ochse 51.4) nahezu 50 Kilogr. Trockensubstanz im Dünger. Dazu kommt noch die Menge der Trockensubstanz, welche durch das Streu- stroh in den Dünger gelangt, dieselbe beträgt unter gewöhnlichen Verhältnissen ¼ der Futtertrockensubstanz. Es geben daher 100 Kilogr. Futtertrockensubstanz 50 Kilogr. T. s. in den Exkrementen ¼ Streu 25 Kilogr. T. s. Zusammen 75 Kilogr. T. s. Rindviehmist = 300 Kilogr. frischen Mist mit 75 Procent Wasser. Allgemeine Ackerbaulehre. Um zu einem allgemeinen Ausdrucke zu gelangen, setzten wir die Trockensubstanz des Futters = F , jene des Streustrohes = S = die gewonnene frische Dünger- menge = D. Es ist daher nach Obenstehendem d. h. die bei einer Streumenge von ¼ der Futtertrockensubstanz zu gewärtigende frische Düngermenge ist gleich der dreifachen Trockensubstanz des Futters. Enthält die an 1 Stück Großvieh à 500 Kilogr. Lebendgewicht täglich verab- reichte Futtermenge 12.5 Kilogr. Trockensubstanz, so werden bei 3.12 Kilogr. Streu- stroh durch dasselbe nach dem Vorstehenden 9.37 Kilogr. trockener oder 37.5 Kilogr. frischer Dünger, jährlich 3421 trockener oder 13687 Kilogr. frischer Dünger pro- ducirt. Bleibt das Verhältniß der verfütterten Trockensubstanz zu dem Lebendgewichte der Thiere durchschnittlich gleich, so läßt sich unmittelbar nach dem Lebendgewichte auf einfache Weise die zu erwartende Düngermenge berechnen, indem man die Anzahl Kilogramme Lebendgewicht mit 0.075 multiplicirt um die tägliche oder mit 27 multiplicirt um die jährliche Düngermenge im frischen Zustande zu erhalten. Dieser Factor muß jedoch in jedem Falle besonders erhoben werden, da er sich mit der Stärke der Fütterung und der Einstreu ändert. Diese durch Rechnung gefundenen Düngermengen werden jedoch in Wirklichkeit durch mancherlei Verluste, welche sich immer mehr steigern, je länger der Dünger auf der Düngerstätte liegen bleibt, vermindert. Ebenso wird bei Weide- und Arbeits- vieh ein beträchtlicher Theil der Düngermenge in Abzug zu bringen sein. Die Qualität des Stallmistes kann gleichfalls durch Summirung der in dem verfütterten Futter und dem Streumateriale enthaltenen Pflanzennährstoffen mit Be- rücksichtigung der durch die Milch- und Fleischproduktion der Düngerwirthschaft ent- zogenen Mengen an Mineralsubstanzen bestimmt werden. Zu diesem Zwecke dient die auf Seite 156 angeführte Tabelle. Da sich jedoch bei der Berechnung nach dem Futter die bei der Düngergewinnung eintretenden Verluste nicht zifferisch genau feststellen lassen, so erübriget nur, die genaue chemische Analyse, welche den sichersten Aufschluß über den Gehalt des Düngers zu geben vermag. 2. Der Schafmist . Gegenüber dem Rindviehe werden die Schafe viel trockener gefüttert. Letztere erhalten in der täglichen Futterration einschließlich des Tränkwassers auf je 1 Kilogr. Trockensubstanz kaum mehr als 2 Kilogr. Wasser. Der von den Schafen abfallende Dünger besitzt daher eine trockenere Beschaffenheit als der Rindviehdünger, sein Wassergehalt schwankt zwischen 64—70 Procent. Aus diesem Grunde und wegen der feineren Vertheilung der Holzfaser und der sonstigen unverdaut gebliebenen Futterbestandtheile in den Schafexcrementen bedürfen dieselben zu ihrer Aufsammlung geringerer Mengen an Streumaterialien. Gewöhnlich reicht eine Steuermenge von ⅕—⅙ der Trockensubstanz des Futters vollkommen aus. Die Zersetzung des Schafdüngers erfolgt daher sehr schnell, da er überdies einen mehr als doppelt so hohen Stickstoffgehalt als der Rindsdünger besitzt. Die Die Düngung. bei der Zersetzung frei werdende Wärme beschleunigt wieder rückwirkend die Zersetzung. Der Aschengehalt des Schafdüngers (s. Tabelle auf S. 158) ist ebenfalls bei gleichen Gewichtsmengen höher als jener des Rindviehdüngers. Wegen der geringen Wärme- capacität dieser als hitzig bezeichneten Düngerart, eignet sich dieselbe besonders im verrotteten Zustande mehr für Bodenarten von hoher Wärmecapacität wie z. B. für Thon und humusreiche Böden. Für Getreide und Kartoffeln eignen sich größere Mengen Schafdünger weniger gut, da im ersteren Falle durch den höheren Stickstoff- gehalt die Bildung von Lagerfrucht begünstigt, im letzteren Falle der Geschmack und der Stärkemehlgehalt beeinträchtigt wird. In Betreff der Mengen an gewonnenem Schafdünger gelten dieselben Anhalts- punkte, wie sie für den Rindviehmist weiter oben angegeben wurden. Je (s. S. 162) 100 Gewichtstheile Trockensubstanz des Futters geben 53.5 Gwth. T. s. im Dünger dazu Streustroh 21.5 Gwth. T. s. Zusammen 75.0 Gwth. trockenen = 242 Gwth. frischen Schaf- düngers mit 65 Procent Wasser. Auf gleiche Trockensubstanz, wie im Rindviehdünger, bezogen, stellt sich daher die Düngerverwerthung des Futters bei Schafen und Rindvieh gleich hoch heraus. Das jährliche Düngererzeugniß für 1 Stück kann zu 600—750 Kilogr. angenommen werden. 3. Der Pferdemist . Der Pferdemist verhält sich ähnlich wie der Schafmist. Derselbe ist wie jener wegen der trockenen Fütterung der Pferde und der concentrirten Beschaffenheit des Pferdeharns ein trockener und hitziger Dünger. Die Zersetzung des Pferdedüngers geht bei seiner lockeren Beschaffenheit noch viel rascher als bei dem Schafmiste vor sich, weshalb sich Verluste an werthvollen Zersetzungsproducten nur schwer hintan halten lassen. Seine Zusammensetzung ist bei der gleichmäßigeren Fütterung der Pferde mit Hafer, Heu, Stroh und Wasser am wenigsten wechselnd unter allen Düngerarten. Derselbe hat im trockenen Zustande die geringste Wärme- capacität. Er eignet sich daher am besten für kalte Bodenarten d. h. für Boden- arten mit großer Wärmecapacität, wie für thonige oder feuchte, humusreiche Böden. In leichtem, sandigen Boden wird er zu rasch zersetzt, um eine anhaltende Wirksam- keit zu äußern. Für die meisten Fälle wird der Pferdemist am zweckmäßigsten gemischt mit Rindvieh und Schweinemist angewendet, da ohnehin seine geringere Menge, welche noch durch den Verlust auf der Straße vermindert wird, eine separate Behandlung unthunlich macht. Bei den größeren Verlusten, welche der Pferdemist durch seine leichtere Zersetzbarkeit erleidet und bei dem Umstande als das Pferd in der Regel den Tag über nicht im Stalle ist, kann die jährliche Mistproduction per Stück nur auf 6000—8500 Kilogr. angenommen werden. 4. Der Schweinemist . Der Schweinemist ist meistens ein sehr wässeriger und stickstoffarmer Dünger, dessen Werth bei der wechselnden Ernährung der Schweine den größten Schwankungen unterliegt. Den höchsten Werth unter den Schweine- düngern besitzen die von dem Mastschweine abfallenden Düngermassen, welche in ihrer Abgemeine Ackerbaulehre. Wirkung dem Rindviehmiste nahestehen. Seine hohe Wärmecapacität macht ihn geeignet für warme, hitzige Sandböden. Die jährliche Düngerproduction beträgt per Stück etwa 1300—2500 Kilogr. d. Die Düngerbehandlung . Als allgemeiner Grundsatz für die Düngerbehandlung hat zu gelten, daß der Dünger nach Möglichkeit vor jedem Verluste bewahrt werde. Diese Verluste bestehen entweder in festen Stoffen, welche durch Verstreuen der Düngermassen, oder in flüssigen Stoffen, welche durch Abfließen des Harns und der in demselben gelösten Substanzen, oder in flüchtigen Stoffen, welche durch Entweichung der Zersetzungsprodukte verloren gehen können. Einem Verluste an Düngermasse kann nur vorgebeugt werden durch die sorgsamste Sammlung aller Auswurfsstoffe, durch die Anwendung eines geeigneten Streumateriales und durch eine rationelle Düngerbehandlung. Die geringsten Verluste werden dann eintreten, wenn der Dünger, sofern es die wirthschaftlichen und klimatischen Verhältnisse zulassen, gleich vom Stalle weg in frischem Zustande auf das Feld geschafft und dort allsogleich untergepflügt oder wenigstens gleich flach ausgebreitet wird. Die sämmtlichen Zersetzungsproducte Düngers werden in diesem Falle von dem Boden absorbirt werden können. Die frei werdende Wärme, die bei der Zersetzung des Stallmistes sich bildende Kohlen- säure, das Ammoniak werden unverkürzt die Lösung und Aufschließung der Mineral- stoffe des Bodens befördern können. Durch die allmählige Zersetzung des Düngers bleiben schließlich Hohlräume im Boden zurück, durch welche derselbe gelockert wird. Die Verwendung des frischen Düngers wird daher besonders bei thonigen Boden- arten im rauhen und feuchten Klima wegen der damit verbundenen Auflockerung und Erwärmung des Bodens am Platze sein. Um die Vertheilung des frischen Stall- mistes einigermaßen zu erleichtern, wird man möglichst kurze Streu zur Aufsammlung benützen. Wirthschaftliche Verhältnisse stehen jedoch der allgemeinen Verwendung des frischen Stalldüngers entgegen, weshalb das Liegenlassen des Düngers durch 2—3 Monate oder länger im Stalle oder auf einem dazu vorbereiteten Platze, der Düngerstätte, das gewöhnlichere Verfahren bleibt. Durch das Liegenlassen des Düngers soll nicht nur der ursprüngliche Gehalt desselben an Pflanzennährstoffen erhalten bleiben, sondern unter Umständen durch verschiedene Zusätze noch vermehrt und besonders die Löslichkeit derselben euhöht werden. Nächstdem soll die Vermengung der Einstreu mit den Excrementen und dem Harn durch die eintretende Verrottung der organischen Substanzen eine gleichmäßigere und inngere werden, um späterhin die Vertheilung des Düngers am Felde zu erleichtern. Die Ausführung der Dünger- behandlung im Stalle und auf der Düngerstätte stützt sich vorerst auf die Kenntniß der Veränderungen , welche der Stallmist bei dem längeren Liegen erleidet. Durch das Liegen an der Luft gehen die Bestandtheile des Düngers allmählig in Fäulniß und Verwesung über. Die Fäulniß, welche durch in der Luft befindliche Keime organischer Natur angeregt wird, kann in der Hauptfache als ein Reductionsproceß Die Düngung. angesehen werden, während der nebenher verlaufende Verwesungsproceß in einer lang- samen Oxydation besteht. Damit die durch die Keime und den Sauerstoff der Luft eingeleitete Zersetzung regelmäßig fortschreite, ist vor allem ein gewisser Feuchtigkeits- grad und eine gewisse Wärmemenge erforderlich. Bei einem Mangel an Feuchtig- keit, welcher sich durch die Entwickelung einer Schimmelvegetation bemerkbar macht, geht die Fäulniß zu rasch vor sich, als daß alle im Wasser löslichen Zersetzungs- producte von der ungenügenden Wassermenge aufgenommen werden könnten. Die- selben gehen daher bei ihrer Flüchtigkeit für den Dünger verloren. Ein Uebermaß an Wasser verzögert dagegen die Zersetzung. Die gewöhnliche Lufttemperatur ist hinreichend, um den Zerfall der Stoffe zu unterhalten, da die Fäulniß und Ver- wesung ohnehin mit einer lebhaften Wärmeentwickelung verbunden ist. Im Winter erleidet jedoch der Zersetzungsprozeß durch zu starke Abkühlung eine theilweise Unter- brechung. Dieselbe kann durch das Aufsetzen des Düngers in möglichst große Haufen, um die frei werdende Wärme zusammenzuhalten, hintangehalten werden. Die einzelnen Stadien der Zersetzung sind zur Zeit nicht näher studirt. Was darüber bekannt, ist im Nachstehenden zusammengestellt. Die Veränderungen im Dünger durch das Liegenlassen an der Luft beziehen sich sowohl auf die stickstoff- haltigen und stickstofffreien organischen Bestandtheile, als auch auf die unorganische Substanz. Von den stickstoffhaltigen Bestandtheilen sind am leichtesten jene des Urins und zwar am frühesten die Harnfarbstoffe, der Harnstoff und dann die Hippursäure zur Umsetzung geeignet. Langsamer erfolgt der Zerfall der stickstoffhaltigen Körper der festen Excremente und am schwierigsten der Zerfall der stickstoffhaltigen Substanz des Strohes. Ueberhaupt steht die Schnelligkeit des Fäulnißverlaufes im Verhältniß zum Stickstoffgehalte des Düngers. Reichliche, besonders holzige Streu, wie Sägespäne, verlangsamen daher die Zersetzung. Als Endproducte des Zerfalles der stickstoff- haltigen organischen Substanz ergeben sich neben Wasser als Fäulnißproducte, Schwefelwasserstoff, Ammoniak und dessen Salze, besonders doppelt kohlensaures Ammoniak und als Verwesungsproducte Kohlensäure, Salpetersäure, Schwefelsäure. Ein kleiner Theil des Stickstoffs entweicht nach den Untersuchungen von J. Reiset Comptes rendus. T. 42. S. 43—59. selbst als ungebundener, freier Stickstoff. Aus den stickstofffreien, organischen Bestandtheilen der Düngersubstanz, wie der Cellulose, der Stärke, dem Fett ꝛc. bilden sich unter der Einwirkung derselben Fäulniß erregenden Factoren neben flüchtigen Kohlenwasserstoffen die verschiedensten Humus- körper, welche die schwarze Farbe des verrotteten Stallmistes bedingen, während durch den Verwesungsproceß Wasser und Kohlensäure frei wird. Diese Veränderungen der organischen Düngersubstanz bedingen wieder die Lösung der Mineralstoffe unter gleichzeitiger Bildung von Humussäuren, Kohlensäuren und Ammoniaksalzen. Der Stallmist wird daher nach Vorstehendem durch das Entweichen von Wasser, Allgemeine Ackerbaulehre. Kohlensäure, Kohlen- und Schwefelwasserstoff und Ammoniak, sofern nichts zur Bindung dieser flüchtigen Substanzen vorgekehrt wird, kohlenstoff-, wasserstoff-, sauer- stoff, schwefel- und stickstoffärmer. Gleichzeitig tritt mit dem Vorschreiten der Zersetzung der organischen Substanz und durch die Wasserverdunstung, welche durch die bei der Fäulniß des Mistes frei werdende Wärme befördert wird, sowohl eine Verminderung des Volumens als auch des Gewichtes des Düngers ein. Die Ab- nahme an Gewicht und Volumen wird nach Ablauf von 2—3 Monaten, während welcher Zeit der Dünger zu einer gleichmäßigen mürben Masse zusammengefault ist, bei dem Mangel genauerer Untersuchungen durchschnittlich zu 16—20 Procent oder zu ⅙—⅕ vom Gewichte und Volumen des frischen Düngers angenommen. Bleibt der Dünger noch längere Zeit liegen, so verliert er, bis er eine speckige Beschaffen- heit annimmt 30—40Procent. In dem Verhältnisse, als der Dünger an Masse verliert, erhöht sich seine Trockensubstanz, weshalb der verrottete Dünger procentisch reicher an Pflanzennährstoffen wird und zwar sowhl an den unveränderlich bleibenden Mineral- substanzen, als auch bei sachgemäßer Behandlung an Stickstoff. Gleichzeitig wird er immer ärmer an organischer Substanz. Diesen Veränderungen in der Menge und Beschaffenheit des Düngers muß daher Rechnung getragen werden, wenn man die aus dem Futter und der Streu berechneten Düngermengen auf jene reduciren will, welche in mürbem oder speckigem Zustande auf das Feld geführt werden. Sollen die werthvollen Bestandtheile des Düngers besonders der Stickstoff und die Mineralsalze vor der Verflüchtigung und dem Auswaschen geschützt werden, so müssen gewisse Zusätze zum Stallmiste gegeben werden, welche die durch die Zer- setzung frei werdenden flüchtigen Stoffe binden oder in nicht flüchtige Verbindungen überführen. Um das flüchtige Ammoniak und das ebenso flüchtige kohlensaure Ammoniak festzuhalten, bestreut oder durchschichtet man den Dünger mit thon- oder humusreicher Erde oder mit humusbildenden Stoffen, wie Torfabfälle u. dgl., welche jene flüchtigen Verbindungen absorbiren. Ein ebenso wirksames als einfaches Mittel besteht in dem steten Feuchterhalten der Düngermassen, durch welches die Lösung des Ammoniak und seiner Salze herbeigeführt wird. Gleich zweckmäßig ist es, die flüchtigen Ammoniakverbindungen in das minderflüchtige, schwefelsaure Ammoniak durch Zusatz von Schwefelsäure oder von schwefelsauren Salzen wie Gyps, schwefel- saurer Kali-Magnesia, Eisenvitriol, Alaunabfälle ꝛc. umzuwandeln. Durch Bestreuen des feuchten Düngers mit Gyps (schwefelsaurem Kalk) wird eine Umsetzung mit dem kohlensauren Ammoniak in kohlensauren Kalk und das minderflüchtige, schwefelsaure Ammoniak herbeigeführt. Ueberdies besitzt der Gyps auch den Vortheil, daß er die Zersetzung der organischen Substanz verlangsamt und der Bildung von freiem Stick- stoff J. König und J. Kiesow, Ueber den Verlust an freiem Stickstoff bei der Fäulniß stickstoffhaltiger organ. Stoffe und die Mittel, ihm vorzubeugen. Landw. Jahrbücher 2. Bd. 1873. S. 107. bei der Zersetzung des Stallmistes vorbeugt. Der Gyps bleibt daher das einfachste und billigste Mittel, sowohl im Stalle als auch auf der Düngerstätte den Die Düngung. Verlust an Stickstoff hintanzuhalten. Es reichen von demselben 1 höchstens 2 Prozente vollkommen hin, um die erwünschte Wirkung zu erzielen. Nächst diesen die Dünger- substanz conservirenden Zusätzen, giebt man zuweilen auch Beimengungen, wie phos- phorsauren Kalk in verschiedenen Formen, Straßenkehricht, Kohlenasche, Brauabfälle ꝛc., um den Gehalt des Düngers an Pflanzennährstoffen zu vermehren. Damit ist jedoch der Uebergang vom Stalldünger zum Compostdünger gegeben. Was die specielle Bereitung des Düngers betrifft, so erstreckt sich dieselbe auf die Behandlung desselben 1. im Stalle, 2. auf der Düngerstätte und 3. auf seine Verwendung am Felde. Vom Standpunkte der Düngerbereitung unterliegt es keinem Zweifel, daß das Liegenlassen des Düngers im Stalle unter den Füßen der frei sich be- wegenden, daher nicht angebundenen Thiere den meisten Vortheil bringt. Bei dieser Art der Düngerbereitung, welche für die Schafe die gewöhnliche, jedoch auch für andere Thiergattungen, besonders für Rindjungvieh, auch Kühe empfohlen wird, kann die Jauche vollständiger von dem Streumateriale aufgesaugt werden, und die Mischung der Streu mit den flüssigen und festen Ausscheidungen durch das beständige Hin- und Herlaufen der Thiere viel inniger und gleichmäßiger erfolgen. Gleichzeitig wird die Dünger- masse festgetreten, von der Luft abgeschlossen und damit ihre Zersetzung verlangsamt. Bei der gleichmäßigeren Temperatur im Stalle und bei dem Schutze vor Sonne und Wind kann die Zersetzung übrigens viel gleichmäßiger verlaufen. Vom wirthschaft- lichen Standpunkte aus ist zu beachten, daß die Düngerbereitung wesentlich erleichtert wird, da der Dünger unmittelbar aus dem Stalle ausgeführt werden kann. Der Bau der Düngerstätte wird erspart, dafür muß jedoch der Stall Eine sehr empfehlenswerthe, billige Stalleinrichtung für diese Art der Dünger- bereitung theilt F. Ritter Horsky von Horskyfeld in seinem Werke: „Mein Streben, Wirken, meine Resultate.“ Kolin 1873. S. 34 u. 90 mit. , um das Auf- schichten des Düngers zu ermöglichen, eine größere Höhe als gewöhnlich erhalten und mit beweglichen Raufen eingerichtet werden. Die Reinlichkeit ist jedoch besonders bei Grünfütterung schwieriger zu erhalten, weshalb auch eine größere Streumenge erforder- ich ist, welche, wie bei dem täglichen Ausmisten, 2—3mal aufgelegt werden muß. Der größte Nachtheil liegt jedoch in der Verschlechterung der Luft, durch die Ver- mehrung ihres Kohlensäure- und, sofern nicht Gyps eingestreut wird, auch ihres Ammoniakgehaltes. Nach den Untersuchungen von Dr. Vollrath Ann. d. Landw. 1873. Nr. 4. enthielten in einem Pferdestall 1000 Cubik- Die gewöhnlichste Art der Düngerbereitung ist jene auf der Düngerstätte , auf welche der Mist täglich mit möglichster Vermeidung von Verlusten durch Verstreuen der Massen aus dem Stalle gebracht wird. Die Düngerstätte hat den Zweck, die Allgemeine Ackerbaulehre. gleichförmige Mengung der flüssigen und festen thierischen Ausscheidungen mit dem Streumateriale zu erleichtern und zu ermöglichen, daß der Verlauf der Dünger- zersetzung, welcher zur möglichsten Hintanhaltung von Verlusten langsam und gleich- mäßig stattfinden soll, geregelt werden kann Um diesen Zweck erreichen zu können, verdient die Anlage der Düngerstätte besondere Aufmerksamkeit. Die Düngerstätte soll an einem vor dem Winde und der Sonne geschützten Orte, am zweckmäßigsten an der Nordseite des Stalles angelegt werden, um den Dünger vor dem schnellen Austrocknen an der Oberfläche zu behüten und um gleich- zeitig den Transport des Düngers vom Stalle zur Stätte zu erleichtern. Die un- mittelbare Besonnung wird zuweilen durch eine Bedachung der Düngstätte verhindert. Billiger und nahezu mit demselben Erfolge läßt sich jedoch diese Absicht auch durch Umpflanzung der Stätte mit schnellwachsenden Pappelbäumen ( Populus alba und canescens eignen sich dazu am besten) erreichen. Zur Abhaltung des von außen zufließenden Tagwassers zieht man um den Dungplatz, sofern dieser nicht ohnehin durch erhöhte Lage geschützt ist, kleine Ablaufgräben. Die Sohle der Düngerstätte soll möglichst undurchlassend hergestellt werden, um das Einsickern der Jauche, des werthvollsten Theiles des Düngers, zu verhindern. Gewöhnlich stampft man die Sohle mit einer Lettenschichte aus, auf welche dann ein billiges Steinpflaster gelegt wird. Die Sohlenfläche erhält nach einer oder zwei Richtungen eine sanfte Neigung zu der am tiefsten Punkte der Düngstätte gleichfalls wasserdicht anzulegenden Jauchen- grube. Damit die unteren Partien des Düngerhaufens von der durchsickernden Jauche in ihrer Zersetzung nicht allzusehr aufgehalten werden, sorgt man durch eine um den ganzen Düngerplatz gezogene Jauchenrinne, welche in die Jauchengrube einmündet, für den Abzug der stauenden Jauche. Die vom Stalle durch einen bedeckten Canal abziehende Jauche wird entweder in die gemeinschaftliche, oder noch zweckmäßiger, in eine besondere Jauchengrube geleitet, von wo sie durch eine Pumpe oder durch Aus- schöpfen mit Eimern, Düngerschaufeln über den Düngerhaufen gespritzt oder durch hölzerne, durchlöcherte Rinnen ausgebreitet werden kann. Am wenigsten Reparatur verursachen die hölzernen Jauchenpumpen (Preis 30—40 Mark, 15—20 fl), dagegen ist ihre Dauerhaftigkeit geringer. Eiserne Ventilpumpen mit Spritzschläuchen sind kostspieliger und erfordern des Einrostens wegen vielfache Ausbesserung. Am zweckmäßigsten sind die sog Kettenpumpen von H. F. Eckert—Berlin, Fig. 67 (s. S. 173), welche selbst noch bei dickflüssiger, brockiger Jauche functioniren. Mit einer Kettenpumpe mit 6 Cm. weitem Rohre und 4 M. Hubhöhe kann 1 Mann 5600 Liter per Stunde heben. Bei größeren Düngerstätten legt man mehrere Abtheilungen mit zweckmäßig vertheilten Jauchengruben an, um verschieden alten Dünger gesondert behandeln zu können. Die Größe der Düngerstätte richtet sich nach der Anzahl der Thiere, der Menge des Futters und des Streumateriales und nach der Zeitdauer, in welcher der Dünger liegen bleibt. Ein Stück Großvieh producirt täglich (S. 166) 37 Kilogr. frischen Dünger. Soll derselbe 80 Tage auf der Düngerstätte liegen bleiben, so ist eine Menge von 2960 Kilogr. aufzubewahren. Wiegt 1 Cbm. Dünger Die Düngung. 800 Kilogr. und soll der Dünger 1.5 M. hoch aufgeschichtet werden, so ist für 1 Stück Großvieh eine Sohlenfläche von (2960 : 800 : 1.5) 25 □ M. erforderlich. An Raum in der Jauchengrube ist für 1 Stück Großvieh 0.3—0.5 Cbm. zu rechnen. Ist die Düngerstätte hergerichtet, so wird dieselbe vor dem Ausführen des Düngers mit einer 20—30 Cm. hohen Erdschichte bedeckt, welche die durchsickernde Jauche aufnimmt und bei der Entleerung der Düngerstätte für sich verwendet wird. Das Ausbreiten des frischen Stallmistes soll möglichst gleichmäßig auf eine Höhe von 30 Cm. erfolgen und zwar empfiehlt es sich meistens den Dünger der verschiedenen Stallungen zu vermengen, wenn die einzelnen Mengen für eine getrennte Behandlung nicht aus- reichen. Auf diese unterste Dungschichte wird gleich eine 10—15 Cm. hohe Erdschichte ausgebreitet, welche das Entweichen des Ammoniak am besten ver- hütet. Wird der Dünger mit einem Uebermaße von Erde durchschichtet, so vermehrt dies unnöthig die Transportkosten. Sehr zu empfehlen für eine gleichmäßige Zersetzung des Düngers ist das Festtretenlassen desselben durch das Vieh, welches man öfters auf die Düngerstätte treibt. Ist die ganze Düngerstätte auf 30 Cm. Höhe mit Dünger überfahren und dieser mit Erde auch an den Seitenwänden bedeckt, so häuft man Fig. 67. Kettenpumpe von H. F. Eckert— Berlin. Preis 3 M. lang, 93 Kilogr. schwer 81 Mark, 42 fl.; 4 M. lang, 103 Kilogr. schwer 96 Mark, 48 fl. eine zweite Schichte auf bis der Haufen je nach der Zersetzungsfähigkeit des Düngers 1—2 M. hoch geworden. Ein zu hohes Aufsetzen befördert durch die erhöhte Wärmeentwickelung die Zersetzung und verhindert, daß die Jauche den ganzen Haufen bis zum Grunde durchdringt. Sobald sich die Erddecke trocken zeigt, wird der Dünger im Winter gewöhnlich zweimal die Woche, im Sommer mindestens einmal täglich mit Jauche oder in Ermanglung dieser, selbst mit Wasser übergossen, um durch Feuchthalten die Zersetzung zu verlangsamen und jeden Verlust an flüchtigen Substanzen hintanzuhalten. Um den Inhalt der Jauchengrube und der Jauchenrinnen vor Verlusten zu bewahren, streut man schließlich, wie oben angegeben, Gyps in dieselben oder man conservirt den Inhalt durch Zugießen von verdünnter Salzsäure oder Schwefelsäure. Wird der Dünger auf das Feld geführt, so soll der Düngerhaufen bei dem Aufladen nicht schichtenweise, sondern senkrecht herunter abgeschnitten werden, um eine gleichmäßige Mengung der obersten frischen mit den untersten verrotteten Schichten zu erreichen. Nach dem Vollladen des Wagens soll zur Vermeidung der Dünger- Allgemeine Ackerbaulehre. verstreuung die Masse mit einer Patsche festgedrückt, die Räder ausgeputzt werden. Am Felde wird der Dünger entweder am Rande in großen gleich mit Erde zu bedeckenden Haufen aufgesetzt, wenn der Zutritt in das Feld im Winter oder wegen der noch stehenden Frucht oder der Aufweichung des Bodens durch Regen nicht möglich ist, oder in kleine, reihenweise gestellte Häufchen abgezogen, die jedoch sofort flach und gleichmäßig über die zu düngende Fläche ausgebreitet werden sollen. Läßt man die Häufchen nur einige Tage ungebreitet stehen, so wird nicht nur durch die vermehrte Oberfläche die Zersetzung des Düngers und die Verflüchtigung der werthvollsten Stoffe befördert, sondern auch die Stellen, auf welchen sich die Häufchen befinden, durch Auslaugen übermäßig mit Pflanzennährstoffen versehen und damit durch die Beförderung eines zu üppigen Wachsthumes der Pflanzen die Veranlassung zur Bildung sog. Geilstellen gegeben. Ist es nicht möglich, den Dünger gleich unterzupflügen, so wird jedem Verluste am besten vorgebeugt, wenn der Dünger allsogleich ausgebreitet wird, indem dann die weitere Zersetzung aufhört. Fällt Regenwetter ein, so wird der Dünger gleich- mäßig ausgelaugt. Die gelösten Stoffe gelangen dann gleichmäßiger als selbst beim Unterpflügen in den Boden. Am ausgiebigsten wird die physikalische Wirksamkeit des Düngers, besonders sein Vermögen, einen bindigen, kalten Boden zu lockern und zu erwärmen, erreicht, wenn er gleich nach dem Breiten in den Boden gebracht wird. Bei dem Unterpflügen des Düngers soll derselbe vollkommen mit Erde bedeckt werden, weshalb man bei langem, strohigem Dünger oder großer Düngermenge, denselben in die geöffnete Furche mit der Mistgabel einstreifen Die Leistung einer Person bei der Düngerarbeit beträgt per Tag: Dünger laden 9—12 zweispännige Fuhren à 0.6—0.7 Cubikmeter oder 500—750 Kilogr., Dünger breiten 0.17—0.25 Hectar, Dünger einstreifen 0.40—0.46 Hectar. läßt. Die Unterbringung wird in einem trockenen, lockeren Boden und in einem warmen Klima tiefer ausgeführt werden müssen, als unter gegentheiligen Verhältnissen, wenn der Dünger die nöthige Feuchtigkeit zu seiner Zer- setzung finden soll. Im Allgemeinen gilt der Grundsatz, daß der Dünger möglichst gleichmäßig mit dem Boden vermengt werden soll, da nur bei gleichmäßiger Vertheilung der Pflanzen- nährstoffe im Boden ein gleichmäßiger Pflanzenstand erzielt werden kann. Bei reihen- oder platzweiser Stellung der Pflanzen, werden jedoch besonders geringere Dünger- mengen am vortheilhaftesten ausgenützt, wenn der Dünger an derselben Stelle, wo die Pflanzen stehen, durch die sog. Stufendüngung , in den Boden gebracht wird. Die Stufendüngung kann entweder nach dem Pflug oder dem Häufelpflug aus- geführt werden, im Kleinen auch mit der Handhacke. In ersterem Falle legt man mit der Hand den Dünger streifen- oder stellenweise in jede 2. oder 3. Furche. Ver- wendet man den Häufelpflug, so legt man den Dünger zwischen die Kämme und bedeckt ihn durch Spalten der Kämme mit Erde. Bei Kartoffeln ꝛc. kann diese Stufendüngung auch nachträglich im Frühjahre auf das schon vor Winter mäßig ge- düngte Feld angewendet werden. Die Düngung. Fehlt es im Herbste vor der Saat an Zeit oder der nöthigen Mistmenge, so können noch nachträglich dem Boden im Frühjahre durch das Ausbreiten von Stall- mist auf die jungen Pflanzen, durch die sogenannte Kopfdüngung , Pflanzennähr- stoffe zugeführt werden. Die Wirkung des Ueberdüngens ist jedoch nur eine vorüber- gehende, weshalb die Kopfdüngung nur zur Aufhülfe schlecht über den Winter ge- kommener Saaten oder zur Düngung von Wiesen und mehrjährigen Kleeschlägen verwendet werden soll. Ein im westlichen Deutschland und in England übliches Düngungsverfahren ist das Pferchen oder Horden , bei welchem das Weidevieh, meistens Schafe, durch transportable Zäune oder Netze über Nacht zusammengehalten wird, um das ein- gezäunte Feldstück unmittelbar zu bedüngen. Ist das Feldstück durch ein oder zwei Nächte je nach der beabsichtigten Größe der Düngung gepfercht, so wird streifenweise ein neues Feldstück mit den Schafen betrieben. Durch diese Düngungsweise wird nicht nur die ganze Düngerbehandlung, sondern auch die Ausfuhr und das Aus- breiten am Felde erspart, gegenüber welcher Kostenersparung die Abnutzung der Zäune nicht in Betracht kommt. Es läßt sich jedoch nur in milden klimatischen Verhältnissen oder mit abgehärteten Schafen ausführen. Die Stärke und Wirkung der Pferchdüngung richtet sich nach der Anzahl und Ernährung der Schafe und nach der Dauer der Pferchdüngung. Als gute Pferchdüngung wird angenommen, wenn 12,000 Schafe per Hectar in je 24 Stunden 12—14 Stunden im Pferche ver- weilen, als schwache, wenn auf 1 Hectar nur 9000 Schafe kommen. In ersterem Falle wird die von einem Schafe abfallende Düngermenge auf 0.84 □M., in letzterem auf 1.11 □M. vertheilt. — Die Wirkung des in den Boden gebrachten Stallmistes ist eine zweifache, indem derselbe sowohl den Boden mit Pflanzennährstoffen in assimilirbarem Zustande ver- sieht, als auch die physikalischen Eigenschaften des Bodens verbessert. Nachdem der Stallmist aus den in der Wirthschaft selbst gebauten Futterstoffen hervorgeht, so reicht derselbe allein nicht aus, um alle aus der Wirthschaft entnommenen Nährstoffe zu ersetzen, wenn nicht durch eine Wiesenzulage oder durch Futter- und Düngerzukauf Ersatz für die in den Verkaufsfrüchten enthaltenen Mineralstoffe geboten wird. Von den zur Verwendung gelangenden Düngermitteln ist er jedoch neben den menschlichen Excrementen allein im Stande, dem Boden alle Nährstoffe, wenn auch nicht in dem- selben Verhältnisse, wie sie dem Boden entnommen werden, so doch in ausreichender Menge und in assimilirbarem Zustande zu geben. Vergleicht man den frischen mit dem verrotteten Mist, so ergiebt sich, daß in letzterem sich die Nährstoffe in aufnahmsfähigerem Zustande befinden. Dabei ist aber zu beachten, daß der, aus einer gewissen Menge frischen Stallmistes entstehende verrottete Mist durch Verluste bei der Aufbewahrung nährstoffärmer wurde, wenn auch bei gleichen Mengen der verrottete Mist einen höheren Gehalt an Pflanzennährstoffen aufzuweisen hat. In dem verrotteten Mist ist besonders eine Verringerung der organischen Substanz (S. 170) eingetreten, in Folge dessen die physikalische Wirkung des Stallmistes in diesem Zustande abgemindert ist. Durch Allgemeine Ackerbaulehre. den frischen Dünger wird der Boden humusreicher. Es machen sich durch diesen alle Vortheile, welche mit einer Vermehrung des Humusgehaltes verbunden sind, wie die Lockerung, Erwärmung, Austrocknung des Bodens, am nachhaltigsten bemerkbar. Der frische Dünger wird daher zur größten Wirkung auf einem kalten, bindigen Boden gelangen. Die Verwendung des verrotteten Stalldüngers wird dagegen auf Sandboden und auf Bodenarten, welche durch Cultur schon in einen günstigen, gahren Zustand gebracht worden sind, angezeigt sein. Die Wirkung des Stallmistes wird ferner von der Stärke der Düngung abhängig sein. Unter 13 Tonnen oder 13 vierspännigen Fuhren à 1000 Kilogr. per Hectar, wird man nicht leicht herabgehen können, da sich so geringe Mengen nur schwierig, am leichtesten noch durch Stufendüngung, vertheilen lassen. Je nach der Menge per Hectar bezeichnet man eine Düngung von 13—17 Tonnen oder Fuhren als schwach, 17—30 „ „ „ „ gewöhnlich, 30—40 „ „ „ „ stark, 40—60 „ „ „ „ sehr stark. Ueber die Dauer der Düngerwirkung und innerhalb der Dauer über die Wirkung in den einzelnen Jahren, lassen sich nur Schätzungen anführen. Die Dauer der Wirkung steht im Zusammenhange mit der Stärke der Düngung und der Be- schaffenheit des Bodens und Klimas. In einem gebundenen, wenig thätigen Boden, in einem kalten, feuchten Klima wird die Düngung auf einmal stärker gegeben, da die Zersetzung im Boden nur langsam vor sich geht. In einem solchen Falle wird daher die Wirkung des Düngers auf eine längere Zeit 4—5 Jahre anhalten. Unter entgegengesetzten Verhältnissen in einem trockenen, warmen Klima und einem lockeren Sandboden wird man schwächer und öfter düngen, da die Wirkung nicht so lange, oft nur 2—3 Jahre vorhält. In Betreff der Vertheilung der Düngerwirkung auf die einzelnen Jahre schätzt man, daß auf das 1. Jahr 50 Procent, auf das 2. Jahr 25 Procent, auf das 3. Jahr 10 Procent und auf das 4. Jahr 5 Procent der Gesammtdüngerwirkung entfällt. 2. Die Jauche und die flüssige Düngung. Die Jauche oder Gülle (Pfuhl, Aadl ꝛc.) ist jene werthvolle Flüssigkeit, welche durch den Düngerhaufen filtrirt und in der Jauchengrube aufgefangen wird. Die- selbe enthält nicht nur die Mineralsalze des Harns, sondern auch jene, welche bei dem Durchsickern aus den festen thierischen Ausscheidungen gelöst werden. Ihr Werth ist sehr verschieden, je nach der Verdünnung, welche sie durch Regenwasser erfährt und je nach dem durch Zusätze dem Verluste an Stickstoff vorgebeugt wurde. Ihr Ge- halt an festen Stoffen ist verhältnißmäßig gering, derselbe beträgt im Mittel 1.8 Procent. Diese Trockensubstanz besteht jedoch mehr als zur Hälfte aus Mineral- salzen und nahezu zu 1/8 aus Stickstoff. Die Asche besteht wieder nahezu zur Hälfte aus Kali, während Phosphorsäure und die übrigen Aschenbestandtheile nur in geringeren Mengen vorkommen. Ist die sehr zweckmäßige Einrichtung getroffen, daß Die Düngung. auch die menschlichen Excremente unmittelbar in die Jauchengrube gelangen, so wird ihr Werth noch weiters erhöht. Vor ihrer Verwendung muß jedoch der Schlamm, welcher sich durch die Excremente und die verschiedenen Zusätze zur Bindung des Stick- stoffes gebildet hat, aufgerührt und dann mit der Jauche ausgeführt werden. Die Jauche wird sowohl zum Feuchthalten der Dünger- und Composthaufen als auch direct zum Düngen der Felder verwendet. Zum Hinausführen auf das Feld bedient man sich hölzerner oder noch zweckmäßiger eiserner Jauchenkarren. Dieselben werden häufig wie bei dem Howard'schen Jauchenkarren, Fig. 68, mit einer Pumpe zum Auf- füllen der Jauche versehen. Für ein Pferd erhält der Kasten des Karrens einen Fig. 68. Jauchen- und Wasserkarren von J. \& F. Howard—Bedford. — Preis ohne Pumpe und Schlauch 510 Mark, 255 fl.; Pumpe mit Schlauch 100 Mark, 50 fl. Fassungsraum von 80—100 Liter. Die rückwärts angebrachte Vorrichtung zur Ver- theilung der Jauche ist mit Löchern versehen, welche durch einen Schieber leicht ge- reinigt werden können; einfache Löcher würden sich bald verstopfen. Wird die Jauche auf ein unbebautes oder feuchtes Feld geführt, so kann sie unmittelbar angewendet werden. Wird sie jedoch auf die bestellten Felder ausgegossen, so muß sie vorher mit Wasser verdünnt werden, wenn die Pflanzen nicht beschädigt werden sollen. Am zweckmäßigsten verwendet man sie als Kopfdüngung auf Wiesen, Kleeschlägen, für Futter und Getreidepflanzen, auch für Kartoffeln, Rüben, Raps. Die Menge, welche per Hektar ausgegossen wird, beträgt 300—400 Hektoliter. Wesentlich verbessert wird die Jauche durch Zusatz von leicht zersetzbaren Ge- steinen wie Granit, Basalt, Feldspath ꝛc., durch deren Zersetzungsproducte der Gehalt der Jauche an Mineralsalzen vermehrt wird. Die angeführten Materialien werden unmittelbar in die Jauchengrube oder in eigene Behälter gegeben und unter öfterem Umrühren durch etwa 6 Monate der Zersetzung durch die Jauche ausgesetzt. Krafft, Lehrb. d. Landw. I. 12 Allgemeine Ackerbaulehre. Ueber den Werth dieser Jauchenbehandlung, welche gleichzeitig die Fähigkeit der Jauche, Gesteine leicht zu zersetzen, darlegt, giebt ein Versuch von F. Senft F. Senft, Der Steinschutt und Erdboden. Berlin 1867. S. 229. interessanten Auf- schluß. In einem Fasse wurden 2.5 Kilogr. grobgepulverter, schon angewitterter Granit mit 2.26 Hectoliter gewöhnlicher Düngerjauche übergossen. Nach sechs Monaten waren von dem Granite nur noch Quarzkörner, eine ockergelbe, thonige Masse und einzelne roth- braune Glimmerschuppen übrig; der Feldspath aber war größtentheils zersetzt. Nachdem die Jauche vollständig abgegossen und der sandigerdige Rückstand gehörig ausgetrocknet wor- den war, zeigte die letztere nur noch ein Gewicht von 1.86 Kilogr. Es waren also aus dem Granitsande durch die Jauche 0.64 Bestandtheile ausgezogen. Eine gleiche Menge Basaltsand, ebenso behandelt, war so zersetzt, daß nur 0.96 Kilogr. Rückstand blieb. Eine andere Art der Jauchenverwendung ist die flüssige Düngung (Gülle), welche darin besteht, daß der sämmtliche Stalldünger in flüssiger Form auf das Feld gebracht wird. Bei dieser flüssigen Düngung entfällt die physikalische Wirkung des Düngers, weshalb dieselbe nur für gewisse Verhältnisse, wie Gartencultur, Klein- wirthschaft, oder für überwiegendes Gras- und Futterland, auf Lehmböden angezeigt ist. Die Erhöhung der Kosten bei dieser Art der Düngerbereitung steht gleichfalls einer allgemeineren Anwendung derselben entgegen. In einigen Gegenden der Schweiz und Baierns wird fast aller Dünger als Gülle verwendet, indem die festen Excremente in die Jauche geworfen oder zur Ersparung an Streu aus dieser in die Jauche geschüttelt und durch wiederholtes Um- rühren mit derselben vermischt werden. Die mit den festen Excrementen gemengte Jauche wird dann in großen, verschlossenen Sammelgruben einer 4—6 wöchentlichen Gährung überlassen. Nach dieser Zeit wird sie als Gülle auf das Feld, wie die verdünnte Jauche, ausgegossen. In etwas verschieden von der Schweizer Güllebereitung ist die von E. Chadwik und Mr. Kennedy in England versuchte Verwendung von flüssigem Dünger E. Hartstein, Fortschritte der englischen und schottischen Landwirthschaft. 1. Abth Düngerwesen, Bonn 1855; Die flüssige Düngung u. das italienische Raygras. Suppl. z. Vorig. Bonn 1859. . In Ausführung derselben werden die sämmtlichen Stallauswürfe in einem Sammel- behälter einer Gährung überlassen. Aus dem Sammelbehälter kommen die Dünger- massen in mit Rührwerken versehene Cisternen, in welchen sie mit der 2—4fachen Menge Wasser verdünnt werden. Zur Erhöhung des Düngerwerthes setzt man über- dies Guano, aufgeschlossenes Knochenmehl, gepulverte Oelkuchen u. dgl. zu. Der auf diese Art erhaltene flüssige Dünger wird dann durch eiserne Röhrenleitungen und Kautschukschläuche unter Benützung des natürlichen Gefälles, oder durch Pumpwerke auf die zu düngende Feldfläche geleitet. 3. Die menschlichen Excremente. Unter den sehr zahlreichen Düngemitteln, welche der Landwirthschaft zur Ver- fügung stehen, sind die menschlichen Excremente jene, welche trotz ihres hohen Werthes, erst dann zur Anwendung gelangen, wenn die Landwirthschaft eine gewisse Höhe der Die Düngung. Cultur erreicht hat. Unter den europäischen Ländern verwendet man daher nur in Belgien, dem südlichen Frankreich, Elsaß, den Gartenwirthschaften in der Nähe der mitteldeutschen Städte ꝛc. auf die Sammlung und Benutzung der Excremente die größte Aufmerksamkeit. Von den außereuropäischen Ländern sind es besonders China und Japan, welche sich durch die ausgedehnteste Verwendung der menschlichen Aus- wurfsstoffe auszeichnen. Die Ursache der oben erwähnten eigenthümlichen Erscheinung, daß die Fäcal- massen erst mit der Erreichung einer höheren Culturstufe in Verwendung genommen werden, liegt in einer natürlichen Scheu gegen die Benützung dieser Materialien und noch mehr in der Schwierigkeit, die Mehrungsstoffe auf eine billige Weise in einen transportfähigen Zustand zu bringen. Erst in neuerer Zeit beginnt man der Verwendung der menschlichen Excremente in der Landwirthschaft eine erhöhtere Beachtung zuzuwenden, indem man durch die Anregung J. v. Liebig's J. v. Liebig, Naturwissenschaftliche Briefe 1859. S. 27. zur Erkenntniß ihres hohen Werthes gelangt ist. Die Landwirthschaft hat die Aufgabe, das Bedürfniß des Menschen an Nahrung ꝛc. zu befriedigen. Die Mineralstoffe, welche in den für die Ernährung des Menschen bestimmten Materialien, wie Körner, Fleisch ꝛc. enthalten sind, werden aus der Wirthschaft ausgeführt, ohne ihren Weg wieder zurückzufinden, da sie in den Excre- menten meistens durch die Canäle, in die Flüsse und das Meer gelangen. Um diesen Betrag wird daher der Boden als ein Ganzes genommen immer ärmer an Pflanzen- nährstoffen, wenn auch auf einzelnen Wirthschaften der Vorrath an Pflanzen- nährstoffen im Boden durch Zukauf von künstlichen Düngemitteln oder von Futter und Stalldünger auf Kosten anderer Wirthschaften erhalten oder selbst vermehrt wird. Dieser Verminderung an Bodennährstoffen ist nur durch die Verwendung der menschlichen Excremente für die Düngung entgegen zu wirken. Bei vollständiger Sammlung der Mehrungsstoffe finden sich in denselben alle jene Stoffe wieder, welche in der Nahrung des Menschen enthalten waren, mit Ausnahme gewisser Procente an Kohlenstoff, Wasserstoff und Sauerstoff, welche durch die Lunge und Haut ausgeschieden wurden. Entsprechend der aufgenommenen Nahrung zeichnen sich daher die menschlichen Abfallstoffe besonders durch ihren Gehalt an Stickstoff und Phosphorsäure aus. Nach den Angaben von E. Heiden E. Heiden, Düngerlehre 2. Bd. Stuttgart 1868. S. 190. berechnet sich die Gesammtmenge der jährlich aus- geschiedenen Excremente und ihrer wichtigsten Bestandtheile in Kilogrammen wie folgt: Die Menge der Gesammtausleerungen kann zu 0.524 Cubikmeter à 930 Kilogr. ver- anschlagt werden. 12* Allgemeine Ackerbaulehre. Die Verwendung der menschlichen Excremente erfolgt entweder im natürlichen Zustande oder in Verbindung mit den verschiedensten Zusätzen. Erstere einfachere Verwendungsart läßt sich jedoch nur auf dem Wirthschaftshofe selbst oder in der Nähe kleinerer Ortschaften ausführen, indem man den Inhalt der Sammelbehälter unmittelbar auf das Feld schafft und dort allsogleich unterpflügt. Zur Sammlung dieser werthvollen Düngermaterialien empfiehlt es sich auf dem Wirthschaftshof ꝛc. ge- eignete Räumlichkeiten herzurichten, in welchen die Mehrungsstoffe in leicht trans- portablen Tonnen aufgefangen werden können. Diese Tonnen sollen nur so groß sein, daß sie alle Woche ein- bis zweimal ausgeleert werden müssen. Sind dieselben in Wohngebäuden angelegt, so ist dafür Sorge zu tragen, daß in dieselben nicht auch das Spülwasser gegossen wird. Für größere Städte wird in neuerer Zeit vielfach das System von Liernur empfohlen, welches darin besteht, daß die sämmtlichen Fallimente durch den Luftdruck in luftleer gemachte Bassin's getrieben werden, von welchen sie in Fässern gefüllt zur unmittelbaren Verwendung gelangen oder der Poudrettfabrication zuführt werden können. Nebenbei erwähnt sei noch die Verwen- dung der Canalwässer zur Berieselung von Acker- und Feldflächen G. Krauß, Die Landwirthschaft in Flandern. Berlin 1873. S. 120. . Letztere Ver- wendung hat sich jedoch bisher in den wenigsten Fällen rentirt. Werden die Mehrungsstoffe auf Feldern, welche von dem Erzeugungsorte ent- fernt sind, verwendet, so müssen sie vorher durch Zusätze conservirt und in einen transportfähigeren Zustand übergeführt werden. In Belgien, welchem der billige Transport auf zahlreichen Wasserwegen zur Verfügung steht, verdünnt man die menschlichen Ecxremente zur Conservirung mit Wasser. Um von einer naheliegenden, zu weit gehenden Verdünnung des dortselbst als flandrischen Dünger ( engrais flamand ) verkauften Latrinendüngers ge- schützt zu sein, wird dessen Preis nach Areometergraden (Latrinenareometer von Lesecq) bestimmt Ad. Fegebeutel, Die Canalwasser (Sewage) Bewässerung oder die flüssige Düngung der Felder im Gefolge der Canalisation der Städte in England. Danzig 1870. . Die Vertheilung des flandrischen Düngers auf die Felder wird mit Jauchenfässern ausgeführt. Mengen, welche nicht gleich zur Verwendung kommen, werden in cementrirten Gruben in der Nähe der Felder aufbewahrt. Auf ähnliche Weise lassen sich die Fäcalmassen conserviren, wenn sie, wie schon S. 177 erwähnt, unmittelbar in die Jauchengrube gelangen. Die größten Schwierigkeiten bei der Verwendung der Fäcalmassen macht ihr großer Wassergehalt, welcher daher zu vermindern ist, wenn dieselben in einen trans- portfähigen Zustand gebracht werden sollen. Die Verminderung des Wassergehaltes wird auf die verschiedenste Weise angestrebt, ohne daß es bisher gelungen wäre, eine allen Anforderungen entsprechende Methode ausfindig zu machen. Bei den be- kanntesten derartigen Methoden werden vorerst nach der Desinficirung der Massen durch Eisenvitriol, Gyps, Karbolsäure ꝛc., die festen und flüssigen Ausleerungen gesondert gesammelt und entweder bloß die festen oder auch die flüssigen Stoffe weiter verarbeitet. Letztere Methoden, welche sämmtliche Fallimente der Landwirth- Die Düngung. schaft zu erhalten trachten, haben unstreitig den Vorzug. Die Verminderung des Wassers unter gleichzeitiger Conservirung der Massen erfolgt entweder unter Zu- sätzen von Ätzkalk (Mosselmann'sches System), welcher das Wasser bindet und die Zersetzung der frischen stickstoffhaltigen Substanzen hemmt, oder durch Einstreuen von Massen, welche die Feuchtigkeit aufsaugen, wie trockene Erde (Moule'sches Erdsystem) oder Kalk und Kohlenpulver (Müller-Schür'sches System) Bei letzterem Systeme wird der Harn durch Torferde, welcher saure schwefelsaure Magnesia zugesetzt ist, filtrirt und die ablaufende Flüssigkeit weggeschüttet, während die Torferde als Dünger in Verwendung kommt. Zuweilen verwandelt man die festen menschlichen Excremente auch in einen Streudünger, Poudrette , Urat, künstlicher Guano genannt, indem die Flüssigkeit durch Ablaufenlassen entfernt und die zurückgebliebene Masse auf Horden unter Schuppen getrocknet, verkleinert und gesiebt wird. Ein praktisches Verfahren zur Verwerthung der menschlichen Exkremente besteht darin, daß man sie unter gleichzeitiger Desinficirung mit Eisenvitriol ꝛc. in Gruben einfüllt und nach dem Absatze der festen Theile die oben auf befindliche Flüssigkeit mit dem Jauchenfaße auf das Feld oder die Wiese führt. Der schlammige Bodensatz wird entweder mit dem Stallmiste auf der Düngerstätte vermengt oder für sich mit Erde durchschichtet in einen sehr werthvollen Compost verwandelt. 4. Der Compostdünger. Unter Compost, Menge- oder Streudünger versteht man jene Düngermassen, welche aus den mannigfaltigsten Wirthschafts-Abfällen thierischen, vegetabilischen oder mine- ralischen Ursprunges bereitet werden. Bei der Verschiedenartigkeit der zur Compost- bereitung verwendeten Materialien wird auch der Werth des Compostdüngers sehr verschieden ausfallen. Demungeachtet bietet der Compost eine wesentliche Unter- stützung für die Düngerwirthschaft, da er gewöhnlich nicht nur die werthvollsten Pflanzennährstoffe, wie Stickstoff, Phosphorsäure und Kali enthält, sondern dieselben auch bei sachgemäßer Bereitung im aufnahmsfähigen Zustande vorhanden sind. Den größten Werth für die Compostbereitung besitzen die thierischen Abfälle einer Wirthschaft, die daher mit größter Sorgfalt zu sammeln sind. Gefallene Thiere lassen sich noch am besten durch die Compostbereitung verwerthen. Nach dem Abziehen der Haut wird das Fleisch von den Knochen durch Kochen in mit Schwefel- säure angesäuertem Wasser abgetrennt und mit den Eingeweiden, dem Blut, der zerkleinerten Hornsubstanz, bestreut mit etwas Gyps, auf den Composthaufen gebracht. Der mit Erde bedeckte Composthaufen wird dann mit der Fleischbrühe, von welcher vorher das als Dünger werthlose Fett abgeschöpft wurde, übergossen. Die Knochen werden zerkleinert, wenn möglich gedämpft und gleichfalls auf den Composthaufen gegeben. Außerdem können das Blut, die Knochen, Haare ꝛc. der geschlachteten Thiere, Hornspäne, Knochenabfälle, der stickstoffreiche Wollstaub, Lederabfälle, Abfälle der Leimfabriken, Gerbereien, kleinere Partien Stallmist, Geflügelmist, menschliche Excremente zur Compostbereitung verwendet werden. Zur Feuchthaltung eignet sich ganz vorzüglich die Düngerjauche und zur Zersetzung schwer zerstörbarer Materialien so- wohl diese als auch jene Erde, welche als Unterlage auf die Düngerstätte gestreut wurde. Allgemeine Ackerbaulehre. Von Pflanzenabfällen sind für den Composthaufen zu verwenden Unkrautpflanzen in möglichst frischem Zustande, um ihre Zersetzung zu erleichtern, Scheunenabfälle, Unkrautgesäme, nachdem es durch Uebergießen mit siedendem Wasser seiner Keim- fähigkeit beraubt worden ist, Kartoffelkraut, die Rückstände in den Mieten und Kellern, in welchen Knollen und Wurzeln aufbewahrt waren, Baumlaub, Abfälle von der Flachsbereitung, Malzkehricht und sonstige Brauhausabfälle, verdorbene Oel- kuchen, Sägespäne ꝛc. Von mineralischen Stoffen eignen sich für die Compostirung der Inhalt der Straßengräben, Erde, Schlamm, Torf, Bauschutt, Holzasche; den geringsten Werth besitzt Steinkohlenasche ꝛc. Ueberhaupt sind alle nur irgend wie zu erlangenden, einen Düngerwerth besitzenden Materialien, wie z. B. Chauss é eabraum, Kehricht aller Art, Küchenabfälle, sofern sie nicht verfüttert werden können, Spülwasser, Abfälle aus den Zuckerfabriken, Rüben- abfälle und Erdkehricht aus der Rübenkammer, Preß- und Scheideschlamm, Melasse, der Absatz aus den Schmutzwässern ꝛc., auf das sorgsamste zu sammeln und der Compostirung zuzuführen. Bei der Bereitung des Compostes handelt es sich darum, die Zersetzung schwer zerstörbarer Materialien durch Zusatz von Kalk, Bauschutt ꝛc. zu befördern und dem Verluste von gasförmigen Stoffen vorzubeugen. Die oben angeführten Materialien werden entweder gleich am Felde selbst an einer schattigen Stelle oder in der Nähe des Hofes in mäßig hohen (1—1 5 M.) Haufen, durchschichtet mit Erde und Kalk oder auch mit Stallmist, Knochenmehl ꝛc. je nach der Natur der Materialien, aufgesetzt und schließlich mit Erde bedeckt. Um eine gleichmäßige Zersetzung zu be- fördern, ist der Haufen mit Jauche oder Wasser stets feucht zu erhalten und zeit- weise umzustechen, um gleichzeitig eine innigere Mengung der verschiedenartigen Materialien zu erzielen. Sehr zu empfehlen ist es, je nach der Art der zur Com- postirung verwendeten Stoffe, mehrere Haufen zu bilden, welche dann gesondert behandelt werden können. Ist das Ganze nach Ablauf von ½—1 Jahr in eine gleichmäßige, mürbe Masse zerfallen, so ist der Compost zur Verwendung geeignet. Wegen seiner schnellen Wirkung verwendet man den Compost entweder als Stufendüngung für werthvollere Pflanzen oder als Kopfdüngung für Wiesen- und Futterschläge. Ebenso gut eignet er sich zur Düngung aller anderen Feldfrüchte. Die Vertheilung auf dem Felde wird entweder mit einer Düngerstreumaschine oder durch Abziehen in kleine Häufchen und nachmaliges Ausstreuen mit der Schaufel ausgeführt. Der ausgebreitete Compost wird dann entweder mit der Schleife ein- gezogen oder mit der Egge untergebracht. 2. Die relativen Düngemittel. Wird in einer Wirthschaft, welche Körner und Vieh ausführt, ohne Futter oder Dünger von auswärts zu beziehen nur der selbst producirte Stallmist zur Düngung verwendet, so liegt es nahe, daß nach und nach eine Verminderung des Stoffgehaltes Die Düngung. besonders an Kali und Phosphorsäure, welche mit den Körnern ꝛc. ausgeführt werden und daher nicht mehr in den Stallmist übergehen, eintreten muß. Diese Entwerthung des selbst producirten Stallmistes wird um so rascher sich fühlbar machen, je weniger durch die Verwitterung im Boden die entzogenen Nährstoffe nach- geschafft werden können. In diesem Falle erweisen sich die concentrirten Dünge- mittel, welche nur einen oder einige Nährstoffe enthalten, als willkommene Unter- stützung für die Stallmistdüngung. Durch ihre Verwendung ist es möglich, dem Stalldünger wieder seine ursprüngliche Zusammensetzung zu geben. Ihrer Natur nach können die concentrirten Dünger niemals einen vollkommenen Ersatz für den Stallmist bieten. Der Stallmist enthält alle Nährstoffe, während die concentrirten Dünger nur einzelne, wenn auch besonders wichtige Pflanzennährstoffe enthalten. Ueberdies besitzt der Stallmist die oft unschätzbare Fähigkeit, den physi- kalischen Zustand des Bodens wesentlich zu verbessern, während von den künstlichen Düngern, welche gewöhnlich im Verhältnisse zur Bodenmasse in sehr geringen Mengen angewendet werden, in dieser Richtung kein Einfluß zu erwarten ist. Um so größeren Werth haben jedoch die concentrirten Düngemittel als Hilfs- und Beidünger zum Stallmist, welcher nur allein als der Hauptdünger in der Landwirthschaft angesehen werden kann. Bei der Anwendung der Hilfsdünger hat man sich vor allem die Gesetze der Pflanzenernährung gegenwärtig zu halten. Sind in einem Boden die einzelnen Nährstoffe, eine ausreichende Menge derselben vorausgesetzt, in jenem Verhältnisse zu einander vorhanden, wie sie von den Pflanzenwurzeln aufgenommen werden, so würde eine Düngung mit concentrirten Düngemitteln, das heißt eine einseitige Vermehrung des einen oder anderen Pflanzennährstoffes, von keinem Einflusse auf die Erhöhung des Ernteertrages sein. Diese könnte erst dann eintreten, wenn auch die übrigen Nährstoffe in jenem Verhältnisse wie sie zum Wachsthume der Pflanzen erforderlich sind, vermehrt werden. Ist andererseits das Nährstoffverhältniß im Boden durch den Anbau solcher Pflanzen, welche den Boden besonders an einem Nährstoff erschöpften, derart gestört, daß dieser Nährstoff nur in einem Minimum vorhanden ist, so wird die Zufuhr desselben durch concentrirten Dünger von entschiedener Wirkung auf die Steigerung der Pflanzenerträge sein. In diesem Falle werden auch die übrigen im Ueberflusse vorhandenen Nährstoffe, welche ohne jenen fehlenden nicht zur Ausnützung gelangen können, zur Ernährung der Pflanzen herangezogen. Ein ähnlicher Fall tritt bei Körnerwirthschaften mit Wiesenzulage ein, welche für den Entgang an Kali und Phosphorsäure in den verkauften Körnern einen Ersatz durch Verfütterung des Wiesenheues zu geben suchen. Durch das Wiesenheu erhält der Boden des Ackerlandes, wenn vollständiger Ersatz gegeben werden soll, unvermeidlich gegenüber der Phosphorsäure einen Ueberschuß an Kali und Stickstoff. Dieser Ueberschuß wird nur dann ausgenützt werden können, wenn durch Knochen- mehl ꝛc. für eine Vermehrung der Phosphorsäure gesorgt wird. In diesem Falle werden daher die Ernteerträge durch Beidüngung von Phosphaten zu der Stallmist- düngung höher steigen, als wenn letztere nur allein angewendet wird. Allgemeine Ackerbaulehre. Ist daher in einem Boden der eine oder andere Nährstoff im Minimum vor- handen, so reicht eine Stallmistdüngung, welche in diesem Falle meistens zu einer Luxusdüngung mit den übrigen Mineralstoffen führt, allein ohne Zuhilfenahme von künstlichen Düngemitteln nicht aus, um die höchsten Ernteerträge zu erzielen. Oefters ist nur eine vorübergehende Erhöhung des einen oder andern Pflanzen- nährstoffes im Boden erwünscht, wie z. B. zur leichteren Durchführung des Ueber- ganges zu einer neuen Fruchtfolge, zur Sicherung des Anbaues einer bisher noch nicht cultivirten Pflanze, zur schnelleren Culturbarmachung eines Neulandes, zur Aufhilfe für schwache Saaten ꝛc. Auch in diesen Fällen werden die rasch wirkenden, wenn auch nur kurze Zeit, oft nur ein Jahr in ihrer Wirkung anhaltenden Hilfs- düngemittel erfolgreich anzuwenden sein. Je nach der Bodenbeschaffenheit gelangen die künstlichen Düngemittel weder auf extrem schweren noch auf leichteren, sandigen Böden zur vollen Wirksamkeit. Die besten Erfolge gewähren dieselben nur auf Böden von mittlerer Beschaffenheit. Die Wirksamkeit der Handelsdünger wird jedoch nicht allein von dem Boden und Düngungszustande eines Feldes, sondern auch von der Witterung und von dem Bedürfnisse der verschiedenen Culturpflanzen an einzelnen Nährstoffen beeinflußt. Im Allgemeinen wird eine größere Regenhöhe mit Berücksichtigung der wasser- haltenden Kraft des Bodens die Wirkung der Handelsdünger entschiedener hervortreten lassen, während anderseits eine geringe Regenmenge in der Vegetationszeit die Wirkung der Hilfsdünger auf die Steigerung des Pflanzenertrages auf Null reduciren kann, besonders dann wenn sie gleichzeitig mit einer höheren als die für den Ort geltenden, mittleren Luftwärme zusammenfällt, welche die Austrocknung des Bodens durch ver- mehrte Wasserverdunstung befördert. Abgesehen von dem Vorrathe an Nährstoffen im Boden und den übrigen Wachsthumsfactoren kann je nach dem Nährstoffbedarfe der anzubauenden Pflanzenart erwartet werden, daß die gebräuchlichsten Hilfsdünger besonders auf die Ernteerträge der nachstehenden Pflanzen günstig einwirken. Auf den Ertrag der Cerealien und Oelgewächse: Knochenmehl, Peruguano, Kalksuperphosphat, Chilisalpeter; der Wurzelgewächse: Superphosphate, Kalidünger; der Hülsenfrüchte und Kleepflanzen: Gyps, Asche, Kalisalze; der Wiesenpflanzen: Kalisalze, Knochenmehl. Zieht man jedoch in Erwägung, daß der Boden je nach seiner physikalischen und chemischen Natur, besonders aber die Witterung je nach ihrem Verlaufe vor und während der Vegetation in den meisten Fällen ebenso einflußreich, in vielen selbst noch viel einflußreicher auf das Ernteresultat sind als die Düngung, so ergiebt sich von selbst, daß sich von vornherein nicht bestimmen läßt, ob die Anwendung eines con- centrirten Düngers für die örtlichen Verhältnisse von Erfolg sein wird oder nicht. Hier kann nur allein der zunächst im Kleinen ausgeführte, praktische Düngungs- versuch entscheidenden Anhaltspunkte gewähren. Diesen Anhaltspunkten kommt jedoch, wie schon S. 157 erwähnt, keine allgemeinere Geltung zu, sondern sie beziehen Die Düngung. sich nur auf den vorliegenden Zustand des Bodens und der Witterung. Mit Rück- sicht auf letztere kann oft ein einmaliger Versuch keine ausreichende Entscheidung bringen, wenn derselbe gerade bei einer ungünstigen Witterung zur Ausführung gelangte. Der Werth des vergleichenden Düngungsversuches hängt vornehmlich von der glücklichen Wahl des Versuchsfeldes ab. Nach dem Vorschlage von Dr. Grouven Dr. H. Grouven, Dritter Bericht über die Arbeiten der agricultur-chemischen Versuchs- station zu Salzmünde. Glogau 1868 S. 335. ist es rathsam, eher ein mageres Feld, welches etwas weit von der letzten Düngung entfernt ist, von möglichst gleichmäßiger Beschaffenheit im Ober- und Untergrund aus- zuwählen, da auf diesem die Wirkung der Düngung meistens deutlicher hervortritt als auf einem in sehr gutem Zustande befindlichen Felde. Der Breite nach soll das auszuwählende Feldstück horizontal und eben sein, in seiner Längsrichtung kann es alsdann etwas steigen oder fallen. Zweckmäßig ist es, das Versuchsfeld schon den Sommer vorher nach der Gleichmäßigkeit des Pflanzenstandes auszuwählen und ab- zustecken. Am besten werden Ungleichheiten in der Bodenbeschaffenheit, welche selbst kleine, anscheinend gleichmäßige Feldstücke darbieten, für den Versuch unschädlich gemacht, wenn die einzelnen Parcellen in langen, schmalen Streifen angelegt werden. Die zweckmäßigste Größe einer Parcelle ist bei einer Länge von 200 M. 400—500 □ M. Die Dauer der Versuche soll sich mindestens auf drei Jahre erstrecken, um den Einfluß der Witterung wenigstens theilweise zu beseitigen. Sehr zu empfehlen ist es auch, die Nachwirkung der angewendeten Düngermittel auf die im 2. und 3. Jahre, nach der auf der Wirthschaft eingehaltenen Rotation, folgenden Pflanzen zu beobachten. Um die Wirkung der Düngemittel deutlich erkennen zu können, muß man zur Ermöglichung eines Vergleiches stets 2—3 Parcellen ungedüngt lassen und eine Parcelle mit Stallmist düngen. Die Auswahl der Düngerstoffe kann entweder in der Weise erfolgen, daß man zunächst nur solche versucht, deren Wirksamkeit vorzugsweise nur durch einen Nähr- stoff bedingt ist, oder man verwendet unmittelbar zusammengesetztere Handelsdünger. Die Stärke der Düngung wird verhältnißmäßig nach der üblichen mittleren Düngung auf 1 Hectar bemessen. Vom wirthschaftlichen Standpunkte empfiehlt es sich, die Wahl der verschiedenen Düngemittel derart einzurichten, daß für dieselbe Fläche stets die gleichen Kosten aufgewendet werden. Beachtenswerth ist die Ausführung der Düngungsversuche nach dem Plane von G. Ville G. Ville, Les engrais chimiques; conférences à Vincennes en 1867 et 1868. 3 éd. Paris 1870. , sofern derselbe einer Modification unterzogen wird. G. Ville stellt vorerst eine Mischung einfacher Salze in der Weise zusammen, daß in der Mischung ( Engrais complet genannt) dieselben Stoffe und dieselben Stoffmengen enthalten sind, wie in 40,000 Kilogr. Stallmist (nach Ville von der Zusammensetzung 163 Stickstoff, 75 Phosphorsäure, 150 Kali und 320 Kilogr. Kalk), als der für 1 Hectar erforderlichen Düngermenge. Die in 8 Parcellen getheilte Fläche eines halben Hectars wird nun verhältnißmäßig in folgender Weise gedüngt. Allgemeine Ackerbaulehre. 1. Parcelle. 40,000 Kilogr. Stallmist per 1 Hectar. 2. „ Completer künstlicher Dünger. 3. „ „ „ „ mit Weglassung der stickstoffh. Materie. 4. „ „ „ „ „ „ „ der Phosphorsäure. 5. „ „ „ „ „ „ „ des Kali. 6. „ „ „ „ „ „ „ des Kalkes. 7. „ „ „ „ „ „ „ aller Mineralstoffe. 8. „ Ungedüngt. Die Modification dieser Düngerversuche hätte darin zu bestehen, daß die Mischung des completen Düngers nicht aus Salzen (bei Ville schwefelsaures Am- moniak, Knochenasche, Pottasche, Gyps, salpetersaures Kali), sondern aus den gewöhn- lichen Handelsdüngern mit Rücksicht auf ihre chemische Zusammensetzung (S. 158) hergestellt wird, etwa wie bei der Feststellung der Futternormen nach dem chemischen Gehalte der einzelnen Futterstoffe. Bei der Ausführung der Düngung im Großen wird die rasche und voll- kommene Wirksamkeit der Hilfsdünger nur dann erreicht werden können, wenn der Dünger möglichst gleichmäßig ausgestreut und innig mit dem Boden vermischt werden kann. Die Gleichmäßigkeit der Vertheilung verdient um so mehr Beachtung, als gewöhnlich nur kleine Mengen von Hilfsdüngern zur Anwendung gelangen, die bei partienweiser Anhäufung auf dem Felde selbst das Wachsthum der Pflanzen und damit den Erfolg der Düngung beeinträchtigen können. Wesentlich erleichtert wird die Vertheilung, wenn das Düngemittel als möglichst feines und gleichförmiges Pulver und in mög- lichst leicht löslichem Zustande verwendet wird. Es ist dabei keineswegs zu befürchten, daß die löslichen Düngemittel im Boden durch das Wasser in tiefere Schichten ge- führt werden, da gerade die werthvollsten Pflanzennährstoffe, welche in der Natur seltener vorkommen und deren Beschaffung daher dem Landwirthe am meisten Kosten verursachen wie Kali, Ammoniak und Phosphorsäure am stärksten der Absorption durch den Boden unterliegen. Wenn nun auch die löslichen Pflanzennährstoffe durch die Absorption im Boden wieder unlöslich werden, so bedingt ihre anfänglich lös- liche Form doch eine vollkommenere Vertheilung im Boden. Düngemittel, welche durch Anziehung von Feuchtigkeit in Klumpen zusammenballen, müssen vor ihrer Ver- wendung sorgfältig zertheilt werden. Ist die auszustreuende Düngermenge gering, so kann das Ausstreuen mit der Hand dadurch erleichtert werden, daß man die Masse durch Beimischen von trockener, humoser Erde vermehrt. Am gleichmäßigsten erfolgt das Ausstreuen mit einer Düngerstreumaschine . Eine der bekanntesten Düngerstreumaschinen ist die in Fig. 69 (s. S. 187) abgebildete Maschine von Chambers. Der Säekasten dieser Maschine besteht aus zwei Ab- theilungen, ähnlich wie bei der Drillsäemaschine. Die obere Abtheilung, in welche der möglichst fein pulrerisirte und trockene Dünger eingefüllt wird, enthält eine Rühr- welle, um das Ablaufen des Streudüngers in den Vertheilungsraum zu erleichtern. Die Ablauföffnung ist durch einen Schieber beliebig zu erweitern um das aus- zustreuende Quantum zu reguliren. In der unteren Abtheilung befindet sich die Die Düngung. Vertheilungsvorrichtung, welche aus einer Anzahl auf einer Welle aufgeschobener, guß- eiserner Ringe mit verzahnten Kränzen gebildet wird. Die vorspringenden Zapfen dieser Ringe erfassen den Dünger und führen ihn in den Aus- streukasten, welcher unter der Maschine hängt. Um das An- kleben des Düngers zu ver- hindern, lehnen sich gegen die Kränze Schabeisen, deren Druck je nach der Klebrigkeit des ge- brauchten Düngers durch ver- änderliche Federn verstärkt oder vermindert werden kann. Das ausgestreute Düngermittel, so- fern es nicht zur Ueberdüngung angewendet wurde, ist entweder durch die Egge oder noch zweck- mäßiger durch den Pflug mit dem Boden zu vermischen. Die zahlreichen Hilfs- düngemittel , von welchen weiterhin nur die gewöhnlichsten angeführt werden sollen, lassen sich je nach den Pflanzennähr- stoffen, durch welche sie vorzugs- weise wirksam sind, etwa in fol- gender Weise gruppiren. Wirk- sam durch den Gehalt an: 1. Stickstoff (Nitrate): Ammoniaksalze, Salpetersaure- salze (Chilisalpeter), dann Gaswasser, Abfälle thierischen Ursprunges, wie Wolle-, Ger- berei-, Leder-, Leim-, Horn-, Thranabfälle ꝛc. Fig. 69. Chambers, breitwürfige Düngerstreumaschine von H. R. Garrett \& Sons — Suffolk. — Preis, 2 Meter breit, 477 Mark, 238.50 fl. 2. Stickstoff und Phosphorsäure (Stickstoffphosphate): Peruguano, Fischguano, Fledermaus-Guano, Geflügelexcremente, Oelkuchenmehl, Blutdünger, Fleischmehl ꝛc. 3. Phosphorsäure (Phosphate): Bakerguano, Sombrero-, Bolivia-, Mejillones- Guano, Navassa Phosphat, Phosphorite, Apatit, Koprolithen, Osteolithen, Knochen- asche, Superphosphate, phosphorsaurer Kalk der Leim- und chemischen Fabriken ꝛc. Außerdem gehören hierher Dünger, welche durch den Gehalt an Phosphorsäure und nebenbei an Stickstoff wirksam sind: rohes Knochenmehl, gedämpftes und mit Schwefel- säure aufgeschlossenes Knochenmehl, Ammoniak-Superphosphat, Poudrettedünger ꝛc. Allgemeine Ackerbaulehre. 4. Kali (Kalidünger): Pottasche, Staßfurter Abraumsalze, Ausseeer-, Kaluszer- Kalisalze, Seifensiederfluß (Chlorkalium), Rückstände der Weinsäurebereitung, Wein- trestern ꝛc. 5. Kali und Stickstoff: Kalisalpeter, Mistjauche ꝛc. 6. Kali und Phosphorsäure: Holzasche, Kalisuperphosphate ꝛc. 1. Die Stickstoffdünger. Auf die Bedeutung einer Stickstoffdüngung wurde bereits Seite 155 hinge- wiesen. Dieselbe erscheint besonders dann am Platze, wenn es an den erforderlichen Mengen an Düngern organischen Ursprunges, besonders an Stallmist gebricht. Der Stickstoff kann entweder in Form eines salpetersauren oder Ammoniaksalzes oder als Abfälle organischen Ursprunges auf die Felder gebracht werden. Der bekannteste Stickstoffdünger ist der Chilisalpeter (salpetersaures Natron). Bei der Anwendung desselben können am leichtesten Verluste durch Versickerung in den Boden eintreten, da die Ackererde keine Absorption für Salpetersäure besitzt. Am ungeeignetsten ist daher die Verwendung des Salpeters vor der Saat oder bei nasser Witterung. Am besten eignet sich derselbe als Kopfdüngung besonders für schwach durch den Winter gekommene Halmfrüchte. Seine Wirkung ist hier um so rascher als er im Boden in wässeriger Lösung bleibt, und daher unmittelbar durch die Pflanzenwurzeln aufgenommen werden kann. Seiner allgemeineren Auwendung steht nur der hohe Preis (ungefähr 30—40 Mark. 15—20 fl. per 100 Kilogr.) entgegen, wenn auch nur geringe Mengen auf 1 Hectar 100—200 Kilogr. aus- gestreut werden. Geeigneter für die Düngung als der Chilisalpeter sind die wenig flüchtigen Ammoniaksalze , welche gegenüber dem Ersteren den Vortheil besitzen, daß das Ammoniak von dem Boden absorbirt wird. Am verwendbarsten erweist sich das rohe schwefelsaure Ammoniak, welches als Nebenproduct bei der Leuchtgasfabrication aus dem Gaswasser gewonnen wird. Größere Mengen dieses Salzes werden auch aus dem kohlensauren Ammoniak dargestellt, welches aus faulenden, thierischen Stoffen erhalten wird. Die Ammoniaksalze werden im Boden in das flüchtige, kohlensaure Ammoniak umgesetzt, weshalb dieselben am besten erst kurz vor der Saat in den- selben Mengen wie der Chilisalpeter ausgestreut werden und eingeeggt oder noch zweckmäßiger mit dem Exstirpator oder dem Pfluge in den Boden gebracht werden. Die Ammoniaksalze eignen sich mehr für leichtere, der Chilisalpeter mehr für schwerere Bodenarten, wie schon nach der verschiedenen Absorption des Ammoniaks und der Salpetersäure im Boden erwartet werden kann. 2. Die Stickstoffphosphate. Der hervorragendste Dünger dieser Gruppe ist der Guano, welcher auf den Inseln nahe der peruanischen Küste gewonnen wird. Der Guano bildet ein Ge- menge von Excrementen verschiedener Seevögel mit den Resten der abge- storbenen Vögel und anderer Seethiere. Je nach dem Fundorte des Guanos Die Düngung. ist der Werth desselben ein höchst verschiedener. Den größten Werth besitzt der Peruguano , welcher in jenen warmen und regenlosen Gebieten gewonnen wird. Wegen des mangelnden Regens erhält sich der Peruguano in seiner ursprünglichen Beschaffenheit, ohne sich durch Zersetzung, welche bei Anwesenheit von Wasser rasch eintritt, zu verändern. Von den zahlreichen Guanosorten, welche in allen. Theilen der Welt gefunden werden, kann jedoch wegen der klimatischen Beschaffenheit seines Fundortes der Peruguano nahezu nur allein als Stickstoffphosphat bezeichnet werden. Die übrigen in Landstrichen mit Regen vorkommenden Guanosorten werden unter dem Einflusse der abwechselnden Trockne und Nässe bald derart zersetzt, daß die organischen Stoffe in Form von kohlensaurem Ammoniak, Kohlensäure und Wasser in die Atmosphäre entweichen, die löslichen unorganischen Salze ausgewaschen werden, während nur die unlöslichen Verbindungen, besonders der phosphorsaure Kalk zurück- bleiben. Diese stickstoffarmen Guanosorten wie Baker-, Sombrero-Guano ꝛc. erhalten daher ihren Platz unter den Phosphaten. Der Peruguano (Preis 28 Mark, 14 fl. per 100 Kilogr.) besteht aus einer hellbraungelben Masse, welcher verschieden große, knollige Stücke von weicher oder harter Beschaffenheit beigemengt sind. Derselbe enthält die drei wichtigen Pflanzen- nährstoffe, Stickstoff, Phosphorsäure und Kali, jedoch nicht in demselben Verhältnisse, wie sie von den Pflanzenwurzeln aufgenommen werden, weshalb der Peruguano niemals wie der Stallmist als Hauptdünger gelten kann. Der Stickstoff 12—14 %, kommt im Peruguano nahezu zur Hälfte als Ammoniak und zum anderen Theile in organischen Verbindungen (Harnsäure) vor, letztere werden im feuchten Boden rasch in Ammoniak übergeführt. Die Phosphorsäure ist meist an Kalk, aber auch an Ammoniak und an Eisenoxyd gebunden. Das Kali kommt in geringster Menge gegenüber den beiden anderen Pflanzennährstoffen vor. Die günstige Wirkung des Peruguanos ist daher besonders auf seinen Gehalt an leicht assimilirbaren Stickstoff- und Phosphorsäure-Verbindungen zurückzuführen. Um die Phosphorsäure ebenso rasch wie die vorhandenen Stickstoffverbindungen wirksam zu machen, verarbeitet die Fabrik Ohlendorff und Co. in Hamburg zumeist seebeschädigten Guano durch Behandlung mit Schwefelsäure auf Peruguano-Superphosphat (Preis per 100 Kilogr. 30 Mark, 15 fl.) Die gleichmäßige Zusammensetzung (8—9 % Stickstoff und 9—10 % in Wasser löslicher Phosphorsäure) hat die Anwendung dieses feingepulverten Düngemittels wesentlich gesteigert. Bei der Verwendung des Peruguanos sind vorerst alle groben Theile durch Absieben zu entfernen. Die Knollen werden dann mit hölzernen Stößeln unter Beimischung scharfkantigen Sandes verkleinert und nun gemengt mit den abgesiebten feineren Theilen und etwa dem 5—10fachen Gewichte an Erde ausgestreut. Die größte Wirkung wird auf jenen Böden, welche nicht zu naß und trocken und welchen Phosphorsäure und Stickstoff fehlen, erzielt werden. Auf Böden, welche arm an Pflanzennährstoffen, wird jedoch durch die Düngung mit Peruguano die Erschöpfung des Bodens beschleunigt. Ebenso ungeeignet ist eine Guanodüngung auf stark ver- unkrauteten Böden, da durch die Begünstigung des Wachsthumes der Unkrautpflanzen die Culturpflanzen leicht Schaden leiden können. Allgemeine Ackerbaulehre. Der Peruguano eignet sich für alle Pflanzen, besonders aber für Oelfrüchte und für Kartoffeln. Verwendet man denselben für Cerealien, so ist es zweckmäßig, die eine Hälfte der für 1 Hectar bestimmten Düngermenge (gewöhnlich 200—400 Kilogr.) im Herbste unmittelbar vor der Saat, die andere Hälfte im Frühjahre als Kopf- düngung zu geben. Aehnliches gilt bei der Düngung der Rüben. Auch hier wird die halbe Menge (400—500 Kilogr. per Hectar) kurz vor der Saat mit der Egge oder dem Pfluge in den Boden gebracht und der Rest als Stufendüngung beim Legen des Samens gegeben. Dabei hat man jedoch zu beachten, daß der Guano reichlich mit Erde vermischt wird, damit der Same nicht unmittelbar mit dem Guano in Berührung kommt. Die drohende Erschöpfung der Peruguanolager gab die Veranlassung zur Auf- suchung neuer Düngerquellen, welche im Stande wären, einen Ersatz für den Peru- guano zu geben. Von demselben ist am meisten der Fischguano zu beachten, welcher aus werthloseren Fischarten und aus den Abfällen bei dem Härings- und Kabliaufang an den Meeresküsten bereitet wird. Sein Werth wird wesentlich erhöht, wenn demselben feines Knochenmehl beigemengt wird, da die Menge an Phosphor- säure gegenüber dem Stickstoff im Fischguano zurücktritt. Ebenso verdienen die Excremente unseres Hausgeflügels wegen ihres hohen Düngerwerthes auf das sorgfältigste gesammelt zu werden. 3. Die Phosphatdünger. Zu den phosphorsäurereichsten Düngemitteln (32—40 % Phosphorsäure) zählen vor Allem jene Guanosorten, welche wie der Baker-, Sombrero-Felsen- Guano , das Navassa-Phosphat ꝛc. in warmen, Regenniederschlägen aus- gesetzten Landstrichen gewonnen werden. Die Wirksamkeit dieser Düngermittel ist jedoch im rohen Zustande, wegen der Schwerlöslichkeit der phosphorsauren Ver- bindungen, eine geringe. Sie tritt erst dann im vollsten Maße hervor, wenn die- selben in Superphosphate umgewandelt werden. Dasselbe gilt von den weiteren Phosphatdüngern wie dem Apatit , einer Verbindung von phosphorsaurem Kalk mit Fluor oder Chlorcalcium, dem Phosphorit , mehr oder weniger verunreinigtem Apatit, den Koprolithen und Osteolithen . Die bekanntesten Phosphorite sind die nassauischen aus der Lahn- und Dillgegend mit einem Phosphorsäuregehalt von 30—36 %. Roh angewendet haben sie nur wenig Erfolg auf die Steigerung des Pflanzenertrages, am ehesten noch, wenn sie vor Winter flach eingeeggt oder auf der Oberfläche des Ackers liegen gelassen werden. Ebenso können sie auf den Dünger oder Composthaufen zur Bereicherung desselben gegeben, oder in die Jauchengrube geworfen werden. Zur vollkommensten Ausnutzung gelangen sie jedoch erst dann, wenn sie, wie früher bemerkt, in Superphosphate umgewandelt werden. Als Rohmaterial zur Bereitung des Superphosphates werden sowohl Bakerguano, Apatite, Phosphorite, Koprolithen, Osteolithen, als auch Knochen ver- wendet. Es handelt sich dabei vorzugsweise um die Umwandlung des in den ge- nannten Materialien enthaltenen schwer löslichen, dreibasisch phosphorsauren Kalk in Die Düngung. leicht löslichen, sauren phosphorsauren Kalk. Zu diesem Zwecke werden die Roh- materialien zu einem sehr feinen Pulver vermahlen und in entsprechender Weise mit Schwefelsäure oder Salzsäure behandelt. In den Boden gebracht wird zwar das Superphosphat wieder unlöslich. Seine Wirkung ist demungeachtet eine viel raschere und ausgiebigere, indem die Vertheilung der im Bodenwasser sich lösenden Phosphor- säure der Superphosphate eine viel vollkommenere und innigere ist als bei der Anwendung von noch so fein gemahlenen, rohen Phosphatdüngern. Am zweckmäßigsten verwendet man das Superphosphat, welches je nach dem Rohmateriale noch näher bezeichnet wird, wenn möglich einige Wochen oder einige Tage vor der Ausführung der Saat. Streut man das Superphosphat mit dem Samen aus, so muß dasselbe reichlich mit Erde gemischt werden, indem sonst die freie Phosphorsäure beizend auf den Samen einwirkt. Aus dieser Ursache ist auch die Benützung des Superphosphates als Ueberdünger auf junge Saaten nicht rath- sam. Für Halmfrüchte verwendet man per 1 Hectar 200—400 Kilogr. und zwar von den sog. hochgrädigen Fabricaten (mit 15—20 % löslicher Phosphorsäure; Preis von 100 Kilogr. 19.20 Mark, 9.60 fl.) die geringere, von den ärmeren Superphos- phaten (mit 10—15 % löslicher Phosphorsäure; Preis 14 Mark, 7 fl.) die größere Menge. Für Zuckerrüben eignet sich besonders ein Gemenge von Superphosphat mit Kalisalzen und mit Peruguano oder eine Mischung des Phosphates mit schwefelsaurem Ammoniak, das sog. Ammoniak-Superphosphat (mit 8 % Stickstoff und 12 % löslicher Phosphorsäure; Preis 34 Mark, 17 fl.). Dasselbe bildet den Uebergang zu einer anderen Gruppe von Phosphatdüngern, welche neben der Phosphorsäure auch geringe Mengen von Stickstoff enthalten. Die Letzeren werden repräsentirt durch die Knochen und die verschiedenen Knochenpräparate. Die Knochen enthalten neben dem stickstoffhaltigen Knorpel und dem Fette vorzugsweise phosphorsauren Kalk, phosphorsaure Magnesia, kohlensauren Kalk ꝛc. Von diesen Bestandtheilen hat das Fett keinen Düngerwerth, es ist daher vor der Verwendung der Knochen zu Düngungszwecken durch Auskochen zu entfernen, indem es überdies die Zersetzung der Knochen verzögert. Im frischen Zustande ist die düngende Wirkung der Knochen selbst im gestampften, grobsplitterigen Zustande als rohes Knochenmehl , wegen der langsameren Zersetzung eine viel geringere, als von Knochen, welche vor ihrer Verwendung entsprechend zubereitet werden. Die in der Wirthschaft abfallenden Knochen werden am zweckmäßigsten verkleinert und mit Asche, humoser Erde abgemischt auf einen Composthaufen gegeben, welcher fleißig mit Jauche zu übergießen ist. Die auf diese Weise fermentirten Knochen zerfallen nach Ablauf eines halben Jahres. Kleinere Knochenmengen giebt man zweckmäßig auf den Düngerhaufen. Die üblichste fabriksmäßige Zubereitung besteht in der mechanischen Zerkleinerung der Knochen, nachdem sie vorher hochgespannten Wasserdämpfen durch einige Zeit ausgesetzt wurden. Durch dieses Dämpfen werden die Knochen nicht nur entfettet, sondern so mürbe, daß sie leicht auf Knochenstampfen oder Knochenmühlen in ein feines, staubartiges Pulver, dem gedämpften Knochenmehl (Preis per 100 Kilogr. 15—20 Mark, 7.50—10 fl.), verwandelt werden können. Je feiner das Mehl, Allgemeine Ackerbaulehre. um so gleichmäßiger wird es ausgestreut werden können und um so mehr erhöht sich daher seine Wirkung auf die Pflanzenvegetation. Eine andere Zubereitung besteht in dem Glühen der Knochen bei Luftzutritt, wodurch die Knorpelsubstanz verbrannt und die unorganischen Bestandtheile als Knochenasche zurückbleiben. Man erhält in der Knochenasche einen sehr phosphor- säurereichen Dünger, jedoch ohne Stickstoffgehalt. Am zweckmäßigsten ist die Umwandlung des Knochenmehles in Knochenmehl- Superphosphat oder aufgeschlossenes Knochenmehl . (Preis per 100 Kilogr. 20—24 Mark, 10—12 fl.) Die Knochenasche und die in den Zuckerfabriken unbrauchbar gewordene Knochenkohle (Spodium), die Abfälle der Beindrechsler geben gleichfalls ein werthvolles Material für die Fabrication des Superphosphates, dessen Bereitung weiter oben angegeben wurde. Von weiteren Knochenpräparaten verdienen schließlich noch die Abfälle der Leimfabriken, welche etwa 50 % basisch phosphor- sauren Kalk enthalten, die vollste Beachtung als Düngemittel. Vor dem Ausstreuen des Knochenmehles empfiehlt es sich, dasselbe etwas an- faulen zu lassen. Zu diesem Zwecke mengt man dasselbe, wie bei der Fermentirung der frischen Knochen angegeben, mit Erde, Sägemehl, kurzem Schaf- oder Pferdemist und übergießt die von der Masse gebildeten Spitzhaufen fleißig mit Jauche. Nach etwa einer Woche wird dann die Masse verwendet. Hat man sich von der Wirkung des Knochenmehles auf seinen Feldern überzeugt, so ist es vortheilhaft, dasselbe schichtenweise auf den Dünger zu streuen und mit diesem auf das Feld zu führen. Durch die bei der Zersetzung des Stallmistes gebildete Kohlensäure wird dann die Lösung des Knochenmehles wesentlich befördert. Wird das Knochenmehl für sich, gewöhnlich in Mengen von 400—550 Kilogr. per Hectar, vom Superphosphat etwas weniger, angewendet, so bringt man dasselbe zweck- mäßig schon längere Zeit vor der Saat, für Sommersaaten schon im Herbste in den Boden, mit welchem es durch die Egge oder noch besser mit dem Pfluge vermischt wird. Die günstigste Wirkung zeigt das Knochenmehl besonders auf die Körnerbildung der Winter- und Sommerhalmfrüchte. Zu Kartoffeln als Stufendüngung angewendet, erhöht es den Ertrag und Stärkegehalt derselben. Ebenso eignet sich das Knochen- mehl als vorzüglicher Wiesendünger. Zu Kleegewächsen wird man am besten die vorausgegangene Halmfrucht mit Knochmehlpräparaten düngen 4. Die Kalidünger. Die Zufuhr von Kali in den Boden erlangt besonders für Zuckerfabriks- wirthschaften und für Wiesen, welche einer Ueberschwemmung nicht ausgesetzt sind, eine hohe Bedeutung, wenn man sich gegenwärtig hält, welche bedeutende Mengen an Kali, besonders durch den Zuckerrübenbau (S. 156) dem Boden entnommen werden. In früherer Zeit beschränkten sich die Kalidünger auf die verschiedenen Aschen, die ausgelaugte Asche bei der Pottaschenbereitung und die sog. Seifensiederasche. Den größten Werth für Düngungszwecke besitzt die unausgelaugte Holzasche . Dieselbe enthält neben reichlichen Mengen von kohlensaurem Kalk und von Magnesia Die Düngung. 8.43—37.84 % Kali und 3.46—10.74 % Phosphorsäure E. Heiden, Düngerlehre II. S. 231. . Am kalireichsten ist die Asche von Laubhölzern, besonders die Lindenholzasche. Die Asche kann entweder unmittelbar (30—35 Hectoliter per Hectare) auf das Feld oder die Wiese aus- gestreut oder auch als willkommenes Material auf den Composthaufen gegeben werden. Von viel geringerem Werthe als die Holzasche ist die Asche von Torf, Braun- oder Steinkohlen, welche in der Hauptsache aus kohlensaurem, schwefelsaurem Kalk, Thonerde und Eisenoxyd besteht. Bei ihrem geringen Gehalte an Kali und Phosphor- säure beruht ihr Einfluß nur auf einer Lockerung des Bodens. Seit (1861) der fabriksmäßigen Verarbeitung der kalireichen Abraumsalze des Steinsalzlagers zu Staßfurt-Leopoldshall stehen dem Landwirthe weitere unschätz- bare Kalidünger zur Verfügung. Nachdem sich das rohe Abraumsalz, welches das Hangende des dortigen Steinsalzlagers bildet, wegen seines Gehaltes an Chlor- magnesium — einem auf die Pflanzenvegetation nachtheilig einwirkenden Salze — für die Düngung als ungeeignet herausstellte, verarbeiten gegenwärtig 33 Fabriken, von welchen die bekanntesten jene von Dr. A. Frank, Vorster \& Grüneberg, N. F. Loefaß, vereinigte chemische Fabriken zu Leopoldshall ꝛc. sind, das Abraumsalz auf verschiedene Verbindungen, welche vorzügliche Kalidünger abgeben. Die Hauptbestandtheile der Abraumsalze sind der Carnallit (wasserhaltiges Chlorkalium mit Chlormagnesium) und der Kieserit (wasserhaltige, schwefelsaure Magnesia) welche mit Schichten von mehr oder weniger reinem Steinsalz wechsel- lagern. Daneben finden sich noch als secundäre Bildungen in mächtigen, bauwürdigen Lagern Kainit (wasserhaltige schwefelsaure Kali-Magnesia mit Chlor-Magesium) und in einzelnen Drusen Sylvin (Chlorkalium). Außerdem durch das ganze Lager ver- theilt Boracit, (saure borsaure Magnesia mit Chlor-Magnesium), Tachydrit, Anhydrit und Astrakanit. Außer dem Staßfurtervorkommen werden seit 1869 auch in Kalucz- Galizien mächtige Lager von Syloin und Kainit auf Kalidüngersalze ausgebeutet. Als Düngemittel werden von den Staßfurter Düngerfabriken folgende Ver- bindungen den Landwirthen angeboten: Nach der Preisliste der vereinigten chemischen Fabriken in Leopoldshall—Staßfurt. Krafft, Lehrb. d. Landw. I. 13 Allgemeine Ackerbaulehre. Gereinigte schwefelsaure Kali-Magnesia (28—30 % Kali entspr. 54—57 % schwefels. Kali und 34—38 % schwefels. Magnesia) 11.25 Mark, 5.62 fl. Von den angeführten Kalisalzen empfehlen sich besonders jene, in welcher das Kali in Verbindung mit Schwefelsäure vorkommen, wie das rohe schwefelsaure Kali und die rohe schwefelsaure Kali-Magnesia. In den Boden gebracht wird das Kali von den wasserhaltigen Silicaten und den Humuskörpern absorbirt während die Schwefel- säure mit Kalk oder Magnesia in Verbindung tritt. Verwendet man dagegen Dung- salze, welche vorzugsweise Chlorkalium enthalten, so bilden sich im Boden unter Absorption des Kali Chlorkalium und Chlormagnesium, zwei Salze, welche ungünstig auf das Wachsthum der Pflanzen einwirken. Dieselben vermindern bei den Zucker- rüben den Gehalt an Zucker, bei den Kartoffeln jenen an Stärke. Ueber die Wahl des Kalisalzes und über die zweckmäßigste Verwendung desselben entweder unmittelbar zu den Wurzelfrüchten oder zu den vorausgegangenen Halmfrüchten wird jedoch auch hier nur ein richtig angestellter Düngungsversuch den sichersten Aufschluß gewähren. Hat der Düngungsversuch ergeben, daß der angewendete Kalidünger die Qualität der Rübe oder der Kartoffel nicht beeinträchtigt, so wird derselbe am zweckmäßigsten im Herbste vermischt mit der 2—4fachen Menge trockener Erde ausgestreut und möglichst tief untergebracht, indem durch die Wurzelfrüchte besonders die tieferen Bodenschichten erschöpft werden. Für die Bestimmung der Stärke der Düngung kann die Erschöpfung des Bodens durch die Wurzelfrüchte einen Anhaltspunkt geben. Durch eine mittlere Ernte von 30—35 Tonnen Zuckerrüben per Hectar werden dem Boden 117—136 Kilogr. Kali S. Tabelle auf S. 156. entnommen, somit so viel als in 280—340 Kilogr. ge- reinigtem schwefelsaurem Kali oder in 680—800 Kilogr. roher schwefelsaurer Kali- Magnesia enthalten sind. Mit meistens gleichfalls günstigem Erfolge werden die Kalidünger auch für Futterpflanzen, Hülsenfrüchte und auf Wiesen angewendet. Im letzteren Falle ist es vortheilhaft, den Kalidünger auf den Composthaufen zu geben und den kalireichen Compostdünger im Winter auf die Wiese gleichmäßig auszubreiten. Sehr zu empfehlen ist es, die Kalisalze nicht direct anzuwenden, sondern sie dem Stallmist schichtenweise beizumischen und mit diesem auf das Feld zu bringen. 3. Die indirect wirkenden Düngemittel. Zu den indirekt wirkenden Düngemitteln oder Bodenverbesserungsmitteln, durch welche vorzugsweise auf eine günstige Aenderung der physikalischen Beschaffenheit des Bodens und nur nebenbei auf eine Vermehrung der Pflanzennährstoffe hingewirkt werden soll, sind zu zählen: 1. der Gyps, die Nebenproducte der Fabrication von Stearinkerzen, Holz-Essig- säure, der Dornenstein von den Salzgradirwerken ꝛc.; Die Düngung. 2. der Kalk, Gaskalk, Kalk aus dem Saturateur der Zuckerfabrik, die Abfälle der Sodafabrication, der Kalkofenbruch, Bauschutt ꝛc.; 3. der Mergel; 4. das Kochsalz; 5. die Erd- und Schlammdüngungen (Bodenmischungen). Außerdem können hierhergezählt werden jene Düngemittel, durch welche die organische Substanz des Bodens vermehrt wird, wie 6. die Ernterückstände und 7. die Gründüngung. 1. Der Gyps. E. Heiden E. Heiden, Lehrbuch der Düngerlehre. 2. Bd. Stuttgart 1868. S. 450. giebt über die bisher versuchten Erklärungen der Wirkung des Gypses folgendes Resum é : „1. Der Gyps (schwefelsaurer Kalk) ist nur in untergeordnetem Grade als directes Nahrungsmittel zu betrachten; bei dieser seiner Wirkung ist der Schwefel- säure die Hauptrolle zu vindiciren. 2. die Hauptwirkung des Gypses ist eine indirekte; diese zerfällt a. in eine chemische, welche in Löslichmachung der im Boden befindlichen Pflanzen- nährstoffe besteht, so daß sie aufnahmefähig für die Pflanzen werden. Der Gyps spielt somit den Vermittler bei der Aufnahme der Nährstoffe aus dem Boden durch die Pflanzen. Unerwähnt darf dabei aber nicht bleiben, daß hie- durch der Gyps zugleich eine Düngung des Untergrundes bewirkt, was für die Erklärung der Thatsache, daß er vor Allem bei den Leguminosen seine Wirkung zeigt, von Bedeutung ist. b. In eine physikalische als Regulator der Wasseraufnahme durch die Pflanze.“ In letzterer Beziehung sind die Versuche von J. Sachs Landw. Versuchsstationen. I. S. 203. zu erwähnen, nach welchen Salzlösungen, vor allem der Gyps, die Verdunstung des Wassers durch die Blätter verzögert, in Folge dessen der Boden länger feucht bleibt und die Pflanzen ihren Wasserbedarf leichter decken können. Eine in reichen Buchenhumus gepflanzte junge Tabakpflanze mit Wasser begossen verdunstete vom 9.—11. Sept. 30.7 Grm, mit 1/8 % Gypslösung begossen in der- selben Zeit 14.6 Grm. Wasser. Am wirksamsten besonders für schmetterlingsblüthige Pflanzen, wie Erbsen Wicken, Bohnen, Klee ꝛc, zeigt sich der Gyps, (Preis per 100 Kilogr. 2 Mark, 1 fl.) wenn er auf einen pflanzennährstoffreichen, frischen, tiefgründigen Lehmboden in einem mäßig feuchten Klima zur Anwendung kommt. Auf einem mageren Boden und bei trockener Witterung bleibt eine Gypsdüngung vollständig wirkungslos Zum Aus- streuen mit der Maschine oder der Hand verwendet man möglichst feingepulverten, ungebrannten Gyps in einer Menge von 200—400 Kilogr. per Hectar. Sehr 13* Allgemeine Ackerbaulehre. begünstigt wird die Vertheilung des Gypspulvers, wenn das Ausstreuen auf den be- thauten Pflanzen oder vor dem Eintritte eines Regenfalles ausgeführt wird. Am ge- wöhnlichsten gypst man die Kleepflanzen im Frühjahre bald nach dem Erwachen der Vegetation oder im Herbste nach dem Getreideschnitte um noch einen Stoppelklee ge- winnen zu können. Wiesen, besonders kleereiche, werden gleichfalls oft mit vielem Er- folge im Frühjahre mit Gyps überstreut. Der ausgezeichneten Verwendbarkeit des Gypses zur Conservirung des Vieh- düngers im Stalle und auf der Düngerstätte durch Bindung des flüchtigen Ammoniaks wurde schon weiter oben gedacht. 2. Der Kalk. Der Erfolg des Kalkens eines Bodens wird wesentlich erhöht, wenn der Kalk nicht als rohes Kalksteinpulver (kohlensaurer Kalk) sondern im gebrannten Zustande als Aetzkalk (Kalkhydrat) verwendet wird. Die Wirkung des Kalkes beruht ausgenommen jene Fälle, wo es einem Boden an der nöthigen Menge an Kalk fehlen sollte, weniger auf der Zufuhr dieses aller- dings für die Pflanzenernährung nothwendigen Nährstoffes als auf der indirecten Ein- wirkung. welche der Kalk auf die Umsetzung der Nährstoffe und auf die Aenderung des physikalischen Zustandes des Bodens auszuüben vermag. Durch den Aetzkalk wird die Zersetzung der Humussubstanz und deren Ueber- führung in Kohlensäure, Wasser und Ammoniak unter Freiwerden der im Humus enthaltenen Mineralsalze beschleuniget. Ein Theil der Kohlensäure wird zur Bildung von kohlensaurem und doppelkohlensaurem Kalk verwendet. Der verbleibende Ueberschuß unterstützt unmittelbar oder mittelbar das Wachsthum der Pflanze. Durch die Ver mehrung des Kohlensäuregehaltes im Boden kann die Pflanzenwurzel leichter ihren Bedarf an diesem Nährstoff decken, anderseits wird durch die Aufschließung der in den unzersetzten Gesteinstrümmern gebundenen Bodennährstoffe der Gehalt an Mineral- salzen erhöht. Außerdem wird die Löslichkeit der an die wasserhaltigen Silicate ge- bundenen Bodennährstoffe durch kalkhaltiges Wasser vermehrt und damit dieselben gleichfalls für die Pflanzenwurzel leichter aufnahmsfähig gemacht. Auf saure Wiesen gebracht verhindert der Aetzkalk die Bildung von Eisenoxydulsalzen und die Ver- torfung der organischen Reste. In größeren Quantitäten angewendet wirkt eine Kalkdüngung auch günstig auf den physikalischen Zustand des Bodens ein. Bindiger, zäher, nasser Thonboden wird lockerer, sandiger Boden bis zu einem gewissen Grade bindiger. Bei dem Umstande als die hauptsächlichste Wirkung der Kalkdüngung in der Beschleunigung des Nährstoffsumsatzes im Boden besteht, kann dieselbe nur auf einem pflanzennährstoffreichen Boden oder bei unmittelbar nachfolgender Stallmist- düngung einen großen Effect erzielen. Eine Stallmistdüngung ist um so nothwendiger, als der Boden durch die Kalkdüngung, welche die Nährstoffe leichter aufnehmbar macht, um so rascher erschöpft wird. Zweckmäßig ist es, die Felder mit geringeren Quantitäten, ungefähr mit 1000—2000 Kilogr. per Hectar, aber in kürzern Zeit- Die Düngung. räumen etwa von 4 zu 4 Jahren mit Kalk zu überfahren. Ist es besonders auf die physikalische Wirkung des Kalkes abgesehen oder wird die Kalkdüngung auf thonigem Boden vorgenommen, so kann übrigens auch das angegebene Quantum ver- zehnfacht und selbst verzwanzigfacht werden. Als günstigster Zeitpunkt für die Ausführung des Kalkens ist der Herbst anzu- sehen und zwar kann der Kalk entweder zur Winterhalmfrucht oder zu Kartoffeln, Rüben gegeben werden. Saure Wiesen sind gleichfalls im Herbste zu kalken. Nicht jeder Kalk eignet sich gleich gut zur Düngung. Ganz ungeeignet sind hydraulische Kalkte. Je schneller sich der gebrannte Kalk löscht, um so vortheilhafter ist seine Verwendung. Auch manche magere Kalke, welche gleichzeitig durch ihren Gehalt an Magnesia wirksam werden, eignen sich, sofern sie sich vollständig ablöschen lassen, ganz gut zu dem Zwecke der Düngung. Die billigste Art der Kalkdüngung besteht darin, daß man unmittelbar am Felde den Kalk in Feldöfen, welche aus Rasenstücken aufgebaut werden, brennt, und nach dem Brennen in Häufchen über das Feld verführt. In den Häufchen soll der Kalk sich langsam durch Anziehung der Feuchtigkeit aus der Luft ablöschen, weshalb man die Häufchen leicht mit Erde bedeckt. In Felge der Umwandlung des Kalkes in Kalkhydrat nimmt das Volumen der Häufchen zu, die daher in der Erddecke entstehenden Sprünge müssen wieder sorgfältig zugeschlossen werden. Ist der Kalk in ein feines Pulver zerfallen, so werden die Häufchen auseinandergeschlagen, das Kalk- pulver — einzelne gröbere Stücke müssen vorher zerdrückt werden — mit der Schaufel möglichst gleichförmig über das Feld verbreitet und mit dem Pflug oder noch zweckmäßiger mit dem Exstirpator innig mit dem Boden vermengt. 3. Der Mergel. Aehnlich dem Kalk wirkt der Mergel, auf dessen Eigenschaften schon S. 37 u. 52 hingewiesen wurde, indirect düngend auf den Boden ein. Durch das Mergeln werden dem Boden je nach der Natur des Mergels gewisse Mengen von Thon, Kalk und Sand zugeführt und damit das Mischungsverhältniß der Bodenskelettheile, welches die physikalischen Eigenschaften eines Bodens bestimmt, wesentlich verändert. Für den Thonboden wird sich daher, die Gelegenheit vorausgesetzt, vorzugsweise der Sand- mergel, für den Sandboden der Thonmergel eignen, um die extremen physikalischen Bodeneigenschaften auszugleichen. Nebenbei werden dem Boden durch den Mergel Kalk und besonders bei Thonmergel geringe Mengen an Phosphorsäure und Alkalien zugeführt. Von Bedeutung bleibt auch die Vermehrung der Ackerkrume, jedoch nur dann, wenn bedeutendere Mergelmengen angewendet werden. Gleich wie bei der Kalk- düngung wird die Nachhaltigkeit der Wirkung des Mergels nur durch gleichzeitige Anwendung von Stallmistdüngungen gewährleistet, andernfalls ein sogenanntes „Aus- mergeln“ des Feldes eintritt. Bei dem großen, aufzubringenden Quantum können wegen der Kostspieligkeit des Transportes nur jene Felder, gewöhnlich in Zwischenräumen von 10—20 Jahren Allgemeine Ackerbaulehre. mit Vortheil gemergelt werden, welche sich in nächster Nähe des Mergellagers be- finden. Das Verfahren dabei besteht einfach darin, daß der Mergel am besten im Sommer oder wenn dies die wirthschaftlichen Verhältnisse nicht zulassen, im Herbste auf das Feld geführt, in Häufchen gebracht wird und nach dem Zerfallen aus- gebreitet und mit der Egge und dem Pflug mit dem Boden gleichmäßig ver- mischt wird. 4. Das Kochsalz. Ueber die Bedeutung des Kochsalzes als Düngemittel (130 ‒ 250 Kilogr. per Hectar) gehen die Ansichten auseinander. So viel steht fest, daß bei Rüben und Kartoffeln durch eine Kochsalzdüngung zwar eine Vermehrung der Ertragsmenge jedoch eine Verminderung des Zucker- resp. Stärkemehlgehaltes eintritt, während bei Cerealien und Wiesenpflanzen eine Kochsalzdüngung sowohl auf die Menge als die Qualität des Ertrages günstig einwirkt. Die Wirkung des Kochsalzes (Chlornatrium) ist eine indirecte, indem dasselbe lösend auf die Pflanzennährstoffe im Boden einwirkt. Diese lösende Wirkung zeigt sich constant nur bei den alkalischen Erden und vielleicht auch bei dem Kali, während sie bei der Phosphorsäure von zur Zeit noch nicht bekannten Bedingungen abhängig zu sein scheint. Ueber die Lösung der Pflanzennährstoffe durch Kochsalz wurden in neuerer Zeit, unter Andern, von E. Heiden Landw. Versuchsstationen XI. Bd. S. 300. Untersuchungen angestellt. Je 100 Grm. eines lehmigen Sand- bodens (Ackerkrume und Untergrund getrennt) wurden 8 Tage mit reinem Wasser und mit Kochsalzlösung (mit 0.59 % Chlor und 0.38 % Natrium) in Berührung gelassen. Von der Kochsalzlösung war aus 100 Grm. Erde mehr wie von den reinen Wasser gelöst worden in Grammen. 5. Die Erd- und Schlammdüngung. Die Erde kann gleichfalls als indirect oder direct wirkender Dünger verwendet werden. Der allgemeineren Anwendung steht nur die Kostspieligkeit des Erd- transportes entgegen. Das Aufbringen der Erde durch Anschlemmen, auf welches wir schon S. 86 aufmerksam gemacht haben, ist noch die billigste Art. Um vieles kostspieliger und daher nur auf kleinen Parcellen auszuführen ist die unmittelbare Aufführung der Erde mit Hand- oder Spanntransportgeräthen. Durch das Befahren mit Erde soll entweder die Ackerkrume vermehrt oder das Mischungsverhältniß der einzelnen Bodenskelettheile günstiger gestaltet werden. Die Vertiefung der Ackerkrume erfordert bedeutende Erdquantitäten, da zur gleich Die Düngung. hohen Bedeckung der Fläche eines Hectars für je 1 Centimeter 100 Kubikmeter Erde erforderlich sind. Soll eine Aenderung der physikalischen Beschaffenheit des Bodens herbeigeführt werden, so sind nicht viel geringere Mengen erforderlich, wenn eine ausgiebige Wirkung erzielt werden soll. In letzterer Hinsicht wird ein Thonboden durch Ueberfahren mit Sand, ein Sandboden durch Ueberfahren mit Thon, ein Tofboden durch Ueberfahren mit Sand und Kalksand wesentlich verbessert. Wenn nun auch das Erdfahren im Großen, seiner Kostspieligkeit wegen, selten mit Vortheil zur Ausführung gelangen kann, so ergeben sich doch innerhalb der Wirth- schaft mannigfaltige Gelegenheiten zu Erdbewegungen im Interesse der Düngung. In den bei geneigtem Terrain und leicht abschwemmbarem Boden absichtlich angelegten Schlammfängen, in den Fluß- und Bachläufen, in den Teichen häufen sich oft be- deutende Schlamm- und Erdmengen an, die ausgeführt und compostirt ein um so werthvolleres Düngermaterial abgeben, wenn sie die Erde von reich gedüngten Feldern aufnehmen Ein Beispiel der ausgedehntesten Anwendung von Erd- und Schlammdüngungen, siehe G. Krafft, Ein Großgrundbesitz. Wien 1872. S. 249 und 258. . Bei der Anlage der Schlammfänge hat man zu beachten, daß der Ablauf am Rande außer der Richtungslinie des Zulaufes angeordnet werde, um einen möglichst vollständigen Schlammabsatz zu erzielen. Die Schlammfänge sind am zweckmäßigsten so umfangreich anzulegen, daß ihre Räumung und die Verführung des Schlammabsatzes auf die Felder nur nach längeren Zwischenräumen, etwa halbjährig vorgenommen zu werden braucht. Teichschlamm, welcher sich auf dem Grunde stehender Gewässer gebildet hat, eignet sich wegen seines Gehaltes an Geïnsäure (saurer Humus) erst dann als Düngemittel, wenn er längere Zeit an der Luft gelegen hat. Durch das Aussetzen der Luft oxydirt sich die Geïnsäure des Schlammes bald zu Quellsatz und Quell- säure (S. 40). Diese Umwandlung wird wesentlich durch einen Zusatz von Kalk oder Asche beschleunigt. Durch einen derartigen Zusatz wird gleichzeitig die freie Schwefelsäure gebunden, welche aus dem sehr häufig in dem Teichschlamme vorkom- menden fein vertheilten Schwefeleisen beim Liegen an der Luft entsteht 6. Die Ernterückstände. Die Thatsache, daß nach blattreichen, tiefwurzelnden Pflanzen folgende Ge- wächse ohne Dünger hohe Erträge zu liefern vermögen, führte in früherer Zeit zur Annahme, daß der Boden durch diese Pflanzen bereichert werden könne. Man unter- schied daher die Culturpflanzen W. Pabst, Lehrbuch der Landwirthschaft. Wien 1866. 6 Aflg. 2 Bd. S. 430. in solche, welche den Boden bereichern und in solche, welche denselben angreifen. Zu ersteren zählte man vor allem die Gespinnst- und Oel- pflanzen, die Rüben und Kartoffeln, zu letzteren den Rothklee, die Luzerne, die Esparsette. Wenn nun auch obige Thatsache als richtig anerkannt werden muß, so sind doch die daran geknüpften Folgerungen nicht ganz stichhaltig. Jede Pflanze entzieht dem Boden, wenn auch in verschiedenen Mengen Nährstoffe. Dabei ist jedoch zu berücksichtigen, daß gewöhnlich ein Theil der Pflanze, die Wurzeln und Stoppeln, als Allgemeine Ackerbaulehre. Ernterückstände im Boden verbleiben. Die Menge und Qualität dieser Ernterückstände ist bei den einzelnen Pflanzen sehr verschieden. Dieser Unterschied erklärt ausreichend das oben berührte verschiedene Verhalten der Pflanzen zu dem Boden. Die größten Mengen an Ernterückständen ergeben sich bei jenen Pflanzen, welche sowohl Wurzeln als einen Theil ihrer oberirdischen Organe zurücklassen. Oben an stehen in dieser Hinsicht die Kleegewächse, Cerealien und Oelfrüchte. Die geringsten Ernterückstände verbleiben nach den Kartoffeln und Rübenarten, besonders dann, wenn auch noch die Blätter oder das Kraut vom Felde genommen werden. Durch die Ernterückstände wird der Boden absolut bereichert mit jenen Stoffen, welche wie der Kohlenstoff, der Stickstoff von der Pflanze aus der Luft aufgenommen wurden. Gegenüber dem Kohlenstoff ist jedoch die Menge an Stickstoff, welche als kohlensaures Ammoniak durch die Blätter aufgenommen wurde, eine sehr geringe. Mit der Bereicherung an Kohlenstoff und organischer Substanz überhaupt, werden alle jene Vortheile erreicht, welche mit einer Vermehrung des Humusgehaltes ver- bunden sind. Es wird damit, wie schon mehrfach erwähnt, nicht nur der physikalische Zustand des Bodens günstig beeinflußt, sondern auch noch den Pflanzen eine direkte Kohlenstoffquelle und mit der sich bildenden Kohlensäure ein Lösungsmittel für die mineralischen Bodennährstoffe geboten. Neben dieser absoluten Bodenbereicherung tritt überdies durch die Ernterückstände auch noch eine relative Bereicherung der Ackerkrume an Stickstoff und an Mineral- salzen auf Kosten des Untergrundes ein. Besonders die tiefwurzelnden Gewächse ent- nehmen dem Untergrunde Mineralsalze, welche dann mit den Wurzelrückständen der Ackerkrume zukommen, indem selbst bei tiefwurzelnden Gewächsen ein großer Theil der Wurzeln sich in der Ackerkrume verbreitet. Dabei ist noch zu beachten, daß die tiefgehenden Wurzeln Pflanzennährstoffe, welche nicht hinreichend vom Boden ab- sorbirt werden und daher in den Untergrund geschwemmt werden, wie Kalk und Salpetersäure, aus demselben aufnehmen und wieder durch die Rückstände der flach gehenden Wurzeln in Umlauf bringen. Die Wurzelrückstände verdienen daher die vollste Beachtung, da sie nicht nur den Vorrath an assimilirbaren Pflanzennährstoffen vermehren und die Ackerkrume auf Kosten des Untergrundes absolut bereichern, sondern auch durch die Lieferung von humusbildendem Material den physikalischen Zustand des Bodens verbessern. Nach den Untersuchungen von Dr. Weiske und Dr. Werner Dr. Werner, Ertrags-Anschlag. Breslau 1872. S. 104. Im Originale steht unrichtig Morgen statt Hectar. verblieben bei ver- schiedenen Pflanzen unter Annahme einer Ackerkrume von 26.15 Cm. und unter Berück- sichtigung der für die betreffende Culturpflanze passendsten Bodenart, Düngung und Vorfrucht auf dem Versuchsfelde zu Proskau folgende Mengen an Stoppel- und Wurzelrückständen (umgerechnet) per Hectar und zwar an Trockensubstanz: 4jährige Luzerne .. 2772 Kilogr. 1jähriger Rothklee . 2558 „ 3jährige Esparsette . 1700 „ Roggen ..... 1509 Kilogr. Wundklee .... 1435 „ Raps ...... 1278 „ Die Düngung. Hafer ..... 1083 Kilogr. Lupine ..... 1013 „ Weizen ..... 997 „ Erbsen ..... 924 „ Seradella . 897 Kilogr. Buchweizen . 629 „ Gerste .. 571 „ Die Analyse ergab an den wichtigsten Pflanzennährstoffen per Hektar in Kilogr: Beachtenswerth sind unter Anderen auch die Versuche von Heiden E. Heiden, Jahresbericht 1868/69 der Versuchsstation Pommritz. Hannover 1870. , welcher den Gehalt der Wurzeln (allein ohne Stoppeln) an Nährstoffen jenen gegenüberstellt, welche durch die abgeernteten Pflanzen dem Boden per Hectar in Kilogrammen entzogen werden. Die Summe der Nährstoffe, welche im Obertheile und in den Wurzeln enthalten sind, zeigt erst das volle Bedürfniß der Pflanze per Hectar in Kilogrammen und lehrt uns die Menge der Pflanzen- nährstoffe erkennen, welche im Boden für die Pflanze während der Vegetationszeit disponibel sein müssen. 7. Die Gründüngung. Eine ähnliche, nur noch ausgiebigere Wirkung als wie den Ernterückständen, kommt der sogenannten Gründüngung zu, welche darin besteht, daß man gewisse Pflanzen anbaut, um sie vor dem Eintritte der Samenbildung als Dünger unterzupflügen. Es soll dadurch das Feld in ausgiebigerer Weise als wie bei den Ernterück- ständen an humusbildender Substanz und nebenbei auch an Asche durch die in dem verwendeten Samen enthaltenen Mengen vermehrt werden. Dazu kommt noch die Einwirkung auf die physikalische Beschaffenheit des Bodens, welcher durch die unter- gepflügten Pflanzenmassen lockerer und mürber wird. Andere erklären den vortheil- haften Einfluß der Gründüngung durch die Beschattung des Bodens, wodurch der- Allgemeine Ackerbaulehre. selbe im gahren, frischen und unkrautfreien Zustande erhalten bleibt oder in diesen Zustand übergeführt wird. Nach unserer Ansicht ist bei der Wirkung der Gründüngung der Einfluß der Gründüngungspflanze auf die Verwitterung und Zersetzung der Gesteinstrümmer im Boden nicht zu unterschätzen. In manchen Fällen dürfte dieser Einfluß bei richtiger Wahl der Gründüngungspflanze für den Ertrag der nach der Gründüngung gebauten Pflanze ausschlaggebend sein. Interessant sind in dieser Beziehung die für einen anderen Zweck zur Beant- wortung der Frage: Haben die Culturpflanzen einen Einfluß auf die Verwitterung und Zersetzung der Gesteine? angestellten Untersuchungen von Dr. Th. Dietrich Centralblatt für Agriculturchemie. II. Jahrg. S. 7. Leipzig 1873. . Die Frage ist ohne Zweifel zu bejahen. Alle Pflanzen haben in dem Safte ihrer Wurzeln Säuren gelöst, die durch Diffusion mit den Bodentheilchen und Gesteins- theilchen in Berührung kommen und auf diese lösend und zersetzend einwirken. Von unseren Culturpflanzen ist diese Einwirkung auf den Boden bei unseren Cerealien so ziemlich gleich Null. „Hafer und Gerste, Sommerroggen und Sommerweizen wachsen zwar normal in einem Gesteinsand, der keine Feinerde und keine auflöslichen Bestandtheile enthält, sie produciren aber keine organische Substanz, sie begnügen sich in der Regel mit dem Ansatze von einem, höchstens zwei Samenkörnern. Diese Pflanzen leben eben nur von der Substanz des Samenkorns und etwa von dem, was durch die natürliche Verwitterung im Verlaufe der Vegetation aus dem Gestein löslich wird. Buchweizen und eine Reihe anderer Pflanzen verhalten sich ebenso. Viel energischer wirken Blattpflanzen; Bohnen und Erbsen sammeln so viel Nahrung aus dem Gestein, daß sie freudig vegetiren und nicht ohne beträchtliche Vermehrung ihrer Pflanzensubstanz bleiben. Am Üppigsten aber unter allen Versuchspflanzen vegetiren die Lupinen. Sie leben in dem aus rohem, unverwittertem Gestein gefertigten Sand ganz munter fort, entwickeln ein bedeutendes, umfangreiches Wurzelnetz, sie blühen und setzen verhältniß- mäßig reichlich Frucht an mit 20, 30 und mehr Samenkörnern. In diesem Falle ist es unzweifelhaft, daß die Lupine durch ihre Wurzeln zur Zersetzung des Ge- steins in bedeutendem Maße beiträgt. Die Lupine ist somit im Stande, die in nährstoffarmen Böden vorkommenden Gesteinsbröckchen und die darin enthaltenen Nährstoffe sich nutzbar zu machen, eine Fähigkeit, welche den Cerealien und anderen Pflanzen abgeht.“ Soll sich daher eine Pflanze zur Gründüngung eignen, so muß sie vor allem eine schnelle und massenhafte Entwicklung ihrer oberirdischen Theile besitzen, welche den Boden ausreichend beschatten, und eine tiefgehende, die Gesteinstrümmer angreifende Wurzel besitzen. Dabei soll die aufzuwendende Saatmenge keine großen Kosten ver- ursachen. Diesen Anforderungen an eine Gründüngungspflanze entspricht am vor- züglichsten die Lupine (besonders die weiße Lupinus albus ), an diese reihen sich dann der Spörgel, welcher jedoch bei gleicher Schnellwüchsigkeit eine geringere Pflanzenmasse Die Saat. gewährt, die Wicke, deren Samen verhältnißmäßig kostspielig, der Raps, der Buch- weizen, der Roggen ꝛc. Bei letzteren beiden Pflanzen kommt jedoch neben der Pflanzenmasse nur die Beschattung des Bodens in Betracht. Bei dem Umstande als durch die Verfütterung der Gründüngungspflanzen keine düngenden Stoffe verloren gehen würden, kann sich die Gründüngung nur in solchen Fällen als wirthschaftlich gerechtfertigt herausstellen, wo sich die Transportkosten des Futters und Düngers wegen der Entfernung der Felder zu hoch herausstellen würden, oder dort, wo bei dem Uebergange von einer Fruchtfolge zur andern, schnell assimilir- bare Nährstoffe in den Boden gebracht werden sollen. In manchen Fällen, wie bei dem Unterpflügen von Pflanzen, welche aus dem Körnerausfalle bei der Ernte gewachsen sind, oder bei Kleeschlägen, von welchen man zur Lockerung des Bodens den letzten Schnitt unterpflügt, ergiebt sich von selbst eine Art Gründüngung. Am zweckmäßigsten säet man die Gründüngungspflanzen nach der Ernte in die aufgebrochene Stoppel. Um einen möglichsten hohen Ertrag an grüner Pflanzen- masse zu erhalten, wird man das Saatquantum reichlicher als bei dem gewöhnlichen Anbaue der betreffenden Pflanze bemessen. Sobald die Pflanzen bis nahe zur Entwicklung der Blüthe gelangt sind, pflügt man dieselben unter. Um das Unter- pflügen leichter und vollständiger zu bewerkstelligen, drückt man die Pflanzen durch Abwalzen nieder, der Pflug folgt dann in derselben Richtung oder man mäht die Pflanzen ab und streift dann die grünen Massen in die geöffnete Pflugfurche ein. Die Wirkung der Gründüngung ist keine andauernde, sie erstreckt sich höchstens auf ein Jahr. VII. Die Saat. Nach der Vorbereitung des Bodens durch Bearbeitung und Düngung erfolgt zur geeigneten Zeit die Aussaat des Samens. Zuweilen treten jedoch an Stelle des Samens auch andere Pflanzentheile, wie Stammtheile, Knollen, Rhizome Zwiebeln und Wurzeln ꝛc., durch welche sich erfahrungsgemäß manche, erst durch die Cultur gewonnene, werthvolle Eigenschaft der Pflanzen viel sicherer als durch den Samen fortpflanzen läßt. Die Beschaffenheit des Samens oder des an dessen Stelle tretenden Pflanzen- theiles entscheidet über den Erfolg der Pflanzencultur. Die Entwickelung des Samens erfordert ausreichende Mengen (S. 17) an Wärme, Luft und Wasser. Der Same muß daher znr Sicherung der Keimungsbedingungen zur richtigen Zeit und mit Rücksicht auf die Pflege der wachsenden Pflanze auf eine entsprechende Art und in ge- eigneter Menge in den Boden untergebracht werden. In manchen Fällen ist es schließlich geboten, erst die junge Pflanze auf das freie Feld auszusetzen. Allgemeine Ackerbaulehre. Nach dem Bemerkten ist bei der Saat Dr. F. Nobbe, Handbuch der Samenkunde. Berlin 1873; Dr. Wittmack Gras- und Kleesamen. Berlin 1873; F. Haberlandt, Beiträge zur Frage über die Acclimatisation der Pflanzen und den Samenwechsel. Wien 1864. zu berücksichtigen: 1. Die Auswahl des Saatgutes und im Zusammenhange damit 2. die Samengewinnung und der Samenwechsel, weiter 3. die Saatzeit, 4. die Säemaschine, 5. die Saatmethode, 6. die Saatmenge, 7. die Unterbringung des Samens und schließlich 8. die Verpflanzung. 1. Die Auswahl des Saatgutes. Bei der nähern Betrachtung der Samen von ein und derselben Pflanzenart ergeben sich die mannigfaltigsten Verschiedenheiten, welche sich besonders auf Form, Färbung, Größe und Gewicht der einzelnen Samenkörner beziehen. Je bedeutender das Gewicht des Samens, eine um so größere Menge Bildungs- material wird in den Nährstoffbehältern desselben enthalten sein können, da auf den Embryo gewöhnlich der geringste Theil des Samengewichtes entfällt. Je größer die Nährstoffmengen, um so ausgiebiger wird die Ernährung und das Wachsthum der Keimpflanze stattfinden. Es muß daher der Same vor der Aussaat einer sorg- fältigen Auswahl unterzogen werden, wenn man fruchtreiche, gegen ungünstige Ein- flüsse widerstandsfähige Pflanzen erzielen will. Diese Auswahl muß sich sowohl auf die Qualität des Samens als auch auf die Reinheit desselben beziehen. 1, Die Beschaffenheit des Samens. Die Keimung des Samens wird, wie S. 17 angeführt wurde, äußerlich durch das Aufquellen desselben in Folge der Wasseraufnahme und durch die Entfaltung des Keimes kenntlich, während gleichzeitig mannigfaltige Stoffveränderungen vor sich gehen, welche die Auflösung der im Samen aufgespeicherten Reservestoffe und die Verwendung derselben als Baumaterial für die keimende Pflanze bewirken. Ver- liert der Same im Verlaufe der Zeit die Fähigkeit aufzuquellen oder tritt in den aufgequollenen Samen eine Zersetzung des Sameninhaltes oder schließlich eine Entwicklungsunfähigkeit des Keimes ein, so hört derselbe auf, als Saatgut brauchbar zu sein. Die erste Bedingung für die Tauglichkeit eines Samens für die Aussaat ist daher dessen Keimfähigkeit . Nächst dieser wird von der sonstigen äußeren Beschaffenheit des Samens, soweit diese auf die Entwickelung der künftigen Pflanze von Einfluß ist, die Güte des Saatkornes abhängig sein. Die Fähigkeit zu keimen erlangen die Samen schon vor ihrer Reife. Es können daher selbst unreife Samen, wenn sie nur ihre volle Größe erreicht haben, im Noth- falle zur Saat verwendet werden. Kräftige, gegen ungünstige Einflüsse widerstands- fähige Pflanzen werden jedoch nur aus ausgereiften Samen hervorgehen, weshalb man nur diese zur Saat auszuwählen hat. Besonders bei mangelhafter Auf- bewahrung verliert die Mehrzahl der Samen unserer Culturgewächse in kurzer Zeit (nicht über 5 Jahre) die Fähigkeit auszukeimen. Die Saat. Nach den Untersuchungen von F. Haberlandt Centralblatt f. ges. Landescultur 1868 Nr. 12 und Wiener landw. Zeitung 1873. S. 126. verlieren auf schüttbodenähnliche Art aufbewahrte Getreidekörner am frühzeitigsten ihre Keimfähigkeit, weniger rasch die im luft- trockenen Zustande, in nachträglich luftdicht verschlossenen Fläschchen eingefüllten Körner. Am längsten erhalten ihre Keimfähigkeit die vor der luftdichten Aufbewahrung künstlich bei einer Temperatur von 50—60 ° R. getrockneten Getreidekörner. In manchen Jahrgängen gedeiht dieser oder jener Same vorzüglicher, um denselben zur Reserve für spätere Jahre zurückbehalten zu können, empfiehlt daher Haberlandt besonders für werthvollere Sämereien die Aufbewahrung in Gefäßen aus verzinntem Eisenblech oder Glas, welche nach ihrer Füllung mit künstlich getrockneten Samen zugelöthet oder verpicht werden sollen. Von den Getreidearten leidet die Entwicklungsfähigkeit nach dem Vorangeführten schon nach einer einjährigen gewöhnlichen Aufbewahrung, weshalb von denselben stets frischer, d. h. von der vorangegangenen Ernte gewonnener Same verwendet werden soll. Bei dem Weizen, welcher auf dem Schüttboden aufbewahrt seine volle Keimfähig- keit durch 3 Jahre behält, empfiehlt es sich dennoch, überjährigen Samen zur Saat zu nehmen, da dieser von dem Steinbrandpilz — dessen Sporen nach den Untersuchungen von Dr. J. Kühn Dr. J. Kühn, Die Krankheiten der Culturgewächse. Berlin 1858. S. 85. schon nach dem zweiten Jahre ihre Keimfähigkeit verlieren — viel weniger zu leiden hat. In meist noch kürzerer Zeit büßen die gerbstoffreichen und ölhaltigen Samen ihre Lebensfähigkeit ein. Am längsten bleiben noch die Samen der Hülsenfrüchte keimfähig, obwohl auch hier ein einjähriger Same wegen der rascheren Entwickelung der Saat vorzuziehen ist. In Fällen, wo älterer Same verwendet wird, weil derselbe viel vollkommener als der jüngst geerntete ist, muß man den größeren Aus- fall durch keimunfähige Samen durch ein größeres Saatquantum zu decken suchen. Um sich von der Keimfähigkeit der Samen zu überzeugen, unternimmt man vor deren Verwendung eine Keimprobe , die in der Weise auszuführen ist, daß man etwa 100 Körner auf einen Teller zwischen mäßig feucht gehaltene Lagen von Fließpapier legt und diesen dann in der Nähe eines warmen Ortes bringt. Zu demselben Zwecke dient auch der vorzügliche Nobbe'sche Keimapparat Landw. Versuchsstation. XII. S. 468. aus porösem, gebranntem Thon, Fig. 70 u. 71 (s. S. 206). Derselbe besteht aus einer kreisförmigen Mulde zur Aufnahme der an- gequellten Samen, welche von einer Rinne mit senkrechten Wänden zur Aufnahme des Wassers umgeben ist. Der während der Keimprobe über den Apparat gelegte Deckel von Allgemeine Ackerbaulehre. gleicher Thonmasse, Fig. 72 (s. S. 207), liegt nur lose auf, damit die bei der Keimung gebildete Kohlensäure entweichen kann. Nach einigen Tagen oder Wochen, je nach der Natur der Samen, ergiebt sich, ob die Samen und wie viele derselben zum Keimen gelangten. Nach Nobbe Wochbl. d. land. Vereins im Großhzg. Baden 1872. S. 106. wechselt die Keimfähigkeit von 100 reinen Samen verschiedener Pflanzen in Procenten in folgender Weise: Landw. Versuchsstation. XIV. S. 389. Nach Robert Hoffmann Landw. Versuchsstation. VII. S. 49. gelangen die Samen der verschiedenen Pflanzen in folgenden Zeiten zum Keimen (Hervortreten des Würzelchen): In 1 Tag: Leindotter, Hanf, weiße Rüben; in 2 Tagen: Weizen, Gerste, Roggen, Hafer, Buchweizen, Wicke und Mohn; in 3 Tagen: Saubohnen; in 4 Tagen: Mais, Hirse; in 5 Tagen Phaseolen; in 10 Tagen Rüben Nächst der Keimfähigkeit hat auch die äußere Beschaffenheit der Samen Ein- fluß auf deren Eignung zur Saat. Je größer die Masse des Samens, um so größere Fig. 70. Keimapparat von Dr. F. Nobbe. — Die in den vier Ecken befindlichen Vertiefungen dienen zur Aufnahme von kleinen Gläsern mit Aetzkali, um die Kohlensäure zu absorbiren. (Preis 3 Mark, 1.50 fl., zu beziehen durch Wiegandt, Hempel \& Parey ‒ Berlin.) Keimpflanzen können aus demselben hervor- gehen. Dieser Satz gilt nicht nur für die Samen verschiedener Arten — man ver- gleiche das Keimpflänzchen vom Tabak mit jenem der Pferdebohne — sondern auch ein und derselben Pflanzenart. Aus großen und schweren Körnern werden, wie zahlreiche Versuche bestätigen, viel kräftigere Keim- pflanzen, welche ungünstige Boden- und Witterungsverhältnisse viel sicherer überwin- den, hervorgehen als aus kleinen und leichten Samen. Ueberdies darf man von großen zur Saat verwendeten Samen unter übrigens gleichen Umständen auch größere Samen bei der Ernte erwarten. Das Samenkorn soll nicht nur groß und schwer, sondern auch ganz sein. Fig. 71. Querschnitt durch den Keimapparat von Nobbe. Aus zerbrochenen Körnern geht zwar, sofern der Keim nicht verletzt ist Nach Untersuchungen von van Tieghem (Bot. Zeitung 1873. S. 520) liefern der , auch eine Pflanze hervor, die aber wegen Nahrungsmangel in der ersten Jugend stets schwach bleiben wird. Die Saat. Aus demselben Grunde geben bei den Kartoffeln ganze Knollen gegenüber den zer- schnittenen Knollen, Augen ꝛc. den höchsten Ertrag. Jede Abweichung von der einer Samen- art eigenthümlichen Form, Färbung und dem eigenthümlichen Geruche beein- trächtigt gleichfalls die Verwendbarkeit derselben zur Saat. Von verschrumpften Körnern, z. B. verschrumpften Getreidekörnern sog. Kümmel- körnern, lassen sich, wenn sie auch keimen sollten, doch nur schwächliche, wenig widerstandsfähige Pflanzen wegen ihrer unvollständigeren Aus- bildung erwarten. Samen, welche bei der Ernte vorzeitig ausgewachsen sind, können eben- falls nur ein schlechtes, unbrauchbares Saat- Fig. 72. Deckel zum Keimapparat von Nobbe. Die Oeffnung in der Miite dient zur Einführung eines kleinen Thermometers. gut abgeben. Die Schädigung der Saatwaare durch schlechte Einerntung oder mangelhafte Aufbewahrung wird sich meist schon durch eine abnorme Färbung des Samens verrathen. Wegen schlechter Aufbewahrung zur Saat weniger geeignet sind z. B. dunkel schmutziggelb gefärbte Weizensamen einer gewöhnlich wachsgelben Sorte, Rothkleesamen, welche an Stelle der violetten Backen eine gleichmäßig gelb- grüne Mißfärbung zeigen, Hanfkörner, welche gleichmäßig gelblich weiß ins grünliche spielend gefärbt sind oder sonst ein Same, der nicht seine gewöhnliche Färbung besitzt. Jedem Samen kommt nicht nur eine eigenthümliche Form und Färbung, sondern auch ein bestimmter Geruch zu. Tritt an Stelle desselben ein dumpfer Geruch, welcher durch die Vegetation des Pinselschimmels ( Penicillium crustaceum ) hervor- gerufen wird, so kann man überzeugt sein, daß der Same durch schlechte Aufbewahrung gelitten hat. Weizen, welcher von dem Steinbrandpilze ergriffen ist, riecht nach faulen Eiern oder faulen Fischen. Schließlich darf bei der Auswahl des Saatgutes die Varietät nicht übersehen werden. Es können dafür jedoch keine allgemeinen Anhaltspunkte gegeben werden, da die Varietäten ein und derselben Culturpflanze unter gleichen Boden- und klimatischen Verhältnissen sehr verschiedene Erträge geben. Die auf Anbauversuche in der betreffen- den Oertlichkeit gestützte Erfahrung gewährt allein sicheren Anhalt für die Auswahl der Samenvarietät. 2. Die Reinheit des Samens. Außer der vorzüglichen Beschaffenheit ist die Reinheit des Samens von fremden Beimischungen, wie Unkrautsamen, Sand ꝛc. ein Erforderniß eines guten Saatkornes. Vor der Aussaat müssen alle Unkrautsamen und sonstigen fremden Beimischungen Länge nach in zwei Hälften oder in vier Theile geschnittene Embryonen von Mais, Sonnen- blumen, mit Vernarbung der Schnittflächen 2 oder 4 Pflanzen. Einzelne getrennte Theile des Embryos wachsen so lange ihre Reservestoffe vorhalten. Nackte Embryonen keimten in Kügelchen aus einem Brei ihres eigenen, zerriebenen Endosperms. Allgemeine Ackerbaulehre. aus dem Saatgute entfernt werden. Bei kleineren Samenmengen werthvoller Pflanzen empfiehlt es sich die Sonderung von Körnern und fremden Beimengungen selbst mit der Hand auszuführen. Bei größeren Mengen begnügt man sich mit dem Reinigen des Samens durch Werfen, Sieben oder auf einer Reinigungs- und Sortirmaschine. Dabei werden alle zur Saat unverwendbaren, unvollkommenen und gebrochenen Körner entfernt und gleichzeitig die Körner nach ihrer Größe gesondert. Die meist geringen Kosten, welche das Putzen und Sortiren der Saatwaare verursacht, sollten nach dem altenglischen Spruche: „was ein Jahr säet, müssen sieben Jahre ausjäten“ um so weniger gescheut werden, als die Verwendung reinen Saatgutes zur Erzielung unkraut- freier Felder unerläßlich ist. Nach F. Nobbe Neue landw. Zeitung 1873. S. 197. beträgt die Verunreinigung der Samen in Procenten bei verschiedenen Pflanzen die folgenden Mengen: Als eindringliche Mahnung überhaupt nur gut gereinigten und geputzten Samen zur Saat zu verwenden, erwähnen wir, daß nach den Untersuchungen von F. Nobbe mit den im Samen der nachstehenden Pflanzen, vorkommenden Bestandtheilen, welche außer in Sand, Spreu ꝛc. zum nicht geringen Theile in Samen von Unkräutern, bisweilen auch von Gift- pflanzen und Schmarotzern (Seide) bestehen, auf die Fläche eines Hectar ausgesäet werden bei Lein . . mit 5 % Verunreinigung 335.100 Körner (41 Arten) Unkrautsamen. Rothklee . „ 6.4 „ „ „ 602.500 „ (44 „) „ „ Timothegras „ 4 „ „ „ 3,069.000 „ (31 „) „ „ Frz. Raygras „ 46 „ „ „ 55,146.000 „ (45 „) „ „ 2. Die Samengewinnung und der Samenwechsel. In vielen Fällen ist es vortheilhaft, den erforderlichen Samen selbst zu gewinnen. Wird mit Sorgfalt vorgegangen, so kann man oft einen ebenso guten, für die heimischen Verhältnisse oft brauchbareren Samen erziehen, als man von Außen her erhalten kann. Daß es manchen Oertlichkeiten gelingt, eine weit und breit wegen ihrer Vortrefflichkeit bekannte und gesuchte Saatwaare zu produciren, hat neben günstigen Vegetationsverhältnissen besonders seinen Grund in der weitgetriebenen Sorg- falt, welche bei der Cultur der Samenpflanze und bei der Gewinnung des Samens aufgewendet wird. Durch die Auswahl der passendsten Bodenart, des geeignetsten Standortes für die Samenpflanzen und die sorgfältigste Ausführung der Saat, Pflege und Ernte gelingt es mindestens ein besseres als das gewöhnlich gebaute Saatkorn zu erzielen. Bei geringem Samenbedarfe wähle man zur Samengewinnung jenen Theil der Die Saat. bestellten Felder aus, auf welchem die Pflanzen am vollkommensten entwickelt sind. Dieser Theil ist dann besonders zu pflegen, zu jäten und mit thunlichster Auf- merksamkeit zu ernten. Die gewonnenen Samenpflanzen werden am sichersten im Geströhe an trockenen, luftigen Orten bis zur Verwendung aufbewahrt. Bei größerem Samenbedarfe kann man selbst eine passende Feldparzelle für die Samenzucht besonders sorgfältig vorbereiten und düngen. Bei Culturpflanzen, wie Tabak, Zuckerrüben, Mais ꝛc., von welchen wenige Körner zur Bestellung einer verhältnißmäßig großen Fläche ausreichen, kann die Sorgfalt bei der Cultur und Samengewinnung selbst auf die einzelne Pflanze aus- gedehnt werden. Den Samen nimmt man von den kräftigsten jedoch im Blattwerke nicht zu üppig entwickelten Pflanzen und bewahrt denselben bis zur Verwendung sorgfältig auf. Auf der Auswahl der einzelnen Samenkörner beruht das Hallet'sche Samenzucht- verfahren (Pedigree). Wie sehr eine Auswahl der Samen je nach ihrem Vorkommen an verschiedenen Stellen des Fruchtstandes gerechtfertigt ist, ergiebt sich aus Folgendem. Dr. Heinrich Landw. Wchbl. Wien 1870. S. 606. fand an den Roggenkörnern je nach ihrer Stellung an den beiden Enden oder der Mitte der Aehre folgende Unterschiede: 100 Körner wogen aus den untersten Aehrchen 1.5262 Gr., spec. Gewicht 1.2926 obersten Aehrchen 1.5415 „ „ „ 1.2904 aus der Aehrenmitte 3.6656 „ „ „ 1.3336. Nach v. Nathusius—Königsborn Annal. d. Landw. XXII. S. 78. fand sich das leichteste Weizenkorn mit 0.017 Gr. an der Spitze der Aehre, das schwerste mit 0.058 Gr. in der Mitte, während sich am Grunde der Aehre nur rudimentäre Körner fanden. Wer frühe Sorten erziehen will, muß aus einer größeren Zahl keimender Samen jene auslesen, bei welchen die Keimung zuerst erfolgt. Unter ungünstigen Verhältnissen kann jedoch bei der sachkundigsten Behandlung kein guter Same gewonnen werden, da jede Pflanze ihre besonderen Ansprüche an Boden und Klima macht. Für solche Oertlichkeiten empfiehlt sich der Samenbezug von auswärts oder das Wechseln des Samens. Die etwaigen Mehrkosten des fremden Saatgutes lohnen sich durch die anzuhoffenden höheren Ernteerträge. Dieses Wechseln muß jedoch, soll es erfolgreich bleiben, öfter wiederholt werden, indem der fremde Same, wenn er auch anfänglich reicheren Ertrag als der einheimische gewährt, doch mit der Zeit, je nach der Pflanzenart in ein oder mehreren, höchstens 3—4 Jahren, seine Eigenthümlichkeit verliert und sich nicht mehr von dem ortsüblichen Samen unterscheidet. Kann der Same von auswärts billiger als der eigengebaute Same bezogen werden, wie z. B. bei Klee-, Gras-, Gemüsesamen, so wird man gleichfalls den fremden Samen vorziehen. In jedem Falle hat man fremde Samen vor ihrer Verwendung möglichst sorgfältig auszuputzen, um sich nicht der Gefahr auszusetzen, lästige, oft schwer ausrottbare Unkräuter einzuschleppen. Krafft, Lehrb. d. Landw. I. 14 Allgemeine Ackerbaulehre. Ein näheres Eingehen auf die Ausführung des Samenwechsels muß bei der Verschiedenartigkeit der Culturpflanzen in dieser Beziehung dem besonderen Pflanzen- baue vorbehalten bleiben. 3. Die Saatzeit. Damit der Keim im Samen zur Entwickelung gelangen kann, müssen die Reserve- stoffe aufgelöst und dem Keime zugeführt werden. Zum Keimen ist daher Wasser und außer diesem der Sauerstoff der Luft und je nach der Pflanzenart ein bestimmter Wärmegrad erforderlich. Je nach den Wärmeansprüchen werden die Pflanzen zu verschiedenen Zeiten anzubauen sein. Pflanzen, welche meistens wie Roggen, Weizen, zuweilen auch Gerste, Raps, Rübsen, Erbsen, Wicken, unsere Winterkälte vertragen, werden im Herbste angebaut, damit sie im nächsten Frühjahre unterstützt durch die Winterfeuchte um so schneller heranwachsen können. Im Frühjahre werden dagegen alle in der Jugend gegen Winterkälte empfindlicheren einjährigen und auch die meisten zwei- und mehrjährigen Culturpflanzen angebaut. Den Anbau der ersteren Pflanzen, der sog. Winterfrüchte, bezeichnet man nach der Zeit der Ausführung als den Herbst- oder Winteranbau, den der letzteren Pflanzengruppe als den Frühjahr- oder Sommeranbau. Neben diesen beiden Saatzeiten kommt in wärmeren Landstrichen mit mildem Spätsommer auch noch eine Aussaat nach dem Getreideschnitte der sog. Stoppelfruchtbau vor. Der besondere Zeitpunkt zur Ausführung der Saat richtet sich nach dem Ein- tritte der erforderlichen Wärme, nach dem Wärme- und Feuchtigkeits-Bedürfnisse der Keimpflanze und der wachsenden Pflanze und nach der Vorbereitung und nach dem Feuchtigkeitszustande des Bodens. 1. Der Winteranbau. Im Herbste muß die Saat jedenfalls vollendet sein, bevor die Vegetation bei einer mittleren Tagestemperatur von 5° C. zum Stillstande kommt. Vortheilhafter wird es sein, die Saat schon früher auszuführen, da nicht nur der Same einige Tage zum Aufkeimen braucht, sondern auch die Saat noch Zeit zur Bestockung erfordert. Die Bestockung hört auf, wenn die mittlere Tagestemperatur auf 8.8° C. herabgesunken ist. Zu spät gesäete Pflanzen fangen bei entsprechender Witterung im Frühjahre schon zu schossen an, obgleich sie noch nicht Zeit genug gehabt haben, zu einer kräftigen Entwickelung genügende Mengen an Bildungsstoffen zu assimiliren Säet man anderseits zu frühzeitig, so werden sich die Pflanzen zu reichlich bestocken und dadurch leichter dem Verfaulen über Winter ausgesetzt sein. Für den hohen Werth der rechtzeitigen Aussaat für die Entwickelung des Getreides sprechen unter Andern die Versuche von H. Thiel Centralbl. f. Agricultur-Chemie. II. Jahrg. 1873. S. 48. . Je 357 Körner Weizen ergaben bei verschiedener Saatzeit am 29. Juli die folgenden Ernteresultate: Die Saat. Neben der Wärme und Feuchtigkeit erfordert auch der Zustand des Bodens bei Feststellung der Saatzeit eine eingehende Berücksichtigung. Im Allgemeinen wird man in einem rauhen, kalten Klima bei gebundenem Boden im Herbste früher, in einem milden, warmen Klima bei losem Sandboden später anbauen. Ist der Herbst trocken, wird eine frühe, ist er feucht, eine spätere Saat besseres Gedeihen erwarten lassen. In unseren Breiten werden die Saaten je nach der mittleren Tagestemperatur ungefähr in der folgenden Reihenfolge, welche jedoch durch die jeweilige Herbst- witterung und durch den Stand der Vorbereitung des Feldes mannigfaltige Aenderung erfährt, auszuführen sein: 2. Der Sommeranbau. Im Frühjahre muß mit dem Anbaue so lange gewartet werden, bis das Feld soweit abgetrocknet, daß es zur Saal hergerichtet werden kann. Bei zu früher Saat würde der Same wegen Mangel an Wärme gar nicht oder zu langsam keimen und daher leicht der Gefahr des Verfaulens oder der Unterdrückung durch aufkeimendes Unkraut ausgesetzt sein. Manche Keimpflanzen (Mais, Phaseolen) sind überdies sehr empfindlich gegen Frost, weshalb sie erst später, nachdem die Zeit der Fröste vorüber, gesäet werden können. Samen wie Klee, Pferdebohnen, Erbsen, welche viele Feuchtig- keit zum Keimen brauchen, desgleichen Samen, wie Hafer, Pferdebohnen ꝛc., welche Pflanzen mit langer Vegetationszeit angehören, hat man dagegen so zeitlich als thunlich anzubauen. Boden, Klima und Witterung entscheiden jedoch auch hier, wie bei den Winter- saaten über den genaueren Zeitpunkt der Saat. Im rauhen, feuchten Gebirgs- klima wird die Frühjahrssaat später als in einem milden, trockenen Klima vor- zunehmen sein. Auf gebundenem Boden, der lange feucht bleibt, verzögert sich die Saatzeit gleichfalls, während auf lockerem Boden, der rasch abtrocknet, so früh als thunlich zur Saat geschritten werden muß, um die Winterfeuchtigkeit nach Möglichkeit auszunützen. 14* Allgemeine Ackerbaulehre. In unseren Breiten wird die ungefähre Reihenfolge der Saaten im Frühjahre, unter demselben Vorbehalte wie für den Winteranbau, die folgende sein: 3. Der Stoppelfruchtbau. In Gegenden mit feuchter Herbstwitterung gelangt schließlich auf das schon einmal abgeerntete Feld noch eine zweite Saat, die Stoppelfruchtsaat zur Aus- führung. Am gewöhnlichsten baut man die Stoppelfrüchte in die aufgebrochene Getreidestoppel, um entweder noch eine zweite Körnerernte oder noch häufiger um durch den Anbau schnell wachsender Pflanzen Material zur Gründüngung oder zur Fütterung zu gewinnen. Als Stoppelfrüchte werden gebaut: Buchweizen, Stoppel- oder Wasserrüben, Möhren, Grünerbsen und Wicken, Futtermais, Spergel, Incarnat- klee und andere Futterpflanzen. Der Erfolg der Stoppelsaat hängt davon ab, daß man unter Zuhilfenahme von rasch wirkenden Düngern, wie Jauche, Guano, Blut- dünger ꝛc. sofort nach der ersten Ernte noch während des Einführens derselben den Boden umbricht, um die Saat noch früh genug vollenden zu können. Bei alledem wird der Stoppelfruchtbau nur in milden Lagen mit günstiger, nicht zu trockener Herbstwitterung und auf einem kräftigen, in guter Cultur stehenden Boden gelingen, da nur unter solchen Verhältnissen die Stoppelfrüchte Feuchte und Wärme, die beiden Bedingungen für ihr Keimen und Ausreifen finden können. 4. Die Säemaschine. Der Erfolg der künftigen Ernte hängt nicht nur von der guten Beschaffenheit des Samens sondern auch von der sachgemäßen Ausführung der Saat ab. Wirth- schaftlich ausgeführt ist die Saat, wenn mit der möglichst geringsten Saatmenge ein möglichst hoher Ernteertrag erzielt wird. Eine der ersten Bedingungen zur Erreichung dieses Zieles ist die Aussaat von gleich viel Samen auf jede Feldstelle. Wird diese Bedingung erfüllt, so wird kein Same überflüssig hinausgeworfen und der höchste Die Saat. Rohertrag durch die Gleichmäßigkeit des späteren Pflanzenstandes gewährleistet, da jeder Pflanze gleich viel Nährstoffe des Bodens und der Luft zu ihrer Entwickelung zukommen können. Gewöhnlich wird die Saat mit der Hand ausgeführt; in neuerer Zeit fast ebenso häufig mit der Maschine. Mit der Säemaschine wird auf einem ebenen und selbst mäßig gewellten Felde der Same viel gleichmäßiger ausgestreut, als dies selbst dem geübtesten Säemann ge- lingen kann. Ueberdies wird die Saat mit der Maschine schneller und oft auch billiger ausgeführt, weshalb der günstigste Zeitpunkt zur Ausführung derselben gewählt werden kann; Umstände, von welchen die Vollkommenheit der Saat und die Größe der künftigen Ernte wesentlich abhängen. Nur in Gebirgsgegenden oder auf stark hügeligen Feldern werden diese Vortheile, welche der Maschinensaat gegenüber der Handsaat zukommen, durch die Schwierigkeiten, welche sich der Anwendung der Maschine entgegenstellen, mehr als aufgewogen. Mit der Hand oder der Maschine kann der Same entweder unregelmäßig — breitwürfig — über das zur Saat genügend vorbereitete Feld gestreut oder in Reihen — Reihensaat — oder in regelmäßigen Abständen (im Verbande) — Dibbelsaat — in den Boden gelegt werden. Bei den beiden letzteren Saat- methoden wird die Saatfrucht gleichzeitig in den Boden untergebracht, während die- selbe bei der Breitsaat erst nachträglich mit Erde bedeckt werden muß. Dem ent- sprechend können die Säemaschinen unterschieden werden in: 1. Breitsäemaschinen, 2. Reihensäemaschinen (Drills, Drillsäemaschinen) und 3. Dibbelsäemaschinen. In der Anordnung der wesentlichsten Theile stimmen alle Säemaschinen überein. Jede Säemaschine besitzt ein Wagengestell Fig. 77 (s. S. 217) A. , mit oder ohne Steurungsvorrichtung, den Saatkasten B. und die Saatleitung C. Das Wagengestell ruht auf 2, 3 oder 4 Rädern, welche durch Zahnrad- übersetzungen, un, den Samenvertheilungsapparat in Bewegung setzen. Von seiner Breite hängt die Leistungs- und Transportfähigkeit ab. Die Breitsaatmaschinen erhalten gewöhnlich eine Breite von 2.5—4 M. Ihre Leistungsfähigkeit beträgt in letzterem Falle 10 Hectar per Tag. Um bei einer Breite von 3.76 M. den Transport auf das Feld zu erleichtern, hat H. F. Eckert—Berlin seine Universal- breitsäemaschine derart eingerichtet, daß die Maschine, wie in Fig. 73 (s. S. 214), ersichtlich, der Länge nach gefahren werden kann. Die Spurbreite der Drill- und Dibbelsäemaschinen beträgt 1.8—2 M. Zur größeren Ausnützung der Zugkraft und der Bedienung werden aber auch gegenwärtig Maschinen wie z. B. die Germania- Drill- und Dibbelmaschine von W. Siedersleben—Bernburg (Gewicht 24reihig 735 Kilogr., Preis 1200 Mark, 600 fl.) bis zu einer Spurweite von 3.77 M. gebaut und damit die Leistungsfähigkeit von 4—5½ Hectar per Tag bei gewöhnlicher Spurbreite bis auf 12 Hectar per Tag gesteigert. Der Saatkasten besteht meistens aus zwei Abtheilungen, von welchen die obere, Fig. 77 a , zur Aufnahme des auszusäenden Samens dient, während die untere, d , den Samenvertheilungsapparat enthält. Ein angemessener Fassungsraum der Allgemeine Ackerbaulehre. ersten Abtheilung, ist nach Perels E. Perels Rathgeber. Berlin 1872. S. 71. für Breitsäemaschinen 1.5 Hectoliter für Drills und Dibbelmaschinen 0.75—1 Hectoliter. Ist der Raum zu klein, so wird die Arbeit durch das öftere Nachfüllen zu sehr behindert. Die größten Verschiedenheiten ergeben sich in der Construction des Samen- Fig. 73. Universalbreitsäemaschine von H. F. Eckert—Berlin, langfahrend für den Transport zusammengestellt. — Gewicht 225 Kilogr., Preis 244 Mark, 122 fl. vertheilungsapparates, welcher jedoch für alle drei Gruppen von Säemaschinen, er mag was immer für eine Form erhalten, in gleicher Weise an- gewendet werden kann. Derselbe besteht aus der Säewelle, welche von den Fahrrädern aus durch eine Zahnrad- oder Kettenradübersetzung zur Um- drehung gebracht wird und aus dem auf der Säewelle in bestimmten Abständen aufgeschobenen Schöpfapparat, welcher den Samen aufzunehmen und den Saatleitungen zuzuführen hat. Nach der Form des Schöpfapparates unterscheidet man folgende Samenvertheilungsapparate: 1. Kapseln oder Trommeln (Williamson, Hohen- heimer Kapselsäemaschine). 2. Ausstreuung durch Tangentialkraft. 3. Säewalzen (Duket's Bürstensystem, Alban' sche Walzen) 4. Säeräder (Slight, Bürstenwalzen-System, Säescheiben). 5. Löffel (Cook's, Garrett's System). 6. Schöpfräder. Die Bemessung des Saatquantums wird bei 1—4 durch Schieber, welche die Ausstreu- öffnungen beliebig erweitern oder verkleinern bei 5 und 6 durch Aenderung der Umdrehungs- geschwindigkeit der Säewelle bewerkstelligt, zu welchem Zwecke den letzteren Maschinen eine ent- sprechende Anzahl Wechselräder beigegeben werden. Am einfachsten ist der Samenvertheilungs- apparat bei den Trommel säemaschinen. Er besteht aus einer Mehrzahl von Oeffnungen, welche am Umfange der Kapseln angebracht sind und die durch einen gleichfalls durchlöcherten, verschiebbaren Ring verschieden weit offen erhalten werden können, um das Saatquantum zu bemessen. Diese Einfachheit der Con- struction ist dadurch möglich gemacht, daß der Samenkasten, die Kapsel, nicht wie gewöhnlich fest, sondern drehbar vermittelst der durch die Kapseln gesteckten Welle Die Saat. eingerichtet ist. Die Samenvertheilung ist jedoch nur bei runden, glatten Samen wie Raps verläßlich, weshalb diese Art von Säemaschinen immer mehr durch andere Constructionen verdrängt werden. Das Ausstreuen des Samens durch Tangentialkraft, bei welchem der aus einer Oeffnung des Säekastens ausfließende Same auf eine rotirende Scheibe oder einen rotirenden Kegel fällt und verstreut wird, ist gleichsalls sehr unzuverläßlich, weshalb dasselbe nur noch vereinzelt bei Handsäemaschinen zur Anwendung gelangt. Die Säewalzen bestehen aus 16 Cm. langen, hölzernen Walzen, welche an ihrem Umfange mit Löchern oder zellenförmigen Vertiefungen versehen sind. Ueber denselben sind meist kleine blecherne Zulauftrichter angebracht, durch deren Verschiebung die Mündungen der Zellen, zum Aussäen geringerer Saatmengen, theilweise verdeckt werden können. Damit die Zellen immer gleich viel Samen bei der Umdrehung der Walzen aufnehmen, wird der Ueberfluß durch kleine an den Blechtrichter befestigte Bürstchen abgestreift. Die vorzüglichste Maschine dieser Art ist die besonders früher viel verbreitete Breitsäemaschine von Alban (Breite 3.4 und 3.75 M., Gewicht 210 Kilogr., Preis 234 Mark 117 fl.), welche seither durch die neueren Con- structionen von Kämmerer, Eckert ꝛc. überholt wurde. Gegenüber den eben ange- führten Constructionen werden gegenwärtig die Säeräder, Löffeln und Schöpfräder zur Vertheilung des Samens viel häufiger ver- wendet. Die Säeräder bestehen aus einer Mehrzahl verschieden geformter Scheiben, welche sich dicht über Oeffnungen im Boden des Säekastens befinden. Bei ihrer Umdrehung wird der Same aus diesen Oeffnungen aus- Fig. 74. H. F. Eckert's Säescheibe. — a Säescheibe, b Säe- welle, c stellbarer Schieber. gestreut. Eine sehr zweckmäßige, dauerhafte Form dieser Säeräder oder Säescheiben, Fig. 74, ist jene, welche Eckert bei seiner Universalbreitsäemaschine, (Fig. 75, im Querschnitte, Fig. 76, s. S. 216, im Längsschnitte und Fig. 73 auf S. 214 in der Zusammenstellung zum Transporte dargestellt) anwendet. Diese Säescheiben, Fig. 74 a , welche in bestimmten Abständen (s. Fig. 76 auf S. 216) an der Säewelle b aufgeschoben sind, bewirken durch ihre wellenartige Form ein stetiges Verschieben der Körner, wodurch ihr Ausfließen aus den Oeffnungen im Boden des Säekastens geregelt wird. Zur Bemessung der Samenmenge läßt sich mit einem Stellhebel, welcher auf einer Scala genau das auszusäende Quantum angiebt, die Schiene c derart verschieben, daß die Ausstreuöffnung verkleinert oder selbst ganz geschlossen wird. Um ein stärkeres Aussäen zu verhindern, ist nach der ganzen Länge des Saatkastens über der Säewelle und den 22 Säescheiben eine Schutzklappe Allgemeine Ackerbaulehre. angebracht, welche den Säekasten, Fig. 75, gleichzeitig in den Samenvorraths- und den Samenvertheilungsraum scheidet. Fig. 75. Fig. 76. Fig. 75. Querschnitt; Fig. 76 Längsschnitt durch die Universalbreitsäemaschine von H. F. Eckert. Bei den Löffelsäemaschinen wird der Samenvertheilungsapparat von Scheiben, Fig. 77 e (s. S. 217), gebildet, an welchen jederseits nahe dem Umfange schmiedeeiserne oder wegen der gleichen Form aus hämmer- barem Gußeisen hergestellte Löffeln an- genietet sind. Mehrere dieser Löffel- scheiben werden in bestimmten Ab- ständen an einer vierkantigen Säewelle aufgeschoben. Der Same, welcher von den Löffeln bei der Umdrehung der Scheiben aus dem unteren Theile des Saatkastens geschöpft wird, fällt, sobald die Löffeln ihre höchste Stellung er- reicht haben, in den blechernen Säe- trichter f , dessen oberer Rand so ge- formt, daß er allen von den Löffeln geschöpften Samen aufzufangen ver- mag. Das Wandstück h des Trichters läßt sich durch den Draht g um ein Charnier drehen und in die in der Figur gezeichneten Stellung bringen, bei welcher die Mündung des Trichters verschlossen ist; der geschöpfte Same wird dann durch die offene Wand bei h wieder in den Saatkasten zurückfallen. Durch diese Einrichtung ist es möglich, die eine oder andere Saatzuführung nach Bedarf außer Betrieb zu setzen. Um die Säewelle mit den Löffelscheiben leicht auswechseln zu können, stecken die Saattrichter zum leichten Abnehmen mit ihrem unteren Ende in vierkantig ausgeschnittenen, mit Blech ausgefütter- ten Oeffnungen des Samenkastens. Um mit ein und denselben Löffelscheiben verschieden große Samen aussäen zu können, verwendet man die Smyth'- schen Doppellöffel, welche auf ihrer Rückseite mit kleineren Höhlungen versehen sind. Die Saat. Durch einfaches Umkehren der Löffelwelle ist es möglich, aus diesen kleineren Ver- tiefungen auch Raps, Klee, überhaupt feinere Sämereien auszusäen. Fig. 77. Querschnitt durch die Garrett'sche Reihensäemaschine. — A Wagengestell; B Saatkasten: a Samenvorrathskammer, b Gleitsteg, c durch einen Schieber verschließbare Samen-Ausflußöffnung, d Samenvertheilungsraum, e Löffelscheibe, f Säetrichter, g Verschlußklappe, welche beim Säen die Oessnung h in der Trichterwand verschließt, uu , Zahnradübersetzung; C C' Saatleitung: i i' Schüttel- trichter, k k' Saatstiefel, l l' Saatschare, m um den Punkt n drehbarer Saatscharhebel, o Gewicht, p Strebe zur Befestigung der Hebel, qq' Vorrichtung zum Neigen des Saatkastens, r Kreuzhebel, r' Sperr- hebel, s Winde, t Hebel zum Ausrücken der beiden Zahnräder, um das Ausstreuen des Samens zu unterbrechen. In neuerer Zeit verwendet man an Stelle der Löffelscheiben die billiger an- zufertigenden Schöpfräder an deren Peripherie gleich große, sehr genau aus- gearbeitete, halbkugelförmige Vertiefungen angebracht sind. Von deutschen Firmen Fig. 78. Verschiedene Schöpfräder zur Drillmaschine von Rud. Sack — Plagwitz. — a für feine Sämereien, Klee ꝛc., b für Getreide und Rübenkerne, c für Bohnen, Mais, Dinkel, d zum Dibbeln der Rübenkerne, e für Pferdebohnen. Preis eines Schöpfrades 2 Mark, 1 fl.; 1 Schöpfrad d 1.7 Mark, 0.85 fl. haben diese Säevorrichtung Rud. Sack in Plagwitz—Leipzig, Fig. 78, Zimmermann— Halle, Eckert—Berlin angenommen. Allgemeine Ackerbaulehre. Die bisher angeführten Theile der Säemaschinen, das Gestell und der Samen- kasten, werden in gleicher Weise bei allen drei Säemaschinenarten angewendet. Ein Unterschied ergiebt sich erst in der Construction der Saatleitung. Bei den Breitsäemaschinen fällt der Same entweder unmittelbar aus den Ausstreuöffnungen zu Boden, besonders dann wenn der Säekasten sehr nahe dem Boden angebracht ist, oder vorher auf ein Vertheilungs- oder Streubrett. Dasselbe besteht bei der Alban'schen Breitsäemaschine aus einem unter dem Säekasten hängenden Brette von gleicher Länge mit der Maschine, auf welchem mit der Kante nach auf- wärts dreieckige Holzklötzchen befestigt sind. Der aus der Maschine fallende Same wird, an die Klötzchen auffallend, entsprechend vertheilt, jedoch nur so lange als die- Fig. 79. Längsschnitt durch Smyth's teleskopische Samenleitungsröhre. — a Ausflußröhre aus dem Samenkasten, b 1 b 3 doppelwandige Röhre, in welche sich die Röhre b 2 einschieben kann, c Kugelgelenk, d Querschnitt durch den Saatscharhebel, e Saatschar. selben durch Regen nicht naß geworden sind. Zweck- mäßiger, weil gegen Naßwerden besser geschützt, ist das Fallbrett, welches zuerst von Kämmerer angewendet wurde. Dasselbe besteht aus zwei parallelen etwas abstehenden Brettern, durch welche senkrecht eine Mehr- zahl reihenweise versetzter Messingstifte (s. Fig. 73 S. 214) durchgezogen sind. Die Vertheilung des Samens, welcher in den Zwischenraum der beiden Bretter hineinfällt, erfolgt durch das Anprallen an die Stifte. Bei der Drillmaschine hat die Saatleitung nicht nur den Zweck, den Samen aus der Maschine zum Boden gelangen zu lassen, sondern auch denselben in den Boden reihenweise unterzubringen. Für jede Reihe, jede Ausstreuöffnung ist daher eine eigene Saat- leitung erforderlich. Dieselbe besteht aus einer ver- schieden gestalteten Saatröhre, welche in den mit einem kleinen Schare versehenen Saatstiefel, Fig. 77 S. 217 k k' , ausmündet. Die Saatstiefel sind mit einem am Gestelle der Maschine bei n beweglich befestigten Saatscharhebel m , welcher rückwärts durch angehängte Gewichte o beschwert werden kann, versehen, um den Unebenheiten des Bodens folgen zu können. Die sämmtlichen Saathebel sind an einer hölzernen durch einen Kreuzhaspel drehbaren Welle s mit Kettchen aufgehängt, um bei Unterbrechung der Saat gleich- zeitig aus dem Boden gehoben werden zu können Am zweckmäßigsten sind die in der Fig. 79 dar- gestellten Saatleitungen aus ineinander schiebbaren Blechröhren (teleskopische Saatröhren), welche mittelst eines Kugelgelenkes mit den Saatstiefeln vereinigt sind. Weniger verläßlich sind die bei der sonst vielfach be- währten Drillmaschine von R. Garrett \& Sohn—Leiston, Fig. 80 (s. S. 219), Die Saat. angewendeten Saatleitungen aus in einander gesteckten, an kleinen Kettchen hängenden Blechtrichtern. Hornsby—Grantham ersetzt dieselben durch Schläuche aus vulcanisirtem Kautschuk, welche zur Sicherung der Samenleitung an ihren unteren in den Saatstiefeln eingelegten Enden in kurze Blechröhren ausmünden. Die Saatleitungen der Dibbel- maschinen müssen mit Vorrichtungen versehen sein, welche ein intermettirendes Ausstreuen des Samens ermöglichen. Bei Kutzer's Rübendibbelmaschine (aus- geführt von B. Eichmann—Prag. Gewicht 400 Kilogr., Preis 700 Mark, 350 fl.) wird das platzweise Aus- säen durch eine mit bohnenförmigen Vertiefungen versehenen Walze ver- mittelt, weche bis nahe an ihrem unteren dem Boden zugekehrten Theile von einer Schiene umgeben wird, um ein vorzeitiges Herausfallen des Samens zu verhindern. Ihre Arbeit ist vorzüglich, wenn die Vorsicht ge- braucht wird in mäßigem Schritte zu fahren, damit die Tüpfel nicht zu Reihen ausgezogen werden. In neuerer Zeit versieht man gewöhnliche Drillmaschinen mit einem Dibbelapparate. Derselbe wird von hin- und herbewegten Schiebern oder Klappen gebildet, welche die Saat- leitung nur zeitweilig öffnen. Bei dem Dibbelapparat von R. Sack (Preis für 4 Reihen 60—75 Mark, 30—38 fl) wird die Bewegung der Klappen durch mit Daumen versehene Scheiben bewerkstelligt. Fig. 80. 13reihige Drillsäemaschine von R. Garrett \& Sohn—Leiston. — Breite 11—13reihig 1.88 M., Gewicht 600 Kilogr.; Preis sammt 2 Säescheiben, 2 Saatscharen, 14 Stück Uebersetzungsrädern, 14 Paar Lagern, 13 schweren 20 leichten Gewichten, mit ganz eisernen Laufrädern über- zogen mit schmiedeeisernen Radreifen 780 Mark, 390 fl. Bei der Ausführung der Drillsaat ist besonders die Saatmenge und der richtige An- schluß der einzelnen Säebreiten genau festzustellen. Zur Bestimmung der auszusäenden Saatmenge hat man nur zu ermitteln, welche Fläche besäet und welches Samengewicht bei einer bestimmten Zahl Radumdrehungen ausgestreut wird. Ist die Maschine 2 Meter breit, der Umfang der Fahrräder 5 Meter, so wird bei jedesmaliger Umdrehung des Rades eine Fläche von 10 □Meter angebaut. Für 1 Ar (100 □Meter) sind daher 10 Radumdrehungen erforderlich. Nunmehr bestimmt man das Saatgewicht, welches sich bei 10 Umdrehungen Allgemeine Ackerbaulehre. der Fahrräder (damit dieselben frei beweglich sind, hebt man die Maschine, welche zur Sammlung des Samens auf ein Tuch gestellt wird, auf untergeschobene Böcke) für jedes der 10—12 zur Umdrehung der Säewelle jeder Maschine beigegebenen Triebräder ergiebt. Ist die Reihenentfernung nicht in die Spurbreite der Maschine theilbar, so läßt sich eine gleiche Entfernung der Anschlußreihen nur dann erzielen, wenn die Drillmaschine mit einem Vordersteuer versehen ist, dessen Spurweite sich ändern läßt. Für die Feststellung der Spur- weite des Vordergestells empfehlen wir Komers Jahrbuch s. österr. Landw.. 1872. S. 297. G. Krafft, Reihensäemaschine und Säen in der Reihe. die Formel ½ v = a + b — (c + d). In derselben bedeutet ½ v die halbe Spurbreite des Vordersteuers von der inneren Kante des Radkranzes gemessen, a die Entfernung der letzten Schar, welche in der gewünschten Reihenentfernung noch angebracht werden kann, von der Mitte der Maschinenbreite, b die Reihenentferung, c den Abstand des letzten Schares von der inneren Kante des Hinterrades und d die Breite des Hinterrades. Das Vordersteuer muß dann so geführt werden, daß die innere Kante des Vorderrades auf die Spur der äußeren Kante des Hinterrades kommt. 5. Die Saatmethode. Saatmethoden giebt es die Folgenden: 1. die breitwürfige Saat, 2. die Reihen- saat, 3. die Dibbelsaat und 4. die Gemengsaat. Außerdem verdient 5. das An- quellen und Einbeizen der Samen Beachtung. 1. Die breitwürfige Saat. Am gewöhnlichsten führt man die Breitsaat mit der Hand aus. Ein Säetuch oder ein Säekorb sind dafür die einzigen Hülfsmittel. Die tägliche Leistungs- fähigkeit eines geübten Säemanns beträgt 3.5—4.5 Hectar. Eine regelmäßige Samenvertheilung gelingt jedoch nur dem geübten Säemanne, welcher erst viele Fehl- saaten macht, bis er jene Uebung erlangt. Noch schwieriger als die gleichmäßige Vertheilung mit der Hand ist das Aussäen einer bestimmten Samenmenge auf eine be- stimmte Fläche. Um die Samenmenge verschieden zu bemessen, greift der Säemann entweder stärker oder schwächer, mit der ganzen Hand oder nur mit den Fingern in den Samen oder er macht größere, kleinere Schritte, wirft den Samen bei jedem oder erst bei jedem folgenden Schritte auf eine größere oder geringere Feldbreite oder er säet zweimal nach verschiedenen Richtungen, wenn möglich kreuz und quer über das Feld oder er läßt schließlich bei Beeten die Saatbreiten zur Hälfte übergreifen. Um feine Samen oder eine geringe Saatmenge in richtigem Ausmaße zu säen ver- mengt man dieselbe mit lockerer Erde und streut sie erst dann mit dieser auf das Feld. Bei der Handsaat hat der Säemann zu beachten, daß ein und dieselbe Feld- stelle nicht zwei oder mehrmal besäet werde. Bei in Beeten gepflügten Feldern wird sich dies leicht vermeiden lassen. Bei eben gepflügtem Felde muß jedoch das schon besäete von dem unbesäeten Felde durch Einstecken einer Mistgabel, an deren Stiel ein kleiner Strohwisch gebunden oder bei kurzen Feldern durch das Aufstellen der Fruchtsäcke am Feldrande von einander geschieden werden. In vielen Fällen reicht auch zur Erkennung des schon besäeten Feldtheiles die Spur der Schritte oder das Hinlegen des Hutes vollkommen aus. Die Saat. Tritt windiges Wetter ein, so kann die Handsaat nicht ausgeführt werden, sollte selbst darüber die beste Saatzeit verloren gehen. Dieser und mancher andere Uebelstand wird jedoch vermieden, wenn die Breit- saat mit der Maschine ausgeführt wird. Außerdem gewährt die Maschinenbreitsaat den Vortheil, daß die Arbeit rascher vollführt werden kann, da je nach der Breite der Maschine 8—10 Hectar per Tag besäet werden können und daß der Same nicht nur gleichmäßiger, sondern auch zu jedem beliebigen Quantum mit großer Verläßlichkeit ausgesäet werden kann. Da mit der Breitsaatmaschine nicht so viel Samen, wie bei der Handbreitsaat überflüssig verstreut wird, so reicht für erstere, um eine gleiche Fläche entsprechend mit Samen zu bestellen, oft eine um 10 Procent geringere Saatmenge aus, um deren Werth die Saat billiger als bei Handsaat zu stehen kommt. 2. Die Reihen- oder Drillsaat. Mit der Hand kann die Reihensaat im Großen nur unvollkommen ausgeführt werden, indem man den Samen oder die Knollen in jede zweite oder dritte Pflug- furche legt und durch den folgenden Erdstreifen zudeckt. Häufiger als am Felde wird die Handreihensaat im Garten ausgeführt, indem man nach der Schnur mit dem Rechenstiel eine Rinne zur Aufnahme-des Samens öffnet. Im Großen wird die Reihensaat am häufigsten mit der Maschine ausgeführt, welche gleichzeitig bei einer zwei bis vierspännigen Zugkraft 11—13 und mehr Reihen aussäet. Da Saat und Unterbringung zur gleichen Zeit erfolgt, so wird die Saat- bestellung, trotzdem die Drillmaschine nicht viel mehr Fläche täglich besäen kann, als ein geübter Säemann, doch schneller als bei der Handbreitsaat, welche erst unter- gebracht werden muß, beendigt werden können. Durch die Drillmaschine wird der Same nicht nur gleichmäßig in regelrechten Reihen ausgestreut, sondern auch jedes Samenkorn zur gleichen, beliebig festzustellenden Tiefe in den Boden gelegt. Gegenüber der Handbreitsaat kann daher bei der Drill- saat noch mehr und zwar bis zu 25—33 Procent an Samen ohne Nachtheil für den Saatenstand gespart werden. Durch diese Ersparniß wird sich die Maschine, sofern ihr nur eine genügende Fläche zur Bestellung zugewiesen werden kann, in kurzer Zeit bezahlt machen. Bei geringerem Aufwande an Saatgut bietet die Drillsaat auch den weiteren, durch die Erfahrung und den Versuch Prof. Wollny, Untersuchung über die zweckmäßigste Ausführung der Saat. Zeitschr. d. l. Vereins in Bayern 1873. S. 127 u. 175; J. Lehmann, Einfluß des Samens auf die Ernte. Ebendas. 1871 Märzheft. vielfach bestätigten Vortheil einer größeren und qualitätsreicheren Ernte, wie von vornherein zu erwarten ist, da bei der Reihen- saat jede Pflanze nahezu gleich viel Boden und Raum erhält, Luft und Licht un- gehinderter zutreten können. Wegen des freien Lichtzutrittes wird auch das Lagern der Pflanzen, das Auftreten von Rost und Mehlthaupilzen weniger zu befürchten sein und daher auch die Ernte der gleichmäßiger stehenden Pflanzen erleichtert sein. Nach Allgemeine Ackerbaulehre. Messungen von Dr. Th. v. Gohren Landw. Versuchstation. IX. S. 298. vergrößert sich durch das Drillen die gesammte Blattfläche einer Pflanze gegenüber der breitwürfigen Saat bei Weizen um 72 Procent, bei Hafer um 87 Procent und bei Gerste um 62.5 Procent. Ein schließlicher Vortheil der Maschinenreihensaat besteht darin, daß der Land- wirth durch die Einführung derselben gezwungen wird sein Feld sorgfältiger zur Saat vorzubereiten, da nur auf einem unkraut- und wurzelreinen, feingekrümelten Boden die Maschine erfolgreich arbeiten kann. Bei der Ausführung der Drillsaat ist es von Wichtigkeit, die Entfernung , welche den Pflanzenreihen gegeben werden soll, festzustellen. Auf dieselbe hat sowohl die Beschaffenheit und der Culturzustand des Bodens, als auch die Saatzeit und die spätere Entwickelung der auszusäenden Pflanze einen Einfluß. Im Allgemeinen wird man um so größere Reihenentfernungen zu wählen haben, je besser die Bodenqualität, je früher die Saatzeit und je reichlicher sich die Pflanze bestockt, oder je üppiger deren Blattentwickelung ist und umgekehrt. In England pflegt man die Reihen des Getreides, bei uns die Reihen der Futter- und Hackfrüchte mindestens 20 — 25 Cm. entfernt zu halten, um die Pflanzen- zwischenräume während des Wachsthums der Pflanze bearbeiten und vom Unkraute reinigen zu können. In trockenem windigem Klima, in welchem sich die Getreidepflanzen nur bei nahem Stande zu schließen vermögen, ist es meistens zweckmäßiger, die Reihen nur 10—16 Cm. weit zu stellen und dann auf das Bearbeiten der Zwischenräume mit Hackgeräthen zu verzichten. Bei engen Drillreihen ermäßigt sich allerdings die Samenersparniß auf 20 und einige Procente, dagegen gewährleistet die gleich tiefe Unterbringung des Samens gerade in trockenen Gegenden ein viel sichereres, gleich- mäßigeres Auflaufen der Saat. 3. Die Dibbel- oder Tüpfelsaat. Die Dibbelsaat, auch Platz- oder Stufensaat genannt, wird am häufigsten mit der Hand ausgeführt. Vor Ausführung dieser Saatmethode muß das Feld vollkommen eben hergerichtet werden, damit die Plätze, auf welche die Samen hinkommen sollen, leicht Fig. 81. Anordung der Pflanzen im Quadratverbande. ersichtlich gemacht werden können. Zur Bezeichnung der Pflanzenstellen dienen Reihenzieher oder Mar- queure. Mit diesen Geräthen, welche großen Rechen mit weit gestellten Zinken vergleichbar sind, werden nach bestimmten Richtungen Linien in den Boden eingeritzt. Sollen die Pflanzen nach allen Richtungen gleich weit von einander abstehen, damit sich dieselben nach allen Richtungen gleichmäßig entwickeln können, so wird man die Reihen entweder kreuz und quer ziehen, die Pflanzen stehen dann im Viereck, dem sog. Quadratverbande , Fig. 81, oder nach drei Richtungen, die Pflanzen stehen dann im Dreiecke, dem sog. Dreiecksverbande , Fig. 82 (s. S. 223). Bei dem Die Saat. Ouadratverbande bringt man bei gleichem Abstande der Pflanzen, weniger Pflanzen Ist der Abstand der Pflanzen = m , so kommt bei dem Quadratverbande auf eine Pflanze ein Wachsraum von m 2 , bei dem Dreieckverbande einer von 0.86 m . auf das Feld als bei dem Dreieckverbande. Bei engegebauten Pflanzen, welche im Quadrat- oder Dreiecksverbande so nahe stehen würden, daß eine Bearbeitung der Zwischenräume nicht mehr möglich wäre, zieht man die Reihen kreuz und quer aber in ver- schiedenen Abständen. Die Pflanzen stehen dann im Rechtecke oder im sog. Reihenverbande , welcher wenigstens nach einer Richtung eine Bearbeitung zuläßt. Ist das Feld auf die eine oder andere Art markirt, so werden mit der Handhacke oder dem Steckholze, Fig 83, welches durch einen Querstab verhindert wird über die bestimmte Saattiefe in den Boden ein- Fig. 82. Anordnung der Pflanzen im Dreiecksverbande. zudringen, kleine Grübchen an den Kreuzungspunkten der Linien oder in der Mitte der Figuren ausgehoben, der Same mit der Hand hineingelegt und mit der Haue oder durch einen Fußtritt mit Erde bedeckt. Je nach der Reihenentfernung legt eine Person täglich z. B. 0.15—0.30 Hectar Kartoffelknollen oder 0.05—0.1 Hectar Rübensamen. Anstatt des Reihenziehers verwendet man bei der Kleincultur zur Be- zeichnung der Pflanzenstellen einen Pflanzstock, oder eine Markirwalze oder ein Brett, das entsprechend der Entfernung der Pflanzenstellen ein- gekerbt oder eine Pflanzschnur, bei welcher Knoten die Pflanz- weite angeben Bei Anwendung von Dibbelsäemaschinen entfällt die Markirung des Feldes, da der Same schon durch die Maschine platzweise in den Boden gelegt wird. Unvoll- kommen aber vielfach ausreichend läßt sich eine platzweise Anordnung der Pflanzen auch in der Weise herstellen, daß man den Samen drillt und dann die überflüssig aufge- gangenen Pflanzen auszieht, vereinzelt. Die Dibbelsaat bietet, allerdings bei erhöhtem Arbeits- aufwande, wenn sie mit der Hand ausgeführt wird, den Fig. 83. Steckholz. großen Vortheil, daß bei derselben am meisten mit dem Samen gespart wird. Das Aufgehen und das Wachsthum der Pflanzen wird am gleichmäßigsten erfolgen können, da bei voller Benützung jeder Feldstelle keine Pflanze die andere in ihrer Entwickelung behindert. Bei der Dibbelsaat ist besonders die Bestockung, sowie die Halm- und Aehrenentwickelung Wollny, Centralbl. f. A. 1873. S. 47. Die Länge der Roggenähren schwankte bei der Breitsaat zwischen 3.23 und 5.31 Cm. Drillsaat „ 6.14 „ 9.87 „ Dibbelsaat „ 10.21 „ 15.73 „ Die Aehrchen des Roggens waren bei letzterer größtentheils dreiblüthig. der Getreidepflanzen eine ungemein kräftige. Am auffälligsten Allgemeine Ackerbaulehre. treten jedoch die Vortheile dieser Saatmethode bei jenen Pflanzen hervor, welche wie die Kartoffeln, Rüben, der Mais ꝛc., während ihres Wachsthums eine Bearbeitung des Bodens in den Pflanzenzwischenräumen erhalten. Gewöhnlich rühmt man der Tüpfelsaat auch nach, daß sie bei guter Ausführung weniger von dem Insektenfraße, den Spätfrösten, und der Trockene zu leiden hat. Dagegen sind Fehlstellen viel auf- fälliger sichtbar und nachtheiliger als bei gedrillten Pflanzen. In feuchten Lagen ist es empfehlenswerth die Tüpfelsaat auf Kämme aus- zuführen. Bei dieser Kammsaat (S. 129) erhalten die Pflanzen nicht nur einen trockeneren Standort, sondern dieselben können auch, da sie höher stehen, das Unkraut leichter unterdrücken. Die Kartoffeln, welche wegen ihrer kräftigen Triebe eine stärkere Bedeckung vertragen, legt man oft auf das ebene, vorher markirte Feld und bildet erst nachträglich über den Reihen die Kämme. 4. Die Gemengsaat. Die Verschiedenheit der Saatmethode bezieht sich nicht nur auf die Art der Ausführung, sondern auch auf die Zahl der Samenarten, welche auf dasselbe Feld ausgestreut werden. Gewöhnlich wird nur eine Samenart ausgestreut, zuweilen jedoch auch zwei und mehr verschiedenartige Samen. Am häufigsten wird die Doppel- oder Gemengsaat bei dem Anbaue der Kleearten, des Grases zur Ausführung gebracht. Durch die gleichzeitige Einsaat mit Getreide erhalten diese in ihrer Jugend langsamer wachsenden Pflanzen einen größeren Schutz. Unter einem wird ihre Be- stellung billiger ausfallen, da sie sich mit der für das Getreide gegebenen Vorbereitung begnügen. Als Schutz oder Ueberfrüchte darf man jedoch nur solche Pflanzen wählen, welche die Untersaat nicht allzusehr beschatten, sich nicht lagern und überdieß das Feld frühzeitig räumen. Am zweckmäßigsten sind der Reihe nach Grünhafer, Grünmisch- ling, Lein, gedrillte und breitwürfige Halmfrüchte. Außer Klee unter Getreide pflegt man in vielen Gegenden auch Möhren, Wasserrüben unter Lein oder unter Gerste, Roggen anzubauen. Noch zweckmäßiger für diese Pflanzen ist die Untersaat in Raps, nachdem dieser die letzte Frühjahrsbearbeitung erhalten hat. Auf kräftigem Boden gewähren nichtrankende Zwergbohnen unter weit gestelltem Körnermais einen werth- vollen Nebenertrag, welcher die Erschwerung der Bearbeitung reichlich lohnt. Bei der Kleincultur können auf einem gut gedüngten Boden in Frühkartoffeln nach deren letzter Bearbeitung Runkelrüben eingepflanzt werden. Zur Sicherung und Erhöhung des Futterertrages pflegt man selbst mehrere Pflanzenarten sogenannte Mischlinge oder Gemenge auf dasselbe Feld anzubauen. 5. Das Anquellen und Einbeizen der Samen. In der Regel wird der Same trocken ausgesäet. Zuweilen läßt man den Samen vor der Aussaat einen Tag lang im Wasser anquellen, um das Keimen im Boden zu beschleunigen. Folgt nach der Saat mit gequelltem Samen trockene Witterung oder ist der Boden trocken, so ist es leicht möglich, daß die Keimung wegen Mangel an Wasser unterbrochen wird und der Same verloren ist. Folgt sehr nasse Die Saat. Witterung, so kann der Same wieder leichter verfaulen. Das Einweichen oder An- quellen des Samens ist daher nur ausnahmsweise vorzunehmen, besonders dann, wenn schwer und langsam keimende Samen, wie Mais, Runkelrüben, Tabak ꝛc. ausgesäet oder wenn Fehlstellen durch Nachsäen ergänzt werden. Außer dem An- quellen beizt man die Samen auch mit verschiedenen zuweilen giftigen oder düngenden Stoffen, um entweder Thiere oder Pilzvegetationen abzuhalten, oder um der jugend- lichen Pflanze mehr Nährstoffe zukommen zu lassen. Letztere Absicht wird selten er- reicht werden können, da die Keimpflanze keine Stoffe aufnimmt und die wachsende Pflanze bald außer Bereich der den Samen einhüllenden Düngersubstanz kommt. Um so mehr Beachtung verdient das Einbeizen zur Abhaltung von Pilzvegetationen, auf welches wir später zurückkommen werden. 6. Die Saatmenge. Die Menge des Saatgutes hängt in erster Linie davon ab wie viel Raum die Pflanze in ihrem ausgewachsenen Zustande benöthigt. Dieselbe wird jedoch immer mit Rücksicht auf die Sicherheit des Ertrages um so geringer sein können, je kleiner der Same im Verhältnisse zur Ausbreitung und Bestockung der Pflanze ist. Bei der platzweisen Saat ist jedoch „nicht möglichste Samenersparniß, sondern Verwendung des für rationelle Cultur noch zulässigen größeren Saatquantums die wirthschaftlich zweckentsprechendste Maßnahme.“ J. Kühn, Berichte aus dem phsiolog. Lab. d. l. Inst. d. Universität Halle. 1. Heft, Prüfung des Gülich'schen Kartossel-Anbau-Verfahrens. Halle, 1872. S. 99. Den größten Raum 0.1 — 0.3 □Meter be- anspruchen abgesehen von einigen Handelsgewächsen (Hopfen ꝛc.) die Hackfrüchte, den geringsten die Futtergewächse, welche um so höhere Erträge abwerfen, je dichter ihr Stand. Nach dem Wachsraume und der Körnerzahl, welche in einem bestimmten Maße oder Gewichte enthalten sind, läßt sich der Samenbedarf leicht berechnen. Baut man z. B. Zuckerrüben in 50 Cm. weiten Reihen und in der Reihe auf 20 Cm. Entfernung so kommt auf eine Rübenpflanze ein Wachsraum von 0.1 □M. Auf 1 Hectar werden daher 100,000 Pflanzen stehen. Zur Sicherung der Saat legt man an jede Pflanz- stelle 4 Rübenkerne, somit auf 1 Hectar 400,000. 1 Kilogr. Rübensamen enthält 25,600 Stück; auf 1 Hectar sind daher 15.6 Kilogr. erforderlich. Die Saatmenge wird jedoch nicht allein von dem Wachsraume, sondern auch von der Größe und Qualität der Samen bestimmt. Je besser der Same um so weniger braucht man zu säen Alter Same muß um so reichlicher gesäet werden, je mehr die Keimfähigkeit bereits abgenommen hat. Die erste Herbst- oder Frühjahrssaat kann dünner ausgeführt werden, als die später folgenden, da die frühzeitig gesäeten Pflanzen sich kräftiger bestocken und aus- breiten können. Spätere Saaten kommen im Frühjahre in mehr abgetrocknete Felder und müssen daher auch schon deshalb dichter gesäet werden. Nach der Saatmethode erfordert das platzweise Legen mit der Hand am wenigsten Krafft, Lehrb. d. Landw. I. 15 Allgemeine Ackerbaulehre. Samen. Immer mehr benöthigen der Reihe nach die Maschinendibbelsaat, die Reihensaat, die Maschinen- und schließlich die Hand-Breitsaat. Je tiefer kleine Samen untergebracht werden, desto weniger Körner werden aufgehen, um so stärker muß zur Deckung dieses Ausfalles gesäet werden. Um- gekehrt müssen bei großen Samen um so mehr genommen werden, je flacher die Bodenbedeckung, da die Samen durch Vertrocknen und Vogelfraß leichter ver- loren gehen. Auch je nach dem Zwecke der Cultur wird der Same von ein und derselben Pflanze verschieden dicht auszusäen sein. Getreide zur Gewinnung von Stroh säet man stärker. Für die Körnergewinnung säet man am dünnsten, für die Verwendung des Getreides zu Grünfutter am dichtesten. Runkelrüben für die Zuckerfabrication stellt man näher als für die Futterverwendung. Gespinnstflachs säet man dichter als Samenflachs. Die Samenmenge wird schließlich auch noch von den äußeren Vegetations- bedingnissen, dem Boden, dem Klima ꝛc. beeinflußt. Je günstiger im Allgemeinen das Klima und je zusagender die Bodenbeschaffenheit für eine Pflanze sind, um so weniger und je ungünstiger, um so mehr Saatgut wird erforderlich sein. In kalten, sehr trockenen oder sehr feuchten Gegenden oder Boden wird man stets reichlichere Saatmengen in Anwendung finden, ebenso dort, wo Saaten den Ver- heerungen durch die Thiere ꝛc. mehr ausgesetzt sind. Auf einem schlecht vorbereiteten, scholligen, verunkrauteten Felde säet man dichter als auf einem in gutem Cultur- zustande befindlichen Felde. 7. Das Unterbringen des Samens. Die Mehrzahl der Culturpflanzen findet auf freiem Felde die Bedingungen zum Keimen nur dann, wenn der Same mit Erde bedeckt wird. Die Bedeckung darf jedoch nur so weit gehen, als dem Samen die zum Keimen nothwendige Feuchte und der Luftzutritt gesichert bleibt. Je später die Jahreszeit, je feuchter die Saatwitterung und je feuchter und ge- bundener der Boden, um so unzweckmäßiger ist ein zu tiefes Unterbringen, indem nicht nur der erforderliche Luftzutritt durch die Gebundenheit des Bodens und das Uebermaß an Feuchte gehemmt, sondern auch das Aufgehen der Saat durch die geringere Bodenwärme in der Tiefe verzögert würde. Bei lockerem, losem, der Luft zugänglicherem Boden wird dagegen der Same in tiefere Bodenschichten gebracht nicht nur ausreichende Luft, sondern auch Feuchtigkeit sicherer finden können. Legt man den Samen zu tief, so könnte es leicht kommen, daß der Vorrath an Reservestoffen im Samen nicht ausreicht, um die Keimpflanze bis über den Boden herauswachsen zu lassen. Die Größe des Samens und der Keimpflanze bestimmt daher ebenfalls die Tiefe der Unterbringung. Kleine Samen, wie Gras, Klee, Mohnsamen, welche nicht viele Reservestoffe enthalten, dürfen nur an den Boden angedrückt, höchstens mit einigen wenigen Linien Boden bedeckt werden. Etwas tiefere Bedeckung als wie Mohn ꝛc. vertragen der Raps, der Hanf. Getreide kann etwa 5.25 Cm. tief, Die Saat. Hülsenfrüchte, besonders Erbsen, Pferdebohnen können selbst bis 8 Cm. tief ohne Beein- trächtigung des Keimens mit Erde bedeckt werden. Kartoffelknollen werden gewöhnlich 10 Cm. tief in die Erde gelegt und vertragen in lockerem Boden selbst eine Tief- lage von 16 Cm. ohne Gefährdung des Ertrages. Als ungefährer Anhaltspunkt für die zweckmäßigste Saattiefe S. auch Jörgensen, Versuche über das Unterbringen der Saat in verschiedener Tiefe. Annal. d. Landw. 1873. S. 82. einiger Culturpflanzen unter verschiedenen Verhältnissen kann folgende Angabe dienen: Wegen der Frostgefahr empfiehlt es sich das Getreide seicht unterzubringen, damit das Anwurzeln früher und sicherer erfolgen kann. Bei seicht gelegtem Korne bringt die Keimpflanze gleich die Kronenwurzeln zur Ausbildung, während bei tiefer Lage erst ein langes Stengelglied bis an die Oberfläche des Bodens getrieben werden muß. Soll ein gleichzeitiges Aufgehen erzielt werden, so muß der Same nicht nur in angemessener Tiefe sondern alle Samen gleich tief untergebracht werden. Dieser Anforderung an eine gut ausgeführte Saat genügen nur die Handstufensaat und die mit der Drill- und Dibbelsäemaschine ausgeführte Saat. Bei letzterer können über- dies die Samen durch eine verschiedene Belastung der Saatschare je nach Erforderniß bis zu einer gewissen Grenze in beliebiger Tiefe in den Boden gelegt werden. Bei der Hand- und Maschinenbreitsaat wird jedoch durch das nachträgliche Be- decken des Samens mit Erde die regelmäßige Vertheilung und Unterbringung des- selben unvermeidlich gestört. Breitwürfig gesäete, feinere Sämereien wie Gras, Klee- samen werden in feuchteren Gegenden oft nur mit der Walze leicht an den Boden gedrückt oder wie z. B. der Flachs bei sorgfältiger Cultur mit dem Rechen ein- geharkt, mit der Schleife eingezogen. Größere Samen pflegt man mit der Egge, dem Saatpfluge, dem Exstirpator oder dem Pfluge unterzubringen. Durch die Egge wird die Saat ungleich tief, einzelne obenauf liegen bleibende Körner oft gar nicht untergebracht. Bei trockner Witterung wird der oberflächlich oder gar nicht untergebrachte Samen vertrocknen. Bei feuchter Witterung wird die Saat zu üppig auflaufen. Bei wechselnder Witterung wird schließlich die Zwei- wüchsigkeit der Saat begünstigt. Am vortheilhaftesten ist das Untereggen des Samens auf feuchten Feldern mit bindigem Boden und unter einem feuchten Klima, indem hier der durch die Egge nur mäßig tief untergebrachte Same weniger leicht dem Verfaulen ausgesetzt ist. Tiefer als mit der Egge wird der Same mit dem Pfluge untergebracht. Der Pflug eignet sich daher nur zur Unterbringung von größerem Saatgute, wie z. B. der Pferdebohnen, Erbsen Kartoffelknollen ꝛc. Für Getreide und kleinere Sämereien 15* Allgemeine Ackerbaulehre. ist dagegen die Bedeckung mit dem Pfluge nur auf losem, trockenem Boden und bei trockener Saatwitterung angezeigt, wenn man nicht den Ausfall an Keimpflanzen durch das zu tiefe Unterbringen, durch ein größeres Saatquantum ausgleichen will. Außer dem zu tiefen Unterbringen bringt das Unterpflügen den Nachtheil, daß die Samen bei dem Umlegen des Erdstreifens in die Furche zusammenrollen und in Folge dessen die Pflanzen in unregelmäßigen, zu dicht bestandenen Reihen erscheinen. Noch am gleichmäßigsten und zur angemessensten Tiefe werden, in nicht zu ge- bundenen Bodenarten, die breitwürfig ausgesäeten Samen durch den Saatpflug und den Exstirpator untergebracht. Der Saatpflug (Saatharke, Saatdecker), Fig. 84, besteht aus 3—7 kleinen Ruchadloscharen, welche an einem gemeinschaftlichen Gestelle derart befestigt sind, daß die aufgeworfenen Erdstreifen genau an einander zu liegen kommen. Der Saatpflug Fig. 84. Kainzer, dreischariger Saatpflug. — Gewicht 100 Kilogr., Preis 60 Mark, 30 fl. dessen Leistung im Tage 1—1.5 Hectar beträgt, deckt den Samen auf etwa 3—5 Cm. Tiefe. Derselbe kann daher auch zum Rasenschälen und Stoppelstürzen verwendet werden. 8. Das Verpflanzen. Manche Pflanzen benöthigen vom Ankeimen bis zum Ausreifen eine längere Zeit als bei der Einhaltung der gewöhnlichen Anbau- und Erntezeiten zur Ver- fügung steht, Andere besitzen in ihrer Jugend eine so langsame Entwickelung, daß sie sich für die erste Jugendzeit mit einem geringerem Wachsraume als später be- gnügen können. Wieder andere Gewächse bedürfen in der Jugend wegen ihrer großen Empfindlichkeit besonders gegen Frost einen ausreichenderen Schutz als denselben auf freiem Felde gegeben werden könnte. Andere verlangen ein so sorgfältig zubereitetes Feld, daß sie nicht zeitig genug ins freie Land gesäet werden könnten. In allen diesen Fällen wird es vortheilhafter sein, den Samen anstatt gleich unmittelbar auf das freie Feld zu bringen, vorher auf ein kleineres, gartenmäßig zubereitetes Stück Land oder in besonderen Samen- oder Mistbeeten auszusäen und erst dann die heran- gezogenen jungen Pflänzchen auf das Feld auszusetzen, zu verpflanzen. Die Saat. Durch das Verpflanzen werden für gewöhnlich Tabak, Kopfkraut, Pflanzrüben, Weberkarde, Kümmel, Krapp, häufig auch nach Getreide gebauter Raps, Futter- rüben ꝛc. angebaut. Zuweilen kommt diese Anbaumethode auch bei Mais, Rüben und anderen Pflanzen, welche für gewöhnlich nicht verpflanzt werden, zur Ergänzung eines durch Insecten oder Witterungsschaden oder sonst wie lückenhaft gewordenen Standes zur Ausführung. Das Samen- und Mistbeet richte man an einem möglichst windgeschützten Orte ein. Am zweckmäßigsten wählt man zur Anlage des Samenbeetes ein Stück fruchtbares Gartenland, welches überdies reichlich gedüngt werden kann. Die Größe desselben soll eher etwas zu groß als zu klein genommen werden, damit man eine leichtere Auswahl unter den Pflanzen hat und überhaupt nicht so leicht ein Mangel an kräftigen Pflanzen eintreten kann. In das entsprechend hergestellte Samen- oder Mistbeet soll die Aussaat so zeit- lich erfolgen, daß man rechtzeitig mit geeigneten Pflanzen versehen ist. Zur be- quemeren Bearbeitung und zur Erleichterung des späteren Aushebens der Pflanzen säet man die Samen am besten in 5 Cm. entfernten Reihen. Zur Unterstützung des Ankeimens und Wachsens der Pflanzen ist das Saatbeet nach Bedarf zu begießen, Krusten sind sorgfältig mit dem Rechen zu zerbrechen, der Boden in den Pflanzen- zwischenräumen zu lockern und durch fleißiges Jäten vom Unkraute rein zu halten. Wird der Pflanzenbestand zu dicht, so ist derselbe durch Verdünnen, Ausziehen der überflüssigen Pflanzen, zu lichten. Gegen Frost schützt man die Beete durch Bedecken mit schütter gelegtem Stroh oder Reisig, welches unter einem das Geflügel abhält. Mist- beete, welche besonders für den Tabak in eigenen Holzkästen eingerichtet werden, bewahrt man durch Glasfenster oder mit geöltem Papier überspannten Holzrahmen vor der Kälte. Mit dem Ausnehmen der erstarkten Pflanzen aus dem Samenbeete wartet man nach Thunlichkeit so lange, bis eine mäßig feuchte Witterung eingetreten. Bei dem Ausnehmen selbst sind die Pflanzen und deren Wurzeln möglichst vor Verletzungen zu schützen. Zu lang gewachsene Wurzeln, welche sich im Pflanzloche umbiegen würden, sind dagegen einzukürzen, verwelkte Blätter abzunehmen. Das Verpflanzen auf das freie Feld erfolgt, wenn möglich nach einem mäßigen Regen, entweder auf das vorher markirte Land oder nach der Pflanzschnur, dem Pflanzbrette. An den bezeichneten Pflanzstellen werden mit der Hand oder dem Pflanzholze, Fig. 85, bei größeren Pflanzen, wie z. B. bei den Samenrübenwurzeln mit der Haue, dem Spaten Löcher ausgehoben, in welche die Pflanze so tief als sie früher im Samenbeete im Boden gewachsen, eingesenkt und sanft an den Boden unter gleichzeitigem Zufüllen des Loches angedrückt wird. Bei kleineren Flächen läßt sich das Anwurzeln der Pflänzlinge durch Anschlämmen mit Wasser oder ver- dünnter Jauche befördern und sichern. Bei manchen Gewächsen wie z. B. beim Raps können die bewurzelten Pflanzen auch an die Seitenwand der Fig. 85. Pflanzholz. geöffneten Pflugfurche gelegt und durch die folgende Furche mit Boden bedeckt werden. Allgemeine Ackerbaulehre. VIII. Die Pflege. Die Pflege der Pflanzen umfaßt die Ausführung einer Reihe von Cultur- maßregeln, welche entweder das Wachsthum der Pflanzen befördern, oder Hinder- nisse, die sich demselben entgegenstellen, beseitigen. Die Pflege stützt sich auf die Erkenntniß des Pflanzenlebens und der Bedürfnisse der Pflanze. Die Förderung des Pflanzenwachsthums wird vornehmlich durch die Bearbeitung des Bodens während des Wachsthumes der Pflanze angestrebt. In gewissem Sinne fällt dieselbe mit der Beseitigung eines ungünstigen Bodenzustandes zusammen. Die Culturmaßregeln, welche die Pflege der Pflanzen ausmachen, bezwecken entweder 1. einen Schutz gegen nachtheilige Witterungseinflüsse, entsprechend dem Licht-, Wärme-, Luft- und Wasserbedürfnisse der Pflanze oder 2. einen Schutz gegen ungünstige Bodenzustände entsprechend dem Bedarfe der Pflanzen an Bodennährstoffen oder 3. einen Schutz gegen die Angriffe von Schädlingen aus der Pflanzen- und Thierwelt. 1. Der Schutz gegen nachtheilige Witterungseinflüsse. Den Winterfrüchten wird ein schneeloser Winter oft verderblich. Das wieder- holte Gefrieren und Aufthauen des Bodens während desselben verursacht durch die abwechselnde Ausdehnung und Zusammenziehung desselbens das Ausfrieren der Pflanzen, bei welchem die Pflanzen aus dem Erdreiche gehoben werden. Bei mäßigem Auftreten des Ausfrierens kann der Saat durch Ueberfahren mit mäßig schweren Walzen aufgeholfen werden. Durch dasselbe werden die von dem Froste bloß- gelegten und emporgezogenen Wurzeln an den Boden angedrückt, so daß die Pflanzen wieder fortwachsen können. In Gegenden, welche regelmäßig von schneelosen Wintern heimgesucht werden, empfiehlt es sich, schon von Vornherein zur möglichsten Ab- minderung dieses Uebelstandes, die Getreidesaaten seichter unterzubringen, um ein rascheres und sichereres Anwurzeln zu erzielen. Eine ähnliche Erscheinung wie das Ausfrieren ist das Auswintern , welches jedoch durch die Angriffe schädlicher Thiere oder durch verheerende Pilzvegetationen hervorgerufen wird. Gegenüber dem schneelosen Winter kann auch eine zu starke Schneedecke , welche sonst die Pflanzen vor raschem Wechsel der Temperatur schützt und mit Feuchtig- keit versieht, durch Abschließung von der Luft und dem Lichte den Saaten verderblich werden, besonders bei Schneewehen oder wenn sich durch Aufthauen und nachmaliges Gefrieren eine Eiskruste auf dem Schnee gebildet hat. Im Gebirge, wo diese Er- scheinung öfter vorzukommen pflegt, sucht man die Eiskruste durch Aufpflügen zu zerbrechen. Noch größeren Schaden als durch Luftabschließung kann eine Schneedecke ver- ursachen, welche sich auf feuchtem, noch ungefrorenem Boden bildet, da dann leicht Die Pflege. die Saat verfaulen kann. Schließlich schadet der Schnee beim Aufthauen durch Abschwemmen des fruchtbaren Bodens. Zur Verhütung dieses Schadens und zur Verhinderung von Thauwasseransammlungen auf dem Felde, welche zum sog. Aus- tränken der Pflanzen Veranlassung geben können, hat man zweckmäßig geführte Wasserfurchen und sonstige Abzüge herzustellen und sorgfältig in dienstfähigem Stande zu erhalten. Wie sehr eine mittlere Schneedecke von 15—18 Cm. das wirksamste Schutzmittel gegen das Eindringen des Frostes in den Boden, gegen Wärmeschwankungen im Boden und gegen das Erfrieren vieler Culturgewächse ist, zeigen die Beobachtungen Ebermayers Die physikalischen Einwirkungen des Waldes auf Luft und Boden. I. Bd. Aschaffen- burg 1873. in Aschaffenburg: Gegen Ausgang des Winters verursachen Spätfröste den meisten Schaden, so- wie gegen Ausgang des Herbstes Frühfröste . Gegen die schädliche Einwirkung der- selben schützt das Bedecken oder Anhäufeln der Pflanzen mit Erde. In Hopfengärten legt man aus diesem Grunde über die Hopfenpflanzen mit dem Pfluge einen Furchen- streifen, welcher im Frühjahre wieder entfernt wird, sobald die Frostgefahr vorüber ist. Rübenwurzeln, welche im Frühjahre zur Samenzucht ausgesetzt werden, erhalten gleichfalls zum Schutze gegen Frost ein kleines Erdhäufchen. Reicht die Erde zum Bedecken der Pflanzen nicht aus, so verwendet man auch Stroh oder strohigen Dünger. Wiesen, auf welchen die Vegetation der Graspflanzen im Frühjahre bereits erwacht ist, schützt man durch Ueberleiten von nicht zu kaltem Wasser vor der Frost- einwirkung. In Weinbergen sucht man frühmorgens, vor Sonnenaufgang, durch Erzeugung von Rauchwolken die lebhafte Wärmeausstrahlung zu vermeiden. Treten die Fröste frühzeitig im Herbste ein, so können diese selbst die Ernte behindern. Beispielsweise kann es vorkommen, daß spätreifende Maissorten vor der Ernte von Frühfrösten überrascht werden, daß die Zuckerrüben bei Mangel an Arbeitern ein- frieren und von Schnee bedeckt werden, bevor ihr Herausnehmen aus dem Boden beendet ist. Nasse Witterung behindert nicht nur die rechtzeitige Ausführung der meisten landwirthschaftlichen Arbeiten, sondern bringt auch unmittelbar durch Beförderung eines zu üppigen Wachsthumes, welches das Lagern der Culturpflanzen und das Verfaulen der saftigen grünen Pflanzentheile begünstigt, empfindlichen Schaden. Tritt anhaltend feuchte Witterung während des Blühens der Pflanzen ein, so wird die Befruchtung durch Zerplatzen oder Fortschwemmen der Pollenkörner gestört und dadurch die Samenbildung gehindert. Am empfindlichsten schadet zu nasse Witterung Allgemeine Ackerbaulehre. bei der Einbringung der reifen Pflanzen. Stroh und Heu verlieren durch mehrfaches Beregnen, während der Ernte, je mangelhafter dabei vorgegangen wird, nicht allein den aromatischen Geruch, sondern auch einen erheblichen Theil ihrer löslichen Nähr- stoffe, wenn sie nicht durch Verfaulen gänzlich unbrauchbar werden. Während einer zu nassen Erntewitterung können die Samen in den Aehren der Körnerfrüchte aus- wachsen. Unter allen Umständen leidet durch eine feuchte Witterung, wenn dieselbe während des Pflanzenwachsthumes mit Kälte verbunden ist, die Qualität der ab- zuerntenden Früchte. Wein, Obst, Rüben bleiben unter solchen Verhältnissen zucker- arm, Kartoffeln arm an Stärke. In einem kühlen, nassen Jahre geerntete Kartoffeln enthielten z. B. nur 18 % Stärke- mehl, während auf demselben Felde in einem günstigen Jahrgange geerntete Kartoffeln einen Stärkemehlgehalt von 21 — 22 % zeigten. Nach Stöckhardt enthielt Hafer der im naßkalten Jahre 1851 erbaut wurde, in den Körnern 7 %, im Stroh 2 % Proteïnstoffe, dagegen im warmen Jahre 1852 in den Körnern 12 %, im Stroh 3.5 % Proteïnstoffe. Die Abhilfe gegen zu nasse Witterung beschränkt sich während der Same im Boden liegt, oder die Pflanzen am Felde stehen, auf das sachgemäße Ziehen und im Standhalten von Wasserfurchen und späterhin auf die sorgfältigste Ausführung der Ernte. Am meisten geschützt gegen die schädliche Einwirkung des feuchten Wetters sind drainirte oder mit offenen Wasserableitungsgräben versehene Felder. Regengüsse, welche mit Hagel verbunden sind, schaden um so mehr, je weiter die betroffenen Früchte in ihrer Entwickelung vorgeschritten sind. Selbst dann, wenn die Pflanzen durch den Anprall der Hagelkörner nicht geknickt werden, wird die Lebens- thätigkeit der Pflanze schon durch das theilweise Erfrieren der von Hagelkörnern ge- troffenen Stellen, welche sich durch eine Entfärbung des Blattgrünes bemerkbar machen, gestört. Werden die Pflanzen schon nahe der Blüthezeit etwa im Juni von einem heftigen Hagelwetter betroffen, so erübriget nichts, als sie abzumähen und an ihrer Stelle nach Möglichkeit noch eine andere Saat z. B. einer schnellwachsenden Futter- pflanze auszuführen. Trockene Witterung verzögert oder verhindert das Aufgehen der Saat; später stört sie die Entwickelung und das Ausreifen der Pflanzen. Je nach der Vegetations- periode, in welcher die trockene Witterung eintritt, wird sie von sehr verschiedenem Einflusse sein. Gar nicht schadet die Trockene, wenn die Körner schon so weit aus- gebildet sind, daß ihr Inhalt fadenziehend ist, denn dann ist die Production der Masse schon beendet. In allen früheren Vegetationsperioden wirkt starke und längere Trockenheit nachtheilig auf die Entwickelung und den Ertrag, je früher die Pflanze davon betroffen wird. Getreidepflanzen, welche in ihrer Jugend viel Feuchte erhalten, später aber an Trockene leiden, werden in der Ausbildung der Körner beeinträchtigt. Bei starker Trockene schlagen dann die Körner selbst fehl — das Getreide verscheint . Umgekehrt bilden Pflanzen, welche in ihrer Jugend trockener Witterung ausgesetzt sind, ihre Körner ganz gut aus, während das Stroh kurz bleibt, wenn vor der Blüthezeit feuchte Witterung eintritt. In durchgängig trockenen Jahrgängen schossen Die Pflege. die Getreidepflanzen nicht vollkommen aus, werden nothreif , wodurch zwar das Stroh einen größeren Nährwerth gewinnt, aber der Körnerertrag bedeutend geschmälert wird, da besonders anhaltende Dürre verhindert, daß die in den Wurzeln, Halmen, Blättern aufgespeicherten Nährstoffe zur Ausbildung der Körner verwendet werden, daher im Stroh zurückbleiben. Aehnliches gilt von den Zuckerrüben, deren Wachs- thum in einem trockenen Herbste vorzeitig zum Stillstande kommt, so zwar, daß die Zuckerbildung in den Rübenwurzeln gehemmt wird. Am meisten wird durch zu trockene Witterung das Wachsthum der grasartigen Pflanzen beeinträchtigt. Gegen trockene Witterung kann nur die Bewässerung Abhilfe gewähren. Auf bindigem Boden läßt sich eine Conservirung der Feuchte durch Abwalzen, auf lockerem Boden durch oberflächliches Abeggen erzielen. Felder, die mit Bäumen bepflanzt oder die in der Nähe von ausgedehnteren Baumgruppen oder Wäldern liegen, werden ebenso wie gedüngte, in guter Cultur stehende Ackerländereien unter übrigens gleichen Um- ständen viel weniger von der Trockene zu leiden haben, als baumlose, ungedüngte und verwahrloste Felder. Nach Untersuchungen von Ebermayer Ebermayer, Die physik. Einwirkungen des Waldes auf Luft und Boden. Aschaffen- burg 1873. beträgt die Menge des in einzelnen Jahres- zeiten (im Mittel sämmtlicher Beobachtungen von 1868/69) in verschiedenen Tiefen in den Ackerboden, streulosen und streubedeckten Waldboden eingedrungenen Wassers in Procenten der gefallenen Regen und Schneemenge: Außer Schnee, Frost, Regen, Trockene kann auch der Wind den Culturpflanzen verderblich werden. Bei Pflanzen, deren nutzbarer Theil die Blätter sind, wie z. B. Tabak, macht der Wind durch Zerreißen die Blätter unbrauchbar, so zwar, daß in sehr dem Winde ausgesetzten Oertlichkeiten die Cultur derartiger Blattpflanzen aufgegeben werden muß. Bei manchen Pflanzen, z. B. beim Mais, kann es vor- kommen, daß die Blätter durch den Wind abgedreht oder daß die Pflanzen wie bei jungen, auf sandigem Boden gebauten Getreidepflanzen verweht oder aus dem Boden herausgerissen werden. Im letzteren Falle empfiehlt sich ein Abwalzen des Feldes, um die Pflanzen wieder an den Boden anzudrücken. Den ausgiebigsten Schutz gegen die Heftigkeit der Winde vermögen nur Hecken- und ähnliche Baumpflanzungen zu gewähren. Allgemeine Ackerbaulehre. Bei manchen Saaten, besonders bei Getreide, kommt häufig eine Erscheinung zur Beobachtung, welche der Landwirth als das Lagern bezeichnet. Diese Er- scheinung besteht darin, daß die davon betroffenen Pflanzen nicht aufrecht stehen bleiben, sondern sich zur Erde legen und in Folge dessen in ihrer weiteren Entwickelung ge- stört werden. Gelagerte Gewächse können daher nur unvollkommen ausgebildete Körner liefern. Das Lagern tritt meist nur auf reichlich gedüngtem Boden und bei sehr üppiger Vegetation der Pflanzen ein. Als Ursache desselben ergiebt sich der Mangel an Licht , welcher bei Getreide in den unteren Internodien des Halmes, ähnlich wie bei etiolirten (beschatteten) Pflanzen, eine Ueberverlängerung, bei un- genügender Verdickung der Zellen hervorruft, so zwar, daß die üppig entwickelten oberen Theile nicht den nöthigen Halt finden können. Als geeignetstes Mittel zur Abhilfe empfiehlt sich die Drillsaat, da bei dieser selbst bei üppigerem Wachsthume wenigstens zwischen den Reihen das Licht leichter Zutritt hat. Zeigen die Winter- saaten ein zu kräftiges Wachsthum, welches Lagerfrucht befürchten läßt, so können die Pflanzen durch flüchtiges Abweidenlassen im Herbste oder vor dem Ausschossen der Halme im Frühjahre in ihrer zu üppigen Entwickelung gehemmt und dem Lichte freierer Zutritt verschafft werden. Dasselbe läßt sich auch durch scharfes Eggen oder Abwalzen erreichen. Sind die Pflanzen schon weiter herangewachsen, so läßt sich die Gefahr des Lagerns auch durch Abnehmen der obersten Spitzen mit der Sichel oder Sense, durch das sog. Schröpfen oder Serben abmindern. Die Länge der Internodien bei etiolirten und im Lichte (frei) gewachsenen Roggenhalme beträgt zur Zeit der Reife nach Koch L. Koch, Einfluß der Beschattung auf das Pflanzenwachsthum. L. Cbl. f. Deutschl. 1872. S. 202. Die durchschnittliche Verdickung der Zellen an der Basis des 2. Internodiums bei einer 5—800fachen Vergrößerung gemessen beträgt: Das Abnehmen einzelner Pflanzentheile, um der übrigen Pflanze mehr Licht und Raum zur Entwickelung zu verschaffen, findet nicht nur bei dem Getreide, sondern auch bei manchen anderen Culturpflanzen statt. Im Hopfengarten bricht oder schneidet man z. B. die Blätter 0. 5 Meter vom Boden aufwärts ab, um der Luft und dem Lichte leichteren Zutritt zu gewähren. Bei dem Tabak werden die aus den Blattwinkeln hervorkommenden Seitentriebe fort und fort ausgebrochen, ausgegeizt. Treibt derselbe seine Blüthen aus, so werden diese gleichfalls abgebrochen, um die Bildung vollkommener Blätter zu befördern. Das Abgipfeln der Blüthen- Die Pflege. stände wird auch bei Zuckerrüben, welche zuweilen schon im Herbste zu blühen be- ginnen, vorgenommen, um die Wurzelernte nicht zu schädigen. Den Maispflanzen nimmt man zuweilen die Fahne, den männlichen Blüthenstand, wenn bei kühler Zeit zu befürchten steht, daß die Kolben nicht ausreifen. 2. Der Schutz gegen ungünstige Bodenzustände. Mergeliger, feinkörniger Boden kann durch Regengüsse leicht derart zusammen- geschlemmt werden, daß sich eine verschieden starke Kruste bildet, welche den Boden gegen die Atmosphäre abschließt und das Eindringen des Wassers in den Boden verhindert. Bildet sich die Kruste unmittelbar nach der Aussaat, so ist dieselbe durch Abeggen oder bei größerer Dicke durch Abwalzen oder durch Ueberfahren mit dem Krustenstachler zu zerbrechen, damit die Luft ungehindert zu den keimenden Samen zutreten kann. Die Keimpflanzen werden überdies durch die zerbrochene Kruste ungehinderter aus dem Boden hervorkommen können. Selbst bei Pflanzen, wie bei den Kartoffeln, deren Triebe stark genug wären, um selbst eine mächtigere Kruste zu heben und zu durchbrechen, wird es zur Erleichterung des Austreibens zu empfehlen sein, die Kruste zu entfernen. Nach Neßler Dr. J. Neßler, Ueber Verdunstung des Wassers aus dem Boden. Landw. Wchbl. Wien 1870. S. 143. enthielt eine Erde, welche überhaupt 21.3 % Wasser zurückhalten konnte, 6 Tage nach dem Begießen folgende Wassermengen in 100 Theilen: Noch häufiger als eine Verdichtung des Bodens, während die Pflanzen am Felde stehen, wird zur Beförderung des Pflanzenwachsthums eine Lockerung erforderlich sein. Diese Bodenlockerung hat denselben Zweck wie die Bodenbearbeitung überhaupt. Durch dieselbe wird das Eindringen des Wassers und der Luft erleichtert und damit der Pflanze durch Beförderung der Verwitterung während der Vegetation neue Boden- nahrung zur Verfügung gestellt. Diese Bodennahrung kann um so leichter aus- genützt werden, als den Wurzeln durch die Lockerung mehr Raum zur Entwickelung gegeben ist. Außerdem werden durch die Bearbeitung der Pflanzenzwischenräume alle Unkräuter vertilgt, welche sonst den Culturpflanzen den Platz und die Nahrung wegnehmen. Insecten, welche die Pflanzen in ihrer Jugend heimsuchen, werden gleichzeitig, wenn auch nicht immer vernichtet, so doch verscheucht und so lange unschädlich gemacht, bis die Pflanzen, welche durch die Lockerung kräftiger heran- wachsen, den Angriffen der Schädlinge leichter widerstehen können. Allgemeine Ackerbaulehre. Die Ausführung der Bodenlockerung während des Pflanzenwachsthumes kann je nach der Pflanzenart und der Zeit auf die verschiedenste Weise vorgenommen werden. Wiesen, und mehrjährige Kleeschläge werden im Herbste, oder noch zweckmäßiger, im nächsten Frühjahre, sobald dieselben abgetrocknet, mit scharfen Eggen überfahren, um den Boden zwischen den Gras- oder Kleestöcken möglichst zu lockern und der Luft zugänglich zu machen. Der Erfolg eines derartigen Uebereggens wird sich um so auffälliger zeigen, je älter die Grasnarbe und je mehr sich der Boden der Kleefelder im Verlaufe der Zeit geschlossen hat. In gleicher Weise werden breitwürfige oder gedrillte Getreidesaaten, Hülsenfruchtschläge, Kartoffeln, Futterfelder ꝛc. im Frühjahre, sobald sich der Boden zu sehr schließt, ein oder mehrmal abzueggen sein. Bei dichtstehendem Getreide wird sich auch ein Eggen quer über die Drillreihen durch die Verdünnung des Pflanzenbestandes bestens bewähren. 1. Das Behacken der Pflanzen. Am häufigsten wird die Bodenlockerung während der Vegetation der Cultur- gewächse durch die Bearbeitung oder das Behacken der Pflanzenreihen in Ausführung gebracht. Diese Culturarbeit verlangen besonders jene Pflanzen, welche, wie die Kartoffeln, Rüben, der Mais, und die sonstigen Hackfrüchte, bis zu ihrer voll- ständigen Entwickelung einen großen Wachsraum beanspruchen, daher in ihrer ersten Jugend das Feld nicht vollständig bedecken. Am sorgfältigsten läßt sich das Behacken mit der Handhaue durchführen, da der Arbeiter möglichst nahe der Pflanze den Boden zu lockern vermag, ohne dieselbe zu beschädigen. Pflanzen, welche nicht in regelmäßigen Reihen am Felde gestellt sind, können nur mit der Handhaue oder dem Haindl behackt werden. Schneller und zugleich billiger als mit der Hand läßt sich die Hackarbeit bei Reihencultur mit der Pferdehacke verrichten. Mit letzterer können bei einer Bespannung mit einem Pferde 0.75—1.2 Hectar im Tag fertig werden, während zum Behacken eines Hectar mit der Hand je nach der Reihenentfernung, der Tiefe der Bearbeitung, der Beschaffenheit und Verunkrautung des Bodens 10—26 Arbeitstage erforderlich sind. Fig. 86. Furchenigel. — Preis 36 Mark, 18 fl. Je nach der Be- schaffenheit der Pferde- hacke wird eine Reihe oder bei engstehenden Pflanzen werden auch mehrere Reihen zu gleicher Zeit bearbeitet. Die einreihige Pferde- hacke bietet den Vor- theil der leichteren Führung. Ein be- währtes Geräthe dieser Art ist die Furchenegge (Drillegge, Furchenigel, Rübenigel), Fig. 86, Dieselbe besteht aus drei Eggenbalken, welche nach vorne spitz zulaufen Die Pflege. zwei derselben sind in der Nähe des Laufrades mit Charniren versehen, um durch verschiedene Stellung schmälere und breitere Reihen bearbeiten zu können. An den Eggenbalken sind eine Mehrzahl Eggenzinken eingesetzt, welchen ein kleines, herzförmiges Schar vorangestellt ist. Die beiden Sterzen dienen dazu, das Geräth genau in der Richtung der Reihen führen zu können. Zur tieferen Bearbeitung verwendet man die schottische Pferdehacke, Fig, 87, deren arbeitende Theile aus einem zweiflügeligen, Fig. 87. Schottische Pferdehacke von A. Burg \& Sohn — Wien. — Gewicht 40 Kilogr., Preis 64 Mark, 32 fl. in der Mitte an einem Grindel befestigten Schare besteht, welchem nach rückwärts 4 an 2 beweglichen, schmiedeeisernen Rahmentheile befestigte Hackschare folgen. Ein gleichzeitiges Behacken meyrerer Reihen findet besonders bei weit gedrilltem Getreide, eng gebauten Rüben statt. Unter unseren Verhältnissen gelangt das Be- hacken der Getreidefelder selten zur Ausführung, weil eine so weite Reihenentfernung, besonders in einem trockenen Klima sich wegen des Austrocknen des Bodens zwischen den Reihen nicht günstig für das Pflanzenwachsthum herausstellt. Die mehrreihigen Pferdehacken werden daher nur zum Behacken von Rüben, weit gedrillten Grünmais ꝛc. verwendet. Je nach der Bodenbeschaffenheit werden gewöhnlich verschiedene Formen von Hackwerkzeugen in Gebrauch genommen. Unter den mehrreihigen Pferdehacken verdient wegen der vielseitigen Verwend- barkeit der auch als Hackmaschine benützbare Universal-Cultivator von Rud. Sack (Fig. 50, S. 118) genannt zu werden. Eine einfachere Construction ist die Smith'sche Pferdehacke, Fig. 88 (s. S. 238), welche aus einem Vordergestelle besteht, an dem der eiserne Hackapparat beweglich an- gehängt ist, so zwar, daß derselbe nach Bedarf durch die beiden Sterzen leicht zur Seite bewegt werden kann. Die Hackmesser sind in zwei Reihen, stellbar für Reihen- entfernungen von 26—80 Cm. an zwei eisernen Scharbalken befestigt. Für den Rübenbau wird die Pferdehacke, außer den 8 Schürfmessern, mit 5 Häufelscharen f oder Schälscharen d versehen. Eine sehr zweckmäßige, mehrreihige, schmiedeeiserne Pferdehacke ist jene von W. Siedersleben \& Co. — Bernburg, welche als eine wesentliche Vereinfachung der bewährten Taylor'schen Pferdehacke anzusehen ist. Bei derselben läßt sich der ganze Hackapparat durch Drehung einer Getriebachse, welche in eine auf dem Achsbalken Allgemeine Ackerbaulehre. befestigten Zahnstange eingreift nach beiden Seiten bis auf 33 Cm. verschieben. Hiebei wälzt sich das Zahnrad auf der nicht verschiebbaren Zahnstange ab und nimmt den mit den Lagern der Getriebwelle fest verbundenen Hackapparat mit. Dieselbe Fig. 88. Smith'sche Pferdehacke. (Salzmündener Construction). — a Vordergestell mit verstellbarer Spurbreite, b Haken zum Einhängen des Hackapparates, c u. d Hackschare, deren Schäfte mittelst Klemm- schrauben am Rahmen festgehalten werden, f Häufelschar, e Tragrad. Gewicht 175—200 Kilogr., Preis 150 Mark, 75 fl. kann sowohl zum Behacken der Rüben, Fig. 89, als auch des Getreides, Fig. 90 (s. S. 239), verwendet werden. Für die erste Hacke wird dieselbe, wie in Fig. 89, mit breiten, doppelschneidigen, stählernen Messern, welche an besonderen, den Saat- scharhebeln bei der Garrett'schen Drillmaschine ähnlichen Hebeln befestigt werden, und mit dazwischen angebrachten Schutzwalzen ausgerüstet. Durch diese Schutzvorrichtung Fig. 89. Rübenhackmaschine von W. Siedersleben \& Co. — Bernburg. Armatur mit Vorrichtung zum Schutze junger Pflanzen. — Gewicht mit drei Armaturen: 1. wie oben, 2. zum Fertighacken, 3. zum Anhäufeln von 4 Rübenreihen 360 Kilogr., Zugkrafterforderniß bei 8 Cm. Tiefgang 125 Kilogr., tägliche Leistung 4 Hectar, Spurbreite 1.88 Meter, Preis 495 Mark, 247.50 fl. ist es möglich, die Rüben gleich nach dem Aufgehen zu behacken, ohne die jungen Pflanzen zu beschädigen. Eine besondere Aufmerksamkeit verlangt die Stellung der Hackschare, da die Die Pflege. Pflanzen, wenn sie nicht genau in der Reihe stehen, gegenüber der Handhacke mit der Pferdehacke viel leichter beschädigt oder mit Erde überdeckt werden können. Zur Vermeidung von Beschädigungen der Pflanzen muß die Hacke so gestellt werden, daß ihre wirksamen Theile, die Hackschare etwas entfernt von den Pflanzen stehen, in Folge dessen wird je- doch der Boden un- mittelbar an den Pflanzen nicht be- arbeitet. Ebenso wer- den beim Behacken von engstehenden Reihen- saaten auch die Zwi- schenräume in der Reihe nicht gelockert. Werthvollere Pflanzen, wie Zuckerrüben, Han- delsgewächse, Pflanzen, deren nutzbare Blätter, Fig. 90. Hackmaschine von W. Siedersleben \& Co. mit Armatur zum Behacken von 13 Getreidereihen. — Preis ꝛc. wie bei Fig. 89, extra für 13 Getreidehackvorrichtungen 45 Mark, 22.50 fl. wie beim Tabak, leicht durch die Pferdehacke beschädigt werden könnten, behackt man deshalb bei sorgfältiger Cultur stets mit der Hand. Bei den weniger werthvollen Kartoffeln, Futterrüben, Mais, oder bei Arbeitermangel wird die Pferdehacke trotz ihrer unvollkommenen Leistung, welche durch die Billigkeit und Schnelligkeit der Arbeit mehr als aufgewogen wird, der Handhaue vorgezogen. Im Allgemeinen beginnt man mit der Hackarbeit so zeitlich als möglich, sobald die Pflanzenreihen sichtbar werden, damit die Pflanzen durch Zerbrechen einer etwaigen Kruste im Aufgehen unterstützt werden und ein Ueberwuchern mit Unkraut nicht ein- treten kann. Da es sich bei der ersten Hackarbeit nur um die Zerstörung der Kruste und der Vertilgung des Unkrautes handelt, so genügt es, dieselbe 3—5 Cm. tief und zwar am zweckmäßigsten mit der Handhaue, welche den Boden nicht so kräftig lockert, auszuführen. Kräftiger bewurzelte Pflanzen, welche nicht leicht aus ihrer Lage zu bringen sind, können jedoch gleich anfänglich tiefer auf 8—10 Cm. behackt werden. Bei Pflanzen, deren Samen längere Zeit zum Keimen brauchen, pflegt man einige Körner einer schneller keimenden Pflanzenart mit in die Reihen aus- zusäen, um dieselben für die erste Hacke schon sichtbar zu machen, wenn die eigentliche Pflanze noch nicht hervorgekommen ist. Bei feuchtem, regnerischem Wetter darf selbstverständlich nicht gehackt werden, da sich sonst leicht Schollen bilden könnten, die dann späterhin schwer zu verkleinern wären. Nach dem Regenwetter wird leicht aus- trocknender Boden Dr. Neßler, Ueber Wasserverdunstung aus dem Boden. Landw. Wchbl. 1870. S. 143. früher zu lockern sein um die Feuchte zu erhalten, umgekehrt nasser Boden später zu lockern sein, damit er früher abtrockne. Allgemeine Ackerbaulehre. Die folgende zweite Hacke giebt man gewöhnlich tiefer mit der Pferdehacke, um den Boden möglichst kräftig zu lockern. Mit Erde zugedeckte Pflanzen werden nach der Pferdehacke aufgedeckt, damit sie nicht in ihrer Entwickelung aufgehalten sind. Der zweiten Hacke folgen je nach der Beschaffenheit und Ertragsfähigkeit der Pflanzen, je nach der Witterung, der Verunkrautung und dem Zustande des Bodens noch eine oder selbst noch zwei, drei weitere Hacken. Die aufeinander folgende Hackarbeit wird jedesmal nach Möglichkeit an einer entgegengesetzten Feldseite begonnen, bei im Quadrat- verbande stehenden Pflanzen kreuz und quer vorgenommen, damit stets andere Boden- partien gelockert werden. 2. Das Anhäufeln der Pflanzen. Den Schluß der Bodenlockerung während der Vegetation der Pflanzen bildet das Anhäufeln, welches entweder mit der Handhaue, dem Häufelpfluge oder dem Kammformer ausgeführt wird. Je nach der Reihenentfernung und der Höhe des an die Pflanzen gelegten Erdkammes können mit einem 1spännigen Häufelpflug 1—1.25 Hectar im Tage bearbeitet werden, während mit der Hand per Hectar 14—24 Arbeiter erforderlich sind. Durch das Anhäufeln soll der Boden kräftigst gelockert und in die Nähe der Pflanze gebracht werden, wodurch diese nicht nur standfähiger, sondern auch mit Bodennahrung versorgt wird. Das Häufeln wird daher besonders bei Pflanzen vortheilhaft sein, welche wie der Mais Seitenwurzeln, deren Bildung bei Lichtabschluß begünstigt wird (S. 62) oder wie die Kartoffeln unterirdische Seitenäste (Stolonen) austreiben. Bei der Cultur der Zuckerrüben wird das Behäufeln ausgeführt, um die aus dem Boden herauswachsenden Wurzeln mit Erde zu bedecken, damit ihr Zuckergehalt vermehrt wird. Das Häufeln darf jedoch, wenn es nicht mehr schaden als nützen soll, nicht zu spät ausgeführt werden. Bei einer etwaigen Wiederholung läßt man den Häufel- pflug tiefer gehen, um eine neue Bodenschichte zu bearbeiten und den Erdkamm zu erhöhen. 3. Der Schutz gegen schädliche Pflanzen und Thiere. Der Schaden, welcher durch das Ueberhandnehmen von Unkrautpflanzen in den Cultursaaten angerichtet wird, ist ein mannigfaltiger und oft schwerwiegender. Nicht nur daß dort, wo eine Unkrautpflanze steht, eine Culturpflanze sich entwickeln könnte, entziehen dieselben den Nutzpflanzen das Licht, die Feuchtigkeit und die Nahrung Siehe die Aschenanalysen von Unkrautpflanzen in Dr. E. Wolff. Aschenanalysen von landw. Producten, Fabrik-Abfällen und wildwachsenden Pflanzen. Berlin 1871. und schädigen dadurch deren Ertrag. Viele Unkräuter ranken und winden sich an den Culturpflanzen hinauf, ziehen sie zu Boden und befördern dadurch die Bildung der Lagerfrucht. Manche Unkrautsamen besitzen eine Gestalt, welche die Sonderung von den Samen der Culturpflanzen durch Siebwerke sehr schwer möglich macht. Derart Die Pflege. verunreinigte Frucht wird nur mit einem unverhältnißmäßigen Preisabschlage zu verkaufen sein. Viele Unkräuter dienen schließlich manchen schädlichen Thieren als Brutstätten, von welchen aus sie die Culturpflanzen heimsuchen. Aehnlich wie die Unkrautpflanzen verhalten sich die Culturpflanzen selbst, wenn sie im Uebermaaße am Felde stehen oder zwischen Culturpflanzen anderer Art vorkommen. Noch größeren Schaden als die Unkrautpflanzen verursachen unter Umständen Pilzkrank- heiten und bei massenhaftem Auftreten eine Mehrzahl schädlicher Thiere, gegen deren verheerende Wirkung oft vergeblich angekämpft werden kann. 1. Das Vertilgen der Unkräuter. Am schwierigsten zu vertilgen und daher am verderblichsten sind die Wurzel- unkräuter, wie die Disteln, und die Rhizomunkräuter, wie Quecken ( Triticum repens L. ), Schachtelhalm ( Equisetum arvense L. ), Hahnenfuß ( Ranunculus repens L. ), Huflattig ( Tussilago farfara L. ) ꝛc. welche sich nicht nur durch Samen, sondern auch durch Wurzeltriebe und unterirdische Stammtheile (Rhizome) vermehren. Gegen- über diesen ausdauernden Wurzelunkräutern lassen sich die einjährigen bloß durch Samen sich fortpflanzenden Unkräuter leichter ausrotten. Bei den Samenunkräutern reicht meist ein einmaliges Vertilgen aus, sofern es zur rechten Zeit vorgenommen wird, während das Ausrotten der Wurzelunkräuter nur bei großer Ausdauer zu bewerkstelligen ist. Die Vorbeugungsmaßregeln zur Verhütung des Unkrautes sind in der Regel wirksamer als das Vertilgen der schon am Felde angesiedelten Un- krautpflanzen. Die ausgiebigste Maßregel zur Vertilgung des Unkrautes ist die sachgemäße Bodenbearbeitung und Brachehaltung. In gleicher Weise werden die ent- sprechende Wahl der aufeinander folgenden Pflanzen, die Fruchtfolge, die Reinigung der Saatfrucht und die Aufbringung Unkrautsamen freien Düngers zur Ver- hütung einer Verunkrautung wesentlich beitragen. Abgesehen von diesen wichtigen Culturmaßregeln, welche vor der Saat auszuführen sind, kann auch während der Vegetation der Pflanzen durch das Uebereggen der Saaten, durch die Hackcultur und das Jäten das Unkraut beseitigt werden. Der Erfolg aller dieser Arbeiten wird jedoch erst dann ein vollkommen gesicherter sein, wenn dieselben gleichzeitig auf großen Landstrecken zur Ausführung gelangen, da die Verbreitung der Unkräuter von außen her durch den Wind, das Wasser, die Vögel ꝛc. nur zu leicht statt- finden kann. Am schwierigsten sind die Wurzelunkräuter zu vertilgen. Selten gelingt es dieselben gleich auf das erste Mal aus dem Felde zu schaffen. Am ehesten werden dieselben durch oftmaliges Ausstechen der Wurzeln, durch Sammeln der ausgepflügten Wurzelstöcke und nachmaliges Verbrennen vernichtet. Bei der Vertilgung der Samen- unkräuter kommt es hauptsächlich darauf an, sie niemals zur Blüthe und noch viel weniger zum Samentragen gelangen zu lassen, je leichter die Samen vom Winde fortgetragen und je mehr Samen von einer Unkrautpflanze ausgestreut werden können. In letzterer Beziehung hat man gezählt und berechnet, daß je eine der folgenden Un- krautpflanzen Samen tragen: die Kamille ( Chamomilla matricaria L. ) 60,000 Stück, Krafft, Lehrb. d. Landw. I. 16 Allgemeine Ackerbaulehre. der rothe Klatschmohn ( Papaver Rhoeas L. ) 50,000 Stück, die Klette ( Lappa tomentosa Cam. ) und die Gänsedistel ( Sonchus oleraceus L. ) je 24,520 Stück, der Ackersenf ( Sina- pis arvensis L. ) 4—8000 Stück, das Hirtentäschchen ( Capsella bursa pastoris Mnch. ) 4500 Stück, die Kornrade ( Agrostema Githago L. ) 2500 Stück, die Ackerwinde ( Convol- vulus arvensis L. ) und die Distel ( Carduus acaulis ) je 600 Stück ꝛc. Bei hochwachsendem Unkraute pflegt man dasselbe vor dem Blühen abzumähen und dadurch unschädlich zu machen. Selbstverständlich darf die Sense nicht so tief schneiden, daß die Culturpflanze mitgenommen wird. Schießt das Unkraut neuerdings in die Höhe, so ist das Abköpfen desselben nach Bedarf zu wiederholen. Nimmt das Unkraut stellenweise sehr überhand, so kann es selbst gerathen sein, dasselbe mit- sammt den Culturpflanzen abzumähen, um es sicher auszurotten. Bei vereinzeltem Auftreten oder bei werthvollen Culturpflanzen erübriget noch das Ausziehen des Unkrautes mit der Hand, das Jäten desselben. Die ausgezogenen Unkrautpflanzen werden entweder auf den Composthaufen gegeben oder noch besser, da manche Un- krautsamen ihre Keimfähigkeit selbst im Dünger bewahren, verbrannt und erst die Asche als Dünger verwerthet. Zu den verderblichsten, schmarotzenden Unkrautpflanzen zählen die Flachs- ( Cuscuta epilinum Weihe. ) und Kleeseide ( Cuscuta Trifolii Bab. ), welche zumeist auf Lein, Hanf oder Klee, Luzerne, verschiedenen Gras- und Unkrautpflanzen vorkommen. Zur Vernichtung derselben wird das Bedecken der fleckenweise ergriffenen Kleestöcke mit Spreu, Asche, das Uebergießen mit Jauche empfohlen. Am sichersten ist jedoch diesem Feinde durch Umspaten oder Abbrennen der ergriffenen Stellen beizukommen. Im letzteren Falle werden die befallenen Flächen und deren nächste Umgebung, welche gleichfalls schon von einzelnen Fäden der Kleeseide erreicht sein kann, mit kurz- geschnittenem Strohe etwa 20—30 Cm. hoch bedeckt, mit Petroleum etwas an- gefeuchtet und angezündet. Den Verheerungen durch diesen Schmarotzer kann auch durch Ausputzen der Samen der Kleeseide aus dem Rothkleesamen vor dessen Verwen- dung zur Saat vorgebeugt werden. Zu diesem Zwecke verwendet man die Kleeseiden- Sortirmaschine von Schöll in Plieningen bei Stuttgart (Preis 150 Mark, 75 fl.), deren Siebe mit 7 Maschen auf den Centimeter versehen sind, welche den Rothklee- samen zurückhalten, während der Kleeseidesamen durchfällt. Bei den Kleegrassaaten wird jedoch diese Reinigung des Samens nicht immer den gewünschten Erfolg haben, da der Kleeseidesamen auch mit der Grassaat auf das Feld gebracht werden kann. 2. Das Vereinzeln der Culturpflanzen. Gleichwie die Unkrautpflanzen kann auch ein Uebermaß von Culturpflanzen dem Erntertrage Nachtheil bringen, wenn die überflüssigen Pflanzen nicht rechtzeitig entfernt werden. Um eine volle Saat zu erzielen, müssen oft mehr Samen ausgestreut werden als später Pflanzen am Felde stehen sollen, wie dies der Fall ist bei der Rübe, dem Mais, bei der Dibbelsaat, bei der Reihensaat, welche später platzweise zu stellen ist. Dieses Uebermaß von Pflanzen wird durch das Vereinzeln oder Verdünnen des Pflanzenstandes aus dem Felde geschafft. Die geeignetste Zeit zur Die Pflege. Vornahme dieser Arbeit ist die Zeit bald nach derersten Hacke, wenn die Pflanzen noch nicht allzu sehr erstarkt sind. Am unvollkommensten wird das Vereinzeln mit der Pferde- hacke ausgeführt, welche quer durch die Pflanzenreihen gezogen wird. Die Hackschare sind dabei in entsprechenden Abständen anzuordnen Am sichersten wird mit der Hand vereinzelt, indem man mit oder ohne Zuhilfenahme der Haue die überflüssigen Pflanzen auszieht und nur in den erforderlichen Abständen, womöglich die stärksten Pflanzen, stehen läßt. Die ausgezogenen Pflanzen können, sofern sie nicht als Futter gesammelt werden, zwischen die Reihen gelegt werden, damit das Unkraut nicht so leicht aufkommen kann. Zum Vereinzeln der Pflanzen sind je nach dem Wachsraume der Pflanzen 20—26 Personen per Hectar erforderlich. 3. Der Schutz gegen Pflanzenkrankheiten. Noch verheerender als die Unkrautpflanzen treten die mannigfaltigsten, zumeist durch Pilzvegetationen hervorgerufenen Pflanzenkrankheiten Ein erfolgreiches Ankämpfen gegen die Pflanzenkrankheiten ist nur dann möglich, wenn man sich mit der Natur derselben vertraut gemacht. Zum Studium in dieser Richtung empfehlen sich besonders: Dr. J. Kühn, Die Krankheiten der Culturgewächse, ihre Ursachen und ihre Verhütung. 2. Aufl. Berlin 1858 und Dr. P. Sorauer, Handbuch der Pflanzen- krankheiten. Berlin 1874. auf. Dieselben sind um so verderblicher, als es selten gelingt, gegen dieselben erfolgreich anzukämpfen. Von den Pflanzenkrankheiten, welche durch Pilzbildungen veranlaßt werden, kann mit sicherem Erfolge zur Zeit nur den Verheerungen des Steinbrandpilzes ( Tilletia Caries Tul. und Tilletia laevis Kühn) bei dem Weizen vorgebeugt werden. Stein- brandigen Weizen erkennt man an einer schmutziggrünen Färbung der Aehre. Zer- drückt man ein ergriffenes Korn, so findet man an Stelle des Keimes und des Sameneiweißes eine anfangs schmierige, später staubartige schwarze, übelriechende Masse, die Früchte (Sporen) des Pilzes. Vorgebeugt wird dieser Krankheit durch Beizen des Weizens mit Kupfervitriol. Nach der Vorschrift Dr. J. Kühns Dr. J. Kühn, Die Anwendung des Kupfervitrioles als Schutzmittel gegen den Steinbrand des Weizens. Wiener landw. Zeitung. 1872. S. 375. wird der Kupfervitriol 1 Kilogr. auf 5.5 Hectoliter fein zerstoßen, in heißem Wasser aufgelöst und dann zu so vielem kalten Wasser in einen Bottich gegossen, daß der hineingeschüttete Samen noch eine Querhand hoch mit dem Kupferwasser bedeckt ist. Der eingeschüttete Weizen wird wiederholt umgerührt und alles an der Oberfläche Schwimmende abgeschöpft. Der so eingequellte Weizen bleibt 12 Stunden stehen, wird alsdann ausgeworfen, flach ausgebreitet und fleißig gewendet. Nach wenigen Stunden kann derselbe mit der Hand, nach 24 Stunden mit der Maschine gesäet werden. Gegen die Rostkrankheit der Getreidepflanzen giebt es nur ein theilweises Vorbeugungsmittel. Diese Krankheit äußert sich in dem Erscheinen rostrother rundlicher oder rostgelber länglicher Flecken auf den Blättern und Halmen der Getreidepflanzen, welche von den Früchten der drei Arten des Getreiderostpilzes ( Puccinia graminis 16* Allgemeine Ackerbaulehre. Pers., Pucc. straminis de By. und Pucc. coronata Corda ) gebildet werden. Tritt die Rostkrankheit sehr heftig auf, so zwar, daß die Pflanzen wie mit Rost überzogen erscheinen, so leidet nicht nur das Stroh, welches für die Fütterung un- tauglich wird, sondern auch die Körnerbildung der Pflanze. Die Teleutosporen von Pucc. graminis bilden auf den Blättern von ( Berberis vulgaris L. ) Berbe- ritzenstrauch zwei Fruchtformen, die Spermagonien und Aecidien. Die Aecidiensporen keimen auf dem Grasblatte und bilden dort ein Mycelium (Lager) des Rostes, welches in seiner weiteren Entwickelung zur Fortpflanzung des Pilzes während des Sommers Stylosporen und zur Fortpflanzung über den Winter die erwähnten Teleuto- sporne ausbildet. Die Verbreitung des Rostes durch die Aecidiensporen wird wenigstens hintangehalten, wenn alle in der Nähe der Getreidefelder vorkommenden Berberitzensträucher ausgerottet werden. Einen ähnlichen Generationswechsel machen die beiden anderen Rostpilzarten auf der Ochsenzunge ( Anchusa officinalis L. ) und resp. auf den Blättern des Kreuzdornes ( Rhamnus cathartica L. ) durch. Gegen andere Pilzkrankheiten, wie gegen die Kartoffelkrankheit, welche durch den Kartoffelpilz ( Peronospora infestans de By. ) hervorgebracht wird, den Staub- oder Flugbrand ( Ustilago Carbo Tul. ), das Mutterkorn, besonders bei dem Roggen ( Claviceps purpurea Tul. ) ꝛc., ist es bisher nicht gelungen, erfolgreich zu Felde zu ziehen Der Landwirth muß sich hier darauf beschränken, durch sorgfältige Auswahl von gesundem Saatgute, durch aufmerksame, sachgemäße Pflege während des Wachsthumes der Pflanzen eine möglichst normale Entwickelung der Culturgewächse zu befördern, um dieselben widerstandsfähiger gegen die Angriffe der Pilze zu machen. 4. Die Abwehr schädlicher Thiere. Zu den vielen schädlichen Einflüssen, welchen unsere Culturpflanzen während ihrer Vegetation ausgesetzt sind, kommen schließlich noch die Angriffe durch die verschiedenartigsten Thiere Aus der umfangreichen Literatur über die schädlichen Thiere empfehlen wir: Dr. H. Nördlinger, Die kleinen Feinde der Landwirthschaft. 2. Aufl. Stuttgart 1869; Dr. E. L. Taschenberg, Naturgeschichte der wirbellosen Thiere. Leipzig 1865; Gustav Künstler, Die unseren Culturpflanzen schädlichen Insecten. Wien 1871; Gloger, Die nützlichsten Freunde der Land- und Forstwirthschaft unter den Thieren. 5. Aufl. Berlin 1863. . Die Vorbeugungs- und Vertilgungsmittel zur Beseitigung dieser schädlichen Thiere richten sich nach der verschiedenen Natur der Pflanze und ihres Feindes, sie können daher erst bei der besonderen Cultur jeder Pflanze angeführt werden. Im Allgemeinen sei erwähnt, daß das sicherste Mittel zur Vorbeugung des Insectenschadens der Schutz aller jener Thiere ist, welche mit ihrer Nahrung auf die Insecten angewiesen sind. Den hervorragendsten Platz in dieser Beziehung nehmen die Vögel ein, von deren Wirksamkeit im Vertilgen schäd- licher Insecten Tschudi sagt: „die Vögel verrichten eine Arbeit, welche Millionen Menschenhände nicht halb so gut und vollständig ausführen würden.“ Man sorge daher nicht nur für einen ausreichenden Schutz der nützlichen Vögel, sondern auch für die genügende Anzahl von Nist- oder Brutkästen an geeigneten Bäumen. Eines Die Ernte. gleichen Schutzes werth sind die nicht weniger nützlichen Fledermäuse, der Maulwurf, die Spitzmäuse, der Igel, das Wiesel, alle Amphibien, besonders Nattern, Eidechsen, Frösche und Kröten. Als weitere Vorbeugungsmittel sind anzusehen die Wahl der Saatzeit, der Bestellungsart, und der Fruchtfolge mit Rücksicht auf die Lebensweise des zu fürchtenden, Pflanzenfeindes und das Reinhalten des Bodens von Unkraut., welches jenem zur Brutstätte dienen könnte. Mit viel weniger Erfolg als durch Schonung und Hegung der nützlichen Thiere kann der Landwirth durch unmittelbares Vertilgen der Pflanzenfeinde und ihrer Brut gegen diese ankämpfen. Die Vertilgung durch Einsammeln und Tödten des Thieres und seiner Brut wird jedoch nur dann ein günstiges Ergebniß liefern wenn dieselbe gleich beim ersten Auftreten des schädlichen Thieres möglichst allgemein und unverdrossen zur Ausführung gelangt. IX. Die Ernte. Ehe die Erntezeit heranrückt, sind die nöthigen Vorbereitungen für dieselbe zu machen. Besondere Fürsorge verdient die Beschaffung der nöthigen Arbeitskräfte. Bei größerem Bedarfe an Erntearbeitern wird es zweckmäßig sein, schon im Früh- jahre von auswärts fremde Schnitter und Schnittarbeiter in der erforderlichen An- zahl für die Erntezeit heranzuziehen und vertragsmäßig zu verpflichten. Ebenso wird mit dem Herannahen der Erntezeit das Zugvieh in den Stand zu setzen und das vorhandene durch Futterzulagen für die vermehrte Arbeit während der Erntezeit zu kräftigen sein. Erntewägen, Erntemaschinen und sonstige Erntegeräthe, wie Sensen, Sicheln, Rechen, Erntetücher ꝛc. werden zusammenzurichten, Fehlendes zu ergänzen sein. Scheunen und sonstige Vorrathsräume, wie Feimenplätze, Miethen ꝛc. sind auszuputzen und überhaupt in Ordnung zu bringen. Den Winter vorher wird sich häufig genug Zeit finden lassen, um auch den nöthigen Bedarf an Strohbändern in Vorrath zu erhalten. Je umsichtiger und umfassender alle derartigen Vorberei- tungen getroffen werden, um so leichter wird die Ernte abzuwickeln sein. Es empfiehlt sich daher eher ein Zuviel als ein Zuwenig zu thun, da ein Versäumniß häufig mit der empfindlichsten Störung der Erntearbeiten und in Folge dessen oft mit der erheblichsten Schädigung des Ernteerfolges verbunden ist. Zu welchem Zeitpunkte die Ernte selbst in Angriff genommen werden und welches Verfahren dabei zur Anwendung gelangen soll, richtet sich sowohl nach den ge- troffenen Vorbereitungen als auch in hervorragendster Weise nach dem Reifezustande der Frucht, der Beschaffenheit der Witterung und der Anzahl der zur Verfügung stehenden Arbeiter. Im Allgemeinen ist mit Bezug auf den Reifezustand der geeignetste Ernte- zeitpunkt dann eingetreten, wenn die abzuerntende Pflanze oder die zu ge- winnenden Pflanzentheile die für ihre weitere Verwendung entsprechendste Ausbildung erlangt haben. Allgemeine Ackerbaulehre. Diese Ausbildung wird zu ungleichen Zeiten eintreten je nachdem, 1. die ganze noch grüne Pflanze oder 2. die Frucht und das Stroh oder 3. die Knollen und Wurzeln oder schließlich nur 4. einzelne Theile der Pflanze, wie die Samen, die Blüthen, die Stengel, Blätter ꝛc. zu gewinnen sind. 1. Die Mähmaschine. Je nach der abzumähenden Fruchtart unterscheidet man 1. Gras-, 2. Getreide- und 3. combinirte Mähmaschinen Letztere eignen sich ebenso zum Schneiden von Gras als von Getreide. Alle Mähmaschinen E. Perels, Die Mähmaschinen. Jena 1869; W. Hecke u. G. Krafft, Internationale Getreide-Mähmaschinen-Concurrenz zu Ungar. Altenburg. Wien 1870; Dr. C. Filly, Internationale Mähmaschinen-Concurrenz bei Berlin. Berlin 1869. bestehen aus 1. dem Wagen, 2. der Betriebsvorrichtung und 3. dem Schneideapparat, zu welchem bei vielen Getreide- erntemaschinen noch 4. der Ablegeapparat hinzukommt. Der Wagen dient zur Befestigung der einzelnen Theile der Mähmaschine und zur Aufnahme des Betriebsmechanismus für den Schneide- und Ablegeapparat. Er besteht aus den Fahrrädern und dem Gestelle, in welchem der Betriebsmechanismus Fig. 91. Howard's „European“-Getreidemähmaschine mit Selbstablage, zwei Fahrrädern u. Kutschersitz außerhalb am Gestelle. — Gewicht 470 Kilo, Gesammtbreite 2.6 Meter; Preis mit 2 Messern und Werkzeugkasten 640 Mark, 320 fl. gelagert ist. Die meisten Getreide- mähmaschinen werden mit einem 70—80 Cm. hohen Fahrrade, die Grasmähmaschinen mit zwei Rädern versehen. Es ist jedoch auch bei Getreidemähmaschinen wegen dem leichteren Betriebe des Schneideapparates u. dem sichereren Gange der Maschine zweckmäßiger, zwei Räder anzubringen. Eine empfehlenswerthe Maschine dieser Art ist die zweiräderige „European“- Getreidemähmaschine mit Selbst- ablage von H. \& F. Howard — Bedford, Fig. 91. Dieselbe zeichnet sich dadurch aus, daß die Fahrradachse nicht wie sonst üblich, sondern in starken Doppelgelenken gelagert ist, so daß die Fahrräder jeder Unebenheit (Abhänge, Wasserfurchen ꝛc.) des Bodens ohne Störung der Arbeit folgen können. Von Wichtigkeit für den Aufwand an Zugkraft ist die Anordnung der Deichsel. Bei einräderigen Maschinen vertheilen sich die Widerstände besser, wenn die Deichsel zwischen dem Fahrrade und dem Schneideapparate, bei zweiräderigen Maschinen wenn die Deichsel zwischen beiden Fahrrädern angebracht ist. Am ungünstigsten ist die An- ordnung der Deichsel außer dem Fahrrade, indem dann die Tendenz der Maschine sich gegen die Frucht zu drehen am stärksten hervortritt. Die Ernte. Die Betriebsvorrichtung besteht aus 2, 3 Räderpaaren, je nachdem die Maschine nicht nur schneiden, sondern auch die geschnittene Frucht selbstthätig ablegen soll. Das erste Zahnrad ist entweder wie bei den älteren Maschinen an das Zahn- rad angegossen oder auf die Fahrradachse festgekeilt, oder auch wie bei den neueren Constructionen durch eine Sperrklinkenkuppelung festgehalten. Letztere Anordnung er- möglicht die selbstthätige Außerbetriebsetzung der Maschine beim Rückwärtsfahren und die leichtere Auswechselung bei vorkommenden Brüchen. Die Welle des letzten Triebes trägt bei allen Maschinen eine Kurbelscheibe oder Kurbel mit einer Pläuelstange (Lenkerstange) um die rotirende Bewegung des Fahrrades, in die hin und hergehende des Schneideapparates umzuwandeln. Die Größe und Art der Uebersetzung ergiebt sich beispielsweise bei der bekannten Hornsby'schen Maschine „Governor“ siehe Fig. 97 aus nachfolgenden Zahlen: a ) für die Bewegung des Messers: 1. Aufgeschraubte innere Stirnradverzahnung . 70/17 Zähne, 2. Konische Verzahnung ........ 46/13 „ Gesammt-Uebersetzung: ........ 14.57 b ) für die Bewegung des Ablegeapparates: 1. Innere Stirnradverzahnung a. 1 ....... 70/17 Zähne, 2. Stirnradverzahnung mit 1 Zwischenrad mit 51 Zähnen 11/37 „ 3. Konische Uebersetzung ........... 8/33 „ Gesammt-Uebersetzung ..... 0.29 Der Schneideapparat befindet sich zur rechten oder linken Seite des Wagens, weil die Zugthiere nicht in, sondern nur neben der zu schneidenden Frucht gehen können. Derselbe wird sich am besten den Bodenunebenheiten anschmiegen, wenn er möglichst in der Verticalebene der Fahrradachse liegt. Am nächsten dieser Anforderung kommt die Mac Cormick'sche und die Wood'sche „Champion“-Mäh- maschine. Bei den gegenwärtig gebrauchten Mähmaschinen erfolgt der Schnitt durch eine Anzahl von Scheeren, deren Klingen entweder glatt (Scheerensystem) oder gesägt (Sägesystem) angefertigt werden. Bei beiden Systemen ist meistens je eine Klinge der Scheere, deren mehrere in einer Reihe neben einander angeordnet werden, un- beweglich, je die andere beweglich eingerichtet. Die unbeweglichen Klingen, die Finger, Fig. 92 (s. S. 249), a, a, a, welche größtentheils aus hämmerbarem Gusse an- gefertigt werden, sind an einem schmiedeisernen Balken, dem Fingerbalken b, an- geschraubt. Sie besitzen nach vorne eine runde oder vierkantige flach zulaufende Spitze. Ihr rückwärtiger Theil ist bis nahe der Spitze geschlitzt. Die beweglichen Klingen, welche sich zu je zwei zu einem gleichschenkelig dreieckigen Stücke, der Messerplatte c, c, c vereinigen, sind gleichfalls auf einer schmiedeeisernen Schiene, der Messerschiene d, aufgenietet. Die Messerschiene sammt den Messerplatten wird in den erwähnten Fingerschlitzen durch die Lenkerstange hin und her bewegt. Bei dem Hineinfahren des Schneideapparates in das stehende Getreide erfolgt zuerst durch die Finger des Schneideapparates eine Theilung der Halme in Büscheln. Bei Allgemeine Ackerbaulehre. weiterem Vorrücken der Maschine gleiten diese Büschel längs den zugeschärften Finger- kanten in den Winkel zwischen Messerschneide und Finger, um dort bei der Ver- schiebung des Messers an die Fingerkante angepreßt und schließlich bei dem Durch- gange des Messers durch den Fingerschlitz abgeschnitten zu werden. Bei entsprechender Geschwindigkeit der Schneiden, welche bei Sägemessern geringer ausfallen kann und so bedeutend sein muß, daß der Halm nicht ausweichen kann, wird ein Theil der Halme auch ohne Andrücken an die Finger abgeschnitten. Damit das stehende Getreide oder Gras sicher und rein von dem gemähten abgetheilt wird, befindet sich an jenem Ende des Schneideapparates, welches den Fahrrädern entgegengesetzt ist, ein Theiler. Derselbe besteht aus einem beweglichen, zugespitzten Schuh und zwei aufgesetzten Rundeisenstangen. Die Messer werden in demselben Momente, als sie seitwärts gehen, auch noch gleichzeitig mit der Fortbewegung der ganzen Maschine, nach vorwärts bewegt. Die Art und Weise dieser Bewegung bedingt im Zusammenhange mit der Scheerenzahl die Schönheit und Gleichmäßigkeit des Schnittes. Die zuverläßlichsten Anhaltspunkte zur Beurtheilung des Schnittes ergiebt die graphische Darstellung oder das Diagramm der Messerbewegung. Die erforderlichen Momente zur Construction des Diagramms Näheres G. Krafft, Der Schnitt der Getreidemähemaschinen. Landw. Wchbl. Wien 1870. Nr. 1. ergeben sich aus dem Kopfe der nachstehenden Tabelle, in welcher die Abmessungen (in Cm.) des Schneideapparates mehrere der bekanntesten Mähemaschinen aufgenommen sind. Zur Erläuterung sei erwähnt, daß man unter Abscheerungswinkel jenen Winkel ver- steht, welchen die Schneidekante des Messers mit der Fiugerkante oder der Zugrichtung bildet. Unter horizontalem Hub versteht man die horizontale Verschiebung der Messer. Die Ernte. In den Diagrammen, welche auf Grund der angegebenen Daten um 2/9 verkleinert für die beiden in der Tabelle zuerst angeführten Maschinen von Kearsley nach dem Patent von Brigham \& Bickerton, Fig. 93, und von Samuelson Fig. 94, gezeichnet sind, wurden die Flächen, deren Halme unmittelbar auf ihrem Standorte geschnitten werden, „schraffirt“, die Flächen, welche von zwei Messerbahnen überfahren wurden „punktirt“ und die Flächen, auf welchem die Halme erst vorgeschoben oder nach seitwärts gebogen werden müssen, wenn sie zum Schnitte gelangen sollen, „weiß“ angelegt. Die Größe der einzelnen Flächen in Procenten sind in den letzten vier Spalten der obigen Tabelle angegeben. Die bisher erwähnten Theile besitzen sowohl die Getreide- als auch die Gras- Fig. 92. Längenansicht und Durchschnitt des Schneideapparates der Mähmaschine. (Scheeren- system). — aaa Finger, b Fingerbalken, ccc Messerplatten, d Messerschiene. mähmaschinen. Als Beispiel der letzteren bringen wir in Fig. 95 (s. S. 250) die Abbildung der „International“-Grasmähmaschine von J. \& F. Howard — Bed- ford. Dieselben lassen das geschnittene Gras oder Futter dort liegen, wo es gewachsen. Fig. 93. Fig. 94. Fig. 93. Diagramm der Messerbewegung der Mähmaschine von H. \& G. Kearsley ( „New Patent X. L. Reaper“ ). — Fig. 94. Diagramm der Messerbewegung der Mähmaschine von Samuelson \& Co. ( „Manvarings Patent, Modell A“ ) — a 1 a 2 a 3 a 4 Endpunkte der Fingerbahnen, c Messerplatten. Der Pfeil giebt die jeweilige Richtung der Messerbewegung an. Allgemeine Ackerbaulehre. Es ist dies um so eher möglich, als das Zusammentreten des Futters durch die Zugthiere keinen Schaden bringt, während bei derartig gemähten Getreide, ein Verlust durch Austreten der Körner eintreten würde. Die Getreidemähmaschinen müssen daher nicht nur das Getreide schneiden, sondern auch in Garben legen, damit es rasch zur Seite geschafft werden kann, um die Bahn für den folgenden Gang Fig. 95. Howard's International-Grasmähemaschine. — Gewicht 382 Kilogr.; Preis mit zwei Messern 430 Mark, 215 fl. frei zu machen. Je nachdem die Maschine die Ablage mit Hilfe eines Arbeiters oder selbstthätig vornimmt, unterscheidet man Ge- treidemähmaschi- nen mit Handablage und mit Selbstablage. Bei den Mäh- maschinen mit Handablage wird das Getreide durch einen Arbeiter mit einem Rechen dem Schneideapparate zugebogen und auf einer hinter dem Schneideapparate befindlichen Plattform gesammelt. Ist die zu einer Garbe nöthige Menge auf- gehäuft, so wird bei den meisten neueren Maschinen dieser Art die Plattform durch einen Tritt auf ein einfaches Hebelwerk gekippt und mit dem Handrechen nach hinten, selten gleichzeitig auch nach seitwärts abgelegt. Die seitliche Ablegung wird noch am vollkommensten erreicht durch die „Premier“-Getreidemähmaschine von R. Hornsby \& Sons, Fig. 96 (s. S. 251). Dieselbe kann mit einer Plattform aus einem kipp- baren Roste von 8 Eisenstäben versehen werden. An den letzten zwei Stäben sind zwei verschieden lange Schleifstangen in einem Charnier eingehängt, welche zur Er- leichterung der seitlichen Ablage aufgestellt eine schiefe Ebene bilden. Die Hand- ablagemaschinen, welche gewöhnlich nur mit einem Pferde bespannt sind, verlangen zwei Arbeiter — einen Kutscher und einen sehr angestrengt arbeitenden Ableger — zur Bedienung, während überdies zum allsogleichen Aufbinden der Garben mehrere Arbeiter nöthig sind. Aus diesem Grunde hat deren Einführung nur für wenige Verhältnisse eine wirthschaftliche Berechtigung. Bei den Mähmaschinen mit Selbstablage wird die garbenweise Ablage des Getreides nach seitwärts durch drei Vorrichtungen 1. der Plattform, 2. der Zu- führungs- und 3. der Ablegevorrichtung bewerkstelligt. Die Plattform schließt sich meist als ein hölzernes, theilweise oder ganz mit Blech beschlagenes Kreissegment unmittelbar an den Schneideapparat an. Die Unterstützung der Plattform erfolgt einerseits durch die Fahrräder, an deren Achse dieselbe aufgehängt ist und anderseits durch ein kleines meist konisches Trag- oder Laufrad. Diese Unterstützung ist beweglich eingerichtet so zwar, daß die Plattform mit dem Messerapparat durch einen Hebel beliebig gehoben oder gesenkt werden kann, um die Stoppelhöhe zu reguliren oder die Maschine für den Transport geeignet zu machen. Der äußere Rand der Plattform ist senkrecht aufgebogen und überdies Die Ernte. häufig durch Rundeisenstangen, welche vom Theiler ausgehen, erhöht, um zu verhüten, daß die Getreidehalme über den Rand der Plattform fallen. Die Anordnung der Plattform läßt sich aus der Fig. 97 (s. S. 252) ersehen, welche die Getreidemähe- maschine „Governor“ mit Selbstablage von R. Hornsby \& Sons —Grantham darstellt. Die Plattform hat den Zweck, das abgeschnittene Getreide vor der Ablage zu sammeln. Die größte Mannigfaltig- keit ergiebt sich in der Con- struction der Zuführungs- und Ablegevorrichtung . Erstere hat die Bestimmung das Getreide gegen den Schneide- apparat zu biegen, damit es sicher von den Messern erfaßt werden kann, letztere hat das auf der Plattform sich an- sammelnde Getreide in Garben seitwärts zu legen, damit die Bahn für den nächsten Gang der Maschine frei wird. Bei wenigen Maschinen sind beide Vorrichtungen getrennt. In diesem Falle besteht die Zu- führungsvorrichtung aus einem horizontal gelagerten Haspel, während die Ablegevorrichtung die verschiedenste Gestalt an- nimmt. Bei der Maschine von Wood besteht z. B. letztere aus einem Arm, welcher an einer Kette ohne Ende am Umfange einer viereckigen Plattform ge- führt wird. Gewöhnlich bewegen sich beide Vorrichtungen um dieselbe Achse. Die Zuführung Fig. 96. Einpferdige Getreidemähmafchine „Premier“ mit eisernem Gestelle von R. Hornsby \& Sons—Grantham. — Schnitt- breite 1.35 Meter, Gewicht 298 Kilogr.; Preis 380 Mark, 190 fl. wird durch ein einfaches an einer Stange befestigtes Brett, das Raff- oder Sammel- brett, die Ablage durch eine Harke vermittelt. Die Raff- und Harkenarme rotiren um eine senkrechte Achse und erhalten ihren Weg durch eine Führungscurve vorgezeichnet. Je zwei Harken und zwei dazwischen angebrachte Raffbretter bilden ein Kreuz, dessen Allgemeine Ackerbaulehre. Drehung ein Heranbiegen der Halme und ein Abharken der abgeschnittenen Halme von der Plattform bewirkt. In dieser Form findet sich der Ablegeapparat an der be- kannten Samuelson'schen Maschine. An Stelle der Führungscurve tritt bei der Hornsby'- Fig. 97. „Governor“. Getreidemähmaschine mit Selbstablage von R. Hornsby \& Sons—Grantham. — Schnittbreite 1.58 Meter, Gewicht 610 Kilogr., Preis mit schmiedeeisernem Laufrade 704 Mark, 352 fl. schen Maschine ein aus der Fig. 97 zu ersehender, sehr empfehlenswerther Be- wegungsmechanismus. Den meisten Anforde- rungen entspricht gegenwärtig die Ablegevorrichtung der Maschine von Johnston in Brokport (Staat New-York, Schnittbreite 1.58 Meter, Gewicht 590 Kilogr.; Preis 840 Mark, 420 fl.), deren Harken, gleichfalls auf einer Führungscurve laufen. Die eigenthümliche Biegung der Curve bewirkt daß sich die Harken nach dem Passiren der Plattform aufstellen und da- her die bequeme Anbringung eines Kutschersitzes an der Fahrradachse zulassen. Diese Maschine ist überdies mit einer Vorrichtung versehen welche während des Ganges der Maschine die Größe der Garben reguliren oder die Ablage ganz sistiren läßt. Schließlich stellt man an die Getreidemähmaschine die Anforderung, daß der Kutscher auf der Maschine bequem und sicher sitze und im Stande sei, die Maschine leicht zu beaufsichtigen und die verschiedenen Stellungen und Ausrückungen sicher zu handhaben. Das Gewicht des Kutschers kommt dabei wenig in Betracht. Durch dasselbe kann bei passender Anordung, zur Seite der Fahrradachse, der Druck der Deichsel auf die Pferde auf- gehoben werden. Die Ernte. Zur Beurtheilung des Bedarfes an Zugkraft mögen hier nach den beiden oben er- wähnten Berichten noch einige Angaben folgen: Die durchschnittliche Zugkraft in Kilogr. für je 30 Cm. Schnittbreite war bei den Kraftproben in Berlin ( I ) mit Ausschluß der combinirten Maschinen und in Ungar. Alten- burg ( II ) die folgende: 2. Die Ernte grüner Pflanzen. Im grünen Zustande werden sowohl die Wiesenpflanzen als auch die auf dem Ackerlande gebauten Futterpflanzen geerntet. Abgeerntet finden dieselben entweder gleich im frischen Zustande als Grünfutter Verwendung oder dieselben werden vor ihrer Verfütterung zu Heu getrocknet. Durch die Heuwerbung will man nicht nur Vorsorge für die Winterernährung der Thiere treffen, sondern auch ein Futter er- zielen, welches als Zusatz eine höhere Verwerthung wässeriger Futtermittel, wie Kartoffeln, Rüben, Schlempe u. dgl. ermöglicht. Für die Verfütterung der Pflanzen im grünen oder getrockneten Zustande kann es nicht gleichgültig sein, in welchem Entwickelungsstadium der Pflanze das Ab- mähen vorgenommen wird, indem davon nicht nur die Menge der in den Futter- mitteln enthaltenen Nährstoffe, sondern auch die Verdaulichkeit derselben abhängig ist. Im jugendlichen Zustande sind alle Wiesen- und Feldfutterpflanzen relativ reich an Nährstoffen und zwar besonders an den für die Thierernährung so wichtigen stickstoffhaltigen Bestandtheilen und an Phosphorsäure. In jungen Pflanzen ist die Zellsubstanz überdies noch zart und leicht verdaulich. Je weiter die Pflanzen in ihrer Entwickelung vorschreiten, desto mehr verlieren sie an Futterwerth, da sie nicht nur relativ ärmer an stickstoffhaltigen Nährstoffen werden, sondern späterhin auch bereits eine Umbildung des Zellstoffes in schwerer verdaulichen Holzstoff eintritt. Die Analysen von Rothklee, der ( I ) am 9. Juli in der Knospung, ( II ) am 17. Juli in der angehenden und ( III ) am 24. Juli in voller Blüthe stand, ergaben nach E. Heiden und F. Voigt Amtsbl. f. d. landw. Vereine im Königr. Sachsen. 1873. S. 7. folgende Resultate: Allgemeine Ackerbaulehre. Nach der Blüthe hört die Zunahme der stickstoffhaltigen Stoffe auf. Bis zur Samenbildung und Samenreife tritt dann nur mehr eine Zunahme der schwer ver- daulichen Holzfaser ein. Die Gewächse werden holzig und verlieren selbst durch Abfallen einen Theil der zarteren, nährstoffreichen Blätter und der ausgereisten Körner. Ter Schnitt zu Grünfutter soll daher so früh als es mit Rücksicht auf die Menge möglich vorgenommen werden; da überdies, je jünger die Pflanzen abge- schnitten werden, um so rascher und kräftiger ein Nachwuchs erfolgt. Je später ge- schnitten wird, um so hartstengliger und weniger werthvoll für die Fütterung wird das Grünfutter. Für die Heuwerbung wird es dagegen am vortheilhaftesten sein, in der an- gehenden Blüthe, oder kurz vor Eintritt der vollen Blüthe zu schneiden. Ein weiteres Hinausschieben über diesen Zeitpunkt, bis die Pflanzen überständig und hart werden, ist stets mit einem Verluste an der Nahrhaftigkeit verbunden, der bei weitem nicht durch die größere, aber weniger werthvolle Masse aufgewogen wird. Diese größere Menge älterer Futterpflanzen ist oft nur scheinbar, da sich das hartstenglige ältere Heu nicht so dicht, wie jenes von biegsamen jungen Pflanzen zusammenlegt und daher massiger als dieses erscheint. In kühlen Gegenden mit feuchtem Herbste wird auf die Zeit des ersten Schnittes auch die weiteren Schnitte, die Grummet- ernte, Einfluß haben, denn erfolgt der Heuschnitt zu spät, etwa nach der Blüthe der Pflanzen, so würde der Grummetschnitt zu spät in den Herbst hinein kommen, um noch gut austrocknen zu können. 1. Die Grünfutterernte. Die einfachste und müheloseste Gewinnung des Grünfutters besteht in dem Abweidenlassen der Wiesen oder des Feldfutters durch Thiere. Bei Stallfütterung muß jedoch das Abbringen der grünen Futterpflanzen die Menschenhand, am ge- wöhnlichsten mit der Sense, oder die Maschine besorgen. Das Mähen der Gras- und Futterpflanzen geht am besten in den Morgen- stunden, so lange noch Thau liegt. Die am schwierigsten abzumähenden, trockenen Wiesenpartien, die mit dichtem, zähem Grase bewachsen sind, läßt man daher früh- morgens mähen, das lockere, saftigere Gras späterhin. Die Leistungsfähigkeit des Mähers beträgt je nach der Art der Grünfutterpflanze und der Beschaffenheit des Pflanzenwuchses zwischen 0.3—0.6 Hectar per Tag. Bei großen, abzumähenden Die Ernte. Flächen bedient man sich statt der Sense der Grasmähemaschine, welche je nach ihrer Mähbreite von 1.5—2 Meter 3.5—4.6 Hectar täglich abzumähen vermag. An Grünfutter wird man auf einmal nur so viel mähen, als man gut in einem Tage zur Fütterung der Thiere verbrauchen kann. Für Sonn- und Feiertage wird man jedoch eine entsprechende Menge an Grünfutter in Vorrath mähen. Um es frisch zu erhalten legt man dasselbe an einem schattigen Orte auf ein luftiges Latten- gerüst. Derartige Lattengerüste bewähren sich auch zur Erhaltung eines naß ein- gebrachten, oder eines sehr jungen Grünfutters. Zur Aufbewahrung des Grünfutters benöthigt man für 100 Kilogr. Klee, Mischling ꝛc. 0.75—1 Cubikmeter, für eine Fuhre zu 800 Kilogr. 6—8 Cubikmeter. 2. Die Dürrheubereitung. Die Güte des Heues hängt nicht allein von der richtigen Wahl des Ernte- zeitpunktes, sondern auch von der gelungenen Werbung und Einbringung ab. Bei derselben hat man sich gegenwärtig zu halten, daß die Bildung des Heues vorzugs- weise auf die durch die Verdunstung herbeigeführte Verminderung des Vegetations- wassers der grünen Pflanzen bis auf 14—15 % beruht. Je ungehinderter und schneller diese Verdunstung des Wassers vor sich gehen kann, um so weniger Ver- luste an Nährstoffen können eintreten. Heu, welches während der Ernte mehrfach vom Regen durchnäßt und dann von der Sonne gebleicht wird, büßt nicht nur seinen aromatischen Geruch ein, sondern verliert auch einen erheblichen Theil seiner werth- vollen löslichen Nährstoffe. Gut eingebrachtes Wiesenheu enthält z. B. nach Stöckhardt 62 %, durch 10 Tage mehrfach beregnetes nur mehr 56 % Gesammtnährstoffe; gut eingebrachtes Kleeheu 51 %, durchnäßtes nur 39 % Nährstoffe. Bayer Monatsschrift der pommerischen ökonom. Gesellschaft 1867. Nr. 10 u. 11. fand im Wundkleeheu: Außer den Verlusten durch die Ungunst der Witterung können noch weitere Verluste während der Heuwerbung, besonders des Rothkleeheues, durch Abbröckeln der schnell dürr werdenden Blätter und feineren Stengeltheile eintreten. Wie be- deutend diese Verluste sein können, geht daraus hervor, daß bei diesen Pflanzen die Blätter, welche überdies noch viel reicher an Nährstoffen als die Stengel und Halme sind, mindestens den vierten Theil, wenn nicht die Hälfte der gesammten Erntemasse ausmachen. Nach beiden Richtungen hat man sich durch die geeigneten Erntemethoden vor Schaden zu bewahren. Das einfachste, aber wenig verläßliche Verfahren besteht darin, das gemähte Futter in Schwaden so lange liegen zu lassen bis es so weit trocken, um eingeführt werden zu können. Dasselbe kann jedoch nur in Gegenden Allgemeine Ackerbaulehre. mit sehr trockener und sicherer Witterung während der Heuwerbung ausgeführt werden und ist selbst dort unvermeidlich mit einem Bleichen des Heues an der Oberfläche der Schwaden verbunden Nach dem gewöhnlichsten und sichersten Verfahren wird das Futter frühmorgens so lange der Thau anhält, geschnitten und nach dem Abtrocknen des Thaues werden Fig. 98. Zweipferdige Heuwendemaschine von J. \& F. Howard. Marke HH , Spurweite 1.4 M., Gewicht 600 Kilogr.; Preis 376 Mark, 188 fl. die Schwaden gleichmäßig über das Feld oder die Wiese ausgebreitet. Ueber den Tag wird das Futter je nach dem schnelleren oder lang- sameren Abwelken mit dem Rechen ein- oder zweimal, Vor- und Nach- mittags umgewendet. Häufig macht man den Fehler das ab- gewelkte Futter über Nacht aus- gebreitet liegen zu lassen, anstatt es vor Eintritt der Bethauung in kleine etwa 0.5 Meter hohe Häufchen zusammen zu bringen. Wird die Oberfläche dieser Häuf- chen durch Thau und selbst leichteren Regen benetzt, so trocknet dieselbe doch den nächsten Tag durch Sonne und Wind schnell wieder ab. Den zweiten Tag nach dem Schnitte werden die Häufchen jedoch in einer dickeren Schichte wieder zerstreut und das Futter tagsüber nach Bedarf mehrmals gewendet, um dann gegen Abends in größeren Häufchen aufgesetzt oder geschöbert zu werden. Nicht allzu saftreiches Futter kann selbst schon vor dem Schöbern trocken genug zum Ein- führen sein. Den dritten Tag wird der Schober ausgebreitet, das Heu gewendet. Bei günstiger Zeit wird es dann schon so weit dürr sein, um eingeführt zu werden. Die meiste Aufmerksamkeit hat man darauf zu richten, das Futter vor Eintritt des Thaues, also über Nacht oder vor dem Beginne eines Regens in Haufen zusammenzubringen, da es in denselben bei länger anhaltender nasser Witterung besser vor dem Verderben geschützt ist, als wenn es ausgebreitet daliegt. Bei sehr wenig abgetrocknetem Futter empfiehlt es sich jedoch die Haufen bei länger Die Ernte. währenden Regen etwas aufzulockern, um ein Verfaulen der grünen Pflanzenmasse hintan zu halten. Nur kurz vor dem oder im Regen geschnittenes Gras wird zweckmäßig gleich in Schwaden — vorausgesetzt, daß diese noch nicht gestreut sind — liegen gelassen. Bei größeren Flächen wird das Wenden und Zusammenrechen mit dem Hand- rechen oder der Gabel zu kostspielig. Zur Ersparung an Kosten und zur Beschleu- nigung der Arbeit verwendet man zum Umwenden des Heues Heuwendemaschinen welche durch ein Pferd in Betrieb gesetzt werden. Eine bewährte Construktion dieser Art ist die Heuwendemaschine von J. \& F. Howard in Bedford, Fig. 98 (s. S. 256), welche ganz aus Schmiedeeisen, schmiedbarem Guß gefertigt und mit beweglichen Stahl- zinken versehen ist. Dieselbe ist mit einer Einrichtung zum Höher- und Tieferstellen versehen, je nachdem das Heu mehr oder weniger dicht liegt. Zu demselben Zwecke und um das trockene Futter zusammenzubringen, benützt man an Stelle der Handrechen hölzerne oder eiserne Pferderechen , welche mit einem Pferd bespannt auch zum Nachrechen auf den Getreidestoppeln die besten Dienste thuen. Die Heurechen werden entweder von Holz wie die amerikanischen Heurechen, Fig. 99, oder von Eisen, mit beweglichen Stahlzinken wie die eng- lischen Heurechen, Fig. 100 (s. S. 258) in der Aus- führung von Ransomes, angefertigt. Das öftere Wenden des entstehenden Heues verursacht, je weiter das- Fig. 99. Amerikanischer Heurechen. — AA Zugbäume, T Rechen, BDF Gestellt zur Entleerung des Rechens durch Heben der beiden Handhaben. selbe im Austrocknen vorschreitet, bei manchen Kleearten, besonders dem Rothklee, einen zu starken Abfall der leicht zerbrechlichen Blätter und feineren Stengeltheile. In solchen Fällen wird ein Verfahren, bei welchem das entstehende Heu möglichst wenig gerührt wird, angezeigter sein. Derartiges sehr blätter- und zugleich sehr saftreiches Futter wird man 1—2 Tage in Schwaden liegen lassen und wenn dieselben oberflächlich ab- gewelkt, umwenden und zu je zwei Schwaden zusammennehmen. Nach 4—5 Tagen, wenn das Futter halb ausgetrocknet, wird es in große, 0.3—0.6 Meter hohe Windhaufen, durch welche der Wind durchziehen kann, aufgesetzt. Diese Wind- haufen werden schließlich in 2—3.5 Meter hohe Schober zusammengebracht, in welchen das werdende Dürrfutter so lange bleibt, bis es nach einer, bei ungünstiger Witterung auch nach zwei Wochen, vom Schnitt an gerechnet, eingeführt werden kann. In feuchten Gegenden wird selbst dieses Verfahren nicht sicher genug sein und leicht ein Verfaulen oder sonstiges Verderben der Futtermasse eintreten können. Bei solchem saftigen Futter kann man in feuchten Lagen das Trocknen auch, ähnlich Krafft, Lehrb. d. Landw. I. 17 Allgemeine Ackerbaulehre. wie bei der Getreideernte, durch Aufsetzen in Kapellen oder in Puppen bewerkstelligen. Zu diesem Zwecke wird das Futter mit Strohbändern oder, wenn die eigenen Stengel lang genug sind, mit diesen unterhalb der Blüthen in mäßig große Garben ge- bunden und aufgestellt. Es erübrigt dann nur, die getrockneten Garben einzuführen. Bei geringeren Futtermengen kann dieses, wenn auch kostspielige, Verfahren um so mehr zur Ausführung empfohlen werden, je blätterreicher, langhalmiger und saft- reicher das Futter und je unsicherer die Witterung ist. Bei größeren Futtermengen eignen sich zum Trocknen die in Gebirgs- und sonstigen feuchten Gegenden zum Trocknen von Klee und Gras verwendeten Gerüste, wie Fig. 100. Pferderechen von Ransomes, Sims \& Head—Ipswich, mit 28 stählernen, im Querschnitt T - förmigen Zinken, welche von dem Sitze aus durch Aufheben von dem abgeharkten Heu entleert werden können. — Breite 2.7 Meter, Durchmesser der Fahrräder 0.9 Meter, Gewicht 236 Kilogr.; Preis 214 Mark, 107 fl. Kleereiter oder Trockenpyramiden . Die Kleereiter, Fig. 101 (s. S. 259), be- stehen aus 2.5—3 M. hohen Stangen, welche mit mehreren im Kreuz eingeschobenen, 1 Meter langen Querhölzern versehen sind. Auf diesen Stangen wird das etwas abgewelkte Futter derart aufgehängt, daß es den Boden nicht berührt, damit auch von unten die Luft durchziehen kann und der darunter befindliche Klee ꝛc. in seinem Wachs- thume weniger gehindert ist. Das Regenwasser wird hier unschädlich von der Ober- fläche des Futters ablaufen können. Auf einem einpfähligen Kleereiter können ungefähr 25 Kilogr. Futter aufgehängt werden. Stehen per Hectar etwa 2600 Kilogr. in Aussicht, so benöthigt man 105 Stangen, deren erste Anschaffung 70—100 Mark, 35—50 fl. kosten kann. Eine Auslage, welche jedoch erst im Verlaufe mehrerer Jahre, bis die Stangen unbrauchbar werden, wiederkehrt. Bei felsigem oder festem Boden ist das Einschlagen der Stangen erschwert, es werden daher hier an Stelle der Reiter Futtertrockenpyramiden, Fig. 102 (s. S. 259), angewendet, welche aus drei pyramidenartig zusammengestellten und mit Querhölzern verbundenen Stangen aufgerichtet werden. Eine solche Pyramide, welche bis zu 750 Kilogr. grünes und 150—200 Kilogr. Die Ernte. trockenes Futter zu tragen vermag, gewährt der Luft freien Zutritt, sie hat jedoch den Nachtheil, daß unter derselben der weitere Futterzuwachs zurückbleibt. Der richtigste Zeitpunkt für das Einführen des auf die eine oder andere Weise hergestellten Dürrheues ist gekommen, wenn die auch schwerer austrockenden, gröberen Fig. 101. Reiter zum Trocknen des Klees ꝛc. Fig. 102. Futter-Trockenpyramide. Halme und Stengel des Futters so weit getrocknet sind, daß sie beim Biegen oder Drehen zerbrechen. Noch weiter das Futter ausdürren zu lassen, ist unzweckmäßig, weil dadurch die feineren, nahrhaftesten Futtertheile durch das Aufladen ꝛc. zu sehr ab- bröckeln. Ist das Dürrfutter gut eingebracht, so soll dasselbe seine lebhafte grüne Farbe und seinen aromatischen Geruch nicht verloren haben. 3. Die Braun- und Brennheubereitung. In ungünstigen, regenreichen Lagen wird es selten gelingen, das Dürrheu in der gewünschten Beschaffenheit hereinzubringen. Hier wird es, sofern nicht das Trocknen auf Reitern oder in Puppen vorgezogen wird, gerathener sein, ein Ver- fahren in Anwendung zu bringen, bei welchem schon vor dem Ausdürren das Futter den schädlichen Witterungseinflüssen entzogen werden kann. Ein solches Verfahren besitzt der Landwirth sowohl in der Braunheu-, als auch in der Brennheubereitung. Diese Methoden haben besonders für Futterpflanzen, wie Klee, Luzerne, Esparsette ꝛc., welche viele zarte, nach dem Trocknen leicht zerkrümelnde Blätter besitzen, großen Werth. Grobes, sog. saures Wiesengras, gewinnt bei dieser Werbungsart an Schmackhaftigkeit. Zur Braunheubereitung wird das Wiesengras, welches bei günstiger Zeit in 3 Tagen Dürrheu werden würde, verwendet, wenn noch ein Tag bis zur Bildung des fertigen Dürrheues fehlt, der Klee, welcher in 6 Tagen trocken wäre, soll zur Braunheubereitung genommen werden, wenn noch 3—4 Tage zur vollständigen Heubildung nothwendig wären. Bei der Braunheubereitung wird das bis zu dem erwähnten Grade abgewelkte Futter in große Haufen von wenigstens 6 Meter 17* Allgemeine Ackerbaulehre. im Durchmesser unter Schupfen oder in freistehenden Tristen schichtenweise möglichst fest zusammengesetzt, indem 10—15 Personen den Haufen, von der Mitte nach dem Rande zu, so lange festtreten, bis derselbe etwa 5 Meter hoch geworden ist. In dem fertigen Haufen tritt bald eine Selbsterhitzung ein, die je nach der Witterung 4—8 Tage andauert und bei zu feucht aufgesetztem Futter sich bis zur Selbstentzündung oder mindestens bis zu einem Verkohlen des Futters steigern kann. Ist der Haufen zu wenig zusammengetreten, so wird das Futter an den hohlliegenden Stellen ver- faulen und verschimmeln. Nach ungefähr 6 Wochen wird das fertige Braunheu mit Strohmessern, um jeden Verlust feinerer Theile vorzubeugen, angeschnitten und verfüttert. Wegen der Unsicherheit des Gelingens weniger vortheilhaft ist die Brennheu- bereitung (Klappmeyer'sche Methode), bei welcher der Klee oder das sonstige Futter, nachdem dasselbe einen Tag abgewelkt ist, in große Haufen zur Selbst- erhitzung durch 48—60 Stunden ausgesetzt wird. Durch die Wärme, welche am zweiten Tag bis auf 65° C. steigt, wird das Wasser zur Verdunstung gebracht. Nach dieser Zeit muß der Haufen selbst während Regenwetter, wenn nicht ein Ver- derben des Futters eintreten soll, zu weiterem schnell erfolgendem Abtrocknen aus- einander gerissen werden. Nach Dr. H. Weiske's Beiträge zur Frage über Weidewirthschaft und Stallfütterung. Breslau 1871. Untersuchungen erreichen die Verluste, welche unvermeidlich mit der Dürr- oder Brennheubereitung verbunden sind, folgende Höhe. Zur Vergleichung dient die ebenfalls angeführte Analyfe von Luzernepflanzen, welche im Laboratorium sorgfältig getrocknet wurden. Von einem ¼ Hectar großen Luzerneschlag wurden erhalten in Kilogr. bei 4. Die Sauerfutterbereitung. Bei sehr saftigem oder grobstengeligem Futter verdient schließlich noch die Be- reitung von Sauerfutter oder sog. Sauerheu die allgemeinste Anwendung. Am häufigsten wird der Grünmais, aber auch die Rübenblätter und Rübenköpfe, ebenso der Rothklee, die Luzerne, das Wiesengras, besonders wenn deren Trocknung durch regne- rische Witterung gefährdet erscheint, durch die Sauerfutterbereitung zu einer längeren Aufbewahrung geeignet gemacht. Bei der Sauerheubereitung kann das Futter selbst in einem vorgeschrittenerem Entwickelungsstadium, als bei der Dürrheubereitung, ge- schnitten werden, um möglichst an Masse zu gewinnen. Bei der Bereitung des Sauerfutters wird das Futter in großen Mengen, um ein besseres Halten derselben zu erreichen, in Gruben eingelegt, welche ausgemauert werden, wenn sie für beständig Die Ernte. an einem bestimmten Platze ausgehoben werden. Bei kleineren Quantitäten reicht es jedoch aus, die Grube in festem, trockenem Erdreiche am Felde selbst oder in der Nähe des Stalles auszuheben. Die zweckmäßigste Tiefe der Grube beträgt 1.25—2 Meter, bei einer oberen Breite von 3 Meter und einer Sohlenbreite von 2.5 Meter. Als Anhalt zur Bemessung der Grubenlänge rechnet man, daß je 1 Meter 4—5000 Kilogr. Grünmais aufnehmen kann. Die ausgehobene Erde wird am Rande zur späteren Benützung als Deckmaterial auf die Seite gelegt. In die gereinigte Grube wird nun das grüne Futter gleich nach dem Abmähen schichten- weise eingelegt und ebenso schichtenweise zusammengetreten oder durch Ueberfahren mit schweren Walzen möglichst fest zusammengedrückt. Zur Unterstützung eines möglichst gleichförmigen und dichten Zusammenlegens der Futtermassen kann entweder das Futter vor dem Einlegen, an der Grube selbst, grob gehäkselt oder am Felde mit 1 Meter langen Stricken in kleine Garben gebunden werden, welche regel- mäßig in die Grube eingelegt, und nachdem die Stricke entfernt, festgetreten werden. Ist das Futter dürr geworden, so ist es zweckmäßig, dasselbe etwas anzufeuchten. Ein Zusatz von Salz ist nicht erforderlich. Ueber den Rand der Grube wird mit dem Aufschichten und Festtreten des Futters bis auf 1 Meter Höhe fortgefahren. Die Seitenwände der über der Grube hervorragenden Futtermasse sollen möglichst senkrecht aufgeführt werden, damit sich die Masse regelmäßig senke. Zum Schlusse werden die Wände mit einer alten Sense glatt abgeschnitten und der Haufen allseitig durch eine 0.5 Meter starke, festgestampfte Erdbedeckung von dem Luftzutritte ab- geschlossen. Nach Ablauf eines Vierteljahrs ist die Gährung, welche bald in der Futtermasse eintritt, beendet. Das fertige Sauerfutter bietet besonders im nächsten Frühjahre gegen Ausgang der Winterfütterung ein willkommenes und von dem Vieh gern gefressenes Futter. Gut zubereitet hält es sich in den zugedeckten Gruben 2 Jahre und länger. Beim Anbrechen der Grube entfernt man sorgfältig auf einer kurzen Strecke die Erde und schneidet die tägliche Portion mit einem großen Messer ab, nachdem man vorher die oberste, etwa 8 Cm. starke, verschimmelte und durch Erde verunreinigte Schichte entfernt hat. 5. Das Aufbewahren des Heues. Das Braun-, Brennheu und das Sauerfutter werden gleich von ihrem Be- reitungsorte aus verfüttert; das Dürrhen muß dagegen erst nach seiner Bereitung vom Felde oder der Wiese in den Hof eingeführt werden. Dasselbe wird entweder in mit Stroh zugedeckten Tristen oder Feimen im Freien oder in bedeckten Dachräumen über gewölbten oder mit einem Ziegelpflaster oder Esterich versehenen Viehstallungen, um das Verderben durch die Stalldünste zu verhüten, oder in Schupfen ꝛc. auf- bewahrt. Am besten hält sich das Heu unter einem Rohr- oder Strohdache, weniger gut unter einem Ziegeldache, da sich hier leichter tropfbarflüssiges Wasser, welches das Verschimmeln des Heues befördert, bilden kann Im Freien wird die Heu- feime , Fig. 103, am zweckmäßigsten auf einem leichten Gerüste aufgebaut, welches aus Allgemeine Ackerbaulehre. einer fest in die Erde eingegrabenen Stange a und aus niedrigen, im Kreise gruppirten Pfählen pp , die ihrerseits leichte Bretter und Stangen x tragen, besteht. Bei der Aufbewahrung hat man dafür zu sorgen, daß das Heu möglichst fest zusammengesetzt wird, je feuchter es eingebracht wurde, um ein Verschimmeln oder Fig. 103. Heufeime. (S. den Text.) sonstiges Verderben zu ver- hüten. Auf dem Heuboden soll die größte Ordnung und Reinlichkeit herrschen; das zu verfütternde Heu soll abge- schnitten, nicht willkürlich aus dem Haufen herausgerissen werden, um eine Verwüstung desselben hintanzuhalten. Frisch eingebrachtes Heu kann gleich verfüttert werden, besser ist es jedoch, dasselbe erst nach einiger Zeit, nach- dem es in möglichst fest zu- sammengepreßtem Zustande gelagert (ausgeschwitzt) hat, zu verwenden, indem dann bei den Thieren weniger leicht Verdauungsstörungen, welche bei der Verfütterung vom frischen Heu zuweilen vorkommen, zu befürchten sind. Zu lange aufbewahrtes Heu verliert, wahrscheinlich durch einen langsamen Verwesungsprozeß, nicht nur seinen aromatischen Geruch, sondern auch einen Theil seines Stickstoffgehaltes. Die Ergebnisse der Stickstoffbestimmungen von zwei Heusorten, von welchen ein Theil zwei Jahre lang aufbewahrt wurde, waren nach Dr. Peters Der Landwirth. 1871. S. 35. Die Unterbringung von 100 Kilogr. Wiesenheu oder Grummet erfordert 2—2.5 Cubikmeter, einer Fuhre Wiesenheu zu 800 Kilogr. 10—20 Cubikmeter, 100 Kilogr. Kleeheu 0.7—0.8 Cubikmeter Dachraum. 3. Die Frucht- und Strohernte. Zur Zeit der Blüthen- und Fruchtbildung ändert sich die Lebensthätigkeit der Pflanze, welche während des Wachsthumes hauptsächlich auf die Umwandlung der aus dem Boden und der Luft aufgenommenen Nährstoffe in Pflanzensubstanz ge- richtet ist. Schon mehrere Wochen vor der vollendeten Fruchtbildung, d. i. vor der Reife, hört die Pflanze auf Nährstoffe aus dem Boden durch die Wurzeln auf- Die Ernte. zunehmen; dagegen beginnt nun in der Richtung gegen die Blüthentheile eine Wan- derung jener Stoffe, welche sich während des Pflanzenwachsthumes in den Blättern und Halmen oder Stengeln gebildet haben. In dem Maße, als sich die Blätter und Halme entleeren, vermehrt sich durch die Stoffeinwanderung das Gewicht der zu den Samen heranreifenden, befruchteten Blüthentheile. Im Samen werden die Stoffe zur Bildung des Keimes verwendet oder im Mehlkörper des Samens als Reservestoffe abgelagert. Fehlt es in trockenen Sommern an der nöthigen Feuchte, so tritt die Stoffeinwanderung nur unvollkommen ein. Die Samen erreichen in Folge dessen nicht ihre vollständige Ausbildung, die Pflanzen werden nothreif. In Uebereinstimmung mit der fortschreitenden Stoffeinwanderung in den Samen treten auch äußerlich wahrnehmbare Veränderungen ein, welche wir an dem Samen der Getreidepflanzen näher verfolgen wollen. Einige Zeit nach der Befruchtung füllt sich der Same, welcher nun seiner Größe nach schon fertig ausgebildet ist, durch die Einwanderung von Stoffen mit einem milchigen Inhalte. Dieses Stadium in der Reife der Getreidefrucht bezeichnet man als die Milchreife . Der milchige In- halt wird mit dem Vorschreiten der Reife fadenziehend und nimmt im weiteren Verlaufe eine wachsartige Beschaffenheit an, während sich das Stroh gelb färbt. Der Same über den Fingernagel gebogen bricht noch, wenn derselbe dieses Reife- stadium, die sog. Gelbreife , erreicht hat. Noch später wird der Same durch Verdunstung von Wasser hart und bricht über den Nagel gebogen nicht mehr, es ist die Vollreife eingetreten. Schließlich wird der Same ganz hart, todtreif , während das Stroh eine weißliche Färbung annimmt. Nach den Untersuchungen von Dr. A. Nowacki Untersuchungen über das Reifen des Getreides, nebst Bemerkungen über den zweck- mäßigsten Zeitpunkt zur Ernte. Halle 1870. S. 39. ergeben sich je nach dem Reifestadium folgende Aenderungen in den im frischen Zustande nach dem Abschneiden der Pflanzen unter- suchten Körnern: Die Einwanderung von Stoffen aus dem Halme und den Blättern in die Körner hat wahrscheinlich mit dem Beginne der Gelbreife ihr Ende erreicht. Dieser Zeitpunkt wird daher, um die größte Samenmenge bei bester Qualität zu erzielen, am vortheilhaftesten zur Vornahme der Ernte sein. Nach dem Abschneiden der Halme gehen übrigens die Veränderungen im Samen hauptsächlich durch Verdunsten des Wassers, während des sog. Nachreifens , noch etwas weiter fort. Allgemeine Ackerbaulehre. Nowacki a. a. O. S. 43. ließ einen Theil der Körner bis Anfang September mit den Spelzen und Halmen in Verbindung und untersuchte die nunmehr nachgereiften, lufttrocknen Körner bei der Aufbewahrung in einem luftigen, trocknen Zimmer. Das Resultat giebt nachstehende Tabelle: Auf das Nachreifen der abgeschnittenen Früchte wird man sich besonders dann verlassen, wenn man es mit Früchten zu thun hat, bei welchen durch ein Hinaus- schieben des Erntezeitpunktes die Gefahr stetig zunimmt, daß die Körner immer leichter, je weiter ihre Reife fortschreitet, aus dem Stroh ausfallen können. Allzu sehr sich auf das Nachreifen zu verlassen und das Getreide mit Rücksicht auf dasselbe schon in der Milchreife zu schneiden, wäre aber ebenso fehlerhaft als wie ein zu weites Hinausschieben der Ernte. Im ersteren Falle würde zwar die Keimfähigkeit der Körner nicht beeinträchtigt, aber der höchste Ertrag noch nicht eingetreten sein; im letzteren Falle würde ein großer Verlust durch Körnerausfall kaum zu ver- meiden sein. Pflanzen, deren Samen sehr leicht ausfallen, wie z. B. die Hülsenfrüchte, der Raps, die Hirsenarten ꝛc. müssen daher geerntet werden, sobald die ersten Pflanzen am Felde reif geworden sind. Noch schwieriger wird die Feststellung des richtigen Erntezeitpunktes bei zweiwüchsigen Pflanzen oder bei Gewächsen, welche wie der Hafer, die Samenkleearten ungleich reifen. In diesen Fällen wird dann zu ernten sein, wenn erwartet werden kann, daß die größte Zahl der Pflanzen reif geworden sei. Nächst der Beschaffenheit der abzuerntenden Früchte hat jedoch auch noch die Witterung und die verfügbare Arbeitskraft auf die Wahl des Erntezeitpunktes einen maßgebenden Einfluß. Bei günstiger Witterung und ungenügender Arbeitskraft beginne man, je ausgedehnter die abzubringenden Flächen sind, eher etwas früher, als es der Reifezustand der Früchte erfordern würde, um wenigstens die Hauptmasse der Früchte zur richtigsten Zeit hereinzubringen. Fällt dagegen ungünstige, namentlich kühle und feuchte Witterung ein, so bleibt es räthlicher die Ernte etwas zu ver- schieben, in der Erwartung, daß die Früchte am Halme am sichersten gegen die Unbilden der Witterung geschützt bleiben. Von den verschiedenen Culturpflanzen erfolgt die gleichzeitige Aberntung der Frucht mit dem Stroh, besonders bei Getreide, Hülsenfrüchten und Oelgewächsen, ebenso bei Klee- und Grassämereien. Die Ernte. Die erste Arbeit bei der Frucht- und Strohernte ist das Abschneiden der stehen- den Frucht Meistens enthält jedoch die abgeschnittene Frucht noch so viel Vegetations- wasser, daß ihre weitere Aufbewahrung nicht unmittelbar ausführbar, es folgt daher dem Abschneiden als zweite Erntearbeit das Trocknen, gewöhnlich durch Binden und Aufstellen der abgeschnittenen Frucht bewerkstelligt. Nach dem Trocknen erübrigt noch, die Frucht einzuführen, aufzubewahren und schließlich als letzte Erntearbeit die Trennung der Frucht von dem Stroh vorzunehmen. 1. Das Abschneiden der Frucht. Es ist nicht gleichgiltig, wie tief man die Pflanzen abschneidet, indem davon sowohl die Höhe der Stoppeln, als auch die Erntemenge des Strohes abhängt. Im Allgemeinen wird man lieber kürzere als längere Stoppeln am Felde lassen, da man in den meisten Wirthschaften niemals zu viel Stroh erhalten kann. Unter gewöhnlichen Verhältnissen läßt man die Stoppel etwa 8 Cm. lang. Bei einer zu kurzen Stoppel ergeben sich die mannigfaltigsten Schwierigkeiten, besonders dann, wenn das Feld stark verunkrautet oder mit einer Kleeeinsaat versehen ist. In diesem Falle kommt zu viele grüne Masse in das Stroh, dessen Trocknung dann um so schwieriger wird, je feuchter die Gegend oder die Witterung. Man wird deshalb in feuchten Gebirgsgegenden die Stoppel länger zu belassen haben; über 30 Cm. wird man jedoch nicht leicht hinausgehen können, da dann, ganz abgesehen von dem Ver- luste an Stroh, so lange Stoppeln nur schwierig untergeackert werden können. Bei einer Klee- und Kleegraseinsaat in den Getreideschlägen erleichtert dagegen eine hohe Stoppel das Trocknen eines etwa zu gewinnenden Herbstschnittes. Ebenso pflegen Landwirthe, welche auf einem bindigen, schwer zu bearbeitenden Thonboden wirthschaften, die Stoppel länger zu belassen, um durch die untergepflügte Stoppel eine ausgiebige Bodenlockerung herbeizuführen. Ob nun die Stoppel kurz oder lang ausfällt, jedenfalls muß darauf geachtet werden, daß dieselbe zur Erleichterung des späteren Stoppelsturzes gleich hoch ab- geschnitten werde. Am sichersten wird sich dies nur durch die Mähmaschine erreichen lassen. Geschickte Schnitter werden jedoch eine annähernd gleiche Stoppel auch mit der Sichel, weniger leicht mit der Sense zu Wege bringen. Die Sichel , welche entweder mit einer glatten oder gezahnten Schneide ver- sehen ist, hat den Vortheil für sich, daß bei ihrer Anwendung die Halme oder Pflanzenstengel nur wenig aus ihrer gleichmäßigen, natürlichen Lage kommen, daher späterhin leichter ausgedroschen werden können. Ihre Leistungsfähigkeit ist jedoch ver- hältnißmäßig nur eine geringe, da zur Abbringung 1 Hectar Getreide je nach dem Fruchtstande 10, 17 bis 20 Arbeitstage erforderlich sind, während vom Raps oder einer anderen Oelfrucht täglich 0.15—0.3 Hectar mit der Sichel geschnitten werden können. Unentbehrlich bleibt sie nur bei sehr kleinen Flächen oder bei der Ernte von sehr stark nach den verschiedensten Richtungen gelagerten, oder mit Wicken und rankenden Unkräutern durchwachsenen Früchten, oder dort, wo es sich um die wenn auch mühevollere Herstellung einer sehr kurzen Stoppel handelt. In allen übrigen Fällen ist Allgemeine Ackerbaulehre. die Sense vorzuziehen. Dieselbe, mit mehr Kraft und der Geschwindigkeit von 2.2 M. in der Secunde geführt, vermehrt zwar den Ausfall der Früchte, bietet jedoch den Vor- theil der größeren Leistungsfähigkeit, welche je nach der Dichtigkeit und Gleichmäßigkeit des Pflanzenstandes 0.3—0.7 Hectar per Tag betragen kann. Beim Mähen mit der Sense fallen die Halme auseinander, das Ausdreschen ist daher gegenüber dem mit der Sichel geschnittenen Getreide mit einem kleinen Verluste verbunden, ebenso wird es erforderlich sein, nach dem Hauen das Stoppelfeld nachrechen zu lassen. Die Sense besteht aus dem Messerblatt und dem Wurf oder Stiel. Das Blatt wird am sichersten mittelst eines eisernen Ringes und Zapfens durch Keile an dem Stiel befestigt. Dasselbe besteht aus dünnem Stahl von hoher Güte. Die Schneide des Messers wird bei den continentalen Sensen durch das Dengeln ausgezogen, während in England und Amerika das Messer concav geschliffen wird. Zum Mähen von langstrohigem Wintergetreide verwendet man eine Sense, welche mit einem Ge- stell, dem sog. Reff, versehen ist. Mit dieser Reffsense wird die Frucht gegen das noch stehende Getreide angehauen und von einer zweiten Person zusammengenommen und auf ein vorbereitetes Strohband zur Seite gelegt. Bei kurzstrohigem Sommer- getreide ist das Reff entbehrlich, da dieses gewöhnlich in Schwaden gemäht wird. In vielen Fällen hält es schwer, die nöthige Anzahl Erntearbeiter zu beschaffen, um rechtzeitig die Ernte vollenden zu können, es bleibt dann nur der einzige Aus- Fig. 104. Mähmaschinenmesser-Schleif- und Schärfmaschine von R. Hornsby \& Sons— Grantham. — Preis mit Messerhalter 46 Mark, 23 fl. weg der Anwendung einer Mähmaschine . Mit derselben wird der Schnitt am schnellsten ausgeführt, da sie je nach der Schnittbreite und dem Fruchtstande täglich 3.5—5.6 Hectar ab- zumähen vermag. Die Mähmaschine kann jedoch nur dann vortheilhaft in Gebrauch genommen werden, wenn sie die ganze Erntezeit eine genügende Fläche, mindestens 70 Hectar Getreide, zur Ab- erntung zugewiesen erhalten kann. Bei größeren abzuerntenden Flächen, gleichwie bei genossen- schaftlicher Benützung sind Mähmaschinen mit selbstthätiger Ablegevorrichtung jenen mit Hand- ablage versehenen wegen der beträchtlicheren Zeit- und Arbeitsersparung vorzuziehen. Derartige Maschinen, welche nicht nur die Frucht schneiden, sondern dieselbe auch gleichzeitig zur Seite in garbengroßen Partien ablegen, erfordern zu an- dauernder Verwendung zwei kräftige Zugthiere, Pferde oder Ochsen. Auf sehr welligem oder hügeligem Terrain wird man zweckmäßiger von der Anwendung der Mähmaschine absehen. Lagerfrucht wird von Mähmaschinen, welche, wie z. B. Johnston's Harvester—Brockport im Staate New-York, für diese Arbeit besonders eingerichtet sind, besser als mit der Hand abzubringen sein. Die Ernte. Bei dem Betriebe und der Wartung der Mähmaschinen ist im Allgemeinen folgendes zu beachten: 1. Die Maschine ist eher zu viel als zu wenig mit reinem, nicht leicht trocknen- dem Oel an allen sich bewegenden Theilen zu schmieren. Bei Beginn des Betriebes ist besonders alle zehn Minuten der Kurbelzapfen der Pläuelstange (Lenkerstange) zu schmieren. Die Lager der Fahrräder, die Wellen des Uebersetzungsmechanismus, die Messerführungen sind mindestens zweistündlich mit Oel zu versehen. 2. Die Messerschneiden sollen stets scharf erhalten werden, zu welchem Zwecke die Messer je nach der Güte des Stahles jeden halben Tag oder jeden zweiten Tag gegen geschliffene Reservemesser ausgewechselt werden müssen. Das Schleifen geschieht entweder durch Abziehen mit einer Sägefeile oder auf den bewährten Maschinen zum Schärfen der Mähemaschinenmesser, wie z. B. auf dem Schleifapparat von Hornsby \& Sons—Grantham, Fig. 104 (s. S. 266). Letzterer besteht aus einem leichten Ge- stell mit Schleifstein, Rad und Tretschuh. 3. Nachdem die Maschine in der höchsten Stellung des Schneideapparates auf das Feld gebracht worden ist, wird sie nach Bedarf genau gestellt und nach dem Schmieren probeweise leer gefahren. Bei dem Beginne der Arbeit oder nach er- folgtem Stillstande wird die Maschine etwas zurückgeschoben, damit die Messer mit voller Geschwindigkeit in das stehende Getreide gelangen. 2. Das Trocknen der abgeschnittenen Frucht. Selten ist das Getreide oder die abgeerntete Hülsenfrucht, der Raps, der Samen- klee trocken genug, um gleich vom Felde weg ohne Schaden in den Hof und in die Scheune eingeführt zu werden. Häufig ist die Frucht überdies mit grünen Pflanzen (Gras, Unkraut) durchwachsen, welche gleichfalls vor dem Einführen getrocknet werden müssen. Das Trocknungsverfahren richtet sich ebensowohl nach der Beschaffenheit der Erntefrucht, als nach der jeweiligen Witterung. Das Beste ist jenes, welches nicht nur das Austrocknen des Getreides ꝛc. befördert, sondern auch Schutz vor Nässe, Sturm, dem Ausdürren gewährt. Das schnellste Verfahren, welches aber nur bei vollreifem Getreide und sehr günstiger Witterung zur Ausführung gelangen kann, besteht im Liegenlassen der in Schwaden gemäheten Früchte, bis sie — bei wenig günstiger Witterung durch Wenden der Schwaden unterstützt — nach 2—3 Tagen zum Einführen geeignet sind. Ge- wöhnlich kommt diese Art zu Trocknen bei der Ernte der Hülsenfrüchte, auch des Rapses zur Anwendung, obgleich auch diese Früchte, wie das Getreide, gebunden und auf- gestellt werden. Mehr Zeit, oft einige Wochen beansprucht das Trocknen, wenn das Getreide gelbreif geschnitten, mit Unterwuchs versehen und die Witterung unsicher, kühl und feucht ist. In diesen Fällen darf das Getreide nur so lange in Schwaden liegen bleiben, bis der Unterwuchs so weit abgewelkt, daß er zäh geworden; das Getreide wird dann in Schwaden aufgebunden und zum Trocknen aufgestellt. Erlaubt es die Beschaffen- heit des Strohes und Unterwuchses, so wird das Getreide gleich nach dem Schnitte, Allgemeine Ackerbaulehre. ohne es erst in Schwaden liegen zu lassen, auf Strohbänder gelegt, gebunden und aufgestellt. Das Binden der Garben mit Bändern meist von Roggenstroh, oder von Schilf, Weidenruthen u. dgl., erleichtert das nachmalige Aufladen, Aufbewahren und Aus- dreschen der Frucht. Rathsam ist es, die Strohbänder schon im Winter bei gelegener Zeit mit der Hand oder einer einfachen Strohseilmaschine anfertigen zu lassen. Eine Arbeiterin verfertigt in 10 Arbeitsstunden etwa 14—18 Schock Bänder, zu welchen für jedes Schock ungefähr 11—14 Kilogr. Roggenstroh erforderlich sind. Vor der Anwendung befeuchtet man die Strohbänder mit Wasser um sie biegsamer zu machen. Die einzelnen Gebunde macht man nicht über 15 Kilogr. schwer, da sonst weiter- hin die Handhabung durch ihr Gewicht erschwert wird. Je weniger trocken die Frucht und je feuchter die Erntezeit, um so mehr muß man wegen des leichteren Abtrocknens unter dieses Gewicht herabgehen und bei sehr feuchter Zeit, trotz Erhöhung des Arbeitsaufwandes, nur Garben von 4—6 Kilogr. zusammenbinden. Am ent- sprechendsten für eine leichte Handhabung und ein baldiges Austrocknen ist bei Winter- getreide eine Garbengröße von 8—10 Kilogr., bei Sommergetreide von 7—8 Kilogr. und bei Hülsenfrüchten von 5—6 Kilogr. Bei günstiger Witterung genügt es, das gebundene Getreide in Prismen zu je 8—12 Garben zusammenzulegen, indem man senkrecht auf zwei mit den Aehren gegen einander Fig. 105. Getreide-Prisma. gelegten Garben in der, in Fig 105 ange- gebenen Weise je 4, 3, 2 und 1 Garbe reihen- weise querüber legt. Für unsichere Erntezeit geeigneter als die Prismenform ist die Aufstellung im Kreuze Fig. 106. Bei der Herstellung derselben wer- den zuerst zwei Garben, Aehre auf Aehre, gegen einander gelegt und dann zwei weitere Garben in gleicher Weise querüber in's Kreuz gelegt. Mit vier weiteren Garbenpaaren, deren Aehren gleichfalls übereinander greifen, werden die Arme des Kreuzes erhöht. Zum Schlusse nimmt man eine etwas stärker gebundene Garbe, theilt sie vom Strohband ab in vier gleiche Büschel und setzt sie derart auf das Kreuz, Fig. 106. Getreidekreuz. daß die Aehren zwischen den Armen des Kreuzes herabhängen. Die aufeinander ge- legten Aehren sind durch die nach abwärts gerichteten Aehren der Schlußgarbe gegen Regen geschützt. Die Körner können gut nachreifen, und sind gegen das rasche Ver- trocknen durch die Sonne geschützt, wodurch sich die Gefahr des Körnerausfalles ver- mindert Bei der geschützten Lage der Aehren sind die Körner ebenso gegen das Aus- schlagen durch den Wind gesichert. Das Stroh bleibt bei diesen Kreuzen licht; bei stärkerem Regen kann es jedoch, besonders an den Bandstellen bedeutend durchnäßt werden. Um auch die untersten am Boden liegenden Die Ernte. Garben zu schützen und leichter zum Austrocknen zu bringen, pflegt man die Kreuze in einigen Gegenden Schlesiens auf Stangen, ähnlich wie bei den Kleereitern zu spießen, welche unten 50 Cm. vom Boden mit einem Querholze versehen sind, das als Auflager für die unterste Bodengarbe dient. In feuchteren Gegenden ist die Aufstellung in Puppen oder Hocken , Fig. 107, der- jenigen in Kreuzen vorzuziehen. Bei dem Auf- setzen in Kreuzen läßt man die Garben gerne einen Tag abliegen, während die Puppen gleich nach dem Schneiden aufgestellt werden können, da die Garben weniger groß gebunden werden. Ihre Aufstellung erfolgt in der Weise, daß um eine zur Vermehrung der Standfähigkeit etwas stärker gebundene Garbe im Kreise 6 — 8 weitere Garben etwas abstehend, damit die Luft leichter durchziehen kann, aufgestellt werden. Zum Schlusse werden sämmtliche mit ihren Aehren nach aufwärts gerichteten Garben mit einer Fig. 107. Getreidepuppe. stärker gebundenen Garbe, deren Stroh auseinander Gebreitet wird, trichterförmig überdeckt. Noch mehr Schutz als diese Puppen gewähren die in Böhmen gebräuchlichen ähnlichen Hut- mandel , Fig. 108. Dieselben werden von einer in der Mitte stehenden Garbe gebildet, an welche 2mal übereinander je 4 Garben kreuzweise angelehnt werden. Die aufwärts gerichteten Aehren sämmtlicher Garben erhalten dann durch eine querüber gegen die herrschende Windrichtung gelegte Garbe (Hut), welche knapp vor den Aehren im Stroh eingeknickt wird, Schutz vor dem Regen. Das Aufstellen derselben erfolgt rasch, da eine Person neben dem Garbenbinden 10—15 solcher Mandeln im Tage aufrichten kann. In Puppen oder Hutmandeln wird das Getreide sicher nach- reifen können und gegen den Regen am besten geschützt sein. Dieselben sind aus kleinen Garben gebildet, können daher, wenn durchnäßt, bei ihrer lüftigeren Zusammenstellung schnell wieder abtrocknen, ohne daß die Körner durch Aus- wachsen der Keime oder das Stroh durch Ver- änderung seiner Farbe und seines Gebrauchs- werthes Schaden genommen haben. Kurzhalmiges Getreide, wie Gerste, Hafer, läßt sich weniger gut in Puppen und Mandeln aufstellen. Für diese Früchte gelangt die Auf- stellung in zwei dachförmig gegen einander ge- stellten Zeilen, Stiegen , Fig. 109 u. 110, zur Ausführung, wenn man nicht vorzieht, die- selben in Schwaden zu trocknen, nach Bedarf zu wenden und dann erst vor dem Einführen zu binden. Zur Erhöhung der Standfähigkeit können die beiden seitlichen Garben an den Enden der Reihe mit einem Bande, Fig. 109 a a , Fig. 108. Getreidehutmandel. Fig. 109 u. Fig, 110. Aufstellung des Getreides in Zeilen. umschlungen und zur Vermehrung des Schutzes die ganze Zeile mit einem Dache, Fig. 110, von geöffneten Garben bedeckt werden. Allgemeine Ackerbaulehre. Das Binden nach dem Trocknen kommt am häufigsten bei solchen Früchten zur Aus- führung, die wie Raps und andere Oelfrüchte durch rasches Austrocknen zu sehr dem Fig. 111. Rapskasten. Fig. 112. Getreidekasten. Körnerausfalle ausgesetzt wären. Die Auf- stellung der ungebundenen Frucht erfolgt in sog. Kasten , Fig. 111. Bei deren An- fertigung legt man die Rapspflanzen, die Schoten nach innen, die Stengelenden nach außen, auf einen kreisförmigen Haufen, welcher zur Sicherung gegen das Abheben durch den Wind mit aufgelegten Stangen, Steinen u. dgl. beschwert wird. Bei Getreide bildet man die Kasten in der Art, daß man aus einer 5—6 Garben im Gewichte von je 10 Kilogr. entsprechenden Menge von Pflanzen einen Kegel, Fig. 112, aufrichtet, welcher unterhalb der nach aufwärts gerichteten Aehren mit einem Strohbande gebunden wird. Auf diesen Haufen stülpt man zum vollkommneren Schutze eine nach unten geöffnete Garbe. Diese Auf- stellung des Getreides empfiehlt sich besonders für solche Gegenden, welche während der Ernte- zeit anhaltenden Regenfällen ausgesetzt sind, oder für Getreide mit sehr reichlichem, grünen Unterwuchse. Für sehr feuchte Gebirgsgegenden eignen sich die in dem steierischen und kärnthnerischen Alpengegegenden gebräuchlichen Stangengerüste, Getreideharfen , welche aus einem mit vielen Querstangen verbundenen, hohen, gegen die Windseite gerichteten Holzgestelle bestehen, welches durch ein Dach geschützt wird. Zwischen den Harfensprossen wird das nicht vollkommen trockene Getreide bis zum Ausdreschen aufgehängt. 3. Das Einführen der Frucht. Ist die Frucht getrocknet und günstiges Wetter eingetreten, so müssen alle Kräfte zusammengehalten werden, um das Einführen der Frucht in die Aufbewahrungsräume möglichst rasch zu vollenden. Die Erntewagen werden daher schon vorher in Stand zu setzen, erforderlichen Falls mit Ernteleitern zu versehen sein. In die Erntewagen legt man besonders bei dem leicht ausfallenden Raps große Tücher, um die während des Auf- und Abladens ausfallende schönste Frucht nicht zu verlieren. Je nach der Entfernung des Feldes vom Hofe werden 4—6 Fuhren Getreide mit einem Ge- spanne täglich eingeführt werden können. Eine wesentliche Beschleunigung des Ein- führens kann erzielt werden, wenn man während des Aufladens eines Wagens mit dem Gespanne einen bereits geladenen zweiten Wagen einführt, oder sog. Wechsel- wagen benutzt, von welchen man für je zwei Gespanne drei Wagen rechnen kann. An Handarbeitern benöthigt man für jeden in der Ladung begriffenen Wagen zwei Auflader, von welchen der eine der Knecht sein kann, und 2—3 Garbenzureicher. Eine Person wird ungefähr 50—60 Mandeln Wintergetreide und 80—100 Mandeln Sommergetreide zu laden vermögen. Zum Abladen in der Scheune werden ebenso- Die Ernte. viele Leute, als wie zum Aufladen erforderlich sein. Vor dem Einlagern des Ge- treides in die Scheune oder vor dem Aufsetzen in Tristen wird auf den Boden Stroh aufgelegt, damit die Aehren nicht unmittelbar auf die Erde zu liegen kommen. 4. Das Aufbewahren der Frucht. Bei der Aufbewahrung der eingebrachten Früchte handelt es sich darum, die- selben vor jedem Verluste und vor dem Verderben zu schützen und so unterzubringen, daß ihre weitere Benützung und Verarbeitung anstandslos erfolgen kann. Gewöhn- lich wird dies durch das Unterbringen des Getreides entweder unter Dach in Scheunen, Schuppen oder ähnlichen Gebäuderäumen, oder im Freien in sog. Mieten, Tristen, Feimen, Schobern zu erreichen gesucht. In gedeckten Räumen ist das Getreide jedenfalls am sichersten aufgehoben. Verluste durch Vögelfraß, Diebstahl, selbst durch Feuer werden leichter abzuwehren sein. Bei guter Scheunenanlage Siehe F. Engel, Handbuch des landwirthschaftl. Bauwesens. 5. Aufl. Leipzig 1870; F. C. Schubert, Handbuch der landw. Baukunde. 3. Aufl. Berlin 1872; F. Jummerspach, Die landwirthschaftliche Baukunde. Wien 1860. wird das Einfahren, Abladen und Ausdreschen der Frucht bequemer und unter leichterer Aufsicht auszuführen sein. Eine gute Lage der Scheune , eine zweckmäßige Anordnung der Bansen und Tennen wird in dieser Beziehung eine wesentliche Vereinfachung und Erleichterung der Arbeit ermöglichen. Aus diesem Grunde findet man zuweilen bei abschüssigem Terrain die Zufahrt zur Tenne zur Erleichterung des Abladens an der Giebelseite in halber Scheunenhöhe angelegt. Bei der gewöhnlichen Anordnung der Tenne geht dieselbe in einer Breite von 4.5—5.5 Meter quer oder längs durch die Scheune und zwar in einer Höhe, welche das Einfahren des vollbeladenen Wagens gestattet. Gegen den Bansen zu werden die Tennen 1.25 Meter hoch mit Brettern verschalt, über denselben ein Sturzboden gelegt, damit auch der Dachraum zum Einpansen benutzt werden kann. Als ungefährer Anhaltspunkt für den Bedarf an Scheunenraum zur Auf- bewahrung der Ernte können folgende Zahlen dienen: für jedes Kilogramm Garben- gewicht sind 0.016 Cubikmeter Scheunenraum erforderlich, daher für ein 125 Kilogr. schweres Mandel zu 13 Garben Wintergetreide 2 Cubikmeter, für ein 112.5 Kilogr. schweres Mandel Sommergetreide 1.77 Cubikmeter, im Durchschnitt per Mandel 1.89 Cubikmeter. Je 800 Mandeln beanspruchen eine Tenne und 1365 Cubikmeter Bansenraum; sollen auf dieser Tenne die aufbewahrten 800 Mandeln rechtzeitig mit der Hand ausgedroschen werden, so muß dieselbe wenigstens bei einer Breite von 5.5 Meter 6.6 Meter lang sein, es können dann auch im Nothfalle zwei Ernte- wagen hintereinander stehend abgeladen werden, vorausgesetzt, daß das Scheunenthor 4.4 Meter hoch und ebenso breit ist. Bei reicher Ernte wird man gewöhnlich nicht ausreichenden Scheunenraum be- sitzen, da man sich bei der Kostspieligkeit desselben — 10 Cubikmeter Raum bei Schindeldach kosten ungefähr 20—24 Mark, 10—12 fl. — nur für eine Mittel- ernte vorsehen wird. In diesem Falle wird man das in der Scheune nicht unter- Allgemeine Ackerbaulehre. zubringende Getreide in Tristen , Fig. 113 aufsetzen. Als Standort der Triste wählt man einen trockenen, vorher geebeneten Platz, auf welchen als Unter- lage Stroh, Reißig zur Abhaltung der Feuchte gelegt wird. Der Triste oder Feime giebt man gewöhnlich eine viereckige oder wegen des gleichförmigeren Setzens eine runde Grundfläche. Zur Vermeidung großer Dachflächen macht man sie höchstens Fig. 113. Getreidetriste. 7.5—9.5 Meter breit. Bei den Aufsetzen der Triste legt man auf den gereinigten und geebeneten Platz das Getreide mit dem Sturz- ende nach außen, mit den Aehren nach innen. Das Aufsetzen erfordert große Aufmerksamkeit und Geschick, wenn durch das nachmalige Setzen des Getreides die Tristenform unverändert bleiben soll. Das Dach der Feime wird mit losem Stroh oder mit dachziegelförmig übereinander gelegten Stroh- gebunden eingedeckt und durch Strohseile, welche mit Holznägeln festgehalten werden, oder durch Beschweren mit Steinen und Balken vor dem Abheben durch Winde geschützt. Die Seitenflächen wird man stets einziehen zum besseren Schutze vor dem Regen und scharf abrechen und mit dem Stroh- messer glatt abschneiden, damit das Regenwasser leichter ablaufen kann und die Vögel nicht Fig. 114. Hölzernes Feimengerüst (s. d. Text). durch lose heraushängende Aehren herbeigelockt werden. Zum Schlusse wird die Triste zur Ableitung des Regenwassers mit einem kleinen Graben umgeben, dessen Erdaufwurf an die Triste gelegt wird. Bei kleineren Tristen läßt sich durch Auf- stellung eines an hohen Pfeilern verschiebbaren leichten Daches noch mehr Schutz gegen die Witterung geben, besonders dann, wenn die zum Dreschen in Angriff genom- mene Triste von einem Regenfall betroffen wird. Wo Mäuseschaden zu fürchten ist, wird man sich durch die erhöhte Aufstellung der Tristen oder Feimen auf eigenen hölzernen oder eisernen Gerüsten zu sichern trachten. Die hölzernen Feimengerüste, Fig. 114, bestehen aus Langhölzern 1, welche auf gemauerten Kegeln k aufgelegt Die Ernte. werden. Zwischen den Langhölzern werden Latten r gelegt, welche vor Aufführung der Feime mit einer Stroh- oder Reisigschichte überdeckt werden. Noch zweckmäßiger sind die eisernen, zerlegbaren Feimengerüste, Fig. 115, welche auf Säulchen mit glockenförmigem Hut gelegt werden um die Mäuse ab- zuhalten. In Böhmen G. Krafft, Ein Großgrundbesitz der Gegenwart. Wien 1872. S. 275. verwendet man 30 Cm. hohe Streifen aus Mauer- werk, welche zur Ermög- lichung des Luftzuges in ent- sprechender Entfernung von einander gerückt sind. Diese Vorrichtungen sind noch zweckmäßiger als Feimen- gerüste. Fig. 115. Eifernes Feimengerüst. — Preis bei 5.5 Meter Durch- messer 216 Mark, 108 fl. Im Vergleiche zur Scheune verlangen die Feimen mehr Arbeitsaufwand, da das Getreide, sofern man nicht eine transportable Dampfdreschmaschine benützt, zum Ausdreschen ein zweites Mal aufgeladen und zur Tenne geführt werden muß. In vielen Fällen wird es daher am wirthschaftlichsten sein, wenn man Scheunen und Feimen gleichzeitig zur Aufbewahrung benützt. In der Scheune wird dann das Sommergetreide, vorerst Gerste und Erbsen untergebracht, während das Wintergetreide, welches weniger dem Körnerausfall ausgesetzt ist, in Tristen aufgestellt wird. 5. Das Ausbringen der Körner aus dem Stroh. In vielen Wirthschaften verwendet man zum Ausbringen der Körner aus dem Stroh den Dreschflegel oder selbst noch die Dreschstange . Bei unachtsamer Führung dieser Handgeräthe und bei dem Unterlassen des öfteren Wendens der Frucht während des Dreschens bleiben viele Körner im Stroh zurück. Dabei ist die täg- liche Leistungsfähigkeit eines Dreschers eine geringe, dieselbe beträgt bei langstrohigem Wintergetreide 1.25—1.85 Hectoliter, bei kurzem Sommergetreide je nach der Schüttung 1.85—2.5 Hectoliter. Mit dem Ausdreschen der gesammten Ernte wird man daher den ganzen Winter über zu thun haben und die Frucht wird nicht jeder Zeit zum Verkaufe bereit liegen können. Das Handdreschen wird sich deshalb nur dort empfehlen, wo sich die Arbeiter mit 1/15—1/16 des Ausdrusches begnügen oder dort, wo dessen Beibehaltung ungeachtet der größeren Kosten geboten erscheint, um die Arbeiter für den Sommer zu erhalten. Um schneller mit dem Ausdreschen der Frucht fertig zu werden, können zur Noth die Körner durch Pferde oder Ochsen ausgetreten oder durch Ueberfahren mit Walzen ausgebracht werden. Das Austreten nimmt man gewöhnlich wie z. B. in Ungarn am Felde selbst auf einem provisorisch hergerichteten Tretplatze vor. Das Getreide, besonders der schwerer auszutretende Roggen und Weizen, darf jedoch nicht Krafft, Lehrb. d. Landw. I. 18 Allgemeine Ackerbaulehre. zäh, sondern muß gut ausgetrocknet sein, wenn nicht zu viele Körner im Stroh zurück- bleiben sollen. Das Austreten, welches bei trockener Zeit für ein Pferd eine tägliche Leistungsfähigkeit von 5 Hectoliter ermöglicht, fördert dagegen bei feuchter Zeit nur wenig. Am leichtesten werden Hirse, Raps, Gerste ausgetreten. Bei dem Rapse ist diese Art des Ausbringens jedenfalls am Vortheilhaftesten, da hier Eile noth thut, um die Scheunen bald leer zu bekommen und den Raps rasch auf den Markt zu bringen. Für Getreide bleibt jedoch das Austreten immer nur ein Nothbehelf, da nicht nur manche Körner durch die Thiere gefressen werden, sondern auch durch mangelhaftes Entkörnen ein Körnerverlust unvermeidlich ist. Ueberdies leidet die Qualität der Körner durch Zerschlagen und durch Verunreinigung von Seite der Thiere. Das Stroh wird stärker zerbrochen. Wegen der Unzulänglichkeit des Austretens und nachdem der Handdrusch mit dem Flegel viel Zeit beansprucht, kommt das Dreschen mit der Maschine immer mehr in Aufnahme. Durch die Dreschmaschine wird das Ausbringen der Körner aus dem Stroh nicht nur billiger, sondern auch vollkommener und viel schneller bei weniger Aufsichtskosten ausgeführt. Bei geringen Fruchtmengen reicht eine Hand- dreschmaschine aus. Dieselbe erfordert bei einer täglichen Leistungsfähigkeit von 9.25—12.5 Hectoliter Körner 6—8 Personen zur Bedienung. Da dieselbe nicht mehr leistet, als wenn die zur Bedienung erforderlichen Personen mit dem Flegel dreschen würden, so geht allerdings der Vortheil der Arbeitsersparung verloren, da- gegen erübrigt noch der Vortheil des reineren Ausdreschens. Eine erhebliche Arbeits- ersparniß tritt erst bei Anwendung von zwei- und mehrpferdigen Göpeldresch- maschinen oder von Dampfdreschmaschinen hervor, welche unter einem das Getreide auch putzen und sortiren. Eine zweipferdige Göpeldreschmaschine drischt mit einer Bedienung von 6—7 Personen, zu welchen noch zwei weitere Personen zum Betriebe einer Putzmühle kommen, in 9—10 Stunden 900—1000 Garben Wintergetreide zu 6—7 Kilogr. Gewicht, welche bei guter Schüttung 28—37 Hecto- liter Körner geben können, oder 1000—1200 Garben Sommergetreide. Eine acht- pferdige Locomobil-Dreschmaschine, die 25—30 Personen zur Bedienung verlangt, liefert dagegen 230—320 Hectoliter. Für Landwirthe, welche kein ausreichendes Capital zum Ankaufe einer Dresch- maschine verfügbar oder nur kleinere Fruchtmengen auszudreschen haben, empfiehlt sich, damit dieselben auch an den Vortheilen des Maschinendrusches Theil nehmen können, der genossenschaftliche Ankauf und die gemeinschaftliche Benützung einer Dreschmaschine, wenn sich nicht etwa die günstige Gelegenheit bietet, das Getreide durch einen Unter- nehmer gegen Lohn oder Antheil ausdreschen zu lassen. Ueber die Construction der Dreschmaschinen, Reinigungsmaschinen u. s. w. lassen wir am Schlusse der Besprechung der Frucht- und Strohernte ein selbständiges Capitel nachfolgen. 6. Das Reinigen und Sortiren der Körner. Erst das geputzte und sortirte Getreide sollte verkauft oder zur weiteren Ver- wendung aufbewahrt werden. Je sorgfältiger dasselbe geputzt und von Unkraut, Die Ernte. Staub, Spreu ꝛc. gereinigt wird, um so höher wird der zu erzielende Marktpreis ausfallen. Anderseits wird ein schlecht gereinigtes und sortirtes Getreide einen ganz unverhältnißmäßigen Preisabschlag erleiden. Bei den größeren Dreschmaschinen wird das Getreide gleich geputzt und sortirt. Bei kleineren Maschinen und dem Handdrusche muß jedoch das Reinigen von Staub, Unkrautsamen u. dgl. und die Sonderung der schweren von den leichteren Körnern und von der Spreu besonders vorgenommen wer- den. Am langsamsten wird diese Arbeit verrichtet durch Abscheidung der Spreu, Aehren und Strohtheile von den Körnern durch grobmaschige Siebe, des Staubes und der leichteren Körner, Unkrautsamen u. dgl. durch Werfen mit der Schaufel gegen den Wind und schließlich durch Sortirung der Körner mit verschieden feinen Sieben. Fig. 116. Getreide-Reinigungsmaschine von R. Hornsby \& Sons—Grantham. — Nr. 119 zum Handbetriebe mit 10 Sieben 316 Mark, 158 fl.; Nr.119 e kleiner, ohne Stachel- walze, mit Holzgestänge zum Schütteln der Siebe, 188 Mark, 94 fl. Billiger, sorgfältiger und schneller wird die Arbeit des Reinigens und Sortirens der Körner durch die Getreidereinigungsmaschine (Putzmühle, Windfege) verrichtet. Die wirksamen Theile einer derartigen Maschine bestehen aus einer Flügel- welle, dem Ventilator und dem Siebwerke. Der Ventilator hat die Aufgabe, durch den bei seiner Umdrehung er- zeugten Wind das Getreide vom Staub und leichteren Theilen zu befreien. Das Sieb- werk, aus einer Mehrzahl schräg gestellter, flacher Siebe bestehend, hat die Aufgabe, das Getreide von Unkraut- samen zu reinigen und je nach der Größe seiner Körner in 2, 3 und mehr Sorten zu trennen. Eine der ver- breitetsten Windfegen ist die Fig. 117 Raden-Auslesemaschine ( Trieurs à alveoles ) von Ih. Pernollet—Paris mit einfacher Wirkung. — Nr. 1 Länge des Cylin- ders 1.3 Meter, Durchmesser 45 Cm., Gewicht 75 Kilogr. Leistungs- fähigkeit 3 Hectoliter per Stunde, Preis 250 Mark, 125 fl. von R. Hornsby—Grantham, Fig. 116. Dieselbe ist überdies an der Einlaufgosse mit einer durch ein Gitter arbeitenden Stachelwalze versehen, welche Halme und längere Spreutheile aussondert. 18* Allgemeine Ackerbaulehre. Die Arbeit der Ausscheidung von Unkrautsamen wird auch für sich von eigenen Unkraut-Auslesemaschinen bewerkstelligt. Zu den vorzüglicheren Maschinen dieser Art zählt jene von Lhuillier—Dijon und von Jh. Pernollet—Paris. Die Fig. 118. Längsschnitt durch die Raden-Auslesemaschine von Jh. Pernollet mit doppelter Wirkung für runde Unkrautsamen und lange Körner (Hafer). — Nr. 2 Länge 1.9 Meter, Durchmesser 45 Cm., Gewicht 100 Kilogr. Leistungsfähigkeit per Stunde 3 Hectoliter, Preis 360 Mark, 180 fl. (s. d. Text). Pernollet'schen Auslesemaschinen werden in zwei Modellen mit ein- facher, Fig. 117 (s. S. 275), und doppelter, Fig. 118, Wirkung gebaut. Letztere haben die Be- stimmung außer der Abschei- dung von runden Unkrautsamen (Kornraden, Wicken, Labkraut, Ackersenf ꝛc.) und von Hinter- getreide aus allen Getreide- arten, auch die Absonderung von Hafer, Gerste aus Weizen und Roggen zu bewerkstelligen. Beide Auslesemaschinen sind an dem vorderen Fünftel des drehbaren Cylinders, welcher durch den Trichter, Fig. 118 G , mit Getreide versorgt wird, mit einer auszuwechselnden Sieb- rolle mit länglichen Schlitzen B versehen, welche zur Abschei- dung von — bei C aus der Maschine fallenden — Hinter- getreide, schmalen verkümmerten Körnern, kleinen Unkrautsamen, Erde, Staub ꝛc. dient. Der übrige Theil des Cylinders ist geschlossen und an der inneren Wandseite mit dicht aneinander gereihten Zellen be- deckt. Das Getreide gelangt nun bei den Maschinen mit doppelter Wirkung Wiener landw. Ztg. 1874. S. 161. in die sich an das Rollsieb B anschlie- ßende erste Abtheilung, welche mit Zellen von 1 Cm. Durchmesser ausgekleidet ist. Diese Zellen nehmen nur Weizenkörner und diesen ähnlich große Körner, sowie runde Unkrautsamen auf, Die Ernte. während Gerste, Hafer ꝛc. durch die Oeffnungen bei D aus der Maschine treten. Bei der Drehung des Cylinders in der Richtung von m nach n , Fig. 119, fallen die von den Zellen aufgenommenen Körner in eine Rinne p , in welcher sie durch den Schrauben- transporteur s in die dritte, letzte Abtheilung ge- schafft werden. Zur Seite der Rinne befinden sich in jeder Abtheilung vier schiefe Ebenen (Spateln), welche das Gleiten der aus den Zellen fallenden Körner in die Rinne vermitteln. Die Rinnenvorrichtung ist um die Achse des Cylinders, an welche sie durch die Träger p befestigt ist, drehbar eingerichtet, um durch ein verschieden Fig. 119. Fig. 120. Fig. 119. Querschnitt durch die Raden- Auslesemaschine von Pernollet. (S. d. Text). Fig. 120. Abstreifbügel z. V. steiles Aufrichten der Spateln eine entsprechend reine Arbeit zu erhalten. Unter den Spateln sind Bügel, Fig. 120 c , aus starkem Eisendraht befestigt, welche die Be- stimmung haben größere Körner, die etwa in die Zellen hineingelangen, abzustreifen. Die dritte Abtheilung, welche gleichfalls mit einer Rinne und einem Schrauben- transporteur ausgestattet ist, scheidet die runden Unkrautsamen, sowie kurze Getreide- körner aus, indem diese sich in die hier nur 7 Millim. großen Zellen legen und durch die Rinne bei F , Fig. 118, aus dem Cylinder gelangen. Die nicht von den Zellen aufgenommenen Weizen- oder Roggenkörner bester Qualität werden bei E ausgeschieden. Ebenso wie für die Ausscheidung von Unkraut- samen werden auch Maschi- nen gebaut, welche allein die Bestimmung haben, die vom Staub gereinigten Fig. 121. Cylindersieb mit Steintrichter und Windfege von Rausomes, Sims \& Head—Ipswich. — Gewicht 360 Kilogr., Preis 408 Mark, 204 fl. Körner nach ihrer Qualität zu sortiren oder gemengte Körnerarten von einander zu trennen. Zu den vorzüglichsten Sortirmaschinen gehört das Cylindersieb von Penney (Länge 1.4 Meter, Durchmesser 52 Cm., Preis 180 Mark, 90 fl.), welches aus einem Drahtgeflecht besteht, dessen Maschen je nach den gewünschten Qualitäten verschieden weit gestellt werden können, das ähnlich gebaute Cylindersteb von Ransomes, Fig. 121, und die Früchteabsonderungsmaschine von Pernollet—Paris mit auszuwechselnden, Fig. 122 (s. S. 278), oder fixen Siebrollen. Das Ran- somes'sche Sieb ist im Innern mit einem Apparate versehen, welcher Steine und Allgemeine Ackerbaulehre. andere Gegenstände, die größer als die größten Körner sind, ausscheiden. Dieselben kommen unmittelbar unter dem Rumpfe der Maschine heraus. Außerdem ist diese Fig. 122. Früchte-Absonderungsmaschine ( Crible-Trieurs ) von Jh. Pernollet—Paris. — Kleines Modell mit auszuwechseln- den Siebrollen. Länge 1.25 M., Durchmesser 55 Cm., Gewicht 40 Kilogr., Leistungsfähigkeit per Stunde 2—3 Hectoliter, Preis 200 Mark, 100 fl. Reinigungsmaschine mit einem Ventilator versehen, um Staub, Spreu ꝛc. abzusondern. Mittelst der Pernollet'schen Maschine, Fig. 122, können ent- weder Körnereiner Fruchtgattung in 3, 4 oder 5 Qualitäten sortirt oder eine Gemenge verschiedener Früchte wie z. B. von Weizen und Roggen, von Gerste und Hafer, Linsen und Wicken, Bohnen und Erbsen, Rothklee und Luzerne ꝛc. durch Einsetzen verschiedener Sieb- rollen von einander getrennt werden. 7. Das Aufbewahren von Stroh und Körnern. Meist begnügt man sich das ausgedroschene Stroh in Feimen oder Tristen aufzubewahren. Stehen jedoch eigene Strohböden zur Verfügung, so wird man in denselben vor allem das Futterstroh zur besseren Erhaltung des Futterwerthes unter- zubringen suchen. An Raum ist für das gebundene Stroh erforderlich bei: Raumerforderniß Die Aufbewahrung der Körner erfolgt gewöhnlich auf Schüttböden , Speicher, Fruchtkästen, die in den Dachräumen der Wirthschaftsgebäude mit Ausnahme der Stallungen oder als selbstständige Gebäude eingerichtet werden. Bei der Ein- richtung derselben handelt es sich vorzugsweise um eine ebene, möglichst glatte Boden- fläche, welche den Insecten wenig Nistorte gewährt. Außerdem soll für aus- reichende mit feinen Drathgittern und mit Läden aus Eisenblech verwahrte Fenster gesorgt sein, um bei möglichster Feuersicherheit und Abhaltung von Licht und Vögeln doch einen lebhaften Luftzug zu ermöglichen. Sind mehrere Geschosse im Schütt- boden übereinander eingerichtet, so sollen dieselben mindestens 2.5 Meter hoch ge- halten werden, um das Abtragen der Frucht bequem vornehmen zu können. Die Brauchbarkeit des Schüttbodens wird wesentlich erhöht, wenn durch Aufzüge und durch geeignet angebrachte Schläuche, das Auf- und Abtragen der Fruchtsäcke durch Arbeiter vermieden werden kann. Das frische Getreide darf nur wenige Zoll aufgeschüttet werden, je weniger aus- Die Ernte. getrocknet dasselbe ist; erst später kann man es ohne Gefahr in 0.3—0.6 M. hohe Haufen aufschichten. Um das frische Getreide dünn genug aufschütten zu können und um überdies noch genügend Raum zum Umschaufeln zu erhalten, hat man für jeden zu erntenden Hectoliter 0.325 Quadratmeter gedielten Schüttbodenraum zu rechnen. Um das Dumpfigwerden des Getreides zu verhüten muß dasselbe besonders in feuchten Gegenden gleich nach dem Aufschütten auf den Speicher täglich umgeschaufelt werden. Späterhin wird nach Bedarf diese Arbeit etwa nur alle zwei Wochen aus- geführt. In jedem Falle hat man die Getreidehaufen öfters zu untersuchen, um durch rechtzeitiges Umschaufeln ein Warmwerden derselben zu verhüten. Bei feucht ein- gebrachtem Getreide oder bei Raps wird man die Haufen luftiger erhalten, wenn man die Spreu mit den Körnern auf den Boden bringt. Neben den Speichern verdienen auch die ober- oder unterirdisch angelegten Silos einige Beachtung. Dieselben bestehen aus flaschenförmigen, ausgemauerten oder bei undurchlässigem Boden auch ohne Ausmauerung angelegten Gruben, welche nachdem sie mit gut ausgetrocknetem Getreide bis an den Hals gefüllt durch aufgelegte Balken und aufgeschütteter, dann festgestampfter Erde vor dem Luftzutritte abgeschlossen wer- den. Vor dem Gebrauche des Silos brennt man denselben mit Stroh aus und umgiebt die Wände kurz vor dem Einfüllen des Getreides, falls keine Ausmauerung vorhanden, mit trockenem Strohe. Ein 50 Cubikmeter großer Silo vermag 500 Hectoliter Körner zu fassen. Hat man das Getreide möglichst trocken in den Silo eingebracht, so hält es sich ganz vortrefflich und ist überdies am sichersten gegen Feuer geschützt. In lockerem Boden und bei Silo ohne Ausmauerung können jedoch leicht Mäuse und durch deren Gänge Regenwasser eindringen. Bei größeren zur Aufbewah- rung gelangenden Getreidemassen kommen, besonders in neuerer Zeit in Ungarn, an Stelle der Schütt- böden, Getreidethürme von Sinclair, Devaux ꝛc. und ähnliche Gebäude zur Verwendung, welche mit Vorrichtungen versehen sind, die das Lüften und Umwenden des Ge- treides auf ebenso einfache als billige Weise ohne Umschaufeln erzielen lassen. Bei den vielfach bewährten John Sinclair'schen Getreide- thürmen, Fig. 123, wird das Getreide Fig. 123. Getreidethurm von J. Sinclair. (S. d. Text.) durch eine Winde f und die Thüren a in das obere Stockwerk geschafft und durch die Oeffnungen g in das Gebäude entleert. Das ganze Gebäude durchziehen kreuz und quer dachförmig aufgestellte Holzrinnen r , welche der Luft durch die mit Draht Allgemeine Ackerbaulehre. versicherten Oeffnungen h in den Umfangsmauern den Eintritt in die Getreidemassen gestatten. In dem untersten durch die Thüren b zugänglichen Geschoß befinden sich die Trichter i , welche in einen durch den Schieber k verschlossenen größeren Trichter münden. Läßt man einige Hectoliter Getreide durch diese Trichter ab, so entsteht in dem Getreide der betreffenden Thurmabtheilungen eine so gründliche Bewegung, als nur immer durch Umschaufeln erzielt werden könnte. Eine sehr sichere Aufbewahrungsart ist die in neuerer Zeit von Dr. Louvels Dingler's polytechnisches Journal 1872. 204. Bd. S. 261 ff. vorgeschlagene Aufbewahrung in einem Vacuum . Die Kosten eines derartigen cylinderförmigen Apparates betragen jedoch inclusive Luftpumpe für 100 Hectoliter 1320 Mark, 660 fl. Den Fruchtvorräthen werden besonders der weiße und schwarze Kornwurm ver- derblich. Bemerkt man im August und September auf den Getreidehaufen einige, zuweilen bis zu 20 und 30, durch ein weißgraues Gespinnst und weißlichen Unrath verbundene Klümpchen von Körner, so hat man es mit dem ersteren Schädling, dem weißen Kornwurm oder der Kornmotte ( Tinea granella L. ) zu thun, deren Raupe das Innere der Körner ausfrißt und mit den erwähnten Gespinnsten umgiebt. Zur Verpuppung sucht die im September ausgewachsene Raupe Balkenfugen oder Bretter- ritzen auf. Aus der Puppe erscheint dann im April bis Juli der kleine silbergrau gefärbte Schmetterling. Der zweite Schädling, der schwarze Kornwurm oder Ge- treiderüsselkäfer ( Curculio granarius L. ) legt dagegen, nachdem er in Ritzen über- wintert hat, seine Eier in die Getreidekörner, von deren Inhalt sich weiterhin Larve und Käfer ernähren. Die Verpuppung erfolgt innerhalb der Körner. Aus der Puppe entwickelt sich im Juli die erste Generation des Käfers, aus dessen Brut im September Käfer zweiter Generation hervorgehen. Gegen beide Schädlinge der Motte und dem Käfer, welche oft bedeutende Korn- vorräthe vernichten können, empfiehlt sich ein sorgsames Reinhalten der Speicher, Verstreichen aller Fugen und Ritzen mit Kalk, Theer, Entfernen des alten, oft in Winkeln herumliegenden verstaubten Getreides, fleißiges Umschaufeln und Werfen der Frucht besonders im Frühjahre und im Juli. Zeigen sich die Schädlinge erst ver- einzelt, so suche man nach Möglichkeit, die an den Wänden sitzenden Motten, in den Wintermonaten die Puppengespinnste, dann die Käfer, welche sich durch hingelegte Schaf- felle anlocken lassen, zu vernichten. Bei kleineren Quantitäten angegriffenen Getreides können die Raupen und entsprechend die Larven und Puppen des Käfers durch Dörren im Backofen, jedoch nicht über 50 °C. , um nicht die Keimkraft der Körner zu zer- stören, getödtet werden. Für alle Fälle muß dasselbe so rasch als möglich von dem Schüttboden entfernt werden. Ist das Uebel schon zuweit vorgeschritten, so bleibt schließlich nichts anderes übrig, als den Schüttboden ganz zu leeren, sorgfältig bis in die kleinsten Winkel unter Anwendung scharfer Lauge zu reinigen und ein Jahr lang unbenützt stehen zu lassen. Die Ernte. 4. Die Dreschmaschine. Das Ausdreschen der Körner durch die Maschine erfolgt entweder wie bei dem älteren, noch heute am meisten angewendeten, schottischen oder Meikle'schen Systeme durch Erschüttern und Stoßen der Halme oder wie bei dem amerikanischen oder Moffitt'schen System durch Ausstreifen der Halme. Bei beiden Systemen besteht der wirksame Theil aus einer Trommel, welche in einem gewissen Abstande und zu einem gewissen Theile des Umfanges von einem Mantel umgeben ist. Der Mantel ist feststehend, die Trommel wird durch irgend einen Motor in Bewegung gesetzt. In den Zwischenraum beider wird das zu entkörnende Getreide eingelegt. Fig. 124. Hensmann'sche Handdrechsmaschine von A. Burg \& Sohn—Wien. — Gestell aus hartem Holze, Trommelbreite 39.5 Cm., Preis 340 Mark, 170 fl. Bei dem weniger gebräuchlichen amerikanischen Systeme ist die Trommel und der Mantel mit zahlreichen radial abstehenden Stiften besetzt, welche derart an- geordnet sind, daß sie knapp aneinander vorbeipassiren und dadurch aus den da- zwischen befindlichen Getreidehalmen die Körner ausstreifen. Bei dem schottischen Systeme sind die Trommel und der Mantel parallel zur Trommel-Achse mit Schlagleisten ausgerüstet. Das in den Zwischenraum ein- gelegte Getreide wird bei diesem Systeme durch den Stoß entkörnt. Damit dieser möglichst wirksam ist, muß das Getreide bei seiner geringen Masse mit großer Ge- schwindigkeit von der rotirenden Trommel gegen die Leisten des Dreschmantels ge- worfen werden. Bei beiden Systemen wird das Getreide gewöhnlich mit den Aehren voran Allgemeine Ackerbaulehre. eingelegt. Das entkörnte Stroh gelangt vielfach gebrochen als Wirrstroh aus der Maschine. Bei den seltener angewendeten Breitdreschmaschinen erhält man das Stroh auch als Langstroh, indem bei diesen Maschinen die Trommel so breit construirt wird, daß die Halme parallel zur Trommelwelle eingeführt werden können. Je nach der Art der Betriebskraft unterscheidet man Hand-, Göpel- und Dampfdreschmaschinen, welche entweder transportabel oder feststehend eingerichtet werden können. Hand- oder Göpeldreschmaschinen werden meistens nur zum Ent- körnen verwendet, während die sogenannten combinirten Dampfdreschmaschinen noch mit einem Apparate zum Reinigen und Sortiren der Körner ausgestattet werden. Den geringsten wirthschaftlichen Werth besitzen, wie schon weiter oben erwähnt, die Hand- dreschmaschinen, unter welchen jene von W. Hensmann, Fig. 124, (s. S. 281), noch die weiteste Verbreitung gefunden hat. Wir beschränken uns daher auf die Anführung der Göpel- und Dampfdreschmaschinen. Im Allgemeinen wird man an eine gute Dreschmaschine folgende Anforderungen stellen: 1. Reinen Drusch. Bei guter Stellung des Mantels sollen nicht viel über 3 % Körner, wie man sich leicht durch eine Probe überzeugen kann, im Stroh zurück bleiben. Bei einem guten Handdrusche bleiben etwa 5—7 % Körner im Stroh. 2. Die Körner sollen nicht beschädigt, weder gebrochen noch zerquetscht werden. 3. Die Maschine soll solid gebaut, in allen ihren Theilen leicht zugänglich und 4. leicht zu bedienen sein und wenig Leute zur Bedienung erfordern. 5. Schließlich verlangt man von derselben möglichste-Leistungsfähigkeit bei geringem Kraft- und Kostenaufwande. Aus Untersuchungen, welche in Fühlings „Neue landw. Zeitung“ (1866 S. 112) mit- getheilt werden, geht hervor, daß der durch die Maschine gedroschene Weizen, besonders wenn er gebeizt werden soll, in seiner Keimfähigkeit beeinträchtigt wird. Es gingen nicht auf von Weizen bei Maschinendrusch, ungebeizt im Durchschnitt 2—4 % Körner, mit Kupfervitriolbeize „ „ „ 33—41 % „ Handdrusch, ungebeizt „ „ „ 3 % „ mit Kupfervitriolbeize „ „ „ 9 % „ Den Bedarf an Samengetreide wird man daher zweckmäßiger durch die Hand aus- dreschen lassen 1. Die Göpeldreschmaschine. Das Gestell der Dreschmaschine besteht entweder aus einer Holz- oder Eisen- construction. Im letzteren Falle wird die Lagerung der Dreschtrommel sicherer zu bewerkstelligen sein, anderseits üben in ersterem Falle die unvermeidlichen Stöße und Erschütterungen bei der größeren Elasticität des Holzes einen minder schädlichen Ein- fluß aus. Die wegen des Werfens des Holzes unsicherere Lagerung kann durch Auflegen der Zapfenlager auf Lagerplatten zum Theile behoben werden. An dem Gestelle soll ein ausreichend großer Tisch zum bequemen Einlegen des Getreides in die Maschine angebracht sein, welcher gleichzeitig dem Einleger genügenden Schutz zu gewähren hat. Die Ernte. Die in dem Gestelle möglichst tief unterzubringende Dreschtrommel besteht aus einer horizontal gelagerten, schmiedeeisernen oder stählernen Welle, aus den Nabenkränzen und den Schlagleisten, welche mit den Nabenkränzen verschraubt sind. Die in einer Anzahl von 4—8 möglichst sicher an den Nabenkränzen befestigten Schlagleisten , sind entweder wie bei der Barrett'schen Maschine von Winkelbandeisen oder von Stahl oder schmiedbarem Gusse angefertigt. Dieselben sind gewöhnlich glatt oder auch mit Riffen versehen, um durch Vergrößerung der Oberfläche einen reineren Drusch zu erzielen. Häufig, Fig. 125, verwendet man auch Schläger aus mit Band- eisen verkleideten Eschenholze, auf welche schräggerippte Stäbe aus schmiedbarem Guß fest aufgeschraubt werden. Bei der bedeutenden Geschwindigkeit der Dreschtrommel, welche gewöhnlich 800—1000 Touren in der Minute macht, müssen die Schlagleisten nicht nur gleich schwer sein, sondern auch gleichweit von der Trommelwelle abstehen. Auf ⅓—⅗ ihres Umfanges ist die Trommel, nahezu concentrisch abstehend, von dem Dreschmantel oder Dreschkorbe umgeben. Derselbe besteht aus einer Mehrzahl den Schlagleisten ähnlichen Stäben, welche soweit von einander entfernt sind, Fig. 125. Trommel der Göpel-Breitdreschmaschine von H. F. Eckert—Berlin. — Breite 1.5 Meter. daß die ausgedroschenen Körner durchfallen können. An den Dreschkorb schließt sich ein schräg stehender Rost an, auf welchen das entkörnte Stroh herabgleitet und aus der Maschine entfernt wird. Die Kraftübertragung auf die Trommelwelle erfolgt entweder durch Zahnräder oder Riemenscheiben. Letztere haben den Vortheil, daß der Riemen abspringt, wenn eine Unterbrechung der Arbeit durch zu vieles Einlegen oder aus sonst einer Ursache ein- tritt. Um in solchen Fällen bei Zahnradübersetzungen einen Bruch zu vermeiden, wird an passender Stelle ein Sperrrad eingeschaltet, welche es möglich macht, daß z. B. bei plötz- lichem Stillstand der Göpeltransmission, die Trommel durch die angesammelte lebendige Kraft ihre Bewegung fortsetzt. Bei dem hohen Uebersetzungsverhältniß von 1 : 10 und selbst 1 : 20, welche erforderlich ist um die erforderliche Tourenzahl der Dreschtrommel zu er- reichen, ist die Zahnradabnützung eine beträchtliche. Zur Vereinigung der Transmissions- welle mit dem Vorgelege verwendet man mit Vortheil wie bei der viel verbreiteten Barrett'schen Göpeldreschmaschine, Fig. 126 (s. S. 284), ein Hook'sches Universalgelenk. Für den Betrieb der Göpeldreschmaschine gelten folgende Bestimmungen: 1. Vor dem Beginne des Dreschens müssen alle Theile derselben besonders der Dreschmantel richtig gestellt werden. Nach E. Perels E. Perels, Rathgeber bei Wahl u. Gebrauch landw. Maschinen. Berlin 1872. S. 120. soll der Dreschkorb, um eine Allgemeine Ackerbaulehre. Maximalleistung zu erzielen, soweit von der Trommel abstehen, daß beim geringsten weiteren Abstand sofort ein Unreindreschen eintritt. Man stellt daher den Dreschkorb anfänglich etwas weiter als erforderlich und nähert ihn dann während des Dreschens Fig. 126. Göpeldreschmaschine von Barrett. — Gewicht ohne Göpel 500 Kilogr., Trommellänge 44.5 Cm., Durchmesser 47 Cm., Preis 750 Mark, 375 fl. durch die Stellschrauben bis der Reindrusch erfolgt. Als ungefähren Abstand des Dreschkorbes von der Trommel giebt Perels folgende Zahlen (Millimeter) an: 2. Mit dem Einlegen der Frucht darf erst begonnen werden, wenn die Dresch- trommel ihre volle Umdrehungsgeschwindigkeit, welche nach dem Tone erkannt werden kann, erreicht hat. Im anderen Falle versagt die Dreschmaschine leicht den Dienst. 3. Das Einlegen des Getreides bedarf besondere Aufmerksamkeit und Geschick- lichkeit. Die Strohbänder müssen vorher entfernt werden. Das Einlegen selbst mit den Aehren voran soll in einer möglichst gleichmäßigen Schichte erfolgen, damit weder ein Verstopfen noch ein Leergehen der Maschine eintreten kann. 4. Für die Bedienung der Maschine muß eine ausreichende Zahl von Arbeitern (7—10) beigestellt werden, welche dafür zu sorgen hat, daß stets ausreichende Die Ernte. Mengen aufgebundenen Getreides auf den Einlegtisch gebracht werden und das aus- gedroschene Stroh gleich von der Maschine durch Abharken entfernt werde. 2. Die combinirte Dreschmaschine. Die combinirte Dreschmaschine besorgt nicht nur das Ausdreschen, sondern auch Fig. 127. Locomobile von Ransomes, Sims \& Head—Ipswich. eingerichtet zur Heizung mit Stroh ꝛc. Allgemeine Ackerbaulehre. Fig. 128. Arbeitsstellung der Dampfdreschmaschine von Clayton \& Shuttleworth—Lincoln und Wien. — Breite 1.4 Meter, Preis sammt 8pferdiger Locomobile, Theer- decke, Treibriemen ꝛc. 11800 Mark, 5900 fl., Leistungsfähigkeit in 10 Stunden 165 Hectol. Wintergetreide, 220 Hectol. Sommergetreide. bei einfacher Reinigung das Ausputzen oder bei doppelter Reinigung das Aus- putzen und Sortiren der Körner. Die Letzteren werden daher von diesen Dresch- maschinen in nahezu marktfertigen Zu- stande geliefert. Bei der größeren Trommel- breite (1.25—1.5 M.) dieser Maschinen und der erhöhteren Leistungsfähigkeit wird stets die Dampfkraft als Motor ver- wendet. Am häufigsten werden die Dresch- maschinen durch transportable Dampf- maschinen, den Locomobilen, in Be- wegung gesetzt, um das Ausdreschen an jedem beliebigen Orte, am Felde selbst oder im Hofe vornehmen zu können. Eine Maschine dieser Art mit 10 Pferdekräften von Ransomes, Sims \& Head zeigt die Fig 127 (s. S. 285). Dieselbe ist mit einer Vorrichtung zur Heizung mit Stroh, Schilf, Maisstengeln ꝛc. versehen, welche jedoch leicht abgenommen werden kann, um wie gewöhnlich Holz oder Kohle als Brenn- material verwenden zu können. Der Ein- führungsapparat für Stroh und Stengel besteht aus einem vor die Feuerbüchse ge- legten Walzenpaare mit Einlegetisch das in gleicher Weise wie bei den Häckselschneidern eingerichtet ist. Dieser Einführungsapparat, welcher von der Locomobile selbst in Be- wegung gesetzt wird, hat den Zweck das Stroh fächerartig in der Feuerbüchse aus- zubreiten, um die vollständige Verbrennung desselben zu ermöglichen. Die durch den Rost in den Aschenkasten fallende Asche wird durch die Einleitung von Dampf stets feucht erhalten. Die Maschine consumirt per Pferdekraft und Stunde 12 Kilogr. Stroh oder 3.2 Kilogr. Kohle. Zum Ausdreschen von 100 Garben Weizen sind ungefähr 10—12 Garben Stroh erforderlich. Die Zusammenstellung einer trans- portablen Dampfdreschmaschine mit einer Locomobile nach der vorzüglichen Con- Die Ernte. struction von Clayton \& Shuttleworth — Lincoln und Wien ist aus Fig. 128 (s. S. 286) zu ersehen. Die Locomobile ist mit schmiedeeisernen Laufrädern und Speisewasservor- wärme-Vorrichtung ausgestattet. Die mit einem hölzernen Patent-Sprengwerk-Rahmen versehene Dampfdresch- maschine enthält ein doppeltes Putzwerk, einen Patent-Penney'- schen Sortir-Cylinder und ein Paternoster. Nachdem die An- ordnung der einzelnen Theile bei der com- binirten Dreschmaschine von Clayton, Shuttle- worth \& Co. nahezu typisch für viele Dampf- dreschmaschinen gewor- den ist, so soll eine nähere Beschreibung derselben an der Hand des Längen- durchschnittes, Fig. 129, hier ihren Platz finden. Die Dreschtrommel A ist ziemlich hoch oben in dem Gestelle gelagert. Dieselbe ist mit 8 ge- rippten Schlagleisten a aus gewalztem Stahl versehen, welcher weniger der Abnützung unter- liegt, als der früher gebräuchliche, hämmer- bare Guß. Im Holz- schnitte sind die Schlag- leisten noch aus letzterem Material auf einer Holzunterlage ange- bracht, welche zur Ver- hütung des Absplitterns mit einer Bandeisen- Fig. 129. Längsschnitt durch die Dampfdreschmaschine von Clayton \& Shuttleworth (s. d. Text). schiene bekleidet ist. Links von der Trommel befindet sich der durch 6 Schrauben stellbare Dreschmantel B, welcher aus zwei durch das Charnir b verbundenen, für Allgemeine Ackerbaulehre. sich stellbaren Theilen besteht. Oberhalb der Trommel ist ein breiter Spalt die E legeöffnung C , hinter welche der vertiefte Standplatz D für zwei Einleger angebra ist. Das untere Ende des Dreschkorbes zeigt die Platte c , welche das ausgedrosche Stroh auf die 5 Strohschüttler E führt. Diese Strohschüttler bestehen aus schmal Holzgittern, welche durch die fünfmal gekröpfte Welle G abwechselnd zu je 2 und auf- und abwärts bewegt werden und dadurch das Stroh, welches durch die Stifte vor dem Zurückgleiten gesichert ist, bei F aus der Maschine entleeren. Durch schüttelnde Bewegung, welche dem Stroh ertheilt wird, werden die etwa in demselb noch enthaltenen Körner herausgerüttelt. Dieselben fallen durch das Gitter auf d Schüttelkasten L. Die Bewegung der Welle der Strohschüttler erfolgt durch ein gekreuzten Riemen von der Trommelwelle aus (s. d. Fig. 130, S. 289). Ih Unterstützung erhalten die Strohschüttler durch die um f und g drehbaren Schwi hebel H und J. Die oberhalb der vollkommen verkleideten Strohschüttler angebra Thür K ermöglicht den Zutritt zu denselben. Unter dem Dreschmantel und den Strohschüttlern befindet sich der Schüttelkas LL , welcher die durch den Dreschmantel und die Strohschüttler durchfallenden Körn Spreu ꝛc. aufnimmt und auf seinen beiden schiefen Ebenen nach M schafft. D Schüttelkasten besteht aus den starken Seitenwangen k , welche durch die Querriegel verstrebt sind, aus dem solid zusammengefügten Bretterboden m m und aus den höhten Leisten n n , welche den Schüttelkasten an seinen beiden Enden abschließen. Der Schüttelkasten, welcher durch die dreimal gekröpfte Welle N und den Zu stangen O aus federndem Eschenholz in Bewegung gesetzt wird, hängt in 3 federnd eschenen, um p drehbaren Schwinghebeln o (nach Coulson'schen System). Z weitere Schwinghebel, welche in der Figur bei r und s im Querschnitte zu seh sind, dienen zur Verhütung des seitlichen Abweichens des Schüttelkastens. Von dem Schüttelkasten gelangt das noch völlig verunreinigte Getreide in erste Reinigung, welche die Körner von der Spreu, dem Kaff, abgebrochenen Aeh und sonstigen Verunreinigungen absondert. Der Apparat für die erste Reinig besteht aus dem mit 5 Flügelwellen X versehenen Ventilator T und den Siebwerk welche von dem bei y austretenden Luftstrom bestrichen werden. Das erste in 4 Schwinghebeln c' d' und e' f' aufgehängte Siebwerk P sondert mit seinem S grober, mit Oeffnungen von 1—2 Cm. Weite versehener Siebe u die bei R der Maschine tretenden Strohtheile von den auf das Brett v durchfallenden Körn Von dem Brette v gelangt das Getreide auf das Blechsieb W , woselbst es du den auffallenden Windstrom vom Staube und den leichteren Theilen gereinigt wi Die letzteren werden bei S aus der Maschine hinausgeblasen. Das gereinigte treide gelangt in die gegen eine Seite der Dreschmaschine geneigte Rinne Z , zu d in der Figur nicht sichtbaren Paternosterwerk, Fig. 130 (s. S. 289), zur zwei Reinigung. Bei der zweiten Reinigung passirt das durch das Becherwerk (Paternoster) hobene Getreide zuerst den Gerstenentgranner und dann den Penney'schen Pate Sortir-Cylinder. Derselbe sortirt das Getreide iu 4 Sorten, welche an der Sti Die Ernte. wand der Dreschmaschine in einer Höhe ausgeleert werden, daß sie gleich von unter- gehängten Säcken aufgenommen werden können. Auch bei den combinirten Dampfdreschmaschinen erfordert das Einlegen besondere Uebung, um so mehr als das Getreide bei der größeren Umdrehungsgeschwindigkeit der Dreschtrommel (1000—1100 Touren in der Minute) rascher hereingezogen wird. In neuerer Zeit verwendet man daher Selbstspeisevorrichtungen, welche in der Haupt- sache aus einem Systeme von Hürden bestehen. Diese Hürden sind ähnlich den Stroh- schüttlern gebaut und werden auf der Dreschbühne vor der Einlegespalte angebracht. Eine wesentliche Erleichterung der Bedienung der Dreschmaschine ermöglicht auch der Stacker oder Tristensetzer, welcher in der vorzüglichen Ausführung von Clayton \& Shuttleworth in Fig. 131 (s. S. 290) abgebildet ist. Derselbe wird mit seinem korb- förmigen Theile unter das Ende der Strohschüttler geschoben und dient dazu das Stroh von dem Strohschüttler aufzunehmen und bis auf eine Höhe von 7.32 Meter in Tristen Fig. 130. Seitenansicht der Dampfdreschmaschine von Clayton \& Shuttleworth. ohne Zuhilfenahme der sonst erforderlichen Menschenkraft aufzuhäufen. Diese Tristen- setzer können auch dazu verwendet werden um mit einem kleinen Göpel betrieben, Heu oder Stroh vom Wagen aus in Tristen aufzubauen. Der wirksame Theil dieses Apparates besteht aus einer Mehrzahl Harken, die an zwei Ketten ohne Ende in einer für den Transport zusammenschiebbaren Bretterlade mit Stroh beladen empor und rückwärts leer herabgeführt werden. Für einzelne Früchte verwendet man schließlich besondere Entkörnungsapparate, wie z. B. zum Ausdreschen und Enthülsen der Kleesamen die Kleedresch- und Putzmaschine von Celsing in Hellefors (Schweden), welche aus einem mit eisernen Stiften versehenen conischen Dreschapparat besteht und bei einer Leistungsfähigkeit von 15—20 Kilo Kleesamen per Stunde, ungefähr 200 Mark, 100 fl. kostet. Zum Abrebeln der Maiskörner verwendet man Mais-Entkörnungsmaschinen (Maisrebler). Krafft, Lehrb. d. Landw. I. 19 Allgemeine Ackerbaulehre. Dieselben werden sowohl für den Hand- als Maschinenbetrieb construirt. Die be- kannteste Form für den Maschinenbetrieb ist der amerikanische Maisrebler, welcher Fig. 131. Tristensetzer von Clayton \& Shuttleworth. — Preis 1250 Mark, 625 fl. aus einem an seinem oberen Theile mit einem Mantel bedeckten und mit Stiften versehenen Cylinder besteht. Die Leistung bei Dampfbetrieb beträgt in 10 Stunden 370—430 Hectoliter Körner. (Preis 1000 Mark, 500 fl.) 5. Die Knollen- und Wurzelernte. Bei den Wurzelgewächsen, wie den verschiedenen Rübenarten, der Möhre, Cichorie, den Knollenfrüchten, wie der Kartoffel, Topinambur, den Gewürz- und Arzneipflanzen, wie Süßholz, Meerrettig, der Farbepflanze Krapp wird der im Boden befindliche Theil der Pflanze, die Wurzel oder der unterirdische Stamm, die Knolle, bei der Ernte gewonnen, während der oberirdische Theil gewöhnlich zur Düngung dem Boden einverleibt wird. Ist es schon bei den Getreide- und Futterpflanzen, von welchen nur die ober- irdischen Pflanzentheile geerntet werden, schwierig den richtigsten Erntezeitpunkt zu bestimmen, so wird dies um so schwieriger bei Pflanzen, deren nutzbarer Theil sich im Boden befindet und die wie die Rübengewächse unter gewöhnlichen Verhältnissen nicht im ersten sondern erst im darauf folgenden Jahre ihre Vegetation mit der Blüthen- und Fruchtbildung abschließen. Als einziger Anhaltspunkt, wenn man sich nicht durch die Größenentwickelung und sonstige Beschaffenheit der probeweise aus dem Boden genommenen Wurzeln oder Knollen leiten lassen will, dient hier Die Ernte. das Absterben des Krautes oder das Gelbwerden der Blätter. Bei mehrjährigen Wurzelfrüchten, welche gewöhnlich vor dem Frosteintritte geerntet werden müssen, entscheidet für den Beginn der Ernte auch das Herannahen der späteren Jahreszeit. Die Veränderungen, welche mit der fortschreitenden Entwickelung in den Wurzeln und Knollen vor sich gehen, sind ähnlich jenen, welche beim Ausreifen der Samen stattfinden. Auch hier wandern die organischen Stoffe besonders die Stärke aus den grünen Pflanzentheilen nur in anderer Richtung, nämlich nach abwärts, in die unter- irdischen Pflanzentheile, um dort wie bei der Zuckerrübe in Zucker umgewandelt oder wie bei der Kartoffel als Stärke aufgespeichert zu werden. Diese Wanderung nimmt mit fortschreitendem Alter der Wurzeln und Knollen bis zur Reife hin stetig zu, so zwar daß, günstige Witterung vorausgesetzt, jede Verzögerung der Ernte, so lange die Blätter noch grün, eine Vermehrung der nutzbaren Stoffe ermöglicht. Das Ernteverfahren ist in der Regel sehr einfach, es beschränkt sich auf das Ausnehmen der Wurzeln und Knollen mit der Hand unter Mithilfe der Haue, des Spatens, des Karstes oder der Mistgabel. Bei Knollengewächsen erfolgt das Aus- nehmen auch unter Anwendung des Pfluges, des Häufelpfluges oder des Kartoffel- aushebepfluges, welche die Knollen derart aus dem Boden bringen, daß sie dann mit der Hand von der Erde aufgenommen werden können. Die Leistungsfähigkeit einer Person bei dem Herausnehmen der Rüben, deren Köpfe und Blätter gleich mit einem Messer abgeschnitten werden, beträgt 0.05—0.07 Hectar. Bei Anwendung des Pfluges können im Tag 0.8—1.25 Hectar Kartoffeln oder 0.18—0.3 Hectar Rüben aus dem Fig. 132. Kartoffelaushebepflug von J. \& F. Howard. — Gewicht 80 Kilo, Preis 112 Mark, 56 fl. Boden gebracht werden. Bei dem Ausnehmen hat man darauf zu achten, daß die Geräthe so tief gebraucht werden, daß die sämmtlichen unterirdischen Theile gewonnen werden. Ebenso müssen die Knollen und Wurzeln möglichst unverletzt ausgehoben werden, da verletzte Stellen leicht zum Faulen Veranlassung geben. Die Blätter oder die Krauttheile, welche von den Wurzeln bei der Ernte abgeschnitten werden, werden am Felde gleichmäßig ausgebreitet und später untergepflügt. Auf eine nähere Be- sprechung des Ernteverfahrens bei den Hackfrüchten kann an dieser Stelle, wo es sich nur um die Besprechung allgemeiner Culturmaßregeln handelt, nicht eingegangen werden. Dagegen verdienen die Geräthe zur Ernte der Hackfrüchte noch einige Beachtung. Das größte Hinderniß für die Anwendung der Erntegeräthe bei den Kartoffeln und Rüben bildet das Kraut, durch welches leicht Verstopfungen herbeigeführt werden, die das Geräthe unwirksam machen. Feuchte oder nasse Erde erhöht nicht nur die Ansprüche an die Zugkraft, sondern führt gleichfalls zu Verstopfungen der Geräthe. Am wenigsten 19* Allgemeine Ackerbaulehre. hat sich der Hansom'sche Kartoffelgraber, welcher durch rotirende Gabeln das Aus- nehmen bewerkstelligen soll, bewährt. In gewissen Fällen bei trockenem, lockerem Boden und mäßig hohem und dichtem Kraute leistet der Howard'sche Kartoffel- aushebepflug , Fig. 132 (s. S. 291), noch die meisten Dienste. Derselbe ist Fig. 133. Rübenaushebepflug von L. Zeit- hammer — Krumau. — Entfernung der Schar- spitzen von einander 16 Cm., Leistung per Tag 0.5—1.7 Hectar. ein Häufelpflug, dessen Streichbretter gitter- artig geschlitzt sind. Bei dem Gebrauche des Kartoffelaushebepfluges wird ein Kartoffel- kamm nach dem anderen gespalten, dabei fällt die Erde durch das Streichbrett, während die Kartoffeln abrollen und auf die gelockerte Erde gelegt werden. Brauchbarer als die Kar- toffelaushebepflüge sind die Rübenheber . Die bekannteste Form derselben ist jene, welche zuerst von Hohenheim aus verbreitet wurde. In der Ausführung von L. Zeithammer, Fig. 133, besteht derselbe aus einem einfachen, mit Flacheisen verstärkten Holzgestelle, welches als arbeitenden Theil zwei sechartige, mit einer Querstange verbundene, unten sich flügel- artig ausbreitende Aushebeschare trägt. Durch die Schare wird das Erdreich um die Rübe gelockert, während die Querstange die Rübe von der Pfahlwurzel abtrennt und in die Höhe hebt, so zwar, daß sie dann leicht von einem Arbeiter aus dem Boden aufgenommen wer- den kann. Nachdem die Wurzel- und Knollenfrüchte einen hervorragenden Antheil an der Ver- sorgung der Thiere über Winter nehmen, so müssen dieselben bis in das Frühjahr hinein unversehrt und ohne Verlust aufbewahrt werden. Um dies zu erreichen müssen alle nach- theiligen Einflüsse fern gehalten werden, welche entweder ein gänzliches Verderben der Wurzeln und Knollen oder einen Verlust an ihrem Nähr- werthe herbeiführen können. Am nachtheiligsten für dieselben ist die Einwirkung des Frostes. Erfrorenes Wurzelwerk ist nicht nur ungeeignet zur Fütterung, sondern auch ungeeignet zur technischen Verarbeitung Gleich schädlich wie der Frost ist ein Uebermaß an Wärme, besonders dann, wenn dieselbe mit Feuchtigkeit verbunden ist. Wärme und Feuchtigkeit begünstigt nicht nur ein Verfaulen der Wurzel und Knollen, sondern auch gegen das Frühjahr zu ein mit Substanzverlust verbundenes vorzeitiges Auswachsen. Die in Aufbewahrung befindlichen Die Ernte. Kartoffeln werden selbst unter den günstigsten Umständen durch Verdunsten des Wassers und gegen das Frühjahr hin auch durch Verlust an Stärke und stickstoff- haltigen Substanzen an Gewicht verlieren. Bei der Aufbewahrung muß man daher trachten in den Aufbewahrungsräumen eben nur so viel Wärme, 4—5° C , zu er- halten, daß die Knollen nicht erfrieren, daß der Zersetzungsprozeß der organischen Bestandtheile und das Austreiben der Knospenaugen bei den Knollen, der Herzblätter bei den Wurzelfrüchten verhindert werde. Das Austreiben wird nicht nur durch die Erhaltung einer gleichmäßigen Temperatur, sondern auch durch möglichsten Abschluß gegen die Feuchtigkeit hintangehalten. Die Versuche Nobbe's Landwirthschaftliche Versuchsstationen. VII. S. 452. über die Veränderungen der Kartoffeln, während der Winter- ruhe ergeben bei verschiedener Aufbewahrung folgende Resultate: Die erwähnten Bedingungen für eine gute Aufbewahrung von Knollen und Wurzelfrüchten werden am leichtesten in luftigen trockenen Kellern zu erreichen sein. Bei leicht dem Verderben ausgesetzten Wurzel- und Knollenfrüchten, wie Möhren, Kohlrüben, Kartoffeln u. dgl. legt man die genannten Wurzeln und Knollen nicht auf den feuchten Boden, sondern in nicht zu hohen Lagen auf luftige Lattenroste. Bei kleineren Mengen und werthvolleren Knollen und Wurzeln wie z. B. bei Speise- kartoffeln, Gemüsewurzeln u. dgl. wird sich für die gute Erhaltung ein schichtenweises Einschlagen in trockenen Sand bestens bewähren. Fehlen hinreichend ausgedehnte und geeignete Kellerräumlichkeiten, so ist die Auf- bewahrung in Mieten , welche im freien Felde oder im Hofraume angelegt werden, vorzunehmen. Die Mieten oder Haufen von Wurzeln oder Knollen, welche durch eine einfache Erdbedeckung geschützt werden, sind je nach der Bodenbeschaffenheit entweder vertieft in die Erde oder unmittelbar auf dem geebeneten Boden anzulegen. Die Auf- bewahrung in Gruben, welche 1—1.5 Meter tief in trockenem Sandboden ausgehoben werden, ist gewöhnlich wärmer, daher im Allgemeinen weniger zu empfehlen, als die Aufbewahrung über der Erde oder in nur wenige Centimeter in den Boden ein- gelassenen Mieten. In diesen Gruben oder auf den mäßig vertieften Lagerplätzen werden die Wurzeln und Knollen derart aufgeschichtet, daß sie einen dachförmigen Haufen bilden. Die Breite des Haufens hängt vorzugsweise von der Beschaffenheit Allgemeine Ackerbaulehre. der aufzubewahrenden Wurzeln oder Knollen ab. Je mehr diese wie z. B. Kartoffel- knollen, besonders zur Saat bestimmte, durch Faulen und Auswachsen leiden könnten, um so schmäler etwa 1—1.5 Meter breit hat man die Miete anzulegen. Rüben, Kartoffeln, welche bald zur Verfütterung oder Verarbeitung gelangen, können in etwa 1.5—2 Meter breiten Mieten aufbewahrt werden. Die Länge der Miete richtet sich nach dem aufzubewahrenden Quantum. Zum Schlusse wird die Miete mit trockenem Sande oder Erde bedeckt und zwar anfänglich bis vor dem Frost- eintritte nur mit einer etwa 16 Cm. dünnen Schichte, da unmittelbar nach dem Einmieten die Knollen und Wurzeln einen Theil ihres Wassers durch Verdunstung verlieren. Dieses Wasser, soll es nicht Anlaß zum Verfaulen der Wurzeln ꝛc. geben, kann durch die geringere Erdbedeckung leichter entweichen. Die Auflage von Stroh vor der Bedeckung der Miete, um das Hineinfallen der Erde zwischen den Haufen zu verhüten oder die Anlage von sog. Dunstschläuchen bringt mehr Schaden als Nutzen, indem durch das Niederschlagen der Feuchtigkeit ein Verfaulen des Strohes und in Folge dessen eine schädliche Wärmeentwickelung eintritt. Ist die Miete mit Erde bedeckt, so zieht man in angemessener Entfernung von dem Haufen, um das Eindringen des Frostes hintanzuhalten, einen kleinen Graben, welcher zur Ab- leitung des Regen- und Schneewassers zu dienen hat. Mit dem Herannnahen der Frostzeit oder mit dem Eintritt stärkerer Regen, welche die leichte Bedeckung durchdringen könnten, vermehrt man die Erdschichte bis auf eine Dicke von 0.5 Meter und mehr. Verschärft sich der Frost, so kann man selbst Pferdemist, Laub u. dgl. als schützende Decke verwenden. Bei dem Eintritt des Frühjahres ist die Erdbedeckung wieder zu vermindern, damit die Gefahr des Auswachsens verringert werde. Eine dauerhafte Aufbewahrungsart der Knollen, welche in Böhmen G. Krafft, Ein Großgrundbesitz der Gegenwart. Wien 1872. S. 280. immer mehr Eingang findet, besteht in der Einsäuerung . Bei derselben werden die vor- her in einer hölzernen Lattentrommel reingewaschenen Kartoffeln in einem Bottich ab- gedämpft und nach dem Dämpfen auf einem gepflasterten Boden ausgebreitet, nach- dem sie etwas abgekühlt, zerstampft und sodann nach dem vollständigen Abkühlen schichtenweise in Gruben so lange eingetreten, bis der Kartoffelbrei nicht mehr nach- giebt. Die volle Grube wird schließlich 1 Meter hoch mit Erde bedeckt, um sie möglichst luftdicht abzuschließen. In diesem eingesäuerten Zustande halten sich die Kartoffeln selbst durch ein volles Jahr und geben ein sehr schmackhaftes vom Vieh gern gefressenes Futter. 6. Die Ernte einzelner Pflanzentheile. Bei der überwiegendsten Zahl unserer Culturpflanzen wird entweder die ganze Pflanze oder deren oberirdischer Theil, die Stengel mitsammt den Blättern und Blüthentheilen im grünen oder ausgereiften Zustande geerntet. Bei einer geringeren Pflanzenzahl bezieht sich die Ernte nur auf einen oder einige wenige Pflanzen- theile , als auf die Knolle, den Stengel und das Blatt, das Blatt allein, die Blüthe, Die Ernte. den Blüthentheil, den Fruchtstand und die Frucht. Es sollen daher noch einige all- gemeine Anhaltspunkte für die Ernte einzelner Pflanzentheile gegeben werden. Außer den Wurzel- und Knollenfrüchten werden unter Umständen auch einige Hülsenfrüchte und Handelsgewächse durch Ausziehen der ganzen Pflanze mitsammt der Wurzel aus dem Boden geerntet. Bei ersteren werden jedoch zum Unterschiede von Letzteren nach dem Herausnehmen der ganzen Pflanze aus dem Boden noch die grünen Theile von der Wurzel oder der Knolle getrennt. Die Hülsenfrüchte, bei welchen für gewöhnlich die Ernte wie bei dem Getreide ausgeführt wird, erntet man durch Ausziehen der Pflanze mit der Wurzel dann, wenn einem Verluste durch Körnerausfall möglichst vorgebeugt werden soll. Aus diesem Grunde werden am häufigsten Phaseolen, Linsen, Pferdebohnen, sowie stark gelagerte Erbsen, welche mit der Sense oder der Sichel schwer zu schneiden wären, ausgerauft. Nach dem Ausraufen werden dieselben in Garben gebunden und am Felde oder zu Hause auf luftigen Böden völlig getrocknet, um schließlich in der Scheune ausgedroschen zu werden. Von den Handelsgewächsen im weiteren Sinne werden Flachs und Hanf, bei welchen es sich um die Erlangung einer möglichst langen Faser handelt, mit der Hand aus- gerauft. Nach dem Trocknen derselben in Puppen oder Kappeln trennt man die Wurzeln durch Abschneiden, die Samen durch Abriffeln von den Stengeln. Für sich allein werden von im Boden befindlichen Pflanzentheilen die Knollen der Topinambur und in gewissen Fällen auch die der Kartoffel und die Wurzeln der Rüben gewonnen. Die Topinamburknollen läßt man gewöhnlich, nachdem im Herbste die dürren Stengel mit dem Laube abgeschnitten wurden, über Winter im Boden liegen, in dem sie in demselben den Winter am Besten überstehen. Im nächsten Frühjahre pflügt man sie hierauf nach Bedarf aus dem Boden. Bei den Kartoffeln und Rüben wird die alleinige Ernte der Knollen und Wurzeln durch Aus- pflügen dann ausgeführt, wenn das Kraut oder Blattwerk zur Verfütterung oder bei der Kartoffel zur Hemmung der Ausbreitung des Kartoffelpilzes kurz vor der Ernte abgeschnitten wurde. Die Stengel und Blätter werden im abgetrockneten Zustande als Stroh durch Abhacken mit der Haue oder durch Abschneiden mit dem Messer bei der Topinambur und bei solchen Pflanzen gewonnen, bei welchen wie beim Mais, der Mohrenhirse der Fruchtstand für sich geerntet wird. Das Blatt wird vornehmlich bei dem Tabak und bei dem in früheren Zeiten öfters cultivirten Waid durch Abnehmen vom Stengel mit den Fingern oder durch Abschneiden mit dem Messer geerntet. Kleinere Landwirthe pflegen häufig auch bei den Rüben, Kartoffeln und Krautpflanzen einen Theil der Blätter abzunehmen, abzublatten, um für die Sommerfütterung ein willkommenes Futter zu erhalten. Wird dieses Abblatten oder theilweise Entlauben zu frühzeitig vorgenommen, so leidet darunter der Hauptertrag an Wurzeln oder Knollen. Werden die Rüben zu früh abgeblattet oder das Kar- toffelkraut zu früh abgeschnitten, so wird die Wanderung der in den Blättern ge- bildeten organischen Substanz in die Wurzeln oder unterirdischen Stammtheile un- möglich gemacht. Die Wurzeln und Knollen können dann nicht ihren vollen Gehalt Allgemeine Ackerbaulehre. an Zucker und Stärke erreichen. Ohne erheblichen Schaden an dem Hauptertrage wird daher das Abblatten oder Abnehmen des Krautes nur in dem Falle vor- genommen werden können, wenn es kurz vor der Ernte ausgeführt wird, zu welcher Zeit die Lebensthätigkeit der Pflanze ohnehin zum Abschluß kommt. Ueber den Einfluß des Abblattens auf Ertrag und Gehalt der Zuckerrüben geben die Untersuchungen von Dr. J. Breitenlohner Organ des Vereins für Rübenzuckerindustrie in der österr.-ungarischen Monarchie. 1873. S. 1. , die nachfolgenden Aufschlüsse: Die Blüthe bildet das Ernteobject bei dem Saffran (Crocus sativus) . Die- selbe wird in vollkommen aufgeblühtem Zustande zeitlich am Morgen abgebrochen. Nachdem die Saffranblüthe einige Tage abgetrocknet, werden die Narben mit Vorsicht herausgenommen und im Backofen mit möglichster Sorgfalt vollständig getrocknet. Die Ernte der Blumenblätter findet nur bei dem selten angebauten Safflor (Carthamus tinctorius) statt. Dieselben werden, nach und nach wie sie sich dunkel- roth färben und abzuwelken beginnen, abgenommen. Die alleinge Ernte der Frucht oder des ganzen Fruchtstandes wird entweder bei Gewächsen mit sehr werthvollen Samen oder Früchten wie bei Hopfen, Weberkarden, Mohn, Fenchel, mitunter auch bei Rothklee, oder bei Gewächsen, welche einen großen Fruchtstand besitzen, wie bei Mais, Kürbis, Gurken, Sonnenblumen oder schließlich bei Gewächsen deren Samen zu ungleicher Zeit ausreifen und daher leicht ausfallen könnten, wie bei Lupinen, Zuckerrüben ꝛc. vorgenommen. Die Ernte des Fruchtstandes kann entweder von vielen Pflanzen gleichzeitig oder von jeder Pflanze einzeln vorgenommen werden. Erstere Gewinnungsart wird verhältnißmäßig selten angewendet. Sie steht nur vereinzelt bei der Gewinnung der Rothkleeköpfe im Gebrauche, indem man mit einem Kamme, der vorne an einem schaufelartigen Behälter zur Aufnahme der Kleeköpfe an- gebracht ist, in der Höhe der Köpfe über die Kleepflanzen streift und jene von den stehenbleibenden Stengeln abtrennt. Häufiger werden die Fruchtstände einzeln entweder mit einem verschieden langen Stengelstücke oder ohne demselben von den Pflanzen abgenommen. Die Ernte. Bei dem Hopfen werden z. B. die mit reifen Dolden besetzten Ranken von dem Stocke abgetrennt, in 0.5 Meter lange Stücke geschnitten und von diesen die Dolden an einem geeigneten Platze am Felde selbst oder im Hofe mit dem Finger- nagel einzeln abgepflückt. Bei dem Abpflücken läßt man einen 1.5 Cm. langen Stiel an der Dolde um dieselbe vor dem Auseinanderfallen zu sichern. Bei den Weberkarden erfordert die spätere Verwendung die Belassung eines wenigstens 25 Cm. langen Stengelstückes an dem Kopfe. Die Köpfe werden nach dem Abblühen, ebenso wie die Dolden des Fenchels, die Rosen der Sonnenblume, die Mohnköpfe ꝛc. in dem Maße als die Samen in den Fruchtständen nach und nach ausreifen, durch Abschneiden vom Stengel geerntet. Zuckerrübenkerne werden häufig mit dem Stengel geerntet und nach dem Trocknen durch Dreschen und Abpflücken von demselben getrennt. Bei besonders werthvollen Sorten pflegt man jedoch die Kerne auch unmittelbar, sowie sie nach und nach reifen, von dem Stengeln der stehenden Pflanze abzubrechen. Der Fruchtstand allein ohne Stengelstück wird nur bei dem Mais und den kürbisartigen Gewächsen von dem stehenbleibenden Stamme abgebrochen. Von den geernteten Maiskolben werden schließlich die Körner, nach dem Trocknen im Freien oder in besonders eingerichteten Trockenhäusern, durch den Dreschflegel oder durch Abstreifen mit einem stumpfen Messer oder durch Maisentkörnungsmaschinen von der Fruchtspindel abgetrennt. — Mit der Besprechung der Verfahrungsweisen bei der Ernte einzelner Pflanzen- theile haben wir schon das Gebiet des besonderen Pflanzenbaues berührt und sind daher am Schlusse des allgemeinen Ackerbaues angelangt. Pierer'sche Hofbuchdruckerei, Stephan Geibel \& Co. in Altenburg.