Der V ollkommene T eŭtsche J äger. Der V ollkommene T euͤtsche J äger, Darinnen D ie E rde, G ebürge, K räŭter ŭnd B aͤume, W aͤlder, E igenschaft der wilden Thiere und Voͤgel, So wohl Historice, als Physice, ŭnd Anatomice: Dann auch die behoͤrigen Groß- und kleinen Hunde, und der voͤllige Jagd-Zeug; Letzlich aber D ie hohe und niedere J agd- W issenschaft Nebst einem Jmmer-waͤhrenden Jaͤger-Calender Mit vielen darzu gehoͤrigen, und nach dem Leben gezeichneten Kupffern, Vorgestellet, colligi ret und beschrieben Von H anns F riedrich von F leming Burg- und Schloß-Gesessen auf Boͤcke, Martentin, und Zebin, Erbherr auf Weissach und Gahro. Leipzig , im Jahr 1719 . Verlegts Johann Christian Martini , Buchhaͤndler in der Nicolai-Strasse. Dem Allerdurchlauchtigsten Großmaͤchtigsten Fuͤrsten und Herrn, HERRN F riederich A ugusto, K oͤnige in P ohlen, Groß-Hertzogen in Litthauen, Reussen, Preussen, Mazovien, Samogitien, Kyovien, Vol- hinien, Podolien, Podlachien, Liefland, Smolensko, Seve- rien und Schernicovien: Hertzogen zu Sachsen, Juͤlich, Cle- ve, Berg, Engern und Westphlen , des Heil. Roͤm. Reichs Ertz-Marschallen und Churfuͤrsten, Landgrafen in Thuͤrin- gen, Marggrafen zu Meissen, auch Ober- und Nieder-Lau- sitz, Burggrafen zu Magdeburg, Gefuͤrsteten Grafen zu Henneberg, Grafen zu der Marck, Ravensberg und Barby, Herrn zu Navenstein ꝛc. ꝛc. M einem allergnaͤdigsten K oͤnige T hurfuͤrsten und H errn. A llerdurchlauchtigster, G roß- maͤchtigster K oͤnig und C hurfuͤrst, A llergnaͤdigster H err! E W. Koͤnigl. Majestaͤt Hohen Prote- ction gegenwaͤrtigen Teutschen Jaͤger zu unterwerffen, trage um so viel weniger bedencken, je Welt- kuͤndiger es ist, daß Ew. Koͤnigl. Maj. nicht weniger, als Dero in GOtt ruhende Hohe Vorfahren al- lezeit die Jagden so hoch gehalten, und daruͤber ein solch Zuschrift. solch hohes und gnaͤdiges Gefallen bezeuget, daß Ew. Koͤnigl. Maj. selbsten in hoher Person, dieser einen Monarchen hoͤchst anstaͤndigen Ergoͤtzlich- keit oͤfters mit allerhoͤchstem Ruhme beygewohnet. Dannenhero auch Ew. Koͤnigl. Maj. zu Dero hochloͤbl. Jagd- und Forst-Bedienten jederzeit qua- lificirte Personen ernennet, und dem gantzen Lande, Leuten, Waͤldern und Wild-Bahnen zu Nutzen, hoͤchst-ruͤhmlich bestellen lassen, wodurch Sie, wie in andern Thaten, vor andern Mornarchen und Po- tentaten, auch hierinnen um ein grosses prævali ren. Zudem so sind von Ew. Koͤnigl. Maj. die Mei- nigen vieler K oͤnigl. Gnade gewuͤrdiget worden, massen mein sel. Vater in Ew. Koͤnigl. Maj. Dien- sten gestanden, und die Charge eines Commendan. ten auf Dero Welt-beruͤhmten Festung Koͤnigstein bekleidet, welche er auch bis in seinen Tod verwaltet. Jngleichen habe ich das hohe Gluͤck gehabt, mich in Ew. Koͤnigl. Maj. Militair- Diensten zu engagi ren, und anfaͤnglich unter Saͤchs. hernach aber unter Pohlnischer Cron-Armee die Milice als Obrister Lieutenant continui ret. Nachdem ich aber wegen meiner kraͤncklichen Leibes- Constitution abdancken muͤssen, so habe mich auf mein Gut zur Ruhe begeben, und mir vorge- nommen, meine geringe Jagd-Wissenschaft, so viel ich vor diesen in- und ausserhalb Landes bemercket, mit Zuschrift. mit wenigen zu colligi ren, und der Posteritæt zu Liebe zu hinterlassen, welches ich auch unter Goͤttlichen Seegen hiemit ins Werck gerichtet. Weil ich aber besorge, daß, gleich wie es denen mehresten Schriften zu geschehen pfleget, auch diese seine Neider finden moͤchte. Als gelanget an Ew. Koͤnigl. Maj. mein allerunterthaͤnigstes Bitten, die hohe Gnade zu haben, und dieses zwar geringe, doch wohlgemeinte Werck, welches ich dem Publico zum besten heraus gegeben, in Dero hohen Schutz und Schirm aufzunehmen. Getroͤste mich dahero gnaͤdiger Erhoͤrung, und verharre in unablaͤßlicher unterthaͤnigster Devotion Lebenslang E w. K oͤnigl. M ajest. und C hurfuͤrstl. D urchl. Haus Weißach, den 22. Septembr. 1719. allerunterthaͤnigst treu-gehorsamster Hanns Friedrich von Fleming. V orbericht an den nach seinem Stand und Wuͤrden geehrten Leser. V Erdienet die Sonne, nach einiger Philosoph en Mei- nung, das Auge der Natur genennet zu werden, wo- mit sie die verwunderns-wuͤrdige Vortreflichkeit die- ses grossen Welt-Gebaͤudes betrachtet; so kan ich verhoffentlich mit viel groͤsserem Recht das Auge des Menschen eine Sonne der kleinen Welt heissen, mit welcher er den Spiegel der gantzen, ihm sichtbaren Natur beleuchtet. Und der muͤste gewiß sehr verblendete Augen haben, der die unum- stoͤßlichen Zeugnisse und Merckmahle einer unbegreiflichen Weisheit, und mehr als vaͤterlichen Vorsorge eines wunderbaren GOttes nicht deutlich und klar sehen solte. Ja, es wird ein jeder, der nur mit gesunden Sinnen begabet, wol nicht in Abrede seyn koͤnnen, daß keines unter allen Geschoͤ- pfen anzutreffen, in welchem zwar nicht auf eine naturalitische Art seinem Wesen nach, GOtt selbst, sondern Fußstapfen einer Goͤttlichen Existenz, uner- forschlichen und unverdienten Liebe, gegen das menschliche Geschlechte zu finden. So, daß man sich wundern muß, wie einige bey dem sich selbst an- klagenden und verdammenden Gewissen, ihre Sinnen zu gewissen Stun- den so einschlaͤfern koͤnnen, daß sie sich der groͤsten, und nur zu ersinnlichsten (a) Thor- Vorbericht. Thorheit schuldig machen, und aus einer affectir ten Klugheit wollen ange- sehen seyn, als wenn sie nichts glaubeten, da sie doch zu gleicher Zeit inwen- dig ihr mit Furcht und Bangigkeit umgebenes Hertze zu Luͤgnern machet, und eben mitten im Zweifel einer ungezweifelten Wahrheit uͤberzeuget. Bist du, G. L. in das dich ergoͤtzende Regnum vegetabile (Kraͤu- ter-Reich) gefuͤhret worden, hast du bey Baͤumen, Straͤuchen, Stauden, Pflantzen, Blumen und Kraͤutern, die verwunderns-wuͤrdige Saam-Koͤr- ner betrachtet, wie auf eine dir unbegreifliche Art, die gantze Fabric deines Baumes darinnen zu finden; Hast du bey deren Hervorkaͤumung den kraͤfti- gen, in der ersten Schoͤpfung beygelegten Goͤttlichen Segen: Wachset, deut- lich lesen koͤnnen; Hast du die wohl ausgearbeiteten Canaͤle, die darinnen befindliche Erhaltungs-Saͤfte, die in der zierlichsten Ordnung in einander geschlungene Fiebern fast mit blossen Augen entdecket; Hast du die in Moß, Rinde und Schale weise Einkleidung des alles gut machenden Urhebers betrachtet; Dich an der tausendfaͤltig-veraͤnderten Farbe, Geruch, Ge- schmack, Gestalt der Fruͤchte ergoͤtzet, und die Gewogenheit dieses grossen Welt-Erhalters in der tiefsten Demuth beehret und bewundert; so laß nun- mehro dein begieriges Auge auch in das dir allhier eroͤffnende Regnum ani- male (Thier-Reich) einen Blick thun, und siehe, wie solches zu deinem Nutz und Ergoͤtzung ausgezieret, und wie die darin befindliche Creaturen, als lebendige Prediger, von der Weisheit und Allmacht ihres Schoͤpfers reden. Hast du nun selbiges auf solche Art, als ein herrliches Monument seiner Allmacht und Guͤte betrachtet, so siehe noch, ehe du dein Gemuͤthe in selbigem nach Wunsch vergnuͤgest, auf was Art und Weise du in selbiges gesetzet, wie er solches deiner Herrschaft unterworffen, wie du dich desselben vernuͤnftig zu gebrauchen, und was du vor hohe Ursache dich dessen nicht oh- ne schuldige Dancksagung zu bedienen, so wird dir die darin befindliche Lust, den dir einmal aufgelegten sauren Schweiß des Angesichts wiederum ver- suͤssen. Dich in solchen Stand zu setzen, must du nothwendig die Augen dei- nes Gemuͤthes auf den Zustand der ersten Menschen einen Blick zuruͤcke thun lassen, und aus dem heiligen Bibel-Buch dich erinnern, daß GOtt alsbald den Menschen bey seiner Schoͤpfung allen Creaturen des Erdbo- dens so weit vorgezogen, als er den Himmel von der Erden entfernet. Denn da hieß es bey der gleichsam uͤberlegten Formirung desselben: Laßt uns Menschen machen, ein Bild das uns gleich sey. Ob wir nun gleich mit de- nen Gottsgelehrten gantz einig, daß dieses Bild nicht in der aͤusserlichen Form desselben sondern in Heiligkeit und Gerechtigkeit bestanden; so koͤnnen wir doch nicht unberuͤhret lassen, daß auch die Herrschaft uͤber die Thiere, die Moses alsbald diesen Worten beyfuͤget, gleichsam ein mit demselben ver- knuͤpftes Regale gewesen. Und Vorbericht. Und ob ihnen gleich in dem Mittel-Punct alles Vergnuͤgens, ich will sagen in den Schrancken des Paradieses, die nothwendig vollkommen-koͤst- lichen Fruͤchte dieses vollkommen-schoͤnen Gartens zur Speise zulaͤnglicht waren, und sie also dazumal die Herrschaft uͤber die Thiere nur in allerhand Vergnuͤgungen, die sie sich nach ihrem Gefallen mit denselben machten, se- hen ließ, so besassen sie dieselbige doch voͤllig. Und vielleicht irre ich nicht, wenn ich sage, daß das gantze Regnum animale dazumal nichts anders, als ein Spiel und Zeit-vertreib dieser jungen Welt-Regenten gewesen. Und wie gluͤcklich waͤren wir noch, wenn der ungluͤckliche Vorwitz einer weibli- chen Begierde, diesen unschaͤtzbaren Wohlstand nicht mit einer verbotenen Frucht vertauschet, so duͤrften wir nicht mit Muͤhe und Sorge unser Brod suchen. Und wie gluͤcklich waͤren sie gewesen, wenn sie die unzehlbare Men- ge ihrer Nachkommen die Welt erfuͤllen, und in der groͤsten Gluͤckseligkeit darinnen sehen sollen: So aber musten sie alsbald wegen dieses frevelen Un- gehorsams den angenehmen Sammel-Platz so vieler tausendfachen Ver- gnuͤgung verlassen, und als arme Exulant en im Schweiß ihres Angesichts ihr Brod essen. Und was am allerelendesten, so verlohren sie das sie so hoͤchst-gluͤckseligmachende Bild GOttes dermassen, daß ihnen nur gantz kleine Ruinen davon, zum Andencken des Verlustes, uͤberblieben. Und hie- her ziehe auch, daß sich die Herrschaft uͤber die Thiere um ein merckliches ge- aͤndert. Denn ob zwar die grundlose Guͤte des allerheiligsten GOttes das verzehrende Feuer seines gerechten Zorns durch die Suͤndfluth einiger mas- sen ausgeloͤschet, und ihnen bey der aufgesteckten Leuchte des Regenbogens die schoͤnen Bluͤthen einer erwuͤnschten Hoffnung wieder hervor kaͤumen ließ, da er den lieblichen Geruch ihres Opfer-Viehes gnaͤdig annahm, den Fluch in Seegen verwandelte, und sie also anredete: Eure Furcht und Schrecken sey uͤber alle Thiere auf Erden, uͤber alle Voͤgel unter dem Him- mel, und uͤber alles, was auf dem Erdboden kreucht, und alle Fische im Meer seyn in eure Haͤnde gegeben. Alles was sich reget und lebet, das sey eure Speise, wie das gruͤne Kraut habe ich es euch alles gegeben. So scheinet es doch, als wenn die wilden Thiere sich einiger massen dieser Herrschaft nachgehends zu entziehen gesuchet, und aus Furcht von den Menschen ge- toͤdtet zu werden, sich in Wald und Wuͤsteneyen retiriret, ihre vorige Zu- versicht in ein Mißtrauen, und ihre den Menschen vorher geneigte Natur in eine oͤffentliche Feindschaft verwandelt. Dannenhero sie itzo selbige zu uͤberkommen grosse Sorge, Fleiß und Muͤhe anwenden muͤssen, da sie vor als Spiel-Gesellen, ihren Haͤnden sich nicht entzogen, damit auch hierin- nen der Goͤttliche Ausspruch erfuͤllet wuͤrde: Jm Schweiß deines Ange- sichts solt du dein Brod essen, und so wol sie als ihre Nachkommen einen oͤffentlichen Beweiß des Goͤttlichen Zornes, den sie sich durch ihre eigene Schuld aufden Hals gezogen, sehen moͤchten. Und ob wir zwar, wie be- reits angefuͤhret, noch bis itzo eine rechtmaͤßige Herrschaft uͤber die Thiere besitzen, auch so gar bey den heran-rauschenden Fluthen einer wohlverdien- ten Suͤndfluth ein deutlich Exempel antreffen, da sich auf Befehl eines ein- (a) 2 zigen Vorbericht. zigen Noaͤ, auf Goͤttlichen Winck, alsbald von allen Sorten Thiere im Kasten einfanden, so ist doch unterdessen nicht zu laͤugnen, daß ihr Gehorsam bey weitem nicht so groß, als er wohl nach dem uns von GOTT gegebe- nen Rechte seyn solte, ja es ist derselbige mit dem Gehorsam den sie unsern ersten Eltern præsti ret, nicht im geringsten in Vergleich zu zie- hen, sondern wir muͤssen mit Gewalt und Bemuͤhung suchen, was uns von Rechtswegen ohne Muͤhe zukoͤmmt. Jch will itzo der von uns insgemein zahm genennten Thiere nicht gedencken, und mit dem Mißtrauen, so sie zu uns haben, mit der Ge- walt, mit der sie uns widerstreben, mit der Heftigkeit, damit sie sich vertheidigen, und mit was vor Guͤte und Lockungen wir sie an uns ziehen muͤssen, hier dem G. L. nicht aufhalten, sondern ich verhoffe es klar zu machen, wenn ich nur der Jaͤgerey des Wildes gedencke. Wem ist unbekandt, was vor Muͤhe, Schweiß, Unkosten, Vorsichtigkeit und Gefahr ein Jaͤger ausstehen muß, ehe er bisweilen das gesuchte Stuͤ- cke erhaͤlt, und haͤtte unsere Klugheit uns nicht gelehret durch verschmitz- te Verschlagenheit zwischen einem und dem andern Thiere Antipathi en aufzurichten, und ein Thier, das andere zu erlangen, zu Huͤlfe zu neh- men, so wuͤrden wir vielleicht wol gar von einigen nicht Meister wer- den koͤnnen. Was nun das Jagen der wilden Thiere, die wir nicht, wie die zahmen in unsern Haͤusern erzogen, sondern die sich in oͤffentlichem Feld und Waͤldern von jedermans Gut naͤhren, anbelanget, so ist wol nicht zu laͤugnen, daß solches in den ersten Zeiten jederman unverwehrt ge- wesen, so daß, wer einen guten Bogen, und einen Koͤcher voll Pfeile gehabt, uͤbrigens im Treffen exerci rt gewesen, auch das Jagd-Recht uͤber alles Wild, was ihm beliebt, gehabt. Wie wir solches im Alten Testament an dem Exempel des Esau, Jsmael und anderer, wahr- nehmen koͤnnen, die, wenn sie der Appetit ankam, sich aufmachten, dem Wilde nachjageten und an ihrem Tische mit einem Rehbock ergoͤtzten, da ihnen vorher ein Ziegenbock den Hunger gestillet; und wer wolte es ihnen auch veruͤbeln, da ja die Jagd an und vor sich selbst, auch der Goͤtt- lichen Ordnung nach, zu des Menschen Nahrung und Kleibung nuͤtzlich und erlaubet ist. Da aber die Menschen ferner sich vermehret haben, hat auch die Zeit, wie insgemein zu geschehen pfleget, den usum in abusum ver- wandelt, daß sich die Menschen solches Jagens und Fangens wilder Thiere nicht zur Nothdurft und Erhaltung ihres Lebens bedienet, son- dern aus einem freveln Muthwillen, einer dem andern zum Verdruß miß- brauchet, oder aus Muͤßiggang und Uppigkeit nichts anders, als die wilden Thiere zu erwuͤrgen, vorgenommen, so, daß auch in den ural- ten Zeiten ein Tyrann und gewaltiger Jaͤger, wie wir solches in der Schrift an dem Exempel des Nimrods ersehen, Synonyma oder gleich- guͤltige Vorbericht. guͤltige Woͤrter gewesen. Und dannenhero einige auf die Gedancken gerathen, es haͤtten sich viele bey solcher unverhinderten Gelegenheit des Todtschlagens, Raubens, Pluͤndern und Stehlens beflissen; Und also der Staͤrckere dem Schwaͤchern das Seine mit Gewalt genommen, woruͤber sich nicht allein grosse Unruhe, Hader und Zanck ereignet, sondern auch viel ander Unfug und Ungluͤck entstanden, so, daß niemand sicher unter seinem Weinstock und Feigenbaum wohnen, und sich seiner Haͤnde Arbeit naͤhren koͤnnen. Wie denn dergleichen Streit schon zwischen den Hirten des Abrahams und Loths, wegen ihres Viehes, vielfaͤltig vor- gefallen, daß sich diese beyden naͤchsten Vettern, welche als leibliche Bruͤder mit einander, wie Abraham selbst gestehet, lebeten, Verdruß und Ungluͤck zu verhuͤten, von einander scheiden, und einer gegen Ost der andere gegen West ziehen, sich in das vor ihnen liegende Land thei- len, und Grentzen abstechen musten, welche keinem zu uͤberschreiten er- laubet, wo er nicht vor des andern Unterdruͤcker wolte angesehen seyn. Ob nun gleich aus diesen allen deutlich genung erhellet, daß der gros- se GOTT , nach seiner unbetruͤglichen Weisheit dem gesamten mensch- lichen Geschlechte, ohnangesehen hohen und niedrigen Standes, alles wild und zahme Vieh zur Speise gegeben, auch von Natur, jure gentium, einem jeden dasselbe zu jagen frey stehet; so ist man dennoch genoͤthiget wor- den, um den schaͤdlichen Mißbrauch des unnoͤthigen Jagens einiger massen zu hem̃en, und demselbigen folglich abzuhelfen, dem allgemeinen Nutzen und Wohlfahrt des Landes zum besten, dem gemeinen Mann das Jagen voͤllig zu untersagen, ( ex malis enim moribus bonæ leges nascuntur ) damit der noͤthige Ackerbau und andere Gewerbe desto besser abgewartet wuͤrden. Wie wir, daß ich nur eines einzigen Exempels gedencke, sonderlich an unsern uralten Deutschen sehen, die leider eine geraume Zeit die frey- en Kuͤnste, Wissenschaft und buͤrgerliche Handthierung liegen lassen, und ihre Zeit mit Kriegen und Jagen zugebracht, von dem Fleisch des Wil- des sich ernaͤhret, und mit den Haͤuten sich bekleidet; So, daß auch ei- nige behaupten wollen, daß man die alten Deutschen Ritter, weil ihre ersten Vorfahren gemeiniglich in Loͤwen- oder auch bey Ermangelung deren, in Baͤr-Haͤute sich gekleidet, Ehren halber Baͤren-Haͤuter soll genennet haben, welcher Titul aber, weil ein jeder sich mit Haͤuten, deren Thiere er nicht erleget, behaͤnget, so degeneri ret, daß er zu einem Spott- und Schimpff-Wort worden. Mit was vor Recht die Obrigkeit das Jagen sich allein vorbehalten koͤnnen, wird zwar noch weitlaͤuftig disputi ret, doch, was ist wol billiger als diß, weil das Wild nothwendig in Schrancken gehalten werden muste, damit es nicht Land und Leute verderbete, sich die Obrigkeit, bey ihren ohne dem schweren Amts-Sorgen diese angenehme Gemuͤths-Ergoͤtzung und anstaͤndlichen Nutzen vorbehielten, zumahl da es ein Werck ist, welches einem grossen Herrn gar wohl anstehet, und auch mit dessen andern Re- giments-Geschaͤften gar wohl noch bestehen kan, wie wir an dem unge- (a) 3 mei- Vorbericht. meinen Liebhaber der Jagd, und dennoch klugen Regenten MA- XIMILIANO I. ersehen, und ich geschweige, ob man recht gehabt, Mahomed den vierdten dieses Namens unter den Tuͤrckischen Kaͤysern, auch wegen der allzu grossen Gewogenheit zum Jagen, unter andern Anklagen des Regiments unfaͤhig zu erklaͤren. Es kommt noch da- zu, daß, da vielleicht unter denen Privatis einer mehr als der andere die- se Lust liebete, oder den Nutzen achtete, andere sich die Zeit auf diese Weise nicht vertreiben wolten, und gutwillig fahren liessen, so hat es gar leicht geschehen koͤnnen, daß mancher sein Recht verlohren, und hingegen ein ander sich desselbigen, nach der bekannten regula juris: was einer verlaͤßt, koͤnne der andere annehmen, zugeeignet. Und also sind die Jagden der Obrigkeit anheim gefallen, und hat das Verboth, daß die Unterthanen auch auf ihrem eigenen Grund und Boden nicht ja- gen sollen, voͤllig obtini ret, welches sich folgends die Nachkommen, nachdem es die Vorfahren durch die ruhige Possession, langwierige Præscri- ption, titulo legitimo, hæreditario, venditionis, emptionis aut donatio- nis, als ein rechtmaͤßiges Jus, und als ein besonderes Prærogativ, als ein ho- hes Obrigkeitliches Regale, durch vorgeschriebene Gesetze, angemasset, sich bestaͤndig conservi ret. Sind derohalben ausdruͤckliche absonderliche Leges im Jure, das Wild in Heiden und Waͤldern zu schonen, ange- ordnet, wie denn sonderlich unter andern Preiß-wuͤrdigen Regenten, CAROLI Magni heilsame Verordnungen desfalls zu ruͤhmen. Solches edle Privilegium haben nachgehends Kaͤyser, Koͤnige und Fuͤr- sten, aus besondern hohen Gnaden, denen Grafen und Standes- Herrn oder andern vornehmen Ministris, wegen Jhrer sonderbahren Me- rit en auf Deroselben Herrschaften, geistlichen Stiftern, auch edlen Ge- schlechtern, um dieselben desto mehr in Krieges- und Ritterlichen Ubun- gen aufzumuntern, zugestanden; oder auf ihre Guͤter und Nachkommen erblich damit belehnet. Bey solcher neuen Wieder-Erlangung dieses Rechtes haben unse- re in GOtt ruhende alte Vorfahren sich nicht allein ungemein daran er- goͤtzet; sondern diese edle Wissenschaft durch vielen Fleiß, grosse Muͤhe und langwierige Erfahrung gleichsam in formam artis redigi ret, so daß sie nunmehro die Nachkommen gleich wie eine andere Kunst oder Wissen- schaft erlernen, und also wieder auf andere Nachkommen fortpflantzen koͤnnen. Wiewol sie, wenn man die Wahrheit sagen soll, die vornehm- sten Principia, ich weiß nicht, ob mit Willen geheim gehalten, oder aus Gemaͤchlichkeit aufzusetzen verabsaͤumet; oder nicht Huͤlfs-Mittel gnung, solche vorzutragen gehabt, so, daß diese recht Fuͤrstliche Wissenschaft leicht wie andere Kuͤnste wieder untergehen, und in den Sand der Vergessen- heit eingeschrieben zu werden, zu besorgen. Dieses bey mir uͤberlegend, habe, weil ich von Jugend auf eine son- derbare Freude und innigstes Vergnuͤgen daran gehabt, aus wohlgemein- ter Aufrichtigkeit, nach dem Maaß meines Vermoͤgens, weil wir doch alle Vorbericht. alle, wie ich voͤllig uͤberzeuget, mit unserer Wissenschaft dem Naͤchsten zu dienen verbunden, etwas davon aufsetzen und der Nachwelt hinterlassen wollen, indem ich den Abgang eines dergleichen Werckes, da sonst die Welt mit allerhand Sorten Buͤcher uͤberhaͤuffet, vorlaͤngst angemercket. Damit aber der G. L. von dem gantzen Werck einen kleinen Vor- schmack haben moͤge, so habe Jhm in diesem Vorbericht die ersten Grund- Risse davon abzeichnen, und von der Oeconomie des gantzen Werckes urtheilen lassen wollen. Und wie in allen Dingen Ordnung das beste, so habe ich, um desto deutlicher zu seyn, das Buch in fuͤnf Theile abgetheilet. Jn dem I. Theile habe ich die Erde, Gebuͤrge, so wol an Vege- tab ilibus, Kraͤutern und Baͤumen, als auch unterirrdischen Wassern, bis auf die Asche, physice explici ret. Jm II. Theile habe derer wilden Thiere und Gefluͤgel vom groͤß- ten bis kleinsten, Natur, Eigenschaft, und Unterscheid zu Holtze, Feld und Wasser, anatomice vorgestellet. Jm III. Theile habe ich die Eigenschaft, Auferziehung und Unter- scheid, derer mancherley Hunde, Abrichtung, Recepte, samt ihren Kranck- heiten medice beschrieben. Jm IV. Theile, da mir der Waͤlder Situation mit dem mancher- ley kleinen und grossen Jagd-Gezeug zu umstellen, zu beschreiben vor- kommt, habe ich solches geometrice abgehandelt, und letzlich Jm V. Theile habe ich von der Jagd wilder Thiere zu Holtz, Wasser und Felde, Rechts-Reguln juridice; item Behaͤngens Zeit, Arbeit des Leit-Hundes, astronomi schen Sagacite des Wetters, und dann sowol ei- nes Deutschen Haupt-Jagens, als anderer Jagd-Lusten œconomice, so viel mir GOtt Kraͤfte verliehen, abgehandelt. Und dieses waͤre etwan ein generaler Begriff des gantzen Werckes. Wiewol hernach in dem weit- laͤuftigen Appendice von der Falcken-Beitze, Phasanerie., \&c. \&c. aus- fuͤhrlich gehandelt wird, dessen Jnhalt der G. L. aus dem gleich nach dieser Vorrede folgenden summari schen Jnhalt mit mehrern ersehen wird. Nun kan ich mir zum Beschluß leicht die Rechnung machen, daß es mir mit diesem meinem Wercke nicht besser als andern Autoribus ergehen werde, weil es unmoͤglich, daß man es einem jeden nach seinem Gefallen einrichten kan, viell eicht wird es auch hiervon heissen: Laudatur ab his, culpatur ab illis. Einige werden als in dieser Wissenschaft Erfahrne, ihre Censur en also einrichten, daß es wird das Ansehen haben sollen, als ob sie das Werck besser verstuͤnden; Andern wird es vielleicht zu weitlaͤuftig seyn; Andere werden aus Neid diß und jenes desideri ren; Andern wird vielleicht dieses, Vorbericht. dieses, was jene getadelt, gut heissen, und wiederum was anders fehlen; Allein, ich werde mich hieran wenig kehren, sondern mit dem alten Spruͤch- wort: Nec Jupiter omnibus placet, troͤsten, und einem jeden seine reiffe, unreiffe und uͤberfluͤßige Gedancken lassen; Wenn ich aber etwas bessern gelehret, werde solches mit aller Bescheidenheit und Danck annehmen, und mich von meinem ferneren Vorhaben nicht abschrecken lassen; nemlich, wie ich der Nachwelt kuͤnftig hin zeigen moͤge, auf was Art und Weise Holtzun- gen und Wild-Bahnen nuͤtzlich zu gebrauchen. Weil ich gaͤntzlich glaube, daß noch eine Zeit kommen duͤrfte, darinnen man dergleichen Consilia, die den Nutzen, und das Wohl des Vaterlandes zum Zweck haben, hervor su- chen werde. Und endlich, damit es dem Wercke an nichts fehlen, und der G. L. sich von allen eine desto deutlichere Vorstellung machen moͤge, so habe dem Herrn Verleger dahin vermogt, daß Er im I. Theile derer Kraͤuter, Baͤu- me und Gepuͤsche natuͤrliche Abbildung. Jm II. die nach dem Leben ori- ginaliter gezeichnete grimmige und reissende, wie auch edle, und Raub-Thie- re, auch das im Walde, im Felde und Wasser sich befindliche Vogel- und Feder-Wild vom groͤsten bis zum kleinsten; Die grossen und kleinen Hunde und was dem anhaͤngig, nach dem Leben im III. Das Jagdzeug, und andere der zugehoͤrige Dinge im IV. Die unterschiedliche Manie- ren zu Jagen im V. in saubere Kupffer auf das accurate ste und lebhaftigste stechen lassen. Und in solcher Absicht habe es dem G. L. meine Intention daraus zu ersehen, und zu judici ren uͤbergeben, aber hauptsaͤchlich das Ja- gen selbst gluͤcklicher zu practici ren, anerwuͤnschen wollen. Verbleibende nach Anwuͤnschung alles Goͤttlichen Seegens, meines nach seinem Stand und Wuͤrden G. L. Haus Weissach, den 16. Septembr. 1719. dienstwilligster Hanns Friedrich von Fleming. Sum- Summarischer Jnhalt. Summarischer Jnhalt des vollkommenen Teutschen Jaͤgers. J N der Vorrede wird aus der Natur und Schrift gezeigt, daß GOtt die Welt zum Nutz des Menschen erschaffen, und ihm die Herr- schaft uͤber die Thiere und alle Creaturen ge- geben; und ob die Menschen gleich selbige bey dem Fall verlohren zu haben schienen, dennoch rechtmaͤßig besaͤssen, und also das Wild mit Jagen faͤllen koͤn- ten; es sey dieses Recht allen Menschen gemein, aber aus Miß- brauch der Privat- Personen der Obrigkeit anheim gefallen; dennoch aus besondern Meri ten denen Privatis concedi ret; endlich wird mit der General- Eintheilung des gantzen Wercks geschlossen. Erster Theil. I. Wird die Erde physice pro fundamento explici ret, und wie derselben Anima vegetativa beschaffen, woraus die vegeta- bilia ihr nutriment haben, deutlich demonstri ret. II. Wie die Gebuͤrge, theils oberwaͤrts, theils innerlich, sowol vor als nach der Suͤndfluth generi ret, transporti ret, und for- mi ret worden. III. Diejenigen 108 Kraͤuter, wovon die wilden Thiere sich zu ernaͤh- ren pflegen. IV. Des Kraͤuter-Manns Such-Zeit, und der Jrrwische, Dra- chen und Sternputzen Beschreibung. V. Von unterirdischen verborgenen Gewaͤchsen, Hoͤhlen, und Mißgeburthen. (b) VI. Von Summarischer Jnhalt. VI. Von der generation aller Edelgesteinen, Metallen, Gold-Koͤr- nern, und Wasser-Quellen Ursprung, auch Eigenschaft des humidi radicali. VII. Heiden und Waͤlder generaliter, uͤberhaupt und physice be- schrieben. IIX. Vom Unterscheid des Holtzes, und distinction aller Baͤume und Gewaͤchse. IX. Von dem Baum-Saamen, dessen wesentliche, innerlich ma- terie. X. Von dem Laub-Holtze, als 1) der Eiche, 2) Buche, 3) Aesche, 4) Bircke, 5) Erle und 6) der Espe. Von dem Tangel- Holtze, als 1) der Ceder, 2) Tanne, 3) Fichte, 4) Kiefer, 5) Wachholder und 6) Daxbaum. XI. Von Sturmwinden und Feuers-Braͤnden, uͤberhaupt die Ursache. XII. Wom Anflug und Wiederwachs, wie die vegetativ renasci re. XIII. Vom Gestraͤuch und jungen Dickigten, Eintheilung und Alter der Baͤume. XIV. Von Gebuͤsch und Stauden, des Haselstrauchs, Weyden, Werften und Dornen. XV. Von Eintheilung der Heiden und Waͤlder, und geometri- scher Ausmessung derselben. XVI. Heiden und Waͤlder zu taxi ren, und in Erbschaft einzuthei- len. XVII. Von Befluͤgelung der Heiden und Waͤlder, nach ihrer Situa- tion. XVIII Summarischer Jnhalt. XVIII. Von der Grentze, Marck und Scheide, solche zu conservi- ren. XIX. Von der Forst-Gerechtigkeit, und deren noͤthigen Requisitis. XX. Von der Wild-Bahn und Gehaͤge, ein Gehaͤge natuͤrlich an- zulegen. Von einem Thier-Garten, item benoͤthigte Saltz- Lecke, Heu-Scheune, Wild-Acker und Wildfahr. XXI. Von dem Holtz-Marckte, und dessen Gewohnheit, auch noͤthi- ge Holtz-Floͤsse. XXII. Von einem Forst-Hause, und eines Foͤrsters Instruction. XXIII. Die Abgabe des Holtzes, 1) einer Glas-Huͤtten, 2) hohen Ofen, 3) Eisen-Hammer 4) Zimmerung der Berg-Gebaͤude, 5) Ziegel-Schaͤune, 6) Kalck-Ofen, 7) Pech-Ofen, 8) Thie- len schneiden, 9) Staff-Schlagen, 10) Bret-Muͤhle, 11) Zimmer-Holtz, 12) Schindel und Splitt-Baͤume, 13) Klafter-Schlagen, 14) Kohlenbrennen, und letzlich 15) die Asche, denn die Nahrung des Wilds, Apfel-Baum, Birn- Baum, Pflaum-Baum, Kirsch-Baum, Eberisch-Baum, und von dem Acker, Weitzen, Korn, Gerste, Haber, Erbsen, Wicken, und dergleichen. Anderer Theil. I. Handelt von denen wilden Thieren, nach dem Climate, varia- tion, deren Nutriment, aus der Erde, uͤberhaupt und ge- nerali ter beschrieben. II. Von der Natur und Eigenschaft der wilden Thiere, Conserva- tio Naturæ auch fernern Fortpflantzung ihres Geschlechts, und wundersamen Transmutation. III. Vom Unterschied der wilden Thiere, als 1) von den grimmig- (b) 2 reissen- Summarischer Jnhalt. reissenden 2) von den edlen, und 3) von den raͤuberischen Thieren. IV. Vom Loͤwen, vom Tyger, vom Baͤr, vom Auer-Ochsen, item vom Hirsch, Hirsch-Gefaͤhrde, auch einem tragenden Wilde, vom Dann-Hirsch, von dem Schwein, von der Schweins- Gefaͤhrde, von dem Rehe, vom Gembs, vom Hasen, und Ca- ninichen, von dem Wolf, von dem Lux, von dem Fuchs, vom Bieber von dem Fisch-Otter, vom Tachs, vom Marder, von der Katze, von dem Jltniß, von dem Eichhoͤrnlein und Wiesel, aller diesen wilden Thiere aͤusserliche und innerliche Eigenschaft. V. Eines Haͤge-Reuters Instruction, zu conservi rung des Ge- haͤgs. VI. Von der Anatomia der wilden Thiere, und Ursprung dersel- bigen. VII. Anatomia eines Loͤwens, Tygers, eines Baͤrs, und eines Hir- sches. Ferner eines tragenden Wilds, wilden Schweins, einer Bachn, Reh oder Gembs, eines Biebers, Hasens, Fuchses, und Tachses. XII. Physicali sche Beschreibung, von dem saͤmtlichen Feder-Wil- de: Als Erstl. von dem Wald-Gefluͤgel, dem Auer-Hahn, Birck-Hahn, Hasel-Huhn, Wald-Schnepfe, Ringel-Tau- be, Blau-Taube, Turtel-Taube, Schnerre, Ziemer, Krammets-Vogel, Drossel, Amsel, Pyrohl. Und dem an- dern Theil von dem Feld-Gefluͤgel, als Trappen, Phasa- nen, Rebhuͤner, Wachteln, Brach-Voͤgel, Stahren, Ler- chen, Nachtigallen. Und Drittens dem Wasser-Gefluͤgel, als Schwahnen, Reyher, Gaͤnse, Enten, Krieg-Enten, Blaͤssen, Kywitz, Wasser-Schnepfe. Vierdten Theils aber, vom Raub-Gefluͤgele, dem Adler, Schuhu, Habicht, Sper- ber, Baum-Falcke, Eule, Kaͤutzgen, Rabe, Kraͤhe, Aelster, Kuckuck Summarischer Jnhalt. Kuckuck, vom Papagoy und Jndianischen Raben, und denn letzlich die physicali sche Betrachtung des Feder-Wildes, auch Anatomie des Gefluͤgels und der Eyer. Jm Dritten Theil. I. Wird gehandelt von denen Hunden, physicali sche Eigenschaft und Merckwuͤrdigkeiten, auch Unterscheid aller derselben Sorten. II. Als nemlich derer grossen Englischen Tocken, Baͤren oder Boll- beissern, leichten Cours- Hunden, von denen Sau-Ruͤden, von Windspielen, von Blendlingen, von des Leit-Hunds Erziehung, vom Schweiß-Hunde, vom Sau-Finder, vom Huͤner-Hund, von Jagd-Hunden oder Chiens courans, Wasser-Hunden, Stoͤber, Otter-Hunde, Dachs-Kriecher, Auferziehung der Hunde. III. Von Anlegung und Aufbauung eines Hunde-Stall, und Zwingers. IV. Wart- und Pflegung, auch Artzney der Hunde, Unterscheid der Wuthen, Recepta hiervor, Ohren-Weh und Wuͤr- mer zu vertreiben, Salben vor die Naude, Wunden zu heilen. Von dem Ruͤden-Knecht. Anatomia eines Pferdes, vom Aderlassen der Pferde, vom Affen, Anato- mie eines Hundes. Vierdter Theil. Dieser handelt von dem saͤmtlichen Jagd-Gezeuge, warum er noͤthig. I. Von hohen Tuͤchern, von Mittel-Tuͤchern, von Puͤrsch- (b) 3 Wagen Summarischer Jnhalt. Wagen, von Zeug-Wagen, Tuͤcher zu stellen, vom Lauf oder Quertuche, Tuͤcher-Lappen, Pantzer und Jacken, vom Jagd-Schirm, von Hirsch-Netzen, von Sau-Netzen, von Spiegel- und Prell-Netzen, von der Wild-Trage und Wage, von Wild-Garn, Wolfs-Netzen, Reh-Netzen, Hasen-Netzen, Lausch-Netzen, Dachs-Hauben, Bieber- und Fisch-Otter-Netzen, Marder und Jltniß Garn, Feder- Lappen, und was ein iedes kosten moͤge. II. Den Jagd-Gezeug wieder zu trockenen, und auszubessern. III. Ferner vom Baͤren-Kasten, Hirsch- und Sau-Kasten, Reh- Fuchs- und Hasen-Kasten, Gabel und Zangen, Stichel und Frostbohrer, und denn von Erbauung eines Zeug- Hauses. IV. Vom Baͤren-Fang, von Sau-Garten, Wolfs-Grube, Schlag-Baum, Selb-Geschoß, von einem Fuchs-Eissen, Marder-Falle und Drath-Schlinge, von dem Wagen- Meister und Zeug-Knechte, deren ausfuͤhrliche Verrich- tung, Instruction und Amt. Der Fuͤnfte Theil. I. Handelt von der Jagd und Weyde-Werck. Eintheilung, Ur- sprung und Alterthum, auch zulaͤßigen oder verbothenen Jagen. Ferner CAROLI Magni heilsame Ord- nungen vom Jagen, von schaͤdlichen Thieren, schaͤdlichen Pferden, zahmen Thieren, allerley Hunde zu stehlen und schlagen, Sperber und Feder-Spiehlen, von Bienen, von Gras-Fisch- oder Holtz-Dieben, Verboth auf andern Grund zu Jagen. Die Folge des Schweiß-Hundes. II. Von Summarischer Jnhalt. II. Von der loͤbl. Jaͤgerey Anfang, eines Jaͤgers Verrichtung, von Hunde-Jungen, von Jaͤger-Purschen, von der Behangens- Zeit, von Arbeit des Leit-Hundes, vom Bestaͤtigen und Probe-Jagen, von Genuͤß des Leit-Hundes, von Aufbrechen, Zerwircken und Zerlegen eines Hirsches, von einem reisenden Jaͤger, von einem Besuch-Knecht, vom Jagd- Pag en, vom Hof-Jaͤger, von Aenderung des Wetters, wenn es regnen soll, wenn Ungewitter kommt, vom Schnee und Wind, hell- und klar Wetter, Blitz und Donner, Regens Ur- sprung, vom Schnee und Schlossen. III. Von einem Teutschen umstellten Haupt-Jagen, vom Treiben, vom Zwang Treiben, von Jagd-Quartieren, vom Lauf- Platz, vom Abjagen und Ausschiessen, vom Jaͤger- Panquet vom Gehoͤrn-Vortragen, Weyde-Geschrey, vom Weyde- Messer schlagen, oder Pfunde geben, Weyde-Spruͤche, von der Hirsch Brunst, vom Puͤrschen, Puͤrsch-Pulver zu ma- chen, vom Puͤrsch-Meister, vom Leib-Schuͤtzen oder Buͤchsen-Spanner, von einem Jagd-Juncker, von dem Ober-Forst- und Wild-Meister, von dem Ober-Jaͤger- Meister, vom Hof-Kampf-Jagen, Raqueten und Schwaͤrmer zu machen. IV. Von dem Frantzoͤsischen Parforce- Jagen, von einem Piqueur, von denen Parforce- Hunden, von Englischen Pferden, von dem Forci ren und Fangen eines Hirsches. V. Von einer Wasser-Jagd, Netz-Jagen, Schwein-Hatz, Wolfs- Jagd, Reh-Fuchs- und Hasen-Jagd, von Wind-Hetzen, Verlappen und Klof-Jagen. VI. Von der Wuth oder Rasen der Hunde, von unterschiedl. Thonen bey der Jagd zu blasen. VII. Von Bestraffung der Wildpraͤts-Diebe, von einem Jaͤger- Haus, von einem Loͤwen-Haus, und dessen Wartung. AP- Summarischer Jnhalt. APPENDIX. I. Von der Falcken Beitze, und deren Antiquit aͤt, von dem Falcken, vom Unterscheid des Falckens, Farbe und Gestalt des Falckens, wie ein Falcke abzurichten, von eines Falconiere Function, von der Reyher- Beitz. II. Von der Phasanerie, wie ein zahmer Phasian- Garten anzulegen, inglei- chen vom Enten-Fang. III. Von dem Huͤner-Fangen, vom Treibe-Zeuge und Hahmen, Kuh und Schild. Vom Treib- und Schieß-Pferde, Tyras und Schnee-Garn, Huͤner- Zeug zu stricken, Wachteln zu fangen. IV. Vom Frantzoͤschen Lauf- und Flug-Schiessen. Ferner V. Von einem Teutschen Feder-Schuͤtzen. VI. Von dem Vogelsteller, von dem Vogel-Heerd, die Vogel-Waͤnde und Netzen selber zu stricken, von Lock-Voͤgeln, und Vogel-Bauern, von dem Thonen-Fang und Vogel-Leim, Raub-Voͤgel zu fangen, von der Kraͤhen-Huͤtte. Vom Lerchenstreichen. Anatomie des Falcken. Vom Ortulano und dessen Wartung, und vom Canarien-Vogel. Endlich folget: VII. Der immerwaͤhrende Jaͤger-Calender, Darinnen das Ab- und Zunehmen aller vagetabilien, item die Natur und Eigenschaft der wilden Thiere und Vogel durch alle Monathe des Jahres observi ret, und letztens IIX. Ein Anhang Unterschiedener nuͤtzlicher zur Jaͤgerey gehoͤrigen Rechts-Sachen, und einem vollstaͤndigen Jaͤger- Dictionario. Erster Erster Theil/ handelt Von der Erden. O B wohl diese Naturmaͤßi- ge irdische Betrachtung die Erde zu beschreiben, nur eintzig und allein, in Muth- massung einer unvollkom- menen menschlichen Wis- senschafft, zu halten ist, auch unserem Vorhaben gantz nicht gemaͤß, sondern billig denen Geographis zu uͤber- lassen; So wollen wir doch, weil aus der Erde die Baͤume ihre Animam ve- getativam haben, und ihre Nahrung aus deroselben warmen und doch feuchten Duͤnsten genießen, diese Naturmaͤßige Eigenschafft die Erde als unser aller Mut- ter deutlicher betrachten, und pro Funda- mento physice explicir en. Wie nun ei- ne lebendige Creatur in sich selbst in al- len Gliedern und Adern eine allgemeine Hitze ausgetheilet befindet, ohne deren Erwaͤrmung alles erstarren und erkaͤl- ten wuͤrde, nechst diesem auch eine Feuch- tigkeit im Gebluͤth die vorige Hitze tem- perir en muß, und beyde unter sich ein re- ciprocum commercium zu dem benoͤthig- tein Nutriment ihres Coͤrpers verschaf- fein muͤßen, da sonsten, in Ermangelung des letztern, durch allzu grosse Hitze alles verdorren muͤste: Also hat auch gleicher Gestalt die Goͤttliche Providenz diese bey- de Elementa, nehmlich Feuer und Was- ser, mit der Erden coagulir et, und be- se elet, damit nicht allein durch solche Mine- rali sche Hitze und deren innere Austhei- lung, sondern auch, vermittelst der in der Erden befindlichen Feuchtigkeit, eine wach- sende und zeugende Krafft verschaffet wuͤrde, wie wir lesen im Ersten Buch Mo- sis am 2. Capitel, vers am 6. da bey Er- schaffung der Welt ein Nebel oder waͤsse- richter Dampff von der Erden aufgan- gen und das Land zur Fruchtbarkeit be- feuchtet, dergleichen noch taͤglich observi- r et wird; Dahero dann unstreitig zu muthmassen, daß in der Erden, woraus dieses Vegetabile, oder solcher warmer waͤsserichter Dunst entstehet, eine Waͤr- me, und zugleich eine Feuchtigkeit, jedoch separatim zu befinden seyn muͤße, welches an verschiedenen Orten, die warmen Baͤ- der in Teutschland, wie bekant, zeigen koͤn- nen, und daraus ihren Ursprung neh- men, davon ich absonderlich hiernechst an seinem Ort, ausfuͤhrlicher vom Ursprung der Wasserqvellen schreiben will. Was nun aber zu unserm Vorhaben die Erde eigentlich vor eine Materie seyn muͤße, finden wir nach menschlicher Vernunfft dieses, daß es eine von Staub und Sand, Koth, und Lehm oder Thon, feuchte coa- gulir te Massa oder gebackener klebichter Klumpen sey, worinnen eine chymi sche salnitri sche oder saltzigte und kalte Eigen- schafft, so mit einer zusammenziehenden Krafft versehen, befindlich, daraus der Geschmack sein Nutriment haben muͤße und die Fruͤchte der Erden mit diesen Duͤnsten vereinigen koͤnne. Gleicher ge- stalt findet sich auch bey dieser kalten Ei- genschafft ein minerali scher Sulphur oder Schwefel, welcher von hitziger und trocke- ner feuriger Eigenschafft, fliessend u. schlei- migt ist, woraus die humi odores u. man- cherley Duͤnste, daher entstehender Ge- A ruch Erster Theil/ ruch oder verschiedener Gestanck entsprin- gen. Eben auch fabricir et dieser Sulphur durch die Poros der Erde denen leblosen Creaturen und Gewaͤchsen verschiede- ne Farben, daraus die vielerley Vermi- schungen der hell-licht- oder dunckeln Far- ben derer Creaturen, Gewaͤchsen und Fruͤchte ihren Uhrsprung nehmen. Und weil, vermittelst dieser beyden ungleicher Vereinigung, da der erstere, nemlich Sal, kalt und feuchte, der Sulphur aber hitzig, und trocken, durch obige gemeldte, von Staub und Sand, Koth und Lehm feuchte coagulir te Massam oder gebackenen klebich- ten Klumpen strichweise, theils dick, theils aber schwach, sich zertheilet, so hat man aus Erfahrung, daß man unterschiedliche Vermischungen, von schwartzen oder weis- sen, rothen oder vermischten, gelben far- bichten Strichen, theils hart, theils weich, theils trocken, theils feuchte, bey graben des Erdreichs angetroffen: Weiln nun, bey Coagulir ung zweyer wiederwartigen Eigenschafften, eine Antipathie von sich selbst innerlich generir et wird, und so wohl dem erstern, als dem andern, seine Krafft benimmet, Vinculum Amicitiæ und Vereinigung dissipir et, und aus zweyen wiederwartigen Dingen seinen Originem hat, mutir et sich dieser Mercu- rius in ein schaͤdliches Gifft, und was der eine oder der andere in mineralibus gu- tes coagulir et und wuͤrcket, verdirbet dieser alles mit einander; Dahero un- streitig, wie aus taͤglicher Erfahrung be- kant, theils die gifftige mercuriali sche Mi- nerali en und Metallen, theils auch die selt- same gefundene Mißgeburthen oder Ge- waͤchse der Erden generir et werden. Und weil das unterirdische elementari sche Feu- er durch dergleichen evaporir et, so ent- stehet von der Erden ein gifftiger Nebel- daraus zu zeiten, nachdem das Clima ge- legen ist, eine toͤdtliche Seuche denen le- bendigen Creaturen entspringet, auch die gifftigen Gewuͤrm und Kraͤuter ihr Nu- triment haben, und dahero, wie gemeldet, hat das Boͤse und Gute seinen Ursprung genommen. Bey dieser innern mine- rali schen Haͤrte coagulir et sich das Gestein als ein Extract, darinnen der Sulphur, von trockener und hitziger Eigenschafft, vermittelst des elementari schen Feuers, die Metallen, jedes nach seinem Climate, generir et, und uns Menschen das Ertz zum besten wachsen laͤsset, so wir im Schweiß unsers Angesichtes, nach Goͤtt- licher Ordnung, tief aus der Erden mit grosser Muͤhe, aus harten Gestein mit mancher Lebens-Gefahr, sowohl derer tieffen Kluͤffte, als oben gemeldten mer- curiali schen gifftigen Duͤnste, schwer und sauer erwerben muͤssen. Dieses Gesteins nun findet man dreyerley Sorten, als den harten Kieß, und coagulir ten Mar- morstein, dann auch den Schiefer, und letztlich den Sandstein, jedoch ist in allen ein Unterscheid, an Haͤrte, Groͤbe, oder Klaͤre, auch deren verschiedenen Farben, womit die Gestein-Gebuͤrge gangweise ihr Ertz fuͤhren, unter der Erden streichen, wachsen und mit der Erden bedecket, Huͤ- gel und Berge formir en koͤnnen, jedoch ist nach dem Climate hierbey zu distingvi- r en, daß, wie im Gebuͤrge der Eysen- und Kalck-Stein in festen Steinfelßen gebrochen, in ebenen flachen Sandlaͤn- dern aber Stuͤckweise locker liegend ge- graben wird, eben so muͤßen sich andere Metallen durch ihre Vegetation daselbst transmutir en. Von dem Gebuͤrge. Daß die Erde bey Erschaffung der Welt nicht eben so gar gleich einem Tisch, sondern von Anfange mit Huͤgeln und Bergen, Felßen und Gesteine versehen gewesen, solches bezeuget die H. Schrifft Gen. VII, 20. VIII, 4. ausdruͤcklich, indem daselbst das Wasser der Suͤndfluth, so der grosse GOtt um der Menschen Straffe willen kommen lassen, uͤber die hoͤch- sten Berge gegangen; Und ferner ist zu finden, daß der Kasten Noaͤ, als die Ge- waͤsser gefallen, sich auf das Gebuͤrge Ararath niedergelassen, und am ersten Tage des zehenden Monaths haben sich die Gebuͤrge mit ihren Spitzen wieder- umb erfreulich blicken lassen, da des Noaͤ Taͤublein, umb Vespers-Zeit, ein Oehl- blat zum Zeichen gebracht: Daraus zu urtheilen, daß die Berge, Baͤume, und an- dere Gewaͤchsel, ebenfalls vor der Suͤnd- fluth gewesen, dann sonsten Noa seine Ar- che oder Kasten, in Ermangelung dersel- ben, nicht bauen koͤnnen. Daß aber wohl durch Verursachung der Suͤndfluth, und Auffschwemmung des weichen Erdbo- dens, nachdem das Gewaͤsser gefallen, und die Erde hin und wieder ausgehoͤh- let, das schwartze fette Erdreich mit Sand, und Von der Erden. und dieser wiederum mit jenem uͤber- schuͤttet transportir et, daraus neue Ber- ge generir et und entstanden, solches be- weiset noch heut zu Tage das in solchen Bergen liegende Holtz oder Baͤume, so in der Erden gefunden werden, welches ver- muthlich vormahlen die Suͤndfluth, da der Boden erweichet, von Wurtzeln aus- gerissen, dahin geschwem̃et, und folgends mit der Thamm-Erde bedecket und uͤber- schuͤttet, auch dasjenige, was sie waͤhren- dem Gewaͤsser, und Zusammenfliessung vorigter Gebuͤrge, an Sand, Lehm, Thon oder Gestein abgerießelt, und abgewa- schen gefunden, versetzet hat, daraus die- se neue Berge geworden, welche denn nach Gelegenheit ihrer Situation, und in- nersten Elementarischen Eigenschafft, daher entstehenden Nebel, Kraͤuter und Graß, vermittelst des guͤtigen Cli- matis und derer Sonnenstrahlen Reper- cussion, nach ihrer Hoͤhe wachsen lassen, wie solches nach des Philosophi Varenii Meynung Geogr. General. Lib. I. cap. X. Prop. 8. p. 96. mit mehrern zu ersehen. Was nun eigentlich die Gebuͤrge be- trifft, theilen solche die Bergverstaͤndige in das Vor-Gebuͤrge, welches nach dem ebenen Lande allgemach zu steigen anfaͤn- get; Das Mittel-Gebuͤrge, so zwischen diesem und dem hohen Gebuͤrge lieget, und endlich das hohe Gebuͤrge, als das Hoͤchste, weil es sich nach demselben wie- der dahinter abwaͤrts sencket, und dem- nach das Hinter-Gebuͤrge genennet wird. Jn solchen rauhen, unfreundlichen, und erschroͤcklichen Gebuͤrgen hat der grosse Gott, durch seine sonderbahre Allmacht, in denen festen Gesteinen, durch Kluͤffte und Gaͤnge, das edele metallische wach- sende oder gediegene Gold und Silber, Kupffer und Eysen, Zinn und Bley-Ertz- te, oder andere Minerali en, wachsen las- sen, daß ohne desselbigen Huͤlffe, als dem Nervo rerum gerendarum Handel und Wandel, der noͤthige Ackerbau, und alle nuͤtzliche Nahrung, diesem menschlichen Le- ben zu Schaden, nachbleiben muͤste. Zu solchem Ende nun hat die guͤtige Natur, der menschlichen Unwissenheit zu Huͤlffe, wie zeithero aus vieler Erfahrung zu ob- servir en, deutlich remonstrir et, daß, wann die Gebuͤrge, bey hoͤchster Elevation der Sonnen und hitzigem trockenem Wet- ter, oder langwieriger Duͤrre um Johan- nis-Zeit rauchen, oder das Korn und Ge- traͤyde oder Graß, bald zeitiger, reiffer, oder duͤrrer zu sehen ist, als auff der an- dern Seiten, item, wann zwieseligte dop- pelte Baͤume, oder dergleichen Anzeigung gemercket werden, daselbst Ertzte oder Me- talle verborgen liegen, und sind die edelen Metallen, als Gold, Silber, oder Kupffer gegen Mittag, die geringern, als Ey- sen, Stahl, Zinn und dergleichen, gemei- niglich gegen Mitternacht, gegen Auf- gang und Niedergang der Sonnen aber nichts, oder doch unvollkommene Me- talle und Minerali en anzutreffen, so durch Goͤttliche Providentz, Donnerschlaͤge, Erdbeben, Felßen und Windbruͤche, der Wurtzeln Ausreissung aus der Erden, Wolcken-Bruͤche, und Platz-Regen, ausgefahrne Wagen-Gleisse, auch oͤff- ters durch den Pflug des einfaͤltigen Bauersmannes, ohngefehr und casu fortuito offenbahret, und von dem gros- sen GOtt uns Menschen, wiewohl un- verdienter Weise, die unterirdische Schaͤtze der Erden gnaͤdiglich gezeiget, und mitge- theilet werden. Jn solchen Ertz-Gebuͤr- gen nun, wird der Bergbau, als eine uhr- alte christliche Nahrung, gesuchet, und zur menschlichen Nahrung durchs Feuer geschmoltzen, die Metalle, zum taͤglichen Gebrauch, daraus bereitet. Und ob wohl in der Heil. Schrifft der Thubal Cain, ein Meister alles Ertztes und Eysenwercks, vor den ersten Bergmann gehalten wird, Gen. am 4. vers. 22. so hat man doch das meiste aus Egypten und Arabi en bekom- men, weil die alten Hebraͤer es nicht son- derlich geachtet. Der Gothische Koͤnig, Adalaricus, lobet das Bergwerck, his ver- bis: Arm fahren sie ein, reich wieder aus; Sie greiffen nach Reichthum, ohne Dieb- stahl, mißgoͤnnen einander ihre Schaͤtze nicht, und erwerben grosse Schaͤtze, nicht mit Wucher, Krieg, oder gewaltigem Unrecht, Schiff- oder See-fahrender List, Falschheit und Betrug, Mord und Brand: Sondern sie suchen und nehmen diesen ehrlichen Gewinn, in dem Schooß der Erden, mit zuversichtlicher Hoff- nung zu GOtt, und festiglichen Ver- trauen. Wie nun eigentlich solcher Berg- bau nuͤtzlich vorgenommen werde, hier- von, weil ich dergleichen zulaͤngliche Wis- senschafft nicht habe, auch zu unserm Vorhaben allzuweitlaͤufftig, will ich den geneigten Leser hiermit an die Berg- wercks verstaͤndige Autores, nemlich Ge- org Engelhart von Loͤhn Eys, item Abra- ham von Schoͤnberg, oder Balthasar Roͤßlers Berg-Bau-Spiegel, gewiesen haben, das meiste aber, wie in aller Praxi A 2 zu Erster Theil/ zu finden und weit besser zu begreiffen seyn wird, bestehet sonderlich in der Ubung. Es bauen die Bergleute von hohen Gebuͤrgen tiefen Schacht mit Holtz verzimmert, finden sie das Gestein, wird ferner durchgehauen so tieff, biß Ertz an- getroffen, hauffen sich die Wasser in der Grube, wird es entweder durch Plum- pen und Roͤhren, oder durch den Stollen abgezapffet, und die Grundwasser, so ih- nen hinderlich, ausgeschoͤpffet, dann sie sonsten nicht arbeiten koͤnten; die gewon- nenen Ertzte werden sodann durch Poch- wercke klar gestampffet, und in der Huͤt- ten oder Schmeltz-Ofen durchs Feuer ge- laͤutert, biß das reine Metall in Kuchen geschmoltzen, und zu fernerm Gebrauch der menschlichen Nothdurfft jedes nach seiner Art fabricir et und verbrauchet wird. Dieweil nun zu solchem Bergbau taͤglich, ja stuͤndlich, eine grosse Anzahl ver- schiedenes Holtz seyn muß, nicht allein zur Verzimmerung der Schaͤchte und Stol- len, benoͤthigten Wasser-Getriebe, und Kuͤnste, sondern auch zur Verschmeltzung der gewonnenen Metalle hoͤchstnoͤthige Kohlen, hat man hiesiger Lande, bey gros- ser Abnahme des Holtzbaues und sparsa- men Anflug und Wiederwachs, ein siche- res Experiment in Vorschlag gebracht, nicht allein kuͤnfftighin, durch einen hier zu Lande gefundenen Turff, und der Stein- Kohlen Gebrauch, das zu erspahren, son- dern auch die abgeoͤdeten Gehoͤltze, uñ kah- le Plaͤtze durch nuͤtzlichen Saamen zu cul- tivir en, und nechst Goͤttlichem Seegen, die verwuͤsteten Waͤlder zu einem gluͤcklichen Anflug und Wiederwachs zu befoͤrdern, wie hiervon hoͤchst ruͤhmliche Nachricht ge- geben der Herr Ober-Berg-Hauptmann von Carlowitz, in seiner Sylvicultura Oe- conomica, darinnen er alles specialissime beschrieben. Sonst statuir en die Berg- Verstaͤndige, daß das Gestein des Berg- wercks in der Erde meist ein gantzer Felß seyn solle, welcher mit der Damm-Erde bedecket, weil man ja an vielen Orten, da es im Gebuͤrge seine Art hat, augenschein- und deutlich, nach vielerley Formen und Gestalt, die Gesteine und Felsen-Klippen maͤchtig hoch hervor stehen siehet, so dann theils vom Alterthum gantz grauer Far- be, an der Wetter-Seite mit Mooß oder Kraͤutern verwachsen sind; Und will man aus Erfahrung gewiß behaupten, daß noch heut zu Tage die Felßen-Gebuͤrge und Gesteine in ihrer unterirdischen Ge- neration taͤglich wachsen. Es schreibet der Weltberuͤhmte curi oͤse Autor, Herr Jo- hann Heinrich Seyfried, Hochfuͤrstlicher Sultzbachischer Hof-Cammer-Rath, in seiner wunderbaren Erschaffung der Welt, von denen hohen und beruͤhmten Bergen, folgendes pag. 385. Unter allen Bergen Teutschlandes, wird der Bro- ckes- oder Blocks-Berg, Mons Bructerus, auf dem Hartz, fuͤr den hoͤchsten geachtet, auch sonsten, umb daß eine gemeine Rede ist, daß jaͤhrlich in der Nacht Walpurgis oder den ersten Maji, die Hexen und Un- holden, auf demselben ihre Zusammen- kuͤnffte anstellen, wohl bekant. Man hat etliche Stunden zu steigen, bevor des- sen oberste Hoͤhe zu erreichen, der Weg auf dem Berg ist verfallen, muß dem- nach meistens zu Fuß verrichtet werden. Ehe man dessen Gipffel bestiegen, hat man stets dunckel, thauicht und nasses Wetter; auf der Hoͤhe aber empfindet man eine durchdringende Kaͤlte, auch wohl Reiff und Frost, ob es schon mitten im Sommer ist. Oeffters wird man ploͤtzlich mit Wolcken und Nebeln derge- stalt gleichsam eingehuͤllet, daß wegen Finsternuͤß und Dunckel, ein Mensch den andern nicht sehen kan; wann aber sol- che sich aus einander geben, oder in die Hoͤ- he ziehen, so scheinet es anders nicht, als wann man vom Himmel herunter auf die Welt saͤhe, da das Gesicht die Weite umher nicht wohl begreiffen mag; Dann auf einen Blick siehet man viele Laͤnder und Fuͤrstenthum in Teutschland, als da sind: Ober- und Nieder-Sachßen, Meis- sen, Thuͤringen und Magdeburg, der naͤ- hern zu geschweigen; Wann nun also man im besten Schauen begriffen ist, kommt ploͤtzlich eine dicke finstere Wolcke, die alles bedecket, und dem Gesicht hin- wiederumb entziehet. Sobald aber sol- che abweichet, siehet man durch dieselbe so- wohl unter sich nach der Erden, als uͤber sich in der Lufft, gleich wie ein brennend Feuer, welches man durch einen Rauch zu sehen pfleget; Die Ursach ist, weil mitt- ler Zeit, da man mit der Wolcke umge- ben, es so unterhalb, als oben gegen dem Himmel gantz klar und helle von dem Sonnenschein ist. Auff dem Berg giebt es keine Baͤume; der Boden ist sum- pfig, mit langen Graß, vielerhand Kraͤu- tern und Wurtzeln bewachsen, und vol- ler Mooß. Es hat auch zu oberst eine schoͤne Brunnen-Quelle, so gar schmack- sam im trincken, aber sehr kalt ist. Wann ein Rohr abgeschossen wird, giebt es einen schlech- Von der Erden. schlechten Knall, und keinen Wiederhall. Unter denen hohen Gebuͤrgen Teutsch- landes hat auch das zwischen Schlesien und Boͤhmen gelegene so genannte Rie- sen-Gebuͤrge, zu Latein Sudetes, seine Stelle, nicht allein wegen dessen Hoͤhe, und vielerhand andern daran und dar- auf befindlichen merckwuͤrdigen Sachen, sondern fuͤrnehmlich, wegen des daselbst sich enthaltenden Spectri, Berg-Geists oder Huͤters des Schatzes, insgemein der Ruͤbezahl genannt, wiewohl diesen Na- men er nicht wohl vertragen mag, dahero von den Kraͤutlern, und denen, so dieses Gebuͤrge besuchen muͤssen, Domine Jo- hannes genennet wird. Dieser Berg- Geist oder Ruͤbezahl pfleget die Reisenden durch wunderliche Verstellungen in man- cherley Gestalten oͤffters zu vexir en, thut jedoch niemand keinen Schaden, es sey dann, daß er bespottet werde. Welchen Falls man aus der Erfahrung weiß, daß vielmahl bey heiterer Lufft und klaren Himmel, ploͤtzlich ein greulich Gewitter mit Donner, und ungestuͤmen Platz-Re- gen entstanden, oder die Reisenden ver- irren sich, oder ihnen wiederfaͤhret ein so ander Abentheuer. Es geschicht auch nicht selten, daß er die Reisenden unter man- cherley Verstellungen pfleget zu begleiten, mit ihnen zu reden, jemahlen auch sie zu beschencken, davon Praetorius ex professo ein gantz Buͤchlein zusammen getragen und edir et hat. Biß hieher schreibet vor- ermeldter Autor. Und so viel genug von dem Gebuͤrge. Was aber die Gespenster und Geister betrifft, lasse ich einen jeden glauben, wie er will, weiln solches zu un- serem Zweck undienlich. Wollen also nunmehro die Kraͤuter und Baͤume der Erden betrachten, und ferner ad scopum schreiten. Von denen Kraͤutern. Gleichwie der Allmaͤchtige Schoͤpf- fer, das himmlische Firmament, nicht al- lein die Sonne, als ein groß Licht, das den Tag regiere, sondern auch den Mond, als ein klein Licht, das die Nacht regiere, be- nebst diesen die Planeten, Conjunction der Aspect en, erschroͤckliche Comet en, und saͤmtliches ad Astra gehoͤrige Gestirne, zu Unterscheid, Wuͤrckung derer Zeiten, Jahre, Tage und Naͤchte, Sommer und Winter, Frost und Hitze, und deren maͤch- tigen Influenz, erschaffen und herrlich geschmuͤcket; Also hat er nicht allein die hoͤchsten Klippen, und Felßen, Ge- buͤrge, Berge und Thal, nebst dem gan- tzen Erdboden, mit herrlichen unzehl- bar vielen Kraͤutern, jedes nach seiner Art, versehen und denen sterblichen Crea- turen zu Nutz, ihnen eine Medicini sche Krafft mitgetheilet, woraus die Goͤttli- che Allmacht nicht genungsam zu bewun- dern. Dann einige wachsen gegen Auf- gang, andere dargegen gegen Nieder- gang der Sonnen; Es giebt Kraͤuter ge- gen Mittag, auch ohnstreitig zur Mitter- nacht-Seite. Man findet derselben auf denen hoͤchsten Felßen und Klippen, auch andern rauhen Gebuͤrgen, und wieder- umb dargegen in denen tieffsten verbor- gensten Gruͤnden, theils auf der Erden hin und wieder ausgebreitet, theils um Staͤmme, auch an Stein-Felßen gewun- den; Ja man findet welche Kraͤuter auf den trockenen, andere dargegen an feuch- ten Oertern, bald haben sie hitzige, bald kalte Eigenschafft, und dennoch ist von allen diesen nach dem alten Sprichwort, kein Kraͤutlein find man noch so klein, das nicht preisete den Schoͤpffer sein, deren kraͤfftige Wuͤrckung nicht gnungsam zu bewundern. Und obwohl der rauhe, unfreundliche, kalte Winter-Mantel, Fel- sen, Gebuͤrge und Erde durch Schnee, Frost und Eiß bedecket, muß doch solcher durch hoͤhere Elevation der Sonnen- Strahlen weichen. Was bißhero die Natur durch des Allerhoͤchsten Kuͤnstlers Hand verborgen gehalten, koͤmmt zur Fruͤhlings-Zeit herrlich hervor, solcher- gestalt erlangen alle lebendige Creatu- ren, deren keine umsonst erschaffen, ver- mittelst der Himmlischen Constellation und Jahres-Zeiten ihre abwechselnde Wuͤrckungen, wie ich hierbey die Krafft und Eigenschafft derer wilden Kraͤuter, so um steinigte Felsen, Klippen und Gebuͤr- ge, Gruͤnde und Thaͤler, zu wachsen, und deren sich die wilden Thiere zu bedienen pflegen, so viel mir nur bekant, specifice beschreiben will. No. 1. Gemsen-Wurtzel/ Doronicum. Diese Gemsen-Wurtzel, Alpinum oder Schwindel-Wurtzel, waͤchset in de- nen hohen Schweitzer-Gebuͤrgen, oder Alpen, daran die daselbst befindlichen Gemsen herum klettern, und von solchen A 3 Wur- Erster Theil/ Wurtzeln und andern Kraͤutern ein klei- ner Ball, als eine welsche Nuß groß, voller zarter Faͤßgen meistens in Ma- gen dieses Thieres gefunden wird; Es gebrauchen die Wurtzel-Kraͤmer die- ses auch mit zu dem Theriack, weil es ein Antidotum wider Gifft seyn soll, heilet Wunden, schwere Gebrechen, Kopff- Weh, ist gut vor den Schwindel, Colicam, schweren Athem und Hertzbochen zu ge- brauchen, davon es den Namen be- kommen. No. 2. Baͤren-Wurtzel/ Meum. Diese Wurtzel wird vornehmlich ge- brauchet vor Auffblehung des Magens, Eroͤffnung der Leber, Befoͤrderung der Geburt und Urin, Reissen im Leibe und Colicam, wird auch zu den Mithridat wi- der den Gifft nebst andern simplicibus ge- nommen. Und weil die wilden Baͤre ebenfalls im Gebuͤrge herum kriechen, und sich deren gebrauchen, mag dieses da- her vermuthlich seine Derivation haben; Wiewohl andere wilde Thiere auch dieses Krauts oder Wurtzel zu ihren Vortheil sich bedienen. No. 3. Wintergruͤn/ Hedera. Dieses waͤchset an Steinen, Felßen, und alten Staͤmmen, oder Baͤumen in die Hoͤhe, flechtet und breitet sich hart dar- an, ist ein herrliches Wund-Kraut, stil- let das Blut, stopffet den Durchfall, so es nur im Mund gehalten wird, mehret die Milch, reiniget die Geschwaͤr im Halß und Leibe, fuͤhret den Schleim ab, eroͤff- net und treibet alles Boͤse heraus. Es hat den Namen, weil es des Winters allezeit dunckelgruͤn waͤchset und ist mei- stens aller Orten um felßigte Gebuͤrge und der ebenen anzutreffen, wiewohln alle Kraͤuter, wie bekant, wegen der Sonnen-Hitze, auf hohen Gebuͤrgen weit kraͤfftiger. Auf dem Riesen-Bebuͤrge/ No. 4. Hirsch-Melde/ Pulmonaria. Hirsch-Melde oder Hirsch-Mangold, waͤchst auff der Schnee-Koppe, hat brei- te zanckigte Blaͤtter, riechet angenehm, bluͤhet blaulicht, wie die Schluͤssel-Blu- men, waͤchst in Sieben Gꝛuͤnden im Schat- ten, davon die Hirsche starck und feiste werden und mehr, als sonst, wachsen. No. 5. Pilati Kraut/ Herba Pilati. Eben dergleichen Beschaffenheit hat es auch mit diesem Kraut, welches gelbe Blaͤtter hat, auch einen gelben Saamen traͤget, ist von einem schoͤnen Geruch, waͤchset an selbigen ermeldten Orte, wo- von sich ebenfalls das Wildpraͤth haͤuffig ernehren soll. No. 6. Johannis Kraut/ Hypericum. Hat gruͤne breit und lange Blaͤtter, bluͤhet blaulicht, waͤchset gerne bey Klee, treibet den Harn, zertheilet geronnen Ge- bluͤt, foͤrdert die Geburt, staͤrcket das Haupt, heilet Wunden, Geschwuͤr und Beulen, treibet den Schweiß und allen Gifft, machet gute Nahrung. No. 7. Baldrian/ Valeriana. Diß waͤchset an quellichten Bergen, bluͤhet weißlicht, traͤgt blaue Beere, ist ein trefflich Wund-Kraut, heilet inner- liche Bruͤche, Wunden und Geschwuͤr, staͤrcket das Gesichte, heilet Lunge, Sei- tenstechen und kurtzen Athem, oͤffnet Nieren und Leber, treibet allen Gifft, Schweiß und Urin, ist gut vor die schwe- re Noth. No. 8. Michael-Wurtzel/ Colchicum. Hat kein Kraut, die Bluͤthe steiget so- fort aus der Wurtzel heraus, ist blau und hat schwartze Koͤrner, wird aber gar selten gefunden. Jn Sieben Eck-Steinen/ No. 9. Osterlucia/ Aristolochia. Waͤchst mit gruͤner Bluͤthe, wie Zwie- beln, hat eine Fingers lang und dicke Wurtzel: Eroͤffnet die Verstopffung, zer- theilet den Schleim, und reiniget alle boͤ- se Feuchtigkeiten. N. 10. Eber-Wurtzel/ Carlina. Diß waͤchset eben an selbigen Orte, bluͤ- het weißlicht wie die Disteln, riechet starck, treibet aus den Gifft, Schweiß und scor- buti sch Gebluͤte, Wuͤrmer und Schleim, staͤrcket die Natur, eroͤffnet Miltz und Le- ber, und vermehret die Lebens-Geister. No. 11. Christ-Wurtzel/ Elleborus niger. Waͤchset auch daselbst, hat weisse Blu- men, Von der Erden. men, bluͤhet im Christ-Monath, waͤchset nicht hoch von der Erden, die Blaͤtter machen grossen Umfang; Es purgir et und reiniget das schwere und Melancholi sche Gebluͤt, stillet Zorn, Raserey und alles Boͤse. No. 12. Schlangen-Kraut/ Bistorta. Diß waͤchset auch daselbst, mit einem langen Stengel, bluͤhet weiß und blau- licht, die Wurtzel gleichet einer Schlan- gen, weil sie einen buntscheckigten Sten- gel hat, ist scharff und bitter, zertheilet den Schleim von der Brust, widerstehet dem Gifft, treibet den Schweiß, eroͤffnet, reiniget Lung und Leber. No. 13. Rosen-Kraut/ Radix Rhodia. Jst gruͤn, hat eine rothe Wurtzel, rie- chet wie Rosen, bluͤhet weiß, und traͤget weissen Saamen; Staͤrcket den Verstand und Gedaͤchtniß, heilet und kuͤhlet heff- tige Kopff-Schmertzen. Jm Stein-Felßen-Gebuͤrge/ No. 14. Zehr-Kraut/ Hepatica fontana. Dieses waͤchset gerne an Stein-Klip- pen, worbey Brunnen-Quelle anzutref- fen; Stillet Blut- und Blasen-Beschwe- rung, eroͤffnet die verstopffte Lunge, kuͤh- let die hitzige Leber, heilet innerliche Wunden. No. 15. Engelsuͤsse/ Polypodium. Jst rauh an Wurtzeln, waͤchset auff Stein-Felßen, auch um alte Eichen, und bluͤhet nicht; Eroͤffnet die Miltz und Le- ber, heilet die Lunge und alles innerliche Geschwuͤr, treibet das boͤse scorbuti sche Gebluͤt, Gall und Schleim aus dem Lei- be, gruͤnet des Winters. No. 16. Weisser Diptam/ Fraxinella. Hat Blaͤtter wie die Weyden, und bluͤhet weiß; Heilet innerliche Wunden, foͤrdert die Geburth, toͤdtet die Wuͤrme, eroͤffnet Verstopffung, treibet den Schweiß und Harn, zertheilet die Fluͤße, stillet Schlag, Schwindel und Haupt- Wehe, machet helle Augen. Es soll da- mit der Hirsch die geschossenen Pfeile aus dem Leibe treiben. No. 17. Creutz-Kraut/ Senecio. Jst gut wider das Blut-Auswerffen, vor die Wuͤrmer, hitzige Leb er, Len- denstein, gifftigen Nebel und Magen- Weh, heilet alte Geschwuͤr und Wun- den, oͤffnet die Harn-Gaͤnge; Bluͤhet weiß, und waͤchset wie die Rosemarie. No. 18. Hirsch-Zunge/ Lingua ceruina. Bluͤhet scheckigt, waͤchset gerne bey Quellen, ist das gantze Jahr gruͤn; Stillet Durchlauff und Blut, heilet Geschwuͤr und Wunden, reiniget Miltz und Leber, zertheilet schwehr melancholi sches, oder geronnen Gebluͤt, treibet den Stein und Harn heilsam. No. 19. Entzian/ Gentiana. Siehet aus wie Weyden-Blaͤtter, zanckigt, traͤget gelbe Blumen, waͤchset unter Stein-Felßen, in Sieben Gruben; Zertheilet geronnen Gebluͤt, treibet den Gifft, Schleim und Wuͤrmer, heilet in- nerliche Wunden, reiniget die Mutter, staͤrcket den Magen und Lunge. Jn Teuffels Lust-Garten/ No. 20. Paradieß-Kraut/ Herba Paradisi. Hat angenehme gruͤne Farbe, bluͤhet weiß, und waͤchset an diesem so genannten Orte; Jst ein treffliches Wund-Kraut. No. 21. Koͤnigs-Crone/ Corona Imperialis. Hat viereckigte gruͤne Blaͤtter, und vier Stengel, worauf eine weisse Crone gewachsen, traͤget keinen Saamen, waͤch- set allda. No. 22. Je laͤnger je lieber/ Matrisylua. Hat einen langen Stengel, weisse kol- bigte Blumen, laͤnglichte gruͤne Blaͤtter; Zertheilet geronnen Gebluͤt, heilet inner- liche Wunden, eroͤffnet die verstopffte Le- ber, treibet den Nieren- und Blasen- Stein. No. 23. Stengel-Kraut. Waͤchst auch allda mit kleinen blauen Bluͤmlein; Treibet die Wuͤrmer, Ender- linge und scorbuti sch Gebluͤte aus dem Leibe, heilet innerliche Wunden. Am Teuffels-Teiche/ No. 24. Braune Doste/ Clynopodium. Hat blaue Bluͤth; Heilet innerliche Ge- schwuͤr, vertreibet das boͤse scorbuti sche Gebluͤt, Erster Theil/ Gebluͤt, widerstehet dem Gifft, toͤdtet und treibet die Wuͤrmer aus, heilet innerliche Wunden, eroͤffnet Verstopffung, und sollen sich die Hirsche mit diesem Kraut alles innerliche ausheilen. Jm Teuffels-Grunde/ No. 25. Haasen-Kraut. Waͤchset mit runten Blaͤttern, bluͤ- het blaulicht; Staͤrcket das Hertz, Magen und Leber, widerstehet dem Gifft und al- ler Unreinigkeit, ist sauer und loͤschet den Durst. No. 26. Gruͤne Freude. Waͤchset wie die Maulbeer-Blaͤtter, hat schwartze Beerlein, und soll dieses ein innerlich gut Wund-Kraut seyn Blut zu stillen. No. 27. Rother Wiederthon/ Adianthum. Diß waͤchset wie Mooß an der Erde, hat runte Blaͤtter und weisse Bluͤmlein, ist sobald der Schnee ein wenig abgeht, gruͤn zu sehen; Reiniget und veraͤndert die Natur, macht neues junges Haar wachsen. No. 28. Leber-Kraut/ Hepatica. Gruͤnet Winters und Sommers, hat runte zanckigte Blaͤtter, waͤchset an feuch- ten steinigten Orten; Staͤrcket das Hertz und Leber, heilet innerliche Wunden, fuͤhret die Galle ab. No. 29. Muͤnchs-Blatte/ Dens Leonis. Bluͤhet blau, hat einen Stengel und blaue Crone, gruͤn und blau besprengte Blaͤtter; Oeffnet Miltz und Leber, heilet innerliche Wunden, Magen, Lung und Leber, stillet das Blut, und treibet allen Schleim und boͤse Gebluͤt aus dem Leibe. No. 30. Knaben-Kraut/ Fabaria. Hat breite Blaͤtter, traͤget Himmel- blauen Saamen; Reiniget das Gebluͤt, heilet innerliche Bruͤche, Brand und Wunden, stillet die geschossene Schmer- tzen, welches das Wild eyferig suchet. Jn denen Sieben Gruben. No. 31. Schwalben-Kraut/ Vincetoxicum. Jst gruͤn wie ein Schuͤssel-Wisch ge- wachsen, suͤsse wie ein Nuß-Kern; Wi- derstehet Schlag-Fluͤßen, Ohnmachten, treibet den Stein, heilet innerliche alte boͤse Geschwuͤr und Wunden, treibet Schweiß und Urin, und ist ein trefflich Wund-Kraut. No. 32. Drey-Ocker/ Dentaria Baccifera. Jst ein Kraut von gelben Blaͤttern, welches oben eine weisse Blume, als ein Creutz formir et, hat, wovon sich die Hir- sche und Rehe gar sehr ernehren sollen, und waͤchset im Gebuͤrge an feuchten Orten. Auf dem Riesen-Bebuͤrge sind ferner No. 33. Teuffels Abbiß/ Succisa. Dieses Kraut bluͤhet gelbe, traͤget Koͤrner wie Pfeffer-Koͤrner; Jst gut wi- der gifftige Nebel, treibet den Schweiß und Urin, heilet frische Wunden, zer- theilet geronnen Gebluͤt, ist gut vor Hu- sten und Seiten-Stechen, reiniget Lung und Leber. No. 34. Weiß-Wurtzel-Kraut/ Poly- gonatum. Bluͤhet weiß, die Blaͤtter sind wie Weyden-Blaͤtter; Reiniget die Haut von Enderlingen, zertheilet geronnen Gebluͤte vom Fallen, Stossen oder Schla- gen, befoͤrdert die Geburth, die Beerlein davon sollen wohl purgir en. No. 35. Weiß-Wende-Wurtzel/ Helle- borus albus. Diß Kraut ist gruͤn, bluͤhet weiß, die Blaͤtter sind gruͤn und kraußlicht, traͤ- get weissen Saamen, und ist ein trefflich Wund-Kraut, alles innerliche geronne- ne Gebluͤt zu vertreiben, waͤchset auch in denen Thuͤringischen Gebuͤrgen, und Schwartz-Wald. No. 36. Meister-Wurtzel/ Imperatoria. Waͤchst auch im Schwartz-Walde, hat runde gruͤne Blaͤtter, bluͤhet geschmir- gelt, ist bitter von Geschmack; Wider- stehet dem Gifft, treibet aus geschossenen Schrot und Kugeln, zertheilet geronnen Gebluͤte, eroͤffnet Lung und Leber, und stillet die Schmertzen, heilet innerliche Wunden. No. 37. Von der Erden. No. 37. Gold-Wurtzel/ Asphodelus. Waͤchst wie Knoblauch, bluͤhet blau- lich, die Wurtzel ist gelb; Eroͤffnet die Miltz und Leber, widerstehet den gifftigen Ne- beln, reiniget die Mutter, vertreibet die Geschwulst, heilet die innerlichen Schaͤ- den, und schaͤrffet das Gesichte, biß ins Alter zu sehen. No. 38. Fuchs-Kraut/ Aconitum. Waͤchst auf einem langen gruͤnen Stengel, bekommt oben eine Ahre von bleygelber Farbe, das Kraut ist braun- licht gruͤn. No. 39. Haarstrang/ Peucedanum. Waͤchset an dunckeln und schattich- ten Bergen, hat einen duͤnnen magern Stengel gleich dem Fenchel, ist umb die Wurtzel sehr haaricht, bringt im Julio und Augusto seine gelbe Blume, die Wur- tzel ist lang, auswendig schwartz, inwen- dig weiß, hat einen starcken Geruch und ist voller Safft; Dienet wider den Schlangen-Gifft. Die wilden Schweine suchen diese Wurtzel fleißig, und wuͤhlen offt gantze Plaͤtze dadurch umb. No. 40. Einbeer/ Herba Paris. Jst ein schwartz Beerlein, waͤchst einer Hand hoch, bluͤhet nicht; Wird dem Be- zoar an Tugend gleich gerechnet, wi- derstehet dem Gifft, hilfft vor Zorn und Raserey, heilet die hitzigen offenen Schaͤ- den, kuͤhlet und trocknet das inflammir- te Gebluͤte und Brand. No. 41. Aron-Kraut/ Arum. Bluͤhet viol enblau; Vertreibet die boͤsen Feuchtigkeiten, reiniget das kleine Geaͤder, heilet die Bruͤche, staͤrcket den Magen, foͤrdert die Verdauung, reini- get Miltz und Leber, heilet die innerli- chen Wunden, treibet den Nieren- und Blasen-Stein. No. 42. Koͤnigs-Kertze/ Verbascum. Hat einen hohen langen Stengel, es waͤchset auch hier zu Lande an san- digten Orten gar haͤuffig, hat grosse gruͤ- ne Blaͤtter, in der Mitten stehet die Ker- tze von schwefflicher Farbe. Auf denen Meißnischen Ge- buͤrgen/ No. 43. Borragen/ Borrago. Staͤrcket das Hertz, treibet das me- lancoli sche dicke Gebluͤt, erquicket die Le- bens-Geister, vertreibet den Schwindel und Hertz-Zittern, ist gut vor Lung und Leber, widerstehet dem Gifft, erweichet das Geschwuͤr, vermehret die Milch, ma- chet einen froͤlichen Muth, und vertrei- bet die Traurigkeit. No. 44. Geiß-Raute/ Galega. Jst gut wider Gifft, und ein edles Kraut, welches den Schweiß treibet, hei- let gifftiger Thiere Biß, vertreibet die Schlangen und Wuͤrme, ersetzet die vo- rigen Kraͤffte, und staͤrcket wundersam, die Blumen sind Purpurfarbig, waͤch- set gerne an Felsen und Quellen. No. 45. Hirsch-Klee/ Eupatorium. Jst ebenfalls ein gutes Wund-Kraut vor Lunge und Leber; Hat schoͤne Dol- den oder Cronen, mit vielen kleinen Leib- farbenen Bluͤmgen, waͤchset gerne an feuchten Oertern, wo Quellen sind. No. 46. Braunelle/ Prunella. Jst gut vor die Braͤune, und ein treff- lich Wund-Kraut, heilet alles innerliche und aͤuserliche, zertheilet geronnen Ge- bluͤt, curir et die Lunge und Entzuͤndung der Gurgel und Lufft-Roͤhre. No. 47. Thorant/ Antirrhinum. Dieses Kraut soll gut vor die Zaube- rey seyn, wann es die wilden Thiere ge- nuͤßen, sollen sie von denen Weyde-Leu- ten nicht bezaubert werden koͤnnen; Es hat roth und weißlicht laͤngliche Blumen, man findet es auch in ebenem Lande, doch aber nicht so starck und groß gewach- sen. No. 48. Hirsch-Holder/ Sambucus ceruina. Wovon sich die Hirsche gerne erneh- ren, waͤchset haͤuffig in Gebuͤrgen; Ver- treibet das Geschwuͤr, machet Lust zu es- sen, traͤget rothe Beerlein, dessen Blaͤt- ter haben eine angenehme gruͤne Farbe und sind von gutem Geruch. B No. 49. Erster Theil/ No. 49. Baͤren-Klau/ Sphondylium. Jst unter denen erweichenden Kraͤu- tern bey der Verstopffung der Leber dien- lich, treibet den Schleim, und heilet die Lunge, davon die Bauern in Pohlen ei- nen Tranck machen, und sich damit sel- ber curir en. Von Wald-Kraͤutern in ebe- nem Felde. No. 50. Waldmann. Eroͤffnet erhitzte Gall, staͤrcket das Hertz und Leber, befoͤrdert die Geburth, hilfft vor Kopff-Schmertzen, innerlich heilet es die Wunden, und treibet das unreine Gebluͤt aus dem Leibe heraus. No. 51. Sanickel/ Sanicula. Jst unter allen Kraͤutern eines von denen allerbesten Bruch- und Wund- Kraͤutern, es heilet innerlich und aͤu- serlich, leimet und hefftet die Wunden zusammen, alle Fisteln und Spaltungen, Geschwuͤr und Beulen, hilfft vor Ver- sehrung der Lungen, offene Bruͤche, Blutspeyen und Schaden. No. 52. Lungen-Kraut/ Lichen arboreus. Jst ein duͤrres Kraut, waͤchset in hoh- len Eichen, ist blaßgruͤn, hat keinen Sten- gel; Jst innerlich trefflich gut zu den Wunden, Geschwuͤr der Lunge, Blut- Speyen, Schwindsucht und dergleichen. No. 53. Weisse Heyde/ Erica. Soll gut vor Zauberey seyn; Sonst fuͤh- ret die Heyde den zaͤhen Schleim aus dem Magen, heilet innerliche Geschwulst, treibet den Schweiß und Urin mit Nu- tzen aus dem Leibe heraus. No. 54. Ehrenpreiß/ Veronica. Jst ein vortrefflich Kraut, heilet die Lunge von Grund aus, machet Schweiß und widerstehet denen gifftigen Nebeln, treibet das scorbuti sche Gebluͤt und En- derlinge, reiniget und waͤrmet die Mut- ter, hilfft zur Fruchtbarkeit, saͤubert die Wunden, fuͤhret den Nieren- und Blasen-Stein ab, eroͤffnet die verstopfte Miltz und Leber, und staͤrcket das Ge- daͤchtniß trefflich wohl. No. 55. Huff-Lattig/ Thussilago. Loͤschet und daͤmpffet alle Hitze, ist gut wider die Engbruͤstigkeit, schweren A- them, Husten und Schwindsucht, kuͤhlet die Entzuͤndungen, und Versehrung der Lunge, eroͤffnet die Geschwuͤr und heilet alles innerliche. No. 56. Tausend-Guͤlden-Kraut/ Cen- taurium minus. Dieses haben die Alten sehr hoch ge- halten; Jnsonderheit dienet es wider Le- ber-Miltz- und Glieder-Kranckheiten, heilet innerliche Wunden, verursachet Waͤrme, machet Appetit zum Essen, stil- let den Husten und das Bauch-Wehe, wi- derstehet dem Gifft und heilet alles in- nerliche. No. 57. Wund-Kraut/ Solidago. Hat den Namen von innerlichem Hei- len der Wunden, weil es alles innerliche durch seinen heilsamen Safft wunder- sam heilen soll. No. 58. Tormentill/ Tormentilla. Waͤchst gerne bey denen Bircken-Buͤ- schen; Widerstehet dem Gifft, treibet den Schweiß, staͤrcket das Hertz, verzehret den uͤberfluͤßigen Schleim, treibet die kal- ten Fluͤsse und Feuchtigkeiten ab, stillet das Blut, ist denen Lungensuͤchtigen vor Blutspeyen gut. No. 59. Preußel-Beer/ Vaccinia rubra. Die Preußel-Beeren erwecken einen Appetit, stopffen die Bauch-Fluͤsse, trei- ben den Harn und Stein, sind dem Ma- gen nuͤtzlich, haben kleine rothe Beerlein und gruͤne Blaͤtter. No. 60. Heydel-Beer/ Myrtillus. Sie kuͤhlen den hitzigen Magen, loͤ- schen den Durst, stillen das Blut und den Durchfall; Haben blaue Beerlein und kleine gruͤne Blaͤtter, wachsen beyder- seits haͤuffig in Heyden und Waͤldern. Auf Leimichtem Grund/ No. 61. Feld-Kuͤmmel/ Serpyllum. Jst gut vor den Magen, staͤrcket das Haupt, Mutter und Nieren, vertreibet den Von der Erden. den Schwindel, foͤrdert den Schweiß, Urin und Nach-Geburth, eroͤffnet Lun- ge, Miltz und Leber, vertreibet den Schlang- und Kroͤten-Gifft, zermalmet Blaß- und Nieren-Stein. No. 62. Eppich/ Hedera arborea. Treibet den Harn und Stein, eroͤff- net die Verstopffung der Leber und Miltz, zertheilet die Beulen und Flecke von Stos- sen und Fallen, heilet alle innerliche und aͤuserliche Wunden, vermehret die Milch. No. 63. Althee/ Althea. Erweichet die Beulen und Geschwuͤr, machet sie zeitig, lindert und mindert die Schmertzen, ist gut in Brust-Seiten- und Blasen-Stechen, treibet den Nieren- und Lenden-Stein, befoͤrdert die Muͤt- terliche Reinigung, stillet die Schmertzen der verbrannten Glieder. No. 64. Entzian/ Gentiana minor. Hat fast eine gleiche Wuͤrckung mit vorigen, heilet gifftiger Thiere Biß, er- oͤffnet Miltz und Leber, staͤrcket den schwa- chen Magen, treibet den Schleim und Wuͤrmer ab, stillet den Husten und das Keichen, zertheilet geronnen Gebluͤt, rei- niget die Mutter. No. 65. Schlangen-Zuͤnglein/ Ophio- glossum. Jst ein gutes Wund-Kraͤutlein, hei- let die frischen Wunden, reiniget und trocknet, loͤschet die hitzige Geschwulst, Brand und Entzuͤndung der Wunden, heilet die innerliche Bruͤche, kalten Brand, Blutspeyen, und widerstehet dem Gifft trefflich. No. 66. Pestilentz-Wurtzel/ Petasites. Jst eines bittern Geschmacks, gut vor Bauch-Grimmen, schwerem Athem und Husten, treibet den Schleim, Stein und Urin, widerstehet denen gifftigen Nebeln, und heilet die fressenden Wunden. No. 67. Biebernelle/ Pimpinella. Jst anmuthig vom Geschmack, wider- stehet dem Gifft, staͤrcket Hertz und Haupt, befoͤrdert die Daͤuung des kalten Ma- gens, eroͤffnet Lung und Leber, reiniget das Gebluͤt, zermalmet den Nieren- und Blasen-Stein, treibet Schweiß und Urin, zertheilet geronnen Gebluͤt, Ge- schwuͤr und Beulen, und ist ein vortreff- lich Wund-Kraut. No. 68. Wegerich/ Plantago. Reiniget die Nieren, und treibet den Nieren- und Blasen-Stein durch den Urin aus, eroͤffnet die Lung und Le- ber; Waͤchset an Straßen und Wegen, hat weißbraune Blumen. No. 69. Ochsen-Zunge/ Buglossum. Jst ein Hertzstaͤrckendes Kraut, gleich dem vorigen, præcavir et vor Ohnmach- ten, Hertzzittern, Melancoley, hitzige Fieber, widerstehet dem Gifft, stillet der Lungen Hitze und Schmertzen. No. 70. Bethonien/ Betonica. Jst ein edles Tugendsames Kraut, zu innerlichen Gebrechen des Leibes, heil- sam und wohl zu gebrauchen, staͤrcket den schwachen Magen, befoͤrdert die Ver- dauung, hilfft der Lunge, Leber und Miltz, vertreibet die Verstopffung, foͤr- dert die Geburth, reiniget die Mutter, zermalmet den Stein, staͤrcket das Ge- daͤchtniß vor allen andern. Auf denen Wiesen sind No. 71. Wiesen-Klee/ Trifolium. Der Wiesen-Klee ist zweyerley, theils mit Purpurrothen, theils aber mit wei- sen kolbichten Blumen, aus deren suͤßen Geschmack sich die Bienen ihr Honig col- ligir en; Sie haben eine erweichende, in- nerliche Geschwuͤre heilende Natur an sich, machen einen gesunden Chylum, rei- nigen die weibliche Natur, geben dem Wildpret gute Nahrung. No. 72. Meyen-Bluͤmlein/ Lilium Con- vallium. Wachsen gerne in Thaͤlern und Gruͤn- den, sind weisse Bluͤmlein, staͤrcken das Haupt, vertreiben kalte Fluͤsse, Schwin- del, Gicht und Ohnmachten, machen gut Gedaͤchtniß, vermehren die Milch, wi- derstehen dem Gifft, toͤdten die Wuͤrme, machen klare Augen, stillen das Zittern der Glieder, kuͤhlen die hitzige Entzuͤn- dung, reinigen das Gehirn, lindern die reissende Gicht-Schmertzen. B 2 No. 73. Erster Theil/ No. 73. Gaͤnse-Bluͤmlein/ Bellis. Dieses Kraͤutlein und Blume stillet den schwindsuͤchtigen Husten, kuͤhlet die Le- ber und innerliche Hitze, heilet die Braͤu- ne und innerliche Wunden, reiniget das Gebluͤt und zertheilet es ordentlich, die- net vor Engbruͤstigkeit und kurtzen A- then, und ist nicht gnugsam zu loben wegen verlaͤhmter Glieder. No. 74. Sauerampff/ Acetosa. Jst ein Hertz-staͤrckendes Kraͤutlein, bey hitzigen Kranckheiten dienlich, loͤschet den Durst, staͤrcket das Hertz, Magen und Leber, widerstehet dem Gifft, ist den Ge- schwuͤr und Wunden heilsam. No. 75. Schaaffs-Garbe/ Millefolium. Jst ein sonderliches Wund-Kraut, in- nerlich und aͤuserlich, zertheilet geronnen Gebluͤte, heilet gestochene und gehauene Wunden, alte Schaͤden und Bruͤche, ist vor die Schwindsucht und Lungen-Ge- schwuͤr sehr gut. No. 76. Graß/ Gramen. Jst unterschiedlicher Art, eroͤffnet die verstopffte Leber, Miltz, Mutter- und Harn-Gaͤnge, stillet das Blut-Auswerf- fen, vertreibet die Wuͤrmer und Stein der Blasen und Nieren. An feuchten Orten/ No. 77. Farren-Kraut/ Filix. Der Wurtzel dieses Krauts wuͤhlen oder brechen die wilde Schweine, wie maͤnnlich bekant, mit groͤster Begier- de nach; sie eroͤffnet Miltz und Leber, stillet den Brand, heilet innerliche alte Schaͤden, machet fruchtbar, doch steigen die Duͤnste starck auff. No. 78. Bagan/ Ledum, Oder wilde Roßmarie, waͤchset haͤuf- fig im Spree-Walde, wird von denen betruͤglichen Bier-Brauern, weil es bald truncken machet, und grosses Kopff-Weh verursachet, mißbrauchet; Soll die Schaben und Motten vertreiben, das Ungeziefer des Wilds abhalten, hat ei- nen sehr starcken Geruch, weisse, gruͤne und gelbe Bluͤthen. Jn Quellen/ No. 79. Brunnen-Kresse/ Nasturtium palustre. Treibet das scorbuti sche Gebluͤt, zer- malmet den Stein, Grieß und Sand, eroͤffnet die Miltz, dienet der Leber, toͤd- tet die Wuͤrmer, zertheilet geronnen Ge- bluͤte, verursachet Schweiß, hat kleine weisse Bluͤmlein, und gruͤnet gar zeitlich. No. 80. Mooß an Baͤumen/ Muscus arboreus. Hiervon genuͤßet sonderlich das Wild- praͤth des Herbsts- und Winters-Zeit; Dienet wider den Durchlauff und Ubel- keit des Magens, stillet das Bluten, trock- net die boͤsen Feuchtigkeiten, und reini- get die Natur, waͤchst gerne in dunckeln Waͤldern, an denen Felßen und Baͤumen, theils auch an der Erde, wo die Sonne nicht hinscheinet. No. 81. Von Puͤltzen und Morgeln/ Fun- gi \& Tubera. Diese Schwaͤmme sind vielerley, theils der Erden, theils der Baͤume; Es beste- hen aber alle aus uͤberfluͤßiger Feuchtig- keit des Orts, wo sie wachsen, weswegen sie, wann sie zur Speise gebrauchet wer- den, mit gutem Gewuͤrtz, Jngwer und Pfeffer versehen seyn muͤssen: Wachsen haͤuffig in nassen Jahren, wo die Sonne anscheinet, erfoꝛdeꝛn einen guten und star- cken Magen, die Schwaͤmme der Eichbaͤu- me aber sind zum Feuerfangen nuͤtzlich. Jm Gewaͤsser/ No. 82. Schilff/ Arundo. Der Schilff oder Geroͤhricht, so am Rande oder Ufer eines waͤsserichten Lan- des zu wachsen pfleget, ist weiter zu nichts anders dienlich, als daß sich das Wild- praͤth vor des Sommers grosser Hitze, und Aengstigung des Ungeziefers, der Hornissen, Wespen, Fliegen und Muͤ- cken daselbst beschuͤtzen und durch die kuͤh- le Feuchtigkeit erfrischen koͤnne. No. 83. Enten-Grieß/ Lenticula palustris. Dieses ist das letztere, und schwimmet auf dem Wasser; Es kuͤhlet und erfrischet das Gebluͤt, loͤschet alle innerliche Ent- zuͤndungen, treibet das scorbuti sche Ge- bluͤt aus dem Leibe. Nach- Von der Erden. Nachfolgende Kraͤuter des Wilds habe erhalten vom Gebuͤrge: No. 84. Haasen-Oehrlein/ Pilosella. Waͤchset gerne auff rauhen lattichten Bergen; Jst denen Hirschen gut wider der Schlangen Gifft, heilet innerliche Wunden und Halß-Geschwuͤr, bekom̃t Dolden mit gelben Bluͤmlein, die Blaͤt- ter sind geschaͤrfft. No. 85. Stechende Winde/ Smilax aspera. Dieses waͤchset gerne in Mooßlacken und rauhem Erdreich, auff Bergen und in Thaͤlern, wird gar sehr von denen Hir- schen geliebet, weil solches ein trefflich Kraut wider allen Gifft ist; Es ist scharff und stechend, wie Brummbeer, windet sich um Baͤume, und traͤget rothe Traͤub- lein. No. 86. Creutzbeer-Stauden oder Wege- Dorn/ Rhamnus. Wachsen an denen Wegen beyn Schlee- Straͤuchern, und auff Bergen, sind nie- drige und Dornigte Straͤuche, haben gelbicht Holtz, und schwartze gruͤne linde Blaͤtter, so glatt sind. Die Bluͤmlein sind von vier Spitzgen, und wie ein kleines Sternlein anzusehen, bekommen schwar- tze Beere, wovon die Hirsche die Blaͤtter sehr gerne essen, weiln es alle fliessende Schaͤden und Faͤule heilet, wie auch Rau- higkeit im Halse. No. 87. Weiß und schwartze Hirsch-Wurtz/ Ceruaria. Dieses wird ebenfalls von Hirschen sehr genossen; Jst zu allen Gebrechen nuͤtzlich, vermehret die Milch, heilet ver- giffter Thiere Biß, ist gut vor Schmer- tzen der Seiten, reiniget Nieren- und Blasen, alte fluͤßige Schaͤden und der- gleichen. Waͤchst auff hohen Gebuͤrgen, in steinichtem rauhen Erdreich, hat ei- nen rauhen Crantz, dessen Cronen weisse Bluͤmlein tragen. N. 88. Hirschheyl-Wurtz/ Libanotis. Waͤchset gleichfalls in rauhen felßig- ten Gebuͤrgen, hat gekerbte Blaͤtter und weisse Cronen, die Hirsche bedienen sich dessen auch gern; Jst gut zu allen Wun- den, gifftiger Thiere Biß, und Infection. N. 89. Schlaffbeer-Kraut/ Solanum. Dieses traͤget bleich-laͤnglichte Blu- men, welche rings um den Stengel her- umb stehen, waͤchset gerne an steinigten Orten, es wird auch vom Roth-Wild- praͤth genossen; Jst gut denen Zaͤhnen, und bringet Schlaff. No. 90. Steinbreche/ Saxifraga. Waͤchst an rauhen duͤrren steinigten Orten und Felßen, die Huͤndin purgi ret sich mit solchem vor und nach der Ge- burth, darmit sich die Milch reinige und mit dem Safft vermische. Reiniget son- sten Nieren und Blasen vortrefflich, zer- theilet den groben Schleim in der Brust, und ist gut zum Auffstossen und Kluch- sen des Magens. No. 91. Frauen-Distel/ Carduus Mariæ. Traͤget Rosenrothe Knoͤpfflein, umb- her mit Dornen besetzet, waͤchset uͤber- all. Die Baͤre curir en sich darmit, wann sie verwundet; Jst gut zum Blut-Aus- werffen und Bauch-Fluͤßen, vermehret die Milch, kuͤhlet alle Hitze, eroͤffnet Lung und Leber. No. 92. Baͤr-Sanickel/ Auricula ursi. Waͤchset auff sehr hohen steinigten Gebuͤrgen, hat schoͤne zierlich gelbrie- chende Blumen. Jst trefflich gut zu al- len Wunden, Bruͤchen und Blut-Gaͤn- gen, wie auch denen Nerven und Haupt; Es brauchen solches die Jaͤger in hohen Gebuͤrgen vor Schwindel: Jst auch gut zu faulen Schaͤden und zerschrundener Haut. No. 93. Odermennige/ Agrimonia. Jst ein recht wunder edel Leber-Kraut, stillet das Blutspeyen, benimmt den Hu- sten, toͤdtet die Wuͤrmer im Leibe; Jst gut vor contract e Glieder, gifftiger Thie- re Biß, alte Schaͤden, frische Wunden, Druͤßen und Faͤule, stopffet die Bauch- Fluͤße, waͤchset in Hecken hin und wie- der, auff trockenen Wiesen, hat kleine bleichgele gestirnte Bluͤmlein. No. 94. Gaͤnserich/ Anserina. Waͤchset in Auen und Gaͤrten, die B 3 kein Erster Theil/ kein Graß haben, traͤget bleichgele Bluͤmlein: Jst vor die versehrten Daͤr- me gut, wie auch vor Fisteln, geronnen Gebluͤt, so von Stossen oder Fallen her- koͤmmet, innerliche und aͤuserliche Schaͤ- den und Wunden, ziehet die Hitze aus dem Leibe, und hilfft fluͤßigen Geschwaͤr, Zahn-Weh und Mund-Faͤule. No. 95. Berg-Muͤntze/ Mentha mon- tana. Waͤchset auff Bergen, hat was pur- purfarbene Blumen; Jst gut vor zaͤ- hen Schleim, Magen-Weh, Keichen, Hu- sten, Wuͤrm und vergiffte Schlangen- Stiche. No. 96. Knoblauch-Kraut/ Alliaria. Hat kleine weisse Blumen, waͤchset bey Zaͤunen an ungebaueten Oertern; Jst gut wider kurtzen Athem, zertreibet den Schleim, reiniget das Gehirn, dienet auch wider alte Schaͤden und Bruͤche. No. 97. See-Blumen/ Nymphaea. Wachsen in Weyhen, Pfuͤhlen und Wasserstaͤtten, tragen weisse, wie auch gelbe Blumen; Sind nuͤtzlich wider die Bauch-Fluͤsse, vertreiben den Durch- lauff, und Hitze, staͤrcken das Hertz, sind sonderlich vor das Haar-Ausfallen be- werth. No. 98. Dreyfaltigkeit-Kraut/ oder Jesus- Bluͤmlein/ Viola tricolor. Waͤchset auf denen Aeckern, hat gelb und blaue, oder gelb und weisse Bluͤm- lein; Jst vor boͤse Feuchtigkeit und Frey- sam im Leibe gut, hilfft vor Raͤudigkeit, Schleim, Bruͤche, Schaden, Halß-Ge- schwuͤr, luͤfftet verstopffte Leber und Miltz. No. 99. Hasel-Wurtz/ Asarum. Jst gut vor Keichen, erkaͤlteten Ma- gen und Leber, ingleichen vor Haupt- Schmertz, und treibet den zaͤhen Schleim; Waͤchset an schattigten Orten in Waͤl- dern und Hecken, hat purpurbraune Blumen. No. 100. Stick-Wurtz/ Bryonia. Hat weise Bluͤmlein, und bekommt erst gruͤne, hernach rothe Beere; Waͤch- set uͤberall in Hecken. Jst gut vor Seiten- Schmertzen, kurtzen Athem, geschwollene Miltz, machet viel Milch, und hilfft vor den Schlangen-Stich, ziehet Schiefer aus denen Wunden und heilet hitzige Geschwulst. No. 101. Taͤschel-Kraut/ Bursa Pastoris. Waͤchst hin und wieder auff san- dichtem und duͤrrem Erdreich, traͤget weisse Bluͤmlein; Jst gut vor Blut- speyen, und Lungen-Sucht, heilet inner- liche Bruͤche, und gifftiger Thiere Biß. No. 102. Scharten-Kraut/ Serratula. Waͤchset in feuchten Waͤldern und schattigten Oertern, auch auff Bergen, hat purpurbraune Blumen; Jst gut vor geronnen Gebluͤt, Bruͤche, Wun- den, und faule fluͤßige Schaͤden. No. 103. Glied-Kraut/ Sideritis. Wird uͤberall an steinigten trockenen Huͤgeln und Reinen gefunden, hat schoͤ- ne weißgele Bluͤmlein; Heilet Stich, Wunden und Kugel-Schuß, ist gut vor Entzuͤndung der Wunden, Brand und Feuer, ingleichen vor Gifft. No. 104. Sterck-Kraut/ Catanance. Dieses Kraut waͤchset nirgends als im Gebuͤrge auf Stein-Felsen, die Blaͤtter, welche gantz glatt auf dem Boden oder Felsen anliegen, sind klein und zanckicht gleich dem Farren-Kraut, wachsen nie uͤber eine Hand breit im Umfange, der Stock oder Stengel ist einer Hand lang, traͤgt 2. 3. biß 4. weisse Bluͤthen, die Wurtzel schmaͤcket als Suͤßholtz. Wel- ches wilde Thier von diesem Kraut aͤsset, oder frisset, bleibet 24. Stunden, oder so lange das Kraut im Magen lieget, und nicht per excrementa fortgangen, feste, so, daß, wenn es geschossen und gut ge- troffen wird, die Kugel nicht durch, son- dern nur die Haare wegschlaͤget, wor- von eine Beule aufflaufft, auch inner- lich die Ribben zerschlaͤgt, und mit Schweiß unterlauffet, davon das Thier Schmertzen hat, endlich verdorret und crepiren muß, woferne es sich nicht mit andern Kraͤutern wiederum ausheilen und helffen kan. No. 105. Fette Henne/ Telephium oder Crassula. Jst ein Wund-Kraut, hat fette dicke Blaͤt- Von der Erden. Blaͤtter, an den Wurtzeln viele Knothen, und wird bey 2. Spannen hoch. Wann Jemand aus einem Hause, der ein Erb desselben ist, es sey Vater, Mutter, Sohn oder Tochter, auf einer Reise begriffen, und uͤber bestimmte Zeit aussen bleibet, man auch keine Nachricht seinetwegen haben mag, wie es umb ihn stehe, ob er lebendig, oder tod, so bricht man ea in- tentione einen Stengel von diesem Kraut, und stecket ihn an einen Ort unter des Hauses Dach, ist es nun Sache, daß die verreisete Person noch am Leben, so faͤ- het ein solcher abgebrochener Stengel an, bey einer Hand lang fortzuwachsen, blei- bet auch eine Zeitlang gruͤn, und gewin- net von oben aus neue Blaͤttlein, die untersten aber beginnen gemehlich zu verwelcken, in contrario aber verwel- cket das gantze Kraut alsogleich. No. 106. Welsch Wegerich/ Plantago Italica. Waͤchset an sumpffigten Orten, hat kleine schmale Blaͤtter, welche auff der Erden umher gebreitet, einen runden Stengel anderthalb Spannen hoch, dar- an lichtgruͤne Bluͤmlein als kleine Gloͤck- lein hangen; Hat seinen sonderbahren Nutzen in- und aͤuserlich in Verwundung und Geschwuͤren, Durchlauff und Blut- speyen verletzter Lunge, kuͤhlet die Leber, dienet in Schwind- und Wasser-Sucht, toͤdtet die Wuͤrme, treibet den Stein, dienet wider den Gifft, und gifftige Bisse. No. 107. Weiß Biber-Klee. Dieses Kraut waͤchset an schattichten und feuchten Orten, hat 5. biß 6. dicke glatte dunckelgruͤne Blaͤtter, einen Sten- gel, an welchem oben schoͤne weisse wohl- riechende Bluͤmlein gleich denen Meyen- Bluͤmlein hervor kommen; Jst gut in frischen Wunden, trocknet und zi e het zu- sammen, saͤubert und heilet auch die al- ten Schaͤden, vertreibet den Scharbock, dienet in Engbruͤstigkeit, Husten und Keichen, erfrischet Lunge und Leber, wird in- und aͤuserlich zu Wund-Traͤncken und Pflastern sehr gebrauchet. No. 108. Klein Maͤuß-Oehrlein/ Pilosella minor. Jst ein zartes rauches Kraͤutlein, des- sen Blaͤtteꝛ oben laͤnglicht rund, gruͤn und ein wenig rauch sind, bꝛeiten sich zum theil auf der Erden herum, traͤgt im Mayen und Junio am Gipffel des Stengels weisse oder roͤthliche knoͤpffigte Bluͤm- lein, so fast wie eine Wolle stehen; Es waͤchset gerne auf duͤrren sandigten Huͤ- geln und Bergen. Dieses Kraͤutlein kuͤh- let, trucknet, ziehet zusammen und hei- let, thut sonderlich gut der verletzten Lungen und denen, die Blut speyen. Von dem Kraͤuter-Mann. Dieses waͤren nun also die wenigen Kraͤuter und Wurtzeln, deren sich die wilden Thiere zu ihrer Leibes-Nahrung bedienen; wiewohl deren unlaͤugbar ei- nige noch kraͤfftigere und bessere zu fin- den seyn moͤgen, welche uns Menschen aber nicht allzeit bekant. Die Jahres- Zeit betreffende, ist wohl notori sch, daß solche zu suchen nach der Jahres-Witte- rung, groͤssern oder geringern Frucht- barkeit, Duͤrre oder Naͤsse, Waͤrme oder Kaͤlte, harten oder weichen Lufft, einer zeitlichern oder spaͤteren wachsenden Frucht der Erden, welche nechst Goͤttli- chem Seegen das meiste darbey thun. Gemeiniglich aber haͤlt man davor, daß vom May, biß auff den August die beste Zeit die Kraͤuter zu sammlen sey. Wor- bey noch dieses letztens zu erinnern, es wolle ein jeder Kraͤuter-Begieriger bey waͤhrendem Suchen keine aberglaͤubische Mittel gebrauchen, maassen solches nur Fallstricke des Teuffels sind, und zu nichts helffen. Von denen Jrrwischen. Es moͤchte sich vielleicht unser im rau- hen Klippen-Gebuͤrge sich verweilender begieriger Kraͤuter-Mann biß in die spaͤte Nacht auffgehalten und verirret haben, unter sich im Thal aber einiges Licht er- blicken, dahero, in Hoffnung Jemand an- zutreffen, der daselbst wohne oder wande- re, demselben nacheylen, wodurch er aber schaͤndlich verfuͤhret und entweder vom Felsen herab in tieffe Kluͤffte verfallen, oder aber in Morast zu stecken gerathen koͤnte, dahero schluͤßlich muthmassen solte, ob ruͤhre dieses vom Satan her, so aber keinesweges geschiehet, weiln die Jrrwi- Erster Theil/ Jrrwische aus natuͤrlicher Ursache her- kommen, wiewohlen nicht zu laͤugnen, daß der Teuffel zuweilen sein Gau- ckel-Spiel auch damit treibe. Sind also die Jrrwische nichts anders, als Me- teora, welche von denen entzuͤndeten schwefflichten Diensten entstehen, so die Sonne vormahlen am Tage aus der Erden an sich gezogen, und wiederumb fallen lassen. Sie werden gemeiniglich an fetten schwefflichten Oertern, wo es morastig, oder bey Gottes-Aeckern, Kirch- hoͤffen oder Gerichten, niedrig gelegenen Gruͤnden, und Thaͤlern dann und wann Abends bey kalter Lufft gesehen; Nie- mahls aber an duͤrrem sandigten Erd- reich vermercket. Und weil sie, wie gemel- det, aus schwefflichten Duͤnsten ihren Uhr- sprung haben, und die feurigen Atomi von der kuͤhlen Abend-Lufft zusammen halten, so verursachen ihnen die Winde theils die Entzuͤndung, theils die Hin- und Wieder-Bewegung und eine solche Illu- mination wie etwan ein ausgeloͤschtes Licht, wie bekant, wieder auffgeblasen werden kan. Dahero entstehen eben- falls auch die Stern-Putzen, so wir ver- meynen, die Sterne reinigten sich, da sie doch nichts von ihrem erschaffenen Sub- stantial- Licht fallen lassen, sonsten sie vor- laͤngst kleiner worden waͤren, sondern es sind nur schwefflichte Materi en, die in der kalten Lufft colligir et, biß sie von oberir- dischen Effluviis entzuͤndet, je mehr schwe- rer werden, und gleichsam brennend zur Erden sincken, so als denn anzusehen, als ob ein Stern herunter schiesse. Glei- che Bewandniß hat es ebenfalls mit de- nen feurigen Drachen, umb derer willen mancher armer Mann in Verdacht kommt, welche alle aber nur von de- nen theils oberirdischen, theils unter- irdischen, und zwar nicht coͤrperischen, sondern elementari schen, minerali schen, schwefflichten Atomis, unlaͤugbare Deri- vation haben koͤnnen. Von unterirdischen verborgenen Bewaͤchsen und Hoͤhlen. Nachdem ich den Anfang dieses Buchs von der Erden Eigenschafft, sowohl de- rer Gebuͤrge und darauff befindlichen Kraͤuter Natur gemacht, und, nach Ab- steigung dieser hohen Gebuͤrge, das vor mir liegende Thal und die tieffen Ab- gruͤnde erblicke; So erachte vor noͤthig zu seyn, hierbey dem geneigten Leser auch de rebus subterraneis curiosis einige Nach- richt zu geben. Daß zum oͤfftern, bey Gra- bung tieffer Graͤben, Teiche und Brun- nen, und zwar in solchem Erdreich, wel- ches vor diesem niemahl beruͤhret wor- den, unterschiedliche wundernswuͤrdige seltsame Steine, von rarer Farbe und Gewaͤchs, theils mit Zierrathen, beson- dern Bildnißen, oder Ziffern und Buch- staben, item Einhoͤrner, Elephanten- Zaͤhne, nicht weniger Riesen-Gebeine von ungemeiner Groͤße mit allen Requisitis, ingleichen auch recht ordentliches Holtz, und andere Dinge mehr, in der Erden gefunden werden, solches kan man so wohl aus vieler Gelehrten Scribent en Schrifften, als z. E. aus dem Kirchero de Subterraneis, oder Herrn Heinrich Seyfrieds Mirabilibus naturæ, und dergleichen, als auch aus taͤglicher Er- fahrung lernen. Ob nun solche gefun- dene Dinge, als Holtz, Riesen-Gebeine und dergleichen, unterirdische natuͤr- liche Gewaͤchse, oder von der Suͤndfluth, also vor langer Zeit, nemlich 4000. Jahr, wuͤrckliche verschwemmete Cor- pora sind, dessen hegen die Autores nicht einerley Meynung. Jch meines Orts gebe der ersteren Meynung Beyfall, weil die Erde solche verweseliche Coͤrper, als Gebeine oder Holtz, innerhalb 150. Jah- ren, zu Staub und Asche verwandelt, wuͤrden also solche schwerlich so lange ohne Verwesung Bestand haben: Da nun die Erde dieselben nutrir et, und sie ohne Verwesung bestaͤndig bleiben, muͤs- sen es wohl unterirdische, doch unbekan- te Gewaͤchse seyn. Als ich Ao. 1698. zu Stuttgard, im Hertzogthum Wuͤrten- berg gelegen, mich bey meinem Anver- wandten aufgehalten, hat zu Kannstadt, unweit davon, ein Soldat, dem von ei- nem Schatz, den er finden wuͤrde, ge- traͤumet, eingegraben, da er nun nach vielem Suchen nichts gefunden, und des- halber uͤberdruͤßig worden, auch zu gra- ben auffhoͤren wollen, findet er endlich ein groß Riesen-Gebein, fast eines Kin- des dicke, und einer Klaffter lang, doch weich und zerbrechlich; Nachdem er nun solches nach Stuttgard in die Kunst- Kammer gelieffert, und einen Recom- pens vom Hertzog erhalten, ist er sowohl dadurch, als durch anderer Leute Be- schenckungen weiter zu graben, auffge- muntert worden, da es sich dann gefuͤ- get, Von der Erden. get, daß er noch ein groͤsseres Riesen-Ge- bein, von Mannes dicke, und acht Schuh lang, gefunden, und, weil er observir et, daß es in der Erde weich, durch die Lufft aber haͤrter werde, hat er solches umb- graben mit Gyps begossen, und solcher- massen gantz gluͤcklich heraus gebracht, auch hierauff ebenfalls zur Kunst-Kam- mer geliefert, da es von vielen Doctori- bus Philosophiæ von Tuͤbingen und Stuttgard, auch von Jedermann insge- mein vor ein wuͤrckliches Riesen-Gebein mit Verwunderung gehalten worden. Es hat aber einesmahls der Kunst- Kaͤmmerer von dieser Erde etwas ge- nommen, getrocknet und durch ein Haar- Sieb auff schwartzes Papier gesiebet, da er per Microscopium observir et, daß der- gleichen und mehrere Arten kleine Coͤr- perchen gewesen, als der natuͤrliche Saa- me solcher Erd-Gewaͤchse, darinnen befindlich. Und weil der Mann mehre- re dergleichen, mittlere und kleinere Sor- ten, in grosser Menge gefunden, so, daß Jedermann derselben uͤberdruͤßig ge- worden, hat man endlich gestehen muͤs- sen, daß es keine Riesen-Gebeine, son- dern unterirdische Gewaͤchse seyen, maas- sen er ebenfalls dergleichen mehr, wie Elephanten-Zaͤhne, Einhoͤrner, Buͤffels- Hoͤrner, auch Rehbocks-Gehoͤrngen, von eben dieser Eigenschafft gefunden. Die Materie war kalckicht, und dem Gyps gleich, leichte, wie solches noch heutiges Tages zu sehen; Daraus zu urtheilen, daß die Natur der Erden mancherley Transmutation mit denen unterirdischen Gewaͤchsen vornehme, wie solches der beruͤhmte Happelius in seiner Wunder- baren Welt von dem minerali schen Hol- tze, pag. 1293. experimentir et, da er schreibet: Unter die Minerali en will man auch zehlen dasjenige Holtz, so mancher Orten sehr tieff in dem Schooß der Erden gefunden wird, und diese hoͤltzerne Sub- stantz en haben ihren Ursprung nicht von der wachsenden Natur, sondern sind ein pur lauter Werck der Natur, welche in ihrem fruchtbahren Schooß Beine, Hoͤrner, und also auch Hoͤltzer, welche der wachsenden Krafft der Natur nach- aͤffen, herfuͤr bringet, welches hieran abzunehmen, daß gemeiniglich solche Sachen, in denen allertieffsten Erd- Gruͤnden, nemlich in der Jungfraͤulichen Erde, wie man es nennet, das ist, in der reinen unverfaͤlschten, so von aussen zu, oder von oben, mit nichts anders ver- mischet, und zu welcher, allem Vermu- then nach, niemahls einige Baum-We- senheit hinab gedrungen, gefunden wer- den. Von dieser Art ist dem Kirchero aus Boͤhmen ein Holtz geschicket worden, wel- ches man in den untersten Berg-Kluͤfften, und in dem reinesten Schooß vorerklaͤrter Jungfern-Erde gefunden, und das dem Ebenholtz am allergleichsten gesehen, aber viel haͤrter und schwerer gewesen. Eben derselbige berichtet, daß vor 20. Jahren, verstehe von der Zeit an zu rechnen, da er sein Werck von der unterirdischen Welt ausgehen lassen, ein minerali scher Gang oder Strich entdecket worden von gegrabenem Holtz, daraus man die schoͤnsten Creutze, Taffeln und Tische, so dem Eben-Holtze nichts bevor gegeben, bereitet, und selbige umb der Rarit aͤt willen, hin und wieder, in denen Roͤmi- schen Kunst-Cammern, zum Schau- werck auffgehoben. Uber welches mi- nerali sche Holtz der gelehrte Mann, Franciscus Stellatus, von wegen des Roͤ- mischen Fuͤrsten Cæsii, als ersten Ent- deckern solcher Berg-Gruben, ein be- sonders schoͤnes Werck ausgehen lassen; Und gleichfalls offtbemeldter Kircherus beursachet worden, offt deshalben mit gesagtem Stellato sich zu besprechen, ja endlich gar selbst nach Aqvasparta, 50. Meilen von Rom, zu reisen, daselbst ei- nen der Orten sehr wohlkundigen Menschen zu dingen, und mit diesem fer- ner 3. Meilen fortzufahren, biß zu der Bruͤcken eines Bachs, in der Gegend, wo Tudertum (ist eine Stadt im Hertzog- thum Spoleto ) lieget, woselbst ihm der Weg-Weiser zwischen einem kleinen Thal mancherley Gaͤnge gewiesen, da sie hin- ein gangen, und eine gewisse Art von Erdreich geschauet, welches gar grob, und gleichsam wie mit etlichen Baum- Rinden verschaͤrffet gewesen. Solches ꝛau- hes Erdreich haben sie hinweg geraͤumet, und folgends in etwas haͤrterer Erde ei- ne glintzende glatte Ader getroffen, von welcher der Geleits-Mann gesprochen, daß es diejenige Erde waͤre, woraus die koͤstliche vorberuͤhrte Roͤmische Taffeln gemachet: Hier sahe man keine Spuhr, noch Merck-Zeichen einiges Baums und nichts, als die lautere reine Erde, wel- che in ihrem inwendigen Schooß etwas weicher ist, an der Lufft aber zu einer hoͤltzernen Substanz erhaͤrtet, und nicht anders, als ein jedwedes anderes Holtz sich schneiden, hobeln, und polir en laͤsset, C wie Erster Theil/ wie das Eben-Holtz: Maassen es dann auch mit der Mannigfaltigkeit seiner Striche dem Nuß- oder Birn-Holtz gar sehr nacheyfert, also, daß mancher, welcher die daraus geschreinerte Tafeln siehet, schwerlich ihm anders einbilden kan, denn es sey wie ein anderes Holtz, weil es von dem rechten wahren Holtz schier in keinem Ding, was die aͤuserli- che Gestalt antrifft, zu unterscheiden: Aber alsdann schaͤtzet man es erst fuͤr ein rechtes Minerale, wann es solche Wuͤrckung, und Eigenschafften, die ei- ner Berg-ausgegrabenen Materie zu- kommen, an sich spuͤhren laͤsset; Dann fuͤrs Erste schwimmet solches Getaͤfel- Werck, das daraus gemacht, nicht oben, sondern sincket alsbald im Wasser zu Grunde. Fuͤrs andere, wann man es zum Feuer leget, faͤnget es keine Flam- men, nicht anders, gleich brennete man Erden, oder einen Erd-Rasen. Fuͤrs Dritte, hat es gar keine solche Faͤser, wie andere Baͤume, womit sie ihre Nah- rung an sich zu ziehen pflegen, sondern allein gleichsam einen zusammen gewi- ckelten Klumpen, oder Knaul von ge- stumpfften und zermalmeten Faͤsern. Kurtz: Es ist weder Erde, noch Stein, noch Baum, nicht das Erste, weil es in keiner zerreiblichen Materie bestehet, son- dern aus einer so fest zusammen gefuͤg- ten, daß es fuͤr den Hobel beqvem; Nicht das andere, weil nichts daran zu finden, das mit dem rauhen und scharf- fen Stein, entweder am Gewichte, oder an der Haͤrte uͤbereintrifft. Weshal- ben man es auch nicht unter solche Ma- terie, die durch einen Steinmachenden Safft in Stein veraͤndert, rechnen kan, sintemahl es keine Faͤser, noch Adern hat, womit die Baͤume von der Natur bega- bet, welches daraus zu erkennen, weil es sich nach der Laͤnge und Breite, uͤber zwerg und schraͤg ohne Muͤhe spalten laͤsset, wie man begehret. Durch was fuͤr Kunst oder Mittel und Gelegenheit nun die Natur solches zuwege bringe, darvon setzet vielgelobter Autor diese seine Meynung hinzu: Es sind ehemahls in den Erd- und Berg-Gruͤfften, hin und wieder Baͤume gewesen, welches die noch vorhandene Uhralte Rinden zur Genuͤge erweisen, jedoch nicht durch ei- nen Steinmachenden Safft zum Stein- Felßen verhaͤrtet worden, sondern sonst durch einen gar scharffen und erweichen- den Safft in allerkleineste Stuͤcklein von einander geloͤset, welchen kleinen win- tzigen Theilen ein irdischer Leim, welcher- ley er auch mag gewesen seyn, eingeflos- sen, und untermischet worden. Solcher Leim, und Koth hat endlich die dissol- virt e allerkleineste Theile der Baͤume wiederumb in einen irdischhoͤltzernen Klumpen zusammen gezogen, also, daß es, aus obangezeigten Ursachen, weder lauters Holtz, noch lauter reine Erde, noch Stein mag genennet werden, son- dern aus solchen allen gemischtes, und dergestalt zusammen gebacken, daß es die Holtz-Striche vermittelst Ausbrei- tung und Ergiessung der zwischen durch- fliessenden Feuchtigkeit nicht anders wei- set, weder ein rechtes zierlich gehobeltes Holtz, aber dennoch mit der Schwerig- keit dem rechten natuͤrlichen Holtz ob- sieget, wodurch folgends das Ober- schwimmen im Wasser verursachet, und gleichfalls durch die Einvermischung der irdenen Theile verhindert wird, daß es im Feuer sich in keine Flamme entzuͤn- den kan, denn die irdischen Saͤffte unter- schiedlich. Fast dergleichen habe selbst auf meinem hiesigen Guthe doch in Gestalt ei- nes Holtzes gefunden, als ich solchem Dorffe zum besten, in Ermangelung des Wassers, an. 1707. meinen Teich-Graͤber, einen Mann von 80. Jahren, einen Brunnen graben lassen; Dann da die- ser anfaͤnglich von oben an unter dem abgestochenen Rasen gegraben, fande er acht und zwantzig und drey vierthel Ellen tieff lauter groben Sand mit Lehm vermenget, so vermuthlich wohl etwan die Suͤndfluth dahin zusammen ver- schwemmet hatte; alsdann war wie ein abgehauener Stamm mit seinen Wur- tzeln, Zapffen, Rinde und aller Zube- hoͤr zu sehen, darneben ein Stuͤck et- was schwaͤrtzlichter lag, dann zeigte sich ein Quell, von der Seiten gegen Mor- gen, so klar Wasser gab, unter dem- selben war eine schwartze und fette Gar- ten-Erde zwey Ellen dicke, nach die- ser wiederumb Lehm zwey und eine halbe Ellen, dann kam grober weis- ser Sand gar sehr tieff, fast auff dreys- sig Ellen; Als nun mein Teich-Graͤber verzagt wurde, ließ ich durch Sanger- hausische Berg-Knappen noch zehen El- len tieffer einschlagen, welche dann den Triebsand fanden, da die Grund-Qvell- Wasser herauf wuͤrbelten, worauff der Wasser-Kasten von Erlen Holtz drey El- len hoch gesetzet, und der Brunnen mit Feld- Von der Erden. Feldsteinen, und Wasser-Mooß gluͤcklich auffgemauert wurde, in welchem das Wasser jederzeit uͤber den Kasten gestie- gen. Dieses unterirdische Gewaͤchß, da- von ich noch etwas in meiner Ruͤst-Cam- mer aufgehoben, und vielen Vornehmen und Gelehrten gezeiget, hat Jedermann vor ein Holtz gehalten, so die Suͤndfluth uͤberschwemmet gehabt; Die Berg-Leu- te aber hielten es vor ein minerali sches Gewaͤchße einer Art Stein-Kohlen, ge- stalt sie zum Beweiß dessen ein Stuͤcklein verbrannten, woraus eine gantz rothe Farbe wurde, damit man mahlen koͤn- nen, da man im Gegentheil, bey Ver- brennung sowohl frischen, als verstock- ten Holtzes, weisse Asche finden wuͤrde; roche auch darbey nach Schwefel und also minera lisch; Dergleichen habe auch in einem Thal flachliegend gefunden. Woher nun die an vielen Orten der Welt, sowohl im Meer, der See und andern Wassern, als auf der trockenen Erde, Ge- buͤrgen und Felßen befindliche Hoͤhlen, Loͤ- cher, Abgruͤnde und tieffe Thaͤler entstan- den, statuir en die meisten Philosophi ein- hellig, daß, als die Erde durch das Was- ser der Suͤndfluth gaͤntzlich ausgewa- schen, zerrissen, erweichet und muͤrbe gemachet worden, haͤtten, da die Ge- waͤsser gefallen, die strengen Sturm- Winde solche Hoͤhlen und Loͤcher ausge- blasen, welche nachhero, von so langer Zeit, durch der Sonnen Hitze und die kalte Lufft erhaͤrtet und erwachsen, folg- lich daher ihren Ursprung genommen. Wiewohl solches meistens in einer menschlichen leicht irrenden Muthmas- sung bestehet, und wohl seyn kan, daß solche Hoͤlen auch vor der Suͤndfluth ge- wesen; Doch moͤgten sie wohl, weil das Gewaͤsser 150. Tage gestanden, und vor- hero 40. Tage geregnet, also uͤber ein halb Jahr die Erde naß geblieben, da GOtt die Winde kommen lassen, un- laugbahr in andere Form transmutir et worden seyn. Daß aber auch vor der Suͤndfluth bey Erschaffung der Welt Berg und Thal muͤssen gewesen seyn, solches bezeuget die Heilige Schrifft Gen. cap. 7. vers. 19. ingleichen vers. 11. da bra- chen auf alle Brunnen der grossen Tief- fen, id est, der Abgruͤnde und tieffen Thaͤler der Wasser-Qvellen; Ferner c. 8. vers. 2. die Brunnen der Tieffen wur- den verstopfft; Daraus abzunehmen, daß sie also von Anfange der Welt un- streitig gewesen seyn muͤssen. Ferner sind sie wohl auch zweiffelsohne von Erd- beben und Wolckenbruͤchen entstanden, weil aus Erfahrung auch die haͤrtesten Steine unter einer Dachtrauffe aushoͤ- len; Dahero das Sprichwort: gutta ca- vat Lapidem. So waschen auch oͤffters die starcken Platz-Regen die leichte Erde oder Sand durch das wieselnde und fressende schiessende Gewaͤsser hohl aus, welches die stete Bewegung und lange Zeit nach und nach consumir et. Hierzu contribuir et auch nicht wenig das Cli- ma, und die Constellatio cœli, indem ent- weder die penetrant en Nord-Winde, oder die Sonnen-Strahlen die Feuchtigkeit der Erden austrocknen und consequen- ter aushoͤhlen. Es ist recht sehr wun- dernswuͤrdig, daß auch die Stein-Felßen vermuthlich ihre Radicem subterraneam, wurtzelende, und zeugende, ab- und zu- nehmende Krafft oder Animam vegeta- tivam haben, weiln sie nicht allein, wie- wohl sparsam, wachsen, indem in Berg- wercken, in Stollen und Schaͤchten der Kluͤffte und Gaͤnge Thuͤr-Stoͤcke zusam- men gedrucket wahrgenommen worden; Sondern auch dasjenige Clima, woher sie genommen worden sind, behalten und bezeugen, dann man taͤglich wahrnim- met, daß die Bruch-Steine, welche von der Wetter-Seiten aus den Felßen ge- hauen, und vermauret worden, bey Aen- derung des Wettes zu schwitzen, und zu schimmeln pflegen. Von innerlicher Generation aller Edelgestein/ Metalle, Minerali en und Wasser-Qvellen. Es meldet uns in Heiliger Schrifft als ein bewaͤhrter und aufrichtiger Philoso- phus nicht allein der Heilige Apostel Pe- trus in seiner andern Epistel, c. 3. v. 5. daß der Himmel vorzeiten auch war, darzu die Erde aus Wasser und im Was- ser bestanden durch GOttes Wort; son- dern es gedencket auch der Prediger So- lomonis cap. 1. vers. 7. des Wassers, als einer stetswaͤhrenden Circulation, da er spricht: Alle Wasser lauffen ins Meer, noch wird das Meer nicht voͤller, an den Ort, da sie herfliessen, fliessen sie wieder hin; Und im Buͤchlein Hiob cap. 38. v. 8. C 2 spricht Erster Theil/ spricht GOtt selbst: Wer hat das Meer mit seinen Thuͤren verschlossen, da es heraus brach, wie aus Mutterleid, da ichs mit Wolcken kleidet und in Dunckel einwickelt, wie in Windeln; So saget auch Koͤnig David in seinem 140. Psalm: das Erdreich gruͤndest du auf seinen Bo- den, mit der Tiefe deckest du es, wie mit einem Kleide, du hast eine Graͤntze gesetzet, daruͤber kommen sie (die Was- ser) nicht, und im 10. vers. du laͤssest Brun- nen quellen in denen Gruͤnden, daß die Wasser heraus zwischen denen Bergen hinfliessen, daß alle Thiere auf dem Fel- de trincken und das Wild seinen Durst loͤsche. Aus welchen und andern der- gleichen Spruͤchen der Heiligen Schrifft unsere Philosophi einstimmig statuir en, daß, weiln vor der Schoͤpffung solcher di- cke unfreundliche feuchte Welt-Klumpe oder Chaos, wie sie es nennen, gewesen, solche waͤsserichte Eigenschafft, Ocean, als ein Uhr-Saame allem wesentlichen Geschoͤpffe beyzumessen sey: Dahero He- raclitus de Subterraneis, oder unterirdi- schen Dingen, den Originem als ein Hu- midum radicale statuir et, da er saget: des Feuers Tod sey eine Geburt der Lufft, der Lufft Tod eine Geburt des Wassers, und die Lufft lebete im Feuer, und dieses in jener, das Wasser in der Erde, und dieselbe im Wasser, und das Wasser in der Lufft. Das Feuer reinige die Lufft, die Lufft reinige das Wasser und das Wasser die Erden, das Feuer aber durch- wirckte allen andern ihre durchsichtige Klarheit, weil kein Element so gar rein zu finden; Dahero wuͤrde die Lufft gar oͤffters zu einem gar subtil en Wasser, und das Feuer eine zarte Lufft, das Was- ser aber vor eine dicke zusammen geba- ckene Lufft, und die Erde vor ein dickes Wasser, und Initium seminale gehalten, wie von Helemontio, dem Archeo und dem Wasser, als dem ersten Uhr-Saamen alles Gefluͤgels, der Fische, Felsen, und Edelgesteinen, Metallen, und Minerali- en, so eine saltzigte Feuchtigkeit in sich haben, pro qualitate passiva gehalten worden, ja er præsumir et festiglich, daß die Erde, woraus die Hoͤhlen, Kluͤffte und Abgruͤnde formir et, in Centro ein elementari sches Feuer habe, so er Ar- cheum, oder eine kochende Krafft, wie in einer Kuͤchen befindlich, nennet, dieweiln ohne solcher innern hitzigen Ei- genschafft weder der Sonnen-Strah- len, noch der Planet en Krafft, sufficient waͤre, zum Wachßthum genugsame Wuͤrckung contribuir en zu koͤnnen, durch welche Hitze des Archei die neblich- ten Duͤnste durch die Poros der Erden uͤber alle Berge exhalirt en, und sich in waͤsserichte Wolcken verwandelten, da- von wiederumb alle Vegetabilia aus- keimeten, die Erd-Gewaͤchße begossen, und angefeuchtet, durch die aͤuserliche Sonne distillir et, und also durch Regen und Thau zu wachsen befoͤrdert wuͤr- den. Der bey allen Gelehrten Weltbe- kante und gepriesene Pater Athanasius Kir- cherus in seinem Mundo Subterraneo mel- det von denen durch die Erde inficirt en Wassern diesen Unterscheid, und saget: Sie sind entweder gesaltzen, oder von Nitro, Alaun, Vitriol, Schwefel, Kupffer, Kalch, oder Gips, Metallen, oder andern Minerali en veraͤndert, da- hero sie auch oͤffters sauer, bitter, gesal- tzen, warm, kalt, fett, oder oͤhlicht, giff- tig, oder gefaͤrbet befunden werden, und ist deren so vielerley Unterscheid, als wohl bey denen Kraͤutern zu finden seyn moͤgte; Sollen dahero oͤffters gewissen Gliedern heilsam, und nuͤtzlich seyn. Ferner saget er: Jn des inwendigen Schooßes derer Gebuͤrge, unferne des aͤusersten Erdbodens befindlichen Hoͤh- len, oder Wasser-Kesseln, wuͤrden die Wasser von denen Pyrophylaciis , Feuer- behaͤltern, durch grosse Hitze gewaͤrmet, und draͤngen also heiß durch ihre Ca- nales durch die Erde. Wann nun in diesen Ductibus unter der Erden etwas von Schwefel, Saltz, Vitriol, Petroleo, und andern Mineralibus waͤre, naͤhmen diese Wasser die Eigenschafft derselben an sich: Und wuͤrden dadurch warm, erlaͤuternt, sauer und dergleichen, nach Art derer angenommenen Eigenschaff- ten: Und daher præsumir et er den Ori- ginem derer warmen Baͤder, und Sau- erbrunnen. Es hat aber nicht allein die Erde dergleichen Wasser an manchen Orten in sich, wie bereits gemeldet, son- dern es finden sich auch auff derselben, und zwar mehrentheils, nach des Welt- weisen Aristotelis wohlgegruͤndeter Mey- nung, frische, klare und doch gesunde Wasser-Qvellen, welche am meisten in denen hohen Felsen-Gebuͤrgen nach Doct. Bechers Bericht, in blaulichter Letten, oder thonichter Erde angetrof- fen werden, und geben die unterirdi- sche Duͤnste, als welche von der da- selbst wohnenden Kaͤlte zusammen ge- drungen Von der Erden. drungen werden, hierdurch allen empor oder herauf wuͤrbelenden Schlund- Grund-Wassern und Qvellen ihren na- tuͤrlichen Uhrsprung; Wo nun nach der Nord-Seiten hohe spitzige Gebuͤrge, Fel- sen, und tieffe Abgruͤnde, so meistens mit Schnee bedecket, und nach der alten Phi- losophorum Meynung, die Kraͤuter Hufflattig, Hahnen-Fuß, Rinnen- Graß, Bach-Muͤntze, Nachtschatten, und Klee, oder Brumbeerstraͤucher und dergleichen feuchte Kraͤuter sich finden solten, waͤre solches eine unfehlbahre An- zeigung des Wassers und der Qvellen. Aus solchen Felsen-Gebuͤrgen, Kluͤfften und Gaͤngen und darinnen sich enthal- tender zusammen gedruckter und extra- hirter christallini scher waͤsserigter kla- rer Feuchtigkeit nebst denen durchsichti- gen hellen mannigfarbigen Mineralibus generir et sich nun per spiritum petrifi- cantem eine coagulirt e helle und klare durchsichtige Massa, woraus der herrlich- ste Schmuck dieser Welt an Diaman- ten, Rubinen, Agathen, Smaragden, Saphiren, und dergleichen gemacht wird. Und sind solche Edelgesteine anfaͤnglich unfoͤrmliche Steinlein, derer viele, we- gen unterschiedener Farben, nicht eher zu erkennen, biß sie, durch des Kuͤnstlers Hand geschliffen, ihre edle Pracht blicken lassen: Gleichwie die edele liebliche klare Perlen in ihren Muscheln des Fruͤhlings bey hellem klarem Wetter am Ufer vom reinen Thau ihr Nutriment als die Steine in Krebsen haben, welche zu ge- wisser Zeit, so sie reiff, wieder in Feuch- tigkeit verwandelt werden und dahero renascir en koͤnnen; Wiewohl nach Salo- monis Aussage unser Wissen Stuͤck- und Flickwerck und alles eitel unter der Son- nen ist. Weil nun solche Qvellen, wie gemeldet, in Kluͤfften und Gaͤngen die Ertz oder Mineras fuͤhrende Metallische Ductus mit ihren Wasser-Adern beruͤh- ren, waschen sie von dergleichen etwas ab, und fuͤhren es durch die Erde an die Qvellen, Baͤchlein, und Fluͤsse als schwartzen Schlich, welcher von Ertz ge- waschen, auch wohl gar Gold-Koͤrner, in Groͤsse, Farbe und Gestalt eines eckig- ten bleyern mittel Schrots, wie etwan am Reinstrohm, oder der Donau in Un- gern solches Wasch-Gold bekant ist, dahero das bekante Reinische, oder auch Ungarische Gold kommt, wie dann auch im Boͤhmischen Riesen-Gebuͤrge, umb Hirschberg, an der Queiß verschiedenes anzutreffen; Und muͤssen dergleichen Berg-Qvellen allerseits stuͤndlich als ein Perpetuum mobile aus ihrem innersten Aerario oder feuchten Schatz-Kammer jedesmahl ihre Qvotam denen Wald- Baͤchlein und diese denen Fluͤssen con- tribuir en, solche aber dem grossen Welt- Meer alles Wasser berechnen. Jn derglei- chen Minerali schen, Metalli schen, mit Steinritzen und Kießling befindlichen Wasser-Baͤchlein und schattichten ver- wachsenen hohlen Ufern befinden sich oͤffters die herrliche und edele Forellen, als der vornehmste Fisch, so im Septem- ber streichet, mit vielen schoͤnen Zinno- berrothen Flecklein gezieret; Sie sollen monathlich ihre Reinigung wie ein Weibsbild haben, deren die schwaͤrtz- lichten ein weit koͤrnigters und wohlge- schmackteres suͤßlicher Fleisch haben, als die gelblichten oder weißlichten. Es ist ein wie ein Pfeil wider den Strohm schnellschießender behender Fisch, welcher sonst mit seinen hellen Augen auch den Schatten des Menschen fuͤrchtet, jedoch am Rande unterm Ufer stehend, mit dem Finger unterm Bauch ein wenig beruͤhret, vor Wohlthun sich zur Sei- ten umbwendet, daß man ihn behend greiffen und herauswerffen kan, mit welcher Thorheit er oͤffters gefangen wird. Es geschiehet zwar auch durch Reußen, Qverder und Angeln, so mir aber nicht bekant, auch meines Vorha- bens nicht ist, sondern ich will solches denen Fischern uͤberlassen. Wiewohl man zwar auch das Fischen, gleichwie das Vogelfangen, mit zu dem Weyde- wercke rechnen will. Hieraus nun wird der geneigte Leser den Uhrsprung des Wassers und aller wesentlichen Geschoͤpf- fe, so in Physica naturali subterranea oc- culta, oder in denen verborgensten un- terirdischen wunderswuͤrdigen Geschoͤpf- fen Goͤttlicher Allmacht vorkommen sind, genau betrachten, und ersehen, daß die- ser allweise Schoͤpffer allen Creaturen solches humidum radicale zur Erqvickung reichlich verordnet. Wie gluͤckseelig le- beten doch nicht die Menschen der ersten Welt in so einer gesunden Natur, und kamen zu hohem Alter, wie Adam, Me- thusalem, und andere, als sie Wurtzeln und Kraͤuter, Gewaͤchß und Fruͤchte as- sen, und das liebe Wasser trancken, sich nuͤchtern und maͤßig hielten: Nahm nicht gleich nach der Suͤndfluth die Natur ab und das Alter, wie Noa anfing Wein- C 3 berge Erster Theil/ berge zu bauen, hitzige Getraͤncke zu ma- chen, sich voll zu trincken und Kebs-Wei- ber zu beschlaffen? Wir sehen es ja taͤglich noch an der Bauren Alter und Gesundheit, welche bey steter Arbeit, Brod und Wasser, viel gesuͤnder, als voꝛnehme reiche, wolluͤstige und faule Leu- te sind, bey welchen die Unzucht die Gicht und Reissen der Glieder erwecket, folglich die Spiritus Vitæ gaͤntzlich enervir et und dissipir et werden. Die alten Heyden vergoͤtterten und beteten zum oͤfftern, nach Varronis Meynung, an die hellrau- schende klare fliessende Wasser-Baͤch- lein, wegen ihres anmuthigen Thons, Klangs oder Geraͤusche, so sie in einsa- men Hoͤhlen, gleichsam als ein Sacrum perpetuum mobile von sich hoͤren liessen, und lobeten dasselbige, weil es nicht al- lein ihren Verstand erhalte, sondern auch ihren Durst loͤsche, darinnen uns auch die Heyden beschaͤmen muͤssen, da sie aͤlter geworden, als wir. Jst also unstreitig das liebe Wasser nebst dem taͤglichen Brod eines der vornehmsten Requisitorum, womit sich alles erqvicket und labet. Wie bruͤnstig der Hirsch nach frischem Wasser schreyet, dessen ge- dencket Koͤnig David in seinen Psalmen. Mehrere Exempel und Spruͤche der H. Schrifft, oder physicali sche Definitiones zu allegir en, wollen wir umb geliebter Kuͤrtze willen uͤbergehen, und uns oh- ne laͤngern unnoͤthigen Verzug zu un- serm vorhabenden Scopo wenden, und die ausfuͤhrliche Beschreibung der Hey- den, und Waͤlder, so eigentlich auf sol- chem Erdboden und Gebuͤrgen wachsen, als welche der Allmaͤchtige dem Wilde zum Hause, und die Wuͤste zur Woh- nung gegeben, vor uns nehmen. Es dienet aber hierbey dem geneigten Leser zur hoͤchstnuͤtzlichen Nachricht, daß bey Erschaffung der Welt, nach Goͤttlicher Ordnung, die Erde Graß und Kraut, auch fruchtbare Baͤume, jegliches nach seiner Art, auffgehen, und jedes durch seinen eigenen Saamen ferner auf Er- den vermehren lassen, zu welchem Ende und weil kein Wild ohne Holtz, wie be- kant, seyn kan, wir des Holtzes und de- rer Baͤume Eigenschafft genauer be- trachten wollen. Und wie in allen Wis- senschafften die Erfahrung das beste thut, also kan man sich auch in diesem Stuͤck bey denen Pechleuten, Holtzhauern, und Hirthen mit Fleiß erkundigen, die durch stete Betrachtung solcher Natur in Einfalt mehr wissen, als mancher stol- tzer und aufgeblasener Mann: welches ich aus treuhertziger Meynung hierbey rathen will. Von Heyden und Waͤldern. Was ungeheuere dunckele Wildnuͤssen, weitlaͤufftige grosse Waͤlder und lang- wierige Heyden denen Laͤndern, ja wohl gantzen Koͤnigreichen vor ein furchterli- ches Ansehen, Schrecken und Entsetzen verursachen koͤnnen, bezeugen nicht al- lein die alten Scribent en, als Corneli- us Tacitus, von dem unser liebes altes Teutschland ein duͤster und fuͤrchterli- ches, oder Regio sylvis horrida, ein er- schreckliches Holtz-Land, ingleichen von denen Roͤmern Sylva Hercynia, der Hartz- oder Schwartz-Wald genennet wird, von welchem Julius Cæsar geschrie- ben, daß er auf neun Tage-Reisen in der Breite sich erstrecket habe, die Laͤnge aber man nicht eigentlich wissen koͤnnen; Son- dern es erweiset auch annoch heut zu Ta- ge die taͤgliche Erfahrung, was zwischen denen in der Nachbarschafft angraͤntzen- den Koͤnigreichen, als Pohlen, Moscau, Schweden und dergleichen Europæi- schen Laͤndern, woselbst zeithero wegen des grossen langwierigen Krieges ziemli- che Unsicherheit gewesen, und unserm itzi- gen cultifirt en und bewohnten Teutsch- land vor ein mercklicher Unterscheid sey. Ja wir finden in der Heiligen Schrifft, daß unser Herr Christus vom Geist in die Wuͤsten gefuͤhret, und vom Satan allda allenthalben, auch im Gebuͤrge, gantzer viertzig Tage herumb gefuͤhret und unterschiedlich versuchet worden, daraus leicht zu urtheilen, daß vor alten zeiten in solchen Wildnuͤssen wohl vor- mahls solche Satyri sche Geister und Teuf- felische Gespenster gewohnet haben muͤs- sen. Es melden Zeilerus und Præto- rius, daß man auf dem Hartz-Walde im Jahr 1240. zween Satyros oder wilde Menschen mit langen Schwaͤntzen ge- fangen, davon das Weiblein, da es ver- wundet worden, gestorben, das Maͤnn- lein aber lebendig blieben und zahm ge- machet worden, auffrecht gangen, auch endlich reden lernen, doch keine Vernunfft gehabt, grosse Geilheit erwiesen und wie eine Ziege geschrien. Eben dieser Autor meldet, Von der Erden. meldet, daß daselbst 1597. auff dem Hartz, unter dem Klettenberg ein starcker Lind- wurm von gelb und gruͤner Farbe, un- ten am Bauch Fuͤße habend, manns- dicke, uͤber die achzehen Schuh lang, ge- wesen, und habe einen Kopff wie eine Katze gehabt. Desgleichen soll auch in der Graffschafft Hohenstein von zweyen Holtz-Hauern ein Lindwurm mannsdi- cke, von zwoͤlff Schuh lang, und einen Wolffs-Kopff habend, todgeschlagen wor- den seyn. Jn der Schweitz zu Solo- thurn umb Jacobi 1654. gieng ein Am- mann nebst einem Jaͤger dem Wilde nachzuspuͤhren, und traffen in einer Berg-Hoͤhlen einen Drachen an, der ei- nen Schlangen-Kopff, Halß und Schwantz, auch vier Fuͤße, eines Schuhes hoch gehabt, und war allenthalben mit grau, gelb und weißlicht gefleckten Schup- pen gesprengelt gewesen; Wie er sie ge- mercket, ist er in die Hoͤhle mit starckem Geraͤusch gekrochen. Aus diesem und dergleichen Begebenheiten nun, ist un- streitig abzunehmen, daß vor diesem in dergleichen verwachsenen Wildnuͤssen, es wuͤrckliche Satyros oder wilde Maͤn- ner, desgleichen Drachen, Lindwuͤrmer, grosse Schlangen und anderes Unge- ziefer mag gegeben haben: Wie denn nicht weniger die haͤuffige wilden Baͤh- re, Woͤlffe, Luchse und dergleichen, de- nen Menschen graͤuliches Schrecken ver- ursachen muͤssen. Es hatten die Hey- den ihre Oracula und Goͤtzen in hohlen Eichen, woselbsten sie die Goͤtter consu- lirt en, und hielten es vor veraͤchtlich, die Goͤtter in Kirchen und Mauern einzu- sperren. Ja ihre Wohnung war meist im Wald unter dem Schatten derer Baͤume, an Bergen, da sie sich durch der Voͤgel-Gesang und rauschen derer Wasser-Baͤchlein vergnuͤgten; Wann sie keinen Krieg hatten, belustigten sie sich mit Jagden wilder Thiere; Jn ei- nem Wald bey Antiochia wurde ein Tempel der Dianen und dem Appollini zu Ehren geheiliget, an deren Fest-Ta- gen man Kraͤntze von Laub tragen mu- ste. Die Kinder Jsrael hatten noch sol- chen Aberglauben im Gebrauch, wo sie nur einen dicken Baum gefunden, brach- ten sie ihre Opffer dahin und raͤucherten daselbst. Den Gideon haͤtte bald bey Abhauung des Baal-Haͤyns zu Ophra der rasende Poͤbel erschlagen; Ja als der christliche Glaube eingefuͤh- ret worden, haben die Einsiedler sattsam bezeuget, daß in den Waͤldern der An- dacht beyzuwohnen, dem eiteln Welt- leben weit vorzuziehen sey. Wie nun die Waͤlder zu Friedens-Zeiten herrli- chen Nutzen und Vergnuͤgung schaffen; also koͤnnen auch die Einwohner in Krieges-Zeiten sich mit denen ihrigen dahin salvir en, sich verhauen und be- schuͤtzen, sowohl in Pest-Zeiten aus de- nen inficirt en Oertern sich in die freye Lufft dahin begeben und durch Holtz und Wacholder raͤuchern sich vom Sterben erretten. Ob nun wohl besagter maas- sen vor Alters Wald und Holtz genung mag gewesen seyn, so hat dennoch Zeit- hero das Holtzhauen dermaassen uͤber- hand genommen, daß fast allenthalben die entbloͤsten Gebuͤrge und kahle Waͤl- der Jederman ihre Armuth an Holtz zei- gen und ihre Einwohner bey dem Schoͤpffer verklagen, wie uͤbel sie Hauß gehalten, und daß, wenn ihnen gleich die Natur zu zeiten mit Saamen behuͤlff- lich waͤre, ein geringer Anflug und Wie- derwachs sich auch zeigete, ihnen doch sol- cher von dem Viehehuͤthen beraubet wuͤrde. Dahero der seel. Lutherus ge- weissaget, es werde Teutschland vor dem juͤngsten Tage an drey noͤthigen Requi- sitis mangeln, als an guten aufrichti- gen Freunden, an tuͤchtiger und wichti- ger Muͤntze, und an wildem Holtze, wel- ches leyder! die taͤgliche Erfahrung mehr als gar zu gewiß bezeuget. Man erwe- ge ja nur, wie das Holtz dem menschli- chen Geschlechte, ja wohl allen lebendi- gen Creaturen durch Gottes gnaͤdige Vorsorge hoͤchstnoͤthig sey. Muͤsten wir nicht bey grimmiger Winterkaͤlte er- starren und erfrieren, wovon solte Hauß, Wagen, und Pflug, oder Ege, Schiff und Geschirr, ja alles erdenckliche Hauß- Geraͤthe der Menschlichen Nothdurfft und Nahrung dieses Lebens in Erman- gelung des Holtzes gemachet werden? auch blieben unstreitig in denen Gebuͤrgen die Schaͤtze der Erden, Gold, Silber, Eysen und Zinn, alle Metallen, Minerali en und Farben, ohne Holtz und Kohlen, ver- borgen und vergessen liegen, als worin- nen doch Nervus rerum gerendarum wuͤrcklich verhanden. Haͤtte nicht die Goͤttliche Providenz denen wilden Thie- re besondere finstere Dickigten oder jun- ges Holtz zu Behaͤltnuͤßen geordnet, wo wolten denn diese armen Thiere vor Nachstellungen derer Menschen, derer Raub-Thiere und Hunde, ja vor Kaͤlte des Erster Theil/ des grimmigen Winters, Schnee und Eyß, Sturm und Ungewitter sich ver- bergen koͤnnen? Anderer unzehlbahrer Merckwuͤrdigkeiten, wegen unentbehr- lichen Nutzen des Holtzes ferner zu ge- dencken, wollen wir umb geliebter Kuͤr- tze willen, uͤbergehen, uns ad Scopum vornehmlich machen, und worinnen ei- gentlich die Materien des Holtzes beste- he, physice ansehen. Es sind die Baͤu- me einiger maassen vor anders nichts zu considerir en, als oberirdische Erd-Ge- waͤchße, so nebst andern Vegetabilibus terræ aus dem Schooß der Erden, oder Matrice ihren unterirdischen Nahrungs- Safft oder ihre zeugende Krafft durch die Feuchtigkeit in die Wurtzeln anzie- hen und nach Beschaffenheit derer dar- unter befindlichen Minerali en an Ge- schmack, Geruch, Farbe und Gestalt un- terschiedlich sich veraͤndern, denen auch die Constellatio Cœli, worunter sie gruͤ- nen, vieles beyfuͤget; dahero mancher Baum, welcher etwan von Vitriol, Schweffel, Saltz, oder anderer minerali- scher Erde seinen Nahrungs-Safft durch die Wurtzeln, wie gemeidet, an sich ziehet, einen aromati schen und balsami- schen Hartz-Geruch giebet, oder, nach- dem die Ductus der minerali schen Duͤn- ste sind, auch eine Bittrigkeit, sauern oder suͤssen Geschmack, gesunden oder gifftigen Liqvorem denen Fruͤchten, Saamen, Knospen und Blaͤttern mit- theilet. Dieser angezogene Safft, er sey beschaffen, von welcherley Substanz er wolle, steiget von denen Faͤßlein durch die Wurtzeln nicht allein in Kern mitten in den Stamm des Baums, sondern auch durch die rings umbher gewachsene Poros, Ductus, oder so genannte Jahr- wachs in die Hoͤhe hinauff, biß in den Gipffel, und treibet umb sich durch sol- che Ringel den Stamm je mehr und mehr in die Dicke; Und weil der inner- liche feuchte Liqvor ein Saltz bey sich fuͤh- ret, welches ihn tauerhafft, hart und fest machet, und zu einem hohen Alter brin- gen kan, gleichwohl aber inwendig kuͤhle und auswendig warmer Complexion ist, so streiten beyde, aus welcher Mixtur ver- mittelst der Sonnen-Strahlen, des Re- gens Naͤsse, und der Winde Erhaͤrtung die Schale, Haut, oder Rinde des Baums generir et wird, worunter sol- cher innewohnende salnitri sche Liquor sowohl zwischen Rinbe und Holtz durch groͤssere Ductus oder Schweiß-Loͤcher, als auch durch das innerste Marck oder Kern, und die umbhergewachsene Rin- gel, seinen in der Wurtzel præparirt en Safft mit solcher Wirckung evaporir et, und aufsteigen laͤsset, daraus er die neu- en Schoͤßlinge, Knospen, Bluͤte, Blaͤt- ter, Fruͤchte und Saamen, vermittelst Goͤttlicher Krafft, wundersam generi- r et, und des Sommers-Zeit nebst andern florir et, biß im Herbst, nach abgefallenen reiffen und zeitigen Fruͤchten oder Saa- men, die Blaͤtter verwelcken und end- lich abfallen, sodann die trockene pene- trant e Herbst-Winde den Safft durch die Poros derer abgefallenen Fruͤchte, Saamen und Blaͤtter zuruͤck treiben und die Kaͤlte solche Poros verschliesset, hierauf faͤllt dieser herrliche Liquor oder zeugende Nahrungs-Safft, er sey duͤn- ne oder fett, oͤhlicht oder fließigt, wiede- rumb durch die Ductus herunter in seine Wurtzeln und den Erden-Schooß, dar- aus er entlehnet, haͤlt gleichsam Still- stand und ruhet von seiner Arbeit, be- wahret seinen Lebens-Geist vor des Win- ters rauhen Frost gleichsam unten ver- schlossen, biß seine Zeit wiederumb zu gruͤnen herbey koͤmmet: Es setzet aber solcher Liquor nicht allein alle Jahre des Sommers umbher einen groͤssern Cir- cul und erweitert die Dicke seines Stam̃s, wiewohl solche Circul von aussen im- mer dichter kommen, innewendig aber, nach dem Marck und Kern zu, da sie in der Jugend gewachsen, weiter zu befin- den seyn, daß man wohl oͤffters, nach Dicke des Stamms, hundert und fuͤnf- zig und mehr dergleichen Circul gefun- den, welche gegen die Mittags-Seite dichter und haͤrter verwachsen; Son- dern er zeuget auch uͤber sich empohr jaͤhrlich seine Ramos oder Aeste, Zweig- lein oder Qvirll biß in die oberste Spitze, woraus das Alter des Baums, soviel man abgemercket, zu erkennen. Nach voͤllig erlangtem Wachsthum und Still- stand setzet er weder Circul, noch Aeste, sondern stirbt ab. Von Unterscheid des Holtzes. Es hat der Allweise Schoͤpffer Him- mels und der Erden durch die guͤtige Na- tur die Baͤume aus der Erden auff wun- dersame und vielerley Art an Wachs- thum, Von der Erden. thum, Farben, Gestalt, Fruͤchten, Saa- men und Blaͤttern unterschieden, und weißlich geordnet, damit eines vor dem andern wohl erkannt, und hieraus des- sen Allmacht betrachtet und gepriesen werden moͤge. Es sind aber derersel- ben zweyerley Gattungen, nemlich zah- me und wilde. Die zahmen wer- den von uns armen Menschen in denen Gaͤrten und Wohnungen mit grosser Muͤhe im Schweiß unsers Angesichts und vielem Fleiß erzogen, und deren Fruͤchte unter Erkaͤnntniß unserer ersten Eltern Suͤnden-Falls von uns genossen. Was aber die wilden Baͤume betrifft, welche durch Goͤttliche Allmacht ohne Zuthu- ung des Menschen ihren Stamm viel hoͤher, geraͤder, staͤrcker und ansehnlicher treiben und so herrlich wachsen, so haben dieselben deshalben unstreitig eine weit mehrere Prærogativ vor denen zahmen. Die wilden Baͤume in Heyden und Waͤl- dern sind abermahls zweyerley Gattun- gen, als das Blat- odeꝛ Laub-Holtz, und fer- ner das Tangel- oder Hartz-Holtz. Das Laub-Holtz nun zu beschreiben, ist zu wis- sen, daß, wann im Herbst dessen Blaͤtter verwelcket, abgefallen, und der Safft in dem Schooß der Erden verschlossen lieget, dessen Zweiglein den kalten und strengen Winter uͤber rauch, mit Frost uͤberzo- gen, traurig stehen: Dargegen aber bald im Fruͤhling durch ihren Safft mit jungen Knospen sich versehen, anmuthig ausschlagen, bluͤhen, gruͤnen und sich mit Laub, Fruͤchten und Saamen, jeg- liches nach seiner Art, vortrefflich schmuͤ- cken, als wie die Eiche, die Buche, die Esche, Bircke, Erle und Aespe, oder der- gleichen laubigte Baͤume mehr. Sol- che gedachte Gattungen des Laub-Holtzes sind abermahls zweyerley, als hartes und weiches, zu deren Unterscheid das harte ein kleineres Blat traͤget, von dunckeler gruͤner Farbe und oͤhlichter Substanz, ist auch von haͤrterem und tauerhaffterm Holtze, als die andere Art, so groͤsser Laub, von lichterer Farbe, und wei- cherm Holtz hat, wie man denn in der Er- fahrung befinden wird, daß die Stein- Eiche haͤrter, als die Roth-Eiche ist, und die Weiß-Buche fester, als die Roth-Bu- che; dergleichen man auch von der Weiß- und Roth-Bircke, Weiß- und Roth-Er- le und anderem Laub-Holtz sagen kan. Das Tangel- oder Hartz-Holtz hat zwar keine Blaͤtter, ist aber an de- ren statt mit desto schoͤnern holdseelig angenehmen gruͤnen Nadeln gezieret. Und weil dessen balsami scher und aro- mati scher erzeugender Nahrungs- Safft von einer Terpentinischen oͤhlich- ten Substanz , und dahero vor der Kaͤlte und Naͤsse sehr tauerhafftig ist, so gruͤ- net er die Sommers- und gantze Win- ters-Zeit uͤber hoͤchst angenehm und er- freulich, jedoch wie der Safft des Fruͤh- Jahrs, wie vorgemeldet, in die Hoͤhe und also in die Aeste sich ausbreitet, und denen Zweiglein frischen Safft mitthei- let, purgir et sich die Natur, und versuͤn- gert nach und nach durch junge Na- deln, da die alten, deren Zugang die Kaͤlte verschlossen, ausgedorret abfallen, und dahero die jungen eine gantz neue schoͤne Gestalt lieblich vorstellen, biß sie ihre Zapffen und den darinnen befindli- chen Saamen, jedes nach seiner Art, des Herbsts, wenn er reiff, abfallen lassen; Dergleichen der Ceder-Baum, der Tan- nen-Baum, die Fichte und Kiefer, auch der Wacholder- und Tax-Baum sind, unter welchem Tangel-Holtze eben, wie bey dem Laub-Holtze, hartes und wei- ches zu finden seyn soll, so die Praxis am besten lehret. Uberdiß statui ren nicht allein die meisten Philosophi, sondern auch die erfahrnen Holtz-Arbeiter, daß auch wiederumb bey jeder Gattung Hol- tzes zweyerley Naturen, oder Geschlech- ter seyen: als Maͤnnliches und Weibli- ches, deren das Maͤnnliche keine Fruͤchte oder Saamen trage; Das Weibliche hingegen sich mit Fruͤchten und Saamen vermehre. Beyde Geschlechter haͤtten wundersam ihre Correspondenz durch die Wurtzeln in der Erden, stuͤnden aber aͤuserlich zuͤchtig, keusch und erbar, wel- ches andere vor eine Muthmassung hal- ten, und ich in seinem Werth beruhen lassen will; doch ist vieles in der Natur uns Menschen verborgen. So nun der Baum ein wohl temperirt es Clima und Constellationem Coeli oder gute Witte- rung und recht gesunden Erdboden an- getroffen, anbey von Menschen und Vieh, besonders von der unverschaͤmten Holtz-Axt Friede hat, so kan er auch sein natuͤrliches Alter wohl erlangen, und auf unglaubliche Jahre hinaus bringen, welches durch viele Experimenta erweiß- lich ist. Daferne aber in der Erden mo- rastiger Grund, minerali sche oder Vitrio- li sche Duͤnste, Kalck, Muͤrbel-Farbe, oder todte Erde sich befinden, und die Wurtzel treffen, auch wuͤthende Sturm-Winde D die Erster Theil/ die Baͤume mit den Wurtzeln loßreissen, die Hitze, Kaͤlte und Winde die Wur- tzeln ausdrocknen, das Ungeziefer, die Raupen und Kaͤfer Schaden thun, oder durch vieles Hartzreißen, Lochen und Baumringeln, oder Bastscheelen, Scha- den geschicht, so muß der Baum verdorren und absterben, denn das Hartz, als des Baumes edelste Krafft verstaͤrcket seinen Wachsthum und Lebens-Geist. Durch dessen Beraubung aber bleibt er zu- ruͤck und nimmet ab. Wie dann an- derweit die innerlichen Kranckheiten de- rer Baͤume, als der Brand, der Wurm, Hertzklufft, Rindschaͤlig und dergleichen, durch aͤuserliche Excrementa, Schwaͤm- me oder andere Merckmahle sich mercken lassen. Recht wundersam ist zu sehen, wie Goͤttliche Vorsorge zu des Baums Nahrungs-Safft, Wachsthum, Præcau- tion vor Kaͤlte und Hitze, vor Vieh, Un- geziefer, und mehrer Ungemach ihme die Rinde oder Schaale gleichsam zu sei- ner Haut und Beschirmung geordnet, welche an der Nord-Sturm- oder Wet- ter-Seite gemeiniglich staͤrcker und groͤ- ber, auch wegen Feuchtigkeit vom Schnee oder Regen, oͤffters mit Mooß bewachsen ist, woraus man die Nord- oder Mitter- nacht-Seite mercken kan. Letztlich ist auch nicht zu vergessen, daß unter denen wilden Baͤumen auch die Fruchtbahren zu bemercken sind, als: Aepffel-Birnen- und dergleichen wilde Obst-Baͤume, wel- che aber weit kleiner, niedriger und knor- richt wachsen. Die so genannte Mistel, welche zuweilen oben auf dem obersten Gipfel, oͤffters auch auf denen Aesten o- der Zweigen, ja wohl gar, wiewohl sel- ten, am Stamme heraus waͤchset, hat seinen ordentlichen Uhrsprung von der uͤberfluͤßigen Terpentinischen Fettigkeit des Baums; Jst ein gelblichtes Gewaͤchß, das zuweilen weisse Beerlein traͤgt, und hat kleine Blaͤtter, wie Buchs-Baum; Jngleichen findet man auch zuweilen auf denen Aesten der Baͤume ein strau- bigtes kurtz verwirrtes Gewaͤchß, mei- stens bey dem Tangel-Holtz, wie ein Nest, der Donnerbesem genannt, wovon der gemeine Mann statuir et, ob solle es von denen Strahlen oder Blitz des Gewitters herruͤhren; Jch halte aber davor, daß es vor eine Mißgeburth des Baums zu achten, und seinen Ursprung von einem unreinen Nutriment, und vergiffteten Nahrungs-Safft habe, wie bey theils Menschen der uͤbrige Neben-Zehe oder Finger, item die Gewaͤchse, Beulen o- der Kroͤpffe, die Hoͤcker und dergleichen sind, weiln die Natur oͤffters eine wun- dersame Transmutation vornimmet, oh- ne, daß man dessen gruͤndliche Ursache genau penetrir en kan. So wachsen und stehen auch die meisten Aeste gegen die Mittags-Seite, weiln daselbst die Son- ne mehr wuͤrcket. Nach der Nord- Seiten aber waͤchset alles haͤrter, glatt, und ohne Aeste. Man wird befinden, daß die Natur die Baͤume an dem Rand eines Waldes viel fester vor Sturm- Wetter verwachsen lassen, als die andern; Auch muß bey Ausgrabung und Ver- setzung junger Baͤumlein billig, wie sie gestanden, bemercket werden, daß die vier Theile oder Winde wieder eintreffen, sonsten wuͤrde das Pflantzen vergeblich seyn, und koͤnten die Baͤume nicht wach- sen, wann die zart gewachsene Sommer- oder Mittags-Seite gegen die rauhe Nord-Seite gekehret wuͤrde. Wo das Wetter, Regen, Schnee und Thau von oben herunter trifft, oder anstiebet, da waͤchset das Mooß am liebsten. Wann die Holtzschreyer, Eichhoͤrner oder Feld- Maͤuse des Herbsts die Eicheln und Buch- Eckern verscharren, und nachhero ver- gessen, wachsen haͤuffige Straͤucher. Von dem Baum-Saamen. Es ließ der allmaͤchtige und allwei- se Schoͤpffer anfaͤnglich gleich bey Erschaffung der Welt aus der Er- den Graß und Kraut, nebst frucht- bahren Baͤumen, die ihren eigenen Saamen bey sich hatten, ein jegliches nach seiner Art, aufgehen und sich be- saamen, wie wir in der Heiligen Schrifft Genes. I, v. 11. 12. mit mehrerm er- sehen; Woraus abzunehmen, daß diese goͤttliche Vorsorge zu Fortpflantzung und Vermehrung sorgfaͤltig bedacht gewesen. Jst also nach der Schoͤpffung der Saa- men einig und allein der Uhrsprung al- ler Baͤume, und zwar jegliches nach sei- ner Art, von Anfang her gewesen, und werden dieselbe auch vermuthlich nach Goͤttlicher Ordnung sich auff keine andere Weise vermehren, so lange die Welt ste- het. Es will aber eine jede Art Ge- waͤchß sein absonderliches himmlisches Gestirn und Clima haben, worinnen dessen Von der Erden. dessen Saame am fuͤglichsten auskaͤu- men, wachsen und bald auffschiessen, auch von widerwaͤrtiger contrair er uͤbeler Witterung am wachsen nicht verhindert werden moͤge. Es stehet aber insge- mein aller Baum-Saame sehr feste an denen Zweigen, ehe und bevor er reiff geworden; Da er aber nun seine Zeit vollkommen erlanget und ferner keinen Zugang mehr zu hoffen hat, faͤllet er durch der Sonnen Hitze, des Regens Feuchtigkeit und der Winde Zerthei- lung ab, und applicir et sich zu fernerer Vermehrung. So er nun die Erde bey seiner ersteren Ankunfft beruͤhret, deren natuͤrlichen Feuchtigkeit aus innerlichem Trieb an sich ziehet, und die Atomi der Erden, als die Matrix solcher Geburt ei- nes hierzu geschickten Climatis, vermit- telst der warmen minerali schen Duͤnste sich zugleich eindringen, so schwillet von der Hitze und Feuchtigkeit die Materie des erfuͤllten Saamen-Korns auff, biß es auffbricht oder kaͤumet, und kleine Faͤßgen zeiget, welche ferner die Erde er- greiffen, durch die Poros einwurtzeln, zum Wachßthum mehrere Feuchtigkeit an sich ziehen, und solcher Gestalt ihre Geburts-Statt nehmen; Dieweiln nun casu fortuito zum oͤfftern solcher Baum- Saame im Herabfallen entweder auff die Aeste, Blaͤtter, andere Baͤume, Staͤm- me oder Straͤucher, Felßen oder Steine, Mooß oder Laub, und dergleichen faͤllet, also die Erde zu seinem Wachßthum nicht genugsam erreichen kan, sondern ohne Nutzen liegen bleibet, so verzehret er sich in sich selbst, verdirbet und vergehet, entweder von der Kaͤlte, Frost, grosser Duͤrre oder ersticket sonsten im Mooß oder Graß, wird von Voͤgeln gefressen, oder koͤmmet anderswo umb. Deshal- ben hat der allweise Schoͤpffer durch die guͤtige Natur desto mehrern Uberfluß des Baum-Saamens verordnet, da- mit kein Geschlecht der Baͤume, zu gros- sem Schaden der Menschen und Thiere, untergehen und verlohren seyn solle: Maassen ohne diß nicht alle Jahre der Saamen gerathen will, sondern, nach- dem die Witterung einfaͤllet, vermehret oder verringert sich auch die Natur und Fruchtbarkeit des Baums. Derohal- ben solte man sich hierinnen nicht eben gar zuviel auf die guͤtige Natur verlas- sen, und nur das Holtz vertilgen, nicht aber auf den Wiederwachß bedacht seyn, sondern es koͤnte nicht schaden, wann man mehrere Sorgfalt brauchte, und durch Saͤung des Baum-Saamens, vermittelst Goͤttlicher Huͤlffe, die wuͤste und leere abgehauene Holtz-Flecke wie- derumb anwuͤchsig machte, indem ja gnugsam bekant, wie geschwind ein Baum in einer kurtzen Zeit umbgehauen und verbrauchet ist; Dagegen solcher lange Zeit wachsen muß, ehe er zum Gebrauch dienlich werden kan. Wundersam hat die Natur den Saamen der Baͤume so fleißig und wohl verwahret, und ihn vor allem Schaden, aͤuserlichem Frost und Hitze mit harten Schuppen oder Sta- cheln beschirmet, dem Kern aber sowohl aͤuserlich eine feste Haut, als innerlich ein besonderes Haͤutlein und zu seiner lang- wierigen Conservation eine Terpentini- sche Olit aͤt oder einen Balsamum innatum mit einer verborgenen Waͤrme mitge- theilet, wodurch er aus innerlichem Trieb die aͤuserlichen Accidentia, als die durch der Sonnen-Hitze extrahirt e Tincturam e matrice zu seinem Nutriment coaguli- ret, biß er durch solche innerliche Wuͤr- ckung aufbrechen muß, und zu kaͤumen und wurtzeln anfaͤngt, wie ich bereits vorhero erwehnet habe. Ja man siehet ferner die bewundernswuͤrdige Allmacht GOttes bey Aufkaͤumung solches Saa- mens, so klein er auch seyn moͤchte, in- dem in kurtzer Zeit an solchem durch ein Microscopium augenscheinlich und klar die Wurtzeln, der Stamm, die Aeste oder Zweige, die Schaale, ja gar die Blaͤtter oder Tangel wahrgenommen werden koͤnnen, jedoch alles, wie leicht zu erach- ten, gleich einem weichen warmen fluͤs- sigen, oder zarten Wachs, so auch ein rauher Wind leicht verderben koͤnte, wann die Natur nicht auf ihren Schutz bedacht waͤre, und manchen Schaden verhuͤtete. Aus dergleichem wilden Baum-Saamen nun und desselben Phy- sicali schen Naturmaͤßigen Eigenschafft, wie ich bereits beschrieben habe, wachsen die wilden Baͤume aus der Erden her- vor, wann entweder natuͤrlicher Weise von denen stehend gelassenen Saamen- Baͤumen bey vollkommener Zeitigung der Saame eines jeden Baumes Art von sich selbst, so er reiff worden, herab faͤllet und vom Winde dissipir et wird, daß er gleichsam anfleucht, dahero der so genannte junge Anflug entstanden; Oder wenn an verwuͤsteten ruinirt en und lee- ren Holtz-Plaͤtzen, da kein Wiederwachß zu hoffen, durch des Menschen Fleiß und D 2 em- Erster Theil/ emsige Cultifir ung des Saamens wieder junges Holtz angebauet wird, wovon mit Gottes Huͤlffe an seinem Ort mit meh- rerm Meldung thun werde. Nachde- me ich nun, so viel mir bekant, die na- turmaͤßige Betrachtung des Gehoͤltzes generaliter benebst deren physicali schen Uhrsprung der Menschlichen Vernunfft nach moͤglichst demonstrir et; So wird nunmehro wohl noͤthig seyn, eine speci- al e Anatomie vorzunehmen und eines jeden Baums absonderliche Naturmaͤs- sige Eigenschafft, dessen Saamen, Wachßthumb, Nutzen und Bestes, mit aller Zubehoͤr dem geneigten Leser, durch kuͤnfftige Praxin, soviel mir moͤglich seyn wird, hiermit vorzustellen. Von der Eiche. Unter denen wilden Baͤumen, die Gott der Herr denen Menschen zu Nutz, denen zahmen und wilden Thieren aber zur Nahrung erschaffen, ist die Eiche der edelste Baum, darvon auch der Mensch in Hungers-Noth, aus denen Eicheln oder Fruͤchten dererselben sich Brod ba- cken, oder Oehl schlagen kan; Die wil- den und zahmen Thiere werden auch da- von reichlich ernehret, und geben von der Eckern Mast dem Menschen zu seinem Unterhalt nicht allein fett und wohlge- schmacktes Fleisch und Speck, (darunter sonderlich die Westphaͤlischen und Pom- merischen Schincken oder Wuͤrste be- ruͤhmt sind,) sondern sie sind dem Wild- praͤth auch, darvon feiste zu werden, sehr dienlich, und haben nicht allein frische Ei- chen, sondern auch die gantz hohl ausge- brannt und krumb sind, oͤffters mehr Mast, als die vollkommensten. Der Eichen zu Ehren wollen wir einige An- tiquitæt en anfuͤhren: Unter einer Eichen erschiene Gott der Herr dem Abraham bey Sichem in dem Haͤyn More, als er in Canaan sich niedergelassen hatte; Un- ter einer Eichen richtete Josua einen Stein auf, und vermahnete daselbst die Kinder Jsrael den Bund mit Gott zu halten; So ward auch Koͤnig Abimelech unter einer Eichen zum Koͤnig derer Si- chemithen erwehlet und gekroͤnet. Wie Sozomenus vor gewiß berichtet, so sollen zu Kaͤysers Constantini Magni Zeiten jaͤhr- lich viele Wallfarthen nach des Abra- hams Eichen geschehen seyn. Von dem Eichenholtze soll ja auch das Creutz unsers Erloͤsers gewesen seyn, welches Valerianus der Eichen zum Ruhm angemercket. Es meldet Plinius, daß in denen hercyni- schen Waͤldern unglaubliche grosse und hohle Eichen gestanden, darinnen sich die Creutz-Ritter wieder die Heyden tapffer gewehret, auch sonsten ihre Archiv e und Schaͤtze darinnen verwahret; Daraus zu muthmassen, was vor undenckliche Jahre solche Eichen gestanden; Wie ich denn sowohl in meinem Thier-Gar- then, als hinter meinem Jaͤger-Hoff Eichen gefunden, deren Stamm in der Dicke zwantzig und eine vierthel Elle, Dreßdenisch Maaß, gehabt, und den- noch innerlich ohne allen Mangel gewe- sen. So werden auch hier zu Lande fast bey allen Doͤrffern ziemliche dicke Ei- chen angetroffen, weiln vorzeiten die Einwohner derselben umb solche der- gleichen Baͤume gepflantzet haben. Ei- ne dergleichen unglaublich grosse Linde stehet in meinem Dorff Gehrau auff dem Kirch-Hof, deren Schatten auff 60. Schritt lang und breit sich erstrecket: Diese haben die ersten Christen bey Er- bauung der Kirchen gepflantzet, der Stamm ist 18tehalb Ellen Dreßde- nisch Maaß dicke, und so hoch, wie der Kirch-Thurm; Stehet annoch unver- sehrt in ihrem besten Flor. Ovidius und Virgilius melden, es sollen die Bienen ihren Honig wegen des suͤssen Thaues, so auff denen eichenen Blaͤttern waͤre, nirgends lieber, als auf Eichen suchen; so greiffen auch ihre Wurtzeln soweit umb sich, sohoch der Gipfel ist, damit sie sich vor Sturmwinden unbeweglich halten koͤnnen. Wie unentbehrlich, ja mehr als Goldes wehrt die Eichen sind, siehet man daraus, daß zu dem Schiff- bauen mit unglaublichem Vortheil die Thielen und Pfosten aus denen teutschen Waͤldern angeschaffet, und die Schiffe der See, worauf man alle Reichthuͤmer und Schaͤtze der gantzen Welt zusammen bringet, daraus gebauet werden; Nicht weniger hat man bißhero, ja taͤglich, vie- le neue Laͤnder, mit Nutzen Europæ durch Huͤlffe derer Orlog s- und Kriegs- Schiffe entdecket, wovon die Hollaͤndi- sche Nation die beste Nachricht geben kan. So werden auch die Bruͤcken und Muͤhlen in Stroͤhmen, Fluͤßen und Wassern, ja Keltern und Pres- sen, Schieff und Geschirre, und mit ei- nem Wort, alles Haußgerath zur menschlichen Nothdurfft, eintzig und al- lein von Eichen-Holtze gemachet, die alle sehr Von der Erden. sehr nuͤtzlich sind. Die Spaͤhne von Ei- chen-Holtz sind bey der Faͤrberey, weil der Safft noch darinnen befindlich, sehr beqvem zur Farbe zu gebrauchen. Es ist die Eiche ferner ein rechter Prophet und weissagender Baum, davon man kuͤnfftige Dinge præsagir en kan; Maas- sen wann in denen darauf wachsenden Gallaͤpffeln, so sie gantz sind, und auf- gebrochen werden, eine Fliege gefunden wird, es Krieg, da aber ein Wuͤrmlein, Theurung, oder eine Spinne, Pestilentz bedeuten soll, wie Matthiolus schreibet. Es war vorzeiten dem Gott Jupiter die Eiche gewidmet, daher sie auch sa- cra Jovis Arbor genennet wurde. Plini- us lib. 16. cap. 44. schreibet ausfuͤhrlich, daß bey den Celten, denen Gallis und al- ten Deutschen die Stein- oder Hag-Eiche in ungemeinem grossen Æstim gewesen, da die Druit en, als gelehrte Leute, so de- rer Gallier Priester gewesen, nichts hei- ligers als den Mistel von Hag-Eichen ge- halten, immassen sie ohne denselben kei- nen Gottesdienst verrichteten, und gleich- sam als vom Himmel gegeben hielten, auch mit grossen Ceremonien zu denen Opffern abnahmen; Nemlichen der Prie- ster, so weiß angethan war, stieg auf den Baum und schnitte mit einem guͤldenen krummen Messer den Mistel ab, daß er auf ein Schneeweisses Kleid fiel, alsdenn wurden zwey weisse Ochsen geopffert. Woraus wir ersehen, wie die Eiche so grosse Ehre bey denen Alten gehabt, ja sie ist auch in Kriegs-Zeiten, nach ge- wonnener Schlacht und erhaltenem Sieg, zu Aufhaͤngung der uͤberwunde- nen Feinde Waffen auf erhabene Oer- ter gebrauchet, und von deren Zweigen denen Uberwindern Kraͤntze geflochten worden. Die Gall-Aepffel, woraus wir Dinte machen, und die auf den Ei- chen in warmen Laͤndern nur allein reiff werden, bey uns aber zu keiner Voll- kommenheit gelangen, dienen zur Faͤr- berey, auch in der Medicin, das Blut zu stillen, und die Fluͤsse zu vertreiben, sehr herrlich; Jn dem Wasserbau und steter Naͤsse, auch zu Schwellen ist das Eichen- Holtz sehr dienlich. Man haͤlt davor, daß der Eich-Baum wohl uͤber dreyhun- dert Jahr tauren solle, wie der gemeine Mann hiervon zu sagen pfleget, nemlich daß er hundert Jahr Zeit haben muͤsse, ehe er von der Eichel ankaͤume, aus- schlage, in die Hoͤhe wachse, und zur Voll- kommenheit gelange; Hundert Jahr bleibe er in seinem besten Flor, trage sei- ne Mast-Fruͤchte, wormit er die Men- schen und Thiere ernehre, auch zu dessen Bauen und Beduͤrffniß sich gebrauchen lasse, und hundert Jahr sterbe er, von dem obersten Gipfel der Spitzen nach und nach wiederumb ab, daß er im Kern duͤrre werde, und wann er umbgefal- len, verstocke und verfaule er von der Erde an biß er gar verderbe und zu Spahn-Erde werde; Davon die al- ten Jaͤger zu sagen pflegen, daß ei- ne Eiche, ein Hirsch und eine Rabe, unter allen Gewaͤchsen und Thieren das aͤlteste sey, und am laͤngsten tauren koͤn- ne. Es hat die Eiche eine tieffe Hertz- Wurtzel, welche am besten im Leimich- ten Boden zu wachsen pfleget, und ob sie wohl sehr sparsam waͤchset, bekoͤmmt sie dannoch bey gutem Boden in funffzig Jahren einen Stamm, als Mannesdi- cke. Des Fruͤhlings umb St. Georgi schiessen gelbichte Faͤßergen oder lange Zaͤpflein mit dem Laub hervor, darauf folgen kleine purpurrothe faͤßigte Bluͤm- lein auf Stiehlen, daraus die Eicheln wachsen. Es sind dererselben zweyerley Arten, als Stein-Eichen und Roth-Ei- chen; Die Stein-Eichen haben kleinere Blaͤtter, von dunckelgruͤner Farbe, wachsen gerne auf Feldern, Wiesen und Angern; Sie ziehen den Safft vom Getraͤyde und Graß durch die Wurtzel an sich, und beschweren dasselbige mit dem Schatten, haben aber zu bauen weit haͤrteres Holtz, auch groͤssere und suͤssere Eicheln. Die Roth-Eichen wach- sen meistens in Heyden und Waͤldern, weit geraͤder, laͤnger und hoͤher, aber nicht mit so vielen fruchtbahren Aesten, maͤßiger an der Winter- als Sommer- Seiten, jedoch allda desto fester, von kleinern Jahren, als sonst ein Horn ver- wachsen ist. Das Laub der Roth-Ei- chen ist etwas groͤsser, aber an Farbe lichter als der Stein-Eiche. Der Safft faͤrbet die Axt blau; Derohalben die Faͤr- ber solches Holtz brauchen. Die Knospen derselben werden wegen der Kaͤlte und des Frostes von der Natur biß zuletzt be- halten, und wird im Winter oͤffters die Rinde vom Frost zerborsten, daß solches biß in Kern gehet, und wiewohl solcher Riß durch den Safft wieder zuheilet, bleibt er doch innerlich entzwey, und zu sehen. D 3 Von Erster Theil/ Von der B uche. Nach der Eiche ist die Buche auch ein fruchtbarer Baum, davon die wil- den und zahmen Thiere ihre Mast genies- sen, auch wegen viel anmuthigern suͤs- sern Geschmacks und sonderbahrer oͤh- lichter Krafft, fetter und besser, als von Eicheln, wegen der hitzigen Eigenschafft aber recht toll kuͤhne, und die Menschen gleichsam truncken und schlaͤffrig wer- den. Es giebt die Buche des Sommers- zeit einen angenehmen Schatten, dar- von beym Virgilio zu lesen, wie die Hir- ten der alten Welt unter derer Schat- ten bey ihren Heerden ein Wald-Liedlein nach dem andern angestimmet. Sie waͤch- set viel mastiger in der Tieffe und Winter- als Sommer-Seiten. Es sind zwey- erley Buchen, als die Roth-Buche und Weiß-Buche. Die Roth-Buche traͤ- get Mast von suͤßlichter Frucht in drey- eckigten Schaalen, welche in rauchen stachlichten Knoͤpfflein verwachsen, und haben von solchen Buch-Eckern die Be- lagerten in der Stadt Chio aus Man- gel des Proviants sich lange Zeit erhal- ten. Sonsten machet es den Menschen schlafftruncken und giebt zum Verspei- sen gut Oehl; Hat ein roͤthliches Holtz und glatt Laub von einer anmuthigen gelblichtgruͤnen Farbe. Jn Franck- reich und der Schweitz brauchen die Einwohner das Laub statt des Bett- Strohes. Aus Buchen-Holtze hat man vorzeiten unterschiedene Gefaͤße geschnit- zet, die bey denen Opffern gebrauchet worden sind, dergleichen auch bey Ein- fuͤhrung des Christl. Glaubens, wie S. Bonifacius hiervon geschrieben: Die Kelche waren hoͤltzern und die Priester guͤlden; Jetzo aber sind die Kelche guͤl- den und die Priester hoͤltzern. Die al- ten Poët en haben nach Virgilii Mey- nung ihre Verse auf deren Rinde ge- schrieben. Vorzeiten, ehe noch das Pa- pier erfunden wurde, hat man von Bu- chen hoͤltzerne Bretlein gemachet, seine Meynung mit einem Griffel darauff ge- kratzt, die Bretlein zusammen versiegelt, und durch einen Bothen dem andern zugeschicket, dahero solche Bothen Ta- bellarii genennet worden, und hat das Teutsche wort Buch, qvasi ex derivatio- ne der Buche, hiervon seinen Namen. Es werden auch sonst allerhand Hauß- Geraͤthe, als Kannen, Teller und Loͤf- fel, Schauffeln, Flachsbrechen, Rollen, Kumpter, Sattelbaͤume, Spaden, He- cheln, ja Maͤusefallen und dergleichen, aus solchem Holtze gemachet. Die Koh- len sind die besten, wodurch man die harten Metalle am fuͤglichsten zu schmel- tzen zwingen, und aus deren Asche gute Potasche sieden und Glaß machen kan. Es wurtzelt die Buche breit und vielfaͤl- tig auf der Erden flach umb sich, ist nicht gar tauerhafft vor dem Wetter, sondern stocket leichte und hecken die Spechte in deren abgebrochener Aeste Loͤcher. Das Wasser vom Regen, so in alten Buchen stehet, soll dem Menschen und Viehe vor den boͤsen Grind helffen. Die Weiß- oder Stein-Buche aber, welche ein Horn- hartes Holtz und von ungemeiner Festig- keit, auch im Wetter sehr tauerhafftig ist, giebt der Eiche nicht viel nach, wird auch Haͤyn-Buche genennet. Mag den Namen wohl vom Haͤyn oder Lust- Wald haben, weil solche nicht in grossen Heyden, sondern kleinen Waͤldgen am liebsten wachsen; Jst von weißlichtem Holtz und Rinde, das Laub von mitteln Blaͤttern, weich und gekerbt, von dun- ckelgruͤner Farbe, traͤget aber keine Mastung, sondern wirfft nur Saamen, welcher in laͤnglichten Huͤlsen, als ein Traͤublein, eingefasset. Die Cramets- Voͤgel ziehen sehr darnach, so verschlep- pen auch solches die Hasel-Maͤuse: Die Weiß-Buche breitet umb sich ihre Aeste und Wurtzeln, wodurch sie grossen Schat- ten verursachet, und pfleget darunter nichts als Mooß zu wachsen; Sie be- nimmt auch allen andern Baͤumen umb sich herum ihre Krafft, und ziehet alle Geilheit und Safft des Wachßthumbs an sich, dahero auch, wann sie abgehau- en wird, derselben Stock nachhero lange Zeit mit Wasser belauffet. Das Weiß- buͤchene Holtz brauchen die Zimmerleute und Muͤller gern wegen seiner Festigkeit zu Schrauben, Axthelmen, Pressen, For- men der Buchdrucker und Faͤrber, der Muͤhl-Raͤder, Kaͤmmen und Spillen, Holtz-Keilen und andern festen und har- ten Arbeit mehr. Die Gaͤrtner lieben am meisten die jungen Pflantzgen von denen Weiß-Buchen wegen deren ange- nehmen Farbe, damit sie in Lust-Gaͤr- ten die Alleen, Spatier- Lust-Gaͤnge und Jrr-Gaͤrten bepflantzen, und solche glatt verschneiden, weiln die Weiß-Buche, in- dem ihre Blaͤtter, wann sie im Herbste abfallen, von dem Wind leichtlich ver- streuet werden, es unter sich reinlich haͤlt, Die äsche. Die Bircke. A Von der Erden. haͤlt, auch eine angenehmere dunckelgruͤ- ne Farbe in weiß kieselharten Lust-Gaͤn- gen vergnuͤgter vorstellet, als die Roth- Buche, deren Blaͤtter Winters-Zeit fe- ste daran sitzen bleiben, ungestalter Far- be sind, und Fruͤhjahrs die Gaͤnge haͤuf- fig verschuͤtten, daß immer darnach zu reinigen und zu saͤubern ist. V on der A esche. Dieser Baum, welcher hier zu Lande sehr haͤuffig in einem feuchten Grund, doch gutem Boden, als im Spreewalde, waͤchst und nach seinem alten Sprich- wort: Der Aeschen-Baum, liebet feuch- ten Raum, hierinnen wohl eintrifft, ist ein zur festen Arbeit nicht allein derer Stellmacher, sondern auch der Tischler und anderer Handwercker sehr nuͤtzli- ches und dienliches Holtz. Er wird von dem Homero trefflich hoch geruͤhmt, daß er zu des Achillis Spieß gebrauchet ge- wesen: Wie er dann auch, weil das Holtz leichte, und wegen seines vielen Saffts, so er bey sich fuͤhret, sehr zaͤhe ist, nicht allein zu vielem Geraͤthe, als sehr tauer- hafftig, sondern auch absonderlich, da er ohne diß so schnell und leichte in der Ju- gend gerade aufwaͤchset, zu Piquen- Faͤhn- leins- und der kurtzen Gewehr Stangen vor Kriegesleute gebrauchet wird. Er waͤchset sehr schnell auf, gleichwie aͤndere Sommerlatten, also, daß er, nachdem der Boden getrieben, in 6. 8. oder 10. Jahren zu hauen bereits erwachsen; Fuͤh- ret innerlich einen weissen Kern oder Marck, wie das Haselholtz, hat fast der- gleichen Blaͤtter wie die Ebisch, oder ro- the Vogelbeern, schmahl und zanckigt; Der Stamm hat eine weisse Rinde, fast wie die Aespe und ist innerlich von einem zehen sehr festen und flaßerichten Holtz, woraus schoͤne Tische, ingleichen Schraͤn- cke und ander Beduͤrffnuͤß gemachet werden: Am allerwundersamsten aber ist fast dessen Eigenschafft und sonderba- re innerliche Krafft, wegen seiner heil- machenden gluͤcklichen Curen per Sympa- thiam, und Antipathiam wider allen Gifft, so nach des hochberuͤhmten Plinii Mey- nung nicht genugsam zu begreiffen, und ist hierbey nicht zu uͤbergehen, was maas- sen aus vielen Experimentis genugsam bekant, daß aus dem Decocto der Ae- schen-Wurtzel-Safft ein Universal-Anti- dotum wider allen Gifft bereitet werde, womit viele gluͤckliche Sachen in der Me- dicin vielfaͤlfaͤltig probir et erfunden wor- den, sondern es wird auch eo ipso ein Wund-Holtz genennet, weil es, wann die Wunden damit bestrichen wer- den, per Sympathiam eine sonder- bahre heilende Krafft hat, das Blut zu stillen, Geschwuͤr zu verhindern, auch gar Abwesender Wunden gluͤcklich zu heylen, welches einige am Sanct Johannis Tage, andere dargegen am Char-Freytage, jedoch fruͤhe vor der Sonnen Auffgang und unbeschrien ab- hauen sollen, so aber gar aberglaubich heraus kommt. Jch halte vielmehr da- vor, daß vieles hierinnen verborgen, welches die Natur sua sponte diesem Holtze gegeben und besagter Aberglau- ben gewisser Tage unnoͤthig sey, maassen bedencklich, daß dieser Baum nicht eher bluͤhet, als biß die Schlangen des Fruͤh- lings aus der Erde, und nicht eher sein Laub wirfft, biß dis Ungezieffer sich wie- der verborgen, daraus desselbigen son- derbahre Aversion abzunehmen, zu- mahl, da auch die Schlangen vor dessen Laub und Schatten sich schrecklich fuͤrch- ten sollen. Der Saame stecket in klei- nen laͤnglichten zugespitzten Huͤlsen, dar- innen ein kleiner Kern, hart und roth, wie ein Haberkorn mit einem Fluͤgel auf Tangel-Art, doch groͤsserer Gestalt, befindlich; Jst herbe und bitter vom Ge- schmack, oͤhlichter Substanz und liegt uͤber Jahr und Tag, auch noch laͤnger, ehe er aufgehet, nachdem die Witterung einfaͤllt. Sonsten ist dessen Laub abson- derlich vortrefflich beruͤhmt und nuͤtzlich, nicht allein in der Wirthschafft zur Fuͤt- terung fuͤr Rind- und Schaaff-Vieh, sondern auch vor das Wildpreth, und hat hierinnen, weil es viel suͤsser und ange- nehmer, mehrern Vorzug vor der be- kanten Dorff-Ruͤster und deren Laub, als welches sonsten auch zu fuͤttern sehr gebrauchet wird. Dieweil es nun ob- besagter maassen ein Wund-Holtz seyn soll, lassen sich viele daraus Krippen, Backtroͤge, Mulden, ja Vaͤsser, Kan- nen, Becher und Teller machen, denn es leydet, wie gemeldet, durch seine na- tuͤrliche Eigenschafft nicht allein keinen Gifft, Spinnen und dergleichen, son- dern heilet auch alles innerliche wunder- sam, also gar, daß theils Leute dessen Saͤge-Mehl oder gepuͤlverte Rinde ein- nehmen. Per traditionem soll des U- riæ Mord-Brieff hiervon gewesen seyn, welches ich dahin gestellet seyn lasse. Von Erster Theil/ V on der B ircke. Die Bircke bricht ihre Knospen und schlaͤgt mit dem Laub des Fruͤhlings nicht eher aus, biß alle Froͤste vorbey sind: Das junge Bircken-Reiß oder Un- ter-Holtz hat braune Rinde, und wird, weil es am Geschmack bitter ist, von dem Vieh selten beschaͤdiget. Wie nuͤtzlich und heilsam solches Reiß und Ruthe zur Schulen- und Hauß-Zucht in Auff- erziehung der lieben Jugend sey, das Boͤse dadurch zu bestraffen, zum wenig- sten eine Furcht und Scheu davor zu haben, ist mehr als zu bekant. So die- net es auch zu Kehr-Besen, die Zimmer damit rein zu halten, ohne welches sau- bern der Koth mit vielem Verdruß lie- gen bleiben wuͤrde. Sonsten ist die Bir- cke ein bekanter Baum, welcher gerne an kalten Orten, wo der Schnee lieget, an Stein-Waͤnden und altem Gemau- er waͤchset; Der Stamm hat weisse Rinde, ist im Wetter sehr dauerhafft, hat seine Nahrung meistens vom Sal- peter. Er giebt des Fruͤhlings viel ge- sunden Safft oder Bircken-Wasser, wie bekant, von sich, welches eine treffliche Artzeney ist, und das innerliche saltzigte Gebluͤt, Aussatz und Kraͤtze von dem Menschen innerlich austreibet, davon die Tartarn sehr guten Meth machen, und glauben, daß solches ein gutes Præser- vativ vor Kranckheiten sey. Der Saa- me, welcher in rauchen Kertzlein und laͤnglichten Gloͤcklein, wie an den Ha- selstauden, waͤchset, woraus er in un- zehlichen Blaͤttlein in der Lufft fortflie- get, wird reiff zwischen Johannis und Michaelis, nachdem die Witterung ist. Es sind der Bircken zweyerley, als Ro- the oder Henge-Bircken, deren Holtz roͤthlicht und die Blaͤtter klein glockwei- se herunter hangen; Und sollen nach des Plinii Nat. Hist. Lib. I. c. 18. Zeug- niß die Ruthen der Geisselung unsers liebsten Heylandes in seinem Leyden hier- von gewesen seyn, zu deren Andencken sie dißfalls abwaͤrts hangen muͤsten, wie- wohl dieses mehr vor Geistliche Gedan- cken, als eine Gewißheit kan gemercket werden, und man in seinem Werth be- ruhen laͤsset. Die andere Art sind Weiß- Bircken, deren Laub aufrecht stehet und die groͤssere Blaͤtter, auch weiß Hlotz hat; Sie waͤchset in dreyßig biß vierzig Jah- ren so starck, daß solche zu Klaffter- Schlaͤgen nuͤtzlich ist; Und sind an etli- chen Orten so starcke Bircken zu finden, daß man aus denselben Bretter zu Ti- schen schneiden kan. Jm alten Testa- ment wurde denen Kindern Jsrael von Mose befohlen das Fest mit Meyen zu schmuͤcken biß an die Hoͤrner des Altars: So werden auch des lieblichen Geruchs halber in Kirchen, Haͤusern und Stu- ben die Meyen gestecket. Die Roͤmer hatten vorzeiten im Gebrauch, zum Triumph und Sieges-Zeichen die Eh- ren-Pforten von Meyen dem Uberwin- der zu setzen, dahero heutiges Tages noch die Kriegs-Leute sich bey Setzung sol- cher Meyen vieler Lustbarkeiten gebrau- chen, und denen Vornehmen gegen Trinckgeld solche vor ihre Haͤuser zu setzen pflegen. Die Liefflaͤndischen Bauern machen sich vom Bircken-Holtz und Reiß Sattel und Zaum, und binden mit de- rer Bast die Schuh; Und weiln meist der Stamm von unten auf krum wach- set, wird er zu Schlitten-Kufen und Ra- de-Felgen, auch die jungen Bircken zu Leitern und Karn-Baͤumen vor Wa- gen und Kutschen, und wann sie noch zaͤhe und jung, zu Faß- und Kannen- Reiffen gebrauchet; So bedienen sich auch die Drechßler dieses Holtzes. Die Spaͤh- ne von gruͤnlich verwestem und feuch- tem Bircken-Holtze scheinen bey Nacht im finstern als hellgluͤende und feurige Kohlen, so, daß solche von einfaͤltigen und leichtglaͤubigen Leuten mit Furcht und Schrecken fuͤr dergleichen angesehen werden; Wann sie aber ausgedrocknet, wollen sie so helle nicht mehr scheinen. Den Saamen und Knospen brauchen des Fruͤhlings zum oͤfftern die Birck- Huͤhner zu ihrer Nahrung. Der Schwamm an Bircken soll die guͤldene Ader und das Blut stillen, auch solchen ins Trinck-Gefaͤße geleget und taͤglich da- ruͤber getruncken, soll die Kroͤpffe am Halß und stetiges Haupt-Weh vertrei- ben. Das vorgemeldte Bircken-Was- ser oder Safft, so im Fruͤhling durch ei- nen Federkiehl abgezapffet wird, soll aus- ser denen innerlich austreibenden Eigen- schafften auch aͤuserlich die erhitzten und inflammirt en Gliedmassen kuͤhlen, ja wie einige wollen, gar den kalten Brand loͤ- schen. Die Jungfern, umb ihr Ange- sicht schoͤn und lieblich zu machen, auch die Leber-Flecken und Sommersprossen zu vertreiben, legen uͤber Nacht ein da- mit benetztes Tuͤchlein darauf. Er trei- bet und zermalmet innerlich den Blasen- und Die Errle. Die äsge. Q Von der Erden. und Nieren-Stein; Eroͤffnet und rei- niget Lung und Leber, anfaͤnglich schme- cket dieses Wasser gar suͤsse und ange- nehm, jedoch von einer Bircke besser als von der anderen, nachdem der Boden oder Clima ist, sobald es aber etliche Ta- ge aͤlter geworden, oder die Blaͤtter aus- schlagen und es anfaͤngt zu giehren oder zu rauschen, (es sey dann vorhero ab- gesotten,) verliehret es den Geschmack und wird sauer, wie ein jeder bey sich selbst leicht erachten kan. V on der E rrle. Wie nuͤtzlich und unentbehrlich, ja hoͤchst noͤthig die Errle sey, daß ohne der- selben Huͤlffe kein Fundament zu dem ge- ringsten Hause in sumpffigten Laͤndern gebauet werden koͤnne, ersehen wir nicht alleine in gantz Holland, an denen da- selbst befindlichen Staͤdten, Palati en und Gebaͤuden, sondern auch an der in der See liegenden Republic Venedig, da durch Huͤlffe des Errlen Holtzes und ein- gerammleter Pfaͤhle durch Menschen- Hand der Grund dergestalt befestiget wird, daß auf solchen Rosten die Haͤuser und Wohnungen gebauet werden koͤn- nen, und ist also die Errle in diesen waͤs- serichten Laͤndern fast so noͤthig und nuͤtz- lich, als die Eiche, und gehet in denen Wasserbauen allen andern Gehoͤltzen weit vor; Maassen, so es von Wasser oder Sumpff bestaͤndig uͤberschwemmet und bedecket bleibet, es immerwaͤhrend, und undenckliche Jahre tauren, ja in solcher Naͤsse sich so hart wie ein Stein verwandlen und fast verewigen kan, wie man denn in einigen Kunst-Kammern zur Rarit aͤt der Natur solche Verwande- lung zu sehen bekoͤmmt, und wird gleich dem eichenen Holtze von der Naͤsse so schwartz, als eichen Holtz, bleibet auch in solcher Naͤsse bestaͤndig frisch, so es aber trocken, stocket und faulet es leichter, als anderes Holtz. Es ist die Errle auch zweyerley, schwartze und weisse Errle: Die schwartze Errle, so im Wasser und tieffen Morast waͤchset, hat roth Holtz und dunckelgruͤn fett und klebricht Laub; Die weisse Errle aber, so auf trockenem Lande stehet, hat weißlicht Holtz und lichtgruͤn Laub. Sonst waͤchset insge- mein das Errlen-Holtz in denen sumpf- figten Bruͤchen, an Ufern der Seen, Fluͤßen und Teichen; Jm Wasser trei- bet es hohe Staͤmme, im trockenen aber nicht. Es ist ein treffliches gutes Schlag- Holtz, so man, nachdem der Boden feuch- te und gut ist, alle vier biß fuͤnff Jahr des Herbsts oder Fruͤhlings im zunehmen- den Mond zu Kuͤchen- und Brenn-Holtz abhauen kan; wiewohl man nicht eher an sie koͤmmt, als des Winters beym harten Frost, wie allhier zu Lande im Schraden- und Spree-Walde genung- sam bekant. Die Errle bewaͤchset die Ufer des Wassers mit ihren Wurtzeln, daß die Wellen des Wassers nicht scha- den, und das Erdreich des Ufers nicht ab- waschen koͤnnen; Unter deren Wurtzeln halten sich die Fisch und Krebse gerne auf: Zu Brauen, Darren und Maltz ist dieses ein vortrefflich Holtz: Die Kohlen wer- den zu Schieß-Pulver gebrauchet, ihrer Knospen bedienet man sich zur Din- te im Mangel der Gall-Aeffel, und die Rinde nehmen die Schwartz-Faͤrber zu ihrer Arbeit. Das Laub ist wegen seiner Fettigkeit unter den Mist zum Streuling zu gebrauchen: Die Brau- Schauffeln und andere Geraͤthe werden von diesem Holtz zubereitet; Jn Franck- reich machen die Bauern sich Schuh von Errlen-Holtz, wie auch in Braband zur Menage. Es schlaͤgt die Errle am aller- liebsten vom Stamm aus, und hat eine solche Geilheit, daß sie wegen ihrer fettig- ten Erde offt jaͤhrlich Fingersdicke auff- schiesset. Der Saame waͤchset an lan- gen Stiehlen, daran die Zaͤpfflein Trau- ben-weise hangen; Der gelblichte Saa- men, welchen die Zeißig gerne fressen, und deswegen uͤber Winter da bleiben, wird von dem Wind hin und her gewe- het und mit dem Wasser an die Ufer ge- trieben, daselbst er wurtzelt und aus- waͤchset. Das Weiß-Errlen-Laub soll denen Schaafen zur sonderlichen Artzney dienen, das Schwartz-Errlene bittere Laub aber unter dem Getraͤyde denen Maͤusen zuwider seyn, daß sie dem Korn keinen Schaden zufuͤgen. Die Blaͤtter sind auch heylsam, die hitzige Geschwulst zu vertreiben: Der Saame wird zwi- schen Michaelis und Martini reiff. Wann der Stamm abgehauen, belaͤufft der Hieb gantz roth, und schlagen aus der Wurtzel junge Sprossen aus. Die Brunnen-Quelle werden damit einge- fasset: Jngleichen die Wasser-Roͤhren daraus gemacht. Mit denen klebrichten Blaͤttern der schwartzen Errlen faͤngt man die Floͤhe. E Von Erster Theil/ V on der A espe. Dieses Holtz waͤchset gemeiniglich in grossen Waͤldern sowohl, als in Buͤschen und Vorhoͤltzern, umb die Doͤrffer, an feuchten Orten, in leimichtem und halb magern Boden, wird uͤber dreyßig Jahr selten alt, weil der im Kern von sich selbst gezeugte Wurm solche anfrißt, wovon sie wandelbahr wird, und nachhero schwartz anlaͤufft: Jnwendig wird sie gerne muͤlbigt und so ein Ast abgebrochen wird, gleich an demselben Ort faul, da sie alsdenn der Specht aushacket, darin- nen wohnet und Junge hecket. Jm Martio schiessen Fingerslange rauche Kaͤutzgen hervor, worinnen der Saame befindlich, so von der Sonnen abgedoͤr- ret von einander zerstaͤubet. Dieses Holtz ist inwendig sandigt, welcher Sand aus der Erden mit dem Safft in die Hoͤ- he treibet, so die Muldenmacher an ih- rem Gezeug aus der Erfahrung bewei- sen koͤnnen. Sie ist im Wetter von kei- ner Dauerhafftigkeit, und werden dar- aus Backtroͤge, Mulden und anderes Geschirre gemacht, auch zum Stacken von denen Kleibern, weil es nicht schwin- det oder aufreisset, gebrauchet, dahero auch die Drechßler und Bildhauer viel und mancherley Arbeit daraus machen, weil es ein schoͤn weiß, glatt und leicht Holtz ist. Sonst dienet es zu anderm Bauen gar nicht, weil es alsobald sto- cket. Der junge Wiederwachs schlaͤget haͤuffig unter ihme aus, welchen das Wildpraͤth sowohl, als die Rinde und Knospen mit groͤster Begierde abaͤsset. Das Aespen-Laub hat runde dicke fette Blaͤtter, so auf einer Seiten aschegruͤn, auf der andern blaß sind. Und weiln die Blaͤtter an duͤnnen gelben langen Stiehlen hangen, und sich stets bewegen, ob sie gleich keine Lufft anwehet, stetig zittern und Geraͤusch verursachen, wird vom Raseln der Baum auf Hollaͤndisch Rateler genennet. Die Teutschen ver- gleichen eine feige Memme oder zaghaff- ten Menschen im Kriege einer Aespe, da- hero das Sprichwort entstanden: du zit- terst wie ein Aespen-Laub. Man haͤlt per Traditionem davor, es habe sich der Verraͤther Judas an eine Aespe ge- haͤnget, als er in Verzweiffelung gera- then sey. Sonsten wollen einige, daß man zu Behaͤngens-Zeit fruͤhe an der Aespe, den Wind, und ob selbigen Mor- gen mit dem Leithhund etwas nuͤtzlich zu verrichten sey, wahrnehmen koͤnne, wel- ches aber nicht seyn kan, weil derselben Laub bestaͤndig wackelt; Vielmehr ist solches von einer Linde zu verstehen, bey welcher dieses Experiment eintreffen soll. Von der L eder. Nachdem ich vom Laub-Holtze wil- der Baͤume, soviel die noͤthigsten und bekantesten zu seyn erachte, geschrieben, so folget nun in der Ordnung das Tangel- oder Hartz-Holtz, welches sowohl im rau- hen Winter, als zur warmen Som- mers-Zeit in seinem Terpentinischen Li- quore immerwaͤhrend gruͤnet. Unter solchem haben unstreitig den Vorzug die Cedern, als welche vornehmlich der An- tiquit aͤt nach in Heiliger Schrifft am mei- sten beruͤhmet sind, daß sie auch Cedern GOttes genennet werden, welche in ei- ner unglaublichen Menge der Hochweise Koͤnig Salomon auf dem Berge Liba- no, mit Bewilligung des Koͤnigs Huram zu Tyro, durch achtzig tausend Zimmer- Leute oder Holtz-Hauer schlagen, und durch stebenzig tausend Last-Traͤger her- unter an das Meer bringen, und ferner zu Wasser nach Japho floͤssen lassen, von wannen es weiter zu Lande nach Jeru- salem zum Tempel des grossen GOttes gebracht worden, zu welcher Arbeit er absonderlich drey tausend, und sechs hun- dert Voͤgte, Aufseher oder Verwalter, die das Volck zur Arbeit antreiben mu- sten, gehalten, welchem Volcke zu ihrer Verpflegung zwantzig tausend Maaß oder Cor gestossener Weitzen, zwantzig tausend Cor Gerste, eben soviel tausend Bath Weins, und auch soviel Oehls ge- schicket, umb solche Arbeit desto eher zu beschleunigen: Vorjetzo haben besagte Cedern auf dem Berge Libano von vor- mahls gehabter grossen Menge derge- stalt abgenommen, daß davon heut zu Tage von denen Reisenden kaum noch etliche zwantzig eintzlen hin und wieder stehende gefunden werden, moͤgen also damahls wohl ziemlich ruinir et worden seyn. Die Eigenschafft aber des Ceder- Baums betreffend, findet man desselben zweyerley Gattung oder Arten, eine die groͤsser, welche Zapffen traͤget, die ande- re aber, die kleiner, welche Beere, denen Wacholder-Beeren nicht ungleich, her- vor bringet. Die rechte grosse Ceder, deren Art auf dem Berge Libano gewach- sen seyn soll, ist ein gerader, und sehr hoher Die Leder. Die Tanne. R Von der Erden. hoher Baum, daß er auch alle andere, so Zapffen tragen, an seiner Hoͤhe weit uͤ- bersteiget; Am Stamme soll er zuwei- len, nach Theophrasti Meynung, derge- stalt dicke wachsen, daß er kaum von vier Maͤnnern umbklafftert werden koͤnne; Die Aeste schlagen rund umb den Stamm von unten an weit und breit aus, und formir en gleichsam, weil sie nach dem Gipffel zu immer spitziger verwachsen, eine Pyramide. Die Nadeln vergleichen sich denen Kiefern, sind aber kuͤrtzer und stumpffer anzusehen, ihre Zapffen stehen ihnen dergestalt feste und gerade an denen Aesten in die Hoͤhe, daß man sie nicht ohne Muͤhe abbrechen kan. Es hat dieser Baum ein balsami sches weises und sehr tauerhafftes Holtz, so im alten Te- stamente zu vielfaͤltigen Sachen und Ge- raͤthe verbrauchet worden, weilen der Wurm darinnen gar nicht schaden thun soll; Und haben die abgoͤttischen Heyden aus dieser Ursache und weil es niemahls auffzureissen pfleget, ihre Goͤtzen und Bil- der daraus gemachet. Weswegen auch der Koͤnig Salomon den Tempel GOt- tes sowohl oben, als an denen Waͤnden herumb mit Cedern-Holtze spinden las- sen, 1. Reg. 6, v. 9. Die in der Officin zu- bereiteten Ceder-Traͤncke sollen den Nieren- und Blasen-Stein zermalmen und gaͤntzlich abtreiben; Der Rauch von solchem gebrannten Holtze soll denen Schlangen sehr zuwider seyn. Die klei- nere Art Cedern aber, die in Jtalien waͤchset, auch hier zu Lande in denen Gaͤrthen erzeuget wird, ist ein kleiner Niederstaͤmmiger Baum, welcher nicht einmahl einen Armsdicken Stamm be- kommt, und hier zu beschreiben unnoͤ- thig ist, will derohalben solchen denen Gaͤrthnern uͤberlassen. Wie man vor- geben will, so sollen auch gar in den kalten nordischen Siberien solche hohe Cedern wachsen, darinnen sich die Zobel aufzu- halten pflegen; Jch halte aber dafuͤr, daß es wohl ordentliche Fichten seyn moͤ- gen, wie denn nicht wohl glaublich, daß dergleichen allda zu finden seyn. Es sollen die Spanier, als sie in America ankommen und das Koͤnigreich Mexico eingenommen, aus ihrem angebohrnen allzugrossen Hochmuthe sich herrliche Pallaͤste aus dergleichen Cedern erbau- et, unzehlich viel dergleichen umbgehau- en, und die armen Jndianer also tota- lit er ruinir et haben, da sie ohnediß die- selben durch List umb das ihrige gebracht, und viel tausend Seelen, die Nation zu vertilgen, unter dem Schein einer Him- melfarth, auf der See massacrir et und ersaͤuffet haben; Und haben sie ihnen bey ihrer Gravit aͤt gegen geringschaͤtzige bundgemahlte Nuͤrenbergische Wah- ren, Gold, Silber und Edelgesteine ab- geschwatzet, anbey sich vor Goͤtter aus- gegeben, wie hiervon in denen Reise-Be- schreibungen ausfuͤhrlicher und weitlaͤuf- tiger kan nachgelesen werden. Gestalt sie denn zum Beweiß dessen den einfaͤl- tigen armen Leuten aus denen Calen- dern prophezeyhet, daß auf einen be- stimten Tag die Sonne verfinstert wer- den solle; Als nun solches geschehen und sie ihre Magnificenz mit Donnern der Stuͤcken, Trompeten-Schall und der- gleichen vollends illustrir et, haben diese arme einfaͤltige Leute sie als Goͤtter an- gebetet, und dergleichen Unfug haben die Spanier mehr getrieben, biß endlich solcher Betrug vermercket worden. Und weiln mir von der Ceder ferner nichts mehr bewust, will ich hirmit derselben Beschreibung endigen, und zu andern dergleichen Baͤumen fortgehen. Von der T anne. Naͤchst dem Ceder-Baum, welchen wir hier zu Lande nicht haben, (ausser daß hier zu Sachßen, und zwar zu Dreß- den in dem Koͤniglichen und Churfuͤrst- lichen Phasan- Garthen zu Oster als ei- ne grosse Rarit aͤt etliche hocherwachsene Ceder-Baͤume gefunden werden, der- gleichen aber sonst in Waͤldern nicht an- zutreffen,) folget nunmehro die Tanne, als der edelste Baum; Maassen auch die- ser in Heil. Schrifft hin und wieder offt- mahls gedacht wird, nehmlich daß auf dem Berge Libano sowohl Ceder-als Tannen-Holtz gewachsen. Auf GOttes Befehl muste der Alt-Vater Noa seinen Kasten oder grosses Schiff von Taͤnnen- Holtz verfertigen, damit bey Uberschwem- mung der Suͤndfluth sowohl Menschen, als Vieh, ein jegliches nach seiner Art, conservir et werden kunte. Auch muste Moses die Lade des Bundes, nach Goͤtt- licher Ordnung von Foͤhren oder Taͤn- nen-Holtz machen: Wie kuͤnstlich der Koͤnig David die Harffen und allerley Saͤiten-Spiel von Taͤnnen-Holtze fabri- cir et und nebst dem Volcke Jsrael vor dem Herrn lieblich gespielet, sogar, daß er mit froͤlichem Gemuͤthe vor der Lade E 2 des Erster Theil/ des Bundes getantzet, koͤnnen wir mit mehrerm in der Heiligen Schrifft finden: Woraus zu ersehen, wie die Tanne so- wohl, als die Ceder, in sonderbarem Werth gehalten worden. Es werden heutiges Tages auch noch sowohl in Kir- chen, dem grossen GOtt zu Ehren, die Orgeln, als auch ausser derselben ande- re musicali sche Instrumenta zu des Men- schen Vergnuͤgen aus Tannen-Holtze ge- machet. Die alten Heyden haben vorzei- ten diesen Baum dem Baccho gewiedmet; Maassen sie bey dessen Opffer Kraͤntze und Zweige von Tannen getragen, wie beym Virgilio davon mit mehrerm zu ersehen ist. Es waͤchset die Tanne am liebsten in kalten hohen Gebuͤrgen gerade und starck sehr hoch empor, und will in nas- sem Boden nicht Art haben; Hat eine starcke Hartz-Wurtzel, breitet die andern Wurtzeln weit umb sich und laͤßet nichts als Mooß unter sich wachsen. Der Stamm hat eine Silbergraue weisse Rinde, welche dicke, morsch und bruͤchig ist, und unter sich ein verborgen durch- sichtig Hartz von terpentinischem Geruch fuͤhꝛet, welches oͤffters duꝛch die so genann- ten Tannen-Blaͤtter ausfliesset, und zu einer trefflichen Heil-Salbe dienlich ist. Die Zweige oder Aeste haben eine ange- nehme Farbe von stahlgruͤnen Nadeln, welche in der Breite stehen und oben bloß, unten aber dunckelgruͤn sind. Jm Ma- jo fallen die alten Nadeln ab und wach- sen neue hervor. Die Tannen-Zapf- fen, worinnen der Saame von hartzig- ter Materie in kleinen Fluͤgeln im Herb- ste ausflieget, stehen auffwaͤrts. Die Misteln, so von uͤbriger Fettigkeit des Baums oben als Corallen-Cincken zu wachsen pflegen, und von welchen der Vogel-Leim gemacht wird, tragen Beer- lein, so weiß einer Erbsen groß, und mit schwartzen Koͤrnlein untermenget sind, worinnen sich ein weisser zeher Schleim befindet. Das Wildpraͤth aͤsset sich gern von solchen Misteln und die Bauern hau- en ihn des Winters-Zeit vor ihr Vieh mit nicht geringer Gefahr von oben her- ab. Sonst dienet dieser Baum denen Schifffahrenden, wegen seiner ungemei- nen Hoͤhe und Staͤrcke zu trefflichen Mastbaͤumen: Das Holtz ist sehr weiß und leichte, und weichlicht zu arbeiten; Weil es aber seiner Zaͤrtligkeit halber im Wetter nicht so tauerhafft, als das sichten und kieferne, so werden meistens trockene Gefaͤsse und Tischer-Brette, Schraͤncke, Betten, Tische, Baͤncke, Stuͤhle und dergleichen Geraͤthe daraus verfertiget, die Ober-Gipffel der Spitzen aber zu Quirlen gemachet. Und weil dieser Tannen-Baum mit seiner schoͤnen Farbe des Menschen Auge ermuntert, das Gehoͤltze zieret, der Voͤgel Gesang erfreuet und mit seinen Zweigen oder an- muthigen jungen Taͤnnen-Straͤuchern in finstern Hoͤhlen die wilden Thiere des Winters und Sommers vor Frost und Hitze, Schnee und Regen bedecket, ha- ben ihm zu Ehren die Alten nicht unbil- lig Lieder und Verse erdichtet, und bey ihrer Zusammenkunfft sich des Tannen- Baums errinnert, wie man noch heu- tiges Tages von denen so genannten Berg-Saͤngern hoͤret. Von der Tan- nen-Asche sollen auch, wie man vor ge- wiß behaupten will, die helle und klahre schoͤne durchsichtige Glaͤser gemachet wer- den, weiln das fichtene oder gar vollends das kieferne Holtz, wegen seiner hartzi- gen Eigenschafft, nichts als unreines blat- ter- oder kraͤtziges gruͤnes Bauer-Glaß machet, wie dann hiervon die Glaß-Huͤt- ten in Boͤhmischen Gebuͤrgen sattsam Nachricht geben koͤnnen, wiewohl man auch von Buchen, Aeschen, und Ahorn oder anderm hartem Holtz, ausser Eichen- Holtz, weil es faͤrbet, hell Glaß machen kan. Von der F ichte. Nebst der Tanne ist die Fichte auch ein nuͤtzlicher Baum, welcher ebenfalls in kalten nordischen Gebuͤrgen weit ge- raͤder, laͤnger und hoͤher waͤchset, als die Tanne und Kiefer; Hat eine roͤthlichte Rinde, welche gantz zehe sich biegen laͤs- set, und nicht so sproͤde, als der Tannen Rinde ist; Belauffet sich mit Wurtzeln flach auf der Erde ohne Hertz-Wurtzel, deswegen die Sturm-Winde grosse Nie- derlagen unter ihnen verursachen: Sei- ne Zweige und Aeste sind mit etwas gruͤnlichen Nadlen allenthalben gezieret; Haben Zapffen, worinnen der Saame als Hirsche-Koͤrnlein mit breiten duͤn- nen Fluͤgeln verborgen, so durch den Wind des Fruͤhlings weit und breit ge- saͤet wird, von welchem junge Fichten aufwachsen, aus denen, weil sie dunckele und finstere Behaͤltniße machen, darun- ter sich die wilden Thiere am liebsten ver- bergen, herrliche Dickigte werden. Es werden auch wegen ihrer Laͤnge Mast- Baͤume Die Eichte. Die Kiefer. S. Von der Erden. Baͤume zu Schiffen von solchen Fichten gemachet, ingleichen, wo keine Hartz- Gallen zu finden, welche die Sonne aus- schmeltzen koͤnte, giebt es gute Schindeln. Wo man keine Kiefern hat, wird es auch zu Bau-Holtze gebrauchet, und ist gar dienlich, Balcken, Sparren und Riegel daraus zu machen. Es hat die Fichte ein trefflich Hartz, dahero der Hartz-Wald oder Sylva Hercynia den Namen bekommen, weil die Einwoh- ner daselbst ihre Nahrung vom Hartz- reissen und Pechmachen starck treiben, und damit handeln, da sie die Fichten mit besondern Eisen zwey Finger breit Manns hoch reissen, daraus das Hartz fliesset, und geschiehet durch solches Hartz- reissen an denen Baͤumen nicht geringer Schaden. Bey denen Heyden wurde dieser Baum dem Titi zugeeignet, und in Leichen-Haͤuser aufgestecket, nach Vir- gilu Meynung; Auch werden die Todten Coͤrper von denen Roͤmern durch solches Holtz verbrannt, nach Alexandri Mey- nung. Die Sineser pflantzen einen Fich- ten-Baum bey den Graͤbern und hal- ten solchen vor sehr heilig. Die Amey- sen bereiten ihre Myrrhen aus solchem und anderer Baͤume Hartz, welche sie in der Naͤhe herumb sammlen, in ihre Hauffen tragen, und daselbst zu un- terst auf dem Boden verbergen; Die Gerber brauchen die Rinde, damit das Leder gar zu machen, doch werden anietzo meistens die eichene Rinden darzu genom- men, weil solche besser seyn sollen. Das Hartz, welches eine subtil e Olit aͤt bey sich fuͤhret, wird ebenfalls, wie das tannene, zur Salbe gebrauchet, doch ist das erste- re besser: So dienet auch das Hartz de- nen wilden Schweinen zum Harnisch, als welche sich, wann sie aus der Suhle kommen, an niedrig gerissene Fichten reiben, und mit dem daraus fliessenden Hartz ihre Haare und Borsten derge- stalt bestreichen und feste machen, daß daraus gleichsam ein Pantzer wird, und kein Hund durch die Haut greiffen, auch kein Waffen, Fang-Eisen oder Hirsch- Faͤnger durchdringen kan, er sey denn sehr steiff, starck und spitzig, Sie lassen im Herbste ihre alte Nadeln fallen; den Saamen aber streuen sie des Fruͤhlings darauf, und weil der Saame oͤhlicht, haͤlt er sich lang, ehe er auffgehet, es komme dann eine ziemliche Feuchtigkeit und Waͤrme darzu. Jhre Zapffen hen- gen niederwerts und sind etwas groͤsser, auch braͤunlichter an Farbe, als der Tan- nen ihre anzusehen. Die Eichhoͤrnlein nehren sich davon, huͤlsen den Saamen aus, nagen und beissen die Zapffen maͤch- tig ab, daß man zuweilen haͤuffig Schup- pen von abgefressenen Zapffen unter dem Baum liegen siehet. Von der K iefer. Die Kiefer oder der Kuͤhn-Baum ist wegen seiner Fettigkeit ein zu bauen vor allen anderen Baͤumen sehr dienlicher Baum. Er ist bey denen Heyden nach Ursini Meynung dem GOtt Pan gewied- met gewesen, von dessen Zweige man Kraͤntze bey denen Opffern getragen. Er hat einen geraden Stamm, welcher untenher voller Risse, rauch und ascher- farbigt, oberhalb aber schuppigt und roͤthlicht ist; die Zweige oder Aeste sind mehrentheils krum gebogen; Die Na- deln oder Tangeln Fingerslang, von gelblichter gruͤner Farbe, einer fetten und oͤhlichten Substanz. Die Zapffen sind klein, rundlich und kuͤrtzer als der Tan- nen und Fichten, hengen an kurtzen Stie- len und sitzen feste daran, ob schon die neuen hervor wachsen. Der Saame, den die Natur mit Fluͤgeln, als Kaͤfer- lein versehen, flieget durch die Lufft im Herbst aus, und bleibet lange liegen, ehe er aufgehet, biß er Lufft bekommt zu wachsen. Sonst waͤchset das Kiefern- Holtz meistens in sandigtem Boden jaͤh- ling am besten auf, wurtzelt flach auf der Erde, dahero die Sturm-Winde an demselben grossen Schaden verursachen. Es dienet dieser Baum wegen seines vielen Hartzes, womit er im Wetter der Faͤulung trefflich widerstehet, zu herrli- chem Bau-Holtz, und ist weit mehr, als Taͤnnen- oder Fichten-Holtz zu æstimi ren, wie denn daraus die Haͤuser erbauet, ingleichen Bretter und Pfosten geschnit- ten werden, ja man braucht sie auch we- gen in sich habenden Kuͤhns und Tauer- hafftigkeit in denen Wasser-Brunnen zu Roͤhren, auch in dem Berg-Bau zu Wasser-Kuͤnsten und Zimmerung der Schaͤchte und Stollen. Die Stadt Aug- spurg fuͤhret in ihrem Wappen eine Kie- ferne Zapffe, weil in selbiger Gegend diß Holtz sehr gemein. Aus denen Kuͤhn- Staͤmmen, knorrigten Aesten, und har- tzigten Wurtzeln, welches einen guten Ge- ruch giebet, wird der Kuͤhn in kleine Stuͤckgen ausgehacket, solche in einen E 3 hier- Erster Theil/ hierzu gemachten Ofen gesetzet, ange- zuͤndet und der Theer daraus geschmol- tzen, welcher unten in einen Kessel zu- sammen fliesset. Daraus das beste, als Kuͤhnoͤhl- Spiritus abgezogen, das schwar- tze Pech aber in Sand-Formen gegossen, zu Schiff und Vaͤsser verpichen gebrau- chet, und das uͤbrige, als der Theer, zu Wagenschmieren verlassen wird; Die Kohlen davon kauffen die Schmiede. Es geben aber die Pechbrenner jaͤhrlich ei- nen gewissen Ofen-Zinß. Aus solchen Kiefern sind auch gute Schleußen zum leuchten zu machen; Jngleichen, wo sie splittig, gute Schindeln und tauerhaffte Tachsplitte. Sonst waͤchset die Kiefer nicht so hoch und lang, als die Fichte oder Tanne, das Wild scheelet die junge Rin- de von denen Gipffeln und Aesten der Wind-Bruͤche des Winters gerne ab, ob sie gleich bitter von Geschmack sind, sonderlich den Kenster oder Mistel, so darauf waͤchset; So beissen sie auch de- nen jungen Kiefern, so sie Manns hoch sind, die junge Rinde ab. Jm Hartz-Walde wird der Kuͤhn-Ruß gemachet und haͤuf- fig hier zu Lande denen Mahlern, Buch- druckern, Faͤrbern und andern mehr ver- kauffet, welches sie in einer nahe am Ofen verschlossenen Kammer sammlen, denn der Rauch oder Ruß leget sich darinnen an eine von Leinewand gemachte Decke, wovon er mit einem Stecken abgeklopf- fet, in kleine Ruß-Butten gethan, und weit und breit ausser Landes verkaufft wird, wovon man in obgedachtem Hartz- Walde mehrere Nachricht einhohlen kan. V om W acholder- und dem T ax- B aum. Der Wacholder ist zweyerley Gat- tung: die eine Art waͤchset zu einem ziem- lichen Stamm, nicht aber in unserm Climate, sondern in warmen Laͤndern; Die andere Art bleibet nur eine niedrige Staude oder Busch und Strauch. Es wird vor ein edeles Gewaͤchß gehalten, welches mit seinen Fruͤchten vor Men- schen und Vieh zu einer herrlichen Artz- ney sehr nuͤtzlich in denen Officinis ge- brauchet wird. Der Wacholder, wel- cher aus seinem Saamen, nachdeme der Erdboden und die Jahres-Witterung beschaffen, innerhalb acht, zehen, biß zwoͤlff Wochen auffgehet, und in einem magern sandigten Boden, sonderlich in kalten nordischen Laͤndern waͤchset, traͤ- get statt der Bluͤthe kleine gelblichte Zaͤpfflein, darauf folgen gruͤne Beerlein, so im ersten Jahr gruͤn, im andern Jahr blau, und im dritten Jahr schwartz wer- den, nach einiger Meynung aber in sie- ben Jahren erst reiffen sollen. Dessel- ben sollen zweyerley Geschlechter seyn, als maͤnnliches und weibliches, deren das letztere nur allein Saamen truͤge; Aus denen Wacholder-Beeren wird eine herrliche Medicin und Antidotum wider die Pest und Gifft, ingleichen eine Latt- werge, Salsen, gebrannte Wasser, zur Reinigung der Nieren und Leber, Trei- bung des Steins, nuͤtzlich zu gebrau- chen zubereitet. Sein Hartz oder Gum- mi, so durchsichtig und gelb, wie Mastix, ist, soll an Tugenden dem Agt-Stein gleich und der Menschlichen Natur sehr zutraͤglich seyn. Der Historien-Schrei- ber Milius meldet, daß zu Sagonta in Hi- spanien vor alten Zeiten ein Heydnischer Tempel der Goͤttin Dianæ geweihet, zweyhundert Jahr vor Zerstoͤhrung Trojaͤ erbauet worden sey, worinnen von dem Wachholder-Holtze Balcken ge- wesen, welche noch unverweßlich gefunden worden, als Hannibal die Zerstoͤhrung vorgenommen. Sonsten ist gewiß das Wachholder-Holtz von einem heylsamen Gewaͤchse und balsami scher Eigenschafft, davon der Rauch das Ungeziefer ver- treibet, auch von seinem Holtze eine gluͤende Kohle uͤbers Jahr kan erhalten werden; Die Lauge von seiner Asche soll diese Wuͤrckung haben, daß, so man die Haare woͤchentlich eine zeitlang damit waͤschet, selbiges das Gesichte schaͤrffen, Nuͤsse und Laͤuse vertreiben, das Kopff- Weh verhuͤten, keine graue Hare wach- sen lassen, das Gedaͤchtniß staͤrcken und viel dergleichen Tugenden mehr haben solle. Zum Beschluß des Tangel-Holtzes will ich auch zu dieser Classe noch letztlich anne- ctir en und beyfuͤgen den Tax-Baum / als von welchem Holtze die Jaͤger-Goͤt- tin Diana ihre Bogen und Pfeile gehabt haben soll. Es waͤchset dieser Baum nicht in einen starcken Stamm, sondern verflechtet sich mit vielen Zweigen unter einander. Die Tangeln oder Nadlen sind nicht so hart und steiff, wie die Fich- te oder Tanne, sondern weichlicht, von einer angenehmen gruͤnen Farbe. Es schrei- Der Wacholder. Der Tag Bauͤm. J. Von der Erden. schreiben viele Natur-Kuͤndiger, daß der Schatten von diesem Baum dem Men- schen an der Gesundheit gar schaͤdlich seyn solle, welches doch nicht erweißlich, in- deme ich oͤffters in Franckreich und zwar sowohl zu Pariß, als auch zu Versailles in denen Koͤniglichen Gaͤrten unter dem Schatten der Lust-Gaͤnge von solchen Gewaͤchsen mit mancher Plaisir die Zeit passir et, ohne daß ich hiervon was wie- driges vermercket. Es machen die Gaͤrt- ner in denen Lust-Gaͤrten hiervon sowohl die lebendigen Hecken, Spatier- oder Lust- Gaͤnge, als auch viereckigte oder runde Pyramid en, auch andere Figur en, so in der Scheere gehalten werden. Es sind zwar mehr Arten Tangel-Holtzes, als der Eiben-Baum, Lerchen-Baum, Sa- the-Baum, Roßmarien und derglei- chen mehr, davon ich aber, weil es zu unserm Zweck nicht dienlich, weiter nichts melden, sondern, weiln sowohl das Laub- als Tangel-Holtz beschrieben, nunmehro von wilden Baͤumen zu handeln aufhoͤ- ren, und mich zu andern Materien wenden will. Von S turm- W inden und Feuer-Braͤnden. Wie der grosse GOtt dem menschli- chen Geschlechte zu hoͤchst nuͤtzlichem Ge- brauch Waͤlder und Gehoͤltze durch seine Allmacht erschaffen, und deren unent- behrlichen Nutzen zur Genuͤge augen- scheinlich erweiset; So hat er auch Mit- tel und Wege sich vorbehalten, solche Hoͤltzer zur Bestraffung der ungehorsa- men Menschen mit grossen ungeheuern Sturm-Winden niederzureissen und zu vertilgen, ja gantz oͤde und wuͤste zu ma- chen und durch solche Wald-Brecher der armen Waͤlder einige Zierde abzureis- sen, daß bey dergleichen Zustand ein er- baͤrmlich Mitleyden zu haben und entsetz- lich anzusehen ist, wann die ungeheuern tobenden Winde bey grossem Schnee oder langwierigem Regen und Naͤsse die Baͤume so hefftig bewegen, daß sie die Wurtzeln mit der Erden empor reissen, und andere zugleich mit niederwerffen, oder auch bey gefrorner Erde die Staͤm- me halb von einander brechen, daß oͤff- ters Haͤuser hoch Windbruͤche uͤber ein- ander liegen und weder mit kriechen, noch gehen durchzukommen ist. Und wird ein solcher Baum bey dem Bruch und Fall dergestalt starck erschuͤttert, daß er sich zwischen denen innerlichen Jah- ren loßschiebet. Wann nun hier von ge- bauet, oder von solchem Holtze Breter geschnitten, und darvon Schraͤncke oder Tische gemachet werden, so pfleget es bey Aenderung des Wetters oͤffters zu kna- cken, weil solchem Holtze innerlich die Jahrwachse verschoben. Dergleichen auch das gruͤne Holtz, wenn es im Feu- er brennet, wegen des innerlichen Was- sers seines Saffts, und Antipathie des Feuers zu thun pfleget. Es stehen aber die meisten Leute in denen Gedancken, daß solches Holtz, so der Wind niederge- rissen, dem Winde fatal und zu bauen un- gluͤcklich sey, dahero sie Bedencken tragen, mit solchem zu bauen. Sonsten ist vor Al- ters nach Saͤchsischẽ Rechten im Gebrauch gewesen, daß die Windbruͤche, so die Graͤn- tze beruͤhret haben, den Foͤrstern solchen Revieren als ein Accidens zugekommen, damit sie um desto mehr auf der Graͤn- tzen Richtigkeit achtung gegeben, welches aber nach diesem abgekommen seyn mag, und werden heut zu Tage nicht allein von Lager-Holtze, sondern auch von Wind- bruͤchen Herrschafftliche Kuͤchen-Klaff- tern von denen Unterthanen geschlagen. Nicht allein thun obgemeldter maassen solche und dergleichen Waldreissende Sturm-Winde denen Heyden und Waͤl- dern einen unglaublichen Schaden, son- dern es ruinir et solche nicht weniger auch bey grosser lang anhaltender Duͤrre und Sommer-Hitze der in denenselben entste- hende Brand; Da ohnediß das von schwefflichter und hartzigter Fettigkeit zur Hitze und innerlichem Feuer bereits incli- nir ende Tangel-Holtz leichte zur Flam- me ausschlaͤgt; Dergleichen Brand auch durch Unvorsichtigkeit der Koͤhler, so nachlaͤßig mit dem Meulerbrennen um- gehen, entstehen kan; oder es verursachen solchen die Zimmerleute und Holtzhauer, Schaͤffer und Hirten durch ihre To- backs-Feuer, so sie in hartzigte Spaͤhne fallen lassen; Oder es geschicht auch wohl gar durch gottloser Leute und boͤser Bu- ben Leichtfertigkeit, daß Feuer in die Waͤlder mit allem Fleiß angeleget wird, welches leichtlich an der duͤrren Erde das Mooß, alt Graß, Reißig und derglei- chen Feuerfangende Sachen ergreiffet, ferner um sich frisset, und dergestalt bey nachlaͤßiger Aufficht uͤberhand nimmet, daß zuweilen grosse Heyden auf viele Meil- Erster Theil/ Meilweges ruinir et werden. Was solche entstandene Feuers-Bruͤnste sodann vor ein entsetzliches Geraͤusch und grausames Sausen verursachen, sonderlich in dem Hartz- oder Tangel-Holtze, ist fast nicht zu beschreiben. Es sind sodann solche mit Jammer und Schrecken anzusehen- hende schwartz ausgebrannte Trauer- volle Bloͤßen und zu Staub und Asche verwandelte Flecken hoͤchlich zu betrauern und sonderlich, weil hierdurch am mei- sten die Erde von solcher grimmigen Glut hefftig durchbrennet und zu aber- mahligem Anflug und Wiederwachß un- faͤhig gemacht wird; Jndem in der Asche oder Lauge eine solche Schaͤrffe befindlich, welche den Baum-Saamen angreiffet, und zuꝛ Faͤulung bringet, auch der Saame durch solche Asche keine Feuchtigkeit der Erde oder sein naturliches Nutriment er- halten kan, und wird solchen Schaden ein dergleichen Wald oder Heyde in vie- len Jahren und fast bey Menschen Geden- cken nicht wiederumb verwinden. Oeff- ters bleiben etzliche Baͤume an Schalen, Rinde und Aesten biß zum Gipffel hin- aus verbrennet und versenget stehen, an- dere liegen dargegen auf einander zum traurigen Spectacul, und lassen unter sich nichts als Mooß, eintzeln Graß, Far- ren-Kraut, oder wenn es viel ist, etwan Brom-Beeren- oder Dorn-Straͤucher wachsen; Zuweilen, nachdem die Jah- res-Zeiten feuchte oder duͤrre einfallen, ereignet sich dennoch mit der Zeit einiger Wiederwachß, da man befinden wird, daß meist nach vormahls daselbst gestan- denem und abgebranntem Tangel-Holtz nachhero statt dessen Bircken, Aespen und dergleichen ausschlagen, biß endlich durch deren Schatten die Feuchtigkeit und das Nutriment des vegetabili schen Saamens mehreres conservir et, so alsdenn nach und nach haͤrter waͤchset, wiewohl es da- mit sparsam hergehet, weil, wie gedacht, die verbrannte Erde und Asche hieran sehr hinderlich ist. Bey solchem ereigne- ten Ungluͤck und entstehenden Feuers- brunst muͤßen von GOtt, der Natur und rechtswegen alle Menschen leschen helffen, aller Fleiß angewendet und die umblie- genden Staͤdte, Aemter und Doͤrffer durch die Glocken eyligst aufgebothen, was retten, rennen, und lauffen kan, erfordert und das Feuer zu loͤschen viele Mittel, nach Beschaffenheit des Orts, in der Angst vorgenommen werden. Ei- nige loͤschen es mit Wasser; Andere schla- gen es entgegen mit Aesten, oder Zweigen aus; Einige graben vor das Feuer tie- fe Graͤben und werffen die Erde wieder das Feuer, daß es da bleiben und nicht ferner fortbrennen soll; Andere pfluͤgen eyligst uͤber Stock nnd Stein tieffe Fur- chen, raͤumen duͤrre Reiß, Mooß und Rasen ab, doch brennet es zuweilen un- ter der Erden in denen Wurtzeln, son- derlich wo turffigte oder Holtz-Erde vor- handen, immerhin, und hilfft da kein Loͤ- schen, sonderlich wann gantzverbrannte Baͤume mit voͤlliger Glut uͤber die Gra- ben fallen, und mit ihrer Flamme den Kiehn oder Hartz anstecken, weswegen in duͤrrer Zeit eine treufleißige Aufsicht hoͤchst vonnoͤthen. Vom Anflug und Wiederwachs. Wann entweder erstbesagter maas- sen der grosse GOtt uns Menschen zur wohlverdienten Strafe umb unserer Suͤnde willen, die Heyden und Waͤlder durch Sturm-Winde, oder Brand- Schaden verderben lassen, oder wann zu des Menschen Nothdurfft und Nah- rung bey vollkommenen Haubaren alt- erwachsenem Holtze vorhero die Bret- Baͤume, Schwellen-Saͤulen-Balcken- Schindel- oder Splitt-Baͤume, Spar- ren, Schal-Holtz und Latten herausge- nommen worden sind, und das krum- me oder Lager-Holtz, Schoppen und Abraum in Klafftern geschlagen, die uͤ- brigen Spaͤhne und Hinderniß abgeraͤu- met, so werden zu solchem Ende und Fortpflantzung des neuen Wiederwach- ses die staͤrcksten und besten Saamen- Baͤume, so die meisten Aeste oder Zwei- ge haben, und jaͤhrlichen Saamen tra- gen, hin und wieder stehen gelassen, da- mit solche ihren Saamen durch der Son- nen Hitze bald reiff und zeitig erlangen, und der Wind denselben in freyer Lufft ungehindert desto besser ausstreuen koͤn- ne. Es hat dahero wohl unstreitig den Namen Anflug erhalten; Wegen des anfliegenden Saamens, welcher von de- nen Baͤumen nach seiner Zeitigung her- ab gefallen, darbey gleichsam hin und her geflogen, biß er sich an die Erde und deren Vegetation begierig annectir et und gleichsam renascir et oder wieder hervor waͤch- Buͤrben Dickigt. Haleln Dickigt. J. S ichten D ickigte. K iefern D ickigt. Von der Erden. waͤchst. Damit aber nicht allein der Saame, sondern auch das bereits ver- handene junge Holtz ungehindert desto besser wachsen koͤnne, muß solcher Ort vor allen Dingen mit Viehhuͤthen und Grasen verschonet werden: Denn sol- cher junger Wuchs, weil er noch zart, wird von dem Vieh sowohl des Winters, wegen junger Rinde, als auch des Fruͤh- lings an seinem Jahr-Wuchs, vornehm- lich am Gipffel abgebissen, daß es nicht hoͤher wachsen, sondern knorricht, kurtz und krum bleiben muß; Durch das Gra- sen aber wird der Schatten denen Wur- tzeln benommen, und die jungen Pflaͤntz- gen unvorsichtig ausgerissen, oder abge- schnitten, darumb muß der Ort gleich vom ersten Jahre an mit Viehhuͤthen und Grasen verschonet werden, biß das Vieh den Gipffel nicht mehr erreichen kan. Die Schaafe aber, sonderlich die Ziegen, muͤssen, weil sie ein schaͤdlich Ge- biß haben, gar vom Holtze wegbleiben; Nicht weniger thun die Zimmer-Leute mit ihren Spaͤhnen und langwierigem Trempeln, wie auch die Fuhr-Leute in weichem und nassem Erdboden dem Wi- derwachs Schaden, daß solcher nicht auf- kommen oder wachsen kan; Jst dahero am besten, wann das Bau-Holtz im Winter bey dem harten Froste unbeschla- gen an einen besondern Ort gefuͤhret wird. Die alten Staͤmme und ver- faulten Stoͤcke sind zwar vor Alters ein langhergebrachtes Accidens derer Forst-Bedienten gewesen; Weiln aber durch Berechnung der angewiesenen Baͤume solche Staͤmme mit dem Stem- pel oder Eysen bezeichnet worden sind, koͤnte der Forst-Herr, oder der Obere nicht wissen, was verkaufft oder gestoh- len worden; Zudem werden heutiges Tages die Kuͤhn-Staͤmme denen Pech- Brennern an Ofen-Zinß uͤberlassen, weiln darinnen der beste Kiehn, wodurch mancher Baum erspahret wird. Es wuͤrde auch nur denen Forst-Bedienten einen Verdacht machen und durch das Ausreissen derer Wurtzeln von alten Staͤmmen viel jung Holtz zu Schaden gehen. Wo das Holtz durch Ungluͤck oder Verwahrlosung des Feuers Scha- den gethan, da will bey Mannsgeden- cken der junge Saame nicht aufgehen, sondern wird durch die verbrannte Erde oder Asche gantz untuͤchtig und verbissen, es werde dann die frische Erde aufgea- ckert oder gehacket, so wurtzelt es noch eher auf. Es koͤmmt oͤffters, daß, ob- gleich eine Art Holtzes weggehauen, dan- noch an selbigem Orte eine andere Art, so vor langen Zeiten da gestanden, aus verfaulter Holtz-Erde sich aus denen Wurtzeln generir et, und wie die Kraͤu- ter nach voriger Gestalt renascir et, und wieder hervor waͤchset, woran die seltsa- me Eigenschafft der Natur zu erkennen, und goͤttliche Allmacht nicht genugsam wundernswuͤrdig zu preisen. Gleich- falls schadet dem jungen Anflug und Wie- derwachs nicht wenig das uͤberfluͤßige Mooß und allzu geitzige Streuling re- chen, wormit man die kleinen Pflaͤntz- gen unvorsichtig ausreisset und also hier- durch grossen Schaden verursachet. Von B estraͤuche und jungen D ickigten. Gleichwie alle lebendige und leblose, vernuͤnfftige und unvernuͤnfftige Crea- turen, nemlich die Menschen, die wilden Thiere, die Baͤume und Kraͤuter, ja auch wohl gar die Steine und unterirdische uns meistens noch unbekante Gewaͤchse, nachdem sie aus ihrem Saamen generi- ret, vermittelst der Erden Vegetation und deren Nutriment auf die Welt kom- men und das Tage-Licht erblicken oder ihren Lebens-Geist oder Animam vege- tativam erhalten: also beginnen diesel- ben allmaͤhlich je mehr und mehr durch ihren erlangten Nahrungs-Safft ferner zu wachsen, von Tage zu Tage in die Hoͤ- he und Staͤrcke mercklich zuzunehmen und hierinnen den Anfang ihres Lebens oder die Kindheit und Jugend vorzustel- len. Die fernere Zeit geschiehet mit Ver- groͤsserung und Vermehrung ihres Wachsthums und zunehmenden Kraͤff- te, wird Adolescentiae oder eines Juͤng- lings Alter billig verglichen. Die Voll- kommenheit der Natur in ihrem besten und kraͤfftigsten erhaltenen Flor ist, wann gleich dem Maͤnnlichen Alter auch Trieb der Natur durch Fruͤchte oder Saamen jegliches nach seiner Art zu fernerer Ver- mehrung und Propagation nunmehro tuͤchtig worden ist; Und dann letztens der Untergang oder Abnehmen der Natur, wann die Bluͤth und Frucht, auch der Safft und Krafft sich verringern, und endlich zum Untergange neigen, kan F wohl Erster Theil/ wohl Senectuti oder dem abnehmenden hohen Alter gar fuͤglich verglichen wer- den. Eben diese Beschaffenheit hat es auch mit denen Baͤumen, welche, wie oͤf- ters gemeldet, nachdem sie durch ihren Saamen in der Erden durch ihre Vege- tation gekaͤumet, alsdann zu wachsen anfangen und also junge Straͤucher oder Gedickigt genennet werden, weiln dieselben dergestalt tuͤchte in einander verwachsen, daß Niemand wohl durch- kommen kan, und sich daselbst die wilden Thiere verbergen. Es kan solches waͤh- renden Wachsthums sowohl von allem Laub-Holtze, als auch von der andern Gattung des Tangel- oder Hartz-Holtzes ebener Gestalt auf gleiche Art verstan- den werden. Und hat die Goͤttliche All- macht solche Wohnungen und Dickigte nicht allein in jungem Gehoͤltze im Wald, sondern auch sowohl auff denen hoͤchsten Felsen-Gebuͤrgen, als in denen finstern Abgruͤnden und tieffen Loͤchern, oder nach der Landes-Art in morastigen, mit Rohr und Schilff verwachsenen, ver- borgenen Oertern durch die Natur hier- zu Lager und Behaͤltnisse derer wilden Thiere verordnet, und vaͤterlich versor- get, wie er uns Menschen in Haͤusern vor allem Ungewitter bewahret, so sor- get er auch hieꝛinnen vor die Vermehrung und Gesundheit derer wilden Thiere, dieselbe vor unnuͤtzem Nachstellen derer Muͤßig-Gaͤnger, schaͤdlicher Raub-Thiere und Hunde zu beschuͤtzen. Werden also, wie bereits gemeldet, alle Baͤume in ih- rer Jugend und Wachsthum Straͤucher und dahero verwachsene Dickigte genen- net, hernachmahls wenn sie ihren Stam̃ hoͤher treiben, so heist es alsdenn junges Holtz, Stangen und dergleichen, biß sie zu ihrer vollkommenen Groͤße zu einem haubaren Holtze erwachsen und gelan- get sind. Von B ebuͤschen und S tauden. Nechst denen jungen Baͤumen, wel- che, wie gemeldet, in der Jugend als Straͤucher anzusehen, mit der Zeit aber ihren Wachsthum, Hoͤhe und Staͤrcke vergroͤssern, erachte nicht vor undienlich zu seyn, zum Beschluß der Beschreibung alles Holtzes hierbey die Gebuͤsche und Stauden anzufuͤgen. Solche, weiln sie nicht hoch werden, und nimmer kei- nen rechten Stamm erlangen, sondern nur als niedrige Stauden aufschiessen, wachsen sowohl in denen Heyden und Waͤldern, als Aeckern und Feldern, und werden ebenfalls nicht unbillig unter die Vegetabilia gerechnet, von welchen hier specifice Meldung thun will. Und zwar erstlich von dem Hasel-Strauch , wel- cher unter andern hoͤchst nuͤtzlich, mas- sen er nicht allein denen Menschen mit seiner angenehmen Frucht und Hasel- Nuͤssen, sondern auch dem Schwartz- Wildpraͤth, denen Sauen, zur Mastung dienet. Es ist ein absonderliches verbor- genes Werck und Heimlichkeit der Na- tur, daß der Hasel-Staude Jahrwachs oder Zwiesel zur Wuͤntzschel-Ruthe am besten dienet, wodurch wunderbahrer Weise die Ertzte, Metallen und Minera- li en, ja alle verborgene Schaͤtze der Er- den, Kluͤffte und Gaͤnge entdecket und durch diß Werckzeug das Reichthumb der Welt erworben wird. Ferner sol- len sich auch die Schlangen und ander gifftig Gewuͤrm vor seiner Eigenschafft fuͤrchten. Es dienet dieses Holtz denen Pulvermachern zu Kohlen und hat ein grosses haarichtes Laub, so auf der ei- nen Seiten lichtgrau ist, schlaͤget am Stamm aus in viele Sommerlatten und giebt zuweiln, wie ich in Pohlen befunden, gantze grosse Waͤlder davon; Bey uns hier zu Lande aber wachsen solche meistens im Gebuͤsche hin und wie- der: Sie haben des Fruͤhlings lange Zoͤpfflein, so anfaͤnglich gruͤn, letztlich gelb sind, u. hernach abfallen, deren Fruͤch- te sind die bekante Hasel-Nuͤße, welche vor den Nierenstein trefflich gut. Agri- cola in Chirurgia schreibet, daß eine un- glaubliche Krafft wider die Zauberey in denen Hasel-Misteln oder Kenster ver- borgen sey: Es wird in denen Officinis vieles hiervon gebrauchet. Die Ein- wohner der Stadt Prænestis, wie Virgi- lius meldet, haben sich damit des Hun- gers lange Zeit erwehret, als sie von Hannibale belagert gewesen. Nechst diesen ist die Weyde ein sehr nuͤtzlich Gewaͤchs, welches Niemand besser atte- stir en kan, als diejenigen, die sonst kein Holtz haben, maassen sie solches mit Koͤpffen der Aeste jaͤhrlich reichlich nutzen und zu ihrem Gebrauch zu brennen, pflechten, zaͤunen, auch statt der Stri- cke und Baͤnder brauchen. Es waͤchset die Weyde gemeiniglich gerne an waͤsse- richten Hasel Strauͤch. Weyden. Werffen. Pingeling sc. Lip. Y. Hage Dornen. Schwartz Dornen. Weiß Dornen. Erenß Dornen. Z. Von der Erden. richten Oertern, und schreibet Plinius, daß vor alten Zeiten die Heyden ihre Schilder von Weyden geflochten haben, woraus heut zu Tage Koͤrbe gemachet werden. Die Weyde ist vor diesem, nach Ursini Meynung, dem Herculi zu- geeignet gewesen: So werden auch die Wasser-Taͤmme und Ufer damit nuͤtz- lich bepflantzet, daß das Wasser nicht ausreissen kan. Es sind unterschiedli- che Art Weyden, deren die gewoͤhnlich- sten lange Zweige mit gelben Schaalen und spitzigen schmahlen Blaͤttern von Silber-Farbe haben. Die Werfften ist auch eine Art der Weyden, welche aschfarbene laͤnglichte runte Blaͤtter tragen und niedrig hin und wieder in de- nen waͤsserichten Wiesen wachsen, sind von graulichter Schaale, und weil sie zaͤhe, werden damit Zaͤune geflochten, oder zu andern Flecht-Reisern gebrau- chet: Sie wachsen sehr dichte zusammen in einander. Letztlich sind auch die Dornen-Straͤucher , als Hage-Dorn, Weiß- und Schwartz-Dorn, oder Creutz- Dorn zu beschreiben noͤthig, unter wel- chen der letztere, als der Creutz-Dorn, den Vorzug billig hat, weiln mit dem- selben, nach Marcelli Empirici Meynung, der Herr Christus gekroͤnet worden: Dahero die Alten demselbigen Creutz- Dorn besondere Tugenden wider die Zauberey beygeleget, und zur Waldpur- gis-Nacht ihre Stuben und Betten da- mit bestecket: Sie haben eine schwaͤrtz- lichte Rinde und schmahle gruͤne Blaͤt- ter, so herbe von Geschmack, tragen schwartze runte Beere; wachsen an wuͤ- sten Oertern und tragen lange Sta- cheln oder Dornen. Einige Autores melden, daß von Schwartz-Dorn die Kro- ne des Herrn Christi gewesen sey. Die Schwartz-Dornen oder Schleehecken aber haben eine schwartze Rinde, lange Stacheln, blaue Beere, und wachsen nicht so hoch, als die Creutz-Dornen. Die Weiß-Dornen haben ein zackigtes Blatt, eine weisse glatte Schale, scharfe Stacheln, rothe Beere als Erbsen groß. Letzlich die Dage-Dornen haben Luchs- klauen, krumb und scharff, ihre Frucht sind die Haͤynbutten, derer die Men- schen geniessen koͤnnen, sie werden dar- umb Hage-Dorn genennet, weil mei- stens dergleichen an Zaͤunen und Hecken wachsen, und sich durchwinden. Noch mehrere Arten einiger Dorn-Hecken waͤren wohl noch uͤbrig, als Bromm- beere und dergleichen, weiln sie aber nach Heiliger Goͤttlicher Schrifft, im 1. Buch Mosis am 3. v. 10. unserm Stam̃- Vater Adam, nach seinem schweren Suͤnden-Fall seinen Acker mit Dornen und Disteln zu bewachsen, als ein schwe- rer Fluch auffgeleget, wollen wir sie da- hero weitlaͤufftiger zu beschreiben, nicht einmahl wuͤrdig achten, und hiermit von allem Holtz, Straͤuchern und Stauden saͤmtlich aufhoͤren. Von Eintheilung der H eyden und W aͤlder/ auch Geometri scher Ausmessung derselben. Alle Gehoͤltze der wilden Baͤume, welche ich anfaͤnglich uͤberhaupt und in genere, nachmahls aber auch jegliches nach seiner Art in specie bißher beschrie- ben habe, werden, wo derselben eine grosse Menge gewachsen und sich uͤber gantze Laͤnder weit und breit erstrecken, nicht unbillig Wildnuͤssen geheissen, weil es in selbigen vermuthlich rauch und wild genung seyn, auch ein wuͤst und wildes Ansehen haben mag. Nechst diesem heissen dergleichen Gehoͤltze auch Heyden, vermuthlich entweder von dem Heydekraut, so auf solchen wuͤsten Fle- cken haͤuffig waͤchset, ob gleich kein Holtz verhanden, oder es moͤgen dieselben viel- leicht in vorigen Zeiten, und meistens bey Einfuͤhrung des christlichen Glau- bens, da die unglaͤubigen Menschen in Waͤldern oder Heyden gewohnet und da- selbst ihre Goͤtzen angebetet, davon den Namen erhalten haben. Wann man a- ber einen Wald nennet, wird solches insgemein von dergleichen Oertern und Plaͤtzen verstanden, so mit Eichen und Buchen oder Haseln zur Mastung, oder andern dergleichen Behaͤltnissen verse- hen sind, wohin des Herbsts die Mast- Schweine getrieben werden. Ein klei- ner Mald , welcher besonders alleine fern ablieget, wird genennet ein Busch , darinnen etliche einzelne Eichen, Bu- chen, Bircken, Aespen und vielerley Gat- tung Holtz, doch meistens an Gestraͤuche zu befinden. Die Bruͤche sind mora- stige Gehoͤltze, so meistens wegen ihrer natuͤrlichen Feuchtigkeit mit Errlen- Holtz, Eschen, oder Bircken, Weyden, F 2 Werfft, Erster Theil/ Werfft, Rohr und Schilff verwachsen, darinnen grosse Behaͤltnuͤssen vor Sau- en, Woͤlffe und Fuͤchse zu finden, und man ihnen vor Wasser und Morast nicht beykommen kan. Die Vor-Doͤl- tzer sind diese, da die Felder oder Acker- stuͤcken, mit Holtze und Busche verwach- sen, an den grossen Wald anstossen und angraͤntzen. Die Feld-Buͤsche aber sind diese, welche abgesondert in Feldern lie- gen, worinnen keine rechte wichtige Baͤu- me, sondern nach des Bodens Gelegen- heit, Hasel-Bircken-Errlen- oder Werff- te-Straͤucher zu finden seyn. Und die- ses waͤren nun eigentlich die subdivisio- nes aller Wildnuͤssen, Heyden, Waͤlder, Buͤsche, Bruͤche, Vor-Hoͤltzer und Feld- Buͤsche. Was nun aber die Geometri- am betrifft, ist notor isch, daß solches ein griechisch Wort sey, und seinen Origi- nem, wie alle freye Kuͤnste, aus Grie- chenland habe, welches Land leyder ietzo unter das Tuͤrckische Joch und Sclave- rey hingerissen ist, da es vor diesem die Mutter derer freyen Kuͤnste gewesen. Es bedeutet aber Geometria soviel, als die Ausmessung derer Heyden, Waͤlder, Moraͤste, Buͤsche, Aecker und Felder, wie nemlich deren Laͤnge, Breite, Wei- te, Hoͤhe und Tieffe, sie liegen gerade oder krum, abzumessen, die Winckel, ob sie spitzig oder stumpff, zu mercken, her- nach aufs Pappier, nach Anzahl des grossen durch den verjuͤngten Maaßstab abzutragen und in einem Riß deutlich vorzustellen. Sie wird getheilet in drey Theile, als Linien, Flaͤchen, und Coͤr- per, darvon wir nur zu unserm Scopo vornehmlich von der erstern, als Longi- metria handeln wollen, die uͤbrige Zu- behoͤr der Geometriæ aber wollen wir denen Feld-Messern voͤllig uͤberlassen. Nun ist vornehmlich dieses wohl zu mer- cken: Wann ich einen Wald an der Sei- te ausmessen will, so muß ich nothwen- dig auf der Ecken oder Winckel anfan- gen und den Winckel durch mein Ge- sichte und Instruments-Visir genau mer- cken, wie sich solcher der Natur nach mir vorstellet, ob es ein spitziger, gerechter, oder stumpffer Winckel oder Schmiege sey, wie es die Werckleute nennen, solches annotir en und von dem Stand richtig schreiten, wie viele Schritte ich biß an die Eck oder Winckel bekommen moͤge, wo- hin ich gesehen habe, welches ich auch no- tir en und allezeit nach solchem Ziel ein weiß Pappier stecken lassen muß; Auf solchen neuen Winckel oder Schmiege muß ich mein Absehen, sowohl ruͤck- werts, wo ich hergekommen, als dahin, wohin ich ferner verlange, visir en, und solchen Winckel ebenfalls, ob es Angulus acutus, rectangulus aut obtusus, seu obliqvus, notir en; Gleicher gestalt auch solche Laͤnge, wohin ich will, anmercken, und auf diese Art und Weise, obbe- schriebener Maassen mit allen vor- fallenden Winckeln oder Schmiegen procedir en und die Laͤnge abschrei- ten: Es mag eine grosse Heyde, Wald, Busch, Morast oder Dickigt seyn, auch die darinnen befindliche Strassen, Fluͤgel, Wege und Stege gerade oder krumb gehen, so bestehen sie in nichts anders, als in Winckeln und Laͤngen zu mercken. Wann ich dann nun haus- sen im Wald die gefundene Winckel ob- servir et und die Laͤnge abgeschritten, so verzeichene ich mir mit dem Transpor- teur nach dem gefundenen Grad die Win- ckel auf dem Pappier und schreite mir ins kleine der Laͤnge nach durch den Cir- cul die Anzahl der gehabten Schritte, verzeichne solches mit blinden Linien oder Bleystifft, nach dem verjuͤngten Maaß- stab richtig aufs Pappier, so kan nicht fehlen, es muß der Wald mir auf dem Pappier eben solche Figur vor- stellen und sich accurat repræsenti ren, wie er ins Grosse gewachsen, haussen zu befinden ist. Nechst diesen Waldes nach- barlichen Graͤntzen und Namen muß ich auch nothwendig die zwey und dreys- sig Winde, sonderlich die vier Haupt- Theile, als Morgen, Mittag, Abend, und Mitternacht, durch die Magnet- Nadel genau annotir en, und alle Specia- lia bemercken. Solchergestalt kan ei- nem Forst-Herrn eine dergleichen Land- Charte, oder nach dem verjuͤngten Maaßstab verfertigter Grund-Riß gar sehr nuͤtzlich und vortraͤglich seyn, wann er darinnen gleichsam von oben herab derer Nachbaren Graͤntze, seine Hey- den und Waͤlder, Behaͤltnuͤße, Dickigte und Moraͤste, dadurch befindliche Stras- sen und Wege, die Namen der Oer- ter, alles bekant und deutlich be- schrieben findet; Er kan auch alsdann die Waͤlder und deren Dickigte auf de- nen Wegen oder Fluͤgeln mit dem Cir- cul nach dem verjuͤngten Maaßstab rich- tig abmessen, und wieviel Fuder Zeug, Tuͤcher oder Netze er zu einem Jagen noͤthig habe, und wie eines oder das an- dere Von der Erden. dere anzustellen sey, gar leicht ohne Muͤ- he daraus judicir en. Er kan auch fer- ner auf solchem Riß die natuͤrlichen Straßen, Wege und Stege des Wal- des, ob sie zu Haupt-Stelle- oder Treibe- Fluͤgel tuͤchtig, oder ob es zu weitlaͤuff- tig und er mit dem Zeuge zu stellen aus- komme, oder ob er nothwendig andere neue Fluͤgel an beqvemen Oertern muͤs- se hauen lassen, woher das treiben kom- me, und wohin der Abjagungs-Fluͤgel und Lauff-Platz sich schicken moͤgte, nebst andern Dingen mehr, deutlich ersehen, so zu seiner Nachricht sehr dienlich seyn wuͤrde. Solchergestalt kan er ohne grosse Muͤhe in kurtzer Zeit allenthalben derer Wege und Stege recht kundig wer- den, da er sonsten, wenn er zumahl der Gelegenheit und Oerter noch frembde und unbekant waͤre, solches in langer Zeit durch eigene Erfahrung mit vielfaͤltigem Umblauffen, saurer Muͤh und Fleiß, er- kundigen muͤste, und dennoch ohne die- ses Mittel nicht sattsam weder sich selbst, oder seinen Vorgesetzten, noch seinen Un- tergebenen vorstellen und zeigen koͤnte. Betreffend nun eigentlich den. Modum procedendi, oder wie solche Geometri- sche Einhohlung oder Ausmessung recht accurat und just muͤße vorgenommen werden, wovon gar wohl und fuͤglich ein absonderlicher Geometri scher Tractat, wie ich solchen ebenfalls lernen muͤssen, zu be- schreiben hoͤchstnoͤthig waͤre, so dienet kuͤrtzlich zu wissen, daß die Ingenieurs o- der Feld-Messer bey der Geometrie in Observir ung aller Winckel entweder durch ihr mathemati sches Instrument, das Astrolabium genannt, worauf in einem Circul 360. Grad getheilet, durch das Visir sehen, und bemercken: Nachge- hends auf den Riß ins kleine, durch den Transporteur oder Halb-Circul, welcher in 180. Grad getheilet, also folglich seinen rechten Winckel mit 90. Grad auswei- set, solche gefundene und bemerckte Grad abtragen: Oder es bemercken andere je- den Stand oder Winckel auch Arte Na- vali durch den See-Compaß, worauf die 32. Winde verzeichnet und vornehm- lich die vier Haupt-Theile, als Morgen, Mittag, Abend, und Mitternacht zu be- finden, vermittelst der Magnet-Nadel, als welche allzeit natuͤrlicher Weise nach Norden, oder Mitternacht zeiget, wie es ebenfalls in denen Bergwercken die Marck-Scheider observir en. Die Laͤn- gen aber werden durch Ruthen, so in 10. Schuh, die Schuh in 10. Zoll, die Zoll in 10. Gran, die Gran in 10. Scrupel getheilet werden, von etlichen auch durch Klafftern oder Ellen gemessen, und solches nach dem verjuͤngten Maaßstab, oder kleineren proportionirt en Laͤnge, auf dem Pappier durch den Circul ab- getragen, wie es sonsten Theoretice \& Practice deutlich vorgestellet habe. Und weilen ich besorge, es moͤgte der geneigte Leser sich sowohl in die Grad des Astro- labii und behoͤrigen Transporteurs ver- irren, oder durch den See-Compaß in die vielfaͤltige fremde Namen derer 32. Winde verwickeln, auch wohl in die Ru- then, Schuh, Zoll, Gran, oder Scrupel sich confundir en, also verdrießlich werden, und diß Werck liegen lassen; Als habe, meiner einfaͤltigen Meynung nach, hier eine gantz leichte und deutliche beqveme Manier melden wollen: Nehmlich ich stecke mir einen Stock in den Winckel recht perpendicularit er feste ein, habe auf solchem ein recht viereckigt klein Bret- lein, so im Centro durch ein Linial fest angenagelt ist, unter solches Linial kleb ich mit Wachs ein weiß Pappier, dicht an das Centrum, und visire oder sehe durch die uͤber dem Centro gehende Linie nach dem Linial mir in der ferne vorgesetzte zwey Ziehle; Wann ich nun beyde Zieh- le bemercket, wie der Winckel gewesen, so notire mir solches Pappier, mit dem ge- fundenen Winckel No. 1. oder Lit. A. wel- ches mir gefaͤllt, und hebe dieß Pappier auf, komme ich auf den andern Stand, Winckel oder Ecke, so procedir e auf ein rein Pappier, und bemercke ebenfalls den Winckel, zeichne solches mit Lit. B. oder No. 2. und auf solche Art verfahre ich mit al- len Winckeln, welche Pappiere oder ge- fundene Winckel ich beym Abtragen auf den Riß, nach ihren Numern deutlich durchstechen und verzeichnen kan, wie es hierinnen die Praxis am besten lehret. Die Laͤngen, Weiten, oder Distantz en von einem Stand zum andern werden am fuͤglichsten durch Schritte abgemes- sen und nach dem verjuͤngten Maaßstab, oder kleinern Laͤnge, mit dem Circul ab- getragen: Und dieses ist meines Erachtens die geschwindeste Methode, alle vorfallende Winckel und Laͤngen zu bemercken, aus- zumessen und auf den Riß abzutragen. Was aber die Planimetriam oder Su- perficial- Flaͤchen der Waͤlder, Continen- t en, Jnhalt und Quadrat- Maaßes Calcu- lir ung betrifft, wieviel solcher Platz oder F 3 Area Erster Theil/ Area Jnnhalt habe: Jngleichen Geodæ- siam, oder die richtige Theilung derselben, will ich hier, weil es dem geneigten Leser zu weitlaͤufftig fallen wuͤrde, mit allem Fleiß uͤbergehen: Aereometria aber, oder die Ausmessung der Coͤrper, mit ihren Hoͤhen, und Staͤrcken ist uns un- noͤthig. Heyden und Waͤlder zu taxir en und in Erbschafft einzutheilen. Jm vorigen Capitul habe unter- wiesen, wie man geometrice Heyden und Waͤlder ausmessen und einhohlen, und selbige nach dem verjuͤngten Maaß-Stab auff die Mappa oder Pappier in Riß bringen solle. Hier moͤchte aber nun die Frage vorfallen, was dann eigentlich der eingehohlte Wald gruͤndlich in der That werth sey, und wie solcher zu taxi- r en, zu verkauffen, Erbe daraus zu ma- chen, Leib-Gedinge darauff zu verschrei- ben, zu vertauschen, Onera darauff zu legen, zu kauffen, an sich zu handeln, der rechte eigentliche Preiß zu erfahren. Hier præsumir e ich aber, daß der geneigte Leser alle diejenige noͤthigen geometri schen Pro- blemata, oder Propositiones, Auffgaben o- der Handgriffe, welche mit dem Circul zu machen, verstehen, und diesen wohl zu regieren wissen werde, als eine Per- pendicular mitten auf der Basin oder am Ende zu faͤllen, eine Diagonal- Linie in einen Quadrat von einer Eck zur andern zu ziehen, eine Parallel- Linie, inglei- chen Triangel und Quadrat und so fort, biß auff Zwoͤlff-Eck, in einen Circul zu formir en, und dergleichen mehr, deren die Geometrist en 36. an der Zahl rech- nen; wiewohl einige davon zu entbeh- ren. Ferner will auch hoffen, daß er des Rechnens einiger maassen erfahren, wenigstens die sechs gewoͤhnlichen Speci- es der Arithmeticæ Decimalis verstehe, als: Additio, Subtractio, Multiplicatio, Divisio, Regula de tribus, \& Extractio Ra- dicis quadratæ, damit umb desto leich- ter die Sache in gruͤndlichem Verstande erwogen und begriffen werden koͤnne. Was nun die vorgenommene Ausrech- nung derer Continent en, Superficia- l en oder Jnnhalt eines Waldes betrifft, welches die Geometrist en Planimetriam heissen, so geschiehet solche folgender Ge- stalt: Nemlich habe ich den Wald oder Aream, den Grund und Boden in seiner Superficial- Flaͤche nach dem verjuͤngten Maaß-Stab auf den Riß gebracht, es repræsentir e sich nun die Figur des Waldes so irregulair, als sie wolle, so ziehe ich eine Diagonal- Linie von einer Eck zur andern, daß ich aus allen vier- eckigten Figur en lauter Triangel habe, nehme solche Triangel einen jeden nach seiner Groͤsse besonders vor mir, und faͤlle aus dem kurtzen Winckel eine Perpendicular auff der Basi, messe die Basin, wieviel Ruthen, wie auch der Perpendicular ihr Quantum; Als- denn setze ich die Summa von der Basi und multiplicir e mit der halben Perpendicular, so bringet das Facit rich- tig heraus, wieviel Qvadrat Ruthen die- ser triangelte Platz Jnnhalt habe; Habe ich aber ein regulair Quadrat vor mir, so setze ich das Quantum der Basis und multiplicir e es mit der Perpendi- cular, so bekomme ich das Qvantum des Qvadrats. Wie ich nun mit diesen proce- dir et, so muß es mit denen andern Trian- geln gleicher gestalt geschehen; Letztlich muß ich aller Triangel Facit summir en, so wird des Waldes wahrer und eigentli- cher Jnnhalt heraus kommen. Nun ist notor isch, daß bey denen Geometri- st en jederzeit ein Acker Landes Jnnhalt 300. Qvadrat- Ruthen habe, welche ich hiermit dem geneigten Leser, umb sol- che deutlicher zu begreiffen, nicht besser vergleichen kan, als mit denen viereckig- ten Feldern auf einem Bret-Spiele, so schwartz und weiß eingetheilet sind, und in der Summa ein Qvantum austragen; Eben auf die Art muß ein Acker Landes diese 300. Qvadrat- Ruthen Jnnhalt ha- ben, er mag nun seyn rund, drey- oder viereckigt, regulair er oder irregulair er Fi- gur, und also habe ich auf diese Art den eigentlichen Jnnhalt des Waldes. Be- stehet nun solcher in einerley Erdboden, einerley Art Baͤume, einerley Wachs- thumb und dergleichen, so neh me ich einen Platz vor mich, etwan am Rande des Waldes, wo ein Schlag oder Gehaͤue zu machen nicht schaͤdlich, lasse mir daselbst etwan einen halben Acker oder weniger Holtz wegschlagen, zu Klafftern setzen, nach landuͤblichem Preiß, wieviel dar- aus Klafftern worden, zu Gelde taxir en; Wie viel mir nun ein Acker genutzet, eben soviel traͤgt der gantze Wald, soviel er Acker in sich haͤlt. Wobey aber zu distingvir en, daß an den Oertern, wo hin Von der Erden. hin und wieder magerer sandigter Grund und Boden, folglich kurtz gewachsene verbutte Baͤume sind, so nicht viel her- aus geben, das Quantum zu mindern; dergleichen auch an solchen Orten zu thun, wo die Vorfahren zuviel Baͤume umb- gehauen, und wenig oder gar kein Wie- derwachs zu vermuthen; Nicht weniger sind auszunehmen die grossen Bloͤßen, Moraͤste ohne Holtz, breite doppelte Fuhr- Strassen, gangbare Wiesen und Aecker, so in dem Walde befindlich. Letzlich ist auch zu judicir en die Art des Holtzes, dann in schwartzem feuchten Boden waͤchset das ebsene, errlene, Aespen- und Aeschen-Holtz nach dem Hieb in kurtzer Zeit geschwinder zum Gebrauch wiede- rumb auf, als das taͤnnene, fichtene und kieferne: Und dieses doch noch eher, als das harte eichene und buchene. Was nun diese letztere, als eichene und buchene Mast-Hoͤltzer zu taxir en eigentlich be- teifft, solches muß aus derer alten abge- lebten erfahrnen Einwohner wahren eydlichen Aussage, wieviel bey guter Mast, auch zuweilen, da es nur Spreng- Mast gewesen, durch Schwein-huͤthen und Eichel-lesen vor diesem genutzet worden? Ob auch nachdem die Bohlen- Schneider und Staff-Hauer oder Boͤtt- ger eine Menge Eichen heraus gehauen? Nach diesen und dergleichen Circum- stanti en muß das Quantum der Mast taxir et und zu dem andern Holtze als ein Interesse, wie es sich nutzet, gerech- net werden, so wird man den Jnnhalt des gantzen Waldes, was er recht eigent- lich werth sey, gruͤndlich begreiffen. Sol- te nun aber dieser Wald in Erbschafft getheilet werden, welches die Geometri- st en nach ihren Terminis die Geodæsiam heissen, oder die Land-Theilung, so muß derselbe vorhero durch die Planimetriam eingehohlet und ausgerechnet, sodann woferne anders nicht gewisse Dorff- Graͤntzen richtig durch den Wald gehen, wornach sich zu richten waͤre, oder die Erben sich sonsten gewisser maaßen nicht vergleichen koͤnten, nach der vorhabenden Figur soviel, als moͤglich, pro æquo \& bono die Scheine oder Graͤntze derer Erb- theile abgezeichnet werden. Es haben zwar die Geometrist en hierinnen eine weitlaͤufftige Unterweisung der Tri- angel und Quadrat en, auch anderer Figur en durch die Arithmetique eine Graͤntze zu treffen; Weil aber sol- che dem geneigten Leser allzuweitlaͤuff- tig und verdrießlich fallen moͤgte, das vielfaͤltig schwere Rechnen, Regula Tetri und dergleichen zu allegir en, es auch sel- ten und niemahls braͤuchlich einen Wald also erblich in viele Theile zu distrahir en, so habe ich dieses billich mit Fleiß hier uͤbergehen wollen; muß also hierbey die Ocularis Inspectio das Beste thun. Von B efluͤgelungen derer H eyden und Waͤlder. Nachdem man nun vorgeschriebe- ner Maassen, wie gemeldet, solche Hey- den und Waͤlder geometrice in einen richtigen Grund-Riß verzeichnet, oder eingehohlet und nach dem verjuͤngten Maaß-Stab auf dem Pappier abgetra- gen, wird man sonder Zweiffel nicht al- lein die Dickigte, Moraͤste, oder Behaͤlt- nisse, sondern auch die Fuhr-Strassen, Weg und Stege, auch alle vorfallende Gelegenheiten darinnen ersehen und da- bey observir en koͤnnen, von welchen Feldern und an welcher Seite das mei- ste Wildpraͤth seinen Wechsel halte, oder Abends und Morgens das Geaͤß zu su- chen pflege, wo es hierauf, gemeiniglich des Tages uͤber, sein Behaͤltniß, Lager und Stand zu nehmen pflege, und so es darinnen verstoͤhret, wohin es sodann seine Flucht nehmen werde. Solche und dergleichen merckwuͤrdige Obser- vationes muͤste man sich auf ermeldtem Grund-Riß annotir en. Aus was vor eine vorfallende Situation mir aber der von mir eingehohlete und ins kleine ver- zeichnete Wald-Riß mit seinen Zube- hoͤrungen vor eine Figur, Form und Ge- stalt zeiget und repræsentir et, und wo- hin ich mit der Zeit etwan gedaͤchte den noͤthigen Lauf-Platz zu ordinir en, muß ich vornehmlich hierauf Reflexion ma- chen und meinen Scopum gantz darauf einrichten, daß vor allen Dingen daselb- sten die behoͤrige Dickigten oder Behaͤlt- nisse, ingleichen auch Qvell-Wasser ver- handen seyen, wobey der Lauf, nach Ge- legenheit des Wildpraͤths Wechsel und Windes Vermerckung, auf einen freyen Platz, Wiesen oder Leddigen heraus komme, auch wo die zur Jagd begie- rige Herrschafft ihr Nacht-Qvartier nicht zu weit davon haben koͤnne, den Anfang zu solcher Abtheilung der hier- zu sehr vortheilhafftigen Befluͤgelung solcher Erster Theil/ solcher Heyden und Waͤlder vornehmen. Nun ist ja Jedermann bekant, daß die Natur ermeldten Lauff-Platz, Qvell- Wasser und Dickigten nicht nach unse- rer Phantasie, sondern nach ihrem eige- nen Gutbefinden, Grund und Bodens Gelegenheit, freywillig hat wachsen las- sen; Zudeme gehen ja die meisten Fuhr- Straßen, Wege und Stege, krum, rund, hin und wieder und gantz irregulair, wie man aus dem gefundenen Abriß klar erse- hen kan. Daferne man nun solte nach sol- chen Straßen oder Wegen dem Gleisse nach mit dem Jagd-Gezeuge, Tuͤchern, oder Garnen, sohin stellen und abfuͤhren lassen, so wuͤrde zweifels ohne noch ein- mahl soviel Zeug hierzu erfordert wer- den. Dahero ermeldte Befluͤgelung hierzu hoͤchstnoͤthig und nuͤtzlich erfun- den worden. Wie ich mir nun auf mei- nem Pappiere, oder gemachten Abriß mein Concept nach Gutbefinden und Gelegenheit gemachet habe und auf was Art und Weise ich mich resolvir et, nach der Figur des Waldes die Haupt-Fluͤ- gel, ingleichen die Treibe-Fluͤgel, wie auch die Stell-Fluͤgel zu ordinir en und nach meinem Riße solche Linien, so auff die Strassen treffen, mir zum Vortheil dienen; So kan ich mir alsdenn leichte helffen und zur bessern Praxi an den Ort, wie ich es in meinem Concept ha- ben wollen, anfangen. Wie mir nun draussen an dem Wald der Compaß oder die Magnet-Nadel anfaͤnglich zei- get, mit solchem unverruͤckt muß ich die Linie oder den verlangten Fluͤgel an- faͤnglich durch wenige Flecken verzeich- nen lassen, biß ich richtig auf begehrten Ort durchgekommen, alsdenn kan ich nach und nach, daferne ich gefehlet, durch Anschalmen oder Laschen deutli- cher bemercken, und wenn alles verlang- ter maassen richtig, endlich die noͤthige Zeichen an starcke Baͤume schlagen las- sen, nemlich auf die Treibe-Fluͤgel ge- braͤuchliche Ziffern oder Zahlen, und auf die Stell-Fluͤgel gebuͤhrliche Buchstaben, und werden dieselben, so sie verzeichnet, ausgehauen und mit hellrother Oehl- Farb angestrichen. Wann es aber nach etlichen Jahren mit Hartz verlauffen, oder die Rinde uͤberwachsen, wird es renovir et, solche Fluͤgel von Wind-Faͤl- len und verwachsenen Straͤuchern ge- raͤumet, und ebenfalls zum Nutzen ver- brauchet. Hierbey ist auch zu mercken, daß wo es lichte Holtz und die Baͤume eintzeln und weit von einander stehen, auch solche Treibe-Fluͤgel viel weitlaͤuff- tiger kommen, als wo es grosse Dickig- ten und dickverwachsene Behaͤltniße gie- bet, da kommen die Fluͤgel schon viel enger, weil das Treibe-Volck allda schon dicker in einander zu stehen kommt, wel- ches alles sich nicht so gar eigentlich er- zwingen laͤsset, sondern hauptsaͤchlich auff die gruͤndliche Praxin ankommt. Wie dann ein Jaͤger nicht allezeit bey Befluͤgelung der Waͤlder mit Stellen des Gezeugs sich nach den ordentlichen Fluͤgeln richten kan, sondern es muß derselbe sein Absehen vornehmlich mit auff das Wildpraͤth haben, was fuͤr Art desselben, wie, wo und wie viel darin- nen befindlich, oder wo es hinaus lauf- fen moͤgte, dann daselbst muß er nach Gelegenheit solche alte Wege zu stel- len aussuchen, damit er sich nicht auff- halten duͤrffe; Und koͤnnen dahero die weise oder Seiten-Fluͤgel zum Abja- gen niemahls ehe gemachet werden, als biß man das Wildpraͤth zusammen hat, alsdenn kan man von der Seiten antrei- ben, und die Wildpraͤths-Cammer, als die beyde weise Fluͤgel und Rundirung, verfertigen lassen, weil das Wildpraͤth sehr veraͤnderlich, und man daher mit dem Lauff- und Abjagen, wo man es an- bringen kan, nach dem Wildpraͤth sich richten muß; Es waͤre denn Sache, daß eine grosse Heyde an einem bequemen Ort mit einem Abjagungs-Fluͤgel be- staͤndig versehen, und geordnet, und daß man einmahl wie das andere einen Ort bejagen koͤnte, so haͤtte man allezeit fertige Fluͤgel bestaͤndig. Es pfleget aber das Dickigt in der Cammer auszu- wachsen, daß es mit der Zeit schwach, lang, und durchsichtig, also hierzu un- tauglich wird, welches man nothwendig considerir en muß. Von der B raͤntze. Als bey Vermehrung menschlichen Geschlechts und Ausbreitung desselben in andere Laͤnder einem jeden zu Verhuͤ- tung Zancks und Wiederwillens sein Ei- genthum abgetheilet worden, und das Mein und Dein aufkommen; sind die Fines oder Graͤntzen erdacht worden, daß keiner dem andern wider seinen Wil- len Von der Erden. len in sein eigen Guth gehen solle, und werden dahero zu solchem Ende Creutz- Baͤume, Mahl-Hauffen und Steine gefunden, damit anzuzeigen, wie weit eines jeden Gebieth sich erstrecke. Jn dem alten Testament wurden die Hebraͤ- er, welche eine Graͤntze verruͤcket hatten, nach Goͤttlicher Ordnung verfluchet und von der Gemeine gesteiniget: Auch wur- den bey denen Roͤmern solche Verbrecher fustigir et, oder angebunden und mit Ruthen gestrichen: ja es sollen auch gar einige barbarische Voͤlcker wegen der Graͤntze solche scharffe Observanz halten, daß sie die Ubertreter auf solcher Graͤntze haͤngen, die Augen ausstechen, oder wohl gar lebendig schinden. Die Alten haben nicht unbillig solche Graͤntze eine Schei- de, Marck, oder Mahl genennet, weiln da an selbigem Ort ein Feld von dem an- dern geschieden wird, oder auch die jun- gen Leute solchen Ort wohl mercken und sich dessen gleichsam stets erinnern sollen: dahero sie die Verbrecher, welche Marck- Steine ausgegraben oder verruͤcket, in die Erde biß an den Halß verscharret, und durch einen neuen Pflug mit vier fri- schen Pferden den Halß andern zum Ab- scheu abgerissen haben. Man solte aber eigentlich, umb besserer Richtigkeit wil- len, wo nicht jaͤhrlich, doch alle drey Jahr des Fruͤh-Jahrs umb die Fasten-Zeit die Benachbarten und Angraͤntzenden auf die Graͤntze zu einer gewissen Zeit beschei- den, die Graͤntze beziehen und in Augen- schein nehmen, auch vermittelst alter Leu- te guten Bericht und Aussage in Gegen- wart junger Leute zu deren fernern Nach- richt die Graͤntze besichtigen, was daran unkenntlich oder verwachsen, wiederumb renovir en und verbessern, und sich nichts entziehen oder schmaͤhlern lassen, auch zu deren Verbesserung die Graͤntze verordnẽ und zu unvergaͤnglicher Bestaͤndigkeit et- wan an starcke Fluͤsse, oder Wasser-Baͤche, Teich-Taͤmme, Graben, Zaͤune, junge Obst-Baͤume oder Eichen, Mahl-Steine oder Saͤulen, Auffwuͤrffe und Mahlhauf- fen, darunter Steine mit Wappen, Ei- sen-Schlacken, Kohlen oder geschmoltzen Glaß und dergleichen Sachen mehr ver- setzet, und sich vergleichen, auch alles durch einen Notarium und Zeugen regi- strir en lassen, zu welcher Zeit es gesche- hen, wer solche Graͤntze bezogen, was je- desmahl darbey vorgegangen, und wie- viel Schritt, Ellen, oder Ruthen ein Mahl-Stein oder Hauffen von dem andern gelegen, und solche Graͤntz- Regi- stratur zur sicheren Nachricht und unver- bruͤchlicher Festhaltung von ihren Nach- bahren unterschreiben und besiegeln las- sen, auch zu deren rechtmaͤßigen Posses- sion durch lange Gewohnheit præscribi ret und bey Menschen-Gedencken erhalten, andern von dem Jhrigen verbothen und abgehalten werden. Jnsgemein pfleget man bey Erneuerung oder Renovi rung der Graͤntze zum Merckmahl und Denck- zeichen der stetswaͤhrenden Erinnerung junger Leute, umb der Nachkommen wil- len, eine merckwuͤrdige Geschicht daselbst vorzunehmen und hierzu etliche kleine Knaben zu Zeugen zu beruffen, damit es nachgehends bestaͤndig in stetswaͤh- rendem Andencken verbleiben, und gleich- sam verewigen moͤge, wobey man ihnen ein NB. oder Mercksmahl mit Haar- zopffen, mit einem und anderm Pꝛitzscher, Auffheben in die Hoͤhe, Ritteln, und in die Grube des Marck-Steins unschaͤdlich einlassen macht; Man leget auch bißwei- len ein Stuͤck Geld in die Grube, dahin die Marck kommen soll, und uͤberlaͤsset es einem Jungen, daferne er es mit dem Munde auffhebet, im Auffheben aber stoͤsset man denselben mit dem Maule leidlich auff die Erde, saget ihm dabey ei- nige Merck-Spruͤche fuͤr, und giebet ihm solche zu lernen, zu dem Ende man ihm solche hernach zum Andencken auff ein Pergament oder groß Pappier schreiben und auffzeichnen laͤsset, mit dem Befehl, daß er dieses wohl verwahren solte, es waͤre ihm ehrlich und loͤblich, dienete zu- foͤrderst zur Ehre GOttes und Liebes und Friedens Unterhaltung; Man bin- det es auch seinem Vater, Freunden, Vormunden und andern Anwesenden ein, daß sie solche Merck-Zettul wohl ver- wahrlich halten sollen, zumahl wann al- le Namen der Anwesenden mit in den Brief einverleibet worden. Nicht un- dienlich waͤre es auch, wann nach denen gelegten Grund-Steinen die Anwesende sowohl denen Parteyen, wann sie ihres gleichen sind, die Hand boͤthen und allen Seegen anwuͤnschten. Die Jungen koͤn- ten zum besondern Zeichen die Haͤnde uͤ- bers Creutz gegen einander schliessen, al- so, daß des einen rechte Hand des an- dern lincke fassete, das muͤste aber alles ohne Schertz, Gespoͤtte und Gelaͤchter, und mit Ernst und Manier ohn alles Fluchen und Gotteslaͤstern, nuͤchtern und mit gutem Verstande vollzogen werden. G Von Erster Theil/ Von der F orst- B erechtigkeit. Dieses ist ein uraltes Werck und be- greiffet in sich die freye unumschraͤnckte Gewalt eines Grund-Herrens uͤber den Wald oder Holtz zu gebieten, Forst-Ord- nungen denen Unterthanen zu publici- ren und die Verbrecher zu bestraffen, die Walder in gangbarem Stand pfleg- lich zu erhalten, Gehaͤue zu verordnen, zu deren Auffsicht Jaͤger, als Foͤrster, Schuͤtzen und Knechte anzunehmen und zu bestellen, so zu ihrer Defension Buͤch- sen tragen, zu gebieten uͤber das wilde Obst, Eicheln und Buch-Mast, Vieh- Huͤtung und andere Wald-Fruͤchte; Jn- gleichen uͤber Wind-Bruͤche, Lagerholtz und Kuͤhn, auch Pech- und Kohlen bren- nen, die Luder-Plaͤtze ausser den Gehaͤ- gen zu ordnen, die Raub-Thiere abzu- halten, zu befehlen, daß die Schencken, Muͤller und Richter Jagd- und Hetz-Hun- de halten, Bret-Muͤhlen, Ziegel- und Kalck-Oefen, Eysen-Haͤmmer und Glaß- Huͤtten nebst Holtz-Floͤßen anzulegen, uͤber das Gehaͤge zu gebieten, Haͤge- Saͤulen zu setzen, die Hunde kleppeln, auch Wild-Zaͤune, Thier-Gaͤrten, Wild- Aecker, Saltz-Lecken und Heu-Rauffen, Kirr-Plaͤtze und Vogel-Heerde anrichten zu lassen, uͤber die Fisch-Wasser und Krebs-Baͤche, ingleichen Thonen- und Vogel-Striche zu gebieten, die Graͤntze ungehindert zu beziehen, Forst-Haͤuser und Wohnungen aufzubauen, und mit allen Zubehoͤrungen zu versehen, Holtz- Marckt und Verkauff auszuschreiben und frey zu handeln, und was dem allen mehr anhaͤngig; wie denn das Holtz aus- zuzeichnen, ein absonderlicher Stempel gegeben wird. Es muß aber auch ein solcher Grund-Herr erweisen koͤnnen, daß er das Weydewerck oder die Hohe und Niedere Jagd bißher und bey Men- schen Gedencken oder zum wenigsten uͤber zehen Jahr geruhiglich besessen, und ohne Jemandes Verboth ungehindert gejaget, gehetzet, gestellet, geschossen und gebeitzet, oder auch nach seiner Willkuͤhr, das Wild gehaͤget und geschonet, auch solches alles andern zu verbieten, und die Ubertreter zu bestraffen Macht ha- be, und solcher maassen in diesem Recht sich durch steten Gebrauch bestaͤndig er- halten koͤnne; welcher Beweiß entweder schrifftlich, oder durch eine von langer Zeit hergebrachte Possession, oder durch eyd- liche Aussage derer Zeugen geschehen kan, wie hiervon der geneigte Leser in Ahasve- ri Fritzschii Corpore Juris Venatorio-Fo- restali mit mehrerm ausfuͤhrlich zu erse- hen belieben wolle, wo er in allen deut- liche Erklaͤrung finden wird. Wann nun eines Herren Land oder Herrschafft weitlaͤufftig und groß ist, darinnen Staͤdte und Doͤrffer herumb liegen, in welcher Gegend nicht allein Heyden, Waͤl- der und Gebuͤsche, sondern auch Aecker, Felder und Wiesen, oder Huthungen, Bruͤche, Teiche und Fluͤsse sind, muͤssen solche in gewisse Forst-Reviere eingethei- let und nach vorhandenen Gelegenhei- ten in richtige Graͤntzen mit sonderlichen Zeichen, Mahl-Steinen oder Hauffen ab- gestecket, und einem jeden Foͤrster, wie weit seine Auffsicht sich erstrecke, ange- wiesen werden. Nachdem nun das Land weitlaͤufftig und groß ist, darinnen viel Forst-Reviere und consequenter zu de- ren Auffsicht viel Foͤrster seyn muͤssen, wird uͤber solche ein Ober-Foͤrster, oder nach Gutbefinden, da es noch weit- laͤufftiger waͤre, ein Wild-Meister oder Forst-Meister als deren Vorgesetzter verordnet, die Auffsicht uͤber dieselben zu haben, daß kein Unterschleiff unter ih- nen, oder von andern keine Schmaͤhle- rung oder Eingriff wegen Holtz- und Wildpraͤt-Sachen dem Herrschafftli- chen Regali zum Præjudiz, unverant- wortlich vorgenommen oder nachgelas- sen werde: Dannenhero einem Jeden die- serwegen eine ausfuͤhrliche Bestallung gegeben, und wie er sich in seinem Dienst zu verhalten, vom Hoͤchsten biß zum Nie- drigsten instruir et: Zu dessen Wohnung am nuͤtzlichsten und gelegensten Ort ein Forst-Hauß angewiesen, und sein Unter- halt an Deputat und Tractament ihme jaͤhrlich gereichet wird. Wann nun die Forst-Reviere vor einen Foͤrster zu weit- laufftig und sonderlich mit vielen Wal- dungen verwachsen, wird dem Foͤrster noch ein Fuß-Knecht, Heyde-Laͤuffer o- der Holtz-Knecht untergeben, welchem seine Huth, wie weit er acht zu geben hat, angewiesen wird. An der Graͤntze aber, wo die Wild-Bahne von der Herrschafft Residenz weit abgelegen, und das Wild- praͤth auszutreten pfleget, oder feindseeli- ge Nachbarschafft giebet, wird ein Graͤntz- Schuͤtze gehalten, das wechselnde Wild- praͤth stets alldar zu schiessen und zu lief- fern. Wer mehrers und ausfuͤhrlicher von Ein Gehaͤge. L L L. Von der Erden. von denen Forst-Sachen zu wissen ver- langet, der besehe die vormahls vielfaͤl- tige herausgegebene Koͤnigliche Pohl- nische, Koͤnigliche Preusische, auch Chur- Saͤchsische, Chur-Brandenburgische, Chur-Beyerische, Chur-Hannoverische, Hoch-Fuͤrstl. Braunschweigische und Luͤ- neburgische, Sachsen-Weymarische, Go- thische, Merseburgische, Coburgische, des saͤmtlichen Hoch-Fuͤrstl. Hauses Sach- sen, auch Hoch-Fuͤrstl. Engern und West- phalen, Marg-Graͤffliche Brandenbur- gische, Fuͤrstl. Dessauische, Fuͤrstl. Eyse- nachische, Fuͤrstl. Hennebergische, Fuͤrstl. Wuͤrtenbergische, Fuͤrstl. Mecklenbur- gische, Fuͤrstl. Hessen-Casselische, inglei- chen derer Herren Grafen, Graͤfliche Schwartzburgische, Graͤfl. Hohenlo- hische, Graͤfl. Stollbergische, Graͤfl. Reusische, Graͤfl. Muͤmpelgardische, und andere Ordnungen mehr, welche alle in Fritzschii Corpore Juris zu be- finden. Von der W ildbahn und B ehaͤge. Die Wildbahn oder Wildfuhr ist vor uhralters gemacht, ehe die Leith- Hunde aufkommen sind, zu spuͤhren, was taͤglich auff den Graͤntzen gewechselt, weil man es gantz neu, wie auff einem Schnee, haben koͤnnen, und ist der ey- serne Leith-Hund genennet worden. Es ist aber die Wildbahn ein Pertinens Ju- ris forestalis, und kan keines wohl ohne das andere seyn; Wann nehmlich ein Wald oder Forst-Revier mit richtigen Graͤntzen umschlossen, darinnen des Wil- des Bahn oder Wandel, Wechsel und Stege ungehindert gelitten und erdul- det werden: Als wo das Wildpraͤth sei- nen besten Stand haben kan. Hierun- ter wird nicht allein der Wald verstan- den, sondern es extendir et sich auch die- ses auff die herumbliegende Felder, Ae- cker und Wiesen, wo das Wildpraͤth sei- ne Nahrung, Weg und Stege, unver- wehrt haben muß, da gleichsam so zu sa- gen ihm eine freye Bahn, ohne Jeman- des Hinderniß, willig vergoͤnnet wird; Jnsonderheit aber wird nicht unbillig in solchen Waͤldern, zum wenigsten waͤh- render Satz-Zeit alle Verstoͤhrung des Wildes, so durch Viehe-huͤthen, Holtz- hauen, Abfuͤhren oder Zimmern, Kiehn- graben, Laub-streiffeln, Streulingrechen, Puͤltze und Beere suchen, und derglei- chen Unfug mehr verursachet wird, ver- bothen, weil ein Stuͤck Wild oder Thier, so es in der Satz-Zeit, da es setzet, ver- stoͤhret wird, erschrickt ausspringet, sich leicht Schaden thut, daß es crepir en muß. Daher auch kein Hirte Schaaf- oder Rind-Vieh, vielweniger Hunde zu solcher Zeit daselbst zu dulden. Was aber ein Gehaͤge bedeutet, ist solches gleich- sam der Extract solcher Wildbahn, oder vielmehr die Jurisdictio forestalis, da nicht allein das Wildpraͤth zu jagen mit Fleiß verschonet, von Menschen, Hunden und Raubthieren, Ruhe und Friede hat, und seine Behaͤltnisse und Nahrung in Waͤldern und Feldern uͤberall ungehin- dert nehmen kan; sondern auch andern zu jagen durch Haͤge-Zaͤune, Sepimenta, Setzung der Haͤge-Saͤulen, Jagd- Man- data, Pfaͤndung und oͤffentliche Verboth abgehalten und verwehret wird, und der Grund-Herr dergleichen sich alleine an- maasset, auch solches entweder bey Men- schen-Gedencken, doch wenigstens binnen zehen Jahren hergebracht und waͤhren- der Zeit geruhig ohne Jemandes Eintrag oder Hinderung solchen Actum venatio- nis exercir et, da man oͤffentlich bey Tage mit Stellung des Zeugs, Jagung der Hunde, oder gemeinem Wald-Geschrey das Wild gefaͤllet, und dadurch eine recht- maͤßige Possession erlanget hat. Vid. Joh. Christ. Heroldi Observationes Forestales, darinnen er die Juris Consultos Erffurten- ses allegir et, die Anno 1679. de Jure gespro- chen, ad legitimam præscriptionem de- cem annos pertinere, sciente \& non con- tradicente altero, wie solches pag. 1168. zu finden. Die noͤthigen Requisita zu einem Gehaͤge aber sind vornehmlich diese: des Wildes Behaͤltnisse, Lager und Staͤnde in Waͤldern geruhig lassen, dieselben waͤhrender Satz-Zeit schonen, ihnen zu ihrem Unterhalt und Nahrung das wil- de Obst, Eicheln und Buch-Mast, sowohl das Getraͤyde und die Frucht-Felder, Kohl-Gaͤrthen und Wiesen vergoͤnnen, sie auch des Winters mit Heurauffen fuͤttern und mit Saltzlecken versorgen. Zu desto mehrerer Verwahrung solches Gehaͤges, wo zumahl die Gelegenheit an der Herrschafft Residentz gar nahe lieget, wird ein Haͤge-Reuter verordnet, welcher vornehmlich auff Vertilgung der Raub- Thiere und Haͤgung des Wildes mit al- G 2 len Erster Theil/ len Ernst bedacht seyn muß: Dafern sich aber solches durch Vermehrung uͤber- haͤuffen, und denen Unterthanen an ih- ren Fruͤchten, davon sie leben und ihre Gaben abtragen muͤssen, gar zu viel Schaden thun wuͤrde, ist es verantwort- licher zu Hirsch-Feist-Zeit entweder der Herrschafft zur Lust einige Stuͤck schiessen lassen, oder ein Bestaͤttigungs-Jagen an- zustellen, und also in etwas denen ar- men Leuten Erleichterung zu geben, son- derlich sind die Sauen nicht sogar zu scho- nen, als welche ohnediß sich genugsam vermehren koͤnnen, auch in dem Getraͤy- de- und Frucht-Feldern durch ihr schaͤd- liches Umwuͤhlen oder Brechen grossen Verderb zu verursachen pflegen. Sol- te aber wegen stetigen schiessen alles aus- gerottet seyn, muͤste man lieber zahm er- zogene Thiere, oder Wild gezeichnet frey herum gehen lassen, damit sie sich sodann vermehren. Ein Gehaͤge natuͤrlich anzulegen. Jm vorigen Capitel habe gemeldet von der Wild-Bahn und Gehaͤge, auch wie solches gebuͤrlicher maassen, in guter Ordnung nuͤtzlich zu erhalten wann es von Natur, Art und Gelegenheit von sich selbst alldar Wildpraͤth erzeuget, oder an benachbahrte Graͤntzen hieruͤber un- gehindert zu wechseln pfleget. Wann aber zuweilen umb einen Wald, Heyde oder Holtz-Revier kein Gehaͤge ist, und denselben dennoch der liebe GOtt durch die guͤtige Natur mit Eichen- und Buch- Mast, Wasser und Graß, Kiefern oder Fichten, ja mit dickverwachsenen Behaͤlt- nuͤssen und allen noͤthigen Requisitis ge- naͤdiglich versorget und mit trefflichen Gelegenheiten, Bergen und Gruͤnden, und was nur zu wuͤnschen, herrlich be- gabet, hingegen sich alldar kein Wild- praͤth halten will, ob schon der Eigen- thums-Herr so sehnlich verlangete zu seiner Augen-Lust einiges Wildpraͤth in seinem Wald dann und wann stehend zu sehen, auch daß zu seiner Renomee rei- sende Leute alldar einiges Wildpraͤth er- blicken moͤgten, wenigstens daß man doch in seinem Revier Spuren und Gefaͤhr- de des Wildes ansichtig werden koͤnte, und nicht so alles rein und oͤde von al- lem Wild verstoͤhret und verheeret sey, ohne welches Wild das Jagen eine nichts- wuͤrdige Sache, und laͤcherlich seyn wuͤr- de, also sich die Jagd-Lust auf einmahl hierdurch endigte; So habe dem geneig- ten Leser hiermit nach meiner Einfalt ei- ne wohlgemeynte Methode vorschlagen wollen: Nemlich, es muß vor allen Din- gen ein solcher zum Gehaͤge des Wildes destinirt er Wald von allem und jeden Rind-Schaaff- und Schweine-Vieh-huͤ- then gaͤntzlich verschonet seyn, ja, wo moͤglich, keine grosse Land-Strassen hin- durch passir et, nach haͤuffiges Land-Volck, Puͤltzen, Morgeln, Heydel- und Preus- sel-Beere zu lesen, oder umblauffen und schreyen, Holtz-lesen und Streuling- harcken verstattet, vielweniger darin- nen gar geschossen und geplatzet, oder mit Hunden gejaget, geschrien und gehetzet, oder Feuer und Lermen gemachet wer- den, sondern es muß der Wald von al- lem diesem Unfug gaͤntzlich befreyet seyn und bleiben, darff auch alldar kein Holtz- hauen, Verkauffen und Fahren vorge- nommen werden, wo es anders nach Wunsch ergehen soll, in Summa es muß alldar alles einsam und stille seyn, daß es sicher zuseyn vermercket, und alldar bleibet. Vors andere muß man es hauptsaͤchlich mit denen Benachbarten halten, und mit ihnen nach Condition ihres Standes accordir en, und zwar wann es vornehme Eigenthumbs-Her- ren, ob sie nicht aus nachbarlicher Freund- schafft, oder etwan gegen ein gewisses Deputat Wild, jaͤhrlich perpetuir lich, oder auff gewisse Zeit etliche zahme Thie- re, so man an einem Ohr halb verschnit- ten zeichnen koͤnte, in ihren Revieren ungehindert passir en und repassir en las- sen wolten, damit diese zahme Thiere, so des Fruͤhlings aus Neugierigkeit weit und breit nach der neuauffgeschossenen gruͤnen Saat herumb streiffen, ihre Kaͤl- ber nach Belieben ohnschaͤdlich setzen koͤn- ten, mit denenselben des Herbsts zur Brunfft, und Winters zu ihres Herrn Fuͤtterung gluͤcklich wieder kommen moͤchten. Da es aber Pacht-Leute, wel- che schon geitziger, auch mehr interessir et sind, muͤste mit solchen, wann sie das Ja- gen von ihren Eigenthums-Herren wuͤrcklich gepachtet, anders contrahir et werden, ausser diesen muͤste man mit dem rechten Herrn richtig contrahir en; Daferne man nun dieses alles wohl versi- chert, bauet man in dem Wald einen war- men Stall, und haͤlt vier oder sechs Stuͤck gute Von der Erden. gute Melck-Kuͤhe Sommers und Win- ters darinnen, laͤsset sie auch huͤthen, weil Graß genug da ist, aber vom Herbst an den Winter durch giebet man ihnen Heyde und Kraut zu fressen, und muͤs- sen solche wenigstens ein Jahr vorher darinnen sich zu halten gewohnet seyn, ehe man was vornehmen kan. Des Fruͤhlings darauff nimmt man vier Wild-Kaͤlber, und zwey Hirsch-Kaͤlber, setzet ein jegliches unter eine Kuh und ge- woͤhnet es an ihr zu saugen, treibet es taͤglich mit aus, daß es daselbst allent- halben kundig werde, und seine Sicher- heit vermercken kan; Welche Hirsch- und Wild-Kaͤlber, daß sie zahm erzogen, wie oben gemeldet, mit Abschneidung eines halben Ohrs gezeichnet werden, maas- sen dieselben, wann sie mit Halß- Baͤndern gezeichnet, darinnen in de- nen Straͤuchern, dahin sie ohngefehr von denen Hunden gejaget, gar leichte hengen bleiben und sich erwuͤrgen koͤn- ten. Diese Kaͤlber ob sie schon jaͤhrig, gehen bestaͤndig mit den Kuͤhen aus und ein, und werden von der Kuͤh-Milch gantz zahm erzogen. Das andere Jahr laͤsset man diese zahme Hirsche haussen, und se- tzet abermahl andere Wild-Kaͤlber un- ter die Kuͤhe, erziehet selbige nach vorge- schriebener Methode wiederumb zahm, wie die vorigen, und dieses kan man al- le Jahre gar fein gemaͤhlich continuir en, biß man nach Belieben will auffhoͤren, und Wild genung hat; Maassen solcher- gestalt schon ein Troupp Roth-Wild- praͤth von 24. biß 30. Stuͤck in 4. oder 5. Jahren durch GOttes Seegen zu hoffen, weiln alle diese zahm erzogene Thiere ih- ren gewesenen Pfleg-Muͤttern, oder Am- men mit besonderm Æstim allenthalben nachfolgen, sich zusammen halten, theils wegen ihrer erhaltenen Nahrungs-Milch per Sympathiam, theils durch die Ge- wohnheit per Educationem: Welche man aber auch Winters-Zeit vor allen Dingen bey grosser Kaͤlte und Schnee an beqvemen Oertern mit Haber und Heu reichlich versorgen muß, damit sie nicht gezwungen werden, sich anders wohin zu begeben und ihre Nahrung zu suchen. Ein solcher Troupp Wildpraͤth, welcher zusammen erzogen und gewohnet ist, darunter sonder Zweiffel auch schon brunfftmaͤßige Hirsche sich befinden, wird sich nachgehends von sich selbst alleine oh- ne fernere Muͤhe durch GOttes Seegen schon reichlich vermehren, wann nur kei- ne tragende Wild- oder Mutter-Thiere davon weggefangen, weniger unbeson- nen darunter geschossen wird. An denen Graͤntzen aber, zumahl wo nichts gescho- net wird, koͤnnen schon die Spiesser oder uͤbꝛige frembde Hirsche weggefangen wer- den, weil es ohnediß nachgehends umb ein merckliches sich vermehren, und de- nen Einwohnern auch an ihren Feld- Fruͤchten allzu grossen Schaden thun wuͤrde. Die Wild-Kaͤlber umb hierzu den Anfang solchen Gehaͤgs zu machen, kan man entweder aus einem Thier- Garten jaͤhrlich nehmen lassen, weil man ohnediß das uͤbrige wegen Mangel des Futters ausschiessen muͤste; Jn Mangel dessen aber muͤste es anderswo von gros- ser Herren Gehaͤge mit Permission pro- curir et werden: weiln solche kleine Kaͤl- ber noch jung mit Milch unterwegens er- halten einen weiten Weg koͤnnen ge- fuͤhret werden: welches meines Erach- tens rathsamer, als des Mons. Robert de Salnove, Koͤnigl. Frantzoͤsischen Rath Lieutenant bey der grossen Wolffs-Jaͤ- gerey ehedessen heraus gegebener Tra- ctat, darinnen er zu Ende dessen demon- strir en will, wie die Waͤlder mit Wild- praͤth zu peublir en, und unter andern anzeiget, man solle vier Thiere und ei- nen Hirsch in Netzen fangen, ihnen die Augen und Laͤuffte binden, in bestimm- ten Wald fahren und loß lassen, daß er den Weg zuruͤcke nicht wieder finde; Jch glaube aber, er solte den Weg wohl bes- ser riechen, woher er kommen waͤre, ist auch mit einem grossen wilderwachsenen Thiere ohne Schaden nicht wohl zu pra- cticir en, wie leicht zu erachten. Mit dem Schwartz-Wildpraͤth oder Sauen aber muß man eine andere Mode anfangen: Nemlichen man handelt sich hin und wie- der drey oder vier schwartz-graue zahme Sauen von Bauern, welche nahe an Ge- haͤgen wohnen: Weiln diese Bauern ih- re Sauen immerfort in die Heyde lauf- fen, auch zu Mast-Zeiten zuweilen von wilden Kaͤulern bespringen lassen, davon schwartz-graue Ferckel fallen, so fast wie die wilden aussehen, weil es schon eine halb wilde Art ist. Diese Sauen muͤs- sen ebenfalls an einem Ort im Dickigt ei- nen Stall haben, durchs gantze Jahr herum lauffen, und zum Stall mit Fuͤt- terung gewoͤhnet werden: weil die Sau ein gefraͤßiges Thier, so wird nicht feh- len, es kommet Herbsts-Zeit, sonderlich wo Mast ist, ein wilder Kaͤuler und be- G 3 springet Erster Theil/ springet diese Sauen, da sie sich sodann auf einmahl genung vermehren. Sol- te aber daselbst kein Kaͤuler hinkommen, wiewohl ein Kaͤuler auf 7. biß 8. Meilen und weiter des Herbsts nach der Mast und zur Brunst laͤufft, so muͤste man diese schwartze Sauen zur Mast-Zeit vor- her durch Artzney-Mittel, wie ich von Hunden beschreiben werde, laͤuffisch ma- chen, und in die Mast eines grossen Wal- des oder Gehaͤgs vermiethen, da es dann nicht fehlen koͤnte, daß man Art genug erhalten wuͤrde: Weiln vielfaͤltig aus der Erfahrung bekant ist, daß oͤffters grosse hauende wilde Schweine oder Kaͤu- ler des Abends mit denen zahmen Sau- en, wie gantz blind in die Doͤrffer einge- trieben worden sind, woraus die grosse Geilheit zu ersehen. Solche Sauen aber sind in ihrem Gehaͤge bestaͤndig zu erhal- ten, muͤssen allezeit an ihrem Kirr-Platz ihr Futter finden, ausser dem sie sonsten weit und breit herumb lauffen, weil sie, wie gesagt, sehr gefraͤßige Thiere sind. Mit denen Rehen ist es noch viel anders beschaffen, dann solche bleiben noch eher paarweise beysammen, ohne daß sie sich leicht wegbegeben solten: Hier sehe man, daß man kleine junge Reh-Kaͤlber be- komme, lasse solche unter einer Ziegen ebenfalls im Wald erziehen, biß sie selbst fressen, so bald sie jaͤhrig, bleiben sie da- selbst bestaͤndig, ernehren und vermeh- ren sich leichtlich, weil eine Ruͤcke allezeit zwey Junge setzet, wiewohl die zahme Ziegen wegen ihres schaͤdlichen Gebisses nicht gerne in Waͤldern geduldet werden. Man muͤste ein Paar dergleichen daselbst huͤthen lassen, wo nichts schaͤdliches zu befuͤrchten; Die Haasen aber sind wohl aller Orten meist zu finden. Und soviel habe aus auffrichtiger Meynung eroͤff- nen wollen. Wann nun in solchem Wal- de vor diesem wegen der schoͤnen Berge und Gruͤnde, Roth-Buchen und Wasser- Qvellen, Dickigten, Behaͤltnissen, Erd- Heydel- und Preussel-Beere, Auer-Hah- nen-Paltz gewesen, dieselbe aber durch Wegschiessung derer Huͤner von eigen- nuͤtzigen Pachtern verstoͤhret und verhee- ret worden, und man solches gerne auf- richten wolte, muͤste man umb den Mar- tium und zwar bey Zeiten von grosser Herren Gehaͤge sich Supplicando recht- maͤßiger Weise umb Eyer bemuͤhen, darbey aber acht haben, daß sie nicht be- reits bebruͤtet seyn, und solche an ver- langtem Ort einer rechten Truth-Hen- ne oder Huhne zu bruͤthen unterlegen, dieselben anfaͤnglich mit Ameyß-Eyern und dergleichen, biß sie selbst sich erneh- ren, und des Herbsts vollwachsend wer- den, uͤber Winter fuͤttern und umbs Neue Jahr, gegen Fruͤhling, zur Paltz in beliebiger Gelegenheit auslassen, da dann durch Goͤttlichen Seegen, und fleis- sige Hegung des Forst-Bedienten eine fer- nere Fortpflantzung ohnfehlbahr zu hof- fen. Gleichergestalt kan auf weitlaͤuff- tigen kurtzen Heyden, wo viel Bircken und Heyde-Kraut stehet, die Birck-Hah- nen-Paltz gar nuͤtzlich zu vermehren, vorgenommen werden, wann solche Birck-Huͤner-Eyer zu ordentlicher Zeit einer zahmen Hauß-Henne auszu- bruͤten untergeleget, auferzogen, uͤber Winter gehalten und gefuͤttert, und im Fruͤhling bey Zeiten an beliebige Gele- genheiten ausgesetzet werden. Mit de- nen Hasel-Huͤnern ist es etwas mießlich, weil dieselben paarweise, auch sich nicht aller Orten und Gelegenheiten zu halten pflegen, doch wo Hasel-Straͤucher in grosser Menge, wie in Pohlen, oder Fel- sen, Gruͤnde und finstere Tannen, wie in Meißnischen Gebuͤrgen sind, wuͤrde es zu versuchen frey stehen. Wie aber die Vermehrung der Rebhuͤner zu besor- gen, zeiget pag. 199. der Herr Esparrow, da er die Rebhuͤner-Eyer von jeder Sorte eingetheilet, einer Hauß-Henne unterle- gen, ausbruͤten und hernach mit dem Huhn ins Feld lauffen laͤsset, da deren rechte Mutter indessen andere ausgebruͤ- tet, ihre vorige aber an der Stim̃e kennet, wiederumb zu sich nimmet und sie sich also doppelt vermehren, welches er als ein Secretum haͤlt. Von einem T hier- B arten. Was es mit Acquiri rung des Juris forestalis, der Wild-Bahn, und dem Ge- haͤge des Wildpraͤths vor eine Beschaf- fenheit hat, dergleichen hat es auch mit dem Thier-Garten oder Jure circumcin- gendi sylvam venatoriam sepimento, mit einem umbschlossenen Wild-Zaun: Weiln einem jeden das freye Arbitrium, Prædium suum custodiendi \& circumcin- gendi zukommt. Und ob wohl sonsten Jure gentium die wilden Thiere allgemein erschaffen, daß dahero die Verbrecher ratio- Von der Erden. ratione grosser Herren Verboth zwar mit Arbitrar- Leibes-Straffe, doch nicht am Leben zu bestraffen sind; so wollen doch die Rechte, quod Feras in vivariis capiens furti teneatur: Maassen solch Wild in sylva conclusa vel circum- septa nicht in seiner Freyheit, sondern ein- geschlossen ist, und da es demjenigen, dem es zugehoͤret, heimlicher Weise oder mit Gewalt entwendet wuͤrde, als ein Spoli- um, Diebstahl oder Raub zu bestraffen ist, wie in Fritzschii Corpore Juris Fore- stalis mit mehrerm zu befinden. Es ha- ben vor alten Zeiten die Roͤmer zu ih- rer Vergnuͤgung, wie Cato meldet, ih- re Vivaria, Thier-Gaͤrten, Leporaria, Haasen-Gaͤrten, \& Aviaria, oder Vo- gel-Haͤuser gehabt, darinnen sie solche Thiere gehalten und ernehret, auch zu sonderbahren Lecker-Bißlein erzogen, worauf sie viele Unkosten verwendet: Heutiges Tages aber werden die Thier- Gaͤrten darumb aufgerichtet, damit das Tannen-Wild vor denen Woͤlffen beschuͤ- tzet werde, oder es werden zur sonder- bahren Raritæt etwan neulich eingefan- gene weiß oder gescheckte Hirsche, Thie- re oder Rehe darin gesetzet, und zur Renommé aufbehalten; Oder es hegen auch Herrschafften darinnen das Wild zu ihrer Vergnuͤgung; Doch muß in ei- nem solchen umbfangenen Ort nur ei- nerley gehalten werden, und hat man aus Erfahrung, daß, wo die weissen o- der bunten Tannen-Hirsche in einem Garten sind, und man auch roth Wild- praͤth halten wolte, sich eine solche An- tipathié ereignet, daß die letzteren ab- nehmen und umbfallen; Die Sauen a- ber in Wiesen brechen, alles umbreissen, gern umbwandern, stets gefuͤttert seyn wollen, auch nach kurtzen Jahren ab- nehmen und nicht dienen. Die Rehe hin- gegen, als ein anmuthiges Wild, dienen zwar, wiewohl sie als schwache Thierlein gegen die andern den kuͤrtzern ziehen. Die Gelegenheit eines Thier-Gartens, dafern er an lustiger Gegend angeleget wird, und die Requisita hat, die in einer freyen Wildbahne vorhanden seyn sol- len, gleichen fast dem Paradieß, da man sich an denen anmuthigen, und sprin- genden Thieren, liebreichem Geraͤusch der Wasserbaͤche, und holdseeligem Gesang der Voͤgel genugsam vergnuͤgen, an Schattenreichen Baͤumen eine sonder- bahre Erkaͤntniß Goͤttlicher Allmacht und Betrachtung der Natur und Jahres-Zei- ten, ja den Zuwachs auf Verlangen je- derzeit frisch haben kan. Sonsten gehoͤ- ret insgemein zu solchem Thier-Garten ein lustig gelegener Wald, worinnen wild Obst, Eichen, und Buch-Mast zu finden, ingleichen Behaͤltnisse und Di- ckigte vor das Wild, auch Graßreiche Weyde, gute gesunde Quellen, und al- lerhand Kraͤuter, Acker und Wiesen, Gebuͤrge und Gruͤnde; Wie auch Heyde- Kraut, fliessende Baͤche und Teiche, auch alle andere Nahrung, damit ihnen, wie in einer Wildbahn, nichts mangele, und sie ihre Freyheit haben, auch sich darin- nen vermehren und zunehmen koͤnnen, daß die Herrschafft auf Beduͤrffniß zu deren Vergnuͤgung jaͤhrlich davon was ausschiessen kan, und haben die Thiere den Sommer hindurch ihre Nahrung von Kraͤutern, Graß, Getraͤyde, wild Obst und Mast: Jm Winter aber muͤs- sen dieselben mit Heu-fuͤttern, wo die Sonne warm anscheinen kan, gewartet werden. Die Groͤsse und Umbfang des Thier-Gartens stehet in der Herrschafft Belieben nach Gutbefinden zu ordnen, und werden zur Vermachung umbher an theils Orten Mauren, Schal-Waͤn- de, oder Stangen-Zaͤune gemachet, das Wild darinnen zu verwahren; Weil a- ber solches mit der Zeit wandelbar wird, das Mauerwerck einsincket und durch Wasser erweichet, die Saͤulen der Schal- Waͤnde und Stangen-Zaͤune von der Erde stocken und faulen, auch wohl oͤff- ters durch den Wind umbgeworffen werden; So rathe ich hierzu auswendig herumb einen lebendigen Zaun von jun- gen Buchen und darzwischen Dornen des Fruͤhlings anzulegen, in grosser Som̃er-Hitze fleißig zu begiessen und bey Anwachsung derselben vor das Vieh mit Stangen verwahren zu lassen; Ein sol- cher Zaun kan leichtlich, wenn er wohl unterhalten wird, in fuͤnff oder sechs Jahren vollkommen erwachsen und sich sehr dichte in einander flechten; Es sie- het ein solcher Zaun sehr ansehnlich, und die Nachtigallen hecken gerne darinnen, und wann mit der Zeit die Wand oder der Zaun umbfiele, so waͤre die lebendi- ge Hecke schon da, das Wild zu verwah- ren. Durch den Lust-Wald muͤssen auch Alleen gehauen seyn, umb sich mit Spatzieren desto besser zu ergoͤtzen; Jngleichen an denen Waͤldern, pro- portionir te Statu en, als etwan Diana, Orpheus, Satyri und nach Gelegenheit der Erster Theil/ der Situation, Fontain en, Cascad en, oder Wasserkuͤnste, worbey Neptunus oder Sy- renen sich schicken, hinsetzen, damit sol- che den Thier-Garthen um so vielmehr zieren helffen. Sonderlich ist curieux und einer Herrschafft ruͤhmlich, wenn das Wild also gewoͤhnet worden, daß sie alle insgesamt nach dem Waldhorn sich ein- finden, da die zahmen, so anfaͤnglich zum Futter gewoͤhnet, ihre jungen aus Gewohnheit mitbringen. Das Jagt- Hauß wird nach der Herrschafft Gutbe- finden zu deren Plaisir so kostbar, als es ihnen beliebig, und mit benoͤthigten Zim- mern, Tapet en und Schildereyen meu- bli ret. Zu welcher Aufsicht und damit al- les in gutem Stand erhalten werde, ein Wild-Waͤrther daselbst wohnen muß, der gleich andern Bedienten seine Un- terhaltung jaͤhrlich bekommt und solches wohl in acht zu nehmen, gehalten wird. Auch ist notori sch, daß die Hirsche ja nicht mit dem harten haber uͤberfluͤßig gefuͤt- tert werden doͤrffen, weil ihr zu Kraͤu- tern gewohnet Gebiß sonst stumpf wuͤrde. V on der Saltz-Lecke/ und Heu-Scheune. Dieselben sind nicht allein sehr nuͤtz- lich und vortraͤglich in Thier-Gaͤrten, sondern auch in Gehaͤgen; Ja wohl gar an denen Graͤntzen in Waͤldern, da Wildpraͤth wechselt, maassen sich zu ver- wundern, wie die Hirsche des Morgens und Abends sich so gerne darbey finden lassen und auffhalten. Es liebet aber der Hirsch und das Wildpraͤth solche des Jahrs zweymahl, als des Fruͤh-Jahrs, wann das Laub ausschlaͤget, und der Hirsch sein Gehoͤrn geworffen, und wie- der auffsetzet, das Wildpraͤth aber zur Kalbe-Zeit; Und des Herbsts nach der Brunfft, so der Hirsch davon matt wor- den, und an Kraͤfften zunehmen will, dahero die Lecken jedesmahl vier Wochen vorher angerichtet werden sollen, damit sie etwas hart und alt scheinen. Es sind aber die Saltz-Lecken eine Erfindung de- rer alten Jaͤger, so vor das Wildpraͤth gut befunden worden, und werden die- selben des Fruͤhjahrs, wann das Laub ausschlagen will, jaͤhrlich zugerichtet, o- der doch wenigstens verneuert, damit das Wild darvon frische Witterung haben koͤnne: Und pfleget das Wild solche zu lecken umb des Saltzes Willen, welches ihnen sonderlich und ohne Zweiffel an- nehmlich und gesund seyn muß. Auch ist denen Hirschen ihr Gehoͤrne weit hoͤ- her verecket und ihre Haͤuthe werden viel reiner befunden, als wo solche nicht zu finden, doch wo an einem Orte Salni- tri sche oder saltzigte Salpeter-Erde zu finden ist, achten sie die Saltzlecken nichts, sondern gebrauchen sich solcher Erde eben- falls. Wo grosse Koͤnigliche Gehaͤge des Wilds sind, da werden derer angraͤn- tzenden Graffen und Herrn, oder derer von Adel ihre Saltzlecken nicht geduldet in denen gehoͤrigen Revieren, wenigstens doch nicht oͤffentlich zu halten erlaubet, weiln gemeiniglich die Jaͤger durch solche Saltzlecken (darein sie unterschiedliche Species und Kunststuͤckgen mengen,) das Wild aus dem Gehaͤge dahin zu locken und wegzuschiessen pflegen, als wor- nach es gerne gehet. Es werden aber die Saltzlecken am nuͤtzlichsten geschlagen, wo sich entweder das Wild auffzuhalten oder doch wenigstens zu wechseln pfleget und vor allen Dingen, wo Wasser und Graß, wie auch Dickigte und Behaͤlt- nuͤsse vor dieselben verhanden: Sie wer- den auf unterschiedliche Art zugerichtet; wo sie heimlich und verschwiegen seyn muͤssen, werden sie an einen Huͤgel gema- chet; Die Materie in die Erd eine halbe Elle tieff eingeschlagen, daß nichts ver- mercket werden kan, als ein blosser Erd-Huͤgel, welcher mit Streuling duͤn- ne zu uͤberstreuen, wovon der Wind dennoch den Geruch der Materie sehr weit dem Wilde zufuͤhren kan. Sol- che halte ich vor die beste Art, davor sich das Wild nicht scheuet: Weiln aber be- kant ist, daß die saltzigte Materie stets sich nieder ziehet und gleichsam in der Erde versincket, oben aber nur bitter bleiben wuͤrde, so muͤste man hierzu in der Erd, wie eine Schuͤssel einen guten Grund von fettem Thon und Eichenlaub rammlen, und sodann die Materie darein schlagen, wo es aber oͤffentlich erlaubet ist, wird ein Kasten ins Gevierdte zwey Ellen von Schaalholtz beschlagen und eine Elle hoch uͤber der Erden, oͤffters auch groͤsser, gemachet, darinnen die Materie einge- schlagen, daß je mehr und hoͤher ein spi- tziger Hauffen wird, allwo in der Mitten ein etwas fein ausgeschnoͤdleter Bruch, oder jung Baͤumlein, nach Weydemanns Gebrauch von Tannen oder Fichten ein- gestecket Von der Erden. gestecket wird. Und nimmt man zu sol- cher Materie Lehm aus alten Back-Oef- fen, Heerings-Lacke, Campher-Oehl, Eber-Wurtzel, Liebstoͤckel, das Wasser von der Blase eines Thiers, Membrum genitale, alles zusammen wohl vermen- get und die Sultze darvon geschlagen. Theils schmieren diese Materie an alte Staͤmme, wo das Wild wechselt, in ein- gehackte Loͤcher und nicht an der Wetter- Seite, damit es laͤnger den Geruch all- da behalten koͤnne, welches ich zwar al- les nicht probir et habe und an seinen Ort gestellet seyn lasse, doch kan es ein Je- der nach seinem Gutbefinden thun oder lassen. Die Heu-Scheune oder Heu- Raufen aber vor das Wild sind eben- falls sowohl in Thier-Gaͤrten, als in Ge- haͤgen hoͤchstnoͤthig, maassen bekant, daß so bald das Getreyde auf dem Felde ein- geerndet und nichts mehr zu finden, das Wild nicht alleine von Hunger, sondern auch von harter Winter-Kaͤlte wegge- trieben wird: Solches nun in den Ge- haͤgen zu erhalten, muß an einer Som- mer-Seite oder an einem abhaͤngigen Berg, da die Sonne fein warm anschei- net, unweit des Wassers, so nicht zufrie- ret, und wo dicke Behaͤltniße vorhanden, hier und da eine Heuscheune, mit dop- pelten Rauffen gemachet werden, jede 16. Ellen lang, und 8. Ellen breit, woruͤber oben der Heuboden, den Vorrath aufzu- heben; Jn der Mitten wird ein Loch ge- lassen, das Heu in die Rauffen zu werf- fen und zu vertheilen. Wann nun der Winter kommt und die Hirsche insge- mein nach der Brunfft noch mager sind da sie sich nicht wieder erhohlet, muß ih- nen sowohl mit Heu fuͤttern, als Ken- ster oder Vogel-Kuͤhn, ingleichen gefaͤll- ten jungen Kiefern, davon sie die Rinde zu schaͤlen pflegen, geholffen werden; Wann es aber wieder thauet, wird das Wild durch sein Aussenbleiben von sich selbsten anzeigen, daß es nichts mehr noͤ- thig hat, und kan sodann gespahret wer- den. Einige, die nicht soviel Unkosten auf die Scheune wenden wollen, lassen das Heu Bundweise in dem Gehoͤltze auf Straͤucher hangen, sie damit zu fuͤttern. Von der Nord-Seite, wo das Sturm- Wetter herkommt, muͤssen billig zur Be- schirmung gute Dickigte verhanden seyn, damit das Wild vor stuͤrmischem Unge- witter, Frost, Schnee, oder Schlacken- Wetter einigen Schutz und Schirm ha- ben kan, weil sonsten kein Wild in eine vermachte Heuscheune einkriechen, son- dern vielmehr sich davor entsetzen und scheuen wuͤrde. An theils Orten habe auch gesehen, daß die Rauffe unterm Dach allenthalben umher und das Heu darinnen bestaͤndig gelegen, welches in- newendig allenthalben angefuͤllet, und wann es vom Wild abgefressen, ist es von innewendig an dessen Stelle nachge- fallen. Weil aber die Sonne, Regen und Lufft die besten Kraͤffte des Heues, worinnen die rechte Nahrung bestehet, extrahir en und nichts als duͤrre Spreu oder Stroh lassen, halte ich hiervon nichts, doch stehet es einem Jeden frey, nach seinem Gefallen es hierinnen zu machen. Vom Wild-Acker und Wild-Fahre. Es ist wohl sonder Zweiffel einem Jeden bekant, wie feindseelig und neidisch das arme Wild Tages und Nachts von denen Bauern auf vielerley Art wegen der Frucht-Felder herum gejaget, und, wo es nur moͤglich seyn koͤnte, lieber gar vertilget wuͤrde. Die gefundenen Hirsch- Kaͤlber, wo sie die Bauern nicht gar er- schlagen und die Haͤutlein beym Kuͤrsch- ner, Muͤtzen daraus zu machen, verkauf- fen, bleiben zum wenigsten aus Leicht- fertigkeit von ihnen nicht unbeschaͤdiget, indem dieselben solche lahm machen oder ihnen die Ohren und Geburths-Glieder beschneiden, da sie doch in kurtzen Naͤch- ten wenig Schaden thun koͤnnen. Der- gleichen pflegen meistens die Schaͤffer, Hirten und Bauerjungen, oder muͤßige Buben zu thun; Die Sauen aber, als welche die Felder zu schanden brechen und durchwuͤhlen, koͤnten, wann sie sich nicht zur Wehre stellen, gar wohl ver- wiesen werden. Damit nun denen Un- terthanen auff ihren Feldern nicht allzu grosser Schade durch das Wild geschehen moͤge, hat man in Heyden und Waͤl- dern zu dessen besserer Erhaltung die Wild-Aecker erfunden, welche vornehm- lich von gutem gewuͤchsigem Grund und Boden, nach Gelegenheit, wo moͤglich, an dickverwachsenen Behaͤltnißen situi- r et seyn muͤssen, auff welche Aecker man vor die Hirsche unterschiedenes Getrey- de an Weitzen, Erbsen, Haber und Wi- cken, Kraut und Ruͤben seen und pflan- tzen koͤnte, vornehmlich aber muͤste man H ihnen Erster Theil/ ihnen gute Sicherheit, Ruhe und Friede vor vielem Geschrey, Huͤten, Schiessen, Platzen und Hundejagen, lassen, welches sie dann balde mer- cken, gerne bleiben und zahm werden, auch wohl zum oͤfftern in denen nechst darbey dickverwachsenen Behaͤltnissen lange Zeit, zumahl wo Wasser oder Qvel- len sind, sich gerne auffhalten, und nach Begehren allezeit bestaͤttiget, mit Zeu- ge eingestellet und gefangen werden koͤn- nen; Dahero kan ich hierbey nicht un- terlassen, der Antiquit aͤt zu Ehren, ei- nen alten Weydemanns-Gebrauch, ehe noch der Leith-Hundes-Besuch erdacht worden, allhier mit wenigem zu beschrei- ben. Es wird ein geackerter oder auff- gegrabener gepfluͤgter Weg, welcher entweder an der Graͤntze vor dem Wald, wo das Wild aus- und einwechselt, oder in dem Wald umb ein Dickigt, Knack, Morast oder Behaͤltniß herumb mit der Ege, oder dem Harcken gleich und eben gemachet, worauf man das Wild- praͤth uͤberspuͤhren koͤnne: Dieses die- net auch vor Feuers-Gefahr, daß das Feuer auf dem duͤrren Lager-Holtze, oder Heyde-Kraut, Kuͤhnstreuling und dergleichen auf der Erde nicht uͤberlauf- fen und fernern Schaden thun koͤnne. Sonsten werden sie meistens nur zum spuͤhren gebrauchet und sind gar nuͤtzlich von unsern alten Vorfahren erfunden worden, sich des Wilds ohne Hund gar genau zu erkundigen, ob dessen etwas hinein, oder schon wieder heraus gegan- gen sey, auch wird man bey gefundener frischer Spuhr zum aufpassen angerei- tzet. Wo aber solche Gelegenheiten ver- handen, und sandichte und reinliche Wege umb die Dickigte zu finden, da man fuͤg- lich spuͤhren koͤnne, hat man nicht noͤ- thig, Unkosten auf die Wildbahne zu wenden, sondern kan auf denen Wegen eben so wohl spuͤhren, nur daß die Wild- spuhr auf denenselben von denen Reisen- den zugetreten, oder gefahren und verle- schet wird, auf der Wildbahne aber al- lein unverletzt bleibet. Und kan man auf solcher Wild-Fahr von dem daselbst verhandenen Wildpraͤth gantz genaue Erkundigung haben, und nuͤtzliche Nach- richt erhalten, ob was daruͤber herein gekommen, und es noch drinne, oder wohin es den Kopff wieder heraus ge- wendet: Solte etwan Herbst-Zeiten das Laub drauff fallen, muß es vor die Sau- en wiederum aufs reine geeget, oder mit dem Rechen wieder abgereiniget wer- den, so kan man die neue und frische Spuhr wieder vernehmen; Dann wann man des Abends nichts gespuͤhret, des Morgens aber was gefunden, so ist man versichert, daß etwas des Nachts dage- wesen: Findet man fruͤh nichts und spuͤhret gegen Abend, so wird man, daß des Tages was daselbst gewechselt, da- durch leichte vernehmen, und, wo es nicht zur andern Seite wieder heraus ist, es noch darinnen zu vermuthen sey. Heut zu Tage aber, wie gemeiniglich alles nuͤtzliche verworffen wird, haͤlt man die- se Sache vor altvaͤterisch. V om Holtz- M arckte. Wo in einem Amt oder Herrschafft, viele Heyden und Waͤlder sind und die jaͤhrlichen Einkuͤnffte meistens von Hol- tze bestehen, wird des Jahres zu gewis- sen Zeiten Holtz verkauffet; Als nehm- lich des Fruͤhjahrs oder Ostern vor der Saat, und des Herbsts nach der Ernd- te, wann die Leute von ihrem Ackerbau und Feld-Arbeit am beqvemsten sich ab- muͤßigen koͤnnen; umb Michaelis. Zu solchem Ende wird durch den Amtmann oder Schoͤsser auf Verlangen des Forst- Meisters ein gewisser Tag zu dem Ter- min ernennet und publicir et. Wann nun die Kaͤuffer sich anmelden, wird nach dem vorgeschriebenen Holtz-Tax das Holtz verkaufft, die Baͤume nach Be- gehren angewiesen und mit einem Holtz- Zeichen oder Stempel geschlagen, das Geld wird der Herrschafft versiegelt uͤ- berschicket, und von dem Forst-Meister nebst dem Amtmann die Rechnung un- terschrieben und beygeleget, das Stamm- Geld aber abgezogen und nach Propor- tion unter die Foͤrster ausgetheilet. Die Staͤmme oder Baͤume, welche verkaufft und angewiesen werden, muͤssen jedes- mahl an solchen Oertern stehen und aus- gesuchet werden, wo sie bey deren Faͤl- lung nicht ander jung Holtz beschaͤdigen, den Wiederwachs nicht verderben, noch des Wildpraͤths Behaͤltnisse oder deren Wechsel verhindern; Maassen sodann nicht allein bey solchem gefaͤllten Holtz sowohl mit Klappen und Hauen, als mit Geprassel der Baͤume abgeschlagenen Spaͤhne angelegten Feuer und Dampff, herum Von der Erden. herum trempeln der Zimmerleut, als auch in Abfuͤhrung des Holtzes, mit Niederschleiffung durch die Wagen-Raͤ- der, Geschrey der Fuhrleute und Pfer- de das junge Holtz verwuͤstet, mit sol- chen Tumult auch das Wild aus seinem gewoͤhnlichen Stand und gehabten Wech- sel scheu gemachet, verjaget, und also all- dar verheeret und verstoͤhret wird. Es haben unsere liebe alten Vorfahren vor- mahls das Wort pfleglich , als einen uhr- alten Holtz- Terminum gebrauchet, wor- unter sie verstanden, daß man mit schlag- barem Holtze wohl nuͤtzlich, doch mit Maaß und spahrsam, als ein Pfleger oder Verwalter, deme ein Guth anvertrauet ist, umbgehen und vor allen Dingen das junge Holtz oder Wiederwachs bester maassen befoͤrdern, und vor deren Be- schaͤdigung schonen soll. Zu dem Ende und umb mehrer Auff-Munterung wil- len haben sie einem Holtz-Verstaͤndigen als ein sonderliches Lob den Bey-Nah- men eines Holtz-Gerechten gegeben und ihn hochgeachtet: Ja wenn sie Holtz- Anweisungen an ihre Forst-Bedien- ten schickten, allzeit das Holtz, mit solcher Expression genennet: An duͤrren abgestandenen Baͤumen, so ferner zu keiner Mast oder Saamen mehr tuͤch- tig, wo es der Wildbahn nicht schaͤd- lich ist. Also werden die Waͤlder und Gehoͤltze zur Aufsicht denen Foͤrstern an- vertrauet deren Pflicht erfordert, Acht zu haben, ne Sylvæ vastentur, sed earum utilitas conservetur. Jm Alten Testa- ment hat Hiram dem Salomoni zu Auff- bauung des Tempels Cedern und Taͤn- nen-Holtz auf dem Berge Libano an- gewiesen, 1. Buch der Koͤnige 5. und die- selben auf dem Meere an den Verlang- ten Ort floͤßen lassen, wie ich bereits schon hiervon bey der Ceder beschrieben habe; Ja als dorten Luc. 13. der Herr des Weinberges einen unnuͤtzen Feigen- baum sahe, befahl er, solchen, weil er das Land hindere, abzuhauen. Aus welchen allen wir ersehen, wie nicht al- lein von unsern alten Vorfahren, sondern auch im Alten und Neuen Testament die Ordnung im Holtzhauen genau observi ret worden. Von der H oltz- F loͤsse. Die Holtz-Floͤsse ist vor Alters umb des Willen angeleget worden, weil die weit abgelegenen Gehoͤltze in denen Ge- buͤrgen auff der Ax oder denen Wagen nicht so fortzubringen gewesen, oder das Holtz anders consumir et werden koͤn- nen, da dann, umb die Kosten zu erspah- ren, das Holtz in die fliessende Baͤche und Stroͤhme geworffen, und hierdurch an andere weit abgelegene Oerter geschaffet worden, welches also auch noch heut zu Tage an vielen Orten der Beqvemlich- keit wegen geschiehet; Doch soll man, wie in allen Dingen, also auch hierin- nen die Mittel-Maaß beobachten, damit man nicht allzu viel Holtz, umb nur Geld zu machen, liederlich verschwendet, mit der Zeit aber selbsten aus andern Laͤn- dern Holtz anzuschaffen, und theuer zu bezahlen genoͤthiget werde. Wann nun bey denen Waͤldern, oder unweit da- von ein Schiffreicher Strohm oder flies- send Wasser sich befindet und nahe an- gelegen ist, so kan das Holtz mit weit groͤsserm Profit und mehrerm Nutzen in andere Laͤnder auf demselben gefloͤs- set und verhandelt werden. Das Floß- holtz ist nun zweyerley, als die Scheit- Floͤsse, da etliche Hundert oder Tausend Klafftern oder Schragen in den Strohm geworffen, und die Zimmer-Floͤsse, da gantze Baͤume zu Trag-Floͤssen verbun- den, oder Stammweise gefloͤsset werden. Zu solchem Ende nun werden Floß- Meister und Floß-Schreiber zur Auff- sicht gesetzet, auch Floͤsser und Floß-Knech- te bestellet, welche an denen Ufern zu beyden Seiten des Flosses das auffge- haltene Holtz durch Haacken abstossen, und, wo es sich gesetzet, abschwemmen, biß an die darzu verfertigte Rechen, wo es zu gewisser Zeit anlandet und ausge- nommen wird, davor sie ihre Ausloͤsun- gen haben. Es wird aber solches Floß- Holtz jedesmahl durch die Forst-Bedien- ten angewiesen. Das Floßwerck ist als ein besonder Regale von einer Landes Herrschafft reservir et und denen Unter- thanen gleich dem Weydewerck gaͤntzlich verbothen, damit solche nicht zu Muͤßig- gang oder andern Lastern verursachet werden. Die Floß-Schreiber haben die Einnahme und Ausgabe in Rechnung zu bringen, und die Floͤsser und Knechte zu belohnen: Der Floß-Meister aber hat das Directorium und Auffsicht uͤber H 2 die Erster Theil/ die Floͤßen. Es geschiehet das Holtz- Floͤßen insgemein umb Johannis, da die Wasser hierzu am beqvemsten. Es pflegen die Hollaͤnder aus Deutschland viele Pfosten und Tiehlen, auf Floͤßen nach denen Niederlanden zum Schiff- bau zu bringen und damit groß Verkehr zu treiben. Von einem F orst- H ause. Nachdem nun von einem Forst- Re- gale, dessen Revier und andern zu die- ser Materie behoͤrigen Requisitis gemel- det, will ich nun auch ein Forst-Hauß beschreiben. Dieses ist eigentlich die Wohnung eines Foͤrsters, welchem umb selbige Gegend ein gewisser Bezirck von Holtz und Jagd- Regali en zur treufleißi- ger Auffsicht anvertrauet worden, daß derselbige alldar sich allzeit wesentlich ent- halten und von daraus die Heyden, Waͤlder, und Wildbahne, so weit dieselbe sich erstrecken, sonderlich die Graͤntzen taͤg- lich fleißig bereiten und besichtigen moͤge. Jnsgemein wird das Forst-Hauß an denen Strassen oder Holtz-Wegen, auch in Doͤrffern, so an der Heyden liegen, ge- bauet, damit in Feuers-Gefahr die Bau- ern huͤlffliche Hand leisten koͤnnen, mit Stuben, Kammern, Kuͤchen und was mehr vonnoͤthen, versehen, wie auch Scheunen und Stallungen und andere Beduͤrffniße zu des Forstbedienten Nothdurfft erbauet, nach der Gelegen- heit und zum Zeichen, daß die Herr- schafft desselben Waldes oder Forsts die Hohe und Niedere Jagd-Gerechtigkeit privilegir et besitze. Und daß in solchem Hauß auch ein Hirschgerechter Jaͤger und Weydemann wohne, werden auf denen Giebeln des Dachs die Hirsch Gehoͤrne angeschlagen; Das Dach mit Ziegeln eingedecket und reinlich ausge- weisset. Wo die Herrschafften weit von Dero Residence, die Amts-Haͤuser, oder andere Schloͤsser haben, wird solches Forst-Hauß noch eins so zierlich erbau- et und uͤbersetzet, darinnen oben Gemaͤ- cher gelassen, woselbsten sie bißweilen uͤ- ber Nacht logir en koͤnnen: Jedoch haben manche Herrschafften hierzu an lustig gelegenen Oertern absonderliche Jagd- Haͤußer, sich daselbst zu diverti ren, und zu der Birck- oder Auerhan Paltzzeit, ingleichen auch Hirschbrunfft, Schwein- hatz, Puͤrschen, oder anderen vorfallen- den Gelegenheiten etliche Wochen lang aufzuhalten. Es wohnen auch wohl oͤffters die Forst-Meisters, Wild-Mei- sters, oder Wald-Voigte in solchen Forst- Haͤusern. Von einem F oͤrster und dessen Instruction. Zu einem jeden Revier, welches von der Natur Holtzreich verwachsen, ist von Alters her ein Foͤrster geordnet worden, deme die Auffsicht uͤber das Holtz auff- getragen ist, damit solches nicht verwuͤ- stet werde, dahero er auch Sylvarum Præ- fectus, des Holtzes Vorsteher, oder Foͤr- ster mit allem Recht billig genennet wird, weil er zu des Holtzes Auffnehmen, Wart- und Pflegung, als ein treuer Hauß-Halter uͤber ein gewisses Revier, solches pfleglich mit Maasse zu verwal- ten, von seiner Herrschafft gesetzet, und dieserwegen mit einer besondern Pflicht treu zu seyn verbunden ist. Vor seine Person soll er vor allen Dingen Holtz gerecht seyn: Nehmlich daß er den Grund des Erdreichs recht und wohl verstehe, was in diesem fetten oder je- nem mageren Boden der darein fallen- de zeitige Baum-Saame und dessen in- nerliche Materie vor eine wesentliche kaͤumende Krafft und Feuchtigkeit zum Anfluge und kuͤnfftigem verhoffenden Wiederwachse vermuthlich haben moͤge, damit er nicht bey Anordnung der Schlaͤge und jungen Gehaͤuigte solches wider die Natur, oder wo wenig und gar nichts von Wiederwachs zu hoffen, ohne Verstand anordne. Er muß fer- ner nicht allein eine Physicali sche oder Naturmaͤßige Wissenschafft derer Kraͤu- ter, wovon sich die wilden Thiere zu er- nehren pflegen, haben, sondern auch die Distinction derer Unterirdischen Minera- li en und Wasser-Qvellen; Jedoch dieses nur als ein Parergon und Neben-Werck, doch ohne Aberglauben, wissen und ge- brauchen, vornehmlich aber die Natur und Eigenschafft aller Baͤume von dem Saamen, Kaͤumung, Anflug, Wieder- wachs, von deren Jugend biß ins Alter genau judicir en, den Unterscheid alles Holtzes und special en Distinction eines jeden Von der Erden. jeden Baums, sowohl des Laub-als des Tangel-Holtzes, ob solches frisch oder schadhafft, und worzu ein jedes zu brauchen tuͤchtig, nuͤtzlich anordnen, und sich hierinnen keinen Kaͤuffer etwas un- moͤgliches imprimir en lassen, den Holtz- Verkauff, und Holtz- Taxa zwar, was ein jedes werth, wohl verstehen, das Verkauffen aber nicht eigenmaͤchtig, oder eigennuͤtzig vorzunehmen, ohne specia- l e Concession sich unterstehen, maassen er sich hierdurch in Verdacht einiger Un- treue selbst bringen und in Verantwor- tung kommen koͤnte, geschweige der Straffe, so hierauf folgen wuͤrde. Die Graͤntze, Marck und Scheidung, inglei- chen Weg und Stege seines anvertrau- ten Reviers sollen ihme billig dermaas- sen bekant seyn, daß er nicht allein die richtige Graͤntze fleißig renovir en lasse, die streitbahre Graͤntze zu seines Princi- palen Interesse und Gerechtigkeit in Pos- sessione mainteni re, und sich davon nichts schmaͤlern lasse. Wege- und Stege- Recht aber soll er billig seyn, die Graͤn- tze sowohl, als die Wege auch bey fin- sterer Nacht richtig zu finden, die Schad- hafften Straßen, Bruͤcken und Daͤm- me, verfallene Windbruͤche und der- gleichen, dem Bono publico zum Besten, zu reparir en, fleißig anordnen, nicht al- lein nach der Situation derer von Natur gebuͤrgischen gewachsenen Heyden und Waͤlder und dabey befindlichen Stroͤh- me und Fluͤsse, an nuͤtzlichen und bequem gelegenen Holtz-Schlufften das noͤ- thige Floß-Werck anzugeben wissen, son- dern auch die zu Jagden, Zeugstellen und treiben der Heyden und Waͤlder, unentbehrliche noͤthige Befluͤgelung, wie es die Gelegenheit giebet, anzuord- nen verstehen, und waͤre darbey wohl ruͤhmlich, wann er sich einiger maassen auff das Feldmessen verstuͤnde, wenig- stens sich durch einen Riß sein Revier zu Hause imprimir en, und desto fuͤglicher seinem vorgesetzten Forst-Meister das noͤ- thige hinterbringen koͤnte. Die Præ- caution und treufleißige Vorsorge bey vorfallenden Sturm-Winden und Feu- ersbraͤnden hat er bey grosser Hitze, Ge- witters-Zeiten, Sturm-Wetter, oder andern Ursachen mit allem Fleiß abzu- wenden und zu besorgen. Denen Klaff- ter-Schlaͤgern, Zimmerleuten, Koͤhlern und Aschbrennern oder andern Ge- wercksleuten, soll er bey erlaubter Ab- gabe des Holtzes keinen Muthwillen noch Eigennutz verstatten, so ihm her- nach verantwortlich fallen moͤchte. Die zu der Wildbahn benoͤthigte Saltz-Lecke zu reparir en, Heu-Scheune und Wild-Acker jedes nach der Jahres-Zeit mit Fleiß zu be- sorgen, stetig bedacht seyn; Maassen er ratione des Wildpraͤths auch als ein Heger das Wild mit Fleiß zu hegen und zu verschonen befliessen seyn muß, damit zu desselben Vermehrung weder das lauffende, noch das fliegende, groß oder kleine Wild, durch Eyer oder Jungen- Ausnehmung schaͤdlich, und unverant- wortlich vertilget werden moͤchte. Ob nun wohl dieses alles eben auch oͤffters aus langer Erfahrung ein schlechter Ge- meiner Mann, ein Schuͤtze, Forst-Knecht, Heyde-Laͤuffer, Holtz- oder Fuß-Knecht, auch mit verrichten koͤnte, so distingvir et sich dennoch dieser Foͤrster, daß er darbey auch zugleich ein Hirsch-Gerechter erlern- ter Jaͤger sey, welchem zur Inspection und Maintenir ung des Juris Forestalis dieses alles anvertrauet worden, und daferne dasselbe Revier zu weitlaͤufftig, wird ihm gemeiniglich noch zu Huͤlffe ein Fuß-Knecht untergeben, desto richtiger solches zu bestreiten. Ein Schuͤtz ist aber entweder ein solcher Bedienter der Herr- schafft, welchem zwar ein Revier, jedoch an der Graͤntze, das uͤberwechselnde Wildpraͤth alldar fleißig wegzuschiessen, anbefohlen worden, weswegen solche auch meist Graͤntz-Schuͤtzen genennet wer- den, vor welche aber eigentlich die Forst- Sachen nicht gehoͤren, oder es werden auch derer Herren von Adel, welche an solchen Oertern nicht allzeit Jurisdictio- nem Forestalem haben, ihre Leute Schuͤtzen geheissen oder genennet; Weilen gemeiniglich ihre meiste Kunst in Wild- Schiessen bestehet, worzu sie nicht eben allzeit erlernte Jaͤger-Pursche der Bil- ligkeit nach annehmen, sondern meistens ihre Unterthanen, oder Knechte, so hier- zu sich durch Kuͤnstgen qualificir en, ge- brauchen, dahero oͤffters hierdurch die uͤbele erfolgte Interpretatio, als ob ein Jaͤger Kuͤnste verstehen muͤste, verursa- chet worden, welches man in seinem Werth und Unwerth zu judicir en uͤber- laͤsset. Es wohnen aber Foͤrster, wo sie ihre Beqvemligkeiten haben, ihre Hauß- haltung zu fuͤhren; Was gemeine Foͤr- ster sind, so an denen Strassen wohnen, pflegen zuweilen Bier zu schencken und Ausspannung zu haben, jedoch alles und jedes, wie es auf Erlaubniß der Herr- H 3 schafft, Erster Theil/ schafft, die Zeit, der Ort und Gelegen- heit erleiden will. Manche haben ad Partem salarii etwas Feld und Wiese- wachs, andere geniessen den Wildacker in der Heyde, wenigstens wird ihnen der Garten, wo das Forst-Hauß stehet, billig erlaubet. Damit auch der Forst- Bediente wegen Abgabe der Holtz-Nu- tzung sich vom Kaͤuffer nichts wunderli- ches imaginir en lasse, habe ich die wich- tigsten und gebraͤuchlichsten hierbey ex- plicir en wollen. V on der G laß- H uͤtte. Unter allen andern haͤuffig Holtzfres- senden Vorhaben unserer menschlichen Nahrung finden wir keine dem Gehoͤltze hoͤchstschaͤdlichere Procedur, als die Auff- richtung einer Spingel- oder Glaß-Huͤt- te; Maassen solche gleichsam so zu sa- gen ein offenbahrer Rachen, welcher in kurtzer Zeit ein grosses Gehoͤltze wegfres- sen und verschlingen kan, und wird da- hero nicht unbillig, weil es die Waͤlder ruinir et, in vielen Laͤndern ohne Specia- l e Concession auffzurichten verbothen. Sie vertreibet das Wild, verscheuchet die Voͤgel, und verursachet viel leere und abgetriebene wuͤste Flecken; Wo aber gros- se weitlaͤufftige Heyden und Waͤlder sind und sowohl an Bau- und Brenn-als an- derm Holtz ein grosser Uberfluß vor- handen, so, daß man davon gar keinen Abgang, oder doch nicht gnugsame Be- zahlung davor haben kan, und sonsten mit dem Holtze nichts anders vorzuneh- men weiß, da kan gar wohl und nuͤtzlich eine Glaß-Huͤtte angeleget werden, son- derlich, wann an solchen Orten rauhe knorrichte Gebuͤsch, so zu nichts nuͤtz, zu schoͤnen Feldern und Wiesen gemachet und abgeraͤumet werden. Weil es auch darbey, wie leicht zu gedencken, vielfaͤl- tige kuͤnstliche Meister, Glaß-Schneider und Schleiffer, auch andere hierzu noͤ- thige Arbeiter, Handlanger, und Holtz- Schlaͤger giebt, so kan der Grund-Herr daselbst einen trefflichen Nutzen an baa- rer Bezahlung, und steter Abnahme al- ler benoͤthigten Victuali en, wie sie im- mer Namen haben moͤgen, davon zie- hen. An und vor sich selbst ist freylich das Glaß ein uͤberaus angenehmes alt, und jungen Leuten wegen seiner durchsich- tigen Klarheit erfreuliches Werck. Muͤsten wir nicht im Finstern sitzẽ, wann nicht das Tage-Licht duꝛch die Fensteꝛ durchschiene? Mit was vor Appetit trincket man nicht in grosser Hitze und Durst aus solchen durchsichtigem reinem Geschirre die an- genehmsten Getraͤncke, die Olea, Liquo- res und Spiritus, halten sich in Glaͤsern am besten, da man denn ihre Farbe, und ob sie hell oder truͤbe sind, gar wohl erkennen kan. Auch werden ja, wie be- kant, alle seltsame Spiegel, so wohl schoͤ- ne, als garstige Gesichte zu unterscheiden, wie nicht weniger, die Augen-Glaͤßer, Brenn-Glaͤßer, Wetter-Glaͤßer, Per- spective, Telescopia, Tubi, Microsco- pia, Cameræ obscuræ daraus gemacht, darinnen so wohl kuͤnstliche Sachen, als auch andere Thorheiten und bunte Klei- nigkeiten vor Narren und Kinder sich præsentir en, und daher solche nach jenes gelehrten Engelaͤnders Ausspruch nicht unrecht Paradisus Stultorum heissen moͤch- ten. Die Materie des Glaßes bestehet aus weissem reinem und klar gepuͤlver- tem Kiesel-Stein, oder Kiesel-Sand, wor- zu Potasche von Rohr oder anderm dien- lichen Holtze kommt, (die Venetian er nehmen ein besonderes Saltz darzu,) womit es zusammen geschmoltzen wird, und alsdenn laͤsset sichs ziehen, wird kleb- richt, und haͤnget sich an. Wann nun solches nach Beduͤncken im grossen Schmeltz-Tiegel genugsam zergangen, und zu einer schoͤnen hellen und reinen Massa worden, so coagulir et sich diese Ma- terie, so thut denn der Meister ein hohles Eysen in Tiegel, und nachdem er viel o- der wenig haben will, stoͤsset er solches tief oder flach, oder halt es lang oder kurtz darinnen, so haͤnget sich alsdenn ein runtes leimichtes Kluͤmggen daran, welches durch den hohlen Kolben ange- blasen, wie eine Schweins-Blase immer groͤser und groͤser wird, hernach schwengt er es herumb, druckt es in eine nach verlangen gemachte Forme, schneidets auff, und giebet ihm eine Gestalt, wie es begehret wird. Es ist daselbst, wer es sonderlich zumahl nicht gewohnet, eine unertraͤgliche Hitze, davon man Kopff- Schmertzen und andere Zufaͤlle gar leich- te bekommen kan; Und werden daher die daselbst benoͤthigten Oeffen, sonder- lich der erste gar oͤffters von solcher grau- samen Hitze wandelbahr. Wann das Glaß besagter maassen auf unterschiede- ne Arten gemachet, wird es entweder in der Von der Erden. der Glaß-Huͤtten zur Stelle verkauf- fet, wobey mancher frischer Trunck pas- sir et, oder durch Glaß-Traͤger in ande- re Laͤnder weit und breit verhandelt, wie dergleichen von denen Boͤhmischen Herrschafften und andern genungsam bekant, doch hat vornehmlich allezeit bey allen Glaͤßern das helle und klahre Glaß eine weit mehrere Prærogativ vor un- durchsichtigen, und gruͤn dunckeln Wald- Glaͤßern, welche letztere nur vor Bau- ern sind. Gleichwie aber kiefernes Hartz schwartz Pech, fichtenes dargegen roth Pech giebt, also ist leicht zu dencken, daß kieferne Asche dunckel-gruͤn, fichten und taͤnnene aber gantz klare und helle Glaͤser verursachen koͤnne. Von dem hohen O fen. Nebst der Spiegel- oder Glaß-Huͤtte ist der hohe Ofen zwar ein gar nuͤtzlich Ding, wegen der strengen und geringen Ertze, sonderlich wegen des bey aller und jeder Nahrung unentbehrlichen Eisens, dessen so wenig der Bergmann in Gru- ben-Gebaͤuden, als auch der Ackers- Mann das Brod zu erbauen, aller an- dern Handwercker zu geschweigen, nim- mermehr entrathen kan. Allein wegen hierzu ebenfalls hoͤchstnoͤthigen unent- behrlichen vielen Holtzes, so in grosser Quantitæt darauff gehet, ist solches glei- cher maassen eine Holtzfressende und be- schwerliche Consumtion: angesehen der Ofen, ob er gleich schon geheitzet, den- noch kaum in vier Wochen seine benoͤ- thigte Hitze und Gluth, oder rechte Wuͤr- ckung bekommen kan, ehe und bevor das Eisen zu rechtem Fluße koͤmmt, weil er anfaͤnglich lange nicht so viel Eisen, als hernach, wenn er in rechter behoͤriger Gluth angebracht, giebt, da er dann wohl, nachdem der Eisen-Stein gut ist, oder nicht, woͤchentlich mehr als hundert Centner brauchbar Eisen lieffert: Denn mancher Eisen-Stein giebt viel und gut Eisen, mancher auch viel und boͤses Ei- sen, mancher ist fluͤßig, mancher auch unfluͤßig und gestrenge zu schmeltzen, auch ist mancher gantz sproͤde und un- tauglich zur Arbeit, wie denn hierinnen die Erfahrung muß consulir et werden. Was nun den hohen Ofen, darinnen die Zerschmeltzung des Eisens geschicht, betrifft, muß solcher inwendig mit san- digten Werckstuͤcken von unten auf dem Boden und auff beyden Seiten auffge- mauert und zugerichtet seyn; Hierzu werden dieser Sache wohlerfahrne hohe Ofen-Meister erfordert, die ihn recht und wohl anzulegen wissen; und hat ein jeder sein Maaß, woran der Vortheil liegt, so Niemand gerne allen offenbahr machet, weil ihrem Vorgeben nach, an dem Unterscheide der Kohlen und des Eisen-Steins viel gelegen. Es werden auch hoͤchstnoͤthig, wie leicht zu geden- cken, bey solchen ziemlich weiten, und grossen Feuer-Oefen bestaͤndige Hitze zu erhalten, gar grosse lange Blase-Baͤlge gebrauchet, da immer einer auff-der an- der nieder gehet: Ferner muß unter- schiedlicher Eisen-Stein hierzu seyn, daß einer dem andern helffen kan: Etlicher muß den Fluß geben, der andere hinge- gen giebet das Eisen: Wann aber nur einerley Stein verhanden, muß doch der Zusatz von Schlacken oder geringem Ei- sen-Stein seyn; Es werden dann in de- nen Oefen, nach ihrer gewissen Maaß, wie sie es nennen, Schichten-weise Koh- len und Eisen-Stein gesetzet, und zum Schmeltzen angerichtet. Wann es nun seine gebuͤhrende Zeit in der Gluth aus- gestanden und schmeltzet, so wird es her- nacher durch sein hierzu bey Seite gelas- senes Floßloch in eine Form heraus flies- send gelassen, so ein langes dreyeckigtes Eisen formir et, und meist drey biß vier Centner wiegt, welches sie eine Ganß nennen, und wie ich hernach melden will, auf den Hammer zu fernerm Verbrauch geliefert wird. Hier bey dem hohen O- fen und Eisen schmeltzen aber werden an- dere Dinge mehr gegossen, worzu in der eingegrabenen Erde von Lehm u. Stroh wohl ausgefuͤtterte und gewaͤrmete For- men gemachet sind, damit es nicht umb sich schlage, und werden solcher gestalt un- terschiedene eiserne Gefaͤße, nehmlich, nachdem die Form ist, Ofen-Platten mit Figuren, gezogenen Namen oder Wap- pen, auch glatte und schlechte, ingleichen Oefen-Toͤpffe und andere Gefaͤße mehr verfertiget; Ja weñ es kuͤnstliche Formen- Meisteꝛ sind, die ihr absondeꝛliches zutraͤg- liches Lohn genugsam woͤchentlich erhal- ten, so werden nach verlangter Groͤße ebenfalls eiserne Canon en, Mortiers, Bomben, Carcass en, Grenad en, Stuͤck- Kugeln und dergleichen mehr zur Defen- sion Erster Theil/ sion des Landes auf Hoher Obrigkeit Ver- willigung fabricir et, indem das weiche fluͤßige Eisen, so vors beste gehalten, zum Giessen gesammlet, das gemeine sproͤde Eisen aber zur Ganß oder zum Hammer in Stab Eisen zu schmieden verbrauchet wird, welches nach Gelegenheit die Auff- geber in der Zeit abzustechen und das beste zum Gusse zu sammlen wissen. Der Ofen-Meister muß solches zu dirigir en wohl verstehen: Der Meister arbeitet bey Tage vor dem hohen Ofen, der Gesell oder Knecht aber bey der Nacht; Jeder hat seinen Handlanger und Jungen bey sich, die immerzu, weil es in der Gluth und vollem Fluße stehet, einander beystehen. Mehrere Nachricht erfordert die Expe- rienz. Vom E isen- H ammer. Nach diesem folget billig der Eisen- Hammer oder das Hammer-Werck, all- wo die vormahls erwehnte und im ho- hen Ofen gegossene Eisen oder Gaͤnße fol- gender maassen ferner bereitet werden: Nehmlich es werden solche sonderlich zu- vorher noch einmahl geschmoltzen, oder auf den so genannten Frisch-Heerd gestel- let und aufs neue mit starckem Geblaͤsse abgegluͤhet, biß sie zu verschmieden dien- lich werden. Denn bringet vermittelst starcker Zangen der Frischer nebst seinem Knecht eine Ganß nach der andern be- scheidentlich in ein Corpus und haͤlt sie unter den grossen Hammer, deren einer von zwey biß drey Centner wieget, wel- che vom Wasser oder fliessenden Bach durch das Wasser-Rad, und derer Wel- len befindliche Heb-Arme am hintern Theil des Hammers aufgehoben und das auf dem grossen Amboß unterlegte gluͤhende Eisen durch das schwere Nieder- fallen des Hammers geschmiedet und nach des Meisters eigenem Belieben, nach Befinden des guten, weichen oder harten sproͤden Eisens gebildet; woraus denn unterschiedliches Stab-Eisen zu allerhand noͤthigem Gebrauch, ingleichen eiserne Platten, Bleche und Schienen, grosse Am- bosse, Pflug-Schaaren, Feuer-Haacken und dergleichen mehr, von dem Mei- ster oder Hammer-Schmied, nach seiner selbst eigenen Invention, durch sein Werck-Gezeug verfertiget, oder durch die Gesellen gemachet werden, da er von je- dem Centner sein gewisses bekoͤmmt. Es werden aber meistens auch, nach dem die Arbeit vorfaͤllt, absonderlich hierzu gewis- se Blech-Schmied-Meister, Heerd- Schmiede, Stab-Schmiede, ein Uhr- Waͤller, item Gleicher und Handlanger erfordert, welche ihr absonderliches Ge- zeug sich anschaffen. Diese Blase-Baͤlge, welche das Feuer in der Esse erhalten, wer- den auf Beduͤrffniß zwaꝛ, wie gewoͤhnlich, gezogen, nach des Herrn Johann An- dreaͤ Boͤcklers mechani scher wohlerson- nener Invention aber am fuͤglichsten durch das treibende Wasser-Werck zu- gleich auf und nieder gehoben, und hier- durch das gluͤhende Eisen in seiner Gluth und Kohlen durch steten Wind erhalten, damit man also dabey einiger Leute er- spahren kan. Das Zerren-Feuer ist zwar noch im Brauch, aber am staͤrcke- sten an denen Oertern, wo man nur Land- und Wasch-Steine hat. Eines Orts werden drey Lauff-Karren voll solches Land-Steines auf ein Eisen oder Theil gerechnet, dieses wird mit gar star- ckem und schnellem Geblaͤse in drey Stun- den geschmeltzet uf einem breiten Heerde, daran ein Ofen, nicht sonderlich tieff, darein wird das Eisen in ein Stuͤck ge- schmeltzet, die Schlacken davon abgelas- sen und das Stuͤck Eisen oben uͤbern Heerd herausgezogen und mit hoͤltzern Schlaͤgeln zusammen geschlagen, wiegt ein solch Eisen ohngefehr einen halben Centner schwer, oder siebentzig Nuͤrrn- berger Pfund, und nachdem solch Eisen ist, kan man es alsobald verschmieden, theils muß auch noch einmahl geschmol- tzen werden. Wie dann solches die Ham- mer-Meister am besten verstehen. Von Zimmern derer B erg-Gebaͤude. Was vor eine unglaubliche Men- ge Holtzes gleichfalls die unter der Er- den befindlichen Berg-Gebaͤude an Ver- zimmerung der Gruben, Schaͤchte und Stollen wegnehmen, daß oͤffters um sel- bige Gegend kaum oben auf der Erden so viel Holtzes zu finden, als wohl unter der Erden verbauet worden ist und da- selbsten stecket, kan man ausfuͤhrlicher und deutlicher bey denen weitlaͤufftigen Berg- Von der Erden. Bergwercken des Hartz-Waldes und Ertzgebuͤrgischen Creyses augenschein- lich ersehen. Es ist aber das Zimmern ein nothwendiger Bau bey denen Berg- wercken, weil das Gestein nicht aller Or- ten so fest, daß es an sich selbst bestaͤndig, sonderlich nahe am Tage, auch bey ge- brochenen Gaͤngen, Faͤulen und dero Or- ten, wo zumahl sandigte Gebuͤrge und keine andere Schicksal des Landes an- zutreffen, und wann es gleich manchen Ort eine Zeitlang haͤlt, so loͤset es sich doch endlich und wird bruͤchig, entweder wegen der Kluͤffte, oder durchs Wasser, Erd-Duͤnste und Wetter. Jn Schaͤch- ten ist das staͤrckste Gezimmer ein gan- tzer Schroth, welcher am Tage gebrau- chet wird und bestehet von vielen Gevie- ren, eines auf das andere geleget: Ein Geviere aber ist von zwey Joch und zwey Kappen zusammen gemachet. Man hat noch eine andere Art Schaͤchte-Zim̃erung: Wann ein Geviere auf vier Boltzen ge- leget, welche auf einem guten Fuß im Ge- stein stehen, darhinter werden Schwar- ten, Schal-Hoͤltzer oder Stangen gele- get, ist aber nicht so bestaͤndig. Wenn aber eine Schacht im Gestein feste haͤlt, so wird nur ein Strich mit Seiten-Bret- tern versehen, sonderlich wird auf der Seite, wo es noͤthig, oͤffters in Schaͤch- ten nur halb Gezimmer gebrauchet. Ein jeder rechter Schacht wird unter- schieden durch die Einstriche in Fahr- und Foͤrder-Schacht. Jn Fahr-Schaͤchten werden die Fahrden nach einander nieder angehaspet, daran eine Fahrd von 24. Sprossen oder 12. Ellen lang. Jn Foͤr- der-Schaͤchten, wo die Kuͤbel anstrei- chen und die Tonnen aufgezogen wer- den, wird es mit Stangen verzimmert, daß sie daran glatt auf und nieder strei- chen. Jn den Stollen gebrauchet man nur zwey Thuͤr-Stoͤcke, und oben eine Kappe, unten einen Steg, worunter das Wasser lauffen soll, da denn, wo es noͤthig und das Gebuͤrg nicht stehen will, solche Thuͤr-Stoͤcke nahe beysammen ge- setzet stehen, darhinter mit Schwarten Schal-Holtz oder Stangen ausgezim- mert wird, auf die Stege werden Bret- ter geleget, darauf man fahren und foͤr- dern kan, unten laufft das Wasser her- vor. Wo es auf fuͤndigen Gaͤngen lan- ge Weiten hat, auch hangend und lie- gend nicht stehen will, da will es Holtz zum Uberfluß und geschickte Leute ha- ben, bey dergleichen sind starcke Stuͤtzen, Saͤulen oder Trage-Stempel hoͤchst noͤ- thig. Jm sandichten Gebuͤrge erfordert das Zimmern einen recht verstaͤndigen Mann und muß sehr tuͤchte verwahret seyn, es sey Schacht- oder Stoll-weise, weil es sonst leichte und offt eine Rolle machet, hindurch waͤschet und das Ge- zimmere uͤbern hauffen wirfft. Jn sol- chen Gebuͤrgen hat das Gezimmere kei- nen langen Bestand, sondern es stocket gar leichte, laufft von Feuchtigkeit schimmlicht an, biß es innerlich gantz morsch wird, zerberstet, aufbricht und einfaͤllt. Es tauret auch in der Gruben ein Holtz besser, als das andere. Das frische kieferne, so im zunehmenden Monden gefaͤllet worden, und also gruͤn und hartzig in die Grube geschaffet wird, tauret ziemlich lange; Etliche haben ei- ne gewisse Zeit zu Faͤllung des Holtzes, zum Gebrauch in der Gruben, daß es tauerhafftiger bleiben soll. Wiewohl auch ein grosser Unterscheid unter der Art des Holtzes, auch dahin zu sehen ist, ob es in trockenen, feuchten, oder gar nassen Boden koͤmmet. Wo feuchte Duͤnste sind, oder boͤse Wetter, da stockt es bald und faͤllt ein, wie mir wieder- fahren. Ferner braucht man Holtz zu Wasser-Kuͤnsten, Roͤhren und Kunst- Gestaͤnge, Raͤder und dergleichen, Goͤ- pel und Huth-Haͤuser: ja wenn man das Gestein mit Feuer innerlich zwingen muß, gehet Holtz genung auff, des uͤbrigen zum Bergbau sehr vielen benoͤthigten Werckzeuges nicht zu gedencken, den alle zu erzehlen zu weitlaͤufftig seyn duͤrffte. Von der Z iegel- S cheune. Als die Menschen der erstern Welt nach der Suͤndfluth auf Erden einerley Sprache hatten und aus ihrem vorigen Vaterland wohl luͤsternd in ein ebenes Land zogen, unterstunden sie sich hoch- muͤthig einen solchen Thurm zu bauen, dessen Spitze biß an den Himmel reiche, sich hierdurch einen unsterblichen Ruhm zu machen, und resolvirt en sich hierauf mit gesamter Macht ihre geschlossene Verbuͤndniße vor der Feinde Macht tapffer zu defendir en, demnach sie Zie- gel strichen und brannten, die sie sodann statt gehauener Steine, und Thon statt J des Erster Theil/ des Kalcks zu diesem Bau nahmen und gebrauchten, auch so lange damit conti- nuirt en, biß Gott der Allmaͤchtige solchen Ubermuth nicht laͤnger ansehen koͤnte, sondern durch Verwirrung und Miß- verstaͤndniß ihrer Sprache diesen Bau verhinderte, verstoͤret und die irrigen Werckleute hin und wieder zerstreuete, daß dieses Werck nachgehends liegen blie- ben. Wie davon noch heutiges Tages, nach dem Zeugniß vieler Reise-Beschrei- bungen, die Vestigia und Rudera von ei- ner ziemlichen Circumferenz zu finden seyn sollen. Doch hat man observir et, daß dieselben Ziegel nicht roth, sondern falb und weißlich, gleichsam als geba- ckene oder gedoͤrrte Steine aussehen, wiewohl solches vielleicht die daselbst be- findliche Erde verursachet; maassen die Erfahrung lehret, daß von Thon oder lettigter Erde blasse oder weisse Ziegel- steine werden, es moͤgen dieselben auch so starck als immer moͤglich, gebrannt werden, weil der kalte ferte Thon vom Feuer zu keiner Farbe sich zwingen laͤs- set, sondern jederzeit blaß verbleibet, wie man ja augenscheinlich an denen gebꝛann- ten Hafen oder Toͤpffen sattsam ersehen kan. Jst also dieses Ziegelstreichen eine gar sehr uhralte Procedur, wie gemel- det, gewesen. Wann man nun recht gute und tauerhaffte Ziegelsteine haben will, so muß vor allen Dingen von ei- nem hierzu noͤthigen und wohl verstaͤn- digen Meister der Lehm, oder die hier- zu tuͤchtige Ziegel-Erde vorhero im Au- gust-Monat in grosser Menge gegra- ben und in Hauffen vertheilet werden, daß ihn die Hitze der Sonnen durchko- chen und folgends der strenge Herbst durchwinden, letzlich die harte Winters- Kaͤlte recht wohl geschmeidig durchzwin- gen moͤge. Hierbey ist aber eine genaue Erkaͤntniß der Ziegel-Erde hoͤchstnoͤthig, daß dieselben kein allzufetter Lehm, auch nicht allzufluͤßig sey, davon die Steine im Brand schwinden und viel kleiner werden; Ferner, daß ja unter derselben kein Schmiergel oder fressende minerali- sche Erde sich befinde, davon die Steine beym Wetter zerschuͤrbeln, (wie bey manchem Glaß auch geschiehet,) oder auch allzu mager, sandigt und sproͤde sey, von welcher nur zerbrechliche Steine werden; Muß also feine geschmeidige gelbe Ziegel-Erde gesammlet, und des Fruͤhlings darauf in einen Sumpff nach der Ziegel-Scheune gefuͤhret, aus welchem bey zeiten die Mauer-Tach- Hohl- und Pflaster-Steine in ihre behoͤ- rige Formen gedrucket, mit dem Holtz bestrichen und mit trockenem Sand be- streuet, sodann die Pflaster- und Mau- er-Steine unten in freyer Lufft und Schatten, die Dach-Steine aber auf kleinen Bretlein oben im Tach allge- mach nach und nach ausgedrocknet, biß man einen Brand nach dem der Ofen groß, etwan 24. biß 30. Tausend bey- sammen fertig hat, alsdenn werden die Ziegel in den Ofen Schichtweise gesetzet, und durch zwey biß drey lange Feuer- Roͤhren, deren jede fast 3. viertel breit, angezuͤndet, welcher Brand meistens 14. Tage und Nacht waͤhret, darauf wohl 30. biß 40. Klafftern Holtz gehen, nach- dem der Ofen groß ist, ohne das dabey im Anfange benoͤthigte Schmauch-Holtz. Wann nun in einem Jahr drey biß viermahl gebrannt wird, nimmt es aller- dings ebenfalls gleichwohl viel Holtz hin- weg. Nach geendigtem Brand und 14. taͤgiger Kuͤhlung werden die Steine aus- gekarret und zum Verbrauch oder Ver- kauff Hundert oder Schichtweise aufge- setzet. Und soviel hiervon. Vom K alck- O fen. Warumb unsere in Gott ruhende lie- be alte Vorfahren bey ihrem Bau und Mauern viel vester, als wir heut zu Ta- ge gebauet haben, also, daß man bey de- nen alten verfallenen Thuͤrmen, Schloͤs- sern, Kirchen und Mauern eher den Stein zermalmen, als ein Stuͤcklein Kalck abbrechen kan, hiervon sind bey unserer leider! grossen Unwissenheit un- terschiedene seltsame Meynungen. Ei- nige statuir en, es sey der Kalck gleichwie von der Ziegel-Erde gemeldet, lange Zeit vorher ehe er gebrannt gegraben und durch Hitze, Regen und Frost zaͤhe, weich und klebicht gemachet, und sobald er gebrannt, geloͤschet worden, weil dem gebrannten Kalck sonst die Lufft alle Krafft entziehet, sowohl vermuthlich sei- ne natuͤrliche Wuͤrckung haben mag. Andere fabulir en gar, daß die Alten den gebrannten Kalck mit Ziegen-Milch ge- leschet haͤtten, welches etwas unglaub- lich zu seyn scheinet; Doch wann bey grossen weitlaͤufftigen Viehe-Nutzungen des Von der Erden. des Sommers uͤber in ziemlicher Quan- tit aͤt die Molcken gesammlet und damit der Kalck geloͤschet wuͤrde, hierauf ein- gesummet etwan ein paar Jahr liegen bliebe, und oͤffters bey heissem Wetter angefeuchtet wuͤrde, solte daraus zweif- fels ohne ein trefflicher weichklebichter zaͤher Kalck zu einem tauglichen und fest- haltenden Gemauer werden, weiln die Erfahrung lehret, daß zwischen zerbro- chenen Steinen, Gips, Thon oder Glaß keine bessere Kuͤtte, als eben der unge- loͤschte Kalck und frischer Quarck, scilicet ex derivatione der Milch oder vorerwehn- ter Molcken, unglaublich feste zusammen halte. Er wird aber sonsten nur am besten mit laulichtem Wasser geloͤschet, weil das gar zu frische Wasser ihn ploͤtz- lich erschreckt und sproͤde machet, und darbey immer zu bestaͤndig durch eiserne Kruͤcken gestossen und umbgeruͤhret, daß das Wasser allenthalben durchkomme und er nicht an manchem Ort zu tro- cken zuruͤck bleibe, gelbe werde und ver- brenne, da er dann nicht halten kan, son- dern zu Staub wird. Es wird aber der Kalck-Stein auf zweyerley Art gewon- nen: Der eine bricht in festem Sand, theils Schiefer-Gestein, im Gebuͤrg, der ander aber im ebenen Lande Floͤtzweise, und flach streichend unter der Erden, als eintzelne Mittel und Feld-Steine, solcher wird bey gefrorener Erde Win- ters, da es nicht nachfallen kan, gegra- ben, der taugliche sortir et und mit de- nen Graͤbern Tonnen weise verdungen, nachdem in den Ofen gesetzet und fast acht Tage gebrannt, ehe er tuͤchtig, so- dann ihm zum Auskuͤhlen 10. biß 12. Ta- ge Frist gelassen und waͤhrender Zeit, daß ihm nicht die Lufft, der Thau oder Regen von sich selbst loͤschen moͤge, mit Brettern bedecket wird. Und geben 150. Tonnen Stein 300. Tonnen Kalck, wor- zu ohne Schmauch-Holtz etzliche 20. Klaff- tern seyn muͤssen. Von dem B ech- O fen. Der schlechteste, aber doch auch nuͤtzli- che Ofen ist der Bech-Ofen, welcher, weil er in Waͤldern und von denen Forst-Be- dienten oͤffters frequentir et und besuchet wird, also diese davon die beste Nachricht geben koͤnnen, wohl merckwuͤrdig ist, all- hier zu beschreiben. Es wird erstlichen vornehmlich solcher Bech-Ofen an sich selbst von unten auf gantz Circul rund etwan den dritten. Theil unten in einer Weite, hernacher allgemach immer en- ger, biß oben gantz spitzig zugewoͤlbet, damit die Hitze zusammen komme; Un- ten im Ofen ist der Boden wie ein fla- cher Kessel gestalt, woselbsten sich in der Mitten ein schmal Raͤumgen anfaͤnget und gehet verdeckt nach dem Bech-Trog hinaus: Auswendig herumb ist der Mantel oder eine tuͤchtige Brand-Mau- er, zwischen welchen das Feuer umbher gemachet wird, forne ist das Brand-Loch, doch nur in die Brand-Mauer, hinten gegen uͤber das Kohl-Loch in den Ofen und Brand-Mauer, zur Seiten ist oben das Setz-Loch, den gehackten Kuͤhn dar- innen auffwaͤrts zu setzen, und gehoͤren zu einem solchen rechten Bech-Ofen fast auf 1000. Mauer- oder Ziegel-Steine, welcher meistens vier biß fuͤnff Jahr tau- ren kan, wiewohl die Weite, Hoͤhe oder Groͤsse, nach eines jeden Beliebung am fuͤglichsten einzurichten ist. Die Arbeit hierzu bestehet theils in Ausrotten der alten Stoͤcke und Kuͤhn-Staͤmme, Windbruͤche und Lagerholtz, theils be- kommen auch auf jeden Brand noch ei- nen Rindscheeligen Baum, worzu sie nach abgeschnittenen Kloͤtzern und ge- grabenen Staͤmmen den benoͤthigten Kuͤhn aushauen und den weisen Splint gantz absondern, zu welchem Ofen- Brand sie dergleichen ausgehackten ro- then Kuͤhn fast zehen Fuder brauchen. Wann nun solcher an den Ofen gefuͤh- ret worden ist, wird er hernach wie Fisch- Holtz gantz schmahl zerspalten, auff den Haufen geworffen, und wie oben gemel- det, gantz dichte schichtweise auf einan- der gesetzet, biß der Ofen voll, dann wer- den die beyden Loͤcher im Ofen zugemau- ert und umb die Brand-Mauer im An- fange durch Schmauch-Holtz starck ge- feuert und mit dem Brennen zwey Ta- ge angehalten, daß es Tag und Nacht seine Zeit zu wuͤrcken hat, ehe es klar laufft, anfaͤnglich koͤmmt Hartz, aus welchem das Kuͤhn-Oehl so klar, wie Brandewein in Kuͤpffernen Blassen ge- laͤutert wird; Nachdem folgt der Schweiß, welcher zu nichts dienlich. Dann kommt letzlich der rechte Theer, oder Wagenschmier, aus wel- chem das Faß-Bech in einem hier- zu gemachten Oefen und grossen Kes- J 2 sel, Erster Theil/ sel gesotten und durch die Schauffel, biß es gerecht, gebrauet, letzlich aber in hier- zu gemachte Tonnen gegossen und zum Schiffbau nach Hamburg haͤuffig ver- fuͤhret wird, da sie oͤffters auf der Stel- le beym Ofen zwey biß drey Thaler vor eine Tonne von 10. Steinen bekommen, und erhaͤlt man zuweilen, nachdem der Kuͤhn fett, gut, oder gar gering aus ei- nem Ofen-Brand, fuͤnff biß sechs Ton- nen hartes Pech; Daferne aber auch Wagen-Schmiere darbey bleiben soll, kan man nicht soviel haben. Ferner geben auch die Kohlen vier biß fuͤnff Fuder, so die Schloͤsser und Schmiede hauffig kauf- fen und gern drey Thaler und mehr da- vor geben. Hiervon muß ein gewisser Ofen-Zinß dem Forst-Herrn, und Stam̃- Geld dem Foͤrster, soofft ein Ofen aus- gebrannt, gegeben werden, so theils Or- ten an gewissem Gelde, am rathsamsten aber an gewisser Zahl Tonnen harten Pech geliefert wird, wiewohl solches nach eines Jeden beliebigem Gefallen einzu- richten. Der Kuͤhn-Ruß wird entweder in denen Caminen, in welchen hier zu Lande der gemeine Mann Kuͤhn-Holtz, damit zu leuchten, brennet, gesammlet, oder man hat, wie im Thuͤringer-Walde, rechte darzu erbauete Kuͤhn-Ruß-Huͤt- ten, worinnen der Kuͤhn-Ruß in grosser Menge aufgefangen wird. Da bauen sie eine viereckigte allenthalben auf denen Seiten zugeschlossene bedeckte finstere Cammer, oben ist eine Leinwand spitzig ausgespannet, an der Seite machen sie einen laͤnglichten gewoͤlbten Ofen und forne ein kleines Loͤchlein; Wann nun das Hartz oder Kuͤhn angezuͤndet und es in der finstern Kammer anders kei- nen Ausgang findet, leget sich der Rauch oben an die Leinewand gantz dicke an, sobald man fertig, wird oben die Leine- mand von dem Jungen mit einem Ste- cken geklopffet, alsdann faͤllt der Ruß in die Kammer aufs Pflaster oder den Bo- den und wird hernach in gewisse Butten oder Faͤßlein gesammlet, verfuͤhret und weit und breit verkaufft. Es giebt da- von die schoͤnste schwartze Farbe vor die Buchdrucker, Mahler, Farber, Tuch- macher oder vielmehr Tischler, zu aller- hand zu gebrauchen, wie man in Thuͤ- ringen dergleichen am fuͤglichsten wahr- nehmen kan. Bey solchen Pech-Oefen oder Ruß-Huͤtten gehoͤret sich auch billig vor den Brenn-Mann ein Hauß, Gar- then, Wohnung, und Stall, etwas Vieh zu halten, sonsten muß er alles Holtz an- zufuͤhren theuer bezahlen. Letzlich mel- de, daß der meiste Kuͤhn in Stoͤcken bleibt, was im Winter gehauen, auch nimmt der Wind viel Pech weg und setzt es an die Baͤume. Von Thielen- und Pfosten-Schneiden. Das Thielen- und Pfosten-Schnei- den von Eichen in Waͤldern ist auch kein geringer Ruin sowohl der Baͤume an sich selbst, als der hoͤchstnuͤtzlichen Mastung zahmer und wilder Thiere, welche hier- durch vertilget und verstoͤhret werden; maaßen nicht nur die Wild-Bahn an roth und schwartz Wildpraͤth, welches sonst daselbst seine Nahrung, Stand o- der Wechsel gehalten, sondern auch in der Wirthschafft die nuͤtzlichen Mast-Schwei- ne und daher ruͤhrende Schincken und Speck-Nutzungen, so man vormahls ha- ben koͤnnen, auf einmahl mit kuͤnfftigem allzuspath bereuendem Schaden der Nachwelt hinweggerissen werden. Es haben bereits zeithero einige absonderli- che hierzu ergebene Kauff- und Handels- Leute aus Holland, theils von Ham- burg, diesen Handel mit grossem Verlag vieler Summen Geldes getrieben und denen teutschen Herren durch Verblen- dung ihrer Silber-Muͤntze manche schoͤ- ne Eiche abgenoͤthiget, wie mir dann der- gleichen ebenfalls wiederfahren, und ich am besten aus der Experienz bezeugen kan. Vornehmlich siehet der Kaͤuffer hauptsaͤchlich dahin, daß ein Schiffreicher Strohm, als die Elbe oder Molde, wor- auff es nach Hamburg und consequen- ter ferner zu Wasser transporti ret wer- den kan, nicht weit von dem Wald ge- legen, damit er die geschnittenen Pfosten oder Thielen auf dem Lande nicht so weit fuͤhren lassen duͤrffe; Ferner, ob auch hier- von etwan schwerer Zoll, Geleith oder Accise abzugeben, nach welchen Umb- staͤnden allen der Kaͤuffer ratione Pretii sich genau zu richten hat, weiln eine am Strohm nahe stehende Eiche viel mehr gelten muß, als die etzliche Meilen davon entfernet, zumahl wann noch viele Ge- leithe, Zoll oder Accise abzugeben ist, nebst dem schweren Fuhrlohn bey schlim- men boͤsen Strassen. Wenn nun der Kaͤuffer von dem Grund-Herrn des Wal- des Von der Erden. des die Eichen Stammweise erhandelt und bezahlet hat, erkundiget er sich nach einem erfahrnen, und klugen Saͤge-Mei- ster, welcher die Anzahl der erhandelten Eichen nach Gutduͤncken wohl auslieset, findet er eine solche lang und gerad ge- wachsene starcke Eiche umgehauen, suchet er an selbiger so lang, als moͤglich, den Klotz zu bringen: Dieser wird an beyden Enden verschnitten, die Aeste ab- geputzet und aus dem groͤbsten vierkan- tigt beschlagen, sodann durch besondere Hebezeuge empor in die Hoͤhe gehoben, bevestiget und zu beyden Seiten gestuͤtzet, dann ordnet der Saͤge-Meister einen Lohn-Saͤger oder Tageloͤhner oben auf dem Klotz stehend, den andern unten, wel- che die darauf abgeschnuͤrete Linien mit einer grossen Bogen-Saͤge von oben her- unter schneiden. Solche Bewegung kommt denen Arbeitern anfaͤnglich in Achseln und Schultern ungewoͤhnlich vor, wie leicht zu dencken, und bekommt der Saͤge-Meister sein gewisses accordirt es Gedinge, von jeder Pfoste auf der Stel- le zu schneiden, welches Maaß ihm der Kauffmann richtig andeuten muß, wie dicke und breit die Pfosten seyn sollen: Wann nun solche in ziemlicher Anzahl geschnitten, so werden sie auf der Achse zu Lande, biß ans Wasser gefuͤhret, und darauf zu Wasser ferner gefloͤsset, wo- raus denn nachmahls die großen Orlogs- oder Kriegs-Schiffe, ingleichen die Kauf- farthey und Handels-Schiffe der See- fahrt und Schiff-Handlung zum Besten gemachet werden: ja in solchen Hansee- Staͤdten in Holland, Amsterdam, oder Hamburg gilt eine Pfoste von etlichen Schuh lang viel mehr als an manchen Orten in Teutschland eine Eiche gekostet, dahero leicht zu muthmaßen, daß es kuͤnff- tig umb ein merckliches kostbahrer seyn moͤgte, zumahlen die Eiche nicht so ge- schwind, wie ander Holtz wachsen kan. Wer nun die Fuhren durch sein selbst ei- gen Gespann verrichtet, hat freylich mehrern Nutzen, als wann es durch die Bauern anzufuͤhren verdungen wird, wiewohl auch auf Geschirr, Futter, Ge- spann, Lohn und Brod derer Knechte, ein merckliches aufgehet, ohne was der Kaͤuf- fer dabey von seinen Leuten bevortheilet und betrogen wird. V on S taff- S chlaͤgern. Noch eine viel groͤssere und mehr schaͤdlichere Verwuͤstung der Eichen ver- ursachen die Staff-Schlaͤger mit Schla- gung der so genannten Pipen-Staͤbe, oder Tauben zu Heerings-Tonnen und an- derm Gefaͤsse, Ringweise zu handeln, wie mir leyder! dergleichen unuͤberwindlicher Schade wiederfahren, da in meiner Ab- wesenheit und damahligen Kranckheit zu Fertigung so genannter fuͤnff hundert Ringe der Pipen-Staͤbe nur alleine funffzehen hundert Staͤmme Eichen elen- diglich niedergeschlagen worden, da von manchem Stamm kaum ein Schroth ab- geschnitten worden, das uͤbrige aber er- baͤrmlich zu allem Spectacul liegen blie- ben und zu manchem Holtz-Dieb Gele- genheit gegeben hat. Will daher dem geneigten Leser auffrichtig rathen, daß dafern er ja eine solche Massacre vorzu- nehmen resolvir et, er den Kaͤuffern die Eichen nicht anders, als Stammweise verkauffe, und sich keinesweges in ihre betruͤgerische Ringe bereden lasse, weiln, da sie zu einem Ringe sechs Schock Pi- pen-Staͤbe rechnen, gar zu unglaublich viel schoͤnes Holtz gottloser Weise verwuͤ- stet wird, zumahl da das uͤbrige zu oͤf- fentlichem Abscheu verfaulen muß, oder gestohlen wird. Die Pipen-Staͤbe oder Faß-Tauben werden von denen Staff- Schlaͤgern aus fein glattspaltigten Eichen Schrothweise abgesaͤget, nach der rech- ten Laͤnge, Breite und Dicke gespalten, und fast wie die Boͤttiger die Tauben machen, geschlagen, nachmahls richtig ih- rem Kauffmanne berechnet, und eben, wie vormahls erwehnet, zu Lande biß ans Wasser gefuͤhret, auch von dar fer- ner nach Hamburg zu Wasser gefloͤßet, woraus sie nachdem, ihrem Vorgeben nach, die Heerings-Tonnen machen sollen. V on der B rett- M uͤhle. Die Schneide- oder Brett-Muͤhle ist ein recht nuͤtzliches Werck, wo es ein beqvemes Treib-Wasser und Gefaͤlle, auch viel haubahres unweit herzufuͤh- rendes Gehoͤltze haben kan, dieweil man allezeit die Bretter sowohl des harten, J 3 als Erster Theil als des weichen Holtzes, nicht allein zu allem Bauen hoͤchst vonnoͤthen hat, son- dern man kan dieselben in Ermange- lung des Bauens, in grossen Staͤdten an die Tischler, Schreiner, und Zimmer- leuthe, ja fast an die meisten Handwer- cker zu ihrer Nothdurfft haͤuffig vor baa- re Zahlung verkauffen, und werden von Eichen-Holtze dicke Pfosten zu Muͤhl- und Camm-Raͤdern, Laveten der Ca- nonen und Mortiers, Baͤren-Kasten, Auffzug- und Fallbruͤcken, Fall-Thuͤren und Faͤnge wilder reissender Thiere, und dergleichen festen Arbeit, als auch von ei- chenen Brettern die wohlverwahrte Ka- sten, Laden, Thuͤren, Schraͤncke, und Fenster-Raͤhmen, ja wohl auch endlich die Saͤrge wohl bemittelter Leuthe, ge- machet. Von der Buche und Esche wer- den die Mandeln oder Rollen, ingleichen schoͤne Tisch-Blaͤtter, und dergleichen ver- fertiget. Aus Bircken Brettern, wer- den verschiedene musicali sche Instrumenta gemacht. Die Errlenen Bretter dienen zu immerwaͤhrender Naͤsse, als Fisch- Kasten, Ahl-Faͤngen und dergleichen. Die Aespen oder Linden, weil sie gar zu weich, sind zu anders nichts dienlich, als wohl inventirt e Modelle daraus zu schni- tzeln und hierzu nach Beduͤrffniß dicke Pfosten oder duͤnne Bretter schneiden zu lassen. Die tannene Bretter, weil sie leicht, weiß, zart und schoͤn, geben viel musicali sche Instrumenta, wie im Alten Testament geschehen; Desgleichen, weil sie leicht und zart, werden hieraus Rei- se- Coffre, item Laden, Schraͤncke und dergleichen mehr gearbeitet. Die fichtene Bretter dienen zu spinden der Stuben, Kammern und Korn-Boͤden; Die Kie- ferne aber, weil sie mehr hartziger, haͤlt man vor tauerhaffter. Ein jeder Brett- Stamm, so hierzu tuͤchtig ausgelesen werden soll, muß nothwendig einen star- cken, wenigstens Klaffter dick geraden, und ohne alle Aeste, glatt und reinen Schafft oder Stamm haben, nach des Bodens Gelegenheit, von zwey biß drey Kloͤtzer hoch gewachsen, deren jegliches 8. biß 10. Ellen lang sey, u. da auch nur ein Klotz hiervon zu nutzen, muß solcher doch rein von starcken Aesten, weder eißkluͤff- tig, noch faulfleckigt, schwaͤmmigt, oder kernschaͤligt seyn, weil es sonst nur hier- von fleckigte, aͤstige oder untaugliche Bretter geben wuͤrde, da im Aushobeln der Ast ausspringet und ein Loch machet, ob gleich nicht anfaͤnglich, doch mit deꝛ Zeit, wenn es duͤrre worden: Jngleichen darff das Tangel-Holtz keine Hartz-Gallen oder Bechrisse haben, weil solche rothe garstige Flecken verursachen, auch nicht wammicht oder knothigt seyn, welches alles der Augenschein deutlicher zu erken- nen geben kan und die Praxis hierbey am besten lehren wird. Was nun die Brett- Muͤhle an treibendem Gezeug betrifft, er- fordert solches vornehmlich einen ver- staͤndigen Wasser-Muͤller, solches leich- te und ohne beschwerlichen Vorgelege an- zugeben, wie denn ein Jeder seine Inven- tion hat. Jnsgemein und vornehmlich muß das Wasser-Rad nach Hoͤhe seines Gefaͤlles, wie auch Breite und Menge des Wassers, entweder mit weiten, oder engen Schauffeln, von duͤnnen leichten Tannen-Brettern gemachet seyn, damit es nicht zu schwer, sondern fein fluͤchtig und schnell umblauffe und die Welle mit dem daran gemachten in- nern Stirn-Rade und Kaͤmmen zu- gleich umbtreibe, welche Kaͤm̃e die Kumpt- Welle und das Schwang-Rad trei- ben, und sodann am Ende derselben den Krumb-Zapffen umbdrehen, daß solcher, wie an einem Schleiff-Stein, den Lencker, welcher unterm Gatter angemachet, das Gatter und die Brett-Saͤge zugleich auf und niederschiebe und den Brett- Klotz durchschneide. Weil nun die Saͤ- ge in ihrer Bewegung auf und nieder bestaͤndig an einem Ort bleibet, so muß der Brett-Klotz alle Schnitte gegen die Saͤge ruͤcken, und wird hierzu das Schie- bezeug durch das Gatter eben beweget, daß die Schiebe-Stange den Zahn-Ring eingreiffe und fortruͤcke, welcher das Ge- triebe und Stirn-Raͤdgen unter sich umbtreibet. Die Welle an dem Stirn- Raͤdgen hat darneben ein Getriebe, wel- ches uͤber sich den Kamm-Baum an dem Wagen ergreiffet und solchen allgemach fortschiebet; Wann nun der auf solchem Wagen fest geklammerte Brett-Klotz einmahl durchgeschnitten, wird der Wa- gen zuruͤck geschoben, so entweder von dem Muͤller oder vermittelst eines ab- sonderlichen Getriebs nach eines jeden Invention geschieht, und der Klotz loß- gemachet, nach Staͤrcke der Bretter oder Pfosten, vorn und hinten gestellet, und zum neuen Schnitt angesetzet wird. Wann denn der Klotz mit seinen Bret- tern geschnitten, wird es am fuͤglichsten berechnet, wann es zusammen mit sei- nen Schwarten, wie es gewesen, vor- gezei- Von der Erden/ gezeiget wird: Oder es werden sonst auch die Bretter, damit sie desto besser in der Lufft trocknen, gebuͤhrlich aufge- schraͤncket und entweder zum bauen und noͤthigen Gebrauch, oder zum Ver- kauff parat gehalten: Letzlich ist noͤthig zu erinnern, daß die im Wald abgehau- ene Brett-Kloͤtzer nicht allzulang in ih- rer Rinde auf bloßer Erde und angezo- gener Feuchtigkeit liegen bleiben, denn son- sten dieselben leichtlich unter der Rinde im Splint blau anlauffen oder gar ver- stocken moͤchten, daß hieraus nur lauter untuͤchtige Bretter und vergebliche Muͤ- he zu schneiden waͤre: Wofern sie aber ja liegen sollen, muß man die Rinde da- von abscheelen und sie auf Traͤger zule- gen, am allerbesten aber ist es, daß man sie gantz frisch schneide, da sie denn tau- erhaffter sind. Jn Saͤge-Spaͤhnen hal- ten sich die Schlangen gerne. Vom Zimmer-Holtz zu bauen. Das Zimmer- oder Bau-Holtz ist gar in vielen Dingen wohl zu unterschei- den und kan am fuͤglichsten anders nicht als in dreyerley Sorten eingetheilet wer- nen, nehmlich in des starcke, mittele und schwache Bau-Holtz. Zu dem starcken Bau-Holtze werden gerechnet die Schwel- len, worauf das Fundament und der Grund des Gebaͤudes stehen soll, so man am besten von Feld- oder Stein-Eichen, weil solches am tauerhafftigsten und der Feuchtigkeit und Faͤulung von der Erde lange Zeit wiederstehet, oder doch von andern festen Eichen, zum allerwenigsten aber von gutem kuͤhnichten, kernichten kiefern Holtze, nach Groͤße des Gebaͤu- des, so man haben will, beschlagen laͤsset. Nechst der Schwellen kom- men auch 2. die Saͤulen, worbey wohl zu observir en, das solche recht von ker- nichtem Holtze seyn muͤssen, das ist, wel- ches Holtz innewendig vom Kern an in ziemlicher Staͤrcke von eitel kuͤhnichten Jahrwaͤchsen biß an Splint durch und durch roͤthlich verwachsen, da der Splint dargegen aussenherumb sich weiß abzeich- net; Weiln die Zapffen am meisten hal- ten muͤssen, darmit bey Faͤulung der Schwellen, nachgehends neue unterzo- gen werden koͤnnen. Nach diesen folgen 3. die Balcken, welche nach Breite des Ge- baͤudes der Laͤnge nach gearbeitet eben- falls kernicht, glatt und gerade beschla- gen werden. Dann kommen 4. bey gros- sen breiten Gebaͤuden und langen Bal- cken, so sich nicht beugen sollen, die Un- terzuͤge, als welche der Balcken Staͤrcke und moͤglichste Laͤnge haben. Hierzu rechnet man 5. die Rahm-Stuͤcken, so etwas schwaͤcher, als vorige und bey Mauer-Wercke zum Tach-Stuhl umb desto tauerhaffter zu seyn, gern von Ei- chen genommen werden, beyn Holtz- Gebaͤuden aber nur von Kiefern. Das Mittel-Bauholtz bestehet 1. in Ziegel- Sparren, welche um ein merckliches kleiner, doch vor allen Dingen kernicht, gerade und lang, nach Hoͤhe des Tachs beschlagen seyn muß, hat den Namen von seiner Staͤrcke, weil es das schwere Ziegel-Dach, mit seinem Kalck und Split- te belaͤstiget, tragen muß; Zu solchem Ende auch werden sowohl auf der Schwelle die Saͤulen, als darauf gelegte Balcken und Ziegel-Sparren, oder so genannte Gebunde enger zusammen ge- ruͤcket; Ferner kommen 2. die Stuhl- Saͤulen, welche mit denen Ziegel-Spar- ren gleiche Staͤrcke haben, doch nach Hoͤ- he des Dachs eingetheilet sind. 3. Kom- men die Stroh-Sparren, welche umb ein merckliches schwaͤcher und die Gebuͤnd weiter, weil das Stroh-Dach leichter; Glei- che Staͤrcke haben auch sowohl die Rin- gel, als die Baͤnder im Dach. Endlich kommt 4. das Schal-Holtz, welches umb ein gutes schwaͤcher, auch oͤffters zu Was- ser-Roͤhren gebraucht werden muß, so ebenfalls gut und kernicht erfordert wird. Letzlich ist 5. das Latten-Holtz oder Lat- ten-Staͤmme, welches ebener maassen zu besserer Tauerhafftigkeit seinen Kern haben muß, und werden zu solchem En- de gespalten, und sauber beschlagen. Das gar schwache Holtz, so zwar nicht zun Gebaͤuden, doch zu Zaͤunen-Ruͤck- oder Hopffe-Stangen gebrauchet wird, bestehet in jungem Holtze, und sind sol- che zu fernerm Wachsthum billig zu schonen; Weiln solche junge Stangen, so sie dick in einander stehen, am Stamm gleich anfaͤnglich gerade in die Hoͤhe wach- sen und an demselben keine Aeste aus- schiessen, sondern verdorren, abfallen, in der Jugend ausheilen, und einen glat- ten geraden hohen Stamm geben, ehe oben die Aeste, oder Zweige ausschießen und mit der Zeit nach Guͤthe des Bo- dens Erster Theil/ dens hoch empor treiben, sie muͤsten dann in der Jugend am Gipffel verstuͤm- let, und an fernerm Wachsthumb ver- hindert werden, oder koͤnte vor magerm sandigten Boden nicht recht hoch ge- nung aufkommen. Hierbey muͤssen nur die duͤrren mangel- oder schadehafften, weil sie nicht alle genung Nahrung ha- ben koͤnnen, zum noͤthigen Gebrauch ausgesuchet und zu besserer Dauerhaff- tigkeit zun Hopff-Stangen geschaͤlet, zu Zaun- oder Ruͤck-Stangen aber gespal- ten werden. Schluͤßlich sind die Band- Ruthen, oder das Zaun-Reißig wohl die allerkleinsten, wiewohl es bey denen erstern nutzbahrer und wirthlicher ein feiner gleichspaltiger Schindel-Splitt- und Schleussen-Baum verrichtet; Dar- gegen die armen unschuldigen kleinen zarten und noch wuͤchßige Staͤmmgen billig zu schonen. Das Zaun-Reiß ist noch eine groͤßere Verschwendung, das gar abzuschaffen hoͤchstnoͤthig erachte, zumahl, wenn solches von jungem Hol- tze vorgenommen wuͤrde, wiewohln ei- nige dieselben von Zweigen oder Aesten nehmen. Und diß waͤre nun eigentlich das saͤmtliche Bau-Holtz. Vornehm- lich ist uͤberhaupt bey allem Bau-Holtze, groß und klein, genau und wohl zu mer- cken, daß solches nach fleißigem Augen- Maasse fein gerade und lang nach Moͤg- lichkeit ausgesuchet; Ferner muß man durch einen Schlag mit der Axt hoͤren, ob es einen hellen Klang habe, oder tumpffigt und hohl sey, ingleichen, ob der Stamm windigt, wie ein Strick von Jugend auf gewachsen, oder schwaͤm̃icht oder Fluß-Gallen habe, faul, fleckigt oder rothseidigt sey und zum Bauen taug- bar sich befinde, welches offt dem kluͤg- sten fehlet, weil man nicht darinnen si- tzet. So wird folglich des Herbsts oder im Christ-Monden bey abnehmendem Licht und trockenem Wetter der Stamm nach dem Vortheil gehauen und gefaͤl- let, daß er nicht in das Dickigte oder das junge Unter-Gehoͤltze niederschlage; Doch darff es nicht bey gefrorner Zeit oder nassem Wetter geschehen, weiln der gefrorne Stamm beym Fall zersprin- get und wie Glaß zerbricht, das nasse Holtz aber leicht zur Faͤulung geneigt und wurmstichigt wird. Es kan nicht schaden, wann solches nach dem Hieb und Faͤllung etliche Wochen uͤber liegen blei- bet, biß es bey Gelegenheit beschlagen, und beym harten Frost abgefuͤhret wer- de; Koͤnte es aber beschlagen an einem trockenen Ort im Schatten bedecket, et- was welcken, oder solches die Lufft, wann es aufgeschraͤncket, austrocknen, waͤre es umb ein merckliches besser, biß es mit Gelegenheit auf den Zimmer-Platz ge- fuͤhret wird. Als ein Arcanum fuͤhre ich hierbey an, daß es nuͤtzlicher und noch eins so tauerhafft, wenn man der Na- tur nach des Baums nordische Seite, wie er gestanden, genau bemercket, eben zu seinem Gebrauch wiederumb dahin wendet, es sey zu Schwellen, Saͤulen, Balcken oder Sparren, weiln viel in der Natur verborgen, so man nicht ausler- net; Ferner, daß man sowohl zu Saͤu- len, als Sparren das Stamm-Ende unten und die Spitze oben gebrauche, und nicht, wie man Juden haͤnget, ver- kehrt baue; Letzlich und zum Schluß ist das hoͤchstschaͤdliche Holtz verderbliche Pohlnische oder Wendische Haͤuser schro- then abzuschaffen, als worzu noch zwey- mahl so viel Holtz aufgehet, und nur bey grossen Wildnissen und uͤberfluͤßigem Holtz, aus Faulheit des Mauren, Sta- cken und Kleiben erdacht worden. Meh- rere Experimenta kommen wohl unstrei- tig auf einen erfahrnen Zimmer-Mei- ster an, als dessen eigene Wissenschafft solches ist. Vom S chindel- und S plitt- B aum. Wo in Laͤndern nicht uͤberfluͤßiger A- ckerbau und Stroh, sondern dasselbe auf Fuͤtterung uͤber Winter vors Vieh ge- braucht wird; Desgleichen wo kein Rohr oder Schilff bey trockenen Laͤn- dern, sondern meistens grosse Heyden und Waͤlder zu befinden, muͤssen in Er- mangelung der Ziegel oder der Schief- fer-Steine die hoͤltzernen Schindeln das beste Dach geben, wie man vieler Orten davon in Staͤdten, Flecken und Doͤrf- fern haͤuffig findet. Wann nun hier- zu benoͤthigtes Holtz verlanget wird, so muß der Schindel-Macher nach Be- schaffenheit einen feinen gleichspaltigen Stamm aussuchen, weiln sonsten offters das Holtz, sonderlich wenn es im Wet- ter u. Wind sich traͤherig herum windet, hierzu untauglich ist: Ferner muß der- selbe nicht etwan wammigt, noch kern- aͤstig, Von der Erden. aͤstig, sproͤde oder rothseitig, eißkluͤfftig oder windbruͤchig seyn, auch muß er, wo moͤglich, gegen der Mittages-Seite die Schindel-Baͤume aussuchen, welches viel tauerhaffter und von der Sonnen hitzigen Schein hartziger verwachsen, wie- wohl es nicht so leichte spalten will, als das grobjaͤhrige nach der Nord-Seite, welches aber schwammigt und vom Re- gen-Wetter bald verdirbt, auch muͤssen keine Hartz-Gallen darinnen seyn, wel- che die Sonne auf dem Dache ausschmel- tzen und nachgehends hinein regnen kan; Auch ist die beste Zeit im Herbst oder Winter Schindeln zu machen, da das Holtz am besten reif und tauerhafftig ist; Und weil die Kiefern, wie auch die Fich- ten innerlich offters Hartz-Gallen haben, so nimmt man gemeiniglich lieber Tan- nen-Holtz hierzu, so man es anders ha- ben kan. Ein Splitt-Baum, woraus die Splitte der Dach-Ziegel gespalten und beym Decken zwischen die Fugen der Dach-Ziegel geleget werden, hat gleiche Beschaffenheit, daß er geradespaltig und nicht windig erwachsen, wiewohl die Schindeln viel groͤsser und breiter und diese Splitt kaum gute zwey Finger breit und Ziegelsteins Laͤnge haben. Gleiche Beschaffenheit hat es auch wegen des spaltens der Band-Ruthen, welche auf Rohr- und Stroh-Daͤchern als Staͤb- gen gebrauchet werden, die Stroh-Scho- be zusammen zu halten, ingleichen der Weinpfaͤhle an denen Reben der Wein- berge, welche auch hieraus gespalten wer- den. An denen Orten, wo es nicht viel Kuͤhn oder Camin-Feuer zu breñen Ge- brauch ist, brennen die Einwohner des Abends Schleussen, welche von duͤrren Kiefern gantz duͤnne gespalten werden, wiewohl sie auch im Gebuͤrge an statt dessen gehobelte Spaͤne, von roth Bu- chen brennen; Ferner gebrauchen auch die Kleiber zu ihrem Staacken gerne gleichspaltiges Holtz von Kiefern, welches Rindschaͤlig, duͤrre und bereits abgestan- den ist, damit es nicht eintrocknen oder schwinden moͤge. Von Klaffter-Schlagen. Das Scheit-Hauen oder Klaffter- Schlagen scheinet zwar ein gar schlechtes und fast allen Bauern wohlbekantes Werck, dahero allhier zu erinnern, gantz unnoͤthig zu seyn. Wie aber bey allen Dingen ein Vortheil, so findet sich auch hierbey eines und das andere wohl zu mercken hoͤchstnoͤthig, wo es anders mit Nutzen geschehen soll. Die Klafftern zu Kuͤchen-Backen-Brauen- und Brenn- Holtz werden geschlagen, wann bereits das haubare und nuͤtzliche Bau-Holtz an Brett-Kloͤtzern, Schindeln, Balcken, Sparren und dergleichen vorhero her- aus genommen worden sind, so man da- selbst gern ein junges Gehaͤuigt oder fri- schen Anflug und Wieder-Wachs haben will, laͤsset man das noch uͤbrig stehend verbliebene krumb und knorrigte Holtz letzlich auch niederhauen, und zu Schei- ten schlagen, so gehet hernach der kleine Anflug und Wiederwachs, oder junges Holtz nachdem fein alles zugleich in die Hoͤhe und waͤchset mit einander fein ge- rade auf. Oder es werden offters auch die abgestorbenen und gipffelduͤrren Baͤume, ingleichen die Windbruͤche, so zu bauen nicht tuͤchtig, hierzu gehauen und geschlagen, wie auch das vor lan- gen Zeiten befindliche Lager-Holtz und nach dem Abhauen der Baͤume liegen verbliebene Wipffel, Aeste, und Zopff- Enden, hierzu gebrauchet: ja von Rechts wegen werden die breiten Zim̃er-Spaͤh- ne aufgeschraͤncket und das Reiß in Buͤn- del gebunden, zu Feuer-Holtze gebrau- chet, auch wohl gar, wo das Holtz rahr, seltsam und theuer, zu benoͤthigter Feu- erung die Tann-Zapffen und Kuͤhn- Aepffel so reinlich aufgelesen, als ob es daselbst mit Besemen gekehret waͤre, wel- ches die Holtzduͤrfftigen armen Leute aus Erfahrung am besten bezeugen koͤnnen. Vor allen Dingen ist bey dem Klaffter- Schlagen wohl zu mercken, daß nach rech- ter Laͤnge der Scheite die Waltzen oder Kloͤtzer ja nicht zerhauen, weiln davon vieles in Spaͤne abgehet, sondern mit der Saͤge zerschnitten werden: Ferner sollen keine gantze Kloͤtze oder Waltzen mit in die Klafftern eingelegt, sondern dieselben seyn, wie sie wollen, in Scheite zerspaltet werden, auch muͤssen die Schei- te in gleicher Laͤnge geschnitten seyn, ob gleich die Aeste hinderlich waͤren, so auf ein paar Zoll macht, sonst koͤnte der An- schlag oder die Holtz-Taxa nicht richtig, zumahl wann unterschiedliche Schnitte von hartem und weichem Holtze unteꝛein- ander gemenget seyn, gemachet werden. K Muß Erster Theil/ von der Erden. Muß man also eine jede Sorte Holtz zu- sammen setzen, ingleichen muͤssen die Un- terlagen nicht von Scheiten, sondern von duͤrren Stangen seyn, wiewohl bey man- chen Herrschafften, wo die Klafftern zur Kuͤchen kommen, und die Unterlagen de- rer Forstbedienten Accidens sind, solches gerne nachgesehen wird. Auch muͤssen die Scheite fein dichte in einander auf die flache Seite, und ja nicht auf die Schaͤrf- fe, oder also hohl geleget werden, weni- ger kurtze Kloͤtzergen zu beyden Enden in- ne liegen, welches ein Betrug ist, und die Klafftern verwerfflich machet. Letzlich ist auch das rechte Maaß aufrichtig zu geben, nemlich so hoch und breit, als ein erwachsener Mann mit beyden Armen ausklafftern kan, das ist, drey Ellen lang, davon es den Namen oder Ter- minum Technicum erhalten. Ferner sollen auch die Scheite, wenigstens zwey Ellen lang seyn, wornach sich in der Holtz Taxa unterschiedlich zu richten und heis- set hierinnen: Landlich, sittlich, weiln wo wenig, oder gar kein Holtz, es frey- lich theuerer, als wo dessen eine grosse Menge zu befinden, auch ist das harte weit kostbarer, als das weiche. Die be- sten Gehaͤuigte zu Kuͤchen-Brenn-Holtz sind unstreitig die Bruͤcher von Elsen- Holtze, weiln solche in wenig Jahren ge- schwinder wieder erwachsen, als das an- dere Holtz, zumahlen das harte einen gu- ten gewuͤchsigen Grund und Boden, dar zu eine geraume Zeit zu wachsen haben will und bey geringerm sandigten Boden langsam aufgehet, weniger treibet und waͤchset. Zum Beschluß melde auch letzlich, daß, wo eine Menge und grosse Anzahl in langer Reyhe an einander vie- le Klafftern beysammen stehen und an hohen Berg-Seiten herunter gesetzet sind, muͤssen die Klafftern wohl Win- ckelrecht gerechnet werden, und werden drey Klafftern ein Schragen genennet, so bey denen Holtz-Floͤhsen im Gebuͤrge wohl in acht zu nehmen. Und wird ei- ne jede verkauffte Klaffter an einem Scheit, unten auf dem Boden, damit solches nicht heraus gezogen werden moͤ- ge, gestempelt. Endlich ist noch zu mer- cken, daß zu einer Klaffter Holtz, so drey Ellen hoch, und drey Ellen breit ist, ge- wiß acht Schaal-Baͤume, oder sechs biß steben Stroh-Sparren, vier biß fuͤnff Ziegel-Sparren, item drey Balcken, o- der zwo Saͤul-Baͤume, auch nur ein Brett-Baum auffgehen: Wann ich nun fuͤr eine Klaffter 8. oder 10. gl. bekom- me, habe ich an Klaffter-Schlagen gros- sen Schaden, will geschweigen von Ei- chen-Buchen- und Bircken-Holtz. Jst also behutsam mit denen Klaffter-Schlaͤ- gen umzugehen, und darzu nur des La- ger-Holtz, so ohne dieß verfaulet, zu neh- men. Und dieß waͤren die meisten Ob- servationes bey denen Klafftern. Vom K ohlen-Brennen. Nach dem Klaffter-Schlagen folget bil- lig das Kohlen-Brennen, welches ein bey Schmeltzung aller Metallen der Berg- wercken hoͤchstnuͤtzliches und unentbehr- liches Werck ist, so auch die Gold- und Silber-Arbeiter, ingleichen Schloͤsser, Schmiede und andere Handwercks-Leu- te, ja fast Jedermann zu unzehlichem Gebrauch nicht wohl entrathen koͤnnen, und werden selbige ohnweit des geschla- genen Holtzes auf einem ebenen Platz und trockenen Boden circulrund ange- richtet, worzu in der Mitten eine Stan- ge von 4. biß 5. Ellen ausgestecket und daran die Scheite, rings umbher gese- tzet, und ein Zuͤndloch mit benoͤthigten trockenen Spaͤnen innenwendig gelassen, worauf drey Schichten umb die Stange gesetzet, biß oben die dritte Schicht von kleinem Holtz eine Haube bekomme; Letzlich wird es mit Deck-Reiß fein ge- schicklich bedecket, und mit Erde uͤber- worffen, so ist es fertig. Hierauf wird an der Zuͤnd-Stange ein schweffligter Hartz-Lappe fruͤh Morgens angebren- net und in das Zuͤndloch nach denen Spaͤhnen gefahren, da denn das Feuer innenwendig an der Stange anlaufft und man es arbeiten hoͤret: Nachdem nun viel Holtz darzu gewesen, und der Maͤuler groß oder klein worden, muͤs- sen auch etliche Tage hierzu seyn, ehe es genungsam ausgebrannt, alsdann wer- den sie durch einen Haacken von einan- der gestossen und diese verfertigte Kohlen auf einen Hauffen gestuͤrtzet, so sind sie fertig, und koͤnnen zum Gebrauch fer- ner abgefuͤhret werden. An theils Or- ten, wo es fuͤglich zu bekommen, wird unten der Fuß starck herumb mit Rasen bedecket, auch, wo moͤglich, uͤberall da- mit bekleidet, zum wenigsten aber doch mit Von der Erden. mit guter Erden dick beworffen, daß die Hitze und Gluth desto besser beysammen bleiben und also am fuͤglichsten durch- dringen koͤnne. Es ist, zumahl bey tro- ckener duͤrrer Zeit, umb Verhuͤtung des Feuer-Schadens etliche Vaß Wasser darbey zu haben hoͤchstnoͤthig, auch daß alles Holtz-Reißig in der Naͤhe wegge- schaffet werde, weiln die hartzige Fettig- keit, so aus dem Holtze herunter geflos- sen, sich leicht entzuͤnden, und fernern Schaden thun koͤnte, wie bey einem Bech-Ofen bekant, daß das Hartz her- unter auf den Boden sich sammlet, weil das Holtz gesetzet wird. Und dieses ist hier zu Lande die gebraͤuchlichste Art Koh- len zu brennen. Von der A sche. Zum Beschluß der Holtz-Verpach- tung, und was dem anhaͤngig, fuͤge hier- bey auch letzlich zu nuͤtzlicher Errinnerung der endlichen unfehlbaren Verwesung aller Creaturen, annoch die Asche mit an, welche insgemein an solchen Orten gesammlet wird, da in Waͤldern faules oder sonst nichtswuͤrdiges Lager-Holtz verhanden, das sonsten zu nichts mehr ferner zu gebrauchen, das pfleget man des Winters-Zeit an einem gelegenen Ort in Gruben umb gebuͤhrlichen Zinß zu verbrennen, und wird die Asche denen Glaß-Machern verkaufft, auch zu Pot- Asche sieden, Seife zu machen und an- dern Beduͤrffniß mehr nuͤtzlich gebrau- chet. Es muͤssen aber sowohl die Koh- lenbrenner, als Aescherer, wegen besorg- licher Feuers-Gefahr, so in Waͤldern entstehen duͤrffte, gebuͤhrliche Caution oder Buͤrgschafft stellen: Anderswo brennen sie in solchen Gruben des Fruͤh- lings und Herbsts; Jm Sommer bey grosser Hitze aber ist es gaͤntzlich verbo- then. Sonst pflegen auch wohl die Ae- scherer an die Baͤume zu klopffen, wenn sie nun hohl, hauen sie mit langen spi- tzigen Aexten Loͤcher darein und zuͤnden den Baum innewendig an, so brennet das morsche Holtz von unten biß oben gantz aus und giebt viel Asche von sich, welche im Baum unten alle zusammen faͤllet, dahero man solche leicht sammlen kan, und weil sie von der Erden gar nicht beruͤhret wird, so ist sie gut. Zu dem Glaße haͤlt man von Tannen Hol- tze die beste zu seyn. Es ist aber auch eine Wissenschafft bey denen Aescherern, das Holtz zu erkennen, ob es tuͤchtig, Asche zu brennen, denn es muß wie eine Lun- te nach einander wegglimmen und nicht viel Flamme oder Rauch von sich ge- ben, so laͤsset es Asche hinter sich, die wohl zu brauchen, wenn nun ein Baum innewendig noch nicht recht faul, odeꝛ nach ihrer Art hierzu noch nicht reiff ist, muß damit ferner gewartet werden, biß er tuͤchtig sey, solchen zu aͤschern, dann ha- ben sie noch einmahl soviel Asche, als wenn er unreif gebrannt waͤre: Oeff- ters machen auch die Aescherer nach Ge- legenheit des Waldes, an vielfaͤltigen Orten hin und wieder Feuer an in al- te Stoͤcke, auch sowohl in stehendes, als liegendes anbruͤchiges morsches Holtz, oder Baͤume, etliche Tage nacheinander und sammlen die Asche zusammen: Man haͤlt davor, daß sie das Feuer verspre- chen koͤnnen, weiln nicht leichtlich Scha- de geschiehet; Wann aber grosse Wol- cken-Bruͤche oder starcke Platz-Regen jaͤhling einfallen, so leschen sie das Feu- er aus, uͤberschwemmen und verwa- schen die Asche, so da ist, oder wenn star- cke Sturm-Winde bey trockener Zeit kommen, blasen sie die Asche in Wind und zerstreuen sie allenthalben herumb, da denn der Profit davon geflogen und der armen Leute ihre muͤhsame Arbeit alle umsonst und vergebens ist. Von der Nahrung wilder Thiere. Nachdem ich nun in diesem Ersten Theile von der Erden, Gebuͤrgen, und Felsen und deren inneren Vegetation, Wachsthumb und Vermehrung derer so mannigfaltigen wilden Kraͤuter, als auch der Beschreibung derer wilden Baͤume, sowohl des Laub-als Tangel- Holtzes Natur und Eigenschafft, wie und worzu ein Jedes in menschlichem Le- ben nuͤtzlich gebrauchet werde, verhoffent- lich sattsam gehandelt habe und nun be- griffen bin, die saͤmtlichen wilden Thie- re zu præsentir en; So kommt mir an- noch noͤthig vor, die Nahrung derselben physice zu explicir en. Wem ist nicht bekant, wie sorgfaͤltig GOtt der Allwei- K 2 se Erster Theil/ se Schoͤpffer unsern Alt-Vater Adam in den holdseeligen Lust-Wald des Para- dieß-Gartens dergestalt gluͤcklich einge- setzet habe, daß er ihn bauete und bewah- rete, welches ihm keinesweges damahls so schwer worden, sondern in einer ver- gnuͤgten Betrachtung der Natur bestan- den, nach dem klaͤglichen Suͤnden-Fall aber, da nach dem Fluch des Grossen GOttes die Erde Dorn und Disteln zu tragen condemnir et worden, in eine schwere und saure Arbeit verwandelt ist. Und was damahls die guͤtige Na- tur an fruchtbahrer Vegetation denen armen Menschen noch reservir et hatte, muste die greuliche allgemeine Suͤnd- Fluth dissipir en, alles uͤberschwemmen, mit Sand, Staub und unreiner, auch unfruchtbahrer Materie uͤberschuͤtten, ruinir en und verderben, daß also frey- lich nachdem der Mensch im Schweiß sei- nes Angesichtes sein Brod suchen und er- werben muͤssen. Wie erschrecklich und ungeheuer unser liebes Teutschland fast allenthalben rauch und wild verwachsen gewesen und wie die Einwohner auf ih- ren Thier-Haͤuten in Hoͤhlen gewohnet, ihre beste Meubeln in Spieß, Bogen, und Pfeilen bestanden, und wie sie das Jagen der wilden und Huͤthen des zah- men Viehes abgewartet, kan man aus dem Tacito mit mehrerm ersehen. Wann nun vorjetzo die lieben Alten wiederumb auffstehen und die jetzige Wirthschafft in Cultifir ung des Erdbodens ansehen sol- ten, wuͤrden sie sich uͤber die veraͤnderte Gestalt unsers lieben Vaterlandes ziem- lich verwundern, da sich die greulichen furchterlichen Waͤlder, bey ferner Ver- mehrung menschlichen Geschlechts, in die schoͤnsten Felder, Aecker, Wiesen, Gaͤr- then, Weinberge, Teiche und Trifften, auch wohl in unzehlbare Staͤdte, Schloͤs- ser und Doͤrffer verwandelt haben, daß man also keine dergleichen Waͤlder an- zutreffen sich besorgen darff. Eine der aͤltesten Oeconomie ist sonder Zweiffel anfaͤnglich gewesen die Sammlung der Kraͤuter, wovon wir bereits gemeldet: Nechst diesem wird auch unlaugbar ge- folget haben die Sammlung der Baum- Fruͤchte. Was die wilden Eicheln und Buch-Eckern betrifft, davon habe an sei- nem Ort bereits erwehnet; Folget also nun, wie billig, nach denen vorigen die Beschreibung der Obst-Baͤume, deren Betrachtung wir vornehmen wollen. Die Obst-Baͤume sind hinwiederumb zu distingvir en in zahme und wilde, die zahmen, die wir Menschen theils mit grossen Unkosten, theils mit grosser Muͤ- he, beschwerlich, langsam und verdrieß- lich in unsern Gaͤrten und Wohnungen erziehen muͤssen, welches, weil es mei- nem Vorhaben gar nicht gemaͤß, denen Gaͤrtnern billig uͤberlasse. Die wilden Obst-Baͤume aber, wovon die wilden Thiere ihre Nahrung haben, will ich, so- viel mir davon bewust, ihrer Art und Na- tur nach gegenwaͤrtig beschreiben. Von dem Apffel-Baum. Diese Art wilder Aepffel-Baͤume oder Holtz-Aepffel ist zwar ein Gewaͤchs, so fast Jedermann unlaugbar bekant, weil dieselbigen fast allenthalben und viel- faͤltig durch ihre Kerne, sowohl in de- nen Waͤldern und Feldern, als auch in Gaͤrthen von sich selbst fortgepflantzet an- getroffen werden. Es ist dieses sonsten ein festes, wiewohl meist ungerades in- nerlich verwachsen Holtz, welches zu nichts sonderliches, als zu festen Stuͤhlen, oder Helmen der Aexte, Schmiede-Hammer und dergleichen, auch zum theil, da es gerade gewachsen, von denen Tischlern gebrauchet wird. Die Frucht davon, weswegen der Baum sonderlich zu scho- nen, ist sowohl dem Menschen, als dem Wildpraͤth sehr angenehm und fuͤllen vornehmlich diese wilde Holtz-Aepffel, da sie zumahl uͤber Winter gelegen und weich worden, den hungerigen Magen des arbeitsamen Bauers: Auch da sie noch frisch, faͤttigen sie das Wild; jedoch fermentir en sie das Gebluͤt, daͤmpffen die innerliche Hitze, verursachen Durch- lauff und Laxir ung, sonderlich kuͤhlen und leschen sie den innerlichen Brand, so vom Schuß entstanden und stillen den Durst. Von dem Birn-Baum. Dieser hat ein Horn-festes Holtz, welches kleinjaͤhricht verwachsen, ist im Wetter sehr tauerhafftig, waͤchset auch aus seinem Kern, so von Voͤgeln, Eich- hoͤrnern und Daͤchsen fortgetragen, so- wohl in Waͤldern, als Feldern gefun- den wird, ist mit seinen Fruͤchten Men- schen und wilden Thieren nutzbar, und wird von Tischlern sonderlich gebrauchet, wegen seiner Fruͤchte aber besonders ge- schonet, diese Nahrung koͤmmt mit der vorigen ziemlich uͤberein, nur daß das Gewaͤchß der Birnen von einer weit mehrern Feuchtigkeit sich befindet, dahero desto Von der Erden/ desto leichter zu verdauen, aber auch umb desto leichter zu purgir en pfleget. Er hat ein innerlich braunes Holtz. Von dem Pflaum-Baum. Man hat dieses Holtz wenig in de- nen Waͤldern, sondern wird meistens in denen Gaͤrten erzogen. Das Pflaum- Baum-Holtz ist von einer Roth-kernig- ten festen durchwuͤchsigen Natur, hat sehr wenig Splint und wird von denen Tischlern wegen seiner schoͤnen Festigkeit und rothbraunen angenehmen Farbe zu vieler kuͤnstlichen Arbeit gebraucht, ist aber im Wetter gantz nicht tauerhaff- tig. Seine Frucht, die Pflaumen, kuͤh- len, befeuchten und laxir en, machen ei- nen kalten boͤsen Magen, verursachen Durchfall und uͤberfluͤßig purgir en, ge- ben daher schlechte Nahrung. Von dem Kirsch-Baum. Dieses Holtz ist auch selten in denen Waͤldern zu finden; Theils Orten aber beym harten Holtz, da es schnell und ge- rade in einen Stamm jaͤhling erwaͤchset; Es ist aber ein gar sehr sproͤdes Holtz, so leicht zerbrochen werden kan, von des- sen Nutzen an sich selbst nicht viel zu mel- den. Die Fruͤchte davon, als die Kir- schen, kuͤhlen innerliche Hitze, staͤrcken und erfrischen das Hertze und den Magen, reinigen das Gebluͤte, treiben den Harn, Nieren- und Blasen-Stein, loͤschen den Durst und sind eine angenehme Nah- rung. Sie verkuͤndigen durch ihre an- genehme Bluͤthe den fruchtbaren Som- mer. Von dem Ebrischbeer-Baum. Der Ebrisch- oder Vogelbeer-Baum ist auch mit unter das wilde Obst zu rech- nen, maassen dessen rothe holdseelige treffliche gesunde Beerlein Menschen und Vieh zur herrlichen Artzney dien- lich. Sie ziehen zusammen wegen stren- gen Geschmacks, stopffen und stillen den Bauch- und Mutter-Fluͤße; Haben ein gekerbtes Laub, wie die Aesche: Die Voͤ- gel werden damit auff den Vogel-Heerd und die Thonen gelocket und gefangen. Aus seinem jungen Stamm, so im Fruͤh- ling gekerbt, werden vor die Herrschaff- ten kostbahre Fang-Eisen-Schaͤffte zier- lich bereitet. Von dem Acker- und Feld-Bau. Nechst vorerwehnten Arten die Nahrung zu sammlen ist auch ohnstrei- tig der Acker- und Feld-Bau deren Fruͤchte eine der vornehmsten, wovon Menschen und Vieh ihren Unterhalt und Leibes-Nahrung nehmen muͤssen, welches gewiß als eine der uhraͤltesten, und auffrichtigsten Nahrungs- Professi- on hoͤchlich und billig zu loben ist. Wie aber selbige nach Guͤte des Erdbodens zu erbauen seyn muͤsse, will ich, zumahl als eine bekante Sache andern uͤberlassen, auch dergleichen Beschreibung zu weit- laͤufftig fallen wuͤrde. Was nun die Feld-Fruͤchte des Ackerbauns betrifft, bestehen solche in folgenden. Von dem Weitzen. Der Weitzen hat den Vorzug vor allen Feld-Fruͤchten; Er nehret und ge- deyet am meisten, machet feist, wie man aus denen Auen-Hirschen siehet, lindert und kuͤhlet innerliche Hitze, treibet die Wuͤrme, doch stopffet er etwas, machet einen gesunden Chylum, vermehret den Saamen und zeitiget die Leibes-Frucht mit vermengter Hitze. Von dem Korn. Nechst dem Weitzen ist das Korn auch eine gute Nahrung, daͤmpffet die Hitze, staͤrcket den Magen, zertheilet die Gewulst und stillet den Durchlauff, ist bitteren Geschmacks, vertreibet die Wuͤr- me im Leibe. Von der Gerste. Die Gerste kuͤhlet und ernehret auch zugleich, sie loͤschet den Durst, stil- let die innerliche Schmertzen und Haupt- Wehe, erweichet das Geschwuͤr, ist gut vor die Lunge und Blutspeyen, stopffet das Durchlauffen und mehret die Milch. Von dem Hafer. Nechst diesem ist der Hafer vor das Wildpraͤt eine angenehme Nahrung, welcher wohl ernehret, heilet das scorbu- ti sche Gebluͤt, treibet den Nieren- und Lenden-Stein, machet leichte Knochen in Beinen und erfrischet Lung und Le- ber. Von denen Erbsen. Die Erbsen saͤttigen und nehren tref- lich wohl, wie von denen Auen-Hirschen K 3 aus Erster Theil/ aus Erfahrung bekant und die Einwoh- ner attestir en koͤnnen. Sie geben einen feisten Chylum, wie der Weitzen; heilen innerliche Wunden und scorbuti sch Ge- bluͤth. Von denen Wicken. Jst gleichfalls eine Art derer Erb- sen, daher sie auch als ein Futter vor wildes und zahmes Vieh gebrauchet werden, sie stopffen und fuͤllen den Ma- gen und nehren ziemlich. Von denen Linfen. Sie verursachen Blehungen des Ma- gens, machen einen schweren Chylum, dickes Gebluͤt, stopffen den Stuhlgang, vertreiben die Wuͤrmer, verdunckeln das Gesichte und geben dem Magen keine gu- te Nahrung. Von dem Heyde-Korn. Heyde-Korn oder Buch-Weitzen ist der wilden Schweine ihre liebste Nah- rung, welche ihren hungerigen Magen saͤttigen und erfuͤllen kan. Vom Hierschen. Er verursachet Blehung und Verstopf fung, treibet den Schweiß und Urin, und lieben die wilden Schweine ebenfalls diese Frucht sehr. Von dem Hanff. Dieses ist das Kraut, wovon die Seyler-Arbeit des saͤmtlichen Jagd-Ge- zeugs verfertiget wird, der Saamen wird von allem Gefluͤgel mit groͤstem Appetit verzehret, sonst vertreibet er die Wuͤrmer, lindert die Hitze, nehret die Eyer der Voͤgel, und ist eine gute Nah- rung des saͤmtlichen Feder-Wildes. V on dem F lachs. Aus diesem edelen Kraut werden die Tuͤcher zum leinenen Jagd-Gezeug fa- bricir et; den Saamen geniessen die Hir- sche alleine, welcher ihnen innerlich die Geschwuͤr erweichet und zeitiget, die Schmertzen lindert, die Lunge heilet, das Blut stillet, den Nieren- und Lenden- Stein treibet, trefflich gesund ist. V on dem Kraut. Was das Kraut dem Wildpraͤt, son- derlich denen Hirschen und Haasen, vor eine angenehme Speiße sey, ist denen Kraut-Laͤndern bekant, die es offte mit Schaden erfahren. Es giebt dem Ma- gen eine gute Nahrung, lindert den Husten und Engbruͤstigkeit. V om Braun-Kohl. Ob wohl dieses ein dickes Gebluͤt verursachet, so vertreibet doch der Saa- me die Wuͤrmer im Leibe, stillet das Bauch-Grimmen, heilet innerliche Wun- den und Seiten-Stechen, machet die Haare wachsend, vertreibet den Husten. V on Ruͤben. Die Ruͤben kuͤhlen den Schuß-Brand des Pulvers, widerstehen dem Gifft, trei- ben den Nieren- und Lenden-Stein, hei- len die Lunge, blehen zwar, jedoch ge- ben sie eine gute Nahrung des Magens. V on denen W ein-Trauben. Daß ich der Weinberge nicht gaͤntz- lich vergesse, maassen das Wildpraͤt, sowohl rothes, als schwartzes, Fuͤchs und Hasen sich darvon gerne zu erneh- ren pflegen, so kuͤhlet dieser edle Reben- Safft Lung und Leber, staͤrcket und er- freut das Hertz, reiniget und erfrischet das Gebluͤt, erwecket die Lebens-Gei- ster, reiniget die Harn-Gaͤnge und ist mit einem Wort unter andern eine vor- treffliche Gabe GOttes, deren sich sowohl die Jaͤger, als das Wildpraͤt, recht er- freuen koͤnnen. Und diß waͤre nun der erste Theil, wormit der nach Standes Gebuͤhr Hoch- und Vielgeehrte Guͤnstige Leser diesesmahl vorlieb nehmen, und mei- ne hierunter fuͤhrende gute Intention ersehen wolle. Ubrigens recommen- dir e darbey vornehmlich die Praxin und fleißige Naturmaͤßige Betrachtung; maassen meine wenige Schrifft gegen dem grossen Welt-Buche der Natur kaum einem Sonnen-Staͤublein gleich zu rechnen, und ich ohne diß nur eine ge- ringe Anleitung zu fernerm Nachden- cken und Erforschung der Natur un- sern Nachkommen hinterlassen wollen. Wormit ich nunmehro zum andern Theile, nehmlich zur Beschreibung derer wilden Thiere, dererselben Eigenschaff- ten und Natur, von derer Jugend biß ins Alter schreite. Der Gefaͤhrd und Spuͤhr Wilder Thiere. Lowe. Tuͤger. Lahr. Auͤer. Hirsch. Thier. Schwein. Rehe. Wolff. Luͤp. Luͤchs. Tachs. Liever. Otter. Marder. Katz. Hasen. Fltnis. Eichhornlein. Wiefel. A A. Der Andere Theil/ handelt V on denen wilden T hieren. A Ls uns Menschen un- begreifflich und hoͤchst- wundersam GOTT der Allmaͤchtige Schoͤpffer Himmels und der Er- den bey Anfang der Welt aus grosser Lie- be erschaffen hatte, sind sowohl die grimmig reissende, als andere wil- de Thiere im Paradieß gantz gewoͤhnt und zahm umb den Menschen einher gegangen und haben ihre Unterthaͤ- nigkeit durch dessen willkuͤhrliche Be- nennung bezeuget, hingegen hat durch des Menschen mißbrauchende Gewalt, feindseeliges Erwuͤrgen und Verjagen die vorige Liebe und Gewogenheit der- selben sich von Natur in einen Haß und Abscheu verwandelt, daher solche vor demselben so scheu und fluͤchtig worden sind, wie wir davon in Heiliger Schrifft mit mehrerm ersehen, auch der Ver- nunfft nach leicht erachten koͤnnen. Nach- dem nun das Clima Cœli oder die himmli- sche Firmaments- Krafft, ferner das Nutri- ment der Erd-Gewaͤchse, oder das Humi- dum radicale derer unterirdischen feuch- ten Duͤnste entweder heiß oder trocken, feuchte oder kalt sich befindẽ, so veraͤndern sich auch dahero alle Voͤgel in der Lufft, sowohl die wilden Thiere, als die Men- schen auf Erden, und alle Fische im Was- ser gar mercklich an ihrer gantzen Natur und Eigenschafften, an ihrer Gestalt, Groͤße, Farbe, Haaren, und Federn, Stimme, Geschmack und dergleichen mehr, wie solches aus der taͤglichen Er- fahrung zu sehen, darinnen man nim- mer auslernen kan. Dann woher kom- men sonsten die Mohren, als aus hitzi- gen Mittags-Laͤndern, desgleichen die braͤunlichen Spanier und Jtaliener; Dagegen findet man in kalten nordischen Laͤndern nicht alleine weiße Leute, son- dern auch haͤuffige weisse Thiere, als in Groͤnland oder Nova Zembla die weis- sen Baͤre, ingleichen solche Woͤlffe, Fuͤch- se und Haasen, ja gar Raben. Welche wundersame Variation nach GOttes al- lein weisem Rath die Natur vorhin er- meldter maassen unerforschlich hervor- bringet. Wem ist nicht bekant, daß die wilden Thiere uns Menschen in vie- len Dingen uͤbertreffen, auch offt gar beschaͤmen, wie wir sowohl von allen in genere, als von einem jeden specialiter melden wollen. Beschaͤmen nicht die wilden Thiere uns Menschen an der Keuschheit, zum wenigsten halten sie doch ihre Zeit und Ordnung darinnen, gegen menschlicher Geylheit, so taͤglich ge- schiehet. Ferner auch an der Maͤßig- keit, da man nicht finden wird, daß ein wildes Thier ein mehrers essen oder trin- cken werde, als was ihm dienlich, gegen unsere Schwelgerey. Was sie in der Wachsamkeit vor uns fuͤr eine Præro- gativ haben, ist denen Erfahrenen nicht unbekant. Ja die meisten haben einen weit schaͤrffern Geruch, als wir und præ- valir en also in vielen Dingen; Als der Adler im Sehen, das wilde Schwein im Hoͤren, der Affe im Schmecken, die Spinne im Fuͤhlen, und dergleichen. Jn dem Anderer Theil/ dem Alten Testament wurde von dem grossen Gott denen Kindern Jsrael nach Jnhalt ihres Gesetzes ein mercklicher Un- terscheid zwischen denen reinen und un- reinen Thieren zu halten verordnet. Auch wurden oͤffters Loͤwen und Baͤre, un- ter sie zur Straffe geschicket; Wie dann auch leyder noch vor dem Hunnen-Krie- ge, als ein Præsagium, die greulichen Woͤlffe in unsern Landen dermaassen uͤ- berhand genommen, daß sie gar vielfaͤl- tig die Kinder an der Mutter Bruͤsten zerrissen; Dergleichen ungeheure uns an- noch unbekante Thier annoch in so gros- ser Menge, sowohl in denen kalten Nor- dischen Laͤndern, als andern Wildnuͤs- sen vermuthlich sich auffhalten moͤgen. Wann dann nun dem gemeinen Besten vornehmlich daran gelegen, sicher zu woh- nen, zu handeln und zu wandeln, so sind solche schaͤdliche Raub-Thiere, die uns zur Straffe erschaffen, zu vertilgen und von denenselben das Land zu befreyen, welches nicht allein hoͤchstnoͤthig, unent- behrlich und nuͤtzlich ist, sondern auch der Landes-Herrschafft oder Obrigkeit bey der ihr obliegenden muͤhsamen Regie- rungs-Sorge durch das Jagen und Weydewerck sowohl zur Recreation und Vergnuͤgung des Gemuͤths, als continu- ir licher Betrachtung der sonderbahren Allmacht Gottes dienen kan. Dahero auch eines Jaͤgers oder Weydemanns Requisitum primum necessarium ist, de- rer Thiere Natur und Eigenschafft ge- nau zu erkundigen und von deren Nah- rung, Gewohnheit, Behaͤltnisse, Merck- mahle und Kennzeichen, gruͤndliche Nach- richt geben zu koͤnnen. So erfordert auch solche zu fangen eine vollkommene Wissenschafft. Wie denn leicht zu er- achten, daß zwischen den wilden Thieren, und dem Menschen eine Antipathie sey, so durch Wuͤrgen und Toͤdten verursa- chet worden. Ob es nun wohl eine ziemliche langwierige Erfahrung und vielen grossen Fleiß erfordert, die Na- tur und Eigenschafft derer wilden Thiere gruͤndlich zu erforschen und der Nach- welt zu hinterlassen, zumahlen, da die meisten entsetzliche Raub-Thiere, als Loͤwen, Baͤren, Tieger, Woͤlffe, Luchse und dergleichen mehr, dem Menschen vielmehr ein Entsetzen und Abscheu ver- ursachen, als daß er an die Untersu- chung derselben Eigenschafft sich machen solte; So haben sich doch gleichwohl viele Naturkuͤndiger aͤuserst bemuͤhet, viele seltsame Eigenschafften derer wilden Thiere u. was von denenselben zur Artze- ney dienlich, zu beschreiben und uns zu hinterlassen. Wie man denn in Heiliger Schrifft mit besonderm Lobe von dem Koͤnig Salomon lieset, daß derselbe ex professo, sowohl die Kraͤuter, Gewaͤchse u. Baͤume, als auch die Eigenschafften der wilden Thiere aufs genauste untersuchet und davon viele herrliche Buͤcher geschrie- ben, maassen er von derselben Natur aus vortrefflicher Erkaͤntniß und Ein- geben des Heiligen Geistes herrliche Nach- richt hinterlassen, welche aber, weil die Aberglaͤubischen Jsraeliter alle ihr Ver- trauen darauf setzten, von dem Koͤnig Hiskia aus einem sonderbaren Eyfer ver- brannt, und uns daher nichts davon uͤ- brig gelassen worden. Alexander Ma- gnus hat aus besonderer Curiosit aͤt durch seinen gewesenen Informatorem, den A- ristotelem, alle ersinnliche Nachricht von denen Naturen und Eigenschafften derer wilden Thiere, von vielen Hun- dert Weydeleuten, Jaͤgern, Vogelstel- lern und Fischern, so aus seinen Laͤndern hierzu erfordert worden, erforschen, auf- schreiben und bemercken lassen; wie- wohl glaublich, daß dem guten Aristo- toli manche Legende darbey mag auff- gebunden worden seyn; Es sind aber sol- che Schrifften guten Theils leyder durch Brand, Krieg und Raub ebenfalls ver- lohren gangen. Es haben wohl auch nachgehends andere Autores, als Plinius, Cicero, item Petrus de Crescentiis, Al- bertus Magnus, Cornelius Agrippa und andere noch mehr denselben imitir et, so aber meist in frembden Sprachen ge- schrieben und mir nicht bekant sind. Des Gesneri Thier-Buch halten einige in die- ser Materie am vollstaͤndigsten; Nicht weniger hat auch Herr Colerus in sei- nem Hauß-Buche, ingleichen der Herr von Hohberg in dem Adelichen Landle- ben von der Eigenschafft wilder Thiere geschrieben. Des Herrn Taͤntzers her- aus gegebenem Jagd-Buch der drey Theile, der Dianen Hohe und Niedere Jagd Geheimnisse genannt, desgleichen des Anno 1710. zu Nordhausen unge- nannten Autoris gedruckten Tractat, des- sen Titul Notabilia Venatoria heisset, weiln diese Autores beyde rechte Jaͤger gewesen, waͤre wohl am meisten Glau- ben beyzumessen: Weil nun vermuth- lich ist, daß die meisten Autores und ge- lehrten Leute solche in Druck gegebene Nach- Von denen wilden Thieren. Nachrichten, nicht aus eigener Erfah- rung uͤberkommen oder wuͤrcklich in der That befunden haben, sondern entweder discursive gehoͤret oder etwan ihnen zum Theil in Buͤchern vorkommen sind, sol- cher maassen meistens in Muthmassun- gen bestehen moͤgen, oder etwan Relata sind, so ihnen von einigen Auffschneidern, eines Trinck-Gelds halber, vorgeschwa- tzet, und, da es ihnen nicht bekant, sol- ches von ihnen geglaubet worden; So habe vor noͤthig erachtet, mit wenigem dasjenige zu bemercken, was denen An- faͤngern des Weydewercks zur Nachricht dienen moͤchte und der Natur gemaͤß zeit- hero befunden worden, soviel nemlich, menschlicher Vernunfft nach, man biß- hero von denen wilden Thieren abmer- cken koͤnnen. Von Natur und Eigenschafft derer wilden Thiere. Es hat der grosse Gott, gleich zu An- fange bey der Schoͤpffung als ein All- weiser Stiffter pro conservatione Na- turæ zugleich allen lebendigen Creatu- ren eine zeugende Krafft dergestalt ein- gepflantzet, daß sie vermittelst ihres Saa- mens, aus innerlichem Antrieb der Na- tur ferner ihres gleichen, ein jegliches nach seiner Art zeugen solten. Sobald nun der innerliche von der Feuchtigkeit des Gehirns, Marr und Safft der Kno- chen, der Substan tz, Uhrsprung, Nah- rung und Wesen nach, eigentlich erzo- gene Saame reiff und weiter zu ver- mehren gantz zeitig worden; stoͤsset sol- chen die Natur, der Gesundheit zum be- sten, vermittelst der Phantasi e und des Gemuͤths, durch den Ruͤckgrad, Ductus und Nerven, wenn derselbe in die Ge- burths-Glieder gefuͤhret wird, durch hierauf erfolgte Hitze, Begierde, Lust, Bewegung besagter Geburths-Glieder, und die Impression des Gemuͤths her- aus und generir et gleichsam den aller- besten Safft, oder herausgezogenen Ex- tract zu einem wesentlichen Saamen, welcher durch hitzigen Trieb der Natur vermittelst der Roͤhꝛe ausgespruͤtzet wird. Dahero geschiehet, daß durch allzu offte der Natur zuwieder uͤberfluͤßige Be- wegung, insgemein die Glieder matt und zitternd, der Leib mager und kraͤnck- lich, die Kraͤffte entzogen und verzehret werden. Wann denn die Spiritus Ce- rebri oder Gehirn-Geister irritir et und eingenommen, werden die Thiere oͤffters gantz unsinnig und wird also ihr Leben verkuͤrtzet, wie man an denen Haasen, Sperlingen und andern zur allzu gros- sen Geilheit geneigten Thieren gantz deut- lich und klar vermercken kan. Hinge- gen empfaͤhet das Weibliche Geschlecht in voller zeitiger Bluͤt mit groͤsserer Be- gierde und innerlich hierzu aptirt er Hi- tze, so durch die Impression eines vorha- benden Objecti vermittelst ihres Saa- mens coagulir et, dahero hierdurch eine gleichfoͤrmige Substantial-Essenz und durch die Waͤrme concentrir ete Frucht, nicht allein am Leibe und Gliedern, Far- ben und Haaren, sondern auch am Ge- muͤth und dem Wesen nach empfangen wird, welche die Natur, sobald solche vollkom̃en reiff u. zeitig worden, ausstoͤs- set und zur Welt bringet, auch ferner bey zarter Jugend durch die Milch ernehret. Nun haben manche Thiere eine weit hi- tzigere Complexion als die andern; Theils sind grausam grimmig; Theils sind rachgierich, zornig oder raͤuberisch; Andere hingegen sind sanfftmuͤthig, still und freundlich; Wiederumb sind einige tollkuͤhn, boßhafft und verwegen, an- dere hingegen furchtsam, fluͤchtig und scheu. Solches verursachet offters zum Theil sowohl die Influenz des Lunæ, und die Constellation oder das Clima des Orts, wo ihre Conception geschehen, als der vielfaͤltige Unterschied des Nutri- ments und Erdbodens, dahero derglei- chen mehrere choleri sche Feuchtigkeit der Fruͤchte von salnitri scher oder sulphuri- scher Eigenschafft folglich nebst andern Umbstaͤnden die Gemuͤths-Neigung, Groͤsse, Farben, und andere Kennzeichen mehr herruͤhren. Es versiehet sich auch oͤffters ein tragendes Thier, sowohl in ipso Actu conceptionis, als kurtz nach demselben, wie des Labans Schaafe an den bunden Staͤben, oder wann solches bey wuͤrcklicher Empfaͤngniß von einem weisen Hund oder Wieselchen ploͤtzlich erschrecket wird, imprimir et sich solches die Matrix, variir et zugleich die Farbe ihrer Frucht, und concipir et ein Merckmahl. Wie man denn durch die Gemaͤhlde bey Beschaͤlung der Stutten oder Vermeh- rung der Caninchen solchen Effect der Imagination wuͤrcklich wahrgenommen. Wiewohl auch nicht zu laͤugnen, daß oͤff- L ters Anderer Theil/ ters die Natur eine wuͤndersame Transmutationem Animalium vornim̃t, wie mir bekant, daß einmahls bey har- tem Winter im Meißner-Lande, im Amt Pirne, von einem grossen schwartzen Hunde eben dergleichen Woͤlffe erzeuget und beym Lilien-Steine gefangen wor- den sind, davon einer zu Alt Dreßden im Jaͤger-Hoff abgemahlet, wo auch e- benfalls ein rother zu sehen. Daß sich zu Mastzeiten gar offters die zahmen mit denen wilden Sauen leichtlich ver- mischen, so auch gar die Hirten nicht ver- wehren koͤnnen, habe bereits oben ge- dacht, und ist wohl Jederman bekant, daher die weissen und bunden wilden Sauen und vice versa die schwartzen zahmen Sauen kommen; Wiewohl ich von solcher Transmutation von alten er- fahrnen Jaͤgern discursive judicir en ge- hoͤret, daß auf dergleichen ungewoͤhnliche Veraͤnderung derer Thiere als ein Præ- sagium meist etwas merckwuͤrdiges im Lande sich begeben habe, so ich aber in seinem Werth und Unwerth beruhen las- sen will. Es hat ferner Gott der All- maͤchtige die unvernuͤnfftigen Thiere auch mit aͤuserlichen Sinnen begabet, daß sie 1. Hoͤren, wenn die Hunde bellen, Menschen schreyen, oder geschossen wird, 2. Sehen, was auf sie langsam oder sach- te geschlichen oder gelauffen kommt; 3. Fuͤhlen, wann sie verletzet werden, so sie durch Schreyen oder Bloͤcken anzeigen; 4. Schmecken, den Unterscheid gesunder Kraͤuter, oder madigter Eicheln; 5. Rie- chen, oder im Wind vernehmen, und mehr als zu weit ihre Feinde vermer- cken. So haben sie auch von innerlichen Sinnen etwas wundersames, als Me- moriam, vel Recordationem Animi, ei- ne Erinnerung der Sache, so an dem Orte geschehen, z. E. wenn nach einem Thier geschossen oder geschlagen worden, solches aber entkommen, behaͤlt es dieses in frischem Andencken; Ferner auch Sen- sum communem, das Dichten und Trach- ten, da es sein Kalb zu verbergen, dem Hunde zu entkommen, und sich zu ret- ten sorget; Und Phantasiam aut Impressio- nem, vel Imaginationem oder die Ein- bildung, da die Thiere sich auf der Erde in eine Grube druͤcken, in Meynung, es koͤnne sie daselbsten Niemand sehen, oder aber vor einem ungefehr ersehenen schwartzen oder weissen Stamm, Schat- ten, Stroh, oder Federn sich entsetzen und hierdurch eine Furcht einbilden. Fer- ner hat der liebe Gott die wilden Thiere mit Haͤuten, und Haaren zur Kleidung versorget, dieselben vor grosser Winters- Kaͤlte, Frost, Schnee und Eiß zu beschir- men; Auch denen Thieren der Erden schnelle Fuͤsse, denen Voͤgeln in der Lufft Federn und Fluͤgel, und denen Fischen das Schwimmen unterm Wasser umb ihren Feinden zu entfliehen, weißlich ge- ordnet. Dahero z. E. die Hirsche, wann sie Hoffnung haben, uͤber den Zeug zu springen und ihre Freyheit zu erlangen, aus Liebe und Begierde zur Freyheit, darauff alle Muͤh anwenden, und, so sie entkommen, sich daruͤber freuen und ver- gnuͤgt sind. Hieruͤber haben die Thiere vor denen Menschen, Raub-Thieren und Hunden einen Zorn und Abscheu, fuͤh- len Schmertzen in der Geburth, sind mitleidig, so sie ihr Kalb schreyen hoͤren, wissen die Gelegenheit des Orts, ob es da sicher sey oder nicht, verdaͤchtig oder ohne Gefahr, sich daselbst auffzuhalten. Was nun ein wildes Thier, jegliches nach seiner Art, vor eine Nahrung zu sich ge- nommen, und im Magen verdauet hat, dergleichen Nahrungs-Safft wird durch die Putrefaction generir et, solcher wird per Spiritus dissipir et und endlich der Saame, als ein Extract hieraus coagu- lir et, das andere wird durch die Leber in Blut verwandelt und durch die Adern ausgetheilet. Der Rest aber, als die Excrementa, Koth und Wasser behalten ihren natuͤrlichen Ablauff gewoͤhnlich durch ihre erschaffene Roͤhren. Und die- ses waͤre nun ungefehr die Natur und Eigenschafft derer wilden Thiere in ge- nere, soviel man bißhero ergruͤnden koͤn- nen und mir bekant ist. Es wuͤrde auch sonder Zweiffel alles und jedes specialis- sime ad minutissima deutlich zu beschrei- ben, menschlicher Vernunfft allzuschwer und zu weitlaͤufftig fallen. Welches der Schoͤpffer aller Creaturen sich nicht un- billig allein reservir et hat. Vom Unterscheid wilder Thiere. Die von dem grossen Gott lebendig er- schaffene Creaturen sind zweyerley, als die Vernuͤnfftigen und Unvernuͤnfftigen. Die Vernuͤnfftigen sind wir Menschen, die wir durch Goͤttliche sonderbahre Gna- de nach dem Goͤttlichen Ebenbilde erschaf- fen Der Loͤw. Der Tyger. B B. Von denen wilden Thieren. fen und mit einer vernuͤnfftigen Seele begabet worden sind. Die Unvernuͤnff- tigen sind die Thiere, welche Gott dem Menschen zu gut erschaffen und ihme un- terwuͤrffig gemacht hat. Solche sind nun sowohl zahme, als wilde: Die Zahmen sind, nachdem besagter maassen das Cli- ma, sowohl die frembden z. E. Camele, Puͤffel und Maulthiere, als unsere ein- heimische, nemlich Pferde, Ochsen, Kuͤ- he, Schaafe, Ziegen und dergleichen. Derer wilden hingegen giebts eigentlich dreyerley Arten, als die Fische im Was- ser, die Thiere auf Erden und die Voͤ- gel in der Lufft. Die Fische, weil solche zu unserm Vorhaben nicht dienen, wer- de hier billig uͤbergehen; Von denen Voͤ- geln des Himmels hingegen bin geson- nen vom groͤsten biß zum kleinsten einen absonderlichen Tractat zu schreiben. Was aber die Thiere auff Erden betrifft, dar- von wir uns vorgenommen haben zu handeln, sind dieselben gar fuͤglich in drey Classen abzutheilen: zu derer ersten die grimmig reissende wilde Thiere oder Bestiæ, als der Loͤwe, das Tiegerthier, der Baͤr, der Auer-Ochs und dergleichen zu rechnen; Dann kommen in der an- dern Classe die edelen Thiere oder Ani- malia, als der Hirsch, das Schwein, die Gemse, das Rehe, der Dachs, der Hase, das Caninchen und dergleichen; Und in der dritten sind die Raub-Thiere, oder Raptores, als der Wolff, der Luchs, der Fuchs, das Marder, der Bieber, und Otter, die Katz, das Jltniß, Eichhoͤrn- lein und dergleichen, von welchen allen wir in diesem Tractat handeln und eines jeglichen Natur und Eigenschafft, so viel menschlicheꝛ Vernunfft gemaͤß, betrachten wollen. Ob nun wohl zwar, dem Hoͤch- sten sey Danck, die in der ersten Classe ge- dachte grimmig und reissende wilde Thie- re, als Loͤwen und Tieger, in unsern Laͤndern nicht, der Baͤr und Auer- Ochs aber nur in Preussen oder Poh- len zu finden; So werden sie doch al- lerseits bey Hoher Landes-Herrschafft Hoff- und Kampff-Jagen am meisten æstimir et und hochgehalten, dahero wohl auch ruͤhmlich seyn solte, hiervon einige Nachricht zu haben. Weiln nun der Loͤ- we ein Koͤnig aller wilden Thiere, sei- ner Großmuͤthigkeit wegen, von allen Physicis, Naturkuͤndigern und Jaͤgern genennet und als das vornehmste Thier in unserm Teutschland in besondern Loͤ- wen-Haͤusern zu grosser Rarit aͤt von Vor- nehmen Potentaten, mit grossen Unko- sten unterhalten wird, wollen wir von demselben, bey specialer Beschreibung de- rer Thiere den Anfang machen, damit auch hierbey kein Mangel seyn moͤge und ein Loͤwen-Waͤrter hiervon Nachricht nehmen koͤnne, maassen diese Thiere zum Hoff- und Kampff-Jagen gerechnet werden. Von dem L oͤwen. Ob wohl dieses grimmig und reissen- de fremde Thier hier in Teutschland in unserm kalten Climate und denen nor- dischen Laͤndern gar nicht anzutreffen, weniger desselben Eigenschafft gruͤndlich zu erforschen; So kan doch nicht umb- hin, desselben Natur, soviel mir bekant, mit wenigem zu gedencken. Es wird der Loͤwe wegen seiner edelmuͤthigen Freudigkeit, tapffern Staͤrcke und Hertz- hafftigkeit, auch unerschrockenem Ge- muͤthe, der Koͤnig aller wilden Thiere ge- nannt, so billig auch den Vorzug dersel- ben haben muß. Jhr rechtes Vaterland ist eigentlich Asia, Africa, Persia, und der- gleichen warme Laͤnder, woselbst sie in grossen Wildnissen und Einoͤden zu fin- den, und ihre Nahrung vom Raub der Camele, Maulthieren und Rind- Vieh, auch von der Frucht des Palmen- baums haben. Jhre Brunfft und strei- chen ist wie bey denen Hunden, und lauf- fen ihrer viel einer Loͤwin nach, da es denn darbey ohne grausamen blutigen Streit nicht abgehet, biß der schwaͤchere dem staͤrckern Platz lassen und wei- chen muß; Und weil in der groͤsten Hi- tze der Sonnen der Loͤwe zur Brunfft untuͤchtig, die Loͤwin aber sehr begierig ist, so vermischt sich diese offt mit Thieren von anderer Gattung. So er anfaͤn- get zornig zu werden, beginnet er den langen Wedel gerade auffzurichten, wie eine Katze, die man uͤber den Ruͤcken streichet: Wann er aber die Erden oder wohl gar seinen Ruͤcken darmit schlaͤget, erbittert er sich durch Grimm: Sonst wird er niemahls leicht zornig werden, es sey denn, daß man Jhn eingesperret Hunger leyden laͤsset, oder durch Zer- chen, Naͤcken und Schlaͤge verletzet und beleydiget. Die Menschen, welche ihnen L 2 in Anderer Theil/ in der Wildniß auffstossen, beleidigen sie nicht leicht, es triebe sie denn der aͤuser- ste Hunger darzu; Doch greiffen sie auff solchen Fall viel eher die Maͤnner, als die Weiber, und die Weiber eher als die Kin- der an. Die Loͤwin traͤget ihre Jungen ein halbes Jahr und setzen meistens, wie die Katzen, zur ersten Geburth fuͤnff Jungen, alle Jahr aber eines weniger u. nach fuͤnf Jahren nur ein Junges; Nach- dem soll sie ferner unfruchtbar verblei- ben. Die Loͤwin ist schmaͤchtiger und duͤn- ner von Leibe, auch fluͤchtiger als der Loͤ- we, welcher letztere braune zottlichte lan- ge Haar als Locken umb den Kopff, die Brust und halben Leib traͤgt, als eine gar alte Peruque: Der uͤbrige Leib, Ruͤ- cken, Keulen und die Vordern-auch Hin- tern-Laͤuffte sind roth, wie ein Hirsch: Sein langer Wedel ist wie ein Kuh- Schwantz und sehr lang, am eusersten Ende mit einer schwartzhaarigten langen Qvaste gezieret: Sein Kopff und Gesich- te gleichet am Kiehn, Lippen, Nasen- Loͤcher, Augen und runten Kopff, fast einer Katzen, hat auch solchen Bart und kurtze runte dicke Ohren, graue Nase und weisse Augenbraunen und hat ein Heldenmuͤthiges Ansehen; Soll auch nach Aristotelis Meynung, sowohl als der Leopard und Tyger, wegen seiner hitzi- gen Natur feurig scheinende Augen ha- ben, wie die Luchsen und Katzen, und solche sollen im dunckeln mehr wahrzunehmen seyn, als bey hellem Tage, weil solches Licht von dem hellen Tages-Licht zerstreu- et wird, bey finsterer Nacht aber, da sich solches nicht mehr dissipir en kan, desto ve- hementer scheinet. Derowegen derselbe vielfaͤltig in Koͤnigl. Fuͤrstl. und Graͤffl. Heldenmaͤßigen Ritterlichen Wappen und Schildern mit Ruhm gefuͤhret wird. Sie sollen ein hohes Alter erreichen, auch endlich ihre Zaͤhne verliehren, da sie dann auf die Menschen am grausam- sten seyn, weiln sie solche leichter als an- dere Thiere bezwingen koͤnnen. Wann sie das Fieber haben, so sie offters be- kommen sollen, curir en sie sich mit Af- fen-Fleisch. Das Feuer fuͤrchten sie sehr, und sind mit Fackeln am leichsten zu verjagen. An denen vordersten Fuͤssen haben sie fuͤnffe und an denen hintern vier Klauen: Jm gehen verbergen sie solche wie eine Katze zwischen denen Zaͤ- hen und lassen sie alleine sehen und fuͤh- len, wann sie zum Kampff und Zorn erhi- tzet werden. Jhre Farbe ist gelb und falb- licht, lichter und dunckeler, nachdem da- selbst das Clima, Nahrung, Lufft und Wasser befindlich ist, im Winter aber graulicht. Es gehet der Loͤwe und Loͤ- win, jedes besonders, auf den Raub; Bey Aenderung des Wetters bruͤllet der Loͤwe, welches schrecklich zu hoͤren, sein Athem ist grob und stincket. Er schlaͤffet auch mit offenen Augen; Seine Brunfft geschiehet im Monat Septembr. und se- tzen ihre Jungen des Monats Martii, da solche anfaͤnglich blind gebohren und von denen Einwohnern derer warmen Laͤnder mit Lebens-Gefahr in Abwe- senheit der alten Loͤwen gehohlet wer- den, und ruͤsten die Einwohner sich in grosser Anzahl hierzu mit Spiessen, wann ihnen die alten begegnen moͤgten, ihr Leben zu schuͤtzen. Sie werden dann zahm erzogen und uͤbers Meer zu uns nach Europa an Koͤnigliche und Fuͤrst- liche Hoͤfe uͤberbracht und alldar theuer verkaufft, in hierzu absonderlich erbaue- ten Loͤwen-Haͤusern aufbehalten und theils zur Pracht, theils zum Kampff- Jagen ernehret. Ein solcher Loͤwe muß taͤglich seinen richtigen Fraß zu rechter Zeit haben, nach seiner Groͤsse vier biß sechs Pfund gewaͤssert Rindfleisch, jedoch ohne Blut, davon sie boͤse werden, auch ohne Fett, so ihnen ungesund, weniger Knochen, so unnuͤtzlich sind, bekommen; Dann wann er eingesperrt und hunge- rig waͤre, wuͤrde er zornig und boͤse wer- den. Wann aber ein solch Thier satt, ist es freundlich und spielet gerne; Man darff auch frembde Leute nicht gantz al- leine herzu gehen lassen, weil ihr erstes Vorhaben gemeiniglich ist, so weit sie immer moͤglich dabey reichen, stossen oder werffen koͤnnen, daß sie es zum Zorn anreitzen und den Waͤrther hierdurch nicht wenig in Gefahr setzen; Dann leicht zu dencken, wie zornig ein grimmig Thier zu machen, wann man es mit dem Stock im Schlaff stossen, beunruhigen, viel naͤrren und schlagen, oder wann es hungerig, ihm sein Fressen nehmen wol- te, worauf der Waͤrter, so niemahls ver- drießlich, sondern gedultig und sonder- lich von Jugend auff ein Liebhaber wil- der Thiere seyn muß, achtung zu geben hat; Vor allen Dingen muß er mit ei- nerley Kleidung, so ja nicht etwan mit Blut bespritzet, sondern reinlich ist, oͤffters zu ihnen gehen, denselben zureden, mit ihnen sich bekant machen, und auf ihre Minen, Augen und Gebaͤrden, ob sie Von denen wilden Thieren. sie zornig oder freundlich, wohl Achtung geben: Vornehmlich aber sie nicht trun- ckener Weise unbedachtsam frey angreif- fen. Sie werden eher aus Großmuͤthig- keit eiserne Ketten und Gitter zerbrechen, als hoͤltzerne Behaͤltnisse, Latten, Git- ter oder Stricke, deren sie sich schaͤmen, auch eher ein grimmig Thier anfallen, als ein Schaaf. Vor seinem Ende soll er in die Erde beissen und Thraͤnen fal- len lassen. Aus seiner Haut machet der Reuter gerne Sattel und Zaum, welche zu gewisser Martis- Stunde und der In- fluenz des Lunæ im Julio, da der himm- lische Aspect im Zeichen des Loͤwens re- gieret, martiali sch und im Streit gluͤck- lich gehalten wird. Wegen der Spur des Loͤwens, so meist eine Curiosit aͤt und allhier in teutschen Waͤldern wohl nicht zu besorgen, daß man sie antreffen wird, statuir e einfaͤltig nach meinem Verstand, dieweil nicht allein des Loͤwens Kopff in allen Partibus, sondern auch dessen Ballen der Fuͤsse, Zaͤhen und eingezogenen Klau- en, einiger maassen der Katzen-Art gleich, doch nach Porportion, oder a minori ad majus, so kan man sich die Gestalt solcher Loͤwen-Spuhr wohl vorstellen, wie un- gefehr der Caninichen gegen der Hasen Gefehrd. Es soll, wie mir vor gewiß und sicher vertrauet worden, ein grosser annoch lebender Monarch in seiner Ju- gend von der Loͤwin Milch (welche doch wohl kuͤnstlich zu erlangen mag gewesen seyn,) ernehret worden seyn, wovon der- selbe nachgehends eine unglaubliche Staͤꝛ- cke erhalten, und sattsam bewiesen ha- ben soll. Von des Loͤwen Anatomie und ruͤckstaͤndigem Sceleton werde zu Ende dieses andern Theils bey der Section an- derer Thiere, soviel mir bekant, oder ich erforschen koͤnnen, Nachricht geben. Von dem T yger. Dieses ist ebenfalls ein frembdes, auslaͤndisches und wildes Raub-Thier, welches auf seiner Haut von gelblichtem Boden wohl ausgetheilete schwartzglaͤn- tzende Flecken hat: Seine Groͤsse des Lei- bes gleichet fast der Loͤwin, jedoch ist es kurtz von Halse; hat hellglaͤntzende feu- rige Augen, auch scharffe und spitzige Klauen. Jhr rechtes Vaterland ist ei- gentlich Asia, Peru, auch India, umb den Fluͤß Ganges, Albania und Brasilia, wo sie sich auch zuzeiten mit grossen Hunden belauffen sollen. Jn Jndien sollen sie so grimmig und rauberisch seyn, daß sie nicht allein zwischen Straͤuchern und Dornen auffpassen und die Buͤffel, wil- de Schweine und andere Thiere, sondern sogar die Mohren und Jndianer, als desselben Ortes Einwohner, mit List uͤ- berfallen und niederreissen. Sie koͤnnen sehr hoch springen und wann sie was von Gefluͤgel geraubet, rupffen sie die Federn ordentlich ab. Wann ihnen ih- re Jungen von denen Einwohnern ge- raubet werden und sie solche nicht mehr erreichen koͤnnen, sondern leer zu ihrer Hoͤhlen kehren, sollen sie greulich und grausamlich heulen und klaͤglich thun. Und weiln in solchen hitzigen Mittags- Laͤndern von Natur ein warm und trocken Clima, Lufft und Erdreich ist, solcher maassen wenig Qvell-Brunnen, Wasser oder Pfuͤtzen daselbst gefunden werden, und dahero offters geschiehet, daß zu Zeiten der Brunfft unterschiede- ne Sorten wilder Thiere bey der Traͤn- cke zusammen kommen; so verursachet sodann die Gelegenheit des Orts und die Anleitung und Begierde zur Brunfft, daß viel seltzame Thiere theils durch Lieb- kosen, theils mit Gewalt, von andern Thieren besprungen werden: Wie denn die Panther oder Leopard en vermuth- lich durch dergleichen vermischte Con- ception oder Mixtur ihre Derivation ha- ben. Die Tyger-Haͤute werden von de- nen Ungarn und Siebenbuͤrgen sonder- lich von ihrer fluͤchtigen Milice, denen Husaren, zur Zierde und Pracht auff denen Achseln getragen, auch bey vor- nehmer Herren und Generals Hand- Pferden zu Sattel-Decken gebrauchet. Und nachdem die Landes-Art, Erdreich, Raub oder Nahrung, Lufft und Was- ser, warm oder kalt befindlich, so giebet es auch derer Tyger entweder große oder kleine, lange oder kurtze, traͤge oder hur- tige und an einem Ort mit schoͤnern Fel- len oder Haͤuten gezieret, als am andern; Denen Affen sollen sie hefftig nachstellen und dieselben artig betriegen koͤnnen. Sie werden ebenfalls zu uns gebracht und in Loͤwen-Haͤusern bey andern Thie- ren gehalten. Von dem Tuͤrckischen Kaͤyser in Asien und dem Persianischen Koͤnig, auch andern Potentaten werden nicht allein die Panther oder Leoparder, sondern auch dieses Thier, nehmlich der L 3 Tyger, Anderer Theil/ Tyger, von Jugend auf zahm erzogen und zur Jagd anderer Thiere, wie ein Falck oder Habicht abgerichtet, sehr ge- woͤhnlich gebraucht, da werden sie hin- ter ihrem Waͤrter auf einem Kuͤssen zu Pferde sitzend getragen, von welchem sie nach vorgezeigtem Wilde unglaublich hurtig und schnell abspringen und lauf- fen, nach gefangenem Wild und Beguͤ- tigung aber ebenfalls jaͤhling wiederum aufsitzen koͤnnen, worzu denn wohlab- gerichtete Pferde erfordert werden. All- hier bey uns Teutschen ist diese Art zu jagen nicht gewoͤhnlich, sondern es wer- den die Tyger nur theils zur Pracht in Loͤwen-Haͤusern, wie gemeldet, behal- ten, theils aber zur Hoff- und Kampff- Jagd mit andern wilden Thieren ange- reitzet, oder durch starcke Hunde behetzt, wie unten gemeldet werden soll. We- gen seiner Spuhr und Gefaͤhrd hat man, da sie ohnedieß in unsern Laͤndern nicht zu finden, bey uns wenig Nachricht, ausser, daß sie, wie beym Loͤwen gemeldet, der Ka- tzen Art nach solche an Ballen und Klau- en, doch viel kleiner, laͤnger und schwaͤcher, als der Loͤwe, formir en sollen. Ein mehres ist mir von diesem Thier nicht bekant. Von dem B aͤr. Dieweiln der Baͤr meistens in Poh- len, sehr wenig aber auf Boͤhmischen und Schlaͤßischen Gebuͤrgen gefangen und hier zu Lande zur Hoff- und Kampff- Jagd gebrauchet wird, so wird dem ge- neigten Leser nicht mißfallen, wann des- sen Natur und Eigenschafft hier bemer- cket wird. Es werden die jungen Baͤ- ren den Christ-Monath, und meistens deren zwey, selten aber drey auff ein- mahl gesetzet. Sie sind sehr klein, doch zeigen der Kopff und die Vorder-Tatzen die kuͤnfftige Groͤsse: Anfaͤnglich sind sie weißgelblicht und werden blind geboh- ren: Daß sie aber so klein sind, ist die Ursach, weil die alte Baͤrin kein offenes Schloß hat, wie andere Thiere. Sie wer- den zu Anfang ihrer Jugend von der alten leicht erdruͤcket. Wann sie etliche Tage vorbey haben, kriechen sie der al- ten in die Haare dem Bauch nach, klet- tern auch auf den Ruͤcken; Am fuͤnff- ten oder sechsten Tage lernen sie sehen. Wann nun etliche Wochen hin sind und es nicht sehr kalt ist, auch die Sonne fein warm scheinet, kriechen sie hervor umb die alte herumb, und, sobald zwey Jun- gen zusammen kommen, wollen sie so- fort mit einander spielen, welches mit dem Maul und Vorder-Tatzen geschie- het, und machen mit allerhand krummen Gebaͤrden dem Zuseher eine artige Vor- stellung. Sie saugen an der alten Baͤ- rin, biß sie wieder laͤufft und wann es nur warm und Sommer wird, so gehen sie nach ihrer Nahrung, jedoch je laͤnger, je weiter. Wann ihre alten von jun- gem Wildpraͤth was gefangen, bringen sie es denen Jungen halb lebendig, daß sie wuͤrgen lernen, dann verzehren sie es zusammen: Alles, was sie fressen, hal- ten sie mit den Vorder-Tatzen: Sie neh- men alles, was fleischig ist, gerne an, als die jungen Voͤgel und Maͤuse, wo sie es aber nicht haben koͤnnen, graben sie aller- hand Wurtzeln aus, die sie essen, wie auch einige Kraͤuter. Sie uͤben sich mit klettern und steigen auf die Baͤume, wie die Katzen: Faͤllt gleich einer runder, gehet er doch wieder hinauf. So bald die Heydel- beer, Preußelbeer oder Erdbeer und Puͤl- tze reiff werden, fressen sie gerne davon, und wo die Baͤre haͤuffig in Waͤldern ver- handen, gehen sie des Nachts in die Wein- trauben und zu allerley Obst-Baͤumen, da sie sich uͤberfluͤßig fuͤllen, daß offters ihre Lohsung breit liegen bleibet. Die Hummel-Nester nehmen sie gerne aus, ingleichen die wilden Bienen aus denen hohlen Baͤumen, wornach sie steigen: Finden sie einen hohlen Baum, da Bie- nen darinnen sind, und vermercken es, werden sie so lange arbeiten, reissen und in Stuͤcke beissen, biß sie zu dem Honig kommen; Das beste, worauf sie sich ver- lassen, ist, daß sie eine gute Nase haben und leicht im Wind vernehmen koͤnnen, derowegen halten sie oͤffters die Nase in die Hoͤhe, und dahero kommts, daß sie leicht uͤbersichtig werden; Es sind ohne diß die Baͤre zur Blindheit sehr geneigt, und koͤnnen von Natur lange nicht so scharff sehen, wie andere Thiere: Wann sie noch klein, lernet man ihen allerhand Kuͤnste, als tantzen, uͤberwerffen, sitzen und stehen, in denen Armen was tra- gen und anders mehr, es muß aber al- les mit draͤuen und schlaͤgen geschehen, wie denen Pohlen bekant ist. Ob gleich die jungen Baͤre schwartz werden, be- halten sie doch am Halse einen weissen Ring, welcher nach und nach immer dunckler Der Baͤhr. Der Auͤer Oehse. C C. Von denen wilden Thieren. dunckler wird, biß er im dritten oder vierdten Jahr allgemach vergehet und nicht mehr zu sehen ist. Wann ein jun- ger Baͤr zwey Jahr alt ist, spuͤhret man ihn staͤrcker in der Faͤhrde, als die alte Baͤrin, seine Mutter, wie anders Wild, weil das maͤnnliche staͤrcker als das weib- liche ist. Nach vier oder fuͤnff Jahren, wann der weisse Ring umb den Halß ihm vergangen und die Haare braͤuner geworden, erlanget er seine Vollkommen- heit. Wo sich Baͤre aufhalten, da muͤs- sen grosse Wildnuͤssen, Heyden und Waͤlder seyn, ziemliche Felßen und wuͤ- ste Hoͤhlen, darinnen sie des Winters und des Sommers als in ihren Behaͤlt- nissen wohnen. Denen Woͤlffen folgen sie auff der Spuhr nach und was die- selben gefangen, nehmen sie ihnen ab und jagen die darvon, welche sich ihnen nicht wiedersperren. Der Baͤr und Baͤrin spuͤhren sich, als wenn ein grosser Mensch mit blossen Fuͤssen gegangen waͤre, und ist zu mercken, daß ihnen nicht, wie an- deren Thieren, die Vorder-Spuhr groͤs- ser, als die hintere, sondern, wegen des sitzens und stehens, die Hinter-Spuhr groͤsser als die vordere ist. Die Klauen kan man in der Faͤhrd sehen, auch gehet der Baͤr mit der Baͤrin offte beysam- men. Zu Ausgang des Monats May laͤufft die Baͤrin, gehet drey Viertel Jahr, gleich einem Menschen, oder Weibs- Volck, tragend, biß sie setzet. Jm Herbst bey der Eichel- oder Buch-Mast werden sie sehr feiste: Wenn aber ein kalter Win- ter einfaͤlt, koͤnnen sie wohl zur Noth etliche Wochen aushalten: Sie liegen dann (so ihnen der Grosse GOtt in der Natur eingegeben hat,) in ihrem Lager, welches sie mit Mooß zusammen getra- gen und warm ausgefuͤttert. Des Win- ters beym grossen Schnee, da sie nicht viel finden, sondern vielmehr ihr Lager verrathen wuͤrden, gehen sie nicht aus, sondern saugen an den Klauen, wie auch an den Hinter-Tatzen, knorren und mur- meln vor Suͤßigkeit, die sie darvon ha- ben; Maassen in dessen Anatomia befun- den worden, daß von denen Tatzen an innerlich gewisse Ductus und Roͤhrgen gehen, wodurch sie ihr Fett oder Feiste, wie auf eine andere Art der Dachs, zu saugen pflegen: So haben sie auch vie- les vom Dachs, zum Theil auch vom Schwein. Seltsam aber ist es, daß sie wegen ihrer Hinter- und Vorder-Fuͤsse auch im Brunfften stehen, gehen, schla- gen, und werffen, item steigen, umb- greifen und dergleichen dem Menschen in allem ziemlich gleich kommen, mit dem Geruch aber denen Hunden aͤhnlich sind. Es ist ein Thier von einer wunderbaren Complexion und wohl zu betrachten. Seine innerlichen Viscera und Einge- weyde an Hertz, Lunge, Leber und Gal- le, Diaphragma oder Zwerg-Fell, der Wanst und Magen, Gedaͤrme und al- les innerliche Zubehoͤrige, ingleichen die Fuͤsse, Ferse, Fußsohlen, Ballen, Zaͤhen, der hinteren, wie auch der Voͤrder-Tatzen Ballen, Gelencke, Fingeꝛ und Klauen, Ell- bogen und Schultern, Knie nnd Arschba- cken, gleichen in allen, der Anatomie nach, dem Menschen, nur daß der Kopff, Nase, Maul und Ohren, einem Schwein oder Hunde, die Augen aber einem Dachs ahnlicher sind. Wann im Fruͤhling das Thau-Wetter einfaͤllt, gehen sie aus ih- rem Lager nach ihrer Nahrung, und nehmen mit dem vorlieb, was sie im Laub finden. Sie koͤnnen ein groß Stuͤck Lu- der tragen, und tragen, was sie fangen und kriegen, recht in Armen gleich nach ihrer Wohnung; Wann sie was verzeh- ren, halten sie es fest in Vorder-Tatzen und legen sich darbey nieder. Sie sind nicht lange fluͤchtig, hoͤren bald auf, und verlassen sich auff ihre Staͤrcke. Wann sie unter einander uneinig werden, beis- sen, kratzen und schlagen sie sich mit gros- sem Geschrey, brummen und schnau- ben, schlappen mit der Zunge und Lippen, und lassen sich nichts nehmen. Jhr Wildpraͤth, weil sie fast wie die Dachse und Schweine sich von Gewuͤrm und Wurtzeln nehren, schmecket suͤß und eckel, als zahm Schweine-Fleisch und wird bey Hoff in der Kuͤchen verbrauchet; Die Tatzen aber werden als eine Delicates- se vor die Herrschafft angerichtet. Die Haut, so im Winter am besten, wird gaar gemachet und zu Decken der Reit- Pferde, auch in denen Kutzschen zur Waͤrme und uͤber die Kasten, solche vor der Naͤsse zu verwahren, gebrauchet. Sein Schweiß soll denen erschrockenen und furchtsamen Menschen eingegeben, ei- nen Muth machen; Auch soll man mit seinem Fett einem andern unwissend ei- nen grauen Bart zuwege bringen. Sonst ist er ein Raͤuber derer wilden und zahmen Thiere; Suchet Fische, streif- felt den Hafer, am allermeisten a- ber bedienet er sich gleichsam zu sei- ner Wuͤrtze der Ameisen, welche er in Anderer Theil/ in denen faulen Stoͤcken suchet, die er zerbricht, und die Ameissen daraus ge- nuͤsset: Dahero seine Lohsung meisten- theils von Ameisen als ein zusammen ge- druckter Ballen aussiehet. Die Baͤrin sauget ihre Jungen nicht wie andere Thiere hinterwaͤrts, sondern vorwaͤrts, nach dem Brust kern zu, mit zweyen Ge- saͤugen, gleich einem Weibsbild. So die Baͤren von Jugend auf bey denen Men- schen zahm auferzogen werden, sind sie artig und fromm, doch muͤssen sie kein Blut oder Fleisch kriegen, so roh ist, wo- von sie grimmig werden. Jm Alter a- ber werden sie boͤß. Sie leben nicht uͤber zwantzig Jahr. So sie in der Hoͤhle ge- hungert haben, gebrauchen sie Sauer- ampff, und andere Kraͤuter zu ihrer Nahrung, wegen des Magens und Ge- daͤrms. Der Baͤrin ihre Faͤhrd ist laͤnger und schmaͤhler, als des Baͤrs, welcher grosse Branten und Klauen, sonderlich an der Hinter-Spuhr hat: Der Baͤrin ihre Ferse aber sind kleiner, des Baͤrs schwaͤch- stes Glied ist gleichwie bey dem Tachs die Nase und Stirn, so er daselbst verletzet wird; Jst auch sonst ein sehr geyles Thier. So es eine unrichtige Weibes Person vermercket, wuͤrde es mit derselben durch Gewalt Unzucht treiben. Sie brunff- ten oͤffters vorwarts, wie Menschen, theils auch von hinten, wie Hunde. Jhre angebohrne Bloͤdigkeit der Augen curi- r en sie durch Aderlassen, weñ sie der wil- den Bienen, Wespen, und Hummeln Nester besteigen und reissen, wobey ih- nen die Nase dergestalt bestochen wird, daß viel dickes Gebluͤth abgehet, also die Augen umb ein ziemliches heller werden. Es soll auch der Baͤr ruͤckwaͤrts in sei- ne Hoͤhle gehen, daß man meynen sol- te, er sey heraus gegangen. Jnsgemein sind deren Baͤren vielerley Gattungen, nachdem das Clima ist; die bekantesten aber sind zweyerley: Die eine Art ist groß, deren theils Oerten gantz schwartz, groß und lang sind, wie in Preussen und Litthauen, andere hingegen sind Braun, auch ziemlich grosser Art, wie in Pohlen; Diese sind schlechter und zer- reissen alles, was fleischig ist, nicht nur in der Satz-Zeit die Wild-Kaͤlber, son- dern auch das gefallene Wild, und zahm Vieh, gestorben Aß und Luder, und ha- ben dunckelbraune Haare, sind auch grimmiger nach denen Menschen. Die andere Art aber ist viel kleiner, kurtz und dick, heissen Zeiddel-Baͤre, weil sie den Honig zeiddeln; diese koͤnnen auf die Baͤume besser klettern, als jene, sind auch etwas lichtbraͤuner an Farbe. Sie thun einem Menschen leichte nichts, wenn sie nicht boͤse gemachet werden. Ein Baͤr hat einen schwerlichen Lauff und nicht viel schneller, als ein Mensch, so er einem Menschen nahe kommt, oder sich ange- griffen vermuthet, hebt er sich empor auf die hintern Fuͤsse und zeiget seinen Zorn an durch Brummen, doch ist die Baͤrin grimmiger und etwas laͤnger, als der Baͤr. Sie trincken nicht wie andere Thiere, sondern fressen gleichsam Bissen weise aus dem Wasser. Nach dem Bey- schlaff absentir en sich die Baͤrinnen und streiffen den Haber mit denen Tatzen oder Maul ab, vorhero aber sehen sie sich wohl umb. Daß es in denen Nordischen kalten Laͤndern, als Groͤnland, Jßland und No- va Zembla, wegen des kalten Climatis und grim̃igen Schnees und Frosts gantz weisse Baͤre geben soll, welche so wohl un- ter dem Wasser von denen Fischen und andern Wasser-Gewaͤchsen, als auch auf dem Lande, wie die Amphibia sich neh- ren, findet man aus denen Reisebeschrei- bungen vor gewiß versichert, und sollen sie sich auf Acht Tage im Wasser erhal- ten koͤnnen und daselbsten sich sehr haͤu- fig finden lassen; Doch ist dieses eine gantz andere Art, als die hier zu Lande ge- woͤhnliche Baͤre. Letzlich wegen ihrer Spuhr, woran am meisten gelegen, ist zu mercken, daß die Vorder-Tatzen brei- te dicke Ballen innerlich gegen einander zu zwey Gruͤblein haben, und fuͤnff Zaͤ- hen, woran die Naͤgel oder Klauen im- mer kleiner zusam̃en gezogen; Die Hin- ter-Spuhr aber einen kurtz und breiten Menschen Fuß mit Fersen, Fußhoͤhle (so rauch verwachsen) u. Ballen mit 5. Zaͤhne haben, nur daß die innern Zaͤhen allzeit immer kleine, als die aͤusern gewachsen. Vom A uer. Die Auer oder Auer-Ochsen sind von dunckelschwartzer Farbe, welche vor die- sem in denen gꝛossen Wuͤsteneyen Teutsch- landes oder dem Sylva hercinia, dem Hartz- oder Schwartz-Walde gesehen worden, bey Ausrottung aber solcher un- geheuern Waͤlder, sich jetzo nach denen septentrionali schen Laͤndern, als Litthau- en Der Hirsch. Das Thier. D D. Von denen wilden Thieren. en, Reussen und Preussen begeben haben, woselbsten sie gefangen, oder vielmehr jung erzogen zu uns in Teutschland zum Kampff-Jagen gebracht werden. Die- ses tobende Thier, so einem wilden Rind billig zu vergleichen, ist schuͤchtern, fluͤch- tig und scheu, auch staͤrcker, groͤsser und laͤnger als unser gemeiner Stier, und unglaublich geschwinde. Sie haben ei- ne breite Stirn, darneben kurtze dicke schwartze Hoͤrner, auch einen solchen star- cken Halß, Kopff und Genuͤck, und koͤn- nen einen gantzen Reuter samt dem Roß mit ihren Hoͤrnern zugleich aufheben und in die Hoͤhe werffen. Sie sollen so einen harten Kopff und Hirnschale ha- ben, daß solche in keinerley Weg, auch durch keinen Buͤchsen-Schuß, wie starck der sey, verletzet werden kan; Wann sie aber todt sind, soll sich diese Eigenschafft nicht mehr finden, und soll alsdenn ihre Hirnschale durch einen jeden Schuß durchbohret werden koͤnnen; Welches Sr. Churfl. Durchl. zu Brandenburg, Friedrich Willheln, probir en lassen, und wahr befunden. Jhre Haut und Haare sind gantz glatt und halten sich ziemlich feiste: Sie haben eine harte und scharffe Zunge, welche fast wie eine eyser- ne Feile alles zerreibet; Was nun an- deres Rind-Vieh vor Nahrung nimmt, frisset der Auer gleichfalls. Es ist ein schaͤdliches Thier, so absonderlich dem Menschen haͤßig, und leget sich gemeini- glich bey solchen Wildnuͤssen in Bruch mit Rohr und Schilff verwachsenen Morast hinein tief ins Wasser, daß man nichts als kaum den Kopff davon sehen kan; Wann es erzuͤrnet und grimmig wird, so faͤhret es heraus und stoͤsset nieder, was vor es kommt, druͤcket mit seinen Hoͤꝛneꝛn unglaublich starck und geschwin- de, und beharret hartnaͤckig so lange, biß es vermercket, daß kein Leben mehr vorhanden. Es siehet der Auer auf der Stirn rauch zopffhaarigt, mit seinen kleinen tieffen Augen erschroͤcklich und fuͤrchterlich aus, und hat ein greuliches Ansehen, wie man denn vor gewiß in Hi- storien angeben will, daß diese abscheu- liche Bestia noch zu Zeiten des Julii Cæ- saris und ferner des Cornelii Taciti in dem damahligen wilden verwachsenen Teutschlande gewesen; Bey besserer und mehrerer Cultifir ung der Nachkom- men aber haben sich sowohl die Auer, als andere ungeheuere Thiere in die gros- sen Mitternaͤchtischen Wildnuͤssen Sa- mogytien und dergleichen begeben. Er hat ein grobes unverdauliches Fleisch, ist dahero dem Menschen hoͤchstschadlich und wird nur, wie oben gedacht, von gros- sen Herren wegen seiner Staͤrcke und Geschwindigkeit zum Kampff-Jagen un- ter andere Thiere gebrauchet; Und weiln er in keinen Kasten wegen seiner Groͤße und grimmigen Staͤrcke kommen kan, wird er an grossen Ketten, zwischen vorn und hinten schweren mit Steinen beladenen zweyen Wagen gefuͤhret. Letz- lich melde von dessen Spuhr ebenfalls, soviel mir wissend, und etwan noͤthig seyn moͤgte, maassen er hier auch gar nicht anzutreffen ist; Dieweil er nun, beschrie- bener Maaßen nach seiner Eigenschafft in allen einem Rind-Vieh fast gleich kommt, nur daß er wild ist, so waͤchst die Schaale viel laͤnger, krummer und haͤrter, auch mehr gewoͤlbter, beschlosse- ner, als denen zahmen Ochsen, deren Fuß freylich mercklicher, fleischichter ver- wachsen, flacher und runter, auch schraͤncket der Auer richtiger und gleicher, als der zahme Ochse, welches zur Nach- richt dienen kan. Von dessen Anato- tomie ist wohl nichts sonderlich merck- wuͤrdiges zu betrachten uͤbrig, als daß dessen Sceleton einem Rind-Viehe glei- chet, nur daß die Knochen und Gelencke mercklich staͤrcker sind. Von dem Hirsch. Der Hirsch ist das edelste und be- kanteste Wild unter denen wilden Thie- ren in Teutschland, dessen in Heyliger Schrifft mit besonderm Lob hin und wie- der gedacht wird. Das Weiblein, nehm- lich die Huͤndin oder das Thier, sobald sie im Septembri in der Hirsch-Brunfft von dem Hirsch empfangen hat, bemuͤ- het sich alleine abzusondern. Wunder- lich ist es, daß in der Brunfft am vierd- ten oder fuͤnfften Tag nach der Em- pfaͤngniß sich der Saame gleich formir et und wird die Frucht, nachdem sie sechs- zehen Wochen in Mutterleibe gelegen, nach alter erfahrner Jaͤger Meynung lebendig. Das Thier traͤget seyn Kalb viertzig Wochen, auch wohl acht Mo- nat und neun Tage: Sie staͤrcket ihre Frucht durch den Geruch der Ameiß- Hauffen, durch Wurtzeln und Kraͤuter, M von Anderer Theil/ von der Heyde und andern Knospen, Brunnen-Kresse, Mooß und allerhand Rinden derer Baͤume. Jn Behaͤltnis- sen und dickem Gebuͤsch verbirget sie sich vor rauher Winter-Kaͤlte, Frost und Schnee; Des Nachts aber, so lange es finster, gehet sie auf die Winter-Saat vorsichtig aus, ihre Nahrung zu neh- men. Es haͤlt sich meistens das Wild zur Herbst- und Winters-Zeit Troupp- weise beysammen auff, worbey jedes- mahl eines umb das andere genau auf- fiehet und die Wache haͤlt, umb ihren Feinden zu entfliehen. Wann es zwi- schen Ostern und Pfingsten kommt, des Fruͤhlings umb den May-Monat, su- chet ein jedes Thier einen absonderlichen stillen Ort aus, sein Kalb zu setzen, wel- ches gemeiniglich, aus Furcht der Raub- Thiere, an Strassen oder Wegen, in kleinen Gruͤnden, Wiesen, jungem Ge- haͤu, unter einem dicken Gebuͤsch oder Lager-Baum und Zopff-Ende geschie- het. Umb welche Zeit kein Hirte, Schaaf- oder Rind-Vieh, weniger Hunde in o- der bey denen Heyden oder Buͤschen zu dulden; Dann wann ein Stuͤck Wild oder Thier in der Satz-Zeit, da es setzet, verstoͤhret wird, erschrickt und aussprin- get, thut es sich leicht Schaden, so, daß es oͤffters crepir en muß. Wann sie nun ihr Kalb setzen, so thun sie sich gar offt nieder und kruͤmmen sich zusammen. Jm 39. Cap. Hiobs wird deren Geburth also beschrieben: Sie beugen sich, wann sie gebaͤhren, und reissen sich und lassen aus ihre Jungen. Das Kalb ist an- faͤnglich naß, dunckelroth, mit vielen weis- sen Flecken gezieret, und, weil es noch gantz matt von der Geburth, liegt es drey biß vier Tage stille und druͤcket sich wie ein Haase zur Erden; Jnsgemein fuͤhret das Thier das Kalb von der Ge- burths-Stelle etwas weiter, meistens ins Korn, damit es von Menschen oder Raub-Thieren, so oͤffters geschiehet, nicht weggenommen werden moͤgte. So das Kalb von einem Menschen gesuchet wird, wird das Thier denselben durch viele Wendungen hin und wieder wun- derlich mit grosser List verfuͤhren, daß es nicht zu finden. Waͤhrender Zeit wird oͤffters in Abwesenheit des alten Thie- res das Kalb von Menschen, Hunden oder Raub-Thieren weggenommen; So es nun schreyet, springet sie in hoͤchster Eyl darzu, schlaͤget starck mit denen Laͤuff- ten und jaget manches Raub-Thier da- von; Wo aber Gewalt vor Recht gehet, muß sie es geschehen lassen, was nicht zu aͤndern. Sie laͤsset das Kalb taͤglich fruͤh, mittags und abends fleißig sau- gen, lecket und liebet es, ob es gleich vom Kalbe gestossen wird; Doch habe selber gesehen, daß ein Thier sein eigenes Kalb, weil es gebrechlich gewesen, angegriffen, und bereits das rechte Ohr und die lin- cke Klaue davon aufgezehret hat; Muth- masse dahero, daß eben nicht so schlech- terdings zu verwerffen sey, was Plini- us von dem Hirsch und der Schlange ge- schrieben hat, und ist uns noch vieles verborgen, welches wir auszulernen nicht vermoͤgend sind. So es gesogen, gehet das Thier nach seiner Nahrung, wann es das Kalb nicht gleich findet, wird es so lange ruffen, biß das kleine antwor- tet, so in kurtzer Zeit lauffen lernet. An- faͤnglich gehet es allzeit hinter dem Thier her, wann es aber kundiger und staͤr- cker wird, laͤufft es alsdann vorwitziger voran. Das Thier fuͤhret sein Kalb al- lenthalben vorsichtig aus, zeiget ihm alle Gefahr, Nahrung und Sicherheit, biß es uͤberall kundig ist und alle Gelegenhei- ten mercket. Wann nun das Wild- Kalb zu andern Kaͤlbern seines gleichen koͤmmt, machen sie sich lustig und uͤben sich im Lauffen, dummeln sich mit kur- tzen Wendungen, springen fluͤchtig uͤber die Straͤucher weg, schlagen mit denen Vorder-Laͤufften und sind sehr artlich. Das Thier laͤsset es taͤglich saugen, biß zur Brunfft, auch oͤffters etliche Wochen nach der Brunfft, ob sie schon wiederum empfangen hat, wann aber das Thier gelde gehet, sauget sie es durchs gantze Jahr, biß sie wiederum brunfftet. Jm Sommer verliehret das Kalb seine weis- se Flecken, etliche Wochen nach der Satz- Zeit, und wird gelbroͤthlich, wie das an- dere Wildpraͤth; Maassen alles rothe Wildpraͤth insgemein umb die Satz-Zeit die grauen Winter-Haare fallen laͤsset, und sich roͤthlich faͤrbet. Des Fruͤhlings, wenn sie haaren, treibet ihnen die Natur aus dem innersten scorbuti schen und sal- tzigten Gebluͤthe durch alle Poros, so zu solcher Zeit sich oͤffnen, zwischen Haut und Fleisch solche Materie, aus welcher Putrefaction Wuͤrmer wachsen, Ender- linge genannt, so auch zuweilen durch den Schlund, Nasen und Maul heraus ge- hen und eine Reinigung des Gebluͤts sind, zuzeiten aber durch besagten Schlund so starck treiben, daß das Thier ersticken und Von denen wilden Thieren. und crepir en muß; Werden von denen Tholen aus der Haut gehacket, welches dem Wild so sanfft thut, daß sie bey sol- chem Schroͤpffen stille halten: Dahero es koͤmmt, daß uͤm solche Zeit die Haͤute voller Loͤcher, und nichts nuͤtze sind, biß es von sich selbst zulaͤuffet und verheilet, so eine artige Eigenschafft ist. Auch schlu- cken sie gerne leinene Lappen in Magen, vermuthlich denselben mit denen Fasen zu reinigen. So habe ich auch selbst mit meinen Augen gesehen, wie sich ein Stuͤck Wild durch die Nase die Ader selbst gelas- sen, woraus, nachdem es hefftig genies- set, gantze Stuͤcken Schweiß anfanglich gefallen, nachgehends ist der Schweiß Strohhalms dicke klar geronnen, so lan- ge, biß es ihm genung gedeucht, da es den Kopff uͤber sich geworffen, und also den Schweiß gestillet; Oder es brauchet ein solches Wild das Mooß von Roth- Buchen oder Aeschen. Die Wild-Kaͤl- ber kan man in Sommers-Zeit anders wohl nicht unterscheiden, was ein Hirsch oder Wild-Kalb sey, als wann man sie ge- setzet findet, oder das Feigenblaͤttlein oder Kurtz-Wildpraͤth vorne oder hinten stal- len siehet, oder auch dieselben grob oder klar schreyen hoͤret: Auf der Stir- ne ist das Kalb braͤunlicht oder roth, wiewohl sich die Farbe meistens nach der Mutter richtet. So es aber jaͤhrich, hat es einen haͤngigen Bauch, und von na- tuͤrlicher Hitze ein Brandfleckgen, siehet weiß am Kien, daran ein klein schwartz Baͤrtgen ist. Nach der Brunfft im Herbst verliehren die Kaͤlber den Na- men eines Kalbes und werden Schmahl- Thiere genennet, solange, biß dem Hirsch-Kalbe sein erstes Gehoͤrne her- aus waͤchset. Nachdem er Nahrung und Weyde, Natur und Vermoͤgen hat, bekommt er in dem ersten, theils auch im andern Jahre, zwey Buckeln, als wel- sche Nuͤsse, welche taͤglich hoͤher aufschies- sen und zum theil ein Viertel der Ellen, auch theils noch laͤnger wachsen und zur Brunfft-Zeit erst vollkommen werden, dann wird er ein Spieß-Hirsch genen- net, welcher sich Sommers und Win- ters bey anderm Wildpraͤth auffzuhal ten pfleget, wegen seiner Mutter. Jm andern, auch wohl im dritten Jahre des Sommers, wenn diese Spiesser ab- geworffen haben, setzen sie offtmahl wie- derumb Spiesse auf, jedoch laͤnger und staͤrcker, als die vorigen: Theils bekom- men Augensprossen, oder vier Enden, dann werden sie Gabel-Hirsche genen- net, welche Augensprossen ihnen dann allezeit am laͤngsten wachsen. Es mag ein Hirsch so viel Enden bekommen, als seine Natur heraus zwinget. Jm vierd- ten oder fuͤnfften Jahre, nachdem der Hirsch Nahrung und Ruhe gehabt, oder ihme gemangelt, setzet er wiederum vier Enden, doch staͤrcker und laͤnger, meh- rentheils aber sechs Enden auf. Diese junge Hirsche sind dem Wildpraͤth zur Brunfft-Zeit sehr angenehm, wie ein Juͤngling von zwantzig Jahren unsern Weibern und machen durch List und Ge- schwindigkeit denen Alten viele vergebli- che Gaͤnge und Muͤhe, sie von dem Wild abzuhalten. Jm fuͤnfften oder sechsten Jahre bekommen sie meistentheils acht Enden. Diese sind fluͤchtige Hirsche und geschwinde im kaͤmpffen, werden aber dennoch mit Ungestuͤmm von denen gro- sen abgetrieben, daß sie weichen und an- derswo ihr Heyl versuchen muͤssen; Jm sechsten oder siebenden Jahr, soll er we- nigstens zehen biß zwoͤlff Enden haben, nachdem, wie gemeldet, seine Natur und Nahrung gewesen. Das Wachsthumb und Zunehmen eines Hirsches in seiner Hoͤhe, Dicke, Staͤrcke und voͤlligen Voll- kommenheit waͤhret sieben biß acht Jahr, so groß er werden soll; Und wird zu ei- nem rechten Jagdbahren Hirsch, wie er zu Boden faͤllet, mit vollem Wanst, Ge- scheide und Gehoͤrn gerechnet drey Hun- dert Pfund am Gewichte und zehen En- den am Gehoͤrne. Dahero die Alten pfle- gen zu sagen, was dem Hirsch an Ge- hoͤrn oder Zahl derer Enden fehlete, muͤ- ste er am Wildpraͤth umb so viel mehr haben. Es halten sich die grossen Jagd- bahren Hirsche meistens drey oder vier beysammen auff. Die kleinen aber von sechs biß acht Enden jagen sie fort und leyden sie nicht bey sich. Einige Hir- sche, welche zehen oder zwoͤlff Enden getragen haben, pflegen folgendes Jahr zuruͤck und weniger zu setzen, jedoch von Stangen staͤrcker und laͤngere Enden, welches ein Merckmahl, daß sie des Win- ters offt Hunger ausgestanden, keine gu- te Nahrung gehabt und nirgends sicher gewesen; Ja sie tragen wohl gar zuwei- len nur Spiesse oder Gabeln, welches de- nen Kuͤmmerern, so im kaͤmpffen am kur- tzen Wildpraͤth verletzet worden, wieder- faͤhret und nur ein Augenmaß derer er- fahrnen Jaͤger ist, doch werden sie desto staͤrcker und feister am Wildpraͤth. Aus M 2 dem Anderer Theil/ dem Kurtz-Wildpraͤth, Hoden oder Te- sticulis koͤmmt aller Zugang, Nahrung und Krafft her, so zum Gehoͤrn dienet, weiln, so ein Hirsch-Kalb klein geschnit- ten wird, es nimmer ein Gehoͤrn bekoͤm̃t und wenn er Kolben aufgesetzet, sich aber durch Uberspringen an dem Orte ritzen wuͤrde, oder Schaden thut, wird solches knorricht, unfoͤrmlich, und krumb verwachsen. Wann aber ein Hirsch, der sein Gehoͤrn traͤgt, in der Brunfft da- selbst verletzet wuͤrde, so wird er das Ge- hoͤrn, so er traͤget, zeit Lebens behalten muͤssen; Weil ihme der Zugang ver- dorret; oder wird doch spater werffen und als ein Kuͤmmerer niemahls recht auffsetzen koͤnnen. Die Eigenschafft ei- nes Hirsch-Gehoͤrnes gleichet einer Ei- chel, welche den Safft durch den Sten- gel in die Muschel setzet, und den Zugang dadurch hat, biß die Eichel reiff, harte und duͤrre wird, endlich aber abfaͤllet. Eben auf solche weise qvillet gleichsam, nach abgeworffenem Gehoͤrn oder Stan- gen, das saltzigte Gebluͤth, so vom Kurtz- Wildpraͤth seinen Zugang dahin hat, zwischen Haut und Fleisch umbher, wie ein Crantz in die Muschel, setzet sich mehr und mehr oder haͤuffiger an, so viel nem- lich die Natur heraus zwinget, und schwil- let ferner empor, biß es von der Son- nen-Waͤrme seinen Wachsthum er- haͤlt, zur voͤlligen Zeitigung gelanget und verecket wird, so innerhalb acht auch ze- hen, biß zwoͤlff Wochen geschicht. Dar- uͤber von der Lufft, Sonn und Regen ein duͤnn blaulicht Haͤutlein gantz rauch waͤchset, wird so lange die Kolben genen- net, biß alle Enden verecket, ihren voll- kommenen Wachsthum erlangen, und hart werden. Sie halten sich, waͤhren- der Zeit, meistens in lichtem Holtze auff, das weiche Gehoͤrn zu schonen. Wenn es nun vollkommen erwachsen und kẽi- nen Zugang ferner zu hoffen, wachsen von der Faͤulung zwischen dem Gehoͤrn und Haͤutlein kleine Wuͤrmlein; Das Bast vom Gehoͤrn weiß der Hirsch in ein Paar Tagen, auch offt in einer Nacht, beym Thau und nassen Straͤuchern dergestalt reinlich abzusaͤubern, daß am Kopff, Gehoͤrn und Halß weder vom Bast, noch Schweiß-Tropffen das geringste zu sehen ist und streichet mit demselben nach seiner Hoͤhe an die jun- gen langen Bircken und kleine Haar- Weyden, hoch hinauff, biß das Bast alle abgeschlagen. Das blosse Gehoͤrn ist an- faͤnglich weiß, wird von der Lufft gel- ber, endlich braͤuner und von der Son- nen-Hitze, nachdeme viel Marck darinnen, schwaͤrtzlicher ausgepraͤgelt und schwe- rer. Die Spitzen derer Enden werden durch viel Stossen in Erde, Sand und Kießel vom steten Gebrauch weiß, und durchs Wasser gereiniget. Weiln auch das Hirsch-Gehoͤrn, so vom Wind hart gemachet, und vom innerlichen Marck schwer worden, von hitziger, trockener und sproͤder Natur uͤberstandlich, und nicht allein die Kaͤlte des Windes, sondern auch die frische Materie zum neuen Ge- hoͤrn die alten Spangen in denen Mu- scheln abdruͤcket, verursachet es Jucken, und machet daß sie das Gehoͤrn in Straͤu- chern reißen, und also abfallen lassen. Den Anfang zur Abwerffung des Ge- hoͤrns machen die alten und besten Hir- sche gemeiniglich im Martio, ja die staͤrck- sten und besten, nach dem die Landes-Art ist, schon zu Anfang des Februarii; Die geringern im April, die Sechser im Ma- jo und oͤffters spaͤter, die kleinern pfle- gen solches noch im Augusto, zu thun; Die Spiesser aber haben mehrentheils zur Brunfft-Zeit noch ihr Gefaͤge. Es giebet unter denen Hirschen unterschied- liche Arten von Natur, Gestalt und Far- ben, nehmlich braͤunlichte, roͤthlichte und gelblichte, sowohl langer als kurtzer Ge- stalt, auch hurtig und traͤge. Ein Hirsch ist, so er unvermuthet einen Wagen fah- ren, oder einen Fuhrmann gewoͤhnlich ruffen, singen oder pfeiffen hoͤret, begierig, solches anzusehen, und so er im Walde von Woͤlffen verfolget wird, suchet er Zu- flucht bey denen Menschen, sich zu retten. Sonst hat ein Hirsch innerlich einen dop- pelten Magen, wegen seines wiederkau- ens, an der Leber aber ist keine Galle zu finden, hingegen ist das Gescheide gantz bitter, und hinten am Zimmel der Buͤr- tzel innewendig gruͤn und am Geschmack auch bitter, daß ihn auch die Hunde nicht fressen moͤgen: Deswegen einige solches vor die Galle halten. Ein Hirsch soll sehr alt werden, weil er des Jahres nur einmahl die Geylheit brauchet und zu sol- cher Zeit zornig ist, sonsten aber sehr di- æt lebet und seine Natur stets schonet, wie nicht weniger durch gesunde Qvellen, Wurtzeln und Kraͤuter alle Fruͤhling sein Gebluͤth reiniget, und sich also staͤrcket; Genuͤsset nichts unverdauliches, womit er sich verderben koͤnne. Es ha- ben die Alten gesaget, wann der Hirsch die Von denen wilden Thieren. die Eichel in die Erde getreten, so koͤnne er mit der Zeit erleben, daß daraus ein starcker Baum wachse, der ihm jaͤhrlich Mastung trage, mit der Zeit abnehme, umbfalle und verfaule, daß er solchen mit dem Gehoͤrn zerstossen, oder denen Laͤuff- ten zerkratzen koͤnne, welches sie auff drey hundert Jahr lang geschaͤtzet. Vom Kaͤyser Julio Cæsare schreibt man, er ha- be einigen Hirsch-Kaͤlbern Halß-Baͤn- der von Golde machen, seinen Namen und Jahrzahl darauf stechen lassen, wel- che etliche hundert Jahr nach seinem To- de gantz verwachsen befunden worden, ohne daß man denen Hirschen groß Alter angesehen habe. Hingegen erlanget ein Thier, Huͤndin oder Stuͤck Wild kein sonderlich hohes Alter, und habe ich ob- servir et, daß solche selten uͤber 24. biß 30. Jahr alt werden, weil dieselben wegen des jaͤhrlichen Setzens der Kaͤlber abge- mattet werden, und ihre Natur dadurch von Jahren zu Jahren schwaͤcher wird. Sonst ist ein gar alter Hirsch wohl zu er- kennen, wann die Rose voller grosser Per- len oder Steine nahe und breit ihm auf dem Kopffe sitzet; Die Stangen lang und dicke, von tieffen und perrlichten Ri- tzen, oben feine und flache gedoppelte Kro- nen, lange weisse abgenutzte Enden, uͤ- ber denen Augen tief eingesunckene Gru- ben, blasse Zunge und truͤbe Augen, stumpffe wackelnde Zaͤhne, abgenutzte kleine Schaalen, stumpffe Klauen, grosse flache dicke Ballen und dergleichen, nach dem Augen-Maaß zu sehen sind. Jm Sommer gehen das Wild und die Hir- sche fleißig in das Getraͤyde, als Erbsen, Gerste, Wicken, Haber, Flachs-Knoten, Eichel-Mast, wild Obst, Kraut, Ruͤben, und dergleichen. Sie halten sich heim- lich und gehen nicht weit zu Felde, auch nicht weit zu Holtze, daß sie nicht verra- then werden. Gegen Jacobi umb die Erndte-Zeit, werden sie sehr feiste und nehmen zu, daß man wohl zu Zeiten Jo- hann Georg des Ersten allhier in Sach- sen Hirsche gefunden, welche acht biß neun Centner gewogen, ob es gleich fast eine Unmoͤgligkeit zu seyn scheinet. Sobald Ægidii koͤmmt, jedoch nach der alten Zeit, wann viel wild Obst oder Eichel-Mast vorhanden und die Hirsche feiste worden sind, woraus die Geilheit entstehet, auch Froͤste und kalte Nebel kommen, welche die Schweiß-Loͤcher verstopffen und die Brunfft-Hitze vermehren, wovon sie gleichsam rasend werden, so gehen die Hirsche von einander, werden begierig, suchen das Wild und spuͤhren ihnen fleis- sig nach. Was nun ein Hirsch vor Wild antrifft und nicht abgetrieben wird, dar- bey bleibter: So er eines bespringen will und solches will nicht halten, faͤnget er an vor Grimm zu schreyen, scharret dann in die Erde, reisset und wirfft den Koth uͤber sich, bespritzet sich mit Saamen und Harn. Vor Hitze der Brunfft be- kommt er unter dem Zaͤum einen schwartzen Fleck, welcher je laͤnger je groͤs- ser wird, namentlich der Brand, und vom Schreyen einen starcken Halß, wie einen Kropff, daran lange Spieß-Haa- re sind; Haͤlt das Maul offen: So er einmahl seinen Willen erlanget hat, trei- bet und jaget er das Wild zusammen und laͤsset keines ablauffen. Waͤhrender Brunfft-Zeit soll er anders nichts als Puͤltze und rothe Schwaͤmme geniessen: Vor Hitze, sonderlich da Ma- stung ist, kuͤhlen sich in Brudel und Morast, daß sie uͤber den gantzen Leib voller Koth schwartz aussehen, sowohl die Hirsche als das Wild. Wann der Hirsch in voller Brunfft stehet und recht grimmig ist, so weicht er vor nichts aus, sondern thut offters so- wohl Menschen als Vieh Schaden: Ein solcher Brunfft-Hirsch gehet allezeit hin- ter dem Wild her, und so er einen an- dern schreyen hoͤret, antwortet er heff- tiger: Gegen Abend und Morgen waͤh- ret ihr Schreyen am meisten, sonderlich, wenn es kalt und neblicht ist, oder das Wetter sich aͤndert und er nicht seinen Willen haben kan, seinen Wiederparth damit abzuschrecken: Wann nun ein anderer kommt, der noch kein Wild hat und dieser siehet ihn, so gehet er auff ihn loß und jener reisset aus: Doch mancher, welcher ihm gewachsen, und sich zu weh- ren getrauet, weichet nicht, denn fahren sie vor Grimm ploͤtzlich mit dem Gehoͤrne zusammen, daß man es eine Viertel- stunde, ja bey stillen Wetter noch weiter klappen hoͤret, und kaͤmpffen mit grosser Geschwindigkeit; welcher nun den Platz behaͤlt, schuͤtzet sich so lange, biß ein staͤr- ckerer uͤber ihn kommt, der ihn wieder- um davon abtreibet. Offte verwirren und verbeugen sie das Gehoͤrn in einander so feste, daß sie sowohl selbsten, als andere sol- ches nicht wieder von einander bringen koͤnnen, und oͤffters beyde auff dem Pla- bleiben muͤssen, wenigstens sich viele zu schanden, krumb und lahm stossen, oder M 3 gar Anderer Theil/ gar auff dem Platze todt liegen bleiben. Wo ein grosser Troupp von vielem Wild ist, und etliche Hirsche darzu kommen, so jagen sie sich ziemlich herumb, springen dann unter das Wild hinein, umb sie von einander zu trennen, welches denn schwerlich angehen will, so es aber gelin- get, gehet einer hier mit einem Troupp, der andere mit etlichem Wild dort hin- aus. So nun ein Hirsch das Wild be- springet, oder beschlaͤget, giebt er demsel- ben mit dem Zaͤun nicht uͤber vier Stoͤs- se, aufs geschwindeste und etliche mahl biß Vergnuͤgung kommt, so ist es vor- bey. Es kan ein Hirsch, nachdem er starck oder schwach ist, zehen biß funffze- hen Thiere beschicken. Sie brunfften ziemlich lang, und nehmen denn mit gan- tzer Gewalt ab. Jhre Feiste an Nieren, faͤnget an, sich zu verlieren und fahren in der Brunfft fort, biß sie gantz mager sind, daß fast nichts an ihnen, als Haut und Knochen bleibet. Nach der Brunfft-Zeit begeben sich die Hirsche zusammen und bleiben den Winter uͤber mehr, als im Sommer, bey einander, es moͤgen auch alsdenn die grossen Hirsche die kleinen besser leiden. Jm Winter aber schar- ren sie nach der Heyde, beissen die Kno- spen von jungen Baͤumen, Eichen und Bircken, auch schaͤlen sie die junge Rin- de von Aespen und Kiefern, ingleichen pflicken sie den Vogelkiehn und Mispel von Windbruͤchen ab. Der Bauern Ruͤben und braune Kohl wird auch be- suchet und scharren nach der Eichel und Buch-Mast, was sie unter dem Laub fin- den. Sie verbergen sich vor der Kaͤlte in Behaͤltnissen, tieffen Gruͤnden und Dickigten, suchen in warmen Qvellen Nahrung von Brunnenkresse, Kraͤu- tern und Wurtzeln. Wo die Sonne fein anscheinet, waͤrmen sie sich. Des Nachts aber, da alles Wild viel kuͤhner und lange nicht so vorsichtig, als am Ta- ge ist, gehen sie auf der gruͤnen Saat. Wann gifftig stinckende Nebel sind, zer- scharren sie die Ameißhauffen, riechen darein und brausen von solchem starcken Spiritu, reinigen durch das Niesen ihr Gehirn, daß viel boͤses damit weggehet, und brauchen es gleichsam zu ihrem Nie- se-Pulver. Wann ein Hirsch was ver- mercket, gehet er gemeiniglich dem Wind entgegen und so er gejaget wird, laufft er mit dem Winde, daß keine Witterung von ihm zuruͤck bleibe. Eben also schwimmet er lieber abwerts, als wider den Strohm. Wird er geschossen, ver- laͤsset er balde die andern und gehet bey Seite, thut sich nieder. So er aber vom Schieß-Hunde gefunden wird, laufft er, wo es ihme moͤglich, weil ihn der Schuß brennet, nach dem Wasser, sich zu kuͤh- len, springet hinein und wehret sich. Wann viel Wild und Hirsche beysam- men fluͤchtig werden, lauffen die Staͤr- ckesten hinten nach, stossen und schlagen die andern vor sich fort. Wenn es don- nert, und grosses Ungewitter entstehet, bleiben sie nicht gerne unter denen Baͤu- men, sondern begeben sich lieber, wo kein Dickigt ist, in flache Felder, Wiesen und lichte Plaͤtze, und stehen daselbst auch in dem groͤsten Regen. Bey Aenderung des Wetters kaͤmpffen die Hirsche mit dem Gehoͤrn, rennen und jagen einan- der herumb, und suͤhlen sich im Prudel oder Tuͤmpel. Bey Sturmwinden a- ber sehen sie allezeit nach denen Baͤumen in die Hoͤhe, wohin dieselben in der Noth fallen moͤgten. Von dem Hirsch ist zur Medicin, zwischen zwey Frauen-Tagen, fast alles zu gebrauchen: Als die Kolben, woraus ein herrlich Wasser gebrannt wird, ingleichen das Gehoͤrne, oder Ge- weyhe, wie auch die Hirsch-Thraͤnen, so ei- ne starcke gelbe zaͤhe Materie u. in tieffen Ritzen bey alten Hirschen zu finden ist, ferner das Hirsch-Creutz, so ein Beinlein im Hertzen und dem Bezoar an Tugen- den gleich gerechnet wird. So ist auch das Unschlitt und Marck eine gute Heil- Salbe, wie auch der gedoͤrrte Schweiß, welcher des Bocksbluts Wirckung hat, anderer Tugenden mehr, wovon die Me- dici bessere Nachricht geben koͤnnen, zu geschweigen. Auch schlucket das Thier, wenn es gesetzet, das Haͤutlein, worin- nen das Kalb gelegen hat, wiederumb zu sich, wie die Hirsche das abgeschlagene Bast vom Gehoͤrne. Von des Hirsches Befaͤhrd. Die Spuhr, Merckmahl oder Ge- faͤhrd des Hirsches ist deutlich zu erken- nen, indem dessen starcke Ballen breit als Huͤner-Eyer und weit von einan- der stehen. Die Lauff-Klauen sind im Fusse lang und rund gewoͤlbt: Die Aff- ter-Klauen, welche uͤber denen Ballen nahe stehen, und der Ober-Ruͤck ist, sind manch- Von denen wilden Thieren. manchmahl gar deutlich zu sehen und stehen hinter denen Ballen, als haͤtte man zwey Daumen eingedruͤcket. Das Thier oder Stuͤck Wild aber hat kleine Ballen, als die Tauben-Eyer, ist enge zwischen denen Ballen: Die Schalen sind flach, lang und spitzig, oder schmahl. Den Ober-Ruͤck, welcher hoͤher uͤber den Ballen, als dem Hirsche und enger bey- sammen stehet, kan man nicht sehen, es trete denn Berg unter oder sey fluͤch- tig. Ein Hirsch schreitet auch weiter und breiter als ein Thier, welches kuͤrtzer und schmahl schreitet. Er setzet sein Gefaͤhrd hin und wieder mit denen Ballen ein und mit denen Klauen auswerts, und dieses heisset geschraͤncket; Das Wild aber gehet mit schlechtem flachen und spitzigem Gefaͤhrd gerade vor sich weg. Er tritt das Graß mit denen Schalen ab, weil er schiebet; Das Wild aber qvatschet nur solches: Wann das Graß im Abtritte ge- gen den Himmel gehalten noch gruͤne, ist es frische Gefaͤhrd, so es aber gelblicht, ist es schon aͤlter: Jngleichen so der Thau klar abgetreten, ist es frischer, als wenn nur vom Thau Tropffen in dem Ge- faͤhrd drinnen hangen: oder so man in trockenem Erdreich die Gefaͤhrde mit dem Finger auffkratzet, wofern sie einerley aussiehet und locker ist, ist sie noch neu, wann aber die zerbrochene und hart getretene Erde sich schiebet, die auffgekratzte frischer und die Spuhr trockener ist, so ist sie aͤlter. Der Hirsch schiebet mit denen Ballen vor sich und ziehet mit denen Klauen die Erde an sich, daß im Gefaͤhrd mitten ein kleiner Huͤ- bel wird, und dieses heist der Burgel: Wann er nun die Erde an sich ziehet, so zwinget er die Schaalen vorn an de- nen Spitzen eng, und schmahl und das heist das Zwingen, solches thut kein Stuͤck Wild, sondern es schleiffet gerade vor sich weg. Es wird zu der Gefaͤhrd ei- nes alten wichtigen jagdbahren Hirsches, der gut am Gefeiste ist, erfordert, daß vornehmlich der Schranck eine gute Spann breit, weil der Zimmel starck ist, der Schritt drittehalb Werck-Schuh weit, beyde Ballen vier Finger breit, die Schaalen an der Schaͤrffe abgenu- tzet und die Spitzen kleiner rund und stumpff seyen. Der Hinterlaß ist, wann der Hinterlaufft, da die Flaͤchse, so uͤber die Kaͤule hinten im Fuß steiff spannet, hinter dem vordern zuruͤcke bleibet, ent- weder weil die Flaͤchse vor Alter einge- schrumpelt, zaͤh und steiff, oder weil der Zimmel am Wildpraͤth und Fei- sten die Flaͤchsen oder Sehne spannet: Solches geschiehet von guten alten Hir- schen. Auch ist ferner zu mercken, wann ein Hirsch mit seinem Gehoͤꝛn in einem Di- ckigt oder Knack die duͤrren Aeste antrifft, daß er dieselben, wenn er sich wenden und fortgehen will, zerbricht und knicket, daß sie abhangen, woran man die Hoͤhe, und Breite des Gehoͤrns mercken kan, oder er wendet mit dem Gehoͤrne das Laub umb, und streiffet es gleichsam verkehrt, wo er durch die Straͤucher fluͤchtig wird, und solches wird das Wenden, die Him- mel-Spuhr oder das Himmels-Zeichen genennet. Der Beytritt ist, da der hintere neben dem vordern zu sehen, weil das Creutz und der Zimmel hinten starck und dicke sind; Und geschiehet von rech- ten feisten Hirschen; Wie auch der Creutz- Tritt, da er mit dem Hinter-Laufft, halb in vordern und halb neben austritt, daß die zwey Schaalen, als die rechte vor- dere und die lincke hintere uͤbers Creutz gehen, und man nur drey Ballen ne- ben einander sehen kan, im Beytritt aber vier Ballen. Das Ubereylen ge- schieht von jungen Hirschen, wann sie den Hinterlaufft uͤber den vordern setzen, weil im Gelencke, Flaͤchsen und Seh- nen alles noch jung, rasch und fluͤchtig ist: Wann der Hirsch fortschreitet, wirfft er zur Seiten aus, was er zwischen de- nen Klauen an nassem Laub oder Erd- reich gefast, und dieses heisset das Aus- nehmen; Jn nassem feuchten Thon aber druckt er sein Gefaͤhrd deutlich als ein Jnsiegel, welches auch so genennet wird. Der Schloß-Tritt wird genennet, wann der Hirsch von seinem Lager oder Wahn- bette aufstehet, mit dem rechten Fuß, welchen er unter sich leget, sich auffstem- met und denselben rechten Vorder-Fuß gantz alleine mitten ins Lager setzet: Das Wild aber mit dem lincken zur Seiten naußtritt. Auch wenn er uͤber einen Zaun springet, findet man nicht mehr als drey Fuͤße, den vierdten ziehet er an sich; Das Wild aber thut solches nicht. Eines jungen Hirsches Gefaͤhrde zu er- kennen, ist zu mercken, daß solche laͤng- licht und weit von Ballen scharff geschaa- let, der Ober-Ruͤck hoch gelencket und je aͤlter ein Hirsch, je niedriger er gelen- cket ist, daß oͤffters bey alten Hirschen der Ober-Ruͤck von Schaalen Fingers- breit stehet, innewendig aber rund ge- woͤlbt Anderer Theil/ woͤlbt, schreitet auch nach seiner Groͤs- se weiter, als ein Thier und uͤber- eilet allezeit die Vorder-Spuhr; Ge- het geschraͤncket mit denen Ballen ein- werts und die Spitzen auswerts und macht, so jung er ist, alle Zeichen seines Vaters, und wie ein Hirsch, nur nicht so vollkoͤmmlich, sondern nach seinem Al- ter, auch den Beytritt, aus welchem man die Staͤrcke oder Schwaͤche des Hir- sches observir en kan, und deswegen muß ein Jaͤger solchen wohl observir en; Der zehende Jaͤger kennet ihn nicht, man findet ihn auch sehr selten, doch wenn man ihn findet, muß man nur vorne nach der Weite sehen, je staͤr- cker der Hirsch ist, ja weiter stehet er ab. Man muß aber fein hierzu die Augen aufmachen. Wann eine Spuhr oder Gefaͤhrd gangen ist, zeigen zwey Schritt lang die Laͤnge des Leibes vom Thiere an. Jngleichen das Lager oder Wohn- Bette und die Suhle weisen einem die Groͤsse und Staͤrcke des Leibes deutlich: Ein Henge-Seil von demselben oder dreyßig Schritt lang laͤsset er die Lohsung fallen und stallet, ehe er weiter fortgehet. Das Gehoͤrn wird vom Hirsch wegen des Basts an die jungen Baͤumlein und Straͤucher geschlagẽ, wormit er das Bast abfeget, solches heist geschlagen, woran man die Hoͤhe abnehmen kan. Die Loh- sung zur Hirsch-Feist-Zeit im Sommer ist flach und breit, als ein zwey Groschen- stuͤck: Henget schleimigt an einander, wie eine Weintraube und je feister der Hirsch, je schleimigter ist seine Lohsung und glaͤn- tzet wie Oehl an der Sonnen, im Win- ter getrungener, schwaͤrtzer und rund- eckigter; Des Wildes Lohsung aber klei- ner und am Ende spitzig, verzettelt sol- ches, als einen zerrissenen Rosenkrantz und laͤsset die Lorbern zerstreuet hin und her fallen, wie die Ziegen und was das Wildpraͤth gutes oder boͤses, verdaulich oder unverdauliches genossen, und im Magen und Wanst gehabt, wird man finden, doch ist die Tages-Lohsung von der Ruhe besser verdauet, als die Nachts- Lohsung. Von Befaͤhrd eines traͤchtigen Thieres. Wenn ein Thier tragend und die Frucht umb St. Georgen-Tag uͤber die Helffte ist, muß man wohl acht geben und die Kenn-Zeichen genau betrachten. Und ist folgendes zu mercken: Weil das Kalb im Hinter-Theil des Leibes lieget, so bleibet der Hinter-Laufft eine Spanne oder mehr zuruͤcke und setzet das Thier solchen zur Seiten neben aus, weiln es seine Frucht schonet und mit der Keulen nicht vorschieben will, indem die Frucht, wo sie lieget, solche Seite ausgefuͤllet und eingenommen hat. Wann nun das Thier gehet und schreitet, tritt es viel tieffer mit demselben Hinterlaufft ein und schleiffet bißweilen auf der Er- den, nehmlich, wann es ein Hirsch-Kalb, mit dem rechten Hinterlaufft, so es aber ein Wild-Kalb ist, mit dem lincken Hin- terlaufft, wie vorgemeldet, neben aus, und bleibet zuruͤck. Das tragende Thier aͤsset sich von Flachs-Knothen und Faul- Baum hoͤher als sonst; Machet den Schloß-Tritt ins Wahn-Bette mit dem rechten Laufft, schraͤncket mit dem rech- ten Hinterlaufft und so es stehet, staͤm- met sichs auf denselben, wenn es ein Hirsch-Kalb traͤget: Die Zeichen der lincken Seiten bedeuten ein Wild-Kalb: Dieses verlaͤugnen die meisten Jaͤger, wiewohl sie solches auch geheim hal- ten wollen, und gruͤndlich anzuspre- chen ein sehr subtil es Werck ist, wird auch nicht eben hauptsaͤchlich erfor- dert, sondern ist nur ein absonderlich rares Kunst-Stuͤck, wer sich mit Fleiß darauff legen will, sich bey einer Herr- schafft vor andern zu signalisir en und be- ruͤhmt zu machen. Und nunmehro hof- fe, ich werde wohl bißhero daß meiste und noͤthigste von dem Hirsch, soviel dessen Eigenschafft und Gefaͤhrde betrifft, und mir davon wissend ist, beschrieben haben; Wiewohl man nimmer gaͤntzlich die Na- tur auslernen wird. Das uͤbrige muß auf die Erfahrung, fleißige Untersu- chung und Nachdencken wohl am meisten ankommen, welches bestens recommen- dir et haben will; Maassen nicht aller Orten einerley Hirsche, sondern nach- dem das Land, die Nahrung, Gelegen- heit, Witterung, Minerali en, Clima und dergleichen mehr anzutreffen sind, ver- aͤndern sich auch alle Thiere, wie ich da- von bereits zur Gnuͤge in der Vorrede des andern Theils ausfuͤhrlicher besch rie- ben habe. Von Von denen wilden Thieren. Von dem Daͤnn-Hirsch. Dieses Thier ist allhier zu Lande nicht so haͤuffig, als in der Schweitz, da sie gar viel und offt in Waͤldern anzutreffen, sondern sie werden nur entweder in Stadt-Graͤben oder grosser Herren Thier-Gaͤrthen eingesperret gehalten, zur Raritaͤt auffgehoben, und vor den Woͤlffen daselbst beschuͤtzet, weiln sie mit dem Lauffen nicht wohl fortkommen koͤn- nen, also nothwendig denen Raͤubern zu Theil werden und Haar lassen muͤsten. Diese Daͤnn-Hirsche sind mittelmaͤßiger Groͤsse, kleiner als die vorgemeldete gros- sen rothen Hirsche, aber doch groͤsser als die Rehe. Haben unterschiedene Far- ben, man findet gantz weisse, auch zu- weilen gantz schwartze, ingleichen etliche, welche rothgelb, mit weissen Flecken, als ein Hirsch-Kalb gezieret sind, wie auch weiß und braunfleckigte. Das Geweyhe oder Gehoͤrn, wovon die untersten vier Augensprossen, die uͤbrigen Enden aber, so gleich als ob sie mit Spinnweben bezo- gen aussehen, Schauffeln genennet wer- den. Sonst ist die Eigenschafft dieses Daͤnn-Hirsches, was das innerliche be- trifft, denen grossen Hirschen in vielen gleich: Maassen sie ebenfalls keine Galle, aber einen laͤngern Buͤrtzel oder Schweiff wie die grossen haben. Das Thier setzet zu Ende des Maͤy-Monats seine Jun- gen, meistens zwey, wie die Rehe. Seine Brunfft geschiehet fast 14. Tage spaͤter; Den Anfang machen ebenfalls die alten Hirsche eher, als die jungen. Die Stimme aber ist gleichsam als in der Gurgel verschluckend und lange nicht so starck als derer rothen Hirsche. Seine Faͤhrd ist ebenfalls der Art nach zu spuͤ- ren, wie der grossen Hirsche, laͤsset auch unterschiedliche Lohsung fallen, nachdem er Weyde oder Graß gehabt. Er wird viel leichter von Hunden gefangen, weil er nicht eine so schnell lauffende, aber viel angenehmere und suͤssere Gefaͤhrd hat: Er wird in Franckreich eben auch mit denen Chiens courans par Force gejagt, weiln sie daselbst, wie in der Schweitz, haͤuffiger in denen Waͤldern, als bey uns, anzutreffen. Sie halten sich ger- ne in trockenen Heyden im Unter-Holtz und jungen Gehaͤu auff, gehen auch nicht so zu Felde wie Roth-Wildpraͤth, son- dern nehren sich im Holtze von Graß, Kraͤutern, Knospen und Laub von Baͤu- men: Gehen im uͤbrigen Troupp-weise beysammen, ausser vom Ende des Maͤy an biß zu Ende des Augusti. Wegen der Sommer-Hitze, aus Furcht fuͤr denen Brehmen, Fliegen und Muͤcken, lassen sie sich gerne in solchen Laͤndern finden, wo es kleine Gebuͤrge und Thaͤler giebt, wenigstens suchen sie ihre Zuflucht im di- cken Gebuͤsch. Jn der Brunfft folget der Hirsch dem Wildpraͤth nicht nach, sondern machet sich gewisse Staͤnde, scharret mit den Laͤufften eine Grube umb sich, und schreyet, welch Wild nun Lust hat, das gehet zu ihm, welches er so- fort beschlaͤget und alsdann wieder in sei- nen Stand sich begiebet; Das Wild aber kommt wieder zur vorigen Gesellschafft: Dahero diese Hirsche in denen Waͤldern gar selten kaͤmpffen, ausser wenn einer dem andern in seinen Stand gehen wol- te. Jn Thier-Gaͤrten aber, da sie na- he beysammen, geschiehet es oͤffters. Die- ses Wildpraͤth ist nicht so wild, als an- deres; Hat sichs nieder gethan, und ver- nimmt etwas, so druͤcket es sich mit dem Kopff vollends auff die Erden und war- tet ziemlich nahe, alsdann faͤhret es im Dickigte fort und lauret wieder; Es laͤsset sich nicht so zusammen treiben, we- gen seiner Zahmheit, wie das andere. Das Gehoͤrn wirfft es eben jaͤhrlich gleich andern Hirschen ab, und setzet sol- ches wieder auff. Die Huͤndin ist klei- ner, traͤget eins, bißweilen zwey und fuͤhret sie, wenn sie lauffen koͤnnen, zu ih- res gleichen; Die Hirsche sondern sich auch nicht darvon, breiten sich im Geaͤß von einander und thun sich des Tages beysammen nieder. Es ist eine recht wundersame Antipathie zwischen denen grossen rothen Hirschen und diesen Daͤñ- Hirschen dergestalt in der Natur einge- wurtzelt, daß, wo sich Daͤnn-Hirsche auff- halten, daselbst die andern grossen ro- then Hirsche weit davon abweichen, gar wegziehen, und ferner solche Gelegen- heiten meiden. Wo aber beyderseits Gattungen in einen Thier-Garten ein- gesperret, sich zusammen ernehren muͤs- sen, nehmen die grossen rothen Hirsche mit gantzer Gewalt an allen Kraͤfften ab und fallen endlich gar dahin, ohne daß man hiervon die eigentliche Ursache gruͤndlich begreiffen kan, wie ich solches augenscheinlich selbst erfahren, weswe- N gen Anderer Theil/ gen man sie auch nicht gerne im Gehaͤ- ge bey dem hohen Roth-Wildpraͤth dul- det. Sonst ist es zu speisen unter an- dern gar ein liebliches delicates Wild- praͤth, in Wacholder-Beer eingemacht; Sonderlich haben sie feste und zarte Haͤute. Von dem Schwein. Wie der Hirsch ein edeles, also wird das wilde Schwein ein ritterliches Thier genannt, maassen es ihm niemahls an Muth und Hertze fehlet. So es ange- troffen wird, haͤlt es ungescheuet aus, und tritt seinem Feind unerschrocken un- ter die Augen, ja uͤberlaͤufft oͤffters so wohl Hunde, als Jaͤger, und achtet we- der Spieß, Lantze, Schuß, noch Stiche, wird vielmehr dadurch erhitzter und ver- ursacht seinem Wiederpart durch seine Waffen Schaden genung: Jst von hi- tziger Eigenschafft nach seiner Natur. Das weibliche, so man eine Bache nen- net, nachdem es in der Brunfft umb Advent empfangen hat, traͤget ungefehr achtzehen biß zwantzig Wochen und setzet des Fruͤhlings darauff umb die Fasten- Zeit im Maͤy-Monat ihre Frischlinge, welche in wenig Tagen in Mutterleibe gebildet und so sie die Helffte erlanget, ebenfalls erwachen und lebendig wer- den. Die Ameiß- Hauffen und warme Bruͤcher, Qvellen und Dickigte dienen ihnen des Winters zur Waͤrme. Sie wandern des Nachts nach denen Eicheln, und Buch-Mast sehr weit. Die wilden Sauen werden das Schwartz-Wild, wie die Hirsche das Roth-Wild genennet, und haben ihre Mast des Herbsts- und Win- ters-Zeit von Eicheln und Buch-Mast, wie auch von Hasel-Nuͤssen, Erd-Wuͤr- mern, Farren-Wurtzeln und andern mehr. Zu solcher Zeit halten sich ins- gemein gantze Rudel Sauen beysammen auff und wehren sich vor allen ohne Furcht. Wann ihre Satz-Zeit herbey koͤmmt, so ebenfalls meistens zwischen Ostern und Pfingsten geschiehet, suchet eine jede Bache ihr einen absonderlichen Ort aus, die Frischlinge zu setzen, da sie sich ernehren koͤnnen, haͤlt sich nahe bey ihren Frischlingen auff, umb denselben zur Zeit der Noth beyzustehen und sie zu beschuͤtzen. Die kleinen Frischlinge sind zu Anfang ihrer Jugend rothfaͤlbigt mit schwartzen und weissen Streiffen, lauf- fen mit der Bache hin und wieder. Und sobald die alte gruntzet, stieben sie in ei- nem Augenblick auff zehen Schritt hin und wieder von einander, ins alte Graß, Schilff, Laub, Graben, Hoͤhlen und Loͤ- cher, oder in die Straͤucher, fallen nie- der und druͤcken sich zur Erde, liegen still und lauren, biß die Alte ein Zeichen giebt, dann sammlen sie sich wiederum. Sie hoͤren scharff und uͤben sich von Ju- gend auff im Hauen und Kaͤmpffen, weil sie ihre Zaͤhne gleich mit auff die Welt bringen und dererselben nicht mehr, sondern nur diese ferner in die Laͤnge und Staͤrcke wachsen, und zwar so, daß die vier vordersten, als zwey un- ten, und zwey oben, und bey denen Kaͤu- lern oder Schweinen insonderheit die zur Seite herausstehende am laͤngsten und schaͤrffsten wachsen, worauff sie sich ver- lassen muͤssen. Des Morgends, Mit- tags und Abends, so die alte koͤmmt, giebt sie ihnen ein Zeichen, worauff die Jun- gen augenblicklich als die Maͤuse zusam- men lauffen: die alte wirfft sich darnie- der und die Jungen saugen an ihr; So aber Jemand in Abwesenheit der Alten einen Frischling haschen wolte, und sie hoͤrete es schreyen, wuͤrde sie denselben anfahren, uͤber einen Hauffen werffen und uͤbel zurichten. So die Frischlinge acht biß zehen Tage alt, lauffen sie wei- ter darvon, daß man sie so leicht nicht finden kan, oder reissen aus mit der Ba- che in andere Behaͤltnisse. Wann die alte Bache den Sommer uͤber sie saugen laͤsset, so vergehen ihnen die bunten Haa- re, davon man im Herbste nichts mehr sehen kan, und so die alte gebrochen, ge- hen die jungen in den Bruch und nehren sich von dem, was sie uͤbrig finden, von al- lerley Wurtzeln, Erd-Mast u. Wuͤrmeꝛn, biß sie nach und nach die Eicheln und Buch-Eckern beissen lernen. So bald sie derer Wege ein wenig kundig werden, lauffen sie vor der Bache her, welche ih- nen alle Gelegenheit weiset, wo sie sicher sind oder nicht. Wann aber die Bache wiederumb gebrunfftet, und des Fruͤh- lings darauff andere Frischlinge setzet, so werden die erstern von ihr getrieben und, da nun solche weichen muͤssen, hal- ten sie sich zusammen und nehren sich so gut, als sie koͤnnen. Jm andern Jahre zur Satz-Zeit im Sommer, werden sie jaͤhri- Von denen wilden Thieren. jaͤhrliche Frischlinge genennet; So sie verfolget werden, fliehen sie zu denen Grossen, bleibet aber die Bache gelde, welches ihnen sehr dienlich ist zu ihrem Wachsthumb, halten sie sich bey ihrer Mutter auff und suchen Schutz und Huͤlf- fe bey derselben. Sie nehren sich eben- falls mit der Alten in denen Sommer- Feldern von Hiersche, Heydekorn und anderm Getraͤyde: Des Herbsts aber vom Feld-Obst und andern Mastungen: Derer Hamster und Feld-Maͤuse Be- haͤltnisse und Loͤcher, worinnen sie un- terschiedlich Getraͤyde finden, werden auch von ihnen zum oͤfftern visitir et. Jm andern Jahre sind sie zur Brunfft noch nicht tuͤchtig, und wann die Satz-Zeit koͤmmt, werden sie zweyjaͤhrigte Frisch- linge genennet: Jm dritten Jahre, nach- dem ihre Natur und Nahrung gewesen, und nicht viel Hunger des Winters aus- stehen muͤssen, oder in der Jugend ver- buttet sind, da ihnen denn nichts gefeh- let, werden sie im Herbst und November vollkommen angesprochen und in ihrer Brunfft das Schwein ein Kaͤuler, die Sau aber eine Bache genannt: Dann werden sie sehr hochmuͤthig, und erschrecken nicht leichtlich. Jhre Ge- wehr oder Faͤnge stehen ihnen insge- mein eines guten Daumen breits scharff und spitzig neben aus und sind in sol- chen Jahren die aͤrgsten Hunde-Schlaͤ- ger. Jm vierdten Jahre aber wer- den sie angehende Schweine genennet: Solche sind schon staͤrcker, am Gewehr zwey Finger breit, reissen nicht leicht aus. Die Spohren am Gefaͤhrd sind breiter, sie sind auch sehr geschwind, a- ber noch behertzter als die Kaͤuler, und koͤnnen die Hunde vorsichtig machen. Und weiln sie sich nun starck befinden, sehr trotzig und verwegen sind, reisen sie des Sommers und Herbsts durch Fel- der und Waͤlder nach ihrer Nahrung Tag und Nacht auf zehen Meilen in ei- nem Trab fort; Ob sie auch schon Nah- rung und Behaͤltnisse vor sich antreffen, bleiben sie dennoch nicht uͤber zwey oder drey Tage lang, sondern brechen auf und machen sich weiter fort. Jm fuͤnfften Jahre werden sie hauende Schweine ge- nennet. Jhre Brunfft geschicht mei- stentheils im Christ-Monath, nachdem die Kaͤlte und Froͤste kommen und sie gu- te Mast gehabt, oder feiste worden sind, woraus sie geil werden: Die grossen las- sen ebenfalls die jungen Kaͤuler nicht darzu, werden hitzig, schaͤumen und we- tzen mit ihrem Gewehr, suhlen sich in Mo- rast und Pfuͤtzen und reiben sich hernach an die Baͤume, woraus man ihre Hoͤhe, wie auch die Groͤsse an der Suhle erken- nen kan. Die hauende Schweine sind nun am allerkuͤhnsten, absonderlich in jagen und hetzen, wann sie erhitzet wer- den. Jhr Gewehr ist drey Finger breit lang heraus stehend, sehr scharff und spitzig; Was sie nur sehen, darauf gehen sie loß, und schonen nichts, es seyen Men- schen, Pferde oder Hunde. Sie haben grosse Staͤrcke, werden sie ja mit grosser Muͤhe endlich zur Flucht gebracht und sehen einen Brudel, Dickigt oder Mo- rast, setzen sie sich hinein, fahren heraus, und schlagen alles, was sie antreffen, lahm und zu Schanden, oder gar todt. Solche Schweine, wo sie sich aufhalten, sonderlich in der Brunfft, geben einen starcken suͤßlichen Geruch von sich. Das Lager, so insgemein in grossen Behaͤlt- nissen, Bruch und Loͤchern, oder grossen Dickigten ist, koͤnnen sie gar weich ma- chen von Mooß, so sie im Ruͤßel herzu tragen: So jemand zum Lager koͤmmt, oder hinein tritt, koͤmmt es sobalde nicht wieder und machet sich ein anders, biß es mercket, daß lange Zeit daselbst Nie- mand gewesen, oder hinkommen. Jhre Brunfft-Zeit waͤhret ungefehr vier Wo- chen, nachdem viel Obst und Mastung daselbst verhanden, und brunfften die al- ten zeitlicher, als die jungen, dahero koͤnnen sie nicht zu einer Zeit setzen, und gehet eine Bache wie bereits oben gedacht, achtzehen biß zwantzig Wochen nach der Brunfft, ehe sie setzet, also nicht so lange, als das rothe Wild; die Ursache ist, weil die Bachen von hitzigerer Natur sind, als das Roth-Wild. Die hauende Schwei- ne, so sich einander gewachsen sind, kaͤmpf- fen auch, doch auff eine andere Art, als die Hirsche, dann sie fahren zusammen, lehnen sich mit dem Ruͤcken hart an, schla- gen einander auff die Vorder-Blaͤtter mit dem Gewehr, hauen sich viele Ritzen und tieffe Schlaͤge ein, daß wohl oͤffters manche im Kaͤmpffen und solchem Streit lahm, beschaͤdiget, oder wohl gar todt geschlagen werden, so es aber dennoch wohl abgehet, schwellen sie auff ihren Schultern und wann wiederum neue Schlaͤge darzu kommen, reiben sie sich an das Hartz und heylen sich mit der Zeit wieder aus, davon sie eine dicke Haut kriegen, welche als ein Pantzer feste ver- N 2 waͤchset. Anderer Theil/ waͤchset. So sie aber in waͤhrendem Kampff eines Wolffes gewahr werden, vereinigen sie sich beyde und verfolgen den Wolff als ihren Feind mit grossem Eyfer. Wenn sie in der Brunfft-Zeit keine Bachen finden, gehen sie mitten unter die zahmen Mast-Schweine und berauschen sich mit ihnen, also werden durch solche Vermischung der zahmen und wilden die seltsamen weissen, und auch scheckigten wilden Sauen gezeuget. Jm sechsten und folgenden Jahre wer- den sie grosse Haupt-Schweine genannt, welche aber nicht so fluͤchtig als die hau- enbe und angehende Schweine sind: Ha- ben ihr Gewehr vier Finger breit her- aus stehend, groß und starck, doch etwas gebogen, einem Knebelbarth aͤhnlich, nicht so scharff, von Farbe gelblicht und nur an denen Spitzen weiß. Der Kopff ist auff der Stirn und an dem Ruͤssel gantz grau, wie auch die Vorder-Blaͤt- ter. Alles Schwartz-Wildpraͤth lebet nicht uͤber dreyßig biß viertzig Jahr, son- derlich wann grosse Winter seyn und nirgends Mast verhanden, auch duͤrre Sommer gewesen, weiln sie von Ju- gend auff biß ins Alter an Eigenschafft grimmig und zornig, grosse Geilheit und hitzige Nahrung haben, ja oͤffters Lu- der vom todten Vieh, sonderlich von Pferden zu ihrem Fraß nehmen: Sie werden niemahls finnicht, wie die zah- men, und hat ihnen die Natur gelehret, daß sie wissen koͤnnen, wo sie eigentlich Mastung finden. Wann nun der Herbst kommt und der Frost die Eicheln und Buch-Eckern druͤcket, auch Erd-Mast verhanden, lauffen sie darnach: So aber grosse und harte Winter einfallen, werden sie so mager, daß nichts an ihnen als Haut und Knochen bleibet; Dann legen sich etliche zusammen ins Lager und sterben dahin. Jhr kurtz Wildpraͤth und Geylen, wie auch Gehirn zu Pul- ver verbrannt, in Wein eingenommen, soll gut seyn vor die schwere Noth, gros- sen Zorn und die Schwermuͤthigkeit. Das Unschlitt und die Galle, beydes zu- sammen zu einer Salbe gekocht, soll vor das Podagra helffen. Von des Schweins Befaͤhrd. Ein starck alt schlagend Schwein wird an der Spuhr erkannt, wann es zwi- schen denen Klauen sehr offen und weit gesperret ist, auch viel Koth gefasset hat, ingleichen wenn beyde Lauff-Klauen krum gebogen gegen einander stehen, die Schaalen gewoͤlbt und auf denen Seiten stumpff, die Ballen starck, vor- waͤrts geschoben und mit denen krum- men Klauen angezogen sind: So sind auch hinter denen Ballen etliche kleine Runtzeln und nahe daran die Affter- Klauen, zu beiden Seiten breit von ein- ander stehend, allzeit deutlich zu sehen. Die Bache hat kleinere Ballen, so enge beysammen stehen: Die Schaalen find flach und kuͤrtzer, jedoch auch krum gebo- gen. Die Affter-Klauen sind hoͤher und viel naͤher beysammen, auch nicht so breit von einander: Hat einen kuͤrtzeꝛn Schritt, als der Kaͤuler. Ein Haupt-Schwein gehet auch geschraͤncket mit denen Bal- len ein- und mit den Klauen auswaͤrts, schreitet insgemein zwey gute Werck- Schuh lang. Das Gefaͤhrd ist drey biß vier Finger breit, der Schranck eine Spanne weit, nachdem es feiste ist uͤber dem Ruͤcken, und die Kaͤulen von einan- der gesperret. Ein feistes gutes Schwein thut den Beytritt wie ein Hirsch, auch das Blenden und den Hinterlaß. So es bricht, kan man (sonderlich aber wann es in der Suhle gewesen und sich an ei- nen Baum gerieben hat,) dessen Hoͤhe, Staͤrcke und Groͤsse sehr deutlich sehen, ingleichen aus seinem Lager, worinnen es den Schlosstritt thut als ein Hirsch. Das Schwein stallet neben aus, gehet mit einem beschlossenen und gar gezwun- genen Fuß. Die Bache hingegen hat eine Schaale ein wenig laͤnger, als die an- dere: Schraͤncket gar nicht, sondern ge- het gantz gerade schlecht vor sich hin. Es brechen alle wilde Sauen oder schwartz Wildpraͤth, wo sie hinkommen, durch Masthoͤltzer, oder Frucht-Felder, alle- zeit gerade aus, fast wie in einer Fur- chen, tief in die Erden und umb die Staͤmme oder Wurtzeln, von einem Ort zu dem andern und haben die Spuhr laͤnglicht und rund gewoͤlbt. Sie streif- feln den Hiersche, Heydekorn und ande- re Fruͤchte im Felde. Die zahmen Sau- en aber wuͤhlen flach in die Erde hin und her, auf runde Plaͤtze und ihre Spuhr ist nicht hohl, sondern fleischicht, mit der Haut flach verwachsen, haben kurtze Schalen und das Getraͤyde kauen und schmatzen sie, spucken es auch zum Theil wieder aus. Das Gefaͤhrd oder die Spuhr Von denen wilden Thieren. Spuhr einer Bachen, wann sie tragend worden und schon umb die Helffte ist, kan man desto leichter mercken und vor gewiß tragend ansprechen, wenn die bey- den Hinter-Laͤufft eine gute Qver-Hand hinter denen Vordern zuruͤcke bleiben, weit von einander sind und zu beyden Seiten auswaͤrts stehen. Wenn auch viel Jungen im Leibe sind, so sie sperren und schwer machen, schleppen sie offte ei- nen Hinter-Laufft um den andern, welches mehr als zu gewiß ist, wiewohl auch hierinnen leicht zu fehlen, daher es gar genau observir et werden muß. Die Lohsung eines wilden Schweins, wann es in der Feiste und Mastzeit, ist schlei- migt beysammen und von starckem Ge- ruch, im Sommer von Fruͤchten als ein Dann-Zapffen getrungen; der Bachen Lohsung aber ist kleckweise, jedennoch auch unterschiedlich. Von dem Rehe. Dieses liebliche und anmuthige Thier- lein, ob es wohl klein vom Leibe ist, er- setzet es doch solches umb desto mehr, mit der Guͤte seines zarten und wohlge- schmackten Wildpraͤths. Es hat mit seinen Gehoͤrngen, Natur, Eigenschafft und Spuhr oder Gefaͤhrd einige Gleich- heit mit denen Hirschen, doch wie gemel- det, von kleinerer Art: Auch hat es der Ziegen Eigenschafft und ist von geyler Natur sehr hitzig. Seine Brunfft waͤh- ret im December ungefehr vierzehen Ta- ge und hat der Rehebock nur eine Ruͤcke bey sich, auch bleiben Maͤnnlein und Weiblein gerne beysammen, biß die Zeit koͤmmt, daß das Weiblein setzen soll. Dann gehet die Ruͤcke ziemlich weit seit- waͤrts, aus Furcht, daß der Bock die Jungen umbbringen moͤchte. So lan- ge, biß die kleinen selber fressen koͤnnen, erziehet sie solche, alsdann begiebt sie sich wieder zu ihrem Rehbock. Meisten- theils bringen sie im Majo auf einmahl zwey Jungen, ein Boͤcklein und ein Ruͤcklein, die denn gemeiniglich beysam- men bleiben. Ein Reh-Kalb ist auch bundfleckigt, wie ein Hirsch oder Wild- Kalb, nur daß es kleiner ist, welches die Alte sauget und bey sich behaͤlt, biß uͤbers Jahr, hernach wechseln sie weiter. Der Rehebock, wann er ein Jahr alt ist, se- tzet sein Gehoͤrngen mit zwey Spitzen, wie die Hirsche. Jm andern und drit- ten Jahre vier Enden oder Gabeln, auch wohl sechs Enden, bey welcher Zahl er verbleibet, wiewohl man Rehbocks-Ge- hoͤrne von acht und mehr Enden ange- troffen hat. Es wird aber solches nie- mahls, wieviel es Enden habe, ange- sprochen, sondern nur ein Gehoͤrn genen- net. Sie werffen dasselbige im Christ- Monat und noch zeitlicher ab, setzen auch balde wieder ihre Kolben auf, daß sie im Januario oder Februario ihr Ge- hoͤrn vollkommen haben. Doch werf- fen die alten Boͤcke eher als die Jungen ab, und setzen auch eher wieder auf. Jm Fruͤhling und Sommer sind sie gerne in denen jung aufgeschossenen Hoͤltzern, wo sie nahe die Saat-Felder finden und des Nachts sich weiden koͤnnen. Jm Win- ter aber verstecken sie sich in tieffe Waͤl- der, wo es Brunnquellen, gruͤne Kraͤu- ter, Brombeer-Straͤucher, Werfften und Bimsen giebt, da sie die Knospen, gruͤne Blaͤtter, und Schoͤßlinge, der neu wachsenden Straͤucher abbeissen. Der Bock hat einen staͤrckern Fuß, rundere Schaalen und einen voͤllern Ballen, als das Weiblein, bey welchem alles spitzi- ger. Der Bock tritt allezeit am ersten aus dem Holtze umb zu kundschafften, ob keine Gefahr verhanden und die Ruͤ- cke folget hernach: Hingegen wann sie ge- jaget und geschrecket werden, bleibt das Boͤcklein allezeit zuruͤcke. Die Rehe halten sich nicht zusammen wie die Hir- sche in einem Troupp, sondern paarwei- se und theilen sich breiter aus, daß sie mehr Nahrung haben. Sie koͤnnen uͤ- ber drey hundert Schritt Menschen und Hunde wittern. Sie brunfften, wie bereits oben gesaget, im Christ-Monat, und jagt der Bock die Ruͤcke so lange her- umb, biß sie muͤde wird. Wann die Ruͤcke empfangen hat, traͤgt sie zwantzig Wochen. Jn ihrer Faͤhrd, so sie fluͤch- tig ist, oder gejaget wird, machet sie viel krumme Spruͤnge; Wenn ein Rehbock erschrickt, springt er sehr hoch, daß es auff die Erde putzet und schreyet zugleich hefftig. Wann das Reh von einem Wolff, Hunde oder Fuchß jaͤhling er- schrecket wird, daß es sich fluͤchtig salvi- r en will, sogleich aber und in continenti confus wird, so kommet es aus dem Sprung, huͤpffet hin und her, und wird dahero leichte ergriffen: Ratio physica N 3 ist, Anderer Theil/ ist, weil die Spiritus animi, oder die Ge- muͤths-Geister von Furcht eingenom- men ploͤtzlich erstarren, und die Bewe- gung des Gebluͤths der Glieder gehem- met wird, so, daß diese zum Gebrauch untuͤchtig werden, und sich nicht zu recol- ligir en wissen. Wann die Ruͤcke ihren Bock verlohren hat, hohlet sie Augen- blicklich einen andern, wann aber die Ruͤ- cke wegkoͤmmt, gehet der Bock auch fort. Sie halten sich, wie gedacht, gerne paar- weise alleine auff und sind nicht gerne bey denen Hirschen oder anderm Wild- praͤth, sondern lieber einsam und allein. Jm Jagen und Treiben lauffen sie ins runde, auch zuweilen durch die Treiber, oder druͤcken sich in einen Strauch, biß man vorbey ist, wie die Hasen zur Er- den. Sie faͤrben ihre Haare des Fruͤh- lings wie die Hirsche, lassen die grauen Winter-Haare fallen, und werden roth. Wann das Wetter sich aͤndern will, hoͤ- ret man den Bock offte schreyen, er bel- let fast wie ein Hund, aber langsamer und heischer. Die Rehe scharren einen runden Platz, wann sie sich legen wol- len, des Sommers in frische Erden, des Winters aber kratzen sie den Schnee weg, umb trocken zu liegen. Sie haben ein scharff Gesicht und starcken Geruch. Es treibet zwar im August- Monat aus grosser Geylheit der Bock das Reh, da man ihn alsdann auf einem Blatt wohl locken kan, und vermeynen die alten Ja- ger, daß er brunffte, so aber nicht ge- schicht, sondern er jaget nur aus Geyl- heit die gelde oder schmahle Ruͤcke, brunfft aber nur im Christ-Monat, wie schon gemeldet. Jn Ungarn soll es gros- se Rehe geben, welche, sonderlich an de- nen Gebuͤrgen, wegen derer trefflichen Kraͤuter, sehr gesund sind und lange le- ben. Ein Reh bekommt des Fruͤhjahrs von denen jungen aufgeschossenen saffti- gen Sprossen viele Duͤnste im Gehirn: Es haͤlt sich der Bock zu seiner Ruͤcke, gleich, als wenn er in einer ordentlichen Ehe lebete, welche nichts, als der Todt scheiden mag, und verlaͤsset ein solches Paar einander nimmermehr. Vermer- cket die Ruͤcke ihre Satz-Zeit von Natur, so begiebet sie sich etliche Tage vorher taͤglich ein paar Stunden von ihm, umb daß er nicht in ander Gehoͤltz von ihr scheide. Sind die Jungen gesetzet, fuͤh- ret sie ihn hin, wann sie schon etwas lauffen koͤnnen, nach etlichen Tagen ihm solche zu zeigen, ob er ihnen leids thun werde. Die jungen Rehe separir en sich von denen Alten, wann sie jaͤhrigt sind, und paaren sich gleichfalls. Jm Fall 3. gesetzet sind, muß das uͤbrige Boͤcklein an- dere Heyrath suchen, wann es aber nichts erhalten kan, oder von voriger Ehe getrennet worden, muß es einen im- merwaͤhrenden Wittwen-Stand fuͤh- ren. Von Bemsen. Die Gemsen sind zwar wohl in Teutschland, doch aber nur meistens in denen Schweitzerischen Alpen-Gebuͤrgen zu finden, und wohnen allein in grausa- men hohen Tyroler-Gebuͤrgen, woselbst sie gar haͤuffig anzutreffen seyn sollen. Es ist dieses Thierlein in etwas kleiner, als ein Reh, niedriger und schmaͤchtiger vom Leibe: Die Farbe ist castanienbraun. Es hat sehr helle und scharffsehende roͤth- lichte Augen; Das Gehoͤrngen bestehet in 2. Spitzen, welche oben wie Haacken vor- waͤrts gebogen und scharff sind, und sol- len sie sich oͤffters damit an die Klippen anhaͤngen. Es ist glatt und schwartz und gehet von diesen Gehoͤrngen am Kopff zu beyden Seiten neben denen Au- gen auf das Maul ein schwartzer Strich. Auf der Stirn hat es ein Blaͤßlein. Es geniesset vortreffliche Kraͤuter und Wur- tzeln, so in dergleichen hohen Gebuͤrgen wachsen, welches ihme allen Schwindel benimmt, da es sonst in solchen hohen fel- sigten Klippen gefaͤhrlich waͤre. Jn sei- nem Magen findet man die hochberuͤhm- te Gemsen-Kugel, welche von solchen Kraͤutern ihren Uhrsprung haben soll, weil sie innewendig voller unzehlbahr vie- len zusammen gebackenen Faͤßergen ist, so sonder Zweiffel von denen genossenen Wurtzeln und Kraͤutern gesammlet seyn moͤgen. Manche sind weich und leichte, rund, auch laͤnglicht, dargegen andere haͤrterer, schwerer, von Farben lichter und dunckler, nachdem sie ihre Nahrung gehabt: Einige haben einen lieblichen Ge- ruch und fast einen Geschmack, wie Ge- wuͤrtze; Dargegen sind andere wie hoͤl- tzern: Jhre Groͤsse ist wie ein Tauben- Ey, Castanie oder welsche Nuß, die Schaalen gemeiniglich Wachsgelb, auch blasser, oder Aschfarb, mit vielen Duͤpff- lein Von denen wilden Thieren. lein uͤberseet. Es schreiben ihrer viel dieser Gemsen-Kugel unterschiedene vor- treffliche Tugenden zu, welches einige glauben, einige aber verwerffen, und soll hiervon eingenommen, solche hauptsaͤch- lich wider die Pest, Ungarische Kranck- heit, Schwindel, Kopffweh, Schwere Noth, Schlagfluͤsse, Melancholie, Hertz- zittern, auch wohl Gifft und alle Zau- berey dienen, ja wie einige wollen, nuͤch- tern eingenommen, soll es gar 24. Stun- den vor allen Waffen feste machen, wel- ches doch dem Gembs, so es gantz gehabt, nicht geholffen. Dahero wohl diß Ar- canum nicht probat seyn mag. Man haͤlt die zwischen halbem August und hal- bem September gefundene Kugeln vor die kraͤfftigsten. Bald nach Jacobi im Herbst begiebt sich der Gems wieder in die Hoͤhe, des Winters Kaͤlte bey zeiten zu gewohnen, woselbst er in denen rau- hesten Klippen, wo er die gesundesten Wurtzeln und Kraͤuter haben kan, sich auffhaͤlt. Gegen Fruͤhling vermercken sie von Natur die Aenderung des Wet- ters und begeben sich auf niedere Gebuͤrge wegen der zeitigen Kraͤuter, sonderlich wo Sand-Flecken sind, welchen sie gerne lecken und damit den Schleim von der Zunge abschaben, auch bessern Appetit zum Essen kriegen: Daselbst, oder wo man sonst gemeiniglich ihren Wechsel ge- mercket, wird ihnen von Schuͤtzen auf- gepasset, und sie also geschossen. Wann sie in ihrem Land von denen Einwoh- nern oder Gemsen-Steigern von einem Ort zum andern getrieben werden, be- geben sie sich je laͤnger, je hoͤher und sprin- gen von einer Felsen-Klipp auf die ande- re; Maassen sie alle vier Laͤufft zusam- men setzen und von Natur hoch und weit springen, auch, wo moͤglich, noch eine Reserve vorbehalten, biß sie nicht weiter koͤnnen. Ein solcher Gems schreyet nicht, sondern wispelt gleichsam nur mit einem Druck durch die Nase: Wann der Wey- demann nachklettert, und so nahe kommt, daß ers erreichen kan, es auch stechen, fan- gen, oder abwerffen will, und ihm das Tillmesser ansetzet, reibet es sich selbst in das Messer, als ob sichs daran stemmen wolte und faͤllet sodann hoch vom Fel- sen herab. Sein Haͤutlein aber blei- bet gemeiniglich gantz und unversehrt. Der Schweiß wird vom Jaͤger vor den Schwindel gebrauchet und muß er we- gen der schluͤpffrigen schmahlen Kleber- Gaͤnge scharffe Fuß-Eissen haben, daß er nicht herunter falle. Es ist eine ge- faͤhrliche Jagd, da man sich leicht verstei- gen und elendiglich umbkommen kan, wie dergleichen ehemahlen dem Kaͤyser Maximiliano dem Ersten ohnweit Jn- spruck bey der so genannten Martins- Wand wiederfahren, daselbst er lange Zeit von denen Seinigen zwar gesehen worden, aber Huͤlffloß bleiben muͤssen, biß ihn durch GOttes sonderbahre Gna- de ein Engel in Gestalt eines Maͤnnleins durch einen unbekanten Weg einer Felsen-Klufft wunderlich errettet, und zu denen Seinigen gebracht hat, in welchen Felsen-Gang er zu GOttes Ehren ein Crucifix einhauen lassen, so an selbigem Ort annoch heut zu Tage zum Wahrzei- chen gewiesen wird. Sonsten war er- meldter Glorwuͤrdigster Kayser bereits von allen den Seinigen fuͤr verlohren geschaͤtzet, wie er dann nicht alleine von denenselben Abschied nahm und sich zu diesem erbaͤrmlichen Verderben bequem- te, sondern genosse auch im Glauben das Heilige Sacrament, gestalt ihm sein Beicht-Vater die Hostie und den Kelch zeigen muste. Von dem Gems soll das Unschlitt, in Milch zerlassen und einge- nommen, die Lunge heilen, die Galle aber vor die Augen, und der Koth vor den Stein helffen. Vom Hasen/ und Laninen. Dieses wohlbekante Thierlein hat GOtt sonderlich gesegnet, daß es sich des Jahrs vielmahl vermehret, weil es sonst die vielerleyen undencklichen Nachstellun- gen derer Menschen, Raub-Thiere und Raub-Voͤgel schon laͤngst ausgerottet haͤtten. Wann es sein leben lassen muß, kan es sehr klaͤglich schreyen und erbaͤrmlich umb Huͤlffe ruffen. Jst ein furchtsames trauriges Thierlein, be- kommt auch zuzeiten die Pocken, ja offt von grosser Geilheit, die von ihm so offte getrieben wird, wohl gar die Fran- tzosen. Jm Januario, so es halbwege Wetter ist, lauffen die Hasen nach der Haͤsin etliche Meilweges herum, suchen die Haͤsin und riechen ihr nach, ramm- len mit grosser Begierde, daß offt hin- ter einer Haͤsin drey biß vier Rammler lauffen, und findet man zuweilen schon im Anderer Theil/ im Februario junge Hasen, wiewohl sie wegen der grossen Kaͤlte und des Schne- es meist erfrieren muͤssen; Wenn aber ein harter Winter einfaͤllt, lassen sie die- se Kurtzweile bleiben. Sonsten setzet die Satz-Haͤsin ordentlicher Weise im Mar- tio, wo alt Graß, dicke Saat oder Far- ren-Kraut ist, in Straͤuchlein oder an ein Erd-Huͤglein eines oder zwey Jungen, nachdem sie alt ist. Wann ein Fuchs oder Hund nahe an die Jungen kommt, stellet sich die Haͤsin, ob sie lahm waͤre, daß er ihr nachlauffe und sie ihn abfuͤh- ren koͤnne, damit er die Jungen nicht raube. Wann die Jungen ein wenig aͤlter werden, so verbergen sie sich selb- sten. Der andere Satz geschiehet im Ma- jo schon besser, und bekommen meistens dreye. Beym dritten Satz, so im Julio geschieht, bekommen sie bißweilen vier biß sechs Jungen, die sie schon besser im Getraͤyde verbergen koͤnnen. Jm Se- ptembri oder zur Erndte-Zeit geschicht der vierdte Satz, bißweilen auch nicht, nachdem sie Friede haben. Es haben die Alten gesagt, der Haase gehe des Fruͤh- lings nur selbander zu Felde, kehre aber umb Bartholomæi selb funffzehen biß siebenzehen wieder zuruͤcke; Wie- wohl nach einiger Meynung die Hasen fast alle Monat setzen sollen, ausser im November und December nicht. Die Haͤsin ist eine untreue Mutter, laͤsset ih- re Jungen nicht uͤber sechs Tage saugen, dann verlaͤst sie dieselben und laͤufft aus grosser Geylheit dem Rammler wieder nach, welcher die Jungen, wann er sie frisch findet, auffrist, damit er die Haͤ- sin wiederumb zur Geylheit brauchen moͤge. Der Rammler ist insgemein ge- schwind und kleiner, hat einen kurtzen mollechten Kopff, lange Haare am Ba- cken und Barth: Die Ohren sind kurtz, breit und weißlicht, welche er steiff traͤ- get und im Sitzen und Horchen eins nach dem andern geschwind in die Hoͤhe re- cket; im Lager aber die Ohren nach dem Halß beysammen leget. Auff dem Ruͤ- cken ist das Haar schwartztoͤpfflicht: Die Vorder-Blaͤtter und Schultern roth, hinten herumb weiß, als wenn er berupffet waͤre. Der Satz-Hase aber hat einen laͤngerern und schmaͤh- lern Kopff, bißweiln auch ein Blaͤß- lein auf der Stirn, grosse lappichte et- was hangende Ohren. Jst nicht so geschwinde; Auf dem Ruͤcken falbicht und graulicht auf denen Schultern, hat nicht viel roͤthlichtes, sondern ist meist aschefarb; Jm Lager haͤnget sie die Oh- ren neben dem Kopff zur Erden; Sitzet mit dem Hintertheil gerne hoch. Die Hasen, wenn sie ja Friede haben, le- ben niemahls uͤber acht biß zehen Jahr und dieses wegen ihrer bekanten allzu grossen Geylheit, sie schlaffen mit offe- nen Augen und haben leise Gehoͤr. Wann sie Abends nach dem Felde wol- len, sehen sie sich wohl umb, ehe sie nach dem Graß huͤppeln und sich aͤßen, wann Jemand kommt, druͤcken sie sich an die Erden lang und breit: Wenn aber das Korn oder Graß noch zu klein, so reissen sie aus, sind sie eine Weile gelauffen, se- hen sie sich umb und machen ein Maͤnn- gen. Wann ein Hase von einem kleinen Huͤndgen gestoͤhret wird, so laufft er zwar fort, machet aber etliche Abspruͤn- ge und kommt richtig wieder dahin. Wird er aber von Treibern getrieben, drucket er sich, biß sie vorbey, dann reist er aus. Sein Lager pfleget er allewe- ge zu machen an einem Huͤgel, Furche, Stamm oder Wurtzel, alt Graß oder Farren-Kraut, graͤbet vor sich eine laͤng- liche Grube gegen den Wind, setzet sich mit dem Hintern ruͤckwaͤrts hinein, daß er der Erden fast gleich sey und ruͤcket sich zusammen an den Raͤndern beym Thau- Wetter in die Mist-Stuͤcken, oder Sturtz-Aecker, biß die Saat waͤchset. Nach der Erndte in Schwaden, Fur- chen, Kraut-Aecker und dergleichen; Jm Winter aber in Wind-Wehen nach der Gedult. Wo ein Hase gesetzet wird, bleibet er am liebsten; Also giebet es Holtz- Hasen, die insgemein staͤrcker und nicht weit zu Felde gehen, auch Herbst-Eicheln und andere Kraͤuter essen, und Feld-Ha- sen, die nur stets in Feldern liegen und von der Saat, Haber und Kraut sich aͤßen, des Winters aber Mispeln, birckene Rinde, wie auch die von Obst-Baͤumen abschaben und geniessen, und des Win- ters die gantze Nacht mit so vielen Spuh- ren, Wiedergaͤngen, und Abspruͤngen vorsichtig herumb lauffen, daß man sie nicht finden solle: Nemlich wann ein Hase vom Felde zu Holtze gehet und sein Lager abgesehen hat, kehret er auf selbiger Fahrd zu ruͤcke und springet zur Seite ab, laufft wieder etliche Schritt und thut abermahl einen Absprung, manchmahl noch mehr, biß er ins La- ger einen Sprung thut, zu seiner Si- cherheit. Wann sie gejaget werden, lauf- Von denen wilden Thieren. lauffen sie Berg an, weil sie hinten hoͤ- her als vorne: Sie sind sodann von kur- tzen Wendungen. Jn der Noth fahren sie in das Loch vor Angst und verbergen sich. Die Hasen werden sonderlich an Graͤntzen mit Netzen gefangen, oder da sie durch Stoͤber-Hunde gejaget, an de- ren Wechseln mit Schroth geschossen, in- gleichen, wie bekant, mit Winden gehe- tzet. Es thun die Raben und Kraͤhen denen Hasen viel Schaden, sowohl wann sie noch jung, als auch alt und erwach- sen sind, und koͤnnen zwey Kraͤhen einen alten Hasen so gut stossen, als ein Raub- Vogel. Wann der Hase ein Jahr alt worden, ist er zu seiner Vollkommenheit gewachsen. Sie lauffen auf den Fuß- stegen und Wegen, weil sie niedrig und je haͤrter der Winter, ja feister sind die Hasen; Dann sie fressen vor eitel Kaͤl- te die birckenen Knospen und Rinde der Obst-Baͤume. Sonsten sind die Hasen einfaͤltige Creaturen und spielen gern, mit welcher Thorheit sie der Fuchs mei- sterlich fangen kan, wie ich hernach be- schreiben werde. Sie vermercken von Natur das Wetter und den Wind und veraͤndern daher ihr Lager. Wann sie rammlen, so jagen sie einander in vol- lem Curier herumb, daß die Haare stie- ben, als wann sie blind waͤren, davon die Baͤlge so fleckigt aussehen. Nach eini- ger Meynung soll der Hase ein Herma- phrodit seyn, so aber ohne Grund. Und weiln der Rammler das Kurtz-Wild- praͤt in den Leib ziehet, also der Haͤsin nicht ungleich siehet, haben einige solche Meynung von ihm gehabt, wiewohl die- se Art zuzeiten wunderliche Mißgebur- then zeuget. Wann ein Regenwetter vorhanden, macht der Hase sein Lager ins Feld und meidet den Busch, daß ihn die Regentropffen von Blaͤttern nicht be- unruhigen: Wann es kalt und Windigt ist, suchet er das Gehoͤltz und den Busch: Wann sie aber rammlen, kommen sie aus aller Ordnung. Der Hase sitzet nicht so feste im Lager, als die Haͤsin, sondern stehet leichter auff, und seine Lohsung ist klein, trocken und eckigt, der Haͤsin Loh- sung aber groͤsser, runder und feuchter. Sie trocknen sich vom Sonnenschein in Furchen ab, wann sie des Nachts vom Thau oder Regen naß worden. Wann das Getraͤyde im Herbst von den Fel- dern ist, kommen dann die Hasen in der Nacht spaͤth auf die Saat, doch in zuneh- mendem Monden etwas zeitlicher, als im abnehmenden, auch stehen sie eher aus dem Lager auf, dargegen im abnehmen- den sitzen sie feste. Wann ein paar alte Hasen eine Gegend zu ihrer Wohnung eingenommen, lassen sie daselbst keine fremde auffkommen, sondern beissen und kratzen sie weg, ausser diejenigen, die von ihnen gebohren werden: Diejenigen Ha- sen, welche in morastigen, oder waͤsse- richten Bruͤchen wohnen, sind gemeini- glich anbruͤchig, ungesund und haben die Pocken, welches sie brennet, dahero sie sich kuͤhlen wollen. Die Hasen aber auf den Heydekraut-Bergen, sonderlich wo weiche Mast gewachsen, sind viel gesuͤn- der, hurtiger und geschwinder. Jm Win- ter machet der Hase sein Lager umb der Waͤrme halber gegen die Sonne: Jm Sommer aber wegen des Schattens ge- gen der Nord-Seiten. Sie begeben sich im Fruͤhling und Sommer aus dem Holtze, wegen der Schlangen, Kroͤthen, Nattern und anderm Ungeziefer, so sie austreibet und muͤssen ihr Lager, weil die Nacht kurtz, bey denen Saamen-Fel- dern nehmen: Jm Winter aber, da das Ungeziefer in der Erde sich verkreucht, lagern sie sich ins dicke Gebuͤsch und kom- men wieder zu Holtze. Sie werden nicht blind gebohren, sondern mit offenen Au- gen. Wann sie gejaget oder gehetzet wer- den, begeben sie sich zur Zeit der Noth unter die Schaaffe, oder andere Vieh- Heerden, kriechen wohl in ein Loch, oder schwimmen durchs Wasser: Sie fressen die Mistel oder Kenster gern, am lieb- sten aber den braunen Kohl: zur Medicin haͤlt man vor gut junge Mertz-Hasen, so aus Mutterleibe zu Pulver gebrannt, in weiß Kirschen-Wasser eingenommen, vor die schwere Noth helffen, ingleichen eine kraͤfftige Confortanz des Membri virilis seyn sollen, eines Rammlers Te- sticuli befoͤrdern die Fruchtbarkeit; Wie dann das Hasen-Wildpraͤt von Plutarcho fuͤr ein sonderbahres veneri- sches Essen gehalten wird, weil sie sich durch sonderbahre Krafft fleißig vermeh- ren und generir en, fast monatlich ramm- len, und doch ihre Jungen erziehen; son- derlich aber sollen nach gemeiner Sage die innerlichen Nieren-Bratgen hierzu am dienlichsten seyn. Haasen-Spring zu Pulver gestossen und eingenommen, soll gut vor die Colica seyn; Das Hasen- Fett ziehet einen Splitt oder Schief- fer aus; Der Schweiß von Mertz-Hasen, auff rohe Leinewand gestrichen, soll O vor Anderer Theil/ vor die Rose ein bewaͤhrtes Mittel seyn, anderer dergleichen medicini scher Din- ge mehr, so mir ebẽ nicht allzu bekant sind, zu geschweigen. Wormit ich des Hasens Eigenschafft Beschreibung beschliesse und mich zu denen Caninen, so einige Gleich- heit mit demselben haben, wende. Was nun die Caninen, Carnickel, oder, wie es manche nennen, Koͤniglein betrifft, wel- che zwar hier zu Lande nicht in so gros- ser Menge, als in Braband, oder denen Clevischen Landen, auch in Engelland und Franckreich anzutreffen, und wie mir es vorkommt, gleichsam der Hasen Zwerge zu nennen sind, indem sie nicht allein dergestalt an Gliedern, an gewoͤhn- licher Farbe und aller Zubehoͤr, sondern auch an der Natur und Eigenschafft in allen Stuͤcken denen Hasen gleichen, nur daß solche, wie gemeldt, mercklich kleiner und geschwinder sind, ihre Wohnung a- ber in der Erde nehmen. Sie werden daselbst mit dem Fredel oder Zahm ge- machten Jltniß, aus ihren Hoͤhlen ins Gaͤrnlein getrieben und gefangen, und wird der Fredel mit einem Leder verwah- ret, daß er nicht beissen kan und ihm ein Schellgen angehangen, umb die Caninen mit mehrer Furcht zu jagen. Sie sind sehr fruchtbar und kan ein Maͤnn- lein wohl zehen Weiblein begatten, maas- sen sie alle Monat meistens Junge ha- ben, welche blind gebohren werden. Es stopffet sodann das Weiblein die Loͤcher zu, woꝛinnen die Jungen liegen; weiln das Maͤnnlein die Jungen wuͤrgen soll: Sie graben ihre Loͤcher, oder Gebaͤude nicht in sandigten, da es nachfallen moͤgte, sondern in leimigten Boden, an Huͤgel oder Berge, gegen die Sonne. Jhre Nahrung nehmen sie von Graß, Saat, Kraͤutern und Pflaͤntzgen, wohnen auch in Straͤuchern. Von dem Wolffe. Unter denen hier zu Lande bekante- sten Raub-Thieren ist wohl sonder Zweif- fel der Wolff das schaͤdlichste und arg- listigste zu nennen, welches der Grosse GOtt dem menschlichen Geschlechte, auch sowohl zahmen, als wilden Thieren, zu sonderbarer Straffe erschaffen, indem derselbe nicht allein auf der Weyde und Feldern, sonderlich in denen Horden des Nachts, sondern auch am Tage die Schaafe, das Rind-Vieh, die Pferde, auch wohl das Wildpraͤt in Waͤldern, ja offte gar in Doͤrffern, Gaͤrten und Strassen die Menschen angreiffet, zer- reisset und frisset. Sie vermehren sich in Wildnissen oder grossen Bruͤchen, Stein-Felßen, Loͤchern und Behaͤltnis- sen, doch mehrentheils in Kriegs-Zeiten, weiln zu solcher Zeit ihnen Niemand nachstellet, sondern sie sich vielmehr we- gen des Raubes der Coͤrper von Men- schen, Pferden, Ochsen und anderm Vieh, so zu selbiger Zeit erschlagen werden, mehren und von andern Laͤndern dahin ziehen: Jn Friedens-Zeit aber werden dieselben mehr gefangen und ausgerot- tet. Die Woͤlffin setzet ihre Jungen, nachdem sie im Christ-Monat in denen zwoͤlff Naͤchten, laͤuffisch gewesen und zwey Monat und eine Woche lang getragen. Sie wirfft so viel Jungen im Fruͤhling, als wie die Hunde, welche blind gebohren werden und also neun Ta- ge bleiben: Sie laͤsset die Jungen mit allem Fleiß saugen und bringet ihnen lebendige Junge Rehe, Frischlinge, Ha- sen, Laͤmmer und dergleichen, daran lernen sie wuͤrgen, fallen grimmig an und fuͤllen sich, daß sie auffspringen moͤchten. Sie bleiben bey ihrer Alten, biß sie wiederum laͤuffisch wird. Wann der Wolff zwey Jahr alt wird, so kan er schon vollkommen mit lauffen, fan- gen und rauben, und ist alsdenn sehr geschwind und gaͤnge; jedoch nicht so groß und starck, als die Alten, auch ziemlich lichter und wollichter von Haaren. Wann man sie klein findet, kan man sie un- ter Hunden zu saugen und mit Brod zu fuͤttern, zahm aufferziehen, allein sie bleiben nicht uͤber ein halb Jahr zahm, ob sie sich noch wohl so gut anstellen, und lassen ihre Mucken nicht, sondern fan- gen an die jungen Huͤnner, Gaͤnse oder Endten und anderes Vieh anzufallen, zu wuͤrgen und zu beissen. Vieh und Hunden, auch wohl gar denen Kin- dern Schaden zu thun; ist also nicht rathsam. Die Woͤlffe wechseln weit, in unterschiedenen Wald- Revier en her- umb, haben an etlichen Orten ihr Lager, und so sie was gefangen, legen sie sich nicht weit davon nieder. Wann etliche Woͤlffe beysammen, suchen sie des Nachts an einem andern Ort uͤber Feld ihre Nahrung und traben oͤffters in einer Faͤhrde weit weg, sonderlich in tieffem Schnee, als wenn es nur einer gewesen waͤre: Von denen wilden Thieren. waͤre: Wann sie aber uͤber einen Weg traben, so gehen sie gerne ein wenig auf dem Weg hin und her und also von ein- ander und suchen ihre Nahrung allent- halben. Wann der Wolff etwas zu se- hen bekoͤmmt, so stehet er gleich stille, buͤ- cket seinen Kopff und schielet dahin: wo er nun siehet, das ihn das Thier nicht vermercket, so schleichet er hinter Baͤu- me, Stoͤcke, Straͤucher und andern Vor- theil mehr, so nahe er kan, auch oͤffters lauret er lange, biß das Thier sich zu ihm nahet, dann wischt er hervor: Oder sie suchen auch des Nachts und theilen sich besonders aus, wie die Jagd-Hunde, ein jeder vor sich, welcher nun etwas an- trifft, demselben folgen die andern, ma- chen es muͤde, und reissen es nieder: Sie sehen auch ziemlich scharf und hoͤren leise, koͤnnen auch im Lauffen lange tau- ren, wittern die Faͤhrde gar scharf, wie die Hunde: Wann deren etliche bey- sammen seyn, so beugen sie immer vor, damit sie desto eher ein Thier einhohlen koͤnnen. Wann ein Hirsch vor ihnen fluͤchtet und sich ins Wasser stellet, trau- en sie ihm nicht, wegen seines Gehoͤrns: Gegen Morgen traben sie an einen stillen Ort, da sie sich den Tag uͤber aufhalten und verbergen: Wann sie was von Wildpraͤt gefangen haben, koͤnnen sie die Haut so artig in der Duͤnnung aus- schaͤlen; Nach der Lung und Hertz reissen sie zuerst, und fressen sich dick und fett: Bißweilen lassen sie den Kopff und Kno- chen liegen, und wenn die Woͤlffe satt und dicke, weltzen sie sich und wischen den Schweiß auf dem Rasen ab, hauchen vor innewendiger Hitze. Jhre Faͤhrd oder Spuhr ist bald den grossen Hunden gleich: alleine der Woͤlffe ihre Ballen sind schmaͤhler und die Faͤhrd ein gutes laͤn- ger; Denn die Hunde-Spuhren viel runder sind: Was sie mit ihrem Gebiß be- schaͤdigen, heilet nicht wohl. Sie purgi- r en sich mit Graß und reinigen den Ma- gen mit sandigter Erde. Wann die jun- ge Woͤlffin zwey Jahr alt und zum er- stenmahl setzet, hat sie nicht uͤber zwey biß drey Junge, doch hat sie alle Jahr eins mehr, biß ins neundte Jahr, her- nach wiederumb, weil die Natur ab- nimmet, eines weniger. Sie leben nicht uͤber zwantzig Jahr ihres Alters. Jm Winter, wenn es still und hell Wetter und darbey sehr kalt ist, koͤnnen sie greu- lich heulen, daß man es weit hoͤren kan; Zuweilen auch gar oͤffters vor Hunger. Eine Woͤlffin kan sich mit grossen Hun- den belauffen und Junge darvon em- pfangen, welche sie eben sowohl in sol- cher Liebe aufferziehet, als ihre eigene Art: Desgleichen kan auch ein Wolff sich mit einer Huͤndin vermischen, dahero koͤmmt es dann, daß oͤffters wunders- wuͤrdige schwartze oder rothe Woͤlffe ge- funden werden, sonderlich wann die gros- sen zahmen Hunde in der Winter-Kaͤlte wuͤthend werden, und laͤuffisch in Waͤl- dern umbher lauffen, auch sich gar ver- liehren; Wovon das Sprichwort ent- standen: Lupus pilos, non animum mutat, der Wolff veraͤndert zwar die Haar, nicht aber sein Gemuͤthe. Wann ein Wolff unter die Schaaffe kommt, wird er eins nach dem andern wuͤrgen und oͤffters nichts davon bekommen. Ein alter Wolff nimmt ein Schaaff auf den Ruͤcken und laufft mit davon: So sie aber nichts fangen, koͤnnen sie auf drey Tage fasten und muͤssen bißweilen man- chen Fehl-Gang thun. Die Wolffs- Baͤlge sind gut zu Peltzen auff Reisen: Das Wildpraͤt oder ihr Fleisch, ist de- nen Hunden von Natur zuwieder. An denen voͤrdersten Fuͤssen hat er fuͤnff Zehen, an denen hintern aber nur vie- re, und kan man die vordersten zwey Klauen deutlich sehen: Er macht in de- nen Ballen drey Gruben, hat auch eine haͤrtere Lohsung als die Woͤlffin; jedoch nachdem ihr Fraß gewesen. Sie jagen das Wild aufs Eiß, daß es gleitet und zerreissen es. Finden sie aber anders nichts, so greiffen sie die Bauer-Hunde im harten Winter bey der Gurgel an. Sie leiden keinen verwundeten Wolff unter sich, sondern zerreissen ihn alsobald; was sie nicht fressen, verscharren sie und heben es zur andern Zeit auff. Die Speissen, welche sie denen Jungen brin- gen, Kotzen sie aus. An denen Nieren sollen ihnen Schlangen wachsen, welche Fingers lang. Der Woͤlffe ordentliche Farbe von Haaren ist grau und schwartz vermischt und weißlicht am Bauche, ha- ben einen dicken molligten Kopff, mit langem starckem Gebiß, kurtze aufrechte Ohren und hellglaͤntzende Augen. Jn Engelland, Schottland und Ruͤgen soll kein Wolff bleiben wollen, was aber die Ursache, ist unbekant. Sonst hat ein Wolff seine Staͤrcke am meisten im vor- dern Theil des Leibes, der Brust, Schul- tern, Halß und Kopff, hinten aber ist er schwach, daß er auch leicht daselbst ge- O 2 schlagen Anderer Theil/ schlagen lahm wird. Er soll gegen den Esel, Stiehr und Fuchs eine sonderliche Feindschafft haben. Jn seinem Alter, wann er das Wild zu jagen untuͤchtig und allzusteiff worden, faͤllt er meistens die Menschen an, und so er einmahl der- gleichen genossen, wird er so begierig, daß er kein anders achtet: doch greiffet er lieber was verzagtes an, so er sich zu bezwingen getrauet, als einen behertz- ten Mann. Wo ein paar Woͤlffe he- cken, leiden sie zwar in selbigem Revier auf zwey Meilen weit keinen andeꝛn; Wo ihrer aber haͤuffig sind, als in Pohlen, Lit- thauen und dergleichen, da sie zumahl Winters in einer Schaar oder Rotte wohl funffzig und mehr zusammen weit und breit herumb streiffen und was ih- nen vorkommt angreiffen, hat es ande- re Beschaffenheit. Jn ihren Faͤngen und Rauben des Wilds theilen sie sich in Vor- lagen besonders aus, wie ein Jaͤger die Hetz-Hunde und einer sprenget das Wild auf der Faͤhrd: Fast dergleichen List ge- brauchen sie in Schaaf-Horden, da laͤst sich ein Wolff vom Hunde weit jagen, die andern brechen indessen ein und neh- men heraus, was ihnen beliebig, so sie aber verjaget werden, muß der Hund die Muͤhe bezahlen: Wunderlich ist es, daß ein Wolff, so starck er sey, was er gefangen, alles gantz alleine, biß auf den Kopff und wenige Knochen, verzehren kan, ob es gleich noch einmahl so groß und schwer als er selbst gewesen, weil immittelst, ehe er fertig, der erste Fraß durch starcke Hitze des Magens vertau- et, mit vielfaͤltigen Lohsen wieder fort- gehet und oͤffters grosse Hauffen darbey zu finden. Wo er nun was gutes ge- nossen, ob gleich nichts uͤberblieben, be- sucht er doch solchen Ort im vorbeywech- seln. Und weiln der Wolff ein sehr scheues fluͤchtiges Raub-Thier ist, so ge- het er nach dem Luder nicht gerade zu, sondern gehet vorher erstlich herumb, und erkundiget sich nach dem Wind, ob nicht etwa einige Unsicherheit vorhanden seyn moͤgte, und wann er ja angreiffet, reisset er ploͤtzlich ein Maul voll und sprin- get beyseite, es zu verzehren. Mehrere Nachricht hiervon wird man am besten in der Experienz finden. Bey dieser Gelegenheit kan zum Schluß dieses Ca- pitels nicht umhhin, annoch mit wenigem zu gedencken, wie einige statuir en, daß durch GOttes Zulassung sich die Zaube- rer vermittelst des Teuffels Huͤlffe in so genannte Weer-Woͤlffe verwandeln koͤn- ten; Welches ich aber fuͤr Blendwerck halte; Dann wie in der Schoͤpffung GOtt der Allmaͤchtige Schoͤpffer eine je- de lebendige Creatur an Menschen und Vieh nach seiner Art mit Leib und Seel erschaffen, so muß dieselbe auch biß zur Verwesung bleiben, und kan der Teuffel nimmermehr einen menschlichen Coͤrper nach seinem Gefallen in ein unvernuͤnff- tiges Vieh wuͤrcklich verwandeln, so, daß er Leib und Seele verwechsele, welches unmuͤglich ist; Doch kan wohl seyn, daß er dem Zauberer eine Imagination bey- bringet, oder einbildet, ob sey er ein Wolff, denen andern aber die Augen verblendet, und durch einen nebelichten Dunst oder die zusammen gezogene Lufft einen Wolff repræsentir et. Von dem Luchs. Dieses Thier ist ebenfalls seiner Nah- rung nach, die andern Thiere zu rau- ben und zu wuͤrgen von Natur geneigt, wie der Wolff, doch auf andere Art; Denn gleich wie der Wolff derer Hunde, also hat der Luchs derer Katzen Eigen- schafft, klettert gerne auf die Baͤume und lauret nach dem Wild, wo dasselbe sei- nen Gang und Wechsel hat. Es haben die Luchse unter allen Thieren das schaͤrf- ste Gesicht und meistentheils ihre Klau- en eingezogen, ausser wenn sie fangen, und kurtze Schwaͤntze, welche sie krumb tragen koͤnnen: Sind groͤsser als die Ka- tzen und kleiner als ein Tyger: Haben ei- nen gelinden lichtgelben Balg, mit ro- then Flecken: Der Bauch ist weiß, umb das Maul wie eine Katz, von starckem Ge- biß. Die Klauen sind scharff, krum und spitzig und koͤnnen den Raub erhaschen und fest halten. Nachdem sie nun im Februario gebrunfftet, traͤget die Luchsin funffzehen Wochen und setzet ihre Jun- gen im Monat Maji, zwischen Ostern und Pfingsten, wo es moͤglich in Felsen, Hoͤhen und Klippen, halten sich auch sonst nirgends, als nur in grossen Ge- buͤrgen und dicken Waͤldern auf. Hier zu Lande werden wenig angetroffen: Die Jungen sind Anfangs weiß und neun Tage blind, werden aber im wach- sen bald gelber und bleiben die Maͤnn- lein Von denen wilden Thieren. lein allezeit weisser, als die Weiblein. Wann sie noch klein sind, spielen sie, wie die Katzen, beissen und springen, klettern an Baͤumen auf und nieder. Die Alten bringen ihnen zuzeiten einen lebendigen Fang, welches sie oben auf den Hals in dem Nacken hefftig anfallen, einbeissen, und dem Thier den Schweiß aussaugen, biß es todt, dann verzehren sie solches hernach. Wann sie noch kleine sind, brin- gen ihnen die Alten einen grossen Vogel, oder jungen Hasen, und wenn sie groͤs- ser worden, ein junges Reh oder Wild- Kalb, so springen die Jungen auch zu, dann laͤsts die Alte aus und wuͤrgens die Jungen, dadurch werden sie begierig, daß sie selbst nachschleichen, sich hinter die Stoͤcke und Straͤucher stecken, sachte krie- chen und darnach springen; Wann sie aus dem Finstern sehen, scheinen ihre Au- gen feurig. Jhre Spuhr ist, wie einer Katze; Die Groͤsse aber als eines Jagd- Hundes. Sie kriechen auf einen Baum, setzen sich auf einen Ast und passen auff, wo das Wildpraͤt wechselt, und so eines vorbey gehet, springen sie ihm geschwinde auf den Ruͤcken, halten sich feste mit ihren Klauen und beissen es in das Genuͤcke, saugen das Blut aus, es lauffe, wie es wolle, biß es umbfaͤllet. Sie fressen zu Anfang den Zimmel, das uͤbrige ver- scharren sie mit grosser Sorgfalt und he- ben sichs auff, biß sie nichts frisches fan- gen moͤgen. Die Luchse werden von dem Thier noch eher, sonderlich aber von den wilden Schweinen, wann sie mit grosser Ungestuͤmmigkeit durch die dicken Straͤucher fahren, abgestrichen. Weil aber die Schaden oder die Wunden dem Wildpraͤt von oben einwaͤrts gehen, so heilen sie schwerlich, sonderlich in der Waͤrme des Sommers. Ein Hirsch a- ber kan den Luchs nicht so leichte abstreif- fen, weil solchen das Geweyhe, darhinter er sitzet, vor dem Abstreiffen der Aeste und Straͤucher schuͤtzet. Ein Luchs blei- bet eher und fester in Behaͤltnissen, wenn man kreisset, als ein Wolff, und wird, weil er dem Wildpraͤt schaͤdlich, eben wie der Wolff, mit dem kleinen Zeug ge- fangen. Die Luchsin ist kleiner, als der Luchs und nicht so schoͤn, als derselbe, wiewohl es in denen Steinfelßigten Ge- buͤrgen eine weit schoͤnere und spieglich- tere Art von Luchsen giebt, als die in de- nen ebenen grossen Waͤldern wohnen, sind aber nunmehro nicht so haͤuffig, weil die grossen Wildnissen durch Auff- bauung Staͤdte und Doͤrffer ausgeoͤdet und daher die Luchse vertilget worden sind. Hat ein starckes Gebiß von zwan- tzig Zaͤhnen und an denen Vorder-Laͤuff- ten fuͤnffe, an denen Hintern aber nur vier Klauen: Einen kurtzen dicken Schweiff, so am Ende schwartz ist: Des- gleichen dreyeckigte Ohren, daran oben schwartz stehende Haare sind. Der Balg ist glatt und gelinde, dem Sammet gleich und haben insgemein drey oder vier Jungen, nach der Katzen Art. Sie springen und lauffen schnell, so sie sich a- ber in der Gruben, oder sonst gefangen vermercken, sind sie, wie die Woͤlffe im Gebrauch haben, aus Furcht erschrocken und bloͤde: Maassen einige davor hal- ten, daß die Luchse von einer Vermi- schung zwischen einer wilden Katz und ei- nem Wolff seyen, so ich dahin stelle: Jn- dem bekant, daß die Naturkuͤndiger oͤff- ters seltsame Dinge statuir en, welches so wohl denen Thieren, als der Natur selbst gantz zuwider scheinet und nicht al- lezeit eintreffen kan. Es ist der Luchs aus dieser Ursachen, weil er viel schaͤdli- cher und gefaͤhrlicher als andere Raub- Thiere ist, umb so viel mehr zu vertilgen, maassen er nach seiner Gewohnheit we- gen des Schweißes aussaugen alle Ta- ge einen frischen Riß zu nehmen gewoh- net, weswegen er, wo es ihm moͤglich, insgemein am liebsten nach denen Rehen trachtet, weiln ein Reh gleich erschrickt, und aus dem Sprung koͤmmt, da er sol- ches am besten fangen u. bezwingen kan: Doch muß in Mangel dessen gar offters manches Wild-Kalb, oder zahmes Schaf und Ziege, ingleichen mancher Hase herhalten. Es folgen insgemein alsobald die Fuͤchse und Marder dem Luchse flei- ßig auf der Spuhr nach, weil sie gewiß versichert, von dem uͤberbliebenen Riß noch was zu finden. Welches aber der Wolff nicht thut, weiln derselbe seinen Raub alsbald verzehret, nicht viel uͤbrig laͤsset, wenigstens das ruͤckstaͤndige nach- hohlet, er muͤste dann Unsicherheit ver- mercken und lieber den Raub als sein Leben lassen wollen. Sonst statuir en auch einige erfahrne Weydeleut, daß es zweyerley Arten von Luchsen geben solle, als nehmlich Katzen-Luchse und Kaͤlber- Luchse: Die Katzen-Luchse sollen mei- stens in Steinfelßigten hohen Klippen und Gebuͤrgen sich befinden, deren Balg von weichen gelinden lichtgelben Haa- ren, mit rothen Flecken und weissem O 3 Bauch, Anderer Theil/ Bauch waͤre, wegen Nordischer Kaͤlte, und waͤren wie alle Raub-Thiere, an Haaren viel edler zu schaͤtzen, auch dessen krumme Klauen so klahr und durchsich- tig, als ein Glaß, welche denen Kindern anzuhaͤngen und damit zu kratzen in schweren Gebrechen dienlich seyn sollen: Sind auch niedriger von Leibe, kurtz und dicke, auch mollichter von Haaren, Die Kaͤlber-Luchse, welche in grossen ebe- nen Waͤldern, wo keine Gebuͤrge, wie in unsern warmen Laͤndern, sich auf hiel- ten, haͤtten nicht so schoͤne Farbe, auch nicht so viel Haare, als jene haͤtten, zwar wohl wie der Luchs einen Katzen- Kopff, mit hohen spitzigen Ohren, waͤre aber sonst wie ein jung gebohren Bau- er-Kalb, falbicht, ziegelroth, mit weis- sen Flecken, geschlanck und hochbeinigt, wiewohl sie, GOtt Lob! nunmehro bey uns ziemlich vertilget worden. Dann wo sich dieses schaͤdliche Raub-Thier haͤuffig vermehren solte, duͤrffte es wohl manchen armen Menschen so erwuͤrgen, wie ich von denen Jndianern wegen des Thieger-Thiers bereits gemeldet ha- be: Er wird zu Winters-Zeit auf seiner Spuhr, wie die Woͤlffe, ebenfalls einge- kreisset, woselbst er viel festerer liegen bleibet und aushaͤlt. Was von ihme sonsten zur Medicin nuͤtzlich gebrauchet werden kan, hiervon, weiln man selten einen Luchs bekommt, ist mir nichts wis- send. Jn seiner Section und Anatomie, davon an seinem Ort handeln werde, wird er wohl einer Katzen, wie ein Wolff dem Hunde gleichen. Von dem Fuchs. Zur Gesellschafft derer zwey vorge- meldten Raͤuber, nehmlich des Wolffes und des Luchses, fuͤge ich nicht unbillig hier den Fuchs mit an. Was vor ein l istiges, kluges und verschlagenes Raub- t hier der Fuchs ist, wird sonder Zweif- fel von ihm zur Gnuͤge bekant seyn: Maassen derselbe durch seine vielfaͤltige Raͤncke und unterschiedene listige Ver- stellungen die kleineren wilden Thiere zu seinem Raube erwuͤrget und solches al- len andern weit zuvor thut. Es hat die Fuͤchsin, nachdem sie neun Wochen ge- tragen, vier biß sechs junge im Monath Majo, verwahret solche in Gruben und Loͤchern, die sie wohl aussiehet: Die Jun- gen sind Anfangs weißgelblicht, die Haa- re aber werden immer dunckler. Die alte bringet junge Voͤgel und nehret sie: Bey Sonnenschein spielen sie vor denen Loͤchern. Umb Jacobi lauffen die Jun- gen mit der alten zu Felde, lernen sprin- gen, Heuschrecken, Grillen, Fliegen, und Gewuͤrm fangen, ingleichen Maͤuse, jun- ge Wachteln und Lerchen: Jhre Woh- nung finden sie selbst. Umb Martini ist der Balg am besten. Jm andern Jahr des Herbsts hecken sie alleine. Hinter denen zahmen Gaͤnsen und Huͤnern sind sie scharff her. Des Fruͤhlings, wann die Froͤsche vorkommen, fangen die Fuͤch- se dieselbigen, davon ihre Haare ausfal- len, die Mey-Kaͤfer fressen sie auch ger- ne, desgleichen thun sie denen jungen Rehen grossen Schaden. Sie rantzen oder rollen zu Anfang des Februarii um Lichtmeß-Zeit und traben ihrer etliche hinter einander einer Fuͤchsin nach, wie die Hunde, bleiben auch beysammen haͤngen, und thun solches fast lieber bey neblichtem, als schoͤnem Wetter bey Tage, wañ es aber gar zu garstig Wetter ist, krie- gen und verbergen sie sich in ihren Baͤu- en. Wann sie von Hunden gejaget werden und anders nicht heraus koͤnnen, nehmen sie ihre Flucht auf kurtze knorrichte vom Wind gebogene Baͤume, kriechen gantz hinauff und sehen dem Jagen derer Hun- de unter sich zu. Sie werden vor dem Hunde, oder durch klopffen geschossen, oder auf dem Felde mit Winden gehetzet, ingleichen in Netzen geschlagen, meistens aber in Eisen gefangen. Wo grosse Herrschafftliche Jagden sind, werden die- selben auch auf dem Lauff-Platz durch kleine schmale Netze geprellet, welches ei- ne rechte Koͤnigliche Lust ist. Es haben die Fuͤchse in allen derer Hunde Eigen- schafft: Maassen die Fuͤchsin neun Tage laͤuffisch ist, die Jungen auch so lange blind bleiben. Ja sie koͤnnen sich auch mit Hunden belauffen und davon Jun- ge ziehen: Jn Miscowitischen Laͤndern, Syberien und dergleichen giebt es gantz schwartze Fuͤchse, deren Rauchwerck ziem- lich theuer. Die meisten Fuͤchse aber sind in denen Nordischen Laͤndern, we- gen der grimmigen Kaͤlte sehr haͤuffig zu finden. Die hier zu Lande gewoͤhnli- chen Fuͤchse sind zweyerley: Als die Brand-Fuͤchse, die etwas groͤsser, ha- ben schwartze Laͤuffte, Ohren und Schwantz Von denen wilden Thieren. Schwantz, als ob sie versenget waͤren, einen grauen Peltz auf dem Ruͤcken und nicht viel roͤthlichtes. Die Roth- oder Birck-Fuͤchse aber sind etwas kleiner und roͤther von Haaren, an Laͤufften, Ohren und Schwantz braͤunlichter und haben an dem Schwantz eine weisse Spitze: Die Fuͤchse haben auch gemeiniglich des Som- mers, da sie raͤudig werden, viel Floͤhe, welche doch magerer, als der Hunde Floͤhe sind: Wann nun der Fuchs sich reinigen will, wadet er im Wasser so tief er kan, setzet sich hinten langsam nieder und immer tieffer, daß sie nach dem Kopffe lauffen, dann dunckt er endlich den Kopff auch hinein, springet jaͤhling heraus und kratzet die uͤbrigen reinlich ab. Der Fuchs hat einen scharffen Ge- ruch und kan den Wind uͤber etliche hun- dert Schritte haben. Wann er das ge- ringste unrichtig vermercket, so recket er die Nase in die Hoͤhe und nimmt bald die Flucht. Jn seiner Hoͤhlen, aus wel- cher er viel Ausgaͤnge machet, soll er mit der Schlange sehr friedlich leben, wohl wissende, daß dieses gifftige Thier ihn vertreiben wuͤrde. Jn welcher Politi- que er viele Menschen uͤbertrifft und nicht unbillig einem klugen Hoffmann verglichen wird: Dem Raben aber, wel- cher ihr Verraͤther und seine Jungen raubet, ist er von Natur sehr feind. Wann umb Lichtmesse hell und kar Wet- ter ist, bleibet der Fuchs in seinem Bau, weil er noch Winter vermercket: Maas- sen denn die Fuͤchse bey Aenderung des Wetters, sonderlich im Winter, so es kalt werden soll, wie ein Hund bellen, daß es weit zu hoͤren ist. Wo sie anpissen welches sie wie die Hunde thun, kan man es weit riechen. Wann die Fuͤchsin Jungen hat, trachtet sie denen Huͤhnern hefftiger nach, als der Fuchs, und so sie unter Huͤhner und Gaͤnse kommet, wird sie, wo moͤglich, alles wuͤrgen und eine nach der andern ins Getraͤyde oder Rohr schleppen; Eine Fuͤchsin ist so be- gierig darauf, daß sie sich gegen ein Gaͤn- se-Maͤgdgen wohl zur wehre stellet. Es kan der Fuchs des Fruͤhlings, wann die Hasen rammlen, sich zu ihnen gesellen und artlich mit ihnen spielen, da nun der eine seine Schalckheit mercket und fort- laͤuffet, erwischet er den andern beym Halß und behaͤlt ihn zur Beute bey sich: Sonsten koͤnnen sie auch die alten Hasen in ihrem Lager gar oͤffters betruͤgen, wann sie den Wind in acht nehmen, sie beschleichen und bespringen. Seine Spuhr oder Gefaͤhrd ist wie eines klei- nen Hundes, nur laͤnglichter und spitzig- ter, hat zwischen denen Ballen merck- lich mehr Haare, trabet einen geraden Schritt in den andern, so die Hunde nicht thun, frisset Maͤuse, mit deren Stimm er sich am liebsten locken laͤsset, wie auch Obst und Weintrauben. Jm Winter aber werden sie mit duͤrren Pflaumen weit gekirret. Wundersam ist es, daß, wann der Fuchs kranck ist, er Tannenhartz oder Weyrauch fressen soll, so er aus denen Ameißhauffen kra- tzet, wovon ihm hinten eine Querhand vom Creutz auf dem Schwantz in de- nen Haaren eine Materie waͤchset, die Fuchsblume genannt, so ein klein Blaͤs- gen ist, von allerhand Haaren bewachsen und wie eine blaue Viole riechet, an wel- cher er in seinem Lager, weil er rund zu- sammen lieget, stets die Nase hat, sol- che zu seinem Balsam brauchet, und sich damit curir et. Von dem Fuchs wird zur Medicin als eine bewaͤhrte Artzney vor die Schwindsichtigen die Lunge treff- lich gut gehalten: Jngleichen soll der Schweiß den Stein zermalmen und aus- treiben: Die Mumia eines geraͤucherten Fuchses in Spieligt, soll vor das Rind- Vieh gut seyn, wie auch das Fett zu einer herrlichen Heil-Salbe dienen. Es macht dieser Gast, ob er gleich gerne in der Er- den wohnet, doch selten sein Lager, son- dern er erkundiget sich eines Dachs-Bau- es und treibet den Dachs durch vielen Streit aus demselben, wann er ihm ge- wachsen ist, oder, wann er vermercket, daß der Dachs ausgangen, leget er seine Lohsung haͤuffig vor die Roͤhre. Weil nun zwischen ihnen beyden, wegen Be- raubung der Jungen, eine besondere Feindschafft ist, und der Dachs bey seiner Ankunfft den Gestanck mercket, so ver- laͤsset er seine Wohnung und fliehet da- von, worauf der Fuchs sie sogleich be- ziehet: Oder wann er des Sommers raͤudig worden ist, durchschlufft er den Dachs-Bau, verstaͤnckert solchen allent- halben, welches der Dachs, als ein rein- lich Thier, nicht vertragen kan, sondern gern ausziehet. Da aber der Fuchs kei- nen Dachs-Bau findet und doch sicher seyn will, muß er nothwendig seinen Bau unter einen wurtzelichten Baum oder Stein machen, welches doch nur mit ei- ner Roͤhre geschiehet: Man findet auch offters in freyen ebenen Korn-Feldern Fuchs- Anderer Theil/ Fuchs-Gruben, welches man einen Noth- Bau nennet, so nur von jungen Fuͤch- sen geschiehet, welche von ihren Alten vertrieben worden und sich selbst zu neh- ren nirgends hin wissen. Wann ei- ne Fuͤchsin, welche ihre monatliche Zeit hat, oder gar laͤufisch ist, von Hunden gejaget oder behetzet wird, und die Hun- de bald daran kommen, seiget sie in Schwantz und wirfft solchen umb sich, daß es die Hunde in die Augen beisset, so wird sie kein Hund leicht greiffen, daher das Sprichwort ist: Er will den Fuchs nicht beissen. Wann die Fuͤchse mit Netzen umbstellet sind, lauffen sie an dem Zeuge ungescheuet herumb, ob sie viel- leicht unten hindurch, oder im Wechsel ausschlupffen, oder auff einem Stamm, Windbruch, oder andern Vortheil uͤber- springen koͤnnen, auch schlagen sie mit dem Schwantz an die Netze, solche abzu- werffen und uͤberzukommen. Von dem Bieber. Es giebet leyder! wie wir vernom- men, nicht nur allein schaͤdliche Raub- Thiere auf dem Lande, sondern auch in Wassern, deren hier zu Lande die bekan- testen sind der Bieber und der Fisch-Ot- ter, so als Amphibia zugleich so wohl un- term Wasser, als auf der Erden leben koͤnnen, ihren Raub nehmen und schaͤd- lich sind. Es fallen die jungen Bieber im May-Monat; Weiln aber die Bie- ber, wie gemeldet, das Wasser lieben, so werden sie unter dem hohlen Wasser-U- fer, wo es von verfallenem Holtz wuͤ- ste ist, gebohren. Sie kommen blind auf die Welt und wann sie etwan vier Wo- chen alt, bringen ihnen die Alten kleine Aestgen von Weyden, daran lernen sie die Rinde schaͤlen und Laub beissen, was sie dann liegen lassen, stossen und tragen die Alten hernach allemahl wieder ins Wasser, so bald aber 5. biß 6. Wochen vorbey, begeben sie sich schon mit in das Wasser nach dem Lande und steigen mit aus, daß sie alle der Orten hin und wieder bekant werden; Dann hauen ih- nen die Alten Pappeln und Weyden um, da sich dann hernach die Jungen mit de- nen Alten in die Aeste setzen und sich nach Begehren aͤssen. Gott hat ihnen auch in der Natur gegeben, daß sie sehen koͤn- nen, wo der Baum, den sie abhauen wol- len, hinfaͤllet, da sie dann an der Seiten erst mehr einkerben, hernach da ablassen, auf der ander Seiten anfangen und ihn vollend umbfaͤllen. Sie hauen auch ein Aestlein nach dem andeꝛn davon ab, schlep- pen es nach dem Wasser und setzen sich ein wenig drein, absonderlich mit dem Schwantz, und nehmen darvon zu sich, was ihnen gefaͤllt. Jm andern Jahr ihres Alters, werden die jungen Bieber gegen Ausgang desselben recht vollkom- men; Jhr Schwantz ist von ferne als wenn ihn ein Karpe ungefehr von drey Pfunden hinten angebissen haͤtte. Der- selbe ist auch bald wie schuppigt und hat keine Haar auf sich, ihre Hinter-Laͤufft sind breit und zum schwimmen wohl ge- schaffen, auch schwartz wie der Schwa- nen ihre Fusse, vorn aber sind dieselben ziemlich veraͤndert, denn sie koͤnnen dar- mit zugreiffen und die Aeste halten, son- sten aber sind sie nicht rasch von lauffen, darumb gehen sie auch nicht weit vom Wasser. Jhr Wildpraͤt schmeckt hin- ten sehr nach Fischen, gleich den Fisch- Ottern, vorne aber gleichet es denen Dachsen und wird ihr Schwantz vor gro- se Herren gebraten und vor eine Deli- catesse gehalten. Sie haben grosse Zaͤh- ne wie Meissel und koͤnnen darmit einen Baum von ein, auch anderthalb Klaff- ter umbhauen. Erstlich suchen sie wohl die kleinen selbiger Gegend, hernach muͤs- sen die grossen auch herhalten und wann das Holtz gar will ein Ende nehmen, so machen sie ihren Bau an einen andern Ort, da sie besser ihre Nahrung haben und gelegener wohnen koͤnnen. Des Tages gehen sie oͤffters heraus an die Sonne, legen sich auf Staͤmme und koͤn- nen sich mit sonderm Fleiß zu rechte pu- tzen: Oder wo keine Staͤmme seyn, ha- ben sie die Art an sich, daß sie eine Zeit- lang an einem Ort etwan zwischen Straͤuchern im Wasser das Holtz, dar- von sie ihre Nahrung gehabt, zusam- men legen, gleich einem kleinen Kaͤstgen, so lange biß sie trocken darauff liegen koͤnnen, darauff sie dann hernach ihre sommerliche Beqvemligkeit haben und manche Stunde liegen. Es haben die Bieber grosse Geylen, fast wie die Schweine, doch etwas laͤnger und schmaͤhler, worinnen eine gelbe Wachs foͤrmige weiche Materie von starckem gei- lem unzuͤchtigem Geruch befindlich, da- von sie den Namen haben. Sie sind von ei- ner Von denen wilden Thieren. ner hitzigen, subtil durchdringendẽ scharf- fen Eigenschafft und zu veneri schen Lie- bes-Traͤncken dienlich, auch in der Apo- thecen, weil sie eine waͤrmende und tro- ckene Art haben, sehr braͤuchlich, inglei- chen gut in Kinds-Noͤthen, dienen wider Gifft und Grimmen. Andere Nutzbar- keiten sind denen Medicis bekant. Diß haben so wohl Maͤnnlein als Weiblein und wieget offt des Maͤnnleins uͤber ein Pfund schwer, des Weibleins aber ist mercklich kleiner. Der Balg ist etwas falb oder dunckel, Aschen-Farb von Haa- ren, davon besondere sehr theuere Bie- berhaͤrene Struͤmpffe, auch Bieberhaͤ- rene oder Castor Huͤthe fabricir et und reichen Leuten verkaufft werden. Seine Spuhr oder Gefaͤhrd ist an vordern Fuͤssen gleich einem Hund, doch flach; Die hintern gleichen, wie gemeldet, ei- nem Schwan oder Ganß. Sie koͤnnen damit im Wasser sehr wohl fort kom- men und unter dem Wasser eine ziem- liche Ecke schwimmen und fortfahren, doch muͤssen sie auch bisweilen die Nase in die Hoͤhe recken und Athem hohlen: Sind dick und unbehelfflich. Jhre Nah- rung ist nur meist Rinden von Weyden, Werfften, Pappeln und dergleichen Wasser-Gehoͤltze, so sich schaͤlen laͤsset, und halten einige davor, daß sie keine Fi- sche rauben; Weil aber ihr Wildpraͤth, wie gemeldet, meist nach Fischen schme- cket, muß folglich auch die Nahrung da- von seyn. Sie brunfften mit ihrem kur- tzen dicken Leibe sehr begierig auf einan- der lange Zeit und traͤgt die Bieberin sechzehen Wochen, biß sie setzet: Sie hauen mit ihren scharffen Faͤngen al- les auffwaͤrts mit solcher unglaublicher Macht, daß es nicht zu beschreiben. Es wird ihr Wildpraͤth auch in der Fa- sten-Zeit auf unterschiedene Arten deli- cat zugerichtet, so aber, wegen Undau- ligkeit des Magens, mit Gewuͤrtz reich- lich versehen seyn muß. Von der Fisch-Otter. Dieses ist ein Raub-Thier, welches nichts zu Lande, sondern alles im Was- ser, als Fische, Krebse und dergleichen raubt. Sie wohnen in hohlen Ufern, Werdern und alten hohlen Stoͤcken von Erlen, oder Weyden unter denen Fluth- betten, Teichstaͤndern und verborgenen Loͤchern, wo allerhand Reiß verworf- fen. Wann die Fisch-Otter umb die Fasten-Zeit im Februario gerantzet und ihre Jungen zwoͤlff Wochen getragen, setzet sie so dann im Majo gemeiniglich drey biß vier Jungen, welche neun Ta- ge blind liegen, ehe sie sehen koͤnnen und werden von der Alten fleißig ernehret, biß sie drey oder vier Wochen alt, dann schlupffen die Jungen schon mit und ler- nen die kleinen Fischgen fangen, darauff sie sehr eiffrig werden und sich stetig hier- innen uͤben, ob wohl mancher Fehl- Gang vorgehet: Wann ungefehr Hun- de zu ihrem Bau kommen, koͤnnen die Alten sich sehr wehren und dieselben be- schaͤdigen, weiln sie scharff Gebiß haben; Jmmittelst wischen die Jungen darvon und die Alte folget nach. Der Balg ist so fest, daß ihn nicht leicht die Hunde fas- sen koͤnnen, haben einen kurtzen runden Kopff, kleine Augen und Ohren, wer- den im Wasser gar nicht naß, ausser wenn sie verwundet. Wann die Jun- gen zwey Jahr alt, so sind sie zu ihrer vollkommenen Groͤsse; Sie wohnen lieber bey denen kleineren Wassern, und deren Baͤlge sind auch weit schoͤner und besser, als derer, die bey denen grossen Wassern sich auffhalten. Sie thun des Nachts nach denen Fisch-Baͤchen weitlaͤufftige Gaͤnge und geben genau Acht, so sie Wind von denen Menschen vernehmen, schiessen sie alsobald unter das Wasser, wie die Blaͤss-Enten, und kommen an ei- nem andern Ort mit der Nasen empor, Athem zu hohlen: Wann sie fischen, sind sie viel geschwinder unter dem Wasser, als ein Fisch, und so sie etwas gefangen, kommen sie mit dem Raub in die Hoͤhe, und wann es zu groß, schwimmen sie an das Land oder Ufer des Nachts, wo sie Friede haben und verzehren es mit groͤstem Appetit. Die Fisch-Ottern sind geschwind, braun von Haaren, welche kurtz und glatt, haben einen langen di- cken glattharigten Schweiff; Wann sie Fische vermercken, schlagen sie den Schwantz ins Wasser, daß die Fische er- schrecken und sich unter die Wurtzeln und Loͤcher des Ufers verkriechen, da sie solche am meisten fangen. Gemeiniglich geschiehet ihr Gang vor Tage aus dem Bau, sie fischen unter dem Wasser ge- gen den Strohm weit weg, und wenn sie satt worden, lassen sie sich den Strohm allmaͤhlig zuruͤck treiben. Jhre ange- P nehmste Anderer Theil/ nehmste Speisen sind die Krebse, wenn sie die in denen Fisch-Reußen mercken, kriechen sie mit solcher Begierde hinein, daß sie nicht wieder heraus koͤnnen, und aus Mangel der Lufft ersticken muͤssen, wiewohl sie sonsten ein sehr hartes Le- ben haben. Sie haben breite Gaͤnse- Laͤuffte, wormit sie rudern und in Mangel der Fische muͤssen sich die Froͤ- sche willig ergeben. Recht wundersam ist es, was sie die Natur gelehret, daß wenn sie des Fruͤhlings grosse Wolcken- Bruͤche oder Wasser-Guͤsse vermuthen, sie zu deren Anzeigung an denen Ufern das Lager etwas hoͤher erheben, damit sie nicht ersticken moͤchten; wo sie andeꝛst Frie- de haben, setzen sie sich gerne auf alte Staͤmme oder sonst im Winckel an Was- sern und lassen sich mit ihrer besonderen Vergnuͤgung die Sonne bescheinen und trocknen. Wo sie in die Forellen-Was- ser kommen, thun sie grossen Schaden. Jhre Lohsung, so meistens von Krebs- Schalen und Fisch-Schuppen bestehet, werffen sie gemeiniglich auff die Steine. Wann des Winters die Stroͤhme oder Teiche mit Eiß befroren, werden sie die auffgehacktn Wuhnen, oder offene Loͤ- cher wohl in acht nehmen und sich nicht zu weit unters Eiß wagen, sondern bald wieder heraus kommen: Jhr Weg ge- het alsdenn auff dem Eise nach denen offe- nen Loͤchern und spuͤhren sich, wie die Marder, setzen die Tritt zwey und zwey beysammen in der Groͤsse eines Dachses, aber nicht mit so vollkommenen Ballen, sondern flacher Spuhr und schleppen den langen Schwantz zu weilen. Sie fres- sen von grossen Fischen alles, ausser den Kopff, Graͤthe, und Gerippe, so sie liegen lassen; Verhaͤren sich niemahls, wie an- dere Thiere, sondern bleiben am Balg Sommer und Winter gut: Jhr Fleisch oder Wildpraͤth ist ungesund und sehr zaͤhe, wird denen Carthaͤuser-Muͤnchen zu essen erlaubet. Umb die Fasten-Zeit rantzen sie gemeiniglich, da sie sich dann bey ihrem Ausgange des Nacht wie die Menschen mit sonderlichen helllautenden Pfeiffen zusammen ruffen. Und so viel von deren Eigenschafft. Sie werden gefangen auf unterschiedene Arten, wo es deren viel giebt, sind rechte Otter- Faͤnger, welche absonderliche beißigte klei- ne und behertzte Otter-Hunde haben, etwas groͤsser als Dachs-Schlieffer und braun von Haaren, mit steiffen Ohren zu beyden Seiten umb ihre Loͤcher aus- zustoͤbern, darzu werden besondere Ha- men oder Netze vorgestellet, deren Ge- sencke auf dem Boden von Bley, das o- berste aber Korck oder Pantoffel-Holtz ist, so schwimmen muß, wann nun die Fisch-Ottern bey dem Zipffel hinein schlupffen, und sich in die Hoͤhe werffen, werden sie durch eine dreyzackigte Gabel gestochen, wie ich ausfuͤhrlicher beschrei- ben werde: Oder sie werden in Eysen mit besonderer Witterung gefangen, zum Theil auch durch ihr Pfeiffen ver- rathen und geschossen. Von dem Dachse. Dieses Thier wohnet unter der Er- den in Bergen und Huͤgeln, wo keine Felsen, sondern lockerer Boden und Wurtzeln zu finden. Haben auch oͤff- ters im freyen Felde ihre Behaͤltnisse. Der Dachs ist ein dickes Thier, von lan- gen Haaren, schwartz graulicht und weiß eingesprenget, hat kurtze schwartze dicke Laͤuffte und grosse krumme Klauen dar- an, einen kleinen spitzigen Kopff, und zu beyden Seiten der Augen breite schwar- tze Striche, kurtze weisse Ohren und klei- ne schwartze Augen: Sein schwaͤchstes Glied ist die Nase; Hat einen unbehen- den und beschwerlichen Gang. Wann die Daͤchsin sich im Februario belauffen und meist zwoͤlff Wochen getragen, setzet sie im Majo und bringet gemeiniglich vier Jungen. Da sie am meisten mager ist und den Winter durch vom Leibe gezeh- ret, muß sie dennoch solche Jungen mit ihrer Milch ernehren, und sich kuͤmmer- lich behelffen, weil die Daͤchse keine Nah- rung eintragen. Wann aber nur sol- che in etwas erwachsen, denn jagen sie dieselben aus ihren Roͤhren und muͤssen sich allein ernehren, auch ihnen andere Qvartier aussuchen: Gemeiniglich hat ein jedes Paar Daͤchse ihre a parte Roͤh- ren, wo nun ihr rechtes Lager, da sie im Winter liegen, ist es wie ein Kessel, welches sie von Moß, Farrenkraut und langen Graß im Munde herzu tragen und sehr weich machen. Wo aber der Ein- und Ausgang, machen sie die Roͤh- ren forne sehr enge. Wann die Jun- gen etliche Wochen alt, spielen sie vor dem Bau, und sobald sie fort koͤnnen, neh- Von denen wilden Thieren. nehmen sie die Alten des Nachts mit aus auf die nechsten Graß-Plaͤtze im Walde: Sie graben mit ihren langen Klauen und spitzigen Nasen die kleinen Wur- tzeln von allerhand Kraͤutern aus, fres- sen gerne die schwartzen Kaͤfer unterm Kuͤh-Fladen, Schnecken und ander Ge- wuͤrm; Sonderlich aber gehen sie des Nachts gerne auff die Ruͤben und Moͤhren: Wo die Daͤchse Friede haben, wohnen in einer Gegend etliche Paar. Jhren Bau haben sie gerne gegen den Mittag, daß die Sonne in die Roͤhre schei- nen und sie darinnen waͤrmen koͤnne. Jm andern Jahr kommen die jungen Daͤchse zu ihrer Vollkommenheit. Sie leben nicht uͤber zwantzig Jahr und wer- den im Alter meist blind, daß sie nicht mehr fortkoͤnnen, wiewohl auch oͤffters junge Dachse, von zwey Jahren alt, am hellen Tage in solchem blinden Exilio an- getroffen werden, daher zu muthmassen, daß sie sehr dazu geneigt seyn muͤssen. Sie haben ein scharffes Gebiß mit Fang- Zaͤhnen, wie die Hunde, wormit sie sich sehr wehren und in Geschwindigkeit um sich beissen. Wann es truͤbe Wetter ist, gehen sie am liebsten aus, weiln sie sich im Mondenschein vor ihrem eigenen Schatten fuͤrchten, zum wenigsten wan- deln sie doch im Holtze, da es finster ist und gehen ziemlich spaͤth heraus, suchen ihre Nahrung unter denen wilden Obst- Baͤumen, Eicheln und Buch-Mast, dar- von sie feist werden und wandeln vor Tage mit grosser Muͤhe wiederumb zu dem Bau. Wann des Fruͤh-Jahrs, wie bereits gemeldet, die Fuͤchse raͤudig werden, so stecken sie darmit die Daͤchse an, es setzet sodann grossen Streit, biß einer dem andern weichen muß und ins- gemein der Fuchs den Dachs durch Ge- stanck und Unflath so lange plaget, biß dieser ausziehet. Des Dachses Ausgang waͤhret biß in November, so lange Ruͤ- ben und Kohl im Felde sind, oder Ei- cheln und Buchen gefunden werden, und es so lange gelinde Wetter bleibet; Wann es aber frieret, gehet er nicht mehr aus, sondern begiebet sich in den Bau, bleibet den gantzen Winter uͤber darinnen, und sauget sein Fett durch ein besonde- res Sauge-Loch wiederumb vom Leibe, biß umb Lichtmesse, nach der alten Zeit zu rechnen, dann gehet er wieder aus, und suchet die uͤberbliebene Mast unter dem Laub hervor. Es ist recht zu ver- wundern, daß die Natur diesem Thier solch Sauge-Loch absonderlich verord- net, daß sie im Winter ihre spitzige Na- se unterwaͤrts zwischen denen Hinter- Beinen, biß an die Augen hinein stecken und davon ihre Saͤttigung haben, wie der Baͤr an denen Tatzen. Sie sind so listig, daß, sobald sie mercken, daß Hunde in ihren Bau kommen, sie die Erd hinter sich verkratzen und zurammlen; Wann sie aber an solchem Ort zu offte gestoͤhret werden, weichen sie da weg. Sie haben eine harte Natur und sind von kalter Eigenschafft, graben mit de- nen Klauen vor sich creutzweiß, mit wun- derlicher Geschwindigkeit. Man haͤlt da- vor, es sollen zweyerley Art Daͤchse seyn, als Hunds-Daͤchse und Schwein-Daͤch- se; Die Hunde-Daͤchse haben spitzigere Maͤuler, sind groͤsser von Leibe und ha- ben eine laͤngere Nase, sind fetter und weißlicht von Farbe, auch staͤrcker von Haare. Die Schwein-Daͤchse hinge- gen haben kuͤrtzere Maͤuler, schwaͤrtzere Haare, der Kopff ist in der mitten schwartz, beyde Wangen weiß und etwas gelblicht an der Gurgel, Nasen und Oh- ren, wohnen gerne in festem und hartem Erdreich, sind nicht so groß, als die an- dern und wohnen nimmer beysammen, sondern weit von einander; Jngleichen wann die Schwein-Daͤchse das Gelohs von sich geben, graben sie ein Gruͤblein, haben auch etwas hoͤhere Laͤuffte. Wo die kleinen Ferckel in Mast-Zeiten ge- worffen werden, oder die Carnickelgen ihnen nahe kommen, thun sie darunter Schaden und schleppen sie nach ihrem Bau, wie auch junge Voͤgel und derglei- chen, dahero sie in etwas unter die Raub- Thiere zu zehlen sind. Jhr Wildpraͤt und Fleisch, so es eingeweichet und ge- waͤssert, ist vom Geschmack weich und suͤßlich, als zahmes Huͤhner-Fleisch und wird gar oͤffters von Leuten gegessen, wiewohl es zu Fluͤssen sehr geneigt ist. Das Schmaltz oder Dachs-Fett ist eine gute innerliche Heyl-Salbe, vor die zer- brochenen Glieder zu gebrauchen, ma- chet auch gleich dem Baͤren-Schmaltz ei- nen grauen Bart und Haare wachsen; Der Schweiß wird in der Apothec zu einer herrlichen Medicin verbrauchet und daraus wider die Contagion oder pesti- lentzische Seuche ein gewisser Mithridat nebst andern speciebus herrlich elabori- r et. Wann die Daͤchse jung und noch klein sind, koͤnnen sie wohl aufer zogen werden und sind sodann gar artlich, wer- P 2 den Anderer Theil/ den mit allerhand duͤrrem Obst gefuͤttert. Die Dachs-Haut ist zu anders nichts mehr nuͤtze, als Reise-Kasten zu beschla- gen, auch Raͤntzel und Uberzuͤge zum Gewehr zu machen; Jngleichen Kump- te an Pferde-Geschirre und Hunde- Halß-Baͤnder daraus zu verfertigen. Von dem Marder. Die Marder sind zweyerley: Baum- Marder und Stein-Marder. Die Baum-Marder sind hier zu Lande in Teutschland fast so edel gehalten, als in Moscau die Zobeln, sie sind von schoͤner Castanien-brauner Farbe, haben einen gelblichten Fleck an der Kehle, halten sich auff in Waldern, in hohlen Baͤumen, liegen des Tages oͤffters wegen der Son- ne in wilden Tauben-Nestern, sind viel kleiner als Katzen, doch groͤsser als Jlt- nisse; Jhre Nahrung ist Eich-Hoͤrner, Voͤgel und Maͤuse, Hummel-Nester und Honig, worvon die Baͤlge Flecken kriegen. Jhre Brunfft geschiehet im Januario und setzen im Martio, wenn sie neun Wochen getragen, auff einmahl drey biß vier Jungen, welche von ihnen mit jungen Voͤgeln erzogen werden, sind artlich und lauffen wie die Eich-Hoͤrner biß in den obersten Gipffel, koͤnnen sich wohl hinter die Aeste verbergen: sauffen in der Bruth-Zeit die Eyer aus und ge- hen nach denen Blau-Tauben und an- dern jungen Voͤgeln in hohle Baͤume, und wo sie sonst zu finden: haben einen schwaͤrtzlichten Schwantz und halten sich nur allein in grossen wilden Waͤldern auff. Sie werden wegen ihres schoͤnen und raren Peltzes Edel-Marder genen- net: Sie leben gerne, wo es Buchen- und Tannen-Waͤlder giebet und haben sehr weiche gelinde und dicke braune Haare. Sie streichen des Nachts und springen auf die Baͤume weit herumb, kommen selten auff die Erden, daß sie nicht ge- spuͤhret werden wollen, beschleichen die grossen und kleinen Voͤgel, pluͤndern ihre Nester und rauben die Jungen. Wann sie der Tag uͤbereylet, legen sie sich krumb zusammen in das nechste Eich-Hoͤrnel- oder Tauben-Nest und koͤnnen sich so klein schmiegen, daß man nichts von ih- nen sehen kan: Jn ihrer Brunfft beissen und schreyen fie sehr, daß es in der Nacht weit zu hoͤren: werden auch blind ge- bohren. Die Stein-Marder halten sich in Felßen, alten Gemaͤuer, Steinritzen und Loͤchern auff, darvon sie den Na- men haben: Des Winters aber in Doͤrf- fern, Haͤusern und Scheunen: Sie trach- ten dem zahmen Gefluͤgel und jungen Tauben, die sie oͤffters besuchen, sehr nach, sind etwas kleiner und falblichter, haben eine weisse Kehle, was sie wuͤrgen, schlep- pen sie nach ihrem Lager ins Heu, Stroh oder sonst in ein Loch. Sie brunff- ten im Februario, tragen neun Wochen, und haben im April Jungen, welche ebenfalls blind gebohren werden. Sie lieben gerne den Schlaff und so sie was mercken, wuschen sie ins nechste Loch; Sie beissen alles todt an denen Koͤpffen und schleppen es nach ihrem Lager, da sie denen Bauern viel Schaden zu thun pflegen. Man siehet sie des Nachts beym schein auf denen Stroh-Taͤchern spatzi- ren gehen: So sie nichts anders bekom- men, sauffen sie die Eyer aus und sehen, wo sie sich etwan mit Maͤusen nehren koͤnnen. Von der Katzen. Die wilde Katze ist auch ein sehr schaͤdliches Thier, sowohl das Feder- Wild, als andere junge Thiere und klei- nes Wild zu vertilgen. Und werden die jungen wilden Katzen von der alten des Fruͤh-Jahrs im Monat April blind gebohren, man findet sie gemeiniglich in hohlen Baͤumen oder Felßloͤchern: Sind grau und schwartzstreiffigt, auch fleckigt, mit einem dicken zottelichten Schweiff und schwartzen Ringel gezieret mit einer schwartzen Spitz daran; Uber dem Hals und Ruͤcken haben sie einen schwartzen Strich. Die Pfoten sind innenwendig gantz schwartz, sonsten sehen sie denen zah- men Katzen fast aͤhnlich. Sie halten sich gerne in dicken Waͤldern, oder grossen Bruͤchern, Morast und geroͤhrigt auff und thun dem Gefluͤgel zu Holtz und Fel- de, sowohl alt, als jungen, grossen Scha- den, fangen auch mit besonderer Behen- digkeit Hasen, Carnickul, Hamster, Maul- Von denen wilden Thieren. Maulwuͤrffe und Feld-Maͤuse; Wann sie was mercken, liegen sie still, biß sie ih- ren Vortheil ersehen und darauff sprin- gen. Wann die Jungen zwey Jahr alt werden, sind sie zu ihrer vollkommenen Groͤsse und werden sonderlich die Kather im Alter sehr groß: Sie koͤnnen in denen hohlen Baͤumen die Voͤgel mit ihren Klauen aus den Loͤchern hervor ziehen und werden im Herbst sehr fett; Sie ge- hen nicht weit zu Felde, sondern behelffen sich im Gehoͤltze oder morastigen Oer- tern, wo sie die Vogel-Nester der End- ten, Taucher und andern Gefluͤgels pluͤndern, ja wenn bey abgelassenen Teichẽ sich einige Fische ins Rohr oder Schilff ver- schlagen haben, fressen sie dieselben und nehren sich auch davon. Die wilde Katzen sind ein wehrhafftes Thier und boͤse Cre- atur: Sie lauren auf denen Baͤumen, hoͤren leise, sehen scharff, und so sie was gewahr werden, druͤcken sie sich auf dem Ast nieder und koͤnnen wie ein Pfeil her- unter springen. Wenn sie von Hunden angepacket werden, wehren sie sich grau- sam. Jhre Brunfft ist wunderlich, der Kather fast die Katz bey dem Nacken u. die Katz drehet sich unteꝛ ihm herum mit dem Ruͤcken zur Erde, da er denn zu rechte kommt, wenn es geschehen und der Ka- ther loß laͤsset, hauet die Katze mit denen Klauen auf ihn zu, und geschiehet solche Brunfft im Januario des Nachts mit grausamem Geschrey und Gemurmel, von vielerley Stimmen, es beissen und kratzen sich auch zu solcher Zeit viele Ka- ther lahm und zu Schanden. Die Ka- tze traͤget ebenfalls neun Wochen, wie andere Raub-Thiere; Es werden auch zuzeiten die zahmen Katzen, wann sie nach Maͤusen, Vogel-Nestern, und jun- gen Hasen in die umb die Doͤrffer gelege- ne Felder und Buͤsche sich gewoͤhnen, wild, also, daß ihnen solche Nahrung besser schmecket, als die Hauß-Maͤuse, zumahl wann der Wirth ihnen nichts zu fressen giebet, und sie Noth leiden laͤsset, und bey dem Naschen oͤffters schlaͤget, oder der Hauß- Hund dieselbe stetig zwacket, da sie dann Deserteurs abgeben und ein ander vitæ genus sich erwehlen, also gantz verwildern und durch eine lan- ge Zeit eine rechte wilde Natur an sich nehmen; Dahero auch durch deren Ver- mischung oͤffters schwartze, oder roͤthlich- graue wilde Katzen gefunden werden. Der Balg wird von denen Medicis de- nen dicken Wassersuͤchtigen und corpu- l enten geschwollenen Leuten zu Brust- Laͤtzen dergestalt verordnet, daß sie sol- chen mit denen Haaren auf blosser Haut tragen muͤssen, den Kopff unten, und das Hintere oben, da denn solcher das Auffgedunsene abzehren und die schwa- chen Magen staͤrcken soll. Denen ma- gern Leuten aber soll es hoͤchstschaͤdlich seyn. Das Fett erwaͤrmet und lindert allerley Glieder-Schmertzen. Sie wer- den gemeiniglich durch Stoͤber-Hunde gesuchet und auffgesprenget, herunter ge- schossen, auch in Schlagbaͤumen oder Drath-Schleiffen gefangen. Von dem Jltniß. Dieses Thierlein ist auch von boͤser Art, dem Landmann zu sonderbaren Plagen erschaffen, indem es nicht allein in dessen Wirthschafft unter dem Ge- fluͤgel und denen Eyern, sondern auch denen wilden Thieren Schaden thut, maassen es allem was es in Tauben- Nestern und Huͤner-Haͤusern findet, die Koͤpffe abbeiset, und ihnen nur das Blut aussauget. Es ist ein boͤses Ding, hat einen Dicken Halß und stincket greu- lich, wo es hinpisset, dahero wird es ein Staͤncker genennet, wehret sich scharff gegen die Hunde mit beissen und seichet ihnen ins Gesichte, ist ein wenig kleiner, als der Stein-Marder, doch groͤsser als ein Wiesel; hat zweyerley Haare unter- menget, derer die langen schwartz und die kurtzen gelblicht aussehen. Es woh- net gemeiniglich gern in denen Hecken oder Dorff-Zaͤunen unter denen Schwel- len der Haͤuser und Scheunen, bißwei- len auch in Waͤldern unter denen Wur- tzeln und allerhand Gestruͤppe des La- ger-Holtzes, oder in Dorn-Hecken der Felder, wo sichs in die Erde graͤbet. Sie werden blind gebohren, im andern Jah- re sind sie zu ihrer Vollkommenheit und thun allezeit grossen Schaden. Sie lie- gen auch gerne an Ufern der kleinen Wasser-Baͤche, wegen der Maͤuse und Froͤsche, die sie fangen; Sie lauffen nicht auff denen Taͤchern herumb, wie die Stein-Marder, sondern bleiben auf der Erden, wo etwan Reißig oder Stangen liegen, welche sie durchsuchen: Sie sauf- fen auch gerne den Huͤnern die Eyer aus und koͤnnen solche durch ein klein Loch P 3 mit Anderer Theil/ mit der Zunge rein auslecken, davon sie die Schalen liegen lassen. Theils ver- schleppen auch die Eyer. Jhre Brunfft geschiehet, gleich denen Mardern, im Fe- bruario. Sie tragen neun Wochen und haben im April Jungen, welche man leichtlich ihres Gestancks halber sinden kan. Zu ihrer Brunfft-Zeit haben sie des Nachts viel Beissens und Schreyens. Jhre Baͤlge brauchen die Bauers-Leut gemeiniglich zu ihren Klapp-Muͤtzen vor die Kaͤlte, sind tauerhafftig und warm. Die Bauer-Maͤgde aber fuͤttern sie un- ter ihren gewoͤhnlichen Kopff-Schleyer, sonsten dienen sie zu nichts; Und weiln das Jltniß denen Phasian en und anderm wilden Gefluͤgel nicht wenig Schaden thut, habe ich solches, ob es wohl klein, dennoch als ein schaͤdliches Raub-Thier anzeigen wollen. Sie werden mit ei- nem Ey in hoͤltzern Fallen gefangen, oder aus der Erden gegraben. Von dem Eich-Hoͤrnlein. Nachdem ich bißher die Eigenschafft derer grossen und kleinen wilden Thiere beschrieben und zu Ende gebracht habe, will ich annoch zum Beschluß von dem Eichhoͤrnlein, als einen lustigen Thiergen dem geneigten Leser etwas vorstellen, weil es gemeiniglich dem lieben Frau- enzimmer und der Jugend zu ihrem Zeit- vertreib in Gemaͤchern zahm erzogen und erhalten wird, im Walde aber am meisten mit dessen Schiessen von der Jugend der Anfang zum Weydewerck gemachet wird, und derselben ihr erstes Wildpraͤth ist. Sie wohnen im Gehoͤl- tze, werden im April blind gebohren in Tauben-Nestern, die sie verstoͤhren, woh- nen gerne in hohlen Baͤumen; Die Al- te erziehet sie mit der Milch, biß sie fres- sen koͤnnen. Wann sie drey biß vier Wochen alt, lauffen sie heraus, jagen und klettern umb die Baͤume herumb und springen von einem Ast zum an- dern. Die Alte bringet ihnen Tannen- oder andern Holtz-Saamen, Feld-Obst, oder Nuͤsse, biß sie selber hohlen lernen. Sie machen viel Kurtzweile dem Zuse- her und thun grosse Spruͤnge: Wann sie nur ein klein Aestgen an der Spitz er- greiffen, hangen sie sich daran und lauf- fen geschwinde fort: Gemeiniglich sind sie braunroͤthlicht und haben weisse Kehl- gen: Man findet auch wohl schwartze und graue, ingleichen weiß und roͤth- licht vermenget, doch selten. Umb Mi- chaelis sind sie zu ihrer vollkommenen Groͤsse, und koͤnnen das andere Jahr wieder Jungen zeugen: Sie haben auff einmahl drey biß vier Jungen, wann sie auff der Erden lauffen, geschiehet es mit eitel springen. Sehen sie was, so richten sie sich hoch auff, und springen zur andern Seiten des Baums, lauffen hinauff biß an ersten Ast, allwo sie sich umbsehen, oder zum wenigsten den Kopff wenden, dann lauffen sie weiter hinauff, biß auff einen breiten Ast, da sie sich fest andruͤcken. Wann an den Baum ge- schlagen wird, lauffen sie in Gipffel, und so sie keinen Friede haben, springen sie weiter auff den nechsten Baum. Des Herbsts, wo Mast oder Hasel-Nuͤße ver- handen, begeben sie sich aus andern Ge- hoͤltzen dahin: Sie tragen Eicheln und Hasel-Nuͤße fleißig in die hohle Baͤume, zu ihrer weitern Nahrung und beschaͤ- men hierinnen die faulen Menschen, so das ihrige nicht zu rathe halten. Das Fleisch von diesem Thierlein wird von vielen mit besonderem Appetit gegessen, und gleichet fast am Geschmack dem Huͤh- ner-Fleisch. Das Fett hiervon wird von dem Galeno vor die Ohren-Schmer- tzen sonderlich gelobet. D. Fried. Hoff- mann schreibet in seiner Pharmacopæia Chymico-Medica, daß ein Seil-Taͤntzer, als ein sonderbahres Arcanum wider den Schwindel, das Pulver hiervon ein- genommen. Ein anderer Gauckler die- ser Profession habe das Gehirn hiervon gegessen, daß es vor den Schwindel helf- fen sollen; Wie man denn auch vor ge- wiß behaupten will, daß in denen Schwei- tzerischen Pyreneischen und Alpen-Ge- buͤrgen die Einwohner zur Gemsen- Jagd desto besser in denen Klippen ohne Schwindel zu steigen, Gemsen-Hirn es- sen, das Eichhoͤrnlein-Fleisch aber mit be- sonderm Fleiß ihren schwangern Wei- bern geben, damit die Kinder vor dem Schwindel sicher seyn sollen. Wann sie springen, dienet ihnen ihr langer Schweif statt der Fluͤgel und so sie uͤber Wasser wollen, setzen sie sich auff einen schwim- menden Spahn oder abgebrochenen Zweig, dann dienet ihnen ihr hoch aufge- reckter Schweiff zum Segel, der das Holtz, wo- Von denen wilden Thieren. worauff sie sitzen, durch den Wind, wor- nach sie sich genau richten und muthmas- sen koͤnnen, dahin treibet: Und so viel hiervon. Von dem Wieselgen. Letzlich kan nicht umbhin, appen- dicis loco das Wieselgen zu beschreiben, weiln es auch seinen sonderbaren Nu- tzen hat. Es haͤlt sich das Wieselgen, weil es ein zartes, geschwindes Thier- lein ist, insgemein auff in Erd-Kluͤfften oder Ritzen und andern Loͤchern, so von der Sonnen-Hitze auffgeborsten, in Reiß- Zaͤunen, alten Gemaͤuer, Scheunen und Staͤllen, auch oͤffters in Haͤusern, wo es fleißig die Maͤuse, Huͤner-Eyer und junge Voͤgel zu seinem Raub hervor suchen kan. Man findet ihrer unter- schiedene Farben, theils roͤthlicht, oder gescheckt, theils falb, gar selten aber weiß, welche ein schwartzes Spitzgen am Schwaͤntzgen wie die Hermelin haben. Wie denn solche auch von gleicher Art zu seyn scheinen, und in denen kalten Nor- dischen Laͤndern mit besonderm Fleiß ge- fangen und zu uns in Teutschland, als ein theures Rauchwerck vor Fuͤrstliche Herrschafften gebracht werden. Unsere Wieselgen aber werden so sehr nicht ge- achtet, ausser die weissen, deren Baͤlg- lein fuͤr ein sonderbares Arcanum vor die Schwulst gebrauchet, und von eini- gen gar vor ein Amuletum gehalten wer- den, davon mancher Reuter im Kriege vor gedruckte Pferde, oder Schwulst auffgeleget, auch bey sich getragen, groß Miracul machen kan. Sonst hat das Wie- selgen, nach seiner Eigenschafft, einen giff- tigen Athem und Zaͤhne, daß alles was es nur anhauchet, augenblicklich schwillet, welches das Vieh oͤffters auff der Weyde und in Staͤllen erfaͤhret und muß der Schaden sodann mit einem solchen Baͤlg- lein wieder bestrichen oder gar beraͤuchert werden, da sich die Geschwulst wieder wegziehet. Wann ihr Nest verstoͤhret wird, nehmen sie ihre Jungen ins Maul und tragen sie an einen andern Ort. Dahero die alte Fabel entstanden, das Wiesel gebaͤhre ihre Jungen aus dem Maul, welches doch der Natur schnur stracks zu wieder ist. Die Schlange ist ihr Ertz-Feind, wider deren Gifft und Biß sich das Wiesel mit Rauthe ver- wahren soll. Das frische Blut eines Wieselgen, zwey Untzen schwer, gantz warm eingenommen, soll, nach Zeugniß des Horatii Augenii in consultationibus de Epilepsia curanda, ein vortrefflich herrlich bewaͤhrtes Mittel seyn, die schwe- re Noth zu vertreiben, maassen er einen Menschen von dieser beschwerlichen Kranckheit, der schon fuͤnf und zwantzig Jahr damit behafftet gewesen, gluͤcklich curir et haͤtte: Mehrere medicini sche Nachricht hiervon zu geben, ist mir un- bekant. Sie werden allhier zu Lande mit einem stinckenden Ey in besonderen Faͤllen, wie die Jltnisse, gefangen, weiln sie schaͤdlich. Und nunmehro waͤren, meines wissens, alle die zur Jagd behoͤrige wilde Thiere, vom groͤsten biß zum klei- nesten, nach ihrer Natur und Eigen- schafft, so viel mir bekant, beschrieben. Von einem Haͤge-Reuter und dessen Instruction. Nachdem ich bißher in diesem andern Theil die wilden Thiere nach ihrem Cli- mate, ingleichen die Variation ihres Nu- triments, aus der Erden uͤberhaupt be- schrieben, sowohl von derselben Conser- vation und fernern Fortpflantzung ih- res Geschlechts, wundersamen Transmu- tation ihrer Natur und Eigenschafft, auch von derselben Eintheilung, in die grimmig reissende, Edeln oder Animalia, und rauberische Thiere gehandelt; Zum Uberfluß auch eines jeden besondere aͤusserliche und innerliche Eigenschafft, v erhoffentlich zur Genuͤge remonstrir et; Nicht weniger im Ersten Theil die Kraͤu- ter und deren wundersnwuͤrdiger natuͤr- licher Krafft, nebst denen minerali schen Wassern, Gewaͤchsen, Baͤumen, wilden Obst, und Feld-Fruͤchten, wovon die wil- den Thiere ihre Nahrung zu nehmen pfle- gen, erwehnet. So kommt in der Ord- nung ein Haͤge-Reuter vorzustellen. Dieser soll nun, ein von Jugend auff er- fahrner qualificirt er Mann seyn, wel- cher nicht allein der wilden Thiere vor- her beschriebener Maassen, aͤusser- und inner- Anderer Theil/ innerliche Natur und Eigenschafft dem Leben nach aus dem Grund verstehe, und dieselben an ihrer Spuhr und Ge- faͤhrde als ein Jaͤger erkenne, sondern auch in der Anatomie solcher wilden Thie- re wohl versir et sey, auf daß er mit desto reifferm Judicio, was diesem oder jenem Thiere zur Nahrung schaͤdlich oder nuͤtz- lich, mithin zur Vermehrung befoͤrder- lich oder hinderlich seyn moͤchte, desto bes- ser zu urtheilen wisse, wiewohl deren wenig anzutreffen, und die meisten solches als ein unnoͤthiges Ding nicht achten. Es wird ein Haͤge-Reuter nicht weit von einer Herrschafftlichen Residence deswe- gen geordnet, daß er die Gehaͤge taͤglich fleißig bereute und daß das an demselbi- gen Orte geschonete Wild vor andern sei- ne Ruhe behalten moͤge, besorge. Was nun ein Gehaͤge betrifft und was hier- unter verstanden werde, ingleichen wie die benoͤthigten Saltz-Lecken, Heu- Scheunen u. Wild-Aecker bey vorfallen- der harter Winters-Zeit anzulegen, so- wohl wie die Feld-Nahrung des Wildes genau zu observir en sey, habe ich bereits oben gezeiget, dahin ich den geneigten Le- ser gewiesen haben will. Maassen hier wiederumb alles anzufuͤhren und ver- botenus zu repetir en, zu weitlaͤufftig fal- len wuͤrde. Die Function eines Haͤge- Reuters erfordert, Niemanden, wer er auch sey, in seinem anvertrauten Gehaͤge schiessen und platzen zu lassen, viel weniger mit den Falcken zu peitzen, und mit Wind-Hunden zu hetzen, Huͤ- ner und Wachteln zu fangen, Vogel oder Eyer auszunehmen noch derglei- chen Unfug mehr zu verstatten, sondern solchen Ubertretern die Flinten, Falcken, Hunde und Netze abzunehmen und zur Bestraffung anzugeben, die Hunde klep- peln oder erschiessen zu lassen; Denen Schaͤffern das muthwillige Heidebren- nen, in der Birck-Huͤner Lege-Zeit zu verbieten, auf die Graß-Maͤder wegen Huͤner und Waͤchteln, daß sie ihnen die Eyer und Jungen nicht stehlen, acht zu haben, nicht weniger wegen derer jungen Hasen in der Sat-Zeit wie auch Rehe und Wild-Kaͤlber, mit allem Fleiß besorget zu seyn und dahin zu sehen, daß ein jedes in harter Winters-Zeit mit Futter genungsam versehen werde; Die Woͤlffe, Fuͤchse, Marder, Katzen, Jltnis, ingleichen die grosse, mittele und kleine Raub-Voͤgel, Eulen, Kraͤhen, Aelstern und insgemein alles und jedes Raub- Wild muß er stetig zu vertilgen bedacht seyn; Maassen die Ausloͤsung der Klau- en und Faͤnge ein gutes Mittel ist, die Leute desto emsiger und erpichter hierauff zu machen. Die Behaͤltnisse und Di- ckigte muß er durchaus nicht vertilgen lassen, damit nicht das Wild, wann es zumahl auch im Winter Noth leiden muß, Sommers-Zeit aber mit Hunden u. Schiessen geplaget, und zuletzt gaꝛ seiner Wohnung beraubet wird, sich hinweg zu begeben genoͤthiget werde, daher er auf alles, was nur dem Wildpraͤt zur Ver- mehrung, Unterhaltung und Nahrung dienlich seyn mag, mit allen Ernst be- dacht und befliessen seyn muß: Da es sich auch im Gehaͤge gar zu uͤberfluͤßig haͤuffen und denen Unterthanen an ihren Fruͤchten allzu grossen Schaden thun solte, koͤnte er solches angeben, umb ein bestaͤttigtes Jagen zu machen, oder der Herrschafft zum Lustpuͤrschen Anlaß ge- ben. Wie er dann gleich andern Jagd- Bedienten seine Herrschafft durch die Jagd zu divertir en billig suchen soll. An manchen Orten werden sie Hasen-Haͤ- ger genennet, vermuthlich weil sie die Hasen, als lustige Thierlein, welchen fast von Jedermann ihrer kleinen Groͤs- se und delicat en Wildpraͤths halber auf vielerley Arten nachgestellet wird, mit Fleiß hegen sollen. Sodann soll er de- nen eingeqvartierten Reutern oder Sol- daten das Flinten-Schiessen nicht gestat- ten: Derer Bauern Zaͤune, ob etwan darinnen Loͤcher sind, und Hasen- Schleiffen geleget werden, fleißig be- suchen und dergleichen mehr, wie eines jeden Landes-Herrn Gewohnheit erfordert, nach Gelegenheit beobachten. Auch wird theils Orten viel darauf ge- halten, daß ein solcher Haͤge-Reuter dar- neben die Wissenschafft von der Phasa- nerie habe, und wie, und auff was Art so wohl ein wilder, als zahmer Phasan- Garten anzulegen, zu ordinir en verste- he, ingleichen, wie sie auff zu ziehen, zu hegen und zu fangen seyn, wisse, wes- wegen die Ameiß-Hauffen, Tannen- und Fichten-Dickigte geschonet, die Phasan en des Herbsts nach dem Rauch fleißig ein- gefangen, Fruͤhjahrs die Bauern-Ka- tzen im Felde erschossen, die Eulen gefan- gen, Kraͤhen- und Aelster-Nester ver- stoͤhret werden muͤssen, damit dieser frembde Vogel der Herrschafft zum Ruhm sich in dem Gehaͤge ihrer Resi- dentz desto fuͤglicher vermehren koͤnne. Die- Von denen wilden Thieren. Dieses waͤren nun also meistens die Contenta von eines Haͤge-Reuters Fun- ction gewesen; Wiewohl jeder Herr- schafft nach Belieben zu aͤndern frey stehet. Theils Orten hat er auch die Schluͤssel der Fuͤrstlichen Spatzier-We- ge bey sich. Von Anatomia wilder Thiere. Nachdem ich vorgemeldte wilde Thiere dem Leben nach beschrieben, finde noͤ- thig zu seyn, dieselben bey ihrem Tode und deren Zergliederung, jedes nach sei- nem Geschoͤpff, Art und Natur etwas genauer zu betrachten. Wie sich nun sonder Zweiffel gar viele uͤber diese un- vermuthete Materie, darvon ich hier handele, ziemlich verwundern werden, weil solches keines weges zur Jaͤgerey, vielmehr aber denen Medicis und Chi- rurgis zugehoͤre, als warumb sie besorgt seyn, und hieraus alle Bewegungen, Coctiones, Fermentationes, Chylosin, Circulationem sangvinis und dergleichen mehr betrachten muͤsten, damit sie umb desto nuͤtzlichere und gluͤcklichere Curen thun koͤnten. So dienet aber hierauff zur freundlichen Nachricht, daß ich nicht vor sufficient erachte, wann gleich ein Jaͤger ein wildes Thier, so er gefaͤllet und erleget, wie gewoͤhnlich, auffzubre- chen den Wanst und Gescheide auszu- werffen, die Luntze abzuloͤsen, die Haut gebraͤuchlich zu zerwuͤrcken und letzlich das Wildpraͤth in Braten, Zimmel, Keulen und Blaͤtter zu zerlegen weiß, so zwar gar gut vor einen Jaͤger oder Weydemann ist, uͤbrigens aber sich umb des Wildes innere Eigenschafft nicht wei- ter bekuͤmmert; sondern er muß und soll auch billig die Anatomie odeꝛ Section eines wilden Thieres gruͤndlicher verstehen, wo er anders will gute Renomee und ausfuͤhrliche Information von der Eigen- schafft eines wilden Thieres haben. Und ob zwar die grim̃ig reissende wilde Thie- re, Gottlob! in unserm kalten Climate nicht befindlich, also deren genaue Un- tersuchung zu entbehren seyn solte, so ist es doch loͤblicher, sonderlich aber einem Loͤwen-Waͤrter nuͤtzlicher, damit er bey vorfallenden Gelegenheiten, Kranck- heiten und Curen, solchen unterhaben- den Thieren desto besser helffen, oder, wann dieselbigen unvermuthend gestor- ben, bey Oeffnung des gefallenen Thieres, genungsame Relation thun koͤnne. Ei- nem Jaͤgeꝛ abeꝛ kom̃et die Anatomie deꝛeꝛ hier zu Lande gewoͤhnlichen wilden Thie- re zu betrachten und sich derselben nuͤtz- lich zu bedienen offters vor, Exempli gr. Man erwege nur, wann ein wildes Thier in langen Tagen sich vor Furcht verstecket, und wohl ausgehungert hat, wie der Magen, Wanst und die Gedaͤr- me leer und zusammen gefallen sind, da- von der innere Leib leer und hohl gewor- den; Dargegen so es die Nacht uͤber sei- ne Nahrung genommen, ist der Wanst, Magen und Gedaͤrme allenthalben aus- gefuͤllet, dahero so dann der Schuß, Stich, oder Fang hieraus toͤdtlicher zu judicir en, als so es durch den hohlen lee- ren Leib gangen waͤre. Ferner, wie sol- te man urtheilen koͤnnen, ob ein getrof- fenes Wild toͤdlich verwundet waͤre oder sich ausheilen werde, so man nicht dessen innerlicher Beschaffenheit genungsam kundig waͤre: Ja es hat auch die Ana- tomie wegen der Hunde, als des Jaͤgers noͤthigen Gehuͤlffen, von welchen an sei- nem Ort ausfuͤhrlich handeln werde, ih- ren sonderbahren Nutzen, nicht daß man scoptice hiervon judicir en solte, sondern die Wissenschafft habe, bey vorfallender Kranckheit, oder Verletzung derer Glie- der solchen armen Thieren in Zeiten durch beqveme Mittel zu helffen. Es hat wohl eher Alexander Magnus diese Wissenschafft der Anatomie mit besonde- rem Fleiß von seinem Lehr-Meister dem Aristotele erlernet und zum oͤfftern sich nicht gescheuet, in Feld-Schlachten mit eigenen Haͤnden, umb sich selbst er- kennen zu lernen, die blutigen Einge- weyde zu durchsuchen. Auch haben in vorigen Zeiten die Egyptischen Koͤnige selbsten in Person vielfaͤltig anatomir et. Dergleichen auch der Roͤmische Kaͤyser Marcus Antonius vormahls mit groͤster Begierde gar offt gethan. Die Roͤmi- schen Buͤrgemeister, Boethius und Pau- lus Sergius haben dergleichen zum oͤfftern getrieben. Hippocrates hat diese Wis- senschafft vor eine lange nachdenckliche Kunst gehalten. Was nachdem ferner aus des beruͤhmten Galeni Schrifften zeithero vortreffliche Autores colligir et und entdecket, ist zu ruͤhmen. Woraus Q dann Anderer Theil/ dann ohnstreitig genungsam zu urthei- len, daß die Anatomie keine veraͤchtliche und unanstaͤndige Sache seyn muͤsse, weiln auch in vorigen Zeiten dieselbe von gelehrten und klugen Leuten ist getrie- ben worden. Jch vor meine wenige Per- son beklage hertzlich, daß ich in meiner Jugend auf der Universit aͤt nicht mehr hierinnen profitir et, da mir es dann jetzo leichter fallen solte. Was aber vorbey, ist nicht zu aͤndern: Jmmittelst muß der stete Fleiß dennoch dasjenige einiger maassen contribuir en, was die Jugend negligir et. Will demnach, so viel ich von guten Freun- den aus Manuscriptis colligir en koͤnnen, hierdurch dem geneigten Leser vorstel- len, mit dienstlicher Bitte, daferne ein Feh- ler vorgehen solte, solchen guͤtigst zu excu- sir en, weil ich dergleichen selbst in Experi- enz wenig gehabt. Was Anatomia sey. Wie Niemand ein Uhrwerck rich- ten oder stellen kan, der dessen Spillen, Raͤdergen und Bewegung des Perpen- diculs nicht genau verstehet oder begreif- fen kan, und von einander zu unterschei- den weiß: Also kan Niemand das vorha- bende Subjectum judicir en, der diesen be- schlossenen Coͤrper nicht vorhero durch al- le zarte Theilgen geoͤffnet und zuvor be- trachtet. Es ist aber eigentlich Anato- mia, ihrem Ursprunge nach, wie alle freye Kuͤnste, aus Griechenland kommen, und lehret die Zergliederung einer lebendigen Creatur, die Theile zart abzuloͤsen, umb zu sehen, woraus die Composition des Coͤrpers bestehe, und wie die fluͤßigen Theile durch ihre Roͤhren lauffen, und hin und her gehen. Es werden aber nicht alleine Menschen, wie gemeldet, umb sich selbst zu erkennen, anatomir et, auf daß man die Kranckheiten Menschlicher Zu- faͤlle gluͤcklicher zu curir en wissen moͤge, sondern auch die zahmen und wilden Thiere. Die zahmen, daß wir in Zeit der Noth ihrer Kranckheit helffen: Die wil- den Thiere aber sind vornemlich einem Jaͤger oder Weydemann zu wissen noͤ- thig, weil viel Thiere in einem und an- dern Theil, wie leicht zu erachten, an- ders beschaffen sind. Nun bestehen die Leiber derer lebendigen Thiere aus fe- sten und fliessenden Theilen: Alle die fe- sten Theile sind nicht anders als Pfeif- fen und Roͤhrgen, von weissen Knochen formir et, welche nach ihrer unterschiede- nen Gestalt das kuͤnstliche Gebaͤu vor- stellen und ein Sceleton genennet wer- den. Nun kan dieses aus Roͤhrgen be- stehende Gestelle nicht beweget werden, daferne diese nicht durch eine fluͤssige Feuchtigkeit und Lufft stets auffgespan- net werden, an welcher Bewegung denn auch das Leben oder die Kranckheit und der Tod haͤnget: Denn so lange der Leib gesund leben soll, so lange muͤssen nicht alleine alle diese Werckzeuge rein und wohl disponir et seyn, sondern die Saͤffte muͤssen auch hierdurch ohne die gering- ste Verhinderung lauffen und correspon- dir en. So bald nur diese Roͤhrgen zer- brochen oder die Saͤffte verdicket wer- den und durch diese Pfeiffen nicht durch gehen koͤnnen, so verursachen sie folgends Verstopffung, wodurch der Umblauff der Saͤffte verhindert wird und die Kranckheiten entstehen. Wann es aber geschiehet, daß die Saͤffte gar zu dick und zum Umblauff gantz unbeqvem, auch die Pfeiffen so zerbrochen, daß alle Saͤff- te heraus lauffen, so ist das Sterben ver- handen: Gleich wie man siehet, wenn das Hertz verwundet ist, daß aus dem- selbigen alles Blut heraus fliesse. An die- sen Roͤhren sind angefuͤget die Flech- sen, Spann- und Sehn-Adern, so umb die Musculos oder Fleisch Stuͤckgen umb- wunden: hierauff vertheilen sich die A- dern, so mit einer duͤnnen Haut uͤber- zogen und letzlich mit der dicken Haut be- decket. Der nechste Weg ist: Man oͤff- ne vom Halse die gantze Brust zugleich mit dem Unter-Bauch und secir e von dem Hertzen vor erst die Pulß-Adern, wie sie nach einem jeglichen Theile lauf- fen und das Gebluͤte vertheilen, welches durch die Blut-Adern wieder zum Her- tzen, so dann in die Lunge und wieder zum Hertzen kommt, von dar aus aber durch die grosse und Schlag-Ader in dem gantzen Leib zertheilet wird, und durch alle Theile des Coͤrpers in viele Zweig- lein herumb laͤuffet. Wann nun dieses geschehen, nimmt man die Gestalt eines jeden Eingeweydes zu betrachten vor sich, erforschet, woher die Pulß-Adern in die Beine und Glieder vertheilet sind; Her- nach erkundiget man den Lauff des Chy- li oder Nahrungs-Saffts, item die Ge- stalt Von denen wilden Thieren. stalt des Gehirns, wie von demselben al- le Nerven zu allen Theilen des Leibes gehen und derselben Haͤutgen: Ferner den Magen, welchen man umbkehret und des Coͤrpers Nahrung betrachtet. Nechst diesem den Wanst, wie die Ver- daͤuung gewesen, und die uͤbrigen Vi- scera, letzlich die Gedaͤrme, welche im Netz gewickelt. Nachdem man nun die in- nern Theile der Concoction, wie auch die Geburths-Glieder saͤmtlich betrachtet; secir et man aͤuserlich die Fleisch-Stuͤck- lein, oder Maͤuselein, Fett, Haut, Ober- Haut, Augen, Ohren, Nase, Zunge und dergleichen. Endlich untersuchet man die Gestalt der Gebeine und Knochen, woran die Gelencke, Knorpel, Ligamen- t en und anders mehr zu ersehen. Ob wohl kein Theil oder Gliedmaß des menschlichen Leibes vor dem andern ei- nen Vorzug hat, sondern allerseits un- entbehrlich sind, so haͤlt man doch das Gehirn und das Hertze vor die vornehm- sten, weiln diese beyde dem gantzen menschlichen Leibe und allen andern Gliedern alle Bewegung und Nah- rungs-Saͤffte mittheilen. Eigentlich wird der Coͤrper einer Creatur in vier Theile getheilet; Nehmlich in drey Hoͤh- len, als der Unter-Bauch, in welchem der Magen, der Wanst, Gedaͤrme, Bla- se, Nieren, Miltz und Leber liegen, dann scheidet das Zwerg-Fell von dem Unter- Bauch die Brust, darinnen die Lunge das Hertz umbgiebet: Drittens ist die Hoͤhle des Kopffs oder der Hirnschaͤdel, worinnen das Behaͤltniß des Gehirns: Vierdtens sind die aͤuserlichen beinigte Fleisch-Glieder, als die Keulen und Bei- ne nebst andern Zubehoͤr. Anatomia eines Loͤwens. Nachdem ich bey Beschreibung de- rer wilden Thiere Natur und Eigen- schafft von dem Loͤwen als von ihrem Koͤ- nige den Anfang gemachet, so werde verhoffentlich nicht unrecht thun, wann auch diese Ordnung bey deren Anatomie halte. Weiln ich aber niemahls einen Loͤwen gehabt, vielweniger solchen ana- tomir et, mir auch als einem Cavallier dergleichen Arbeit nicht zukommet, so habe so viel, als zu dieser Beschreibung fuͤr noͤthig erachtet, aus des Weltbe- ruͤhmten Hollaͤndischen Professoris Hrn. Gerhardi Blasii Anatomia Animalium, so zu Amsterdam in Qvarto gedrucket, p. 80. extrahir et, woselbst er anfaͤnglich von einem kleinen Africani schen Loͤwen, so nur neun Monat alt gewesen, folgen- des schreibet: Es waͤre nemlich der Un- ter-Leib von dem Wasser auffgelauffen gewesen, welches haͤuffig aus dem Ra- chen geflossen. Die Intestina oder Ein- geweyde waͤren voller schwartzen Koths, stinckend und auffgeschwollen gewesen, welches den Leib in zwey Creyße ver- theilet in der Groͤsse eines Schaf-Ma- gens, worunter das kleine Gedaͤrme, so gantz ledig und geringe, zu sehen gewe- sen. Das Netz haͤtte der Magen an sich gezogen gehabet, wie eines Beutels Ge- stalt, und waͤre ohne Unschlitt gewesen. Der blinde Darm waͤre denen Intestinis crassis ziemlich gleich gewesen, daß man es kaum unterscheiden koͤnnen, wann man nicht die Excrementa darinnen verschlos- sen angetroffen haͤtte. Der Magen waͤ- re zur lincken Seiten hoch getrieben, und in der Mitten zusammen gezogen, zur rechten aber weiter, und die Oeff- nung oder Pfoͤrtner mit vielen Knor- peln versehen gewesen. Jnnerlich waͤre der Magen von zwoͤlff Haͤutgen formir et angetroffen worden, deren ein jedes wiederumb seine subdivisiones ge- habt, in welchen Falten dieser kleine Loͤ- we die Daͤuung verrichtet. Die Leber waͤre groß genung, von acht Stuͤcken unterschieden und dunckelbrauner Far- be, das Gall-Blaͤßgen aber groß und voller schwartzer Galle gewesen, weil er seiner Natur nach ein kuͤhnes verwe- genes boͤses Thier seyn soll. Die Na- bel-Schnur waͤre nicht in die Leber, son- dern mitten in den Daͤrmen-Kroͤß an zwey Orten inserir et, die Miltz aber schwaͤrtzlicht gewesen und haͤtte der Groͤs- se und Gestalt nach, wie eine Kalbes- Zunge ausgesehen. Das Gekroͤß-Druͤß- lein waͤre wie eines Menschen, nur et- was haͤrter gewesen; Die Saamen- Gaͤnge seyn voller weisser Materie des Saamens befunden worden. Der Mit- tel-Bauch oder Brust waͤren enge ge- wesen, mit einem besondern Brust-Bein, welches biß an die Ribben gegangen, und allda durch Knorpel abgetheilet gewesen. Die Musculi des Brust-Beins waͤren zu beyden Seiten lang und breit gewe- Q 2 sen Anderer Theil/ sen, doch der an der Brust etwas kleiner; Das Brust-Bein an sich selbst haͤtte aus sechs runden Beinen, so durch Knorpel von einander unterschieden und in eins zusammen gewachsen gewesen, bestan- den. Das Hertz-Fell oder Pericardium waͤre sehr fett gewesen, darinnen das Hertz wie eines Menschen Hertz der Groͤs- se und Form nach ausgesehen: Jn bey- den Ventriculis waͤren etwas Fett und Druͤsen zusammen gewachsen angetrof- fen worden, welches einem Polypo aͤhn- lich gesehen: Die Lufft-Roͤhre waͤre un- gewoͤhnlich weit gewesen: Dahero ein Loͤwe eine starcke Stimme haben mag, so er sich mit Bruͤllen hoͤren laͤsset, wird ohne Zweiffel noch groͤsser, wenn der Loͤ- we aͤlter wird. Die Mandeln haͤtten laͤnglicht und roͤthlich 8. qver Finger lang und zwey Finger breit heraus gehangen und waͤren zur Seite hindurch nach der arteria aspera gegangen; Der oberste Theil der Lufft-Roͤhre waͤre in allen Stuͤ- cken wie bey einem Menschen gewesen, doch etwas groͤsser. Die Zunge waͤre sehr rauh, mit steiffen kurtzen Stacheln bewachsen, wie eine Raspel befunden worden, daß auch durch bloses Lecken bey andern Thieren das Blut nachge- hen muß. Die Zaͤhne haͤtten denen Hundes-Zaͤhnen aͤhnlich gesehen, waͤren ihrer aber nicht so viel gewesen; Das Schlaf-Maͤußgen waͤre breit und starck befunden worden. Die Hirnschale aber dicke, so viele Poros gehabt, waͤre aber noch nicht recht harte gewesen, das Ge- hirn nebst dem Cerebello haͤtte wie bey einem Menschen ausgesehen, jedoch ze- henmahl kleiner. Die Ventriculi waͤren weiß, und ziemlich weit in Ansehung des Gehirns gewesen; Der vierdte Ventri- culus haͤtte an capacite den menschlichen uͤbertroffen, weil der Loͤwe zu seiner Staͤrcke viel Spiritus animales brauchet. Seine Force stecket in denen Gliedern, weil sie kurtz und die Musculi zusammen gedrungen und mit starcken Spann-A- dern versehen sind. Zu diesen Gliedern kommen viele Spiritus, welche in gedach- ten ventriculo nobili generir et und durch das haͤuffig darzukommende Gebluͤte vermehret werden. Die Gebeine waͤ- ren nicht dichte, sondern von grosser Ca- vit aͤt gewesen, worinnen viel Marck be- funden worden. Eine andere Anatomie eines groͤs- sern Loͤwens, welche zu Pariß 1667. ge- halten worden, beschreibet er also: Es war der Kopff dieses Loͤwens sehr dicke und merckwuͤrdig, eines Theils weil er mit ungewoͤhnlich vielem Fleisch bewach- sen, andern Theils die Kinnbacken von uͤberaus starcken Knochen gewesen, hat- te eine starcke Brust, mit langen dicken Haaren behangen: Das Brust-Bein war niedergedruckt, sonderlich am En- de, dergleichen man nicht leicht bey Pfer- den oder Hunden findet. So schiene auch der Schwantz am Ende dicker als am Anfange, weil die Haare oben kuͤr- tzer, unten aber laͤnger waren. Er war an seinem Halse mit langen Haaren ge- zieret: Die Klauen waren ziemlich scharf, denn es weiß ein Loͤwe die Klauen, de- nen Katzen gleich, gar artig zu verste- cken, damit sie im Niedertreten nicht stumpf werden; Jn seinem Rachen hat- te er an beyden Kinnbacken 14. Zaͤhne, als 4. Vorder-Zaͤhne, 4. Augen-Zaͤhne, und 6. Backen-Zaͤhne, die vordersten wa- ren kleiner, die Augen-Zaͤhne aber wa- ren ungleich, zwey grosse und zwey kleine, die grossen waren anderthalb Zoll lang, wie die Schweins-Zaͤhne, worbey ande- re kleinere spitzigere stunden. Die Backen- Zaͤhne waren ebenfalls ungleich, sonder- lich die obersten, da denn der erste, so ne- ben dem Augen-Zahne stunde, nicht viel groͤsser war, als ein Vorder-Zahn. Die uͤbrigen Backen-Zaͤhne waren groͤsser, von drey ungleichen Spitzen, welche gleich- sam eine Lilie repræsentirt en. Der Halß war starck, bestunde aber nicht, wie sonst etliche meynen, aus einem gantzen Kno- chen, sondern vielen Gelencken, welche so lange Spitzen hatten, und so feste zu- sammen verbunden waren, als wenn sie aus einem zusammen gewachsen. Die Zunge war ebenfalls auch sehr rauch und stachlicht, daran die Spitzen fast wie die Klauen, aus einer harten Materie bestunden, welche gegen den Schlund ge- bogen am laͤngsten waren: Die Augen waren hell und klar, und kam die Stru- ctur des Loͤwens mit der Structur einer Katze uͤberein, sowohl was die Augen, Zunge, Zaͤhne und Form des Fusses, als auch die innerlichen Theile des Leibes be- trifft. Die Haut des Loͤwens war eben nicht starck, sondern feste an viele Ner- ven angewachsen. Die Speise-Roͤhre war nicht uͤber anderthalb Zoll breit, und etwas enger, wo sie durch das Dia- phragma gieng. Der Magen war 18. Zoll lang, 6. Zoll weit. Die Gedaͤrme waren uͤberhaupt 10. Ellen lang, wobey das Von denen wilden Thieren. das Colon 18. Zoll, das Coecum aber nur 3. Zoll groß. Die Leber bestund aus sieben lobis, wie bey denen Katzen, war von dunckler brauner Farbe und sehr weich, dessen Hoͤhle unter dem Gal- len-Blaͤßlein voller Galle, wie auch das uͤbrige darmit angelauffen war, daraus der Tod dieses Loͤwens zu judicir en ge- wesen; Weiln nach des Plinii Meynung ein Loͤwe vor greulichen Zorn, die Galle zu uͤbergiessen pfleget, und davon ster- ben muß: Die Gallen-Blase war 7. Zoll lang, zwey breit, und wie bey denen Ka- tzen in unterschiedliche Faͤchlein eingethei- let. Die Miltz war eines Schuhes lang, und zwey Zoll breit, doch nicht dicker, als ein halber Zoll. Die Nieren waren rund, vierdtehalb Zoll lang, drittehalb Zoll breit, und wug eine etwas mehr als 14. Loth. Die Lunge war von 6. lobis, drey zur rechten und drey zur lincken des Hertzens; Die Lufft-Roͤhre hatte Ring- foͤrmige Knorpeln, ausser denen zwey oder drey obersten unter dem Schlun- de, welche nicht gantz geschlossen, aber de- sto breiter waren, dahero der Loͤwe so eine starcke Stimme zu bruͤllen hat. Das Hertz war gantz trocken, und hatte im Saͤckgen kein Wasser, war 6. Zoll lang, und 4. Zoll breit, groͤsser als bey andern Thieren, von innerlichen grossen Hoͤh- len und kleinen Ohren: Das Gehirne war nicht mehr als 2. Daumen dicke und breit, der Hirnschaͤdel hergegen desto staͤr- cker, und gegen der Stirne zu fast eines Zolles dicke. Uber dem Wuͤrbel war die Hirnschale wie eine Sturm-Haube gebildet, wo zu beyden Seiten die Schlaf- Maͤußgen sich endigten. Und ob man schon von dem Loͤwen saget, daß er nach seinem Tode sehr stincken solle, so hat man doch, ohnerachtet es Sommer war, das Widerspiel befunden. Doch genug hiervon. Anatomia eines Tygers. Weiln niemahls Gelegenheit gehabt, selbsten einen Tyger anatomir en zu las- sen, so habe dessen Beschreibung, wie sol- che von Laur. Wolfstrigel beym Blasio angefuͤhret wird, hier einruͤcken wollen: Dasjenige wilde Thier, so die Jndianer einen Tyger nennen, haͤlt Scaliger Exerc. 208. vor einen Parder; weil es nicht schnell lauffen kan, und sich von dem Raube erhaͤlt, welchen es erlauert, doch sehen die Tyger-Flecken anders aus, als an unsern Pardern, in der Seiten sind sie auch runder: das Fell ist mehr haa- richt, als wollicht; der Halß ist kurtz, wie bey einem Loͤwen oder Baͤr, hingegen hat ein Panter-Thier oder Parder einen langen Halß, gelblichte Farbe mit schwar- tzen Flecken untermenget. Nach Alberti Bericht sollen die Tyger einer Katzen sehr gleich kommen, maassen auch die Kuͤrsch- ner die Felle davon fuͤr Tyger-Haͤute verkaufften. Den rechten Tyger beschrei- bet Bontius, wie er denselben in Jaua ge- funden. Und dieser Bestie Anatomie wol- len wir hier beyfuͤgen: Die Viscera im Unter-Leibe sind der Katzen ihren gleich, sonst hat es nicht viel Gedaͤrme, dahero dasselbe offters seine Nothdurfft verrich- tet. Der blinde Darm ist lang, auff des- sen Seiten zwey laͤnglichte Druͤsen aus dem Mesenterio heraus gehen. Die Le- ber nimmt beyde Hypochondria ein, thei- let sich in 6. lobos, wovon der groͤste ge- spalten, darinnen das Gallen-Blaͤßgen liegt. Die Miltze ist nicht gar zu groß. Die Nieren sind von frischer Farbe und Druͤsicht, dergleichen Structur man auch an jungen Katzen bemercket: Das Mem- brum virile ist nach Proportion des Lei- bes klein, und die Harn-Roͤhre, wie bey denen Hunden, cartilagin oͤß. Das Dia- phragma ist sehr hohl, das Hertz ist nicht so groß, wie bey einem Loͤwen. Die Lungen sind in viel Theile eingetheilet: Die Zunge ist halb rund wie ein hohler Dach-Ziegel. Die Musculi sind alle sehr starck, in welchen man viel Nerven be- mercket, insonderheit die Musculi am Schlaf: Die Knochen sind gar starck und dicke, haben aber viel Marck. Die Zaͤhne sind sehr scharff und spitzig, wie bey denen Katzen, die Ober- und Unter- Backen-Zaͤhne treffen auf ein ander. Am Schwantze sind sieben und zwantzig Ge- lencke. Anatomia eines Baͤres. Als ich 1716. des Herbsts einen le- bendigen Baͤr, eines Jahres alt, von Dantzig aus Pohlen gebracht, wel- chen auf meinem Guthe allhier im Schloß Q 3 an Anderer Theil/ an dem Graben zur Lust gehalten, und mich uͤber dessen seltsame Eigenschafften, weil er zahm war, offt ergetzet; Dann er nicht allein zuweilen die vor ihn auf- gerichtete Saͤule als ein Mensch umb- armet, an derselben mit Haͤnd und Fuͤs- sen ordentlich auf- und abstiege und sich vor dem Fallen in acht genommen, son- dern auch, wann er niemand vermer- cket, aus Muthwillen offters seine Huͤt- te, ob sie fest oder nicht, auffrecht stehend, mit denen Armen versuchet und da er sie beweget, gleich ins Wasser geworf- fen, zuruͤck gesprungen und sich umbge- sehen. Wann er seiner Gewohnheit nach an denen Vorder-Tatzen eine umb die andere gesogen, murmelte er, daß es als eine Trommel von weiten geklungen; Bey heisser Sonne hat er meist geschlaf- fen: Weil er nun gewohnet war im Wasser zu baden und die Calmuß-Wur- tzeln auszusuchen, so ist er des Fruͤh- Jahrs darauff, morgens fruͤh vor Ta- ge, in dem Graben ersoffen gefunden worden, welchen folgends anatomir en lassen. Dieser Baͤr war von einer di- cken Haut, schwartzbraunen langen Haa- ren, woraus ich, weil er mittelmaͤßiger Groͤsse, einen Dudel-Sack machen las- sen, welcher nachgehends an einen ge- wissen Fuͤrstlichen Hoff præsentir et wor- den. Was sonsten desselben Structur oder ungestaltes Gewaͤchse betrifft, so gleichet alles an Haͤnden und Fuͤssen (ausser daß keine Daumen verhanden) mit Ellbo- gen und Knien, in vielen Stuͤcken dem Menschen, welches bey andern Thieren nicht anzutreffen: Die Ballen in denen Vorder-Tatzen und Sohlen der Hinter- Fuͤsse hatten, weil sie stets darauf gehen muͤssen, eine gekerbte dicke graue Haut, ohne Haare ausser etwas weniges in der hohlen Fuß-Sohle; Die Finger oder Ze- hen waren kurtz und enge, in der Mit- ten gegen einander zusammen gezogen, an welchem jeden letztern Vorder-Glied die hornichten Klauen angewachsen wa- ren, welche Spitzen er stets hoch fuͤhrete, umb im Gehen dieselbe zu menagir en. Nachdem man nun die glatte innere Haut der Vorder- und Hinter-Tatzen abgeloͤset, befand man darunter eine sehr weiße, feiste und fluͤßige speckigte Sub- stanz, von zwey Finger dicke, inwendig an Haͤnden und Fuͤssen gewachsen, wel- che Feuchtigkeit der Baͤr bey seinem Le- ben durch die mit seinem warmen Athem eroͤffnete Poros, wie vorhin erwehnet, als der Dachs an sich gezogen, umb da- mit sich zu nehren, so ihm GOtt in der Natur gegeben. Als nun dieser Baͤr hierauff gestrecket, und von den Kinn der Gurgel nach, uͤber der Brust und Bauch, biß zum Membro anfaͤnglich die Haut gescherffet und zerwuͤrcket, fand man uͤber den gantzen Leib fast zwey Fin- gers dicke Feist, wovon sechs Kannen Schmaltz gewonnen: Dann offnete man ihm von Kinn an uͤber den Halß, Brust, Bauch und gantzen Leib, biß an das Membrum, und sahe in der Brust die Lunge in fuͤnff lobos vertheilet, das Hertz umbgeben, welches Hertz von ei- nen sehr weichen und zarten Fleisch, 6. Zoll lang, und 4. Zoll dick, mit einer stumpffen Spitze gewachsen, woriñen der Unterschied eines Daumens dicke war: die Lufft-Roͤhren giengen, wie bey an- dern Thieren, nach der Gurgel, und war die Brust von 14. Ribben zusam- men gesetzet, an deren Ende das Dia- phragma oder Zwerg-Fell gewachsen. Als nun dieses Zwerg-Fell abgeloͤset, war die Leber von ziemlicher Groͤsse, welche den Magen verdecket, mit sieben lobis versehen, worbey die Galle sehr klein, wie auch die Miltz. Der Magen, welcher gleich einem wiederkauenden Thier, zweyfach, war sehr klein, fast eines Dreyer-Brods groß, von inwen- diger harter Haut mit fuͤnff Linien, worbey ein kleines Saͤckgen gewachsen, und soll der Magen eines Baͤres, ob er noch so klein, auch vielerley kalte un- ordentliche Nahrung, als roh Fleisch oder Luder, Fische, Ungeziefer, Krebse, Ameisen, Obst, Weintrauben, Honig, Getraͤyde, Wurtzeln, Kraͤuter und der- gleichen mehr geniesset, dennoch eine voll- kommene geschwinde Verdauung, und duͤnnen Chylum vor allen Thieren als ein besonderes Prærogativ haben. Die- ser arme Schelme hatte vor dißmahl in seinem kleinen Magen nichts mehrers als etwan einen Loͤffel voll Suppe mit untermengten Schleim und etliche kleine Stuͤckgen Brod, so er Abends zuvor be- kommen. Das Gedaͤrme erstreckte sich der Laͤnge nach, auf 22. Ellen hiesiger Laͤnge; Die vorgedachte Miltz war 5. Zoll lang, 2. Zoll breit, u. 1. Zoll dick, duͤnn und zarte. Die Nieren waren 7. Zoll lang und zwey Zoll breit, woran ein fett Haͤutlein angewachsen, und in demselben noch eines verborgen, so dicke wie ein Sack gestaltet, darinnen 56. kleine Nie- ren Von denen wilden Thieren. ren theils vier-theils sechseckigt in Groͤsse einer Kastanien, gleichsam als eine fla- che Weintraube, auff verschiedenen Stengeln zusammen gewachsen, dar- aus durch die Spitzen der kleinen Nie- ren die Saamen-Gefaͤsse und der Harn- Gang ihren originem haben sollen und ferner gehoͤriger Maassen ihren Zugang nach dem zeugenden Gliede, oder Mem- bro genitali vertheilen, welches Mem- brum cum Testiculis in allen denen Woͤlffen, Hunden und Fuͤchsen ziemlich gleichete und am aͤusersten Ende der Ru- the ein Beinlein von 5. Zoll hatte, bey die- sem aber noch ziemlich schwach war. An dem Kopff hat man wahrgenommen, daß die Nasen-Roͤhren von starcken Bei- nen schieffricht nach dem Gehirn zu gin- gen, weßwegen sich ein Baͤr huͤtet, daß er daselbst nicht verletzet werde. Die Ober-oder Hinter-Hirnschale war har- te, das innerliche Gehirn 4. Zoll lang, 3. Zoll breit von einem duͤnnen Bein- lein unterschieden. Ubrigens war die Nase, das Maul, Kinn, und die Zunge breit und duͤnne, ingleichẽ auch die Ohren, wie bey einem Hunde. Die Augen aber dargegen schwartz und klein, einer Hasel- Nuß groß, nahe beysammen, gleichsam, als bey einem Dachs, nach denen großen Augen-Winckeln schielend, mit dem Au- genliede bedecket. Sein Gebiß war von kleinen Zaͤhnen, indem er die meiste Force in denen vordern Armen zum brechen, zum zerreissen und zum druͤcken brauchet, die Fang-Eisen, Tuͤcher, Ne- tze und Hunde derer Jaͤger zu bemei- stern. Die Laͤnge seiner Haut war 3. Ellen. Er hatte einen gantz flachen Hirnschaͤdel, war auf der Stirn, Nase und dicken Lippen wie die Heydelbeer ge- faͤrbet, von einer breiten Brust, kurtz und dicken Halß. Die Hinter-Schen- ckel oder dicke der Beine waren laͤnger, als an andern Thieren: Die Knie mit Scheiben und Gelencke wie bey dem Menschen; Die Schienbeine aber kurtz, da er offtmahlen bey seinem Leben als ein Mensch gesessen, seinen lincken Arm auf das Knie geleget, die Hand oder Ta- tze aber abhangen lassen; Ja wann er erzuͤrnet und vexir et worden, mit Stei- nen und Sand umb sich geworffen, wie dann ein wilder Baͤr auch den empfan- genen Schuß verstopffen soll. An der Scham war krauß kurtz wollicht zart Haar. Anatomia eines Hirsches. Aus Mangel eines wilden Hirsches, weil meine Nachbaren nichts schoneten, habe aus meinem Thier-Garten einen Spieß-Hirsch geschossen, solchen den 30. Jan. 1718. anatomir et, und folgendes dabey observir et: Als dieser anfaͤnglich vom Kinn an lang dem Halß, Brust, und Bauch, biß an das Weydeloch ge- scherffet, und die Haut abgeloͤset wor- den, sahe man das Membrum genitale cum Testiculis, oder kurtz Wildpraͤth; Die Ruthe ging ferner zwischen denen Keulen hin und war an das Schloß befestiget. Von denen Hoden oder Te- sticulis aber hatte eine jede zwey starcke Adern zu beyden Seiten, welche durch den Bauch zu denen Nieren gingen, von dannen sie sich in vieles kleine Geaͤder vielfaͤltig vertheileten. Der Zain aber, so am Schloß befestiget war, gieng fer- ner durch das Schloß und den hohlen Leib zuruͤck in den Bauch, allda er sich an der Blase endigte, welche sich in vie- les kleine Geaͤder nach denen Nieren aus- breitete. Der Mast-Darm, woran das kleine Gedaͤrme, war uͤber der Blasen gewachsen und fuͤhrete die Excrementa oder Lohsung aus dem Wanst zum Wey- deloch heraus, die Feuchtigkeiten aber durch ihre besondere Ductus in die Bla- se, so von dar durch den Zain heraus- gespritzet worden. Als man ihn nun ferner, umb desselben innerlich habende Eigenschafft gruͤndlicher zu betrachten, vom Kinn an biß an Brust-Kern ge- oͤffnet, fand man folgendes: Er hatte an dem untern Kinnbacken vorne am Kinn 6. kleine Zaͤhne, womit er sein Geaͤß ge- nommen, mit der Zunge gekostet, und solches uͤber den Gaumen verschlucket; die Kinnbacken, welche zu beyden Sei- ten durch starcke Flechsen befestiget, hat- ten jede 9. dreyfache Backen-Zaͤhne; oben gleicher Gestalt beschaffen, nur daß vor- ne an der Nase im obern Gebiß nichts, als ein hartes Gewaͤchs, wie eine Raf- fel zu sehen. Die Nasen-Roͤhren wa- ren mit einem perlfarbichten Knorpel unterschieden, wodurch die Geruch-Roͤh- ren zu beyden Seiten in die Empfind- lichkeit Anderer Theil/ lichkeit des innersten Gehirns, auch folg- lichen Geschmacks geleitet werde. Man hat ferner wahrgenommen, daß das eingenommene Graß, wenn es durch die Gurgel biß an die Drossel kommen, seitweg durch den Schlund nach dem Magen gefuͤhret wird, an der Drossel aber ein Deckel, den Athem zu hohlen, sich auff und zu machet und durch zwey knarplichte Gewaͤchs zu beyden Seiten an Gaumen gewachsen. Nach Eroͤff- nung der Brust und so genanten Hertz- Kammer, welche auf jeder Seiten mit 13. Ribben versehen, hinge das Hertz perpendiculariter mit deꝛ Spitze abwaͤrts nach der Brust an der fuͤnfften Ribbe befestiget, welches die Lunge oben vom Ruͤckgrad umbhuͤllete. Die Gurgel ging ferner nebst dem Schlund biß zur Lunge, da sie sich zu beyden Theilen des Hertzens in zweyen Lufft-Roͤhren ver- theilete; Der Schlund aber ging zwi- schen Lung und Hertzen durch das Dia- phragma, oder Zwerg-Fell in den Magen. Die Lunge war mit dem Hertzen an das Zwerg-Fell nach dem Gedaͤrme zu an- gewachsen. Als nun das Diaphragma oder Zwerg-Fell an denen kurtzen Rib- ben abgeloͤset, fand man die Leber gantz flach an das Zwerg-Fell zur rechten Sei- ten angewachsen, worbey man aber im geringsten keine Galle an der Leber fin- den koͤnnen. Die Miltz, welche den Ma- gen bedecket, war auff der lincken Sei- ten: Die Nieren an der Leber gewach- sen. Der Magen war zweyfach, davon der eine Theil oder Beutel theils in fuͤnff theils in sieben kleine Fach getheilet wie Bienen Rost: Der ander Magen oder Beutel hatte wegen seines Wiederkau- ens innewendig 20. Blaͤtter oder Fache in Groͤsse derer Buchblaͤtter darinnen sich Feuchtigkeit coagulirt e: Diese beyde Ma- gen, deren jeder eines Dreyer-Brods Groͤsse, waren in gleicher Correspondentz mit dem grossen Wanst, welcher die Ge- stalt eines grossen Buͤndels, groͤsser als ein Haußbacken Brod, vorstellete; Die- ser grosse Wanst war von dicker Haut, und innewendig rauhstichlicht verwach- sen, darinnen die Lohsung doch ungefor- met distrahir et lag; Von dar gieng ferner das kleine Gedaͤrme umbher, so mit dem Netze umbzogen war, in welchem kleinen Gedaͤrme alle Correspondentz der verdaueten Nahrung und Chyli ist, maassen von dem Magen durch den Wanst die waͤsserigte Feuchtigkeit in die Blase tritt, und ferner durch das Mem- brum weggehet, die Excrementa und Lohsung aber nach dem Mastdarm zu- ziehet, sich formir et und seinen Ausgang durch das Weydeloch wirfft. Das klein und groß Gedaͤrme war in allen 50. El- len Dreßdnischer Laͤnge lang. Von dem Creutze an gehet eine starcke dicke Ader, welche alles Gebluͤthe des Kurtz-Wild- praͤths der kleinen Adern colligir et und solches zwischen denen Nieren angewach- sen, als eine Roͤhre gestalt, zwey gute Spannen lang uͤber die Lunge in das Hertz fuͤhret. Das Hertz ist in ein Hertz- Saͤckgen eingewickelt, an sich selber von einem zarten dichten Fleisch formir et und hat seine doppelte Hoͤhlen; Weilen nun darinnen alle Pulß-Adern des gan- tzen Hirsches concurrir en, so wird mit der Zeit im alten Hirsch ein knarplichtes Ge- waͤchs oder Beinlein geformet, welches das Hirsch-Creutz genennet wird, und ein junger Hirsch nicht haben kan. Von dem Hertzen ging ferner die starcke Ader heraus nach dem Halß und Genicke zu, dahin dann folglich zu beyden Seiten die edele Materie, wie gesaget, aus denen Te- sticulis durch das Hertz und von dar zur Befoͤrderung des Hirschgeweydes Wachsthumb uͤber denen Augen in die Muscheln eintritt. Aus dem Hertzen ge- het abermahl eine andere starcke Ader, welche sich in die Lunge zu beyden Sei- ten nach der Gurgel und Lufft-Roͤhren vertheilet. Die Hoden waren innerlich von einer schmaltzigten Materie von sonderbaren geilen Geschmack. Der Schwantz oder Buͤrtzel war inwen- dig Graß-gruͤn, welchen einige vor die Galle halten. Er hatte schon unter der Haut viel Enderlinge. Die Vorder-Blaͤtter oder Buche waren durch starcke Flechsen, derer vorne sie- ben, an dem Brust-Kern angewachsen; Hinten an der Schauffel aber mit einer breiten Flechsen befestiget, wodurch der Vorder-Laufft gehalten und regieret wird. Die Hinter-Keulen haben ihr Gelencke im Creutz, durch ihre Kugel in der Pfanne, welche mit einer Flech- se durch die Kugel und Pfanne befesti- get, auch mit einer andern Flechse uͤber die Pfanne nach dem Ruͤckgrad an- gewachsen, welche Flechsen dann sowohl der Vordern-als Hintern-Laͤuffte, uͤber die Keulen, Gelencke oder Hessen an die Roͤhren, vorn und hinten im Fuß, durch die Ober-Ruͤck und Ballen gehen, durch die Von denen wilden Thieren. die drey Gelenck in der Schaale des Fus- ses, die Form halten und die Bewegung der Faͤhrd machen: Der Oberruͤck oder die Abeꝛ-Klauen, welche jede mit einer kleinen Flechse angehefftet, stehet zwischen denen beyden ersteren Gelencken: Die Schuh o- der Schaalen und Ballen aber sind gleich- sam angezogen, von hornigtem Ge- waͤchs. Der saͤmtliche Ruͤckgrad von dem Hinter-Puͤrtzel biß uͤber die Schul- tern, war mit starcken Sehnen und Flechsen, von dar aber dem Halß nach, biß ins Genuͤcke, mit doppelten Flechsen veꝛsehen, woselbst zwischen denen zwey letz- ten Flechsen am Knorpel des Hirnschaͤ- dels der behoͤrige Nickfang geschiehet, allwo die Hirn-Schaale einen guten Daumen unterwerts in drey Linien oder Bruͤche sich separir ete und in gleicher Linie von dar unter den Augen und Na- senloͤchern gefuͤhret wurde. Anatomia eines tragenden Wilds. Nachdem ich nun ebenfalls par cu- riositæt ein tragend Stuͤck Wild anato- mir en wolte, selbiges aber aus meinem Thier-Garten zu nehmen, Schaden gewesen waͤre, als habe ich meinem Foͤr- ster Hannß Christoph Koͤttlizen befohlen, eines zu schiessen, der es auch des andern Tages, als den 10. Martii verwichenen Jahres, in denen so genannten Sand- schellen-Hoͤltzern fruͤh Morgens gepuͤr- schet, welches folgenden Tages anatomi- r et, da denn folgendes gefunden: Nem- lich es war ein starck gewachsenes Thier, dem Ansehen nach 5. biß 6. Jahr alt, wel- ches sein jaͤhriges und zweyjaͤhriges Kalb bey sich gehabt, und hatte seine grau- braunlichte Winter-Haare, dessen Hoͤ- he 5. gute Spannen und eine Qver- Hand; die Laͤnge des Leibes aber 6. Spannen und die Dicke 3. Spannen war. Wir machten, nachdem man von Kien den gantzen Leib hinunter biß hin- ten die Haut auffgeschuͤrffet, auffgebro- chen, und die Viscera gehalten, den An- fang von der Vulvula oder dem Weibli- chen Gliede, jaͤgerisch das Feigenblatt genannt, welches von dem Weydeloch 2. Qver-Finger separir et war. Aeuserlich war dieses Glied ein laͤnglichtes Loch, von einer harten schrumpfflichten Haut, so kleine Falten hatte, von brauner Far- be, darinnen der Ductus oder die Ge- burths-Roͤhre oberwerts nach dem Ruͤck- grad gienge, welche schon weicher und Fleischigter, doch mercklich enger, als ei- nes Fingers dick war, und ferner Ober- halb des Schlosses seinen Gang uͤber die Blase nach dem Geburths-Schlauch, so noch weich war, eine Spanne lang nahm; Allda fund sich ein knorplichtes Hartes und enges Gewaͤchs, worin man kaum mit einem Feder-Kiel kommen koͤnnen, einer Quer-Hand breit an drey Orten gewachsene Wiederhacken und schleimigte Materie zu deren Ausgang andere Ovu- la oder Eyergen angewachsen, welche zur kuͤnfftigen Generation mehrerer Kaͤlber von der Natur geordnet sind. Dann lag die muͤtterliche Buͤrde in der Groͤße einer grossen starcken Katzen unter de- nen Nieren beysammen, mit denen Laͤufften nach dem Hertzen, wornach die Nabel-Schnur gienge, mit dem Kopff aber nach der rechten Seiten, weil es ein Hirsch-Kalb gewesen. Die Nabel- Schnur war einer Spannen lang, von perlichter Farbe und weissen Druͤßgen, worinnen der Nabel und eine Sehne, auch darinnen zwey Ductus befindlich waren, welche sich nach einer Spannen lang in funffzehen Adern oberwerts vertheileten und diese wiederumb sich in unzehliche kleinere Blut-Adern zu drey- en Ovulis oder Eyergen umbwendeten. Ein jedes Eygen war in der Groͤsse ei- nes gemeinen runden Kaͤses, theils klei- ner, theils groͤsser, und innerlich von ei- nem harten schwammigten Fleische, so aͤuserlich die Natur mit einer festen schwammigten Haut beschirmet hatte. Das Kalb war ein Hirsch-Kalb, in der Groͤsse einer Katzen, jedoch noch ohne Leben, hatte keine Haare, aber alle Gliedmaassen, wie die Namen haben moͤgen. Die Lauff- und Aber-Klauen waren gantz weich und Saffran gelbe; Das Koͤpffgen weißlicht, der Ort seines kuͤnfftigen Gehoͤrns und die Nase schwaͤrtzlicht, der uͤbrige Leib aber allent- halben wie ein rohes Fleisch; Gestalt es dann nur die Helffte an seinem Gewaͤchs damahls war. Ausserhalb war die Mut- ter zu beyden Seiten des Mastdarms un- glaublich feiste, mehr als Spannen lang, einer Hand breit und dicke; Wie denn auch das gantze Eingeweyde, nach denen R Nie- Anderer Theil/ Nieren allenthalben voller Feiste be- wachsen zu sehen war. So war auch das Netze, worinnen die Gedaͤrme einge- wickelt, wie auch der gantze Mastdarm, biß zum Weydeloch, allenthalben feiste bewachsen. Die Nieren waren gleich- falls feiste und das Zwerg-Fell samt der Leber und Miltz an den Wanst ge- wachsen. Der zweyfache Magen und der grosse Wanst war ebenfalls gestalt, wie von dem Hirsch bereits beschrieben. Nur daß selbiges, weil es ein altes Stuͤck Wild gewesen, umb ein ziemliches groͤs- ser, die aͤuserliche und innerliche Gestalt aber wie bey dem Hirsch war. Die Nah- rung des Wildes war gewesen Kenster oder Mistel von Baͤumen, Mooß und Knospen, ingleichen die kieferne gelbe Rinde und Heyde-Kraut. Die uͤbri- gen Eingeweyde und Viscera, als die Drossel, Lufft-Roͤhren, Lungen-Adern, ingleichen das Hertz, so groß und mit vie- len Feisten bewachsen, war auch an die fuͤnffte Ribbe perpendicular mit der Spitze angewachsen, welches von oben die Lunge bedeckete; Ubrigens war es wegen des Diaphragmatis Leber und Miltz, samt uͤbrigen Zubehoͤr, nicht an- ders beschaffen, als wie ich schon bereits vom Hirsch gemeldet. Der gantze Ruͤ- cken vom Zimmel biß an den Halß war in dem Wildpraͤth oder Fleisch voller gel- ber Enderlinge, Fingers dicke, gleichsam bespickt, welche theils halb drinne, halb die Haut durchloͤchert hatten. Jnne- wendig an der Leber war ebenfalls kei- ne Galle, wie bey dem Hirsch, zu finden, und war eben auch der Puͤrtzel oder Schwantz graß gruͤn: Das Pericardi- um oder Hertz-Saͤckgen war all uͤber die Maassen feiste, also, daß zu besorgen, daß es vor Feiste haͤtte ersticken muͤssen: die Sehnen und Flechsen, Nerven und Spann-Adern der Vorder- und Hin- ter-Laͤuffte, Lauff-Klauen und Ober- Ruͤck, Schloss und Kugeln, Keulen und Vorder-Blaͤtter, ingleichen der Kopff, Zaͤhne u. Kienbacken waren, wie bey dem Hirsch zu finden, wovon ich schon gemel- det: Merckwuͤrdig aber war es, daß an denen Lauff-Klauen dieses jungen Hir- sches, oben an der Crone nach dem O- berruͤcke, dieselben schon begunten reiff und schwartz zu werden, daraus unfehl- bar zu judicir en, daß er das voͤllige Wachsthum von oben herunter in Mut- terleibe gehabt. Die Haare fingen sich an umb das Kien, Maul und Augen- brauen, wiewohl es dazumahl noch blind, dennoch in allen necessariis Requisitis ratione seines Hirschgerechten Kurtz- wildpraͤths und Ruthen, voͤllige An- zeigung eines Hirsches hatte, der kleine Puͤrtzel auch so gar war nicht vergessen. Summa: es fehlten diesem kleinen Hir- sche nichts als die Haare und das Leben, welches von dem Allerhoͤchsten eintzig und allein dependir et, wovon wir Menschen nur einige Præsumtiones statuir en, nichts positives aber vor gewiß ausgeben koͤn- nen. Die Viscera waren nach dem Mi- croscopio oder Vergroͤsserungs-Glase in gleichen Gewaͤchsen eines der aͤltesten Hirsche; Maassen es anfaͤnglich bey Loͤ- sung seiner Nabel-Schnur und Separa- tion von seiner Mutter seinen edlen Schweiß auff der Welt zum ersten erbli- cken liesse. Das Hertzgen dieses kleinen Hirschen war einer Castanien groß und nach gewoͤhnlicher Form ordinir et. Die Lunge war klein, subtil, voller Adern und weißlichter Farbe; Die Leber, wie ein ge- ronnnen Gebluͤt; Der Magen und Wanst, wie ein Wasser-Blaͤßlein. Die Gedaͤrme gekraͤusselt, wie eines Vogels, welche Federkiels dicke. Seine Nieren- Braͤtgen waren ebenfalls deutlich zu se- hen und hatte seine ordinaire dreyzehen Ribbgen, nur daß alles Gebaͤude zart und schwach war. Gegen den Halß zu, an der Brust und Ruͤckgrad waren zwey schwammigte Gewaͤchs, als ob solche gleichsam von Nutriment einige Corre- spondence nach dem Magen und Her- tzen haͤtten und ist zu vermuthen, daß solche Alimentation und Nahrungs-Mit- tel eintzig und allein von der Nabel- Schnur dieser alten Mutter kommen muͤsse, sodann sich vorwaͤrts und hinter- waͤrts per Circulationem sangvinis di- strahir en moͤge. Die Christall des Aeug- leins war biß dato noch ziemlich dunckel, wie eine Heydelbeere nach Eroͤffnung, gestalt es noch verschlossen war. Das Zuͤnglein war weiß, an der Unterkiefer, wo die Zaͤhne ordinir et, etwas weniges hartes zu fuͤhlen: Die Hinter-Laͤuffte hatten, ob wohl sehr schwach, dennoch ih- re angezeigte Pflaumen, welches sehr wundernswuͤrdig, von einer solchen Frucht genau zu erkennen. Es hatte bereits Excrementa und Lorbeeren, gleich wie Maͤuse-Koth, ob es gleich noch nicht auf der Welt gewesen, dahero es sich ne- cessario aus dem reinen Chylo seiner Mutter und wahren Ernehrungs-Safft in Von denen wilden Thieren. in Utero als das erstere Excrementum, ob wohl schwach, dennoch verjuͤngter maassen formir et und per Microscopium wundernswuͤrdig anzusehen war. Anatomia eines wilden Schweins. Den 28. Aprilis vorigen Jahres schickte mir der Herr Graff von Solms, auff Sonnenwalde, von welchem eben- falls nachfolgenden Rehbock erhalten, ei- nen jaͤhrigen Kaͤuler durch einen seiner Unterthanen zur Anatomie, und ob wohl es ausser der Zeit, so haben Sie doch hoͤchst- ruͤhmlich dieses loͤbliche Werck auch zu- gleich mit befoͤrdern wollen, wovor noch- mahls mit allem Danck hoͤchst verbun- den bin. Dieser junge Kaͤuler war ein jaͤhriger Frischling, dem der Jahres-Zeit nach die Haare ziemlicher maassen ausge- gangen waren, also, daß er auf dem Ruͤ- cken gantz nackend, wie eine Mohren- Haut anzusehen gewesen. Als man nun die Haut zerwuͤrcket, sahe man, daß sol- chen die Hatz-Hunde vermuthlich gegrif- fen, weiln am Kamme uͤber den Schul- tern im Genuͤcke und an den Blaͤttern alles zerbissen war; Er roche wegen der Jahres-Zeit ziemlich empfindlich; Ge- stalt er dann bereits, sonderlich zur lin- cken Seite in der Duͤnnung gantz gruͤn angelauffen war. Die Testiculos, Ho- den oder Kurtz-Wildpraͤth hatte dieser Kaͤuler eingezogen, daß sie anfaͤnglich nicht zu mercken waren; nach Eroͤff- nung aber lagen sie gehoͤriges Orts ne- ben der Ruthe zu beyden Seiten zwey Glied eines kleinen Fingers lang, wo- von aus jeder Hode eine starcke Ader durch den Leib gieng, wie ich bey dem Hirsch beschrieben. Die Ruthe war an das Schloß angewachsen und aͤuserlich spitzig, wie ein starcker Regen-Wurm, krum gebogen als ein Nagelbohrer. Die Testiculi oder Hoden hatten innerlich eine schmaltzigte verwachsene Materie. Als man nun den Leib eroͤffnet und vom Kien an den Halß auffgeschuͤrffet, die Drossel, Gurgel und Schlund ergrif- fen, u. die Hertz-Kammer gespalten, war das Hertz ungemein mit vielen blauen Haͤutgen umbhuͤllet, theils an denen untersten Ribben, theils an dem Dia- phragmate oder Zwerg-Fell angewach- sen, man sahe dieses Pericardium oder Hertz-Saͤckgen sehr starck von vielem Ge- aͤder verwachsen: Das Hertze war gantz fahl, welck und einem menschlichen Her- tzen aͤhnlich; Gestalt es dann ebenfalls sei- ne zwey Hoͤhlen hatte, wovon bey der kleinen Hoͤhle alles zerquetschet und weich, auch braun und blau angelauffen war, welches vermuthlich von dem Hunde- Biß verursachet worden: aus welchem Hertzen die Pulß- und Lufft-Adern, Ar- teria magna, und andere behoͤrige corre- spondirt en. Die Lunge war weißlicht roth, von sieben Lobis und hatte das Hertz umbhuͤllet; Als man solche auff- geblasen, war sie noch dreymahl so groß, weißlicht und glaͤntzend anzusehen, wel- ches alles bey dem Menschen, nach Aus- sage derer Herren Medicorum, gleicher gestalt zu befinden seyn soll; Man secir- t e die Lufft-Roͤhren dieser Lungen al- lenthalben, und fund in verschiedenen Ca- vis oder Hoͤhlen kleine Wuͤrmgen, eines duͤnnen Zwirn-Fadens starck, verwickelt haͤuffig hier und da liegen. Das Dia- phragma oder Zwerg-Fell war sehr starck, Meergruͤn spieglicht nach dem Hertzen eines Lindenblatts Groͤsse durchsichtig; Nachdem dieses Zwerg-Fell auff denen Seiten abgeloͤset, lag die Leber zur rech- ten Seiten uͤber dem Magen von fuͤnff Lobis, war von Bley-Farbe, dunckelgruͤn anzusehen, allwo in der Mitten das Gal- len-Blaͤßgen eines Huͤhner-Eyes Groͤs- se, laͤnglicht zu befinden war; Als dieses eroͤffnet, war die innerliche Materie gantz klar und lauter, wie braun Bier. Die Miltz war laͤnglicht, von einer halben Ellen lang und lag zur lincken Seite, zwey Qver-Finger breit, ebenfalls von blaulichter Farbe; Der Ma- gen war eines Menschen Magen aͤhnlich; Gestalt dann sonst ein Schweins-Magen, nach des Weltberuͤhmten Philosophi und Medici, auch Practici zu Amsterdam, Herrn Doctoris Stephani Blancardi her- ausgegebenen Anatomia des Menschli- chen Leibes, in gemein wie eines Men- schen Magen beschaffen seyn soll, wie er solchen ausfuͤhrlicher und weitlaͤufftiger pag. 624. usque 642. beschrieben, darin- nen er pag. 636. im 31. Paragrapho nach- folgendes meldet: Jn einem Schweins- Magen ist die inwendige Haut voll Runtzeln, die andere Haut aber nicht. Die aͤuserste kan von der andern leicht- lich abgesondert werden, indem die an- R 2 dere Anderer Theil/ dere fleischig ist, so, daß man ihn mit Recht vor einen Musculum halten kan. Die Faͤselein dieses Musculi sind mit sei- nem Tendine unterschiedlich vereiniget, endigen sich aber in der aͤusersten Haut. Zwischen dieser und der innersten, die man gemeiniglich die dritte nennet, ist eine andere sehr duͤnne, die leichtlich ab- zusondern ist, durch welche sehr viel Ge- vaͤße oder Vasa lauffen. Die inner- ste ist weiß, nervig, dick und haͤnget fest an einer rothen Substanz, davon man an dem Boden sehr viel siehet, weniger a- ber umb die Mund-Loͤcher: Doch ist die Couleur am rechten Mund hoͤher, als am lincken. Wann man diese Haut, von einander reisset: So befindet man, daß sie aus zweyerley Substanz bestehet, die eine kehret sich gegen den Magen zu und ist druͤsiger, die andere, so sich auswaͤrts kehret, ist weniger. Wann man diese druͤßige Faͤselein druͤcket, so laͤufft ein Safft in den Magen. Solche druͤsige Haut siehet, was ihre Structur betrifft, aus, wie ein gantz seidenes Gewebe mit einem offenstehenden Gruͤblein. Die Speise-Roͤhre breitet sich, wo sie in den Magen kommt, auff 2. Fingerbreit in ih- rem Umbkreiß aus und haͤnget an der darunter liegenden Haut des Magens fest an. Um den rechten Magen-Mund ist eine fleischige Valvula, einen Qver-Dau- men lang und einen kleinen Finger breit, fest an vorgemeldter Haut, so, daß diese nervige bedeckt wird. Diese fleischige Faͤse- lein sind gerade, auch mit einer Schale versehen. Biß hieher obgemeldter Autor. Jn dem Magen unsers Kaͤulers war gantz duͤnne Geaͤß zu befinden, von kei- nen Wurtzeln oder Knospen, sondern es war eine Massa von gruͤner Saat, Graß und Kraͤutern: Aus dem Magen giengen ferner 17. Ellen Dreßdnischer Laͤnge, anfaͤnglich kleine Gedaͤrme, dar- nach 7. Ellen grosse von drey Qver-Fin- ger breit, darinnen lag die Lohsung oder die Excrementa, biß zum Weydeloch. Die- ser Kaͤuler hatte an seiner Structur 14. Ribben auf jeder Seite. Die Nieren, welcher jede eines Gaͤnse-Eyes groß, je- doch flach anzusehen war, hatten jede ih- re Adern nach denen Testiculis, Hoden oder Kurtz-Wildpraͤt. Der Kopff war mit Zaͤhnen scharff versehen, gestalt er dann am Kien forne vier spitzige Zaͤh- ne vorwaͤrts heraus stehen hatte, womit die an der obersten Kiefer gleichfalls cor- respondirt en; Jedoch mercklich stuͤmpf- fer waren. Das kuͤnfftige Gewehr zu beyden Seiten oder die grosse Hau-Zaͤh- ne waren noch ziemlich klein. Anatomia eines Rehes oder einer Baͤmse. Als ich auff Verlangen von dem Herrn Grafen, Heinrich Willhelmen, Grafen zu Solms und Teckelnburg, meinem vornehmen Nachbar, den 4. Aprilis vorigen Jahres durch dessen aͤl- testen Bedienten einen Reh-Bock mit ei- ner Fuhre uͤberschickt bekommen, wel- cher selbigen Tages von dem Graͤflichen Sonnewaldischen Forst-Schreiber ge- puͤrschet worden, war dieser Reh-Bock in seinen grauen Winter-Haaren annoch zu sehen: Er hatte sein Gehoͤrngen be- reits geworffen, kolbicht auffgesetzet und weil er sich uͤber die Maassen haͤrete, ließ ich ihn zerwuͤrcken. Dieser Rehbock war von zweyjaͤhriger Groͤsse gewach- sen und hatte hinten eines Glieds lan- ges kurtzes Schwaͤntzgen, so nicht zu se- hen und eine hell weisse Blume einer Qver-Hand groß hinten vor. Das Mem- brum Virile war eines Feder-Kieles Staͤr- cke, zu dessen Spitze ein rauches Puͤschel Haare ging; Die Testiculi, Hoden oder Kurtz-Wildpraͤth waren von der Groͤs- se eines Tauben-Eyes und hatten ihre Correspondenz mit denen Adern, wie ich bereits von dem Hirsch beschrieben: Jnnerlich waren sie von weißschmaltzig- ter Materie. Da nun der gantze Leib erbrochen und die Hertz-Cammer geoͤf- net, war das Hertz mit vielen duͤnnen Haͤutleins an das Diaphragma ange- wachsen und voller Schweiß unter- lauffen: Die Lunge war weißfleckig, von 7. Lobis; Da man das Diaphragma abgeloͤset, war die Leber aͤuserlich ange- wachsen; Der Magen war anders, wie beym Hirsch formir et, gestalt er unten einen kleinen Keutel a parte hatte: Jn- wendig war ein zwiefacher Magen mit einer dicken Haut unterschieden, wel- cher stichlicht verwachsen. Von denen obersten zwey Keuteln hatte der eine wie beym Hirsch fuͤnffeckigte Faͤchlein, der andere war blaͤttericht und bestund das Geaͤß in jungem Graß und Saat. Die Miltz war flach und roth: Das Gedaͤr- me, welches sehr in einander verwachsen, war Von denen wilden Thieren. war 13. ein und eine halbe Ellen, biß zum Ausgange des Weydelochs. Die Hertz- Cammer war von 13. Ribben, die Lufft- Roͤhre gieng an dem Ruͤckgrad, wie beym Hirsche, war auch keine Galle an der Leber zu mercken, aͤusserlich waren die Flechsen und Sehnen der Vordern- und Hintern-Laͤuffte ordinir et, wie beym Hirsch vermeldet, wie auch die Kugel und Pfannen der Hintern-Keu- len. Die Vorder-Blaͤtter hatten eine gleichmaͤßige Structur mit dem Hirsch ebenfalls mit Flechsen und Sehnen an- gehefftet. Jm Koͤpffgen hatte es gleiche Beschaffenheit, gestalt es denn vorne sechs Zaͤhngen unten gewachsen und obẽ nichts hatte, als eine rasplichte dicke Haut: Die Back-Zaͤhne waren eben auch, wie beym Hirsch, formir et, deren zu jeder Seite acht doppelte unten und oben stunden. Die Zunge war sehr zart und delicat gewach- sen, daß solche vermuthlich von einem subtil en Geschmack seyn muß. Die Na- sen-Loͤcher waren zwar formir et, wie beym Hirsch; aber wegen zarter empfind- lichkeit etwas vorwaͤrts situir et; Weiln sie ungemein von Ferne biß auff drey- hundert Schritt riechen koͤnnen. Das Cerebrum oder innerliche Gehirn war ei- ner Birnen groß, mit vielen Blut-A- dern durchwunden, von einer milchig- ten Materie colligir et. Ein mehrers merckwuͤrdiges hat man bey der Ana- tomie dieses Rehbocks nicht wahrneh- men koͤnnen. Ob man nun zwar allhier zu Lande nicht eben nach Begehren auch eine Gems zu anatomir en haben koͤnnen, so ist doch wegen dessen innerlichen Structur, ratio- ne der Viscerum oder Eingeweyde, zu muthmaassen, daß solche meist gleicher Gestalt wie das Reh innerlich beschaffen seyn muͤsse. Es schreibet der Weltbe- ruͤhmte Medicinæ Doctor, Gesnerus in seinem herausgegebenen grossen Thier- Buche pag. 143. diese Worte: der Gem- sen Magen ist, gleichwie bey dem Rehe, in vier Theile eingetheilet, darinnen eben- falls in einem die Faͤcher, im andern die Blaͤtter, die zwey letztern aber durch eine Haut im grossen Wanst separir et sind: Man findet darinnen meistens bey denen alten Gemsen die beruͤhmte Gemsen-Ku- gel, wie bey denen alten Hirschen das Hirsch-Creutz im Hertzen, welches jedoch bey denen jungen wegen ihrer Unvoll- kommenen Nahrungs-Wissenschafft nicht anzutreffen, sondern so wohl bey denen Gemsen als Hirschen durch das maͤnnliche Alter und eine offtmahlige spiritueuse kraͤfftige Circulationem San- gvinis verursachet wird. Obgemeldte Gemsen-Kugeln, welche in den Magen der alten Gemsen gefunden werden, sind von unterschiedener Groͤsse, Figur en und Gestalt. Es schreibet ermeldter Autor, daß er einsmaͤhls eine Gemsen-Kugel in einem Gems gefunden, welche am Ge- wicht 5. Qvint, 2. Scrupel gehabt, und braun von Farbe ausgesehẽ, hingegen ha- be er auch eine von 2. Qvint und 2. Scru- pel von Aschgrauer Farbe gefunden, in- gleichen auch schwartze runtzelichte und glaͤntzende, sowohl runde, fahle und al- lenthalben mit kleinen Puͤncktlein uͤber- zogene: Als man vorgemeldte grosse laͤng- lichte Gemsen-Kugel auffgespalten und dieselbe, umb zu sehen, woraus die com- ponir te Materie bestehen wuͤrde, secir et, habe man in derselben nachfolgendes gefunden, als ein langes Faͤselein von Wurtzeln, ein mittelmaͤßiges Faͤselein von Kraͤutern, ein wollichtes Faͤselein von Baum-Moß, einen Stengel wilde Rose- marien oder hiergenannten Pagan, kleine Blaͤtter unbekanter Kraͤuter, einen Stengel Farren-Kraut und Frauen- Haar, einen krum gebogenen Dorn und dergleichen collectanea mehr, welche man nicht so gar eigentlich explicir en, oder er- kennen koͤnnen. So weit obgemeldter Autor. Ein mehrers habe ich nicht von der Gemsen Eigenschafft erfahren koͤnnen, und halte ich gaͤntzlich dafuͤr, daß die Gemsen uͤberhaupt eine Art von Ziegen oder wilden Geissen seyen, nach ihrer Lan- des-Art, wie bey uns allhier die Rehe, in- dem sie deꝛgleichen gespaltene Lauff-Klau- en, auch nur unten ihre Zaͤhne, item die Nahrung der Kraͤuter und Wurtzeln, wie allhier bey uns die Rehe, durch das Wiederkauen zu sich nehmen und con- coquir en, nur daß sie in der aͤuserlichen Structur, Haar und Farben, nach dem Climate Cœli, Nahrung, Lufft und Was- ser sehr different variir en. Von dem Ge- hoͤrngen aber habe biß dato sowohl nach dessen Natur und Eigenschafft physice, als deren innerlichen Beschaffenheit ana- tomice noch keinen Grund, ob das Ge- hoͤrn einer Gems ebenfalls die jaͤhrliche Veraͤnderung, wie eines Reh-Bocks Gehoͤrngen, oder Hirschs-Geweyh ha- be, daß es jaͤhrlich abgeworffen, und wie- der auffgesetzet werde und seinen Zu- gang, Wachsthum und Nahrung per R 3 Ductus Anderer Theil/ Ductus zwischen Haut und Fleisch habe, oder ob es innewendig hohl, perpetuir- lich, wie andere Geissen oder Ziegen, fe- ste aus der Hirn-Schale gewachsen, weilen sich, der Einwohner und Gemsen- Steiger Vorgeben nach, die Gems da- mit an die Klippen anhaͤngen solle: Und weil dieses ein fremdes Thier, so mir niemahls zu Hand kommen, habe nichts gewisses melden koͤnnen. Anatomia eines Biebers. Weil dieses Thier gleichfalls hier zu Lande sehr rar und man wenig oder kei- nes antreffen wird, hingegen Jemand ebenfalls curieux seyn moͤgte, dessen inne- re Beschaffenheit zu wissen, so habe so- viel hierzu fuͤr noͤthig erachtet, aus einem Frantzoͤsischen Autore colligir et. Der Bieber, von welchem itztbesagter Autor handelt, ist in der Jnsul Canada gefan- gen worden, dessen Structur einer Fisch- Otter ziemlich gleich gewesen, jedoch groͤs- ser, und dicker, am Gewicht 30. Pfund, die Laͤnge war drey und ein halber Fuß, die Dicke des Leibes aber 10. Zoll, die Haa- re waren zweyerley, etliche lang, von ein und einen halben Zoll u. starck wie Pfer- de-Haar, von Farbe braun und glaͤn- tzend, etliche kurtz, und weich, wie Sam- met, wovon die bekanten Castor- Huͤthe und Struͤmpffe fabricir et wer- den: Der Kopff war 5. Zoll lang und eben soviel Zoll breit und hatte kurtze runde Ohren, wie eine Fisch-Otter. De- rer Vorder-Zaͤhne waren 4. wovon die untersten laͤnger und wie Meissel geschaͤrf- fet stunden, von gelblichter Farbe, die o- bern aber kuͤrtzer; am Kienbacken hatte er zu jeder Seiten acht Back-Zaͤhne. Die Hinter-Fuͤsse und Finger waren lang und zwischen denen Zehen, wie bey der Fisch-Otter, denen Gaͤnse-Fuͤssen aͤhnlich, mit einer Haut zusammen ge- fuͤget und zu schwimmen sehr bequehm, die Vordersten hingegen hatten kein Haͤutgen, waren auch kuͤrtzer und ge- stalt wie Menschen-Haͤnde; Die Naͤgel waren krum und hohl wie eine Schrei- be-Feder. Der Schwantz hatte was besonders, maassen er gantz keine aͤhnlich- keit des Leibes, sondern eine Natur wie von Fischen componir et an sich hatte: Er war von einem zusammen gesetzten schuppichten Wesen, welches ein Haͤut- lein zusammen fuͤgete, die Schuppen wa- ren meist sechseckigt, ungleicher Gestalt, darzwischen viel kleine gedrehete Haͤrlein heraus giengen. Sobald der Balg ge- streiffet, fielen die Schuppen des Schwan- tzes von sich selbst herab, als man nun diesen Schwantz auffgeschnitten, hatte er ein fischigtes schwammigtes fleischig- tes Wesen und Geruch; Die Groͤsse war 11. Zoll lang, oben am Leibe 4. Zoll breit und dicke, in der Mitten 5. Zoll breit, 2. Zoll dick, welches sich mit einer oval en Spitze endigte: Unter dem Schwantz war das Weydeloch zu sehen, welches laͤnglicht rund, schwaͤrtzlicht und ohne Haare war. Als nun die Ruthe und der Bauch geoͤffnet, fand man zwey klei- ne Hoͤhlen zu jeder Seite, so sehr enge und klein waren, nicht weit davon sahe man zwey Huͤbel, darinnen unten die Biebergeyl waren. Als nun die Huͤbel eroͤffnet, fand man vier grosse Saͤckgen, wovon zwey unten, und zwey oben la- gen, welche fast einem Hertz aͤhnlich, die Breite und Dicke war zwey Zoll, von A- schegrauer Farbe, mit weissen Linien untermischet. Nach Eroͤffnung der Bla- se fand man die innerlichen gleichfalls grau und fleischicht, welche ziemlicher maassen gestuncken und oben zu sammen correspondirt en; Die untersten beyden Geylen waren gestalt wie eine umbge- kehrte Birn, von einer eyterigten Ma- terie, darinnen eigentlich die rechten Gey- len von gelblichter Farbe colligir et la- gen, auch hefftiger von Gestanck waren: Die untersten waren druͤßigt componi- r et, welche aͤusserlich mit kleinen Buckeln und schwammigtem weichen Fleisch ver- sehen und mit einem Haͤutgen eingewi- ckelt waren. Als nun diese unterste Gey- len eroͤffnet, gieng eine sehr hefftige un- angenehme stinckende Materie heraus, welche dick, wie Meth und gelb, wie Ho- nig, von terpentini scher hitziger Com- plexion oder Substanz war, maassen, als solches ins Feuer geworffen, es so- gleich in Flamme ausgeschlagen. Unter diesen am Grunde war abermahl ein Saͤckgen voll Liquoris dem Eyer-Dot- ter aͤhnlich. Die Testiculi oder Hoden dieses Thiers waren sehr verborgen, wel- che man aͤusserlich nicht so gar augen- scheinlich wahrnehmen koͤnnen, als die Ruthe oder den Schwantz und das zeu- gende Von denen wilden Thieren. gende Glied; Die Figur war denen Hun- des-Hoden gleich, ausser etwas laͤngeꝛ und groͤsseꝛ, was die Haꝛn-Gaͤnge u. deren Zu- behoͤrung betrifft; Jngleichen der Unter- Bauch, die Musculi, der Schmeer-Bauch, das Netz, u. Gedaͤrme, deꝛ Magen, die Bla- se u. derselben allgemeine Structur, waren in allem einem Hunde gleich. Der blin- de Darm war 10. Zoll lang, 3. Zoll breit, unter der Miltz gelegen, und belieff sich endlich in eine runde Spitze: Jn diesem krummen Darme waren die Blut- und Pulß-Adern befestiget, aus dem Ge- kroͤße kam 2. Daumen unter der Miltz ein kleines Gewaͤchs. Das Gedaͤrme war 28. Fuß lang, darinnen waren 8. lange Wuͤrme, deren dreye jeder von 7. Zoll, und fuͤnffe jeder von 4. Zoll, die Miltz lag in die Laͤnge an der lincken Seiten des Magens, welche mit acht Pulß-Adern angehefftet war, von ro- ther Farbe und 7. Zoll lang. Die Le- ber war in fuͤnff Lobos oder Stuͤcke ein- getheilet, das Gall-Blaͤßgen war unter der hohlen Leber verborgen. 2½. Zoll lang und Daumens dicke. Der gantze Un- terleib war mit Blut unterlauffen, da- von er sterben muͤssen. Er war sehr feiste, sonderlich an dem Schwantz und Bauch, jedoch aber hatte er an Nieren und Netze nichts von Fett. Die Nieren wa- ren 2. Daumen lang und 1. Daumen dicke; Nachdem man nun das Zwerg- Fell oder Diaphragma und die Hertz- Cammer eroͤffnet, hatte die Lunge sechs Lobos, drey zur rechten und drey zur lincken. Das lincke Ohr vom Hertzen war groͤsser, als das rechte. Das Hertz war 2. Zoll lang, und 2. Zoll breit. Das Gehirn war mit besondern Hoͤhlen ver- sehen, theils zur rechten, theils zur lin- cken, deren jede abermahls sich in zwey Ductus vertheilete, alles grosse von dem kleinen Gehirne separirt e, und endlich insgesamt eine ovale Figur vorstellig ma- chete: Und so viel habe hiervon extrahir et. Ein anderer Bieber ist von Herrn Weppern in Holland anatomir et wor- den. Dieser Bieber wurde von den Fischern im Rhein mit dem Ruder er- schlagen. Er sahe dem vorigten aͤhnlich, nur daß er an der Spitze des Schwan- tzes etwas haaricht. Als der Balg ge- streiffelt, der sehr feste verwachsen, und der Schlitz geoͤffnet, war zwar das maͤñ- liche Glied, aber keine Testiculi zu sehen. Aus dieser Spalt gieng zu beyden Sei- ten der Sinus nach denen Huͤbeln. Das Obertheil des Leibes war von fester flei- schigter Substanz: Das Untertheil hin- gegen desto fluͤssiger und weich, da die Eyer-Blase wie eine Gaͤnse-Blase war, auff dessen Druͤcken gelbe Materie her- aus gieng, so sehr muͤrbe war und nach Biebergeyl roche, aus der Blase aber flosse eine weisse Feuchtigkeit, so ohlicht, leimicht und zaͤhe anzusehen war. Da die Blase eroͤffnet, lagen die Geylen, wel- che hart und puͤcklicht, mit vielen kleinen Loͤchlein formir et. Nach Eroͤffnung des Unter-Leibes sahe man die Testiculos, welche vorwerts nach dem Schambein situir et und oben nach dem Schloß beve- stiget waren. Diese waren jeder eines Tauben-Eyes groß, weiß, glatt, und fahl, mit einem starcken nervos en Haͤut- gen uͤberzogen, innewendig weiß und faͤsericht verwachsen, von dañen die Saa- men-Gefaͤße giengen. Der Unter-Leib war ausgedehnet, welchen der Magen und Daͤrme occupiret en. Die Gedaͤr- me waren neun Ellen lang. Der Mast- und krumme Darm aber nur zwey Ellen, der blinde Darm kam von lin- cker Seite, welches Herr Wepper bey andern Thieren nicht gemercket, er war fast Ellen lang, weit eroͤffnet wie ein Magen, darinnen aber nichts als Ex- crementa lagen; Am Ende dessen lag dicker gedrungener schwartzer Koth. Die Miltz war sehr hager, Spannen lang, Fingers breit und dicke und blaß von Farbe. Die Nieren waren eben- falls schlecht und blau angelauffen. Die Leber hatte sechs lobos, aus jedem gien- gen gallfuͤhrende Roͤhren, nach der Gallen-Blaße, so voller Galle war. Das Diaphragma war von starcken Nerven; Die Lunge war weißlicht und roth un- termischet; Das Hertz war eines Hun- des Hertz gleich; Die Hertz-Cammer lag voll geronnen Gebluͤte; Der Ma- gen war recht wundersam, welchen Hr. Wepper mit Doct. Hurleo genau unter- suchete: Er sahe eines Schweins oder Hundes Magen gleich, nur daß in der Mitten eine Grube, als ob zwey Magen sich separirt en, in der lincken Seiten hatte er ein Gewaͤchs, so ihm die Kranckheit ver- ursachet. Der Magen war voller kleiner Druͤßgen als Weitzen-Koͤrner groß, dar- zwischen kleine Roͤhrgen voller fluͤßiger Feuchtigkeit waren, welche immer naͤß- ten, und einen bestaͤndigen feuchten schleimigten Chylum verursachten, weil die Natur dem Bieber zu desto beqve- merer Anderer Theil/ merer Digestion und Verdauung seiner sonsten gewoͤhnlichen trockenen Nah- rung, diese immerwaͤhrende Feuchtig- keit zu Huͤlffe gegeben. Jn dem Ma- gen war alles voller Stuͤcken Holtz-Rin- de und Wurtzeln von allerhand Baͤu- men, wie auch etliche wenige Stuͤck von Aepffeln und Birnen oder Feld-Obst; Aber Fische oder Krebse, wie beym Ot- ter, waren nicht zu mercken, welches man leicht wahrnehmen koͤnnen. Und soviel habe von diesen zweyen Biebern Nachricht colligir en koͤnnen. Anatomia eines Hasens. Weilen ich mich wegen anderer wich- tigen Verrichtungen mit des Hasens Anatomie nicht auffhalten koͤnnen, ha- be aus des Herrn Blasii Anatomia ex- trahir et, wie einer von Georgio Segero in Holland sey secir et und befunden wor- den; Nehmlich die Miltz war klein und hager und zu aͤuserst scharff und spitzig, der Groͤsse nach kam sie einem Finger, der Breite nach, aber kaum, und der Dicke nach gar nicht einem kleinen Finger gleich und hinge an dem Ventriculo vermoͤ- ge zweyer Aedergen. Die Leber hatte ausser den dreyen aͤussersten Theilen ei- nen kleinen Anhang, so in des Netzes Duplicatur lag, bey der Pfort-Ader wa- ren die Wasser-Roͤhren: Das Gallen- Blaͤßgen war klein und von gallichter Feuchtigkeit auffgetrieben und also in die Leber eingewachsen und eingewickelt, daß man es kaum sahe. Die Nieren waren groß und hohl und hiengen an denen Lenden, doch daß die rechte hoͤher hing, als die lincke. Die Harn-Gaͤnge waren duͤnne und der Blasen nicht weit von dem Halß einverleibet. Die Harn- Blaße war groß, laͤnglicht und voller Wasser, war aber nicht laͤnger als acht und nicht breiter als vier Qver-Daumen. Die Saamen-Blaͤßgen unter dem Bla- sen-Halse waren voller weisser Feuchtig- keit. Die beyden Testiculi lagen am Unter-Bauche unter denen gemeinen Decken des Leibes, und waren nicht laͤn- ger als drey, nicht weiter, als ein, und nicht dicker als ein halber Qver-Dau- men. Es giengen uͤber dieselbe weg ei- nige fleischigte Fibræ, welche fest an den Huͤfften hiengen, die Testiculi aber wa- ren mit einem weissen Haͤutgen umbge- ben und aus einem druͤsichten Wesen zu- sammen gewachsen, daher sie keine sonderliche Cavit aͤt hatten. Das maͤnn- liche Glied war voller Nerven, aͤuserst scharff, und schien zum Theil etwas ge- bogen bey dessen Ende, waren Ascherfar- bichte Druͤsen, zeigten aber keine sonder- liche Cavit aͤt an; Gegen dem maͤnnli- chen Glied uͤber, zuaͤuserst der mit Haa- ren bewachsenen Haut, war ein Loch, welches der Scham aͤhnlich sahe, jedoch also verdrehet war, daß mans ohne Se- ction mit keinem Instrument finden koͤn- nen und gieng biß in die Prostatas hin- ein. Und weil Herr Seger an zwey Hasen solch Loch bemercket, so muth- masset er, daß auch bey andern maͤnnli- chen Hasen dergleichen zu finden, dahero vielleicht der gemeine Mann Gelegenheit genommen, die Hasen vor Hermaphro- dit en anzusehen. Die Lungen waren gelblich, giengen umbs Hertz und be- stunden aus fuͤnf Stuͤcken: Waren auff der lincken Seiten an das Diaphragma und die grosse Blut-Ader angewachsen. Der Hertz-Beutel, worinnen viele Feuch- tigkeiten waren, hatte das Hertz, wel- ches groß war, in sich, dessen rechtes Ohr groͤsser als das lincke war und auf des- sen rechter Seite man viel geronnenes Blut sahe. Den 22. Martii 1718. ließ ich auff der Graͤntze einen Hasen schiessen, welchen auch oben bemeldter Foͤrster lie- ferte. Dieser war ein jaͤhriger Mittel- Hase und waren ihme die Roͤhren de- rer Hintern-Laͤuffte beyde dergestalt zer- schossen, zersplittert und mit Blut un- terlauffen, daß man die Gelencke, Flaͤch- sen und Sehnen nicht genau betrachten koͤnnen. Die so genannten Hasen- Spruͤnge, ( osso picculo, wie es die J- taliaͤner nennen,) waren im letzten Ge- lencke, wo die Flechse uͤber die Hesse ge- het, welchen in der Medicin grosse Tu- genden beygeleget werden; Von dar giengen vier Klauen Glieder-Beingen, die ersten waren 2. Zoll lang, und Feder- Kiels dicke, von diesem Gelencke ferner 1. Zoll lang, jedoch duͤnner, abermahls gelencket: Die letzten Glied-Beinchen wa- ren kaum ein und ein halb Zoll, an wel- chem aͤusersten Gelencke eine schwartze Klaue, wie eines Vogels Gestalt, durch weisse Flechsen unterwerts angezogen, zu- Von denen wilden Thieren. zusammen nach dem Hasen-Sprung und in eine Union uͤber die Hessen ferner nach denen Keulen giengen. Zwischen denen vier Klauen waren gantz duͤnne verwachsene Haͤutgen mit subtil en Flechsen versehen, wie Spinne- weben duͤnne, doch fast nach der Gaͤnse Art formir et; Maassen die Hasen auch schwimmen koͤnnen, wie aus der Erfah- rung bekant, auch hierzu von der Na- tur aptir et sind. Die voͤrdersten Klau- en waren ebenfalls fast in solcher Gestalt mit drey Gliedern gewachsen, jedoch daß sie mercklich kuͤrtzer und kleiner waren, sonderlich war remarquable, daß an jegli- chen Vorder-Klauen einwaͤrts eine kur- tze Klaue, gleichsam als ein Daum, von der Natur angefuͤget, woraus zu muth- massen, daß sie solche fuͤnf Vorder-Klau- en gleichsam als Haͤnde mit Daumen nicht umbsonst haben: Die Flechsen die- ser 5. Klauen giengen zusammen, theils ober, theils unter das Vorder-Blatt. Am aller curieust en aber war das Mem- brum genitale, die Ruthe mit dem Kurtz- Wildpraͤth, maassen selbiges nicht wie bey andern Thieren vorwaͤrts gegen die Brust, sondern hinterwaͤrts heraus ge- wachsen, an deren Enden zwey kleine Musculi, als kleine Coffé -Bohnen an dem Mast-Darm hingen, woselbst man die Excrementa ersahe. Uber solchem Mast-Darm war das Schwaͤntzgen von 12. Gliedern, welches ferner nach dem Ruͤck-Grad correspondirt e. Diese zwey kleine Musculi hatten eine gewisse Eigen- schafft, gleich denen Geilen, rochen auch also. Die Ruthe war wie ein Feder- kiel dicke, Fingers lang und an das Schloß gewachsen, mit kleinen Druͤß- gen befestiget, woran die Saamen-Ge- faͤße als eine Gallerte zu ersehen. Die zwey Testiculi waren beyde ungleicher Groͤsse, mit Flechsen und Adern wohl versehen. Als man aber das Schloß er- oͤffnet, sahe man Augenscheinlich, daß dieser Rammler solche nach Belieben ein- ziehen und ausspannen koͤnnen. Weil bey den Hasen die Ruthen spitz hinterwaͤrts mit einem Loch zu sehen und die Hoden eingezogen sind, halten die meisten sol- chen vor eine Haͤsin, da man doch zwischen beyden einen mercklichen Unterscheid fin- det. Die Hoden, so einerley Groͤsse hat- ten, waren einer kleinen Mauß lang, schlaͤnglicht geaͤdert, wovon die groͤsten Adern, nach denen Nieren zugiengen. Als man diese eroͤffnet, war alles inner- lich voller geronnenen Milch, von geilem Geruch. Das Weydeloch gieng uͤber die Blase weg; Jn der Blase war di- cker Urin. Dieser Hase war noch ziemlich feiste an denen Nieren-Braͤtgen zu bey- den Seiten wohl verwachsen. Die Gur- gel und Schlund war, wie beym Hirsch oder andern Thieren, mit einem kleinen Drossel-Deckel versehen; Die Gurgel war fast wie ein Gaͤnse-Halß knorplicht. Jn der Hertz-Kammer, als solche geoͤf- net, sahe man das Hertz mit einem zar- then Haͤutgen angespannet an der Brust befestiget, dessen Spitze sich unterwaͤrts neigete, welches Haͤutgen auch an das Diaphragma wunderswuͤrdig durch klei- ne Geaͤder, als Spinneweben, ange- wachsen war. Das Hertz war von Groͤsse einer Zuckerrath-Birnen, woran die behoͤrigen Pulß-Adern hingẽn: Die Lunge war weißlicht und hatte 7. Lobos oder Blaͤtter, welche durch eine Roͤhre nach der Gurgel zusammen giengen; Die Hertz-Cammer bestund von 12. Ribb- gen: Als nun das Diaphragma eroͤffnet, war die Leber gantz flach liegend, Ascher- farbe von drey und einem kleinen Lobis. Die Nieren waren als eine Castanie formi ret, von aussen braunlich, inne- wendig weiß. Die Miltz war unglaub- lich klein, wie ein Regenwurm fast ge- stalt. Der Magen aber eines Posthorns Groͤsse, so den Schlund in der Mitten hatte. Die excrementa aber waren nach dem Horn ferner Extendir et; Als solcher geoͤffnet, war er innerlich gantz glatt und nicht, wie bey dem Hirsch, ge- falten. Der blinde Darm oder Cœ- cum war 5. und einen halben Zoll: Nach dem waren einer Ellen Dreßdnischer Laͤnge die Gedaͤrme in 32. Particulas se- parir et, darinnen vermuthlich die Ex- crementa oder Lohsung sich formir en muͤssen, von dar war das kleine Gedaͤrm- Gekroͤße 9. Ellen Dreßdnischer Laͤn- ge lang, der Ruͤckgrad war mit langen Musculis versehen, woruͤber etliche blaue Haͤutgen. Als der Kopff gespalten, wa- ren die Nasen-Loͤcher oberhalb nach dem Schlund gebogen; Und weil oben die Hirnschale kaum Messerruͤcken dicke, ist unmoͤglich, und wider die Natur, daß es gehoͤrnte Hasen geben koͤnne. Das kleine Gehirn war mit vielen Aedergen sehr vermischet. Das grosse Gehirn ei- ner welschen Nuß, die zunge aber eines kleinen Fingers groß. Vorne hatte er vier Zaͤhne, wie die Eichhoͤrner oder S Maͤu- Anderer Theil/ Maͤuse, zwey oben und zwey unten: Die obersten schienen gespalten zu seyn, war aber nicht also. Auf jedeꝛ Seite waꝛen fuͤnf Back-Zaͤhne, unten und oben. Die Oh- ren fuͤnff Zoll lang, die Augen einer Ha- sel-Nuß groß, hinter welchen schwam- migte Druͤssen waren: Das Cristall von Stroh-Farbe, mit einem schwartzen Duͤpfflein gezieret und versehen. Anatomia eines Fuchses. Nachdem ich meinem Phasan- Waͤr- ther, Christoph Schwanebecken, den 23. Martii nach Mittages anbefohlen, einen Fuchs zu liefern, hat derselbige den 24. Martii vorigen Jahres fruͤh Morgens eine Fuͤchsin, hinterm Schloss, im Ha- sen-Gehaͤge mit dem Fuchs-Eisen gefan- gen und lebendig geliefert. Diese Fuͤch- sin war zwey jaͤhrigter Groͤsse, eine so ge- nannte Brand-Fuͤchsin. Als solche nun lebendig, umb die Circulationem Sangvi- nis deutlich zu demonstrir en, gehalten und secir et wurde, gieng ihr vor Angst vie- ler Gescht aus der Nase. Da man sol- cher nun den Balg auffgescherffet, das Schloss eroͤffnet, kam die Buͤrde mit vier Jungen herausgefahren, so mit denen Koͤpffen nach dem Hertzen lagen, einer laͤnglichten Gorcken Groͤsse. Als eines der- selben eroͤffnet wurde, war es innewen- dig voller waͤsserichter Gallerte, darin- nen die Frucht, als eine jaͤhrige Mauß lag, welche bereits lebendig war. Das Buͤrdlein war auswendig gruͤn, etwas feiste und hatten alle viere eines zum an- dern Correspondence: Jnnerlich war ein doppelt gruͤner Crantz, die Koͤpffe lagen meist zusammen und waren einerley Groͤsse; Wie man solcher voͤllig die Hertz- Kammer aufgespalten, sahe man das Diaphragma nerv oͤs verwachsen: Das Hertze sprang perpetuir lich, gestalt denn waͤhrender Anatomie so wohl die Mut- ter, als die vier jungen Fuͤchse, einer Stunden lang, biß das Hertze heraus genommen, lebeten, daraus denn zu muthmaassen wie dauerhafftig solches Thier seyn moͤge. Mitten im Zwerg-Fell war ein hell Christall Haͤutgen, durchsich- tig, eines Thalers gꝛoß, welches recht einen Hasen Kopff mit zwey Ohren formirt e und klar wie ein Glaß war, an welchem durch viele kleine Haͤutgen das Hertz mit der Lungen angewachsen befunden wur- de. Die Lunge waꝛ weißlicht und hatte sie- ben Lobos; Das Hertz war vor Angst und Bangigkeit gantz welck und doch ziem- lich feist. Die Leber hatte die Galle in der mitten, war auswendig an das Dia- phragma angewachsen und bedeckte das klare Haͤutgen, die Miltz war in der Groͤsse und Farbe wie der Fuͤchsin Zun- ge. Die Leber hatte fuͤnff Lobos, war brauner Farbe, darzwischen die Galle eines Tauben-Eyes groß, heraus blickte, am Ende fast wie eine Bley-Kugel an- zusehen. Jn dem Magen, als man ihn umbgekehret, war eine sehr dicke Haut, welche dem Ansehen nach als krum ge- schlungene Regenwuͤrmer gewachsen zu befinden, zwischen welchen Falten die Concoction vermuthlich zu geschehen pfleget. Jn diesem Magen nun waren viel Maͤuse-Haare, zerbissene Knochen, Kaͤfer, so theils noch gantz, theils ver- weset, wie auch Holtz-Maden, zahme Schweins-Haare und Brod, welches letztere er bey der Kirrung genommen, das vorige aber seine gewoͤhnliche Nah- rung gewesen. Der Darm war sehr feist und dicke, dergleichen bey keinem Thier so starck zu finden, als solcher der Laͤnge nach auffgeschlitzet, war er 2¾ Dreßdnischer Laͤnge nach, darinnen viel Lohsung von Kaͤfern und unglaublich vie- le Spuhlwuͤrme, eines starcken Zwirnfa- dens dicke, so lebendig und haͤuffig her- umb kriebelten, zu sehen waren: Zu En- de des Darms waren zwey Gewaͤchs, darinnen gleichfalls, als wie im blinden Darm die Lohsung sich formi rte, von da der uͤbrige Darm annoch ¾ biß zum Weydeloch continuirt e. Die Nieren de- ren jede einer Castanien-Groͤsse, waren feist verwachsen: Die Gurgel war eben wie bey andern Thieren. Der Kopff, als das remarquableste dieses beruͤhmten klugen Thieres, war wundernswuͤrdig zu betrachten; Uber denen Augen war die Hirnschale voll geschwollen Fleisch auff- gelauffen, welches der Schlag des Buͤ- gels am Halse verursachet hatte, zu jeder Seiten eines Huͤhner-Eyes Groͤs- se. Als die Hirnschale eroͤffnet, welech zwar fest, aber eines Messer-Ruͤckens dicke war, sahe man das Gehirn in drey Theile unterschieden, das vornehmste und ordentlichste war hinten im Genuͤ- cke Von denen wilden Thieren. cke, einer Castanien groß und durch un- zehlbare kleine Ductus von milchigter Ei- genschafft miscir et, auch mit kleinen Blut- Aedergen als rother Seide, umbwickelt. Das mittelste Gehirn war als weisse Schlicker-Milch und dem innerlichen An- sehen nach das oberste wie das Gedaͤrme eines grossen Vogels durchwunden, in- nerlich aber durchwachsen, von welchem die Ductus nach denen Augen zugin- gen. Das Gebiß war scharff versehen, davon vorne 6. kleine Zaͤhne unten und oben waren: Die Groͤsten Faͤnge waren die zwey obersten, nechst solchen die zwey untersten, zu beyden Seiten derer Kien- backen hatte er auff einer jeden 5. drey- doppelte Zaͤhne, oben aber gleichfalls 5. einfache worbey unter denen Augen Haacken Zaͤhne. Die Nase war duͤrre und spitzig, dessen Roͤhre aber oben halb nach dem Schlund gebogen. Die Ru- the ist ¾ weniger ein Zoll Dreßdnisch Maß lang von 7. Gliedern gewesen. Diese Fuͤchsin hatte zwey hellgruͤn chri- stallnische Augen einer Haselnuß Groͤs- se, in der Mitten einen schwartzen Punct. Anatomia eines Tachses. Den 9. May lieferte der Foͤrster von Gahrau, Hannß Christoph Koͤttlitz, ei- nen lebendigen Tachs, welcher auff hie- sigem Jaͤger-Hoffe durch 4. Stoͤber ge- hetzet wurde, er hielte sich zwey gantzer Stunden, biß er todt blieb, da er bey sei- nem Ende gickerte, als wann er lachte. Es war ein alter Knabe: Gestalt ihm dann seine Faͤnge sowohl oben, als un- ten gantz kurtz und stumpff waren. Aus- ser diesen vier Faͤngen hatte er zu bey- den Seiten, oben und unten, das gan- tze Maul voller Zaͤhne, auch war sein Alter an der kurtzen dicken stumpffen blassen abgenuͤtzten Nase und duncklen eingefallenen Augen, ingleichen an denen starcken Testiculis zu ersehen. Die zwey Hinter-Fuͤsse hatten kurtze abgenuͤtzte Klauen, so wegen Alter gantz faßlicht waren, und machten die Faͤhrd fast, wie beym Baͤr beschrieben, dargegen waren die Vorder-Fuͤsse auch wie des Baͤrs Vorder-Tatzen, ausser daß sie hinten ei- nen kleinen Ballen hatten. Die Klau- en der zwey Vordern-Tatzen waren ei- nes Zolls lang, hart und krum gebogen, wormit dieser kleine Bergmann seine Unterirdische Schaͤchte und Stoͤlle in kurtzer Zeit durcharbeitet; Gestalt dann ihm die Natur in jeder Vorder-Tatz fuͤnff lange Klauen von ungemeiner Festigkeit gegeben hat. Die Augen waren klein und das Cristall einer Stengel-Erbse groß, von Farbe dunckelblau, als eine Heydelbeere, der mittelste Punct aber hell und klar. Die Haare waren an der Haut noch sehr feste, ob es wohl ausser der Zeit. Als dieser Dachs gestreiffet oder zerwircket wurde, war der Hals von ungemeiner Dicke und Staͤrcke, von vielen starcken Musculis befestiget. Man schuͤrffte vom Halß an den gantzen Leib auff und oͤffnete die Hertz-Cammer: Als man nun die Gurgel und den Schlund durchschlingend abgeloͤset, Hertz und Lunge herausgenommen, war das Hertz ziemlich groß, doch sehr welck und von grosser Hitze auffgelauffen, in dessen Hoͤhlen viel geronnener Schweiß zu se- hen war. Die Lunge hatte 7. Lobos. Als man nun das Diaphragma abgeloͤ- set, lag die Leber auch von 7. Lobis hart daran, und das Gallen-Blaͤßgen dar- zwischen. Die Miltz, einer Kaͤlber- Zunge lang, lag auf dem Magen zur lincken Seiten: Der Magen war in- nerlich wie eines Schweines Magen gestalt, voller Runtzeln, wie Regen- wuͤrmer durch Wunden, darinnen keine Nahrung zu finden war, aus- ser Wasser und gruͤnlichte Feuchtigkeit von der Galle, weil er sich waͤhrenden Hetzens hefftig erzuͤrnet. Die Gedaͤrme waren 14. Ellen Dreßdnischer Laͤnge lang; Die Hertz-Cammer war zu jeder Seiten von 15. Ribben. Das vornehmste und wichtigste war das Sauge-Loch, welches hart unter dem Buͤrtzel oder Schwantz von der Natur geordnet: Unter dem- selben war das Weydeloch, oder der Aus- gang seiner Lohsung. Die Testiculi hat- ten gleichsam ihre Correspondenz nach denen Nieren. Der Zain oder die Ruthe war nach der Structur eines Baͤres ober- halb ans Schloß befestiget: das vorge- meldte Saͤuge-Loch gieng zu beyden Sei- ten nach denen Nieren, jedoch nur eines Fingers tieff, und war von solcher Groͤs- se, daß der Tachs mit seiner Nasen und Maul die Winter-Nahrung daselbst neh- S 2 men Anderer Theil/ men koͤnnen: Jnnerlich war es gantz haaricht bewachsen, und war daselbst ei- ne weisse schleimigte Materie, wie weisse Bleyweiß-Farbe anzutreffen, welche ver- muthlich von denen Nieren dahin gelei- thet wird. Von dem saͤmtlichen Feder-Wild. Gleichwie der Grosse Gott bey Er- schaffung der Welt auff der Erden die kriechenden Thiere und im Wasser die schwimmenden Fische gemacht, also hat er auch zu gleicher Zeit die fliegende Voͤgel unter dem Himmel in dem zarten E- lement der Lufft erschaffen, und einige davon in die Waͤlder, andere hingegen in die Felder, und etliche in die Gewaͤs- ser verordnet, und dem menschlichen Ge- schlecht uͤbergeben. Und wird in der gan- tzen Heiligen Schꝛifft voꝛnehmlich von die- sem lieblichen Geschoͤpff derer Voͤgel des Himmels, welche mit ihren schnellen Fluͤgeln denen Engeln gleich ihres Schoͤpffers Befehl schleunig verrichten, mit sonderlichem Lobe gedacht, ja es ge- reichet noch mehr zu ihrem Ruhm, daß Gott der Heilige Geist in Gestalt einer weissen Taube zum oͤfftern erschienen; Man sehe die Voͤgel des Himmels, sie saͤen nicht, sie erndten nicht und sammlen nicht in die Scheuer, jedoch ernehret sie Gott wunderlich, welches allen Geitzhaͤl- sen zum morale dienen kan, die Goͤttli- cher Providenz mißtraͤuisch und unglaͤu- big sind. Was vor eine gnaͤdige Ver- heissung des Wohlergehens und langen Lebens wurde nicht denen Kindern J- srael von Gott versprochen, so sie ein Vo- gel-Nest mit Eyern oder Jungen fin- den und nicht alles vertilgen, sondern die Mutter fliegen lassen wuͤrden, weil ohne des Himmlischen Vaters willen auch kein Sperling auf die Erden fallen kan; Auch daß ein Storch, Turtel-Taube, und Schwalbe die Zeit ihrer Wiederkunfft wuͤsten, ruͤhmet ebenfalls die Heilige Schrifft. Was war nicht des Noæ Taube zur Zeit der Suͤndfluth vor ein lieber angenehmer Bothe, als sie umb Vesper-Zeit zum Gnaden-Zeichen, daß die Gewasser gefallen, ein Oehl-Blatt zu Hause brachte. Ob gleich die losen Jsraeliter undanckbarlich in der Wuͤsten Sina wider das so herrliche Manna murreten und Mosi ihre Egyptische Fleisch-Toͤpffe verwurffen, gab ihnen den noch der Grosse Gott eine unglaubli- che Menge Wachteln zu ihrer Speisse: andere herrliche Lobspruͤche und Exem- pla Heiliger Schrifft Kuͤrtze halber anjetzo zu uͤbergehen. Solte wohl nicht einem Atheisten die herrliche Aufferstehung glaublich vorstellen eine des Winters im Morast gelegene Schwalbe, wann sie in einer Waͤrme lebendig wuͤrde, oder wenn er saͤhe, wie so froͤlich die Feld-Ler- che sich gen Himmel in die Hoͤhe schwin- ge, ihren Schoͤpffer durch ihren Gesang lobe und preise, und das menschliche Gemuͤthe erfreue, solcher maassen ihn von irdischen auf himmlische Gedancken bringen? Nicht weniger unterlaͤsset nicht die keinen Fleiß spahrende unermuͤdete Nachtigall, da andere Voͤgel ruhen, ihre Dienste treulich zu verrichten, Gott zu loben und den Menschen bey Schlafflo- sen Naͤchten zu vergnuͤgen; Ja man fin- det wohl gar Voͤgel, die durch Fleiß de- rer Menschen verschiedene Sprachen re- den und Lieder singen lernen, so recht wundernswuͤrdig. Uber dieses alles, so itzt erwehnet worden, geben uns noch darzu die lieben Voͤgel sich selbst zu herr- lichen Speisen, und solten wir nur den reichlichen Vogelfang im Herbst von Zie- mern, Kramets-Voͤgeln und andern be- trachten, an bey Gottes Allmacht und Guͤ- thigkeit danckbarlich erkennen. Alldie- weilen nun ich in diesem andern Theil die vierfußigen Thiere der Erden, so in Waͤldern, Feldern und Wassern sich neh- ren und aufhalten, sowohl nach ihrem Leben physice, als nach ihrem Tode ana- tomice beschrieben, so erachte fuͤr noͤthig, des edeln Feder-Wildes, nemlich derer Voͤgel, als von dem grossen Gott eben- falls erschaffener Creaturen Eigenschafft vorjetzo nach dem Leben, dann, wo moͤg- lich, auch mit wenigem anatomice zu be- trachten; Das Fangen und Weyde- Werck dererselben aber reservir e biß zum Beschluß. Erste Von denen wilden Thieren. Erste Abhandlung Von dem Wald-Befluͤgel/ Und zwar Erstlich Von dem Auer-Hahn. Es ist der Auer-Hahn einer deren vornehmsten Wald-Voͤgel, fast der groͤ- ste unter denen wilden Huͤhnern, von Farbe am Halse schwartz und gruͤnlicht, auff dem Ruͤcken Ascherfarb, mit brau- nen Flecken vermischet; Die Augbrau- nen sind helleroth, die Fuͤsse starck, rauch und federicht, wohnet gerne in ho- hen Gebuͤrgen und Waͤldern, wo es Brunnen-Quellen giebet, die Sandkoͤrn- lein fuͤhren, deren er stets einige im Ma- gen behaͤlt. Seine Paltz faͤnget sich des Fruͤhlings gar zeitlich zu Anfange des Martii an, ob gleich noch Schnee und Frost vorhanden, daran er sich nicht keh- ret, und zwar kurtz nach Mitternacht, biß es Tag wird. Gemeiniglich geschie- het solches auf der Hoͤhe an hangenden Bergen, allwo er den Morgen kan kom- men sehen, sonderlich haͤlt er sich gerne auf, wo Roth-Buchen, oder auch rau- schende Baͤchlein zu finden sind, welche er gerne hoͤret: Derer Knospen von Roth- Buchen aber bedienet er sich des Win- ters zu seinem Geaͤß, wie auch derer Preussel- und Heydel-Beere. Wo er sich einen Ort zur Paltz-Zeit ausgesehen hat, und angetroffen wird, da ist er meistens alle Morgen zu finden, dafern er anders Ruhe haben kan und nicht verstoͤhret wird. Wann der Auer-Hahn in seiner Paltz-Zeit schreyet, so klinget es fast, als ob ein Grase-Maͤder mit seinem Wetzstein mit doppelten Strichen gerade die Sense strieche. Er wird, damit man naͤher zu ihm kom̃en moͤge, in waͤhrendem Schrey- en etliche Schritt eyligst besprungen und so er auffhoͤret, muß man stille stehen, dann sonst, wo er ausser dem das ge- ringste hoͤren oder mercken solte, fliehet er davon, und ob gleich dem allzu begieri- gen Schuͤtzen unter wehrendem Paltz- Geschrey ein Fehl-Schuß entgehen solte, vermercket er solches dennoch nicht, son- dern bildet sich ein, es sey sonsten etwan ein Donner Wetter, oder falle ein Baum umb. Wann er aber mit einem Schroth getroffen wird, oder sonsten den Schuͤ- tzen mercket, so ziehet er fort, wie leicht zu dencken. Jn waͤhrendem Paltz-Ge- schrey, wie gemeldet, hoͤret und siehet er nichts und gehet wie ein Jndianischer Hahn mit abwaͤrts spitzen Fluͤgeln und straubigten Federn auff einem dicken Ast des Baumes hin und wieder. Und gleichwie er an seinem Wildpraͤth und schoͤner Gestalt durch solche Geilheit ab- nimmet, also gehen auch die Federn von Fuͤssen sodann weg. So bald nach ge- schehener Paltz der Hahn auf den Erd- boden gestrichen, kommet gleich das Huhn zu ihm herbey und wird von ihm, wie anderes Gefluͤgel zu thun pfleget, ordent- lich getreten, keines weges aber, nach der alten Fabel, der Saame auf die Er- den gelassen, vielweniger alsdann von der Henne zur Fruchtbarkeit dienlich ge- nossen, weiln die Natur, was im Ma- gen verdauet, zu keiner Frucht wircket, und es auch wider die gesunde Ver- nunfft lauffet. Solcher Auer-Hahn- Paltz wird vorhero, wo er anzutreffen ist, zur gewissen Nachricht richtig verhoͤ- ret, ehe man solches der Herrschafft an- meldet, und auff ein ungewisses anfuͤh- ret, weil hierdurch nur vielfaͤltige ver- gebliche Muͤhe, schlafflosse Naͤchte und Unlust wuͤrde erwecket werden. Der Auer-Hahn ziehet nicht im Herbst mit andern Voͤgeln weg, sondern haͤlt seinen Stand des Jahres durch bestaͤndig: Er gehoͤret auch unter die Hohe Jagd und wird einem Hirsch gleich gerechnet. Die Auer-Henne oder das Huhn, deren sich viel zur Paltz-Zeit bey dem Hahn be- finden, weichet, nachdem sie empfangen hat, heimlich von der Gesellschafft. Wann die Roth-Buche ihre Knospen oͤffnet und die Blaͤtter auseinander gehen, denn suchet das Huhn seine Gelegenheit un- ter Straͤuchern, Gehaͤu und Schlaͤgen, bloß im Heyde-Kraut und leget daselbst ihre Eyer, theils acht, zehen, biß zwoͤlff Stuͤck, bruͤtet auch solche meistentheils innerhalb vier Wochen aus. Es wuͤr- de sich vielleicht dieses Feder-Wild wohl vermehren, wann sie nicht in der Brut- Zeit, ehe die Jungen recht fluͤcke wuͤr- S 3 den, Anderer Theil/ den, von denen Raub-Thieren Schaden leyden muͤsten. Die Henne ist kleiner als der Hahn und braunfleckigt, mit roͤth- lichten Streiffen, hat auch rauche Fuͤsse. Jhr Wildpraͤth ist ziemlich hart, schme- cket nach Tannen-Hartz und wird in Es- sig gepeitzet; Das Geaͤß ist Knospen de- rer Eichen und Roth-Buchen, Tannen- und Fichten-Nadeln des Winters; Hin- gegen des Sommers Wacholderbeer, Mehl-Feisten, Brombeer und derglei- chen. Von dem Birck-Hahn. Der Birck-Hahn ist zwar kleiner, als der Auer-Hahn, aber ein weit besser schmeckendes Wildpraͤth, schwartz von Farbe, hat kurtze rauche Beine, umb die Augen hellrothe Flecken, aͤsset sich von birckenen Zaͤpfflein, darvon er auch den Namen hat: Er wohnet gerne auff wei- ten wuͤsten Feldern mit Heyde-Kraut be- wachsen und paltzet gerne an solchen Plaͤ- tzen, da es rein ist und die Schaͤffer Hey- de-Kraut gebrannt haben: Die Paltz ge- schiehet des Fruͤhlings, wann die Bir- cken-Knospen ausschlagen, vor Tage an seinem gewoͤhnlichen Platz: Er gurgelt und pullert wie die kleinen Pflug-Raͤ- der, daß man es weit hoͤret; Er zuschet und sperret die Fluͤgel auf der Erden rumb, machet den Schwantz breit, wor- innen er gantz weiß von forne siehet: zu beyden Seiten desselben hat er krumme Federn; Wenn es aber Tag wird, be- giebt er sich mit denen Huͤhnern auf die Baͤume, biß gegen 8. Uhr, alßdann ge- het er fort. Sie verbergen sich des Ta- ges uͤber in dicke Gebuͤsche mit Fleiß. Der Birck-Hahn wird gleich einem Reh auch unter die hohe Jagd gerechnet und seine Paltz-Zeit von Hoher Herrschafft gebrauchet, daß sie solche wie den Auer- Hahn-Paltz fleißig abwarten, doch wird er nicht besprungen, wie der Auer- Hahn, sondern an dem Ort eine Gru- be eine Zeitlang vorhero unvermercket gemachet, worinnen sich die Herrschafft, biß der Birck-Hahn koͤmmet, anstellet, welches auch hinteꝛ denen nechsten Stꝛaͤu- chern geschehen kan. Er bleibet nicht so in der Enge, als der Auer-Hahn, dann er manche Zeit im Jahre wegstreichet, doch koͤmmt er in der Paltz-Zeit wieder an den Ort, wo er jung worden: Wann er paltzet, so springet er oͤffters auff der Erden in einem Creiß in die Hoͤhe: Nach der Paltz, wenn alles stille, tritt er die Huͤhner, wie anders Feder-Wild- praͤth. Jhre Nahrung ist des Winters auf denen Bircken, biß der Baum im Fruͤhling gruͤne wird. Sie beissen die jungen Knospen und Huͤlsen die Schaa- len ab. Des Sommers aber ist ihr Geaͤß von Beeren und Kraͤutern, wie des Au- er-Hahns. Das Huhn siehet braun- licht und gesprenckelt auf dem Ruͤcken, einer Schnepffe aͤhnlich, doch mercklich groͤsser, die Fuͤsse aber sind mit Federn rauch. Das Birck-Huhn leget eben- falls so viel Eyer, als die Auer-Henne, bruͤthet auch an solchen Oertern und auf solche Art gleichfoͤrmig und vorsich- tig, nimmt auch Graß von der Saat. Von dem Hasel-Huhn. Dieses ist ein sehr wilder Vogel, wel- cher sich in dicken Gebuͤschen, vielen Tan- nicht und fichten Dickigten, jedoch mei- stens an solchen Gegenden und Gruͤn- den auffhaͤlt, wo viel Hasel-Straͤucher zu finben, davon es den Namen hat, weiln es die Hasel-Kautzen und Zaͤpfflein, Krammet-Beer, Hollunder, Brumm-Beer, Ebrisch-Beer und Stein-Klee geniesset. Das Hasel-Huhn hat zweyerley Wildpraͤth, auf dem Ruͤ- cken schwaͤrtzlicht, und am Bauche weiß; Jst ein gutes groͤsser, als das Reb-Huhn, hat auf dem Ruͤcken roͤthlich und schwartz eingesprengte Federn, der Bauch ist weiß- licht und mit schwartzen Flecken einge- theilet: Der Schwantz ist graulicht, schwartz und weiß, mit einem Fingerbreit schwartzen Qverstrich. Die Fuͤsse sind mit Federn bewachsen, die Zaͤhen schup- pigt. Der Hahn ist an Federn schoͤner und groͤsser gestalt, als die Henne, hat dickere Backen und umb die Augen ro- the Flammen. Sie fliegen sehr rasch, begeben sich aber niemahls aus dem Holtz und setzen sich auf die untersten Aeste, sehen allezeit mit einem Auge uͤber sich und fuͤrchten sich sehr vor denen Raub- Voͤgeln. Das Huhn leget seine Eyer, wie die Auer- und Buͤrck-Huͤhner, auff die Von denen wilden Thieren. die Erden: Bruͤthet 6. biß 8. Jungen in drey Wochen aus. Dieser Vogel zie- het nicht weg und erhaͤlt sich in seiner Ge- gend. Sobald die Jungen fliegen koͤn- nen, zeigen sie ihnen andere Gelegenhei- ten, sie aber bleiben an ihrem Ort, und werden in Lauff-Thonen, wie die Schnepffen auf der Erden, wie auch mit denen Ebrisch-Beeren in denen grossen Thonen an denen Baͤumen gefangen. Jhre Palz ist des Fruͤhlings in der Fa- sten-Zeit, da sie einander pfeiffen: Wann man nun in solcher Zeit sie zu sich locket, kan man dieselben mit sonderbarer Lust schiessen; Sie gehoͤren wohl zur Niedern Jagd, werden aber viel edler, als Reb- Huͤhner gehalten. Des Vormittags umb 8. Uhr und gegen Abend ungefehr umb drey werden sie meistentheils mit einem Pfeifflein gelocket, da sie oͤffters stillschweigens und jaͤhling kommen und man hurtig schiessen muß. Es ist ein sehr wilder Vogel, so sich nicht leicht lebendig erhalten laͤsset. Von der Wald-Schnepffe. Dieser Vogel wird wegen seiner Nah- rung vor den delicatest en mit gehalten, auch so gar wird sein Gescheide mit samt dem Schmeiß von grossen Herren geges- sen, weiln sich derselbe mit nichts anders nehret, als mit denen in Suͤmpffen wach- senden frischen Kraͤutern und Wurtzeln, welche er mit seinem Schnabel sehr sau- ber und geschickt heraus zu bringen und zu geniessen weiß, daß man in seinem Ma- gen anders nichts, als dergleichen findet. Denn es kan dieser Vogel seinen Finger- langen Schnabel vorne an der Spitzen, wann er mit selbem in Sumpff reichet und ein Wuͤrtzlein mercket, wie eine Drath-Zange zusammen drucken, wel- ches die Natur mit Nerven im Schna- bel versehen und sonst bey keinem Vogel zu finden ist. Sie ziehen Herbsts-Zeit, wann das Laub faͤllt und zwar des Nachts, nachdem sie vorhero gegen A- bend mit Nahrung sich versehen, und fal- len vor den Hoͤltzern Strichweise fort; Hecken allhier zu Lande wenig, sondern in der Fremde, haben meistens drey biß vier jungen, welche sich wie Feld-Huͤhner druͤcken und verbergen: Sie lauffen ger- ne die Trifft und Fußsteglein, wo das Vieh getrieben wird, und genuͤsset den Kuh-Mist; Werden auch an solcheꝛ Staͤd- te, wo das Vieh Mittags zu liegen pfle- get, gefunden und in denen Steigen, de- rer Vieh-Trifften, worinnen sie gerne lauffen, mit Lauff-Thonen gefangen, o- der von denen Feder-Schuͤtzen im Flu- ge geschossen. Jm Fruͤhlinge ist ihr Wie- derzug, bleiben aber nicht lang, und sind zu solcher Zeit duͤrr und mager; Jm Herbste sind sie desto feisterer und am be- sten zu fangen. Man thut allem Feder- Wild Schaden, wenn man es im Wieder- Fluge faͤnget, dahero es auch billig ver- bothen und gar nicht Weydemanns-Ge- brauch ist, sondern es wird dasselbe zu der Zeit billig geheget. Von denen Ringel-Tauben. Dieser Vogel ist mercklich groͤsser und weit staͤrcker, als zahme Tauben; hat einen langen Halß und einen weissen Ringel umb denselben biß zum Kropff, dahero er den Namen bekommen; Hat einen blauspieglichten Halß, von schoͤner grauer Farbe und in denen Fluͤ- geln etwas weisse Federn, ingleichen ro- the Fuͤsse, Augen und Schnabel. Es ist ein sehr scheuer Vogel, der weder im Feld, noch im Holtz anders zu schiessen ist, als im anstellen, wann er von denen Feldern zuruͤck auf duͤrre Baͤume flie- get, oder beym Nest auf den Lock oder Ruff kommet, oder an der Traͤncke. Jh- re Nester machen sie von wenigem Ge- niste auf grosse Eichen und hohe Tan- nen, an Zwießeln, auf starcke Aeste: Bringen niemahls mehr, als zwey Jun- ge, einen Taubert und Taubin aus. Sie ziehen denen Saltzlecken sehr nach und werden alldar mit besondern Schlag- Waͤnden gefangen, so meistens gegen Abend geschicht. Jhre Stimme in heu- len oder locken ist langsam und starck, geschiehet gleichsam mit dem Tact sehr or- dentlich: Sie ziehen im Herbst von uns weg und kommen des Fruͤhlings wieder: Haben ihre Nahrung von allerley Saa- menwerck derer Frucht-Felder. Von Anderer Theil/ Von denen Blau-Tauben. Die Blau-Taube, oder Hohl-Tau- be, ist etwas kleiner, sonsten aber wie die Ringel-Taube gestalt, nur daß sie mehr blaulichter am Halse siehet und kei- nen Ringel, auch nichts weisses in Fluͤ- geln hat. Sie heulet auch geschwinder, als die Ringel-Taube; Sie nistet und bruͤthet in hohlen Eichen oder Buchen, wie ein Specht, sonsten aber wie die Ringel-Taube nur paarweise. Sie fallen gerne auf die Saat-Felder, inglei- chen auf die Saltzlecken, wo man sie mit Schlag-Waͤnden beruͤcken, wie auch auf die Baͤume locken und schessen kan: Jm Herbst ist ihr Strich und im Fruͤh- ling der Wiederzug. Es werden auff grosse Eichen und Buchen Tauben-Poch- ten, etwas groͤsser, als die Stahrme- sten, auffgehencket, darinnen sie des Sommers haͤuffig bruͤthen, daß man die Jungen, so sie fluͤcke sind, ausneh- men kan. Die Eichhoͤrner und Tholen aber beissen solche weg. Sie leben mehr als dreyßig Jahr, halten sich des Herbsts in ihrem Strich Schaar-weise beysam- men auf, biß sie von uns wegziehen. Von denen Turtel-Tauben. Diese ist die kleineste Art, ein schmaͤch- tiger Vogel, auf dem Ruͤcken etwas braunlicht, der Halß und die Brust Fleisch-Farbe mit einem schwartzen Rin- gel, am Bauche aber weißlicht, hat hin- ten am Schwantz in denen Federn weis- se Striche, daß es, wann sie flieget und denselben ausbreitet, einen weissen Cir- cul giebet, sonsten nistet und bruͤtet sie auff einem Ast des Baums, doch nicht hoch, und bringet ihre Jungen aus: Es bruͤthet sowohl der Taubert, als die Taͤubin und haben beyde einander un- glaublich lieb, daß, wo eines wegkoͤm- met, das andere sich graͤmet. Man pfleget ihnen nichts zu thun. Es wird von dieses Vogels keuscher Ehe und un- veraͤnderlichem Wittben-Stand von ei- nigen Autoribus viel seltzanes geschrie- ben, nemlich daß, wann eines stuͤrbe, das uͤberbliebene sich ferner gar nicht mehr begatte und sich nimmer erfreue, auch kein klar Wasser trincke. Wann man sie aus dem Nest von Jugend auff erziehet, werden sie bald zahm; Jhr Gurren ist angenehm zu hoͤren: Sie leben nicht uͤber 8. biß 9. Jahr: Haben einen geschwinden Flug und wohnen ger- ne an Wasserbaͤchlein, fallen auch auf Saltzlecken haͤuffig: Jch habe von einem Chymist en zu einem gewissen Experi- ment mit Turtel-Tauben-Blut gewis- se Caracteres auff Jungfer- Pergament schreiben sehen, wovon ich aber nichts hal- te; Vielweniger bin ich Willens von der- gleichen Superstitiosis Meldung zu thun. Von der Schnaͤrr. Solche ist etwas kleiner als die Tur- tel-Taube, aber geartet wie der Kram- mets-Vogel, daß man sie von weitem im fliegen nicht gleich unterscheiden kan, nur daß sie groͤsser ist, als der Ziemer und falblicht grau, am Bauche weiß, mit schwartzen Flecken, wie ein Hasel-Huhn: Bruͤtet hier zu Lande im Nest auf Ae- sten des Baumes, wie die Amsel oder Zippe, bringet drey biß vier Jungen aus, bleibet auch offt des Winters da: Ernehret sich von Wacholderbeeren, Wuͤrmlein auf denen Wiesen und Vo- gel-Kuͤn, Mistel oder Kenster des Win- ters, wird auff Leim-Spillen gefan- gen oder geschossen, weil sie nicht gerne auf den Heerd faͤllet; Der Hahn und die Sie sehen einander gleich, nur daß der Hahn untern Fluͤgeln zu jeder Sei- ten zwey schwartze kleine Flecken hat. Sie singet sehr lieblich auf hohen Gipf- feln, sonderlich bey schoͤnem Sonnenschein und kan ein Knabe an ihm schiessen ler- nen; Doch wollen sie wohl getroffen seyn, welches darbey in acht zu neh- men. Von dem Ziemer oder Krammets-Vogel. Dieser Vogel ist zwar kleiner, als die Schnaͤrr, aber an seinem Wildpraͤth weit edeler und besser, dahero er den Vorzug hat: Er geniesset die Wachol- der- Von denen wilden Thieren. der-Beeren oder Krammet-Beeren, da- von er den Namẽ hat, ist von schoͤnen Far- ben, lichtblau und Aschfaꝛb, mit gelben und rothbraͤunlichen Flecken auf der Brust: hier zu Lande bruͤthet er nicht, sondern in Nordischen Laͤndern und Moscau: Er ziehet gemeiniglich mit der Weindros- sel im Herbst fort nach denen warmen Laͤndern und koͤmmt des Fruͤhlings beym Wieder-Fluch wieder, wird auff dem Heerd mit Schlagwaͤnden und Lock-Voͤgeln geruͤcket, oder in Thonen- und Lauff-Schlingen des Herbsts ge- fangen, wiewohl einige das Contrarium glauben, und meynen, diese Voͤgel waͤ- ren den Sommer uͤber allhier in unsern Laͤndern nicht, sondern naͤhmen ihren Strich alleine des Winters zu uns, son- derlich, wo viel Wacholder-Straͤucher stuͤnden: Theils blieben den gantzen Winter uͤber, weil es in ihren Laͤndern zu solcher Zeit viel kaͤlter waͤre, und wuͤr- den also auf denen Heerden bey uns ge- fangen. Von der Drossel. Die Drosseln, weilen sie auch Kram- met- oder Wacholder-Beere essen, wer- den auch unter die Krammets-Voͤgel gerechnet, zumahl sie mit selbigen in Gesellschafft gefangen werden. Es sind aber dererselben zweyerley: Die ersteren heissen Zipff-Drosseln, sind etwas groͤs- ser und unter denen Fluͤgeln weißgelb- licht; Sie bruͤthen hier zu Lande des Fruͤhlings im April haͤuffig, machen ih- re Nester von Baum-Mooß und anderm Geniste zwischen die Aeste; Bringen vier biß fuͤnff Jungen aus und sitzen 14. Tage darauf. Jhr Strich gehet balde nach Michaelis und waͤhret nicht lange; Sie fressen gerne Ebrisch-Beer, werden dahero in Thonen haͤuffig gefangen, wie auch auf dem Heerd, wann derglei- chen Lock-Voͤgel dabey sind: Sie fallen gar fruͤhe ein und verwicklen sich im Tho- nen-Strick: Unten am Bauche, Halß und Kopff sind sie weisser gescheckt als die andern. Sie ziehen zeitlich fort nach warmen Laͤndern und faͤnget man sie auf dem Heerde nicht haͤuffig, sondern nur wenig, zu etlichen Stuͤcken. Bey Mondenschein ziehen sie schnell hinweg, ehe man es vermercket. Die andere Art heissen Wein-Drosseln, sind etwas kleiner von Leibe, unter denen Fluͤgeln roͤthlicht, haben schwartzbraune Fuͤsse, und kommen zu einer Zeit mit denen Zie- mern, nachdem das Jahr und die Wit- terung ist; Wo sie gute Locke finden, fal- len sie gerne ein, sonderlich im letzten Vier- tel des Mondes und streichen im Ne- bel hart uͤber der Erden; Bey heller Lufft aber ziehen sie hoch und schnell fort. Wann Nebel und Reiffe fallen, bleibt dieser Vogel gerne liegen; Wann es aber kalt und hell Wetter ist, sonderlich bey Monden-Schein, eilet er desto ge- schwinder: Sie werden hier zu Lande nicht erzogen, sondern kommen mit de- nen Ziemern aus kalten Laͤndern kurtz vorhero und ziehen in grossen Hauffen, locken ihres gleichen starck an sich, fres- sen auch Vogel-Beer und Gewuͤrm und sind nebst denen Ziemern wohlgeschmack- te gute Herbst-Voͤgel. Von der Amsel. Die Amseln hecken und bruͤthen auch, wie vorgemeldte Krammets-Voͤgel, ha- ben zwar auch ihren Zug, bleiben aber doch welche des Winters uͤber an Was- ser-Qvellen. Der Hahn ist schoͤn schwartz, hat einen gelben Schnabel, gelblichte Beine und gelbe Ringel umb die Augen. Wann dieser Vogel des Abends-Zeit in denen Hoͤltzern was von Wildpraͤth an Hirschen, Hasen oder Fuͤchsen mercket, so pfleget er solche auszuruffen und zu schnippern, daß man es wahrnehmen soll. Er ist ein gelehrsamer Vogel, wel- cher auf vielerley Weise dem Menschen unterschiedene Lieder nachpfeiffen lernet: Wohnet gerne in Hecken und Straͤu- chern, und wechselt hin und wieder, das Weiblein ist schwartz- oder dunckelbraun. Der Amseln Speise sind Heuschrecken, Hollunder-Beer und meistens Wuͤrmer. Sie wohnen gerne in Errlen und Bir- cken- Gestrippe: Haben fast am ersten Junge im Jahr, legen drey biß fuͤnff Eyer, welche gruͤnlicht und roͤthlicht be- sprenget sind und leben ohngefaͤhr biß T acht Anderer Theil/ acht Jahr: Sie bruͤthen meist ihre Jun- gen in vierzehen Tagen aus: Streichen nicht Hauffenweise, sondern eintzeln und leyden einander nicht gerne. Von dem Pyrole. Es kommt im Fruͤh-Jahr dieser Vo- nicht eher, als biß die rechtbestaͤndig- warme Naͤchte angehen; Jst ein von Farben schoͤn Dottergelber Vogel, mit schwartzen Fluͤgeln und einem Pfirsch- bluͤthfarbenem Schnabel, in Form eines Krammets-Vogels, dessen Groͤsse am Leibe er auch bey nahe haben wird, hat kurtze blaulichte Fuͤsse und ruffet auf eine sonderbahre starcke und liebliche Art. Seine Nahrung sind Kirschen, mehren- theils auch Gewuͤrm. Er bruͤthet hier zu Lande und zwar formir et er sein Nest auff eine seltzsame Art, maassen er das- selbe mit Wolle und Baste zusammen getragen, an einen Ast zwischen einer Gabel laͤnglicht mit Linden-Baste be- wunden so kuͤnstlich anzuhaͤngen weiß, und dasselbe laͤnglich, als einen Klingel- Sack bauet, daß es mit Verwunderung zu sehen ist. Er bringet nach vierzehen Tagen drey biß vier Jungen aus: So bald der Sommer vorbey, ziehet er in warme Laͤnder. Jn Jtalien frisset er Fei- gen: Flieget stets von einem Baum zum andern, und verraͤth sich uͤberall mit sei- nem hellauten, doch angenehmen Ge- schrey: Leidet keinen andern Vogel um sich, ist auch ein delicat er Vogel zur Spei- se, von schoͤner Farbe und einer ange- nehmen Stimme. Andere Abhandlung Von dem Feld-Befluͤgel/ Und zwar Erstlich Von dem Trappen. Dieser Vogel koͤmmt aus Asia, da sein Vaterland ist, wird auch in Ungarn auf grossen weiten Feldern gefunden. Er kommt des Fruͤhlings umb die Fa- sten-Zeit bey seinem Ruͤckzuge in hiesi- ge Lande und bringet seine Huͤhner mit sich. Jn seiner Paltz ist er von keinem Lauth, aber sehr boßhafftig auff seines gleichen mit treten und schlagen. Wann er begierig umb die Huͤhner, so breitet er Schwantz und Fluͤgel wie ein Kale- kutsch-Hahn auff der Erden herumb. Seine Farbe auf dem Ruͤcken und Fluͤ- geln ist gelb, braunlicht und schwartz ein- gesprenget, der Halß und Bauch Ascher- farb, von hohen Beinen; Das Huhn siehet dem Hahn aͤhnlich, nur daß es kleiner ist; Der Hahn hat eine breitere Stirn und langen Bart, gehoͤret unter die hohe Jagd. Sein Geaͤß ist gruͤne Saat, Getraͤyde und Ruͤben und, weil er gerne an sumpffigten Feldern wohnet, Froͤsche oder Fischgen, ja auch die Bruth der kleinen Voͤgel: Die Henne budelt eine Grube in grosse Felder des Fruͤh- Jahres, weit von Straßen abgelegen in die Erde, nahe bey Haber-Feldern und leget ihre Eyer auf die blosse Erden, nur zwey, welche weißgelblicht und etwas kleiner als Gaͤnse-Eyer sind, sitzet veste auf ihrer Brut vier Wochen, ob sie gleich scheu ist. Wañ ihre Jungen lauffen koͤñen, fuͤhret sie solche ins Getraͤyde: Sie ziehen Herbsts-Zeit weg in warme Laͤnder. Die Asier tragen ihre Federn aus dem Schwantz zur Zierd auff ihren Muͤtzen, mit Edelgesteinen besetzt: Sie sind lang- sam im Flug, ehe sie aufkommen: Jhr Wildpraͤt ist gut am Geschmack und ge- sund: Sie tragen ihre Eyer untern Fluͤ- geln und Halß mehr als hundert Schritt weiter, dafern sie uͤber der Bruth, so umb die Erndte-Zeit geschiehet, verstoͤh- ret werden: Sie koͤnnen sich mit ihrem Fingerslangen weissen Barth, wann sie boͤse werden und solchen zu beyden Sei- ten vom Kopff abhalten, gantz ansehn- lich machen: Die Schwantz-Federn sind vier Qver-Haͤnde lang und sehr zierlich, mit rothbraunen schwartz und weissen Federn vermischt: An denen Fuͤssen ha- ben sie drey Zehen und eine knorrichte Ferse. Von denen wilden Thieren. Ferse. Wo das Regen-Wasser in fla- chen Feldern sich sammlet, da halten sie sich meistens auf, umb allerhand am Ufer be- findlicher Nahrung willen. Sie werden in Ungarn, bey stillem Wetter, da kein Wind zu mercken, ehe sie zum fliegen aufkommen, durch rasche Wind-Spiele gehetzet, wie der Strauß-Vogel durch fluͤchtige Pferde von denen Africanern gefangen wird, ist sonst ein, gleich anderm grossen und schweren Gefluͤgel, verzag- ter Vogel, welcher, so er erschricket, au- genblicklich confus und leichte ertappet wird: An seinen Ohren hat er grosse und tieffe Loͤcher, weswegen er auch weit hoͤ- ren und vernehmen kan. Von dem Phasian. Der Phasian ist der edelste unter dem Feld-Gefluͤgel: Jst ein stoltzes Thier, weil er sowohl an Schoͤnheit seiner Fe- dern, als herrlichem zarten Wildpraͤth, alles andere große und kleine Feder-Wild uͤbertrifft. Er hat umb seine Augen ei- nen schoͤnen hochrothen Fleck, einen weis- sen Schnabel, grosse Nasen-Loͤcher, da- her er den Wind weit hat, wenn er mit einem gewissen Rauch gelocket wird, ei- nen gruͤnlichten und blaulicht vermisch- ten Pfau-farbigten Halß, an denen Oh- ren zwey hochstehende Federlein, auf dem Ruͤcken kleine Schildgen, welche spitzig von gelber Schwebel-Farbe sind. Die Fluͤgel sind falblicht, und die Schwing- Federn Aschegrau, die Brust ist mit roͤthlicht Purpur- auch Gold- farbenen und blauen Federn durch unterschiedene Flecken abgetheilet, der Schwantz ist lang, auf der Aglaͤster Art, da die mittlern Federn die laͤngsten sind, uͤber dem Schwantz, auf dem Ruͤ- cken sind Purpurfarbigte Federn: Die langen Schwantz-Federn sind steiff, braunschwartz, auch gelbspieglicht; Jhre Fuͤsse sind graulicht, aber glatt und nicht rauch. Es giebet auch weisse und bun- de Phasian en, von denen die Haͤhne an der Brust spieglicht: Die ordentlichen Phasian- Huͤner sind braunlicht am Kopff und Halß, an der Brust aber mit grau- lichen roͤthlichten Federn vermischet, ha- ben braune Fluͤgel und auch einen langen Schwantz, doch nicht so groß, als die Haͤh- ne: sind hin und wieder mit braunen Flecken, wie die Hasel-und Birck-Huͤhner gezieret: Sie druͤcken sich wie andeꝛe Huͤh- ner, so sie aber auffgestossen werden, flie- gen sie auf die Baͤume. Sie verschlu- cken all ihr Geaͤß und halten sich auff de- nen Wiesen, Bruͤchen, Auen und Feld- straͤuchern von Weyden, Werfft und an- derm alten Graß, umb sich darin zu ver- kriechen, gerne auff, wo sie die Weitzen- Felder, Anger, Kohl-Hoͤffe und Wein- berge, item Wacholder-Straͤucher, und Brombeer, ingleichen Ameiß-Hauffen nahe zu ihrer Nahrung haben. Der Phasian -Vogel ist eigentlich aus denen warmen Laͤndern, als Tuͤrckey, Ungarn und von dar, vor etlichen hundert Jah- ren in Boͤhmen, Franckreich und Jtalien kommen, woher denselben unsere Deut- sche Fuͤrsten, Graffen und Herren brin- gen lassen und auff ihre Herrschafften in besondere Gaͤrten, theils wild, auch theils zahm aufferzogen halten und ist vor diesen in unsern Laͤndern gantz un- bekant gewesen. Er laufft viel schneller und hurtiger, als die gemeinen Huͤner, wird auch nicht leicht auffstehen, er wer- de dann mit Gewalt jaͤhling auffgetrie- ben, oder wann das Graß feuchte ist und er aus seinem Lager gerne weiter in ei- nen andern Stand wolte, stehet er auf. Die Habichte, Huͤner-Geyer und Raub- Voͤgel thun ihnen grossen Schaden; Desgleichen die Fuͤchs, Marder und wilde Katzen, Jltniß und Wiesel; So neh- men auch die Kraͤhen und Aglaͤstern ih- nen ihre Eyer und sauffen sie aus: De- rowegen muͤssen diese Raub-Thiere gantz vertilget werden; Sie lieben die Ver- sam̃lungen nicht in Schaaren oder Voͤl- ckern, wie die Reb-Huͤhner, sondern ver- theilen sich weit und breit ins Feld. Jhre Bruth verrichten sie auf der Erden, scharren nach denen Wuͤrmlein, Amei- sen, kleinen Froͤschen und springen und baden sich beym Sonnenschein in Sand und Staub, vom Ungeziefer sich zu rei- nigen. Sie sitzen zu Nacht, vor Furcht der Raubthiere, gerne auff denen Baͤu- men, legen nach einander zehen, funff- zehen, biß zwantzig Eyer, solche sind gruͤn- licht und mittelmaͤßiger Groͤße, und so- bald die Henne selbst bruͤthet, giebet ih- nen die Natur einen Trieb und Arglist sich mit denen Jungen in der Wildniß zu verstecken, daß sie also gantz wild und scheu werden. Sie bruͤthen ohnge- T 2 fehr Anderer Theil/ fehr dreyßig Tage, ehe die Jungen aus- kommen. Ein Phasian, wann er des Fruͤh-Jahrs paltzet, schreyet starck, sprin- get in die Hoͤhe und waͤchelt mit denen Fluͤgeln in der Lufft, machet krumme Wendungen umb die Huͤhner; Welche halten will, die betritt er gleich nach der Paltze, wie ander Feder-Wild. Von denen Reb-Huͤhnern. Die Reb-Huͤhner haben den Na- men von Reben, weil sie in denen Wein- bergen gemeiniglich zu finden, werden auch Feld-Huͤhner genennet, weiln sie in keinen Hoͤltzern, Waͤldern und Heyden, sondern nur in freyen Feldern, umb das Feld, Furchen oder Rehnen und kurtzen Gestripp, oder Graben, im alten Graß sich auffhalten. Sie haben wenig Fe- dern, welche Aschegrau und schwartz ein- gesprenget, sind von zarter Farbe, umb den Kopff rothgelb, doch haben sie bloß braune schwartz eingesprengte kurtze Fluͤ- gel, und einen kurtzen Schwantz, den man kaum sehen kan. Das Maͤnnlein oder der Hahn hat auff der Brust, ei- nen roth Castanienbraunen Schild, wie ein Mond und an denen Fuͤssen Spoh- ren. Sie haben ein sehr zartes wohlge- schmacktes Wildpraͤth, das sonderlich de- licat, und werden des Herbsts sehr feist, haben viel Wildpraͤth und wenig Federn, deswegen ihnen von denen Raub-Thie- ren mehr, als anderm Gefluͤgel, nachge- stellet wird: Leben nicht uͤber 20. biß 30. Jahr: Sie legen etliche zwantzig Eyer an seltzsame Oerter, welche sie fleißig aus- bruͤthen; Wiewohlen die jungen Huͤh- ner im andern Jahr das erstemahl nicht uͤber zwoͤlff biß funffzehen Eyer legen; Nicht aber so fleißig ausbruͤthen, als die Alten. Es ist ein hitziger Vogel, welcher sehr geil; Dahero auch die Haͤhne umb die alten Huͤhner gewaltig kaͤmpffen, welcher nun verlieret, muß hinten nach- gehen, gleich einem Huhn. Umb Licht- meß fliegen sie von einander und paaren sich des Fruͤhlings, worbey sie bey an- brechendem Morgen drey unterschiedliche mahl und zwar jedesmahl wohl zehen und mehr mahl ruffen, und darbey ein wenig fortfliegen, biß sie das drittemahl gefallen, daselbsten bleiben sie des Tages uͤber bey dem Volck und weyden sich so lange, biß sie auffgesprenget werden, sie verbergen sich vor Menschen und Raub- Thieren, sonderlich mit dem Kopff, un- ter die Straͤucher, Geniste, alt Graß und dergleichen, worunter sie lange Zeit stille und unbeweglich sich druͤcken. Jhre Nahrung ist Frucht und Gesame, Win- ters aber gruͤne Saat und Sand. Wo die Rebhuͤner uͤber Nacht auf Feldern und Wiesen Volckweise liegen, halt eines von ihnen die Wacht, aus Furcht der Raub-Thiere. Des Tages weiden sie sich, nach Gelegenheit und Zeit im Jahr, auff der gruͤnen Saat, Stoppeln und Wiesen von Gewuͤrm; vermercken sie ihren Feind in der Lufft, so drucken sie sich, vernehmen sie Unrath von Men- schen oder vierfuͤßigen Thieren, so geben sie die Flucht; kommen sie darinnen zer- stoͤhret von einander, so ruffen sie einan- der wiederumb zusammen. Jm gros- sen Schnee boddeln sie unter demselben auff der Saat, lassen sich offte verschney- en, daß man kaum die Koͤpffe sehen kan; Der Frost aber ist der Huͤhner Todt, weil sie nicht scharren, noch etwas finden koͤn- nen, alsdann sind sie gerne umb war- me Bruͤcher und Qvellen: So bald der Schnee dauet, findet man sie auf dem Mittel-Ruͤcken und Rasen-Plaͤtzlein am gewissesten. Wann es kalte nasse Jah- re giebt, oder von fauler Weyde die Ey- er untuͤchtig werden, ingleichen die Raub- Thiere Schaden thun, so nehmen die Reb-Huͤhner mercklich ab. Von denen Wachteln. Dieser Vogel kommt aus warmen Laͤndern, da er den Winter uͤber gewe- sen, des Fruͤhlings beym Wiederflug in die besten Weitzen-Felder und fetten Ae- cker, haͤlt sich den Sommer uͤber auff, verbirget sich auch unter das Gestraͤuch und Graß, leget acht biß zehen Eyer, bruͤtet aber jedoch auf der Erde spaͤther als andere; Wird vor den geilsten Vo- gel gehalten; Dahero er nicht uͤber fuͤnff biß sechs Jahr leben kan, hat wenig Fe- dern, kan also nicht hoch fliegen. Der Hahn, Von den wilden Thieren. Hahn hat ein rothbraun Schildgen vor der Brust, wenn man sie schlagen hoͤret, stellet man ein Steck-Gaͤrnlein quer vor, locket darhinter zuruͤck zwey Schlag, als die Sie, so faͤnget sich der Hahn, doch muß der Lock wohl eintreffen, sonst mer- cket er es und wuͤrde den Krebsgang ge- hen. Sie werden auch nach denen Steck- Garnen von zwey Personen mit einer Leine mit Schellen getrieben und also ge- fangen. Des Herbsts ziehen die Wach- teln mit dem Strich fort, werden auch geschossen. Vom Brach-Vogel. Dieses sind hier zu Lande frembde Voͤgel, gruͤnlicht grau von Kopff, Halß und Fluͤgel, die Brust geflecket, mit braunlichten Spitzen, fast so groß, als ei- ne Taube, mit hohen Beinen; Bruͤthen allhier nicht, sondern ziehen nur zur Herbst-Zeit im Strich vorbey: Man findet sie auff denen Brachen und fla- chen Feldern sitzen, dahero sie den Na- men haben: Sie sind anders nicht zu be- schleichen, als mit Schiessen, wiewohl schwer und selten, wegen ihrer Klugheit, weiln sie meist in freyem Felde liegen. Jhre Nahrung ist Blumenwerck auf de- nen Brachen und Gewuͤrm: halten sich beysammen gerne auff, und sind schnell zu lauffen, wann sie gestoͤhret werden. Vom Stahr. Dieser ist einer der artlichsten Voͤgel, die man hier zu Lande hat: Maassen der- selbe leichtlich kuͤrre zu machen ist, und lernet alles nach, er dichtet gerne, machet allen Voͤgeln ihr Geschrey nach, lernet Lieder pfeiffen und so die Zunge geloͤset wird, auch reden, daß man ihn alles deutlich verstehen kan, nur daß er etwas schnarret. Er siehet schwartz am Halse, glaͤntzend mit weißen Federn eingespren- get, wann er aber jung ist, scheinet er gaͤntzlicht grau: Nach einem Jahr faͤrbt er sich erst und hecket gerne in hohlen Baͤumen und Aespen, sonderlich in Specht-Loͤchern, Star-Mesten und Hoͤh- len jaͤhrlich zweymahl und werden oͤff- ters ausgenommen. Ziehen alle Herb- ste mit anderen Voͤgeln in ziemlicher Menge zusammen schnelles Fluges fort: sind gerne auff Vieh-Trifften: fressen Fliegen, Kaͤffer und Wuͤrme, verbergen sich Abends im Schilff. Sie werden am Rande in einem See oder Teiche, in Win- ckel oder Schlufft, durch einen grossen Haamen mit zwey Fluͤgeln gestecket: Hinter demselben wird auff einen Pfahl eine Laterne mit Licht gesetzet: Wann es nun finster ist, werden sie durch eine Schnur mit Schellen getrieben, so wol- len sie nach dem Licht: Kommen sie nun in den Hamen, so reisset der Faden und ersauffen. Sonsten aber laͤsset man auch in dem Rohr Knaben mit schwachen Stecken klappern, stellet sich mit Flinten umbher, und schiesset sie. Von der Lerche. Die Lerchen, weilen sie auff ebenen Feldern bald zu Anfang des Fruͤhlings umb Lichtmesse ankommen, befinden sich meist in der Saat, legen alldar vier biß fuͤnff Eyer, und bruͤthen sie aus. Jh- re Nahrung nehmen sie von Saamen und Getraͤyde, Wuͤrmern und Sand, schwingen sich in der Lufft auff und sin- gen, werden dahero Feld-Lerchen genen- net. Sie ziehen des Herbsts in grosser Menge umb Michaelis, und lagern sich auff die Felder, alsdenn sind sie sehr feist und werden mit dem Nacht-Garn, weiln sie ein koͤstlich Herren-Wildpraͤth sind, gefangen, leben 8. biß 10. Jahr. Bey hel- lem Wetter singen sie am besten, sonder- lich fruͤh morgens: die Raub-Voͤgel thun ihnen grossen Schaden, vor wel- chen sie sich druͤcken. T 3 Von Anderer Theil/ Von der Nachtigall. Dieses ist ein sehr angenehmes Voͤ- gelein, welches sonderlich in der Nacht denen Menschen einen herrlichen Gesang giebet, wenn alle andere Voͤgel ruhen, wovon sie den Namen hat. Es ist ein graues Voͤgelein und weißlicht am Lei- be, hat einen roͤthligten Schwantz, ist et- was groͤsser, als ein Emmerling, erneh- ret sich von Gewuͤrm, und Hollunder- Beer, begiebet sich des Fruͤhlings aus warmen Laͤndern zu uns, sitzet gerne in kuͤhligten schattigten Oertern, Dornhe- cken und laubigten Straͤuchern, wo Quellen sind: Jn der Naͤhe leiden sie einander nicht: Nachdem sie sich begat- tet haben, bruͤten sie im Julio in Hecken meist vier Junge aus, verrathen aber selbst ihr Nest. Jhr Gesang faͤnget sich im Fruͤh- Jahr gar zeitlich an, sobald nur der Dorn-Strauch ausschlaͤget, und waͤhret biß umb Johannis-Zeit. Je- doch wie die Jahres-Witterung vorfaͤl- let: dann begeben sie sich wiederumb von uns in andere temperir te Climata, nach ihrer Gewohnheit und Natur. Dritte Abhandlung/ Von dem Wasser-Befluͤgel/ Und zwar Erstlich Von dem Schwan. Deren sind zweyerley, zahme und wilde: Die zahmen sind weiß, von lan- gen krummen Haͤlsen, haben zarte Fe- dern, einen schwartzen Schnabel und Beine, werden von vornehmen reichen Leuten in Schloß-Graben zur Pracht und Lust gehalten, haben aber ein har- tes Fleisch: Er geniesset Graß, Fische und Getraͤyde, lebet sehr lange: Die Froͤsche vertilget er ziemlich, nebst anderm Ge- wuͤrm. Zu Anfang des Fruͤhlings bruͤ- ten sie die Jungen sorgfaͤltig aus, und lieben einander mit denen Haͤlsen. Die wilden Schwanen aber sind etwas klei- ner, nisten im Geroͤhrigt, sehen an Farbe graulicht und Ascher-Farbe, halten sich gerne in Seen, Roͤhrigten, Teichen, und verwachsenen Fluͤssen auff. Dem Fisch- Ragen trachten sie sehr nach, fliegen nicht leichte auf, wo sie Ruhe haben, brauchen einen Fuß umb den andeꝛn zum Ruder: sollen vor ihrem Ende einen lieblichen Gesang von sich hoͤren. lassen. Von dem Reyher. Die Reyher sind unterschiedlicher Farbe, die meisten aber blaulichtgrau auf dem Ruͤcken, weiß am Leibe, mit schwartzen Flecken eingesprenget, haben einen langen grauen Schnabel und Fuͤs- se, einen weiten Kropff, worinnen sie die Fischgen sammlen; sind Raͤuber. Sie horsten des Fruͤhlings auff grossen Ei- chen und Baͤumen, nahe an Seen und Teichen gelegen, bekom̃en drey Jungen, verrichten ihren Zug zur Herbsts-Zeit, werden von grossen Herren geheget, da- mit sie mit kostbahren Solennit aͤten durch Falcken in der Lufft mit grosser Ver- gnuͤgung gepeitzet werden koͤnnen; Wor- bey sie alles aus dem Kropff speyen u. fal- len lassen, sich leichte zu machen, habẽ aber von Natur einen langsamen Flug; Wo sie horsten, verdorren die Baͤume, wegen ihres hitzigen Geschmeisses. Sie haben allein ihre Nahrung von Fischgen, wel- che ihnen umb die Beine umbher lauffen, und von ihnen als von dem Magnet das Eisen, an sich gezogen werden, weswegen die Fischer Reyher-Schmaltz in die Reus- sen zu Qverder nehmen. Von den wilden Baͤnsen. Dieselben sind schmaͤchtiger, als zah- me Gaͤnse, haben einen scharffen Schna- bel, sind graulicht von Federn, legen acht biß zehen Eyer an morastige Oerter, auf fri- Von denen wilden Thieren. frischen Huͤgeln und bruͤthen vier Wo- chen daruͤber: Jm Herbst vor dem Win- ter, ziehen sie nach der offenbahren See nach ihrer Nahrung weg und kommen des Fruͤhlings wieder; sind sehr scheu, setzen sich nicht leicht, wo sie nicht vorhe- ro etliche mahl herumb zur Sicherheit ge- flogen sind, und sich die Gelegenheit er- kundiget haben, halten sich auff grossen Bruͤchern, fliegen des Nachts auf die Saat-Felder nach dem Getraͤyde und ziehen offt wie ein Triangel in ihrem Zug, worbey sie manchsmahl schreyen. Sie le- ben lang, werden mit dem Schieß-Pferd oder Karnbuͤchsen beschlichen und ge- schossen, oder durch gezaͤhmte Gaͤnse ein- gefangen: Einige meinen, sie schreyen darumb, wann bey Nacht oder dickem Nebel einige hinten zuruͤck bleiben, daß sie durch solch Zeichen ihrem March rich- tig nachfolgen koͤnnen. Von wilden Enten. Dieselben sind so groß, als die zah- men; Der Entrich oder Ent-Vogel sie- het Aschegrau, am Kopff und Halß aber Stahlgruͤn glaͤntzend, hat einen weissen Ringel umb den Halß; die Brust ist Ca- stanienbraun. Hat braͤunlich und graue Fluͤgel, auf beyden Seiten etliche dun- ckelblaue Federn, der Bauch ist weiß, und der kurtze Schwantz hochschwartz und hat auf dem Schwantze auffwaͤrts zwey krummgelauffene schwartze Federlein, als eine Angel; Rothe Fuͤsse und einen gelblichten Schnabel. Er ist ein schoͤner Vogel von Farben und Geschmack, hat aber eine heischere Stimme: Die Ente hingegen siehet allenthalben, sonderlich auf dem Kopff und Ruͤcken, dunckel braunsprenglicht, auf dem Bauch aber falblicht grau, und gelb melir et aus, hat auch auff denen Fluͤgeln blaue Federn und ein starckes und lautes Geschrey: Sie nehren sich von frischem Wasser, Linsen, oder Enten-Grieß, Froͤschen und Nat- tern, auch allerhand Saat und Koͤrnern, ingleichen Graß und andern Kraͤutern. Des Fruͤhlings, wann die Wasser of- fen, kommen sie gar zeitlich; Sie nisten in dem Geroͤhrigt, grossen morastigen Bruͤchern, auch wohl an nahe beym Wasser stehenden alten Weyden-Stoͤ- cken und verborgenen Oerthern; Ja wohl gar in Kraͤhen-Nestern auf Baͤu- men, legen erstlich uͤber sechs biß acht Ey- er nicht. Wann ihnen solche genom- men, verkriechen sie sich weiter hinein ins Geroͤhrigt, und legen offtermahls funff- zehen und mehr Eyer, also vermehren sie sich und fuͤhren ihre Jungen artlich bey dem Halse, eine nach der andern, in ihrem Schnabel auf die nechsten Was- ser; Die Ente machet sich ein weich Ge- niste von ihren eigenen Pflaum-Federn der Brust; Jhre Eyer sind gruͤnlicht ohne Flecken, als Huͤhner-Eyer groß; Mehrentheils bruͤthen sie Mittages fleis- sig drauf; Es bruͤthet sowohl der Ent- Vogel, als die Ente und wechseln umb, daß sie ihre Nahrung suchen koͤnnen, bringen auch inneꝛhalb drey Wochen aus den Eyern Jungen heraus. Sie zie- hen des Herbsts mit grossen Schaaren Zugweise weg auf die offenbahre See, da es nicht gefrohren; Jedoch halten sich auch viel des Winters hier zu Lande in warmen Qvellen und Fluͤssen, wo es offen geblieben, auff, und haben von fer- ne scharffen Wind. Von der Kriech-Ente. Dieselbigen kleinen Enten sind gleich- sam als Zwerge von denen grossen En- ten, der Enterich hat auf dem Kopf blaue und unter demselben braune Federn, um die Augen aber einen weissen Strich, sonsten ist er mit dem gantzen Leib silber- farb, und Aschergrau; An Fittigen mit gruͤnen Federn gezieret. Die Ente aber hiervon ist von Gestalt, Federn, Far- be und Eigenschafft, wie die grossen, nur daß sie kleiner ist. Diese Art Enten sind nicht so haͤuffig beysam̃en, sondeꝛn befindẽ sich eintzeln und fliegen wegen ihres klei- nen Leibes sehr schnell, dahero sie auch in der Weite, tauchens halber, uͤbel zu schiessen sind. Von Anderer Theil/ Von Blaͤß-Enten. Dieses scheinet wohl mehr ein Was- ser-Huhn, als Ente zu seyn: Maassen es keinen breiten Schnabel, als Gaͤnse und Enten, sondern einen spitzigen Schna- bel, wie ein Huhn, und an Beinen zwi- schen denen Klauen oder Zehen keine Haut, wie andere schwimmende Voͤgel hat. Jst uͤber den gantzen Leib schwartz als ein Rabe, etwas groͤsser als ein Reb- Huhn; Hat uͤber dem Schnabel eine weis- se Haut: Bruͤthet vier Jungen aus, zie- het im Herbste weg, und kommt, sobald die Wasser offen, wieder. Seine Nah- rung ist Wasser-Schnecken, Gewuͤrm und Wurtzeln im Wasser, hat einen schweren Flug fortzukommen: Zum essen ist es kein delicat er Vogel, weil er einen pfuhlichten Geschmack hat. Von denen Kybitzen. Dieses ist ein bekanter Vogel, haͤlt sich an sumpffigten Orten auff, da er des Fruͤh-Jahrs seine Eyer le- get und solche mit grossem Geschrey verraͤth. Nach denen Hunden flieget und stoͤsset er sehr, sein Flug ist langsam und bobert in der Lufft; Jst dahero in dem Fliegen leicht zu schiessen. Seine Farbe ist grau, gruͤnlicht am Ruͤcken und denen Fluͤgeln. Die Brust ist schwartz und der Bauch weiß, hat lange Federn zur Zierde auf dem Kopff: Seine Groͤs- se ist als eine Schnaͤrre; Die Eyer sind dunckelgruͤn besprenget, werden in Nie- derlanden hart gesotten und zu sonder- barer Delicatesse von Jederman genos- sen: Sein Wildpraͤth ist auch gut zu es- sen. Er koͤmmt des Fruͤh-Jahrs beym Thau-Wetter am ersten wieder zu Lan- de, da er sich im Gebruͤche von kleinen Fischlein und auff denen Brachen von Gewuͤrme nehret, ist fast halb Huͤhner und halb Schnepffen Art von Natur. Von dem Wasser-Schnepfflein. Dieses ist gearthet wie die Wald- Schnepffe, nur daß jene von Wurtzeln und Kraͤutern, diese aber von Gewuͤr- me des Wassers sich nehret, auch kleiner von Leibe, wie ein Krammets-Vogel, Aschefarb und weiß am Bauch ist. Hat ei- nen schwartzbraunlichten Ring umb den Halß, ist oben auff dem Ruͤcken braun- licht und hat einen solchen Flug, doch et- was geschwinder, wie die Wald-Schnepf- fe. Es machen etliche grosse Delicates- se von diesem Vogel, also habe denselben doch auch hierbey nicht uͤbergehen koͤn- nen. Vierdte Abhandlung/ Von dem Raub-Befluͤgel/ Und zwar erstlich Von dem Adeler. Der Adeler ist gleichsam der Koͤnig unter denen allhiesigen bekanten fliegen- den Raub-Thieren, nicht allein wegen seiner Groͤsse, dann ihme kein Mensch sei- ne Fittiche ausklafftern kan, sondern auch wegen seiner Kuͤhnheit und Grimmigkeit, welche er an Rehen und Hasen, am meistẽ aber an denen letztern zu practicir en weiß, weiln genungsam erfahren worden, daß, wenn er an ein Reh kommt und nur et- was Bloͤse sindet, er solches wuͤrget und zu Schanden schlaͤget. Seine Horst hat er in denen Waͤldern, an einsamen duͤ- stern Oertern, auff hohen Tannen, da er sich sowohl in acht zu nehmen weiß, daß, wann der Weydemann, umb ihn zu schiessen, sich verborgen darbey anstellet, er es sobalde vermercket und seinen Raub denen Jungen im vorbey fliegen, ohne daß er fusset, sehr kluͤglich und geschwin- de vorzuwerffen weiß. Er bringet uͤber zwey Jungen nicht aus, ziehet auch nicht, son- Von denen wilden Thieren. sondern bleibet das gantze Jahr hier und nehret sich meist von Hasen, auch von Lu- der, welche erstere er an denen Bergen und Hoͤhlen wohl zu suchen weiß, und ist von vielen alten Jaͤgern observir et wor- den, daß er in seine Faͤnge Steine fasse, selbige uͤber denen Dorn-Buͤschen fallen lasse und damit die Hasen sprenge. Er wirfft alle Morgen sein Gewaͤlle wie an- dere Raub-Voͤgel von sich, saͤuffet kein Wasser, sondern eitel Blut von frisch ge- fangenem Wildpraͤth, doch badet er sich gerne im Wasser. So er auf den Raub ausziehet, weltzet er sich vorhero im Staube herumb, damit er das junge Wild ergreiffen, mit denen Fluͤgeln ver- blenden und desto leichter bezwingen koͤn- ne. Jhre Bruth waͤhret dreyßig Tage, und so bald die Jungen fluͤcke, muͤssen sie die Nahrung selbst suchen. Ein Ad- ler hat das schaͤrffste Gesicht und kan in die Sonne ungeblendet schauen. Es giebt dererselben unterschiedliche Arten, wegen der Nahrung nach denen Laͤndern, an Farben so wohl schwaͤrtzlichte, als braͤun- lichte, grosse und kleine, deren einige derer Edelsten sich nur allein nebst ihren Jun- gen vom frischen und gefangenen Wild- praͤth und lebendigen Thieren nehren. Die andern aber mehr, denen Geyern gleich, sich mit dem Aas oder Luder her- umb schleppen. Der Adler hat gelbe Faͤn- ge und einen schwartzbraunen Schna- bel, ist darbey von einem schnellen Flug; Hat einen scharffen Wind und vermer- cket seine Nahrung unglaublich weit von ferne. Er soll ein ziemlich Alter erlan- gen. Der Adler hat die Ehre, daß er in Kaͤyserlichen, Koͤniglichen, Chur- und Fuͤrstlichen Wappen, mit besondern Ruhm gefuͤhret wird. Hiesiger Lande ist es nur der grosse bekante Gaͤnse-Ahr. Von dem Schuhu. Ob zwar dieser entsetzliche Vogel an Groͤsse dem Stein-Adeler nicht viel nach- giebet, so ist er doch eine Eulen-Art, in- dem er derselbẽ nicht allein mit dem schley- erigten Gesichte, der Farbe und denen mit Federn bekleideten Faͤngen, sondern auch mit der leichten und hagern Gestalt des Leibes und groß schwingigten Fittig- ten, sehr uͤbereinkommt, suchet auch sei- nen Raub nicht, wie andere Raub-Voͤ- gel, des Tages, sondern bey der Nacht. Er horstet gerne an felßigten und klip- pigten Oertern, woselbst er in die Kluͤff- te, damit er vor denen Wettern gesichert sey, seine Eyer auff blossen Boden leget und uͤber zwey nicht ausbringet. Sei- ne Nahrung suchet er, wie die Stein- Adeler, meist an Hasen, und ist zu be- wundern, daß ohngeachtet dieser Vogel so ohnmaͤchtig am Leibe aussiehet, er dennoch einen gantzen Hasen in seinen Faͤngen heben, und in der Lufft zu sei- nem Horst fort tragen kan. Er ziehet nicht weg, sondern bleibet Winters Zeit hier und raubet was naͤchtlich anzutref- fen ist. Von dem Habicht. Wiewohl sich diese Art Winters und Sommers hier zu Lande nehren kan; So findet man doch, daß solche in der Zug-Zeit mit fortgehen, im Fruͤhjahre aber zeitig wieder hier seyn und ihre vo- rige Horst, welche sie meist auff hohen Baͤumen in Waͤldern, wo es am still- sten ist, zu haben pflegen, wiederumb su- chen: Jhre Jungen, welche sie nach 14. taͤgiger Zeit ausbruͤten und zwar zu gleich, sind zwey, drey, auch wohl vier: Sie streichen im Monat Junio meist von den Horst ab, und werden dann in Habicht-Koͤrben, Riemen und Satteln, das ist auf einer Taube, welcher man Haarschlingen mit einem Leder auf den Ruͤcken macht, gefangen: Hierbey ist zu mercken, daß die abgestriechene, welche schon geraubet haben, zum abtragen besser und wuͤrgerischer seyn, denn die Nestlinge, oder die man von der Horst ausnimmt; weiln diese nicht so rasch, als jene sind. Mit diesem Vogel nun pfle- get man Feld-Huͤhner, Wachteln, auch, wenn es ein starcker Vogel ist, wohl Ha- sen und Reyher zu peitzen; Doch sind sie denen Feld-Huͤhnern und zahmen Tau- ben, zumahl Winters-Zeit sehr schaͤd- lich. Wie das Clima, oder unterschied- licher Laͤnder Lufft und Nahrung, also giebt es auch Habichte unterschiedlicher Farben und Groͤsse. Der Nutzen, so man von ihme hat, bestehet, wann er nach Falconier weise bezaͤhmet und abgetra- U gen Anderer Theil/ gen wird, in unglaublicher Geschwindig- keit, jedoch eine Art mehr, als die ande- re, wodurch er sehr hoch in der Lufft, so er abgeschicket, den Raub erhaschet, oder unterschiedliche Voͤgel herab auf die Er- den stoͤsset. Er fuͤhret seine Jungen zu fangen und rauben fleißig an und faͤnget Voͤgel in der Lufft, druͤcket selbige u. laͤsset sie wieder fliegen, damit sie die Jungen desto leichter fangen koͤnnen. Es pfleget die Art aus Norden staͤrcker und kraͤff- tiger, aber auch abzurichten haͤrter zu seyn. Das ist nur das schlimmste von ihm, zumahl von hiesigen, was er im ersten Fluge oder stossen nicht faͤnget, davon laͤßet er ab, verdriesset ihn und setzet sich auff die Baͤume, so kommt manches um, das man nicht erlanget. Wiewohl dieses die Jungen nicht thun. Er wird von uns Deutschen, Vabich als ob ich spreche, er haͤtte es und von denen Lateinern, accipi- ter ab accipiendo, vom geschwinde zu gꝛeif- fen, genennet. Vor andern Raub-Voͤ- geln hiesiges Landes hat er billig den Vor- zug, ausser dem Blaufuß, welcher etwas groͤsser und zu fangen und wuͤrgen ferti- ger ist; indem er mit seinen Ballen oder Ferse Klauen beym ersten Schlag der- gestalt schlaͤget, daß es gleich dumm wird und so dann erstlich hinauff greiffet: Er horstet zwar hier zu Lande wohl in Waͤl- dern, auch in altem Gemaͤuer, doch wird er wenig gefunden; Wegen seiner wuͤr- gerischen Art aber von denen Falconie- r ern sonderlich gesuchet und zu Hasen, Enten und Reb-Huͤhner peitzen gebrau- chet, und abgetragen: Ziehet auch Herbst- Zeit von uns hinweg und ist edler zu schaͤtzen, als der Habicht, weil er dauer- haffter verfolget, der Habicht aber leicht laͤunisch und uͤberdruͤssig wird. Diese Raub-Voͤgel werden zu peitzen nach hie- siger Landes Art gebrauchet und abge- tragen, weßwegen solche mit dem bekan- ten Habicht-Netz und einer weissen Tau- ben gefangen werden, was aber rechte Falcken heissen, werden aus Britani en oder Jrrland zu uns meistens gebracht. Vom Sperber und Baum-Falcken. Dieser ist zwar etwas kleiner, auch kleiner gesperbert von Federn, als der Habicht und hat gelbe Faͤnge, kommt aber sonst mit horsten, abstreichen und wegziehen dem Habicht in allen gleich, nur daß er graulichter von Farbe und spitziger von Gewaͤchs anzusehen. Er wird auch abgetragen, und weil er schwaͤ- cher, braucht man ihn nur auf Rebhuͤh- ner, so noch nicht fluͤcke sind, Wachteln und Lerchen. Der Sperber hat einen uͤ- ber sich kleinen rundten Kopff, und einen starcken Schnabel, die Aug-Aepffel sind mit einem weißgruͤnlichten Creyß umbgeben, der Halß ist laͤnglicht und starck, die Fluͤgel sind lang und spitzig, die Fuͤsse kurtz, die Zehen lang und subtil, die Klauen scharff und spitzig, die Schul- tern der Fluͤgel groß und breit und die Schwingfedern so wohl als Schweiff starck und schwartz: Jst auff dem Ruͤ- cken braͤunlicht und hat auf der Brust schwaͤrtzlichte Flecke und Spitzen, wie ei- ne Schnaͤrr. Dieser Vogel ist so muthig und greiffet alles froͤlich an, was man ihm nur zeiget: wird auch seinem Herrn nichts versagen, denn er im Flug schnell, im Fangen geschickt, im Wiederkehren willig, und mit seinem Haͤublein gedul- tig ist, auch alles, was man mit ihm vor- nimmt, machen laͤsset und hat wegen sei- ner sonderbaren Tugenden dis Privile- gium: wann ein Falcken-Verkaͤuffer einen Sperber darbey hat, daß die an- dern alle Zollfrey sind. Es ist auch der Sperber ein hoffaͤrtiger Vogel, von gu- tem Gedaͤchtniß; So ihm Verdruß ge- schiehet, setzet er allen Gehorsam weg und will vielmehr mit Liebe, als Furcht ge- halten seyn. Er ist in seinem Fangen bestaͤndig und laͤsset nicht ab seinen Raub zu ergreiffen, biß ihn sein Falck- ner beguͤtiget und ihm seine Gebuͤhr da- vor giebet; Nistet gerne auff Tannen, leget drey Eyer: So lang das Weiblein bruͤtet, bringet das Maͤnnlein den Raub zu. Waͤhrender Zeit, da sie maussen, von Martio biß August und die Federn fallen lassen, fangen sie indeß Maͤuse, Froͤsche und junge kleine Voͤgel: Ob zwar zwischen dem Sperber und Baum-Falcken, von welchem jetzo mel- den will, an Groͤsse, Horsten und Zuge kein Unterscheid ist, so findet sich doch der- selbe an der Farbe, maassen dieser auff dem Ruͤcken blaulicht und unterm Hal- se gelblicht, in der mitten aber schwartz siehet. Sie streichen am allerlaͤngsten, und zwar umb Jacobi erstlich von ihrem Horste ab und sind zun Lerchen sonder- lich Euͤse uͤnd Kaͤuhgen. Rabe. Kraͤhe. Aelster. RR. V on den wilden Thieren. lich zu gebrauchen, welche, wenn man diesen Vogel in der Lerchen Mause-Zeit, das ist, zu Ende des Augusti, auf der Hand traͤgt, sich sonderlich druͤcken, und durch Tyras oder Haar-Schlingen mit Plaisir gefangen werden koͤnnen. Es hat dieser Falcke die Art, daß, wenn er einen Weydemann, oder sonsten Jemanden mit Hunden im Felde suchen siehet, er be- staͤndig bey demselben bleibet und uͤber ihm herumb revier et, damit, wann et- wan eine Lerche gesprenget wird, er die- selbe verfolgen koͤnne, welche sich dann sehr druͤcket, und davor fuͤrchtet, auch nur vor einen ausgestopfften Balg feste lieget, daß man sie mit einem Deck-Garn leichte tyrassir en kan. Von der Eule und kleinen Kautz. Die Eule, als ein Nacht-Raͤuber, thut in Phasan- Gaͤrten, auch dem wild und zahmen Gefluͤgel, bey langen fin- stern und kalten Naͤchten, da man nicht auffpassen kan, und sie des Nachts scharff sehen, grossen Schaden; bey Tage aber, da sie ohne diß bloͤde Gesicht haben, hal- ten sie sich heimlich und sehr verborgen, in hohlen Baͤumen und Loͤchern oder doch in dicken Aesten, und druͤcken sich hart am Stamm gantz geschmeidig, weil sie sonsten, wenn sie erblicket werden, von allen Voͤgeln nicht allein hefftig beschrien und verrathen, sondern auch sehr ver- folget werden. Man pfleget auch die Eulen mit dem Habicht zu peitzen, wie im Oesterreichischen sehr gebraͤuchlich: Sie leben sieben biß acht Jahr und ist nichts an ihnen, als meistens Federn: Haben einen grossen Kopff und kleinen Leib, sind geschleyert anzusehen, wie ein altes Weib, mit grossen Augen und krum- men Schnabel. Die Kaͤutzlein haben einerley Gestalt, Art und Natur, wie die Eulen, nur daß sie umb ein merckli- ches kleiner sind, halten sich in wuͤsten Gebaͤuden und verstoͤhreten Oertern auch hohlen Baͤumen auf: Sie nehren sich meistens von derer armen Voͤgel Jungen und Eyern, auch Maͤusen und dergleichen, daher ihnen die Voͤgel sehr feind sind, und wo sie dieselben nur er- blicken, sie verrathen und auf sie stechen. Man braucht sie zum Vogel-Fang bey denen Leim-Spillen, da die kleinen Voͤ- gel, fast gantz blind, wundersam auf diß ungewohnte Monstrum zufallen und sich selbst hierdurch schaͤdlich in Leim verwi- ckeln: Sie bleiben Winters und Som- mers hier zu Lande und werden zu er- meldten Vogelfang aus denen Nestern gehoben und jung aufferzogen. Sonst kan man die Alten schwerlich fangen: Man fuͤttert sie mit allerley Fleisch, Sper- lingen, verstorbenen Lock-Voͤgeln, Maͤu- sen, Froͤschen und dergleichen, nur daß man ihnen bey Zeiten ihr Gewaͤlle ver- schaffet; Man kan sich mit ihnen eine artliche Lust machen, wenn man kleine Voͤgel fangen will. V on denen R aben. Es mag wohl dieser schaͤndliche Vo- gel einer mit von denen schaͤdlichsten Raub-Thieren seyn, zumahl denen Haa- sen und dem Feder-Wildpraͤth in der Satz- und Bruth-Zeit, und haͤlt man davor, daß dieser Vogel auf eine Stun- de von denen Aesern und Ludern Wind erhalten koͤnne. Er horstet auf denen groͤsten Tannen und andern Baͤumen, bringet zwey, drey, biß vier Junge aus, welche mehrentheils auff Ostern aus de- nen Eyern sind: Er ziehet nicht wie an- dere Voͤgel, sondern bleibet Winters- Zeit allhier zu Lande. Wo ein Paar Raben in einem Wald hecken, verrathen sie alles, was sie gewahr werden, durch ihr Geschrey: Sie leiden keine andere auf ihrem Revier. Der Rabe ist der vornehmste Galgen-Vogel, so sich von Coͤrpern, wo Galgen und Raͤder stehen, ernehret; Und hacket denen todten Coͤr- pern zuerst die Augen aus: Warumb er aber solches thue, davon sind die Au- tores unterschiedener Meynung. Pli- nius und Isiodorus halten dafuͤr, es ge- schehe dieses darumb, weil er in denen Augen als in einem Spiegel sein Bild- niß sehe, dahero er meyne, es waͤren andere Raben vorhanden, die ihm den guten Bissen vorm Maule wegnehmen wolten, wie sonst die Hunde, wenn man sie gegen einen Spiegel halte, an- U 2 fahren Anderer Theil/ fahren und bellen. Allein bey geschlosse- nen Augen eines Coͤrpers, so durch ge- waltsamen Todt gestorben, kan dieses nicht statt haben, dahero zu glauben, daß solches von denen Raben deswegen ge- schehe, weil die Augen von bessern Ge- schmack, und leichter fortzubringen sind. Jst auch von Diebischer Art und stiehlet, was er antrifft, und schleppet alles nach seinem Nest: So er zahm aufferzogen, und ihm die Zunge geloͤset wird, lernet er etliche Wort reden, wie ein Mensch. Er siehet glaͤntzend schwartz aus: wie- wohl es in Nordischen Laͤndern auch weisse Raben giebt. Sonst ist der Ra- be ein behertzter Vogel, welcher mit dem Habicht und Falcken in der Lufft offte streitet: Wenn das Wetter sich aͤndert, verkehret er seine Stimme. Es halten einige des Rabens Flug und Stimme vor ein gewisses Præsagium vorstehen- den Ungluͤcks, so ich dahin stelle, und hier- von nichts weiter melde. Von der K raͤhe. Dieser Vogel, ob er wohl etwas klei- ner, so ist er doch auch obigen gleich ge- achtet. Er horstet in Hoͤltzern, Wiesen und Gaͤrten, und bringet drey biß vier Junge aus. Seine Nahrung sind nebst dem Raube auch Koͤrner; Maassen der- selbe im Fruͤh-Jahre bey der Bestellzeit viel Schaden an etlichen Orten anrichtet: Sie sind, absonderlich Winters-Zeit, von Farben geaͤndert, und werden biß auff die Fittiche Ascherfarb grau: Man will auch gewiß davor halten, daß diese Art im Monath Junio nicht sauffe, welches daher leicht geglaubet werden koͤnte, weiln sie zu dieser Zeit auf denen Aeckern gantz matt zusammen zu sitzen, und zu schreyen pflegeten. Sie werden beym Schuhu auf Kraͤhen-Huͤtten geschossen, auch Winters-Zeit mit Bemsen gefangen: Es thun die Kraͤhen grossen Schaden an dem jungen und zahmen Gefluͤgel, und deren Eyern; ja ich habe gesehen, daß zwey Kraͤhen einen alten Haasen ge- stossen. Jn der Bruth-Zeit thun sie grossen Schaden mit Eyer-Aussauffen. Sie gehen auch hinter dem Pflug her, umb in der frischen Erde die Regen- Wuͤrme und Maden zu suchen, machen nebst den Raben Gesellschafft umb das Gerichte, auch bey denen Schind-An- ger und Luder-Plaͤtzen. Jhr Gehirn, frisch aufgeleget, dienet vor erfrohrene Glieder. Die Kraͤhen schreyen auch, wenn das Wetter sich aͤndern will, oder sie was mercken: Sind schlauhe Voͤgel. Von der A elster. Dieses mag auch unter allen vor be- schriebenen Voͤgeln einer von denen schlimmsten und schaͤdlichsten mit seyn, weil sie so wohl in Feldern dem kleinen Weydewerck, als auch in Hoͤffen und Gaͤrten denen Kuͤchlein und Eyern gros- sen Schaden thut. Darbey sehr listig ist, und sich nicht leicht mit Schiessen oder sonsten beykommen laͤsset. Es horsten die Aelstern mehrentheils nahe an Doͤrf- fern und Staͤdten, damit sie nicht weit zu denen Hoͤffen haben moͤgen. Son- derlich ist zu mercken, daß sie ihre Nester oder Horsten oben mit Geniste zuwoͤl- ben, damit sie vor Wetter und Schlos- sen gesichert sind; Auf der Seiten aber lassen sie ein rundtes Loch, daß sie kaum hinein kommen koͤnnen, bey welchem Eingang der Land-Mann zu mercken pfleget, wo dasselbe Jahr die meisten Un- gewitter herkommen: Maassen ihnen die Natur lehren soll, daß sie diesen Ein- gang allzeit gegen uͤber machen. Sie lernen reden, so ihnen die Zunge geloͤ- set wird und man sie von Jugend auff- erziehet, und pfleget dieser Spitzbube so gut zu stehlen, als der Rabe, und ver- schleppet alles, was er antrifft, in die Winckel: Er ist ein gelerniger Vogel, mit leichter Muͤh abzurichten, aber darbey leichtfertig, und sehr vorwitzig. Es glau- ben einfaͤltige Leute, daß sein Geschrey fremde Gaͤste anzeigen solle. V on dem K uckkuck. Ob zwar dieser seltsame und bey vielen vor einen Raub-Vogel geachtete Kuckkuck hieher nicht gehoͤret, anerwo- gen er nichts weniger, als ein Raub- Thier Von denen wilden Thieren. Thier ist, so habe ich doch wegen seiner Gestalt, die einem Sperber in allem, ausser dem Schnabel und dem Fange, sehr gleichet, mit in der Reyhe gehen las- sen und von selben etwas hieher schrei- ben wollen. Und zwar was seine Nah- rung anbelanget, so geniesset er nichts, als Raupen und Wuͤrmer, dann er kei- nen Raub-Schnabel, sondern in Gestalt einer Tauben hat, auch dergleichen kur- tze und ohne Raub-Klauen befindliche kleine Fuͤßlein wie die Tauben. Er koͤmmt Fruͤhlings-Zeit mit Ruͤckung de- rer Knospen, und gehet gleich nach Jo- hannis-Tag wiederum weg, daß aber etliche Unerfahrne so gar auch Weid-Leu- te davor halten, er veraͤndere sich nach Johannis in einen Sperber und Raub- Vogel, solches ist wider die Natur, maas- sen GOTT seine Geschoͤpffe nicht zwey- mahl im Jahre aͤndert, sondern wie er sie einmahl geschaffen, bestaͤndig laͤsset. Dieses aber ist gewiß, daß, ob sie sich wohl paaren, und zusammen zuͤchten, sie doch niemahls ihre Eyer in einem von ihnen selbst zusammen getragenen Neste ausbringen, sondern sie legen sie in an- derer Vogel Nester, als der Graße-Muͤ- cken, Bachsteltzen und solcher Voͤgel, wel- che ihre Jungen mit Gewuͤrmig fraͤssen und lassen sie auffziehen. Wie ich dann solches selbst mit Bachsteltzen erfahren, welche dergleichen eingelegtes Ey aus- gebruͤthet, und hernachmahls in ei- nem Vogel-Bauer, dahin man ihre Bruth mit diesem Huren-Kinde gesetzet, auferzogen haben. Daß er aber, wenn er so weit auferzogen und fluͤchtig wor- den, alsdann seine Wohlthaͤter selbsten wieder fressen solte, ist abermahl falsch: indem er, nach seiner obbeschriebenen Gestalt derer Fuͤsse und Schnabels, sol- ches zu thun nicht vermag, daß er aber denjenigen Vogeln, welchen er seine Eyer einlegt, die Bruth verderbe, oder aus- sauffe, dasselbe ist nichts unmuͤgliches: doch habe ichs nicht erfahren. Physicali sche Betrachtung des F eder- W ildes. Man findet, die Wahrheit zu be- kennen, viele seltsame Eigenschafften der Natur bey denen Voͤgeln, dann es ha- ben dieselben einen zweyfachen Magen, darinnen ist der Kropff oder Schluck- Magen, der andere ist der rechte Magen. Jn dem erstern werden die Speisen zu- bereitet, in dem andern verdauet und in Chylum verwandelt. Jn dem Kropffe behalten die Voͤgel die gantzen Koͤrner, die sie gefressen, und wann sie dieselben mit dem Wasser, das sie trincken, be- feuchtet und erweichet, so lassen sie sie hernach in den Magen fallen, derowe- gen verschlucket fast alles Feder-Vieh Sand, Steinigen und etliche andere harte Dinge, die behalten sie mit der Speise in dem Magen, in dem Kropffe aber ist nichts von dergleichen Dingen. Jhr Magen bestehet aus zweyen sehr dicken und starcken Musculis, damit sie, gleich als mit zwey Muͤhlsteinen, die Speisen mahlen koͤnnen: Und an statt derer Back-Zaͤhne, die sie nicht haben, muͤssen ihnen die Steinigen dienen. Auf solche Weise zermalmen und verwan- deln sie die Speise in Chylum. Dar- nach wann sie die Materie zusammen und den Safft ausgedrucket, (wie man aus denen Kraͤutern oder zerstossenen Fruͤchten den Safft auszudruͤcken pfle- get,) so steiget das, was weich ist, auff- waͤrts und gehet in die Daͤrmer, die sich oben an dem Magen beym Schlunde anfangen. Daß diesem also sey, ist an vielen Voͤgeln zu sehen, in deren Magen, wann die Steinigen und andere harte Dinge etwas lange geblieben, sie durch die stete Bewegung so abgetrieben und glatt gemacht werden, daß sie nicht mehr dienlich sind, die Speisen zu zerreiben und muͤssen deswegen weggeworffen werden. Dahero probir en die Voͤgel allezeit die Steinigen mit der Zunge und wenn sie nichts mehr rauhes und scharf- fes an ihnen fuͤhlen, so werffen sie sie wieder weg. Auf diese Weise hab ich Eisen, Silber und Steinigen, welche abgenuͤtzet und fast gar verzehret waren, in des Strausses Magen und auch im Cassauvare gefunden. Und deswegen wird insgemein dafuͤr gehalten, daß sie Eisen verdauen und davon ernehret werden. Wann man die Ohren an die Falcken, Adler und andere Raub-Voͤgel haͤlt, wann sie noch nuͤchtern sind, so hoͤ- ret man klaͤrlich die Steinigen knirschen. Denn die Falcken fressen nicht die Stei- nigen sich damit zu kuͤhlen (wie die Fal- conir er gemeiniglich irren,) sondern die U 3 Spei- Anderer Theil/ Speise damit zu zerreiben, und in dem Magen das Verdauete zu resolvir en, wie die Hunde die harten Knochen. Auch ha- be ich in dem Magen einer Birck-Hen- ne eine eiserne Schuh-Zwecke gefunden, welche sie ohngefehr verschlucket und ab- genuͤtzet hatte. Borellus schreibet, er ha- be in einen Huͤhner-Magen eine kleine Silber-Muͤntze, so bereits halb verzeh- ret oder abgenutzet gewesen, gefunden. Ferner lassen die Voͤgel keinen Urin von sich, weil sie keine Blase haben, darin- nen sie den Unrin sammlen koͤnnen: Da- her haben alle Voͤgel, sie moͤgen Fleisch, trockene Saat oder Koͤrnlein fressen, ei- nen weichen Leib, weil die serosi humo- res oder molckigten Feuchtigkeiten nicht in der Blase gesammlet, sondern in den gantzen Leib hin und her zertheilet wer- den, weßhalben solche ausgetheilte Feuch- tigkeit, und gantz duͤnne Haut, welche viele Schweiß-Loͤcher oder Poros hat, vielfaͤltig verursachet, daß die grimmige Kaͤlte leicht durchdringen und die Voͤgel erfrieren koͤnnen, leichter, als andere vier- fuͤßige Thiere, ob sie schon mit Federn bedeckt sind. Und pflegen sie den Kopff hinter die Fluͤgel zu stecken, theils umb solchen vor der Kaͤlte zu verwahren, theils und vermuthlich aber, damit das Cor- pus mit dem Kopff in einen Centro oder Gewicht bleibe, und sie nicht aus Phan- tasie oder durch Ruͤcken des Kopffs vor- werts herab fallen moͤchten. Es regie- ren ferner die Voͤgel ihren Flug motu recto, auch obliquo mit ihrem Schwantz, an statt eines Steuer-Ruders und wis- sen durch solche Bewegung sich in der Lufft zu halten. So ist auch unlaͤug- bar, daß zwischen denen Voͤgeln und Fi- schen, nach des Physici Sperlingii p. 392. Meynung, grosse Verwandschafft seyn solle, weil sie nemlich aus Wasser und einerley Materie erschaffen, auch an ei- nem Tage gemachet: Sie haͤtten einerley Temperament und Feuchtigkeit, ver- mehrten sich beyderseits durch Eyer und dergleichen, wovon ich aber nichts positi- ves statuir e, sondern jeden seine Mey- nung lasse. Endlich haben die Voͤgel auch diesen Vorzug, daß sie vor allen Thieren allein reden lernen koͤnnen, als da sind die Papagoyen, Aelstern, Stah- ren, ja wie man sagt, die Raben, Tho- len, und Amseln, weil sie nach Plinii Meynung eben wie die Menschen breite Zungen und Kinnbacken haͤtten, auch durch genaue Auffmercksamkeit reden zu lernen geschickt wuͤrden. V on fremden auslaͤndischen V oͤgeln/ Als Erstlich Von dem P apagoy. Die Papagoyen kommen, nach des Herrn Gesneri Bericht aus Brasilien, allwo sie einen Aschefarbenen Kopff, gel- ben Bauch, gruͤnen Halß, Ruͤcken und Fluͤgel haben, wovon jedoch der Ruͤcken uñ Schwantz etwas blaulicht, an welchen sich die laͤngsten Federn roth u. die Spitzen derer Schwing-Fedeꝛn schwaꝛtz befunden, welches die gemeineste Art daselbst herum gewesen, wiewohl sie anderswo, wegen Ungleichheit des Climatis, auch von meh- rern und schoͤnern Farben gefunden wer- den. Hinter Syria ist ihre Geburths- Stadt, wovon sie aus denen Laͤndern, so gegen Morgen und Mittag liegen, zu uns gebracht werden, auch kommen sie aus Egypten, Jndien und Mohren- land, da sie viel groͤsser und von sieben unterschiedenen hellglaͤntzenden Farben gezieret seyn sollen, und sollen sich die Ein- wohner, daselbst nach der Landes-Ge- wohnheit, Haupt-Binden und Leib- Schuͤrtze von dergleichen schoͤnen Federn flechten. Er hat einen sehr festen krum- men Schnabel, welcher so starck, daß er eisernen Drath zerkneipen kan, sehr har- te Beine am Kopff und kurtzen Halß, eine starcke helle Stimme und eine brei- te Zung, als kein ander Vogel, weßwe- gen er auch vernehmliche Woͤrter, wie ein Mensch deutlich lernen u. aussprechen kan: Und sollen die edlen fuͤnffe, die un- gelehrsamen aber drey Zehen an jedem Fusse haben. Plinius hingegen meldet, daß er zweye vorn und zweye hinten haͤt- te. Dieser Jndianische Papagoy soll ein gelehrsamer Vogel seyn, vornehm- lich reden zu lernen, wie die Kinder menschlichen Geschlechts, weßwegen er auch von vornehmen reichen Leuten zur Rarit aͤt Von denen wilden Thieren. Rarit aͤt allein unterhalten wird. Ein solcher Vogel wird von einem besondern Waͤrter mit klarer, langsamer und ver- nehmlicher Stimme taͤglich abgerichtet. Was man ihm nun vor Woͤrter aus- zusprechen vorsaget, erlernet er mit al- lem Fleiß. Sonst hat der Papagoy ein gutes Gedaͤchtniß und schwatzet gern mit Kindern, weil er dieselben sonderlich lie- bet: Jst listig und geschwinde und wird das Lachen und Ruffen eines gewoͤhn- lichen Namens von sich selbsten nachma- chen: Besiehet sich gerne im Spiegel und hat die Turtel-Tauben lieb; Man kan ihn mit Wein froͤlich und truncken machen: Er siehet gerne schoͤne Jungfrau- en und Kinder, aber baͤrtigten rauch- verwachsenen Maͤnnern ist er gram. Er soll ein sehr hohes Alter erreichen und offt uͤber Menschen Gedencken leben: Er hilfft sich mit dem Schnabel fort zu klet- tern: Wann er lernen soll, muß man seinen Keficht bedecken, ihm einen Spie- gel auswaͤrts haͤngen, darinn er sich be- sehen kan, und muß ihm etliche Wort, die er lernen soll, gegen den Abend, wann er gessen hat, offt fuͤrsagen, auch Morgens wiederhohlen, so vermeynet er, der Papagoy im Spiegel thue sol- ches und befleißiget sich desto embsiger, es nach zu tichten: Am besten geschiehet dieses im duncklen; Eine Weibes- oder Kinder-Stimme wird er ehe nachspre- chen, als eines Mannes. Sie trincken von Natur nicht, baden sich aber gerne und ist ihnen sehr nutz, wann sie offt mit Wein, klein eingespruͤhet, ge- netzet und also befeuchtet werden, ihnen den Staub und das Ungeziefer zu vertreiben, sie bekommen davon sehr schoͤ- ne Federn, dann sie lieben die Sauber- keit. Sonst haben sie leicht das Podagra und muß der Boden ihres Hauses all- zeit uͤber den andern Tag heraus genom- men, ein anderer sauberer hinein gethan, abgeputzet und also offte umbgewechselt werden. Jhre beste und gesuͤndste Spei- se ist Semmel zerbrockt, oder die Schmol- len gantz davon, die muß in Wasser ge- weicht, die uͤbrige Feuchte wieder ausge- druckt und also in ihre Muͤschlein taͤg- lich geleget werden; theils weichen die Semmel auch in Wein oder Bier. Mich hat abeꝛ ein Papagoy-Haͤndler versichert, daß ihnen das Wasser am gesuͤndesten und besten sey. Sonst koͤnnen sie ohn allen Tranck gesund und frisch leben. Giebt man ihnen Wasser oder Wein, so schledern und trincken sie wohl, ist ihnen aber nicht gesund und bekommen davon leicht den Durchfall: Sie fressen auch sonst allerhand Obst, Kesten, Nuͤsse, Aepf- fel, Mandeln, Zucker; Am besten und unschaͤdlichsten aber ist es ihnen, man lasse sie bey Semmel und Wasser ver- bleiben; Gesaltzene Speise ist ihnen sehr schaͤdlich und sollen sie davon verrecken. Wann sie recht gehalten werden, leben sie auff hundert und noch mehr Jahr. Die weissen Papagoyen und die grauen mit denen rothen Schweiffen sind geler- niger, als die andern, wiewohl sich auch unter denen gruͤnen etliche gute befin- den, etliche aber lernen nichts, schreyen und kirren nur, daß einem die Ohren weh thun. Die Sittich sind auch eine Art von Papagoyen: Diese koͤnnen nichts re- den, lachen aber und pfeiffen, weinen auch, der Gleichheit nach, wie die klei- nen Kinder, wann sie kranck sind, oder gestaͤupet werden: Sind nicht viel groͤs- ser als eine Droßel, aber langschweif- fig, gantz graßgruͤn und am Leibe etwas lichter; Der Schnabel und die Fuͤsse sind roͤthlicht und Fleischfarb, sonderlich aus- waͤrts, inwendig sind sie etwas dunckeler. Das Maͤnnlein hat umb den Halß ein gelb gruͤnlicht Ringlein. Jhre Speise ist, gleich denen Papagoyen, geweichte Semmel und anderes Obst, auch Hanff und Kerne vom wilden Saffran; Er lebt zwoͤlff biß funffzehen Jahr. So- wohl der Papagoy, als der Sittich sind eine Art fremder Spechte, weil sie, wie diese, nur vier Zehen, vorne zwey und hin- ten zwey haben; Die Fuͤsse brauchen sie, wie der Mensch seine Haͤnde, und fres- sen ihre Speise also, daß sie damit zu ih- rem Schnabel langen. Wie ich es dann vor meine Person vor eine Art Gruͤnitze halte, welche fast dergleichen Schnaͤbel, gruͤne Farbe, und Geschrey haben, nur daß sie dunckler, kleiner und hier gemei- ner anzutreffen sind. Vom Jndianischen Raben. Ein noch anderer und groͤsserer Vo- gel ist der Jndianische Rabe, welchen ich zu Dreßden in dem Koͤnigl. Loͤwen-Hau- se oben in einer Cammer in einem eiser- nen Anderer Theil/ nen Ring sitzen gesehen, der hatte einen sehr grossen krummen weissen Schnabel, sein Geschrey war heischer und starck, die Federn meistens roth, weiß und blau- licht, von langen Schwantz und Fluͤgeln. Der West-Jndianische Rab ist wie ein grosser Papagoy, fast noch einmahl so groß, gar schoͤn von rothen, gruͤnen, gel- ben und vermengten Federn, sein Gang, Geschrey und Geaͤse ist auch gleich, er ist nicht kleiner, als unsere Raben, wird von vornehmen reichen Leuten, weil es etwas seltsames ist, ernehret und gehal- ten. Der Ost-Jndianische Rabe aber ist nur so groß, als eine Taube, hat ei- nen Fingers langen schwartzen Schna- bel und ein grosses Maul, eine kurtze Zunge und blaulichte Augen: Seine Fe- dern ziehen sich meist auff Ascherfarb, mit gruͤn vermenget. Von der Anatomia D es saͤmtlichen F eder- W ildpraͤths. Und zwar Erstlich Generaliter und uͤberhaupt die Eyer judicir en zu koͤnnen. Den Anfang dieser sehr subtil en zar- ten kleinen Nachricht muß ich wohl von den Eyern anfangen; Wiewohl nach dem Alten Sprichwort es meist vor eine vergebliche Arbeit gehalten wird, sich um ungelegte Eyer zu bekuͤmmern. Es ist bekant, daß GOtt der Allweise Schoͤpf- fer den innerlichen Trieb und Zuneigung aller Creaturen und der Erden Vegeta- tion, sowohl derer Kraͤuter und Baͤume Wachsthum nach vergangenem trauri- gen kalten Winter, zur angehenden Fruͤhlings-Zeit, jaͤhrlich nach der oberir- dischen und unterirdischen correspondi- renden Jahres-Witterung renascir en und gleichsam von neuen verjuͤngern lasse: sich auch umb solche Zeit bey froͤli- chen Anblick und warmer Lufft alles Feder-Wild zu begatten und jedes nach seiner Art zu vermehren bemuͤhet, wo- von ich bereits in der Eigenschafft eines jeden Vogels, sowohl von grosser als klei- ner Art unterschiedener Sorten gedacht. Wann demnach die innerliche Brunst und hitzige Liebes-Begierde diese Voͤgel empfinden; so suchet ein jegliches seines gleichen, wo es von Natur sich auffzu- halten gewohnet, allwo sich der Hahn oder das Maͤnnlein mit der Henne, Si- en, oder Weiblein, durch innerlichen Trieb begattet, nach deren Empfaͤngniß der schon von der Natur hierzu aptirt e Eyerstock in Utero gleichsam zu keu- men, hitzen und schwellen beginnet, biß daß die Anzahl einer jeden Art Voͤgel- Eyer formir et ist, welche anfangs klein, roh, zart und gelbe sind, darinnen vera Materia Animæ, oder die wahre le- bendige Seele imprimir et, welche ihren Anfang im centro gleichsam in gar klei- ner Form als ein Punct coagulir et und mit einem Haͤutlein umbfasset, welches nach und nach durch die natuͤrliche Hitze der Mutter concernir et und erwaͤrmend waͤchset, biß die darinnen enthaltene und verborgene Seele zu wuͤrcken und sich nach der Natur zu bilden anfaͤnget, in welcher temperirt en Waͤrme sich die Frucht conservir et, biß sie als ein Apffel ihre Zeitigung vollkoͤmmlich erhalten, von der Natur herausgestossen, von der Mut- ter aber, durch deren innerliche Hitze und natuͤrlichen Liebe mit ihrem warmen Lei- be ausgebruͤtet und erwaͤrmet wird. Es meldet der offt erwehnete und Welt- beruͤhmte Herr Doctor Gerhardus Bla- sius in seiner Anatomia Animalium, wel- che er sehr weitlaͤufftig tractir et und in Lateinischer Sprache geschrieben: de Ovo \& Pullo folgendes: Daß das Ey des an- dern Tages in der Bruͤth-Zeit, da die Mutter auf denen Eyern sitzet, innerlich sich bereits in eine dicke Massa verwan- dele. Des dritten Tages mit einem Haͤut- lein umbgebe und seine Correspondenz nach der Mutter nehme, welches der Eyerdotter umbhuͤllet. Des vierdten Tages erscheine das Coͤrperlein in Cen- tro, jedoch sehr zart, aus welchen vieles kleine Geaͤder sich extendir e, allwo sich die Frucht bereits in Kopff und Beingen formir e. Den fuͤnfften Tag wachse die Frucht und das Haͤutgen groͤsser, da die Augen und der Kopff bereits gebildet, mit dem Schnabel unterwaͤrts gewen- det. Am sechsten Tag wuͤrden die Au- gen Von denen wilden Thieren. gen groͤsser und erhaben, der Kopff staͤr- cker und die Frucht deutlicher. Am sie- benden Tag vermindere sich der Eyer- Dotter, die Frucht staͤrcke sich und neh- me das Gehirn seinen Anfang. Den achten Tag bilde sich das Corpus dieser Frucht in einen grossen Kopff und Au- gen, Fliegel und Beingen, in dessen Leib die Adern gehen. Des neundten Tages wachse die Frucht groͤsser, verstaͤrcke die Glieder und formir e das Chrystallinische Auge. Den zehenden Tag ist Kopff, Schnabel und Augen vollkommen. Des eilfften Tages erweiterten sich die Au- gen und die Frucht werde groͤsser. Des zwoͤlfften Tages sey die Frucht in dem Ey zusammen gehaucht, von mehrern und groͤssern Adern colligir et. Des drey- zehenden Tages werde die Frucht groͤsser, die gezeugten Glieder und Nerven de- rer Augen nehmen zu und sey durchge- hends vollkommener, da ihm dann die Federlein maͤhlich zu wachsen anfangen und es taͤglich je mehr und mehr von dem vierzehenden Tag biß auf den vier und zwantzigsten oder zur Ausschlupff- Zeit in der Formir ung zunehme. Den funffzehenden soll es das Leben gewin- nen und die uͤbrige Zeit zunehmen, biß die Zeit der Geburth herbey nahe, da es durch sein Schnaͤblein oberwerts die Schale durchstosse, sich mit denen Bein- gen sperre, biß die Schale zerbreche und es sodann ausschlupffe und auff der Welt ankomme, da es naß vom Dotter und matt von der Geburths-Arbeit unter seiner Mutter Fluͤgel, und Brust mit groͤster Vorsorge erwaͤrmet wird, wo- bey die Muͤtterliche Liebe ungemeinen Fleiß und Vorsorge traͤget, es auffzubrin- gen. Die Jungen bringen ihre meiste Zeit mit schlaffen zu, und liegen in dem von Mooß, oder andern Materien ge- machten weichen Neste, nach Art und Eigenschafft derer Voͤgel, welche nach aller Huͤhner Art auf der Erden eine tief- fe Grube machen, sie mit wenigem Graß- Geniste, nebst Pflaum-Federn von ih- rer Brust, denen Jungen zu Liebe, sie weich zu bewahren, anfuͤllen. Die Voͤ- gel aber, so ihre Nester auff die Baͤume machen, flechten solche kuͤnstlich mit Zweig- lein und Mooß zusammen, warten und pflegen ihrer jungen mit allem Fleiß, sie vor der rauhen Lufft zu bewahren, biß ihnen die Natur mehrere Federn, so an- faͤnglich wollicht anzusehen, mitgetheilet und sie der Mutter gewoͤhnliche Nah- rung anzunehmen beginnen, da sie dann taͤglich je mehr und mehr zunehmen, zu- mahln der himmlische Thau und derer Sonnen Strahlen kraͤfftige Wuͤrckung zum Wachsthumb derer Schwing-Fe- dern, das meiste contribuir en, biß sie nach etlichen wenigen Wochen vollkom- men flicke werden und aus Trieb der Na- tur vorwitzig aus ihrem Nest von einem Ast zum andern fliegen. Die aber von der Art derer Huͤner bey der Erden sind, haben in der Natur, daß sie, so bald sie nur trocken, gleich herumb lauffen und sich wie die Maͤuse verkriechen. Anatomia aller Huͤhner Arten. Der Huͤhner giebts vielerley Arten, als Trappen, Phasian en in Feldern, Au- er-Huͤhner, Birck-Huͤhner, Hasel- Huͤhner im Walde, und Reb-Huͤh- ner oder Feld-Huͤner auf denen Ae- ckern. Diese haben alle einerley in- nerliche Eigenschafften, einerley Na- turen, im Sand und Erde zu schar- ren, und Steingen und Koͤrner zu ver- schlucken, weswegen ich sie der Kuͤrtze halber einerley tracti re. Nemlich die Wald-Huͤhner haben mit Federn ver- wachsene Klauen, als da sind Auer-Huͤh- ner, Birck-Huͤhner und Hasel-Huͤhner: Dahingegen haben die Feld-Huͤhneꝛ glat- te schuppige Klauen, nemlich die Trap- pen, Phasian en, Reb-Huͤhner und Brach- Huͤhner. Die Klauen dieser Huͤhner haben vorwarts drey Zehen, deren eine jegliche wiederumb drey Glieder, an deren Ende die krumme hornigte Naͤ- gel gewachsen, welche innerlich von star- cken Flechsen sind; Hinten gehet eine kur- tze Klaue von einem Glied, gleichsam als der Daumen geordnet. Die Haͤhne ha- ben zum Unterscheid derer Huͤhner hin- ten uͤber demselben einen steiffen Knor- ren von hornigtem Gewaͤchs, die Spoh- ren genannt. Die Haut aller Huͤhner hat unzehlich erhabene kleine Waͤrtzlein, welches vermuthlich die Pori oder Schweiß-Loͤcher sind, darinnen Materia collectanea zu der Federn Wachsthumb befindlich seyn mag, und bedecket den Leib zu Erhaltung der natuͤrlichen Waͤr- me. Zwischen denen weichen Pflaum- Federn sind Glieds lange Haare ge- wachsen, welche die Waͤrme vermehren: X Die Anderer Theil/ Die Federn sind unten am Kiehle hor- nigt und hohl, am Leibe wolligt, die Waͤr- me zu conservi ren. Als nun eine Hen- ne und einen Hahn reinlich abrupffen lassen, und zu mehrerer Gewißheit mei- nem Phasian- Waͤrther Christoph Schwa- nebecken, weil dieser aus Erfahrung der vielfaͤltig unter sich habenden Eyern und Huͤhnern das beste Zeugniß geben koͤn- nen, darbey zugegen hatte, wurde die Haut dieser Hennen aufgescherffet, wel- che zu beyden Seiten der Brust sonderli- che Adern hatte. Sie war unten dicke am Lege-Bauch gewachsen, und hatte unterschiedliches Fett an der Spitze des Brust-Beins zu beyden Seiten. Der Schlund oder Eyer-Darm, welcher un- ter dem Stertz oder Schwantz befindlich, und in die Quere gewachsen, war von der Natur mit einem rothen Haͤutgen am Ende versehen: Als der Lege-Bauch geoͤffnet, welcher inwendig sehr fett war, lagen die Daͤrme herumb gewunden; da man hierauff den Brust-Knochen aufgebrochen, welcher sehr feste verwach- sen war, sahe man zwar kein eigentliches Zwergfell, aber ein starckverwachsenes Fett. Als man unter dem Schnabel die Haut eroͤffnet, lag die Zunge drey- eckigt, welche hinten kleine Wiederha- cken hatte, und stachlicht war. Man schlitzte ferner den Schlund auf, welcher am Halse hinunter biß in den Kropff gienge, woselbst die Nahrung gesamm- let; von diesem Kropff gieng ferner der Ductus nach dem Magen, durch eine en- ge Roͤhre uͤber dem Hertzen. Das Hertz war mit starcken Adern versehen, darin- nen viel geronnen Gebluͤte, sonst aber wie gewoͤhnlich, formi ret, und sehr feiste verwachsen war, hatte aber keine Lun- ge: Die Leber hatte drey Lobos: Als man den Schlund mit dem Magen her- aus gerissen, war der Magen sehr fett allenthalben umbwachsen, da der Ma- gen geoͤffnet, waren inwendig kleine Kie- sel-Steingen, wie eckigte Perlen, in gros- ser Menge, weiß und scharff zu sehen, welche, wie vormahls gemeldet, die Nah- rung zermalmen. Die Haut des Ma- gens war inwendig gelb, mit vielen Run- tzeln und Falten, zur Concoction dienlich, versehen, oben und unten aber mit meh- rern Fachen, den Chylum desto mehr zu conservi ren; Oben gieng zur andern Seiten der Mast-Darm in das Gedaͤr- me: Auswendig war der Magen zu bey- den Seiten mit starckem Fleische verwach- sen, mit einer blaulichten Haut uͤber- zogen, und durch starcke breite fleischigte Druͤsen umbfasset. Der Darm vom Magen gieng ferner umbwunden biß zum Ausgange, woselbst er nicht weit davon zwey blinde Daͤrme hatte. Der vormahls erwehnte Schlund oder das weibliche Glied hatte zwey Exitus oder Ausgaͤnge. Unterwerts gieng der Darm der Excrement en vom Magen: Ober- werts nach dem Ruͤcken zu gieng die Roͤh- re in die Mutter, allwo die zur Geburt zeitigen Eyer liegen, welche mit unzeh- ligen Adern zusammen gefuͤget waren. Uber demselben lagen unzehliche von vielerley Groͤsse unreiffe Eyergen, deren einige als Bohnen, einige als Erbsen, auch groͤsser und kleiner zu sehen waren. Auswendig waren diese Eyergen mit vielen Adern nach dem Eyerstock ange- wachsen, deren man eins eroͤffnete, wor- innen eine Wachsgelbe Materie befind- lich, als solche anfaͤnglich secir et, war sie fluͤßig, da sie aber erkaltet, wie geron- nen Wachs, gantz zaͤhe: Die andern klei- nen waren unzeitig, nach deren Eroͤff- nung sie blutige, die allerkleinesten aber weisse schleimigte Materie hatten. Der gantze Eyerstock war an dem Ruͤckgrad und die Nieren angewachsen, welches von der Natur mit unzehligem kleinen Saamen, als Hiersche-Koͤrner versehen. Zu jeder Seiten hatte die Henne sechs doppelt gelenckete Ribben. Oberwerts zu beyden Seiten des Halses, hatte die Natur durch starcke Flechsen die Fluͤgel in die Gelencke annecti ret, welche gleich- sam als Arme ihre Ellbogen und Knoͤ- chel hatten, an deren Musculorum Aus- gange die Stoppeln, oder Wurtzel-Fe- dern stunden, und hatte ein jeder Fluͤgel zehen Schwinge-Federn, und zehen Flug-Federn, deren die laͤngsten an dem ausersten Glied, die andern aber biß an Ellbogen heraus stunden, den Flug de- sto fertiger, sicherer und gewisser zu ver- richten, welche Fluͤgel oberwerts mit unzehlichen mittlern und kleineren Fe- dern bedecket, und verwahret waren. Die Schenckel oder Beine waren nach dem Creutz und Ruͤckgrad ebenfalls durch starcke Flechsen angefesselt, allwo, wie bey denen vierfuͤßigen Thieren, die Kaͤu- le mit der Kugel in die Pfanne ordini- ret, gar deutlich zu sehen war, welcher Schenckel von starcken Musculis ver- wahret war. Der Stertz war hinten zu Ende des Ruͤckgrads fett verwachsen, uͤber Von denen wilden Thieren. uͤber welchem die so genannte Darre wie ein Spitzgen empor stunde, darinnen al- le Feuchtigkeiten sich coagulir et. Des Hahns innerliche Structur aller Einge- weyde war formi ret, wie ich bey der Henne explici ret, ausser, daß die Galle an der Leber deutlich zu ersehen: Das Heꝛtz waꝛ von zweyẽ Cavis formi ret, vor- nemlich aber war das Membrum genitale zu observi ren, daß, wie bey der Hennen, sowohl der Ductus des Mastdarms mit dem Mist, als auch die oberen zwey Roͤh- ren concurrirt en. Er hatte kein zeu- gend Glied oder Schwaͤntzlein, sondern ein besonderes kleines Haͤutlein mit kleinen Zaͤfflein, wartzigt gewachsen, in welchem zur Paltz-Zeit der Hahn den Saamen von denen Nieren durch zwey Roͤhrgen in ermeldtes Haͤutlein leitet, als ein Gescht zu sehen, welches bey dem Treten die Huͤhner mit gleicher Hitze und Begier- de empfangen. Die Testiculi oder Ho- den des Hahns waren an der Stelle in- wendig des Leibes angewachsen, wo der Eyerstock bey der Henne gelegen, laͤng- licht rund formi ret, weißlicht und mit rothen Adern gezieret, bey dessen Eroͤff- nung die innerliche Materie weiß und molckigt zu sehen gewesen. Ubrigens war aͤusserlich der Hahn von etwas staͤr- ckern Schenckeln und Gliedmassen, und hatte zu seiner Zierde rothe Flam̃en umb die Augen, auch einen etwas laͤngern Halß, als die Huͤhner, welche einen kuͤr- tzern Halß haben, und geduckt gehen. Eine weitlaͤufftigere Beschreibung kan man bey dem erwehnten Herrn Gerhar- do Blasio auff beduͤrffenden Fall nach- schlagen. Anatomia derer B aͤnse und E nten. Alle Arten grosser, mittler und klei- ner Wasser-Voͤgel, als die Schwanen, wilde Gaͤnse, grosse Enten und Kriech- Enten haben meistens sowohl an ih- ren Koͤpffen breite, doch auf denen Sei- ten scharff gekerbte Schnaͤbel, womit sie in denen Gewaͤssern den kleinen Fisch- Saamen, Wasser-Geruͤer, Graß und Schilff abkneipen und zu ihrer Nahrung gebrauchen, als auch an ihren Fuͤssen von Gott und der Natur zur Wasser- farth und Schwimmen sonderlich ge- schickt erschaffene Fuͤsse: Maassen die drey Voͤrder-Klauen durch vierfach-doppel- te Haͤutlein in der Breite zusammen ge- fuͤget sind, solche statt eines Ruders, umb desto schleuniger fortzuschwimmen, einen Fuß um den andern, oder wie es noͤthig, zu gebrauchen: Deren an jedem Fuß die innere Klaue drey, die mittlere vier, die aͤuserste aber fuͤnff Glieder hat. Unter der Ferse stehet eine kleine Klaue und ist der gantze Fuß mit einer gelblicht schuppichten Haut biß an das Knie uͤber- zogen. Hiervon werden ausgenommen die Taucher und Blaͤßgen, Wasser-Huͤ- ner und Wasser-Schnepffen, See- Schwalben, Sand-Laͤuffer, Eiß-Voͤgel und dergleichen, welche spitzige Schnaͤbel und kein Haͤutgen zwischen denen Klau- en derer Fuͤsse haben, doch findet man bey denen Blaͤßen etliche kleine runde Laͤppgen an denen Klauen. Die Gaͤn- se haben innerhalb im obern Schnabel harte Knorpel, wie eine Raspel, die Zun- ge lieget an einem Haͤutgen unten im Schnabel angewachsen: Sie ist zu bey- den Seiten scharffstachlicht, wie auch oben im Gaumen, damit sie dasjenige, was sie ergreiffen, fest halten koͤnnen. Die Gurgel gehet uͤber die Zunge am Halse nach der Lunge, desgleichen der Schlund nach dem Magen: Die Brust ist am Hal- se verwahret mit einem Ruͤck-Knochen, als ein Ruͤck-Kragen, u. der Brust-Kno- chen als ein Cuͤraß, mit einer Schaͤrffe: zu beyden Seiten an der Schaͤrffe sind starcke Musculi gewachsen, so doppelt ver- wahret. Nach Eroͤffnung der Brust siehet man, daß die Gurgel uͤber dem Hertzen sich in zwey Roͤhren theilet: Das Hertze haͤnget mit der Spitze nach der Brust an vier Haͤutgen nach den Rib- ben zu angewachsen: aus dem Hertzen gehen zwey weisse Flechsen, daran das Hertze henget, nechst denen kommen aus dem Hertzen die grossen Pulß-Adern, die sich zur rechten und zur lincken in die Lunge vertheilen und endlich nach dem Halß, zu beyden Seiten in das Cere- brum steigen. Die Lunge ist wie Zin- nober roth von Farbe, uͤber dem Her- tzen flach liegend an die Ribben angewach- sen und voller kleiner Loͤcher. Die Le- ber bestehet aus zweyẽ Lobis von braun- rother Farbe, mit ihrem Gallen-Blaͤß- gen und henget uͤber dem Magen. Die- ser ist zwar auserlich sehr groß; nach Er- X 2 oͤffnung Anderer Theil/ von denen wilden Thieren. oͤffnung aber meistens mit hartem Fleische bewachsen und hat inwendig eine kleine Cavit aͤt von einer dicken Haut, so am Boden runtzlicht, worinnen die Nahꝛung, Sand, Kieselsteinigen, Graß, Korn und allerhand Getraͤyde liegt. Dagegen hat eine Ente gemeiniglich in ihrem gleich- foͤrmigen Magen Weitzen, Wasser- kraut und Kieselsteine. Zu Ende des Magens fangen sich bey der Ganß die Gedaͤrme an in einer Laͤnge 5. Ellen Dreßdnischer Laͤnge biß zum Steiß und haben ein Viertel zuruͤcke zwey blinde Daͤrme, einer Spannen lang: Bey der Ente aber sind die Daͤrme nur 3. Ellen zu bemercken. Am allerwunderbarsten ist dieses, daß bey diesem Wasser-Ge- fluͤgel kein Kropff anzutreffen, wie bey andern Voͤgeln. Die gantz hat 15. Ge- lencke im Halse, die Ente aber nur 12. Ein jedes Corpus hat 18. Ribben. Die Fluͤgel sind mit Gelencken, Flechsen, und Sehnen, Pflaum-kurtzen, mitteln, lan- gen und Schwinge-Federn versehen, wie bey anderm Feder-Wild: Jnglei- chen auch die Beine mit ihrem Gelencke, jedoch sind die Schenckel an denen Ober- Knien mit der Haut kurtz angespannet, daß sie zum geschwind-lauffen nicht ge- schickt, sondern einen wackelnden Gang nehmen muͤssen. Letzlich habe ich ob- servir et, daß bey allem Feder-Wild der Magen und die Leber ziemlich tief herun- ter, die Gedaͤrme aber gekraͤuselt, nach dem Steiß hinunter zu den Posterioribus gesuncken, woraus vornehmlich alle Feuchtigkeiten ihren Exitum nehmen muͤssen, weilen keine Schweißloͤcher zur Exhalation nirdends zu befinden. Anatomia derer T auben und V oͤgel. Die Ringel-Tauben, Blau-Tauben und Turtel-Tauben haben eine gleich- maͤßige Beschaffenheit mit allerhand Ar- ten anderer Wald-Voͤgel, als Schnaͤr- ren und Krammets-Voͤgeln, Amseln, Drosseln und anderen kleinen Wald- und Feld-Voͤgeln, und sind der aͤusserlichen und innerlichen Structur ihres Leibes in allen ziemlich gleichfoͤrmig. Die Tau- ben oder Voͤgel haben einen Kropff, dar- innen sie die Beere, Nahrung oder Koͤr- ner vorhero durch den Schlund einschlu- cken und sammlen und so sie in etwas darinnen erweichet, alsdenn durch den Schlund in Magen fortleiten; Dieser Kropff ist sehr weit, von etlichen Haͤut- gen connectir et, innewendig faltigt, oder fachicht, wie ein Magen. Die Gur- gel gehet uͤber dem Hertzen nach der Lun- ge. Das Hertz wendet sich mit seiner Spitzen besser nach denen Fuͤssen, weil die Voͤgel oder die Tauben auffgericht stehen. Die Gurgel hat ebenfalls zwey Roͤhren nach der Lunge und die Zunge ist gleicher gestalt beschaffen, wie vorhero beschrieben. Die Leber henget mit zwey- en Lobis uͤber dem Magen, jedoch ist kei- ne Galle bey ihnen zu finden, welches merckwuͤrdig: Der Magen ist fleischicht und ziemlich groß, die innerliche Hoͤhle aber kaum einer kleinen Haselnuß gleich. Das Gedaͤrme ist vom Magen 2. Ellen biß zum Ausgang in der Taube. Die Tauben haben Purpurrothe Fuͤßlein und einen spitzigen Schnabel, uͤber wel- chem die Nasenloͤcher hoch geschwollen. Die Brust ist zu beyden Seiten mit star- cken Musculis wohl verwahret: Dahin- gegen haben die Krammet-Voͤgel, Zib- ben und Drosseln keinen Kropff, sondern der Schlund gehet recta nach dem Ma- gen und leitet die Nahrung in denselben, die Lunge und Leber, Hertz, Magen und Daͤrme sind bey den Tauben, wie bey denen Voͤgeln, so haben auch die Voͤgel und die Tauben, eines wie das andere, 14. Ribbgen in deren Leibgen, nehmlich zu jeder Seite, und im Schwan- tze zwoͤlff grosse Federn zu ihrem Ruder im Fliegen und Schwingen. Ubrigens sind die Fluͤgel und Schwing-Federn ge- ordnet und beschaffen, wie bey allen Voͤ- geln. Wie denn auch hiervon ander- werts bereits hin und wieder Meldung geschehen. Ein mehrers habe vor dieses mahl nicht anfuͤhren koͤnnen, bitte, der Geneigte Leser wolle hiermit vorlieb nehmen. Weil ich kein ander anato- misch Instrument als das Jaͤgerische Wirckmesser gebrauchet, werde ich hof- fentlich excusir et seyn, wann ich die klei- nern Voͤgel uͤbergehen und dahero mei- ne Anatomiam animalium terrestrium \& volatilium, soviel einem Jaͤger davon zu wissen vonnoͤthen seyn moͤchte, hier- mit beschliesse, das andere aber denen ge- lehrten Herren Anatomicis in ihren Col- legiis zu tractir en uͤberlasse, welche mei- ne Fehler, so hier anzutreffen seyn moͤch- ten, geneigt pardonnir en werden. Dritter Dritter Theil/ handelt V on denen H unden. R Echt wundersam ist zu ersehen, wie unter allen Thieren, welche von dem Grossen GOTT er- schaffen worden, die Hunde eintzig und allein bey denen Menschen wohnen und sich zu dessen Dienst willig gebrauchen lassen, wovon, und wegen ihrer besondern Treue, Wachsamkeit, Gehorsam und Liebe zu denen Menschen unzehliche Exempla angefuͤhret werden koͤnten. Wie erzeigten nicht die Hunde ihr Mitleiden, als sich niemand des ar- men Lazari erbarmen wolte und leckten ihm die Schwaͤren, damit sie seine Schmertzen linderten? War nicht des jungen Tobiaͤ sein Huͤndlein so froͤlich, als er seinen Herrn wiederumb gesund nach Hause brachte? Wie zuversichtiglich verglieche sich nicht das Cananæi sche Weib- lein einem Huͤndlein, so nur die Brosa- men von seines Herrn Tische aufflese? mehrere Exempla der Heiligen Schrifft Kuͤrtze halber zu uͤbergehen. Vor alters pflegten die Egyptier und Tabier, wann am Firmament des Him̃els der Hunds- Stern auffgieng und zu solcher Zeit der Nilus- Fluß sich hefftig zu ergießen begun- te, und die Wiesen und Aecker derer Ein- wohner solcher Gegend fruchtbaꝛ befeuch- tete, die Hunde dergestalt in besondern Ehren zu halten, daß sie solche mit sich speissen liessen. Und wann der Isidis Fest war, darbey sie Procession hielten, mu- sten die Hunde voran gehen; So haben sie auch, wann ihnen ein Hund gestor- ben, denselben ein basalmir et und ordent- lich begraben, auch zu Bezeugung des Leidtragens und der Trauer ihr Haupt- Haar abgeschoren, weil sie solche insge- mein als ihre Oracula und Hauß-Goͤ- tzen, so ihnen verborgene Dinge præsa- gir et, mit besonderm Eifer venerir et und in grossem Werth gehalten, wie Plutar- chus und Ælianus hiervon ausfuͤhrlicher geschrieben. Mit was vor grosser Be- truͤbniß betraurete doch der Lipsius Saphyrum seinen getreuen Hund, als sol- cher in siedendem Wasser verbrannt und gestorben war, so, daß er ihn auch uͤber die Maassen beweinete, denselben mit ei- nem Sarg begraben ließ, und mit vie- len Grabschrifften beehrete, auch zum ste- tigen Andencken abmahlen liesse und die schoͤnsten Verse darunter componir ete. Ja es betruͤbet sich wohl annoch mancher Liebhaber der Hunde, zumahl das liebe Frauenzimmer, wann ihr Schoß- Huͤndgen, ihr Perlgen, kranck wird, da es denn gewartet und offt besser, als ein armer Mensch, gepfleget, auch, so es stir- bet, mit vielen Thraͤnen beklaget und wohl gar begraben wird, darinnen aber die Menschen sich auch versuͤndigen koͤn- nen, wie jener Hollsteinische von Adel, welcher vor seinem Ende alle Hunde, de- ren er eine ziemliche Menge hatte, kom- men ließ und da sie nach dem blasen heu- leten, dieselben mit Thraͤnen beweinete, dabey hertzlich betauꝛete, daß er nach man- cher gehabten Lust nunmehro nach sei- X 3 nem Dritter Theil/ nem Tode so ein armes Haͤuffgen sei- ner Getreuen verlassen muͤste. Dahe- ro dann offt geschicht, wie Ao. 1632. dem Albrecht Pericofscky, einem Edelmann wiederfahren, welcher, als ihm sein Vieh gestorben und er deshalben aus gottlosem Frevel mit einer Pistohle gen Himmel geschossen, durch Gottes ge- rechte Rache in einen schwartzen Hund verwandelt worden, daß er heulen und bellen, auch todtes Luder fressen muͤssen, wie solchen Spectacul Cluverus ausfuͤhr- licher beschrieben. Gunarus, Koͤnig in Schweden, ein Tyrannischer Herr, setzte einstens seinen Unterthanen, zu deren sonderbahren Beschimpffung, einen Hund zum Koͤnige, und ordnete dem- selben malitieuse Raͤthe und schlim̃e Be- dienten zu, welche die armen Unterthanen hefftig plagen und tribulir en musten, wie Albertus Cranzius in seinen Nordischen Geschichten meldet. Als Cyrus noch ein Kind und in einen Wald, dariñen er ver- hungern uñ umbkom̃en solte, gesetzet wor- dẽ, hat ihn ohngefehr eine Huͤndin (einige sagen, eine Woͤlffin) gefunden, denselben geseuget und erzogen, woraus der treff- liche Regent der Persischen Monarchie geworden, wie Justinus davon schreibet, Und hieraus ist die sonderliche Treu ei- nes Hundes zur Genuͤge zu ersehen. Als die Hunni und Vandali wider hoͤchste Billigkeit von denen Roͤmern Tribut forderten und mit ihnen Krieg fuͤhreten, wurde ihnen, statt dessen ein raͤudiger Hund uͤberschicket, weiln die alten Teut- schen mehrentheils im Gebrauch hatten, daß sie einen solchen schaͤbigten Hund einen Ubelthaͤter zur sonderbahren Straffe eine gantze teutsche Meile tra- gen liessen. Jn Jrrland sollen die Hun- de mit einem solchen scharffen Geruch ver- sehen seyn, daß sie auch die Fische im Wasser richtig finden koͤnnen. Jch ha- be selbst einen Daͤhnischen Blendling ge- habt, der von meiner Pagage, bey ent- standener Confusion auf etliche dreysig Meilen einen unbekanten Weg nach Hause gelauffen, da Niemad von mir gewust, und durch seine Vigilance kurtz vorher meine Ankunfft gemeldet, ja wenn von mir gesprochen worden, an die Fenster gesprungen und sich nach mir umbgesehen, worinnen ein solch arm Thier offt bey Schlaͤgen, u. Hunger man- chen untreuen Knecht, wegen seiner Treue zu seinem Herrn weit uͤbertrifft und als ein Morale zu æstimir en ist. V on Eigenschafft derer H unde. Die Hunde sind wegen ihrer beson- dern Treue, Wachsamkeit, bestaͤndigem Gehorsam und Liebe zu ihrem Herren, scharffsinnigen Gedaͤchtniß desjenigen, so sie gelehret und ihnen gewiesen wird, und anderer sehr vielen Eigenschafften mehr, allen anderen Thieren weit vor- zuziehen, wie sie Lipsius oͤffentlich geruͤh- met. Wie beschaͤmet nicht der Hauß- Hund einen verschlaffenen Waͤchter, oder untreuen Huͤther, wenn er vor seines Herrn Thuͤr in allem Ungewitter, Frost und Hitze bey Tag und Nacht getreulich wachet und mit unaufhoͤrlichem Bellen die frembden und raͤuberischen Diebe anzeiget. Was fuͤr grosse Liebe hat doch ein Hund vor seinen Herrn, er siehet es ihm an den Augen an, was er thun soll, begleitet denselben bey Tag und Nacht; ja er giebt auf die andern so genaue ach- tung, ob Jemand seinen Herrn schla- gen wolle, daß er ihn schuͤtzen koͤnne. Es giebet Exempel genug, da in solchen Faͤl- len ein Hund den Diebstahl oder die Mordthat verrathen u. den Thaͤter unter vielen andern angemercket. Wird sein Hr. kranck, so weicht der Hund nicht vom Bet- te, und, so er verwundet, wird der Hund den Schaden durch sein Lecken heilen: Jst aber seines krancken Herrn Todt oder Ende nicht mehr weit, wird er kurtz vor demselben vermittelst seiner scharffen Empfindlichkeit aus denen Todes-Duͤn- sten des Coͤrpers solches leichte mercken, sich seiner Person aͤusern, greulich heulen und damit gleichsam seines Herrn Todt ankuͤndigen: Ja man hat wohl gesehen, daß ein Hund, als sein Herr gestorben, vor Gram sich zu tode gehungert hat: Wie unverdrossen spuͤhret nicht ein Hund seinem verlohrnen Herrn so weit nach, als es muͤglich, und vermercket sei- nen Geruch mit gutem Unterscheid, er kennet die Stimme und mercket gar ge- nau, wo er ihn antreffen solle: Ja was vor einen zarthen, empfindlichen und subtil en Geruch hat nicht ein Hund, wañ er dem Wild nachspuͤhret, so vor vielen Stunden allda vorher gegangen? Er zeiget seinem Fuͤhrer, auch da er schon alt und Von denen H unden. und blind, richtig die Tritt und Fußstapf- fen des Wildes, die er je mehr und mehr riechet, und von denenselben die aus dem Wild durch die Fuͤsse gestiegene Ata- mos mit seinem empfindlichen Geruch von der Erden an sich ziehet und man- chem jungen Jaͤger schoͤne Zeichen der Gefaͤhrde oder Spuhr zeiget. Die Ursa- che, warumb die Fußsohlen, Ballen, und Lauff-Klauen der wilden Thiere von de- nen Hunden je laͤnger, je mehr gerochen und deren Spuhr genau bemercket werden, bestehet darinnen: Nehm- lich, nachdem sich die faule Materie von dem Excremento ultimæ concoctionis der Schweißloͤcher gesammlet, sencket sich diese Feuchtigkeit je mehr und mehr aus dem Leibe nach denen Laͤufften nieder- werts, und sammlet sich zwischen denen Lauff-Klauen, wird endlich stinckend, und durchdringend, so, daß sie gewisse Atamos von sich laͤsset, welche nachmahls als Reliqui en von denen Hunden gefun- den werden. Dann wo das Wild gehet, da druͤcket es mit den Fußstapffen die Ato- mos und Duͤnste, welche aus dessen Coͤr- per, wie vorgemeldet, in die Fuͤsse steigen, zugleich mit in die Erde, die eine zeitlang in der loͤcherichten Erde bleiben, und sich sobalde nicht heraus finden koͤnnen, son- dern offt etliche Stunden lang darinnen bleiben, biß der Hund durch das Rie- chen obbemeldter Maassen solche aus der- selben an sich ziehet, und die Spuhr hier- durch anzeiget. Wie wird doch offtmahl, bey gar schlechter Kost und hungrigem Magen der arme Hund gepruͤgelt, und muß solches dennoch mit groͤster Gedult ertragen, ja noch darzu dem Herrn lieb- kosen: Wann er Kuͤnste lernen soll, da- rinnen er als ein unvernuͤnfftiges Thier fleißiger, als mancher hartnaͤckigter Schuͤler ist, mercket er alles genau im Gedaͤchtniß, und trachtet, so er umb ei- nen Fehler geschlagen worden, denselbi- gen zu verbessern: Ein Hund geden- cket lange Zeit an die vorige Wohnung und den alten Herrn, bey welchem es ihm wohl gegangen; Erinnert sich eines wei- ten Weges, sonderlich auch, wann er was uͤbrig von Knochen oder Brod ha- ben kan, verscharret er dasselbige, und hebet es auf, biß er wieder hungrig wird, alsdann holet und verzehret er es. Mit was vor Lebens-Gefahr und doch gros- ser Begierde springet nicht der arme Hund auf Befehl seines Heꝛꝛn in das Eiß- kalte Wasser u. einen schnellen Strohm, und hohlet demselben offte ein schlechtes Stoͤckgen, ja wohl gar einen Stein her- aus. Wie solte nicht das angeschossene Wild verfaulen, wann nicht der Hund seinem Herrn zu Nutzen es durch den Schweiß finden und verschaffen wuͤrde, ja er bewachet das gefaͤllte Wildpraͤth, vergnuͤget sich aber nur mit wenigem Schweiß oder Knochen, ist auch zufrie- den, wenn er nichts krieget. Es wird ein Hund aus angebohrner Großmuͤ- thigkeit, jedoch nach seiner Staͤrcke, viel lieber ein starckes wild Schwein, als ein furchtsames Schaaff anfallen. Was ein Hund bey Tage gesehen, gethan, o- der verrichtet hat, koͤmmt ihm im Schlaf- fe alles vor, so, daß ihm die Phantasie recht aͤngstliche Traͤume verursachet, und er mit den Adern, Flechsen, und andern Gliedern, oder Fuͤssen zucket, sich im Schlaffe ordentlich beweget und bellet. Sonsten ist ein Hund gerne in Gesell- schafft umb die Menschen, und ist lustig, kuͤhn und freundlich unter denen Be- kanten, bey Frembden aber mißtrauisch und fuꝛchtsam: Es wiꝛd ein Hund aus an- gebohrner Hoffart einen zoꝛnigen Mann, der mit einem Stock auf ihn kommt, eher anfallen, als eine Frau oder Kind, die sich demuͤthiget und ihnen liebkoset. Man saget, daß kein Hund einem na- ckenden Menschen leydes thue, ihn auch nicht anbelle, so mir nicht bekant, doch thun sie denen Kindern nichts zu leyde. Bey der Nacht fuͤrchten sich die Hunde sehr vor denen Gespenstern und vor dem Schatten im Mondenschein, dahero etli- che solches leicht wahrnehmen und die gantze Nacht bellen, winseln und sich ver- kriechen: Jm Alter werden sie meistens faul und verdrossen, schlaffen gemeini- glich und lassen sich die Fliegen plagen, wornach sie schnappen. Sie leben selten uͤber zwoͤlff biß funffzehen Jahr und werden im Alter blind und steif auf ih- ren Beinen, kriegen auch zuweilen das Podagra, so sie von Menschen, wann sie schwitzen, im Bette erben, und auf ih- re Nachkommen fortpflantzen, welches sie in allen Gliedern reisset, daß sie heff- tig schreyen: Wann der Waͤrther aus Nachlaͤßigkeit den Unflath nicht zum oͤff- tern von ihren Lagern schaffet und das- selbe mit frischem Stroh versiehet, wer- den sie bald raͤudig, wormit sie leichtlich einander anstecken koͤnnen. Jn denen Nie- ren befinden sich oͤffters einige Wuͤrmer, Gliedslang, so sie nagen, biß sie sterben. Es Dritter T heil/ Es soll der weisse Hunds-Dreck, der seinen Ursprung von zerbissenen Knochen hat, zur Medicin , als ein sonderlich Medica- ment gebrauchet werden und wird in de- nen Apothecen Album græcum genannt. Wunderlich ist es, so in der That ein- trifft, was Plutarchus schreibet, daß die Jagd-Hunde einen Hasen, so sie ihn jagen und fangen, begierig zureissen, ei- nen ohngefehr gestorbenen aber nicht an- ruͤhren, sondern liegen lassen. Jhre schlimste Kranckheit, der sie unterworf- fen sind, ist das Rasen und Wuͤthen, wel- ches ohnfehlbar seinen Ursprung von der grossen Hitze derer Hundstage, oder grimmigen Winterkaͤlte hat, weil dem umbherlauffenden Hund die brennende Sonnen-Hitze zu solcher Zeit das Gehirn durch den Scheitel gleichsam als im Topffe kochet und Auffwallen des Ge- bluͤts verursachet, oder auch bey langen Naͤchten des Winters die grimmige Kaͤl- te das Gehirn erfrieret und solche Un- sinnigkeit nachmahls verursachet. Dann man meist finden wird, daß ein gemei- ner Bauer-Hund, so in Hitz und Frost bloß herumb lauffen muß, viel eher wuͤ- thend wird, als ein anderer, welcher sein fein Behaͤltniß, warmen Stall und La- ger haben kan, er wuͤrde dann von ei- nem tollen Hunde gebissen, daß solcher gifftige Schaum eine ferne Transplanta- tion verursachen muͤste: Wann sie nun wuͤthend werden, pflegen sie den gewoͤhn- lichen Fraß gar nicht zu achten, sie hungern lieber, kennen ihren Herrn nicht mehr, sehen starr mit denen Augen sich scheu und fluͤchtig umb, halten den Mund vor Hitze offen, schaͤu- men und geschen, schnauben aus denen Nasenloͤchern, kruͤmmen den Schwantz zwischen die Beine, bellen selten und hei- scher und lauffen alles an; Was sie beis- sen, wird auch toll; Sie lauffen nicht uͤber neun Tage und sterben zuletzt gar schwerlich. Die meisten glauben, es ha- be die Wuth ihren Uhrsprung von ei- nem Wurm, welcher dem Hunde unter der Zunge in Gestalt eines weissen Ae- derleins wachse und, so es lebendig wuͤr- de, den Hund unsinnig mache; Zu dem Ende sie im abnehmenden Mond dassel- bige heraus nehmen lassen, so ich einem jeden zu glauben freystellen will; Man saget, daß wann ein junger Hund Wei- ber-Milch bekomme, er sodann Zeit Le- bens nicht wuͤthend wuͤrde, so man wohl probir en koͤnte. Sonst ist ein Hund, ob er noch so freundlich, durch Befehl sei- nes Herrn in einem Augenblick zum grimmigen Zorn anzureitzen und leiden nicht gerne frembde Bettler und Hunde, weil sie mißguͤnstig, meinen es wuͤrde ihnen Brod abgehen: Sie floͤhen sich ein- ander aus Mitleyden und fressen das Ungeziefer: Bey Aenderung des Wetters fressen sie Graß, wornach sie speyen und reinigen sich damit den Magen. Was gespien worden, lecken sie wieder auf und sind hierinne unflaͤthig, auch vermischen sie sich mit ihrer eigenen Mutter. Sie hangen dann in ipso Actu oͤffters lange zusammen, biß sie einander loß lassen, weil der Hund ein Beinlein im Glied, die Betze aber eine enge Schnalle und beyderseits klebichten Saamen haben. Und soviel von derer Hunde Eigen- schafft. Von Unterscheid der Hunde. Es hat der Allweise Schoͤpffer auch unter denen Hunden einen mercklichen Unterscheid in der Natur geordnet, so, daß eine jede Art derselben, und zwar die grossen starcken Hunde bey denen grimmigen Thieren, die schnellen Hun- de bey dem fluͤchtigen Wild, die dicken Jagd-Hunde durch ihren Geruch, die Wasser-Hunde durch schwimmen, die Dachs-Kriecher und Stoͤber unter der Erden, ja die Schooß- und Spiel-Huͤnd- lein dem Menschen zu Lust und sonder- bahren Vergnuͤgen zu Diensten stehen und sich gebrauchen lassen. Worzu nun eine jede Art sich geschickt befindet, oder geneigt ist, muß denselben der Mensch durch Gedult und Verstand, Sorgfalt, Muͤhe und Fleiß unterrichten, worbey dererselben Zuneigung oder Hartnaͤckig- keit zu erkundigen und wie diesem oder jenem abzuhelffen seyn koͤnte, nachzuden- cken ist, dann ob wohl mancher unwis- sender Mensch meynen moͤchte, man koͤnne ohne Unterscheid ein paar Hunde zu allen Ubungen abrichten, sie moͤchten von Natur dazu geschickt seyn oder nicht, so dienet ihm doch zur Nachricht, daß der Allweise GOtt nicht ohne Ursach so vie- lerley dererselben erschaffen haben wuͤr- de, wenn sie nicht zu unterschiedlichem Ge- Englische Tocke. Danßicker Baͤhrenbeißer. Niederlaͤndischer Bollbeisser. S S. Von denen Hunden. Gebrauch und guter Ordnung noͤthig waͤren, auch bißhero jederzeit bey un- sern Vorfahren von undencklichen Jah- ren her in der Jaͤgerey aus Erfahrung des daher entstehenden Nutzens oder Schadens separatim jede Art Hunde, nach wohlhergebrachtem Jaͤger-Ge- brauch distingvir et worden, wie bey allen Nation en anzutreffen seyn wird. Man hat vor diesem eine laͤuffische Huͤndin von starcker Arth im Walde mit Woͤlffen be- lauffen lassen, daraus boͤse reissende Hauß-Hunde worden, welche die Alten Luciscas geheissen und wider ihre Fein- de gebrauchet, sie haben aber keine rech- te laute Hunde-Stimme gehabt. Die Jndianer lassen sie mit Tyger-Thieren belauffen und sollen solche trefflich starck und schnell zum fangen seyn, wiewohl sol- che Zwitter insgemein das gefangene Wild selbst zu verzehren pflegen: Auch hat man dergleichen Arten von Hunden und Fuͤchsen in Laconia, so von den Alten aus Curiosit aͤt beleget worden: Es sind aber solche Zwitter, sonderlich die- se letztern, zu nichts nuͤtze, sondern behal- ten im̃er einige wilde Art an sich, und kan man solche zu nichts, als zu Ketten-Hun- den brauchen. Und hiermit will vor die- sesmahl von derer Hunde Eigenschafft in genere oder uͤberhaupt zu handeln auffhoͤren und nunmehro eine jede Art nach deren Groͤsse und Wuͤrde specialiter und ausfuͤhrlich beschrieben. Von denen Englischen Docken. Es kommet solche grosse Art von Hun- den eigentlich aus Engelland oder Jrr- land, welche grosse Herren vor diesem anfaͤnglich aus solchen Laͤndern mit vie- len Unkosten bringen lassen, sie werden aber jetziger Zeit nicht mehr so weit ge- hohlet, sondern in Teutschland an gros- ser Herren Hoͤffen von Jugend auf erzo- gen und zur Pracht erhalten, auch nach ihrer Groͤsse, guten Gewaͤchs, Schoͤnheit und Farben unterschieden und æstimir et. Und geben denen allergroͤsten und schoͤn- sten von solcher Art den Namen derer Cam̃er-Hunde, weil sie solche meistens des Nachts in ihrem Schlaff-Gemach neben ihrem Bette bey sich haben, damit, wann Moͤrder einfallen solten, dieselben sodann wachsam seyn und solche Boͤsewichte nie- derreissen, ihren Herrn aber erretten moͤgten. Sie liegen insgemein auf grossen Lagerstaͤtten und Polstern oder Baͤhr- Haͤuthen und so sie grimmig sind, an starcken Halßbaͤndern mit Ketten ver- wahret, daß sie denen Menschen nicht Schaden thun, des Nachts aber werden sie loßgelassen. Doch werden dieselben insgemein dergestalt erzogen und in ih- rer Jugend baͤndig gemachet, daß man sie bey allerhand Menschen und Vieh vorbey fuͤhret, und durch Betrauen ab- haͤlt, damit, wann sie mit der Herrschafft loßlauffen solten, sie nicht alsofort alles anpacken und zerreissen moͤgten. Wann sie nun wohl erzogen und fromm gewoͤh- net, man ihnen auch trauen darff, sie le- dig herumb gehen zu lassen, wird einem solchen Cammer-Hunde meistens ein starck ledernes mit gruͤnem Sammet uͤ- berzogenes Halß-Band, darauf silberne Buchstaben, oder der Herrschafft Na- men oder Wappen ist, umbgethan. Nechst diesen Cammer-Hunden werden diejenigen, so auch groß und schoͤn, oder sich signalisir et, andern vorgezogen und Leib-Hunde genennet, welche ebenfalls sonderlich gewoͤhnet, auch recht zahm ge- machet, und abgerichtet werden muͤssen, damit sie an Hirsche, Schweine und Woͤlffe gehetzet werden, auch die Baͤre der Herrschafft fest halten koͤnnen, da- mit dieselbe solche fangen moͤge, sonder- lich muͤssen dieselben vor allen Dingen angewiesen werden, daß sie ein wildes Thier ja nicht vor den Kopff anfallen, sondern zur Seite an die Ohren fassen, und zu beyden Seiten sich anlegen: Denn sonst ein Baͤhr sie zerreissen, ein Hirsch sein Gehoͤrn vorwerffen und dieselben spiessen, das wilde Schwein hauen, der Wolff aber stetig umb sich schnappen und herumb beissen wuͤrde. Solchen Leib- Hunden werden auch schoͤne Halß-Baͤn- der von roth- oder gruͤnem Plisch mit meßingen Buchstaben zugeordnet. Man æstimir et sie auch vor andern und laͤsset sie dann und wann, wann dir Herr- schafft gehet oder faͤhret, zum Staat le- dig beyher lauffen; Sie muͤssen aber bey dem Hetzen des kleinen Wildes, als Re- he und Haasen, sonderlich in Stoͤcken, Windbruͤchen und Straͤuchern, gaͤntz- lich verschonet werden, weil sie zu starck sind, auch sich nicht gleich nach dem Wild kurtz wenden und dahero leichtlich an- Y lauffen, Dritter Theil/ lauffen, den Halß stuͤrtzen, oder doch zum wenigsten sich verrencken koͤnnen, daß sie lahm und gebrechlich werden. Die uͤ- brigen heisset man nur Englische Hunde, welche ebenfalls zu solchem Hetzen, wie ge- meldet, angefuͤhret und gebrauchet wer- den. Man pfleget die jungen Englischen Hunde gern von Jugend auf an ihrem Wachßthumb zu befoͤrden, biß sie zu voll- kommener Groͤsse kommen und zwey Jahr alt werden; Waͤhrender Zeit wer- den sie mit eitel Schlicker-Milch und lau- lichtem Fraß, wie auch Rinder Marx aus denen Knochen erhalten, indessen darff man ihnen waͤhrenden Wachsen, nichts sauers geben, denn solches verderbet ih- nen den Nahrungs-Safft, das Gebluͤ- the und die Nerven, daß sie verbutten: auch keine gar harte Knochen, damit sie nicht ihre beste Wehr und Waffen, die Zaͤhne, ausbeissen und verderben und so sie uͤber ein halb Jahr oder noch laͤp- pisch sind, muͤssen ihnen die Ohren gestu- tzet, gebraten und zu fressen gegeben wer- den. Man haͤlt davor, sonderlich wann sie im Rachen schwartz, daß sie boͤse wer- den sollen. Wann sie bekant werden, ste- hen sie einander bey, zumahl so sie von Jugend auf bey einander sind; Da her- gegen hin und wieder zusammen geraff- te Alte und beißige Hunde meist zusam- men fallen und einander wuͤrgen: auf solchen Fall muß dergleichem Krackeler, oder beißigem Renomist en ein Hundes- Zaum oder Maulkorb, ihn davon abzu- halten, angemachet werden. Sie liegen im Stall auf einem 20. Zoll hoch erha- benen Lager, ein jeder besonders vor sich an Ketten angeleget und hat jeder seinen Fraß absonderlich vor sich stehen. Von Baͤren oder Boll-Beissern. Von dieser vorgemeldten grossen Art Englischer Hunde giebt es in andern Laͤn- dern eine besondere Gattung von mit- telmaͤßiger, doch etwas starcker Groͤsse, von breiter Brust, mit kurtzem und di- ckem Kopff, kurtz auffgeworffener Naße, steiffstehenden und spitzigen verschnitte- nen Ohren, doppeltem Gebiß an Kien- backen, weswegen sie sich sehr verfangen koͤnnen, von breiter Stirn zwischen de- nen Augen; Welche Hunde zwar dicke, schwer, starck und unbehende zu lauffen, im fangen aber ungemein hitzig erbit- tert, und so grimmig anfallen, daß sie auch darvon zittern und schwer abzu- bringen sind, wie dergleichen Art man in Dantzig bey denen Fleischern in ihrem Spicker von unterschiedenen Sort en an- treffen und haben kan, und soll diese Art aus Moscau herkommen, wie ichs dann selber vor eine Tartari sche, oder andere grimmige Art Hunde halte. Dann sie gantz boͤse, unfreundlich und tuͤckisch aus- sehen, und vor unsern Hunden was be- sonders haben; Sie werden insgemein zur Podoli schen und Ungarischen Buͤf- fel-Ochsen-Hatz, wie auch zuweilen, die Baͤre darmit zu hetzen, gebrauchet, zu welchen Kampffjagen sie denn auch am nuͤtzlichsten dienen. Noch eine andere Art, so mittelmaͤßiger, doch etwas niedriger, aber fast an allen Gliedern denen vori- gen aͤhnlich ist, hat man in Brabant, die sie Boll-Beisser nennen, dieselben haben fast gleiche Beschaffenheit mit vorer- wehnten, nur daß sie, wie gemeldet, klei- ner sind. Sonsten pfleget man auch in Ermangelung vorerwehnter Arten der- gleichen selbsten zu ziehen, (wiewohl zwi- schen denenjenigen, so von ihrer Art gefal- len, und denen Bastarten ein grosser Un- terscheid ist,) wann man nemlich eine ge- meine Niedrige, doch starcke Huͤndin mit einem grossen Hund beleget, so fallen die Jungen klein nach der Mutter und starck nach dem Vater, welche insgemein in der Jugend, sowohl an Ohren, als am Schwantz gestutzet und an Halß-Baͤn- dern gefuͤhret zu werden gewoͤhnet, auch darmit anfaͤnglichen maͤßige Sauen ge- hetzet werden, biß sie das Schwartz-Wild gewohnen. Endlich laͤsset man sie an klei- ne Baͤren, und weiset sie an, wie vorher gemeldet, daß sie an die Ohren anfassen, will gleich solches sofort nicht angehen, muß man dieselben, weil sie sich fest ein- beissen und verfangen, geschwind mit ei- nem Knebel, oder besser mit einer star- cken rauchen Gaͤnsefeder, oder Ruͤthgen in die Kehle oder Jurgel kuͤtzeln, alsdenn lassen sie selbst loß und kan man sie her- nach zu rechte weisen, so fassen sie einan- dermahl nach Verlangen besser an, wor- bey man ihnen, so sie recht haben, freund- lich zuspricht, ihnen lieblet und eine Caresse macht, damit sie durch solche Gewohn- heit destomehr animir et und durch den froͤlichen Zuspruch desto eyfriger angerei- tzet Von denen H unden. tzet werden, den Baͤr hin und her zwa- cken, aͤngstigen und plagen, daß er sich von einem Winckel in den andern bey dem Kampffjagen retirir et, und, wo Was- ser verhanden, bald hinein, bald wieder heraus faͤhret, mit Ohrfeigen umb sich schmeisset, biß die Hunde muͤde und die Herrschafft uͤberdruͤßig wird, sodann werden dieselben an sich geruffen, wie- der angefasset und der Baͤr entweder wieder in Kasten gethan und an seinen Ort gefuͤhret, oder von der Herrschafft ihme mit dem Fang-Eysen, der Rest ge- geben, nachdem die Cammer- oder Leib- Hunde vorgeruͤcket, an den Baͤr gelas- sen und denselben gefangen, darzu dann von anwesenden Jaͤgern, mit Wald- und Huͤfft-Hoͤrnern geblasen wird; wo die Baͤre selten, pflegen manche Herr- schafften darmit Stiere, Ochsen, oder, Bollen zu hetzen, welches aber eine U- bung, so mehr denen Fleischern, als Jaͤ- gern anstaͤndig, und mir unbekant ist, als der ich nur von wilden Thieren zu schreiben willens bin, doch habe ich in Brabant gesehen, daß der Stier an ei- nem langen Seil angebunden, und von solchen Hunden gehetzet worden, da er dann in einem Kreiß herumb gesprun- gen, welchen die Hunde meistens nach der Nase, oder an die Gurgel angefal- len, und weil sie, wie vorgemeldet, ein starck Gebiss haben, sich sehr verfangen, eine gute Weile unbeweglich daran han- gen geblieben, biß sie muͤde von sich selbst abgelassen, da denn der Fleischer den Nickfang mit dem Beil verrichtet. Son- sten sind auch diese Hunde, weiln sie von boͤser Art, starck von Leibe und einen groben Laut haben, am nuͤtzlichsten zu guten Hoff- und Ketten-Hunden zu ge- brauchen, indem dieselben sehr wachsam und alles grimmig anfallen, was sie ver- mercken, ob sie schon kleiner, als die En- glischen Hunde und deren Zwerge sind. Diese Hunde sind meistentheils von kur- tzen Nasen und schwartz umb das Maul, die Unterlippen stehen vor, sind gelblicht oder braunstreiffigt an Farbe und sehen mit denen Augen sehr unfreundlich und laͤunisch aus: Sie liegen ebenfalls, wie voꝛ- gemeldte Englische, auf solchen Lagern an festen Ketten, daß sie einander nicht er- reichen koͤnnen, und muͤssen alle Wo- chen zum wenigsten einmahl ihr frisches Stroh bekommen, damit sie nicht raͤu- dig werden und einander schaͤndlich an- stecken, auch muͤssen oͤffters diese sowohl, als die vorigen, durch hierzu bestellte Bauern ausgefuͤhret werden. Sonsten werden dieselben zu steiff und verliegen sich. Von leichten Cours- H unden. Gleichwie, als ich zum oͤfftern er- wehnet, ein jedes Land mit seinem beson- dern Clima, Lufft, Nahrung, Wasser und dergleichen versehen, also hat es nicht allein dergleichen wahre Beschaffenheit und mercklichen Unterscheid zwischen de- nen leblosen Creaturen, sondern auch denen wilden Thieren, sonderlich bey de- nen Hunden. Man findet in Curland eine Art Wind-Hunde, die von unge- meiner Groͤsse und hoͤher als Englische Hunde sind, haben lange duͤrre Koͤpff, gleich einem Stuͤck Wild; Ubrigens aber sind sie an allen ihren Gliedern unsern Wind-Hunden gleich, nur daß solche, wie gedacht, umb ein ziemliches groͤsser, hoͤher und laͤnger, womit die Einwoh- ner in Curland, weil es schnelle und fluͤch- tige Hunde sind, die Baͤre und Elend- Thiere in Wildnissen hetzen koͤnnen: Wann man diese Art haben kan, ist es freylich besser. Sonsten kan man in Er- mangelung itztbesagter Hunde sich an- dere leichte, schnelle und fluͤchtige Hatz- Hunde zuwege bringen, wenn man nem- lich eine grosse Wind-Huͤndin mit einem Englischen Hund beleget, dann alsdenn fallen die Jungen etwas nach dem Va- ter staͤrcker und groͤsser als die Huͤndin und nach der Mutter schmaͤchtiger und fluͤchtig und sind geschickt, das angeschos- sene u. verwundete Wild, weiln sie schnell sind und wohl lauffen koͤnnen, bald ein- zuhohlen: So sie hinter einem Thier herlauffen und demselben immer je laͤn- ger je naͤher an den Leib kommen, mithin dasselbige zu fangen gar nicht zweiffeln, sondern in der Stille sich auff ihr Gesichte verlaͤssen, und was sie vor sich sehen, sich durch ihre Ge- schwindigkeit einzuhohlen getrauen, so achten sie keine Spuhr, nehmen auch sol- che im geringsten nicht an und sind hier- innen denen Wind-Hunden gleich, weil sie nur das fluͤchtige angeschossene Wild hetzen; Deshalben werden sie zu Jagd- Y 2 Zei- Dritter Theil/ Zeiten auswendig des Lauffs angestel- let und an noͤthige Oerter ein Paar von denselben zum Hetzen dergestalt parat ge- halten, daß wann ohngefehr einiges an- geschossenes Wild unvermuthet uͤber den Zeug fallen solte, solches dann mit denen- selben gehetzet und gefangen werden moͤ- ge. Man kan auch wohl Bachen, Re- he und Woͤlffe in lichtem Holtze, ohne daß solche angeschossen seyn muͤssen, damit hetzen und fangen; Weiln sie gleichsam starcke Wind-Hunde sind, welchen nichts entlauffen kan; Solche Hunde werden meistentheils Puͤrsch-Hunde geheissen und von Jugend auf mit Fleiß darzu ge- woͤhnet, daß sie dem Weydemann nach- kriechen lernen und so der Schuß gesche- hen, dannoch dem Wild ohne Geheiß nicht nachlauffen duͤrffen, biß man das Ver- wundete gemercket, nach welchem man den Hund hetzet, so wird er mit der Zeit mercken, welches das getroffene gewesen, solches geschwind einhohlen und gewalt- sam niederziehen, oder unter einem gan- tzen Troupp das angeschossene Wild aus- suchen und mercken, daß es kranck sey, und mit den andern nicht mehr so fluͤch- tig fortkommen koͤnne: Maassen es sich meistens abgiebet und wenn ein solch an- geschossen Wild nicht sofort in continenti verfolget werden solte, wuͤrde dasselbe, sonderlich des Sommers in grosser Hi- tze, bald anlauffen und in wenig Stun- den meist verdorben seyn. Vor hauen- den Schweinen aber sind sie zu schonen und waͤre Schade, sie zu hassadir en, weiln dieselben unfehlbar wuͤrden zu Schan- den geschlagen werden, sondern es koͤn- nen lieber hierzu die Sau-Ruͤden, als die nicht so kostbar, gewaget werden; Solche Hunde werden an Ohren und Schwantz nicht gestutzet, sondern ihnen, gleich denen Wind-Hunden, dasjenige gelassen, was ihnen die Natur gegeben, und werden, damit sie leicht lauffen koͤn- nen, mit trockenem Brod von Haber- Schrott gefuͤttert und ihnen keine dicke Mehl-Suppen, wovon sie zu schwerfaͤllig wuͤrden, gegeben: Vor allen Dingen aber, welches hierbey zum oͤfftern ange- mercket, muͤssen sie alle Tage ausgefuͤhret werden, daß sie gaͤnge und fluͤchtig blei- ben, zum wenigsten muͤssen sie in einem grossen Zwinger frey herumb lauffen, und nicht immer bestaͤndig an Ketten ge- leget seyn, sonsten, wann sie noch so kostbar sind, werden sie in kurtzer Zeit mit vie- lem Verdruß der Herrschafft, und Ver- antwortung des Waͤrthers steif und un- brauchbar und verliegen sich dermaassen, daß kein zahm Vieh, so sachte es auch laͤuffet, nicht einmahl darmit einzuhoh- len. Sonst werden sie wohl auch zuwei- len, wie die Englischen, an Ketten gele- get, haben auch solche Lager und gehoͤ- ren zur Auffsicht des Ruͤden-Knechts in Englischen Stall, weil damit das fluͤch- tige Wild gehetzet wird. Von denen S au- R uͤden. Es pflegen bey denen Herrschafftli- chen Aemtern die Fleischer, Schaͤffer, oder Hirten oͤffters feine maͤßige, doch starcke und zottlichte Bauer-Hunde, so was hoch von Beinen sind, wegen des Viehs zu halten: Oder es belauffen sich auch grosse Herrschafftliche Hunde zuwei- len mit denenselbigen, daraus derglei- chen zottlichte Zwitter und mancherley Arten derer Hunde kommen. Weiln nun solche Hunde nichts zu halten ko- sten, so werden dieselben kurtz vor der Schwein-Hatz-Zeit, bey denen Unter- thanen darzu ausgesuchet: Wann man denn darmit zu Holtze ziehet und diesel- ben einen nach dem andern loßlaͤsset, um die Sauen rege zu machen und aus dem Dickigt heraus nach dem Laufft zu ja- gen und ihnen zur Auffmunterung mit dem gewoͤhnlichen Horido wohl zu- schreyet, nachfolget, und sie also wohl an- fuͤhret, koͤmmt es bey solcher Gelegen- heit gar offte, daß viele in Lehr-Jahren si- tzen bleiben, darumb man lieber zwey- oder dreyjaͤhrige alte eingehetzte Hunde mit hierzu nehmen soll, wo man nicht Schaden haben will, weil junge Hunde noch allzu unvorsichtig anfallen. Es pfle- gen auch etliche bey dieser Gelegenheit de- nen Sau-Ruͤden oder Hatz-Hunden Schellen an Halß-Baͤndern anzuhaͤngen, damit das Schwein sich dafuͤr scheuen, und sich desto mehr auff die Flucht bege- ben, folglich gegen die Hunde sich nicht zur Wehre stellen moͤge. Was maͤßige Sauen, als Bachen und Frischlinge, sind, derer koͤnnen sie zwar wohl maͤchtig wer- den, die Kaͤuler aber flicken ihnen oͤffters dergestalt die Hosen, daß manche auff dem Platze bleiben. Wann etliche Hun- de Puͤrsch oder Cours Huͤnde. Sauͤ Ruͤdden. Windspiehll. J. J. Von denen H unden. de beysammen, haben sie mehr Courage und werden lieber ein grosses Schwein mit eyfriger Begierde verfolgen, ob sie ihm wohl leicht nicht viel anhaben koͤn- nen. Es verlaͤsset sich, einen starcken Angriff anzuwagen, immer einer auf den andern und stehen einander bey, so lange, biß ihnen die grossen Hunde zu Huͤlffe kommen, und nieder ziehen helf- fen, da, umb ihre Tapfferkeit desto mehr aufzumuntern, mit Ruͤde-Hoͤrnern daꝛzu geblasen und geschrien wird. Es tau- ern aber solche Hunde selten lange, oder werden nicht leicht alt, weiln sie oͤffters von hauenden Schweinen gantz zu Schanden geschlagen werden, weswegen auch hierzu keine schoͤne, rare und kost- bahre Hunde genommen werden, und koͤnnen auf die Art solche Ruͤden der Herrschafft nichts kosten, dieweiln sie auf dem Lande hin und wieder verleget sind. Jn Pommern und Cassuben, oder an denen Pohlnischen Graͤntzen fin- det man auch bey denen Schaͤffern der- gleichen, jedoch etwas staͤrckere zottlich- te Ruͤden, welche sie hoͤchstnoͤthig und unentbehrlich der Woͤlffe halber, umb die Schaaf zu beschuͤtzen, halten muͤssen, die zum Hetzen und Streichen vortrefflich gut zu gebrauchen sind, und von Chur- Fuͤrst Johann Georg dem Dritten sehr æstimir et wurden. Von denen W indspielen. Diese Hunde haben ihren Namen wegen ihres schnellen Lauffens, daß sie gleichsam als die Winde fortfliehen und weit geschwinder als andere lauffen: Sie sind zart, rahn und lang von Schen- ckeln, schmahl von Leibe und mager, so alles zum lauffen dienlich ist: Bey ihrer Aufferziehung muͤssen sie nicht allerhand dicke Suppen, Milch oder dergleichen Geschlapper zu fressen kriegen, wovon sie nur dicke Baͤuche bekommen, und ja keine Knochen, sondern nichts anders, als trocken Brod und Wasser, welches ihnen am allergesuͤndesten. Der Zwinger, worinnen sie mit einander spiehlen, lauf- fen und springen, soll nicht zu eng, son- dern weitlaͤufftig seyn, daß sie sich nicht verliegen; Auch muͤssen sie oͤffters beym Ausspatziren mitgenommen werden, nebst einem Stoͤber, daß sie herumb ja- gen koͤnnen. Vor allen Dingen gewoͤh- net man sie dazu, daß sie sich neben dem Pferde her an einem Hetz-Riemen fuͤh- ren lassen. Wenn sie uͤbers Jahr alt sind, muß man einen Hasen lebendig in einen Sack einfangen und solchen auff das ebene Feld tragen lassen. Wann nun der Hase fortlaͤuffet, laͤsset man ei- nen alten und zwey junge darhinter strei- chen und eylet mit dem Pferde nach, umb sie anzufrischen. Dieses thut man zwey oder dreymahl, so lernen sie fangen und verbindet sie hernachmahls die Na- tur, daß sie ihren besten Fleiß anwenden. Wie man denn Hunde hat, die einen Hasen alleine rahmen und leichtlich ohne anderer Hunde Huͤlffe fangen koͤnnen. Diejenigen Hunde, welche mit einander schon oͤffters was gefangen, zusammen gewohnet sind, und sich darinnen fleißig uͤben, fasset man lieber allzeit an einen Hetz-Riemen zusammen, so secundir en sie einander am besten, daß, wann der schaͤrffste Laͤuffer den Hasen rahmet, ihn der hintere oder letztere am meisten und mehrentheils fangen wird, und muß, waͤhrenden Hetzen, das ungezogene Schreyen vor allen Dingen unterlassen werden: Maassen bey jedwedem Geschrey, soofft es geschiehet, der Hase vor Angst sein aͤuserstes waget und immer weiter vor die Hunde kommet, als er vorhero gewesen, sondern das stille Hetzen ist das beste, nach dem gemeinen Sprichwort. Es werden auch die Hunde abgeschrecket, indem sie meinen, sie thaͤten Unrecht, weil sie zu Hause beym Naschen, oder wenn sie die Schafe anlauffen, auch ab- geschrien werden, worunter die armen Thiere keinen Unterscheid wissen. Es ist auch bekant, sonderlich, wo der Jaͤger zu Fuß hetzen muß, (maassen nicht alle Pferde haben koͤnnen, gleichwohl aber mißlich seyn solte, wann die Hunde al- leine waͤren, denn so wuͤrde der Hase meistens verzehret seyn, so, daß zwar Wolle, aber kein Wildpraͤth gefunden wuͤrde,) daß man, zu Verhuͤtung dessen, einen Retter unter solchen dreyen er- wehlet, welcher verhuͤten und die andern abhalten muß, biß man darzu komme. Man erwehlet insgemein einen unter denen dreyen jungen, welcher der hertz- haffste, nach dem vorgeworffenen Brod am schaͤrffsten greiffet und die andern ab- weisen will, welchem man beystehen und Y 3 allzeit Dritter Theil/ allzeit die Oberhand laͤsset, daß er gewiß versichert bleibet, er sey Meister und al- lein Hahn im Korbe unter ihnen: Sol- che kleine Jalousie muß jederzeit erhalten werden, daß er das Præ behaͤlt: Wann aber der Retter selbst den Hasen fressen wolte, daß die andern Zeugen waͤren, ist die Hetz-Peitsche gut darzu, doch mit Manier, nicht auf die Nase oder Beine, daß er nicht bloͤde oder lahm werde; er muß auch nur denen andern Hunden die Zaͤhne weissen, daß dieselben Respect brauchen, solte er sie aber zu Schanden beissen, kan dem Retter bißweilen ein Streich nicht schaden. Anfaͤnglichen las- se man ihn zu Hause, und hetze die zwey andern jungen vorhero vollkommen mit einem erfahrnen Hund erst recht ein; Wann nun solche geuͤbet, kan man den Retter absonderlich zu fangen gewoͤhnen, so meistens auff eine Ubung ankoͤmmet, und muß observir et werden, daß man dem Hasen vorbeuge, weil er gerne Berg anlaͤufft, oder seine Retirade in ein Dachs- oder Fuchs-Loch nimmt, auch muß nicht in weichem Thau-Wetter auff denen Saat-Feldern derer armen Leute Ge- traͤyde durch Pferde und Hunde ruinir et werden, weiln solches erstlich eine grosse Suͤnde, auch das eingetretene nicht wie- der waͤchset, und man endlich gar leichte stuͤrtzen und Schaden nehmen kan. So dienet auch nicht beym Frost zu hetzen, weilen die Hunde sich an Klauen und Fuͤssen von harter Erde dermaassen zu schanden lauffen, daß man solche in viel Wochen nicht brauchen kan und diesel- ben zu schmieren und heilen viel Muͤhe haben wird; Auch muß waͤhrender Satz- Zeit und in tieffem Schnee nicht gehetzet, sondern solches biß nach der Erndte ver- spahret werden. Wann jungen Hun- den die Klauen spitz abgeschnitten wer- den, lauffen sie schaͤrffer, als sonsten. Von denen Blendlingen. Es ist bekant, daß ein Windspiel den Fuchß nicht beissen will, weil solcher das Windspiel leicht lahm zu beissen pfleget, daß es gar abgeschaffet werden muß; Hat man also hier eine Art Zwitter, welche hierzu absonderlich angefuͤhret werden, und eine sonderliche beyßigte Art von Natur an sich haben. Sie werden aber zuwege gebracht, wann eine niedrige daͤhnische Huͤndin mit einem Windhund beleget wird, oder, wenn man in Man- gel derer eine andere gemeine Huͤndin nimmt, doch von glatten Haaren, so faͤllt oͤffters eine gute Art, ob schon was nie- driger, doch staͤrcker von Halß, Kopff und Schenckeln, und halten einige gar viel darvon, haben sie bey sich als Leib- Hunde, lernen ihnen allerhand Kuͤnste, weil sie ziemlich ranck und zu lauffen be- quem sind, richten sie ab ins Wasser zu gehen, was heraus zu hohlen, verlohren zu suchen, uͤberzuspringen, und was der- gleichen Kuͤnste mehr sind. Weiln auch ein Fuchs lange nicht so scharff laͤuffet, als ein Haase, sondern meist nur krum- me Springe thut, hat man solche Zwit- ter, die ihm aus krummen Springen ge- rade machen. Zu solcher Anfuͤhrung muß man sie erstlich mit Katzen hetzen etliche mahl auf denen Feldern gewoͤhnen; Wann solches oͤffters geschehen, werden sie den Fuchs schon beissen und hierzu genungsam abgerichtet seyn, man kan auch die Dachse des Nachts von denen Ruͤben herrlich nach Hause begleiten las- sen. Von dem L eit- H unde. Gleichwie ein Kundschaffer des Fein- des Lager zu recognoscir en und von feindlichen Parti en genaue Nachricht zu hinterbringen gebrauchet wird, solches in der Stille unvermercket zu observir en, damit ein Feld-Herr mit seinem Kriegs- Volck desto fuͤglicher sich darnach rich- ten koͤnne, durch was vor ein Stratagema er den Feind schlagen und den Sieg er- halten muͤsse; Also wird bey dem Wey- dewerck eben auch der Leit-Hund zu sol- cher Function gebrauchet, das verborge- ne Wild durch denselben auszuforschen, wo es sich aufhalte, auf was Art dem- selben beyzukommen, durch was vor Zeug dasselbe zu fangen und zu erlegen sey. Jst also nun dieses der edelste und vornehmste Hund, so bey dem Weyde- Werck gebrauchet wird. Und weil der- selbe, Zeit waͤhrenden Gebrauchs an ei- nem Franhoͤsich Par Force Huͤnd. Englischer Par Force Huͤnd. Pohlnischer Jagd Huͤnd. Teuͤkscher Jagd Huͤnd. U U. Leith-Huͤnd. Schweiß Huͤnd. Bauͤ Finder. Huͤnner Huͤnd. X X. Von denen H unden. nem langen Riemen, das Henge-Seil genannt, stets gefuͤhret oder geleitet wird, wird er der Leit-Hund genennet. Er hat an sich selbst einen strengen Orden und muß, damit er seinen Geruch nicht ver- derben moͤge, bestaͤndig gegen die Sonne mit der Kette an einem trockenen Ort angeleget seyn, dann er durch vieles Umb- lauffen sich nicht allein das Hasen-Jagen angewoͤhnen, sondern auch seinen Ge- ruch durch herumbschnopern der Koch- Toͤpffe von sauer und suͤsser Bruͤche ver- derben wuͤrde, welche grobe Duͤnste sol- cher Speisen verhindern, daß die reinen Atomi des zarten Geruchs und gerin- ge Empfindlichkeit der Spuhr des Wilds Dunst nicht wenig schwaͤchen und sehr verhindern, dahero er von Jugend auf, in solchem strengen Leben erhalten wird, ihn desto nuͤtzlicher zu gebrauchen. Er soll seyn von mittelmaͤßiger Groͤsse, gelb- lichter Farbe, einem zierlichen foͤrmli- chen, doch dicken Kopff, weiten Nasen- Loͤchern, grossen Lappen umb den Mund, Spannenlang hangenden Ohren, starck von Brust und Creutz, einem langen Halß, starcken Laͤufften, deren die voͤrdern kuͤrtzer, als die hintern, ei- nem abhaͤngigten Schwantz oder Ru- the, und meistens gebildet, wie ein nie- driger Mittel-Jagd-Hund aussiehet. Jhre Art ist nicht zu bellen, anzuschlagen oder laut zu seyn, wormit sie das Wild verstoͤhren wuͤrden, sondern sie werden von Jugend auf bey denen Menschen an- gebunden zu seyn gewoͤhnet, das Wild in der Stille zu spuͤhren und ihren Wey- demann auf der Gefaͤhrd des Wilds an- zufuͤhren. Wann sie in der Jugend noch klein sind, sind sie bloͤde und erschre- cken, und fuͤrchten sich vor allem, ver- kriechen sich oͤffters in Stroh, schreyen gantz wilde, sind sehr scheu und muͤssen bey der Aufferziehung wohl in acht ge- nom̃en werden, daß man sie ja nicht schla- ge, oder von andern Hunden beissen las- se. Sie lassen sich gerne liebeln und strei- chen und muͤssen freundlich von Jugend auf zum fuͤhren baͤndig gemacht wer- den. Jhr Fraß ist einig und allein Brod mit Milch und guter Bruͤhe von zahmem Fleisch zu ordentlicher Zeit, Fruͤhe, Mit- tags und Abends; Aber von keinem Wildpraͤth muͤssen sie etwas bekommen, es sey dann daß man Hirsch-Schweiß hat. Sie muͤssen von Jugend auff zu fuͤhren vor sich her gewoͤhnet werden, auf lustigen Feldern und gruͤnen Rasen, nur daß sie ja keine Spuhr von Fuͤchsen oder Hasen finden, dann sie halten von Natur die Nase zur Erden, welches ihnen ja nicht durch schlagen verdor- ben werden soll. Einige Jaͤger blen- den ihnen die Augen durch einen brau- nen Staub-Puͤltz, damit sie sich mehr auf die Nase zu suchen, als mit denen Augen zu gucken verlassen koͤnnen, weiln sie sonsten die Spuhr uͤbergehen. Die Nasen-Loͤcher muß man ihnen fleißig mit altem Kaͤse reiben, daß sie dieselben ablecken, also reinigen und den Geruch staͤrcken, damit sie nichts leichtlich von der Spuhr uͤbergehen, sondern alles an- zeigen. Von dem S chweiß- H unde. Dieser Hund ist nechst dem Leit- Hund fast der noͤthigste und nuͤtzlichste; Maassen ohne denselben das sonsten oh- ne diß sehr uͤbel von einem unachtsamen Weydemann zu Holtz geschossene Wild wohl schwerlich wuͤrde gefunden, viel- mehr aber von Fuͤchsen, Kraͤhen und andern Thieren verzehret werden und denen Menschen nicht zu Nutzen kom- men, sondern, zumahl in der warmen Sommers-Zeit leicht in wenig Stunden anlauffen und verderben muͤssen, daß nichts, als die verschimmelten Knochen darvon uͤbrig bleiben und mit der Zeit ohngefehr gefunden werden wuͤrden. Zu solchem Ende wird der Schweiß- Hund, sobald ein wild Thier angeschos- sen, daß solches in der Angst vor Schmer- tzen in einer Furie weit fortlaͤufft, auff der Faͤhrd oder ausgelassenem Schweiß angefuͤhret; Und weiln dasselbe, indem es insgemein weidewund, oder durch den Wanst, Mast-Darm, oder Geschei- de getroffen worden, hiervon je laͤnger je kraͤncker und matter wird, und, wann man ihm Ruhe laͤsset, in dem nechsten Behaͤltniß sich nieder thut und verbir- get, so gehet man ihm mit dem Schweiß- Hunde nach, und suchet in der Stille so lange, wenn es auch schon wieder zu Walde gangen waͤre, biß man es mit allen Ein- und Ausgaͤngen beschlossen, und gleichsam bestaͤttiget hat. Hierauff kan man den Hund, der ebenfalls wie der Dritter Theil/ der Leit-Hund gefuͤhret wird, an einem reinen Ort anbinden und ruhen lassen. Und dann mit dem Puͤrsch-Rohr hin- einschleichen, umb das Wild anzutreffen, welches, weiln es immer kraͤncker wird, sich gleichsam gutwillig ergiebt, auch letz- lich gantz nahe kommen laͤsset, daß man es vollends niederschiessen kan. Solches ist an denen Graͤntzen, da man der Nach- folge nicht berechtiget und weder mit der Buͤchsen, noch mit dem Hund das ange- schossene Wild uͤber die Graͤntze verfol- gen darff, sehr dienlich: Jst aber die Graͤntze weit abgelegen, so kan das Thier mit einem loßgelassenen Blendlinge ver- folget werden, und weiln, wie gemeldet, angeschossen Wild die gesunden verlaͤst, und vor Schmertzen den Brand zu loͤ- schen seine Flucht gemeiniglich nach dem Wasser nimmt, hineinspringt und vor dem Hund stehet, kan der Schuͤtze des Hundes Anschlagen und laut ver- nehnem, und hoͤren, sodann nachfolgen, es hinterschleichen und schiessen. Son- sten hat man auch eine Art Schweiß- Hunde, wann von Daͤhnischer mit- telmaͤßiger Art eine Huͤndin mit ei- nem Jagd-Hund beleget wird, so fal- len die Jungen von sehr gutem Geruch und werden auch Blendlinge genennet, welche auf der Faͤhrd nicht gerne laut werden, man hat sie gerne rothbraun von Farbe und werden ebenfalls, wie die Leit-Hunde, jedoch ohne Zuspruch an ein Leinchen auf der Faͤhrde des Wilds gearbeitet, daß sie sowohl die Faͤhrd, als auch den Schweiß suchen, welches ei- ne Menage vor einen Graͤntz-Schuͤtzen ist, der viel Hunde zu halten nicht ver- mag. Und wird insgemein auch ein solcher Hund zum Schieß-Hund hin- ter dem Schuͤtzen zu kriechen abgerich- tet, daß er, sobald geschossen, nach dem Schweiß das Wild verfolge und entwe- der erlege, oder wieder umbstaͤndig ma- che. Weswegen man sie gerne etwas fluͤchtig hat, einen angeschossenen Hirsch oder Thier einzuhohlen, oder die Sauen herumb zu ruͤcken und staͤndig zu machen, biß man mit dem Schuß ankommen, oder sie beschleichen kan: Sind also gleich- sam als halbe fluͤchtige Puͤrsch-Hunde zu gebrauchen. Von einem S au- F inder. Es hat dieser Hund seinen Namen daher erhalten, weil er die wilden Sau- en zu finden unterrichtet, angefuͤhret und gebrauchet wird, die meisten neh- men ebenfalls letztbeschriebenen Schieß- Hund hierzu. Sonsten haben auch ins- gemein die Wild-Huͤther, wo grosse Ge- hege sind und sie Getraͤyde im Felde bey der Nacht bewachen und das Wild ab- jagen muͤssen, die besten Hunde zu sol- chem Dienst, weil sie die wilden Sauen, die nicht so fluͤchtig, als die Hirsche, eher einhohlen koͤnnen und gleichsam hierauf eingehetzet sind. Ob sie schon schlechte Bauer-Hunde sind, werden sie dennoch hierzu durch die Gewohnheit gebracht. Sie sollen von mittelmaͤßiger Groͤsse, braun oder schwartz seyn, welche Art hier- zu am beqvemsten abzurichten ist. Vor allen Dingen muͤssen dieselben von Ju- gend auf immer zahmer, doch schwartze Sauen anzubellen und zu hetzen gewoͤh- net werden, darbey, wo mans haben kan, man ihnen in ihrem Fraß den Schweiß von wilden Sauen geben soll, umb sie desto begieriger zu machen, damit sie nichts anders, als nur die wilden Sau- en finden, vor ihnen stehen, sie verrathen, durch ihren Laut anmelden, anschlagen und mit herumb springen so lange auf- halten muͤssen, biß solche auff solchen Keiff von dem Weydemann besprungen, erschlichen und geschossen werden. Alle andere Spuhr aber von Hirschen, Re- hen, Fuͤchsen und Hasen, ist ihnen mit allem Fleiß abzugewoͤhnen, wiewohl das Dachs-Hetzen ein paarmahl nicht scha- den kan. Am nuͤtzlichsten solte wohl zu deren Ausfuͤhrung dienen, wann man das erstemahl einen zweyjaͤhrigen Frischling im Gehege oder Thier-Gar- ten unter dem Roth-Wildpraͤt vor ihnen schiessen koͤnte, daß sie solches niederzie- hen und wuͤrgen lerneten: Nachmahls werden sie an eine gelde Bache gelassen, davor sie stehen. Wenn dieselbe gepuͤr- schet und erleget wird, und man ihnen deshalben froͤlich zuspricht und ihr Ge- nuͤß davon giebet, werden sie sich umb ein merckliches bessern, so sie aber nach dem Roth-Wildpraͤth, Rehe oder Ha- sen jagen wolten, muͤssen sie davon mit Fleiß abgehalten und gestraffet werden, damit sie auff nichts anders, als Sauen begie- Daͤhnischer Glendling. Barber oder Wasser Huͤnd. Englischer Hasen Huͤnd. Stoͤber Huͤnd. ÿÿ Von denen H unden. begierig abgerichtet seyn moͤge. Wird nun so ein junger Hund das erstemahl finden und etliche mahl heꝛnach, was voꝛ ihm ge- schossen worden, anpacken, u. den Schweiß genuͤssen, hingegen von anderm Wild- praͤth sich gantz abgewoͤhnen, wird er ein guter Finder werden: Weiln aber diesel- ben entweder, da sie zu hitzig auf die Sauen fahren und von denenselben lahm oder todt geschlagen, oder vom Schuͤtzen unvorsichtiger Weise in der Hast mit dem Schwein zugleich geschossen werden, so ist zu betauern, daß die meisten in de- nen Lehr-Jahren insgemein bleiben muͤssen; Wiewohl man denselben An- fangs nicht gleich zu was gefaͤhrliches an- weiset, weil er aus unvorsichtiger Kuͤhn- heit moͤchte von hauenden Schweinen oder Kaͤulern geschlagen und also bloͤde gemacht werden, daß er ferne an kein Schwein mehr zu gehen Appetit haben wuͤrde, zu welchem Ende hierinnen be- hutsam zu verfahren ist. Von dem H uͤhner- H und. Wie bey dem grossen Weydewerck oder der hohen Jagd der Leit-Hund der vornehmste und nechst demselben der Schweiß-Hund der nuͤtzlichste, hingegẽ a- ber bey dem Schwartz-Wild oder bey der Mittel-Jagd der Saufinder der noͤthig- ste ist, also wird bey dem kleinen Wey- dewerck oder saͤmtlichen Federspiel der Huͤhner-Hund, wegen seiner muͤhsa- men Abrichtung und sclavi scher Zucht, als der kuͤnstlichste billig allen andern Hunden weit vorgezogen. Es sind aber dergleichen Hunde insgemein von mit- telmaͤßiger niedriger Art, weiß und braunfleckigt, theils tiegericht bespren- get, mit langen Ohren behangen, wer- den aber, damit sie den Schwantz in die Hoͤhe tragen, gestutzet. Weil sie von Natur hitzig sind, ist hoͤchst noͤthig, daß sie in scharffer Zucht gehalten werden. Jhre Abrichtung bestehet vornehmlich darinnen, daß sie in der Jugend wohl baͤndig gemacht, und zu stetem Gehor- sam gewoͤhnet werden. Wann sie in die Furcht gebracht, muͤssen sie bey hun- grigem Magen ihr taͤglich Brod auf dem Felde suchen, richtig umbher revier en ler- nen und so sie das Brod finden, muß man es ihnen das erstemahl zu fressen erlauben, so sie aber wiederumb ein Stuͤck Brod antreffen solten, sie mit dem gewoͤhnlichen habe acht, ingleichẽ huͤthe dich u. starckem Pfeiffen abruffen, an sich locken und vom Fressen abhalten, biß man es ihnen erlaubet, so sie aber vor sich oh- ne Permission dasselbe mausen, muͤssen sie mit der Spießruthe, oder Bedro- hung, nachdem sie guter oder boͤser Art sind, corrigir et werden: Manche lassen die Hunde taͤglich vor ihrem Fraß oder Suppe das gewoͤhnliche Couchi machen, oder gewoͤhnen sie mit guten Worten oder Schlaͤgen ein Stuͤcklein Brod auff der Nase still zu halten, sagen ihnen das A. B. C. vor, biß auff das S. da sie es fangen duͤrffen, umb sie in dem noͤthigen Gehorsam und steter Furcht zu erhal- ten und ihnen wohl zu imprimir en. Wann dieses nun wohl erlernet und ge- fasset, waͤre trefflich gut, so man ein Paar zahme lebendige Rebhuͤhner in ein Ge- stripp und lang Graß an einen Faden gefesselt anpfloͤckte, anfaͤnglich den Hund herumb revier en ließ und so er etliche- mahl die Huͤhner aufftreiben wuͤrde, (so anfaͤnglich wohl zu pardonnir en,) ihn daꝛ- umb mit der Ruthe bestraffete, daß er vorstehen lerne, nichts anders thue, als mit dem Schwantze wedele und der Huͤhner Gegenwart anzeige. So er darinnen zum oͤfftern geuͤbet, waͤ- re wohl dienlich, das Hertz, Lung und Leber, sonderlich den Schweiß ihm zu ge- ben, wornach dergleichen Hunde ohne- dieß hitzig thun, und davon begierig wer- den. Jn dessen Mangel muß man den Hund oͤffters in die Cammer zu denen lebendigen Huͤhnern lassen, wenigstens den frischen Koth ihm oͤffters vorlegen, und ihn im Felde umbher zu stoͤbern ani- mir en. Wann er nun so weit gebracht, daß er die Huͤhner anzeiget, muß er da- von abzulassen angemahnet, wiederumb zu sich gelocket und angefesselt werden, damit er kein Crackel unter denen Huͤh- nern anfange. Daß er auch desto lieber zu einem komme, giebt man ihm ein Le- ckerbißlein zu fressen, wenigstens Brod, so man jederzeit bey sich haben muß. Wie man nun den Hund auf die Huͤh- ner abgerichtet, und beschriebener Maas- sen damit umbgegangen, so werden an- dere auch auff Schnepffen und Wach- teln vorzustehen abgerichtet, weil die letz- Z tern, Dritter Theil/ tern, nemlich die Wachteln, eine viel suͤs- sere Witterung, als einig Feder-Wild haben. Auch richten einige die Hunde ab, vor den Hasen im Lager zu stehen, doch ist es gefaͤhrlich, daß er hiervon nichts zierliches suchen, und wegen der Hasen-Spuhr stets die Nasen auf der Erden haben wuͤrde, weshalben man ihnen ein hoͤltzernes Gaͤblein, der Schna- bel genannt, mit einem Riemen, als ei- ne Halffter umb den Kopff und das Maul machet, daß sie mit der Nasen bey der Erde nicht spuͤhren koͤnnen, sondern nur eintzig und allein nach dem Wind wittern und wo Feder-Wild ver- handen, gegen den Wind suchen lernen muͤssen. Es werden ihnen die Nasen- Loͤcher, deren Geruch zu staͤrcken mit altem Kaͤse gerieben, so lecken sie den Un- flath fleißig ab und reinigen hiervon die Nase. Es ist ebenfalls der Huͤhner- Hund in einer strengen Secte und sclavi- schen Zucht, mit stetem schmiegen und biegen beschweret, oͤffters angeleget und so er das geringste versehen, wird er offt mit der Ruthe geschlagen. Theils Fe- der-Schuͤtzen, oder Huͤhner-Faͤnger pfle- gen meistens mit allem Fleiß dem Huͤh- ner-Hund Frantzoͤsisch zuzusprechen, als wann sie sagen wollen: Suche, sagen sie: Allons chercher, mein Huͤndlein, mon Amy, und so er was findet, sagen sie an statt habe Acht, gardé bien, lo- cken sie ihn zu sich, heist es Venés icy, oder retirés vous und dergleichen frembde Sprachen mehr, darmit der Hund, so er verlohren, so leicht nicht gebrauchet wer- den koͤnne, welches man in Moscowiti- sche oder Pohlnische Sprache vertir en kan. Und soviel hiervon. Von denen J agd- H unden/ Oder Chiens courrans. Nun komme ich mit meinen Jagd- Hunden, welche als Jagd-Saͤnger mit dem wegen ihres zuruͤckbleibens an- stimmenden klaren und groben lautes, gleich einem Glocken-Spiehl den Jaͤger hertzlich erfreuen und die Waͤlder lieblich erschallen machen, einher gezogen, dar- mit zu zeigen, wie durch dasselbige das arglistige Wild auff seiner Spuhr oder Gefaͤhrd aus denen dicken Behaͤltnissen mit Klang und Gesang in der Flucht her- aus zu bringen seyn koͤnne; Dahero sie Jagd-Hunde genennet werden, weil sie dem Wild auf der Faͤhrd nachspuͤhren, sol- chem nachlauffen, es verfolgen und trei- ben, auch wegen ihres Zuruͤckbleibens oder Unbehendigkeit im lauffen voꝛ Gram und Chagrin laut anschlagen, hierdurch das Wild noch mehr erschrecken, furcht- sam und fluͤchtig machen, daß solches so- dann von denen Menschen, auf verschie- dene Arten gefangen und erleget wird. Es sind dieselben von unterschiedenen Sorten und von mancherley Farben, nachdem das Land, Nahrung und Was- ser, Gestirn und dergleichen mehr be- findlich. Unter allen haben die Fran- tzoͤsischen und Englischen darinnen billig einen weit groͤssern Vorzug vor andern, weil sie einen ungemeinen vortrefflichen starcken hellen Laut haben: Sind ins- gemein weisser Farbe, oder doch fleckigt, derer die Einwohner zu par Force jagen derer Hirsche und Hasen sich bedienen, und zun ersteren groͤssere, zum Hasen- jagen aber kleinere Hunde nehmen, das Wild forcir en, auf Relais, oder Vor- lagen frische unverlegte kleine Engli- sche Pferde und Hunde vertheilen, und dem Wild keine Ruhe lassen, biß es ge- fangen, oder vor Muͤdigkeit gestuͤrtzet ist, deshalben sie solches offters etliche Meilen forcir en und denen Hunden das Wildpraͤt, ausser denen Keulen, dem Zim- mel und Ruͤcken, in Stuͤckgen gehauen, Preiß geben, diese Chiens courrans sol- len ihrer Herkunfft nach aus Schott- land, einige sagen, aus der Tartarey an- faͤnglich gekommen, nunmehro aber in Franckreich ziemlich beruͤhmt anzutref- fen seyn. Sie sind insgemein von lan- gen Ohren wohl behangen, daß man auch welche von anderthalb Viertel einer Ellen gefunden. Von solcher par Force- Jagd aber ist meines Vorhabens nicht zu schreiben, sondern uͤbeꝛlasse solches andern. Nun ist wohl glaublich, auch gar moͤglich, daß ein eintziger Hirsch allein forcir et wer- den kan, und geschiehet solches erstlich, wann man einen Hirsch anjaget und mit Hunden etwan ein paar tausend Schritt verfolget, da er dann gleich und sofort aͤngst- Von denen H unden. aͤngstiglich thut, und immer noch mehr fluͤchtiger wird, weil er hoffet, sich alleine besser zu salvir en und abzukommen, laͤufft dahero aus allen Kraͤfften und mehr, als er kan, wodurch er sich dermaassen erhi- tzet, daß seine Spuhr dem Geruch nach vor andern kalten und schwachen Faͤhr- den denen Hunden in die Nase steiget, wie man den Unterscheid nur e. gr. eines dargegen nicht vergleichenden menschlichen Geruchs an einem hitzig schwitzenden Laͤuffers-Fusse gegen eines Stuben-Sitzers Fuß gar mercklich wahrnehmen kan. Und also genung von der Par Force- Jagd. Was nun un- sere Teutsche Jagd-Hunde betrifft, haͤlt man hier zu Lande die Pohlnischen, Cas- subischen und Pommerischen Hunde vor die besten, weiln sie auff der Spuhr oder Gefaͤhrde lange Zeit tauerhafftig ver- harren und richtig auf derselben verblei- ben: Sie sind meistens staꝛcke Mittel-Hun- de und von Farben braunroͤthlich, roth oder Wolffgrau, selten aber schwartz, mit gelben Koͤpffen und Beinen oder roth gebrannt und wird von der Mittelmaͤs- sigen Art am meisten gehalten. Andere dargegen ziehen die Westphaͤlische und Luͤneburgische Art diesen vor, davon ich aber keine Nachricht geben kan. Jns- gemein halte ich davor, es muͤssen diese Art Jagd-Hunde in besagten Laͤndern aus der Ursache von besserer Art sich generi ren, weiln allda kein Gehege, son- dern sie aus Antrieb der Natur taͤglich auslauffen, die alten die jungen anfuͤh- ren und mehrere Freyheit haben, alles Wild, groß und klein, zu jagen und zu fangen, auch durch Genuͤssung des Raubs begieriger werden, als unsere in kleinen Revie ren oder gar enge gemauerten Zwingern stets gefangene arme Hunde, die offte kaum die Woche einmahl vors Tagelicht kommen, aus Furcht, auf der Graͤntze todt geschossen zu werden, oder Process zu verursachen. Wo koͤnnen sol- che Hunde gut seyn? Theils Jaͤger ver- derben sie auch, wann sie beym Hasen- oder Fuchs-Hetzen Jagd-Hunde zuruͤck peitschen, die Faͤhrd nicht folgen lassen, nur allein fein trocken mit Wind-Hun- den hetzen und diese arme Teuffel, ohne daß sie einmahl oder zwey die Faͤhrd ver- folgen und etwan den Braten zerreissen moͤgten, im Morast und kaltem Wasser herumber baden lassen, hingegen ihnen keinen Genuͤß davon geben; Was koͤn- nen nun hieraus vor gute Jagd-Hunde werden? Es soll vornehmlich aber von je- der Nation insgemein ein wohlgebilde- ter Jagd-Hund haben einen mittelmaͤ- ßigen, doch dicken Kopff, grosse offene Na- senloͤcher, feine Lappen umb den Mund, breite Spannen lang hangende dicke Oh- ren, starcken eingebogenen Ruͤcken, di- cke Lenden, breite und fest fleischigte Huͤff- ten, gerade Knie und Fuͤsse, der Schwantz soll abhaͤngigt, oben starck und dicke, un- terwerts aber leicht und gering, hinge- gen der Bauch haaricht und eingezogen, die Fuͤsse duͤrre mit harten Ballen, dar- zwischen mit Haaren bewachsen, mit starcken schwartzen Klauen versehen, son- derlich mit tuͤchtigem scharffen weissen Ge- biß bewaffnet und mit braunen frisch glaͤntzenden Augen versehen seyn. Sol- ches alles sind meistentheils Zeichen arbeitsamer, von harter Natur und dau- erhaffter wohlsuchender Hunde, so von gutem Athen sind; Und, wann Hunde recht einschlagen, sind sie so wohl nuͤtzlich und noͤthig, als angenehm, ihren Laut zu hoͤren und oͤffters nicht mit vielem Geld zu bezahlen. Jhre Abrichtung oder Aus- fuͤhrung geschiehet folgender maassen: Wann eine wohlbehangene Huͤndin mit einem schoͤnen Hund beleget worden, muß dieselbe anfaͤnglich nach vierzehen Tagen oͤffters, doch maͤßig taͤglich ein- mahl ihre Verrichtung uͤben, damit de- nen Jungen in Mutterleibe die Arbeit und der Genuß eingepflantzet werde: So sie aber uͤber die Helffte tragend, dann wird sie billig verschonet und daheime im Zwinger ledig gelassen: Bey der Ge- burth wird die Mutter fleißig gewartet und ihr in ihren Fraß reiner frischer, doch warmer Schweiß von Hasen gege- ben, diß durchwuͤrcket oͤffters der Mutter Milch, daß die Jungen gleichsam von Natur geneigt alle lebendige Maͤuse und Voͤgel haschen wollen, dabey wohl rath- sam waͤre, wenn sie zwey Monat an der Mutter gesogen und alleine fressen koͤn- nen, daß man ihnen zuweilen ein klein lebendiges junges Haͤßgen vorspielen lies- se; Ferner werden sie frey uneingesper- ret auf dem Lande an lustigen Oertern mit Milch und Wasser-Suppen erzogen, woselbsten sie mit Umblauffen sich erlu- stigen, das zahme Vieh gewohnen, dar- neben die Lufft des Wassers und derer Gelegenheiten kundig werden, mit nich- ten aber sollen sie bey denen Schindern das Luder vom zahmen Vieh, oder bey denen Fleischern die Kutteln so jung fres- Z 2 sen, Dritter Theil/ sen, vielweniger damit auferzogen wer- den, als wodurch das Gebluͤt erhitzet, die Hunde leicht wuͤthend oder raͤudig werden und das zahme Vieh gerne an- fallen lernen. Wann sie sechs oder acht Monat alt sind, muͤssen sie mit einan- der zusammen im Hunde-Zwinger er- zogen werden, daß sie einander gewoͤh- nen, verstehen und kennen lernen, auch besser einander im Jagen beystehen. Da- mit sie aber zur Kuppel gewoͤhnet und baͤndig gemachet werden, muß man ih- nen anfaͤnglich Schlepp-Riemen anlegen, ihnen freundlich zusprechen, und sie an sich gewoͤhnen, biß sie des Jaͤgers Stim- me und sein Horn kennen lernen. Wann es nun schoͤn Wetter, kuppelt man Hund und Huͤndin zusammen, daß sie einan- der nicht beissen und knebelt die Kuppeln an einer langen Leine hinter einander paar weise, daß keiner ablauffen koͤnne, sondern solchen Zug zu halten gewohne. Ein Jaͤger-Pursch ziehet das Seil von vorne, ein anderer von hinten an, damit die jungen Hunde, wann sie woͤchentlich ein paar mahl solcher Gestalt ausgefuͤh- ret werden, den Zug lernen; dabey wird ihnen freundlich zugesprochen, do, do, se, se, und soll der Zug durch eine lustige Gelegenheit, gruͤne Felder und Buͤsche, Wiesen und kleine Wasser, Berg und Thal, unter dem zahmen Vieh herumb gehen. Da auch flache Wasser, oder Pfuͤ- tzen vorhanden, und es im Mittage ohne dieß grosse Hitze, muß der Jaͤger-Pursch baarfuß die Hunde gemach durch ziehen, damit sie Wasser und Morast, auch Schilff in Bruͤchern gewohnen, sie so- dann auf eine lustige Wiese oder Anger fuͤhren, jeden glimfflich zusprechen, ab- wischen, putzen und caressir en. Der ei- ne Jaͤger-Pursch nimmt ein Ruͤden oder Wald-Horn, nebst einer Weyde-Tasche mit guten in Schmaltz gebratenen Lecker- bißlein angefuͤllet und gehet damit eine gute Ecke weiter an einen Ort, blaͤset sein Horn und schreyet do, ho, Wald- mann, do, ho, ho, dann kuppelt der an- dere die Hunde alle loß, treibet sie fort und jaget Hullu, hullu fort, die nicht wollen, treibet er mit der Ruthe, biß die Hunde zusammen kommen, welche je- ner mit seinen Leckerbißlein erfreuen, lie- blen und darmit erlustigen soll. Wann sie nun aufgefressen, dann blaͤsset der an- dere und ruffet die Hunde, wie vorge- meldet, auch zu sich, giebt ihnen gleicher Gestalt was gutes zu fressen und so sie fertig, muß er aufs glimpfflichste diesel- ben, wie vorhero, ankuppeln und nach Hause fuͤhren, biß sie lernen ohne dem Seil in Kuppeln hinter dem Jaͤger zie- hen und zuruͤcke bleiben, auch sich zusam- men halten: solte aber ein Hund unter die Schaaffe lauffen, muß er daran zum Denckmahl gebunden, mit der Spieß- Ruthe geschlagen, abgehalten, angefah- ren und bedraͤuet werden. So nun die Jagd-Hunde meistens ein Jahr alt, muͤs- sen sie, wiewohl mit guter Manier, an die Kuppel gewoͤhnet werden. Dann gewiß, daß junge Hunde angerissen, zum andernmahl scheu werden. Das beste ist, wenn man erstlich ein paar junge Hunde mit einem alten kuppelt, und hin- ter einen Hasen zu jagen anfuͤhret, Maas- sen dieses der jungen Hunde erster An- fang ist, weiln der Hase mit seiner suͤssen Witterung und dem niedrigen Leibe das Laub und Graß beruͤhret, solche ausge- duͤnstete Atomi auch lange tauern und sie also der Spuhr zeitlich gewohnen, so werden sie nachmahls von sich selbsten das Reh, welches durch vieles Umb- springen ein viel angenehmeres Gefaͤhr- de hat, weit embsiger suchen, biß sie den Hirsch, welcher ohne diß eine weit staͤr- ckere Witterung hat, zumahl wann er erhitzet und frisch gejaget wird, von sich giebet, besser anhangen und von Hasen gutwillig lassen, zumahlen da ihnen von des gefaͤllten Wildpraͤth Auffbruch, Hertz, Lung und Leber gegeben wuͤrde, solten sie hierzu begierig und genossen werden. Doch erinnere ich hierbey, aus eigener Experienz wohlerfahren, daß solch jagen ungezwungen im freyen Wald geschehen, keines weges aber jun- ge Hunde in Tuͤchern oder eingesperrten Zaum vors erstemahl angebracht wer- den muͤssen, weil ich sonst gemercket, daß, wenn sie das Wildpraͤth stets vor Au- gen haben, sie den Kopff in die Hoͤhe tragen, sich umbsehen, allem lebendigen nachlauffen, die Voͤgel verfolgen, aber keine Nase zur Erden brauchen, endlich gar die Spuhr, worzu sie erfordert, uͤber- gehen, auch durch vieles Umbwenden und Abspringen in der Spuhr irre wer- den, daß sie weder suchen noch jagen ler- nen und Reckel bleiben. Dabey muß mit jungen Hunden durchaus kein Fuchs gejaget werden, weil ein Fuchs erstlich zehenmahl staͤrckere Witterung hat, zum andern die jungen Hunde zu schanden beisset, wovon sie hernach blode und zu- letzt Von denen H unden. letzt nichts nuͤtze werden. Darzu gehoͤh- ret ein alter Hund und ist gar keine Kunst zu riechen. Jm Schnee, Regen, und starckem Winde, auch hartem Frost oder Thau jagen, ist auch nichts nuͤtze; Weilen der Schnee die Nase erkaͤltet, der Hund verdrießlich wird und keine Ato- mos finden kan, auch die Spuhr zu sehen ist. Der Regen daͤmpffet und verhin- dert den Geruch, auch trocknet der Mittags-Wind die wenige Feuchtigkeit der Faͤhrde dergestalt aus, daß die Hun- de des Wildes Witterung gar nicht em- pfinden, und endlich die Spuhr uͤberge- hen lernen. Von dem Frost- oder Thau- Jagen werden sie, wenn es auf den Tag waͤrmer wird, hernach bald faul wer- den, daß sie weiter nicht zu brauchen. Zum Fraß vor sie halte am dienlichsten von einem Scheffel Korn, einem Scheffel Gerst und einem Scheffel Haber zusam- men gemahlen und hiervon Brod geba- cken, solches untereinander erhaͤlt sie bey gutem Leibe und verhuͤtet viele Kranck- heiten, das Brod fein klein geschnitten, mit einer Metze oder mehr Haber- Schroth untermischet, heiß siedend Was- ser darauf gegossen und eingebruͤhet, da- mit zugedecket und etliche Stunden er- weichen lassen. Besonders aber wird al- lezeit ein Kessel voller zerspaltener wil- der und zahmer Thiere Klauen, inglei- chen Marx-Knochen, Rinder- und Schaaffs-Koͤpffe, mit Wasser gekochet, und solch Fett gewonnen, worzu man letzlich eine Metze Mehl eingekochet mi- schet und den Fraß zusammen ruͤhret, so laulicht, daß es mit dem Finger zu leiden, in ihren Fraß-Trog gegeben, welchen man gerne von Eschen-Holtze haben mag, weil solches eine besondere Eigenschafft haben soll. Wann die Hunde des an- dern Tages jagen sollen, muͤssen ihnen Morgens, so man jagen will, nichts als ein paar Dutzent rohe Eyer, Baumoͤhl, und gersten Schleim gegeben werden, da- von kriegen sie einen hellen Halß, laut anzuschlagen; Und verfolgen, weil sie hungrig, desto begieriger das Wild, stel- len sich auch, so man letzlich sie anzukup- peln ruffen wird, sich bald ein, da ihnen dann von dem auffgebrochenen wild, Brod in Schweiß geduncket und warm gegeben wird, wornach dieselben, bey oͤffterer Ubung, sich mercklich bessern werden. Vor allen dingen muß der Stall, wie eine Stube glatt, wohl gespuͤndet seyn, daß die Hunde sich nicht schieffern; Die Lager-Baͤncke sind zwoͤlff Zoll hoch und vier Schuh breit: Sie muͤssen taͤg- lich frisch Stroh haben und ausgefuͤh- ret werden, die Waͤnde herumb muͤssen mit Kalck berappt, geweisset, und die Decke begipst seyn, daß keine Spinne o- der Gewuͤrme sich daselbst auffhalten koͤnne: Die Fenster sollen hoch, wohl ver- glast seyn, bey nassem Wetter werden sie mit Tuͤchern abgetrocknet, sonderlich muͤssen sie auch einen Zwinger haben, nebst gehoͤrigen Kuppeln; vor allen Dingen aber ist ein fein lebendiges Roͤhr- Wasser noͤthig. Vom W asser- H unde. Es haben die Schaͤfer niedrige Mit- tel-Tꝛeib-Hunde, welche zottlicht von Haa- ren sind, und kriegen solche Art aus Nordischen Landen, sonderlich aus Jß- land, solche Jßlaͤnder Budel nun wer- den mit einem Jagd-Hunde beleget, so fallen die Jungen von langen Ohren, zottlicht von Haaren, welchen, damit sie desto besser schwimmen koͤnnen, das gros- se dicke Haar abgenommen, ihnen ein rechter Barth und Augenbraunen ste- hen gelassen und der Schwantz gestutzet wird, darumb sie die Frantzosen wegen ihres Barts Barbet nennen. Diese Art Wasser-Hunde welche von der Jßlaͤndi- schen grauen Farbe und des Jagd-Hun- des rothen Haaren mehrentheils braun, auch offt weiß mit braunen Flecken als ein Huͤhner-Hund, oder gar schwartz angetroffen werden, sind hurtige und treue Hunde, suchen und jagen gern, lieben auch von Natur das Wasser-Ba- den, mit welchen man des Fruͤh-Jahrs, bey warmem Wetter, in flache kleine Wasser-Pfuͤtzen hinein waden und sie durch wiederhohlen eines Hoͤltzgens, nach- mahls eines Vogels, herauszubringen gewoͤhnen muß, biß er hinter dem Schuͤ- tzen zu kriechen und nach dem Schuß zu lauffen begierig werde, sodann muß man ihn nach einer lebendigen Ente hetzen und blind schiessen, so wird er hitzig darnach schwimmen, dieselbe wuͤrgen und her- aushohlen lernen, welches mit der Zeit durch offtmahlige Ubung umb ein merck- liches sich bessert, daß er gar in Teichen Z 3 oder Dritter T heil/ oder Seen, ja wohl in schnellen Fluͤssen, seine Dienste thun wird: Es muͤssen ih- me aber keine Steine, so untersincken, hinein geworffen werden, dann weil er untertauchen muͤste, moͤgte ihm das Wasser in die Ohren lauffen, und er taub werden, wuͤrde auch die Zaͤhne stumpff machen und abnutzen. Diese Hunde thun gute Stoͤber-Dienste im Geroͤhrigt, Mo- rast und Wasser, alles Wasser-Gefluͤgel, so es angeschossen, heraus zu hohlen, wel- ches man sonst ohne Kahn schwerlich krie- gen, sondern wohl liegen bleiben und ver- derben wuͤrde, zumahl da mancher Wasser-Vogel nur lahm geschossen, oder flatternd fortzuschwimmen, sich unterzu- tauchen und im Schilff zu verstecken pfle- get, welchen der Hund durch den Wind wohl vernehmen, finden und heraus bringen kan. Sie stoͤbern aus dem Rohr, gleich einem Jagd-Hunde, die Fuͤchse, Ottern und wilde Katzen mit besonderm Fleiß, daß man ihnen desto besser im schies- sen beykommen kan, treiben auch die Pha- sian en, Schnepffen, Wasser-Huͤhner, Kybitz, und andere Voͤgel mit Gewalt zur Flucht, wiewohl die Phasian en, als einfaͤltige Voͤgel, sich auf den nechsten Baum setzen und an einen dicken Ast schmiegen, welches aber schaͤdlich, maas- sen auff solche Art die Phasian en-Gehaͤge verstoͤhret werden, mithin die Phasian en auf andere Art zu fangen sind, das andere Gefluͤgel aber pfleget man in der Lufft zu schiessen. Die Frantzosen pflegen sol- chen Barbet, wie ich vom Huͤhner-Hund geschrieben, eben auch nach Frantzoͤsischer Sprache zu gewoͤhnen und ist ein solcher Wasser-Budel einem Feder-Schuͤtzen sehr nuͤtzlich und nebst einem Huͤhner- Hund bey allen vorfallenden Gelegenhei- ten dienlich zu gebrauchen. Von denen S toͤbern. Diese Hunde sind von mittelmaͤßi- ger Art, von einem Huͤhner-Hund und Tachs-Kriecher gefallene Zwitter, welche das Suchen und Revier en von Na- tur an sich haben. Sie muͤssen nicht zu- gleich mit einander zu suchen gewoͤhnet werden, sondern ein jeder absonderlich vor sich alleine: Die Feld-Graben, Was- ser-Furchen, Rehne, oder Scheidlinge durch alle Straͤucher und Graß uͤberall visitir en: Die Frantzosen nennen diesel- ben Spions, weil sie alles genau entde- cken und offenbahren; Sind meistens bundscheckigt an Farbe und muͤssen vor allen Dingen nicht weitlaͤufftig in die Fel- der herumb zu streichen, sondern nur kurtz vor dem Weydemann auff zehen biß zwantzig Schritt zu revier en, auff- zusuchen und fortzustoͤbern, unterrich- tet und angefuͤhret werden, damit die Wind-Hunde nicht den Hasen zuweit einzuhohlen und zu hetzen lauffen muͤs- sen, der Falconir er seinen Vogel auch recht anbringen koͤnne, und nicht fehl stossen lasse, oder der Weydemann mit der Flinte einen weiten Hasen nicht fehlen moͤge. Es uͤberschnellen auch die weitlaͤufftigen Stoͤber nicht allein leicht- lich die Faͤhrde, sondern lassen manches Huhn, Schnepffe oder andere Voͤgel un- beruͤhret sitzen, die sie durch Unachtsam- keit nicht suchen, weniger auftreiben: Dann diese Hunde nur in Feldern zu su- chen, wie gemeldet, gebrauchet werden sol- len: Zu dem Netz-jagen derer Hasen aber, so im Holtze oder Walde geschiehet, sind die Jagd-Hunde, von deren Verrichtung ich bereits gehandelt, jeder absonderlich zu halten und, zu was er erschaffen wor- den ist, zu gebꝛauchen. Man nim̃t meistens zwey biß drey oder vier Stoͤber-Hunde mit sich, das Feld allenthalben reinlich auszusuchen und, damit die Stoͤber hin und wieder von einander suchen lernen, wird zu Anfang ein jeder absonderlich ge- fuͤhret, doch in der Gesellschafft und wann gleich einer was findet, muͤssen die an- dern dannoch ihr suchen fortsetzen, so doch schwerlich angehet, daß sie nicht gleich ein- stim̃ig zusammen fort jagen solten. Es muß ihnen aber nicht mit Schlaͤgen, son- dern mit guter Art abgewoͤhnet werden, sonsten wuͤrden sie nicht voneinander, sondern beysammen, oder einer hinter dem andern suchen lernen und nur einer Dienste thun, auch manches solcher Ge- stalt sitzen bleiben: derowegen ist es sehr noͤthig, daß, so diese Hunde alles auff- stoͤbern sollen, dieselben beschriebener Maassen angefuͤhret werden, damit sie das Suchen, so das vornehmste ist, lernen moͤgen. Von Otter Huͤnd. Tachs Krieger. Tachs Kriecher. Wasser Huͤnd. Z Z. Von denen H unden. Von dem O tter- H unde. Wo grosse Seen, Teiche oder Was- ser-Stroͤhme und Fluͤsse sind, woselbsten dergleichen Behaͤltnisse zu finden, da Fisch-Otter wohnen, oder auch sich wel- che gemeiniglich sonsten mercken lassen, werden dieselben durch solche Hunde an denen Ufern gesuchet, ausgestoͤbert und aus ihren Lagern vertrieben, und haben die Otter-Faͤnger eine besondere Art gros- ser und kleiner Hunde, davon die gros- sen, so als kleine Blendlinge scharff von Gebiß, und einer Daͤhnischen Art sind, zum anpacken, die kleinern aber, wel- che fast wie Dachs-Kriecher sind, doch et- was groͤssere Beine haben, zu Stoͤbern gebraucht werden. Jnsgemein sind der- gleichen Otter-Hunde von behertzter und beissender Art, sind murrisch und spieh- len nicht mit andern Hunden, haben braune stachlichte Haare und tragen die Ohren zu beyden Seiten meist steiff ab- haͤngigt. Jhre Abrichtung geschiehet vornehmlich in der Jugend mit spielen- der Lust und angenehmer Auffmunte- rung in kleinen Wasser-Pfuͤtzgen, son- derlich im warmen Sommer, da sie an- fanglich das Froͤsche fangen am Ufer ge- wohnen, nachmahls bey hungerichem Magen nach kleinen Marx-Knochen, so man ins Wasser wirfft, eintauchen ler- nen, welches der Appetit bey oͤffterer Ubung bessern wird, oder man muß von Jugend auff ihnen zu ihrem Fraß kleine gekochte Fische geben und sie nach jungen Fischen schnappen lassen, dann hierin- nen heist es: Consvetudo est altera Na- tura, und wenn der Magen von Jugend auf anders nichts als Fische gegessen, wo- durch sie an das Wassersuchen gewoͤh- net werden, so werden sie von dem Ja- gen des Wildes und anderer Begierde gantz abgehalten werden, wie man ihnen denn im Holtz herumb zu lauffen keines- weges gestatten muß. Sehr dienlich solte wohl seyn, wann man einen halb- wachsenen lebendigen Fisch-Otter an ei- nem Kettgen, in einem grossen Wasser- Trog haͤtte, den Hund daselbst zum oͤff- tern einhetzte und hierzu begierig mach- te, biß man, wann solches etliche mahl geschehen, und man der Lust muͤde ist, ihn denselben wuͤrgen liesse und er also genossen wuͤrde, oder so man einen Ot- ter ausstoͤbern und im Garn lebendig fangen wuͤrde, koͤnte solcher auf dem Lande gehetzet, mit der Zange gehalten und von denen Hunden gezauset wer- den, worbey ihnen zugesprochen werden muͤste, damit sie daran recht begierig ler- nen moͤgten, wann sonderlich ein alter abgerichteter Hund ihn wuͤrgen und hal- ten sollte, worzu die kleinen destomehr aufgemuntert, hitzig und begierig nach dem Otter embsig suchen und durch die Gewohnheit gute Otter-Finder werden wuͤrden. Von D achskriechern. Nicht alleine auf der Erden, auff Bergen und Thaͤlern, in Waͤldern und Feldern, sondern auch in Bruͤchern, Moraͤsten und Gewaͤssern, ja wohl gar unter der Erden, hat der liebe GOtt wun- derliche wilde Thiere unterschiedlicher Art erschaffen, so ihre Behaͤltnisse sich zu verbergen suchen; Zu welchem Ende man eine besondere Art einiger kleinen Erd-Huͤndlein als Schlieffer oder Krie- cher gebrauchet, so zu ihrem besseren fort- kommen klein, lang und schmahl vom Leibe, mit niedrigen etwas eingeboge- nen Fuͤßlein versehen und hierzu dien- lich sind. Diese Pygmæi, Bergleute, oder Minir er sind eigentlich die Zwerge aller andern Hunde zu nennen, und sind, ob sie wohl klein, dannoch so eyfrig und suchen ihres Herrn Dienst nach aͤusser- stem Vermoͤgen zu vollstrecken: Sie kriechen, treiben und stoͤbern ihr Wild, schlagen an und stehen vor, mit solchem Fleiß und Eyffer, als wohl jemahls die andern, umb ihrem Weydemann anzu- zeigen, wo das Wild sich aufhalte. Die- se Zwerg-Art ist meistentheils von Far- ben roth oder schwaͤrtzlicht, mit behan- genen Ohren, fast dem Jagd-Hund aͤhn- lich, nur daß sie kleiner als Zwerge. Wann sie eines Jahres alt, so ist noͤthig, daß man dieselben an den Dachs-Bau bringe und einen alten abgerichteten Hund hinein fahren lasse: So nun der- selbe was gefunden, vorbiegen und an- schlagen wird, muß der junge Hund sol- ches anhoͤren und hierzu aufgemuntert werden, Dritter Theil/ werden, so nun der Dachs ausgegraben, oder auff andere Art lebendig gefangen worden, muͤssen ihm die Faͤnge abgeknip- pen, er in eine Roͤhre, so mit Brettern und Erdreich verschuͤttet, gelassen, das Huͤndlein darnach zu kriechen gehetzet und daran zu wuͤrgen auffgemuntert werden. Damit auch dieser junge Hund desto begieriger seyn moͤge, wird ihme nicht alleine zum oͤfftern dieserwegen froͤlich zugesprochen, sondern auch er durch gegebenen Schweiß hierzu genossen gemacht. Diese Dachs-Hun- de werden auch von einigen oͤffters als Stoͤber-Hunde gebrauchet, umb die Ha- sen oder Fuͤchse, so waͤhrender Zeit sich verkriechen, auszustoͤbern, oder die Jlt- nisse und andere schaͤdliche Thiere zu er- kundigen und auszugraben. Weil die- ses nun der letzte Hund, so viel mir wis- send, so bey dem Weydewerck noͤthig, will ich also hiemit die speciale Beschrei- bung derer Hunde beschliessen. Von Aufferziehung derer H unde. Nachdem ich bißhero unterschiedene Arten grosser, mitteler und kleiner Hun- de, ingleichen dererselben Naturen, Ei- genschafften, Gewohnheit, Verrichtung und Ausfuͤhrung, so viel fuͤr noͤthig er- achtet, beschrieben habe, so wird nun- mehro nicht undienlich seyn, wann ich dem geneigten Leser das vornehmste von derer Hunde Aufferziehung vorstellen werde. Es ist gewiß, wann man solte wohl abgerichtete Hunde von unterschie- denen Arten aus frembden Laͤndern mit grossen Unkosten bringen lassen, wuͤrde man in der Warheit befinden, daß der Weydemann die Hunde und diese ihren neuen Herrn nicht verstehen, sondern meistentheils das Contrarium, und nicht dasjenige, was sie bey ihꝛeꝛ Auffeꝛziehung, gewoͤhnlicher Zucht und Sprache geler- net und worzu sie abgerichtet werden, thun, mithin dem Weydemann wiedrige Dienste leisten wuͤrden, also, daß, ob wohl die Hunde vor sich von trefflicher Art und wohl abgerichtet sind, sie dennoch dem Weydemann unnuͤtze seyn, ihn ver- drießlich machen und wohl gar zum todt schiessen veranlassen wuͤrden. Damit man aber solchem Ubel wohl vorkom- men moͤge und die rechte Art einer jeden Sort e Hunde reinlich bekom̃e, so muß der Jaͤger vornehmlich nach einer schoͤnen Huͤndin trachten und derselben, umb sie im zunehmenden Mond laͤuffisch zu ma- chen, etliche mahl unter ihre Suppen oder Fraß, ein halb Stuͤck Biebergeyl, Gar- ten-Kreßig-Safft, Honig, Pfeffer-Kuchẽ, ein Dutzend spanische Muͤcken, mit jun- gem Hammel-Fleisch zusammen wohlge- sotten, mengen, der Huͤndin Schnalle mit Meyen-Butter und Jungfer Honig be- streichen, den Hund oͤffters daran riechen lassen, so wird er begierig daran lecken und hierdurch die Huͤndin laͤuffisch zu werden anreitzen. Man haͤlt davor, wann man dieselbe im Zeichen des Wasser- manns, oder der Zwillinge, so im Janu- ario und Majo ihre Aspect haben, bele- gen lasse, wuͤrden im Wurffe mehr Hun- de, als Huͤndinnen gefunden, waͤren auch der Tollheit nicht unterworffen, wie- wohl das erstere am besten, maassen umb solche Zeit in denen so genannten zwoͤlff Naͤchten, nachdem die Jahres-Zeit ist, sowohl die Woͤlffe, als Fuͤchse ran- tzen, mit welchen die Hunde genaue Ei- genschafft haben, zudem auch zu wachsen Zeit haben, daß sie im Herbste mit bes- serm Nutzen ausgefuͤhret werden koͤn- nen, wann sie aber zur letzteren Zeit, erst im Julio jung wuͤrden, als wo die groͤste Hitze, wuͤrden sie zur Tollheit leicht incli- nir en, auch kaͤmen sie zu klein im Herbst auszufuͤhren und froͤren im Winter. Es soll vor allen Dingen eine junge Huͤn- din zum erstenmahl mit einem recht schoͤ- nen und jungen Hund beleget werden, dann ob wohl der erste Wurff insge- gemein schwach, bloͤde, und wuͤthend wiꝛd, daß dahero nicht viel darvon zu hal- ten, so fallen doch die andern Wuͤrffe, nach der Mutter ersterer Conception bes- ser, und sind munterer, wann sie von einem jungen Hund gefallen, als wann solches von einem alten geschiehet. Wann nun die Huͤndin tragend, kan zwar an- faͤnglich dieselbe zur Jagd in etwas ge- brauchet werden, umb hierdurch ihrer Frucht durch die Natur der Huͤndin Verrichtung zu imprimi ren und gleich- sam einzupflantzen: Wann sie aber zur Helffte, thut man am besten, daß man sie im Zwinger oder Hoff frey laͤsset, dann sie durch Anspringen, Fallen, Stossen und dergleichen leichtlich verwerffen und Schaden Von denen Hunden. Schaden nehmen koͤnte. Wenn nun die Huͤndin wirfft, nachdem sie neun Wo- chen getragen, liegen die Jungen neun Tage blind, ehe sie sehen koͤnnen, nach- dem sie viel hat, auch etliche Tage laͤn- ger, und kriechen umb die Alte, unten und oben, suchen ihren Bitz, daran sie oͤff- ters saugen, welches die Alte mit Fleiß ab- wartet und es anfaͤnglich sehr treulich mit ihren Jungen meinet, daferne sie gedul- tiger Art ist, und die ersten vier Wochen ihre Jungen fleißig saugen laͤsset, sich nie- derwirffet und alles leydet, muß ihrer ja nicht vergessen, sondern ihr taͤglich drey biß viermahl feine laulichte Milch-Sup- pen, gut gemachet, gegeben werden, weil die Jungen alles wiederumb abzehren. Es ist sodann denen Jungen die Mutter- Milch trefflich zutraͤglich und nehmen wohl zu: Sie bellen und winseln zum Zeit-Vertreib der Alten die Ohren sehr voll, dennoch ist die muͤtterliche Liebe bey ihr so groß, daß sie nicht allein die Jun- gen Huͤndlein, sondern auch gar deren Koth reinlich hinten und vorne fleißig ab- lecket, welches zu bewundern, biß sie et- was aͤlter werden, und sie gar zu sehr tribuli ren, auch alleine fressen koͤnnen. Da ihrer dann die Huͤndin uͤberdruͤßig wird, und sie lettzlich nicht mehr leyden will. Es muͤssen nachmahls insgemein die junge Hunde, wegen Aenderung der Mutter-Milch, eine kleine Staupe aus- stehen, schlagen aus, wie die Kinder das Friesel oder die Blattern kriegen, da dann mancher crepir et, so es aber uͤberstanden, werden sie munterer und nehmen zu. Man muß denen jungen Hunden, wann sie zuweilen auffstoͤßig, ein wenig gepuͤl- verte Fuchs-Lunge und Dachs-Schmaltz unter ihren Fraß geben und sie taͤglich bey schoͤnem Wetter und warmen Son- nen-Schein in ihrem Zwinger frey lauf- fen lassen und nicht immer bestaͤndig eingesperret halten, wovon sie nur kraͤncklich, siech und elende werden. Die besten unter denen Jungen zu erwehlen sind diejenigen, so innewendig im Rachen schwartz sind, und an Hinter-Beinen Affter-Klauen haben, ingleichen gut Ge- biß, und auf der Brust etliche Haar- Wirbel, auch welche der Mutter am nech- sten nach dem Hertzen saugen, oder son- sten munter und lustig sind. Man soll die junge Hunde, damit sie der Mutter Natur und Art nicht veraͤndern, billig, zum wenigsten bey ihrer Mutter zwey Monat saugen lassen, so pfleget oͤffters die Huͤndin zu rechter Zeit sie selber ab- zugewoͤhnen: Jndessen muß die Huͤndin an gutem Fraß nicht Noth leiden und kan nicht schaden, wann im zunehmen- den Mond, von solchem Wildpraͤth oder Schweiß der Huͤndin etwas in Fraß ge- menget wird, worzu man die Jungen brauchen will, und muß solcher Fraß fein in hoͤltzern Troͤgen und ja nicht aus Kupffer- oder Ertz-Geschirr gegeben wer- den, maassen sie solches nicht gerne an- nehmen: So muͤssen sie auch woͤchent- lich ihr frisches Stroh haben und spatzie- ren zu fuͤhren gewoͤhnet werden, denn solche eines Alters beysammen erzogene Hunde lernen die Gelegenheit kennen, lieben und secundi ren einander am be- sten. Die Namen derer starcken und gewaltsamen Hunde, als Englische To- cken, Baͤren oder Bollbeisser, sind gemei- niglich diese: Hercules, Saturnus, Nimrod, Sultan, Mars und dergleichen; Die fluͤchti- gen Cours- Hunde, leichte Sau-Ruͤden, Windspiele, und Blendlinge aber wer- den genannt: Schnell, oder Greiff, item Spritz, Fluͤchtig, Zange; Die Leit-Hun- de hingegen werden nicht anders genen- net, als der Hund Mann, und die Huͤn- din Hehle: Die Saufinder und Schweiß-Hunde Pack an, Rachgier, Zornig, Furie ꝛc. Die Huͤner-Hunde Wachtel, Tyras, Schnepff und sofort: Die Chiens courrans oder par Force- Hun- de auf Frantzoͤsisch Marqvis, Piqveur, Staffette, Courrier, oder die Huͤndin Com- tesse, Favorite, L’ Amour und derglei- chen; Die teutsche Jagd-Hunde werden genennet, Weydemann, Waldmann, Kuͤckebusch, Stackebusch, Kloͤckner, Kuͤster, Cantor, Saͤngerin, Lauthe und dergleichen: Die Wasser-Hunde und Stoͤber Budel, Schuͤtze, Spion, Taucher; Und endlich die Otter-Hunde und Dachs-Kriecher Otter, Schlieffer, Daͤchsel, Bergmann, Mohlwurff und so ferner, wie es Landes-Gewohnheit und Gebrauch, Sprache und Manier ley- den will, auch eines jeden Humeur ver- langet, nur daß zu einem Namen mehr nicht, als zwey Sylben genommen wer- den, umb desto geschwinder auszuspre- chen. A a Von Dritter Theil/ Von der Milch/ deren Uhrsprung/ und sonderbahren Nutzen derselben. Weil ich in vorhergehendem Capitel von der Hunde Aufferziehung gehandelt habe, hierzu aber die Milch als der wahr- haffte Safft aller Creaturen das meiste beytragen kan, so habe bey dieser Gele- genheit von derselben ein wenig weit- laͤufftiger handeln wollen, welches dem geneigten Leser nicht mißfallen wird. Es hat nemlich dem Allweisen Schoͤpffer Himmels und der Erden nach seinem weisen Rath und Willen gefallen, aus der Erden Schooß Graß und Kraut, fruchtbahre und andere Baͤume, sowohl Menschen, als Thieren zur Speise und Nahrung wachsen zu lassen. Wann nun z. E. die Thiere solche Speise zu sich nehmen, so wird dieselbe durch stete Wuͤr- ckung des Magens und des darin befind- lichen Ferments gleichsam gekochet, und in einen Brey verwandelt, sodann aus dem Magen in die Gedaͤrme gefuͤhret, woselbst ein Milchaͤhnlicher Safft ausgedrucket, und durch die Vasa lactea oder die im Ge- kroͤß befindliche Milch-Aederchen in die so genannte Cisternam Chyli, und aus dieser weiter durch das Hertze in die Blut- Adern gefuͤhret, allwo sich solches mit dem Gebluͤte vereiniget, aus welchem sich hernach die wahrhaffte Milch separir et. Und hat der Allerhoͤchste GOtt zur fer- neren Propagation dem weiblichen Ge- schlechte sowohl vernuͤnfftiger, als un- vernuͤnfftiger Creaturen die Bruͤste und Eyter verordnet, vermittelst welcher sie ihre Leibes-Fruͤchte, wann sie zur Welt gebohren, mit der Milch erhalten und speisen sollen. Ja es hat der Allweise GOTT allen lebendigen Creaturen zu gut solchen heꝛꝛlichen Safft in dem Schooß der Erden verborgen, woselbst vermit- telst der zarten Wurtzeln alle Kraͤuter und Gewaͤchse solchen Safft an sich zie- hen, und denen Creaturen zur allgemei- nen Speise dienen muͤssen. Dieser gleich- sam himmlische Nahrungs-Safft und solche subtil e Materie, welche ein inner- liches Elementarisches Feuer, und gleich- wohl auch eine waͤsserigte, sowohl eine fette und oͤhlichte Materie hat, davon die subtil e Lebens-Geister eintzig und allein participi ren, ist eigentlich ein wohl aus- gekochter weisser Safft, deren alle leben- dige vernuͤnfftige und unvernuͤnfftige Creaturen bey Ankunfft auff der Welt und ihrem Wachsthum nicht wohl ent- rathen koͤnnen; Ja selbst das liebe Korn und Getraͤyde hat seine innerliche Milch, so von der Sonnen Hitze getrocknet wird. Ja wohl gar haben die Metalle unter der Erden selbst ihre Mutter, nemlich den Mercurium, welcher einen Milch-aͤhnli- chen Safft haben soll, dahero unstreitig zu schliessen, daß die Milch eine Univer- sal-Panacea aller Creaturen seyn muͤsse. Die Heyden haben mit gutem Fug und Recht der Milch eine wohlanstaͤndige Milch-Goͤttin, namentlich Galathea ge- nennet, gesetzet, damit sie anzeigen wol- len, daß sie diesen Goͤttlichen Nectar- Safft ihrer Auffsicht befohlen, uͤberge- ben und zugeeignet haben wolten: Dar- gegen aber haben sie den versoffenen Ab- gott Bacchum gaͤntzlich verworffen, weil dieser die Sinnen der Menschen verwir- ret mache, und vieles Unheil stiffte, wie hiervon Hyppocrates, Celsus, Plinius, Varro und andere Autores mehr, Nach- richt geben; Ja es meldet Strabo von de- nen alten Galliern, daß dieselben jederzeit in denen wuͤsten und einsamen Oertern, wo kein Wasser zu finden, bey ihren Vieh-Heerden sich am nuͤtzlichsten des Milch-Trinckens bedienet haben. Und schreibet hiervon nicht unrecht der be- ruͤhmte Plinius, daß die Kuh-Milch ein Universal-Remedium wider alle Kranck- heiten von denen Arcadern gehalten wuͤr- de; Gestalt sie solcher Milch eine rechte Medicini sche Krafft beylegten, weil des Fruͤhlings die in der erneuerten Erde be- findliche Feuchtigkeit, und die Sonnen- Strahlen allen Vegetabilibus und Kraͤu- tern, wie andern Dingen mehr, eine neue Lebhafftigkeit mittheile und dieselbe er- neuere, solchen auch den besten Safft ge- ben solle, so wir Teutschen nunmehro die Maͤy-Milch und Maͤy-Butter nennen: Dergleichen auch Cornelius Celsus saget. Und Varro erzehlet, daß die Milch un- ter allen Speisen das nahrhaffteste Mit- tel sey, welches die verstopffte Gedaͤrme, und alle Ductus der Eingeweyde eroͤffne, welches auch sonderlich der bekante Ste- phanus Blanckardus, ein beruͤhmter Me- dicus zu Amsterdam, affirmir et, da er saget, die Milch ist eine uͤberaus herrli- che Von denen H unden. che Nahrung vor uns, es muͤssen sich auch alle andere Speisen erstlich in eine Milch verwandeln, ehe sie uns ernehren koͤnnen, dahero dieselbe also billig ein Koͤ- nig aller andern Getraͤncke zu nennen, weil davon alles, was lebet, seine Nah- rung und Wachsthum erhaͤlt. Ja man siehet dieses aus taͤglicher Erfahrung selb- sten, worzu uns die Schweitzer zu einem Exempel dienen koͤnnen, welche wegen ihres ungeheuren Gebuͤrges, und Man- gel des Acker-Baues, bey guter Viehe- Weyde, und gesunden Kraͤutern durch nichts, als Milch- und Kaͤse-essen star- cke Leuthe werden. Jst also die allerbe- ste Milch, die man geniessen will, diese, wo das Rind-Vieh im Gebuͤrge die herr- lichen Kraͤuter und Qvell-Wasser, dar- neben trockene Weyde und suͤsses kurtzes Heyde-Kraut hat, des Winters aber mit gutem Heu und Siede wohl gefuͤt- tert und gewartet wird, hingegen nicht allzu feuchte waͤsserigte Trifften hat, oder sauer Schilff-Graß geniesset: Wiewohln die Winter-Milch einige gar verwerffen, zumahlen wenn das Vieh schlecht gewar- tet und das meiste mit Stroh oder gro- bem Heu gefuͤttert wuͤrde, da alsdenn die Milch keine Krafft haben koͤnte, und was man damit erziehen wolte, meist alles klein bleiben wuͤrde. Sonderlich wird auch gerathen, daß man die Milch von einer recht gesunden Kuhe, so nicht traͤchtig ist, und zwar so warm sie von der Kuh gemolcken wird, trincken solle, nebst einer guten Rindfleisch-Bruͤhe von jungen Rinderknochen, und so waͤre die Milch vor unser Gehiꝛne sehr dienlich, weil das Gehirn durch alle Lebens-Geister ihren Uhrsprung nehme. Die Milch aber, so man geniessen will, muß warm und ja nicht kalt seyn, denn gleichwie ein waꝛmes Wasser Augenblicklich kalt wird, wann frisch Wasser hinzu gegossen wird, also wird das warme Gebluͤt durch kal- tes Getraͤncke zu sehr erkaͤltet, wird da- von dicke, und der Safft am Umblauff verhindert, in welchem fließigen Safft unser Leben zugleich mit bestehet, wor- auff also nichts anders als der Todt fol- gen kan, wann zumahl unter solchem Nahrungs-Safft viel sauere und gesal- tzene Materie sich befindet. Es schreibet der Englische Medicus, Johannes Batte- us, daß ein alter Mann in Engeland anno 1635. Namens Thomas Barr, durch Gebrauch solcher Kuh-Milch sey wuͤrck- lich 152. Jahr alt geworden, und daß er waͤhrender Zeit wenig kranck gewesen. Es wird auch Jedem bekant seyn, wie die Kinder, wann sie von der Mutter- Milch entwehnet werden, und Bier oder ander Getraͤncke nehmen muͤssen, sofort mager und blaß werden, weswegen man sie gerne lange Zeit damit zu ernehren pfleget, ihren Wachsthumb zu befoͤr- dern, und da sie in etwas auffstoͤßig wer- den, im neuen Monden mit Manna, Se- nes- Blaͤtter, Rhebarbara, und Casiar- Roͤhrgen laxi ren laͤsset, sodann da sie in etwas staͤrcker, ihre Nahrung von Wei- tzen- oder weissem Brod, mit gesottenen Evern in Milch eingebrocket, reichet, weil der Magen etwas zu verdauen ha- ben will. Was ich nun bißher von der Guͤthe der Milch geredet, und wie nuͤtz- lich dieselbe in Aufferziehung der lieben Jugend sey, daß muß hierbey wiewohl conditionali ter und mit Unterscheid, bey Aufferziehung unvernuͤnfftiger Thiere, in specie derer Hunde rathen, als wo- ran oͤffters grosse Herren, welche sehr rare und kostbare Arten von Hunden haben, gar vieles gelegen, auch nicht ei- nes jeden Werck ist, darmit Gedult zu haben; Habe also bey dieser Gelegen- heit hiervon handeln, und dem geneig- ten Leser, soviel fuͤr noͤthig erachtet, Nachricht geben wollen: An die unreif- fen Momos kehre ich mich nicht, sie moͤ- gen daran tadeln, was ihnen zu hoch vor- kommet, wann ich nur in Aufferziehung der benoͤthigten, und kostbahren Arten derer Hunde meinen Zweck erreichen kan, ein mehrers wird die fernere fleißi- ge Praxis unterrichten. Vom Hunde-Stall/ und Zwinger. Es wird sonder Zweiffel ein jeder vernuͤnfftiger Mensch von sich selbst ur- theilen koͤnnen, daß derjenige, welcher Hunde zu halten in Willens, das Ver- moͤgen, Gelegenheit und Macht darzu ha- ben muͤsse, selbiger auch nicht die Hunde in Huͤhner-Gaͤnse- oder Schwein-Staͤlle einsperren werde, weiln solches nicht al- lein schimpfflich und veraͤchtlich, sondern auch schaͤdlich, wann die Hunde in ih- rem Fraß Federn mit einschlucken, oder von greulichem Gestanck des Saudrecks A a 2 sal. Dritter Theil/ sal. ven. verdunsten, folglich also ihren subtil en Geruch verliehren und verder- ben, weniger schicken sie sich auch in Pferde- und Ochsen-Staͤlle, als wo sie leichte zu Schanden geschlagen oder gestos- sen werden, sondern gleich wie jedes Ding seine Zeit und Art haben muß; Ja auch in dem Kasten Noæ separatim unterschiedliche Kam̃ern gemachet wor- den, umb jegliche Art Thiere abzuson- dera: Also ist es auch noͤthig und ruͤhm- licher, gehoͤrige Hunde-Staͤlle zu haben, wo man anders vor einen Liebhaber der Jagd mit passir en will. Hierzu sol- te nun zwar billig ein wohlerfahrner Bau-Meister zu consulir en noͤthig seyn, nicht aus Ursachen, etwan ein praͤchti- ges Pallais zu formir en, wie dergleichen wohl sonder allen Zweiffel mit aller be- hoͤhriger Propriet aͤt versehen an grosser Herren Lust-Schloͤsser schoͤn gebauet seyn moͤgen, dergleichen man an verschie- denen Orten Franckreichs, als zu Saint Germain, Fontainebleau und derglei- chen antrifft, dahin ich billig den curieu- s en Liebhaber, solche als ein Modell zu be- sehen, gewiesen haben will; sondern wir wollen allhier nur das noͤthigste verneh- men. Vor allen Dingen muß der Platz fein eben und Graßreich seyn, wo eine reine gesunde Lufft anzutreffen, und daß ein frisches Qvell-Wasser durch Roͤhren dahin geleithet werden koͤnne, da die Hun- de in der Hitze und Mattigkeit zu trin- cken haben, sich erqvicken und abkuͤhlen moͤgen, das ist die vornehmste Noth- wendigkeit und ihnen sehr zutraͤglich. Ferner das Gebaͤude an sich selbst betref- fende, soll der Hunde-Stall seyn fein or- dentlich und zwar von Grund ausge- mauert, der Laͤnge nach an einander ge- bauet, wie es eines jeden Vermoͤgen und Gelegenheit erfordert, auch nachdem man etwan viele, auch wohl unterschie- dene Arten Hunde halten will: So muß auch jede Gattung ihren eigenen Stall haben und mit Mauern unterschieden seyn, auswendig sowohl, als innewen- dig fest gemauert, die Waͤnde her- umb allenthalben mit Kalck berappet und geweisset, die Decken aber mit Gipps betuͤnchet, damit sich kein Unge- ziefer verbergen koͤnne. Zu denen star- cken Englischen Docken, Baͤhrenbeissern, Hatz-Hunden und dergleichen, werden hohe Lager, auf starcken eichenen Pfo- sten zwantzig Ellen hoch von der Erde ge- machet und darzwischen zwey Ellen breit separir et, an festen Ketten angeleget, daß sie einander nicht erreichen, oder auch Menschen anfallen koͤnnen. Die leich- ten Hunde oder Windspiele, so zum He- tzen gebrauchet werden, laͤsset man ger- ne in einem geraumen Zwinger umblauf- fen, daß sie gaͤnge bleiben, weil sie fluͤch- tig seyn muͤssen. Der Fuß-Boden in solchen Staͤllen muß mit breiten Sand- oder Bruchsteinen, wenigstens von brei- ten Ziegelsteinen, abhaͤngigt gepflastert, von beyden Seiten in der mitten eine Rinne haben, das unreine Wesen zum Abfluß abzufuͤhren. Was nun die Leit- Hunde betrifft, werden sie in ihrem Stall auf sechszehen Zoll hohe Lager an Ketten geleget. Weil aber die Chiens courrans oder teutsche Jagd-Hunde in ihrem Stall frey herumb gehen, muß der Boden daselbst mit von Erlen-Holtze glatt gehobelten Bretern gespuͤndet seyn, damit sie im Rutzschen und Herumb- springen sich nicht in die Fuͤsse schiefern: Die Fenster muͤssen hoch seyn, daß die Hunde von der Banck nicht auffsprin- gen; Auch muß man zuweilen solche auf- machen, umb reine Lufft durchstreichen zu lassen, damit es des Sommers fein kuͤhle darinnen und der Geruch rein sey, dargegen aber im Winter wiederumb warm zuhaltẽ, und sich also nach der Jah- res-Zeit richten. Die Fenster muͤssen wohl verglast, ingleichen vor Sturm-Wetter und Winter-Kaͤlte mit behoͤhrigten Fen- sterladen versehen seyn; Des Sommers aber zur Kuͤhlung Leinewand an statt der Fenster haben, daß die Fliegen nicht hinein, die Lufft aber durchstreichen koͤn- ne. Die Lager-Baͤncke, welche zwey Ellen breit und zwoͤlff Zoll hoch, werden eben- falls von Errlen-Brettern gemachet: Und muͤssen die Jagd-Hunde im Stall frey herumb gehen und bey gutem Wet- ter in Zwinger gelassen werden, sich zu erlustigen: Vor jeden Stall wird ein vermachter Zwinger, nach eines jeden Belieben, lang und breit, mit einer Mau- er, oder wenigstens mit einer tuͤchtigen Schalwand umbgeben, daruͤber ein klein halb Dach rings her auf drey Ellen breit, worunter bretterne Lager aufgespuͤndet, daß die Hunde an der Sonnen liegen, oder auch nach Gefallen in Stall gehen koͤnnen: Vor allen Dingen muß Roͤhr- Wasser da seyn und fein Graß, damit sie sich purgir en, auch bey grosser Hitze im Schatten liegen koͤnnen. Die uͤbri- gen Hunde, als Wasser-Budell, Sau- finder Von denen H unden. finder, Stoͤber, Dachs-Kriecher und dergleichen, haben keine absonderliche Zwinger und Staͤlle, sondern halten sich bey denen Jaͤger-Purschen, wo es zu Fressen setzet, lieber auf. Zu ihrem Fraß muß auch eine Kuͤche angebauet seyn, nebst einer Brod-Kammer und Logement vor die Jaͤger-Pursche, dar- innen sie ihre noͤthige Sachen, an Kup- peln, Halsungen, Riemen, Hengeseil und dergleichen haben. Die Fenster der Hunde-Staͤlle muͤssen gegen Mittag zum oͤfftern bey hellem Wetter, damit die Lufft durchstreichen koͤnne, geoͤffnet, gegen Norden aber und bey Sturm-Wetter die Fensterladen vorgemachet werden, welche nebst denen Thuͤren fein mit gruͤn und weisser Farbe gemahlet seyn muͤssen. Das Tach ist auch noͤthig mit Ziegeln gut einzudecken, den Stall vor Faͤulung zu bewahren und auff die Giebel zierliche Fahnen, gebildete Hunde-Koͤpffe, oder was sich schicket, zu setzen, auswendig aber abzuputzen, worvon der Eigenthums- Herr desto groͤssere Ehre und selbsteige- nen Gefallen, aus Liebe guter Ordnung, auch von Jedermann Lob haben wird, daß er seine Sachen in allem accurat und fein reinlich halte. Von Wartung/ Pflegung und Artzney derer Hunde. Wie dorten der weise Koͤnig Salo- mon loͤblich urtheilet, da er saget: Der Gerechte erbarmet sich seines Viehes; solches ist wohl auch allhier bey unsern Hunden zu applicir en, dann wer wolte dann mit solchen getreuen Thieren, als die Hunde sind, nicht Mitleyden haben, wann sie zumahl in unsern Diensten von wilden Thieren zu Schanden gehauen, gebissen und verwundet, ja wohl oͤffters gar aus Unvorsichtigkeit von ihrem Herrn selbst zum Danck geschossen oder ge- stochen werden, wuͤrde man ja nicht so unvernuͤnfftig seyn und solch arm Vieh ohne Huͤlffe umbkommen lassen. Zwar ist nicht zu laͤugnen, daß oͤffters eine Kranckheit die andeꝛe generir et, auch wohl durch Faulheit derer Lehr-Jungen und Nachlaͤßigkeit derer Jaͤger-Pursche die Lager nicht gereiniget, durch welchen Un- flath die Hunde raͤudig werden muͤssen, oder der Fraß wird unflaͤthig, mit al- tem versaͤuerten Brod, geronnen Fett oder sauerer Milch, in kuͤpffernen ver- schimmelten Gefaͤßen gegeben, welches die Hunde innenwendig an Lunge und Leber anstecket, daß sie verkruͤmmen, sonderlich wann sie vor Faulheit kein Wasser kriegen, werden sie elende, daß nie- mand weiß, was ihnen fehlet, biß sie da- hin fallen, oder aus Ungedult erschossen werden muͤssen. Finden sich dahero vie- lerley Kranckheiten, wormit die Hunde gleich andern zahmen Thieren, geplaget werden, wie hiernechst melden werde. Die vornehmsten und schlim̃sten Kranck- heiten derer Hunde sind wohl das Rasen und die Wuth, von deren Uhrsprung ich bereits ausfuͤhrlich in der Vorrede von Eigenschafft der Hunde, soviel mir wis- send und zu glauben natuͤrlich scheinet, beschrieben habe: Solchem Unheil ist durch nichts anders abzuhelffen, als den Hund wegzuschaffen, daß er nicht mehr Schaden anrichte, als man Nutzen von ihm zu hoffen haben moͤge. Man kan die Tollheit, wann man sonsten nur Ach- tung geben will, an ihnen bald gewahr werden, dann sie fressen nicht mehr, sie vergessen ihren Herrn zu kennen, sind unfreundlich, laͤunisch, halten das Maul stets vor Hitze offen, da ist es Zeit, sie a parte anzulegen, will er auff jeden loß, so ist ihm eine Kugel am gesuͤndesten. Man glaubet, daß die Wuth unterschied- lich seyn solle, wie davon die Frantzoͤsi- schen Autores, als Mons. Fouilloux und Mons. de Salnove in ihrer Venerie Roy- ale weitlaͤufftiger bezeugen. Wie vielerley die Wuth sey? So viel man von langer Zeit in Er- fahrung kommen koͤnnen, soll die Wuth oder das Rasen derer Hunde siebenerley seyn, als: 1. Die hitzige Wuth. Diese erstere schlimmste Wuth, der die armen Hunde offt unterworffen, und die sie bekommen, wird vor die allergefaͤhrlich- ste und unheilbahreste, der man mit kei- ner Artzney vorkommen mag, gehalten, und mit allem Recht die hitzige Wuth ge- nennet: Dann sobald sie das Gebluͤt inflammir et, und eingenommen, vergiff- tet und brennet dasselbige von Stund an gleichsam als kochend, dermaassen, daß dieser Gifft augenblicklich nach dem Ge- hirn evaporir et und aufsteiget, also daß es diese arme Creatur gantz zu Boden A a 2 wirfft. Dritter Theil/ wirfft. Und wird diese Hunde-Pest dar- an erkannt: Erstlich traͤget ein solcher Hund seinen Schwantz gerade uͤber sich und in die Hoͤhe, welches bey allen an- dern wuͤthenden Hunden nicht ist; auch lauffet er alles an, was er vor sich fin- det, ohne Achtung zu geben, ob er durch Wasser oder Morast komme; Er hat auch ein sehr schwartzes ohne Gescht gantz trockenes Maul. Ein solcher Hund kan in seiner Wuth ohnmoͤglich vor allzugros- sem Schmertzen leben, wann es bald aus mit ihm, setzet er sich und schreyet unna- tuͤrlich. Alles lebendige, es sey Men- schen oder Vieh, so er verletzet, und blu- tend beisset, wird auch wuͤthend ohne al- len Trost und Huͤlffe, dafuͤr der liebe GOtt Menschen und Vieh in Gnaden bewahren und dieses Ungluͤck von Je- derman abwenden wolle. 2. Die lauffende Wuth. Diese andere ist zwar auch eine schlim- me Kranckheit, gleichfalls gefaͤhrlich und unheilbahr, jedoch ist der Biß nicht so vergifft, noch gefaͤhrlich, als der erstere. Dann wann ein Hund solche Wuth hat und einen andern Hund beisset, so er- greifft oder bekoͤmmt der erste Hund, der gebissen wird, alles Gifft, und wird wuͤ- thend, aber die andern alle, so er selbi- gen Tages hernach beissen wird, werden nicht wuͤthend. Solche Hunde lauffen nichts anders an, als allein Hunde und geben acht, wo sie Hunde beyeinander se- hen oder hoͤren, daselbst lauffen sie hin, und beissen sich mit ihnen herumb ohne Ursach: Sie lauffen auch immer in Strassen fort, nehmen den Schwantz zwischen die Beine und traben wie ein Fuchs. Ein solcher wuͤthender Hund kan fast neun Monat leben. Diese bey- den Arten der Wuth sind die gefaͤhrlich- sten, und wenn ein Hund diese letzt er- zehlete lauffende Wuth bekommen soll, hat man folgende Zeichen: Erstlich fres- sen sie sehr wenig, beriechen die andern Hunde, und nach dem sie solche berochen, beissen sie dieselben mit gar freundlichen Gebaͤrden und Schwantz wedeln, sie hoh- len denn gar tieffen Athem, und blasen mit den Nasen-Loͤchern, sehen uͤberseits, als ob sie schielen, sind sehr kleinlauth und traurig, lauffen auch nach den Flie- gen und Hennen, nebst andern naͤrri- schen Gebaͤrden oder Zeichen mehr, wel- che ich geliebter Kuͤrtze halben uͤbergehe. Wann der Jaͤger dergleichen an denen Hunden siehet, soll er sie von andern Hunden bey zeiten hinweg schaffen und sie besonders einschliessen, denn ihr Athem machet die andern Hunde auch wuͤthend und wird diese ansteckende Seuche die andern Hunde, wie eine Erb-Kranck- heit infici ren, wovor sich wohl zu huͤ- then. Die andern fuͤnff Arten der Wuth seynd bey weiten nicht so gefaͤhrlich, deñ die Hunde weder etwas beissen, noch anlauf- fen: Derohalben solches mehr vor eine Kranckheit zu halten seyn mag, welche curi ret werden kan. Von denen andern Fuͤnff Arten. Die Erste wird die Fahrende Wuth geneñet, welche im Gebluͤt stecket, und mag man sie daraus erkennen, wann die Hun- de nichts essen wollen, das Maul fuͤr und fuͤr offen haben, und mit denen Fuͤssen darein greiffen, als wenn ihnen ein Bein darin stecke, und verbergen sich solche Hunde gemeiniglich in kuͤhle feuchte Oerter. Die Andere wird die Fallende Wuth genannt, denn dieselbige Hunde stets niederfallen, als wann sie die fal- lende Sucht haͤtten, wann sie gleich stehen bleiben wollen, denn die Wuth steckt ih- nen im Kopff. Die Dritte wird die Grimmende Wuth genennet, dann sie steckt ihnen in denen Daͤrmern, kruͤmmet, zeucht und wickelt die Hunde dermaassen zusam- men, daß man sie mit einer Nadel durch- stechen moͤchte. Die Vierdte wird die Schlaffende genennet, welche von etlichen Wuͤrm- lein, so im Schlund des Magens aus verderbter Feuchtigkeit wachsen, herkom̃t; Hievon steigen die Daͤmpffe und Duͤnste uͤber sich in das Gehirn und machen sie schlaffend, sterben auch also schlaffend. Die Fuͤnffte und letzte Species der Wuth wird die Fliessende Wuth ge- nennet, denn denenselbigen Hunden ist der Kopff groß und geschwollen, haben gelbe Augen gleich dem Fuß eines Vo- gels, so der Weyhe genennet wird. Wann die Hunde diese Kranckheit haben, so moͤgen sie nicht essen und blei- ben also acht oder neun Tag, beleidigen Niemand und sterben nachmahls vor Hunger, dann alle Hunde sind dieser Art, daß, sobald sie ein Beschwerniß im Lei- be fuͤhlen, (doch meyne ich die Suchten, so ohne Verletzung herkommen,) sie keinen Bissen Von denen H unden. Bissen mehr fressen, biß sie gesund sind, und mag dieses darbey erkennet werden. Wann ein Hund kranck ist, und man ihme Schmaͤhr zu essen giebt, so frisset er das nicht, er habe dann zuvor Graß ge- weydet und sich gereiniget. Viele sagen, daß ein Wurm unter der Zungen Ur- sach der Wuth derer Hunde sey, welches ich aber nicht glaube, doch will man sa- gen, es bekomme ein Hund, dem der Wurm genommen sey, nicht so leicht die- se Kranckheit, als ein anderer, welches ich dahin gestellet seyn lasse. Sonsten ist gewiß, daß diese Kranckheit, wie be- reits oben gemeldet, auch von dem Athem und Beywohnung anderer wuͤthenden Hunde herkomme; Derohalben denn ein Jaͤger, sobalde er dergleichen Kranck- heit bey einem Hunde vermerckt, solchen beyseit thun und besonders halten soll. 1. Recept Vor die fahrende Wuth. Nimm den Safft von Wand-Laͤuse- Kraut und schwartzen Nieße-Wurtzel- Safft, Rauthen-Safft, eines soviel, als des andern, stede es zusammen in einem neuen glasirten Topff, mit soviel weis- sen Wein, nachgehends durch ein Tuch geseihet, in ein Glaß gethan und zwey Qvint unbereitete Scammonea darunter gemischet, dem Hunde eingegossen, und im Rachen etwas Blut gelassen, so ge- neset er. Auch soll Hundes-Zahn-Kraut gut seyn, wann man dessen Safft acht Qvint schwer dem Hunde mit ein wenig Saltz eingiebet. 2. Recept Vor die fallende Wuth. Diese hat ihren Ursprung von Bloͤ- digkeit des Haupts. Hierzu nimm den Safft von Blaͤttern oder Koͤrnlein des Krauts Peonien, auf vier Cronen schwer, (doch mein ich die Peonien, so Koͤrnlein traͤgt,) und den Safft von ei- ner Wurtzel, heist Bryonia oder Stick- wurtz, welche in Hecken eines Schen- ckels groß waͤchst, vermische dieselben, und thue klein zerstossen Staphisagria oder Laͤuß-Kraut-Saamen darunter, gieb es also unter einander vermischet dem Hunde ein, schlage ihm ferner die Oh- ren, daß sie bluten und lasse ihm die zwey Adern auf der Brust, welche von der Achsel herab in die Fuͤsse gehen und bey den Rossen die Bog-Adern genannt werden, so es auf einmahl nicht wuͤrcket, muß man solche Cur wiederhohlen. 3. Recept Wider die schlaffende Wuth. Diese koͤmmt von Wuͤrmern her, da- vor nimmt man Wermuth-Safft, vier Cronen schwer, klein gestossene Aloe, zwey Cronen schwer, gebrannt Hirsch- Horn, zwey Cronen schwer, Agarici o- der Tannen-Schwamm zwey Quintlein, alles wohl unter einander vermischet, und, weiln des Saffts zu wenig, etwas weissen Wein darzu gegossen, schuͤttet es also, wie obgemeldet, dem Hund ein. 4. Recept Vor die grimmende Wuth. Diese Wuth koͤmmt her von kalten undaͤuigen uͤbrigen Fluͤssen, verhaͤlt sich in Daͤrmern, und wird durch Baͤder und den Schweiß vertrieben, wie her- nach folget. 5. Vor die fliessende Wuth. Man nimmt Fenchel-Wurtz-Was- ser oder Safft, vier Cronen schwer, Epheu-Safft oder Wasser, des Saffts oder Wassers von dem Frantzoͤsischen Kraut Guy, auff teutsch schlaffender Kuntz genannt, so in denen Hecken waͤch- set, jedes vier Cronen schwer, pulversir- t e Engel-Wurtz, auch vier Cronen, alles zusammen in einem kleinen Haͤfelein ge- sotten und dem Hund, wenn es ein we- nig wiederumb erkaltet, eingegossen. Artzney und Baͤder/ die Suchten der Hunde, so von kalten undaui- gen Fluͤssen herkommen, zu vertreiben. Man nimmt zwey grosse Haͤfen, de- ren jeder sechs Kuͤbel voll Wasser haͤlt, dann thut man in jeden zehen Hand voll nachfolgender Kraͤuter oder Wurtzeln, als: Beyfuß, Roßmarin, Kleine Salbey, Weissen Jbisch, Attich-Kraut, Fenchel, Weissen Andorn, oder Melissen, Rauten, Alant, Memmel-Wurtz, Ochsen-Zungen, und Stein-Klee, Hierzu Dritter Theil/ Hierzu giesset man zwey Theil Was- ser und einen Theil Wein, laͤsset al- les mit einander sieden, biß der dritte Theil eingesotten ist, dann wird alles zu- sammen in einen Zuber geschuͤttet, vier Kuͤbel voll gute starcke Wein-Hefen dar- zu gethan, hernach wiederumb in zween Haͤfen, wie zuvor, mit zwey Theil Wasser und einem Theil Wein zum Feuer gesetzt, hierauff thut man ein rothes Ameisen- Nest mit den Ameisen und Eyern in ei- nem neuen Sack mit vier Handvoll Saltz in gemeldten Hafen, und laͤsset den dritten Theil einsieden, wann die- ses geschehen, schuͤttet man alles wiede- rumb in obberuͤhrten Zuber zusammen, biß es ein wenig erkaltet, jedoch noch waͤrmer als laulicht sey; Dann wirfft man die krancken Hunde darein und laͤs- set sie darinnen eine gute voͤllige Stun- de baden, doch muß achtung gegeben werden, daß sie in dem Zuber nicht er- sauffen, oder in Ohnmacht fallen und sterben. Wann man sie wieder heraus nimmt, sollen sie an einen warmen Ort geleget werden, da die Lufft nicht zu ih- nen kommen kan, damit sie nicht erkaͤl- ten: Dieses Bad soll man also vier oder fuͤnff Tage gebrauchen und allezeit das Wasser wiederum waͤrmen lassen, doch ist vonnoͤthen, daß alle Tage frische Kraͤuter genommen werden, vor dem Bade aber, soll sie der Jaͤger auff fol- gende Weise purgir en: Artzney/ wie die Hunde vor dem Bade zu purgi ren. Nimm Cassien, ein und eine halbe Untz, wohlgesaͤubert, pulverisir ten Laͤuß- Saamen ein und ein halbes Qvintlein, Scammonea zwey und ein halb Qvintlein, (in der Apothec mit Essig zugerichtet,) Oliven- Oehl 4. Untz, alles untereinander vermischet; dieses alles ein wenig uͤber dem Feuer erwaͤrmen und dem Hund gegen den Abend eingiessen lassen, doch muß er nichts zu essen bekommen, son- dern folgenden Morgen also nuͤchtern ins Bad gesetzet werden. Ein Bad/ damit die Hunde/ wann sie von wuͤthenden Hunden gebissen worden, gewaschen wer- den sollen. Wann ein Hund von wuͤthenden Hunden gebissen waͤre, soll man also- bald einen Zuber mit Wasser fuͤllen, vier Hand voll Saltz darein werffen und mit einem Stecken das Saltz wohl darunter ruͤhren, damit es balde zergehe und als- dann den Hund neunmahl gantz und gar hinein tauchen und wohl waschen, dieses verhuͤtet, daß der Hund nicht wuͤthend werde. Ein Recept, wann die Hunde Wehe-Tagen in Ohren haben. Nimm sauren Soos von unzeitigen Trauben oder Kraͤutern in einer Schuͤs- sel, laß ein wenig erwaͤrmen und das Wasser und Blum, Ligustrum oder Mund-Weyde genannt, daran gethan, auch das Wasser und Blum von Geiß- blatt, mit ein wenig Honig, alles un- ter einander vermischet, dem Hunde in das Ohr gethan, eine Zeitlang darinnen bleiben lassen, wiederumb herausgenom- men und hernacher Lohr-Oehl warm gemachet, dem Hunde das Ohr darmit geschmieret und mit Baumwolle oder Fasen in Baum-Oehl und Lohr-Oehl genetzet, das Ohr zugestopffet: Diß soll man acht Tage thun, so geneset der Hund, doch muß achtung gegeben werden, daß er sich nicht kratze. Ein Recept, dem Hunde die Wuͤr- mer im Leib zu vertreiben. Es begiebt sich auch, daß die Hunde Wuͤrmer bey sich haben, die sich gerne heraus begeben und sie die doch nicht fort- treiben koͤnnen. Zu solchem soll der Jaͤ- ger folgende Artzney gebrauchen: Nimm Wermuth-Safft, Aloe Epatica, Laͤuß-Saamen, Jedes zwey Qvintlein, Gebrannt Hirsch-Horn, ein Qvintlein, Schwefel, Alles mit Nuß-Oehl untereinander ver- mischet, und also dem Hund eingegeben, so geneset der Hund von Stund an. Ein probirt Recept den Krebs und allerley Raͤude an Hunden zu vertreiben. Man nimmt gepuͤlverten Sublimat ein Qvintlein, das thut man in einen Moͤrsel, mit dem Safft von einer Citro- nen, ohne die Schelffen: Wann alles zerstossen ist, thut man ein wenig Was- ser und Eßig darzu, auch Alaun und Seiffen einer Citronen schwer, und ver- mischet es mit dem andern, laͤsset her- nach alles miteinander in einem Hafen aufs dritte Theil einsieden, und leget die- ses Von denen H unden. ses auf den Schaden. Wann aber der Krebs an zarten Orten waͤre, z. E. an der Haut seines Gliedes, so soll er zuvor den Sublimat sieden und das erste Was- ser erstlichen darauff thun, damit die Artzeney nicht zu starck sey und folgends sich verhalten, wie bewust. Fuͤr die Raude/ Grind/ und Schup- pen derer Hunde. Es sind unterschiedliche Species der Raude: 1.) Die kleine rothe Raude, die denen Hunden geschwollene Fuͤsse ma- chet; 2) Die grosse Raude einer Hand breit; 3) Die gemeine Raude; Und 4) Die schwartze Raude, die das Haar ausfallen machet. Unter diesen al- len ist die rothe die aͤrgste und die be- schwerlichste zu heilen, dann sie koͤmmet von Kaͤlte, welche die Hunde im Winter vom Wasser oder von feuchten Orten, da sie liegen, wann sie naß werden und sich nicht wiederumb trocknen koͤnnen, empfahen, oder sie bekommen solche von der Metzig von Ochsen- und Kuh-Ge- bluͤt, oder andern, so sie darunter fres- sen, denn solches erhitzet ihnen den Leib. Solche Raude wird nun folgender Ge- stalt vertrieben: Erstlichen purgi re den Hund, wie vorher gemeldet, und schlage ihme des Morgens darauf eine Ader zwischen denen Kniescheiben, und denen Schienbeinen, lasse auff 2. Untzen Blut heraus und schmiere ihn mit folgender Salbe: Eine gute Salbe/ die Raude zu vertreiben. Nimm Nuß-Oehl 3. Pfund, Wacholder-Oehl anderthalb Pfund, Schmeer 3. Pfund, Gemeines Honig 3. Pfund, Essig anderthalb Pfund, Alles unter einander und auf die Helffte eingesotten, dann Pech und Hartz anderthalb Pf. Wachs ein halb Pfund, Alles untereinander zergehen lassen, mit einem Stecken wohl geruͤhret, und, wenn es wohl zergangen ist, von dem Feuer weggenom̃en und folgende Pulver hin- ein gethan: Schweffel anderthalb Pfund, Vitriolum recoctum 2. Pfund, Gruͤnspan 2. Untzen, Stosse und ruͤhre es untereinander, biß es erkaltet. Diese Salbe ist zu allen Rauden gut. Ehe die Salbe gebrau- chet wird, so wasche die Hunde erst mit Wasser und Saltz uud reinige ihnen die Haut wohl, schmiere hernach ihnen die Salbe bey einem Feuer wohl ein und las- se sie eine Stunde wohl schwitzen, gieb ih- nen aber darbey wohl zu trincken. Nach- mahls mache ihnen gute Suppen von Schaafs-Fleisch gesotten, und wirff Schwefel und hitzige Kraͤuter darein, da- mit ihnen der Leib wiederumb erhitzet werde, dieses thue acht Tage nach ein- ander. Eine andere Salbe. Die Raude kommet allen Hunden von Natur oder Art, oder auch vom Al- ter her, welche also mag geheilet werden: Reiß denen Hunden alle Haar umb die Raude herum aus und schmiere sie mit Laugen, Essig und Saltz wohl, biß daß die Raude schweist: Nimm hernach Ungventum enulatum von Alant- Wurtz ein halb Pfund, Nuß-Oehl 2. Pfund, Pech 1. Pfund, Wacholder-Oehl 1. Pfund Kiehn-Ruß ein halb Pfund, Schweffel ein halb Pfund, Gruͤnen Vitriol ein halb Pfund, Gold-Schaum 4. Untzen, Alaun 6. Untzen, Bleyweiß 4. Untzen, Gruͤnspan 4. Untzen, zerstosse alles klein und siede es mit ei- nem halben Pfund Essig ein. Dieses ist eine sehr gute Salbe zu obbemeldter Raude. Vor die gemeine Raude. Dieselbe kommet davon her, daß die Hunde nicht rein Wasser und zu rechter Zeit zu trincken haben, oder daß sie in unreinen Orten, als in Saͤu-Staͤllen, oder sonsten bey andern raͤudigen Hun- den gelegen, oder kommet auch von Kaͤl- te her, welche man folgender Gestalt hei- len kan: Nimm zwey Hand voll wilden Kressig, zwey Hand voll Alant-Kraut, Die Wurtzel von Roerbe Ind. 2. Hand voll, Gold-Wurtz zwey Pfund, siede sie in Essig und Laugen wohl, thue darzu zwey Pfund Seiffen, schmiere die Hunde 5. Tage darmit, so werden sie sich saͤubern. B b Vor Dritter Theil/ Vor die Geschwaͤr und Geschwulst derer Hunde an ihren Leibern. Solche werden auff zweyerley Art curi ret: durch Schneiden und durch Artzney; Wann sie durch den Schnitt curi ret werden sollen, muß der Jaͤger ei- ne Nadel, die gekruͤmmet ist, mit einem Faden nehmen und solche unter die A- dern durchziehen, die Adern aber zuvor binden, damit sie nicht schweissen, wann der Schnitt gethan wird; Hernach die Geschwulst mit einem Scheer-Messer rings herumb auffschneiden und heraus thun, die Nerven mit einem heissen Ei- sen brennen und hernach Drachenblut, einen Dotter von einem Ey und Leine- wand zu Pulver gebrannt nehmen, al- les mit Eßig wohl sieden, und dem Hun- de aufflegen, alsdann Speck in Was- ser eintraͤuffen, Weiß-Nicht-Pulver stos- sen, darunter vermischen, und den Hund taͤglich darmit verbinden. Vor die Verletzung derer Hunde von wilden Schweinen, oder an- dern Thieren. Die Hunde werden offtmahls von denen wilden Schweinen unten her am Leibe verwundet und beschaͤdiget, worauf der Jaͤger wohl achtung zu geben hat. Jst die Verletzung am Bauche, so, daß dem Hund das Eingeweyd heraus haͤn- get, so soll er es mit dem aͤussersten des Fingers wiederumb hinein thun, ein Stuͤck Speck in das Loch stecken und den Schaden zusammen hefften. Ein jeder Hafft muß mit einem Knoͤpfflein abson- derlich gebunden und der Faden abge- schnitten werden. Also soll er mit andern Wunden auch verfahren, jedesmahlen ein Stuͤck Speck darauff legen und die Wunde mit Feiste schmieren, so heilet der Hund bald. Die Nadel soll viereckigt und hinten rund, wie sie die Barbirer brauchen, seyn; Auch muͤssen die Jaͤger Nadeln, Zwirn, und Speck jedesmahl auff der Jagd bey sich fuͤhren, damit sie denen Hunden in der Noth helffen koͤn- nen. Es geschicht auch offt, daß die Schweine die Hunde mit dem Ruͤssel an denen Seiten, Huͤfften und nervichten Orten ein Glied entzwey schlagen, auff solchen Fall soll ihnen der Jaͤger solches wiederumb richten, und, so es nur zer- stossen und nicht entzwey waͤre, ein Pfla- ster von folgenden Wurtzeln und Kraͤu- tern machen. Nimm: Wallwurtz-Pflaster, Steinklee-Pflaster, Pech und Rosen-Oehl, eines so viel, als des andern, vermische es unter einander, mache ein grosses Pflaster daraus, schneide die Haare umb den Ort, da der Weh-Tag ist, ab, und lege das Pflaster, so warm es der Hund erleiden kan, uͤber, so geneset er. Wann sich die Hunde wund gelauffen. Nimm zwoͤlff Eyer-Dotter, klopffe die mit dem Safft aus dem Kraut, Mauß-Oehrlein genannt, unter einan- der, oder den Safft von Granath-Aepf- feln mit Essig gesotten, oder, da man erst- gemeldte Species in der Eyl nicht haben moͤchte, so muß man schlechten Eßig neh- men, kleinen subtil en Kiehn-Ruß dar- unter mischen, dem Hunde den Fuß da- mit schmieren, verbinden, und ihn Tag und Nacht also liegen lassen: Oder mit Kupffer-Wasser und Terpentin geschmie- ret, so heilet es. Vor die Wunden derer Hunde. Nimm den Safft von rothem Kohl- Kraut und lege es dem Hunde auff die Wunden, so heilet es von Stund an. Die Ursache ist, weil die Hunds-Hauth warm und trocken und das Kohl-Kraut warm und feuchte ist. Daß eine Huͤndin nimmer laͤuffisch werde. Nimm neun Pfeffer-Koͤrner, und gieb der Huͤndin neun Tage nach einan- der alle Morgen eines in einem Kaͤse oder sonsten ein, ehe sie die Hunde getragen hat, so wird sie nimmer laͤuffisch. Wann ein Hund verwundet und er den Schaden nicht lecken kan. So giesset man ihme Terpentin-Oehl in die Wunde, und waschet solche darnach mit Gesoͤde, darinnen Ehrenpreiß und andere Wund-Kraͤuter gesotten wor- den, aus. Oder man troͤpffet ihm den Safft von Toback in die Wunde, oder man leget ihm Regenwuͤrmer, so zuvor in Honig gelegen, in die Wunden. Denen Hunden fuͤr das Stran- geln und den Tropff Soll man ein Glaß voll warmes Oehl ein- Von denen H unden. einschuͤtten und die Adern an denen obeꝛn Schenckeln schlagen. Fuͤr den boͤsen Halß derer Hunde. Wann die Hunde nicht fressen, noch trincken wollen, so ist es ein Anzeigen, daß ihnen der Halß verschwollen ist. Vor die- se Kranckheit soll man ihnen ein Muß mit Eisen-Kraut machen oder sieden und zu trincken geben: Oder man lege ihnen Hundes- und Menschen-Koth unter ein- ander in einem Lumpen umb den Halß. Denen Jagd-Hunden vor die Laͤu- se, Floͤhe und anders Ungeziefer. Wann die Hunde, sonderlich in gros- ser Hitze, voller Floͤhe, Laͤuse, oder an- der Unsauberkeit seyn, soll man sie im Wasser schwemmen, oder zehen gute Hand voll wilde Kressen, wilden Ma- joran, Roßmarin, Rauten und sechs Hand voll gestossen Saltz nehmen, solches alles unter einander in Wasser kochen und wohl einsieden lassen, darnach mit einem guten Theil solcher Bruͤhe die Hunde, gleich nach dem Bade reiben und sauber waschen. Wann ein Jagd-Hund Wuͤrmer in der Haut hat. So soll man Hartz, Aloe und unge- loͤschten Kalck stossen, und darzu lebendi- gen Schweffel, eines soviel, als des an- dern nehmen, hernach diese Stuͤcke alle durch einander vermischen und in einer Rinds-Gallen beitzen, sodann mit solcher Bruͤhe den Ort, an welchem die Wuͤr- mer gewachsen sind, schmieren und rei- ben, so sterben die Wuͤrmer darvon und fallen aus. Wann die Hunde raͤudig und schaͤ- bicht werden. So nimmt man Nuß-Oehl 3. Pfund, Wacholder-Oehl anderthalb Pfund, Gemein Honig drey Pfund, Eßig anderthalb Pfund, kochet es mit einander biß auf die Helff- te des Eßigs ein; Hernach nimmt man Hartz und Pech, jedes drittehalb Pfund, thut darzu neues Wachs ein halb Pfund, laͤsset solches unter einander schmeltzen: Ferner Vitriol- Oehl 12. Untzen und Gruͤnspan, machet daraus ein Saͤlb- lein, damit schmieret man den Hund. NB. Den Hund muß man vor dem Schmieren in sauberm Saltz-Wasser baden. Wann ein Hund Bauch-Wuͤr- mer hat. Nehmet Alaun, Stab-Wurtz und Hirschhorn-Spaͤhne, kochet es mit ein- ander und schuͤttet dem Hunde diese Bruͤ- he ein. Oder man machet kleine Pillen von Hirschhorn, Schweffel, Aloe und Wermuth-Safft und giebt es denen Hunden zu verschlucken. Denen Jagd Hunden vor den Oh- ren-Krebs Nimmt man schwerer guter Seif- fen ein Qvintlein, Weinstein-Oehl, Sal- miac, Schweffel und Gruͤnspan, je- des nach Gutduͤncken, machet es mit ei- nem weissen Wein-Essig und aͤtzenden Wasser an und reibet den Schaden neun Morgen lang. So ein Hund am Leibe von einem wilden Schwein waͤre verletzet, oder von einem Hirsche gestossen worden. So soll man des grossen Wund- Krauts, oder des Tobacks, oder Stein- Klee und Rosen-Oehl eines soviel, als des andern nehmen u. also Pflasterweiß uͤber den Schaden legen: Man soll aber allezeit das Haar zuvor hinweg schnei- den, oder abscheeren, wo der Schaden oder Schmertzen ist. Denen Jagd-Hunden vor die Ver- sehrung der Fuͤsse, wann ein Hund in Hecken und Stauden gelauffen und die Fuͤsse verletzet hat. So soll man ihm die versehrten Fuͤsse mit Saltz-Wasser reiben und die Wunden auswaschen, dann ein Pflaster von Eyerklahr und starckem Wein-Es- sig, mit Maußoͤhrlein-Safft durch ein- ander gestossen, machen, und also uͤber den Schaden legen. Wann ein Hund hart harnet. So soll man Pappeln, Eybisch, Fenchel und Brombeeꝛ-Wurtzel nehmen, dieselbigen sieden und von solcher Bruͤ- he dem Hunde zu trincken geben. Denen Hunden vor leise Ohren Soll man Agrest, mit gebranntem, Geißblat-Wasser, drey oder vier B b 2 Mor- Dritter Theil/ Morgen nach einander in die Ohren troͤpfflen. Von den Zeichen der Tobsucht de- rer Hunde. Wann der Hund einen starcken auf- gereckten Wedel hat und die Waffel in- nen schwartz und ohne eintziges Schaͤu- men ist, auch so er allewege traurig und nach der Seiten siehet, so ist er wuͤthend. Daß ein wuͤthender Hund Jemand keinen Schaden thue. Damit ein wuͤthender Hund, er sey so rasend, als er wolle, keinen Scha- den thue oder anfalle, soll man ein Au- ge von einem schwartzen lebendigen Hund in seine Hand nehmen und darinnen be- halten; Oder, welches noch gewisser ist, man soll ein Wolffs-Auge, oder Wolffs- Hertz, oder die Zunge von einer Woͤlf- fin in die Haͤnde nehmen. NB. Die Hunde pflegen zu wuͤthen und zu rasen in der groͤsten Hitze im Sommer und schaͤrffster grimmiger Kaͤlte im Win- ter. Ein Recept, wann die Hunde von Nattern und Schlangen gebis- sen worden. Nimm eine Hand voll Blaͤtter von Cruciata oder Creutz-Wurtz, eine Hand voll Rauthen, eine Hand voll Blaͤtter von Cassis, oder Spannischem Pfeffer, eine Hand voll weiß Wull-Kraut, eine Hand voll Genist, eine Hand voll Dey- menten. Diese Kraͤuter zerstosse alle klein, laß sie mit weissem Wein wohl un- ter einander sieden und thue alsdann Thiriack darunter, einer Cronen schwer, gib dem Hunde davon ein, wasch ihm die Wunden damit und leg ihm ein Blatt von weiß Wull-Kraut darauff, so ge- neust er. Vor Geschwaͤhr/ oder Geschwulst derer Hunde am Leibe Nimm drey frische abgebrochene Dorn von einer Dorn-Hecken, lege sie 24. Stund in das Menstruum einer Weibs-Person, beschmiere sie alle dreye darmit, und stecke sie mitten auff die Geschwulst, so tieff sie hineingestecket wer- den moͤgen; Wann sie aber nicht hin- ein wolten, muß man ein Loch mit ei- nem Pfriemen, oder einer grossen Na- del machen und alsdann die Dorn dar- innen stecken lassen, biß sie selbst wieder heraus fallen, also verschwindet die Ge- schwulst fuͤr sich selbst und vergehet in we- nig Tagen. Die Floͤhe/ Laͤuse und ander Unge- ziefer derer Hunde zu vertreiben. Nimm zwo Hand voll Blaͤtter von Berne und zwo Hand voll Blaͤtter von Memmel-Wurtz, zwo Hand voll Blaͤt- ter von Deymenten-Kraut, mit Laugen wohl gesotten und darunter zwo Untzen von Lauß-Saamen gepuͤlvert geruͤhret: Wann dieses alles wohl unter einander gesotten ist, soll man zwo Untzen Seif- fen, eine Untze Saffran und eine Hand voll Saltz darunter thun, alles unter einander vermischen und den Hund da- mit waschen. Ein Recept, die Wuͤrmer ausser- halb zu vertreiben. Nimm Nußleuffel wohl zerstossen, mit einer Maaß Essig in einen Hafen gethan, und also auf zwo Stunden ste- hen lassen, darnach zum Feuer gesetzet, sieden lassen, durch ein weiß Tuͤchlein ge- seyhet, und ferner darein gethan Aloe Epatica in der Apothecen, weiter eine Untze gebrannt Hirsch-Horn, eine Untze Hartz zerstossen, alles Pulver unterein- ander vermischt und dann dem Hund mit einer Messerspitze vier oder fuͤnff Wuͤrmer heraus genom̃en und den Safft darein geschuͤttet, so sterben sie gleich. Ein gut Wund-Pulver. Nimm rothen und weissen Bolum armenum, Teuffels-Dreck, grauen Roß- Schweffel, Schwartz-Wurtz, Schwal- ben-Wurtz, Lorbern, Bibernell, Bal- drian-Wurtz, weissen Entian, eines so- viel als des andern, alles zu Pulver ge- macht, wohl vermischet, dem Hund Morgens und Abends drey gute Mes- serspitzen eingegeben, es heilet alles von innewendig heraus: Oder Oleum san- ctum in brauner Butter Morgens und Abends sieben Tropffen eingegeben, so heilets innerlich, was zersprenget, alles heraus. Vor Verrenckung derer Glieder. Nimm Regenwuͤrmer-Oehl, Spi- canart- Oehl, Ziegel-Oehl, Johannis- Oehl, Terpentin- Oehl, Wacholder-Oehl, jedes ein Loth, Petroleum, weiß Lilien- Oehl, Bilsam-Oehl, Oleum Popolium, jedes zwey Loth, nebst soviel Aldæa, Bie- bergeil- Von denen Hunden. bergeil-Oehl, Wachs-Oehl ein halb Loth, Dachs-Schmaltz, Rinder-Marck, gelbe Schmier-Salbe, Lohr-Oehl, Honig, dann Hartz, Eyweiß, jedes vier Loth, alles zusammen zu einer Salbe gemacht. Vors Verschlagen derer Hunde. Man bade den Hund in einem A- meissen-Bad, welches mit Mist-Wasser laulicht angemachet worden ist, so wird derselbige in etlichen Tagen wieder zu rechte kommen. Vors Schwinden derer Glieder. Nimm Blut und Haare, im neu- en Mond, von dem schwindenden Ort, wickle es in ein neues Laͤppgen und spin- de es, vor Sonnen Auffgang, in Ho- lunder-Baum, hacke, wo es schwindet, biß es blutet, bestreiche es mit Wund- Holtz und schmiere den Ort mit Lohr- Oehl, daß es heilet. Eine gute Purgation. Damit man die Hunde von aller- hand Unrath ohne Gefahr purgir e, kan man ein Spanfercklein toͤdten, mit Haut und Haar und allem Jngeweyd in ungesaltzenem Wasser so lange sieden, biß das Fleisch alles von Beinen herab falle und es gleichsam zu einem Koth wer- de; Hernach, oder noch einen Tag vor- her, sperret man den Hund, dem mans geben will, ein, laͤsset ihn Hunger leiden, biß er die Speise (dann sie kommen an- fangs nicht gern dran,) gefressen hat, das reiniget wohl und ist ihnen gesund. Eine andere Art. Stoß eine schwartzgeschmaͤuchte To- backs-Pfeiffe klaꝛ zu Pulver und gieb ihm ein wenig davon in brauner Butter ein, so wird er bald unten und oben purgi- r en und vomir en. Daß die Hunde wohl zunehmen. Laß das Brod klein geschnitten durch eine Wolffs-Gurgel trocken lauffen zu ihrem Fraß, striegele sie mit einer Wolffs- Klauen und wische sie ab mit einem Lap- pen vom Hembde oder Kleid eines Ubel- thaͤters vom Gerichte, davon sollen sie gar sehr wohl zunehmen und gedeyen, welches ich jedoch jedem zu glauben frey- stellen will. Von einem Ruͤden-Knecht. Zu denen Hunden eines wohlbe- stallten Jaͤger-Hausses gehoͤren auch be- noͤthigte Knechte, deren billig ihrer vie- re seyn sollen, als erstlich: Der Knecht zu denen Leit-Hunden; Zum andern, der Knecht bey denen Englischen und Puͤrsch-Hunden; Drittens, der Knecht bey denen Ruͤden- und Jagd-Hunden; Und vierdtens, der Knecht bey denen jungen Hunden, worbey ein jeder zwey Pursche unter sich hat, welche den Fraß zu rechter Zeit machen und die Hunde fuͤttern. Ein jeder Knecht muß bey seinen Hunden treufleißige Auffsicht haben und allzeit gegenwaͤrtig seyn; Maassen bey jeder Sorte Hunde ein jeder Knecht vor seine Hunde seine absonderliche Fuͤtte- rung und gewisses Deputat an Brod, Haber-Schroth, Fett und Stroh be- kommt: Und weil er alles in seiner Ver- wahrung hat, so muß ein jeder Knecht bey dem Einbrechen und der Fuͤtterung, den Fraß vor die Hunde zu machen, Morgens und Abends selber zugegen seyn. Ferner muß er auch eine Specifi- cation fuͤhren. Register halten, und darinnen vornehmlich, was vor Hunde, und zu welcher Zeit, in welchem Monat und an welchem Tag sie jung geworden, von welchem Vater und Mutter sie auf- erzogen, oder wann sie gestorben und sonsten abgegangen, bemercken; Da- ferne sie auch etwan im Jaͤger-Haus- se, zumahl wann kein Jagen ist, gar zu kostbahr zu erhalten kom- men, selbige auf Meistereyen, Muͤhlen, Schencken, Forwercke, und Schaͤfferey- en verlegen, was vor Art und wie sie heissen, richtig bemercken und solche, so sie vonnoͤthen, abhohlen lassen, des Jahrs zweymahl eine Revision halten, ob die Hunde wohl oder uͤbel gehalten werden, untersuchen und behoͤrig rap- portir en, die zu viel erhalten, weiter ver- legen, was aber nichts taugt, todt schies- sen lassen, damit nichts unnoͤthiges auff- gehe und man jederzeit wisse, was vor gute oder schlechte Hunde parat seyn. Fer- ner muß er auch eines jeden Hundes an- gebohrne Inclination, gutes oder boͤses, lobwuͤrdiges oder straffbahres Naturell wohl mercken, und, wie diesem oder je- B b 3 nem Dritter Theil/ nem abzuhelffen, distingvi ꝛen: Zu dem En- de auch bey Jagen, Streiffen oder Hatz- Zeiten, wo die Hunde gebraucht wer- den, mit denen Purschen auf befohlener Hatz oder Post bleiben und die Hunde recht anbringen; So sie beschaͤdiget, wund gehauen, geschossen, gestochen oder sonst verletzet, den geordneten Tranck, Salbe, Schmiere und dergleichen ma- chen: Das von der Herrschafft geschos- sene Wildpraͤth zerwuͤrcken und zerle- gen, des Sommers die Hunde fleißig schwemmen und butzen lassen: Seine unterhabende Pursche zum auff brechen, zerwuͤrcken und zerlegen des Wildpraͤths und die Raub-Thiere zu streiffen und auszuwerffen, muß er oͤffters in das Proviant- oder Rauch-Hauß schicken, und zu dem, was mehr noͤthig, antreiben. Vor allen Dingen muß er fein Gotts- fuͤrchtig, nuͤchtern, maͤßig, fleißig, willig und unverdrossen seyn, eine angebohrne Liebe und Freundlichkeit zu denen Hun- den von Natur haben, dieselbigen zu de- ren benoͤthigter fleißiger Wartung und Reinlichkeit stets besorgen, mit reiffem Verstand geschwind anstellen, tauer- hafftig und auffmercksam, behertzt und froͤlich sich in allem seinem Thun verhal- ten, gut sehen und hoͤren, auch laut schreyen und blasen koͤnnen. Derowe- gen zu dieser Arbeit junge Leute dienlich, wiewohl meistentheils derjenige Knecht, so fleißig befunden wird, und auf den man sich sicher verlassen kan, lieber bey War- tung der Hunde mit allem Fleiß conser- vir et und ihm zu seinem Auskommen eher ein mehrers gereichet wird, als ei- nes Forst-Bedienten Dienst austraͤget, maassen nicht alle Leute bey denen Hun- den gluͤcklich sind. Er muß ferner auch eine ausfuͤhrliche, vollkommene und ge- nungsame Wissenschafft von der Anato- mie eines Hundes und dessen innerlichen Eigenschafft vom groͤsten biß zum klein- sten haben, daß er wisse, den Pati- ent en bey vorfallenden Kranckheiten zu curir en, zu warten und zu pflegen, auch, beduͤrffenden Falls, die Adern zu schlagen und wie der Umblauff des Ge- bluͤths correspondir e: Er muß gleichsam ein guter Chyrurgus seyn, weswegen er stets ein klein Besteck von Aderlaß-Floͤt- gen, item Scheergen, Salbe und der- gleichen bey der Hand haben muß, sol- chen armen Thieren zu helffen, maassen bey vorfallenden Noͤthen gar viel auf ihn ankommt, seine unterhabende Hun- de allezeit zu herrschafftlichen Diensten parat zu halten, wie er auch nebst seinen Cammeraden deswegen auf beduͤrffen- den Fall im Jaͤger-Hauße wohnet, we- nigstens muß er dieses alles anzugeben wohl verstehen. Von einem Reit-Pferde/ und zwar von dessen Anatomia. Daß ein Jaͤger ein Reit-Pferd ha- ben muͤsse, ist jedermann bekant, und ha- be ich die Eigenschafft eines solchen fluͤch- tigen Jaͤger-Pferds unten in dem fuͤnff- ten Theil bey der par Force- Jagd be- schrieben, allwo solches nach geschlagen werden kan. Wie aber bekant, sind so- wohl die Pferde, als Hunde leyder! vie- len Kranckheiten unterworffen; Und weilen diese armen Thiere dem Men- schen unzehlbahre treue Dienste erzei- gen, ist es billig und recht, auch nach Hei- liger Schrifft wohl gethan, sich seines ar- men krancken Viehes zu erbarmen, wes- wegen man sowohl die Anatomie eines Pferdes, als eines Hundes, vorzustel- len, mit Fleiß Sorge getragen. Und weil mir dergleichen Beschaffenheit nicht eigentlich bekant, da ich, wie zu ersehen, nur die wilden Thiere anatomi ret, ha- be ich beydes, wegen des Pferdes und des Hundes, aus des weltberuͤhmten Herrn Gerhardi Blasii Schrifften extra- hir et, in der Hoffnung, daß dieses man- chen Nutzen bey Curen geben werde, wie auch beym Aderlassen eine gute An- weisung zur Wissenschafft der Circulati- on oder Umlauffung des Gebluͤtes seyn koͤnne. Und obwohl dieses eigentlich mehr einem Roß-Artzte, Huff-Schmie- de und dergleichen mehrern zuzukommen scheinet, nicht aber eben von einem Jaͤger erfordert wird, so kan ihm doch diese Wissenschafft, wie ein Glied seines dienst- bahren Pferdes, oder Hundes, mit dem andern correspondir e, eben nicht schaden, zum wenigsten dienet ihm solche darzu, daß er die Artzneyen, oder Aderlassen, als ein Medicus einem offt unverstaͤndigen Roß-Artzt oder Schmiede, vernuͤnfftig vorschreiben und solche anordnen koͤnne. Ob auch schon mancher laͤsterhaffter Momus Von denen H unden. Momus solches vor ein schimpffliches Vornehmen ausgeben wolte, wird man sich doch daran nicht kehren, und soll der- selbe wissen, daß man dieses nur allein verstaͤndigen Leuten zur dienlichen Noth- durfft geschrieben, umb andere Super- kluge Tadler aber sich im geringsten nicht bekuͤmmere, vielweniger ihrenthalben dieses andern, denen es Nutzen schaffen kan, verschweigen wollen. Es beschrei- bet aber Herr Blasius vorerwehnte Ana- tomiam folgender gestalt: Vom Kopff zwi- schen dem Cerebro u. Cerebello (oder dem Gehirn und kleinen Gehirn,) war es nicht nur knoͤchricht, wie bey einem Hunde, sondern es war auch dem Cerebell zum besten eine Cavit aͤt aus dem knoͤchrichten Wesen formi ret. Jn dem Pferde-Ge- hirn, und insonderheit in ventriculo nobi- li war eine Verwickelung, wie das Hirn- Haͤutgen, ja sowohl in diesem, als in dem Hirn-Haͤutgen war eine Substanz von Vasis wie Druͤsgen, wie solches Stenonius observir et. Die Schleim-Druͤse ist un- terschiedener Groͤsse, und zwar ist sie groͤs- ser bey einem Lamm, als einem Menschen und Hund, und bey einem Pferde klei- ner, als bey einem Ochsen. Die Ursa- che von diesem Unterscheid soll fuͤrnehm- lich seyn, weil diese Druͤse sich nach der Last uͤber dem Gehirn halte. Ander- weit gegen die zwey Schlaff-Pulß-A- dern, welche darneben hinauff steigen, und da sie entweder nach beyden, oder ei- nem von beyden sich richten, so sey es an Staͤrcke entweder groß oder klein. Dann wann bey einigen Thieren die Schlaff- Pulß-Adern in das Gehirn gehen, wer- den sie alsbald in netzichte Verwicklun- gen zertheilet, und von diesen Verwick- lungen gehen mehr Fortsetzungen derer Vasorum durch diese Schleim-Druͤse und verwickeln die gantze Substanz. Ferner weil diese Verwicklung derer Vasorum, welche sie sonst Rete mirabile (oder das wunderbahre Netz) nennen, bey etlichen sehr weit, bey andern aber sehr enge be- funden wird, so accordir et diese Druͤse (maassen von dieser wenige Aeste, von jener aber mehr, als bey andern Thieren, von der Blut-Ader aber fast gar keine erwachsen koͤnnen,) mit der unterschiede- nen Eintheilungs-Last der Vasorum nach der veraͤnderten Proportion. Man hat auch an einigen Thieren bemercket, und insonderheit, daß ein Mensch und ein Pferd dergleichen Netz gar nicht haben, u. da bey dergleichen beyde Blut-Adeꝛn, weit umb, durch diesen Gang des Knochens durchgefuͤhret werden, so wird auch von dessen Stamm bey einem Menschen bald dieser, bald jener Surculus, bald auch gar keiner in die Schleimb-Roͤhre gefuͤh- ret. Bey einem Pferde beruͤhren selbe wenigere Aestgen, dahero ist dessen Theil an demselben auch schwaͤcher. Die Halß- Pulß-Adern steigen bey allen Thieren niesch hinauf zu dem Cranio; Jedoch was die Situation oder Ausdehnung derselben neben der Schleim-Druͤse betrifft, ist solche nicht bey allen einerley: Denn da sie bey einem Menschen durch die knoͤchrichte Roͤhre, welche neben ihr besonders aus- gehoͤhlet ist, mit ihrem besondern Trun- co (oder Stamm) gehet, so lieget sie uͤ- berall lang ausgestrecket, und aus die- sem Stamm treibet sie, ob wohl nicht al- lezeit, einige Zweige gegen die Schleim- Druͤsse. Desgleichen ist bey dem Pfer- de dieser Truncus auch besonders, wann sie zuerst in das Cranium dringet, durch einen Qver-Ast von einer Seiten zur an- dern gehet, so gehen die beyden Schlaff- Pulß-Adern, ehe sie durch die Matrem duram (oder harte Mutter oder hartes Hirn-Haͤutgen) dringen, zusammen; Und wenn bey denen uͤbrigen Thieren die Arteria, welche, ob sie wohl anfaͤng- lich gewisse Aeste hat, dennoch ein eintzi- ger Truncus wird, in das Gehirn stei- get, so gehen bey einem Pferde beyde Schlaff-Pulß-Adern, so in zweene Aeste zertheilet werden, und aus der so genann- ten Matre dura herauskom̃en, in die Hoͤhe. Was das Auge betrifft, so ist die Clandula lachrymalis (oder die Thraͤhnen-Druͤse) bey denen Pferden, Ochsen, und Schaa- fen, nicht bey den Augen-Winckel gesetzt, daß man sie von aussen sehen koͤnne, son- dern an statt dessen siehet man aͤusserlich eine kleine haͤutige Beule, innerlich ei- nen Krospel, an welchem eine laͤngliche Druͤse henget, welche mitten in ihrer Laͤnge einen breiten, und langen Kro- spel hat. Dieser Krospel dienet einiger maassen zur Ausdehnung der Membra- næ detersoriæ, (oder des Abwische-Haͤut- gens,) welchen diese Thiere an ihren Au- gen haben, wie dergleichen Haͤutgen vie- le Voͤgel und einige Fische allein haben. Die Haͤutgen an denen Fluͤgelchen der grossen Pulß-Ader waren zweyfach, und da sie zu denen Hertzkammern giengen, waren zwischen den zwey Haͤutgen flei- schigte Faͤsserchen; Eines von denen Membranis gieng mit dem innern Haͤut- gen Dritter Theil/ gen der Pulß-Ader in einer Continuati- on fort, das andere uͤberzog mit dem Haͤutgen das innerliche des Hertzens. An der Pferde-Niere giengen die Papil- læ (oder Wartzen) durch die hierzu geoͤff- nete Loͤcher, nicht, wie bey andern Thie- ren zu geschehen pfleget, in die Hoͤhle der Nieren, sondern die Hoͤhle der Nieren war in viele Wasser-Roͤhrgen getheilet, ein jedwedes Roͤhrgẽ aber hatte gleichsam seine Colatoria, (odeꝛ darmichte kleine Loͤ- cher,) wodurch der Urin fliesset. Der Mast-Darm hatte zwey Baͤnde, deren das eine breit, wie eine weisse Haupt- Binde, welche aͤuserlich bedecket, das an- dere aber ist rund, und kommt inner- halb mit dem Gekroͤße zusammen. An dem staͤrckeren Theil des Grimm-Daꝛms bemerckte man einen blinden Darm, in Figur eines Cultri putatorii, (oder eines Messers.) Von dem so genannten Ductu thoracico oder chylifero giebt Eustachius in dem Buche de Vena sine pari, antigr. 13. folgende Nachricht: Bißweilen laͤsset die Vena sine pari aus der sechsten Ge- gend des Brust-Wirbels einen Ast ge- gen die lincke Seiten, welcher sich in die Hoͤhe hebt gegen die fuͤnffte Gegend, und sich mit einem andern conjungi ret, welche bey dem lincken Ast der Kaͤhle entsprin- get. Von da gehet sie zum dritten Inter- vallo, welches Nahrung giebt. Zu die- ser Providenz der Natur, meine ich, daß sonst die Pferde-Ader gehoͤhre, welche, da sie kuͤnstlich und wundernswuͤrdig aussiehet, auch nicht wenig Vergnuͤgen und Nutzen zeiget; Und wiewohl sie nicht die Brust zu erhalten gesetzet ist, verdienet sie dennoch erklaͤhrt zu wer- den. Also kommt bey diesen Thieren von diesem lincken meꝛckwuͤrdigen Stand der Kehle, welche der letztere Anfang der innerlichen Venæ jugularis ist, und sich dahin ziehet, ein grosser Zweig her- vor, welcher ausser dem, daß er bey seinem Anfange einen halbrunden klei- nen Mund hat, weiß und voller Feuch- tigkeit ist, und nicht weit vom Anfange sich in zwey Stuͤck zertheilet, bald aber wieder zusammen gehet, da er keine Zweige hat und sich gegen die lincke Sei- te derer Vertebrarum (oder Wirbel) len- cket, und nachdem es durch das Septum transversum oder den Lenden-Wirbel ge- gangen, mitten biß an die Lenden herun- ter gehet, wo er breiter wird, und die grosse Pulß-Ader umfasset, endlich ein obscur es Ende nimmt, so mir selbst noch nicht bekant. Was die Geburth betrifft, hat Wharton gemercket, daß die Saa- men-Blaͤßgen bey dem Pferde so gut, als bey einem andern Thiere eintreffen, dann sie bestehen aus zwey Theilen, deren ei- nes das blosse Blasen-Haͤutgen, das an- dere aber voller Druͤssen ist. Die Bla- se, welche Wharton secir et, war sechs Daumen lang, und drey breit, wiewohl sie noch nicht offen, und leer war, so schien doch, als wann sie haͤtte koͤnnen weiter ausgedehnet werden, wann sie nur waͤre voll gewesen. Jn derselben war eine Materie von Saamen, wie ei- ne Gallerte und Ascherfarbe. Die Sub- stanz dieser Druͤse war der bey denen Te- sticulis befindlichen nicht unaͤhnlich, doch der Farbe nach mehr graulicht, hatte viel Loͤcher, und wann ein maͤßiges In- strument hinein kam, wurde es innewen- dig hohl. Alle diese Loͤcher giengen in einen Ductum zusammen, ehe sie in die Harn-Roͤhre giengen, denn wann man das Instrument in ein jedwedes Loch hin- ein stach, kam es endlich in diesen gemei- nen Ductum (oder Gang) hinein. Die- ser Gang aber gieng nicht gaͤntzlich in die Harn-Roͤhre hinein, sondern wurde von einem zarten und schwaͤmmigten Haͤut- gen der Harn-Roͤhre bedecket. Durch diese Saamen-Materie wurde der Saamen, so in diesem Blaͤßgen gezeu- get wurde, in dem Coitu herausgestos- sen. Es ist wahrscheinlich, daß diese druͤßichte Blaͤßgen, ausser dem Coitu ih- ren Uberfluß, wie sie nur koͤnnen, in das angehaͤngte haͤutige Blaͤßgen ausschuͤt- ten, maassen die Saamen-Materie ei- nerley Gestalt war, doch derselben sehr ungleich sahe, welche in denen Testiculis voͤllig præparir et wurde, daher er schlies- set, daß die Saamen-Blaͤßgen die Ma- terie, welche sie in sich haben, nicht durch die fuͤhrende Vasa bekommen, sondern von ihrer druͤßichten Substanz haben, welche auch das allgemeine Blasen-Haͤut- gen umbfasset, daß es desto leichter und gewisser den Saamen-Schweiß seiner Druͤsen in die Cavit aͤt hinein lasse. Die Loͤcher, wodurch die Prostata (oder Vorsteher) in die Harn-Roͤhre ge- oͤffnet werden, waren zum wenigsten, der Distanz nach, eines Daumes dicke, und waren offen, ausser dem Eingang der durchfuͤhrenden Vasorum, in dem obersten Theil der Harn-Roͤhre waren zwoͤlff kleine Loͤcherchen, welche alle an den Wartzen eines Senff-Korns groß sind Von denen H unden. sind, und an der Harn-Roͤhre hervor ragen, verhindern den beygehenden U- rin, daß er nicht hinein gehe. Von der Mutter der Pferde bemercket Harvejus, daß, ob gleich die Stute und Eselein schei- nen die Frucht in der Mutter zu tragen, dennoch die Geburchs-Staͤdte mehr ei- nem Horn, als einer Mutter aͤhnlich waͤre. Dann diese Staͤdte sey nicht in der Gegend, sondern laͤnger und von der Mutter unterschieden, und sowohl der Connexion, als auch der Geburths- Stadt (Fabrica) und Substanz nach mehr dem Ober-Leibe (Utero superiori) oder dem Proceß des Eyerstocks bey einer Henne, wo das Ey gezeuget, und mit dem weissen umbgeben wird, gleich zu halten, als dem Utero muliebri. Die Mutter und was zu der Geburth gehoͤh- ret, beschreibet Needham cap. 7. also, die Stute ist einer Sauen gleich, dessen aͤu- serlicher Leib, wenn man ihn ansiehet, sie- het dem Weiblichen gantz aͤhnlich, dann er hat einen grossen Boden, worinnen die gantze Geburth lieget; Jn so weit ist er von einem menschlichen unterschie- den, daß die Mutter Hoͤrner hat, ob gleich sie viel kleiner sind, als bey andern Thieren, jedoch groͤsser, als bey einem Weibe, und sehen auf beyden Seiten der Portion gleich, die unter dem Chorio des Harn-Haͤutgens liegt. Selbige Mut- ter aber, wann sie bey den ersten Mona- ten, da sie traͤchtig ist, geoͤffnet wird, zei- get die noch nicht zusammen gewachsene Geburth, wie eine Schweins-Geburth, ist auch nichts von der Mutter-Kuchen oder Druͤsen zu mercken. Mit der waͤchst nach und nach junges Fleisch dar- zu, welches so hin umb die mittler Zeit, da sie traͤchtig ist, eben soviel orobos gleich nach der Groͤsse zeiget, unterdessen wird das Chorion (oder Ader-Haͤutgen) di- cker, und oͤffnet die haͤuffigen Adern, wormit es bewachsen ist. Jn denen letzten Monaten kommt es dahin, daß das Chorion, welches sodann mercklich starck ist, den Mutter-Kuchen durch den gan- tzen Leib ausgedehnet zeiget, und die haͤufige Zweige, welche von eben so vie- len Aederchen auffgelauffen, sind mit der innerlichen Haut der Mutter vereiniget, welche in gleicher Zahl der Vasorum von der Mutter so accurat sich zeigen, daß, wer darumb nicht weiß, sie leicht fuͤr eben so- viel Anastomoses (oder Eroͤffnung derer Blut-Adern) haͤlt. Daß es aber solche Anastomoses nicht seyn, ist daher klar, weil aus dem Gruͤbichen des vorgedach- ten Haͤutgens sie eben so leicht ohne Blut- vergiessen heraus gehet, wie die Ohren einer rindernen Geburth aus denen Druͤsen-Qverthergen. Wenn man die Mutter wegnimmet, befindet man die Haut obgedachter maassen dicke und von dem Nahrungs-Safft gantz auffgelauf- fen, welche, wenn man das Haͤutgen absondert, und mit dem Finger druͤcket, so haͤuffig heraus fliesset, daß man mei- nen solte, es sey ein Faͤßgen oder Haͤut- gen zersprungen. Endlich sind entsetz- lich viel Adern, und Blut-Adern darun- ter befindlich, und haͤuffig mit einem Haͤutgen zusammen verbunden. Das Harn-Haͤutgen umbgiebet die gantze Ge- burth, und Schaff-Haͤutgen. Wann es verwundet wird, zeiget es einen Li- quorem von Urin eines saturati coloris. worinnen zuweilen kleine Corpuscula erwachsen, welche bey dem ersten Anblick fleischicht scheinen, wann sie aber mit ei- nem Finger von einander geruͤhret wer- den, dehnen sie sich entweder in ein Haͤut- gen aus, oder zertheilen sich in unter- schiedene. Merckwuͤrdiger aber ist die Zusam̃enrinnung, welche eine rinnerne Miltz repræsentir et, ist aber viel kleiner, und nennen es die Medici Lingvam pulli eqvini, (oder die Zunge des jun- gen Fuͤllens,) wo sie gefunden und auff- gehoben wird, halten sie es vor ein gu- tes Omen. Jn dieser Cavit aͤt wird man ei- nes kleinen Faͤdgens gewahr, welches von viel mehrern Zweigen als sonst zusam- men gedrehet ist, und bespruͤhet nicht eher seine Vasa, als biß es durch den aͤu- sersten Theil dieses Haͤutgens gegangen, wanns aber wieder zuruͤck gehet, zu dem Schaff-Haͤutgen, nimmets einen gros- sen Canal zu sich, welcher scheinet eine Portion des hereingebogenen Schaff- Haͤutgens zu seyn, doch ist es an statt der Blasen-Schnur und kommt dem Haͤut- gen, welches die Frucht umbgiebet, zu- statten. Anfaͤnglich kan man einen Daum hinein stecken, nach und nach wird es immer enger und gehet hin zur Blase, dahinein kan man mit einem Instru- ment kommen oder blasen. Endlich kan man das Schaff-Haͤutgen oͤffnen, das zusam̃en gedrehete Faͤdenchen sehen, und biß an die Geburth hinan kommen, wo- selbst die bißher so haͤuffigen Vasa bey dem Nabel in viere zusammen gefasset werden, und die Blut-Ader mit der Le- ber, die Blasen-Schnur mit der Blase, C c und Dritter Theil/ und mit der groͤsten Pulß-Ader zusam- men gehen. Needham rechnet das Pferd als ein Thier, so zwischen denen Placen- tiferis oder Mutter-Kuchen fuͤhrenden, und Glanduliferis, oder Druͤsen fuͤhren- den, besonders betrachtet werden koͤnne: Mit jenen komme uͤberein, daß der Urin die Geburth gantz umbgebe, und der Kuchen, welcher anfaͤnglich gar nicht dar- zuseyn scheinet, mit der Zeit doch sosehr wachse, daß er die gantze Geburth umb- gebe, und selbige Dicke des Chorii (oder Ader-Haͤutgens) alleine der Kuchen zu nennen verdiene, daß er so viele und haͤuffige Adern habe, wie ein Weiber- Kuchen. Jn Ansehung der Mutter aͤu- sere sich nichts, wie bey den Glandulife- ris. Dieses aber habe es mit den wieder- kaͤuenden gemein, daß es durch fleischig- te Fingergen mit dem Utero (oder der Mutter) verbunden werde, und daß sich diese Dicke kaum fuͤr dem sechsten Mo- nat mercken liesse. Die Tunicam al- lantoides (oder das Haͤutgen, welches die Frucht in Mutterleibe umbgiebet,) ach- tet Needham insonders fuͤr beschreibens wuͤrdig, weil bißhero daruͤber controver- tir et worden, und bey unterschiedenen Thieren sehr variire. Bey denen Glan- duliferis, als Schafen, Ochsen, Dann- Hirschen, Fuͤchsen, schienen die Seitgen oder Faͤden am Ende und die Prolongati- on der Figur nach wie eine Wurst. Denn beyde erstrecketen sich innerhalb des Ader-Haͤutgens biß zu aͤuserst der Mutter, und mache die Hoͤrner voll. Bey den Sauen, welche viel Jungen hecken, so viel Junge sie haͤtten, so viel haͤtten sie Ova, und erstreckten sich biß zu eines Ovi aͤusersten Horns und uͤberall zeigte sichs in der Figur einer Wurst, da- hero Allandoites oder des Haͤutgen, wel- ches die Frucht umbgiebet, seinen Namen bekomme. Bey den Stuten verhaͤlt sichs etwas anders, allwo dieses Haͤut- gen uͤberall mit dem Chorio (oder Ader- Haͤutgen) umbgeben wird, daß es die gantze Geburth mit einem Schaff-Haͤut- gen in sich verwahret. Die Blasen- Schnur ist mercklich, welche nicht so wohl aus dem Haͤutgen zu erwachsen scheinet, als aus dem Amnio, und scheinet gleich- sam eine Verdoppelung zu seyn, welche in die Blase zuruͤcke gelencket ist, daß man entweder mit einem Instrument oder durch Blasen nicht leicht hinein kommen kan. Solches muß man in der Schnur suchen, welche zwar sehr verwickelt, den- noch eines theils von da sich uͤber das Schaff-Haͤutgen erstrecket, uͤbrigen theils zusammen durch diese Cavit aͤt gehet, so- dann dem Ader-Haͤutgen endlich inse- ri ret, und daselbst in unzehliche kleine Ae- ste zertheilet wird, daß diese Luͤcke des Ader-Haͤutgen mit allem Rechte ein Ku- che zu nennen. Hiernechst ist bey diesem Thiere so wohl, als an den Glanduliferis merckwuͤrdig, daß in dem Liqvore die- ses Haͤutgens haͤuffige Zusammenrin- nung schwimmet, welche anfaͤnglich wie Fett oder Stuͤckgen Fleisch aussehen, wuͤrcklich aber, wenn man sie mit einem Finger beruͤhret, sich wie etwas haͤuti- ges ausdehnet, und scheinet eine Zusam- menrinnung des weichen oder schlei- migten Urins zu seyn. Das Chorion ist in den ersten Monaten ein einfaches Haͤutgen, mit der Zeit aber wird es staͤrcker, und formi ret Stuͤckgen Fleisch, wie eine kleine Erbse, endlich conjungi- ren sich diese, daß das gantze Chorion gleichsam zu einem breiten Kuchen zu weꝛ- den scheinet, so sich mit sehr vielen Vasis verwickelt, und in viele Digitulos in das innerste Haͤutgen der Mutter, welche je- doch einfach bleibet, sich ausdehnet. Die Geburth der Pferde henget in dem ersten Monat in der Mutter gar nicht zusam- men, biß nach einiger Zeit fleischicht klei- ne Beulen werden, diese werden nach und nach groͤsser und inseri ren nicht dem druͤsichten Leibe, so in der Mutter waͤchst, sondern der innern Haut der Mutter gar merckliche Digitulos, daß wuͤrcklich ein continuir licher Kuchen durch das gantze Chorion zu gehen, oder vielmehr das Chorion selbst aus der Haut in einen Kuchen verwandelt zu seyn scheinet. Ste- nonius erzehlet, daß er von zween Maul- Eseln die Testiculos examini ret, bey dem ersten sind die Testes sehr klein gewesen, haben aber aus haͤufigen und blutigen Vasis bestanden, bey deren Oeffnung a- ber nichts von Eyern bemercket worden, die Tutæ sind lang, und in viele Umb- gaͤnge verwickelt gewesen, der aͤuserste Schlund, so nahe an denen Testiculis war, war ziemlich offen, der innerliche aber so dichte zu, daß er nicht einmahl die Lufft in die Mutter gehen ließ, ob gleich in dem Mutter-Horn eine manifest e Wartze ( Papilla ) war, welche bey andern Thieren offen gefunden worden. Das innerliche Haͤutgen der Mutter hatte rauche Runtzeln, war jedoch breit, und in die Superfici en der Mutter gerichtet. Der Von denen H unden. Der Schlund von der Mutter war nicht dichte, ob es gleich nicht an runder Hervorragung, welche es pfleget zuzu- schliessen, fehlete. Bey dem andern Maul- Esel waren die Testiculi groß, wie bey ei- ner Eselin in deren hohlen Theile, ausser wenigen und kleinen Eyern; Jn dem ei- nen war ein Ey, vortrefflicher Groͤsse, so voller gelblicht fliessen der Materie war, in dem andern war ein laͤnglichtes Corpus, schwartzroth und einer zusammen ge- ronnenen Druͤse aͤhnlich, dessen aͤuserster Theil gegen die hoͤckerigte Gegend des Testiculi war inwendig hohl, die ande- re aͤuserste Gegend war ausser dem hoh- len Theile des Testiculi. Dieses gantze Corpus war frey, und hatte weder Vasa, noch Faden, wodurch es an dem Testi- culo gehangen haͤtte. Die Mutter war inwendig roͤthlicht, lieff auf, und alle ihre Vasa waren von Blut in die Hoͤhe getrieben; Also kan eine Maul-Eselin oh- ne grosses Wundern gebaͤhren, wann die haͤuffigen Eyer bey denen Testiculis seyn. Von der Unfruchtbarkeit aber kan man viele Ursachen bey ihnen finden, als e. gr. wenn sie gar keine Eyer haben, oder zu tief in den Testiculis liegen, oder wann die Materie der Eyer zu der Geburth nicht tauget, und dergleichen; Maassen es dergleichen Bewandniß hat, wie mit fau- len oder wurmstichigten Fruͤchten. Und so viel habe aus dem Herrn Blasio hier- von extrahi ren wollen. Die blose Gestalt von Musculis und Adern. Vorigte Descriptio der Anatomie eines Pferdes war fast zu gelehrt, so daß ich mich kaum selbst darinnen finden koͤn- nen, habe dahero, damit man sich alles desto nuͤtzlicher imprimi ren koͤnne, folgen- de kurtze Tabella einer Zeichnung, und Beschreibung dem geneigten Leser vor- stellen wollen, als 1. die Ribben am Ruͤck- grad; 2. Die Maͤuse des Ruͤckens; 3. Die Ribben des Ruͤckens; 4. Die Maͤuse des Ruͤckens; 5. Die Ribben der Brust; 6. Die Maͤuse des Halses; 7. Die Maͤuse des Halses; 8. Die Maͤuse des Halses; 9. Die Maͤuse des Halses; 10. Die Druͤß- lein am Halß; 11. Die Maͤuse der Ohren; 12. Die Keller-Ader; 13. Die Feifel-Ader; 14. Die Maͤuse uͤber den Augen; 15. Die Maͤuse der Augenlieder; 16. Die Adern zu denen Augen; 17. Die Maͤuse des Kiens; 18. Die Maͤuse der Nasenloͤcher; 19. Die Maͤuse der Leffzen; 20. Ein Ast der Blut-Ader, der in die Kienbacken ge- het; 21. Die Blut-Ader des Halses; 22. Die Mauß des Halses; 23. Die Mauß an dem Bug; 24. Die Mauß uͤber dem Schulter-Blatt; 25. Die Mauß uͤber denen Vordern-Schenckeln; 26. Band der Saͤhnen; 27. Die Mauß uͤber dem Knie; 28. Das Schulter-Blatt; 29. Die Saͤhn- Adern; 30. Daß Gewerb oder Gelenck in der Koͤten; 31. Die Viertel-Ader; 32. Die aͤussere Mauß uͤber dem Knie; 33. Die inwendige Mauß; 34. Das Band oder Saͤhnen, die alle Gewerb im Knie bedecket; 35. Die Kron oder Schaal; 36. Saum am Huff; 37. Die Fessel-Ader; 38. Die Haarwachs der Fessel und Fuͤsse; 39. Die Maͤuse an Fesseln; 40. Die Pulß- oder Spann-Ader; 41. Die Maͤuse ober- halb dem Vorder-Knie; 42. Die Spor- Ader; 43. Das Band oder die Sehne, die alle Gewerb in den Koͤten bedecket; 44. Die Roͤhr im Unter-Schenckel; 45. Die Sehne, welche das Gewerb des Knies bedecket; 46. Das herausragende Bein hinten am Knie; 47. Die Schranck- Ader, welche inwendig in Schenckeln abgehet; 48. Die Maͤuse der Fessel; 49. Band der Sehn-Adern, welches die Fes- sel bedecket; 50. Sehn-Ader; 51. Seh- nen; 52. Die Sehne, die das Glied bede- cket, und die Haarwachs zusammen haͤlt; 53. Die Roͤhre uͤber dem Knie; 54. Die Maͤuse am hintern Schenckel; 55. Die Maͤuse an der Lenden; 56. Die Maͤuse der Huͤffte; 57. Die Maͤuse der hintern Huͤfft; 58. Die Sechszehen Glieder des Schwantzes; 59. Die Mauß auf der vor- dern Huͤfft; 60. Die Mauß auff der Huͤfft; 61. Die Maͤuse auf der hintern Huͤfft; 62. Maͤuse uͤber den Nieren, wie solches beykommende Figur deutlich zei- gen wird. C c 2 Von Dritter Theil/ Von denen Gliedern und Adern des Pferds/ welche Adern zu rechter Zeit zu schlagen sind. Das gantze Gebaͤude und Structur eines Pferdes ist, wie bekant, von roͤh- rigten Knochen und Gestelle, welches von oben gesagten Musculis und Adern durch die Flechsen und Nerven befesti- get wird, wie nun ein jedes Glied, und dessen behoͤhrige Ader und Gebluͤth von ihrem besondern Him̃lischen Aspect oder Zeichen dirigi ret wird, also hat es auch gleiche Beschaffenheit mit dem Pferd, da man dem krancken Glied zur Geneßung durch Aderlassen das dicke schwartze ver- stopffte Gebluͤth abzapffet, und hinge- gen dem fluͤchtigen klaren gesunden Ge- bluͤte eine fernere perpetu irliche Circula- tionem Sangvinis vergoͤnnet. Wann man nun einem Ross an einem Glied des Leibes lassen will, so soll man so wohl achtung auf die himmlischen Zeichen ge- ben, als bey den Menschen, dann ein jeg- liches Zeichen sowohl an den Pferden, als den Menschen sein Glied innen hat. Taurus oder der Stiehr hat den Halß und die Galle; Gemini oder die Zwil- linge beyde Schultern, und Vorder-Bu- ge, und was darumb und daran ist. Cancer oder der Krebß die Brust und alle darinnen verschlossene Glieder und beyde Vorder-Rippen; Leo oder der Loͤw das Hertz und den Magen, und fuͤrnehmlich den Magen-Schlund, so man das Hertz-Gruͤblein nennet; Virgo oder die Jungfrau die Lungen, und Hoͤhl des Magens, biß in den Nabel; Libra oder die Wage, das Eingeweyd, die Daͤrme, und was unterhalb des Na- bels, biß auf die Gemaͤche des Bauchs, verschlossen ist, desgleichen die Hinter- Huͤffte, und alle Ribben an dem Ruͤcken; Der Scorpion das Schroͤth und Ge- maͤcht; Sagittarius oder der Schuͤtze die Glieder und Adern, die durch und in die Obern-Theile des Schenckels nechst den Kuͤfen gehen; Capricornus oder der Steinbock die innere Theil des Schen- ckels, und die Knie; Aquarius oder der Wassermañ die Schienbeine; Pisces oder die Fische die Fuͤsse. Derhalben soll man kein solches Glied ruͤhren, wann der Mond solches Zeichen durchlaufft, es sey mit Lassen, Brennen, oder sonsten einer andern Cur. Nun moͤchte aber Je- mand fragen: Worbey soll ichs erken- nen, daß ich dem Roß lassen soll? Hier- bey soll ein solcher wissen, daß derglei- chen noͤthig 1.) Wenn das Roß leibig oder feist wird; 2.) Wann die Haut beist, daß es sich an den Bahren, oder anderst- wo reibet, oder sich selbst naget; 3.) Wann ihm die Ohren welck seyn; 4.) Wanns offt mit dem Maul gaͤnet; 5.) Wann es mit den Vorder-Fuͤssen stets scharret; 6.) Wann ihm die Winckel in Augen voll Unflaths und zaͤhen Schleimbs sind; 7.) Wann es zu viel wieder seine Gewohnheit schlaͤffet; 8.) Wenn man in dem Zuͤrch oder Harn Blut spuͤrete. Die Adern oberhalb den Augen, so man Augen-Adern nennet, sind zu schlagen wider ein Gebersten Lat: Jps genannt, auch fuͤr die Monsucht, und wider alle boͤse Fluͤsse des Haupts, so dem Gesicht nachtheilig. Die Adern der Ohren, de- rer 3. sind, werden geschlagen, wann die Ohren, das Haupt oder der Halß ge- schwollen sind, jedennoch soll die Laͤß im Zeichen des Widders unterbleiben, son- sten ist sie gut, und genug, wenn nur ei- ne gelassen wird. Die Ader, so die Schlaff-Ader genennet wird, ist in der Nase, die soll fuͤr allerley Gebrechen der Augen geschlagen werden, auch fuͤr Fie- ber und Geschwulst des Hauptes. Die Halß-Ader, so auch die Hertz-Ader ge- nennet wird, ist gemein, und nuͤtzlich zu schlagen wider allerley Gebrechen der Wuͤrme, auch so sich ein Pferd rehe ge- truncken, soll man diese Ader im Jahr achtmahl oͤffnen, ein wenig im halben April, im halben May, und halben Se- ptember. Die Lungen-Ader ist gut zu oͤffnen wider allerley Gebrechen der Brust oder Lungen, doch soll im Zeichen des Krebß solche Laͤß unterlassen wer- den. Die Schwantz- oder Stern-Ader wird geoͤffnet fuͤr allerley Gebrechen der Ribben, fuͤr die Milben und Geschwulst der Fuͤsse, wider die Weh-Tagen der Wuͤrme, auch Fieber und Hitz, so dem Roß in den Ruͤckgrad kommen. Die Schrenck-Ader ist nuͤtzlich zu Temperi- rung des Hertzens, auch fuͤr die Ge- schwulst des Geschroͤths, fuͤr Hitz und Verhinderung der Geylheit, dadurch dem Von denen H unden. dem Pferd die Geylheit genommen wird, doch soll solches im Zeichen des Scorpi- ons nicht geschehen. Die Leber- und Viertel-Ader, so innerhalb des Schen- ckels oberhalb des Huffs am Knotten befindlich, ist nutz wider alle Fluͤß am Schenckel, auch wider die Wuͤrme. Die Rehe-Ader, so innerhalb der Dick, wird geschlagen, fuͤr die Geschwulst der Fuͤsse. Die Seiten- oder Spohr-Ader ist gut vor alles Gebrechen des Jngeweyds, die von boͤser Verstopffung kommt, sie ist auch gut zu schlagen, wann die Roß Graß essen, denn es dienet zur Linderung der Brust, da sonsten der Husten ent- springet. Die Ader am Spietz des Huffs, so man die Strahl-Ader nennet, derer ein jeder Strahl 2. hat, die soll geschla- gen werden, wann der Schenckel mit uͤbrigem Blut angelauffen, wie dann auch gemeiniglich die Fluͤsse vom Leibe in die Fuͤsse schlagen. Die Ader Lat: poste- ra genannt, oder die Fessel-Ader, wird bey denen Pferden in den Fesseln gefun- den, ist gut wider alle Geschwulst und Fluͤsse der Fuͤsse, auch fuͤr viel Gebrechen derselben, soll doch im Zeichen des Was- sermanns nicht geschlagen werden. Die Ader, so oberhalb der Knie an den Vor- der-Fuͤssen zu finden, ist die Bug-Ader an den Hinter-Fuͤssen, die Schranck-A- der ist gut zu lassen wider alle Ge- schwulst der Brust und Schenckel, auch allerley Gebrechen der Fuͤß, so aber im Scorpion zu unterlassen. Die Zun- gen-Ader nennet man die Feifel-Ader, ist nuͤtzlich zu schlagen wider boͤse Ge- schwaͤhr und allerley Gebrechen, so dem Pferd im Mund und Halß zustossen. Die Wuͤrffel-Ader ist, wann man einem Roß den dritten Staffel sticht, wird dem Pferd geschlagen wider Ausduͤꝛꝛung, Ab- nehmung und Feuchtigkeit des Haupts, auch wider den Feiffel und Husten, es wird auch dem Pferd die Lunge und inwendig der Leib durch dieses Lassen er- kuͤhlet. Die Ader bey der Nasen, die Mauß-Ader genannt, ist gut wider alle dunckele Augen fuͤr alle Maͤn- gel der Bein-Gewaͤchs, auch fuͤr alle Fie- ber und Augenweh, aber im Zeichen des Witters soll solche nicht gelassen werden. NB. Wann man ein junges Roß hat, so mangelhafft am Gesicht werden will, so lasse man ihm allezeit bey dem Neu- Mond, so es seyn koͤnte, in derselben Stund, da er neu wird, man steche ihm den Staffel, so wird er lange auffgehal- ten, man schlage dem Pferd die Adern oben auff den Augen an beyden Seiten, und lasse es wohl gehen, es gewinnet ei- nen duͤrren Kopff davon, und kan man ihm den Kopff offt mit kaltem Wasser waschen. Man soll dem Roß alle Mo- nat die dritte Staffel stechen lassen, einen Tag vor dem neuen Mond, so er nicht im Widder ist. Diese Kunst aber soll nur gebrauchet werden, wann sich eini- ge Maͤngel am Gesichte ereignen, die Ge- sunden beduͤrffen es nicht, dann es sonst mehr schadet, als nutzet. Wo die Adern in Kranckheiten zu lassen. Wie ein jedes Ding auff der Welt seine vollkommene Wissenschafft bedarff, also ist es auch mit den Gliedern und A- dern eines Pferdes beschaffen, wie dann aus beykommender Figur zu ersehen, an was vor Theil des Leibes dergleichen sicher vorzunehmen, als 1. hitziger Ruͤ- cken; 2. Lahm auff dem Ruͤcken; 3. Ge- schwulst unter dem Sattel, 4. Schwam̃; 5. Gedruckt vom Sattel; 6. Wurm oder offener Kamp; 7. Speckhaͤlsig; 8. Schaͤbig oder raͤudig; 9. Kuͤh-Ader zur Lungen und Leber; 10. Feiffel am Hal- se; 11. Die Koller-Ader; 12. Der Feiffel an Ohren; 13. Das Fett oder Mauß uͤber den Augen; 14. Geschwulst der Augen; 15. Fell uͤber den Augen; 16. Nagel oder Hauck in denen Augen; 17. Adern zum Gesichte; 18. Die Mauß auf der Nasen; 19. die Kehl-Sucht; 20. Wuͤrm auf der Nasen; 21. Stuhl oder Kernstechen; 22. Frosch im Maule; 23. Duͤrre Wartzen; 24. Die Ader unter den Augen; 25. Ge- schwollen Schlund; 26. Halß odeꝛ Lungen, Leber; 27. Die Bug-Ader; 28. Oberbein; 29. Rappen oder Maucken; 30. Raupfuͤs- sig; 31. Die Vorder aͤuserste Viertel-Ader; 32. Zwanghuͤffig; 33. Sproͤthhuͤffig; 34. Flachhuͤffig; 35. Vollhuͤffig; 36. Soh- len abziehen; 37. Wann das Eiter oben ausbricht; 38. Verbaͤllet und verschla- gen; 39. Kernschwinden; 40. Vernagelt; 41. Die vorder innere Viertel-Ader; 42. Verstauchung der Koͤten; 43. Die vor- C c 3 dere Dritter Theil/ dere Schranck-Ader; 44. Bugschwinden; 45. Wendung der Buͤge; 46. Die Spor- Ader; 47. Die hinter innere Viertel-A- der; 48. Angewachsen oder banleibich; 49. Hinter-Schranck-Ader; 50. Ge- schwulst des Schlauchs; 51. Geschwollen Geschroͤth; 52. Spath; 53. Rauphuͤffig; 54. Horn-Kluff; 55. Hinter-Viertel-A- der; 56. Hinter-Faͤssel-Ader; 57. Mau- cken, 58. Gallen; 59. Durchgehende Gal- le; 60. Floß-Gallen; 61. Rappen oder Maucken; 62. Der Schwamm; 63. Die Ellenbogen; 64. Verruͤckung der Spann- Ader; 65. Faͤule des Schwantzes; 66. Schwein-Haar; 67. Wann der Schwantz ausfaͤllet; 68. Schaͤbichten Schwantz; 69. Huffschwinden; 70. Verruckt in den Huͤfften; 71. Wendung der Nieren. Ausfuͤhrliche Anatomie eines Hundes. Es beschreibet dieses gar weitlaͤuff- tig der Weltberuͤhmte Herr Doctor Gerhardus Blasius, ordinair er Medicus und Professor zu Amsterdam, in seiner in Lateinischer Sprache herausgegebe- nen Anatomia animalium, pag. 21. de Ca- ne folgender Gestalt: Er habe 1673. die- ses befunden; daß die Ober-Haut ( Cu- ticula ) mit Haaren sehr dichte zusam- men verwachsen, worunter die Haare auf dem Ruͤcken etwas haͤrter und laͤn- ger, an dem Bauch und Schaam aber ein merckliches weicher gewesen. Nach Eroͤfnung und Separir ung dieser waͤre das fette Haͤutlein dem menschlichen fast aͤhnlich gewesen, ohne daß es etwas flei- schichter, und hart an der dicken Haut, meistens durch den gantzen Leib ausge- spannet gewesen, umb die Intestina zu- sammen zu halten. An der Vorhaut sey kein Zungen-Riemen, sondern es sey die Schaam mit langverwachsenen Haa- den bedeckt gewesen. Bey einer Huͤn- din aber giengen die Adern in die Zitze oder Bitze, wie auch die Pulß-Adern von den Achsel-Adern herunter, aber von den Magen-Pulß-Adern giengen sie hien- auf, welches bey einer saͤugenden Huͤn- din merckwuͤrdig zu sehen waͤre, deren grosse Zitzen die hintersten und meistens wegen vieler Jungen, die sie haben, 6. biß 8. waͤren. Nach solcher Section und Oeffnung haͤtten sich unter andern das Diaphragma oder Zwergfell gezeiget, wel- ches die Hertz-Kammer von dem uͤbri- gen Leib separire, und bekomme von der Hohl-Ader und grossen Pulß-Ader aus dem Hertzen einen Durchzug nach der Leber: Die andere Pulß-Ader gehe durch die Lunge, und ferner lang dem Halß nach dem Gehirn. Das Cerebrum oder Gehirn und Vorder-Theil werde durch eine beinerne Substanz von dem Hinter-Theil des Cerebelli oder kleinen Gehirns unterschieden, denn werde eine Fortsetzung des Ruͤcken-Marcks aus dem Grunde des Cerebri und Cerebelli durch den Ruͤckgrad fortgeleitet, aus welchem die Correspondenz erscheine. Jn der Arteria magna oder grossen Pulß- Ader waͤre merckwuͤrdig, daß keine Aest- lein oder Rami subclavii vorhanden, son- dern nur die Axillares ihren Fortgang setzten. Ferner sey zu betrachten, daß hin- ter dem Ohr-Loche am Halse von unten herauf 3. Adern stiegen, die sich ferner in die Ohr-Lappen vertheileten und ein zart Nutriment zum Wachsthum der Lunge mittheileten. Die Ohren an sich selbst seyen von zweyen Haͤuten compo- nir et, darzwischen nichts zu finden, aus- ser, daß die aͤuserste rauch mit Haaren verwachsen, die innere aber glatt sey. Der Gehoͤr-Gang sey ein knoͤrblichtes Gewaͤchse von vielen krumbgewendeten Cavis. Die Nase habe in ihrer inner- lichen Substanz unzehlich kleine Ductus, welche Zugweise nach der Empfindlich- keit des Gehirns und Geschmack des Gau- mens geleithet wuͤrden. Der Schwantz oder die Ruthe sey von 19. Gelencken, und vom Creutzschloß an biß zur aͤuser- sten Spitze der Laͤnge nach durch vier Flechsen befestiget, darzwischen mit vie- len kleinen Musculis bewachsen, und bie- ge sich einwaͤrts krumm durch die zwey Musculos des Schlosses mit Huͤlffe be- sagter vier Flechsen. Die Ballen und Klauen der Vorder- und Hinter-Fuͤsse gleicheten nach Groͤsse des Hundes einem Wolff oder Fuchs, und zoͤgen sich die Testiculi oder Hoden durch die Adern in den hohlen Leib nach den innerlichen Nieren zum Nutriment. Auff dem Kopff habe der Hund ebenfalls uͤber den Augen oben auf der Hirn-Schale zwey starcke Musculos, dichte verwachsen, die- se bewaͤhren manchen Schlag und Stoß der Von denen Hunden. der Hirnschale zum Schutz, wie er denn auch zu jeder Seiten der Kiehnbacken ein langes und zwey dicke Maͤußlein, um der Kiehnbacken Ober-Gelencke im Hirnschaͤdel desto staͤrcker zu befestigen, wohl verwahret habe. Der Rachen oder Gebiß der Zaͤhne gleiche einem Wolff oder Fuchs, der 20. unten und 18. oben habe, wovon die vier laͤngsten oben und unten zu beyden Seiten forne stehen. Die Zunge sey wie bey andern Thie- ren von weichem schwammigten Ge- waͤchs, hange hinten an der Gurgel in einer Gabel feste angewachsen. Vorne sey sie unten mit einem dinnen Haͤutlein angespannet, unten nach der Spitze zu sey unten in der Zunge ein weises Flechs- gen, als ein Regenwurm, welches der Wurm genannt werde, zu finden, wo- von an seinem Orte ein mehrers gedacht worden. Ferner gehe die Gurgel uͤber dem Hertzen nach der Lunge zu, die Lufft zu schoͤpffen, und aus der Lunge den Laut zu formir en. Der Schlund aber gehe nach dem Magen. Das Hertze, welches in dem Pericardio oder Hertz- Saͤckgen befindlich, sey gleicherstalt wie anderer Thiere Hertzen beschaffen, auch ebenfalls durch ein subtiles Haͤutgen nach dem Brustkern und nach dem Zwerg- Fell hin und wieder angewachsen; Die Lunge sey fleischfarbigt oder lichtblaß- roth von Farbe, und habe sieben Lobos, doch von unterschiedener Groͤsse. Das vorhin erwehnte Diaphragma oder Zwerg-Fell habe in der Mitten ein zart durchsichtiges klar Haͤutlein, welches der Gestalt nach einen Hasen-Kopff mit Ohren repræsentir et, wie ich bereits vom Fuchs bemercket. Die Leber habe auch sieben unterschiedene Lobos, sey roth- brauner Farbe und die Galle in der Mit- ten von grauer Farbe. Auf jeder Sei- ten habe der Hund innewendig 13. Rib- ben. Der Magen sey auswendig glatt, von dreyen dicken Haͤuten mit dem Netz umzogen, habe zwey Roͤhren, wovon die eine aus dem Schlund in Magen, die andere aus dem Magen in das Gedaͤr- me gehe. Die Miltz liege lincker Hand des Magens, wie bey andern Thieren, der Magen sey innewendig beschaffen wie bey einem Schwein, nemlich vol- ler krumbgewundenen Runtzeln als star- che Regenwuͤrmer, in welcher Cavit aͤt sich eigentlich der Chylus concoctionis nutrire, und ferner durch den blinden Darm oder Cæcum die Excrementa for- mir e, welche sodann durch die Gedaͤr- mer ausgefuͤhret werden. Die Nieren haͤtten ihre Correspondenz durch eine Ader nach den Hoden, und laͤgen zu Ausgang der kurtzen Ribben an dem Ruͤckgrath angewachsen. Bey einer Huͤndin habe der Mutter-Bauch zur Empfaͤngniß zwey Hoͤrner, worinnen die Testiculi curiös zu sehen, welche sich in der Geilheit oͤffnen. Die Vagina o- der Mutter-Scheide sey runtzlicht, und knorplicht, und gehe ein klein Loch in das Orificium, da die Frucht getragen werde. Aeusserlich habe der Hund an seinen Gliedern folgende Beschaffenheit: Nemlich die beyden Lungen-Adern giengen ihm zu beyden Seiten unter den Vorder-Blaͤttern am Halse hinauff hin- ter den Kienbacken, da sie sich verthei- leten; Die Vorder-Blaͤtter waͤren durch viele Flechsen nach der Brust angewach- sen; Die Hinter-Schenckel haͤtten ihre Kugeln und Pfannen, Flechsen und Sehnen, wie andere Thiere. Gleich- falls haͤtte der Hund einen starcken flei- schigten Halß, mit festen Musculis ver- sehen. Was uͤbrigens alles wegen der Nasen und Nasen-Loͤcher, Empfindlich- keit des Gehirns anbetrifft, solches ist bereits alles bey dem Fuchs ausfuͤhr- lich berichtet worden, darnach man sich in allen desto genauer richten kan. Vorerwehnter Autor ruͤhmet unter andern Intestinis vornehmlich das Colon oder den grossen Darm im Leibe, welcher von mancherley cellu- lis durch ein Band gehalten werde, da- durch der Nahrungs-Safft seinen Gang ferner zu den uͤbrigen Intestinis con- tinui re. Er habe sein Lager bey der rechten Niere, und gienge ferner unter der Leber durch eine Kruͤmme zu der Miltz, von dar nach der lincken Niere, wo er sich bald endige, und den Intesti- nis recta einen Uhrsprung gebe, wie denn auch das Eingeweide hinten am Schlos- se durch ein doppelt Band befestiget, al- so schwebend gehalten wuͤrde. Wer von dieser Materie ein mehrers zu wissen ver- langet, der lese ferner nach usqve ad pag. 41. sonderlich aber besehe er die Explica- tiones figurarum tabulæ 7. 8. 9. \& 10. da wird er einen desto ausfuͤhrlichern deutli- chern Unterricht erhalten, welches ich mit Fleiß um geliebter Kuͤrtze willen, dem geneigten Leser nicht verdrießlich zu seyn Dritter Theil/ seyn, uͤbergehen, und denselben dahin verweisen wollen. Und so viel Nachricht von einem Hunde erachte fuͤr einen Jaͤ- ger genug zu seyn; Wer ein mehrers wissen will, kan obangezogenen Auto- rem an gemeldtem Ort weiter nach- lesen. Von den Affen. Ob zwar dieses ein seltsames fremb- des, und zur Jagd gantz nicht gehoͤri- ges Thier ist, daß also dessen Beschrei- bung wohl nachbleiben koͤnte, so habe doch, weiln oͤffters Herrschafften diesel- ben aus Curiosit aͤt und zum posirlichen Zeitvertreib in ihren Gemaͤchern und Zimmern halten, von deren Art und Na- tur ein wenig handeln wollen, zumahl, da ich ohnedem auch schon von dem Pa- pagoy, und Jndianischen Raben etwas geschrieben habe. Der Affe ist dem Men- schen denen aͤusserlichen Gliedern nach in etwas gleich, innewendig aber nicht, doch wollen Galenus und andere, daß das Gehencke u. die Kutteln im Affen wie im Menschen laͤgen, und wo in denen Thie- ren wegen Hitze der Leber und des Her- tzens die Nahrung sich mehr in die Vor- der-Glieder, dann in die hintere aus- theilet, da ist allewege der Vordere Theil etwas hoͤher, dann der hintere, wie an denen Pferden zu sehen, die vorne etwas auffrechter, dann hinten seynd. Die Af- fen haben unten am Bauche und allen Gliedern viel raucheres Haar, als an- dere Thiere haben: Das Angesicht kom̃t fast dem menschlichen bey, wie an der Nasen, Ohren, und Zaͤhne zu sehen ist. Es haben dieselben unten ein gantz duͤnn Augen-Glied, das sich weiter denn das obere ausstreckt, also, daß sie uͤber und unter dem Aug mit Braunen be- schmieret seyn, welches andere vierfuͤßi- ge Thiere nicht alle haben, sondern das unterste Augenlied hat keine Augenbrau- nen. An der Brust haben sie zwey Dutt- waͤrtzlein, und Arme wie der Mensch, aber raucher, dieselben koͤnnen sie auch als die Schenckel an sich ziehen, und von sich strecken: Die Naͤgel und Finger, auch die Haͤnde sind fast den menschlichen gleich, nur wilder. Die Fuͤsse sind wie grosse Haͤnde, da die mittelsten Zehen etwas laͤnger; Ja der Fußtritt ist fast einer Hand aͤhnlich, und nicht so breit, sondern in die Laͤnge einer Hand-Hoͤhle, so gegen den hintern Theil der Ferse sich schmaͤhlert, denn da ist der Fuß etwas dickhaͤutigter, fast einer Fersen gleich, doch etwas klein, und nicht wohl formi ret: Die Fuͤsse kan der Aff auf zweyerley Wei- se brauchen, er gehet darauf, und kan sie, wie die Haͤnde, hin und her biegen und wenden. Seine Arm oberhalb Ellbo- gens sind dicke, oberhalb Knies gar kurtz gegen das Gliedmaß der Armspin- deln und Schienbein zu rechnen: Der Nabel raget ihm nirgends herfuͤr, aber statt dessen finden sich etwas harte Knoͤl- lein: Von oben herab biß zum weichen Bauch sind alle seine Glieder groͤsser, denn die Untere, wie dann alle vierfuͤs- sige Thiere gemeiniglich von fuͤnff Thei- len oben drey Theil einnehmen, deswe- gen denn der Aff etwas von der Gestalt des Menschen abtritt; Sie haben keine Arschbacken, welches mit den vierfuͤs- sigen Thieren gemein ist: Sie gehen auch, wie andere vierfuͤssige Thiere, mehr un- ter sich gelencket, denn auffrichtig, tragen auch keinen Schwantz, wie solcher dann auch dem Menschen mangelt, so auff zweyen Fuͤssen gehet. Das Geburths- Glied ist am Weiblẽin einer Frauen- Scham gleich, am Maͤnnlein aber fast wie ein Hund. Jst ein laͤcherliches pos- sirli ches Thierlein, weil seinem Coͤrper allerhand lustige Dinge eingepflantzet sind. Die veretable ste Art der Affen ist diese, die kein laͤnglichtes Angesicht, kein Hundes-Gebiß oder langen Kiefel haben, denn lang auszudehnen ist der rechten Affen Art gantz zuwieder, auffrecht ge- hen aber, schnell lauffen, die Daumen, wie auch das fleischigte Geaͤder an den Schlaͤfen, Weiche und Haͤrte des Haars, die Laͤnge und Gerade unterscheiden der Affen Arten. Es haben die rechten Af- fen umb die Schlaͤfe etwas mauicht oder weich haaricht dickes Fleisch, eben wie bey dem Menschen die Schaͤdel-Nath niedersitzet. Dahingegen haben die an- dern Affen alle Zaͤhne etwas groͤsser, bel Von denen H unden. Die rechten Affen, so menschlicher Ge- stalt am gleichsten, haben einen Gebre- chen, der zwar klein, sie aber dennoch verhindert, daß sie nicht so gar, als der Mensch, auffrecht gehen moͤgen, dann der Anfang der Huͤfften ist mit dem Wuͤr- bel an der Dicke an einander gehefftet, so haben sie etliche Mauß-Adern, die vom Ende des Schienbeins biß mitten in das Dicke Bein sich erstrecken und daselbst ein wenig Oberhalb einwurtzeln und sich mit den Mauß-Adern ver- winden, die sich oberhalb ziehen, dadurch dann die Ausstreckung der Schenckel- Spindel verhindert, ja dergestalt hinter sich gezogen wird, daß auch das Knie nicht recht mag ausgedehnet werden: Dahero kommt, daß der Affe seine Schenckel, als ein Mensch, der einen hinckenden spottet, brauchen kan. Die Zehen des Affen-Fußes sind dem Menschlichen auch nicht aͤhnlich, dann der Mensch hat kleinere Zehen an den Fuͤssen, als die Finger an den Haͤnden sind: Hingegen hat der Aff an den Fuͤs- sen groͤssere, auch laͤngere Zehen, weder andere Thiere, dann die vordere Tap- pen gespalten sind. Sonst hat der Aff auch eine Spann-Ader, so sich beym Riß einbeuget, und von oben biß auf die un- terste Glieder reichet, und diese Ader ist beym menschlichen Fuß nicht zu finden; Und aus solcher Spaltung kommts, daß der Aff leichtlich klettern kan, und dar- zu eine schmahle Fersen hat. Das Ge- aͤder in denen Armen des Affen ist eben so beschaffen, wie beym Menschen, auch hat der Aff einen Daum, er ist aber kurtz, rahn, und ungeschickt; Die Hand ist auch der Menschlichen ziemlich gleich, ausser daß sie einige Gebrechen und Maͤngel hat; Unter der Achsel des Af- fens findet sich eine Mauß-Ader, ande- re hingegen wiederlegen solches, daß die Gestalt, Adern, und andere Gliedmas- sen des Affens mit der menschlichen Ge- stalt gleich kommen solte. Die Thiere, so ein lebendiges Thier gebaͤhren, diesel- bigen biegen ihre Knie vor sich, und die Wiederbuͤck oder Gelencke hinter sich, ausgenommen Menschen, Affen und Baͤrinne. Jn der Barbarey, Mauri- tani en, im Koͤnigreich Fezzo Marocco, da sind sie Hauffen weiß. Jn Jndien sollen auch schoͤne grosse Affen seyn, deren Natur und Eigenschafft ist, daß sie ihre Jungen hefftig lieben, dann wo sie auff- erzogen werden, zeigen sie solche allem Volck, und wollen, daß solche Jeder- mann caressir en soll, wann sie aber zwey Jungen haben, so lieben sie das eine, das andere hassen sie, welches sie nun lie- ben, solches koͤmmet selten auff, weil sie solches continu irlich druͤcken, und her- umb schleppen; Das andere, so sie hassen, sitzet ihnen stets auf dem Ruͤcken, und koͤmmet eher auf, als das geliebte. Wann sie dasjenige, so sie lieben und vor sich tragen, bey Verfolgung und Nach- jagung des Jaͤgers von sich werffen und verlassen, sich aber auf einen Baum re- tiri ren muͤssen, und das Verhaste ihme auf dem Ruͤcken bleibet, und davon koͤmmet, so lieben sie hernach statt des Geliebten, dasselbe. Bey abnehmendem Monden, und zwar beym Neuen Licht sind sie sehr traurig, aber im zunehmen- den froͤlich. Furchtsam und possir lich ist der Aff, will dem Menschen alle Din- ge nachmachen, lernet das Boͤse ehe, denn das Gute von dem Menschen, und ver- laͤsset seine wilde Art nicht gaͤntzlich, daß er nicht rasend und zornig werde. Er kennet seinen Herren aber lange Zeit, und ist dem lange Zeit feind, der ihn be- leidiget hat: Jst auch sehr geyl in sei- ner Brunfft, daß er auch auf den Loͤ- wen springet, und ist zu allen Dingen sehr gelernig: Fuͤrchtet die Schild-Kroͤ- the sehr, und ist ihr Feind. Es werden die Affen auff verschiedene Arten gefan- gen: Weil sie den Menschen alles nach thun, so setzen die Jaͤger sich unter einen Baum, darauf die Affen sitzen, da denn der Jaͤger eine Schuͤssel mit Wasser hin- setzet, und das Angesicht waͤschet und dann weggehet, vorhero aber die Schuͤssel statt des Wassers mit Vogel- Leim anfuͤllet, da denn die Affen sol- ches auch nachmachen, und mit dem Vogel-Leim die Augen zuschmieren und daruͤber gefangen werden; Andere der- D d glei- Dritter Theil/ Von denen H unden. gleichen Arten mehr zu fangen, will ge- liebter Kuͤrtze halben uͤbergehen. Die Affen haben ein grosses Netz, und weil sie viel springen, bekommen sie oͤffters Bruͤche, sind auch mit der Schweren Noth, Entzuͤndung Lung und Leber, Miltzes und Blasen behafftet, ha- ben einen gifftigen und sehr toͤdtlichen Biß. Die Chyne ser machen eine gu- te braune Farbe aus des Affen Blut. Wer hiervon mehr verlanget, der besehe Gesneri Thier-Buch gleich zu Anfange. Vierd- Vierdter Theil/ handelt V on dem J agd- B ezeug. N Achdem GOTT der All- maͤchtige dem menschlichen Geschlechte alle wilde Thie- re, Voͤgel und Fische zu ihrer Speise nachgelassen, und frey gegeben hatte, so haben solche nach beschehenem Suͤnden- Fall vor demselben als vor einem Ty- rannen einen Abscheu bekommen, weil sie von Natur sich befuͤrchten und ein- bilden kunten, daß die Menschen ihnen nach dem Leben trachten und nach der von Goͤttlicher Ordnung ihnen ertheil- ten Macht dasselbe nehmen wuͤrden. Derohalben zu denenselben, weil sie aus natuͤrlicher Furcht scheu und fluͤchtig waren, damahls wohl unstreitig, wie ich glaube, anfaͤnglich die Hunde gebrau- chet worden, welche dem Menschen hier- zu behuͤlfflich waren, ihm das fluͤchtige Wild einhohleten, das unsichtbare aber durch ihren Geruch auff der Wild- Spuhr verfolgeten und entdeckten, biß man endlich mit Bogen und Pfeilen das Wild heimlich beschliechen und gefaͤllet hat: Wie sonder Zweiffel der Jsmael, welcher in der Wuͤsten gewohnet, und ein guter Schuͤtze gewesen, gethan ha- ben mag, ingleichen Esau, dem sein al- ter Vater Jsaac vor seinem Ende, sei- nen Zeug, Koͤcher und Bogen zu neh- men, und ihm ein Wildpraͤth zu fahen befohlen hat; Woraus abzunehmen, daß gleich anfaͤnglich dergleichen Jagden mit Bogen und Pfeil auch im alten Testa- ment gehalten worden sind; Nicht we- niger haben auch nachgehends unsere al- te Vorfahren auff des Wildes Gaͤnge, und deren gewoͤhnliche Wexel und Ste- ge hin und wieder unterschiedliche ver- deckte Gruben, Fallen, Schlagbaͤume und Schleifen auffgestellet, darinnen sie das Wild gefangen und geschlagen, wie dann dergleichen Gruben, so wegen der schaͤdlichen ungeheuern Raub-Thiere an- gerichtet werden, annoch an vielen Or- then gebraͤuchlich sind und gefunden wer- den. Dieweiln aber in solche Gruben oͤffters arme Leute, so ihre Nahrung su- chen, und sich in Waͤldern verirren, oder auch huͤthend Vieh unversehens verfal- len, und in solchen Wildnissen ohne Huͤlf- fe umbs leben kommen muͤssen, hat man nachdem an statt der Schleiffen oder Schlingen, so vermuthlich von Bast o- der Haaren moͤgen gewesen seyn, aus dem aus der Erden, menschlicher Nah- rung zum besten, gewachsenen Hanffe Faden, Stricke oder Leinen zu spinnen ersonnen, woraus nachgehends die Garn oder Netze zu machen angefangẽ worden, durch deren Auffstellen das fluͤchtige Wild sich unvermercket verwickeln muͤssen, welches der Mensch erschlagen, und zu seiner Speise brauchen koͤnnen. Als nun die Obrigkeit die Jagd sich alleine re- servir et, dem gemeinen Manne aber sol- che verbothen, hierzu ferner auch zeithe- ro groͤsseres Nachdencken auffgewendet, und bessere Geraͤthschafft oder Jagd- Gezeug jemehr und mehr erfunden wor- den, hat man endlich leinene Planen D d 2 oder Vierdter Theil/ oder Tuͤcher von Flachs zu weben erson- nen, durch welche man das Wild leben- dig umbstellen, und mit Vergnuͤgen er- legen koͤnnen. Wie noͤthig also uns die guͤtige Natur aus der Erden den Hanff und Flachs erwachsen laͤsset, ist nicht ge- nug zu bewundern; Dahingegen unse- re erste Eltern nach dem klaͤglichen Suͤn- den-Fall mit elenden von Feigenblaͤttern geflochtenen Schuͤrtzen sich behelffen mu- sten, biß dergleichen geflochtene Beduͤrff- nisse und endlich das Garn, und Weben er- soñen worden, woraus noͤthige Kleidung zu des Menschen Nothdurfft, nemlich die Hembde, Hosen und Wambst gema- chet werden, da in Ermangelung dessen der arme Mensch, so nackend und bloß von Mutterleibe kommet, seine natuͤrli- che Schaam nicht verbergen, sondern erfrieren und verderben muͤste. Waren nicht zur Zeit der Menschwerdung un- sers Heylandes die Windeln, nicht we- niger bey dem Begraͤbnuͤß desselben die Schweiß-Tuͤcher dem Flachs zu Lobe in ruͤhmlichem Gebrauch: Wie praͤchtig prahlete nicht dorten der reiche Mann, als er sich mit Purpur und koͤstlicher Lei- newand kleidete, ingleichen Salomon mit seinen Feyer-Kleidern, anderer Exem- pel zu geschweigen. Die verstorbene Coͤrper wurden vor diesem in denen Morgen-Laͤndern in balsamirt e Lein- wand eingewickelt: Wie nuͤtzlich auf dem ungestuͤmen Meere die grossen Segel auff denen grossen Last-Schiffen sind, durch welche der Wind sie forttreibet, und dadurch Handel und Wandel ge- trieben wird, lehret die taͤgliche Erfah- rung: Wo wolten Kriegs-Leute und Soldaten sich im Felde oder bey Belage- rungen vor Frost und Ungewitter ver- bergen koͤnnen, wann sie nicht in denen von Leinewand gemachten Zeltern Be- schirmung haͤtten: Wie noͤthig man auch in der Wirtschafft die leinene Saͤ- cke zu unterschiedener Beduͤrffniß brau- chet, ist wohl einem jeden bekant, und dergleichen mehr, so alles anzufuͤhren, viel zu weitlaͤufftig fallen moͤchte. Wol- len wir demnach vorjetzo zu unserm Zweck schreiten, und weiln, solange die Welt gestanden, von dem Menschen bey jeder Wissenschafft jederzeit auff leichte- re und heqvemere Art, je mehr und mehr gesonnen worden, hat man auch in diesem Stuͤck den Jagd-Gezeug ver- bessert, und von Leinewand Planen oder Tuͤcher zu fertigen angefangen, mit wel- chen die wilden Thiere eine zeitlang le- bendig umbstellet und inne behalten wer- den, biß selbige die Hohe Landes-Obrig- keit zu gelegener Zeit mit sonderbahrer Vergnuͤgung auff unterschiedene Art er- leget, da das Wild sonsten vormahls, wann es in die Netzen gefallen, von de- nen Bauern mit Keulen oder Aexten zu schanden geschlagen, auch manches heimlich ver partir et worden, also diese Jagd mit Tuͤchern vor ruͤhmlicher, und vornehmer gehalten wird, auch vor die Hohe Obrigkeit alleine gehoͤhret, und vorbehalten ist. Weil nun in keinem Ding, also auch hierinnen, niemahls ein Meister gebohren, also wohl hierin ein Unterricht noͤthig seyn moͤgte, so will hierdurch dem geneigten Leser, soviel mir moͤglich, deutlich anzeigen, auf was Weise man damit gehoͤriger Maassen umgehen, stellen, und jagen, auch wie nach dessen Verrichtung solches wiederumb abzuwerffen, aufzuheben, wohl zu ver- wahren, und das schadhaffte wiederum auszubessern sey. Und ob uns wohl, sowohl von denen Frantzosen und Enge- laͤndern, als auch von denen par Force- Jaͤgern und anderen Nation en stets vorgeworffen wird, ob jagten wir Teut- schen das Wild auff eine hinterlistige Umbstellung der Tuͤcher, Netzen und Garnen, und erwuͤrgten die wilden Thie- re gantz haͤuffig moͤrderlicher Weise, wann sie sagen: les Alemans Font rien que le chasse meurterieuse; So stelle ich dannoch einem jeden Unpartheyischen zu judicir en frey, ob nicht unser teutz- sches Jagen, und Umstellung der Tuͤcher oder des Jagd-Zeugs eine hoͤchstruͤhmli- che Invention sey, vermittelst welcher von einer Hohen Landes-Obrigkeit mit weit besserer Beqvemlichkeit sowohl in ihrer zarten Jugend, als in ihrem krancken Zustande, oder bey ihrer beschwerlichen Leibes- Constitution, ja auch wohl gar in ihrem hohen Alter das verlangte Wild- praͤth mit groͤster Commodit aͤt aus ih- rem Schirm nach Dero Gefallen erle- get werden koͤnne; Und koͤnte ein solcher junger Printz in seiner zarten Bluͤthe, oder ein corpulent er unbehelfflicher, kraͤncklicher, oder auch ein Alter Eißgrau- er Herr, an deren Wohlseyn und Le- ben viel Land und Leuten gelegen, sehr grossen Schaden nehmen, wann er durch das schnelle Piquir en der fluͤchtigen Pfer- de und Wilde stuͤrtzte, Arm oder Bein zerbraͤche, oder gar auff der Staͤlle todt bliebe, Von dem Jagd-Gezeug. bliebe, wuͤrde also schlechte Lust oder Pro- fit bey solchem Jagen seyn. Und ist ja eigendlich die Jagd des Wildes einem Herrn zur Lust und Ergoͤtzlichkeit des Gemuͤthes zugeeignet, solche mit Ver- gnuͤgung anzuschauen, als welchem das Wild seines Landes gehoͤrig, keineswe- ges aber den Jaͤgern oder Jagd-Bedien- ten zu Gefallen angestellet. Glaube da- hero wegen vieler traurigen ungluͤckli- chen Todes-Faͤlle, so von Piquir en herge- kommen, es muͤsse der boͤse Geist dieses erdacht haben. Merckwuͤrdig ist noch hierbey zu erinnern, wie ein Frantzoͤsi- scher Autor in Octav. welchen ich zu Paris selbsten gekauffet, dessen Titul le Par fait Chasseur heisset, sich so hardy erzeiget, und sehr frey von der Jagd der Teut- schen Fuͤrsten gleichsam pasquillando fol- gendes schreibet: Die Teutschen jagen oder rennen nicht par Force, sondern machen nur moͤrderische Jagden: Sind sehr muͤßguͤnstig und eyfersichtig auf die Jagd, und verbiethen solche bey Strafe des Lebens, wann sich Jemand im Ge- biethe seiner Herrschafft unterstehet zu schiessen, nicht sosehr in Betrachtung der Jagd, und des Schiessens, als nur umb zu verhindern; daß das Wildpraͤth aus ihrem Gebiethe nicht verjaget werden moͤge. Alle ihre Vasall en und Unter- thanen sind verbunden zu gewisser Jah- res-Zeit an einen gewissen Ort, wo es befohlen wird, sich zu verfuͤgen, allwo eine gewisse Eintheilung zum treiben ge- machet wird nach denen Thieren, die sie fangen wollen: Und stellen niemahlen diese Jagden an, als wann das Wild- praͤth feiste ist. Wann nun dieses ist, be- geben sie sich ziemlich nahe an das Holtz, welches soll gejaget werden, in grosser Menge, stellen und spannen Tuͤcher, Lap- pen, Netzen und andere Dinge mehr herumb auff, umb das Wildpraͤth ein- zuschliessen; Viele Leute sind bereit solche umbzubringen: Nechst diesem machet und stellet man eine General- Ordnung zum treiben an, und seynd mit Pfaͤhlen befestigte erhabene Oerter, darauff sich die Cavalliers und Dames begeben, all- wo das meiste bezwungene Wildpraͤth wegen der Tuͤcher und Zaͤune sich hin begeben muß, und alles, was sich in die- sem Holtze und Jagen auffhaͤlt, (ausser welches bißweilen qver durch die Trei- ber bricht und fliehet,) wird erschlagen, daß wohl oͤffters auff die 2. biß 300. feiste Thiere und Wildpraͤth umbgebracht und erschlagen werden; Wormit hernach die grossen Herren ihre Kuͤchen zu fuͤl- len, das meiste in Faͤssern einzulegen und einzusaltzen pflegen: Erwehlen also die- jenigen Hoͤltzer und Gebuͤsch, in welchen sie jagen wollen, einige erwehlen roth Wildpraͤth, darauf sie a parte jagen, an- dere schwartz Wildpraͤth, welches sie fu- rieux ermorden, wann sie feiste sind, dann sonst jagen sie keines, weil sie nicht gut zum einsaltzen sind: Warten also bey jeder Art Wildpraͤth so lange, biß sie fei- ske sind, und continuir en hernach mit Einsaltzung des Wildpraͤths so lange, biß Kuͤche und Faͤsser voll sind. Sie ja- gen auch noch uͤberdieß mit Buͤxen oder gezogenen Roͤhren und schiessen nur mit einer eintzigen Kugel in freyem Feld, ziehlen lang vorhero auf dasjenige Theil des Leibes der Thiere, wohin sie treffen wollen, ehe sie schiessen, umb desto besser zu reussi ren. Das uͤbrige ihrer Jagden mit denen beissenden Thieren machen sie mit Schleifen, Fuß-Stricken und Kloben. Bey der Jagd des kleinen Wildpraͤths jagen sie mit Netzen u. Gar- nen, auch Feder-Spiehlen. Diejenige, worzu sie die Netzen brauchen, geschie- het mehrentheils des Nachts mit Feuer, und die bey Tage mit klugen Huͤner- Hunden, und soutenir en das Feder- Spiehl und Voͤgel durch die Hunde. Mit dem Tyraß jagen und fangen sie gantze Volck Reb-Huͤhner. Zu diesem Ende haben sie wohl abgerichtete Voͤgel, daß sie mit denen Hunden jagen, welche sie wohl verstehen und kennen. Wann die Reb-Huͤhner nun den Vogel uͤber sich sehen, druͤcken sie sich solcher Gestalt, daß man sie sehr leicht fangen und bedecken kan, daß nicht ein eintziges darvon echap- pi ren kan. Die Nacht-Jagden anlan- gend, sind solche bey ihnen in grossem E- stim, des Abends beym letzten Ruff bege- ben sich die Huͤhner zusammen an einen Ort, und das ist ihnen leicht, weil man allda zur selbigen Zeit niemahl jaget, und nichts gestoͤhret odeꝛ gescheuchet wird; Gestalt man so nahe an sie kommen kan, als man will; Wann das geschehen, ge- het man mit einem hohlen Spiegel in ei- ner Laterne dahin, und laͤsset diejenigen, die das Garn tragen sollen, folgen: Wie man solche hernach bedecket, solches ist an seinem Ort von dieser Jagd schon beschrie- ben: Es ist zu mercken, daß alles Wild- praͤth und Voͤgel in Teutschland eher warten, als an allen andern Orten, weil D d 3 man Vierdter Theil/ man allda nicht jagen und schiessen darff, und also allem Wildpraͤth leichtlich nahe kommen kan, und es mehr als anderst- wo aushaͤlt, weil es nicht geschossen, noch gestoͤhret wird. Deshalben es auch ma- chet, daß dieses Volck, die Teutschen, sich nicht die Muͤhe giebt zu jagen, wie an- dere Nationes, dieweil sie gerne commo- de und ohne Muͤhe und Unkosten das Plaisir zu fangen haben wollen. Und dieses ist die Raison, warum sie sich uͤber alle Mani er zu jagen moqvi ren, dessen sich andere Nationes bedienen und vor allen andern uͤber die Frantzosen, wann sie solche par Force jagen, zu Pferde schies- sen, mit vielen Hunden und deren Eqvi- page sehen, umb die wilden Thiere zu fangen, welche sie sehr leichte toͤdten, oh- ne Muͤh, Unkosten und Arbeit. Da sehe man nun hieraus, was dieser unreiffe so genannte Par fait Chasseur vor ein unver- nuͤnfftiges Resonnement von gꝛossen Heꝛ- ren zu faͤllen sich unterstehe, da er doch nicht capable ist, hiervon zu sprechen, und solte billig dieserwegen derbe Pfunde lei- den. Von den hohen T uͤchern. Dieweiln nun, wie vorgemeldet, diese alte Gewohnheiten, das Wild zu fan- gen, nach der Zeit aus vielen Ursachen unterblieben, auch weiln hohe Landes- Fuͤrsten unzehlbahre vielfaͤltige Un- gluͤcks-Faͤlle auf der Jagd wilder Thie- re gehabt, wann sie mit den Pferden gerennet, gestuͤrtzet, und oͤffters in Leib- und Lebens-Gefahr gerathen sind; Hat man hierzu beqvemere Mittel, nehmlich die Planen oder Tuͤcher erfunden, worin- nen mit besserer Sicherheit Hoher Herr- schafft das Wild gejaget wird. Sind also die hohen Tuͤcher einer der vornehm- sten Jagd-Gezeuge, wie bereits in der Vorrede gemeldet worden, worinnen die wilden Thiere umbstellet, und mit Ver- gnuͤgung auff unterschiedliche Art erle- get werden. Jhre Hoͤhe ist gemeini- glich fuͤnff Ellen oder dergestalt, daß kein Wild uͤbersetzen kan, und die Laͤnge 200. Ellen, das machen 80. gedoppelte oder 160. einfache Wald-Schritt, wie solches der Laͤnge und Breite nach von Alters her gebraͤuchlich gewesen, auch solche Laͤn- ge durch die Leinen endlich wohl zu hal- ten, und zu zwingen ist. Sie muͤssen von tuͤchter fester Leinewand wohl gewe- bet seyn, und wird dergleichen Leine- wand am besten und wohlfeilsten in Schlesien und Ober-Lausitz gemachet, und nachdem die Breite, also wird auch der Preiß gerechnet. Sonsten giebet man vor schmahle Leinewand hier zu Lande vor das Schock 3. Thlr. das waͤ- ren zu drey Breiten acht Schock oder 24. Thlr. Damit ich nun solches noch deut- licher vorstelle, so zeige allhier ein Tuch, daran die Haupt- oder Ober-Leine, wel- che 5. Zoll dick zu seyn pfleget, und an jed- wedem Ende des Tuchs gute vier Klaff- tern laͤnger ist, auch ungefehr drey Stein schwer wieget, und 8. Thlr. etliche Gro- schen kostet, mit A. bezeichnet habe. Die Unter-Leine ist etwas schwaͤcher, ohnge- fehr zwey Zoll dick, und gehen an jedem Ende des Tuchs zwey Klafftern vor, wieget zwey und einen halben Stein, und koͤmmt an Gelde nur 6. biß 7. Thlr. ist mit Lit. B. gezeichnet. Am Ende des Tuchs Lit. C. kommen kleine hoͤltzerne gedrech- selte Knebel, einer Hand lang, und 8. Zoll und eines Daumens dicke, und werden derselben sechse an kleine Leinchen ange- schlinget, und feste am Ende des Tuchs angenehet, dergleichen D. kommen auch an jedem Ende zuruͤcke sechs Knebel-Loͤ- cher, zu welchen laͤngliche eyserne Ringe mit Bindfaden eingefasset werden. Wann nun ein Tuch aus ist, und das andere angestellet werden soll, so knebelt man solches an den Wechseln zusammen, und gehet daselbst wohl eine gute halbe Elle uͤbereinander. Lit. E. werden so- wohl an der Ober-Leine, als auch an der Unter-Leine eyserne Ringe in der Groͤsse eines harten Thalers ungefehr eines Fe- der-Kiehls dicke durchgezogen, und an duͤnne Leinchen jedweder drey Viertel der Ellen von dem andern ans Tuch ge- nehet, und dasselbe durch die Leinchen ein- gefasset oder eingesaͤumet, wo aber die Ringe stehen, werden solche mit Nessel- Loͤchern umbstossen, weil sie am Tuche feste halten muͤssen: Jn solche Ringe nun wird an gehoͤhrigem Orte oben die Ober-Leine, unten aber die Unter-Lei- ne durchgezogen, daß sich das Tuch zie- hen kan, und kommen uͤber 400. Ringe zu jedem Tuch: An der Ober-Leine wer- den auch 10. Wind-Leinen, wie Lit. F. anzeiget, angemachet, jede vier Klafftern lang, Von dem Jagd-Gezeug. lang, und eines guten Fingers dicke, und nach Laͤnge des Tuchs eingetheilet. Wann nun das Tuch auffgehoben wird, so wird jedes absonderlich, wie auch die Ober- und Unter-Leine zusammen ge- schlinget, damit sich im Auffstellen nichts verwirre, sondern alles richtig sey: An jedwedem Ende des Tuchs wird mit fei- ner schwartzer Oehl-Farbe des Her- ren Wappen oder verzogener Name nebst der Jahreszahl, wann sie gema- chet worden, gezeichnet, und also ist das Jagd-Tuch soweit fertig. Die Furckeln darzu, deren eilffe seyn muͤssen, muͤs- sen von Dannenholtze, weil solche leicht und steiff sind, gemachet, oben aber mit einem Ring und eysern Haacken fe- ste beschlagen werden, weiln darauff das Tuch mit der Ober-Leine liegen muß: Solche Furckeln muͤssen 5. und eine halbe Elle, auch etwas laͤnger seyn, nachdem der Erdboden weich oder hart ist. Die grossen Hefftel zu denen Ober- und Un- ter-Leinen, wie auch die Schlaͤgel hierzu muͤssen ja von festem weißbuchenen Hol- tze gemachet, auch oben mit eysernen Rin- gen beschlagen seyn: Die Hefftel zu de- nen Wind-Leinen und Haacken, damit die Unteꝛ-Leine angepfloͤcket, muͤssen eben- falls von hartem buͤchenen, und Hage- dornenen Holtze zu trockner Zeit gehauen werden. Wie nun nach rechter Manier sowohl die Ober-als Unter-Leine, nebst den Wind-Leinen anzubinden seyn, und der Schlag umb den Hefftel zu machen, auch im Regenwetter nach Beduͤrffniß loßzumachen, und wieder zu befestigen, habe solches Band mit NB. gezeichnet, weiln dergleichen kein Bauer, noch Schif- fer im Gebrauch haben. Wann nun mit dem Tuche in das runde das ge- nannte Krumme soll gestellet werden, wird ein Hefftel innewendig an der Un- ter-Leine bey einer Wind-Leine, wo es schmieget, geschlagen, und das Tuch dar- hinter geleget. Wo aber starcke und glatte Baͤume stehen, die ausgeschnoͤt- telt sind, oder kleine Aeste haben, auch das Tuch wohl anliegen kan, hat man es nicht noͤthig, aber auswendig, wann das Tuch gehoben, werden die Wind- Leinen angebunden, so lange als es Run- de gehet. Die Furckeln muͤssen nicht in- newendig, sondern auswendig zwischen der Unterleine und das Tuch gestecket werden, daß der Wind es nicht auffhe- ben kan, auch wo die Furckeln innewen- dig, faͤllt das Wild gerne in die Tuͤcher: Derohalben muß es innewendig im Ja- gen, wie eine Mauer, gantz weiß und glatt aussehen. Wann es nun regnet, so werden alle Leinen umb etwas nach- gelassen, sonsten pflegen die Hefftel aus der Erden zu reissen, oder die Leinen zu zerspringen. Wie theuer nun ein sol- ches Tuch hier zu Lande koͤmmet, habe allhier in einer Specification ausfuͤhrlich melden wollen, so dem geneigten Leser zur Nachricht dienen kan. Specification Was ein Jagd-Tuch/ welches 80. gedoppelte oder 160. einfache Waldschrittlang stellet/ in allen Ko- sten kan/ mit dessen Zubehoͤr: Als Acht Schock Leinewand a 3. Thlr. gerechnet __ — __ — __ — __ 24. Thlr. Schneiderlohn, mit Zwirn und Wachs, betraͤget __ — __ 3. Thlr. Vier hundert Ringe, kom- men ungefehr __ — __ — __ 3. Thlr. Ein Dutzend hoͤltzerne Kne- bel, und Eyserne Knebel-Ringe __ 1. Thlr. Dem Mahler die Wappen, vorne und hinten, nebst Jahr- zahl zu mahlen, __ — __ — __ 1. Thlr. Vor grosse und kleine Heff- tel von Weißbuchen-Holtz __ — __ 1. Thlr. Vor zwoͤlff Furckeln, von Dannen-Holtz mit Eysern Hacken __ — __ — __ — __ 2. Thlr. Die Ober-Leine 90. Klaff- tern, wieget 3. Stein, macht __ — __ 9. Thlr. Die Unter-Leine 84. Klaff- tern, a 1½ Stein, kommt __ — __ 4. Thlr. Zwey Einfaß-Leinchen oben und unten, jede 38. Klaffter __ — __ 3. Thlr. Zwoͤlff Wind-Leinen a 4. Klafftern, jede zu 2. Groschen, machet __ — __ — __ — __ 1. Thlr. Wuͤrde also ein Tuch kommen __ 52. Thlr. Wiewohl wegen breiter Leinewand oder des Holtzwercks, und der kleinen Unkosten, es etwas mehr oder weniger austragen koͤnte. Anschlag Auf ein Fuder Hohe Tuͤcher/ deren dreye darauff gehen/ wie hoch selbige in Dreßden an Gelde kommen: Als Vierdter Theil/ Als: thlr. gl. pf. 36. und ½ Schock Ellen ro- he Leinewand, 6½ Vierthel breit und jedes Schock zu 4. Thlr. 6. gl. gerechnet, machet 155 3 —- 6. Haupt-Leinen, jeden Centner, zu 110. Pf. das Pf. zu 3. gl. 6. pf. —- —- 96 6 —- 6. Einfaß-Leinchen von ei- nem Centner am Gewichte — 16 1 —- 42. Wind-Leinen von 1. Centner am Gewichte —- 16 1 —- 1500. Ringe an die Tuͤcher unten und oben, jeden 3. pf. 15 15 —- 7½ Pfund Bindfaden, das Pfund a 6. gl. —- —- —- 1 21 —- 6. Neue Struppen und Schnallen an die Wagen an- zuschlagen, jede a 1. gl. 3. pf. macht —- —- —- —- 7 6 1. Knebel-Leinchen von 4. Pfund, macht —- —- —- 15 —- 42. Furckel-Haacken, jeden 1. gl. gerechnet, macht — —- 1 18 —- 200. gantze Schloß-Nagel zu Anschlagung der Haacken an die Furckeln, und Strup- pen-Schnallen —- —- —- 6 —- 15½ Wage Eysen zu denen Wagen, die Wage a 1. Thlr. 12. gl. —- —- —- 22 18 —- Dem Wagner, vor einen neuen Wagen —- —- 12 6 —- Dem Schmied zu beschla- gen Arbeiter-Lohn —- —- 8 18 —- 2. Tafeln Blech darzu —- —- 14 —- Zwillicht zur Decke uͤbern Wagen, 30. Ellen — —- 4 9 —- Dem Schneider die Decke zu machen —- —- —- 10 6 12. Koͤnigliche Wappen auf die Tuͤcher zu druͤcken, jedes 1. gl. 3. pf. machen —- —- —- 15 —- Dem Schneider Macher- Lohn vor die Tuͤcher —- —- 10 12 —- Dem Mahler vor die Koͤ- nigliche Wappen auf Blech zu mahlen —- —- —- 1 —- —- Zwey Tafeln Blech hierzu, macht —- —- —- —- 14 —- Vor ein halb Schock Kne- bel —- —- —- —- 4 —- 365. 3. 9. Ferner Was ein Fuder breite Mittel-Tuͤcher/ deren viere darauff gehen/ koste und wie hoch selbige in Dreß- den an Gelde kommen/ thlr. gl. pf. Als: 32½ Schock 2. Ellen breite Leinewand a 2½ Thlr. thut —- 162 16 —- Seyler-Arbeit, traͤgt nach dem Auffsatz —- —- 111 14 —- Schmiede-Arbeit an einem Wagen nach dem Auffsatz —- 33 10 —- Ein Stichel —- —- 1 18 —- Eine Picke —- —- —- 16 —- 2. Gabeln —- —- —- 6 —- 64. Furckel-Hacken, das Stuͤck a 1. gl. 3. pf. —- —- 3 8 —- 27. Schock Rincken a 3. pf. 16 21 —- Vor Zwecken —- —- 1 —- —- Dem Wagner vor einen Wagen —- —- —- 12 — —- 64. Furckel-Stangen, das Stuͤck a 1. gl. 6. pf. —- 4 —- —- 48. Hefftel, das Stuͤck a 2. gl. —- —- —- 4 —- —- Zwey Schlaͤgel, das Stuͤck a 3. gl. —- —- —- —- 6 —- Zwey Gabel-Stangen —- —- 2 —- 1. Picken-Stiehl —- —- 1 —- Ein halb Schock Anpfloͤcke- Hacken —- —- —- —- 5 —- Schneider-Lohn vor ein Fuder Tuͤcher —- —- 13 16 10 Dergleichen vor eine Wa- gen-Decke —- —- —- 15 —- Ein halb Schock Zwilligt zur Decke —- —- 3 5 —- Dem Mahler die Decken zu mahlen, ingleichen Wap- pen zu mahlen, und zu druͤ- cken, ohngefehr —- —- 3 — —- Dem Sattler, vor Strup- pen, Schnallẽ und Sauhaͤuthe 1 12 —- 45. Knebel —- —- —- 5 —- Eine Schmeer-Maͤste —- —- 3 —- — — — Summa 374 11 10 Anschlag Eines hiesigen Landes Zeug-Wagen vor der Schmiede Arbeit. Die vier Raͤder mit Schie- nen, Naͤgel, Boxen und Ringe —- —- 9 —- —- Die 4. eiserne Baͤnder zur Seithe an Kasten und Tritt 1 2 —- Die Vorder- und Hinter- grosse Planen-Buͤgel —- —- 10 —- Vor die 4. Lehnen, Schuh, — — — 10 12 —- Trans- Von dem Jagd-Gezeug. thlr. gr pf. Ring und Haspen - —- —- 12 —- Die Axen, Bleche und Stoͤs- se —- —- —- —- 12 —- Die Trag- und Axen-Rin- ge, Schloß-Ring und Linsen —- 14 —- Spann-Nagel, und Wag- Nagel, und Deichsel-Ringe —- 10 —- Eine zweyspaͤñigte Hinter- Wage zu beschlagen —- 7 —- Transport von voriger Seite 10 12 —- Summa 12 19 —- Ferner an Wagen-Arbeit. Die zwey Hinter-Raͤder kommen —- —- —- 1 8 —- Die zwey Vorder-Raͤder 1 6 —- Vorder-Wage und Deichsel. —- 16 —- 3. 6. —- thlr. gl. pf. Transport 3 6 —- Hinter- und Lang-Wagen —- 12 —- Wende-Schemmel —- —- 2 —- Vier Lehnen —- — —- 4 —- Den Kasten, Tritt und Bey-Kaͤstgen zu machen —- 1 6 —- 6. Bretter hierzu, das Stuͤck a 4. gl. —- —- 1 — —- Eine zweyspaͤnnige Wage —- 2 —- Dem Mahler vor Wap- pen und anzustreichen —- 1 —- —- Vor Zwilligt zur Plane und Macher-Lohn —- —- 1 12 —- Kommt dahero ein Zeug- — — — Wagen nach unserer hie- 8 20 —- sigen Landes- Taxa in 12 19 —- allen —- —- 21. 15. —- Von denen Mittel-Tuͤchern. Wo bey Hoher Landes-Obrigkeit vieler Jagd-Zeug beysammen in guter Ordnung gehalten wird, pfleget man auch gemeiniglich gerne einige Feder- Mittel-Tuͤcher zu haben, umb die Stal- lung des Jagens umb soviel mehr zu vergroͤssern, und desto weiter zu reichen; Weiln, wann das Jagen anfaͤnglich weitlaͤufftig, sich das Wild davor scheu- et, und ob sie wohl niedrig sind, dan- noch nicht uͤberspringen, sondern zeitlich abweichen. Jhre Laͤnge ist ebenfalls 80. gedoppelte Wald-Schritt, und die Ober- und Unter-Leine, auch Wind-Leinen, grosse und kleine Hefftel, Ringe und Kne- bel, mit aller Zubehoͤr, vorher beschrie- bener Maassen in allen den vorigen gleich beschaffen, nur daß solches umb ein merckliches duͤnner und sonderlich die Lei- newand umb ein gutes schmaͤhler, und die Furckeln darzu kuͤrtzer gemachet wer- den, weswegen sie auch Mittel- oder Schmahl-Tuͤcher genennet werden, wor- auf ebenfalls das Wappen oder der Na- me der Herrschafft, nebst der Jahres- Zahl, wann solche gemachet worden, wie beschrieben, gezeichnet wird. Sonsten hat man zweyerley Gattung von Mit- tel-Tuͤchern, nemlich hohe Mittel-Tuͤ- cher, und schmahle Mittel-Tuͤcher. Die hohen Mittel-Tuͤcher sind vier El- len zu stellen, und gebrauchet man oͤff- ters dieselbigen mit auch bey Hirsche einstellen, sonderlich bey kleinen Herr- schafften, die nicht viel Jagd-Gezeug ha- ben, um die Kosten in etwas zu spah- ren, weiln das Roth-Wildpraͤth doch auch nicht so leichte uͤberspringen kan, zumahl wann man mit Vortheil an die kleinen Berge, Lehnen oder Huͤbel stel- let, da der Hirsch keinen Ansprung ha- ben kan, auch ihme solches hoͤher vor- kommet, und kan mit langen Furckeln von 4. und eine halbe, auch wohl 5. El- len, nachdem der Boden weich oder hart ist, das Tuch hoch und glatt angespannet werden: Ob schon die Unter-Leine nicht so gar hart an der Erde anlieget, daß ja wohl einem Haͤßgen, oder Fuͤchsgen durchzukommen moͤglich waͤre: Wann aber die Jagd uͤber groß und klein zu scharff angestellet ist, worzu die Unter- Leine mit Haacken angepfloͤcket werden muß, bleibet zwar das kleine drinn, der Hirsch aber duͤrffte wohl uͤber das im Grunde gestellte Tuch leicht zum Uber- setzen veranlasset werden, und das Nach- sehen hinter sich lassen, zumahl, wann er einen Berg zum Vortheil hat, und heist hierbey nach dem Sprichwort, alle Vortheil gelten, wornach sich das Wild auch allerdings richten will. Was nun die schmahle Mittel-Tuͤcher betrifft, sind selbige eben auch von bereits gedachter Laͤnge, nehmlich 80. gedoppelte Schritt, wie die andern, und mit denen uͤbrigen Zubehoͤrungen gleichergestalt versehen, nur an der Leinewand drey Ellen hoch zu stellen, und sind zur wilden Schweins- Jagd sehr beqvem: Maassen eben zu sol- cher Zeit das Roth-Wild verschonet wird, weil die Hirsche mager, das Wild aber traͤchtig ist, also wohl leicht uͤberse- tzen koͤnnen, die Sauen aber abgeson- E e dert Vierdter Theil/ dert, und darinnen gehalten werden, weiln selbige mit Ubersetzen nicht so fluͤch- tig sind, und muͤssen die Furckeln hierzu 3. und eine halbe Elle hoch seyn. Noch ist eine andere Art schmahler Tuͤcher, gleichsam die Helffte derer erstgedachten hohen Tuͤcher, nemlich die Hasen-Tuͤ- cher, welche nur 2. und eine halbe Elle hoch stellen, oder von zwey schmahlen Breithen gemachet sind, haben ebenfalls alle noͤ- thige Beduͤrffnisse, jedoch nur schwaͤcher, und also umb geringern Preiß, die Len- ge aber nach voriger Art. Diese sind vor Adeliche Herrschafften sehr nuͤtzlich, und mit geringern Kosten wohl zu ge- brauchen: Maassen dieselben, wann sie zugleich die Mittel-Jagd haben, auch wohl darinnen Sauen und Rehe einstellen koͤnnen: Doch muͤssen, wie vorhin ge- meldet, die Vortheil darbey in acht ge- nommen werden: Sonsten gehoͤren sie eigendlich nur zur Hasen-Jagd, wann welche vorhero in Netzen lebendig einge- fangen, in Kaͤstgen behalten und zur Lust des Frauenzimmers oder junger Herrschafft durch kleine Stoͤber herumb gejaget werden: Ja es kan auch darin- nen, wie kuͤnfftig melden werde, unter- schiedlicher Zeitvertreib fuͤrgenommen werden, und kostet ungefehr ein derglei- schmales Hasen-Tuch, wie folget: Fuͤnff Schock Leinewand, das Schock a 3. Thlr. gerechnet — 15. Thlr. Schneider-Lohn, mit Zwirn und Wachs, machet — 2. Thlr. Vier Hundert Ringe, 12. Fur- ckeln, Hacken, Hefftel und Knebel — — — 7. Thlr. Vor die Ober-Leine, welche von 80. Klafftern, machet 6. Thlr. Vor die Unter-Leine, welche von 72. Klafftern, ungefehr 3. Thlr. Vor zwey Einfaß-Lein- chen, und zehen Wind- Leinen — — — 2. Thlr. 35. Thlr. Von einem P uͤrsch- W agen. Dieweiln die Hohe Herrschafften ihr Wildpraͤth hoch æstimir en, umb der vie- len Jagd-Lusten willen, und daß sie oͤff- ters selber in Person den Jagd-Habit von gruͤnen Kleidern und derer Zube- hoͤhrung anlegen, auch die allerkoͤstlich- sten und lustigsten Panqvete und Lustig- keiten darbey begehen, so haben billig mit allem Fleiße die Jagd-Bedienten dahin zu trachten, daß das Wildpraͤth zu Hof- fe nicht Ruͤckwaͤrths ( sans com par Rai- son, wie die Racker das Aaß hinauff,) sondern mit den Koͤpffen vor angeleget, auffuͤhren, damit die Sache nicht in ei- nem hoch æstimi ret, in dem andern aber gar zu unfoͤrmlich und wider die loͤbliche und vieler Orten gebraͤuchliche Jaͤgerey- Ordnung gehandelt werde. Und haben sie hierzu a parte und sonderliche Puͤrsch- Wagen, und Puͤrsch-Karrn, deren Na- men von Puͤrschen oder Schiessen her- kommt, und kan ein solcher Puͤrsch-Wa- gen, und ein paar Puͤrsch-Karren bey solcher Herrschafft nichts importir liches machen, so doch vor allen Menschen viel- mehr ansehnlicher und reputir licher ist. Jch habe hier einen Puͤrsch-Wagen nebst einem Puͤrsch-Karren abgezeichnet, da- mit solche von denen, die dergleichen nicht haben, angesehen, und ein Modell davon genommen werden kan. Derer Puͤrsch- Wagen und Puͤrsch-Karren ihre Kasten sind von Brettern gemacht, hinten und vorne mit Auffzuͤgen, umb das Wild- praͤth auff- und abzuladen, und mit Oehl- Farben, gruͤn angestriechen, auch einige Baͤre, Hirsche, hauende Schweine, und dergleichen an dieselben abgeschildert; Vorne sind vier Ringe auswendig ein- geschlagen, damit ein Baͤr, Hirsch, oder hauend Schwein (denn diese die Ehre haben,) also, wie hier zu sehen, mit klei- nen Leinchen, welche allerdings auch gruͤn seyn sollen, fein angebunden werden koͤnne, das andere Wildpraͤth aber wird nur darein geleget, und alles nach deren Ranck (davon auch schon gemel- det,) hinter einander her gefuͤhret: Die Karrn-Knechte, so darzu bestellet, haben ein gruͤn Kleid an und ein Weyde-Mes- ser an der Seiten, damit anzuzeigen, daß es gar nicht jaͤgerisch stehe, die Axt im zerwuͤrcken und zerlegen zu gebrauchen: Jtem, wenn sie einen jagdbahren Hirsch darauff fuͤhren, haben sie einen gruͤnen Bruch auff ihrem Huth geste- cket. Diese Wagen oder Karren wer- den auch gebrauchet, wann die Herr- schafft auf der Naͤhe ausziehet, etwas zu schiessen, und auf das nechste Dorff, da sie wieder herkommet, dieselben hin commandir et, damit sie dann solches mit einem Von dem Jagd-Gezeug. einem Bauer-Wagen erwarthen, dar- von abnehmen, und wie gemeldet, her- nach nach Hoffe bringen muͤssen. An den Orten, wo ein sonderlicher Puͤrsch- Meister gehalten wird, hat derselbe, wann er ausgesandt wird, auf der Naͤ- he, wann nemlich ein Mangel fuͤrfaͤllt, und so geschwinde nichts von andern Or- ten kan bestellet werden, ein Stuͤck Wild oder sonst was zu schiessen, solchen Wa- gen oder Karn eben sowohl gleichsam als auff Ordonance bestellet, daß er das- jenige, was er ihm zuschicket, herein bringen solle. Jn Summa, es stehet auch wohl, wann die Herrschafft Je- mand ein Thier schencket, daß es also re- put irlich uͤberbracht wird, welches aus Liebe zu einer guten Ordnung hier mit berichten wollen. Ein solcher Puͤrsch- Wagen ist bey anderem Jagd-Geraͤth- schafft zierlich, und kan so uͤberfluͤssig nicht viel kosten; dann kommt man uͤber den Hund, so kommt man auch vollends uͤber den Schwantz. Er wird nebst anderen Sachen bey dem Jaͤger-Hofe im Zeug-Hause verwahret, woselbst oh- ne dieß der Puͤrsch-Meister zu wohnen pfleget, und die Puͤrsch-Hunde, Sau- Finder und Schweiß-Hunde in der Naͤhe sind. Von A bfuͤhren und S tellen/ und gehoͤrigen Z eug- W agen. Woferne nun eine Herrschafft ob- beschriebener Maassen dergleichen Ho- he, Mittlere, und Niedrige Jagd-Ge- zeug an Tuͤchern sich bereits angeschaf- fet hat, oder dergleichen in Vorrath ge- habt, oder durch eine Erbschafft erhalten haͤtte, und solchen gebrauchen, auch viel auf Ordnung halten wolte, ist wohl nicht zu vermuthen, daß Dieselbe den Jagd- Zeug oder die Tuͤcher auff offene Bau- er-Wagen in Mist-Leithern auffladen lassen werde, da nicht allein solche ver- aͤchtliche Fuhre dem Jagd-Gezeug uͤbe- len Geruch hinterlassen, sondern auch der Regen und Schnee demselben Feuch- tigkeit, und Verstockung verursachen, auch bey dem Auffladen, und Abfuͤhren, die Tuͤcher an denen Leitern hier und dar hangen bleiben, und grosse Loͤcher darein reissen, oder wenigstens oͤffters die Raͤ- der darein schleiffen, und mit gezweckten Schuhen darauf herumb gelauffen wer- den wuͤrde, daß auf solche Art wohl der Herrschafft bey einer Jagd mehr Scha- den, als Nutzen geschehen koͤnte, so nicht nur durch die Zeug-Wagen verhuͤtet wird, sondern es stehet auch ruͤhmlicher, wenn Jagd-Gezeug Fuderweiß ordent- lich gehalten wird. Habe also hier ei- nen solchen Zeug-Wagen beschreiben wollen, und ist derselbe sonsten denen Raͤdern nach meist 2. und eine halbe Elle hoch, und so lang, wie ein Brett, nem- lich 8. biß 9. Ellen: Der Kasten andert- halb Ellen hoch, anderthalb Ellen breit, mit Unterzuͤgen, daß er sich nicht biege. Der Kasten A. muß mit duͤnnen Bret- tern wohl zusammen gespuͤndet, und ge- fuͤget seyn. Lit. B. sind zwey eyserne Buͤ- gel, hinten und vornen, mit wildem Sau-Leder umbzogen, daruͤber wird ei- ne leichte Stange oben Lit. C. angestecket, damit die Plane oder Decke von Trillicht Lit. E. vor Regen, Schnee oder Wind, uͤber den Zeug gezogen, und gedecket werden koͤnne: hinten und vorne werden gantze Sau-Haͤute, wie Vorleder oder Vorhaͤnge gemachet, die man unten zu- schnallen, auffheben und fallen lassen kan, damit nichts nasses einschlage. D. sind zwey Kasten zu beyden Seiten des Wagens feste angemachet, darinnen man die grosse und kleine Heffteln nebst Pro- viant oder kalter Kuͤche, und die Flaschen, auch ander Geraͤthschafft, als Wagen- Winde, Rade-Hauen, Aexte oder Beil, Schnitte-Messer, Boͤhrer, Meissel, Ham- mer und Zangen, Stricke und Naͤgel haben kan: Dann wenn in Heyden was entzwey bricht, so kan man nicht gleich alles haben, sondern muß sich selbst helf- fen, wie leicht zu erachten. Auff solchem Zeug-Wagen nun werden gefuͤhret drey vorherbeschriebene Hohe Tuͤcher, und bey jedem Tuch dessen Furckeln, und gros- se Hefftel, so, daß erstlich ein Tuch mit sei- nen Furckeln und Heffteln geleget wird, dann wieder ein solch Tuch, Furckeln und Hefftel, biß letzlich das Dritte auch so ge- leget wird, welche drey Tuͤcher, oder ein Fuder Zeug 480. Schritt machen, und werden davor theils vier, auch sechs Pferde gespannet: Nachdem das Vieh, der Weg, und das Kleiß schwer oder E e 2 leicht. Vierdter Theil/ leicht. Derer hohen oder schmahlen Mit- tel-Tuͤcher, weil sie leichter sind, werden viere auff einen Zeug-Wagen geladen, und kommt ein solcher Zeug-Wagen so hoch zu stehen, wie folget: Vor den Kasten, runde eyser- ne Spriegel und zwillichte Decke __ — __ — __ — __ 6. Thlr. Vor das Gestelle, Axen, Raͤ- der, und Zubehoͤr __ — __ 6. Thlr. Vor Eysern Beschlag, der Raͤder, Vorder-Wage und Behoͤr. __ — __ — __ — __ 14. Thlr. Vor Mahler-Arbeit __ — __ — __ 4. Thlr. Kaͤme also der gantze Zeug- Wagen __ — __ — __ 30. Thlr. Wann nun beschriebener maassen der auffgeladene Zeug fertig und auff die Fluͤgel zu stellen gefuͤhret worden, muͤs- sen die zwey grossen Hefftel der Ober- und Unter-Leine geschlagen, und diese um dieselben, oder an einen Baum an- gebunden werden: Wann nun das Tuch abgefuͤhret ist, werden die Ober- und Un- ter-Leinen durch sechs Mann feste ange- zogen und nach Gelegenheit an Baͤume oder Hefftel, wie gesaget, gebunden, wor- zu vier Mann gehoͤren: Beym Abfuͤh- ren muͤssen zwey Mann das Tuch aus- schlagen: Vier Mann stossen mit dem Pfahl-Eysen Loͤcher, zwey Mann setzen die Furckeln und heben das Tuch mit Ga- beln auff: Vier Mann binden die Wind- Leinen zu beyden Seiten eine innewen- dig, die andere auswendig, und zwey Mann pfloͤcken die Unter-Leine mit Haa- cken an, daß der Wind das Tuch nicht auffheben, oder was hinaus lauffen koͤn- ne. So nun das Tuch abgefuͤhret, wird das andere bey dem Wechsel angefan- gen, abgetragen und an das vorigte ge- knebelt: Der auff dem Zeug-Wagen ste- het, muß seine Schuh ausgezogen haben, und wenn fortgefahren wird, muß er im Ablauffen das Tuch mit dem Fuß treten, daß es angezogen, doch aber im Abfuͤhren nicht verdrehet werde, und al- so wird ein Tuch nach dem andern abge- fuͤhret, angezogen, und angebunden: Die acht Mann zum Nachstellen, stos- sen Loͤcher, setzen Furckeln, und heben die Ober-Leine mit Hebe-Gabeln zu- gleich auff in die Furckeln, wenn es aber gefroren, und es nicht wohl in die Erde zukommen, auch mit Spietzhauen nichts zu thun ist, muß man nach Staͤrcke der Frostbohrer, wie die Furckeln dicke, scharffe Windbohrer mit guten staͤhlern Schneiden machen lassen, umb damit in der Stille in die gefrorne Erde zu kom- men, innewendig da es ohne dieß dick Ge- buͤsch hat, und der Wind nichts thun kan, werden, soviel moͤglich, keine Wind- Leinen gebrauchet, sondern das Tuch meistens auswendig angebunden; Wo es aber nicht anderst, muß solches hoch an die Baͤume geschehen, daß man ungehin- dert reithen und gehen kan. Auff jedem Fluͤgel muß der Hoff-Jaͤger voran rei- then, umb den Zeug zu stellen anzuwei- sen, und durch ein paar Mann die von Straͤuchern bewachsene Fluͤgel raͤumen lassen, auch wenn ein Hefftel oder Haa- cken fehlen solte, solchen anschaffen: Der Zeug-Knecht, so die erste oder aͤlteste Dienste gethan, bindet die Haupt-Leine zum ersten, der Andere, welcher vornen anziehen und anbinden laͤsset, folget dem Rang, der Dritte nechst diesem ist, wel- cher nachstellet: Der Vierdte, welcher die Wind-Leinen anbinden laͤsset; Und der Fuͤnffte oder juͤngste, der die Anpfloͤcker commandi ret, und das sind fuͤnff Zeug- Knechte, und diese muͤssen 24. biß 30. Jagd- Leute mit sechs Hebe-Gabeln, vier Schlaͤgeln, als zwey hinten und zwey vor- nen, und zwey eysern Sticheln zu Loͤchern bey sich haben, wo anderst das Stellen geschwinden Fortgang haben soll, ohne zu Wind-Leinen, und beym Anpfloͤcken, de- ren an jedem Ort zwey Schlaͤgel seyn muͤssen. Und so wuͤste wohl meines er- achtens nichts mehres, was zum stellen und abfuͤhren noͤthig zu errinnern waͤ- re, als wann der Zeug gehoben werden soll, so heben die Leute mit Gabeln die Ober-Leine von den Furckeln, und werf- fen das Tuch ab, loͤsen die Ober- und Un- ter-Leinen, ingleichen die Wind-Leinen von denen Heffteln, schlingen jedes ab- sonderlich, knebeln die Wechsel loß, tragen die Furckeln und Hefftel zusammen, und lassen es parat liegen. Alsdenn wendet der Zeug-Wagen umb, und faͤhret auf den Fluͤgel neben den Tuͤchern gantz sach- te hin, und wird das Tuch von hinten zu darauff geleget: Worbey einer auff- steiget, und die andern helffen solches nachtragen, biß das Tuch zu Ende; Dann werden dessen gehoͤrige eylff Fur- ckeln, und vier grosse Hefftel zu Ober- und Unter-Leinen auf das Tuch geleget, und hierauf, wie gemeldet, das andere und dritte Tuch auffgenommen, biß der Wagen beladen, der alsdenn wiederumb zur Von dem Jagd-Gezeug. zur Verwahrung an Ort und Stelle hingeschaffet wird; Nach geschehener Ar- beit kan man sich auch ein gutes Stuͤnd- gen machen. Von dem L auff- T uche. Solches Lauff-Tuch hat den Namen erhalten theils wegen des von einander und wieder zusammen lauffens, theils wegen der darhinter sich verbergenden Jagd-Leute, und der eysernen Ringe, welche an der Ober- und Unter-Leine, einem Vorhange gleich, wie vor einem Theatro, hin und wieder lauffen, oder weil es an dem Lauff-Platz vor dem Ab- jagungs-Fluͤgel die Quere vorgestellet, und so es auffgezogen, das Wildpraͤth daselbst durchlauffet, und der Herrschafft zum Ausschiessen vorgejaget wird, wie ich derselben eines allhier vorgezeichnet habe; Dieses Lauff-Tuch nun, welches, wie gedacht, einem Vorhange einer Co- mœdie gleichet, oder wenigstens zum Gleichnisse vorgestellet werden kan, ist eben so lang und hoch im Stellen mit al- ler Zubehoͤr, wie die Hohen Tuͤcher, es haben auch die Furckeln, grosse und klei- ne Hefftel, Ober- und Unter-Leine, nebst Wind-Leinen dergleichen Staͤrcke, wie vor gemeldet. Es wird auch, wann das Jagen noch zu ist, gleich einem hohen Tu- che, an den Ort, wo der Lauff-Platz kommen soll, gestellet, und kan man wohl auch eines von denen hohen Tuͤchern hier- zu gebrauchen: Nemlich weilen die Laͤn- ge 200. Ellen austragen soll, so lasse man allezeit die Leinewand, oder das Tuch, bey 40. Ellen von oben biß unten von ein- ander schneiden, und an diese Oerter rechte Wechsel mit Knebel und Ringe machen, also kommen vier gantze Wech- sel, und an jedem Ende ein halber, doch muß an denen Wechseln das noͤthige uͤ- ber einander gehen und besaͤumet wer- den; Weiln nun in der Laͤnge was abge- het, darff solches nur mit neun Furckeln und mit so viel Wind-Leinen eingethei- let werden. Wann nun das jagen soll geoͤffnet, und das Wild heraus gejaget werden, muͤssen zuvor alle die Knebel loß gemachet, und bey A. und L. an je- des Ende ein Mann, bey C. E. G. I. aber an jeden Ort zwey Mann geordnet wer- den, daß sie innewendig des Tuchs nach dem Lauff zu beyden Wechseln stehen, damit, wann der Jaͤger-Meister mit dem Huth wincket, das jagen auffzumachen, dieselben geschwinde mit dem Tuch lauf- fen, und es auffziehen moͤgen, und lauf- fen der von A. und C. nach B. der ande- re von C. und E. nach D. einer von E. und G. nach F. Einer von G. und I. nach H. die am Ende L. und I. aber nach K. so ist denn also das Tuch zusammen ge- lauffen, wie in vorigtem Abriß zu erse- hen. Die Kerls, so es auffgezogen haben, wickeln sich in das Tuch und stehen stille innewendig nach dem Lauff: Sehen aber mit dem Kopff allezeit nach dem Jaͤger- Meister, ob sie auff- oder zuziehen sollen, uñ damit es desto geschwindern Fortgang habe, wird an jedem Wechsel bey einem Mann ein schwaches Staͤblein eingefas- set, welcher es daran oben und unten zu gleich im Ringe ziehen kan, auch wird die Unter-Leine nicht angepfloͤcket, son- dern vielmehr bey C. E. G. I. etwas un- terleget, daß die Ringe desto besser lauf- fen koͤnnen, weswegen solches auff einen ebenen Platz zu machen, woselbst alles hinderliche Graß geraͤumet werden muß. Von den T uͤcher- L appen. Wann man unverhofft an den Graͤntzen Wildpraͤth spuͤhret, das seinen Wechsel daruͤber hat, oder auch sonsten einige Woͤlffe oder Sauen beym neuen Spuhr-Schnee in Gedickichten und Be- haͤltnissen eingekreisset worden, sind die Tuͤcher-Lappen in solcher geschwinder Eyl eine herrliche Erfindung, mit den- selben uͤber Berg und Thal, Bruͤcher und Moraͤste zu stellen, und ohne grosse Verhinderung sehr nuͤtzlich zu gebrau- chen: Wie ich dann bey Beschreibung vom wuͤrcklichen Jagen von deren Ge- brauch genungsam handeln werde. Sol- che Tuͤcher-Lappen nun, worvon ich hier sage, und welche ich auf vorhergehendem Blate auffgezeichnet habe, werden Bund-weiß auf Haacken genommen, und auff die Art abgelauffen, oder be- stellet; Und weil sie von Leinewand ge- E e 3 machet Vierdter Theil/ machet sind, und als kleine Schuͤrtzen abhangen, werden sie Tuͤcher-Lappen ge- nennet. Es gehoͤhren aber zu einem Bund Tuͤcher-Lappen eine Leine von 40. gedoppelten Schritten oder Hundert Ellen lang, eines kleinen Fingers dicke, und kommt solche Leine an Gelde ohn- gefehr einen Thlr. daran die Lappen an- genehet, und wieder so breit ledig gelas- sen, und solches wechselsweise conti- nui ret wird, an jedwedem Ende der Lei- ne aber muͤssen zum Anbinden keine Lap- pen angenehet werden, sondern es muß die Leine drey Klafftern laͤnger seyn, an deren einem Ende wird ein starcker Haa- cken ein paar Ellen lang und von Buͤ- chen-Holtz angeschlinget, an dem andern Ende aber ein von solchem Holtz starck- gemachter Hefftel oben mit einem Ring beschlagen. Die Lappen betreffend, sind selbige von grober, jedoch von weißge- bleichter Leinewand, worauff in der Mitten des Herren Wappen oder Na- me, auch die Jahrzahl mit schwartzer Oehl-Farbe gedrucket ist, welches so fe- ste haͤlt, weil etwas daran ist, und fein bundscheckigt aussiehet, das Wild abzu- schrecken. Jhre Breithe ist ¾ Elle, und hanget 1½ Ellen herunter. Solche Lappen, wann sie nicht umbher mit ei- nem Saum umbnehet waͤren, wuͤrden sich auff denen Wagen, Furckeln und Straͤuchern durch den Wind leicht ab- drollen oder abschaben. Koͤnte aber hierzu ¾ breite Leinwand absonderlich bestellet werden, haͤtte man die Muͤhe nicht zu besaͤumen: Von gebleichter weis- ser Leinewand aber muͤssen sie seyn, da- mit sie desto mehr im Wald durch die dun- ckele Dickigte schimmern und hierdurch umb soviel besser das Wild abschrecken koͤnnen, und damit es mit dem Lappen und dem Stellen gantz leise und still zu- gehe, kan man die Leine anziehen, umb die Baͤume oder Stengel, dadurch man stellet, einmahl umbwinden, so darff man nicht mit einschlagen der Haacken und Hefftel, oder Furckeln soviel Pochens auff der Erden machen, welches zumahl beym Frost weit zu hoͤhren ist, und da- durch viel verscheuchet wird. Die Fur- ckeln hierzu sind meistens drey Ellen lang, mit welchen die Lappen einfach zu stel- len und oben mit einem Ring und Ker- be zu versehen sind. Wann aber da- mit gedoppelt uͤber einander an den Tuͤ- chern zu stellen ist, wegen des Roth-Wild- pꝛaͤths, oder anderer Ursachẽ halben, nach- dem daran viel gelegen, (dann oͤffters nur erst anfaͤnglich mit lauter Lappen umbstellet wird,) alsdenn muͤssen die Furckeln 4½ Elle lang seyn, umb oben Lappen, und in der Mitten in einer Ker- be auch Lappen auffzuhaͤngen, und al- so dem Wilde ein Blendwerck zu ma- chen. Damit es nun desto geschwin- der fortgehe, muß hierzu ein Zeug- Knecht und vier Mann seyn, als zwey zum Loͤcher machen, zwey zum Furckel- stossen, und der, so nachstellet, sonderlich sollen an die Wechsel die Lappen wohl auf- gehaͤnget werden, daß es dem Wil- de vor den Kopff scheinen kan. Da- fern das Stellen im Walde geschie- het, und man gerne stille auffstellen wol- te, kan man an einem Strauch mit bin- den den Anfang machen, an den eisern Ring bey dem letzten Lappen anschleif- fen, und auf die Art des andern Bun- des-Leine geduppelt durch den Ring ste- cken, also feste umbschlingen, und den Pflock hangen lassen, so kan man ferner stellen. Wann nun ein Winckel gestel- let werden muß, ehe es abgelauffen, so windet man umb einen Baum herumb, ziehet so weit an, und laͤsset Jemand hal- ten, biß es vollends abgelauffen, und angebunden ist; Den Haacken ohne Schla- gen gemach in die Erde zu bringen, se- tzet er die Spitze ruͤckwaͤrths, und span- net die Leine, fasset den langen Stiehl in die lincke, das andere Ende aber in die rechte Hand, und setzet den Fuß in Zwiessel, drucket mit selbigem, und waͤ- get mit beyden Armen mit den Enden hin und her, als ob man bohret, so zie- het sich die Leine mit dem Haacken biß an Zwiesel selber in die Erde, welches mit kleinen Netzen auch geschiehet, und kommt ein Bund Tuͤcher-Lappen in allen so viel zu stehen: Anderthalb Schock Ellen schmahle Leinwand, die Elle a 1. gl. 8. pf. 4. thlr. — Dem Mahler vor 60. Wap- pen Wechselsweise zu mahlen, das Stuͤck a 4. pf.1. thlr.— Vor die Leine 80. Schritt lang, nebst zwey eisernen Ringen 1. thlr.— Schneider-Lohn 12. gl. Machet also ohne Haacken und Furckeln 6. thlr. 12. gl. Jedoch kan an manchen Orten solches vielleicht wohlfeiler kommen. Von Von dem Jagd-Gezeug. Von P antzern und J acken. Gleichwie im Kriege und in denen Feldschlachten die schwere Reuterey zur Defension der andern, und umb desto besser anzugreiffen, mit Pantzern, Colle- ten, und Harnischen verwahret wird. Also hat man bey der Jagd dergleichen Pantzer oder Jacken vor die grossen schwerfaͤlligen Englischen Hunde erfun- den, so ihnen anzulegen, wann sie an die hauende Schweine gehetzet werden, damit sie nicht so leichte zu Schaden kommen moͤgen. Es werden aber die- selben auswendig von schwartzem oder braunem Barchent gemacht, und mit fe- ster Leinewand unten ausgefuͤttert, mit Haaren oder Baumwolle wohl ausge- stopffet, und gantz durchnehet, unter dem Bauch und der Brust aber sind solche nicht ausgestopffet, sondern, weil es da am gefaͤhrlichsten, werden solche daselbst mit Fischbein ausgeleget, und mit eitel Nessel-Loͤchern hart an einander mit vieler Arbeit ausgenehet, daß es wie ein Pantzer feste wird. Man muß bey de- nen Seiten-Fluͤgeln, wegen der Hintern- Laͤuffte das rechte Maaß nehmen, und dieselben umb die Vorder-Schenckel mit Ermeln versehen. Es werden solche o- ben auff dem Ruͤcken durch Schenckel und Nessel-Loͤcher mit Riemen ange- geschnuͤret, wann solche Pantzer beschrie- bener Maassen vor dergleichen unbehen- de starcke Hunde nicht waͤren, wuͤrde man keine derselben Hunde vor denen hauenden Schweinen lebendig erhalten: Wenigstens kaͤmen sie lahm oder gebrech- lich von der Fecht-Schule zuruͤck, oder schleppten das Eingeweyde hinten nach; Weiln ein solches Schwein oͤffters die Hunde in die Hoͤhe wirfft, und durch- bricht, so, daß einer hier, der andere dort auff der Wahlstatt liegen bleibet. So nun eine Zeitlang dieser Pantzer ge- brauchet wird, kan man ordentlich viele Risse und Schlaͤge darauff sehen, weiln derselbe manchen Schaden verhuͤthet, und die Hunde beschuͤtzet, welches eine treffliche Huͤlffe ist, eines grossen Herrens Cammer- oder Leib-Hund beym Leben unverletzt zu erhalten. Die leichten Zwit- ter oder Cours- Hunde, von welchen ich oben auch gehandelt habe, und die in die- sem Stuͤck der leichten Reutherey oder denen Dragonern vergliechen werden koͤnnen, beduͤrffen wegen ihres schnellen Lauffs, und weil sie nur zum Einhohlen und Auffhalten gebrauchet werden, der- gleichen Habit nicht, als welcher sie nur hindern wuͤrde. Vom Jagd-Gezelt oder Schirm der Herrschafft. Jch haͤtte bald eines der vornehm- sten, und noͤthigsten Geraͤthschafft ver- gessen, nemlich eines Schirms, worin- nen die zur Jagd begieriche Herrschafft mit allen anwesenden Cavalliers, Dames, und Frauenzimmer beym Abjagen auf dem Lauff-Platze das getriebene und vor- gejagte ankommende Wild mit besondern Freuden erwarten, und daselbst nicht nur durch unterschiedliches Geschoß, groß und klein Wildpraͤth faͤllen und erlegen, sondern auch nach geendigter Jagd, zu- mahl bey Anwesenheit frembder Herr- schafft, oͤffters herrliche Jagd- Panquet e und Gastereyen praͤchtig ausrichten las- sen, und darinnen in diesem Stuͤck sich was besonders reservir en. Die eigend- liche Beschaffenheit dieser Civil Archite- ctur bestehet von Kiefern Holtze, geschnit- tenem leichten Zimmer, welche von 6. Zoll ins vierkandigte reinlich beschlagen und behobelt, folglich auch accurat und scharff verbunden seyn muͤssen; Zum Grund werden kleine Schwellen gestrecket, dar- auff ohngefehr drey Ellen hoch ein Un- ter-Stockwerck auff Saͤulen gesetzet, und mit Balcken und Riegeln verwahret wird; Alsdann kommt der Fußboden, mit leichten Brettern gespuͤndet, auff wel- chen der Saal vier Ellen hoch zu stehen kommt, vornen, und hinten wird unter beyden Giebel-Enden eine Thuͤre und eine doppelte Treppe gemacht, und end- lich das Tach von geschnittenen leichten Latten auffgesetzet. Dieses alles wird mit gruͤnem Parchent, Trillicht, oder an- derm gruͤnen woͤllenen oder leinen ge- faͤrbten Zeuge fein glatt bezogen; Das Holtzwerck soll jedes absonderlich, wie es sich schicket, numerir et und mit eisernen Schrauben fest wie ein Zeltbett, oder Feld-Tisch zusammen geschraubet wer- den. Vierdter Theil/ den. Das Tach aber wird, wie ein Krie- ges-Zelt, mit Leinchen angezogen, und unteꝛwaͤrts bevestiget, daß es nicht zu meꝛ- cken; Auf die beyden Giebel kommen ver- guldte Zierathen, oder Knoͤpffe zu stehen; Die Groͤsse, Laͤnge, und Breite richtet sich nach des Principal en hohen Gefallen, und Proportion des Abjagens, sonder- lich des Lauff-Platzes, und muß solches manier lich angeordnet werden, damit es nicht zu groß, auch nicht gar zu schwach oder klein sey. Alles nun, was zu sol- chem Schirm gehoͤret, muß auff Wagen geladen, und ebenfalls im Zeug-Hause nebst anderm Jagd-Gezeug, zu fernerm Gebrauch wohl verwahrlich aufgehoben werden. Wie ich dann auch diesen Schirm, umb solchen besser in Augen- schein zu nehmen, hier beyfuͤgen wollen. Von denen H irsch- N etzen. Daß die Netzen und Garne, Fall- stricke oder Schlingen eine Uhralte Er- findung seyn, mit welchen die Menschen dem Wild heimlich nachstellen, und sol- ches vermittelst der erselben fangen, hier- von werde sonder zweiffel in meiner Vor- rede ausfuͤhrlich geredet haben; Es be- dienet sich auch dererselben die Heilige Schrifft hin und wieder zu Gleichnissen, daß also hieraus fuͤglich zu schliessen, daß die Netze aͤlter, als die Tuͤcher seyen. Die Hirsch-Netzen nun, wovon ich nach dem Range dererselben hiermit den An- fang von allen Netzen machen will, wer- den durch den Seyler aus tuͤchtigem Hanff, so durch die grobe Hechel erstli- chen gezogen, daß das grobe Werck mei- stens herunter koͤmmt, gemachet; Es ge- brauchet aber der Seyler zu einem Hirsch- Netze, welches wie ein Tuch 80. gedop- pelte oder 160. einfache Wald-Schritte im gehoͤrigen Busem stellet, ein und zwantzig Skein guten Hanff, und wird das Garn hierzu gesponnen, doch nicht so sehr gedrehet, damit solches, wann es naß wird, nicht zusammen lauffen moͤge; Und werden hiervon die Leinchen eines kleinen Fingers dicke neunschaͤfftig oder neunfaͤdenich geschlagen, auch durch das Wasser etliche mahl gezogen, und pro- bi ret, ob sie zusammen lauffen oder sich ringeln: Dann werden diese Leinchen auf sehr grosse Strick-Nadeln gewun- den, uͤber sonderliche Baͤncke durch zwey Mann mit allem Fleiß starck angezogen, damit sich die Knothen feste verziehen. Jhr Modell zu denen Schmossen ist acht zoll breit, und wird eine Schmosse acht Zoll ins vierkandigte, oder wann sie aus- gerecket ist, 16. Zoll lang, nehmlich von einem Knothen zum andern, in der mit- ten aber sind zwey Knothen beysammen, und gehoͤret grosser Fleiß hierzu. Der- gleichen Schmossen muͤssen zu einem sol- chen Hirsch-Netze zwantzig biß vier und zwantzig hoch seyn, die Ober- und Un- ter-Leinen muͤssen so starck als an den Mittel-Tuͤchern und von zwantzig Fa- den geschlagen seyn. Das Garn oder gestrickte Netze der kleinen Leinchen muß ja von gutem Hechel-Hanff gemachet, und die Enden der Leinchen jedesmahl wohl gespiesset seyn. Weiln oͤffters, wann zwey biß drey Stuͤck Wild einfal- len, das Netze viel halten und ausstehen muß. Die Furckeln hierzu sind von mit- telmaͤssiger Staͤrcke, und vier guter El- len lang, welche man gerne von duͤrrem Fichten- oder Kiefern-Holtz, wo man keine Tannen haben kan, machen laͤsset, weil alles duͤrre Holtz leichte. Oben auf muß, biß auf die Helffte eine gerade Kerbe ein- geschnitten seyn, daß die Ober-Leine vom Netz darauf haffte: Wann nun ein Wild ins Netz lauffet, da es nichts siehet, und das Garn anruͤhret, so schlaͤget die Ober- Leine nach der Unter-Leine zuꝛ Erden, daß solches in Busem verwirrte Wild uͤber die Leine sich wirfft und auf beyden Sei- ten nicht wieder heraus kan. Des Sey- lers Macher-Lohn vor alle Arbeit des gantzen Netzes, mit aller Zubehoͤr ma- chet Neunzehen Thlr. und wieget ein solch Netz ohngefehr fuͤnff Centner: Wann man auch vor den noͤthigen Hanff an 21. Stein mit allen Unkosten 30. Thlr. giebt, und 20. Thlr. Arbeits- Lohn, daß machet in allen doch 50. Thlr. Das uͤbergebliebene Werck kan dennoch in der Wirthschafft zu Brunnen- oder Schiff- item Schneide-Muͤhl-Seylen, und andern Straͤngen, Leinen und Stri- cken gebrauchet werden. Es gehoͤren auch hier zu dem Hirsch-Netze eilff Fur- ckeln, und zwey grosse starcke Hefftel, und muͤssen die Furckeln innewendig ge- stellet werden. Wo das Wild herkom- men soll, und die Kerben auswendig, daß Von dem Jagd-Gezeug. daß das Netze wohl abfallen kan, und der Busem wohl uͤber das Wild schlage, sonderlich auf dem Stell-Fluͤgel fein ge- rade, daß solches wohl ablauffen koͤnne. Dann mit Netzen, welche fangen sollen, muͤssen keine Winckel gestellet werden, sonst kan die Ober-Leine nicht nach Begehren auf die Unter-Leine fallen, und also nichts einfangen, wie leicht zu gedencken. Von denen Sau-Netzen. Nach denen Hirsch-Netzen folgen in der Ordnung billig die Sau-Netzen, und solte man hier meynen, daß die vo- rigten Hirsch-Netze hierzu auch gebrau- chet werden koͤnten, welches auch bey vie- len Adelichen Herrschafften, so die Ober- und Nieder-Jagden haben, practici ret wird: Jedennoch aber hat man aus vie- len Ursachen hierzu absonderliche ge- machte Sau-Netzen, derer Schmossen umb zwey Zoll enger, und die Leinchen, darvon das Garn gestricket ist, etwas staͤr- cker sind, weiln sie grosse Gewalt aus- halten muͤssen: Jhre Laͤnge ist ebenfalls 80. gedoppelte Wald-Schritt, wie der andern, und weiln oͤffters ein starck Ru- del Sauen von Bachen und Frischlin- gen in vollem Currier zugleich auff ein- mahl hinein lauffen, und also wielmehr Busem haben muͤssen, soll dasselbe billig zum wenigsten dreyßig Schmossen hoch seyn; Und weiln die Sauen spitzige Ruͤs- sel haben, rund und starck seyn, muͤssen die Schmossen umb so viel desto mehr uͤber der Ruͤck-Banck feste gezogen wer- den, deren Modell 6. Zoll breit und so viel lang ins gevierdte ist. Die Furckeln hierzu sollen zwaꝛ wohl so starck, als die vo- rigten beschrieben, alleine weit niedriger, als dieselben, und nur 2. und eine halbe Elle lang seyn, weiln die Sauen nicht uͤberspringen, sondern nur in der Dum̃- heit gerade zu lauffen, und durchbre- chen wollen: Dargegen aber kan das Roth-Wild desto besser uͤbersetzen, und werden eben auch, wie die Hirsch-Ne- tze, fein gerade mitten auf die Fluͤgel gestellet. Damit es aber fein geschwin- de mit dem Netze-stellen zugehen moͤge, muͤssen hierzu bey jedem Fluͤgel wohl acht Mann seyn, nebst zweyen Zeug- Knechten, als zwey, welche das Netz im Abfuͤhren abschlagen; Zwey Mann mit Schlaͤgeln, welche die Hefftel einschlagen; Zwey Mann, so mit den Sticheln Loͤ- cher machen; Und zwey Mann zu Fur- ckeln setzen. Wann es muͤglich seyn kan, muͤssen die Ober- und Unter-Leinen starck angezogen, und an Baͤume gebunden werden, sonsten wann, wie gemeldet, starcke Sauen einbrechen, reissen die Hefftel oͤffters aus der Erden, und die Sauen lauffen darvon, daß man nichts als Schimpff und Schande darvon hat: Und was das vornehmste ist, so koͤnnen die Bauern gar leicht das Wild verjagen, absonderlich wann sie in der Stallung herumb lauffen, und Furckeln oder Heff- tel hauen wollen; Jngleichen ist schaͤnd- lich, wann sie von drey oder vier Netzen zusammen kriechen, die Netze alleine las- sen, wie oͤffters geschiehet: Ferner sind, so wohl diese, als vorigte Hirsch-Netze gar nuͤtzlich, wann die Sauen ins enge getrieben sind, dann alsdenn koͤnnen sol- che Netzen innewendig im jagen an den Tuͤchern herumb gestellet, und oben auf die Furckeln geleget werden, so weit als man mit Netzen reichen kan; Und muß der Busem fein glatt angezogen werden, daß die Netzen an den Tuͤchern steif ste- hen, und das Wild, sonderlich die Sau- en, nicht durchschlagen koͤnnen: Wel- ches den Tuͤchern sehr nuͤtzlich, dann die Sauen meistens bey der Unter-Leine mit ihrem Gewehr durchzukommen ver- suchen; Jst solche nun mit Haacken feste verwahret, ritzen sie an der Leinewand hier und dar, biß es ein Loch setzet, dann stossen sie mit dem Ruͤssel loß, und fahren zum Loch hinaus, welches man hernach betruͤbt ansehen muß, wo aber die Ne- tzen abwehren, bleibet es nach. Von den S piegel- N etzen und P rell- N etzen. Die Spiegel-Netzen haben den Na- men von dem Stricken, denn alles was gestricket wird, nicht zum Fangen, son- dern nur zur Abwehrung, oder darzwi- schen Busen gemachet werden, als bey Reb-Huͤhner-Wachtel- und Fisch-Ne- F f tzen, Vierdter Theil/ tzen, die heissen Spiegel-Netze, damit sie koͤnnen vor andern Netzen genennet wer- den. Denn diese sind vor den andern Netzen gar leichtlich steiff zu stellen, gleich den Tuͤchern. Doch koͤnte mancher wohl sagen, sie wehren auch gut, wie vorige Hirsch- und Sau-Netzen, den Tuͤchern zu Huͤlffe zu stellen, allein, worzu die- se gebrauchet werden sollen, dienen jene gar nicht, und worzu jene gebrauchet werden, dienen diese nicht, darumb hal- ten nur theils Herrschafften 6. oder 8. Stuͤck darvon, und stellet jedes so lang und so hoch, als ein Tuch, darumb ich dann dieses ausfuͤhrlich zu beschreiben, fuͤr noͤthig erachte. Die Leinen sind gleich den hohen Tuͤcher-Leinen starck, und muß ich bekennen, daß solche Netze das erstemahl eine curi oͤse Herrschafft und Jaͤger-Meister inventi ret und machen lassen, welche wohl achtung gegeben, wie sich die Thiere im Abjagen anlassen. Und ist noͤthig, solche Netzen, so weit der Lauff gehet, auf dem Schwein-Hatz-Jagen solcher Gestalt herumb zu stellen, daß sel- bige ungefehr 2. und eine halbe Elle dar- von innewendig abstehen, darzu gehoͤren dann so viel Furckeln, als zu des Lauffs Tuͤcher und zu den Spiegel-Netzen noͤ- thig seyn. Es koͤnnen auch eben die Fur- ckeln, die zu den hohen Tuͤchern gebrau- chet werden, darzu genommen werden. Die Schmossen von diesen Netzen sind so groß, als der Sau-Netzen ihre, und ge- schiehet alles darumb, daß, wann sie umb einen Lauff so weit abgestellet werden, daß dann zur Abjagens-Zeit darhinter koͤnnen ein 100. Mann rund herumb an- geleget werden; Und weiln dann oͤffters ein gantz Rudel Sauen, so im Jagen seyn, auf einmahl, wann das Jagen geoͤffnet, heraus kommen, und selbige mit Raqve- t en, und dergleichen geaͤngstiget und von einander getrennet werden, so wollen sie mit aller Gewalt durchbrechen, dieses a- ber koͤnnen die Leute darhinter mit Ste- cken und Gabeln gar leicht hindern. Dann sie koͤnnen solche mit Schlagen an die Netze abwehren, daß sie also nirgends keine Ruhe haben, und gemeldte Leute stehen gantz sicher darhinter, und stehen dieselben Netzen so steiff, daß, so einer auf dem Lauff eine Gefahr vor sich sehe, dar- auf hinauff, wie auff einer Leither, lauf- fen kan. Es gehoͤren auch Wind-Lei- nen daran, bey jeder Furckel eine, aber sie duͤrffen nur 3. und eine halbe Elle lang seyn, damit sie oben koͤnnen hinuͤber an des Tuches Furckel angebunden werden, denn weiln sie unten in die Erde gestos- sen, und in der Mitten angehaacket ist, so kan sie so viel steiffer und vor Gewalt fe- ste stehen; Sie waͤren auch eben so hoch nicht noͤthig, daß die Sauen abgewehret werden koͤnten, alleine, wie gemeldt, sind sie darumb so hoch, damit mancher in Noth, wenn die Sauen hinter ihm, sich darauf salvir en kan, absonderlich diejeni- gen, so sich zum fangen mit ihren Fang- Eysen anstellen wollen, denn die stellen sich also nahe an den Netzen herumb, daß, wann etliche Sauen noch zusam̃en oder ein hauend Schwein koͤmmt, sie da auf- treten, wann aber eine Bache, oder eine solche koͤmmt, die sie zu uͤberwinden ge- dencken, sie sich herab begeben, und als einen Mann mit dem Eysen præsenti- ren koͤnnen. Noch ist eine Invention von Netzen verhanden, deren die Herrschafft nuꝛ eines nothig hat, welches auch so lang, als ein Tuch, und nur halb so hoch, auch recht spieglicht gestricket ist, jedoch eben so starck an den Leinen, oder etwas staͤr- cker: Aber es wird nur zur Schwein- Jagd gebrauchet, und absonderlich, umb die Sauen darmit von einander zu tren- nen, denn es wird vor das Lauff-Tuch 10. Schritt gestellet, daß dessen Ober- und unter-Leine durch die Wechsel hinaus ge- hen, und wird dann sehr starck angezo- gen. Seine Furckeln muͤssen mit einer eysernen Gabel beschlagen werden, die was hoch ist, daß die Leine von den Sauen nicht daraus gelauffen werden koͤnne, und muͤssen auch sehr starck seyn, wie jeder gedencken kan, und dann wird dieses Netz auf die Erde geleget, wann nun die Sauen angefangen daruͤber hin zu lauffen, dann sie halten gerne eine lan- ge und schmahle Reyhe, so laͤsset es der Jaͤger-Meister von beyden Seiten her geschwinde auf die Furckeln legen, sich da- ran nicht kehrende, ob noch viel zuruͤck seyn, so beginnen sie sich darwieder zu stos- sen, und koͤnnen dann die andern nicht nachkommen, muͤssen also wieder umb- wenden oder zuruͤck prellen, denn dar- umb heisset es ein Prell-Netze, sie salvi- ren auch die Lauff-Tuͤcher, wann sie ste- hen, denn es kan dann keine Sau wieder ins Jagen kommen, weiln ihr der Pass damit abgeschnitten ist, biß sie alle gefaͤn- gen seyn. Es gehoͤren bey jeder Furckel 2. Wind-Leinen, die eine innewendig, die andere auswaͤrts anzubinden, dann sie muͤssen auf beyden Seiten fest halten: Jch Von dem Jagd-Gezeug. Jch kan nicht umbhin dem geneigten Le- ser von des Seel. Herrn Johann Taͤn- tzers Pag. 40. herausgegebener Inventi- on Nachricht zu geben, allwo er Par. 19. meldet, daß er vor gut befinde, die Fur- ckeln unten mit Gelencken zu ordini ren; Und weiln Niemand innewendig gerne das Garn auffheben wuͤrde, hat er zu solchem Ende auf den Fluͤgel eine Winde oder Haspel verordnet, das Prell-Netze geschwind auffzuruͤcken, damit Niemand wegen der Sauen in Gefahr kommen moͤge; Weiln sich die Leute darvor fuͤrch- ten, und leicht Schaden nehmen koͤnnen, daferne sie in der Mitten solten stehen bleiben, so aber hierdurch verhuͤtet wer- den kan. Von der Wild-Trage und Wage. Die Wild-Trage ist ein benoͤthigtes Werck-Zeug, wann zur Hirsch-Feiste- Zeit, oder umb die Schwein-Hatze bey einem Haupt-Jagen auff dem Lauff- Platz beym Ausstechen oder Ausschiessen von der Herrschafft und deren anwesen- den Cavalliers und Dames das saͤmtliche Hohe und Niedere Wildpraͤth, als Baͤ- re, Hirsche, Thiere, Tann-Hirsche und Tann-Wild, Schweine, oder Rehe ge- schossen und getroffen worden, hin und her gelauffen, gefallen, und in wunder- lichen Positur en hier und dar ziemlich als- denn zerstreuet von einander liegen, wird dieses Wildpraͤth (dann solche ha- ben alleine die Ehre,) nach geendigter Jagd durch die Wild-Trage mit vier Personen behoͤriges Orts zusammen ge- tragen, und, wie gebraͤuchlich, nach dem Rang gestrecket, wie es anbefohlen, und eines jeden Hofs gebraͤuchliche Manier er- fordert. Solche Wild-Trage ist gemei- niglich ein Stuͤck von einem alten ab- gegangenen schadhafften Hirsch- oder Schwein-Netz, welches der Groͤsse nach als ein groß und breites Tisch-Tuch, mit eben solchen Moschen und Fingersdicken Leinchen uͤber die Banck gestricket ist, zu beyden Seiten kommen zwey Stan- gen von festem Holtz, Arms starck, wel- che billig gruͤn und weiß mit Farben an- gestrichen werden. Die Wage wird nicht mit Schalen, sondern wie eine Schnell-Wage von starckem Eisen und Ketten mit Haacken gemachet, auf deren Balcken die Pfunde, Steine und Cent- ner bemercket, nach welcher Schwehre des Wildes das Gewicht vor oder hin- terwaͤrts gehaͤnget wird. Von dem Wild-Garn. Wann ein Herr, welcher der Ho- hen und Niedern Jagd berechtiget, zur Erspahrung der Unkosten, keine Tuͤcher, noch vorbeschriebene Hirsch- oder Sau- Netze sich anschaffen wolte: Gleichwohl aber gerne manchesmahl aus seinem Re- vier einen Hirsch, Wild, Sau oder Reh, was sich daselbst aufhalten moͤgte, auff seine Tafel zu bekommen, wuͤnschen wuͤrde, demselbigen solte wohl dieses Wild-Garn trefflich zu Nutzen kom- men. Es sind derselben zweyerley, als schwere, und leichte: Die schweren Wild- Garne, wann sie recht beqvem verferti- get und Busen-Reich eingetheilet werden sollen, muͤssen hundert Schritt stellen, und das Garn aus klarem und recht gu- tem Hechel-Hanffe neunfaͤdenich ge- schlagen, gemachet, die Schmossen in das gevierdte 6. Zoll uͤber der Ruͤck-Banck gezogen, 18. dergleichen Schmossen hoch verfertiget, und die Leinen 20. Faden starck geschlagen werden, so wiegt das Netz uͤber drey Centner, und kommt fast an Gelde drey und dreyßig Thaler, acht Groschen, muß aber unumbgaͤnglich auf den Wagen gefuͤhret werden, weiln sol- ches zu tragen zu schwer fallen solte. Ei- ne andere Art sind die leichte Wild-Garn, so Kuppel-Netze genannt werden, wel- che in Busen 60. gute Schritt stellen; Die Leinchen, darvon solche Garn ge- stricket werden, sind ebenfalls neunschaͤff- tig, doch kleiner, als die vorigen, geschla- gen, als eine Trommel-Leine dicke, aus recht klarem ausgehecheltem Hanff, die Schmossen kommen auch 6. Zoll ins Ge- vierdte, und ist ein solch Garn 16. solche Schmossen hoch, und werden uͤber der Ruͤckbanck die Knothen dichte zugezogen. Die Ober- und Unter-Leinen kommen ebenfalls von 20. Faden, aber doch duͤn- F f 2 ner, Vierdter Theil/ ner, als das vorigte: Am Gewichte kommt eins uͤber anderthalb Centner, und an Gelde ungefehr auff sechzehen Thaler zu stehen. Ein solch Netz kan auff einem grossen Haacken von drey El- len lang gar fuͤglich von zwey Mann, wie dorten aus dem Lande Canaan die Kundschaffer eine Weintraube fortge- bracht, getragen werden; Koͤnnen auch beyde einander im Auffstellen, und Fan- gen helffen, daß es keinem zu schwer fal- len kan. Von denen Wolffs-Netzen. Dieselbigen werden umb ein merck- liches schwaͤcher gemachet, damit man in der Eyl bey dem Neuling, oder frisch gefallenen Spuhr-Schnee solche wegen ihrer Leichte tragen und in der Eyl die be- kreisten Woͤlffe umbstellen koͤnne: Sie werden auch gefahren biß an den Ort der Stallung, da sie abgenommen, und auf Haacken vom Stell-Mann getragen, und nach der gehauenen Stallung abge- lauffen werden. Sind auch sonsten gar beqvem uͤber Berg und Thal zu gebrau- chen und damit sowohl die raͤuberischen Woͤlffe und die Luxe, als sonsten schmahl Wildpraͤth oder Rehe, und dergleichen zu fangen: Sie stellen 40. gedoppelte Schritt, und werden gleich anderm klei- nen Hand-Zeuge auff Hacken von Bu- chen- Holtz aufgenommen: Die Ober- und Unter-Leine an jedwedem Ende, welche dem Netze wohl zwey Klafftern vorgehen, werden an den Haacken, und dessen Hefftel feste angeschlinget, und werden diese Haacken und Hefftel gern von weißbuchenem, oder festem hage- dornen Holtze darzu gemacht, und oben mit eysernen Ringen beschlagen: Die Furckeln kommen viel duͤnner und leich- ter, als vorigte gewesen sind; Jhre Lein- chen, darvon das Garn gestricket, werden von klarem Hechel-Hanff, von sechs Fa- den, als ein starcker Federkiehl dicke zu- sammen gedrehet: Die Maschen sind ins vierkandigte fuͤnff Zoll breit, und soviel lang, und sind zwantzig solche Maschen hoch, daß es also uͤber drey Ellen hoch stellen kan, doch Busem genung hat. Die Leinen sind fast Daumensdicke starck, von achtzehen Garn-Faden, so auch von gu- tem Hechel-Hanff seyn muͤssen, weil es viel ausstehet, und kommt ein solch derglei- chen Wolffs-Netze, so der Seyler den Hanff bey seiner Kost hierzu giebet, nach- dem es lang und starck seyn soll, ohnge- fehr acht biß zehen Thaler: Jn Pohlen, Schlesien und Boͤhmen wird man der- gleichen Netze bey denen meisten von A- del antreffen, so sich derer gebrauchen, und nicht gerne viel Unkosten an grosse Zeu- ge wenden wollen, darinnen sie oͤffters, zumahlen, wann sie noch neu, wohl Hir- sche und Sauen zu fangen pflegen. Son- sten werden auch diese Wolffs-Netze ge- brauchet, das Tannen-Wildpraͤth, oder die Wildes-Kaͤlber, darinnen einzufan- gen, und werden dergleichen bey ordent- lichem Jagd-Zeug, biß etliche dreyßig in Bereitschafft gehalten, und verwahret. Von denen Reh-Netzen. Damit ich nun noch kleinere Jagd- Zeug nach der Ordnung beschreibe, fol- gen nunmehro die Rehe-Netzen: Die- selbigen sind meistens 50. gedoppelte Schritt lang, ihre Schmossen jede drey Zoll lang ins vierkandigte, daß kein Fuchs oder Hase hindurch schlupffen koͤnne: Jhre Leinchen, davon sie gestricket werden, sind von vier Garn dick gespon- nen, und werden dieselbigen 16. Schmos- sen hoch gemachet: Die Schlag-Leinen sind von 12. Garn-Faden dicke und gehen an jedwedem Ende ein Paar gute Klaff- tern vor, an den Haacken, und Hefftel zu binden, welche eben, wie das vorige beschrieben, von Haynbuͤchen- Holtze, und die Furckeln fein leichte, doch alles duͤnner gemachet seyn soll, damit ein Mann solches tragen, und fuͤglich leicht und beqvem stellen koͤnne. Wann nun der Stell-Mann das Netze aufgebunden, und den Hefftel in der rechten Hand, auch das Garn zum ablauffen gefasset hat und den Haacken verkehret auf der lincken Schulter traͤget, so nimmt ein anderer ihm den Hefftel und etwas vom Netze vom Haacken, schlaͤget ein, oder bin- det an, und laͤsset den Mann mit dem Netze ablauffen, dann wird solches scharff angezogen, hinten nach ausgeschlagen, daß Von dem Jagd-Gezeug. daß es recht stelle, und wieder ein anders genommen, und so fort: Diese Netze sind die allerschlim̃sten, ein Revier von Rehen, Fuͤchsen und Hasen gantz auszurotten, zu vertilgen, und reine Arbeit zu machen: Sind dahero sehr dienlich vor die Herrn Pacht-Leute, klein und groß zu fangen, und solten solche Weyd-Leut nebst derglei- chen Netzen, die alles verwuͤsten, billig verbothen seyn. Diese Rehe-Netzen wer- den auf der Wolffs-Jagd auch gebrau- chet, innewendig manchen arglistigen Wolff, oder schlauhen Fuchs, der nicht gerne in Netze fallen will, ein Stratage- ma zu machen: Jndeme man damit hin und her Winckel oder Haacken stellet, daß sie unverhofft gefangen, und erschlagen werden, wie hiervon beym Wolffs-Ja- gen melden werde, dadurch ist mancher Wolff und Fuchs verfuͤhret worden, daß er das Herauskommen vergessen hat. Zu dem Reh-Jagen, und vor die Fuͤchse sind solche am besten, weiln sonsten die Rehe die Hasen-Netze entzwey reissen, darvon springen, und vieles fluchen bey dem Aus- flicken verursachen wuͤrden; Und sind deren ohngefehr achtzehen Stuͤck bey ei- nem Jagd-Gezeug ruͤhmlich zu halten. Man wird auf dem Lande bey denen von Adel meistens dergleichen Netze antref- fen, damit sie groß und klein fangen koͤn- nen, umb die Unkosten zu erspahren. Ein solches Netze kommet mit aller Zu- behoͤr, des Seylers Arbeit und Hanff nicht uͤber sechs Thaler in allem zu ste- hen. Von denen Hasen-Netzen. Diese sind wohl mit allem Fug und Recht die rechten Hasen-Moͤrder zu nen- nen: Maassen durch selbige vermittelst einiger Jagd-Hunde oder Stoͤber die arme Hasen ziemlich duͤnne gemachet werden koͤnnen, und soll man von Rechts wegen, solche anderst nicht, als nur auf denen Graͤntzen zu gebrauchen, erlau- ben, wenigstens nicht Jederman gestat- ten, solche zu mißbrauchen, weil hier- durch alles ruini ret wird: Dieweiln aber den kleinen Zeug zu beschreiben verspro- chen, so habe auch hierinnen die Hasen- Netze nicht uͤbergehen wollen. Sonst ist ja wohl einem jeden Land-Mann ge- nung bekant, daß dieselben dergestalt leich- te gemachet, daß solche, auf Haacken geho- ben, ein mittelmaͤßigeꝛ Bauer-Junge zur Jagd hinaus mit seinen Furckeln und wieder heimb nach Begehren den gantzen Tag tragen koͤnne. Ein solches Hasen- Netz stellet gemeiniglich hundert Schritt lang: Die Schlag-Leinen sind von 9. Garnfaden dicke, das Garn, woraus das Netz gestricket wird, ist von starckem Bindfaden dreyschaͤfftig: Die Schmos- sen sind 3. Zoll ins vierkandigte, und das Netz 16. dergleichen Schmossen hoch, je- doch von gutem klaren Hechel-Hanff, weil es sonderlich auch vor die Fuͤchse hal- ten muß. Dem Seyler giebt man vor ein solch dergleichen Hasen-Netz bey sei- ner Kost und Hanff meistentheils vier Thaler zu verfertigen: Die Haacken, Heff- tel, und Furckeln, werden, wie bey den Reh-Netzen beschrieben, gemachet, doch aber nach deroselben Proportion umb ein merckliches kleiner und leichter: Jnglei- chen gehoͤren auch hierzu ein Paar eyser- ne Stichel, umb die Loͤcher in der Eyl zu stossen, wie auch auf jeden Fluͤgel ein Paar Schlaͤgel, die Hefftel hinein zu schlagen, dann mit den Aexten schalmet solches zu sehr, daß die Hasen in Zeiten ausreissen. Bey dem Stellen muß das Netz wohl ausgeschlagen werden, daß es nicht ver- drehet wird, und desto besser auffgestel- let werden kan. Dergleichen Hasen-Ne- tze pflegen die von Adel auf dem Lande gemeiniglich zu haben, die Hasen zu fan- gen, und zu verkauffen, und haben man- che dergleichen 30. biß 40. Stuͤck. Solche kleine Netze werden nur mit Strick-Na- deln uͤber das Modell auf den Haacken ge- stricket, welche zum theil auch von denen Weyde-Leuten im Winter bey langer Weile selbst mit eigener Hand fabrici ret werden. Von einem Lausch-Netze. Dieses Wort Lauschen oder Lauren ist von Alters her gebrauchlich, und be- deutet auf etwas warten, sich heimlich verstecken, und aufpassen, und ist eine hin- terlistige Nachstellung: Jst also dieses Netz keine freye und redliche Invention, F f 3 sondern Vierdter Theil/ sondern mit allem Recht ein Diebisch Netz zu nennen, weil es so duͤnne von Garn, und nur 50. Schritt zu stellen ge- machet wird, auch ohne Haacken zusam- men gehoben wird, daß es in einem Ran- tzen unvermerckt zu halten, und wie ich glaube, mag es wohl ein rechter Hasen- Dieb erfunden haben. Sonsten wird es auch ein Licken-Netz genennet, weil es in denen kleinen Feld-Hoͤltzern oder Ge- straͤuchern, in einer Luͤcke oder einem Loch, und Schlupff-Winckel gestellet wird, umb die an denen Feldern an Straͤuchern lang herunter gestellten Federlappen herbey kommende und in die Luͤcke, wel- che offen scheinet, huͤpffende Hasen, oder trabende Fuͤchse in die Luͤcke zu schre- cken, und also im Garn zu fangen. Da- hero es den Namen erhalten, und muͤs- sen hierzu ein Paar dergleichen Netze seyn, umb in den Winckel zu stellen. Weiln man nun oͤffters im Herbst bey langen Naͤchten, da der Hase noch im Finstern sehr spaͤt zu Felde, und fruͤhzeitig zu Hol- tze gehet, nicht sehen kan, ob was ein- faͤllt, so gehoͤren an die Ober-Leine etli- che kleine Schellgen, damit, wann die im Fangen und Abschlagen klingen, man zu- lauffen, und das Gefangene heraus neh- men kan. Das Garn ist am besten, wann solches von gruͤnem festen doppelten Zwirn fein subtil gemachet ist, daß man es nicht kennen kan. Die Maschen sind, wie bey den Hasen-Netzen, weil es aber nicht hoch stellen darff, wird es nur von neun Maschen hoch gemachet. Seine Furckeln sind nur duͤnne Stell-Reisser, etwan 1. und eine halbe Elle hoch, und als starcke Spieß-Ruthen dick: welche nicht so viel darauf wenden wollen, las- sen solches nur von recht klarem ausge- hecheltem Hanff machen, so eben auch haͤlt. Dieses Netz ist nuͤtzlich vor einen Forstbedienten, der nicht uͤberfluͤßig Ha- sen auf seinem Revier hat, dennoch aber oͤffters Lieferung thun muß, weil es ihn aber verdaͤchtig machen wuͤrde, halte ich es nicht vor rathsam. Vor einen Sol- daten auf dem March oder vor einen Landmann, der nicht viel Unterthanen oder Froͤhner auf der Jagd zur Huͤlffe hat, oder wegen Ungeschickligkeit nicht gar wohl mit Schiessen umbgehen kan, lasse ich es noch eher passi ren. Es heis- set: Laͤndlich, sittlich, einem jeden Nar- ren gefaͤllet seine Kappe am besten. Von der Dachs-Haube. Wo eine Herrschafft auf die Ord- nung, und altes Herkommen was haͤlt, wird solche die Daͤchse zwar zur Lust aus- graben und hetzen lassen, die Haut aber, so ohne dieß nur dem Jaͤger zum Ran- tzen, und Verwahrung seiner Buͤxe die- net, demselben uͤberlassen, und hat man hierzu eine Dachs-Haube ersonnen, den Dachs ohne grosse Muͤhe lebendig zu fan- gen. Hiermit nun gebuͤhrlich umbzu- gehen, gehoͤret auch eine Wissenschafft darzu: Nemlich, wann man durch ei- nen gangbahren Bau, und die ausge- fuͤhrte Erde oder Sand, durch Spuhr oder andere Merckmahle gewiß erkundi- get hat, welche Roͤhre am gangbahrsten ist, so stopffet man die alten Roͤhren zu, und wendet zur Lust im Herbst, wann die Daͤchse am feisten sind, eine Nacht ohne Schlaffen darauf, stellet umb Mit- ternacht die Dachs-Haube in das Loch, und sperret mit ein Paar duͤnnen Ruͤth- gen in der Roͤhre das Garn von einan- der, hacket vor dem Eingang umbher, und bindet dann die Zug-Leine an einen Strauch darneben feste an, laͤsset gegen Tag fruͤhe einen andern mit ein Paar Stoͤber auf den Ruͤben-Feldern herumb Visitir en, was daselbst von Daͤchsen un- terweges ertappet wird, kan man fan- gen, was sich aber weg practici ret, das koͤmmt dann nach dem Holtze zu seinem Bau, wenn nun dieser dicke Herr hinein wuͤschet, so ziehet er sich selbst die Haube hinter sich zu, daß er nicht wieder heraus kommen kan, und hat man ihn also le- bendig gefangen. Eine solche Dachs- Haube ist fast so lang und weit, als ein Korn-Sack, nur unten am Ende spitzig, mit einem eysernen Ringe versehen, von festem starcken Bindfaden: Seine Schmossen sind, wie ein Hasen Netz ge- stricket, woran oben die Zug-Leine wie ein Geld-Beutel ist. Es beisset der gefan- gene Dachs waͤhrenden Tragens vor Zorn immer in den Ring, daß die Faͤn- ge ziemlich ausgebissen werden. Wann es Monden-Schein, und etwas truͤbe Wet- ter ist, kan man feine Lust darmit haben, und duͤncket mich fast, als ob es die Schaͤf- fer oͤffters gebrauchen, oder gar erson- nen haben, wenigstens dergleichen nach- thun, Von dem Jagd-Gezeug. thun, weiln sie meistens hiervon Dachs- Raͤntzel tragen, so zwar ein Mißbrauch ist, und daher kommen mag, wann die von Adel aus Kargheit keine Schuͤtzen halten, sondern die Schaͤfer schiessen las- sen, da dieselben dann solcher Dachs-Raͤn- tzel sich zu bedienen pflegen; Und kan man auch die Dachse nicht allenthalben nach Begehren gar fuͤglich herausgraben, weiln oͤffters dieselben in Bergen und Huͤgeln sehr tieffe feste Winterbaͤue ha- ben, und ihnen nicht wohl beyzukom- men ist, der Bau auch hierdurch verder- bet, und die Roͤhren verschuͤttet werden, daß ins kuͤnfftige alles liegen bleiben wuͤrde. Von dem Bieber- und Fisch-Otter-Netz. Nachdem ich bißher die Garne oder Netze, womit das grosse und kleine Wild so wohl uͤber, als unter der Erden pfle- get gefangen zu werden, beschrieben ha- be; So muß ich hier auch melden von de- nen Garnen oder Netzen, wormit das Wild unter dem Wasser gefangen wird, nemlich von den Bieber- und Fisch-Ot- ter-Netzen, weiln ohne dieß von deren Hunden Ausfuͤhrung, und Abrichtung ich bereits im dritten Theil an seinem Ort gehandelt habe, was nun den hier- zu benoͤthigten Zeug betrifft, hat es da- mit folgende Beschaffenheit: Dieweiln die Bieber gemeiniglich gerne an weit herkommenden breitfliessenden Stroͤh- men und grossen Seen in hohlen Ufern und von Eiß-Schollen gerissenen Loͤchern wohnen, wo es mit Weiden-Werfft, oder Schilff-Rohr verwachsen, und sol- che Hoͤhle abseits wuͤste, und stille lieget; So muß man, wo ein solcher Bau ver- handen, darinnen was zu vermuthen, in einen solchen Winckel nach Breithe des Wassers ein hierzu noͤthiges Netz vorstel- len, und an beyden Ufern durch Pfaͤhle feste anpfloͤcken, daß nichts vorbey kan. Das Netz ist vorne, wie eine Wathe, da- von die Unter-Leine mit schwerem Bley- Gesencke auf dem Grund lieget; Die O- ber-Leine aber mit leichter Holtz-Rinde oder Corcke schwimmen muß; Der Bu- sem oder Sack daran ist, wie ein Haa- men, woselbst hinten ein Zipffel uͤber vier Ellen lang gehet, doch so enge gestri- cket ist, daß darinnen sich nichts umb- wenden kan, und ist dieses Garn nach Breithe des Wassers vorne oͤffters 10. biß 12. Ellen weit, auch mehr und weniger, der Sack aber mit dem Zipffel daran auff 16. biß 18. Ellen lang; Die Schmos- sen sind, wie bey den Hasen-Netzen, und koͤmmt an den Zipffel ein runder Stein von ein Paar Pfunden schwer, nebst ei- nem Ring veste angebunden: An den Pfahl, so am Ufer eingeschlagen, wird ein langes glattes duͤnnes Leinchen ge- machet, hernach solche wie eine Schlan- ge etlichemahl umb das Netz durch die Schmoßen umbher, und letzlich durch den Ring gezogen, welches Ende der am U- fer in der Hand haͤlt. Wann nun oben auf dem Ufer nach des Biebers Bau ein- gegraben wird, und die Hunde darin- nen stoͤbern, so wuschet der Bieber her- aus in den Garn-Sack hinein, welches Bewegẽ an den Leinchen gleich zu fuͤhlen, dann ziehet er geschwinde an sich, so dre- het sich der Zipffel umb, und kan nicht heraus. Die Fisch-Otter aber, welche am liebsten umb die Forellen-Wasser und Krebs-Baͤche in den Ufern, und tiefen Hoͤhlen, wo Stein-Waͤnde, Waͤh- re, und Staͤnder zu befinden, ihr Lager machet, und sich nach kleineren Wassern begiebet, wird ebenmaͤßig in solchem Haamen gefangen, welcher wie ein Kaͤ- scher, jedoch mit engern Zipffeln, und schmaͤhler, von 6. biß 8. Ellen, vorne weit und zwoͤlff Ellen lang gestricket ist. Es darff aber weder Schnur, noch Ge- wicht daran seyn, weil der Strohm den Zipffel treibet, und so der Fisch-Otter hinein kommt, wirfft er sich alsdann mit dem Zipffel in die Hoͤhe, so springet ei- ner hinein, und faͤnget ihn mit der Ga- bel; So er ihn heraus genommen, laͤs- set er den Zipffel wieder schwimmen. Solte nun der Fluß breiter, als das Garn seyn, muͤssen zu dessen Beyhuͤlffe zu beyden Seiten ein Paar Fluͤgel gema- chet werden: Jch, vor meine Person, hal- te davor, wann man einen solchen Haa- men auffstellete, der vorne weit, und hinten enge waͤre, sonderlich aber mit Zug-Leinen versehen worden, wie ich bereits bey der Dachs-Haube beschrieben habe, so wuͤrde diese Schiffarth von sich selbst zugezogen, und sich sowohl Bieber, als Fisch-Otter fangen koͤnnen, wie selbst leicht zu erachten; Und ist solches allezeit besser des Nachts zu bewerckstelligen, kan sich Vierdter Theil/ sich auch alles von sich selbst fangen, und wird beqvemer seyn, als wenn man mit der Schnur ziehen, oder Gabel ste- chen, und in der Kaͤlte Schildwache halten muͤste, auch darbey wohl gar ein- schlaffen duͤrffte, und haben grosse Her- ren zu weitlaͤufftigen Wassern in ihren Landen hierzu absonderliche Bieber- und Otter-Faͤnger, so ein a part Weydewerck; Doch kan ein Jeder aus allen diesen das Beste sich erwehlen, maassen kein Mensch vollkommen ausgelernet. Von dem Marder- und Jltniß-Garn. Weil die Marder oder Jltnisse, ob sie wohl kleine Thiere, dennoch nicht nur dem Hauß- und zahmen Gefluͤgel an Huͤhnern, Enten, Gaͤnsen, und deren Eyern, sondern auch dem wilden lauf- fenden und Fluͤgel-Wild, alt und jung, grossen Schaden zufuͤgen, und man sol- che oͤffters aus hartem Gemaͤuer, Ge- baͤuden, oder Felß-Loͤchern, wegen Fe- stigkeit des Orts, nicht ausgraben kan; So hat man vor dieselben ein Paar klei- ne Netzgen, umb folche lebendig zu fan- gen, ersonnen, welche von feinem duͤnnen Bindfaden und Leinchen mit engen Schmossen zusammen gestricket werden, damit man umb das Behaͤltniß herumb stellen koͤnne: Hierauff spuͤhret man bey einem neugefallenen Schnee dieselben aus, sodann stellet man auff, stoͤhret in die Behaͤltnisse, laͤsset die Hunde stoͤbern, und faͤnget also dieselben im Netze: Es sind diese kleine Netze mit ihren Leinen und Garne in allem fast den Hasen-Ne- tzen aͤhnlich, auch mit auffstellen und ab- lauffen, darhinter die Hunde geschwinde seyn muͤssen, dann sie sonst leichtlig einem entwischen solten; Doch muͤssen, wie ge- meldet, die Schmossen enger seyn, da- mit das Gefangene darinnen bleiben koͤnne. Und dieses waͤren nun, meines Erachtens alle gewoͤhnliche Wild-Seyle, Netzen oder Garne, vom groͤsten biß zum kleinsten, so viel mir bekant und wissend ist, und will ich hiermit die Be- schreibung derer Planen, Tuͤcher-Lap- pen und Netze endigen und zu andern Dingen schreiten. Von denen Feder-Lappen. Zum Beschluß des Jagd-Zeuges muß ich noch hier eine zwar alte, jedoch gebraͤuchliche, und uͤberaus leichte Er- findung beyfuͤgen, nemlich die Verlap- pung; Maassen solches auf dem Lande mit wenigen Kosten zu machen, gleich- wohl aber damit in unglaublicher Ge- schwindigkeit, als ein Mensch lauffen kan, nicht allein klein Wild, Hasen, Fuͤchse und Rehe, sondern auch groß Wild, als Woͤlffe, Sauen und Hirsche einge- stellet und verlappet werden koͤnnen, daß sie wenigstens in der Stille, und oh- ne Verstoͤhrung der Leute oder Hunde in ihren Behaͤltnissen solange warten, biß man den Zeug an Tuͤchern oder Ne- tzen herbey bringen, und stellen koͤnne, wenigstens kan man darin an den Wech- seln sich mit einem Puͤrsch-Rohr anstel- len, durch einen Mann innewendig ein wenig das Wild rege machen lassen, so wird es bald an Federn laͤngst her ge- trabt kommen, und wohl darinnen drey oder vier Schuͤsse aushalten, wann es aber durch Hunde gestoͤhret wird, wird es fluͤchtig und zum Uberspringen ge- zwungen, auch werden vor Tage die gruͤnen Saat-Felder vor einem grossen Holtze und die daselbst befindliche Hasen und Fuͤchse verlappet, daß sie desto eher auf dem Felde bleiben, und gehetzet wer- den koͤnnen. Zu solchen Feder-Lappen nun kan eine Herrschafft, so wohl von ihrem Hofe, Forwerckern und Doͤrf- fern, als auch bey dem Haußwesen in der Kuͤchen anbefehlen, daß jederzeit von dem wilden und zahmen Gefluͤgel, als Schwa- nen, Drappen, Auerhanen, oder we- nigstens Druth-Huͤhnern, Reyhern, Stoͤrchen und Gaͤnsen, Habichten und Raben die Federn fleißig gesammlet, geliefert, und hierzu gebrauchet werden: Dann sie muͤssen von mancherley Far- ben, schwartz, braun und weiß, also recht bund aussehen, damit es so viel besser abschrecken koͤnne. Man hat zweyerley Arten von Feder-Lappen: Die erste Art, worzu die groͤsten Federn genommen, und gedoppelt mit den Kiehlen gegen einander durch einen Creutz-Schlag ge- zogen Von dem Jagd-Gezeug. zogen werden, und auff zwey Tuͤcher lang stellen, werden durch zwey Leute auf grosse Haspeln gewunden, und dop- pelte Feder-Lappen genennet, deren Lein- chen als Wolffs-Garn dicke sind, solche aber sind beschwerlich mit Haspeln, und langsam zu stellen, gehen auch wohl sechsmahl so viel und groͤssere Federn dar- auff, als sonsten noͤthig waͤre: Die an- dere kleinere Art Feder-Lappen, welche viel leichter, nuͤtzlicher, und wohlfeiler ist, gebrauchet nur maͤßige, jedoch auch bunte Federn, allein nicht mehr, als zwey biß drey Federn, unterwerts eben mit dem Creutz-Schlag geknuͤpffet, de- ren Leinchen von Staͤrcke des Hasen- Garns ist, und stellet ein Bund eines Tuchs Laͤnge, oder 160. Schritt; Die Knothen kommen eine gute Spanne von einander, der Haspel kommet viel klei- ner, und mit einem einfachen Handgriff von duͤrrem Holtz, daß die Spille sich umbdrehen kan: Vornehmlich aber muß ich hierbey dem Liebhaber hierzu ein Se- cret eroͤffnen, nemlich wann vorhero die Federkiehle an der Spitz geoͤffnet, und in ein Faß voll Hunde-Mist geste- cket, auch das Leinchen darinnen gewei- chet, noch besser aber mit dem aus der Apotheck so genannten Teuffels-Dreck beschmieret werden, bleibet der Geruch darinnen, sowohl in Federn, als Lein- chen, und scheuet sich das Wild gar ent- setzlich darvor, ist aber hierbey zu mer- cken, das solche zugerichtete Feder-Lap- pen wegen des Geruchs nicht rathsam sind, bey die Netze zu haͤngen, sondern muͤssen absonderlich auffgehoben wer- den. Welche Land-Leute die Federn so geschwinde nicht aufbringen koͤnnen, und doch verlappen wollen, brauchen statt der Federn starckes Stroh, nach Laͤnge der Federn abgehauen, wovor sich das Wild ebenfalls scheuet, doch scheinet das erstere umb etwas ruͤhmlicher zu seyn, wiewohl hierinne nach eines jeden Ver- moͤgen zu distingvir en, und nichts posi- tives zu erzwingen seyn kan, wann nur der Effect einiger Maassen practicabel und nicht absurd scheinet. Letzlich mel- de annoch, wenn in der Eyl gestellet wer- den soll, und nicht allzeit Furckeln oder Lapp-Reisser verhanden sind, oder bey dem Frost nicht in die Erde zu kom- men ist, daß man umb die Straͤucher oder Baͤume anziehe, und umbschlage, oder da es noch schlaff haͤngen bliebe, an noͤthige Oerter Lapp-Reisser unter- stuͤtzen muͤsse, auch werden oͤffters die Feder-Lappen doppelt uͤber einander ge- woͤhnlich gestellet. Den Jagd-Zeug wieder zu trocknen. Wann auf der Jagd bey eingefal- lenem Schlacker- und Regen-Wetter, auch langwierich anhaltender Naͤsse, das ermeldte Jagd-Zeug ziemlich naß durch- weichet worden, und zu besorgen waͤre, wann es dergestalt also naß auffgehoben und eingefuͤhret wuͤrde, solches sodann unfehlbar verstocken und verfaulen muͤ- ste; Dahero ein grosser Schade erfolgen wuͤrde; Als ist hoͤchstnoͤthig, daß vor- nehmlich bey recht hellem und klarem Wetter, auch warmen Sonnenschein, und trockenem Winde, an einem flachen Berg, gegen der Mittags-Seite zu, alle Tuͤcher groß und klein, ingleichen die Ne- tzen und Lappen, was auf der Jagd naß geworden, jedes absonderlich gestellet werde, wie beykommende Figur deut- lich zeigen wird; Jedoch ist darbey die- ses zu errinnern noͤthig, daß, weilen, wie bekant, sich alle Naͤsse tief herunter zie- het, die Unter-Leine loß gelassen, und nicht angebunden werden muͤsse, damit der Wind solche frey durch wehen, und trocknen koͤnne. Wann man an solchen Orten entzelne Baͤume antrifft, oder Saͤulen eingraben laͤsset, so haͤlt es bey starckem Winde umb desto besser, dann sonsten die Furckeln brechen, die man hierbey erspahren kan, auch kan man umbwechseln, und die Ober-Leine unten haͤngen lassen, die Unter-Leine aber, oder alle beyde oben aufflegen, damit al- les wiederumb recht duͤrre und trocken werden koͤnne: Nachgehends aber muß man ferner nicht verziehen, sondern je- des an seinen gehoͤrigen Ort einfuͤhren und auffheben, dann sonsten leichtlich, ehe man den Zeug hiebe und fortbraͤch- te, ohngefehr sich truͤbe Wolcken auff- ziehen, regnen, der Zeug wiederumb be- feuchtet, und der letzte Betrug aͤrger, dann der erste werden koͤnte. Auch ist dahin mit Fleiß zu sehen hoͤchstnoͤthig, ob etwan in denen Schmossen, Knothen der Netzen, oder zwischen den gedreheten G g Leinen Vierdter Theil/ Leinen oder Faden, item Nessel-Loͤchern der Ringe, nicht annoch etwan Feuchtig- keit zu besorgen seyn moͤgte, allenfalls solches wohl zu trocknen, und die Wind- Leinen zu loͤsen, daß nichts verstocken moͤ- ge, und ist hierbey sonderlich alle Vor- sichtigkeit zu gebrauchen, indem solches Zeug viel kostet, und durch verstocken leicht verdorben wird. Die Furckeln, Hefftel, Schlaͤgel, Hebegabeln, Sti- cheln, und ander Zubehoͤr, sind absonder- lich auffzuheben, oder dafern langwieri- ches nasses Wetter einfaͤllt, und lange dauren moͤgte, ist es am rathsamsten, daß man Jagd-Zeug auf besondere an Balcken gemachte Haacken im Zeug- Hauß trockene. Den Jagd-Gezeug auszubessern. Man kan nicht allezeit neuen Jagd- Zeug machen lassen, weil solches groͤsse- re Unkosten erfordert, als man meynen solte, und vermag dieses nicht eines Je- den Beutel zu ertragen, sondern es muß auch der bereits verhandene alte und schadhaffte Jagd-Gezeug fein wirthlich und rathsam ausgebessert werden. Zu welchem Ende man bey denen leinenen Tuͤchern, daferne etwas schadhafft wor- den, und Loͤcher darin gerissen sind, durch hierzu angenommene Jagd-Schneider die zerrissene Loͤcher in denen Tuͤchern mit der Scheere nach den Garn-Faden der Leinewand ins vierkandigte aus- schneiden, und durch doppelten gewuͤch- sten Zwirn, und doppelte Nath frische Leinewand feste annehen laͤsset, so fast besser als Neue haͤlt: Hierzu muͤssen die Schneider auf jeden Fluͤgel etwas neues und altes Tuch, festen gedoppelten ge- wuͤchsten Zwirn, und Nadeln, item Kne- bel, Bindfaden und Ringe, auch kleine Einfaß-Leinchen bey sich haben, damit, so was im Stellen reisset, dieser Zeug- Schneider sowohl die Alten, als neuen Tuͤcher unvermerckt geschwinde wieder ausbessern koͤnne: Wie nun ein Schnei- der zu den leinen Tuͤchern, so ist ferner auch ein Jagd-Seyler, sowohl wegen der grossen und kleinen Leinen, als auch wegen Ausbuͤssung derer Netzen zu hal- ten sehr noͤthig; Maassen oͤffters die Sauen zu etlichen Stuͤcken in alte oder schwache Netze fallen, durchbrechen, und grosse Loͤcher reissen, weshalben sie der- gleichen Netze-Garn-Leinen in Vorrath bey sich haben muͤssen, und breiten als- denn das Garn mit den Maschen gesper- ret auf die Erde, schneiden die schadhaff- te zerrissene Maschen ins vierkandigte aus, spiessen mit dergleichen Leinchen von frischem Zeug zusammen, und ziehen neue Maschen nach vorigtem Modell, daß es also wieder gut werde, wie hier- innen von ihnen von dergleichen Hand- Grieffen mehrere Nachricht gegeben wer- den kan: Hierzu muͤssen die Seiler un- ter schiedliche grosse und kleine Leinen in Vorrath bey sich haben. Ferner gehoͤ- ret zu den Furckeln, Heffteln, Schlaͤgeln, Teichseln, Wagen und anderm Holtz- werck, ein Jagd-Wagner, der das zer- brochene gleich wieder ersetze, und auf Vorrath halte; So muß auch ein Jagd- Schmied die zerbrochene Haacken und Ringe, alsbald gleich reparir en koͤnnen, oder in Vorrath bey sich haben. Von einem Baͤren-Kasten. Nachdem ich bißhero den Jagd-Ge- zeug an Planen, Tuͤchern, Garnen, und Netzen, mit aller Zubehoͤr beschrieben habe, worinnen die wilden Thiere gefan- gen und zuweilen lebendig in Kasten verwahret, nach der Herrschafft Verlan- gen in andere Laͤnder oder an andere Hoͤ- fe verschicket, zuzeiten auch solche selbst bey angestellten Festin, als Beylagern, Heimfuͤhrungen, und dergleichen, gehe- tzet, oder auch oͤffters rare Thiere, als bunte, oder weisse Hirsche, Sauen, Re- he, Fuͤchse oder Hasen, so sich etwan sehen lassen, mit besonderm Fleiß eingefangen, und zur Rarit aͤt in Thier-Garthen, oder andern Zwingern auffgehoben werden: So erachte anitzo noͤthig zu seyn, allhier unterschiedliche Kasten des grossen und kleinen Wildes nach der Ordnung zu be- schreiben. Und weiln von dem Baͤr bey denen Thieren am ersten wegen der Hoff- Jagd zu beschreiben angefangen; So will auch hier von desselben Kasten, mit dessen Beschreibung, nemlich wie er ge- braͤuch- Von dem Jagd-Gezeug. braͤuchlich, und wohl verwahrt zu ver- fertigen, den Anfang machen. Solcher Kasten nun muß von festen zwey Zoll starck eichenen Pfosten fein feste gema- chet werden, mit einem dicken Boden, woran die vier Waͤnde, so wohl auf bey- den Seiten, als an beyden Giebeln, mit eysernen doppelten beschlagenen Baͤn- dern, und Gelencken dergestalt versehen seyn muͤssen, daß, wann die lange eyser- ne Spille, welche durch die Ringe-Baͤn- der oben durchgehet, und eine Feder vor- gestecket wird, solches alles zusam̃en halte: An dem einen Ende wird die Thuͤr auf- gezogen, der Baͤr hinein gethan, und zu- geschoben, nachgehends ein starckes Quer- Eysen, wie vor ein Gefaͤngniß vorge- schlossen, daß er die Thuͤr nicht auffma- chen kan; An alle vier Ecken jedwedes Endes werden zwey grosse eyserne Rin- ge feste geschlagen, den Kasten vor dem Fang zu befestigen, auch damit auf dem Wagen anzuroͤdeln, und den Baͤr da- mit wegzufuͤhren; Dieser Kasten ist gemeiniglich 1. und eine halbe Ellen hoch, auch soviel breit, jedoch der Boden ein Viertel schmaͤhler und gute drey Ellen lang: Jnnewendig sowohl, als aus- wendig muͤssen die Winckel mit eysernem Bleche wohl beschlagen seyn, daß er nicht mit den Klauen arbeiten koͤnne, auf al- len vier Seiten kommen Gitter-Fenster von rundem Eysen, aber nicht zu groß, nur daß Licht und Lufft hinein kan: Ein Freß-Trog muß mit eysernen Baͤndern unter dem Gitter feste angemachet wer- den, daß er nicht abreisse. Hierzu gehoͤh- ret ein absonderlicher niedriger Wagen, worauf dieser Kasten gefuͤhret wird, und wird alles fein gruͤn mit Oehl-Farben angestrichen, an den Kasten aber einige Baͤre abgemahlet: Dergleichen Art ge- hoͤren zwey biß drey in Vorrath zu hal- ten. Wann nun der Kasten auf dem Kampff-Platz abgeladen und die Feder abgenommen worden, so wiꝛd ein Leinchen an die Spille geschlinget, und geschwin- de heraus gezogen, so faͤllet der gantze Kasten auf allen Seiten von einander, nehmlich beyde Seiten mit dem Tache, und beyde Giebel, so stehet der Baͤr bloß dar, und præsenti ret sich denen Zuschau- ern, biß er zum Streit angereitzet wird. Von einem Hirsch- und Sau-Kasten. Nach dem Baͤren-Kasten folget in der Ordnung der Hirsch-Kasten. Ob man nun zwar wohl eben auch, wann ein Hirsch in Netzen gefangen worden, und man denselben lebendig fortschaffen will, ihme die Laͤuffte binden, und selbigen nach einem Thier-Garten oder anders- wohin auf einem Korb-Wagen, der mit Stroh oder Farren-Kraut ausgefuͤt- tert und auf welchem das Gehoͤrne feste gemachet ist, einen ziemlichen Weg fuͤhren kan: So gehoͤhret dennoch auch hierzu ein Hirsch-Kasten, zumahlen wann ein rarer Hirsch anderer Herr- schafft soll geschicket, und weit oder fern gefuͤhret werden. Es wird ihm als- denn das Gehoͤrn uͤber denen Augen- Sprossen abgesaͤget, wie auch ebenfalls diese, weiln sie ohnediß abwerffen, und ihr vollkommen Gehoͤrn wieder auffse- tzen. Diese Kasten sind schmahl und niedrig, nur daß ein Hirsch darinnen ste- hen, und liegen kan, werden auch nicht angestrichen, und nur schlecht zur Reise gemachet, von guten Tannen-Brettern, mit eisern Winckeln, und Baͤndern wohl beschlagen: An dem Ende, wo der Kopff ist, muß er mit einer kleinẽ Krippe mit Haber, und einem eysern Raͤuffgen mit Heu un- terwegens versorget seyn: Solche Kasten sind etwas uͤber vier Ellen lang, und drey Ellen hoch, auf dem Boden aber eine Elle weit. Die Hirsch-Kasten aber zu denen Jagd-Auffzuͤgen, oder zur Hoff- Jagd sind, weiln dem Hirsch sein Ge- hoͤrn gelassen wird, umb dieser Ursachen willen, oben etwas weiter und hoͤher, nach Groͤsse des Gehoͤrns, und werden ebenfalls zur Zierath mit gruͤner Oehl- Farbe angestriechen, und Hirsche darauff gemahlet. An den Kasten kommen zwey Thuͤren, wo man den Hirsch hinein thut, und wo er heraus springet. Jnnewen- dig soll es billig mit Leinewand ausge- schlagen, und mit Werck und Haar aus- gestopffet seyn, daß er sich nicht zu Schan- den stosse, wenigstens mit Stroh-Seilen ausgeflochten werdẽ: Auswendig auf den Ecken kommen grosse eyserne Ringe, umb den Kasten damit auf dem Wagen zu be- festigen. Die Sau-Kasten aber wer- den nach deren Groͤsse niedriger und von eichenen Brettern gemachet, mit eysern Baͤndern wohl beschlagen, vorne und G g 2 hin- Vierdter Theil/ hinten mit zwey Schub-Thuͤren, und starcken eisernen Ringen zum Auffladen versehen, worinnen eine Krippe mit Ei- cheln zu fuͤttern noͤthig, dieselben muͤs- sen ebenfalls gruͤn angestrichen, und Sauen darauf gemahlet werden. Wann sie nun an Ort und Stelle gefuͤhret sind, ziehet der oben auf dem Deckel stehende Mann beyde Zug-Thuͤren auf, ruͤhret das Wild an das Hinter-Theil, so faͤh- ret es heraus ohne Gefahr, und kan ihm nichts thun. Hierinnen koͤnnen auch Woͤlffe gefuͤhret werden, weil der Ka- sten von festem Holtze, und starckem ei- sernen Beschlaͤg wohl versehen ist. Von Reh-Fuchß- und Hasen-Kasten. Die Reh-Kasten sind nach Groͤsse eines Rehes von leichten und duͤnnen Brettern zusammen geschlagen, und mit behoͤrigen Baͤndern, Fenstern, und Schub-Thuͤren nach voriger beschriebe- ner Art versehen: Dieweiln aber die Rehe ein weichliches zartes Leben haben, und wenn sie eingefangen und in Kasten gethan werden, darinnen springen und sich stossen, und in kurtzer Zeit dahin fal- len, ist hoͤchstnoͤthig, daß man den De- ckel oben rund von Barchent oder dop- peltem Zwillig an beyden Enden feste und steiff angezogen, beschlagen lasse, so kan sich das Reh nicht im Genuͤck stos- sen, oder Schaden nehmen. Auff den Seiten muͤssen ebenfalls Ringe zum An- greiffen gemachet werden. Die Fuchß- Kasten sind einer Ellen lang, und eine halbe Ellen breit und hoch, von festen eichenen Brettern, und innewendig die Lufft-Loͤcher mit eisern Blech wohl be- schlagen, dann diese Pursche solten vor langer Weile zum Zeitvertreib bey lan- gen Naͤchten sich wohl nach und nach aus dem Kasten beissen: Jhren Fraß, und noͤthiges Wasser muß ihnen nicht mit den Fingern hinein gelanget, sondern von aussen eingeschuͤttet werden, sonsten wuͤrde er einen uͤbel bezahlen; Gebe man aber ihnen nichts, so muͤsten sie vor Hitze verschmachten, weil bey solchen wil- den Thieren grosse Hertzens-Angst, und stete Hitze verhanden ist. Die Hasen- Kaͤstgen, so die kleinsten hierunter, sind von sehr duͤnnen Tannen-Brettern, und nur wie eine Schub-Lade, mit einem Deckel, daß ein Hase darinnen sitzen kan, jedoch muß er allenthalben Lufft haben, und so der Kasten auffgeschoben wird, wuschet er heraus. Man hat vor die Fuͤchse oder Hasen auch gedoppelte Ka- sten, von acht biß zehen Fachen, so lang als ein Wagen. Alle diese Kasten nun werden mit gruͤner Oehl-Farbe ange- strichen, und die Thiere, darzu sie seyn, darauff gemahlet. Von Gabeln/ und Zangen/ Sticheln/ und Frostbohrern. Es ist bekant und ohnstreitig wohl zu muthmaassen, daß derjenige sehr naͤr- risch thun wuͤrde, welcher einen in Ne- tzen gefangenen Wolff, item einen Lux, Dachs, oder Fuchs, Fisch-Otter und der- gleichen mit Haͤnden angreiffen wolte, und wuͤrde er von solchen wilden Thie- ren nicht alleine in die Haͤnde, sondern wohl gar ins Gesicht, Nasen und Oh- ren gebissen, gerissen, gekratzet, und schaͤndlich zugerichtet werden: Derohal- ben hat der Schmied die Zange, daß er sich die Finger nicht verbrenne, nach dem gemeinen Sprichwort; Also hat man die Gabeln hierzu, als eine noͤthige Geraͤth- schafft, nebst denen Zangen erfunden, solche gefangene Thiere desto sicherer an- zugreiffen, wie ich dergleichen hierbey abgezeichnet; Und sind dieselben, wie maͤßige Streu-Gabeln, zweyzanckigt, theils von Holtz, theils Eysen beschlagen; Zu den Fisch-Ottern aber muͤssen solche dreyzanckigt seyn; Und kan man mit solchen Gabeln das ins Netz gefallene Wilde Thier, welches, wie leicht zu ge- dencken, nicht stille lieget, umb den Halß zur Erden druͤcken, damit man hernach desto besser mit demselben handthieren koͤnne. Die Zangen haben zwar einige von Holtz, weil aber die glaubwuͤrdige Erfahrung uͤberfluͤßig bezeuget, was vor eine Gewalt ein solches starckes grimmi- ges Thier, als ein Wolff oder Luchs ha- be, und wie leicht es umb sich kneipen und einem Von dem Jagd-Gezeug. einem Menschen Schaden zufuͤgen koͤn- ne, sind selbige besser, wann sie von gu- tem festen Eysen nach Groͤsse des Thieres Halß gemachet werden, weiln ein solch hoͤltzernes Werck-Zeug leicht zerbrechen koͤnte. Und kan man mit solchen das Thier sowohl umb den Halß fassen, als auch damit vorhalten, daß es einbeissen muͤsse, da man es mit demselben in die Kienbacken fassen und aus dem Winckel oder Kasten hervor ziehen koͤnte; Maas- sen dergleichen Thiere, wenn sie Hunde mercken, nicht gerne ans Tagelicht wol- len, so, daß man sie hierzu noͤthigen muß. Die Stichel- oder Pfahl-Eisen, welche nach Groͤsse und Dicke der Furckeln des grossen und kleinen Gezeugs, die Loͤcher darmit einzustossen, geschmiedet werden, sind, umb geschwinder Eyl Loͤcher zu de- nen Furckeln einzustossen, trefflich noͤthig, und ist damit, wegen der Schwere des Eysens noch einmahl so tieff zu stossen, als mit einem leichten hoͤltzernen Pfahl, deren auf jeden Fluͤgel 2. biß drey zu hal- ten. Nicht weniger sind auch die Frost- bohrer hoͤchstnoͤthig, zumahlen im Win- ter, da oͤffters die Erde dermaassen hart gefroren, daß solche wie ein Stein, und nicht hinein zu kommen ist, man aber den- noch gantz stille und heimlich stellen muß, zumahl bey der Woffs- oder Lux-Jagd; Dann wann man mit den Keilhauen immer hacket und pochet, ja gar mit den Aexten oder Beilen schlaͤget, schallet sol- ches zu sehr, daß das Wild von solchem Lermen nothwendig ausreissen muß. Weiln aber die Bohrer wegen derer klei- nen Steine, Kiessel und Sand, gefro- rener Erde und Eiß, bey oͤfftern Gebrauch bald stumpff werden koͤnnen, muͤssen sie, wie andere Windbohrer, mit dickem star- ckem Gewinde wohl verstaͤhlet, und scharff geschliffen seyn, auch, wo sie nicht allezeit noͤthig, billig verschonet werden, weiln sie nur zur hoͤchsten Noth, dafer- ne, wie gemeldet, Woͤlffe oder Fuͤchse verhanden, und nicht in die Erde zu kom- men, zu brauchen sind. Die uͤbrigen Sachen, als Furckeln, Hebegabeln, Heff- tel, grosse und kleine Schlaͤgel, Wagen- Winden, Aexte und Beile, und ande- re noͤthige Beduͤrffnissen, werden jedes absonderlich aufgehoben. Von einem Zeug-Hauße. Zu dem Vorhergemeldten vollkom̃- lichen hohen, mittlern und kleinern Jagd-Gezeug unsers vorhabenden Wey- dewercks ist hoͤchstnoͤthig, zur Verwah- rung desselben, ein gebraͤuchliches Zeug- Hauß zu bauen. Dasselbige solte nun billich ziemlich geraͤumlich, groß und weit gebauet seyn, daß darinnen vieles Jagd- Zeug an Tuͤchern und Netzen auffgehan- gen, und dennoch auch in der Mitten die Zeug-Wagen stehen koͤnnen. Wie nun eines jeden Herrens Vermoͤgen, auch die Liebhaber der Jagd unterschiedlich zu finden sind, mancher viel oder wenig Jagd- Zeug hat und also auch die Unkosten ei- nes groͤssern Gebaͤudes hierzu spahret, also ist hierinnen sich nach den Umbstaͤn- den zu richten. Sonsten solte wohl bil- lich ein solch Zeug-Hauß so lang, als ein Tuch seyn, nehmlich 200. Ellen lang, oder 160. Schritt, und 50. Ellen breit, und damit ein solches lang Gebaͤude sich nicht wegen der Schwere des Zeugs et- wan unten auff der Erden von einan- der geben koͤnte, ist noͤthig, daß unterschie- dene Qver-Schwellen eingebunden wer- den. Auf der Erden muß unten der Boden denen Schwellen gleich allenthal- ben mit breiten Steinen gepflastert wer- den, weiln man mit Wagen und Pfer- den nach Beduͤrffen hinein und heraus fahren und den Zeug auff- und abladen muß. Das Saͤul-Werck muß wenig- stens acht Ellen hoch seyn, und die Bal- cken oben zwey Ellen von einander liegen, welche oben an beyden Ecken fein rund und glatt gehobelt seyn muͤssen; Damit der Zeug im Abziehen nicht etwan an Splittern oder Schiefern haͤngen bleiben, und Loͤcher reissen moͤge, worauff gu- te Vorsorge noͤthig. Uber solche Bal- cken nun werden die Tuͤcher oder auch die grossen Netzen dergestalt gehaͤnget, daß solche eine Elle von der Erden hangen, in der Mitten aber, wo gefahren wird, muͤssen sie hoch gehaͤnget werden, daß ein Wagen zu faͤhren freyen Raum ha- ben kan: An beyden Giebel-Enden kom- men die Thoren, umb dahindurch ein- und auszufahren, wie auch zwey Thore nach dem Hoffe, welche nebst den Fen- sterladen mit gruͤn und weisser Oehl- Farbe sauber anzustreichen gehoͤren: O- ben in dem Dachstuhle, welches nur auf G g 3 sechs Vierdter Theil/ sechs Ellen hoch, kommen allerhand leich- te Netzen und Lappen, auff die kleinen Balcken zu haͤngen, welches mit guten Kapp-Fenstern allenthalben zu versehen: Jnsonderheit aber muß das Ziegel-Dach uͤber die maassen wohl verwahret seyn, daß der Schnee nicht durchstieben, und naͤssen koͤnne, und ist dahero noͤthig, daß alle Ziegel und Splitt in Kalck geleget, und ein doppelt Dach gemachet, auch al- lenthalben so verwahret werde, daß nichts nasses hinein kommen koͤnne: Un- ten in allen vier Winckeln werden von Latten kleine Verschlaͤge gemachet, in deren ersteren das Wagner-Zeug, in dem andern das Stell-Zeug, in dem dritten die Gabeln und Zangen, und dergleichen anderes noͤthiges Geraͤth- schafft jegliches absonderlich auffgehoben wird: Die Kasten zu denen Thieren wer- den auch absonderlich auffgehoben, und ordentlich gesetzet: Auff die Giebel gehoͤ- ren Hirsch-Gehoͤrne. Wann nun gut Wetter oder trockene Lufft sich ereignet, werden die Fenster geoͤffnet, daß die Lufft hindurch streichen, und innewen- dig alle Feuchtigkeit benehmen kan. Umb solches Zeug-Hauß herumb kan man an jeder Saͤule Haacken einschlagen, die Netzen und Lappen zu trocknen. Die Furckeln und Hefftel werden an der Wand auff Traͤgers hin geleget, oder in die Winckel an der Seiten der Wand ordentlich hingesetzet. Man hat auch noch eine herrliche Erfindung, den nas- sen Zeug im Zeug-Hauße bey anhalten- dem Regen-Wetter zu trocknen, nem- lich man laͤsset eyserne Haacken jeden eine halbe Elle von dem andern unter je- den Balcken schlagen, darinnen man das Tuch mit der Ober- und Unter-Leine auf- haͤnget, daß die Naͤsse sich herunter zie- hen, und solche die Lufft austrocknen koͤnne: Es muͤssen aber solche Haacken mitten unter den Balcken feste angeschla- gen werden, dann sonsten, wann die Haa- cken zur Seite kaͤmen, koͤnte daran leich- te ein Tuch im Herabziehen einhaacken, haͤngen bleiben, und Schaden nehmen: Es haben auch etliche Rollen entweder zwischen oder auf den Balcken, umb da- mit den Zeug ohne Schaden herunter zu ziehen; Jedoch alles nach Gelegenheit des Hauses und des Zeuges: Auswen- dig herumb muß das Hauß fein reinlich mit Kalck geduͤnget, auff den Boden aber ja nicht etwan Korn oder ander Getraͤy- de geschuͤttet werden, wodurch die Rat- ten und Maͤuse zu Schaden herzu gelo- cket, und sowohl an Tuͤchern, als an Ne- tzen einnisteln, und hecken, folglich das Un- geziefer sich vermehren, und grosse Loͤcher in die Tuͤcher und Netze fressen wuͤrde, welches nicht alleine schaͤdlich, sondern auch saͤuisch waͤre, solch unflaͤthig Ge- nuͤste zu leyden: Der Boden auf der Er- den wird auch darumb gepflastert, daß sowohl die Feuchtigkeit, oder Duͤnste der Erden den Jagd-Gezeug nicht anstecken, als die Maul-Wuͤrffe nicht auffwerffen koͤnnen. Jn die Thoren kom̃en zwey grosse runde Loͤcher, als Schuͤsseln groß, damit die Lufft zu aller Zeit Tages und Nachts ungehindert frey durchstreichen, und von sich selbst den Zeug trocknen koͤnne. Ubri- gens sind zwar Lufft-Loͤcher noͤthig, aus- ser nach der Wetter-Seite, da alles feste zuseyn, auch daselbst im Tache gar keine Kapp-Fenster, sondern, wie gemeldet, solches auff 6. Zoll weit gelattet seyn muß, daß allezeit der dritte Ziegel uͤber- reiche, auch muͤssen die Fugen mit Kalck wohl bestriechen seyn, weil des Winters der Schnee auch durch die kleinesten Ri- tzen durchstieben kan, wird also das dop- pel-Tach ohne Splitte gemachet. Das Inventarium oder richtige Verzeichniß uͤ- ber alles und jedes vom groͤsten biß zum kleinsten, an Jagd-Gezeugen, Wagen, Geschirre, und aller Zubehoͤr, hat der Wagen-Meister, oder aͤlteste Zeug- Knecht, welcher hieruͤber gesetzet, und ei- ne sorgfaͤltige fleißige Auffsicht halten muß, damit alles und jedes fein sauber und reinlich gehalten, das Schadhaff- te, und Zerbrochene repari ret und ausge- bessert, getrocknet, auch jedes absonder- lich zu rechter Zeit gereiniget, sodann in guter Ordnung an gehoͤrigen Ort wie- derum verschaffet, und darinnen erhal- ten werde. Von einem Baͤren-Fang. Nun errinnere ich mich erstlich, wie ich in der Vorrede derer Wild-Gruben oder Gruben-Fallen gedacht, wovon ich billich den Anfang haͤtte machen sollen, als von einem derer aͤltesten Arten, das Wild zu fangen, deren sich unsere Vor- fahren Von dem Jagd-Gezeug. fahren bedienet haben, dieweiln aber solche aus der acht gelassen, dieselben aber gleichwohl zum Jagd-Gezeug gehoͤren, so erachte fuͤr noͤthig, hiervon beym Be- schluß dieses Theils, der lieben Antiqvi- taͤt zu gefallen, annoch etwas zu melden. Es ist dieser alte Gebrauch auch noch heutiges Tages gebraͤuchlich, sonderlich bey denen Baͤren, als welche starcke und gewaltsame Thiere in unsern Netzen kei- ne Parition leisten wuͤrden, wie leicht zu gedencken: Maassen sie alsbald vor den- selben stutzen, sich erheben und mit ihren Tatzen als die Menschen das Garn ab- werffen, die leinen Tuͤcher aber mit de- nen Klauen zerreissen wuͤrden, daß also mancher Fehl-Fang vorgehen doͤrffte, so wechseln auch diese Thiere oͤffters mehr bey der Nacht, als am Tage, daß mit dem Zeuge stellen nichts auszurichten, sondern es pflegen sich dieselben weit bes- ser und leichter von sich selbst in Gruben zu fangen. Wo nun ein solcher Baͤ- ren-Fang angeleget werden soll, muͤssen, daferne es nicht vergebliche Arbeit seyn moͤge, dergleichen Waͤlder und grosse Wildnuͤssen verhanden seyn, wo sie sich auffhalten, und Baͤre allda giebet, und muͤssen derselben Gaͤnge und Wechsel mit Fleiß besehen werden, da es nemlich einsam und wuͤste, auch sol- che Wege oder Wilds-Stege nach Landes Art und Gelegenheit zusammen kommen, allda wird ein Platz ausgesu- chet, wo kein Wasser zu vermuthen, und wird daselbst eine tiefe Grube, sieben biß acht Ellen ins Gevierdte, und acht Ellen tief eingegraben, und dieselbe mit von ei- ner halben Ellen dick oder starck beschla- genem Holtze nach der Hoͤhe gantz glatt beschlagen, ausgeschalet, so wie Spund- Pfaͤhle in einander feste gefuͤget werden, innewendig glatt behobelt, daß der Baͤr mit denen Klauen nicht hafften kan, un- ten wird der Boden ebenfalls feste ver- spindet, daß ein Thier sich nicht durchgra- ben koͤnne: Oben kommen vier glatte starcke, und runde Balcken, auf den Seiten daruͤber, welche etwas uͤber den Fang gehen, und wird dieser Fang mit Schaal-Holtz, Reiß, und Erde bedecket, und gleich dem andern Erdreich mit Laub oder Streuling verwildert, daß die Baͤ- re oder das andere Wild ihre gewoͤhnli- che Wandel und Wechsel ungehindert passi ren koͤnnen: Damit aber die wilden Thiere solchen Wechsel ferner halten moͤgen, und nicht bey weggehen, wird ein Creutz-Zaun, wie im Abriß zu er- sehen, unvermercket von Windbruͤchen verhauen, und mit Reiß-Stangen ver- leget, daß daselbst nicht wohl durchzu- kommen, so spahret es die Muͤhe durch- zukriechen oder uͤberzusetzen, und bleibet auff seinen gewoͤhnlichen Gaͤngen; Sol- che Zaͤune aber muͤssen recht wild und wuͤste verfallen, als wann solches von Natur waͤre, scheinen, sonst mercken die wilden Thiere der Menschen Nach- stellung. Wann nun vorgemeldter Fang eine zeitlang von etlichen Monaten alt geworden: Die wilden Thiere auch, weiln der Platz in der mitten offen gewe- sen, ihren gewoͤhnlichen Gang hindurch genommen, so oͤffnet man den Baͤren- Fang gantz rein, leget kleine schwache Stangen uͤber den Fang auf die runte Balcken, und wieder schwach Reiß oder Tangel-Aestlein darauff, verwildert letz- lich alles, wie vorgemeldet, mit Laub oder Streuling, dem andern Erdboden aͤhnlich, so ist er fertig. Wann nun in der Mitten sachte ein Honig-Topff gese- tzet wird, und solcher einen weiten Ge- ruch von sich giebet, auch die Wespen, Fliegen, und Ungeziefer daselbst herum schwaͤrmen, wird nicht leicht fehlen, daß der Baͤr heran komme, worzu ihn der Appetit treibet, will er nun an den Ho- nig-Topff, so faͤhret er mit demselbigen herunter in die Grube, und hat seine Speiße bey sich: Er kan sich da nicht hal- ten, weiln die Stell-Reisser und Aeste auf den runden glatten Balcken abgleithen. Soll er nun lebendig gefangen werden, so muß an der Seite ein viereckigt Loch 1. und eine halbe Elle ins Gevierdte, vor- her unten durchgehauen seyn, wodurch ein Baͤr kriechen kan, welche Roͤhre 3. Ellen lang, ebenfalls feste geschalet seyn muß, davor gehoͤhret so wohl innewen- dig, als auswendig eine Fall-Thuͤre, von starcken eichenen Pfosten fuͤnff Zoll dick, mit eisern Blech wohl beschlagen. So nun der Kasten mit vier starcken Ringen durch Ketten an die Fang-Roͤhre feste angemachet, die innewendige Fall-Thuͤ- re gehoben, und der Baͤr das Loch sie- het, und man ihn mit der Stange be- ruͤhret, so faͤhret er in das Loch, und laͤs- set man hinter ihm die Fall-Thuͤre zu, biß er in den Kasten ist, welcher auch zu- gemachet, und auffgeladen, auch feste an- geroͤdelt werden muß, so kan man ihn nach Belieben wegfahren: Der Eingang aber zur Seite nach der Roͤhre, wo der Ka- Vierdter Theil/ Kasten gestanden, wird mit alt Holtz und Reiß verworffen, daß es nicht zu mercken, und muß zu solcher Grube nicht taͤglich, sondern in drey oder vier Tagen, einmahl nachgesehen werden: Der die Auffsicht hat, darff eben allezeit nicht nah herzu gehen, sondern auf 50. Schritte da- von, auf einen Baum steigen, und nach der Grube sehen, wird er ein Loch ge- wahr, so sitzet gewiß ein frembder Gast darinnen, welches er aus dem Loch leicht mercken kan. Weiln die Menschen- Spuhr leichtlich von den wilden Thieren gemercket wird, muß man dieses genau bey denen Thieren observi ren. Von einem Sau-Garten. Jm ersten Theile, wo ich von einem Thier-Garten geschrieben, habe unter andern gemeldet, so auch gewiß und in der That eintrifft, daß die wilden Sau- en allen Graß-Wachs schaͤndlich verder- ben, in die besten Wiesen brechen, gerne weitlaͤufftig herumb wandern, wegen hi- tziger Eigenschafft stets fressen oder we- nigstens gefuͤttert seyn wollen, und nach wenig Jahren jaͤhling abzunehmen pfle- gen, dahero keine Vergnuͤgung, weni- ger viel Profit von ihnen zu hoffen: Gleich- wohl moͤgten doch manche Herrschafften zu finden seyn, welche in deroselben Hey- den und Gehoͤltzern, sonderlich im Herbst zur Mast-Zeit offtmahlen grosse und viel- faͤltige Wechsel, und gantze Rudel Sauen, zumahl bey der Nacht antreffen, da mit Netzẽ auffs ungewisse nichts auszuꝛichten ist: Hierzu aber solte wohl dieser also ge- nannte Sau-Garthen, oder vielmehr Sau-Fang nicht wenig dienlich seyn, welches mit denen Woͤlffen auff gewisse Art ebenfalls practicir et werden kan, wie aus folgender Beschreibung erhellen wird: Nemlich, wenn man einen Ort im Walde hat, allwo umbher in der Naͤ- he Erd-Mast, warme Bruͤcher, und grosse Dickigte, Ameißhauffen, Farren- Krauth und allerhand Wurtzeln zu fin- den, sonderlich warm Qvell-Wasser ver- handen, und daselbst alles dichte, mit Haseln, Buchen und Eichen gantz wilde verwachsen ist, und duͤster aussiehet, kan man daselbst einen Garthen etwan ohn- gefehr von 100. Schritt ins gevierdte an- legen, wo die meisten Fluͤgel zusammen kommen, und solchen mit starcken eiche- nen Plancken vermachen, auch oben mit zaͤhem festem Werfften-Reiß verflechten. Wo nun die Fluͤgel zusammen gehen, muß auswendig ein flacher Berg auffge- fuͤhret, innewendig aber der Helffte des Zauns solcher von starcken eichenen Plancken glatt gehobelt flach abhangig seyn. Damit aber die Sauen diesen Ein- und Ausgang gewohnet, muͤssen al- lezeit uͤber diesen Einsprung Bruͤcken von Schaal-Holtz dem flachen Berge gleich geleget, und dieselben, umb sie dahin zu gewoͤhnen, mit Eicheln oder Buch-E- ckern auff die Fluͤgel gekirret, in Gar- ten aber Maltz und Fische, auch wild Obst gestreuet werden, und auff solche Weise, solten sie sich leichtlich dahin ge- woͤhnen. Wann man nun des Herbsts, so viel moͤglich, Mast gesammlet hat, und der Sauen Wechsel verspuͤhret, thut man die Bruͤcke hinweg an einen besondern Ort, und erhaͤlt darinnen zwey maͤßige erzogene wilde Bachen, welche ihre star- cke Wilderung stets von sich geben, zu- mahlen die Schweine ohnediß hitzig und geyl sind. Wann nun ein gantz Ru- del Sauen uͤber die Fluͤgel wechseln, und die gestreuete Eicheln finden, gehen sie den Fluͤgeln nach zum Einsprung, und wann sie auff den Berg kommen, und die andern Bachen hoͤhren, und wittern, auch vor sich einen niedrigen Absprung sehen, springen sie hinein, und wenn eins den Anfang machet, folgen die an- dern alle nach; Wann sie nun darinnen und sich gefangen veꝛmercken, saussen und braussen sie herumb, und wenn sie gleich an den Einsprung kommen, so koͤnnen sie doch nicht darauff fussen, weil sie auf den eichenen Pfosten abgleithen. Sollen sie nun zu fernern Jagdlustigkeiten lebendig eingefangen werden, kan nur von einer Eck zur andern ein Fluͤgel gemachet, das Sau-Netz gestellet, und dieselben also le- bendig eingefangen werden, doch muß sol- cher Ort von allem andern Schiessen und Jagen gaͤntzlich verschonet seyn, dann sonst dieses leicht verhindert wuͤrde. Jn- newendig muß vor die eichene Pfosten ein Graben von zwey Ellen tieff gema- chet seyn, welcher mit Straͤuchern zum Blendwerck bestecket wird. Was ich nun von Woͤlffen geschrieben, hat diese Be- schaffenheit, daß vornehmlich der Zaun weit Von dem Jagd-Gezeug. weit hoͤher, der Absprung tiefer, und jaͤh- linger, auf die Fluͤgel Luder geschleppet, und im Garten etliche Stuͤck lebendige Schaaf gehalten werden muͤssen, so koͤn- nen sich etliche Woͤlffe zu sammen fangen, wiewohl sie sehr hoch springen, und nach dem Einsprunge wiederumb heraus zu kommen, sich trefflich bemuͤhen wuͤrden, welches ich eines Jeden Vermoͤgen, Gele- genheit und Verbesserung uͤberlassen will. Von der Wolffs-Grube. Die Wolffs-Gruben haben ebenfalls unsere liebe alte Vorfahren, umb die schaͤdlichen Raub-Thiere hierdurch zu vertilgen, Ruhmwuͤrdig ersonnen, und wird bey selbigen eben dieses, was bey dem Baͤren-Fang gemeldet worden, in acht zu nehmen seyn: Es wird aber solche in der Wildnuͤß, wo Woͤlffe zu vermuthen, oder gespuͤhret werden, auch das Wild daselbst gerne zu wechseln pfleget, und die Gaͤnge zusammen kommen, angeleget, nehmlich es wird daselbst eine Grube un- gefehr 6. biß 7. Ellen ins gevierte, und 9. Ellen tief gegraben, und mit starcken eichenen Pfosten eines Viertels dicke und mehr umbher gespindet, daß sie nicht durchbeissen, und muͤssen auch solche Pfosten innewendig glatt behobelt seyn, daß sie mit den Klauen nicht hafften koͤn- nen; Nicht weniger muß auch der Bo- den feste gemachet, und verspindet wer- den, damit sie nicht durchgraben, und heraus kommen moͤgen. Oben werden vier starcke runde und glatte Balcken ge- machet, welche auf allen Seiten fast ei- ne Elle uͤber die Grube haͤngen, daß der Wolff nicht entspringen kan: Jn der Mitten wird eine glatte gescheelte Stan- ge der Gruben hoch auffgesetzet, und ein klein Schub-Karn-Raͤdlein darauff ge- stecket, darauf ein lebendiges Schaaf oder Lamm veste angebunden, die Stell-Reis- ser, und Tangel-Aestlein darauf geleget, und letzlich mit dem Laub oder Streu- ling dem Erdboden aͤhnlich verwittert, so kan nicht fehlen, wofern ein Wolff in der Naͤhe verhanden, und das Lamm schreyen hoͤret, daß er nicht hierzu kom- men, und sich fangen solte, zumahlen, da sie selbigen sehr nachtrachten. Da- mit aber der Wolff nicht bey wegspatzie- re, wird ebenfalls ein solcher verwildeter Creutz-Zaun von Lager-Holtze und Schoppen-Reiß verleget, wie ich schon bereits gemeldet. Dieser alte Gebrauch, der von langen Zeiten her gewesen, die Woͤlffe als Jedermanns Feinde darin- nen zu fangen, und zeithero unter dem Vorwand gelitten worden, werden heu- tiges Tages denen Vasall en scharff ver- bothen, sonderlich denen, welche nahe an des Landes-Herren Gehaͤge und Wild- bahn gelegen sind und angraͤntzen, die- weiln in selbigen Gruben offt und viel- mahlen traͤchtiges Wildpraͤth, Hirsche, Sauen, Rehe und andere Thiere, auch das kleineste hinein zu fallen pfleget, ja wohl gar oͤffters Menschen bey grossem Schnee und Wind-Weben darinnen ver- fallen, und umbkommen sind: Wiewohl sie noch auf den Graͤntzen grosser Her- ren Laͤnder, nachdem ihre Vergleiche we- gen der Graͤntz-Zaͤune geschlossen sind, denẽ Vasall en solches connivendo nachge- lassen wird. Sonderlich ist bey der Wolffs- Grube zu mercken, daß man das Luder, so auff allen Wechseln an eine Wiede ge- bunden, oder angehacket wird, nicht mit Haͤnden angreiffe, oder an Stricke bin- de, weiln solches die Woͤlffe riechen wuͤr- den, sondern man muß die Schuhsohlen mit Pferde-Mist umbbinden, bißweilen auch vom Luder etwas liegen lassen, so wird dieser Gast nicht leicht vorbey kom- men, sondern sich wohl fangen. Soll nun der Wolff lebendig eingefangen wer- den, steiget man an einer Leiter herun- ter, haͤlt ihme einen starcken Knebel, wie eine Kruͤcke vor, daß er darein beisset, von oben herab aber druͤcket man ihm den Kopff mit einer starcken eisernen Ga- bel, laͤsset den Kasten herunter, oͤffnet dessen Thuͤre, thut ihn mit dem Hinter- Leibe ruͤckwaͤrts hinein, und laͤsset die Gabel gehen, druͤcket statt dessen, mit der Fall-Thuͤre so lange auff den Halß, biß der mit der Kruͤcke ihn vollends hinein stoͤsset, die Fall-Thuͤre zumachet, und solche Kruͤcke heraus ziehet, sodann wird der Kasten heraus gezogen, auffgeladen und weggefuͤhret; Dann ein Wolff kan leicht mit solchen Instrumenten bezwungen werden, und darff man sich vor ihn lange nicht so sehr als vor einen Baͤr fuͤrch- ten. Theils geben ihm auch in der Gru- be eine Holtz-Kette ins Maul, und schlies- sen sie im Genuͤcke zu, koͤnnen sodann ihn damit leichte fuͤhren. H h Von Vierdter Theil/ Von Schlag-Baͤumen. Dieweilen offtmahlen Laͤnder zu fin- den, woselbsten wegen der Felsen-Ge- buͤrge, oder auch Bruͤcher und Moraͤste, keine von ermeldten Gruben und Fallen angerichtet werden koͤnnen. Gleichwohl aber die Raub-Thiere zu vertilgen hoͤchst noͤthig seyn will, hat man hierzu abson- derliche so genannte Schlag-Baͤume nach Groͤsse der Raub-Thiere, die man fan- gen will, ersonnen, und werden diesel- ben, wo es die meisten Raub-Thiere giebt, auff deren Stege und Wechsel fol- gender Gestalt gemachet: Nemlich, man leget zwey buchene Stangen neben ein- ander in die Erde, daß nichts davon zu sehen ist, laͤsset aber so viel Raum, daß eine darzwischen liegen kan: Dann nim̃t man eine lange Stange von solchem Holtz, die darzwischen einpasse: Vorne zu bey- den Seiten werden zwey starcke Gabeln von birckenem oder anderm Holtze geschla- gen, und daruͤber ein Qver-Holtz geleget, hierzu wird nun ein Krantz von Werfft oder Weyden geflochten, wodurch die mittler lange Stange empor bevestiget wird, daß die Thiere solchen Wechsel und Gestelle des Sommers durch gewohnen. Diese Stell-Hoͤltzer aber muͤssen ihre Rin- de behalten, auch so viel moͤglich, zumahl an der Schlag-Stange das Laub oder Aestlein gelassen werden, damit alles recht wilde aussehe, auf den Seiten wird es mit alt Reiß oder Aesten ver- worffen, und ist noͤthig die Beywege zu hindern. Diese Stellung bleibet des Som- mers durch stehen, daß die Thiere deren gewohnen. Wann es nun umb Michae- lis- Zeit kommt, da der Raub-Thiere Baͤlge am besten, auch man ihre frische Spuhr findet, und es der Muͤhe werth, schleppet man ein Paar Tage nach ein- ander durch die Baͤume Luder, und kir- ret sie, wie gemeldet: So man nun ge- wiß was mercket, stellet man auff, und setzet in der mitten der Schlag-Stange eine Stuͤtze, leget sodann nach Staͤrcke des Wilds hinten von Holtz oder Stei- nen ein schweres Gewicht, nimmt den Krantz, und stecket uͤber das Qver-Holtz durch den Krantz ein Stell-Holtz vorne kurtz an, mit dem andern Ende inne- wendig bindet man eine dreyfache dop- pelte Pferdhaarene Schnur, oder doppel- ten meßingen Drath umb das Unter- Qver-Holtz, so genau aufgestellet, und die Schnur qver uͤber gezogen nach des Thieres Groͤsse, hinten angebunden wird. Wann nun alles gestellet, stoͤsset man von der andern Seiten die Stuͤtze maͤhlig ab, und so mans haben kan, wirfft man dergleichen Lohsung von sol- chen Thieren untern Schlag-Baum, daß sie nichts vermercken, so kan nicht fehlen, daß sich nicht solte etwas fangen. Es ge- hoͤret aber hierzu ein besonderer Fleiß, dessen abzuw arten. Von einem Selb-Geschoß. Dieses ist zwar nicht eine uhralte Er- findung, weiln das Pulver und die Buͤxen nicht eben so lang erdacht worden, gleich- wohl aber ist es ein gutes Mittel, das in der finstern Nacht unverhofft ankom- mende grosse und kleine Wild hierdurch zu bekommen. Der Selb-Geschoß wird von drey oder vier starcken kurtzen Laͤufften in ein laͤnglicht Holtz geschaͤfftet: Die Zuͤndloͤcher zusammen gefuͤget, und ein klein Feuer-Schloß daran gemachet, mercket man nun einen Wolff oder Luchs, der bißweilen nach dem Luder dann und wann koͤmmet, oder ein wild Schwein, daß sich oͤffters in einer Suhle waͤltzet, oder was sonsten der Muͤhe werth, und man vor Kaͤlte vergebens nicht auffpas- sen wolte, auch vor Finsterkeit nichts sehen kan, so wird dieser Selb-Geschoß mit kleinen Lauffkugeln ordentlich gela- den, und an verlangten Ort gebracht, eine haarene Schnur von 5. biß 6. Ellen lang uͤber die Suhle gezogen oder vor dem Luder angebunden, nach dem Selb- Geschoß gezogen, und am Abzug leise an- gebunden. Wann man nun in der Mit- ten desselben solches nach Hoͤhe des Thie- res gerichtet, und den Zugfaden hinter den Stifft geleget, spannet man das Rad, schuͤttet Zuͤndkraut darauf, und setzet den Hahn maͤhlich, stehet unberuͤhret leise auf, und decket eine starcke Holtz- Rinde daruͤber, so ist es fertig. Wann nun in der Nacht etwas, es sey, woher es wolle, kommt, und an den Faden ruͤhret, so gehet alles loß, und wird das- selbe entweder gleich liegen bleiben, oder doch nicht weit lauffen. Des Tages, so man nichts vermuthet, kan man wohl hingehen, die Rinde sachte auffheben, den Hahn zuruͤck schlagen, und abspan- nen, dann wieder vor der Naͤsse zude- cken, so kan weder dem Viehe, noch dem Menschen Schaden geschehen, und da- ferne Von dem Jagd-Gezeug. ferne kuͤnfftige Nacht was zu vermu- then, kan, wie vorgemeldet, aufgestellet, und vor der Naͤsse bedecket werden. Man muß hierzu nicht verdrossen seyn, dann kommt es die erste Nacht nicht, so gluͤ- cket es doch in der andern, oder zum we- nigsten in der dritten Nacht gewiß. Man koͤnte dieses mit einer glatten Buͤxe und Lauffkugeln nach Hirschen probi ren, doch ist es ungewiß, aber bey solchen niedrigen Thierẽ gehet es an: Vor die Hasen u. Fuͤch- se hingegẽ verlohnet es sich die Muͤhe nicht. Von einem Fuchs-Eysen. Dieses ist nunmehro fast allenthal- ben gnugsam bekant, bey dessen Erfin- dung aber, sonderlich mit darzu behoͤri- ger Witterung, vor ein sonderbahr Ge- heimniß gehalten worden. Es ist ein gu- tes Mittel, die Fuͤchse weit und breit in der grossen Kaͤlte bey finsterer Nacht wegzufangen, jedoch kan durch Unvor- sichtigkeit ein hitziger Liebhaber Arm oder Beine gar leichte verletzen, dahero grosse Behutsamkeit hierinnen noͤthig ist. Son- sten wird ein Fuchs-Eysen hier zu Lan- de von einem Schloͤsser oder Circul- Schmiedt verfertiget, und gemeiniglich vor drey biß vierdtehalb Thaler ge- kaufft, daran gehoͤret hinten eine starcke krumme Feder, und zwey daran ge- schraubte vorne zusammen vernittete Buͤgel, zwischen der starcken Feder und den Buͤgeln wird von hinten das Schloß mit dem Deckel und Abzuͤgeln, vorne a- ber die Zug-Roͤhre angeschraubet, und alles reinlich und blanck gehalten. Wann nun der Fuchs auf einen gewissen Platz gekoͤrret, und sich fleißig eingefunden, daß man Hoffnung hat, ihn zu fangen, so schmiehret man das Eysen mit ei- ner probirt en Witterung, traͤget es hin- aus, und bindet an die Abzuͤgel durch die Roͤhre an einem haarenen Faden den Abbiß, dann werden beyde Buͤgel mit den Knien von einander gedruͤcket, die Abzug-Deckel uͤber einander geleget, und zum stellen bereit, letzlich duͤnne mit der Erde allenthalben uͤberstreuet; Wann nun der Fuchs koͤmmt, und den Abbiß anruͤhret, schlagen die Buͤgel beyde zu- sammen, und faͤngt er sich gemeiniglich umb den Halß. Sie schleppen dann das Eysen, so viel sie noch Macht haben, ziem- lich weit darvon, umb darvon loß zu- kommen, oder sich zu verbergen. Was alte listige Fuͤchse seyn, langen lieber mit den Klauen, als der Nase nach dem Ab- biß, und fangen sich daran, beissen sich aber balde loß, und lauffen auf dreyen darvon, heilen sich aber doch wiederumb aus. Jch habe die Witterung, die Schleppe und den gantzen Proceß des Fuchs-Fangens im andern Theil beschrie- ben, woselbst ich ohne dieß von dessen Ei- genschafft gehandelt habe; Wiewohl man viele andere Witterung taͤglich lernet, so aus der Praxi besser zu erfahren. Von einer Marder-Falle und den Drath-Schlingen. Zum Beschluß unsers Jagd-Zeugs muß ich noch von etwas hierzu dienliches handeln, nemlich von einer Marder-Fal- le. Dieselbige wird von Brettern ohn- gefehr 1. und eine halbe Ellen lang und eine halbe Ellen breit gemachet, mit zwey Fall-Thuͤren (nach beykommendem Riß,) versehen, und durch eine haarene Schnur auffgezogen: Wann nun das untere Stell-Holtz, so in der Mitten durchge- het, durch eine Kerbe und Hoͤltzgen an- gespannet, und innewendig auf das Stell-Reiß oder Blech, ein alt riechen- des Ey, oder ander gebrathen Stuͤcklein Fleisch angeludert wird, und eine Katze, Marder, oder Jltniß hinein kommt, und daran ruͤhret, fallen beyde Thuͤren zu- gleich zu, und ist alsdann solches Thier gefangen, da man das unschuldige lauf- fen lassen, daß schaͤdliche aber todt schlagen kan: Weiln des Nachts auch die Bauer- Katzen gerne herumb wandern, und sich kleines junges Wild zu fangen pflegen, so sind diese Fallen sehr nuͤtzlich und noͤ- thig in Hasen-Gehaͤgen oder Phasian en- Garten, auch wo wilde Canini chen ge- schonet werden, umb diese schaͤdliche Thie- re zu tilgen. Die Drath-Schlingen sind zwar auch alte Erfindungen, allein umb derer Mißbrauch willen trage fast Be- dencken, etwas von denenselben zu mel- den. Doch will ich zum Beschluß des Jagd-Gezeugs hiervon auch einige Nach- richt geben: Man nimmt nemlich mittel- maͤßigen ausgegluͤheten Drath, machet hieraus eine Schlinge, und reibet diesel- be mit Graß, Laub oder Erde: Wann man nun die Stege, oder Wechsel eines Fuchses, Dachs oder Hasens in einen Bau, Zaun oder Schlupff-Loch weiß, waͤschet man die Haͤnde, und reibet sie mit der Erde, stellet die Schlinge an ei- nem Ende feste vor, so faͤnget sich dassel- bige, was den Wechsel hindurch hat, H h 2 leicht- Vierdter Theil/ von dem Jagd-Gezeug. leichtlich darinnen. So man nun nicht mehr stellet, haͤnget man die Schleife in ein reines leinen Saͤckgen an die Lufft. Einige loͤschen den gluͤenden Drath in ei- ner Fuͤchsin oder Haͤsin Blasen-Urin ab; worzu sie hernach dieselben Schleiffen brauchen wollen, desselben Thiers Loh- sung werffen sie hin oder schmieren sol- che daran zur Verwitterung. Und hier- mit will ich die Beschreibung des Jagd- Gezeugs, weiln, meines Erachtens, hier- von nichts mehr verhanden, beschliessen und zum Zweck ferner schreiten. Von einem Wagen-Meister. Des Wagen-Meisters Verrichtung ist diese: nemlich daß er vor allen Din- gen gute getreuliche Auffsicht auff den ih- me anvertrauten Hohen und Niederen Jagd-Zeug habe, und hieruͤber ein rich- tiges Verzeichniß oder Inventarium hal- te, worzu er die Schluͤssel hat, den schad- hafften, oder nassen Zeug wiederumb ausbessern, trocknen und auffhaͤngen las- se, damit kein Schade geschehe. So neu- er Zeug gemachet wird, muß er aus sei- ner Verwahrung die behoͤrige Leine- wand, grosse und kleine Leinen, Eysen- werck an Haacken und Ringeln, und was nur darzu noͤthig, herausgeben, und uͤber die Schneider, so im Zeug-Hau- se arbeiten, oder alten Zeug ausflicken, genaue Auffsicht haben, und alle noͤthi- ge Arbeit bestellen, was zur Wagner- Schmiede-Sattler- und Riemer-Arbeit noͤthig seyn mag, weswegen immer Vor- rath zu halten ist, und hat er nicht alleine seine unterhabende Zeug-Knechte, son- dern auch bemeldte Handwercks-Leute in seiner Inspection. So ein Jagen anbe- fohlen wird, so muß er denjenigen Ge- zeug zu allen und jeden Begebenheiten, was und wie viel vom Ober-Jaͤger ver- langet wird, richtig auffladen lassen, und mercken; Die benoͤthigte Vorspannung an Pferden, Geschirre, Wagen-Schmie- re, und anderm benoͤthigten Gezeug und Geraͤthe, umb alles ungehindert fortzu- schaffen, mit allem Fleiß besorgen, und die Zeug-Knechte auff die Stell-Fluͤgel vertheilen. Die benoͤthigte Stell-Leute, oder so genannte Blau-Huͤthe ordnen, damit er den benoͤthigten Jagd-Gezeug, so weit er hinzugehen anbefohlen, zu rechter Zeit an Ort und Stelle fortschaffe, und nicht mit Verdruß etwan unterwe- gens liegen bleibe: beym Stellen die Vor- spannung richtig halten, daß niemahls Zeug mangele; wohin eine jede Post Zeugs verlanget wird, eyligst hinruͤcken lasse, und was bey jedem Fuder Zeugs vor Zeug-Knechte, und Stell-Leute noͤ- thig, bemercken. Den abgetriebenen Zeug, so nicht mehr daselbst noͤthig ist, wiederumb abwerffen, heben, und fer- ner dahin, wo er verlanget wird, zum Fortstellen hinruͤcken lassen; So was am Jagd-Zeuge schadhafft worden, oder gar eingehet, muß er, was darbey an Lein- wand, Seylerwerck, oder Eisen-Zeug, Bindfaden, Knebel und dergleichen auf- gehet, nach seinem Register daruͤber rich- tige Rechnung halten. Bey grosser Sommer-Hitze, und schwerem Gewitter muß er wegen Befuͤrchtung Feuers-Ge- fahr die zubehoͤrige Zeug-Knechte, Wa- gen und Bereitschafft, alles fertig hal- ten, umb bey ereigneter Feuers-Gefahr gleich zur Stelle sowohl Tages, als Nachts allart zu seyn, den geladenen Gezeug her- aus zu stossen, und zu erretten. Letzlich hat er auch die Hirsch-Gehoͤrne in seiner Verwahrung. Von den Zeug-Knechten. Die Zeug-Knechte sind nun eigend- lich dem Wagen-Meister zur Huͤlffe zuge- ordnet, dessen Anordnung den Zeug zu stellen, anzuschlagen, anzubinden, abfuͤh- ren zu lassen, auszuschlagen, die Fur- ckeln zu setzen, zu heben, zu richten, und anzupfloͤcken, auch, so das Jagen ins gantze gebracht, und umbher bestellet ist, auff zwey Posten oder Fluͤgel dasselbe Tag und Nacht mit ihren Stell-Leuten und Hebe-Gabeln zu begehen, und so et- wan von grosser Hitze oder starckem Win- de der Zeug einfaͤllt, oder zu niedrig, oder zu schlaff wird, solchen wieder anziehen, oder bey eingefallenem Regen die straffen Leinen in etwas nachlassen, damit der Zeug in Ordnung gestellet bleibe, nicht zerreisse, oder das Wild durchbreche, und Schaden geschehe, wie dann auch bey Be- stellung der gangbahren Strassen benoͤ- thigten Orts ein Zeug-Knecht mit Stell- Leuten zu ordnen ist, die, was in waͤh- rendem Jagen an Furckeln, Hefftel und Haacken zerbricht, gleich wieder machen, ingleichen trockenen, aufhaͤngen, und al- les, was nur am Jagd-Gezeuge zu bes- sern, eyligst zu rechte machen moͤgen, wie denn dieselben auch nicht unbillig, nachdem sie lange gedienet, ihren Rang halten, und den juͤngsten zum Anpfloͤcker ordnen. Fuͤnff- Fuͤnffter Theil/ handelt Von der Jagd/ oder dem Weyde-Werck. A ls der erste Mensch seines Ungehorsams wegen aus der Genade gefallen, so verließ ihn in dem Augen- blick alle Lust und Freude, und seine Natur ward de- nen Verdrießlichkeiten ei- nes arbeitsamen Lebens dergestalt unter- worffen, daß ihm weiter kein eintziges Zei- chen seines vorigen Gluͤcks, worinnen er vorher gesetzet gewesen, uͤbrig bliebe, als eintzig und allein der ihm uͤber alle Thie- re des Erdbodens gegebene Vorzug und Prærogativ: Und scheinet es, daß bey die- sem elenden Zustande, da er im Schweiß seines Angesichtes sein Leben unterhal- ten muste, die Jagd nothwendig sein eintziger Trost und sein eintziges Ver- gnuͤgen, dessen er bey muͤssiger Zeit sich bedienet, gewesen sey, und solches zwar aus Ursachen, theils damit er die- sen Vorzug und Herrschafft uͤber die Thiere, womit er im Stande der Un- schuld beehret worden, behaupten moͤge, theils auch, daß er damit seinem Leben zu Huͤlffe kommen, und seinen Unterhalt suchen koͤnne: Jst also hieraus zu sehen, daß die Jagd dem Menschen zur Ver- gnuͤgung von dem Grossen Gott vergoͤn- net sey, umb sein muͤhseeliges arbeitsa- mes Leben in etwas wieder zu ermun- tern. Dahero die Jaͤgerey oder diese Jagd- Wissenschafft eben so ein solches Metier ist, welches seinen Uhrsprung sowohl von Gott hat, und in der Welt noͤthig ist, als andere Professiones: daß aber zuweilen auch gottlose und boͤse Leute unter de- nen Jaͤgern angetroffen werden, daran ist diese edle Wissenschafft nicht Ursache, sondern das boͤse Gemuͤth eines solchen Menschen. Giebt es doch auch wohl un- ter denen Herren Geistlichen zuweilen in ziemlicher Anzahl etliche, welche an Gottlosigkeit, und ruchlosem Leben kei- nem Jaͤger nicht viel nachgeben, da man hingegen wohl noch eher christli- che und tugendhaffte Jaͤger antreffen solte. Nachdem ich nun in vorhergehen- den vier Theilen erstlich von der Er- den, deren Vegetabilibus und Gehoͤltzen, zum andern von der Eigenschafft grim- miger, edeler, und Raub-Thiere, drit- tens von grossen und kleinen und man- cherley Geschoͤpff der Hunden; Und vierd- tens, von dem hierzu benoͤthigten Jagd- Gezeug, soviel mir bekant, und zeithe- ro nach alter Teutscher Gewohnheit gebraͤuchlich gewesen, geschrieben habe; So will nun auch hiermit im Namen GOttes von der Jagd selbst zu handeln den Anfang machen. Es ist aber das Jagen auff dreyerley Art und Weise zu distingvir en, als da ist erstlich: Vena- tio hominum oppressiva, ein graͤulich ty- rannisch Jagen, da die Gewaltigen auff Erden die armen unschuldigen Leute un- terdruͤcken und zwingen, von einem Ort zum andern treiben und jagen, ihnen das Jhrige nehmen, und sich damit be- reichern, wie in Heiliger Schrifft derglei- H h 3 chen Fuͤnffter Theil/ chen von dem Nimroth verstanden wer- den mag, dafuͤr wir aber eine christli- che Aversion billig haben sollen: Maas- sen solches einer Art des Raubes gleichet, nicht weniger eine hoͤchstverdammliche Suͤnde ist, die GOTT der HERR nicht ungestraffet lassen kan, und zu seiner Zeit solche Wuͤtterichte schon finden wird. Nach dieser folget Arena- ria Venatio, des Spectacul- Jagen, da man die zum Tode verurtheilte Ubelthaͤ- ter, auf einem darzu gemachten Schau- Platz, oder Amphiteathro mit den wil- den Thieren dem Volck zum Schau- Spiel hat kaͤmpffen lassen, und gese- hen, ob sie wider ein wildes Thier mit Staͤrcke, Mannheit, oder Behendigkeit obsiegen, und wann sie das ihrige ge- than, die Thiere erlegen, und ihr Leben erhalten, solchermaassen von der Straf- fe des vorigen Verbrechens sich befreyen wuͤrden. Solche unmenschliche teuffli- sche Kampff-Jagden waren vor diesem bey denen Roͤmern gar sehr gebraͤuch- lich, wie Titus Livius, Lib. 9. und Sve- tonius von den alten Roͤmischen Kaͤysern, als Julio, Augusto, Caligula, Claudio, Nerone, Domitiano und andern mehr schreiben, welche dem Volck zu Gefallen oͤffters dergleichen Kampff-Jagden hal- ten lassen. Kaͤyser Nero verordnete zu sol- cher Kampff-Jagd 600. Roͤmische Ritter, vermuthlich durch Verehrungen, wie Svetonius von ihm schreibet, worzu a- ber gemeiniglich nach Ulpiani Meynung junge starcke Leute genommen worden sind; Caligula hat gar alte und schwache Leute darzu gezwungen, und Domitia- nus hat zuerst gar auch Weiber hierzu genommen. Kaͤyser Titus hat die ge- fangene Juden aus Jerusalem hin und wieder in die Laͤnder zu solchen Schau- Spielen verschencket. Kaͤyser Hadria- nus und Galienus hat solche teuffelische Kampff-Jagden auch oͤffters gehalten, welches Kaͤyser Antonius Caracalla aber mit weinenden Augen nicht ansehen koͤnnen, und solche Menschen-Blut- Kampff-Jagden verdammet und ver- flucht, biß endlich Kaͤyser Anastasius sol- ches ernstlich verbothen, und in Rechten versehen worden, eine hohe Straffe zu setzen, und diejenigen nicht vor ehrlich zu achten, so sich derselben bedienen, oder sich hierzu gebrauchen lassen wuͤrden, dahero auch noch unstreitig bey vielen Roͤmischen alten Familien die Derivati- on solcher wilder Thiere Abbildung in in ihren Wappen nach ihrer Victorie zum Prooemio verblieben, welche Rit- termaͤßig geadelt, dergleichen Thiere zum Andencken ihrer Vorfahren Tapf- ferkeit im Schilde fuͤhren durfften. Jch halte davor, es wird sonder Zweiffel auch zu solchem Ende der Prophet Daniel in der Loͤwen Grube haben sitzen muͤssen: Wie dann auch gleicher Gestalt der A- postel Paulus zu Epheso mit den wilden Thieren hat kaͤmpffen muͤssen. Ja die Roͤmer hatten noch lange solche Men- schen-Kampff-Jagden, dann wann sie wichtige Kriege vorhatten, nahmen sie hierzu leibeigene Knechte, oder Mercede conducti, theils auch freywillige Wage- haͤlse zu ihren Soldaten, und liessen sie zuvor mit wilden Thieren, wenigstens die Menschen unter einander, welche na- ckend mit Oehl uͤberstriechen waren, kaͤmpffen und ringen: Wie annoch bey vielen Autoribus hin und wieder zu fin- den. Wir sind aber gantz nicht Willens, weder solche verdammliche Jagden zu be- schreiben, oder ausfuͤhrlich vorzustellen, noch dieselbigen zu billigen; Sonden wir nehmen uns nur alleine vor, von der dritten Art des Jagens etwas ausfuͤhrli- cher zu handeln, nemlich von der Vena- natione Animalium, da man das Wild, groß und klein, zu Holtze und Felde ja- get, hetzet, faͤllet und erleget, wie der- gleichen rechtmaͤßige, von GOtt und der Natur zugelassene Jagden auch ehemah- len im Alten Testament unterschiedlich vorgenommen worden. Dann da fing Esau mit seinem Zeug, Koͤcher und Bogen ein Wild, und bereitete davon eine Speise seinem alten Vater Jsaac zur Labung, desgleichen finden wir in der H. Schrifft, wie Simson so viel Fuͤch- se lebendig gefangen, und seine Feinde, der Philister, Getraͤyde mit denselben angestecket: Ebenfalls ergriffe und zer- risse er einen Loͤwen durch seine natuͤrli- che Staͤrcke, im Ruͤckwege aber fande er in desselben Aas einen Bienen-Schwarm, dessen Honig er sich bedienet, und hier- von denen Philistern Raͤtzel auffgegeben. Wie freudig erzehlete dort der Koͤnig David, daß er in seiner Jugend einen jungen Loͤwen, und Baͤren bezwungen, denselben bey seinem Barth ergrieffen, und getoͤdtet habe; Anderer Exempel der Heiligen Schrifft zu geschweigen. Mit was vor grossen und ungemeinem Fleiß unsere lieben alten Teutschen vor diesem in grossen Waͤldern mit mancherley Le- bens- Von der Jagd/ oder dem Weyde-Werck. bens-Gefahr uͤber Berg und Thal, in Schnee, Frost und Ungewitter, in Hun- ger und Durst, das Wild gefangen, und sich daran hertzlich vergnuͤget, ob sie sol- ches gleich nicht genossen, vermeldet Cor- nelius Tacitus, da er schreibet: Unsere alten Teutschen waren unruhig, und kunten nicht stille sitzen, es war ihnen unmoͤglich; Wann sie keine Kriege hat- ten, oder in Streit zogen, so belustigten sie sich mit dem Weydewerck, und jag- ten die wilden Thiere in Waͤldern her- umb. Wiewohl nun zwar nicht zu laͤug- nen, daß zu solchen Zeiten viele grosse Herren und Potentaten, alt und jung, ihr Leben eingebuͤsset, und auf der Jagd elendiglich umbkommen muͤssen, wie in denen Historien hin und wieder genung- sam zu finden ist: Cyrus stuͤrtzte auf der Jagd mit seinem Pferde, als er nach ei- ner Huͤndin eylete; Kaͤyser Hadrian hat- te unterschiedliche Ungluͤcke darbey; Ale- xander Magnus wurd von einem Baͤr schaͤdlich gebissen; Was Maximilianus vor ungluͤckliche Fata, und viele Gefaͤhr- ligkeiten ausgestanden, sonderlich bey Jnspruck auf der Gembsen-Jagd, da- von habe oben schon gesaget. Hertzog Ernst in Schwaben, Wilhelm, Land- graff von Hessen, und Kaͤyser Otto der Erste sind mit den Pferden toͤdtlich ge- stuͤrtzet und verwundet worden; Andere dergleichẽ Exempla mehr mit Stillschwei- gen zu uͤbergehen. Doch ist hierbey zu vermuthen, daß solche grosse Herren aus selbst eigener Ubereylung dergleichen un- gluͤckliche Fata ihnen verursachet haben, und dahero solche keines weges der Jagd zuzuschreiben seyen. Dann sonsten con- seqventer auch alle andere Ritterliche U- bungen ebenfalls verhast seyn muͤsten. Hieraus ersiehet man nun, daß solche Venatio Animalium oder das Weyde- werck der wilden Thiere, und Jagd der- selben zu Holtz und Felde ein uhralter Gebrauch von langen Zeiten her gewesen, deren sich anfaͤnglichen die Einwohner in ihren Laͤndern, die schaͤdlichen Raub-Thie- re zu vertilgen, frey ungehindert bedie- net. Als aber hierdurch viel Raubens entstanden, ein jeder jagen wollen, und andere Nahrung liegen blieben, haben grosse Herren es dem gemeinen Mann entzogen, und vor sich allein behalten, was ihnen aber entlegen, andern ver- kauffet, oder in Kuppel-Jagden, Gna- den-Jagden, Mit-Jagden, oder derglei- chen vertheilet, wo sie aber gewohnet, Niemanden zu jagen verstattet, jedoch auf den aͤusersten Graͤntzen des Reichs, in einem gewissen Bezirck, dem Publico zur Ergetzung, ein freyes Puͤrschen eingeraͤu- met, darmit in Friedens-Zeiten ein Je- der daselbst jagen koͤnne, und in ihren Gehaͤgen das Wildpraͤth geruhig lassen moͤge. Jst dahero gantz unstreitig das Jagen wilder Thiere, wenn es zumahl rechtmaͤßig gebrauchet wird, als eine hoͤchsterfreuliche angenehme Herren- Lust, der Obrigkeit wegen obhabender Regierungs-Sorge gar wohl zu goͤnnen; Sonderlich wann es vornemlich in Got- tesfurcht und zu rechter Zeit ohne Scha- den anderer Leute, und ohne Nachtheil der Wirthschafft mit froͤlichem Gemuͤth ordentlich vorgenommen wird; Und wann es solcher maassen ohne andere Suͤnden geschiehet, kan es nichts anders als eine Gott und Menschen wohlgefaͤl- lige vergnuͤgte Ubung seyn, so allerdings von Hohen und niedrigen Stands-Per- sonen zu loben, auch der Gesundheit dienlich und Gottes Seegen dabey zu spuͤhren ist, wofuͤr man billig dem Gros- sen Gott mit demuͤthigem Hertzen dan- cken soll. Gleichwie aber der verfuͤhri- sche Hoͤllen-Geist, der Satan, sich nicht gescheuet, in der Wuͤsten sich an den Herrn Christum selbsten zu machen, und ihn zu verfuͤhren gesuchet, auch die lie- ben Alt-Vaͤter, Patriarchen, und Ein- siedler offte versuchet hat, welche ihm aber mit Beystand des Heiligen Geistes, durch Gottes Wort und festen Glauben sattsam wiederstanden; Also ists kein Wunder, wenn er auch einfaͤltige arme Leute, so die meiste Zeit ihres Lebens in der Wildniß zubringen, durch seine Hoͤl- lische Netze und Stricke, Aberglauben und dergleichen, sonderlich diejenigen, so nichts gelernet, verfuͤhret und anlocket. Dahero dann solchergestalt die Jagd, leyder Gott erbarm es! heut zu Tage von vielen mißbrauchet, und in Suͤnde und Schande verwandelt wird, mithin bey Jedermann ver- hast werden muß. Es kan ja kein Ja- gen geschehen, oder es wird derjenige kein rechter Jaͤger genennet, der nicht zauberische Teuffels-Kuͤnste, Wild ban- nen, oder Weydemaͤnner machen kan. Hoͤret man nicht von Jedermann, auch von denen kleinen Bauer-Jungen un- erhoͤhrtes GOtteslaͤsterliches Fluchen? Wie offt wird in der Satz-Zeit alt und jung ruinir et, die liebe Saat-Felder der armen Fuͤnffter Theil/ armen Unterthanen, was von Wilde uͤbrig gelassen worden, umb eines Haa- sen willen, mit vielen Pferden durchtre- ten? Bald kommt der geitzige Vollsauff- Teuffel, pruͤgelt, schlaͤget, wuͤthet und to- bet, huhret, spielet, raubet und stiehlet, biß er alle Laster veruͤbet, und zuletzt ei- ne Mordthat angerichtet hat: Woraus dann freylich zuletzt das ohnfehlbare schaͤdliche Verderben, und armseelige ver- dammliche Wesen erfolgen muß. O wie weit anderst verhielten sich hierbey die Heyden, wie aus dem Xenophonte zu ersehen, da er saget: Die Alten jag- ten vor diesem ohne anderer Leute Scha- den, und fingen es an mit dem Gebet und Anruffung ihrer Goͤtter: Da mach- te sich der Jaͤger mit seinen Hunden auf die Spuhr des Wildes nach Holtze zu, und rief zuvor an den Appollinem, und die Jaͤger-Goͤttin Dianam, erboth sich auch durch ein Geluͤbde etwas von dem gefangenen Wildpraͤth ihnen zum Opffer zu bringen, also wurden die Jagden von ihnen mit aller Maͤßigkeit, Gedult, und Sanfftmuth beschlossen: So haben uns ja fast in allen Stuͤcken die Heyden be- schaͤmet, daher kommt es dann, daß wir mit unsern Lastern uns selbst ohne an- derer Huͤlffe verderben, uns rechte Wey- demaͤnner anthun, das Wild verjagen, den Teuffel aber herzu locken, wo will dann da GOttes Seegen zu hoffen seyn, wo wir obgedachten Lastern nicht durch fleissiges Gebet hefftig wiederstehen? Da wir ohnedieß als arme schwache Men- schen, leyder! zu suͤndigen von Natur ge- neigt sind. Wolle demnach ein jeder christliebender Jaͤger, umb GOttes Wil- len, auch seiner Seeligkeit halber, solche verdammliche Suͤnden mit allem Ernst fliehen und meiden, den lieben GOTT vor Augen haben, und gedencken, daß das Wild alleine des Grossen GOttes sey, und daß ohne dessen Willen ja nicht ein Sperling fallen koͤnne; Stelle also alles sein Vornehmen Goͤttlicher Direction an- heimb, und erwarte desselben Seegen. Was Carolus Magnus, Roͤmischer Kaͤyser/ schon vor etli- chen Hundert Jahren von denen Wildbahnen/ und Forsten fuͤr Jura ge- geben/ und zu observir en befohlen hat/ welche im Sachsen- Spiegel Lib. 2. Art. 61. zu Straßburg 1507. auffs neue gedruckt in damahls uͤblicher Sprache also lauten: Do Gott beschuff den Menschen, do gab er im Gewalt uͤber Fische, uͤber Vo- gel, und uͤber alle wilde Tyer, davon ha- bend die Kuͤnig geseczet, daß nyemand seinen Leib noch seine Gesunde verwir- cken mag, mit diesen Dingen. Noch habend die Herren Bann Voͤrst, wer ynen darynn icht thut. Da habend sy buͤße uͤbergeseczet, Als wir hernach woͤl- len sagen. Sie haben auch uͤber fisch- ban geseczet, und uͤber Vogel. Allen tie- ren ist frid und ban geseczet, wann Wolf- fen und Beeren, an den brichet nyemand keynen frid. Wer in denn Bannenvoͤrsten Wilde wundet oder faͤllet, oder jaget oder toͤttet. Der sol dem Herren des es ist sechczig schilling des Herren Landt-Pfen- nig geben Wer durch den Bannvorst rey- tet, sein Bogen, seyne Armbroste suͤllent ungespannen sein. Sein Kocher soll be- deckt sein Wynde, und seine Kracken suͤl- len auffgefangen sein, und sein Jag- Hunde suͤllen gekappelt sein. Jaget ein Mann ein Wild mit Uhrlaub des Her- ren von dem Bannvorst, und fluhet es yn den Banvorst des Herren er soll den Windenn wieder ruͤffen, und mag er sy mitt wieder bringen, er soll in nachvol- gen, und soll sein Horen nicht blasen yn dem Vorste, noch die Hunde nicht gruͤs- sen was dann dem Wilde beschicht, von den Hunden da ist der Herre unschuldig an. Feyget aber er oder heczete die Hunde an das Wild, oder blaset er sein Horn, so ist er Buͤß schuldig, es werd da Wild gefangen oder nitt, und ist daz ein man ein tier wundet, in sei- nem Wiltban, und das fluhet von ym, und kommet aus seinen Augen, und kommet in einen andern Wiltban, und vellet danyder, wes ze recht das sey, daz suͤllen wir euch sagen, und stirbt es darynnen das er daruͤber kommet der es gejaget hat des ist es ze recht. Vin- det er es lebendig, er soll es lassen stan. Wann es ist zerechte des, des der Wild- ban ist Ein yeglich Wilde ist eines man- nes mit recht dieweyl es in seiner Ge- walt Von der Jagd/ oder dem Weyde-Werck. walt ist. Kommet es ihn aus seinen Wildban so ist es nit sein. Jst daz ein man ein Wild jaget, und kommet es von im unversert. es ist aber so mied, daß es nieder faͤllt, und nit fuͤr baß mag. und kommet daß uß seinen Augen, daz er sein nit siehet, wer es darnach vindt oder vahet, des ist es mit recht, und also ob er sich des suͤches hat entlassen, die weil ers suͤchet so ist es sein. Wer es unter den Weylen findet der sol es im wiedergeben, es sey lebendt oder tod. So ein yeglich Gewilde, auß deiner Ge- walt kommet, und auß einen Wiltban so ist es dein nitt. so auch ein Wilde in sein freyheit aus deinen Augen kommet, so ist es dein nit. Von schaͤdlichen tieren. Wurfel heiset ein berschwein, dem soll man jaͤrlichen die czen abschlahen, wer des nicht thut, wes Hunde bern oder Hirß Wurffel, oder ander Wilde, das man zaͤmet, oder Viehe einen man toͤt- tet man sol es mit steynen verronen, man sol es auch nit essen, wann es ist unreyn. Laͤmet es einen man und schlecht es yener von im und haußet es noch eczet es noch trencket es, afftermahls und dar- nach es den Schaden getat, es hat keyn Geltnuͤsse davon, und wundet er einen Mann, so ist dasselb gericht, und der dem der schad geschicht. Will er mag es gelten. Unnd tuͤtt eyn Viehe ein scha- den dem soll er gelten, des es da ist, ob er sich sein unterwindet, nach dem Scha- den. Will er es lassen varen das tuͤt er wol, und giltet sein nicht. so hat es ye- ner fuͤr seinen Schaden. Und ist es ein Hirß, und hat schedliche Horen, die sol Jm yener heissen abschneiden. Und tuͤtt er des nicht, es muͤß es buͤssen one dem todschlag. Als ob er ein Wunden dem- selben hette geschlagen. Tuͤt aber das Wilde den todschlage, der man sole buͤs- sen, als man bey den hoͤchsten pfliget ze- geben, umb ein Wunden beide dem Klaͤ- ger, und dem Richter wetten. sind aber die Horen als sy solten, so buͤsset er nicht. Jst es aber ander Wilde gewesen, das nicht Gehurn hat, oder tregt, tuͤt das tyer den Schaden. Das richt man, als hie- vor gesprochen ist. Und ist es Viehe das schedlich Horen hat, man sols im abschnei- den und thut man das nicht man muͤß es bessern, als hievor geschrieben ist. Von dem der ein schedliches Pfert hat. Und hat Ein Man eyn schlahendes Pfert, und weist er das wol wan er dar- auf siczet, so sol er die Leut von im heis- sen gan und sol von den Leuten reitten. Und tuͤt er des nicht Woͤlichen schaden es tuͤt er sol in gelten, als hievor gesprochen ist. Tuͤt er aber als hievor gesprochen ist. so giltet er nicht. Laugnet man im daß er nit habe heissen weichen sind leut da gewesen, er soll es er zeugen selb dritt. Und ist ein man bey im gewesen, so er- zeug es selb ander. Jst nyman da gewe- sen, so berede es zu den heiligen und sey ledig. toͤtet das Pfert ein Menschen, oder laͤmet oder wundet das sol man richten als hievor gesprochen ist. Der wilde Tier heimlich ma- chen will. Der Wilde auf buͤrgen oder in stet- ten zeuchet, das gat hyn zu Walde unnd wider heym, dieweil es die Gewohnheit hat so heisset es sein. Und vahet es ye- mand, das soll man im buͤssen, als hie- vor gesprochen ist. Gat es aber hin und kommet nicht hinwieder yn runt acht ta- gen. Wer es denn vahet, des ist es, oder in wes Wiltban es gat, des ist es auch Wir sprechen also, das kein richter seinen Leib gar soll nemmen. Weder umb gefigel noch umb Gewilde, noch umb Fische. Von schaͤdlichen tieren/ das merck also. Wer behaltet einen anfelligen Hund oder einen czaͤmen Wolff, oder Hirß oder beren, wa sy icht schaden thund das soll der gelten des sy seind. Wil er sich ir entziehen des sy dann seind, damit wirt er nit unschuldig. Wann es ist wieder recht. Wer Wild bey den Leuten zaͤm will machen das nymmer zaͤm kan wer- den, schlecht ein man einen Hunde ze tod oder ein Beren oder ein tier dieweil es im den schaden er beleibet on schaden. Ob man aber im nicht gelaubt haben es dann die Leut gesehen, so soll er selb dritt schweren das es also sey. haben aber es die Leut nicht gesehen, man sol seinen eyd darum nemen. Von allerley Hund/ wer die schlecht oder stilt. Wer einen leythund stilt oder ze tod schlecht, der sol seinen Herren des der J i Hund Fuͤnffter Theil/ Hund was einen als guͤtten geben als yener was, und sol im sechs schilling dar- zu geben. Von den treyb hunden merck also Wer einen Hundt stilet, der ein treib Hundt heisset er sol dem Herren ei- nen als guͤtten wider geben, und drey schilling darzu. und will er schweren das er unschuldig sey das tuͤt er wohl mit ei- nen Biderman. Des leithundes sol er laugnen mit dreyen mannen. Von Spuͤrhunden merck: Wer einen Spuͤrhund stilt oder schlecht der muͤß einen als guͤtten geben als yener was und sechs schilling. Eyn Hunde heisset ein Byber Hund. und wer den stilt oder ze todschlecht der muͤß einen als guͤtten geben und sechs schilling dar- zu. Ein Hunde heisset ein Winde der Hasen vahet oder ander Wilde, der hat das selb recht und drey schillinge darzu. Ein Wachtel Hund hat das selb recht und drey schilling darzu. Ein Hund der grosse Wilde vahet, Bern, Hirß und Wolff, und alle grosse tier, der hat das selb recht, und drey Schilling darzu, ein Hund den ein Hirt um ein Vihe zeuhet das er die Wolff beisse. der hat das selb recht, und drey schilling darzu Ein Hund umb ein Hoffwart der einen sei- nes Hauß huͤttet tag und Nacht. unnd stilt den ein man nach dem, und die sunn under gat oder schlecht in ze tod. Er geb im einen also guͤtten als yener was und drey schilling darzu. und er hat doch diepheit daran begangen. Und tuͤt er es bey schoͤnen tag. so geb ihm einen als guͤtten als yener was und einen schilling darzu. Ob ein Hund einen man anlauffet. Und ist das ein Hund einen man anlauffet. und im in sein Gewande beis- set oder in seine blosse Haut wa das an seinem Leibe ist, und wert er sich und schecht yn ze tode. er sol im einen als guͤtten geben als yener was und einen Pfennig und nicht mer. Es soll aber yener des der Hund was yenem seinen schaden halb ablegen, oder er sol im des Hundes nicht gelten. Und sol auch dein Richter mit buͤssen. Und wie sol er das bewaͤhren, der den Huͤnd erschluͤg oder stach das er als guͤt sey als yener was, den er im dafuͤr gelt. Da sol er zu den heiligen schweren daz er als guͤt sey als yener was. Wil aber yener nit schwe- ren. so muͤssendt es from leut scheiden. Der einen Hund laͤhmet. Und ist das ein man einen Hund wundet das er lam wird an den beynen, und ist nyemandt nuͤcze. so sol er ym ha- ben den lamen Hund. und sol yenem ei- nen als guͤtten Hund wiedergeben als yener was und viel Pfennig darzu als davon geschrieben ist. Diese recht seczet Koͤnig Karel an den Babst leo von Hun- den und von Vederspyl. Von sperbern und von Ve- derspyl. Wer einen Habich stilet oder vahet. wer den Kranich vahet der soll im einen als guͤtten geben als yener was und sechs schilling, und umb den Habich der den reygel vahet dieselb buͤsse. und drey schil- ling um einen Valcken der die Vogel va- het in den luͤfften ist dazselb recht als um den Habich der den Kranich vahet. Von Sperbern. Wer einen Sperber oder sprinczen oder ander Vogel die auf der Hand treyt, wer die stilt oder schlecht der geb einen als guͤtten als yener was, und einen schil- ling umb einen Pfauen das selb recht und einen schilling. Wer einen Hund stilt oder einen Vogel, und geit er es wi- der on gericht und on klag und seind sy als guͤt als sy waren, do er sy stal, und sol sy yener wider nemen, und die Pfen- nig halb als vor dar zu geseczet ist. und sol dem Richter halb buͤß geben. Ob er sein ynnen wird. Von ymmen. Und ist das ymmen ausfliegent und fallent auff einen Bom und er den drey tag nach volget, so soll er yenen sagen, des der bom ist, das er mit im gang uncz das er seinen Ymme gewinne. Sy suͤl- lent mit einander dargau und mit Ag- sten an dem bom schlahen und mit Kol- ben und wa mit sy moͤgent, doch also daz sy den bom nicht verserent noch verder- ben. oder vallet er an einen Zaun oder auff ein Hauß oder woran er vallet. so ist das selb recht als um den Bom, wenn er an den Bom die schleg tuͤt die hie vor ge- nennet sind. Was der Ymmen herab fal- lent die suͤllent sein seyn. und was darauf beleybet die sind yenes des der Bom ist. Der Von der Jagd/ oder dem Weyde-Werck. Der Holtz/ Graß oder Visch stilet. Wer Holtz hauwet oder Graß schnei- det, oder vischet in eines andern mannes Wasser, der sol geben drey schilling und weret er sich Pfandes man sol uͤber in richten als hievon gesprochen ist. Vi- schet er mer dann drey Stund daryn oder hauwet er berend bam ab. Oder groͤ- bet er stein aus die zu marcksteinen gese- tzet sind man soll im Haut und Hare ab- schlahen. Oder er sol es loͤsen mit dreys- sig schilling. und wa man in vindet, man mag in wol auffheben uncz an den Rich- ter. Hactenus Carolus Magnus, so viel man befunden. Verboth auf anderm Grund zu jagen. Solches ist in dem L: Injuriarum. 13. §. Fin. ff. de Injuriis, und L: Divus, 16. ff. de Servit. Præd. Rust. enthalten, da Kaͤyser Pius an die Weyd-Leute klar al- so schreibet: Es ist der Vernunfft und Erbarkeit gar nicht gemaͤß, daß ihr wi- der des Herrn Willen auf andern Gruͤn- den, und Aeckern Vogel stellet; und se- tzet die Glossa hinzu, daß solches gleicher Gestalt auch vom Jagen muͤsse verstan- den werden. Dahero schreibet auch Cajus Lib. 41. ff. Tit. 1: So Jemand auf eines andern Grund und Boden sich unter- stuͤnde zu jagen, oder Weydewerck zutrei- ben, das mag ihm mit allem Recht der Herr desselben Grundes, so ers vermer- cket, wehren, L: Quod enim. §. Plane ff. de Acqvir. rer. dom. Bißher die alten Rechte. Von der Folge des Schweiß-Hundes. Nachdem zwar dergleichen vor Al- ters nicht so gar genau genommen wor- den, so hat doch bey unsern Zeiten und zunehmenden Streitigkeiten hin und wieder der Geitz-Teuffel viel Hader, Zanck, und Gewirre verursachet, ha- ben dahero nachgehends die Rechtsge- lehrten einhellig decidir et, daß, obwoh- len nun eine jedwede Herrschafft ihre or- dentliche Graͤntzen hat, und Niemand in seine Wildbahn oder sein Jagd- Re- gale eingreiffen laͤsset, man dennoch dar- bey, wann vorhero die ausgemachte Fol- ge mit denen Nachbaren verglichen worden, dieses zu observi ren noͤthig habe, nemlich, daß derjenige Schuͤtze, welcher in des benachbarten Revier sein verwunde- tes Thier spuͤhret, wenn er solches noch nicht angehetzet, auf der Graͤntze verbre- chen, auch den Anschuß mit einem Bru- che bemercken, so dann solches bey dem benachbarten Jaͤger melden solle, wel- chem er folglich schuldig ist, den Anschuß und die Flucht uͤber die Graͤntze nebst dem Schweisse zu zeigen, (denn ohne die- ses ist jener nicht schuldig, solchen anhe- tzen zu lassen,) so dann muß es ihm mit dem Hunde zu verfolgen, und wie er sol- ches binnen 24. Stunden habhafftig wer- den kan, verstattet werden. Wenn er aber das Thier auf seinem Revier anhe- tzet, und solches der oder die Hunde uͤber die Graͤntze bringen, so ist der Jaͤger be- fugt dem Thiere mit seiner Buͤchsen zu folgen, und wenn er es bekommen, darf ers ohne gemeldet nicht wegfuͤhren, son- dern ist gehalten, solches des Orts Jaͤ- ger anzuzeigen, welcher, nachdem er, wie oben gemeldet, Flucht und Schweiß re- cognosci ret, ihme alsdann die Abfuhr desselben zu verstatten schuldig ist. Die- ses ist zwar Rechtens, man hat aber kei- ne Rechts-Regul, welche nicht eine Exce- ption habe, und kommt es in diesem Stuͤck meistens auf den Nachbarlichen Vergleich an, dann manche gestatten die Folge, andere aber nicht; Manche muͤs- sen dem vornehmen Nachbar oder Lands- Herren das angeschossene Wild anzeigen, wird ihnen aber keine Folge verstattet, und ist hierinnen Laͤndlich, sittlich, nach dem gemeinen Sprichwort, wie man sich verglichen, und der Nachbar in der Pos- session, Præscription, gutwilligen Zulas- sen, und dergleichen, von langen Zeiten her gewesen, und dessen sich gebrauchet. Es solten nun zwar billig wohl mehre- re Urtheils-Fragen, und Rechts-Spruͤ- che von Forst- und Jagd-Sachen hier- bey amplifici ret seyn: Dieweiln aber erstlich notori sch, daß der Autor ratione Materiæ dieses Wercks ein Jaͤger, und kein Rechtsgelehrter sey; andern Theils solche Decisa \& Rationes dubitandi \& deci- J i 2 dendi Fuͤnffter Theil/ dendi bereits in des Herrn Ahasveri Fritz- schii Corpore Juris Venetorio-Forestali, wie auch von andeꝛn Autoribus sattsam u. zur Genuͤge allegir et sind, daß man also bey solcher Beschaffenheit sich in fernere Rechts-Haͤndel nicht mischen wollen, son- dern, wie gedacht, pro Principio das suum cuique wohl zu observi ren seyn will, weiln die Jura denen Vigilantibus geschrieben, und offtmahlen, nach spaͤter Bereuung, durch Nachlaͤßigkeit in der Possession, Veꝛjaͤhꝛung odeꝛ Præscription, und gutwilligen Zulassen leicht was ver- saͤumet wird, welches hernach nimmer- mehr wieder zu bringen ist. Nachdem nun die Præliminaria dieses Fuͤnfften Theils absolvi ret, so wird noͤthig seyn, den Anfang eines jungen Jaͤgers mit al- len noͤthigen Reqvisitis hierbey dem ge- neigten Leser vorzustellen. Vom Hunde-Jungen. Es wird Jederman ohnfehlbahr bekennen muͤssen, daß bey allen Kuͤnsten ein Lehrling oder Schuͤler erfordert wer- de, ohne welchen Anfang kein Meister gebohren worden. Wie nun besagter Maassen bey andern Kuͤnsten, Hanthie- rungen, oder Gewercken, solches ge- braͤuchlich ist; Also hat es gleicher Gestalt auch die Beschaffenheit bey der hochloͤb- lichen Jaͤgerey. Muß derohalben ein solcher Junge, er sey, wes Standes er wolle, Adelich, Buͤrgerlich, oder ein Bau- ers-Kind voꝛnemlich folgende noͤthige Re- qvisita haben: Nemlich er muß seyn von ehrlicher Geburth, christlichen Eltern, wohl erzogen, zur Schule gehalten, zum wenigsten muß er lesen, schreiben, und, wo moͤglich, rechnen koͤnnen, und ja nicht zu fruͤhe aus der Schule genommen werden, denn in der Schule das beste zu lernen ist. Hernach muß er auch vor- nemlich rechte Lust zur Jaͤgerey haben, und bey sich einen innerlichen Trieb, und Zuneigung, auch wahre Begierde zu ler- nen befinden, wornach die Eltern vor al- len Dingen zu sehen, und solches wohl zu examini ren haben, und kan er wohl et- wan ein halb oder gantzes Jahr probi- ren, und, da ihme die Arbeit oder Zucht nicht anstaͤndig, bey Zeiten davon ablas- sen, und eine andere Profession erweh- len. Vornemlich muß er auch Gotts- fuͤrchtig, fromm und fleißig, getreu und auffmercksam, willig, und gehorsam seyn, sich gegen seinen Lehrmeister wohl ver- halten, was ihme gewiesen wird, fleißig mercken, und nicht gleich unachtsam, und vergessen seyn, viel weniger sich auf seiner Eltern hohen Stand, Wuͤrden, oder Vermoͤgen zu viel verlassen, selbst nicht angreiffen wollen, sondern andere halten, denn so wuͤrde er nichts lernen, noch begreiffen, sondern ein unge- schickter Juncker bleiben. Nechst diesem muß er auch nicht gebrechlich oder un- tuͤchtig seyn, sondern von rechtem Alter, und gutem Verstande, die Hunde von Natur lieben, ingleichen tauerhafftig und wachsam, von gutem Gesicht und Gehoͤr, von gutem Athem, zu blasen, schreyen und lauffen seyn, sich auch keine Arbeit im geringsten verdriessen lassen, wo er anderst was rechts lernen will. Solten auch gleich bey ereignetem Muth- willen, da der Jaͤger oder Lehr-Meister so offte gewarnet hat, ein Paar Ohr- Feygen passi ren, davon ein solcher Jun- ge nicht sterben wird, muß er nicht das Maul gleich haͤngen, vielweniger ihn vol- lends die Eltern verhaͤtschlen, sonst waͤre er gleich verdorben. Seine noͤthigste Ar- beit ist, fruͤhe auffstehen, fleißig beten, sich waschen, und kaͤmmen, sich reinlich in Kleidungen halten, denn Feuer un- tern Kessel, und Wasser warm machen, darinnen zerspaltene Rinder-Kaͤlber- oder Schaaff-Beine, Klauen, Fett und Marx thun, die fette Bruͤhe auskochen, und in den Fraß-Zuber giessen, welcher Abends vorher mit geschnittenen kleinen Brod-Stuͤckgen, und Haber-Schroth wohl eingebruͤhet worden, zugedecket uͤ- ber Nacht gestanden und wohl durchge- weichet hat. Wann nun die Mehl-Sup- pe recht auffgekochet, alles zusammen ge- gossen, und wohl untereinander durch- ruͤhret ist, muͤssen zwey Jungen den Fraß-Zuber verdeckt aus der Kuͤchen tragen, worbey allezeit ein Jaͤger-Pursch oder Knecht, so die Auffsicht uͤber die Hun- de hat, mit der Spieß-Ruth mitgehẽ muß. Bey Auffmachung des Stalles, wann die Hunde zuruͤck getrieben, und der Fraß-Trog entdecket, wird der Fraß hin- ein geschuͤttet, und durch die Jungen fein mit reinen gewaschenen Haͤnden durch- griffen, und beruͤhret, biß es laulicht oder kuͤhle wird, daß es denen Hunden nicht Von der Jagd/ oder dem Weyde-Werck. nicht zu heiß sey, und dieselben sich inner- lich nicht verbruͤhen, wovon sie Lungen- suͤchtig und mager werden, auch nimmer zu Leibe kommen; Jndessen stehet der Jaͤger-Pursch oder Knecht dabey, mit der Spieß-Ruth, daß die Hunde nicht eher an Fraß lauffen, biß es verkuͤhlet, und ihnen zu fressen permitti ret wird, dabey alles still und ungehindert seyn muß. Jst der Fraß aber fuͤr die Engli- schen oder Hatz-Hunde, so angeleget sind, wird einem jeden sein Faͤßlein durch die Gaͤlte gefuͤllet. Wann der Fraß vor- bey, reinigen die Jungen den Koth und Unflath, auch das beseigte Stroh aus dem Stalle, striegeln und putzen die Hun- de, kehren alles rein, geben frisches Was- ser, und rein Stroh, daß nichts verges- sen werde, nehmen ihren Fraß-Trog wiederumb, und tragen ihn nach der Kuͤ- che, lassen sich sich vom Puͤrsch-Meister, Jaͤger, oder wer das behoͤhrige Proviant unter sich hat, frisches Brod, Mehl und Haber-Schroth, nach ihrem gewissen De- putat geben, schneiden das Brod ein, un- termengen es mit Haberschroth, giessen sied-heisses Wasser daruͤber, und lassen es verdecket stehen. Diese Ordnung mit dem Fraß ist nun wohl die gebraͤuchlich- ste und nuͤtzlichste, wie ich es denn auch nirgends anderst gesehen, wo es sonsten ordentlich zugegangen. Damit sich auch die Hunde nicht verliegen, und steiff wer- den, werden sie gemeiniglich, und zum wenigsten des Tages einmahl ausgefuͤh- ret: bey denen Englischen großen Hatz- Hunden gehet der Ruͤden-Knecht mit ei- nem Fang-Eisen schuldernt vor an, den groͤsten Hund fuͤhren zwey Bauern, die andern werden von jedem Bauer hinter einander gefuͤhret, und zuletzt ge- het ein Jaͤger-Pursch, welches so Ma- nier ist. Die Jagd-Hunde aber fuͤhret der behoͤrige Jaͤger-Pursche mit der Peitzschen voran, die Hunde hinter ih- me, ein Jung zuletzt, und zwey auf bey- den Seiten, daß sie die Hunde gewoͤh- nen, in einem Haͤufflein hinter dem Jaͤ- ger zu gehen. Die Zeit des Fraßgebens ist gemeiniglich zweymahl des Tages, zu Sommers-Zeit fruͤhe umb Sechs oder Sieben, und Abends umb Sechs, im Winter aber fruͤhe umb Acht und des A- bends um Vier Uhr, nach Beschaffenheit der Jahres-Zeit; doch ist dieses von al- ten Hunden zu verstehen, dann junge halbwuͤchsige Hunde muͤssen des Tages dreymahl, die kleineren Hunde aber wohl vier biß fuͤnff, und mehrmahlen, offte und wenig, zarte Speiße kriegen, wann sie anderst nach Begehren gehoͤrigen Wachsthum haben sollen; Sonst wuͤr- den sie verbutten, und ist bey gar jun- ger Hunde Erziehung ein gedultiger Pursche und Junge am noͤthigsten, wel- ches wohl zu mercken. Solte aber ein Junge sich auf die faule Seite legen, oder aus Leichtfertigkeit sich verfuͤhren lassen, und seine Schuldigkeit nicht thun wol- len, sich wiederspe r ren, voll sauffen, spie- len, oder gar huren lernen, des Nachts herumb rantzen, und fruͤhe fein lange schlaffen, den muß sein vorgesetzter Jaͤ- ger fein fruͤhe im Bette mit der Spieß- Ruthe zum kuͤnfftigen Denckmahle auf- wecken, und dergleichen Laster bey einem solchen Jungen niemahls ungestrafft hin- gehen, und solcher maassen schaͤdlich ein- wurtzen lassen, wovon er sonsten bey dem lieben Gott schwere Verantwor- tung haben, und zu seiner Zeit Rechen- schafft zu geben gehalten seyn wuͤrde, denn solche Kinder, wann abhaltende scharffe Straffe nicht waͤre, gar leichte verderben solten, nach dem gemeinen Sprichwort: quo semel est imbuta recens, servabit odorem, testa diu. Von dem Jaͤger-Pursch. Sind nun die Kinder-Schuh des gewesenen Hunde-Jungens vertreten, und hat er sich nach mancher Verbal- und Real- Zucht und Correction die drey Jahr uͤber, so lang er gelernet, ein merck- liches geaͤndert und gebessert, seine vo- rigen Laster vergessen, und beginnet sich fein erbar, hoͤfflich, und manier lich auf- zufuͤhren, erlanget er zum Præmio den Titul eines Jaͤger-Pursches, und ist als- dann wuͤrdig das Horn-Fessel zu tra- gen: Maassen er ja verhoffentlich Zeit waͤhrenden Jungen-Standes die drey Jahr lang das Hief-Horn wird haben blasen lernen, nemlich, erstlich: Anfangs mit einem Stoß einem langen Hief; Zum andern: Drey Hennebergische reine lan- ge Hief; Drittens: So viel kurtze Hief, als der Jaͤger Odem halten kan, doch wenigstens einen jagdbahren Hirsch von J i 3 10. biß Fuͤnffter Theil/ 10. biß 12. Enden zu melden; Vierd- tens: Des Jagen abzustossen, mit nach einander kurtzen Hief, reinlich geblasen; Und letztens: Wiederumb einen langen Hief, wie im Anfang, doch ohne Rundel o- der Triller. Und sind die Hief-Hoͤrneꝛ meist dreyerley Gattungen, Thon oder Klang, als Zincken von klarem Laut, worauff die Jungen lernen, Mittel-Hoͤrner, die ei- nen mittelmaͤßigen Thon haben, und Ruͤden-Hoͤrner, die einen groben oder tieffen Laut haben; Heut zu Tage aber traͤget man meistens Halb-Ruͤden-Hoͤr- ner, weil die gantzen Ruͤden-Hoͤrner gar zu groß und unbeqvem sind. Es wer- den dieselben von einem absonderlichen Meister aus Buͤffels-Hoͤrnern gemachet, weich gekochet, in ein Klotz gebohrtes Loch eingezwenget, das behoͤrige Loch durch- bohret, herausgenommen, aͤuserlich umb das Mundstuͤcke abgedrechselt; Vorn am Schall-Horn mit rothem Wachs ge- puͤffet, vom Riemer eingebunden, das Horn-Fessel mit behoͤrigen Schnallẽ und Beschlaͤg, doch dem Stande gemaͤß, von silbern Dressen oder Corduan em Leder mit staͤhlerm Beschlag gemachet, und angefesselt, worauf sich ein Horn-Satz von Bocks- oder Hammel-Haaren ge- hoͤret, nebst einer gruͤnen Schleife Band. Jch muß hierbey dieses eroͤff- nen, daß vor Alters dieser Horn-Satz von einer gewissen Laͤnge braͤuchlich ge- wesen: Weiln ein reisender Jaͤger von der Straßen so weit einen Fuchs, Haasen oder Ente, als einen Zehrpfennig schies- sen durffte, worauff solches bey der Hoch- loͤblichen Jaͤgerey, als ein altes Herkom- men, verblieben ist; wiewohl es man- ches Orts vielleicht aus Unwissenheit gar nicht getragen wird. Die gar uhralten Teutschen hatten bey ihren Jagen nur schlechte gemeine krumme Hoͤrner, wie sie gewachsen waren, wie dann annoch heut zu Tage die Pohlen zu ihren Jagd- Hunden dergleichen gebrauchen. Das vornehmste aber, und die Ursach, war- umb ein Horn getragen werden muß, ist erstlich, umb solches in waͤhrendem Treiben, wo er angestellet ist, durch drey Hief zu melden; Jm Treiben das Jagen zu blasen, und letzlich dienet es, einen Jaͤ- ger vom andern zu distinguir en, wie es denn auch als ein Holtzgerechtes Zeichen seine Bedeutung haben soll. Diß waͤre al- so vom Teutschen Horn genung vermel- det. Wie nun aber von Rechtswegen der Junge nur einen Guͤrtel und kein Horn-Fessel tragen darff, also gehoͤret sich auch dem Jaͤger-Pursch wohl das Horn- Fessel beschriebener Maassen zu tragen; jedoch aber, wann er noch nicht recht wehrhafft gemacht worden, keinen Hirsch-Faͤnger, es sey denn auff der Rei- se. Der Jaͤger-Pursch muß also nun- mehro keine Jungens-Possen mehr vor- nehmen, und seinen Verstand mit den Jahren zunehmen lassen, alle vorhin erzehlte Laster, davon in der Vorrede gedacht, sonderlich diejenigen, worzu jun- ge Leute ohne diß inclinir en, als Sauffen, Huren, und Spielen, gaͤntzlich lassen, das Seinige fein zu rathe halten, und nicht liederlich verthun, sonderlich aber, da er nunmehro nichts zu thun, taͤglich ler- nen, erstlich Holtzgerecht zu werden; Da muß er sich ja nicht schaͤmen, den einfaͤl- tigsten Asch-Mann, Kohl-Brenner, Pech- Mann, Klaffter-Schlaͤger und Zimmer- mann zu fragen: Lieber saget mir die- ses oder jenes Holtzes Beschaffenheit, und sie nicht anschnautzen, weniger verlachen, sonst man wenig erfahren wuͤrde. Bey dem Wildpraͤth, unter welchen der Hirsch und das Schwein das vornehmste ist, je- doch aber die andern nicht zu verwerffen seyn, erkundige er sich nur bey den Hirten, Schaͤfern, Feld-Huͤtern, oder alten Bau- ern: Hoͤret, habet ihr nicht einen Hirsch oder Schwein gesehen? war es groß oder klein gestalt, mager oder feist? Lieber weist mir dessen Gefaͤhrde; Hieraus kan er nun des Manns Ansage nach die Gefaͤhr- de und das Thier judicir en, sonsten bil- det man sich immer einen Hirsch vor, wie einen Ungarischen Ochsen groß, oder hat er ja einen Hirsch von ferne lauffen se- hen, glaubet er, es muͤße ein Hirsch seyn wie der andere, das waͤre gefehlet, wel- ches man aber durch Erkaͤntniß vieler- ley Gefaͤhrde zu unterscheiden lernet; und kan man bey dergleichen einfaͤltigen Leu- ten zuweilen durch ein gut Wort und umb ein Paar Kannen Bier mehr erfah- ren, als von manchen Jaͤgern umb ze- hen Thaler. Mit dem Zeugstellen, so noch uͤbrig, muß er sich ja in Zeiten mit den Zeug-Knechten und Stell-Leuten gu- te Bekantschafft machen, etwan einen o- der zwey, so die erfahrensten sind, eine Zeche Bier frey halten, sie oͤffters be- suchen, freundlich mit denenselben con- versir en, damit, wann ein Jagen vorge- het, er sichere Addresse haben moͤge, da muß er sich nicht schaͤmen, bey Abfuͤh- rung des Zeugs die Leinen frisch anzu- greif- Vor der Jagd/ oder dem Weyde-Werck. greiffen, Hefftel einzuschlagen, veste zu machen, aufzuheben, anzupfloͤcken, oder was nur noͤthig vorfaͤllet/ dadurch er- langet er Wissenschafft, den Jagd-Ge- zeug zu verstehen. Jch setze aber zum voraus, daß er, was die Hunde betrifft, bereits das behoͤrige gelernet, wenig- stens die vornehmsten Principia darvon begriffen habe, als worauf das Funda- ment beruhet, dann ein Kriegsmann oh- ne Schwerdt, ein Jaͤger ohne Hund, sind schuldig schwere Pfund, nach dem alten Sprichwort. Mit den Jungen muß er nunmehr sich nicht mehr gemein machen, sondern seinen Respect auch in diesem Stuͤck in acht nehmen, doch ihnen nicht unrecht, oder Gewalt thun, weniger ver- fuchsschwaͤntzen, sondern bedencken, daß er auch Junge gewesen, und daß er zwar keiner mehr, doch aber noch auf gewis- ser Maasse, wegen des Leith-Hundes Be- haͤng, ein Lehrling und noch nicht ein vollkommener Jaͤger zu nennen sey. Jm Schiessen, so wohl mit der Flint im Flug und Lauff, welches anjetzo das gebraͤuch- lichste ist, als auch sonsten, sonderlich a- ber nach teutschem Herkommen mit dem Puͤrsch-Rohr Wildpraͤth zu faͤllen, muß er sich fleißig exerci ren und dahero su- chen, sich bey einem Foͤrster, welcher et- wan viel zu liefern hat, beliebt zu ma- chen, und wann er zeiget, einen guten Schuß zu thun, denselben bitten, daß er ihm zulasse, sich zu exerci ren das Wild- praͤth zu puͤrschen. Alles benoͤthigte, als Spanner, Puͤrsch-Rohr, Flinte, Schroth-Beutel, und was mehr noͤthig seyn moͤgte, muß er sich anschaffen, in- gleichen niemahls ohne Fang-Strick- gen, Pulver-Horn, Messer und Brod, sich finden lassen, welches zu allen occa- sion en dienlich ist. Von der Behaͤngens-Zeit. Dieses ist nun eigentlich das Fun- dament und der Anfang eines jungen Jaͤgers, die Hochloͤbliche Jaͤgerey mit al- ler und jeder Zubehoͤhr gruͤndlich zu be- greiffen, auch so wohl die Gefaͤhrde ei- nes Hirsches, als den Leith-Hund recht arbeiten, und zusprechen lernen, wie sich dessen unsere liebe alte in Gott ruhende Vorfahren, hohes und niedriges Stan- des, nicht geschaͤmet oder verdriessen las- sen, sondern mit besonderm Eyfer, Lust und Liebe vielfaͤltige Wundernswuͤrdige Muͤhe und Fleiß angewandt haben. Den Leith-Hund betreffend, als das Instru- mentum, muß derselbige, wann es des Winters gar zu kalt, nicht immer anlie- gen, sondern im Zwinger frey herumb lauffen, auch unter seinen Fraß ein we- nig Schwefel, ihn zu erhitzen, und wann es zu bekommen, dann und wann etwas von rohem Hirsch-Wildpraͤth oder Schweiß, untermischet werden. Zu An- fange des Aprilis aber muß er wieder- umb an die Kette geleget werden, da- mit er wiederumb baͤndig gewoͤhnet, und mit desto bessern Nutzen im Monat Ma- jo und Junio, woselbst feine warme, lieb- liche und stille Morgen sind, gearbeitet werden koͤnne, weiln im Julio und Au- gusto sich schon die Winde einfinden, im September aber die Hirsch-Brunfft an- gehet, und das Graß schon gar zu hoch gewachsen ist. Also faͤnget sich nun sol- che Behaͤngens-Zeit des Fruͤhlings an, und wird mit rechtem Nutzen gehalten, wann das Wildpraͤth sich von denen Winter-Haaren abgehaͤret, und wieder- umb verfaͤrbet hat, nachdem der Win- ter starck oder schwach gewesen, sich zu erhohlen, dann auch die Wiesen und Gruͤnde von jungem Graß fein gruͤne worden, auch liebliche, warme und stille Morgen sind, gemeiniglich im May-Mo- nat, da die Winter-Kaͤlte vorbey, und der Thauschlag kennlich, auch nicht Re- genicht oder Windigt ist, weiln der Re- gen und die Kaͤlte die Atomi oder Duͤn- ste der Witterung von der Gefaͤhrd gar zu sehr daͤmpffen, der Wind aber den Geruch des Wilds dem Hund entgegen bringen wuͤrde, daß er mit der Nasen nicht zur Erden bleiben, sondern den Kopff in die Hoͤhe, und gegen den Wind suchen, ku- cken, uñ die Spuhr endlich uͤbergehen ler- nen, also auff solche Art verderben wuͤrde. Die Ursache, warumb und worzu dann eigentlich der Leith-Hund, oder diese Wissenschafft noͤthig waͤre, moͤchte man- cher begierig seyn, zu wissen; Diesem nun dienet zur dienstfreundlichen Nach- richt, daß der Allmaͤchtige Schoͤpffer die- ses edele Thier mit besonderer Vorsor- ge dem Menschen, als das angenehmste und vollkommenste Thier unter allen andern, zu seiner sonderbahren Vergnuͤ- gungt unterworffen; Da nun aus ge- wissen Fuͤnffter Theil/ wissen Ursachen die Hohe Landes-O- brigkeit nicht unbillig sich den Hirsch vor- behalten hat, nach gehabter Regierungs- Sorge durch dessen Jagd sich zu belusti- gen, und darzu Jaͤger brauchet, solche auff unterschiedliche Art und Weise nach ihrem Gefallen zu erlegen; So ist der Leit-Hund erfunden worden, als das wichtigste Instrument eines Jaͤgers, wor- auff seine Renommée, und Ehre beru- het, umb seinem hohen Principal durch fleißigen Besuch des Waldes mit seinem Hund, richtigen Rapport zu geben, ob er im Wald Hirsche habe, oder nicht, und, wo einer allein stehe, anzeigen zu koͤnnen, damit nicht durch falsche Opi- nion man sich Hirsche einbilde, wo nichts verhanden, dem Herrn Unwahrheiten vorschwatze, unnoͤthige Unkosten den Zeug zu fuͤhren verursache, sich bey dem- selben in Ungnade stuͤrtze; Bey andern aber Hohn und Spott erlangen moͤge. Wann man nun eines stillen Morgens genungsam versichert, ohne welchen nichts auszurichten, und man den so genannten Leopoldus- Tag zu celebrir en sich vorgenommen hat, welches ob es gluͤcklichen Fortgang haben werde, man an einer Aespe, und deren Laubes Be- wegung leichte vorher sehen kan, als welche den geringsten Wind anzeiget. Jst es nun ein schoͤner stiller Morgen, so ziehet man hinaus und fuͤhret den Leith- Hund an der Halsung und Hengeseil vor sich aus mit froͤlichem Zuspruch, ihn auff- zumuntern: Vor allen Dingen aber muß er jederzeit mit der Nase an der Erden bleiben, damit er kein Gefaͤhrd auch beym harten Boden, da nichts zu sehen, uͤbergehen lerne, sondern jeder- zeit darauff richtig verbleibe; Auch muß man verhuͤten, daß er ja nichts leben- diges in die Augen zu sehen bekomme, als wodurch er zum Umbsehen, kucken und schwaͤrmen veranlasset, und nach- mahls endlich gar die Gefaͤhrd nicht mehr achten wuͤrde, zumahl, wenn er Wild sehen solte, wuͤrde er darnach wollen, oder gar die Leute anschlagen, welches ihm aber durch Bedeckung des Bruchs zu verhindern, oder bey dessen Hartnaͤckigkeit durch das Henge-Seil mit Schnellen zu bestraffen, und muß hierbey besonderer Fleiß und Auffmerck- samkeit angewendet werden. Wann nun das Wildpraͤth oder die Hirsche zwey biß drey Stunden lang von Fel- dern zu Holtze sind, ziehet man mit dem Leith-Hunde, seiner Halsung und dem Henge-Seil, vor dem Holtze an den Fel- dern und Wiesen lang hin, loͤset den zu- sammen gewickelten Riemen oder die Tocke von einander, nimmet den Leith- Hund an dem Henge-Seil in die rechte Hand, einen Bruch von frischem eiche- nen Laub in die lincke Hand, ziehet da- mit ferner fort, und laͤsset das Henge- Seil schleppen. Wann man nun also mit dem Hunde fortziehet, muß es auf duͤrren Laͤden und trockenen harten Plaͤtzen ge- schehen, weil der Hund sonsten in wei- chem leimichten Boden, feuchtem Lehm, nassen Koth oder Loͤcher den Thauschlag oder Anstrich sehen kan, als wodurch er auff hartem und trockenem Boden die Gefaͤhrde uͤbergehen lernet, weiln die Witterung des Wildpraͤths, von den Schalen in die Faͤhrde eingedruckt, also beschaffen, daß die zwischen denen Scha- len befindliche Feuchtigkeit, welche fast continuirl ich nasset, wenn das Thier tief eintritt, von der Erde so starck an- genommen wird, daß ein Hund die Wit- terung davon gar zu starck empfindet, auch die Tritte meistens sehen kan. Wann nun der Hund erstlich, und zwar zum oͤfftern auff solche frische Faͤhrde, die er sehen kan, gearbeitet wird, und man koͤm̃t hernach mit ihm auf harte Ledden oder Kieß, und trockene Felder, wo die Wit- terung subtiler ist, und man wenig oder gar nichts sehen kan, so faͤllt er solche ent- weder gar nicht, oder doch wenigstens kaltsinnig an, und suchet weiter nicht fer- ner fort; Also muß man ihm vor allzu frischer Gefaͤhrde mit Fleiß abhalten, und ja nicht unbesonnen darauff ablie- beln, oder etwan mit ihm auff selbiger gar zu lange nachsuchen, dadurch er end- lich diese Gewohnheit an sich nimmet, eine wenig alte Faͤhrde nicht fleißig zu suchen, oder gar zu uͤbergehen, daß man sich also auff ihn wegen einer zwey oder dreystuͤndigen alten Faͤhrd nicht sicher und gewiß verlassen darff. Von Arbeiten des Leith-Hundes. Wann nun der Leith-Hund richtig suchet, und nichts uͤbergehet, spricht man ihm mit manierli cher und zierlicher Stimm sittsam zu, doch mit keinem Ge- prell Von der Jagd/ oder dem Weyde-Werck. prell oder grossem Geschrey, also: He, he? hin, und repetir et ohngefehr alle zwantzig biß dreyßig Schritte solchen Zu- spruch, ihn auffzumuntern, nachdem der Hund von Natur ist; Denn hitzige junge Hunde, die ohne dieß zu suchen allzu grosse Begierde haben, die werden durch vieles Zuspꝛechen hiervon bald laut, und ist ihnen hernacher schwerlich solches abzugewoͤhnen; Faule Hunde aber mun- tert man durch den Zuspruch desto besser auff, mit mehrer Lust die Gefaͤhrde de- sto fleißiger zu suchen. So nun der Hund einige Gefaͤhrd findet, oder anfaͤl- let, stehet man gleich gantz stock stille, giebt dem Hund das Haͤnge-Seil mit leiser Hand willig nach, zu sehen, was er thut, ob er fort zu ziehen in Willens, und was er vor sich habe, dann greifft man mit beyden Haͤnden am Haͤnge- Seil an, biß zum Hunde, buͤcket sich zu ihm, umb die Gefaͤhrde genauer zu er- kennen, ob er richtig sey, und fraget ihn freundlich: Was da, mein Mann? was schleicht daher ? Wann nun der Hund ferner an der Gefaͤhrd fest beharret, laͤs- set man ihn zur rechten Hand am Haͤn- ge-Seil hinaus fahren, und suchet wie- derumb solch Gefaͤhrd, spricht zu ihm: Nun laß sehen, mein Mann, laß sehen, wo schleicht er hinaus? So der Hund die Gefaͤhrde findet, spricht man: Nun richts aus, mein Mann, richts aus, zu der Faͤhrd, hin, hin. So er nun abermahl recht hat, laͤsset man ihn noch eines in Bogen, wie gemeldet, vorgreif- fen, umb zu sehen, ob der Hund die Ge- faͤhrde richtig behaͤlt, und spricht zu ihm: Greiff wieder, mein Mann, zur Faͤhrd, hat sich gewendet, hin, hin. So er nun abermahls inne haͤlt, und recht hat, spricht man: Nun richtig, recht, laß sehen, nun richtig, richtig: Und so der Hund stehet, spricht man: Wiedergang laß sehen mein Mann, und arbeitet ihn, wie ich vorhero beschrieben habe: So er nun abermahls recht hat, sagt man: Hab Recht, mein Mann, hab Recht, wieder wend dich, laß sehen. So er zum andern mahl stehet, spricht man zuletzt: Habe Danck, mein Mann, hast Recht, habe Danck, Danck. Wann er nun letz- lich stehet auf der Faͤhrde, hilfft man ihm mit der lincken Hand unter dem Halß ein wenig empor, daß er gestreckt stehe, und liebet ihn ab, mit freundlichen Wor- ten, bestreichet ihn mit dem eichenen Bruch umb die Augen, leget sodann den Bruch aufs Gefaͤhrd, ists ein Hirsch, die Blaͤtter vorwaͤrts, weil er Gehoͤrn traͤget; Jsts aber ein Thier, die Blaͤt- ter hinterwaͤrts, weil es hinten setzen muß, und thut den Hund uͤber die Ge- faͤhrd eine Ecke abtragen, und an einen reinen Ort im Schatten, da kein Ge- faͤhrd ist, anbinden, und ruhen lassen. Vor allen Dingen ist hierbey auch noch noͤthig dieses zu mercken, und halte ich es vor das wichtigste: Nemlich, es ist be- kant, daß nicht allenthalben einerley Grund und Boden, vielweniger einer- ley Landes-Art, Clima, Nahrung, Was- ser und Erdreich zu finden ist, dahero es auch unterschiedliche Hirsche giebet, von verschiedenem gutem oder schlechtem Ge- weyhe, grossen oder kleinen Lauff-Klau- en, die sie auff der Erden bilden und for- mir en: Jn morastigen und weichen Lan- den haben sie einen hohlen und breiten Fuß nebst starcken Affter-Klauen, weil die Feuchtigkeit das weiche schwammig- te Horn und die Schalen an den Fuͤs- sen daselbst wachsend machet, dargegen haben sie zwar auch im sandigten einen grossen, aber darbey einen ebenen, und platten Fuß, platte Ballen und die Sei- ten an Schalen dicke, die Spitzen vorne rund, und machen eine breite kurtze Ge- faͤhrd; Jn den steinigten und harten Landen haben die Hirsche nicht eine so grosse, aber eine besser formirt e Faͤhrd; die Klauen sind runter, die Seiten di- cker, aber stumpff und abgenutzet, auch kleine Ballen. Wie nun die Gefaͤhrd einer Landes-Art, so ist die Nahrung, und folglich also das Gehoͤrne beschaf- fen. Dann die Auen-Hirsche haben von wegen guter Weide ein breites von einanderstehendes Gehoͤrn, voller langen Enden, kraußperrlicht und wohl gestallt, doch mehrentheils braͤunlicht; Die Sand- Laͤnder hingegen haben ein niedriges Gehoͤrn, duͤnne Stangen, und kleine En- den, von blasser Farbe; Die Gebuͤrg- Hirsche aber haben ein starckes schwar- tzes auffrechtstehendes Gehoͤrn, perrlicht, voller guter Eigenschafft, und das we- gen der trefflichen Kraͤuter in Gebuͤr- gen. Weil es nun, wie gedacht, so vie- lerley Boden giebet, als schwartzer, grau- er, gelber, leimichter, rother, steinigter, sandigter, thonigter, untermischter, kieß- ligter, ja gar felßigter, kan man nicht allzeit einerley finden, sondern man muß taͤglich andern Erdboden, und vielerley Gefaͤhrde derer Hirsche suchen, sich zu K k uͤben. Fuͤnffter Theil/ uͤben. Es muß der Jaͤger, als eine von GOtt vernuͤnfftige Seele in Erkaͤntniß der Faͤhrde selbst fein die Augen aufma- chen, und seinen Verstand gebrauchen, welches oͤffters, einem jungen Hund zu helffen, zum Vortheil dienen kan, wann man fein darneben auff der Seite et- wan einen Weg, weiche Erde oder Thau- schlag erblicket, um das gewiste zu spie- len, weiln ein unvernuͤnfftiger Hund vielleicht wohl am Geruche zwischen ei- nem Hirsche und Stuͤck Wild, keinen oder doch wenigen Unterscheid machen duͤrff- te. Wann im Zuge der Hund seine Noth- durfft gerne thun will, muß mit selben stille gehalten, und ihm zugesprochen wer- den: leer aus, leer aus, welches zwar Gedult erfordert; Dahero schertzweise gesaget wird, aus der Ursachen verach- te der Teuffel die Jagd, weil ihn das verdrossen haͤtte, stille zu halten: Und ist hiervon das Sprichwort: Der Hund scheisset stets zum Possen, das hat ihn sehr verdrossen. Ferner ist auch waͤhren- den Zugs, da ohne dieß der Leith-Hund schon den Thau vor sich hat, nicht mit ihm an das Wasser zu ziehen und trin- cken zu lassen, sonst dencket und kucket er nach jeder Pfuͤtze, und uͤbergehet die Faͤhrd, kan auch gar leichtlich verschla- gen: Jngleichen sind auch in Acht zu nehmen alle vorfallende Hindernisse; Nehmlich: Wann man auff gebrannte Staͤdte, Heyde-Plaͤtze, Kohlbrenner- Flecke, oder beregneten Boden kommet, ingleichen wo viel Blumen-Geruch, oder ein Pech-Ofen nahe ist, auch wo Aaß- und Luder-Plaͤtze, Pferde- oder Ochsen- Mist angetroffen werden, Flachs-Roͤ- sten oder anderer Gestanck ist, weil sol- ches dem Hunde an der Witterung schaͤdlich ist, seine Nase einnimmet, daß er die reinen Atomos der Gefaͤhrde des Wilds gantz nicht empfinden kan; Auch soll man nicht wider den Wind suchen, weil ihnen der Wind leicht den Geruch des Wildes entgegen bringen solte, daß er die Nasen in die Hoͤhe recken, sich um- sehen, kucken und die Gefaͤhrd uͤberge- hen lernen wuͤrde, auch nicht mit zu lan- gem Haͤnge-Seil an Straͤuchern, Ge- traͤyde, Schilff oder langem Graß fuͤh- ren, denn sie lernen daran den Kopff in die Hoͤhe zu richten, uͤber sich hin und wieder zu schwaͤrmen, und die Gefaͤhr- de der Erden gar zu vergessen, sondern fein kurtz halten, und nach Beschaffen- heit, so er Wild siehet, mit dem eichenen Bruch vorblenden, oder ablieben: Bey dessen Hartnaͤckigkeit aber mit dem Haͤn- geseil schnellen. Darmit er bey der Lust bleibe, muß er nicht zu offte bem uͤhet werden, sonst ers leicht uͤberdruͤßig wer- den moͤgte. Gemeiniglich sind die alten ausgefuͤhrten Hunde, denen ihre Hitze bereits vergangen, und vor bloͤden Au- gen nicht sehen, sondern sich eintzig und allein auf die Nasen verlassen muͤssen, die besten zu solchem Gebrauch. Da aber ein Hund von guter Art, dennoch aber faul und traͤge waͤre, und man ihn be- giericher haben wolte, kan ihm ein oder zweymahl hinter dem Hirsch zu jagen nicht schaden. Wann nun solcher Ge- stalt der Hirsch vorgesuchet, zu Holtze ge- richtet und verbrochen, man auch dieser Gefaͤhrd versichert ist, daß es der Ein- gang zum Behaͤltnisse und Dickigte sey, ziehet man auff den harten Wegen, und Plaͤtzgen umbher, wo man vermeynet, daß solcher Hirsch geblieben sey: Jst nun dieselbige Faͤhrd (wornach man gar ei- gendlich genau sehen muß) wiederumb uͤber den Weg, und weiter fort, so greifft er ihm wiederumb vor, hat er es dann nicht weiter, so ist es alldar blieben, und stecket in dem Dickigte drinnen; Gehet es aber wiederumb uͤber den Weg, und ist noch dieselbige Gefaͤhrd, wechselt auch wiederum zu ruͤcke und offtmahls fuͤnff, zehen, und mehr mahlen, darff er sich daran nicht kehren, sondern nimmt die Gaͤnge sehr genau in acht, wie viel ihrer seynd: Wann sie nun gerade sind, als viere oder sechse, bleibet er ruͤckwaͤrts, wo er herkommen ist, im Gedickigt ste- hen, sind aber die Gaͤnge ungerade, als 3. 5. oder 7. und so fort, so stecket dersel- be weiter druͤben, wo er hin gewolt hat; So muß man abermahls weiter vor- greiffen. Wann aber der Hirsch oder ein ander Wildpraͤth zugleich mit vielen Wieder-Gaͤngen den Jaͤger irre machen wolte, muß er dasselbige weitlaͤufftiger beziehen, biß er alle Ein- und Ausgaͤnge umbher eingeschlossen hat, und kein Ge- faͤhrd nicht wiederumb heraus findet, und dieses heisset nun eigendlich also, man habe einen jagdbahren Hirsch nach altem Teutschen Jaͤger-Gebrauch gebuͤhrlich bestaͤttiget, dann steckt man einen frisch gruͤnen eichenen Bruch auff den Huth, zum Zeichen, daß man solchen Tages ei- nen Hirsch bestaͤttiget habe. Solche U- bung und Behaͤngen wird alle Jahre, zum besten der jungen Jaͤger, Lehrlinge, und Von der Jagd/ oder dem Weyde-Werck. und der Leith-Hunde, zur Ubung zur Behaͤngens-Zeit, vor der Hirsch-Fei- ste, fuͤnff, biß sechs Wochen lang getrie- ben, und so was bestaͤttiget und ange- sprochen worden, wird es durch Trei- ben auffgesprenget, und so es ein Hirsch, drey Huͤfft ins Horn gestossen, und da- bey: Juch Hirsch, geschrien. Wann nun gegen Mittage, umb 10. oder hoͤher, die Hitze steiget, die Gefaͤhrde austrock- net, der Leith-Hund matt, und des jun- gen Jaͤgers Magen hungerich und dur- stig worden, so wird mit demselben wie- derumb nach Hause gezogen, bey ihrem Lehrmeister gespeisset, und nach dem Es- sen Wechsels-Weise mit dem Baß-Glaß und Huͤfft-Horn in gutem Wein oder Bier beliebige Gesundheiten herumb ge- truncken, oder mit Puͤrsch-Roͤhren umb die Wette nach dem Ziel geschossen, Ke- gel geschoben, und viele andere Lustbarkei- ten mehr angestellet, sich unter einander die Zeit zu vertreiben; Maassen sie daselbst zu solcher Zeit vor ihr Geld diese Wissen- schafft lernen und uͤben, und sich lustig machen koͤnnen. Die Jagd- Pag en der Herrschafft bekommen hierzu absonder- liche Ausloͤsung, umb sich darinnen zu uͤben; Worvon bey Kindtauffen und Hochzeiten manches huͤbsche Bauer- Maͤgdgen Nutzen und Lust mit zu genies- sen hat. Von Bestaͤtigung/ und Probe-Jagen. Wann nun der junge Jaͤger nach fleißigem Unterricht, und offtmahliger U- bung mit dem Leith-Hund die Behaͤn- gens-Zeit an der Wissenschafft und Er- kaͤntniß des Faͤhrds eines recht jagdbah- ren Hirsches, imgleichen mit Umbgang und Arbeit, auch gewoͤhnlichen Zu- spruch firm worden ist, daß er wohl nicht fehlen moͤgte, sondern richtig sey, und er sich getrauet, diß Werck zu præsti- ren, und hat er fleißig auf dem Behaͤn- gen acht gegeben, eines Hirsches Gefaͤhr- de mit allen Zeichen wohl begriffen, den Leith-Hund mit dem gewoͤhnlichen Zu- spruch reinlich zu arbeiten gelernet, daß er sich nicht selbst irre machet, oder uͤber- eylet und einen Plackert machet, alsdenn kan er selbsten alleine das Werck tracti- ren, und hat sodann mehr Ehre und Ruhm davon: Hat er aber in der Be- haͤngens-Zeit nicht recht Achtung gege- ben, solches negligi ret, seine Mittelgen mit Wuͤrffeln oder Carthen verspielet; die meiste Zeit entweder mit Huren o- der Sauffen liederlich durchgebracht und folglich nichts gelernet, da siehet es schlimm aus, und ist nichts anderst zu thun, als nach Hause an die liebe Mam- ma geschrieben, und umb einen Trans- port angehalten, damit man hierdurch ein Præsent von ein Paar huͤbschen Sil- bernen Deckel-Bechern seinem Lehrmei- ster offeri ren koͤnne, dasjenige, so man nicht gelernet, statt seiner zu præsti ren, und mit dem Mantel der christlichen Liebe zu bedecken, welcher bey solchem Zustande das beste thun muß. Wann nun von der Herrschafft ihme erlaubet worden, ein Probe-Jagen anzustellen, alsdann werden wenigstens Vier Fuder Zeug an den Wald bestellet, wo er eini- ge jagdbahre Hirsche vermuthet, und sein Probe-Jagen machen will, und wer- den darnach fruͤhe noch einmahl die ver- muthenden Hirsche vorgesuchet, und ver- neuert; Sodann wird in denen Holtz- Wegen vorgegriffen. Wo diese nun blei- ben, dahin wird der Zeug in der Stille geruͤcket, der Wind observir et, und wanns moͤglich, gegen denselben gestellet; Nachdem die Stell-Leut mit den uͤbri- gen Jagd-Leuten auff beyden Fluͤgeln gleich vertheilet sind, der Zeug von ein- ander gebunden, und abgefuͤhret, so wird dann, wie gebraͤuchlich, recht auf- gestellet, man kan auch beym von einan- der stellen gleich wahrnehmen, wo man mit dem Laufft heraus komme; Weiln derselbe vor allen Dingen nothwendig nach dem Winde gemacht werden, und wo moͤglich, abhaͤngig liegen muß, und wo sie ihre Wechsel nach den Feldern gehabt, wie bekant ist. Wann nun die Hir- sche umbstellet, und der junge Jaͤger diesel- ben nicht anderst als in der Faͤhrd, zum Exempel einen dererselben vor einen star- cken jagdbahren Hirsch von ungefehr Ach- zehen Enden angesprochen, welcher noch zwey Hirsche von Zehen Enden bey sich haͤtte, worbey noch ein Sechser waͤre, muß er solches der Herrschafft mit allen Umbstaͤnden anzeigen. Welche darauf des andern Tages mit dem fruͤhesten hin- ausfaͤhret, und nach dero Belieben, ent- weder in dem Jagen ohne Lauff die Hir- sche todt schiesset, oder mit dem Laufft aus K k 2 dem Fuͤnffter Theil/ dem Schirm mit Hetzen und Schiessen solche erleget und faͤllet. Wann nun sol- che gefaͤllte Hirsche zusammen getragen vor der Herrschafft gestrecket liegen, und nach voriger ersterer Ansage des jungen Jaͤgers richtig eintreffen, so kan sein Probe-Jagen, und er, als ein Jaͤger passi ren, sonsten aber nicht. Nach En- digung solches Probe-Jagens gehoͤret sichs nun freylich wohl Ehrendhalben ei- nen Schmauß zu geben, da muß nun die liebe Mamma mit was heraus ruͤcken, daß der Sohn so herrlich bestanden und seine Probe abgeleget hat: Alsdann hat er gewonnen, da wird nun auf solchen Schmauß was gutes zu essen, gebrathens und gesottens, Pasteten und allerhand Gebackens zugerichtet, ein Toͤnngen gu- ter Meißner-Wein angeschafft, und die nechsten Kunst-Pfeiffer bestellet: Der Herr Ambtmann, Herr Magister, sein Lehr-Meister, item der Hertzens Pa- pa, und die liebe Mamma, der es am meisten kostet, nebst andern Ehrbaren Frauen, und schoͤnen Jungfrauen wer- den eingeladen, uͤber Tische wird der grosse Willkomm und des Herrn Ober- Jaͤger-Meisters Gesundheit nicht verges- sen: Worbey nun mit dem Huͤffthorn freylich geblasen seyn muß. Nach Es- sens gehet der Tantz an, und muͤssen al- le Voltesir- Spruͤnge hervor gesuchet werden, biß man diese Lustbarkeit auch uͤberdruͤssig. Hat man sich nun ein huͤbsch Maͤgdgen ausgesehen, und gute Patronos, welche diesem jungen Jaͤger et- wan zu einem Foͤrster-Dienst, und eines Adjuncti Stelle verhelffen, kan es endlich mit der Zeit geheyrathet werden. Sonst aber ist auf was ungewisses nicht zu bauen, und besser eine Zeitlang ledig zu bleiben, sich noch in der Welt was zu ver- suchen, etwan immittelst bey grossen Herren Dienst anzunehmen. Von Genuͤß des Leith-Hundes. Hier muß nun ein Jaͤger am besten wissen, was mit seinem Leith-Hund zu- thun, ob derselbe hitzig oder faul suchet, welchen beyden Maͤngeln er mit Ver- stand abzuhelffen wissen muß: Jst nun der Hund hitzig, und suchet begierig, so muß er demselbigen vom Genuͤß bey Leibe nichts geben, er wuͤrde sonst damit den Hund noch hitziger machen; Son- dern er kan diesem hitzigen Hund nicht besser helffen, als daß er demselben das Haͤngeseil nicht zu lang schiessen lasse, sondern denselben fein kurtz fuͤhre, nicht viel zuspreche, oder starcke Stimme ge- brauche; Auch auf keine frische Gefaͤhrd bringe, oder ihn was lebendiges sehen lasse, und dergleichen: Dem kaltsinni- gen verdrossenen und faulen Hund aber wird sonderlich darmit grosse Huͤlffe ge- than, wenn er solches zumahl liebet und gerne annimmet, weil ihm hierdurch ein Muth gemachet wird, die Hirsch-Ge- faͤhrde desto besser, und williger zu su- chen. Es muß ihm aber gantz warm mit frischem Schweiß gegeben werden: Solte er es nicht annehmen wollen, muß man mit ihm die Hunger-Cur vorneh- men, biß sich der Appetit besser zeiget. Wenn man nun einen Hirsch auffgebro- chen, muß man denselben in ein Ge- straͤuch absonderlich, vornemlich aber aus- ser dem Wind legen, hernach dessen kurtz Wildpraͤth spalten, oder etwas laͤngliches Wildpraͤth von dem Halse ausschneiden, mit Schweiße bestreichen, und zwischen die vordere Schalen des Hirsches dergestalt einzwengen, daß es nicht gleich heraus genommen werden kan. Denn macht man mit einer Klauen, so in Schweiß eingeduncket, auff hundert Schritt ge- woͤhnlich eine Spuhr biß zum Hirsch, nimmt den Leith-Hund, fuͤhret ihn aus- ser dem Wind mit dem Zuspruch, ablie- ben, und recht geben, wie beym Arbei- ten, biß zu diesen Bissen, doch daß er sich darumb bemuͤhe, solchen aus der Scha- le zu geniessen; dann liebet man ihn ab mit guten Worten, und dem eichenen Bruch; Solches thut man etliche mahl, biß man an dem Hund eine Besserung vermercket: Man traͤgt denselben wie- derumb von dem Thier hinweg, daß er das Wild nicht mehr sehen und also nicht wiederumb nach demselben riechen kan, denn wenn der Hund ausser dem Win- de gebracht, daß er nicht weiß, wo das- selbe gelegen, greifet er gleich wieder zur Erde, und wird also desto besser auffge- muntert. Von Von der Jagd/ oder dem Weyde-Werck. Von der Genuͤß-Machung des Leith-Hundes. Noch eine viel natuͤrlichere u. weit nuͤtz- lichere Genuͤß-Machung des Leith-Hun- des will allhier dem geneigten Leser zur dienstlichen Nachricht offenbahren, welche nicht so gezwungen ist, wie die vorigte, auch dem Hunde ein weit mehreres An- dencken imprimir et, daß also solches mit besserm Nutzẽ bey einem kaltsiñigen Hun- de vorgenommen werden kan: Nemlich, man gehe fruͤh vor Tages, da es noch fin- ster, mit der Buͤchse hinaus, stelle sich an ei- nen Wechsel, wo das Wild gegẽ Tage von Feldern zu Holtze ziehet, kommt nun ein Thier, so schiesse man es dergestalt, daß es schweiset und noch eine Ecke lauffen kan, ehe es faͤllet, doch wo moͤglich, daß es lieber im lichten Holtze, als im Dickig- te lauffe, weiln der ausgespruͤtzte Schweiß sonsten an den Straͤuchern hangen blie- be, und der Hund solcher maassen in die Hoͤhe suchen lernen, und nicht zur Er- den greiffen wuͤrde. Wann nun das Thier todt, so verberge man solches wohl mit Laub odeꝛ Reiß-Bruͤchen, daß es wohl bedecket, und nichts von ihm zu sehen ist; Nachmahls erwarte man 3. biß 4. Stun- den, daß sich die Faͤhrde in etwas ver- kuͤhle, und die Sonne den Schweiß tro- ckene, ehe man den Hund darauf brin- ge. Alsdenn bringet man den Leith- Hund, so man demselben helffen will, vornemlich auf die reine Faͤhrde, da es im Thau-Schlag auf den Feldern hergekom- men, ehe es noch geschossen gewesen, u. thut seine gewoͤhnliche Arbeit darbey, wie es braͤuchlich mit recht anfallen, richtig weg suchen, stehen und eingreiffen, wie vom Leich-Hunde beschrieben, biß man auf die Faͤhrde kommet, wo es angeschossen worden: So nun der Hund was vom Schweiß vernimmet, so liebe ihn mit Zu- spruch, greiff aber gleich wieder vor, daß er abermahls anfaͤllet, alsdann giebst du ihm recht, und liebest ihn ab, laß ihn stehen und fein offt eingreiffen, so weiß der Hund, was er thun soll, denn fah- re mit ihm in einer Hitze, so du Platz zu suchen hast, immer fort, biß zum todten Thiere; So er nun das Thier findet, caressi re und liebe ihn ab, alsdann tra- ge ihn bey Seite ab, das Thier aber muß man, wie gewoͤhnlich, aufbrechen, den Hund zusehen, und den Schweiß also warm aus dem Thier geniessen lassen, solte er auch ein wenig Wildpraͤths zu pf- fen, vergoͤnne man ihm solchen Appe- tit, weil es ihm zu Gefallen geschiehet, und gieb ihm Miltz und Lunge, und lie- be ihn ab; Nimm ihn denn weg, so weiß der Hund, was man mit ihm haben will, und, wo er recht haden soll, wird er auch hiervon sehr hitzig, und ins kuͤnfftige die Gefaͤhrde umb ein merckliches besser an- nehmen, nur ist dieses vor allen Dingen ja nicht mit allzu frischer oder neuer Faͤhrde vorzunehmen, sonst waͤre alles verdorben. Diese Genuͤß-Machung a- ber muß mit dem Hunde nicht so gar off- te geschehen, sonderlich mit jungen Hun- den, welche ohne diß hitzig, sonst wuͤrde man sie noch hitziger, und uͤbel aͤrger ma- chen. Eigendlich aber geschiehet solches nur denen faulen Hunden zur Besse- rung, die Gefaͤhrde zu finden, und zwar zu Anfang des Behaͤngens, und zu En- de desselben; Man kan ja auch wohl, so das Revier genungsam groß, und weit- laͤufftig ist, ein Thier mit allem Fleiß Weydewund anschiessen, daß es zwar kei- nen Schweiß giebet, weil es in Wanst, wo das Geaͤß zur Verdauung lieget, ge- troffen, und noch eine Weile herumb ge- hen kan, hiervon aber je laͤnger je kraͤn- cker wird, die Schmertzen sich mehren, daß es sich offt kruͤmmen, und nieder thun muß, wenigstens gantz nahe aus- halten wird, biß es nicht mehr fort kom- men kan, und sich gleichsam gutwillig ergiebet, als dann man es vollends nie- derschiessen, die Arbeit des Hundes a- ber auf vorbeschriebene Art, nach drey oder vier Stunden, wie es einem belie- big, kurtz oder weitlaͤufftig vornehmen und vorgreiffen kan: Jst das Thier wei- ter, muß es mehr mahlen geschehen, und zwar so offte, biß es an einem Orte ste- cken blieben, daß man ihm vollends den Rest gebe, denn wer noch jung, und ge- sunde Knochen hat, kan sich darbey viel Lust machen. Auch ist nicht schaͤdlich, wann man das Bast oder den Dickmaß vom Gehoͤrn, oder die weiche Kolben ei- nes Hirsches, item die Ballen, wann es noch warm, abschneidet, und wenn man suchet, solche in die Gefaͤhrd leget, daß es der Hund findet, so dencket er, daß der- gleichen noch wohl wuͤrden mehr anzu- treffen seyn, und befleißiget sich also des Suchens umb desto embsiger, wiewohl ein Jeder seine eigene Phantasie haben kan, die ich einem Jeden frey stelle. K k 3 An- Fuͤnffter Theil/ Annoch andere Anmerckungen/ den Leith-Hund betreffend. Anfaͤnglichen ist nicht schaͤdlich, so die- ser Hund noch jung, und an der Mutter sauget, wann die Mutter in ihrem or- dentlichen Fraß vom Auffbruch Wild- praͤth und Schweiß also warm krieget, welches Nutriment vermittelst der Ver- dauung in den Chylum oder Nahrungs- Safft, und sodann ferner durch das Ge- bluͤt in Milch verwandelt wird, davon die Jungen desto mehr Begierde hierzu empfangen und erlangen. Jst nun der junge Hund wenig Wochen alt, lasse man ihn fleißig das auffgebrochene Thier beriechen, hinein kriechen und bezupffen, den Schweiß selber ablecken, so wird er hiervon begierig. Jst der Hund von der Mutter entwehnet, daß er selbsten fressen kan, gewoͤhne man ihn, wo nicht taͤglich, doch zum oͤfftern, fruͤh Morgens, da er noch hungerich ist, und schleppe ein Stuͤcklein warmes Brod eine ziemliche Ecke, laß aber allda statt dessen kalt Brod liegen, daß es der Hund vor Hun- ger suchen lernet, und findet, so wird ihn diese Gewohnheit kuͤnfftig fleißig auf der Erden zu suchen anreitzen, dann das warme Brod wird nur deshalben hierzu gebrauchet, weil es staͤrckern Geruch von sich giebet, und der Hund hierdurch de- sto besser auff der Erden suchen lernet, zu fressen aber ist alles warme Brod den Hunden schaͤdlich, und sollen sie davon einigen Anfall von der Wuth haben. So der Hund jaͤhrigt, muß man ihn, da er schon zu fuͤhren gewohnet, auch suchen lernet, auf denen Vieh-Trifften fleißig fuͤhren, und da er das Vieh auch spuͤh- ren lernen wolte, mit Fleiß abhalten, und durch Worte bestraffen, damit er auch lernet, einen Hirsch durch das Vie- he wegzusuchen; Es mag auch noch so eine grosse Heerde Viehe uͤber die Hirsch- Faͤhrde gehen, muß er doch den Hirsch, wo anderst nicht alles ausgetreten, rich- tig anzeigen, weiln auch ohne diß ein Hirsch einen viel staͤrckern Geruch oder Geschmack der Gefaͤhrde von sich giebet, als das zahme Vieh; Auch kan nicht schaden, ihn desto behertzter zu machen, so er von Natur schlaͤffrich ist, und eini- ge Lust zu suchen zeiget, nur einmahl ge- rade auf des Hirsches Lager oder Wahn- bett suchen zu lassen. Anfaͤnglichen ist am rathsambsten, daß man einen solchen jun- gen Hund auf den schlimmsten Boden zu suchen unterrichte, als nehmlich auff dem harten sandigten Boden, auff wel- chem wegen Magrichkeit und Duͤrre kurtzes Heyde-Kraut, klein spitzig Graß mit Mooß anzutreffen, so ein rechter scharffer Boden zu suchen ist, da der hi- tzige Sand die Atomos und wenige Duͤn- ste der Gefaͤhrde, sonderlich wo bloß Feld ist, und die Sonne verzehren hilfft, in 3. oder 4. Stunden, wo es nicht im Schat- ten, ist leichtlich dissipir et, und allen Geruch hinweg nimmet, da alsdenn der Hund allen Fleiß zu riechen anwenden muß; Die harte Ledden oder der duͤrre Boden kan auch den Jaͤger antreiben, die Au- gen auffzusperren und Fleiß anzulegen, weil man von der Spuhr oder Faͤhrd we- nig oder nichts erkennen kan. Ein bes- serer Boden ist schon, vor den Geruch laͤnger zu behalten, Mooß, oder Tannen- Nadeln, und zwar im Holtz und Schat- ten, wo es die Sonne nicht so leicht an sich ziehen kan, da es der Hund noch eher findet, der Jaͤger aber deswegen wenig oder nichts erkennet. Aber der schaͤdli- che Boden ist fettes Erdreich und groß erwachsenes Graß, Wiesen, Schilff und sumpffigter, lehmigter, weicher oder ko- thigter Boden, wo nicht allein die Duͤn- ste, der Geschmack oder die Atomi der Gefaͤhrde eine sehr lange Zeit, sonderlich im Schatten dauren und unveraͤndert bleiben; Sondern es kan der Jaͤger die Spuhr oder Gefaͤhrde fein deutlich ge- mahlet sehen, und ohne Hund finden; der Hund aber sich an das Loͤcherkucken fein gewoͤhnen; Mag der Jaͤger also kuͤnf- tig selbst helffen spuͤhren. Die princi- palst en Lectiones eines Leith-Hundes bestehen eigendlich darin, ihn dahin zu ge- woͤhnen, daß er mit Lust alles auff der Erden richtig wegsuche, nichts uͤberge- he, sondern die Faͤhrd recht anfalle, und letzlich, nachdem man ihn das Eingreif- fen etliche mahl thun lassen, zum firm en stehen gewoͤhne, mit der lincken Hand ihm unter dem Halß helffe, daß er hin- ten gestrecket eine ansehnliche Parade ma- che. Letzlich muß auch melden, daß man den Leith-Hund gemeiniglich gerne auff einem Wagen fuͤhren laͤsset, nehmlich: Wann Von der Jagd/ oder dem Weyde-Werck. Wann der Besuch ziemlich weit abgele- gen, damit er nicht vor der Zeit, ehe er an Ort und Stelle komme, muͤde wer- de, daß man hernach nichts machen kan, auch man sich vielerley Gefaͤhrde des Wildpraͤths unterwegens zu besorgen hat, uͤber vielen Spuhren aber densel- ben zu schleppen, verdrießlich faͤllet. Von Auffbrechen/ Zerwuͤrcken/ und Zerlegen eines Hirsches. Hier muß nun der Jaͤger die Rein- ligkeiten billig in acht nehmen, und wer- den frischeichene Bruͤche erstlich auf den Rasen geleget, und der Hirsch darauff mit seinem Gehoͤrn unter den Schul- dern und auff den Ruͤckgrad gebreitet. Darauff muß man unter dem Kiehn am Halse hierunter auffschuͤrffen, die Dros- sel oder Gurgel unter dem Knorpel ab- schneiden und mit dem Schlund heraus reissen, alsdann beydes von ein ander thei- len, den Schlund aber mit dem Messer etwa Fingerslang fein sauber durchste- chen, und durch den Stich drey oder vier mahl durchschlingen, damit das Geaͤß beym hineinziehen nicht heraus gehe, und Unreinigkeit verursache: Darauff steckt man die Gurgel und den Schlund, nachdem man dasselbe nach der Hertz- Cammer zu mit der Hand wohl gestos- sen hat, mit aller Gewalt in gedachte Hertz-Cammer hinein; Alsdenn tritt man dem Hirsch zwischen die Hinterlaͤuf- te, schuͤrfft ihn erstlich zwischen dem Kurtz-Wildpraͤth hinunter, zwischen de- nen Kaͤulen, nach dem Weyde-Loche zu biß auf den Schloß- oder Eyß-Knochen auff; Dann schneidet man subtil an dem duͤnnen Leib in diesem Schnitte hinauff- waͤrts die Haut biß an den Brust-Kern auff, oͤffnet alsdenn den Leib mit guter Vorsicht, daß der Wanst nicht mit zer- schnitten werde. Wann es nun ein Loch giebet, setzet man die zwey Finger der lin- cken Hand hinein und haͤlt mit der rech- ten Hand das Messer, zwischen die Fin- der, druͤcket also mit selbigen das Mes- ser vorsicht fort, biß hinauff an gedach- ten Brustkern, darauff man denn, nach- dem man das Netz herausgerissen, den Wanst samt dem Gescheide ziehet, wel- ches man nach denen Nieren zu, allwo es angewachsen, dergestalt, daß mans nicht auffreisset, untergreiffet, wann man vorhero zwischen dem Zwerg-Fell und Wanst hinein greiffend sich des Schlundes (denn man erstlich durch und heraus ziehen muß,) versichert hat: Nach diesem spaltet man hinten das Schloß auff, schneidet den Mastdarm biß zum Weydeloch fein gantz heraus: Weiter reisset man das Unschlit und die Nieren heraus, schneidet darnach das Zwerg- Fell an den Ribben herumb loß, ergreif- fet die Gurgel, und reisset alsodann das Geraͤusche oder Luntze heraus, letzlich schneidet man die Lenden-Brathen her- aus, druͤcket die Kaͤulen wohl von ein- ander, so ist es alsdenn auffgebrochen. Soll es dann nun zerwuͤrcket wer- den, so wird vornehmlich das Gehoͤrn mit drey Hieben ausgeschlagen, am rech- ten Vorder-Laufft eine Qver-Hand hin- ter dem Ober-Ruͤck umbher abzuloͤsen angefangen, und vorne auff dem Kiehne hinunter auffgeschaͤrffet, biß auf dem Brust-Kern: Jn dem beym Auffbre- chen gethanen Schnitt faͤngt man an nachmahls an die Haut herunter zu stos- sen, und thut mit den andern Laͤufften gleich also, aber die Blume am Zim̃el und die Haut am Kopffe, biß an die Augen, Maul und Ohren werden gelassen. Hier- nechst zerlegt dann der Jaͤger solches fol- gender Maassen: Er schneidet erstlich, wañ die beyden Buͤge abgeloͤser sind, von de- nen Kaͤulen an, das duͤnne Wildpraͤth, biß an die Ribben entzwey. Greifft her- nach innewendig mit der Hand hinein, und zehlet die dem Jaͤger zu seinem Jaͤ- ger-Recht nach dem Halse zugeordnete drey Ribben ab: Sticht so dann mit dem Messer von aussen durch, schneidet solche hinunter, biß zum Ruͤckgrad, und her- auf zum Brustkern zu beyden Seiten ab; Schlaͤget hernach mit dem Weyde-Mes- ser erstlich den Brustkern, und dann den Ruͤckgrad durch, und leget also den Halß, samt denen drey Ribben als Jaͤ- ger-Recht a parte. Nach diesem schnei- det er auf dem Ribben-Weg im Mittel zu beyden Seiten vorwaͤrts das Wild entzwey, und schlaͤget mit dem Blatt o- der Weyde-Messer die Ribben zu beyden Seiten vorwaͤrts mit Gewalt entzwey, und nimmt den Brust-Knochen herab. Weiter schneidet er an dem Eiß-Knochen etwa Fingers breit hinunter, und zwar auff Fuͤnffter Theil/ auff der Seiten gleich, sticht mit dem Messer die Kugel hinaus, und schneidet die Kaͤule vom Zimmel herab: Sodann schlaͤget man den Zimmel und Ruͤckbra- then vollends entzwey, nach eines Jeden verlangter Eintheilung, alsdann ist es zerleget. Man soll auch bey solcher Ver- richtung nicht sitzen, noch knien, sondern gebuͤckt stehen, und darbey, wann mans hat, einen guten Trunck Wein thun: Daferne nun von denen Anwesenden ei- nige Woͤrter wider die Jagd- Terminos gesprochen werden; Giebt man ihnen nach alter Gewonheit das Weyde- Messer. Von einem reysenden Jaͤger. Gleichwie im gantzen Thun und Las- sen unsers menschlichen Lebens, so wohl bey Hohen, Fuͤrstlichen, Graͤfflichen, Freyherrlichen, Adelichen, als bey Nie- derm buͤrgerlichem, Bauern und noch schlechterm Stande das menschliche Ge- muͤth mit deme, was es hat und weiß, nicht vergnuͤget ist, sondern ad altiora trachtet, und auch in der Frembde was mehrers zu profitir en und zu erlernen begierig ist, so an sich selbst auf gewisse Maasse gar ruͤhmlich und loͤblich ist, auch seinen unlaugbahren Nutzen hat; Weil ohne dasselbige kein junger Mensch zur Tugend, Hoͤfflichkeit, guten Sitten und nothwendigen Wissenschafften seiner Pro- fession sich genungsam tuͤchtig machen, und in der Welt nicht wohl fortkommen kan, sich hingegen vor andern dummen Subjectis, die indessen zu Hause hinter dem Ofen sitzen blieben sind, mit desto mehrerem Ruhm bey seiner Wieder- kunfft distingvi ren kan. So hat es dar- gegen auch auf gewisse Maasse seinen Schaden, wenn zumahl ein junger Mensch in seiner dummen Freyheit, die vorhin in der Jugend ihme corrigir te Laster, ungehindert repeti ren, oder wohl vielmehr noch verschlimmern lernet, wo- raus dann bey solcher Beschaffenheit sich schlechter Nutzen des Reissens zeigen wuͤrde. Daferne aber unser junger Jaͤ- ger, nach deme er vermuthlich seine Jun- gens-Jahre ausgestanden, nachgehends als ein Pursch, zwey biß drey Behaͤn- gen wenigstens gehalten, sein Probe-Ja- gen præsti ret, und gute Fundamenta der Wissenschafft geleget, worauf es am mei- sten ankommet, darneben sich reinlich in Kleidung haͤlt, und mit weisser Waͤsche nothduͤrfftig versorget ist; vor allen Dingen auch eine gesunde Natur hat, in die Frembde reissen will, soll er nicht eher, als zur Fruͤhlings-Zeit mit einem guten Pass und Recommendation an Teutsche Fuͤrstliche Hoͤffe seine Tour nehmen, daselbsten bey seiner Ankunfft sich bey dem Directori der Jaͤgerey solchen Fuͤrstlichen Hoffes melden, die Recommendation und den Pass zeigen, und bey solcher Ge- legenheit sich der Beschaffenheit jedes Hoffs gebraͤuchlicher Jagd- Manie ren fleißig erkundigen, dieselben sich impri- mi ren, auffn Nothfall annoti ren und be- mercken, damit er ja nicht ohne Nutzen, wie eine Ganß uͤbern Rhein, hinfliehe, und so klug wieder komme, als er vor- hin gewesen, welches ihm desto schimpff- licher waͤre. Vor allen Dingen, soll er Gott vor Augen und im Hertzen haben, den gecreutzigten Christum, der ihn er- loͤset hat, im Gedaͤchtniß halten, und den Heiligen Geist nicht betruͤben, sondern bitten, daß er ihn vor allen Lastern be- wahren wolle; Alles uͤbrige goͤttlicher Direction anheimb stellen, darbey beden- cken, daß Gluͤck und Ungluͤck auch ein Ende nehmen muͤssen. Seine Religion, worinnen er gebohren ist, ja nicht umb zeitliche Ehre, oder Gewinst aͤndern; Gottes Wort und die Predigten fleißig besuchen: Wenigstens ohne Gebet keine Kirche vorbey gehen. Alte gelehrte oder erfahrne Leute, von welchen was zu ler- nen, in Ehren halten, umb seiner El- tern langes Leben und Wohlseyn den lie- ben Gott fleißig bitten, eines guten Freundes treuhertzige Vermahnung nicht uͤbel nehmen, in Diensten nach sei- nes Herrn Humeur sich richten, ihn mit Vorsatz nicht erzuͤrnen, demselben mit schuldiger Ehrerbiethung unter Augen gehen; Nichts, was man hoͤret oder sie- het, nachsagen, Niemand verfuchs- schwaͤntzen, sondern sich vielmehr befleis- sigen, sich durch Tugend beliebt zu ma- chen, im Reden und allem seinen Thun, die Auffrichtigkeit spuͤhren lassen, doch a- ber, nach Syrachs Regul, zwar mit Je- dermann Freundschafft halten, unteꝛ tau- senden aber kaum einem trauen, das vexi ren meiden, taͤglich sich was boͤses ab- gewoͤh- Von der Jagd oder dem Weyde-Werck. gewehnen, und sich nicht schaͤmen, von armen geringern Leuten zu lernen, vor allen Dingen aber die Trunckenheit, Hu- rerey und das Spiehlen als die groͤbsten Laster aͤuserst meyden, weil es den Ver- stand, die Natur, und den Beutel schwaͤ- chet, auch nichts, als Verachtung dar- aus kommen kan; Sein bißgen Geld menagi ren, solches Niemand mercken lassen, in der Hitze nicht jaͤhling trincken: Keine enge Schuh, lange odeꝛ schweꝛe Klei- der anziehen, und im Ruͤck-Wege eine gantz andere Retour vor sich nehmen, wodurch er mit einerley Unkosten vieler- ley zu sehen bekommet. Wann er die- ses alles, wie dann nicht zu zweiffeln, wohl in acht nehmen, und den lieben Gott umb Beystand anruffen wird, wird auch der Grosse GOtt demselben durch den Schutz und Geleit der lieben heiligen Engel, als dem jungen Tobiaͤ, zu Wege und Stege fort helffen, und ihn wieder- umb gesund nach Hauße zu den lieben Seinigen mit Freuden bringen. Auch muß er sich ja vorsehen, daß er mit Zanck, Haͤndel oder Schiessen in Fuͤrstlichen Ge- haͤyen keine Ungelegenheit bekomme. Von einem Besuch-Knecht. Wann nun unser reisender Jaͤger wiederumb aus der Frembde nach Hau- se gekommen, waͤhrender Zeit aber auch was rechtschaffenes gelernet, und begrif- fen hat, als weswegen er wohl zu exa- mini ren seyn solte, sonderlich aber darzu, worzu man ihn gebrauchen will, tuͤchtig genung befunden wird, und nicht allein hiesige, sondern auch andere frembde Besuch- und Behaͤngens-Zeit fleißig, nach seinen erhaltenen Attestatis, abge- wartet, auch in seiner Probe richtig be- standen, fuͤrnehmlich sich von Natur dar- zu embsig, fleißig und willig erweiset, kan er auf Gnaͤdige Concession der Herrschafft und Gutbefinden des Ober- Jaͤger-Meisters den Dienst eines Be- such-Knechtes erhalten. Dieser Dienst geschiehet nun eintzig und allein durch o- der mit Besuch des Leith- Hundes, ent- weder dasjenige Roth-Wildpraͤth, so in einer Heyde zu vermuthen, und von Fel- dern zu Holtze gewechselt ist, vor dem Jagen zu vorhergehender Nachricht dem Ober-Jaͤger-Meister anzuzeigen, oder einer Lust-Jagd begierichen Herrschafft einen oder etliche jagdbahre Hirsche zur Vergnuͤgung zu bestaͤttigen. Es wer- den derselben an Fuͤrstlichen Hoͤffen aufs wenigste zwey biß drey, oder mehr gehal- ten, nachdem die Heyden und Waͤl- der weitlaͤufftig vertheilet, und das Land groß, auch nachdem die Herrschafft Liebhaber sind. Ein solcher Besuch- Knecht ist schon vor wehrhafft zu achten, und gehoͤhret ihm ein honorabel es Sala- rium, maassen dieser Dienst einen eigenen fleissigen, nuͤchtern und gedultigen Men- schen erfordert, zu welchem man nicht alle Gemuͤther brauchen kan, darneben muß er gleichwohl sich nicht einbilden, er habe die Kunst bereits an den Schu- hen zerrissen, und sey nichts uͤbrig, was er nicht wisse, sondern, weil man in kei- ner, vielweniger in dieser Profession aus- lernen koͤnnen wird, sich alle Behaͤn- gens-Zeit fleißig uͤben, damit er jemehr und mehr hierinnen profitir en moͤge, denn ihm allezeit was neues vorkommen wird: Hiernechst muß er gegen seinen vorgesetzten Hoff-Jaͤger alle Ehrerbie- thung, und Respect haben, damit er umb soviel desto mehr von Jedermann geliebet werde, auch einmahl avanci ren koͤnne, und ihn seine Hoͤfflichkeit bey al- len recommendi re. Von einem Jagd- Pagen. Die Edelknaben der Jagd eines grossen Herren oder so genañte Jagd- Pagen sind eigendlich u. proprie diejenigen, so anfaͤng- lich umb die Principia der Jaͤgerey, bey al- len vorfallenden Gelegenheiten, zu erler- nen, verordnet, damit sie mit der Zeit in Herrschafftlichen Diensten, jedoch nach ihrem Wohlverhalten zu hoͤheren Char- gen, und Dignit aͤten avancir en koͤnnen; Und weꝛden etliche von ihnen, nachdem sie wohl einschlagen, entweder bey der Jaͤge- rey mit der Zeit zu Jagd-Junckern, Forst- Meistern, ja wohl gar zu Jaͤger-Mei- stern promovir et, weiln sie der Herr- schafft, durch bestaͤndige und schuldige Auffwartung, von Jugend an, sich be- L l liebt Fuͤnffter Theil/ liebt gemacht, und in Gnaden gesetzet. Hierbey erfordert auch zugleich der Jagd- Pagen Schuldigkeit, der Auffwartung ih- rer Gnaͤdigen Herrschafft mit behoͤrigen Servitiis wohl und mit besonderm Fleiß abzuwarten, und sind eigendlich des Adels bey der Jaͤgerey ersterer An- fang. Dann gleichwie keiner ein Hof- Jaͤger werden kan, er sey dann per Gradus buͤrgerlichen Standes von dem Hunde-Jungen, ferner als Jaͤger- Pursch und successive auch zu an- dern Chargen avancir et; So kan auch keiner von Rechtswegen ein Forst-Mei- ster, weniger ein Jaͤger-Meister wer- den, der nicht zuvor seine Principia mit dem Leith-Hunde gelernet, und als Jagd- Page auffgewartet, ferner zum Jagd- Juncker und Forst-Meister avancir et. Dieweiln aber diese Chargen eine etwas spaͤthe Promotion verursachen, so ver- aͤndern die meisten Jagd- Pagen gar fruͤhzeitig diese Profession, und werden entweder, nach ihrem Verhalten, guten Naturel, und Herrschafftlicher Gnade, bey Hof zu anderen Dignit aͤten, als Cammer- Junckern, oder worzu sie sonst zu ge- brauchen, erhoben; Am allermeisten aber ziehet das Kalb-Fell solche junge liederliche leichtsinnige Gemuͤther gar oͤffters an sich, da sie, wo noch einige Herr- schafftliche Gnade uͤbrig, etwan ein Faͤhnlein, oder Faͤhndrich- Charge erhal- ten; Wo aber das liederliche Gemuͤth einmahl gar zusehr inficir et und keine Besserung zu hoffen, folglich schaͤrffere Disciplin noͤthig ist, kan auch ein solcher Wildfang gar fuͤglich unter der Direction eines scharffen Officiers zum Musquetier oder Unter- Officier genommen werden, sodann ists mit dessen Jaͤgerey gaͤntzlich aus, und verlohren. Was der Adel- Stand an und vor sich selbst fuͤr eine son- derbahre Prærogativ vor andern durch GOTTes sonderbahres Schicksal und der Uhr-Eltern, zu Kriegs- und Frie- dens-Zeiten, durch Tugenden er- langte Ehre denen Nachkommen einen mercklichen Vortheil bringe, aus einem uhralten Adelichen Hauß gebohren zu seyn, ist sonder Zweiffel Jedermañ zur Ge- nuge bekant. Es solte dieselben auch billig zu ferneren christadelichen Tugenden und loͤblichen, sowohl Rittermaͤßigen, als ge- lehrten Wissenschafften, gleichsam an- spohren, und hierinnen ihrer Vor-El- ter Fußstapffen zu imitir en, Anlaß geben, nach dem Sprichwort: Nobilis est ille, quem nobilitat sua virtus; Virtute, non sangvine, niti decet, sonderlich bey dem Hoffleben, allwo man gleichsam das Compendium aller Vortreffligkeiten der Welt antrifft. Die allerduͤmmsten Koͤpf- fe, und unverstaͤndigsten Idiot en werden daselbst zu allem habil gemacht, alles, was das baͤuerische Land-Leben ver- wildert, wird bey Hoffe zu allem geschickt gemachet: Die offtmahlige Gegenwart des Printzen machet denen jungen Leu- ten ihren Verstand erleuchtend, nach- dencklich, geschickt, hoͤfflich und subtil; Mit einem Wort, sie scheinen solcher angeneh- men Tugenben halber gantz andere Men- schen zu seyn. Wie aber auch das aller subtilst e desto leichter der Cor- ruption unterworffen ist, also wer- den junge Gemuͤther bey Hoffe gar leicht verfuͤhret; Dahero sie oͤffters durch viel- faͤltiges simulir en, und dissimulir en, be- triegerisch, falsch, wolluͤstig, ehrgeitzig, leichtsinnig, muͤßig, und leyder! mehrern Lastern ergeben, und unterworffen wer- den. Wann demnach ein junger von Adel, auff Einrathen seiner Eltern, oder Be- freunden, das Hoff-Leben antreten will, soll er zufoͤrderst in der Gottesfurcht, christlichen, und adelichen Studiis, und Exercitiis, zu Hause durch Informato- res pro Fundamento wohl unterrichtet seyn, weiln ihm solche Principia Lebens- lang anhangen werden; Sodann fein in der Jugend, weil es noch Zeit ist, auf Re- commendation Hoher Ministers, suchen bey der jungen Herrschafft als Page an- zukommen. Hierbey waͤre nicht schaͤd- lich, als ein Page dem Ober-Jaͤgermeister zuvor ein paar Jahr auffzuwarten, da- mit man ihn zum Hohen Patron gewin- ne; Das Hoffleben aber dabey begrief- fe, damit ihm von Jugend auff zugleich alle daselbst vorfallende Ungelegenhei- ten, sich gehorsamb, hurtig und geschwind zu machen, nur eine Lust seyn moͤgen. Vornehmlich, wo sie ihre Hoffmeister und Informatores haben, da sie zu denen Studiis Ethicis, Politicis, und Historicis. zu guten Sprachen und Kuͤnsten, auch loͤblichen Exercitiis gehalten, dabey in Gottesfurcht, Hoͤfflichen und Adelichen Tugenden, und Sitten, gewoͤhnet, oder mit allem Ernst, und Zucht darzu er- zogen werden, auch mit der Zeit, wann sie erwachsen, und sich wohl gehalten, auff des Herren Unkosten fremde Laͤn- der durchreisset haben, qualificir et wie- derkom- Von der Jagd/ oder dem Weyde-Werck. derkommen. Daferne nun die Inclina- tion zur Jaͤgerey bestaͤndig bliebe, wor- bey doch oberwehntes nicht zu negligir en; So muß ein solcher Jagd- Page vor allen Dingen bey dem Besuch-Knecht zur Be- haͤngens-Zeit, wie ich solches bereits aus- fuͤhrlich beschrieben, fleißige Lection an- nehmen, nicht alle Tage Leopoldus ma- chen, sauffen, huren und spiehlen, Haͤn- del und Staͤnckerey anfangen, folglich nichts als Laster und Untugenden wie- derhohlen, da er zu dem Ende, daß er was begreiffen soll, die Ausloͤsung er- halten, und nicht wiederumb seinem Adel zu Schimpff ein obscur oder gar infames lasterhafftes baͤuerisches Le- ben repetir en, davon er Schimpff und Schande vor sich, Ungenade von der Herrschafft, und oͤffters bey Hartnaͤckig- keit eine unangenehme Straffe zu ge- warten hat, wie dann dergleichen Proce- dur en und Executiones, so bey Hoff in der Kuͤchen genungsam bekant sind, als ein alter und hoͤchstloͤblicher Gebrauch nuͤtz- lich zeithero befunden worden, wodurch die Jugend, nach Syrachs Ausspruch durch Schaͤrffe der Ruthe von manchem Laster abgehalten wird; Wenigstens aus Furcht und Scheu derselben behutsam- hoͤfflich und modest werden kan, welche wohlmeinende Errinnerung hoffentlich Niemand uͤbel deuten wird. Jhre Li- vrée ist jaͤhrlich ein gewisses an Gelde, da- vor sie sich stets in zarter reiner weisser Waͤsche, Peruque, Buder und Jasmin, Schuh und Struͤmpffe, halten muͤssen; Von der Herrschafft aber bekommen sie einen gruͤnen Rock, Camisol, und Ho- sen, mit Silber schamerir et, ein silber- nes Hornfessel, den Hirschfaͤnger, je- doch nicht wehrhafft zu tragen, sondern nur auf der Reise und Jagd; Darbey einen Surtout oder Reise-Rock, auff be- noͤthigten Fall dessen sich zu gebrauchen: Kan sich auch einen Jungen halten, so ihm, und zwey Pferden warte. Von einem Hoff-Jaͤger. Dieses ist nun der Mann, auf wel- ches Fleiß von Rechts wegen es beym wuͤrcklichen Jagen hauptsaͤchlich ankom- met. Er muß alle vorhin so offte er- wehnte Laster, und Untugenden, so, wie sie nur vorkommen moͤgen, mit al- lem Ernst, gantz fleißig, durch Anruf- fung Goͤttlichen Beystandes, fliehen und meiden, seinen untergebenen Scholaribus mit ehrbarem, und ernsthafftem Leben und Wandel zum Muster dienen, und mit guten Exempeln vorgehen, sich ja nicht zu gemein mit ihnen machen, damit nicht das alte Sprichwort: Nimia Familiari- tas parit odium, eintreffen moͤge. Wann nun auff Verlangen der Hochfuͤrstlichen Landes-Obrigkeit von dem Ober-Jaͤger- Meister zur Hirschfeists- oder Schwein- Hatz-Zeit ein Ausschiessen oder Abja- gen verlanget wird, der Ober-Jaͤger- Meister aber ferner an denselbigen Forst- Meister Ordre ertheilet, und diesen Hof- Jaͤger damit abfertiget, sich bey demsel- ben anzugeben, die Gelegenheit, und Umbstaͤnde erkundigen, und davon ge- hoͤrigen Orts Rapport, oder Bericht er- statten, so meldet sich zwar dieser Hoff- Jaͤger, wie schuldig, als billig, nach sei- ner Instruction bey des Orts gehoͤrigen Ober-Forst-Meister; Muß aber hierbey simulir en, und das meiste von andern erforschen; Maassen ja sonder Zweiffel bekant, und gar leicht zu erachten, wie uͤbel es einem Forst-Bedienten gefallen koͤnne, alles das Wildpraͤth von seinem Revier, so er zeithero mit allem Fleiß geschonet, fangen zu sehen, womit er noch vielen behuͤlfflich seyn koͤnne. Er muß demnach nach seinem Augen-Maaß oder besser, so ers verstehet, die Situa- tion, und Dickigten, was vor Stellfluͤgel in solcher Heyde vorkommen, wo moͤg- lich, geometrice genau bemercken, und auf einen Riß zu Pappier bringen; Fer- ner wo er mit dem Lauff heraus zu kom- men gedencke, und wohin das Wildpraͤth seine Flucht nehmen moͤgte; Von alten Leuten heimlich erkundigen, ob des Winters auch Futter, Heu oder Stroh vor das Wildpraͤth gegeben werde? Ob dasselbige Ruh und Nahrung bekomme? Ob des Herbsts vor die Sauen Kirr- Plaͤtze angerichtet oder in eigenen Nu- tzen gewandt? Ob Qvellen, Wasser, Brudel, Suhlen, Saltzlecken, Heurauf- fen, im Standt gehalten; Wie viel Fu- der Zeug ohngefehr anfaͤnglich einzustel- len noͤthig seyn moͤgten, zu Pferde berei- ten, oder zu Fuß abschreiten, umb solches gehoͤrigen Orts ausfuͤhrlich zu melden. Bey solcher Untersuchung muß er sowohl mit dem Oder-Forst-Meister solchen Re- L l 2 viers, Fuͤnffter Theil/ viers, als auch dessen unterhabenden Foͤr- stern ausfuͤhrliche Abrede nehmen, am allersichersten aber mit ihnen zugleich hin- aus reiten, den Ort und Stelle mit ih- nen selbst in Augenschein nehmen, sich darbey erkundigen, ob auf ihrem Revier Gelegenheit verhanden, ein Jagen zu machen, auch was, und wieviel Wild- praͤth wohl eigentlich verhanden, sich von ihnen schrifftlich geben lassen, nicht weni- ger Erkundigung einziehen, wo und an welcher Gegend zum ersten das Jagen zu fassen, oder anzufangen, welcher Weg zum Haupt-Fluͤgel zu nehmen; Wohin der Lauff-Platz komme; Ob genung Dickigte und Wasser im Abjagen verhan- den. Wie viel Fuder Zeug ins gantze des Jagens kommen; An welchen Ort der Zeug zu ruͤcken: Wo das Jagd-La- ger und ob alles noͤthige darbey sey; Wo der Hunde Qvartier zum Abjagen; Ob viel verlohrne Treiben zu machen, und welche Buͤsche zu nehmen seyen; Jn wie viel Posten der Zeug gerichtet; Ob Eckern zur Kirrung, und ob sie lange gekirret seyen; Wie viel sie Kirr-Plaͤtze, was sie vor Kirrung haben, auch ob viel Vor- rath verhanden; Ob unter das Wild- praͤth offte sehr geschossen, oder gehetzet worden sey: Beym neu gefallenen Schnee ist wohl zu spuͤhren, doch bleibet alles Wild, die ersten drey Tage im Lager, und hungert lieber, als daß es sich mit der Spuhr verrathen solte; Wo der Zeug von einander zu binden, und wie der Ort heisse; So muß man von da al- so ferner die gantze Circumferenz umb- her richtig abschreiten, oder nach des Pferdes Schritt bereiten, wie viel Fu- der Zeug man eigentlich benoͤthiget, dar- bey alle vorfallende Dinge observi ren, befragen und noti ren, auch den Abja- gungs-Fluͤgel, wie viel solcher Zeug be- noͤthiget, abschreiten, und bemercken, und dergleichen vorfallende noͤthige Er- rinnerungen mehr, welches er in etlichen wenigen Tagen, alles genau erkundigen kan. Hierbey wird nun wohl der Hoff- Jaͤger durch vielfaͤltige Merckmahle ver- stehen koͤnnen, ob sie das Jagen auff ih- rem Revier gerne sehen, was sie hiervon vor Meynung, und wie sie es anstellen wolten, oder was sie fuͤr practicab ele Vorschlaͤge vorbringen werden; Fin- det nun der Hoff-Jaͤger solche billig, so kan er, wo es moͤglich, ihre Raison acce- pti ren, wann er zumahl hoͤfflig ange- nommen wird: Sehen sie aber das Ja- gen nicht gerne, oder fuͤhren sich brutal gegen ihn auf, und geben ihm keine rech- te Nachricht, ist ihm gar nicht zu verden- cken, wann er bey andern Leuten von al- lem heimliche und genauere Erkundi- gung einziehet, das beste heraus nimmet, und seine Meynung darnach zu richten vor sich behaͤlt Von Aenderung des Wetters. Vorhero, und ehe wir das wuͤrckli- che Jagen zu beschreiben anfangen, finde gar noͤthig zu seyn, von Aenderung des Wetters, so viel man Zeithero in acht ge- nommen, hierbey etwas zu schreiben. Es ist nicht wenig daran gelegen bey vorha- bendem Jagen, daß ein vernuͤnfftiger Jaͤger nach den Jahres-Zeiten die gros- sen Land-Regen und Sturmwinde, oder andere Vorbothen des Gewitters aus de- nen Himmlischen Merckmahlen, wegen Verwahrung des Jagd-Gezeuges, und anderer Geraͤthschafft, vorhero bey Zei- ten wahr nehmen, und mit Gelegenheit vorkommen koͤnne; Jndem bekant, was bey grossen Jagden die Aenderung des Wetters durch Regen und Wind fuͤr grossen Schaden, und viele Verhinder- nisse zu verursachen pflegen. Ja es ist wohl unlaugbahr, daß die liebe Sonne mit ihren lebendigmachenden Strahlen und sonderbahrer Krafft die Pflantzen, Gewaͤchse, Baͤume und Thiere, erqvi- cke, nehre und vermehre; Nicht weni- ger der Mond alles dasjenige durch sei- ne Ab- und zunehmende Krafft wunder- sam veraͤndere, welches die lieben Alten auf folgende Weiß in acht genommen. Wann es Regnen soll. So pfleget das Gemaͤuer an Waͤn- den anzufangen zu schwitzen; Der Ruß aus dem Cammin zu fallen, auch krie- chen die Regenwuͤrmer haͤuffig aus der Erde; Die Sonne und der Mond ge- hen truͤbe und neblich auf; Auch wann die Sonne heiß stechend scheinet, und die Fliegen und Muͤcken sehr stechen. Wann die Fische im Wasser hoch gehen, und springen; Die Katzen sich lecken und pu- tzen; Die Wilde Gaͤnse ohne Ordnung hoch und stille fort fliegen; Die Bienen aus Vor der Jagd/ oder dem Weyde-Werck. aus ihren Stoͤcken nicht heraus wollen; Die Enten und alle Wasser-Voͤgel sich baden; Die Huͤhner im Staube sich wel- tzen; Der Reyher hoch flieget oder sich ins Feld setzet; Wann Morgens die Froͤ- sche, und des Nachts der Laub-Frosch quacket; Wann der Regenbogen einen Gegenschein machet; Wann die Schwal- ben nechst bey der Erden und hart uͤber dem Wasser streichen. Wann das glim- mende Tocht einen runden Putzen ma- chet, und im brennen prasselt; Wenn des Abends die Kroͤthen aus den Loͤchern auf der Erden huͤpffen; Die Pfauen und Spechte mehr als sonst schreyen; Wenn die Haͤhne zu ungewoͤhnlicher Zeit gleich nach Untergang der Sonne anfan- gen zu kraͤhen; Wann die Hunde Graß fressen und wieder von sich speyen; Wann altgeheilte Schaͤden neue Schmertzen machen; Wann der Mond im Viertel dunckele Spitzen scheinet, oder der volle Mond einen Gegenschein zeiget; Wann die Gebuͤrge in der Hoͤhe umnebelt wer- den, oder der Nebel sich in die Hoͤhe schwinget; Wenn das Saltz feuchte wird und die heimliche Gemaͤcher mehr, als sonst zu stincken pflegen; Wann die Son- ne hohl auffgehet; Wann bey dem Un- tergang rothe Wolcken zerstreuet seyn; Wenn die Sonne truͤb und blaß auffge- het; Wann der Mond im letzten Viertel einen rothen Circul hat. Wann es von Mitternacht wetterleuchtet, oder schwar- tze Wolcken sind; Wann der Nebel steigt und der Sudwind gehet; Wann die Kraͤ- he mit ungewoͤhnlicher Stimme schreyet; Wann die Krebse ans Land kriechen; Wann das Klee-Graß in Wiesen welck wird, und was dergleichen Observatio- nes mehr sind. Wann Ungewitter kommt. So fuͤhret der Wind-Wuͤrbel Stroh, Sand, Staub und Federn in die Lufft auffwerts in einem Ring herumb, und der Regenbogen stehet gegen der Son- nen Niedergang; Wann die Kraniche bey schoͤnem Wetter sehr schreyen, oder auch, wann die Geyer und Raub-Voͤ- gel im Gewoͤlcke in einem Ringe herumb schweben; Wenn die Sonne in ihrem Auffgang viel rothe Wolcken um sich hat; Wenn sich die Meer-Krebse ans Schiff haͤngen; Wenn das Feuer blaß brennet; Wenn die Dohlen hauffen weiß sich sam̃- len; Wenn die Stern des Morgens fruͤ- he haͤuffig und schnell fliegen. Wenn der Storch auff zwey Beinen stehet, sei- ne Federn schuttert, den Schnabel verbir- get, Kopff und Brust dahin kehret, wo das Wetter herkommen soll; Wenn die Kraniche in einem Ring fliegen; Das Meer-Wasser laulicht wird; Und die Wachteln sich hauffen weise zu versamm- len pflegen. Vom Schnee des Winters. Zu Friedrich des Dritten, Churfuͤrsts zu Sachsen, glorwuͤrdigen Andenckens Zeiten, haben viele alte erfahrene Jaͤger die Anzahl des Schnees, so den Winter uͤber fallen moͤgte, muthmaassen koͤnnen, und zwar aus der Anzahl der Tage, wel- che von dem ersten Schnee biß zu dem nechsten Neu-Monden zu zeh- len waren; So kan man auch aus denen schwartzen Wolcken, als des Schnees Vorbothen, und aus dem Abend-Win- de gar leichte Schnee-Wetter præsumi- ren. Von den Winden. Wann Sonn und Mond einen ro- then Schein haben; Die Sterne sich pu- tzen, und haͤuffig schiessen; Die Hunde sich auf der Erden weltzen; Und der Mond einen Hoff hat; Worbey zu mer- cken, daß, wo und an welchem Ort der Hoff umb den Mond sich verliehret, ge- meiniglich daselbst her der Wind und das Schnee-Gewitter zu kommen pflege. Hell und klar Wetter ist zu hoffen/ Wenn die liebe Sonne des Abends mit einer schoͤnen Abend-Roͤthe unter- gangen, und des Morgens darauff wie- derumb heiter auffgehet; Wann der Mond blaß-weiß, hell und perlfarbicht ist; Wann die Weyhe und andere Raub- Voͤgel in der Lufft herumb schweben, schertzen und spiehlen, und die Hasen sich einander herumb jagen; Wann die Ne- bel herab thauen, und sich zur Erden le- gen; Wann die Milch-Strasse am Him- mel klar und voller Sternlein ist; Wann die Eulen des Nachts schreyen; Die Kraniche und Gaͤnse in stetem Fluge und schoͤner Ordnung fortziehen, und die Fle- der-Maͤuse Abends haͤufig herumb strei- chen; Wann der Schorstein; Rauch gleich auffziehet, und dergleichen mehr. Aus alle dem, was wir bißhero gesaget haben, ersehen wir, wie wundersam die Natur durch Goͤttliche Schickung solche Præsagia herfuͤr bringe, dergleichen auch L l 3 in Fuͤnffter Theil/ in andern Dingen an Wasser-Qvellen, Steinen, Pflantzen, Kraͤutern und Baͤumen wahrzunehmen sind; Dann da findet man im Meißner-Land bey Lummitzsch einen Brunnen, welcher von denen Vandalis und Sorabiern durch ih- re jaͤhrliche Wallfahrten zu ihren Goͤt- tern gefunden, und von ihnen wahrge- nommen worden seyn soll, daß, wenn er Getraͤyde gehabt, es ein wohlfeil Jahr angezeiget, wenn es aber roth darinnen ausgesehen, Krieg erfolget sey, und wann er Asche in sich gehabt, ein Sterben an- gedeutet habe. Ferner soll man am Tuͤrckis-Stein des Menschen Constitu- tion mercken koͤnnen, als wenn derselbe im Ringe schoͤn, hell und klar waͤre, sey der Mensch, so denselben Ring traͤget, gesund, werde er blaß, bedeute dieses Kranckheit, springe er aber gar entzwey, so præsagir e solches den Todt; So wird auch von dem Serpentin-Stein gesaget, daß er das Gifft anzeige. Von der Al- raun-Wurtzel wird vieles referir et, wor- bey aber vermuthlich entweder ein ein- faͤltiger Aberglaube, oder ein Pactum ta- citum cum Diabolo ist, soll also solches als was suͤndliches verworffen werden. Von dem Wunder-Baum in Peru wird vor gewiß gesaget, daß er den Krancken das Leben oder den Tod zuvor verkuͤndige, welches durch Anruͤhrung eines Zwei- ges verrichtet werde; Dann wann dem Krancken bey Anruͤhrung desselben angst wuͤrde, muͤste er sterben, sey ihm aber das Hertze froͤlich, wuͤrde er am Leben bleiben: Welches daselbst gebraͤuchlich seyn soll. Und statuir et Kirchmeyeꝛ, Profes- sor zu Wittenberg, es sey glaubwuͤrdig, daß die zum Todt disponirt e Menschen- Duͤnste vielleicht dem Baum zuwider seyen, und solches verursachten. Was Aristoteles von einem Epheu-Zweig, so aus eines lebendigen Hirsches Geweyh gewachsen, statuir e, ingleichen daß einem Menschen ein eingespitzter Dorn aus der Brust im Fruͤhling gewachsen und ge- gruͤnet, ferner daß auch die Eich-Aepf- fel zukuͤnfftige Zeiten præsagir en, und der Aesche-Baum den Wind anzeige, davon habe bereits an seinem Ort gesa- get. Jn meinem Thier-Garthen, fast in der Mitten, ist ein grosser Qvell, der Wall-Brunn genannt, im Unfang an der Circumferenz 9. Ellen, und 18. Schuh oder Piquen tieff; Wann dieser innerlich einen Thon, als wann viele Wagen fuͤhren, hoͤren laͤsset, præsagir et er Aenderung des Wetters. Sonsten fuͤhret er innerlich Vitriol und Stahl, und das Wasser hat einen Geschmack als Gall-Aepffel oder Diente; Jst an vielen Frembden und Einwohnern in Kranck- heiten probir et worden, welchen es in wenig Tagen entweder zur Gesundheit, oder zum Todt geholffen hat. So lie- get auch hinter meinem Schloß an der Strasse von Dreßden nach Berlin der so genannte Sinck-Brunnen, so an vie- len Orten hefftig entspringet, und ohn- gefehr 200. Schritt lauffet, woselbst er versincket, daß Niemand weiß, wo er hinkommet. Wann dieser Brunnen haͤuffiger, als sonsten, rinnet, præsagir et er Theurung. Vom Blitz und Donner-Wetter. Es hat GOtt der Allmaͤchtige in der Natur nichts vergebliches ohne Nutzbar- keit erschaffen, denn gleich wie die Ge- walt des Donners das Erdreich erschuͤt- tert und fruchtbar machet, daß Laub und Graß, Kraͤuter und Baͤume wachsen, und hervor schiessen koͤnnen; also wird auch die Lufft durch des Donners Bli- tzen von boͤsen Duͤnsten gereiniget, so- wohl die gifftigen Daͤmpffe, und schaͤdli- che vergiffte Luͤffte gelaͤutert, damit nicht Menschen und Vieh hierdurch infici ret werden moͤgen. Warumb sich nun das Wetter vorher kuͤhle, ehe es donnert, statui ret man insgemein folgender maas- sen: Wann die schwefflichten und salpetrichten Duͤnste in der mittlern Lufft zusammen kommen, und jene sich entzuͤnden, so fliehet der Salpeter darvon und stoͤsset zugleich das Feuer wider sei- ne Natur mit herunter. Daher kom- met der Blitz und Donner. Den Don- ner verursachet die von dem Salpeter mit Gewalt gebrochene Lufft; Den Blitz aber macht die Feuer-Flamme, so vom Schweffel kommt. Weil nun der Schwef- fel und Salpeter zugleich mit einander streiten, und herunter fahren, so entste- hen auch diese beyde, der Blitz und Don- ner, zugleich auf eine Zeit, aber sie kom- men nicht leicht zugleich zu unsern Sin- nen. Denn den Blitz sehen wir allezeit ehe, Von der Jagd/ oder dem Weyde-Werck. eher, als wir den Donner hoͤren. Die Ursache liegt theils an der Lufft, theils an den Ohren und Augen, theils an dem Licht und Knalle selbst. Wenn ein Knall entstehen soll, muß die Lufft zuvor mit hoͤchster Gewalt gebrochen werden, wel- ches Zeit und Weile erfordert, sie mag auch so klein seyn, als sie immer wolle; Jn den Ohren sind auch viel Umbschweif- fe, Kruͤmmen, und Umwege, durch welche der Thon muß, ehe er zum Gehoͤr koͤm̃t: Welches alles aber bey dem Gesichte nicht ist. Denn das Licht erfuͤllt in einem Au- genblick die Lufft, und darff keiner Bre- chung, oder anderer Gewaltsamkeit, weil es ein Ens intentionale ist. Die Augen sehen auch alsobald solches Licht, und kan dahero nicht anders seyn, wir muͤssen das Licht ehe sehen, als den Thon hoͤren. Fast dergleichen findet sich auch bey denẽ Buͤchsen, und dem Geschuͤtz, wenn sie geloͤset werden; Denn da se- hen wir allezeit zuerst das Feuer, her- nach hoͤren wir den Knall. Also auch, wann einer Holtz hauet, so hoͤret man den Schlag nicht in dem Augenblick, da er geschicht, sondern ein wenig her- nach. Des Regens Uhrsprung. Wann die hietzigen Sonnen-Strah- len bey trockener Zeit sich vielfaͤltig ent- zuͤnden und gleichsam durchgluͤhend brennen, so ziehen sie aus mancherley Orten der Erden, aus den untersten tie- fen Bergwerck-Schaͤchten oder Stollen, Schlufften oder Hoͤhlen, die unterirdi- sche schwefflichte und salnitri sche, auch vielfaͤltige metallische und mineralische Atomos und Feuchtigkeiten, nicht weni- ger andere waͤsserichte Duͤnste der Mo- raͤste, Pfuͤtzen und Gewaͤsser in die Hoͤ- he an sich, alsdann kochet gleichsam, und temperir et sich dieses Wasser in der ober- sten elementarischen warmen Lufft, wel- ches sich nachgehends in die Wolcken dis- sipir et, und von uͤberfluͤßiger Menge an- gefuͤllet, durch die Lufft, und derselben feurige Effluvia Tropffenweiß herunter faͤllet. Weil nun die Kraͤuter und Baͤu- me eine Animam vegetativam haben und dahero ihre Nahrung genuͤssen muͤs- sen; So geben sie umb so viel mehr durch solche fette Duͤnste gleichsam als beduͤn- get eine viel nuͤtzlichere Coction, und Ge- deyung denen Effluviis, und fetten Duͤn- sten. Dahero auch zu Zeiten, wann des Sommers die Froͤsche leichen und der Froschleich durch die Sonnen-Strah- len auffgezogen worden, es oͤffters kleine Froͤschlein regnet, welche in den Wolcken generir et worden, und mit dem Regen herunter fallen. Und sollen auch die Don- nerkeile ihre Composition aus denen un- tersten Bergwercks- Minerali en haben und in der oberstẽ Lufft coagulir en. Vieler anderen Eigenschafften mehr, so in dem oberirdischen Firmament von uns Men- schen præsumir et werden, zu geschweigen. Vom Schnee/ und Schlossen. Der Schnee hat ebenfalls eine fast dergleichen Eigenschafft, wie das Was- ser, ist auch der Materie nach an und vor sich selbst vorhero Wasser, welches durch die grimmige Kaͤlte der Jahres- Zeit in der mittlern Lufft gefroren, haͤuffig herunter stiebet, und hernach endlich wiederumb zu Wasser wird, und durch seinen hellen Schein eine weisse Farbe vorstellet, nicht aber an sich selbst weiß ist, welches durch viele Disputatio- nes, pro \& contra wiederleget ist. Vid. Mag. Gottfried Voigts Physicali scher Zeit-Vertreiber. Die Schlossen sind aber meist Sommers bey ungewoͤhnlicher o- berirdischer Kaͤlte gefrorne Regen- Tropffen. Anno 1717. fielen an Pfing- sten zu Dreßden ungewoͤhnlich grosse Schlossen, als Huͤhner-Eyer, welche die Spiegel-Scheiben sehr zerbrachen. Von einem Haupt-Jagen. Nun komm ich eigendlich zu dem rechten Zweck unsers Vorhabens, sol- ches so viel moͤglich deutlich zu beschrei- ben, wie es nehmlich auff teutsche Art gehalten, und damit umbgangen wird. Nemlich wann ein Fuͤrst oder grosser Herr Fuͤnffter Theil/ Herr dergleichen weitlaͤufftige Heyden, und Waͤlder, und in selbigen unterschied- liches Wildpraͤth hat, und daselbsten um die Jagd-Hirsch-Feiste-Zeit oder umb die Schwein-Hatz ein Ausschiessen verlan- get, so muß der Jaͤger-Meister durch Verordnungen an die Forst-Bedienten umb solcher Gegend, genaue Erkundi- gung und Berichte fordern: Was ein jeder Foͤrster in seinem Revier vor Be- haͤltnisse, und vor Dickigte, lichte Plaͤ- tze, und Frucht-Felder, auch was er vor Wildpraͤth an Hirschen und Sauen ha- be? Ob darunter nicht etwan Haupt- Thiere von starcken Hirschen, und hau- enden Schweinen verhanden waͤren, und wo dann eigentlich der Auffenthalt und Wechsel, nach ihrer Nahrung seyn moͤgte, und wo sie auslauffen. Aus solchen und dergleichen Nachrichtungen kan der Jaͤger-Meister gar leicht abneh- men, und mercken, was und wie viel er ungefehr in denen Heyden und Waͤldern an Wildpraͤth vermuthe, wo selbiges sich auffhalte, wo es seine Nahrung, und seinen Wandel oder Wechsel habe, und wohin es seine Flucht nehmen werde, nach welchem allen er sich mit dem Stel- len sowohl, als mit dem Treiben richten muß, wo er anderst nicht die Muͤhe umb sonst thun, und mit so grossem Verdruß und uͤbeler Verlaͤumbdung bey seiner Herrschafft in Ungnade fallen, oder spoͤtt- licher Nachrede anderer Leute unter- worffen, auch das Wildpraͤth mit Macht durch die Treiber dringen lassen, solchem zu sehen und nichts als Hohn und Spott davon haben will, muß derohalben die- ses Werck, woran seine Renommee lieget, in allen Stuͤcken fein behutsam, und vor- sichtig tractir en, damit er nicht, wie ge- dacht, bey der Herrschafft hierdurch in Ungnaden, bey andern aber in Miß- Cre- dit, als ob ers nicht wohl verstuͤnde, ge- rathen moͤge. Sobalde nun von der Herrschafft resolvir et, und dem Jaͤger- Meister verordnet worden, ein Haupt- Jagen zu machen, und das saͤmbtliche Wild in ein Jagen zu bringen, muß derselbige des Tages vorher den saͤmbt- lichen Jagd-Gezeug dahin zu fuͤhren, anordnen, und befehlen; Doch densel- ben dergestalt eintheilen, wie viel Fuder Gezeug von den hohen Tuͤchern beym Anfange an den Abjagungs-Fluͤgel zu stellen, und wo die andern, ein jegliches auf seiner Post zu warten habe, jedoch daß sie auf beyden Fluͤgeln der Waͤlder hin- fahren, allda warten und stehen bleiben, und einen Uberschlag nach dem Vorrath seines Jagd-Gezeugs machen, und hier- von die Verzeichnisse solches zu bestellen, dem Ober-Jaͤger ausgeben. Sodann wird observi ret, wo das Jagen, und der Laufft gemachet werden koͤnnen, wel- ches, soviel moͤglich, an einem kleinen Bach oder Qvell-Wasser geschehen soll, damit das Wild sowohl, als die Hunde im Abjagen sich erqvicken moͤgen; Es soll auch der Ort wegsam seyn, damit die Herrschafft mit Wagen, und dergleichen Hoffstatt ungehindert durchkom̃en koͤn- ne; So soll auch das Jagen nicht weit von der Herrschafft Residenz oder Schloß, zum wenigsten am nechsten Ambt-Hausse, oder Jagd-Hausse seyn, wo sie Tages vorher uͤber Nacht bleiben koͤnnen; Ferner muß er mercken, ob der Ort auch mit genungsamem Dickigt von jungem Holtz und Straͤuchern, Dannen und Fichten, oder andern laubigten Stauden bewachsen sey, wo sich das Wild verbergen, auch nicht so leichte auf den Laufft sehen koͤnne. So muß auch der Laufft, so viel moͤglich, abhaͤngich, oder doch zum wenigsten fein gerade liegen, wornach er sich richten, und Erkundi- gung einziehen muß, wo das Wild etwan hinaus lauffen moͤgte. Sonderlich a- ber muß vor allen Dingen der Wind wohl gemercket und judici ret werden, daß er aus dem Wald von dem Wild- praͤth nach dem Laufft gehen moͤge. Wann nun auf Befehl des Jaͤger-Mei- sters mit den Leith-Hunden durch die Besuch-Knechte auf beyden Fluͤgeln zu- gleich vorgesuchet worden ist, umb zu ver- nehmen, was vor Wildpraͤth, und dar- bey vor Haupt-Hirsche, rein oder rauß seyen, und, wessen man sich darinnen zu vermuthen, dem Jaͤger-Meister ge- meldet wird; So wird dann das Lauff- oder Qver-Tuch, wohin der Lauff kom- men soll, gestellet, und an demselben die hohe Tuͤcher zur rechten, und lincken Hand auf die Haupt-Fluͤgel von den Zeug-Knechten angebunden und gekne- belt. Darauf der hohe Zeug ein Fuder nach dem andern auf beyden Fluͤgeln ab- gefuͤhret, aufgestellet und verwahret wird, so weit als man mit solchem reichen kan, an selbige werden die Alten und Mittel-Tuͤcher, und daran die doppelten, letzlich aber die Einfachen Tuͤcher-Lap- pen gestellet; Jst alsdenn dieses Jagen so weit fertig, und der Anfang gemachet. Von Von der Jagd/ oder dem Weyde-Werck. Von dem Treiben. Wann nun gemeldter Maassen die verhandene Hirsche, und anderes Wild genungsam erkundiget, vorgesuchet, und bestaͤttiget, der hohe, mittele, und saͤmtli- che Jagd-Gezeug auch gehoͤriges Orts, wie gemeldet, gesetzet, und auffgestellet; Alsdenn werden aus denen Aembtern die vorhero bereits verordnete Bauern, oder Landes-Unterthanen dorffweise ver- lesen, die ungehorsamen bestrafft, das Treib-Volck in Ordnung gestellet, und von weitem her, durch die daran gelege- ne Hoͤltzer und Moraͤste, so von der Sei- ten, oder durch die Vorhoͤltzer, oder an- der Gebuͤsche, welche sonst weit abgele- gen, ein verlohren Treiben gehalten, da- mit sich das allda aufhaltende Wildpraͤth durch solch Treiben nach dem grossen Wald begebe; Daß aber solches nicht zur Seiten neben auslauffe, wird waͤhren- dem Treiben mit Tuͤcher-Lappen sofort beyher gestellet: Man muß sich auch nach Gelegenheit der Waͤlder mit Schwen- ckungen des Treibe-Volcks zur Rechten oder zur Lincken, wie es sich fuͤget, und am besten schicken will, bedienen: Biß man alle die weitlaͤufftigen Winckel durchge- trieben hat, und das Wild nicht mehr so weitlaͤufftig zu suchen, und zu treiben ist: Worbey man aber nicht mit Jagd- Hunden unter das Wildpraͤth stoͤhren soll, dann man solches nur verstreuen wuͤrde, sondern allmaͤhlich mit Mann- schafft treiben; Es sey dann, daß man im Treiben auf ein Behaͤltniß oder La- ger eines Haupt-Schweins mit dem Trei- ben kaͤme, und solches nicht heraus wol- te, muͤste man einen Finder hinein schicken und solches aufsprengen. Vor vielem Pla- tzen und schiessen muß man sich auch huͤ- then, als wodurch das Wild scheu gema- chet wird. So ist auch das grausame Geschrey schaͤdlich. Wann nun der Jaͤ- ger-Meister vermuther, und von denen Forstbedienten benachrichtiget ist, daß das Wild von allen abgelegenen Hoͤltzern meistens zusammen gelauffen seyn wer- de, und nunmehro wohl in dem grossen Wald seyn muͤsse, so muß er die unter sei- ner Bothmaͤßigkeit oder Commando ste- hende Jaͤgerey, als Forst-Meister, Wild-Meister, Jagd-Juncker, Ober- Jaͤger, Besuch-Knechte, wie auch Jagd- Pagen, und die Foͤrster dererselben Re- vier nebst andern Jaͤger-Purschen, und denen aus denen Aemtern hier zur Jagd bestellten Landes-Unterthanen alsofort ohne geringsten Zeit-Verlust das Trei- ben gantz machen, und stellen, doch also eintheilen, daß ein Jeder nach seiner Charge oder dessen Rang, auf die Fluͤgel, jedoch, so viel moͤglich, in gerader Linie gestellet werde, so, daß einer so weit als der andere parat stehe. Es sind die Foͤr- ster mit einzutheilen darumb hoͤchstnoͤ- thig, weiln sie allda bekant, und in ihren Revie ren nicht allein Holtzrecht wegen der Behaͤltnisse des Wildpraͤths, son- dern auch der Strassen und Wege hal- ben bessere Nachricht geben koͤnnen. Alle Jagd- und Forst-Bedienten aber werden darumb vor das Treibe-Volck anzufuͤh- ren eingetheilet, daß sie die Landes-Un- terthanẽ in guter Ordnung zum Treiben anlegen lassen, und durch die Land-Knech- te die muthwillig hinterbleibende mit Schaͤrffe anhalten sollen, worbey aber, daferne es nicht hoͤchstnoͤthig, oder einige Boßheit zu mercken, dieselben mit unge- buͤhrlichem Stossen oder Schlagen billig zu verschonen sind. Wann nun das Trei- ben derer Landes-Unterthanen gestel- let worden, und die Jaͤgerey sich nach ih- ren Numern rangi ret hat, wird durch den aeltesten Hoff-Jaͤger, als Fluͤgel- Meister, von dem rechten Fluͤgel durch ein gewoͤhnliches Fluͤgel-Horn, welches er fuͤhren muß, der Ruf gegeben; Als- denn antwortet der andere Hoff-Jaͤger als Fluͤgel-Meister des lincken Fluͤgels, auff eben dergleichen Art, darauf der in der Mitten befindliche Ober-Jaͤger, Wild- oder Forst-Meister die Mitten fuͤh- ret. Die Jagd-Juncker, Jagd- Pagen und uͤbrige Jaͤgerey, stossen drey Hieff ins Horn, und das Treibe-Volck ant- wortet mit dem Waldgeschrey ho ho. Gehet also das Treiben Schritt vor Schritt fort, durch duͤck und duͤnne, wie einer in solcher Ordnung angestellet wor- den ist, muß er dabey bleiben und muß sodann das Treiben ferner fort continui- ret werden, biß man zu beyden Fluͤgeln an die Tuͤcher kommt. An dem Laufft aber, und wo der Zeug enge stehet, muß es allda gantz stille zu seyn scharff befoh- len, und kein Feuer oder Lermen ge- macht werden, worauff die Zeug-Knech- te, die Stell-Leuthe und Fuß-Knechte gute Achtung geben muͤssen: Denn son- M m sten Fuͤnffter Theil/ sten das dahin getriebene Wildpraͤth, an statt dessen, daß es sich allda verbergen, und auffhalten solte, scheu werden, zu- ruͤck prallen, und durch die Treiber mit Gewalt durchbrechen wuͤrde. Wann nun, wie vorgemeldet, das Treiben den Gezeug erlanget, alsdann wird eine Hal- te gemachet, und was ein Jeder gesehen, gefraget. Die Lappen hinter die Trei- ber quervor zugestellet, und wo es nicht reichet, die Treiber enger oder Feuer- Plaͤtze angemachet, doch daß es nicht Schaden verursache. Das Treiben faͤn- get aber sich wiederumb an, und gehet ferner fort, jedoch nicht laut, und con- tinui ret biß auf einen Qver-Fluͤgel, wo man vorhero sonderlich abgeschritten, und vermuthet, gewiß versichert zu seyn, daß der hohe Zeug reichen wuͤrde: So- dann kan von beyden Fluͤgeln so viel Zeug auffgehoben, und das jagen also damit zugestellet werden. So hat man das verlangte Wildpraͤth alle beysam- men, und das Jagen ins gantze gebracht. Es geschiehet aber zuweilen, und zwar gar oͤffters, sonderlich mit den Sauen, daß sie vielmahlen durch die Treiber zu- ruͤck durchbrechen, auf solchen Fall giebt es grosse und verdrießliche Muͤhe, wie- derumb aufs neue anzufangen, da wird denn, wenn ein solch Durchbrechen vor- gangen, das der Muͤhe werth ist, und etwan ein Troupp Hirsche oder ein Rudel Sauen von dreyßig, mehr oder weni- ger Stuͤck, darunter starcke Haupt-Hir- sche oder Schweine sind, zuruͤck gegangen, wird auf dem Qver-Fluͤgel gleich Halte gemacht; Vom rechten Fluͤgel herun- ter gefraget: Was zuruͤck ho? Wañ nun nichts besonders zuruͤcke ist, wird geruf- fen: Stell her; Jsts aber was merck- wuͤrdiges, wird die Lohsung mit dem Fluͤ- gel-Horn, und drey Hieff zuruͤck gege- ben und angedeutet, so wird alles Treib- Volck und Jaͤger aus der Mitten von einander, und zu beyden Fluͤgeln zusam- men gezogen, daselbst stille zuruͤck gegan- gen, biß man vermeynet genungsam vorzukommen, sodann alles nach vorig- ter Ordnung gestellet, und wiederumb nach dem Jagen getrieben, biß man so- dann hinter den Treibern wiederumb zu- gestellet hat, und das Wildpraͤth alle beysammen vermuthet, also ist dann das Jagen fertig, und muß dem Ober-Jaͤ- ger-Meister rapporti ret werden, was fer- ner damit vorgenommen werden soll. Des Nachts bereiten ein Hoff-Jaͤger, und Ober-Foͤrster, bey Tage aber ein Jagd-Juncker, und Jagd- Page ein sol- ches Jagen, ob irgend das Wildpraͤth, oder Sauen durchbrechen, wobey das Nachstellen hoͤchstnoͤthig, ob etwan der Wind den Zeug rege gemachet, oder ab- geworffen habe, von dem nassen Regen- wetter die Leinen gesprungen, wann nicht nachgelassen worden, dabey der Jagd-Seyler, und der Jagd-Schneider das benoͤthigte sofort auszubessern ha- ben, und werden innwendig vor das Durchbrechen der Sauen starcke Netzen zu Huͤlffe der Tuͤcher angestellet, deren Moschen oͤffters von Fuͤchsen zerbissen werden, und sofort wiederumb ausge- bessert werden muͤssen. Von dem Zwang-Treiben. Nachdem nun das Wildpraͤth umb- her mit Tuͤchern umbstellet, muß man im Jagen ja mit dem Wild den ersten Tag nichts vornehmen, und so wenig treiben, als noch enger mit Zeuge ein- stellen; Vielweniger darinnen platzen, oder einen Hund mercken, sondern ohn- angeregt stehen lassen, biß daß das Wild- praͤth zu Nachts innewendig am Zeuge herumb gegangen sey, sonsten es aus Desperation durchbrechen, und den Zeug brechen moͤgte. Auch sollen im Jagen, wie schon gemeldet, vor das Wildpraͤth Wasser-Qvellen seyn. Jn Mangel des- sen aber wird ein Vaß mit Wasser ein- gegraben. Man kan leichtlich dencken, sonderlich im Sommer, was das vor Furcht geaͤngstigte Wild fuͤr grossen Durst ausstehen muͤsse. Ein solches mit Zeug eingestelltes Jagen muß, so lange es stehet, auswendig herumb, wodurch sonder Zweiffel einige grosse Strassen der Fuhr- und Handels-Leute, Postwege oder andere wichtige Passag en, mit ein- geschlossen worden, nicht versperret bleiben, sondern bewacht werden, weil sonsten die frembden Leute zwar an- faͤnglich ruffen und schreyen wuͤrden, aus Ungedult aber den Zeug abwerffen, hier hinein, und dort heraus fahren, und alles liegen lassen moͤgten; Da dann leicht Rechnung zu machen, wie viel Vor der Jagd/ oder dem Weyde-Werck. viel Wildpraͤth darinnen bleiben duͤrff- te, zumahl wann ein Hund darbey, da alles heraus gejaget wird. Solchem- nach muß vor allen Dingen an jedem gangbahꝛem Weg bey Tag und bey Nacht, jedoch außwendig, mit einem Zeug- Knecht, und vier Jagd-Leuten gewa- chet werden, daß wann Jemand kommt, sie mit Hebe-Gabeln die Unter-Leine auff die Ober-Leine heben, und also die Strasse frey oͤffnen; Sobald durch pas- sir et, wieder abheben und wie vorhero befestigen. Solten viel Wagens oder viele zu Pferde hinter einander durch- muͤssen, koͤnnen etliche Furckeln als ein Thor unterstuͤtzet werden, biß sie passi- r et. Giebt es nun verdaͤchtige Leute mit Buͤchsen, Flinten und Hunden darbey, so gehoͤret sichs die Hunde anzukuppeln, oder am Strick zu fuͤhren, und das Ge- wehr nicht gespannet, sondern den Stein abgeschraubet zu haben, und ist ein Jagd- Bedienter mitzugehen, biß sie durch pas- sir et, gehalten. Bey solcher Wacht wird Tag und Nacht aussen Feuer gehalten. Es gehoͤhret sich aber nicht Trinck-Geld zu erpressen, oder ein lang Examen da anzustellen, deswegen ein verstaͤndiger Mensch darbey gehoͤhret, so die Leute nicht brutalisir e, oder anschnautze, son- dern einen Jeden seine Strasse, doch in al- ler Stille, reysen lasse. So es nun fer- ner soll im Zwang-Treiben enger, und also im Abjagungs-Fluͤgel eingestellet werden, wird das Treibe-Volck aber- mahls angeleget, in aller Stille die Run- dung, welche hierzu bereits vorhero be- raumet seyn soll, eingestellet, und feste gemachet, damit, so balde getrieben, gleich hinter die Treiber der Zeug geho- ben werden koͤnne, so ist es also in dem letzten Abjagungs-Fluͤgel eingestellet, welcher nachdem des Wildpraͤths viel oder wenig, auch das Behaͤltniß und die Dickigte dunckel verwachsen, oder durch- sichtig, kan man den Abjagungs-Fluͤgel oder die Rundung nach eines jeden Her- ren Belieben groß oder klein machen. Jn Summa es muß da das Jagen oder die Kammer, wie es einige nennen, ins Enge gebracht, u. hierbey vor allen Din- gen alle noͤthige Anstalt, und Vorsich- tigkeit observir et werden, damit das ohnediß, furchtsame, und fluͤchtige Wild nicht etwan heraus zu kommen, Gele- genheit finden moͤge, sondern darinnen geruhig verbleiben koͤnne; Bey Nachts wird mit der Pfanne und brennenden Kuͤhn herumb geleuchtet, und sind, wie gemeldet, die Abjagungs-Fluͤgel unter- schiedlicher Groͤsse: Man hat sie von vier Fuder Zeug, auch noch weniger Tuͤcher gestellet, wie es einem beliebig, doch ist hierbey, wie gedacht, zu observir en, daß es auch genungsam mit finstern Dickig- ten verwachsen, daß sie wohl kleiner von zehen auch acht oder sieben Tuͤcher gema- chet werden koͤnnen. Man muß aber be- fuͤrchten, es komme dem Wildpraͤth gar zu nahe auff den Halß, daß es letzlich durchbrechen moͤgte; Also ist die Gele- legenheit und die Menge des Wildpraͤths wohl zu judicir en. Wann nun der Ab- jagungs-Fluͤgel in allen gehoͤriger Maas- sen mit hohem Zeug gestellet, fein glatt angezogen, und wegen des kleinen Wil- des, unten mit Haacken die Unter-Lei- ne angepfloͤcket, so wird billig durchaus keinem Menschen hinein zu gehen zuge- lassen, der vormahls gebrauchte Zeug aber wiederumb auffgehoben, und in die behoͤrige Zeug-Wagen, wie er numeri- r et gewesen, Fuderweise zusam̃en gedruͤ- cket, auch, dieweil er trocken, an seinen ge- hoͤrigen Ort gebracht, u. im Zeug-Hauße abgeladen. Die zwey Fuder, zum Lauff aber, welche die neuesten und besten, wer- den allda stets parat gehalten. Von Jagd-Qvartieren. Ob wohl dieses anfaͤnglichen vor der Jagd haͤtte melden sollen, so wird es doch, weil es vergessen, nicht viel verschlagen, wann ich es noch hier beyfuͤge. Hierzu gehoͤhret ein expedit er kluger und ver- nuͤnfftiger Jagd- Fourier, welcher nicht alleine vor die Hochfuͤrstliche Herrschafft, deren Cavalliers und saͤmtliche Hoffstatt, grosse und kleine Bedienten und deren Kutzschen, Caross en, Bagage, Kuͤch- und Keller-Wagen, Kutsch-Hand- und Reit-Pferde, oder andere Klepper alle Beqvemlichkeiten verschaffe, und bey zei- ten hierzu alles beqvem ausrichte und be- stelle; Sondern es muͤssen auch in Zei- ten vor die saͤmtliche Hochloͤbliche Jage- rey, als den Ober-Jaͤger-Meister, Land- Jaͤger-Meister, Forst-Meister, Jagd- Juncker, Hoff-Jaͤger, Jagd- Pagen, Be- such-Knechte, Ober-Foͤrster und deren M m 2 Bedien- Fuͤnffter Theil/ Bedienten, Pferde und Wagen, wo nicht in einem Dorffe, dennoch in an- dern nahgelegenen Orten, die hierzu noͤ- thige Quartiere in Zeiten bestellet werden, als welche, nachdem das Jagen groß oder weitlaͤufftig und mit dem Treiben von weitem her lange zubringen muͤssen, nach Gelegenheit der Heyden und Waͤlder, bißweilen wohl vier Wochen, und noch laͤnger alldar liegen muͤssen; Nicht we- niger muͤssen auch die Englischen grossen Hatz-Hunde, Sau-Ruͤden, Finder, Jagd-Hunde, und deren Knechte und Jungen, ihre noͤthige Quartiere, und Beqvemlichkeiten haben, und nichts feh- len, was sowohl an Futter und Brod vor die Hunde, als an Haber, Heu, Stroh, und dergleichen, vor die Pferde noͤthig ist, und weil die Hochloͤbliche Jaͤ- gerey bey dieser beschwerlichen Arbeit von Alters her, nach Proportion ihrer Char- gen, vom groͤsten biß zum kleinsten ihre Ausloͤsung loͤblich erhalten, oͤffters aber in solchen schlechten Doͤrffern keine Le- bens-Mittel und kaum das Brod von dem neydischen Bauer zu erhalten seyn kan, so ist dieserwegen am allermeisten, hoͤchst unentbehrlich noͤthig, einen Jagd- Marquetender mit allerhand gebrathe- nem und gekochtem Proviant anzuschaf- fen; Sonderlich muß derselbige auch guten Wein, braun und weiß Bier, Brod und Semmel, Gebackenes und an- dere Dinge, bey ihm haben, damit die saͤmtliche Hochloͤbliche Jaͤgerey, Jagd- und Forst-Bedienten nicht allein vor sich zur Genuͤge, sondern auch die Fremb- den, Hohe und Niedere, und insgemein alle und jede, ein Jedweder vor sein Geld, nach billiger Taxa Lebens-Unterhalt be- kommen koͤnne. Die noͤthigen Hand- wercks-Leute, als Jagd-Seyler, Jagd- Schneider, Jagd-Wagner, Jagd- Schmied, Jagd-Riemer, mit ihren Ge- sellen, nebst benoͤthigtem Handwercks- Zeug, muͤssen auch allernechst seyn. Die aus den Aemtern, und jeglichen Dorff- schafften ausgelesene oder doch sonst ge- schickte Bauern, welche das Treibe-Volck in Ordnung halten helffen, muͤssen hier- zu mit eingetheilet, und auf dem Huth mit dem Namen des Amts gezeichnet seyn. Solche werden allhier zu Sachßen Blau- Huͤthe genannt, vermuthlich daher, weiln sie vor diesem etwan stahlgruͤne Muͤtzen gehabt, welche durch Regen, und langen Gebrauch endlich blau worden. Sie werden auch beym Zeug-stellen, und Auffwartung der Obern, als des Jaͤ- ger-Meisters, derer Forst-Meister, Jagd- Juncker, Hoff-Jaͤger und Jagd- Pagen, gleichsam als Ordonance bestellet; Muͤs- sen auch zur Parade die grossen Engli- schen Hunde fuͤhren; Weswegen sie auch zur Jagens-Zeit gruͤn bekleidet werden. Alle Morgen und Abend waꝛten die Jagd- Hautbois saͤmtlich mit ihrer angeneh- men Musique gehoͤriges Orts dem Herrn Ober-Jaͤger-Meister auf: Darauf durch einen Trompeter zum Auffbruch Pucel- le, oder zu Pferd geblasen wird. Damit auch vor allen Dingen hierbey die heyl- same Justiz in acht genommen werde, ist noch hierzu unentbehrlich ein Jagd- Land-Knecht, oder Jagd-Voigt, welcher nicht allein die Dorffschafften zur Jagd bestellet, sondern auch die Verbrecher oder rebelli sche Baueꝛn schliessen und feste machen, und einem Verbrecher die Sturm-Haube gewoͤhnlich auffsetzen kan. Von dem Lauff-Platze. Dieweil vor uhralten Zeiten grosse Herren und Potentaten auff der Jagd meistens zu Pferde mit fluͤchtigen Hunden das angeschossene Wild eyfrig verfolget, dieses aber vor Angst sich zu salvir en, uͤber Berg und Thal, Stein- Felßen, und Abgruͤnde, Moraͤste und Suͤmpffe, tiefe Seen, und Wasser- Stroͤhme gesetzet, und ihre Flucht genom- men; So hat nicht fehlen koͤnnen, wie in der Vorrede gemeldet, daß manches Ungluͤck hieraus entstanden, welches nachgehends Anlaß gegeben, auf eine bes- sere Erfindung, und auff eine vor die Herrschafft vergnuͤgtere sichere, und lusti- gere Manier zu dencken, wie nemlich die wilden Thiere auff einen Platz zu brin- gen, woselbst die Herrschafft ihrer mit Lust erwarthen, dieselben sich vorjagen lassen, und in der Herauskunfft, und dem Vorbeylauffen mit herrlicher Vergnuͤ- gung schiessen, und sich mit Hetzen diverti- r en koͤnne: Jst dahero von der Hochloͤbli- chen Jaͤgerey ein solcher Richter-Platz der Lauff genennet worden. Weiln die im Jagen verhandene wilde Thiere von der Herr- Von der Jagd/ oder dem Weyde-Werck. Herrschafft zur Lust vorlauffen und ge- jaget werden, woselbst es dann auff unterschiedene Arten von der Herr- schafft gefaͤllet, und erleget wird. Die- ser so genannte Lauff-Platz nun wird in der Mitten des Qver- oder Lauff- Tuchs folgender maassen abgestecket: Nemlich man nimmt einen hoͤltzernen Teller, theilet denselben in die Helffte, und zeichnet nach just en Winckeln bey- kommende fuͤnff Linien vor sich, auff sel- bige Linien schlaͤgt er grosse Nadel-Knoͤpf- fe und laͤsset auff der mittelsten Linie ei- nen Mann hinaus schreiten, biß auff 300. Schritt; die andern auf beyden Seiten sich erstreckende Linien kom̃en et- wan 200. Schritt und die kurtzen zwey Linien jede 80. Schritt nach beygefuͤg- ter Figur Num. des Lauff-Platzes. Wann nun die fuͤnff Maͤnner ihre Li- nien abgeschritten, und etwan noch nicht in rechter Linie stehen, kan mit dem Huth-wincken rechts oder lincks gelen- cket werden, biß sie recht stehen, da schlaͤgt er den Hefftel ein, und die andern gleich- falls, so ist der Lauff abgestecket. Hier- auff nun wird an dem Qver- oder Lauff- Tuch an jedwedem Fluͤgel und zwar von dem besten und neuesten Zeug ein Fu- der nach dem abgesteckten Lauff-Platz von einem Hefftel zum andern der Zeug abgefuͤhret, biß diese beyde Fuder in der Rundung zusammen kommen: Dann wird bey der so genannten Krumb- Ruthe der Anfang vom Qver-Tuch zu stellen angefangen, angeknebelt, und an der Krumb-Ruthe eine starcke Furckel auswendig gesetzet, so innewendig mit drey Wind-Leinen angezogen wird: An dem andern Hefftel wird bey Ab- fuͤhrung zu beyden Seiten gelencket, daß hierdurch bey Schliessung der bey- den Fuder Zeug ein Bogen oder Run- dung, wie ein halber Mond gemachet, und weilen der Lauf ohne dieß von einem Jedweden angesehen, und bekucket wird, muß selbiger allenthalben am zierlichsten gestellet, sonderlich feinlglatt, gerade und reinlich angezogen seyn. Der Schirm, wohin die Herrschafft kommt, wird bil- lig in der Mitten auf den Lauff, wie ein Lust-Hauß auf Saͤulen erhaben, gestel- let, mit einem zierlichen Tache, von gruͤ- ner gewuͤchster Leinewand; Das uͤbrige alles wird fein gruͤn angestrichen, und numerir et, damit man es zu Ende der Jagd beym andern Jagd-Gezeug auf- heben koͤnne. Wie ich dergleichen Schirm samt dessen Zubehoͤhrung bereits aus- fuͤhrlicher beschriebenhabe; Wiewohl auf eines jeden Herrn eigenes Belieben, sol- chen groß oder klein zu haben, es haupt- saͤchlich ankommt. Wie man denn auch ebenfalls den Lauff groͤsser und kleiner machen kan, wann nur der noͤthige Bo- gen, die Krumb-Ruthen und was dar- zu gehoͤhret, nach rechter Proportion ein- treffen. Unsere jetzige neue Façon, wie Jhro Majestaͤt der Koͤnig von Pohlen haben, und dieses Jahr 1717. im Monat Augusti auf Anneburger-Heyde, bey ge- haltenem Hirsch-Feists-Jagen nach bey- kommendem Modell verfertigen lassen, welches viele frembde Kaͤyserliche und Koͤnigliche Cavalliers und Voluntairs der Jaͤgerey mit besonderem Fleiß sich anno- ti ret und bemercket haben, ist folgende: Hinter dem Schirm, auch manches Orts Gebrauch nach, unter dem Schirm wer- den die Kammer- und Leib-Hunde der Herrschafft gestellet, welche auch ihre Pla- n en haben; Zu beyden Seiten, wo die Rundung angehet, kommen die Engli- sche Hatz-Hunde, welche mit einem klei- nen niedrigen Schirm eingestellet wer- den. Vor das Qver-Tuch werden die Blend-Straͤucher Manns hoch gestecket, daß das Wild nicht auf dem Laufft allen Tumult, und vielerley bunte Farben der Cavaliers sehen kan, und hierdurch abgeschrecket werde, daß es gar nicht her- aus kaͤme, sondern sich eher todt jagen liesse; Sonderlich muß der Wind nicht von dem Laufft ins Jagen hinein gehen. Zur Sau-Hatz Zeit muͤssen die Tuͤcher innewendig, zu deren Beschuͤtzung, mit grossen Netzen angespannet, auf die Fur- ckeln geleget werden, und weil die Herr- schafft nach dem vorbey lauffenden Wild, zu beyden Seiten aus dem Schirm nach den Krumb-Ruthen, zu schiessen pfleget, muß daselbst ja kein Wagen, Calesch e, Kutzsche, Pferde oder Menschen sich naͤ- hern, weiln leicht ein Ungluͤck geschehen wuͤrde: Und werden zur Warnung ei- nige Straͤucher oder Tannen-Reiß auf die Ober-Leinen gehencket, zum Zeichen, daß daselbst nicht sicher sey, oder lange Reiß-Stangen gestecket. Damit auch daselbst das Wildpraͤth im Vorbeylauf- fen springen moͤge, so werden gruͤn be- steckte Uberspringe mit Reiß von Gaͤrt- nern zierlich gebunden. An dem Qver- Tuche innewendig nach dem Lauff-Pla- tze in der Mitten, wird ein erhabener Sitz von Rasen sauber gemachet, wohin M m 3 die Fuͤnffter Theil/ die Trompeter und Paucker kommen, so ist alles parat und fertig. Die Jagd- Hautboist en werden meist in dem Schirm nach der Herrschafft, oder wenig- stens nicht weit davon logir et. Vom Abjagen und Ausschiessen. Wann es nun der Herrschafft ange- meldet worden ist, daß alles parat gehal- ten, und fertig sey, und nur auf Dero Befehl beruhe; So ruͤstet sich ein Jeder von der Hoffstatt vom groͤsten biß zum kleinsten: Die Kuͤchen- und Keller-Wa- gen fahren voraus, und kehren, wenn es kalt, in dem nechsten Ambts- oder Forst-Hause ein, oder schlagen ihr La- ger bey warmer Sommers-Zeit, an ei- nen lustigen schattigten Ort, wo es ih- nen befohlen worden, auf, und halten indessen alles parat, kochen, sieden und brathen. Die Kellerey spiehlet die Will- kommen, und Gesundheit-Glaͤsser rein aus, sorti ret der Herrschafft Mund- Weine und ander Getraͤncke; Der Can- diter ordini ret seine Confecturen, oder Jahres-Fruͤchte und Gewaͤchse, Limo- naden, und andere Kuͤhl-Traͤncke; Jn Summa diese Sachen muͤssen alle parat gehalten, und vorhero fertig seyn, daß so balde das Jagen zu Ende, und der Herrschafft Appetit ankommet, es so- dann an nichts fehlen moͤge, sondern bey dem Koch und Keller alles uͤberfluͤßig verhanden sey. Wann nun die Herr- schafft nach der Jahres-Zeit sich jaͤgerisch angezogen, mit der Gemahlin, frembder Herrschafft, loͤblichem Frauenzimmer, und saͤmbtlichen Hoffstatt, in grosser Svi- te mit Caross en gefahren, theils auch ge- ritten ankommen, sodann abgestiegen, und sich in den Schirm verfuͤget hat, da dann auf die vielerley Wagen, haussen herumb, wie leicht zu dencken, viele Zuschauer auffsteigen, und die Herr- schafft ihre Præparatoria an Gewehr zu dem vorhabenden Puͤrschen fer- tig hat; Wird nach Befragen des Jaͤger-Meisters das Lauff- oder Qver- Tuch auffgezogen und die Hetz-Hunde in ihre Schirme vertheilet; Dann verfuͤ- get sich die saͤmtliche Jaͤgerey dem Schirm gegen uͤber an den rechten Fluͤgel gegen der Herrschafft zu, und stellen sich in Ordnung neben einander in drey Glie- der nach deren Rang und Charge, mit Wald-Ruͤden und Hifft-Hoͤrner, in gruͤner mit Gold und Silber reich- bor- dierter Livree, Hornfesseln, und Hirsch- faͤngern, und erwarten allerseits, wann es der Herrschafft gelegen, durch ein Zeichen dero Befehl: So nun gewincket worden, alsdann wird von der Jaͤge- rey durch die grosse und kleine Hoͤrner angefangen zu blasen, und hierauff bey der Hirsch-Feiste-Zeit mit dem gewoͤhn- lichen Wald-Geschrey Ja ha ha, ja ha, bey der Schwein-Hatz aber, ho, Ri do, ho ha ho, so aus hellem Halß geschrie- en wird, in solcher Ordnung mit ent- bloͤstem Haupt den Huth unter dem Arm habend, zu Holtze gezogen. Hinter die- ser Jaͤgerey werden die Jagd-Hunde von Bauern gefuͤhret, da der Pursch bey den Hunden vor ihnen hergehet, und continuir en ihren Laut zu Holtze hin- ein biß hinter die Qvere, wo des Jagens Rundung ist. Alsdann vertheilen sie sich ins Treiben von einander; Dann werden die Wald- und Fluͤgel-Hoͤrner auff gewoͤhnliche Post en geblasen, und dasjenige, was von Hirschen ansichtig ge- worden, mit dem gewoͤhnlichen Juch Hirsch angeschrieen, darauff alsbald die Jagd-Hunde geloͤset, und denselben zu- geschrien wird, umb damit das Wild- praͤth im Jagen rege zu machen, damit es auff den Laufft fluͤchtig gesprenget komme. Das Ober- Directorium bey solcher Jagd hat der Ober-Jaͤger-Mei- ster, welcher sich, wann die Jaͤgerey zu Holtze gezogen, an das Quer-Tuch zum rechten Fluͤgel postir et, der Land-Jaͤger- Meister aber an das Qver-Tuch auff den lincken Fluͤgel, derer Jeder einen Ober-Forst-Meister und Ober-Jaͤger- Meister bey sich haben muß. Wann nun das Roth-Wild Troupp- weise durchs Qver-Tuch, und darunter starcke jagdbahre Hirsche, oder gantze Rudel Sauen, darunter Haupt-Schweine sind, herauskommen, und vorlauffen, werden bey deren Ansicht dieselben durch Fluͤ- gel-Hoͤrner angeblasen, zuweilen auch durch Trompetten und Paucken bewill- kommet und angemeldet, damit die Herr- schafft desto besser achtung gebe. Was nun bey dem Schirm voꝛbey passir et, daß wird von der Herrschafft im Voruͤberlauf- fen gepuͤrschet, daß meistentheils Knall und Von der Jagd/ oder dem Weyde-Werck. und Fall zugleich geschiehet, von dem Jaͤ- ger-Purschen zugelauffen, und ein Ge- nuͤckfang gegeben, sodann auf die Wild- praͤths-Trage gehoben, und hin vor den Schirm zur rechten Hand getragen, und mit dem Gehoͤrn vorwaͤrts gestrecket wird. Die groͤsten Hirsche an Wild- praͤth nach Staͤrcke der Gehoͤrne, und Menge der Enden haben unter dem Roth- Wildpraͤth den Vorzug; Dann kom- men die Haupt-Schweine, nebst anderm Schwartz-Wild; Ferner die Reh-Boͤ- cke, und letzlich die Raub-Thiere, und wird alles mit dem Gehoͤrn und den Koͤpffen nach dem Schirm zu gestrecket, auch mit eichenen, und buchenen Bruͤ- chen beworffen, auff dem Platz, wo die Jaͤgerey gestanden. Die von der Herr- schafft abgeschossene Puͤrsch-Roͤhren, Flinten, und Pistohlen, werden vom Leib-Schuͤtzen, oder Buͤchsen-Spanner jedesmahls hurtig geladen, und uͤberge- ben. Wann manchesmahl die Gemah- lin oder frembde Herrschafft auch zu puͤr- schen groß Belieben tragen, so muß er hierzu seine Pursche helffen lassen. Wann nun Schwein-Hatzens-Zeit, und das Schwartz-Wildpraͤth, die Sauen, her- aus kommen, stellet sich die Herrschafft nebst andern Cavalliers mit ihren Fang- Eysen, dieselben anlauffen zu lassen, wor- auff die gepantzerten Leib- und Cammer- Hunde angehetzet werden. Oder die Herrschafft verfolget die Sauen auch zu Pferd mit dem Wurff-Spieß oder Sche- velin, oder schiesset mit Pistohlen diesel- bige. Wann nun Woͤlffe bey solcher Ge- sellschafft mit ans Tage-Licht kommen, werden dieselben mit Cours- Hunden ge- hetzet, die Rehe und Hasen im Lauffen geschossen, und die Fuͤchse geprellet, wor- bey dann die Herrschafft vielfaͤltige Lust durch Erlegung vielerley Wildes gehabt, und darbey vergnuͤget worden ist. Wann nun alles vorgejaget worden, und das Ja- gen leer, so versammlet sich die Jaͤgerey wiederumb auff den andern Fluͤgel, daß sie der Herrschafft zur lincken Seiten wieder heraus kommet, und ziehet so- dann wieder in der Ordnung mit dem Waldgeschrey Ja ho ho von Holtze ge- gen den Schirm, da denn das Waldge- schrey auffhoͤret, mit Wald- und Huͤfft- Hoͤrnern das Jagen abgeblasen, und geendiget wird. Die Jaͤgerey aber ste- cket sich Bruͤche von Eichen-Laub auff die Huͤthe. Alsdann werden die staͤrcksten Hirsche und die Haupt-Schweine, oder die groͤsten Woͤlffe, mit allem, wie sie gefallen, in vollem Wanst und Gescheide, gewogen und notir et, die Jagd-Hunde ge- ruffen, und angekuppelt, sodañ der Zeug abgeworffen, und geladen, das Wildpraͤth auffgebrochen, die Luntzen vertheilet, den Hunden ihr Genuͤß gegeben, und das Wildpraͤth nach Hoff zu fuͤhren befoh- len. Am meisten aber wuͤrde ruͤhmlich seyn, wann an dem Lauff, oder doch nicht weit davon, in eine starcke Eiche, oder harte Buche die Anzahl des gefangenen Wildpraͤths nach jeder Sorte, auch Jahr und Tag, benennet, sowohl auch bey- gefuͤget wuͤrde, was die groͤsten Hirsche, oder hauende Schweine gewogen, was vor frembde Herrschafft darbey gewesen, wer damahls als Jaͤger-Meister das Jagen dirigir et habe. Welches von vie- len Frembden hernach wuͤrde mit Be- wunderung gelesen, von einigen auch wohl gar abgeschrieben, in fremde Laͤn- der mitgenommen und daselbst referir et werden. Vom Jaͤger- Panqvet. Wann nun die Herrschafft nach ge- endigter Jagd und gehabter Bewegung sich wiederumb in ihren Staats- Caros- s en, mit ihren Pferden, und saͤmbtlicher Hoffstatt in das hierzu nechst gelegene Ambt- oder Forst-Hauß zum Abtreten begiebt, alle Præparatoria zur Tafel fer- tig, aufgetragen, und sich gesetzet haben, werden die Speissen von der loͤblichen Jaͤgerey, als denen Hoff- und Besuch- Jaͤgern, in ihrem Jagd-Gezeug und aufhabenden Bruͤchen mit bester Parade auffgetragen, und wird alles darbey von der Jaͤgerey bedienet, und aufgewartet. Der Hoff-Jaͤger-Meister, Land-Jaͤger- Meister, die Ober-Forst-Meister, und die Jagd-Juncker stehen hinter der Herr- schafft auffzuwarten: Die Jagd- Pagen tragen die Willkommen, uͤbergeben die- selbe dem Ober-Jaͤger-Meister zum Credentz en, welcher solchen der Herr- schafft mit groͤster Submission uͤberreichet. Wann nun die Herrschafft Gesundhei- ten trincken will, so wird allezeit darbey von der Jaͤgerey mit Fluͤgel- und Huͤfft- Hoͤrnern geblasen, oder auf Befehl das Wald Fuͤnffter Theil/ Wald-Geschrey gethan. Zur Abwechse- lung solcher Lust hoͤret man auch Haut- bois, Violinen, auch einen in Bock ver- wandelten Wolff zu allerhand Vergnuͤ- gung der Herrschafft. Findet sich auch etwan unter den Zuschauern ungefehr ein schoͤnes Kleppel- oder Grasse-Maͤdgen, da siehets umb die Jungferschafft gefaͤhr- lich aus, und kan so genau nicht herge- hen, in Summa es muß zu solcher Zeit vornehmlich der loͤblichen Jaͤgerey offe- ne Taffel, insonderheit des Truncks hal- ber, allezeit frey stehen, als welche solche Lust angestellet, und am meisten verdie- net hat: Auch soll Jedermann zu solcher Zeit in Freud, Lust und Vergnuͤgung seyn. Zur Som̃ers-Zeit, wenn es warm, und angenehm Wetter ist, wird dieses Jagd- Panqvet, wie es auch unsere alten Vorfahren gehalten haben, an einem lu- stigen schattigten Ort, unter gruͤnen Ei- chen, biß in die dunckele Nacht celebri ret, und werden andere Lustbarkeiten dar- bey mehr vorgenommen, auch der hohen Landes-Herrschafft zu Ehren an solchen Ort die Jahrzahl, Wappen, und Na- men nebst andern Remarqven an eine Eiche gezeichnet, und mit Farben zierlich angestriechen, welches denen Nachkom- men ein angenehmes Andencken verur- sachet. Bey solcher angestellter Herr- schafftlichen Lust wird es niemahlen, son- derlich wegen Bier und Wein so genau genommen, welches der Herrschafft zu hohen Ehren gereichet, und kan ein Je- der bey solcher Lust sich ein klein Raͤusch- gen trincken. Solten auch arme Leute solche Gelegenheit mercken, ihre Noth- durfft der Hohen Landes-Herrschafft durch eine unterthaͤnigste Supplic vor- zubringen, muͤssen die Bedienten selbige nicht abstossen, sondern zur andern Zeit Vertroͤstung geben. Damit auch nicht ein jeder Naseweiser Kluͤgling nach eige- nem Gefallen der Herrschafft zum Ver- druß zu nahe heran trete, oder viele uͤ- berhaͤufft eindringen, und die zur Auf- wartung gehoͤhrige loͤbliche Jaͤgerey und Bediente verhindern, gehoͤhret sichs an jeder Thuͤre des Gemachs, oder Eingan- ges zwey ansehnliche Forst-Bedienten mit blosen Eysen zu stellen, damit nicht Jedermann einlauffe. Vom Gehoͤrn vortragen/ und Weyde-Geschrey. Dieses ist abermahl ein uhraltes Herkommen, so vor diesem gebraͤuchlich gewesen, wann ein Jaͤger sein bestaͤttig- tes Jagen gemachet hat, und er den staͤrcksten Hirsch darbey nach der Gefaͤhrd angesprochen; So es nun nach geendig- ter Jagd richtig eingetroffen, ist dem Hirsch alsbald sein Gehoͤrn ausgeschla- gen und in Gegenwart der Hohen Herr- schafft dem Leith-Hunde mit besonderer Art vorgetragen, auch darbey nachfol- gende Weyde-Spruͤche zu ihm von hel- lem Halße gesprochen worden: Wald- mann hin hin, zu der Faͤhrd, die der edle Hirsch von Feldern gegen Hol- tze einthaͤt: gegen Holtz kam der edle Hirsch stoltz, mit seiner edelen Kron, Gott hat sie ihm auffgethon, mit sei- nen stoltzen Tritten, hat heute den Todt erlitten, Waldmann hin, du hast recht, habe Danck, das ist heute ein guter Anfang: Waldmann, du hast den edlen Hirsch verfangen, nach ihm traͤgst du groß Verlangen, mach dich frisch und froͤlich, du geneust zur Stund, des edlen Hirsches Wildpraͤth fein, Ehre soll mein Jaͤger-Recht seyn; Da kam er hergeschritten, mit seinen sieben Tritten, hat nun sein Recht er- litten; Maldmann halte dich zu mir, wie ich zu dir; So trag ich hier, des edlen Hirsches Gehoͤrn dir fuͤr: Heu- te gieng er durch Haber und Korn, obs gleich dem Bauer thaͤte Zorn, und muste seinen Schweiß vergiessen, daß du dessen kanst geniessen; Wald- mann, du hast Recht, habe Danck, ist ein guter Anfang. Dieses wird nun heutiges Tages nicht mehr gehalten, son- dern vor altvaͤterisch gescholten, deme ohn- geachtet, kan man dannoch hieraus ab- nehmen, was grosse Herren vor Al- ters vor ungemeine grosse Zuneigung des Weydewercks gehabt, auch wie sie nur die Gehoͤrne der Hirsche und deren sonderliche Ceremonien hoch geschaͤtzet; Ja man findet in Deroselben uhralten geheimbsten Gemaͤchern, daß sie zum groͤsten Estat vergoldte, oder versilberte, auch wohl gantz schlechte natuͤrliche, doch wohlgewachsene Hirsch-Gehoͤrne von vie- len Enden auff geschnitzte Koͤpffe und Ge- maͤhlde, an Waͤnden, statt der schoͤnsten Tapeten auffmachen lassen, wie zu Tor- gau Von der Jagd/ oder dem Weyde-Werck. gau auff dem Koͤniglichen Schloß die uhralten Herrschafften gethan haben. Woraus mit groͤster Bewunderung diese Antiquit aͤt, solcher Hirsch-Gehoͤrne hal- ber, wahrzunehmen; Ja es haben gros- se Herren auch hierzu absonderliche Ge- hoͤrn-Boden, uͤber welchen Vorrath zu desto mehrerer Richtigkeit sie gehoͤrige Gehoͤrn- Inspectores gesetzet, alles ein- gekommene zu berechnen. Theils Or- ten muͤssen auch die Unterthanen die ge- fundene abgeworffene Hirsch-Stangen gegen ein Trinckgeld liefern, und bey grosser Straffe nichts verschweigen, oder in geheimb verpassen. Vom Weyde-Messer schlagen/ oder Pfunde geben. Dieses ist ebenfalls, wie das vorigte Gehoͤrn vortragen, davon in vorherge- hendem Capitel gemeldet, ein uhraltes Herkommen, und eine bey dem Jagen de- rer Kaͤyser, und Koͤnige, Fuͤrsten und Her- ren und Deroselben gehabten Lust, Spaß, und Kurtzweile, von langer Zeit her eingefuͤhrte Gewohnheit, bey gefaͤlltem Wildpraͤth vorzunehmen: Nemlich wann frembde anwesende Cavalliers oder Dames oͤffters aus Unerfahrenheit oder Vorwitz einige Woͤrter mit unrech- ter Benennung fahren lassen, so denen Jagd- Terminis zuwider sind, worzu die- selben offtmahlen, der Herrschafft zu Ge- fallen, mit besonderm Fleiß zu fehlen ver- anlasset, und gereitzet werden; So wird auf Hohen Befehl erstlich der beste Hirsch, und zwar mit dem Kopffe und Gehoͤrn vorwaͤrths gegen die Herrschafft gestre- cket, worauff der Verbrecher vom Jaͤ- ger-Meister angeklaget, und bald darauff auf den Hirsch geleget wird: Worbey dann die in einer Reyhe stehende Jaͤgerey anfaͤnget zu bla- sen; Nach diesem faͤngt der Jaͤger-Mei- ster an das blose Weyde-Messer oder Blatt in der Hand haltend, an dem Ver- brecher die Execution zu thun, und mit demselben ihm auff das Gesaͤß drey Streiche zu geben, da denn bey jedwe- dem das Wald-Geschrey darzu gespro- chen wird, nehmlich also; Ho, ho, das ist vor meine Gnaͤdigste Herrschafft, Ho, ho, das ist vor Ritter, Reuter und Knecht, Ho, ho, das ist das edle Jaͤ- ger-Recht, Ho, ho, Juch. Worauf die Jaͤgerey mit ihrem Wald-Geschrey und blasen solche Execution endigen, und die Herrschafft was zu lachen krieget: Diese Kurtzweile, ob sie wohl altvaͤterisch, wie die vorigte, geschiehet sie dannoch eher als sonst was nothwendigers, zumahl bey Anwesenheit frembder Herrschafft, und wann etwan durch die Willkommen dieselben allzuviel truncken worden. Da hilfft dann keine Entschuldigung, wer zugegen ist, und thut mancher weißli- cher, daß er sich absentir et, als in Ungna- de kommen moͤgte, wo er nicht solche Poe- nitenz ausstehen will: Mancher kreucht lieber vor die Kurtzweil zu einem huͤbschen Bauer-Maͤdgen hintern Strauch, oder Heu-Schoͤber, als daß er hierinnen mit- spiehlen will, welches am rathsambsten ist. Solche Motion wird gar oͤffters von einem grossen Herrn in Hoher Per- son selbst ausgetheilet, und zwar mei- stens Hohem Frauen-Zimmer, oder vor- nehmen Ministris; Jedoch ohne Wald- Geschrey, nur zu ihrer Kurtzweil. Oder es wird auch auff einer Ochsen-Haut zur Lust einer geprellet, daß ihme Kopff, Ruͤcken und Beine wehe thun. Alte Weyde-Spruͤche. Zum Beschluß der Antiquit aͤt muß ich annoch etwas von einigen Weyde- Spruͤchen gedencken, deren sich die alten Jaͤger vor diesem sehr oͤffters bedienet haben, wann sie einen Frembden un- bekanten in Gesellschafft bey dem Gelack gehabt, der sich vor einen Weydemann ausgegeben. Kunte dieser nun nicht antworten, da setzte es denn grossen Streit, oder gar Schlaͤge, es bestunden aber solche Weyde-Spruͤche ungefehr darinnen: Nehmlich, Meydemann, lie- ber Meydemann, huͤbsch und fein, was gehet hoch, wacht vor den edlen Hirsch, vor den Feldern gegen Hol- tze ein? Das kan ich dir wohl sagen, der helle Morgenstern, der Schatten und der Athem sein, gehet vor dem N n edlen Fuͤnffter Theil/ edlen Hirsch, von Feldern gen Hol- tze rein. Meydemann, lieber Meyde- mann, sag mir an, was hat der edle Hirsch vernommen, wie er ist hoch- wacht von seiner Mutterleib gekom- men, das will ich dir wohl sagen, den Mond, den Tag, und Sonnen- Schein, hat er vernommen fein, und auff einer gruͤnen Heyd, hat er ge- nommen seine Weyd; Meydemann, lieber Meydemann, sage mir an, wo- fuͤr muß sich huͤten der gute Meyde- mann; Lieber Weydemann, daß kan ich dir wohl sagen an, viel Morte und Schwaͤtzen, thut den Meydemann sehr verletzen; Meydemann, lieber Weydemann, sage mir an, was ist weis- ser, dann der Schnee, was ist gruͤner, dann Klee, schwartzer, dann der Rab, und kluͤger, dann der Jaͤger-Knab? Das kan ich dir wohl sagen, der Tag ist weisser, als der Schnee, die Saat gruͤner, dann der Klee, die Nacht schwaͤrtzer, als der Rab, schoͤne Maͤd- gen kluͤger dann der Jaͤger-Knab. Weydemann, lieber Meydemann, sag mir an, wo hat der edle Hirsch seinen ersten Beytritt gethan? Das kan ich dir wohl sagen rein, aus Mutterleib umb die liebe Mutter sein, thaͤt er den ersten Beytritt fein. Weydemann rund, thu mir kund, wodurch wird der edle Hirsch verwund? Das kan ich dir wohl sagen, thuts nicht der Jaͤger, und sein Leith-Hund, so bleibt der edle Hirsch unverwund. Meydemann, lie- ber Weydemann, sage mir fein, was mag doch das Jaͤger-Lohn wohl seyn? Das kan ich dir wohl sagen, der Kopff, der Halß, und die Haut duͤnckt mich fein, muß wohl des Jaͤgers Lohn seyn. Meydemann, lieber Meydemann, huͤbsch und fein, sage mir, wann mag der edle Hirsch am besten gesund seyn? Das kan ich dir wohl sagen fuͤr, wann die Jaͤger sitzen und trincken Bier und Mein, pflegt der Hirsch am allergesuͤnd- sten zu seyn. Meydemann, lieber Meyde- mann, sag mir an, wo hat denn der edle Hirsch seinen ersten Sprung gethan? Das kan ich dir wohl sagen an, aus Mutterleibe, aus gruͤner Heyde, hat der edele Hirsch seinen eꝛstẽ Sprung gethan. Weydemann, lieber Meydemann, sa- ge mir frey, welches sind doch wohl die schoͤnsten Farben drey? Das kan ich dir wohl sagen frey, ein gruͤnes Graß, ein weisser Arsch und eine schwartze Fotz darbey, daß sind die schoͤnsten Farben drey. Dergleichen Dinge sind mehr, so mir nicht alle beyfallen, auch anjetzo nicht mehr gebraͤuchlich sind; Ja sie haben gar zu Kaͤysers Friderici Barbarossæ Zei- ten den Tag jaͤgerlich angeschrien, ihre Herrschafft, saͤmbtliche Hoffstatt, Koch und Keller zur Jagd auffgewecket, ist aber zu weitlaͤufftig hier alles anzufuͤh- ren; Und habe ich nur dieses wenige der lieben Antiquit aͤt zu Gefallen hier mit wenigem beyfuͤgen wollen, woraus we- nigstens zu ersehen, wie unsere Borfah- ren vor die Jaͤgerey oder das Weyde- werck einen viel hoͤhern Estim, und ei- ne groͤssere Hochachtung gehabt, als ley- der vorjetzo geschiehet. Von der Hirsch-Brunfft. Hiervon werde, so viel ich mich er- rinnere, im Andern Theil bey der Eigen- schafft des Hirsches, zu welcher Zeit nem- lich der Hirsch und auff was Art er auff die Brunfft trete, auch wie er sich ver- halte, ausfuͤhrlich geschrieben haben: Nemlich daß er umb Ægidi nach der al- ten Zeit, und nachdem er feiste worden, wovon er geyl wird, das Wildpraͤth su- che, und bey kaltem Nebel und Frost, nach dem Wildpraͤth in seiner geylen Hitze gegen Abend die Nacht durch, und vor Tage hefftig schreye, das Wild- praͤth zusammen treibe, und brunffte; Jn solcher Zeit nun werden, wo solche Gehaͤge sind, die Heyden und Waͤlder verbothen, und darff Niemand, wie son- sten, hinein fahren oder Holtz hohlen; Maassen hierdurch das Wildpraͤth in sei- ner Brunfft gestoͤhret wuͤrde. Da nun also das Wildpraͤth in solcher Zeit Ruhe und Friede hat, und ihme nichts hinder- lich ist; So reisset die Herrschafft mit ei- nem kleinen Etat auf die Hirsch-Brunfft, daselbsten etliche Wochen zu verbleiben, da denn das an solchem Wald nechstge- legene Ambts-Jagd- oder Lust-Hauß zu rechte gemacht, und die noͤthigen Victu- ali en herbey geschaffet werden. Wann nun der Forst-Meister selbigen Reviers durch Von der Jagd oder dem Weyde-Werck. durch seine untergebene Foͤrster Erkun- digung eingezogen, wo und wie solche Hirsche in der Brunfft stehen, und ob solche zeitlich oder spaͤth antreten; So reitet der Forst-Meister nach gegebenem Bericht mit der Herrschafft, wie gemel- det, gegen Abend und vor Tages nebst dem Puͤrsch-Meister und Leib-Schuͤtzen an gemeldten Platz, steigen ab, und so der Forst-Meister der Herrschafft die Wechsel und Gelegenheiten gezeiget hat, und sie sich angestellet, oder anderwaͤrts Hirsche schreyen hoͤren, so fuͤhret der Puͤrsch-Meister die Herrschafft an, durch beschleichen, kriechen oder andere Vor- theile; Jst der Hirsch zuweit, muß der- selbe mit Knicken eines kleinen Stoͤckgen, als ob ein anderer kaͤme, naͤher gelocket werden; Und so ein Hirsch der Herr- schafft recht zum Schuß stuͤnde, solchen schiessen lassen; Und wird zum Pracht, daß er von der Herrschafft erleget wor- den sey, auff dem Puͤrsch-Wagen gehoͤ- riger Maassen gefuͤhret, und nach Hoffe geschicket. Solcher Lust wegen, welche drey biß vier Wochen waͤhret, haͤlt sich die Herrschafft auff, und divertir et sich mit solchem Brunfft-Schiessen zu ihrer selbst eigenen Vergnuͤgung. Da darff nun Niemand dieselben darinnen stoͤh- ren, in der Brunfft im Wald huͤthen, Hunde hinein bringen, Streulinge oder Holtz hohlen, vielweniger die Herrschafft mit Supplic en uͤberlauffen oder verhin- dern, wo er anderst nicht in Ungnade und schwere Straffe verfallen will: Son- derlich muͤssen die Fleischer-Knechte mit ihren Kaͤlbern und Hunden, die einen starcken continuir lichen Lauth verursa- chen, und am meisten schaͤdlich sind, mit Fleiß von solchem Wald abgehalten wer- den. Wo nun Brunfft-Hirsche weit ab- gelegen, und in der Ferne vom Herrn geschossen werden, die werden vom nech- sten Dorffe von Ambts-Unterthanen biß zum Ambt-Hauße gefuͤhret, woselbst sie auff dem Puͤrsch-Wagen nach der Residenz geliefert werden. Wann nun die Herrschafft einen Hirsch von treffli- cher Groͤsse und Gehoͤrn vieler En- den gepuͤrschet, pfleget oͤffters der Puͤrsch-Meister sehr beschenckt zu weꝛden, welches meistens in einem schoͤnen silber- nen und verguldten Pocal bestehet, den er aber alsdann erst bekommt, wann er das abgeschlagene Gehoͤrn der Herr- schafft zu Ehren, wie gebraͤuchlich, bey gehaltener Taffel, vortraͤget, den neuen Willkommen vorhero aber austrincken muß. Und wird ein solches von vielen Enden herrlich erwachsenes Gehoͤrn auf einen hoͤltzernen Hirsch-Kopff zum An- dencken angemachet, unter dessen Halß auf ein Bretlein oder Pergament-Zed- dul geschꝛieben, in welchem Jahr und Tag- und wer ihn gepuͤrschet, wo er gefaͤllet, wie der Ort heisse, wie viel Centner er ge- wogen, und was sich merckwuͤrdiges dar- bey zugetragen. Solcher Gestalt haben vor uhralters viele Kaͤyser und Koͤnige es mit den Hirsch-Jagden hoͤchst ruͤhm- lich gehalten, was aber leyder! heut zu Tage passi ret, und mehr suͤndliches, als ruͤhmliches, vorgenommen wird, darf man nicht melden, sondern ist genung- sam zu beklagen. Von Puͤrschen. Weil ich von der Hirsch-Brunfft, oder dem so genannten Brunfft-Schies- sen, oder vielmehr Puͤrschen einer Hohen Herrschafft geschrieben; So finde noͤthig zu seyn, dessen Derivation, und Origi- nem zu demonstri ren. Weme ist nicht bekant, was fuͤr Bogen und Pfeile un- sere liebe alte Vorfahren theils zu ihrem Streit wider die Feinde, theils aber zu Faͤllung der wilden Thiere vor diesen Zeiten gebrauchet, und mit was fuͤr mancher Lebens-Gefahr, ehe sie ein Wild erlegen koͤnnen, solchem haben nachfol- gen muͤssen, welches man nachgehends verbessert, und die so genannte Arm- bruͤste ersonnen, die man dann lange Zeit noch vor Christi Geburth gebrauchet, biß endlich leyder! durch Gottes Verhaͤng- niß ohngefehr Anno Christi 1330. in Teutschland, und zwar zu Straß- burg, das schaͤdliche Schieß-Pulver von einem Francisca ner Muͤnch, Namens Bartholomaͤus Schwartz, erfunden worden. Dann da dieser als ein guter Alchimist e gar oͤffters laborir ete, umb die Natur der Minerali en, und derersel- ben Wuͤrckungen zu erforschen, und die- serwegen einsmahls in einem Moͤrsel ein N n 2 wenig Fuͤnffter Theil/ wenig Salpeter mit Schweffel zersties- se, begab sichs, daß unverhofft ein Fuͤnck- lein Feuer in den Moͤrsel fiele, so in ei- nem Augenblick alles entzuͤndete, uñ was im Moͤrsel verhanden war, verzehrete, woruͤber er sich hefftig entsetzet: Hat hierauf solcher natuͤrlichen Ursache wei- ter nachgesonnen, und vermercket, daß diese hefftige Gewalt aus des Salpeters Kaͤlte und Feuchtigkeit, und aus des Schweffels hitziger und trockener Eigen- schafft entstehe. Worzu er hernach et- was klare Kohlen, welche leicht, warm, u. trocken, auch zum anzuͤnden beqvem sind, gethan, und mit untermenget. Als er nun die Krafft dieses Pulvers, und daß, wenn es eingeschlossen, durchs Feuer mit Gewalt herausbreche, vermercket, hat er von demselben etwas in einen alten Kirchen-Schluͤssel gethan und verstopffet, hernach durch ein klein Loͤchlein angezuͤn- det, daß es einen Knall von sich gegeben, und die Dunst den Pfropff mit Gewalt heraus gestossen; Worauf er ferner nach- gesonnen, einen Stein angebunden, mit einer Feyle Funcken gemacht, und hier- durch das Pulver angezuͤndet, wie dann dergleichen Instrument zu Dreßden auf der Ruͤst-Kammer zu sehen. Und auf solche Art ist nun leyder! das schaͤdliche Schieß-Pulver, allen lebendigen, ver- nuͤnfftigen, und unvernuͤnfftigen Crea- turen, zum mercklichen Untergang, durch diesen vorwitzigen Muͤnch, vermit- telst des Teuffels Eingeben erdacht wor- den. Worauf man nachgehends eyser- ne Roͤhre erfunden, aus welchen durch Anzuͤndung des Pulvers die Dunst ein Steinlein oder Kugel ausgestossen; End- lich hat man die Buͤxen ersonnen, und zu Anzuͤndung dererselben anfaͤnglichen Schwamm oder Lunte gebrauchet, nach- hero aber solche Schloͤsser ersonnen, so man Lunten-Roͤhre genennet, welche je- doch wiederumb abgeschaffet und statt derselben von den Teutschen durch ein sonderlich hierzu von Stahl gespanntes Raͤdelein, und aufgesetzten Stein durch Schnellung Feuer zuwege gebracht, und das Rohr loßgezuͤndet worden. Nach die- sem haben die Frantzosen dieses Spannen als eine langweilige Sache verworffen, und auf Verbesserung desselben gedacht; Dannenhero sie die jetzigen wohlbekan- ten Flinten-Schloͤsser erfunden, daran sie einen so genannten Hahn mit dem Stein zuruͤck ziehen, und auf den staͤh- lern Pfannen-Deckel hauen, und auff- schlagen lassen, wodurch sich das Pulver entzuͤndet, und seine Wuͤrckung errei- chet. Durch solche Feuer-Roͤhre, wel- che bey deren Erfindung anfaͤnglichen sehr rar und kostbahr gewesen, haben unsere liebe alten Vorfahren vielen Fleiß angewendet, damit gewiß zu treffen, und dieselben Laͤuffte von starckem Ey- sen, auch innewendig besondere Zuͤge machen lassen, und damit durch eine Bley-Kugel vermittelst des erfundenen Pulvers das grosse Wild, welchem sie aufgepasset, geschossen, und erleget, und solche Buͤchse ein Puͤrsch-Rohr genennet haben; welches Wort die Weydeleut behalten, wie dergleichen Puͤrsch-Rohr Kaͤyser Maximilianus I. gebrauchet, da er in einem Hirten-Hause uͤberfallen worden. Und haben unsere teutsche Weydeleut oder Wild-Schuͤtzen solche Puͤrsch-Roͤhre mit vorerwehnten teut- schen Schloͤssern aus nachfolgenden Ur- sachen annoch biß dato im Gebrauch vor gut befunden: Nemlich ein teutscher An- schlag, weil er kurtz und hohl nach dem Backen geschnitten ist, wird sich geschwin- der und besser anschliessen, auch vester im Lager liegen, als ein anderer, so nicht von dergleichen Art ist. Ein teutsches Feuer-Schloß, ob wohl das Spannen, und Loßspannen des Rads in etwas be- schwerlich ist, kan nicht eher loß gehen, biß der Stein aufgesetzet worden, und wann zwischen den Stein und der Pfan- ne ein Tuchlappe geleget wird, bleibet Pulver, Rad und Stein trocken, und kan man nach abgezogenem Lappen gleich loß druͤcken. So kan auch ein Schuͤtz in freyer Faust, so meistens vorfaͤllet, nach einem Wild ohne angelegt puͤrschen: Weiln an dem Teutschen Schlosse das Rad mit Schaͤrffung des Steins unver- ruͤcket des Ziels weit leichter unvermer- cket loß gehet. Schließlich so dienet un- serm teutschen Weydemann ein derglei- chen teutsches Puͤrsch-Rohr zu seinem Gebrauch das Wild zu faͤllen: Die Fran- tzoͤfischen Flinten-Schloͤsser aber lasse ich in ihren Wuͤrden, als ein geschwindes Gewehr vor Soldaten, Kriegs- oder Wanders-Leute zu gebrauchen; Man haͤlt vor gut, so ein Puͤrsch-Rohr von anderthalb Ellen lang im Monat No- vembr. da das Zeichen des Schuͤtzens re- gieret, geschmiedet, und im Abnehmen mit sieben Zuͤgen gefertiget wird: Fer- ner wann der Schafft von Nußbaumen- Holtz, worinnen das Wetter eingeschla- gen, Vor der Jagd/ oder dem Weyde-Werck. gen, in solchem Zeichen und Monat ver- fertiget, unter den Laufft aber ein Stuͤck- lein primi Menstrui geleimet wird; Sol- che Dinge haben ihre natuͤrliche Wuͤr- ckung: Von anderm Aberglauben aber ist warrlich nichts zu halten. Hierzu ge- hoͤhret ein teutsches Schloß, dessen Rad innewendig, damit es nicht rosten moͤge, gute Federn, und einen tuͤchtigen Stein hat. Alles eyserne Werck aber an selbi- gem muß nicht blanck und glaͤntzend, sondern blaulicht oder matt im Feuer an- gelauffen seyn. Solches muß aber, des- sen ohngeacht, nicht verrostet, sondern allzeit reinlich und fertig gehalten wer- den, auch ein lederner Riemen zum An- haͤngen daran seyn. Ferner muß ein solches Puͤrsch-Rohr ein Bey-Kaͤstgen haben, worinnen Lad-Maaß, Kraͤtzer, und etliche Kugeln mit Pflaster liegen koͤnnen. Mit solchem Puͤrsch-Rohr nun kan der Weydemann alle die erzehlten wilden Thieren puͤrschen, und solche ent- weder aus ihrem Gefaͤhrd und Lohsung, abgemercktem Wechsel, deren Wandel und Geaͤß oder Nahrung, nach vorfal- lender Jahres-Zeit erkennen, denensel- ben aufpassen, oder nach Gelegenheit in Waͤldern beschleichen und faͤllen; Wie solches in vielerley Begebenheiten, und durch offtmahlige Ubung die Erfahrung geben wird, ja ich auch dieserwegen bey eines jeden Thieres Beschreibung bereits unterschiedliche Anmerckungen gethan habe, so alles hieher zu wiederhohlen, zu weitlaͤufftig fallen moͤgte, dahero den geneigten Leser dahin auf dergleichen fleis- sige Ubung gewiesen haben will. Hier- zu gehoͤhret nun auch gut rasches trocke- nes Pulver, und weiches Bley zu Ku- geln, auch eine stete Faust, fleißige Ubung, und oͤfftere Gelegenheit, das Wildpraͤth zu schiessen, welches alles den besten Mei- ster machen kan. Es haben zwar viele Schuͤtzen und Weydeleut oͤffters boͤse verbothene Kuͤnste, theils auch aber- glaͤubische abgeschmackte Thorheiten, wo- von ich aber nichts halte, und Jeder- man davor zu huͤthen rathe; Weiln ein christlicher Weydemann oder Jaͤger sich hierdurch bey dem grossen Gott in Un- gnade, der weltlichen Obrigkeit in Straf- fe, und bey Jedermann in Verachtung setzet, auch wenig oder nichts darbey pro- fiti ret, sondern es sind nur Dinge, wo- durch der boͤse Geist die Unwissenden, Faulen und Aberglaͤubischen suchet von Gott abwendig zu machen, und endlich ins Verderben und in Verzweiffelung zu stuͤrtzen. Man wird auch schwerlich solches bey einem rechtschaffen erlerneten fleißigen Jaͤger antreffen: Weiln er sei- ne Jaͤgerey ohne solche Teuffels-Kuͤnste noch besser, und mit gutem Gewissen præsti ren kan, und sich nicht umbs zeitli- che dem Teuffel ergeben darff, welches zum Beschluß aufrichtig melden wollen. Puͤrsch-Pulver zu machen. Ob gleich diese Wissenschafft eigend- lich nicht zur Jaͤgerey, sondern vielmehr zu der Artillerie gehoͤret, allwo die Con- sumption des Pulvers in groͤsserer Quantit aͤt geschiehet, das zum Puͤrschen oder Wild-Schiessen noͤthige Pulver a- ber leicht erkaufft werden kan; So will doch, weiln ich in vorhergehendem Ca- pitel von der Erfindung des Pulvers gedacht, dem geneigten Leser auch dessel- ben Zubereitung gruͤndlich offenbahren. Es wird nemlich ein hoͤltzerner eichener Klotz mit Loͤchern zubereitet, worinnen entweder durch ein Wasser-Rad, oder Hand-Getriebe vermittelst der Welle und Zapffen, die Stampffen in die Loͤcher einfallen, und die nachfolgende Materie zu einem Brey stossen, biß es genung- sam, und zwar Tag und Nacht, oder 24. Stunden, vermittelst einiger Anfeuch- tung von dem staͤrcksten abgezogenen Brandewein, oder starcken Wein-Eßig durcharbeitet wird. Nemlich man nim̃t 9. Pf. reinen Zapffen-Salpeter, 1. Pf. guten Schweffel, und 1. Pf. Schießbee- ren-Kohlen, mischet solches wohl unter einander, und feuchtet es, wie oben ge- dacht, mit scharffem Wein-Eßig, oder starckem Vorlauff und Brandewein, oder auch mit Schaͤll-Kraut-Wasser an, thut solches in die Stampffen, und laͤs- set es genungsam durcharbeiten, und wohl umbruͤhren, biß es Genuͤge hat, man feuchtet es auch an mit Salpeter- Laugen, oder auch mit Koͤnigs-Kertzen- Wasser, so es aber noch staͤrcker seyn soll, so thut man hierzu Campffer 1. Loth, Mercurium 1. Loth, Gruͤnspahn 1. Loth, 1. Qvint, Agtstein 1. Qvint, Sublimatum 8. Qvint, so unter einander im Moͤrsel N n 3 zer- Fuͤnffter Theil/ zerstossen und mit dem Zeug vermischet wird, laͤssets zusammen wohl stampffen und durcharbeiten; Oder man nimmt nur zu dem ordinair en Pulver-Satz 7. Loth Gruͤnspahn, 3. und ein halb Loth gebranntes Salarmoniac, und gebrannten Campffer eben so viel, solches soll das Pulver auch sehr verstaͤrcken. Wann es nun besagter maassen 24. Stunden oder Tag und Nacht gegangen hat, wird es heraus genommen und getrocknet, nachmahls durch ein weites Sieb in Koͤr- ner durchsiebet, von dar wiederum durch noch engere Siebe, nach verlangter Groͤs- se, in noch kleinere Koͤrner, gebracht, und sodann getrocknet. Theils lassen auch 30. Stunden und laͤnger die Mate- rie stampffen, damit die Species desto bes- ser und desto zarter untereinander ver- mischet, ihren Effect fluͤchtiger und ge- schwinder verrichten. Wer mehrere und Ausfuͤhrlichere Nachricht hiervon verlanget, der besehe die hin und wieder vielfaͤltig heraus gegebene Artillerie und Feuer-Wercks-Buͤcher, oder lasse sich selbst eine Pulver-Muͤhle zeigen, da wird man mehrere Nachricht haben. Dieses aber, was ich vermeldet, das habe ich aus einem uhralten Schwedischen Ma- nuscript, so ich in meines seel. Vaters, des Koͤnigl. Pohlnischen und Churfuͤrstl. Saͤchß. Obristen und Commendan ten der Vestung Koͤnigstein, hinterlassener Erbschafft gefunden, colligi ret, umb den geneigten Leser damit zu regali ren. Zum Beschluß muß ich noch mit wenigem erinnern, ob wir Teutschen wohl das Pulver machen vor eine sonderbah- re Kunst halten, wie es zwar an sich selbst auch in der That ist, so pflegen doch die Cosacken und Chur-Laͤnder nicht allein ihre kleine gezogene Roͤhrgen oder Teschincken, deren Kugel einer Stengel- Erbse groß ist, sondern auch wohl gar das Pulver selbst zu machen, wie sie dann hierzu einen Klotz mit einer Stampffe, wie die Hirsche-Stampffe bey unsern Bauern ist, zu gebrauchen pflegen, und nachmahls das Pulver zu koͤrnen und zu gebrauchen wissen, schies- sen auch damit so scharff, als wir nicht thun werden. Von dem Puͤrsch-Meister. Dieweiln ich bey der Beschreibung der Hirsch-Brunfft und Anfuͤhrung der Herrschafft, ingleichen vom Uhrsprung und Derivation des Pulvers, Geschos- ses, der Puͤrsch-Roͤhre, und des Puͤrsch- Pulvers, so viel mir von diesem allen wissend gewesen, bißhero gesaget habe; So folget anitzo hierauff die Verrich- tung eines Puͤrsch-Meisters. Es ist demnach ein Puͤrsch-Meister ein von Ju- gend auf durch alle Chargen der Jaͤge- rey und behoͤhrige Wissenschafften expe- dit er und wohlerfahrner Mann, wel- chem zu seiner treufleißigen Inspection der gantze Jaͤger-Hoff oder das gantze Jaͤ- ger-Hauß mit dem saͤmbtlichen Jagd-Ge- zeug, allen Hunden, groß und klein, auch die Puͤrsch-Jungen, Knechte und Jaͤ- ger zur Auffsicht anvertrauet, und be- fohlen sind. Weshalben er auch als Commendant im Jaͤger-Hoffe bestaͤndig wohnen muß, und von ihm daselbsten alles dependi ret, er auch von Niemand anderst, als von dem Ober-Jaͤger-Mei- ster Ordre und Befehl zu gewarten hat, und annehmen darff. Und weiln er die Herrschafft, das Wild zu puͤrschen, zur Hirsch-Brunfft-Zeit, oder zur Auer- Hahn-Paltz, oder sonst anfuͤhret, wird er dahero der Puͤrsch-M e ister genannt, und ob es gleich heutiges Tages e- ben keine Adeliche Charge ist, ist es dennoch ein von grosser Conseqvenz sehr wichtiger noͤthiger Dienst. Da- mit alles in behoͤriger richtiger Ord- nung gehalten werden moͤge, stehet un- ter ihm der Wagen-Meister mit seinen Zeug-Knechten und Jagd-Handwercks- Leuten, als der Jagd-Schneider, Jagd- Schmied, Jagd-Seyler, Jagd-Wagner, Jagd-Riemer, und dergleichen. Ferner wo ein Baͤhren-Hauß, Garten oder Faͤnge sind, der hierzu benoͤthigte Baͤh- ren-Waͤrter, item der Thor-Waͤrter, und Jaͤger-Wirth, gut Bier und Wein zu halten; Vor allen aber die benoͤthig- ten Knechte derer Hunde, die Jaͤger- Pursche und Jungen, deren Verrich- tung ich bereits oben erzehlet habe. Nicht weniger wird auch an manchem Ort ein Jagd-Land-Knecht gehalten, die heilsa- me Justiz darbey zu observir en; Ferner auch die Treibe-Leute anzulegen, und anzustellen. Der Puͤrsch-Meister hat also, wie gemeldet, alles, was in voͤlli- gem Jaͤger-Hofe, und Zeug-Hauße an Jagd- Von der Jagd/ oder dem Weyde-Werck. Jagd-Gezeug und voͤlliger Geraͤthschafft vorhanden zu besorgen, wie er dann auch deshalben mit dem unterhabenden Wa- gen-Meister beduͤrffenden Falls bey an- befohlenen vorhabenden Jagden alles parat halten, und nach geendigtem Ja- gen, wann alles wieder getrocknet, und ausgebessert, sogleich gehoͤriges Orts auff- heben lassen muß, damit dem Zeug kein Schade wiederfahre; Er muß ferner, wie gemeldet, sich von einem jeden Knecht, wegen dessen unterhabenden Hunden, sich taͤglich rapportir en lassen, was sie nemlich vor Hunde auf denen Meisterey- en, Muͤhlen, Schaͤfereyen, und For- wercken liegen haben, wie sie mit Na- men heissen, was abgegangen und was jung worden, solches alles auch sich ge- nau specificir en lassen. Uber die im Jaͤger-Hoffe verhandene Hunde, wie viel er derselben halten muͤsse, und was taͤglich bey der Fuͤtterung an Brod, Ha- ber-Schroth, Stroh und dergleichen auf- gehe, muß er richtige Rechnung fuͤhren, alles benoͤthigte darzu beyzeiten anord- nen, und solches anschaffen lassen, da- mit kein Mangel sey, und die Hunde nicht vor Hunger sterben, auch benoͤthig- te Sorge und genaue Inspection uͤber die Knechte, Pursche, und Jungen hal- ten, daß nicht durch dieselben weder durch Unachtsamkeit oder Unwissenheit, noch durch Faulheit, und liederliches Le- ben der armen Hunde benoͤthigte War- thung gar versaͤumet werden moͤge. Wann die Herrschafft auff die Hirsch- Brunfft, Auer-Hahn-Platz, zu puͤr- schen oder zu streifen, ausfahret oder ausreithet, muß der Puͤrsch-Meister durch die Puͤrsch-Jungen die Puͤrsch- Hunde, Sau-Finder und Schweiß- Hunde zugleich parat halten lassen, in- gleichen ausserhalb den Lauff besetzen, da- mit wann sich einiges Wildpraͤth bey dem Jagen durch den Zeug schlaͤget, oder was uͤberfaͤllt, er sodann solches veꝛfolgen, und also auch ausser dem Haupt-Jagen der Herrschafft auff allerhand Manier, mit jagen, hetzen und schiessen eine Lust zu machen bedacht seyn; Weswegen er besorget seyn muß, allezeit gute Hunde zu halten. Daferne was zur Taffel, oder Hoffstatt, ingleichen zum Deputat- Wildpraͤth vor die vornehme Ministers soll geschossen und geliefert werden, muß er seine Pursche zu puͤrschen beordern und ausschicken, auch oͤffters wohl be- duͤrffenden Falls auff etliche Meilen durchs gantze Land in alle Wild-Meiste- reyen vertheilen, worzu er benoͤthigten Falls schleunig das Wildpraͤth nach Ho- fe zu liefern gute Fug und Macht haben kan. An manchem Hofe wird auch ein Ober-Jaͤger gehalten, welcher bey dem Jagen die unterhabende Jaͤger, den saͤmtlichen Jagd-Gezeug, und deren Be- diente, Hunde und Leute unter seinem Commando hat, und das Jagen in al- lem zu commandir en, und zu formir en haben muß, ausser dem Jagen aber, und im Jaͤger-Hauße stehen dieselben unter des Puͤrsch-Meisters Inspection, wie- wohlen sie auch zuweilen beduͤrffenden Falls einander secundir en muͤssen; An theils Hoͤffen aber verrichtet ermeldter Puͤrsch-Meister eben auch zugleich des Ober-Jaͤgers Function und Dienst, wie dann auch theils Orten er hierinnen menagir et wird. Vom Leib-Schuͤtzen/ oder Buͤchsen-Spanner. Diese Function oder Charge und Hoff-Bedienung hat proprie ein wohl ansehnlicher, hoͤfflicher und vernuͤnffti- ger, bescheidener Jagd-Bedienter, wel- cher von keiner andern Profession als ein Jaͤger seyn muß; Maassen solches, wann es ein Laquey, Kutzsch- oder Pferde- Knecht verrichten solte, nicht allein dem Herrn der Jagd, sondern auch der Hoch- loͤblichen Jaͤgerey ein Schimpff waͤre, und ihnen spoͤttlich und veraͤchtlich fallen solte. Seine vornehmste Tugend beste- het eigendlich darinnen daß er seines Prin- cipals aus- oder abgeschossenes Gewehr hurtig, geschwind und reinlich innewen- dig ausziehe, eyligst lade, geschwind pa- rat habe, auff beduͤrffenden Fall oder Verlangen seines Herrn gleich uͤberrei- che, und mit allem diesem Gewehr fein behutsam und vorsichtig umbgehe, wes- wegen er auch sich nuͤchtern und maͤßig auffzufuͤhren Ursache hat, damit er nicht unvorsichtiger Weise entweder sich, oder andern Schaden thun moͤge. Er soll auch ferner billig einige Wissenschafft, sowohl von eines Buͤxen-Machers, als Buͤchsen-Schaͤffters behoͤhriger Arbeits- Stuͤcken haben, wenigstens, wo es feh- let, Fuͤnffter Theil/ let, anzugeben wissen, oder dasjenige, wel- ches untuͤchtig oder schadhafft ist, zu repa- rir en anzuordnen, wohl verstehen, da- mit er seines Herren Gewehr jederzeit prompt und parat halte, wenigstens an ihm und seiner Vorsorge nicht fehle. Es haben die Leib-Schuͤtzen vor alters Buͤx- en-Spanner geheissen, weilen alles Ge- wehr damahls gespannet worden. Von einem Jagd-Juncker/ und dessen Qvalit aͤten. Jch setze bey unserm neu angehen- den Jagd-Juncker zum voraus und præsumi re, daß er verhoffendlich in sei- nen jungen Jahren, als wie ich bereits vorhero von dem Jagd- Pagen gesaget ha- be, wohl erzogen worden, die Principia Pietatis zur Genuͤge gefasset, die Studia Necessaria fleißig tracti ret, nicht weniger auch in Moribus sich perfectioni ret ha- be. Weswegen ich denn von dessen Tu- genden, und Lastern allhier Erinnerung zu thun vor unnoͤthig erachte, sondern ich setze hier zum voraus einen qualificir- ten wohlverstaͤndigen Cavallier, welcher durch das Hoff-Leben und dessen ange- nehme Manie ren von Jugend auf nicht allein bey seiner Herrschafft, sondern bey maͤnniglich sich allezeit beliebt gemacht, und weil er sich in seines Herren Hu- meur zu schicken weiß, muß er desselben Hohe Fuͤrstliche Person mit grosser Mo- destie und Vorsichtigkeit gebrauchen, des- selben angebohrne Affect en kluͤglich zu simuli ꝛen sich gewoͤhnen und sein Gemuͤth zu entdecken sich nicht bloß geben, auch taͤglich ad altiora zu progredir en bedacht seyn; Weil ihm bekant, daß er nunmeh- ro bey erwachsenen Jahren kein Kind mehr sey, sondern ein wehrhaffter Ca- vallier worden, so sich von andern zu di- stingvi ren hat; Vornehmlich muß er ge- gen Hoͤhere dienstfertig, gegen seines Glei- chen freundlich, und gegen Geringere leutseelig sich erzeigen, durch fleißige Conversation vornehmer und gelehrter Leute sich dessen, was ihme noch zu hoch beduͤnckt, erkundigen, sich eiteln Ruhms bey andern nicht selbst flatti ren, oder was niedriges oder abgeschmacktes an sich mercken lassen, oder vorbringen, uͤber seine Ehre und Respect halten, und sich davon nichts nehmen lassen; Jm Wohl- stand und grossen Gluͤck sich nicht erhe- ben, oder hoffaͤrtig werden, im Un- gluͤck aber nicht kleinmuͤthig seyn, oder verzagen, sondern seine Kraͤffte und Ver- moͤgen wohl pruͤfen; Jn Conversation jederzeit eines galan ten und lustigen Hu- meurs sich befleissigen, darbey aber keine Thorheit begehen, weniger sich von allen vexi ren lassen; Das Schertzen wohl ver- stehen, nicht aber Jedermann railli ren, oder sich gar mit Narren gemein ma- chen, sondern in seinem Vornehmen alle- zeit wohlbedaͤchtig seyn, alles vorhero pro \& contra reifflich uͤberlegen, das Sei- nige zu Rath halten, doch was zu Eh- ren ist, distingvi ren, in Betrachtung, daß, wo mit der Loͤwen-Haut nicht fortzu- kommen, man den Fuchs-Balg brau- chen muͤsse. Diese und dergleichen Staats- Maxim en eines jungen Cavalliers und an- gehenden Hoffmanns, ob sie wohl nicht sufficient, sondern eine weit hoͤhere Rea- lité erfordern, so vermuthe ich doch, daß, wann er sonst einen natuͤrlichen Ver- stand, und eine honette Ambition hat, er hiervon schon profiti ren koͤnne. Solte aber diesem allem ungeachtet des- selben Naturell und angebohrne Capaci- té nicht sufficient seyn, sich ermeldter Maassen auffzufuͤhren, muß er necessa- rio bey solchen Jahren anderwertige Hoͤfe ein Paar Jahr durchreissen, sich manier- lich addressir en, und was vor ihm profi- tab el, sich auff notir en, sonderlich was in seiner Profession der Jaͤgerey, mit Umb- gange des Leith-Hundes, item eines be- staͤttigten Jagens, Formirung neuer In- vention en, vorkommet, bey solcher Wis- senschafft mit einem freyen Gemuͤthe explorir en; Maassen er bey dessen Wie- derkunfft zwar von Rechtswegen die naͤchste Anwartung auff eines Forst- Meisters Stelle zu hoffen hat, daferne er nicht nur immittelst in politi scher Ga- lanterie, sondern auch demjenigen, was ad Scopum Professionis dienet, worauff die Herrschafft bey dessen Retour am meisten regardir en wuͤrde, profitir et hat; Jn Mangel dessen aber wuͤrden ihme andere vorgezogen werden. Haͤtte er nun vorhero einige Principia Studii lati- næ Lingvæ gefasset, so waͤre loͤblich, wann er zumahl eine gute Inclination darzu haͤtte, daß er wenigstens einiger maassen etwas in der Physica, Anatomia, Geo- metria, Astronomia, und dergleichen herr- lichen Von der Jagd/ oder dem Weyde-Werck. lichen Studiis thaͤte; Worinnen er sich hernach vor andern geringern Standes umb ein grosses distingvir en und die gantze Jagd-Wissenschafft mit aller Zu- behoͤr desto leichter und gruͤndlicher fas- sen und begreiffen wuͤrde, wie davon je- dem Verstaͤndigen zu urtheilen uͤberlasse. Jnsgemein, wann ein solcher Jagd- Juncker sich zwar wohl anlaͤsset und in Herrschafftlichen Gnaden stehet, doch aber nicht sonderlich grosses Vermoͤgen hat, wiꝛd ihm, zu seiner vollkommenen Capaci- té zu gelangen, auff Herrschafftliche Un- kosten in frembde Laͤnder zu reissen, und zu profitir en vergoͤnnet, sich daselbst um desto mehr habil zu machen und sodann sich bey Hoff en galant’ Homme auffzu- fuͤhren, auch in Herrschafftlichen Verschi- ckungen brauchen zu lassen, da er auch wohl darneben den Characteur als Cam- mer-Juncker zu erhalten pfleget, umb die Auffwartung, Tractament, und Rang bey der Herrschafft vor andern zu haben, zumahl wann er auf eines gewis- sen Forst-Meisters Dienst wuͤrcklich in Antecessum schrifftlich adjungir et wor- den, welches ihme bey allen, sonderlich bey denen Forst- und Jagd-Bedienten ei- ne merckliche Autorit aͤt reussir et. Bey der Jagd wird ein Jagd-Juncker nach der Herrschafft verschicket, gehoͤhrigen Rapport zu uͤberbringen, ob das Jagen fertig, oder nicht, was darinnen zu ver- muthen, welchen Tag das Abjagen an- befohlen, zu benachrichtigen, und so die Herrschafft an den Ober-Jaͤger-Meister was zu befehlen hat. Von dem Ober-Forst- und Wild-Meister. Ein Ober-Forst- und Wild-Meister hat nun schon einen geruhigern, bestaͤn- digern, ansehnlichern, und eintraͤchtigern Dienst, welcher sowohl in Jagd-als Forst-Sachen eine geraume Zeit erfah- ren seyn muß, und wird von der Herr- schafft uͤber eines gewisses Ambts Forst- Revier, und desselben behoͤhrigen Wild- bahne gesetzet, auch hieruͤber verpflichtet. Solcher Ober-Forst- und Wild-Meister nun muß in seiner Wissenschafft wegen Forst- und Jagd-Sachen, schon in allem firm, accurat und gewiß seyn, die ihme untergebene Forst-Bedienten in genau- er Auffsicht halten, und davor stehen, daß die in selbigen Aemtern zubehoͤrige Forst- Revier en, Graͤntzen, Wildbahnen, Heyden, Waͤlder, Gehoͤltzer, Buͤsche, Moraͤste, Teiche, Mastungen, Fisch-Was- ser, und Krebs-Baͤche/ auch deren dar- auff berechtigte Hohe- und Nieder-Jag- den, Gehaͤgen, und Wildbahnen, in treufleißiger Auffsicht gehalten werden moͤgen; Sich in dem behoͤrigen Forst- Hause, wo es ihm angewiesen, allzeit wesendlich auffhalten, und von daraus die zubehoͤhrigen Heyden und Waͤlder durchs Jahr taͤglich fleißig bereithen, da- von nichts schmaͤhlern, oder entziehen lassen; Das brauchbahre benoͤthigte Holtz jedesmahls anweisen lassen, wo es der Wildbahne nicht schaͤdlich, oder des Wildes Behaͤltnisse Wechsel, Stand und Dickigte nachtheilig seyn moͤgte, das an- gewiesene Brenn-Holtz nicht von gruͤnen Masttragenden Eichen oder Buchen, weniger von Saamen-Baͤumen, son- dern von duͤrrem abgestandenem Holtz, so ferner zu keiner Frucht oder Mast dien- lich, sondern abgestorben, und vertrock- net ist, zu gewoͤhnlichen Kuͤchen-Klaff- tern schlagen lassen: Auff die Brett- Muͤhlen, Eysen-Hammer, Glaß-Huͤt- ten, Pech-Oefen, genaue Auffsicht hal- ten; Die Graͤntzen jaͤhrlich beziehen, und besichtigen lassen, damit hierinnen kein Unterschleiff vorgehen moͤge, und so et- was an der Graͤntze streitig werden wol- te, soll er dieselbe zu Handhabung der Gerechtigkeit beyzeiten bejagen: Die Verbrecher, so sich auff einerley Weise am Holtze oder Wildpraͤth vergreiffen, hat er zu bestraffen scharff anzuhalten; Die Raub-Thiere und Raub-Voͤgel mit allem Ernst zu vertilgen; Dargegen die Gehaͤge des Wildpraͤths groß oder klein zur fleißigen Auffsicht wahrzunehmen, damit dem Wildpraͤth zur Winters-Zeit mit noͤthiger Fuͤtterung und Lebens- Unterhalt beyzeiten Rath geschaffet werde; Er soll keine Ziegen dulden; Bey dem jungen Wiederwachs das unge- buͤhrliche Huͤthen des Rind-sonderlich des Schwein- und Schaaf-Viehes nicht verstatten, ohne special en erheblichen Uhrlaub und Verordnung der Cammer nichts von Mast-Hoͤltzern veraͤusern; Die Lieferung des Wildpraͤths nach Hof beschleunigen; Beym Holtz-Marckt, so- wohl des Fruͤh-Jahrs, als Herbsts, soll O o er Fuͤnffter Theil/ er nebst dem Ambtmann, und Forst- Schreiber, die Gelder einnehmen, hier- uͤber richtige Rechnung fuͤhren, und stem- peln lassen; Auch angelegte Feuer-Scha- den zu verhuͤthen sorgen; Des Herbsts beyzeiten die Mastung bereithen, und hiervon genungsamen Bericht einziehen; Bey gefallenem Neuling oder Schnee denen Woͤlffen, Luchsen, und Raub- Thieren, sie zu fangen, fleißig nachtrach- ten; Die Luder-Plaͤtze ausserhalb denen Gehaͤgen ordnen lassen. Hiernechst hat er auch treulich und fleißig wahrzuneh- men, daß ausserhalb der Strasse keinem Menschen erlaubet sey, Buͤchsen oder Flinten zu tragen, zu hetzen, zu forci- r en, zu jagen, zu beitzen, zu schiessen, und zu stellen, doch werden hiervon die Rei- senden ausgenommen, daferne sie auff ordentlicher Land-Strasse bleiben, und ihre Hunde gekuppelt fuͤhren. Hieruͤ- ber muß ein Ober-Forst- oder Wild- Meister acht haben, ob man etwan wo heimlich puͤrschet, oder Fallen, Schlin- gen, Gruben und Drath leget, junge Hasen und Rehe in der Satz-Zeit auf- faͤnget, Reb-Huͤhner, Feld-Huͤhner, Pha- sianen, Auer- und Birck-Huͤhner, En- ten und Tauben oder ander Gefluͤgel oder derselben Eyer ausnimmet, wodurch das lauffende, stiebende und fliegende Wildpraͤth verwuͤstet wird. Ferner muß er acht haben auff die Verbrecher, so Holtz stehlen, Laub streifeln, Graß mau- sen, uͤber Trifften huͤthen, Eichen schee- len, Linden streifen, Baͤume ringeln, Meyen hauen, Hartz scharren, Eicheln schlagen, Bircken bohren, Vogelkuͤhn hauen, Heyde-Kraut im Sommer bren- nen, wodurch vielfaͤltiger Schade ge- schiehet, und dieselbe zur Bestraffung an- geben. Keinem Nachbar die Folge des Schweiß-Hundes veꝛstatten, sondern, wie das Angeschossene umbkommen, Bericht erstatten. Keine frembde Jaͤger-Pur- sche ohne richtige Kundschafft denen Foͤr- ster zu halten gestatten; Auff der Adeli- chen Vasallen Jagden genaue Auffsicht haben; Denen Wildpraͤths-Dieben und Raͤubern nachstellen, dieselben anhalten lassen, solche und dergleichen Sachen mehr nach genungsamer Erkundigung untersuchen, manchmahls gehoͤriges Orts, Bericht erstatten. Und weiln der Ober-Forst-Meister vielfaͤltigen Com- mission en, wegen streitiger Jagden, Ge- hoͤltzer, Graͤntzen, Folge des Schweiß- Hundes, Kuppel-Jagden und derglei- chen mehr, so zu untersuchen sind, bey- wohnen muß, so waͤre nicht schaͤdlich, wann er einiger maassen in der Juris- prudenz erfahren waͤre, wenigstens meh- rern Commission en beygewohnet, und also eine sufficiente Experienz haͤtte, so zur Sache sehr nuͤtzlich waͤre. Von dem Ober-Jaͤger-Meister und dessen wichtiger Function. Ein Ober-Jaͤger-Meister ist das Supremum und hoͤchste Avancement bey der wohlhergebrachten Hochloͤblichen Jaͤgerey, und hat das voͤllige Directori- um, was sowohl in Jagd, als in Forst- Sachen vorkommen oder sich ereignen moͤchte, hat auch alle dererselben hohe und niedere Hoff-Land-Jagd- und Forst- Bedienten unter sich, und hat Macht, dieselben zu ordnen, zu setzen, und zu commandir en; Es sind ihm auch alle nachgesetzte Subalternen, vom hoͤchsten biß zum niedrigsten, untergeben, so, daß er gleichsam uͤber die gantze Hochloͤbliche Jaͤgerey en Chef zu befehlen hat, wie sonst bey einer Armee eines Krieges- Volcks der vornehmste Feld-Herr oder so genannte Generalissimus ist. Bey ei- nes grossen vornehmen Potentaten und maͤchtigen Monarchen, als einer Kaͤyser- lichen oder Koͤniglichen Majestaͤt und De- roselben Hohen Estat Hochloͤblichen Jaͤ- gerey oder Bedienten werden vornehm- lich erfordert nicht allein dergleichen Ho- he Subjecta, welche in denen Jagd- und Forst-Sachen eine genugsame sufficiente Conoissance beneben gehoͤhriger Autori- t aͤt und Respect bey ihren Untergebenen haben und wohl meritir en, sondeꝛn sie sind gemeiniglich auch von Hoher Geburth, hohem Stande und Herkommen, als aus einem Fuͤrstlichen oder doch Graͤfflichen Hauße, und wird, nachdem es braͤuchlich, bey einem dergleichen Kaͤyserlichen oder Koͤniglichen Hof ein solcher Premier-Mi- nister ein Ober-Hoff-Jaͤger-Meister ge- nennet, welcher nun, wie erwehnet, be- nebenst mehrern andern hohen Functio- n en Von der Jagd/ oder dem Weyde-Werck. n en sowohl bey Hoff a Consiliis, (nach des- sen Studiis und Qualit aͤten,) als bey der Kammer, und Koͤniglichen Revenüen Bedienungen, darbey aber auch der Ho- hen Herrschafft gehoͤrigen saͤmtlichen Jaͤ- gerey zu befehlen hat. Nechst diesem folget zuweilen auch ein Kron-Jaͤger-Mei- ster, welcher bey theils Koͤnigreichen als eine hohe Function gebraͤuchlich ist, wie auch ein Hoff-Jaͤger-Meister, so nach dem erstern ebenfalls ein vornehmer Minister ist, welcher bey Abgang als nechster Suc- cessor solchen Dienst zu hoffen hat. Ein Land-Jaͤger-Meister, welcher dieser sei- ner Charge nach fast nicht viel geringer ist, hat eigendlich denen auff dem Lande wohnenden Forst- und Jagd-Bedienten zu befehlen, und alles, was bey vorfal- lenden Begebenheiten der Forst-Graͤn- tzen oder Streit-Sachen, auch Jagd- Excess en derer Vasall en wegen passir et, zu rapportir en. Bey einer Chur oder sonst andern hohen Fuͤrstlichen Landes- Herrschafft aber wird gemeiniglich ein solcher vornehmer Minister nur allein gesetzet, und der behoͤhrige Characteur, als ein Ober-Jaͤger-Meister, oder nur auch zuweilen, nachdem die Herrschafft oder das Land groß ist, ein Jaͤger-Mei- ster genennet, welcher also das voͤllige Directorium der gantzen Jaͤgerey unter sich hat, und ex Fundamento, auch von Rechtswegen, verstehen muß, damit er keinen Vorwurff oder uͤbele Nachrede besorgen duͤrffe. Und haben dahero von der Hohen Herrschafft ihre Instruction, und schrifftliche Bestallung, wie es einer jeden Landes-Obrigkeit anzuordnen be- liebig ist. Es bestehen aber gemeiniglich dieselben Contenta darin: Nemlich die Nothwendigkeit, und Conservirung der Waͤlder genau zu beobachten, solche Forst-Aembter mit genungsamen tuͤch- tigen verstaͤndigen Personen zu besetzen, nicht weniger auch die Jagd-Bedienten, Wildbahnen und Gehaͤge zu revidir en, denen Wildpraͤths-Dieben nachzutrach- ten und solche zu bestraffen; Die Raub- Thiere zu vertilgen, die Gehaͤge nahe der Residence zu ordnen; Die Satz-Lege- und Bꝛuͤth-Zeit, sowohl des Roth- u. Schwaꝛtz- als des Feder-Wilds, alles Ernstes zu be- sorgen; Die Ubertretungen derer Va- sall en, und anderer Verbrecher durch wohlerfahrne Jagd- und Forst-Ver- staͤndige Commissari en genau un- tersuchen, und beurtheilen zu lassen; Alles ohne einiges Interesse hoͤheres Orts ausfuͤhrlich zu berichten, und darauf Bescheids gewaͤrtig zu seyn; Zu behoͤhrigen Jagd-Zeiten, als in der Hirsch-Feist, oder Schwein-Hatz, puͤr- schen, und streifen, und alles, was zum Jagen vorkoͤmmt, nach Weydemanns Brauch oder rechter Jagd- Manier der Herrschafft zur Vergnuͤgung anzuord- nen; Das an den Graͤntzen Streitige bey Zeiten bejagen zu lassen; Die Wolffs- Jagden durch braͤuchliche Zeuge anzu- ordnen; Auf das Jaͤger-Hauß besonde- re Inspection zu tragen, deswegen mit dem Puͤrsch-Meister sich oͤffters zu be- reden; Die Hoff-Kampff- und Wasser- Jagden, Jaͤger-Auffzuͤge und Panqvet e nebst andern Herrschafftlichen Jagd- Lusten vergnuͤglich anzustellen zu wissen, und hierinnen erfahren zu seyn. So muß er auch auf beduͤrffenden Fall dem von der Milice, den einqvartirten, oder marchir enden Soldaten, und Officier Wild-Schiessen durch benoͤthigte Be- richte vorzukommen wissen, gestalt ihme dann alles und jedes offtbesagter maas- sen in Forst-Jagd und Wildpraͤth-Sa- chen zu besorgen oblieget, und dieserwe- gen seine ausfuͤhrliche Instruction, als auch sein eintraͤgliches Soulagement von der Herrschafft zu gewarten haben. Vom Hoff-Kampff-Jagen. Das Hoff-Kampff-Jagen ist nach der Zeit auffkommen und bey Hohen Herrschafften uͤblich worden, als Kaͤy- ser Anastasius die vormahls bey denen Roͤmern sehr gebraͤuchlich gewesene Ve- nationem Arenariam, oder den graͤuli- chen Menschen-Kampff mit wilden Thie- ren verbothen und bey Einfuͤhrung des christlichen Glaubens abgeschaffet hat. Jst also statt dessen ein etwas zulaͤßliche- res Kampff-Jagen der wilden Thiere ersonnen worden, wie dann bereits der- gleichen auch vorhin Kaͤyser Philippus gehalten, der hierzu 32. Elephanten, 10. Elend, 10. Tyger-Thiere, 60. Loͤwen, 30. Leopard en, 40. wilde Pferde, und viel andere Thiere angeschaffet gehabt. Nicht weniger hat Kaͤyser Probus einen Wald zum Kampff-Jagen besonders anrichten lassen, darzu er 1000. Hirsche, 1000. wil- O o 2 de Fuͤnffter Theil/ de Schweine, und 100. grosse Loͤwen, nebst andern wilden Thieren gehalten. Dergleichen praͤchtige Kampff-Jagden haben auch die alten Kaͤyser Arcadius und Honorius mit grossem Pomp und Pracht gar oͤffters gehalten. Unsere zu jetziger Zeit gebraͤuchliche Hoff-Kampff- Jagden aber, ob sie wohl sehr pretieus sind, sind sie doch mit vorermeldten nicht zu vergleichen; Maassen dergleichen un- geheuere grimmige reissende wilde Thie- re in unsern Laͤndern, und sonderlich in solcher Menge, bey weitem nicht zu fin- den, sondern es werden solche Kampff- Jagden nur an unsern Teutschen Hoͤfen mit wenigen eintzeln frembden eingefan- genen wilden Thieren dergestalt vorge- nommen: Wann zuweilen eine Hohe Landes-Herrschafft ein Beylager, Heim- fuͤhrung, Nahmens-Tag, oder Ge- burths-Tag bey Anwesenheit frembder Herrschafft, oder andern Festin zu hal- ten und zu celebrir en pflegen; So wer- den zu Dero Lustbarkeiten vielerley Ar- ten Hoff-Lust- oder Kampff-Jagden angestellet, welches entweder auf dem Schloß-Platz, oder doch in einem umb- fangenen mit Mauern verwahrten Hoff geschiehet; Da werden nun die fremb- den wilden Thiere in Kasten zugefuͤhret, und ausgelassen, mit einander zu strei- ten und zu kaͤmpffen: Bey deren Endi- gung entweder von der Herrschafft durch ihre Cammer- und Leib-Hunde gehetzet, mit Fang-Eisen oder Hirsch-Faͤngern erleget oder geschossen, und bey solchem Actui von der anwesenden Hoff-Jaͤge- rey hierzu mit Wald- und Huͤfft-Hoͤr- nern geblasen; Oder es werden auch, nach gehabter Lust, die wilden Thiere wiederumb ein jedes in seinen Kasten eingefangen, und in sein Behaͤltniß zu verwahren gefuͤhret; Wie dann hierzu manche hohe Landes-Herrschafften ab- sonderliche Loͤwen- oder wilder Thiere Haͤuser, und Staͤlle zu haben pflegen, allwo allerhand frembde Thiere verwah- ret werden, und haben zu dergleichen Kampff-Jagden manche Herrschafften hierzu absonderliche so genannte Hetz- Garthen, darinnen sie mit vieler Vergnuͤgung denen wilden Thieren zu- sehen, wie sie durch allerley Wendungen, Geschrey, und Positu ren, einander uͤber- waͤltigen: Als wann sie einen Loͤwen und Baͤren, oder ein wild Schwein und einen Wolff, ingleichen Auer-Och- sen, und Buͤffel, Pferde und Hirsche, mit einander kaͤmpffen lassen, und sol- che zu animi ren mit Hunden hetzen; Un- ter allen macht keiner solche Vergnuͤgung, als der Baͤr, welcher, wann er von den kleinen Baͤrbeissern hin und her gezwa- cket wird, so, daß er sich in ein Faß mit Wasser retiri ren muß, so sitzet er darin- nen, und theilet aus demselben mit vie- ler angenehmer Lust unter die Hunde Ohrfeigen aus, wehret sich dermaassen, daß er mit den Hunden uͤberall naß wird, offtmahl heraus nach denselben und wie- der hinein faͤhret, darbey es viele Lust- barkeiten giebet. Es pfleget die Herr- schafft auch den Baͤren mit Schwaͤr- mern, und Stern-Poltzen zu vexir en, und mit einem kleinen roth ausgestopff- ten Maͤñgen zornig zu machen; Maassen die Baͤre solcher Farbe gram sind; Wann nun die Hunde von allerhand Schlaͤgen und Arbeit matt worden, werden sie an sich geruffen, und angefasset, oder auch frische dahin gelassen, mit selbigen gehe- tzet, biß es die Herrschafft uͤberdruͤssig wird, und diese Lust ein Ende haben soll. Da præsentir et sich dann die Herrschafft ihm mit dem Fang-Eysen, darhinter die Leib- und Cammer-Hunde vorruͤ- cken, an Baͤr gehetzet werden und dieser gefangen wird. Wann solche Thiere nun gefaͤllet, und vorgemeldter Maassen er- leget worden sind, werden sie von dem Kampff-Platz abgefuͤhret, und nach Zer- legung in das Rauchhauß geliefert, deren Wildpraͤth in die Hoff-Kuͤchen zur Ver- speisung geschicket, und auf solche Art wird in Teutschland an grosser Herren Hoͤffen das Kampff- und Hoff-Jagen gehalten; Jn Ermanglung solcher wilder Thiere werden lebendig eingefangene Fuͤchse, durch hierzu absonderlich verfertigte Prell-Netze von Cavalliers oder Dames zur Lust in die Lufft geprellet, so auch nebst dem Tachs-Hetzen, und dergleichen mehr zur Hoff-Jagd gehoͤren. Raqvet en und Schwãrmer zu machen. Bey dieser Wissenschafft moͤgte mir wohl Jederman opponi ren, daß sie viel- mehr zu Kriegs-Sachen und zur Artil- lerie, als zur Jaͤgerey gehoͤhre. Weiln aber Von der Jagd oder dem Weyde-Werck. aber die Raquet en mit darzu gehoͤhrigen Buͤchsen unter starcke Rudel-Sauen, dieselben von einander zu zertrennen, und scheu zu machen, geworffen und ge- schossen werden, ingleichen oͤffters auf Verlangen Hoher Herrschafften bey dem Hoff-Kampff-Jagen, und Stier-Gefech- te denen Auer- oder Buͤffel-Ochsen, solche umb desto mehr rasender und toller zu machen, gewisse hierzu præparir te Koͤmp- ter, so mit Schwaͤrmer und ausfahren- dem Feuer versetzet, umbhangen wer- den; So habe vor noͤthig erachtet, dem geneigten Leser hiervon aus des Herrn Johann Siegmund Buchners, Chur- fuͤrstl. Saͤchßl. Zeug- Lieutenants, Theo- riæ \& Praxis Artilleriæ Anderm Theile Nachricht zu geben, wie solches Pag. 4. usque 16. folgender Maassen zu finden ist: Damit ich aber dem Leser kuͤrtzlich den Extract solcher Verfertigung beschreibe, so werden die papierne Huͤlsen vor- nemlich dichte und feste auf dem Winder zusammen gewunden, und damit in den Raque ten- oder Schwaͤrmer-Stock in gebuͤhrlicher Staͤrcke ohne Falten einge- wunden, das Ober-Theil reinlich abge- schnitten, und die Formir ung des Halses mit Zuziehung einer Baß-Geigen-Saͤite auf einen halben Diameter biß zum Bunde genommen, damit angezogen und durch aͤuserliche Vorhaltung der Wurtzel der Halß formi ret, jedoch das behoͤhrige Zuͤndloch gelassen, sodann die Wurtzel und Stock zusammen gesetzet, da dann durch etliche Schlaͤge in den Stock auf der Wurtzel-Kolbe die rechte Formir ung des Halses geschehen muß, so ist es fertig. Damit aber die Huͤlse sich nicht innewendig vom Einschlagen des Zeugs so leicht schieben oder vom Pappier setzen koͤnne, wird es darzwi- schen ein wenig geleimet, alsdann theile ich die Huͤlse in drey Theil, und bemercke mir solche an dem Setzer, thue die Huͤl- se in den Stock, so habe ich sie zu dem schlagen fertig. Der hierzu noͤthige Zeug, oder die Composition der Materiali en zu einem Raquet en- oder Schwaͤrmer- Satz ist vielerley Gattungen unterschie- den, dann die kleinen Schwaͤrmer ha- ben mehr raschern Zeug oder mehr Mehl-Pulver fluͤchtig herumb zu schwaͤr- men noͤthig, als die grossen Raquet en, und wie die Maxime bey den kleinen Schwaͤrmern, je kleiner dieselbigen, je rascher der Zeug seyn soll, so ists bey den grossen, je groͤsser die Raquet en, je mehr Zeug zwar, jedoch auch von desto fau- lerm oder langsamerm, das ist, wenigerm Mehl-Pulver der compon irte Zeug seyn muß, welches aber vor uns allhier zu weitlaͤufftig seyn solte, und nur zu stei- genden Raqve ten, oder Lust-Feuer- Wercks-Sachen noͤthig ist. Unsere Ra- qvet en aber, von denen wir handeln wollen, sind nur eigendlich Schwaͤrmer von 4. oder 6. loͤthiger Groͤsse, nachdem die Muͤndung oder Caliber derer Raqve- ten Buͤchsen ist; zu dergleichen wird nachfolgender Satz genommen: Nem- lich 24. Loth Mehl-Pulver, klar gerie- ben, und hierzu 5. Loth klar geriebene lindene Kohlen, alles wohl untereinan- der gemischet, solte es aber zu rasch seyn, kan Salpeter und Schweffel jedes 2. Loth noch hierzu genommen werden, so ist der Satz fertig: Oder Mehl-Pulver 16. Loth, Salpeter 8. Loth, Kohlen 4. Loth, Schweffel 2. Loth, ist auch probi ret wor- den. Dieser Zeug oder diese Composi- tion, wann alles wohl untermischet und klar gerieben worden, wird durch ein klein Schaͤufflein in die Huͤlse geschuͤttet, jedesmahl durch den Setzer mit 9. oder 10. Schlaͤge feste eingetrieben, biß die 2. Drittel vom Satz voll geschlagen seynd, alsdann wird der Schlag von dem Pap- pieꝛ eingeschlagen, ein Loch duꝛchgemachet, etwas Mehl-Pulver zur Anzuͤndung des Schlags, eingeschuͤttet, ein Schuß Puͤrsch-Pulver oben drauf gethan und zugebunden, so ist es fertig zum Ge- brauch. Solche kleine Raque ten oder vielmehr grosse Schwaͤrmer werden nachfolgender Art aus der hierzu ver- fertigten Raqve ten-Buͤchse geschossen: Man hat einen jeden Schwaͤrmer be- reits vorhero zur Feurung angebohret, wenigstens 1. Drittel, oder auch biß 1. Zoll vor dem Schlag am Zuͤndloch mit etwas drockenem Mehl-Pulver angeludert, als- dann schuͤttet man auf die Buͤchsen- Pfanne Zuͤndkraut, laͤsset hierauf den Schwaͤrmer in Laufft fallen: Wann nun starcke Rudel-Sauen kommen, schiesset man den Schwaͤrmer unter sie, dieselben zu trennen, weiln man sonsten Niemand die Sauen anlauffen lassen koͤnte, da sie dann in groͤster Consterna- tion und Verwirrung vor solchem unge- woͤhnlichen herumbfahrenden Feuer, Knall und Platzen, erschrecken, augen- blicklich von einander stieben, da dann die grossen und andere Kaͤuler noch eher eintzeln herumb laufen, und sodann durch O o 3 das Fuͤnffter Theil/ das Fang-Eysen desto besser koͤnnen an- gelauffen und gefaͤllet werden. Was aber das vorhin erwehnte Feuer-Compt betrifft, darzu die kleinen Schwaͤrmer gebrauchet werden, und ausfahrendes Feuer gemachet wird, hiermit will ich dem geneigten Leser zu Verfertigung der- gleichen an einen Kunsterfahrnen Feu- er-Wercker gewiesen haben, weiln es in dieser Profession nicht requiri ret, auch sel- ten und nur von grossen Potentaten beyn Hoff- und Kampff-Jagen, wie ge- meldet, vor die Auer- und Buͤffel-Och- sen gebrauchet wird; Das Raqvet en oder Schwaͤrmer-Schiessen aber unter die wilden Sauen noch eher braͤuchlich ist, womit ich diese Feuer-Wercks-Sachen beschliesse, und diesesmahl vorlieb zu neh- men bitte. Von dem Par Force- Jagen. Ob wohl das Par Force- Jagen zu beschreiben, mir als einem teutschen Jaͤ- ger, nicht zuzukommen, noch anstaͤndig zu seyn scheinen moͤgte; So will dennoch hiervon auch etwas melden, weil derglei- chen Jagen, ob es wohl an sich selbst ein hoͤchst Leib- und Lebens-gefaͤhrliches, an- bey auch wegen der vielen Hunde und Pferde, so darbey gebrauchet werden, ein kostbahres Werck ist, dannoch heut zu Tage von grossen Herren offt beliebet wird. Die Frantzosen beruͤhmen sich, nach des Herrn Robert de Salnove her- ausgegebener Koͤniglichen Jaͤgerey, als ob diese Wissenschafft von keiner andern Nation in der Welt, als nur allein von ihnen inventir et worden sey, nemlich ei- nen Hirsch als ein tapferes und edeles Thier in freyem Felde aus heroi schem Gemuͤthe par Force zu erlegen, und nicht, wie andere Nation en, sich hinterlistiger Nachstellung, Tuͤcher, Netzen, Buͤch- sen, Ankoͤrren und dergleichen zu bedie- nen; Weswegen diese par Force- Jaͤger solcher Nachrede wegen in steter Feind- schafft mit den teutschen Jaͤgern leben, u. zwischen ihnen und denselben sich gleich- sam eine Antipathie befindet. Ob aber eben auch so gar gewiß, daß die Frantzo- sen dieses par Force- Jagen, oder vielmehr die Engellaͤnder, oder Tartern, auch viel- leicht gar andere Nation en erfunden ha- ben, laß ich an seinen Ort gestellet seyn, und moͤgen sie mit einander streiten, und die Sache ausmachen. Was nun ei- gendlich insgemein die Par Force- Jagd betrifft, geschiehet solche folgender Gestalt: Wann der Koͤnig par Force- jagen Willens ist, und den Ober-Jaͤger-Mei- ster hierzu beordert, dieser aber ferner dem unter sich habenden Jagd- Officier, Cavallier, oder Jagd-Juncker, so die Jour hat, Ordre ertheilet hat, so befieh- let dieser dem Jagd- Fourier, eyligst ab- zureiten, an dem von Koͤnig bestimmten Ort die Quartiere vor Jhro Majestaͤt und die saͤmbtliche Jaͤgerey einzutheilen, sonder einigen Verzug, oder Geldneh- mens; Jngleichen der Hunde wegen, umb denenselben benoͤthigten Hof, Zwin- ger und Wasser, Stallung, und Fuͤtte- rung einzurichten, muß ein Hunde- Knecht zugleich nebst einem Stall-Knecht wegen der Pferde, deren Stallung und Fuͤtterung betreffend, mitreithen, und was ihnen tuͤchtig oder untuͤchtig vor- kommet, aussuchen; Die Jagd- Pagen werden billig bey die Jagd- Officier zu- gleich logir et, damit sie nicht allein gnung- same Information erlangen, sondern auch in Moribus profitir en moͤgen. Wann nun der Tag bestimmet, an dem die Hunde ab marchir en sollen, muß der, so das Commando hat, denselben, nachdem ein Jeder geputzet, ein Stuͤcklein Brod ge- ben, und mit dem fruͤhsten im kuͤhlen abgehen und langsam marchir en lassen, damit sie nicht uͤbertrieben, und, so sie an den verlangten Ort ankommen, mit dem benoͤthigten versehen werden. Auff fernere Ordre des Koͤnigs werden die Vorsuche dem Ober-Jaͤger-Meister an- befohlen, die bestimmten Oerter durch die Leith-Hunde-Knechte zu besuchen, worbey die Jagd- Pagen zugleich bey den besten und erfahrensten Besuch-Knech- ten mit ausziehen sollen, umb was zu lernen und zu begreiffen. Was nun ein jeder Besuch-Knecht in seinem anbefoh- lenen Besuch vor jagdbahre oder geringe Hirsche angetroffen, so die Nacht uͤber auff dem Felde gewesen, und der Jahrs- Zeit Fruͤchte genossen, vor Tages aber zu Holtze gekehret, werden durch des Leith-Hundes Bemerckung oder nach des Besuch-Knechts Augen-Maß, entwe- der am Gehoͤltze, am Gewaͤnde des Ge- hoͤrns, oder an der Gefaͤhrde oder Ge- loß Von der Jagd/ oder dem Weyde-Werck. loß erkannt, und so es ein Hirsch, wie gebraͤuchlich, sowohl hoch, als nieder ver- brochen, oder bemercket, wo er zu ste- hen vermuthet wird, ferner damit vor- gegriffen, umbzogen, und bestaͤttiget, alsdann sogleich hiervon, was ein Je- der in seinem Besuch vor Hirsche gehabt, und wie starck jeder bestaͤttigte Hirsch, sowohl am Gehoͤrne, als Wildpraͤth zu vermuthen, dem Jagd- Officier ange- zeiget, damit dieses dem Ober-Jaͤger- Meister, derselbe aber es ferner dem Koͤnige rapportir en koͤnne, sonderlich, was dabey der Gefaͤhrd des Hir- sches vor Neben-Merckmahle oder Zeichen observir et worden, ob er lange, oder kurtze, runde oder spitzige, scharffe, oder etwan dabey eine zerbrochene Lauff- Klaue gehabt, angeben, damit die Pi- queur zu Pferde allezeit den aufgespreng- ten Hirsch durch solche Zeichen erkennen, und im Continuir en darauff acht haben moͤgen. So nun unter denen bestaͤttig- ten und angezeigten Hirschen sich ein al- ter jagdbahrer Hirsch befindet, welcher dem Koͤnig beliebig waͤre, (maassen no- to risch, daß die jagdbahren Hirsche des Monats May und Junii ihren Stand in einem Wald besonders erwehlen, und gern allein sind:) so wird derjenige Forst-Bediente, in dessen Revier der be- staͤttigte Hirsch ist, weil er der Gelegen- heit, und Wechsel kundig ist, befraget, dessen genaue Kundschafft zu rapporti- r en, wohin wohl eigendlich derselbe Hirsch hinaus lauffen, und seine Retirade oder Ausflucht nehmen moͤgte, auf sol- che Gelegenheit wird reflectir et, und die Relais oder Vorlagen auff Koͤnigliche Ordre eingetheilet. Diese hoͤchstwichtige Sache, so von Alters jederzeit eine hohe Adeliche Function gewesen, kommet al- lein dem Koͤnig, den Hohen Printzen oder Ministris zu, so von Natur hierzu eine angebohrne Lust, gesunde Natur, und Jagd-Erfahrenheit haben, zu rechter Zeit angreiffen, verstaͤndig sind und nicht zu hitzig verfolgen, so machet auch das zu rechter Zeit wohl angebrachte Relais umb desto mehr ein sicheres fangen; Und muß derjenige, dem die Vorlage zu com- mendir en auffgetragen, auf solchem Platz bey einem schoͤnen gruͤnen schattigten Baum, die Hunde und Pferde abzu- kuͤhlen, (wie er denn den Knechten an- zubefehlen hat, des Sommers dieselben vor den Fliegen zu schuͤtzen,) sich stille ver- halten und weder Feuer, Rauch, Tu- mult oder Geschrey verursachen. Auff solche Relais werden die alten Kuppeln mit den besten Hunden, und frischen un- terlegten Pferden zur Reserve zu halten, ordinir et, und sie sowohl feste zu halten, als nicht laut werden zu lassen, scharff anbefohlen, wovon ja sonst der Hirsch hinwiederumb zuruͤck kehren, und sich confundir en moͤgte. Wann nun der auff dem Relais postir te Commandeur alles ordinir et, und das Jagen hoͤhret, auch vermuthet, daß der Hirsch schon auffgesprenget worden, und solchen end- lich vorbey lauffen siehet, muß er ja nicht die Hunde sogleich loͤsen, sondern eine Zeitlang die erste Hitze in etwas vor- bey gehen lassen. Wann nun alles be- sagter maassen ordinir et, versammlet sich ein Jeder auf den Assemblee- oder Sam- mel-Platz, welcher von Rechtswegen recht in der Mitten ordinir et seyn soll, damit sowohl die Besuch, als Vorlagen der Relais nicht weit haben. So bald nun der Koͤnig angelanget, fuͤhret der Ober-Jaͤger-Meister dessen unterhaben- de Bedienten in einem Gefolge zum Koͤ- nig den Bericht abzustatten, da dann der Koͤnig nach altem hergebrachtem Ge- brauch die kalte Kuͤche an einem beqve- men Ort, nebst belieblichem Getraͤncke vom Hauß-Hoff-Meister zum benoͤthig- ten Fruͤhstuͤcke reichen laͤsset, wor- auff nach geendigter Mahlzeit, und ehe der Koͤnig auffstehet, ein Jeder das Horn an der Seite gleich zu Pferde sitzend parat haͤlt; Die Hunde-Knech- te præsentir en dem Koͤnig, dem Ober- Jaͤger-Meister, denen Printzen, denen Vornehmen Ministris, denen Jagd- Offi- cie ꝛen und frembden Cavalliers, Jedem ei- nen einer und einer halben Ellen lang, u. Daumens dicke Hasel- oder Biꝛckẽ-Stock, im Jagen damit die Aeste oder Zweige der Baͤume abzuhalten, welche sie vorhe- ro parat haben muͤssen: Und daferne der bestaͤttigte Hirsch das Gehoͤrn geschlagen, muͤssen die Staͤbe auch gescheelet seyn; Da er aber noch die rauhen Kolben haͤt- te, behalten sie die Rinde. Der Ober- Hunde-Knecht nebst denen andern, ver- theilen auf Befehl und Ordre des Jaͤ- ger-Meister die drey ordinair en postir- ten Relais, deren eine jede mit sechs al- ten Hunden wohl besetzet seyn soll; So- dann ziehet ein Jeder mit den behoͤhri- gen Pferden und Hunden nach seinem anbefohlenen Relais, sich zu posti ren. Ne- ben dem Jagen beyseits gehoͤhret sich das fliegen- Fuͤnffter Theil/ fliegende Relais, welches der Koͤnig ins- gemein selbst fuͤhret. Wegen der Pfer- de, und zubehoͤrigen Bereitschafft muß der Ober-Jaͤger-Meister vor allen Din- gen den Ober-Stall-Meister ersuchen las- sen, die Koͤniglichen Englischen Par For- ce- Pferd, so hierzu expresse mit gros- sen Unkosten angeschaffet werden, nebst de- nen behoͤhrigen Reise-Unter-Stall-Mei- ster-Bereuthers-Sattel-Reith- und Pferde-Knechten herzukommen zu las- sen, und wegen der Vorlagen und Relais nebst deren behoͤhrigen Eintheilung die benoͤthigte fluͤchtige, frische, unterlegte Pferde zugleich zu besorgen. Wann nun alles und jedes behoͤhriger Maassen ordinir et, und der Ober-Jaͤger-Meister bey dem Koͤnig, ob dieselben die Hunde abzuschicken befehlen wollen, Ordre ein- gehohlet; Sodann schicket er zwey Jagd- Juncker, so die Jour haben, und beor- dert dieselben die Hunde anzufuͤhren, wobey sie den Hunde-Knecht mit gebrau- chen, und gehet der Besuch-Knecht mit seinem Leith-Hunde, oder derselbige, welcher den Hirsch bestaͤttiget hat, an den Ort, wo er den Hirsch verbrochen, umb selbigen zu zeigen; Nach diesem folget der Ober-Hunde-Knecht, hinter ihm die andern Hunde-Knechte, deren ein Jeder eine Spieß-Ruthe in der Hand hat, und die Hunde gekuppelt fuͤhret, da- mit sie nicht zur Seiten ablauffen moͤgen; Dann folgen die Jagd- Pagen, Jagd- Juncker, Jagd- Officiers, und der Ober- Jaͤger-Meister; Endlich zuletzt der Koͤ- nig: Hinter demselben die Printzen, Ho- he Ministri, Ober-Stall-Meister, Ober- Forst-Meister, Hoff- und Staats-Be- diente, und die gantze Koͤnigliche Svite. So nun derjenige, welcher den Hirsch bestaͤttiget hat, vermuthet, daß er na- he an seine gelegte Bruͤche gekom- men, muß er stille stehen, und dem Ober-Hunde-Knecht die Hunde zu kup- peln anzeigen, welcher, wie gebraͤuchlich, die alten Kuppeln sortir et: Derjenige, so den Hirsch bestaͤttiget, zeiget dem Jagd- Juncker an, und dieser dem Ober-Jaͤ- ger-Meister, und derselbe dem Koͤnig, ob Sr. Majestaͤt geruhen wolten, vor- her die Gefaͤhrde anzusehen. So es dem Koͤnig nicht beliebig, muß der Ober-Jaͤ- ger-Meister dennoch nothwendig die Ge- faͤhrde besehen, damit er sich hierdurch legitimi ren koͤnne, wann es nach seinem gegebenen Bericht eintrifft; theils auch umb dieselbe durch einige Merckmahle hernach wiederumb richtig zu kennen. So es nun alles richtig eingetroffen, fraget derjenige, so bestaͤttiget hat, ob die Hunde geloͤset werden sollen? sobald er die Ordre erhalten, muß er seinen Hund auf der Faͤhrd an den Ort, wo der Hirsch seinen Stand haͤlt, anbringen, der Faͤhrd nachhaͤngen, und den Hund laut seyn lassen, damit den Hirsch rege zu machen, und aufzusprengen, hinter ihm, laͤsset er die andern Besuch-Knech- te mit ihren Leith-Hunden nachziehen, und so er befaͤnde, daß der Hirsch seinem Gebrauch nach einige listige Wieder- Gaͤnge gethan, ehe er sich gelagert haͤtte, muͤssen die andern hinter ihm stockstille stehen und beduͤrffenden Falls rechts o- der lincks vorgreiffen, den Hirsch zu fin- den, mit dem Zuspruch, H o too, Ho too, damit die Hunde nachkommen. So bald er nun ein Geraͤusche von duͤrrem Laub, oder Stauden hoͤhret, und ver- muthet, daß der Hirsch aufstuͤnde, schrey- et er laut aus vollem Halse: Habt acht, habt acht, umb diejenigen, so hinter den Hunden her reithen, wie auch die, wel- che aussen herumb auf denen Relais sind, zu warnen, daß sie wohl acht haben moͤ- gen, den Hirsch zu sehen, und dessen Groͤsse, Gewaͤchse, Statur, Farbe und Ge- hoͤrn, wohl zu bemercken. Der ihn nun, wie gemeldet, bestaͤttiget gehabt, und folg- lich auffgesprenget, muß die fluͤchtige Faͤhrde des Hirsches genau wahrneh- men, an dem Ort, da er aufgesprungen, ob die Gefaͤhrd des Hirsches groß, von gemachten Scheeren, lang und breit ge- schoben, damit er sie hernach wieder ken- ne, ingleichen ob das daselbst gefallene Ge- loß dem vorigten, da er bestaͤttiget, in al- len gleich und aͤhnlich sey. So nun al- les richtig, und er zu forci ren Permission hat, hat er die Ehre zu allererst in sein Horn zu blasen, alsdenn thun die Ober-Jaͤger-Meister und die an- dern nachgesetzten dergleichen; Maas- sen ein Jeder bey der Par Force- Jagd zu Pferde sein Par Force- Horn umb den Halß tragen muß, sonsten er hierzu nicht zu admittir en ist; Jngleichen muͤssen die Steige-Buͤgel fein weit und ja nicht en- ge seyn, umb damit bey Gefahr aus dem Buͤgel zu kommen, wie dann auch die Saͤttel fein weiche englische Saͤttel seyn sollen. Ferner ist auch noͤthig, zur Verwahrung der Schien-Beine, steiffe Stiefeln anzuziehen, damit man im Stuͤrtzen des Pferdes oder Andruͤckung an Von der Jagd oder dem Weyde-Werck. an die Staͤmme seine Beine nicht zerbre- che; Es muͤssen auch gute fein starcke Handschuh angezogen, und die vorge- meldten Staͤbe in der Hand gehalten werden, darmit die Zweige der Baͤume abzuhalten, daß sie nicht ins Gesichte schlagen, oder einen verletzen. Ja ich ha- be gar bey einem beruͤhmten Herrn hier in Sachsen anordnen gesehen, daß sei- ne Leute, Hirschlederne Camisoler oder Collet und Hosen tragen musten; Weil die Kleider sonst im Gestraͤuch zu zerreis- sen pflegen, auch umb der leichten Com- modit aͤt willen, besser und ungehindert darinnen fortzukommen ist, wie leicht zu erachten. Dieser hoͤchstseel. verstor- bene loͤbliche Fuͤrst war ein in Teutsch- land beruͤhmter Herr der Par Force- Jagd, welcher seines gleichen jetziger Zeit gar wenig gehabt. Von einem Piqueur und dessen Function. Zu einem guten Jaͤger zu Pferde oder so genannten Piqueur wird erfor- dert, daß er ein vernuͤnfftiger wohler- fahrner, munterer und treyster Mann sey, der sich nicht scheuet, mit dem Pfer- de uͤber einen Graben oder Hecke zu sprin- gen, auch im Nothfall gar durch einen Fluß oder Strohm zu setzen, oder durch die mit Dornen verwachsene Dickigte zu rennen, und bey allen solchen Occasion en sein Pferd wohl zu dirigi ren wisse. Dar- bey muß er auch das Par Force- Horn nach allen uͤblichen Thonen zu blasen ver- stehen, damit er seine Hunde embsiger zu suchen und zu jagen, desto mehr be- hertzt machen koͤnne. Vornemlich aber muß er, damit er bey dem Forci ren sich kluͤglich verhalten moͤge, die Eigen- schafft, und sonderlich die Gefaͤhrde, und das Geloß des Hirsches wohl verstehen, wie ich dann hiervon sowohl im Andern Theil von des Hirsches Eigenschafften und Gefaͤhrd, als auch im Fuͤnfften Theil von der Behaͤngens-Zeit, Arbeiten, und Umbgange eines Leith-Hundes, oder Bestaͤttigung eines Hirsches, meiner teutschen Jagd verhoffentlich zur Genuͤ- ge deutlich geschrieben habe, dahin ich den geneigten Leser gewiesen haben will, wel- ches man auch mit der Zeit und aus viel- faͤltiger Erfahrung erlernen kan. Auch muß er seine unterhabende Par Force- Hunde genau erkennen, was ein Jeder vor Namen, Klugheit, guten oder schlech- ten Geruch, klar oder groben Laut, Muth und Hertze habe, verstehen, we- der zu hitzig, noch zu furchtsam in allem Vornehmen handeln. Des auffgespreng- ten Hirsches sowohl sacht gegangene Schritt, und Gefaͤhrd, als die in der Furcht fluͤchtig gemachte Faͤhrd, an de- ren Sohlen Seiten, Schaalen und Spitz, Lauff-Klauen und Ballen, Affter- Klauen oder Ober-Ruͤck genau betrachtẽ, ob diese Zeichen mit dem vorigten uͤber- einkommen, desto besser verstehen lernen, damit er bey ereignetem Nothfall des Hirsches Wexel bey unkennlicher Faͤhrd desto gewisser zu seyn, absteigen, und mit den Augen gar genau betrachten. Was hierbey das gebraͤuchliche Blasen des Horns betrifft, davon man nichts ge- wisses setzen kan, maassen vor alters mit dem Hifft-Horn geblasen, nunmeh- ro aber, sowohl in Franckreich, als in Engelland, mit einem Messingenen Par Force- Horn benoͤthigte klare und grobe Thone gewoͤhnlich geblasen werden, so ist die Manier zu blasen sehr different, und blaͤst man anders in Franckreich, anders in Engelland, nur ist dieses das princi- pal ste, so dabey zu observi ren noͤthig, daß anfaͤnglich nur die groben unterbroche- nen Thone genommen, mit dem klahren Thone aber nicht eher geblasen werden muß, biß er entweder genungsam versi- chert seyn kan, daß die Hunde den Hirsch gewiß auf der Faͤhrd haben, oder er gar den Hirsch selbsten zu Gesichte bekoͤmmt, den er dann mit hellem hohem und er- freulichem Thone anblasen, und darbey von hellem Halß laut schꝛeyen und ihm zu- sprechen soll, umb damit die Hunde her- zu zu locken und zu disponi ren, den Hirsch desto gewisser zu verfolgen. Den Zuspruch betreffend, ist solcher gleichfalls nach des Landes daselbst uͤblicher Spra- che einzurichten, die Hunde entweder fer- ner avanci ren zu lassen, oder bey unrech- ter Gefaͤhrd zuruͤck zu halten, und wie- der recht anzubringen; Vornemlich aber ist eine solche Redens-Art bey dem Ja- gen der Hunde zu gebrauchen, wie sie bey ihrer Aufferziehung von Jugend auf gewoͤhnet werden, sonsten man sie mit ei- ner frembden unbekanten Sprache ohn- fehlbar confundir en wuͤrde. Es muß ferner auch der Piqueur diejenigen Hun- P p de, Fuͤnffter Theil/ de, welche der Faͤhrd beharrlich und gut jagen, sonderlich die erstern, oder vorder- sten, so am eifrigsten sich erzeigen, mit Namen benennen, und sie destomehr zu encouragi ren, und aufzumuntern be- dacht seyn. Wann nun letzlich der Hirsch gefaͤllet oder erleget ist, muß der Piqueur den Todt des Hirsches mit seinem Horn verkuͤndigen, die Hunde abhalten, den Hirsch zerwuͤrcken und zerlegen; Sodañ denen Hunden das ihrige Preiß geben, darbey sich mit Blasen hoͤren lassen, den rechten Vorder-Laufft, welches ein uhr- altes Herkommen ist, wie gebraͤuchlich, abloͤsen, und bey Ankunfft Jhro Koͤnigl Majestaͤt unterthaͤnigst præsentir en. Wie ich dann von dergleichen, und andern Be- gebenheiten mehr desto ausfuͤhrlicher bey der wuͤrcklichen Beschreibung der Par Force- Jagd, so viel mir bekant, aus- fuͤhrlicher melden will. Vorhero aber, ehe ich anfange, muß ich der noͤthigen Par Force- Hunde mit wenigem gedencke; Jngleichen derer benoͤthigten Pferde; Weil solche beyde die Instrumenta und Werckzeuge dieses Par Force- Jagens seyn muͤssen. Von denen Par Force- Hunden. Wir haben allhier in Teutschland keine andere Nachricht von dem Uhr- sprung der Par Force- Hunde, als daß solche aus Franckreich, und Engelland herkommen, welche Nation oder Art hier- innen am meisten prævali ret. Es schrei- bet Mons. Robert de Salnove in seiner Koͤnigl. Jaͤgerey, Cap. 8. des I. Theils, folgendes: Man haͤtte zu Koͤnig Ludo- vici des XII. Zeiten eine Jtaliaͤnische Huͤndin mit einem weissen Hund bele- get, und davon eine treffliche Art zu for- ci ren erhalten; Da alsdann die weissen Hunde ihren vornehmen Rang in Franckreich zu nehmen angefangen haͤt- ten; Und will behaupten, daß solche Art weisser Hunde eigendlich von der vorig- ten Art des Heiligen Huberti, als des Patrons dieser Jagd, entsprossen sey, so ich in seinem Werth beruhen lasse. Die- ses muß aber ein jeder Unpartheyischer versichert glauben, daß die weissen Hun- de der Farbe nach die allerschoͤnsten, und weil sie eine regulair e temperir te Natur haben, die vollkommenste und beste Hun- de seyen. Dann im gruͤnen Wald kan der hitzige Jaͤger den rothen Hirsch von weissen Hunden distingvi rn, desgleichen haben sie auch einen genauen Geruch, und einen trefflichen hellen Lauth, be- harren lange in der Sommer-Hitze, tragen den Schwantz allezeit hoch, spuͤh- ren dem verlohrnen Hirsch mit grosser Munterkeit durch fleissiges Umbwenden bedachtsam nach, scheuen weder Wasser, noch Kaͤlte, und haben ein besonderes Naturell, ihres Jaͤgers Disposition mit aller Attention und Ordnung zu halten. Sie wissen wahrhafftig bey Wechselung des Hirsches, mit einer bewunderns- wuͤrdigen Klugheit den ihnen niemahl uͤberantworteten Hirsch, auch da er gleich unter die andern gekommen, so accurat zu sorti ren, und halten allezeit dessen rich- tige Faͤhrd. Und ob zuweilen ein un- verstaͤndiger Jaͤger den Hunden zu nahe auf den Halß reitet, und sie verhindert, so, daß sie ausweichen muͤsten, so ergreif- fen sie doch gleich wiederum die Gefahrd, und folgen dem Hirsch richtig nach, biß sie ihn gefangen, und zu Boden gestuͤr- tzet haben. Sie wissen mit einem beson- deren Respect und genungsamer Pari- tion ihrem vorhergehenden Jaͤger nicht eher vorzugehen, als biß ihnen solches per- mitti ret worden; Sind auch Kranck- heiten nicht so sehr unterworffen; Und mit einem Wort, sie prævali ren allen an- dern Hunden. Die Englischen Par For- ce- Hunde dargegen haben nicht so einen hellen Lauth, als die Frantzoͤsischen, und lassen sich gar selten hoͤhren; Hingegen sind sie mit weniger und leichter Muͤhe ordentlich zum jagen abzurichten, als andere; Man bedarff auch nicht viel Ordnung der Thone zu blasen, oder die Muͤhe zu haben, mit viel Redens- Arten ihnen zuzusprechen, und sie dar- innen zu unterrichten; Maassen sie ei- nen natuͤrlichen Gehorsam erzeigen: Sind von gutem Geruch, und halten die Spuhr mit groͤsserer Ordnung, als die Frantzoͤsischen, gehen auch gerne ins Wasser, und halten sich wohl bey Leibe, mit viel schlechterer Kost, als die Frantzoͤsischen, welche schon eckler sind: Sie dauren im Lauffen lange aus, weswegen man nicht so viel Relais be- darff; Alleine den Wiedergang des Hir- sches eigendlich zu suchen, inclinir en sie nicht Von der Jagd/ oder dem Weyde-Werck. nicht so gar eigendlich, wie die Frantzoͤ- sischen; Maassen diese darinnen viel ac- curat er sich vor andern distigvir en. Die rechte proportionirt e Taille eines Par For- ce- Hundes soll seyn der Kopff etwas laͤnglicht, eine breite Stirn, einen spietzen Huͤbel, grosse Augen, fein lang behange- ne Ohren, die unten gewend, und, wo moͤglich, drey biß vier Finger breit uͤber die Nase gehen, mittelmaͤßige Schultern, gebogene Nieren, hohe Huͤfften, ein hoch- erhabener dicker Wedel, dicke Lenden, gerade Knie, starcke Nerven, und kur- tze dicke Klauen. Bey funffzig Stuͤck der- gleichen Par Force- Hunden umb die Art wohl zu conservir en, braucht man nicht mehr, dann fuͤnff Huͤndinnen, die aber von guter Art und veritabel er Race er- wehnte Zeichen haben, auch hoch, lang und breit von Leibe sind. Damit man auch allezeit schoͤne Art bekommen moͤge, muß die Huͤndin, so ohne dieß meist laͤu- fisch, tragend oder saugend, nicht jagen, sondern zur fernern Zucht nebst dem al- lerschoͤnsten Hund allezeit zu Hause blei- ben lassen. Wann die Huͤndin funffze- hen Monat ihres Alters erreichet, und zu belegen erwachsen, doch aber nicht laͤufisch werden will, muß man ihr ei- nen Eyer-Kuchen von zwoͤlff Eyern, ein Dutzend Spannische Fliegen, klare Semmel und Nuß-Oehl geben, sie dar- zu zu disponir en; Und wann sie laͤuf- fisch ist, mit dem allerschoͤnsten besten Hund, so bald die erste grosse Hitze in et- was verzogen, behoͤhrig belegen, wel- ches billig in einem vermachten Zwinger geschehen solte, wegen ihrer starcken Im- pression und Einbildungs-Krafft, wo- durch sie, was sie vor sich zu sehen kriegen wuͤrde, sich einbilden, und umb ein merckliches die Frucht veraͤndern wuͤr- de. Was die fernere Aufferziehung und Warthung der jungen Hunde be- trifft, wovon bereits vorhero im dritten Theil ausfuͤhrlicher geschrieben habe, beziehe mich in allen darauff, und will den geneigten Leser dahin gewiesen ha- ben. Von denen Englischen Pferden. Dieweilen zu der Par Force- Jagd des Hirsches vor allen Dingen die Pfer- de hoͤchstnoͤthig, ja unentbehrlich sind, so solte wohl noͤthig seyn, allhier ausfuͤhr- lich vorzustellen, zu was fuͤr Nutzen, und Beqvemligkeit die Thiere von GOtt dem Allmaͤchtigen dem Menschen zu gut erschaffen worden; Allein, weiln mir, wann ich davon, daß solche Erschaffung zu des Menschen Gesundheit, dessen be- noͤthigten Geschaͤfften zu dessen Reissen, auch zur Lust und Freude, ja zur aͤuser- sten Noth geschehen, die Pferdte auch ihre willige Dienste dem Menschen, nach eigenem Gefallen zu erzeigen bereit, und darinnen allen andern Thieren an ruͤhm- lichen Tugenden weit herrlicher vorzu- ziehen seyen, ausfuͤhrlich schreiben wol- te, mir solches ohnmoͤglich, auch sonder Zweiffel zu weitlaͤufftig fallen solte; So will nur von dieser edlen freymuͤthigen Thiere Natur, Eigenschafften und hoͤchst- loͤblichen Tugenden, davon zwar schon viele herrliche Scriptores zur Genuͤge, und ex Professo geschrieben haben, so- viel mir davon wissend ist, etwas mel- den. Es ist demnach das Pferd, kuͤrtzlich davon zu handeln, ein von einer gemaͤs- sigten hitzig- temperirt en Natur, wegen seiner Geschwindigkeit und gehorsamem ergebenem Gemuͤthe, ein hoffaͤrtiges Thier, so sich eines schoͤnen wohlgezierten kostbahren Gezeugs erfreuet; Die an- genehme schoͤne Gegenden zu spatzieren ein liebliches starckes Gethoͤne der Trompe- ten, guten Geruch und Reinligkeit lie- bet. Es hat ferner ein gut Gedaͤchtniß, und zarthen Geruch, den nur etwan ein- mahl gegangenen Weg auch des Nachts richtig zu treffen, dahero dieses freymuͤ- thige edele Thier, bey allen vorfallenden Begebenheiten hoͤchst nuͤtzlich, ja unent- behrlich ist, welches alle hohe und grosse Monarchen, Kaͤyser, Koͤnige, Fuͤrsten, Generals, Graffen, und Herren, Ade- liche, Cavalliers, und Ritterliche Orden, nach ihrer Derivation, noͤthig haben muͤs- sen. Es hat ferner das Pferd ein recht innerliches Adeliches Gemuͤthe, daß es sich lieber mit guten Worten, als mit Sturm regieren lassen will; Ja es ken- net seinen Reuther an dessen Geruch. Stimme, Faust und Schenckeln, und weiß kluͤglich zu distingvir en, ob es recht oder unrecht tractir et werde; Es scheuet ferner keine Gefahr und traͤget seinen Reuter durch die strenge Wasser-Fluthen, breite Graben, und dergleichen, allwo P p 2 es Fuͤnffter Theil/ es mit ihm durch- und uͤbersetzet. Vor aller andern Nation en Pferde aber præ- valir en am meisten die Englischen Pfer- de, als welche zu solcher Par Force Jagd am meisten dienlich, weil sie einen siche- ren Gang und Sprung an sich haben: Sie sind meist von duͤrrem Kopff, mit einer gebogenen Habichts-Naaß, kleinen spietzigen Ohren, und erhabenem Halß gezieret; Sie haben einen etwas hoch- auffgeschuͤrtzten Hirsch-Leib, und sind rahn von Schenckeln, weshalben, weil sie zu aller Muͤhe und Arbeit begierig, und sehr fluͤchtig sind, sie zu der Par Force- Jagd am allerbeqvemsten gebrauchet werden. Es werden ihnen in der Ju- gend etliche Gelencke am Schweiff abge- schlagen, damit sie an dem Ruͤckgrad de- sto fester und dauerhaffter seyn sollen, lange damit zu forcir en: Ferner wird auch die Maͤhne am Kamm abgeschoren, ein desto fluͤchtigeres Ansehen zu machen. Weil nun besagter Maassen die Par For- ce- Hunde weiß, oder doch tygericht seyn, solte wohl diese Couleur, ob sie zwar wohl an sich selbst gar kostbahr, einem grossen Herren sehr anstaͤndig seyn, der- gleichen vor seine hohe Person vor sich selbst zu gebrauchen. Es hat aber mit eines Schimmels, oder Tygers Uhr- sprung diese Beschaffenheit, daß ein sol- ches Thier, welches seinen Uhrsprung von einem waͤsserigten und feuchten Ele- ment derivir et, mehrentheils eine phleg- mati sche Complexion an sich hat, und da- hero weit gehorsamer, verstaͤndiger und sittsamer, als andere Couleur von Pfer- den ist: Jst im uͤbrigen von gutem An- sehen, hat insgemein grosse schwartze Augen, ist sehr geschwind, und dahero zur Jagd sehr dienlich: Wiewohl solche rar und hoch gehalten werden. Ein meh- rers zu melden, ist mir unbekant, maas- sen es meine Profession keinesweges er- fordert, sondern denen Stall-Meistern, Bereithern, sonderlich aber denen erfahr- nen Roß-Aertzten zu uͤberlassen ist. Die fleißige Warthung der Pferde aber bey der oͤfftern Auffsicht ist von einem verstaͤndigen Stall-Knecht am besten zu begreiffen. Das meiste, so vorkommt, ist, so ein Pferd uͤberjaget, und uͤber Macht geritten worden, daß es, wann es zu Hause gebracht, etliche mahl herumb gefuͤhret, alsdann in einen tieffen Mist- Pfuhl, wo moͤglich, biß uͤber die Knie eingestellet, feste an einen Pfahl gebun- den und 7. oder 9. Stunden lang darin- nen stehen gelassen werde, dieß ziehet dem Pferde alle Muͤdigkeit aus den Kno- chen gar sehr heraus, daß die Nerven und Gelencke wieder gaͤngig werden, oder so es ein sechsjaͤhrigtes altes Pferd ist, muͤssen ihme von dem Schmied entwe- der die Halß-Adern, Bug- und Schreck- Adern gelassen, oder, da es nicht noͤthig, Blut zu lassen, dennoch ein guter Umb- schlag von warm gekochtem Bier, Hopf- fen und Lein-Oehl gemachet, und umb die Gelencke, und den Ruͤckgrad wohl ein- gestriechen oder auffgebunden werden. Daferne es von dem Reuter oder Sat- tel geschwellet, oder gar gedrucket ist, ist davor das sicherste Lein-Oehl, und das weisse von dem Ey, wohl durch einan- der gerieben, und mit Hanff auffgeleget, und es also einige Tage ruhen lassen; Daferne es aber unmoͤglich zu schonen, kan mans mit einem weissen Wiesel-Fell- gen creutzweiß bestreichen, dasselbige auff den Schaden legen, sanfft bedecken, sat- teln, und ohngehindert reithen, dieß hei- let wundersam, ohne daß man die Ur- sache begreiffen kan; Oder man nehme drey bittere Mandeln, rothen Polum, weissen Polum, Lorbeerẽ, Teuffels-Dreck, jedes 1. Loth; Ferner weissen Entzian, Schwartz-Wurtz, Schwalben-Wurtz, Krebs-Augen jedes ein halb Loth, alles dieses zu Pulver gestossen, und dem Pferde fruͤh Morgens vor Sonnen Auf- gang in klarem Haffer gegeben, darauff ohne Sauffen drey Stunden stehen las- sen, es toͤdtet die Wuͤrmer im Leib und heilet alles von innen heraus, welches offte und viel probir et worden, da auch schon der Schade dermaassen gewesen, daß er zwischen denen Schaufeln Mate- rie gesetzet gehabt. Von dem fernern Forcir en und Fangen des auffge- sprengten Hirsches. Ehe ich unsern auffgesprengten Hirsch ferner zu forcir en prosequi re, muß ich einiges der merckwuͤrdigsten, und mei- nes Erachtens, der noͤthigsten errinnern. Ob Von der Jagd/ oder dem Weyde-Werck. Ob mir wohl bekant, daß die Par Force- Jaͤger von dem Fruͤh-Jahr an, den Sommer durch biß in spathen Herbst, auch offters des Winters beym harten Frost, Schnee und Eyß, jagen, und die- ser Lust fast nicht uͤberdruͤßig werden koͤnnen, wenigstens doch biß zu Anfan- ge des Novembris und biß auf den St. Hubertus- Tag zu jagen continuir en, und alsdann erst beschließen, weilen die- ser Hubertus eigendlich der Patron sol- cher Par Force- Jagd ist, als an welchem Tage sie ein besonderes Festin halten; So kan doch nicht umhin, dem geneigten Leser die zur selbigen Zeit, nemlich beym harten Frost, Schnee und Eiß, augen- scheinliche und handgreiffliche Hinder- nisse vorzustellen. Dann auff dem har- ten Frost verbaͤllen und vertreten die Pferde ihren Huff; Man kan auch stuͤrtzen, und Schaden nehmen; Die Hunde lauffen sich wund und lahm, auch kan man nichts von der Gefaͤhrd sehen; Jm Schnee jagen duͤncket mich et- was spoͤttlich zu seyn, weil alle Tritt und Schritt zu sehen, und das Pferd zu lauffen verhindert wird, ja oͤffters gar mit dem Piqueur in eine von Wind ver- wehete Grube stuͤrtzet, daß weder Mann, noch Roß zu sehen; Die Hunde haben von der Gefaͤhrd keinen Geruch, oder Atomos, sondern statt dessen die Nase voller Schnee, biß sie verdrießlich werden, und daruͤber zu Hause lauffen. Auf dem Eiß jagen kan man sich leichte Rech- nung machen, was daselbst leicht fuͤr Schaden zu nehmen, wie man Arm o- der Bein zerbrechen, wenigstens doch stuͤrtzen, und dem Pferde Schaden zu- stossen kan. Die Hunde kennen eben- falls keine Witterung haben, wohl aber gleiten, und sich verrencken. Es moͤch- te zwar wohl mancher einwenden, daß das Wild auf dem Eiß leicht ausgleite, und dahero am beqvemsten zu fangen sey; Dem diene aber hinwiederumb zur freundlichen Nachricht, daß es nicht wohl jaͤgerisch stehen wuͤrde, das Wild also in- fam umbzubringen; Halte also die be- qvemste Zeit zu dem Par Force- Jagen, wann das Wild gesetzet hat und die Kaͤl- ber in etwas erwachsen, mit dem Thiere weichen, der Hirsch aber sein Gehoͤrn ge- worffen, und wieder auffgesetzet, alsdañ, ob er schon noch nicht geschlagen, halte ich doch dafuͤr, daß biß zur Brunfft die be- ste Zeit zu forci ren sey, maassen, wie an- faͤnglich gedacht, zu solcher Zeit die feisten oder guten Hirsche alleine sich besonders austheilen, und von den andern separi- ren; Jn der Brunfft aber bey vielen Wildpraͤth schwerlich von dem Hauffen zu trennen, auch einen heßlichen Gestanck haben; Nach der Brunfft aber, weil sie mager, und dahero leichte die meisten entkommen, wiewohl auch oͤffters einige, weil sie abgemattet, gefangen werden. Jm spaͤthen Herbst machet der starcke Frost eben auch an der Faͤhrd keine ge- ringe Verhinderniß. Was andere Im- pedimenta oder Verhindernisse, die Jagd-Lust zu verderben, mehr vorfal- len, davon habe ich kurtz vor dem teut- schen Haupt-Jagen die Anzeigungen, und Ursachen gemeldet, wohin ich mich beziehe. Nicht wenig verhindern auch und opprimi ren den Geruch der Gefaͤhr- de des Fruͤhlings die aufsteigende starck- riechende Qvellen und Kraͤuter, und des Herbsts die harten Froͤste; Auch beneh- men die Mittags- und Mitternachts- Winde den Geruch der Gefaͤhrde, daß die Hunde den Wechsel nicht halten, noch jagen koͤnnen; Man kan auch ihren Lauth nicht wohl hoͤhren. Wann nun unser auffgesprengter Hirsch von den Hunden etwan ein Paar tausend Schritt forci ret und recht durchhitzet ist, wird ihm sodann gleich sofort aͤngstiglich, da- von er noch mehr fluͤchtiger wird und sein gantzes Vermoͤgen, umb sich zu salvi ren, daran strecket, wodurch er nicht alleine sich aus dem Athem lauffet, und die Ge- faͤhrd groß machet, sondern auch, weil er durch und durch erhitzet worden, denen Hunden, in seiner Gefaͤhrd, einen zehen- fach vielmehr, und staͤrckern Geruch, als die Hunde von andern schwachen kalten Faͤhrden haben koͤnnen, verursachet. Und muß der Jaͤger derer Hunde ihre erstere allzu grosse hitzige Begierde an- faͤnglich vorbey lassen, ihnen den Hirsch zu forci ren gemaͤhlig uͤberantworten, damit die Hunde den Hirsch vorhero sich recht wohl imprimi ren koͤnnen, und de- sto besser behaupten moͤgen, auch deswe- gen anfaͤnglich nicht gar zu offt und viel blasen. Dieweiln nun wohl bekant, daß ein Hirsch vielleicht wohl moͤgte wieder- umb dahin lauffen, woher er gekommen, oder gewechselt, oder einen Wiedergang im Gedickigte vornehmen, abspringen, sich verkriechen, oder druͤcken, und also die Hunde vorbey lassen, muß demselben eyligst vorgegriffen, und keine Zeit zu re- spiri ren gelassen werden, biß er wieder- P p 3 umb Fuͤnffter Theil/ umb den Hunden zu recht uͤberantwor- tet wird; Und damit er nicht umbkehren moͤge, muͤssen zu beyden Seiten die an- dern secundi ren, damit sie acht haben, daß der Hirsch nicht abspringe, einen an- dern frischen Hirsch auftreibe, und sich an dessen Stelle druͤcke, oder unter die andern meli re. Die Jagd- Pagen, Ober- Hunde-Knecht, und alle diejenigen Vo- luntairs, sollen der Jagd folgen, und die zuruͤckbleibende langsame Hunde samm- len, und zum Hauffen bringen helffen. Auch sollen die zu Pferd, da sie uͤber ei- nen Weg kommen, woruͤber der Hirsch passi ret, die Gefaͤhrde genau betrachten, und im Jagen die Augen allzeit nach dem Boden richten, ob es auch noch wuͤrcklich ihr ersterer Hirsch sey, sich des- sen im Nothfall zu bedienen, und die Hunde, daferne sie an den unrechten ge- rathen waͤren, wiederumb an den vo- rigten zu bringen, wodurch sie endlich mercken, daß sie unrecht gewesen, und den vorigten Fehler mit desto groͤsserer Begierde gern verbessern wollen. Wann nun die erstern abgelassenen Hunde nach der Relais oder Vorlage kommen, und bereits muͤde worden, der Hirsch aber dennoch vorbey passi ret, muͤssen sodann von der Relais sowohl frische Hunde, doch nicht sogleich anfaͤnglich, sondern in etwas hernach gelassen werden, damit sie gleichfalls den Geruch des Hirsches sich wohl imprimi ren, und dem Hirsch nach- jagen koͤnnen: Der Piqueur muß aber auch ein frisches Pferd ergreiffen, und den Hirsch ferner zu forci ren, begierich, doch bedachtsam nacheylen. Es sollen auch nur allein diejenigen, so nahe hinter denen erstern Hunden reithen, umb sie damit zu encouragi ren, blasen; Die letz- tern aber, oder die auf der Relais, ob sie auch schon den Hirsch ansichtig wuͤrden, sollen nicht blasen, dann dieses Alarm die Hunde nur confundi ren wuͤrde. Wann nun der Hirsch an einen fliessenden Strohm kaͤme, muß der Jaͤger genau observi ren, ob er wuͤrcklich hindurch oder daran auffwaͤrths oder Unterwaͤrths gesetzet habe, und wo er eigendlich seinen Kopff hingewendet, alsdann sofort ne- ben dem Wasser lang reithen, die Hun- de mit Blasen und Schreyen herbey ruf- fen, und ihnen weisen, und laut zuschrey- en, daß der Hirsch ins Wasser gesetzet, welches er etwan an denen am Ufer han- genden Zweigen, Schilff, oder Graß, Holtz, oder einem Stein, ob solches alles trocken oder naß besprietzet worden, wahrnehmen kan: Die andern zu Pferde reithen zu beyden Seithen des Wassers, doch nicht zu nahe am Ufer, weil der aus- gesprengte Hirsch auf 10. biß 12. Schritt lang mit seiner nassen Klaue keinen Ge- ruch in seiner Gefaͤhrd lassen kan. Wann der Hirsch etwan in einen Teich oder See gesprungen, muͤssen die Hunde ja nicht zu ihm hinein gelassen werden, denn er dieselben entweder mit dem Gehoͤrn stos- sen, oder mit den Laͤufften schlagen moͤg- te, davon die Hunde bloͤde, und gaͤntzlich verderben wuͤrden, sondern, weil er vor Muͤdigkeit seine Retirade zum Wasser genommen, muß ihm lieber darinnen Zeit gelassen werden, biß er wiedeꝛ von sich selbst heraus gehe, auch hierdurch den er- hitzten Leib, Flaͤchse, Nerven und Adern, schaͤdlich erkaͤltet, und davon verschlagen hat, oder steiff geworden, da man dann ihm desto besser, wann er wieder heraus gegangen, seinen Vorgrieff wieder neh- men, und ferner jagen, auch, weil er, wie gedacht, steiff, und zur fernern Flucht untuͤchtig geworden, gar leicht vollends forci ret, und gestuͤrtzet werden kan. Wann ihn nun die Hunde gegriffen, o- der an einem Graben, Hecke oder derglei- chen staͤndig gemachet, muß der Jaͤger herzu reithen, ihm mit dem Hirsch-Faͤn- ger von der Seite nach dem Hertzen den Fang zu geben, welches gebraͤuchlich, und, wenn er noch Kolben hat, auch practica- b el ist; Jm Fall er aber das Gehoͤrn vollkommen hat, und Gefahr zu besor- gen, muß denen Hunden anzugreif- fen, und niederzuziehen zugeschrien, oder die Flaͤchsen der Hintern-Kaͤulen, die so genannte Hessen abgehauen werden, damit er sich nicht stellen, und stossen koͤn- ne. Wann der Hirsch todt, muß es mit dem Blasen ins Horn kund gemachet, der Halß und Gurgel geoͤffnet, und de- nen jungen Hunden also warm ihr Ge- nuͤß gegeben werden; Jndessen loͤset man des Hirsches rechten Vorder-Laufft ab, dergestalt, daß man die Haut erstlich abloͤset, hernach zwischen der grossen Flaͤchse und Klaue einen halben Fuß auffschlitzet; Darnach sondert man die Haut von der Roͤhre biß an das unter- ste Gelencke, wo die Ober-Klauen sind, ab, schneidet die Haut drey Finger breit auff, daß man die Hand durchstecken kan, loͤset das Gelencke vom Lauffe ab, und uͤberreichet solches dem Ober-Jaͤger- Meister, oder Commandeur der Jagd, der Von der Jagd/ oder dem Weyde-Werck. der solches sodann dem Koͤnige uͤbergiebt. Der Jagd-Juncker, welcher die letzte Relais gehabt, muß den Wagen, und Hirsch ins Jagd- Quartier zu bringen, herbey schaffen, da indessen der Besuch- Knecht den Hirsch bewachen muß: Jn- dessen blasen die andern alle mit den Hunden zum Abzuge, die unterwegens etwan aus Muͤdigkeit nieder gelegte und zuruͤckgebliebene Hunde nach Hause zu bringen, und in das Jagd- Quartier zu fuͤhren, da dann diejenigen Pferde oder Hunde, so etwan aus Muͤdigkeit verfan- gen oder verschlagen haͤtten, allenthal- ben uͤber und uͤber mit Vorlauff oder starckem Brandewein eingerieben und beschmieret, oder ihnen im aͤuserste Noth- fall durch Aderschlagen geholffen werden muß. So nun der Jagd-Juncker den Wagen gebracht, und den Hirsch auff- laden lassen, wird der Hirsch nach dem Jagd- Quartier in Begleitung des Be- such-Knechts gefuͤhret, allwo er abgela- den und auff einen gruͤnen Platz gestre- cket wird. So bald er nun angekom- men, muͤssen ihn die Hunde-Knechte auf- brechen und auswerffen, da indessen zwey Hunde-Knechte im Stall acht auff die Hunde haben muͤssen, daß sie nicht schreyen oder sich unter einander beissen, weil die Hunde von dem Hirsch Wind haben koͤnnen; Die andern strecken den Hirsch mit untergestuͤtztem Gehoͤrn auff den Ruͤcken, loͤsen die Haut von der Drossel, biß an den Zain, und fangen an, an dem rechten Vorder-Lauff, wie gebraͤuchlich, die Haut zu zerwircken, und beduͤrffenden Falls auff Erforde- rung zu zerlegen; Wie ich hiervon be- reits ausfuͤhrlicher in der teutschen Be- staͤttigungs-Jagd gemeldet; Das Hertz, Lung und Leber gehoͤhret den Leith- Hunds-Knechten, als ihr Recht, wel- ches dem Leith-Hund, umb denselben desto begiericher zu machen, nachdem er an das Hirsches Kopff und Gehoͤrn ge- fuͤhret worden, gegeben wird. Der rechte Vorder-Bog gehoͤhret demjenigen, so den Hirsch bestaͤttiget, und hetzen las- sen, der andere Bog gehoͤhret dem Jagd- Juncker; Die innerste Nieren-Braͤth- gen gehoͤhren allein dem Koͤnig: Der Zimmel kommt dem Ober-Jaͤger-Mei- ster; Der Ruͤck-Brathen dem Jagd- Officier; Der Halß und Kopff den Hun- de-Knechten und das Gehoͤrn oder Hirsch-Geweyhe dem Koͤnig zu. So- bald der Hirsch erleget, soll allsofort der Schweiß, so warm er nur zu bekommen, in einen Eymer aufgefangen, mit war- mer Kuh-Milch vermischet, darnach der Wanst und Gescheide gereiniget und ge- waschen, alles zu kleinen Stuͤcklein ge- schnitten, darunter Brod, Miltz und Le- ber, unter einander mit dem Schweiß vermischet und geruͤhret werden. Wann alles fertig, und dem Commendeur der Jagd berichtet wird, so gehet dieser im Gefolge seiner Subaltern en und anha- benden Hoͤrnern zu dem Ober-Jaͤger- Meister, da dann derselbige in Svite der Jaͤgerey zu dem Koͤnig gehet, denselben zu befragen, ob Jhro Maj. geruhen wolten, dem Genieß des Hirsches vor die Hunde beyzuwohnen. Wann es nun dem Koͤnig beliebig, und er hingehet, so folget der Ober-Jaͤger-Meister und die gantze Jaͤgerey hinter ihme nach; So balde sie an den Stall kommen, gehet der Ober-Jaͤger-Meister voran, laͤst sich von dem Ober-Hunde-Knecht ein Paar Spießruthen geben, und uͤberreichet ei- ne darvon dem Koͤnig, die andere be- haͤlt er vor sich. Vor die Printzen und andere Hohe Ministers uͤberreichet der Jagd-Juncker dieselben. Hierbey ist noto risch zu observir en, daß alle Hand- schuh von Hunde-Knechten confiscir et werden. Derjenige, so den Hirsch gehe- tzet, stellet dessen Gehoͤrn vor sich, hinter das Genuͤß der Hunde; Hinter diesen nun tritt der Koͤnig, und so es ihme be- liebig, gehoͤret ihme zuerst zu blasen, dann der Ober-Jaͤger-Meister, und die andern Officiers, und allerseits saͤmbtli- che Jaͤgerey-Bediente; Dann oͤffnen die Knechte, wann das Genuͤß auf die Haut und gruͤnen Platz ausgeschuͤttet, den Stall auff einmahl, lassen die Hunde nach dem Genuͤß heraus lauffen; Da ihnen dann, als ob sie jagen solten, von hellem Halß zugeruffen, und die junge Hunde mit Namen genennet, die Seiten gestriechen, und mit der Hand geliebet, und also mit blasen und schreyen conti- nuir et wird, biß alles auffgezehret wor- den. Oder daferne der Koͤnig den Hirsch gantz preiß denen Hunden geben wolte; So werden dennoch die Knochen und Roͤhren davon separir et. Wann nun alles verzehret, wird zum Abzuge ge- blasen, und die Hunde in guter Ordnung wiederumb nach dem Stall gefuͤhret. Dieses ist nun also die Par Force- Jagd, davon Fuͤnffter Theil/ davon viele Autores sowohl alter, als neuer Edition in verschiedenen Sprachen heraus gegeben worden, worvon ich nur dem geneigten Leser kuͤrtzlich den Extract zeigen wollen, weiln mir davon ex pro- fesso zu schreiben, als einem teutschen Jaͤ- ger nicht zukommet, auch hiervon keine zulaͤngliche oder ausfuͤhrliche Wissen- schafft habe. Dieses aber, wie ich muth- masse, wird wohl meist in ebenen flachen Feldern, keines weges aber allenthalben in Gebuͤrgen zu practicir en seyn. Von einer W asser- J agd. Nun muß ich wiederumb auf unse- re teutsche Jagd kommen, und einer Was- ser-Jagd gedencken. Solche Jagd ge- schiehet mit Treiben und Abjagen, wie beym Haupt-Jagen bereits gemeldet worden, alles von Wort zu Wort, nur anderst nicht, als daß der Laufft ein Wasser-Teich oder mittelmaͤssiger Strohm sey, wodurch das Wildpraͤth gejaget werden muß; Auf der Mitten, wo es seyn soll, wird auf Schiffen ein Schirm vor die Herrschafft mit Straͤu- cher gesetzet, und ins Wasser geanckert; Die Tuͤcher aber, durch Kaͤhne uͤber den Strohm gefahren, und auf grosse starcke Stangen, worauf oben Haacken gemacht, dergestalt die Ober-Leine oben auffgehoben, daß das Tuch knapp uͤberm Wasser mit der Unter-Leine liege. Die Wind-Leinen werden auch an grosse Pfaͤhle, so ins Wasser geschlagen, uͤberm Wasser innewendig oder auswendig, wie gebraͤuchlich, angebunden. Wann nun im Jagen die Hunde das Wild heraus bringen, zwingen sie das Wild durchs Wasser zu schwimmen, welches eben auch anderst nicht, als gepuͤrschet und von der Herrschafft geschossen, darnach, so es todt, in Kaͤhnen gehohlet, und ans Land ge- strecket wird. Dieses machet nun noch eine anmuthigere Vergnuͤgung; Wann das Wild durch das Wasser schwimmen, setzen und springen muß, so bey hellem klarem Wetter noch einmahl lustiger an- zuschauen ist, zumahlen wann das Wild sortir et worden, und einen Tag roth Wild, den andern Tag schwartz Wild vorgejaget wird; Damit nun die Tuͤcher uͤber dem Wasser nicht naß werden, muͤs- sen hierzu gewisse Holß-Floͤsse von Zim- merbaͤumen an einander verbunden werden von 5. biß 6. Baͤumen, welche a- ber auswendig kommen muͤssen, damit die Stell-Leute auswendig koͤnnen den Zeug stellen, heben und abwerffen, das Wildpraͤth aber innewendig nichts zum Aufffussen finde; Vor allen Dingen aber, muͤssen diese Floͤsse feste wider den Strom wohl veranckert und verwahret wer- den, sonst ist alles vergebens, und koͤnte leicht, zumahl bey grossem Strohm, aus einer Lust der Herrschafft grosses Un- gluͤck wiederfahren, bey welchem allen grosse Vorsichtigkeit gebrauchet werden muß. Sonsten ist annoch bey der Was- ser-Jagd zu observir en noͤthig, daß, wann solche auf einem grossen Strohm gesche- hen soll, an die Netze grosse Gewichte ge- machet werden muͤssen, die untersincken, und die Netze anhalten, oben aber wer- den diese an Faͤhren angemachet, damit also nichts von Wildpraͤth unten durch- kommen kan; Auff Teichen, wo Bruͤ- cken gebauet sind, hat man die Netze un- ter dem Wasser nicht noͤthig, sondern es werden daselbst dieselben auff den Bruͤcken an die Tuͤcher angestellet; Wel- ches alles die Gelegenheit des Ortes bes- ser an die Hand geben wird, und kan man hiervon nichts gewisses schreiben. Von einem N etz- J agen. Nachdem nun mit den Tuͤchern zu Ende gekommen, und deren unterschied- liche Stellungen beschrieben habe; So folget nun das Netz-Jagen, welches wohl eine der aͤltesten Jagd-Gebraͤuche ist. Hier wird das Wildpraͤth erstlichen ent- weder mit Besuch des Leith-Hundes, oder durch Reiff- oder Thau-Schlag, Schnee, weiche Spuhr-Wege, oder an- dere Kenn-Zeichen gespuͤhret, vorgegrief- fen, und eingekreisset; Darnach werden auch dem Wind entgegen die Netzen an- gebunden, und von beyden Fluͤgeln ab- gefuͤhret, rund herumb zugestellet, doch das Von der Jagd/ oder dem Weyde-Werck. daß die Furckeln innewendig im Jagen an den Netzen stehen, solche abfallen und fangen koͤnnen; Darauff werden auff einem Qver-Fluͤgel etliche Netze durchge- stellet, daß zwey Jagen daraus werden; Sodann die Jagd-Hunde in dem einen Fach geloͤset, und zum herumb jagen angetrieben; Was dann fluͤchtig ist, faͤl- let in die Netzen, worinnen es entweder lebendig gefangen, und in die Kasten ge- than, oder mit dem Genuͤckfang erleget wird. Wann das eine Fach leer worden, muß das andere auch gejaget, und auf dem Qver-Fluͤgel umbgefurckelt werden. Nach geendigter Jagd werden die Jagd- Hunde angekuppelt, des Wildpraͤth auf- gebrochen, und die Netzen auffgeladen, und abgefuͤhret. Solches geschiehet mit Hirsch-Netzen, und Sau-Garnen eben sowohl, als mit Wolffs- oder Kuppel- Netzen, Reh- und Hasen-Netzen: nur daß die grossen gefuͤhret, die letztern aber getragen werden. Eine solche Stallung wird, so viel moͤglich, fanghafft gestellet, daß die Netzen abfallen koͤnnen, worin- nen sich das Wildpraͤth verwickeln muß. Es werden dergleichen Stallungen sehr viel in einem Wald, nachdem viele oder grosse Dickigte und Behaͤltnisse seyn, nach der Anzahl solcher Netzen und deren Umb- fang mit Stell-Fluͤgeln gehauen: Jn welchen Stallungen nun etwas vermer- cket oder gespuͤhret wird, dasselbige wird alsbald mit Netzen umbstellet, und dar- innen das vermuthete Wild gefangen; Dieses wird nicht allein mit Hirschen und Schweinen, wie gemeldet, sondern auch mit der Wolffs-Jagd, und mit Reh, Fuͤchs und Hasen also gehalten. Vor allen Dingen muͤssen die Netzen mit ih- ren Schlag-Leinen in gleicher Linie ge- stellet werden. Von der S chwein- H atz. Weil nunmehro die Hirsch-Jagd vorbey, so nehme billig die Schwein-Hatz vor die Hand. Es werden aber die wilden Sauen, wann sie von Eichel- und Buch-Mast feist geworden, im Herbst und Winter, wann sie herumb wandern, am besten gespuͤhret. So man nun ein Schwein gekreysset, und selbiges im Be- zirck hat, muß man umbher nach dem besten Lauff-Platz sehen, auch wahrneh- men, wo es mit dem Kopff zu liege, oder seine Ausflucht nehmen werde. Wo nun ein Bruch oder Morast nahe lieget, da muͤssen die Tuͤcher-Lappen vorkommen, wo es aber hinlauffen moͤgte, da muͤssen die leichte Cours- Hunde, und andere beis- sige Sau-Ruͤdden auff die Huth gestellet werden, damit, wenn es sich auff die Seite wendet, und vorbey springen will, man es mit denselbigen hetzen koͤnne; Die schwe- ren Englischen Hunde hingegen, welche zum Theil wegen ihrer Schoͤnheit gescho- net und mit Pantzern oder Jacken be- schirmet sind, werden von weitem gestel- let: Der Jaͤger, und die er bey sich hat, muͤssen alle zu Pferde seyn, und gute Hirschfaͤnger bey sich haben. So nun der Sau-Finder, so hinein gelassen wor- den, vorstehet, und das Schwein anbel- let, wird es wohl heraus fahren, so es aber nicht wolte, muß ein maͤßiger Sau- Ruͤdde an dasselbe geschicket werden: So bald das Schwein ausreisset, schreyet der Jaͤger auff die, so die Huth haben: hab acht; So es vorlaͤufft: hetz zu, hetz zu. So dann wird es von leichten Hunden gehe- tzet, die es bald ankriegen, herumb ruͤ- cken, und, ob es schon wieder fortlaͤufft, dannoch dadurch muͤde machen, und auffhalten; Offte schlaͤget es auch die besten Hunde lahm, und zu Schanden, biß die schweren Hunde zu Huͤlffe kom- men, solches anpacken, und zu beyden Seiten an den Ohren halten, daß sichs nicht ruͤhren kan; Worbey der Jaͤger zu Huͤlffe kommt, so mit dem Hirschfaͤn- ger absitzen, und einen Fang geben muß; Dann wann er vom Pferd mit der Pi- stohl schiessen wolte, wuͤrde er wohl das Schwein fehlen, und die Hunde treffen; Stuͤnde auch ein wenig verzagt, und waͤ- re nicht jaͤgerisch: Und weil man nicht leicht durchbohren kan, muß der Fang unterm Vorder-Blatt geschehen. Die- ses ist auch eine sehr lustige Jagd; Wer aber Schweins-Koͤpffe haben will, muß Hunde-Koͤpffe daran wenden; Weiln viele lahm oder gar todt geschlagen wer- den. Und gehoͤret hierzu gute Vorsich- tigkeit; Dann oͤffters der Jaͤger auch was darvon bekommt, und nicht gar verschonet bleibet. Einige haben an der Q q Hunde Fuͤnffter Theil/ Hunde Halß-Baͤnder hellklingende Zim- beln oder Schellen, wie am Zeug eines Schlitten-Pferdes, damit das Schwein umb desto furchtsamer in die Flucht sprin- gen und sich nicht zur Wehre stellen moͤ- ge, welches man probir en koͤnte. Von der Wolffs-Jagd. Damit diese schaͤdliche Raub-Thiere, welche nicht allein wilden, sondern auch zahmen Thieren, ja wohl gar Menschen Schaden thun, wie Jedermann bekant ist, vertilget und ausgerottet werden moͤgen, hat man bey gefallenem Schnee des Winters allenthalben in denen Waͤl- dern anzuordnen, daß, sobald ein Neu- ling oder frischer Schnee gefallen, alle umb der Gegend der Waͤlder nahe woh- nende Forst- und Wild-Meister, und deroselben untergebene Foͤrster, Schuͤ- tzen und Fuß-Knechte, ingleichen auch die Pech- und Theer-Brenner, Ziegel- Streicher, und Glaß-Maͤnner, oder Hammer-Knechte, ein Jeder seinen Spuhr-Gang auf die Wege und Fluͤgel absonderlich vornehme, sich an gewisse Orte wegen der Zusammenkunfft be- scheiden, und, was ein Jeder gespuͤhret und gesehen, einander melden, sodann ferner zu dem Forst-Meister gehen, und ein Jeder seinen Bericht abstatten, ob nehmlich etwas da sey, oder nicht, und ihm darbey sein Bedencken, wie demselben beyzukommen, anzeigen. So bald nun einige Woͤlffe, und deren Auffenthalt gemercket werden, wird als- bald in allen Doͤrffern gelaͤutet, umb die Bauern heimzuruffen, darauff Mann vor Mann, mit Hinterlassung ihrer Ar- beit, bey Straffe gehen muͤssen; Sogleich wird auch der Wolffs-Zeug angeruͤcket, die Netzen, wie vorgemeldet, abgelauffen, und gestellet; Weil aber bey starckem Frost die Loͤcher zun Furckeln nicht mit Hacken oder Buͤcken zu machen, weil solches bey gefrorner Erde zu sehr schal- len, die Woͤlffe es hoͤhren, und aus- reissen moͤgten; So werden solche mit einigen schon vorhin angewiesenen Frost- Bohrern gemacht: Die Haacken und Hefftel an die Baͤume gebunden, und in aller Stille gestellet. Wann nun al- les parat und fertig ist, werden die Zu- treiber allerseits angestellet, vom rechten Fluͤgel durch ein Huͤfft-Horn ein Zeichen gegeben, und von dem lincken geantwor- tet; Die Treiber aber werden mit drey Trommeln eingetheilet, und wann die sich geruffen, so gehet das Treiben mit vollem Geschrey und Allarm schlagen an, und immer auff die Netzen fort, und wird drey biß viermahl hin und wie- der getrieben, ehe es auffhoͤret: So wer- den auch starcke Schaͤfer- oder Fleischer- Hunde oder andere Bauer-Ruͤdden zum Auffsuchen hinein geloͤset. Was nun von solchem Tumult aus Furcht in die Netzen gezwungen wird, das fangen die Bauern mit Eysen, oder schlagen solche aus grossen Freuden mit Aexten u. Kaͤu- len todt: Die Baͤlge derer Raub-Thie- re bekommt allerseits der Jaͤger-Meister, welche dessen Accidens sind. Gleicher gestalt, wann Luchse mit im Jagen sind, kommen solche mit dieser Gelegenheit auch in die Netze; Weil sie aber meistens in Gebuͤrgen auff Stein-Waͤnden ihren Wandel und Gaͤnge haben, werden sie in denen bereits beschriebenen Schlag- Baͤumen gefangen oder geschossen; Man findet aber hier zu Lande wenig: Wah- renden Wolff-Jagens bekommt die Jaͤ- gerey ihre Ausloͤsung von der Herrschafft. Es wird oͤffters nach einem Wolff vier wochen gestellet, ehe er gefangen wird. Von der Reh-Fuchs- und Hasen-Jagd. Dieses ist bey denen von Adel die ge- woͤhnlichste Jagd, welche ihnen meistens erlaubet ist. Es wird auch sonsten die Niedere Jagd genennet; Wiewohl sie theils Von der Jagd/ oder dem Weyde-Werck. theils Orten das Reh schon zur Mittel- Jagd rechnen wollen. Zu solcher Jagd wird ebenfalls, nach vorhero beschriebe- nem Netz-Jagen auf solche Art in Bruͤ- chen, Moraͤsten oder kleinen Buͤschen, mit leichten Netzen eine Stallung umb- stellet, und die Reh durch Treiben, oder Jagd-Hunde in die Netze zum fangen gejaget; worinnen sie entweder lebendig gefangen, in Kasten gethan, und nach einem Thier-Garthen gefuͤhret werden; Oder man giebt ihnen den Nuͤckfang, und liefert solche nach Hoffe; Weil aber sowohl die Ruͤcken, als Boͤcke in die Netze lauffen, thut ein Weydemann wirthlicher, wann er bey einer Ruͤcke die Boͤcke wegschiesset, weil die Ruͤcke sich al- lezeit einen andern Bock hohlet, und da sie solcher Gelegenheit kundig ist, wird sie nicht leicht sich weg begeben; Sie halten sich gerne in Brombeer-Straͤuchern auf Die Fuͤchse wollen nicht gerne in die Ne- tze, und sind so listig, daß sie auf einen Windbꝛuch oder hohen Stamm, und kur- tzen knorrigten Struͤmmel ihre Flucht nehmen, und denen Hunden unter sich zusehen; Wo sie sonst nicht einen Dachs- Bau, oder ander Loch finden koͤnnen hin- ein zu schlupffen, werden sie dennoch de- nen Jagd-Hunden viel krumme Spruͤn- ge machen; Ja sie pflegen, wann sie Zeit haben, an die kleine Netze mit dem Schwantz zu schlagen, daß sie abfallen und sie daruͤber kommen koͤnnen, oder durchwuschen die Wechsel: Muͤssen ih- nen also die Hunde keinen Frieden lassen. Die Hasen hergegen, ob sie wohl von kurtzen Wendungen in der Angst sich al- lenthalben zu retten suchen, fallen doch eher ins Netz, sie werden aber mit Ne- tzen-Jagen gar zu sehr vertilget, und werden dahero lieber durch Klopff-Ja- gen geschossen, oder auf flachen ebenen Feldern mit Wind-Hunden gehetzet; Und weil sie hinten hoͤher, als vornen, lauffen sie allezeit Berg an, wie solches hetzen fast Jederman genungsam bekant ist, worauf theils von Adel viel aufwen- den, und grosse Unkosten wagen. Von Wind-Hetzen. Das Fuͤchs- und Hasen-fangen ge- schiehet nicht allein durch Jagd-Hunde, so dieselben aufsuchen, um solche im Lauf- fen oder en courrant mit Schroth zu schiessen, oder mit Garnen und Netzen zu fangen, oder auch mit Falcken und Habichten zu baitzen, oder gar mit schimpfflichen Gruben-Fallen oder Schleifen zu wuͤrgen; Sondern es ist das Windhetzen auch hierzu am loͤblich- sten. Wann nun solches Wind-Hetzen zu rechter Zeit geschiehet, sonderlich im Herbst nach eingebrachten Feld-Fruͤch- ten, da man der lieben Saat nicht mehr Schaden thun kan, mag es wohl vor ei- ne Adeliche angenehme Motion passi ren, sonderlich wo eine schoͤne ebene Gelegen- heit vorhanden ist. Und prævali ren hierinnen in Thraci en die Tuͤrcken un- gemein vor allen andern Nation en, all- wo sie vortreffliche Wind-Hunde haben, auf ihren grossen flachen Feldern die Ha- sen und Fuͤchse zu hetzen, darauf sie sich mehr, als auf alle andere Jagden, mit besonderm Estim fleißig applici ren. Nicht weniger sind auch begierich hierauf die Frantzosen und Engellaͤnder, Schott- und Jrrlaͤnder, Tartarn und alle Nor- dische Nation en, die uns Teutschen hier- innen beschaͤmen, weiln sie auch ohne dieß uns mit ihren fluͤchtigen Pferden weit vorkommen. Es geschiehet aber das Wind-Hetzen folgender maassen: Nem- lich, man reithet zu Pferde, und hat ein Paar Wind-Hunde am Hetz-Rie- men, welcher mit einem Theil umb den Halß gehaͤnget seyn muß, der andere Theil wird durch die Ringe der Hunde Halß-Baͤnder geschoben, und vom Reu- ther an der Schleife gehalten, sobalde man nun hetzen will, und das Ende fah- ren laͤsset, entledigen sich die nachdrin- genden Hunde selbst und machen sich frey, dem Hasen nachzujagen, denen man auch, wann der Hase zuweit aufstuͤnde, oder man sonst nicht hetzen wolte, mit anhal- tendem Stricke ihren Lauf einstellen kan. Wann dann ihrer etliche zu Pfer- de im Felde in gerader Linie neben ein- ander die Acker-Stuͤcken oder Feld-Be- the durchreithen, und zusehen, ob sie dar- zwischen einen Hasen im Lager sitzen mercken koͤnnen, und einer aufstoͤsset, muß man ihm einen kleinen Vorsprung Q q 2 ver- Fuͤnffter Theil/ vergoͤnnen, darnach laͤsset man von den nechsten Strick-Winden ein Paar loß, und reithet oder jaget einer oder zwey zu Pferde hernach, die uͤbrigen bleiben in ihrer Such, und also streifet man ein Feld nach dem andern durch, und wird ein Strick-Hund nach dem andern loß gelassen, nachdem es viel oder wenig Hasen giebet, oder nach dem der Hase auf rechter, lincker, oder mittler Seite auffstehet. Theils Hasen sind so argli- stig, wenn sie auffstehen, daß sie sich stel- len, als waͤren sie krumm, die lauffen a- ber meistens am besten, wann ein Ha- se, indem er auffstehet, die Ohren auff- recket und den Schweif auf den Ruͤ- cken leget, oder damit wedelt, ist es ein gewisses Zeichen, daß er wohl und starck lauffen wird; Wo es noch dabey Gebuͤr- ge und Wein-Gaͤrthen hat, laufft der Hase natuͤrlicher weise gerne Berg auf, da er wegen der Laͤnge der hintern, und Kuͤrtze der vordern Fuͤsse, viel besser fortkommen kan, als die Hunde, die da- durch sich bald abmatten, dahero etliche einen Jaͤger zu Fuß mit einem Strick- Hund oben bey dem Gebuͤrge, (wohin die Hasen gewoͤhnlich ihre Retirade neh- men, ob es zwar wohl nicht so gar red- lich gefochten scheinet,) auffpassen lassen, ihme diesen Pass abzustricken. Wann feuchtes Wetter ist, liegt der Hase am liebsten in den geackerten Feldern, sich in dem Graß und in der Saat nicht zu benetzen, auch den Hunden den Lauff in den weichen Aeckern, da sie tief eintreten, beschwert zu machen, da er doch mit sei- nen leichten Fuͤssen uͤberall fortkommen mag; Doch ist, soviel moͤglich, zu verhuͤ- then, daß bey nassem, windigtem uͤblem Gewitter nicht zu hetzen geritten wer- de, aber im Thau ists darumb gut, weil der Hase nicht so weit, noch so leicht auf- stehet, indem er nicht gerne naß wird, daher er die Jaͤger naͤher auf sich ankom- men laͤsset, und die Hunde werden durch den frischen kuͤhlen Thau desto mehr er- quicket. Wann ihnen die Hunde nahe auf den Leib kommen, brauchen sie mancherley Arglist, geben sich in die Wasser, verbergen sich, wann sie Scha- fe oder anderes Viehe finden, unter die Heerde, suchen ihre Roͤhren, legen sich oͤffters in staͤrcksten Lauff nieder, daß die Hunde uͤber sie springen, schlieffen durch die Zaͤune und Gehaͤge von einer Sei- ten auf die andere, lauffen den geraden Weg (wann die Hunde und Jaͤger vor- bey,) wieder zuruͤck, und sind dieses die lustigsten Hetzen, wann ein Hase nicht gerade aus durchgehet, sondern die Hunde hin und wieder voppt, daß sie ihn bald vorwaͤrts, bald zuruͤck, bald seit- waͤrts raunen, also, daß auch offter- mahls das Frauenzimmer aus ihren Carossen der Lust mit geniessen, und die- ser holdseeligen Jagd mit Freuden zu- sehen mag. Es wiederfaͤhret auch oͤffters dem Hetzer ein kleiner Weydemann, wann das Frauenzimmer die Schuͤrtzen umbkehret, oder die Handschuh ver- wendet anziehet, und dergleichen Super- stitiosa mehr machet, ja theils sind so aber- glaͤubisch, daß sie lieber umbkehren, wann ihnen eine Magd oder ein alt Weib mit Wasser begegnet. Bißweilen springt der Hase, wann er mitten unter den Hunden ist, uͤber sie hinuͤber oder schliefft ihnen bey den Fuͤssen durch; Wann sie meynen, sie haben ihn schon, laͤufft er anderwaͤrts hinaus, und muͤs- sen die Hunde erst durch die reithende an- gewiesen werden, wohinaus sie lauffen sollen; Manchsmahl, wann die Hunde nicht wohl gefaͤngich, oder gar zu hoch sind, stossen sie zwar den Hasen, aber er- greiffen ihn nicht, und kriegen an statt des Hasens nur ein Maul voll Haare, und der Hase gehet mit berupfftem Peltz, und gantzer Haut immer fort; Man- cher brafer Rammler, wann er die ab- gematteten Hunde eine gute Weite hin- ter sich gelassen, sitzet stille, macht ein Maͤnnlein (wie es die Weydleut nen- nen,) und siehet, wo seine Hunde bleiben, als wolte er sie auslachen, und ihnen ihre Traͤgheit fuͤrwerffen; Und kommt offt im Hetzen, daß der Hase bald forn, bald auf der Seiten, bald hinten, bald mitten zwischen denen Hunden ist, und dannoch nicht gefangen wird. Wann man will junge Hunde einhetzen, ists am besten im Herbst, da es junge heuer ge- fallene Hasen giebt, die weder so schnell, noch so listig sind, als die alten. Das er- stemahl muß man einen jungen Hund mit zwey guten alten Hunden an einem vortheilhafftigen Orte einhetzen, damit er zum erstenmahl nicht vergeblich lauf- fe, denn dadurch wird er verzagt, und sowohl das Hertz, als die Begierde verlieh- ren, so anfaͤnglich zu verhuͤthen ist. Die Weiblein von den Hasen sind viel listiger und verschalckter, als die Maͤnnlein, zweiffels Von der Jagd/ oder dem Weyde-Werck. zweiffels ohne, weil sie auch nicht so starck lauffen koͤnnen; Dahero wenden sie sich immer kurtz von einer Hand zur andern, und machen durch vielfaͤltiges Raunen die Hunde muͤde und verdrossen, die star- cken geschwinden Rammler aber, sonder- lich wann sie einen harten Fahrweg fin- den, lauffen gerade fort; Thal ab lauf- fen sie nie, als gezwungen, werden auch also leichtlich gefangen, weil sie, wegen der hintern langen Fuͤsse, uͤber und uͤber purtzeln, und nicht lauffen koͤnnen. Jm Winter, wann es hart gefroren ist, soll man Vormittags nicht hetzen, dann die Hunde lauffen sich auff, und verderben sich offt auf einmahl so uͤbel, daß man sie hernach in viel Wochen nicht brauchen kan. Mir ist von einem guten Freund, und erfahrnen Hetzer vor glaublich hin- terbracht, und als ein Arcanum gelernet worden, wann man den jungen Wind- Hunden, wann sie noch an der Mutter waͤren, die Spitzen von ihren Klauen abschnitte, solten sie sich im Alter her- nach nicht leicht wund lauffen, sondern wuͤrden hartlaͤuffig, und koͤnten im lauf- fen alle andere Wind-Hunde auslauf- fen. Auch soll man nicht hetzen bey wei- chem Wetter, weil der Hase leicht ist, und uͤber die tiefen weiten Felder wohl kom- men kan, die Hunde aber tief hinein fal- len, zu geschweigen, daß zu solcher Zeit in der Saat grosser Schade geschiehet. Wann die Hunde einen harten weiten Lauff gethan, und endlich den Hasen ge- fangen haben, muß man die Hunde in der Mitte uͤber sich auffheben und ritteln, daß ihnen das Gebluͤth vom Hertzen kom- me. Wann man junge Hunde einhe- tzet, muß einer zu Pferde allezeit nahend hinter ihnen seyn, damit sie nicht, wo sie lang allein bey dem Hasen bleiben, ihn zerreissen und fressen lernen, welches ein heßliches Laster, und ihnen hernach hart abzugewoͤhnen ist, und soll man die ab- gestraufften Hasen-Baͤlge denen Hun- den nie vorgeben, dann darmit gewoͤh- nen sie sich die Hasen zu zerreissen: Jm tieffen Schnee ist auch das Hetzen billig verbothen, weil sie wegen ihrer kurtzen Lauffte nicht fortkommen moͤgen, wel- ches ein vernuͤnfftiger Jaͤger von sich selbsten judici ren und schonen koͤnnen wird. Von Verlappen/ und Klopff-Jagen. Wann in einem Revier feine Behaͤlt- nisse, Gelegenheiten und Dickigte vor Wildpraͤth zu finden, dannoch aber sel- ten sich einiges Wild auffhalten, oder Stand nehmen will, man auch in der Eyl die Netzen so geschwind nicht stellen, oder ehe man anfangen wolte, das Wild von klopffen, Hefftel schlagen, fahren, schwatzen, und dergleichen, scheu machen wuͤrde, daß es zeitlich, ehe ein Paar Ne- tze gestellet, ausreissen wuͤrde; So hat man hierzu eine weit leichtere, und ge- schwindere Art zu stellen erfunden, wor- bey man wenig Unkosten, gar keine Hun- de, und wenig Muͤhe mit dem Stellen noͤthig hat, sondern in weniger Zeit alles fertig, und durch etliche wenige Treiber das Wild rege gemachet werden kan, wel- ches einem Forst-Bedienten auff den Graͤntzen, da wenig Wildpraͤth verhan- den, und doch Lieferung geschehen muß, sehr bequem fallen solte. Wann man nun etwas Wildpraͤth entweder mit dem Leith-Hund bestaͤttiget, oder ohne Hund durch die gefundene Faͤhrd, weichen Bo- den, Thau-Schlag, Reiff oder Schnee, oder andere Kenn-Zeichen gespuͤhret, in Holtz-Wegen vorgegriffen, und einge- kreysset hat, es sey in Wind, Schnee oder Regen-Wetter, und man nicht Zeit hat, lange auff grosse Gezeuge, viele Wagen und Leute zu warten, sondern nur selbi- ges zu puͤrschen, und zu schuͤssen begehret, und man desselben noch versichert ist, so verlappet der Weydemann dasselbe ent- weder mit Tuͤcher-Lappen oder Feder- Lappen in aller Eyl, jedoch gantz stille, rund umbher, dergestalt, daß die Lappen denen Thieren, so sie daran kommen, ploͤtz- lich vor die Augen scheinen, abschrecken und zuruͤck kehren; Da sich immittelst der Weydemann in der Stallung mit dem Puͤrsch-Rohr anstellet und das Wild durch Treiben in etwas rege ma- chen laͤsset, auff solche Art kan nicht feh- len, es muß der Weydemann zum Schuß kommen, weiln das Wild nicht leicht uͤber die Lappen springet, sondern davon ab- Q q 3 weichet, Fuͤnffter Theil/ weichet, und an denen Lappen im Jagen biß zum Schuß herumb lauffet, es wer- de denn gar mit grosser Gewalt von Jagd-Hunden, oder lautem Hetzen oder Schreyen gezwungen, daß es uͤbersprin- gen muͤste; Auff solche Art, da es ein- mahl fluͤchtig worden, helffen keine Lap- pen mehr abzuwehren. Manche haben sich auff erhabene Baͤume, absonderliche Sitze oder Staͤnder gemachet, damit sie uͤber die niedrigen Straͤucher das Wild desto besser sehen koͤnnen; Wiewohl der Wind ebenfalls von dem Wilde zu ver- nehmen; Und so ein alt Thier oder Vor- gaͤnger ein paarmahl darbey gewesen, nach ihm geschossen und gefehlet worden, solches auch uͤbergesetzet und gluͤcklich darvon kommen, wird es die andern bey sich habenden ebenfalls verfuͤhren, daß sie uͤbersetzen. Das Klopffen geschie- het in Feld-Hoͤltzern und Buͤschen, wann von denen Zutreibern mit Klappern oder Stecken an die Straͤucher, durch Dickig- te und Behaͤltnisse, gantz sachte ohe groß Geschrey geklopffet und getrieben wird; Dargegen man sich wider den Wind an einen Paß anstellen muß, umb da- selbst alles, was man ansichtig wird, klein und groß zu schiessen; Und gebraucht man hierzu, weder Hunde, noch Gezeug, sondern nur fertig Gewehr. Es ist sol- che Jagd, umb in geschwinder Eyl auff Beduͤrffniß etwas von Wildpraͤth zu schiessen, und doch darbey Vergnuͤgung zu haben, wohl erdacht worden, und giebt doch auch manche Lust darbey zu sehen. So die Wuth oder Rasen an denen Hunden zu besorgen. Jch haͤtte hiervon oben, da ich von derer Hunde Kranckheiten geschrieben, handeln sollen, weiln es aber daselbst aus Versehen nachgeblieben ist, so hoffe nicht unrecht zu thun, wann dieses annoch hier anhaͤnge: Leidet also eine Kup- pel von der Wuth einen Anfall, so muß man geschwinde alle Hunde von einander bringen, und ihnen insgesamt Gegen- Gifft, oder Venedischen Theriac eingeben; Man muß sie alle in saltzigtem Wasser ba- den, oder sie zum Meer fuͤhren. Man muß sie mit Senes-Blaͤttern purgi ren, die man in warmer Milch einweichen laͤs- set: Hunden, die es nicht gerne einneh- men, muß man es in klarer Suppe, oder in Molcken (in Wasser von der geronne- nen Milch,) oder in geschlagener Milch eingeben. Jn denen Oertern, wo sie sind, muß man viel Wacholder- und Tannen- Reiß anzuͤnden, und damit raͤuchern, auch viel Eßig auf eysernen glantzgluͤ- enden Schaufeln brathen. Hat man die Hunde wohl purgi ret, so muß man ih- nen zur Kuͤhlung eine vom Kalbs-Kopff gemachte Suppe geben und in diese Sup- pe viel Wegwarth, Lactucke, nebst al- lerhand kuͤhlenden Kraͤutern thun, vor allen Dingen aber muß man ja die Mit- tags-Sonne nicht in den Hunde-Stall scheinen lassen. Sind Hunde darunter, die etwas treuger, als die andern, und darbey truͤber und finsterer mit den Au- gen aussehen, dieselben muß man mehr purgi ren, als die andern, und schadet es nicht, wenn sie auch schon mager darvon werden, denn wenn nun erst die boͤse Lufft gereiniget, bekommen sie bald wie- der Fleisch, und ist nichts besser, als die Munter- und Wachsamkeit derer Knech- te, die eine von Kranckheiten angefallene Kuppel wieder in Stand setzen kan, und wenn sie nur das practici ren, was itzo gesaget worden, wird es nicht leicht mit der Kranckheit viel zu bedeuten ha- ben. Es ist auch nicht schaͤdlich, ihnen den Wurm unter der Zunge zu nehmen, weiln sie alsdann, wann sie gleich toll wuͤrden, niemahls beissen, sondern eher, wie an einer andern Kranckheit, hinweg sterben. Von unterschiedlichen T honen bey der J agd zu blasen. Weilen oben, und sonderlich bey der par Force- Jagd zum oͤfftern des Bla- sens und dessen Unterschied gedacht wor- den, so wird dem geneigten Leser nicht mißfallen, wann ich die Thone, wie so wohl, wann die Hunde gekuppelt wer- den; Wann dieselbe anfangen zu jagen; Wann sie die Faͤhrd verlohren; Wann sie die Faͤhrd wieder gefunden, und wann dieselbe gar gut jagen; Als auch wann der Hirsch erleget worden, und wann die Jagd zu Ende und vollbracht ist, geblasen zu werden pfleget, hier nach denen Noten beyfuͤge: Wann Wann die Hunde loßgokuppelt werden. Wann die Hunde anfangen zu jagen. Wann sie die Faͤhrd verlohren. Wann sie die Faͤhrd wieder gefunden. Wann die Hunde gar gut jagen. Wann der Hirsch erleget worden. Wann die Jagd zu Ende und vollbracht ist. Von der Jagd/ oder dem Weyde-Werck. Von Bestraffung der Wildpraͤths-Diebe. Dieweil dieses eine Quæstio Juris- und Rechts-Sache ist, in welcher die Rechts-Gelehrten wegen Bestraffung derer Wildpraͤths-Diebe sehr von ein- ander differir en, so kan hiervon nichts gewisses setzen, zumahl da solches in Pra- xi wenig vorkommet. Und bestraffen grosse Herren dieses Verbrechen mit der Todes-Straffe, und zwar, entweder, daß sie den Verbrecher auff einen leben- digen wilden Hirsch mit Haͤnd und Fuͤssen fest anschmieden, und denselben damit lauffen lassen, oder aber lassen den Ubelthaͤter auffhengen, oder auff andere Art vom Leben zum Tode brin- gen, wovon mir aber, ob es recht oder unrecht sey, zu beurtheilen nicht zukom- met, auch solches zu thun nicht willens bin. Es schreibet Herr Ahasverus Fritz- schius in seinem Corpore Juris Venato- rio-Forestali, vom Jagd- und Forst- Recht, aus eines klugen Beambten Edi- tion, pag. 701. \& 702. folgendes: Par. 15. Weil gar offt geschiehet, daß unnuͤtzes Gesinde sich unterstehet, heimlicher Wei- se das Wild zu fangen oder nieder zu schiessen und solches hernach entweder selbst zu essen, oder zu verkauffen; so fra- get sichs, wie solche Wildpraͤths-Diebe zu bestraffen seynd? Und zwar ist es hierinn vielleicht ausgemacht, daß solche Wild- praͤths-Schuͤtzen eben keinen Diebstahl begehen, weil selbiger mit Wegnehmung eines andern Gut begangen wird, das Wildpraͤth aber im Wald (Ein anders ist in einem Thier-Garten, da es schon oc- cupir et ist, und seinen Herrn hat) Per. L. 62. ff. de usufr. L. 5. §. 5. de A. R. D. Neuenhan. d. Diss. th. 171. Harpr. de Jur. venand. th. 32. keinem Herren unterworf- fen ist, sondern in seiner natuͤrlichen Frey- heit herumb vagir et, mithin ein Wild- Schuͤtze keinen Diebstahl begehet und als ein Dieb nicht gestraffet werden kan. Harpr. d. I. Heig. I. Quæst. 15. n. 73. seqq. Alldieweilen aber gleichwohl dergleichen muthwilligen Wild-Schuͤtzen nicht so blosser Dinge nachzusehen ist, so fragt sichs: Ob dann deren Bestraffung mit dem Tode geschehen koͤnne? Und hegen die meisten die negir ende Meynung, weil keine Vergleichung zwischen einem nach GOttes Bild geschaffenen Men- schen, und einem unvernuͤnfftigen Thie- re statt hat: Wie dergleichen Meynun- gen in grosser Menge anziehet Knipsch. d. c. 5. num. 333. Der es auch sodann selbst admittir et, wann keine gewisse Straffe wider dergleichen Wild-Diebe vorgeschrieben, und publicir et werden; Wo aber dergleichen verhanden, so soll sie zwar exequir et werden, jedoch daß sie das erste mahl nicht capital sey, das an- dere mahl etwan der Staupenschlag, und die ewige Landes-Verweisung erfolge; Das dritte mahl aber gleichwohl das Le- ben ihme abgesprochen werden koͤnne; Maassen sie alsdann nicht so wohl als Wild-Schuͤtzen, sondern als boßhaffte Veraͤchter des Hoch-Fuͤrstlichen Ver- boths abgestraffet werden, und dieses umb so viel mehr, wann sie zuvor schon beyde Gradus pœnarum ausgestanden haben: Doch soll auch die Todes-Straf- fe an ihnen nicht auff eine grausame Art exequiret oder vollzogen werden, daß man sie etwan den wilden Thieren vor- werffen, oder auff Hirsche schmieden wolte, Mascard. de Prob. Concl. 839. Knipsch. d. I. num. 339. seqq. Wobey auch auff diese Umbstaͤnde mit zu sehen: 1. Was den Wildpraͤth-Schuͤtzen zu Toͤdtung des Wilds bewogen, ob ers aus Zorn, weil er Schaden davon gelit- ten, oder aus Nutzen oder Muthwillen gethan; 2. Jst auff die Person zu sehen, ob selbige eines honetten oder geringen Standes, jung oder alt sey; 3. Soll auch auff den Ort gesehen werden, denn wer auff den besten Wild-Fluhren, da das Wildpraͤth seinen Stand hat, dergleichen Verbrechen begehet, suͤndiget freylich haͤrter, als sonsten; 4. Seynd die Quali- tates zu erwegen, ob der Schuͤtz mit Gewehr, umb sich damit zu weh- ren, oder nur dem Forst-Herren zum Schimpf zu jagen ausgegangen; 5. Muß auch die Zeit in Consideration kommen, ob es bey Tag oder zur Nacht-Zeit ge- schehen; Wie auch 6. die Anzahl der er- schossenen Stuͤcke. Carol. ab Hagen. in Juris Prudent. l. 3. c. 6. num. 8. pag. 507. Carpzov. Prax. Crim. p. 2. Quæst. 84. Neuenhan. d. Diss. num. 204. Rodin. V. Obs. 64. Knich. de Saxon. non Prov. jur. lib. 2. c. 3. num. 216. seqq. Martin. d. Diss. num. 39. Welche der geneigte Le- ser nachzuschlagen belieben wird. Jn der alten Chur-Fuͤrstlichen Saͤchßischen Siebenden Constitution, von Straffe R r der Fuͤnffter Theil/ der Wildpraͤths-Beschaͤdiger, Anno 1572. ist denen Schoͤppen-Stuͤhlen zu sprechen aufferleget, solche freventliche muthwil- lige Verbrecher mit Staupen-Schlaͤ- gen des Landes ewig zu verweisen, oder auff die Galler en oder den Vestungs- Bau, in harte Metalle, und stets waͤh- rende Arbeit, auff ewig, oder mit Ab- hauung einer Hand oder Fuß zu con- demnir en. Jn der Churfuͤrstlichen Brandenburgischen Forst-Ordnung in der Marck wird dieses Veꝛbꝛechen hinwie- derumb auff eine gewisse grosse Geld- Busse gesetzet, als vor einen geschossenen Hirsch 500. Thlr. so nach Proportion des andern Wildes einzurichten, welches je- doch meist bey denen Reichen und Vermoͤ- gensten zu practicir en, bey denen Gerin- gern aber es dannoch auff eine Leibes- Straffe ankommet. Nam qui caret æ- re, Iuat in corpore, nach dem gemeinen und bekanten Sprichwort. Von einem Jaͤger-Hauß. Wo eines grossen Herren beliebige Refidenz seiner Hoffstatt verhanden, da- selbst wird auch gemeiniglich ein Jaͤger- Hoff gefunden, darinnen einige Jagd- Bedienten wohnen, auch in absonderli- chen Gebaͤuden der Jagd-Gezeug, und unterschiedliche Hunde, nebst anderer Geraͤthschafft, auffgehoben und gehalten werden. Theils Orten werden auch absonderliche Behaͤltnisse frembder wil- der Thiere, etwan zu Loͤwen, Baͤren, Tyger, und dergleichen veste verwahret, solche bey hoher Herrschafft Beylagern, Kind-Tauffen und anderen vorfallenden Kampff-Jagẽ zu hetzen; Die uͤbrigen Hof- Jaͤger und Jagd-Bedienten haben ent- weder darbey Wild-Meister-Dienste auf dem Lande, oder wohnen in der Residenz in eigenen Haͤusern, zur Herrschafftlichen Auffwartung nahe bey der Hand zu seyn. Was nun das Jaͤger-Hauß betrifft, wel ches nach einer jeden hohen Herrschafft Verlangen, nachdem dieselbe davon ein Liebhaber ist, groß oder klein gebauet, stehet in deroselben freyer Disposition und kan man hierinnen nichts gewisses or- dinir en, wird aber, so viel moͤglich, ge- raumlich, rein und sauber erbauet, daß darinnen feine Stuben und Kammern, Kuͤchen und Keller, zu noͤthigem Ge- brauch angeleget werden. Oben auff diesem Gebaͤude schicket sich nebst andern Vor-Gemaͤchern ein feiner Saal, wel- cher mit kuͤnstlichen Schildereyen oder Gemaͤhlden einiger Lust- und Wasser- Jagden, gehaltener Jaͤgerlicher Auff- zuͤgen, Kampff-Jagen und derglei- chen, auch anderer lustiger Positur en ausgezieret werden solte. Es solten auch daselbst zu finden seyn unterschiedliche accurat e und richtige Geometri sche Grund-Risse der Herrschafftlichen Hey- den und Waͤlder nach dem verjuͤngten Maaßstab, darinnen man alle Behaͤlt- nisse, Moraͤste, und Befluͤgelung deut- lich sehen koͤnne, so zur Nachricht gezei- get und beybehalten werden solten. Nicht weniger muß es auch an anderer herrlicher Meubli rung der Tappet en, und Teppichten, Tafeln, Schraͤncke, Stuͤh- le, und was mehr noͤthig, nicht fehlen, sonderlich wohl inventirt e Willkommen unterschiedlicher Sort en, so bey Tracti- r ung frembder Herrschafft noͤthig sind, absonderlich aufgehoben und verwahret werden. Unten wohnet gemeiniglich der Puͤrsch-Meister, nechst gegen uͤber die Jaͤger-Pursche in absonderlichen Stu- ben und Kammern, welcher Puͤrsch- Meister das Directorium des gantzen Jaͤger-Hoffes, und alles befindlichen Zeugs und Hunde unter sich hat. Auff dem Boden in grossen Erckern und wohl- verschlagenen Kammern gehoͤhret sichs billig, die Jaͤger-Ruͤstung zu ordinir en, worinnen, als in einer Ruͤst-Kammer, die benoͤthigten Puͤrsch-Roͤhre, mit Teut- schen oder Flinten-Schloͤssern, Sau- Stutze, Schrodt-Buͤchsen, Flinten, Pi- stohlen, Selb-Geschoß, Wind-Buͤxen, Fang-Eysen, Hirsch-Faͤnger, Schevelin, Wald-Hoͤrner, Fluͤgel-Hoͤrner, Huͤfft- Hoͤrner, Weyde-Messer, Pulver-Fla- schen, Spanner, Haͤnge-Seile und Hal- sungen der Leith-Hunde, Hunde-Kup- peln, Halß-Baͤnder, Hetz-Riemen, Fang- Stricke, Weyde-Taschen, Schroth-Beu- tel, und Kugel-Formen, und in Summa, alles noͤthige Werckzeug, groß und klein, zum noͤthigen Gebrauch, auffgehoben werden muß. Nebst solchem Jaͤger- Hauße, welches sowohl innewendig, als auswendig sauber berappt, und geweis- set, sonderlich das Dach wohl verwahret seyn muß, gehoͤhret sich zur rechten Hand darneben ein langer Hunde-Stall, mit Von der Jagd/ oder dem Weyde-Werck. mit seiner Kuͤche, Brod-Kammer, Woh- nung der Hunde-Jungen, und gehoͤhri- gem Zwinger, wie ich solchen bereits zu Ende des Dritten Theils ausfuͤhrlich be- schrieben habe, wohin ich den geneigten Leser gewiesen haben will. Zur lincken Hand neben dem Jaͤger-Hause kommt das Zeug-Hauß zu stehen, worvon ich ebenfalls bereits zu Ende des Dritten Theils ausfuͤhrlich geschrieben, al- so sich darnach gerichtet werden kan. Da- mit nun der Hoff recht foͤrmlich zuge- bauet sey, so koͤmmt vorne in der mit- ten das Thor, auff der einen Seiten des Wagen-Meisters Wohnung, nebst ei- ner Schenck-Stube, Bier-Gaͤste zu be- wirthen, auf der andern Seiten ein Pferde-Stall, und Wagen-Schoppen. Jn der mitten des Hoffs ein feiner Roͤhr- Wasser-Trog, welcher sehr noͤthig und nuͤtzlich, besorgliche Feuers-Gefahr hier- durch abzuwenden, auch Pferde und Hunde zu traͤncken; Auff den Giebeln der Daͤcher aller dieser Gebaͤude gehoͤh- ren sich Hirsch-Gehoͤrne feste verwahret; Hinter dem Zeug-Hause kan des Puͤrsch- Meisters Garten angeleget seyn, und so waͤre es fertig. Von einem L oͤwen- H ause und dessen W arthung. Alldieweiln ich eines Loͤwens und Tygers innerliche Natur und Eigen- schafft, nicht weniger eines Baͤres und Auer-Ochsens wahre Beschaffenheit, sam̃t deren behoͤhrigen Anatomie gehoͤh- riges Orts beschrieben habe. Diese und dergleichen grimmig reissende raͤuberische Bestien aber zu unserm grossen Gluͤck, Gott Lob! in unseꝛn Laͤndern in den Waͤl- dern nicht anzutreffen sind, so haben gros- se Herren zu Conservi rung solcher Thiere ein absonderliches Loͤwen- oder Thier- Hauß, theils zu vielen, theils zu weni- gen Thieren, auffrichten lassen, nachdem sie hierzu grosse Beliebung tragen, oder was darauf wenden wollen, damit sie die Hoff- und Kampff-Jagd-Lusten un- gehindert mit desto groͤsseren Plaisir desto oͤffter celebri ren koͤnnen. Es gehoͤhret aber zu solchem Hauß vornehmlich, an- faͤnglich des Loͤwen-Waͤrthers Wohn- Stube, auch darneben ein Apartement vor die frembden Leute, und unweit dar- von seiner Leute Stube und Cammer, sonderlich muͤssen zwey Kuͤchen und zwey Speise-Cammern vorhanden seyn, dar- innen denen Thieren der behoͤhrige Fraß theils auffgehoben, theils auch zuberei- tet werden koͤnne. Daferne auch die Herrschafft zu frembden Voͤgeln von ra- ren Gewaͤchs und Farben Lust und Be- liebung hat, kan auch darneben nach dero Gefallen ein Vogel-Hauß mit draͤthernen Decken, oder wie es sonst verlanget wird, angebauet werden, jedoch so, daß vornehmlich hierzu benoͤthigtes Roͤhr-Wasser eingeleitet werden koͤn- ne. Von dieser frembden Voͤgel Unter- haltung habe bereits an seinem Ort Mel- dung gethan, dahin ich den geneigten Leser gewiesen haben will. Was aber eigendlich das Loͤwen-Hauß betrifft, so muß aus des Loͤwen-Waͤrthers Stube zur Thuͤr so wohl unten, als oben ein Gang rund herumb gehen, damit man daselbst rings umbher bey allen Thieren auswendig gehen koͤnne, umb dieselben in ihren Faͤngen ungehindert zu sehen; Und muͤssen solche Faͤnge mit starcken fe- sten Gittern wohl verwahret seyn, da- mit dergleichen grimmig reissende wilde Thieꝛe nicht durchbrechen, grosses Ungluͤck anrichten, und Schaden thun moͤgen. Jn solchen wohlverwahrten Faͤngen nun, und zwar in einem jeglichen abson- derlich, ordini ret die Herrschafft keine an- dere wilde Thiere zu verwahren, als nur diejenigen, welche rar und kostbar, von frembden Landen hergebracht, oder mit grossen Unkosten erkauffet, theils auch von frembden Herrschafften ihnen ge- schenckt worden sind, und sonderlich die- jenigen, welche sie zu Kampff-Jagen ge- brauchen wollen: Als etwan nach belie- ben Meer-Katzen, Affen, Mummenet- t en, Panther-Thiere, Tyger-Thiere, Leoparden, Loͤwen, Baͤre, Woͤlffe, Luchse, Fuͤchse, Daͤchse, Katzen oder Mar- der, und dergleichen. Gemeiniglich a- ber pflegen die Herrschafften nur allein solche Thiere, welche sie hetzen koͤnnen, als Loͤwen, Leoparden, und meistens Tyger-Thiere, Woͤlffe oder Luchse, Baͤ- re und dergleichen daselbst verwahren zu lassen; Was aber die edelen wilden Thie- re, als Hirsche, Thiere, Tann-Hirsche, wilde Schweine, Rehe und Hasen be- trifft, welche im Lande zu Herrschafftli- chen Land-Jagden mit besonderm Fleiß gehaͤget und zur Vermehrung geschonet R r 2 werden, Fuͤnffter Theil/ werden, werden solche in solche Carce- res oder Gefaͤngnisse nicht gesperret; Maassen diese auf Verlangen der Herr- schafft mit anderer Manier und gebuͤhr- lichen Jagd-Gezeug, wie gebraͤuchlich, nach belieben lebendig oder todt gefangen werden. Es wuͤrden sich auch solche hiesige Thiere abgraͤmen, abaͤngstigen, und in kurtzer Zeit gar dahin fallen und sterben. Aus jedem Fang gehet eine Fall-Thuͤre, von starcken eichenen Pfo- sten mit eysernem Blech beschlagen, nach dem grossen Hoff, welcher allenthalben mit grossen Quater- Werckstuͤcken wohl- gepflastert seyn muß. Diese Fall-Thuͤ- ren werden oben uͤber den Fachen mit Ketten und starcken Saͤulen durch Klo- ben und steinern Gewichte hinterwaͤrts auffgezogen und an einen Haacken umb- schlungen; Wann nun bey Oeffnung der Fall-Thuͤre das wilde reissende Thier das Licht erblicket, und seine Freyheit vermercket, wuschet es heraus, zumahl wann es still und schoͤn Wetter ist, da es denn im Hoff herumb springet, und laͤs- set der Waͤrther die Fall-Thuͤre inzwi- schen zugehen: Sodann kan von innewen- dig der Fang oder das Fach, welches auff den Boden abhaͤngich mit starcken Pfo- sten getiehlet seyn muß, von allem Un- flath gereiniget, des Thieres Fraß hin- eingeleget, und frisches Stroh und Was- ser gegeben werden. Wann nun hin- terwaͤrts wiederumb alles befestiget worden, der Fang wieder auffgezo- gen wird, und das wilde Thier seine Wohnung eroͤffnet siehet, auch den Fraß riechet, treibet der Hunger und Appetit dasselbe wiederumb dahin einzu- kehren, da es dann, wann es wuͤrcklich darinnen, mit der Fall-Thuͤr wiederumb verschlossen werden kan. Von dem Loͤ- wen-Waͤrther nun und dessen Function hierbey mit wenigen zu gedencken, so wird vor allen Dingen erfordert, daß er ein Ertz-Liebhaber aller wilden Thiere von Jugend auf jederzeit gewesen, und sich nie- mahls keine Muͤhe im geringsten ver- driessen lassen. Er muß ferner seyn ein Mann von Verstand und Hertzhafftig- keit, welcher zu gewisser Zeit, jedoch nuͤch- tern und nicht betruncken, nach Beschaf- fenheit der Thiere, theils mit Liebe, theils mit List, auch da es noͤthig, mit behoͤh- rigen Zwangs-Mitteln, einem jeden Thier zu begegnen weiß, anbey nicht bloͤ- de, sondern wohl erfahren seyn, nehm- lich, er muß perfect wissen, was zu die- sem oder jenem Thier fuͤr Instrumenta gehoͤhren, dieselben freundlich oder mit Gewalt zu baͤndigen. Er muß es auch den Thieren koͤnnen ansehen, von welchen er Friede zu hoffen, denn an theils Thie- ren ist und hilffet nichts, man mag thun, was man wolle, so wird es doch immer aͤrger; Und solche sind weder das Fut- ter, noch Muͤhe werth. Dieses sind die Thiere, so fast gar nicht oder schwerlich zahm gemachet werden koͤnnen, nehm- lich, die so viel genaͤrret und geschlagen werden, also daß sie sich nothwendig neh- ren muͤssen, wie fast alle einen sol- chen Gebrauch an sich haben. Denn es sind viel Menschen, welche dieses nicht considerir en, daß es eine herrliche Rari- taͤt sey, wann ein groß erschreckliches und sonst grimmiges Thier gantz fromm und zahm; sondern es ist gemeiniglich der Leute ihr erstes, daß sie, wo sie immer koͤnnen, an solche Thiere treffen oder werffen, damit sie es zum Zorn anrei- tzen, welches dann denen Leuten, so da- mit umbgehen sollen, hoͤchstschaͤdlich und gefaͤhrlich ist. Es ist auch eine schlechte und kahle Courage, ein eingesperrtes und angebundenes Thier zu molesti ren, wer aber Muth hat, der kan gehen, daß es ihn erreichen koͤnne, wie der Loͤwen- Waͤrther. Kuͤrtzlich, ein Mensch der ver- staͤndig, und auch nachdencklich ist, kan leicht erachten, wie es ihm gefallen wuͤr- de, wann er eingesperrt, gestossen, oder ihm, so er hungerig, sein Fressen genom- men wuͤrde. Eine reichliche Besoldung gehoͤhret auch dem Loͤwen-Waͤrther, weil er mit seinen Leuten vieler Lebens- Gefahr unterworffen ist, damit er bey der Lust bleibe; Muß ihm auch vor sei- ne Thiere richtiges Fleisch, Brod und Futter gegeben werden, damit sie satt, und solcher maassen gerne freundlich wer- den und spielen. Von der F alcken- B eitz und derer Antiquit aͤt. Alldieweilen ich in meinem Andern Theil bey Beschreibung der Natur und Eigenschafft derer wilden Thiere auch zu- gleich des saͤmmtlichen Feder-Wild- praͤths, beyderseits der Waͤlder und Fel- der, als der Wasser, sowohl bey ihrem Leben Von der Jagd/ oder dem Weyde-Werck. Leben physice, als nach ihrem Tode a- natomice gedacht, das Fangen besagten Feder-Wildpraͤths aber biß zu dem Be- schluß meines Wercks reservir et habe; So prævalir et diesemnach unter allen Feder-Spiel ohnstreitig die Falconaria, oder so genannte Falcken-Beitz, welche also zu erst zu betrachten waͤre. Gleich- wie ich nun bey Beschreibung des Par Force- Jagens, ausdruͤcklich gesaget, daß ich von derselben nur dasjenige, was ich aus andern extrahir et, historice referi- ren wolte; So muß ich auch bey der Falcken-Beitz, als ein teutscher Jaͤger, welchem davon ex professo zu schreiben keinesweges zugemuthet werden kan, mich hiermit vorhero excusir en, damit die etwan vorkommende Fehler vom ge- neigten Leser desto eher pardonnir et wer- den moͤgen. Was nun unsere mit GOtt vorhabende Falconaria oder Falcken- Beitz, so viel mir bewust, zu beschreiben anbelanget, so ist diese recht Fuͤrstliche Ubung beyde ratione Corporis, \& inge- nii hoͤchst wundernswuͤrdig; Maassen wann man sattsam uͤberleget, daß ein wilder Vogel des Himmels mit beson- derm Glimpff von den Menschen der- gestalt gewoͤhnet und gezaͤhmet wird, daß er auch so gar seine vorige Libert aͤt und Freyheit gutwillig vergisset, seines Herrn Befehl mit schneller Behutsam- keit gehorsam ausrichtet, und ihme zu gefallen in freyer Lufft andere Thiere oder Voͤgel greiffet: Sonderlich aber ist noch mehr zu bewundern, daß er in sol- cher Freyheit seinem Herrn nicht untreu wird, und solchen ausser Augen setzet, sondern sich viel lieber zu seinem Herrn einstellet, ob er schon bey dem Menschen in einer gebundenen Servitut, mit gefessel- ten Fuͤssen und verdeckten Augen, ja wohl auch sonst, an seiner Wartung uͤbel gehalten wird: Und ob er ihm schon auff sein Verlangen das Wildpraͤth ge- fangen, so laͤsset er sich doch begnuͤgen mit dem wenigen, was ihm vergoͤnnet, ja wohl gar, wann ihm statt dessen ein un- gleiches Recompens gegeben wird. Die Antiquit aͤt solcher Falcken-Beitze betref- fend, finden wir auch so gar in Heiliger Goͤttlicher Schrifft bey dem Propheten Baruch am 3. Capitel, wie damahls schon bereits die Fuͤrsten des Landes sich mit den Voͤgeln des Himmels divertir et ha- ben, welches ohnstreitig wohl dergleichen Feder-Spiel mag gewesen seyn. Ferner wird von dem Ulysse in alten Historien gemeldet, daß er nach gehaltener Victo- rie des Trojani schen Krieges, bey seiner Wiederkunfft, nebst anderer Beuthe mehr, auch abgerichtete Voͤgel mit sich nach Griechenland gebracht habe. Was die Koͤnige in Franckreich von Uhr- alters vor Liebhaber der Falcken-Beitz gewesen, ist aus denen Annalibus mit mehrern zu ersehen, wie von dem Koͤnig Meroveo gedacht wird, als er einsmahls in der Abtey Tours, refraichi ret, von sei- nem Ministre Gonderan animi ret wor- den, sich mit der Falcken-Beitz zu diverti- ren, und dieser wegen behoͤhrige Voͤgel, Pferd und Hunde bringen zu lassen, weiln solches ruͤhmlicher, als stille zu si- tzen, seyn wuͤrde. Was der Roͤmische Kaͤyser Henricus VI. vor einen Anfang der Falcken-Beitz in Jtalien angefan- gen, wird aus denen Neapolitani schen Histori en von Collenuncio ausfuͤhrlicher beschrieben, und soll solches 700. Jahr in Franckreich vorhero schon gewesen seyn, ehe es in Jtalien bekandt worden: wel- chen auch zu folge sein leiblicher Sohn Fridericus Barbarossa mit ungemeinem Plaisir vielfaͤltig imitir et. Des Griechi- schen, damahls zu Constantinopel residi- renden Kaͤysers Alexii Angeli seine ehe- liche Gemahlin Euphrosina hatte so gar eine passionir te Liebe und Hochhaltung zur Falcken-Beitz, daß sie jedesmahls selbsten den Vogel in hoher Person auf einem mit Gold uͤberzogenen Handschuh getragen haben soll. Von dem Tuͤr- ckischen Kaͤyser Mahomet Amurath wird referi ret, daß er der Falcken-Beitz also ergeben, dieser wegen 7000. Mann Falconir er gehalten, ohne diejenigen, so Hunde gewartet, welchem sein Bruder Bajazeth nicht viel nachgegeben. Als Kaͤyser Henricus Auceps die Wahl er- langet, und ihme solches angekuͤndiget, habe man ihn eben damahls auff der Falcken-Beitz angetroffen, weswegen er auch mit dem Zunamen Auceps, ein Vo- geler, oder Vogelsteller benamet worden. Wie unruhig Pabst Leo der X. auf das Federspiel und die Hunde verpicht gewe- sen, daß ihm auch besondere Jura von Ca- rolo Magno auf sein Verlangen von schaͤdlichen Pferden, gestohlenen Hunden, Falcken, Sperbern, und Feder-Spiehl remitti ret worden, ja auch, daß er so gar mit seiner Falcken-Beitz nicht muͤde wer- den koͤnnen, sondern auch bey ungestuͤh- men Wetter jedesmahls bey diesem Wey- dewerck sich finden lassen, weiln er hier- R r 3 zu Fuͤnffter Theil/ zu bey Viterbo, umb der Gegend bey Rom herumb eine hierzu trefflich beqve- me Gelegenheit gehabt. Jn Asia soll die Falcken-Beitz in einem trefflichen Anse- hen seyn, desgleichen soll auch in der Tar- tarey der Cham alldar die Function eines Ober- Falconier ers seinem vornehmsten Ministre anvertrauen, welcher alle fremb- de verlohrne Voͤgel eine Zeitlang behal- ten, und ihren rechten Herren zu remit- ti ren ernstlich beordert. Was letzlich Ale- xander Magnus durch seinen Informato- rem, den Aristotelem von Eigenschafft und Natur der Voͤgel colligi ren lassen, ist bereits bekannt. Jst also offterwehn- te Falcken-Beitz, wann dieselbe insonder- heit mediocrit er und mit moder irten Un- kosten angestellet wird, als eine hoͤchst an- genehme, und recht Fuͤrstliche Lust zu ruͤhmen, weil dieses Exercitium in einer maͤßigen Ubung der Gesundheit beste- het, und zur Lebens-Verlaͤngerung gar dienlich und vergnuͤglich ist: Wann man erweget, wie erfreulichen Prospect man haben kan, wann man seinen Falcken bey hellem klaren Wetter von der Faust ab in die freye Lufft gen Himmel schwingen laͤsset, und der anmuthigen Reyher-Beitz je laͤnger je mehr zusiehet, und den Wett- Flug und Ausgang dieses Kampffs mit Freuden erwartet, so kan auch nicht feh- len, daß aller chagrin, so man vormahls umb das irrdische gehabt, verachtet wer- den muͤsse. Zwar kan ich nicht laͤugnen, daß grosse Herren eben auch so wohl bey dieser Falcken-Beitz, als wie ich bey dem Par Force- Jagen beschrieben habe, mit dem hefftigen piqui ren, oder Rennen und Jagen der Pferde in Leib- und Lebens- Gefahr sich stuͤrtzen koͤnnen; weswegen ich vor rathsamer zu seyn erachte, wann ein grosser Herr, an dessen Unfall oder Tod wohl vielleicht Land und Leuten ein mehreres gelegen, content und vergnuͤgt ist, wann er eine solche Jagd an einem be- qvemen Ort ohne besondern Schaden ansiehet. Und weil auch nach dem alten Sprichwort die Sacren oder Groß-Fal- cken mit nicht geringem Verlust das Gold an sich ziehen sollen, wie der Ma- gnet das Eisen, welches so viel gesaget ist, daß nemlich das Beitzen unglaubliche Unkosten erfordere; So wird ein jeder Liebhaber von sich selbst sein Vermoͤgen und seine Einkuͤnffte erwegen, und wohl bedencken, was ihme hierinnen rathsam und zutraͤglich seyn moͤchte, auch seine uͤbermaͤßige Affect en bemeistern. Letz- lich rathe auch wohlmeynend, sich dieje- nigen Laster, womit man GOtt den All- maͤchtigen erzuͤrnet, und seinen Nechsten beleidiget, wovon ich ausfuͤhrlicher be- reits in der Vorrede des Fuͤnfften Theils meiner Teutschen Jagd zur Genuͤge ge- redet, sich bey Zeiten abzugewoͤhnen, al- le vorfallende Aergernisse, und Verdruͤß- lichkeiten bey solcher Lust bey Seite zu se- tzen, und sich nicht stoͤhren zu lassen; Doch ist nicht meine Meynung, die wich- tigsten Geschaͤffte darbey zu negligir en, sondern nur dieser Ergetzlichkeit nach ab- gelegten Regierungs-Sorgen in GOt- tesfurcht, doch ohne anderer Leute Schaden mit Vergnuͤgung zu gebrau- chen. Und weiln zu der Falcken-Beitz, nebst andern noͤthigen Requisitis, auch fluͤchtige Pferde erfordert werden, so will mich auff die vorige Beschreibung der Par Force- Pferde beziehen. Was aber die Natur und Abrichtung der hierbey unterschiedlichen Hunde, als der Wind- Spiele, Huͤhner-Hunde, Wasser-Hun- de und Stoͤber betrifft, wird der Hoch- geneigte Leser in meinem gantzen Drit- ten Theil, von Beschreibung allerhand Hunden, ausfuͤhrlicher befinden, fehlet also hierbey nichts, als eines Falckens Beschreibung und des Falconiers Appli- cation vorzustellen. Von dem F alcken. Gleich wie ich in der Vorrede des Andern Theils meiner Teutschen Jagd von der Beschreibung wilder Thiere ge- meldet, daß die wundersame Variatio n, nach Gottes allweisen Rath, durch der Natur unerforschliche Wuͤrckung, nach- dem das Clima Cœli, oder himmlische Firmament situi ret, auch das Humidum Radicale der unterirrdischen feuchten Duͤnste, entweder heiß und trocken, oder feucht und kalt sich befinde, und hieraus unterschiedenes Erd-Gewaͤchs und Nu- triment entstehe, die Menschen und wil- de Thiere auf Erden, alle Fische im Was- ser, und die Voͤgel in der Lufft gar mercklich an ihrer gantzen Natur und Eigenschafft, ihrer Gestalt, Groͤsse, Far- be, Haare und Federn, Stimme und Geschmack, Von der Jagd/ oder dem Weyde-Werck. Geschmack, oder dergleichen mehr ver- aͤndern, so man taͤglich aus oͤffterer Er- fahrung hoͤre und sehe; Also hat es auch gleiche Beschaffenheit mit der unterschied- lichen Landes-Art und different en Gat- tung derer Falcken, welche, ob sie schon an Gewaͤchse, Farben, Federn, Stimm und dergleichen zu disti n gvi ren, dannoch von einerley Geschlecht gebohren sind, welches zu unterscheiden die vornehmste Maxime, und das Requisitum primum Necessarium, eines rechten Falconier ers billig seyn soll, wie denn auch der diffe- rent e Raub, Blut und Fleisch die Fal- cken mercklich veraͤndert, wie von denen erfahrnen Relationibus derer Falcken- Traͤger, oder Verkaͤuffer, welche mei- stens umb die Fruͤh-Jahrs-Zeit aus Jrrland, uͤber Flandern, oder Norwe- gen, Barbarey, Corsica, und derglei- chen auswaͤrtigen Provinci en mehr, zu uns anhero in Teutschland Falcken zum Verkauff bringen, zu erkundigen seyn wird, gestalt man dem Falconie rer- Gebrauch nach, auch ohne diß einer jeden Art Falcken im ersten Jahre fuͤnff un- terschiedliche Namen beyleget. Nem- lich Niais, so er aus dem Nest gehoben, oder geflogen, da er noch einfaͤltig und dumm gewesen. Hernach Gentil, wann er im Sommer schon begierig und hur- tig worden. Ferner Passagier heisset ein Frembder oder Landstreicher, welcher des Herbsts seinen Zug haͤlt; wird er aber jaͤhrig, und vermeynet das erste mahl zu nisten, ob er schon nicht vermauset, wird er Antenere genannt; Der letzte Name heisset Hagard, weil er bereits ver- mausset, und nach der Egyptier Mey- nung, nun in der Frembde weiter fort- ziehet, welches wohl sowohl bey den Kauff-Handel, als Erziehung der Voͤ- gel mit Fleiß zu besorgen; Jndem eine jede Art anders und absonderlich will ge- halten und tractir et seyn, so ich in nach- folgende Cap. zu beschreiben willens bin. Vom Unterscheid der F alcken. Es giebet, wie vorgemeldet, nicht al- lein nach der Landes-Art und mancher- ley Raubes unterschiedliche Falcken, da- von einige groß und lang, andere dar- gegen kurtz und dicke an ihrer Gestalt, desgleichen an Federn sehr unterschieden sind, indem einige braun, einige gelb, andere grau oder blond zu finden. Die Falcken auf dem Lande und im Gebuͤrge haben gelbe Haͤnde, dargegen haben die, so an der See-Kuͤsten oder am Strande sich auffhalten, und von Tauchern oder Wasser-Voͤgeln sich nehren, etwas gruͤn- lichte. Die bey uns am meisten bekanten und die rechten Falcken sind eigentlich die Sacri Falcken oder Groß-Falcken, wel- che aus Jrrland, auch Podoli en und der Tartarey zu uns gebracht werden; Sie sind von wiederspenstiger tuͤckischer Art, mit deren Abrichtung man grosse Ge- dult haben muß, weiln sie aber arbeit- same und starcke Voͤgel sind, werden sie auch zu Trappen- und Reiher-Beitzen ab- gerichtet: Und weiln sie aus kalten Nor- dischen Laͤndern kommen, kan man ih- rer nicht eher als im spaͤthen Herbst ge- brauchen. Die Lenier oder Schwim- mer sind gut zum Hasen-Beitzen; Er ist zwar auch tuͤckisch, aber darbey von grosser Geschwindigkeit; Er liebet die Hunde von Natur, und folget ihren Vortheil zu lernen gerne nach; Jhr Va- terland ist Sicilien, da sie auff den ho- hen Baͤumen und Felsen nisten: Man nennet ihn Schwimmer, weil er im fliegen eine solche Bewegung machet, und muß wohl abgetragen werden, ehe er zahm wird. Die Gerfau oder Ger- Falcken sind etwas groͤsser, und von den wackersten und staͤrcksten Voͤgeln, wel- che wegen ihres schnellen Fluges, son- derlich in die Hoͤhe zu steigen, zu der Rey- her-Beitz vortrefflich seynd: Sie kom- men aus Norwegen, allwo sie nisten, und auch gefangen werden, fuͤrchten sich aber wegen ihres kalt gewohnten Clima- tis sehr vor der Hitze; Sie thun in einem Athem einen gewaltigen weiten Flug in die Hoͤhe zur Reyher-Beitz. Die Al- phanette, welche aus Barbaria herkom- men, und zur Hasen- und Rebhuͤhner- Beitz abgerichtet werden, werden unter allen Falcken vor die lustigsten und schoͤn- sten Voͤgel gehalten; Jst gemeiniglich blond von Federn; Er steiget sehr hoch, daß er bey hellem Wetter kaum zu sehen: Die Griechen haben ihm als dem vor- nehmsten Raub-Vogel den Namen nach dem ersten Buchstaben ihres Alphabet s gegeben. Diese vier Gattungen Falcken haͤlt man vor die vornehmsten. Ferner ist der Blaufuß eine hier zu Lande ge- woͤhn- Fuͤnffter Theil/ woͤhnliche Art von Falcken, welcher aber wenig gefunden wird, ausser in grossen Waͤldern; Man brauchet ihn zu Hasen- Enten- und Reb-Huͤhner-Beitzen, und wird darauff abgetragen; Ziehet des Herbsts hinweg und ist wegen seines klu- gen dauerhafften Fangens viel edler zu schaͤtzen als der Habicht, welcher gar nicht unter die Falcken zu rechnen. Ferner der Sperber, wovon ich im andern Theil von Voͤgeln geschrieben habe, ist nur zu Reb-Huͤhnern und Wachteln, auch Ler- chenstreichen abzutragen. Des F alckens F arbe und B estalt. Ein schoͤner wohlgebildeter Falcke, er sey auch gleich, wes Landes-Art er wolle, soll vornehmlich haben helle und klahre schoͤne Augen, reinliche und grosse eroͤffnete Nasenloͤcher und Ohren, einen kurtzen und starcken Schnabel, ein kleines flaches Haupt, einen starcken Ruͤckrath vom Gelenck, gefunde Fluͤgel und lange Spietzen, die sich gegen den Wind wohl schliessen; Jn dem Schwantz soll er seine zwoͤlff Federn haben, und von breiter Brust und Schultern, auch langem Halß gewachsen seyn, welcher innewendig rein seyn muß; Ferner soll er haben lange Ober-Schenckel, woran die untern Fuͤsse oder Haͤnde starck, rein, und auch gruͤnlicht, mit schwartzen Klau- en bewaffnet seyn muͤssen: Dabey ist wahrzunehmen, ob ein solcher Vogel auch gefraͤßig, oder ob etwan aus Be- trug der Cachier oder Falcken-Traͤger, dessen Magen mit Schwamm geschwel- let worden sey, davon sie dann leicht ster- ben. Nun ist gewiß und ohnstreitig wahr, daß alles dasjenige, so durch des grossen Gottes allweise Ordnung sich durch innern Antrieb der Natur in der Wildniß und freyer Lufft, nach der Son- ne und Nahrung, zu seiner Zeit des Fruͤh-Jahres zusammen paaret, nistet, Eyer leget, solche ausbruͤthet, und die Jungen in seinem Neste erziehet, in der Wilde, in freyer Lufft und frischem Thau, mit weit schoͤnern Federn gezie- ret sey und werde, als von den Men- schen nimmermehr geschehen kan. Wann sie aus dem Nest gehoben werden, sind sie von Federn rauch und straubicht, und immer kraͤncklich zu befinden, weil der Mensch wegen des gewoͤhnlichen Schrey- ens der Jungen in deren Aufferziehung ungedultig wird, u. nicht weiß, was ihnen zu solcher Zeit noͤthig seyn muͤsse, welches aber denen alten Voͤgeln dieser Jungen wohl bewust gewesen, wie es dann, wie leicht zu erachten, bey allen wilden Thie- ren und Voͤgeln befindlich seyn mag, weswegen man auch lieber die schon er- wachsene, oder pfluͤcke Voͤgel zum Ab- tragen an sich erhandelt, ob sie einem schon mehr Muͤhe geben. Die Farbe be- treffend, haͤlt man dafuͤr, daß die blon- den oder falben, von Aschegrauer Cou- leur, welche im tragen etwas schwer zu fuͤhlen, die besten seyn sollen; Wiewohl die Couleur nach eines jeden Phantasie zu richten; immaassen ja auch ohne diß die Hagard oder uͤberjaͤhrige Falcken, so zum erstenmahl vermauset, und junge Fe- dern bekommen, auf der Brust sperbich- te, am Ruͤcken und Kopff aber blaulich- te Federn und hieruͤber einen gelben Mund und Schnabel haben, welche, weil sie in der Wilde schon klug worden, einen weit groͤsseren Fleiß, und mehrere Ge- dult und Muͤhe abzutragen erfordern, als man sonst an einem andern jungen Vogel haben wuͤrde. Wie ein F alck abzurichten. Jch habe im vorhergehenden Capi- tel kuͤrtzlich erinnert, daß ein junger Falcke oder Niais, von denen alten Voͤ- geln in freyer Lufft, Thau und Sonne mit weit schoͤneren Federn, und einen vollkommenern Gewaͤchs besser erzogen werde; Weil aber die Menschen von un- gleichen Humeur, und geringerer Patien- ce, welche solches nicht erwarten koͤnnen, so nehmen sie solche junge Falcken oder Niais offters gantz zeitlich, und wollicht aus den Nestern. Muß demnach hier- bey das noͤthigste erinnern, wie man nehmlich solchen am fuͤglichsten erziehen und abrichten koͤnne. Vornemlich muß einem Niais oder jungen Falcken wenig- stens der Schwantz oder die Decke zur Helffte erwachsen seyn, er auch seine, ob wohl Von der Jagd/ oder dem Weyde-Werck. wohl kurtze, doch vollkommliche Federn haben, ehe und bevor er aus dem Ne- ste genommen wird: Ferner, daferne es nicht ein verdrießlicher Schreyer, so setzt man ihn in eine Kammer, doch muß es daselbst weder zu kalt, noch zu feuchte, und solche, wo es nur moͤglich, so beschaf- fen seyn, daß er die Lufft und Sonne empfinden moͤge, auch nachdem man ihn zu sitzen gewoͤhnen will, bindet man ihn entweder auf den Klotz, oder auff die Stange, weswegen man ihm zeitlich die Fesseln und Schellen oder den Wurff- Riehmen angewoͤhnen muß; Seinen Fraß muß man ihm offt und wenig, von frischem zarten Fleisch, von jungen Tau- ben oder jungen Voͤgeln geben und ja nicht uͤberfuͤllen. Wann er nun einen gantzen Tag gehungert hat, muß man ihm gantz gemach die Haube auffsetzen, und drey Tage, und drey Naͤchte, keine Ruhe lassen; Zuweilen wann ihm Ohn- macht zustiesse, mit ein wenig frischem Wasser im Schnabel refraichi ren, und da er ja gar zu ohnmaͤchtig, ihn den- noch verdeckt speissen; Dann und wann, ab- und wieder zu bedecken versuchen, ob er es gewohnen wolle, und sich hier- durch bezwingen lasse, des Morgens fruͤhe aber mit weichem gewaͤssertem Fleisch fuͤttern. Es ist aber das Wachen dieses Vogels, als das allervornehmste in der Falconerie hoͤchst ruͤhmlich erfundẽ worden, weiln durch dieses Wachen, oder solche Benehmung des Schlaffes dem wil- den Vogel seine voͤllige Memorie, und Imagination, Nachsinnen und Gedaͤcht- niß, auf einmahl genommen, und ge- schwaͤchet wird, damit er nicht Zeit oder Gelegenheit haben koͤnne, sich seiner Na- tur zu besinnen, u. sich zu errinnern, was er zuvorhero in seiner Freyheit zu thun gewohnet gewesen, oder von Natur ih- me sonsten angebohren waͤre, durch wel- che Gewohnheit, und Lædir ung seines Gedaͤchtnisses sich seine Natur transmu- ti ret, daß sie nichts anders weiß, als wie er vom Menschen aufferzogen, sich des- sen Willen unterwerffen muͤsse. Sol- te er aber Zeit bekommen, oder sich be- dencken, worzu ihn die Natur animi- ret, wuͤrde nimmer etwas gutes daraus werden. Summa es wird der Vogel durch wachen, liebkosen, und Artzney also bezwungen; welches einige in einem haͤngenden runden Reiff, in einem fin- stern Gemach schwebend vornehmen also, daß wann der Falcke von sich selbst schlaͤ- frig nicket, oder sich beweget, er durch Bewegung solches Buͤchels selbst auff- wecket, wodurch er aber, da Niemand bey ihm, vor Ohnmacht abfallen, han- gen bleiben, und den Fuß ausrencken kan; Halte also von voriger Art am meisten, wobey die Falconier er eine Nacht umb die andere sich abloͤsen muͤs- sen, sonst es nicht auszustehen waͤre. Nach diesem muß er anfaͤnglich bedeckt, dann, wann er gewohnet, unbedecket auf der Faust bey unterschiedenen Handwer- ckern, als Boͤttgern, Schmieden, und dergleichen, so vieles klappern verursa- chen, oder in Mangel derer auf dem Lande, und Doͤrffern, in Muͤhlen oder Scheunen bey denen Leuten zu gewoh- nen, taͤglich ein Paar Stunden aus- und eingetragen werden, wormit vier- zehen Tage zu continui ren, und oͤffters, dann und wann, mit einer rauhen Fe- der, zu bestreichen und zu caressi ren ist, damit er seine Stimme gewoͤhne; Maas- sen ein Falconie rer sich auf dreyerley Weise bey seinem Vogel beliebt und auch wohl verhast machen kan, wann er ihm erstlich entweder gutes, oder garstig schmeckendes Fleisch, oder Artzney giebet. Zum andern durch eine freundliche oder unfreundliche Stimme, und drittens durch guten oder boͤsen Geruch seiner Kleider oder Handschuh, worauff er ge- tragen wird, wann solche etwan nach Knobeloch, Zwibeln oder dergleichen rie- chen, welches ihme zuwider. So muß auch ein solcher junger Vogel, weil er vol- ler zarter Glieder, und weicher Beine, dahero leicht erdrucket werden koͤnte, mit einer besondern Behutsamkeit an ei- nem dunckeln Orte gehalten werden. Wann das Abwachen gluͤcklich zu En- de, und ausgestanden, muß man den Vogel aͤnfaͤnglich mit Manna, welches ihme das Gebluͤth erfrischet, das Ge- schwuͤhr, und verstopffte erweichet und oͤffnet, und solche schaͤdliche Feuchtigkeit per Excrementa abtreibet, purgi ren, nachgehends ihme die Cur geben, welche man von Baumwolle, in weissem Wein gesotten, mit sechs Naͤglein anfaͤnglich klein machen, mit Fleisch umbwickeln kan, umb den Vogel daran zu gewoͤh- nen, welches im Winter und kaltem Wetter wohl zu gebrauchen, dann gebe man ihm ferner vor seinen Magen zu staͤrcken, und zu reinigen drey oder vier Nelcken, Manna, Fuchs-Lunge und ein klein rothes Corallen-Steinichen, mit et- S s lichen Fuͤnffter Theil/ lichen kleinen Kiesseln aus einem fliessen- den Bach; Dieses dienet vor die Schwind- sucht, vor den Schwindel und kuͤhlet das unruhige Gebluͤth. So der Magen le- dig, wird es woͤchentlich zweymahl mit gutem Nutzen gebrauchet, und præcavi- ret den Vogel vor vielen andern Kranckheiten. Wann nun der Vogel gewoͤhnet nach des Falconier ers Stimme in einem Saal von einem Winckel zum andern nach dem Fraß zu fliegen, wird er an einem subtil en Faden gegen den Wind in einem Garten nach dem Fal- conierer zu fliegen probir et, und wann der Vogel im herzukommen richtig pa- rir et, kan man ihn endlich ledig fliegen las- sen, und wann er hungerich, ihm zuschrey- en: Jo, Jo, und ihm die an der Seite habende Fluͤgel, oder so genannte Luder vorzeigen, da er aber nicht kommen wolte, eine Taube oder junges Reb-Huhn vor- werffen, umb ihn damit manier lich wie- derumb an sich zu ziehen, worbey die Stoͤber- oder Huͤhner-Hunde, umb sich einander kennen zu lernen, noͤthig seyn muͤssen, biß man solchen Vogel derge- stalt gezaͤhmet, ihn auff fuͤnffhundert Schritt auff solche Weise an sich zu lo- cken/ da man dann, wenn der Huͤhner- Hund im Revier en die Huͤhner antrifft und vor sie stehet, den Vogel abdecken, ihn so nahe, als moͤglich, heran bringen, alsdann die Huͤhner auffwecken, und ab- werffen lassen kan: So er nun ein Huhn zum erstenmahl gefangen, so bedecke ihn gemach, nimms ihm saͤuberlich, und gieb ihm das Hirn, Hertz, Eingeweyde und einen Schenckel, als des Vogels Gerech- tigkeit, dann er sonsten, so er allzu satt geworden, uͤbermuͤthig werden, seinen Herrn verachten, und desertir en moͤg- te. Mit einem Passagier- Falcken giebet es noch eine weit verdrießlichere und muͤh- samere Arbeit, ihn zahm zu gewoͤhnen und abzutragen; Maassen dieser Vogel durch vieles Herumbwandern schon klug worden, welcher wohl fuͤnff Tage und fuͤnff Naͤchte durch Wachen bezwungen werden muß, biß er gantz uͤbertaͤubet, und alle seine vorige gehabte Freyheit gaͤntzlich vergessen hat, und muß dersel- bige alsdann wohl drey biß vier Wochen fleißig umbher getragen werden, ehe man ihm recht wohl trauen darff: Vornehm- lich muß er hauptsaͤchlich anfaͤnglich zu der Hauben gewoͤhnet werden und gros- se Schellen anhaben. Zu dem hohen Weydewerck werden sie anfaͤnglich auff junge Reyher oder Stoͤrche, zah- me Truth-Huͤhner, oder junge graue Gaͤnse, so den Trappen und Reyhern aͤhn- lich sind, zwey biß drey auf einmahl wuͤr- gen zu lassen, animir et, welche dann bey- sammen gefuttert werden muͤssen. Auff den Hasen abzutragen, wird ein ausge- stopffter Hasen-Balg, darinnen des Ha- sens Eingeweyde verborgen, an einer Schnur durch einen Mann zu Pfer- de eyligst fortgezogen, wann man vor- hero ihn in der Kammer ein grau Car- nicul zu fangen gewoͤhnet, da man dann hierauff ohne grosse Muͤh einen Hasen in freyem Felde beitzen kan: Mit dem Rebhuhn, Ente, und Wachteln hat es gleiche Bewandniß, worzu man ihn hier- von gewoͤhnen will, dem muͤssen die staͤrck- sten Schwingfedern ausgeruppet wer- den, daß es nicht fliegen koͤnne: Wann nun der Falcke hungerich, wird er von sich selbst gantz begierich drauf fallen, welchen man aber, wie vorgemeldet, mit weni- gem contentir en, bedecken und befriedi- gen kan. Von einem Falconierer und dessen Geraͤthschafft. Es muß ein Falconierer ein verstaͤn- diger, gedultiger, und hurtiger Mann seyn, welcher des Falckens innerste Na- tur und Eigenschafft, Complexion, und Humeur, aus dem Grund verstehen soll: Er soll ferner eine angebohrne Liebe, und Freundligkeit zu denen Falcken ha- ben, dieselben mit gutem Bedacht und Behutsamkeit zu dirigir en verstehen, sie mit einer hurtigen Faust zur gelegenen Zeit werffen, den Vogel nicht uͤbel an- fahren, zucken oder schlagen, sondern desselben Mißhandelung mit guter Sanfftmuth, Glimpf und Bescheidenheit fein sittsam verbessern, und mit gutem Glimpff wieder zu rechte bringen; Ei- nen jeden Vogel unterscheiden, welchen er spaͤthe oder zeitlich abfliegen lassen soll, sowohl auff deroselben ordentliche Fuͤt- terung, als auff ihre benoͤthigte Purga- tion, und Reinigung des Gebluͤths, mit gutem Rath und Bedacht zu rechter Zeit mit Fleiß sorgen, auch benoͤthigten Falls des Abends und Morgens, sowohl mit Von der Jagd/ oder dem Weyde-Werck. mit frischer Lufft und Sonne, als mit ihrem benoͤthigten Bad ergetzen, und damit die Falcken oder Voͤgel gesund bleiben moͤgen, muß ihnen der Fraß nicht von grobem altstinckendem, sondern von weichem, zarthem und reinem Fleisch fein klar gehackt gegeben werden. Ein Falconier er soll ferner haben ein graues Kleid, ingleichen, damit er seinen verflo- genen Falcken eyligst wiederumb einhoh- len, und annehmen koͤnne, ein fluͤchti- ges Pferd; Dann man nicht so ge- schwind einen Vogel sogleich wiederumb, ohne grosse Muͤhe, wie den vorigen ab- tragen oder gewoͤhnen kan, welches Pferd, soviel moͤglich, nicht scheu oder schnarchend, sondern grauer Farbe seyn soll, soll auch zur Abwechselung dessen ein Paar dergleichen halten; Und weil mit einem eintzigen Falcken, welcher leicht verflogen, oder verlohren, und ver- ungluͤcket werden kan, nichts ausgerich- tet, muß er deren bereits abgetragenen wenigstens zwey biß dreye haben; Jn- gleichen auch zwey Huͤhner-Hunde, so vorstaͤndig, auch vier Stoͤber, mittel- maͤßiger Art, einen Wasser-Budel zu Enten, und Gaͤnsen, wie auch einen Strick-Wind-Hund zum allerwenig- sten zu einer moderirt en Depence, und gehoͤhret ein Junge vor die Pferde, ein Junge vor die Falcken, dieselben stets auff der Faust zu tragen, und ein Jun- ge, die Hunde zu warthen. Worbey noto risch, daß er ja allerdings nicht des Winters beym Schnee, welcher den Vo- gel blendet, des Fruͤh-Jahrs nicht zu fruͤh im Thau oder Nebel den Vogel bei- tze, des Sommers nicht in grosser Hitze den Vogel allzuhoch nach frischer Lufft zu steigen, und des Herbsts, beym truͤ- ben feuchten Wetter oder Frost den Vo- gel zu beitzen, verdrießlich mache und ver- derbe, auch nicht alle Tage den Vogel uͤ- bermuͤde, und ferner zu fangen verdrieß- lich mache, sondern nur des Herbsts, bey klarem Wetter, dann und wann gebrau- che. Jn dem Koͤnigl. Pohlnischen, und Churfuͤrstlichen Saͤchsischen Falcken- Hoffe zu Dreßden hatten sie zur rech- ten Hand eine feine grosse Kammer, all- wo unten auf dem Fußboden ein vier- eckigter Platz mit reinem Sande geschuͤt- tet war, daß der Falcken Koth sobald ohne fernern Gestanck gereiniget wer- den kunte, darauf stunden neun abge- schnittene eichene Kloͤtzer eines Fusses hoch, schichtweise, drey und drey zusam- men, wie man die Kegel setzet, doch jeder von dem andern weiter und fast 1. und eine halbe Ellen von einander, daß sie sich zusammen mit den Fluͤgeln nicht rei- chen kunten; Auf diese Kloͤtzer war gruͤ- ner Rasen, darauf sassen die Voͤgel des Sommers-Zeits angefesselt, und ge- kappt, deren ich sieben Falcken, welche auf den Ruͤcken Aschegrau, mit gelben Faͤngen, und zwey braune, in Groͤsse der Habichte gesehen, an den Ecken dieser Kammer waren Mannes hoch uͤberzo- gene Stangen, worauf sie zur Winters- Zeit zu sitzen pflegten. Die Fenster die- ser Kammer waren groß, hell und wohl gebauet, und gegen die Mittags-Seite zugewendet, oben waren die Wild-Faͤn- ge, oder neue Voͤgel in finstern Kam- mern verwahret, unten in dem kleinen Stuͤbgen gegen uͤber hackte dazumahl der Falcken-Junge zu ihrem Fraß das rohe Fleisch gantz klahr. Und soviel ich abmerckete, muste solches vielleicht, we- gen ihrer Cur en, umb die Medicin hier- innen einzugeben, noͤthig seyn: Wie man denn insgemein viele unterschiedene Re- media bey vorfallenden Kranckheiten der Voͤgel adhibi ren muß. Als zum Schnupf- fen das Hirn zu reinigen, Petonien, Manna, Wermuth, Salbey und derglei- chen, vor boͤse Augen, ein wenig Baum- wolle in Eyweiß und Rosenwasser ge- weichet, uͤber den Schnabel zwischen die Augen geleget und bedecket. Die Na- senloͤcher woͤchentlich mit etlichen Tropf- fen weissen Wein gereiniget; Vor den Pips, wann er gestochen, mit Rosen- Oehl geschmieret; Vor die verrenckte Fluͤgel oder Glieder, mit starckem Aqva- vit oder warmen Wein umbschlagen; Vor boͤse Haͤnde die Stang mit Saltz und Wegricht-Kraut in Essig genetzet, als ein Kuͤssen umbwickelt, und darauf sitzen lassen; Vor die Laͤuse, mit Spic- oder Terpentin-Oehl bestriechen, und der- gleichen probir te Cur en mehr, wovon der beruͤhmte Autor Mons. Charles d’ Ar- cuse de Capre Sieur d’ Esparron de Pail- liers \& du Revest ein mehreres viel und weitlaͤufftiger geschrieben, so Anno 1617. zu Franckfurth am Maͤyn verteutschet, dar- innen er auch die ausfuͤhrliche Anato- mie nebst denen Sceletis eines Falckens vortrefflich exprimi ret, wie auch einen Tractat von dem Habicht und dessen Ge- brauch zu Ende mit anfuͤget, als wo- hin ich den geneigten Leser hierbey gewie- sen haben will, und diesen Autorem nach S s 2 zuschla- Fuͤnffter Theil/ zuschlagen dienstlich ersuche. Ferner muß auch ein Falconie rer nicht allein nebst unterschiedenen medicini schen und heyl- samen Specereyen, Salben, Oehl und Kraͤutern, Aloe und Manna, und der- gleichen, wie offt beruͤhret, in frischem Vorrath, sondern auch zarte Instrumen- ten haben, solche im Nothfall, als ein Chirurgus, zu gebrauchen, damit er gleich helffen koͤnne. Von dessen Gerathschafft nun zu melden, muß er erstens vor sei- ne Person haben eine von feiner Leine- wand gemachte und gruͤn ausgesteppte Weyde-Tasche, als worin er allezeit ei- niges Fleisch zum Fraß oder ein paar le- bendige Huͤhner oder Wachteln, dem Vo- gel zu geben, haben muß, ferner muß er auch ein besondes Instrument, das Feder- spiehl oder der Vorlaß genannt, an der Seite haben, welches von zweyen Fluͤ- geln mit Leder zusammen befestiget, da- ran ein langer schmahler Riemen, und an dessen Ende ein Haͤckgen ist, mit wel- chem man den Falcken an sich zu locken gewoͤhnet, daß er meynen solte, man zeigte ihm den gefangenen Vogel. Drit- tens muß er auch ein Paar grosse und weite, von gutem starcken Hirsch-Leder wohl gemachte Handschuh anhaben, da- mit der Falck desto fester und gewisser auff der Faust sitzen, und mit den Klau- en nicht durchgreiffen moͤge. Auch muß der Falconie rer den Falcken dergestalt tragen, daß er ihn nicht zu nahe an sei- ne Augen oder Gesicht halte, weder zu niedrig, noch zu hoch trage, und den Vogel allezeit wider den Wind auf der lincken Faust sitzen habe, daß er mit den Schwinge-Federn nicht an sein Kleid anstosse, und da er unfreundlich wuͤrde, ihn fein sittsam liebkosen, caressi ren, und mit einer Feder den Kropff bestreichen, und ihn allezeit fein frey tragen; Vor den Falcken oder Vogel aber, und zwar vor einen jeden absonderlich nach des Vogels Kopffs Groͤsse muß er haben eine von wohl ausgearbeitetem Leder fein zierlich gemachte Haube, welche umb die Augen des Vogels fein geraͤumig seyn soll, rund, hoch erhaben, hinten gegen den Halß zer- theilet, daß sie von zwey gelinden Zug- Riemgen, der Nothdurfft nach, zu oder auffgezogen, oder auff und abgedecket werden koͤnne, worauf sich oben auf der Platte ein von schoͤnen bunten Farben zierlich gemachtes Feder-Buͤschlein, mit duͤnnem Drath befestiget, gehoͤhret; Wie dann der Falconi rer ein solches Haͤub- lein jederzeit gebuͤhrend auf der Krem- pe des Huths im Vorrath bey sich tra- gen soll, welches sein Signum distinctio- nis von andern ist. Ferner muß der Falck auch haben das benoͤthigte Geschuͤhe an seinen Fuͤssen, so ihme gleich anfaͤnglich attachi ret werden muß, welchen von zweyen schmeidigen Riehmen angema- chet und ausgefrantzet, woran zwey hell klingende Schellen seyn muͤssen, damit man ihn weit hoͤhren und finden koͤn- ne, welches Geschuͤhe eines Fingers lang, an deren Ende zusammen gefuͤget, und hernach von einem weissen Spannen- langen schmahlen Wuꝛff-Riehmen duꝛch- zogen wird, welcher zu beyden Seiten zu verknuͤpffen, und auf der Faust oder Stange umbschlagen wird. Wann a- ber der Falck steigen soll, wird er abge- haubet, und dieser lange Wurff-Riehm, von dem Geschuͤhe abgezogen, ihn ledig zu lassen. Von der R eyher- B eitz. Dieses ist nun eigendlich der Zweck, und der gantze Scopus, auch das vornehm- ste oder so genannte hohe Weyde-Werck, umb welcher Ursachen willen die be- ruͤhmte Falconnerie mit so vielfaͤltiger Muͤhe, und ebenfalls mit nicht geringe- rer Gefahr, wie das Piquir en der beschrie- benen par Force- Jagd vorgenommen wird. Da denn die grossen Herren und Potentaten samt dero gantzen Comitat und Svite an einem anmuthigen schoͤnen und stillen Tag mit der groͤsten Solenni- taͤt auff die Reyher-Beitz hinaus ziehen. Wann nun die Stoͤber-Hunde einen Reyher auffgetrieben, der Falconier zum rechten Vortheil den Vogel abgeworffen, und der Reyher den Falcken gewahr wird, so speyet er den gestohlenen Raub von kleinen Fischgen, waͤhrenden Flugs herab, umb sich zur Flucht leichte zu ma- chen, oder da er noch nuͤchtern, faͤnget er an, mit besonderem Fleiß uͤber sich zu steigen, daß er fast kaum zu sehen. Der Faͤlcke hingegen simulir et gleichsam, biß er durch sonderbahre Umbschweiffe und viel unglaublichere Geschwindigkeit dem Reyher die Hoͤhe abgewonnen, und uͤber ihn gestiegẽ, welchem ein Jeder wunderns- wuͤrdig Von der Jagd/ oder dem Weyde-Werck. wuͤrdig nachsiehet, und mancher Maul und Nasen zuzumachen daruͤber vergis- set, wobey wohl sehr zu zweiffeln, ob die- se Zuschauer zum Theil wohl den Him- mel all ihr Leb-Tag aus inbruͤnstigem Verlangen, einsmahls hinein zu kom̃en, so unverwendet betrachtet haben, welches alles zu solcher Zeit aus Vorwitz, den Ausgang dieses Kampff- oder Wett- Flugs zu sehen, geschiehet. Worbey das Piqui ren, oder mit Pferden nachrennen, viel gefaͤhrlicher, als bey der Par Force- Jagd; Weiln ich bey waͤhrendem Forci- r en und Nachrennen des auffgespreng- ten Hirsches Gefaͤhrde auff der Erden, wo ich reithe, noch eher betrachten kan, wo einige Gefahr des Stuͤrtzens zu besorgen, bey dem Piquir en der Reyher-Beitz aber, da ich die Augen und Ohren, ja fast alle Sinnen eintzig und allein nach dem vor- habenden Reyher und Falcken richte, nicht aber, ob ich sicheren Weg zu reithen unter mir habe, kan nicht fehlen, daß nicht beyde Roß und Mann stuͤrtzen und Ungluͤck nehmen solten, worbey nach greulichen Schmertzen die Balbierer und Roß-Aertzte den besten Profit ziehen und dergleichen, ihres Nutzens wegen, mehr- mahl wuͤnschen moͤgten; Welches mir die Falconie rer eher attesti ren, als ver- muthlich uͤbel nehmen werden, daß ich dieses der Wahrheit gemaͤß vorstelle. Wann nun der Reyher uͤberhoͤhet, so faͤnget der Falck von oben herab auff den Reyher mit seinen starcken Waf- fen, in unglaublicher Geschwindigkeit, einen hefftigen Anfall zu thun, giebt ihm einen Grieff und Fang, dann schwinget er sich wiederumb, ober, umb, und ne- ben ihm herumb, biß er seinen Vortheil ersiehet, ihn gar anzupacken, weil er sich vor des Reyhers spietzigem Schnabel wohl vorzusehen hat, indem hierdurch, wann der Reyher den Halß auf den Ruͤ- cken leget, und den Schnabel uͤber sich haͤlt, mancher junger unerfahrner Falcke gar leichte und oͤffters gespisset wird, weswegen auch zuweilen zwey Falcken, als ein alter und ein junger, auff einen Reyher gebeitzet werden, damit mit desto wenigerer Gefahr solches geschehen moͤ- ge. Zuweilen wendet sich der Reyher mit seinem gantzen Leibe, und schwebet oder wieget, als mit einem Segel, mit ausgespanneten Fluͤgeln in freyer Lufft, seinen Feind desto verwahrter zu em- pfangen, so ihm aber gleichwohl mei- stentheils mißraͤth, daß er daruͤber zu Boden geworffen wird, und mit dem Falcken zugleich herunter faͤllt. Da ge- het es dann aufs neue an ein hefftiges Piquir en, wer reith, der reith, wer liegt, der liegt, ein jeder will der erste seyn, sei- nem Principal den gefaͤllten Reyher ohne Schaden lebendig zu uͤberbringen, damit er sodann die meiste Ehre, Gnade, und guten Recompence erlanget, weiln ein uhraltes Herkommen, daß ein solcher Monarch und Potentat dem lebendigen Reyher einen guͤldenen oder silbernen Ring mit dessen Namen und Jahrzahl anleget und wiederumb frey fliegen laͤs- set. Da ohne dem solche Reiher-Beitz, nur zur Lust grosser Herren geschiehet, und mit einem solchen magern Reyher nichts zu thun waͤre; Jmmittelst hat man doch aus der Erfahrung, daß auff diese Art in der gantzen Welt die Reyher zu beitzen braͤuchlich, dieselben sich auch wieder nachgehends ausheilen, maassen in Teutschland an einem gewissen Fuͤrstl. Hoffe ein Reyher auff der Beitz gefaͤllet worden, welcher am rechten Bein uͤber dem Knie einen goldenen Ring gehabt, dessen Schrifft gewesen: Ludwig der XIV. 1680. andere Exempel mehr itzo zu ge- schweigen. Und also wird der geneigte Leser den gantzen Processum der Falcken- Beitz hieraus vernommen haben. Eben dergleichen Lufft-Krieg wird auch mit den Trappen, ja wohl gar mit dem Weyhe, und wilden Gaͤnsen, voꝛgenom̃en, wiewohln es nicht so lustig anzusehen ist, und geschwinder zu Ende gehet. Das Hasen-Enten- und Rebhuͤhner-Beitzen, so meistens von dem Adel mit mehrerer Muͤhe, als Lust vorgenommen wird, ist sonder zweiffel Jederman bekant, und wird zu beschreiben unnoͤthig seyn. Zum Beschluß melde, weilen notori sch, daß die rechten Falcken hier zu Lande nicht he- cken, gleichwohl aber ihren Strich des Herbsts haben, da sie bekanter maassen mit einer weissen Taube gar fuͤglich weg- zufangen, denn muß man gleich einem solchen Passagier die Haube auffsetzen, die Fesseln anbinden, und alsdañ, wie gemel- det, heraus nehmen, und durch Abwachen ermuͤden, welches in ersteꝛ Furie am besten zu practici ren und am rathsamsten ist. S s 3 Von Fuͤnffter Theil/ Von der Phasanerie. Die Phasanerie oder Wissenschafft diese frembde Voͤgel, so wohl in seiner wilden Freyheit zu conservi ren, zu he- gen, zu vermehren, und zu fangen, als auch dieselbigen zur Vergnuͤgung Hoher Herrschafftlichen Lustbarkeiten in grosser Menge zahm zu erziehen, ist nechst der Falconnerie eine nicht geringe Kunst, daß man nemlich diese von uns allhier in einem hietzigen Climate oder warm ge- wohnt erzogene Voͤgel nicht allein in unserm kalten nordischen Climate wider ihre habende innerliche Eigenschafft, eben als in ihrem Vaterlande, bestaͤndig zu verbleiben und sich zu mehren naturalisi- ret, sondern auch, daß man diese frembde wilde Voͤgel, vermittelst des Menschen Erfindung, auf eine teutsche Meile, und noch weiter, herzu locken koͤnne, ja nicht allein unsere erzogene, und in der Naͤhe verflogene, sondern so gar auch frembde unbekante Phasianen, an sich zu locken wisse, welches, wie einige darvor halten wollen, in vorigten Zeiten, bey der al- ten Welt, gantz unbekant gewesen seyn soll, so ich aber, weiln es zweiffel- hafftig, in seinem Werth beruhen lasse, und einem jeden zu glauben, oder daran zu zweifflen, frey stelle; Wie in dieser Wissenschafft dann auch keine andere Nation in der Welt am meisten, sowohl verstaͤndig, als auch gluͤcklich florir et, als die Boͤhmen, welches ihnen mit allem Recht und Grund der Wahrheit ruͤhm- lich nachzusagen gebuͤhret. Dieweiln dann nun diese delicate Phasan- Voͤgel allhier in unserm Teutschland wegen des kalten nordischen Climatis vornemlich sehr rar und beschwerlich auffzubringen sind; Darbey auch, weiln sie meistens zahmer Erziehung gewohnet, von un- glaublichen vielen Raub-Thieren und Raub-Voͤgeln, sowohl in der Paltz die Alten, in der Lege-Zeit die Eyer, und in der Bruͤth-Zeit die Jungen, ja durchs gantze Jahr haͤuffig und schaͤndlich ver- tilget werden, hat man zu Verhuͤtung dessen oder gaͤntzlicher Vertilgung dieses kostbahren frembden Vogels in wohlbe- stallten Herrschafftlichen Gehaͤgen, einige Phasian en-Gaͤrthen inventi ret, dieselben an solche Gelegenheiten angeleget, wo man dergleichen Oerter antreffen koͤnne, welche mit Auen, Weitzen und Frucht- Feldern von der Natur gezieret und be- guͤtert sind, woselbst auch vornehmlich Winters-Zeit mit warmen Behaͤltnis- sen von Dannen- oder Fichten-Dickigten der Ort verwahret sein muß. Auch wird mit einem guten Zaun, nach Groͤsse und Weite des Eigenthumbs-Herrns belie- bigem Gefallen, solcher weit oder enge umbfangen, dahin die wilden Phasian en im Sommer und Winter ihre Zuflucht nehmen, auch so wohl vor den wilden Thieren, als vor dem zahmen Vieh ihre Paltz, Lege- und Bruͤth-Zeit viel siche- rer verrichten, und sich also besser vermeh- ren koͤnnen: Des Winters aber wird eine gebuͤhrliche Futter-Staͤtte gesetzet, wo- selbst sie an einem reinen Ort gegen der Sonnen gefuͤttert werden. Dann in Mangel dessen, diesen frembden Voͤgeln gar nicht zu verdencken, wann sie von ei- ner solchen hungerichen Revier oder viel- mehr von einem geitzigen Herrn gar weg- ziehen, und ihre Nahrung oder Lebens- Unterhalt anderwaͤrts suchen. Dieser wilde Phasian- Garthen aber muß nun dergestalt und also beschaffen seyn, daß sie darinnen gerne wohnen, sich unter die Straͤucher, Farren-Kraut oder alt Graß oder Geniste verbergen moͤgen. Er muß auch Brunnen-Qvellen, fliessende Baͤ- che und Beer-tragendes Gestraͤuch ha- ben, wie auch niedrige Baͤumlein, dar- auf sie des Nachts geruhig sitzen koͤnnen. Er muß so liegen, daß er nicht von Wasser-Giessen uͤberschwemmet werde, und Schaden geschehen moͤge: Man soll auch Ameiß-Haufen mit ihren Eyern hinein bringen, damit sie sich vermeh- ren, und denen jungen Phasianen eine nuͤtzliche Speise seyn. Anfaͤnglich muß man in solche Gaͤrthen zehen Huͤhner und zwey Haͤhne setzen, die abgeschnitte- ne Federn ausziehen, so bleiben sie geru- hig in der Bruth, ziehen die jungen Phasianen auf, welche in die nechst gele- gene Felder, in der Gegend herumb nach ihrer Nahrung ausfliegen, des Nachts aber wieder in den Garthen zu ihrer Geburths-Stadt kommen. Bald nach der Ernde im ersten Jahr muß man ih- nen alle Morgen in ihrer Futterstaͤdte Weitzen, Hanff-Koͤrner, und weissen Mohn-Saamen vorschuͤtten, so gewoh- nen sie gerne denselben Ort, und kom- men oͤffters dahin. Wann sie nun et- liche mahl also gefuͤttert werden, wird solches Von der Jagd/ oder dem Weyde-Werck. solches der Natur eingepflantzet. Jn solchen Phasianen- Garthen muͤssen auf etliche hundert Schritt weit und breit, keine grosse und hohle Baͤume seyn, son- dern allweg gehauen, daß kein Raub- Vogel auffsitzen koͤnne, und muß nur in kleinen Straͤuchern bestehen, daß die Phasianen sich verbergen koͤnnen: So muͤssen auch auf erhabenen Huͤgeln, ausserhalb des Garthens, wo die Raub- Voͤgel ihren Strich haben, Habichts-Fal- len seyn; ingleichen auf den Ecken in Winckeln Jltniß- und Katzen-Fallen, umb die Raub-Thiere zu vertilgen. Un- ter der Futterstaͤtte, welche mit einem niedrigen Dach versehen seyn muß, wird es von vier schmahlen leichten Brettern, drey Ellen lang, und so viel breit, zusam- men geschraͤncket, und mit starcker Lei- newand bezogen; Auf der einen Ecke ein Thuͤrlein mit dem Schieber, gegen uͤber Ecke auch dergleichen gemachet, und mit Holtz dergestalt aufgestellet, daß es zu drey Seiten offen und feste stehe, dar- unter ihnen das gewoͤhnliche Futter an Weitzen, Gerste oder Hanff geschuͤttet wird, damit sie dessen ohne Scheu gewoh- nen. Wann nun die Phasianen sich in ein Paar Jahren vermehret, und man solche einfangen will, stellet man die Fallen leise auf, und streuet, wie gewoͤhnlich, ihr Futter; Wann nun die Phasianen her- bey kommen, ruͤcket man zu, so sind sie gefangen, machet ein Thuͤrlein auff, und stellet einen mit viereckigten eysern Reifen, und enge gestrickten Haamen vor das Loch, so bald sie das Licht und die Lufft ersehen, lauffen sie einer nach dem andern in den Haamen, daraus nimmt der Phasian- Waͤrther die alten boͤsen Haͤhne, welche die Jungen vertreiben, auch die gar alten Hennen, was zur Bꝛuth nicht mehr dienlich, ingleichen die uͤbri- gen Haͤhne; Die Huͤhner, wie gemeldet, auff zehen Huͤhner zwey Hahnen gerech- net, laͤsset man wieder aus: Also kan man seinen jaͤhrlichen Nutzen von den Phasianen haben, und sie mehren sich auch haͤuffiger. Wann nun sich die Phasianen in benachbarte Felder bereits gewoͤhnet haben, so machet man auff seinem Grund an beliebigem Ort einen Rauch, daß der Wind solchen in des Nachbahrs Revier wehet, und nimmt drey Gebuͤsch Hanff mit den Koͤrnern, zwey Bund Haber- Stroh, zwey Metzen Hanff-Spreu, ze- hen Groschen Campfer, zwey Pfund Anieß, Weyrauch, eine Hand voll Wie- derthon, Tausendguͤlden-Kraut, so viel faul Linden-Holtz, eine Metze geduͤrrtes Maltz, vier Roß-Kugeln, alles ordent- lich; Haber-Stroh und Hanff darunter angezuͤndet: Die uͤbrigen Sachen darauff geworffen, dieses rauchet also zwey Ta- ge und Nacht; Dieser Rauch gehet dem Winde nach auff anderthalb Meil, und ziehet alle Phasianen dahin, woselbst ihnen oͤffters das erstere Futter, als Weitzen, weisser Mohn-Saamen, und Hanff-Koͤr- ner, vorgeschuͤttet wird, so kommen sie nicht weg, und gewohnen allda; Vor- nehmlich aber, wie ich allezeit errinnert habe, muß ihnen in zeiten das Futter fleißig geschuͤttet werden, damit sie bey ihrer Ankunfft nicht umbsonst einen so weiten Weg her vexir et, und da sie etli- che mahl oͤffters nichts gefunden, den ge- woͤhnlichen Rauch, wovon sie den Ma- gen nicht fuͤllen, sondern leer behalten, uͤberdruͤßig werden, und endlich gar aus- bleiben duͤrfften, worauff der Phasian- Waͤrther am allermeisten acht zu haben, weil ihme sonsten, da gar keine Fuͤtte- rung im Gehaͤge gehalten, auch seine all- dar erzogene Phasianen aus Hunger druͤckender Duͤrfftigkeit wegzuziehen ge- noͤthiget werden, und in kurtzem keine Phasianen zu mercken seyn wuͤrden; Hin- gegen dieselben sodann auf eines vortheil- hafftigen Nachbahrs fleißiges Vorschuͤt- ten, auch ohne allen Rauch, gar leichtlich, und haͤuffig sich dahin begeben koͤnten, welches ich offenhertzig aus eigener Er- fahrung mit Grund der Wahrheit entdecken kan, welches der geneigte Leser hierinnen nur genau betrachten wolle. Von den zahmen Phasianen. Wie ich in vorigem Capitel zu An- fange dieser Materie vermeldet, daß der frembde Phasian- Vogel nicht allein we- gen des hiesigen kalten Climatis, sondern hauptsaͤchlich wegen der vielfaͤltigen Raub-Thiere, und Raub-Voͤgel, und de- rer undencklichen Nachstellungen fast un- moͤglich auffzubringen seyn koͤnne, oder wolle; So halten sich dieserwegen grosse Herren, oder vornehme Herrschafften, welche keine grosse Revier zu Phasianen- Gehaͤgen haben, in Garten zur Lust zah- me Fuͤnffter Theil/ me Phasianen, deren man in ein jedes Fach oder besondere Vermachung im Fruͤhling bey feinem Fruͤhlings-Wetter im Martio zehen Huͤhner, und einen Hahn setzet, weil die Paltz-Zeit den zwan- tzigsten Martii angehet, nachdem das Wetter ist, und waͤhret vier Wochen. Nach der Paltz-Zeit muͤssen die Eyer der Phasianen taͤglich gesammlet, und wohl verwahret werden; Hat man nun dreys- sig biß viertzig beysammen, machet man von vier kleinen Brettern mit Heu ge- fuͤllet ein Nest, leget die Eyer unter ein- ne Truth-Henne, welche in drey Wo- chen ausbruͤthet; So die Jungen aus- kommen, werden sie in einer warmen Muͤtze verwahret, biß sie etliche Tage alt und lauffen koͤnnen, dann werden sie in Lauff-Kasten mit Sand bestreuet ge- than, und gegen die Sonne gestellet, wor- bey die alte in verschlossenem Kaͤffigt si- tzet: Das Futter vor die kleinen ist ge- kochter Hirsche, hartgesottene Huͤhner- Eyer, so klein gehackt werden, Mehl- Wuͤrmlein, Mohn, klein geriebene Sem- mel mit Kuh-Milch, Ameiß-Eyer, und gestossener Pfeffer, alles zusammen klein gehackt, damit werden sie gefuͤttert, biß sie fertiger lauffen koͤnnen, worbey ih- nen oͤffters Ameyß-Eyer vorgeschuͤttet werden; Man treibet endlich, wann sie halbwachsend, die Truth-Henne mit den Jungen in die Felder und Wiesen, wor- bey sie gehuͤthet werden, und auff den Feldern Wuͤrmer, Froͤschgen, Sprin- ger, und Kaͤfer fangen, biß sie nach und nach groͤsser und Hanff-Koͤrner mit Wei- tzen fressen koͤnnen. Umb Michaelis- Zeit sind sie zu ihrer vollkommenen Groͤsse ge- wachsen, und gefaͤrbt: Andere nehmen auch unter das Futter der Jungen Le- ber-Kraut, Petersiliẽ, Schaaffgarbe, jun- ge Brenn-Nesseln; Damit sie nicht be- schrien werden, beraͤuchert man die Jun- gen mit ihren gestossenen Eyer-Schalen, Tausendguͤlden-Kraut, weise Heyde, Thorant, und Toste, Heyl aller Welt, Schwalben-Wurtz, Schwalben-Nest, Hopffen-Bluͤth, unser Frauen Haar, Sathe-Baum, weiß Elixen-Holtz, Pal- men-Kraͤutlein, eines so viel als des andern, und damit werden sowohl die Alten, als Jungen beraͤuchert. Jn das Nest leget man gerne Wermuth, Kan- del-Kraut, und Qvendel, Gundermann, Feld-Kuͤmmel und Klee-Blaͤtter; Wann man die Phasianen maͤsten will, purgir et man sie vier oder fuͤnff Tage vorher mit Fœnum Græcum, machet Nuddeln aus Gersten- und Bohnen-Mehl, und stopf- fet sie, so werden sie von drey Pfund schwer waͤgen. Fuͤr ihre Laͤuse machet man gegen der Sonnen am Berge Gruͤb- lein, thut halb Asche und halb Sand da- rin, so baden sie sich damit, und verge- hen die Laͤuse. Vor allen Dingen aber muß durch alle Phasianen- Faͤche frisch Wasser lauffen, und gegen der Mittags- Sonnen bergigt seyn: Jngleichen Kraut- Kohl zur Laxirung der Gesundheit. U- brigens werden ihnen die Federn im al- ten Monden verschnitten, und sie hierzu in besondere Kammern eingetrieben, welche oben mit Leinewand bezogen, die Thuͤr und Fenster aber verblendet ist, daß es finster wird, so kan einer nach dem an- dern verschnitten und gelassen werden: Weil im finstern NB. wenns stille ist, ein jeder Phasian sich greiffen laͤsset; Wann aber Donner-Wetter oder Sturm-Win- de poltern, stuͤrmen und fliegen sie unter- einander. Die Eulen und zahmen Ka- tzen thun des Nachts grossen Schaden darunter; Dergleichen thun auch die Kraͤhen und Aelstern bey Tage, maas- sen sie die Eyer sehr wegschleppen und aussauffen. Was die Jltnisse und Wie- sel gleichfalls vor Schaden verursachen, kan ein Jeder von sich selbst leicht erwe- gen, weshalben dann hoͤchstnoͤthig, wo- ferne anderst ein Phasian- Gehaͤge oder Phasian- Garten mit Nutzen soll angele- get werden, daß man mit allem aͤusersten Fleiß mit Ernst dahin bedacht sey, alle dergleichen schaͤdliche Raub-Thiere und Raub-Voͤgel mit allem Ernst, nach aͤu- serstem Vermoͤgen zu vertilgen, weil es ohnediß muͤhsam genung, und eine be- schwerliche und sauere Arbeit erfordert, die Phasianen auffzubringen. Welches zuweilen, nachdem die Jahres-Witte- rung ist, oder feuchte und nasse Fruͤhlinge in der Leg- und Bruͤth-Zeit einfallen, dem jungen Zuwachs ein feuchtes, fluͤs- siges und verderbliches Temperament schaͤdlich naturalisir et, daß offters, wenig oder gar keine Jungen aufferzogen wer- den koͤnnen, oder doch wann sie halb- wuͤchsig, verkrummen und lahm werden, welches mir in meiner Phasanerie viel- faͤltig begegnet ist, daß mein Phasian- Waͤrther offters, wie er damit gar be- zaubert sey, geklaget und ob er schon sei- ne Kunst rechtschaffen gelernet, daß er mir vorhero wohl etliche hundert voll- kommen erziehen koͤnnen, und jaͤhrlich so Von der Jagd/ oder dem Weyde-Werck. so viel geliefert, kam es letztmahls in ei- ne geringe Anzahl, welche dannoch un- gesund. Jch halte aber, daß dieses der vermeineten Zauberey keinesweges, son- dern vielmehr der uͤblen Jahres-Witte- rung zuzuschreiben, welches gleichsam als eine sterbliche Seuche unter Men- schen und Vieh zu mancher Jahres-Zeit hefftiger, als sonsten, uͤberhand nimmt, zumahl es ohnediß bey unserm hiesigen kalt und feuchten Climate mit diesem frembden Vogel ein gezwungenes Werck ist, welches dieser Corruption gar leicht unterworffen wird. Von dem Enten-Fang. Dieses ist nechst der Phasanerie auch eine inventieuse Wissenschafft, welche die Herren Hollaͤnder inventir et haben sol- len, wie es denn auch nirgends anderst, als in solchen Laͤndern, wo es viel Bruͤ- cher, Seen und Teiche giebet, mit ziem- lichem Nutzen zu practicir en ist. Jch ha- be den Koͤniglichen Pohlnischen, und Churfuͤrstlichen Saͤchßischen wilden En- ten-Fang allhier im Lande bey Torgau, wie auch den Koͤniglichen Preußischen, und Churfuͤrstlichen Brandenburgischen Enten-Fang nicht weit von Zossen bey- derseits angesehen und betrachtet, wel- che gar sehr wohl angeleget worden seyn, und hat man mir vor gewiß versichern wollen, daß man zu Torgau woͤchentlich vor diesem zwey Fuder Enten fangen koͤnnen, welches aber anjetzo in ziemli- chen Abschlag gerathen, maassen ein sol- cher Enten-Fang ohne diß eine grosse Vertilgung der Enten verursachet, da- her es auch denen Vasallen zu imitir en, bey hoher Straffe verbothen ist. Jns- gemein aber soll die Gelegenheit, wo man einen Enten-Fang anzulegen wil- lens ist, auch hierzu sonderliche Permis- sion hat, allerdings so beschaffen seyn, daß daselbst alles schiessen und platzen gaͤntzlich unterlassen werde, weil man sonsten hierdurch die wilden Enten nur scheu machen, und den Fang nach Be- gehren nicht practicir en koͤnte. Wo man nun einen Enten-Fang bauen will, da muͤssen in der Naͤhe grosse Seen, Bruͤcher und Teiche seyn, alles in ebe- nem flachem Felde, ohne einige Holtzung und Wald, und muß man darbey einen Teich aussehen, oder in dessen Erman- gelung ein solcher gemachet werden, so am Ufer mit Errlen- oder Werfften-Ge- straͤuch bewachsen ist, und gute warme Qvellen hat; Jn denen Winckeln jedes Orts muß es zwey Ruthen breit offen und dahin mit Schilff und Kalms ver- wachsen seyn, in selbigen gehet eine lan- ge Schlufft, und mithin oben grosse run- de hohe Buͤgel, durch Werfft geflochten, auf beyden Seiten mit hohen Ufern so enge zusammen, daß keine Ente hier- durch kom̃en kan, sodañ eine Roͤhre eines Mannes hoch, und immer kleiner und enger, daß kaum eine Ente durchkom- men mag: Diese Roͤhre muß gebogen, daß man das Ende nicht sehen kan, und auf beyden Seiten mit Weyden oder Werfft, wie gemeldet, bepflantzet seyn; An dem Ort, da die Roͤhre am kleinsten, werden hart an die Buͤgel zu beyden Seiten zwey Hoͤltzlein gemacht, daran man den gestrickten Haamen mit Fluͤgeln stellet, und feste anbindet, solcher muß mit Laub und Reißig gleichwie beym Huͤhner-Fang gemeldet worden, beste- cket werden, damit sie nichts mercken: Hierzu nun muͤssen Lock-Enten, auff zwantzig oder mehr gebrauchet werden, auff welche woͤchentlich vier Metzen Ha- fer gegeben werden. Den Enten-Huͤnd- lein, deren zwey seyn muͤssen, damit, wann eines abgienge, das andere doch da sey, muß ihr noͤthig Brod gegeben wer- den: Die Lock-Enten betreffend, ist zu mer- cken, daß man junge wilde Enten aus Ey- ern zahm aufferziehen, und denselben, wann sie noch jung sind, gewisse Kenn- Zeichen auf den breiten Schnabel schnei- den kan, nach welchem Schnitt die Haut des Schnabels abgezogen wird, so bleibt das Kennzeichen; Sie koͤnnen auch an Fuͤssen ein wenig gemercket werden. De- nen Lock-Enten nun wird taͤglich Ha- fer und Enten-Grieß aufs Wasser und in die Roͤhre gestreuet, damit sie hinein zu gehen, willig gewoͤhnet werden, und herumb fischen; Wann das die wilden sehen, geben sie sich in Gesellschafft mit den zahmen in die Roͤhre, welchen man durch das abgerichtete Huͤndlein, so herumb schwimmet, helffen kan, weiln die zah- men die Hunde kennen, und die wilden also mit schwimmen. Die Lock-Enten muͤssen des Enten-Faͤngers Stimme, und Pfeiffen, auch die kleinen Hunde T t wohl Fuͤnffter Theil/ wohl gewohnet seyn: Wann man ihnen ihr Futter giebt, muß man pfeiffen, und fein umb sich sehen, ob keine Enten in der Lufft schweben, damit er sich verstecke; Die Lock-Enten fallen schnell zum Teich hin- ein, die wilden aber nehmen etliche mahl einen Umbschweiff herumb, ehe sie sich nieder geben wollen; Denn es ist ein wil- der und schlauer Vogel. Die Lock-En- ten muͤssen das erste Jahr eingesperret werden, biß im Herbst der Enten-Zug vorbey, und sie recht gewohnet sind, so ziehen sie nicht leichtlich weg: Die Hunde zu den Enten muͤssen erwehlet werden kleine niedrige Bauer-Huͤndlein, hell- roth, mit spietzigen steifen Ohren, einer spitzigen Nase und Maul, der Schwantz wird in der Jugend gestutzet, und von Ju- gend auff durch Hunger und hernach vorgeworffenem Brod zum springen ge- woͤhnet, wie auch zum Wasser-schwim- men, gleichwie die Budel oder Wasser- Hunde gewohnet werden. Wann sie ge- brauchet werden, entweder die Enten an sich zu locken, welche weit liegen, durch vorspringen an dem Ufer, woselbst Brod hin und wieder geworffen wird, wird ih- nen ein Fuchs-Schwantz angebunden, so meynen die Enten, es springe ein Fuchs nach den Maͤusen, und weil sie ihm gehaͤßig, kommen sie dichte an ihn und kan man sie also nahe locken: Sol- len sie aber mit den Lock-Enten allge- mach in die Schleussen, und ferner in den Haamen getrieben werden, laͤsset man sie im Teich schwimmen, so werden sich die Enten nach den Winckeln und dem Schilf- fe verstecken wollen, und immer enger und naͤher nach dem Haamen getrieben werden, der Hund aber schwimmet hin- ter solchen gemaͤhlich, und machet Furcht, daß sie nicht zuruͤck kommen. Der En- ten-Faͤnger schleicht hinter den Straͤu- chern herumb nach solchem Fang, was er im Haamen findet, wuͤrget er, ausser den gezeichneten Lock-Enten, und den Hund fuͤtteꝛt er, wie gewoͤhnlich. Es scheu- en sich auch die zahmen Lock-Enten kei- nes weges vor dem Huͤndlein, beym her- umb springen, und werffen, weil sie des- sen gewohnet; Die Wilden aber, welche par Compagnie bereits in die Roͤhre ge- rathen, separir en sich von den Lock-En- ten und flatteꝛn vollends hinten nach dem Zipffel, da sie gefangen werden. Jn dem Torgauischen Enten-Fang war kein Haamen, sondern statt dessen ein Fall- Thuͤrlein, welches die Ente auffstieß, und wiederum von selbsten zufiel, wel- ches noch besser ist. Man kan solche fremb- de Gaͤste bald wahrnehmen, dann sie machen lange Haͤlse und helle Augen, se- hen sich scheu umb, dann muß dem Huͤndlein zum Aus- und Einkriechen vorgeworffen werden, biß man mit Ge- legenheit, und werffen des Habers, die zahmen mit den wilden immer weiter und enger in die Roͤhre genoͤthiget. Die- se Roͤhren werden auf beyden Seiten, eine jede mit zwoͤlff Waͤnden von Rohr oder Schilff bekleidet, deren eine jede drey biß vier Ellen lang ist, darzwischen sind Absaͤtze, einer Ellen hoch, und andert- halb Ellen lang, da unten Loͤcher gema- chet sind, damit die Hunde durchkriechen koͤnnen, nach dem Graben zu gehoͤhret ein Gang vor den Hund, damit der Hund auswendig herumb lauffen koͤnne, wel- ches Loͤcher kriechen, und Umblauffen er durch Zwang des Hungers, mit der Zeit durch die Loͤcher aus und einzuschlieffen, durch vorgeworffenes Brod, gar bald gewohnen wird. Wann nun der Enten- Faͤnger in der Strich-Zeit des Herbsts die gezaͤhmten Enten vorne zu Eingang der Roͤhren gelocket und ihnen vorge- streuet hat, und welche fremden ansichtig wird, und durch die Stroh-Waͤnde ver- mercket, gehet er hinter sich, giebt dem Huͤndlein ein Stuͤcke Brods und laͤsset es uͤber den Damm, oder durch die Loͤ- cher kriechen, wirfft den Haber frey hin- ein, daß die Lock-Enten, die Wilden je mehr areti ren, da dann das Vorwerf- fen und Springen des Huͤndleins die wilden ungewohnet, nicht leiden und vollends nach dem Fang, wie gemeldet, von sich selbst eylen, worzu das Klappern der Werfften Buͤgel, so der Enten-Faͤn- ger in etwas mit der Hand beruͤhret, meist hierzu contribui ret. Auff den Gaͤn- gen in dem verwachsenen Gestraͤuch habe ich observi ret, daß daselbst viele runde Ne- ster, von Stroh bewunden in Groͤsse der Bienen-Koͤrbe, fast wie die Schnecken Haͤuser gemacht, in die Hoͤhe gehencket waren, darinnen die Lock-Enten legen und ausbruͤthen kunten, weiln sie, wie gewoͤhnlich die jungen, so bald sie auskom- men, in ihrem breiten Schnabel beym Halß herunter ins Wasser fuͤhren, und sie zu wilder Natur gewoͤhnen wuͤrden, wo dieselben nicht in zeiten durch zahme Huͤhner auszubruͤthen, besorget wuͤrden. Es halten theils Herrschafften Schwah- nen, damit im Winter das Wasser offen blei- Von der Jagd/ oder dem Weyde-Werck. bleibe, und nicht zufrieren moͤge; Jch halte aber besser und rathsamer zu seyn, wann im harten Winter bey zugefror- nen Wassern die Lock-Enten, so lange die grimmige Kaͤlte waͤhret, im Stall einge- sperret und also gehalten wuͤrden; Weiln sie sonsten leichtlich zu Scha- den gerathen koͤnnen, wie leicht zu erach- ten, und sind sodann nicht gleich wieder- umb so zahm abgerichtete Lock-Enten ver- handen, wiewohl in diesem Fall der En- ten-Faͤnger billig allezeit etwas im Vor- rath haben muß, damit er nicht gar zuruͤ- cke komme. Von der L ock- E nte. Wo man eben keinen grossen weit- laͤufftigen und kostbahren Enten-Fang wie die grossen Herrn haben kan, dan- noch aber unterschiedliche Teiche, und Ge- legenheiten hat, wo sich wilde Enten auf- halten und zu finden sind, da kan man zum wenigsten zuweilen zur Lust die frembden wilden Entrichte wegschiessen, weil die Ente sich gleich einen andern hohlet. Ferner muß man folgendes Mittel hervor suchen, als erstlich lasse man sich einen Schirm von kiefern Ae- sten abstecken, und zwar am flachen U- fer, wo an solcher Gelegenheit die En- ten Abends und Morgens, aus dem Schilff heraus an Rand schwimmen, da muß man eine halb zahme und wilde Lock-Ente oder Pastert nehmen, ihr an beyden Fuͤssen von geschmeidigem Leder Fessel machen, solche an eine lange Schnur von 40. Ellen binden, und die Lock-Ente in Teich werffen, so fliehet sie von selbsten hin, so weit die Schnure reicht, will sie nun nicht locken, ruͤcket man etwas an der Schnur, so ruffet die Ente, wann nun es der Entricht von ferne hoͤhret, kommt er herzu, und se- tzet sich nahe bey die Ente, ja oͤffters gar darauff, gleich als ob er blind waͤre, ja es kom̃en zuweilen 3. biß 4. Entrichte zugleich herzu geflogen, da zuweilen, so man zu hi- tzig ist, und sich uͤbereylet, man aus Unvorsichtigkeit offt die Lock-Ente sel- ber mit trifft und todt schiesset, dahero sich wohl in Acht zu nehmen. Jch habe auf meinem Guth allhier darmit grosses Vergnuͤgen gehabt, und manchen Tag oͤffters 3. biß 4. Entrichte bekommen, so ich von einem Maͤrckischen Weydemann erlernet. Nach geendigtem Fang wird die Lock-Ente durch den Faden allmaͤhlich an sich gezogen, in einen Kober eingethan, die Schnur aber aufgehaspelt und zu Hause in eine Kammer gethan, die leder- ne Fessel loß gebunden, frey lauffen las- sen, ihr Brod und Hafer zu fressen, und ein wenig Wasser zu sauffen gegeben: Man kan die Ente nicht alle Tage stra- pezi ren, wodurch sie zuviel abgemattet wird, sondern etwan den dritten Tag ein Paar mahl, dann das Ziehen mit der Schnur an Beinen machet sie marode. Dieses gehet sonderlich zur Fruͤhlings- Zeit am besten an, dann des Herbsts achten die Entrichte die Enten nicht so sehre, als des Fruͤhlings, wann sie sich be- gatten wollen, waͤhrender Zeit muß die Ente auch von andern alleine abgeson- dert seyn, damit sie zu locken begierig sey, sie moͤgte auch von zahmen Entrichten nur getreten werden, so waͤre es verdor- ben, wuͤrde auch nicht locken wollen. Von dem H uͤhner- F angen. Nachdem ich bey unserm Appendi- ce anfaͤnglich des Falconier ens, nach- mahls der Phasanerie, letzlich aber eines Niederlaͤndischen Entenfangs, so viel mir bewust gewesen, errinnert habe; So kommet vorjetzo in der Ordnung zu be- trachten billig vor, eines Teutschen Fe- der-Schuͤtzens und Huͤhner-Faͤngers Verrichtung, welches nicht zu vergessen. Was nun anbelanget das Paltz- Schiessen des Auer-Hahns, Birck- Hahns, Hasel-Huhns, ingleichen nach dem Ruff der wilden Tauben sich zu rich- ten, und die Schnepffen im Flug zu schiessen, die saͤmtlichen Kramets-Voͤgel zu fangen, ferner die Trappen auf den Feldern, die Schwahnen und Gaͤnse, nebst anderm Gefluͤgel auff den Wassern zu beschleichen, und zu schiessen, davon habe zu Ende des Andern Theils meiner Teutschen Jagd bey der Eigenschafft des saͤmtlichen Feder-Wilds zum Theil be- T t 2 reits Fuͤnffter Theil/ reits geschrieben, werde aber bey der aus- fuͤhrlichen Vorstellung eines Feder-Lufft- oder Flug-Schuͤtzens annoch ein meh- rers explicir en. Was nun unser Vor- haben, oder teutsches Huͤhner-Fangen betrifft, so werden die Feld- oder Reb- Huͤhner, nachdem sie durch einen vorste- henden Huͤhner-Hund, welchen ich sei- ner Natur, Aufferziehung und Abrich- tung nach, im Dritten Theil bereits be- schrieben habe, auffgesuchet; Wann sie dieser Hund auffgesuchet, und vorgestan- den, werden solche entwedeꝛ mit dem Haa- men, Sack, Fluͤgeln und Treib-Zeug, oder durch die Kuh und Schild, am be- sten aber durch das Perd getrieben; O- der sie werden mit dem Tyraß, auch mit den Schnee-Garnen uͤberzogen, und mit dem Raub-Vogel nach der Kruͤcke zu fliegen, stille zu liegen verursachet, wann sie aber auffruͤhrisch wuͤrden, und in Feld-Straͤucher oder Feld-Buͤsche zer- theilend einfielen, alsdann werden die Steck-Netze, in solche einzulauffen und zu fangen, gebrauchet. Das andere Fan- gen der Reb-Huͤhner, weil es zum Theil auslaͤndisch, als wie im Baͤyerland die so genannten Spinnweben, oder andere Inventionen, zum Theil aber nicht jaͤge- risch ist, als die Schleifen, eingequillte Koͤrner und dergleichen, ist mir unbe- kant, bin auch nicht willens hiervon zu handeln. Sonderlich ist der Ort zu mer- cken, wo sie sich verhalten sollen, ob sie auf dem Felde in Stoppeln, Gehecke oder Graben, Scheitlingen, oder in Wie- sen im Graß, oder Krummet, oder in den Kraut-Gaͤrten oder Kohl-Hoͤfen, Weinbergen, und dergleichen, item ob sie im Wasser, Bruͤcher, sumpfigten Oertern, oder gar in den Buͤschen zu ver- muthen, weswegen ein Huͤhner-Faͤnger ein Paar Leute bey sich haben soll, umb Achtung zu geben, wo sie niederfallen, oder auch zum andern auff einen Baum steigen lassen. Wann nun Huͤhner ent- weder des Morgens fruͤh vor Tage, oder des Abends spaͤt auf ihrem letzten Ruff bemercket worden, wo welche anzutref- fen, so werden sie auch ohne Huͤhner- Hund in erwachsenem Getraͤyde oder Buschwerck, da sie von einander gesto- ben, und wiederumb zusammen eylen, durch die Steck-Garne, nachdeme man viel vermuthet, hin und wieder bestecket, und gefangen, dieses waͤhret, so lange das Getraͤyde im Felde, und der Strauch gruͤn ist, alsdann hat es umb Michaelis sein Ende, zumahl wenn es anfaͤnget zu froͤsteln, oder zu reifen, wollen die Steckgarn nicht mehr angehen, sondern sie legen sich darvor nieder, oder springen gar druͤber hin. Von dem Treibe-Zeug und Haamen. Das Huͤhner-Fangen geschiehet fer- ner dergestalt, wann der Huͤhner-Hund auff den Feldern herumb revier et, und den Wind von den Huͤhnern bekommet; Maassen noto risch, daß der Huͤhner- Hund die Nase allzeit hoch gegen den Wind, umb die Huͤhner zu vernehmen, halten muß, weswegen ihme auch, da er auf der Erden die Hasen spuͤhren ler- nen wolte, der benoͤthigte Schnabel oder das hoͤltzerne Gaͤbelein, umb solches zu hindern, angeschnallet wird. So nun der Huͤhner-Hund stehet, und ein Zeichen giebt, daß Huͤhner verhanden, wird er zuruͤck geruffen und angebun- den, doch ist hierbey ein genaues Augen- Maaß noͤthig, ob der Hund auch wuͤrck- lich vor lebendigen Huͤhnern gestanden, oder nur aus besonderm Gehorsam die frische Lohsung der bereits auffgespreng- ten Huͤhner bemercket habe; Muß man also den Ort, wo er gestanden, wohl be- trachten, und nachsinnen, wohin man wohl am fuͤglichsten, nach Gelegenheit des Orts, den Haamen und Fluͤgel, weit oder nahe davon, in eine Furche oder Graben legen muͤsse, und da die Fluͤgel nicht reichten, muͤsten einige Steck-Garn zu Huͤlffe genommen werden, den Haa- men aber machet man fein feste an, und hinten im Zipffel ein langes Ruͤthlein mit Laub, an dessen Bewegung die ein- gelauffene Huͤhner bemercket werden, welcher Haamen mit gruͤnem laubigtem Reiß, hinten ein wenig bedecket wird, damit das Ende nicht zu sehen sey. So nun diese Stallung fertig, gehet man eine gute Ecke davon hinter die Huͤhner, wo sie liegen, fanget sich allgemach an zu regen, zu husten und zu bewegen, zu singen und zu pfeiffen, als ein Acker- mann zu ruffen: Dotte, je, Schwude, und dergleichen, mit einem Stock auff das Erdreich zu pochen, und gehet also gemaͤch- Von der Jagd/ oder dem Weyde-Werck. gemaͤchlich auff sie zu, stehet bißweilen ein wenig still, gehet auch wohl etliche mahl wiederumb zuruͤcke, so er etwan zunahe auff sie gekommen waͤre, wel- ches Pochen und Treiben nach Gelegen- heit immer naͤher auff sie zu geschehen muß, biß sie hierdurch sofort rege gema- chet, und nach dem Haamen getrieben werden. Wann man nun mercket, daß die lange Ruthe hinten im Haamen wackelt, so sind sie darinnen, dann eylet man auf den Haamen geschwinde zu, da- mit sie nicht wiederumb heraus lauffen. Hierbey ist aber wohl zu mercken, daß sie nicht gar zu bald oder scharff getrie- ben, vielweniger die Huͤhner-Faͤnger et- wan gar zu hitzig herzu eylen moͤgtẽ, weiln oͤffters das gantze Volck Huͤhner sich vor dem Haamen, oder Fluͤgel niederlegen, und nicht lauffen wollen, da ihnen wohl Zeit zu lassen, sonsten wuͤrden sie zugleich auffstieben und man einen Fehl-Gang vergeblich thun, weshalben dann ein verstaͤndiger Huͤhner-Faͤnger sich hierzu nicht uͤbereylen, sondern Zeit nehmen, vornehmlich aber bey allen Faͤllen, ob er was oder nichts fange, gedultig seyn muß, weilen oͤffters der Erfahrung nach man, biß die Huͤhner lauffen wollen, des gan- tzen Tages, da es heiß Wetter ist, biß ge- gen Abend warthen muß, indem sie sich nicht eher treiben lassen wollen, sondern gleich auffstehen. Es gluͤcket wohl zu- weilen, daß welche junge Huͤhner einlauf- fen, die andern aber listiger zuruͤck blei- ben, und aufffliegen, da wird dann aufs neue, wohin dieselben gefallen, bemer- cket, und nach Gelegenheit, wie vor- mahls errinnert, gestellet, und damit sie desto eher einlauffen, werden die gefan- gene Huͤhner hinter den Zeug geleget, und bedecket, wann sie solche kuͤrren hoͤh- ren, lauffen sie desto leichter in Haamen, auch ist zu mercken, daß man stellet, sie lauffen zu machen, nach dem Ort, wo sie hergeflogen sind; Jedoch nach der Zeit, des Morgens nach den Buͤschen, und des Abends nach den Feldern, wie es die Gelegenheit und Situation leiden will. Von dem Treib-Pferd/ der Kuhe oder Schild. Alldieweiln mit dem vielfaͤltigen Ha- sen-hetzen, Falcken-beitzen der Falconie- r er, Herumblauffen der Stoͤber-Hunde, Lufft-schiessen, Lerchen-streichen und der- gleichen Unfug auf den Feldern die Reb- Huͤhner oͤffters gantze Hauffe Kitte oder Voͤlcker verstoͤhret, zerstreuet, verrin- gert, und die noch uͤbrigen wilde gema- chet werden; So hat man hierzu ent- weder ein zahmes Treibe-Pferd abge- richtet, welches dergestalt gezaͤhmet seyn, und durch Leinen regieret werden, auch gantz ledig ohne Sattel und Zeug un- vermercket, als ob es grasen gienge, mit dem Kopff zur Erden fuͤhrend, langsam schreiten muß, worvon sie sich uͤberaus gerne treiben lassen, man muß aber nicht uͤber das Pferd, sondern nach Vortheil ein wenig zur Seite nach den Huͤhnern sehen, damit sie einen nicht gewahr wer- den, und diese Possen mercken moͤgen; Oder sie werden auch mit der Kuh, wel- ches eine von Leinewand wie eine Kuh gebildeter Sack ist, ingleichen auch mit dem Schild von Leinewand, darauff ei- ne Kuh, Pferd, oder Hirsch gemahlet, und welcher mit Haͤnden vor sich gehal- ten wird, eingetrieben. Hier zu Lande ist es gewoͤhnlich, wo dieses alles nicht zu bekommen ist, dieselben mit zwey Straͤu- chern vor sich habend zu treiben, wie man denn dergleichen sinnreiche Invention, wann die Huͤhner auffgestoͤhret worden sind, und dieselben sich ins flache Feld nie- der begeben, so, daß mit Klappen nichts auszurichten, auff allerhand Art vor- nehmen muß; Nemlich wann der Hund vorgestanden, und der Ort bemercket, wo sie anzutreffen, gehet man einen gros- sen Umbschweiff, wo die Huͤhner am liebsten hinlauffen moͤgten, so auch oͤff- ters den Kluͤgsten fehlet, ducket und bu- cket sich, leget den Haamen mit seinen Fluͤgeln gehoͤhriger Maassen geschwinde zurecht, woher sie geflogen, und wohin sie die Schnabel wenden, doch nicht zu nahe, oder wann starcke Winde sie im Schwantz auffwehen, davon sie leicht auffstehen. So bald die Stallung fer- tig, nimmt man, wie vorgedacht, das abgerichtete Treibe-Pferd nach einem genommenen weiten Umbschweiff hin- ter Buͤschen, Straͤuchern, einem Huͤ- gel, Hecke oder Graben, daß die Huͤh- ner einen nicht sehen koͤnnen, ziehet mit demselben vorgemeldter maassen hervor, oder nimmt das Schild, worauff die Fi- gur en mit lebendigen Farben gemahlet, T t 3 vor Fuͤnffter Theil/ vor sich, oder masquir et sich, wie eine Kuh, oder sonst mit vorhaltenden Straͤu- chern, und gehet allmaͤhlig nach dem Ort, da der Hund gestanden, stehet still, zu vernehmen, ob einige Huͤhner zu sehen, welches das principal ste Stuͤcklein ist, daß man sie erst recht erkenne, weil sie von ferne nicht wohl vor den Di- steln, oder andern Dingen zu erken- nen, oder zu unterscheiden sind; Und muß man genau observir en, ob das- jenige, so man vor Huͤhner haͤlt, sich auch rege, oder bewege, fortgehe, zusammen lauffe, weniger oder mehr, laͤnger oder kuͤrtzer werde, oder sich gar verliehre: So man diß mercket, sind die Huͤhner noch da, hingegen wann es weiter hin- kommt, und die Stoppeln kurtz oder vom Viehe niedergetreten, und die Huͤh- ner die Winter-Federn uͤberkommen, gilt diese Regul nicht mehr, denn sie alsdann auff den Stoppeln, auff auffge- gangener gruͤner junger Saat und Fel- gen, nicht mehr vor Disteln oder Stop- peln gesehen werden koͤnnen, sondern lie- gen als kleine frische auffgeworffene Maulwurffs-Huͤglein, Steine, oder un- zerschlagene Schulpen oder Erd-Kloͤsse, darauff dann abermahl zu sehen, ob der- selbigen mehr oder weniger werden, oder sich mit dem duͤcken gar verliehren. Dann wann sie Unrath vermercken, duͤcken sie sich wohl alle, bißweilen auch wohl biß auf eines, so die Schildwacht haͤlt, so dasselbige was vermercket, duͤ- ckets sich auch, wann das voruͤber, laͤs- sets sich allgemach wiederumb sehen, wie sie solches gemeiniglich bey den Raub- Voͤgeln im Gebrauch haben. Wann dieses also vermercket wird, und das Zei- chen recht ist, stehet man hinter ihnen in der Treib-Kuhe still, manchmahl eine Stund oder zwo, weniger oder mehr, wie sie dann selbst einen fein lernen, ehe sie gereget werden, so gewohnen sie der Kuhe, regen sich von sich selbst, aͤßen, nach- dem sie zahm oder wild seyn. Es darff es keiner wohl wagen, daß er ehe auff sie dringe, sie essen dann. Jm essen ge- het man allgemaͤhlig auff und nieder, und stellet sich in der Kuh, als ob sie wei- dete, und machet sich auch fein klein, dann je kleiner einer sich vor den Huͤh- nern machen kan, je besser es ist. So sich die Huͤhner wieder duͤcken, scheuen und nicht fort wollen, so stehet man still, gehet wohl wiederumb gar zuruͤck, und verhaͤlt sich still, dann sie nicht alle bey einander liegen, und boͤse fortzubringen sind, sondern staͤuben gerne auff; Fan- gen sie aber wiederumb an zu weyden, so dringet man wiederumb gemaͤhlich auff sie zu. Es muͤssen die Huͤhner-Faͤn- ger manchmahl hinter gar wilden Huͤh- nern einen halben Tag stehen, ehe sie fortzubringen, so aber doch wohl also ge- raͤth, daß sie auffahren und davon steu- ben. Es kan aber einen Haufen, so auffsteubet, (wann es nur am Tage,) drey, vier und mehrmahl nachgeste- let werden. So sie verlohren, und zu besorgen, daß sie den Hund nicht mehr leiden moͤgten, wie sonderlich gerne ge- schicht in den Feldern, da die Falconier er nach ihnen gewesen, so suchet man sie allge- maͤhlich in der Ruhe, biß sie wiederumb gefunden werden; Darauff wird wiede- rum gestellet, und auf sie zugearbeitet, wie berichtet, dann man darff auf sie nicht dringen, daß sie nicht scheu werden, und darvon wandern. So dieses observir et wird, faͤllet man von Stund an nieder auff die Erde, und duͤcket sich, oder krie- chet auf Haͤnden und Fuͤssen zuruͤck, biß ihnen die Laune vergangen, alsdann richtet man sich wiederum auff, reget sich gemaͤhlich an, und gehet wiederumb auf sie zu. Wer dieses nicht recht in acht nim̃t, kan leichtlich irren. So sie zwischen dem Geleiter, und nach dem Haamen zu- wandern, dringet man haͤrter auff sie, seynd aber etliche in dem Haamen, so lauf- fet man zu; Jedoch ists nicht allezeit rathsam, dann es lauffen etliche schnell, etliche langsam, und so hart uff sie ge- drungen wird, steuben sie auff. Es ist nicht einerley Art und Natur der Huͤh- ner zum Treiben, etliche lauffen bald ein, und seyn zahm, etliche langsam und seynd sehr wild, etliche gehalbiret; auff etliche wird so nahe gegangen, daß auff sie ge- treten werden moͤgte, welches doch bey wenigen geschiehet, jedoch befindet sichs in Wahrheit, so habe es auch im Trei- ben mit meinen Augen gesehen. So nun die Huͤhner alle in den Haamen getrie- ben, wird in vollem Lauff ihnen nachge- eylet, der Haamen auffgehoben, wie sie eingelauffen, (dann umb das flattern willen muß man nicht hinter den Haa- men gehen,) die ausgezogene Kuhe auf die gefangene Huͤhner geleget, und eines nach dem andern heraus gelanget, und ihnen ein Fittich beschnitten; die Al- ten laͤsset man unversehret fliegen, stecket die jungen in einen darzu gemachten Sack Von der Jagd/ oder dem Weyde-Werck. Sack, und thut einen Stab nach der Laͤn- ge hinein, und traͤget sie nach Auffhe- bung des Zeugs hinweg. Sollen sie als- bald gewuͤrget werden, so stichet man hinen der vordersten oder mittlern Fe- dern eine aus dem Fluͤgel hinterm Ge- nick in Kopff, so verrecken sie bald. Die Alten seynd vor denen Jungen wohl zu erkennen, wie auch die Huͤhner vor de- nen Hahnen. Die Alten haben weisse- re Schnaͤbel und Beine, als die Jungen, derer Schnaͤbel und Beinlein sich auf ei- ne gelbe Farbe ziehen; Nach Martini be- kommen sie etwas weissere Schnaͤbel und Beine. Die Huͤhner haben viel licht- braunfarbene Federn vor der Brust, die Haͤhne haben feine braune Bruͤste, und rothe Flammen umb die Augen. Es traͤget sich auch wohl zu, wann nach ih- nen gestellet worden, daß sie denselbigen Weg nicht hinaus wollen, so stellet man, wo zwey Haamen verhanden, dieselbigen gegen einander, seynd derer nicht zwey verhanden, so hebt man den gestellten wieder auf, und legt ihn anderst, wie die Gelegenheit ist. Von einem T reib- oder S chieß- P ferde. Gleich wie ich des Par Force- Jaͤgers Schimmels oder Tygers, des Falconiers Blau-Schimmel, und graues Pferdes, welche beyderseits von Rechts wegen aus- laͤndische, englische, tuͤrckische, tarta- rische, ungarische oder pohlnische fluͤch- tige Pferde seyn muͤssen, gedacht habe; Also muß ich auch unsers Teutschen Huͤh- ner-Faͤngers Treibe- und Schieß-Perd vorstellen, welches auch ein teutscher Gaul seyn soll, welcher der Farbe nach Lichtbraun oder ein Fuchs, und zwar ein Wallach seyn soll, welcher aber nicht, wie die vorigen, allzu rasch und fluͤchtig, son- dern ein fein sanfftmuͤthig, und gedul- tiges Roß seyn soll, sonderlich soll er ein weiches gelindes Maul haben, weil es kei- ne andere Schul- Lectionen machen darff/ als den Kopff zur Erden beugen, und sich, als ob es grasete, anstellen, da- bey den Schuß allenthalben gewohnen lernen. Wo es nun grosse Seen, Tei- che, Wasser-Fluͤsse, und Auen giebt, da Kraniche, Trappen und wilde Gaͤnse zu finden, als wie in Oesterreich gegen den Ungarischen Graͤntzen, und in Ungarn an vielen Orten, da ist es eine nuͤtzliche Sache, einen guten abgerichteten Schieß- Gaul zu haben, damit man besagtes Wild desto leichter hinterschleichen, zum Schuß kommen, und es faͤllen moͤge. Wie aber ein solches Pferd abzurichten, will ich aus des Herrn Loͤhneisen Reith-Buch kuͤrtzlich anzeigen: Man muß sie also gewoͤhnen, daß sie nicht al- lein das Schiessen, uͤber, hinter, und vor ihnen dulden und leiden, sondern auch auf allen Seiten sich willig und gern darzu fuͤhren, treiben und leiten lassen: Es muß aber kein gantzes Roß seyn, als welche Pferde, wann sie ins Feld kom- men, und Stutten vermercken, wuͤthen und schreyen, sondern es soll ein Wallach seyn, je groͤsser und hoͤher, je besser, da- mit der Weydemann sich hinter ihn so- viel nicht bucken doͤrffe. Die Farbe be- treffend, wollen etliche Lichtbraune oder Licht-Fuchse darzu haben, weil diese Farben sehr gemein, und das Gefluͤgel derselben am meisten gewohnet ist. Wilt du nun ein Pferd darzu abrichten, so leg ihm ein starckes, doch nicht scharffes Naßband mit zweyen Zuͤgeln an, leg ihm hernach umb die zwey vordern Fuͤs- se Fesseln, nimm die Zuͤgel von dem Naß- band, und bind an einen jeglichen Fuß einen, doch anfaͤnglich nicht zu niedrig, da- mit es erstlich gewohne, und verstehe, was man von ihm haben wolle, dann durch solches Binden (spricht er) wird es ge- zwungen, den Kopff abwaͤrts zur Er- den zu halten, als wolte es grasen oder weyden, laß das Pferd also gebunden ei- nen Schritt, oder etliche fort gehen, und wiederumb stille stehen; Wann es nun stehet, magst du umb das Pferd herumb gehen, dasselbige schmeicheln, und klopf- fen, nachdem laß es wieder etliche Schritt vorwaͤrts schreiten, und wann es also durch die stete Ubung fortgehet und stehet, solt du, so offt du wilt, den Hahn am Schieß- Rohr auff und abziehen, und offtermahl schnappen lassen, und bißweilen nur mit Pulver uͤber dem Pferd loßbrennen, damit es des Aufflegens und Schiessens gewohne, und wann es darzu stille ste- het, solt du es caressir en, ihm schoͤn thun, und ein wenig Graß oder Haber zu es- sen geben, so wird es verstehen lernen, was es recht oder unrecht thut. Hast du es nun eine zeitlang geuͤbet, daß es alles Fuͤnffter Theil/ alles willig und gern thut, solt du ihm die Riemen an den Fuͤssen loß lassen, und versuchen, ob es ungebunden gra- sen will, und wann es also mit Nieder- haltung des Kopffs sich willig und gern fuͤhren laͤsset, solt du auffhoͤhren, und ihm einmahl nicht zu viel thun. Her- nach solt du es gewoͤhnen, daß es sich treiben und wenden lasse, auff welche Seiten du wilt, und so offt es Anfangs einen Schuß leidet, must du ihm allwe- ge zu fressen geben, einen Bissen Brod mit Saltz oder Gras, so wird es endlich gern schiessen hoͤhren und willig leiden. Waͤre aber ein Pferd so wild und scheu, daß es das Schnappen mit dem Hahn, und das Schiessen nicht vertragen wolte, so solt du ihm alle viere, wie oben gemel- det, kurtz spannen, also daß es den Kopff nicht von der Erden heben moͤge, und solt uͤber, hinter, und vor ihm, uͤber dreyßig Schuͤsse thun, biß so lange es ge- dultig werde, und das Schiessen gewoh- ne. Waͤre es aber noch wiederspenstig, magst du es wohl mit einem Pruͤgel oder einer Peitzschen zuͤchtigen, biß es gedul- tig und zahm werde; Dergestalt mag man ein jedes Pferd in kurtzer Zeit, wie wild es auch sey, zahm machen, daß es das Schiessen, Grasen und Treiben ge- wohne. Vom Tyraß/ und dem Schnee-Garn. Die Bedeckung mit dem Tyraß geschicht nach Jacobi zu Anfang, ehe die Frucht alle abgeschnitten, auff den liegenden Frucht-Breiten, und den neuen Stop- peln, und waͤhret biß der Haffer alle ab ist; Wird gebrauchet, auff Lerchen, Huͤhner und Wachteln. Zu Huͤhnern und Wachteln gehoͤhret ein verstaͤndiger Hund, wann derselbige stehet, wird das Garn aus seinem Saͤcklein gezogen. Dieses Garn ist breit und groß, viel- mahl sechzig oder mehr Schuh in die Laͤn- ge, und etwa viertzig in der Breite; Hat nur vorne oben einen Saum, auff den Seiten und hinten bedarffs keines Sau- mes. Diesen Tyraß, wenn er fein aus- einander gelegt, nehmen zwey Personen, an jeglichẽ Ort einer in die Haͤnde, ziehens fein steiff an, und lauffen gegen den Wind darmit, biß sie uͤber den Hund hin seyn, dann laͤssen sie das Netz fallen, es gehet gar geschwinde zu, geraͤth auch wohl bey Zeiten, daß man die Huͤhner alle be- kommt, aber doch gar selten. Jn Franck- reich sollen sie diese Tyraß so groß haben, daß sie zween Reuther zu Pferde ziehen muͤssen. Jn Engeland soll dieses Wey- de-Werck gemein, und gar ausbuͤndig seyn, dann darzu richten sie einen Blau- fuß, Habicht, oder andern Raub-Vo- gel ab, wann der Hund stehet, lassen sie denselbigen uͤberhalten und uͤberziehen, so sollen die Huͤhner frey steif halten; Und so sie uͤberzogen, soll der Raub-Vogel sich herab auf das Netz lassen, und eines stossen. Sonst lassen ihnen etzliche ver- schlagene Huͤhner-Faͤnger einen Raub- Vogel schnitzeln, als wenn er floͤge, (wie die Baum-Falcken auff die Lerchen auch geschnitzt werden,) den lassen sie fein sprenglicht und aͤhnlich mahlen, und ler- nen ihn artlich von der Hand werffen. Wann sie dann Feld-Huͤhner antreffen, und keinen vorstehenden Hund haben, lassen sie ihn doch sehen, machen die Huͤh- ner darmit uͤberhalten, und uͤberziehen sie also. Wollen sie aber jedoch nicht halten, so geraͤumen sie irgend Feldhecken, oder ander Gebuͤsch, darein gehen sie die- selbigen aus, biß sie mit dem Zeug oder einem Schuß ihnen Abtrag thun, wie dergleichen die Experienz zeiget. Was das Schnee-Garn betrifft, so ist bekant, wie der Schnee der Huͤhner Todt verur- sachet; Weiln sie ohne Hund gar leicht- lich gefangen werden. Dann wann es auff dem Felde reiffet oder einen guten Schnee geworffen, koͤnnen sie gar weit gesehen werden, sie scheinen alsdann aus ihrem Lager von ferne graulicht, wie sie an sich selbst gestalt seyn. Jtem wo sie auffgestanden, und wiederumb nieder- fallen und gefusset, koͤnnen sie an ihren Spuhren gehen und erkennet werden, alsdann man ihnen desto gewisser nach- folgen kan, wann es im offenen Felde ist. Die Huͤhner aber, so sich im Schnee hart umb die Stadt und Doͤrffer halten, wann die einmahl auffgetrieben, sind sie gar boͤse wiederumb zu finden, umb der Zaͤune und Hecken willen, auch so der Wind den Schnee zu sehr hin und wie- der in die Graben und Hecken wirfft, ist nichts vortheilhafftiges auszurichten, und sind alsdenn uͤbel zu bekommen: Jedoch noch viel mehr, wann es geschney- et, Von der Jagd/ oder dem Weyde-Werck. et, und sich der Schnee darauff gesetzet hat und gefroren ist, dann wann es knittert und girret, kan man nichts an ihnen haben, indem sie von dem von fer- ne hoͤhrenden Geraͤusch auffstieben und ausreissen. Sonst liegen sie Winters- Zeit und im Schnee gerne umb die Baͤchlein und Fluͤsse, und gruͤner Saat, umb des Grases willen, das sie daselbst ehe finden, als anderstwo, sind auch gerne umb die Graben, umb der Waͤr- me willen. Wann es frisch geschneyet, uͤberziehen sie die Huͤhner-Faͤnger mit dem Schnee-Garn, wie Sommers-Zeit mit dem Tyraß, wie dann unter diesen beyden Netzen kein weiterer Unterscheid, dann daß der Tyraß wegen der jungen Huͤhner, Wachteln, und Lerchen enge, das Schnee-Garn aber weitere Moschen hat, und solcher Weite halber groͤsser ge- machet werden kan. Es ist aber dieses bey Uberziehung mit dem Schnee-Garn auch wohl zu mercken, daß es am besten des Morgens geschicht, ehe sie aus dem Nachtlager auffbrechen, und das Geaͤß suchen, dann halten sie am liebsten, und liegen noch hart, oder wann sie eben des Abends ein Lager machen, des Tages uͤber thut es sonst selten gut, wie auch, wann der Schnee zu hart girret; Jedoch wann sie auffsteuben, und man sie recht im Gesicht behalten kan, und vernim- met, daß sie wiederumb im Schnee ein Lager gescharret, wird mehr als ein- mahl nach ihnen gezogen, ja des Tages unterschiedliche mahl; Dieß Schnee-Ne- tze brauchen die Edelleute und Huͤhner- Faͤnger im Schnee viel lieber, dann das Treib-Zeug, dann in frischem Schnee lassen sie sich nicht jederzeit gerne treiben, und wird nach seiner Quantit aͤt und Groͤs- se in seinen Saͤumen gezogen, welcher Saum zum wenigsten an beyden Enden, zehen, funffzehen, oder mehr Klafftern vorgehet, darmit die zween, so es regie- ren, und darmit uͤberlauffen, nicht zu hart auff sie zugehen, und sie daruͤber auffsteuben. Diese Saͤume werden fein artig zusammen gewunden, mit einer besondern Schleifen, daß sichs nicht ver- wirret. Wann es tieffer, als Schuh hoch, geschneyet, halten die Huͤhner so hart, daß auch etliche Huͤhner-Faͤnger mit ei- ner geringen Vogel-Wand die Huͤhner uͤberzogen. Es kan das Uberhalten der Huͤhner daran erforschet werden, wann das Huhn, so unter dem Hauffen die Schildwacht haͤlt, sich schnell unter dem Schnee verbirgt, so halten sie gewiß und gerne: Wo aber dasselbige beginnet zu schreyen, und dem andern die Gefahr mit bekanten Anzeigungen anmeldet, steuben sie auff, und ist ihnen nichts ab- zugewinnen, wie solches den Huͤhner- Faͤnger die taͤgliche Erfahrung berichten wird. Jm tieffen Schnee, offenen Saa- men-Feldern oder Brunn-Qvellen, da sie sich ohne das gerne halten, koͤnnen sie auch unterschiedlich, soferne sie von Stund an wiederumb ein Lager bre- chen, verfolgt werden. Wann der Schnee flach und windwehig ist, duͤrffen sie mit dem Schnee-Garn nicht gesuchet wer- den, und kan ihr neugebrochenes Lager, welches sich sonst bald, wie eine Schwein- Suhle ansehen laͤsset, leichtlich gefehlet werden, so liegen ohnedieß die Huͤhner in windigen Zeiten lieber umb Hecken und Graben, als in offenen Feldern. Das Schnee-Garn und Tyraß wird gemeiniglich niedrig, und wie der Huͤh- ner-Faͤnger die Hand von sich strecket, gezogen und gefuͤhret. So die Huͤhner in geringem Schnee mit der Kuh getrie- ben werden, und man sich befuͤrchtet, daß sie nicht fort wollen, machet man einen ziemlichen Ort Schnees uͤber einen Hau- fen, bestreuet denselbigen mit Hammer- schlag, oder Kohlen-Staub, machet als- dann sonst ein Pferd also bestreuet im Schnee, darinnen der Haamen gestellet wird, wann sie schon weit steuben, und auffziehen, und des schwartzen Huͤgels Gewahr werden, kehren sie gerne dar- nach umb, dann sie meynen, es sey bloß Erdreich, darvon der Schnee abgeschmol- tzen, begeben sich dahin nieder, und seynd leicht zu treiben. Man kan auch zu sol- cher Zeit mit einem Kruͤglein oder Kiß, vor Tage etliche kleine Stege machen, daselbst Hafer-Gerste und Weitzen-Ge- koͤrne werffen, den Haamen darin legen, und sich dann allgemach in der Kuh hin- ter ihnen regen. Wann sie auch sonsten wegen ihrer Wildigkeit im Winter nicht zu fangen sind, koͤrren sie einige etliche Tag oder drey an einen Ort, da es fein gekeh- ret worden, und legen den Haamen da- hin, so lauffen sie von ihm selbsten ein. Es kommt auch wohl, daß die Huͤhner in solcher Zeit Schaden leiden, daß sie nur ein oder zwey Oerter behalten, dahin sie nach ihrem Vortheil fliegen, und viel- faͤltig gefangen werden. Die gefange- nen Reb-Huͤhner werden den Winter uͤ- ber in besondern Kammern, welche oben U u mit Fuͤnffter Theil/ mit Leinen-Tuch bezogen, vor Raub- Thieren, Kaͤlte, Frost und Hunger er- halten, woselbst in allen Ecken Stroh- Schuͤtten aufwaͤrts, und gruͤn Reiß ge- stecket wird. Jn der Mitten wird eine grosse doͤhnerne Schuͤssel mit Wasser ge- setzt, umb dieselbige herumb, daß sie nicht koͤppe, breite gruͤne ausgestochene Rasen gelegt, mit laulichtem Wasser be- gossen, daß sie wachsen, umbher Sand geschuͤttet, braun Kohl und Kraut geste- cket, und mit Weitzen und Haber gefuͤt- tert, so wintert man sie aus biß umb Licht-Meß. Vom Huͤhner-Zeug zu stricken. Die Steck-Garn-Busen werden uͤ- ber hernach angedeutetes Strick-Maaß von eilff oder zwoͤlff Moschen ungefehr angefangen, wann die nach einander ge- strickt, werden sie an ein Schnuͤrlein ge- fast, und darnach immer alsofort gestri- cket, biß daß solcher Busen seine rechte voll- kommene Laͤnge eines Steck-Garns von zwantzig Spissen, dreissig oder mehr Klafftern erlanget hat. Das Geleiter wird aber in der erste, mit acht oder ze- hen Moschen angefangen, in der Mitten allemahl zwo zusammen gefast, und am Ende eine halbe Moschen zugegeben, und diß muß offt doppelt zusammen gehal- ten werden. Wann die Moschen dop- pel recht auf einander treffen, so ist es recht gestricket, wo nicht, muß es, so weit es nicht zusammen trifft, und ungleich, hinweg geschnitten werden, dann es mit dem Zugeben und Abnehmen versehen worden. Die Spiesse oder Furckeln zu den Steck-Garnen, Fluͤgeln und Haa- men werden von Hagedorn zur Herbst- Zeit, wann das Laub abgefallen, gehau- en und gedoͤrret, darnach in Hopffen, so man brauet, oder Nuß-Erlen- und Ei- chen-Loheschalen gesotten, darmit sie huͤbsch braun werden, und die Wuͤrme sie nicht angreiffen, darnach sollen die grossen Knospen, daraus die Dornen ge- wachsen, mit einer Raspel abgeraspelt, und dann am staͤrcksten Ort am Stamm- Ende gespitzet, hierauf eine Zeitlang zu- sammen gebunden und in Rauch gehen- cket werden. Die die Staͤbe aber gruͤn ferben, wie die Staͤbe an den Wachtel- Garnen, die beitzen Gruͤnspahn mit A- laun und scharffem Essig, und streichen damit einmahl oder etliche die Farbe an, sie beitzen aber auch vorher die Staͤbe wohl in Alaun-Wasser, daß sie dieselbe Farbe desto lieber annehmen. Darnach werden die Spisse gemessen mit der Brei- te des Geleiters, und wird oben eine Kuͤmme gemacht nach dem Kopff oder Ober-Theil des Spiesses, darein wird das halbe Theil des Geleiters eingeleget, der Busen vorne fein eingelesen, und nach der Laͤnge und Breite in den Ober- und Un- ter-Saum eingetheilet, welcher Unter- und Ober-Saum jeder besonders auff ein rund Knaul gewunden und der Bu- sem also gleich getheilet wird. Darnach wird Geleither und Busem in vorgesag- te zwo Kuͤmmen des Spiesses gethan, und mit verwaͤchstem doppeltem star- ckem Zwirn zusammen gebunden. Alle folgende Mittel-Staͤbe werden nur un- ten und oben an den geschnitzten Kuͤm- men angebunden, jedoch also, daß der Unter- und Ober-Saum mit sambt dem Mittel-Busem frey bleibe und folgen kan. Zehen oder zwoͤlff Moschen von dem weiten Geleiter zehlet man von einem Spieß zum andern, theilet wieder- umb den Busen gleich, und bindet also einen Spieß nach dem andern an, biß auf den letzten, welcher dann, gleich wie der erste, wiederumb angebunden wer- den muß. Und dieß wird gebrauchet zu allen dreyfachen Garnen, wie die Na- men haben moͤgen. Der Haamen, wel- chen viel Huͤhnerfaͤnger lieber enge, denn weit haben, wird angefangen ungefehr von 24. Moschen. Dieses wird also ei- ne Mosche oder zehen herumb, und auff etliche 30. biß 40. ja wohl mehr Schuhe lang gestricket, hernach zusammen gefast, jedoch zu gar lang taug es auch nicht, hinten nim̃t man auff einen Schuh oder etliche, einige Moschen ab. Das Ende wird an eine starcke Schnur geleget, da- ran ein spietziger Pflock, so in die Erden zu stecken angemachet wird. Vorne an das vorderste Theil, so nicht zusammen gestrickt, werden zween Spieß angebun- den, und des Haamens Anfang allent- halben mit starckem Hasen-Zwirn ange- bortelt. Mit diesen zween Vorder-Staͤ- ben wird der Haamen vorne in die Er- den gestecket, und hinten mit dem Pflock gedehnet, daß er steiff stehet. Recht in die Mitte des Haamens wird auch ein kleines Ge- Von der Jagd/ oder dem Weyde-Werck. Gestricklein gemacht, welches nach dem Eingang des Haamens auff der Erden an die untern Moschen des Haamens gestricket, und angehefftet wird, und ge- het sodann am Ende nach dem Hinter- halt biß in die Mitte, und eben so hoch, daß ein Huhn auffrecht durch den Haa- men gehen kan. Wann nun die Huͤh- ner daselbst uͤberhin kommen, fallen sie hinunter in das Hintertheil des Haa- mens, sie lauffen dann vollends fort oder hinter sich, so koͤnnen sie nicht wiederumb zuruͤck aus dem Haamen lauffen, wie sonst vielfaͤltig geschicht, und in die Mit- te gemachet wird. Dieß nennen etliche Huͤhner-Faͤnger die Bruͤcke im Haa- men, wann sie die Huͤhner druͤber ge- bracht, sie seynd mit Pochen oder Trei- ben soweit von ihnen, als sie immer wol- len, muͤssen sie ihrer wohl erwarten. Es gehoͤhren in diese Haamen von achtzehen biß zwantzig feine Reifen, je einer einen Schuh odeꝛ etwas mehr von dem andern, die werden von Hagen-Hahnbotten oder wilden Rosen-Doꝛnen geschliessen und ge- machet, und als die Spießlein oben ge- sotten und zugericht, welche aber viereckig- te und keine runde Haamen brauchen, die machen die Reifen von Kupffer, Messing, oder eysernem Drath darein, diese Rei- fen koͤnnen auch, wie ein halber Reiff ge- braucht werden. Die Fluͤgel, so zu bey- den Seiten des Haames gestellet werden, und dahin gehoͤhren, werden von neun biß auff zehen oder zwoͤlff Moschen hoch angefangen, wie die Weiber stricken, mit einer Moschen angefangen, und so lange zugegeben, biß es die zwoͤlffte Mosche er- langet, dann stricket man allezeit fort, nimmt am hintern Ort zwey Moschen zu- sammen, an dem Vorder-Ort aber giebt man eine halbe zu, daß die Moschen alle- zeit gleich rund viereckigt bleiben, so lange, biß eins dreyßig oder viertzig Schuhe lang wird, dann nimmt man wieder- umb zu beyden Seiten ab, biß es wieder- umb mit einer Moschen zugestricket wird, wie es angefangen worden; Dieß wird alsdann gleich zugezogen, und an die Spießlein ebener maassen, wie die Hin- ter- und Vorder-Spieß an die Steck-Gar- ne, angebunden. Die Spinnweb- und hohe Netze werden nach Gefallen auff hundert Schuh oder Ellen lang und sech- zehen, achtzehen oder zwantzig Schuhe hoch gestricket, deren etliche nur auff ei- ner Seiten von weitlaͤufftigem Geleiter was haben, etliche doppelt sind. Unter diese Garne gehoͤhren auch die Lerchen- Garne, mit den Hoͤrnern, Rincken-Ty- raß- oder dergleichen Garnen, damit man uͤberlaͤufft und decket, von sechzig biß in achzig Schuhe lang und breit, aber et- was enge gestricket umb der Wachteln und Lerchen willen: Das Schnee-Garn wird an der Laͤnge dem Tyraß gleich, oder auch wohl laͤnger, weil es von wei- ten und lautern Moschen gestrickt, sonst haben sie keinen Unterschied, dann es auf die vollkommenen Huͤhner gebrauchet wird. Und so viel habe von diesem Zeug melden wollen, weiter ist mir davon nichts bekant. Von Wachteln fangen. Dieses Weyde-Werck gehoͤret noch zum Huͤhner-Fang, wie auch unter das zu Felde fangende Feder-Wild, und wird mehrentheils nach derselbigen Art ver- richtet mit dem besonders darzu gemach- ten Steck-Gaͤrnlein, so, daß sie mit dem Pfeifflein gelocket, gepochet, und mit dem Tyraß, hohen Netzen, oder Schlei- fen gefangen werden. Es faͤhet solches an umb Waldpurgis oder Philippi Ja- cobi, und waͤhret ungefehrlich biß die Frucht alle herein ist. Etliche haben ih- re Steck-Gaͤrnlein halbgruͤn, als den Busen, das Geleiter aber blau, als wann blaue Kornblumen in der Frucht stuͤn- den, etliche haben sie von mancherley Far- ben gar bunt, etliche gantz gruͤn, die mei- sten verwerffen die gruͤne und bunte, und halten mehr von den erdfarbenen oder den gelblichten, so wie die Stoppeln gefaͤrbet seyn. Jn der ersten Kornschos- se seynd die gruͤnen gut, wann aber das Gebluͤme darin waͤchset, die bunten, und so sich das Getraͤyde faͤrbet, alsdann die erdfarbenen und gelben, aber die gelben find allezeit gut. Vor die erdfarbene sollen sich die verschlagene Wachteln gerne nie- derlegen; Vor solche verschlagene Wach- teln sollen gantz ungefaͤrbte und weisse Gaͤrnlein koͤnnen gebrauchet werden. Wann die Wachteln schlagen, so folget man ihrem Schlagen nach, biß einen be- duͤncket, daß man hart auff sie kommet, darmit sie das Wachtelbeinlein und U u 2 Pfeiff- Fuͤnffter Theil/ Pfeifflein schlagen hoͤhren. Alsdenn stel- let man das Steck-Gaͤrnlein gerade auf, duͤcket sich fein nieder in das Getraͤydich, giebt sich ein Schritt oder etliche zuruͤck, und schlaͤget zweymahl als das Weiblein, und nicht dreymahl, als das Maͤnnlein, daß, wann das Maͤnnlein einmahl ge- schlagen, man alsdann mit dem Pfeiff- lein antwortet, und, wo muͤglich, es al- so trifft, daß nur zweymahl geschlagen werde, und wann das Maͤnnlein aͤufhoͤh- ret zu schlagen, solches das Pfeifflein zu- sammen vernehme, denn das Maͤnnlein veꝛnim̃t gar leise, wann nicht recht geschla- gen wird, und wo es das vermercket, thut es kein gut, sondern wird, wie es die Jaͤger nennen, Juncker, so auff kein Lo- cken oder Pfeiffen mehr giebt, laͤsts auch wohl bleiben: Dagegen rathen etliche, man soll uͤber Winter ein Paar Weib- lein ernehren, daß sie an statt des Pfeiff- leins hinter die Garn geleget werden, das waͤre natuͤrlich und fallirt e nicht. Es kan solchen verschlagenen Wachteln gleich wohl mit Pochen und Klopffen wie auch Uberziehung des Tyrasses, und dem vor- stehenden Hund, gleich den Feld-Huͤhnern ein Abbruch wiederfahren; Allein es ist zu mercken, daß solche Garne am besten zu brauchen, wann die abgeschnittene Frucht noch auff den Breiten oder Stop- peln liegt und der Jaͤger in Zweiffel, ob der Hund vor Wachteln oder Lerchen stehet, dann ob wohl der Hund jederzeit viel fleißiger auf eine Wachtel, als ein Feld-Huhn suchet, dieweil die Spuhr den Hunden viel lieblicher und suͤsser ist, so betreugt es einem doch gar offt, daß man nicht weiß, welcher Sort en Spuhr man vor sich hat, wann der Hund vorstehet, denn er stehet offt vor einer Lerchen. Die Spinnweb-Garn werden zu allerley Sort en Voͤgel groß und klein gebrauchet, und auff eine Art gestellet, allein, daß sie zu den Ent-Voͤgeln, Schnepffen und Huͤhnern etwas staͤrcker, als zu kleinen Voͤgelein seyn muͤssen, wie leichtlichen zu erachten. Den Wachteln, sie seyn verschla- gen oder nicht, kan nicht besser Abbruch geschehen, als wenn nur noch eintzelne Frucht stehet, da stellet man die Steck- Gaͤrnlein, so viel man deren hat, machet eine Schnur mit Lapp-Federn, und bin- det unter dieselbige Schellen, dieß ziehen dann zween nach dem Verwinden allge- maͤhlichen nach dem gerichten Gaͤrnlein; Solcher Schellen Geraͤusch nun wollen sie entfliehen, und werden dadurch in die Garn getrieben: Dieses wird auch in langem Graß der Wiesen gebrauchet. Es wird feiner truckener Sand oder Staub in ein Tuch gefasset, und dersel- big uͤber die Stuͤck noch stehender Frucht geseet, das giebt in der Frucht ein groß Geraͤusch, als wenn es regnete, davor sollen sie auch sehr lauffen. Wollen sie nach diesen beyden erzehlten Arten nicht fort, so muß der Tyraß auff den Frucht- Breiten, so nieder geschnitten, das beste thun. Die Wachteln lauffen von kei- nem Gesaͤhme lieber in die Schleiffen, als von Hirschen, so nicht gescheelet, oder wo dessen feine lange Stuͤcke geseet seyn. Es halten etliche wenig von diesem Weyde- werck, weil es langsam von statten, und nicht jederzeit grosse und gute Gerichte zur Kuͤchen bringet, und die Aertzte un- gleich vom Wachtel-Wildpraͤth urthei- len, dann einer lobt es, der andere schilt es; Es hat auch ein Weydemann zu ei- nem Weydewerck besser Gluͤck als zum andern. Jch weiß einen Jaͤger, welcher auf einen Tag etliche und zwantzig Wach- teln gefangen haben will: Ferner hat ein vornehmer Jaͤger an den Wachteln dieses in acht genommen, so ich in seiner Warheit oder Unwahrheit beruhen las- se, daß ers selber gesehen und befunden, und seith der Zeit von keiner Wachtel es- sen wollen; Nemlich, daß sie sich in ih- rer gewoͤhnlichen grossen Geylheit, darin- nen sie sich gantz doll und unsinnig nach dem Weiblein sehnen, und herumb lauf- fen, auch Kroͤthen und gifftige Ungezie- fer anfallen, und mit ihnen coir en wol- len, welches vielen gnungsam unglaub- lich und unerhoͤhrt vorkommen mag, ich stelle es zu glauben oder zu lassen. Sonst ist gewißlich wahr, daß sie sich viel- mahl auch auff einen grauen Erdkloß se- tzen, und als wann es das Weiblein waͤ- re, zu handeln pflegen. Sie werden in den Kefichen, welche oben mit Leinewand uͤberzogen, gehalten, dieweil sie sonst leicht- lich die Koͤpff auffstossen wuͤrden; werden mit Weitzen, ungescheeltem Hirsen, Hanff-Koͤrnern und Mohn gespeiset; Nimmt seine Jungen gleich den Feld- Huͤhnern unter seine Fluͤgel, welches we- nig Voͤgel mehr thun. Die Pfeifflein zu diesem Weydewerck werden am be- sten von Katzen, und Storch-Beinen ge- machet, wiewohl etzliche die Marckbein von den Haasen genommen, ehe sie ge- brathen worden, oder wann sie gebra- then, Von der Jagd/ oder dem Weyde-Werck. then, haben sie die Feiste erst in Asch- und Kalck-Wasser fein ausgesotten. Jn Man- gelung voriger muͤssen die Gaͤnß-Beine daß Beste thun. Jn solche Beinlein wird in der Mitten ein Loch gemacht, mit gel- bem Wachs zugestopffet, und mit einem duͤnnen Hoͤltzelein zur Pfeiffen gemachet, und nach rechter Art gestimmet; Das Pfeiffen-Saͤckgen wird aus Cordewan oder geschmiertem angefeuchtem Leder ge- macht, geschnitten und genehet, etwa dop- pel zweyer zwerg-Finger breit, darzu wird dann ein rund Hoͤltzlein etwa Fin- gers dick geschnitzelt. Oben, so weit das Koͤpfflein werden soll, wird das Holtz biß auf ein kleines Bißlein umb und umb ab- geloͤset, und dann mit einem Faden an- gebunden. Nach der Hand wird ein fein breit Hoͤltzlein wie ein Schuͤpfflein ge- schnitzelt, darmit zwischen dem Saͤcklein und runden Holtz so angebunden, daß es gegriffen werden kan, die Falten oder Wachtel zu stossen, darmit wird nun die Wachtel gestossen, und mit ei- nem Zwirns-Faden gebunden. Dieser Falten und Wachteln machet man viel, als das genehete Saͤcklein ertragen kan, von 6. biß auff 8. oder 12. bindet es fest, laͤsset es trucken werden, und schlaͤget und poli rets aus, wie die Messer-Schmiede die Gewehr und Messer-Scheiden. Dann binden sie das Gebaͤnde auf, dre- hen und wuͤrgen das runde Holtz, dar- uͤber die Wachtel gebunden, also ab, daß das Ober-Theil am Koͤpfflein am Leder bleibet, streichen ein wenig Feiste oder Baumoͤhl mit einer Feder innwendig hinein, darmit das Beutlein geschmei- dig werde, und binden das Pfeifflein mit einem Faden fein dichte daran, darmit kein Athem oder Wind daraus gehe; Hinten wird an dem Kopff des Beutels ein doppelter Zwirns-Faden gedrehet, wenn man schlaͤgt, daß daran gezogen wird. Jm Schlagen ists gebraͤuchlich, das Pfeifflein in der lincken und das Beutelgen in der rechten Hand zu hal- ten; Daꝛmit auch etliche das nehen an dem Beutelgen desto besser verrichten koͤn- nen, lassen sie ihnen von Kalb-Leder, starcken Hammeln die Haut von den Schwaͤntzen gantz und rund abschneiden, und lassens die Gaͤrber bereiten, und machen dann aus denselbigen die Beut- lein, lassens einen Schuster fein bereiten, und schwaͤrtzen: Dieses giebt bestaͤndige Saͤcklein, daraus kein Wind faͤhret. Et- liche haben auff langen Staͤben, daran sie gehen koͤnnen, ihr Pfeifflein. Dieser Gaͤrnlein Farbe machen etliche aus un- geschoster gruͤner Frucht, ehe sie geschost, in dieselbige thun sie Allaun, und faͤrben sie darmit, will die Farbe einmahl nicht hafften, so wird es oͤffters gefaͤrbet; Et- liche brauchen allhier das bekante Safft- gruͤn in Eßig zerlassen. Es haben eini- ge die Geleiter von vier Moschen hoch ge- stricket. Vom L auff- und F lug- S chiessen. Ob wohl das Lauff- oder Flug-Schies- sen dem Feder-Wildpraͤth schaͤdlich, und mehr fuͤr eine Lust, als Menage zu hal- ten; Weiln oͤffters viel Voͤgel getroffen, so nicht gleich fallen, und dennoch unnuͤtz verderben muͤssen, sonderlich wann in der Bruth- oder Lege-Zeit alte Huͤhner unbesonnen geschossen werden, so ist es dannoch an sich selbst eine schoͤne, und herrliche Wissenschafft, darinnen abson- derlich die Frantzosen trefflich geuͤbt den Ruhm haben, und vor diesem allhier zu Lande gantz unbekant gewesen. Wer nun anfaͤnglich sich fleißig mit Dunst uͤbet, eine still flatternde Lerche in der Lufft zu treffen, nachgehends ferner ver- suchet, die nach einem rothen Huͤndlein an morastigen Wiesen langsam fliegende Kiebitz, oder auch Kraͤhen und dergleichen im Fluge zu schiessen, wird mit der Zeit ge- wahr werden, daß ein mit Fluͤgein aus- gebreiter Vogel, und ausgestrecktes lauf- fendes Wild, so noch dreymahl groͤsser, und breiter, leichter zu treffen ist, als ein sitzender Vogel oder druͤckender Hase, welches ein kleiner Klump, und leichte ge- fehlet werden kan. Nur dieß eintzige will erfordert werden, daß die Flint allzeit ge- spannet und fertig sey, auch mit steter Faust und scharffem Gesichte parat gehal- ten werden muͤsse; Wann was auffge- stossen, muß man augenblicklich anschla- gen, das Korn und fluͤchtige Wild zu sammen fassen, und wohin die Flucht mit dem Kopff gehen soll, nachdem es langsam odeꝛ schnell flieget, eine halbe Elle, eine Spanne, und dergleichen vorhalten, so wird gewißlich nicht leicht gefehlet wer- den. Worzu nun aber auch das fleißige Exercitium allerdings das Beste bey- U u 3 traͤget. Fuͤnffter Theil/ traͤget. Das Pulver mit starckem ab- gezogenem Brandewein etliche mahl be- sprenget, und in ein Leinen-Saͤcklein in die Wuͤrme gehencket, wird fein gleich und rasch davon. Die Schrothe gehoͤh- ren sich fein rund zu seyn, und giesset man solche gerne den mittelsten Tag de- rer drey Schuͤtzen in der Mittags Stun- de. Es ist nicht undienlich, wann man nach einer lauffenden Schieb-Kugel oder einem hoͤltzernen Teller oder in die Lufft geworffenen Huth zu schiessen, sich oͤff- ters uͤbet, biß man mit der Zeit auch die schnellsten und kleinsten Voͤgel, auch die Schwalben, treffen kan. Die Flinten hierzu muͤssen nicht lang oder schwer seyn, sondern einen mittelmaͤßigen Laufft und kurtzen Anschlag haben, damit man desto geschinder das Korn fassen koͤnne; Die Pfropffer auf das Pulver sind gut, wann sie von starckem Huth-Filtz ge- machet werden, weiln solcher die Schroth fein gleiche haͤlt: Jm Laden wird nach dem Augen-Maaß noch einmahl so viel Schroth als Pulver genommen, damit, wann ein Koͤrnlein fehlet, doch das an- dere treffe, und kan man also hierdurch, wann man einen Stoͤber-Huͤhner- oder Wasser-Hund vor sich suchen laͤsset, man- che schoͤne Lust haben, doch ist dieses, weil es oͤffters mißlinget, rathsamer und nuͤtzlicher auff der Reise in fremder Re- vier, als in seinem Gehaͤge zu gebrauchen. Weiln aber, wie vorhin gemeldet, ein solches lauffendes oder fliegendes Wild mit dergleichen Schiessen gar leicht gefeh- let, zum wenigsten doch, mit Schaden zu Schanden geschossen wird: So habe ich doch das vorjetzo gebraͤuchliche Lufft- Schiessen mit wenigem melden wollen, damit der geneigte Leser auch hierinnen voͤllige Satisfaction haben moͤge. Von dem F eder- S chuͤtzen. Damit ich nicht unsern teutschen Weydemann gar vergesse, oder gering- schaͤtzig verwerffen moͤge, muß ich eines teutschen Feder-Schuͤtzens allhier geden- cken. Ob nun wohl dieser einer solchen geschwinden Addresse, wie das Lufft- Schiessen, so gar eigendlich nicht benoͤ- thiget, so muß er doch auff die Natur und Eigenschafft des saͤmmtlichen Feder- Wilds genau acht haben, u. alle vorkom- mende Vortheile nach Unterscheid der Jahres-Zeiten wohl und vernuͤnfftig distingvir en; Zur Auer-Hahn- und Birck-Hahn-Paltz-Zeit fein lange tuͤch- tige teutsche Schroth-Buͤxen mit raschem Pulver, und starckem Schroth gebrau- chen, auch da es etwan in der Ferne, wie auff Trappen, Schwahnen, und Gaͤn- se, oder andere starcke Voͤgel, die Schro- the wohl fuͤttern, wie dann auch die Rin- gel-Tauben, und wilde Enten wohl ge- troffen seyn wollen. Das uͤbrige, als Hasel-Huͤhner, Krieg-Enten, Schnepf- fen und dergleichen, kan man schon mit einer Mittel-Flinte, und mit Mittel- Schroth bestreiten. Die Phasanen, Reb- Huͤhner, Wachteln, und dergleichen, werden mit ihrem Zeuge gefangen; Die Lerchen mit dem Streich-Netze, und die Krammets-Voͤgel auff dem Heerd oder in Thonen beruͤcket, wie dann leichte zu erachten, daß sowohl ein jegliches wildes Thier, als auch ein jeder scheuer Vogel sein Leben zu erretten, sich aͤuserst bemuͤhe, aus welcher Ursach der Mensch im Schweiß seines Angesichtes solches zu erwerben sich bemuͤhen muß, und ob ich wohl, die Wahrheit zu sagen, mit die- sem Feder-Spiehl so gar viel nicht umb- gegangen, sondern mich meist von Ju- gend auff zur Jagd-Wissenschafft wilder Thiere applicir et, so habe doch vom Vo- gelstellen dieses nicht uͤbergehen, sondern dem geneigten Leser hiervon nur etwas melden wollen; Worbey ihm kein bes- seres Tract aͤtgen, als des Johann Conrad Aittingers vollstaͤndiges Weyde-Buͤchlein von dem Vogelstellen, in laͤnglichtem For- mat zu Cassel und Franckfurth am Maͤyn gedruckt, zu lesen recommendir en kan, darinnen der geneigte Leser eine aus- fuͤhrliche Information finden wird. Was nun aber der Wasser-Budel und Schieß- Hunde Art, Natur, und Abrichtung betrifft, davon habe ich bereits im Drit- ten Theil meiner Teutschen Jagd aus- fuͤhrlich geschrieben. Wird also nun wohl hoffendlich nichts mehr uͤbrig seyn, als der fleißigen Application dieses Wercks sich auffs beste zu befleißigen; Maassen, weiln die Gelegenheiten, Situa- tion en, Landschafften, Natur und Ge- wohnheiten derer Voͤgel unterschiedlich, nicht minder auch die Jahres-Zei- ten mercklich differir en, man nichts eigend- liches zu einer Universal- Regul melden kan, Von der Jagd/ oder dem Weyde-Werck. kan, als eine fleißige Ubung, gutes Ge- wehr, auch geschwind rasches Pulver, eine stete Faust und helle Augen, so ei- nes Schuͤtzens vornehmste Requisita sind; Alle andere aberglaͤubische abgeschmackte Kuͤnstgen aber uͤbergehe hierbey mit gu- tem Bedacht und allem Fleiß. Vom dem V ogel- S teller. Ob wohl ein Vogelsteller nicht also behertzt, starck und muͤhsam, als ein Weydemann oder Jaͤger auff vierfuͤssi- ge Thier seyn darff, so muß er doch auch unverdrossen, und eine solche Person seyn, so Hunger, Durst, Wachen, Frost und Hitze, Muͤhe und Arbeit, so wohl als ein Weydemann auff vierfuͤssige Thier er- dulden kan, sonderlich ein Huͤhner- und Kram̃et-Vogel-Steller, so auch vielmahl grosse Berge, Thal und Landes-Arten durchlauffen muß; Und ist dieses auch eine feine und loͤbliche Ubung der Ge- sundheit. Ja wie ein Weydemann sei- ne Hunde auff vierfuͤssige Thier abrich- tet, eben also muß ein Vogel-Steller sei- ne Hunde auff Enten, Huͤhner, Wach- teln, und Raub-Voͤgel zum vorsuchen, vorstehen, reichen und hohlen, was da ge- puͤrschet worden, und auf ander Gefie- der mehr abzurichten wissen. Wie auch ein Jaͤger mit dem Horn seine besonde- re Gemercke den Jaͤgern und Hunden zu Anfang und zu Endung der Jagden giebet, also muß ein Vogel-Steller al- lerley Art Geschrey mit Pfeiffen und Lo- cken lernen, seine Lock-Voͤgel ziehen, fangen, gewoͤhnen, und abrichten, zu rech- ter Zeit aus- und einsetzen, anlegen, und so etwa daran ein Mangel vorfaͤllet, ab- wenden, auch allerley Art seltzamer Ne- tze und Stricke bereiten, und machen koͤnnen; Hieruͤber mancherley Gevoͤgel in dem Fluge und an dem Gesange er- kennen; Und wie ein Weydemann den vierfuͤssigen Thieren nachschleichet, und ihnen ihre Raͤncke und Liste ablernet; Also muß gleicher gestalt der Vogel-Stel- ler den Voͤgeln nachgehen, und ihre Ge- legenheit und Liste erfahren, und ihme bekant machen, auch darnach seine Stel- lung anrichten, wann auch an den Staͤ- ben oder Netzen etwas vorfaͤllet, so verhin- dert, daß die Waͤnde, sonderlich in gros- sem Winde, uͤber- oder in der Mitten, wie ein Dach zusammen schlagen, den Stell-Platz oder Erden nicht beruͤhren und in der Hoͤhe bleiben, so, daß bald an diesem, bald an einem andern Ort Man- gel erscheinet, bald auch bey den Seiten- Saͤumen nach den Staͤben sich die Garn uͤber einen Hauffen ziehen, oder sich Stroh, Reisig, oder Dornen darmit ein- legen, oder etwa an den Scheeren und dem Zuge ein Theil laͤnger/ als das andere wird, oder was sonst bald hier, bald doꝛt im Stellen, Uberziehen, Gelocke, Geschrey, bey denen Laͤuffern oder an- derm vorfaͤllet, so muß er solches zu ob- servir en, und zu aͤndern wissen. Man soll auch von Anfang des Aprilis biß in Julium das Gefieder mit frieden lassen, und sonst zusehen, daß das junge Gehe- cke des Gesieders nicht verdorben, und zur Unzeit ausgehaben werden, mithin dem Voͤgel-Stellen dadurch Abbruch ge- schehen moͤge, auch sich auf keine zaube- rische Sachen geben, oder denselbigen glauben, sondern sein angefangenes Fe- der-Weyde-Werck in Gottes gnaͤdigen Willen stellen. Daferne er auch gefra- get wuͤrde, wo der Vogel Herbstzeit sei- nen Strich hin habe, kan er aus des Herrn Rudolph Heußleins Bericht ant- worten: Daß sie zur Herbst-Zeit nach Alexandria und in die warme Laͤnder reiseten, und hergegen zur Fruͤhlings- Zeit, wann die Hitze derer Orten zu groß wuͤrde, wiederumb zu uns in Europam kaͤmen, oder zur Herbst-Zeit von Mor- gen gegen Abend, und hergegen im Fruͤh- ling von Abend gegen Morgen zoͤgen. Jtem wann die eingefangene Voͤgel im Fruͤhling fein niedlich waͤren, annoch grosse Kaͤlte verhanden waͤre; Wann Ungewitter zu vermuthen, die Voͤgel alsdann eine Weile zuvor die uͤbrige Speise suchen und zu sich nehmen, damit sie solches Ungewitter ausdauren koͤn- nen. Auch muß er alles noͤthige anzu- stellen und anzuordnen verstehen, was bey dem Vogel-Fang vorkommen koͤnne. Er kan sich auch beym Vogel-Stellen nachfolgenden Calenders gebrauchen; Als Februarius und Martius geben aller- ley Striech-Voͤgel im Wieder-Flug, son- derlich Schnepffen, biß durch den April; May giebet Wachteln, Junius Staaren und allerley Wald-Voͤgel, so mit Huͤt- ten, Kloben und Leim-Ruthen gefan- gen Fuͤnffter Theil/ gen werden, Julius giebet junge halbwach- sende Feld-Huͤhner, Tauben und der- gleichen; Augustus Tauben, Sang-Voͤgel und Wasser- oder Traͤnck-Heerde; Sep- tember allerley Strich-Heerde, Lerchen und dergleichen; Jm October Cram- met-Voͤgel, Strich-Heerde und Halb- Voͤgel; November, December und Ja- nuarius die Lager-Heerde, auf die Kram- met-Voͤgel, und jederzeit dann auch die Feld-Huͤhner mit herzunehmen seyn. Am meisten aber recommendi re des Herrn von Hochbergs Calendarium per- petuum, durch alle Monathe im gantzen Jahre, das Weydewerck mit gutem Nu- tzen zu treiben, da wird man eine ge- nungsame ausfuͤhrliche Information ha- ben koͤnnen, sich in allen vorfallenden Begebenheiten darnach zu richten. Von einem Vogel-Heerd. Es muß vor allen Dingen bey alten Bauern, Schaͤfern, Hirthen, Feld-Huͤ- thern, und dergleichen sowohl der Ort, als auch dieses mit Fleiß erkundiget wer- den, woher insgemein der Vogel jaͤhrlich im Herbst seinen Zug, Strich oder Flug halte, daß man nicht vergebens daselbst an unrechten Ort baue, oder Unkosten unnuͤtzlich anwenden moͤge. Sodann richtet man in zeiten drey Wochen vor Michaelis den Vogel-Heerd an: Jn Vor- Hoͤltzern auf flachen Hoͤhen, niedrigen Bergen oder Schlufften, wo daselbst et- wan Wacholder-Straͤucher, oder ander kurtz Gestripp, und jung Gehaͤuigt ge- wachsen, und das hohe Holtz weit abge- legen; Daselbst wird der Platz eben ge- machet und nach Laͤnge der Schlag- Waͤnde, meistens auf 18. Ellen geraͤu- met, und soweit die Waͤnde reichen, ein kleiner Graben, wie eine Furche, verfertiget, darinnen die Netzen liegen, umbher aber wird ein Gang gelassen; Auswendig herumb wird ein Haack von kleinen mittelmaͤßigen und grossen Straͤuchern besetzet, und duͤrre Stell- Baͤume oder hohe Haackreisser zum auff- sitzen feste eingegraben. Jn der Mitte des Platzes wird der Strauch nach Groͤs- se der Waͤnde bestecket und voller zeiti- ger Wacholdern, Ebrischen-Beeren, Schleen, und dergleichen bespiecket, dar- innen werden, wie auch aussen herumb, in den Haack die Lock-Voͤgel gesetzet. Die zwey Waͤnde muͤssen hinten und vorne mit starckem Dremmel durch die Leinen, und eingeschlagene Hefftel angespannet seyn, daß man sie mit einer Hand, als ei- nen Blitz zuziehen koͤnne, dann schlagen die beyden Waͤnde uͤber den Strauch oben zusammen. Wenn man auff hoͤhret, und weg gehen will, und zu besorgen stuͤnde, daß es Schnee oder reiffen wol- te, muß man den Strauch mit seinen Beeren die Nacht uͤber zudecken: Fruͤh Morgens aber vor Tage, da der Vogel zeitlich ziehet, alles wiederumb zuberei- tet seyn. Dann der Krammets-Vogel streichet mit angehendem Tage am besten, und waͤhret biß 10. Uhr vor Mittage, dann gehet man zu Hause und fuͤttert die Voͤgel. Biß umb Michaelis mag man wohl die Ebrischbeer brauchen, vor die Drosseln und Zippen: Wann aber der Ziemer oder Kram̃ets-Vogel kommt, brauchet man alleine Wacholder-Beer, denn sie fressen solche lieber. Die Huͤt- te, worinnen man sich befindet, ist am besten ein niedriges flaches Haͤuß- lein von acht Ellen lang, und sechs Ellen breit, von Holtze geschrothen mit einer Thuͤr zur Ecke, und einem kleinen Vor-Haͤußgen, einer Stuben-Thuͤr und zwey Glase-Fenstern, auch zu beyden Seiten mit einem Ofen, darinnen man einheitzen kan; Zumahl es zu solcher Zeit kalt zu dauren ist; Nach dem Heerd zu aber muß ein klein Treppgen, und Thuͤrmgen, mit kleinen Kuckloͤchern seyn, das Tach aber mit Schindeln be- schlagen, und zur Vogel-Fang-Zeit al- lenthalben mit dannen-sichten- oder kiefernem Reiß, so im zunehmenden Monden gehauen seyn soll, gantz uͤber gruͤn bekleidet seyn; Jst es das andere Jahr roth, muß es wiederumb frisch angemachet werden, daß sich der Vogel vor nichts scheue: Doch muß das Hauß solch Reiß haben, und mit dem Haack umb selbiger Gegend uͤbereinkommen. Umb Galli mercket man gewißlich den Kram- mets-Vogel streichen, welcher den Win- ter uͤber bey uns bleibet, und im Fruͤh- ling Abschied nimmet, und sein Geaͤß so- wohl des Abends und Morgens nimmt. Sie verbergen sich uͤber Nacht vor der Kaͤlte in warme Wacholder-Straͤu- cher, und laubichte Haag-Eichen, dar- an Von der Jagd/ oder dem Weyde-Werck. an das Laub geblieben. Das Gerege wird an eine Stange gemacht, da oben ein Loch, wodurch ein schwartzer Zwirn- Faden gezogen, und daran ein lebendiger Lock-Vogel gebunden wird; Wann dieser gezucket wird, und in die Hoͤhe flieget, begiebt sich der von Ferne kommende Vogel desto eher herzu. Die Lock-Voͤgel in Gebauern muͤssen aus- serm Wind etwas erhaben in dicke Ge- buͤsche angebunden, und mit Reiß beste- cket werden, so sollen sie besser locken, als man mit dem Munde pfeiffet, ist auch natuͤrlicher. Die Fall- oder Haack-Reis- ser, welche fein schwach ausgelesen, und in der Fasten-Zeit gehauen werden sol- len, werden nicht uͤber 10. biß 12. Ellen hoch gelassen, weil auff gar zu hohen Haack-Reissern der Wind die Voͤgel leichtlich verschlaͤget. Die Thuͤringer sind hierinnen gute Vogel-Steller, von wel- chen mehrere Nachricht zu erlangen. Wie man denn auch hiervon aus ermeldten Autoris, Johann Conrad Aittingers Be- richt vom Vogel-Stellen pag. 261. biß 291. von dem Strich und Lager-Heerd der saͤmmtlichen Kram̃et-Voͤgel eine mehre- re und ausfuͤhrlichere Nachricht haben kan, dahin ich den geneigten Leser ge- wiesen haben will, sich darnach bey al- len vorfallenden Begebenheiten einzu- richten. V ogel-Waͤnde und N etze zu stricken und zu stellen. Alle Schlag- und offenbahre Waͤn- de sind nach der Zwerg-Breite und nicht nach der Laͤnge, nach etlicher Weydleute Opinion, zu stricken: Hergegen alle Waͤnde, so zugeleget und gedecket wer- den, muͤssen nach der Laͤnge, und nicht nach der Breite gestricket werden. Die grossen hebt man mit einer Moschen an, wiewohl sie sonsten etliche lieber mit drey- en oder mehr Moschen anfangen, die- weil es im Einlesen sich nicht so liederlich verwirret. Dieses stricket man so lange, biß es funffzig oder sechszig Ellen errei- chet, alsdann loͤset mans an eine Schnur, und strickets sechs oder siebendhalbe El- len lang, oder sechszig, auch wohl sechs und sechszig Moschen hoch oder hundert und dreyßig mahl herumb. Ehe man aber biß auff viermahl das Ende errei- chet, stricket man erstlich mit einem klei- nern oder engern Stoͤcklein, darnach mit einem groͤbern Zwirn, und weiterm Stock herumb; Dieß giebt also die Sohl- Moschen, darinnen denn der Saum kommt, und gehet oben und unten an beyden Enden. Die Schlag-Waͤnde auf grobe Voͤgel duͤrffen nicht so lang in die Breite, als die engen gestrickt werden, wegen ihrer weitlaͤufftigen Moschen, die sie uͤberkommen. Diejenigen, so nach der gemeinesten und bekantesten Art stri- cken, heben die Lerchen-Waͤnde mit vier und sechszig Moschen an, und stricken sie nach ihrem Gefallen, von funffzig biß auf sechzig Ellen. Je reiner und vester der Strick-Zwirn, je besser und schoͤner die Netze liegen, wann sie gespannet werden. Die starcken Vogel-Steller, so sie laͤnger, dann neuntzig oder hundert Schuhe brauchen, machen sie laͤnger, wiewohl sechzig Ellen eine schoͤne Laͤnge machet. Wañ sie ihre gebuͤhrende Groͤsse im Stri- cken haben, werden sie nach der Laͤnge eingelesen, noch einmahl uͤberstricket, und dann die weiten Sohl-Moschen auff beyden Seiten gestricket, und in ihre Saumen gelesen. Dann so sie an die Ober-Saͤume keine Vorseiler brauchen, laͤsset man den Ober-Saum von beyden Theilen so weit vorgehen, daß sie darmit bestehen, und die Garne spannen koͤn- nen, und alsdann muͤssen solche Saͤume uͤber vier und zwantzig oder uͤber sechs und zwantzig Klafftern lang seyn, an ei- ne Wand; Die aber besondere Vorseiler brauchen, mit welcher Manier ich auch umbgangen, ziehen vor solche Spann- Saͤume dritthalb, oder drey Klafftern ab, und lassens alsdann bey zwantzig Klafftern bleiben. Die Unter- und klei- ne Saͤume, nachdem die Netze lang seyn, sind von sechszehen oder mehr Klafftern, hernach die Saͤume nach Laͤnge der Staͤ- be sieben oder acht Schuh. Es kommen zu einer Wand zwey Zaffeln oder Straͤn- ge Zwirn und also zu beyden Waͤnden vier Straͤnge Zwirn, bey nahe ver- braucht man zu Scheeren-Zug-Ober- und Unter-Saͤumen bey die neuntzig oder hundert Klafftern, beyderley Saͤu- me gleichfalls. Die, welche die Garne mit Schlupff-Seilen, und die Staͤbe mit Wartzen bestellen, die machen vorne an die Saͤume Schleifen, daß sie darmit die Saͤume an die Staͤbe haͤngen, die aber, die beyderley Art Gelencken brauchen, machen keine Schleifen daran, sondern binden die Saͤume an die Staͤbe oder Klincken. Es stellet ein Jeder, nachdem ers gewohnet, Krammets-Voͤgel und X x der- Fuͤnffter Theil/ dergleichen Busenreiche Waͤnde, so uͤber die Buͤsche schlagen; Solche werden von 80. Moschen angefangen, und fuͤnff und zwantzig Ellen lang gestricket oder erst mit drey Moschen, und dann, wie jetzt bericht, gestrickt. Reusen zu Voͤgel und Fischen, mit schlechten oder doppelten Ahlfachen, an beyden Enden oder der Mitten derselbigen allein werden nach eines Jeden Gutduͤncken kurtz oder lang gestricket, jedoch von vier und zwantzig biß auff etliche dreyßig Moschen angefangen, und von dreyen biß auff vierdtehalb Ellen auf das meiste in die Laͤnge gestricket, dann nimmt man ab, biß es ein kleines Loͤch- lein giebt, da die Voͤgel hinein schlieffen muͤssen, und stricket am weitesten Ort oder Theil ferner fort, biß es bald die Laͤnge hat, und alsdann nimmt man wieder ab, wie vorhero das erstemahl. Dieß giebt die Reusen, so an beyden En- ten Ahlfache haben, man kan sie auch auff diese Manier mit so viel Ahlfachen machen, als man selber will. Diese Reusen werden in drey oder vier Reiffe gefast und mit einem Gaͤbelein auffge- spannet, welcher Stab dann am andern Ort mit einem Schnuͤrlein angehefftet wird, will es aber eine Gabel nicht thun, so machet man auff die andere Seite noch eine andere. An den Born- und Buͤgel- Garn ist sonst nicht viel gelegen, wie hoch und breit dieselbigen gestricket werden, dann nach Gelegenheit der Traͤncke, und des Orts werden sie rund, wie eine Scheibe oder Wurff-Garn gestricket, welches in einen Saum gezogen, und an einen halben runden Buͤgel-Reiff jede Helffte besonders angemachet, und die eine Helffte angepfloͤcket wird, die an- dere aber ledig bleibet, wie hernach wei- ter gedacht werden soll. Es halten von diesem Buͤgel-Garn etliche sehr wenig, brauchen lieber eine eintzelne Wand da- vor. Jn die hohen Netze, welche auff die Schnepffen, und andere grosse Voͤ- gel gebrauchet werden, und viertzig biß funfftzig Ellen lang, zwoͤlff, funffzehen, oder gar mehr Ellen aber hoch gestricket sind, und am Strick-Stock weiter ge- stricket werden, als das Huͤhner- und Wachtel-Geleither, deren eines Theils doppel, oder dreyfach sind, und muß man einen Zwirns-Faden von anderthalb Ellen, oder drey Schuh theilen, und al- so hiernach die gevierdten Moschen rich- ten, so bleibet eine Mosche neun Zoll lang; Jn diese gehoͤhret nicht mehr, dann ein Ober-Saum, in die Rinnen und Ha- bicht-Garne aber gar keine, oder in etli- che Ober-Saͤume, die werden umb und umb mit Hasen-Zwirn umbstricket. Aus diesen erzehlten Anfaͤngern der Ne- tze sind allerley Sort en, sie seyn hoch oder breit, wohl anzufangen, und zu stri- cken, als Tyraß, Schnee- und Nacht-Gar- ne, ausser die Lerchen-Nacht-Garne, wel- che von einer Moschen angefangen, und wie das Geleither am Huͤhner-Zeug nach Art der Weiber-Gestricke, darin- nen sie wiebeln oder nehen, gemachet werden, und wird biß auff die Helffte der Laͤnge des Garns, immer an bey- den Enden zugegeben, und am andern Ort abgenommen, wie die Strick-Wei- ber einen jeden berichten koͤnnen. Die Stellung der Netze und Waͤnde geschie- het folgender Gestalt: Wann man den Stell-Platz wohl ausgesehen, und ab- gemahlet, so messet man erstlich die bey- den Forder-Staͤbe mit den Wartzen uͤ- ber einander, so weit als sichs gebuͤhret, etwan ein oder anderthalben Schuh breit, aus Ursachen, wann die Saͤume schlaff und der Vogelsteller nicht allzu starck ist, gleichwohl die Waͤnde in der Mitten zusammen reichen koͤnnen; Hier- auff schlaͤget man die zweene Schlupffsei- ler-Pfloͤcke ein, und machet die Schlupf- fen daran. Diese Schlupff-Seiler muͤs- sen so lang seyn, daß sie an einem Ende an den Pflock, und an dem andern an den Stab geschleiffet werden koͤnnen. Darnach machet man die zwey Vorder- Spann-Saͤume daran, und schlaͤget vor die Ober-Wartzen der Staͤbe einen Pflock, daß sie im Anziehen der Spann- Saͤume nicht ritzschen koͤnnen; Nach diesem messet man die Breite der Staͤbe von einem Spann- oder Pfahl-Pflock zum andern, daß sie nicht weiter, als die Spann-Pfloͤcke Platz vornehmen koͤn- nen, und alsdann machet man die Netze oder Waͤnde mit des Ober-Saumes Schleiffen an das Ober-Theil der War- tzen des Stabs, des Unter-Saumes Schleiffe aber wird an das unterste und dicke Theil der Stabs-Wartzen ange- schleiffet; Jedoch muͤssen die Schlupff- und Spann-Saͤume erst ledig gema- chet, die Schleiffen an Netzen, Ober- und Unter-Saͤumlein, erstlich an beyde Ort der Wartzen des Stabs gestossen, und darnach die Spann- und Schlupff- Seiler darbey an jeden gehoͤhrigen Ort wieder angemachet, und folgends das gantze Von der Jagd/ oder dem Weyde-Werck. gantze Garn ausgelauffen werden. So weit und lang nun der Unter-Saum des Garns reichet und wohl gezogen werden kan, so ferne muͤssen die Hinter-Staͤbe angehen, und die Pfloͤcke darzu auch mit ihren Hinter-Schlupff-Seilen ange- schleiffet werden. Hierzu brauchen etli- che zur Gewißheit, daß die Heerde gleich geschlagen werden, eine Richtschnur, heff- ten dieselbige an den erstgeschlagenen Haupt-Pflock, und lauffen damit so weit, biß wieder hinten auf den hintern Haupt- Pflock, da derselbige eingeschlagen wer- den muß, ziehen das Schnuͤrlein fein steif, und nehmen in acht, daß alle vier Haupt- und Schlupff-Seiler-Pfloͤcke in eine rechte gleiche Linie reichen; Und die- ses ist also auch auff den andern Fluͤgeln ebenmaͤßig zu observir en. Wann nun solches in acht genommen, lassen sich die Wande sehr gerne uͤberziehen, wann sie steiff und recht gespannet werden. Et- liche schlagen den hintersten Pfahl-Pflock umb einen halben Schuh oder einer zwerchen Hand breit hineinwerts, in der Meynung, daß die hintersten Staͤbe de- sto gerader uͤberschlagen sollen. Wann das geschehen, werden die Hinter-Staͤbe in die Unter-Saͤume mit den Wartzen geschleiffet, und in die Schlupff-Pfeiler gezogen: Jst der Saum hierzu etwas zu kurtz, und sind die Pfloͤcke mit den Schlupff-Seilern nicht erreichet, kan sol- cher mit der Stell-Hacke hinbey ge- bracht werden, also, daß der Hacken- Stiehl wider den Schleiff-Pflock gese- tzet, und der Stab darauff herbey ge- ritzschet, und auch angehencket wer- den kan. Darauff wird der Ober- Saum, so steiff gezogen, mit oder ohne Rollen, als man immer, und es der Ober-Saum erleiden kan, und werden die hindersten Staͤbe mit den Kuͤmmen in den Ober-Saum gespan- net. Wann die Staͤbe mit den Saͤu- men ritzschen, so reibet man sie ein we- nig mit Erden, daß sie rauch werden. Etliche machen auch an die Saͤume Schleifen, so sie wiederumb koͤnnen auf- machen, und etliche machen wohl einen Knothen, der wider den Stab liegen bleiben muß: Diese Knothen und der Busem der Netze verdrehen sich zu sehr, darumb solche nicht viel nuͤtze. Hierauff werden die Scheeren an ihre zwey schrem̃ eingeschlagene Pfloͤcke auch angema- chet. Nach Vollziehung dieser Stellung, und Anfestigung des Zugs, wird umb die Pfloͤck, Staͤbe, Saͤume, und das, was zu hoch, und die Netze nicht recht liegen laͤsset, mit der Stell-Hacken abge- raͤumet, wollen die Vorder-Staͤbe we- gen zu harter Spannung nicht liegen, so werden sie mit schwachen Hoͤltzlein, an den Ober-Saum so nehrlich angehefftet, daß es gleichwohl zu erziehen, und uͤber- zubringen ist. Von denen Lock-Voͤgeln und Vogel-Gebauern. Nach was vor einer Art grosser, mittler, oder kleinerer Voͤgel man stel- len will, dergleichen Gelocke oder Lock- Voͤgel muß man auch haben, und sie vor allen Dingen vorhero zahm erziehen, wenigstens die bereits gefangene, so viel moͤglich, kuͤrre machen und gewoͤhnen. Und weiln nur eigendlich von den Zie- mern oder Kramets-Voͤgeln, wie sie auf dem Striech- und Lager-Heerd zu fan- gen, gesaget habe, so muß auch wegen der Fuͤtterung solcher Lock-Voͤgel ein weni- ges errinnern. Werden demnach diesel- ben gefuͤttert mit weitzenen Kleyen, son- deꝛlich mit gꝛobem gerstenem Gꝛieß-Mehl, und Aaß, so mit lauem oder kaltem Was- ser, darunter suͤsse Milch geruͤhret wor- den, angemenget wird, alsdenn thut man rothe Eberisch- und Wacholder- Beeren darunter, daß es dick, wie ein Brey wird. Sie sollen auch von Wuͤr- mern, Fliegen, Schnacken, Beerlein von Stech-Palmen, Mehlbaͤumen, Eckern, und voraus der schwartzen Maßholder, und Ebrisch-Beeren, von Saurach und Mirten-Koͤrner leben, auch kan man ih- nen bißweilen duͤrre Feigen zerschnitten unter den Teig und Geaͤß thun. Die Speise soll ihnen fein veraͤndert werden, daß sie derselbigen nicht muͤde werden und einen Abscheu davon haben. Es schnei- den auch etliche Obst, und weich ohne Saltz gekochte gelbe Ruͤben, gedoͤrrte Aepffel und Birnen fein klein, und men- gen ihnen solches unter dit Speise; Mei- nes Erachtens koͤnte nicht schaden, daß Heydel-Beeren, und andere dergleichen Beerlein, welche ohne dieß die Halb-Voͤ- gel hier zu Lande gerne essen, und haͤu- fig wachsen, doͤrrete, hernach in Wasser X x 2 qvelle- Fuͤnffter Theil/ qvellete, und ihnen zur Veraͤnderung der Speise mittheilete; Dann die Feygen sind in diesen Landen zu theuer. Es soll ihnen auch Hierschen und Mohn trefflich gut seyn. Es gehoͤhret sich diesen Vogel sehr fleißig zu warten, und die Gebauer und Trinck-Geschirr fein rein zu halten, und ihnen bißweilen Fenchel ins Trin- cken zu legen, auch Sand, welches kein Gefieder entrathen will, beyzeiten uͤber sie in ihr Haͤußlein werffen. Colerus ge- dencket, daß man ihnen auch bißweilen Kreiden ins Trincken schaben solle. Bey diesem Weydewerck ist mercklich viel an gutem Geloͤcke, und dem Pfeiffen gele- gen, welches mit einer Bircken-Schaa- len, Lilien- oder Zwiebel-Blatt geschiehet: Man findet gleichwohl auch Weydeleut, die auff das Gelocke mit dem Pfeiffen nichts achten, dieweil es dem natuͤrlichen Gelock nimmer gleich ist. Die Vogel- Bauer und Gehaͤuser werden auf man- cherley weise gemacht. Etliche rund, wie eine Kugel, von lauter Drath, welche o- ben einen eysernen Ring haben, wie zu den Papageyen, Kruͤnitzen, Zeißlein, und Hirngrillen; Etliche halb rund, Bo- genweise, etliche laͤnglicht, von drey oder vier Spruͤngen, als zu den Nachtigallen; Etliche weit und hoch, und in der Mitte ein rund Hoͤltzlein, als ein doppelter Tha- ler oder kleines Tellerlein, mit doppeltem Tuch uͤberzogen, zu Lerchen, daß sich der Vogel drauff schwingen und setzen kan; Etliche seynd gar enge, etliche allenthal- ben offen nur mit Sproͤßlein verwahret, etliche haben nur auf den Seiten Sproͤß- lein, etliche seynd in Form eines Him- mel-Bettleins, mit vier Saͤulen, umb und umb, oben und unten haben sie ein Paar zwey Finger breites Brettlein, und das Decklein oben ist auch von einem guten gantzen Brettlein, sonderlich vor die geblendete Fincken, damit dieselben im Regen am Singen nicht gehindert wer- den. Das Boͤdlein ist unten abgethei- let, an statt des Troͤgleins wird an den Boden ein Stuͤck Brettlein, und dann auf der Seiten ein Schrem-Brettlein daran geleimet oder genagelt, das giebt das Eß- Troͤglein. An das uͤberbliebene Theil des Bodens wird ein Brettlein hinten mit zweyen Zapffen, daß es auf und zu gemachet werden kan, bereitet. Bey dem Troͤglein auf der Seiten werden auff beyden Backen Loͤcherlein gebohret, dar- in wird ein klein hoͤltzern Naͤgelein ge- stecket, daß damit das Boden-Brettlein, wann man den Mist ausfeget, kan auff- und zugemachet werden: Und dieses ist auch der Eingang des Vogels ins Haͤuß- lein. Das Trinck-Troͤglein koͤmmt vorne vor das Haͤußgen, und wird statt des Sproͤßleins ein Gaͤbelgen daselbst vorge- machet, daß der Vogel mit dem Kopff dadurch trincken kan. Etliche halten viel von draͤthern, etliche von hoͤltzern, etliche die wie ein Bogen oben rund, die andern platt und viereckigt seyn, und sol- ches nach eines Jeden Gefallen. Et- liche die fleißig uͤber den Busch stellen und viel Gebauer nicht mitschleppen wollen, lassen ihnen ein Vogelhauß auf eine run- de Scheibe machen, dergestalt, sie theilen dieselbige in sechs, acht oder zwoͤlff Theil, darnach sie dieselbige groß haben, oder viel Lock-Voͤgel darein setzen wollen, auch wolte ich sie groͤsser nicht, als von sechs oder acht Fachen wuͤnschen. So man- ches Fach, so manche Saͤulen sind, und in der Mitten eine grosse Saͤule. Umb solche grosse Saͤule werden kleine Bret- lein umb und umb geleimet oder gena- gelt, dieß giebt alsdann in alle Fache die Eß-Tꝛoͤglein. Oben hat die Saͤule ein Loch, und ist gekerbt, wie eine Stoll am Him̃el- Bette, das Essen dadurch zu schuͤtten, aus- sen aber wird jedem sein Traͤnck-Troͤglein angehenckt. Ein jeder Vogel muß sei- nen Gebauer haben, denen Reb-Huͤh- nern, Wachteln und dergleichen Voͤgeln, werden die Decken mit leinewand bezo- gen, weil sie mit den Koͤpffen wieder ruͤhren. Die Haͤußlein, so rund sind, haben die Vogelsteller gerne, weil die Ne- tze nicht daran hangen bleiben, die aber mit zwey und mehr Fachen uͤber einan- der sind, gehoͤhren zu den Stuben-Voͤ- geln. Die Pommet en, darinnen Meisen und andere Sang-Voͤgel eingefangen werden, werden auff verschiedene Art gemachet mit 3. und mehr Fachen, in welchen das Mittele hoch, und ein Lo- cker darinne sitzet, deren etliche von Drath, wie eine Reuse, daß sie herein fallen und kriechen, und etliche wie die gemeine Schlaͤge formir et sind. Vom Von der Jagd/ oder dem Weyde-Werck. Vom Thonen-Fang und Vogel-Leimb. Der Thonen-Fang oder das Schnei- sen, welches hier zu Lande am gebraͤuch- lichsten, faͤnget sich bald nach Jacobi an, wann die rothen Ebrisch-Beere, welche uͤberaus hell hervor blicken, reiff, jedoch nicht uͤberstaͤndig, oder gar zu dunckel- roth werden; Und sind zweyerley Tho- nen: Buͤgel- und Bast-Thonen. Die Bast-Thonen werden gekaufft, das Schock zu zwey Groschen oder mit gros- ser Muͤhe gemachet: Die Buͤgel-Tho- nen aber werden also verfertiget: Nem- lich man ziehet oberhalb des Buͤgels vier Schlingen von Pferde-Haaren hin- durch, fuͤget Windhaare daran und hen- cket Ebrisch-Beer darunter. Wann nun der Vogel im Spriegel sitzet, und nach den Beeren langet, stecket er den Halß durch die Schlingen, und so er fort flie- gen will, ziehet sich die Schleiffe zu, daß er erwuͤrget, und daran hangen bleibet. Solcher Thonen-Steig ist am nuͤtzlich- sten in kleinen Feld-Buͤschen, Thal und Gruͤnden, wo moͤglich an Wasser-Baͤch- lein, auch ist dieser Thonen-Vogel-Fang meist vor Drosseln oder Zippen, wann der Reiff faͤllet, und ist die beste Zeit hier- zu vierzehen Tage vor Michaelis, und so viel Tage hernach, denn der Ziemer faͤn- get sich nicht, als nur die Zipp und klei- ne Voͤgel. Man muß des Morgens, da sie sich beym Nebel, Reiff, und Frost am besten fangen, solche nicht stoͤhren, son- dern umb 10. Uhr erst hingehen. Die von kleinen Voͤgeln, Roth-Kehlichen oder Meisen abgefressene Ebrisch-Beer wie- der ersetzen, und die krummen Schlin- gen einrichten. Und weil der irdische Fuchs die Thonen-Steige fleißig besuchet, nimmt man ein Flintgen, ihn anzubla- sen, daß er roth wird. Man faͤngt die Voͤgel auch mit Leimb, welcher von Ei- chen-Mistel-Beerlein gemachet wird, so man mit Wasser in einem Topff zwey Stunden siedet, und allzeit umbruͤhret, daß sie wie ein Brey werden. Man gies- set hierauff diesen Leimb in eine Schuͤssel mit frischem Wasser, ruͤhret solchen wohl umb und vermenget ihn mit Lein-Oehl, Terpentin und Baum-Oehl oder Schmaltz, haͤlt ihn uͤber eine gelinde Gluth, daß sich alles vermische, weich und zehe werde. Tannen-Hartz ist auch gut, und gemeine Mistel-Beere von Kiefern oder Fichten, wegen ihrer Fettigkeit. Wann nun der Leimb zubereitet wor- den, werden Spillen von kleinen Hoͤl- tzern geschnitzet, der Vogel-Leimb darauff gedrehet, und in ein Kaͤstlein geleget. Wann man nun stellen will, und den Flug ebenfalls, wie bey dem Heerd, ge- mercket, auch daselbst gewoͤhnliche Lock- Voͤgel hin und wieder gesetzet, werden lange Stangen aussen an die Baͤume ge- lehnet, und die Spillen eingestecket, daß sie uͤberreichen; alsdann verbirget man sich in eine kleine Huͤtte von Laub oder Reiß, so wird man bald einige herzu- kommen und zufliegen sehen, die bald aus- sitzen, in Meynung, daß es duͤrre Aeste seyn, klebet es ihnen aber an die Beine und sie wollen dann fliegen, schlagen sie mit den Fluͤgeln noch viel mehr ein, dann langet man die Stange herunter, leget solche in eine darzu eingesteckte Ga- bel, und nimmt den Vogel herab, saͤu- bert die Federn reinlich von Leimb-Spil- len, und richtet die Stange eyligst wie- der auff, dann kreucht man wieder in die Huͤtte. Es ist dieses eine recht lusti- ge Ubung, so mit dem groͤsten Vergnuͤ- gen vorgenommen wird. Raub-Voͤgel zu fangen. Solche werden in Rinnen, Waͤnden, Schleiffen und mit Leimb-Ruthen gefan- gen. Die Rinnen sind leichte Netzgen, so uͤber einen Hasen-Garns-Stock ge- stricket werden, sind ungefehr von 5. biß 56. Moschen in der Laͤnge, und etwa 17. oder 18. in der Hoͤhe, von gantz subtil em und festem Zwirn, und erdfarben gefaͤr- bet, damit es der Raub-Vogel von fer- ne nicht sehen kan. Sie werden, wie ge- dacht, umb und umb mit einem Hasen- Zwirn uͤber einen engen Strick-Stock umbstricket, und umb und umb an statt des Saͤumgens, so sonst in die andern Garn gehoͤhret, (wiewohl ein Ober- Saͤumlein auch nicht boͤse,) eingeboͤrtelt. Dieser Netze werden unterschiedliche auf vier hohe Schweng-Gerten, dergleichen sonst zun Fisch-Angeln gebrauchet wer- den, gar leise in eine unter sich geschnit- X x 3 tene Fuͤnffter Theil/ tene Kuͤmme, daß man kaum das Holtz an der Schale zerschneide, oder entgaͤntzt, uffgehaͤngt. Einige brauchen schwache Simbsen darzu. Jn dem mittlern Platz dieser Rinnen nun wird eine Taube oder ein weisses Huhn angepfloͤcket, daß, so bald der Raub-Vogel derselbigen begeh- ret, und darauff stossen will, er sich ent- weder inner- oder ausserhalb der Netze dermaassen verwirret, daß grosse Muͤh giebt, solchen heraus zu nehmen. Diß Garn wird ins Gevierdte gestellet, es fangen sich aber nur meist junge, und selten alte. Mit den Waͤnden aber wer- den derer selten gefangen, wiewohlen ei- nige bißweilen nach denen Lock-Voͤgeln und Laͤufften stossen, und gefangen wer- den: Wann aber mit Waͤnden ausser- halb des Stricks gestellet wird, kan sol- ches hart vor dem Holtz, wo man die Raub-Voͤgel stets fliehen siehet, mit ein Paar Waͤnden und einer Tauben geschehen und dieselben gefangen werden, so, daß entweder die Taube auf ein Ge- rege gesetzt, und, wann der Raub-Vo- gel sich vernehmen laͤsset, mit eineꝛ Schnur gezupffet, oder dieselbe an einen lan- gen Zwirnsfaden gebunden werde, wel- cher durch einen Pflock, so in der Mit- ten ein Loch hat, gezogen wird. Dieser Pflock muß auff dem Heeꝛd tief eingeschla- gen seyn, daß ihm die Waͤnde nicht fehl schlagen; Die Taube wird etwan vor den Heerd niedergesetzt; wann sich nun der Raub-Vogel vernehmen laͤsset, wird an der Schnur gezupffet, daß die Taube flattert, will sie fliegen, wird ihr nach- gegeben, wann sie nun der Raub-Vo- gel faͤnget und sie mit seinen Klauen recht feste gefasset, wird sie nach sich zwischen die Waͤnde gezogen, und alsdann der Raub- Vogel von selbigen uͤberdecket. Jm Strich werden sie von Falconie rern folgender Gestalt artig gefangen: Sie machen nach Osten und Westen, Auff- und Niedergang der Sonnen Ort und Ende, da sie be- duͤncket, wo der Falcken-Strich gehe, zwey hohe Stangen, deren jede in der Hoͤ- he ein Loch hat, wodurch eine sehr lan- ge Schnur gehet, daran ein Raub-Vo- gel, und dann drey oder vier Klafftern oberhalb des Vogels ein ziemlicher di- cker Busch Federn angemachet, und zu des Vogels Sitz ein etwas erhabenes breites Huͤbelgen von Rasen bereitet ist, wann die Schnur gezupffet, und der Vogel fliehen muß, so flattern die Federn auch hin und wieder, daß dann den Wild-Fang deucht, als ob dieser Vogel einen Raub haͤtte, und sich alsofort nach dem Ort hernieder begiebt, da dann auf dreyen unterschiedlichen Orten kleine Heerde und Waͤnde, etwas weit von den Stangen, und allezeit ein Heerd etwas naͤher als der ander, nach der Huͤtten gerichtet, darauff stehen Tauben oder andere Voͤgel angefesselt, die werden als- dann gereget, und wann dieselbigen stos- sen, werden sie mit denen Waͤnden uͤber- zogen, wie solches Fangen Herr Conrad Aittinger ausfuͤhrlich beschrieben. Von der K raͤhen- H uͤtte. Dieses ist ebenfalls eine feine Lust, so man zum Zeit-Vertreib vornehmen kan, wann auf dem Lande ohnweit eines Dorf- fes auf dem Felde ein flacher Berg oder Huͤgel ist, uͤber welchen die Kraͤhen mei- stens ihren Flug und Zug von den Fel- dern nach dem Dorff oder Wald haben, daselbst wird eine tieffe viereckigte Gru- be oben auf den Berg in die Erde gegra- ben, und darinnen von geschrothe- nem Holtz eine Cammer gemachet, 7. El- len ins Gevierdte, und 5. Ellen tieff, von deren einer Seiten eine Thuͤr gelassen, in die andern drey Seiten aber Fenster oder Schieß-Loͤcher gemachet werden, vor jedwedes Schieß-Loch wird ein duͤrrer Baum hingesetzet, die Cammer oben zu mit Erden beschuͤttet, daß nichts als ein Huͤgel zu sehen und zu mercken ist. Auf solchen Huͤgel wird ein Stengel mit ei- ner Kruͤcke durch den Huͤgel in die Cam- mer gemachet, auff welche Kruͤcke ein Schuhu, Habicht oder Eule angefesselt wird. Wann nun die Kraͤhen, Tholen oder Aelstern vorbey fliegen, und dieses Monstrum sitzen sehen, so fliegen sie haͤuf- fig herzu, denselbigen zu stossen, setzen sich auff die duͤrren Baͤume, da sie dann gut wegzuschiessen, solten auch welche wegfliehen, muß man nur den Schuhu oder Habicht mit der Stange in die hoͤhe heben, daß er sich ruͤhret, so kommen sie wiederumb herzu, ihn aus Mißgunst zu stossen, werden aber betrogen. Man kan waͤhrender Lust darinnen essen, trin- cken, Carthe spiehlen oder Toback rau- chen, Von der Jagd/ oder dem Weyde-Werck. chen und seine Commodit aͤt gebrauchen, wie man will. Nach gehabter Lust aber den Vogel zu fuͤttern auch nicht verges- sen, weil er es verdienet. Vom L erchen streichen. Jch muß allhier dannoch vornehmlich des nuͤtzlichen und loͤblichen Lerchenstrei- chens gedencken, von welchen, der frucht- bahren Felder wegen, die leipziger Lerchen um die Michaelis- Meß-Zeit billig vor an- dern den Vorzug haben, und weit und breit beruͤhmet sind. Die Lerchen werden des Nachts folgender Gestalt gefangen: Man machet zwo Stangen, so lang und leicht dieselbigen zu erlangen, 23. biß 24. Schuh lang, an die Garne, so lang gestri- cket werden, als beliebich ist, enger aber nicht, als von 60. oder 80. Schuh lang, und auf die breiten Seiten, daran die Stangen gehoͤhren, so lang, als man Stangen bekommen kan, von 18. 22. biß 24. Werck-Schuh, darmit dieses Nacht- Netze ein geometri sch parellelogramum præsentir et. Dieses Netze wird mit ei- ner Moschen angefangen, und wird so lange gestricket, und von beyden Seiten zugegeben, biß es die verlangte Breite erreichet, alsdann wird von einer Seiten abgenommen und auff der andern wie- derum eine halbe zugegeben, daß es die voͤllige Laͤnge der 60. oder 80. Schuh er- reichet, hernach wird von beyden Thei- len abgenommen, daß es den vier und zwantzigschuhigen Triangel, so es im Anfang gehabt, wiederumb zu Ende bringe, und auff einer Moschen, wie es angefangen, auslauffe, alsdenn wird es gezogen, daß es seine rechte vier Ecken erreichet, und wird dieses nicht anders, als wie Weiber-Hauben gestricket. An solches Garn werden die Stangen auff jegliche Seiten eine angebunden und von etlichen unten an das Ende, wann es windigt, Lapp-Federn angemachet, so ein wenig auff der Erden herfahren. Des Abends, wann es finster wird, und der Mond nicht scheinet, so breitet man das Netz aus, alsdann fassen es zween an ihren Stangen, und hinten einer, so den Schwantz fein niedrig auff der Erden hertraͤget. Also gehen sie von Furchen zu Furchen im Felde und so was unterm Netze flattert, pfeiffet ei- ner dem andern, leget das Netz nieder, wuͤrget die Lerchen, und zeucht sie durch das Nacht-Netz heraus: Jst das Nacht- Netz zu enge, daß man sie nicht durchzie- hen kan, so leget man die Lerche auf den Ruͤcken, daß man das weisse am Bau- che siehet und die Lerche hernach finden koͤnne. Jm lichten Wetter ist es nicht sonderlich practicabel, und muß, wofer- ne es geschiehet, viel geraͤder und schleu- niger, als sonst in dunckelm Wetter, fortgegangen werden. Wer auff diesem Weydewerck was nuͤtzliches verrichten will, muß eigendlich den Ort wahrneh- men, wo sich die Lerchen gegen Abend hinsetzen, da gehet man des Nachts hin. Der Herr Colerus schreibet, wann man bißweilen darzu pfieffe, solten sie sich vor den Nacht-Voͤgeln fuͤrchten; Man muß gantz stille darbey seyn, und wann et- was gefangen, solches einander mit pfeif- fen zu verstehen geben. Der Lerchen- Zug geschiehet von Auffgang nach Nie- dergang der Sonnen, mehrentheils ge- gen den Wind, und wann der Wind zu- erst von Niedergang wehet, ziehen sie ge- waltig und niedrig von der Erden, war- ten wohl acht Tage auff solchen Wind und liegen still. Es wehet der Wind, aber nicht alle Jahr also im Strich, mit was vor einem Winde sie aber erstlich fortziehen, dem folgen sie am meisten zu desselbigen Jahres Stꝛiech-Zeiten. Wann sie zur Herbst-Zeit kein huͤbsch Wetter haben, ziehen sie meistens bey Monden- schein weg. Es waͤhret auch bißweilen der Strich nur einen Tag umb den an- dern, weil, was sich im Felde gelagert, von einem Ort zum andern streichet, biß es mit einem staͤrckern Hauffen sich auff- machet und foͤrder ziehet; Des andern Tages ist nicht viel zu hoffen; Dann es muß sich erst wiederumb ein oder etliche Hauffen dahin lagern. An manchen Orten (jedoch nach den Jahren,) dauret der Strich biß nach Martini, sonderlich, wo es warm ist; An manchen Orten lassen sie ihr Ziehen drey Wochen vor- her nach, dann je ehe sich der Reiff und Frost begiebt, je balder lassen sie mit ih- rem Strich nach, dann die harten Froͤste treiben sie schneller, als ander Wetter fort. Anatomia Fuͤnffter Theil/ Anatomia eines F alckens. Diese beschreibet am allerbesten Monsr. Carolus d’ Arcusia de capre Sieur à Es- parron de Pallieres \& du Reveu, in sei- ner vorher Frantzoͤsisch, anjetzo aber in teutscher Sprache herausgegebener Falconaria pag. 209. usque 224. folgender Gestalt: Von denen Partibus Interiori- bus, spricht er, mache ich den Anfang von dem Schnabel, welcher einer Zan- gen gleichet, so zu beyden Seiten scharff ist, und oben die Nasen-Loͤcher hat, welche zu Reinigung des Gehirns, und Erhal- tung der Spirituum vitalium, auch die Lufft zu schoͤpffen dienen, und den uͤbri- gen Unrath ledigen. Sie empfinden den Geruch, und erfrischen durch Respi- ri rung die Lunge. Dieser Schnabel zerschneidet die Speise zu einer besseren Verdauung, und berupffet die Federn, zerbricht auch die Beinlein des raubes, die Materie des Schnabels ist von einer nervo len knorplichten, und gleichsam hornharten Substanz. Die Zunge ist von weichem schwammichten Fleisch, lie- get unten im Schnabel, allda sie eine A- der, und hiervon den Geschmack hat, auch die Speise biß an den Schlund lei- thet, durch welchen solche in den Kropff faͤllet, und daselbst eine Zeitlang behal- ten wird. Dieser Kropff ist von vielen Nerven uͤber einander gewachsen, und wie eine Blase formir et, darinnen die Prima concoctio der Speise geschiehet; Ferner ist eine Roͤhre biß zu dem Ma- gen. Der Magen lieget am Brust Bein, ist zu beyden Seiten mit den Schen- ckeln beschuͤtzet, und von oben her mit dem Ruͤck-Bein verwahret, damit er seine be- noͤthigte Hitze in grosser Kaͤlte conservi- r en moͤge. Die Leber und Miltz kom- men ihm auch zu Huͤlffe, mit ihrer Hi- tze umb desto besser zu verdauen, es ist ein kleines Saͤcklein, so sehr nervös und hart, die Beinlein desto besser zu ver- dauen: Nechst dem Magen folget nun die Galle, welche unten an der Leber haͤn- get, ist ein kleines Blaͤßlein voller gruͤ- ner Feuchtigkeit, dieses hat zwey Roͤhr- lein, deren eins uͤber sich in die Leber, das andere unter sich in Magen gehet, und taͤglich hiervon ausleeret, das uͤbrige Ge- daͤrme gleichet denen andern Voͤgeln, o- der Huͤhner-Arten, biß zu derer Aus- gang, Nothdurfft und Gemaͤchte. Von denen Partibus exterioribus, spricht er, theile ich den gantzen Leib in drey Ge- vaͤße, worunter der Kopff der hoͤchste, dieser stehet auff dem Halß, haͤlt in sei- ner Hoͤhle das Hirn, die Augen, den Schnabel, die Zunge, die Ohren, Mem- bran, Sehnen, und ist mit der Haut be- decket. Zwischen den Augen und dem Hirn ist kein Bein, sondern wird mit ei- nem duͤnnen Knorpel unterschieden. Das Hirn ist in zwey Theile getheilet, das vor- dere, so gleich uͤber den Augen lieget, u. das hindere, aus welchem das Marx seinen Uhrsprung durch den Halß-Knochen in Ruͤckgrad hat, von dar alle Nerven ent- springen. Hinter den Augen sind die Ohren wie Loͤcher anzusehen, auch ha- ben sie doppelte Augen-Lieder, wie die Katzen, umb das Auge vor Staub und Wind auch im Schlaff zu bedecken, so bey andern Thieren selten gefunden wird. Der Halß hat zwoͤlff Wuͤrbel oder Ge- lenck-Beine. Die Nervioptici kommen hinten her, mitten dem Aug-Apffel, jedes besonders, durch welchen ihnen vom Hirn die Spiritus visiva mit getheilet, und vom aquæo chrystallino vitræo ein solch scharff Gesicht verursachet wird, so bey keinen andern vierfuͤßigen Thieren an- zutreffen. Wie sie dann auch uͤber je- des Aug ein Schirmlein, wie die Augen- braun haben, daß sie kein Tagelicht oder Sonne blende, damit sie desto schaͤrffer sehen koͤnnen. Von dem mittlern Gevaͤße, sagt ermeldter Autor: Es ist das Brust- Bein ein Bein, wie ein Tyraß, darinnen die Lung und das Hertz ihr Lager ha- ben, und wie mit einem Kamm verwah- ret seynd, dieses Bein ist mit seinen Cla- viculis, und besondern Nervis oben zu beyden Seiten an die Schulder-Bein ge- hefftet, woran die Kropff-Beine, oder Fluͤgel-Gelencke und der Ruͤckgrad zu- sammen formir et sind, biß auff das Ruͤck-Bein, nach dem untersten Gevaͤs- se. Diese drey Beine werden durch sieben Ribben zusammen gehefftet, deren fuͤnff an Ruͤckgrad und zwey ans Ruͤck- Bein gehen. Jnnewendig ist die Lun- ge groß von einer schwammigten Ei- genschafft, und siehet roͤthlicht. Die Lufft- Roͤhre gehet von der Zunge an, neben dem Schlund am Kropff biß in die Lun- ge, durch das Hertz in Roͤhrlein, und wieder in die Lunge, es zu bewegen und zu erkuͤhlen. Das Hertz ist sehr klein von Von der J agd/ oder dem Weyde-Werck. von dichtem Fleisch formir et. Von dem unter- sten Gevaͤsse schreibet er folgendes: Er statui re einiger maassen das Diaphragma, welches die obere und untere Hoͤhle separir e, ob es wohl sehr zart sey, unter welchem die Leber, und ander vor- gemeldtes Eingeweyde befindlich sey, wie auch die Testiculi und vasa spermatica oder Eyerstock bey dem Weiblein: Und weilen sie eine verschlos- sene Haut haben, folglich sich mit Schwitzen nicht reinigen koͤnnen, wird solche Feuchtigkeit per Excrementa ausgefuͤhret. Der Steitz hat sechs Wuͤrbel, womit sie sich im fliegen bewegen, und gleichsam als mit einem Ruder in der Lufft sich lencken, und drehen, also solchen hierzu von noͤ- then haben; jeder Wuͤrbel hat zwey Federn zu beyden Seiten, welches die zwoͤlff Federn des Schwantzes sind, wird demnach die gemeine Feuchtigkeit, weil keine Nieren, noch Blase, noch Schweiß-Loͤcher vorhanden, durch den Steitz ausgefuͤhret. Von denen Fluͤgeln spricht er: Es formir en solche eines Menschen Arm, das staͤrck- ste ist an dem Schulter-Bein angehefftet; Nechst diesem ist gleichsam der Ellbogen mit doppelten Beinen versehen, auf welches aͤusersten die Fe- dern sind; Das dritte ist wie ein Fiedelbogen, woran die ersten sechs Federn befindlich. Das vierdte ist gar kurtz, und kommen alle Nerven und Junctur en des Fluͤgels daselbst zusammen, dar- an die Schwing-Federn sind. Endlich gehet aus der Leber eine dicke Ader durch den gantzen Fluͤ- gel, von welcher alle Federn, wenn der Vogel vermauset, ihre Feuchtigkeit erhalten. Letzlich meldet er von Schenckeln, daß ebenfalls eine di- cke Ader aus der Leber hinunter in die Faͤnge und Naͤgel correspondi re, und theilet den Schen- ckel ein in das oberste, als die Huͤffte, welches sei- ne Verbuͤndniß in dem Pfannen-Gelencke ha- be: Das andere sey der rechte Schenckel, wel- cher oben an der Huͤfft unten am Schienbein angefuͤget. Das dritte sey das Bein, so unten an der Hand connecti ret, dieses ist mit einer gel- ben schupffigten Haut uͤberzogen: Das vierdte Theil wird die Haͤnde genannt, welche alles be- greiffen, deren jede drey Finger, und einen Fin- ger hinten hat. Der vorderste Finger hat zwey, der mittlere und dritte haben drey Glieder, der hinterste aber nur eins. Jeder Finger hat am aͤusersten Glied einen starcken krumbgebogenen Nagel, umb seine Nahrung darmit zu halten, den Sitz zu begreiffen, auch sich damit offensive und defensive maͤnnlich zu wehren, so von GOtt wunderlich erschaffen. Auch findet man an kei- nem andern Vogel ein so heilsames Fleisch, als an Raub-Voͤgeln, auch befindet sichs, daß, wenn sie schon geschlagen werden, sie keine faulende Beulen oder Geschwaͤhr bekommen, und wenn die Partes vitales nicht beschaͤdiget seyn, so kan man alle ihre Wunden gar leichtlich heilen. Wann sie in der Wilde seynd, koͤnnen sie ihnen selbst helffen, und sonderlich damit, daß sie ihre Wunden gar rein halten, und solche alle Tage in einem fliessenden Wasser oder im Meer aus- waschen, welches eine sonderliche Gabe GOt- tes ist, damit sie in ihrem stetigen Streiten und Kriegen nicht verderben. Wenn sie etwas ge- brochen, als einen Schenckel oder einen Fluͤgel, wird ihnen gar leichte auch von den Menschen geholffen. Jn der Wilde geschiehet ihnen sol- ches offt, da sie sich dann selbst heilen, denn von den Stellern werden offt Passagier er gefangen, welche gebrochene Beine gehabt, und wieder ge- heilet sind. Biß hieher vorermeldter Autor. Ein mehrers habe aus demselben zu extrahir en fuͤr unnoͤthig geachtet. Und eben auf solche Wei- se sind alle Arten grosser, mittler, und kleiner Raub-Voͤgel, nach ihrer veritab eln Structur und Complexion beschaffen, nach welcher sich ein jeder Falconir er bey ihren zufaͤlligen Gebre- chen und Schwachheiten die behoͤrigen Reme- dia gluͤcklicher zu applici ren Gelegenheit haben, und diese Raub-Voͤgel gegen andere zu unter- scheiden wissen wird, welche von Fruͤchten, Saamen und Kraͤutern sich nehren. Vom Ortulano, und dessen Wartung. Ehe ich dieses Werck schliesse, muß noch zweyer Voͤgel, nehmlich des Ortulans und derer Canarien-Voͤgel gedencken. So viel nun erst- lich den Ortulan betrifft, so ist dieser Vogel in Jtalien in Lombardia, wie auch in Toscana, und in dem Polnischen am meisten zu finden; Haͤlt sich gerne auff, wo Hiersche, Hanff und der- gleichen gewoͤhnlich angebauet wird; Jst etwas kleiner, als die gemeine Feld-Lerche, fast einem Em̃erling aͤhnlich. Der Schnabel und die Fuͤs- se sind roͤthlicht und Fleischfarb, Kopff, Halß, und Brust ziehen sich auff gelb, mit etwas Saff- ran-Farb gesprenget, der Bauch ist mit aschen- farbenen Flecklein besprenget, die Haupt-Fe- dern der Fluͤgel und des Schweifs sind schwartz, das uͤbrige ist gelb und dunckelschwartz vermi- schet. Das Weiblein hat unter den gelblichten Federn mehr gruͤnes vermenget. Er ist gerne in denen Waͤldern, wo man Haber, Gerste, Hiersche und dergleichen, hat, darinnen er auch nistet, wie die Lerche und Wachteln, leget 5. biß 6. Eyer, die er ausbruͤthet, und wird gerne feiste, dahero er von grossen Herren mit vielen Unko- sten in finstern Zimmern, da die Fenster verma- chet, und bestaͤndig Licht gebrennet wird, darin- nen er mehr nicht, als sein Essen sehen, und weder Tag noch Nacht unterscheiden kan, gantz feiste gemaͤstet wird. Es wird ihme die Anschauung Y y der Fuͤnffter Theil/ der gruͤnen Felder aus der Ursachen benommen, damit das Verlangen und die Sehnsucht, dar- nach er sich graͤmen wuͤrde, sein Auffnehmen nicht verhindere. Sein Getraͤncke muß sauber und rein, und das Gemach vor den Maͤusen und Ratten wohl verwahret seyn. Jn einer jeden Ecke setzet man kurtze gruͤne Straͤucher, darauff sie des Nachts ruhen koͤnnen: Darneben ist ein Bey-Kaͤmmerlein, darinnen man ihn laͤst, und was man toͤdten will, ohne Erschreckung der an- dern wegnehmen mag. Man giebt ihnen Hier- sche und Haber, soviel sie moͤgen: Er wird so fei- sie, daß offte einer drey biß vier Untzen wieget, sie werden gerupffet, in Mehl eingemachet, und al- so weit anderwaͤrts hin hohen Herrschafften uͤ- berschicket. Er wird offte so fett, daß er davon sterben muß, sonst lebet er drey biß vier Jahr lang: Sie werden in der Haber-Erndte, wo et- liche Garben stehen, mit kleinen Schlag-Waͤn- den eintzeln gefangen. D. Jonston giebt von die- sem Vogel noch zwey andere Gattungen, eine gelb, wie Stroh-Farbe, auf der Seiten, und am Ende der Schwing-Federn weiß, und einen, der gantz weiß ist, wie ein Schwan, wird aber gar selten gefunden, und ist etwas sonderliches, wie es auch zu Zeiten weisse Lerchen, Fincken, Schwalben und Sperlinge giebt. Johann Ba- ptista Tavernier in seinem Orientalischen Reiß-Buch meldet: Es werden in Cypern die Hortolani im Herbst Haufen-weiß gefangen, daselbst die Venetianer sie einkauffen, und umb solche fuͤglich uͤberzubringen, gehen sie damit al- so umb: Wann sie gerupffet, und zwey oder drey- mahl aufgesotten worden, legt man sie mit Saltz und Eßig in die Tonnen, wenn man sie essen will, thut man sie zwischen zwey Schuͤsseln uͤber eine Gluth-Pfanne, und sind selbige so fett, daß sie selbsten die Suppe darzu machen: Man fuͤhret ihrer offte bey 1000. Vaͤsser aus Cypern, und waͤre dieser Handel nicht, duͤrfften wohl die ar- men Christen in der Jnsul wenig Geld zu sehen bekommen. Jm Herbst um den Wein-Mo- nat machen die Einwohner der nahe herumbgele- nen Doͤrffer kleine Huͤtten auf das Feld, wo sie wissen, daß diese Voͤgel sich ordentlich hinlagern, um von einem gewissen Kraut, so in der Jnsul waͤchset, die Koͤrner zu fressen, wann nun diß Kraut duͤrre, und der Saamen zeitig worden, umbgeben sie es mit Leim-Spindeln, und fan- gen die Voͤgel auf solche Weise: Es gehet aber nur an, so lang der Nord-Westen Wind wehet, und die Lufft kalt ist, dann bey dem Sud-Win- de fangen sie nichts, in etlichen Jahren bekom- men sie viel, in etlichen aber sehr wenig, und die- net dieser Vogel denen Venetianern zu einem Lecker-Bißlein, bey denen keine Gasterey in der Fastnacht vorbey gehet, da nicht von solchen Voͤ- geln gantze Pyramides in Schuͤsseln vorge- tragen werden, wie Tavernier in seiner Persi- anischen Reise, pag. 84. bezeuget. Gesnerus nennet diesen Vogel Hortulanum, saget, sein Fleisch sey hitziger Natur, erwaͤrme die Nieren, auget sperma \& provocat menstrua, ut Rho- sis testatur. Vom L anari- V ogel. Diese kleine Voͤgel kommen aus denen Cana- rien-Jnsuln, werden nur hier zu Lande in Kam- mern gehalten, darinnen Baͤumlein, Mooß, Wolle, und ihr Futter gegeben wird, wovon sie selbst Nester machen, 3. biß 4. Eyer legen, und des Fruͤh-Jahrs zweymahl bruͤthen, worbey man ihnen Ameiß-Eyer vorschuͤttet, damit sie die Jungen speisen. Sie sehen fast wie ein Zeißig gruͤnlicht aus/ doch sind sie etwas groͤsser, und gelblichter. Sie werden aufferzogen wegen ihres sonderlichen sehr anmuthigen Gesanges, und es- sen gerne Huͤhner-Darm-Kraut; Jhr ordentli- ches Futter wird insgemein folgender Gestalt zubereitet; Rettig-Saamen 1. pf. Haber-Kruͤ- tze 3. pf. Salat-Saamen 3. pf. grauen Mohn- Saamen 3. pf. Canarien-Futter 3. pf. Totter 2. pf. Ruͤbsen 3. pf. Lein-Saamen 1. pf. Dieses wird unter einander gemischet, und Morgens jedem ein kleiner Loͤffel voll gegeben; Den Winter duꝛch biß zum Monat May werden sie in einem Ge- bauer gehalten; Man giebt ihnen auch gantzen Zucker, Salat, gekochten Hanff und Vogel- Kraut zu ihrer Abwechselung, wo aber Maͤuse zum Futter, oder bey die Voͤgel kommen, sterben sie. Sie werden im Majo in die Hecke gethan, kriegen aber nur halb Futter, sonsten wuͤrden die Eyer zu fett; Zu dreyen Sieen koͤmmt ein Hahn: Wann sie Junge haben, so kriegen sie die Hertz- Blaͤtter vom Salath, und Ameyß-Eyer, aber keinen Zucker; Waͤhrender Bruͤthe muß uͤber ihr Wasser ein Gitter seyn: Jn solcher Hecke blei- ben sie biß in September, da man sie wieder in ih- re Bauer, und ein wenig Saffran in ihr Wasser thut, und den Winter uͤber wiederumb, wie vor- gemeldet, fuͤttert. Man lernet ihnen, wann sie jung und alleine sind, auf einem kleinen beinern Pfeiffgen allerley Lieder singen, wie dann diese Canarien-Voͤgel vielfaͤltig in denen Handel- Staͤdten hin und wieder von vornehmen Kauff- Leuthen zur angenehmen Lust gehalten, und durch hierzu absonderliche verordnete Leute ge- fuͤttert werden. Sie werden bißweilen kranck, und kriegen Beulen am Kopff, die muß man mit Butter oder Huͤhner-Schmaltz ein, zwey, oder dreymahl schmieren, und sie ein drey Tage also lassen, so zeitigt das Geschwaͤr, hernach muß man das besagte Geschwaͤr ausdruͤcken, da wird eine dicke gelbroͤthigte Materie heraus gehen, dann muß Von der J agd/ oder dem Weyde-Werck. muß man sie abermahl, wie erst gedacht, schmie- ren, biß es heilet. Sonst kan man ihnen bißwei- len Melonen-Kern und in den Tranck Zucker- cand alle Monat zweymahl geben, und sonderlich wann sie zu maußen anfangen, soll man ihnen Melon-Kern geben und die Voͤgel mit Wein zwey oder dꝛeymahl in der Woche bespꝛuͤtzen, und an der Sonnen abtrocknen lassen, damit werden ihnen auch die Laͤuse vertrieben. B eschluß. Dieweil verhoffe, es werde dieses vorgenom- mene Werck nunmehro zu Ende und durch Goͤtt- liche Gnade voͤllig beschlossen seyn; So ersuche den nach Standes Gebuͤhr Hoch-Wohl- und Vielgeehrten Leser, mit meiner treuhertzigen In- tention guͤtigst vorlieb zu nehmen, und nur die- ses zu betrachten, was vor viele und mancherleye Wissenschafften demjenigen, so ein rechter Jaͤ- ger seyn will, zu wissen gehoͤren, und so er dieselbe recht gruͤndlich begreiffet und verstehet, er so- dann erstlich vor einen Jaͤger passir en koͤnne, welches aber nicht alleine mit Lesen und Censi r en dieses Buchs, wann er es auch gar auswen- dig lernen wuͤrde, so gleich ausgerichtet ist; son- dern er muß dieses nur als ein Parergon, oder ein Neben-Werck zu lesen, bey muͤßiger Zeit vorneh- men, umb von demjenigen, so sich ohngefehr be- geben moͤgte, einigen Vorschmack oder Nach- richt zu erhalten: Hauptsaͤchlich aber recom- mendir e ich einem Anfaͤnger oder jungen Jaͤ- ger, daß er alle seine Sachen mit fleißigem Ge- beth und GOtt anfange und vornehme, ohne welches Huͤlffe nichts auszurichten ist, und soll sich ja huͤthen vor boͤsen Teuffels-Kuͤnstgen oder aberglaͤubischen Thorheiten, welches keine ehrliche Jaͤger thun, sondern die verdorbenen Stuͤmpler, welche nichts gelernet haben, so zu solchen Kuͤnstgen ihr Vertrauen nehmen, daß sie ihnen helffen sollen; Wer was rechtschaffenes ge- lernet hat, brauchet gar keine Hexerey: Vor- nehmlich soll ein Anfaͤnger oder junger Jaͤger sich befleißigen, fein fruͤh aufzustehen, und soll be- gierig seyn, sowohl die Eigenschafften, und Na- turen der wilden Thiere, als die Spuhr und Ge- faͤhrde derselben fleißig zu erlernen, nicht weni- ger den Unterscheid eines Hirsches, und eines Thieres, item eines wilden Schweines, eines Wolffs, Rehes, Fuchs, Dachs, Hasen, und der- gleichen sich bekant zu machen. Findet er solches nicht allzeit auff dem Revier, so muß er in einem Thier-Garthen, oder anderm Gehaͤge, wo Wild anzutreffen, zu spuͤhren fleißig lernen, aber nicht in weichem Koth oder Lehm, wo es tieffe Loͤcher machet, item im Schnee oder Thau-Schlag, welches ein Bauer auch koͤnte, sondern soviel moͤglich, auff hartem leddigem, brachen, und Kiesel-Boden, damit er die Augen klar zu kucken fein auffmachen lerne, und suche, als ob er einen kostbahren Diamanten-Ring verlohren haͤtte. Weil man nun die Hirsch-Gefaͤhrde auf hartem Boden oder gefallenem Laub nicht erkennen kan, so muß der Leith-Hund seinen blinden Jaͤger fuͤh- ren, und die Spuhr anzeigen, welche schoͤne Kunst und Wissenschafft mit allem Fleiß zu erlernen ist; Maassen der Leith-Hund des Jaͤgers bester Grund und Anfang ist; Dann derjenige, so mit der Buͤchse schiesset, kein Jaͤger, sondern ein Schuͤtze zu nennen ist, welches auch seinen ge- wissen Nutzen hat, und nicht zu verwerffen ist. Zum andern, gleichwie ein junger Jaͤger den Hirsch oder das Wild mit seiner Nase nicht rie- chen kan, wie gut Bier, oder Wein, sauer oder suͤsse, sondern hierzu den Hund, als ein Werck- zeug, wie der Schmidt den Hammer und die Zan- ge, brauchen muß, also muß er vor allen Dingen grosse Liebe zu Warthung und Fuͤtterung der Hunde haben, sich keine Muͤhe verdriessen las- sen, oder sich schaͤmen wollen, die Hunde recht zu warthen, zu saͤubern, zu waschen, zu kaͤmmen, zu baden und von allem Unflath zu reinigen, die Hunde wohl in acht zu nehmen, sonderlich Fruͤh- lings zur Behaͤnge-Zeit umb den Maͤy-Monat, wann es fein stille, und nicht windig ist, nicht schlaffen, biß die Sonne ins Bette scheinet, son- dern den faulen Podex fein fruͤhe bey Tage her- aus ruͤcken, nach dem alten Sprich-Wort: Die Morgen-Stund, hat Gold im Mund; Denn da ist der Mensch zu lernen am geschicksten, wann man aber schon gefruͤhsticket, oder mit Brande- wein sich gelabet, da ist man faul und der Kopff schwer und schlaͤffrig: Jst es nun schlimm Wet- ter, Regen oder windig, da man draussen mit dem Hund nichts machen kan, so kan er sich inzwischen uͤben, entweder die Spuhr kennen zu lernen, kan er nichts finden, soll er sich uͤben mit Blasen des Wald-Horns oder des teut- schen Hifft-Horns, oder nach Jaͤger-Manier zu schreyen: Item soll nach dem Ziehl schiessen mit Puͤrsch-Roͤhren, oder Flinten, mit Kugeln oder Schroth, oder sich im Lauffen und Flug- Schiessen exerci ren; oder soll lernen Netze stri- cken, auszubessern, item allerley Voͤgel zu locken, als wie die Enten, Reyer, Kiewitz, Ringel-Tau- ben, Blau-Tauben und dergleichen, item den Reh-Bock auffs Blat zu locken, einen Fuchs zu qvaͤcken, oder Hasen zu locken, und was sonst mehr noͤthig ist. Jst es aber schoͤn Wetter, so still u. oh- ne Wind, u. wie es noͤthig, muß er mit guter Auff- mercksamkeit den Umbgang u. das Ausfuͤhren des Leith-Hundes mit behoͤrigem Zuspruch von seinem Jaͤger oder Lehr-Meister mit Fleiß erler- nen, wie solches an seinem Orte beschrieben ist. Y y 2 Zum Fuͤnffter Theil/ von der Jagd/ oder dem Weyde-Werck. Zum dritten muß er Holtzgerecht zu werden, was eine Eiche nuͤtze sey, und wie sie wachse, ei- nen Boͤttger oder Klapp-Schlaͤger fragen, wegen einer Buche’ aber einen Drechsler oder Muͤller, der Bircke halben einen Rademacher, wegen der Erle einen Fischer oder Teich-Graͤ- ber im Spree-Walde, wegen der Aespe einen Mulden-Macher, wegen der Tanne einen Tischler, wegen der Ficht und Kiefer einen Pech-Brenner oder Weyde-Mann und so weiter, so kan er hinter die gantze Kunst kom- men; Er muß aber thun, als wuͤste er es schon alles, und disputir en, so werden sie alles of- fenbahren, laͤsset er aber seine Unwissenheit mercken, werden sie wohl stille schweigen. Ferner soll er sich erkundigen, was ein Brett- Baum, ein Balcken- oder Saͤulen-Holtz, ein Schindel-Baum, ein Ziegel-Sparren und der- gleichen sey, und wie theuer das Stuͤck nach der Holtz- Taxa von jeder Art verkauffet, und wie es angewiesen werde, und sich dieses, ob es schaͤdlich, oder nicht, von einem Forst-Bedienten eines Reviers unterweisen lassen, auch das Alter eines Baums erkennen lernen, und dergleichen gehei- me Dinge mehr sich bekant machen, und fein ver- schwiegen bey sich behalten; Den jungen Anflug und Wiederwachs fein lernen zu rechter Zeit des Jahrs in Gehaͤue einzutheilen, daß es vor dem Vieh-huͤthen, sonderlich der Schaaffe, so lange, biß es erwachsen, mit huͤthen verschonet werde, darneben lernen, auch wohl gar in der Nacht zu erkennen, zu welcher Gegend die vier Theile der Welt liegen, als Morgen, Mittag, Abend und Mitternacht, weil alles Holtz an der Mitter- nacht-Seite starcke Rinde, mit Mooß verwach- sen, wegen des Sturm-Wetters hat: Hieruͤber auch der Wege und Stege kundig werden, und lernen, wo man ein- und ausgehen soll. Zum vierdten, und weil man das Wild, ob man es gleich weiß, wo es ist, nicht mit Haͤnden haschen kan, so muß er hierzu Gezeug haben, entweder grosse oder kleine Netzen, dieselbige umb das Di- ckigt, oder Behaͤltniß des Wildes, wo es sich auffhaͤlt, zu stellen, und dann das Wild fluͤch- tig machen oder mit Hunden jagen lassen, da- mit sichs in die Netze verwickeln, und er solches darinnen lebendig zur Lust, umb in die Kasten zu thun, einfangen, oder zur Kuͤchen todt schlagen koͤnne. Oder er muß das Wild mit leinen Tuͤ- chern, nach rechtem Jaͤger-Gebrauch, wie es sich gehoͤhret, ein Jagen zu machen, umbstellen, we- nigstens mit Feder-Lappen einschliessen, und durch Klopp-Treiben das Wild rege machen, und puͤrschen oder das kleine Wild schiessen; Wie der Zeug gestellet wird, muß er fleißig, und auff- mercksam von denen Zeug-Knechten beym Stel- len lernen, und kan er mit guten Worten oder durch Trinckgeld viel zuwege bringen, ist auch nicht schaͤdlich, wann er selbst angreiffet, und hierbey fleißig und unverdrossen ist; Jngleichen soll er fein lernen umb die Behaͤltnisse oder Di- ckigte rechte Fluͤgel zu hauen anzuweisen, sowohl vorhero, ehe man die Jagd anstellet, abzuschrei- ten, wie viel Netze oder Tuͤcher darzu noͤthig seyen, damit nicht vergebens zuviel Zeug hinaus geschleppet werde, oder zu langsam hergehe, daß die Herrschafft verdrießlich werde, und er Schande haben moͤge. Fuͤnfftens, wenn er 1.) des Holtzes Eigenschafft erkundiget, und verste- het, was hart oder weich, Bau- oder Brenn- Holtz sey, und solches zu unterscheiden weiß; 2) derer wilden Thiere Eigenschafft, Natur und ih- re Gefaͤhrde verstehet; 3.) Die Hunde unterschei- den kan, ob es schwere oder leichte Hatz-Hunde, oder fluͤchtige Winde seyen, oder ob man Such- Hunde, als Leith-Hund, Schweiß-Hund, Sau-Finder, Jagd-Hunde oder Stoͤber noͤthig habe; 4.) Den Zeug, worinnen er bestehe, und wie er gestellet werden muͤsse, erlernet und dessen wohl kundig ist, so folget denn letztens 5.) die Jagd, oder das Weydewerck, seinem Herrn, dem er dienet, zu was derselbe Lust hat, ein Ja- gen zu machen, und sich hierdurch, wenn es gluͤcklich ablaͤufft, in Gnaden zu setzen, und des- sen Gunst zu erlangen, davon ein solcher Jaͤger selber von Jedermann Ehre, Lob und Ruhm er- werben kan, durch liederliche Nachlaͤßigkeit aber nichts anders als Schimpff und Schande, Hohn und Spott davon traͤget: Doch muß er sich auff dergleichen Art zu jagen, mit allem Fleiß applicir en, worzu seine Herrschafft am meisten geneiget ist, und inclinir et, auch des Orts Gelegenheit, und Situa- tion wohl in acht nehmen, ingleichen mit Menage grosser Unkosten, soviel, als sich thun lassen will, alles verrichten. Vornehmlich aber auch die Jahres-Zeit wahrnehmen, daß das Wild in der Satz- und Bruͤth-Zeit nicht ver- stoͤhret und die Wildbahne ruinir et werde, wel- ches GOtt selbst in Heiliger Schrifft zu halten befohlen, auch ohnediß zu solcher Zeit das Wild mager, gering und von schlechtem Schmack ist. Nach geendigtem Jagen aber muß auch die ge- brauchte Geraͤthschafft nicht stehen oder liegen bleiben, und vergessen, sondern jedes an seinen Ort, und zwar fein trocken gebracht, die Hunde gefuͤttert, gewartet und alles zu kuͤnfftigem Ge- brauch wieder an gehoͤrigen Ort auffgehoben werden. Ehe und bevor nun Jemand dieses al- les erlernet, und sich darzu habil gemachet, mag er sich ja nicht einen Jaͤger nennen, oder sich vie- les imaginir en, dessen er noch nicht kundig ist, sich also selbst betruͤgen, wormit dieses Werck nunmehro ende, und mein Adjeu mache. Jmmer- J mmerwaͤhrender J aͤger- C alender, D arinnen Das Ab- und Zunehmen aller Vegetabili en, ingleichen die Natur und Eigenschafft wilder Thiere und Voͤgel Wie sich dieselbigen, durchs gantze Jahr eines jeden Monaths, wuͤrcklich verhalten, zu welcher Zeit sie nuͤtzlich gejaget, oder gehaͤget werden. Nach hiesigen Ober-Saͤchsischen Climate genauer Observance und Praxi Allen Hohen und Niedern Jagd-Liebhabern und Jagd-Bedienten zum besten colligi ret, Von H annß F riedrich von F leming, Burg- und Schloß-Gesessen, auff Boͤcke, Martentin und Zebbin. Erbherr auff W eißach und Gahro. Leipzig, Verlegts Johann Christian Martini, Buchhaͤndler in der Nicolai Strasse, Anno Christi 1719. Einfaͤltige uhralte Bauern- PRACTICA, Wie man das Gewitter des gantzen J ahres an den Naͤchten der zwoͤlff Tage erkennet, welche nach dem Christ-Tag, doch alter Zeit, hinter einander folgen sollen. D er ANTIQVITÆT zu Ehren. Jn alten Versen versetzet M Erck nun der alten Astronomey, Wie das Gewitter zu kennen sey, Z u folgenden Z eichen, melde dir Hatten die A lten gar groß B egier Aus welchen sie gruͤndlich wolten verstehn Was fuͤr Gewitter durchs J ahr muͤst ergehn. Drum merckten sie auff zwoͤlff Tag allein V om Christ-Tag, biß zum zwoͤlfften ich mein, U nd wie es wittert an ieglichen Tag. A lso solte es wittern wie ich sag, An seinem Monath der ihm gehoͤhrt, W elches folgends klaͤrlich gespuͤhrt. Dem C hrist- T ag wird der Jenner zugetheilt Dem andern dann der Hornung ereilt. Dem dritten der Mertz dem vierdten April, Dem fuͤnfften der May, auch haben will. a 2 D er Der Brach-Monath wird zum sechsten gezehlt D en siebenden, der Heu-Monath behaͤhlt Denn achten der August-Mon so will haben Der Herbst-Mon thut dem neundten nach traben Wein-Mond nimmt sich des zehndten an Winter-Mond, denn eilfften will bestahn, Christ-Mond, muß den letzten behalten S o thun sie sich zu kuͤnfftig verhalten Der zwoͤlff Tag und Nacht nicht vergiß, S o wirst des gantzen J ahrs gewiß Gar schoͤn, veracht die Practica nicht Sie ist aus Grund der Kunst gericht Weissagt gewiß mit rechten B escheid Und thuts aus langer E rfahrenheit Hoͤr was ich dir will weiter sagen, Wer Holtz abschlaͤgt an letzten zwey Tagen Des Christ M onds, desgleichen im Ersten D es neuen J enners Holtz, waͤhrt am laͤngsten B leibt unverfault, kein W urm frists nicht Je aͤlter, je haͤrter, der A lte spricht Zu letzt dem S tein wird gleich geschatzt Diß sey genung darvon geschwatzt. Janua- Jmmerwaͤhrender J aͤger- C alender. E S wird von Philippo Melanchtone geschrie- ben/ daß er jederzeit ge- rathen habe/ wann ein Christe des Morgens fruͤhe auffstehe/ solle er sofort vornehmlich dreyerley ver- richten: Als erstlich solle er sein Gebeth zu GOTT thun/ und ihm nicht nur umb den verliehenen Schutz behoͤrigen Danck abstat- ten; sondern auch denselben/ umb fernere Beschirmung inbruͤnstig an- ruffen; Zum andern solle er ein Capitel in der Bibel lesen/ und Drittens sich im Calender umbse- hen; Wie nun die beyden erste- ren Stuͤcke auch einem Jaͤger umb so viel desto mehr zu recommen- dir en/ so weit groͤsserer Gefahr er auff seinen Wegen zum oͤfftern un- terworffen ist/ anbey auch ein guter Christe seyn soll/ so sich keiner aber- glaͤubischen und zauberischen Mittel bey seiner Profession oder dem vorhabenden Weydewerck bediene/ vielmehr allen Versuchungen und Reitzungen des leidigen Satans aus GOttes Wort nachdruͤcklich zu widerstehen wisse/ und sich ein- tzig und allein bey seiner Arbeit auf Gottes Beystand und Seegen ver- lasse; Also wird demselben auch nicht schaͤdlich seyn/ wann er nebenst de- nen beyden ersteren Verrichtungen auch zugleich des letzteren nicht ver- gesse/ und taͤglich seinen Calender durchsehe/ mithin die Jahres-Zei- ten und deren Witterung etwas ge- nauer betrachte/ und taͤglich erwe- ge/ was zu dieser oder jener Zeit am fuͤglichsten und profitablest en vor- genommen werden moͤge/ worzu ihm aber dieser mein Jaͤger-Calen- der schoͤne Gelegenheit an die Hand geben wird/ worinnen ich nach Ver- moͤgen zeigen werde/ was ein Jaͤ- ger oder Weydemann bey einem je- den Monat theils zu beobachten/ theils auch zu verrichten habe; Wird also derselbe nicht uͤbel thun/ wann er solchen alle Morgen nebst seinem ordentlichen Calender nach verrichtetem Gebeth und behoͤrigem Bibel-Lesen von Monat zu Monat durchgehet/ und was in jedem de- rerselben vorzunehmen/ sich wohl be- kant machet und imprimir et. Y 3 JANVA- Januarius. JANVARIVS. Vermuthliche Witterung. Nunmehro ist die Sonne am nie- drigsten in dem Wasser-Mann, allwo der rauhe unangenehme Winter mit Frost und Schnee sich angefangen, und ob gleich zuweilen einige Sonnen-Blicke umb Mittags-Zeit erscheinen, laͤsset doch die kalte Lufft keine Waͤrme, weil die Sonne entfernet, sondern continuir et vielmehr kalter Wind und Schnee, und frieret die Erde sehr feste zu bey langen Naͤchten; Doch ist nichts positives hier- innen zu determinir en. VEGETATIO der E rden. Kraͤuter und Baͤume. Da die Erde nunmehr fast einer hal- ben Ellen tieff gefroren, und sowohl dieselbe, als alle Kraͤuter und Baͤu- me mit vielem kalten Schnee bedecket, nicht weniger die Seen, Fluͤsse und Stroͤhme mit Eyß erstarret, so ruhet die Erde, umb ihre Kraͤffte zu erhohlen, und alsdann siehet man wenig oder keine Kraͤuter, sie stuͤnden dann an einer war- men Feuchtigkeit, und haͤtten davon ihr Nutriment. Vom Tangel-Holtz. Diese hartzige Gewaͤchse, weiln sie viel Schweffel, und oͤhlichte Feuchtigkeit bey sich fuͤhren, und einen balsami schen Nahrungs-Safft in sich haben, conser- vi ren ihre Lebens-Geister, und bleiben immerdar gruͤn, und ob schon der Stam̃, oder Ast gestossen oder geschlagen wird, und einigen Schaden leidet, belaufft doch selbiges alsobald mit fluͤßigem Hartz, umb die Kaͤlte, Witterung, Lufft und Naͤsse abzuhalten. Vom Laub-Holtz. Allein dieses, so von weichlicherm waͤs- serichtem Safft ist, laͤsset, wann die Kaͤl- te ihre noͤthige Waͤrme entzogen, die Blaͤtter im Herbst abfallen, und stehet, wann der Safft des Stammes in die Erde gesuncken, nackend und bloß, in trauriger Gestalt dar, anzuzeigen, daß es viel Ungemachs des Winters auszu- stehen habe. Von Kraͤutern. Ob wohl bey jetziger rauhen und kalten Jahres-Zeit von denen Kraͤutern wenig oder nichts zu vermuthen, so, daß dieselben vorjetzo gleichsam alle schlaffend ruhen und der froͤlichen Fruͤhlings-Zeit erwarten, so bluͤhet dennoch vorjetzo die Schwartz-Niese-Wurtz, oder Christ- Wurtz, Helleborus niger, ingleichen die Winter-Wolffs-Wurtz, Aconitum hye- male. Mehrere sind mir vorjetzo nicht eigendlich bekant oder wissend. Tages und Nachts Laͤnge. Weil die Sonne in diesem Monat um 7. Uhr, 40. Minut ohngefehr auf- und Nachmittages umb 4. Uhr, 20. Minut. nieder gehet, verbleibet der Tag nicht mehr, dann 8. Stunden, 40. Minu- ten lang; Die Nacht aber desto laͤnger, nemlich 15. Stunden, 18. Minuten, wel- ches nur mit wenigem melde, sich in et- was darnach zu richten. Von unterirdischen Berg- Duͤnsten. Als die Erde von ihrem Schoͤpffer feste geschlossen, und die Vegetatio zur Ruhe sich begeben, sind waͤhrender Zeit die unterirdischen minerali schen Duͤnste alle beysammen coagulir et, und verrich- ten sowohl in Mineralibus, als Metallis ihre behoͤhrige Operation aus natuͤrli- cher Feuchtigkeit; je kaͤlter es nun oben auf Erden, je waͤrmer ist es unter der Erden, wie aus dem Rauchen und der Januarius. der Waͤrme der Qvellen zu muthmas- sen. Von T hieren und V oͤgeln. Der Baͤr. Nunmehro setzet der Baͤr seine Jungen, ob es gleich die grimmigste Kaͤlte und der tieffste Schnee ist, und stehet die Mutter unter 8. biß 9. Tagen vom Bette nicht auf, aus Liebe zu denen Jungen, biß sie sehen, nachgehends ma- chet sie sich sachte hervor, aber nicht weit von den Jungen, so, daß sie solche kan schreyen hohren, umb dieselben zu secun- dir en. Der Baͤr mercket von Natur, daß er koͤnne gespuͤhret werden, bleibet in seiner Hoͤhle, und sauget indessen von den Vorder-Tatzen zu seiner Nah- rung. Der Hirsch. Vorjetzo haͤlt sich der Hirsch und das Wildpraͤth oder die Thiere meistens Troupp weise zusammen, wegen der gros- sen Kaͤlte, und tieffen Schnee, in dicken Behaͤltnissen, und verwahren sich vor der Kaͤlte, Schnee und Eyß, so gut sie koͤn- nen, scharren nach dem Heyde-Kraut, scheelen die junge kieferne Rinde ab, wie die Ziegen, und halten sich zusammen, suchen aus Hunger des Nachts umbher das von Pferde- und Ochsen-Vorspann der Holtz-Fuhren im Walde verzettelte Heu und Stroh auffzulesen und zu ge- niessen, wiewohl auch meistens einige starcke Hirsche sich absonderlich an einem Ort zusammen halten, und das Wild al- leine lassen. Das Schwein. Nachdem das Schwein im Decem- ber und Anfang dieses Monats der Brunfft hefftig beygewohnet, hiervon auch, dem Vermuthen nach, dermaassen abgenommen, daß es gantz mager und matt ist, nimmt es in dicken Behaͤltnis- sen und warmen Dickigten sein Lager. Jhr Wildpraͤth ist roth, mager, und von garstigem Geruch. Des Nachts suchen die Sauen ihre Nahrung unter denen Baͤumen, oder Laub-Dickigten, wo noch einige Mast zwischen den Blaͤttern ver- stecket lieget, weilen sie wegen des Frosts nicht in die Erde kommen koͤnnen; Die Woͤlffe stehen ihnen sehr nach. Das Reh. Das Reh haͤlt sich in diesem Monat mit seinem Bock vor Kaͤlte, Eyß und Schnee in dicken Behaͤltnissen und war- men Bruͤchern oder Qvellen in gruͤnen kraͤuterigten Gruͤnden im Gebuͤrge ger- ne auff, wo sie vor Sturm-Wetter si- cher zu seyn vermeinen; Aessen sich von Brombeer-Straͤucher-Blaͤttern, inglei- chen von Kaͤnster und Mispeln. Die staͤrck- sten Boͤcke werffen ihr Gehoͤrn zu Anfang dieses Monats zeitlich ab. Der Hase. Vorjetzo nehren sich die Hasen vor eitel Kaͤlte von Bircken-Knospen, krie- chen in die Gaͤrten, scheelen die Rinde von Obst-Baͤumen, und hinterlassenen Kraut-Struͤncken, setzen sich gegen die Sommer-Seite, da es warm scheinet, und wo nur ein wenig Thau-Wetter einfaͤllet, rammlen sie mit groͤster Be- gierde. Der Wolff. Nunmehro belauffen sich die Woͤlf- fe zu Anfang dieses Monats, oder in de- nen so genannten zwoͤlff Naͤchten, und suchen sehr unruhig ihrer viel beysammen hinter einer Wolffin sich zu vermischen, oder zu brunfften, sind darbey immer allart, und beissen sich unter einander, bleiben auch zusammen haͤngen, wie die Hunde zu thun pflegen; Welcher nun der starckste, bleibet gemeiniglich der Meister. Der Fuchs. Bey jetziger anhaltender rauher Winters-Zeit, hartem Frost, und tief- fem Schnee, ist dieser Gast sehr hungerich, und giebt es Kunst, was zur auben; Sie beschleichen unterm Wind Hasen, und Feder-Wild, weil zahme Huͤhner und Gaͤnse daheime, die wilden aber ausser Landes zu Wasser sind, wann aber der Schnee Januarius Schnee knarret, ist es wieder vergebens, bey Sonnen-Schein spielen sie offt mit den Hasen, wodurch sie manchen alten Rammler umbs Leben bringen. Der Dachs. Der Dachs lieget nunmehro in der Erden, und zehret von seinem Saug- Loche bey anhaltendem Froste, weil er weder Wuͤrm, Kuͤhfladen, Kroͤthen, noch andere Nahrung bekommen kan, indem alles verkrochen. Vom Marder und Otter/ Katz/ und Jltniß. Bey diesen Raub-Thieren ist be- reits bey der Eigenschafft dererselben das noͤthige errinnert, und nichts zu re- marquir en uͤbrig, als daß, wann ihre Baͤlge gut, sie zu fangen, bey derer Ver- mehrung aber solche lieber zu vertilgen sind. Vom F eder- W ildpraͤth. Das Wald-Gefluͤgel. Der Auer-Hahn. Der Auer-Hahn, als der vornehm- ste Wald-Vogel, haͤlt sich in warmem Gebuͤsch, Behaͤltniß und Gruͤnden auff, und haͤlt seinen gewissen Stand, wo er nicht verstoͤhret wird. Der Birck-Hahn. Haͤlt sich zwar auch vor Winter- Kaͤlte in dicken Gebuͤschen, hat aber kei- nen gewissen Stand, sondern vagir et herumb. Das Hasel-Huhn. Haͤlt sich zu dieser Zeit in warmen Gruͤnden, und tieffen Thaͤlern, wo di- ckes Tannicht verhanden, auf, umb sich zu verbergen. Die Wald-Schnepffe. Dieser Vogel ist anjetzo nicht hier, son- dern weggezogen, nach waͤrmern Laͤn- dern dahin er sich retiri ret. Von wilden Tauben. Bey jetziger grimmiger Kaͤlte, har- tem Frost und Schnee halten sich die wil- den Tauben hier zu Lande gar nicht, son- dern vermuthlich in waͤrmern Laͤndern auff, weiln vor sie keine Nahrung zu finden. Von Krammets-Voͤgeln. Die Schnaͤrr nehret sich im Winter von Kaͤnster, singet lieblich bey schoͤnem Sonnen-Schein auff hohen Gipffeln, nachdem die Jahres-Zeit ist. Die Zie- mer halten sich vorjetzo in Wacholder- Beer-Straͤuchern auf. Die Amsel aber bestaͤndig in warmen Qvellen, in Hecken und Straͤuchern. Vom F eld- B efluͤgel. Der Trappe. Jn diesem Monat ist noch kein Trap- pe zu hoͤhren, noch zu sehen; Weiln es ein Vogel, welcher des Herbsts nach warmen Laͤndern gezogen, und annoch in der Frembde unter einem waͤrmern Climate sich befindet, seine Nahrung und Auffenthalt zu suchen. Der Phasian. Dieser frembde Vogel, da er bey uns gewohnet, muß sich bey grosser Kaͤl- te meist in dickem Roͤhrigt, Werfft und altem Graß behelffen, da ihnen die Raub-Voͤgel grossen Schaden thun, sie halten sich meist vor Kaͤlte beysam- men. Das Reb-Huhn. Die Reb-Huͤhner halten sich nun- mehro beysammen, entweder in war- men offenen Qvellen, oder unter dem ge- frornen Schnee, auff der gruͤnen Wei- tzen-Saat, sich vor den Raub-Voͤgeln zu verbergen. Die Januarius. Die Wachtel und Lerche Koͤnnen vorjetzo in diesem Monat noch nicht verhanden seyn, weiln sie un- ser kaltes Clima nicht vertragen koͤnnen, vermuthlich also sich diese Zeit uͤber in warmen Laͤndern aufhalten. Von W asser- V oͤgeln/ Als Gaͤnsen/ und Enten/ Blaͤssen und Kiebitzen. Da alle Seen und Teiche, Fluͤsse, Stroͤhme und Wasser-Baͤche nach jetzi- ger Jahreszeit, und bey haͤrtester grim- miger Kaͤlte erstarret und mit Eiß bezo- gen, sind die wilden Gaͤnse, Enten, Blaͤs- sen und Kiebitze, ja alle andere Wasser- Voͤgel nicht bey uns allhier, sondern auf offenem Meer und zwar in waͤrmerem mittaͤgischem Climate befindlich, woselb- sten sie sich so lange auffhalten, biß sie aus der Lufft und innerlichen natuͤrlichen Trieb, ihre Zeit wiederumb zu uns zu kommen mercken, welches ihnen der grosse Gott in die Natur wundersam ein- gepflantzet hat. Vom R aub- B efluͤgel/ Als dem Habicht/ und Sperber. Diese Arten Raub-Voͤgel sind des Herbsts kurtz vor dem Winter in ihrem Strich, gleich andern Voͤgeln, fortge- zogen, und haben wegen unsers kalten Climatis in warme Laͤnder sich begeben: sind vorjetzo bey uns nicht zu mercken. Kraͤhen und Aelstern. Es halten sich vorjetzo die Kraͤhen meistens am Tage vertheilet in den Bau- er-Hoͤfen und Doͤrffern auf, sammlen sich aber des Abends und nehmen uͤber Nacht ihr Qvartier in dicken herumblie- genden Tangel-Hoͤltzern. Die Aelster hat schlechte Nahrung, wo sie nicht fruͤ- he zeitlich auf den Mist-Hoͤfen das uͤber- bliebene sammlet. Des J aͤgers noͤthige Verrich- tung in J agd- und F orst- Sachen/ auch mit Zeug und Hunden. Jn diesem Monat muß ein Jaͤger im Thier-Garten das Wild fleißig fuͤt- tern und demselben Saltz-Steine geben; Gefallen Wildpraͤth vor die Hunde raͤu- chern, und den Hunden gute warme Streu machen lassen; Die Stahr-Me- sten ausputzen. Die zum Zeuge noͤthi- ge Furckeln, Hefftel, Schlaͤgel, Hacken, Radefelgen, und Geschirr-Holtz in zeiten zum Vorrath anschaffen lassen; Nach verdaͤchtigen Wildpraͤths-Dieben for- schen; Die Vorspann-Geschirre bessern lassen; Die Hunde-Staͤlle warm hal- ten: Umb Mittags taͤglich die Hunde im Zwinger an der Sonne sich erwaͤrmen lassen: Jm zunehmenden Monden gros- se Art von Hunden belegen lassen; Die Wiesen mit Asche, Huͤhner- und Tau- ben-Mist bestreuen, so waͤchst schoͤnes Graß; Die Brunnen-Kresse in war- men Qvellen ist gesund; Von Windbruͤ- chen und Klaffter-Holtz fleißig Klafftern schlagen und verkauffen lassen; Bau- Holtz im abnehmenden Monden faͤllen lassen, ehe der Safft hinein tritt; Alles Brenn-Holtz bey guter Bahn und tro- ckenem Wetter faͤllen und einfuͤhren; Das Erlen-Holtz aber nach zunehmen- dem Monden schlagen lassen, so waͤchset es desto geschwinder wieder auf; Brett- Kloͤtzer zur Schneide-Muͤhle schaffen: das abgehauene Holtz abfuͤhren und raͤu- men. Die Marder, Fisch-Ottern, Ka- tzen und Jltnisse, als schaͤdliche Raub- Thiere, weil vorjetzo ihre Baͤlge gut sind, beym frischen Schnee ausspuͤhren, und ehe der Fruͤhling zur Vermehrung her- bey nahet, fleißig wegfangen; Gehaue- nes Eiß in die Eiß-Gruben fuͤhren las- sen: die Feuer-Staͤtten, und Rauch- Faͤnge fleißig kehren lassen. Jn diesem Monat stellet man nach den Meisen auf den Leim-Spillen, auf dem Heerd aber nach den Krammets-Voͤgeln; Bey dem frischen Schnee werden die Reb-Huͤh- ner annoch mit dem weiten Schnee-Garn tyrassiret. Man kan endlich noch zur Noth Hasen und Fuͤchse jagen, fangen und schiessen; Alleine ferner nicht mehr, weil sie kuͤnfftigen Monat schon ramm- len, das Hohe Wild in Waͤldern, da die Sonne anscheinet, muß man mit Heu fuͤttern, und vor die Hasen, wo nicht viel Heu uͤbrig, birckene Knospen abhau- en lassen, damit sich dieselben erhalten moͤgen; Sonderlich den Sauen nach der Brunfft etwas zu schuͤtten geben, daß sie nicht crepir en. Nicht weniger muͤssen auch die wilden Phasianen anjetzo gefuͤt- tert werden, weilen sie sonsten wenig fin- Z z den Februarius. den wuͤrden, wie dann alles Wild in die- sem Monat schlechte Nahrung findet, und, da es nichts bekoͤmmt, sich ander- waͤrts hinwenden muß, welches ein sorg- faͤltiger Jaͤger von selbst judicir en kan. FEBRVARIVS. Vermuthliche Witterung. Jetzo tritt die Sonne in die Fische des Himmlischen Zeichens, und ist die Erde mit hartem Frost, und tieffem Schnee annoch bedecket, und ob es wohl bißweilen gelinde Wetter ist, laͤsset doch das Schneyen nicht nach; Die Sonne laͤsset sich dann und wann erblicken, aͤn- dert sich aber gemeiniglich mit Schnee o- der Regen, Wind und truͤbem Wetter, und ist unbestaͤndig. Continuir et nun also der traurige Winter, und tieffe Schnee, wiewohlen es oͤffters eine veraͤnderliche Witterung machet. VEGETATIO der E rden. Kraͤuter und Baͤume. Man kan anjetzo noch nichts sonder- liches mercken, so sich bey diesem harten Froste, und tiefem Schnee solte veraͤn- dert haben; Maassen, was die Kraͤuter betrifft, es eben annoch, gleich in vorig- tem Monate, stehet, bey warmen Qvellen erblicket man noch eher einige Renasci- r ung unterm Schnee verborgen, wo der Frost euserlich nicht hat schaden koͤnnen, und scheinet, als ob der Archæus und die Vegetatio nunmehro in etwas wieder- umb sich ermuntern wolten. Vom Tangel-Holtze. Nunmehr steiget umb Fabian Seba- stian, jedoch nach der alten Zeit, oder zu Anfange dieses Monats der Safft in die Wurtzeln, daferne es warm Wetter ist. Der grosse Schnee aber haͤnget auf den Tangeln, und bieget sonderlich den jun- gen Wiederwachs und die Stangen gantz krumb, daß sie zu nichts taugen. Weil der Erdboden weich, reisen die Winde die Wurtzeln aus deꝛ Erden heraus, wann es aber hart gefroren, brechen sie die Staͤm- me halb umb. Vom Laub-Holtze. Dieses Holtz leydet zuweilen auch Schaden, dann wann der Safft von der Natur in den Stamm getrieben wird, und nunmehro anfaͤnget zu steigen, der Frost aber gleich darauff ploͤtzlich einfaͤl- let, und den waͤsserichten Safft ohne oͤhlichten Wiederstand in dem Stamm vermercket, greiffet er selbigen schaͤdlich an, daß der Safft innerlich erfrieren, und erstarren muß, denn berstet der Frost den Stamm von einander, und ver- dirbet. Von Kraͤutern. Ob wohl die Vegetatio der Erden in diesem Monat noch gar schlecht ist, und die Kraͤuter sparsam hervor kommen, so zeiget sich dennoch die guͤtige Natur uns ein merckliches reichlicher, dann man fin- det schon nunmehr den Hufflattich, Tussilago, Pestilentz-Wurtzel, Petasites, Steinbrech, Saxifraga, Gaͤnse-Bluͤmlein, Bellis minor, Chamelæa, der Keller-Halß, item Huͤhner-Darm, Asine, Winter- gruͤn, Hedera, so in vorigem Monat sich auch schon findet, Brunnen-Kresse, Nasturtium palustre, Ledum \&c. Tages und Nachts Laͤnge. Da die Sonne diesen Monat umb 7. Uhr, 5. Minute ohngefehr auf- und Nachmittages umb 4. Uhr, 55. Minute niedergehet, verbleiben dem Tag nicht mehr, als 9. Stunden, 56. Minuten; hingegen ist die Nacht 14. Stunden, 4. Mi- nuten lang; Nachgehends nimmt der Tag schon mehr und mehr gar mercklich zu. Von unterirdischen Berg- Duͤnsten. Vorjetzo und biß dato ist in der Gru- be nichts sonderlich veraͤnderliches zu be- mercken, sondern ist eben so, wie es in vorigtem Monat gewesen, nur allein, daß es an den Waͤnden herumb uͤberall feuch- te wird und schwitzet, weswegen dann hiervon ein blaulichter Dampff sich er- hebet, dafuͤr oͤffters die Bergleute kein Licht in der Gruben behalten koͤnnen. Von diesem mercuriali schen Dunst ent- stehet eine gifftige Seuche, darwider doch gewisse Mittel helffen. Von Februarius. Von T hieren und V oͤgeln. Der Baͤr. Sobalde die alten Baͤrinnen ihre kleine Jungen so weit gebracht, daß sie nunmehr sehen, und ihren Bietz, oder Zitzen selbst finden koͤnnen, hat sie schon solche grosse Sorge nicht mehr, daß sie erdruͤcket werden moͤgten. Es spiehlen die Jungen, wann es ein wenig gelinde, beym Sonnen-Schein, und kriechen umb die alte herumb; Der Baͤr aber bleibet noch, sonderlich beym Schnee, in seinem Lager, und gebrauchet sich des Saugens an den Vorder-Tatzen, umb die Zeit zu vertreiben. Der Hirsch. Wann einiges Thau-Wetter einfaͤl- let, und der Schnee abgehet, aͤsset sich der Hirsch in gruͤnden, waͤsserichten Oer- tern, unter denen Staͤmmen, von den Aussproͤßlingen derer Kraͤuter; Bey anhaltender Kaͤlte aber ist die Nahrung meist in warmen Qvellen, woselbsten sie die Kresse und andere Kraͤuter suchen, wie auch die gruͤnen Blaͤtter von Brom- beer-Straͤuchern, oder was sonst des Herbsts spaͤthe abgefallen, und uͤber Winter liegen blieben ist. Jn diesem Monat werffen die staͤrckesten, und be- sten Hirsche gemeiniglich das Gehoͤrn ab; Wann es kalt ist, waͤrmen sie sich an der Som̃er-Seiten, wo die Sonne anscheinet. Das Schwein. Jn diesem Monat haͤlt sich das Schwein annoch auff trockener Heyde in grossem Dickigt auf, wo es einen gros- sen Ameiß-Hauffen gefunden, hebet offt den Ruͤssel heraus, und vernimmt den Wind sehr weit; Wann es Schnee spuͤh- ret, machet es sich nicht weit aus, es wer- de dann verstoͤhret, da es in einem Cours und in einem Trab 9. biß 10. Meilen fort- gehet, ehe es sich wieder anderwaͤrts ins Lager begiebet. Die Sauen brechen bey dem Thau-Wetter in die Erde, und su- chen Erdmast, Farren-Kraut, und des- sen Wurtzeln, wo es aber zu hart gefro- ren, und sie hungern muͤssen, sterben sie dahin. Das Reh. Wo kein Gebuͤrge verhanden, hal- ten sich die Rehe gerne in warmen Bruͤ- chern, Dickigten und Moraͤsten auf, wo Werfften, Bimsen und dergleichen Ge- hecke, in einander gewachsen; Nehren sich von den Knospen und Rinden des jungen Holtzes, scheelen solches, wie die Ziegen: Die Woͤlffe, Luxe, und Fuͤchse trachten ihnen sehr nach im Schnee, weil sie matt, und krafftloß worden find. Der Hase. Vorjetzo rammlen die Hasen haͤuf- fig mit groster Begierde, und sind fast gantz blind hinter einer Haͤsin, wiewohl bey dem setzen die Jungen meist erfrie- ren; Sie geniessen den Mistel und Ken- ster von den Baͤumen, so gefallet werden, am meisten aber der Bauern Obst-Baͤu- me, Rinden und Kohl. Der Wolff. Jn diesem Monat vertheilen sich die Woͤlffe weitlaͤufftiger von einander, doch rotten sie sich Parthey-weise zusammen, das angeschossene krancke magere Hirsch- Wildpraͤth oder Frischlinge in ihrem Stand, Behaͤltnisse und Lager zu be- schleichen, und zu bespringen, weiln das zahme Vieh noch beym harten Frost und tieffem Schee in Staͤllen behalten wird, und jagen das Wild auffs Eyß, es desto besser zu fangen. Der Fuchs. Nunmehro rollen die Fuͤchse, und haben anjetzo ihre Brunfft; Es lauffen ihrer viel einer laͤufischen Fuͤchsin nach, sich zu vermischen, welche nach 9. Wo- chen, wie die Hunde, ihre Jungen wirf- fet. Man kan sie meisterlich zum Schuß betriegen, wann man wie ein Hase schrey- et, und locket, da er dann Beuthe zu er- wischen verhoffet, ihre Baͤlge sind zwar noch gut, aber sie sind vom Rollen ma- ger geworden. Der Dachs. Nunmehro gehet der Dachs præci- se umb Lichtmesse, jedoch nach der alten Zeit, wiederumb aus seinem Bau, es mag auch das Wetter seyn, wie es wolle, umb seine Nahrung zu suchen, und zu brunfften. Vom Marder und Otter/ Katz und Jltniß. Von diesen Raub-Thieren ist bereits bey der Eigenschafft derselben das noͤthige errinnert worden, und ist nichts mehr zu remarquir en uͤbrig, als daß, wann Z z 2 ihre Februarius. ihre Baͤlge gut, sie zu fangen, bey deren Vermehrung aber lieber zu vertilgen. Vom F eder- W ildpraͤth. Das Wald-Gefluͤgel. Der Auer-Hahn Suchet zu seiner Nahrung bestmoͤg- lichst in warmen Qvellen Brunn-Kreß und Sandkoͤrnlein, so gut er es finden kan, beisset sonderlich die buchenen Kno- spen und fichtene Nadeln ab. Der Birck-Hahn. Der Birck-Hahn beisset die junge Schaale von Bircken und Huͤlsen ab zu seiner Nahrung, welches hin und wieder geschicht. Das Hasel-Huhn Haͤlt noch seinen Stand, und be- giebt sich nicht aus dem Holtz, vor Furcht der Raub-Voͤgel, sie halten ihre Paltz vorjetzo. Die Wald-Schnepffe. Kan biß dato wegen Frost und Kaͤl- te nicht ankommen, weil es wider ihre Na- tur und Gewohnheit ist. Von wilden Tauben. Zu Ende jetzigen Monats, in der Fa- sten, kommen die wilden Tauben in ih- rem Wiederstrich haͤuffig, jedoch wie die Jahres-Witterung einfaͤllet, und suchen sich Nester in Zeiten zu machen. Von Krammets-Voͤgeln. Die Schnaͤrre, Zimmer und Dros- seln suchen nun bey ihrem Wieder-Zug im Thau-Wetter auff den Wiesen und Trifften Wuͤrmer und Maden auffzu- lesen. Die Drosseln paaren sich schon umb Lichtmesse, und machen sich Nester. Vom F eld- B efluͤgel. Der Trappe. Nachdem die Jahres-Zeit, und Wit- terung einfaͤllet, haͤlt der Trappe seinen Wieder-Zug, umb die Fasten-Zeit, und haͤlt seine Paltz mit den Huͤhnern fast wie die Truth-Huͤhner sehr eyfrig, stossen und schlagen ihres gleichen. Der Phasian. Haͤlt sich in warmen Bruͤchern, oder Erlen-Gebuͤsche, da es nicht zufrieret, auff, und suchet in denen faulen Erlen- Stoͤcken Wuͤrmer und Maden, werden im Gehaͤge aber meist an gewissen Koͤrn- Plaͤtzen den Winter uͤber gefuͤttert, umb sie zu conservir en. Das Reb-Huhn. Jn diesem Monat, nachdem das Wetter angenehm und warm, trennen sich die Hauffen von einander, umb sich zu paaren, so meinstens umb Lichtmesse geschiehet. Die Wachtel und Lerche. Von der Wachtel ist biß dato noch nichts zu mercken, weiln die Felder noch kahl aussehen; Die Lerche aber kommt umb die Fasten eintzeln wieder. Von W asser- V oͤgeln/ Als Gaͤnsen und Enten/ Blaͤssen und Kiebitzen. Nachdem die Jahres-Witterung er- leidlich eingefallen, kommen nunmehro allgemach die Wasser-Voͤgel zu Ende je- tzigen Monats in der Fasten bey ihrem Wieder-Zug, da die Gaͤnse in einer lan- gen Reyhe, woran vorne eine Spietze, ziehen; Wann sie hoch fliegen, hoffet man bald Fruͤhlings- und warm Thau- Wetter, ziehen sie aber niedrig, so mer- cken sie noch Kaͤlte oben in der Lufft. Jst nun alles noch starr gefroren, nehmen sie, gleichwie die Enten, und andere Was- ser-Voͤgel, ihre Retirade nach warmen offenen Bruͤchern, Suͤmpffen und Mo- raͤsten. Vom R aub- B efluͤgel/ Als dem Habicht und Sperber. Gemeiniglich, jedoch nachdem das Clima, warme Lufft, und gelinde Wet- ter einfaͤllet, kommen sie gar zeitig, und suchen ihren vorigten Horst, wo es fein stille, auff hohen Baͤumen in Waͤldern zu haben. Kraͤhen und Aelstern. Wann der Schnee bey dem Thau- Wetter weg gehet, begeben sich die Kraͤ- hen in die Felder, auff die Mittel-Ruͤ- cken, ingleichen auf die Wiesen, umb ih- re Nahrung zu suchen, wiewohl sie spar- sam zu sammlen ist. Die Aelstern paa- ren Februarius. ren sich jetzo, und suchen den Ort zu bau- en, nehmen die nasse Witterung wohl in acht. Des J aͤgers noͤthige V errich- tung/ in Jagd- und F orst- Sachen/ auch mit Zeug und Hunden. Er muß im Thier-Garten dem Wildpraͤth nebst dem Heu auch klaren Heckerling und Haber geben, worunter gute gedoͤrrte Wund-Kraͤuter mit Saltz vermenget sind; Zu Ende dieses Mo- nats Falcken, Habicht und Sperber ver- maussen lassen; Das gesponnene Garn colligir en, damit es desto zeitlicher dem Leineweber zum Weben uͤbergeben wer- de; Die Hunde-Staͤlle warm und rein- lich halten, ihnen bey gifftigen Nebeln Theriac unter brauner Butter einge- ben; Bey Sonnenschein umb Mittags taͤglich in Zwinger lauffen lassen; Heu- Saamen und Holtz-Erde auf den Wie- sen herumb streuen, welches gutes Graß geben soll; Hasel-Pappeln den Pferden unter das Futter mischen; Die Weyden bestutzen; Das gehauene Holtz umb Licht- Messe raͤumen lassen, daß hernach das Holtz wieder wachsen koͤnne; Die Erlen- Straͤucher auf den Wiesen uͤbern Frost glatt abschlagen; Die Maulwurffshau- fen aber abstossen, damit die Wiesen rein seyn moͤgen; Vom Lager-Holtz Wein- pfaͤhle und Plancken schlagen lassen. Nunmehro wird auch billig aller Vogel- fang, schiessen und jagen, von der Fasten an, eyfrig verbothen, weil der Vogel seinen Wieder-Strich genommen; Wo junge Baͤre verhanden, dieselben aufzu- ziehen suchen, worbey sich aber vor der Alten wohl in acht zu nehmen; Das Wild- praͤth in Waͤldern bey anhaltendem har- tem Winter mit Heue fuͤttern, und die Sauen, weil sie mager und dessen benoͤ- thiget, mit Wild-Obst und Eicheln, die Rehe aber, mit Haberstroh und Ken- ster wohl fuͤttern, pflegen und warthen; Beym frischen Neuling, oder Spuhr- Schnee, die Woͤlffe ausmachen, stellen und fangen, weilen sie vorjetzo dem ma- gern Wildpraͤth hefftigen Schaden zufuͤ- gen. Jn diesem Monat kan man noch die mittlern und kleinern Hunde im zu- nehmenden Monden belegen lassen; Das vormahlig gehauene Schirr-Holtz zu ei- nes jeden Nothdurfft aus dem groͤb- sten beschlagen, beschneiden und zurich- ten lassen, damit es hernacher zum Vor- rath aufgehoben werden, und austrock- nen koͤnne. Und weiln die Raub-Thie- re, als Marder, Fisch-Otter, Katzen und Jltniß vorjetzo gemeiniglich rantzen, und deren Baͤlge noch gut seynd, solche folgends vertilgen, damit sie sich nicht ver- mehren und kuͤnfftigen Fruͤhling Scha- den thun koͤnnen. Weiln auch die Raub- Voͤgel vorjetzo ihren Wieder-Zug und Strich genommen, muͤssen sie durch auff- gestellte Habichts-Garne, und Faͤnge oder Koͤrbe ja fleißig weggefangen wer- den, ehe sie sich begatten, Horste oder Ne- ster machen, und Junge aushecken sol- ten. Die Hasel-Huͤhner kan man bey ihrer Paltz pfeiffen und schiessen; inglei- chen die Tauben auf den Ruff schiessen. MARTIVS. Vermuthliche Witterung. Dißmahl nimmt die Sonne ihren Sitz im Widder, es laͤst aber der stren- ge Winter sein Schnee-Geploͤdere und stuͤrmisches Wetter nicht nach, ob gleich zu Zeiten Sonnenschein ist, und veraͤn- dert sich nunmehro in regenhaffte Ge- woͤlcke, zuweilen giebt es auch warme Mittags-Lufft, und schoͤn Wetter; Nun faͤngt der Fruͤhling zu Ende dieses Mo- nats erfreulich an, fein Wetter zu ge- ben, allein oͤffters nimmt das April-Wet- ter schon seinen Anfang. VEGETATIO der E rden. Kraͤuter/ und Baͤume. Als nun der Archæus und die leben- dige Vegetatio der Erden wiederumb er- wachet, die Erde von Frost erlediget, und voͤllig aufgeschlossen ist, evaporir en die unterirdischen minerali schen Duͤnste: Das Eyß und der Schnee auf denen Fluͤs- sen und Stroͤhmen zergehet allmahlig; Der Erden kraͤfftige Vegetatio ist gleich- sam zu sehen und zu riechen, fast wie Baumoͤhl gleichend, da fangen nun schon Z z 3 mehr Martius. mehr Kraͤuter und Bluͤmlein an sich wie- derumb sehen zu lassen. Vom Tangel-Holtz. Jn diesem Monat treiben die jun- gen Tangeln, so noch im Safft befindlich sind, davon die alten uͤberstaͤndigen Na- deln eintzeln herunter fallen, welche der Wurtzel zum Mist und Duͤngung dienen muͤssen, und schiessen an den Spietzen der Zweige vornẽ der junge Fruͤh-Jahrs- Wachs gantz gelb hervor, wiewohl er noch sehr kurtz anzusehen und sehr weich sich befindet, biß nach und nach die Jah- res-Naͤsse und Witterung es aus- treibet. Vom Laub-Holtze. Eben diese Beschaffenheit hat es fast mit dem Laub-Holtze, wiewohl auff ei- ne andere Art, dann da der Safft von der unterirdischen Natur sich in den Stamm und Zweige sich gezogen und extendir et hat, wachsen die Knospen, worinnen Laub und Bluͤthe noch zart verborgen blieben, je mehr und mehr staͤrcker und dicker, biß sie auffbrechen; Das alte Laub, so des Herbsts gefallen, dienet ihm zu Mist. Von Kraͤutern. Nunmehro mercket man die Guͤtig- keit der mildreichen Natur schon reichli- cher, wann die lebendige Vegetation der Erden reviviscir et, und sich ermuntert, und da findet sich schon ein mehrers von Kraͤutern, als fleckigtes Lungen-Kraut, Pulmonaria maculosa, Scharbocks- Kraut, Chelidonium, Aron-Kraut oder Zehr-Wurtzel, Arum, Dreyfaltigkeit- Kraut, Viola Tricolor, Teschel-Kraut, Bursa Pastoris, Leber-Kraut, Hepatica, Creutz-Kraut, Senecium, Schilff, A- rundo, Enten-Grieß, Lenticula, und Graß. Tages und Nachts Laͤnge. Weil die Sonne schon umb 6. Uhr 11. Minuten auff- und gegen Abend umb 5. Uhr 49. Minut untergehet, ist der Tag schon 11. Stunden, 40. Minuten lang, die Nacht aber dauret 12. Stunden, 20. Minuten. Von unterirdischen Berg- Duͤnsten. Nun hoͤhret die unterirdische metal- li sche und minerali sche Vegetatio zu wach- sen auff, evaporir et hingegen die Exhala- tio zur aufgeschlossenen Erde, denen ober- irdischen Vegetabilibus duͤrfftiges Nutri- ment zu geben, da mercket man in der Gruben nicht zu viel Duͤnste mehr, weil sie zugleich empor steigen, und des ge- habten Arrests entlediget sind, wo nicht des Nachts noch die Kaͤlte solche von oben zuruͤck treibet. Von T hieren und V oͤgeln. Der Baͤr. Vorjetzo, wo es ein wenig Thau- Wetter, und die alte Baͤrin von den Jun- gen mit saugen zu viel tribulir et wird, gehet sie aus, denen Jungen etwas Raubs zu bringen, meistens von jungem Wild oder zahmem Vieh halb lebendig, daß sie wuͤrgen, und Blut saugen ler- nen. Der Baͤr hilfft in diesem Stuͤck vorjetzo auch rauben, und haͤlt seinen Ausgang fast mit dem Dachs umb Licht- meß alter Zeit, wann er aber heimkom- met, gehet er ruͤcklings in seine Hoͤhle, und gebrauchet Sauerampff, den Ma- gen wieder zu curir en. Der Hirsch Bedienet sich meistens das Heyde- Krauts, jedoch aber, wo ers haben kan, der Knospen oder rauhen Pappeln, und Rinden von Aespen-Holtze, die ihme sonderlich angenehme sind, und gehet des Nachts auf die gruͤne Saat, ob sie wohl noch kurtz ist, und wenig Nahrung giebet, weil aber die Nacht noch lang, su- chen sie weit und breit herumb. Die jagdbahren Hirsche, wo sie anderst ge- sund sind, muͤssen in diesem Monat das Gehoͤrn werffen. Das Wildpraͤth oder die Thiere halten sich noch beysammen Troupp weise auf, und suchen ebenfalls gemeldter maassen dergleichen Nahrung, Hasel-Pappeln, Brunnen-Kresse und andere gesunde Kraͤuter. Das Schwein. Nunmehro streichet das Schwein weit und breit, und suchet seine Nah- rung die gantze Nacht durch, umb sich zu saͤttigen, weil es einen hietzigen gefres- sigen Magen hat und an einem Ort al- leine sich nicht saͤttigen kan: Die Sauen begeben sich nach den Bruͤchen, und warmen Qvellen, suchen daselbst Brunn- Kresse, Wurtzeln und Kraͤuter, in Man- gel Martius. gel derselben muͤssen sie sich anderwaͤrts ausbreiten, das hinterbliebene Feld-Obst nachzusuchen, oder die Hamster-Nester zu visitir en, darinnen sie Gedraͤyde fin- den. Das Reh. Die Rehe nehmen ihren Auffent- halt annoch in den Haar-Weyden- Straͤuchern, und Werfft, allwo sie nicht weit hervor sich blicken lassen, sondern in denen kleinen Gruͤnden und Wiesen- Fleckgen, die hervor gruͤnende Kraͤuter, frisches Graß, und Knospen, oder Pap- peln, junge Holtz-Zweige und Blaͤttlein zu ihrer Nahrung abklauben. Der Hase. Nun findet man junge lebendige Mertz- Hasen, welche noch eher tauren, als die vorigen, weil es schon etwas ge- linder Wetter, die Alten sitzen in Sturtz- Aeckern nicht weit von der Saat, weil die Nacht lang, sich zu saͤttigen, sie ramm- len vorjetzo mit den jungen Haͤsinnen hefftig. Der Wolff. Daferne es tieffer Schnee, trauen die Woͤlffe nicht gar wohl aus ihren grossen tiefen Waͤldern heraus zu gehen, aus Furcht beym frischen Schnee sich zu ver- rathen, und hungern lieber, da es aber Thau-Wetter, und der Schnee hinweg ist, begeben sie sich heraus, ihre Nahrung zu suchen. Die Woͤlffin aber bleiben lie- ber in grossen Wildnissen, und werffen ihre Jungen. Der Fuchs. Wann das Eiß beginnet aufzuge- hen, und die Froͤsche hervor kommen, ge- hen sie an die Ufer und fressen die Froͤ- sche, und den Froschlaͤich; Wanns waͤrmer worden, und die Erde auffgethauet, su- chen sie Feld-Maͤuse, davon gehen ihnen die Haare aus, und ist der Balg nichts nuͤtze, werden auch bißweilen raͤudig, da lassen sie sich oͤffters Jedermann unver- schaͤmt sehen. Der Dachs. Nunmehro gehet der Dachs fleißig aus, bey Nacht seine Nahrung zu su- chen, jedoch fuͤrchtet er sich beym Mon- den-Schein vor seinem eigenen Schat- ten, gehet aber dennoch fort, wann ihn der Hunger darzu treibet. Vom Marder und Otter/ Katz und Jltniß. Bey diesen Raub-Thieren ist bereits in der Eigenschafft das noͤthige errinnert, und nichts zu remarquir en uͤbrig, als daß, wann ihre Baͤlge gut, sie zu fangen, bey deren Vermehrung aber lieber zu ver- tilgen seyen. Vom Feder-Wildpraͤth. Das Wald-Gefluͤgel. Der Auer-Hahn. Nunmehro geschiehet zu Anfange die- ses Monats die Auer-Hahn-Paltz, und wird von grossen Herrn sehr solenniter mit schlafflosen Naͤchten fleißig celebri- r et. Der Birck-Hahn Findet sich allmaͤhlich zu der Ge- sellschafft der Huͤhner, aͤsset sich von bir- ckenen Knospen, jungen Rinden und Spi- tzen. Das Hasel- Huhn Begiebet sich gerne, wo viel Hasel- Straͤucher zu finden, von deren Zaͤpff- lein es vorjetzo seine Nahrung hat. Die Wald-Schneppen Kommen nun duͤrre und mager im Wieder-Zug zuruͤck; dahero sie billig mit schiessen, und fangen zu verschonen. Von wilden Tauben. Nunmehro kommen die wilden Tauben schon haͤuffiger, haben ihr Ge- heu auf den Baͤumen, fallen Abends und Morgens auf die gruͤne Saat, und Saltzlecken, sonderlich, wann sie mit A- nieß gemacht. Von Krammets-Voͤgeln. Die Schnaͤrren, Drosseln und Am- seln paaren sich fleißig, der Ziemer aber nimmt seinen Strich, daß er Sommers uͤber wenig oder nicht zu sehen, nach dem Gebuͤrge zu, die kleinen Voͤgel hecken nunmehro auch alle meistentheils. Vom Feld-Gefluͤgel. Der Trappe. Vorjetzo kommen die Trappen schon haͤufiger auff grosse weite flache Felder, auff die gruͤne Saat, wo sie nicht gestoͤh- ret Martius. ret werden, nehren sich auch von der jun- gen Bruth kleiner Voͤgel, auch an Ufern von Fischgen und Froͤschen. Der Phasian. Jn diesem Monat begeben sich vor- jetzo die Phasianen aus einander, und paaren sich, zu Ende dieses Monats faͤn- get sich ihre Paltz an, und waͤhret vier Wochen. Die Haͤhne kaͤmpffen gewaltig umb die Huͤhner. Daß Reb-Huhn. So bald nur der Frost aus der Er- den, und der Schnee von der Sonnen weggenommen ist, oder gethauet hat, findet man die Reb-Huͤhner auf den Mittel-Ruͤcken der Saat. Die Wachtel und Lerche. Auch biß dato ist von den Wachteln nichts zu mercken, weil das Winter-Ge- treyde zwar gruͤn, doch aber noch sehr kurtz ist. Die Lerche singet nunmehro schon lieblich. Von Wasser-Voͤgeln/ Als Gaͤnsen/ und Enten/ Blaͤssen und Kiebitzen. Nachdem nunmehro durch die Son- nen-Krafft und Wuͤrckung mit Huͤlffe des erwachenden Archæi, und warmen Evaporir ung das bißhero auf Seen und Teichen, Fluͤssen, Stroͤhmen und Was- ser-Baͤchen erstarrte Eiß zergehet, und zerschmeltzet, so kommen die saͤmmtlichen Wasser-Voͤgel schon hauffiger gezogen, sich nicht alleine auf die Wasser ihrer Na- tur nach zu begeben, sondern auch ihre Nahrung von jungem Graß, Wasser, Linsen, Froͤsche, Fischgen/ und Nattern zu suchen: Wann die Seen noch zu, be- geben sich die Gaͤnse nach denen grossen Bruͤchern; Die Enten aber auf Fluͤsse und Stroͤhme, wo das Eiß offen: Die Kiebitze hingegen auff Wiesen, nach den Wuͤrmern. Von dem Raub-Befluͤgel/ Als dem Habicht und Sperber. Da des vorigen Monats meist diese Raub-Voͤgel sich zu begatten anfangen, geschiehet zuweilen vieles Kaͤmpffen und Beissen wegen des Weibleins, welches Maͤnnlein aber Meister wird, darbey blei- bet das Weiblein. Kraͤhen und Aelstern. Nun begatten sich die Kraͤhen mit einander, suchen sich Nester auff hohen Baͤumen in Gaͤrthen, Wiesen und Buͤ- schen zu machen, legen drey biß vier Eyer, woruͤber sie 21. Tage bruͤthen, ehe sie auskommen; Die Aelstern bruͤthen nun schon Wechselsweise, da sie vorhero ihr Nest sicher vor Sturm-Wetter ge- machet. Des Jaͤgers noͤthige Verrich- tung in Jagd- und Forst- Sachen/ auch mit Zeug und Hunden. Jn diesem Monat muß der Jaͤger die Thore oder Oeffnungen, Loͤcher und Fenster-Laden des Zeug-Hauses oͤffnen, damit der Mittags-Wind durchstreichen, und den Jagd-Zeug, als Tuͤcher, Gar- ne, Netzen, Lappen, Wagen und Ka- sten von der Winters Feuchtigkeit aus- drocknen moͤge; Das Gewehr der Ruͤst- Kammer ebenfalls besichtigen, und aus- putzen lassen, weil es des Winters der Rost angegriffen; Die Pferde- und Hun- de-Staͤlle oͤffnen, damit die boͤse Feuch- tigkeit exhalir e; Stutten in Æquinoctio bescheelen lassen; Jm wachsenden Mon- den die lebendige Hecke ausbessen lassen; Linden-Bast zun Vogel-Thonen samm- len; Sobald in die Erde zu kommen, den Wild-Acker in der Heyde mit zeitli- cher Saat beschicken, das Wild dahin zu disponir en; Denen Leine-Webern das Garn bey zeiten zu wuͤrcken uͤbergeben, damit die Leinewand zu Tuͤcheꝛn desto zeit- licher fertig und mit Nutzen zur Hirsch- Feist im Augusto, und nachgehends im Herbst zur Schwein-Hatz koͤnne gebrau- chet werden; Gleicher gestalt den Hanff dem Seyler auszuhecheln geben, wor- aus sie Leinen, Netzen, und Garne stri- cken, weiln sie Sommers durch warm trocken Wetter zu spinnen Zeit genung haben, damit alles zu rechter Zeit fertig werden koͤnne; Die Schaaffe in den jungen Wiederwachs einzutreiben ver- biethen, weil sie die zarten Ausschoͤßlin- ge schaͤdlich abbeissen. Jetzt kan man auch Tangel-Holtz seen, des Herbsts aber ist es besser; Auf den Jaͤger-Hoff, unweit des Kellers, an beliebige Orte einige feine Martius. feine junge Linden im zunehmenden Monden setzen lassen, unten aber mit ei- nem Zaͤunlein wohl verwahren. Zu Anfange dieses Monden wird dann und wann ein Rammler-Hase, daferne er zu erkennen, der Artzney wegen geschossen. Die Schnepffen kommen vorjetzo im Wieder-Strich zuruͤck auff sumpffigte Wiesen, wo viel Kuͤhfladen auff Vieh- Trifften sind; Werden im Flug geschos- sen, oder in Lauff-Thonen gefangen. Nun kommen die Gaͤnse und Enten, da das Wasser offen, man schiesset sie aber nicht gerne, ausser die eintzelne En- trichte, auch die Kiebitze. Jn diesem Mo- nat schiesset man noch Hasel-Huͤhner, und Tauben auff den Ruff. Theils Orten ist vorjetzo der Auer-Hahn-Paltz noch; Der Birck-Hahn-Paltz aber faͤn- get sich kaum erstlich an. Die abgeworf- fenen Geweyhe oder Hirsch-Stangen, so in den Vor-Hoͤltzern gefunden wer- den, koͤnnen gebrannt, und zur Artzney gebrauchet werden. Jngleichen kan man Bircken-Wasser im zunehmenden Monden samlen, solches ist heilsam zu gebrauchen. Die Trappen kommen nun- mehro auff flache Felder, und werden mit Karren-Buͤchsen geschossen. Jetzo ist die Phasanen- Paltz angangen und die Reb-Huͤhner paaren sich auch. Die geworffenen jungen Hunde sind mit Fleiß vor Kaͤlte zu bewahren. APRILIS . Vermuthliche Witterung. Die liebe Sonne hat vorjetzo im Stier ihre Wirckung, da nunmehro die geruhete Natur durch den Fruͤhling die geschlossene Erde oͤffnet, und alle Vege- tabilia wiederumb renascir en muͤssen, das Wetter aber ist unbestaͤndig, kalt und naß, mit Sonnenschein, Wind, Schnee und Regen vermischet, dahero diese Feuchtigkeit nunmehro alles Gruͤne herauslocket, worzu die Sonne das ih- re auch contribuir et, manchmahl aber sind die spaͤthe Froͤste hinderlich. VEGETATIO der Erden. Kraͤuter und Baͤume. Was auch der vorige Monat et- wan vergessen, oder zuruͤck gelassen, er- oͤffnet die sonderbahre wunderliche Wit- terung und Eigenschafft dieses Monats. Es schlaͤget nun alles aus und gruͤnet in feuchten Gruͤnden angenehm und er- freulich wieder, die Dornen und Disteln kommen gleichfalls hervor, und erwecket jetzige Jahres-Zeit vermischte feuchte Witterung alles auszukaͤumen, damit es in kuͤnfftigem Monat desto vollkommener dargestellet werde. Vom Tangel-Holtz. Wann spaͤthe Nacht-Froͤste kom- men, so erfrieren gemeiniglich die zarten Jahr-Wachse gar leichtlich oder werden verhindert, dieses Jahr ihre vollkomme- ne Groͤsse zu erlangen; Sonst aber trei- bet der nasse April den jungen Jahr- Wachs gantz gelb und zart fast Fingers lang heraus, jedoch sehr schwach, daß er sich krumb beuget, und nicht gerade ste- hen kan, biß ihn die Sonne staͤrcker er- haͤrtet, und gruͤner faͤrbet. Vom Laub-Holtz. Anfangs sind die Knospen bey den harten Froͤsten eben auch dieser Gefahr unterworffen, daß sie gar leichte erfrie- ren, weil aber die vorsichtige Natur sie wohl verwahret hat, geschiehet es selten, vielmehr treibet die jetzige Feuchtigkeit die Knospen nunmehro mit Gewalt staͤr- cker, daß sie zu Ende dessen sich auffthun, und ihre angenehme gruͤne Farbe er- blicken lassen, unter welchen die Bircke solches am ersten thut. Von Kraͤutern. Nunmehro wachsen schon haͤufigere Kraͤuter, als die Braunelle, Prunella, weiß Wunde-Wurtzel, Helleborus al- bus, weiß Wurtzel-Kraut, Polygona- tum, weiß Bieber-Klee, item Biebernell, Pimpinella, Sauerampff, Acetosa, Sterck-Kraut, Antirrhinum, Fette Hen- ne, Crassula, Baͤr-Sanickel, Auricula Ursi, Berg-Muͤntze, Mentha montana, Gaͤnserich, Anserina, Maͤuß-Oehrlein, Pilosella, Glied-Kraut, Sideritis, Hasen- Oehrlein, item Hirsch-Heyl-Wurtzel, Libanotis. Tages und Nachts Laͤnge. Jndem die Sonne nun schon umb 5. Uhr, 9. Minute auffgehet, und umb A a a 6. Uhr Aprilis. 6. Uhr, 50. Minute niedergehet, ist der Tag 13. Stunden, 35. Minuten, die Nacht aber hingegen nur 10. Stunden, 50. Mi- nuten lang, doch kan ein gesunder Mensch gar wohl ausschlaffen. Von unterirdischen Berg- Duͤnsten. So lange es nun oben auff Erden noch kalt ist, so lang waͤhret zu gleicher Zeit die unterirdische Waͤrme, weiln die Kaͤlte die auffsteigende Vapores der mi- nerali schen mercuriali schen Duͤnste, wel- che exhalir en wollen, jedesmahl zuruͤck treibet, daß sie abermahls ihre vorige unterirdische Wohnung wider Willen nehmen muͤssen, und nunmehro contri- buir et voͤllig die unterirdische Krafft der oberirdischen Erde. Von Thieren und Voͤgeln. Der Baͤr. Wann die jungen Baͤre an der al- ten Baͤrin der Mutter fleißig ihre Milch gesogen haben, und etwas lauffen koͤn- nen, kriechen sie herausser, und suchen sich auch Nahrung, als junge Voͤgel und Maͤuse, auch wo sonst nichts vor sie zu finden, einige Kraͤuter und Wurtzeln hervor, die Alten gehen nun beyde wech- selsweise weit aus nach ihrer Nahrung, suchen Fische, zerstoͤhren die Ameyß-Hau- fen in den alten Stoͤcken zu ihrer Artz- ney. Der Hirsch. So bald der Hirsch sein Gehoͤrn ge- worffen, setzet sich die neue Materie an demselben Ort, und qvillet von Tage zu Tage je laͤnger je hoͤher auf, welches die vorsichtige Natur vor dem schlackerigten April-Wetter, und der rauhen kaltẽ Lufft mit einem Haͤutlein verwahret, und dieses werden die Hirsch-Kolben genannt, zu dieser Zeit nimmt er sich wohl in acht, dieselbigen nicht zu verletzen, oder anzu- stossen, und nimmt seinen Stand in das junge Dickigt oder Gehaͤue. Zu dieser Zeit vertheilen sich die Hirsche und das Wild, wegen der neu auffwachsenden Frucht-Felder, und gruͤner Saat, in an- dere Gehoͤltzer, ihren Stand ohnweit der Felder zu suchen; Die gemeinen Hirsche werffen in diesem Monat ihr Gehoͤrn ab, die Natur reiniget das scorbuti sche Ge- bluͤt, woraus die Enderlinge wachsen, wel- che von den Tholen ausgehacket werden. Das Schwein. Vorjetzo gehet das Schwein weit und breit in die Frembde, was es unterwe- gens zur Zehꝛung antrifft, bedienet es sich, als uͤberbliebene Eicheln und Buch-Mast, Hasel-Nuͤsse, Erd-Wuͤrmer, Farren- Wurtzel, Schnecken, kleine Fischgen, und dergleichen mehr, die Sauen aber suchen sich, jede ein absonderlich beqvemes La- ger aus, ihre Frischlinge zu setzen, und sich nahe bey denenselbigen zu nehren, diesel- be zur Zeit der Noth zu schuͤtzen, auch vor den Raub-Thieren zu bewahren. Das Reh. Jetzo vertheilen sich die Rehe schon wei- ter von einander in die hin und wieder abgelegene Vorhoͤltzer, und neu ausge- schossene Sproͤßlinge, oder Jahr-wachs in junge Gehaͤue an die Ecken, gehen zu Nacht auf die gruͤne Saat, davon sie ih- re Nahrung nehmen. Der Reh-Boͤ- cke Gehoͤrngen ist nunmehro meistens vollkommen auffgesetzet, und schlagen oder fegen es in Wiesen. Der Hase. Nunmehro gehet der Hase ungescheu- et Abends und Morgens auf die gruͤne Saat, welche des Monats vorhero ge- rammlet, setzen ihre Jungen in Wiesen, Felder, Hecken und altem Graß, die Rammler sind vor Geilheit sehr unruhig, und lauffen ihrer sehr viel hinter einer Haͤsin her. Der Wolff. Weiln das Vieh nunmehro meist aus- getrieben wird, und da die Erde das Graß hervor treibet, und die Sonne hoͤ- her steiget, sich verneuert, und frisches Fleisch krieget, werden die Woͤlffe unge- mein begierich darnach zu suchen, in den Vorhoͤltzern die Kaͤlber, Ziegen, und Schafe zu betriegen. Die junge Woͤlffin- nen werffen zu Anfang dieses Monats. Der Fuchs. Der listige Fuchs ist nunmehr genung versichert, daß ihn kein Mensch verlan- get, weiln er von seiner Hurerey, oder seinem Rollen so mager geworden, daß nichts an ihme, als Haut und Knochen, der Peltz auch gantz zerlumpet, und zott- licht, ja die Haut raͤudig und schaͤbicht ist, wird demnach verwegen die Huͤhner und Gaͤnse zu visitir en. Der Aprilis. Der Dachs. Jetzo gehet der Dachs doch schon et- was zeitlicher des Nachts aus seinem Bau, seine Nahrung zu suchen, jedoch nach des Wetters Beschaffenheit, und Ab- und Zunehmung des Mondens, die Daͤch- sin ist nunmehr ziemlich dick, und præpa- rir et sich zum Setzen. Vom Marder und Otter/ Katz/ und Jltniß. Von diesen Raub-Thieren ist bereits in der Eigenschafft das noͤthige errinnert, und nichts zu remarquir en uͤbrig, als daß, wann ihre Baͤlge gut, sie zu fangen, bey deren Vermehrung aber sie lieber zu ver- tilgen sind. Vom Feder-Wildpraͤth. Das Wald-Gefluͤgel. Der Auer-Hahn. Nach der Auer-Hahn-Paltz absenti- r et sich ein jedes Huhn, nach selbst beliebi- gem ausgesuchtem Ort sich ein Nest zum kuͤnfftigen Bruͤthen sorgfaͤltig zu ma- chen. Der Birck-Hahn. Dieser Birck-Hahn hingegen haͤlt nunmehro erst seine Paltz, da die birckene Knospen sich eroͤffnen. Das Hasel-Huhn. Jetzo leget das Hasel-Huhn Eyer, und bruͤthet in drey Wochen aus, erziehet seine Jungen heimlich, und unvermer- cket. Die Wald-Schnepffen Suchen auf Wiesen und Bruͤchern zarte Wuͤrtzlein und Wuͤrmer, wiewoh- len sie davon noch schlechte Nahrung ha- ben koͤnnen. Von wilden Tauben. Jn diesem Monat sind die Tauben noch zu schiessen, und wann sie Abends und Morgens auf die Saat-Felder flie- gen, und sich paaren, auch nach dem Ruff auf einen Baum sich locken lassen, am be- sten zu betriegen. Von Krammets-Voͤgeln. Nunmehr sitzet dieser Vogel in der besten Leg- und Bruͤth-Zeit, da er vor al- len Dingen mit allem Schiessen und Fan- gen verschonet, die Eyer nicht genom- men, noch die Nester verstoͤhret werden sollen, weil nunmehro die rechte Bruͤth- Zeit kommen, sich zu vermehren. Vom Feld-Befluͤgel. Der Trappe. Jn diesem Monat bruͤthet der Trap- pe, nachdem er sich eine schlechte Grube in Sand gemachet, seine Jungen in vier Wochen aus, und da er verstoͤhret wird, traͤget er die Eyer unterm Halß oder Fluͤgel eine ziemliche Ecke weiter weg. Der Phasian. Jm Anfang dieses Monats waͤhret die Paltz noch, und zu Ende desselben le- gen die Huͤhner ihre Eyer, wornach die Kraͤhen, und Aelstern solche zu rauben, sehr begierich sind, die Haͤhne sind nach der Paltz mager, und haben abgenom- men. Das Reb-Huhn. Jetzo legen die Reb-Huͤhner ihre Eyer, daferne sie nicht verstoͤhret wer- den, und bruͤthet ein jedes Huhn beson- ders in drey Wochen aus; Die Kraͤhen und Aelstern rauben aber meistens die Eyer. Die Wachtel und Lerche. Von der Wachtel Ankunfft ist noch nichts zu vermercken, die Lerche aber, nach- dem sie sich vorigen Monats begattet, bruͤ- thet nunmehro, wie andere kleine Voͤgel. Von Wasser-Voͤgeln/ Als Gaͤnsen und Enten/ Blaͤssen und Kiebitzen. Da nunmehro alles Gewaͤsser uͤberall offen worden, und das Eiß gantz hinweg und sich verlohren hat; So kommen die Gaͤnse von warmen Bruͤchern auf grosse und weite Seen, und paaren sich zu An- fang dieses Monats. Die Enten zerthei- len sich von einander, und paaren sich, theils noch in vorigem Monat, theils vorjetzo auf offenen Stroͤhmen, Teichen, und Wassern, ja offte auff kleinen schlech- ten Lachen oder Pfuͤtzen. Die Blaͤssen flanqvir en ohne grossen Flug flach uͤberm Wasser hin; Die Kiebitzen, die sich schon vorigen Monats begattet, legen Eyer, die sie selbst verrathen, und nach Menschen A a a 2 und Aprilis. und kleinen Hunden hefftig fliegen und stossen. Vom Raub-Befluͤgel/ Als dem Habicht und Sperber. Nachdem sich die Raub-Voͤgel nun be- gattet, haben sie Eyer, meistens 2. 3. biß 4. welche sie in 14. Tagen sorgfaͤltig ausbruͤ- then, da eines das andere abloͤset, das ledige indessen nach dem Raub ausflie- get. Kraͤhen und Aelstern. Nach abgelegter Bruth, welche in vorigtem Monat wechselsweise gesche- hen, bringen sie meist 3. biß 4. Junge, wel- che sie fleißig in acht nehmen. Diese Kraͤ- hen thun der Sommer-Saat Schaden. Ebenfalls haben die Aelstern jetzo 3. biß 4. Junge ausgebracht, hernach weniger. Des Jaͤgers noͤthige Verrich- tung in Jagd- und Forst- Sachen/ auch mit Zeug und Hunden. Er muß fleißig antreiben, daß dieje- nige Leinewand, welche zu Tuͤcher-Lap- pen gemachet wird, fein bald verfertiget werde, damit sie kuͤnfftigen May zeit- lich gebleichet werden kan; Die Pferde und Hunde purgir en; Die Daͤcher aus- bessern lassen, Truth- Huͤhner besetzen und Phasian- Eyer unterlegen, auszu- bruͤthen: Die Hecken ausbessern lassen, wo etwas ausgangen seyn moͤgte, diesel- be mit Mist-Pfuͤtzen-Wasser fleißig be- giessen. Die Rauppen-Nester zu vertil- gen bedacht seyn; Maulwuͤrffe fangen lassen, welche den Wiesen mit Auffwerf- fen Schaden thun. Die Falcken, Ha- bichte und Sperber nach vorbeschriebe- ner Art wegfangen; Das Wildpraͤth muß im Thier-Garthen beym Nach- Winter zu fuͤttern mit Fleiß besorget werden, weiln das andere Wild in Waͤl- dern noch eher in seiner Freyheit was finden kan, als das arme eingesperrte Wild. So bald man den Kuckuck hoͤh- ret, duͤrffen die Schaaffe nicht wieder in die Wiesen kommen. Das junge Wild, und Eyer ausnehmen soll bey scharffer Straffe verbothen werden. Die Schaͤ- fer muͤssen die Hunde am Strick fuͤhren, sonst fressen sie leicht junge Hasen und Rehe, oder verstoͤhren die Voͤgel in der Bruth, so sie rumb lauffen: Der Bau- ren Hunde werden gekleppelt, sicherer aber an der Kette angeleget. Denen Hauß-Katzen, so im Felde zu maussen gewohnet, schneidet man die Ohren ab, so bleiben sie daheime und maussen desto fleißiger im Hause, weil ihnen im Gra- se der nasse Thau in die Ohren faͤllet, wel- ches sie nicht wohl leyden koͤnnen. Der saugenden Huͤndin, welche Jungẽ bekom- men, muͤssen fleißig Milch-Suppen des Tages drey biß viermahl gegeben wer- den, weil die Jungen sie genung abzehren. Die Graͤntzen und Mahl-Haufen mit der Nachbahrschafft sollen richtig verneu- ert, und, wo Jrrungen verhanden, in der Guͤthe beyzulegen gesuchet werden. Wann das Laub ausgeschlagen, sind die Saltz-Lecken anzurichten. Die Birck- Hahn-Paltz waͤhret nun am hefftigsten, wann die Bircke das Laub wie ein Sechspfenniger groß hat, alles andere Wild aber und saͤmmtliches Gefluͤgel ist billig zu schonen, weil es sich vermeh- ret, auch gantz mager ist. Die Tauben werden noch eintzeln auff den Ruff ge- schossen, ist aber Schade, weil sie sich paa- ren, sind auch mager. So bald der Dorn- Strauch gruͤn worden, erscheinet die lie- be Nachtigall, und laͤsset sich angenehm hoͤren. Bey veraͤnderlichem Wetter will der Kuckuck nicht recht dran, biß die Bir- cke voͤllig gruͤn, und der Haber aufge- gangen. Die Phasan- Eyer werden durch Truth-Huͤhner ausgebruͤtet, Aelstern und Kraͤhen fleißig geschossen, und ge- fangen, auch ihre Nester zerstoͤhret, weil sie die Eyer haͤuffig wegrauben. Die Kol- ben-Hirsche werden zur Artzeney offt ge- schossen, wo sie haͤuffig sind. Sonst ist das Wild voll Enderlinge, und gar nichts nuͤtze zu geniessen. MAJVS . Vermuthliche Witterung. Jn diesem Monat wuͤrcket die liebe Sonne schon hoͤher in dem himmli- schen Aspect der Zwillinge, da die Ve- getatio der Erden, Kraͤuter und Baͤume durch Influenz der Gestirne schon kraͤff- tiger Majus. tiger zu vermercken. Das Wetter ist Anfangs kuͤhle, lufftig, mit Regen und Schlossen vermischet, truͤbe Wolcken und zuletzt Donner, wodurch die Erde frucht- bar wird, woferne nicht wiederumb der Frost Schaden thut. VEGETATIO der Erden. Kraͤuter/ und Baͤume. Nunmehro zeigen sich die lieben Kraͤuter allen lebendigen Creaturen zu Dienste, wiewohl dieselben unterschied- lich, und einige schon ziemlich heraus, an- dere dargegen noch klein sind: Auch fan- gen die Gesund-Qvellen und Wasser- Spruͤnge jetzo an, sich zu reinigen, und gleichsam das unreine Gebluͤt zu saͤu- bern. Vom Tangel-Holtz. Vorjetzo wird das junge Tangel- Holtz an den aͤusersten Zweigen oder an- genehmen Fruͤh-Jahr-Wachs schon steif- fer und gruͤnlichter, der junge Anflug auff der Erden zeiget sich auch erfreulich und wird, da er noch jung und zart, ob er gleich bittern Geschmacks, dannoch von wilden und zahmen Thieren abge- bissen, welches ihn am kuͤnfftigen Wachs- thum und daß er zu keiner Hoͤhe kom- men kan, hindert. Vom Laub-Holtze. Sobald die Knospen aufgebrochen, zeigen sich mit Freuden die lang verbor- genen gewesenen angenehmen gruͤnen Blaͤtter und schlagen vollkommen aus, schmuͤcken sich mit Laub und Bluͤthen, daß also alles gruͤn, und angenehm mit Lust anzusehen ist; Jngleichen sind auch die jungen Som̃erlatten, oder der Wie- derwachs recht erfreulich, wiewohl das Wildpraͤth ihnen haͤuffigen Schaden thut. Von Kraͤutern. Vorjetzo ist der kraͤfftigste Anfang aller Kraͤuter, welche denen lebendigen Creaturen zur Gesundheit dienen, und wachsen nunmehr die lieben Majen- Bluͤmlein, Lilium convallium, Baldri- an, Valeriana, weisser Diptam, Fraxi- nella, Je laͤnger, je lieber, Matrisylva, Stechende Winde, Smilax aspera, Schaaffs-Garbe, Millefolium, Schlan- gen-Zuͤnglein, Ophioglossum, Knaben- Kraut, Fabaria, Wegerich, Plantago, Eim- beer, Herba Paris, Thorant, Antirrhi- num, Bethonien, Betonica, Schlangen- Kraut, Bistorta, See-Blumen, Nym- phæa. Tages und Nachts Laͤnge. Jetzo gehet die liebe Sonne schon um 4. Uhr, 33. Min. auff; Hingegen Abends umb 7. Uhr, 27. Minut nieder; Da- hero also der Tag 14. Stunden, 55. Mi- nuten lang geworden; Die Nacht aber 9. Stunden, 9. Minuten verblieben. Da heist es 7. Stunden Schlaff ist am gesuͤndsten, oder septem horas dormisse, sat est juvenique senique. Von unterirdischen Berg- Duͤnsten. Nun steigen die unterirdischen Hu- mores und Vapores mit Macht herauff, ihres Schoͤpffers Befehl vollends zu be- schleunigen, und denen bißherigen ent- schlaffenen Vegetabilibus neue Krafft zu erwecken, da vereiniget sich maͤhlich die unterirdische Waͤrme, und bleibet tempe- rir et, des Nachts aber mercklich waͤr- mer, als bey Tage, weiln die Sonne entfernet, die kalte Nacht aber per Re- percussionem nichts exhalir en laͤsset. Von Thieren und Voͤgeln. Der Baͤr. Zu jetziger Zeit pflegen die jungen Baͤre schon etwas weiter auszugehen, als in vorigtem Monat, was sie von den Alten bekommen, ist doch noch zur Zeit ihre beste Nahrung, und nehmen alles, was fleischich ist, gerne an, dann verzeh- ren sie es alle zusammen, weil ihr Fan- gen noch nicht recht angehen will; Die Alten visitir en indessen die wilden Bie- nen in hohlen Baͤumen, oder die Hum- mel-Nester; Und weil sie im Winter- Lager vom dicken Gebluͤt fast blind wor- den, stechen sie die Hummeln, daß es schweisset, und ihnen hilfft; Zu Aus- gang dieses Monats lauffen die Baͤrin- nen aus Geylheit, und treten in die Brunfft, alsdann sind sie sehr boͤse. Der Hirsch. Jn diesem Monat purgir et sich der Hirsch sowohl mit gesunden Kraͤutern, als guten Qvellen, weil die Natur zu dieser Jahres-Zeit allen lebendigen und leblosen Creaturen eine gantz erneuern- A a a 3 de Majus. de Krafft mildiglich mittheilet, und die Sonnen-Strahlen alle Vegetation der Erden herauslocken. Die geringe Hir- sche muͤssen das Gehoͤrn abwerffen; Sie bedienen sich auch in diesem Monat der Saltz-Lecken und wie die Sonne hoͤher steiget, und waͤrmer wird, auch gutes Geaͤß verhanden, also waͤchser ihme auch das Gehoͤrn auff. Die alten Thiere se- tzen nunmehro die Kaͤlber an stillen siche- ren Oertern, und lassen dieselben taͤglich fleißig saugen, sie auffzuziehen, aus de- nen Hirsch-Kolben wird in diesem May- Monat eine treffliche Artzney distillir et. Das Schwein. Nunmehro setzen die Sauen oder Bachen in diesem Monat auch ihre jun- ge Frischlinge, welche wann sie zur Welt gebohren, schwartz und weißlich gestreif- fet aussehen und gleich mit der alten Ba- che hin und wieder lauffen koͤnnen, und wann die alte waldbrauset, stieben sie augenblicklich von einander, sich in Schilff, Laub oder Graß zu verstecken, und lauren so lang, biß die alte ein Zeichen giebt; Sie laͤsset sie jetzo fleißig saugen, dieselbe n groß zu erziehen, und brechen jetzo sehr nach Wurtzeln und Kraͤutern. Das Reh. Nunmehro befinden sich die Rehe gemeiniglich bey gesunden Qvellen, Wur- tzeln und Kraͤutern, in verborgenen ab- gelegenen kleinen Vor-Hoͤltzern und Feld- Buͤschen in schoͤnen Gruͤnden, weshal- ben sie auch ihre Jungen setzen, und die- selben aufs beste sicher verwahren, lassen sich anjetzo aufs Blatt locken, weil sie meynen, ihre Jungen schreyen. Jn die- sem Monat faͤrben sie sich roth und haͤ- ren ab. Der Hase. Nunmehro findet man die Hasen allerseits, weil die Naͤchte kurtz sind, auf der gruͤnen Saat in den Rehnen oder Scheidlingen gedruckt liegen, damit sie nicht so weit zur Saat nach ihrer Nah- rung lauffen duͤrffen, und druͤcken sich hart an geringe Oerter sehr flach, bedie- nen sich der Kraͤuter. Der Wolff. Nunmehro reinigen sich die Woͤlffe von allem innerlichen Unrath, so in ih- rem Magen und allem Eingeweyde biß- her gewesen, durch Kraͤuter und Graß, thonigte Erde und Sand, davon ihnen die Haare ausgehen, auch oͤffters, wie die Hunde, raͤudig werden, bey der Lamm- Zeit thun sie dem Schaaf-Vieh und den Laͤmmlein grossen Schaden, rauben auch Hirsch-Kaͤlber, Rehe und Frischlinge. Der Fuchs. Nunmehro werffen die alten Fuͤch- sinnen ihre Jungen in bergichte Winter- Baͤue, tieffe Felsen-Loͤcher oder unter Wind-Wuͤrffe untern Wurtzeln in der Erde, und wird die alte Fuͤchsin nun- mehro so treuste, daß sie am hellen Tage Gaͤnse und Huͤhner ungescheuet raubet, ihren Jungen Nahrung genung zu schaf- fen, weil sie mager ist, so hazardir et sie ihr Leben, aus Liebe zu ihren Jungen. Der Dachs. Die alten Daͤchsinnen jungen nunmehro in diesem Monat, und ver- bergen ihre Frucht, deren gemeini- glich drey biß viere sind, sorgfaͤltig in dem in ihrem Bau mit Mooß warm gefuͤt- terten Kessel, und saͤugen dieselben. Vom Marder und Otter/ Katz und Jltniß. Von diesen Raub-Thieren ist bereits in der Eigenschafft das noͤthige errinnert, und nichts zu remarquir en uͤbrig, als daß, wann ihre Baͤlge gut, sie zu fangen, bey deren Vermehrung aber lieber zu vertilgen seyn. Vom Feder-Wildpraͤth. Das Wald-Gefluͤgel. Der Auer-Hahn. Jn diesem Monat leget die Auer- Henne Eyer, und sitzet fleißig daruͤber, daß dieselben nicht erkaͤlten sollen, bruͤ- thet auch sie meist in vier Wochen aus, wo sie nicht darvon verstoͤhret wird. Der Birck-Hahn. Nach der Birck-Hahn-Paltz absen- tir et sich das Huhn ebenfalls, zur kuͤnff- tigen Bruth sich ein Nest auszusehen. Das Hasel-Huhn. Dessen Jungen werden vermuthlich durch Ameiß-Eyer sorgfaͤltig ernehret und aufferzogen. Die Wald-Schnepffen. Nunmehro vertheilen sich dieselben ohne Majus. ohne, daß man weiß, wohin, weiln man die Natur nicht gaͤntzlich auslernen kan. Von wilden Tauben. Nunmehro darff man den wilden Tauben nichts mehr thun, oder sie ver- stohren, weil sie eben in der Bruth be- grieffen, mager und zehe sind, auch Scha- de ist, eine gantze Bruth oder zwey zu ver- derben. Von Krammets-Voͤgeln. Nunmehro haben die Voͤgel ihre Jungen, weshalben solche mit allem Fleiß zu schonen, und die Vermehrung nicht zu verhindern, und ist vornehmlich der Jugend das Vogel-Nester ausneh- men, mit allem Ernst scharff zu verbie- then, auch darauf ein wachsames Auge noͤthig. Vom Feld-Befluͤgel. Der Trappe. Nachdem die jungen Trappen aus den Eyern gekommen und ein wenig er- wachsen sind, pfleget solche die Alte in die nechste erwachsene Feld-Fruͤchte zu fuͤh- ren, und dieselben zu verstecken, damit sie Niemand finden solle. Der Phasian. Nunmehro geschiehet die Bruth, und koͤnnen die alten Huͤhner in drey Wochen leicht ausbruͤthen, gemeiniglich geschiehet es in altem Graß, Farren- Kraut und dergleichen, die Jungen so bald sie aus den Eyern, verlauffen sich, wie die Mause. Das Reb-Huhn. Wann das Bruͤthen gluͤcklich ist, und die Eyer nicht geraubt werden, ha- ben die Reb-Huͤhner nunmehro Jun- gen, sonst aber paaren sie sich aufs neue, noch einmahl sich zu vermehren. Die Wachtel und Lerche Da nunmehro die Winter-Saat wegen guter Jahres-Witterung meist erwachsen, so kommen die Wachteln auch herzu, in die Weitzen-Felder sich zu verbergen. Von Wasser-Voͤgeln/ Als Gaͤnsen/ und Enten/ Blaͤssen und Kiebitzen. Vorjetzo bruͤthen die Gaͤnse, in gros- sem moraͤstigen Geroͤhricht und weiten Seen, da ihnen Niemand beykommen kan; Die Enten hingegen bruͤthen zwar theils an Ufern im Schilff, weil sie aber von Kraͤhen in erster Bruth ihrer Eyer meists beraubet werden, bruͤthen sie in niedrigen hohlen Weyden, ob sie schon eines Manns hoch sind, nahe an Wasser- Ufern, und wann die Jungen auskom- men, fuͤhren sie solche artlich bey den Haͤlß- gen mit ihrem Schnabel in die nechsten Wasser, dieselben ferner zu erziehen. Die Blaͤssen bruͤthen im Schilff am Rande, wie Wasser-Huͤhner; Die Kiebitzen aber haben Junge, die sie auf die Wiesen im langen Graß verstecken, gleichwohl aber jederzeit sich mit Geschrey verrathen. Vom Raub-Befluͤgel/ Als dem Habicht/ und Sperber. Nachdem die alten Raub-Voͤgel im vorigten Monat bereits eine geraume Zeit ihre Eyer bebruͤthet, und Junge ausgebracht, ernehren sie die Alten, und werffen etwas weiches klein zerbissen den Jungen vor. Kraͤhen und Aelstern. Die jungen Kraͤhen werden ziemlich pfluͤcke, dahero der Habicht solche gerne verlanget, die alten bringen ihnen junge Hasen, Kuͤchlein und Voͤgel oder Heu- schrecken. Gleicher Mauserey und Rau- bens bedienen sich die Aelstern vor ihre Jungen. Des Jaͤgers noͤthige Verrich- tung in Jagd- und Forst- Sachen/ auch mit Zeug und Hunden. Nun ist die beste Kuh-Milch, so auch am gesuͤndesten, wegen der kraͤfftigen Sonne, frischen Kraͤuter, gesunden Wasser, und Reinigung der Natur, da muͤssen die jungen Hunde des Tages off- te und wenig fressen lernen, damit sie mit wachsen desto besser zunehmen; Vor- jetzo muß man auch die Falcken und Ha- bichte ausmaussen lassen, darmit man sie im Majus. im Herbst zum Beitzen brauchen kan; Jngleichen sowohl dem Wildpraͤth im Thier-Garthen, als den Jagd-Kleppern Eichen-Laub, wann es noch weich ist, geben. Anjetzo bleichet die Leinewand am besten weiß von fliessendem Bach- Wasser, weil die Sonne am meisten wuͤr- cket. Jn diesem Monat muß man mit dem Leith-Hund ausziehen, und das Be- haͤngen fleißig abwarten; Raub-Voͤgel- Nester vertilgen. Nunmehro ist gut Kraͤuter sammlen, sie muͤssen aber im Schatten getrocknet werden, daß die Sonne nicht die Krafft herausser ziehe; Die Hopff-Stangen, wo sie ohnediß zu dicke, und dennoch in die Hoͤhe gewach- sen, eintzeln aushauen lassen, damit das junge Holtz desto besser zu wachsen Lufft kriege. Denen nahe an den Waͤldern wohnenden Bauern scharff anbefehlen, die Hunde zu kleppeln, oder anzulegen, und den Schaͤfern die Hunde zu fuͤhren, ja daß diesen Monat gar kein Vieh in das Gehaͤge komme, damit die Hirthen denen jungen Hirsch-Kaͤlbern keinen Schaden zufuͤgen; Die Wachteln fan- gen, weilen, wenn sie zu haͤuffig sind, einander selbst hindern. Diesen Mo- nat uͤber bluͤhen meistens die Baͤume ab, und zu Ende. Vorjetzo wird auf Ver- langen noch ein Kolben- Hirsch zur Artz- ney geschossen und geliefert, weiln selbi- ger trefflich gesund; denen jungen Raub- Thieren, als jungen Woͤlffen und Fuͤch- sen, welche in diesem Monat geworffen, aͤuserst zu vertilgen nachtrachten, die Eyer und Jungen in Nestern des saͤmbt- lichen Feder-Wilds muͤssen, aͤuserstem Vermoͤgen nach, geschonet, und geheget werden; Man muß die Pferde und Hunde taͤglich fleißig ausreiten und fuͤh- ren, und sie gehorsam hinter dem Jaͤ- ger gewoͤhnen, die Oeffnungen und Fen- ster gegen der Morgen- und Mittags- Seite bey hellem Wetter, und gutem Wind oͤffnen, und wo es nicht helffen will und das Zeug noch zu feuchte, als- dann die Zeug-Wagen, und Zeug-Schlit- ten herausser auf den Hoff stossen; Den Zeug aber entweder auf freyem Felde im lichten Holtze bey trockenem stillem Wet- ter aufstellen, oder wann Regen-Wetter, oder Wind einfaͤllet, im Zeug-Hause auf Haacken an die Balcken haͤngen, die Tho- re vorne und hinten aufmachen lassen, zu trocknen, damit die Feuchtigkeit gaͤntz- lich solcher gestalt heraus gebracht werde, dann im Julio und Augusto ist die Hietze zu groß, und wuͤrde nur das Holtzwerck auffreissen. JVNIVS . Vermuthliche Witterung. Es tritt die Sonne nunmehro hoͤ- her und hoͤher in das Himmlische Zeichen den Krebs der Jahres-Zeit Fruchtbarkeit desto mehr zu verbessern, und faͤnget sich der liebe Sommer an; Hat anfaͤnglich recht schoͤnes Wetter, letzlich Sonnen- schein und Wind, welcher trockenes Wet- ter, Wolcken und Regen, geschwuͤhle Lufft, Wetter leuchten und Donnern verursachet, damit die milde Natur ihr Vermoͤgen gebe, wo anderst nicht gar zu grosse Trockenheit einfaͤllet. VEGETATIO der Erden. Kraͤuter und Baͤume. Vorjetzo sind die Kraͤuter in ihrem allerbesten Flor und medicini scher Krafft meistens vollkommen, und theilen Men- schen und Vieh eine natuͤrliche Krafft in- nerlich mit, auch die spaͤthen werden im- mer kraͤfftiger. Die Wasser-Qvellen, und Gesund-Brunnen sind nunmehr auch schon gesuͤnder, als vorigten Mo- nats. Vom Tangel-Holtze. Die Wuͤrckung des Baum-Saffts geschiehet diesen Monat auch vollends, so viel er dieses Jahr zu profitir en hat, und hoͤhret jetzo ferner das Wachsthum, und Zunehmen auf, weil der Baum seine Jahꝛes-Vollkommenheit erlanget hat, die Farbe der Tannen-Nadeln ist jetzo schon dunckler; Der junge Anflug und Wie- der-Wachs auf der Erden, wo er anderst Friede hat, treibet seinen Wachs eyligst in die Hoͤhe. Vom Laub-Holtz. Nunmehro sind die neuen gruͤnen Blaͤtter zwar vollkoͤmmlich bey aller Ar- ten Laub-Holtzes, ausser die Eiche, wel- che ihre Blaͤtter biß zuletzt conservir et, wann alle Froͤste vorbey sind: Die Bu- che aber ist vollkommlich haussen, nur, daß die Blaͤtter anfaͤnglich gelblicht gruͤn, und Junius. und weich sind, weswegen sie von wil- den und zahmen Thieren zum oͤfftern vielfaͤltig, so weit sie reichen, abgebissen werden. Von Kraͤutern. Noch weit kraͤfftiger aber ist vorje- tzo die Kraͤuter-Ernde, als wo die liebe Sonne schon maͤchtiger wuͤrcket und die Erde ihr innerliches Vermoͤgen vollends darreichet, als da sind Feld-Kuͤmmel, Serpillum, Wiesen-Klee, Trifolium, Tausend-Guͤlden-Kraut, Centaurium minus, Sanickel, Sanicula, Ehrenpreiß, Veronica, Waldmann/ item Hirsch-Klee, Eupatorium, Hirsch-Holder, Sambucus cervina, Tormentill, Tormentilla, Wund- Kraut, Solidago, Baͤhren-Klau, Spon- dylium, Boragen, Borago, Koͤnigs-Ker- tze, Verbascum, Ochsen-Zunge, Buglos- sum, Geiß-Rauthe, Galega, weiß und schwartz Hirsch-Wurtz, Cervaria. Tages und Nachts Laͤnge. Alldieweilen nunmehro die hoͤchste Elevation der Sonnen, und dieselbe umb 3. Uhr, 29. Min. aufgehet, Nachmittages aber umb 8. Uhr, 32. Min. niedergehet, ist der laͤngste Tag 16. Stunden, 30. Min. und die kuͤrtzte Nacht 7. Stunden 30. Min. lang, da man viel Arbeit und wenig Ru- he hat. Von unterirdischen Berg- Duͤnsten. Was auch nun von denen minerali- schen und metalli schen Spiritibus, nicht von sich selber hat in der Guͤte heraus gewol- let, sondern in seinem alten Nest verblie- ben ist, das ziehen die kraͤfftigsten Son- nen-Strahlen nunmehro mit solcher Ve- hemenz hervor, daß oͤffters von den haͤu- figen schwefflichten Duͤnsten die Wol- cken dergestalt irritir et werden, daß sie sol- ches hernach durch Donner-Wetter aus- schuͤtten muͤssen. Von Thieren und Voͤgeln. Der Baͤr. So bald die jungen Baͤre ein wenig erwachsen, sich in Knochen starck befin- den, schlagen sie sich schon mit den Vor- der-Tatzen, und uͤben sich mit Klettern, sie steigen auff die Baͤume, wie Katzen, ob gleich manchmahl einer herunter faͤllt, sobald die Erd-Beere, Heydel-Beere, Puͤl- tze oder Preussel-Beere, nur in etwas reif werden, suchen sie ihre Nahrung da- von. Die alten gebrauchen sich vorer- meldter Cur zur Erlangung ihres Ge- sichtes, weil sie ohne dieß von Natur zur Blindheit sehr geneigt. Suchen aber ihre Nahrung meist in Ameyß-Hauffen und Stoͤcken; Sie rauben in der Satz- Zeit die Wilds-Kaͤlber ebenfalls. Der Hirsch. Nunmehro verfaͤrbt sich der Hirsch allmaͤhlich von den grauen Winter-Haa- ren, nachdem er innerlich sich gut am Leibe befindet, und bekommt eine roth- braune Haut, und auf dem Ruͤcken und Halß einen schwartzen Strich, und gelbe Flecken; So bald sein Gehoͤrn reif, hart, und an Straͤuchern probir et ist, schlaͤgt er das Bast herunter, so anfangs weiß, von der Lufft aber gelbe, und nachdem viel Marx darinnen, von der Sonnen- Hitze ausgepraͤgelt, braͤunlicher oder schwaͤrtzer wird, die Enden stoͤsset er ins Erdreich, Kiesel und Sand, und werden vom Thau, Regen, und Naͤsse, abge- waschen, ziemlich weiß, das Wild aber faͤrbet wegen des Kalbes nicht so zeitlich. Jn diesem Monat setzen die jungen Thie- re ihre Kaͤlber. Das Schwein. Wann die Frischlinge zehen Tage aͤl- ter, lauffen sie weiter darvon, daß man sie so leichte nicht finden kan, oder reissen aus mit der Bache gantz in andere Be- haͤltnisse: Sie nehren sich dann im Som- mer-Getraͤyde, ob es wohl noch kurtz, so gut sie koͤnnen, damit sie was Nahrung haben, muͤssen sich vorjetzo schlecht behelf- fen, wie sie dann auch todtes Pferde-Lu- der zu fressen pflegen, welches sie erhi- tzet, daß sie sich suhlen muͤssen, umb sich zu erqvicken. Das Reh. Nunmehro gebrauchen sie des Nachts schon bessere gedeylichere Nahrung, und gehen auf die Felder, so an die Vorhoͤl- tzer stossen, so lange es finster ist, und sie Niemand mercken, nehmen ihr Geaͤß von Weitzen, Haber, Erbsen, Bohnen und Wicken, wo sie anderst nicht verstoͤh- ret werden, findet man sie Abends und Morgens auf denen Feldern. Der Hase. Bey feuchtem Wetter liegen die Ha- sen auff Huͤgeln, damit sie nicht naß wer- B b b den Junius. den, nehmen ihre Nahrung von gruͤner Saat, spiehlen lustig und vergnuͤgt bey Sonnenschein, da sie oͤffters der Fuchs listiger weise betrieget und sie sich aus Ein- falt fangen lassen. Der Wolff. Nunmehro besorgen die alten Woͤlf- finnen ihre Jungen, und suchen ihnen von vorermeldtem Raub etwas zu fan- gen, und sie zu ernehren; Gehen weit und breit herumb des Nachts junge Fuͤl- len und Kaͤlber zu erhalten, und den Raub nach ihren Jungen zu tragen, so es aber mißlinget, kotzen sie aus ihrem eigenen innern Magen denen Jungen die Speise vor, dieselben zu ersaͤttigen. Der Fuchs. Umb die jungen Fuͤchse sorgfaͤltig zu bewahren, und zu conservir en, traͤ- get die alte Fuͤchfin alle Sorge und Muͤ- he, und bringet ihren Jungen, umb sie wuͤrgen zu lernen, lebendige frisch gesetz- te Reh-Kaͤlber, junge Hasen, und ande- res junges Feder-Wild, oder Voͤgel, wel- ches sie zerreissen, und lebendig erwuͤr- gen lernen, damit sie diese Kuͤnstgen von Jugend auff sich angewoͤhnen. Der Dachs. Nunmehro nehren die alten Daͤchse des Nachts sich meist mit allerhand Ge- wuͤrm, und weil jetzo viele Kaͤfer sind, so fressen sie sich meistens darmit satt. Die jungen Daͤchse machen sich zuweilen aus dem Bau, und sehen sich bey Abends- Zeit, wann schoͤn Wetter ist, umb. Vom Marder und Otter/ Katz und Jltniß. Bey diesen Raub-Thiren ist bereits in der Eigenschafft das noͤthige errinnert, und nichts zu remarquir en uͤbrig, als daß, wann ihre Baͤlge gut, sie zu fan- gen, bey deren Vermehrung aber lieber zu vertilgen seyn. Vom Feder-Wildpraͤth. Das Wald-Gefluͤgel. Der Auer-Hahn. Nunmehro kriechen die jungen Au- er-Huͤhner-Kuͤchlein aus den Eyern, und ernehret sie die alte Henne fleißig von denen Ameyß-Eyern, welche un- weit davon zu finden. Der Birck-Hahn. Nunmehro leget die Birck-Henne auch ihre Eyer und bruͤtet ebenfalls 4. Wochen daruͤber, wo sie anderst Friede hat. Das Hasel-Huhn Verbirget seine Jungen vorsichtig unter Laub, Graß und dicke Gebuͤsch, biß sie selbst alleine sitzen koͤnnen. Die Wald-Schneppen. Vermuthlich hecken sie verjetzo, doch aber selten hier, weiln man deren Jun- gen zur Zeit wenig gefunden. Von wilden Tauben. Nunmehro sind die jungen wilden Tauben schon bald pfluͤcke aus den Ne- stern zu nehmen, und sind sie delicat zu speifsen, die alten Blau-Tauben hecken dennoch bald wiederumb von neuem. Von Amseln. Jngleichen kan man jungen Am- seln, dieselben pfeiffen zu lernen, aus den Nestern nehmen, diese muͤssen sauber ge- halten und ihnen taͤglich frische Milch und Weitzen-Mehl gegeben werden, biß sie selber fressen lernen; Man pfleget sie stets unter Leuten zu gewoͤhnen, daß sie desto treuster werden. Vom Feld-Befluͤgel. Der Trappe. Vorjetzo koͤnnen sich die jungen Trap- pen schon besser verbergen, indem das Getraͤyde im Felde schon staͤrcker und hoͤ- her erwachsen; Die Alten aber stehen auf den flachen Feldern zur Schildwacht, und geben den Jungen ein Zeichen vor Gefahr. Der Phasian. Nunmehro beginnen die Jungen schon geschwinder zu seyn, sie werden aber dennoch gemeiniglich von den Alten nach Huͤgeln gefuͤhret, und unter dem dicken Gestruͤppe verwahret, wo nasse feuchte Witterung einfaͤllet, nehmen die Jungen Schaden. Daß Reb-Huhn. Die jungen Reb-Huͤhner werden von denen Alten mit aller Sorgfalt er- zogen, und da sie noch ziemlich klein, an sichern Junius. sichern Oertern vor denen Raub-Voͤgeln mit Fleiß bewahret. Die Wachtel und Lerche. Nunmehro vermehret sich die Wach- tel mit groͤster Geylheit, durch welche Stimme sie auch gefangen wird. Die Lerche, so vorigen Monat Junge bekom- men, erziehet solche. Von Wasser-Voͤgeln/ Als Gaͤnsen/ und Enten/ Blaͤssen und Kiebitzen. Vorjetzo ernehren die Gaͤnse ihre Jungen in Bruͤchern und Seen mit vor- ermeldter doch zarter Nahrung: Die Alten aber fliegen des Nachts fleißig nach dem Getraͤyde, wie dann auch die Enten: Wann aber denen Enten waͤhrender Leg-Zeit oder Bruͤthen die Eyer das erste- mahl von Menschen, Raub-Voͤgeln, oder Kraͤhen genom̃en werden, hecken sie noch einmahl und zwar vorsichtiger, und tieff versteckter ins Geroͤhrigt, sich und die Jh- rigen nicht zu verrathen, sondern ihre Art zu vermehren. Die Blaͤssen, als schwartze unnuͤtze Voͤgel, hecken nur einmahl; Die Kiebitz aber repetir en ihre Vermehrung eiffrig. Von dem Raub-Befluͤgel/ Als dem Habicht und Sperber. Es erziehen und ernehren die alten Raub-Voͤgel ihre Jungen mit groͤster Sorgfalt, und geben acht, ob irgend ein anderer Raub-Vogel allernechst vorbey flieget, welchen sie mit Kaͤmpffen ab- treiben. Kraͤhen und Aelstern. Nun sind die alten Kraͤhen nebst denen ausgeflogenen Jungen in groͤster Hitze und Angst; Gestalt sie, wie be- kant, den gantzen Monat nicht sauffen koͤnnen. Die jungen Aelstern fliegen aus dem Nest, und lernen auff den Wiesen Kaͤfer und Heuschrecken suchen, kehren aber Abends zum Nest. Des Jaͤgers noͤthige Verrich- tung in Jagd- und Forst- Sachen/ auch mit Zeug und Hunden. Bey heissem Wetter muß er die Hunde schwemmen, damit sie des Was- sers gewohnen, es ist ihnen auch jetziger Zeit das Baden gesund; Das beste Kaͤlber-Heu auff denen besten Grum- met-Wiesen zeitlich machen und trocken einfuͤhren lassen, vor die Hirsche im Thier-Garthen; Die Seyler zu spinnen fleißig antreiben; Die Fenster gegen Mit- tage vor grosser Hitze in den Hunde- Staͤllen mit Laͤden zumachen, des Nachts aber oͤffnen, und Fliegen-Netze vorzie- hen, daß es kuͤhle hinein gehe; Wo die lebendige Hecke nicht wachsen will, Rin- der-Blut oder Mist-Wasser giessen, oder verfaulten Kuh- oder Schaaf-Mist schuͤt- ten; Die Kaͤfer und Raupen, so viel moͤglich, von denen Baͤumen saͤubern. Die Kraͤuter sollen anjetzo noch kraͤffti- ger, als in vorigtem Monat seyn. Das Rinden- und Bast-Scheelen verbiethen, item das schaͤdliche Baum-ringeln, da- von die Baͤume verdorren; Die zahme Katzen, welche sich angewoͤhnet, auff de- nen Feldern junge Hasen und Reb-Huͤh- ner, die suͤsser als die Hauß-Maͤuse sind, zu fressen, fruͤh und spath fleißig todt schies- sen. Weiln vorjetzo zwischen Johannis und Jacobi die Gaͤnse und Enten sich mausen, also nicht fliegen koͤnnen, wer- den sie im Geroͤhrigt mit Netzen gefan- gen; Man nimmt auch junge Kaͤutzlein im Neste aus zum Vogel-Fang zu ge- brauchen. Die Hirsch-Kolben von jun- gen Hirschen sind auch dienlich. Nach Johannis faͤnget man Stahre und stel- let schon auff den Leim nach den Meißen. Das Wildpraͤth in seinem Stand hegen, kein Vieh darin kommen lassen, damit es geruhig bleibe; Den Fincken-Heerd auffs neue reparir en; Junge wilde Tau- ben aus den Nestern nehmen; Desglei- chen junge Amseln aufferziehen, reden und pfeiffen lernen. Die Nachtigall sin- get zu dieser Zeit noch anmuthig, nimmt aber mit dem Kukuck zugleich ihren Ab- schied, weil die Hitze schon allzugroß wor- den. Die Pferde und Hunde muͤssen nunmehro bey solcher Hitze fein fruͤhe und gegen Abend, wann es kuͤhle Lufft ist, ausgeritten und ausgefuͤhret werden. Wann der Leine-Weber, Seyler, und Schneider, Schmied und Stellmacher, mit den neuen Tuͤchern, Netzen, Lappen und aller Zubehoͤr fertig ist, kan es nun- mehro bey trockenem stillem Wetter zur Probe aufgestellet und besichtiget wer- den, ehe es voͤllig bezahlet wird, damit das B b b 2 noch Julius. noch manquir ende, und mangelhaffte ver- bessert, nachmahls aber an Ort und Stelle biß zum Gebrauch aufgehoben werde, da- mit es an nichts fehle. JVLIVS . Vermuthliche Witterung. Nunmehro ist die Sonne im Loͤwen, einem hitzigen Aspect, da die Hundes- Tage oder Dies caniculares zu celebrir en und denen Musis die Ferien zu goͤnnen; Jetzo ist wohl die groͤste Hitze im Jahre zu mercken, weswegen auch meist ge- schwuͤhle Lufft, Platz-Regen, zornige Gewitter mit Donner und Blitz, er- schrecklich zum oͤfftern zu hoͤhren sind, so thun auch die Schlossen im Felde gros- sen Schaden. Es waͤre aber nicht gut, wenn es allezeit geschehen solte. VEGETATIO der Erden. Kraͤuter/ und Baͤume. Vor grosser Sonnen-Hitze werden nunmehro die Kraͤuter fast uͤberstaͤndig, und wo sie nicht von denen lebendigen Creaturen genutzet und gebrauchet wer- den, verliehren sie schon allmaͤhlich wie- derumb ihre Kraͤffte, und Wuͤrckungen, fallen umb, und werden welck, weil ih- re beste Zeit bereits verflossen. Die mi- nerali schen Wasser aber conservir en an- noch ihr Vermoͤgen, weil die Natur nach der Erden allmaͤhlig zu sincken pfleget. Vom Tangel-Holtz. Weil nun das Tangel- Holtz in sei- nen Aesten und Zweigen ausgewachsen, soviel es erreichen sollen, so treibet es nun seine Zapffen, darinnen der Saa- men nach seiner Art gebildet, und biß zur Zeitigung verwahrlich verbleiben soll, welche Zapffen anfaͤnglich sehr klein und gruͤnlicht anzusehen, daß man sie kaum erblicken solte, mit der Zeit aber immer allmaͤhlich Groͤsser wachsen und zuneh- men. Vom Laub-Holtz. Nunmehro ist die Eiche auch voll- kommlich mit gruͤnen Blaͤttern gezieret anzusehen, wiewohl auch die neuen Blaͤt- ter gelblicht gruͤn sich Anfangs sehen las- sen, biß sie von der Sonnen- Hitze je laͤnger je dunckeler werden; Und weil die Eiche am spaͤthesten ausgeschlagen, und zuletzt ihre Blaͤtter erhalten, mer- cket man noch keine Saamen-Eicheln, das Wild aͤsset gerne das Laub. Von Kraͤutern. Die Kraͤuter haben zu Anfang die- ses Monats noch ihre beste Krafft, her- nach aber steigen die Spiritus unter sich in die Wurtzeln, doch find man Althee, Althea, Entzian, Gentiana minor, Ep- pich, Hedera arborea, Koͤnigs-Cron, Corona Imperialis, Odermennige, Agri- monia, Frauen-Distel, Carduus Mariæ, Johannis-Kraut, Hypericum, Pilati- Kraut, item Baͤren-Wurtzel, Meum, Gemsen-Wurtzel, Doronicum, Michael- Wurtzel, Colchicum, Eber-Wurtzel, Carlina, Hirsch-Zunge, Lingva cervina, item Engelsuͤß, Polipodium, Paradieß- Kraut. Tags und Nachts Laͤnge. Nun nimmt der Tag schon wieder ab, hingegen die Nacht zu, weil die Son- ne umb 4. Uhr, 15. Minute auf-hin- gegen nachmittage umb 7. Uhr, 45. Mi- nute niedergehet, und bleibet des Ta- ges Laͤnge nunmehro 15. Stunden, 45. Minuten, hingegen die Nacht nimmt zu, da sie 8. Stunden, 15. Minuten lang ist. Von unterirdischen Berg- Duͤnsten. So heiß und unertraͤglich, ja beschwer- lich es jetzo oben auff Erden, eben so kalt ist es nunmehro in der unterirdischen Welt, daß man fast gar den Peltz anzie- hen moͤgte, welches denen Erfahrenen bekant seyn wird. Da ist keine solche Dunst mehr zu vermercken, sondern al- les von der Sonnen-Hitze heraus gezo- gen worden, als zuweilen bey der Nacht, da es ein wenig schwuͤhler zu seyn deuchtet. Von Thieren und Voͤgeln. Der Baͤr. Die jungen Baͤre saugen noch im- mer an der Alten, biß sie wiederumb laͤufft, und wann es nun im Sommer fein warm wird, so gehen sie auch mit der Mutter nach ihrer Nahrung, wel- che Julius. che sie anfuͤhret, und gewohnen je laͤnger je weiter herumber zu wandern. Die Alten gehen des Nachts aus in die Wein- Trauben, Obst- und Kirsch-Baͤume, und fuͤllen sich, daß oͤffters die Lohsung auff den Feldern breit liegen bleibet, wann sie sich zuvor wohl umbgesehen, streifen sie Haber. Der Hirsch. Nunmehro tritt der Hirsch Abends zeitlich aus seinem Stand auf die Frucht- reichen Felder mit seinem voͤlligen Ge- hoͤrn hervor, nimmt sein Geaͤß von Wei- tzen, Erbsen, Wicken und Haber, und wird davon feist, doch nur, wo er Ruhe und Sicherheit hat, welches er vorhero wohl recognoscir et, und halten sich die guten Hirsche, die recht feiste sind, gern allein besonders in kleinen Feld-Hoͤltzern auff, weil in grossen Waͤldern sie von Hornissen und Fliegen oder Muͤcken sehr geplaget werden. Das Wildpraͤth ge- het mit den Kaͤlbern gleichfalls ohnge- scheuet auff das Geaͤß, wo sie Friede ha- ben koͤnnen, mit dem Tage aber zu Hol- tze; Nunmehro leidet der Hirsch nach fri- schem Wasser Durst. Das Schwein. Vorjetzo hat das Schwartz-Wild- praͤth insgesamt an denen Sommer- Fruͤchten die beste Nahrung, welche schon weit kraͤfftiger sind, die Bache laͤsset den Sommer uͤber ihre Frischlinge fleißig saugen, worvon ihnen die bunten Haar vergehen, daß davon im Herbst nichts mehr zu sehen; Wo die Alte gebrochen, da gehen die Jungen hinein, was sie uͤbrig finden an Erdmast und Wuͤrmern, neh- men sie an, biß sie die Wurtzeln kauen lernen, die Nahrung selber zu suchen. Das Reh. Wo das Heu auf denen Wiesen de- nen Rehen zu starck und zu hoch gewach- sen, das Getraͤyde an Koͤrnern im Felde schon zu hart und bitter schmecket, schlei- chen die Rehe heimlich in die Krummet- Wiesen bey Nachts oder des Tages auch wohl in die in Heyden und Waͤldern ver- borgene gruͤne und nahrhaffte Schluff- ten, wo Graß und Kraͤuter zu finden, scharren, das Lager zu machen, nach fri- scher Erde, zur Kuͤhlung. Der Hase. Lieget gern in Brach-Aeckern, wo es Wegwarth-Wurtzel und Kraut giebt, und machet sein Lager daselbst, seine trau- rige Eigenschafft zu vertreiben, dahero die Alten das Kraut Palatium Leporis genennet. Die alten Haͤsinnen setzen nun wieder ihre Jungen. Der Wolff. Jetzo ist die Woͤlffin sehr mager, pfloͤ- ckigt, abgehaͤhret und heßlich gestaltet, fuͤhret ihre Jungen nunmehr schon drei- ster und kuͤhner in die Feld-Buͤsche, weil das Getraͤyde in Feldern hoch gewachsen, umb dieselben junge Truth-Huͤhner, Gaͤnse, und ander Feder-Vieh rauben zu lernen, damit sie das Handwerck ja begreiffen moͤgen, die Alte laͤsset immit- telst sie noch fleißig saugen. Der Fuchs. Bey warmem Sonnen-Schein ma- chen sich die jungen Fuͤchsgen hervor an das Tagelicht, und spiehlen artig mit einander, wo aber das geringste zu mer- cken, verschluffet sich alles, und fuͤhret die alte Fuͤchsin nunmehro ihre Jungen in der Naͤhe mit aus zu Felde, uͤben sich im springen nach Graß-Hupper, Heuschre- cken, Kaͤfer, oder grossen Fliegen, das Voltisir en zu lernen und was mehr dar- zu noͤthig. Der Dachs. Die alten Daͤchse nehmen nunmeh- ro ihre Jungen mit sich auf die Laͤden, Wiesen und Felder, so Brache liegen, auch in die Waͤlder, wo Graͤserey ist, um ihre Nahrung selbsten suchen zu lernen, doch nicht weit vom Bau. Vom Marder und Otter/ Katz und Jltniß. Von diesen Raub-Thieren ist bereits in der Eigenschafft das noͤthige errinnert, und nichts zu remarquir en uͤbrig, als daß, wann ihre Baͤlge gut, sie zu fangen, bey deren Vermehrung aber lieber zu vertilgen seyn. Vom Feder-Wildpraͤth. Das Wald-Gefluͤgel. Der Auer-Hahn. Jn diesem Monat erziehen zwar, die Auer-Huͤhner ihre Jungen mit groͤster Sorgfalt und Muͤhe, und ernehren sol- B b b 3 che, Julius. che, so gut sie koͤnnen, werden aber meist von Raub-Thieren vertilget. Der Birck-Hahn. Nunmehro kriechen die jungen Kuͤch- lein aus den Eyern und werden von den Alten sehr wunderbahrlich aufferzogen. Das Hasel-Huhn. Sie bleiben bestaͤndig in dickem Ge- buͤsch, und setzen sich auff die unterste Ae- ste, mit einem Auge uͤber sich sehend, we- gen der Raub-Voͤgel. Die Wald-Schnepffe. Vorjetzo erziehen die Schnepffen ih- re Jungen muthmaßlich in der Frembde gar vorsichtig. Von wilden Tauben. Vorjetzo fliegen die jungen Tauben schon vollkommen pfluͤcke aus ihren Ne- stern, von einem Ast zum andern, wann die Feld-Fruͤchte reif, und sind sie noch gut zu schiessen. Von Krammets-Voͤgeln. Eben desgleichen sind die jungen Schnaͤrren, Drosseln und Amseln auch bereits vollkommen pfluͤcke, und fliegen haͤufig nach ihrer Nahrung allenthal- ben herum, da sie denn von denen Raub- Voͤgeln zum oͤfftern in ihrer Dummheit erhaschet werden. Vom Feld-Befluͤgel. Der Trappe. Jetzo da die Jungen Trappen etwas staͤrcker worden, retirir en sie sich saͤmtlich zur Mutter, und ernehren sich von de- nen Feld-Fruͤchten, als Weitzen, Korn, Haber, Wicken, und dergleichen Saa- men-Wercke mehr. Der Phasian. Weil das Getraͤyde im Felde schon groß erwachsen, so fuͤhren die Huͤhner ihre Jungen dahin, sie zu verbergen, die Alten nehren sich fleißig in Weitzen-Fel- dern, die Jungen aber von Muͤcken, Wuͤrmergen, und Ameiß-Eyern. Das Reb-Huhn. Eben fast dergleichen Huͤhner-Nah- rung haben auch nunmehro die jungen Reb-Huͤhner, die am meisten zu dieser Zeit halbwuͤchsig von denen Alten ausge- fuͤhret werden. Die Wachtel und Lerche. Nunmehro haben die Wachteln meist Junge ausgehecket, welche sie mit gerin- ger Sorge verlassen, und gleich wieder- um aus Geylheit sich begatten, wie auch die Lerche. Von Wasser-Voͤgeln/ Als Gaͤnsen und Enten/ Blaͤssen und Kiebitzen. Vorjetzo, als zwischen Sanct. Jo- hannis vorigen Monats und Sanct. Jacobi jetzigen Monats, sind die Gaͤnse und Enten auf grossen Seen und Tei- chen, wo es am Rande heraus flach, seich- te, auch viel Schilff und Geroͤhrigt ist, da- hin sie sich vor den Raub-Voͤgeln sicher zu seyn begeben, sie sind nunmehro in der Mause, und koͤnnen jetzo nicht fliegen, indem sie ihre Schwing-Federn verloh- ren; Die Jungen aber noch keine Schwing-Federn haben, da werden sie theils mit Steck-Garnen am Rande, theils mit Schleifen und Schnuͤren mit Wasser-Leim getrieben und gefangen o- der geschossen, indem junge und alte nicht fliegen koͤnnen: Blaͤssen und Kiebitzen a- ber werden meist zur Lust geschossen. Vom Raub-Befluͤgel/ Als dem Habicht und Sperber. Zu Anfang dieses Monats, wann die Jungen meist pfluͤcke worden, strei- chen sie schon von ihrem Horst ab, die Al- ten lernen sie allmaͤhlich junge Wachteln oder junge Voͤgel lebendig wuͤrgen, greif- fen und zerreissen. Kraͤhen und Aelstern. Es gehen jetzo die alten Kraͤhen nebst ihren Jungen auf Wiesen, Brachen, Ae- ckern, und Leden, ihre Nahrung zu su- chen, und kommen nicht in die Doͤrffer. Die Aelstern suchen hingegen jetzo mei- stens ihre Nahrung auf abgemaͤheten Wiesen, so nicht weit von ihren Nestern sind, jagen die Jungen von sich, und le- gen wiederum Eyer. Des Julius. Des Jaͤgers noͤthige Verrich- tung in Jagd- und Forst- Sachen/ auch mit Zeug und Hunden. Er muß die Vogel-Netze, Waͤnde, Vo- gelbauer, und was man zum gantzen Vo- gel-Fang benoͤthiget, ausflicken und bes- sern, vom Unrath aussaͤubern, damit, wenn der Vogel-Fang angehet, man die- ser Muͤhe zu reparir en uͤberhoben sey, und alles fertig und parat gehalten wer- de. Zu dieser Zeit soll man auch Ob- sicht halten und befehlen den Flachs wohl zu gaͤthen, und ja fleißig reinigen lassen, den Fruͤh-Flachs und Hanff aber rauf- fen, ruͤpffeln, und ins Wasser legen, item den Hanff fimmeln, das ist, die kleinsten und subtil sten Staͤngel, welche nicht Saamen tragen, so bald sie anfan- gen zu stauben, bey zeiten ausziehen, und sammlen lassen, diese geben ein zartes gutes Gespinste, und werden zu den sub- til en Garnen gebraucht. Die jungen ausgekommenen Phasianen in den Wei- tzen-Feldern und Wiesen durch einen ab- sonderlichen Jungen huͤthen lassen, da- mit sie daselbsten ihre Nahrung von Springern, kleinen Froͤschgen, Muͤcken, Fliegen und dergleichen Wuͤrmlein haben koͤnnen. Wann die Kirschen reiff wer- den, kan man Amseln, und Kernbeis- ser auff dem Leime fangen, zur Lock zu gebrauchen. Auf dem Gebuͤrge werden Schnaͤrren und Krammets-Voͤgel Hau- fenweise auf dem Heerd umb und nach Jacobi gefangen, weilen sie nach Wachol- dern, Ebrisch-Beern und Kirschen, mit grosser Begierde in den Strauch fallen, worbey aber ein Paar lebendig lockende Voͤgel seyn muͤssen. Nun koͤnnen die jungen wilden Tauben in den Vor- Hoͤltzern geschossen werden; Zwischen Johannis und Jacobi sind die wilden Gaͤn- se und Enten in der Mause, zu welcher Zeit sie in den grossen mit Schilff u. Rohr bewachsenen Seen oder Teichen hauffen- weiß gefangen werden koͤnnen. Und weiln nunmehro die groͤste Sonnen- Hi- tze ist, so ist hoch vonnoͤthen, daß der Forst-Bediente wegen Feuers-Gefahr gute Anstalt mache, und die nahe gele- gene Dorffschafften in Bereitschafft hal- te. Sonderlich soll er, wo viel hartziges Tangel-Holtz, und dabey eitel trockene Heyden zu befinden, taͤglich zu Pferde herumb reiten, und fleißig darnach sehen, daß so wenig die Reisenden auff den Strassen und Fußstegen, als sonder- lich die Zim̃er-Leute, Pech-Brenner und Vieh-Hirten unnoͤthige Tobacks-Feuer machen, und hierdurch das leicht glim- mende hartzige Gemuͤll oder Tann-Na- deln, so ohne dieß duͤrre und hietzig, zu einer unerloͤschlichen Feuers-Gluth bey duͤrrem Erdreich ausbreiten moͤgen. Al- lenfalls und bey entstehendem Ungluͤck Sorge tragen, daß es zeitlich geloͤschet wer- de, auch muß bey solcher duͤrren Zeit die lebendige Hecke, und zwar des Abends, wann es kuͤhl worden, mit Mistpfuͤtzen- Wasser, begossen werden. AVGVSTVS . Vermuthliche Witterung. Vorjetzo tritt die Sonne in das Him- mels-Zeichen der Jungfrau, nachdem sie in der hoͤchsten Elevation gewesen, und schon niedriger sich begeben hat. Das angenehme Sommer-Wetter ist lieblich, mit Wind und Regen vermischet, con- tinuir et auff bestaͤndiges warmes und trockenes Sommer-Wetter, woferne nicht das Gewitter mit Donner und Re- gen eine Aenderung verursachet, die Er- de zu erqvicken, doch ist ein Jahr nicht wie das andere. VEGETATIO der Erden. Kraͤuter/ und Baͤume. Die spaͤth reiffgewordene Kraͤuter sind zwar noch in diesem Monat anzu- treffen, alleine wegen allzugrosser Hitze ohne alle Kraͤffte und Wuͤrckungen. Die Feuchtigkeit ist ihnen benommen, und von der Sonnen angezogen worden, wes- halben sie verwelcken, und zu nichts mehr tauglich sind. Denen unterirdi- schen Qvell-Wassern geschiehet zur Zeit noch keine Verkuͤrtzung ihrer Eigen- schafft. Vom Tangel-Holtz. Bey grosser Sommer-Hitze und langwieriger Duͤrre verdorret zuweilen das Tangel-Holtz vom Gipffel herunter, und laͤsset die Nadeln fallen. Es begie- bet sich auch die Rinde gantz ab, aus Ur- sachen, Augustus. sachen, weil lange Zeit aus grosser Hitze und Mangel des Regens der Wurtzeln Feuchtigkeiten durchs Mooß-rechen und abkratzen der noͤthige Safft entzogen worden. Vom Laub-Holtz. Diesem Ungluͤck ist das Laub-Holtz so sehr nicht unterworffen, weil es unter sich gemeiniglich Graß und Kraut hat, wodurch die Feuchtigkeit zum Wachs- thum conservir et wird, wo anderst nicht etwan die Raupen oder Kaͤfern, item das Wetterleuchten, und allzu grosse Sommer-Hitze Schaden thun solte; Welchen Fatalitæt en obiges Tangel-Holtz eben unterworffen zu seyn pfleget. Von Kraͤutern. Zuletzt zeigen sich noch zum Abschie- de nachgesetzte Kraͤuter, als Frauen- Distel, Carduus Mariæ, Knoblauch- Kraut, Alliaria, Hasel-Wurtz, Asarum, Stick-Wurtz, Bryonia, Scharten-Kraut, Seretala, welsch Wegerich, Plantago Itali- ca, Stengel-Kraut, braune Doste, Cly- nopodium, Hasen-Kraut, item gruͤne Freude, rother Wiederthon, Adian- thum, Muͤnchs-Platte, Dens Leonis, Schwalben-Kraut, Vincetoxicum, Teuf- fels Abbiß, Succisa, Meister-Wurtzel, Imperatoria, Gold-Wurtzel, Aspodelus, Haarstrang, Peucedanum, Dreyocker, Bentaria Bacci. Tages und Nachts Laͤnge. Da die Sonne jetzo umb 4. Uhr, 25. Minute auf-hingegen umb 7. Uhr, 8. Minute niedergehet, so ist der Tag 14. Stunden, 40. Minuten lang: Die Nacht aber 9. Stunden 50. Minuten, hat also schon zugenommen, daß man uͤber kur- tzen Schlaff nicht zu klagen hat. Von unterirdischen Berg- Duͤnsten. Eben vorigtes kaltes Temperament haben wir noch in der unterirdischen mi- nerali schen Schatz-Kammer zu empfin- den, wiewohlen vorjetzo keine so unge- sunde Duͤnste zu befuͤrchten, weil alles, was nicht von sich selbsten exhalir et, die liebe Sonne mit gantzer Gewalt an sich gezogen hat, dahero die Donner-Keile in der Obern-Lufft sich in solche Massam coagulir en, wie die taͤgliche Erfahrung zum oͤfftern erwiesen. Von Thieren und Voͤgeln. Der Baͤr. Nach und nach werden die jungen Baͤrgen von ihrer Natur, innerlichen Eigenschafft, und Sonnen-Hitze immer schwaͤrtzer, am Halse aber behalten sie dennoch einen weissen Ring, welcher mit der Zeit schon dunckler wird. Die Al- ten rauben zu zeiten, wo sie beykommen koͤnnen, in Waͤldern das zahme Vieh, und jagen die Hirthen mit Gewalt da- von, sonst thun sie einem Menschen nichts, wann sie nicht boͤse gemacht, oder erzuͤr- net werden, und sich defendir en muͤssen. Der Hirsch. Vorjetzo fanget sich die rechte Hirsch- feiste an, da die Hirsche so schlau, vorsich- tig und arglistig sich in einem Revier un- terschiedlicher Staͤnde und Wechsel be- dienen, sie nehmen ebenfalls noch ihre Nahrung vom Getraͤyde der Frucht- reichen Felder. Alsdann ist der Hirsch in seinem allerbesten Flor, an seinem Wildpraͤth am feisten und schmackhaff- tigsten, und das Gehoͤrn zur Artzney zu gebrauchen am nuͤtzlichsten: Bey grosser Sonnen-Hitze treten sie an Ufern der Seen, Teiche, und Stroͤhme, ins Was- ser, oͤffters auch an hellem Mittag, sich zu erkuͤhlen, und zu erqvicken, da wer- den sie auff unterschiedliche Manier ge- fangen. Das Schwein. Die alte Bache weiset ihren Jungen alle Gelegenheit, wo sie sicher oder nicht; So sie was vermercken, suchen sie Schutz bey der alten Bache; Sie nehren sich nunmehro sehr embsig in denen Som- mer-Feldern, wo Hierse, Heyde-Korn, und Haber vorhanden, und bleiben bey- sammen. Die Kaͤuler oder Schweine aber sind schon verwegener, kuͤhner und trotziger, reisen Sommers und Herbsts, Tag und Nacht eintzeln, auff 10. Meilen und weiter, durch Waͤlder und Felder, nach der Nahrung, und wo was anzu- treffen, bleiben aber selten uͤber zwey Ta- ge daselbst liegen. Das Reh. Jetzo ist der Bock wegen grosser Hi- tze unbeschreiblich geyl, beschlaͤget die Ruͤ- cke zum oͤfftern, wiewohl ohne Effect, weil sie wegen kalter Eigenschafft zu sol- cher Augustus. cher Zeit den Saamen zur Zeitigung nicht recht empfahen kan, solche Geylheit des Bocks aber nur ein Abusus zu nen- nen, weil es ohne Frucht und Nutzen ab- gehet: Aus dieser Geylheit laͤsset sich der Bock unbedachtsam auffs Blatt lo- cken. Der Hase. Ob wohl der Hase in Feldern sich nehren muß, machet er dannoch sein La- ger bey grosser Hitze gegẽ die Mitternacht- Seite in frischer Erde zur Kuͤhlung, oder, wann nach der Ernde zur Winter- Saat gepfluͤget worden ist, in frischen Furchen, nehret sich von Haber. Der Wolff. Weiln vorjetzo der Wolff sich schon staͤrcker befindet, und die Nacht sehr kurtz, das Vieh aber die meiste Zeit zur Wey- de und Huthung in die Waͤlder getrie- ben wird, indem das Getraͤyde noch im Feld stehet, so ergreiffet er manchen Raub durch die favorabl en Buͤsche und Gele- genheit, das Vieh ploͤtzlich zu uͤberfal- len, meistens von hinten ins Euter oder Hoden. Der Fuchs. Nunmehro vergehen den jungen Fuͤchsen die wollichten Haare, und waͤch- set ihnen ein roͤthlicht haarichter junger Peltz, sie lernen nunmehro selbsten das Mausen, junge Hasen, und die spaͤthe junge Lerchen, Maͤuse, Froͤsche und Kaͤ- fer, zu bespringen und zu erhaschen, wo- von sie besser zunehmen. Der Dachs. Die jungen Daͤchse werden nunmeh- ro immer kuͤhner und staͤrcker, auch fuͤh- ren die Alten solche nach Kuͤhfladen und Gewuͤrm, wo nichts anders vorhanden, und suchen ihre beste Nahrung hierin- nen. Die alten aber machen ihren Bau gern gegen die Sommer-Seit, wann sie solchen noͤthig haben. Vom Marder und Otter/ Katz und Jltniß. Von diesen Raub-Thieren ist bereits in der Eigenschafft das noͤthige errinnert, und nichts zu remarquir en uͤbrig, als daß, wann ihre Baͤlge gut, sie zu fangen, bey deren Vermehrung aber sie lieber zu ver- tilgen seyn. Vom Feder-Wildpraͤth. Das Wald-Gefluͤgel. Der Auer-Hahn. Wann die jungen Auer-Huͤhner in etwas weiter lauffen koͤnnen, werden sie von der Alten nach der Nahrung allent- halben, da es sicher zu vermuthen, fleis- sig herumb gefuͤhret. Der Birck-Hahn. Es werden zwar jetzo die jungen Birck-Huͤhnlein fleißig aufferzogen, al- lein meistens von schaͤdlichen Raub-Thie- ren vertilget. Das Hasel-Huhn. Jhre Nahrung ist Krammet-Bee- re, Bromm-Beere, Ebrisch-Beere, Holunder und Stein-Klee. Die Wald-Schnepffe. Nunmehro nehmen die Schnepffen schon besser zu, weil bessere Nahrung vorhanden, wiewohlen sie noch nicht wiederumb zu uns gekommen. Von wilden Tauben. Jetzo sind die wilden Tauben, alte und junge, trefflich feist, und, wegen unterschiedlicher Feld-Fruͤchte, gut und wohl geschmackt, und fliegen hauffen- weise nach kleinen Gewaͤssern, so salni- tri sch sind. Von Krammets-Voͤgeln. Nunmehro fangen schon nach Bar- tholomæi die Voͤgel an ihren Zug zu hal- ten, und suchet die Schnaͤrre auf den Wiesen Wuͤrmer, die Drosseln streichen schon haͤuffiger herumb nach denen E- brisch- und Preussel-Beeren, die Amsel nehret sich auch, so gut sie kan. Vom Feld-Befluͤgel. Der Trappe. So lange das Getraͤyde im Felde stehet, ernehren sich die Trappen, alt und jung, trefflich wohl, nehmen zu, und werden feiste, da sind sie am delica- test en zu genuͤssen, aber auf den flachen Feldern schwehrlich zu bekommen. Der Phasian. Nunmehro fuͤhren die alten Phasia- n en ihre Jungen, welche schon besser fort- C c c kommen Augustus. kommen koͤnnen, in die Wiesen, und Felder nach Heuschrecken, Springerte, Kaͤfer und Fliegen, junge Froͤschgen, A- meyß-Eyer und dergleichen zu suchen. Das Reb-Huhn. Es werden die jungen Reb-Huͤhner nunmehro schon staͤrcker und besser von Leibe, und an der Guͤte vom Getraͤyde, doch ist der Flug nicht so schnell, als bey den Alten. Die Wachtel und Lerche. Nunmehro liegen die Wachteln in dem Sommer-Getraͤyde, wovon sie sehr zunehmen und ihre Geylheit continui- r en. Die Lerche hoͤret aber zu hecken auf. Von Wasser-Voͤgeln/ Als Gaͤnsen/ und Enten/ Blaͤssen und Kiebitzen. Dieweiln die Gaͤnse und Enten mei- stens annoch in der Mause begrieffen sind, und wie bey vorigtem Monat gemeldet, noch nicht fliegen koͤnnen, so verstecken sie sich an den Ufern und im Geroͤhrigt vor den Raub-Voͤgeln, gehen aber des Nachts heraus aufs Land in das Saa- men-Getraͤyde oder in die Feld-Fruͤchte, und fuͤhren die Alten ihre Jungen zur Nahrung vorsichtig aus, damit sie desto zeitlicher erwachsen, Federn erhalten, flie- gen koͤnnen, und ihre Nahrung selbsten zu suchen lernen. Die Blaͤssen hingegen, gleichwie sie nach Fischen schmecken, so ist auch ihre Nahrung weiter nichts anders, als Fisch-Saamen, Froͤschgen und Was- ser-Gewuͤrme. Die jungen Kiebitze uͤben sich schon mit den Alten zu vagir en. Vom Raub-Befluͤgel/ Als dem Habicht/ und Sperber. Es werden nun die jungen Raub-Voͤ- gel von Tage zu Tage von ihren alten im- mer besser angefuͤhret, so bald sie ein we- nig im Flug sich halten koͤnnen, lernen sie auch schwencken, biß sie zu fangen ge- schwinder werden. Kraͤhen und Aelstern. Bey Bestellung der Herbst-Saat fin- den sich die Kraͤhen sehr gerne, wie sie dann hinter dem Ackers-Mann alle Ma- den und Kaͤfer auflesen, und sich hin und wieder vertheilen; Die Aelstern hingegen bringen zum andern mahl 2. biß 3. Jun- gen aus, und bruͤthen 17. Tage. Des Jaͤgers noͤthige Verrich- tung in Jagd- und Forst- Sachen/ auch mit Zeug und Hunden. Nunmehro gehet die rechte Hirsch- Feiste an, nachdem das Roth-Wildpraͤth im Felde alles Getraͤyde genossen, und davon feiste worden: Eben umb solche Zeit, nehmlich zur Helffte dieses Mo- nats, zwischen Mariaͤ Himmel-Farth, und Mariaͤ Geburth, oder vom 15. Aug. biß 18. September, ist der Hirsch mit allem, was er an sich hat, sowohl zur Medicin, als in der Kuͤche zu gebrauchen, und an- genehm zu geniessen. Und werden, nach- dem ein oder mehr Hirsche durch den Leith-Hund in ihrem Auffenthalt er- kundiget sind, theils per Force gejaget, theils und nuͤtzlich abeꝛ, nach teutscher Art, mit Zeugen eingestellet und geschossen. Das Schwartz-Wildpraͤth aber taugt nunmehro nichts, ingleichen Reh und Haasen, biß zur Herbst-Zeit, da es nuͤtz- licher zu jagen und zu fangen ist. Es muß aber in diesem Monat der Jaͤger auch wegen des Hanffs und Flachses zu Jagd-Zeugen auf kuͤnfftiges Jahr be- noͤthigte Vorsorge haben und Errinne- rung thun, weiln nunmehro das heuri- ge Jagd-Zeug schon fertig seyn muß, und alle Jahre immer etwas neu zu ma- chen ist; Hieruͤber die Jagd-Klepper und Pferde fleißig in die Schwemme reiten, und vor Tage aufm Graß huͤthen lassen; Das wilde Obst in Zeiten trocken einsam- len und solches zur Winter-Schwein-Kir- rung, auch im Thier-Garten das Wild zu fuͤttern aufheben. Das Leder von Cavillern, so sie geben muͤssen, wegen der Luder-Plaͤtze, beyn Loh-Gerbern zum Wagen-Geschirr und Kumptern arbei- ten lassen; Die Lock-Voͤgel aus dem fin- stern wiederumb etwas Tagelicht all- maͤhlich blicken lassen; Vogel-Leim zu- richten; Schwartze Pferde-Haare zum Herbst, und weisse zum Winter, vor die Thonen verfertigen; Vogel-Waͤnde aus- bessern; Falcken, Habichte und Sperber abtragen; Mit dem vorstehenden Hund Wachteln fangen; Mit dem Nacht-Garn gehen; Die Brunnen-Qvellen ausrau- men und reparir en, weil vorjetzo noch die groͤ- Augustus. groͤste Hitze. Jetzo faͤnget man die Sper- ber-Baitze an, item werden die Reb-Huͤh- ner mit dem Treibe-Zeug und hohen Ne- tzen gefangen, wiewohl sie noch ziemlich klein sind; Man sam̃let Eberisch-Beere zum Vogel-Fang, Thonen und Heerde ein. Richtet den Heerd in Zeiten zu, und gebrauchet Traͤnck-Heerde bey der Hitze. Nach Bartholomæi gehet der Vogel- Fang an, und hoͤhret das Holtz auf fer- ner zu wachsen. Nun wird der Flachs und Hanff in Pfuͤtzen und Wasser-Tuͤm- peln geroͤstet, und mit Holtz und Stein beschweret, biß er genungsam zum fer- nern Gebrauch und Arbeit tuͤchtig ist. SEPTEMBER . Vermuthliche Witterung. Nun tritt die Sonne schon niedriger in das Himmlische Zeichen der Wage; Es continuir et zwar jetzo noch ein liebli- ches und warmes Wetter, doch ist es nicht mehr so heiß, indem schon oͤffters kuͤhle Winde gehen, auch Regen und Sonnen-Schein abwechseln; Ja es pfle- gen auch wohl kalte Nebel und starcke Reife zu fallen. VEGETATIO der Erden. Kraͤuter/ und Baͤume. Nunmehro haben die lieben Kraͤuter meistens ihren Abschied genommen, ih- rem Schoͤpffer aber das hinterbliebene entseelte Coͤrperlein, als das Wuͤrtzlein, in dem Schooß der Erden aufzuheben an- vertrauet, biß sie kuͤnfftigen Fruͤhling renascir en, und sich erneuern. Die Was- ser sind jetzo alle vermischet, und unge- sund. Vom Tangel-Holtz. Die Zapffen dieses Tangel-Holtzes werden je laͤnger je groͤsser, doch eine Art von zeitigerem Saamen, als die andere, wiewohl sie noch biß dato zu keiner Voll- kommenheit gelanget: dasjenige Tangel- Zweiglein, welches dieses Jahr gewach- sen, hat nunmehr seine natuͤrliche Farbe vollkommlich erreichet: Dahingegen die alten Nadeln immer eintzeln abfallen. Vom Laub-Holtz. Die Bircke beginnet, da sie so zeitlich ausgeschlagen, nunmehro schon gelbe Blaͤtter zu gewinnen; So werden auch zu Ende dieses Monats der roth-Buche Blaͤtter gleichfalls gelb. Auf der Eiche, welche noch immer gruͤn bleibet, siehet man schon die kleinen Eckern, als Erb- sen, an denen Zweigen, welche aber noch lange nicht zu ihrer Vollkommenheit ge- langen. Von Kraͤutern. Obwohl jetzo der Allmåchtige Schoͤpf- fer sein Kraͤuter-Buch uns Menschen gleichsam zuschliesset; So hat er dennoch aus Mitleiden denen unvernuͤnfftigen Creaturen vieles zur Nahrung reservi- r et, nemlich vorjetzo bluͤhet das Heyde- Kraut oder Erica, das dem Wild viel Kraͤffte mittheilet, item Puͤltze und Mor- geln, Fungi, Farren-Kraut, Filix, Mooß an den Baͤumen, Muscus, Preus- sel- und Heydel-Beer-Kraut. Tags und Nachts Laͤnge. Nun gehet die Sonne umb 5. Uhr, 52. Minuten auf, hingegen umb 6. Uhr, 8. Minuten unter, und bleibet der Tag 12. Stunden, 12. Minuten, die Nacht a- ber 11. Stunden, 48. Minuten fast gleich lang. Da man nach der Arbeit schon ausruhen kan. Von unterirdischen Berg- Duͤnsten. Nachdem unsere unterirdische mi- nerali sche Duͤnste denen Vegetabilibus zu wachsen behuͤlfflich gewesen, haben die- selben nunmehro sich wieder nach ihrer Wohnung begeben, und sind, weil o- ben strenge Froͤste und Reife bey langen Naͤchten ankommen, schon haͤuffig zu spuͤhren. Von Thieren und Voͤgeln. Der Baͤr. Die jungen Baͤre werden nunmeh- ro immer staͤrcker, und lernen denen Al- ten das Handwerck ziemlich nachmachen, wo sie nur Ziegen oder Kaͤlber in Waͤl- dern antreffen koͤnnen, auch fuͤhren die Alten diese junge Panquerte in die Schaff-Horden des Nachts aus, wo es aber mißlinget, muͤssen sie sich mit Lu- der behelffen, und ihre Jungen erneh- ren, oder andere Nahrung, als Obst, C c c 2 Kraut, September. Kraut und Ruͤben zu suchen unterrich- ten, auch folgen die Baͤre denen Woͤlf- fen gerne auf der Spuhr nach, was die- selben gefangen, nehmen sie ihnen mit Ge- walt ab, und jagen sie darvon, ohne Wie- dersetzen. Der Hirsch. Zu dieser Zeit ziehet sich meistens das bißhero vertheilete Wildpraͤth aus denen im Lande hin und wieder liegenden Hoͤl- tzern nach grossen Waͤldern und Gehaͤ- gen zusammen, dem Hirsch aber, nach- dem er sich gut und feiste befindet, und die Sonne ihn bißhero erhitzet, werden durch kalte Nebel die Schweiß-Loͤcher verstopffet, und die innerliche Hitze hier- durch vermehret, mithin zur Geylheit angereitzet: Dieser innerliche hitzige Dunst und Feuchtigkeit turbir et ihn der- maassen, daß er vor allzu grosser Begier- de fast unsinnig wird, und Tages und Nachts das Wild suchet. Das Schwein. Das Schwartz-Wildpraͤth, die Sau- en, nehmen ihre Nahrung von den hin- terlassenen Sommer-Fruͤchten, Erbsen, Wicken, und Linsen, so lange sie im Fel- de stehen, brechen Wurtzeln von Johan- nis-Kraut, Ringel-Blumen, wilden Ruͤ- ben, und dergleichen, weil das meiste Ge- traͤyde auf dem Felde, so thun sie den Wiesen, und dem Graß-Wachs durch Brechen grosser Loͤcher in die Erde sehr Schaden, sind aber dennoch noch nicht recht feiste genung, sondern haben vom Getraͤyde nur einen geringen Ansatz. Das Reh. Nachdem die Rehe von denen Feld- Fruͤchten, gutem Klee, Graß, und gesun- den Kraͤutern, auch Haber und Wicken wohl gelebet, und zu ihrer Nahrung, und Feiste einen guten Grund geleget, ernehren sie sich ferner von wildem Obst, Kraut und Ruͤben, am allermeisten und liebsten aber von der Eichel- und Buch- Mast, wovon sie auch recht feiste, und wohl geschmackt werden. Der Hase. Wann trocken Wetter, halten sie sich gerne im Getraͤyde, Haber-Stoppeln, wo Disteln stehen, auff, wann es aber regnet, in Sturtz-Aeckern, die Jungen aber in Hecken, Straͤuchern, wie auch an Zaͤunen. Der Wolff. Nunmehro hat sich die alte Woͤlffin schon meistens von vielerley Art des Rau- bes wiederumb erhohlet, die jungen Woͤlffe fangen auch an etwas starck und fluͤchtig zu werden, und fuͤhret sie solche meistens in grosse Waͤlder, sich von Hirsch- Kaͤlbern, Rehen und Frischlingen zu er- nehren; Der alte Wolff und die Woͤlf- fin aber gehen zugleich embsig nach dem Raub. Der Fuchs. Nunmehro fuͤhren die alten Fuͤchse ihre Jungen 1. 2. Meilen von sich in ande- re Gegend, und verlassen sie daselbst, die Alten aber kehren wieder zu ihren Hoͤh- len, wo sie vorhero gewohnet haben, da- mit die Jungen vor sich alleine was zu erwerben gezwungen sind, und sich nicht auf die Alten verlassen duͤrffen, darinnen sie wahrhafftig uns Menschen beschaͤ- men. Der Dachs. Diesen Monat gehet der Dachs nun meist auf die Felder, wo Ruͤben sind, und, wann Obst geraͤth, in die Feld-Gaͤrten; Dahero ihme jetzo am besten des Nachts mit Hunden beyzukommen. Vom Marder und Otter/ Katz und Jltniß. Von diesen Raub-Thieren ist bereits in der Eigenschafft das noͤthige errinnert, und nichts zu remarquir en uͤbrig, als daß, wann ihre Baͤlge gut, sie zu fangen, bey deren Vermehrung aber lieber zu vertilgen seyn. Vom Feder-Wildpraͤth. Das Wald-Gefluͤgel. Der Auer-Hahn. Jetzo haben die Auer-Huͤhner ihre Nahrung von Heydel- und Preussel- Beeren, auch Brom- und Hind-Bee- ren, und dergleichen, sonderlich kesen sie kleine Steinlein, den Magen zu reini- gen. Der Birck-Hahn. Diese genuͤssen ebenfalls meistens o- bige Nahrung und Kraͤuter, die Jungen aber erziehen sie meistens mit Ameiß-Ey- ern auf. Das September. Das Hasel-Huhn. So bald die Jungen fliegen, und sich ernehren koͤnnen, fuͤhren sie die Alten an- derwaͤrts aus, sich besser zu vertheilen. Die Wald-Schnepffe. Jn diesem Monat kommt die Schnepf- fe wieder, und ist feiste, wiewohl nicht ge- nau ihre Nahrung zu vermelden. Von wilden Tauben. Nunmehro werden diesen gantzen Monat durch die Tauben in ihrem Strich haͤuffig auf Heerden mit Schlag- Waͤnden weggefangen, auch theils auff Saltzlecken fruͤh und Abends geschossen. Von Krammets-Voͤgeln. Gleicher Gestalt wird der grosse Heerd und Thonen-Strich auf die gros- sen Voͤgel angerichtet, weiln vor Alters davor gehalten worden, es waͤre 14. Ta- ge vor Michaelis und 14. Tage hernach der beste Vogel-Fang; Jedoch nachdem die Witterung ist. Vom Feld-Befluͤgel. Der Trappe. Vorjetzo versammlen sich die Trap- pen je mehr und mehr, geben genau ach- tung, daß ihnen Niemand zu nahe koͤm- met, damit sie, weilen sie feiste, und ei- nen beschwerlichen Flug haben, in zeiten sich erheben koͤnnen. Der Phasian. Weil das Getraͤyde nunmehro voͤl- lig aus dem Felde weg, begeben sich die Phasianen in die Kraut-Gaͤrthen und Kohl-Hoͤfe nach dem Braun-Kohl, so ihnen zur Artzney dienlich, verbergen sich in die Hecken, Gestruͤppe, oder alt Graß. Das Reb-Huhn. Jn diesem Monat finden sich alt und junge Huͤhner wieder zusammen und su- chen in denen Kraut-Gaͤrthen ihre Nah- rung, die Jungen aber sind noch nicht recht voͤllig, doch delicat. Die Wachtel und Lerche. Die Wachteln halten sich noch, so lange etwas von dem Sommer-Getraͤy- de verhanden, in Feldern auff. Die Lerchen begeben sich allmaͤhlich wieder zu- sammen. Von Wasser-Voͤgeln/ Als Gaͤnsen und Enten/ Blaͤssen und Kiebitzen. Weiln die Gaͤnse und Enten ihre Jungen die Feld-Fruͤchte zum oͤfftern ko- sten und geniessen lassen, dieselben nun- mehro auch meistens pfluͤcke worden, und immer voͤlliger wachsen, auch auff den Wassern sich zum oͤfftern im fliegen exercir en, so fliegen sie mit den Alten des Nachts auff die Felder, was von Som- mer-Getraͤyde noch uͤbrig geblieben, das muß ihnen zur Beuthe dienen, sich da- mit zu saͤttigen, und feiste zu werden. Die Blaͤssen haben eben noch die im vo- rigen Monat gemeldete Fisch- und Was- ser-Nahrung, und verschlupffen sich hier und dar. Die Kiebitzen uͤben sich fleis- sig zu fliegen und sammlen sich allmaͤh- lich nach denen Feldern, Aeckern und Brachen. Vom Raub-Befluͤgel/ Als dem Habicht und Sperber. Die Alten greiffen jeder einen leben- digen Vogel, schwingen sich damit uͤber die Jungen, und lassen ihn fallen, wel- chem Raub die Jungen nacheilen, und also taͤglich fluͤchtiger zu werden erler- nen, so aber die Voͤgel zu geschwind, so secundir en sie die Alten. Kraͤhen und Aelstern. Nunmehro begeben sich die Kraͤhen, alt und jung, zusammen, liegen in gros- ser Menge auf den Feldern. Die Ael- stern erziehen ihre Jungen abermahl und wehren sehr vor den Raub-Voͤgeln. Zu Ende des Monats sind sie pfluͤcke. Des Jaͤgers noͤthige Verrich- tung in Jagd- und Forst- Sachen/ auch mit Zeug und Hunden. Er muß den Hanff und Flachß, wann er zur Arbeit tuͤchtig ist, brechen und he- cheln lassen; Beym Nebel die Hunde und Pferde nicht ausfuͤhren; Was am Jagd-Zeug naß oder zerrissen worden, trocknen, und ausbessern lassen; Brunfft- Hirsche schiessen oder puͤrschen, weil sie anfaͤnglich noch feiste, ehe sie von Nieren abgenommen; Lerchen mit dem Klebe- C c c 3 Garn September. Garn, Reb-Huͤhner und Wachteln mit dem Tyrasse zu fangen. Von Egidi an biß 3. Wochen nach Michaelis taͤglich auf dem Vogel-Heerd Voͤgel fangen, und den Thonen-Strich fleißig abwarten. Nun- mehro mit dem Schieß-Karn nach Trap- pen und wilden Gaͤnsen ausfahren, weiln sie im Abzuge begriffen. Jetzo, da das Feld gaͤntzlich von Fruͤchten rein und bloß ist, gehet die schoͤnste Zeit zum Fuchs- und Hasen-Hetzen, auch Falcken-Beitzen an, weilen die Fuͤchse von Michaelis biß Licht- Messe, die Hasen von Jacobi biß Matthæi, die Daͤchse von Laurenti biß St. Thomæ, die Marder von Michaelis biß Mertz, die Bieber von Michaelis biß Ostern zu ja- gen, zu schiessen, und zu fangen erlaubet sind; Die Mastung besteigen lassen, zwi- schen Bartholomæi und Egidi sehen, ob die Eicheln, Buchen und wild Obst ge- rathen moͤgten; Wann die Hirsche zeit- lich oder spaͤther brunfften, bedeutet es einen zeitlichen oder spaͤthen Winter; Wacholder-Beer einsammlen, und die Straͤucher im zunehmenden Monden se- tzen. So die lebendige Hecke ihre jaͤhr- liche Sprossen ausgewachsen erhalten, werden die Zweige wohl in einander ver- flochten, und auff der Seite und Hoͤhe, nach Belieben und vorgestreckter Richt- Schnur, mit der Baum-Scheere ver- stutzet und abgeschnitten, daß es, wie ei- ne Mauer gleichwincklicht anzusehen sey. Die jungen Phasianen, weil sie umb Michaelis- Zeit schon bereits vollkommen ihre gebuͤhrliche Groͤsse erlanget, und pfluͤcke worden, an Ort und Stelle ver- kauffen, die uͤbrigen aber, so viel zur Zucht vonnoͤthen, und man uͤber Win- ter zu fuͤttern willens, beybehalten. Weil die Daͤchse bey der Nacht auff die Ruͤben gehen, und nunmehro auch feiste, am Tage aber allzuverdrießlich in tiefen Win- ter- oder Noth-Gebaͤuden beschwerlich zu graben, kan man sie des Nachts auf den Ruͤben suchen, und mit Hunden hetzen: Deren Schmaltz oder Fett ist, wie bekant, zur Medicin trefflich zu gebrauchen. OCTOBER . Vermuthliche Witterung. Nunmehro tritt die Sonne in Scor- pion und entfernet sich noch weiter von uns, es ist im Anfang noch fein warm und angenehm Wetter, zeiget auch Tro- ckenheit an, woferne nicht Regen und Soñen-Schein die Erde secundir en solte, damit die Herbst-Fruͤchte profitir en; Am Ende aber lassen sich gleichwohl kuͤhle Luͤffte und Froͤste mercken, indem es schon gegen den Winter zugehet. VEGETATIO der Erden. Kraͤuter und Baͤume. Ob gleich die Kraͤuter uns verlassen, hat doch die Goͤttliche Providenz die Er- de annoch mit andern Vegetabilibus, de- nen lebendigen Creaturen zu Nutzen, versorget, da man nehmlich nicht allein auff dem Felde Kraut und Ruͤben, son- dern auch in Waͤldern Puͤltze, Morgeln und Schwaͤmme, Heydel- und Preusel- Beer antreffen kan, sich davon zu neh- ren, von denen Wassern aber ist nichts mehr rathsam zu gebrauchen. Vom Tangel-Holtz. Vorjetzo haben die Fichten und Kie- fern meist ihren Saamen vollkommen reif, doch sitzet solcher noch feste in den Zapffen verborgen, biß sie bey guter Wit- terung aufborsten, und den Saamen durch den Wind ausstreuen, die Tanne aber behaͤlt annoch ihren Saamen, weil solcher noch zur Zeit zu keiner Vollkom- menheit gelanget, es verursachen die Winde oͤffters grosse Niederlage darun- ter. Vom Laub-Holtz. Nunmehro hat die Eiche auch ihre Frucht zur Vollkommenheit gebracht, und sind die Eichen in gebuͤhrlicher Groͤ- ße, doch annoch gruͤn zu sehen, biß sie end- lich der Frost druͤcket, und zum abfallen zwinget: Zu dieser Zeit faͤllet das zeitli- che Laub schon ab, jedoch nach Unter- scheid der Witterung der Baͤume, und des Erdbodens. Von Kraͤutern. Nunmehro hat das Kraͤuter-samm- len ein Ende, wer nun des Fruͤhlings und Sommers nichts gesammlet, wird gewißlich im Herbst und Winter nichts vor sich bringen, und hat der liebe Gott alles zu seiner Zeit so weißlich geordnet, damit auch die entkraͤfftete natuͤrliche Vegetatio in dem Schoß der Erden waͤh- render October. render harter Winters-Zeit ausruhen koͤnne. Tages und Nachts Laͤnge. Vorjetzo gehet die Sonne umb 6. Uhr, 44. Min. auf, tritt hingegen schon umb 5. Uhr, 16. Min. wieder nieder, dahero der Tag 10. Stunden, 30. Min. die Nacht hingegen 13. Stunden, 30. Min. lang ist, und fangen schon die langen Naͤchte an. Von unterirdischen Berg- Duͤnsten. Nun sincken die unterirdischen Duͤn- ste je mehr und mehr herunter, nach der Gruben, weil es oben auf der Erden Feyer-Abend worden und sie ihre Arbeit verrichtet haben, weswegen es zu dieser Zeit fuͤr mercuriali schen gifftigen Duͤn- sten unten zu bleiben sehr gefaͤhrlich ist, nachdem dieselben von oben herunter noch mehr schaͤdliches mit sich gebracht, und nunmehro schlimmer sind, als sie vorhero exhalir et. Von Thieren und Voͤgeln. Der Baͤr. Nunmehro werden die jungen Baͤ- re schon maͤnnlicher, und der weisse Ring dunckeler, sie haben zu dieser Zeit im Herbste gute Nahrung und Geaͤß in Waͤldern, an Eichel- und Buch-Mast, und des Nachts von dem Feld-Obst, und andern Fruͤchten, davon sie sehr feist werden, weswegen sie auch meistens zu solcher Zeit, wegen Tauerhafftigkeit der Haare ihrer Haut, und des trefflichen heilsamen Schmaltzes halber, auf vielfaͤl- tige Art gejaget, gehetzet, gefangen, und geschossen werden. Der Hirsch. Die Hirsch-Brunfft continuir et noch in diesem Monat: Sie geben eine starcke Witterung von sich, wegen innerlicher grosser Hitze, wovon das Kurtz-Wild- praͤth schwuͤllet und aufflaͤuffet, auch die Haare unter dem Bauch und am Halß schwartz weꝛden, weswegen sie sich in einen Morast, oder Sumpff niederthun, und zur Kuͤhlung sich darin herumb waͤltzen, gegen Abend, und gegen Morgen, auch umb Mitternacht-Zeit, schreyen sie aus voller Begierde sehr hefftig, und brunff- ten mit dem Wildpraͤth, daferne einige Wiederpart da verhanden, geschiehet ein gewaltiges Kaͤmpffen, daß offt wel- che auf dem Platz bleiben, das Wildpraͤth absentir et sich; Die Flachs-Knothen, Obst, Kraut und Ruͤben muͤssen ihnen die mei- ste und beste staͤrckende Nahrung geben. Das Schwein. Wo Weinberge oder Obst-Gaͤrthen verhanden sind, da thun die Sauen oder das Schwartz-Wildpraͤth grossen Scha- den, sonderlich die Schweine oder Kaͤuler, die brechen mit Gewalt in die Weinber- ge, machen sich auch gar Lager in die He- cken, und fuͤrchten sich vor keinem Men- schen, heraus getrieben zu werden. Sie schmatzen die Wein-Trauben, und wer- den von dem Safft recht truncken, spu- cken zu weilen die Huͤlsen heraus, mei- stes verschlingen sie alles untereinander in Magen, wo sie in Obst-Gaͤrthen kom- men, brechen sie die Wurtzeln der besten Obst-Baͤume zu Schanden, daß sie ver- dorren. Das Reh. Jn diesem Monat continuir en die Rehe mit vorermeldter Nahrung von der Eichel- und Buch-Mast, wo sie die Gelegenheit haben, begeben sie sich in Weinberge und Obst-Gaͤrthen, ihre Nahrung wunderlich bey Nacht zu su- chen, worvon sie dann auch sehr feiste werden und zunehmen, weswegen sie auf unterschiedliche Art gejaget, geschossen und gefangen, auch gehetzet werden, ih- res angenehmen Wildpraͤths halber. Der Hase. Nunmehro gehen die Hasen, da das Getraͤyde aus dem Felde, gerne auf die Kraut- und Ruͤben-Aecker, lesen das hin- terlassene wilde Obst auff, oder was sie finden koͤnnen; werden vielfaͤltig geschos- sen, gejaget und gehetzet. Der Wolff. Nunmehro, da das hochgewachse- ne Getraͤyde im Felde allbereits einge- erndet, und das Feld ledig, auch der Sommer-Strauch von Blaͤttern welck, und abgefallen ist, daß also die Woͤlffe kein Behaͤltniß in dem lichten Felde haben koͤn- nen, begebẽ sie sich in grosse Gehoͤltze, Bruͤ- cher und Moraͤste, da sie gute Behaͤltnis- se, sicher zu seyn, vermuthen, rauben a- ber noch immer, wo sie was kriegen koͤn- nen. Der Fuchs. Nach fleißigem Exercir en im rauben, wer- October. werden die Jungen endlich dieses Hand- weꝛcks kundig, nehꝛen sich von jungem Ge- fluͤgel, jungen Hasen und Maͤusen, doch behalten sie das rothe Peltzgen, die Haa- re aber werden etwas laͤnger; Die alten Fuͤchse werden nunmehro an ihren Baͤl- gen gut, nehmen auch am Leibe zu, ob sie schon in der Duͤnnung jederzeit schwach sind; Wo sie raͤudig gewesen, siehet man nichts mehr. Der Dachs. Die alten Daͤchse jagen die jungen, so- bald sie etwas vollkommen sind, aus ihꝛen Roͤhren, und muͤssen sie sich anderes Qvartier suchen, da es denn diesen viele Arbeit kostet, ein Lager und Bau aufs neue zu machen. Vom Marder und Otter/ Katz und Jltniß. Von diesen Raub-Thieren ist bereits in der Eigenschafft das noͤthige errinnert, und nichts zu remarquir en uͤbrig, als daß, wann ihre Baͤlge gut, sie zu fan- gen, bey deren Vermehrung aber lieber zu vertilgen seyn. Vom Feder-Wildpraͤth. Das Wald-Gefluͤgel. Der Auer-Hahn. Wo es Wacholder-Beere und Straͤu- cher, auch Mehl-Feisten giebet, suchen die Auer-Huͤhner sehr gern ihre Nahrung davon: Die Jungen werden nunmehro meistens vollkommen. Der Birck-Hahn. Nunmehro werden die jungen Birck- Huͤhner auch pfluͤcke, jedoch will das flie- gen noch nicht vollkommen angehen. Das Hasel-Huhn. Die alten Hasel-Huͤhner bleiben ge- meiniglich in ihrer alten Gelegenheit am liebsten, weil sie deren am meisten kundig sind. Die Wald-Schnepffe. Nunmehro ziehet die Schnepffe des Nachts ausser Landes hinweg nach war- men Laͤndern, ihren Auffenthalt zu su- chen. Von wilden Tauben. Nunmehro sind die wilden Tauben in ihrem Strich weggezogen, und, wegen der kalten Lufft in waͤrmere Laͤnder ge- flogen, da sie sich vorhero noch erst recht wohl proviantir et haben. Von Krammets-Voͤgeln. Weil der Krammets-Voͤgel-Strich, als Schnaͤrren, Drosseln und derglei- chen, auff dem Graß- Heerd, Thonen- Fang, und anderem Vogelstellen noch waͤhret, wird eyfrig damit continuir et, zu Ende dessen kommen schon eintzeln die Ziemer wieder an. Vom Feld-Befluͤgel. Der Trappe. Vorjetzo ruͤsten sich die Trappen zu ihrem March und Abzug, von unserm kalten Climate in waͤrmere Laͤnder zu ziehen, sind auch, ehe man es sich versie- het, eyligst fort, ohne, daß man sie zu- weilen ziehen siehet, wo sie hinkommen. Der Phasian. Nunmehro sind die jungen Phasia- nen pfluͤcke und zu ihrer vollkommenen Groͤsse erwachsen, lieben gerne den Ort ihrer Geburths-Stadt, und sind ge- schwind im fliegen, so sie auffgetrieben worden sind. Daß Reb-Huhn. Es werden nunmehro die jungen Reb-Huͤhner umb Martini denen Alten meistens gleich an Groͤsse, doch bekom- men die Jungen weissere Schnaͤbel und Beine, gar kenntlich. Die Wachtel und Lerche. Nachdem das Clima und die Lan- des-Art warmer Eigenschafft ist, finden sich zwar noch die Wachteln bey uns, die Lerchen aber haͤufen sich zusammen zum Ab march. Von Wasser-Voͤgeln/ Als Gaͤnsen/ und Enten/ Blaͤssen und Kiebitzen. Nunmehro sammlen sich die Gaͤnse und Enten von allen Teichen, Fluͤssen, Stroͤhmen und Wasser-Pfuͤtzen auff die grossen Land-Seen haͤuffig, jedoch nach Unterscheid ihres Geschlechts, nehmlich die Gaͤnserte alleine, und die Gaͤnse auch besonders, ein jedes nach seiner Art, Na- tur October. tur und Geschlecht, da werden sie nun theils durch hierzu absonderlich verfer- tigte Karn-Buͤchsen oder Doppel-Haa- cken, mit kleinen Lauff-Kuͤgleins, auff drey biß vier hundert Schritt, in der ferne geschossen, theils auch, nach Herr Conrad Aitingers gegebenen Bericht, durch Schlag-Waͤnde gefangen. Die Enten aber auff grossen Enten-Faͤngen kuͤnstlich beruͤcket, oder im Flug ge- schossen. Von dem Raub-Befluͤgel/ Als dem Habicht und Sperber. Nunmehro lernen die jungen Raub- Voͤgel von dem Alten ihr schaͤdliches Handwerck voͤllig exercir en, und koͤn- nen schon alleine heurige Hasen, und junge Reb-Huͤhner fangen, da sie sich dann vollkommen selbst ernehren koͤn- nen. Kraͤhen und Aelstern. Die grauen Nebel-Kraͤhen bleiben uͤber Winter bey uns allhier, theils schwartze Kraͤhen aber machen sich zum Weg-Zug Schwarm-weise parat. Die Aelstern bringen die jetzigen Jungen sel- ten auf, weil es schon zu kalt; Des Abends begeben sie sich in Werfften-Straͤucher. Des Jaͤgers noͤthige Verrich- tung in Jagd- und Forst- Sachen/ auch mit Zeug und Hunden. Umb Galli werden die Eicheln und Buch-Eckern ziemlich reif. Wann de- ren viel gerathen, und das Laub nicht wohl fallen will, soll es einen harten Winter bedeuten, dann werden die Mast- Schweine in die Mast geschlagen, ge- zeichnet und gebrannt. Nach der Hirsch- Brunfft, wann das Laub von denen Baͤumen abgefallen, werden die Hirsch- Lecken erneuert; Die Wolffs- und Fuchs- Gruben reparir et, und die Daͤchse des Nachts, wie vorgemeldet, wann viel Obst Mastung oder Ruͤben, mit Hunden ge- hetzet, und mit Gabeln gefangen; Die Ebrisch-Beeren bey schoͤnem Wetter ge- brochen, auff dem Boden auff Wasch- Leinen getrocknet und in der Lufft doͤr- re gemachet, damit man solche im Win- ter vor die Krammets-Voͤgel habe. Jm letzten Viertel wird das Bau-Holtz ge- faͤllet, item Brenn- und Kuͤchen-Holtz zu Klafftern geschlagen; Vor die wil- den Sauen in Bruͤchern und Moraͤsten, an dienliche Oerter Suhlen und Wasser- Pfuͤtzen oder Tuͤmpel gemachet, weiln sie nicht alleine durch die bißherige Som- mer-Hitze echaufrirt, sondern auch durch die Eicheln, Buch-Eckern, Hasel-Nuͤsse, und allerhand wild und zahm Obst, hi- tzig worden, und sich abzukuͤhlen, sich in die Brudel und Suhlen begeben, man kan ihnen alsdenn ohnweit davon auff den Baͤumen unterm Wind auffpassen, und sie schiessen. Desgleichen ist nun- mehro auch das gelte Wildpraͤth zum Deputat in die Kuͤchen zu puͤrschen und zu liefern; Man kan auch fuͤr die Schmeltz- Huͤtten, Eysen-Hammer und Schmiede Kohlen-Maͤuler setzen und brennen las- sen; Holtz- und Forst-Rechnung, oder Verkauff des Herbsts vornehmen, und mit den Forst-Bedienten uͤberlegen, wo das Gehaͤue des Holtzes, wegen Wexel des Wildpraͤths, und zu Conservir ung des jungen Wiederwachses/ item Abja- jungs-Fluͤgel, am fuͤglichsten und nuͤtz- lichsten vorzunehmen und anzustellen sey. So soll man auch auf die Kram- mets-Voͤgel, so sich nunmehro bald an- geben, eyfrig und fleißig bedacht seyn, solche zu fangen. Weiln die Steck-Garn nicht mehr taugen, muß zun Reb-Huͤh- nern das Treibe-Zeug, Haamen und der Tyraß gebrauchet werden. Man kan auch das Lerchenstreichen fleißig vorneh- men, weil jetzo der beste Strich und sol- che am fettesten sind. Jngleichen ist je- tzo auch mit den Schnepffen der beste Strich, und sind sie ebenfalls sehr feist. Der Fincken-Heerd gehet nunmehro bald zu Ende. Nunmehro kan man noch die Hasel-Huͤhner mit dem Pfeiff- lein auff den Lock schiessen; Die Leim- Spillen werden auff allerhand Voͤgel nuͤtzlich gebrauchet. Man soll auch de- nen Hasen Abends auf den Ruͤb-Aeckern mit Lausch-Netzen und Feder-Lappen aufpassen oder sie schiessen, sie kommen aber sehr spaͤthe. D d d Novem- November. NOVEMBER . Vermuthliche Witterung. Jetzo tritt die liebe Sonne in Schuͤ- tzen; Jm Anfang ist es zwar gar fein, lieblich und angenehm, hernach aber feuchte, unstet, frostig und Schnee, und unfreundlich stuͤrmisches Wetter zu ver- muthen, wiewohl es am Ende mit Sonnen-Schein abwechselt; Es kan aber auch den Herbst uͤber trocken und ohne Schnee sich halten, und kan man hierinnen nichts gewisses sagen. VEGETATIO der Erden. Kraͤuter/ und Baͤume. Das Wachsthum, und die Vege- tation der Erden hat nunmehro auffge- hoͤhret, und ist der Erdboden gantz kahl und von allen entbloͤset, als ob niemahl was da vorhanden gewesen. Man kan keine Vestigia von dem geringsten erbli- cken, die Herbst-Feuchtigkeiten coaguli- r en, und haͤuffen die Gewaͤsser, vermi- schen sie, daß sie starck und dicke werden, und versincket die Feuchtigkeit endlich wie- derumb in die Erden. Vom Tangel-Holtz. Nunmehro hat die Tanne auch ein- mahl ihren Saamen in ihren Zapffen erlanget, welchen sie wohl beschlossen den bevorstehenden Winter uͤber conservi- r et, und solchen allein zu Anfang des Fruͤhlings, ihrer Natur nach, ausstreu- et, wo nicht die Eichhoͤrnlein, Hasel- Maͤuse und Voͤgel sie ihres wenigen Vorraths berauben. Vom Laub-Holtz. Endlich, da die Eiche ihre getragene Frucht zur Zeitigung gebracht, und da- mit allen lebendigen Creaturen gedienet, laͤsset sie auch ihre Zierath erblaßt abfal- len und druͤcket ihnen solche die harte Winter-Kaͤlte ab, nachdem sie am laͤng- sten die Blaͤtter getragen hat. Es ver- ursachen dieses auch die jungen Knospen: Sie beschleust letztens die Poros der Aeug- lein mit einer Olit aͤt. Von Kraͤutern. Damit hat die guͤtige Natur schon laͤngst auffgehoͤhret. Wer nun obbe- sagter maassen dieselben zu rechter Zeit des Fruͤhlings und Sommers gesamm- let, solche, wie gebraͤuchlich, im Schatten gedoͤrret, der wolle dieselben zu GOttes Ehre, und seiner Gesundheit bestens ge- brauchen. Damit sie aber nicht verle- tzet oder verderbet werden, ist rathsam, dergleichen Kraͤuter in hoͤltzern Buͤchsen oder Schachteln an einem trockenen wohl temperirt en Ort auffzuheben, sonderlich aber sie wohl zuzudecken. Tages und Nachts Laͤnge. Nunmehro gehet die Sonne umb 7. Uhr, 24. Min. auf, und tritt umb 4. Uhr, 36. Min. nieder, so bleibet der Tag nicht mehr als 8. Stunden, 58. Min. hinge- gen die Nacht 15. Stunden und 2. Mi- nuten lang. Von unterirdischen Berg- Duͤnsten. Vorjetzo coagulir en sich die Gewaͤs- sere und Feuchtigkeiten allerseits zum Beschluß, und ziehen sich allgemaͤhlich nach der Erden nieder, daselbsten zu ver- bleiben und auszuruhen. Weil sich al- les in der Erden, als in einen Schwamm eingezogen, so hat man im Gruben-Ge- baͤude, wegen haͤufigen Wassers, so sich einfindet, und derer mercuriali schen giff- tigen Duͤnsten halber eine schlimme Zeit, und muß das Gewaͤsser durch Machin en heraus geschaffet werden. Von Thieren und Voͤgeln. Der Baͤr. Die jungen Baͤre werden zwar noch von ihren Alten neben sich gelitten und geduldet, doch wo deren viel, jagen sie die- selben weg, und muͤssen sie sich selber ei- ne Wohnung machen. Die alten Baͤre ernehren sich indessen von gefallenem Wildpraͤth, in Mangel dessen von an- derm zahmen Vieh, Pferde- oder Kuͤh- Aß. Sie koͤnnen eines grossen Stuͤck Luders maͤchtig werden, und was sie fan- gen, daß tragen sie alles gemeiniglich nach ihrer Hoͤhle, und verzehren es daselbst zwischen den Vorder-Tatzen, schlaffen auch gerne an der Sonne in ihrer Hoͤhle. Der Hirsch. Nach der Brunfft begiebt sich das Wildpraͤth von einander, weil sie von den Hirschen sehr geplaget werden, wie- wohl November. wohl etliche Stuͤck, so zusammen gewoͤh- net, nach ihren Hoͤltzern gehen. Der Hirsch aber, indem er nunmehro durch die Brunfft sein Feist an Nieren und gu- tes Wildpraͤth verlohren, und gantz ma- ger und matt geworden, ist kraͤncklich und schwach, und muß sich erhohlen von denen wenigen Eicheln, so die wilden o- der zahmen Schweine auffzulesen ver- gessen haben; Nimmt sein Geaͤß von dem Heyde-Kraut und denen Krummet- Wiesen, tritt Abends und Morgens zur Saltzlecke, geniesset Brombeer-Blaͤtter und andere gesunde Kraͤuter, Brunnen- Kreß und dergleichen in Qvellen wach- sende Kraͤuter, auch braunen Kohl zu seiner Artzney, scharret in die Ameiß- Haufen, und bedienet sich des Geruchs. Das Schwein. So balde die Erndte vorbey und nichts mehr in Feldern zur Nahrung verhan- den, sondern alles leer worden ist, bege- ben sich die Sauen nach den Waͤldern, allwo die Natur indessen vor sie gesor- get, und geniessen die Mast, so bald der Frost druͤcket, an Eicheln und Buch- Nuͤssen haͤufig, welche ihnen den Leib fei- ste machen und erhitzen, daß sie dahero gezwungen sind in Bruͤchern und Moraͤ- sten, auch Wasser-Pfuͤtzen sich zur Erfri- schung zu suͤhlen, dann reiben sie sich an die nechststehende Baͤume, auch nehmen sie Nahrung von Hasel-Nuͤssen, wo sie derer finden. Das Reh. Nunmehro begeben sich die Rehe meistens aus denen abgelegenen Feld- Hoͤltzern zusammen auf grosse Heyden, und retirir en sich mit einander nach den grossen Waͤldern zur Brunfft, nicht a- ber zusammen in einem Troupp, wie das Roth-Wildpraͤth, sondern separi- r en sich allezeit paarweise, und nehren sich auch von dem Mooß an den Baͤu- men. Der Hase. Nun ist die beste Zeit den Hasen zu jagen, weil er weiter nicht mehr setzet, o- der sich mit jungen vermehret, gleich- wohl aber von dem Sommer-Getraͤyde, und anderer vielfaͤltigen Nahrung feiste worden, und gut ist. Der Wolff. Nunmehro gehen die Woͤlffe des Nachts aus ihren Behaͤltnissen fleißig auf den Raub und fuͤhren die Jungen an in die Schaaff-Horden, und Pferde-Huthun- gen, fassen den Schaͤfer-Hund an die Gur- gel, damit er nicht schreyen kan, die Jungen wuͤrgen unterdessen die Schaaffe, der Al- te aber greifet eines im Genuͤck und traͤ- get es auf seinem Ruͤcken davon zur Beute. Der Fuchs. Vorigten Monats war der Fuͤchse Nahrung unter andern Obst, Pflau- men, Kirschen, und Wein-Trauben, so aber alles hinweg, das Feld ist nun leer, dem Sommer-Strauch sind die Blaͤt- ter abgefallen, und die Nacht ist lang, also traben sie des Nachts auf denen Fel- dern nach den Maͤusen, welches zu die- ser Zeit ihre eintzige Nahrung seyn muß, da werden sie meist durch Witterung in Eysen gefangen. Der Dachs. Bey kaltem Frost und ungestuͤmem Wetter beginnet sich der Dachs in sei- nen Bau zu retirir en und beginnet nun- mehr sein Winter-Qvartier zu beziehen, suchet aber doch bey gelindem Wetter spaͤ- the bey Nacht noch aus dem Bau seine Nahrung. Vom Marder und Otter/ Katz und Jltniß. Von diesen Raub-Thieren ist bereits in der Eigenschafft das noͤthige errinnert, und nichts zu remarquir en uͤbrig, als daß, wann ihre Baͤlge gut, sie zu fangen, bey deren Vermehrung aber lieber zu vertilgen seyn. Vom Feder-Wildpraͤth. Das Wald-Gefluͤgel. Der Auer-Hahn. Wañ die alten Auer-Haͤhne und Huͤh- ner ihre Jungen nunmehro groß erzo- gen, fuͤhren sie dieselbigen in andere Hey- den, daß sie sich auch ernehren lernen, von einander. Der Birck-Hahn. Die Birck-Huͤhner aber lieben noch eher Gesellschafft und bleiben beysam- men, biß die Kaͤlte sie vertreibet. Das Hasel-Huhn. Die alten begeben sich allgemach wie- D d d 2 der, November. der, doch mit kurtzen und raschen Flug, in des finstere Dickigt sich zu verbergen. Die Wald-Schnepffe. Die Wald-Schnepffe ist schon bereits vorigten Monats, nachdem sie feiste wer- den, von uns weggezogen. Von wilden Tauben. Man siehet und hoͤhret nunmehro keine Taube mehr, da sie vorhero in gros- sen Schaaren herumb geflogen, melden sich auch nicht eher wieder, biß ihre Zeit im Fruͤhling herbey nahet. Von Krammets-Voͤgeln. Ob schon die veraͤnderliche Schnaͤr- re sich hin und wieder verkreucht, und die Drosseln, sonderlich Nachts bey Mon- den-Schein haͤuffig fortziehen, so erfreuet uns dannoch der angenehme und liebe Krammets-Vogel, welcher aus hohen Gebuͤrgen herstreichet. Vom Feld-Befluͤgel. Der Trappe. Dieser ist nunmehro uͤber alle Ber- ge geflogen, und nirgends bey uns im Lande zu vermercken, muß also ver- muthlich in waͤrmere Laͤnder seine Reti- rade genommen haben, weiln vor ihn in unserm kalten Lande nichts gewesen. Der Phasian. Weil nichts mehr in Feldern zu fin- den, werden die Phasian en an gewisse Kirr-Plaͤtze angekoͤrret und da sie dahin gewoͤhnen, durch Zuruͤckung des Fangs eingefangen, die zur Zucht benoͤthigte a- ber fliegen gelassen. Das Reb-Huhn. Nunmehro werden die Reb-Huͤh- ner, weil sie feist worden, mit dem Ty- rass und Habicht, oder Treibe-Zeug und Haamen lebendig eingefangen, die Zucht aber gelassen. Die Wachtel und Lerche. Vorjetzo ist unsere Wachtel bey der Nacht fortgezogen, nachdem sie feiste worden. Die Lerchen fangen auch an von uns abzu marchir en. Von Wasser-Voͤgeln/ Als Gaͤnsen und Enten/ Blaͤssen und Kiebitzen. Weiln nunmehro nichts mehr in Fel- dern, auf offenen Seen aber das Wasser schon zu kalt ist, und die Kaͤlte bey lan- gen Naͤchten das Wasser froͤstelt, so neh- men die wilden Gaͤnse ihren Abzug in Form eines Triangels mit einer langen Reyhen, nach warmen Laͤndern, und melden sich einige theils vornen, theils hinten, mit ihrem Geschrey. Die wil- den Enten aber, nachdem sie gegen A- bend in grossen Schaaren auf weitlaͤuff- tige Teiche oder Seen sich versammlet, fliegen des Nachts mit gantzem Schwarm von uns hinweg. Die Kie- bitzen ziehen zu anfang dieses Monats schon fort. Vom Raub-Befluͤgel/ Als dem Habicht und Sperber. Da nunmehr alles Gefluͤgel bereits erwachsen, und ihren Strich meist aus diesem Lande weggenommen, ziehen letz- lich die Raub-Voͤgel, da sie nunmehr nichts, als Maͤuse und Froͤsche finden, auch hinweg, weil ihnen diese Kost auch durch den Frost benommen. Kraͤhen und Aelstern. Nunmehro begeben sich unsere hie- sige bleibende Kraͤhen wieder beym Schnee in die Doͤrffer, doch meist vor Mittages beym Frost, hernach aber wie- der in die Felder; desgleichen auch die Aelstern schauen zu, wo was geschlachtet wird, oder fliegen nach verstorbenem Vieh. Des Jaͤgers noͤthige Verrich- tung in Jagd- und Forst- Sachen/ auch mit Zeug und Hunden. Nunmehro gehet die Schwein-Ha- tze recht an, weil das Schwartz-Wild- praͤth oder die Sauen, wegen vielfaͤltiger Mast vorigten Monats, in der besten Fei- ste begrieffen, nachmahls aber im Christ- Monat in die Brunfft treten. Sie wer- den, wann alle Mast aus denen Waͤldern von zahmen und wilden Thieren verzeh- ret worden, bey langen Naͤchten, mit auffgehobenen und in Vorrath gesamm- leten November. leten Eicheln, Buch-Eckern, wild Obst, Maltz und Fischgen, von weitem her zu- sammen gekoͤrret, und einige Zeit erhal- ten. Wann es nun gefaͤllig, wird, ehe sie von einander gehen oder es mercken, vorher entweder auf denen Kirr-Plaͤ- tzen recognoscir et, oder beym frischen Schnee eingekreisset, mit Zeuge eingestel- let und entweder in Tuͤchern der Herr- schafft auf den Laufft vorgejaget, diesel- ben mit dem Fang-Eysen anlauffen zu lassen, oder sie werden nur mit Sau- Netzen umbstellet und gefangen, mei- stens aber eintzeln im Streif-Jagen mit fluͤchtigen Hunden und Sau-Ruͤdden gehetzet, angepacket, von diesen gehalten, und mit dem Hirsch-Faͤnger gefangen. Die Rehe, welche anjetzo auch feiste, wer- den theils bey solchen umbstellten Tuͤ- chern mit auf den Laufft gejaget, von der Herrschafft im lauffen geschossen, mit Wind-Hunden gehetzet, oder in Reh- Netzen privatim gestellet und gejaget. Bey Lieferung der Rehe aber wird von einem Haußwirthlichen Jaͤger allzeit nur der Bock geschossen, weil die Ruͤcke jedes- mahl sich einen andern Bock hohlet. Das Fuchs-Fangen mit dem Eysen durch die Witterung wird in vorigem und diesem Monat, weil es noch nicht sonderlich in die Erde gefroren, und der Balg bereits gut ist, mit Nutzen vorge- nommen. Es werden auch Lager-Heer- de auf die Krammets-Voͤgel angerichtet, Fuͤchse und Hasen auff den Graͤntzen mit Netzen gefangen, Reb-Huͤhner eingefan- gen, denen Phasian en geschuͤttet und ge- raͤuchert, Marder, Otter, Katzen und Jltnisse weggefangen, Reh- und Hasen- Netze bey langen Abenden fleißig gestri- cket, Flachs und Werck zum Gespinste denen Unterthanen ausgetheilet, Flachs gebrochen, geschwungen und gehechelt, Mist und Tuͤnger eine halbe Ellen von der lebendigen Hecke eingegraben, daß die Winter-Feuchtigkeit sich in die Erde zie- he, und die Wurtzel die Geylheit erhalte. Nach vollbrachtem Jagen wird das Jagd-Zeug, Tuͤcher, Garne, Netzen und Lappen jedes behoͤhriges Orts an seiner Stelle aufgehoben, wenn es vorhero ge- trocknet, und ausgebessert worden. Man muß auch das Gewehr auf der Ruͤst- Kammer, wann es die Fliegen Som̃ers durch gantz beschmiessen, reinlich absau- bern lassen; auch ist gut alles Eisenwerck zur Jagd in prima facie sagittarii jetzigen Monats schmieden zu lassen, weil es vor gluͤcklich gehalten wird; Gleicher gestalt soll man jetzo das Holtz darzu fertigen. DECEMBER . Vermuthliche Witterung. Endlich tritt nunmehro die liebe Sonne in den Stein-Bock, als einen kal- ten Aspect, in ihr Winter-Qvartier, da sie von uns am weitesten entfernet. Das Winter-Wetter ist zwar anfaͤnglich noch ziemlich erleidlich, mit Sonnen-Schein u. Wind vermischet, doch siehet man allmaͤh- lich die Schnee-Wolcken coagulir en, dar- zu sich zu Ende Frost und Schnee einfin- det. Wiewohl man zuweilen auch gruͤne Weynachten gehalten. VEGETATIO der Erden. Kraͤuter und Baͤume. Nunmehro schliesset sich die Erde gleichsam zu und verbirget ihren Schatz, als in einem Kasten in ihren unterirdi- schen Schooß, darinnen er nach Goͤttlicher Ordnung so lange bleibet, und auffge- haben wird, biß ihn der Allmaͤchtige Schoͤpffer im Fruͤhling wieder hervor kommen laͤsset. Worauff der strenge Frost uͤberhand nimmet. Vom Tangel-Holtz. Dieses eintzige zieret mit seiner schoͤ- nen angenehmen gruͤnen Farbe nun- mehro das Gehoͤltze, erfreuet der Men- schen Augen, bedecket des Winters die armen wilden Thiere vor grimmiger Kaͤlte, Frost und Schnee, des Sommers aber vor Hitz und Regen, worzu es von dem grossen GOtt wunderbarlich er- schaffen, und verordnet worden, da al- le andere Baͤume und Straͤucher bloß und elende stehen. Vom Laub-Holtz. Dahingegen sehe man an, wie klaͤg- lich und armseelig, ja von allem Zierath verlassen und gaͤntzlich entbloͤsset das ar- me Laub-Holtz zu dieser Jahres-Zeit aus- siehet, nachdem der harte Reiff und stren- ge Frost das Laub mit Gewalt abgeris- sen, und es dergestalt seines Schmuckes beraubet; Die Blaͤtter werden von dem Wind hin und her dissipir et und zer- streuet, und die Aeste und Zweige kurtz D d d 3 dar- December. darauff mit Frost und Schnee uͤberzo- gen und bedecket. Von Kraͤutern. Hier muß der Kraͤuter-Begierige Leser auf einen andern Zeit-Vertreib be- dacht seyn, weil mit den Kraͤutern es schon laͤngst zu Ende: Daferne nun der- selbe vorigter Zeit so gluͤcklich gewesen, einige zu sammlen, auch die Besamung zu seiner Zeit, welche doch sehr zart, er- halten, so kan bey dem ersten Thau-Wet- ter dergleichen nach Belieben und Ver- langen auff beqveme Bethe geseet wer- den, man muß aber solches wohl in acht nehmen. Tages und Nachts Laͤnge. Nunmehro, da die liebe Sonne erst umb 8. Uhr, 28. Min. auf- und Nachmit- tag umb 3. Uhr, 32. Minute schon wie- der untergehet, ist der kuͤrtzeste Tag 7. Stunden, 32. Minuten lang; Hingegen dauret die Nacht 16. Stunden, 28. Mi- nuten. Von unterirdischen Berg- Duͤnsten. Als nun der Allmaͤchtige Schoͤpffer die Erde wiederumb feste mit dem Frost zugeschlossen hat, und nichts mehr eva- porir en kan; So bleiben die unterirdi- schen minerali schen mercuriali schen Duͤn- ste coagulir et alle beysammen, welches ei- ne warme Dunst, oder feuchten Broden verursachet, daß wir Menschen unten nicht lange dauren koͤnnen, sondern von dieser Berg-Seuche kranck werden. Von Thieren und Voͤgeln. Der Baͤr. Wann ein Baͤr noch keine Hoͤhle oder Lager und Bette hat, wo er sich den Winter uͤber auffhalten soll, so bauet er mit Macht daran, er traͤget sowohl Reiß, Laub und Mooß mit dem Maul und Vorder-Laͤufften zusammen, wie ein Mensch, daß es recht warm ausgefuͤt- tert wird, und lieget des Winters beym grossen Schnee, da er nicht viel finden, sondern sein Lager vielmehr verrathen wuͤrde, stille, und sauget an den Klau- en, auch an den Hinter-Tatzen. Der Hirsch. Nunmehro gehet des Hirsches seine schlimmste Zeit an, indem derselbige, weil er mager und matt und zur Flucht ohn- maͤchtig, von dem Wolff am allermei- sten hefftig verfolget wird. Er gehet des Nachts auf die Frucht-Felder, das Wild- praͤth, welches eben dieser Gefahr un- terworffen, haͤlt sich zusammen, theils wegen der Kaͤlte, umb desto waͤrmer zu stehen, theils auch auff ihren allgemeinen Erb-Feind, den Wolff durch umbwech- selnde Wachsamkeit Acht zu haben. Jhre meiste Nahrung ist Knospen von Heyde- Kraut, und Rinde von Kiefern; Des Nachts gehen sie vor sich auff die Saat- Felder, geniessen auch die Mispeln oder den Vogel-Kuͤhn von gefaͤllten Baͤumen, Baum-Mooß, Wintergruͤn, und der- gleichen. Das Schwein. Mit Anfang jetzigen Monats ist das Schwein, oder der Kaͤuler und die Sau- en oder das Schwartz-Wildpraͤth in der besten Feiste, da sie bey dieser Jahrs-Zeit, wegen des Schnees am meisten gespuͤh- ret, eingekreisset, und auf vielerley Art gefangen werden. Jn diesem Monat tritt das Schwein auf die Brunfft, und waͤhret 14. Tage; Jn Mangel der Ba- chen brunfften sie auch mit zahmen Sauen gar hefftig, nach der Brunfft machen sie sich Lager von Mooß gefuͤt- tert, recht weich, meistens aber liegen die Kaͤuler besonders und alleine. Das Reh. Die Ruͤcken jagen ihre Jungen bey Annahung der Brunfft-Zeit eine Ecke von sich, gehen meistens auff dem Hey- de-Kraut zur Nahrung des Winters, und ob es wohl kalt, ist doch anjetzo ihre groͤste Liebes-Hitze, und rechte wuͤrckli- che Brunfft, welches ungefehr 14. Tage waͤhret, und zwar, wie gemeldet, paar- weise; Vorjetzo geschiehet die Empfaͤng- niß des Rehes noch einmahl so frucht- bahr. Der Hase. Bey herannahendem kaltem Win- ter ziehen sich die Hasen meistens aus den Feldern in das Gehoͤltze und dicke Gebuͤ- sche, wo sie vor der Winter-Kaͤlte ge- sichert sind, machen ihr Lager gegen Mit- tag. Jhre Nahrung sind Brommbeer- Blaͤtter, birckene Knospen und Brun- nen-Kresse. Der December. Der Wolff. Weil nunmehr bey herannahen- dem Winter das meiste Vieh wegen Mangel der Huthung im Felde wieder- umb zu Hause gefuͤttert wird, haben die Woͤlffe uͤbele Zeit, wo sie nicht etwan ein Mast-Schwein ertappen, faͤllt aber Spuhr-Schnee, werden sie eingekrey- schet, durch Wolffs-Zeuge umbstellet und mit Freuden gefangen, weiln nunmeh- ro ihre Peltze am vollkommensten wor- den sind. Der Fuchs. Nunmehro ist der Balg reif, und gilt der Fuchsschwantz am meisten, da wird der gute Pursch auf vielerley Art gehetzet, geschossen, gejaget, geprellet und gefangen. Sonsten gehet er des Nachts fleißig umb die Doͤrffer nach dem zahmen Gefluͤgel patroullir en, beym Monden- Schein aber die Hasen zu betriegen; Weñ es helle und kalt Wetter, bellet er heischer, fast wie ein kleiner Hund. Der Dachs. Es lieget nun der Dachs bey anhal- tender Kaͤlte unbeweglich, und zehret vom Leibe aus dem a part en Loche un- term Schwantz mit seiner spietzigen Na- se biß an die Augen. Vom Marder und Otter/ Katz und Jltniß. Von diesen Raub-Thieren ist bereits in der Eigenschafft das noͤthige errinnert, und nichts zu remarquir en uͤbrig, als daß, wann ihre Baͤlge gut, sie zu fangen, bey deren Vermehrung aber sie lieber zu ver- tilgen seyn. Vom Feder-Wildpraͤth. Das Wald-Gefluͤgel. Der Auer-Hahn. Nunmehro suchet der Auer-Hahn wiederumb sein ordentliches Winter- Qvartier, und versorget sich vor kuͤnffti- ger Kaͤlte, Frost, Schnee und Eiß, mit einem warmen Stand. Der Birck-Hahn Bleibet an keinem gewissen Ort, sondern ziehet zwar nicht gantz weg, doch nach einem waͤrmern Climate, umb sich zu erhalten. Das Hasel-Huhn. Es haͤlt sich das Hasel-Huhn gerne auff in stiller Einsamkeit, wo es sicher zu seyn meynet. Die Wald-Schnepffe. Bey jetziger Kaͤlte, ist von keiner Schnepffe etwas zu hoͤhꝛen, noch zu sehen. Von wilden Tauben. Nach diesen ist nunmehro nicht wei- ter zu fragen, indem solche, wie gedacht, nicht eher, als kuͤnfftigen Fruͤhling bey dem Wieder-Strich gesehen werden. Von Krammets-Voͤgeln. Der eintzige Ziemer oder Kram- mets-Vogel nimmt seinen Strich im Winter zu uns, an Orten, wo alt Ei- chen-Laub stehen blieben, und wo es viel Wacholder-Straͤucher hat, darvon er seine Nahrung nimmet, wird dahero vor delicat gehalten. Vom Feld-Befluͤgel. Der Trappe. Der ist nunmehro weit von uns ent- fernet, wiewohl zuweilen einige kraͤnck- liche und die zum Zug untuͤchtig, an theils warmen Bruͤchern eine zeitlang sich auffgehalten, biß sie endlich ausgeheilet, denen andern nachfolgen. Der Phasian. Nunmehro halten sich die Phasianen gerne meistens in warmen Bruͤchern und offenen Qvellen auff, wo einige Beer-tragende Straͤucher verhanden, welche sie zu ihrer Nahrung in Mangel gebrauchen muͤssen. Daß Reb-Huhn. Wird in diesem Monat noch gefan- gen, und, da es geschneyet, mit dem Schnee-Garn bedecket, wenn es hart ge- froren, retirir en sie sich nach warmen Qvellen. Die Wachtel und Lerche. Von der Wachtel ist nunmehro nichts weiters zu hoͤhren, sondern sie ist vorlaͤngst in warme Laͤnder gezogen. Die Lerchen ziehen nun auch weg. Von Wasser-Voͤgeln/ Als Gaͤnsen/ und Enten/ Blaͤssen und Kiebitzen. Nachdem die Seen, Teiche, Stroͤh- me December. me und Fluͤsse endlich ihre bißherigen Gaͤste loßgeworden sind, und dieselben nach Goͤttlicher Ordre ihren Ab march nehmen muͤssen, auch das sonst gruͤne Rohr, Schilff und Graß vor Kaͤlte er- storben, beschluͤsset die guͤtige Natur die- se feuchte Quartier e mit starrem Eiß, Frost und Schnee, umb in waͤhrender Winter-Zeit ihre armen Fische vor rau- her Kaͤlte zu erhalten, biß wiederumb der Hoͤchste zur Zeit des Fruͤh-Jahrs sie durch den lebendigmachenden Archæum auffthauet. Die schwartzen nichtswuͤr- digen Blaͤssen ziehen unvermercket auff die warmen Bruͤcher heimlich weg. Vom Raub-Befluͤgel/ Als dem Habicht/ und Sperber. Aus Mangel aller Nahrung, den Hunger zu stillen, haben vorigten Mo- nats die Raub-Voͤgel abziehen muͤssen, und ist nunmehro keiner zu mercken, er muͤste dann ein Spaͤthling, oder unge- sund seyn. Und so viel hab ich bißhero ihnen abmercken koͤnnen. Kraͤhen und Aelstern. Es sind die Kraͤhen nun jetzo schon etwas zahmer, und begeben sich beym Schnee wieder in die Doͤrffer und Hoͤfe. Gleicher Gestalt sind die Aelstern begie- rig, und suchen beym Schnee auff den Hoͤfen, wo geschlachtet, gegossen, oder Kehrigt geworffen wird, ihre Nahrung. Des Jaͤgers noͤthige Verrich- tung in Jagd- und Forst- Sachen/ auch mit Zeug und Hunden. Wiewohl es bey uns zu Lande nicht so haͤufig viel wilde Baͤre giebet, ohne ei- nige wenige umb das Boͤhmische und Schlesingische Riesen-Gebuͤrge eintzeln vagiren de Mittel-Baͤre, koͤnten solche ja wohl auch, wann ein Herr die Unkosten dran wenden wolte, mit Tuͤchern im Zeug eingestellet, und gleich andern wil- den Thieren vorgejaget werden; Weil es aber gar zu beschwehrlich und allzukost- bahr fallen wuͤrde, so werden solche mei- stentheils in hierzu verfertigte Faͤnge- und Gruben auf ihren Wechseln, Waͤn- den, und Kleber-Gaͤngen gefangen und in Kasten nach der Herrschafftlichen Re- sidenz zum Hoff-Kampff-Jagen gelie- fert, gleicher gestalt werden auch Woͤlffe und Fuͤchse, daferne einiges Hoff- und Kampff-Jagen geschehen soll, mit Zeu- ge eingefangen, und geliefert; Die Woͤlf- fe auf dem Platz gehetzet; Die Fuͤchse a- ber zu einer absonderlichen Lustbarkeit der Herrschafft von dem Hochloͤblichen Frauenzimmer in die Lufft geprellet. Sonsten aber wird demjenigen Forst- Meister, wo der Baͤr gefangen, ein Vier- tel Meißner-Wein zum Jaͤger-Recht ge- geben. Bey Wolffs-Jagden mit dem Zeuge oder mit denen Kuppel-Netzen werden die Woͤlffe beym frischen Schnee ausgespuͤhret, gestellet, gefangen, erschla- gen und geliefert, deren Baͤlge gehoͤren dem Ober-Jaͤger-Meister, als ein Acci- dens. Die Fuͤchse werden, wann die Er- de gefroren, und mit dem Eysen nicht mehr zu stellen ist, durch Klopff-Jagen aus den Bruͤchern auff den Frost geklap- pert, da es denn weit zu hoͤhren ist, und werden also getrieben und geschossen. Die Hasen werden nunmehro zum letzten mahl zum Beschluß gefangen, Marder und Ottern, Katzen und Jltniß aber al- lezeit, soviel moͤglich, veꝛtilget, weil sie schaͤd- liche Raub-Thiere sind. Wann Wild- praͤths-Lieferung in die Kuͤchen zu thun, wird ein gelte Thier, welches dieses Jahr kein Kalb gehabt, und alleine gehet, auch da es kein Kalb saugen duͤrffen, sondern zugenommen, und feiste worden, hausen im Gehaͤge, oder an der Graͤntze gepuͤr- schet. Wie dann auch vorjetzo im Thier- Garthen das zeitige Fuͤttern, wegen der abgebrunfften Hirsche, bey einfallendem harten Frost und kaltem Reif, da das Wiesen-Graß welck, nicht zu vergessen, und was an Wild uͤber den gewoͤhnlichen Besatz uͤberfluͤßig, mit Gelegenheit un- vermerckt auszuschiessen ist. Das Inven- tarium des Jagd-Zeugs soll durchgese- hen, und endlich das alte Jahr froͤlich be- schlossen werden. Anhang Unterschiedener nuͤtzlicher zur Jaͤgerey gehoͤrigen Materien. Anhang unterschiedener nuͤtzlicher Von dem Recht und der Pflicht eines Landes- Fuͤrsten in Ansehung der Jagden. §. 1. O B zwar dem natuͤrlichen Recht nach die Befugniß wil- de Thiere einzufangen einer jeden Privat- Person scheinet uͤberlassen und vergoͤnnet zu seyn, so kan man jedennoch unterschiedene vernuͤnfftige Ursachen an die Hand geben, warum es besser sey, daß sich heutiges Tages die Landes-Fuͤrsten der Jagden allein an- maassen, als wann ein jeder nach Ge- fallen das Wild hetzte und wegschoͤsse. Denn (1.) wuͤrden bey einer solchen un- umschrenckten Jagd-Freyheit allerhand Sorten von Wildpraͤth gantz u. gar ver- tilget werden, wie man denn an denje- nigen Orten, wo entweder den Vasall en oder gewissen Gemeinden einige Arten der Jagden concediret sind, wahrnimmt, daß sich das Wild an solchen Orten uͤber- aus rahr macht. (2.) Wuͤrde auch viel boͤ- se Gesindel sich in Waͤldern auffhalten, und unter dem Schein dem Wilde nach- zugehen, manche reisende und andere Personen nicht allein um ihr bey sich ha- bendes Haab und Gut, sondern auch wohl gar umb Leib und Leben bringen, da man hingegen bey jetziger Beschaffenheit diejenigen, die man mit Gewehr in den Waͤldern antrifft, und sich dieserhalben nicht sattsam legitimir en koͤnnen, entwe- der vor Wild-Diebe oder sonst vor Schnapphaͤne mit allem Recht ansiehet, sie zur Captur bringt, und mit der In- quisition gegen sie verfaͤhret. (3.) Wuͤrde auch von allerhand Leuten, die mit dem Schiessen nicht recht umgehen koͤnnen, manches Wild zu Holtz geschossen wer- den, welches hernach umfallen muͤste, und Niemand zu gute kaͤme. (4.) Wuͤrden vie- le, die sich des Jagens allzusehr befleis- sigen duͤrfften, hierdurch zu dem Muͤs- siggang verleitet, und von anderer tuͤch- tigen Arbeit abgehalten werden, und duͤrffte dieses vielleicht auch in die Classe des Sprichworts mit zu setzen seyn, da man sonst zu sagen pfleget: Fische fan- gen und Vogelstellen, verderben manchen guten Gesellen. (5) Koͤnten in Ansehung der Jagden des Schiessens und Hetzens zwischen einem u. dem andern allerhand Zaͤnckereyen, ja wohl gar Mord und Todtschlag entstehen. Diesemnach ist es am besten, daß sich die grossen Herren die Jagden zu ihrer Ergoͤtzlichkeit zu- eignen, und ihren Unterthanen solche, in soweit sie es gut befinden, concedir en. §. 2. Wenn gleich die Landes-Fuͤrsten- heutiges Tages sich der Jagd-Gerechtig- keit allein anmaassen, so verwehren sie in- zwischen den Unterthanen nicht, daß sie die reissenden und gefaͤhrlichen Thiere, als Baͤre, Woͤlffe u. s. w. die sowohl Men- schen, als Vieh, Schaden zufuͤgen, nach Gefallen todt schlagen, ja sie pflegen auch wohl noch diejenigen, die die groͤsten An- zaͤhl derselben erlegen, mit Belohnung anzusehen. Es kan auch sonst keiner be- strafft werden, wenn er sich gegen ein Stuͤck Wild, so ihm an seinem Leib und Leben Schaden zufuͤgen will, wehret, daß er das Wild hinrichtet, dafern er in sol- che Umstaͤnde gerathen, daß er ihm nicht entgehen kan. Denn es ist ein Jedweder in seinem Gewissen verbunden, sein Le- ben auff alle Art und Weise zu erhal- ten, und sich gegen eine jedwede Crea- tur, so ihm darnach trachtet, zur Wehre zu setzen. §. 3. Weñ man erwegt, was die Woͤlf- fe, zumahl zur Winters-Zeit, an denjeni- gen Orten, wo sie in grossen Haufen an- zutreffen, sowohl Menschen, als Vieh, vor unsaͤglichen Schaden verursachen, und also ein Regente zu Besorgung des allgemeinen Heils seiner Unterthanen auf derselben Vertilgung bedacht zu seyn, billich hohe Ursache hat, so erkennt man, daß er gar wohl befugt sey, gantze Dorff- schafften auffbiethen zu lassen, und ihnen anzubefehlen, daß sie sich zur Wolffs- Jagd mit noͤthigem Gewehr einfinden, und wenn sie schon einige Tage oder Wo- chen daruͤber zubringen solten. Ob zwar der Unterthanen eigenes Interesse hier- durch befoͤrdert wird, indem die Raub- Thiere hierdurch vertilget, und aus dem Lande geschafft werden, so ist es dennoch wohl billiger, weil die Landes-Fuͤrsten sich ohnedem des Wildes angemast, davon die armen Unteꝛthanen wenig oder nichts bekommen, und sie auch an ihren Wirth- schafften zu Hause viel versaͤumen, und offt zur Jaͤgerey gehoͤrigen Materien. offt grosse Gefahr am Leben, oder sonst Ungluͤck an ihren Gliedmaassen ausste- hen muͤssen, wenn sie nicht allein die Un- kosten zur Wolffs-Jagd den armen Leu- ten herschiessen, sondern auch denen durch die Wolffs-Jagd Beschaͤdigten, oder auch denen Erben, wann die ihnen Angehoͤri- ge etwan darbey ums Leben gekommen, einige besondere Gnade wiederfahren lassen. Sie vermehren hierdurch die Liebe und den Ruhm bey ihren Unter- thanen und ein Jedweder wird williger seyn, auff Befehl seines Herrn Leib und Leben zu wagen. §. 4. Es pflegen die Fuͤrsten bißweilen ih- re Vasall en in Ansehung ihrer Merit en und ersprießlichen Dienste, die sie gelei- stet, mit gewissen Sorten der Jagd, als mit der Ober-Mittel- und Nieder-Jagd, oder mit allen dꝛeyen zugleich zu belehnen, andern ertheilen sie gewisse Jagd-Gelder dafuͤr, oder auch noch einige Stuͤcke Depu- tat- Wildpraͤth dazu, welches nach dem Unterscheid der Oerter und der Personen unterschieden zu seyn pfleget. Begnadi- get ein Landes-Fuͤrst einen mit dem Recht, Wildpraͤth zu jagen, so ist die Concession allezeit so zu verstehen, daß dem Dritt- mann an seiner Gerechtigkeit nichts ent- zogen werde. Denn ein christlicher und vernuͤnfftiger Fuͤrst hat nicht die Ver- muthung vor sich, daß, indem er einem von seinen Unterthanen ein neu Recht giebt, er dadurch ohne Raison den Ge- rechtsamen seiner andern Unterthanen etwas entziehen wolle. Es uͤberkommen auch Privat- Personen das Jagd-Recht, wie die uͤbrigen Regalien, derer sie faͤhig sind, durch die Verjaͤhrung einer sehr langen Zeit, nehmlich von hundert Jah- ren. Zudem die Landes-Fuͤrsten ihnen solches eine so lange Zeit uͤberlassen, so glaubet man, daß sie dieselben hierdurch in die Possess dieses Rechts zu setzen, und im geringsten darinnen zu beeintraͤch- tigen nicht intentionir et sind. §. 5. Die Jagden werden insgemein ein- getheilet in die Hohen-Mittel- und Nie- der-Jagden. Den Hohen Jagden wer- den beygezehlet die Hirsche, Schweine, Baͤre, Rehe, Trappen, Auer-Huͤhner, Hasel-Huͤhner, Berg-Huͤhner, Schwaͤ- ne, u. s. w. Zu den Nieder-Jagden aber werden gerechnet die Hasen, Dachsen, wilde Katzen, Feld-Huͤhner, Schnepffen, Enten und dergleichen Wasser-Voͤgel, wilde Tauben, Kram̃ets-Voͤgel und Ler- chen. Zu den Mittel-Jagden die Frisch- linge, Rehe, u. s. w. Man kan hier- von nichts gewisses determinir en, son- dern es ist nach dem Unterscheid der Oer- ter unterschieden. Es wird entweder in der Vasall en Lehn-Briefe mit eingeruͤ- cket, was vor Sorten Wildes die Vasal- l en und Unterthanen sich zueignen sollen, oder in den Jagd- Mandat en mit expri- mir et, was der Landes-Fuͤrst unter die- sen allen mit wolle begriffen haben. §. 6. Wenn die Fuͤrsten die Gnaden-Jag- den an andere uͤberlassen, so ist wohlge- than, wenn in den Concession en zugleich mit ausgedruckt wird die ausdruͤckliche Vorbehaltung, die Jagd-Gerechtigkeit nach eigenem Gefallen mit zu exercir en, die Art und Weise, wie die Jagden ange- stellet werden sollen, der Ort und District, in welchem die Erlaubniß zu jagen er- theilet, und auch die Zeit mit der Clausul, daß er sich vorbehielte, solches nach Gefal- len wieder zuruͤck zu nehmen. Die Vasal- l en, denen solche concedir et, muͤssen ins- gemein einen Revers ausstellen, daß sie die Gelegenheit des Forsts und Bezircks mit allem Fleiß bewahren, die Gerechtig- keit desselben handhaben, und zum be- sten versehen, die Marck-Steine in We- sem behalten, aus dem Zulassen solches Jagens an bestimmten Oertern jetzo und hinfuͤrter keine Gerechtigkeit machen, noch ausserhalb vorerwehnten Bezircks weder durch sich, noch durch ihre Die- ner oder die Jhrigen in andere Wege in Jhrer Hoch-Fuͤrstlichen Durchlauchtig- keit Forst greiffen oder jagen, noch Je- mand anders zu jagen verstatten und vergoͤnnen, und was etwan sonst noch fuͤr Punct e mehr in dergleichen Revers en ausgemacht zu werden pflegen. §. 7. Die Landes-Fuͤrsten setzen unterschie- dene Jagd- und Forst-Bediente, welche nicht allein die Jagden anstellen und dirigir en, sondern auch acht haben muͤs- sen, daß Niemand der Wildbahne einigen Schaden zufuͤge, und die Foͤrste und Waͤlder in gutem Stande gehalten wer- den. Die geringsten Jagd-Bedienten sind die Fuß-Knechte, alsdenn kommen die Foͤrster und Heegereuter, nachgehends die Ober-Foͤrster, Wild-Meister, Hof-Jaͤ- ger, Puͤrsch-Meister, zu welchen insge- mein buͤrgerliche Personen gezogen werden. Jedoch glaub ich, daß da heu- tiges tages die Welt in allen Professio- n en mit so vielen Leuten besetzt, und man- che Cavalliere nicht wissen, wo sie ihrem Stande gemaͤsse Einkuͤnffte hernehmen, a 2 oder Anhang unterschiedener nuͤtzlicher oder was sie vor Aemter ambir en sollen, es noch mit der Zeit dahin kommen wer- de, daß sich auch manche von Adel, nach sol- chen Charg en, welche bißher meistentheils von buͤrgerlichen Standes-Personen gesucht und besetzt worden, bestreben werden. Die Adelichen zur Jaͤgerey ge- hoͤrige Personen sind die Jagd- Pagen, Gehoͤrn- Pagen, die Falconier-Pagen, die Jagd-Juncker, Forst-Meister und Ober-Forst-Meister, die uͤber einen ge- wissen Bezirck gesetzt, und eine Anzahl Subaltern- Jagd-Bediente unter sich ha- ben, und endlich die Land-Jaͤger-Meister, Hof-Jaͤger-Meister, und an den grossen Hoͤfen auch wohl die Ober-Land-Jaͤger- Meister, und Ober-Hof-Jaͤger-Meister. So noͤthig als nun die Jaͤgerey-Bedien- te in einer Republique mit sind, so ist den- noch auch wohl gewiß, daß einige grosse Herren ihrer viel mehr zur Magnificenz und zum Staat, denn zu Besorgung des Forst- und Jagd-Wesens halten, und bißweilen manches Geld noͤthiger vor den Herrn und vor das Land verwen- det werden koͤnte, denn auf die Salari- r ung der uͤberfluͤßigen Jagd-Bediente. Jnzwischen lassen sich grosse Herrn die vor die Jaͤgerey passionir et sind, nicht ger- ne ihren Neigungen Ziel und Maasse se- tzen. §. 8. Die hohen und niedern Forst- und Jagd-Bedienten muͤssen sich die Forst- und Jagd-Grentzen genau bekant ma- chen, und zu Anstellung der Jagden und Anschaffung des Wildpraͤths, nach der Waͤlder, Foͤrste, Berge und Thaͤler Ge- legenheit, erkundigen, was darinnen vor Jagd-Plaͤtze, und Stellwege seyn, und wo das Wild von allerley Gattung sei- ne gewoͤhnliche Staͤnde habe, die Abrisse von Bergen, Waͤldern und Thaͤlern in Bereitschafft haben, die Vertraͤge, Befeh- le und andere zur Beschreibung ihres Jaͤger-Amts noͤthige Document en nebst ihren Instruction en fleißig durchstudieren, die Forst-Ordnungen im Gedaͤchtniß fuͤhren, und applicir en, ihre schrifftliche Nachrichtungen, Inventarien, Abschiede, Recess e, ihre u. ihrer untergebenen Forst- Bedienten Bestallungen, Reverse, Cau- tion en und dergleichen in besonderer Verwahrung halten. Ferner muͤssen sie ihre Vorschlaͤge dahin richten, daß pfleg- lich und ordentlich Hauß gehalten, auch an beqvemen Oertern das Wildpraͤth mit Saltzlecken und zu rauher Winters- Zeit, da es offt aus Mangel der Fuͤtte- rung verdirbet, mit Heu versehen, und in der Wildfuhre zu bleiben angeleitet, o- der auch etzliche beqveme Oerter mit Wild- Hecken oder Hagen verwahret werden, sie muͤssen die Jagdfronbare Unterthanen an gehoͤrige Oerter beschei- den, und Sorge tragen, daß Niemand ungehorsamlich ausbleibe, Niemand ums Geld loß lassen, jedem seine Ver- richtungen aufferlegen, auch was ihnen nach jedes Orts Gelegenheit und Her- kommen an Speise oder Geld gereicht wird, geben; Acht haben, daß die Gren- tzen der Gehoͤltze nicht verruͤcket, noch die Mahl-Zeichen weggehauen, besonders da dieselben veralten, verwachsen oder sonst umfallen thaͤten, in Zeiten wieder ver- neuert werden, auf die Holtz-Verwuͤster behoͤrige Aufsicht tragen, ingleichen, daß die Wildbahne und Forellen-Baͤche nicht veroͤdet werden, da sich an einem und an- dern Orte in ihrer anbefohlenen Inspecti- on Holtz-Verwuͤster, Wild- und Forellen- Diebe, und solche, die der Auer-Huͤhner, Hasel-Huͤhner und Schneppen Nestern nachgehen, denselben die Eyer oder Jun- gen ausnehmen und sie dadurch verstoͤh- ren, antreffen liessen, oder sonst auf an- dere weise der Wildbahne, oder der Lan- desfuͤrstlichen Jagd-Gerechtigkeit Scha- den zufuͤgen, sich derselben bemaͤchtigen, und sie zur gebuͤhrenden Straffe helffen ziehen. Jn Thesi kan man ihre Ver- richtungen nicht recht determinir en, in- dem sie nach dem Unterscheid der Oerter und Personen unterschieden, und muß ein jeder aus seiner Instruction ersehen, was ihm zu thun oblieget. §. 9. Da die Sorge vor die Conservati- on der Hoͤltzer mit der Jagd-Gerechtig- keit nothwendig vereiniget seyn muß, so pflegen sie auch dieserhalben unterschiede- ne nuͤtzliche Puncte in ihren Forst-Ord- nungen anzubefehlen und zu verbiethen: z. e. Sie befehlen an, daß auf den lich- ten Plaͤtzen wieder junge Baͤume gesetzet, daß Gipfel-Holtz, Aeste und Stauden vor Verfuͤhrung des Stammes sauber auf- geraͤumet und weggefuͤhret werden, da- mit es an dem Wetter nicht vergeblich verfaule, unnuͤtzlich verderbe, und das junge Holtz hierdurch an dem Wachsen verhindere, an den Orten, da das junge Gewaͤchse dicke unter einander stehet, und eines vor dem andern verdirbet, die Bu- chen odeꝛ Letteꝛ-Stangen, Letteꝛ-Baͤume, Hopffen-Stangen, Reiff-Stecken u. der- gleichen herausgenommen, und die uͤbri- gen zur Jaͤgerey gehoͤrigen Materien. gen Stangen zum Fortwachsen geluͤff- tet werden, die Koͤhler das Feuer in gu- ter Acht haben, solches in truckenen und duͤrren Zeiten nicht lauffen lassen, noch den Waͤldern damit Schaden zufuͤgen, einen Ort nach dem andern raͤumen, und sich an die in den Schlaͤgen verblie- bene Affterschlaͤge, gefallene, ungesunde, wandelbahre, krum̃e, kurtze, knorrigte, u. strippichte Baͤume und Windfaͤlle, und was auf dem Stamm ausgetrocknet, und den Keil nicht haͤlt, machen. Sie verbiethen, daß Niemand einen Baum faͤlle, der noch Eicheln trage, und nicht unter die abstaͤndigen Baͤume mit zu rechnen sey, Niemand die Baͤume beklopf- fe, scheele, ringele, reisse, und auf andere Art ihnen Schaden zufuͤge, das junge Holtz nicht abhaue und an den Baͤumen, wenn sie niedergeschlagen werden, nicht hohe Struͤmpfe oder Stoͤcke, welche lan- ge nicht verfaulen, stehen lasse, an den Orten, wo das Holtz rar ist, die jungen Tannen, Fichten, Kiefeꝛn und Wacholder- Straͤucher zum Zeichen des Bier- und Wein-Schancks nicht gebrauche, auf die Schneide-Brett-Muͤhle, und Eisen- Haͤmmer nicht mehr anweise, als die Waͤlder ertragen koͤnnen, damit der Lan- des-Fuͤrst eine immer waͤhrende bestaͤn- dige Holtzung, und das Land eine be- harrliche Feuerung behalten moͤgen. Die Aschen-Breñer sollen nicht gꝛuͤn und tuͤch- tig Holtz veraͤschern oder durch das Ab- nehmen der Misteln, Vogel-Beere, und Vogel-Nester, ingleichen durch das Laub-Streifeln, Bast machẽ, Kober-Ste- cken aushauen, die Baͤume nicht zu Scha- den bringen und verletzen, die Pech-Sie- der die Fichten nicht gar zu jung oder mit einem Beyle, sondern mit einem darzu gehoͤrigen Instrument reisen, und inson- derheit in acht nehmen, daß in solchen Jahren, wo viel Saame an den Fich- ten, das Reisen eingestellet werde. Die Forst-Bedienten sollen Niemand weder mit Pferden, Rind-Vieh, Schaafen, noch anderm Vieh, das Schaden thun mag, treiben oder huͤten lassen, es sey denn wissendlich vergoͤnnet, und das junge Ge- hoͤltze wieder bestanden, es soll Niemand, es sey, wer es wolle, einig Brenn-Holtz ab- hauen, denn von den liegenden Klaffter- schlaͤgen, und gar kein frisch Holtz zum Brennen faͤllen, es waͤre denn, daß kei- ne Affterschlage mehr vorhanden, es sol- len die Windbruͤche und ander abgaͤn- gig Holtz, so noch zu einem und andern tauglich, vor anderm Holtz angegriffen, und zu gutem Nutz verkaufft, oder wo Niemand vorhanden, der solches kauffen wolte, es mit wenigen Kosten ausge- hauen werden, damit es nicht verderben und nichts desto weniger die Waͤlder eroͤ- det werden. Die Fuhrleute sollen in den Gehoͤltzen und Wildbahnen keine neue Wege machen, und dadurch das junge Gehoͤltze abfahren und verderben. Die Klaffter-Schlaͤger nach einer gewissen Laͤnge ihre Schritte machen, u. die Unter- thanen u. Herren zu Verhuͤtung Feuers- Gefahr den Som̃er uͤber zwischen Pfing- sten und Michaelis, vor oder im Walde und Gehoͤltze nicht einige Stoͤcke oder in duͤrren Zeiten Graß und Heu abbren- nen, damit nicht Ungluͤck verursachet werde. §. 10. Ferner werden die Forst-Bedien- ten instruir et, daß sie uͤber den Forst-Ord- nungen ernstlich halten, mit ihrer Bestal- lung und denen darinnen zugelassenen Schreibe-Pfennigen, Stamm-Geld oder Anweise-Gebuͤhren sich begnuͤgen lassen, Niemand damit uͤbernehmen, noch den Leuten das Holtz in hoͤherm Tax, als ge- setzt ist, aufdringen, oder damit an ihrer Nahrung hemmen, nichts verschencken oder uͤberhaupt unpartheyisch und un- bedachtsam verlassen, das Holtz fleißig be- gehen, die, so Holtz-Materialien in die Staͤdte und Doͤrffer fuͤhren, und ihnen unbekant seyn, deswegen zur Rede se- tzen, auch, umb allen Verdacht von sich ab- zulehnen, mit Holtz, Brettern, Kohlen, Schindeln, Hartz und Pech nicht han- deln, keine eigene Schneid-Muͤhlen oder dergleichen haben und miethen, sich auch Brauens und Schenckens und aller un- ordentlichen verdaͤchtigen Gemeinschafft oder Gewerbes mit den Leuten, die in ih- ren anbefohlenen Forsten zu thun ha- ben, enthalten, und sich in allen Stuͤ- cken wie redlichen Bedienten zukommt, be- zeugen sollen. §. 11. Es waͤre zu wuͤnschen, daß die Jagd-Bedienten allezeit dasjenige beo- bachten moͤgten, was der seelige Herr Ahasverus Fritzsch von einem christlichen Jaͤger anfuͤhret, welchen er in folgen- dem beschreibet: Er gehet niemahls ohne Gebeth auf die Jagd, er erkennet in De- muth seines Hertzens, daß nach dem 50. Psalm Davids alle Thiere im Walde, und alles Vieh auf den Bergen, da sie bey tau- senden gehen, unseres Herrn Gottes seyn; daß der Herr alles Gevoͤgel auf den a 3 Ber- Anhang unterschiedener nuͤtzlicher Bergen und allerley Thiere auf dem Fel- de kenne; Er gebraucht sich des Jagens und Hetzens nicht zu verbothenen Zeiten, oder an den Sonn- und Feyer-Tagen, son- dern wenn es zulaͤssig, und ohne Suͤnde geschehen kan; Er bleibet in seinem Ge- heege, gehet und greifft nicht in seines Nachbarn Jagden weder heimlich, noch oͤffentlich; Der Unterthanen Jagd-Froh- nen gebraucht er sich also, wie es recht und billich, beschweret sie nicht uͤber die Gebuͤhr, tractir et sie nicht unbarmhertzig, eingedenck, daß er Menschen und Chri- sten und nicht Hunde oder andere Besti- en fuͤr sich habe; Das Wild heget er nicht mit Fleiß in grosser Menge zu gros- sem Schaden und Verderb der Unter- thanen Wiesen, Gaͤrten und Felder, son- dern hilfft, soviel an ihm ist, solchen Scha- den abwenden, und da von dem Wilde dergleichen an Fruͤchten geschaͤhe, bemuͤ- het er sich, daß der Jagd-Herr dessen billige Erstattung thue, er gebraucht sich kei- ner verdaͤchtigen aberglaͤubischen und zauberischen Mittel, und da ihm Gott ein Stuͤck Wild bescheeret, erkennt ers vor eine Gabe Gottes, und danckt ihm dafuͤr, da er aber ein Fehl-Jagen thut, wird er daruͤber nicht ungeduldig, mur- ret und fluchet nicht, sondern erwartet zu einer andern Zeit des Seegens und Gluͤcks von Gott. Seinem Herrn ist er getreu, schlaͤgt von Wildpraͤth nichts un- ter oder verwendet es heimlich in seinen eigenen Nutzen, und verhaͤlt sich in al- len seinen Beruffs-Stuͤcken, wie einem ehrlichen und christlichen Jaͤger eignet und gebuͤhret. §. 12. Es ist bekant, was bey manchem Jaͤger vor aberglaubische und suͤndliche Ceremonien u. Zaubereyen im Schwan- ge gehen, da sie bald einander das Ge- wehr versprechen, und einander Possen thun, bald auff eine gottlose Art das Wild an sich locken, die Kugeln taufen, damit sie desto besser treffen moͤgen und auff vielfache andere Art den Namen und das Wort GOttes mißbrauchen. Ob nun wohl dergleichen suͤndliches We- sen in den Jagd- Mandat en und Forst- Ordnungen zur Gnuͤge bey Strafe ver- bothen; So gehet es doch hiermit, wie mit vielen Puncten der Policey-Ord- nungen, in welchen wohl Sachen gar scharff verbothen, die doch selten bestrafft und in Praxi schlecht beobachtet werden. Dieweil aber durch solche hoͤchstsuͤndli- che Dinge GOtt zum Zorn gereitzet, und der Unseegen, wenn solche Boßheiten un- gestrafft bleiben, uͤber ein Land gezogen wird; Also solte man billich wachsamer hierinnen seyn, die man daruͤber ertappet, auff das schaͤrffste bestraffen, die Denun- ciant en, die mit Bestand der Wahrheit dergleichen anzugeben wuͤsten, belohnen, und die Richter, die sich entweder in Un- tersuchung oder Bestrafung solcher Ver- brechen saumfertig erfinden lassen, mit Remotion von ihren Aemtern und auf andere Art exempla risch bestraffen. So aber halten es viel, wenn davon gespro- chen wird, vor eine Curiositæt, lachen, ver- wundern sich und raisonnir en daruͤber, und wird man gar selten erfahren, daß Leute, so dergleichen vorgenommen, mit Strafe angesehen werden. §. 13. Dieweil unchristliche und un- barmhertzige Jagd-Bediente die Jagd- Frohnen, welche die Unterthanen auff Befehl ihres Landes-Herrn zu allen Zei- ten und an allen Orten zu thun schuldig sind, gar offters mißbrauchen, so pfle- gen vernuͤnfftige Regenten bey den Jag- den, so sie anstellen, eine solche Verfuͤgung zu thun, daß nicht mehr Leute, denn noͤthig, dazu genommen, die Bauern nicht ohne Noth zur Ungebuͤhr viel Ta- ge auffgehalten, von ihrem Feld-Bau und Haußwirthschafft abgezogen, nicht geschlagen und uͤbel tractir et, oder ohne grosse Noth in Leib und Lebens Gefahr gesetzt, auch an statt der Jagd-Frohnen nicht ungeziemender Weise Gelder von ihnen erpresset werden. Wenn auch gleich das hohe Wildpraͤth gejaget wird, dazu sie viel Tuͤcher brauchen, so pflegen sie doch die Jagden so anzustellen, daß die Aufforderung der Leute, so viel als moͤg- lich, eingezogen werde. §. 14. Es koͤmmt dem Landes-Herrn in Ansehung der ihme zustehenden Jagd- Gerechtigkeit auch nothwendig alles das- jenige zu, was daraus fliesset, oder da- mit uͤberein koͤmmt, und also kan er an- befehlen, daß in den Waͤldern ihre Un- terthanen, wo Buchen und Eichen an- zutreffen, soviel an Buch-Eckern und Eicheln uͤbrig gelassen werde, als zur Mastung des Wildes erfordert wird, in- gleichen kan er denen Eigenthums- Herrn der Waͤlder verwehren, daß sie ihr Gehoͤltze nicht allzulichte machen, da- mit der Wildbahne kein Schaden gesche- he, jedoch ist auch dahin mit zu sehen, daß nicht manches aus Neid und Miß- gunst der Jagd-Bedienten um einem andern zur Jaͤgerey gehoͤrigen Materien. andern Tort zu thun, ohne Grund ange- fuͤhret, oder der Eigenthums-Herr an dem Gebrauch seines Holtzes allzusehr gehindert werde, welches auch bißwei- len zu geschehen pflegt. §. 15. Es muͤssen die Landes-Fuͤrsten das Wild nicht in so grosser Menge hee- gen, damit den armen Unterthanen nicht an ihrem Feldbau Nachtheil wiederfah- re, und sie hierdurch untuͤchtig worden, dem Herrn dasjenige, was sie ihrer Un- terthanen Pflicht nach an Steuern und Gaben abzutragen schuldig sind, zu ent- richten. Diesemnach thun sie wohl, wenn sie an den Orten, wo es sich sonderlich in grosser Menge aufhaͤlt, entweder flei- sige Jagen halten, oder es sonst wegschies- sen. Es ist auch die groͤste Billichkeit, wenn sie den Unterthanen, die so sehr im Wild-Schaden liegen, an ihren Con- tribution en so viel erlassen, als sie erweiß- lich machen koͤnnen, daß das Wild ihnen an ihren Feld-Fruͤchten abgefressen, oder sie sich sonst wegen des continuir lichen Wachens, um bey Tag und Nacht das Wild abzuscheuchen, durch ihre Arbeit haͤtten erwerben koͤnnen. Denn da sie durch die Verbothe des Jagens zu der grossen Menge der wilden Thiere Gele- genheit geben, so sind sie auch mit allem Recht verbunden, den Schaden, so dem Lande zuwaͤchst, wiederum zu ersetzen, und muß sich ein jeder Landes-Herr in der Ausuͤbung seiner Gerechtsamen so be- zeugen, wie es die Pflicht eines vor das Heyl seiner Unterthanen sorgenden Re- gentens erfordert, das ist, er muß die Unterthanen und ihre Guͤter beschuͤtzen, und nicht beschaͤdigen. §. 16. Es stehen zwar einige in den Gedancken, als ob es eine allzu harte Strafe waͤre, wenn grosse Herrn die Wild-Diebe, die sich an Fasanen und anderem Wildpraͤth vergreiffen, entwe- der an ihren Gliedmaassen verstuͤmme- len, oder gar ums Leben bringen lassen, und meynen, es waͤre gar keine Propor- tion zwischen dem Leben eines Men- schen, und der Entwendung eines wil- den Thieres. Allein der Scrupel solcher Leute ist unzeitig, und unnoͤthig. Man hat hierbey nicht sowohl die Proportion, als vielmehr den muthwillig bezeugten Ungehorsam und die freventliche Uber- tretung der Landesfuͤrstlichen Befehle in Betrachtung zu ziehen, da die Wild-Die- be wissen, daß eine so harte Straffe auf diejenigen gesetzet, die sich an dem Wilde vergreiffen, sie also nicht aus Schwach- heit und Ubereilung fehlen, sondern mit Willen und gutem Vorbedacht in den Wald gehen, sie auch keine Noth darzu antreibet, sondern es gar leicht lassen koͤnnen, so haben sie eine so harte Strafe Niemand, als sich selbst, zuzuschreiben. Wenn ein Landes-Fuͤrst bey Leib- und Lebens-Straf verboͤthe, daß Niemand aus seinem Lust-Garten eine Blume ab- reissen solte, es kaͤme aber einer, dem doch dieses Verboth zur Gnuͤge bekant waͤre, und risse aus Boßheit und Fre- vel eine Blume ab, und der Landes-Herr ließ hernach die dictirt e Todes-Strafe an so einem Menschen vollstrecken, so waͤre auch dieses nicht einmahl vor un- billich zu halten. Wenn man bey den Strafen auf die Proportion sehen, und den Principiis solcher Leute, die Zweifel hierinnen erregen, nachgehen wolte, so duͤrffte man keinen Dieb am Leben straf- fen. Denn was ist doch wohl vor eine Proportion zwischen dem Leben eines Menschen, und zwischen hundert oder tausend Thalern, oder, dem Carolini schen Recht nach, gar zwischen fuͤnff Ducat en. Jnzwischen muß man, bevor man diese harte Straffe exequirt, alle und jede Umstaͤnde in gehoͤrige Betrachtung zie- hen. Es muß der Delinquent das Wild nicht aus Noth erschossen haben, umb sich des Hungers dadurch zu wehren, auch nicht aus Furcht, weil ihm das Wild etwan auf den Halß gekommen und er sich gefuͤrchtet, es moͤgte ihm Schaden thun, sondern aus pur em Frevel, und auch vorher gewust haben, daß eine so harte Strafe darauf gesetzt. §. 17. Ob nun gleich die Todes-Straf- fe bey manchen Umstaͤnden an einem fre- velhafften Wild-Diebe, welches doch in Praxi auch gar selten geschehen wird, mit allem Recht vollstrecket werden kan, so sind doch alle die grausamen Arten des Todes, da ein Mensch lange gemartert wird, ehe er sein Leben endiget, die von einigen unmenschlichen Jaͤgern erson- nen worden, vor barbarisch, tyrannisch, und einem christlichen Landes-Fuͤrsten hoͤchst unanstaͤndig zu achten: dahin sind zu rechnen, wenn sie die Menschen le- bendig auf die Hirsche anschmieden und mit ihnen fortlaufen lassen, oder sie in wilde Thier-Haͤute einnehen, und her- nach die Hunde an sie hetzen, oder sie mit wilden Thieren kaͤmpfen lassen, und andere Arten der Marter mehr. §. 18. Anhang unterschiedener nuͤtzlicher §. 18. Jn den Jagd- Mandat en werdẽ al- lerhand vortheilhaffte und unweydemaͤn- nische Arten der Jagden verbothen, als da einer vor die ihm angrentzenden Waͤl- der des Nachts Lappen vorziehen, oder mit Hunden vorhalten, oder sonst ab- schrecken und vortreten lassen will, in- gleichen da man unerfahrne Leute zu dem Schiessen braucht, und dadurch das Wildpꝛaͤth zu Holtze schiest, daß es nicht ge- faͤllet, sondern verdorben wird, oder auch bey den Koppel-Jagden allzuviel Kop- pel-Jaͤger mit sich nimmet. Wegen der Hunde wird anbefohlen, daß derselben Kloͤppelung an den Orten, wo sie ziem- lich in Entwohnheit kommen, wiede- rum in Gang gebracht, diese mit fuͤnff Vierteln der Elle langen und ein Viertel dicken Kloͤppeln des Tages und Nachts behaͤngt, und zur Bewahr- und Bewa- chung des Viehes, und der Wohnung gebraucht, also innen behalten, und aus- ser den Dorff-Zaͤunen nicht gelassen, am wenigsten ledig mit zu Felde genommen, die Fleischer und Schaaff- Hunde auch stets an Stricken und Ketten gefuͤhret, ingleichen derer von Adel Jagd-Hunde gekloͤppelt werden sollen. Es werden auch die zu Ankoͤrnung des Wildpraͤths zugerichteten Koͤrner-Plaͤtze und die ge- machten Wild-Gruben, wodurch die Wildbahne benachtheiliget wird, bey Straff verbothen. §. 19. Nachdem bißweilen die von der Ritterschafft, auch die, so sonst Land- Guͤter haben, einer dem andern auf sein und seiner Leute und Unterthanen Ge- richten, Grund, Boden und Guͤtern zu ja- gen, zu hetzen, Huͤhner zu fahen und Wey- dewerck zu treiben sich anmaassen, und an den Feld-Fruͤchten nicht geꝛingen Schaden thun, daß auch hieruͤber alleꝛley Gezaͤncke, Jrrung und Widerwillen sich zutraͤget; So befehlen die Landes-Fuͤrsten an, daß ein Jeder mit Jagen, Hetzen und Weyde- werck treiben auf seinem und seiner Leu- te Eigenthum verbleiben, und eines an- dern Guͤter im geringsten nicht damit beruͤhren soll. Da auch in Ansehung des Wildes mancherley Klagen von den Unterthanen, die einen grossen Theil ih- rer Feld-Fruͤchte offters von dem Wilde muͤssen abgefressen sehen, zu entstehen pflegen, so wird den Unterthanen erlau- bet, daß sie mit kleinen Hunden, die nicht Jagd-Hunde seyn, und auff allerhand Art und Weise das Wild abscheuchen moͤgen. Und die dieses nicht erlauben, son- dern den armen Unterthanen ihre Fel- der durch das Wild verwuͤsten lassen, unterlassen nicht allein die dem Landes- Herrn zukommende Huͤlffe und Schutz, sondern beleidigen auch noch die, so sie bil- lich schuͤtzen solten. §. 20. Es geschicht bißweilen, daß man den Bauers-Leuten um eines Ha- sens oder zweyer Feld-Huͤhner, oder an- dern Wildes halber durch die Aecker, Wie- sen und Gaͤrten jaget und rennet, der Weinberge nicht schonet, die Zaͤune nie- derreist, die Fruͤchte zertritt, das Getraͤy- de zerschleifft, die Pfaͤle und Wein- Stoͤcke umbstoͤst, und allenthalben den ar- men Leuten grossen Schaden zufuͤget. Da nun aber die Unterthanen hierdurch an ihrer Nahrung gehemmet, und zu Abtragung derer Herrn-Gefaͤll untuͤch- tig gemacht werden, so wenden christli- che und tugendhaffte Regenten alle Sorg- falt an, daß die Incommodit aͤten auf al- le Art und Weise von den Unterthanen abgewendet, und die Jagden ohne der- selben Beschwerung angestellet, und zu Ende gebracht werden. §. 21. Dieweil christlichen Landes- Obrigkeiten wohl bewust ist, daß die Sonn- und Feyer-Tage zur Ruhe des Herrn, und nicht allerhand weltlichen Hanthierungen darinnen vorzunehmen, angesetzt sind, und durch Ubertretung des dritten Geboths Goͤttlicher Unseegen uͤber Land und Leute gezogen wird, so ver- biethen sie nicht allein die Jagden an de- nen Sonn- und Fest-Taͤgen bey harter Straffe, sondern exequir en auch diesel- ben, wenn andere ihre Befehle violir en, und weil sie wohl wissen, daß ihr eigen Exempel das allerschaͤrffste Gesetz ist, so gehen sie den Unterthanen hierinnen mit einem guten Exempel vor. §. 22. Es darff Niemand in den Fuͤrstlichen Geheegen, Bruͤchern und Wildbahnen Dohnen legen, noch zur Fasten-Zeit Voͤgel fangen, oder die wil- den Huͤhner-Gaͤnse-Enten- und Trap- pen-Eyer wegnehmen, vielweniger die jungen Wild-Kaͤlber, Rehe und Hasen in der Setz-Zeit ergreiffen, verkauffen, oder in Haͤusern auffziehen, auch nicht in den Fuͤrstlichen Geheegen und Feldern, Wassern und Weinbergen bey Verlust der Buͤchsen, Pferde, Hunde und an- derer Straffen Wildpraͤth schiessen. §. 23. Ob zwar den Unterthanen erlaubet wird, daß sie um die an den Haupt-Wildbahnen liegende Felder tuͤchti- zur Jaͤgerey gehoͤhrigen Materien. tuͤchtige Zaͤune machen, wo sie keine le- bendige Hecken oder Zaͤune darum ha- ben, und dadurch ihre Felder und Fruͤch- te vor dem Wildpraͤth verwahren, auch ihnen wohl von dem Lager oder anderm abstaͤndigen Gehoͤltze die Nothdurfft Forstfrey abgefolget wird, so duͤrffen sie dennoch keine solche Zaͤune machen, daß sich das Wild etwan darin spiessen, oder sonst einigen Schaden darbey nehmen koͤnte. §. 24. Es koͤnnen auch die Landes- Fuͤrsten vermoͤge des Jagd- Regals ihren Unterthanen gar wohl anbefehlen, daß sie die in Waͤldern und sonst gefundene Hirsch-Gehoͤrn und Stangen, keines- weges an frembde Personen, Kaͤrner, Fuhrleute oder Juden verparthieren, verkauffen oder auff solche Weise ausser Landes bringen, sondern sie den Fuͤrstli- chen Hegereutern und Bedienten ohne Vortheil und Betrug vollkommen ein- liefern, da ihnen denn bevor etwas ge- wisses vor ihre Ergoͤtzlichkeit zu reichen ist. §. 25. Es ist allerdings der Wahrheit gemaͤß, was der beruͤhmte Herr von Seckendorf in seinem Fuͤrsten-Staate p. 421. anfuͤhret, wenn er sagt: Es ist zu bedauren, daß grosse Herren vieler Or- ten in den Jagd-Sachen allzuwenig Ord- nung und Maasse halten, sondern viel- mehr dieselbe in viel Wege uͤberschreiten, die Zeit, welche sie stuͤndlich zu Nutz ih- rer selbst, und ihrer Unterthanen anzu- wenden Ursache haͤtten, fast mehrentheils mit dieser Lust, welche zwar an sich selbst, und bey rechtem Gebrauch auch zulaͤßig, edel und wohlanstaͤndig ist, zubringen und verschwenden, und unsaͤglich große Kosten, welche mit daher erlangtem Ge- nuß gar nicht zu vergleichen, dadurch ver- spilden. Von dem Recht und der Pflicht der Vasallen in Ansehung der Forst- und Jagd-Sachen. §. 1. Weil die Jurisdiction und uͤbri- ge Gerechtsame nicht selten durch den Mißbrauch verlohren gehen, als haben sich die Vasall en wohl vorzusehen, daß nicht ebenmaͤßig durch allzu grossen Miß- brauch die Jagd-Gerechtigkeit ihnen entzogen werde. Es koͤnnen aber die Excesse hierbey auf unterschiedene Art vorgehen: (1) Wenn sie die in den Lan- des-Gesetzen vorgeschriebene Zeit verab- saͤumen und zum Præjudiz der Nachba- ren durch unzeitiges Jagen das Wild wegnehmen; (2) Die in den Jagd- Man- dat en bestimmte Art und Weise uͤber- schreiten, da sie die Jagden entweder uͤ- ber die Grentzen extendir en, oder ohne Verguͤnstigung das hohe Wildpraͤth wegfangen, da ihnen doch nur das Nieder- Weydewerck zukommt; (3) Jhre Unter- thanen mit unmaͤßigen Frohnen dru- cken, und hierdurch den armen Bauern Anlaß geben, daß sie bey der Hohen Lan- des-Obrigkeit dieserhalb Klagbar ein- kommen muͤssen. §. 2. Jndem die Jagd-Gerechtigkeit eben, wie die andern Dienstbarkeiten, durch die Verjaͤhrung und einem langwierigen Gebrauch erlangt werden kan, so hat man wohl auf seiner Hut zu stehen, daß nicht ein anderer unruhiger Nachbar, der von einem starcken Jagd-Geist einge- nommen, sich nach und nach durch unse- re Gedult und Connivenz, oder auch Nachlaͤßigkeit, ein Jagd-Recht zuwege bringe. Wenn man dieses mercket, muß man beyzeiten contradicir en, und ihn pfaͤnden, bevor er sich eine Possess zueig- nen kan, zumahl wo keine richtige Jagd- Grentze, Heege-Seulen und Marckungen vorhanden. Verguͤnstiget man aber et- wan einem guten Freund aus nachbar- licher Gefaͤlligkeit bittweise an einem Orte zu jagen, so muß man sich von dem- selben einen Revers ausstellen lassen, in welchem er bekennet, daß er im gering- sten nicht befugt sey, an diesem oder je- nem Orte zu jagen, sondern, daß wir ihm solches aus Freundschafft placidir et, und er allezeit erboͤthig waͤꝛe, sich dieses Rechts, wenn wir es zu revocir en vor gut be- faͤnden, wieder zu begeben. Da auch in Ansehung der Koppel-Jagden oͤffters un- ter den Nachbarn grosse Zwistigkeiten zu erwachsen pflegen, so ist am besten, wenn sie in den Vertraͤgen und Theilungen, darinnen sie sich der Koppel-Jagd we- gen vergleichen, alle Umstaͤnde der Oer- ter, der Zeiten, und was sonst hiebey noͤthig, fein genau bestimmen, auch deut- lich exprimit en, auf was vor Art ein Jed- b weder Anhang unterschiedener nuͤtzlicher weder die Koppel-Zagd zu exercir en soll berechtiget seyn. Denn so koͤnnen man- che Streitigkeiten hierdurch præcavir et werden. §. 3. Ob zwar sonst ein jeder nach Ge- fallen mit dem Seinigen schalten kan, so kan doch kein Eigenthums-Herr auf dem Seinigen etwas thun, welches den an- dern, der nur einiges Recht darauf hat, zu schaden gereichet. Und also kan auch ein Herr des Waldes, wenn einem an- dern die Jagd-Gerechtigkeit darinnen zustehet, einem andern mit Ausrodung und Ansteckung der Baͤume und Hoͤltzer so wenig schaden, als wenn ein Besitzer eines Hauses einem andern, dem er die Dienstbarkeit des Prospects und Lichts schuldig waͤre, gleichwohl das Licht und den Prospect verfinstern und berechnen wolte. §. 4. Die die Gnaden-Jagden von dem Landes-Herrn concedirt bekom̃en, duͤrffen sich ihrer nicht anders gebrau- chen, denn nach der bey der Concession ihnen erlaubten Art und Weise. Wem also die Jagd des hohen, rothen und schwartzen Wildpraͤths, als der Hirsche, wilden Schweine, u. s. w. verguͤnstiget, der hat nicht die Befugniß, das kleine Weydewerck an Hasen und Fuͤchsen zu schiessen, ob gleich sonst, der bekanten Rechts-Regul nach, dem, so das meh- rere erlaubet, das, welches weniger ist, nicht verwehret werden mag. Denn bey dieser Jagd-Materie leiden diese Regeln ihnen Abfall, sintemahl die hohe und Nieder-Jagd besondere Arten sind, bey denen man nicht von einer auf die ande- re folgern kan. Es muß eine jede Sor- te recht deutlich exprimir et werden. Glei- cher Gestalt, wenn der Forst-Herr einem das Befugniß ertheilet, nach Fuchs und Hasen zu reiten und zu beitzen, so hat man dennoch nicht die Macht, einen Fuchs oder Hasen mit der Buͤchse zu schiessen, indem dieses besondere Handlungen sind. §. 5. Der mit der Gnaden-Jagd be- lehnet, muß sich darbey auffuͤhren, wie einem guten Haußwirth anstaͤndig, und daher weder durch sich, noch durch die Seinigen denen zum jagen ihm conce- dirt en District en einigen Schaden zufuͤ- gen, denn sonst, wenn er sich betruͤglich oder sehr nachlaͤßig darbey erzeiget, muß er davor repondir en. Wenn sie auf ei- nen gewissen Gebrauch oder gewisse Zeit eingerichtet, oder sich einer gar anheischig gemacht, daß er auch vor die geringste Nachlaͤßigkeit stehen will, so ist er noch zu weit schwehrern Condition en verbun- den. Laͤst einer, nachdem der andere die Gnaden-Jagd revocirt, von dem Jagen nicht ab, so hat er eine Interess en-Klage zu befuͤrchten, wenn er dem andern hernach Schaden verursacht, weil er sich geweigert, eine frembde Sache wieder zu uͤbergeben, welches in Rechten allezeit verhast ist. Hat er aber noͤthige Unko- sten darein verwendet, so ist ihm unver- wehrt, die Sache, biß ihm das Geld wie- der restituir et worden, an sich zu behal- ten. Sonst kan sich einer der Gnaden- Jagden so lange anmaassen, als sie der Herr nicht wieder zuruͤck nimmt. Jst sie biß auf Hinterziehen verstattet, er- reicht sie mit dem Tode des Conceden- t en ihre Endschafft. §. 6. Wer von dem Landes-Herrn mit allen Arten der Jagden belehnet, muß sich doch derselben pfleglich gebrau- chen, daß er nicht das Wild auf einmahl ausrotten und vertilgen, und hernach den kuͤnfftigen Besitzern des Gutes præ- judici re. Allein die meisten dencken nur auf ihr gegenwaͤrtiges Interesse und las- sen sich umb das Wohl ihrer Nachkom̃en unbekuͤmmert. Er muß auch alles das- jenige, was die Landes-Fuͤrsten in Anse- hung ihres Jagd- Interesse in den Forst- Ordnungen ihren Unterthanen anbefeh- len, selbst beobachten, denn es ist der Re- public daran gelegen, daß einer seine Sa- chen nicht mißbrauche. §. 7. Es ist den teutschen Rechten und Gewohnheiten nach bekant, daß eineꝛ auch auf frembdem Grund und Boden dem Wilde nachsetzen kan. Um sich aber die- ses Befugnisses anzumaassen, so wird erfordert (1.) eine wuͤrckliche Verfolgung des Wildes, die sich aber uͤber 24. Stun- den nicht erstrecken muß; (2) Muß es im Nachfolgen entwedeꝛ todt, oder wegen der Verwundung und des Laufens gantz ab- gemattet angetroffen werden; Und (3.) muß man ihm ohn Unterlaß nachgeeilet haben. Denn wenn dieses unterlassen worden, oder es zwar angeschweist, je- doch dem Anschweissenden aus dem Ge- sicht gekommen, so bleibt es dessen, auf dessen Jagd- District es sich aufhaͤlt. §. 8. Da einem Vasallen vermoͤge seiner Lehns-Pflicht zukommt, dem Lehns-Herrn in allen Stuͤcken treu, hold und gewaͤrtig zu seyn, Frommen und Nutzen zu foͤrdern, Schaden und Nach- zur Jaͤgerey gehoͤrigen Materien. Nachtheil aber warnen und abwenden zu helffen, so muß er nicht nur in allen Stuͤcken den Jagd- Mandat en und Forst- Ordnungen selbst Parition leisten, son- dern auch auf keinerley Art und Weise den Jagd- Regali en etwas entziehen; ja auch diejenigen, von denen er Nachricht hat, daß sie sich unzulaͤßiger Weise in den Fuͤrstlichen Gehoͤltzen des Schiessens be- fleißigen, bey dem naͤchsten Ober-Forst- Meister oder Amte angeben, daß sie des- halber zur gebuͤhrenden Straffe gezogen werden. Ob nun wohl dieses ihrer Schuldigkeit gemaͤß waͤre, so pflegen doch viel Vasallen leider das Gegentheil zu thun, und an statt, daß sie auf solche Leu- te, die der Landes-Fuͤrstlichen Wild- bahne etwas entziehen wollen, ein wach- sames Auge haben solten, so suchen sie sich vielmehr selbst durch Præsente und an- gestellte Gastereyen bey den Landes- Fuͤrstlichen Frost-Bedienten so einzu- schmeicheln, daß sie es hernach, wenn sie gleich einen Auer-Hahn oder sonst was von Wildpraͤth wegschiessen, nicht so ge- nau mit ihnen nehmen, und meynen denn solche Leute, es wuͤrde dem Landes- Herrn kein grosser Schade seyn, habe er doch deren noch mehr. §. 9. Es ist zwar an dem, daß es heu- tiges Tages meistentheils recipirt, daß man auf frembdem Grund und Boden einem Wolffe nachjagen und ihn verfol- gen darff, inzwischen ist ein Vasalle den- noch nicht befugt, auf des andern Grund und Boden oder auf oͤffentlichen Land- Strassen Wolffs-Gruben zu machen, und wuͤrde einer mit allem Recht dieser- halben koͤnnen belangt werden; Ein an- ders ists, wenn auf des andern Grund und Boden eine Dienstbarkeit zuwege gebracht, daß er solches zu leiden befugt ist. §. 10. Wenn man zu seinem Vergnuͤ- gen ein Stuͤck Wild in seinem Garten o- der Geheffte in Verwahrung gehabt, und es ist daraus entsprungen, so kan der vorige Besitzer sich solches nicht wie- der anmaassen, sondern es vielmehr von einem Jeden weggefangen werden. Dem ungeachtet, so erfordert doch die nachbar- liche Freundschafft, daß man den Hirsch, Reh, oder ander Stuͤck Wild, so man aus einem gewissen angehaͤngten Zeichen kennet, seinem vorigen Herrn nach der Regel, was du wilst, das dir die Leute thun sollen, das thu du ihnen auch, oh- ne es einzufangen, oder wegzuschiessen, wieder zustelle. Wem das Jagen gantz und gar verwehret, der ist auch nicht ein- mahl berechtiget, auf seinem eigenen Grund und Boden den Hasen oder Hirsch, den er um baar Geld gekaufft, der ihm aber entsprungen, wieder nach- zusetzen, wenn einem andern die Jagd- Gerechtigkeit zusteht, sondern sobald er ihn nicht mehr besitzet, verliehret er auch sein voriges Recht. §. 11. Weil heutiges Tages denen Landes-Fuͤrsten das Jagd- Regale zu- steht, so duͤrffen die Vasall en auch nicht einmahl ihre eigene Waͤlder so entbloͤssen, und lichte machen, daß da- durch der Wildbahne grosser Schade zugefuͤget wuͤrde, ingleichen muͤssen sie von den Eicheln und Buch-Eckern zur Mastung vor das Wildpraͤth soviel las- sen, als zu dessen Erhaltung vonnoͤthen. An manchen Orten, wann die Eichel- und Buch-Mast gerathen, muͤssen die Oerter, wo solche Mastung ist, mit der Huthung Vieh und Pferde, auch Auf- raffung verschonet werden, biß so lange dieselben Oerter wieder geoͤfnet und er- laubet werden, und die dawieder han- deln, werden in Strafe genommen. §. 12. Jn Ansehung des Vogel-Fan- ges haben die Vasall en acht zu haben, daß soviel, als nur immer moͤglich, die Genister der Geyer, Raben, Kraͤhen, und dergleichen schaͤdliche Voͤgel verder- bet, und junge und alte ausgerottet, im uͤbrigen aber die Eyer und die Jungen der andern Voͤgel nicht ausgenommen, aufgehoben oder ihre Nester verstoͤhret werden, sondern es ist vielmehr solches einem Jedweden zu verbiethen, insonder- heit denen angenehmen Nachtigal- len, die zur Fruͤhlings-Zeit mit ihrem lieblichen Gesang die Menschen diverti- ren, keinen Schaden zuzufuͤgen, damit sie sich nicht weggewoͤhnen. Es geschicht auch bißweilen, daß allerhand muͤßig Gesindel und lose Leute sich unterfangen, bey angehender Fruͤhlings-Zeit das Ge- voͤgel, GOttes Geboth zu wieder, im Ruͤck-Fluge ohne Unterscheid und zwar hauffen weise wegzufangen. Nach- dem aber bey angehender Brut-Zeit die Vermehrung desselben hiedurch gehin- dert wird; Als muͤssen die Vasall en ein ernstes Einsehen hieruͤber haben und ih- re Unterthanen, die sie hieruͤber betre- ten, den Landes-Fuͤrstlichen Befehlen nach, scharff bestraffen. b 2 §. 13. Anhang unterschiedener nuͤtzlicher §. 13. Ferner muͤssen sie sich ohne des Landes-Fuͤrsten Vorwissen und Einwil- ligung in den Fuͤrstlichen Heyden und Vor-Hoͤltzern Dohnensteige anzurichten und Dohnen zu legen, oder ander klein Weydewerck mit Vogelfangen zu ge- brauchen, nicht unterstehen, noch weni- ger aber weder in den Fuͤrstlichen Gehee- gen, noch in denen ihnen zukommenden Gegenden den Fasanen weder mit Schies- sen, Netzen, Schlingen-legen, oder Fallen- stellen, noch auff andere Art nachtrach- ten, indem sie sehr privilegirt e Voͤgel, die wohl in dem gantzen Roͤmischen Reiche den Landes-Fuͤrsten allein vorbehalten sind. §. 14. Wenn ein Landes-Herr sei- ne Vasall en mit den Jagden belehnet, ist zwar solches privative zu verstehen, so daß ihm nur das Ober-Eigenthum uͤbrig bleibet, und nicht zu vermuthen, daß er sie in den ruhigen Gebrauch ihrer ihnen verliehenen Rechte, und daher ent- springenden Einkuͤnffte stoͤhren wolle, noch die Vor-Jagd auf den Grund-Stuͤ- cken ihrer Vasall en exercir en koͤnne. Je- dennoch wenn die Landes-Fuͤrsten sich derselben de facto anmaassen, thun die Lehns- Vasall en nicht wohl, wenn sie sich dieserhalben wiedersetzen, oder ihrem Lehns-Herrn Quæstion machen wollen, sondern sie prospicir en ihren Gewissen, und eigenen Interesse mehr, wenn sie dieses Unrecht nebst den uͤbrigen erdul- den. §. 15. Da in unserm Teutschland wegen der grossen Consumtion an Hol- tze, nachdem die meisten Heyden abge- trieben, und lichte gemacht worden, der Mangel des Holtzes, sonderlich des Breñ- und Bau-Holtzes sich jemehr und mehr hervor thun will, so erfordert die Pflicht und der Nutzen eines jeden Va- sall en, daß er nicht nur auff dessen Con- servation, sondern auch neuen Anbau, Saͤung und Pflantzung, soviel, als moͤg- lich, bedacht sey: Daher muß er die Stockraͤume, lere Plaͤtze, und von zah- mem und wildem Vieh veꝛbissene und veꝛ- buttete Holtz- Refier en besaͤẽ und bepflan- tzen lassen, auch acht haben, daß das vom Wind umgeworffene oder sonst niederge- faͤllte Holtz rein auffgelesen und auffge- arbeitet werde, damit das junge wach- sen koͤnne, und die neuen Gehaͤue ge- schonet werden, auch das Vieh nicht da- rein huͤten lassen, biß es zu einiger Groͤs- se gekommen, und Sorge tragen, daß die Koͤhler, Aescher, und Hartz-Brenner das duͤrre Holtz zuerst aufarbeiten und das gruͤne schonen, auch mit dem Mooß, Laub und Straͤuchern nicht Scha- den zugefuͤget, sondern der Nutzen des Gehoͤltzes in allen Stuͤcken befoͤrdert werde. 16. Die Jagden sind ein sonderbahr Regale, und muͤssen in den Lehn-Brie- fen billig mit benennet seyn; Dafern aber in einem uͤber ein Lehn-Gut auff- gerichteten Vergleich dasselbe mit den Jagden verkaufft wird, und der Lehn- Herr hat seinen Consens uͤber alles, was darinnen enthalten, ertheilet, der Vasall sich auch hieruͤber der Jagden lange Zeit gebrauchet, und zwar oͤffent- lich, so ist darinnen der Vasall en Jagd- Recht genungsam zu behaupten, ob wohl in der Belehnung der Jagden nichts er- wehnet wird. §. 17. Jm uͤbrigen sind mit den Worten: Wildfuhre, Wildbahne, Wild-Jagden und aller Wildfuhre, in den Lehn-Briefen die hohe und nie- dere Jagden zu verstehen, Sixtin. c. 2. de Regal. c. 8. num. 48. hingegen obgleich die Worte: Mit allen Gnaden und Ge- rechtigkeiten, nichts ausgenommen, sehr general; Dieweil aber doch ein und ander besonders Regale nicht eben dar- unter nothwendig begriffen seyn muß, sondern vielmehr eine General-Conces- sion eine Erleuterung sonst woher, auch sonderlich durch den Gebrauch und U- bung bedarff; So sind auch vor sich die Jagden darunter nicht gemeynet, als welche einer besondern Belehnung oder Verjaͤhrung von sehr langer Zeit von- noͤthen haben. Jnsonderheit aber hat es mit den hohen Jagden die Bewand- niß, daß solche unter der Verleyhung der Jagden ohne Unterscheid nicht begrif- fen; Wenn aber in den Lehn-Briefen folgende Formali en befindlich: Mit al- len andern Gnaden und Gerechtigkei- ten, nichts ausgenommen, oder Jag- den wilder Thiere, gehend und flie- gend; So ist wohl kein Zweiffel, daß den Vasall en auch die hohe Jagden ver- liehen seyn. §. 18. Wenn bey den Grentz-Nach- barn Mahl-Baͤume umfallen, oder sich Steine zur Jaͤgerey gehoͤrigen Materien. Steine verlieren und ausreissen, so ist solches den Beamten- und Forst-Bedien- ten anzuzeigen, damit sie dieselben als- bald besichtigen, andere Baͤume zeich- nen, oder Steine setzen, und wer es aus Boßheit verschweiget, von den ausge- worffenen Mahl-Steinen nicht Meldung thut, oder sich des umgefallenen Hol- tzes etwan anmaasset, ist dieserhalben in Straffe zu nehmen. §. 19. Es muͤssen alle Vasall en, so auf den Fuͤrstlichen Waͤldern einigerley Ge- rechtigkeit haben, es sey an Jagden, Trifften, Holtzung, und wie die Namen haben moͤgen, verbunden seyn, da Feu- ers-Bruͤnste in denselben entstuͤnden, und sie von den Forst-Bedienten um Ret- tung angeruffen wuͤrden, nicht allein gebuͤhrende Folge zu thun, sondern auch, da einer oder der andere eines solchen Feuer-Schadens eher, als die Fuͤrstlichen Forst-Bedienten, innen wuͤrde, muß er alsobald dem naͤchst angesessenen Forst- Bedienten Nachricht davon ertheilen, seine Unterthanen zum Feuer schicken, um soviel moͤglich/ retten und loͤschen zu helffen, und sich auch hierinnen als ein pflichtschuldiger Vasall und Unterthan bezeigen. §. 20. Ob zwar, wie aus dem vor- hergehenden zu ersehen, die grossen Her- ren in Teutschland sich des Jagd- Regals angemaasset, so koͤmmt dennoch einigen Privatis die freye Puͤrß-Gerechtigkeit zu. Es ist aber solche eine einigen Oertern und District en anhaͤngende Eigenschafft, Krafft welcher diejenigen Personen, de- nen es die Rechte nicht verbiethen, und die Natur kein Hinderniß vorleget, berech- tiget sind, die in ihrer natuͤrlichen Frey- heit befindlichen Thiere wuͤrcklich zu er- greiffen, einzufangen, und sich zuzueig- nen. Sie wird eingetheilet in die schlecht- weg so genannte freye Puͤrß, und in die Kaͤyserliche freye Puͤrß, die entweder von Anfang einigen Staͤnden, und un- mittelbahren Unterthanen des Reichs als ein Lehn und Privilegium concedi- r et, oder von sehr alter und undenckli- cher Zeit her etablir et, oder mit der Zeit von den Kaͤysern confirmir et worden. Sie ist sonderlich draussen im Reiche in Francken, Schwaben und der Orten ge- braͤuchlich. §. 21. Es koͤmmt den Reichs-Staͤn- den vermoͤge der Puͤrß-Gerechtigkeit zu, das Recht, gewisse Collegia und Societ aͤ- ten dieserhalb auffzurichten, Puͤrß-Ge- setze zu geben, Bediente zu bestellen, Zu- sammenkuͤnffte, da es noͤthig, auszuschrei- ben, Sorge zu tragen, daß die Waͤlder nicht gantz und gar ausgesteckt und aus- gerottet werden, Collect en einzutreiben, und uͤberhaupt alles dasjenige zu thun, was zur Erhaltung ihrer Gerechtsamen dienlich ist, wie denn in der freyen Puͤrß in Schwaben dieselben Mit-Glieder in einer gewissen Matricul eingetragen sind, und die Reichs-Staͤdte Ulm und Bibe- rach haben das Directorium und Aus- schreib-Amt, die auch das Archiv in Ver- wahrung halten, und einen gewissen Puͤrß-Hauptmann und uͤbrigen Puͤrß-Bediente zu erwehlen pflegen. Daß auch bey den Rothweilern gewis- se Puͤrß-Rechte constituir et sind, ist aus der Puͤrß-Ordnung zu ersehen. Allein den unmittelbahren Unterthanen des Reichs ist nicht erlaubt, ohne Verguͤn- stigung des Landes-Herrn gewisse Col- legia anzuordnen, oder wegen deren Beschuͤtzung und Administration sich zu berathschlagen, so, daß sie, wenn sie sich dergleichen wider das Verboth ihrer Ober-Herren eigenmaͤchtiger Weise an- maassen wollen, des Verbrechens der beleidigten Majestaͤt hiedurch schuldig er- kannt werden. §. 22. Es muß sich ein jeder Vasalle, wes Standes er auch sey, jaͤhrlich von Fastnacht an, biß auff Bartholomaͤi des Jagens, Hetzens, Puͤrschens und Weyde- werck treibens bey nachdruͤcklicher Straf- fe enthalten, und wenn auch einer zu er- laubten Zeiten jaget, an dem Orte, da er Weydewerck zu treiben berechtiget ist, und seiner Hunde einer oder mehr um die Fuͤrstlichen Hoͤltzer und Geheege ihm entlauffen, so muß er denselben derge- stalt folgen, daß er sie alsbald ankoppele, und von Stund an am Stricke wieder heraus fuͤhre. §. 23. Das Jagd-Recht endiget sich auf unterschiedene Arten: (1) durch den Tod dessen, dem es auf Lebens-Zeit ver- liehen worden; (2) Wenn die bestimmte Zeit, binnen welcher dieses Recht zu exercir en ist, verflossen; (3) Wenn der Ort, worauf die Jagd-Gerechtigkeit zu- gekommen, durch Verschwemmung, Erdbeben oder auf andere Art ruinir et; b 3 (4.) Durch Anhang unterschiedener nuͤtzlicher (4) Durch Zuruͤcknehmung des Conce- dent en, wenn die Jagden bittweise und aus gutem Willen verguͤnstiget worden; (5.) Wenn diejenigen, denen dieses Recht auf eines andern Grund und Boden zu- kommt, solches dem Herrn des Orts ab- tritt; (6) Durch den Mißbrauch, wenn sie zu einer verbothenen Zeit sich des Ja- gens und Schiessens gebrauchen, und daruͤber betreten werden. §. 24. Was in dem vorhergehenden Capitul vom Recht und Pflicht der Lan- des-Fuͤrsten in Ansehung der Jagden gesagt worden, ist auch mit, in so weit es applicabel, von denjenigen Vasallen zu verstehen, die mit den Jagd- Regali en be- lehnet sind, oder es sonst durch Verjaͤh- rung einer sehr langen Zeit uͤberkom- men. Jm uͤbrigen kommen sie in An- sehung der Forst- und Jagd-Sachen ih- rer Pflicht am besten nach, wenn sie alle die Landesfuͤrstlichen Jagd- Mandat e und Forst-Ordnungen sich wohl bekant ma- chen, und so viel immer moͤglich, Acht haben, daß sie nicht allein selbst solchen nachkom̃en sondern auch von andern das- jenige, was darinnen enthalten, auf das beste beobachtet werde, und nach ihrem besten Wissen und Vermoͤgen auch mit ihrem eigenen Schaden das Forst- und Jagd- Interesse ihrer Landes Herrschafft befoͤrdern helffen. Unter- zur Jaͤgerey gehoͤrigen Materien. Unter schiedener beruͤhmter Rechts-Lehrer Responsa, Consilia, und andere Rechtliche Anmerckungen/ die zum Jagd- und Forst-Wesen gehoͤren. BERGERI Responsum XXXI. Part. II. Jnhalt. I. Ein Geistlicher, der mit einer Flinte den Voͤgeln nachtrachtet, versir t in ei- ner unzulaͤßigen Handlung, zumahl wenn es auf fremden Feldern ge- schiehet, und zur Zeit, da er sein Amt abwarten solte; Dahero ist er, wenn er auch durch die geringste Verwahrlosung Jemand Schaden thut, denselben zu ersetzen verbunden. II. Weil unsere Cantores zu den Geistlichen zu rechnen, so muͤssen sie sich auch, dem Jure Canonico nach, des Jagens und Buͤchsen tragens enthalten. J St der Cantor eines Orts C. K. am 1. April. dieses 1698. Jahres nachmittags um 2. Uhr, also un- ter der Schule auff dem Felde herumb gegangen und hat daselbst nach Lerchen geschossen, darneben verursachet, daß eure beyde Pferde, welche auff dem Acker im Pfluge gespañet gewesen, schuͤch- tern worden, mit itzt erwehntem Pflu- ge fortgelauffen, sowohl das eine davon, so ihr vor 25. Rthlr. erkaufft, daruͤber das rechte Hinter-Bein zerbrochen. Als nun selbiges der angewandten Cur ungeachtet, hinwieder nicht zu hei- len gewesen, demnach gar todt geschla- gen werden muͤssen, wollet ihr, ob ermeld- ter K. zu Erstattung des Werthes sol- ches Pferdes und was demselben mehr anhaͤngig mit Bestande anzuhalten durch einen Rechts-Schluß vergewissert seyn, nach mehrerm Jnhalt eures uns zuge- schickten Berichts und derer gehaltenen Privat-Act en. Wann nun gleich zu C. K. Entschuldi- gung vorgewendet werden moͤgte, daß der bey seinem gethanen Schuß erfolgte Durchlauff eurer Pferde und dadurch entstandene Schade unter die sich von ohngefaͤhr zutragende Ungluͤcks-Faͤlle zu achten, in Erwegung, daß dergleichen Schuß an und vor sich selbst nicht verbo- then, und hierbey demjenigen, so selbi- bigen verrichtet, allenthalben, damit auch ohngefehr einiger Schade nicht er- wachsen moͤge, acht zu haben nicht zuzu- muthen, vielmehr denen, so dabey sich befinden, sich und das Jhrige in Obacht zu nehmen, obliege; dahingegen derer abgehoͤrten Zeugen Aussage nach zu sel- biger Zeit ihr nebst eurem Pfluͤger ein wenig abwerts von denen Pferden gan- gen, also solche alleine stehen lassen; Hier- nechst ein Hund, so D. W. Tochter bey sich gehabt, beruͤhrten Pferden gleich ge- lauffen, sie angeklaffet, und dadurch, daß dieselben noch scheueꝛ worden, veranlasset; Dennoch aber und dieweil gedachter K. seinem vor dem Vicario eures Orts gethanen Gestaͤndniß nach, den 1. April juͤngsthin nachmittags um 2. Uhr, also unter wehrender Schule, auff dem B. demnach in fremdem Felde, schiessens hal- ber, sich befunden, und daselbst uͤber 1½ Stunde auffgehalten; Ferner die dieß- falls abgehoͤrten Zeugen, daß als mehr ermeldter K. damahls einen Schuß auff Ler- Anhang unterschiedener nuͤtzlicher Lerchen gethan, eure Pferde dadurch dergestalt schuͤchtern worden, daß sie mit dem Pfluge davon gelauffen, der Pflug- Balcken ihnen auf den Ruͤcken geflogen, und endlich das eine in solchem Lauffen das Bein zerbrochen, beyderseits ausge- sagt; Bey welcher Bewandniß denn K. was die Zeit ingemein, und insonderheit auch den Ort betrifft, allerdings in einer unzulaͤßigen Sache versir et, da beson- ders in denen Canoni schen Rechten denen Geistlichen, worunter gleichfalls die Can- tores zu rechnen, das Jagen und Schies- sen, deutlich untersaget wird, wie denn hieruͤber gestallten Sachen nach, und da in puncto Legis Aqviliæ, wohin gegen- waͤrtiger Fall gehoͤrig, auch das gering- ste Versehen in Consideration zu ziehen, dieser hiebey einlauffende Umstand, daß ein Hund, welchen D. W. Tochter bey sich gehabt, eure in der Flucht allbereit be- griffene Pferde ferner verfolget, obige Rechte nicht veraͤndern mag; So erscheinet dannenhero foviel, daß, woferne vorberuͤhrte Zeugen ihre gethane Aussage eydlich bestaͤrcken, und C. K. hierwieder sonst was erhebliches einzuwenden nicht vermag, ihr von dem- selben den Werth eures beschaͤdigten Pferdes nebst dem Interesse wegen Ver- saumniß und Fuͤtterung gebuͤhrend zu suchen, wohl befugt. V. R. W. BERGERI Responsum CCXCIV. Part. II. Jnhalt. I. Es kan sich Niemand ein gewiß Recht, Z. E. das Recht Holtz zu faͤllen, in ei- nes andern Walde zueignen, oder nur dessen Possess, ob er es schon eine sehr lange Zeit exercirt, aber nur Bittweise und mit beschehener Protesta- tion von dem andern. II. Das von Privat- Personen, Z. E. von den Staͤnden der Nieder-Lausitz, durch eine von undencklichen Zeiten her beschehene Verjaͤhrung erlang- te Jagd-Recht vermag ihnen nicht wieder durch ein Fuͤrstlich Rescript entzogen werden, dafern sie dabey nur nicht beruhen. III. Die Hegung und Haltung der Schuͤtzen ist nothwendig mit den Jagd-Rech- ten vereiniget. J St zwischen dem Fuͤrstl. S. Amte zu L. an einem, denen Herren, als Rath zu L. andern Theils, wegen der Holtzung, und was dem anhaͤngig, Stꝛeit entstanden; Wobey denn die Herren, wie weit sie in einem und andern gegruͤndet, und zwar anfaͤnglich: Ob gedachtes Amt sich der Holtzungs-Gerechtigkeit in denen L. Heyden sich zu erfreuen, vergewissert seyn wollen, nach mehrerm Jnhalt des uns zugeschickten Berichts und derer gehalte- nen Privat-Act en. Wann nun gleich an Seiten des Fuͤrstl. S. Amts vorgewendet werden moͤgte, daß allbereits Ao. 1646. 1656. 1657. die Herren Land-Voigte, ingleichen Ao. 1666. die Fuͤrstl. S. O. A. Regierung des M. N. von dem Rath zu L. das benoͤ- thigte Bau-Holtz zu den Schloß- und Muͤhlen-Gebaͤuden gefordert, erwehn- ter Rath auch, solchem Ansinnen ge- maͤß, die Anweisung und Lieferung ge- than, und dahero es das Ansehen gewin- nen wollen, daß von undencklichen Jah- ren her ermeldtes Amt in possessione vel quasi sich befinde, und mit der Verjaͤh- rung fuͤglich schuͤtzen koͤnne; Worzu komme, daß die Schaͤferey und das Vor- wergk zu S. als selbige dem Amte L. ge- wesen, aus des Raths Heyden erbauet worden; Dennoch aber und dieweil, derer Herren Anziehen nach, fuͤrnemlich die bey der Fuͤrstl. S. O. A. Regierung ver- handene Documenta, auch andere Re- gistratur en klare Maasse geben, daß in vorigem Seculo an einem Theile die Land- Voͤgte und Amts-Befehlichshabere die Abfolgung einiges Bau-Holtzes aus des Raths Gehoͤltzere Bittweise gesucht, an- dern Theils der Rath allein der Hohen Landes- zur Jaͤgerey gehoͤrigen Materien. Landes-Obrigkeit zu Ehren und aus Gutwilligkeit angeregte Abfolgung ge- schehen lassen, ingleichen jederzeit sich pro- testando verwahret, auch als einsten die Land-Voͤgte mit dem angewiesenen Hol- tze nicht zufrieden seyn wollen, bey Koͤ- niglicheꝛ Majestaͤt in Boͤhmen klagend ein- gekommen und Inhibition erhalten, wie nicht weniger denen vorgekommenen Thaͤtigkeiten sich wiedersetzet; Ferner aus denen Documentis F. H. C. G. K. L. des Anno 1646. 1656. 1657. als die da- mahligen Land-Voͤgte gleichergestalt von dem Rathe das benoͤthigte Bau-Holtz als eine Willfaͤhrigkeit, und ohne dessel- ben Nachtheil begehret, ermeldter Rath auch auff solche Art und Weise und mit Bedingung ihres Rechten erwehntes Bau-Holtz anweisen lassen, sattsam ab- zunehmen, inmaassen die F. S. O. A. Regierung in dem Rescript unterm dato d. 15. Octobr. 1666. darauff freywillig resolvir et, auch anderweit Anno 1687. ihre Nothdurfft vermittelst einer uͤber- gebenen Deduction beobachtet, bey wel- cher Bewandniß denn an Seiten des Amts das Vitium einer Bittweise er- laubten Handlung, sowohl die Unter- brechung der Possession sich hervor thut, und also angezogener Verjaͤhrung ent- gegen stehet; Endlich soviel die Auffbau- ung der Schaͤferey und des Vorwergks zu S. betrifft, selbige Vermoͤge des mit der Fuͤrstlichen S. Renth-Cammer den 1. Sept. 1686. getroffenen Wiederkauffs- Contract s geschehen, und dahero nach- dem beruͤhrter Wiederkauffs- Contract durch die de Anno 1674. erfolgte Einloͤ- sung hinwieder auffgehoben worden, dem Amte keinesweges zum Vortheil ange- zogen werden mag; So erscheinet dannenhero so viel, daß das F. Amt zu L. sich in des Raths zu L. Hoͤltzern und Heyden der Holtz-Ge- rechtigkeit zu gebrauchen nicht befugt, und dahero wider ihren Willen zu Ab- folgung einiges Bau-Holtzes mit Be- stande nicht anzuhalten, wie nicht weni- ger in possessione vel quasi der Freyhiet dießfalls zu schuͤtzen. Vor eins. Ob wohl vermoͤge gleich durchgehen- der Gewohnheit im Roͤmischen Reiche die Jagden und Wildbahnen unter die Regalia gehoͤhrig, daß auch einem Priva- to in seinem eigenen Grund und Boden zu jagen, und folgends Gehege zu ma- chen und Schuͤtzen zu halten, keines weges nachgelassen; Dieweil aber dennoch, derer Her- ren Anfuͤhren nach, die saͤmtliche Land- Staͤnde des M. N. L. dafuͤr der Rath zu L. gleichfalls zu achten, von undenck- lichen Jahren her die Jagd-Gerechtig- keit ohne Unterscheid in ihren Heyden, Waͤldern, und Buͤschen hergebracht, sowohl solch ihr Befugniß jederzeit un- gehindert exercir et; Hiernechst was die Hegung und Haltung der Schuͤtzen be- trifft, selbige zum Behuff der Holtzung, auch derer Jagden gehoͤrig, und vor ein necessarium consequens zu halten, und dahero keinesweges eingeschrencket, son- dern nach Gelegenheit des Orts willkuͤhr- lich eingerichtet werden mag, wie denn, de- rer Herren fernerm Vorgeben nach, der Rath zu L. hiebevor 4. Schuͤtzen gehalten, ingleichen bey denen Rescriptis Anno 1667. 1671. 1674. nicht acquiescir et, sondern ih- re Gerechtigkeit nothduͤrfftig vorgestel- let, und protestando beybehalten, end- lich in dem angezogenen Rescripto Ao. 1674. die Intention nur dahin, damit des Raths Unterthanen des Wildschiessens gegen Fuͤrstl. S. Wildbahn, zu Vor- kommung allerhand besorglichen Scha- dens, sich enthalten moͤgten, gerichtet; So seyn die Herren in ihren Hoͤl- tzern und Heyden ohne Unterscheid, Ge- hege zu machen, ingleichen Schuͤtzen zu halten, wohl berechtiget, jedoch dabey ge- buͤhrende Behutsamkeit, damit der an- graͤntzenden Fuͤrstlichen S. Wildbahn kein Schade zugezogen werde, zu gebrau- chen schuldig. BERGERI Responsum CCXCIII. Part. II. Jnhalt Die aus nachbarlichem Willen geschehene Vergoͤnstigung, einen gewissen Ort mit Netzen zu umstellen, ist vor eine Bittweise uͤberlassene Handlung anzusehen, und kan daher nach eigenem Gefallen wiederruffen werden, c ob Anhang unterschiedener nuͤtzlicher ob sie schon unter den andern Haupt-Stuͤcken eines Contractus onerosi mit begriffen ist. H At Anno 1619. des Herrn Groß-Va- ter, Hr. G. von L. mit A. von M. uͤber die in dessen Doͤbn. Hoͤltzern be- rechtigte Hasen- und Fuchsen-Jagd sich unter andern dahin verglichen, daß jener diesem angeregte Jagd an denen be- nannten Oertern gegen Versprechung eines jaͤhrlichen Erb-Pachts an 3. Ha- sen erblich abgetreten, hieruͤber gewisse Stallungs-Steige zu beyder Theile ge- meinem Gebrauch raͤumen zu lassen ver- williget; Worbey denn, ob der Herr an obi- gen Vergleich verbunden, Zweiffel ent- stehen will, nach mehrerm Jnhalt des uns zugeschickten Berichts und der Bey- lage. Wenn nun gleich an Seiten des Herren vorgewendet werden moͤgte, daß der auffgerichtete Vergleich das Le- hen lediglich betreffe, hingegen der Lehn- herrliche Consens, so doch, vermoͤge be- kanter Lehn-Rechte, in denen Lehns-Ver- euserungen erfordert wird, ermangele; Hiernechst, so viel insonderheit das Erbie- then wegen Raͤumung der Stallungs- Steige betrifft, dabey das Wort Erblich, welches bey dem vorhergehenden Punct befindlich, nicht wiederhohlet worden, und dahero es das Ansehen gewinnen wolle, als ob angezogenes Erbiethen al- lein aus gutem Willen und mit Vorbe- halt selbiges jederzeit zu wiederruffen, beschehen, allenfalls nur von des Herrn Groß-Vaters Person und dessen Erben nicht zu erstrecken; Dennoch aber und dieweil die Kin- der ohne Unterscheid, wenn sie denen Eltern im Lehn succedir en, dererselben hieruͤber getroffene Handlungen nach- zukommen verbunden, gestalt denn, daß in gegenwaͤrtigem Fall, der Lehnherrli- che Consens ermangelt, zwar von dem Lehn-Herrn, keinesweges aber von den Kindern, als welche causam von dem Defuncto haben, mit Bestande vorge- schuͤtzet werden mag; Hiernechst, was insonderheit die Stallungs-Steige an- langet, des Herrn Groß-Vater in dem auffgerichteten Vergleich sich des Worts: solle , gebrauchet, und also dißfalls al- lerdings anheischig gemacht; Jm uͤbri- gen dahero, daß allein des Herrn Groß- Vaters Meldung geschicht, alsofort die- ses, daß desselben Erben hievon ausge- schlossen werden, nicht abzunehmen, in mehrer Erwegung, daß vermoͤge der Rechtlichen Vermuthung von denen con- trahir enden Theilen das Absehen zu- gleich auff beyderseits Erben gerichtet wird; So erscheinet dahero so viel, daß der Herr, so viel die Hasen- und Fuchß-Jagd in denen Doͤbn. Hoͤltzern, ingleichen die Stallungs-Steige betrifft, dem hierin- nen auffgerichteten Vergleich gebuͤh- rend nachzukommen, sich nicht entbre- chen mag. Jst in dem auffgerichteten Verglei- che ferner enthalten, daß der Herr Groß- Vater aus nachbarlichem Willen A. von M. vergoͤnnet, einen gewissen Ort, so gantz oder doch zum Theile mit seiner Unterthanen Acker umbziꝛcket, mit Netzen zu umstellen, und stehet dahero in denen Gedancken, daß solche Vergoͤnstigung auff eine Bindlichkeit nicht zu ziehen, noch die Nachkommen daran verbunden, son- dern vielmehr selbige jederzeit hinwieder auffgehoben werden koͤnne. Ob nun wohl der auffgerichtete Ver- gleich, in Erwegung derer vorherstehen- den, auch nachfolgenden Puncte, inglei- chen wenn die fuͤrnehmste Intention de- rer contrahir enden Theile angesehen wird, vor ein bindliches Negotium zu achten, und dahero es das Ansehen ge- winnen will, als ob gedachter Theile Wille und Meynung dahin gegangen, daß gleicher gestalt, was die Umstellung des Orts mit Netzen anlanget, sich eines gewissen bestaͤndig vereinigen wollen, da besonders angezogener Vergleich, schlech- terdinges ohne Benennung einiger Zeit eingerichtet, ingleichen ordentlich die ge- troffenen Handlungen auff beyderseits Erben zu ziehen, hieruͤber von Zeit an- geregten Vergleichs Rechts-verwaͤhrte Zeit verflossen, wie denn auch dieses, daß des Herrn Anziehen nach die in selbigem enthaltene Ration in facto ungegruͤn- det, zu dessen Hinterziehung nicht zu- laͤnglich; Dieweil aber dennoch im Context des auffgerichteten Vergleichs die Ver- goͤnstigung, obgedachten Ort mit Netzen zu umstellen, von denen uͤbrigen Hand- lungen, so erblich geschehen, deutlich ab- gesondert, und dabey diese Worte: Aus nachbarlichem Willen vergoͤnnet, wel- che zur Jaͤgerey gehoͤrigen Materien. che auff ein Precarium zu deuten, ge- brauchet werden, immaassen denn je- derzeit mehr auff den eigentlichen Wort- Verstand, als auff eine blosse Vermu- thung, so aus denen Umstaͤnden des Contexts hergenommen werden will, das Absehen zu richten; Hiernechst in einem In- strumento unterschiedene und zum Theil unverbindliche Handlungen wohl zusam- men gefasset werden moͤgen: Worzu kommt, daß ein anderer Titul nicht be- nennet, und also umb soviel desto mehr vor etwas Bittweise zugelassenes zu præ- sumir en, welches denn Jnhalts bekanter Rechte dergestalt beschaffen, daß es von dem, so es nachgelassen, sowohl desselben Nachkommen jederzeit wiederruffen und nicht verjaͤhrt werden mag: So ist der Herr die streitige Umstel- ung des Ortes mit denen Netzen ferner zu gestatten nicht schuldig, sondern seinem Gefallen nach zu wiederruffen wohl be- fugt. Alles V. R. W. BERGERI Responsum CCXXIIX. Part. II. Jnhalt. Wenn ein von Hunden zerfleischter Leichnam oder Stuͤck Vieh angetroffen wird, so kan man wider den Nachbar, der im Ruff ist, daß er solche ar- ge Hunde hielte, inquirir en, und wenn ers laͤugnet, kan er zu dem Reini- gungs-Eyd getrieben werden. D Aß zufoͤrderst B. G. nach vorher- gehender schaꝛffer Verwarnung vor der schweren Straffe des Mein-Eydes, dazu ein Geistlicher des Orts zu gebrau- chen, sich vermittelst Eydes zu reinigen, und daß er nicht wisse, auch nicht glaube und dafuͤr halte, daß der am 29. Febr. des abgewichenen 1703. Jahres ohnweit Calbe todt gefundene Mensch von seinen Hunden umgebracht worden, zu sch - ren schuldig: Er thue nun solches, oder nicht, so ergehet jedoch seiner Bestraffung halber, oder sonst, sowohl wegen der an- gegebenen neuen Beguͤnstigungen, ferner was recht ist. V. R. W. Ob wohl Inquisit, als er Articuls- weise vernommen worden, des angege- benen Verbrechens nicht gestaͤndig seyn wollen; Dennoch aber und dieweil ermeld- ter Inquisit selbst nicht in Abrede seyn moͤ- gen, daß er zu der Zeit, als das Ungluͤck beschehen, unterschiedene grosse Englische Hunde, ungeachtet er dergleichen dem Hofe zu erziehen nicht schuldig, gehalten, ingleichen selbige frey laufen, und weder einsperren, noch kuppeln, ferner das ab- gestandene Vieh nicht an den ordentli- chen ihm hierzu angewiesenen Ort, son- dern ohnweit des Heer-Weges vor Cal- be abwerfen, und solches noch beym An- fang des 1703ten Jahres bewerckstelligen assen, demnach verursachet, daß seine Hunde dahin gelauffen, und sich daselbst gesattiget; Hiernechst von selbiger Zeit ei- nen Hund, so er annoch habe, an ein Pferd gehetzet, sowohl alsbald nach er- folgtem Ungluͤck zwey von den Hunden todt geschossen, und den Knecht, welchen er damahls gehalten, abgeschafft, in- maassen auch er weiter gestaͤndig, daß seine Hunde vorhero einen ordentlichen Weg uͤber die Wand gemacht, und jeder- zeit mit dem Abdecker-Knecht frey aus- und im Felde herum gelaufen, daneben er, ungeachtet ihm am 23. Martii gedach- ten Jahres befohlen worden, die boͤsen Hunde entweder abzuschaffen, oder wohl zu verwahren, jedennoch selbige hin- wieder auslauffen lassen, auch insonder- heit die Cellariuss in wegen eines von sei- nen Hunden zu nichte gebissenen Schwei- nes vergnuͤget, gestalt denn der dahero wider Inquisit en erwachsene Verdacht, insonderheit was die Beschaffenheit des todten Coͤrpers, und des Ortes, woselbst solcher gefunden worden, ingleichen diesen Umstand, daß die Entleibung von sei- nen Hunden beschehen, betrifft, durch des Medici und Chirurgi Attestat fol. 12. seqv. die Registratur fol. 4. b. seqv. und Annen Hornin, Marien Magdale- nen Kloßin, auch Hansen Jordens eyd- liche Aussagen noch mehr gestaͤrcket wird; Wozu koͤmmt, daß Maria Boͤhmin, Daniel Hoͤpffner und Jacob Grosse, daß sie um selbige Zeit von Inquisiten s Hunden auf dem Felde angefallen worden, eben- maͤßig vermittelst Eydes aus, und zum c 2 Theil Anhang unterschiedener nuͤtzlicher Theil bey der Confrontation Inquisit en be- staͤndig in das Gesichte gesagt, wie deñ Da- niel Schrader und andere Zeugen, daß dergleichen ihnen nach der Zeit auch wie- derfahren, ebenfalls eydlich bekraͤfftiget, Inquisit hingegen in seiner Defension- Schrifft solches mit Bestande abzulehnen nicht vermogt; So sind wir billich dergestalt zu in- terloquir en, und immittelst die Bestraf- fung wegen obiger, ingleichen letzthin an- gegebener Beguͤnstigungen auszusetzen bewogen worden. HORNII Responsum IX. Classis IX. Jnhalt. Der die Floß-Gerechtigkeit exercir et, muß den Besitzern derer an dem Strohm anstossenden Grund-Stuͤcken allen Schaden, der durch das Floͤssen verur- sachet wird, ersetzen. O B wohl aus den zugeschickten Ro- tulis, was es mit dem Fischwasser der Elster vor eine eigentliche Bewand- niß habe, und ob solches vor einen oͤf- fentlichen oder Privat- Strohm zu ach- ten, also mit was vor Recht die Landes- Herrschafft der Floß-Gerechtigkeit und der von T. der Fischerey darinnen sich ge- brauchen, nicht zu ersehen, diesemnach wegen des an der Fischerey durch die Churfl. Holtz-Floͤsse sich ereigneten Scha- dens nichts bestaͤndiges zu ertheilen; Dennoch aber und dieweil, so viel die Wiesen betrifft, solche den Besitzern ei- genthuͤmlich zustehen, und die natuͤrli- che Billichkeit erfordert, daß der Scha- den, welcher durch Ausuͤbung der Floß- Gerechtigkeit denen Besitzern an den an- grentzenden Wiesen zugefuͤgt wird, sel- bigen ersetzet werde, dieses in L. 1. §. 3. 6. \& 7. ff. Ne quid in flum. publ. Fritsch. de Jure Grutiæ, c. 5. n. 15. sattsam gegruͤndet; So wird die Chur-Fuͤrstliche Cam- mer besagten Schaden zu ersetzen, sich nicht entbrechen. V. R. W. HORNII Responsum LXX. Classis XI. Jnhalt. Bey einem verpachteten Guthe gehoͤret der Gebrauch der Weydichte zur Nu- tzung des Holtzes, und nicht der Wiesen, ob gleich die Weyden auf den Wiesen erwachsen. H At J. A. von D. hinterlassene Witt- we, jetzo vermaͤhlte Frey-Frau von G. nach Jnhalt der von ihrem verstor- benen Ehe-Herrn hinterlassenen Ver- ordnung das Gut N. von ihrem un- muͤndigen Sohn in Pacht genommen, und es hat sich begeben, daß man zu ei- nem gewissen Wasser-Bau bey diesem Guthe eine grosse Quantit aͤt Weydicht von denen an und in der Mulde gelege- nen Wiesen, und Werdern genom̃en, deren Bezahlung die obermeldte Frey- Frau von G. fordert, deren unmuͤndigen Sohns Vormund aber verweigert, und ihr wollet daher, ob jene dieses Weydicht ohne Entgeld folgen zu lassen schuldig, des Rechten berichtet seyn, nach meh- rerm Jnhalt des uns zugeschickten Be- richts, und der Beylage. Wenn nun gleich das Gut N. nebst allen und jeden Pertinenti en, nichts da- von ausgeschlossen, insonderheit denen Wiesen, der Frey-Frau ein Gut ver- pachtet, und die Weydichte hievon aus- druͤcklich nicht ausgenommen werden; Der Eigenthums-Herr und Verpach- ter auch sich keine Nutzung von einem verpachteten Stuͤck anzumaassen berech- tiget; Hiernechst ermeldte Weydichte bey denen andern zu dem Guthe gehoͤrigen Gehoͤltzen nicht gelegen, sondern auf de- nen Wiesen und Werdern an und in der Mulde sich befinden, auch dahero vor Wiesen-Nutzungen gehalten werden wol- zur Jaͤgerey gehoͤrigen Materien. wollen; Ferner die Pachterin derglei- chen Haupt-Bau zu fuͤhren, oder etwas dazu herzugeben, keines Weges verbun- den; Endlichen dieselbe vielgedachter Weydichte biß anhero ohne des Sohnes Vormunden wiedersprechen sich ange- maast, und selbige genutzet; Dennoch aber und dieweil der bey dem Guthe N. befindlichen Gehoͤltzer, deren Nutzung der Pachterin keines we- ges gaͤntzlich, sondern nur so weit, daß sie daraus die zur Ziegel-Scheune und Brau-Hause, auch zur voͤlligen Hauß- haltung benoͤthigten Feuer-Hoͤltzer, dann jaͤhrlich 300. Klafftern birckene oder andere Scheite zu ihrer freyen Dispositi- on, schlagen lassen, und nehmen moͤge, eingeraͤumet und uͤberlassen worden; Hiernechst die Weydichte zu denen Hol- tzungen allerdings gehoͤren, und zu denen Wiesen-Nutzungen nicht gerechnet wer- den koͤnnen; L. 31. ff. de V. S. ibique Godofr. n. 3. Hiernechst auch, ob sie bey denen andern Gehoͤltzen gelegen, oder nicht, so wenig, als dieses, daß die Pachterin der Wey- dichte sich biß anhero angemast, und der des Sohnes Vormund ihr nicht wieder- sprochen, zur Sache thun oder dem Un- muͤndigen sein Recht nehmen kan; Denn bey dieser Bewandniß die uͤbrigen oben angefuͤhrten Rationes von sich selbst hin- weg fallen; So erscheinet hieraus allenthalben so viel, daß die Pachterin vor die zum Wasser-Bau weggenommene Weydicht etwas zu fordern nicht berechtiget: Es waͤ- re denn, daß hierdurch an denen zur Haußhaltung, Ziegel-Scheune und Brau-Hause benoͤthigten Feuer-Holtze ihr etwas abgangen, auf solchen Fall ist solcher Abgang derselben billig zu erse- tzen. V. R. W. HORNII Responsum VI. Classis V. Jnhalt. I. Von der Straffe derer, die auf eines andern Wildbahne jagen. II. Das Jagd-Recht wird heutiges Tages denen Regali en beygezehlet, und kan al- so ohne Verguͤnstigung des Landes-Fuͤrstens nicht exercir t werden. III. Das Recht zu jagen und zu fischen kan wider eine Privat- Person in der ge- woͤhnlichen Zeit verjaͤhret werden. H At weyl. der Durchl. Chur-Fuͤrst, Johann George I. Glorwuͤrdigsten Andenckens, am 9. Junii, 1632. die beyden vom Stifft Wurtzen herruͤhrende und zum Amte Torgau geschlagen gewesene Doͤrffer Soͤrnewitz und Moͤhla mit de- nen Geld- und Getreyde-Zinsen, Pfarr- Lehne, Ober- und Erb-Gerichten, Lehn- wahr, Folge, Pferde-Hand-sowohl an- dern im Anschlag specificirt en Diensten, samt denen Fisch-Baͤchen, so in dersel- ben Gegend und Refier gelegen, und al- len Gerechtigkeiten, welche vorhin vom Amte Torgau gebrauchet, genutzet und berechnet worden, und denenselben zu- gestanden, oder solches sich deren gebrau- chen koͤñen oder moͤgen, vor 4723. fl. 10. gl. 9. pf. erb- und eigenthuͤmlich, auch gantz unwiederrufflich verkaufft, und nach Ausweisung Lit. B. bald folgenden 3. Ju- lii durch dero Amt Torgau wuͤrcklich tra- dir en und uͤberweisen lassen, sich auch anderweit unterm 9. Junii 1634. juxta Lit. C. deutlich dahin erklaͤret, daß durch sol- chen Contract sie alles Recht, so ihm auff ermeldten Doͤrffern zugestanden, und also unter andern auf das Nieder-Wey- dewerck in beruͤhrten Doͤrffern und Fluhren Herrn Demetrio geeignet und uͤbergeben, mit Anfuͤgung, daß weil S. Chur-Fuͤrstl. Durchl. an diesen Orten keinem einigen das Nieder-Weydewerck gestaͤndig, ermeldte Doͤrffer auch fuͤr kein Torgauisch Amts-Guth, weil sie ab- sonderlich erhandelt und nebst dem Nie- der-Weydewerck von Bischoff Johann von Haugwitz erlanget, zu halten seyn, so solle sich Demetrius solches Niedeꝛ-Wey- dewercks maͤnniglich ungehindert ge- brauchen und andern dessen nichts ge- c 3 statten, Anhang unterschiedener nuͤtzlicher statten, maassen denn S. Churfl. Durchl. ihn jederzeit dabey schuͤtzen und handha- ben wolte. Nachdem nun in folgenden Zeiten obbemeldte Doͤrffer mit ihren ge- rechtsamen zum Guth Lampersdorff ge- schlagen und mit demselben Anfangs von des Demetrii Erben auff Oppianos, von diesen aber endlich durch Kauff an The- ophilum gebracht worden/ hat sich her- vor gethan, daß der Besitzer des nechst- gelegenen Ritter-Guths Lauteritz, Peri- ander, sich nicht nur des Fischens in den durch Soͤrnewitz und Mohlen gehenden Bach, sondern auch des Jagens und Nie- der-Weidewercks in selbigem Dorff, Fluhren und Refier en, und also in des Theophili Eigenthum anmaasse und ge- brauche, und in beyden Puncten auf sei- ne Possess vel qvasi sich beziehen wollen, dahero Theophilus selbigen dißfalls in Anspruch vermittelst einer Petitori en- Klage zu nehmen vermeynet, zuvor a- ber hieruͤber: ob und mit was vor einer Action er gegruͤndet, des Rechten berich- tet seyn will, nach mehrerm Jnhalt des uns zugeschickten Berichts und der Bey- lage. Wenn nun gleich, nach denen heut zu Tage in Teutschen und sonderlich Saͤchsischen Landen uͤblichen Rechten, Niemand ordentlicher Weise auf eines andern Grund und Boden zu jagen, zu hetzen, und Weydewerck zu treiben, berechtiget, insonderheit in der Churfl. Saͤchßischen Landes-Ordnung derglei- chen Unternehmen bey Straffe 100. fl. verbothen, auch hiebey nach Jnhalt der- selben kein Vorwand, daß es anders her- gebracht und im Gebrauch gewesen, at- tendir et werden darff; Hiernechst die Jagd-Gerechtigkeit heut zu Tage ad Re- galia gehoͤret, und dahero ohne aus- druͤckliche oder wenigsten stillschweigende Verordnung der Hohen Landes-Obrig- keit von keinem Privato ausgeuͤbet wer- den kan; Hieruͤber, was das Document sub D. darauff sich Periand er gruͤndet, anlanget, Theophilus vorzuwenden weiß, daß er solches bald nach Erkauffung des Guthes Lampersdorff und obberuͤhr- ter darzu gehoͤrigen Doͤrffer, ehe er noch die zu saͤmtlichen darzu erkaufften Guͤ- thern gehoͤrige Documenta und Brieff- schafften von seinem Verkaͤuffer extradi- ret bekommen, und aus deren Durchsu- chung, woran ihm dazumahl die mit sei- nem Gnaͤdigsten Herrn gethane Campa- gnen und Reisen mercklich gehindert, die Gerechtigkeit sothaner Guͤther gnuͤglich erlernen koͤnnen, von sich gestellet und in dem irrigen und ihm juxta Leg. 18. Cod. de Rei Vind. unschaͤdlichen Wahn, als ob dem benachbarten Guthe Lauteriz in deren aus dem Amte Torgau uͤberlassenen Doͤrfer Refier en eine Kuppel-Jagd ge- hoͤre, gestanden, auch dadurch, daß er Periand ern obgedachtes Document aus- gestellet, verleitet worden; Jm uͤbrigen wegen der Fischerey Periand er in posses- sione vel quasi sich ebenmaͤßig, als bey denen Jagden befindet, und dergleichen Fisch-Gerechtigkeiten auff eines andern Boden, wenn auch gleich derselbe damit von dem Landes-Herrn, welchem das Recht zu fischen in denen oͤffentlichen Stroͤmen zustehet, beliehen, oder ihm sol- ches sonst uͤberlassen worden, durch eine Verjaͤhrung, und zwar in einer ordent- lichen Zeit, wider einen Privatum wohl acquirir et werden mag; Dennoch aber und dieweil, so viel, des Jagen und Weydewerck betrifft, Theophilus und Periand er sich deshal- ben Freundnachbarlich dergestalt vergli- chen, daß dieser seine biß anhero auffder Soͤrnewitzer Fluhr exercirt e Jagd-Ge- rechtigkeit auf seine Lebens-Zeit erst er- meldtem Herrn Theophilo wohlbedaͤch- tig und willig dergestalt cedir et und ab- getreten, daß Periander vor sich und die Seinigen von nunan derselben sich ent- halten, hingegen ihm davor jaͤhrlich ein Stuͤck Wild von Theophilo geliefert werden solle, hierdurch aber dieser, da er auff Periand ers Lebens-Zeit die exercir- te Jagd-Gerechtigkeit an sich gebracht, daß solche jenem zustehe, eingeraͤumet, und sich seines Rechts, ausser was er durch diese Cession erlanget, begeben; Hierbey aber mit der vorgeschuͤtzten Un- wissenheit und vielen Reisen sich nicht fuͤglich entschuldigen kan, in Erwegung, daß er die noͤthige Wissenschafft von de- nen Gerechtigkeiten seiner Guͤter wis- sen koͤnnen und sollen, auch da er solche damahls nicht gehabt, sich selbst, daß er mit diesem Handel, an welchem doch nichts versaͤumet gewesen, und dazu ihn keine Nothwendigkeit gezwungen, geeilet, auch die Extradition derer Document en nicht erwartet, zu imputir en hat; Jm uͤbrigen dergleichen Handlung, da- rinnen ein Privatus die erlangte Jagd- Gerechtigkeit einem andern uͤberlaͤsset, oder zugestehet, nirgends verbothen, da- hin zur Jaͤgerey gehoͤrigen Materien. hin auch obgedachte Landes-Ordnung nicht zu ziehen; Hingegen, soviel die Fischerey betrifft, Theophilus die Fisch- Baͤche eigenthuͤmlich erlanget, Perian- der hingegen vor sich noch zur Zeit nichts als die blosse Possess vel quasi des Fisch- Rechts anzugeben hat; Die Dienstbar- keit auch auff eines andern Boden kei- nesweges, vielmehr die Freyheit des Grund-Stuͤcks in denen Rechten præ- sumir et wird, und dahero das Befug- niß von dem, so sich dessen auff einem Frembden anmaasset, zu erweisen: Jn dergleichen Fallen auch dem Eigen- thums-Herrn zu Behauptung der na- tuͤrlichen Freyheit seines Guthes die Actionem negatoriam anzustellen, nach- gelassen; So erscheinet daraus allenthalben soviel, daß, was das Jagen und Nie- der-Weydewerck anbetrifft, Theophilus in Petitorio zu klagen nicht befugt, hin- gegen wegen der von Periand ern ange- masseten Fischerey ihn Actione negatoria zu belangen, wohl berechtiget: Es waͤ- re denn, daß im ersten Punct Perian- d er den Theophilum durch hinterlistige Vorstellungen oder Uberredung zu dem obgedachten Handel verleithet, auff sol- chen Fall waͤre ihm selbigen als aus ge- schehenem Betrug anzufechten unbenom- men. V. R. W. LYNCKERI Responsum CXIII . Jnhalt. I. Ob ein Bischoff, Prælat e, und anderer, der einen besondern Nachfolger hat, die Verjaͤhrung zulassen koͤnne. II. Der uͤber Menschen Gedencken etwas besitzet, bedarff der Verjaͤhrung und ihrer dazu gehoͤrigen Stuͤcke nicht. III. Es koͤnnen auch Privat- Personen diejenigen Regali en, deren sie faͤhig sind, wider einen Fuͤrsten durch Verjaͤhrung erlangen, als die Forst-Rechte, Beholtzungs-Gerechtigkeiten, Huthungs-Eichel-Mast- und Jagd- Rechte. IV. Von einer Bitt-weise ausgemachten Handlung zwischen einem Fuͤrsten und seinem Unterthanen. V. Von den Handlungen und der Nachlaͤßigkeit der Bedienten, ihren Buͤchern, Beleidigungen, und ihnen geschehenen Wiedersetzlichkeiten. VI. Von den Fuhren Zeugen aus der Gemeine, und der ruhenden Verjaͤhrung. A Ls ihr uns einen ausfuͤhrlichen Be- richt samt verschiedenen daraus ge- zogenen Fragen und einigen Beyla- gen zugeschicket, woruͤber ihr unser Rechtliches Bedencken erfordert; Dem- nach halten wir denen Rechten nach dafuͤr: Habt ihr in eurem um eure Stadt liegenden eigenẽ Gehoͤltze das Recht zu holtzen und zu huͤten allezeit in Pos- sess und Gebrauch gehabt, und biß hie- her erhalten, sonderlich, daß ihr und eu- re Einwohner berechtiget gewesen, wenn GOtt gute Eichel-Mast bescheeret, jeder in eurer Stadt wohnhaffter Buͤrger, so- viel er gewolt, Schweine in die Mast ein- zutreiben, und davon kein Mast-Geld gegeben; Hernach aber ist solches geaͤn- dert worden, daß bey voller Mastung jedweder Brauer vier, und ein Buͤdner zwey in die Mastung ohnverhindert frey treiben, desgleichen, weil wuͤste Brau- und Buden-Staͤdten in der Stadt ge- wesen, und noch, wegen entzogener Nah- rung, und weil gleichwohl solche wuͤste Staͤdten von den Besitzern und Eigen- thums-Herrn pro quota in dem Steu- er- Catastro mit begriffen, und versteu- ret werden muͤssen, derselben Besitzer besage Anhang unterschiedener nuͤtzlicher besage Registratur sub □ von jeder wuͤ- sten Brau-Staͤdte bey voller Mastung vier Stuͤcke, und von der Buden-Staͤd- te zwey Stuͤcke Schwein-Viehes in die Mastung frey eingeschlagen; Ein jeder Raths-Verwandter aber, und der Stadt-Schreiber, auch von den Geistli- chen der Pastor und Diaconus jedweder vier Schweine, auch andere gemeiner Stadt, und dem Rath bediente Perso- nen ihre gewisse Conpetenz, wie aus den Registratur en sub sign. △ △ △ zu erse- hen, frey eintreiben, und die Brauer, und Budner sowohl von ihrer Brau- und Buden-Staͤdte wegen eingetriebener Schweine kein Fehm-Geld, sondern nur Huͤter-Schreib- und Brenn-Gebuͤhren, davon die Raths-Personen, der Stadt- Schreiber, und die Geistlichen, auch an- dere in denen Registratur en sub sign. △ △ designirt e Personen ausgeschlossen, abstatten moͤgen; Sofern nun der See- gen GOTTes nicht so reichlich gewesen, hat Jedweder die Helffte obgedachter Schweine frey eingetrieben, welche man die halbe Mast genennet, wozu keine frem- de Schweine, als bey voller Mast ein Paar Schock, und bey halber Mast halb soviel, aus dem Amt Calbe gekommen. Solcher Gebrauch ist vor und nach dem Kriegs-Wesen in Observanz geblie- ben, und hat das Amt Calbe mit Zu- ziehung eueres des Raths geschwornen Holtz-Laͤuffers und ein Paar von der Buͤrgerschafft die Baͤume vor angekuͤn- digter Mast besteigen lassen; Nachhero als die Ankuͤndigung geschehen, und die Schweine in sothane Eichel-Mast der Ackenischen Gehoͤltze zur Fehme geschla- gen worden, hat der Rath das Brenn- Geld, und der Schreibe-Gebuͤhr besag- ter Registratur sub sign. △ fol. 4. 5. al- lein auffgenommen, und dem Geleits- mann zu Calbe nicht mehr als von jedem Schwein 1. Gr. Schreib-Gebuͤhr, und 4. pf. dem Foͤrster zum Brenn-Geld zu- gestellet, und von denen uͤbrigen erho- benen Geldern, besage jetzt angezogener Registratur sub sign. △ pag. 4. die Hir- ten gelohnet, auch da es noͤthig gewesen, neue Buchten machen, oder die alten aus- bessern, und zuweilen Tranck-Loͤcher auf- werffen lassen. Ob ihr nun wohl gemeynet, es wuͤr- de sich Niemand unterstehen, eurer ha- benden Gerechtigkeit einen Eintrag zu thun, und in eurer, und der gemeinen Stadt zustehenden Holtzungen euch zu perturbir en, gestalt die gehaltenen Regi- stratur en und Rechnungen sub sign. ☉. ☉. so viel derẽ bey Pluͤnderung eures Stadt- Rathhausses noch vorhanden, von unter- schiedlichen Jahren her es zeugen, und de- nen Beamten zu Calbe es wohl wissend, daß ihr u. gemeine Stadt in solchen Hol- tzungen vorangezogenes Recht habet, und in Possession uͤber Menschen Geden- cken biß jetzo her verharret; So haben sich doch der Ober-Forst-Meister nebst dem Amtmann zu Calbe eigenthaͤtig un- terwunden, euch auff unterschiedliche Art in solcher eurer Gerechtigkeit zu kraͤn- cken, und zu verhindern: Deswegen ihr wider des Ober-Forst-Meisters Proce- dur en, und zwar sonderlich wegen der Eichel-Mast schon anno 1669. bey des Po- stulirt en Herrn Administratoris Hoch- Fuͤrstlichen Durchl. zu Halle, Christ- mildesten Gedaͤchtniß, Zeiten, Klage fuͤh- ren muͤssen, und ihr euch, und gemei- ne Buͤrgerschafft noch stets mit verwah- render Protestation in euerer Possess er- halten. Nun aber gedencken sie, weil sich das Hoch-Fuͤrstliche Magdeburgische Stifft veraͤndert, und unter Churfuͤrst- liche Brandenburgische Jurisdiction ge- diehen, es werde euch kein Schutz in eu- rer Possession der bißheꝛo in euꝛem Stadt- Gehoͤltze gebrauchten Gerechtigkeit und nutzbarlichen Genießthums mehr gelei- stet werden; Deswegen sie vor dem Jah- re wieder auffs neue allerhand ohnver- muthete Procedur en vor die Hand ge- nommen, unter diesem und jenem Præ- text auch bald von der freyen Mast-Ge- rechtigkeit, bald gar von eurem und ge- meiner Stadt-Gehoͤltze abzubringen; welches euch hieruͤber und zuforderst in specie wegen der Eichel-Mast bey der Churfuͤrstlichen Magdeburgischen Loͤbl. Regierung zu Halle zu klagen verursa- chet: Alldieweil ihr euch nun auff die Possession gegruͤndet, und euch unterm 28. Sept. vorigen Jahres, wie die Bey- lage sub sign. ☉. zeiget, deren Bescheini- nigung aufferleget; So ist dem Amt- mann zu Calbe von eben dem Tag und Jahre, wie vorgemeldet, und die Bey- lage sub sign. ☾. weiset, nicht weniger zu- geschrieben, weil ihr euch auff die Pos- session einer freyen Eichel-Mast bezogen, sich zu erkundigen, ob ihr darinnen fun- dir et, und davon Bericht zu ertheilen, was ihn wider die Berechtigung einer gantzen freyen Eichel-Mast statt dersel- ben zur Jaͤgerey gehoͤrigen Materien. ben die halbe Mast vorzunehmen bewo- gen? Hierauff habet ihr die Bescheini- gung angetreten, und zu dero Behuff nechst denen beygebrachten Document en und Registraturen coram Notario \& Te- stibus einige Zeugen, welche wahre Wis- senschafft von der Sache haben, eydlich auff gewisse Articul vernehmen, und das Zeugniß in forma probante eines Instru- menti ausfertigen lassen, welches ihr, wie die Abschrifft davon sub. sign. H. lau- tet, der Hoch-Fuͤrstlichen Regierung ein- geschicket, dagegen der vorgedachte Amt- mann zu Calbe einen Extract sub sign. ♃, welchen er vorgiebt, aus einem Erbzinß- Buch de an. 1642. gezogen zu haben, einge- sendet, sich vermeynend damit zu schuͤ- tzen, daß euch und gemeiner Buͤrgerschafft nicht mehr freye Schweine, als jedem Brauer zwey, und einem Buͤdner eins, auch jedem Raths-Verwandten zwey, ingleichen den Geistlichen zwey, und de- nen andern Kirchen- und Schul-Bedien- ten, auch Raths-Dienern, jedem ein Schwein bey voller Mastung einzutrei- ben zustuͤnde; Welches aber klar wider die bißherige Observanz laͤufft, die ihr annoch besitzet, ohngeachtet anno 1669. dawieder eine wiederwaͤrtige Procedur habe wollen vorgenommen werden, die ihr aber abgewendet und in eurer Posses- sion verblieben; also, daß bey voller Mast, jedweder Brauer vier, und ein Budner zwey, auch ebenmaͤßige Anzahl von sei- nen Brau- und Buden-Staͤdten, so er hat, desgleichen jeder Raths-Verwand- ter, nebst dem Actuario vier, auch die Geistlichen vier Schweine und andere gemeiner Stadt bediente Personen ihre gewisse Competenz, wie in denẽ Registra- tur en sub sign. △. △. begriffen, bey halber Mast aber davon die Helffte frey ohne Abstattung eines Fehm-Geldes, in eure Beholtzung eingetrieben, und nichts wei- ters davon als 4. pf. Brenn-Geld, und 1. Groschen Schreib-Gebuͤhr von jedem Schwein, davon aber die Raths-Per- sonen, und Geistliche, auch andere, wie in denen Registratur en designirt, ausge- schlossen, entrichtet; Ja solche vorge- brachte Amts- Registratur sey gantz zu verwerffen, weil kein Exempel noch zu befinden, daß dergleichen waͤre einge- fuͤhret worden; Wie denn auch die Zeu- gen sagen, daß vor und nach dem Krie- ge uͤber Menschen Gedencken nicht an- ders, als wie oben gemeldet, ihr eure Gerechtigkeit biß auf diese Zeit gehabt, und dabey standhafft verblieben, auch kei- ne Prohibition inzwischen gekommen, daß ihr sothane Gerechtigkeit bona fide, so solchen Falls, biß das Contrarium dar- gethan wuͤrde, zu præsumir en, continuir- lich besessen, genutzet, und gebrauchet: Ohngeachtet aber dessen, sey gemeldter Amtmann mit Huͤlffe des Ober-Forst- Meisters durch die Forst-Bedienten da- hin zu bringen Willens gewesen, daß ihr und gemeine Buͤrgerschafft Fehm-Geld geben soltet; Wie er denn den Handel also heimlich angestellet, daß den Hirten befohlen wordẽ, aus dem Holtz zu treiben, weil der Ober-Forst-Meister eine Jagd vorgenom̃en; Als aber die Hirten nach- mahls verstanden, daß sie mit den Stadt- Schweinen vor der Stadt vorbey trei- ben solten, und man einen Anschlag haͤt- te, euere und der gemeinen Buͤrgerschafft Schweine so lange innen zu behalten, biß jeder komme und Fehm-Geld davor ent- richte, und also aus eurer Possess der freyen Eintreibung in die Eichel-Mast gesetzet seyn moͤchtet; Haben die Hirten sich ihrer Pflicht erinnert, und es euch und gemeiner Stadt nicht verschweigen wollen, sondern notificir et; Da denn die Buͤrgerschafft zusammen kommen, und in der Nacht, als es bestellt gewesen, vor der Stadt die Heerde vorbey zu treiben, vor dem Thore aufgepasset, und die Schweine zu sich in die Stadt genom- men: Und wiewohl ihr nachmahls dem Amtmann vermelden lassen, zur Aus- fehmung bey euch zu erscheinen; Dieweil er aber dennoch nicht gekommen, noch Jemand von den Seinigen gesendet, und die Leute uͤber die Zeit auf ihre Schweine gewartet; So habt ihr nicht anders gekoͤnnt, denn die Ausfehmung, wie vor Alters geschehen, zu verrichten, und da ihr dem Amtmann seyn ihm zu- kommendes Geld zustellen wollen, hat er es abgeschlagen, und vermeynt, auff andere Verordnung zu warten: Hat auch nachmahls zu eurem groͤsten Scha- den die Nach-Mast-Zeit vorbey streichen lassen: Deswegen ihr beygelegtes Schrei- ben mit angehaͤngter Protestation lub sign. ☿ abgehen lassen, und euch darauff bey Sr. Chur-Fuͤrstlichen Durchlauchtig- keit unterthaͤnigst darob beschweret, und um Gnaͤdigste Commission, wie das Schreiben sub sign. ♀ lautet, gebeten, die auch erfolget, und ein Tag zur Verhoͤr und Vergleich der Sachen von den d Herrn Anhang unterschiedener nuͤtzlicher Herrn Commissari en angeordnet wor- den. Ob ihr nun wohl wegen einiger zu Halle zuruͤckgebliebenen Document en nicht recht parat erscheinen koͤnnen; So habt ihr doch, besage des gehaltenen Commissions-Protocolls sub sign. ✶ von eurem Gegentheil schon soviel vernom- men, was derselbe eigentlich wider euch vorzubringen vorhabens, und vermey- net, es sey genung, euch von euerm Recht zu ruͤcken, wenn es das Instrumentum Pacis zu Huͤlffe naͤhme, und euere Zeu- gen vernichte, auch vorstelle, es waͤre ex gratia euch die freye Mastung bißhero ge- lassen worden, und ein blosses Precari- um zu nennen, daß ihr die Schweine in euer Gehoͤltze eintreiben duͤrffen, da doch das Instrumentum Pacis hiehin nicht schlies- se, das Precarium nicht erwiesen, und ihr im uͤbrigen wegen eurer Holtzung, daß dieselbe der Stadt Acken zustehe, Hoch- Fuͤrstliche Rescripta darzeigen koͤnnen, veꝛmoͤge deren die Hoch-Fuͤrstliche Herren Ertz-Bischoͤffe und Administratores jeder- zeit euere Holtzung vor der gemeinen Stadt liegend eigenes erkannt; Deswe- gen auch der hochseelige Herr Admini- strator, Joachim Friedrich, Marggraf zu Brandenburg ꝛc. euch umb zukom- mende Lattreife Anno 1581. besage Hoch- Fuͤrstlichen Briefes sub Lit. A. Gnaͤdigst begruͤsset, und versprochen, daß Sie euch mit anderm Holtz auf euer Ansuchen Erstattung thun lassen wolten; welche Hoch-Fuͤrstliche Durchl. damahls zu Cal- be residir et, und eures Orts Kundschafft wohl gewust: Ja als ihr wegen euerer Schuld bey des hochseeligsten Hrn. Admi- nistratoris Augusti Hoch-Fuͤrstl. Durchl. anno 1660. von Br. Christian Ulrichen verklaget worden, haben Sr. Chur- Fuͤrstliche Durchl. anweisen lassen, daß er aus euren Holtzungen 60. Baͤume zu seiner Bezahlung genommen, davon das Hoch-Fuͤrstliche Rescript sub d. 16. Jan. anno 1660. Lit. B. mit mehrerm zeuget; Und da ihr zu euren Stadt-Gebaͤuden Holtz noͤthig gehabt, haben Se. Chur- Fuͤrstliche Durchl. sich gefallen lassen, daß euch 126. Stuͤck Eichen aus euerer Hol- tzung zu hauen angewiesen werden moͤch- ten, laut Hoch-Fuͤrstlichen Rescript s den 26. Martii 1667. sub Lit. C. welches letztere, nach der Hoch-Fuͤrstlichen Magdeburgi- schen Policey-Ordnung Cap. 31. geschehen; denn darinnen versehen, wenn gleich die Holtzung Jemand eigen zustuͤnde, und haͤtte das Recht zu holtzen und zu huͤten, so solte doch ohne vorgehende unterthaͤ- nigste Ansuchung, und ergangener Gnaͤ- digster Resolution nichts abgehauen wer- den, damit nicht kuͤnfftig ein Mangel an Holtze im Lande erscheinen moͤgte; Da- hero es in soweit eingezogen worden: Desgleichen seyd ihr auch zu keinẽ Dienst- Fuhren verpflichtet, wie denn klahr aus dem von des hochseeligsten Herrn Admi- nistratoris, Christian Wilhelms, Marg- grafens zu Brandenburg ꝛc. an euch ab- gelassenen Schreiben vom 19. Febr. 1616. sub Lit. D. zu ersehen, daß Se. Hoch- Fuͤrstl. Durchl. euch Gnaͤdigst um eine Fuhre, solche aus gutem freyen Willen zu thun, ersuchet, und versprochen, daß es zu keiner Consequenz und Einfuͤh- rung solle gedeutet werden; Ohngeachtet aber dessen, so will der Chur-Fuͤrstliche Forst-Meister euch all die Holtz-Gerech- tigkeit hinweg nehmen, also, daß er ohn- begruͤst sich unternommen, Baͤume in eurer Holtzung zu hauen, auch die abge- storbenen Baͤume vor sich hinweg zu fuͤh- ren, und euch davon nichts zu uͤberlas- sen: da doch ihr sonst das Holtzungs- Recht allein in sothanem Stadt-Holtz ha- bet, und die verstorbenen Baͤume, ohne einiges Ansuchen bey Hoch-Fuͤrstl. Herr- schafft hinweg genommen, und Niemand jemahls darinnen euch einigen Eintrag gethan, oder etwas gesaget. Deswegen ihr euch uͤber ihn bey der Hoch-Fuͤrstlichen Regierung zu Halle beschweren muͤs- sen, daß dessen vorgenommener unrechter Procedur, euch in euerer rechtmaͤßigen Possession vel quasi zu perturbir en, ge- steuret werden moͤgte, uͤber welchen der Chur-Fuͤrstlich-Brandenburgischen Be- amten unterstandene Eingriffe folgende Fragen zu eroͤrtern vorstellen. ( I ) Ob ihr nicht, ohngeachtet der ver- aͤnderten Herrschafft, im Ertz Stifft Mag- deburg, bey euerer und der Stadt Recht und Gerechtigkeiten zu schuͤtzen? ( II ) Ob ihr und gemeine Stadt in gegenwaͤrtigem Besitz gegruͤndet, nach- dem biß dahero uͤber Menschen Geden- cken jeder Brauer 4. ein Budner 2. so- wohl von ihren Haͤusern, als wuͤsten Brau- und Buden-Staͤdten, bestaͤndig hergebꝛacht, und die Raths-Verwandten, nebst dem Stadt-Schreiber ein jeder 4. auch die Geistlichen 4. Schweine ein jed- weder, auch andere gemeine Stadt-Be- diente ihre gewisse Competenz, wie in denen Registratur en designir et, bey voller Mast, zur Jaͤgerey gehoͤhrigen Materien. Mast und bey halber Mastung die Helffte frey ohne Abstattung des Fehm-Geldes, in die Ackenischen Gehoͤltze eingetrieben, und nicht mehr als Schreibe-Gebuͤhren und Brenn-Geld entrichtet; Dessen ihr der Rath, und die Geistlichen, auch die andern designirt en Personen gleich dem Fehm- Geld auch befreyet gewesen, daß ihr und gemeiner Stadt darbey zuerhalten, und euer erlangtes Recht noch ferner hierin- nen zu exercir en befugt? ( III ) Ob ihr mit euerm Zeugniß- In- strument sub Sign. H. dasjenige, was euch zu bescheinigen aufferleget worden, bescheiniget? ( IV ) Ob nicht der Amtmann zu Cal- be fernerweit, wie gebraͤuchlich gewe- sen, mit euerm Wissen und nebst euch die Eich-Baͤume besteigen zu lassen schuldig? zumahln da sonst bey einseitiger Besteig- und Besichtigung der Eichen, euch zu eu- rer und gemeiner Stadt Schaden, al- lezeit eine halbe Mast fuͤr die volle Mast angegeben und verkaufft werden koͤnne. ( V ) Ob er nicht die Nach-Mast, wie es vorhin und uͤber Menschen Gedencken gehalten worden, zu pflegen, und gleich- falls die Stadt-Schweine frey in eure Holtzung, nach obigem Recht treiben zu lassen verbunden. ( VI ) Ob nicht die Holtzung, so eu- rer Stadt zukommt, als eigen zu erklaͤh- ren, und da der Ober-Forst-Meister, mit angemaster Abhauung der Eichen, und Hinwegnehmung der verstorbenen, und durch Sturm umgeschlagenen Baͤu- me, ohne euer Vorwissen und Willen in eurer Stadt habenden Eigenthums, Recht und Possession euch injurir et, und perturbir et, derselbe davor der Stadt Satisfaction zu leisten pflichtig. ( VII ) Ob nicht der Churfuͤrstliche Forst-Meister sich alles ungewoͤhnlichen Begehrens, sonderlich der desiderirt en Holtz-Fuhren, zu enthalten schuldig? ( VIII ) Ob ihr nicht in allen seinen unbilligen Begehren, und Zumuthen ihm gebuͤhrenden Wiederstand zu thun be- fugt. Auf die erste Frage, Rationes dubitandi. Wiewohl nun bey der ersten Frage von Seiten des Amts Calbe vorgegeben wird, es seyen (1) des Herrn Admini- stratoris Hochfuͤrstl. Durchl. vorige Zeit nur ein Usufructuarius des Ertzstiffts gewesen, und zwar solches vermoͤge der Magdeburgischen Wahl- Capitulation: Dannenhero von derselben Jhrer Chur- fuͤrstlichen Durchlauchtigkeit zu Bran- denburg durch Verstattung anderer Eingriffe in Dero Eigenthum nicht habe præjudicir et werden koͤnnen; (2) Sey ein Ertz-Bischoff und Prælat e nur einer, der die Kirchen-Guͤter zu verwalten haͤtte, und also den Zustand der Kirchen nicht verschlimmern koͤnte; C. 2. X. de Donat. Bevorab (3) da des Herrn Administra- toris Durchl. nach klahrem Jnhalt des Instr. Pacis art. XI. §. 6. das Ertzstifft, wie dasselbe an Jhro Chur-Fuͤrstl. Durchl. zu Brandenburg durch Tausch an statt Pommern, vom Reich gelangt, weder mit Schulden, noch sonst einigen Ver- pfaͤndungen, Veraͤusserungen, und der- gleichen, worunter auch die Verjaͤhrung gehoͤrig sey, beschweren koͤnnen; Denn wenn die Vereuserung verbothen, glaubt man auch, daß die Verjaͤhrung verweh- ret sey; Tiraquell. de Primog. qu. 30. n. 4. Natta Cons. 432. n. 4. in princ. Und denn (4) wider hoͤchstermeldte Jhre Churfuͤrstl. Durchl. keine Verjaͤh- rung zu lauffen vermogt, immaassen er vorhero nicht klagen koͤnnen; L. 1. §. fin. C. de Annali Except. Daher ob schon in einer Sache, die nicht vereusert werden darf, die Verjaͤhrung einer sehr langen Zeit wider den Ante- cessorem statt haben koͤnne, Vid. Hartmann. Pistor. Lib. II. Qu. 8. n. 46. 64. seqv. So kan sie doch seinem Nachfolger nicht præjudicir en, weil dieser noch nicht kla- gen koͤnnen, H. Pistor. d. l. n. 24. So, daß die Rechts-Lehrer in der Mey- nung stehen, daß ihm nicht einmahl eine Verjaͤhrung von einer hundertjaͤhrigen Zeit, oder einiger andern schaden koͤnne, weil sie nicht eher anfangen kan, denn die Klage erwachsen; Cravetta d. Antiquit. temp. part. IV. §. Materia. n. 68. Rosenthal. C. IX. Concl. 84. n. 4. Merckelbach. ap. Klock. Cons. 7. n. 282. Koͤnte derhalben die Stadt Acken bey veraͤnderter Herrschafft, nunmehro sich dergleichen Richters, so dieselbe wider den Herrn Administratorem, hoͤchstseeli- ster Gedaͤchtniß, anfuͤhren moͤgen, wider Jhro Chur-Fuͤrstliche Durchlauchtigkeit zu Brandenburg nicht gebrauchen. d 2 Rationes Anhang unterschiedener nuͤtzlicher Rationes Decidendi. Dennoch aber und dieweil (1) hoͤchst- erwehnte Jhre Chur-Fuͤrstl. Durchl. vermoͤge des Instrumenti Pacis nur al- lein auf das Ertzstifft auf den Fall seiner Erledigung eine Expectanz gehabt, nehmlich mit dem Recht die vacante Pos- sess zu ergreiffen, und mit dem Eventu- al-Jurament der Treue und Unterthaͤ- nigkeit von den Vasall en, Bedienten und Unterthanen, d. Art. XI. §. 6. Jm uͤbrigen aber des Herrn Administra- toris Hoch-Fuͤrstl. Durchl. die Alienatio- n en und Verminderungen vom Ertzstifft, vermoͤge eines Vergleichs, und oͤffentli- chen Gesetzes verbothen worden; So koͤn- nen so wenig Jhre Chur-Fuͤrstliche Durchl. zu Brandenburg voriger Zeit fuͤr einen Eigenthums-Herrn, als in An- sehung derselben des Herrn Administra- toris Durchl. vor einen solchen, der es nur bloß zu nutzen und zu gebrauchen hat, ausgegeben werden. Ob es wohl in Ansehung des Capituls dißfalls eine andere Gelegenheit, mit dessen Zuzie- hung sonst der Herr Administrator eini- ger Alienation sich wohl unterstehen koͤn- nen, C. fin. \& t. t. de Reb. Eccl. non alien. C. pen. X. de Fidejuss. wenn nicht daruͤber in dem Friedens- In- strument Versehung geschehen waͤre, weil ein Prælat e doch allerdings vor ei- nen, der gleichsam ein Herr des Stiffts ist, mit zu halten. Ziegler ad Lance ll. Lib. III. Tit. 2. §. 1. Daß nun (2) bey des Herrn Admi- nistratoris Regierung die Mast und andere der Stadt Acken angefochtene Gerechtigkeiten von dem Ertzstifft durch eine Verjaͤhrung abgebracht worden seyn; solches wird von der Stadt nicht behauptet, noch auf die Verjaͤhrung sich beruffen, hat auch die Stadt so gestal- ten Sachen nach, und da sie in der Pos- sess einer undencklichen Zeit versirt, we- der die Verjaͤhrung, noch sonst einig recht- maͤßiges Mittel anzuziehen vonnoͤthen; Und also wird von Seiten des Amts Calbe vergebens disputirt, ob die Ver- jaͤhrung wider den Durchlauchtigsten Chur-Fuͤrsten zu Brandenburg statt habe, da es doch noch zur Zeit nicht er- wiesen, daß dergleichen Rechte dem Ertz- stifft voriger Zeit jemahls zugehoͤrig ge- wesen. Wenn nun den Fuͤrsten gar kein Recht zukommen, wie kan man wohl fragen, ob er davon wieder abgebracht werden koͤnnen; Surdus Cons. 377. n. 24. So kan auch (3) wo man wegen der Possess einer undencklichen Zeit kein Pe- titorium anstellen kan, kein gegenseitiges Recht statt finden. Jnsonderheit da (4) zu vermuthen, daß die Beamten zu Cal- be dergleichen Jura dergestalt von dem Amte bevorab zu Calbe einiger Zeit die Ertz-Bischoͤffliche Residentz gewesen, nicht wuͤrden haben abkommen lassen, indem man von einem Jeden, der in einem Am- te stehet, die Vermuthung hat, daß er fleißig, und seines Amtes eingedenck ge- wesen, C. 11. X. de Præsumpt. Marpurg. IV. Cons. 34. n. 10. \& 123. Menoch. V. præsumpt. 1. Und hieruͤber nach erfolgtem Instrumen- to Pacis alle des Ertzstiffts Beamten und Unterthanen allbereit nicht weniger in Chur-Brandenburgischen Eventual- Pflichten gestanden. Wie dann (5) wenn ein Regiment vorhero, unter ei- ner Verwaltung gefuͤhret worden, der Nachfolger, was solche Zeit uͤber gethan und vorgangen, genehm zu halten ver- bunden ist; denn was einer als ein Reichs- Administrator tractir et, so ist der Succes- sor zu dessen Haltung verbunden, ob er gleich nicht Erbe wird; Mager d. Advocat. armat. c. 16. n. 821. Argentorat. II. cons. 24. n. 25. seqv. Zumahl da keine Fußstapffen einiger Schuld und Versaͤumniß weder von ihm, noch von seinen Ministris angetroffen wer- den moͤgen, sondern vielmehr die Acta vorhanden, daß von solcher Mastung zu- vorher auch gehandelt worden. Viel- weniger wuͤrden Jhre Chur-Fuͤrstliche Durchl. in dieser Sache, wenn auch schon durch die Verjaͤhrung (wie doch nicht,) et- was dem Ertzstifft, und dessen Einkuͤnff- ten entgangen seyn solte, wider den Zu- stand, worinnen sie dieselben gefunden, etwas aͤndern, und wider aufreissen koͤnnen; Sintemahl nur allein in Instru- mento Pacis die wuͤrcklichen Handlun- gen und vorsetzlichen Vereusserungen ver- bothen, gar nicht aber andeꝛe Bewegungs- Ursachen und Mittel, wodurch sich eini- ge Aenderung erheben moͤgen, aufgeho- ben sind, und hingegen die Erbesserun- gen ebenfalls mit angenommen werden. Denn es moͤgen allerdings auch die Kir- chen-Sachen, ob sie gleich nicht vereus- sert werden koͤnnen, verjaͤhret werden. Und zur Jaͤgerey gehoͤrigen Materien. Und wenn ein Successor alles nach dem vorigen Stand einrichten koͤnte, so wuͤr- de unter den geistlichen Fuͤrsten nichts be- staͤndig seyn, sondern es wuͤrden alle Rech- te der Possess und der Verjaͤhrung, auch die von undencklichen Zeiten her cessir en, welches keines weges zuzulassen. Vid. Salgado d. Protect. Reg. P. l. c. 3. n. 88. seqv. Hierzu kommt (6) dieses, daß von mehr bewaͤhrten DD. die Lehre, daß die Verjaͤh- rung wider den Successorem eines Va- sall en, ingleichen wider den Fideicom- missarium und dergleichen Personen nicht statt habe, nicht nachgegeben wird; Vid. Rosenthal. c. IX. d. Feud. Concl. 95. Hartmann. Pistor. II. qu. 8. n. 31. Deren Meynung leichter beyzupflichten, da ein Anfang bey der Verjaͤhrung ist ohne Zuthun des Antecessoris, und man demjenigen, der es durch Verjaͤh- rung uͤberkommen will, nicht beymessen kan, daß er es auf unrechtmaͤßige Art erlangt; vornehmlich aber muß es an- genommen werden, von einer Zeit, von deren Anfang man nichts mehr weiß. Und weil (7) die Stadt Acken ihre Præscription, wenn sie anders sich der- selben bedienen wolte und muͤste, schon eher, denn Jhro Chur-Fuͤrstliche Durchl. auff das Ertz-Stifft Magdeburg die Ex- pectanz erhalten, nicht nur angefangen, sondern auch wohl gar geendiget; So wuͤrde nicht einst dem Amt Calbe zu stat- ten kommen, daß die Verjaͤhrung eine Vereusserung sey, ingleichen, daß die Verjaͤhrung wider den Nachfolger ei- nes Vasallen, einen Fideicommissarium oder dergleichen Personen nicht statt fin- de: Alldieweil die Alienation en, so hin- fuͤhro sich begeben wuͤrden, in Instru- mento Pacis verbothen; Und im uͤbri- gen, wenn die Præscription nicht voll- bracht gewesen, die DD. nichts desto we- niger einmuͤthig nachgeben, daß die Ver- jaͤhrung, wenn sie vor der Einsetzung ei- nes Fideicommiss es angefangen wor- den, wider den Besitzer eines Fideicom- miss es statt habe, und also dem Nachfol- ger im geringsten nicht schade; Anton. Gabriel. Comm. Conclus. Tit. de Præscript. Concl. 13. n. 8. Nachdem aber die Stadt Acken sich bloß- hin auff den unverdencklichen Besitz be- rufft, wodurch die Klage des Petitorii, in specie von denjenigen Stuͤcken, die zur Verjaͤhrung erfordert werden, (be- vorab das Amt, daß ihm jemahls die jetzt streitig gemachte Jura vor der Zeit zu- gestanden, nicht erwiesen,) zumahl um- sonst seyn will; Als wird die Stadt bey solchen ih- ren ersessenen Rechten billich auch nach ge- endertem Regiment des Etzstiffts gelassen, indem Niemand sein Recht zu entziehen, auch nicht einmahl durch einen Fuͤrsten. Gail. II. O. 56. \& 142. Auff die andere Frage. Ob dann wohl, die andere Frage betreffend, das Amt Calbe in der Mey- nung gestanden, daß (1) weil das Forst- Recht der Herrschafft zustaͤndig, so muͤ- ste auch die Eichel-Mast und die freye Disposition daruͤber derselben zugehoͤhrig seyn, um so mehr (2) weil die so genann- te Ackenische Hoͤltzer Jhrer Churfuͤrst- lichen Durchlauchtigkeit Eigenthum, und daher vor derselben Freyheit zu vermu- then; Auch ob schon (3) die Stadt Acken biß daher der Mastung sich gebraucht, dennoch dasselbe aus Gnaden geschehen, und ein blosses Bittweise zugestandenes Recht sey, wie denn solches aus dem Extract des Erbzinß-Buchs de anno 1642. klar erscheine, und darneben Rech- tens, daß, wenn einer eines andern und Frembden Sache gebrauchet, es das An- sehen haben soll, daß solches nur bitt- weise geschehen; Cavalcan. V. Dec. 3. n. 7. Und bey einem zweiffelhafften Fall ver- muthe man allzeit eine Bitt-weise und aus Gnaden zugelassene Handlung; Wesenbec. Cons. 2. num. 79. \& Cons. 48. num. 2. Menoch. Cons. 160. n. 20. Zumahl bey uncoͤrperlichen Sachen, da man nicht sattsam anzuzeigen vermag, auff was Art man dazu kommen, wel- ches doch, wenn es wider einen Fuͤrsten gehet, gar noͤthig ist: Mev. IV. Dec. 357. Und wie demnach dergleichen Bittweise geschehene Handlungen auch sonst keine Possession inducirt en, Menoch. II. A. I. Q. c. 169. n. 12. Also koͤnte (4) solche der Stadt Acken vor- gemeldete Possession der Herrschafft zu keinem Nachtheil gereichen, weil die Ver- muthung vor denjenigen, dem das ge- meine Recht wiederspricht, nicht seyn kan, Mascard. de Probat. Conclus. 1194. Wie deßfalls vor die Unterthanen gegen ihre Herrschafft, wenn auch gleich eine undenckliche Possess waͤre, indem die Re- d 3 de Anhang unterschiedener nuͤtzlicher de ist von den Regalibus eines Fuͤrsten, deren die Unterthanen nicht faͤhig seyn; Daß aber eine undenckliche Verjaͤhrung die Krafft eines Privilegii haben solte, haͤtte im geringsten nicht statt, wenn die Unfaͤhigkeit einer Person darzu kaͤme; Bertazzol. Cons. Civ. 46. n. 44. Ohne daß es auch (5) an der Wissenschafft und Gedult des Herrn ermangelte, die doch in den Verjaͤhrungen der uncoͤrper- lichen Sachen auch unter gemeinen erfor- dert wuͤrde; Dennoch aber und dieweil hiebevor, wenn gute Eichel-Mast gewesen, ein Je- der zu Acken wohnhaffter Buͤrger, so- viel er gewolt, Schweine in die Mast ein- zutreiben gehabt, und davon kein Mast- Geld gegeben, hernach aber solche Befrey- ung enger eingeschrenckt worden; So ist daraus abzunehmen, daß die Mastung der Stadt zugestanden, hernach aber die Herrschafft das Mast-Geld eingefuͤhret, und doch gleichwohl eine gewisse An- zahl nicht dem blossen numero nach, son- dern mit Absehen auff die Raths-Per- sonen, Geistliche und andere, auch des Steuerbahren Vermoͤgens der Einwoh- ner, frey gelassen worden; Wobey es denn billig um so mehr auch fuͤrohin ver- bleibet, und die Herrschafft an dem Mast- Geld, wie auch die Beamte an gewisser Participation von denen Fehm- und Brenn-Geldern, welches gleicher gestalt bey Einfuͤhrung der Mast-Gelder, also zweiffels ohne zwischen denen Beamten und der Stadt durch Vergleich beliebt worden, sich begnuͤgen lassen; Von wel- chen Umstaͤnden denn wohl klaͤhrere Be- weißthuͤmer sich erfinden wuͤrden, wenn die Stadt nicht durch die darinnen im Kriegswesen entstandene Feuers-Brunst um ihr Archiv kommen waͤre. Denn es ist gleichwohl (1) an dem, daß die Stadt in den Gehoͤltzen das Recht zu holtzen und zu huͤten hat, und obwohl darinnen die Fuͤrstliche Obrigkeit der Herrschafft zu- stehet; Dieweil aber doch die Stadt im uͤbrigen im Besitz der Gehoͤltze sich befin- det, aus der Possess aber das Eigenthum vermuthet und erwiesen wird, L. ult. C. de Rei vindic. Carpzov. II. Const. 14. def. 25. n. 9. So wird insonderheit auch die Mastung, zumahl dieselbe auch sonst Privatis wohl zukommen kan, so weit solche nach der Zeit nicht beschnitten worden, vor der Stadt Eigenthum gehalten, weil die Exception hievon nicht erwiesen werden mag, Wes. I. Cons. 30. n. 3. Ja die Stadt vielmehr in der Possess sey, welche vor den Besitzenden, und des- sen freyen Eigenthum eine Vermu- thung macht. Wesenb. I. Cons. 21. n. 68. Menoch. Ill. Præs. 91. n. 42. (2) Folget es nicht, daß eben demjenigen die Mast gehoͤre, der das Forst-Recht in denen Gehoͤltzen hat; Vielmehr sagt Gaili- us II. Obs. 68. es sey ausser Zweiffel, daß das Recht, Eicheln zu lesen, dem Herrn des Waldes zustehe, und nicht demjenigen, der das Regale darinnen hat, zur Mastung des Wildes, dafern man sich nicht eines andern verglichen, welches aus der Ob- servanz geschlossen werden kan, weil das alte statt eines Gesetzes ist. Nun aber ist die Observanz vielmehr an seiten der Stadt, und obwohl dieselbe anfangs gar die freye Mast durchgehends gehabt, so laͤst sie es doch bey dem nunmehro langwieri- gen Herbringen der modificirt en Mast verbleiben. Zwar ist nicht ohne, daß der- jenige, der in einem frembden Walde das Forst-Recht hat, auch die Fruͤchte des Waldes habe, soweit als sich das Wild davon erhaͤlt; Was aber nach nothduͤrff- tigem Unterhalt des Wildpraͤths uͤber- bleibet, gehoͤret dem Eigenthums- Herrn, weil er sonst seines Eigenthums schlecht gebessert seyn wuͤrde. Gryphiander Oecon. Legal. L. 1. c. 18. n. 1. Noe Meurer P. II. Tit. Ob die Ei- cheln, Fruͤchte und ander wild Obst dem Forst- oder Eigen- thums-Herrn gebuͤhren. Daß nun (3) das Ackenische Gehoͤltze der Stadt Eigenthum sey, und dieselbe solches, wie ihr Eigenthum gebraucht habe, ist aus obigen mehrers zu verneh- men, ob gleich Jhrer Chur-Fuͤrstlichen Durchl. darinnen das Forst-Recht zu- gehoͤhret. Denn was (4) von der Ver- muthung einer bittlich zugelassenen Handlung aus dem Besoldo angefuͤhret worden, schliest auff diesen Fall um des- halben nicht, weil Besoldus in erwehn- tem Consilio redet (1) von einer Dienst- barkeit, die man auff frembdem Grund und Boden intendirt; (2) Von dem Fall, da sich einer der blossen Possess bedienet, ohne Huͤlffe einer undencklichen Zeit; (3) Von einem Recht, welches mehrentheils bittweise erhalten wird, als die Atzung, wovon zur Jaͤgerey gehoͤrigen Materien. wovon daselbst gehandelt wird. (4) Wenn keine andere Vermuthung Platz finden kan; Hingegentheil, wenn der Gebrauch aus dem Eigenthum einer Sache oder ei- ner Schuldigkeit herfliest, so wird die Bittweise zugelassene Handlung nicht vermuthet. Ja es ist unmoͤglich, daß es eine bitt- liche Handlung sey, da der Rath in so langer Zeit disponirt gehabt, das Fehm- Geld eingehoben, und davon dem Ge- leitsmann zu Calbe etwas gewisses, als von jedem Schwein nicht mehr, denn ei- nen Groschen, und dem Foͤrster 4. Pfen- nige zum Brenn-Geld zu gut kommen lassen, auch eine gewisse Zahl gehalten, und einerley Gebrauch auf eine bestaͤn- dige Art beobachtet, inmaassen der Rath auch so gar das Fehm-Geld zur Bestal- lung und Erhaltung der Mast, und die Hirten davon zu besolden gebraucht; Vid. Zeug. 1. 2. und 3. auf den II. Artic. Und zwar noch das nechste Jahr. Vid. Registratur von anno 1653. Eines Tituli, wie sie es uͤberkommen, hat die Stadt nicht vonnoͤthen: Die Hochloͤbliche Regierung zu Halle hat durch ein Rescript vom 28. Sept. 1681. der Stadt injungir et, die Possession der frey- en Mast zu bescheinigen, und daher die- selbe vor faͤhig solches Mast-Rechts er- kannt; So stehet auch die Vermuthung des gemeinen Rechts der Stadt nicht im Wege; Denn warum wolte nicht eine Gemeine faͤhig seyn, das Mast-Recht vor ihr Vieh in ihrem Gehoͤltze zu haben; Denn ob es zwar wohl den Regali en mit beygezehlet wird, wenn es unter eines Fuͤrstens Eigenthum mit begriffen, so- wohl als das Recht zu huͤten und zu hol- tzen, so koͤnnen doch solche nutzbare Jura eben sowohl den Privat- Personen unter dem Namen der Privilegien oder auch von ihren Eigenthum zustaͤndig seyn. Ja wenn auch schon einem Besitzer die Vermuthung des gemeinen Rechts entgegen stehet, so ist er doch sodann eini- gen Titulum zu erweisen nicht schuldig, wenn er sich in einer Possess von undenck- lichen Zeiten her befindet; Myns. I. O. 30. Vult. II. Cons. Marp. 32. n. 70. Weil eben diese Possess, aus welcher die Verjaͤhrung zuwege gebracht wuͤrde, der rechtmaͤßige Weg ist, nach welchem das Eigenthum erlanget wird, C. I. X. de Præscript. Wesenb. I. Cons. 4. n. 79. Auch wider seinen Ober-Herrn, Carpzov. III. Const. 24. weil sie die Krafft einer Special-Con- cession hat, Sixtin. I. de Regal. c. 5. n. 137. seqv. so, daß sie sich auch auff gewisse Maas- se auff die Reservat en erstrecken, Rosenthal. de Feud. C. V. Concl. 16. num. 3. Menoch. Cons. 2. n. 70. seq. Weniger dießfalls von einem rechtmaͤßi- gen ehrlichen Wege, oder von der Wissen- schafft des Herrn die Frage seyn kan. Ja wo bey andern Verjaͤhrungen eine Wissenschafft vonnoͤthen, da ist auch die Wissenschafft der Bedienten vor die Wissenschafft des Herrn zu halten; Vid. Riminald. Jun. Cons. 102. n. 18. Surdus Dec. 4. n. 6. Daher lehret auch Balbus uͤberhaupt d. præscript. II. p. 3. daß es nicht noͤthig sey, daß der bona fides und die andern Requi- sita der Præscription bey einer undenck- lichen Verjaͤhrung vonnoͤthen seyn, ja die Vermuthung eines malæ fidei schliesse sie aus, vid. Mascardus Concl. 1213. num. 54. und habe die Krafft eines oͤffentlichen In- struments, Cravetta Consil. 685. n. 21. so, daß man in der Meynung stehet, daß, wenn die undenckliche Zeit erwiesen, so sey auch das Eigenthum sattsam beschei- niget, Myns. I. O. 30. Schvvanm. II. d. Process. c. 18. n. 48. Und weil endlich das aus ihren eigenen Schraͤncken vom Amt herfuͤr gebrachte Erb-Buch der Stadt nicht schaden kan in diesem Fall, indem solches nur (1) neulich, und von Anno 1642. auffgerich- tet ist, da die Stadt ihr Recht bereits er- sessen hat; (2) Einseitig und ohne Zuzie- hung derselben, da doch dergleichen Buͤ- cher nicht einmahl der Herren wider ih- re Unterthanen (geschweige denn eines Amts wider die Stadt,) etwas beweisen, wenn sie nicht oͤffentlich vorgelesen, durch ihre gemeinschafftliche Einwilligung con- firmir et und publicir et worden; Carpzov. Resp. 61. Myler. Hyparchol. c. 10. §. 11. n. 17. Allwo er lehret, daß die Buͤcher der Be- dienten niemahls wider einen Dritt- mann, mit dem man nichts zu thun ge- habt, etwas erweisen. Worzu denn (3) kommt, daß die Stadt nichts desto we- niger, wie zuvor, also auch hernach, in der Anhang unterschiedener nuͤtzlicher der Possess blieben, und das Buch nie- mahls zur Observanz kommen. Man muß aber vornehmlich dieses in Consi- deration ziehen, daß es bestaͤndig nach ei- nerley Jnhalt verfertiget ist; Als ist solchemnach die Stadt in der gegenwaͤrtigen Possess zur Gnuͤge fun- dirt, auch fuͤrohin bey solchem ihrem her- gebrachten Befugniß billich zu schuͤtzen. Bevorab auch, was die dritte Frage Betrifft, die Stadt die Possess, wie derselben durch ein Decret auferlegt wor- den, auch so gar die von undencklichen Zeiten her, und also mehr, denn sattsam bescheiniget; Unerachtet, was deßfalls so- wohl wider die Personen der Zeugen, als auch deren Aussage, und insonder- heit, als ob die Articul auf dasjenige, was bewiesen werden soll, nicht schluͤssen, eingewendet werden wollen: Denn ob- wohl (1) die Zeugen aus einer Gemeine in Sachen, die aller und jeder Nutzen an- betreffen, kein tuͤchtiges Zeugniß abge- ben koͤnnen; Carpz. P. 1. Const. 16. def. 68. Auch sonderlich diejenigen, welche eine Sache im Namen der Gemeinde, ob schon durch einen zur Sache bestaͤttigten Klaͤger, treiben, nicht gaͤntzlich aus allem Verdacht zu setzen, als etwan einige des Raths, wegen der Affection, die sie zur Sache tragen. Vid. Mev. dec. 86. (2) Weder auf die Art und Weise der Verjaͤhrung, noch auf den Vorbewust- des Eigenthums-Herrn articulirt, weni- ger eines oder das andere erwiesen wor- den; Dieweil (1) dem Rath nur bloß die Bescheinigung und zwar ihres Besitzes aufferlegt worden, welchen Falls der Be- weiß nicht so gar scharf zu fordern, indem eine blosse auferlegte Bescheinigung viel Faveur hat; Carpzov. Tit. 13. Process. artic. 1. n. 197. sequ. Nichts desto weniger aber (2) die Zeugen als Buͤrger der Stadt Acken in Anse- hung dieser Handlung zuforderst ihrer Pflicht erlassen, und sodann beeydiget sind, da sonst auch in Summari schen Sa- chen den unvereydeten Glauben beyge- legt wird. Carpzov. Resp. 20. n. 27. (3) Hat die Lehre, daß die Zeugen aus einer Gemeinde, da sie als einzelne Nu- tzen davon haben koͤnten, untuͤchtig waͤ- ren, das Zeugniß abzulegen, ihre Abfaͤl- le, daß sie nehmlich nichts destoweniger zugelassen werden, (1) wo man die Wahrheit nicht anders heraus bringen kan; Carpzov. Tit. 13. Proc. art. 5. §. 9. (2) Wenn sie sich zugleich auf gewisse In- strumenta der Gemeinde und andere Huͤlffs-Mittel beziehen; Mascard. de Probat. Concl. 318. n. 4. (3) Wo eine grosse Gemeinde ist; Menoch. II. A. J. Q. c. 2. (4) Kan man auch nicht sagen, daß es der eintzeln Interesse sey, wenn die eintzel- ne in ihrem Namen nicht klagen oder ex- cipir en koͤnnen. Daher haͤlt auch Panor- mitanus bey dem C. 5. X. de Testib. dafuͤr, daß in Ansehung des Hutungs- und Hol- tzungs-Rechts einzelne aus der Gemein- de zuzulassen waͤren; (5) Koͤmmt auch noch dieses dazu, daß hier in Ansehung der Stadt die Rede gewesen von dem Beweiß einer sehr langen und fast un- dencklichen Possess, da, ob gleich Leute von 54. Jahren gnug gewest waͤren, die es von 40. vergangenen Jahren ausge- sagt, Mynsing. 1. Obs. 30. daß man sich nehmlich des Gegentheils nicht errinnern koͤnne, und man dieses auch von den Vorfahren allezeit so ge- hoͤret; Cacheran. Decis. 101. n. 16. Sintemahl auch hierinnen solche Zeu- gen, die es gehoͤret, genung sind; Mascard. Concl. 1041. de Probat. Dennoch die Stadt Luͤben gewolt, auf noch entferntere Zeiten gehen, so viel als den producirt en Zeugen hiervon bekant gewesen; Und da verschlaͤgt es nun nichts, es moͤgen die Zeugen aus dem Rath seyn, (wie etwan einer oder der andere ist,) oder aus der uͤbrigen Buͤrgerschafft, in- dem die gantze Stadt in Ansehung der gegenwaͤrtigen Possess sattsames Zeugniß abzulegen vermoͤgend ist. Gestalt denn auch der Stadt einige Præscription zu erweisen nicht auferlegt, sondern nur die Possession zu bescheini- gen injungir et worden; Nun aber ist von denen Zeugen deutlich ausgesagt, daß ein Brauer bey voller Mast vier, ein Budener zwey, und bey halber Mast halb soviel Schweine frey einschlagen moͤgten; Also sagen die Zeugen 2. 4. und 5. aus, welcher letztere Zeuge auch noch die Ursache hinzufuͤget, warum er es ei- gendlich wisse. Jnglei- zur Jaͤgerey gehoͤrigen Materien. Jngleichen haben von denen ange- gebenen freyen Personen vor die Stadt deponir et der 1. 2. und 5. Zeuge ad Ar- tic. 7. und der 1. 2. 3. Zeuge ad Artic. 8. allwo der 1. und 3. wiederum die Ursa- che ihrer Aussage hinzufuͤgen, woher sie es eigendlich wissen, Dem dann die Regi- stratur en von anno 1629. 1647. und 1653. adminiculir en. Und sagen die Zeugen alle 5. einmuͤthig ad artic. 6. daß die Stadt bey solcher Zahl vor, in und nach dem Krieg allezeit geblieben. Dahero um- sonst, und ausser dem statu Controver- siæ eingeworffen wird, daß die Verjaͤh- rung das Petitorium fundir e, und daher Jhrer Chur-Fuͤrstlichen Durchl. die Pos- session gestanden wuͤrde, ingleichen daß die Verjaͤhrung eine rechtmaͤßige Art und Weise eine Sache zu uͤberkommen und den Vorbewust des Eigenthums- Herrn erfordere: Denn wie die Stadt nur allein die gegenwaͤrtige Possess, und nicht einst die undenckliche zu erweisen hat; also kan sie ja dem Amt die Posses- sion nicht gestanden haben, dadurch, daß sie gar die undenckliche erweiset. Ob nun gleich hieraus in Petitorio der Stadt ein bestaͤndiges Recht zum præscribir en zu- kommt; So folget es doch nicht, daß die- selbe sich die Causam petitorii zu erheben anheischig mache; Zumahl auch die Stadt sich nicht auf eine undenckliche Præscri- ption zu gruͤnden ursache hat, weil das Amt Calbe noch nicht erwiesen, daß der Herrschafft jedesmahl das Mastungs- Recht in denen Ackenischẽ Gehoͤltzen zuge- standen, und dasselbe deswegen die Stadt, durch einen rechtmaͤßigen Weg, oder ei- ne undenckliche Verjaͤhrung haͤtte erlan- gen muͤssen. Uber dieses, und was in- sonderheit den Titulum anbelangt, so hat nicht einst derjenige dessen vonnoͤthen, der ein Regale als wie das Jagd-Recht eine sehr lange Zeit uͤber oder einer Zeit von 30. Jahren nach einander exercirt hat, sondern, wenn auch andere Vermu- thungen mit dazu kommen, so kan eine solche Verjaͤhrung wider einen Fuͤrsten guͤltig seyn. Brunnemann Decis. 24. lehret, daß bey einer Verjaͤhrung einer undenck- lichen Zeit keines Tituls vonnoͤthen sey. Vid. Taborem de Metatis, p. 173. ingleichen Canis. ad C. 9. X. de Decimis. da er sagt, daß es eine vergebliche Sache sey, sich um den Titul zu bekuͤmmern, da von dem Fall einer Verjaͤhrung wider den Herrn selbst die Rede waͤre, sondern in Ansehung des- sen, der etwas von demjenigen, der nicht Eigenthums-Herr ist, durch die Verjaͤh- rung erlangen will, dem waͤre die Krafft der undencklichen Verjaͤhrung an statt eines rechtmaͤßig zu wege gebrachten Mit- tels eine Sache zu uͤberkommen. Also nicht weniger wuͤrde der Vor- bewust des Fuͤrsten, im Fall die Stadt einiger Præscription, und sonderlich einer undencklichen Zeit beduͤrffen solte, ver- geblich urgir et. Denn die Verjaͤhrung ohne Vorbewust und Gedult des Fuͤrsten laufft auch wider den Kaͤyser selbst, Sixtin. de Regal. L. 1. c. 6. n. 146. und sagt er n. 411. daß hierdurch ein staͤr- cker und kraͤfftiger Recht erlangt wuͤrde, als durch ein Privilegium. Balbus sagt auch, de Præscript. m. 2. part. 5. Princ. n. 19. daß sie bey Regali en auch wider einen Fuͤrsten lieffe, ob ihm gleich nichts da- von bewust waͤre. Ja, daß die Wis- senschafft der Bedienten einem Herrn præjudicir e, daß die Regali en, z. E. des Zolles, der Land-Strassen, u. s. w. wider ihn præscribir et werden koͤnnen, lehren Cravetta V. Cons. 894. n. 33. Knichen de Jure Territ. c. 3. n. 152. seqv. Jngleichen hat die Stadt sich darum nicht zu bekuͤmmern, ob die Zeit der Præ- scription zusammen gebracht werden koͤnne, oder nicht; noch auch insonderheit, ob von anno 1618. biß 1648. die Præscri- ption geruhet habe: denn es ist genug, daß das Amt nichts, als die verwerffli- che Registratur des Erb-Buchs, und im uͤbrigen keinen Zeugen oder andern tuͤch- tigen Beweißthum aufbringen koͤnnen, daß solches jemahlen in possessione der asserirt en Disposition uͤber die Mast ge- wesen, sondern die Stadt ihren unver- ruͤckten Besitz erwiesen, man bringe nun daraus eine Præscription, oder nicht. Gestalt denn dem Amt sein Recht in Pe- titorio, wenn es anders noch uͤbrig waͤ- re, auszufuͤhren zukommen will. Ob denn wohl die Lehre einiger Rechts-Lehrer dahin gestellet wird, daß die Disposition des letztern Reichs-Ab- schiedes de Anno 1654. §. 172. vermoͤge wel- cher die Verjaͤhrung, bey anhaltendem dreyßigjaͤhrigen Kriege ruhen solle, al- lein zu den Sachen der Creditorum ge- hoͤre, und daher solche Verjaͤhrung denje- nigen, die unter waͤhrendem Kriege das ihrige von einem andern nicht vindicir en, nicht zu statten kommen, sondern gewis- ser Requisitorum vonnoͤthen habe; C. 10. X. de Præscript. Textor. Disp. 14. ad Rec. Imp. th. 41. seqv. e So Anhang unterschiedener nuͤtzlicher So kan doch auch die Verordnung des gemeinen Rechts, daß die Præscription zu Krieges-Zeiten nicht lauffe, gegenwaͤr- tigen Falls keine statt haben, weil der Grund der Disposition wegfaͤllt, welcher dariñen bestehet, daß demjenigen, welcher nicht in dem Stande ist, eine Klage zu er- heben, die Verjaͤhrung nicht lauffen koͤnne. Carpzov. II. Dec. 116. n. 10. Nun aber kan die Herrschafft jedes- mahl das ihrige an sich ziehen, so lange die Verjaͤhrung zu keiner Krafft gelangt ist, und bedarff keiner Klage; So sind auch in den Krieges-Zeiten zu Calbe je- derzeit Beamten gewesen, und in Pflich- ten gestanden, und nachdem die Stadt Acken in und unter waͤhrendem Kriege auf einerley Art der Mastung gebrau- chet, aber niemahls ihnen darinnen Ein- spruch geschehen; So muͤssen die Beam- ten selbiger Zeit wohl gewust haben, daß die Stadt dessen berechtiget sey, und uͤber dieses wuͤrde die Zeit vor dem Kriege nichts destoweniger vor eine undenckli- che Zeit zu rechnen seyn, wie sonsten die Zeiten vor dem Kriege mit denen nach dem Kriege gar wohl mit einander vereiniget werden, also, da das Calbische Amt nicht zu erweisen vermag, daß vor dem Kriege ihm oder dem Fuͤrsten das Mastungs-Recht, und die freye Dispo- sition daruͤber zugestanden sey, hingegen theils die Zeugen von einer Zeit, die sich uͤber der Menschen Gedencken erstrecket, das Gegentheil aussagen; So kan hieꝛaus billich die Zeit einer undencklichen Possess, und wenn es vonnoͤthen waͤre, auch die Verjaͤhrung gezogen werden. Auf die Vierdte Frage Halten wir vor Recht: Ob wohl die Be- steigung der Eich-Baͤume und Besich- tigung der Mast vor einen Anhang des Forst-Rechts mit ausgegeben wird, wel- ches denen Privatis, wie dißfalls der Stadt Acken, um so weniger gebuͤhren koͤnnen, weil auch weder das Capitul, Prælat en oder von Adel des Ertz-Stiffts sich dessel- ben anzumaassen begehren; Zudem auch solche Besichtigung erfahrne und darne- ben geschwohrne Leute erfordert; Der- gleichen die Forst-Bediente sind: Dahero auch der Stadt Acken ihr beschehenes An- maassen von Halle aus den 24. Octobr. 1674. allbereit verwiesen worden; Dennoch aber und dieweil (1) die Mast-Gerechtigkeit in dem Stand fer- ner zu brauchen, wie man solches damit von undencklichen Jahren gehalten, weil man dasjenige, welches man einmahl be- liebet, auch in kuͤnfftigen beobachten muß, immaassen denn die Zeugen, daß sie noch allwege zu der Besteigung mit gelassen worden, bey dem 9. Artic. bejahen, und nicht weniger, daß, als die Stadt darin- nen turbir et werden wollen, selbige sich ihr Recht reservir et; (2) Nichts unge- reimtes ist, daß eine Stadt das Mast- Recht, dessen Annexum vielmehr solche Besteigung und Besichtigung, als des Forst-Rechts ist, zustehe; auch dahero selbige dergleichen Besteig- und Besichti- gung sich anmaassen koͤnne. Hieher gehoͤret, was Ziegler sagt, L. 1. c. 3. de Jur. Majest. n. 19. es formir en sich oͤffters die Fuͤrsten neue Regali en, und verwehren den Unterthanen den Ge- brauch derselben, bloß deswegen, weil es Regali en sind, und genennet werden, so machen sie sie unfaͤhig, oder fordern von ihnen, daß sie sich erklaͤhren sollen, wie sie dazu gekommen. Denn ob schon ein Vasall e wider die ordentliche Beschaf- fenheit angehalten werden mag, die Art und Weise, wie er seine Possess uͤberkom- men, anzuzeigen, weil aber doch derglei- chen Beqvemlichkeiten nicht durch die blos- se Belehnung, sondern auch auf andere Art, obwohl nicht als Regali en, sondern als andere Emolumenta erlangt werden, so wuͤrde es sehr unbillich seyn, wenn ein Fuͤrste dergleichen Sachen bloß des Na- mens der Regali en wegen seinen Unter- thanen entziehen wolte. Jngleichen sagt er an einem andern Ort: daß die Regali en auch, da gleich sol- che Jura mit darunter zu rechnen, nicht nur durch die Belehnung, sondern auch durch die Verjaͤhrung von denen Unter- thanen acquirirt werden moͤgen, und ihr beyzubringen getrauet, daß ihr von un- dencklichen Jahren her in ruhiger und rechtmaͤßiger Possess gewesen. (3) Dahin gestellt wird, wie es anders- wo im Ertz-Stifft gehalten werde; Da zwar, im Fall die Besteig- u. Besichtigung der Eichen, ohne Vorwissen und Zuzie- hen der Stadt vorgenommen wuͤrde, von den Forst-Bedienten, so der Stadt nicht verpflichtet, das Angeben ausser Zweifel nicht der Stadt zum besten, son- dern vielmehr zu deren Verkuͤrtzung er- folgen duͤrffte. Nun aber darff Niemand eine schlim- me Condition zuwege gebracht, oder Ge- legen- zur Jaͤgerey gehoͤrigen Materien. legenheit zu verbrechen gegeben, oder auch eines Nutzen etwas entzogen wer- den; L. 8. §. 10. de Transact. So wird es auch in diesem Theil bey dem Herkommen billich gelassen. Wie nicht weniger Bey der Fuͤnfften Frage, Und so viel die Nach-Mast anbelangt, in- dem der 1. 2. 3. 4. und 5. Zeuge vermit- telst Eydes ausgesagt, daß in der Nach- Mast ein Jedweder, so viel er Schweine gehabt, hineingejagt, und daß sie noch biß dato in dessen Besitz seyn, alle Zeugen bey dem 12. Articul, und sich neulich re- servir et, wann sie wuͤrden nach der Be- sichtigung gantze Mast finden, daß sie so- dann in die Nach-Mast das uͤbrige Con- tingent noch nachtreiben wolten, Der 1. Zeuge, wie auch der 2. und 3. auf den 9. Artic. Nun aber erhaͤlt die Protestation das Recht desjenigen, der protestir et, unge- kraͤnckt. L. 8. §. 6. de N. O. N. Die sechste Frage Betreffend, dieweil gleichwohl vorige eu- re Gnaͤdigste Herrschafft, und zwar von Zeit uͤber hundert Jahren, wie des da- mahligen Herrn Administratoris, Marg- graffs Joachim Friderichs, Rescript aus- weiset, euch und gemeiner Stadt Acken vor Eigenthums-Herrn dieser Gehoͤltze erkannt, ihr auch in deren Besitz, und ordentlichen Genuß im Holtz-Faͤllen und anderm Gebrauch euch allezeit erfunden, wie denn hieruͤber die gemeine Fama euch allenfalls zu statten kommt. Denn gleichwie durch die blosse all- gemeine Sage ein Eigenthum erweiß- lich gemacht werden kan, also insonder- heit das Recht zu holtzen; Ummius. Disp. 18. d. Proc. th. 4. n. 14. Da einer zu allen Zeiten gewohnt ge- wesen, das Holtz zu faͤllen; Knichen. c. 3. de Jur. Territ. So kan es auch zu einer undencklichen Zeit erlangt werden, wenn es schon vor- her einem andern gehoͤret; Vid. Manz. de Serv. R. P. n. 326. ob schon sonst eine sehr lange Zeit genung zu seyn scheinet; Vid. Carpz. l. Resp. 36. n. 8. Wiewohl im uͤbrigen der Eigen- thums-Herr sich der Beholtzung also zu gebrauchen hat, damit denjenigen, wel- che in den Gehoͤltzen ihre Rechte haben, und zumahl dem Landes-Herrn an der Jagd und andern Gerechtigkeiten kein Abbruch geschehen moͤge. Gail. II. Obs. 67. n. 9. Chur-Fuͤrstliche Brandenburgische Forst-Ordnung, Tit. 76. Wohin denn auch ein und anderer Befehl von Gnaͤdigster Herrschafft, so dießfalls an die Stadt Acken abgangen, sein Absehen hat. Und weil der Chur- Fuͤrstliche Ober-Forst-Meister kein Fun- dam e nt anzuziehen weiß, warum er sich der Abhauung der Eichen, auch Hinweg- nehmung der in euren Gehoͤltzen umge- fallenen Baͤume unternehme; Ausser Zweiffel aber ihm hierinnen kein Besitz zustehet, worauff er sich zum wenigsten in Possessorio gruͤnden koͤnne. Ob dann schon bey Niemand einiger Dolus zu præsumir ẽ, L. 51. ff. Pro soc. insonderheit von keinen Bedienten ei- nes Fuͤrsten; Auch eine thoͤrichte Ur- sache von dem Betrug entschuldiget; Und aber keine Injurie ohne den Vorsatz ei- nen zu beschimpffen Jemand zugefuͤget wird: Dieweil aber doch ein jeweder Vorwand, wie auch eine naͤrrische Ur- sache bey den Verbrechen zum wenigsten durch sehr wichtige Vermuthungen zu erweisen ist; vid. Cothmann. 1. Resp. 19. Auch der Betrug freylich præsumir et wird, wann von verbothenen Dingen die Frage ist, L. 1. C. Ad L. Cornel. de sicar. L. 2. §. Doli. de Vi bon. rapt. ingleichen wenn einer mit Fleiß etwas wider die Billigkeit thut, und dann der- jenige, der auf eines andern Grund und Boden einfaͤllt, L. 5. §. 3. 4. ff. de Injur. oder der einen andern in seiner Possess aus Betrug und Boßheit stoͤret, vermoͤ- ge des L. un. C. Uti possid. Injuriarum ge- halten ist, dergestalt, daß er mit seinem Amt, welches er auff solche Weise miß- brauchet, und deshalben dazu noch uͤber dieses straffbahr ist, sich nicht entschuldi- gen mag; So ist erwehnter Ober-Forst-Mei- ster von Rechtswegen gemeiner Stadt solchen unbefugten Eingriffs halber Sa- tisfaction zu leisten pflichtig. Hiernaͤchst, und was Bey euerer Siebenden Frage, Die von dem Chur-Fuͤrstlichen Ober- Forst-Meister an euch gesonnene Holtz- Fuhren anreichet. Ob wohl, daß man in Besitz dergleichen Diensten stehe, e 2 auch Anhang unterschiedener nuͤtzlicher auch nur eine und andere Handlung ge- genug ist; L. 14. §. 2. de Alim. leg. Und aber ihr, auff Fuͤrstlich Gnaͤdig- stes Begehren, euch einsmahls der Fuh- ren unterzogen; Dahero es scheinet, daß die Herrschafft bey der fernern Exaction zu lassen, biß ein anders zur Befreyung in Petitorio von euch ausgefuͤhret wer- de; Dieweil aber jedoch (1) ein oder der ande- rer Actus keine Possession hebt, wenn der- gleichen Fuhren von einem Maͤchtigeꝛn er- fordert werden, wider welchẽ ein von ihm geschehener Zwang vermuthet wird, ein anders ist, wenn sie bestaͤndig gefordert, und lange Zeit geleistet worden. Moller. IV. Sem. 38. (2) Daran kein Zweiffel ist, wann die- jenigen, so Operas geleistet, das beschehe- ne Ansuchen des Ober-Herrn, wie deß- falls vermittelst der Fuͤrstlichen Rescri- pt en, denen die Clausul, daß es zu keiner Consequenz gereichen soll, noch darzu ein- geruͤckt zu befinden, erweisen koͤnnen. Denn ob wohl sonst nicht einmahl die Bauern die Bittweise geschehene Hand- lung beweisen duͤrffen, weñ sie behaupten, daß sie die Dienste nur zur Baͤthe gethan, sondern dem Herrn vielmehr der Beweiß des Gegentheils zustehe, und dem Herrn nicht weniger der Beweiß zukommt, wenn die Unterthanen eine negatori- sche Klage anstellen, Carpzov. I. Resp. 67. Tit. 7. daß sodann ihnen weiteꝛ solche Dienste mit Recht nicht zugemuthet werden koͤnnen, denn aus einer bittlichen Handlung kan keine Possess, noch Dienstbarkeit erwie- sen werden; Besold. Thes. Pract. voc. Frohnen. n. 68. Ohnedem auch (3) das Frohnen denen Staͤdten nicht zukommt, sondern denen Bauern gehoͤret; Franzk. II. Resol. 15. n. 21. seqv. Ja von Natur kommen sie auch nicht ein- mahl den Bauern zu, sondern sie wer- den durch Vergleiche ausgemacht; Als enthaͤlt sich der Chur-Fuͤrstl. Ober- Forst-Meister alles ungewoͤhnlichen Be- gehrens, sonderlich der desiderirt en Holtz- Fuhren billich. Auff die achte und letzte Frage Jst endlich unsere Meynung: Ob wohl (1) derjenige, so in eines andern Gut sich mit Gewalt eindringet, wie obgedacht, in- juriarum gar wohl belanget werden kan, auch eine Person, so beamtet, davon nicht befreyet ist, wenn sie einen de facto gravir et. L. 32. ff. de Injur. Harpr. ad §. 11. Inst. de Injur. n. 60. (2) Nicht nur einem Privato wider sein Vornehmen sich wiedersetzt werden kan, L. 1. C. Unde vi. sondern auch vermoͤge der Rechte er- laubet ist, einem Bedienten, welcher die Art und Weise seiner Gewalt uͤberschrei- tet, zu wiederstreben: Wie vielmehr, wenn derselbe gar gegen diejenigen, so sei- ner Bothmaͤßigkeit nicht unterworffen, eine und andere Neuerung mit Gewalt einzufuͤhren vornimmt; So ist doch sol- ches nur erlaubt, wenn er keinen schein- bahren Prætext seines Vornehmens hat; Und kan er sich keines Scheins des Rech- tens bedienen, daß eine Handlung offen- bahrlicher Weise ungeracht sey, denn in so weit, als es eine rechtmaͤßige Verthei- digung erfordert, kan man wider- stehen; Wesenb. II. Cons. 100. n. 16. Auch ist nicht erlaubt zu wiederstreben, wann ein solcher Bedienter von seinem Obern Befehl hat, bey dem noch an- dere Huͤlffs-Mittel uͤbrig sind, durch welche er sich zu helffen vermag; Klock. I. Consil. 37. n. 123. Daher ist es ordentlicher Weise nicht ver- goͤnnt, einen Richter zu beleidigen, oder ihm zu widerstehen, L. 6. C. de Episc. Aud. zumahl wenn er sich auff sein Amt be- ruffen kan; Dafern aber in einigem noͤthigen Fall die vorgenommenen kundbahren Thaͤtlichkeiten abzuwenden seyn wollen, muß man sich doch in den Schrancken der Defension halten, und ist es besser, uͤberhaupt der Sachen zu wenig, als zuviel thun. Welches wir auff euere Fragen nicht verhalten sollen. Den 2. Octobr. 1682. HOMBVRGS zur Jaͤgerey gehoͤhrigen Materien. HOMBVRGS Responsum LXXVII. Jnhalt. Ob das Jagd-Recht ein Regale sey; Jngleichen, ob eine Privat- Person in der Possess dieses Rechts zu schuͤtzen? A Ls uns Decano, Seniori, \&c. er- kennen darauff und zwar anfaͤng- lich auff die erste Frage vor Recht: Ob wohl (1) unstreitig und ohne al- len Zweiffel ist, daß dem buͤrgerlichen Recht nach eine jede Privat- Person so- wohl auff ihren eigenen, als auff frem- den Aeckern zu jagen befugt sey; §. 12. I. de R. D. L. 1. §. 1. ff. de A. R. D. Und (2) in text II. Feud. 56. allwo von de- nen Regali en geredet wird, keine Mel- dung der Jagd-Gerechtigkeit geschiehet, sondern nur der Einkuͤnffte der Fischerey erwehnet wird, welche zwar zu denen fiscali schen Gerechtigkeiten wohl koͤnnen gerechnet werden, jedoch von dem Jagd- Recht weit entfernet sind; Auch (3) ei- nige unter den Rechts-Lehrern gefun- den werden, die das Jagd-Recht vor eine auff einem unbeweglichen Grund-Stuͤ- cke vorkommende Dienstbarkeit achten, Gail. 2. O. 66. Einige aber (4) vor eine Sache, die mit den Fuͤrstenthuͤmern und Hertzogthuͤ- mern vereinbaret ist, Finckenthaus. Disp. 4. th. 18. So will es dennoch das starcke Ansehen gewinnen, als wenn die Nieder-Jagden nicht zu den Regali en gehoͤreten; Alldieweil aber doch (1) heut zu Ta- ge es einer gantz andern Beschaffenheit mit den Jagden hat, inmaassen Fuͤrsten und Herrn die Gerechtigkeit zu jagen denen Privatis entzogen, und sich, vielerley Ursachen halber, zugeeignet haben; Auch nicht unbekant ist, daß (2) diejenige Gerechtigkeit, so vor diesem kein Regale gewesen ist, durch langwierigen Gebrauch und Gewohnheit dazu koͤnne gemacht werden: Denn es koͤnnen diejenigen Rech- ten, welche vor diesem keine Regalien ge- wesen, durch den Gebrauch zu Regalibus werden: Rosenthal. de Feud. cap. 5. Concl. 94. Und dann (3) viele von denen bewaͤhr- testen Rechts-Lehrern bezeugen, daß im Heiligen Roͤmischen Reich Teutscher Nation die Jagd-Gerechtigkeit pro Rega- li gehalten werde; Fritschius Consil. 21. de Jure Venat. Forest. Richter. Vol. 2. Consil. 242. So gehet unsere Meynung dahin, daß, gestalten Sachen nach, die Nieder-Jagd heutiges Tages einiger maassen zu denen geringern Regalibus koͤnne gezogen werden. Auf die andere Frage. Daß zwar (1) das Possessorium sum- mariissimum wider einen Fuͤrsten in puncto der Regali en nicht statt finde, weil die Possess, der die Rechte wiederstehen, keinen Schutz verdienet, Mev. p. 8. Dec. 257. n. 7. Nun aber wiederstehet das Recht der Landesherrlichen Hoheit dem Besitz der Regali en, in Ansehung der Unterthanen, und gruͤndet die Intention des Fuͤrsten wider einen jedweden Besitzer; Mev. p. 1. d. 44. n. 6. Welches auch noch ferner also extendir et wird, daß, wann gleich (3) die Privat- Besitzer der Regali en die undenckliche Possession vor sich angefuͤhret haͤtte, er doch nicht wider den Fuͤrsten zu manu- tenir en waͤre, biß in Petitorio vor ihn ge- sprochen; Es erhellet aber doch (4) so- wohl aus der uͤbersandten Facti specie, als auch aus der sub Lit. B. beygefuͤgten Leuteration, daß der Klaͤger den Titul seiner Possess vel quasi durch seinen letz- ten Lehn-Brieff, so er zun Act en gege- ben, nothduͤrfftig bescheiniget habe, und einsolglichen in diesem Fall zu schuͤtzen und zu manutenir en sey, weil die Possess der Regali en, die man auf eine rechtmaͤßige Art uͤberkommen, wider die Fuͤrsten ge- nung ist; Mev. p. 4. dec. 66. n. 11. Und bey Koͤniglichen Rechten ist die Pos- sess wider den Ober-Herrn rechtmaͤßig, wenn der Titulus bescheiniget wird; Weil aber (5) sothanem Lehn-Brief die Ausflucht, als wenn er von Gegen- theil erschliechen und heimlicher Weise ausgebracht sey, im Wege stehet, und e 3 dadurch Anhang unterschiedener nuͤtzlicher dadurch die Bescheinigung einiger Maassen entkraͤfftet worden; So halten wir davor, daß (6) durch Producir ung derer alten Lehn-Briefe, Falls die vorigen Vasallen in selbigen mit denen Jagden auch beliehen seyn solten, wie zu vermuthen stehet, die Ausflucht, daß sie erschliechen seyn, koͤnne gehoben, und der Klaͤger folglich in Possessorio sum- mariissimo muͤste manutenir et und geschuͤ- tzet, die abgenommenen Pfande ihm wie- der restituir et, und alles in vorigen Stand gesetzet werden. V. R. W. HOMBVRGS Consilium CLXXXIX. Jnhalt. Wie das Possessorium summariissimum von dem Ordinario unterschieden sey; Jngleichen: Ob das Recht der Koppel-Weyde verstatte, daß ein Wald in das Geheege gelegt werden koͤnne? A Ls uns Decano \&c. eine Facti spe- cies, samt denen dießfalls ergan- genen Privar-Act en von Num. 1. biß 13. inclusive zugesandt, und auf die daraus gezogene Frage unsere in Rechten ge- gruͤndete Meynung cum Rationibus zu ertheilen begehret worden, ꝛc. erkennen darauff, wenn sich alles berichteter maas- fen verhaͤlt, welches, daß es wahr, oder auff beduͤrffenden Falls erweißlich sey, wir supponir en, vor Recht: Es haben die saͤmtliche Eigesessene zu H. Amts M. wider den Chur-Fuͤrst- lichen Land-Rath und Drosten zu B. Hrn. W. L. von L. daß sie in dem Gehoͤltz, in specie in dem L. von Michaelis biß Maͤy- Tag, mit ihrem Vieh zu huͤten berechti- get, und doch darinnen beeintraͤchtiget, in puncto der Turbation Klage erhoben, und wider den Turbatorem ein Manda- tum pœnale de non turbando sine clau- fula gebethen, auch soviel erhalten, daß dergleichen Mandatum, jedoch cum clau- sula wider Beklagten erkannt worden, wie solches alles breitern Jnhalts aus denen beygefuͤgten Manual-Act en zu er- sehen. Ob nun gleich Klaͤger in dem Klage- Libell auff die undenckliche Possess ihre Klage gegruͤndet, und solches in summa- riissimo eben nicht gebraͤuchlich seyn moͤg- te, angesehen darinnen nur von der ge- genwaͤrtigen Possess zu handeln, ob sie gleich auff eine unrechtmaͤßige Art mit Gewalt, List oder durch Bitte zuwege gebracht, in welcher einer zu beschuͤtzen, biß uͤber das Petitorium oder ordinari- um Possessorium erkannt worden; Postius Observ. 42. n. 134. de Manutenent. Jngleichen auch auff ein Mandatum de non turbando libellir et, wie der Augen- schein ergiebet; Da doch viele unter den bewehrtesten Rechts-Lehrern gefunden werden, die davor halten, daß, wenn man um Caution gebethen, damit man in der Possess nicht gestoͤhret werden moͤg- te, es schiene, daß man das Possessorium ordinarium und nicht das summarium angestellet; Carpzov. Lib. 1. Tit. 2. Resp. 15. So will es solchemnach das starcke An- sehen gewinnen, als wenn auff gegen- waͤrtige Sache nicht in summariissimo, sondern ordinario possessorio gefuͤhrete Beschwerde, einfolglich uͤber die Gerechtig- keit der Possess vel quasi vorjetzo zu er- kennen sey; Demnach aber (1) dem Klag- Libell die so genannte Clausula salutaris ange- haͤnget, welche die Wuͤrckung hat, daß die Klage, so dem Klaͤger am zutraͤglich- sten ist, angestellet zu seyn, davor gehal- ten wird: Und (2) Klaͤgere hin und wie- der in den Act en sich auf die gegenwaͤr- tige Possess gegruͤndet, und in summari- issimo Possessorio geschuͤtzet zu seyn ver- langet haben; Auch (3) der Essential- Unterscheid des ordinarii und summa- riissimi Possessorii hierinnen bestehet, daß in jenem hauptsaͤchlich wegen der Be- eintraͤchtigung geklaget, in diesem aber von dem Recht und der Gerechtigkeit des Besitzers gehandelt wird; Wenn man nun (4) sowohl das Klag- Libell, als auch die dißfalls ergangene voͤllige Acta etwas genauer beleuchtet, wird sich fin- den, gestalt von der Turbation und Be- eintraͤchtigung der in dem quæst. Boden von Michaelis biß Maͤy-Tag berechtigten Hut und Weyde gehandelt werde. Zu- dem zur Jaͤgerey gehoͤrigen Materien. dem so ist in Praxi gar nicht ungebraͤuch- lich, daß (5) in momentanea Possessione durch ein Mandat de non turbando, oder nach Sachsen-Recht durch eine Inhibi- tion procedir et werde; Welche Mandat e auf das Possessorium summariissimum gehen, so, daß, unbeschadet der Inhibition, endlich uͤber die Possess in dem ordinario Possessorio erkannt werden kan; Carpz. Lib. 1. Tit. 3. Respons. 9. n. 7. Daß aus solchen Rechts-Gruͤnden wir zu schluͤssen kein Bedencken tragen, gestalt gegenwaͤrtige Sache in Summariissimo hange, und darinnen auch voritzo zu er- oͤrtern sey. Diesem vorgaͤngig, wenden wir uns zu der vorgetragenen Frage, welche also lautet: Ob klagende Ge- meine zu H. und U. dasjenige, was ihnen zu erweisen obgelegen, nicht sattsam erwiesen und also solcher ge- stalt, was sie in ihren Schrifften ge- bethen, sonderlich die Restitution des durch die vielfaͤltigen Pfaͤndungen ver- ursachten Schadens zu erkennen sey? Es ist in denen Rechten ausgemacht, daß (1) ein jeder Klaͤger den Grund sei- ner Klage zu erweisen gehalten sey; §. 4. Instit. de Legat. Nun gruͤndet sich (2) gegenwaͤrtige Im- ploration hauptsaͤchlich auf 2. Puncte: (1) auf die Turbation und Beeintraͤch- tigung; Abseiten des Beklagten (2) auf die gegenwaͤrtige Possess vel quasi der quæst. Trifft und Hut in dem Boden von Michaelis biß Maͤy-Tag. So viel das (1) zu erweisende betrifft, ist (3) Implo- rat hin und wieder in Actis gestaͤndig, daß er der Implorant en Pferde, am quæst. Orte habe pfaͤnden lassen, wodurch denn (4) die Turbation behoͤriger maassen er- wiesen ist; L. 1. ff. de Confess. Was aber das (2) zu beweisende belan- get, so hat (5) solches Implorat durch fuͤnf eydliche Zeugen bey dem 4ten Articul sattsam erwiesen; Allermaassen daselbst (6) von ihnen eydlich eingezeuget ist, daß die Gemeinde zu H. und U. wenn in W. Brock ein Geheege gemacht worden, von 10. 20. 30. 40. 50. Jahren, ja so lange Zeu- gen gedencken koͤnnen, von Michaelis biß Maͤy-Tag das Weyde-Recht in sol- chem Geheege geruhig exercir et: Da nun (7) in Summariissimo zwo unbeey- digte, oder nur ein beeydigter Zeuge zum Beweise tuͤchtig; Postius Dec. 222. \& seqv. de Manuten. Wieviel mehr werden (8) diese fuͤnff be- eydigte Zeugen durchdringen, und nach ihrer eydlichen Außsage jetzo muͤssen sen- tentionir et werden; Nicht zu gedencken (9) daß die Art und Eigenschafft der Koppel-Weyde, welche die Gemeinde mit dem Herrn Land-Rath von L. hat, und an dem Orte quæst. geniesset, nicht wohl zulaͤsset, daß sie weder zur Sommer- noch Winters-Zeit in W. Brock, wenn er gehegt wird, mit ihrem Vieh kom- men duͤrffen: Anerwogen (10) wenn nach der bewaͤhrtesten Rechts-Lehrer Mey- nung die Koppel-Weyde soll eine Parti- cular-Societ aͤt Pagenstech. Manip. 2. Sicil. 69. oder, wie andere davor halten, eine sol- che Sache seyn, da ihrer zwey einander etwas bittweise verstatten, Carpz. P. 2. Const. 4. def. 9. die klagende Gemeinde gar sehr lædir et werden wuͤrde, wenn sie 3. biß 4. Jahr sich derer im Geheege gelegten Oerter mit ihrem Vieh gaͤntzlich enthalten solte. Und wann (13) das angelegte Geheege des Herrn Land-Raths soll gaͤntzlich von aller Hut und Weyde so lange befreyet seyn, biß das junge Gehoͤltze soviel er- wachsen, daß das Vieh keinen Schaden mehr thun, oder die Gipffel erreichen kan; warum hat er denn (14) dasselbe nicht also angeleget, wie es sich gehoͤret, und von Forst-Verstaͤndigen zu besche- hen pflegt? Was endlich (15) die aus der Luͤneburgischen Holtz-Ordnung de An- no 1665. von Herrn Implorat en vor sich angefuͤhrte Passagen betrifft, gehoͤren die- selben hieher nicht, und koͤnnen auch auf gegenwaͤrtigen Fall nicht applicir et wer- den, wie ein jeder, so das vorhergehen- de, und nachfolgende wohl erweget, leicht abnehmen kan, und von der klagenden Gemeine in ihren allbereit ad Acta ge- brachten Schrifften sattsam remonstrir et ist; zu geschweigen (16) daß die Passus zu dem Petitorio gehoͤren, und mit Bestand Rechtens zu dem Possessorio summariis- simo nicht moͤgen gezogen werden; Solchem allen nach gehet aus obde- ducirt en trifftigen Rechts-Gruͤnden un- sere rechtliche Meynung dahin, daß klagende Gemeine zu H. und U. dasje- nige, was ihnen zu erweisen obgelegen, nothduͤrfftig erwiesen, und also solcher gestalt, was in ihren Schrifften gebethen, zu erkeñen; absonderlich aber die Wieder- ersetzung des durch die vielfaͤltigen Pfaͤn- dungen Anhang unterschiedener nuͤtzlicher dungen verursachten Schadens nicht zu vergessen, angesehen, wenn ex Interdicto uti possidetis eine Klage angestellet, dar- auf jederzeit Absicht mit zu nehmen ist, V. R. W. HOMBVRGS Responsum CXCIIX. Jnhalt. Wem die Eichel-Mast zukomme? A Ls uns Decano, Seniori \&c. eine Facti species samt einigen Bey- lagen, wie auch denen zwischen dem Heꝛꝛn Consulent en, und der Gemeinde zu C. dißfalls ergangenen Privat-Act en von n. 1. biß 22. inclusive, zugesandt, und uͤber die daraus gezogene zwo Fragen unse- re in Rechten gegruͤndete Meynung zu ertheilen gebethen worden, etc. erken- nen darauf, und zwar anfaͤnglich auf die erste Frage: Ob nicht die Quasi Posses- sion durch diese Actus, wann sie gleich meh- rern oder von 10. Jahren nicht beybrin- gen koͤnten, aus den Caͤmmerey-Rech- nungen genungsam dargethan? vor Recht. Es beruhet die gemeldte Quasi Pos- session darinnen, daß wenn der C. Ge- meine die in dem P. und Gehoͤltzen zu C. befindliche Eichel-Mast angebothen, und sie sich deswegen nicht billichmaͤßig heraus und vernehmen laͤsset, alsdenn die Herren Consulent en in das Gehoͤltze zu C. frembde Schweine einzunehmen befugt, und biß lange in der Quasi Pos- session sothaner Gerechtigkeit befangen gewesen; Hergegen wendet die Gemeine zu C. vor, gestalt sie nicht nur in dem qvæst. Pusch das Hutungs-Recht haͤt- ten, sondern auch, wenn E. E. Rath der Stadt F. die Eicheln haͤtte abklopffen, abschlagen und lesen lassen, alsdenn sie auch ihre Schweine in besagten Busch zu treiben berechtiget waͤren, und gruͤndet sich deßfalls sowohl auf die alte hergebrachte Gewohnheit, absonderlich aber auf das vom 25. Novembr. 1650. in der Hochloͤblichen Neumaͤrckischen Regie- rung zu Cuͤstrin eroͤffnete Rechtskraͤff- tige Urthel, welches wegen des concer- nir enden Stuͤcks also lautet: Wegen der Eichel-Mast wird es bey des Raths Er- biethen gelassen, wann sich nehmlich die Bauern gehorsam erweisen, daß sie, wenn der Rath zuvor die Eicheln, wie vor diesem, schlagen lassen, alsdenn ihre Schweine hinein lauffen moͤgen. Ob nun schon sothanes Judicatum ausdruͤck- lich im Munde fuͤhret, daß unter dem Be- dinge, wenn die Gemeinde zu C. gehor- sam waͤre, alsdenn sie nach abgeklopff- ten Eicheln in den Pusch quæst. ihre Schweine solten treiben koͤnnen; inglei- chen sich auf ein vorgaͤngiges Erbiethen E. E. Raths beziehet, so einem Precario nicht unaͤhnlich zu seyn scheinet, und wie bekanten Rechtens ist, nach Belieben des- jenigen, der es einem andern verliehen hat, wieder mag zuruͤck geruffen und ge- fordert werden; L. 2. §. 2. ff. de Precar. So will man doch vorjetzo darauff keine Absicht nehmen, sondern nach der gestellten Frage die Antwort einrichten. Gesetzt nun, es waͤre der Gemeinde zu C. ihre vorgewandte Intention in oben gefuͤhrtem judicato gegruͤndet, und ihre geruͤhmte Quasi-Possession sowohl da- durch, als auch durch andere Decreta bestaͤrcket; So findet sich doch (1) daß sie im Jahr 1701. und 1702. die Eichel-Mast in dem Busch quæst. von denen Herren Consulent en ohne Protestation erhan- delt. Jngleichen (2) daß sie im Jahr 1689. 1691. und 1693. dergleichen Hand- lung ohne eintzige Reservation und Pro- testation auch vergenommen. Vid. Beylage sub. Lit. B. Wenn nun (3) ein jedes Documentum die Præsumtion vor sich hat, daß dasje- nige, so darinnen enthalten, wahr sey; Vid. §. 11. 16. Instit. de Inutil. stipul. Wie vielmehr wird (4) denen Caͤmme- rey-Rechnungen, so in Publico von in Pflicht und Eyd stehenden Leuten abge- nommen sind, voͤlliger Glaube beyzu- messen seyn? Wird demnach (5) zum festen Grund gesetzet, das entweder die aus denen Caͤmmerey-Rechnungen in vi- dimirt er Copey beygebrachten Extract e dasjenige, was sie im Munde fuͤhren, ge- buͤhrend beweisen, oder aber das wenig- ste zur Jaͤgerey gehoͤrigen Materien. stens derselben Original voͤllig probire. Diesem vorgaͤngig, so hat (6) die Gemei- ne zu C. durch offtwiederhohlte Erhand- lung der quæst. Eichel-Mast sich ihres sonst vermeinten Rechts heimlicher Wei- se begeben; Allermaassen (7) wenn sie an demselben in so weit Theil haͤtte be- halten wollen, daß sie (8) nach Abklopf- fung der Eicheln ihre Schweine in den Busch quæst. treiben koͤnten, sie bey der- gleichen Handlung sich einer Protestation haͤtte bedienen koͤnnen, und ihr vermeyn- tes Recht vorbehalten muͤssen; Da sie aber (9) schlechterdings solche Handlung jederzeit angetreten, so lieget zu Tage, gestalt dieselben solche Handlungen, die dem von der Gemeinde zu C. anmaßli- chen Rechte wiederlich und contrair sind, nicht nur vorstellen, sondern auch wuͤrck- lich mit sich fuͤhren, einfolglich (10) die Ge- meinde zu C. hierdurch sich ihrer Quasi Possession des anmaßlichen Rechts ver- lustig gemacht. Denn so offt verstattet wird, daß eine dem Recht zu wider lauf- fende Handlung vorgenommen werde, soofft haͤlt man davor, daß das Recht selbst nachgelassen sey; L. 18. ff. Servit. quem. amitt. Welches in gegenwaͤrtigem Fall desto mehr statt finden muß, jemehr (11) der- gleichen Handlungen mit der Eichel-Mast getroffen sind, und je gewisser es ist, daß in den Rechten ausgemacht sey, daß die Rechte oder Quasi Possess auch aus einer eintzigen Handlung, die nicht unrecht- maͤßig ist, zuwege gebracht und erwie- sen werde, Mev. p. 7. dec. 168. Solchemnach halten wir davor, daß die Hrn. Consulent en der Quasi Possession durch diese Actus, wenn sie gleich mehrern oder von 10. Jahren nicht beybringen koͤnten, aus denen Caͤmmerey-Rechnun- gen nach Nothdurfft dargethan. Auff die andere Frage, Oder ob unser Jus aus denen Koͤ- niglichen Confirmation en klahr zu Tage liege, und die Beklagten also eine con- traire Præscription zu erweisen schuldig sind. Es erhellet (1) aus denen Bey- lagen sub Lit. C. und D. was maassen die Herren Consulent en mit den Puͤschen und Waͤldern des Dorfes C. beliehen sind; Da nun in den Rechten ausge- macht ist, daß (2) die Eichel-Mast zu den Nutzungen der Waͤlder gehoͤre, und (3) die Herren Consulent en unstreitig den Besitz, und die Possession des Pu- sches zu C. haben, wie die dasige Ge- meinde auch nicht in Abrede seyn kan; Die Geniessung der Fruͤchte aber flies- set aus der Possess, weil auch mit der Possess die Eintreibung der Fruͤchte ver- einbahret; Hergegen (4) die Prætension, so die Gemeinde zu C. auff dem Pusch quæst. machet, daß sie, nachdem die Ei- cheln abgeklopffet, und aufgelesen, ihre Schweine darein zu treiben, nicht aber die Herren Consulent en frembde Schwei- ne einzunehmen befugt waͤren, wider die natuͤrliche Freyheit laͤufft, und eine Art einer Dienstbarkeit mit sich fuͤhret, die (5) den bekanten Rechten nach nicht præsumir lich, sondern erweißlich gemacht werden muß; Als gehen unsere rechtliche Gedan- cken dahin, daß bey so gestalten Sachen und Umstaͤnden die Herren Cousulent en durch die Beylage sub Lit. C. und D. ihr Recht dergestalt zu hellem Tag gelegt, daß die Gemeinde zu O. die prætendirt e Servitut entweder durch die Verjaͤhrung, oder sonsten, wie Recht, zu erweisen schuldig sey, V. R. W. HOMBVRGS Responsum CCXL . Jnhalt. Wenn ein vom Fuͤrsten in Erbe verwandeltes Lehn-Gut einem andern cedir et wird, so kan jener nicht mehr verlangen, als er von dem Cedent en davor bekommen; Jngleichen ob die Beholtzungs-Gerechtigkeit in einem frembden Walde eine Art einer Servitut sey? D Emnach uns Decano, Seniori, \&c. beyverwahrt zuruͤckkommende A- cta zugesandt, und daruͤber unsere in den Rechten und Act en wohlgegruͤn- dete und in einem Urthel verschlossene Meynung cum Rationibus zu eroͤffnen ge- bethen worden, als ꝛc. erkennen darauf vor Recht: f Es Anhang unterschiedener nuͤtzlicher Es legen die in gegenwaͤrtiger Sa- che ergangenen Act en zu hellem Tage, was maassen (1) die Guͤter Str. und W. wegen grosser Schulden-Last sind zum Concurs gezogen, (2) veraͤussert und alienir et worden, welches ob es zwar (3) wider die allgemeine Lehn-Rechte laͤufft; Jedoch (4) nach Mecklenburgischen und in andern Fuͤrstenthuͤmern und Landen des Heiligen Roͤmischen Reichs ange- nommenen Particular- Recht und Consti- tution en nicht ungewoͤhnlich und unge- braͤuchlich ist; Mev. p. 2. d. 115. num. 3. Worauff (5) vorgedachte beyden Guͤter von seel. Hannß von B. an die Durch- lauchtigste verwittibte Hertzogin von M. erhandelt, und (6) von Sr. Hoch-Fuͤrst- lichen Durchlauchtigkeit dem regierenden Hertzog zu M. zu Allodial, und Erb- und eigenthuͤmlichen Guͤtern, nachdem ihnen vorhero die Lehns- Qualit aͤt be- nommen, gemacht worden, wie solches alles breitern Jnhalts aus denen bey den Act en befindlichen Document en zu er- sehen. Da nun (7) Hochgemeldte verwit- tibte Hertzogin die quæst. Guͤter als erb- und eigenthuͤmlich besessen, hat sich der Obrist- Lieutenant von M. bey ihr unter- thaͤnig gemeldet, und um Reluition der- selben gehorsamst angehalten, ist auch (8) so gluͤcklich gewesen, daß seinem Su- chen aus sonderbahren Gnaden deferi- r et, und (9) die besagte Guͤter ihm um einen gewissen Kauff-Schilling, abeꝛ in sol- cher Qualitæ t, als (10) die Durchlauch- tigste Cedentin selbige besessen und in- nen gehabt, wie auch (11) mit ange- hengter gewisser Reservation und Be- dingung, sind cedir et und abgetreten worden; Dannenhero (12) bey so gestal- ten Sachen und Umstaͤnden in Beyleg- und Eroͤrterung der Haupt-Frage: Ob nemlich denen Beklagten in dem gros- sen Herrn-Holtze, so unweit W. gele- gen, die Gerechtigkeit das weiche und Unter-Holtz zu hauen, zustehe, oder nicht? Nicht sowohl auff die alten Lehn-Briefe derer von M. als auch auff der Durch- lauchtigen Cedentin nen Cession zu sehen ist; Allermaassen (13) der Herr Cessio- narius nichts mehr mit Beystand Rech- tens prætendir en mag, als ihm ist cedi- r et worden. Ob nun wohl wir haͤtten wuͤnschen moͤgen, daß (14) ein zuverlaͤs- siger Abriß der W. Feld-Marck mit ih- ren fuͤnff Broͤcken und des dabey gelege- nen so genannten Herrn-Holtzes waͤre rechtmaͤßiger Art nach verfertiget, und den Act en einverleibet worden; Wie denn solches (16) nach Anweisung des Recessus novissimi §. 51. de Anno 1654. in der- gleichen Faͤllen sehr gebraͤuchlich ist; So ist doch solches vielleicht (17) aus erheb- lichen und meist unbeka nte n Ursachen unterblieben, einfolglich aber moͤgen wir vorjetzo keinen Beweiß oder Præsumtion von dem Augenschein des Abrisses neh- men, sondern koͤnnen uns mit denen Beweiß-Gruͤnden, so die hierzu dienli- che und bey den Act en befindliche Docu- ment e an die Hand geben, vergnuͤgen, in mehrerm Betracht, daß sie (20) von der Wichtigkeit sind, daß sie die nachge- schriebene Sentenz gebuͤhrend unterstuͤ- tzen und bestaͤrcken; Allermaassen in der verwittibten Hertzogin von M. Rescripto vom 5. Julii 1697. welches auff des Hrn. Obristen von M. unterthaͤnigste Suppli- que, worinnen er um das bey W. gele- gene Holtz Ansuchung gethan, abgelas- sen, ausdruͤcklich enthalten ist, gestalt Hochgedachte Hertzogin sich sothanes Holtz reservir et und vorbehalten, auch es keinesweges zu vereusern gemeynet. Woraus Sonnen-klahr hervorleuchtet, gestallt die Durchlauchtigste Cedentin nicht sey intentionir et gewesen, an den Herrn Obristen von M. das Holtz quæst. zu uͤberlassen. Und hat auch dasselbe bey dieser abschlaͤgigen Resolution acqui- escir et, und sich begnuͤgen lassen; Dar- auff denn fernerweit die wuͤrckliche Uber- geb- und Einraͤumung besagter Guͤter erfolget, und ein Instrumentum Cessio- nis daruͤber den 27. Septembr. in eben dem 1697. Jahre errichtet, in welchem der Pas- sus concernens dem Buchstaben nach al- so lautet: Wir begeben uns zwar un- sers daran erlangten Rechts, reservir en uns aber alles dasjenige, was vor wohl- gedachte, unsers Hrn. und Gemahls Lieb- den, vermoͤge Contracts sub dato G. den 15. Julii 1658. seel. Hannß A. M. daran ab- getreten, und den 21. August. 1685. dar- auff laut Documenti angewiesen wor- den; Nemlich ein Bauer-Gehoͤffde mit Diensten, und allen andern Herrlich- und Gerechtigkeiten: Jngleichen die Mast und harte Holtzung auff der Feld- Marck W. wie dieselbe in ihren Schei- den und Grentzen belegen ꝛc. Wenn man nun das obangefuͤhrte Fuͤrstliche Rescript vom 5. Julii 1697. mit dieser Clausula concernente Instrumenti Cessionis zur Jaͤgerey gehoͤhrigen Materien. Cessionis wohl erweget und conferir et, ingleichen einen Unterscheid zwischen der S. Feld-Marck und dem dabey gele- genen grossen Herrn-Holtze macht, wie sich allerdings gebuͤhret, falls man nicht will abgesonderte Sachen vereini- gen, und eine Confusion machen. So wird sich zu Tage legen, gestalt die Durch- lauchtige Cedentin sich die Mast und har- te Holtzung auff der Feld-Marck S. und nicht in dem grossen Herrn-Holtze, so bey W. gelegen, allermaassen Jhro Durch- lauchtigkeit solches gantz und gar vor sich behalten, und laut der vom 5. Julii vor- ber ertheilten Resolution keinesweges veraͤusern wollen, reservirt haben, und zwar also und dergestalt, wie sothane Holtzung in ihren Scheiden und Graͤn- tzen, deren Vestigia nach denen Commis- sions-Protocoll en an einigen Orten sich annoch aͤusern, auch fuͤnff Broͤcke auf der W. Feld-Marck sich finden sollen, belegen ist. Denn daß die verwittibte Hertzogin von ihrer am 5. Julii kurtzvorhero gegebe- nen Resolution wegen des bey W. gele- genen grossen Herrn-Holtzes solte her- nachmahls abgewichen seyn, und selbige geaͤndert, und ihr nur darinnen die Mast und harte Holtzung reservirt habe, ist so wenig glaublich, so wenig die Veraͤn- derung des Willens in den Rechten ver- muthet wird, weil man dieselbe ordent- licher Weise nicht vermuthet, sondern der anfuͤhret, daß eine Veraͤnderung hier- innen vorgegangen, muß solche beweisen, Cardinal. Tusch. Conclus. 434. n. 5. Und muß man vielmehr auff alle Art und Weise dahin bedacht seyn, daß die Handlungen bestehen moͤgen, welches de- sto mehr statt haben muß, je gewisser aus den Act en nunmehr hervor scheinet, ge- stalt die Durchlauchtige Cedentin ihres Willens Erklaͤrung dergestalt zu edir en erboͤthig ist. Und je mehr in den Rech- ten gegruͤndet, daß das Holtzungs-Recht in einem frembden Walde eine Art der Rechten oder Quasi Dienstbarkeiten sey; Vid. Besold. Thes. Pract. sub voce : Holtz. Hergegen aber bekant ist, daß die Zuwege- bringung der Dienstbarkeit auffs Thun ankomme, so nicht vermuthet wird, son- dern klar und deutlich zu erweisen stehet, indem die natuͤrliche Freyheit vor ein Ding streitet. Welchem allen denn noch mercklich beytritt, daß die Gerechtigkeit zu jagen in dem quæst. Holtze dem Sup- plicant en unstreitig zustehet, und von Gegentheilen eingeraͤumet wird. Wenn aber dieser das Recht weich und Unter- Holtz in der grossen Herrn-Holtzung quæstion. zu hauen haͤtte, und also, wie er mit seinen Unterthanen angefangen, darinnen fortfuͤhre, solches der Jagd- Gerechtigkeit hoͤchst nachtheilig fallen wuͤrde. Nun ist abermahls nicht glaub- lich, daß einer ihm selbst solche Ungele- genheit verursachen werde; Demnach schluͤssen wir billich aus- obdeducirt en trifftigen Rechts-Gruͤn- den, daß Supplicant sich des weichen und Unter-Holtzes in der grossen Herrn-Hol- tzung bey W. belegen, anzumassen nicht befugt sey. So viel den andern Punct betrifft, daß das unter waͤhrendem Proceß ab- gehauene Holtz zu restituir en sey, so hat es wohl keinen Zweiffel, daß Supplicat das waͤhrenden Processes aus der gros- sen Herrn-Holtzung, so bey W. gelegen, erweißlich gehauene weiche und Unter- Holtz zu restituir en schuldig sey: Anerwo- gen ein jedes Attentatum abzustellen und unter waͤhrendem Proceß nichts neues vorzunehmen ist. Den dritten Punct belangend, so er- hellet aus denen Act en klaͤrlich, was maassen Supplicat en oͤffters von der O- brigkeit inhibir et und verbothen sey, sich nicht an dem weichen und Unter-Holtze in der bey W. gelegenen grossen Herrn- Holtzung zu vergreiffen, und da er sich anfaͤnglich an solche Verbothe wenig ge- kehret, sondern, denenselben ungeachtet, eigenmaͤchtiger Weise zum Despect der Hoch-Fuͤrstlichen Regierung zugefah- ren und doch aus der Holtzung qvæst. weich Holtz gehohlet, so hat Illustris Dn. Judex nicht anders gekont, als die vor- hergehende Verbothe zu schaͤrffen, und wider den Contravenient en Poenal- Mandat e ergehen zu lassen; Da aber auch solche nicht sind respectir et worden, ist Supplicat zu zwey unterschiedenen mah- len, um zu sehen, daß er in die Straffe des Mandats verfallen, citir et und vor- geladen worden, wie mit mehrerm aus den Act en erhellet; Alldieweil nun Sup- plicat dawider keine erhebliche Ursachen, die ihn von der dictirt en fiscali schen Geld- Busse befreyen koͤnten, vorgebracht; So folget von selbsten, daß er in die fiscali- sche Straffe hat muͤssen vertheilet wer- den. Die Unkosten dieser Instanz sind aus der Ursache gegen einander aufge- hoben, daß vor Supplicat en in voriger Instanz ein favorab el Urthel gesprochen, f 2 und Anhang unterschiedener nuͤtzlicher und er solchemnach nicht vor einen leicht- fertiger Weise Processir enden in dieser Instanz mag gehalten werden. Endlich ist auf die zuletzt eingelauffene Interven- tion bey so gestalten Sachen nicht noͤthig gewesen, vorjetzo einige Absicht in sen- tentionando zu nehmen. Diese Ursa- chen haben uns also, wie folget, zu ur- theilen bewogen. Das Urtheil. Jn Sachen des Fuͤrstlichen M. Fi- scalis, Supplicant en und Klaͤgers an ei- nem, entgegen und wider Obrist- Lieu- tenant J. von M. Supplicat en, Beklag- ten und respective Intervenient en, wie auch den Fuͤrstl. Mecklenburgischen Pro- curatorem Cameræ, Intervenienten am andern und dritten Theile, erkennen V. G. G. wir F. W. Hertzog zu M. auf vor- gehabten Rath auswaͤrtiger Rechtsge- lehrten, vor Recht: Nunmehro aus denen Act en so viel zu befinden, daß Supplicat und Beklag- ter sich des in der ohnweit B. belegenen grossen Herrn-Holtzung befindlichen wei- chen Holtzes gaͤntzlich zu enthalten, und das in waͤhrendem Streit wider sie er- gangene Poenal-Mandat daraus erweiß- lich gehauene Holtz zu restituir en und zu erstatten; Nicht weniger die nach Anwei- sung der Num. Act. 32. und 59. befindli- che Citation en verwirckte 800. Thaler fiscali sche Geld-Busse, bey Vermeidung der Execution zu erlegen schuldig, und dazu zu condemnir en und zu vertheilen sey; Als wir dann hiermit denselben da- zu condemnir en und vertheilen, die in die- ser Instanz aufgewandte Unkosten aber aus bewegenden Ursachen compensir en und auffheben. V. R. W. BRVNNEMANNI Consilium CIII. Jnhalt. Wem der Vermuthung nach das Eigenthum eines streitigen Waldes zustaͤn- dig sey? E S hat der Wohlwuͤrdige, Hoch-E- delgebohrne, Veste und Hochbe- nahmte Herr Maximilianus von Schlie- ben, Commendator zu Luͤtzen und Thum- Dechant zu Brandenburg etc. einige Streit-Sache mit denen Herrn von Schencken und Herrn Hanß Fridrich von Thuͤmen, in puncto einer Heyden, darinnen mein Bedencken begehret wor- den. Nachdem ich nun die Acta perlu- strir et, so befinde ich, daß der kuͤnfftige Herr Urthelsfasser auf drey Puncte sei- ne Gedancken unvorgreifflich richten wer- de: (1) was eigentlich die Haupt-Frage sey; (2) Die Art der Klage, die angestellt werden soll; (3) Welches Theil den besten Beweiß gefuͤhret, und wie doch zu ur- theilen. Die erste Frage betreffend, wird, weiß nicht, aus was fuͤr Bedencken, der Status Controversiæ anders von denen Herrn von Schencken, als von dem Herrn Commendatore formir et; Mei- nes Erachtens kan man den Statum aus dem Abschiede, so den 22. Nov. anno 1648. datir et, leicht nehmen, nehmlich diß ist die Frage, wie und welcher Gestalt Caspar von Bettin die streitige Heyde im Be- sitz gehabt, ob ers als Sr. Chur-Fuͤrstl. Durchl. Lehnmañ, oder als derer Herren von Schencken Subvasalle possedir et, dem dann die Frage des nutzbahren oder O- ber-Eigenthums anhaͤnget. Die Art derer Klage betreffend, so vermeynen die Herren Schencken, es sey Rei vindicatio: Aber solches will sich hier nicht behaupten lassen; Denn bey dersel- ben sucht der Klaͤger etwas von dem Be- sitzer, aber hier ist kein Besitzer, und al- so kan auch nichts von ihm gebethen wer- den, sondern die Possess ist von dem Se- renissimo seqvestrirt; Bey der Rei vin- dication wird dem Klaͤger nur der Be- weiß zuerkant, allhier aber beyden Thei- len, derhalben ohne Zweiffel diese Klage vor die Rei vindication nicht gehalten werden kan; Sondern weil in dem Pro- ceß wegen der streitigen Grentzen und dem Interdicto uti possidetis beyden Theilen pfleget der Beweiß auferlegt zu werden, so ist des Herrn Commendato- ris Meynung den Rechten aͤhnlicher, wel- cher dafuͤr haͤlt, es sey eine vermischte Klage wegen Regulir ung der Grentzen, oder zur Jaͤgerey gehoͤrigen Materien. oder wegen der Gemeinschafftlichen Thei- lung. Aber ich habe auch hierbey dieses Bedencken, daß der Abschied auf die Pos- sess des letzten Vasall en, und einfolglich gar auf das Dominium directum und utile gehe; Zudem scheinet es, daß nicht gar wohl die Frage wegen der Grentzen hier vorfallen koͤnne, weil die didders- dorfische Feld-Marck von dieser Heyde fuͤnff Viertel Weges, und etzliche andere Grund-Stuͤcken dazwischen liegen, und also nicht confines seyn, kein Theil will auch dem andern die Gemeinschafft zu- gestehen, sondern ein jeder die Heyde fuͤr sich allein prætendir en. Wolte derohalben dafuͤr halten, daß es ein Possessorium ordinarium sey, darinnen de possessione gehandelt wird, wodurch er zur Pos- sess gekommen, und auf was vor Art der letzte Vasall e es besessen, davon der Ti- tul des Eigenthums einfolglich dependirt, und also moͤchte es vielleicht Interdictum uti possidetis seyn. Dem sey nun, wie ihm wolle, so ist Rechtens, daß in den streitigen Grentz-Sachen geringerer und unvollkommener Beweiß genung ist. Wesenb. in Comm. Cod. Fin. reg. n. 23. Wie denn in Interdicto uti possidetis nicht noͤthig ist der vollstaͤndige Beweiß des Eigenthums, sondern, wer unter den beyden Partheyen das beste Recht aus- fuͤhren kan, derselbe obtinir et bey dieser o- der jener Klage, so wuͤrde fuͤrs dritte am noͤthigsten seyn, eine Gegeneinander- haltung aller Beweiß-Gruͤnde anzustel- len, wer das beste Recht erwiesen habe. Der Herr Commendator hat ein zwey- faches Absehen, daß er erweise, daß der von Bettin dieses Stuͤck (1) nicht als ein Pertinenz Diddersdorff besessen, sondern (2) als ein Pertinenz- Stuͤck nach Dams- dorff: Bey dem ersten Punct fuͤhret er an, daß es nicht an einander sey, weil, wie gedacht, diese Heyde, davon hier die Frage ist, von der diddersdorfischen Feld-Marck in die 5. Viertel Meilen ab- gelegen, und andere Feld-Marcken dar- zwischen liegen. Denn so man davor haͤlt, daß ein Herr eines Gutes Herr sey, uͤ- ber alle diejenigen Stuͤcke, die in dem Be- zirck des Gutes gelegen, Mascardus de Probat. Concl. 553. so vermuthet man auch hinwiederum nach dem Gegentheil nicht, daß einem das Eigenthum zustaͤndig uͤber alle dasjeni- ge, was nicht innerhalb den Grentzen des Gutes gelegen. II. Daß die diddersdorffer Unter- thanen kein Recht an der Huthung, noch an dem Raff-Holtz jemahls gehabt. Denn, wenn diese Heyde qvæstionis nach Diddersdorff gehoͤrte, so wuͤrden ohne Zweiffel die diddersdorffer Untertha- nen mehr Recht am Laͤger- und Raff- Holtz in derselben Heyden haben, als an- dere Dorffschafften, weil nicht vermuth- lich, daß Jemand seinen Leuten solches ver- wehren, u. frembden Dorffschafften zulas- sen solte; zumahl auf der diddersdorffi- schen Feld-Marck keine sonderbahre Hey- de zu befinden, wie das andere Theil selber zustehet. Und ist freylich vermuthlich, daß das Recht zu holtzen vielmehr derjenigen Gemeine, von der er dependir et, als ei- nem Frembden werde zukommen, weil auch in demselben Fall, wenn eine Ge- meinde mit auswertigen in Ansehung des Holtzungs-Rechts zusammen koͤm̃t, sie vorzuziehen ist, wenn der Wald vor beyde nicht zulaͤnglich. Vid. Thomas Merckelbach. inter Con- silia Klockii, Vol. 1. Cons. 21. n. 137. Weil aber die Loͤwen bruchische Untertha- nen sich des Raff- und Lager-Holtzes in dieser Heyde gebrauchen, so ist vermuth- lich, daß der letzte von Bettin diese Hey- de nicht als ein Pertinenz- Stuͤcke, so nach Diddersdorff gehoͤret, besessen, sondern als ein Pertinenz- Stuͤck der Feld-Marck Damsdorff oder Loͤwenbruch. III. Die Herrn von Schencken haͤt- ten nicht erwiesen, daß sie mit dieser Hey- den, als einem Pertinenz- Stuͤcke, von Sr. Chur-Fuͤrstl. Durchl. jemahls be- lehnet worden, und daß die Vermu- thung sey vor den Ober-Herrn des Ter- ritorii. Denn, wenn ein Unter-Lehn rechtmaͤßiger weise soll zuwege gebracht seyn, so muß es der Concedir ende entwe- der von dem Herrn recognoscirt, oder nach Lehn-Recht uͤberkommen haben. Derohalben da die Herrn Schencken die- se Heyde quæstionis durch die Unterbe- lehnung andern verleihen koͤnnen, muͤs- sen sie vorhero diese Heyde von Sr. Chur-Fuͤrstl. Durchl. zu Lehn getragen haben, welches aber bißhero in Actis nie- mahls von ihnen erwiesen. Bey dem andern Punct wird an- gefuͤhret (1) Christoph von Tuͤhmens Kauff-Brief, darinnen ausdruͤcklich die Damsdorfische Heyde mit den Radelaͤn- dern und Huffschlaͤgen verkaufft wird, darauff sich auch die Chur-Fuͤrstlichen Lehn-Briefe referir en. Und daß dieses eben die Heyde sey, wird in des Herrn f 3 Com- Anhang unterschiedener nuͤtzlicher Commendatoris Deduction weitlaͤufftig erwiesen, und ob wohl Gegentheil vor- giebt, es waͤre das Gehoͤltze, so auff den Huffschlaͤgen stehet, so will sich doch sol- ches nicht wohl hoͤren lassen, weil die Hufschlaͤge in den Lehn-Briefen abson- derlich specificir et sind. Und weil nun die Radelaͤnder Huf- schlaͤge, und die Damsdorfische Heyde specificir et werden, so koͤnnen die durch die Damsdorfische Heyde die Hufschlaͤge, darinnen etwas Holtz aufgeschlagen, nicht verstanden werden, weil der Unterscheid der Benahmungen auch den Unterscheid der Oerter und Personen mit sich bringt. 2. Giebt es die Situation, daß dieselben Laͤndereyen-Fahren, so nach Damsdorff unstreitig gehoͤren, unterschiedlich sehr weit in die Heyde gehen. Welches die Bettiner nimmermehr haͤtten gestanden wuͤrden, wann es nicht zu der Damsdor- fischen Feld-Marck gehoͤrte. Wenn man nun præsupponir en wolte, die streitige Heyde haͤtte nach dem weit abgelegenen Dorffe Diddersdorf ge- hoͤret, und der von Bettin haͤtte dennoch zugelassen, daß die Lewenbruchische Un- terthanen ihre von der wuͤsten Feld- Marck Damsdorff habende Aecker weit in die Heyde erstrecket haͤtten, so haͤtte er ja solches zum Nachtheil des andern Hrn. nehmlich der Herren von Schencken ge- than; Deren Ober-Eigenthum in so- weit verringert worden, als die Einwoh- ner des Chur-Fuͤrstl. Lehns einen Theil von dem Lehne der Herren von Schen- cken sich angemaasset und zu ihren Aeckern geschlagen, wo aber eine andere Vermu- thung kan gefast werden, muß man nie- mahls ein Verbrechen præsumir en; L. Merito. 51. ff. Pro socio. C. Estote. 2. X. de Reg. jur. Derhalben vielmehr zu vermuthen, daß die Heyde mit denen hineinlauffenden Aeckern und Huffschlaͤgen einen Domi- num directum gehabt, und derhalben, wenn auch dieses waͤre, ferneꝛ kan geschlos- sen werden: So dieselbe Aecker und diese Heyde einen Dominum directum gehabt, so koͤnnen sich die Herren Schencken, als welchen die Aecker niemahls gehoͤhret, sich des Dominii directi uͤber die Heyde nicht anmaassen; Caspar von Bettin als ein Chur-Fuͤrstlicher Lehnmann auch der Heyde Dominus utilis gewesen. 3. Stoͤsset die Damsdorffische Feld- marck hart an, und wird mit der Ot- terstaͤdischen Heyde und denen Damsdor- fischen Stuͤcken auff 2 Theile umgeben, derhalben die Situatio es giebt, daß diese Heyde nach Damsdorff muß gehoͤhret haben, indem die Nachbarschafft die Ver- muthung zuwege bringt, daß sie dem- jenigen, dem sie am nechsten liegt, zugehoͤ- re, und wenn die benachbarten Guͤther frey sind, so vermuthet man auch, daß dasjenige, so in deren Bezirck ist, auch frey sey. 4. Liegen in solcher Heyde 3. Pfloͤ- cke, die von Christoph von Thuͤmen, so niemahls der Herrn Schencken Unter- than gewesen, des Bauern Hanß Goden Aussage nach, besaͤet und das Getreydig durch die Lewenbruchische Un- terthanen nach Trabin gefuͤhret worden, welches auch eine starcke Vermuthung giebet, daß die Heyde auch zu der Dams- dorfischen Feld-Marck, und also nach Le- wenbruch gehoͤre, indem durch das Ei- genthum eines Theils das Eigenthum des Gantzen wohl kan erwiesen werden. C. un. §. Cum autem quis. 2. tit. Si de inve- stitura feudi controversia fuerit. Und ist hier wohl zu beobachten, daß des Bauern Aussage, der da sagt, daß Chri- stoph von Thuͤmen das Korn, so auff den 3. Pfloͤcken gewonnen, durch die Le- wenbruchische Bauern nach Trabin fuͤh- ren lassen, durch den von den Herrn Commissari en angezogenen Lehn-Brieff, soviel die Wohnung betrifft, bestaͤrcket wird, darein ausdruͤcklich enthalten, daß derselbe Christoph von Thuͤmen binnen Trabin einen Hoff gehabt. 5. Wird mit des von Otterstaͤdts Lehn-Briefen erwiesen, daß er von Chur- Fuͤrstl. Durchl. mit der halben Holtzung auf der wuͤsten Feld-Marck Damsdorff belehnet worden, so muß ja die andere Helffte auch sothanes Holtz gehabt ha- ben. Und diese Ursache bestaͤrckt sehr des Herrn Compt ers Intention; Denn daraus erscheinet, daß zu der wuͤsten Feld-Marck Darmsdorff eine grosse Hey- de gehoͤret habe, und weil der von Otter- staͤdt die eine Helffte von der Feld-Marck Darmsdorff besessen, so hat auch Bettin die andere Helffte von der Holtzung und Heyde besessen. Dahero folget ferner, daß beyde Antheil Holtzung, welches dem von Otterstaͤdt und dem von Bettin als Chur-Fuͤrstlichen Vasallis zukommet, zu- sammen muß gestossen haben, denn wo sie nicht haͤtten zusammen gestossen, so wuͤrde eine Helffte wohl durch die Graͤn- tzen zur Jaͤgerey gehoͤrigen Materien. tzen seyn bewiesen worden, und weil nun diese Heyde, davon die Frage hier ist, an die Otterstaͤdische Heyde stoͤsset, und mit derselben gleichsam eine Heyde macht, solches aber von keinem andern Gehoͤltz kan gesaget werden, so muß nothwendig folgen, daß diese Heyde eben dieselbe an- dere Helffte sey, so Casparn von Bettin als Chur-Fuͤrstl. Vasallo von der Dams- dorfischen Heyden zukommen, zumahl an Baͤumen kein ander Holtz, so auff den Huffschlaͤgen auffgeschlagen, zu ver- gleichen, und ob wohl in dieser Heyde das Holtz nicht so groß, dick und schoͤn, als in dem Otterstaͤdischen Antheil, da- rum auch vielleicht diß Theil viel groͤsser, als das Otterstaͤdische, so ist doch diese Heyde der Otterstaͤdischen naͤher, wegen der J. Lage und Beschaffenheit der Baͤu- me, als das Gehoͤltze, so auff den Huff- schlaͤgen auffgewachsen, welches die Herren von Schencken vor die Helff- te der Damsdorfischen Heyde gantz wieder alle Wahrscheinlichkeit hal- ten wollen. Denn ohne Zweiffel ver- muthlicher dieselbe Heyde die andere Helffte der Damsdorfischen Heyden seyn muß, welche hart an die andere Heyde, so unzweifflich ein Stuͤck der Damsdor- fischen Heyden ist, stoͤsset und am Holtze aͤhnlicher ist, als ander Gehoͤltze in der Gegend, indem ein Theil den andern beweiset, per L. 1. ff. de Reb. dub. 5. Es haͤtte der von Bettin die Koppel- Jagd mit dem von Otterstaͤdt, in beyden als sowohl der grossen, als der Otterstaͤ- dischen Heyde gehabt, daraus zu vermu- then, daß die beyden Heyden vor diesem zusammen gehoͤrt haben. Zwar ist nicht ohne, daß auff 2. Guͤthern die gantz von einander unterschieden, das Recht der Koppel-Trifft eingefuͤhrt werden kan, es ist aber solches nichts anders, als eine auf beyden Seiten geschehene bittliche Handlung, die man nach Gefallen wieder zuruͤck nehmen kan. Dieses aber ist gewiß, daß Con- tract s-weise eine solche mutuell e Dienst- barkeit koͤnne zuwege gebracht werden: z. e. durch Theilung, durch Kauff, u. s. w. Und daß dieses bey der Theilung der Damsdorffischen Heyde also muͤsse abge- redet seyn, erscheinet dahero, daß so lan- ge die Heyde quæstionis gehet, die Huffen und Aecker alle vermenget liegen, denn z. e. die eine Hufe gehoͤret dem von Ot- terstaͤdt, die andere dem von Bettin, die 3te wieder dem von Otterstaͤdt, die vierdte dem von Bettin, und so fortan biß zur Endschafft der Heyde. Derohalben oh- ne Zweifel die Heyde anfangs also gethei- let worden, daß die Heyden zwar unter- schieden, aber die Weide gemein, die da- ran stossende Aecker aber wechselsweise ge- theilt werden sollen, welches der Augen- schein giebet; deñ sonst keine Ursache koͤnne gegeben werden, warum nicht allein bey- de Theile das Recht zu weiden, sondern auch wechselsweise ihre Hufen haben, so an die Heyde stossen. 6. Daß die Unterthanen von Lewen- Bruch aus dem Chur-Fuͤrstl. Lehen das Getraͤyde aus der Heyde gesammlet und eingefuͤhret, welches auch bey Caspar von Bettins Zeiten geschehen; Denn wo die- se nach Diddersdorff, so ein Schenckisch Lehn, und nicht nach Lewenbruch, so ein Churfuͤꝛstl. Lehn ist, und welchem die Feld- Marck Damsdorff incorporir et, gehoͤret haͤtte, so wuͤrden sich ja die Lewenbruchi- sche Unterthanen nicht haben zwingen las- sen, das Getraͤydig, so in der Heyden ge- bauet wird, abzumaͤyen, zu sammlen und einzufuͤhren, es haͤtte ihnen auch von Rechtswegen nicht koͤnnen angemuthet werden: Derhalben daraus leicht zu ver- muthen, daß die Heyde zum Chur-Fuͤrstl. Lehn gehoͤret habe. 7. Daß die Unterthanen im Chur- fuͤrstl. Lehne Lewenbruch die Trifft und das Lager-Holtz haben, welche Verguͤn- stigung gleichwohl muß ein Fundament gehabt haben, denn daß man so viele Handlungen mit dem Precario will ab- weisen, und daß nur der von Otterstaͤdt die Jagden, die Unterthanen zu Lewen- bruch die Trifft, item das Lager-Holtz alles mit einander bittweise solten gehabt haben, wird nicht koͤnnen vermuthet werden; Weil man vermuthet, daß ei- ner vielmehr eine Sache in seinem eigenen Namen, als in eines fremden und bitt- weise besitze; und bey einem zweiffelhaff- ten Fall vermuthet man nicht, daß eine Handlung ohne Entgeld geschehen sey. Hingegen, daß die Heyde nicht nach Damsdorff gehoͤret, u. also der von Bet- tin dieselbe als ein Churfuͤrstl. Lehn nicht besitzet, wollen sie erweisen (1) daß die Hey- de mit Mahlhuͤgeln von der Damsdorf- fischen Feld-Marck abgesondert, aber es ist falsch, denn nicht von der Damsdorffi- schen Feld-Marckt, sondern von denen Stuͤcken und andern Heyden ist sie ab- gesondert mit Mahl-Huͤgeln, nicht aber von Anhang unterschiedener nuͤtzlicher von der gantzen Feld-Marck. Des von Otterstaͤdt Heyde ist, wie bekant, ein Stuͤck von der Damsdorffischen Feld- Marck, und ist doch von andern Stuͤ- cken mit Huͤgeln abgesondert. Derhal- ben so folgt zwar dieses, daß durch die Mahl-Huͤgel die streitige Heyde von dem Acker, nicht aber von der Damsdorfi- schen Feld-Marck unterschieden; gleich wie ein Thier-Garthen mit einem Zau- ne umgeben, wohl mitten unter des Fuͤrsten Laͤndereyen liegen kan, daraus aber Niemand schliessen wird, daß der Thier-Garthen von des Lands-Fuͤrsten Aeckern unterschieden und nicht dem Lan- des-Fuͤrsten gehoͤren muß, wie auch an der Otterstaͤdischen Heyde dieß Argument augenscheinlich betrieget, welche mit Mahl-Zeichen umgeben, und doch mit den anstossenden Laͤndereyen einen Her- ren hat. 2) Joachim von Bettins Wittwe haͤtte ihr Leibgedinge in Lewenbruch gehabt, dieser Heyde aber haͤtte sie sich nicht an- gemaasset. Ob nun wohl diß ungewiß und streitig, so schliesset doch dieses Ar- gument nicht; Denn nicht eben noͤthig, daß zum Leibgedinge alle Pertinenz- Stuͤcke geschlagen werden, sondern da- rin siehet man die Groͤsse der Mitgabe, und siehet auff die Handlung, was der Witwe gelassen werden soll. 3) Der Pfarr-Herr zu Lewenbruch haͤtte Damsdorff zum Filial gehabt, wenn nun diese Heyde nach Damsdorff gehoͤrte, wuͤrde er Macht haben, auch Brau-Holtz zu schlagen. Aber es folgt nicht nothwendig, daß der Pfarr-Herr auff der gantzen Feld-Marck muͤsse Holtz zu schlagen Macht haben; Es ist genug, daß ihm ein gewisser Ort, davon er Brau-Holtz haben koͤnne, angewiesen worden. 4) Wenn es auch Damsdorff gehoͤr- te, so wuͤrden beyde Theile Heyden auff gleiches Recht von Otterstaͤdten und Bet- tin seyn genossen worden. Das letztere aber ist nicht, denn der von Bettin haͤt- te die hohe Jagden von Hochroth-Wild- praͤth, Otterstaͤdt nicht. Dieser Schluß aber schliesset nicht wohl; Denn es kan einer an seinem Theile wohl mehr Ge- rechtigkeit von dem Obern, entweder aus Gnaden oder durch Verdienst erlangen, als der andere, und verliehret der Schluß alle Krafft, wenn man bedenckt, daß Caspar von Bettin Macht gehabt, roth Wildpraͤth zu schlagen, nicht allein in der streitigen Heyde, sondeꝛn auch in den Huff- schaͤgen und der Damsdorfischen Feld- Marck. Wenn nun diese Freyheit der von Bettin von denen Herren Schen- cken gehabt haͤtte, mit was vor Recht haͤtte er sich auff den Huffschlaͤgen und andern auff geschlagenem Holtze, die zu Chur-Fuͤrstl. Lehn ohnstreitig gehoͤren, gebrauchen koͤnnen? Weil aber er sich dieser Freyheit uͤberall gebraucht, so ist die Vermuthung, daß ers nicht von den Herrn Schencken, sondern von Sr. Chur-Fuͤrstl. Durchl. gehabt habe. Daß aber diese Heyde nach Diddersdorff gehoͤre, wollen sie beweisen, 1) mit dem Zeugniß des von Thuͤmens, der in eigener Sache zeugen soll, und vielleicht zu dem Ende der Sache sich lange geeusert, lan- ge nicht das Juramentum calumniæ ab- schweren wollen, als ein Theil, biß er darzu endlich gezwungen worden; Aber dieses Zeugniß ist verdaͤchtig und nichtig; Denn ob wohl Herr Hanß Friedrich von Thuͤmen erstlich mit im Streite gewesen, und im Abschiede seiner mit gedacht, hat er sich doch nochmahls der Sachen eu- sern, und nichts damit zu thun haben wollen, ja er hat denen Herren Verkaͤu- fern, welche ihnen das Wiedereinloͤsungs- Recht vorbehalten, das Guth hinwie- der angebothen, denn es scheinet so viel, daß er als ein Theil in dieser Sache kein Zeugniß geben koͤnne. 2) Mit derer Frey-Herrn von Schen- cken Lehen-Briefen, so sie denen Betti- nern gegeben, darein Heyden und Hol- tzungen gedacht werden. Aber das will nicht wohl schliessen; Es ist die Frage, wo die Heyde sey, und ob nicht das Pusch- Werck bey Diddersdorff eine Heyde ge- wesen, wie in denen Act en vielfaͤltig ge- antwortet, und sonderlich koͤnnen die Lehen-Briefe in Sachen des Herrn und Vasallen wider den Drittman wenig oder nichts probir en. Denn wenn ein Herr ein Lehn-Gut uͤbergiebt mit allerhand Pertinenz- Stuͤcken, als Waͤldern, Wein- bergen ꝛc. So wird allezeit drunter ver- standen, wenn zuvor welche an dem Or- te da gewesen, so, daß die Pertinenz- Stuͤ- cke der Vasall beweisen muß. Rosenthal. de Feudis C. 12. Bey Belehnung beweisen die Verba ge- neralia nichts, wann nicht erwiesen wird, was vor ein Recht, der es conferirt, zuvor allda gehabt. Es moͤchte aber Jemand einwenden, es waͤre nicht ohne, die Lehn-Briefe, so die zur Jaͤgerey gehoͤrigen Materien. die Herren Schencken von Bettinen aus- geantwortet, koͤnten Sr. Chur-Fuͤrstl. Durchl. nicht præjudicir en, allein weil vermoͤge Abschiedes nur hat sollen bewie- sen werden, mit was vor Recht diese Heyde Caspar von Bettin besessen, so liesse sich gleichwohl aus denen Lehn-Brie- fen soviel erweisen, daß Caspar von Bet- tin diese Heyde als ein Schenckisch Lehn besessen: Aber dieses folget auch nicht, denn es steht in den Lehn-Briefen von keiner Heyde, die ¾tel Meile von der Did- dersdorffischen Graͤntze gelegen, und mit der Damsdorfischen Feld-Marck umge- ben, zumahl die Pertinenti en in den Lehn- Briefen so beschrieben werden, daß sie in den 4. Rehnen in der Feld-Marck Diddersdorff; Diese Heyde aber ist in den 4. Rehnen der Feld-Marck Didders- Dorff nicht belegen, und wenn die Her- ren Schencken mit dieser Heyde andere haͤtten belehnen koͤnnen oder wollen, so haͤtte die Situatio, weil sie an die Did- dersdorfische Feld-Marck nicht anstoͤsset, genauer muͤssen beschrieben werden. Denn die Erklaͤhrung der Lehn-Briefe muß man allezeit wieder den Lehns- Herrn machen, als bey dem es gestan- den, sich deutlicher zu erklaͤhren. 3) Weil die Herren Schencken al- lein in dem District die hohen Jagden haͤtten, die von Adel aber nicht, und Did- dersdorff ein Schenckisch Unter-Lehn, und diese Heyde die Hohe Jagd habe, deswegen sey zu vermuthen, daß diese Heyde nach Diddersdorff gehoͤre. Die- ser Schluß ist etwas weitlaͤufftig, und wird das voraus gesetzte, daß die Frey- Herrn von Schencken allein die Hohe Jagden haben, nicht gestanden, wie es denn bekant, daß viele von Adel in der Chur- und Marck Brandenburg und vielleicht mehr, als in vielen Landen teut- scher Nation, die Hohe Jagden haben, und verliehret dieser Schluß allen Schein, wenn darauff geantwortet wird, daß, wie schon gedacht, die von Bettin, auff denen Radelaͤndern und Huffschlaͤgen auch die hohen Jagden gehabt. Das werden die vornehmsten Ar- gumenta pro und contra seyn, wenn ich die gegen einander halte, daucht mir, daß kein Urthels-Fasser seyn werde, der nicht fuͤr den Herrn Comptor spreche. Denn S. W. W. die Situation und die meisten staͤrcksten Muthmassungen vor sich hat. Die vierdte Incident- Frage betref- fend, scheinet wohl, daß hierunter was gesucht werde, daß sich der von Thuͤmen von der Sachen sondern wollen, item, daß er, da doch denen Herren Verkaͤuf- fern die Wieder-Einloͤsung verschrieben, die Wieder-Verkauffung anbiethẽ lassen, damit dessen Zeugniß desto scheinbarer werde; Hingegen aber erscheinet aus oben angezogenem Abschiede, daß erstlich der von Thuͤmen in lite gewesen, im Abschiede seiner als eines Zugehoͤrigen gedacht, auch leicht verstehen kan, daß die Wiedeꝛ-Einloͤsung jetzo bey dieseꝛ Beschaf- fenheit der Zeit unmoͤglich, er auch zu Ablegung des Eyds vor Gefehrde con- demnir et und aus denen Documentis, die er in Haͤnden hat, die beste Nachricht weiß, auff was vor Art der von Bettin diese Heyde besitzet, auch der Herr Com- tor nicht noͤthig gehabt, einem jeden In- teressir enden ein sonderlich Rescript und eine sonderliche Abschrifft von der Dedu- ction ins Hauß zu schicken, und genug- sam, daß dem Fuͤrnehmsten unter denen streitenden Theilen eine Abschrifft zuge- schickt werde, auch die Rechte auff den Eyd vor Gefehrde dermaassen dringen, daß sonsten eine moͤgliche Nullit aͤt ent- springet, so wird sich der von Thuͤmen nicht entbrechen koͤnnen, sondern es wird die Straffe desjenigen, der nicht schweret, der Verlust der Sachen, ihm muͤssen, wo er beharrlich verweigert, vorgeschrieben werden. Und weil der Herr von Thuͤmen das Juramentum calumniæ leistet, und die Herren Schencken sich verwegern, so koͤnnen sie desselben sich nicht entbrechen, ob es wohl Anfangs des Streits nicht gefordert, so ist es doch noch Zeit genung, biß zum Schluß der Sache, und hat dieser Eyd zu Zeiten Justiniani mit zum Wesen des Gerichts gehoͤret, derohalben es zu jederzeit hat koͤnnen angetragen werden, welches denn ausdruͤcklich auch in Jure Canonico verordnet, das nehm- lich das Juramentum calumniæ, wenn es zu Anfang nicht abgeschworen worden, bey einem jedweden Stuͤck des Process es præstir et werden koͤnne. Ja es giebt der neulichste Reichs- Schluß, der sich auch auff die gemeine Meynung derer Doctorum gruͤndet, in §. Uber dieses Verordnen ꝛc. daß der Richteꝛ deꝛ Eyd vor Gefehꝛde, in welcherley Theile des Process es von Amtswegen auf- erlegen koͤnne. Jm Fall aber die Her- ren von Schencken sich dieses Eydes be- g harrlich Anhang unterschiedener nuͤtzlicher harrlich verweigerten, wuͤrden sie sich der Straffe derer, die nicht schweren wollen, und des Verlusts der Sache, zu verse- hen haben. LYNCKERI Responsum CIV . Wegen der Jagd-Frohnen und Jagd-Fuhren. Jnhalt. Ein allgemeiner Vergleich benimmt nichts einem besondern, und muß man sie beyderseits so auslegen, daß sie nicht einander contrair seyn. Wenn einige Bauern von freyen Stuͤcken diejenigen Dienste thun, die sie noͤthig zu thun schuldig sind, so præjudicir en sie doch nicht hierinnen ih- ren Mit-Nachbarn. Die aus Furcht und mit Zwang zuwege gebrachte Handlungen koͤnnen ei- nen Herrn nicht in die Possess der Dinge setzen, die seine Unterthanen zu thun nicht schuldig seyn? A Ls ihr uns nebst Ubersendung eini- ger Privat-Act en berichtet, was ge- stalt hiebevor denen Durchlauchtigsten Chur-Fuͤrsten zu Sachsen und Burg- Graffen zu Magdeburg, Herrn Her- tzog Christianen und Herrn Hertzog Jo- hann Georgen I. und Dero Durchlauch- tigsten Vorfahren, Glorwuͤrdigster Ge- daͤchtniß, die Dorffschafften der Amts- Pflege Weissensee an statt der Jagd- Dienste, welche sie zum Theil mit Pfer- den, und zum Theil zu Fusse zu leisten schuldig, ingleichen aller Kuͤchen-Keller- und anderer Fuhren, jaͤhrlich ein gewis- ses an Hufen-Gelde, nehmlich vor 1. Hufe 2. fl. ein Gaͤrtner einen halben fl. und ein Haͤußler einen Ortsfl. unter- thaͤnigst verwilliget, wogegen sie mit an- geregten Diensten verschonet worden, besage der Recesse sub A. B. C. \& D. a fol. 1. usque ad 6. Nachgehends aber durch gewisse Recess e sowohl zu dem Hufen- Gelde, als denen Jagd- und andern Dien- sten sich verbindlich gemacht; Jmmassen solche von des Herrn Administratoris Herrn Hertzogs Augusti Hochfl. Durchl. Hoͤchstseeligsten Andenckens, auff etliche Jahr Gnaͤdigst renovir et, und darinnen beliebet worden, daß die Amts-Unter- thanen 800. Rthl. auff 4. Qvartale ab- statten, dagegen aber die Jagd-Dienste nicht weiter, als in denen Aemtern Weis- sensee, Sachsenburg und Heldrungen, dem Herkommẽ nach, nochmahls verrich- ten sollen, gestalt denn auch hieruͤber auf 12. Jahr ein Recess unteꝛ dem 14. Sept. 1662. abgefasset und von Hoͤchstgedachter Sr. Hoch-Fuͤrstlichen Durchl. Gnaͤdigst con- firmir et worden, wie abermahls a. fol. 8. usque ad 16. wahrzunehmen. Als nun kaum wenige Jahre verstrichen, sey zwischen Sr. Durchl. hiezu abgeordnet gewesenen Commissari en, Herrn Johann Philipp Weicherdem, damahligem Fuͤꝛstl. Saͤchßischen Rath und Renthmeistern, und Christian Albini, Amtmann zu Weissensee und der Ambts-Pflege Abge- ordneten ein neuer Recess unter dem 6. Nov. 1666. getroffen, und solchem wegen der Jagd-Dienste fol. 18. \& 22. unter an- dern einverleibet worden: Hingegen alle Getraͤydig-Jagd- und andere Fuhren und Dienste, wie die Namen haben moͤgten ꝛc. Item in Medio: Die Jagd-Wein-Bau-Marckt- auch andere Fuhren und Dienste aber ꝛc. Et porro: Die Jagd-Wein-Marckt- und andere Fuhren und Dienste auch umsonst und ohne Entgeld ins kuͤnfftige zu verrichten. Haben nun die Herren Beamten diesem letztern Recesse zu Folge, indem sie da- fuͤr halten, daß derselbige dem vorigen, sonderlich vom 14. Sept. 1662. fol. 14. b. in puncto der Jagd-Dienste zuwider, de- nen Unterthanen bey Straffe aufferlegt, daß dieselben die auswendische Jagd- Dienste gar ins Amt Sangerhaussen ver- richten solten, da doch nach Erforderung des Recesse s von Anno 1662. die Unter- thanen solche Dienste weiter nicht, dann in zur Jaͤgerey gehoͤhrigen Materien. in die Aemter Weissensee, Sachsenburg, und Heldrungen, etwa auff 2. 3. biß 4. Meilen zu leisten schuldig. Es haben auch vorberuͤhrter neuer Aufflage gemaͤß deren Unterthanen einige die weitere Dienste zu Zeiten verrichtet, die andern aber auff die alten Recesse und das Her- kommen sich beruffen, Krafft deren sie solche zu leisten nicht verbunden. Gegen welche nun die Herren Beamten die ver- fallene Strafen, so sich uͤber 200. Rthl. betragen, zu exequir en, auch ferner die weiten Jagd-Dienste gleich, ob seyen sie deꝛenthalben in dem letzten Recess gegꝛuͤn- det, von denen Unterthanen ohnwei- gerlich præstirt zu haben gemeynet, und ihr wollet deshalben uͤber folgende Fra- gen des Rechten belehret seyn: 1.) Ob nicht der letztere Recess vom 6. Nov. 1666. so zwischen denen Fuͤrstl. Herrn Commissari en und denen Abge- ordneten der Amts-Pflege auffgerichtet, nach dem vorigen vom 14. Sept. 1662. in puncto der Jagd-Dienste zu verste- hen, und dieser keinesweges auffgehoben sey? 2) Ob die Amts-Unterthanen die von denen Herrn Beamten ihnen ange- forderte weitere Jagd-Dienste in Zu- kunfft zu præstir en, und weil solches zeit- hero unterblieben, die ihnen deshalben dictirt e Straffe zur Execution zu brin- gen sey? Demnach sprechen wir, und zwar auff die 1. Frage V. R. Ob gleich der letzte Recess de Anno 1666. soferne er von dem nechst vorigen deutlich abgehet, billig zum Fundament zu setzen; Jn sol- chem letzten Recess aber nicht allein die Jagd-Fuhren, sondern auch die uͤbrigen Dienste zur Jagd, welche nehmlich mit der Hand oder zu Fuß zu leisten, von denen Unterthanen auff 8. Meilen ein- gegangen zu seyn scheinen wollen, in ver- bis: Jagd- und andere Fuhren und Dien- ste aber ꝛc. fol. 21. b. und ferner: Die Wein-Jagd-Marckt- und andere Fuhren und Dienste auch ꝛc. fol. 22. Dieweiln aber hingegen beruͤhrter Recess dem nechst vorigen, wo er von dem- selben nicht abgehet, nicht alleine das- wegen nicht zuwider gedeutet werden muß, weil die Unterthanen der Amts- Pflege G. ein gewiß erlangtes Recht, welchem Niemand leicht zu renuncir en pfleget, erlanget, sondern auch im An- fange sich der letztere Recess selbsten auff den Recess de Anno 1662. expresse referi- r et, in welchem aber die Jagd-Dienste von andern Diensten unterschieden, und restrictive nur allein auff die Aemter Weisensee, Sachsenburg und Heldrun- gen cum adjecto: dem Herkommen ge- maͤß, versprochen, nach welchem die Un- terthanen solche weiter und anders wo- hin zu verrichten nicht schuldig. Nir- gends aber, daß dieser Convention in dem letzten Recesse derogir et und diesel- be auffgehoben seyn solle, zu befinden; Bevorab (2) denen Unterthanen in Re- cessu de Anno 1662. auff 12. Jahr prospi- cir et, und nicht einmahl zu vermuthen, daß dieselbe sich so bald im vierdten Jahr hernach dergestalt præjudicir et, und we- gen derer Jagd-Dienste sich ihres er- langten und noch waͤhrenden Rechts so bald begeben haben solten. (3) Der letzte Recess, weil er sich auf den vorigen be- ziehet, mit demselben, soviel moͤglich, zu conciliir en; welches denn auch wohl ge- schehen kan, indem der letzte von den Jagd-Diensten mit keinem Worte dispo- nir et, sondern nur der Jagd-Fuhren ge- dencket, und dahero weil das Wort Jagd seinen Verstand vollig dergestalt erlangt, Jagd-Wein-Brau-Marckt- und andere Fuhren, die Worte, so darauff folgen, und Dienste auff Hand-Dienste, und zwar andere als Jagd-Dienste, weil von diesen in dem vorigen Recess eine aus- druͤckliche speciale Verordnung enthal- ten, zu verstehen. 6) Dieweil man niemahls glaubt, daß durch General- Worte demjenigen, so ins besondere ausgemacht und verglichen worden, etwas entzogen sey; Gestalt denn auch 4. in denen vorigen Ordnungen diß- falls ein Unterschied gehalten worden, als in Chur-Fuͤrst Christians Befrey- und de Anno 1588. it. in des Chur-F. Jo- hann Georgii l. de Anno 1618. ibi: Von allen Jagd-Diensten mit der Hand und Pferden. Und weil in diesen Conces- sion en die Jagd-Dienste auch diejenigen, so mit Pferden und die Jagd-Fuhren synonimice und in einerley Verstande ge- nommen werden, dannenhero nicht aller- dings noͤthig, das Wort Dienste in dem letztern Recess von denẽ Hand-Diensten, auch nicht einmahl andern, dann denen- jenigen, so zu der Jagd verrichtet wer- den muͤssen, zu verstehen, sondern des- halber gar wohl einerley mit dem Wort Fuhren verstanden werden mag, derge- stalt, daß daselbst gar nicht von einigen Hand- und also auch nicht von derglei- g 2 chen Anhang unterschiedener nuͤtzlicher chen Jagd-Diensten disponir et seyn muͤs- se, sondern es dieserhalben bloß und al- lein bey dem vorigen Recess verbleibe. So seynd demnach die Unterthanen der Amtspflege Weisensee die Jagd-Dien- ste mit der Hand und zu Fuß weiter nicht, dann in die im Recess de Anno 1662. be- nannte drey Aemter zu leisten schuldig; Jst auch, daß diesem Recess durch den nachfolgenden in diesem Theil derogir et worden sey, nicht befindlich. So viel a- ber die Jagd-Fuhren anbelangt, dieweil solche in denen vorigen Verordnungen, benanntlich in der Bewilligung des po- stulir eten Herrn Administratoris zu Hal- le von Anno 1660. unter denen andern Fuhren mit begriffen, ibi: gegen alle Fuhren auff 8. Meylen. Und ob die Jagd-Dienste daselbst unterschiedlich, in folgenden Worten: Die Jagd-Dienste aber nicht wohl anders, denn von denen Hand-Diensten (weil sonst nach dem Ex- empel der alten Befreyung deutlich zu Fuß und Pferd, oder doch die Jagd- Fuhren und andere Hand-Dienste zur Jagd aber ꝛc. gesetzt werden koͤnnen. Nicht weniger auch solche Universal-Ex- pression en in der Anzeige fol. 11. ibid. alle andere Fuhren enthalten; Und uͤber die- ses nicht wohl zu befinden, warum die Unterthanen nicht gleich sowohl die Fuh- ren zur Jagd, als alle die uͤbrige auff ei- ne gleiche Weise, als nehmlich auf 8. Mey- len zu verrichten, haͤtten angehalten wer- den wollen. Auch gesetzt, daß in dem vo- rigen Recess die Jagd-Fuhren nicht auff 8. Meilen gewilliget waren, auch etwa dasjenige Herkommen, worauff sich da- selbst bezogen wird, indistincte und nicht weniger in den Fuhren, als denen Hand- Diensten, die Unterthanen haͤtte schuͤ- tzen koͤnnen, daß sie bey denen drey Aem- tern verbleiben moͤgen, nichts destowe- niger durch den letztern Recess de Anno 1666. davon klaͤhrlich abgangen, und die Jagd-Fuhren, wie der Buchstabe aller- dings besagt, auff 8. Meilen gleich an- dern Fuhren zu verrichten, gewilliget, gegen welch klares Versprechen nun nicht mehr auff den vorigen Recess sich beruf- fen werden koͤnte: Als seynd mehrgedachte Untertha- nen solche Jagd-Fuhren biß auf 8. Mei- len, solchem ausdruͤcklichen Jnhalt dieses Recess es nach, zu leisten verbunden. Auff die andere Frage halten wir V. R. Ob wohl die Hand-Dienste zur Jagd, betreffend diejenige Unterthanen, welche dem an dieselbe ergangenen Amts- Geboth vom 17. May 1687. Folge gelei- stet, und solche uͤber und ausser denen dreyen Aemtern verrichtet, weder denen uͤbrigen præjudicir en koͤnnen, indem die Dienste, so etliche verrichten, und auch der groͤste Theil einer Universit aͤt oder Ge- meinde, darinne denen geringsten kein nachtheil erwecken kan; noch auch sie, ge- dachte Unterthanen, ihnen selbst im En- de durch solche von ihnen geleistete Dienste schaden moͤgen, gestalt dergleichen Hand- lung als aus Furcht, ob sie gleich von der Obrigkeit erzwungen worden, dennoch weil dasselbe wider die Vergleiche auch ohne vorher erkannte Sache und durch blosse Eindruͤckung der Beamten gesche- hen, der Herrschafft keinen Besitz er- weckt, und viel weniger die Jura petito- rii verringern moͤgen, sondern insge- samt alle und jede Unterthanen bey de- nen Diensten mit der Hand in denen ih- nen bedungenen dreyen Aemtern noch- mahls zu lassen, also wider diejenige, welche nur dem erwehnten Amts-Ge- both zu denen Hand-Diensten nicht ge- horsamet, daruͤber mit weniger Straffe nicht verfahren werden mag; So moͤgen jedoch die uͤbrigen, so die Fuhren dahin haben leisten sollen, aber ungehorsamlich zuruͤcke blieben, mit ge- buͤhrlicher Straffe wohl beleget werden: Es wolte denn die Fuͤrstl. Herrschafft ihnen noch fuͤr dißmahl, in Ansehung ih- res sonst beschwerlichen Zustandes, auch weil sie mehr aus Mangel gnugsamen Unterrichts, als Vorsatz, denen Befehlen sich zu wiedersetzen, gefehlet, und kuͤnff- tig desto williger sich einzufinden erboͤ- thig seynd, ihnen Gnade wiederfahren lassen; So wuͤrden sie dieselbe mit un- terthaͤnistem Danck und kuͤnfftigem meh- rerm Gehorsam zu erkennen haben. Men- se Decembr. 1688. denen Dorffsch. der Amts Weissensee Pflege. HEROL- zur Jaͤgerey gehoͤrigen Materien. HEROLDI Observat. Forest. Consultatio Decisiv. XV. Jnhalt. Der, so die Huth- und Trifft-Gerechtigkeit besitzt in dem Possessorio ordi- nario oder petitorio, kan dem Gerichts-Herrn, der die Nieder-Jagd be- sitzt, das Lerchen-Fangen mit Tage-Netzen nicht verwehren. A Ls die Herrn Gebruͤdere von H. als Erb- und Gerichts-Herrn der R. Fluhr und Feld-Marck, auf welchen sie der Gemeinde daselbst die Huth- und Trifft-Gerechtigkeit gegen einen jaͤhrl. Zinß von 118. fl. 18. gl. vererbet, sich der ihnen in solchem Districtu Gnadigst ver- lehnten Nieder-Jagd des Lerchen-Fan- gens mit Tage-Netzen M. Septembr. 1700. zu exercir en im Begriff waren, wolte die Gemeinde ihnen solches nicht verstat- ten, sondern hielten es vor eine Verle- tzung ihrer Weyde- und Huth-Gerech- tigkeit, die ihnen waͤre vergoͤnnet wor- den, klagten deswegen beym Ober-Hoff- Gerichte zu Leipzig in Ansehung der tur- birt en Quasi-Possession der Weyde- und Huth-Gerechtigkeit, erhielten daselbst Poenal-Inhibition an die von H. welche auch sowohl in Termino Reminiscere, als Trinitatis 1701. ihres Einwendens und Leuterirens unerachtet, confirmir et wur- de, davon sie an das Appellation- Gerich- te zu Dreßden appellirt en, daruͤber ent- stunde folgende Rechts-Frage: Ob die Gemeinde zu R. ihrem Erb- und Gerichts-Herrn das Exercitium ve- natorium die Lerchen mit Tage-Garn zu fangen, der ihnen zugelassenen Huth- und Trifft-Gerechtigkeit halber, von Rechts- wegen verbiethen koͤnne? Quoad Processum inhibitivum mo- mentanei Possessorii wurde ad Acta pri- vata erkannt: Pro Affirmativa von der Juristen Facult aͤt zu Wittenberg folgen- der Maassen: U. F. D. Z. V. Ehrenvester, Wohlge- lahrter, guͤnstiger guter Freund, Als ihr uns euren Bericht und ange- hengte Rechts-Frage nebst gehaltenen Privat-Act en zugeschickt und unsere Rechts-Belehrung daruͤber gebethen; Demnach erachten, sprechen und be- kennen wir Dechand, Ordinarius, auch andere Doctores und Assessores der Ju- rist en- Facult aͤt in der Universit aͤt Wit- tenberg darauff in Rechten ergruͤndet. Hat die Gemeinde zu R. wider Jo- hann Friedrichen und Carl. Ludewigen, Gebruͤdere von H. wegen des von ihnen im Monat Septembr. des abgewichenen 1700. Jahres unternommenen Wegtrei- bens ihres Schaaff-Viehes aus denen Winter-Feldern in der R. Fluhr und Marck vor dem Ober-Hoff-Gerichte zu Leipzig Inhibition gesucht und erhalten, immaassen auch selbige nachgehends bey Kraͤfften erkannt, sowohl solches Er- kaͤntniß anderweit Leuterungs-weise con- firmir et worden. Als nun ermeldte Be- klagte hierwieder eine Appellation ein- gewendet, und dieselbe fortzusetzen ge- meynet, wollet ihr hieruͤber: Ob sie sich dießfalls einer Reformatoriæ zu getroͤsten? durch einen Rechts-Spruch vergewis- sert seyn, nach mehrerm Jnhalt eures uns zugeschickten Berichts und derer ge- haltenen Privat-Act en. Ob nun wohl klagende Gemeine, daß denen Beklagten die angegebene Nieder- Jagd, und insonderheit der Lerchen-Fang in der R. Feld und Fluhr zustaͤndig, nicht gaͤntzlich in Abrede seyn mag; Hiernechst die in dem uͤbergebenen Rotulo abge- hoͤrten Zeugen, daß Beklagte 1. 2. 3. Jah- re hero mit denen so genannten Tage- Garnen in angeregtem Feld und Fluhr ohne Jemands Wiedersprechen Lerchen gefangen, ingleichen die Hirten, wenn sie in waͤhrender Auffstellung der Netze vor dieselbe herum treiben wollen, jedesmahl mit dem Viehe wegtreiben lassen, ad art. 6. 7. 8. 20. \& 21. eydlich ausgesaget; Dem- nach es das Ansehen gewinnen will, daß Beklagte in Possessione præsentanea des Lerchen-Fangens am Tage mit derglei- chen Tage-Garnen, ingleichen in Jure prohibendi, zu selber Zeit an solchen Ort nicht hinzutreiben, sich befinden, fol- gends dabey allenthalben zu schuͤtzen; Wie dann ferner gestalten Sachen nach und da Jnhalts gedachter Zeugen uͤbriger Aussage der Lerchen-Fang jedes Jahr g 3 nur Anhang unterschiedener nuͤtzlicher nur 14. Tage waͤhret, die hierzu erwehn- te Gegend geringe und ausser derselben, zumahl zu der Zeit, da die meisten Fel- der und Wiesen allbereit geraͤumet, der uͤbrige Platz zur Viehe-Huͤthung gnung- sam, sowohl Klaͤgern auch an dem Ort, wo der Lerchen-Fang angestellet wird, das Graß fruͤh hinweg zu huͤten unbe- nommen, dann Beklagten die natuͤrli- che Billigkeit zu statten zu kommen schei- net; Hieruͤber was die libellirt en Thaͤt- lichkeiten betrifft, selbige ebenmaͤßig nach obiger Zeugen Deposition an Seiten de- rer Beklagten mit dem Schaͤfer und des- sen Jungen unternommenen Beguͤnsti- gungen entschuldiget werden wollen, bey welcher Bewandniß denn es dem Anse- hen nach sich erlediget, daß die ausge- brachte Inhibition in der Appellations- Instanz hinwieder cassir et oder doch we- nigstens in vim simplicis Citationis resol- vir et werden muͤsse; Dennoch aber und dieweil der Grund der angestellten Klage eigendlich darinnẽ, daß ungeachtet Klaͤgere nach der Anno 1564. erhaltenen Verordnung mit ihrem Schaaff- und anderm Vieh die R. Fluhr und Marck geruhig behuͤten lassen, jeden- noch Beklagte im Monat Septembr. 1700. ihr Schaaff-Vieh aus denen Winter- Feldern in beruͤhrte Fluhr und Marck zu treiben, ihren Schaͤfer und Jungen zwingen wollen, auch mit Schlaͤgen uͤ- bel tractir en lassen, bestehet, und Beklag- te in ihrem unterm dato den 5. Nov. 1700. erstatteten Bericht zufoͤrderst die Trifft- Gerechtigkeit und deren ungehinderte Possess vel qvasi in denen R. Felder und Fluhren ohne Unterschied deutlich einge- raͤumet; Hiernechst, daß sie an einem Theile in gedachtem Monat Septembr. das Lerchen-Fangen wider die ordentliche Gewohnheit, also neuerlicher Weise in Koꝛn-Stoppeln, angestellet, andeꝛn Theils den R. Schaͤfer-Jungen durch ihre Leu- te von der um selbe Gegend angemasse- ter Viehe-Huͤthung abmahnen, auch als er sich dießfalls wiedersetzet, schlagen lassen, selbst gestaͤndig, wie denn bey sol- cher Bewandniß obige ratione loci inde- finite verfassete Zeugen-Aussage allein von dem Sommer-Felde zu verstehen, sowohl, daß was itztberuͤhrtes Feld be- trifft, gleichwohl die Hirten-Jungen das Vieh dahin, zur Zeit des angestell- ten Lerchen-Fangens zu huͤten fort- gefahren, und dadurch klagende Ge- meine bey der Possess vel quasi der freyen unumschraͤnckten Huͤthung erhalten, ebenmaͤßig aus obenangezoge- nem Berichte, ingleichen dem Jnhalt des 10. Art. nicht undeutlich abzunehmen, ge- stalt denn in Inhibitions Sachen das Ab- sehen lediglich auff das Factum possessio- nis præsentaneæ zu richten, ingleichen beruͤhrte Possess an sich selbst stricti Juris und also de loco ad locum fuͤglich nicht zu erstrecken, darneben gestalten Sachen nach, und da erwehnter Maassen Beklag- te des fuͤrnehmsten Facti turbativi nicht abredig seyn moͤgen, die uͤbrigen libel- lirt en Umstaͤnde, folgends deren angefuͤhr- te Entschuldigung, da besonders die Con- nexitas mit obigem Haupt- Facto gnug- sam zu erkennen, in keine Consideration zu ziehen; Jm uͤbrigen die Beschaffen- heit des denen Beklagten zustehenden Vogel-Fangs, wie nicht weniger die zu Behauptung der natuͤrlichen Billigkeit oben angemerckte Umstaͤnde in altiori indagine beruhen, und zur ordentlichen Ausfuͤhrung in das Petitorium gehoͤrig. So erscheinet dahero soviel, daß Be- klagte in der Appellations-Instanz einer Reformatoriæ sich dißfalls nicht zu getroͤ- sten. V. R. W. Uhrkundlich mit der Ju- rist en- Facult aͤt Jnsiegel versiegelt. Dechand, Ordinarius, auch andere Doctores und Assessores der Ju- rist en- Facult aͤt in der Universit aͤt Witttenb. M. Dec. 1701. An Hrn. Benedict Preisern Pro Negativa vero Responderunt ad Acta privata Dnn. JCti Jenenses his verbis: U. Fr. D. Z. V. Ehrenvester und Wohl- gelahrter, guͤnstiger guter Freund. Als uns derselbe die hierbey wieder zuruͤck kommende Privat-Acta zugeschickt, und darneben berichtet, was gestalt die Gemeinde zu R. wider die Gerichts- Herren und Gebruͤdere von H. zu Z. Beschwerde gefuͤhret, ob haͤtten diesel- be zuwider der Anno 1564. denen R. ge- schehenen Vererbungen der Schaͤferey- und Trifft-Gerechtigkeit, 1.) derselben Schaaff-Vieh aus denen Winter-Fel- dern in ihre Fluhr und Marck zu trei- ben, den Schaͤfer und Jungen zwin- gen wollen; Auch 2.) denselben mit Schlaͤ- gen uͤbel tractir et; 3.) Den Schaͤfer-Stab wegge- zur Jaͤgerey gehoͤrigen Materien. weggenommen, und in die Gerichte ge- bracht, und den Schaͤfer noch zu einer Vorhaltung hieruͤber durch ihren Ge- richts-Halter citir en lassen, worauff, ob sie wohl die angefuͤhrten Gravamina in dem fol. 2. \& seqq. befindlichen Bericht sattsam abgelehnet zu haben vermeynet, dennoch fol. 13. eine Inhibition erfolget, solche auch, unerachtet dessen, so sie in ih- ren Saͤtzen fol. 31. \& seqv. anfuͤhren las- sen, in erster und anderer Instanz bey Kraͤfften zu bleiben erkannt, und sie dan- nenhero das Remedium Appellationis zu ergreiffen genoͤthiget worden. Nachdem sie aber solches nicht ohne Auffwand vieler Kosten ausfuͤhren koͤn- nen, diese nicht viel Nutzen eintragende Sache auch hernach viel schwerer fallen duͤrffte, und dahero unsere Rechtliche Meynung: Ob diese ergrieffene Appel- lation mit Bestande Rechtens und gutem Success zu prosequir en sey, cum Rationi- bus dubitandi \& decidendi zu ertheilen gebethen. Demnach sprechen wir vor Recht: Ob wohl, was den ersten Beschwe- rungs-Punct betrifft (1) der Gemeine zu R. die Schaaff-Huth- und Trifft-Ge- rechtigkeit in ihrem Fluhr unstreitig zu- stehet, sie auch dafuͤr denen von H. jaͤhr- lich ein gewisses Trifft-Geld von 118. fl. erlegen muͤssen, und sich in dem freyen Exercitio und quasi Possess solchen Juris befinden. Dannenhero (2) selbe Nie- mand zu turbir en befugt ist, welches doch dadurch zu geschehen das Ansehen hat, wenn (3) die von H. sich des Lerchen- Streichens mit Tage-Netzen in eben die- sem Fluhr gebrauchen wollen, und da- durch die Gemeinde in ihrer freyen Trifft auff einen gewissen Umfang an die 1500. Schritte, nach derer von H. eigenem Ge- staͤndnisse behindern, da doch die Rechte erfordern, als wenn der gantze Acker die Dienstbarkeit hat, daß ein anderer den Fahrweg darauf hat, oder darauf tre- ten darf, so darf der Eigenthums-Herr auff demselben Acker nichts thun, daß des andern Recht geschmaͤhlert werde, denn die auff dem Guthe hafftende Dienstbar- keit erstrecket sich auf das gantze Grund- Stuͤcke und alle dessen Theile. Jmmassen denn, ob schon (4) die Hrn. H. der R. Marck Eigenthums-Herrn und mit der Jagd-Gerechtigkeit in sol- cher gantzen Fluhr beliehen seynd, sich dennoch solch ihr Recht ohne Abbruch de- rer denen R. zustehenden Trifft und Huth gebrauchen muͤssen. Da auch dem Eigen- thums-Herrn auf denjenigen Sachen, in welchen dem andern eine Dienstbar- keit zustehet, nur dasjenige zu thun ver- goͤnnet, wodurch der Gebrauch der Dienst- barkeit nicht geschmaͤhlert wird. Zumahln da (5) das Amt Frey- burg, von welchem die von H. das Guth Z. und dessen zubehoͤrige Jura uͤberkommen, hiebevor sich zwar des Lerchen-Strei- chens in der R. Fluhr, alleine niemahls bey Tage, wie jetzo geschiehet, sondern nur bey der Nacht gebrauchet, wodurch denn der Gemeinde zu R. an ihrer Schaaff-Trifft kein Abbruch geschehen, da hingegen das itzige Lerchen-Streichen mit Tage-Garnen eine Neuerung ist, und denen R. zur Beschwerung und Schmaͤh- lerung ihres Rechtes gereichen kan; Es wird aber bey den Dienstbarkeiten und dergleichen Rechten sonderlich auff ihre erste Einrichtung und alte Zeiten gese- hen, und werden sie auch nach der be- staͤndigen Gewohnheit besonders er- klaͤhret. Welches denn (6) um soviel mehr in gegenwaͤrtigem Processu possessorii summariissimi zu attendir en, als in wel- chem das beste Factum, auf was Maasse nehmlich bißher ein Jus exercir et worden, angesehen, und alle solchem zuwider lauf- fende Neuerungen verwehret zu werden pflegen. Hiernechst aber bey dem an- dern Puncte die von H. in ihren uͤber- gebenen Schrifften selbst nicht in Abrede seynd, daß der Schaͤfer-Junge, als er mit denen Schaaffen in der R. Fluhr ge- trieben, und dergestalt in Actu licito ver- sir et, von ihren Bedienten geschlagen: Nicht weniger, was den 3ten Punct be- trifft, dem Schaͤfer, welcher darzu kom- men, dergleichen Tractament gegeben, sie auch den Schaͤfer-Stock wegnehmen, und als ein Pfand in die Gerichte brin- gen lassen, da doch bekant, wie ein Jed- weder sich in der Possess des ihm zuste- henden Rechts zu maintenir en befugt; Derjenige aber, so ihn daran verhindern und turbir en will, straffbahr ist, und kei- ne Pfaͤndung statt hat, es habe denn der andere etwas ungebuͤhrliches began- gen, dadurch dem Drittmann an seinem Rechte Eintrag geschehen. Endlich was den 4ten Punct der Klage betrifft, die von H. in propria cau- sa nicht Richter seyn und dem R. Schaͤ- fer, welchen sie gepfaͤndet, vor ihre Ge- richte citir en koͤnnen, daß dannenhero die vom Anhang unterschiedener nuͤtzlicher vom wohlloͤblichen Ober-Hoff-Gerichte zu Leipzig ergangene und durch erfolgte zwey Urthel bestaͤrckte Inhibition aller- dings bestandig zu seyn, erachtet werden moͤgte. Dennoch aber und dieweil wegen des ersten hauptsachl. Puncts 1. die von H. denen R. zwar ihre Schaaff-Trifft- und Huth-Gerechtigkeit nicht in Zweif- fel ziehen, hingegen diese ihnen auch die in dem R. gantzen Fluhr zustehende Jagd- Gerechtigkeit nicht verneinen koͤnnen, angesehen solche durch die erhaltene und denen Actis beygelegte Lehn-Briefe zur Genuͤge verificir et seyn; Und dann 2. der- gleichen unterschiedene, aber ihm nicht zuwider stehende Rechte an einem Orte gar wohl beysammen stehen und mit ein- ander exercir et werden koͤnnen; Ferner auch 3. zu dem von Gn. Heꝛschafft deꝛeꝛ von H. verliehenẽ Jagdẽ das Lerchen-Streichẽ ausser allem Zweiffel gehoͤret, und da ih- nen solches die R. in ihrem gantzen Fluhr gestehen muͤssen, das obangezogene Prin- cipium, daß nehmlich der gantze Acker und alle dessen Theile mit diesem Rechte behafftet waͤren, billich statt haben muß, dergestalt, daß die Gemeinde zu R. ih- nen nicht verwehren kan, an allen und jeden Orten, wo sich Lerchen auffhalten, deren Fang zu exercir en, auch wenn sie ihnen hierunter zu nahe treten, billig selbst vor Stoͤhrer zu halten und mit In- hibition wider sie zu verfahren; Jmmaas- sen 4. aus dem beygefuͤgten Zeugniß- Rotulo erscheinet, daß die von H. durch ihr Lerchen-Streichen der Gemeinde an ihrer Trifft-Gerechtigkeit durchaus keinẽ Eintrag, noch Schaden thun, indem der District, wo die Netze gestellet werden, kaum 1000. oder 1500. Schritte ausma- chet, auch nur nach Mittage biß auf den Abend umstellet wird, und das Jahr et- wan 14. Tage waͤhret, da immittelst der R. Schaͤfer nicht nur den gantzen Vor- mittag die Schafe, wohin er will, treiben, sondern auch ausser dem umgestellten Platze Raum genug zur Weyde hat, die wenige Zeit auch, in welcher der Ler- chen-Fang waͤhret, gegen das gantze Jahr vor nichts zu rechnen, daß also mit Bestande nicht gesagt werden kan, als ob durch das Lerchen-Streichen der Ge- meinde Hutungs-Recht gehindert oder eingeschrenckt wuͤrde. Zumahl 5. nicht zu vermuthen, daß, wenn solches ware, Gnaͤ- digste Landes-Herrschafft denen von H. die Jagd-Gerechtigkeit verliehen haben wuͤrde; Noch 6. sie selbst, welche so ein ansehnlich Trifft-Geld von der Gemein- de jaͤhrlich empfangen, etwas zu dessen Schmaͤlerung und zu ihrem eigenen Schaden vornehmen solte; Da hingegen 7. sie auch nicht zu verdencken, wenn sie sich die verliehene Universal- Jagd- Gerechtigkeit und was selbiger anhaͤn- gig, als ein vornehmes Pertinenz- Stuͤck ihres Ritter-Guths zu folge ihrer Le- hens-Pflicht nicht schwaͤchen lassen wol- len; Gestalt denn 8.) wenn das Lerchen- Streichen ihnen insgemein erlaubet ist, selbigen allerdings frey stehet, ob sie es bey Tage oder bey Nacht exercir en, was vor Instrument e und Netze sie dabey brauchen wollen, dieweil, wenn der End- Zweck concedirt ist, so glaubt man auch, daß alle die Mittel concedir et, so sie zu demselben Zweck leithen. Auch 9. der itzige Gebrauch der Ta- ge-Netze vor keine Neuerung oder vor eine solche Handlung zu halten, wodurch der Gemeinde an ihren Befugnissen Ab- bruch geschiehet, sondern vielmehr vor einen blossen Trutz, Æmulation und Muthwillen der R. zu achten, wenn die- selbe denen von H. das Lerchen-Strei- chen mit Tage-Netzen ohne ihren Scha- den nicht verstatten wollen, dergleichen Trutz und Malice billig nicht nachgese- hen werden soll; Zu geschweigen daß 10. die von H. schon von 3. Jahren her das Lerchen-Streichen mit Tage-Garnen mit Vorbewust der Gemeine ohne deren Wiedersprechen exercir et, und sich also in dessen præsentanea possessione befinden, wie die abgehoͤrten Zeugen eydlich be- kraͤfftigen, welche, ob sie schon zum Theil der Beklagten Unterthanen und Die- ner seynd, dennoch in Possessorio hocce summariissimo pro habilibus zu achten; Hiernechst was den 2. Punct betrifft, aus angezogenem Zeugniß- Rotulo eben- falls erscheinet, wie sowohl der Hirten- Junge, als der Schaͤfer, wegen ihrer ge- brauchten spitzigen reden und Wiedersetz- lichkeit angegriffen und mit Schlaͤgen tractir et worden, auch solch Factum auff die. Trifft-Gerechtigkeit, als ob dadurch der Gemeinde ein Eintrag geschehen waͤ- re, nicht zu ziehen, so wenig, als 12. der dritte Punckt allhier einige Intention zu pfaͤnden gewesen, indem der Schaͤfer- Stock zu Verhuͤtung des angehenden Schlagens, und nicht als ein Pfand ge- nommen, weniger unter dieser Beschaf- fenheit in die Gerichte geliefert worden. End- zur Jaͤgerey gehoͤrigen Materien. Endlich 13.) der vierdte Punct, der Schaͤ- fer ein H. verpflichteter Unterthaner ist, und wider seine Gerichts-Herrn sich ver- schiedener schimpfflicher Reden verlauten lassen, um des willen ihm die von H. vor ihre Gerichte zur Verantwortung citi- ren lassen, auch solches zu thun wohl be- fugt gewesen; So hat dannenhero das zum anfan- ge sub clausula ergangene Mandatum nachhero mit Bestande nicht confirmir et werden koͤnnen; Auch haben die von H. bey der wider die Hoffgerichts-Urthel ergriffene Appellation einen guten Suc- cess zu hoffen. V. R. W. Uhrkundlich mit unserm Jnsiegel besiegelt. Ordinarius, Decanús, Senior und andere Doctores der Juri- st en- Facultæt in der Universitæt Jena. An Hrn. B. V. H. Gerichtsverwaltern. d. 28. Oct. 1701. HEROLDI Observat. Forest. Consultatio Decisiv. XI. Jnhalt. Wenn in dem Petitorio oder ordinario Possessorio der Beweiß einer ausdruͤck- lichen oder heimlichen Concession des Jagd-Rechts mangelt, so wird alle Jagd verbothen, der alten Possess unbeschadet. A Ls dem Rathe der Stadt Neu Hal- tensleben durch Urthel aufferlegt worden, den Titul ihrer Concession oder undencklichen Probation der asserirt en O- ber- und Nieder-Jagd, wie Rechtens, zu erweisen, dieselben sich auch des Bewei- ses angemaasset, solchen aber nicht gebuͤh- rend vollfuͤhret, und daruͤber Rechtlich erkannt werden sollen, haben zwar Dni. JCti Helmstadienses ad Acta privata am 30. Jun. 1692. vor die Stadt ein beyfaͤlli- ges ad Acta publica gebrachtes Respon- sum Juris ertheilet, folgenden Jnhalts: Responsum Dnn. JCtorum Helmsta- diensium. Als uns Decano, Seniori und andern Doctoribus der Jurist en- Facult aͤt auf der Fuͤrstl. Julius-Universi taͤt zu Helmstaͤdt, vorgesetztes Bericht-Schreiben, samt bey- verwahrt zuruͤckgehenden Privat-Act en a fol. 1. biß 52. b. inclusive des Raths zu Haldens-Leben Jagd-Sachen betreffend, zugeschicket, und, daß wir uͤber die im Bericht-Schreiben befindliche 2. Mem- bra unsere in Rechten gegruͤndete Mey- nung eroͤffnen moͤgten, gebeten worden; demnach haben wir obbemeldte solches al- les bey versammletem Collegio mit Fleiß verlesen und erwogen; Erkennen dar- auff vor Recht: Dieweil erstlich das gan- tze Werck in der Haupt-Sache auff die Chur-Fuͤrstl. vom 2. Febr. 1688. an die Chur-Fuͤrstl. Regierung zu Halle aus- gelassene und folio Actorum 154. befind- liche, wie auch auff die darauff von Chur-Fuͤrstl. Brandenburgischer Re- gierung zu Halle erfolgte Resolution vom 31. Martii 1688. fol. Act. 81. ankoͤm- met; Und nun 2.) in beyden Verord- nungen, die wir vor Rechts-kraͤfftig in puncto des aufferlegten Beweises halten muͤssen, weil sie mit rechtlichem Erkaͤnt- niß ergangen, dieses zu befinden: Das Buͤrgermeister und Rath zu Haldensleben in einer gewissen Zeit ihre Jagd-Befugniße bes- ser, als bißher geschehen, zu be- weisen aufferleget worden. Welchen Beweiß denn 3. auch Buͤrger- meister und Rath zu Haldensleben wuͤrcklich angetreten, und nun die Fra- ge ist, ob derselbe also verfuͤhret, daß vor Buͤrgermeister und Rath gesprochen werden muͤsse? Es bestehet nun solcher Beweiß 4.) zufoͤrderst in einem Zeugen- Verhoͤr, wie auch 5.) in etlichen briefflichen Uhrkunden, und 6) in unterschiedenen Rechts-Vermuthungen. Das von fol. 247. biß fol. 338. befindliche Zeugen-Ver- hoͤr betreffend, so ist wohl zu beobachten, daß weder derer abgehoͤrten 3. Zeugen Personen, noch dem Modo examinandi von dem Herrn Cammer- Consulent en h Bren- Anhang unterschiedener nuͤtzlicher Brenckenhoff mit Bestande Rechtens et- was hat koͤnnen entgegen gesetzet wer- den, sondern was dißfalls hervorgebracht, von keiner Erheblichkeit zu achten, und werden dahero nur die Aussagen der Zeugen zu considerir en seyn; Nun hat 7.) itztbemeldter Herr Cammer- Consu- lent in seiner Exception- Schrifft 4. Re- quisita von denen Zeugen, dadurch eine Possess von undencklichen Jahren oder Verjaͤhrung bewiesen wird, nach dem Mascardo, Colero, Mynsingero, Klokio, Gailio et Balbo de Præscriptionibus er- fordert, welche denn 8.) alle zusammen in den abgehoͤrten drey Zeugen sich befin- den, und wird er also derselben eydlichen Aussage mit Bestande Rechtens nicht an- fechten koͤnnen, sondern wider sich muͤs- sen gelten lassen; Maassen 9.) das erste Requisitum seyn soll, daß die Zeugen selbst den Actum und zwar in gegenwaͤrtigem Casu venandi vor 40. Jahren gesehen, o- der wenn es eine aͤltere Handlung ist, da- von von andern gehoͤret haͤtten. Nun sagte 10.) der erste Zeuge Martin Goͤcke, ein Mann von 88. Jahren, eyd- lichaus, ad Art. probat. 3. ejusq; interr. 1. \& ad Art. probat. 4. er haͤtte mit seinen Au- gen gesehen, wie er zu Haldensleben ge- dienet, welches uͤber 40. Jahr ist, vid. test. 1. depos. ad art. 1. probat. in- terrog. 4. daß der Rath daselbst Rehe und Haasen geschossen, womit denn der 3. Zeuge, Thilo Weber, ein Mann von 75. Jah- ren, in so weit uͤbereinstimmet, daß er eydlich ad Art. probat. 4. deponir et, wie er gesehen, daß des Raths zu Haldens- leben Schuͤtzen Rehe und Schweine, so sie geschossen, in die Stadt gebracht, und waͤre solches vor 59. Jahren gesche- hen, die Schuͤtzen haͤtten auch selbe beym Rath-Hause auff den Hof gelieffert, da der Rath solche getheilet, das haͤtte er alles gesehen. Das 2. Requisitum 11.) ex hypothesi des Herrn Cammer- Consu- lent ens ist, daß die Zeugen ein anders, und das Contrarium nicht gesehen, wel- ches sich denn wiederum in gegenwaͤrti- gem Casu befindet, indem vorbemeldte 2. als der 1. und 3. Zeuge ad Interrog. 2. ad Art. 3. deponir en, daß Buͤrgermeister und Rath ein solches nicht waͤre geweh- ret worden. Das 3. Requisitum des Herrn Cammer- Consulent ens bestehet (12.) darinnen, daß die Zeugen von ihren Vorfahren, oder auch andern al- ten Leuten, die davon vermuthlich Wis- senschafft gehabt, ein gleiches gehoͤret. Nun deponi ret der erste Zeuge ad Art. 2. \& Interrog. 1. art. 3. wie auch Art. 4. probat. wie daß er nicht alleine selbst ge- sehen, daß der Rath zu Haldensleben Rehe und Haasen geschossen, sondern auch von Claus Gesern, und Thomas Spangen, dabey er gedienet, gehoͤret ha- be, daß der Rath zu Haldensleben auch ausser Rehe und Haasen die Frisch- linge unterm Jahre schiessen duͤrffte, und auch schon vorm Kriege sich dessen geruhig gebrauchet, damit denn wiede- rum 13.) des 4ten Aussage ad Art. 4. auff gewisse Maasse uͤbereinstimmet, da er deponir et, daß sein Vater Brau-Mei- ster in Neu Haldensleben gewesen, und 2. Rehe von einem Buͤrger und ein groß Wild Schwein von dem Raths-Schuͤ- tzen vor 50. Jahren vid. ejus depos. interr. 4. ad art. 4. gekaufft, und haͤtte sein Vater NB. ge- ruͤhmet, daß die Stadt das Schiessen haͤtte, und daß man noch ein Stuͤck Wildpraͤth in der Stadt haben koͤnte, und wuͤrde also wieder dieses Requisitum, sich bey dem quæstionirt en Zeugen-Ver- hoͤr finden, maassen es denn auch 14.) an dem 4. Requisito, allem Ansehen nach, nicht ermangelt, noch demmahl keine allgemeine Vermuthung und bestaͤndi- ge Sage durch die fol. Act. 110. befindliche Vorschrifft, so bey der Chur-Fuͤrstlichen Regierung zu Halle von der Loͤblichen Magdeb. Landschafft fuͤr den Magistrat zu Haldensleben ist eingeleget worden, nicht wenig bestaͤrcket wird, indem die- selbe ausdruͤcklich in ihrer Schrifft setzet, wie NB. Landkuͤndig waͤre, daß der Ma- gistrat zu Haldensleben vor und nach dem Osnabrugischen Friedens-Schluß in ruhigem Exercitio der Jagd und des Weydewercks befindlich und sie also da- bey zu maintenir en seyn. Bey so gestal- ten Sachen nun scheinet 15.) nicht einmahl noͤthig zu seyn, sich zu denen briefflichen Uhrkunden zu wenden, und ob dieselben zu dem aufferlegten Beweiß weitern Nachdruck geben koͤnnen, ferner zu con- sideri ren, dieweil jedoch 16.) hierzu merck- lich etwas hierbeytragen kan die fol. Act. 25. sub. lit. C. befindliche Copey des Re- cess es Ertz-Bischoffs Ernesti wegen Luͤz- gen und grossen Hermbeben, maassen darinnen fast am Ende befindlich, daß benannte Oerter mit ihren Behoͤrungen und zur Jaͤgerey gehoͤrigen Materien. und NB. aller Gerechtigkeit, die Hocher- meldter Ertz-Bischoff daran gehabt, oder gehaben moͤgten, vor sich und seine Nach- kommen als ein frey erblich Stadt-Guth ewiglich zu haben, zu behalten und zu besi- tzen Gnaͤdiglich concedir et. Nun ist 17. ausser Zweiffel zu setzen, daß mehr Hoͤchstbemeldter Ertz-Bischoff zu Luͤzgen und grossen Hermansleben, die Jagd-Gerechtigkeit werde gehabt ha- ben, und also dieselbe ohne Zweiffel hier- unter mit begriffen; Dieweil jedoch 18. solcher Recess in originali oder vidimata copia vermuthlich bey den Actis nicht verhanden, so wird noͤthig seyn, daß sel- ber bey der Inrotulation ad Acta geleget, und zugleich gebethen werde, wenn bey Abfassung der Urthel die Recognitio vor noͤthig gehalten werden solte, darauff zu reflectir en. Und waͤre zwar 19. besser gewesen, daß bey Ubergebung derer Pro- batorial-Articul auff solchen Recess, wie auch 20. auff die sub lit. H. fol. Act. 53. befindliche Beweiß- Articul, so in offen- bahrem Raths-Register und Rechnun- gen von Anno 1539. biß 1682. sich gruͤn- det, das Absehen waͤre mit gerichtet wor- den, weil sie in dem Chur-Fuͤrstlichen Rescript nicht verworffen, sondern aus- druͤcklich gesetzt woꝛden, daß die Jagd- Gerechtigkeit besser, als geschehen, erwie- sen werden solte. Daraus denn 21. ohn- wiedertreiblich folget, daß etwas durch angefuͤhrte Documenta bewiesen sey. Je- doch werden 22. gleichfalls die Extracte in forma probante bey der Inrotulation ad Acta gebracht werden muͤssen. Solte jedoch 23. im Urthel-sprechen darauff nicht gesehen weꝛden, und der Rath zu Haldens- leben gemuͤßiget werden ein Remedium suspensivum oder auch wohl gar eine Ap- pellation einzuwenden, wuͤrde man sich noch aller dieser Documentorum vermit- tels der Rechtlichen Wohlthat, das noch nicht ausgefuͤhꝛte besser auszufuͤhꝛen, und das noch nicht bewiesene zu beweisen, zu gebrauchen haben. Recess. Imperii de Ao. 1654. §. 73. Die Beylage sub lit. F. fol. Act. 23. wie auch die Copia einer gar alten Abschrifft eines Commissions- Bericht fol. Act. 82. wird aus denen von dem Herrn Cam- mer- Consulent en in Actis angefuͤhrten Uhrsachen Buͤrgermeistern und Rath der Stadt Haldensleben wenig koͤnnen zu statten kommen. Endlich hat 24. der Magistrat zu Haldensleben eine und an- dere gute Præsumtion vor sich, daß die Zeugen eydlich aussagen, daß sie auff dem Rath-Hauße vor mehr, als 50. Jah- ren, Jagd-Netze gesehen, welche keiner regulari ter haben wird, der sie nicht zum Jagen gebrauchen will, und folglich zu jagen befugt ist. Wie auch 25. daß sie vor mehr, als 50. Jahren viel Jagd- Hunde gehalten, wie solches sowohl aus der Beylage fol. Act. 23. sub lit. E. wel- che jedoch mit dem Originali bestaͤrcket werden muß, als auch aus der eydlichen Aussage klar zu ersehen, dawieder aber nicht verfangen kan, was der Herr Cam- mer- Consulent in seinen Schrifften, weil es von keiner Erheblichkeit, vorgebracht. Endlich hilfft 26. diesen allen sehr, daß der Herr Cammer- Consulent einraͤu- men muß, daß der Magistrat zu Haldens- leben vor langen und undencklichen Jah- ren ausser dem Holtz-Vogt auch unter- schiedene Schuͤtzen gehalten, welches denn gleichfalls die Zeugen eydlich bekraͤff- tigen. Nun wird vermuthlich keiner Schuͤ- tzen halten, der nicht die Jagd-Gerechtig- keit und das Puͤrschen, wie es selbst ge- nennet wird, auff rechtmaͤßige Weise er- langt, und geruhig zu gebrauchen hat. Und erscheinet nun aus diesem al- len, daß der Magistrat zu Haldensleben die Jagd-Gerechtigkeit zum wenigsten, so weit das Hasen-Rehe-Frischling und wilde Schweins-Schiessen anlanget, nach Nothdurfft erwiesen, und vor ihn gespro- chen werden muͤste; Das rothe hohe Wildpraͤth aber als Hirsche, und was dahin gehoͤret, betreffend, wird noch vor ihn schwerlich zur Zeit koͤnnen gespro- chen werden, jedoch halten wird dafuͤr, daß, wenn man von dem einlauffenden Urthel appellir en solte, dem Haldenslebi- schen Magistrat in instantia Appellationis vermittelst oben angezogener Rechts- Wohlthat, das noch nicht genug ausge- fuͤhrte auszufuͤhꝛen, und noch nicht genug bewiesene zu beweisen, gruͤndlicher sol- ches auszufuͤhren unbenommen sey. Daraus denn nun ferner 27. die Eroͤrterung des andern Membri der in dem Bericht-Schreiben befindlichen Fra- ge von selbst erfolget, daß, weil der Rath zu Haldensleben die Straff-Befehle nicht vorsetzlich uͤberschritten, auch unse- rer Meynung nach in den meisten Pun- cten der Jagd-Gerechtigkeit ein beyfallig Urthel vor sich erhalten wird, uͤberdem pendente lite nichts wiedriges wider den Rath zu Haldensleben, dadurch er in sei- h 2 nem Anhang unterschiedener nuͤtzlicher nem von langen Jahren her exercirt en geruhigem Besitz vel quasi turbir et wor- den, hat vorgenommen werden koͤnnen, auch Niemand ausser gruͤndlicher Un- tersuchung und gleichsam unverthei- diget aus seiner Possessione vel quasi des Rechtens zu jagen, ohne einer Nullit aͤt, die fast insanabel scheinen solte, gesetzet werden kan. Bey allen diesen einlauffenden Um- staͤnden koͤnnen wir nicht anders als dahin schliessen, daß der Rath zu Hal- densleben mit aller Straffe zu verscho- nen, von Rechtswegen. Uhrkundlich haben wir dieses mit unserm Facult aͤt- Jnsiegel bedruͤcken lassen, so geschehen Helmstaͤdt d. 30. Junii, 1692. (L. S.) Decanus, Senior, und andere Doctores der Jurist en- Facult aͤt da- selbst. Nachdem aber solch Responsum, und die Acta publica anderweit zu Unparthei- schen geschickt worden, haben die Herrn Jurist en der Haͤllischen Facult aͤt de pu- blicato den 10. May vor Recht er- kannt: Daß beklagte Stadt dasjenige, so ihr zu beweisen aufferlegt, und sie sich angemaasset, wie Rechtens, nicht erwiesen, deswegen sie sich alles Jagens, Schiessens, und Weide- werck-Treibens in und auff denen zur Stadt N. gehoͤrigen Hoͤltzern, Fluhren und Feldern gaͤntzl. zu ent- halten schuldig; durch nachfol- gende Rationes Decidendi. Ob wohl Beklagte sowohl durch ein Attestat derer Magdeburgischen Herren Land-Staͤnde, als durch einige Zeugniß- Rotulos den alten Besitz des Jagens und Schiessens, jedoch besage ihres eigenen zu Helmstaͤdt eingehohlten Informats, nur, soviel die Hasen, Rehe, Frischlinge, wilde Schweine betrifft, erwiesen; Dennoch aber und dieweil die Sa- che nicht in possessorio, sondern petitorio versi ret, und ihnen aufferleget worden, titulum concessionis zu beweisen, in wel- chem besagtes ihr Informat selbsten das Κρινόμενον setzet, solches aber nirgends ge- schehen, und nach denen Regeln gesun- der Vernunfft, sowohl auch nach denen gemeinen Rechten, die Unterthanen wi- der ihre Hohe Landes-Obrigkeit sich mit keiner Verjaͤhrung, am wenigsten aber, wenn es Regalia angehet, wohin die Jagd-Gerechtigkeit auch gehoͤret, schuͤtzen koͤnnen; Also ist besagter Maassen zu erken- nen, und weil Beklagte durch die be- scheinigte alte Besitzung Præsumtionem bonæ fidei fuͤr sich haben, sie von Erstat- tung der Unkosten zu absolvir en gewesen. Welchen Ausspruch die Herren Leib- ziger Jurist en, ohngeachtet der Leuterung de publ. d. 26. Jun. 1697. bekraͤfftiget, in folgenden Worten: Daß es, eingewen- deter Leuterung ungeachtet, bey dem am 10. Martii 1693. eroͤffneten Urthel billig verbleibet, durch folgende Rationes decidendi. Ob wohl in der Chur-Fuͤrstl. Bran- denburgischen Policey-Ordnung des Hertzogthums Magdeburg de Anno 1668. Tit. von Jagd-Sachen, §. 11. denen Staͤdten, die es also ersessen und geru- hig hergebracht, das Nieder-Weyde- werck sowohl auff ihren eigenen, als der andern Grund und Boden nachgelassen, und es das Ansehen hat, als wann die Fuͤrstl. Magdeb. Regierung durch den Abschied vom 2. Nov. 1657. fol. 23. Vol. 2. Beklagten die Jagd-Gerechtigkeit einge- raͤumet; Hiernechst Ertz-Bischoff Erne- stus bereits Anno 1479. Beklagtens Vor- fahren einige Stadt-Guͤther, darauff sie bißhero die Jagden exercir et, mit aller Zugehoͤr und Gerechtigkeit, welche die Ertz-Bischoͤffe vorhero daran gehabt, besage Vererbungs- Recess sub fol. 38. Vol. 4. geeignet, darneben Beklagte in denen Zeugniß- Rotulis fol. 121. seq. und 126. seq. Vol. 2. den Besitz der streitigten Jagden uͤber Rechts verwehrte Zeit auff 50. biß 60. Jahr beybracht, uͤber dieses so- wohl die Landschafft, wie es Landkundig, daß Beklagte vor und nach dem Osna- brugi schen Friedensschluß in ruhigem Exercitio derselben befindlich, fol. 12. Vol. 2. bezeuget, und von dem ruhigen Gebrauch solcher Jagden in denen alten Raths-Rechnungen de Anno 1539. und folgenden Jahren fol. 80. Vol. 1. Nach- richt zu finden, auch unterschiedene Zeu- gen ad art. 1. 2. 3. fol. 134. Vol. 1. it. Zeuge ad art. 1. fol. 95. Zeuge ad art. 5. fol. 122. Vol. 2. daß Beklagten die Jagd-Gerech- tigkeit zustehe, deponir en; Darneben Zeuge 4. ad art. 1. fol. 115. solches von sei- nem zur Jaͤgerey gehoͤrigen Materien. nem Vater, und Zeuge 1. ad art. 4. fol. 119. fac. b. und fol. 121. Vol. 2. von 2. Hirten wollen vernommen haben. Dennoch aber und dieweil in dem Gnaͤdigsten Decisiv-Rescripto vom 27. Febr. 1688. und der darauf am 31. Mar- tii desselben Jahres ergangenen Regie- rungs-Verordnung fol. 3. 7. Vol. 2. Be- klagten bessere Beybringung eines Titu- li concessionis oder undencklicher Ver- jaͤhrung der prætendirt en Jagd-Gerech- tigkeit binnen gewisser Frist aufferleget, dessen sich auch dieselbe durch die uͤberge- bene Beweiß-Articul fol. 22. Vol. 2. an- gemaasset, dadurch aber weder eines, noch das andere, wie recht, beygebracht, angesehen der Abschied de Anno 1657. al- leine zwischen beklagtem Rath und Buͤrgerschafft super Possessorio des Wei- dewercks ergangen, in Ertz-Bischoffs Er- nesti Vererbung aber der Jagd-Gerech- tigkeit insonderheit nicht gedacht, und sol- che sub generali nomine aller Gerechtig- keit als ein Regale nicht mit begriffen, das unbeschworne Attestatum der Land- Staͤnde auch, sonderlich weil dieselbe bey der Sache interessir et zu seyn scheinen, so wenig als die Policey-Ordnung, welche in diesem Stuͤck nach dem Gnaͤdigsten De- cisiv-Rescript fol. 3. Vol. 2. zu interpreti- r en, Beklagten zustatten kommen kan, aus aller der angefuͤhrten Zeugen Aus- sage aber keine undenckliche Verjaͤhrung erweißlich, bevorab weil Zeugen, wenn sie bey dem Articulo 3. 4. von dem Exer- citio der Jagden uͤber Menschen Geden- cken, und ob sie davon auch von ihren El- tern und andern Leuten gehoͤret, befragt worden, laut fol. 39. 40. 96. 97. 118. 120. 132. und 133. Vol. 2. insgemein mit nein, und wir wissens nicht, antworten, hin- gegen nach Aussage der Zeugen 4. ad art. 1. fol. 115. ingleichen des ersten Zeugen ad art. 4. fol. 119. fac. b. Vol. 2. als singulari- um so wenig eine undenckliche Verjaͤh- rung, als durch die Aussage der Zeugen ad art. 1. fol. 95. und des ersten Zeugen ad art. 5. fol. 122. Vol. 2. ohne daß sie eine gruͤndliche Uhrsache haͤtten geben koͤnnen, warum sies gewust, eine Concession o- der Befugniß voͤllig zu behaupten; Jm uͤbrigen aber die Raths-Rechnungen als Documenta domestica wenig probir en, zumahlen auch dieselben, wie nicht weni- ger Ertz-Bischoffs Ernesti Vererbung und der Landschafft Zeugniß- Rotulus fol. 121. Vol. 1. weilen solche allerseits bey dem uͤbergebenen Beweiß fol. 22. Vol. 2. nicht mit angefuͤhret worden, in keine Consideration zu ziehen; So ist auch von uns nach dem versprochenen Urthel billig erkannt. (L. S.) Ordinarius, Senior, und andere Doctores der Ju- rist en- Facult aͤt in der Universit aͤt daselbst. Desgleichen haben die Herrn Juri- sten der Leibziger Facult aͤt in Sachen des Koͤnigl. Forst-Amts des Hertzogthums Magdeburg wider den Rath und Pfaͤn- nerschafft zu Saltze de publ. d. 9. Julii, 1701. in diesen Worten erkannt: Daß Beklagte dasjenige, so ihnen zu erweisen auffgeleget, und sie sich angemaasset, wie Recht, nicht er- wiesen, derowegen dieselben auff denen Schoͤnebecker Fluhren und Feldern zu jagen, zu hetzen und Weydewerck zu treiben nicht be- fugt, sondern sich dessen gaͤntzlich zu enthalten schuldig, die beyder- seits auffgewandte Unkosten aber werden aus bewegenden Uhrsa- chen gegen einander billig auffge- hoben. V. R. W. durch fol- gende Rationes decidendi. Ob wohl Beklagte in ihrem gefuͤhr- ten Beweiß Art. 2. 8. und 4. so viel beyge- bracht, daß sie und ihre Vorfahren wohl in 50. Jahren her das Weydewerck auf denen Schoͤnebeckischen Fluhren und Feldern exercir et, auch 4. Zeugen bey dem andern Art. affirmir en, daß solches uͤber Menschen-Gedencken von ihnen ge- schehen. Dennoch aber und dieweil die Jagd- Gerechtigkeit unter die Landes-Fuͤrstl. Regalia gerechnet wird, und dahero ande- rer Gestalt nicht, als durch Landes- Fuͤrstl. Concession und Belehnung oder durch Verjaͤhrung von undencklichen Jahren erlanget werden mag, auff je- nes aber g ar nicht articulir et worden, und wenn eine Vejaͤhrung vor undenck- lichen Jahren erwiesen werden soll, alte Zeugen aussagen muͤssen, daß sie es nicht alleine selbsten also und nicht anders ge- sehen und erfahren, sondern auch von ihren Eltern und Vorfahren gehoͤret und vernommen, daß es auch niemahls bey derselben Lebzeiten anders und der- h 3 gestalt Anhang unterschiedener nuͤtzlicher gestalt von undencklichen Jahren her al- so gehalten, und exercir et worden, wor- auf aber gleichfalls weder articulir et, noch von denen Zeugen solches bestaͤrcket wor- den, vielmehr dieselben, als sie bey dem 5. Art. uͤber die Verjaͤhrung von undenck- lichen Zeiten her befragt worden, dar- auf einstimmig, sie wuͤsten es nicht, ge- antwortet, dahero wenn gleich Beklag- ter dißfalls eine 50. jaͤhrige Possess bey- bracht, solche doch zumahl wider die Lan- des-Fuͤrstl. Hohe Obrigkeit darzu nicht zu- laͤnglich; So ist nach Jnhalt unsers abgefas- seten Urthels billig erkannt. Sign. Leip- zig Mense Martio 1701. RICHTERI Consilium. Jnhalt. Ob mittelbahre Unterthanen verbunden sind, einem mittelbahren Herrn Dienste zu leisten, und ihm Jagd-Frohnen zu thun. Edle, Veste und Hochgelahrte, Jnson- ders großguͤnstige Herren, D Erer Rechtliche Information bin ich in nachfolgendem Casu benoͤthiget; Es haben die Hoch und Wohlgebohr- ne ꝛc. die Herrn Reussen, Herren von Plauen ꝛc. meine Gnaͤdige H. H. H. auf und in ihren Herrschafften nicht allein alle einem Landes-Herrn und Fuͤrsten ex Jure superioritatis zustaͤndige hohe Territorial- Obrigkeitliche Rechte und Befugnisse bestaͤndig zu geniessen, und auch solche sowohl in geistlichen, als welt- lichen Handlungen mit Empfahung der Erbhuldigung, Haltung allgemeiner Land-Tage, Bestellungen ihrer Cantzeley- en und Consistori en, Verfaß- und Pu- blicir ung Gerichts-Policey- und gemei- ner Landes-Ordnungen, auch anderer Mandat en und Edict en, Reception der von ihren Unterthanen, Nieder-Gerich- ten an Sie und ihre Raͤthe ergangenen Provocation en, Such- und Erhaltung derer Land- und Tranck-Steuer, und was derer mehr seyn, und insonderheit auch aller Sequel an Landes-Herr eilen- der Gerichts-Lehens-Jagds-Amts- und in summa aller und jedwede r Folge ge- ruhiglich gebraucht, sondern sie sind auch vermoͤge Kaͤyserlicher und Koͤniglicher habenden Belehnungen aller Bild-Fuhr, ja des Forst-Rechts oder Fuͤrstl. Obrig- keit selbst berechtiget, und haben solche Jura gleicher gestalt sie und ihre Voꝛf a hren uͤbeꝛ weit denn Menschen Gedaͤchtn i ß sich er- strecket, mit Promulgir ung Forst - Oꝛdnun- gen und Jagd- Mandat en, Verbi e thungen die Hoͤltzer und Waͤlder mit unpfleglicher Holtzung oder Faͤllung der Baͤume nicht zu verwuͤsten, noch, wenn das Wild se- tzet, darein zu fahren, zu weiden und zu treiben, des Geaͤckers sich zu enthalten, Geissen und Schaaffe nicht in den Forst zu treiben, mit Einforderung des Hun- de- und Jaͤger-Hafers, mit Hegung der jungen Geheu, Abschaffung der spitzigen Zaͤune, Geboth die Hunde zu beknitteln, mit Erforderung von allen in dem Ge- zirck der Fuͤrstl. Obrigkeit gesessenen Un- terthanen, darzu gehoͤrigen Frohn-Dien- ste, als Halt- und Fuͤhrung der Hunde, Fortbringung der Netze und Garn, Er- bauung der Netz- und Jagd-Haͤuser, Bestraffung der auff den Forst- und Wild-Fuhr beschehenen Veruͤben und Verbrechungen, Bestellung Forst- und Schuͤtzen-Knechte, Verleih- und Auslas- sung der Voͤgel-Heerde, Verkauff- und Aushauung der Jmmen oder Bienen, gaͤntzlichen und uͤberall vor alle dem, so solchem mehr anhaͤngig, nichts ausge- schlossen, biß dato in uͤblichem Exercitio gehabt und erhalten; So erstreckt sich auch dero Wild-Bahn beydes auff klein, als auch auff alles hohe Wildpraͤth, an ro- them und schwartzen, und zugleich mit auff die schaͤdlichen Thiere an Baͤren, Luchsen und Woͤlffen, und haben in sol- chen allen und jedweden Rechten bißhe- ro, ausser was sich jetzo, wiewohl nur etliche, als folgen wird, de facto unter- stehen, einigen Wieder-Spruch von Nie- mands gehabt, sondern solche Rechte al- lesamt geruhig ersessen, und auch in de- ren Exercitio, Possess vel quasi noch biß diese Stunde enthalten. Wann aber anitzo, da die Baͤren, Luchse, Woͤlffe sich ihren und deroselben benachbarten Gehoͤltzern und Refier en sehr gemehret, und nicht allein die Wildbahnen an Hir- sche zur Jaͤgerey gehoͤhrigen Materien. schen, Rehẽ, und Schweinen, auch Hasen, Fuͤchsen und dergleichen veroͤdet, sondern die Woͤlffe ihren und ihrer Unterthanen Hirten und Schaͤfern an Heerden, auch wohl gar in Staͤllen mercklichen Scha- den zufuͤgen, zuweilen die Leute selbst, zur Winters-Zeit Weiber, kleine Kin- der und andere unwehrhaffte Leute, von ihnen angegriffen, und welches in ver- wichenem Sommer geschehen, da etliche Woͤlffe im benachbarten Francken-Lande thoͤrigt worden, viel Leute angefallen, und wer also von ihnen in Raserey an- gefallen, jaͤmmerlich sterben muͤssen, ge- faͤhrlich beschaͤdiget worden. Und dan- nenhero von Gnaͤdiger Herrschafft bey jetziger Zeit, da man ihnen mehr, als sonsten abbrechen kan, eine gemeine Wolffs-Jagd angestellet, und hierzu alle und jede Unterthanen, ohne Unterscheid, ob dieselbe in die Aemter selbst gehoͤrig, oder dero Lehn-Leutẽ zustaͤndig, erfodert, die in der Herrschafft Saalburg ange- sessene von Adel ihre ihnen mit Lehen- und Erb-Gerichten, allein mit der Landes- Folge und allen uͤbrigen beydes zu Lan- des-Fuͤrstl. Gewalt, als Foͤrstliche Obrig- keit gehoͤrigen Befugniß zustaͤndige Un- tersassen, besonders ihre Frohn-Bauern darzu nicht schicken wollen, aus dem blos- sen Vorwand, daß sie ihrer Dienste zu ihrer Haußhaltung selbst beduͤrffen und nicht entrathen koͤnten, die Marck Tan- na aber mit dem, daß es eine lange Zeit von ihnen nicht begehret worden, ent- schuldigen wollen. Ob man nun wohl nicht unterlassen, sie von ihrem unbefugten Verweiger- niß in der Guͤte abzumahnen, und da- bey anzufuͤhren, wie Gnaͤdige Herr- schafft 1) Aus obangefuͤhrter Befugniß wider alle, die in dem Gebieth sind, und in Ansehung der Forst-Gerechtigkeit ge- legene Unterthanen eine gegruͤndete In- tention vor sich habe, und derjenige, so sich davon entbrechen wolte, die auf recht- maͤßige Weise erlangte Ausnahme be- weisen muͤste. 2) Moͤchten sie dieß Auffgeboth zu einer durchgaͤngigen Wolffs-Jagd gleich zur Folge, oder zu dem Forst- und Jagd- Recht rechnen, so koͤnten sie sich doch we- der eines, noch des andern Falls mit Recht kaum entbrechen, weil sie beydes Subditi, und also zu aller Folge, worun- ter auch die Jagds-Folge eine sonderbah- re Species und sub Genere und in toto suo begriffen, als auch innerhalb dem Forst gelegene und also zur Jagd-Frohne so lange, biß sie die Ausnahme bewiesen haͤtten, verbundene Leute waͤren. 3) Jhre Con-Subditi nicht alleine in der benachbarten Herrschafft Loͤbenstein, sondern auch der Amts-Unterthanen die- ser der Herrschafft Saalburg selbst ohne Unterscheid, ob sie ihrem Erb-Herrn mit Frohnen verwandt waͤren, oder nicht, solchen Dienst oder Folge noch anitzo lei- steten, und dergleichen auch in denen be- nachbarten Chur- und Fuͤrstlichen Aem- tern Arnshauß und Weide gehalten, und sowohl die Edelleute, als die Amts- Unterthanen zur Wolffs-Jagd erfor- dert wuͤrden, und erschienen, und un- geachtet es solcher Oerter vor eine Lan- des-Folge gerechnet, auch in solcher Ge- stalt gebothen wuͤrde, doch auch die mit Ober-Gerichten beliehene von Adel, so doch sonsten der Gerichts-Folge befreyet, ihre Leute darzu schicken muͤssen, wel- ches wieder (da auch gleich obiges dero Befugniß cessirt e,) eine starcke Vermu- thung vor Gnaͤdge Herrschafft waͤre, sintemahl in zweiffelhafften Diensten auff die Gewohnheit derer benachbarten Orten nicht unbillig gesehen wuͤrde. 4) Sie die Saalburgischen Unter- thanen, solcher Verweigerung hiebevor sich enthalten und vor Gnaͤdiger Herr- schafft Anno 1647. allererst erfolgter Lan- des-Theilung, da Loͤbenstein und Saal- burg einen Herrn gehabt, mit und nebst denen Loͤbensteinischen Unterthanen in Verfolgung derer Woͤlffe bey einander gehalten, das Werck mit zusammen ge- setzten Kraͤfften verrichtet, also, daß sie die Woͤlffe auch biß auff den Francken- Wald und ins Bißthum Bamberg hin- ein verfolget, damahlen dann Mann vor Mann auffgebothen, und unter ihnen einiger Unterscheid nicht gehalten worden. 5) Waͤre ihr selbst eigen Bekaͤntniß, nur, daß sie solches qualificir en und auff die ihnen unfrohnbare Leute nur ver- stehen wollen, verhanden, indem sie ihre andere Unterthanen darzu schicken, welche Beschaffenheit oder Ausnahme Gnaͤdiger Herrschafft Intention in non exceptis bekraͤfftigen thaͤte, die angefuͤhrte Beschaffenheit oder Ausnahme derer uͤ- bꝛigen bewiesen abeꝛ weꝛden muͤste, gestalt auch auff dem neulichsten Land-Tag zu Schlaͤtz Anno 1655. sie bey diesem Punct, dessen sich nur meist beschweret, daß Gnaͤ- diger Herrschafft Jaͤgere unter dem Præ- text Anhang unterschiedener nuͤtzlicher text der Wolffs-Jagden ihre Untertha- nen auch auff die Rehe-Jagden gebrau- chen wolten, und eo ipso solcher der Wolffs-Jagd freywillig und zwar auff oͤffentlichem Land-Tage gestaͤndig gewe- sen: und als sie hierauff Gnaͤdige Herr- schafft schrifftlich erklaͤhren lassen, unter dem Vorwand, solcher Wolffs-Jagden ihre Leute, so weit es nicht hergebracht, damit verschonen zu lassen, dabey aber zu mehrerm Uberfluß annectir et, daß bey denen Wolffs-Jagden, als einem gemei- nen nuͤtzlichen Wercke, nach Ausweisung der Rechte und aller Orten in der Nach- barschafft uͤblichem Gebrauch es sein Ver- bleiben, und solche alle und jede eingeses- sene Unterthanen zu verrichten haͤtten, mit solcher Erklaͤhrung gar wohl zu frie- den gewesen, dabey acquiescir et, und dar- wieder weder damahls, noch seit der Zeit nicht das geringste eingewendet. Womit sie 6) dann wiederum nicht wuͤrden fortkommen, weilen die Jura Su- perioritatis Foresti, Jurisdictionis und Emphyteuseos so gar nicht einander zu- wider, daß nicht in einem Subjecto sie alle zugleich, und also ein Unterthan ein zwey, drey und vierherrich seyn koͤnte, als auff welchen der eine die Landesherr- liche Obrigkeit, der andere das Jus und davon herruͤhrende Forst-Dienste, der dritte die Gerichten, der vierdte Lehen und Zinsen, auch wohl Frohn, und ein anderer ein anders haben koͤnnen, und in Casu concurrentiæ, da zu einer Zeit 2. oder mehr Herren zugleich etwas for- derten, wuͤrde billig der wuͤrdigere dem wenig wuͤrdigen vorgezogen, daß also, wenn es kaͤme, daß ihre Frohn-Bauern zugleich auff ihre Pferd- und Acker-Froh- ne, die sie ihnen, denen Erb-Herrn, zu leisten, und auff die Landes- oder Jagd- Folge oder andere dergleichen Schuldig- keit, die sie ihrem Landes-Herrn zu præ- stir en schuldig, geheissen wuͤrden, billig ihrer derer von Adel-Dienst so lange ru- hete, biß des Landes-Herrn Dienst ver- richtet worden. Zumahlen 7) dergleichen Pferd- und Acker-Dienst nicht einerley, in dem man- cher alle Tage, ein anderer aber nur uͤ- ber den andern, dritten und vierdten er- fordert werden duͤrffte, etliche aber nur gewisse Tage des gantzen Jahres haͤt- ten. Und 8) Gnaͤdiger Herrschafft selbst bey ihren Amts-Unterthanen derglei- chen Pferd- und andere Frohnen zustaͤn- dig, und solche von denen Jhrigen zu der Zeit, da beydes zugleich vorfiehle, ent- baͤhren muͤssen; Zudem daß 9) Die Folge und Frohne solcher Jagden gemeiniglich pflegten des Win- ters, da diesen Thieren am besten abzu- brechen, und ohnedieß die Aecker und andere Haußhaltungs-Frohnen entwe- der gantz ruheten, oder daran doch we- nig zu leisten waͤre, zu geschehen, und also ihrer derer von Adel angezogene Ra- tio, wenn gleich sonsten, das doch nicht ist, buͤndig waͤre, cessir te, und nicht zu at- tendir en. Die Marck Tanna 10) betreffend, koͤnte es zwar wohl seyn, daß sie so gar neulich diese Frohn und Folge nicht ge- leistet haben moͤge, indem nicht alle Jahr, auch wenn es geschicht, stracks nicht ein gantzes Auffgeboth aller und je- der Unterthanen, Marck-Flecken und Dorffschafften geschiehet, sondern offt nur der 2. 3. 4. 5te Mann, zuweilen auch nur ein oder ein paar Doͤrffer und Oerter, der Reihe nach, auffgefordert werden. Woraus denn auff den durch Ver- jaͤhrung erlangten Titul nicht zuschlies- sen, weilen in dergleichen Rechten derer Exercitium sich nicht alle wege ereignet, wegen der in diesem Falle ausgesetzten Zeit, da keine Gelegenheit verhanden, sich keine Verjaͤhrung behaupten laͤsset, allen Falls sie solchen Titulum zu bewei- sen, hergegen so lange solches nicht ge- schehen, und Gnaͤdige Herrschafft ihres Exercitii und Possess vel qvasi sich zu be- dienen haͤtten; Hiernechst ist ihnen auch der Privat- Nutzen, den sie selbst und die Unterthanen daraus zu gewarten, re- monstrir et worden. Jndem 11) so durch Vertreib oder Vertilgung solcher schaͤdlicher Thiere ih- re und ihrer Leute Schaͤffereyen und Viehe-Zucht, deren sie weit mehr, als Gnaͤdige Herrschafft selbsten haͤtten, in Sicherheit gesetzet, auch viel ihrer ar- men Leuten desto ruhiger mit ihren Weib und Kindern im Holtz und Felde das ihre abwarten koͤnten. 12) Gnaͤdige Herrschafft sich in An- schaffung des so vielfaͤltiger Wild-Zeu- ges und andere Nothdurfft ein ansehn- liches stehen und kosten liesse, welches in Collatione ihrer Unterthanen etwan auf ein oder mehr Tage entbehrter Pferde und anderer Frohnen nicht einmahl sich considerir en liesse, und 13) Den eusersten Fall gesetzet, daß weder zur Jaͤgerey gehoͤrigen Materien. weder Gnaͤdige Herrschafft solcher Herr- schafftlichen Rechte befugt, oder sie die Ausnahme davon schon, wie sich gebuͤh- ret, erwiesen und beybracht haͤtten. Und gleichwohl solche grimmige Thiere in einer Provinz sich finden, und da ihnen nicht in Zeiten mit nachdruck gewehret wuͤrde, sich mehren und davor weder Menschen, noch Viehe sicher leben koͤnnen solten; So waͤre es ja eine allgemeine Noth, und dahero auch mit allgemeiner Huͤlffe dieselbe zuruͤck zu treiben, und muͤste Herr und Knecht mit einander zugleich umsetzen, oder, da die Unterthanen den Herren darum aus ein oder anderer Beqvemlichkeit, die der Herr mehr als sie darzu haͤtte, ersuchten, so waͤre es ja ausser Zweiffel, daß sie den darzu gehoͤ- rigen Kosten pro rata am Gelde trage, oder ihre Muͤhe darzu conferir en muͤ- ste, und diß aus der natuͤrlichen Billig- keit, wo derjenige, der den Nutzen hat, sich auch der Muͤhe oder des Verdrusses nicht darff dauern lassen. Und da 14) wenn ein Fuͤrst oder Herr seine Provinz von boͤsen Leuten frey macht, die Unterthanen darzu die Folge, Hencker-Geld und andere Unko- sten tragen muͤssen, so wird ad identita- tem rationis, zumahl allhier noch einem unvernuͤnfftigen Thiere, jenes Falls aber einem vernuͤnfftigen Menschen nachge- trachtet wird, ein Unterthaner desto we- niger von huͤlfflicher Hand sich zu ent- brechen vermoͤgen. Sonderlich weil 15) schließlich die all- gemeine Landes-Folge mit dergleichen Wolff und Baͤren-Jagden so genau ver- einiget, daß auch die Unterthanen hier- zu theils Orten mit dem Trommel- Schlag zusammen geruffen werden, nicht sowohl weil der Wolff vor selben sich fuͤrchtet und davor fliehet, als damit an- zuzeigen, daß ein Unterthaner durch den Klang der Trommel munter und wach zu dem zu der Haͤtze bestim̃ten Ort erschei- nen, und zwar nicht mit blosen Haͤnden, sondern mit seinem besten Gewehr sich stellen und Verordnung erwarten muͤsse. Dieweil er aber mit dergleichen und andern mehr vernuͤnfftigen Motiv en und Gruͤnden sie, die von Adel, nicht aller- dings zu gewinnen gewesen, und obwohl eines Theils ihre Leute darauff geschickt, doch andern Theils solche noch zuruͤcke halten, und, wie man vernimmet, die Unterthanen oder ihre Hintersassen ger- ne erscheinen wolten, wenn sie nur von ihren Lehen-Herren darzu gelassen wuͤr- den, und ein solches ungerechtes und un- bedachtsames Vornehmen der Hoch- und Wohlgebohrnen meiner Gnaͤdigen Herrschafft sehr genau gehet, indem sie erfahren sollen, daß Jhnen ihre mit dop- peltem Eyde, nehmlich der Unterthaͤnig- keit, als Landsassen und Unterthanen, und der Treu, als Vasall en, verwandte Leute in solchem ihrem hohen Landes- herrlichen Recht und Befugniß, woraus, daß sie die Herrn des Landes waͤren, eintzig und alleine mit erschiene, und ei- ne gewisse Tessera ihres unmittelbahren Reichs-Standes und Hoheit waͤre, und darinnen sie gleich wohl weder von denen Roͤmischen Kaͤysern, noch eintzi- gen Chur-Fuͤrsten oder Herren die Zeit ihres und ihrer Vorfahren Lebens nie gekraͤncket worden waͤren, Einhalt thun, und also fast in ihren Augapffel greiffen wolten, zumahlen sie noch hieruͤber er- fahren muͤsten, daß sie in ihren Privat- Haͤusern und Ritter-Guͤthern deswe- gen Zusammenkuͤnffte angestellet, und uͤber diese ihrer Landes- und Lehens- Herren hohe Jura, zuwider ihren dop- pelten Pflichten, vermoͤge derer sie nicht thun, noch handeln sollen und wollen, was zu Abbruch ihrer Herrn Hoheit und Befugniß nur in eintzige Wege ge- reichen kan, in Zweiffel und Disputat zu ziehen, und gleichwohl meine Gnaͤdige Herren hierunter behutsam gehen wol- ten, und damit ihre niedrige Lehen-Leu- te sich desto weniger zu beklagen Ursach haben moͤgen, mir Gnaͤdig befohlen, mich, auff was zulaͤssige Weise und durch was Gradus sie von ihrem Ungehorsam, und daraus entsprungener Verweigerung, auch vorgenommener eigenmaͤssiger Zu- sammenkunfft compesciret, respective gestrafft werden, und wie wider sie diß- falls zu verhalten seyn moͤge, rechtlichen informir en zu lassen; Als ist und gelanget an die Herren mein dienstfreundlich Bitten, sie wollen das Werck Collegialiter erwegen u. mich hierunter des Rechtens mit Beyfuͤgung derer Rationum dubitandi \& decidendi in einem verschlossenen Verspruch sonder Beschwerde verstaͤndigen; Das bin umb dieselben ich zu verdienen willig. Christoph Philipp. Richter. i WEHNE- Anhang unterschiedener nuͤtzlicher WEHNERI Consilium LXXXVII . A Ls zweiffelhafftig vorgefallen, ob auch einer auff des andern Grund und Boden, da es seine Vor-Eltern also hergebracht, zu jagen befugt sey, und in kuͤnfftiger Zeit verbothen werden koͤnnen. Darauff so sage ich, mit vorher- hender Anruffung Goͤttlicher Gnade, daß die Menschen erstlich aus Versehung der Vernunfft, auch in Krafft und ver- moͤge des natuͤrlichen und aller Voͤlcker Rechtens gemeiniglich das, so ihnen nutz und zu Erhaltung ihrer Nahrung dien- lich seyn mag, zu uͤberkommen trach- ten, und alle unvernuͤnfftige wilde Thiere, auch alles Gefluͤgel und Fisch, die auff dem Erdreich, in den Luͤfften, in dem Meer gefangen werden, die wer- den alsbald des eigen, der sie gefangen hat, und irret nicht, ob gleich ein solcher Fang auff sein oder eines andern Grund und Boden geschehen, doch mag ein Je- der dem andern untersagen und verbie- then, daß er sich seines Grunds, Hol- tzes, Felder, und Wiesen-Gruͤnde enthal- te, und von Jagens oder Weyde-Wercks wegen darauff nicht komme. Denn die wilden Thiere, Fische und Voͤgel, so- bald als sie von andern gefangen wer- den, fangen sie an, demjenigen zuzuhoͤ- ren, der sich ihrer angemaast, denn was Niemanden zustaͤndig ist, kan ein Jed- weder wegnehmen; Es ist auch nichts daran gelegen, ob einer die Voͤgel oder wilden Thiere, auf seinem eigenen Grund und Boden wegfaͤngt, oder auff fremb- dem Gebiethe. Unterstuͤnde sich nun dieser Jaͤger, oder Weyde-Mann uͤber angelegte Ge- both auff eines andern Grund und Bo- den zu jagen, oder Voͤgel zu fahen, so verliehret er dadurch den Fang, wie denn die Rechts-Lehrer bezeugen, in L. Si Fun- dum. \& L. Certum. C. de Rei vind. Und ist zu wissen, was einer auff andern fremden Gruͤnden vor Wildpraͤth faͤ- het, und uͤberkommt, das ist und bleibt sein eigen, doch laͤnger nicht, denn so lange es in seiner Gewalt und Behut- sam ist. Denn so es ihm nachfolgends en- trinnt und wieder seine natuͤrliche Frey- heit bekommt, wer es dann faͤngt, dessel- ben ist es, es waͤre denn ein solch entwi- chen wild Thier heimisch, und also ge- wehnet worden, daß es zu Zeiten aus- gieng, und gewoͤhnlich wiederkaͤme, al- so hat es einander auffzufahen, und ein- zuthun nicht Macht, und saget der Text in obangezogenem §. alles, was du weg- faͤngst, bleibt so lange deine, als du es in deiner Verwahrung erhaͤlst, ist es dir aber entsprungen, und hat sich in seine natuͤrliche Freyheit begeben, so hoͤrt es auff deine zu seyn. Und ist bey diesem zu wissen, wenn gleich ein wild Thier geschossen, auff das- selbe mahl aber nicht gefangen wird, daß er zu solchem geschossenen oder sonst ver- wundeten wilden Thiere keine Gelegen- heit haͤtte, sondern welcher nachmahls dasselbe faͤhet oder faͤllet, desselben ist es, ob es gleich von einen andern vorhin ge- jagt, oder hart verwundet worden; Daß aber das Weyde-Werck einem auff ei- nem fremden Grund koͤnne verbothen werden, das bezeuget der Sachsen- Spiegel, lib. 2. art. 6. da er spricht: Al- les Wildpraͤth ist einem jeden frey zu fa- hen, nicht allein auff seinem, sondern auch eines andern Guth, doch mag Je- der das Wildpraͤth auff dem Seinigen hegen, mit deme, daß er auff das Sei- ne zu gehen oder zu jagen verbiethe. Dahero haben zu unsern Zeiten die Fuͤr- sten und Herren ihre Wildbahn und Ge- heg im Gebrauch, und ist die Jagd will- kuͤhrlich einem Jeden zu veꝛstatten und zu verbiethen. Und in willkuͤrlichen Din- gen, als Jagden, kan keine Verjaͤhrung lauffen oder angezogen werden. Und wann einer das Seine heget, so heget er auch, was in dem Seinen ist, dieweil es in dem Geheg ist, kommts a- ber aus dem Geheg, ist es dessen, der es faͤhet, daꝛwider sich der Weydemann nicht steuern oder schuͤtzen mag, daß er in Pos- session und Gewehr sey des Jagens, und solche Gewehr uͤber verwehrte Zeit, die zu der Verjaͤhrung und Præscription die- ser Servitut in Rechten erfordert wird, ei- niglich geuͤbt, und hergebracht habe, dann das geschicht aus Freyheit und Zulassung gemeines Rechten, nach welcher ein Jeder Macht hat, allenthalben wilde Thiere zu jagen, und zu fahen, und ist also ein fꝛey zu- gelassen Wesen und Handel, welches wie offt und langwierig es geschicht, demjeni- gen, zur Jaͤgerey gehoͤrigen Materien. gen, der ihn uͤbet, keine fuͤrtere Gerechtig- keit mehr zutraͤget, dann es des ersten Tages gehabt, so gebiehret er auch dem Herrn des Guths keinen Nachtheil an seiner Gerechtigkeit, damit er nichts we- nigers uͤber viel Zeit und Ubung, auch uͤber 1000. Jahr Fug, Macht und Recht hat, dem Weidemann zu verbiethen, daß er fuͤrder Weidwercks halben und Weid- werck zu uͤben, auff und in das Seine nicht gehe, reite, oder wandere, auff welche Verbiethung der Weidemann schuldig ist, dasselbe zu meiden, und so es daruͤber von ihm geuͤbet, geschicht dem Herrn des Guths Gewalt, wird auch dadurch verunehret. Doch ist es eine andere Meynung, wenn ein Fuͤrst, Gra- fe, Freyherr oder Edelmann ein Schloß, Hauß, oder Stadt von der Kaͤyserlichen Maj. zu Lehen haͤtte, und der Lehn- Brieff die Jagden als ein Eingehoͤrung mit sich braͤcht, und dessen eine sonderli- che Freyung verhanden, auf solchen Fall koͤnte solch Jagen als eine Servitut und Zugehoͤrung nicht gewehret oder verbo- then werden, dann solches ein Roͤmischer Kaͤyser von wegen seiner Hoheit und ein Fuͤrst der Waͤlder und Welt, gut Fug und Macht, auch Recht hat einen mit ei- ner Jagd zum Theil oder gantz und gar zu belehnen, und der Grund- oder Ei- genthums-Herr solches nicht zu fechten hat, oder wehren kan, er thue oder wil- lige gleich solches gern, oder ungern, und heist alsdenn: Es muß auch derjenige, der nicht Lust darzu hat, sich einen Process gefallen lassen. Und hat also ein Kaͤyser Macht und sonderlich der Jagden hal- ber, ungeachtet, wie ihm der Lehnmann sonst mit Lehns-Pflicht verwandt, zu di- spensir en und zu handeln, und wiederum zu retractir en. Welches nur dem Kaͤy- ser allein zustehet nach seiner vollstaͤndi- gen Macht und Gewalt, da er dem Gesetz nicht unterworffen ist. Es hat auch der Kaͤyser Macht maͤn- niglich das Jagen einzulegen, und zu ver- biethen, ausserhalb, was Baͤren, wilde Schweine und Wolffe seyn. Dahero kan der Kaͤyser allein dem natuͤrlichen Voͤlcker-Rechte nach in Ansehung der Jagd etwas verordnen, verbiethen, dar- zu thun und davon nehmen. Und also ein Lehn-Brieff die Jagd giebt und mit- bringt, auch die N. E. Vorfahren deren in Possession, Gebrauch und Gewehr gewesen seyn, in derer anstossenden und umliegenden Gehoͤltz zu jagen, so wird aus solchem Titul und Ankunfft der gu- te Glaube, und daß man des Jagens ver- muthet und die Gerechtigkeit des Jagens beschlossen; Denn aus der Art und Wei- se, wie man darzu gekommen, vermu- thet man, daß einer die Sache redlich uͤberkommen, und also glaubet man auch, wenn die Vorfahren durch eine lange Gewohnheit sich deꝛ Jagden angemaasset, daß sie es zu thun befugt gewesen. Und sonderlich da eine lange Zeit und an solchen umliegenden Oꝛten, als zu einer zugehoͤrenden Gerechtigkeit, das Hauß Bibra die Jagd gehalten und gejagt hat, und thut ein alt Herkommen viel zu der Sache. Denn das Alterthum wird auch vor ein Gesetz gehalten, und steht in glei- cher Class e mit der Gewohnheit und dem Befehl des Fuͤrsten. Und ist dieß die schluͤßliche Meynung des Herrn Hiero- nymi Schurffii, und da einer auf des an- dern Grund und Boden 30. Jahr, Jahr und Tag Weydwerck mit des andern Wissen und Willen geuͤbt und getrieben, und solches zu gebuͤhrlicher Zeit, daß er dadurch eine Gerechtigkeit des Jagens erlange und præscribir e, und daß dar- auff in der Hertzogen zu Sachsen Stuhl zu Leipzig erkannt und gesprochen wer- de, und sind die Worte: Es ist Landkuͤn- dig und wird auch im gantzen Lande so gehalten, daß, ob zwar die Jagden eine solche Sache sind, die einer nach Gefal- len thun oder lassen kan, wenn man aber doch 30. Jahr mit Vorbewust und Ge- nehmhaltung des Herrn die Jagden auf eines andern Grund und Boden richtig exercir et, einer eine solche Jagd-Gerech- tigkeit hierdurch uͤberkommt, daß einem der andere hernach nicht mehr verweh- ren kan, und also ist im Leipziger Schoͤp- pen-Stuhl gesprochen worden, wie er denn die Gerechtigkeit von Jagen, daß sie ersessen werden kan, durch einen lan- gen und alten Gebrauch, weitlaͤufftig und schluͤßlich ausfuͤhret, auff Maaß und Meynung, wie oben vermeldt ist. So ist demnach diß mein endlicher Beschluß, daß wo einem die Jagd auff eines andern seinen Guͤtern geliehen wird von einem Kaͤyser, daß er dersel- ben nicht zu entsetzen, sondern sich der- selben zu gebrauchen und zu halten gut Macht und Fug hat, und auch ein Kaͤy- ser als das oberste Haupt der Welt, die Jagd zu leihen nach ihrer Majest. Wohl- gefallen befugt und berechtiget. P. Matth. Wehnerus. i 2 Strykii Anhang unterschiedener nuͤtzlicher STRYKII Consilium LXXXVII. Jnhalt. Von der Ober-Jagd, die aus sehr alten Lehn-Brieffen und der undencklichen Possess wider den Landes-Herrn geschuͤtzt worden. D Emnach uͤber die zwischen dem Hrn. G. R. V. B. und dem Hoch-Fuͤrstli- chen Forst-Amt zu D. in puncto der O- ber-Jagden ergangene Acta mein in Rech- ten gegruͤndetes Bedenckẽ verlangt wor- den; So habe ich die von beyden Thei- len uͤbergebene Schrifften, Acta und auf- genommene Attestata mit Fleiß verlesen, und befinde, daß das Momentum cau- sæ und die davon dependir ende Decision laut Hoch-Fuͤrstlichen Rescripti vom 30. Nov. Anno 1696. hierauff beruhe: Ob nicht wohlgedachter Herr G. R. V. B. so viel ausgefuͤhret, daß der- selbe in denen 3. Doͤrffern quæ- stionis und darzu gehoͤrigen Feld- Marcken und Holtzungen die ho- hen Jagden hergebracht und zu ex- ercir en befugt sey. Wenn nun die Acta mit Fleiß er- wogen werden, so befindet sich hier ein weit mehres, als ein blosses Herbringen, indem diß Wort zum hoͤchsten ein meh- rers nicht, als eine Observanz oder biß- herigen Gebrauch mit sich fuͤhret. Denn die Observanz erfordert noch weniger, als die Gewohnheit, weil sie mehr im Thun bestehet, und aus einer lang fort- gesetzten Observanz erwaͤchset die Ge- wohnheit. Sondern es kommen hier zusam- men die Vermuthung eines gemeinen Rechts, die mit denen Jagden in generel- l en Worten eingerichtete Investitur und eine auff mehr als 100. Jahr bestaͤndige Possession, daher der kuͤnfftige Judex die- se Sache nicht aus einem oder andern Principio, so lange nach der alten Inve- stitur erstlich von denen neuern Docto- ribus gemachet und von dem Forst-Amt zu D. hauptsaͤchlich urgir et worden, con- siderir en, sondern in diesem Wercke, wo- von denen durch einen alten Edelmann dieser Famili e zustehenden Rechten dispu- tirt wird, auf die vor Alters uͤbliche Rech- te und damahls gewoͤhnlichen Stylum der Lehn-Brieffe sein Absehen nehmen, und folgends den darauff folgenden Ge- brauch und Ubung dieses Rechts damit conferir en muß, alsdann aus dieser Zu- sammenhaltung derer Rechte und Zeiten, der Ausschlag nicht anders als vor die gerechte Jagddianische und jetzo Berns- dorffianische Sache fallen kan. Solches aber desto klaͤhrer vor Au- gen zu legen, dienet zum General-Fun- dament 1) Die natuͤrliche Freyheit auff ei- genem Grund und Boden allerhand Wildpraͤth, groß und klein, nach Belie- ben zu fangen, welche durch den Bey- stand des im Reiche angenommenen ge- meinen Rechts dergestalt bestaͤttiget ist, daß von etlichen Seculis die Besitzer der Guͤther eine gegruͤndete Meynung des Rechtes nach Belieben Wild zu fangen vor sich haben, per §. Feræ igitur bestiæ. 12. Inst. de Rer. Div. Und zwar nicht alleine zu der Zeit, da in der Roͤmischen Republic das ge- meine Volck das Regiment hatte, son- dern auch, da es unter der Monarchie gestanden, wie solcher Monarchischer Sta- tus zu Zeiten des Justiniani unstreitig ge- wesen, und ist solche Freyheit auf seinem Boden zu jagen, durch das gemeine Gese- tze niemahls geaͤndert, noch auch das Wie- der-Spiel in allen teutschen Provin tzien durch eine gleichfoͤrmige Gewohnheit diß- falls eingefuͤhrt worden. Weil aber leicht abzusehen, daß wi- der dieses Fundament die gemeine Mey- nung derer Doctor en angefuͤhret wer- den duͤrffte, daß das buͤrgerliche Recht in diesem Fall durch die Gewohnheit waͤre abgeschaffet worden, oder auch niemahls zur Observanz gekommen waͤre, so kan doch 2) Nicht ausser Augen gesetzet wer- den, daß die itzige Frage vom Jagd-Recht, insonderheit derer hohen Jagden im Nieder-Saͤchsischen Creyse sich enthal- te, woselbst vor 200. Jahren, da die al- ten Lehn-Briefe ausgegeben, ohnstrei- tig das gemeine Saͤchsische Recht in voͤl- liger Observanz gewesen, weil das buͤr- gerliche zur Jaͤgerey gehoͤrigen Materien. gerliche Recht kaum vor 100. Jahren da- selbst eingefuͤhret worden, wie solches be- zeuget Conring. de Orig. Jur. Germ. c. 33. p. 216. Knichen. de Pact. vestitur. P. 1. c. 1. num. 53. Wenn nun das gemeine Sachsen- Recht angesehen wird, so befindet sich glei- cher gestalt, daß die Fangung derer wil- den Thiere ohne unterschied zugelassen gewesen, ausgenommen 3. Bann-Foͤr- ste, oder, wie man sie heutiges Tages nennet, Gehege, darunter der Hartz mit begriffen, daß, wer hierinnen Wild faͤhet, derselbe in den Koͤnigs-Bann wet- ten soll 6. Schillinge. Besiehe Land- Recht, L. 2. art. 61. Folget also unwiedersprechlich, daß ausser den 3. Bann-Foͤrsten oder Ge- hegen ein Jedweder auff dem Seinigen zu jagen Macht gehabt, und zwar ohne Un- terschied, indem das gemeine Sachsen- Recht keinen Unterschied unter hohem und niedrigem Wildpraͤth machet, wie denn auch durch die Longobardischen Ge- setze die Freyheit, Hirsche zu faͤllen, einem Jedweden gelassen worden. Welches ihnen auch in Jure Feudali, oder Lehn-Recht nicht benommen, durch den §. Si quis rusticus. 5. vers. Nemo retia. 2. Feud. 27. indem solcher Textus nur von Netzen und Stricken auff fremden Bo- den zu verstehen, denn in seinem Grun- de kan Jeder nach Gefallen jagen. 3) Jst ferner hauptsaͤchtlich zu be- trachten, daß die Edelleute ihre Guͤter an denen meisten Orten in Teutschland durch das Eigenthums-Recht oder ohne alle Lehen besessen, und sich aller Com- modorum, welche die Natur einem jeden Orte beygelegt, frey und ungehindert ge- brauchet, biß sie endlich ihre erb- und eigenthuͤmliche Guͤter ihren Landes- Herren angebothen, und solche als Le- hen hinwieder erkannt und angenom- men, wie denn solches von dem gantzen Hertzogthum Luͤneburg asserir et wird, daß es allezeit ein Eigenthum derer Fuͤr- sten und kein Lehen gewesen, sondern nur nach der Zeit aus eigenem Willen von dem Hertzoge Ottone dem Kaͤyser Friedrich II. zu Lehen auffgetragen wor- den, welches aus denen Investitur- Brie- fen mit mehrerm zu ersehen, welche Mei- bomius unter seinen Historischen Wer- cken p. 503. referir et. Dergleichen auch von den Lehen derer von Adel in Teutsch- land asserir et wird, Hertius de Feud. oblat. P. 1. §. 6. Mevius Cons. 44. n. 10. An welchem Orte Mevius zwar nur von denen Pom- merischen adelichen Guͤtern redet, jeden- noch ist die Vermuthung, daß es in denen benachbarten Landen sich auff glei- che Maasse zugetragen. Des Mevii Worte sind folgende: Ehe die Fuͤrsten zu Pommern ihre Fuͤrstenthum und Lande vom Kaͤyser Friedrich I. zu Lehen empfangen, ( NB. Eben von die- sem Kaͤyser hat auch der Henri- cus Leo den Hartzwald oder den Forst aufm Hartzer Gebuͤrge Ao. 1157. zu Lehen bekommen, wie solches bezeuget Maderus in An- tiquit. Bruns v. p. 118. seqq. Jnglei- chen hat dessen Nepos Frideri- cus II. Anno 1235. dem Ottoni das Hertzogthum in Braunschweig Luͤneburg als ein Reichs-Lehen conferir et, sind in diesen Landen keine Lehen gewesen, sondern es haben die von Adel ihre Guͤther, als freye Erb-Guͤther gehabt, hernach erst allmaͤhlig nach dem Exempel ihrer Fuͤrsten, wie auch der benachbarten unteꝛ Reichs- Fuͤrsten Gesessene dieselbe zu Le- hen auffgetragen und recogno- scir et. Zu dessen Bestaͤrckung fuͤhret der Mevius an gedachtem Ort die- ses an statt des Fundaments an, daß die Adelichen Geschlechter viel alter, denn die aͤltesten Lehen-Brieffe, so zu befinden seyn, welches Fundament auch sonder Zweiffel in dem Hertzogthum Luͤneburg eintreffen wird. Nun ist aber bekant, daß in solchen auffgetragenen und wieder angenom- menen Lehen die Interpretation wider den Lehen-Herrn zu machen, so, daß die Erkennung als ein Lehn in sehr einge- schrencktem Verstande anzunehmen, und nicht weiter zu extendir en ist, als es der Intention dererjenigen, die es als ein Le- hen erkennen, zukommt, daher hat der Vasall e mehr Freyheit bey einem auffge- tragenen Lehn, als bey dem, das er durch die Gnade des Fuͤrsten hat, ist also kein Zweiffel, daß wie die eine Luͤneburgischen von Adel vordem auff ihren Guͤthern ein vollstaͤndiges Eigenthum in Anse- hung aller Nutzungen der Land-Guͤther exercir et, sie, nachdem das Dominium directum auf den Landes-Herrn gebracht worden, das voͤllige nutzbahre Eigen- thum ohne einige Wieder-Ersetzung ih- nen vorbehalten worden. Wie denn 4) i 3 inson- Anhang unterschiedener nuͤtzlicher insonderheit die general en Lehn-Brieffe derer von D. deutlich bezeugen: Mit allen dessen guter Gerechtig- keit, se sind besettet oder unbe- settet mit allen Luͤden, Densten, Tyesen, Legern, mit allen Rich- ten, Rechtigkeiten, heyest und sie- dest. ꝛc. Mit allen Holten, weck und harten- de Haigten, Masten, Jagten und allen, wat to den sulffigen Doͤr- pern von Rechtigheyden oder Gewohnheiten an Honig to we- sende gegoͤnnet und toge kamen ist. Aus welchen deutlichen Worten am hellen Tage liegt, daß alle Gerechtigkei- ten, insonderheit alle Holtzungen, Hagen, Masten, Jagden, auch uͤber dem, was an Rechtigkeiten und Gewohnheiten zu solchen Guͤthern gehoͤret, denen von D. conferir et, und dem Herrn des Lehn- Guths aus dieser gemeinen Concession nichts an solchen Nutzungen reservir et worden, daraus, wenn dasjenige, was ratione 2. aus dem Sachsen-Recht von der Freyheit auff seinem Grund und Bo- den Wild zu fahen, angefuͤhret, mit der al- ten Beschaffenheit derer Luͤneburger Le- hen-Guͤter, daß sie nehmlich angetragen worden sind, conferir et, und zugleich auff die Generalitatem oder Lehen-Brie- fe ein Absehen genommen wird, Nie- mand einen andern Schluß nach denen Regeln der Auslegung machen kan, als daß denen von D. alle Jagden in solchen Guͤtern zustehen muͤssen, denn diese ge- nerell en Worte begreiffen alles dasjeni- ge in sich, was unbeschadet der Eigen- schafft der Worte darunter kan verstan- den werden, und das Woͤrtgen alles lei- det keine Restriction, sondern wircket eben das, als wenn von Jedem inson- derheit waͤre gedacht worden. 5) Auch diesem nicht zu wieder ist, daß das Wort alle nicht unmittelbar bey denen Jagden, sondern vorher bey andern in Lehen-Briefen ausgedruͤckten Gerechtigkeiten gesetzet ist, immaassen die Inspection des Lehn-Briefes, und die vorher daraus gezogene Worte bezeu- gen, daß die particula universalis mit al- len nicht allein bald Anfangs, da derer Guͤter Gerechtigkeit gedacht wird, gese- tzet ist, sondern auch allemahl, wenn ei- ne neue Art derer Rechte vorkommt, sol- che universalitas wiederhohlet worden, nehmlich: mit allen Gerechtigkeiten, mit allen Leuten, Diensten, Zinsen, mit allen Richten, mit allen Holten, Hagen, Masten, Jagden. Wie denn auch die Universalitas im En- de derer ausgedruckten Gerechtigkeiten abermahl wiederhohlet worden, indem nach denen Jagden unmittelbar die Clau- sula universalis folget: und alles, was zu solchen Doͤrf- fern, Gerechtigkeiten und Ge- wohnheiten gehoͤret; Nun ist aber bekanten Rechtens, daß die allgemeine Clausuln, die zu Anfang stehen, auff alles nachfolgende sich bezie- hen muͤssen, die aber am Ende stehen, auff alles vorhergehende, und daß die Particula universalis mit allen, da sie nicht nur doppelt stehet, sondern fůnffmahl wiederhohlet ist, einen besondeꝛn Verstand nicht zulassen kan, indem die gedoppelten Worte einen sehr nachdruͤcklichen Wil- len des Concedent en in sich fassen, und eben das wuͤrcken, als eine einfache Ver- ordnung auszurichten pfleget, und also auch keine Einschrenckung zulassen, ja da sie bey Fuͤrstlichen Concession en ver- doppelt, so erkennet man hier, daß sie es aus freyer Bewegniß gethan und es ge- wiß gewust. Wie denn auch hierbey ferner hauptsaͤchlich zu erwegen, daß, was in- sonderheit die Holtzung und darein zu- stehende Jagd-Gerechtigkeit betrifft, al- le diejenigen Jura, so wegen eines Hol- tzes oder Waldes, und darinnen zuste- henden Jagd-Gerechtigkeit zustehen koͤn- nen, nach der Reih in den Lehen-Briefen exprimir et sind: mit allen Holten, weg und hart, und Haigen, Masten, Jagden ꝛc. Aus welchen Worten zuersten die freye Gerechtigkeit zu holtzen erhellet, da doch sonsten bekant, daß, wann in einem Hol- tze oder Walde der Landes-Herr die Ober-Jagd hat, die Holtzung nach Be- lieben von dem Herrn des Waldes nicht gebraucht werden kan, sondern es muß das Holtz solchergestallt gefaͤllet werden, daß es dem, der die hohe Jagd hat, nicht schaͤdlich sey, weil der Herr des Wal- des den Forst nicht in einen engern Zu- stand setzen kan. Ferner ist hieraus zu sehen, daß de- nen von D. zugleich des Hagen des Hol- tzes verliehen worden, welches conne- xum der Ober-Jagd ist. Drit- zur Jaͤgerey gehoͤrigen Materien. Drittens folgen hierauff die Masten ohne einige Restriction, wodurch denen von D. nicht allein erlaubet, soviel Schweine, als Jhnen beliebt, in die Mast zu jagen, sondern auch Eicheln und wild Obst lesen zu lassen. Dieses aber ist wie- derum mit der Ober-Jagd connectir et, und kan von demjenigen, so diese zuste- hen, verbothen werden. Hierauff folgen nun vierdtens in dem Lehen-Briefe die Jagden selbst, so nicht allein in plurali numero gese- tzet, sondern auch mit der vorherge- schickten particula universali afficir et seyn: Daß also Krafft dieser Expres- sion aller derer Rechte und Nutzungen, welche bey Gelegenheit des Waldes und der Ober-Jagd zustehen koͤnnen, nichts uͤbrig bleibet, was nicht denen von D. concedir et seyn solte, und daher der Lehn- Bꝛief unter keinem Voꝛwand auf die Nie- der-Jagden restringir et werden koͤnne. 6. Jst zum Fundament zu setzen, daß die Belehnung mit denen Jagden in ge- neral en Worten/ insonderheit geschehen, da dann wohl an sich kein Zweiffel, daß unter denen Worten: mit allen Jag- den, welche hier unmuͤglich geleugnet werden koͤnnen, alle Arten der Jagd verstanden werden muͤssen, da, wenn auch die Particula universalis alle nicht da waͤre, doch die vielfaͤltige Zahl allein die Jagden in einer Art nicht wuͤrde verifi- cir en koͤnnen. Arg. L. Ubi numerus. 12. ff. de Testibus. Mascard. Conclus. 838. num. 12. 7. Welches in denen Lehen-Brieffen, so fast vor 100. Jahren ertheilet worden, um so viel mehr statt finden muß, weil dazumahl der Unterscheid zwischen ho- hen und Nieder-Jagden nicht recipir t gewesen, inmaassen das Sachsen-Recht davon nichts weiß; Sondern es ist die- ses eine Erfindung der folgenden Zeit, da von denen Jagd-Bedienten zum Fa- veur ihrer Herrschafft dieser Unterschied gemacht worden, wie solches Heigius Quæst. illustr. p. 1. qv. 15. num. 61. bezeuget. Dahero auch die alten Doctores, so vom Jagd-Recht geschrieben, von die- sem Unterschied der Jagden nichts wis- sen, sondern nur die Jagd in drey Ar- ten eintheilen, nemlich: Die Jagd der wilden Thiere, der Voͤgel, und der Fi- sche. Siehe Georg. Mor. de Jur. ven. part. 1. c. 1. num. 11. Denn da dieser Autor die wil- den Thiere selbsten unterscheidet, macht er keinen andern Unterscheid, als unter denen schaͤdlichen und nicht schaͤdlichen Thieren, als welcher Unterschied aus- druͤcklich in des Kaͤysers Friderici Con- stitution von dem zuhaltenden Frieden gegruͤndet ist. Wie nun die neuen Autores, so vom Jagd-Recht geschrieben, solchen neuen Unterscheid unter denen wilden Thieren selbst angenommen, und die hohen Jag- den als ein sonderes Regale heraus ge- strichen, welches nachdem es die Landes- Fuͤrsten ihnen einmahl zu Theil gemacht, und denen Privat- Personen entzogen, sie nicht gerne wieder in der Privat- Perso- nen Haͤnde kommen lassen wollen; So sind sie zusammen auff diesen Satz ge- fallen, daß bey verwilligter Jagd insge- mein nur die Unter-nicht aber die Ober- Jagd verstanden werde. Jn welcher Mey- nung die Doctores einander dergestalt ge- folget, als ein Kranich dem andern nach- fliegt, und hat solche endlich bey denen Fuͤrsten als ein gemeiner Jrthum ein Recht erlanget, nach dem Exempel des L. Barbarius. 3. ff. de Offic. Præt. so durch die an- genommene heutige Gewohnheit befesti- get worden; wie aber ein neues Gesetze auff die vergangene Faͤlle nicht kan ex- tendir et werden, L. Leges. 7. C. de LL. so kan auch eine neue aus der Meynung der neuen Doctorum entstandene Gewohn- heit keine Wuͤrckung in das vergangene mit sich fuͤhren, und ist dahero ein ver- nuͤnfftiger Richter in vorfallendem Casu verbunden, die Entscheidung der Sache denenjenigen Rechten gemaͤß einzurich- ten, welche zu der Zeit, da die Sache ge- trieben worden, an demjenigen Orte, wo diese Handlung geschehen, uͤblich ge- wesen. Weil nun zu der Zeit, da die von J. belehnet worden, nehmlich Anno 1511. der Unterschied unter Ober- und Unter- Jagden so wenig im Hertzogthum Luͤne- burg, als sonsten in Teutschland bekant gewesen, so koͤnnen ja, ohne Verletzung der Gesetze einer richtigen Auslegung, die Worte des Lehn-Briefes, nehmlich der Jagden ohnmuͤglich auff das Nieder- Weidewerck restringir et werden. 8) Wird dieses alles durch die Lehn- Briefe anderer benachbarten von Adel im Hertzogthum Luͤneburg voͤllig bestaͤr- cket, als welche in ihren alten Lehn-Brie- fen nicht einmahl soviel Ausdruͤckungen derer Rechte vorweisen koͤnnen, als eben die von J. vor sich haben, und dennoch gebrauchen sie sich derer hohen Jagden biß diese Stunde gantz ungehindert, wie solches mit dem Exempel derer bekanten adeli- Anhang unterschiedener nuͤtzlicher adelichen Famili en von G. von B. zu C. von VV. und von K. in den Act en gnug- sam bescheinigt ist; Hier aber muß die Erklaͤhrung in zweiffelhafftem Falle von der Gewohnheit der Nachbarschafft oder derselben Provinz genommen werden, L. 21. §. 1. Qui testam. fac. poss. L. 31. §. 20. de Ædilit. edict. L. 50. in fin. de Leg. 1. Wuͤrde dahero gantz unbillig seyn, wenn dasjenige, was den uͤbrigen Fuͤrstl. Vasall en, so noch mit wenigern Expres- sion en derer Gerechtigkeiten belehnet seynd, an Jagden zuerkannt wird, de- nen von J. und ihren Nachfolgern ver- saget werden solte, da die Fuͤrsten einer- ley Schreibe-Art und einerley Sprache haben sollen, und einem Fuͤrsten die Er- haltung der Billigkeit unter seinen Un- terthanen gar sehr muß recommendi rt werden. Nov. 2. c. 5. 9. Stimmen auch hiermit uͤberein fast alle Fuͤrstl. und Graͤffl. Lehen-Brie- fe, so sie von Jhro Kaͤyserlichen Majest. uͤber ihre Laͤnder und Herrschafften er- halten, von denen keiner die Expression der Ober- und Unter-Jagden im Mun- de fuͤhret, aus eben dieser Ursache, daß man vor diesem in Teutschland von sol- chem Unterschiede nichts gewust, sondern es wird in dergleichen Kaͤyserlichen Lehen- Brieffen nur der Jagden schlechter dings oder auch nur der Wild-Bahn gedacht, wie solches aus mancherley Formular en der Investitur en befestiget Myler. de Stat. Imp. p. 2. c. 73. §. 2. wie auch insonderheit von denen Luͤneburgischen Hertzogthuͤ- mern bezeuget Schulz. Disput. de Jur. Ve- nand. c. 2. §. 6. welches Wort Wildbahn, nach der neuern Meynung gleicher ge- stalt nicht zureichend seyn soll, die Ober- Jagden damit zu behaupten, indem man unter der hohen und niederen Wildbahn seinen Unterchied zu machen angefangen, D. Schroeter. Disput. de Banno ferin. c. 2. §. 16. Wenn man aber dergleichen Restri- ction en derer heutigen Woͤrter in alten Lehen-Brieffen zulassen wolte, wuͤrde gewiß denen Landes-Fuͤrsten selbsten da- durch ein grosses Nachtheil zuwachsen, und ihre Rechte in vielen Stuͤcken in Zweiffel gezogen werden koͤnnen. Es mag vor die Vertheidigung derer Fuͤrstlichen Rechte mit Bestande nicht angefuͤhret werden, daß ihre Lehn-Briefe in weitern terminis ge- nommen werden muͤssen, weil ihnen dergleichen Rechte auch uͤber die in ihren Investitur- Briefen gemachte Expressio- n en schon Krafft der Landesherrlichen Obrigkeitlichen Macht, als welche eine Zusammenhaltung derer Regali en, nach dem Sveder. de Jur. publ. part. spec. sect. 2. c. 10. §. 1. ist, zukommen, denn auch hie- rauff leicht zu replicir en, daß diese Ex- tensio superioritatis territorialis auff die alten Zeiten keines Weges gehoͤre; Jn- dem man vor 200. Jahren in denen Reichs-Gesetzen und Actis publicis kein Wort von solcher Landes-Fuͤrstlichen Su- periorit aͤt oder Hoheit, noch auch dessen Expression in denen Fuͤrstlichen Lehen- Briefen findet, sondern es ist solche erstlich im Anfange des vorigen Jahrhundert, unter dem Kaͤyser Maximiliano I. und nachmahls durch die Kaͤyserliche Capi- tulationes, und Friedens-Schluͤsse con- firmir et worden, Rhetius de Jur. publ. L. 2. tit. 1. §. 13. Jst dahero gantz glaublich, daß, wie die Fuͤrsten selbst mit solchen verbis generalibus in ihren vom Kaͤyser erhalte- nen Lehen-Briefen sich vergnuͤget, sie gleichergestalt in denen ihꝛen adelichen Va- sall en ertheilten Lehen-Briefen sich kei- ner andern speciell en Expression gebrau- chen wollen, und haben es auch die von Adel nicht noͤthig befunden, eine klaͤh- rere Concession der Jagden zu suchen, weil ihnen die Fuͤrstliche General- Versi- cherung genug gewesen; Und die Fuͤrst- lichen Worte von der Krafft sind, als wenn sie durch ein Eyd waͤren bestaͤtti- get worden. Daher, wenn man bey Fuͤrstlichen Contract en mit den Worten spielen solte, waͤre solches unverantwort- lich. Auch ist hierbey ferner zu erwegen, daß nicht allein die Jagden, sondern auch das Hagen denen von J. im Lehen-Briefe zugelassen sey, nun ist aber unstreitig, daß durch das Hagen verstanden werde das Recht einen Wald mit abgehauenem Holtze zu umgeben, Gailius L. I. obs. 68. num. 7. oder, welches eben dahinaus faͤllt, die Macht zu hegen oder ein Ge- hege zu machen, Besold. in Thes. Pract. voce: Forst, vers. die Macht zu hegen. Jmmassen das Wort Hag oder hagen eben so viel ist, als ein umzaͤunter Ort oder ein Zaun von Ruthen, und wird auch hagen genannt, das ein dicker Wald ist, und hegen ist umzaͤunen, verwah- ren und zusammen treiben und beschuͤ- tzen. Siehe Spate im teutschen Sprach- Schatz unter dem Worte: Hag. Oder ist eben soviel, als das Recht, eine Wild- Bahn zur Jaͤgerey gehoͤrigen Materien. Bahn zu haben, oder der Wild-Bann, weil darinnen das Wild gleichsam um- schlossen odeꝛgeheget wird. Wehner. unter dem Worte Forst-Recht, vers. Forestalis. pag. 112. da er zugleich erweiset, daß sol- ches sonst heisse Forestum bannale, die Forst-Gerechtigkeit, oder die Wild- banns-Gerechtigkeit, zu hagen und zu jagen; Und ist diese Gerechtigkeit zu hagen groͤsser als die Gerechtigkeit zu ja- gen, indem in diesem letztern Fall das Wild in seiner Freyheit gelassen wird, zu gehen, wo es will, wenn aber der Wald durch Niederhauung der Baͤume, oder sonsten gehaͤget und geschlossen wird, kan durch Hemmung des Wildpraͤths denen Benachbarten dadurch um das so viel mehr ein Schaden zuwachsen, dahero das Recht zu hagen ausser der sonder- bahren Zulassung Niemand verstattet wird, als in so ferne es ohne der Nach- bahren Nachtheil kan exercir et werden. Daher nicht ein Jeder, wer das Ja- gen hat, hat auch das Hagen, VVehner. Observat. Pract. des Wortes Forst, vers. nam alias Jagen. Ob gleich solches affir- mir et wird von dem Gailio L. 2. Observ. 68. num. 6. Denn das Jagen kan wohl oh- ne dem Hagen durch Hunde und Netze geschehen, indem solches gantz unterschie- dene Rechte seyn, deshalb billig Gailii Meynung als ungereimt nicht unbillig angiebt Frid. Mindanus L. 2. c. 41. num. 1. Noe Meurer. vom Jagd- und Forst- Recht, p. 2. Hingegen bleibt gewiß, daß, welchem das Hagen zustehet, demselben auch die voͤllige Jagd zustehen muͤsse, weil dieses das einige Absehen des Hagens ist, damit andere von dem Mißbrauch des Wal- des und Fangung des Wildes ausge- schlossen, und das Wild gleichsam dahero gebannet werden moͤge, daß das Wild hieselbst geheget werden moͤge; Daher auch sonsten das Recht, Gehege zu ma- chen, der Landes-Obrigkeit regulariter allein zustehet: Daraus ferner unstreitig folgen muß, daß, wenn das Jagen und die Jagden zugleich von dem Principe zu- gelassen, derselbe alles Wildpraͤth sowohl hoch, als niedrig, zu jagen befugt sey, denn solches conjungirt e Jagen und Hagen ge- hoͤret zu der Forst-Gerechtigkeit und zum voͤlligen Wild-Bann, welches vor ein hohes Regal geachtet wird. Und daß solche Ausschliessung anderer von diesem Recht zu jagen in denen gehegten Wild- bahnen nicht allein der Landes-Obrig- keit, sondern auch andern von Adel, so damit berechtiget seyn, zustehe, und im gantzen Roͤmischen Reich dergestalt her- gebracht sey, bezeuget der Glorwuͤrdigste Chur-Fuͤrst Augustus zu Sachsen in ei- nem Rescript vom 10. Octobr. Anno 1584. in diesen Worten: Und aber in Krafft des uͤber viel undenckliche Zeiten im gan- tzen Roͤmischen Reich und Lan- den hergebrachtem verjaͤhrtem Gebrauche Niemand gebuͤhret, in zugerichteten und gehetzten Wildbahnen und Wildfuhren des Landes-Fuͤrsten oder an- dern, welche mit solchen Wild- fuhren berechtiget sind, zum Nachtheil zu jagen. ꝛc. Welches solenn e Zeugniß von der Wuͤr- ckung eines Geheges und Wildbahn, so aus des gantzen Teutschlandes verjaͤhr- ten Gewohnheit hergenommen, hieselbst allerdings zu attendir en, und also die Worte: mit Hagen und Jagden kei- nes weges auff das Nieder-Wildpraͤth zu ziehen. 10) Wird diese Generalitas Hagens und Jagens, und also die voͤllige Forst-Ge- rechtigkeit dadurch bestaͤrcket, daß in sol- chem Lehen-Brieff zugleich stehet: Mit allem Rechte und Gerech- tigkeit, hoͤhest und siedest ꝛc. Welches zwar sein Absehen auf die Ober- und Unter-Gerichte zu haben scheinet, es zeiget aber der Context, daß dieser Unterschied nicht bey den Worten Rich- ten oder Gerichten, sondern Gerechtig- keiten stehet, und darauff die Expres- sion: Mit allen Holten, Hagen, Ma- sten und Jagden ꝛc. folget, ist aus solchem Contextu gnug- sam zu ersehen, daß man keine Art von Jagden ausgeschlossen, oder dem Lehen- Herren reservir et wissen wollen; welches abermahl dadurch bekraͤfftiget wird, daß nach der gemeinen recipirt en Meynung, vom Anfange des vorigen Jahr-Hun- derts, die Jagden mit der Gerichtsbar- keit ihre bestaͤndige Connexitæt gehabt, wie solches bezeuget Knipsch. de Civit. Imp. L. 2. c. 7. num. 6. Sebastian. Medic. de Venat. qv. 2. p. 2. Zasius Vol. 2. Cons. 6. Dahe- ro auch von der verlohrnen Gerichts- barkeit auff das verlohrne Jagd-Recht ein Schluß gemachet worden. Ob nun gleich diese Sentenz heute zu Tage nicht approbir et wird, sondern k Jagden Anhang unterschiedener nuͤtzlicher Jagden und Gerichte voͤllig unterschie- den bleiben, so muͤssen doch solche Anno 1511. denen von J. gegebene alte Lehen- Briefe nach der damahliger Zeit recipir- t en gemeinen Meynung erklaͤhret, und also, da die hoͤchste und niedrigste Gerich- te, Gerechtigkeiten und alle Jagden zu- gelassen, solche voͤllig verstanden werden. 11. Wird ferner der Sensus solcher Lehn-Briefe, daß alle Jagden darinnen verstanden sind, aus dem Gebrauch und der Observanz bestaͤttiget, indem in Actis, insonderheit in der Deduction cap. 3. gnugsam ausgefuͤhret, daß von der Zeit an des ertheilten Lehn-Briefes die von J. auch der hohen Jagden bestaͤndig sich gebrauchet, und kein Zeuge verhanden, der es anders wisse, denn aus denen her- nach gefuͤhrten Handlungen wird bewie- sen, was in den vorhergehenden gesche- hen sey, und aus dem folgenden Ge- brauch pfleget die Erklaͤhrung der vor- hergehenden Concession hergehohlet zu werden. 12. Zu geschweigen, daß wenn obi- ges alles nicht waͤre, und die Generalitas des Jagens und Hetzens aus denen Inve- stitur- Briefen nicht am Tage laͤge, hie- selbst die verwaͤhrte Verjaͤhrung aller Jagden verhanden, welche von solcher Wuͤrckung, daß sie den besten Titul von der Welt giebt, und alle Regalia dadurch ohnstreitig ohne einigen andern Titul er- langet werden koͤnnen, daß aber die ver- waͤhrte Verjaͤhrung hieselbst verhanden sey, ist in der uͤbergebenen Deduction an Seiten des Herrn G. R. V. B. cap. 2. §. 4. ausfuͤhrlich und nach allen reqvisitis der- jenigen Verjaͤhrung gruͤndlich darge- than, und mit gnugsamen Rechten und Autoritæt bestaͤrcket, also daß es unnoͤ- thig, solche zu wiederhohlen, indem der kuͤnfftige Urthelsfasser daselbsten in allen Puncten voͤllige Satisfaction finden wird: Nur dieses einige ist hierbey in Obacht zu nehmen, daß, wie die Zeugen, so zu Beweisung der verwaͤhrten Verjaͤhrung produci ret werden, insonderheit aussa- gen muͤssen, Daß sie niemahls ein anders ge- sehen oder gehoͤret; und dieses von allen abgehoͤrten Zeugen ad Art. 19. bestaͤndig ausgesaget worden, also ist hingegen die Affirmativa, daß alte Leute verhanden seyn, so es vordem an- ders gesehen und gehoͤret, von dem Forst- Amt in Actis nicht einmahl angefuͤhret, vielweniger beygebracht, denn wie die probatio negativa sonst vor die schwereste, ja wohl vor unmuͤglich geachtet wird, L Asseveratio. 10. C. de Non num. pec. so waͤre hingegen die Probatio affirmativa dem Forst-Amt um so viel leichter gewesen, wenn es sich damit fortzukommen ge- trauet haͤtte, daß es Leute vor langen Zeiten anders gesehen und gehoͤret ha- ben: da es nun an solchem Gegenbeweiße in Act en ermangelt, so muß billig denen dißseits producirt en Zeugen glauben zu- gestellet werden, zumahlen da die gemei- ne Sage hieselbst ohnstreitig darzu koͤm̃t, und uͤberdem bekanten Rechtens, daß in alten Dingen die leichtesten Beweise gnug seyn, arg. L. 5. §. 6. ff. de Re milit. daß also auch ausser obgedachten deutlichen Lehen-Briefen ein bestaͤndiges Herbrin- gen der hohen Jagden von undencklichen Jahren nicht ferner mit Bestande Rech- tens gelaugnet werden kan, sondern sol- ches vor gnugsam erwiesen zu achten sey. Jst also nunmehr die Frage: Was in dieser Sache zu sprechen sey? Nun ist zwar aus denen Rechten be- kant, daß ein Urthel der Klage und denen Act en gemaͤß seyn muß, weil die richter- liche Macht sich uͤber dasjenige, als zum Process dienet, und solchergestalt dem aͤuserlichen Ansehen nach alleine uͤber den Besitz der Ober-Jagd zu erkennen seyn moͤgte, immaassen die uͤbergebene Dedu- ction- Schrifft hauptsaͤchlich auff das Pos- sessorium ordinarium eingerichtet wor- den. Jch bin aber der bestaͤndigen Mey- nung, daß die gantze Sache sowohl in Possessorio, als Petitorio auff einmahl wider das Forst-Amt zu Dannenberg definitive zu entscheiden sey. Denn ob wohl, was das Posses- sorium betrifft, annoch weitlaͤufftig von denen Rechts-Lehrern disputir et wird, ob ein Vasallus in Possessione vel qua- si derer Regali en, dahin heutiges Ta- ges die Ober-Jagden gezehlet wer- den, geschuͤtzet werden koͤnne, wie sie denn zu solchem Ende anfuͤhren, daß ein Besitzer der Regali en, ob er wohl eine Possess von undencklichen Jahren her vor sich anfuͤhret, dennoch wider einen Fuͤrsten in Possessorio nicht zu schuͤtzen ist, biß der Streit in Petitorio ausgemacht, denn die Possess, der die Rechte wieder- stehen, verdienet keinen Schutz, nun ist aber das Recht der Landesherrlichen Ho- heit der Possess der Regali en in Anse- hung der Unterthanen zuwider, und kan ein Landes-Fuͤrst sich derselben wi- der zur Jaͤgerey gehoͤrigen Materien. der einen jeden Privat- Besitzer anmaas- sen; Deshalben auch in Besitz der Re- galium kein blosses Possessorium wider einen Fuͤrsten zulaͤßig, sondern es muͤs- se das Possessorium Mixtum seyn, in wel- chem man zugleich ausfuͤhret, wie man darzu gekommen, und also auch einiger maassen sich zu dem Eigenthum auch mit bekuͤmmert; Wann aber hingegen die itzigen Acta angesehen werden, wird sich keinesweges befinden, daß hieselbst das blosse Possessorium angestellet, sondern alles dasjenige, was ad mixtum Posses- sorium jemahls referir et werden kan, mit allem Fleiß angefuͤhret und deducir et sey, indem der Titulus Concessionis des Fuͤrsten aus denen Investitur- Briefen nicht allein angezogen, sondern auch aus dem Sinne der Worte derselben Zeit dergestalt ausgefuͤhret, und mit der Pos- session von undencklichen Jahren be- staͤttiget, daß kein Zweiffel mehr uͤbrig seyn kan; Nun ist aber im bloßen Posses- sorio nur eine Bescheinigung des Tituli, nicht aber eine voͤllige Erweisung noͤthig, wie solches in dergleichen Fall von der Jurist en- Facult aͤt zu Franckfurth erkannt worden. Ferner ist hierbey vornehmlich in Be- trachtung zu ziehen, daß bey einem jeden Process ein Richter zu frieden seyn muß, wenn dergleichen Beweiß beygebracht, welchen der Gegner selbst verlanget hat, immaassen daher auch das Jurament, ob es wohl eigentlich zum Hauptwerck des Zeugniß gehoͤret, denen Zeugen gar er- lassen werden kan, und dennoch die Wuͤr- ckung hat, daß sie nichts destoweniger vollstaͤndig beweisen. Jngleichen kan auch der Beklagte sich erklaͤren, daß er mit eines Zeugniß wolle zufrieden seyn: Da nun dieser Process mit dem Fuͤrsten selbst gefuͤhret wird, so muß auch in dessen freyen Wil- len stehen, mit welcherley Beweiß oder Beybringung er sich vergnuͤ- gen wolle, daß ein Vasall bey den ho- hen Jagden geschuͤtzet werde. Denn wenn hier unter der Hoch-Fuͤrstlichen Intention ein Gnuͤge geschehen, so stehet denen Forst-Amts-Bedienten oder Con- sulent en nicht frey ein mehrers zum Be- weiß zu erfordern, als was von dem Fuͤrsten verlanget worden, wie denn auch ein Richter nach solchem selbstbeliebten Beweiß erkennen muß. Wenn nun er- wehnte Acta angesehen werden, so be- findet sich in der Fuͤrstlichen Resolution, so der so der gesammten Ritterschafft bey Untersuchung der Forst-Gerechtigkeit de Anno 1682. ertheilet worden. Daß sie, die von Adel, entweder Belehnungen und sonderbahre concessiones der hohen Jagden, oder aber einen rechtmaͤßigen Besitz, der von undencklichen Jahren hergebracht, beybrin- gen solten; Soviel aber insonderheit den Herrn V. B. betrifft, haben Jhro Hoch-Fuͤrstliche Durchlaucht. in Dero Gnaͤdigsten Re- script vom 30. Novemb. Anno 1696. ein mehrers zu beweisen nicht verlanget, als: Daß dieselbe oder die von J. auff denen benannten dreyen Feld- Marcken und Holtzungen der hohen Jagden hergebracht und zu exercir en befugt seyn; Wie solches auch bald Anfangs in die- sem Responso zum Fundament gesetzet worden, denn wenn der Grund, daß des Jagd-Recht von dem Lands-Fuͤrsten vollkommen verjaͤhrt ist, gnugsam be- wiesen, werden alle andere Zaͤnckereyen und Meynung der Doctor en vergeblich angefuͤhret. Soviel nun die Resolution de Ao. 1682. betrifft, ist die Alternativa daselbst mit klaren duͤrren Worten befindlich, daß nehmlich entweder eine Concession oder ein Besitz von undencklichen Jah- ren beygebracht werden soll; Nun ist aber hier beydes erfuͤllet, weil die Ver- guͤnstigung aus den Lehen-Brieffen und denen daselbst zusammen gesetzten Worten: Mit allen Holtzungen, Hagen, Masten und Jagden ꝛc. nicht geleugnet werden kan, wie solches oben zur Gnuͤge ausgefuͤhret. Das andere aber, nehmlich den Be- sitz von undencklichen Jahren her, betref- fend, ist zu mercken, daß hier nur allein der Besitz, nicht aber die Verjaͤhrung von undencklichen Jahren beyzubringen sey. Was aber vor ein Unterscheid sey zwischen dem Beweiß des Besitzes und der Verjaͤhrung, ist aus den gemeinen Rech- ten zur Gnuͤge bekant, indem der Besitz an und vor sich keine Verjaͤhrung ma- chet, sondern nur ein eintziges Requisitum der Verjaͤhrung mit sich fuͤhret, die uͤbri- gen aber, als Titulus, Bona fides, Res non vitiosa, darunter keinesweges begrif- fen seyn. k 2 Es Anhang unterschiedener nuͤtzlicher Es hindert auch nicht, daß in ge- dachter Resolution de Anno 1682. ein rechtmaͤssiger Besitz erfordert wird, wel- ches eine Verjaͤhrung zu inferir en schei- net, weil der rechtmaͤssige Besitz nur dem unrechtmaͤßigen Besitz entgegen ge- setzet wird, daß ers nicht mit Gewalt, noch heimlich, noch bittweise besessen hat, §. 4. Inst. de Interdict. L. 1. §. fin. \& L. 2. \& 3. pr. ff. Uti possid. Welche Fehler des Besitzes nicht vermuthet werden, wo- ferne sie nicht von dem Angebenden be- wiesen werden, daß sie in der That be- stehen. Und weil die Ritterschafft Ao. 1682. besorget, man moͤgte solche Worte: Rechtmaͤßiger Besitz, auff eine ordent- liche Verjaͤhrung ziehen wollen, seynd selbe auff ihre Instanz ausgelassen, und an statt dessen die Worte: des rechtmaͤs- sigen Herbringens, gesetzet worden, daß also daraus offenbahr, daß keine Verjaͤhrung, sondern ein einfacher Be- sitz oder ein Herbringen der Ritterschafft zu beweisen obgelegen. Muß also sol- chergestalt alles dahin fallen, was wegen der nicht gnugsam bewiesenen undenckli- chen Verjaͤhrung urgir et werden mag, weil der Beweiß der undencklichen Ver- jaͤhrung niemahls aufferleget, sondern nur der undenckliche Besitz, das Her- bringen, daran es um so viel weniger ermangelt, weil zum Uberfluß die Ver- jaͤhrung selbst in der Deduction ausfuͤhr- lich durch alle Requisita demonstrir et und erwiesen worden. Drittens ist auch hiebey ferner zu considerir en, daß kein ordentlicher Be- weiß, sondern nur ein Beybringen des Besitzes von undencklichen Jahren in der Resolution de Anno 1682. von der Ritterschafft erfordert worden, welche mit einander nicht zu confundir en, son- dern von einem vernuͤnfftigen Richter bey Verfassung des Urthels mit Fleiß zu separir en sind. Denn diejenigen irren sich, die dieses mit einander vermischen, denn es kan ein Richter und also noch vielmehr der, den die Sache angehet, zu Vermeidung der Weitlaͤufftigkeiten den ordentlichen Beweiß verkuͤrtzen, und ihn in die Beybringung oder Bescheini- gung verwandeln, diese Beybringung aber ist nur eine summari sche Erweisung des einem zustehenden Rechts. Bey welcher Bewandniß kein Judex mehr zweiffeln kan, daß der Gnaͤdigsten In- tention des Landes-Herrn durch den ge- fuͤhrten Beweiß in Possessorio ordina- rio, ob zwar nicht in simplici, sondern mi- xto, ein voͤlliges Gnuͤge geschehen, und hierinnen vor den H. G. R. V. B. zu er- kennen sey. Weil aber hiernechst das Forst-Amt selbst in Actis und zwar in denen Erin- nerungen auff die Deduction- Schrifft n. 4. zugestehen muß, daß die Possesso- ria mixta zu dem Petitorio den Weg bah- nen, und auff keine andere Art und Weise sonst darzu zu gelangen ist, wie denn solches an sich gegruͤndet wird, auch man sowohl die Vergoͤnstigung, als die Possess von undencklichen Jahren her zur Gnuͤge dargethan, und sonst Rechtens, daß, wenn das Petitorium ausgemacht, man daruͤber sprechen muͤsse, indem eben hierdurch das Possessorium getilget wer- de, zumahl da ohnedem die heilsame Clau- sul der Deduction- Schrifft angehaͤnget, welche von solcher Wuͤrckung, daß der Richter dasjenige rechtliche Huͤlffs-Mit- tel, welches dem Klaͤger am beqvemsten, vor ihn zu erwehlen verbunden ist. So bin daher der bestaͤndigen Mey- nung, daß auch zugleich in Petitorio zu erkennen, und der H. G. R. V. B. bey dem Befugniß der Ober-Jagd-Gerechtigkeit wider das Fuͤrstliche Forst-Amt defini- tive zu schuͤtzen sey, welches ich denen Rechten und Act en gemaͤß zu seyn, je- doch vernuͤnfftiger Leute Meynung unbe- schadet, mit meiner Hand und Petschafft bezeuge. SAMVELIS STRYKII Consilium. Jnhalt. Von dem Recht die Bauern anzuhalten, daß sie ihre Hunde kloͤppeln. D Emnach mein rechtlich Bedencken uͤ- ber diese Frage verlangt worden: Ob ein Chur-Brandenburgischer Edel- mann, welcher sowohl mit Ober- und Nieder-Jagden, als auch mit Ober- und Nieder-Gerichten belehnet ist, seinen Un- terthanen zur Jaͤgerey gehoͤrigen Materien. terthanen wider das Herkommen, daß sie ihren Hunden Knuͤttel anlegen sollen, bey Strafe anzubefehlen berechtiget sey? So halte noch fleissiger Erwegung der Sache folgendes in Rechten gegruͤndet zu seyn, daß zwar hierinnen kein Zweiffel, wie derjenige, welchem die Forstliche O- brigkeit zustehet, alles dasjenige, was zu Schmaͤhlerung der Jagden einiger Maassen gereichen mag, wohl verbiethen, deshalber gewisse Forst-Ordnungen ma- chen, und denen Unterthanen sich dersel- ben gemaͤß zu verhalten injungir en koͤn- ne; Myler. ab Ehrenbach. de Princip. \& Stat. Imp. Part. 2. c. 73. Davon auch zugleich dieses dependir et, daß denen Unterthanen wohl auferleget werden kan, ihre Hunde zu bengeln, oder denselben Knuͤttel anzuhaͤngen, damit sie das Wild nicht verfolgen koͤnnen; Noe Meurer. vom Forst- und Jagd- Recht, Part. 7. p. 166. Wie denn auch zu solchem Ende bereits in vorigem Seculo Chur-Fuͤrst Joachim Friedrich, hoͤchstseel. Andenckens, in der anno 1599. publicirt en Jagd- und Holtz- Ordnung, Tit. 5. von den Hunden der- gleichen Verordnung gemacht, mit fol- genden Worten: Es soll auch, es sey von Adel, Buͤrger, Bauer, Schaͤfer, Hirte, oder Muͤller, seine Hunde le- dig in die Heide nicht lauffen, sondern ein Jeder den Hunden Pruͤgel, oder Knuͤttel, zwey Schuh lang, anbinden, oder dieselben an Stricken fuͤhren lassen. Welche Verordnung von Chur- Fuͤrsten Georg Wilhelm 1620. fast mit eben den Worten in der damahls pu- blicirt en Holtz-Ordnung wiederholet worden. Gleichergestalt hat durch ein absonderlich Rescript vom 8. Iunii 1616. der Glorwuͤrdigste Chur-Fuͤrst Friedrich Wilhelm, daß alle und jede Amts-Unter- thanen, sonderlich in den Gehegen und Wildbahnen ihren Hunden Knittel vor den Fuß anhaͤngen sollen, ernstlich befoh- len; Derogleichen Verordnung auch im Lande Braunschweig verhanden, daß die Hunde Knittel von fuͤnfftehalb Viertel lang anhaben sollen. Siehe das gemeine Ausschreiben vom 25. Julii 1564. welches vom Hertzog Henrico Julio in der Forst- und Holtz-Ordnung §. 23. generaliter verordnet. So wohl was die Hunde in den Staͤdten und Doͤrfern betrifft, Fritsch. Corpus Jur. Ve- nat. Forest. Part. 3. p. 134. \& 138. Und dieses ebener maassen in der Fuͤrst- lichen Heßischen Jagd-Ordnung vom 15. Jan. 1624. auf solche Weise befohlen. Siehe Fritsch. d. Part. 3. fol. 191. Es will aber hieraus ein Zweifel entste- hen, ob diese Macht zu befehlen der Landesherrlichen Hoheit allein zustehe, oder ob ein Jeder, welcher sonst mit allen Gerichten und Jagd-Rechten belehnet, solches gleichergestalt den Unterthanen bey Strafe aufzuerlegen, berechtiget sey? Und findet sich zwar bey denen Rechts-Lehrern, daß sie mehrentheils die- ses der Landesherrlichen Hoheit beylegen, zumahl es zu den Forst-Ordnungen ge- hoͤret, welche Macht, Gesetze zu geben, dem Landes-Herrn allein zustehet. Besold. Thes. Pract. sub voce: Wild- bahn. Wann aber hingegen erwogen wird, daß (1) die von einem Landes-Herrn beschehe- ne Belehnung mit denen Jagden und Gerichten in ihrer voͤlligen Krafft und Wuͤrckung zu verstehen sey, und die Landesherrlichen Gnaden-Ertheilungen in sehr weitlaͤufftigem Verstande anzu- nehmen und zu erklaͤhren; L. 3. de Constit. Princip. auch also einem dergestalt belehnten Edel- mann das Recht zugestanden werden muß, alles, so der Jagd hinderlich, zu verbiethen und zu verwehren, weil er sich sonst dieses Rechts nicht gebrauchen koͤnte. Arg. L. 2. ff. de Jurisdict. (3) Und denen Jagden durch nichts mehr Schaden zugefuͤget werden kan, als wenn deren Unterthanen frey bleiben solte, Hunde nach Belieben zu halten, und sol- che ungehindert mitzunehmen, als wo- durch das junge Wildpraͤth getoͤdtet, das andere aber verjaget wird. Ferner auch (4) ein Vasalle in der Ausuͤbung des Rechts, damit er aus- druͤcklich belehnet ist, von dem Lehn- oder Landes-Herrn selbst nicht beeintraͤch- tiget werden kan, so lange er in Schran- cken bleibet, und seines Rechtes nicht mißbrauchet. Wie denn die DD. da- hin einmuͤthig schliessen, daß nicht nur die Gerichtsbarkeit dem Vasall en von dem Landes-Herrn so uͤbergeben, daß er denselben darinnen gar nicht turbir en koͤnne; Carpz. Part. 2. Constit. 27. Def. 11. n. 2. Franzk. Lib. I. Resolut. 18. num. 11. k 3 Son- Anhang unterschiedener nuͤtzlicher Sondern daß es auch mit dem Jagd- Recht eine gleiche Bewandniß habe; Zumahl da ein Lehn-Herr Krafft seines ertheilten Lehn-Briefes den Vasallen bey denen ihnen verliehenen Rechten wie- der unmuͤglich zu schuͤtzen verbunden; 2. Feud. 8. princip. Vielweniger ist derer Vasall en Unter- thanen eine solche Freyheit zu verstatten, dadurch die Obrigkeit in der Ausuͤbung ihres durch die Belehnung erlangten Rechts turbir et wird, weil diese der Ade- lichen Obrigkeit Krafft ihres geleisteten Eydes zu allen billigen Gehorsam ver- bunden sind. (6) Und kein Zweiffel, daß auch eine Unter-Obrigkeit, sowohl zur Beschuͤtzung der Gerichtsbarkeit, als eines andern rechtmaͤßiger Weise uͤberkommenen Rechts, denenjenigen, so der Bothmaͤßigkeit unterworffen, bey Androhung einer gewissen Straffe et- was verbiethen koͤnnen, L. 1. §. Cura carnis. ff. de Offic. Præf. urb. wie dergleichẽ in einem andern Fall Carpz. p. 2. Constit. 4. def. 13. berichtet. (7) Auch koͤnnen die Unterthanen dawieder keine Possess der Freyheit an- fuͤhren, daß nemlich die vorigen Besitzer des Adelichen Gutes ihnen dergleichen nicht angemuthet, daß sie ihren Hun- den Knuͤttel anlegen solten, immaassen einem Nachfolger besonders einem son- derbahren, nicht schaͤdlich seyn kan, wie weit ein Vorgaͤnger sich seines Rechts ge- brauchen wollen, oder nicht, sondern es ist dieses vor eine willkuͤhrliche Sache zu achten, die man thun und lassen kan, welche niemahls verjaͤhret werden mag; Klock. Vol. 2. Cons. 41. n. 201. Und koͤnnen die Unterthanen keine ge- genseitige Possess daraus zwingen, denn bey dergleichen Handlungen kan keine Possess angefuͤhret werden; Covarruv. in cap. possessor. p. 2. §. 4. n. 6. Menoch. de A. J. Q. lib. 2. cas. 160. num. 8. sequ. Und daher koͤnnen sie auch nicht einmahl Ansuchung thun, daß sie in dem Pos- sessorio geschuͤtzet werden moͤgten; Da zumahl (8) die Unterthanen nicht beyge- bracht, daß die vorigen von Adel, so die- se Guͤter besessen, dergleichen Hunde- Bengelung ihnen angemuthet, sie den- selben wiedersprochen und der Edelmann sich darbey beruhiget, denn in solchen Sachen kan erstlich eine contraire Possess angefuͤhret werden, wenn einer dem an- dern wiedersprochen und der andere hat dazu stille geschwiegen; Grotius de Jure B. \& P. Lib. 2. cap. 4. n. 15. (9) Hiernechst auch denn Unterthanen hiedurch kein Schade zugefuͤget wird, immaassen ihnen Hunde zu halten nur zu dem Ende frey gelassen ist, damit sie solche zur Sicherheit ihrer Hoͤfe gebrau- chen koͤnnen, nicht aber, daß sie sich der- selben auf freyem Felde bedienen moͤgen, wie denn auch durch Anlegung des Knuͤt- tels die Hunde nicht getoͤdtet oder sonst zu des Bauern Nutzen, welcher in Be- wahrung seines Hofes bestehet, un- brauchbar gemacht werden, sondern es wird nur hierdurch die Gelegenheit be- nommen, daß sie dem jungen Wilde kei- nen Schaden zufuͤgen koͤnnen, daher hier billig die bekante Rechts-Regul statt finden muß: Was dir nicht schadet, ei- nem andern aber nutzet, dazu kanst du mit Recht angehalten werden. L. 2. §. 5. ff. de Aqu. \& aqu. pluv. arcend. (10) Endlich auch die hieselbst nebst den Jagden concurriren de Ober-Gerichte ein unstreitiges Recht, die Delinquent en in Ansehung der Jagd auf den Feldern, die ihrer Gerichtsbarkeit unterworffen, zu bestraffen, mit sich fuͤhret, und dannen- hero, was der Landes-Obrigkeit in An- sehung der Landesherrlichen Hoheit zu Conservir ung der ihr reservirt en Jagden zustehet, nemlich alle Jagd-Hindernis- se aus dem Wege zu raͤumen, dahin die- se Verknuͤppelung der Hunde gehoͤret, und die dawieder handelnde Verbrecher zu bestrafen, solches zwar nicht in der Hoheit, als dem Landes-Fuͤrsten, jedoch in seiner Ordnung und Maasse, damit dem Landes-Fuͤrsten seiner Landesherr- lichen Hoheit unverletzt bleibe, einem E- delmann wegen seiner ihme verliehenen Jagden und Gerichten, nicht versaget werden kan, sintemahl ihm das Befug- niß zustehet, seines Lehns und aller darauf hafftenden Rechte zu genuͤssen und zu ge- brauchen, dafern er nur nichts zu des Lehn-Herrns Schaden thut, 2. Feud. 8. \& 18. So erscheinet hieraus zur Gnuͤge, daß ein Edelmann in der Marck Branden- burg, welcher mit denen Ober-Gerich- ten und Jagden beliehen ist, seinen Un- terthanen, daß sie ihren auf das Feld mit sich nehmenden Hunden Knuͤttel an- legen sollen, bey Straffe anzubefehlen, wohl befugt sey. LYNCKE- zur Jaͤgerey gehoͤrigen Materien. LYNCKERI Decisio M CCCLVI. Jnhalt. Was die Wald-Miethe und dergleichen Cammer-Einkuͤnffte in den Concur- s en vor eine Stelle uͤberkommen. O B wohl der Cammer- Fiscal die Wald-Miethe in dem Concurs in die erste Classe referirt haben will, die- weil die Waldung Part. 1. cap. 18. der Fuͤrstlichen Gothaischen Ordnung, §. 7. des Landes Schatz genennet wird; So ist doch daraus ein solcher Schluß nicht zu ziehen. Und ist dergleichen Wald- Miethe kein Tribut, so auf der Untertha- nen Guͤtern hafftet, sondern ein Ein- kommen des Fisci, welcher nur ein still- schweigend Unterpfand mit einem Privi- legio hat, wie alle andere Herrschafftli- che und Kammer-Gefaͤlle, die auf des Schuldners Guͤtern nicht hafften, daher gehen sie zwar des Weibes Heyraths- Gut vor, wann die Posten vor dem ein- gebrachten Gut mit der Cammer con- trahirt worden; Jm Gegentheil aber und wann solches nachhero geschehen, hat das Weib den Vorzug, weil dieselbe nicht nur eine schlechte erstere Verpfaͤndung, welche sonst der Fiscus in dem nach sei- nem Credit erlangten Guͤtern zuruͤck treibet, sondern eine Hypothec mit dem Privilegio hat; Jn welcher Classe derer Hypothecariorum cum Privilegio die Ordnung nach der Zeit statt findet. Argentorat. Consil. LXXXVIII. Vol. I. Frage: D Jeweil das Urthel allein Fuͤchse, Hase, und dergleichen zu fahen zugiebt, ob solches auch auf die Rehe extendiret und verstanden werden moͤge? Darauf gebe ich nachfolgende Antwort, daß kein Urthel weiter extendir et oder weitlaͤufftiger verstanden werden mag, denn soviel die Worte, darinnen begrif- fen, mit sich bringen, denn ein jedes Ur- thel ist eines eingeschrenckten Rechtens, und also moͤgten in Krafft mehr gemeld- tes Urthels, so allein von Fuͤchsen und Hasen Meldung thut, der Verstand desselben auf die Rehe nicht gezogen, noch extendirt werden. Denn man muß die Worte eines Urthels auslegen, wie sie klingen, und uͤber ihren Jnhalt nicht extendir en, L. 1. C. Si plus una sentent. Und muß man nicht mehr daraus zie- hen, denn mit Recht gefolget werden kan. Und hieraus wuͤrde nun folgen, daß man der Rehe halber in Petitorio nichts sonders wohl befugt waͤre. Dieweil ich aber darneben soviel im Bericht vernommen, daß man, unan- gesehen angeregter ergangenen Urtheile, nichts destoweniger vor und nach densel- ben Urtheln von zehen, zwantzig, dreys- sig, viertzig, funfftzig und mehr Jahren her, die Rehe zu fangen, in ruhigem un- perturbirt em Besitz vel quasi allwege ge- wesen, und noch, daß auch dasselbe nicht heimlich, sondern oͤffentlich, und dem Herrn Grafen zu W. nicht unbewust, geschehen sey, sondern, daß sie auch et- wan selbst dazu kommen, solches aber weder mit, noch ohne Recht, jemahs an- zufechten unterstanden, biß auff gegen- waͤrtige Zeit, welches alles im Fall der Nothdurfft zu beweisen. So halte ich bey mir endlich dafuͤr, daß vermoͤge der Rechten die S. von St. befugt seyn, sich selbst, auff das beste sie immer moͤgen, in solchem ihrem herge- brachtem ruhigen Besitz zu handhaben, und sich daraus mit nichten anders, denn mit Recht treiben zu lassen, und daß also sie, die S. Rehe zu fahen, in Possessorio gantz wohl gegruͤndet, und es von den Herrn Grafen gantz und gar vor kei- ne Neuerung bestaͤndiglich angezogen werden moͤge. Denn der sein Recht ver- folgt, es fortsetzt, und erhaͤlt, verneuert nichts, sondern alles, was er thut, ge- schicht zur Beschuͤtzung und Erhaltung seines Rechts. Und ist auch Niemand verbunden, wegen einigen geschehenen Widerspruchs, oder eingewandten Ap- pellation sich seines Rechts zu begeben, und die Possess fahren zu lassen; Denn diß wuͤrde thoͤricht gehandelt seyn, und wer sich seines Rechts bedienet, thut Nie- mand hiedurch etwas zu leyde. So Anhang unterschiedener nuͤtzlicher So ist auch jederzeit die rechtliche Ver- muthung wider denjenigen, der einen andern in seinem ruhigen Besitz zu be- unruhigen unterstehet. Denn man ver- muthet allezeit von dem Besitzer, daß er das Seinige rechtmaͤßiger Weise besitze, und nicht einem andern Eingriff thue, insonderheit wenn er zu Anfang des Processes in ruhiger und rechtmaͤßiger Possess gewesen. Daher pflegt man auch zu sagen, daß Niemand den bekanten Rechten nach schuldig sey, die Ursach sei- ner Possess anzugeben. Aus welchem allen bey dieser Frage schluͤßlich folget, daß die Herrn S. ihres hergebrachten Besitzes, Possession, vel qvasi, die Re- he zu fahen, befugt, und daraus ohne Recht nicht getrieben werden sollen, sich auch darbey wohl handhaben moͤgen. Und ist also diese Frage gaͤntzlich re- solvirt. MATTHIÆ BERLICHII Decisio CCLI. Jnhalt. Ob und wie weit nach dem Verstande der Landes-Ordnung/ Tit. daß kei- ner auf des andern Grund und Boden jagen solle; Das Jagd-Recht auf frembden Guͤtern durch die Verjaͤhrung erlangt werden kan? J n der Landes-Ordnung, Tit. daß keiner auf des andern Grund und Boden ꝛc. pag. 77. wird gesagt, daß ein Jeglicher mit jagen, hetzen und Wey- dewerck zu treiben auf sein und seiner Leute Eigenthum bleiben, und eines an- dern Guͤter damit nicht beruͤhren solle, ungeacht einiges Fuͤrwenden, daß es an- ders hergebracht und im Gebrauch gehal- ten, alles bey Poen hundert Guͤlden, so offt eines gegen den andern dißfalls vor- gebracht. Es wurde gezweifelt, von wel- chem Eigenthum diß wohl zu verstehen waͤre, ob von dem Ober-Eigenthum, und nutzbaꝛen zugleich, welches einem auf seinen und seiner Unterthanen Guͤtern zustehet, oder nur von dem Ober-Eigen- thum, welches einer auf etzlichen Guͤtern hat, einem andern von Adel aber auf denselben das nutzbare Eigenthum zu- kommt, so, daß der andere Edelmann, der das nutzbare Eigenthum hat, nichts destoweniger auf denselben jagen und das Jagd- Regal durch Verjaͤhrung erlangen koͤnne. Das erstere scheinet zu behaupten zu seyn, weil das Eigenthum eines Gutes von der Gerichtsbarkeit sehr unterschie- den ist. So ist solches noch mehr in die- sem Fall zu erkennen, weil in der Lan- des-Ordnung gesagt wird, daß einer auf seinem und seiner Leute Eigenthum ja- gen koͤnne. Es werden aber eigenthuͤm- liche Guͤter diejenigen genennet, die einer besitzt und von denen man Revenu en zie- het, ob man sie schon von einem andern als ein Lehn erkennet. Schneidevvin. §. Ferc. Inst. de R. D. \& A. R. D. Es haben aber die Leipziger Rechtsge- lehrten auff Anfrage H. von S. im Mo- nat Septembr. anno 1623. folgender Ge- stalt gesprochen: Habt ihr und eure Vorfahren auf obgedachtem Werther uͤber rechtsverwehrte Zeit euch der Jag- den gebrauchet, welche euch aber der H. Herr G. zu S. anjetzo in Streit zu zie- hen sich unterfangen. Ob nun wohl die vorerwehnten Vertraͤge und darauff vorbehaltene Gerichte der Wichtigkeit nicht seyn, daß ihr darunter hiebevor ge- habten Jagd entsetzet werden koͤntet: Dennoch aber und dieweil aus dem in mehrerwehnten Vertraͤgen vermerckte Reservat, daß nehmlich die Anlagen des Werthers euch ohne Entgeld nicht fol- gen, sondern nach Anzahl der Aecker verzinset werden sollen, soviel zu schluͤs- sen, daß Hochgedachter Herr Graf ihm das Dominium directum daran vorbe- halten, und vermoͤge Chur-Fuͤrstlicher Saͤchßischer Landes-Ordnung Niemand auff des andern Grund und Boden, ungeachtet, da es auch gleich anders Her- kommens, zu jagen befugt ist; So blei- bet es auch dabey allenthalben billich, und ihr seyd euch des Jagens auf mehr besagtem Werther, dessen Anlagen und Zubehoͤrungen zu enthalten schuldig. V. R. W. Denn derselbige Graf hat nicht nur das Dominium directum, welches staͤrcker ist, denn das nutzbahre, und diesem billig vorgezogen wird, son- dern zur Jaͤgerey gehoͤrigen Materien. dern es wird auch unter einer ungewis- sen Benennung des Dominii das dire- ctum verstanden; Dem das nutzbare Ei- genthum zustehet, koͤmmt das Jagd- Recht nicht zu, weil es bloß den Eigen- thuͤmern gehoͤrig. Und ob schon bey demselben Fall, da der Ober-Eigenthums- oder Landes-Herr mit dem Besitzer des Lehn-Gutes concurrirt, das Jagd-Recht dem Besitzer zuerkannt worden, so hat doch dieses nur bey dem Besitzer des Lehn-Gutes statt, Petr. Heig. Quæst. 15. n. 54. sub. fin. part. 1. und wird sonder Zwei- fel limitirt, wenn nicht durch ein statu- tum oder Landes-Fuͤrstliche Verordnung etwas anders ausgemacht. Daß aber in der Landes-Ordnung in dem Titul: Daß keiner auff des andern Grund und Boden ꝛc. etwas anders disponirt, erhellet aus dem Worte: Gerichten, da es heist, daß einer dem andern auf sein und seiner Leute Gerichten, Guͤ- tern, Grund und Boden zu jagen ꝛc. sich gaͤntzlich enthalten solle, so, daß einem sowohl auf eines andern Grund und Boden, als auch auff eines andern Gerichten zu jagen verwehret. Aus der vorhergehenden Clausul der Gerichte sind die folgenden Puncte der Ordnung, da das Woͤrtgen: Gerichte, ausgelassen, zu erklaͤren und zu ergaͤntzen, indem die vorhergehende Clausul von groͤsserer Krafft und Wuͤrckung ist, das folgende zu erklaͤren, als wenn sich das folgende auf das vorhergehende beziehen soll. Da zumahl die folgende Ordnung Chur- Fuͤrstens Augusti sich mit deutlichen Wor- ten auff die vorhergehende Clausul be- ziehet, und des Mauritii Verordnung er- leutert. LYNCKERI Decisio DLXV . Jnhalt. Wer behauptet, daß das Jagd-Recht allodial sey, muß es beweisen, und wenn die Vermuthung vors Allodium nichts hilfft. V Enturius kaufft von Alacrio dessen dritten Theil Jagden, deren zwey Drittel des Alacrii Stamm-Verwandte besitzen, diese wiedersprechen dem Kauff, geraͤth auch endlich zur Klage, und wer- den die Vettern in possessorio geschuͤtzt. Venturius aber zum Petitorio, und hier- innen zum Beweiß verwiesen, daß die Jagden ohne Requisita einer Veraͤusse- rung einer Lehn-Sache haben veraͤussert werden koͤnnen, und ein Allodium seyn. Wiewohl nun Venturius diesen Spruch vor widerrechtlich haͤlt, weil ein jedwe- des Gut und Recht vor frey zu halten, L. 9. C. de Servit. \& aq. und man glaubet allezeit eher, daß es ein Allodial, als Lehn-Stuͤcke sey, Carpz. 1. Resp. 81. num. 1. weil die Beschaffenheit des Lehnes von menschlicher Disposition herruͤhrt, II. Feud. 26. §. Filius. und man vermuthet allezeit eher, daß einer eine Sache in seinem eigenen, denn in einem frembden Namen besitze, der Jagden auch in den Lehn-Briefen uͤber die Guͤter nicht gedacht, und doch muß der Zustand des Lehns vornehmlich aus der Belehnung erkannt werden, Alvarot. II. F. I. pr. n. 4. gestalt auch solchen dritten Theil ein Va- sall dem jetzigen Verkaͤuffer, von dem sol- chen Venturius erlanget, gantz frey ei- gen verkaufft; Dahero zu vermuthen, daß er desselben Qualit aͤt wohl inne ge- habt. Dieweil aber hingegen die Vasall en in Possessorio obtinirt, und die Præsum- tion, welche in Petitorio der Klaͤger pro allodio zu haben vermeynet, durch con- traire Muthmassungen geschwaͤchet wird, dergleichen auch ist, wenn entweder das groͤste Stuͤcke oder das gantze Gut Lehn ist, Menoch. 2. Præsumpt. 191. n. 64. zumahl, wenn man sich nicht mehr be- sinnen kan, daß jemahls eine solche Sa- che von dem Lehn-Gute abgesondert ge- wesen; Die Jagden auch der Universi- tati eines Gutes anzuhaͤngen und dem Gerichts-Herrn zu folgen pflegen; Knichen. de Jur. Territ. c. 5. num. 297. Auch insgemein ohne Investitur, und Verleyhung Niemand zustehen, Gail. 2. O. 66. Jm uͤbrigen die blosse Assertion des einen Agnat en, so zu dessen Vortheil geschehen, l denen Anhang unterschiedener nuͤtzlicher denen andern ohne Præjudiz seyn muß, und die Erklaͤhrung des Lehn-Briefes nach dem Herbringen oder Observanz zu machen ist; So wird bey dergleichen Beschaffen- heit demjenigen, der behauptet, daß das Jagd-Recht Allodial sey, der Beweiß billich aufferlegt, Berlich. 2. Decis. 178. num. 26. und mag er dißfalls mit der blossen Ver- muthung vor das Allodium, bevorab solchem asserto von Anfang wiederspro- chen worden, sich nicht behelffen. Consilium BENEDICTI CARPZOVII Jnhalt. Es kan auch in dem Saͤchsischen die Jagd-Gerechtigkeit auff frembdem Grund und Boden durch die Verjaͤhrung einer undencklichen Zeit er- langet werden. A Nfaͤnglich ist es nicht gantz ausser allem Zweiffel wegen der Verord- nung Chur-Fuͤrstens Augusti de Anno 1555. Tit. daß keiner auff des andern Grund und Boden jagen, hetzen, Huͤner fahen, oder ander Weydwerck trei- ben soll. §. So wollen wir: Bey den Worten: Daß ein Jeder mit Jagen, Hetzen und Weydwerck zu treiben, auff seinen und seiner Leute Eigenthum ver- bleiben, und eines andern Guͤter damit nicht beruͤhren soll, ungeachtet einiges Fuͤrwendens, daß es anders hergebracht, und im Brauch gehalten ꝛc. Daher koͤnt einer ziemlich mit Raison schluͤssen, daß auch nicht einmahl in einer undenck- lichen Zeit die Jagden auff frembdem Grund und Boden verjaͤhret wuͤrden. Da aber gantz sonnenklahr ist, daß die Jagden heutiges Tages unter die Re- gali en gezehlet werden muͤssen, so kan nicht absehen, welche Raison verhindern solte, daß nicht einer auch auff frembdem Grund und Boden durch die Verjaͤh- rung einer undencklichen Zeit die Jagden uͤberkommen koͤnte, als in welcheꝛ auch die Fuͤrstlichen Rechte oder die Regali en ver- jaͤhret werden. Es ist auch offt ange- fuͤhrte Landes-Ordnung, daß keiner auff des andern Grund und Boden ꝛc. nicht im Wege, als welche sich nur auf die Verjaͤhrung der Saͤchsischen Rechte, nehmlich der dreyßig Jahre, Jahr und Tag erstreckt, aber auff die Verjaͤhrung einer undencklichen Zeit nicht zu extendi- r en ist, indem sie durch allgemeine Wor- te, die eine Verjaͤhrung ausschluͤssen, niemahls gehoben wird. Jngleichen ist folgender gestalt gesprochen worden in Sachen Jobst Christoph von Feilitzsch im Augusto Anno 1603. Dieweil in der Chur-Fuͤrstlich Saͤchsischen Landes- Ordnung ausdruͤcklich versehen, daß kei- ner auff eines andern ausserhalb seiner Unterthanen eigenthuͤmlichen Guͤtern, darunter er keine gemengte Guͤter hat, der Jagd oder des Weydewercks mit Huͤnerfahen sich gebrauchen soll, so seyd ihr euch auff Vollrath von Wezdorf eigenthuͤmlichen Guͤtern zu Reutha be- ruͤhrter Jagd und Weydewercks-Ge- rechtigkeit wider seinen Willen anzu- maassen nicht befugt: Jhr koͤntet denn mit Recht darthun und beweisen, daß eurem Bericht nach ihr und eure Vor- fahren uͤber Menschen Gedencken euch der Fuchs- und Hasen-Jagd, desglei- chen des Weydewercks mit Huͤnerfa- hen auff gedachten von Wezdorfs Guͤ- tern ohne maͤnniglicher, sonderlich aber aller vorigen Besitzer und Jnnhabere ob- bemeldten Guts Reuthe Verhinderung und Einhalt gebrauchet, das genoͤsset ihr auff solchen Fall billich. V. R. W. Consilium BENEDICTI CARPZOVII Jnhalt. Die besonders einem concedirt en Jagd-Rechte gehen nicht verlohren, wenn man solche gleich in einer sehr lange Zeit nicht gebraucht, wenn man nehm- lich nicht Gelegenheit gehabt, die Jagd zu exercir en. D Aß durch den Nicht-Gebrauch ei- ner sehr langen Zeit, nehmlich 30. Jahre, Jahr und Tag in dem Saͤchsi- schen die einer Privat- Person besonders vergoͤnnte zur Jaͤgerey gehoͤrigen Materien. vergoͤnnte Gerechtigkeit und Freyheit zu jagen verlohren gehe, kan demjenigen nicht zweiffelhafft vorkommen, der be- dencket, daß ordentlicher Weise ein Privi- legium, darinnen einem ein Befugniß zu etwas ertheilet wird, durch die Verjaͤh- rung verlohren gehe, l. 1. ff. de Nund. Die- ses ist aber nicht anders anzunehmen, als wenn die Zeit der Verjaͤhrung ver- strichen, denn von der Zeit an, da man es fuͤglich gebrauchen koͤnnen, es aber doch nicht gethan, rechnet man es; Denn, wenn in Waͤldern kein Wild angetrof- fen, noch gesehen worden, und sich einer nicht in veꝛgebliche Unkosten setzen wollen, so waͤre gewiß sehr hart und unbillich, wenn man ihm deswegen sein Jagd- Recht entziehen wolte. Wo keine Nach- laͤssigkeit begangen worden, kan sie auch nicht gestrafft werden, und dem, der nicht im Stande ist zu klagen, laͤufft keine Verjaͤhrung, L. 1. C. de Annal. Ex- cept. Daher koͤmmts auch, daß die Dienstbarkeit auf frembdem Grund und Boden Wasser zu schoͤpffen nicht verloh- ren gehet, wenn der Brunnen ausge- trocknet und sich einer der Dienstbarkeit nicht gebrauchen moͤgen. Wenn auch gleich der Drittmann auf dem Grund- Stuͤcke eines, der damit privilegirt ist, die Jagd eine undenckliche Zeit uͤber exer- ciret, so kan dennoch dem Besitzer das Jagd-Recht nicht so entzogen werden, daß es der andere durch die Verjaͤh- rung einer undencklichen Zeit erlangen koͤnte. Also ist gesprochen worden in Sa- chen Matthia Hartlebens zu Schlaitz im Monat April. Anno 1573. Jst einer von Adel sam̃t seinen Vorfahren mit ei- nem Vorwercke und desselben Zubehoͤ- rungen beliehen, und ihm auf solchen Guͤtern alle Jagd, als Hirsche, Hinden, Schweine und Rehe zu jagen, verschrie- ben worden; Ob nun gleich gedachter von Adel auf solchen seinen Guͤtern in- nerhalb zwey und dreyßig Jahren keine Hirsche gefangen, sich auch solcher Jagd, aus Ursachen, daß vor etzlichen Jahren der Oerter gar selten Hirsche gesehen worden, nicht anmaassen und gebrau- chen koͤnnen; So ist ihm dennoch dero- wegen nicht benommen, sich auf gemeld- ten Guͤtern, darauf ihm der nutzbarli- che Eigenthum zustaͤndig, der verschrie- benen Hirsch- und andern Jagd noch- mahls zu gebrauchen: Es waͤre denn Sache, daß Jemand anders die Gerech- tigkeit solcher Jagd durch eine bestaͤndige Verjaͤhrung, oder sonst erlanget, und an sich gebracht, auf den Fall haͤtte ob- gemeldter von Adel demselben zu Nach- theil und Abbruch seines erlangten Rechts sich nunmehro solcher Hirsch- Jagd anzumaassen nicht Fug. V. R. W. FINCKELTHAVSII Observatio XLI. Jnhalt. Wenn ein Landes-Herr seine Vasall en mit aller und jeder Gerechtigkeit, in- gleichen mit Jagden belehnet, ob solche befugt seyn, sich nur der Hasen und Fuͤchse anzumaassen, oder auch zugleich des hohen, rothen und schwartzen Wildpraͤths, als der Hirsche, Rehe, wilden Schweine. Rationes dubitandi, Vor die adelichen Vasall en. (1) W Eil bey der Belehnung aller und jeder Gerechtigkeiten Mel- dung geschehen, so muß man auch das- jenige, was in einem allgemeinen Ver- stande gesagt wird, in solchem annehmen, L. 1. ff. de Legat. præst. cont. tabb. Und wuͤr- cket eine General- Ausdruͤckung eben so viel, als wenn alle und jede Sort en ei- gentlich mit waͤren benennet worden. Denn das besondere ist in dem allgemei- nen enthalten, L. 147. de R. J. und das allgemeine hat die Krafft einer besondern Ausdruͤckung. Siehe Sixtin. de Regal. L. 2. c. 18. n. 48. zumahl trifft dieses ein bey den Begnadigungen der Landes-Fuͤr- sten, die man in sehr weitlaͤufftigem Ver- stande erklaͤhren muß, L. penult. ff. de Con- stit. Princ. (2) Weil sich die von Adel meisten- theils in der Quasi Possess und Ausuͤ- bung der hohen Jagden von ein 30. 40. 50. Jahren befinden; Nun bringt aber die Possess zuwege, daß ein Besitzer mehr Recht hat, bey dem an sich behalten der l 2 Sache, Anhang unterschiedener nuͤtzlicher Sache, als der Klaͤger bey dem Klagen; Denn von demjenigen sagt man, daß er eine Sache haͤtte, der das Recht der Pos- sess geniest, L. 1. §. 38. ff. Ne quid in loc. publ. Ja aus der Possess wird der Titulus ver- muthet, und der Besitzer von der Last des Beweises uͤberhoben, noch von des- sen Gebrauch ausgeschlossen. Es stehet allezeit besser um denjenigen, der sich in der Possess befindet, L. 1. §. 5. ff. de Calumnia- toribus. Wenn zumahl, wie bey diesem Fall, der bona fides dazu koͤmmt, als welcher eben soviel zuwege bringet, als die wuͤrckliche Wahrheit, L. 130. ff. de R. J. Rationes decidendi. Wider die adelichen Vasall en. (1) Weil der Gebrauch der Jagden den Privat- Personen verwehret ist. Es sey nun durch eine sehr lange Gewohn- heit, als welcher Name einigen bey der Jagd-Materie angenehmer ist, als der Verjaͤhrung Valentin. Förster. Tract. de Dominio. C. 9. num. 46. oder durch die Ver- jaͤhrung einer undencklichen Zeit, Rescript. Elect. de anno 1584. d. 10. Octobr. daselbst, und aber in Krafft des viel undencklichen Zeiten in gantzen heiligen Roͤmischen Reich und Landen hergebrachten ver- jaͤhrten Gebrauchs, Niemand gebuͤhret, in zugerichteten und gehegten Wildbah- nen und Wildfuhren der Landes-Fuͤr- sten oder andern, welche mit solchen Wildfuhren berechtiget, zum Nachtheil zu jagen. Heig. p. 1. Qu. 18. num. 50. Und es pflegt nur den Belehnungen der Fuͤr- sten die Clausul mit Jagden heutiges Ta- ges ohne einige Determination einverlei- bet zu werden, Stephan. de Jurisdict. l. 2. Part. 1. c. 7. denn also siehet man, daß nach einer fast durchgaͤngigen Gewohnheit von Teutschland den Landes-Fuͤrsten die- selbe mit als ein den Hertzogthuͤmern und Grafschafften anhaͤngendes Stuͤck von Roͤmisch Kaͤyserlicher Majestaͤt zu Lehn gegeben wird. Es erweisen solches noch deutlicher die Edicta von den Churfuͤrsten zu Sachsen, Augusto und Christiano I. die an. 1572, 1579, 1582, 1584. wegen Bestraffung der Wild-Beschaͤdiger publicir et worden, darinnen mit ausdruͤcklichen Worten stehet: Daß Jh. Jh. Churfuͤrstl. Gn. Gn. und dero Hochl. Vorfahren mit den Wild-Fuhren von Roͤm. Kaͤysern und Koͤnigen stattlich belehnet, die sie auch mit hoͤchsten Fleiß und Unkosten vor ihr als des Landes-Fuͤrsten eigen Gut ge- heget, ꝛc. Da nun der Durchl. Chur- fuͤrst zu Sachsen die Jagden nicht an- ders, denn durch Kaͤyserliche Verguͤnsti- gung erhalten, so folgt auch, daß die Churfuͤrstl. Vasallen, als Unter-Vasal- len, in diesem Stuͤck nicht herrlicher seyn koͤnnen, als der Churfuͤrst und Landes- Herr selbst, von dem sie ihre Lehne ha- ben, und die er ihnen auf keine andere Art und Weise uͤbergeben kan, denn er solche selbst hat, 11. F. 58. Einfolglich ha- ben die Adelichen Vasallen die Jagd-Ge- rechtigkeit bloß durch ausdruͤckliche Ver- guͤnstigung, oder durch den Verlauff ei- ner undencklichen Zeit, die in diesem Fall erfordert wird. Gail. L. 1. Obs. 66. num. 17. (2) Obwohl sonsten Niemand ordentli- cher Weise gezwungen wird, zu erweisen, wie er zu der Possess gekommen, L. 11. C. de Petit. hæred. So vermuthet man doch bey denjenigen Stuͤcken, die man von dem Fuͤrsten hat, und erlangen muͤssen, eine bloß bittweise erhaltene Possess, biß erwiesen worden, auff was Art einer darzu gekommen, Menoch. Consil. 307. n. 67. Daher wenn schon einigen adeli- chen Vasallen die Jagden des hohen Wildpraͤths zukommen, so werden sol- che dennoch nicht gehoͤret, wenn sie den Titulum aus den Belehnungen nicht er- weißlich machen koͤnnen. Es hat auch Churfuͤrst Augustus sich in diesem Punckt durch einige Rescripta gar deutlich erklaͤ- ret, daß Seiner Churfuͤrstl. Gn. Lehns- Leute, ob sie auch sonst mit der Nieder- Jagd beliehen, dennoch des hohen Ja- gens, es waͤre ihnen denn solches in den Lehn-Briefen ausdruͤcklich verschrieben, sich zu gebrauchen, keinesweges befugt seyn sollen. Jngleichen hat er auch an E. von E. zu Br. rescribir et: P. P. Zu dem befinden wir auch in deinen Lehn-Briefen nicht, daß du sol- cher hohen Jagd, als Hirsch und Wild- praͤth befugt und berechtiget seyn sollest. Derohalben ist unser Begehren, hiermit befehlende, du wollest dich solcher ho- hen Jagd, als Hirsch und Wild, hinfuͤh- ro gaͤntzlich aͤussern und enthalten, auch die Schweine zu jagen, fahen, schiessen, von Fastnacht an biß auff Martini ein- stellen. Vermeynest du aber erwehnter hohen Hirsch- und Wild-Jagd befugt und berechtiget zu seyn; so wollest du uns zwischen dato uñ Michaelis schierst kuͤnff- tig deswegen deinen bestaͤndigen Schein und Grund vorwenden. Und da du gleich den Gebrauch vor dich anzuziehen, verste- zur Jaͤgerey gehoͤrigen Materien. verstehen woltest; so hast du doch leicht abzunehmen, was dir derselbe fuͤrtragen kan, weil du dich solcher hohen Jagd dei- nem Lehn-Brief zuwider, und unwissend unserer Vorfahren, und unser unbefug- ter weise unternommen hast. Datum Dreßden, den letzten Martii anno 1559. Ein gleichmaͤßiges Rescript ist auch ertheilet worden an W. von L. den aͤl- tern zu P. unterm dato Dr. den letz- ten Martii 1559. und an D. von S. un- term dato Dreßden den 18. Martii an. 1559. Die Beantwortung der Dubiorum. Auff das (1.) da heutiges Tages die Jagd-Gerechtigkeit nach der Meynung vieler Rechts-Lehrer denen Regali en beygezehlet wird, Heig. p. 1. qu. 15. und zwar unter der allgemeinen Jagd- Con- cession nur das Nieder Weydewerck ver- standen wird, die hohen Jagden aber besonders ausgedrucket, und verguͤnsti- get werden muͤssen, Knichen de vestit. pact. Part. 2. c. 2. n. 34. So erkennt man, daß dasjenige nicht transferir et werde, was ein Fuͤrst kaum besonders ei- nem zu concedir en pflegt. Denn, wo eine Special- Verordnung erfordert wird, ist eine generale nicht gnung; Es waͤre hoͤchst ungereimt, wenn man dergleichen Lehr- Saͤtze auff das wenige, was den Fuͤrst- lichen Regali en beyzuzehlen, applicir en wolte. Daher sagt Jason, daß man auch bey einer reichen Gnaden-Be- zeigung nicht vermuthet, daß der Fuͤrst dasjenige concedir en wollẽ, was sonst nur mit grosser Schwierigkeit erhalten wird. Es ist auch nicht im Wege, daß die Fuͤrstli- chen Wohlthaten in sehr weitlaͤufftigen Verstande zu erklaͤhren L. penult. ff. de Constit. Princip. Denn dieses hat nur statt, wenn die von einem Fuͤrsten geschehene Concession der Wohlthaten, dunckel, un- gewiß und zweiffelhafft ist. Sonsten wenn seine Intention anderwerts deut- lich erhellet, hat die Erklaͤhrung nicht statt. Und also ist gewiß, wenn ein Fuͤrst einen mit den Jagd-Rechten belehnet, daß die Nieder-Jagd, und nicht die Ho- he Jagd darunter verstanden werde. Jnsonderheit findet eine sehr weitlaͤuff- tige Erleuterung nicht Platz, wenn des einen Recht verringert wird. Auff das (2) so ist eine Possess, ohne daß man erweisen koͤnne, auf was Art man dazu gekommen, nicht genungsam. Denn da eine Possess, die einen unrecht- maͤssigen Ursprung hat, hernach aber ju- stifici rt worden, dennoch mangelhafft ist; So macht noch viel mehr derjenige, so gar nicht anzuzeigen vermag, auf was redliche Art er darzu gekommen, seine Possess verdaͤchtig, zumahl, wenn sich der Besitzer der Dienstbarkeit zu eines an- dern Nachtheil bedienet: Denn alsdenn hilfft es ihm nichts, daß er in der Quasi Possess derjenigen Rechte ist, wenn er nicht auf den Verneinungs-Fall seinen Titul beweist, vornehmlich, wenn mit dem Herrn eine Streitigkeit entstanden, Mascard. Vol. 3. Concl. 1190. num. 45. ibi: Klagt einer wider den Herrn, so muß er al- lerdings den Titul beweisen: Dann wann der Herr von dem Vasall en for- dert, daß er den Titul seiner Possess an- zeigen solle, ist er solches zu thun gehal- ten, Rol. a Valle Consil. 89. n 21. 24. 26. lib. 2. Welches auch geschehen muß, wann von dem Titul hauptsaͤchlich vor Gerichte ge- handelt wird, Masc. d. vol. 3. Cons. 1194. n. 71. 72. oder von denen Regali en: Dann diese, weil sie dem Landes-Herrn allein zustehen, ein anderer ohne Titul nicht ha- ben kan, Tusch. Pract. Conclus. lit. T. Concl. 310. n. 11. CARPZOVII Part. II. Decis. CIX. Jnhalt. Obgleich der allgemeine Nießbrauch eines Gutes verstattet worden; So schei- net doch nicht die Jagd-Befugniß mit uͤbergeben zu seyn, dafern der- selben nicht ausdruͤckliche Meldung geschehen. E s hatte einer, um die Execution des Raths der Stadt B. von sich abzu- wenden, seinem Creditori ein Dorf W. uͤbergeben, mit allen Einkuͤnfften, und dem voͤlligen Nießbrauche, nur die Ober- Gerichte und das jus patronatus ausge- nommen, es war auch deswegen ein In- strument und Vergleich aufgerichtet wor- l 3 den. Anhang unterschiedener nuͤtzlicher den. Der Creditor, der die Possess an- getreten, stand in den Gedancken, daß die Jagd des Nieder Weydewercks der Hasen, der Fuͤchse, ꝛc. wegen der besche- henen cession ihm zustuͤnde, der Schuld- ner aber meynete nicht, daß er die Jagd- Gerechtigkeit mit transferi rt haͤtte; Und also entstund die Frage: Wem man es zuerkennen solte? Der Creditor drang nun zwar sehr auf die allgemeinen Wor- te der geschehenen Cession, weil ihm al- le Einkuͤnffte und Rechte waͤren uͤberge- ben worden; Man mochte nun die Jagd- Gerechtigkeit den reell en Dienstbarkei- ten oder dem Nießbrauch beyzehlen, so schiene die Sache vor ihn ausgemacht zu seyn: Denn, wenn man die Jagd vor ei- ne reelle Dienstbarkeit hielte, mit dem Zasio lib. 1. singul. Intellect. c. 11. so schiene sie als eine dem Gut anhaͤngende Sache auf den creditorem transferi rt zu seyn, L. 3. in fin. ff. de Act. emt. Und noch desto eher, wenn das Jagd-Recht zum Nießbrauch gerechnet wird. Diesemnach hielt nun der Cessionarius davor, er waͤre aller- dings berechtiget, sich der Jagden anzu- maassen, weil die Worte sehr allgemein waͤren. Denn eine mit allgemeinen Wor- ten abgefaßte Verordnung ist auch in allgemeinem Verstande anzunehmen. Nachdem in dem Transact nur das Jus patronatus und die Gerichtsbarkeit dem Rathe reservirt worden, so schiene alles das uͤbrige nicht undeutlich mit conce- dirt zu seyn. Denn wer gewisse Sachen ausdruͤcklich verwehret, scheinet die uͤ- brigen, die nicht ausgedruͤckt sind, mit concedirt zu haben. Mit diesen Waf- fen vertheidigte nun der Cessionarius sei- ne Jagd-Gerechtigkeit und zwar mit ziemlichem Grunde, wenn wir das Roͤ- mische Recht in Consideration ziehen; Gehen wir aber auf die heutigen Obser- vanz en und jetzigen Rechte, wie wir doch wohl muͤsten, so scheinen diese Argumen- ta nicht Stich zu halten: Denn das Jagd- Recht wird in den heutigen Zeiten nicht schlechterdings unter die Nutzungen und Einkuͤnffte des Gutes gerechnet, sondern vielmehr denen Landes-Fuͤrstlichen Rega- li en beygezehlet. Denn ob es schon ei- nige Rechts-Lehrer in Zweifel ziehen wol- len, so ist es dennoch sonnenklar. Siehe das Edict Churfuͤrstens Augusti zu Sachsen de Anno 1584. bey den Worten: Wann nun zu mercklicher Verwuͤstung unserer Wildfuhren, damit unsere loͤbli- che Vorfahren, und wir von Roͤmischen Kaͤysern und Koͤnigen stattlich belehnet, die auch sie, und wir mit hoͤchsten Fleiß und grossen Unkosten von unser des Lan- des-Fuͤrsten eigen Gut geheget. Und her- nach weiter: Und aber in Krafft des uͤber viel undencklichen Zeiten in gantzen heili- gen Roͤmischen Reich Teutscher Nation, und andern Koͤnigreichen und Lan- den hergebrachten verjaͤhrten Gebrauchs Niemand gebuͤhret, in zugerichteten und gehegten Wild-Bahnen und Wild- Fuhren der Landes-Fuͤrsten und ande- rer, welche mit solchen Wild-Fuhren be- rechtiget, zu Nachtheil zu jagen etc. Und also sind die Jagden dem Landes- Herrn zuzueignen, und den Regali en beyzuzehlen, Sixtin. de Regal. und viel andere Rechts-Lehrer mehr. Jnglei- chen sagt Modest. Pistor. Obgleich das Jagen Iure Gentium facultatis seyn mag, daß es dennoch an vielen Orten, und fast in gantzen Teutschen Landen darzu kom- men, daß man die Jagd auch vor eine Gerechtigkeit achtet, wie dann der Kaͤy- ser, Chur- und Fuͤrsten vor eine sonder- liche Gerechtigkeit und solche Herrlichkeit, die nicht einem Jeden erlaubet, pflegen zu verleihen, denn, wo solches einem Jeden frey stuͤnde, so waͤre es ohne Noth in die Lehn-Briefe zu bringen. Soll nun die- ses bestehen, so hat die Jurist en- Facult aͤt zu Leipzig davor gehalten, daß man vor dem Rath der Stadt B. wider den Cessi- onarium sprechen muͤste, und daß mit den cedirt en Nießbrauch des Dorfs W. die Jagd-Gerechtigkeit nicht mit abgetre- ten sey, noch mit darunter begriffen. Denn (1) wuͤrden unter einer allgemei- nen Concession die Regali en nicht mit begriffen, als bey denen es wegen ihrer Wichtigkeit mehr Schwierigkeiten setzet. (2) Wuͤrde, da ein Wald zu Lehn ge- geben worden, die Jagd nicht mit dar- unter verstanden; Siehe Rudolph. Schra- der. de Feud. Part. 3. cap. 4. num. 47. Denn es muß ein Vasall seinem Lehn-Herrn bey der Ausuͤbung der Gerichtsbarkeit, oder in den andern Sachen, die zum Wohlstand seines Lehn-Herrn gereichen, nicht hinderlich, noch schaͤdlich seyn; Nun ist aber gewiß, daß die edele Jagd-Ge- rechtigkeit zur Zierde und zum Wohl- stand des Herrn gereichet, indem sie heu- tiges Tages nur den Standes-Perso- nen und hohen Obrigkeiten zukommt. Daher wuͤrde ein Vasall die Pflicht sei- ner Erkaͤntlichkeit uͤberschreiten, wenn er zur Jaͤgerey gehoͤrigen Materien. er dem Herrn, auff dessen Gute er die Einkuͤnffte aus blossen Gnaden geniest, die Jagd-Gerechtigkeit entziehen wolte; (3) Hat dieses nicht nur statt bey der Belehnung eines Fuͤrsten, sondern es ist auch von einer jedweden Verguͤnstigung zu behaupten. Denn unter einer all- gemeinen Concession ist das, was ins besondere denckwuͤrdig ist, niemahls mit begriffen, es stecken auch unter einer ge- neral en Verordnung diejenigen Faͤlle nicht, die besonders privilegirt sind. Bey so gestalten Sachen sind die gegenseiti- gen Gruͤnde gar leichtlich zu wieder- legen. Denn was erstlich von der Dienst- barkeit und dem Nießbrauch der Jagd vorgebracht worden, findet zwar in den Roͤmischen Rechten Platz, ist aber nicht auff die heutigen Zeiten, da die Jagd- Gerechtigkeit als ein Regale anzusehen ist, applicabel. Ob gleich auch unter den allgemeinen Redens-Arten viel enthalten ist, so ist doch solches nur von den Sachen zu verstehen, die von gleichmaͤßiger Be- schaffenheit sind, so, daß nehmlich ein verguͤnstigter Nießbrauch alles dasjenige in sich faßet, was zu den Einkuͤnfften des Gutes zu rechnen, man muß ihn aber nicht auff gantz frembde und abgeson- derte Rechte ziehen. Es scheinet auch allerdings ungereimt, wenn man solche General-Reguln auff die Regali en appli- cir en will. Ferner giebet nicht staͤrckere Krafft die gemeine Regel, da man sagt, daß, indem man das eine ausschloͤsse, so wuͤrde das andere mit eingeschlossen, weil diese Regeln solchen Sachen vorgehen, die sich darzu schicken, und davon verstanden werden koͤnnen. Also hat auff Ansu- chen D. P. W. die Jurist en- Facult aͤt zu Leipzig im Monat Februario Anno 1648. gesprochen: Hat der Rath zu B. wegen einer ver consentirt en Forderung die Dorf- schafft W. von den Chur-Fuͤrstlichen Saͤchsischen Commissariis euch in soli- dum cedirt: Nachdem ihr aber mit ge- dachtem Rath wegen gleicher Turbatio- n en in Differenti en gerathen, also, daß ihr sowohl im Ober-Hof-Gericht, als im Consistorio deswegen klagbar wor- den, seyd ihr endlich dergestalt verglichen, daß der Rath ihm die Ober-Gerichte vorbehalten, und euch alle Einkuͤnffte und Nutzungen verbleiben: Und es will nunmehro der Rath sich der Hasen und anderer Jagden anmaassen, welches ihr ihm einzuraͤumen nicht gemeynet. Ob es nun wohl das Ansehen hat, weil in der Vergleichung ingemein euch alle Nutzungen, und Einkuͤnffte an Zin- sen, Diensten, Lehn-Gefaͤllen, Erb-Ge- richten und andern mehr, nichts ausge- geschlossen, uͤbergeben und der Rath ihm nur allein die Ober-Gerichte und das Jus patronatus ausgezogen, insonderheit auch der Vertrag dieses in sich halten soll, da sich mehr Nutzungen als im Ver- trag specificir et, befinden wuͤrden, ihr gleichfalls derselben euch anzumaassen be- rechtiget seyn sollet, daß euch dahero auch die Jagd-Gerechtigkeit zustehe; Dennoch aber und dieweil Jagd- Gerechtigkeiten und dergleichen Befug- nisse heut zu Tage unter die Regali en fuͤr- nehmlich gehoͤren, und fuͤr ein gantz ab- gesondertes Thun zu achten, so unter den General-Clausuln nicht mit begrif- fen, vielweniger ohne vorhergehende sonderbahre Concession vor Nutzungen der Guͤter zu halten, immaassen denn in Lehn- und Pacht-Briefen auch solche Ge- rechtigkeiten absondeꝛlich pflegen æstimir et und angeschlagen zu werden, in dem Ver- gleich aber weder der Hohen, noch Nieder- Jagden im geringsten nicht erwehnet worden; So seyd ihr auch daher der Hasen- und anderer Nieder-Jagden in dem uͤ- berlassenen Gute W. euch anzumaassen nicht befugt. V. R. W. Die Worte des auff Ansuchen des Raths B. im Monat Martio Ao. 1648. er- theilten Responsi sind folgende: Jst zwischen euch und D. P. W. we- gen einer Schuld, damit ihr ihm ver- hafftet, unlaͤngst eine Transaction auff- gerichtet, und ihm loco hypothecæ das Dorff W. zu Nutzen eingeraͤumet wor- den, und wird nunmehr gezweifelt, ob er sich auch vermoͤge selbiger Transaction der Hasen-Jagd auff den Dorff-Feldern anzumaassen: Ob nun wohl in bemeldter Transa- ction ihm die Fruchtniessung aller Guͤ- ter abgetreten, dahero es das Ansehen gewinnen moͤchte, als waͤre auch die Ha- sen-Jagd mit darunter begriffen; Dennoch aber und dieweil heut zu Tage aus uͤblicher Observanz die Jagd- Gerechtigkeit nicht sowohl vor eine Nu- tzung, als sonderbahre Hoheit und Regal- Stuͤcke zu achten, dergleichen aber unter dem allgemeinen Nutzen nicht mit be- griffen, sondern bey deren Abtretung und Cession derselben mit ausdruͤcklichen Worten Anhang unterschiedener nuͤtzlicher Worten gedacht werden muß, auch nicht zu vermuthen, daß ihr dergleichen Reser- vat mit einschluͤssen wollen; So mag diesemnach oberwehnte Transaction auff die Hasen-Jagd nicht gezogen, noch dieselbe dem Cessionario verstattet werden. V. R. W. Consilium EVERH. SPECKHAHNII, P. I. Qu. 98. Jnhalt. Wie die zu bestraffen, die in einem Forst und Gehege wider ausgegangene der Obrigkeit Mandat e und Verbothe, Wildpraͤth geschossen und gefangen? Z U desto deutlicher Beantwortung dieser Frage, sind zwey besondere Faͤlle von einander zu sondern. Denn es ist entweder in den Jagd-Ordnungen keine gewisse und eigentliche Straffe auff die Wild-Schuͤtzen gesetzt, oder es ist eine bestimmte Straffe in denselben ausge- druͤcket. Jn dem ersten Fall, wenn die Straf- fe nicht specifice und ausdruͤcklich deter- minir et, sondern bey Vermeidung Un- gnaden und hoͤchsten ernstlichen Straffen Wild zu schiessen oder zu fahen, durch die Obrigkeit verbothen ist, so haͤlt man sich billich nach der Straffe gemeiner Rechte, als wenn nach peinlicher Art verfahren, daß die Straffe arbitraria und willkuͤhr- lich sey, als zeitliches Gefaͤngniß, ziemli- che Geld-Straffe, oder Verweisung auff zwey oder mehr Jahre; wenn aber ci- viliter auff einen Abtrag geklaget wird, so stehet die Moderation bey dem Richter. Denn es ist gewiß, daß auch in dem buͤr- gerlichen Recht in diesem Fall die Injuri- en-Klage statt habe. So ist auch das ei- ne grosse Ursache, warum in gegenwaͤr- tigem Fall keine gewisse ordinaire Straf- fe seyn kan, weil die Personen und Ver- brechungen allewegen nicht gleich sind, etzliche haben hohes Wild, offt und viel, etzliche ein oder zweymahl, etzliche Ha- sen und klein Wild in Gehegen geschossen oder gefangen, weil denn die Faͤlle und Verbrechungen nicht gleich, so kan auch die Straffe nicht gleichfoͤrmig seyn, son- dern bleibt in eines jedweden Richters willkuͤhrlicher Errichtung billich. Hier aber entsteht ein sehr grosser Zweifel: ob bey der peinlich angestellten Injuri en-Klage eine willkuͤhrliche Straf- fe biß auf den Tod extendir et werden koͤnne? Diese Quæstion, nachdem eꝛ beydeꝛ- seitige Argumenta angefuͤhret, untersucht vollstaͤndig Roberta. Marant in seinem Aureo Spec. Quæst. sive Disp. 3. Es wird diese Frage so zweifelhafft, daß sie scheinet Kaͤys. Entscheidung von noͤthen zu haben, wie Maranta daselbst redet num. 14. am Ende. Doch haͤlt er die bejahende Mey- nung vor gemeiner, daß nehmlich unter den willkuͤhrlichen Bestraffungen die To- des-Straffe auch statt haben koͤnne. Ei- nige, durch das Ansehen des Marantæ be- wogen, halten im gegenwaͤrtigen Fall da- vor, wenn gleich die Straffe specifice im Mandat nicht ausgedruckt, daß sie den- noch nach Gelegenheit ihrer Verbre- chung, und wo sie es offt geuͤbt, koͤnnen am Leben, als mit dem Strange, gestrafft werden. Ob nun schon Maranta in den Gedancken stehet, daß die bejahende Mey- nung mehr recipirt sey, so schrenckt er doch dieselbe ein, und erleutert sie auf sechserley Art. Unter andern sagt er, koͤnne die willkuͤhrliche Straffe sich biß auf den Tod erstrecken, wenn das Ver- brechen so schwehr und abscheulich waͤre, daß es, nachdem alle und jede Umstaͤn- de genau waͤren erwogen worden, die Todes-Straffe verdiente, wenn einer sei- ne Obrigkeit zumahl in Gerichten geschla- gen. Denn hier wird in Ansehung der Umstaͤnde, des Orts und der Person, die Injurie vor sehr wichtig gehalten, so, daß man der beleidigenden Person biß an das Leben kommen koͤnne. Nun aber sagt Maranta num. 17. kan man nicht be- haupten, daß das Wild-Schiessen uͤbers Verboth ein so groß Delictum sey, darum das Leben koͤnne verwuͤrckt werden, all- dieweil auf eines andern Grunde uͤber Verboth Wildpraͤth schiessen oder fahen allein eine Injurie ist, und ein Privat- nicht aber ein oͤffentliches Verbrechen. Dero- wegen waͤre sehr schwehr dißfalls den Thaͤter am Leben zu straffen, da zumahl der Richter nach den Regeln des gemei- nen geschriebenen Rechts judicir en muß. Es zur Jaͤgerey gehoͤrigen Materien. Es wird auch obige bejahende Mey- nung limitirt, daß sie nicht statt hat, wenn ein Gesetz oder Statutum des Rich- ters Gutachten ausdruͤcklich einschren- cket; denn alsdenn kan er in seinem Ur- thel die Todes-Strafe nicht dictir en. Nun verbeuth aber das Sachsen-Recht (welches ein Jus statutarium ist) klahr und ausdruͤcklich, daß kein Mensch um Fisch, Vogel oder wilde Thier soll am Le- ben gestrafft werden, Land-R. lib. 2. art. 61. mit diesen Worten: Do Gott den Menschen geschuf, do gab er ihm Ge- walt uͤber Fisch und Voͤgel, und uͤber alle wilde Thiere, darum haben wir des Urkund von Gott, daß Niemand seinen Leib, noch seine Gesundheit an diesen dreyen verwuͤrcken moͤge. Dafern nun dieses Recht bestehet, so kan auch die To- des-Strafe in diesem Fall nicht Platz fin- den. Und ob sichs gleich ansehen laͤsset, daß folgende diese Worte itzo geregten Articuls: Doch sind drey Staͤdte, die man Heiden nennet, im Lande zu Sach- sen, als die Koyne, der Hartz, die Maget oder Prettinische Heide, da den wilden Thieren Friede gewuͤrcket ist bey Koͤnigs- Bann, den Verbrechern das Leben ab- sprechen; So sind doch solche Worte ver- moͤge des Texts nur von hoͤhesten Wet- te des Koͤnigs-Banns, das sind sechzig Schilling, zu verstehen, wie von dem Glossatore bey den Worten: Doch sind die Heiden ꝛc. gar nicht angemercket worden. Es wird auch obige Meynung noch weiter limitirt, daß es nicht angehe, wenn dem Richter schlechterdings das Gutachten zu strafen uͤberlassen, oder es ein solch Verbrechen ist, dessen Bestraf- fung in den Rechten nicht ausgedruckt, denn alsdenn kan er kein peinlich Ver- brechen daraus machen, welches an und vor sich selbst nicht peinlich ist, oder eine Capital- Strafe irrogir en, bey einer Mis- sethat, die an und vor sich selbst, und ih- rer Natur nach nicht capital ist. Hieher gehoͤret auch der sehr schoͤne und billige Text des L. 11. in princ. de Poen. da Marti- anus sagt: Es muß ein Richter darauf sehen, daß er nicht haͤrter oder gelinder sey, denn die Sache erfordert. Denn er muß weder in der Strenge, noch Gelindig- keit einen Ruhm suchen, sondern wohl uͤberlegen, wie es die Sache erfordere, in geringen Verbrechen allezeit geneigter zur Gelindigkeit seyn, bey schwehren Straffen aber die Strenge der Gesetze nach der Guͤte, soviel, als moͤglich, tem- perir en. Ferner schreibt Ulpianus in dem L. 13. d. t. Heutiges Tages ist demjenigen, der ausserordentlich uͤber ein Verbrechen erkennet, vergunt, eine ihm gefaͤllige Sentenz zu dictir en, entweder eine schar- fe oder eine gnaͤdige, nur, daß er in bey- den die gehoͤrigen Schrancken in Obacht nehme. Da nun bey diesem unserm Fall ei- ne willkuͤhrliche Straffe Platz hat, und sie aus oben angefuͤhrten Gruͤnden auf die Todes-Straffe nicht extendir et wer- den kan, demnach schliessen die Witten- bergischen in ihren Decisionibus Part. 4. Rubr. 8. von der Bestrafung derjenigen, die auf frembdem Grund und Boden Wild fahen, daß nemlich zum hoͤchsten derjenige, welcher mehr denn einmahl mit Wildpraͤth-Schiessen verbrochen, nicht allein am Leben zu strafen, beson- dern, daß zum hoͤchsten die ewige Landes- Verweisung mit Staupenschlaͤgen ihm aufzuerlegen sey. Es wollen auch eini- ge, daß einer in diesem Fall, zumahl wenn er wider die Jagd- Mandat e oͤffters und groͤblich peccir et, uͤber die Strafe des Staupenschlages und der Landes-Ver- weisung mit einem gluͤenden Eisen auf der Stirne oder im Gesichte solte ge- brandmahlet werden. Zu bestaͤttigung dieser Meynung allegir en sie die Gloss e Weichbilds Artic. 38. und Gloss e Land- Rechts lib. 2. Artic. 23. vers. Geschicht aber Dieberey. Daselbst wird decidir et, daß die Diebe um geringer Dieberey willen, wann sie den Strang nicht verdienet, moͤgen gestaͤupet, ihnen ein Ohr abge- schnitten, oder auff dem Backen oder der Stirne ein Zeichen gebrannt werden moͤ- ge, damit man sie an diesen Zeichen er- kenne, und ihre Boßheit hierdurch an- dern kund werde. Die Wittenberger blei- ben dieser Gloss en unbeschadet bey der obern Straffe der Landes-Verweisung und des Staupenschlagens beruhen, und wollen nicht nach diesen Gloss en sprechen, theils, weil solche durch keine allegirt en Rechte ihre Gruͤnde unterstuͤtzen, theils auch, ob man schon vorgiebt, daß solche Straffen durch erwehnte Gloss en einge- fuͤhret seyn, dennoch selbige nicht von den Schoͤppen der Gewohnheit nach in O- bacht genommen werden. Und solches aus den Ursachen, daß vornehme Rechts- gelehrten dahin schluͤssen und der Mey- nung sind, daß ein Statut, oder Gewohn- heit, welche solche Strafe aufflegen, irrai- m sonabel Anhang unterschiedener nuͤtzlicher sonabel sey und zu Recht nicht bestehen moͤge. So schluͤsset ausdruͤcklich Angelus in L. 17. C. de Poen. dem auch Maranta folget in seinem Speculo aureo Part. 4. Dist. 2. num. 5. \& 8. allwo er die Verordnung des Koͤ- nigreiches Neapolis verwirfft, die eine solche Strafe zuerkennt, und saget, man haͤtte sie im Text nicht beobachtet. Fer- ner erinnert Mynsinger Cent. 2. Obs. 46. daß in dem Kaͤyserlichen Reichs-Cammer- Gericht also geschlossen worden. Es ist auch endlich erwehnte Strafe um des- willen nicht zu attendir en, weil sie in dem L. 17. C. de Poen. ausdruͤcklich verbothen, und zwar mit der angefuͤhrten Raison, daß, weil das menschliche Gesichte nach der Aehnlichkeit der himmlischen Schoͤn- heit gebildet, so solte es nicht verunge- staltet werden. Und die Gloss e sagt an demselben Ort, es koͤnte einer nicht an der Stirne gezeichnet werden. Jnzwi- schen sind doch etzliche der Meynung, daß die Straffe der Brandmahlung in ge- wissen Faͤllen Platz finde, welche Petrus Duen Reg. 290. zusammen getragen. Es wird auch diese Strafe in den Paͤbstli- chen Rechten bey den Geistlichen probirt, wann mit dem Fuͤrstlichen Siegel eine Verfaͤlschung vorgenommen worden. Es wollen auch einige, daß diejenigen, so den Jagd- Mandat en zuwider offters ge- jagt, zu immerwaͤhrendem Gefaͤngniß condemnire t weꝛden sollen, es verwerffen aber auch die Wittenberger, deren ihre Meynung in ihren Decisionibus, Part. 4. Rubr. 8. theils, weil in dem Art. 61. des Land- Rechts ausdruͤcklich verbothen, daß Nie- mand seinen Leib, noch seine Gesund- heit an Fischen, Voͤgeln und wilden Thie- ren verwuͤrcken moͤge. Weil aber mit ewiger Gefaͤngniß die Leibes-Gesundheit benommen, und das Leben verkuͤrtzet wuͤrde, was auch auf dem einen Weg nicht vergoͤnnet, ist auf den andern eben- maͤßig nicht zugelassen; Theils auch, weil den gemeinen Rechten nach die Strafe des ewigen Gefaͤngnisses bey den wenig- sten Faͤllen statt findet. Ein Gefaͤngniß muß ordentlicher weise nicht zur Strafe, sondern nur zur Verwarsam dienen. Aus diesen allen nun schluͤsse ich mit den Wittenbergern, daß in dem erstern Fall, wenn in den Jagd- Mandat en die Straffe nicht ausdruͤcklch enthalten, ei- ne willkuͤhrliche Platz finde, als Landes- Verweisung, Staupenschlag, Geld-Busse und dergleichen, nach Befindung der Umstaͤnde, und daß solche entweder biß an Haut und Haar, oder gar ans Leben gehen koͤnne. Was den andern Casum anbetrifft, so bestehet solcher darinnen, wenn in den Jagd- Mandat en eine gewisse Straffe aus- gedruͤckt worden, als wenn eine Obrig- keit bey Straffe des Lebens und des Stranges verbothen haͤtte, sich ihrer For- sten, Gehegen und Wildbahnen, darin- nen Wildpraͤth zu schiessen, zu enthal- ten, und also fragt sichs, ob die Gerich- te und Schoͤppen-Stuͤhle solche Straffe zu erkennen schuldig, oder nicht? Man findet von dieser Straffe ein Exempel in dem Sachsen-Spiegel sub Rubric. von Straffe der Wildpraͤths- Beschaͤdiger, so wider ausgegangene Mandat e Wildpraͤth geschossen ꝛc. Wo- rinnen die Schoͤppen zu Leipzig auff Chur-Fuͤrstliche Mandat e den Strang einem zuerkannt. Die Worte des Urthels sind diese: Unsere freundliche Dienst zuvor, nahmhafftiger guter Freund; Als ihr uns Bericht gethan, wie es um unsers Gnaͤdigsten Herrn N. N. Mandat der verbothenen Wildfuhren hal- der eine Gelegenheit hat, nehmlich, daß dasselbe alle Wildfuhren, und gehegte Waͤlder in seiner Chur-Fuͤrstlichen Gna- den Land und Fuͤrstenthum begreifft, und daß es insonderheit auf dem N. an die Kirchen und das Rath-Hauß angeschla- gen und publicir et, dahin N. eingepfar- ret gewest, auch sonst wochentlich dahin kommen, seinen Lohn zu heben, Essen und Trincken zu kauffen, daß er also die- ses Mandats nicht unwissend habe seyn koͤnnen, aber er hat solchem Mandat zu wi- der in den verbothenen Wildfuhren und Gehegen des Amts N. zweene Hirsche, zwey Stuͤck Wildes und ein Reh vor sich allein geschossen, und seine Gesellen haben auch Stuͤcke Wildes geschossen, davon er auch seinen Theil bekommen, zu dem allen er sich thut bekennen, nach fernerm Jnhalt euers Berichts, daruͤber ihr un- sere Rechts-Belehrung gebethen; Demnach sprechen die Schoͤppen zu Leipzig darauff vor Recht: Wuͤrde gedachter N. vor Gericht auff solchem seinem Bekaͤntniß freywil- lig verharren, und insonderheit gestaͤn- dig seyn, daß ihm das Chur-Fuͤrstliche Mandat bewust gewesen, so wuͤrde er ver- moͤge desselben Mandats mit dem Stran- ge vom Leben zum Tode gestrafft V. R. W. Zu zur Jaͤgerey gehoͤrigen Materien. W. Zu Uhrkund mit unserm Jnsiegel versiegelt. Uberdieß haben die Wittenberger niemahls diese Mandat e approbir en, noch darnach sprechen wollen, sondern auch in diesem Fall die willkuͤhrliche Straffe allezeit behalten, wie sie selbst gestehen in Rubr. 8. Part. 4. und sich vornehmlich durch folgende Gruͤnde dazu bewegen lassen: Erstlich, daß in goͤttlichen, natuͤrlichen und gemeinen Kaͤyserlichen oder auch Saͤchsischen Rechten die Jagd auff eines andern Grund nicht verbothen, und weil die wilden Thiere GOtt insgemein ge- schaffen, und dieselben, ehe sie geschossen oder gefangen, in keines Menschen Ei- genthum, und jetzt an dem und bald an einem andern Ort sind. Wann aber deswegen ein Verboth geschicht, und Jemands dawieder gehandelt, so hat ein solcher eine Injuri en-Klage zu erwarten, nach welches Delicti privati Gelegenheit kein Richter oder Obrigkeit die Straffe auff Benehmung des Lebens oder Lei- bes Gesundheit erstrecken kan. Zum andern, gehoͤren die wilden Thiere, bevor man sie einfaͤngt, Niemand eigenthuͤmlich, und sie haben die Art, daß sie nicht stille stehen, sondern ge- hen von einem Ort zu dem andern; Weil es denn ungewiß, ob sie des Orts, da sie geschossen, geblieben waͤren, und vor dem Fange in keines Eigenthum seyn; So waͤre abermahl sehr hart, in solchen zweiffelhafften Faͤl- len die Todes-Straffe zu verordnen. Denn ob wohl billig ist, die Verbrecher solcher Mandat e zu straffen, so muß doch die Straffe also moderir et werden, daß darinnen nicht zuviel geschicht; Sinte- mahl die Straffe denen Verbrechen zu proportionir en, wie in dem L. Sancimus. C. de Pœn. stehet: Vors dritte, weil in dem Artic. 61. Land-R. lib. 2. ausdruͤcklich verordnet, daß kein Mensch seines Lebens Gefahr oder Gesundheit an Voͤgeln, Fischen, wilden Thieren kan verwircken; So ge- buͤhret es uns nicht, die Straffe zu schaͤrf- fen, und das Leben derwegen den Men- schen zu nehmen; Dieweil der Richter oder die Obrigkeit, in Ansehung der Straffen, die gesetzte Straffe genau di- ctir en, und keine haͤrtere auflegen muß. Denn es ist der Obrigkeit nicht vergoͤnnt, wenn eine gewisse Straffe gesetzt ist, ei- ne andere verbothene zu dictir en, wel- ches mit mehrerm bekraͤfftigen Angel. Castr. \& Jas. in L. Si quis mihi. §. 1. de Ac- quir. bered. Es ist dem Richter nicht so- bald, als ihm das Recht des Lebens und des Todes zustehet, frey gelassen, alle diejenigen, die er will, dem Todes-Urthel zu unterwerffen, sondern nur diejenigen, welche die Gesetze oder Observanti en dar- zu condemnir en. Es stehet auch nicht in seinen Kraͤfften, diejenigen gnaͤdiger loß zu lassen, die entweder den Gesetzen oder Observanti en nach der Todes- oder andern harten Straffe vorbehalten. Denn wo entweder von den Gesetzen oder der Gewohnheit eine gewisse Straffe de- terminirt, so kan dieselbige der Richter nicht erlassen, oder in eine andere ver- wandeln, L. 1. §. 1. ad SCt. Turpill. Denn die Untersuchung der That beruhet auf dem Richter, die Execution der Straffe aber dependir et, nicht von seinem Wil- len, sondern von der Autoritæt der Ge- setze. Und ob sie wohl die Obrigkeit aus wichtigen Ursachen vermehren, vermin- dern und veraͤndern kan, so scheinet doch in Ansehung des Verbrechens keine wich- tige Ursache obhanden zu seyn, um de- ren willen der Richter die Straffe biß auff den Todt extendir en koͤnte, wie oben bey dem ersten Fall zur Gnuͤge angefuͤh- ret worden. Vierdtens, dienet auch mit dazu, daß das Geboth der Obrigkeit, da sie den Un- terthanen bey Verlust der Guͤter etwas gebeuth, nicht guͤltig ist, sondern von Rechtswegen mißbilliget wird, es muͤste denn aus einer solchen Raison geschehen, um deren willen der Vasallen oder Un- terthanen Guͤter rechtmaͤßiger Wei- se entzogen werden koͤnten; Sintemahl ohne Concurrenz der Gesetze keine Straf- fe aufferleget werden kan. Fuͤnfftens, gehoͤrt auch mit hieher der Beweiß-Grund, der von der Auto- ritæt hergenommen, welcheꝛ auch in Rech- ten vor guͤltig passir et, da Tiraquellus Cap. 37. de Nobilitate, num. 10. sagt, daß unter- schiedene Koͤnige und Fuͤrsten ihren Un- terthanen die Jagd nicht verwehren koͤn- ten, so setzt er hernachmahls dazu: Nun- mehro eignen und maassen sich auch die geringsten Edelleute das Recht zu, ih- ren Unterthanen die Jagd-Gerech- tigkeit zu verbiethen, undwas das aͤrg- ste ist, so erkennen sie gar denjenigen den Tod zu, die sich der Jagden sonder ihren Willen und Vorbewust befleißi- gen. Zoannethus sagt in L. 2. C. de Pact. int. emt. \& vend. num. 297. Wenn mich m 2 Jemand Anhang unterschiedener nuͤtzlicher Jemand fraget: Ob die Edelleute in An- sehung des Wildes solche harte Straffen, die sich biß auff den Tod erstreckten, ge- gen ihre Unterthanen solten ergehen las- sen, so wolte ich antworten, wenn es bey mir stuͤnde, daß die von Adel ihre Un- terthanen hierinnen bestraffen liessen, so wolte ich zwar, daß sie ihre Autorit aͤt gegen ihre Unterthanen hierinnen bewie- sen, jedoch muͤsten diese Straffen nicht biß an den Todt gehen. Denn ich wol- te nicht, daß um eines Stuͤck Wildes wil- len der nach dem Ebenbilde GOttes er- schaffene Mensch und der ein Gliedmaaß JEsu Christi, solte an seinem Leibe ver- stuͤmmelt, oder gar getoͤdtet werden. Ob es gleich die grossen Herren den Rechten nach befugt waͤren, so sollen sie doch ge- dencken, daß man bey den Unterthanen in Ansehung des Jagd-Rechts, welches auff die grossen Herren gebracht worden, gelinder verfahren muͤsse, denn gegen Frembde. Solten sie aber, wie es biß- weilen zu geschehen pflegt, allzuoffters peccir en, und der Wild-Deuben sich nicht enthalten, so muͤste man die Straffen ge- gen sie erhoͤhen. Durch des einen Be- straffung muͤsten die andern in Furcht gehalten werden. Es kan auch ein Fuͤrst unter Bedrohung einer Todes-Straffe seinen Unterthanen das Jagen verbie- then, damit seine Jagd- Mandat e desto mehr bey ihnen respectir t werden, jedoch muß er die angedrohete Straffe nicht exequir en. Sechstens, muß auch ein Fuͤrst des menschlichen Zustandes eingedenck seyn, und sich der menschlichen Seele erinnern, die kostbahrer ist, als alle Sachen und Creaturen in der gantzen Welt. Endlich, muͤssen sich auch die Un- terthanen, die nicht allein Christen heis- sen, sondern auch seyn wollen, alles Ern- stes befleißigen, damit sie nicht ihres Lan- des-Fuͤrsten Ungnade, der sein Jagd- Recht ein wenig hartnaͤckigt vertheidi- get, auff sich laden, und erregen, einge- denck, daß die Gebothe ihrer Ober-Herrn, ob sie schon etwas scharff sind, dennoch zu ertragen, und daß der, so seinem Lan- des-Fuͤrsten wiederstehet, GOttes Ord- nung wiederstrebe. BIDENBACHII Quæst. Nobil. XVII. Jnhalt. Ob einer von Adel, so Macht zu jagen, auch zu hagen befugt sey? Item da er zu jagen, auch zu schiessen Jemand anstellen moͤge? D As derjenige, dem die Jagd-Gerech- tigkeit zustehet, auch einen Hag in das Holtz schlagen koͤnne, scheinet von nothwendiger Folge zu seyn. Da aber die Dienstbarkeiten in sehr eingeschraͤnck- tem Verstande zu erklaͤren, und uͤber ihre Casus durchaus nicht zu extendir en, und alle Rechts-Lehrer darinnen ein- stimmig seyn, daß bey der Jagd-Mate- rie die Regel statt habe, daß nemlich so viel verjaͤhret sey, als man im Besitz ge- habt, Gail. L. 2. Observ. 68. so wolt ich nicht behaupten, daß einer zu ha- gen befugt sey, es haͤtte denn einer das Recht einen Hagen zu schlagen, von alten Zeiten her erlangt. Jch kan auch nicht sehen, wie, des Gailii Meynung nach, nothwendig folgen muͤste, daß wer Macht zu hagen haͤtte, auch Macht zu jagen habe, sintemahl nicht zu laͤugnen, daß die Jagd, da schon kein Hag ent- halten, nichts destoweniger, und zwar gar bequem, mit Hunden und Netzen geschehen koͤnne. Petr. Frid. Mindanus scheinet auch diese Folge des Gailii mit Recht zu tadeln, und auff unsere Meynung zu inclinir en, indem er saget, daß des Gailii Meynung nicht so ohne Unterscheid, sondern nur in soweit statt haͤtte, wenn solches ohne Nachtheil des Dritten, dem vielleicht da- selbst das Hutungs-Holtzungs- und der- gleichen Recht zustehet, bequem gesche- hen koͤnte. Welches auch Gailius zuge- stehet Lib. 2. Observ. 67. num. 6. allwo er sagt, daß ein Jeder sich seines Rechts be- scheidentlich und pfleglich gebrauchen muͤsse. Was das andere Membrum der Fra- ge betrifft, so scheinet zwar, daß man be- haupten solte, wenn einmahl die Jagd verguͤnstiget waͤre, daß alsdenn auch das andere zugelassen seyn solte. Sie- het man aber auff die Observanz und Gewohn- zur Jaͤgerey gehoͤrigen Materien. Gewohnheit, so muß man behaupten, daß es unzulaͤßig sey; Denn man kan nicht laͤugnen, daß das Wild durch das Loßschiessen der Buͤchsen gestoͤhret werde, und sich aus seinem Lager zu begeben pflege. Daher ist auch gewoͤhnlich, daß die Landes-Fuͤrsten in Gnaden- und Re- vers- Jagden das Anstellen und Schies- sen auf den Hoͤltzern ausdingen und verweeren. Ja da die Landes-Herrn bey andern und frembden Obrigkeiten die Forstliche Jurisdiction haben, so ge- statten sie nicht einmahl, daß in schaͤdli- chen Orten der Wildfuhre Buͤchsen- Schuͤtzen-Haͤuser, oder Huͤtten auffge- richtet werden. STRYKII Consilium. Jnhalt. Von dem vermutheten Titulo, der zum Possessorio des Jagd-Rechts genug ist. D Emnach meine Meynung verlangt worden, weil der Besitz der Rega- li en wider den Fuͤrsten zur Erlangung der Manutenenz nicht zureichend geach- tet wird, wenn nicht der Besitzer zugleich den Titulum anzufuͤhren weiß: Ob sol- ches auch in Possessorio juris venandi, insonderheit soviel die Ober-Jagden be- trifft, dergestalt statt finde, oder ob hie- selbst ein vermeynter Titulus zu Erlan- gung des Sitzes in dem Possessorio zu- reichend sey? So erinnere mich zwar wohl, was ehemahlen auff der Universi taͤt Franck- furt unter meinem Præsidio in einer Di- sputation de Necessitate edendi titulum ausgefuͤhret worden, worinnen ich nach Manier der Academi schen Disputation en dem damahligen Herrn Respondent en als Autori Disputationis die Freyheit ge- lassen, seine Meynung, welche er pro Ca- thedra zu defendir en vermeynte, auszu- fuͤhren. Weil aber jetzo, was meine ei- gentliche Meynung von dem Possessorio der Ober-Jagden, und dem dabey con- curriren den Titulo præsumto sey, zu er- oͤffnen verlanget wird; So halte dafuͤr, daß hieselbst ein Unterscheid zu machen sey zwischen der Possess der eigendlich so genannten Regali en, die aus der Maje- staͤt oder Landesherrlichen Hoheit pflegen herzufliessen, und dem Fuͤrsten stets, als eigenthuͤmlich zugehoͤret, und unter dem Besitz der Regali en, die nur nachgehends erstlich dazu geworden, das ist, solchen Rechten, die nach dem gemeinen Recht allen in der Republic zustehen, aber nur nach und nach an den Fuͤrsten abgetre- ten worden, wohin, sonder allen Zweifel, sowohl die Ober-als Nieder-Jagden ge- hoͤren. Wenn nun der Grund derjeni- gen Meynung, daß ein Besitzer der Re- gali en nicht zu schuͤtzen, so lange der Ti- tulus nicht erwiesen, oder der Streit in dem Petitorio nicht decidir et worden, un- tersucht wird, so ist dieses die hauptsaͤch- liche Raison, weil hier das gemeine Recht dem Besitzer widerstehet, wie denn diese Meynung die klahre Verordnung der Rechte bestaͤrcket, daß, so offt das Gesetz dem Besitzer hinderlich ist, so offt hilfft ihn auch der Bona fides nichts, L. 34. ff. de Usucapion. Wann aber dieses denen Jagden appli- cir et werden soll, so ergiebt sich von selb- sten, daß die angefuͤhrte Ratio deciden- di hieselbst nicht applici rt werden koͤnne, immaassen allhier keine Frage ist von der Ausuͤbung eines Rechts, dem das ge- meine Recht wiederstehet, sondern vor den es militirt, indem ausser allem Streit, daß dem buͤrgerlichen Recht nach die Jagden ohne Unterscheid einem Jeden vergoͤnnet seyn, womit auch zu- gleich die Rechte Teutschlandes uͤberein- stimmen, wie dieses aus dem Sachsen- Recht bekant, Land-R. Lib. 2. artic. 61. Und kan biß dato aus allen in Teutsch- land publicirt en Reichs-Abschieden kei- ne Stelle angezeigt werden, darinnen die Jagden durch ein allgemein Gesetz denen Privatis benommen, und allein der Obrigkeit beygelegt worden. Einsiedel de Regal. cap. 3. n. 351. Daher auch noch diese Stunde unter den Rechts-Lehrern weitlaͤufftig gestritten wird, mit was Recht die Fuͤrsten solche Jagd-Gerechtigkeit an sich allein ziehen, und denen Privatis benehmen koͤnnen; Und ob es zwar denselben an allerhand, scheinbahren Ursachen nicht ermangelt, m 3 so Anhang unterschiedener nuͤtzlicher so fallen sie doch fast alle auf dieses einzi- ge, daß die Fuͤrsten durch eine undenck- liche Verjaͤhrung dieses Recht uͤberkom- men, wohin in vorigem Seculo anno 1584. der Chur-Fuͤrst von Sachsen selbst in ei- ner Constitution sich beziehen, muͤssen in den Worten: Und aber in Krafft des uͤber viele undenckliche Zeiten, im gantzen Roͤmischen Reich teutscher Na- tion, und anderer Koͤnigreiche und Landen verjaͤhrten und hergebrachten Gebrauchs ꝛc. Wenn nun hierwieder die Unterthanen auf obigen Grund, so wider den Besitz der Regali en angefuͤhret, daß die Possess, der das gemeine Recht wiederstehet, nicht in Consideration zu ziehen, und daß der Mala Fides auch die undenckliche Verjaͤh- rung verhindere, sich gruͤnden solten, so stuͤnde es dahin, wie die undenckliche Verjaͤhrung wider die Unterthanen in Puncto des Jagd-Rechts behauptet wer- den koͤnte. Da nun der Besitz des Jagd- Rechts in Ansehung der Unterthanen in dem gemeinen Recht gegruͤndet, das Verboth-Recht aber auf Seiten des Fuͤr- sten darinnen nicht befindlich, so muß da- hero das Possessorium des Jagd-Rechts gantz anders, als das Possessorium der andern Regali en, die aus der Landes- herrlichen Hoheit fliessen, angesehen, und also, was von den Rechts-Lehrern von dem Titul, der mit der Possess bescheini- get werden muͤste, behauptet wird, auf die Ober- und Nieder-Jagden nicht so roh applicir et werden. Und ob gleich in den meisten Laͤndern die Ober-Jag- den nunmehro zu den Regali en referir et werden, also, daß sich derselben ordent- licher Weise Niemand ohne Verguͤnsti- gung des Fuͤrsten anmaassen kan, also, daß auch der gemeinen Meynung nach unter den expresse concedirt en Jagden die Ober-Jagden nicht zu verstehen; So ist doch hingegen nicht zu laͤugnen, daß wenn die Jagden generaliter in den Lehn-Briefen befindlich, und ein Edel- mann von mehr als dreyßig und viertzig Jahren sich der hohen Jagden mit Vor- wissen des Fuͤrsten oder seiner Forst-Be- dienten gebrauchet, hieraus eine solche Vermuthung des Tituls entstehet, wel- che in Possessorio zureichend seyn muß, in- dem hieselbst das gemeine Recht nicht wi- der den Besitzer, sondern vor ihn mili- tir et, hiernechst auch die Zeit von 40. Jah- ren genung ist, daß auch die Sachen des Fisci und das Regale Fisci, nemlich das Jagd-Recht verjaͤhret werden koͤnne. L. 4. C. de Præscript. 40. annor. Und ob man gleich ex Titulo 2. Feud. 56. Quæ sint Regalia. das Jagd-Recht zun Re- galien referir en will, wie denn die mei- sten Rechts-Lehrer die Einkuͤnffte der Fi- scherey, davon in erwehntem Lehns-Tex- te gedacht wird, zu allen Jagd-Sorten, nemlich des Wildes, und der Voͤgel ex- tendir et, so geschicht solches ohne Grund, inmaassen daselbst vorhero die Fluͤsse zu den Regalien referir et werden, woraus ja nichts anders folgen kan, als daß auch die Einkuͤnffte der Fischerey dahin gehoͤ- ren muͤssen, allermaassen was auf dem Strohm eines Fuͤrsten ist, billich auch dem Fuͤrsten zugeschrieben wird; Eine andere Bewandniß aber hat es mit den wilden Thieren und Voͤgeln, welche in ihrer voͤlligen Freyheit seyn, und dahero, wenn sie auf dem Acker einer Privat- Per- son betroffen werden, (denn von Fuͤrst- lichen Gehegen ist hieselbst keine Frage,) man nicht sagen kan, daß man auf des Fuͤrstẽ Ackeꝛ u. Gꝛund-Stuͤcken, (wie vom Fluß gesagt worden,) nichts fangen duͤrf- fe. Denn der Acker gehoͤret dem Eigen- thum nach den Privat- Personen, und was man daselbst faͤngt, ist Niemandes. Daher præsumir lich, daß insonderheit der bey denen von Adel in Teutschland, weil solche sich allbereits in exercitiis ar- morum finden lassen, die Jagden auf ih- ren Guͤtern frey exercir et worden, zu- mahl da in dem gemeinen Sachsen-Recht sich dißfalls das geringste Verboth nicht findet. Gesetzt aber, daß nach dem Lehn- Recht die Jagd ausdruͤcklich zu den Re- gali en waͤre referir et worden, so wuͤrde doch eine Zeit von 30. Jahren genug seyn, dergleichen Recht zu acquirir en; als bin- nen welcher Zeit nach dem gemeinen Lehn-Recht gantze Lehn-Guͤter mit al- len ihren Rechten acquirirt werden koͤn- nen. 2. Feud. 26. §. Si quis per 30. annos. Rosenthal. de Feud. cap. 6. Concl. 78. num. 2. Und wenn man alles genau untersuchet, so ist kein Gesetz vorhanden, welches zu Erlangung auch der Ober-Jagden eine undenckliche Zeit erfordern solte, wie denn der bekante Text in Jure Canonico, Cap. Super quibusdam. 27. X. de Verb. Sign. hiervon keine Meldung thut, sondern es gehoͤret diese Jagd zu den Rechten des Fisci, zur Jaͤgerey gehoͤrigen Materien. Fisci, welche, wie gedacht in viertzig Jah- ren præscribi rt werden. So bin ich da- hero dieser unvorgreifflichen Meynung, daß, wann ein Edelmann die Jagden in seinen Lehn-Briefen hat, und er lange Jahre die Ober-Jagden nicht mit Ge- walt, nicht heimlich, nicht bittweise ex- ercir et, derselbe in Possessorio zu schuͤtzen sey, biß in Petitorio ein anders ausge- fuͤhret worden. Jedoch will hierdurch denen Landes-Herrn, an ihrer Hoheit kei- nesweges præjudicir et, sondern nur die- ses zu dem Ende angefuͤhret haben, da- mit gleichwohl getreue Vasalli und Un- terthanen nicht sofort auf der Forst-Be- dienten blosses Angeben ihrer so lang ge- habten Possession beraubet, sondern wie- der sie ordentlich verfahren, und sie mit ihrer Nothdurfft zur Gnuͤge gehoͤret werden moͤgen. MERCKELBACHII Consilium XXX. Jnhalt. Ob man das Wild, so die Wiesen und Felder verdirht, todt schlagen duͤrfe? Und ob diejenigen, so die Jagden verbiethen, gehalten seyn, zur Erse- tzung des Schadens, der durch das viele Wild verursachet worden. D Es Hochwuͤrdigen in GOtt Herrn, Herrn Petern des freyen Koͤnigli- chen Stiffts Salmans, weyl. Abden und Prælat en, wie auch den Edlen, Ehrenve- sten, Fuͤrsichtigen und Wohlweisen Herrn Buͤrgermeister und Rath der dreyen Staͤdte Costnitz, Uberlingen und Pfuͤln- dorf Unterthanen hintersessene Lehn- und Leibeigene Leute beklagen sich vielfaͤltig, daß ihnen durch das Fuͤrstenbergische in der Graffschafft Heiligenberg uͤberfluͤßig auffgezieltes hochschaͤdliches Roth- und Schwartz-Wildpraͤth an der lieben ver- mittelst GOTTes Seegen bescherten Frucht, auch Wiesewachs mit Devasta- tion, Verhegung, Vertretung, Abfres- sung und Umwuͤhlung ein unaussprech- licher Schade geschehe. Da nun wohl Hochg. Prælat e nebst Ehrg. loͤbl. Staͤdten in Septembri anno 1608. sodann den 7. Julii dieses lauffen- den 1609. Jahres den Wohlgebohrnen Herrn, Herrn Friedrichen, Grafen zu Fuͤrstenberg und Heiligenberg ꝛc. durch Schreiben respective freundlich und un- terthaͤnigst ersucht, die Anordnung zu thun, damit die armen Leute mit dem gehaͤufften Wildpraͤth ferner verschonet bleiben moͤgten, so hat doch wohlermeld- ter Graff ausserhalb eines blossen ertheil- ten Recepisse mehr Hochgedachten Herrn Prælat en, und ihrer Gel. Consort en, mit keiner Antwort wuͤrdigen, vielweniger in solchem billigmaͤßigen Suchen willfah- ren wollen; Dannenhero eine Zeit her das haͤufig zunehmende und sich meh- rende, sonderlich das schwartz Wildpraͤth weder auf die Huͤter, noch Hund, in An- sehung dieselben die kleinen und grossen Hunde durch die Heiligenbergische Forst- knechte gleich erschossen, etwas geben, sondern in grosser Anzahl ungescheuet die Wiesen und besamete Aecker umkeh- ren, einreissen und in Grund verwuͤsten, wie denn nicht weniger es den Wein- gaͤrtnern ebenmaͤßig sich naͤhern thut, alles zu aͤusersten Verderben der armen Unterthanen, ist derowegen die Frage: Erstlich, welches nuͤtzlicher und verant- wortlicher waͤre, mit dem Herrn Grafen hieruͤber zu rechten und zu fechten, oder das Wildpraͤth de Facto auf den Scha- den niederzuschiessen, liegen zu lassen und so einer des Herrn Consulent en Ange- hoͤrige wieder ledig gelassen, oder ihnen die abgenommenen Straffen restituir et worden? Zum andern: Ob man nicht gleich zu mahl rechten und fechten moͤ- ge? Drittens, wenn man nun rechten solte, wie und wo es anzugreiffen, weil gleichwohl Salman, Uberlingen und Pfuͤllendorff Staͤnde des Reichs, aber die Reichs-Staͤdte gegen Grafen und Herrn keine, aber nur Salman die Austraͤge hat, Costnitz aber nur eine Oesterreichische Stadt desmahls ist, was vor eine Kla- ge anzustellen, und wie das Klag- Libell ungefaͤhr zu formir en sey, und wohin die Petitio zu stellen, weil ja schwerlich ein Maaß der Wildfuhr kan fuͤrgeschrie- ben werden! Wessen sich inzwischen, daß man rechtet, die beschaͤdigten armen Leu- te mit Zeunen, Hagen einschlagen und erfinden, auch Tag und Nacht Hut- oder Haltung der Hunde (die man ih- nen ex adverso freylich nicht gestatten, sondern Anhang unterschiedener nuͤtzlicher sondern niederschiessen wird,) zu verhal- ten, und ob sie eben geduldig zusehen, und sich leiden muͤssen, biß daß das un- endliche Recht bey dieser juͤnckischen und Verzug uͤber Verzug fuhrenden Welt ausgehet. Zu dieser Frage erstes Membrum zu schreiten, kan affirmativa wohl behauptet werden. Denn erstlich, weil ein Jedwe- der, seiner erheischenden Nothdurfft nach, vor die Beschuͤtzung seiner Sachen den Provocant en oder Insultant en ungestrafft entleiben kan, wie nach der gemeinen Meynung Ferdinand Vasquez lehret l. 1. c. 2. n. 4. welches sonderlich bey den Ver- wuͤstern der Felder statt hat. Die Kaͤy- ser sagen: Es ist besser, daß man ihnen bey Zeiten begegnet, als daß man sich erst- lich hernach, wenn das Ungluͤck gesche- hen, revangir en will, und die Verwuͤster der Baͤume und der Weinberge koͤnnen eben am Leben gestrafft werden, als wie die Strassen-Raͤuber; L. 2. ff. Arb. furt. cæs. Farinac. Pr. Crim. qu. 20. n. 113. Um so viel desto mehr muß Maͤnnigli- chen verstattet seyn, Bruta animalia, son- derlich das schaͤdliche Wildpraͤth, wenn es eine Wiese und besamten Acker gleich- sam depopulando verwuͤstet, noch sich ab- schrecken lassen will, zu erschiessen, und zu faͤllen, weil man mit allem Recht von dem groͤssern auff das geringere schliessen kan, auch bey verhasten Materien, Crav. Consil. 451. Pacian. Consil. 61. num. 68. Allwo er sagt, wer einen in Bann ge- thanen toͤdten kan, welches das groͤssere ist, kan sich auch noch eher seiner Guͤther bemaͤchtigen, als welches noch nicht ein- mahl soviel importir et, bevorab da solch Schwartz-Wild von den Aeckern und Wiesen durch kein ander bequemlich Mittel zu vertreiben, oder abzuwenden waͤre, sintemahl sich das Jus retensionis allhier nicht practicir en laͤst, darauff man in Ansehung der zahmen Thiere, die uns oder unsern Feldern Schaden zu- fuͤgen, zu gehen, daß man es nemlich so lange an sich behalte, biß der verursach- te Schaden ersetzet worden. Siehe Coler. de Process. Execut. p. 1. c. 3. n. 64. \& sequ. Vors ander ist Rechtens, daß einer un- bestrafft, um das Seinige zu beschuͤtzen, den andern auf fremden Gruͤnden Scha- den zufuͤgen koͤnne; L. 3. ff. de Incend. naufr. Wie denn am dritten nicht weniger in Rechten versehen, daß ein Jedweder die schaͤdlichen wilden Thiere, die die Wein- Stoͤcke und Feld-Fruͤchte ruinir en, als Baͤre, Woͤlfe, wilde Schweine, todt schla- gen duͤrffe. Und ob gleich diese Ration nicht erheblich seyn moͤgte, so giebt sich doch aus beyden vorhergehenden dieser Schluß, daß Hoch- und Wohlgebohrnen Herrn Consulent en oder dero Unter- thanen mit gutem Fug Rechtens das schaͤdliche Wildpraͤth, so ihren Aeckern und Wiesen dermaassen depopulando zusetzt, ungestrafft zu faͤllen, und zu er- schiessen zugelassen. Betreffend das andere Stuͤck der erstẽ Frage: Ob nemlich im Fall der Hrn. Con- sulent en Unterthanen von dem Forst- Hrn. daruͤber beygefangen wuͤrden, auch sie dessen Forst-Knecht gefaͤnglich anzu- nehmen, und so lang und viel aufzuhal- ten bemaͤchtiget, biß die ihrige ohne al- les Entgeld wiederum auf freyen Fuß gestellet, scheint dasselbe etwas zweiffel- hafft, sintemahl ob wohl solch Beyfahen auch vor die Beschuͤtzung der Possess, oder gleichsam der Freyheit, und gar nicht vor eine Beleidigung anzusehen; Jedoch dieweil allerhand sorgliche Empoͤrung daraus entstehen, so der Herrn Consulen- ten Unterthanen weiter bedraͤngt, auch der Herr Graff zu Fuͤrstenberg Pfan- dungs- und andere Processe gegen die Herren Consulent en darum leichtlich er- halten wuͤrde, daß solche Handlungen fuͤr unrechtmaͤssige Pfandungen oder Repressali en gehalten werden moͤgten, deren sich die Herren Consulent en als mehrern Theils Ungemittelte des Heili- gen Roͤmischen Reichs destoweniger zu gebrauchen, daß ihnen dieser Sache hal- ber nicht allein keine Justiz verweigert worden, weil die Repressali en bloß auf den Fall der verweigerten Justiz Platz finden; Gail. de Arrest. c. 9. n. 13. Besondern auch dergleichen Repressali en zu verhaͤngen, allein in der Kaͤyserlichen Majestaͤt Gewalt stehet, sintemahl die Repressali en dem Krieg einiger Maassen gleich kommen, den bloß der Kaͤyser oder einer, der keinen Ober-Herrn uͤber sich erkennt, anzukuͤndigen hat, Coler. de Proc. execut. C. 2. p. 1. n. 296. Jngleichen auch, daß es daher gekom- men, daß einige die Repressali en zu den Regali en oder Kaͤyserlichen Reservat en ziehen. Dannen- zur Jaͤgerey gehoͤrigen Materien. Dannenhero moͤchte es vielleicht am rathsamsten seyn, daß mit solchem Bey- fahren der Fuͤrstenbergischẽ Forst-Knech- te etwas behutsamer verfahren wuͤrde, es sey denn, daß man Fuͤrstenberg ge- wachsen, und dawider die Unterthanen zu schirmen, auch eben die Forst-Knechte, so der Herrn Consulent en Unterthanen niedergeworffen, anzutreffen waͤren, und man sagt, ob den Cammer-Gerichtl. Process en kein Bedenckens haͤtte, auf sol- chen Fall wolt ich den Herrn Gegentheil die Briefe tragen lassen. Nichts desto weniger aber koͤnte mit dem Wild zu faͤllen gefragter maassen gleichwohl also verfahren werden, daß um mehrern Glimpfs willen Fuͤrstenberg noch 2. oder 3. mahl mit der angeheffteten Commi- nation ersucht, daß im wiedrigen Fall der Herren Consulent en den ihrigen zu Ab- wendung dero aͤusersten Verderbens die Anzahl wildes etwas zu verringern un- umgaͤnglich verhaͤngen, auch wider un- billige Gewalt nach Vermoͤgen handha- ben muͤssen. Was aber vor ein Mittel, da die Herren Consulent en sich des Orts mit den Stuͤcken der Act en beladen sol- ten, am nuͤtzlichsten an die Hand zu neh- men, davon soll bey der 47. Frage kurtz gehandelt werden. Ob wohl nicht ohne, daß derjenige, so den Weg Rechtens einmahl erwehlet, davon nicht bald einen Absprung zu neh- men, und zur That zu schreiten hat, dem da vergunt gewest waͤre, sich eigenmaͤch- tiger Weise zu schuͤtzen, so ist dieses, da man den Fuͤrsten einmahl angangen, nicht mehr zulaͤßig. Denn uͤberhaupt, wenn man einmahl den Richter anlaͤufft, so scheinet es, als ob man sich der Befug- niß die Possess eigenmaͤchtiger Weise zu nehmen, begeben; Menoch 5. remed. adipisc. n. 157. Jedoch, wann die Herrn Consulent en bey Anordnung des Rechtl. Process es protestando ausbedingen wuͤrden, wie sie dadurch ihrer Defension sich nicht be- geben, sondern das haͤuffige Wild, ihre arme Leute vor endlichen Untergang zu sichern, auch bey waͤhrendem Process in andere Wege abzuschaffen und aus- zurotten gemeynet waͤren, halte ich da- fuͤr, daß ihnen die Hand nicht gesperret werden koͤnte, denn es mercken die Rechts-Lehrer von einem Creditore an, daß ihm eine solche Protestation huͤlffe, daß er nach Verlassung des rechtlichen Weges freywillig und eigenmaͤchtiger weise zu der Sache gelangen koͤnte. Siehe Menoch. d. Remed. 5. Adipisc. n. 158. Welches denn auch um soviel destomehr statt finden wuͤrde, wenn man das Pos- sessorium retinendæ Possessionis vel qua- si Libertatis anstellen solte. Sintemahl in diesem Fall maͤnniglich sich auch unter waͤhrendem Proceß zu handhaben hat, Joseph. Ludov. Decis. Perg. 69. n. 7. Bey der dritten Frage haͤtten meines Beduͤnckens dißfalls in Ansehung der Staͤdte die Grafen sich keiner Austraͤge zu erfreuen, und koͤnte wohl unmittel- bahr am Kaͤyserlichen Cammer-Gericht geklaget werden, gleichwohl ist nicht oh- ne, daß man hochermeldtes Herrn Præ- lat en Recht als ein untheilbahres und unabsonderlich verknuͤpftes von der drey Staͤdten Gerechtsam wolle absondern, und ihrer Gn. fuͤr die Austraͤge weisen koͤnte, welches verhoffentlich nicht bald fuͤrgehen wird, indem uͤberall einerley Ursache zu klagen ist. Aber dieser Diffi- cult aͤt waͤre alsdenn vorzubiegen, wenn das Mittel, dessen bey der vierdten Frage Anregung geschicht, uns gelingen wuͤr- de. Ferner die vierdte Frage zu erledi- gen, ists einmahl in der natuͤrlichen Ver- nunfft und Billigkeit gegruͤndet; Wann eines Forst- und Wildbahns-Herrn Wild- praͤth einen andern an seinen Aeckern und Wiesen beschaͤdiget, daß dieselbe sol- chen Schaden abzutragen, und zu erstat- ten schuldig. Covarruvias sagt in C. Peccatum. p. 1. §. 8. n. 11. Diejenigen, die die Jagden ver- wehren entweder an oͤffentlichen oder Privat- Oertern, sind verbunden zu Er- setzung des Schadens, der dem Nachbarn zugefuͤgt worden, wegen der vielen wil- den Thiere, die an einem Orte, da den Unterthanen die Jagden gewehret sind, geheget worden, und die Felder sehr ver- wuͤstet. Und Johannes Saison in Consue- tud. Juron. tit. 5. artic. 1. sagt, daß die Jaͤ- ger, die die Saat den armen Bauern rui- nir en, und derer Hunde die Huͤhner den Bauer-Weibern weghaschen, groͤblich suͤndigẽ, und zur Wieder-Erstattung ver- bunden sind, es waͤre denn der Schaden so geringe, daß es sich die Muͤhe nicht lohnete. Dafern die Unterthanen durch ihr continuirli ches Wachen bey Tag und Nacht das Wild abgescheuchet, und sich inzwischen bey ihrer Arbeit viel versaͤu- n met, Anhang unterschiedener nuͤtzlicher met, so sind die großen Herrn schuldig, ihnen dieses Versaͤumniß zu bezahlen, und wieder gut zu thun. Nicht weniger weiß man sich aus den Rechten zu errinnern, daß dießfalls der Forst- und Wildbahns-Herr, da er des Dominii uͤber das Wild erlittenen Scha- dens, und zu dessen Æstimation entwe- der utili L. Aquiliæ oder de Pastu peco- ris actione, oder auch ex Edicto ff. Si quadr. paup. fec. dic. mit Recht vorgenommen, und angefasset werden kan; Siehe Gail. Obs. 68. n. 8. dieweil aber erstangedeutete Actiones nicht allein auf den bereits er- littenen Schaden und dessen Erstattung, aber nicht auf kuͤnfftige Schaͤden gerich- tet, es sey denn, daß man vermittelst der Caution in puncto executionis kuͤnfftig- hin die Urthel dahin extendir en wolte, besondern es auch hochermeldten Herrn Prælat en und ihrer Gn. Herrn Mit- Consort en, und der Unterthanen gantz unertraͤglich fallen wird, daß sie erstlich durch einen ordentlichen und fast un- sterblichen Process dieser unleidlichen Be- schwerung sich entschuͤtten solten, daruͤ- ber sie die Unterthanen wohl gar zu Schandẽ und Truͤmmern gehen wuͤrden. Hierum und zu Abkuͤrtzung dergleichen besorgten weitlaͤufftigen Procedirens wird dahin zu dencken seyn, ob nicht nach gestaltsam dieser Sache, ein Mandatum sine clausula, juxta Tit. 23. p. 2. Ord. Camer. herauszupressen. Zwar ist diß Factum mit seinen Umstaͤnden und Eigenschaff- ten verhoffentlich dergestalt auszustrei- chen, daß der Richter zu Ertheilung des- sen Anlaß schoͤpffen moͤchte. Einmahl ist von Recht und Billig- keit wegen gebothen, daß einer seine Wild- bahne ohne maͤnnigliches Schaden hegen soll, so laͤufft auch diß dem gemeinen Nu- tzen zuwider, daß um eines Standes Privat- Lust und Kurtzweil willen der Feld-Bau, so in den Rechten hoch favo- risir et, zu Grund gerichtet, die durch Gottes milden Seegen bescherte Frucht von den wilden Thieren, so in die Waͤl- der, und nicht auf die Aecker gehoͤrig, ab- gefressen, den armen Bauers-Leuten entzogen, und sie dadurch in solche Ar- muth gesetzt werden solten, daß sie nicht allein ihrer Obrigkeit die Schuldigkeit mit Reichs- und andern Steuern nicht leisten, sondern auch mit Weib und Kind die Nahrung nicht haben, ja auf laͤnger Zusehen an den Bettelstab gerathen wuͤr- den. Es erzeigt sich auch eine sehr na- he Gefahr im Verzug, also daß wegen solcher exorbitir ender Ungebuͤhr dißfalls a præcepto wohl angefangen, und den beklagenden Grafen, so derentwegen mehrmahls ersucht, sowohl die Wieder- erstattung der verursachten Schaͤden, als anbefohlen werden koͤnte, das haͤuf- fige Wildpraͤth zu erlegen, oder den Herrn Consulent en und ihren Unter- thanen die grosse Anzahl etwas zu ver- ringern, auch derentwegen grosse Hun- de zu halten, und in andere Wege sich zu sichern, und hieruͤber ihnen keine Hin- derung zuzufuͤgen. Man findet, daß in nicht viel unaͤhnlichen Terminis gleich- wohl Mandat e de relaxato Capitulo er- theilet werden; Also ist den 29. Novem- br. 1587. auf Instanz einer Standes-Per- son, wider Herrn George Friedrichen, Marggraffen zu Brandenburg ein Poe- nal-Mandat um deswillen erkannt wor- den, daß S. F. Gn. einen Schaaf- Knecht, welcher sowohl zu Beschuͤtzung der Schaaffe wider die wilden Thiere, als Feld-Gewaͤchse und Fruͤchte wi- der das Roth- und Schwartz-Wild- praͤth ungepruͤgelte Hunde auf dem Felde gehalten, beyfangen lassen, wel- cher Supplication auch dieß einverleibt ge- wesen, wie die Kaͤyserl. Majestaͤt ernste Befehl-Schreiben an S. F. Gn. abgehen lassen, dero Wildfuhren und Wild- bahns-Hegung anders nicht, denn den gemeinen Rechten gemaͤß, allein auf ih- rem Eigenthum, Grund und Boden, und also ohne Maͤnnigliches Schaden an- zustellen, daß auch Niemand verwehrt seyn soll, seinen Grund und Guͤter mit Zaͤunen, Hunden und anderer Befriedi- gung vor dem Wildpraͤth so gut, als er koͤnte, zu verwahren, zumahl da Nie- mand schuldig auf dem Seinigen und mit seinem Nachtheil einem andern sein Wild- praͤth zu unterhalten. Ebener maassen ist anno 1588. pro mandato de revocando decreto auf die vier Faͤlle und meines Vermuthens von der Stadt Nuͤrnberg wider den Marg- graff zu Brandenburg aus dem Fun- dament supplicando angehalten, ob wohl Rechtens und billig, daß der gemeine Bauersmann bey dem, was ihm der Allmaͤchtige auf dem Feld beschert, ge- handhabet, damit er das mit seinem sauren Schweiß erarbeitete Brod ha- ben, die jaͤhrlichen Steuern und Zinsen reichen moͤge, und also allen Rechten zuwider, daß frembder Herrschafft Un- ter- zur Jaͤgerey gehoͤrigen Materien. terthanen um einer andern Privat- Lust willen dahin gezwungen werden, ihre Frucht auf dem Feld den wilden Thieren zum Staube unter die Fuͤsse zu werfen, und sich samt Weib und Kindern in Hungers-Noth und Verderben zu setzen, daß dennoch dessen unangesehen Reus dieses Jnhalts ein Geboth publicir en lassen, daß ein Jeder, er sey gesessen, hin- ter was Herrschafft er immer wolle, sei- ne verzaͤunete und verglindete Waͤlder oͤffnen, und die Zaͤune und Glinder in- nerhalb 3. Tagen bey Strafe 5. Guͤlden niederlegen und gar hinweg thun sollen, der Intention, damit sein Wild in des armen Manns Schweiß und Blut un- gehindert weyden und wuͤhlen moͤge, da- mit nicht allein Rei, sondern auch Actorum Unterthanen begriffen seyn, ohngeachtet, daß sie vor undencklicher Zeit ohnverhin- dert maͤnnigliches ihre Felder verglin- det und verzaͤunet haben, welches auch ohne das einem Jeden der Recht und Bil- ligkeit nach erlaubt, neben dem, daß die- se Nuͤrnbergische Unterthanen dessel- ben Orts Reo mit einiger Bothmaͤ- ßigkeit oder Jurisdiction (ausser den Faͤllen, dadurch Jemand an Leib und Leben zu straffen,) nicht unterworf- fen. Dieweil denn solch Geboth so- wohl den goͤttlichen und natuͤrlichen Rech- ten, als dem Kaͤyserlichen Rescript, wel- ches de dato d. 18. Julii anno 1581. abgan- gen, unter diesem ungegruͤndeten Schein, als ob die Abjagung, schlagen, und faͤl- len des Wildpraͤths von seinem eigenen Grund ein Crimen publicum und solch Verbrechen waͤre, darum ein armer Mann an Leib und Gut gestrafft wer- den moͤchte, und derowegen befugt waͤ- re, auff andern benachbarten Gebiethen und Unterthanen eine besondere Both- maͤßigkeit (wie mans nennet, willfreß- lich Obrigkeit zu gebrauchen, alles dem natuͤrlichen und menschlichen Recht zu wider: So weit gehen die Worte des Kaͤysers,) auch zu Verderbung sowohl der gemeinen Landschafft, als der armen Nuͤrnbergischen Unterthanen, und nicht geringen Abgang und Schmaͤlerung ih- rer Herrschafft, Guͤlden, Zinßen, Ze- henden, Hand-Lohn, Steuer und an- derer Gefaͤlle gereicht, Hochermeldten M. auch sonderlich wider die Nuͤrnbergischen Unterthanen dergleichen fuͤrzunehmen, im wenigsten nicht befugt, ihnen eine solche Dienstbarkeit auffzudringen, daß sie mit ihrem Feld-Bau, Schweiß und Blut ihm sein von Tag zu Tag je mehr uͤberhaͤufftes Wild mit gemeinem Land- Schaden unterhalten, und das ihrige verderben und veroͤden lassen solten ꝛc. Dadurch den armen Leuten samt ihren Herrschafften, dieweil die Frucht nun- mehr zu ihrer Staͤrcke kommen, und zu der Zeitigung sich schicket, eine solche Be- schwerde auferleget, welche hiernechst nicht wiederzubringen, als das summum periculum in mora, und diese Sache, dieweil sie an ihr selbst in Rechten verbo- then, also beschaffen, daß vermoͤge des 23. Tit. part. 2. Mandata ertheilet werden koͤnten. Daher bitten sie um ein Man- dat, dadurch Reo gebothen, solch unrecht- maͤßig, unbilliges, hoch und landschaͤdli- ches Geboth, soviel die N. belangt, gaͤntzlich abzuthun und zu reuocir en, auch sich aller Execution desselben allerdings zu enthal- ten, wie denn hierauff den 17. Junii Ao. 1588. solch Mandatum in Camera erthei- let und Copia supplicationis nicht weni- ger den Symphorematis Tom. 2. p. 3. ein- verleibet worden ist. Ob wohl aber nicht ohne, daß in oberzehlten Supplicationi- bus auch andere beschwerliche Umstaͤn- de, sonderlich, daß der Schaaf-Knecht beygefangen und frembden Unterthanen das hergebrachte Verzaͤunen und Befrie- den ihrer Aecker durch ein unverant- wortlich Geboth anbefohlen supplican- do vorgetragen, und dadurch der Rich- ter desto eher ad decernendum bewogen worden, so moͤchte doch verhoffentlich, wenn narrata stringentia gebraucht, und recht eingefaͤdnet wuͤrden, ein Mandat, wo nicht sine, jedoch cum Clausula zu er- langen seyn. Demnach oben bey der 1. und 2. Fra- ge angereget worden, daß vermittelst der Protestation de non resiliendo a via facti sich hoch und wohlermeldte Herren Con- sulent en und ihre Unterthanen das schaͤd- liche Wildpraͤth auf ihre Wiesen, Aecker, Gaͤrthen und andere Grund-Stuͤcke fal- len moͤgen, so ist auch desto ungezweiffel- ter, daß mit hagen, einschlagen, ver- zaͤunen und verfrieden sich die Untertha- nen dawider auch lite pendente zu schuͤ- tzen, und da sie hieruͤber mit ohnmilden Strafen belegt, und zu Erziehung der- selben beygefangen werden solten, ihrer Herrschafft wegen dero eigenen Interesse zu sonderlicher Relaxation derselben am Kaͤyserlichen Cammer-Gericht Mandata auszuwuͤrcken haben. Welches ich zu mei- nem Gutachten auff mehr Verstaͤndiger n 2 Verbesse- Anhang unterschiedener nuͤtzlicher Verbesserung hochermeldten Herrn Præ- lat en, und den dreyen loͤblichen Staͤdten unterthaͤnig und dienstlich anzeigen sol- len. Speyer den 20. Junii, Ao. 1609. BIDENBACHII Quæst. Nobil. XVI. Jnhalt. Ob wegen seiner Forstlichen Obrigkeit ein Fuͤrst mit denen in seinem Land Ge- sessenen von Adel das Mit-Jagen habe? E S scheinet, daß man einen Unter- scheid zu machen habe, ob nemlich die Jagden von dem Landes-Herrn de- nen von Adel so concedir et waͤren, daß in dem Fall dem Herrn das Jagd-Be- fugniß auch zugleich mit zustuͤnde, indem die grossen Herren dieses Recht auff die Edelleute gebracht, nicht daß sie sich dar- bey der Jagd-Befugniß gantz und gar entziehen wolten, sondern solche nebst ih- nen zugleich mit zu brauchen; Oder ob die Edelleute die Jagden auff frembden Grund-Stuͤcken, als ein Recht der Dienstbarkeit gebrauchen. Da aber durch den Gebrauch und die Gewohnheit einmahl recipirt worden, daß die Jag- den nicht nur auff eigenen Aeckern, son- dern auch auff frembden Lehnen exer- cirt werden sollen, zumahl wenn die Ge- nehmhaltung und Connivenz derer von Adel dazu kommen, und von ihnen kein Verboth erfolget; So koͤnnen die von Adel wohl schwerlich ihren Ober-Herrn in dem Gebrauch des Mit-Jagens hin- derlich seyn, zumahl wenn man conside- rir et, daß die Reichs-Fuͤrsten von Roͤmi- scher Kaͤyserlicher Majestaͤt mit aller forstlichen Obrigkeit, Wildbahnen, Jag- den und Jagd-Gerechtigkeiten in dem gantzen Hertzogthum, und also uͤber die Felder ihrer Edelleute mit belehnet sind. LYNCKERI Decis. 883. O B schon die Jagden ein besonders Re- gale sind, u. billig in den Lehn-Brief- fen ausdruͤcklich mit benennt seyn sollen; Finckelth. O. 41. n. 11. \& 13. Dafern aber doch in einem uͤber ein Lehn-Gut auffgerichteten Kauff-Brieff dasselbe mit den Jagden verkaufft wird, und der Lehns-Herr seinen Consens in- gemein uͤber alles, was darinnen ent- halten, ertheilet; Auch der Vasall hieruͤ- ber sich eine lange Zeit der Jagden oͤffent- lich gebrauchet; So ist daraus des Va- sallen Jagd-Recht, wie es verschrieben ist, gnugsam zu behaupten, ob schon in der Belehnung des Jagd-Rechts nicht gedacht wird, indem die Einwilligung des Herrn, wenn sie hernachmahls da- zu koͤmmt, schon genug ist; Und muß man einen langwierigen Gebrauch bey der Jagd, die zumahl mit einem Titulo versehen, als in diesem Fall die Einwil- ligung des Herrn ausmacht, allerdings in Consideration ziehen. Noe Meurer. P. IV. vom Jagd- und Forst-Recht, fol. 85. Jm uͤbrigen sind mit denen Worten Wildfuhre, Wildbahne, it. Wald-Jag- den und aller Wildfuhre in den Lehn- Briefen die Hohen- und Nieder-Jagden zu verstehen, Bidenbach. Quæst. Illust. 15. hingegen ob gleich die Worte mit allen Gnaden und Gerechtigkeiten nichts aus- genommen sehr general; Dieweil aber doch ein und ander besonders Regal nicht eben darunter nothwendig begriffen seyn muß, sondern vielmehr eine Gene- ral-Concession eine Erleuterung sonst woher, auch sonderlich ex usu \& exercitio bedarff; So sind auch fuͤr sich darun- ter die Jagden nicht gemeynet, als wel- che eine Special-Investitur oder eine Ver- jaͤhrung einer sehr langen Zeit noͤthig haben, Schrader. III. de Feud. c. 4. n. 47. insonderheit aber hat es mit den hohen Jagden die Bewandniß, daß solche un- ter der Verleihung der Jagden nicht mit zur Jaͤgerey gehoͤrigen Materien. mit begriffen, ob einer schon mit einem Gebiethe, darinnen viel Waͤlder sind, mit belehnet worden; Schrader. d. l. n. 47. Wenn aber in den Lehn-Brieffen folgen- de Formalia befindlich: Mit allen an- dern Gnaden und Gerechtigkeiten, nichts ausgenommen. Item: Wie es alles Namen haben mag, nichts aus- geschlossen. Jngleichen: Herrlichkeit an Jagden, nichts ausgenommen. Ferner: Jagden aller Thiere, gehend und fliegend? So sind den Vasallen auch hohe Jagden verliehen, weil unter den allgemeinen Worten alles mit be- griffen. Endlich ist der Unterscheid, was eigentlich zur hohen und was zu der Nieder-Jagd gehoͤre, aus dem Ge- brauch eines und andern Orts zu neh- men und nach demselben sich darnach zu achten; Rosenthal. d. c. V. Concl. 94. in fin. Jedoch werden insgemein zum hohen Wildpraͤth gerechnet Hirsche, wilde Schweine, Baͤre, Rehe, Trappen, Auer-Huͤhner, Hasel-Huͤhner, Berg- Huͤhner, Schwaͤne, wie zu dem Nieder- Weydewerck Hasen, Dachse, Fuͤchse, wil- de Katzen, Feld- und Reb-Huͤhner, Krams-Voͤgel, Lerchen, wilde Enten, wilde Tauben, Schneppen und derglei- chen Wasser-Voͤgel, wiewohl auch an etzlichen Orten die Mittel-Jagd, dazu Rehe und Frischlinge gezehlet werden, in Ubung ist. Siehe Wehner. O. Pr. voc. Forst-Recht. Seckendorff, P. III. Fuͤrsten- Staats c. 5. n. 2. Responsum Der Hochloͤblichen Jurist en- Facult aͤt zu Wittenberg/ aus Casparis Ziegleri Tractat de Juribus Majestatis, Lib. II. Cap. 14. §. 46. genommen. Jnhalt. Wer uͤber undenckliche Zeit auf eines andern Grund und Boden gejaget, ist bey der Possess des Jagens zu schuͤtzen, und kan wider denjenigen, so ihn in dem Jagen turbir et, oder Eingriff thut, Klage erheben. H At euer Client einer von Adel im Fuͤrstenthumb Glogau zwey Land- Guͤter, Borcke und Sabor genannt, ei- ne halbe Meileweges von Groß Glogau gelegen in Besitz, welche sein Groß-Va- ter Anno 1588. von Martin Senfftleben, damahligen Glogauischen Amts- Secre- tario, erkaufft, jederzeit richtig genossen, und auf itzigen Besitzer, vermittelst sei- nes Vaters verstammet, und es hat sich nicht allein itziger Besitzer, sondern auch dessen Vater, und Groß-Vater, von Anno 1588. unter andern Gerechtigkei- ten, auch der Jagden, insonderheit aber der Hasen- und Fuchs-Jagd, so wohl Reb-Huͤner, und Vogel-Fangs, jederzeit kuͤhnlich, und von maͤnniglichen unge- hindert, auf diesen beyden Guͤtern ge- brauchet, auch als eures Clienten itzigen Besitzers Vater, wegen seiner Amts- Geschaͤffte, und Verrichtungen, der Jagd nicht obliegen koͤnnen, solches Jagd- Recht seinen Nachbarn zu ihrer Lust zu gebrauchen, precario eingeraͤumet, und dasselbe per Tertium uͤberlassen, und ob gleich vor 10. oder 11. Jahren bey eures Clienten Unmuͤndigkeit von dem itzigen Haupt-Manne Glogauischen Fuͤrsten- thumbs, ein gewisses Schloß-Gehege, durch Aufrichtung unterschiedlicher Seu- len bezircket, darunter auch diese beyde Guͤter, Borcke und Sabor, mit ihrer gantzen Circumferenz, eingezogen, und dadurch die Jagd-Gerechtigkeit, oder de- rer Possession vel quasi interrumpir et werden wollen; So hat doch euer Cli- ent sich solches nicht irren, sondern auch noch fuͤr erlangter Muͤndigkeit mit Hun- den und Winden auff seinem bezirckten Grund und Boden sich stets finden, und daß er sich seiner Jagd-Gerechtigkeit, und derselben Besitz zu begeben, nicht ge- meinet sey, oͤffentlich sehen und spuͤhren lassen; Jmmassen er auch der Jagden sich nachmahls gebrauchet, und nunmeh- ro entschlossen, zu ferner Erhaltung sol- cher Gerechtigkeit, zumahlen weiln er mit stattlichen Begnadigungs-Brieffen ver- n 3 sehen, Anh. untersch. nuͤtzlicher zur Jaͤgerey gehoͤrigen Materien. sehen, den Weg Rechtens zu ergreiffen, und sich dadurch bey deroselben Possess vel quasi \&c. zu schuͤtzen, nach mehrerm Jn- halt euers Berichtes, und der Beylagen. Wenn nun gleich in denen Uns Copey- lich zugeschickten Investitur, und Lehn- Brieffen, die Jagd-Gerechtigkeit nicht zu befinden, und dahero, daß euer Client, sich derselben zu gebrauchen, nicht befugt, geschlossen werden moͤchte; Dennoch aber und dieweil, eurem Bericht nach, euer Client, dessen Vater, und Groß-Vater, von Anno 1588. jederzeit in geruhigem Exercitio der Hasen- und Fuchs-Jag- den, wie ingleichen der Rebhuͤner, und Vogel-Fangs, verblieben, und er durch die vor 10. oder 11. Jahren aufgerichtete Hege-Seulen, von solcher Jagd-Ge- rechtigkeit sich nicht abhalten, sondern derselben ungeachtet auf solchen seinen Grund und Boden, sich mit Hunden, und Winden, oͤffentlich sehen lassen, so ist er auch bey der Possess vel quasi dieser Jagd-Gerechtigkeit nochmahls nicht un- billich zu schuͤtzen, und deswegen in Pun- cto turbatæ possessionis Klage anzu- stellen, in Rechten wohl gegruͤndet, V. R. W. DICTIO- DICTIONARIVM Derer Weyde-Woͤrter und Jagd- Terminorum. Dictionarium derer Weyde-Woͤrter DICTIONARIVM Derer rechtfoͤrmlichen Weyde-Woͤrter oder Termino- rum Technicorum, wie solche nach rechter Jaͤger-Manier/ und Ethymologice gruͤndlich zu pronuncir en/ und auszusprechen. A. A Bjagen, ist zu verstehen, wann man mit Zeuge die eingestellten Thiere will fan- gen, oder umbbringen. Abjagungs-Fluͤgel, ist, welcher nach dem Lauff zugehet, und der also nach der manier lichen Proportion gehauen, wie das Jagen muß formirt seyn. Abprossen heisset man, wann ein Hirsch die Baͤumlein scheelet, daß die junge Rinde also herunter hanget, als sey es geschnit- ten. Abschrecken, heisset einiges Wildpraͤth von Feldern des Nachts nach dem Holtze jagen. Abschreiten, ist, wann man schreitet, wie- viel Schritt von einem Ort zum an- dern, geschicht nach der Laͤnge der Tuͤ- cher. Absprung, thut ein Hase, wann er einen Wieder-Gang gethan und dann darvon auff die Seite abspringet. Abstecken, dieses Wort wird zur Formi- r ung des Lauffs gebrauchet, weiln man darzu muß etliche Hefftel einschlagen, darnach man solchen stellet. Abwerffen, sagt man von den Hirschen oder Reh-Boͤcken, wann sie die Gehoͤrne ha- ben abfallen lassen, nehmlich der Hirsch hat geworffen oder abgeworffen. Aesen, heisset man es, wann das Roth-Wild- praͤth frisset, nehmlich es aͤset sich. Affter-Buͤrde, ist das junge Kalb in Mut- ter-Leib, welches in einem Stuͤck Wild gefunden wird. Affter-Klauen, nennet man die zwey klei- ne Klauen, so den Hirschen, Wildpraͤth, Sauen, und mehr Thieren, hinten an den Laͤufften uͤber den Ballen heraus ge- wachsen. Ameißen-Baͤre, werden genennet, welche Ameißen, und Honig, aber sonsten kein Aaß fressen. Anblasen, thut man, wann das Jagen an- gehet, abblasen aber wann es zu Ende gangen ist. Angehend-Schwein, heisset ein dreyjaͤhrig Schwein, maͤnnlich Geschlechts. Ankuppeln, sagt man, wann man will die Hunde zusammen binden und zum Ja- gen fuͤhren. Anlauffen lassen, heisset, wann man einen Spieß einer Sauen vorhaͤlt, in Mey- nung, daß solche selbst einlauffen solle. Anschlagen, sagt man von einem Hund, wenn er etwas siehet und mercket, daß er bellet. Ansprechen gebraucht man, daß man sagt, ich habe den Hirsch vor soviel Enden zu haben angesprochen. Ansprechen braucht man auch, daß man sagt, ich habe die Spuhr vor diese oder jene Faͤhrd angesprochen. Anstellen, heist sich an einen Ort hinstellen, dahin zugetrieben wird, umb, so was von Wildpraͤth kommt, selbiges zu schiessen. Arbeiten sagt man auch, wann man die Hunde zu einem gewissen Thiere gewoͤh- nen will, nehmlich zum Hirsch arbeiten. Auffbrechen, heist, wann man mit einem Stuͤck Holtz den Englischen Hunden, welche sich gar zu sehr im Fleisch verbis- sen, den Mund auffbeuget. Auffbrechen sagt man auch, wenn man auf- schneidet an einem Thiere, umb ihm das Eingeweyde heraus zu nehmen. Auffloͤsen, oder Abloͤsen, sagt man, wann einer etwas an einem Thier, auff- oder ab- schneidet. Auffsetzen, sagt man von den Hirschen, wann ihm die Gehoͤrne wachsen, nehmlich wie hoch hat er auffgesetzet. Augensprosse, nennet man das unterste En- de, an einer Hirsch-Stange, welche dem Hirsch nechst uͤber dem Auge heraus- gewachsen. Ausschiessen, wird gehalten, wann das ge- jagte Wildpraͤth von der Herrschafft ge- schossen wird, es sey zu Lande, oder Was- ser jagen, aus denen Zelten. Auswerffen, thut man, wann man dem Thiere das Eingeweyde ausschuͤttet oder wirfft und es wegleget. B. Bache ist ein Schwein, weibliches Ge- schlechts, welche Junge zeuget, oder zum wenigsten tuͤchtig darzu ist. Baͤlge und Jagd- Terminorum. Baͤlge, nennet man der Raub-Thiere ihre Haͤuthe. Baͤumen, sagt man, wann ein Luchs, Mar- der oder wilde Katze von einem Baum zum andern springt. Baiß, heist der Falconierer ihr Weydewerck, mit dem Falcken oder Habicht. Ballen, nennet man des Hirsches seine Un- terlaͤuffte, worauf er gehet. Bast, wird das rauche Haͤuthlein genennet, das den Hirschen umb das Gehoͤrne waͤchst, ehe sie vollkommen werden. Bau, nennet man ein Fuchs- oder Tachs- Loch. Befluͤgelter Wald. Suche Fluͤgel. Behaͤltniß, ist ein Dickigt oder morastiger Ort, darinnen sich das Wildpraͤth ger- ne auffhaͤlt. Behaͤngens-Zeit, ist in der Zeit, kurtz ehe die Hirsche feist werden, da man die Leith- Hunde abrichtet, oder ausfuͤhret. Belauffen, heisset, wenn sich die Hunde mit einander selbst vermischen. Belegen, sagt man, wenn man einen Hund mit einer Huͤndin sich vermischen laͤsset. Bellen, thut der Fuchs, wann es will ander Wetter werden und truͤb ist. Bereithen, in Bezirck bringen, voꝛbrechen, heist man, wann einer bey gefallenem Schnee der Schweine oder Woͤlffe Spuhr, an einem Dickigt hinein, aber nicht wiederumb heraus hat. Beschlagen, sagt man, wann der Hirsch auf ein Stuͤck Wild springet, nemlich, ich habe einen Hirsch sehen ein Stuͤck Wild beschlagen, oder besprengen. Bestaͤttigen, ist, wann einer mit einem Leith- Hunde umb einen Hirsch herumb ziehet, in einem Holtze, die Spuhr an einem Orte hinein ins Holtz, und hernach nicht wieder heraus hat. Bestaͤttigungs-Jagen, ist das, so einer mit einem Leith-Hunde einen oder etliche Hirsche bestaͤttiget, und dieselbe dann eingestellet werden. Beyher stellen, ist oder geschiehet, oder heist, wo man zugleich treibet, und darne- ben beyher mit Zeuge stellet. Bezirck, in Bezirck bringen oder bekreys- sen, heist, wann man umb ein Gebuͤsch herumb gehet, um zu sehen, ob dasjenige Thier, welches man an einem Ort hie- nein gespuͤhret, nicht heraus sey. Biß oder ein Gebiß, heisset das Maul eines Wolffes oder Fuchses und aller Raub- Thiere. Blatt, wird das grosse Weyde-Messer ge- heissen, wormit das Wildpraͤth zer- hauen, und in Brathen vertheilet wird. Blume, nennet man die Spietze an des Fuch- ses Schwantze. Bock, nennet man das Maͤnnlein eines Rehes, als nemlich einen Reh-Bock. Branten, werden des Baͤren Fuͤsse genen- net. Brechen, nennet man, wann die Sauen wuͤhlen, nemlich sie brechen. Bruch, heisset diejenige Staͤdte, allwo das Thier sich befinden muß und man dessen letzte Spuhr gesehen hat. Bruch heisset ein Stuͤck Eichen-Laub, das man auff den Huth stecket. Brunfft, heisset die Zeit der Liebe, Begierde und Hitze derer Hirsche nach der Feiste. Brunst heisset die Zeit der Liebe, Begierde und Hitz des Schwartz-Wildpraͤths der Schweine. Buch-Mast, ist zu verstehen, wo viel Buch- Eckern seyn. Bug, ist derjenige Theil an einem Thiere, hinter dem Vorder-Laufft, wo die Rib- ben enge zusammen kommen. Buͤchsen-Spanner, ist ein Diener, der Herrschafftlich Gewehr ladet. C. Contra-Lauff, wird also genennet, wann zwey Jagen gegen einander uͤber, und nur ein Lauff zu allen beyden Jagden gebrau- chet wird. Creutz, hat ein Hirsch in seinem Hertzen, von Bein. Creutz-Fluͤgel, wird genennet, wann nur zwey Fluͤgel, oder Stell-Fluͤgel, oder Wege, in einem kleinen Waͤldgen seyn, und soviel Creutzweiß uͤber einan- der lauffen, oder qver uͤber einander kom- men. Crone, heist, wann der Hirsch drey oder vier Enden oder mehr oben auf der Stan- ge traͤgt. D. Dickigt, ist ein Ort, der mit gar sehr di- cken Straͤuchern und Gebuͤsch bewach- sen. Dick-Maß, nennet man auch das Bast eines Hirsches oder Reh-Bocks Gehoͤrns, welches abgeschlagen worden. Druͤcken, nennet man, wann sich ein Hase, oder ander Thier, gantz auff die Erde niederleget, und den Kopff nieder- beuget, umb nicht gesehen zu werden. E. Eichel-Mast, ist zu verstehen, wo viel Ei- cheln oder Eckern seyn. Einfangen. Suche Fangen. o Einkreißen, Dictionarium derer Weyde-Woͤrter Einkreißen, wird genennet, wann die Bau- ern oder Leuthe Woͤlffe in die Straͤu- cher spuͤhren, im Schnee aber nicht wie- der heraus, daß sie rings herumb ge- hen. Eißbein, wird ein halb Theil von dem Schlos- se eines Thiers genannt, wann aber beyde noch beysammen, so heisset es das Schloß. Ende, ist eine Spitze von eines Hirsches Ge- hoͤrn. Ende, nennet man auch, eine Spitze von ei- nes Reh-Bocks Gehoͤrn. Ende oder Sturtz, heisset man auch des Hir- sches Schwantz. Erheben und erniedrigen, wird von einem Baͤre gesaget, welcher bald in die Hoͤhe, bald auf die Erden siehet, umb etwas zu erfahren. Erlegen, heist, wann man etwas umbbringet, es sey durch stechen oder schiessen. Erschlagen sagt man, wann ein Bauer ei- nen Wolff oder Fuchs, welcher ins Netze faͤllt, mit einer Kaͤule oder Art todt- schlaͤget. Erwuͤrgen und erbeissen, heist, wann man die Hunde auff ein Thier hetzet, daß die- selben solches umbbringen sollen. F. Faͤhrde, ist eine Spuhr oder Tritt, da ein wild Thier in Erdboden eingetreten, daß man es erkennen kan. Faͤllen, sagt man, wann einer einen Baum umbhauet, oder ein Thier todt ma- chet. Faͤnge, sind die groͤsten Zaͤhne eines Wolffs, Baͤren, Dachses, Fuchses und Hundes. Fahren, thut der Hase, wenn er auff dem Hintern rutzschet. Falle. Suche Fang. ge Fallen, sagt man, wann man einen Hirsch oder Wild todt liegend antrifft, in einer Hecken, so von einem Schuß oder Stich, oder Kranckheit und Hunger gestorben, und verfaulen muß. Fang, ist zu verstehen ein Stich, den man in ein wildes Thier thut. Fang oder Falle, nennet man, das von Holtz gemachet, umb einen Baͤren, oder Wolff zu fangen. Fangen, nennet man auch, wann ein Hund, Wolff oder Fuchs ein Thier nie- derziehet, nemlich sie, oder er hat das oder jenes gefangen. ein Fangen, heisset man, wann ein Raub- Thier oder Hund hat in das andere gebissen; Man sagts auch, wann man wilde Thiere in einer Vermachung lauffen hat, und in Kasten thun will, man will sie einfangen. genuͤck-Fang, ist der Stich im Genuͤcke, welchen man mit einem spietzigen Stahl thut. Fang-Eysen, ist ein Schwein-Spieß. Fang-Stricklein, ist ein klein Leinchen, die Hunde damit zu fuͤhren. Feich-Blatt, oder Feigen-Blatt nennet man das weibliche Glied an einem Stuͤck Wild, oder ander Thier. Feist, heisset man das Fett an den wilden Thieren Fehlen, heisset, wann Jemand schiesset/ und die Kugel wo anderst hinflieget und ge- het. Rehe-Fell, nennet man eines Rehes Hauth. Felßen, nennet man Stein-Gebuͤrge. Fliehen, sagt man von einem Hirsche, wann er springet, nemlich er fliehet oder fleugt. Fluͤchtig, sagt man, wann ein Hirsch laufft, nehmlich der Hirsch oder das Thier ist fluͤchtig. Fluͤgel, ist ein gehauener Weg, dergleichen durch ein Holtz gehet, werden mit Zie- fern gezeichnet. be Fluͤgelter Wald, ist ein Ort, der mit denen zur Jagd dienenden gehauenen Fluͤgeln versehen. Fluͤgel-Horn, ist ein schlecht einfach altvaͤ- terisch meßing Horn, welches der Fluͤ- gel-Meister, zum rechten und lincken Fluͤ- gel fuͤhret. kreutz-Fluͤgel, heisset, wann nur zwey Fluͤ- gel oder Stell-Wege in einem kleinen Waͤldgen oder Hoͤltzgen seyn, und so die- selben creutzweise uͤbereinander lauffen, oder das werden auch Creutz-Fluͤgel ge- nennet, die in der mitten durch einen grossen Wald, recht quer uͤber einander lauffen, dieselben werden aber doch mit Zahlen bezeichnet. stell-Fluͤgel, ist ein gehauener Weg, der nicht gar durch ein Holtz gehet, werden mit Buchstaben gezeichnet. Forckel, ist eine Stange, darauf die Tuͤcher und anderer Jagd-Zeug auffgestellet wird, an theils Orten nennen sie es auch einen Stieffel. Forst-Graͤntze, ist, wie weit eines Foͤrsters anbefohlene Revier herumb graͤntzet, auch da derselbe Ausgang ringsher be- nennet sey. Forst-Hauß, wird darumb also genennet, weil ein Ober-Forst-Meister da wohnet; Es und Jagd- Terminorum. Es werden auch Theils Haͤuser also ge- nennet, da Ober-Foͤrster und Foͤrster wohnen. Forst-Revier, ist, was einem Foͤrster, oder Schau-Reuther zur Auffsicht be- fohlen. Fressen, sagt man vom Wolff, Baͤr, Fuͤch- sen und dergleichen. Ge-Fraͤß, sagt man auch von dem Schwartz- Wildpraͤth, wo es seine Nahrung ge- nommen. Frischling, heisset ein jung wild Schwein- gen im ersten Jahr, dergleichen im an- dern jaͤhrige Frischlinge. G. Gabel-Hirsch, ist ein Hirsch, dem nur al- lein nebst den Spiessen die Augen- sprossen ausgewachsen und kein Ende mehr hat. Gaͤnge, saget man von denen Thieren oder Hunden, so wohl lauffen koͤnnen. Gantz machen, heisset das Treibe-Volck in der Reihe und Ordnung stellen. Garn, sind die Netzen, zun Hirsch-Sauen- Reh-Hasen- und Wolffs-Jagden. Geaͤß, heisset die Nahrung oder Felder des Roth-Wildpraͤths, auch des Rehes und Hasens. Gebiß, wird des Wolffs-Maul genennet. Gebuͤrge, heisset man den Ort, da viel Berge und Stein-Felsen seyn. Gefallen. Suche Fallen. Gefꝛaͤß. Suche oben nach dem Wort Fꝛessen. Gehaͤge, ist ein Ort, da man dem Wild- praͤth nichts thut und es daselbst haͤget. Gehaͤuigt, ist derjenige Ort, wo vor etli- chen Jahren altes Holtz abgehauen, an deren Stelle junges waͤchst. Gehoͤrne Suche unten Geweyhe. Geiß, heisset das Weiblein eines Rehes. Gelte Thier, ist ein Thier, das das vorigte Jahr ein Kalb getragen, und dieses Jahr gelte gehet. Genuͤck-Fang, Suche Fang. Genuͤß Geben, heisset, wann man das erst gefaͤllte Wildpraͤth, weil es noch warm ist, auffbricht, und den Hunden das Eingeweyde zerhacket, und samt dem Brod mit dem Schweiß vermischt zu essen giebet, und darbey mit dem Horn blaͤßet. Genuͤß-Jagen, ist das erste Jagen im Jah- re, Hirsch-Feist und Schwein-Hatz, da solches geschiehet. Gereusch, heisset Hertz, Lung und Leber von wilden Thieren. Gescheide, nennet man die Daͤrme von ei- nem wilden Thier. Gewehr, nennet man der Sauen, und ande- rer Thiere/ so beissend sind, ihre Fang- Zaͤhne. Geylen, heissen die Hoden von den Thieren. Gute Nase, sagt man hat der Hund, wel- cher die Faͤhrd richtig verfolget. Geweyhe Gehoͤrne sind die Hoͤrner vom Hirsch, die Hoͤrner aber so die Rehe- Boͤcke tragen, heissen eines Rehe-Bocks Gehoͤrn, und kein Geweyhe. H. Haͤnge-Seil, heisset der lange Rieme, daran der Leith-Hund gefuͤhret wird. Hau, ist ein Ort, da das Holtz vor einem Jahr oder kuͤrtzerer Zeit weggehauen, und wieder jung Holtz auffwachsen will. Hauen, nennet man es, wann ein Bieber ei- nen Baum umbbeisset. Hauend Schwein, heisset ein vollkommenes grosses Schwein, maͤnnliches Ge- schlechts, welches 4. Jahr und druͤber alt ist. Haupt-Fluͤgel. Suche Fluͤgel. Haupt-Jagen, ist ein solches, da man in einem grossen Wald das Wildpraͤth zusammen treibet. Haupt-Leine, ist die oberste Leine an dem Tuch. Haupt-Linie, ist die lange Linie, so weit man sehen kan. Haubt-Treiben, ist, wann in einem grossen Wald das Wildpraͤth zusammen ge- trieben, und nach dem Abjagen gejaget, darneben auch mit Zeuge hergestellet wird, daß solches sich scheuen, und nicht austreten moͤge. Hauth, heisset des Hirsches, Wilds, oder Schweines Fell. Hefftel zun Leinen in den Tuͤchern, ist ein starcker Pflock. Hefftel zun Wind-Leinen, ist ein maͤßiger Pflock. Hertz-Cammer, ist, wo das Hertze lieget, und die Ribben vorne enge zusammen kommen beym Buge. Hetzen, ist die Hunde, oder den Hund loß lassen. Hetzen reithen, ist mit Windspiehlen auff das Feld reithen, einen oder mehr Ha- sen zu fangen. Heulen, thun die Woͤlffe, bey grimmiger Kaͤlthe, wann sie nichts zu fressen finden. Hiffte abstossen, heisset mit dem Ruͤden oder Huͤfft-Horn viel oder wenig den Athem zu blasen abbrechen. Hindin, wird des Weiblein deß Hirsches ge- nennet. Hirsch-Feists-Zeit, ist zu verstehen, wann o 2 es Dictionarium derer Weyde-Woͤrter es Zeit ist, die Hirsche zu fangen, nehm- lich wann dieselben am feisten seyn. Hirsch-Feists-Jagen, gleich also, jedoch wann das wuͤrckliche Jagen derselben geschicht. Hirsch-Gehoͤrne Hirsch-Geweyhe Hirsch-Stangen sind Hoͤrner vom Hirsch. Hirsch-Kalb, ist ein jung Hirschgen, maͤnn- lichen Geschlechts, wird im ersten Jahr also genennet. Hoch gehen, heisset, wenn der Hirsch schlagen will. Zu Holtze schiessen, heisset, wenn einer ein Wildpraͤth schiesset und nicht recht trifft, daß es sich verkriechet, stirbet und von Maden gefressen wird. Hornfessel, ist ein Riemen von Corduan, woran das Horn angefesselt ist, und haͤnget. J. Jaͤger-Recht, heisset der Kopff und Halß von dem Wildpraͤth, nebst dem Einge weyde. Jaͤhriger Frischling, vide lit. F. Jagdbahr und wehrhafft Schwein, heis- set man auch ein vierjaͤhrigt Schwein, maͤnnlich Geschlechts. Jagdbahrer Hirsch, ist zu verstehen, ein Hirsch der vollkommen groß ist, und uͤber 300. Pfund wiegt. Jagd-Hunde loͤsen, heisset die Jagd-Hunde loß machen und lauffen lassen. K. Kaͤmpffen, saget man, wann sich zwey Hir- sche mit einander stossen, nehmlich die Hirsche kaͤmpffen. Kammer, wird auch der Abjagungs-Fluͤgel genennet. Kessel, nennet man den Ort in einem Dachs- Bau, da sie recht liegen, und ihr Lager gemachet haben. Kessel-Jagen, ist ein jagen, das rund einge- stellet ist. Keule, wird der Hinterlaufft mit dem Wildpraͤth von einem Hirsch, Thier, Schwein, genennet. Keyler, heisset ein jung wild Schwein, maͤnn- liches Geschlechts, das uͤber ein Jahr, und biß ans dritte Jahr alt ist. Kirchgang, heisset, wenn ein Hirsch gemach zu Holtze gehet. Klauen, werden der vierspaltigen Thiere ihre Krahlen genennet. Kolben, heissen des Hirschs sein Gehoͤrne, so lange sie wachsen, und noch weich, auch nicht vollkommen seyn. Kranck seyn, sagt man, wann man ein Wild schiessen thut, und es lauffet fort, aber doch nicht, wie sonsten, sondern daß es ein Zeichen giebt. Kreutz, ist ein Beinlein, das der Hirsch in sei- nem Hertzen hat. Kreutz-Fluͤgel. Suche Fluͤgel. Krohne, heisset, wann ein Hirsch, drey auch mehr Enden oben auff einer Stange hat. Krumb-Ruthe, ist eine starcke Stange, deren man nur zwey auff einem Lauff brauchet, daran sind drey Windleinen gebunden, die inwendig gleich dem Schirm uͤberstehen, darumb, weiln da ein kleiner Winckel, mit dem Tuch ge- stellet wird, und eine andere Furckel nicht halten kan. Kruͤmmen, heisset, wann ein Wild wei- dewund geschossen, daß die Haut sich faltet. Kuͤmmerer, heisset man einen Hirsch, wel- cher in dem Streit die Hoden verlohren hat. Kuppel Jagd-Hunde, sind zwey Hunde frantzoͤsisch, drey teutsch. Kuppel-Jagd, heisset, wann denen von Adel in gewisser Zeit, erlaubet wird, Hasen zu hetzen, und in einem Revier ihrer etliche Edelleuth mit einander jagen. Kuppel, sind zwey Hunde Halß-Baͤnder, mit einer Kettel angemachet, zusammen zu binden. Kurtz-Wildpraͤth, werden die Testiculi oder das Zeugungs-Glied des Wildes genennet. L. Lachter-Baum, wird ein Baum geheissen, daran ein Graͤntz-Zeichen gehauen. Lager, wird genennet die Stelle, darauf ein wild Thier gelegen oder ein Hase geses- sen. Lauff, ist ein lichter Platz, welcher mit hohen Tuͤchern eingestellet, darauf der Hohen Herrschafft das Wildpraͤth vorgejaget wird, und dieselben es da niederschiessen, hetzen und fangen. Lauff-Platz, ist ein Ort, der zu obigem be- quem. Lauff-Tuch, wird das jenige Tuch genennet, welches die Quere zwischen dem Jagen, und dem Lauff stehet, so, wann das Wildpraͤth auff den Lauff soll gejaget werden, auffgehoben, oder zusammen gezogen wird. Laufft, ist ein Bein von einem Hirsch, oder an- dern wilden Thiere. Laut, ist der Jaͤger von Horn und Halß, wann er wohl schreyen und blasen kan. Laut und Jagd- Terminorum. Laut, saget man, sind die Hunde, wann sie hinter was herjagen und bellen zugleich, guten Laut hat das Horn, welches sich wohl blaͤset, und eine rechte Stimme hat. Leite, ist ein langer Niederhang von einem Berge. Leith-Hund, ist ein Hund, den man im Ge- brauch allezeit fuͤhret, und dann nicht loß laͤsset. Lieben, thut man den Leith-Hund, wann er im Anhalten richtig auf der Faͤhrde ste- het. Lincker Fluͤgel, heisset, welcher von dem Lauff nach dem jagen hinein auff der lin- cken Hand gehet. Loͤffel, heissen des Hasens Ohren. Loͤhsung, nennet man den Koth eines wil- den Thieres. Luder, wird das Aaß genennet von gestorbe- nem zahmen Viehe. Luder-Knecht, ist ein schimpfflich Wort, und ist wann ein Jaͤger viel zu Holtze schiesset. Luder-Platz, ist eine Grube auf einem Huͤ- bel, wo man mit Luder die Fuͤchse, Woͤlffe, und dergleichen koͤrret, und sie allda todt schiesset. Laug, heisset ein morastiger Ort, wo das Wildpraͤth sich gerne auffhaͤlt. Luntze, nennet man das Geschlincke (nehm- lich der Lung und Leber vom Roth- und Schwartz-Wildpraͤth, von den Woͤlf- fen oder Fuͤchsen aber nennet man es eine Lunge. M. Maͤnnichen, macht ein Hase, wann er nur auff den hintersten Laͤufften sitzet, und haͤlt die fordersten in die Hoͤhe; Derglei- chen thut auch ein Baͤr. Mast, ist zu verstehen Eicheln oder Eckern, auch Buch-Eckern, wie dann auch das wilde Obst, darunter verstanden wird. N. Nachhaͤngen, sagt man, wann man einem Hirsch mit dem Leith-Hunde nachsuchet. Nachstellen, heisset, wann man des Nachts, vor einem Holtze (wann das Wildpraͤth heraus in die Felder) herstellet, damit es da nicht wieder hinein kommen koͤnne, son- dern in ander begehrtes Holtz einlauffe. Niedergethan, sagt man, wann sich ein Hirsch oder ander wild Thier niederge- legt. Niedrig gehen, heisset, wenn der Hirsch geworffen hat. P. Pallen, nennet man die unter des Hir- sches Laͤufften verhandene Sohlen. Pallete, ist ein flaches Stuͤck Holtz, in Form eines Bretes, so zum Volant- Spiel gebraucht wird. Pantzer, sind von Zwillicht gemachte Ja- cken vor Englische Hunde. Past, wird das rauche Haͤutgen genennet, das den Hirschen umb die Gehoͤrne waͤchset, ehe sie vollkommen werden. Pfund, heist ein Streich oder Schlag, den man mit dem Weyde-Messer vor den Hindersten bekommt. Prell-Netze, werden die Garne oder Netze genennet, welche bey Schwein-Jagden gebrauchet werden. Prudel, ist ein kleiner Sumpff, darinnen sich ein Hirsch kuͤhlet, auch da sich die Sauen siehlen oder waͤltzen. Prunfften, sagt man, wann die Hirsche mit dem Wildpraͤth schertzen. Puͤrschen, heisset das hohe Wild schiessen, mit Kugel-Buͤchsen. Pursche, sind Scholar en, so in der Jagd- Wissenschafft noch lernen, und nicht vollkommen. Q. Quer-Fluͤgel, heisset nur ein solcher durch- gehauener Weg, recht in und vor dem Jagen, sonst wird keiner also genennet. Quer-Tuch, heisset dasjenige Tuch, wel- ches das Jagen und den Lauff unter- scheidet. R. Raͤge machen, heisset das Wildpraͤth auff- jagen, daß es darvon lauffe. Rahmen, saget man, wann ein Hund einen Hasen also einhohlet, daß sich der Hase wenden muß. Rammeln, heisset man, wann die Hasen sich Junge machen. Rammler, nennet man einen Hasen maͤnn- liches Geschlechts. Rasch, heisset geschwind im lauffen. Rechter Fluͤgel, heisset derjenige, welcher von dem Lauff auf der rechten Hand ins jagen laͤufft. Reh-Fell. Suche Fell. Reh-Kuͤtzlein, sind die Kaͤlber derer Rehe. Revier, ist eine gewisse Circumferenz. Forst-Revier, ist, was einem Forst- oder Schau-Reuther zur Auffsicht befohlen. Roͤhre, heisset ein Fuchs- oder Dachs-Loch. Rose, heisset der krauspene Ring, der unten umb eine Hirsch-Stange ist, wie sie dann auch zu sehen, wann die Hirsche sol- che auf dem Kopffe tragen. Roth-Wildpraͤth, unter diesem sind zu ver- stehen, die Hirsche, Huͤndinnen und die Rehe. o 3 Ruͤden- Dictionarium derer Weyde-Woͤrter Ruͤden-Knecht, ist ein Kerl, so bey solchen Hunden ist, welche von den Jaͤgeꝛn Sau- Ruͤden genennet werden, und man brauchet solche Hunde darzu, daß sie aus dem Jagen die wilden Sauen auf den Lauff heraus vor die Herrschafft jagen. Rundung, heisset ein runder Weg in einem Holtze rund herumb gehauen, wird also ⊕ bezeichnet, wann mehr Rundungen in einem Holtze, als eine, seyn, so wird die erste mit 1 ⊕, die ander mit 2 ⊕, und so fort bezeichnet. Halbe Rundung, ist ein runder Weg, die Helffte eines Circuls. Jagens-Rundung, ist zu verstehen der Bo- gen, so hinten im jagen gestellet wird, weil es vierkantig nicht meisterlich ste- het. S. Schalen, nennet man das Horn, und der Hirsche ihre Laͤuffte unten. Schirm, ist ein Zelt, darinnen die Herrschafft auf den Lauff siehet, und sich bergen kan. Schlagen, heisset man es, wann der Hirsch oder Rehe-Bock das rauhe Haͤutgen von dem Gehoͤrne abschlaͤget, nehmlich der Hirsch schlaͤget. Schlagen, heisset auch, wann ein wild Schwein was mit ihrem Gewehr be- schaͤdiget, nehmlich es ist vom Schwein geschlagen. Schlag-Scheit, ist ein Stecken, der an einem Ende gekruͤmmet ist. Schlegel, heist eine Kaͤule, damit man die Hefftel einschlaͤgt. Schloß, werden die Knochen an den Thie- ren genennet, durch welche sie die Jun- gen gebaͤhren, die sich dann von einan- der thun. Schloß-Tritt, ist, wenn der Hirsch von seinem Bette auffstehet, so findet sich allezeit mitten in demselben ein Tritt. Schmahl-Thier, heisset man eine junge Huͤndin, so zwey Jahr alt ist. Schencken-Rundung, ist ein gehauener Weg, gleich den andern Fluͤgeln, aber seine Rundung lauffet immer enger und enger, und trifft nirgends zusammen. Schnellen, thut man den Leith-Hund, mit dem Haͤnge-Seil, wenn er auff der Faͤhrd laut werden will. Schnuren, heist, wenn ein Wolff stets den Trab laufft, und mit den hindern Klau- en iedesmahl accurat in die foͤrtersten Tritte eintritt. Schraͤncken, sagt man von den Hirschen, wann er trabet oder sachte gehet, daß die Faͤhrd weit auff die rechte und lin- cke Hand gehet, nehmlich der Hirsch hat weit geschraͤncket, das kommt daher, daß er breit von Brust und Creutz, und die Huͤndinne schmaͤhler seyn. Schreyen, nennet man es, so ein Hirsch in der Brunfft bruͤllet. Schwartz-Wildpraͤth, unter diesem wer- den die Sauen verstanden. Schwein-Hatz-Zeit, ist zu verstehen, wann es Zeit ist, die wilden Sauen zu fangen, nehmlich wann sie am feisten seyn. Schwein-Hatz, gleich also, jedoch wann das wuͤrckliche Jagen derselben geschicht. Schweiß, heisset Blut. Sehne, nennet man des Hasen Augen. Setzen, saget man von einem Stuͤck Wild oder Rehe, wann es ein Kalb bekommen, nehmlich es hat gesetzet. Spieß-Hirsch, ist ein Hirsch, der sein erstes Gehoͤrne noch traͤget oder nur zwey Spiesse auffgesetzet hat, ohne andere Enden. Spruͤnge, werden die Haasen-Fuͤsse ge- nennet. Spuhr, ist, da ein Thier auf den Erdbo- den getreten, daß man es erkennen kan. Spuhr-Ritt, oder Spuhr-Gang ist zu verstehen, daß man einen ausgesandt im Schnee, einen gewissen Weg oder Fluͤ- gel zu reithen, oder zu gehen, daß er nachsiehet, was er vor Woͤlffe spuͤhret, und in acht nimmet, wo sie die Koͤpffe zugewendet haben. Stange, nennet man eines Hirsches abge- worffenes Horn alleine. Stell-Fluͤgel. Suche Fluͤgel. Stell-Weg, wird auch ein Fluͤgel geheis- sen. Stiffel. Suche Foͤrckel. Streiffen, sagt man, wann den Raub-Thie- ren der Balg abgezogen wird. Streiff-Jagen, ist, da man wegen groß Wildpraͤth entweder etliche Netzen ge- stellet, und darauff zutreiben laͤsset, oder man heisset dieses auch Streiffen ziehen, wann man einen Sau-Finder lauffen laͤsset, und wann er Sauen antrifft, man dann dieselben mit grossen Engli- schen Hunden hetzet. Stuͤck Wild, nennet man auch ein Thier oder eine Huͤndin. T. Tatzen, werden des Baͤres seine Fuͤsse ge- nennet. Tauschlechtig, ist, wann ein wild Thier im Thau gegangen und die Tropffen vom Korn oder Graß abgeschlagen. Thiere, und Jagd- Terminorum. Thier, nennet man auch ein Stuͤck Wild oder Huͤndin. Traben, heist, wenn der Wolff lauffet. Traͤchtig, saget man, ist ein Thier, wenn es ein Junges im Leibe hat. Treiben, wird ein Ort genennet, welcher in einem Gang ohne Vorstellen ausgetrie- ben werden kan. Treiben, an sich selbst ist, daß man aus ei- nem Ort das Wildpraͤth mit Mann- schafft in den andern treibet. Tuch, ist lang 160. Schritt. Tuͤcher-Lappen, ein Bund ist 80. Schritt lang. Tuͤckigt, ist ein Ort, der mit sehr dicken Straͤu- chern und jungem Holtz bewachsen. V. Verlohren treiben, ist, daß man eine Anzahl Mannschafft umb ein Holtz, oder eine E- cke eines Waldes herumb setzet, umb ob man noch daselbst heraus etwas mehrers ins jagen hinein treiben lassen koͤnne. Unjagdbahr-Hirsch, ist zu verstehen ein Hirsch, der noch nicht seine vollkommene Groͤsse hat und unter 300. Pfund wie- get. Unter-Leine, ist die Unter-Leine in einem Tu- che. Vorgreiffen mit dem Leith-Hunde, ist umb- oder in einem Holtze herumb zie- hen, zu vernehmen, ob das Wildpraͤth, welches an einem Orte hinein gespuͤh- ret, darzwischen bleibe. Vorgreiffen sonder Leith-Hunde, ist also herumb gehen, umb selbst, wie obgemel- det, nachzusehen. Vor-Holtz, ist ein Holtz, das vor einem gros- sen Wald daran stoͤsset, und nicht der Herrschafft zugehoͤret. Vorsuchen, nennet man, wenn man mit ei- nem Leith-Hunde vor einem Holtze hin- ziehet, umb zu sehen, was vor Hirsche oder Wildpraͤth im Felde gewesen. W. Waffen, werden der wilden Schweine 4. groͤste Zaͤhne genennet. Waffen, werden auch des Luchsen Klauen ge- nennet. Wechseln, sagt man von allen wilden Thie- ren, wenn sie von einem Ort oder Holtz zum andern gehen, nemlich sie wechseln da oder dorthin. Wenden, wenn der Hirsch ins Dickigt hinein will, verkehret und wendet er mit dem Ge- hoͤrn die Blaͤtter, und laubigten kleinen Aestlein dergestalt, daß man ihn gar deut- lich spuͤhren kan. Weydemann machen, heisset einen bezau- bern, daß er nichts treffen, oder toͤdten koͤnne. Wieder-Gang, thut ein Hirsch, auch ein Hase, das ist, wann sie ein wenig auf ihrer hingegangenen Spuhr gleich darauf wieder zuruͤcke gehen. Wieder-Thon geben, heisset sich dargegen durch andere Mittel in guten Stand zu recht helffen koͤnnen. Wild, wird die Hirsch-Kuh genennet. Wild-Bahne, wird ein Ort genennet, da das Wildpraͤth ziemlich gehaͤget wird. Wild-Fuhre, heist ein geackerter, oder auff- gegrabener Strich, so hin und wieder in einem Holtze geschicht, welcher mit ei- ner Harcken eben gemachet, daß man das Wildpraͤth kan darauf uͤberspuͤhren. Wild-Kalb, ist ein jung Stuͤck Wild oder Huͤndin, im ersten Jahr also genennet. Wildpraͤth, wird genennet, das Fleisch von den wilden Thieren. Wind-Hund Wind-Spiehl ist einerley, der Name kommt von seinem ge- schwinden Lauffen her. Wind-Leine, ist eine Leine, ungefehr vier Klaffter lang, welche an der Haupt-Lei- ne oben angemachet, wo jeder Furckel zu stehen kommet, welche die Tuͤcher halten, daß sie der Wind nicht umwirfft. Witterung, sind die Effluvia und Duͤnste, so das Wildpraͤth von sich laͤsset. Wuͤrgen, ist, wenn sich die Hunde, Woͤlffe oder Fuͤchse beissen, da sagt man, sie wuͤr- gen einander. Zimmel, ist das hinterste Theil von einem Hirsch, darvon die Keulen abgeloͤset, er gehet so weit die zwey Eyßbeine reichen, und wo sich der Ruͤckgraths-Knochen an- faͤnget. Z. Zerlegen, heisset einem Hirsch, Stuͤck Wild oder Rehe die Haut abziehen, und in Stuͤcken zertheilen. Zerwuͤrcken. Suche Zuwuͤrcken. Zu Felde, sagt man, wann ein Hirsch oder ander Thier, aus dem Holtze nach dem Felde gehet, nemlich er gehet zu Felde. Zu Holtze, sagt man, wann ein Hirsch oder ander Thier vom Felde nach dem Holtze gehet, nehmlich er, oder es gehet zu Holtze. Zustellen, heisset so viel, als wenn man ei- nen Ort uͤber getrieben, daß man dann hernach vorstelle, daß das Wildpraͤth nicht an den Ort wieder zuruͤck kom̃en kan. Zuwuͤrcken, heisset einem Hirsch, Stuͤck Wild, oder Rehe die Hauth abziehen. Zwang, heist, wenn der Hirsch fortschreitet, die Schalen forne zusammen zwinget, und die Erde damit heraus hebet. AD AD GENEROSISSIMVM NOBILISSIMVMQVE DOMINVM AVTOREM. H Och-Wohlgebohrner Herr! nun ist das Werck vollbracht/ Das manchen in der Welt vergnuͤgt und froͤlich macht. Dein Hocherfahrner Geist der konnte nicht verschweigen/ Der Nach-Welt Deinen Ruhm durch Muͤh und Fleiß zu zeigen. Was sonst verschwiegen war/ das koͤmmt nunmehr an Tag/ Daß auch der Kluͤgste sich daruͤber wundern mag. Und also zeigest Du die Hohen Adel-Proben/ Die Weißheit und Verstand an Dir muß billig loben. Dein Hoher Name wird in Marmor eingeaͤtzt/ Und Deine Arbeit wird von Jedem hochgeschaͤtzt. Nach Deinem Tode wird man an den Cedern lesen/ Daß Du (erlaube mir) derselbe seyst gewesen/ Dem die Minerva selbst die Palmen/ hat gereicht/ Und dem Philosophie mehr als sowohl geneigt: Diana kuͤsset noch biß dato Deine Wangen/ Sie laͤst Dich/ wie Du wilst/ im Hoffnungs-Kleide prangen; Sie druͤcket Dich vergnuͤgt an ihre zarte Brust/ Und so empfindest Du die angenehmste Lust. Endimion hat nicht den Nectar- Safft genossen/ Der ungezwungen ist in Deinen Mund geflossen/ Und den die Feder hat dem Buche einverleibt/ Das nunmehr auff der Welt ein ewig Denckmahl bleibt. Ja muͤste gleich Dein Leib die schwartze Erde kuͤßen/ Wird man doch Deinen Ruhm noch unerstorben wissen. Hoch-Wohlgebohrner Herr! Du bist Cypressen gleich/ Und noch mehr als sowohl an edlen Wachsthum reich. Jch lobe Deinen Schluß und preise Deine Thaten/ Die Dir der Himmel selbst vermuthlich hat gerathen. Die Sterne floͤsten Dir den Anfang leichte ein/ So kan das Mittel auch gar nicht verdruͤßlich seyn/ Ja endlich bist Du noch dem Adler gleich geflogen/ Der Sonnen schoͤner Strahl hat Dich an sich gezogen. Gleich Gleichwie der Adam dort ein Koͤnig ward genannt/ Weil er von Anfang gleich die Thiere hat gekannt/ Und konte selbigen den rechten Namen geben/ Sie musten auff Befehl zu seinen Diensten leben. Ob diese Herrschafft nun gleich mit der Suͤnde faͤllt/ Wie Deine Feder auch in der Vorrede meld’t/ Kan man doch fernerhin aus Deinen Schrifften spuͤren/ Daß man die Herrschafft kan noch uͤber selbe fuͤhren/ Wenn nur die Wissenschafft und die Geschicklichkeit (Wie man auch solches wuͤnscht/) die Haͤnde darzu beut. Es kan Dein Hoher Geist uns Wunder-Dinge weisen/ Drum muß man billig Dich mit hohem Ruhme preisen. Jch gratulir e Dir mit Hertze Mund und Hand/ Doch dadurch mach ich nicht Dein Werck der Welt bekant/ Man wird ins kuͤnfftige mit besserm Nachdruck hoͤren/ Wie Hohe Haͤupter Dich deswegen werden ehren. Nur wuͤnsch ich schluͤßlich diß mit Unterthaͤnigkeit: GOtt friste fernerhin noch Deine Lebens-Zeit! Er staͤrcke wie itzo die edlen Leibes-Kraͤffte/ Und floͤß’ in Deinen Mund die angenehmsten Saͤffte! Womit Dein Hoher Geist der Welt viel Nutzen bringt/ Durch die Dein Name sich biß zu den Sternen schwingt. So wird man endlich auch nach Deinem Tode lesen/ Daß Du mehr als sowohl Hoch-Wohlgebohrn gewesen/ Weil nebst den Ahnen Dich die Weißheit edel preist/ Wie das gelehrte Werck mit allem Recht beweist. Die Zeilen will ich nun demuͤthig niederlegen/ Das Hertze aber wird noch Furcht und Zweifel hegen/ Ob auch Dein Auge wohl ihn’n holde Blicke goͤnnt/ Ob selbe nicht Dein Mund etwas verwegnes nennt; Doch Hohe Gnade die ich schon von Dir genossen/ Verjaget alle Furcht und macht mich unverdrossen/ Sie spricht zu mir: hastu gleich solches nicht geglaubt/ Wird dir ins kuͤnfftge doch zu nennen seyn erlaubt Jhro Hoch-Wohlgebohrnen Herrlichkeit unterthaͤnigsten Diener M. Lhristoph Barth. p Andencken eines guten Freundes. W As ist gefaͤhrlicher? als daß man sich aus Liebe Mit munterm Fleiß und Schweiß in stetem Jagen uͤbe/ Wann man vom Morgen an/ biß in die spaͤte Nacht Ein fluͤchtges Wild verfolgt und es zu faͤllen tracht. Es ist zwar eine Lust in dicken Waͤldern jagen/ Allein/ wie oͤffters muß man Leib und Leben wagen/ Und wenn vorher die Wald-Hornisten lustig seyn/ So stellt sich offt darauff ein klaͤglichs Ende ein. Actæon kan hievon ein klar Exempel geben/ Er schaͤtzte Wald und Jagd vor sein vergnuͤgtes Leben/ Dahero kams/ als er sich einst verirret sah/ Gerieth er unverhofft ins Thal Gargaphia; Hilff Himmel! welcher Blick! Er sieht Dian en baden/ O Ungluͤck! daß er sich auf seinen Halß geladen/ Denn diese Goͤttin strafft die Freyheit ziemlich scharff/ Weil sich kein eitler Mensch den Goͤttern nahen darff. Er war zwar sonder Schuld und hofft auf guͤtge Minen/ Sie aber weiß des Bads sich also zu bedienen/ Daß dieser Perlen-Qvell/ woran er sich erqvickt/ Jhm gleich ein Hirsch-Geweyh auf seine Stirne druͤckt. Actæon wird ein Hirsch/ er flieht vor dieser Schoͤnen/ Diana aber laͤßt sich dennoch nicht versoͤhnen/ Er laͤufft zwar schnell und giebt sich eylend auf die Flucht/ Doch wird er letzlich von den Hunden aufgesucht. Die haben ihren Herrn als einen Hirsch zerrissen Den sie zuvor geehrt/ den treten sie mit Fuͤssen/ O Unlust! welche aus zu grosser Lust entspringt/ Und diesen Jaͤger als ein Wild zum Sterben bringt. Drum muß man in der Jagd/ gleich wie in allen Sachen/ Zu der Ergoͤtzlichkeit gewisse Maasse machen/ Wer solche uͤbertritt/ der klagt sich selber an/ Daß ihm im Ungluͤcks-Fall kein Mensch mehr helffen kan. Also ist Jagen ein feines Spiel/ Wann man nur hielte Maaß und Ziel/ Und nicht jagete gar zuviel. Register Register Derer vornehmsten Sachen. Die Numern oder Zieffern bedeuten das Folium oder Blat/ a. hingegen die erste/ und b. die andere Spalte desselben; Wo aber der Buchstabe A. vor denen Numern stehet/ ist der Anhang auffzusuchen. A. A Bgruͤnde/ woher sie entstanden? 19. a. Abjagen und Ausschiessen/ wie es zu gesche- hen pflege? 278. seq. Acetosa. Suche unten Sauerampff. Aconitum. Suche unten Fuchs-Kraut. Adalaricus, Gothischer Koͤnig/ lobet das Berg- werck. 3. b. Adeler/ wird seiner Natur und Eigenschafft nach beschrieben/ 152. seq. wie vielerley er sey? 153. b. Aderlassen. Worauff bey dem Aderlassen vor- nemlich mit zu sehen? 204. a. Worbey zu er- kennen/ daß man einem Roß Aderlassen solle? 204. b. Adern und Musculi, eines Pferdes/ 203 . Wel- che Adern bey einer jeden Kranckheit des Pferdtes zu schlagen? 204. b. Wo die Adern in Kranckheiten eines Pferdtes zu lassen? 205. seq. Adianthum. Suche unten Rother Wieder- thon. Aelstern/ werden nach ihrer Natur und Eigen- schafft beschrieben/ 156 . womit sie sich aͤßen? 156. a. 361. a. 379. a. 396. b. 400. a. wann sie sich paaren und nisten? 364. b. seq. 368. b. 372. a. 386. a. wie sie ihre Jungen erziehen? 375. b. 389. b. Aelster-Nester/ zeigen an/ woher dasselbe Jahr die groͤsten Ungewitter herkommen werden. 156. b. Aesche/ wird nach ihrer Natur/ Eigenschafft und Nutzen beschrieben. 31 . Aeschen Holtz/ worzu es fuͤrnemlich gebrauchet werde? 31. a. b. hat eine sonderliche Krafft zu heilen/ und dem Gifft zu wiederstehen. ibid. Aespe/ wird nach ihrer Natur/ Eigenschafft und Nutzen beschrieben/ 134 . wie sie auf Hollaͤn- disch genennet werde? 34. a. Soll nach etlicher Meynung anzeigen/ ob es den Tag uͤber windig werde/ so aber wiederleget wird. 34. a. b. Aespen-Holtz/ was daraus fuͤrnemlich fuͤr Ge- raͤthe verfertiget werde? 34. a. Affen/ werden ihrer Art/ Natur und Eigen- schafft nach beschrieben/ 208. seqq. wie sie ge- fangen werden? 209. b. Agrimonia. Suche unten Ottermennige. Aittingers vollstaͤndiges Weyde-Buͤchlein von dem Vogelstellen/ wird recommendir et. 342. b. 345. b. Alliaria. Suche unten Knoblauch-Kraut. Alphanette, was es fuͤr Falcken seyen/ und woher sie zu uns kommen? 319. b. worzu sie abgerich- tet werden? ibid. wie sie von Federn aussehen/ und geartet seyen? ibid. Alter der Menschen/ woher es in der ersten Welt so hoch gestiegen? 21. b. Althee/ Althea, worwieder es gut sey? 11. a. Amsel/ wird ihrer Natur und Eigenschafft nach beschrieben/ 145. seq. wo sie sich auffzuhalten pflege? 145. a. b. 360. b. wann sie sich zu paaren/ und wie sie zu hecken pflege? 145. a. b. 367. b. wann sie jung aus denen Nestern zu nehmen/ und wie sie auffzuziehen seyen? 378. b. Anatomia, soll auch von einem Weydemann oder Jaͤger wohl erlernet werden/ 121. a. b. was A- natomia sey? 122 . Anatomia eines Loͤwens/ 123. seqq. eines Tygers/ 125 . eines Baͤrs/ ib. seqq. eines Hirsches/ 127. seqq. eines tragen- den Wildes/ 129. seqq. eines wilden Schwei- nes/ 131. seq. eines Reh-Bocks/ 132. seq. ei- nes Biebers/ 134. seqq. eines Hasens/ 136. seq. eines Fuchses/ 138. seq. eines Dachses/ 139. seq. aller Huͤhner Arten/ 161. seq. derer Gaͤnse und Enten/ 163. seq. derer Tauben und Voͤ- gel/ 164 . eines Pferdtes/ 199. seqq. eines Hundes/ 206. seqq. eines Falckens. 352. seq. Anflug/ woher er diesen Namen habe? 40. b. wie er zu befoͤrden? ibid. seq. warum er in aus- gebrannten Heyden und Waͤldern nicht leich- te wachse? 40. a. 41. b. Angehende Schweine/ welche Schweine also genennet werden? 99. a. Anhang unterschiedener nuͤtzlicher zur Jaͤgerey gehoͤrigen Materien. A. 1. seqq. Anserina. Suche unten Gaͤnserich. Anschlag/ was ein Jagd-Tuch/ welches 80 . ge- doppelte oder 160 . einfache Wald-Schꝛitte lang stellet/ in allen kosten kan/ mit dessen Zubehoͤr/ 215 . auff ein Fuder hobe Tuͤcher/ deren dreye darauf gehen/ wie hoch selbige in Dreßden an Gelde kommen/ ibid. seq. was ein Fuder breite Mittel-Tuͤcher/ deren viere darauf ge- hen/ koste/ und wie hoch selbige in Dreß- den an Gelde kommen/ 216. a. b. eines hiesigen Landes Zeug-Wagen vor der Schmiede und Rademacher Arbeit/ 216. b. wieviel ein schmahl Hasen-Tuch koste/ 218. b. wie hoch ein Bund Tuͤcher-Lappen zu stehen kommen. 222. b. Antenere, was dieses fuͤr ein Falcke sey? 319. b. Antirrhinum. Suche unten Thorant. Anzeigungen/ wo Ertzte oder Metalle in der Erden verborgen liegen/ 3. a. Ob Vater/ Mut- ter/ Sohn oder Tochter/ so auff der Reise sind/ p 2 und Register. und uͤber bestimmte Zeit aussen bleiben/ noch lebendig/ oder todt seyen/ vermittelst eines Krautes/ 14. a. wo auff hohen Gebuͤrgen und in tieffen Thaͤlern Wasser-Quellen befindlich/ 21. a. daß ein Baum innerlich schadhafft sey/ 26. a. eines wuͤthenden Hundes/ 168. a. b. wann es regnen will/ 268. b. seq. wann Unge- witter kommen werden? 269. a. b. daß es schneyen werde/ 269. b. daß Wind kommen werde/ ibid. daß hell und klar Wetter geben werde. ibid. seq. Apffel-Baum/ wird nach seiner Natur/ Eigen- schafft und Nutzen beschrieben. 76. b. Apffel-Baum-Holtz/ worzu es zu gebrauchen? ibid. Aprilis, wie dieser Monat nach der Witterung/ Kraͤuter und Baͤume/ Tags und Nachts Laͤnge/ unterirdischen Berg-Duͤnsten/ sowohl Thieren und Voͤgeln beschaffen sey? 369. seqq. Arbeiten des Leith-Hundes/ wie es geschehen solle? 256. seqq. Aristolochia. Suche unten Osterlucia. Aron-Kraut/ Arum, wie es bluͤhe/ und worwi- der es gut sey? 9. a. Artzney fuͤr die Hunde/ wann sie wuͤthend sind/ 191. a. b. die Suchten/ so von kalten undaui- gen Fluͤssen herkommen/ zu vertreiben/ 191. b. seq. wann sie von wuͤthenden Hunden gebissen werden/ 192. a. wann sie Wehe-Tage in Oh- ren haben/ ibid. b. wann sie Wuͤrmer im Leibe haben/ ibid. \& 195. b. den Krebs und allerley Raͤude an Hunden zu vertreiben/ 192. b. \& 195. a. die Raude/ Grind und Schuppen zu curi ren/ 193. a. b. vor die Geschwaͤr und Ge- schwulst an ihren Leibern/ 194. a. 196. a. vor die Verletzung von wilden Schweinen oder an- dern Thieren/ ibid. \& 195. b. wann sich diesel- ben wund gelauffen/ 194. b. \& 195. b. vor die Wunden der Hunde/ 194. b. 196. b. daß eine Huͤndin nimmer laͤuffisch werde/ ibid. wenn ein Hund verwundet/ und er den Schaden nicht lecken kan/ ibid. vor das Strangeln und den Tropff/ ibid. seq. vor den boͤsen Halß derer Hunde/ 195. a. vor die Laͤuse/ Floͤhe und an- deres Ungezieffer bey denen Hunden/ ibid. \& 196. b. vor die Wuͤrmer in der Haut eines Jagd-Hundes/ 195. a. \& 196. b. vor den Oh- ren-Krebs derer Jagd-Hunde/ 195. b. wenn ein Hund hart harnet/ ibid. denen Hunden leise Ohren zuwege zu bringen/ ibid. wenn ein Hund von Nattern und Schlangen gebissen worden/ 196. a. vor Verrenckung der Glieder/ ibid. b. vors Verschlagen derer Hunde/ 197. a. vors Schwinden derer Glieder/ ibid. die Hunde zu purgir en/ 197. a. b. daß die Hunde wohl zunehmen/ 197. b. so die Wuth oder das Rasen an denen Hunden zu besorgen/ 310 . Fuͤr die Falcken/ zum Schnupffen das Hirn zu reinigen/ 323. b. vor boͤse Augen/ ibid. vor den Pips/ ibid. vor die verrenckte Fluͤgel oder Glieder/ ibid. vor boͤse Haͤnde/ ibid. vor die aͤuse. ibid. Arum. Siehe oben Aron-Kraut. Arundo. Suche unten Schilff. Asarum. Suche unten Hasel-Wurtz. Asphodelus. Suche unten Gold-Wurtzel. Asche/ wie sie von denen Aescherern gebrannt werde? 75. a. Was fuͤr Asche zu Verfertigung derer Glaͤser nuͤtzlich gebrauchet werde? 36. b. 63. b. 75. b. Auer/ oder Auer-Ochsen/ werden nach ihrer Natur und Eigenschafft beschrieben. 88. seq. Auer-Hahn/ wie er seiner Natur und Eigen- schafft nach beschaffen sey? 141. seq. wie er ge- schossen werde? 141. a. womit er sich das Jahr durch aͤße? 364. a. 388. b. Auer-Hahn-Paltz/ wie sie wiederumb in die Waͤlder/ woselbst sie durch Schiessen/ oder andere Art ruinir et worden/ zu bringen sey? 54. a. b. wann sie zu geschehen pflege? 367. b. Auer-Henne/ wann sie sich von dem Auer-Hahn absentir e/ und sich ein Nest suche? 371. a. wann sie Eyer lege und dieselbe ausbruͤthe? 374. b. womit sie ihre Jungen ernehre? 378. a. Auffbrechung/ Zerwuͤrckung und Zerlegung eines Hirsches. 263. seq. Aufferziehung der Hunde/ wie sie geschehen solle? 184. seq. Augustus, wie dieser Monat nach der Witte- rung/ Kraͤutern und Baͤumen/ Tags und Nachts Laͤnge/ unterirdischen Berg-Duͤn- sten/ sowohl Thieren und Voͤgeln beschaffen sey? 383. seqq. Augspurg/ warumb es in seinem Wappen ei- nen Kiefern Zapffen fuͤhre? 37. b. Auricula Ursi. Suche untern Baͤr-Sanickel. Ausmessung der Heyden und Waͤlder/ wie sie zu verrichten? 43. seq. Ausnehmen/ was dieses bey der Faͤhrd derer Hirsche heisse? 95. b. Ausschiessen/ wie solches anzuordnen? 271. seq. Autores, so von wilden Thieren/ und derselben Natur und Eigenschafft geschrieben. 80. b. B. B Ache/ wird nach ihrer Natur und Eigen- schafft beschrieben/ 98 . was fuͤr ein Schwein so genennet werde? 99. a. zu welcher Zeit sie ihre Jungen setze/ und wie sie solche erziehe? 374. a. 384. b. Bad/ die Suchten der Hunde/ so von kalten undauigen Fluͤssen herkommen/ zu vertreiben/ 191. b. damit die Hunde/ wann sie von wuͤthen- den Hunden gebissen worden/ gewaschen wer- den sollen. 192. a. Baͤr/ wird nach seiner Natur und Eigenschafft beschrieben/ 86. seqq. wie vielerley Arten des- selben seyen? 88. a. b. dessen Anatomie, 125. seqq. wie er durch den Baͤren-Fang gefangen werde? 239. seq. wie er sich im Winter verhal- te und sein Lager oder Bette baue? 394. b. 359. a. 363. a. was dessen Verrichtung im Fruͤh- ling und Sommer sey? 366. b. 370. a. 373. b. 377. a. b. 380. b. seq. 384. b. 387. b. seq. wann er am besten zu fangen sey? 391. a. Baͤren- Register. Baͤren-Fang/ wo und wie er anzulegen sey? 239. a. b. seq. Baͤren-Kasten/ wie er gebraͤuchlich und wohl verwahrt zu verfertigen? 234. seq. wie der Baͤr aus der Grube hinein gebracht werde? 239. b. Baͤren-Hauth/ worzu sie pflege gebrauchet zu werden? 87. b. Baͤren-Klau/ Sphondylium, worzu es dienlich zu gebrauchen? 10. a. Baͤren- oder Boll-Beiss ere/ werden ihrer Art/ Natur und Eigenschafft nach beschrieben/ 170. seq. wie sie abgerichtet werden? 170. b. Baͤren-Schweiß/ worzu er gut seyn solle? 87. b. Baͤren-Wurtzel/ Meum, wovor sie vornem- lich gebrauchet werde? 6. a. woher sie diesen Namen habe? ibid. Baͤrin/ zu welcher Zeit des Jahres sie ihre Jungen setze/ und wie sie sich bey denenselben und deren Aufferziehung verhalte? 359. a. 363. a. 366. b. 370. a. 380. b. seq. wann sie laͤuffisch werde? 373. b. Baͤr-Sanickel/ Auricula ursi, wo es wachse/ wie es bluͤhe/ und worzu es gut sey? 13. b. Baͤume/ wie dieselben ihr Wachsthumb von Jahren zu Jahren erlangen/ und an Groͤs- se zunehmen? 24. a. b. wie vielerley/ sie seyen? 25. a. 76. a. b. sind nach einiger Meynung maͤnnliches und weibliches Geschlechts/ ib. b. wordurch sie zu ihrem natuͤrlichen Alter ge- reichen? ibid. wodurch sie zuruͤck kommen/ und verderben? ibid. seq. woran deren innerliche Kranckheiten gemercket werden? 26. a. werden mit dem Alter der Menschen verglichen/ 41. seq. wann sie in Heiden und Waͤldern Straͤu- cher/ wenn junges Holtz/ und wann haubah- res Holtz/ genennet werden? 42. b. wie sie be- schaffen seyn im Januario? 358. a. wie im Fe- bruario? 362. a. wie im Martio? 365. b. seq. wie im April. 369. a. b. wie im Majo? 373. a. wie im Junio? 376. a. b. wie im Julio? 380. a. wie im Augusto? 383. a. b. seq. wie im Septem- ber? 387. a. wie im October? 390. a. b. wie im November? 394. a. wie im December? 397. a. b. Was bey Ausgrabung und Versetzung jun- ger Baͤume zu mercken? 26. b. Was fuͤr Baͤu- me auf denen Holtz-Maͤrckten verkauffet wer- den sollen/ und wie bey Faͤllung derselben sich zu verhalten? 58. b. Bagan/ Ledum, wo dieses Kraut wachse/ und worzu es zu gebrauchen? 12. a. Baldrian/ Valeriana, wo es wachse/ und wie es bluͤhe/ auch was es fuͤr Frucht trage? 6. b. wofuͤr es zu gebrauchen? ibid. Balg von wilden Katzen/ worzu er zu gebrau- chen? 117. b. von Jltnissen/ worzu er pflege gebrauchet zu werden? 118. a. b. eines weis- sen Wieselgens/ worzu er gut seyn solle? 119. a. Bauer fuͤr die Lock- und andere Voͤgel/ wie sie pflegen gemacht zu werden? 348. a. b. Bau-Holtz/ in wie vielerley Sorten es einge- theilet werde? 71. a. wie es beschaffen seyn sol- le? 72. a. wie damit zu bauen/ daß es tauer- haffter sey? 72. b. Baum-Falcken/ werden ihrer Natur und Ei- genschafft nach beschrieben. 154 Baum-Marder/ wie sie ihrer Natur und Eigen- schafft nach beschaffen seyn? 116. a. warum sie Edel-Marder genennet werden? ibid. Baum-Saamen/ wird beschrieben. 26. seq. Bech/ wie es bereitet werde? 67. b. Bech-Ofen/ wird beschrieben. 67. seqq. Befluͤgelung der Heiden und Waͤlder/ wie sie wohl und geschickt zu verrichten sey? 47. seq. Behaͤngengs-Zeit/ wann sie sich anfange? 255. b. Bellis. Suche unten Gaͤnse-Bluͤmlein. Berg-Arbeit worinnnen sie bestehe? 4. a. Berg-Bau/ wie er nuͤtzlich vorzunehmen? 3. b. wie bey demselben das Holtz zu schonen? 4. a. ist denen Waͤldern und Gehoͤltzen hoͤchstschaͤd- lich. 64. a. b. Berg-Duͤnste/ wie sie beschaffen im Januario? 358. a. im Februario? 362. b. im Martio? 366. a. b. im April? 370. a. im Majo? 373. b. im Junio? 377. a. im Julio? 380. b. im Augusto? 384. a. im September? 387. b. im October? 391. a. im No- vember? 394. b. im December? 398. a. Berge/ sind etliche durch die Suͤndfluth entstan- den. 2. b. Berg-Muͤntze/ Mentha Montana, wo sie wach- se/ was sie fuͤr Blumen habe/ und worzu sie dienlich sey? 14. a. Bergwerck/ wird von dem Gothischen Koͤnig/ Adalarico, gelobet. 3. b. Bestaͤttigung und Probe-Jagen/ wie es ge- schehe? 259. seq. Besuch-Knecht/ worzu er geordnet/ und wie er beschaffen seyn solle? 265 Bethonien/ Betonica, worzu es dienlich zu ge- brauchen? 11. b. Beweiß/ wird demjenigen aufferlegt/ so behaup- ten will/ daß das Jagd-Recht allodial sey/ A. 81. seq. auf wie vielerley Art der Beweiß/ daß Jemandẽ die Forst-Gerechtigkeit zustehe/ geschehen koͤnne? 50. a. wann in dem Petito- rio oder Possessorio ordinario der Beweiß ei- ner ausdruͤcklichen oder heimlichen Concession des Jagd-Rechts mangelt/ so wird alle Jagd verbothen/ der alten Possess unbeschadet. A. 57. seqq. Beytritt/ was dieses bey der Faͤhrd derer Hir- sche sey? 95. b. Beziehung der Graͤntze/ wie solche geschehen solle? 49. a. b. Bieber/ werden nach ihrer Natur und Eigen- schafft beschrieben/ 112. seq. wie sie in denen Vieber-Netzen gefangen werden? 231. a. b. Bieber-Balg/ worzu er dienlich sey? 113. a. 134. a. Bieber-Geylen/ worzu sie gebrauchet werden? 113. a. Biebernelle/ Pimpinella, was es fuͤr Krafft und Wuͤrckung habe? 11. a. q Bieber- Register. Bieber-Netz/ wie es beschaffen sey? 231. a. Bienen/ sollen ihren Honig nirgends lieber/ als auf denen Eichen suchen. 28. b. Bier-Brauer/ mißbrauchen offte die wilde Roßmarien/ oder Bagan. 12. a Bircke/ wird nach ihrer Natur/ Eigenschafft und Nutzen beschrieben/ 32. seq. wie vielerley dieselbe sey? 32. a. Birckene Bretter/ was daraus pflege verferti- get zu werden? 70. a. Birck-Fuͤchse. Suche unten Roth- oder Birck- Fuͤchse. Birck-Hahn/ wird seiner Natur und Eigen- schafft nach beschrieben/ 142 . woher er diesen Namen habe? ibid. a. wie er geschossen werde? ibid. b. wo er sich pflege auffzuhalten? 142. a. 360. a. womit er sich aͤße? 142. a. b. 364. a. 367. b. 388. b. wann er seine Paltz halte? 142. a. 371. a. Birck-Hahnen-Paltz/ wie sie in denen Waͤl- dern/ wo solche ruinir et ist/ wiederumb zur Vermehrung zu bringen? 54. b. Birck-Henne/ wann sie sich von dem Hahn ab- sentir e/ ein Nest zu suchen? 374. b. wann sie Eyer lege/ und wie lang sie daruͤber bruͤthe? 378. b. wie und womit sie die Jungen auffer- ziehe? 382. a. 385. b. 388. b. Bircken-Holtz/ worzu es fuͤrnemlich gebrau- chet werde? 32. b. Bircken-Reiß/ worzu es dienlich? 32. a. Bircken-Wasser/ worzu es diene? 32. a. b. Birn-Baum/ wird seiner Natur/ Eigenschafft und Nutzen nach beschrieben/ 76. b. Bischoff/ ob er die Verjaͤhrung zulassen koͤn- ne? A. 23. seqq. Bistotta. Suche unten Schlangen-Kraut. Blaͤß-Enten/ werden ihrer Natur und Ei- genschafft nach beschrieben/ 152 . Wo sie sich auffzuhalten pflegen? 361. a. Wo sie zu bruͤthen pflegen? 375. b. Womit sie sich aͤssen? 152. b. 386. a. 389. b. Wann sie von uns wegziehen? 152. b. 400. a. Blaufuß/ wird seiner Natur und Eigenschafft nach beschrieben/ 154. b. 319. b. seq. Wie er ge- fangen werde? ibid. worzu er pflege abgetra- gen zu werden? 320. a. Blau-Huͤthe/ was dieses fuͤr Leute seyen/ und woher sie solchen Namen fuͤhren? 276. b. was bey der Jagd ihre Verrichtung sey? ibid. Blau-Tauben/ werden nach ihrer Natur und Eigenschafft beschrieben/ 144 . wie sie gefan- gen werden? ibid. a. Blendlinge/ wie sie nach ihrer Art/ Natur und Eigenschafft beschaffen seyn? 174 . Wie sie von andern Hunden gezeuget werden koͤnnen? 174. a. wie sie abgerichtet werden? ibid. b. Blitz/ woher er entstehe? 270. a. b. warum wir denselben ehe sehen/ als den Donner hoͤren? ibid. b. seq. Blocks- oder Brockes-Berg/ wird beschrie- ben. 4. b. Blut. Suche unten Schweiß. Boͤse Haͤlße derer Hunde zu curir en. 195. a. Born- und Buͤgel-Garn/ wie sie gestricket und verfertiget werden? 346. a. wie sich auffzu- stellen? ibid. Borragen/ Borrago, worzu dieses Kraut gut sey? 9. b. Bothen/ woher sie Tabellarii genennet worden? 30. a. Brach-Vogel/ wird seiner Natur und Eigen- schafft nach beschrieben/ 149 . woher er diesen Namen habe? 149. a. Brand. Suche unten Feuer-Braͤnde. Brand-Fuͤchse/ wie sie aussehen? 110. b. einer Brand-Fuͤchsin Anatomie. 138. seq. Braune Doste/ Clynopodium, was sie fuͤr Bluͤ- the habe/ und wofuͤr sie gut zu gebrauchen? 7. b. Hirsche sollen sich mit diesem Kraut alles in- nerliche ausheilen. 8. a. Braunelle/ Prunella, worfuͤr dieses Kraut gut sey? 9. b. Braun-Kohl/ was es und dessen Saame fuͤr Krafft und Wuͤrckung habe? 78. b. Brett-Muͤhle/ wird beschrieben/ 69. seqq. was fuͤr Geraͤthe und Sachen auf denenselben ver- fertiget werden. 70. a. Brett-Stamm/ wie er beschaffen seyn soll? 70. a. b. Brieff Uriae, auf was fuͤr Materie er geschrie- ben gewesen seyn solle? 31. b. Bruch-Steine/ welche dererselben bey Aende- rung des Wetters zu schwitzen pflegen? 19. b. Bruͤcher/ was fuͤr Gehoͤltze so genennet werde? 43. b. Brunnen bey Lummitzsch/ so zukuͤnfftige Zei- ten praesagir et. 270. a. Brunfft-Schiessen/ wie es zu geschehen pflege? 282. seq. Brunnen-Kresse/ Nasturtium palustre, worzu sie diene/ und wie sie bluͤhe? 12. b. Bryonia. Suche unten Stick-Wuttz. Buch/ woher es diesen Namen habe? 30. a. Buche/ wird nach ihrer Natur und Eigenschafft weitlaͤufftig beschrieben/ 30. seq. wie vielerley sie sey? 30. a. Buch-Eckern/ dererselben Krafft und Wuͤr- ckung. 30. a. Buchene Bretter/ was daraus verfertiget werde? 70. a. Buchen-Holtz/ worzu es vor zeiten gebrauchet worden/ und worzu es noch heut zu Tage ge- brauchet werde? 30. a. b. Buglossum. Suche unten Ochsen-Zunge. Buͤchsen-Spanner/ was bey einer Jagd dessen Verrichtung sey? 279. a. 287. seq. wie er be- schaffen seyn solle? ibid. woher er diesen Na- men habe? 288. b. Buͤgel-Thonen/ wie sie verfertiget/ und damit die Voͤgel gefangen werden? 349. a. wo und zu welcher Zeit des Jahres sie am besten gestellet werden? ibid. Burgel/ was dieses Wort bedeute? 95. a. Bursa Pastoris. Suche untern Taͤschel-Kraut. Busch Register. Busch/ was fuͤr ein Wald es sey? 43. b. C. C Ammer-Einkuͤnffte/ in was fuͤr eine Classe in denen Concurs en sie zu setzen seyen? A. 79. a. b. Cammer-Hunde/ welche Hunde/ und woher sie also genennet werden? 169. a. wie sie erzo- gen werden muͤssen/ und was sie fuͤr Halß- Baͤnder umbbekommen? ibid. a. b. Canarien-Voͤgel/ woher sie zu uns gebracht werden? 354. a. wie sie bey uns zur Hecke gehalten werden? ibid. mit was fuͤr Futter sie zu fuͤttern? ibid. a. b. wie lange sie in der Hecke pflegen gelassen zu werden? 354. b. wie ihnen die Baͤulen am Kopff zu vertreiben? ibid. seq Caninen/ Carnickel/ Koͤniglein/ werden nach ih- rer Natur und Eigenschafft beschrieben/ 106 . wie sie mit dem Fredel oder zahm gemachten Jltniß gefangen werden? ibid. b. Cantores, so mit Flinten denen Voͤgeln nachtrach- ten/ zumahl wann es auf frembden Feldern ge- schiehet/ und zur Zeit/ da sie ihres Amtes ab- warten sollen/ sind/ wann sie dadurch/ auch durch die geringste Verwahrlosung/ Jemand Schaden thun/ solchen zu ersetzen verbunden/ A. 15. seq. Carduus Mariae. Suche unten Frauen-Distel. Carlina. Suche unten Eber-Wurtzel. Catanance. Suche unten Steck-Kraut. Ceder/ wird nach seiner Natur/ Eigenschafft und Nutzen ausfuͤhrlich beschrieben/ 34. b. wie vielerley er sey? ibid. Cedern-Holtz/ was fuͤr Sachen vorzeiten da- raus verfertiget worden? 35. a. Ceder-Traͤncke/ worzu sie dienen? 35. a. Centaurium minus. Suche unten Tausend-Guͤl- den-Kraut. Cervaria. Suche unten Hirsch-Wurtz. Chiens courrans oder Jagd-Hunde/ werden ihrer Art/ Natur und Eigenschafft nach be- schrieben. 178. seqq. Christ-Wurtzel/ Elleborus niger, wo und wie sie wachse/ wie und wann sie bluͤhe? 6. b. worzu sie diene? 7. a. Clynopodium. Suche oben Braune Doste. Coͤrper/ eines Thieres/ in wieviel Theile er ge- theilet werde? 123. b. wann ein von Hun- den zerfleischter Coͤrper gefunden wird/ und Jemand in der Nachbarschafft im Ruff ist/ daß er solche arge Hunde halte/ kan wi- der ihn inquirir et/ und wann er laͤugnet/ zu Ablegung des Reinigungs-Eyds angehalten werden. A. 19. seq. Colchicum. Suche unten Michael-Wurtzel. Consilia, Responsa, und andere Rechtliche An- merckungen/ die zum Jagd- und Forst-We- sen gehoͤren. A. 15. seqq. Corona Imperialis. Suche unten Koͤnigs-Cro- ne. Cours- Hunde/ werden ihrer Art/ Natur und Eigenschafft nach beschrieben/ 171. seq. wie man solche hier zu Lande zeugen koͤnne? 171 . Crassula. Suche unten Fette Henne. Creatur en/ wie vielerley sie seyen? 82. a. b. seq. Creutz Christi/ von was fuͤr Holtz es gewesen seyn solle? 28. a. Creutzbeer-Stauden oder Wegedorn/ Rha- mnus, wo es wachse/ wie es aussehe/ und wozu es diene? 13. a. Creutz-Dorn/ wird seiner Natur/ Eigenschafft und Frucht nach beschrieben. 43. a. b. Creutz-Kraut/ Senecio, wofuͤr es gut sey? 7. a. wie es bluͤhe und wachse? ibid. Creutz-Tritt/ was dieses bey der Faͤhrd derer Hirsche sey? 95. b. Crone Christi/ von was fuͤr Dornen sie gewe- sen seyn solle? 43. a. b. Cyrus, von wem er in seiner zarten Jugend ge- saͤuget worden? 166. a. D. D Achs-Haube/ wie solche beschaffen sey? 230. b. worzu sie zu gebrauchen? 230. a. b. seq. Dachs-Haut/ worzu sie zu gebrauchen sey? 116. a. b. 230. a. Dachskriecher/ werden ihrer Art/ Natur und Eigenschafft nach beschrieben/ 183. seq. wie sie abzurichten? 183. b. seq. Dachs-Schmaltz oder Dachs-Fett/ worzu es zu gebrauchen? 115. b. Dachs-Schweiß/ worzu er dienlich sey? 115. b. Daͤchse/ werden ihrer Natur und Eigenschafft nach beschrieben/ 114. sqq. wie vielerley sie seyen? 115. b. wie sie mit der Haube gefangen werden? 230. a. b. wie mit Drath-Schlingen? 243. b. womit sie sich das Jahr durch von Monat zu Monat aͤßen/ und wie sie sich von Zeiten zu Zeiten sonst verhalten? 360. a. 363. b. 367. a. 371. a. 374. b. 378. a. 385. a. 388. b. 392. a. 395. b. 399. a. Anatomie eines Dachses. 139. seq. December, wie dieser Monat an Witterung/ Kraͤutern und Baͤumen/ Tags und Nachts Laͤnge/ unterirdischen Berg-Duͤnsten/ sowohl Thieren und Voͤgeln beschaffen sey? 379. seqq. Decoctum von Aeschen-Wurtzel-Safft/ worzu es dienlich? 31. a. Dens Leonis. Suche unten Muͤnchs-Blatte. Dentaria Baccifera. Suche unten Drey-Ocker. Diana, von was fuͤr Holtze sie ihren Bogen und Pfeil gehabt. 38. b. Dickigte/ was sie seyen/ und woher sie so ge- nennet werden/ 42. a. Erwachsen durch goͤtt- liche Allmacht dem Wilde zu gut. ibid. a. b. Dictionarium, derer Weyde-Woͤrter und Jagd- Terminorum. A. 99. seqq. Diebe des Wildpraͤths/ wie sie bestraffet wer- den? 55. a. 313. seq. ob sie am Leben gestraffet werden koͤnnen? 313. a. b. auff was fuͤr Umb- staͤnde bey Bestraffung der Wildpraͤths-Die- be zu sehen sey? 313. b. Dienste/ so etliche aus einer Gemeine thun/ koͤn- nen denen uͤbrigen derselben Gemeinde nicht præjudici ren. A. 52. b. q 2 Donner Register. Donner/ woher er entstehe? 270. a. b. wie es komme/ daß man den Donner zuerst nach dem Blitz hoͤre? ibid. b. seq. Donnerbesem auf den Baͤumen/ was es sey/ und wofuͤr es zu halten? 26. b. Dorn-Straͤucher/ werden ihrer Natur/ Eigen- schafft und Fruͤchten nach beschrieben/ 43. a. b. Doronicum. Suche unten Gemsen-Wurtzel. Drache/ so in der Schweitz zu Solothurn an- getroffen worden. 23. a. Drachen/ so feurig in der Lufft fliegen/ wo- her sie entstehen/ und was sie seyen? 16. b. Drath-Schlingen/ wie solche zu verfertigen und zu stellen? 243. b. worzu sie zu gebrauchen? ibid. seq. Dreyfaltigkeit-Krant/ Viola tricolor, wo es wachse/ was es fuͤr Blumen trage/ und wor- zu es gut zu gebrauchen? 14. a. Drey-Ocker/ Dentaria Baccifera, wie dieses Kraut aussehe und wo es wachse? 8. b. soll die Hirsche sehr wohl nehren. ibid. Drossel/ wird ihrer Natur und Eigenschafft nach beschrieben/ 145 . wie vielerley sie sey? 145. a. wann sie im Wieder-Strich wiederumb zu uns komme? 364. a. womit sie sich aͤße/ 364. a. 385. b. wann sie sich paare und wie sie hecke? 145. a. 364. a. 367. b. wann sie von uns wegzie- he? 145. a. 392. b. 396. a. Duͤnste der Erden/ woher sie/ und deren Geruch oder Gestanck entstehen? fol. 1. b. E. E Ben Feld. Was fuͤr Kraͤuter in demselben wachsen/ davon sich das Wildpraͤth nehret? 10. a. b. Eber-Wurtzel/ Carlina, wo sie wachse/ und wie sie bluͤhe? 6. b. worwieder sie diene? ibid. Ebrischbeer-Baum/ wird seiner Frucht und dem Holtze nach beschrieben. 77. b. Ebrisch-Beeren/ worzu sie dienen? ibid. Edelgesteine/ wie sie generir et werden? 19. seqq. Edelmann/ ob er/ wann er mit Ober- und Nie- der-Jagden/ sowohl mit Ober- und Nieder- Gerichten belehnet ist/ seinen Unterthanen wider das Herkommen/ daß sie ihren Hunden Knuͤttel anlegen sollen/ bey Straffe anzube- fehlen/ berechtiget sey? A. 76. seqq. Edel-Marder/ was es fuͤr Marder seyen/ und woher sie diesen Namen haben? 116. a. Egyptier/ erzeigten zu gewissen Zeiten ihren Hunden grosse Ehre. 165. a. b. Ehrenpreiß/ Veronica, wofuͤr dieses Kraut gut sey? 10. a. Eiche/ wird weitlaͤufftig beschrieben/ 28. seqq. ist unter allen wilden Baͤumen der edelste/ 28. a. ist ein Prophet und weissagender Baum/ 29. a. war vorzeiten dem Gott Jupiter gewidmet/ ibid. wurde bey denen Alten in grosser Ehre ge- halten/ 29. a. soll uͤber drey Hundert Jahr und am laͤngsten unter allen Gewaͤchsen dauren/ ibid. a. b. in was fuͤr Boden sie am besten wachse? 29. b. wie sie bluͤhe? ibid. wie vielerley Arten derselben seyen/ ibid. Antiquit aͤten/ der Eichen zu Ehren angefuͤhret/ 28. a. sehr grosse dicke und starcke Eichen. ibid. b. Eicheln/ koͤnnen sowohl von Menschen/ als Vieh genossen werden. 28. a. Eichel-Mast/ wem sie zukomme? A. 40. seq. Eichene Bretter/ was daraus pflege gemacht zu werden? 70. a. Eichen-Holtz/ ist im menschlichen Leben unent- behrlich. 28. b. Eichhoͤrnlein nehren sich unter andern auch mit von den Fichten-Zapffen/ 37. b. werden nach ihrer Natur und Eigenschafft beschrieben/ 118. seq. was davon zur Medicin gebrauchet werde? 118. b. Eigenthumb/ wem der Vermuthung nach das Eigenthumb eines streitigen Waldes zustaͤn- dig sey? A. 44. seqq. Eigenthumbs-Herr/ kan in seinem Wald/ in welchem ein anderer zu jagen befugt/ die Baͤu- me nicht ausroden/ A. 10. a. et 11. b. was er fuͤr eine Klage wider denjenigen/ so auf seinem Grund und Boden jaget/ und die Jagd- Gerechtigkeit exercir et/ anstellen koͤnne? A. 23. a. b. seq. Einbeer/ Herba Paris, wie es wachse/ und was es fuͤr Krafft und Tugend habe? 9. a. Einhoͤrner/ werden offte bey Grabung tieffer Graͤben/ Teiche und Brunnen gesunden/ 16. a. Ob solche unterirdische Gewaͤchse/ oder von der Suͤndfluth wuͤrcklich verschwemmete Cor- pora seyen? ibid. seq. Eisen-Hammer/ wird beschrieben/ 64 . was fuͤr Sachen darauff verfertiget werden? 64. a. Eisen-Stein/ ist von unterschiedener Art/ 63. a. wie er geschmoltzen werde? 63. b. Elephanten-Zaͤhne. Suche unten Zaͤhne von Elephanten. Elleborus niger. Suche oben Christ-Wurtzel. Enderlinge/ woher sie entstehen? 90. b. Engelsuͤsse/ Polypodium, wie es aussehe/ und wo es wachse? 7. a. wofuͤr es diene? ibid. Englische Docken/ werden nach ihrer Art/ Natur und Eigenschafft beschrieben/ 169. seq. wie sie pflegen auffgezogen zu werden? 170. a. Englische Pferdte/ wie sie ihrer Art/ Natur und Eigenschafft nach beschaffen? 300. a. sind zur Par force- Jagd am dienlichsten. ibid. Enten-Fang/ ist denen Vasallen/ solchen an- zurichten/ bey hoher Straffe verbothen/ 329. a. wo und wie er anzulegen? ibid. a. b. seq. wie die Enten darin gefangen werden? 329. b. seq. Enten-Grieß/ Lenticnla palustris, worzu es dien- lich sey? 12. b. Enten-Huͤndlein/ wie solche beschaffen seyn sol- len? 330. a. wie sie beym Enten-Fang gebrau- chet werden? ibid. Entrichte oder Ent-Voͤgel/ wie sie durch eine Ente herbey zu locken und zuschiessen? 331. a. b. Entzian/ Gentiana, wie es aussehe/ bluͤhe/ wo es wachse/ und wofuͤr es gut sey? 7. b. \& 11. a. Eppich/ Hedera arborea, wozu es gut zu ge- brauchen? 11. a. Erbsen/ Register. Erbsen/ was sie fuͤr Krafft und Wuͤrckung ha- ben? 77. b. Erde/ derselben Beschreibung/ fol. 1. seqq. ist von Anfange mit Huͤgeln und Bergen/ Felsen und Gesteine versehen gewesen. 2. a. Erica. Suche unten Weise Heyde. Erneuerung der Graͤntze/ mit was fuͤr Solenni- t aͤten sie zu geschehen pflege? 49. b. Errle/ wird nach ihrer Natur/ Eigenschafft und Nutzen beschrieben/ 33 . wie vielerley sie sey? ibid. a. Errlene Bretter/ was aus solchen pflege verferti- get zu werden? 70. a. Errlen-Holtz/ worzu es fuͤrnemlich gebrauchet werde? 33 . Errlen-Laub/ worzu es diene? 32. b. Ertzte/ Anzeigungen/ wo solche verborgen liegen/ 3. a. was fuͤr Ertzte gegen Mittag/ was fuͤr gegen Mitternacht/ und was fuͤr gegen Auff- gang und Niedergang der Sonnen zu liegen pflegen? 3. b. vermittelst was fuͤr Gelegenhei- ten sie offenbahret zu werden pflegen? ibid. alles Ertztes und Eysenwercks erster Meister/ 3. b. Eschene Bretter, was fuͤr Geraͤthe daraus verfertiget werde. 70 . Eule/ wird ihrer Natur und Eigenschafft nach beschrieben. 155 Eupatorium. Suche unten Hirsch-Klee. Eyer/ wie man solche judicir en koͤnne? 160. seq. F. F Abaria. Suche unten Knaben-Kraut. Faͤhrd. Suche unten Spuhr/ Faͤhrd oder Gefaͤhrd. Fahrende Wuth derer Hunde/ woran sie zu er- kennen? 190. b. was dawieder zu gebrauchen? 191. a. Falcken/ sind unterschiedlich/ 318 . \& 319. seq. de- ren unterschiedene Namen/ 319 . und Arten/ ibid. welche Gattungen die vornehmsten seyen? 319. a. b. 320. a. b. wie sie abgerichtet werden? 320. seqq. womit sie zu curir en? 323. b. wie da- mit die Reyher gebeitzet werden? 324. seq. wie ein wohlgebildter und zum Abtragen dienli- cher Falcke sowohl seiner Gestalt/ als Farbe nach aussehen und beschaffen seyn solle? 320 . wie ein junger Falcke seyn soll/ wann man ihn aus dem Nest nehmen will? 320. b. seq. Fal- ckens Anatomie. 351. seq. Falcken-Baitz ist schon vor uhralten Zeiten be- kant gewesen/ 317. a. b. ist von vielen Kaͤy- sern und Koͤnigen vorzeiten hoch æstimir et worden/ und wird noch heut zu Tage von de- nen meisten Potentat en hoch gehalten/ ibid. seqq. ist eine recht fuͤrstl. Lust/ 318. a. doch nicht oh- ne Gefahr/ ibid. dahero von einem Landes- Herrn behutsam vorzunehmen. ibid. a. b. Falcken-Cammer/ wie sie zu Dreßden angele- get sey? 323. a. b. Falconier er/ wodurch er sich bey seinem Vogel be- liebt/ und verhast machen koͤnne? 321. b. wie er beschaffen seyn solle? 322. seqq. was er fuͤr Geraͤthe/ Pferdte und Hunde haben muͤsse? 323. a. 324. a. b. wie er den Falcken tragen solle? 324. a. Was er fuͤr ein Pferdt haben solle? 335. a. Wie er pflege die Wildfange zu fangen? 350. b. Fallende Wuth derer Hunde/ wie sie beschaf- sen? 190. b. was davor zu gebrauchen? 191. a. woher sie ihren Ursprung habe? ibid. Farbe/ die Wachtel-Netze damit gruͤn zu faͤr- ben. 341 Farbe derer leblosen Creaturen und Ge- waͤchse/ woher sie entstehe? 2. a. Farren-Kraut/ Filix, worzu es dienlich zu ge- brauchen? 12. a. Faß-Bech/ wie es zugerichtet werde? 67. b. seq. Februarius, wie dieser Monat an der Witterung/ Kraͤuter/ und Baͤume/ Tags und Nachts Laͤnge/ unterirdischen Berg-Duͤnsten/ so- wohl Thieren und Voͤgeln beschaffen sey? 362. seqq. Feder-Lappen/ worzu sie gebrauchet werden? 232. a. Wie vielerley sie seyen? 232. b. Wie sie beschaffen seyen? ibid. seq. wie solche zu verfer- tigen/ daß sich das Wild desto mehr dafuͤr scheue? 233. a. b. Feder-Schuͤtze/ was dessen Verrichtung sey? 331. a. b. 342. seq. was er zu einer jeden Sorte Feder-Wildes fuͤr eine Schroth-Buͤchse ha- ben muͤsse? 342. a. Feder-Wild/ wird seiner Natur/ Wesen und Eigenschafft nach beschrieben/ 340. seqq. wird physicali sch betrachtet/ 157. seq. wie solches nach und nach in Eyern gezeuget/ und/ nach- dem es ausgeschlupffet/ von denen Alten erzo- gen werde? 160. seq. Wer davon/ und wie es zu fangen/ ausfuͤhrlich geschrieben? 342. b. Feld-Buͤsche/ was fuͤr Buschwerck so genennet werde? 44. a. Feld-Gefluͤgel/ wird seiner Natur und Eigen- schafft nach beschrieben. 146. seqq. Feld-Huͤhner. Suche unten Reb-Huͤhner. Feld-Kuͤmmel/ Serpyllum, worzu er gut zu ge- brauchen? 10. b. Fett von Hasen/ worzu es diene? 105. b. von Fuͤchsen/ worzu es gut? 111. b. von Daͤch- sen/ worzu es gebrauchet werde? 115. b. von wilden Katzen/ worzu es dienlich sey? 117. b. von Eichhoͤrnern worzu es gut seyn solle? 118. b. Fette Hennen/ Telephium oder Crassula, wie die- ses Kraut aussehe? 14. b. seq. zeiget an/ ob ein abwesender Anverwandter todt oder lebend sey? 15. a. Feuchte Oerter/ was fuͤr wilde Kraͤuter an denselben fuͤrnehmlich wachsen? 12. a. Feuer/ woher es komme/ daß man solches bey Loͤsung des Geschuͤtzes ehe siehet/ als man den Knall hoͤret? 271. a. b. Feuer-Braͤnde/ thun in Waͤldern und Heiden unglaublichen Schaden. 39. b. seq. Woher solche in Heiden und Waͤldern vornemlich zu entstehen pflegen? 39. b. Wie sie in Waͤldern zu leschen? 40. b. r Fichte/ Register. Fichte/ wird nach ihrer Natur/ Eigenschafft und Nutzen ausfuͤhrlich beschrieben. 36. b. seq. Fichtene Bretter/ worzu sie pflegen gebrauchet zu werden? 70. a. Fichten-Hartz/ worzu es dienlich? 37. a. Filix. Siehe oben Farren-Kraut. Fisch Otter/ wird ihrer Natur und Eigenschafft nach beschrieben/ 113. seq. wie sie gefangen werde? 114. b. 231. b. Fisch-Otter-Netz/ wie es befchaffen sey? 231. b. Flachß/ ist im menschlichen Leben unentbehrlich. 212 . Flachß-Saamen/ was er fuͤr Krafft und Wuͤr- ckung habe? 78. b. Fliessende Wuth derer Hunde/ wie sie beschaf- fen/ oder woran sie zu erkennen? 190. b. wie sie zu curir en? 191. b. Flinten/ wie sie zum Lauff- oder Flug-Schiessen beschaffen seyn/ und geladen werden sollen? 342. a. b. Floͤhe und Laͤuse derer Hunde zu vertreiben. 195. a. 196. b. Floͤßen/ zu welcher Zeit des Jahrs es am be- qvemsten vorzunehmen? 60. a. Floͤsser/ worzu sie gesetzet? 59. b. Floß-Gerechtigkeit/ derjenige/ so solche exer- cir et/ muß den Besitzern derer an den Strohm anstossenden Grund-Stuͤcken allen Schaden/ der durch das Floͤssen verursachet wird/ erse- tzen. A. 20. a. b. Floß-Holtz/ wie vielerley es sey? 59. b. Floß-Knechte/ worzu sie bestellet? ibid. Floß-Meister/ worzu er gesetzet? ibid. Floß-Schreiber/ worzu er verordnet? ibid. Floß-Werck/ ist als ein besonder Regale dem Landes-Herrn vorbehalten. ibid. Flug-Schiessen/ wie es zu erlernen/ und gesche- hen solle? 341. seq. Foͤrster/ woruͤber er gesetzet? 50. b. 59. b. 60. a. wie er beschaffen seyn solle? 60. a. b. seqq. wie er von einem Schuͤtzen/ Forst-Knecht/ Hei- de-Laͤuffer/ Holtz- oder Fuß-Knecht unterschie- den sey? 61. b. Forellen/ werden nach ihrer Natur und Eigen- schafft beschrieben. 21. b. Forst-Gerechtigkeit/ was sie unter sich begreif- fe? 50. a. auff wie vielerley Art solche/ daß sie Jemand zustehe/ bewiesen werden koͤnne? ibid. Forst-Hauß/ wird beschrieben/ wie es angele- get werden und beschaffen seyn solle? 60 . Forst-Meister/ woruͤber er gesetzet? 50. b. Forst-Ordnungen/ so in Druck heraus gekom- men. 51. a. b. Fraß/ wie er denen reisenden wilden Thieren in denen Loͤwen-Haͤußern pflege gegeben zu wer- den? 316. a. Frauen-Distel/ Carduus Mariae, wie sie ausse- he/ und worzu sie gut sey? 13. b. Frauen-Zimmer/ wie es denen Jaͤgern zuwei- len einen Weydemann mache? 308. b. Fraxinella. Suche unten Weiser Diptam. Fredel/ wie man damit die Caninen fange? 106. b. Frischlinge/ werden nach ihrer Natur/ Ei- genschafft und Wachsthumb beschrieben. 98. a. b. seq. Froͤsche/ fallen zuweilen mit dem Regen her- unter/ und woher solches komme? 271. b. Frost-Bohrer/ worzu sie bey der Jagd gebrau- chet werden? 237. a. b. wie sie beschaffen seyn sollen? 237. b. Fuchs-Blume/ was es sey/ wie es aussehe und rieche? 111. b. Fuchs-Eysen/ wie hoch es ohngefehr an Gel- de zu stehen komme? 243. a. wie es verfertiget werde. ibid. wie es auffzustellen? 243. b. Fuchs-Fett/ worzu es gut sey? ibid. Fuchs-Jagd/ wie sie zu geschehen pflege? 307. a. b. Fuchs-Kasten/ wie solche zu verfertigen? 236. a. b. Fuchs-Kraut/ Aconitum, wie es wachse und aussehe? 9. a. Fuchs-Lunge/ worzu sie gebrauchet werde? 111. b. Fuchs-Schweiß/ worzu er diene? 111. b. Fuhr-Leute/ wie sie durch mit Zeug eingestellte Jagen zu lassen seyen? 274. b. seq. Fuͤchse/ werden nach ihrer Natur und Eigen- schafft weitlaͤufftig beschrieben? 110. seqq. wie sie gefangen werden? 110. b. wie vielerley sie seyen? ibid. seq. wie sie sich von den Floͤhen reinigen? 111. a. was von ihnen zur Artzney gebrauchet werde? 111. b. wie sie in Eisen ge- fangen werden? 243. a. b. wie in Drath- Schlingen? ibid. b. womit sie sich das Jahr durch von Monat zu Monat aͤssen/ und wie sie sich sonst verhalten? 359. b. seq. 363. b. 367. a. 370. b. 374. b. 378. a. 381. b. 385. a. 388. b. 395. b. 399. a. wann und wie sie rollen? 110. b. 363. a. wie sie zum Schuß zu betriegen? 363. b. eines Fuchses Anatomie. 138. seq. Fuͤsse derer Hunde/ wann sie wund gelauffen/ wie sie zu curir en? 194. b. et 195. b. Fungi. Suche unten Puͤltze. Furckeln/ wie sie zu denen hohen Tuͤchern be- schaffen seyn sollen? 215. a. wie zu denen Mit- tel-Tuͤchern? 218. a. wie zu denen Tuͤcher- Lappen? 222. a. wie zu denen Hirsch-Netzen? 224. b. wie zu denen Sau-Netzen? 225. a. wie zu denen Prell-Netzen? 226. b. seq. wie zu de- nen Stuͤck-Garnen? 338. a. wo sie im Zeug- Hauß verwahret werden? 238. a. Fuß-Knecht/ worzu er gesetzet? 50. b. Futter vor die jungen Phasian en/ 328. a. vor die Canarien-Voͤgel. 354. a. G. Gabeln/ wie sie ausjehen/ und worzu sie gebrau- chet werden? 236. a. b. Gabel-Hirsch/ wann ein Hirsch so genennet werde? 91. a. b. Gaͤnse-Bluͤmlein/ Bellis, worzu es nuͤtzlich zu gebrauchen? 12. a. Gaͤnse- Register. Gaͤnserich/ Anserina, wo es wachse/ und wor- zu es gut sey? 13. b. seq. Galega. Suche unten Geiß-Raute. Gallaͤpffel/ praesagir en zukuͤnfftige Dinge/ 29. a. worzu sie dienen? ibid. Galle/ vom wilden Schwein/ worzu sie gut zu gebrauchen? 100. b. Ganß. Was dieses Wort bey den Ertz- Schmeltzern bedeute? 63. b. wie solche auff dem Eisen-Hammer ferner zubereitet werde? 64. a. Gebuͤrge. Dessen Beschreibung/ 2. seqq. wie es von den Berg-Verstaͤndigen eingetheilet werde? 3. a. was fuͤr Kraͤuter des Wildes darauff wachsen? 13. a. b. seqq. Gebuͤsche/ in Heiden/ Feldern und Aeckern/ werden beschrieben. 42. seq. Gefaͤhrd. Suche unten Spuhr/ Faͤhrd oder Gefaͤhrd. Gehaͤuigt. Welche Gehaͤuigte zu Kuͤchen- Brenn-Holtz die besten seyen? 74. a. Gehege/ was dieses Wort bedeute? 51. a. was nothwendig darzu erfordert werde? 51. b. wie solches natuͤrlich anzulegen? 52. seqq. Gehaͤuser vor die Voͤgel/ wie sie pflegen ge- macht zu werden? 348. a. b. Gehirn von Eichhoͤrnern/ worzu es gut seyn solle? 118. b. von Gemsen/ wofuͤr es helffen solle? ibid. Gehoͤrn vortragen und Weyde-Geschrey wann und wie solches vorzeiten geschehen? 280. a. b. Geiß-Raute/ Galega, wofuͤr sie gut sey/ und wo sie gerne wachse? 9. b. Geistlicher/ der mit einer Flinte denen Voͤgeln nachgehet/ ist/ wann er/ auch durch die ge- ringste Verwahrlosung/ Jemand Schaden thut/ solchen zu ersetzen verbunden. A. 15. seq Gemse/ werden ihrer Natur und Eigenschafft nach beschrieben. 102. seq Gemsen-Galle/ worzu sie zu gebrauchen? 103. b. Gemsen-Kugel/ woher sie ihren Uhrsprung habe/ und wo sie gefunden werde? 102. b. 133. a. wie sie aussehe/ und wie groß sie sey? ibid. \& 133. b. was sie fuͤr Krafft und Tugend habe? 103. a. woraus sie bestehe? 133. b. Gemsen-Schweiß/ wovor er von den Jaͤgern gebrauchet werde? 103. b. Gemsen-Unschlitt/ worzu es gut sey? ibid. Gemsen-Wurtzel/ Doronicum, wo sie wachse? 5. b. deren Tugend und Wuͤrckung. 6. a Gentiana. Suche oben Entzian. Gentil, was dieses fuͤr ein Falcke sey? 319. b. Genuͤß des Leith-Hundes/ wie damit gegen den Leith-Hund zu verfahren? 260 . Geometria, was sie sey? 44. a. wie vielerley sie sey? ibid. Gerichts-Herr/ ob ihm von seinen Untertha- nen das Lerchen-Fangen mit Tage-Netzen verwehret werden koͤnne auff denenjenigen Feldern/ auff welchen er die Nieder-Jagd/ die Unterthanen aber die Huth- und Trifft- Gerechtigkeit haben? A. 53. seqq. ob er/ wann er sowohl mit Ober- und Unter-Gerichten/ als Ober- und Nieder-Jagden belehnet ist/ sei- nen Unterthanen wider das Herkommen/ daß sie ihren Hunden Knuͤttel anlegen sollen/ bey Straffe anzubefehlen berechtiget sey? A. 76. seqq. Gersau, oder Ger-Falcken/ was es fuͤr Fal- cken seyen/ und woher sie zu gebrauchen? 319. b. woher sie zu uns kommen? ibid. Gerste/ was sie fuͤr Krafft und Wuͤrckung habe? 77. b. Geruch oder Gestanck derer Duͤnste der Erden/ woher er entstehe? 1. b. Geschwier und Geschwulst derer Hunde an ihren Leibern zu curir en. 194. a. 196. a. Gestein/ woher es in der Erden entstehe? 2. b. wie vielerley Sorten desselben gefunden wer- den? ibid. Gewaͤchse der Erden/ woher sie die vielerley Farben uͤberkommen? 2. a. von unterirdischen verborgenen Gewaͤchsen. 16. seqq. Gewaͤsser/ was fuͤr wilde Kraͤuter in demsel- ben fuͤrnemlich wachsen? 12. b. Gewohnheit/ wie sie von der Observanz differi- r e und unterschieden sey? A. 68. a. Geylen eines wilden Schweines/ worzu sie gut zu gebauchen? 100. b. von Biebern/ wor- zu sie dienlich seyen? 113. a. Gezimmer in denen Bergwercken/ werden beschrieben. 65. a. Glaß/ ist ein sehr nuͤtzliches und hoͤchst noͤthi- ges Ding/ 62. a. b. was daraus verfertiget werde? ibid. b. Aus was fuͤr Materie es be- stehe? ibid. Glaß-Huͤtte/ wird beschrieben/ 62. seq. ist de- nen Waͤldern und Gehoͤltzen hoͤchstschaͤdlich/ 62. a. Wo solche nuͤtzlich anzulegen? ibid. Glieder und Adern eines Pferdtes/ welche A- dern zu rechter Zeit zu schlagen seyen? 204. seq. Glied-Kraut/ Sideritis, wo es wachse/ was fuͤr Blumen es trage/ und worzu es gut zu gebrau- chen sey? 14. b. Gnaden-Jagden/ wie sie von denen Landes- Fuͤrsten an andere verlassen werden sollen? A. 3. b. Wie derjenige/ so die Gnaden-Jag- den von dem Landes-Herrn concedirt bekom- men/ sich solcher zu gebrauchen habe? A. 10. a. b. Gnaden und Gerechtigkeiten. Ob durch die Worte: mit allen Gnaden und Gerechtig- keiten/ nichts ausgenommen/ in dem Lehn- Brieff auch die Jagden angedeutet werden? A. 12. b. Goͤtzen/ aus was fuͤr Holtz die Heyden solche haben machen lassen? 35. a. Gold-Wurtzel/ Asphodelus, wo sie wachse/ wie sie bluͤhe/ und worwieder sie zu gebrauchen? 9. a. Graͤntze/ bey was fuͤr Gelegenheit sie auffge- kommen? 48. a. b. Womit sie bemercket wer- den? 49. a. Wie deren Verruͤcker vorzeiten r 2 bestraf- Register. bestraffet werden? ibid. wie sie sonst pflegen ge- nennet zu werden? ibid. soll jaͤhrlich oder zum wenigsten alle drey Jahr bezogen werden/ ibid. Wie solche Verziehung geschehen solle? ibid. a. \& b. Graͤntz-Schuͤtze/ worzu er gesetzet? 50. b. 61. b. Graß/ Gramen, worzu es dienlich sey? 12. a. Grimmende Wuth derer Hunde/ wie sie be- schaffen? 190. b. wo sie herruͤhre? 191. b. was darwider zu gebrauchen? ibid. Grind derer Hunde zu vertreiben. 193. a. Groͤße eines Hirsches/ wie sie aus dessen Ge- faͤhrd zu erkennen? 96. a. Groß-Falcken/ woher sie zu uns gebracht wer- den/ und wie sie geartet seyen? 319. a. worzu sie abgerichtet werden? ibid. Gruͤne Freude/ wie es wachse/ und worzu es gut sey? 8. a. Gunarus, Koͤnig in Schweden/ setzet seinen Un- terthanen einen Hund zum Koͤnig. 166. a. H. H Aamen- und Treibe-Zeug/ wie damit die Reb-Huͤhner gefangen werden? 332 . 339. a. wie er gestricket und verfertiget werde? 338. b. seq. wie er auffzustellen? ibid. seq. Haarstrang/ Peucedanum, wo es wachse/ wie es aussehe/ und worwieder es diene? 9. a. Habicht/ wird seiner Natur und Eigenschafft nach beschrieben/ 153. seq. wie er gefangen wer- de? 153. a. woher er seinen Namen habe? 154. a. wann er von uns hinweg ziehe? 154. b. 361. a. wann er wieder zu uns komme? 153. a. 364. b. welche Habichte zum Abtragen oder Abrichten die besten seyen? 153. b. \& 154. a. Su- che unten Raub-Gefluͤgel/ oder Raub- Voͤgel. Haͤge-Reuter/ wie er beschaffen seyn soll? 119. b. seq. worzu er geordnet werde/ und was ihm zu thun obliege? 120. a. b. woher er an etlichen Orten Hasen-Jaͤger pflege genennet zu wer- den? 120. b. Haͤsin. Suche unten Satz-Haͤsin. Hafer/ was er fuͤr Krafft und Wuͤrckung ha- be? 77. b. Hagard, was dieses fuͤr ein Falcke sey? 319. b. Hagen/ ob es auch demjenigen zustehe/ so das Jagen habe? A. 73. a. A. 92. seq. was durch die Worte Hagen und Jagen zu verstehen sey? ibid. a. b. Hage-Dorn/ wird seinem Wesen und seiner Frucht nach beschrieben. 43. b. Hag- oder-Stein-Eiche/ war bey den Calten/ denen Gallis, und allen Teutschen in ungemei- nem grossem Æstim. 29. a. Hanff/ ist zu sehr vielen Dingen nuͤtzlich und noͤthig/ 212 . wie viel Hanff zu einem Hirsch- Netz gebrauchet werde? 224. a. Hanff-Saamen/ worzu er diene/ und was er fuͤr Wuͤrckung habe? 78. a. Harnen. Wann ein Hund hart harnet/ wie solchem zu helffen? 195. b. Hartz oder Hartz-Wald/ woher er diesen Na- men bekommen? 37. a. hat vorzeiten Satyros oder wilde Menschen/ und Lind-Wuͤrme ge- habt. 22. b. seq. Hartz-Holtz. Suche unten Tangel- oder Hartz- Holtz. Hartz-reisen/ wie es geschehe? 37. a. thut den Baͤumen grossen Schaden. ibid. Hasel-Huhn/ wird seiner Natur und Eigen- schafft nach beschrieben/ 142. seq. wie es gefan- gen werde? 143. a. wo es sich auffzuhalten pfle- ge? ibid. 360. a. 364. a. 382. a. 392. a. 395. b. seq. 399. b. womit es sich aͤße? 142. a. 367. b. 385. b. wann es Eyer lege? 371. a. wie es seine Jungen aufferziehe? ibid. 374. b. 378. b. 389. a. Hasel-Mistel oder Kenster/ worwider er die- ne? 42. b. Hasel-Nuͤsse/ worwieder sie gut seyen? 42. b. Hasel-Strauch/ wird seiner Natur/ Eigen- schafft und Nutzen nach beschrieben. 42. a. b. Hasel-Wurtz/ Asarum, worwieder sie gut sey/ wo sie wachse/ und was sie fuͤr Blumen habe? 14. a. Hasen/ werden ihrer Natur und Eigenschafft nach beschrieben/ 103. seqq. Wie vielerley sie seyen? 104. b. wie sie pflegen gefangen zu wer- den? 105. a. werden von den Fuͤchsen leichte gefangen/ ibid. 111. a. 360. a. ob sie Hermaphro- dit en seyen? ibid. wie sie zur Artzney zu ge- brauchen? 105. b. wie sie mit denen Lausch- oder Luͤcken-Netzen gefangen werden? 230. a. wie mit Drath-Schlingen? 243. b. wie sie mit Winden gehetzet werden? 307. seqq. womit sie sich das Jahr durch in jedem Monat aͤssen/ und wie sie sich darinnen sonst verhalten? 359. b. 363. b. 367. a. 370. b. 374. a. 377. b. seq. 381. a. b. 385. a. 388. a. 391. b. 395. a. 398. b. eines Hasens Anatomie, 136. seqq. woher die Meynung ent- standen/ daß die Hasen Hermaphrodit en seyen? 136. b. Hasen-Fett/ worzu es diene? 105. b. Hasen-Hetzen/ soll still und ohne Geschrey ge- schehen/ 173. b. wo und wann solches am fuͤg- lichsten vorgenommen werde? 174. b. Hasen-Jagd/ wie sie zu geschehen pflege? 307. b. Hasen-Kasten/ wie solche verfertiget werden? 236. b. Hasen-Kraut/ wie es wachse/ bluͤhe/ und wo- fuͤr es gut zu gebrauchen? 8. a. Hasen-Netze/ solten billig verbothen werden/ 229. a. wie sie beschaffen seyen? ibid. wie hoch eines dererselben an Gelde zu stehen komme? 229. b. wie solche auffzustellen? ibid. Hasen-Oehrlein/ Pilosella, wo dieses Kraut gerne wachse/ wie es aussehe/ und worzu es die- ne? 13. a. Hasen-Spring/ worzu er gut zu gebrauchen? 105. b. Hasen-Tuͤcher/ wie solche beschaffen seyen? 718. a. worzu sie gebrauchet werden koͤnnen? ibid. a. b. wieviel ein schmahles Hasen-Tuch koste? 218. b. Hauen- Register. Hauende Schweine/ welche Schweine so ge- nennet werden? 99. a. wie sie mit einander kaͤmpffen? 99. b. Haupt-Jagen/ wie solche anzuordnen? 271. seq. Haupt-Schweine/ welche Schweine so genen- net werden? 100. a. Hayn-Buche/ woher sie diesen Namen habe? 30. b. wird nach ihrer Natur/ Eigenschafft und Nutzen beschrieben. ibid. Hedera. Suche unten Wintergruͤn. Hedera arborea. Suche oben Eppich. Hege-Reuter/ worzu er verordnet? 51. b. Hegung und Haltung der Schuͤtzen/ ist mit der Jagd-Gerechtigkeit vereiniget. A. 17. b. Heide-Laͤuffer/ worzu er gesetzet? 50. b. Heiden/ werden beschrieben/ 22. seqq. wodurch sie grossen Schaden nehmen? 39. seqq. woher sie diesen Namen haben? 43. a. wie sie pflegen ausgemessen zu werden? 44. seq. wie sie zu taxir en und in Erbschafft zu theilen? 46. seq. wie sie zu befluͤgeln und zu umbstellen seyen? 47. seq. von der Heiden Eintheilung und Geo- metri scher Ausmessung. 43. seqq. Helleborus Albus. Suche unten Weise Wen- de-Wurtzel. Henge-Seil/ was bey dem Jagen so genennet werde? 175. a. Henricus Auceps, Roͤmischer Kaͤyser/ woher er diesen Namen bekommen? 317. b. Hepatica. Suche unten Leber-Kraut. Hepatica Fontana. Suche unten Zehr-Kraut. Herba Paradisi. Suche unten Paradieß-Kraut. Herba Paris. Suche oben Einbeer. Herba Pilati. Suche unten Pilati Kraut. Heu-Scheunen oder Heu-Rauffen/ sind so- wohl in Thier-Gaͤrten/ als Gehegen hoͤchst noͤthig/ 57. a. wohin und wie solche am fuͤg- lichsten anzulegen? ibid. a. b. Heyde-Korn/ ist der wilden Schweine beste Nahrung. 78. a. Heydel-Beer/ Myrtillus, worzu sie diene/ wie sie aussehe/ und wo sie wachse? 10. b. Heyden/ wo sie vorzeiten ihre Oracula gehabt? 23. a. wo sie meistens gewohnet/ und womit sie sich/ wann sie keinen Krieg gehabt/ belu- stiget? ibid. Hieff-Horn/ wie es geblasen werde? 253. b. seq. wie vielerley es sey? 245. a. wie es zube- reitet und verfertiget werde? ibid. warumb es getragen werde? ibid. Hiersche/ was er fuͤr Krafft und Wuͤrckung habe? 78. a. Himmelische Zeichen/ was ein jedes derersel- ben sowohl bey denen Menschen/ als denen Thieren fuͤr einen Theil des Leibes innen habe? 204. a. Himmels-Spuhr/ oder Himmels-Zeichen/ was bey der Faͤhrd derer Hirsche so genen- net werde? 95. b. Hinterlaß/ was dieses Wort bey der Gefaͤhrd eines Hirsches bedeute? 95. a. Hirsch/ wie vielerley Arten desselben seyen? 92. b. soll mit weissem Diptam die geschosse- nen Pfeile aus dem Leibe treiben/ 7. a. Soll mit brauner Doste sich alles innerliche aushei- len/ 8. a. Soll sich von Drey-Ocker sehr nehren/ 8. b. Soll unter allen Thieren am laͤngsten dauern/ 29. b. Wird nach seiner Natur und Eigenschafft weitlaͤufftig beschrie- ben/ 89. seqq. Wann er ein Schmahl-Thier genannt werde? 91. a. Wann ein Schpieß- Hirsch? ibid. wann ein Gabel-Hirsch? ibid. a. b. Wann ein Kuͤmmerer? 91. b. Wann er sein Gehoͤrn abwerffe und wieder auffse- tze? 92. b. 363. a. 366. b. 370. a. 374. a. Woher er so alt werde? 92. b. Was die Alten seines Al- ters halben von ihm gesprochen? ib. seq. Wie er das Wild bespringe oder beschlage? 93. seq. Wie er auffgebrochen/ zerwuͤrcket und zerle- get werden solle/ 263. seq. Wann oder zu wel- cher Zeit des Jahres er brunffte? 93. a. b. 382. a. 388. a. 391. a. Wie er par-force gejaget wer- de? 294. seqq. 300. seqq. Wie er mit dem neu auffgesetzten Gehoͤrn verfahre? 92. a. b. 377. b. Wie schwer ein Jagdbahrer Hirsch gemeiniglich sey? 91. b. Woran ein alter Hirsch zu erkennen? 93. a. Was von dem Hirsch zur Medicin zu gebrauchen? 94. b. Wie eines Hirsches Groͤße aus der Spuhr zu erkennen? 96. a. Hirsches Anatomie, 127. seqq. Hirsche nach der Gefaͤhrd zu erkennen/ was sie fuͤr Gehoͤrn haben/ 257 . was das heisse: Man habe einen jagdbahren Hirsch nach al- tem teutschem Jaͤger-Gebrauch gebuͤhrlich be- staͤttiget/ 258. b. Woher zu mercken/ daß ein Hirsch bey der Par Force- Jagd durchs Was- ser gesetzet? 302. a. Hirsch-Brunfft/ soll geruhig gelassen werden? 282. a. b. seq. wie die Herrschafften zu solcher Zeit die Hirsche puͤrschen/ und nach Hofe fuͤh- ren lassen? ibid. Hirsch-Gehoͤrn/ woher es seinen Zugang und Wachsthumb habe? 92. a. wie lange es die Kolben genennet werde? ibid. wie es aus- sehe/ und sich nach und nach an Farbe ver- aͤndere? ibid. b. ist von grossen Herren vor- zeiten hoch geschaͤtzet/ auch wann solches vor- getragen worden/ dabey gewisse Ceremonien beobachtet worden. 280. seq. Hirschheyl-Wurtz/ Libanotis, wo sie wachse und worzu sie nuͤtzlich zu gebrauchen? 13. a. Hirsch-Holder/ Sambucus cervina, wo und wie er wachse/ und wofuͤr er gut sey? 9. b. Hirsch-Kasten/ wie er gebraͤuchlich und wohl verwahrt zu verfertigen? 235. seq. Hirsch-Klee/ Eupatorium, wofuͤr es gut sey/ wie und wo es wachse? 9. b. Hirsch-Melde/ Pulmonaria, wo sie wachse? 6. a. wie sie aussehe und bluͤhe/ ibid. Machet die Hirsche mehr als sonst starck und feiste wach- sen. ibid. Hirsch-Netze/ wie es beschaffen seyn solle? 224. seq. wie es zu stricken? 224. a. b. wie hoch es an s Gelde Register. Gelde zu stehen komme? 224. b. ist denen Tuͤ- chern sehr gut/ 225. b. Wie viel Hanff zu einem Hirsch-Netz gebrauchet werde? 224. a. Hirsch-Wurtz/ Cervaria, worzu sie dienlich zu ge- brauchen/ und wo sie wachse? 13. a. Hirsch-Zunge/ Lingva cervina, wie dieses Kraut bluͤhe/ wo es wachse/ und wofuͤr es gut sey? 7. b. Hitzige Wuth derer Hunde/ wie sie beschaffen? 189. b. woran sie erkannt werde? 190. a. Hochbergs Calendarium perpetuum, durch al- le Monat im gantzen Jahre das Weyde- werck mit Nutzen zu treiben/ wird recom- mendir et. 344. b. Hoͤhle. Von unterirdischen verborgenen Hoͤh- len/ 16. seqq. Woher solche entstanden? 19. a. Hoff-Jaͤger/ was er bey Stellung der Jagd- Tuͤcher zu thun habe? 220. b. wie er beschaffen seyn solle? 267. a. wessen er sich zu erkundigen/ wann er wegen eines Ausschiessens oder Ab- jagens/ so von der Herrschafft verlanget wird/ mit Ordre an den Forst-Meister abge- schicket wird? ibid. a. b. seq. Hoff-Jaͤger-Meister/ worzu er geordnet? 291. a. Hoff-Kampff-Jagen/ wann und wie sie an un- seren teutschen Hoͤfen vorgenommen werden/ 292 . grosses Kampff-Jagen/ von Kaͤyser Phi- lippo gehalten. 291. b. Hohe Jagd/ was darzu gerechnet werde? A. 3. a. A. 101. b. ob solche unter der Verleihung derer Jagden mit begriffen seyen? A. 100. b. durch was fuͤr Worte sie in denen Lehr-Brieffen pflegen verliehen zu werden? A. 101. a. Strykii Responsum von der Hohen Jagd. A. 68. seqq. Hohe Netze auf Schnepffen und andere grosse Voͤgel/ wie solche gestricket und ver- fertiget werden? 346. a. Hoher Ofen/ wird beschrieben/ 63. seq. ist den Waͤldern und Gehoͤltzen hoͤchstschaͤdlich/ 63. a. Was fuͤr Gefaͤsse und Sachen bey dem selben gegossen werden? 63. b. Hohe Tuͤcher/ wie solche beschaffen seyn muͤs- sen? 214. seqq. wie solche auffgestellet werden? 214. a. b. seq. wie solche auf die Zeug-Wagen gepacket werden? 219. b. wie hoch ein Hohes Tuch/ so 80 . gedopppelte oder 160 . einfache Waldschritt lang stellet/ mit aller Zubehoͤre am Preiß zu stehen komme? 215. b. Wie hoch ein Fuder Hohe Tuͤcher/ deren dreye darauf gehen/ in Dreßden an Gelde kommen? ibid. seq. Holtz/ wie es bey dem Berg-Bau zu schonen? 4. a. ist hoͤchstnoͤthig zu allen Dingen/ und kan im menschlichen Leben nicht entrathen werden/ 23. b. worinnen dessen Materie ei- gentlich bestehe? 24. a. woher/ wann es noch gruͤn/ im Feuer zu knastern pflege? 39. a. Ob das Holtz/ so zum oͤfftern bey Grabung tief- fer Graͤben/ Teiche und Brunnen in dem Erdreich gefunden wird/ ein unterirdisches natuͤrliches Gewaͤchse/ oder von der Suͤnd- fluth wuͤrcklich verschwemmetes Holtz sey? 16. a. seqq. von Unterscheid des Holtzes/ 24. seqq. Holtz/ so vom Winde niedergerissen/ soll zum Bauen nicht dienlich seyn/ 39. a. b. Welche Baͤume in Heyden und Waͤldern junges Holtz genennet werden? 42. b. welche haubares Holtz? ibid. Was fuͤr Holtz in de- nen Bergwercken zur Verzimmerung und anderer Beduͤrffniß zu gebrauchen? 65. b. wie das Holtz zum Aschbrennen beschaffen seyn muß? 75. b. Holtz-Aepffel/ worzu sie dienlich seyen? 76. b. Holtz-Floͤsse/ warum und zu was Ende sie an- geleget worden? 59. a. Wie vielerley sie sey? ibid. a. b. Holtz-Gerechter/ woher dieser Name einem Holtzverstaͤndigen beygeleget worden? 59. a. Holtz-Knecht/ worzu er gesetzet? 50. b. Holtz-Maͤrckte/ zu welcher Zeit des Jahrs sie zu halten? 58. a. Was auf denenselben ver- richtet werde? ibid. a. b. Holtzungs-Gerechtigkeit/ kan sich Niemand zueignen/ noch in deren Possess geschuͤtzt zu werden prætendir en/ wann er solche nur Bitt- weise/ und mit Protestation von dem andern hat. A. 16. seq. ob sie in einem frembden Wal- de eine Art einer Servitut sey? A. 41. seqq. Huff-Lattig/ Thussilago, wofuͤr dieses Kraut zu gebrauchen? 10. b. Huͤhner-Fangen/ wie es zu geschehen pflege? 331. seq. Huͤhner-Faͤnger/ was dessen Verrichtung sey? 331. a. b. wie er die Reb-Huͤhner/ mit dem Trei- be-Zeug und Haamen fange? 332. seq. wie vermittelst des Treibe-Pferdtes/ der Kuhe/ oder des Schildes. 333. seq. Huͤhner-Hund/ wird nach seiner Art/ und Ei- genschafft beschrieben/ 177. seq. wie er abzurich- ten sey? 177. a. b. soll Frantzoͤsisch/ Moscowi- tisch oder Polnisch angesprochen werden. 178. b. Huͤhner-Zeug/ wie es zu stricken? 338. seq. Huͤndin/ womit sie sich vor und nach der Geburth zur Reinigung der Milch purgir e? 13. a. Huͤndin oder Betze/ wie sie laͤuffisch zu ma- chen? 184. a. 299. b. Wie sie zu halten/ wann sie traͤchtig ist/ oder geworffen hat/ 184. b. 185. a. was ihr zu geben/ daß sie nimmer laͤuffisch werde? 194. b. Huͤtte bey dem Voͤgel-Heerd/ wie sie beschaffen seyn solle? 344. b. Hunde werden beschrieben nach ihrer Treue/ 165. seq. nach ihrer Eigenschafft/ 166. seqq. nach ih- rem Unterscheid/ 168. seq. wann sie wuͤthend werden/ woran solches zu erkennen? 168. a. b. 189. b. woher sie wuͤthend werden? 168. b. wo- her es komme/ daß sie in coitu zusammen hen- gen bleiben? ibid. wie sie abgerichtet werden zu Leith-Hunden? 175. b. 256. a. b. seqq. zu Sau-Findern? 176. a. b. zu Huͤhner-Hun- den? 177. a. b. auff Schnepffen und Wach- teln vorzustehen? ibid. b. zu Jagd-Hunden? 180. a. b. Register. 180. a. b. zu Wasser-Hunden? 181. b. zu Ot- ter-Hunden? 183. a. b. zu Dachs-Kriechern? 183. b. seq. wie sie aufferzogen werden sollen? 184. seq. wie sie laͤuffisch zu machen? 184. a. 299. b. wie sie insgemein pflegen benennet zu werden? 185. b. wie solche gewartet/ gepfleget/ und curir et wer- den sollen? 189. seqq. zu welcher Zeit des Jahrs sie insgemein zu wuͤthen pflegen? 196. a. wie sie gefuͤttert werden sollen? 252. b. seq. wie offte/ und wie sie ausgefuͤhret werden muͤssen? 253. a. b. wie offte/ und zu welcher Zeit des Ta- ges sie zu fuͤttern? 253. b. wie sie bey einer Jagd auff dem Lauff-Platz zu rangir en und zu stellen seyen? 277. b. woran zu erkennen/ wel- che unter denen jungen Hunden die besten seyen? 185. a. Hunde wohl zunehmend zu ma- chen/ 197. b. wenn ein von Hunden zerfleisch- ter Leichnam oder Stuͤck Vieh angetroffen wird/ kan wider den Nachbar/ der im Ruf ist/ daß er solche arge Hunde halte/ inquirirt, und wann er laͤugnet/ zu Ablegung des Reini- gungs-Eydes angehalten werden. A. 19. seq. Hunde-Artzney und Baͤder. 191. seqq. Hunde-Daͤchse/ wie sie aussehen? 115. b. Hunde-Junge/ was er fuͤr noͤthige Requisita ha- ben muͤsse? 252. a. b. Worinnen dessen Arbeit oder Verrichtung bestehe? 252. b. Wie er zu be- strafen/ wann er sich auff die schlimme Seite leget/ 253. b. Wie lange er auff die Jaͤgerey lernen muͤsse? 253. a. Wann er als Junge/ ausgelernet/ wie er hernach genennet werde/ und was sodenn seine Verrichtung sey? ibid. a. b. seq. Hundes- Anatomie. 206. seqq. Hunde-Stall/ wie er beschaffen seyn solle? 187. seqq. Hunde-Zwinger/ wie er angeleget seyn solle? 188. b. seq. Hunds-Dreck/ worzu er in der Medicin ge- brauchet werde? 168. a. Huth-Gerechtigkeit/ ob der/ so die Huth-Ge- rechtigkeit besitzt/ dem Gerichts-Herrn/ der die Nieder-Jagden hat/ das Lerchen-Fangen mit Tage-Netzen verwehren koͤnne? A. 53. seqq. Hypericum. Suche unten Johannis-Kraut. J. J Acken derer Hunde/ wie solche und wovon sie verfertiget werden/ auch worzu siedienen? 223 . Jaͤger/ wie er sich in der Frembde und auff der Reise verhalten solle? 264. seq. uͤberkommet zuweilen von dem Frauenzimmer einen Wey- demann/ 208. b. Wie er beschaffen seyn soll/ und was er zu lernen habe/ und verstehen muͤs- se/ wann er ein rechter Jaͤger seyn will? 355. seq. was er in Jagd- und Forst-Sachen/ auch mit Zeug und Hunden noͤthig zu verrichten habe im Monat Januario? 361. a. b. seq. im Februario? 365. a. b. im Martio? 368. b. seq. im April. 372. a. b. im Majo? 375. b. seq. im Junio? 379. a. b. seq. im Julio? 383. a. b. im Augusto? 386. b. seq. im September? 389. b. seq. im October? 393. a. b. im November? 398. b. seq. im December? 400. a. b. Waß er zu beobachten habe/ wenn er ein Christlicher und rechtschaffener Jaͤger seyn will/ A. 5. b. seq. auff was Art und Weise er dem Wilde auff einem frembden Grund und Boden nach- setzen koͤnne? A. 10. b. Jaͤger-Calender/ 357. seqq. wie sich dessen ein Jaͤger gebrauchen solle? 357. a. b. Jaͤger-Hauß/ wie dieses angeleget seyn solle? 314. seq. wer daruͤber gesetzet sey? 314. b. Jaͤger-Junge/ wie er beschaffen seyn solle und was er zu verrichten habe? 252. a. b. seq. wie lange er lernen muͤsse? 253 . Jaͤger-Meister/ wessen er sich dey vorhaben- dem Ausschiessen bey dem Forst-Bedienten zu erkundigen habe? 272. a. Was er sonst bey solchem Ausschiessen zu beobachten und zu verrichten habe? ibid. a. b. was er bey dem Jagen fuͤr Leute unter seiner Bothmaͤßigkeit habe? 273. a. wie er beschaffen seyn solle/ und was er sonst zu verrichten habe? 291. a. b. Jaͤger- Panquet, wie es pflege gehalten zu wer- den? 279. seq. Jaͤger-Pursch/ wie er beschaffen und was er zu erlernen bemuͤhet seyn solle? 254. b. seq. Jaͤgerey/ wie sie bey einem Abjagen oder Aus- schiessen mit gewoͤhnlichem Wald-Geschrey zu und von Holtze ziehe/ und was sonst dabey ihre Verrichtung sey? 278. seq. was sie bey dem Jagd- Panquet zu thun habe? 279. seq. Jaͤger-Ruͤstung/ worinnen sie bestehe/ und wo sie pflege verwahrlich auffgehoben zu werden. 313. b. Jagd/ wie vielerley sie sey? 245. b. seq. A. 3. a. A. 71. a. aus was Ursachen sie dem gemeinen Mann entzogen/ und grossen Herrn allein vorbehalten worden? 247. a. A. 2. a. soll oh- ne derer Unterthanen Beschwerung und Schaden angestellet und vollzogen werden/ A. 8. b. soll an keinem Sonn- oder-Fest-Tage gehalten werden/ A. 8. b. zu welcher Zeit des Jahres sie verbothen? A. 13. b. was zu einer jeden Art derer Jagden von Wildpraͤth ge- rechnet werde? A. 3. a. b. was in denen Jagd- Mandat en fuͤrvortheilhaffte und unweydeman- nische Arten derer Jagden verbothen werden? A. 8. a. Wann in dem Petitorio oder ordina- rio Possessorio der Beweiß einer ausdruͤckli- chen oder heimlichen Concession des Jagd- Rechts mangelt/ so wird alle Jagd verbothen/ der alten Possess unbeschadet. A. 57. seqq. Jagd-Bediente/ wie sie alle heissen? A. 3. b. seq. Worzu sie geordnet/ und was er wissen und thun solle? ibid. seqq. Jagd-Befugniß/ ob solches/ wann der allge- meine Nießbrauch eines Guthes verstattet worden/ zugleich mit uͤbergeben sey? A. 85. seqq. Jagd- Fourier, was er bey der Jagd zu verrich- ten habe? 375. seq. s 2 Jagd- Register. Jagd-Gerechtigkeit/ wie sie von dem Landes- Herrn denen Unterthanen pflege ertheilet zu werden? A. 3. a. \& 12. a. auff wie vielerley Ar- ten sie sich endige oder verlohren werde? A. 13. b. seq. begreiffet auch unter sich die Hagung und Haltung derer Schuͤtzen/ A. 17. b. Ob sie ein Regale sey? A. 37. a. b. ob und wie weit sie nach dem Verstande der Landes-Ordn. Tit. Daß keiner auff des andern Grund und Boden jagen solle; auf frembden Guͤ- thern durch die Verjaͤhrung erlanget werden koͤnne? A. 80. seq. A. 82. a. b. ob sie mit unter die Nutzungen und Einkuͤnffte eines Guthes zu rechnen sey? A. 86. a. ob sie unter denen Wor- ten: mit allen Gnaden und Gerechtigkei- ten/ mit begriffen sey? A. 100. b. Jagd-Ge- rechtigkeit/ so durch eine von undencklichen Zeiten her beschehene Verjaͤhrung erlanget worden/ mag nicht wieder durch ein Fuͤrstlich Rescript entzogen werden/ A. 17. b. Ob eine Privat- Person in der Possess vel quasi der Jagd-Gerechtigkeit zu schuͤtzen sey? A. 37. b. seq. Ob Jemand auf des andern Grund und Boden/ da es seine Vor-Eltern also herge- bracht/ die Jagd-Gerechtigkeit zu exercir en befugt sey/ oder ob ihm solches in kuͤnfftiger Zeit verbothen werden koͤnne? A. 66. seq. Wer behaupten will/ daß die Jagd-Gerechtigkeit allodial sey/ muß es beweisen/ A. 81. seq. Die besonders einem concedirt e Jagd-Gerech- tigkeit gehet nicht verlohren/ wann man solche gleich in einer sehr langen Zeit nicht gebraucht/ wenn man nemlich nicht Gelegenheit gehabt/ die Jagd zu exercir en/ A. 82. a. b. Von dem ver- mutheten Titulo, der zum Possessorio der Jagd-Gerechtigkeitgenug ist/ A. 93. seqq. wer uͤber undenckliche Zeit auf eines andern Grund und Boden die Jagd-Gerechtigkeit exercir et/ ist bey der Possess des Jagens zu schuͤtzen/ und kan wider denjenigen/ so ihn in dem Jagen turbir et/ oder Eingriff thut/ Klage erheben. A. 101. seq. Jagd-Gezelt/ wie es beschaffen und gebauet seyn soll? 223. seq. Jagd-Gezeug/ ist nach und nach unterschiedlich erfunden worden/ 211. seqq. wie damit gehoͤ- riger maassen umbgegangen/ gestellet/ geja- get/ und wie nach dessen Verrichtung solches wiederum abgeworffen/ auffgehoben/ wohl verwahret/ und das Schadhaffte ausgebessert werden solle? 221. b. seqq. auff was fuͤr Wa- gen er zu fuͤhren? 219. a. wie er wieder zu trocknen? 233. seq. 238. a. wie er auszubessern? 234 . wie es im Zeug-Haus auffzuhengen und zu verwahren? 237. b. seq. Jagd- Hautbois, was bey der Jagd ihre Ver- richtung sey? 276. b. 280. a. wohin sie auf dem Lauff-Platz logir et werden? 278. a. Jagd-Hunde/ werden ihrer Art/ Natur und Eigenschafft nach beschrieben/ 178. seqq. wel- che hier zu Lande die besten seyen? 179. a. wie sie abzurichten? 180. a. b. wie sie zu fuͤttern? 181. a. b. wie sie auff dem Lauff-Platz zu rangi- r en/ und einzutheilen? 277. b. Jagd-Juncker/ wie er beschaffen seyn/ und wornach er sich befleißigen solle? 388. seq. wor- zu er bey einer Jagd gebrauchet werde? 289. b. Jagd-Land-Knecht/ worzu er geordnet? 276. b. 286. b. Jagd- Marquetend er/ warumb er bey der Jagd noͤthig/ und was fuͤr Victuali en er bey sich fuͤhren solle? 276. a. Jagd- Pagen, was solche seyen? 265. a. zu was fuͤr Charg en und Dignit aͤten sie pflegen befoͤr- dert zu werden? 265. b. seq. wie sie beschaffen seyn sollen? 266. a. b. seq. wie ihre Livrée sey? 267. b. was ihre Verrichtung bey dem Jagd- Panquet sey? 279. b. Jagd-Pferd/ wie es zu warten/ wann es matt/ kranck oder beschaͤdigt von der Jagd zu Hauße gekommen? 300. b. 303. a. Jagd-Qvartiere/ muͤssen von dem Jagd- Fourier vor der Jagd beqvem verschaffet und vertheilet werden. 275. seq. Jagd-Recht. Suche oben Jagd-Gerechtig- keit. Jagd-Seyler/ worzu er geordnet sey? 234. b. 274. b. Jagd-Schmidt/ worzu er bestellet? 234. b. Jagd-Schneider/ was seine Verrichtung sey? 234. a. 247. b. Jagd-Tuͤcher/ wie sie auff die Jagd-Wagen auffgeladen/ und gefuͤhret werden? 219. b. wie sie auffgestellet werden? 220. a. wie sie wiederumb adgefuͤhret werden? ibid. b. wie sie im Zeug-Hauß auffzuhengen? 237. b. Jagd-Voigt/ worzu er gesetzet/ und was bey einer Jagd dessen Verrichtung sey? 276. b. Jagd-Wagner/ worzu er geordnet? 234. b. Januarius, wie dieser Monat an der Witterung/ Kraͤuter und Baͤumen/ Tages und Nachts Laͤnge/ unterirdischen Berg-Duͤnsten/ sowohl Thieren und Voͤgeln beschaffen sey? 358. seqq. Je laͤnger je lieber/ Matrisylva, wie es ausse- he/ und wofuͤr es gut sey? 7. b. Jesus-Bluͤmlein/ Viola tricolor, wo es wach- se/ wie es aussehe/ und worzu es dienlich zu gebrauchen? 14. a. Jltniß/ wird seiner Natur und Eigenschafft nach beschrieben? 117. seq. woher es ein Staͤncker genennet werde? 117. a. wie es mit dem Mar- ter- oder Jltniß-Garn gefangen werde? 232. a. Jltniß-Baͤlge/ worzu sie pflegen gebraucht zu werden? 118. a. b. Jltniß-Garn/ wie es beschaffen sey? 232 . Imperatoria. Suche unten Meister-Wurtz. Jndianischer Rabe/ wird seiner Natur und Eigenschafft nach beschrieben. 159. seq. Instruction eines Haͤge-Reuters. 120. a. b. Johannis-Kraut/ Hypericum, wie es aussehe und bluͤhe? 6. b. wo es gerne wachse/ und was es fuͤr Krafft und Wuͤrckung habe? ibid. Jrrwische/ was sie seyen/ und woher sie entste- hen? Register. stehen? 16. a. b. Wo solche gemeiniglich gese- hen werden? ibid. a. Judas/ soll sich an eine Aespe gehenget haben? 34. a. Julius, wie dieser Monat an der Witterung/ Kraͤutern und Baͤumen/ Tags und Nachts Laͤnge/ unterirdischen Berg-Duͤnsten/ so- wohl Thieren und Voͤgeln beschaffen sey? 380. seqq. Jungfern/ womit sie sich pflegen schoͤn zu machen? 32. b. Jungfer-Erde/ welche Erde so genennet werde? 17. a. zeuget wundersamer weise Beine/ Ge- hoͤrn/ und Holtz. ibid. Junius, wie dieser Monat an der Witterung/ Kraͤutern und Baͤumen/ Tags und Nachts Laͤnge/ unterirdischen Berg-Duͤnsten/ sowohl Thieren und Voͤgeln beschaffen sey? 376. seqq. Jura, so von Carolo Magno, derer Wildbahnen und Forsten wegen gegeben worden. 248. seqq. K. K Aelte/ wie solche an den Voͤgeln zu mer- cken/ daß sie im Fruͤhling noch zuruͤcke sey? 343. b. Kaͤuler/ welche Schweine so genennet werden? 99. a. Anatomia eines Kaͤulers. 131. seq. Kaͤutzlein/ wird seiner Natur und Eigenschafft nach beschrieben. 155. a. b. Kalck/ wodurch solcher von unsern Vorfahren so feste als ein Stein gemachet worden? 66. a. b. seq. Wie er wohl zu loͤschen? 67. a. Kalck-Ofen/ wird beschrieben. 66. seq. Kalck-Stein/ auff wie vielerley Art er gewonnen werde? 67. b. Wieviel derselben zu 300 . Ton- nen Kalck erfordert werden? ibid. Kampff-Jagen. Suche oben Hoff-Kampff- Jagen. Karren-Knecht/ wie er gekleidet seyn solle? 218. b. Katzen/ werden ihrer Natur und Eigenschafft nach beschrieben/ 116. seq. wie sie brunfften? 117. a. wie sie gefangen werden? 117. b. Katzen-Balg/ worzu er dienlich sey? ibid. Katzen-Fett/ worzu es gut sey? ibid. Kenster. Suche unten Mistel oder Kenster an Baͤumen. Kiefer oder Kuͤhn-Baum/ wird nach seiner Natur/ Eigenschafft und Nutzen ausfuͤhrlich beschrieben. 37. b. seq. Kiefern-Holtz/ worzu es nuͤtzlich gebrauchet werde? 37. b. Kiefern-Zapffe/ warumb er von der Stadt Augspurg im Wappen gefuͤhret werde? ibid. Kirsch-Baum/ wird seinem Holtze und der Frucht nach beschrieben. 77. a. b. Kirschen/ worzu sie dienen? 77. b. Klaffter Holtz/ woher sie den Namen habe? 74. a. Wie hoch und breit sie seyn muͤsse? ibid. wie lang die darin befindliche Scheite seyn sol- len? ibid. wieviel derselben einen Schragen machen? 74. b. wie viel Baͤume zu einer Klaff- ter Holtz auffgehen? ibid. Klaffter-Schlagen/ wie es mit Nutzen vor- zunehmen und zu verrichten? 73. seq. Klarheit des Wetters/ woher solche vorher ge- sehen werden koͤnne? 269 . Klein Maͤuß-Oehrlein/ Pilosella minor, wie es aussehe/ wo es gerne wachse/ und was er fuͤr Krafft und Wuͤrckung habe? 15. b. Klopff-Jagen/ wie es geschehe? 310 b. Knaben-Kraut/ Fabaria, wie es aussehe/ und worzu es gut sey? 8. a. Knacken der Schraͤncke und Tische/ woher solches bey Veraͤnderung des Wetters zu ge- schehen pflege? 39. a. Knastern und Krachen des Holtzes im Feuer/ woher es entstehe? 39. a. Knechte bey denen Hunden/ wie sie beschaffen seyn sollen/ und was ihnen zu thun obliege? 197. seq. Knoblauch-Kraut/ Alliaria, wo es wachse/ und worwider es gut zu gebrauchen? 14. a. Koͤniglein. Suche oben Caninen/ Carnickel/ Koͤniglein. Koͤnigs-Crone/ Corona Imperialis, wie dieses Kraut aussehe/ und wo es wachse? 7. b. Koͤnigs-Kertze/ Verbascum, wie sie aussehe/ und wo sie wachse? 9. a. Kohlen/ wie solche gebrannt werden? 74. a. Was dabey zu Verhuͤthung Schadens in acht zu nehmen? 75. a. Welche Kohlen die besten zu Schmeltzung der Metalle und Sie- dung der Potasche/ auch zur Glaß-Verferti- gung die besten seyen? 30. b. Kolben/ wie lange das Hirsch-Gehoͤrn so ge- nennet werde? 92. a. Koppel-Jagd/ wie bey derselben viele Strei- tigkeiten præcavir et werden koͤnnen? A. 9. b. Koppel-Weyde/ ob sie verstatte/ daß ein Wald in das Gehege geleget werden koͤnne? A. 38. seq. Korn/ worzu es nuͤtzlich sey? 77. b. Kraͤhen-Huͤtte/ wie sie anzulegen und zu ver- fertigen? 350. seq. Kraͤhe/ wird ihrer Natur und Eigenschafft nach beschrieben/ 156 . wie sie geschossen und ge- sangen werde? ibid. a. b. 350. a. b. Wo sie sich auffzuhalten pflege? 361. a. 364. b. 389. b. 396. b. 400. a. Womit sie sich zu aͤssen pflege? 156. a. b. 364. b. 382. b. 386. a. 389. b. Wann sie sich paare und niste? 368. b. 372. b. wie sie ihre Jungen erziehe? 375. b. Kraͤuter/ wachsen nach ihrer Art und Eigen- schafft an unterschiedenen Orten und Plaͤtzen/ 5. a. Sind auff hohen Gebuͤrgen weit kraͤffti- ger/ 6. a. Wann solche zu suchen und einzu- tragen? 15. a. Wie solche/ wann sie gesamm- let und getrocknet/ auffzuheben und zu verwah- ren seyen? 394. b. Beschreibung derer wil- den Kraͤuter Krafft und Eigenschafft vornem- lich derer/ so umb steinigte Felsen/ Klippen/ und Gebuͤrge/ Gruͤnde und Thaͤler zu wach- sen/ und von denen wilden Thieren genossen werden. 5. b. seqq. Kraͤuter auff hohen Gebuͤr- t gen/ Register. gen/ und in tieffen Abgruͤnden/ so anzeigen/ daß daselbst Masser-Qvellen befindlich/ 21. a. Was fuͤr Kraͤuter fuͤrnehmlich wachsen im Januario? 358. b. im Februario? 362. b. im Martio? 366. a. im April? 369. b. im Majo? 373. a. im Junio? 377. a. im Julio? 380. b. im Augusto? 384. a. im September? 387. b. Kraͤuter-Mann/ soll bey Suchung und Ein- sammlung der Kraͤuter keine aberglaubische Mittel gebrauchen. 15. b. Krammets-Voͤgel/ wie sie in Bauern gefuͤt- tert werden? 347. a. Wann und wie sie bruͤ- then und aushecken? 371. a. b. Wann sie von uns wegziehen? 392. b. Wann sie wieder zu uns kommen? 396. a. 399. b. Kranckheiten/ woran die innerlichen Kranck- heiten derer Baͤume gemercket werden koͤn- nen? 26. a. Kraut/ worzu es dem Wild diene? 78. a. b. Krebs an Hunden zu vertreiben. 192. b. Krieg-Enten/ werden ihrer Natur und Eigen- schafft nach beschrieben. 151 . Kron-Jaͤger-Meister/ worzu er gesetzet/ und wie er beschaffen seyn solle? 291. a. Kuckuck/ wird seiner Natur und Eigenschafft nach beschrieben. 156. seq. Kuhe/ wie damit die Reb- oder Feld-Huͤhner pflegen getrieben zu werden? 333. seqq. Kuͤhn-Oehl- Spiritus, wovon er zubereitet wer- de? 38. a. 67. b. Kuͤhn-Ruß/ wie er zubereitet werde? 38. a. 68. a. Kuͤmmerer/ was dieses fuͤr ein Hirsch sey? 91. b. Kuppel-Netze/ wie sie verfertiget werden sol- len? 227. b. wieviel eines derselben wiege/ u. wie hoch es an Gelde zu stehen komme? 228. a. Kybitzen/ werden nach ihrer Natur und Ei- genschafft beschrieben/ 152 . wo sie sich auffzu- halten pflegen? 361. a. 368. a. 389. b. Womit sie sich aͤßen? 368. a. Wann sie legen und bruͤ- then/ auch wie sie ihre Eyer selbst verrathen? 152. a. 371. b. Wann sie von uns ziehen? 396. b. L. L aͤuse und Floͤhe zu vertreiben/ an denen Hunden/ 195. a. 196. b. an denen Falcken/ 323. b. an denen Phasian en. 328. b. Landes-Fuͤrst. Von dessen Recht nnd Pflicht in Ansehung der Jagden/ A. 2. seqq. Warumb er sich heutiges Tages derer Jagden pflege al- lein anzumaassen? A. 2. a. Wie er die Wolffs- Jagd vornehmen und verrichten solle? A. 2. b. seq. Wie er pflege seinen Unterthanen die Jagden zu concedir en? A. 3. a. \& 12. a. Ob ihm allein zukomme zu befehlen/ daß die Un- terthanen ihren Hunden Knuͤttel anhaͤngen sollen/ oder ob solches auch ein Jeder/ wel- cher sonst mit allen Gerichten und Jagd-Rech- ten belehnet/ gleichergestalt thun/ und dieses seinen Unterthanen bey Straffe aufferlegen koͤnne? A. 77. b. seqq. Ob er wegen seiner Forstlichen Obrigkeit mit denen in seinem Lan- de Gesessenen von Adel das Mit-Jagen ha- be? A. 100. a. b. Wenn ein Landes-Fuͤrst sei- ne Vasallen mit aller und jeder Gerechtigkeit/ ingleichen mit Jagden belehnet/ ob solche be- fugt seyn/ sich nur der Hasen und Fuͤchse an- zumaassen/ oder auch zugleich des hohen/ ro- then und schwartzen Wildpraͤths/ als der Hirsche/ Rehe/ wilden Schweine \&c. A. 83. seqq. Land-Jaͤger-Meister/ worzu er geordnet? 291. a. Laub/ von Aeschen-Baͤumen/ worzu es pflege gebrauchet zu werden? 31. b. Worzu das Laub von denen Errlen diene? 33. b. Laub-Holtz/ wie vielerley es sey? 25. a. Des- sen Species, ibid. Woran das haͤrtere zu er- kennen? ibid. Wie es sich befinde im Janua- rio? 358. a. b. wie im Februario? 362. a. b. wie im Martio? 366. a. wie im April? 369. b. wie im Majo? 373. a. wie im Junio? 376. b. wie im Julio? 380. a. wie im Augusto? 384. a. wie im September? 387. a. wie im October? 390. b. wie im November? 394. a. wie im December? 397. b. Lauffende Wuth derer Hunde/ wie sie be- schaffen? 190. a. woran sie zu erkennen? ibid. Lauff-Platz/ warumb er erfunden worden? 276. a. b. Wie er abgestecket werde? 277. a. Wie er mit Tuͤchern umbstellet werde? ibid. Wie er sonsten beschaffen seyn solle? ibid. a. b. seq. Lauff-Schiessen/ wie es erlernet werden/ und geschehen solle? 341. seq. Lauff-Tuch/ woher es diesen Namen habe? 221. a. Wie es beschaffen? ibid. a. b. Wie es auffgezogen werde? 221. b. Lauge von Wacholder-Holtz-Asche/ worzu sie diene? 38. b. Lauschen oder Lauern/ was diese Woͤrter be- deuten? 229. a. b. Lausch-Netze/ wie sie beschaffen seyn? 230. a. b. wie weit sie stellen? ibid. a. worzu sie dienen? ib. Leber-Kraut/ Hepatica, wie und wo es wachse? 8. a. worzu es diene? ibid. Ledum. Suche oben Bagan. Lehn-Guth. Wenn ein von einem Fuͤrsten in Erbe verwandeltes Lehn-Guth einem andern cedir et wird/ so kan jener nicht mehr verlan- gen/ als er von dem Cedent en dafuͤr bekom- men. A. 41. seqq. Leib-Hunde/ was dieses fuͤr Hunde seyen? 169. b. Wie sie erzogen werden muͤssen? ibid. was sie fuͤr Halßbaͤnder bekommen/ und wie sie beym Jagen zu tractir en? ibid. Leib-Schuͤtze/ was bey einer Jagd dessen Ver- richtung sey? 279. a. 287. a. b. seq. wie er sonst beschaffen seyn solle? ibid. wie er vorzeiten ge- nennet worden? 288. b. Leimichter Grund/ was in demselben fuͤrnem- lich fuͤr wilde Kraͤuter wachsen? 10. b. seq. Leimb-Ruthen/ oder Leimb-Spillen/ wie sie zu- Register. zubereithet/ und Voͤgel damit gefangen wer- den? 349. b. Leith-Hunde/ werden ihrer Natur/ Art und Ei- genschafft nach beschrieben/ 174. seq. woher sie diesen Namen haben? 175. a. wie sie zu fuͤttern und sonst zu halten? 255. a. warumb sie eigent- lich noͤthig seyen? 255. b. seq. wann mit denen- selben hinauszuziehen/ und wie sie ausgefuͤh- ret werden sollen? 256. a. b. wie ihnen auff der Faͤhrd zugesprochen werde? 256. seq. was ih- nen zum Genuͤß gegeben werde? 260 . wie ihnen zu helffen/ wann sie kaltsinnig/ verdrossen und faul sind. ibid. a. b. seq. Lenier, was dieses fuͤr Falcken seyen? 319. a. war- um sie Schwimmer genennet werden? 319. b. Lenticula palustris. Suche oben Enten-Grieß. Leoparden/ woher sie entstehen? 85. b. werden zur Jagd anderer Thiere abgerichtet. ibid. seq. Lerche/ wird ihrer Natur und Eigenschafft nach beschrieben/ 149 . wie sie gefangen werde? 155. a. b. 351 . wo sie sich auffzuhalten pflege? 149. a. 361. a. wann sie wieder zu uns komme? 149. a. 364. b. wann sie hecke und bruͤthe? 371. b. wann sie zu hecken auffhoͤre? 386. a. wann sie von uns ziehe? 149. a. b. 392. b. 396. a. 399. b. Lerchen-Fangen/ mit Tage-Netzen/ ob es dem Gerichts-Herrn/ so die Nieder-Jagd hat/ von denen Unterthanen auf denenjenigen Fel- dern/ wo sie die Huth- und Trifft-Gerechtigkeit besitzen/ verwahret werden koͤnne? A. 53. seqq. Lerchen-Garn/ wie es zu stricken und zu verfer- tigen? 339. b. 345. a. 346. b. 351. a. Lerchen-Streichen/ wie solches pflege verrich- tet zu werden? 351 . Libanotis. Suche oben Hirschheyl-Wurtz. Lichen arboreus. Siehe unten Lungen-Kraut. Lilium Convallium. Suche unten Mayen- Bluͤmlein. Linde/ soll fruͤh morgens den Wind und ob mit dem Leith-Hund etwas auszurichten/ anzeigen/ 34. b. Sehr und unglaublich grosse Linde in des Herrn Autoris Dorff Gehrau auf dem Kirchhoff. 28. b. Lind-Wurm/ so auf dem Hartz angetroffen wor- den/ 23. a. dergleichen/ so in der Graffschafft Hohenstein von zweyen Holtzhauern erschla- gen worden. ibid. Lingva cervina. Suche oben Hirsch-Zunge. Linsen/ was sie fuͤr Krafft und Wuͤrckung ha- ben? 78. a. Lipsius, betrauret seinen verstorbenen Hund Sa- phyrum wie einen Menschen/ und laͤsset den- selben zur Erden bestatten. 165. b. Lob/ des Bergwercks. 3. b. Lock-Enten/ wie sie gezeichnet werden? 329. b. wie sie beschaffen seyn sollen? ibid. seq. wie da- mit die Entrichte herbey zu locken/ und zu schiessen? 331. a. b. Loͤcher/ woher sie an vielen Orten der Welt/ so wohl im Meer/ der See/ und andern Wassern/ als auf der trockenen Erde/ Gebuͤrgen und Felsen entstanden? 19. a. Loͤwe/ wird seiner Natur und Eigenschafft nach beschrieben/ 38. seqq. wie solcher/ wann er zahm erzogen/ im Loͤwen-Hauß zu halten sey? 84. b. 316. a. b. dessen Anatomie. 123. seqq. Loͤwen-Hauß/ wie es angeleget und beschaffen seyn soll? 315. seq. was fuͤr Thiere darinnen pflegen verwahret zu werden? 315. b. Loͤwen-Waͤrther/ wie er beschaffen seyn muͤsse? 84. b. 316. a. b. Lohsung/ eines Schweines/ differir et von der Lohsung einer Bache/ 101. b. eines Hasens von der Lohsung einer Haͤsin. 105. a. Luchse/ werden nach ihrer Natur und Eigen- schafft beschrieben/ 108. seqq. wie sie gefan- gen werden? 109. a. wie vielerley sie seyen? ibid. b. Luciscae, was dieses bey denen alten fuͤr Hunde gewesen? 169. a. Lucker-Netze/ worzu sie dienen/ und wie sie be- schaffen seyen? 230 . woher sie diesen Namen haben? ibid. a. Lungen-Kraut/ Lichen arboreus, wo es wach- se/ wie es aussehe/ und worzu es gut zu ge- brauchen? 10. a. Lunge/ vom Fuchs/ worzu sie zu gebrauchen? 111. b. Lutherus, weissaget/ es werde vor dem juͤngsten Tage Teutschland an drey noͤthigen Requisitis mangeln. 23. b. M. M Ajus, wie dieser Monat an der Witterung/ Kraͤutern und Baͤumen/ Tages und Nachts Laͤnge/ unterirdischen Berg-Duͤnsten/ so- wohl Thieren und Voͤgeln beschaffen sey? 372. seqq. Marder/ werden ihrer Natur und Eigenschafft nach beschrieben/ 116 . wie vielerley sie seyen? ibid. a. wie sie mit dem Marder-Garn ge- fangen werden? 232. a. wie in Fallen? 243. a. Marder-Falle/ wie solche zu verfertigen? 243. a. worzu sie gebrauchet werden? ibid. a. b. Marder-Garn/ wie es beschaffen sey? 232. a. b. Martius, wie dieser Monat an der Witterung/ Kraͤuter und Baͤumen/ Tags und Nachts Laͤnge/ unterirdischen Berg-Duͤnsten/ sowohl Thieren und Voͤgeln beschaffen sey? 365. seqq. Matrisylva. Suche oben Je laͤnger/ je lieber. Maximilianus I. hat sich von den Seinigen auff denen Felsen verstiegen/ wird aber durch einen Engel errettet. 103. b. Maͤyen-Bluͤmlein/ Lilium Convallium, wo sie wachsen/ und worzu sie dienen? 11. b. Meißnische Gebuͤrge/ was auff denselben fuͤr- nehmlich fuͤr wilde Kraͤuter wachsen? 9. b. Meister. Erster Meister alles Ertztes und Ey- sen-Wercks. 3. b. Meister-Wurtzel/ Imperatoria, wo und wie sie wachse/ und was sie fuͤr Krafft und Wuͤr- ckung habe? 8. b. Memme oder zaghaffter Mensch/ woher er mit einer Aespe verglichen werde? 34. a. Menschen/ woher sie vorzeiten so alt gewor- t 2 den? Register. den? 21. b. ob sie sich in Weer-Woͤlffe ver- wandeln koͤnnen? 108. b. Mentha montana. Suche oben Berg-Muͤntze. Metalle. Siehe unten Mineralien und Me- talle. Meum. Suche oben Baͤren-Wurtzel. Michael-Wurtzel/ Colchicum, dessen Art und Bluͤthe. 6. b. Milch/ wird nach ihrem Uhrsprung und sonder- bahren Nutzen betrachtet/ 168. seq. welches die beste Milch sey/ die man geniessen solle? 187. a. Millefolium. Suche unten Schaaffs-Garbe. Mineralien und Metallen. Woher die gifftige Mineralien und Metallen generir et werden? 2. a. Anzeigungen/ wo Metalle oder Minera- lien in der Erden verborgen liegen/ 3. a. was fuͤr Metalle gegen Mittag/ was fuͤr gegen Mitternacht/ und was fuͤr gegen Morgen und Abend zu liegen pflegen? 3. b. durch was fuͤr Gelegenheit sie zum oͤfftern offenbahret werden? ibid. von der Metallen und Mine- ralien innerlicher Generation. 19. seqq. Mineralisches Holtz/ so aus der Erden ge- graben/ und zu allerhand Geraͤthe angewen- det worden/ 17. b. Probe desselben/ daß es der- gleichen sey/ 18. a. durch was fuͤr Kunst oder Mittel und Gelegenhelt solches die Natur zu- wege bringe? ibid. dergleichen Holtz/ auff des Herrn Autoris Guth gefunden. 18. b. Mistel oder Kenster an Baͤumen/ woher er entstehe/ und wie er aussehe? 26. a. b. Mistel von Hag-Eichen/ ist vorzeiten von denen Druit en oder derer Gallier Priester sehr hoch gehalten/ und bey allen Opffern gebrauchet worden/ 29. a. wie er hierzu abgenommen werden muͤssen? ibid. Mistel von Tannen die- net dem Wildpraͤth und anderm Vieh zur Speise/ dem Vogelsteller aber zu Vogel- Leimb/ 36. a. Mistel oder Kenster an Hasel- Stauden/ worzu er nuͤtzlich sey? 42. b. Mißgeburthen oder seltzame Gewaͤchse der Erden/ woher sie generir et werden? 2. a. Mittel/ daß ein wuͤthender Hund Jemand kei- nen Schaden thue. 196. a. Mittel-Jagd/ was darzu pflege gerechnet zu werden? A. 3. a. b. Mittel-Tuͤcher/ wie sie beschaffen seyen? 217 . wie vielerley sie seyen? 217. a. wie vielerley dererselben auf einem Zeug-Wagen gefuͤhret werden? 220. a. Anschlag/ was ein Fuder Mit- tel-Tuͤcher/ deren viere darauff gehen/ koste/ und wie hoch selbige in Dreßden an Gelde kommen. 216. b. Mitternacht-Seithe. Suche unten Nord- oder Mitternacht-Seithe. Mooß an Baͤumen/ Muscus arboreus, worzu es dienlich zu gebrauchen/ und wo es gerne wach- se? 12. b. Morgeln/ Tubera, woher sie entstehen/ und wo sie gerne wachsen? 12. b. Muͤnchs-Blatte/ Dens Leonis, wie dieses Kraut aussehe/ und worzu es gut sey? 8. a. Mumia eines geraͤucherten Fuchses/ worzu sie gut sey? 111. b. Musculi und Adern eines Pferdtes. 203 . Muscus arboreus. Siehe oben Mooß an Baͤu- men. Myrtillus. Suche oben Heydel-Beer. N. N Acht/ wieviel Stunden sie lang sey im Ja- nuario? 358. b. im Februario? 362. b. im Mar- tio? 366. a. im April? 370. a. im Majo? 373. b. im Junio? 377. a. im Julio? 380. b. im Augu- sto? 384. a. im September? 387. b. im October? 391. a. im November? 394. b. im December? 398. a. Nachtigall/ wird ihrer Natur und Eigenschafft nach beschrieben. 150 . Nahrung der wilden Thiere/ wird weitlaͤuff- tig beschrieben. 75. seqq. Namen/ so denen Hunden nach eines jeden Art insgemein pflegen gegeben zu werden. 185. b. Nasturtium palustre. Suche oben Brunnen- Kresse. Nattern- und Schlangen-Biß an denen Hun- den zu curir en. 196. a. Netze der Voͤgel/ wie sie zu stellen? 346. b. Netz-Jagen/ wie solches an zustellen/ und gehal- ten werde? 304. seq. Niais, was dieses fuͤr ein Falcke sey? 319. b. wie er beschaffen seyn soll/ wann man ihn aus dem Nest nehmen will? 320. b. seq. Nieder-Jagd/ was darzu gerechnet werde? A. 3. a. A. 101. b. ob sie zu denen Regalibus gezo- gen werden koͤnne? A. 37. a. b. Nord- oder Mitternacht-Seithe/ woher sie an denen Baum-Rinden zu mercken? 26. a. b. November, wie dieser Monat nach der Witte- rung/ Kraͤutern/ und Baͤumen/ Tags und Nachts Laͤnge/ unterirdischen Berg-Duͤn- sten/ sowohl Thieren und Voͤgeln beschaffen sey? 397. seqq. Nutzung eines Gutes/ ob sie auch die Jagden unter sich begreiffe? A. 85. seqq. Nymphaea. Suche unten See-Blumen. O. O Ber-Foͤrster/ woruͤber er gesetzet? 50. b. Ober-Forst-Meister/ worzu er geordnet/ was ihm zu verrichten obliege/ und wie er sonst beschaffen seyn solle? 289. seq. Ober-Hoff-Jaͤger-Meister/ wie er beschaffen seyn solle/ und was dessen Function sey? 290. b. seq. Ober-Jaͤger/ worzu er geordnet/ und was fuͤr Personen er bey dem Jagen unter seinem Com- mando hat/ auch was sodann seine Verrich- tung sey? 287. b. Ober-Jaͤger-Meister/ worzu er geordnet/ was dessen Verrichtungen/ und wie er sonst beschaf- fen seyn solle? 290. seq. Ober-Jagd. Suche oben Hohe Jagd. Observanz Register. Observanz, wie sie von der Gewohnheit differi- r e und unterschieden sey? A. 68. a. Obst-Baͤume/ wie vielerley sie seyen? 76. a. b. Ochsen-Zunge/ Buglossum, worzu es dienlich zu gebrauchen? 11. b. October, wie dieser Monat nach der Witterung/ Kraͤutern und Baͤumen/ Tages und Nachts Laͤnge/ unterirdischen Berg-Duͤnsten/ sowohl Thieren und Voͤgeln beschaffen sey? 390. seqq. Odermennige/ Agrimonia, worwieder sie gut sey/ und wo sie wachse? 13. b. Ohren/ denen Hunden leise zu machen. 195. b. Ohren-Krebs derer Hunde zu vertreiben. 195. b. Ophioglossum. Suche unten Schlangen-Zuͤng- lein. Ortulan/ wo diese Voͤgel am meisten zu fin- den/ und wo sie sich gerne auffhalten? 353. a. wie sie aussehen? ibid. a. b. wie sie von grossen Herrn in Cammern gemaͤstet werden? ibid. b. seq. wie sie gefangen werden? 354. a. b. wie vielerley dieselben seyen? ibid. wo sie in grosser Menge gefangen/ und wie sie eingemachet/ auch wohin sie also gefuͤhret und verkauffet werden? 354. a. b. wie sie pfle- gen zugerichtet zu werden? 354. b. was sie/ wann sie gegessen werden/ fuͤr Krafft und Wuͤrckung haben? 354. b. Osterlucia/ Aristolochia, wie es gestalt und bluͤ- he? 6. b. wofuͤr es diene? ibid. Otter-Hund/ wird seiner Natur/ Art und Ei- genschafft nach beschrieben/ 183 . wie er abzu- richten sey? ibid. a. b. P. P Anther-Thier/ woher sie entstehen? 85. b. werden zur Jagd anderer wilden Thiere abgerichtet. ibid. seq. Pantzer vor die Hunde/ worvon und wie sol- che verfertiget werden? 223. a. Papagoy/ wird seiner Natur und Eigenschafft nach beschrieben. 158. seq. Paradieß-Kraut/ Herba Paradisi, wie es bluͤhe und wo es wachse? 7. b. von was fuͤr Tugend es sey? ibid. Par Force- Hunde/ wo sie ihren Uhrsprung her- genommen? 298. a. welche die besten seyen? ibid. a. b. wie sie beschaffen seyn sollen? 299. a. wie sie zu zeugen und auffzuerziehen seyen? ibid. a. b. Par Force- Jagd/ wen sie zum Patron habe/ und wie lange des Jahres uͤber sie zu gesche- hen pflege? 301. a. was bey derselben des Win- ters fuͤr Gefahr und Hindernuͤsse zu besorgen? ibid. wie es nach geendeter Par force- Jagd mit dem Hirsch/ denen Hunden/ und deren Ge- nuͤß gehalten werde? 302. b. seqq. Par Force- Jagd-Pferdte/ wie sie beschaffen seyn sollen? 300. a. 335. a. wie sie zu warten/ wann sie matt/ kranck und beschaͤdigt von der Jagd zu Hauße kommen? 300. b. 303. a. Par force jagen/ ist sehr gefaͤhrlich/ 212. b. wie es zu geschehen pflege? 249. seqq. 301. b. seqq. zu wel- cher Zeit des Jahres es am beqvemsten und besten geschehe? 301. a. b. Passagier, was dieses fuͤr ein Falcke sey? 319 . wie er abgerichtet werde? 322. a. b. 325. b. Pech/ wovon und wie er zugerichtet werde? 37. b. seq. Pericofsky, ein Edelmann/ wird in einen schwar- tzen Hund verwandelt. 166. a. Pestilentz-Wurtzel/ Petasites, wofuͤr sie gut sey? 11. a. Peucedanum. Suche oben Haarstrang. Pferdt/ von was fuͤr Himmels-Zeichen dessen Theile des Leibes regieret werden? 204 . was zu beobachten/ wann man ihm lassen will? ibid. worbey zu erkennen/ daß man ihm lassen sol- le? 204. b. was demselben fuͤr Adern bey je- der Kranckheit zu lassen? ibid. wird seiner Natur und Eigenschafft nach beschrieben/ 299. seq. wie es zu warten/ wann es matt/ kranck/ und beschaͤdigt von der Jagd zu Hauße kommet? 300. b. Welche Pferote zur Par for- ce- Jagd am besten seyen/ und prævali ten? 300. a. Pferdtes- Anatomie. 199. seqq. Pfleglich. Was durch dieses Wort bey Ver- guͤnstigung des Holtzschlagens verstanden wer- de? 59. a. Pflaum-Baum/ wird seinem Holtze und Frucht nach beschrieben. 77. a. Pflaumen/ worzu sie dienen? 77. a. Pflicht/ von dem Recht und der Pflicht eines Landes-Fuͤrsten in Ansehung der Jagden/ A. 2. seqq. von dem Recht und der Pflicht de- rer Vasallen in Ansehung der Forst- und Jagd- Sachen? A. 9. seqq. Pfosten- und Thielen-Schneiden/ ist denen Heiden sehr schaͤdlich/ 68. a. wo solches am besten anzulegen? 68. b. wie solches zu verrich- ten? 69. a. Pfunde geben/ wann und wie solches zu geschehen pflege? 281. a. b. Phasanerie, was dieses fuͤr eine Kunst und Wis- senschafft sey? 326. a. Phasianen, werden nach ihrer Natur und Eigen- schafft beschrieben/ 147. seq. wie sie bey uns pflegen gehalten und geheget zu werden? 326. a. b. 364. b. wenn sie gefangen werden? 327. a. 396. a. wie sie mit einem Rauch an einen Ort zu locken und zu bringen seyen? 327 . wie sie zahm erzogen werden? 327. seq. womit sie zu beraͤu- chern/ daß sie nicht beschrieen werden? 328. a. wie sie gemaͤstet werden? ibid. a. b. fuͤr was fuͤr Raub-Thieren/ so ihnen Schaden thun/ sie wohl verwahret werden sollen? ibid. b. wo sie sich auffzuhalten pflegen? 147. a. b. 360. b. 364. a. b. 299. b. womit sie sich aͤssen? 147. b. 364. b. 382. a. 385. b. seq. 389. a. wann sie sich paaren und hecken? 368. a. 371. b. wo und wie lang sie zu bruͤthen pflegen? 375. a. wie sie die Jungen erziehen? 147. b. 378. b. 382. b. 385. b. seq. Phasian- Garthen/ wie er beschaffen seyn solle? u 326. b. seq. Register. 326. b. seq. wie solche mit Phasianen zu bese- tzen? 326. b. Pilati Kraut/ Herba Pilati, wo es wachse/ und wie es aussehe? 6. b. wird von dem Wild- praͤth haͤuffig gesuchet. ibid. Pilosella. Suche oben Hasen-Oehrlein. Pilosella minor. Suche oben klein Maͤuß-Oehr- lein. Pimpinella. Suche oben Biebernelle. Pipen-Staͤbe/ wie sie verfertiget werden? 69. b. Piquer, wie er beschaffen seyn und was dessen Verrichtung seyn solle? 297. seq. Plantago. Suche unten Wegerich. Plantago Italica. Suche unten Welsch Wege- rich. Polygonatum. Suche unten Weißwurtzel- Kraut. Polypodium. Suche oben Engelsuͤsse. Possess, kan durch die aus Furcht und mit Zwang zuwege gebrachte Handlungen einem Herren nicht acquirir et werden/ wann die Untertha- nen zur Verrichtung solcher Sachen nicht ge- halten sind. A. 52. b. Possessorium Ordinarium, wann im Possessorio Ordinario, oder Petitorio, es an dem Beweiß einer ausdruͤcklichen oder heimlichen Conces - sion des Jagd-Rechts ermangelt/ so wird al- le Jagd verbothen/ der alten Possess unbe- schadet. A. 57. seqq. Possessorium summariissimum, findet wider einen Fuͤrsten in Puncto der Regali en nicht statt/ A. 37. b. wie es von dem Possessorio Ordinatio un- derschieden sey? A. 38. seq. Posten und Passagier, wie sie durch die mit Zeug eingestellte Jagen durchzulassen seyen? 274. seq. Praͤlate/ ob er die Verjaͤhrung zulassen koͤn- ne? A. 23. seqq. Præservativ, so die Wuth oder das Rasen an de- nen Hunden zu besorgen. 310 Prell-Netze/ wie sie beschaffen seyn/ und wor- zu sie dienen? 226. b. woher sie diesen Namen haben? ibid. Preussel-Beer/ Vaccinia rubra, worzu sie die- ne/ und wie sie aussehe? 10. b. Privat- Personen/ koͤnnen auch diejenigen Rega- li en/ deren sie faͤhig sind/ wider einen Fuͤr- sten durch Verjaͤhrung erlangen/ und was solches fuͤr Regali en seyen? A. 23. seqq. ob sie in der Possess des Jagd-Rechtes zu schuͤtzen? A. 37. b. Probe-Jagen/ wie es zu geschehen pflege? 259. seq. Prunella. Suche oben Braunelle. Puͤltze/ Fungi, woher sie entstehen/ und wo sie gerne wachsen? 12. b. wie sie zur Speise zuzube- reiten? ibid. Puͤrsch oder Puͤrsch-Gerechtigkeit/ was und wie vielerley sie sey? A. 13. a. was sie fuͤr Be- fugnuͤsse unter sich begreiffe? ibid. a. b. Puͤrschen/ wie es vorzeiten geschehen/ und wie es heut zu Tage geschehe und geschehen sol- le? 283. seqq. Puͤrsch-Hunde/ welche Hunde so genennet wer- den? 172. a. Puͤrsch-Karren/ woher sie so genennet werden? 218. a. wie sie beschaffen? ibid. a. b. worzu sie gebrauchet werden? ibid. seq. Puͤrsch-Meister/ worzu er geordnet/ und was er zu verrichten habe? 286. a. b. seq. 314. b. woher er diesen Namen fuͤhre? 286. b. was fuͤr Personen von der Jaͤgerey unter seiner Both- maͤßigkeit seyen? ibid. Puͤrsch-Pulver/ zu machen. 285. seq. 342. a. Puͤrsch-Rohr/ was fuͤr ein Rohr so genennet werde? 284. b. ist besser mit einem teutschen/ als frantzoͤschen Schloß/ 284. b. wie es sonst beschaffen seyn solle? ibid. seq. Puͤrsch-Wagen/ woher sie diesen Namen ha- ben? 218. a. wie sie beschaffen seyn sollen? ibid. a. b. worzu sie gebrauchet werden? ibid. Pulmonaria. Suche oben Hirsch-Melde. Pulver/ von Eichhoͤrnern/ worzu es gut seyn solle? 118. b. zu denen Wunden derer Hunde dienlich. 196. b. Purganz vor die Hunde. 192. a. 197. a. b. Pyrole/ wird nach ihrer Natur und Eigen- schafft beschrieben. 146 . Q. Q Uellen/ was fuͤr wilde Kraͤuter an densel- ben fuͤrnemlich wachsen? 12. b. R. R Abe/ soll unter allen Voͤgeln am laͤngsten dauren 29. b. Wird seiner Natur und Ei- genschafft nach beschrieben/ 155. seq. Warumb er denen todten Coͤrpern zuerst die Augen aus- hacke? 155. b. Radix Rhodia. Siehe unten Rosen-Kraut. Raͤucher- Species, die Phasian en damit zu raͤu- chern/ daß sie nicht beschrien werden? 328. a. Rammler/ wie er gestalt/ und woran er vor der Haͤsin zu erkennen sey? 104. a. Eines Ramm- lers Anatomie. 136. seq. Raquet en zu machen/ 292. seqq. wie solche aus de- nen Requet en-Buͤchsen zu schiessen? 293. b. Raub-Thiere/ wie sie mit Schlag-Baͤumen gefangen werden? 242. a. b. Kaub-Gefluͤgel/ oder Raub-Voͤgel werden ihrer Natur und Eigenschafft nach beschrie- ben/ 152. seqq. wie sie pflegen hinweg gefangen zu werden? 349. seq. wann sie Eyer legen und bruͤthen 372. a. wie sie ihre Jungen ernehren und auffziehen? 375. b. 379. a. 382. b. 386. a. 393. a. wann sie von uns wegziehen? 396. b. 400. a. Rauch/ die Phasian en damit an einen Ort zu lo- cken/ und zu bringen. 327. b. Raude an Hunden wie vielerley sie sey? 193. a. wie sie zu vertreiben. 192. b. seq. \& 195. a. Reb-Huͤhner oder Feld-Huͤhner/ wie solche auff denen Feldern/ wo ihrer wenig oder gar keine anzutreffen/ vermehret werden koͤnnen? 54. b. werden nach ihrer Natur und Eigen- schafft beschrieben/ 148 . woher sie diesen Na- men Register. men haben? ibid. a. woher sie Feld-Huͤhner ge- nennet werden? ibid. wo sie sich auffzuhalten pflegen/ oder gerne liegen? 148. a. b. 337. a. 360. b. 368. a. 389. a. 399. b. wie sie pflegen gefangen zu werden? 331. seq. 396. a. 399. b. wie sie mit dem Tyraß gefangen werden? 336. a. b. wie mit dem Schnee-Garn? 337 . wie mit dem Haa- men? 332 . 339. a. wann sie sich paaren? 148. a. 364. b. 375. a. wann sie legen und bruͤthen? 371. b. wann sie Jungen haben/ und wie sie solche erziehen? 375. a. 378. b. seq. 382. a. b. Recept, eine Huͤndin laͤuffisch zu machen? 184. a. 299. b. vor die fahrende Wuth derer Hunde/ 191. a. vor die fallende Wuth derselben/ ib. wider die schlaffende Wuth/ 191. b. vor die grimmen- de Wuth/ ibid. vor die fliessende Wuth/ ibid. zur Artzney und Baͤder/ die Suchten der Hunde/ so von kalten undauichen Fluͤssen her- kommen/ zu vertreiben/ ibid. seq. damit die Hunde vor dem Bad zu purgir en/ 192. a. eines Bades/ damit die Hunde/ wann sie von wuͤ- thenden Hunden gebissen worden/ gewa- schen werden sollen/ ibid. wann die Hunde We- he-Tagen in Ohren haben/ 192. b. dem Hun- de die Wuͤrmer im Leibe zu vertreiben/ ibid. \& 195. b. den Krebs und allerley Raͤude an Hun- den zu vertreiben/ 192. b. fuͤr die Raude/ Grind und Schuppen derer Hunde/ 193. a. einer guten Salbe/ die Raude zu vertreiben/ ibid. a. b. vor die gemeine Raude/ 193. b. vor die Geschwaͤr und Geschwulst derer Hunde an ihren Leibern/ 194. a. 196. a. vor die Verletzung derer Hunde von wilden Schweinen/ oder andern Thieren/ ibid. \& 195. b. wann sich die Hunde wund ge- lauffen/ 194. b. \& 195. b. vor die Wunden der Hunde/ 194. b. \& 196. b. daß eine Huͤndin nim- mer laͤuffisch werde/ ibid. wenn ein Hund ver- wundet/ und er den Schaden nicht lecken kan/ ibid. fuͤr das Strangeln und den Tropff derer Hunde/ ibid. seq. vor den boͤsen Halß derer Hunde/ 195. a. vor die Laͤuse/ Floͤhe und an- deres Ungezieffer derer Jagd-Hunde/ ibid. \& 196. b. vor die Wuͤrmer in der Haut eines Jagd-Hundes/ 195. a. \& 196. b. wann die Hunde raͤudig und schaͤbigt werden/ ibid. vor den Ohren-Krebß derer Jagd-Hunde/ 195. b. wenn ein Hund hart harnet/ ibid. denen Hunden vor leise Ohren/ ibid. wann die Hun- de von Nattern und Schlangen gebissen wer- den/ 196. a. vor Verrenckung der Glieder/ 196. b. vors verschlagen derer Hunde/ 197. a. vors Schwinden derer Glieder/ ibid. einer guten Purgation, ibid. a. b. daß die Hunde wohl zuneh- men/ 197. b. so die Wuth oder das Rasen an denen Hunden zu besorgen. 310 . Recht. Von dem Recht und der Pflicht eines Landes-Fuͤrsten in Ansehung der Jagden/ A. 2. seqq. von dem Recht und der Pflicht der Vasallen in Ansehung der Forst- und Jagd- Sachen. A. 9. seqq. Regali en/ koͤnnen auch von Privat- Personen/ wann sie deren faͤhig seyn/ verjaͤhret werden/ und was solche fuͤr Regali en seyen? A. 23. seqq. Regen/ woher er vorher zu praesumir en? 269. b. seq. woher er seinen Ursprung habe? 271. a. Reh-Bocks Anatomie. 132. seq. Rehe/ wie sie in die Waͤlder/ wo deren wenig oder nichts anzutreffen/ zur Vermehrung ge- bracht werden koͤnnen? 54. a. werden nach ihrer Natur und Eigenschafft weitlaͤufftig beschrie- ben/ 101. seq. womit sie sich des Jahrs durch/ von Monat zu Monat aͤßen/ und wie sie sich sonst in denenselben verhalten? 359. b. 363. a. b. 367. a. 370. b. 374. a. 377. b. 381. a. 384. b. seq. 388. a. 391. b. 395. a. 398. b. Ob derjenige/ welchem durch ein Urthel Fuͤchse/ Hasen und dergleichen zu fa- hen/ zugesprochen worden/ auch Rehe fahen koͤnne? A. 79. seq. Reh-Jagd/ wie sie zu geschehen pflege? 307. a. Reh-Kasten/ wie sie zu verfertigen seyen? 236. a. Reh-Netze/ wie sie beschaffen seyn? 228 . wie sol- che zu stellen? 228. b. worzu sie gebrauchet wer- den? 229. a. b. wieviel deren bey einem Jagd- Gezeug gehalten werden sollen? 229. b. wie hoch eines dererselben an Gelde zu stehen kom- me? ibid. Renovir ung der Graͤntze/ wie solche insgemein zu geschehen pflege? 49. b. Resonnement eines Frantzosen von der Teutschen ihrer Jagd. 213. a. b. Responsa, Consilia, und andere Rechtliche An- merckungen/ die zum Jagd- und Forst-We- sen gehoͤren. A. 15. seqq. Retter/ wie solcher unter denen Windspielen abzurichten sey? 173. b. seq. Reusen zu Voͤgel und Fischen/ wie sie gestri- cket und verfertiget werden? 346. a. Reyher/ wird seiner Natur und Eigenschafft nach beschrieben. 150 . Reyher-Beitz/ wie solche zu geschehen pflege? 324. seq. Rhamnus. Suche oben Creutz-Beer-Stauden oder Wegedorn. Riesen-Gebeine/ werden zum oͤfftern bey Gra- bung tieffer Graͤben/ Teiche und Brunnen/ gefunden/ 16. a. Ob solche natuͤrliche unterirdi- sche Gewaͤchse/ oder von der Suͤndfluth wuͤrcklich verschwemmete Corpora seyen? ibid. seqq. Exempel eines Soldatens/ so derglei- chen viele gefunden. 16. b. seq. Riesen-Gebuͤrge/ ist beruͤhmt sowohl wegen des- sen Hoͤhe/ als vielerhand andern daran und darauf befindlichen merckwuͤrdigen Sachen/ 5. a. wilde Kraͤuter/ so auff dem Riesen-Ge- buͤrge wachsen. 6. a. b. 8. b. seq. Rinde des Baums/ woher und wie sie generir et werde? 24. a. b. Worzu sie dem Baum dien- lich sey? 26. a. zeiget die Nord- oder Mitter- nacht-Seite mercklich an. ibid. Ringel-Tauben/ werden ihrer Natur und Ei- genschafft nach beschrieben/ 143 . woher sie die- sen Namen haben? ibid. a. wie sie geschossen werden? ibid. u 2 Rinnen Register. Rinnen/ was dieses fuͤr Netze seyen/ und wie sie gestricket werden? 349. a. b. wie mit solchen die Raub-Voͤgel gefangen werden? 349. b. seq. Rosen-Kraut/ Radix Rhodia, wie es aussehe/ bluͤ- he/ und was es fuͤr Saamen trage? 7. a. wor- zu es diene? ibid. Rothe Bircke/ wird beschrieben. 32. a. Rothe Buche/ wird nach ihrer Natur/ Eigen- schafft/ Krafft und Wuͤrckung/ auch ihrem Nutzen nach beschrieben. 30. a. b. Roth-Eiche/ wird nach ihrer Natur und Ei- genschafft beschrieben. 29. b. Roth- oder Birck-Fuͤchse/ wie sie aussehen? 111. a. Rother Wiederthon/ wie er wachse/ und worzu er gut sey? 8. a. Roth-Wild/ welches Wild so genennet werde? 98. a. wie solches in die Waͤlder/ wo dessen kei- nes oder sehr weniges anzutreffen/ gebracht und vermehret werden solle? 52. seqq. stehet nicht in Thier-Gaͤrten bey weissen oder bunten Tann-Hirschen/ 55. a. wann es sich Troupp- weise beysammen halte? 359. a. 366. b. 388. a. 398. b. wann es aus einander gehe und sich zer- theile? 370. a. womit es sich das Jahr durch von Monat zu Monat aͤße? 359. a. 363. a. 366. b. 370. a. 373. b. 381. a. 384. b. 395. a. 398. b. Ruͤben/ was sie fuͤr Krafft und Wuͤrckung ha- ben? 78. b. Ruͤbezahl/ ein Berg-Geist oder Spectum auf dem Riesen-Gebuͤrg. 5. a Ruͤden-Knecht/ wie er beschaffen seyn solle/ und was ihm zu verrichten obliege? 197. seq. Ruthe. Von was fuͤr Reiß die Ruthen/ der Geisselung unsers allerliebsten Heylandes ge- wesen? 32. a. S. S Acri Falcken/ was es fuͤr Falcken seyen? 319. a. Salbe/ die Raude/ Grind/ und Schuppen de- rer Hunde zu vertrelben. 193. a. b. Saltz-Lecken/ zu welcher Zeit des Jahrs solche von denen Hirschen und dem Wildpraͤth vor- nemlich besuchet werden? 56. a. werden bey gros- sen Koͤniglichen Gehegen in denen benachbar- ten Revier en nicht geduldet/ ibid. Wohin sie am nuͤtzlichsten zu schlagen seyẽ? 56. b. wohin sie in Waͤldern am besten eingeschlagen werden? ibid. \& 57. a. Aus was fuͤr Sachen solche pflegen zubereithet zu werden? 57. a. Sambucus cervina. Suche oben Hirsch-Holder. Sanickel/ Sanicula, worzu dieses Kraut gut zu gebrauchen? 10. a. Satyri, so im Hartz-Wald gefangen worden. 22. b. Satz-Haͤsin/ wo sie ihre Jungen hinsetze/ und wie sie sich bey deren Erziehung aufffuͤhre? 104. a. wie vielmahl sie des Jahrs setze? ibid. wie sie gestalt/ und woran sie vor einem Ramm- ler zu erkennen sey? ibid. Sauerampff/ Acetosa, worzu es dienlich sey? 12. a. Sau-Finder/ wird seiner Art/ Natur und Ei- genschafft nach beschrieben/ 176. seq. woher er diesen Namen habe? 176. a. wie er pflege abge- richtet zu werden? ibid. a. b. Sau-Garten/ wo und wie solcher anzulegen? 240. a. b. Sau-Kasten/ wie solcher verfertiget seyn solle? 235. seq. Sau-Netze/ wie solche beschaffen seyn sollen? 225 . sind vor die Tuͤcher sehr gut/ 225. b. Wieviel Mann zu Stellung derer Sau-Netzen noͤthig seyen? 225. a. b. Sau-Ruͤden/ werden ihrer Art/ Natur und Ei- genschafft nach beschrieben. 172. seq. Saxifraga. Suche unten Steinbrech. Schaaffs-Garbe/ Millefolium, worzu sie gut zu gebrauchen? 12. a. Schade/ so durch das Floͤssen geschiehet/ muß von dem/ welcher die Floß-Gerechtigkeit ex- ercir et/ ersetzet werden. A. 20. a. b. Schaͤchte in Bergwercken/ werden beschrieben/ wie sie ausgezimmert werden. 65. a. Scharten-Kraut/ Serratula, wo es wachse/ was fuͤr Blumen es trage/ und wovor es gut sey? 14. b. Schatten vom Tax-Baum/ soll dem Menschen schådlich seyn. 39. a. Schieß-Pferdt/ wie es beschaffen seyn solle? 335 . wie es abzurichten? ibid. seq. Schieß-Pulver/ in welchem Jahr/ von wem/ und auff was Art und Weise es erfunden worden? 283. b. seq. Schild/ wie damit die Reb- oder Feld-Huͤhner pflegen getrieben zu werden? 333. seq. Schilder/ wovon sie vorzeiten von denen Hey- den verfertiget worden? 43. a. Schilff/ Arundo, worzu es dienlich? 12. b. Schindel- oder Splitt-Baum/ wie er beschaf- fen seyen muß. 72. b. seq. Schindeln/ zu welcher Zeit und aus was fuͤr Holtz sie am besten zu machen? 73. a. Schirm der Herrschafft bey einem Abjagen/ wie er beschaffen seyn solle? 223. seq. 277. a. Schlaffbeer-Kraut/ Solanum, wie es aussehe/ wo es gerne wachse/ und worzu es dienlich zu ge- brauchen sey? 13. b. Schlaffende Wuth derer Hunde/ wo sie her- ruͤhre/ und wie sie beschaffen sey? 190. b. woher sie komme? 191. b. was darwider zu gebrau- chen? ibid. Schlag-Baͤume/ wie solche zuzurichten? 242 . Schlag-Waͤnde/ wie sie zu stricken und zu stel- len? 345. seq. wie mit solchen die Raub-Voͤ- gel pflegen gefangen zu werden? 350. a. b Schlangen-Kraut/ Bistorta, wo und wie es wachse/ auch wie es bluͤhe? 7. a. wofuͤr es zu gebrauchen? ibid. Schlangen-Zuͤnglein/ Ophioglossum, worzu es zu gebrauchen? 11. a. Schlossen/ woher solche ihren Ursprung haben? 271. b. sehr grosse Schlossen/ so Anno 1717. zu Dreßden gefallen. ibid. Schloß- Register. Schloß-Tritt/ was bey der Faͤhrd der Hirsche so genennet werde? 95. b. Schmahl-Thier/ wann ein Hirsch so genennet werde? 91. a. Schnaͤrr/ wird ihrer Natur und Eigenschafft nach beschrieben/ 144 . wie sie gefangen werde? 144. b. womit sie sich aͤße? 144. a. b. 360. b. 364. a. 385. b. wann sie in ihrem Ruͤckstrich wie- der zu uns komme? 364. a. wann sie sich paa- re/ und wie sie hecke? 144. a. 367. b. wann sie von uns wegziehe? 392. b. Schnee/ woher er seinen Ursprung habe? 271. a. woher zu mercken/ wie viel Schnee den zu- kuͤnfftigen Winter uͤber fallen werden? 269. b. woraus zu praesumir en/ daß Schnee kommen werde? ibid. Schnee-Garn/ wie es beschaffen/ und wie die Reb- oder Feld-Huͤhner damit gefangen wer- den? 336. b. seqq. wie es von dem Tyraß differi- re? 337. a. wie es gestricket und verfer t iget wer- de? 339. b. Schraͤncke/ woher sie zuzeiten zu knacken pfle- gen? 39. a. Schrothe/ wie und zu welcher Zeit solche zu giessen seyen? 342. a. Schuhu/ wird seiner Natur und Eigenschafft nach beschrieben. 153 Schuͤtze/ worzu er gesetzet/ und was seine Ver- richtung sey? 61. b. Schuͤtzen-Haltung gehoͤ- ret zur Jagd-Gerechtigkeit. A. 17. b. Schuppen derer Hunde/ zu vertreiben. 193. a. Schwaͤmme/ wie vielerley sie seyen/ und woher sie entstehen? 12. b. Schwaͤmme von Bircken worzu sie zu gebrauchen? 32. b. Schwaͤrmer zu machen/ 292. seq. wie solche aus denen Buͤchsen zu schiessen? 293. b. Schwalben-Kraut/ Vincetoxicum, wie es aus- sehe/ und worwider es zu gebrauchen? 8. a. Schwan/ wird seiner Natur und Eigenschafft nach beschrieben/ 150 . wie vielerley er sey? ibid. a. Schwartz-Dorn/ wird nach seiner Natur und Frucht beschrieben. 43. b. Schwartz-Errle/ wird beschrieben. 33. a. Schwartz-Wald wird sehr groß von Julio Cae- sare beschrieben. 22. a. Schwartz-Wildpraͤth/ welches Wild so genen- net werde? 98. a. wie es in die Waͤlder/ wo dessen wenig oder nichts anzutreffen/ gebracht und daselbst vermehret werden solle? 53. b. wie alt es insgemein werde? 100. a. was darvon zur Artzney gebrauchet werde? 100. b. Schweine. Suche unten wilde Schweine. Schweine-Daͤchse/ wie sie aussehen? 115. b. Schwein-Hatz/ wie solche zu geschehen pflege? 305. seq. Schweiß-Hund/ wird seiner Art/ Natur und Eigenschafft nach beschrieben/ 175. seq. von der Folge des Schweiß-Hundes. 251. seq. Schweiß von Gemsen/ worzu er von denen Jaͤgern gebrauchet werde? 103. b. von Hasen/ worzu er diene? 105. b. von Fuͤchsen/ worzu er gut sey? 111. b. von Daͤchsen/ worzu er zu gebrauchen? 115. b. von Wieselgen/ wovor er gut seyn solle? 119. b. Schwimmer/ was dieses fuͤr Falcken seyen/ und wo ihr Vaterland sey? 319. a. b. woher sie Schwimmer genennet werden? 319. b. Schwinden derer Glieder/ bey denen Hunden zu vertreiben. 197. a. See-Blumen/ Nymphaea, wo sie wachsen/ wie sie aussehen/ und worzu sie dienlich zu gebrau- chen? 14. a. Selb-Geschoß/ wie es anzurichten und zu stel- len? 242 . Senecio. Suche oben Creutz-Kraut. September, wie dieser Monat nach der Witte- rung/ Kraͤutern und Baͤumen/ Tags und Nachts Laͤnge/ unterirdischen Berg-Duͤn- sten/ sowohl Thieren und Voͤgeln beschaffen sey? 387. seqq. Serratula. Siehe oben Scharten-Kraut. Serpyllum. Suche oben Feld-Kuͤmmel. Sideritis. Suche oben Glied-Kraut. Sieben Eck-Steine/ was fuͤr wilde Kraͤuter fuͤrnemlich in denselben wachsen? 6. b. Sieben Gruben/ was in denenselben fuͤrnemlich fuͤr wilde Kraͤuter wachsen? 8. a. Sinck-Brunnen hinter des Herrn Autoris Schloß/ versincket bald wieder/ und praesagi- ret theuere Zeit. 270. b. Sittich/ werden nach ihrer Natur und Eigen- schafft beschrieben. 159. b. Smilax aspera. Siehe unten Stechende Winde. Solanum. Suche oben Schlaffbeer-Kraut. Salidago. Suche unten Wund-Kraut. Sonne/ wann sie auff- und niedergehe im Januario? 358. b. im Februario? 362. b. im Martio? 366. a. im April? 369. b. seq. im Majo? 373. b. im Junio? 377. a. im Julio? 380. b. im Augusto? 384. a. im September? 387. b. im October? 391. a. im No- vember? 394. b. im December? 398. a. Spanier/ deren Wuͤtherey wider die America- n er. 35. a. b. Species, die Phasian en damit zu raͤuchern/ daß sie nicht beschrien werden/ 328. a. so man ins Nest leget/ wann deren Eyer ausgebruͤthet werden sollen/ ibid. zum Futter der Canarien-Voͤgel. 354 . Specification, was ein Jagd-Tuch/ welches 80 . ge- doppelte/ und 160 . einfache Waldschrittelang stellet/ in allen kosten moͤge mit dessen Zubehoͤr/ 215. b. wie hoch ein Fuder hohe Tuͤcher/ deren dreye darauff gehen/ in Dreßden an Gelde kommen? 216. a. was ein Fuder breiter Mit- tel-Tuͤcher/ deren viere darauff gehen/ koste/ und wie hoch selbige in Dreßden an Gelde kommen/ 216. b. wie ein hiesiger Zeug-Wa- gen an Gelde zu stehen komme/ ibid. seq. was ein schmahl Hasen-Tuch koste? 218. b. wie hoch ein Bund-Tuͤcher-Lappen zu stehen komme? 222. b. Sperber/ wird nach seiner Natur und Eigen- schafft beschrieben/ 154. seq. was er fuͤr ein Pri- vilegium habe/ wann solchen ein Falcken-Ver- x kaͤuffer Register. kaͤuffer bey sich hat? 154. b. wann er von uns wegziehe? 361. a. wann er wieder zu uns kom- me? 364. b. Suche unten Raub-Gefluͤgel oder Raub-Voͤgel. Sphondylium. Suche oben Baͤren-Klau. Spiegel-Huͤtte/ ist denen Waͤldern und Gehoͤl- tzen hoͤchstschaͤdlich/ 62. a. wo solche nuͤtzlich an- zulegen? ibid. Spiegel-Netze/ woher sie den Namen haben? 225. a. wie sie beschaffen seyn muͤssen? 226. a Spiesse/ wie sie zu denen Steck-Garnen beschaf- fen seyn sollen? 338. a. Spieß-Hirsch/ oder Spiesser/ wann ein Hirsch so genennet werde? 91. a. Spinnweb-Garn/ wie es gestricket und verfer- tiget werde? 339. b. worzu sie gebrauchet wer- den? 340. a. Sprichwort: du zitterst/ wie ein Aespen- Laub/ woher es entstanden? 34. a. Lupus pi- los, non animum mutat, woher es komme? 107. b. Er will den Fuchs nicht beissen/ wo- her es ruͤhre? 112. b. Spur/ Faͤhrd oder Gefaͤhrd eines Loͤwens/ 85. a. b. eines Tygers/ 86. b. eines Baͤ- ren/ 87. a. 88. a. b. eines Auer-Ochsens/ 89. b. eines Hirsches/ 94. seqq. eines alten wichtigen jagdbahren Hirsches/ 95. a. eines traͤchtigen Thieres/ 96 . derer Dann-Hirsche/ 97. a. eines starcken alten schlagenden Schweines/ 100. a. eines Haupt-Schweines/ ibid. eines feisten gu- ten Schweines/ ibid. a. b. einer Bache/ 100. b. eines zahmen Schweines/ ibid. einer traͤchti- gen Bache/ 101. a. eines Wolffes/ 107. a. b. ei- nes Luchses/ 109. a. eines Fuchses/ 111. b. eines nes Biebers/ 113. a. einer Fisch-Otter. 114. a. Staͤncker/ woher dieser Thier solchen Namen habe? 117. a. wird seiner Natur und Eigen- schafft nach beschrieben. ibid. seq. Staff-Schlaͤger verwuͤsten sehr viele Eichen/ 69. a. Muß daher Stammweise mit ihnen ge- handelt werden. ibid. Stahr/ wird seiner Natur und Eigenschafft nach beschrieben/ 149 . wie er gefangen werde? ibid. b. Stangen/ wann die Baͤume in Waͤldern oder Heyden also genennet zu werden pflegen? 42. b. Stauden/ in Waͤldern/ Feldern und Aeckern/ werden beschrieben. 42. seq. Stechende Winde/ Smilax aspera, wo dieses Kraut gerne wachse/ und wie es beschaffen? 13. a. Steck-Garn/ wie sie zu stricken? 388. a. Steine bey Grabung tieffer Graͤben/ Teiche und Brunnen werden oͤffters unterschiedliche wundernswuͤrdige Steine gefunden. 16. a. Stein-Breche/ Saxifraga, wo sie wachse/ und worzu sie dienlich sey? 13. b. Stein-Buche. Suche unten Weiß- oder Stein-Buche. Stein-Eiche/ war bey den Celten/ denen Gal- lis und allen Teutschen in grossem Æstim, 29. a. Was sie fuͤr Blaͤtter habe/ und wo sie ger- ne wachse? ibid. b. Thut dem Graß und Ge- traͤyde Schaden. ibid. traͤget groͤssere und suͤs- sere Eicheln/ als die Roth-Eiche. ibid. Stein-Felsen/ ob solche eine Radicem subterra- neam haben/ und wachsen? 19. b. Stein-Felsen-Gebuͤrge. Was fuͤr wilde Kraͤu- ter auff demselben fuͤrnemlich wachsen? 7. a. b. Stein-Marder/ werden ihrer Natur und Ei- genschafft nach beschrieben. 116. b. Stengel-Kraut/ wo und wie es wachse? 7. b. wofuͤr es gut zu gebrauchen? ibid. Steck-Kraut/ Catanance, wo es wachse/ wie es aussehe/ und was es fuͤr Krafft und Tugend habe? 14. b. Stern-Putzen/ woher sie entstehen/ und was sie seyen? 16. b. Stichel- und Pfahl-Eysen/ worzu sie bey der Jagd gebrauchet werden? 237. a. Stick-Wurtz/ Bryonia, was sie fuͤr Blumen und Beere trage/ wo sie wachse/ und worzu sie nuͤtzlich sey? 14. a. Stoͤber/ werden nach ihrer Art/ Natur und Eigenschafft beschrieben/ 182 . wie sie von de- nen Frantzosen genennet werden? 182. a. Straͤucher/ welche Baͤume in Heiden und Waͤl- dern also genennet werden? 42. b. Straffe derer Wildpraͤths-Diebe/ 55. a. 313. seq. A. 88. seqq. ob sie an das Leben gehen koͤn- ne? 313. a. b. A. 7. a. b. A. 88. seqq. auff was fuͤr Umstaͤnde zu sehen? 313. b. Strangeln derer Hunde zu curir en. 194. b. Sturm-Winde/ thun in Waͤldern und Hei- den zum oͤfftern unaussprechlich grossen Scha- den. 39 . Succisa. Suche unten Teuffels-Abbiß. Suchten derer Hunde/ wie solche zu curir en? 191. b. seq. T. T Abellarii, woher sie so genennet worden? 30. a. Tabier/ erzeigten ihren Hunden zu gewissen Zei- ten grosse Ehre. 165. a. b. Taͤschel-Kraut/ Bursa Pastoris, wo es wachse/ was fuͤr Bluͤmlein es trage/ und wovor es gut sey? 14. b. Tag/ wie viel Stunden er lang sey im Januario? 358. b. im Februario? 362. b. im Martio? 366. a. im April? 369. b. seq. im Majo? 373. b. im Ju- nio? 377. a. im Julio? 380. b. im Augusto? 384. a. im September? 387. b. im October? 391. a. im November? 394. b. im December? 398. a. Tangel- oder Laub-Holtz/ wird beschrieben/ 25. a. b. \& 34. seqq. dessen vielerley Arten/ ibid. \& 39. b. wie es beschaffen im Januario? 358. a. wie im Februario? 362. a. wie im Martio? 366. a. wie im April? 369. a. b. wie im Majo? 373. a. wie im Junio? 376. b. wie im Julio? 380. a. wie im Augusto? 383. b. seq. wie im September? 387. a. wie im October? 390. a. b. wie im November? 394. a. wie im December? 397. b. Tanne/ wird nach ihrer Natur/ Eigenschafft und Nutzen beschrieben. 35. b. seq. Tannen- Register. Tannen-Asche/ wird zu Verfertigung der Glaͤ- ser gebrauchet. 36. b. Tannen-Bretter/ was fuͤr Geraͤthe daraus ver- fertiget werde? 70. a. Tannen-Hirsche/ sind bey anderm Roth-Wild nicht gut/ vertreiben dieselbe/ oder verursa- chen/ daß solche gar umbfallen/ 55. a. werden nach ihrer Natur und Eigenschafft beschrieben. 97. seq Tannen-Holtz/ was fuͤr Sachen aus demselben gemacht werden? ibid. Tausend-Guͤlden-Kraut/ Centarium minus, worzu es gut zu gebrauchen? 10. b. Tax-Baum/ wird nach seiner Natur/ Eigen- schafft und Nutzen beschrieben. 38. b. seq. Taxierung der Heiden und Waͤlder/ wie sie wohl und gleich zu verrichten sey? 46. seq. Tempel/ der Dian en und dem Appollini geheyli- get. 23. a. Teuffels-Abbiß/ Succisa, wie es aussehe/ und worzu es gut sey? 8. b. Teuffels-Grund/ was in demselben fuͤrnehmlich fuͤr wilde Kraͤuter wachsen? 8. a Teuffels-Lust-Garthen. Was fuͤr wilde Kraͤuter in demselben fuͤrnehmlich wachsen? 7. b. Teuffels-Teich/ was fuͤr wilde Kraͤuter an dem- selben fuͤrnemlich wachsen? 7. b. seq. Teutschland/ wie es von Cornelio Tacito genen- net werde? 22. a. wie von denen Roͤmern? ibid. Thaͤler/ woher sie in der Welt entstanden? 19. a. b. ob solche auch vor der Suͤndfluth gewesen? ibid. b. Theer/ wie und wovon er zubereitet werde? 37. b. seq. 67. b. Thielen- und Pfosten-Schneiden/ ist denen Waͤldern und Heiden sehr schaͤdlich/ 68. a. Wo solches am besten anzulegen? 68. b. Wie es verrichtet werde? 69. a. Thiere/ wie vielerley sie seyen? 83. a. A. 71. a. Woraus sie in ihrem Leben bestehen? 122. a. Wie sie nach der Ordnung geschickt zu ana- tomir en? 122. b. Jn wie viel Theile deren Coͤr- per getheilet werden? 123. b. Thier-Garthen/ worzu und warumb er auff- gerichtet werde? 55. a. Was fuͤr Wildpraͤth darein zu halten? ibid. Was sonst darzu er- fordert werde/ wann er recht und angenehm seyn soll? 55. b. seq. Thone bey der Jagd zu blasen/ wie solches geschehe/ wann die Hunde loßgekoppelt wer- den? 311 . Wann die Hunde anfangen zu ja- gen? ibid. Wann sie die Faͤhrd verlohren? ibid. Wann sie die Faͤhrd wieder gefunden? 312 . Wann die Hunde gar gut jagen? ibid. Wann der Hirsch erleget worden? ib. Wann die Jagd zu Ende und vollbracht ist? ibid. Thonen/ wie vielerley sie seyen/ und wie sie zu verfertigen? 349. a. wie mit solchen die Voͤgel gefangen werden? ibid. Thonen-Fang/ wann er sich anfahe? 349. a. Thorant/ Antirrhinum, wofuͤr dieses Kraut gut sey/ nnd was es fuͤr Blumen habe? 9. b. Thubal Cain, erster Meister alles Ertztes und Eysenwercks. 3. b. Thussilago. Suche oben Huff-Lattig. Thobsucht oder Wuth derer Hunde. Su- che unten Wuth derer Hunde. Todes-Straffe/ ob die Wild-Diebe damit be- leget werden koͤnnen? 313. a. b. A. 7. a. b. Tische/ woher sie zuweilen zu knacken pflegen? 39. a. Tormentill/ Tormentilla, wo es wachse/ und worwieder es gut sey? 10. b. Trappen/ werden ihrer Natur und Eigenschafft nach beschrieben/ 146. seq. wie sie gefangen werden? 147. a. wo sie sich aufzuhalten pfle- gen? 146. a. 360. b. 367. b. seq. 396. a. 499. b. wann sie im Wiederzug zu uns kommen? 146. a. 364. a. wann und wie er seine Paltz mit denen Huͤhnern halte? 146. a. 364 . Wor- mit sie sich aͤssen? 146. a. 367. b. seq. 382. a. 385. b. wo und wie sie bruͤthen? 146. a. b. 371. b. wie sie ihre Jungen erziehen? 146. b. 375. a. 378. b. 382. a. wann sie von uns ziehen? 146. b. 392. b. Treibe-Pferdt/ wie damit die Reb-Huͤhner pflegen gefangen zu werden? 333. seqq. wie es beschaffen seyn solle? 335 . wie es abzu- richten? 335. a. b. seq. Treiben des Wildes/ wie es vorzunehmen/ und geschehen solle? 273. seq. Treibe-Zeug und Haamen/ wie damit die Reb-Huͤhner gefangen werden? 332. seq. Trifft-Gerechtigkeit. Ob der/ so die Trifft-Ge- rechtigkeit besitzet/ dem Gerichts-Herrn/ so daselbst die Nieder-Jagden hat/ das Lerchen- fangen mit Tage-Netzen verwehren koͤnne? A. 53. seqq. Trifolium. Suche unten Wiesen-Klee. Trompeter und Paucker/ wo sie bey einer Jagd auff dem Lauff-Platz hin logir et werden? 277. b. seq. Tropff derer Hunde/ zu curir en? 194. b. Tubera. Suche oben Morgeln. Tuͤcher-Lappen/ worzu sie gebrauchet werden? 221. a. b. woher sie so genennet werden? ibid. b. seq. wie solche seyn muͤssen? 222. a. wie sie auffzustellen? 222. b. wie hoch ein Bund Tuͤ- cher-Lappen zu stehen komme? 222. b. Turckis-Steiu/ soll des Menschen Constitution anzeigen. 270. a. Turtel-Tauben/ werden nach ihrer Natur und Eigenschafft beschrieben. 144 Tyger/ wird nach seiner Natur und Eigenschafft beschrieben/ 85. seq. wird zur Jagd anderer wil- den Thiere abgerichtet/ 85. b. seq. dessen Anato- tomie. 125 . Tyger-Haͤute/ worzu sie pflegen gebrauchet zu werden? 85. b. Tyraß/ wie dieses Garn beschaffen sey/ und wie damit die Reb- oder Feld-Huͤhner gefangen werden? 336. a. b. Wie er von denen Schnee- Garn differir e? 337. a. x 2 U. Vacci- Register. U. V accinia Rubra. Suche oben Preussel-Beer. Valeriana. Suche oben Baldrian. Vasallen/ wie sie im jagen excedir en? A. 9. a. wie sie sich zu verhalten/ wenn ihre Nachbarn oder andere ihnen in ihrer Jagd-Gerechtig- keit Eingriff thun? ibid. a. b. wie sie derer ihnen concedirt en Jagden sich gebrauchen/ und sich sonsten darin gegen ihren Landes-Herrn ver- halten sollen? A. 10. a. b. seq. worauf sie in An- sehung des Vogelfangs acht zu geben haben? A. 11. b. seq. wie sie sich verhalten sollen/ wann ihnen von dem Landes-Herrn Eingriff in ihre Jagd-Gerechtigkeit geschiehet? A. 12. a. sollen auf Conservation des Holtzes und neuen An- bau desselben bedacht seyn/ A. 12. a. sind ver- bunden bey Feuers-Gefahr in Waͤldern de- nen Forst-Bedienten gebuͤhrende Folge zu thun/ A. 13. a. zu welcher Zeit des Jahres sie nicht jagen duͤrffen? ibid. b. Ob sie in possessio- ne vel qvasi derer Regali en geschuͤtzet werden koͤnnen? A. 74. b. ob sie/ wann sie von dem Landes-Herrn mit aller und jeder Gerechtig- keit/ ingleichen mit Jagden belehnet sind/ be- fugt seyn/ sich nicht nur der Hasen und Fuͤch- se anzumaassen/ sondern auch zugleich des ho- hen/ rothen und schwartzen Wildpraͤths/ als der Hirsche/ Rehe/ wilden Schweine/ ꝛc. A. 83. seqq. Vegetatio der Erden/ wie solche beschaffen sey im Januario? 358. a. wie im Februario? 362. a. wie im Martio? 365. b. seq. wie im April? 369. a. wie im Majo? 373. a. wie im Junio? 376. a. wie im Julio? 380. a. wie im Augusto? 383. a. b. wie im September? 387. a. b. wie im October? 390. a. b. seq. wie im November? 394. a. b. wie im December? 397. a. b. seq. Verbascum. Suche oben Koͤnigs-Kertze. Verboth auf anderm Grund zu jagen. 251. a. b. Vergleich/ so allgemein/ benimmet nichts einem besondern/ und muß man sie beyderseits so auslegen/ daß sie nicht einander contrair seyn. A. 50. seqq. Vergoͤnstigung/ einen gewissen Ort mit Ne- tzen zu umbstellen/ so aus nachbarlichem Wil- len geschehen/ kan nach eigenem Gefallen wie- derruffen werden. A. 18. seq. Verjaͤhrung/ ist nicht noͤthig einem solchen/ der uͤber Menschen Gedencken etwas besitzet? A. 23. seqq. Verlappen/ worzu es diene/ und wann es ge- brauchet werde? 309. seq. Verletzung derer Hunde von wilden Schwei- nen oder andern Thieren/ zu curir en. 194. a. b. Veronica. Suche oben Ehrenpreiß. Verrenckung derer Glieder/ was davor bey denen Hunden zu gebrauchen? 196. b. Verrichtungen eines Jaͤgers in Jagd- und Forst-Sachen/ auch mit Zeug und Hunden im Monat Januario? 361. a. b. seq. im Februa- rio? 365. a. b. im Martio? 368. b. seq. im April? 372. a. b im Majo? 375. b. seq. im Junio? 379. a. b. seq. im Julio? 383. a. b. im Augusto? 386. b. seq. im September? 389. b. seq. im Octo- ber? 393. a. b. im November? 398. b. seq. im December? 400. a. b. Verschlagen derer Hunde zu curir en. 197. a. Versetzung junger Baͤume/ was dabey in acht zu nehmen? 26. b. Ubereylen/ was dieses bey der Faͤhrd derer Hir- sche bedeute? 95. b. Vincetoxicum. Suche oben Schwalben- Kraut. Viola tricolor. Suche oben Dreyfaltigkeit- Kraut. Unfug und Wuͤtherey/ der Spanier wider die Americaner. 35. a. b. Ungewitter/ wie an denen Aelster-Nestern zu mercken/ woher dasselbe Jahr die meisten Un- gewitter herkommen? 156. b. Unschlitt/ vom wilden Schwein/ worzu es gut zu gebrauchen? 100. b. Unterthanen/ ob sie ihrem Gerichts-Herrn auff denenjenigen Feldern/ wo sie die Huth- und Trifft-Gerechtigkeit/ der Gerichts-Herr aber die Nieder-Jagd hat/ das Lerchen-Fangen mit Tage-Netzen verwehren koͤnnen? A. 53. seqq. Ob ihnen von ihrem Edelmann oder Ge- richts-Herrn/ so sowohl die Ober- und Nie- der-Jagden/ als die Ober- und Nieder-Ge- richten hat/ bey Straffe anbefohlen werden koͤnne/ daß sie wider das Herkommen ihren Hunden Knuͤttel anlegen sollen? A. 76. seqq. Ob mittelbahre Unterthanen verbunden seyen/ einem mittelbahren Herrn Dienste zu leisten/ und ihm Jagd-Frohnen zu thun? A. 62. seqq. Voͤgel/ wo sie zur Herbst-Zeit hinziehen? 343. b. wie an denenselben zu mercken/ daß im Fruͤhling annoch grosse Kaͤlte vorhanden? ibid. wie an denenselben Ungewitter zu vermu- then? ibid. was fuͤr Voͤgel jeden Monats zu fahen? ibid. seq. wie sie mit Thonen gefangen werden? 349. a. wie mit Leimb-Ruthen? 349. b. wann sie mit Schiessen und fangen zu verschonen? 375. a. Vogel-Bauer oder Gehaͤuser/ wie sie pflegen verfertiget zu werden? 348. a. b. Vogel-Beeren/ worzu sie dienen? 77. b. Vogel-Heerd/ wo er am nuͤtzlichsten anzurich- ten? 344. seq. wie er pflege angeleget zu wer- den? ibid. a. b. was fuͤr Kirrung darauf zu ge- brauchen? 344. b. wie darauf die Raub-Voͤgel pflegen gefangen zu werden? 350. a. b. zu wel- cher Zeit des Jahrs er anzurichten sey? 389. a. Vogel-Laimb/ wie er zugerichtet werde? 349. b. Vogelsteller/ wie er beschaffen seyn muͤsse? 343. seq. Vogel-Waͤnde und Netze/ wie sie zu stricken/ zu verfertigen und zu stellen? 345. seq. wieviel Zwirn eine dererselben erfordere? 345. b. Vor-Hoͤltzer/ welche Hoͤltzer so genennet wer- den? 44. a. Urthel/ so allein Fuͤchse/ Hasen und dergleichen zu fahen zugiebt/ ob es auch auf die Rehe ex- tendi- Register. tendir et u. verstanden werden moͤge? A. 79. seq. W. W Acholder-Baum/ wird nach seiner Natur/ Eigenschafft und Nutzen beschrieben/ 38 . wie vielerley er sey? ibid. Wacholder-Beeren/ wie lange sie reiffen? 38. b. was fuͤr Medicament en daraus verfertiget werden? ibid. Wacholder-Hartz/ worzu es dienlich? 38. b. Wachtel-Garn/ von was fuͤr Farbe sie seyn sol- len? 339. a. b. wann sie am besten zu gebrau- chen? 340. a. wie sie gruͤn zu faͤrben? 341. b. Wachteln/ werden ihrer Natur und Eigenschafft nach beschrieben/ 148. seq. 340. b. wie sie gefan- gen werden? 149. a. b. 339. seqq. wo sie sich auf- zuhalten pflegen? 148. a. b. 361. a. wann sie wie- der zu uns kommen? 148. a. 375. a. wann sie von uns ziehen? 149. b. 396. a. wann man die Wach- teln zu fangen anfahe/ und wieder damit auf- hoͤre? 339. a. Wachtel-Pfeiffen/ wie sie zu verfertigen? 340. b. seq. wie solche beym Schlagen angefasset werden sollen? 341. b. Waͤlder/ werden beschꝛieben/ 22. seqq. was sie seyen? 43. b. deren Nutzen in Fried- und Krieges- Zeiten/ 23. b. Klage/ daß solche durch uͤber- maͤßiges Holtz-hauen verwuͤstet werden/ ibid. wodurch sie Schaden leiden? 39. seqq. wie sie pflegen ausgemessen zu werden? 44. seq. wie sie zu taxir en/ und in Erbschafft einzutheilen? 46. seq. wie solche wohl befluͤgelt oder umb- stellet werden? 47. seq. von der Waͤlder Eintheilung u. geometri scher Ausmessung/ 43. sqq. Wem der Vermuthung nach die streitigen Gaͤrten eigenthuͤmlich zustehen? A. 44. seqq. Waͤnde der Voͤgel/ wie sie zu stricken und zu stellen? 345. seqq. Wagen-Meister/ woruͤber er gesetzet/ und was dessen Verrichtungen seyen? 238. b. 244. a. b. Wagen-Schmier/ wie sie zubereitet werde? 37. b. seq. 67. b. Wald-Gefluͤgel/ wird seiner Natur und Eigen- schafft nach beschrieben. 141. seqq. Wald-Geschrey/ womit zu Holtze gezogen wird/ 278. b. womit von Holtze gezogen zu wer- den pfleget/ 279. b. beym Wald-Messer schla- gen/ oder Pfunde geben. 281. b. Waldmann/ worzu dieses Kraut nuͤtzlich zu ge- brauchen? 10. a. Wald-Miethe/ was sie in denen Concurs en fuͤr eine Stelle uͤberkomme? A. 79. a. b. Wald-Schnepffe/ wird nach ihrer Natur und Eigenchafft beschrieben/ 143 . wie sie gefangen werde? ibid. b. wo sie sich auffhalte? 143. a. b. 360. a. b. 364. a. 374. b. seq. 385. b. 399 . wann sie von uns wegziehe? 143. a. 392. a. 396. a. wann sie im Wiederzug wieder zuruͤck komme? 143. b. 367. b. 389. a. wormit sie sich aͤße? 143. a. b. 371. a. zu welcher Zeit und wo sie hecke? 143. b. 387. b. 382. a. Wall-Brunn in des Herrn Autoris Thier-Gar- ten/ praesagir et Veraͤnderung des Wetters/ und ist denen Patient en gut zu gebrauchen. 270. b. Wasser-Gefluͤgel/ wird seiner Natur und Ei- genschafft nach beschrieben. 150. seqq. Wasser-Schnepfflein/ werden nach ihrer Art und Eigenschafft beschrieben. 152 . Wasch-Gold/ wo es herkomme? 21. a. Wasser/ wird von einigen fuͤr ein Initium Semi- nale, oder Uhr-Saame alles Gefluͤgels/ der Fische/ Felsen und Edelgesteine/ Metallen und Mineralien gehalten/ 20. a. wie vielerley die Wasser seyen? ibid. b. woher sie warm aus der Erden steigen? ibid. woher die Wasser entste- hen? ibid. seq. Wasser/ so vom Regen in den alten Buchen stehet/ wofuͤr es gut sey? 30. b. Wasser-Hunde/ werden ihrer Art/ Natur/ und Eigenschafft nach beschrieben/ 181. seq. wie sie von denen Frantzosen genennet werden? 181. a. wie sie abzurichten? ibid. b. Wasser-Jagd/ wie solche anzulegen/ und gesche- he? 304 . Wasser-Quellen/ von dererselben innerlicher Generation, 19. seqq. Anzeigen/ wo solche ge- meiniglich befindlich. 21. a. Wasser-Voͤgel/ wann sie in ihrem Wieder-Zug wieder zu uns kommen? 364. b. 368. a. womit sie sich aͤßen? ibid. b. Weer-Woͤlffe/ ob solche aus Menschen werden koͤnnen? 108. b. Wege-Dorn/ wo und wie er wachse/ und worzu er diene? 13. a. Wegerich/ Plantago, worzu es gut zu gebrauchen/ und wo es wachse? 11. b. Wehe-Tage der Hunde in Ohren/ was darwi- der zu gebrauchen? 192. b. Wein-Drosseln/ werden nach ihrer Natur und Eigenschafft beschrieben. 145. b. Wein-Trauben/ was sie fuͤr Krafft und Wuͤr- ckung haben? 78. b. Weissagung Lutheri, es werde Teutschland vor dem juͤngsten Tage an drey noͤthigen Requisitis mangeln. 23. b. Weiß Bieber-Klee/ wo es waͤchse/ wie es ausse- he/ und worzu es gut zu gebrauchen? 15. b. Weiß-Bircke/ wird beschrieben. 32. a. b. Weiß- oder Stein-Buche/ wird nach ihrer Na- tur/ Eigenschafft und Nutzen beschrieben. 30. b. Weiß-Buchen-Holtz/ worzu es nuͤtzlich gebrau- chet werde? 30. b. Weisser Diptam/ Fraxinella, wie es aussehe? 7. a. worzu es gut sey? ibid. Weiß-Dorn/ wird seinem Wesen und seiner Frucht nach beschrieben. 43. b. Weisse Errle/ wie sievon der schwartzen Errle zu unterscheiden? 33. a. Weisse Heyde/ Erica/ worwider sie gut zu gebrau- chen? 10. a. Weiß-Wende-Wurtzel/ Helleborus albus, wie sie bluͤhe/ aussehe/ und wofuͤr sie gut zu ge- brauchen? 8. b. Weiß-Wurtzel-Kraut/ Polygonatum, wie es bluͤhe/ aussehe/ und worzu es gut zu gebrau- chen? 8. b. y Weitzen/ Register. Weitzen/ worzu er dienlich sey? 77. a. Welsch Wegerich/ Plantago Italica, wo es wach- se/ wie es bluͤhe/ und was es fuͤr Nutzen habe? 15. a. Wenden/ was bey der Gefaͤhrd der Hirsche so ge- nennet werde? 95. b. Werffte/ wird ihrer Natur/ Eigenschafft und Nutzen nach beschrieben. 43 . Weyde/ wird nach ihrer Natur/ Eigenschafft und Nutzen beschrieben/ 42. b. seq. Wie vieler- ley dieselbe sey? 43. a. Weydemann/ wie er beschaffen seyn soll? 80. a. soll auch die Anatomie derer Thiere wohl verste- hen/ 121. a. b. ob er auf eines andern Grund und Boden/ da es seine Vor-Eltern also herge- bracht/ zu jagen befugt sey/ oder ob ihm solches in kuͤnfftiger Zeit verbothen werden koͤnne? 66. seqq. Weydemann/ wie er zuweilen dem Jaͤger von dem Frauenzimmer pflege gemacht zu werden? 308. b. Weyde-Messer schlagen/ wann und wie solches zu geschehen pflege? 281. a. b. Weyde-Spruͤche/ so vorzeiten bey denen Jaͤgern gebraͤuchlich gewesen. 281. b. seq. Weydichte/ gehoͤren zu denen Holtzungen/ und nicht zu denen Wiesen-Nutzungen. A. 20. a. b. seq. Wicken/ worzu sie dienen/ und was sie fuͤr Wuͤrckung haben? 78. a. Wiederwachs/ warumb er auff denen abge- brannten Flecken in Heiden und Waͤldern nicht zu hoffen/ und fort will? 40. a. 41. b. wie er zu befoͤrdern? 40. b. seq. Wiesel-Baͤlglein von weissen Wieselgen/ wor- zu es gut seyn solle? 119. a. Wiesel-Blut/ wofuͤr es gut seyn solle? 119. b. Wieselgen/ wird seiner Natur und Eigenschafft nach beschrieben/ 119 . woher die Fabel entstan- den/ es gebaͤhre das Wieselgen seine Jungen aus dem Maul? 119. b. Wiesen. Was daselbst fuͤrnemlich fuͤr wilde Kraͤuter wachsen? 11. b. Wiesen-Klee/ Trifolium, wie vielerley er sey/ und worzu er diene? 11. b. Wild/ wie solches in denen Waͤldern/ wo ent- weder gar keines/ oder doch sehr weniges an- zutreffen/ gebracht/ und vermehret werden solle? 52. seqq. Ob/ wie und auff was Art und Weise ein angeschossen Wild in des Nach- bars Gehege oder Wald verfolget und aus demselben gefuͤhret werden koͤnne? 251. seq. Anatomia eines tragenden Wildes/ 129. seqq. Wie es pflege gebraͤuchlich zu seyn/ wann ein Stuͤck Wild einem wiederumb entsprungen? A. 11. a. b. Ob man das Wild/ so die Wie- sen und Felder verdirbt/ todt schlagen duͤrffe? A. 95. seqq. Wild-Aecker/ worzu sie angerichtet und besaͤet werden? 57. b. Wildbahn/ wann und zu was Ende solche auffkommen? 51. a. Wie sie vorzeiten genen- net worden? ibid. Was darunter verstanden werde? ibid. Wild-Diebe/ wie sie bestraffet werden? 55. a. 313. seq. A. 88. seqq. ob sie am Leben gestrafft werden koͤnnen? 313. a. b. A. 7. a. b. A. 88. seqq. was fuͤr Umbstaͤnde bey Bestraffung derer Wild-Diebe in Consideration zu ziehen? 313. b. Wilde Baͤume/ wie vielerley dieselben in Hei- den und Waͤldern seyen? 25. a. Wilde Enten/ werden ihrer Natur und Eigen- schafft nach beschrieben/ 151 . wie sie im Enten- Fang gefangen werden? 329. seqq. wie sie beym Enten-Fang von denen Lock-Enten zu unterscheiden? 330. b. wo sie sich auffzuhalten pflegen? 361. a. 382. b. 386. a. wann sie sich paaren? 371. b. wann und wo sie bruͤthen/ und wie sie ihre Jungen ins Wasser bringen? 151. a. b. 375. b. 379. a. womit sie sich aͤssen? 151. a. 386. a. 389. b. 379. a. wie sie gefangen werden? 382. b. 393. a. wann sie von uns ziehen? 151. b. 396. b. Wilde Gaͤnse/ werden ihrer Natur und Ei- genschafft nach beschrieben/ 150. seq. wie sie geschossen oder gefangen werden? 151. b. wo sie sich auffzuhalten pflegen? 151. a. 361. a. 364. b. 368. a. 382. b. 386. a. wann sie im Wieder- Zug wieder zu uns kommen? 364. b. wie an ihnen zu mercken/ ob bald Fruͤhlings- und Thau-Wetter werden moͤgte? ibid. wann sie sich paaren? 371. b. wann sie Eyer legen und wo sie bruͤthen? 150. b. seq. 375. b. womit sie sich zu aͤssen pflegen? 151. a. 379. a. 386. a. 385. b. wie sie gefangen werden? 151. b. 382. b. 392. b. seq. wann sie von uns ziehen? 151. a. 396. b. Wilde Menschen/ so im Hartz-Wald gefan- gen worden. 22. b. Wilde Roßmarie/ wo sie wachse/ und wor- wider sie dienlich zu gebrauchen? 12. a. Wilde Schweine/ pflegen nach der Wurtzel des Farren-Krauts mit groͤster Begierde zu wuͤh- len oder zu brechen/ 12. a. reiben sich nach der Suhle an niedrig gerissene Fichten/ und ma- chen sich dadurch gleichsam einen Pantzer/ 37. a. werden nach ihrer Natur und Eigen- schafft weitlaͤufftig beschrieben/ 98. seqq. wie sie an dem Wuͤhlen oder Brechen von denen zahmen Schweinen zu distingvir en? 100. b. wie an der Lohsung zu erkennen/ ob es Schwei- ne/ oder Bachen seyen? 101. b. wie sie durch Sau-Faͤnge/ oder Sau-Gaͤrten zu fangen? 240. a. b. wie sie in Netzen gefangen werden? 305. seq. wormit sie sich das Jahr durch in jedem Monat aͤßen/ und wie sie sich sonsten darinnen verhalten? 359. a. 363. a. 366. b. seq. 370. b. 374. a. 377. b. 381. a. 384. b. 388. a. 391. b. 395. a. 398. b. Eines wilden Schweines Anato- mie. 131. seq. Wilde Tauben/ wo sie sich auffhalten? 360. b. 369. a. wann sie im Wiederstrich wieder zuruͤck kommen? 364. a. 367. b. 399. b. wo- mit sie sich aͤßen? 367. b. 371. a. 385. b. wie und wann sie am besten zu schiessen und weg- zufan- Register. zufangen? 371. a. 382. a. 385. b. 389. a. wann solche nicht geschossen werden sollen? 375. a. wann ihnen die Jungen aus denen Nestern genommen werden koͤnnen? 378. b. wann sie von uns wegziehen? 392. a. b. Wilde Thiere/ machen sich zuweilen durch Aes- sung des Sterck-Krauts feste/ 14. b. werden nach ihrer Art/ Natur und Eigenschafft weit- laͤufftig beschrieben/ 79. seqq. uͤbertreffen die Menschen in vielen Dingen/ 79. b. wie vie- lerley sie seyen? 83. a. warumb es besser sey/ daß solche zu jagen und zu fahen/ denen Lan- des-Herrn allein vorbehalten werden? A. 2. a. Was fuͤr wilde Thiere von denenjenigen/ wel- che die Jagd-Gerechtigkeit nicht haben/ erle- get und gefangen werden koͤnnen? A. 2. b. Wild-Fahre/ worzu sie erfunden worden? 58 . Wildfang/ wie er pflege von denen Falconier ern gefangen zu werden? 350. b. Wildfuhre/ Wildbahne/ Wild-Jagden/ und aller Wildfuhre/ was fuͤr Jagden mit diesen Worten in denen Lehn-Bieffen ange- zeiget werden? A. 12. b. Wild-Garne/ wie vielerley sie seyen? 227. a. wie sie gemacht werden sollen? ibid. a. b. Wild-Meister/ woruͤber er gesetzet/ was ihme zu verrichten obliege/ und wie er sonst beschaf- fen seyn solle? 50. b. 289. seq. Wildnuͤsse/ was sie seyen und woher sie diesen Namen haben? 43. a. Wildpraͤth/ wie es auff die Puͤrsch-Wagen zu legen/ und nach Hofe zu fuͤhren? 218. a. ist von denen Landes-Herrn nicht in allzu grosser Menge zu hegen. A. 7. a. Wild-Thiere/ wie lang sie tragen/ wann sie ihre Kaͤlber setzen/ und wie sie solche erziehen? 89. b. seqq. 374. a. 377. b. 381. a. Wild-Trage/ worzu sie gebrauchet/ und wie sie verfertiget werde? 227. a. b. Wild-Wage/ wie solche beschaffen sey? 227. b. Wind/ aus was fuͤr Anzeigen solcher præsumi- r et werden koͤnne? 269. b. woher zu mercken/ wo der Wind herwehen werde? ibid. Wind-Bruͤche/ dienen nicht wohl zum Bauen/ 39. a. b. Wind-Bruͤche/ so die Graͤntzen beruͤh- ren/ wem sie zugehoͤren? 39. a. Wind-Hetzen/ wie solches zu geschehen pflege? 307. seqq. Windspiele/ werden nach ihrer Art/ Natur und Eigenschafft beschrieben/ 173. seq. Woher sie diesen Namen haben? 173. a. Wie sie abge- richtet werden? ibid. 308. b. seq. Wollen die Fuͤchse nicht beissen/ 174. b. Wie und wann mit denenselben zu hetzen? 307. seqq. Wintergruͤn/ Hedera, wo und wie es wachse? 6. a. wofuͤr es zu gebrauchen? ibid. woher es diesen Namen habe? ibid. Witterung/ wie sie im Januario gemeiniglich beschaffen sey? 358. a. wie im Februario? 362. a. wie im Martio? 365. a. wie im April? 369. a. wie im Majo? 372. a. b. seq. wie im Junio? 376. a. wie im Julio? 380. a. wie im Augusto? 383. a. wie im September? 387. a. wie im October? 390. a. wie im November? 394. a. wie im December? 397. a. Wolff/ wird nach seiner Natur und Eigen- schafft weitlaͤufftig beschrieben/ 106. seqq. wie er in Sau-Faͤngen oder Sau-Gaͤrten zu fangen? 240. a. b. seq. Wie er in Gruben ge- fangen werde? 241. a. Wie er aus der Grube lebendig in einem Kasten/ oder sonst fortzubrin- gen? 241. b. Wann und wie er sich belauffe? 359. b. Wie er sich in einem jeden Monat das Jahr durch verhalte? ibid. 363. b. 367. a. 370. b. 374. a. 378. a. 381. b. 385. a. 388. b. 391. b. 395. a. b. 399. a. ob und wie er auff einem frembden Grund und Boden gefangen werden koͤnne? A. 11. a. Wolffs-Grube/ wo und wie sie anzulegen? 241. a. ist heutiges Tages denen Vasallen ver- bothen/ 241. b. ist auff frembdem Grund und Boden zu machen verbothen. A. 11. a. Wolffs-Jagd/ wie sie zu geschehen pflege? 306 . wie sie von einem Landes-Herrn vorgenommen und verrichtet werden solle? A. 2. b. seq. Wolffs-Netze/ worzu sie zu gebrauchen? 228. a. b. wie weit sie stellen/ und wie sie auffgestel- let werden muͤssen? ibid. a. wie sie beschaffen seyn sollen? ibid. a. b. wie hoch eines derersel- ben an Gelde zu stehen komme? 228. b. Wuͤnschel-Ruthe/ von was fuͤr Holtz sie am besten zu schneiden? 42. a. Wuͤrmer/ wormit sie denen Hunden im Leibe zu vertreiben? 192. b. \& 195. b. wormit sie aus der Haut derer Hunde vertrieben werden? 195. a. 196. b. Wuͤthender Hund/ wie er zu curir en? 191. seq. zu welcher Zeit des Jahres die Hunde zu wuͤthen und zu rasen pflegen? 196. a. was zu gebrauchen/ daß er einem keinen Schaden thun koͤnne? ibid. Wunden derer Hunde/ wie solche zu heylen/ 194. a. b. 195. b. 196. a. Wunder-Baum in Peru/ soll denen Kran- cken das Leben/ oder den Todt vorher verkuͤn- digen. 270. a. Wund-Kraut/ Solidago, woher es diesen Na- men habe/ und worzu es diene? 10. b. Wund-Pulver/ bey verletzten Hunden dienlich zu gebrauchen. 196. b. Wurtzeln der Eichen/ greiffen so weit umb sich/ so hoch der Giepffel ist. 28. b. Wuth derer Hunde/ woran sie zu erkennen? 168. a. b. 189. b. et 196. a. woher sie entstehe? 168. b. 191. a. wie vielerley dieselbe sey? 189 . was wider jede zu gebrauchen? 191. seq. Z. Z Aehne von Elephanten/ werden zum oͤff- tern bey Grabung tieffer Graͤben/ Teiche und Brunnen/ gefunden/ 16. a. ob solche unter- irdische natuͤrliche Gewåchse/ oder von der Suͤndfluth wuͤrcklich verschwemmete Corpora seyen? ibid. seq. Zaͤune/ wie solche umb die nahe an denen Wild- y 2 bahnen Register. bahnen liegende Felder zu machen seyen? A. 8. b. seq. Zahme Schweine/ wie sie in dem Wuͤhlen und an der Gefaͤhrd von denen wilden Sauen zu distingvir en? 100. b. Zangen/ worzu sie zu gebrauchen/ und wie sie be- schaffen seyn sollen? 236. b. seq. Zehr-Kraut/ Hepatica fontana, wo es gerne wachse? 7. a. wofuͤr es gut sey? ibid. Zerwuͤrckung und Zerlegung eines Hirsches. 263. seq. Zeug-Hauß/ wie solches angeleget und gebauet seyn muͤsse? 237. seq. Zeug-Knechte/ wozu sie bestellet/ und was ihre Verrichtungen seyen? 220. b. 244. a. b. Wo- ruͤber der aͤlteste Zeug-Knecht beym Zeug- Hause gesetzet? 238. b. Zeug-Wagen. Wie hoch er an Gelde fuͤr Schmiede- und Wagner-Arbeit zu stehen kom- me? 216. b. seq. \& 220. a. wie er beschaffen seyn muͤsse? 219. a. b. Wie viel Tuͤcher auff einen Zeug-Wagen geladen und gefuͤhret werden? 219. b. Ziegel-Erde/ wie sie beschaffen seyn solle? 66. b. Ziegel-Scheune/ wird beschrieben. 65. seq. Ziegel-Steine/ werden von thonigter Erde weiß/ 66. a. Wie solche gut zu verfertigen? ibid. Wie- viel solcher zu einem Bech-Ofen erfordert wer- den? 67. a. Ziegel-Streichen/ ist eine sehr uhralte Erfah- rung und Procedur. 65. seq. b. Ziemer/ wird seiner Natur und Eigenschafft nach beschrieben/ 144. seq. wie er gefangen werde? 145. a. wie er im Bauer zu fuͤttern? 347. seq. wo er sich auffzuhalten pflege? 360. b. wann er im Ruͤckstrich wieder zu uns komme? 145. a. 364. a. womit er sich aͤße? 144. b. seq. 564. a. wann er von uns ziehe? 145. a. 367. b. Zimmer-Holtz zu bauen/ wird weitlaͤufftig be- schrieben. 71. seq. Zimmern der Berg-Gebaͤude/ ist denen Waͤl- dern und Gehoͤltzen hoͤchstschaͤdlich/ 64. a. b. ist bey denen Bergwercken ein nothwendiger Bau. 65. a. Zipff-Drosseln/ werden ihrer Natur und Eigen- schafft nach beschrieben/ 145. a. wie sie gefan- gen werden? ibid. Zwang-Treiben/ wie es geschehen solle? 274. seq. Zwiesel/ von einem Hasel-Strauch/ dienet zum besten zur Wuͤnschel-Ruthe. 42. a. Zwingen/ was dieses bey des Hirsches Gefaͤhrd heisse? 95. a.