CANDIDATUS CHIRURGIÆ Das ist Kurtze doch gruͤndliche Eroͤrterung / Aller und jeder fast erdencklichen Anatomischen und Chirurgi- schen Fragen Von allerhand euserlichen und inner- lichen Wunden/ Schaͤden und Gebre- chen des gantzen Menschlichen Coͤrpers/ Allen angehenden Chirurgis hoch noͤthig. Auß den besten/ so wol alten als neuen Chirurgischen Autoribus, wie auch eige- ner Erfahrung mit Fleiß zusammen getragen von Peter Buͤrgern Koͤnigsb: Chirurgum. Hannover und Wolffenbuͤttel/ Verlegts Gottlieb Heinrich Grentz . Im Jahr 1692 . Freundlicher guthertziger Leser! D Amit gleichwoll zur Wis- senschafft gebracht werde/ was mich bewogen/ dieses Wercklein ans Tage-Liecht zu bringen/ und nicht et- wa Einbildung gefasset werde/ daß Ich an der Ehrsucht Buͤcher zu schrei- ben/ kranck liege; So hat allerest hierzu Anlaß und Gelegenheit gege- ben/ der Edle/ Woll-Ehrenve- ste/ Groß-Achtbahre und Hoch- gelahrte Herꝛ Johann Georg Volckammer/ weitberuͤhmten Medicinæ Doctor, der fast in ):( ij der Vorrede. der gantzen Welt gleichfals beruͤhm- ten/ des H. Roͤmischen Reichs-Stad Nuͤrnberg; Dann als derselbe mich auß Itaiien zuruͤck gefodert/ woselb- sten Er mein hoher Patron und Be- foderer gewesen/ hat Er ferner sich meiner Wollfarth hoͤchlich angenom- men/ (wovor ich ihm unsterblichen Danck sage/) Mir nicht allein seine ansehnliche Bibliothecam, sondern auch seine herꝛliche collectanea chi- rurgica, welche Er in den vortreffli- chen Hospitaͤlen zu Neapoli, Rom/ Venedig und Padua auffgezeichnet/ unmaßgeblich communicieret/ unter anderen auch/ hat Er mir an statt ei- nes Spiegels/ Herꝛn Ludwig von Hornigks Politiam medicam recom- men dieret/ damit ich in derselben se- hen moͤchte/ was einem Chirurgo zu wissen noͤtig/ bin auch durch seinen guten Vorrede. guten Raht bewogen worden/ mich in der Theoria zu uͤben/ die in der Politia medica befindliche anatomi- sche und Chirurgi sche Fragen zu er- oͤrtern/ worzu ich dann die angezo- gene Autores reichlich erhalten/ und ob schon das Gluͤck mir nicht gedie- net/ selbiges Wercklein daselbst zu en- de zu bringen/ so habe ich doch solches zu Leipzig ein gut Theil proseqvi ret/ in dem mir gleichfals von den Herꝛn Medicis mit guten Autoribus Chirur- gicis ist an die Hand gegangen wor- den/ biß ich endlich allhie in mein Pa- triam gekommen/ woselbsten ich dann bey mehrerer Ruh selbiges Werck- lein nicht allein zu ende gebracht/ son- dern auch nach Lesung vieler newen Aurorum revidi ret/ und also zu mei- nem eygenen Nutzen/ als ein Me- morial vieler Autorum gebrauchet/ ):( iij in Vorrede. in welchen ich auch zu weilen ange- bracht/ was mein Sehl. Vater in sei- ner zwantzigjaͤhrigen Praxi so woll in hiesigem Churfl. grossen Hospital/ als in hiesiger Stadt/ ohne Ruhm zu melden/ mit grossem Nutzen obser- vi ret/ so habe ich auch nicht unterlas- sen/ was etwa in meiner wenigen Praxi wahrgenommen worden. Es hat sich aber etzliche mahl zugetragen/ daß ich eintzigen Lehrbegierigen/ so woll eigenen als frembden discipulis zugefallen/ so woll kurtze collegia ana- tomica als chirurgica privata gehal- ten/ zu deren Behuff ich dann dieses Tractaͤtlein/ als welches von erdenk- lichen Fragen gar reich/ gebrauchet. Weil dann solches Tractaͤtlein ihnen zu Gesicht gekommen/ haben sie/ we- gen seiner Kuͤrtze und vielfaͤltigen Fragen/ keinen geringen Lust bekom- men Vorrede. men und eiffrig angehalten/ ich moͤch- te solches/ als ein hochnoͤtiges Werck ihnen durch den Druck gemein ma- chen; Ich habe aber solches etzlich Jahr in Bedencken getragen/ sinte- mahln mir woll bewust/ daß das kurtze effatum allzuwahr: A prælo ad prælium. Allein/ wann ich her- gegen betrachtet/ die Liebe des Nech- sten und den ziemlichen Mangel Deutscher Chirurgi scher manual Buͤ- cher/ so hab ich mich dennoch erkuͤh- net/ ihnen nicht allein zu gratifici ren/ sondern auch einen Versuch zu thun/ ob sie nicht etwa durch dieß kurtze Hand-Buͤchlein zum fleißigern und weiteren nachlesen vornehmer und weitlaͤufftiger Autorum moͤchten ge- bracht werden. Ob ich nun woll die deutsche uͤbeliche Chirurgische termi- nos behalten/ so habe ich dennoch ):( iiij dann Vorrede. dann und wann die lateinisch termi- nos auch die mediamenta mit ein- gefuͤhret/ damit ein angehender Chi- rurgus, ob er schon der lateinischen Sprache nicht maͤchtig/ dennoch durch fleissiges lesen ihm die terminos artis lateinisch bekant mache/ damit/ wann ein Medicus beym Patienten etwas erinnert/ er seine Meinung fassen moͤge. Weil auch ein jeder Chirurgus verbunden ist/ seine disci- pel zu informi ren/ manchem aber sol- ches nicht mitgegeben/ als habe ich auch denen hiemit gratifici ren wol- len/ und wird nur uͤbrig seyn/ die Handgriffe/ welche nicht allemahl so net koͤnnen beschrieben werden/ zu zeigen. Deme aber diese Arbeit nicht genug/ kan nach seinem belieben seine discipel informi ren/ wie er selber will/ und es verantworten kan; Dann ich Vorrede. ich ohne das woll weiß/ wie die edel- ste opera und Wercke der allerfuͤr- treflichsten Auto ren immerhin ihre Neider und Tadeler gefunden/ also auch dieses mein opusculum auch sei- ne Auffziehlinge und spitzfuͤndige Veraͤchter haben wird/ welche gleich seyn den unverschaͤmbten Fliegen/ so auch die allerbeste Gemaͤhlte und ver- guldete Arbeit zu beschmeissen nicht verschonen/ denn wie der Spinnen Art ist/ auch aus den schoͤnsten Blu- men (aus welchen die Bienen den al- lersuͤssesten Honig ausziehen) den al- leraͤrgsten Gifft zubereiten; als fin- den sich heutiges tages ins gemein nach der Welt brauch/ die mit ihren gifftigen Zungen/ gut-gemeinte Ar- beit zu beschimpffen sich bemuͤhen/ welches ich aber wenig achten werde/ es bellen und geyfferen solche wie sie ):( v im- Vorrede. immer wollen und koͤnnen/ mir soll eintzig und allein die gute und woll- meinende intention, welche ich zu mei- nem Neben-Christen trage/ conten- ti ren. Aber wolte GOtt/ es dau- rete der Momorum Eyffer/ oder viel- mehr wuͤthen/ nicht laͤnger als ein fie- brischer paroxismus, welcher/ ob er sich schon etzliche mahl einstellet/ den- nochletzlich verschwindet. Ich wil mich zwar so weiß nicht brennen/ als wann ich keinen Fehler haͤtte/ und allerdings vollkom̃en were/ sondern es soll einem jeden frey stehen/ diese meine wenige Arbeit/ wann es ihm beliebet/ zu verbesseren; Nur sehe sich ein solcher vor/ daß es ihme nicht gehe/ wie etz- lichen grossen Hennen/ welche zwar ein groß Geplaͤr machen und viel und offt kackelen/ allein entweder selten ein Ey zu Neste bringen/ oder wann ja Vorrede. ja etwas daraus wird/ nur Wind- Eyer gebaͤhren/ und es mit ihnen heisset: Parturiunt montes nascetur ridi- culus mus. Ich weiß zwar und erinnere mich taͤglich/ daß ich in dem allgemeinen Hospital der Unwissenheit lebe/ auch nicht mehr oder weniger bin als an- dere Leuthe aber dennoch ausser der- selben Classe welche/ wie man im Sprichwort sagt: Lilium à lolio, nicht wissen zu unterscheiden. Ich beken- ne daß ich nicht allein irren koͤnne/ sondern auch irren muß/ sintemahl in dieser Welt schlechte perfection zu hoffen nach des weisen Catonis Außspruch: Mundus regitur opinionibus. In dessen bin ich albereit gewohnt/ ge- Vorrede. gefeindet und geneidet zu werden/ welches zu verdauen ich meinem Hirn anbefehle/ als welches nach vieler Anatomicorum Meinung/ mit mehr ventriculis von der Natur begabet worden/ als der Magen. Gehabe dich woll! und corrigi- re die Fehler dieses Werckleins mit Sanfftmuth/ und siehe nicht auff die euserste Schale/ sondern vielmehr auff den Kern vieler vortreflicher Auto- rum, welche die Zaͤhne auch stumpf machen koͤnnen/ und gedencke daß nichts vollkommenes in dieser Welt zu hoffen/ und derjenige kein Lehns- Mann/ sondern gar ein eigen Herꝛ des Gluͤcks/ oder vielmehr der Weißheit selbest ist/ welcher keiner Verzeihung bedarff. Werde ich in dessen spuͤhren daß diese meine Arbeit/ welche in Warheit nicht ohne Muͤhe gewesen/ nur Vorrede. nur bey etzlichen wird angenehm seyn (denn allen zu gefallen/ ist nicht muͤg- lich) so sollen mit nechsten einige rahre Chirurgi sche Observationes, welche so woll mein Sehl. Vater als auch ich selbst wahrgenommen/ mitge- theilet werden/ alles aber der Lehr- begierigen Jugend zu liebe/ und maͤn- niglichen zum Nutzen. GOtt dem Ewigen/ dem Unsterblichen/ und allein Wei- sen Drey-einigen sey Lob und Danck gesagt/ vor diese und alle andere Wol- thaten. Frag 1. Frag und Antwort Von der ANATOMIA . 1. Wie wird der Mensch in Mutterleib formiret? D Ie Formirung geschicht/ wann die Paræus lib. 23. cap. 3. beyde Sahmen wie ein gesauerter Teig in drey Blaͤßlein auffwallen/ denen Regen-Troͤpfflein gleich/ welche ins Wasser fallen. Auß dem einen entstehet die Leber/ auß dem andern das Hertz/ auß dem dritten das Hirn. Die Recentiores sagen nur von einem Blaͤßlein/ wie beym Diemerbrocio zu sehen. 2. Wovon ist der Mensch zu- sammen gesetzt? Von Haut/ Fett/ Musculen/ Adern/ Arterien/ Krospel/ Sehnen/ Nerven/ Liga- ment en und Knochen. 3. Wie viel sind Beiner in des Menschen Leibe? A In Frag und Antwort In der Zahl stimmen die Anatomici nicht uͤberein. Paræus sagt es seyn 251. ohne die Ossa sesamoidea. Leonhardus Fuchsius erzeh- let 304. Archangelus Piccolhom: erzehlet/ ohne die sesemoideæ 249. Ich nach meiner Rechnung zehle mit den Ossibus sesamoideis Rolf. pag. 242. (derer 48.) 293. Aber in den Sceletis sind nur 237. teste Rolfincio . 4. Haben auch alle Beine Marck? Wiewol Galenus in Proemio lib. de ossi- bus davor haͤlt/ daß die kleine Knochen kein Marck haben/ so ist doch solches von dem ei- nen und ersten Marck zu verstehen/ weil dreyerley Marck in den Kochen gefunden werden; als erstlich/ ein rohtes Marck/ wel- ches in den grossen Hoͤlen/ und absonderlich in der Achsel gantz blutig gefunden wird/ weil in dessen Mitte eine grosse Ader gehet. 2. Ein weisses Marck/ und wird in den klei- nen Hoͤlen gefunden. 3. Ein Marck einem Safft gleich/ ist auch roht/ und wird ge- meiniglich in den unter Kinbacken/ in den epiphysibus und apophysibus gefunden. D. An- tonio Mollinetto Anatomicus Patavinus hielt in seinen Lectionibus davor/ daß alle dieselbe Knochen/ und apophyses , welche nach der Gebuhrt dem Menschen wachsen/ ohne Marck seyn. 5. Wie von der ANATOMIA . 5. Wie und woher waͤchst das Marck in den Beinen? Es wird auß dem dicken und groben Ge- bluͤht/ und wird durch die Adern in die Hoͤ- len geleitet/ woselbsten es gekochet wird/ dan- nenhero in den Hoͤlen der Knochen derer Thiere/ welche neulich gebohren sind/ das Marck noch bluhtig ist. 6. Warum scheinet das Marck in den Beinen empfindlich? Solches geschicht wegen des Haͤutleins/ damit das Marck umbgeben ist. 7. Wie viel Beine hat die Hirn- Schale? Acht/ als sechs eigene/ nemlich 1. Osfron- tis, das Stirn-Bein. 2. Duo ossa syncipi- tis, zwey Beine des Vordertheils des Haͤupts/ werden auch ossa parietalia oder bregmatis genandt. 3. Os occipitis , ein Bein des Hintertheils des Haͤupts. 4. Ossa pe- trosa , zwey Schlaff-Beine/ werden auch Lapidosa oder Mendosa genandt: und dann zwey/ der Hirnschal und oberen Kinback ge- mein/ als das Os sphoenoides vel Cuneiforme die Grund-feste der Hirnschal/ und Os eth- moides vel cribrosum: Ist das kleineste/ und fliest hiedurch der Rotz. Sonsten sind noch acht Beinlein des Gehoͤrs in der Hirn- A ij schal/ Frag und Antwort schal/ als an jeder seiten vier/ nemlich/ Incus, Stapes, Malleus, Orbiculare . 8. An welchem Ort ist die Hirn- schal am duͤnstẽ und dicksten? Die hartesten sind die Ossa petrosa , wie ihr felsichter Nahme mit sich bringet/ doch wer- den sie umb die mitlere Jegend etwas duͤnn/ das Os occipitis ist auch sehr dick/ doch wird es auch an seinem untersten Theil sehr duͤñ. Das Os syncipitis ist duͤnner und schwaͤcher als die anderen/ und sonderlich der Wirbel. 9. Was hat die Nase fuͤr Bein? Die Nase hat 2. Bein/ welche mit einer Sutur von einander getheilet seyn/ inwen- dig rauch und uneben/ damit sie desto besser dem Knorpel der Nasen anhangen/ und dann 1. nemlich innerlich die Schiedwand der Naßloͤcher/ durch welche so wol die Lufft und der Geruch hinein/ als der Rotz und Pituita vom Gehirn außgehet. 10. Was hat der Mund fuͤr Beiner? Das Os sphoenoides oder Untersatz des Hirns: wird auch das Gaumen-Bein ge- nant: uͤber das hat der Ober-Kinbacken eilff Beiner/ welche das gantze Gesicht for- miren/ und ein Bein des untern Kinba- ckens. 11. Was von der ANATOMIA . 11. Was hat der Halß fuͤr Beine? Der Halß hat sieben Gewerb oder Spon- dylen . 12. Was hat die Brust fuͤꝛ Beine? Sie hat ein Bein/ welches Sternon ge- nandt wird/ in den jungen Kindern unter sieben Jahr/ bestehet es von acht Beinen/ welche hernach zusammen wachsen/ daß nicht mehr als drey oder vier bleiben/ in den gar erwachsenen wird es in eins: hernach hat sie auch zwey Beine/ welche claviculæ oder Gabel-Beine genandt werden. 13. Wie viel Gelenck oder Spon- dylos hat der Ruͤckgrad? Der gantze Ruͤckgrad hat 30. auch mehr Gelenck/ nach dem man das Os sacrum und Os Coccigis theilet/ ins gemein werden gezehlet: sieben des Halses: zwoͤlff des Ruͤckens: fuͤnff der Lenden: fuͤnff des hey- ligen Beins: Eins das Os Coccigis welches auch offt in drey oder vier Theile getheilet wird. 14. Wie viel Rippen hat ein Mensch? Vier und zwantzig: nemlich zwoͤlff auff einer Seiten/ als sieben gantze/ und fuͤnff halbe/ welche in einander mit dem Krospel A iij gantz Frag und Antwort gantz verschrencket seyn/ außgenommen die Letzte/ welche allein und die kleineste ist. 15. Was haben die Arme fuͤr Beiner? Zwey und Sechtzig. Nemlich 2. der Schulterblaͤtter ( Scapularum ) 2. der O- berarme ( brachiorum ) 4. der Unterarme/ ( cubitorum \& radiorum ) 16. der Hand- Wurtzel/ ( carporum ) 8. der mitleren Hand ( metacarporum ) 30. der zehen Finger: noch sind kleine Beinlein/ so wol in den Fuͤssen als Haͤnden/ neben den Gelencken/ und werden Ossa sesamoidea genant/ welche nicht allezeit wol zu zehlen sind. 16. Was haben die Schenckel oder Fuͤsse fuͤr Beine? Sechszig. Nemlich 2. in den Ober- Schenckeln/ 4. im Schien- und Waden- beinen/ 2. der Kniescheiben/ 14. der Fußwur- tzel/ 10. des Mittel-Fusses und 28. in den Zehen; weil der grosse Zeh nur zwey Gelen- cke hat. 17. Sind dann alle Beine un- empfindlich? Die Beine sind alle unempfindlich/ (das Periostium aber/ welches Haͤutlein alle Bei- ne bekleidet/ ist sehr empfindlich) außgenom- men die Zaͤhne. 18. War- von der ANATOMIA . 18. Warumb sind die Zaͤhne al- leine empfindlich? Platerus in quæstionibus Pathologicis mel- det/ daß die Zaͤhne/ weil sie weder Nerven noch ein Periostium haben/ kein Fuͤhlen an sich haben/ sondern es geschehe solches we- gen der umliegende membranen und periostii des Kinbackens/ denn die Substantz welche in dem Zahn sich findet/ ist nicht nervosisch/ sondern beinicht: wiewol dieser Substantz von Bartholino das Fuͤhlen zugeschrieben wird. 19. Haben die Zaͤhne auch Marck? Nach Bartholini Meinung haben sie Marck/ und Nerven/ derowegen in Abneh- mung eines gar zu langen Zahns/ convulsio, epilepsia und der Todt erfolget. 20. Wie viel Zaͤhne hat der Mensch? Etliche haben zwey und dreyssig/ etzliche acht und zwantzig/ als unten und oben acht forder Zaͤhne/ incisores genandt: vier Spitz- Zaͤhne/ welche Canini genandt werden/ und dann achtzehen oder 20. Back-Zaͤhne/ un- ter welchen die letzten dentes sapientiæ ge- nandt werden/ weil sie sich erstlich bey maͤnn- lichen Jahren beweisen. A iiij 21. Was Frag und Antwort 21. Was ist jeglicher besagter Gebeine Zweck und Nutz? Die Beine ins gemein sind darzu/ daß sie eine rechte statur und fundement des Coͤrpers seyn/ auff welchen die musculen , Sehnen/ Adern und Nerven/ ihr Lager und Stuͤtze haben. Das Haͤupt aber haͤlt in sich das Hirn/ die Brust enthaͤlt das Hertz und Lung. 22. Wie ist es umb die Loͤcheꝛ des Haͤupts und Angesichts beschaffen/ und was ist ihre Nutzbarkeit? Das Os Frontis hat viel Loͤcher/ als wel- che zur Nasen gehen/ und zwey/ durch welche die Nervi optici gehen: das Os oc- cipitis hat ein groß Loch/ durch welches das Marck des Ruͤckgrads gehet/ und an- dere Loͤchlein/ durch welche die Arterien und Adern hinein/ und die Nerven herauß gehen/ die Ossa petrosa haben zwey merck- liche Loͤcher/ durch welche das Gehoͤr ge- schicht. 23. Was ist ein Krospel? Die Krospel sind einer mittelmaͤssigen Substantz zwischen Bein und Ligamenten/ weicher denn Bein/ und haͤrter als Liga- menten , von der ANATOMIA. menten , sind kalter und truckner Complexi- on , ohne Marck und Hoͤlen. 24. Wie ist es mit der Augen- lieder Krospel bewand? Dieser Krospel ist weich/ und einer star- cken Membra nen gleich/ in welchem die Haar oder Augen-Wimpern stecken/ wel- che verhindern/ daß nicht allein die Haar vom Haͤupt/ sondern auch sonsten was/ nicht in die Augen falle. 25. Wie ist es mit dem Krospel der Ohren beschaffen? Dieser Krospel Substantz ist dem Ossipe- troso angehefftet/ durch ein starckes Band/ vom pericranio entsprossen: Dieser Kros- pel ist ausser der Zierde auch nuͤtz zum Ge- hoͤr/ denn in mangelung dessen/ wird das Gehoͤr geschwaͤchet/ weil der sonst umb- schweiffende Schall in den Kruͤmmen auff- gehalten und gesamlet wird. 26. Wie ist es mit dem Krospel der Nasen bewand? Es sind fuͤnff an der Zahl: die zwey Obersten hangen den Knochen der Nasen an/ sind breit/ und je weiter sie hinunten gehen/ je duͤnner und weicher werden sie. Die dritte ist die Schiedwand: neben der A v seiten Frag und Antwort seiten werden zwey andere gefunden/ und werden alle miteinander mit einem mem- brano sischen Pergamenthaͤutlein vereinba- ret. Sind geschaffen daß sie die Loͤcher der Nasen offenhalten/ den Geruch zu befor- dren/ und das Haͤupt durch ihre Gaͤnge von der uͤberfluͤssigen Feuchtigkeit zureini- gen. 27. Wie ist es mit der Krospel des Unternkieffels? Der Unterkieffel hat in der mitte am Kin einen Krospel/ bey den Kindern nur zufin- den: Im siebeden Jahr aber/ wird es gantz hart zu einem Knochen. 28. Wie ist es mit dem Krospel der Lungenroͤhr? Die Lufft- oder Lungenroͤhr ist von vielen Ringlein zusammen gesetzet/ sonsten beste- het sie von fuͤnff Krospel/ als 1. heist carti- lago scutiformis oder der Adams Apffel. 2. Cartilago annularis. 3. und 4. heist gutta- lis. 5. Epiglottis ist weicher Substantz/ und von Figur eines Ephew Blats: bedecket die Lufftroͤhr/ damit keine Speiß oder Tranck in dieselbe komme/ doch kan vom Trincken etwas hinein kommen. 29. Wie ist es mit dem Krospel des Ruͤckgrads? Die von der ANATONIA. Die Gewerb des Ruͤckgrads sind unten und oben mit Krospel bekleidet/ damit sich der Ruͤckgrad desto leichter bewegen koͤnne/ welche im Osse sacro haͤrter und truckner seyn/ wes wegen dann dieses Bein unbe- weglich. 30. Wie ist es mit dem Krospel der Rippen. Die Krospel der Rippen fuͤgen sich zu- sammen mit dem sterno , und sind dazu ge- schaffen/ daß sich die Brust desto leichter bewegen kan: Die Krospel der obersten Rippen/ welche sich mit dem Sterno verein- bahren/ sind haͤrter; Die Untersten sind weicher/ am Hintertheil hat ein jedere Rip- pe einen Krospel/ welche den Gleichendes Ruͤck-Grades eingeschlossen wird. 31. Wie ists mit dem Schild- formigen Krospel bewand? Dieser Krospel haͤngt zu letzt dem Sterno an/ und wird Ensiformis , Schwerdt- oder Schildformich genand/ ist drey-eckicht und laͤnglich am Ende/ bißweilen rund/ bißwei- len breit/ ist bißweilen von den Brust-Adern durchbohret. 32. Wie ists mit den Krospeln/ welche dem Schulterblat/ dem Frag und Antwort dem Hufftbein/ und den En- den des Schinbeins angese- tzet/ des gleichen mit dem/ so neben dem Carpo uñ Schaam- bein darzwischen gesetzet/ be- wandt? Sie sind deswegen da/ damit sie eine leichtere Bewegung machen/ und das Bein in ihren Gewerbe bekleiden/ damit sie nicht durch das aneinander-reiben/ be- schaͤdiget werden/ weßwegen sie auch un- empfindlich seyn. 33. Wie viel Gelenck hat ein Mensch? Acht und sechtzig ungefehr/ ohne die Ge- lencke des Ruͤckgrads. 34. Worvon entspringen die Naͤgel/ u. was ist ihr Ampt. Sie entspringen nicht/ nach etlicher Mei- nung/ auß dem Nahrungs-Safft/ son- dern auß den Außwuͤrfflichen dicken Feuch- tigkeiten/ nicht welche auß dem Hertzen und Arteri en/ sondern/ welche auß/ oder von den Knochen und Baͤndern entspringen. Ihr Ampt ist die Haͤnde und Fuͤsse zube- schuͤtzen/ und daß wir mit den Haͤnden fester von der ANATOMIA. fester greiffen und viele Geschaͤffte besser ver- richten koͤnnen. 35. Was sind Ligamenten und Bandtadern/ und workom- men sie her? Sie sind einer starcken Substantz haͤrter wie die Nerven/ und weicher wie die Kros- pel/ ohne Blut und Empfindlichkeit/ neh- men ihren Ursprung auß den Knochen und Glieder dieselbe aneinander zu binden/ denn sie umbgeben das gantze Glied in die run- den/ damit sie nicht leicht verrencket werden. 36. Was ist fuͤr ein Unterscheid zwischen einem Haarwachs und Bandtader? Ein Haarwachs oder Tendo ist ein laͤng- lich corpus , gehet von Anfang biß zu Ende eines Musculs , ist kalt und trucken/ und wird von Galeno davor gehalten/ daß der Schwantz eines Musculi sey eine Zusam- menkunfft der Zaͤserlein/ Baͤndern und klei- nen Nerven; Wie wol dieses letztere vom Aquapendente und Riolano gestritten wird/ welche dafuͤr halten/ daß die Nerven ehe sie in einen tendinem gelangen/ gantz zerspreitet werden/ und weil die Nerven weich/ koͤn- nen solche einem so harten Theil als der tende ist/ nicht einverleibet werden. 37. Was Frag und Antwort 37. Was hat es umb das Zun- genband fuͤr Beschaffenheit? Die Zunge hat in der Mitte ein starckes und breites Band/ dieselbe zubefesrigen und die Musculen ein zu verleiben. 38. Was hat es fuͤr eine Beschaf- fenheit mit den Bandtadern des kleinen Handtbeins? Diese sind anders beschaffen als andere/ und erwachsen von dem unterem Appendice der kleinen und grossen Elbogenroͤhre. Ihr Ampt ist/ daß sie die Roͤhren an das forde- re Handtbein an binden: Und weil die acht Beine des carpi in zwo Ordnungen getheilet sind, so haben diese Sehnen zwi- schen dieselben eingehen sollen/ damit sie in der Bewegung von ihrem Ort nicht abwei- chen/ und auff diese Art ist es auch beschaf- fen mit dem Schenckel und Schienbein. 39. Wie ist es mit den Sehnen zwischẽ den heyligen Bein uñ Huf bein gelegen/ beschaffen? Erstlich ist eine Sehne oder vielmehr ein Ligament zwischen dem heyligem-uñ Huͤfft- bein/ welche nicht rund ist/ sie entspringet von dem eusersten Theil des heyligen Beins/ und endet sich uͤberzwerg in den spitzigen Theil von der ANATOMIA. Theil des Hufftbeins/ sie bindet diese zwey Beine/ und helt sie bey einander: Es ist noch eine langlichte Sehne/ welche auß der tieffen Hoͤlen des Hufftbeins ihren Ursprung nimbt/ und wird mitten in das Haupt des oberen Schenckelbeins ein gepflantzet/ wel- che dieses Glied zusammen helt/ davon es ein anhangend Glied wird/ und so solches Ligament zerrissen/ ist kein bleibende Ein- richtung/ sondern es muß der Patient alle- zeit hinckend bleiben. 40. Wie ists mit der uͤberzwerg Sehnen des fusses bewand? Nebest dem Ligament so allen Einglei- chungen gemein ist/ erzeigen sich auch sechs andere Sehnen. Dieser Ampt ist die Haarwachs in ihrer richtigen Ordnung zu halten. 41. Was hat es mit der Leber- sehnen fuͤr eine Beschaffen- heit? Die Vena umbilicalis , (welche der Frucht so lang sie im Mutterleibe/ die Nahrung gegeben) wird nach Abbindung des Nabels zu einem Ligament , gehet in die Leber/ und helt dieselbe/ damit sie nicht hinauff weichen koͤnne. 42. Was Frag und Antwort. 42. Was sind die Musculi oder Maͤußlein? Ein Musculus wird deßwegen so genandt weil sie einer abgezogenen Mauß aͤhnlich ist/ ist ein Istrument der willigen Bewegung/ bestehend auß 1. Fleisch 2. einem tendine. 3. Adern/ 4. arterien , 6. Nerven/ 6. Mem- branen , 7. Feiste/ durch welche sie befeuch- tet werden. 43. Wie viel sind Maͤußlein am gantzen Leibe? Hierinnen sind die Authores nicht einer Meinung. Avicenna haͤlt davor es seyn 531. Musculen. Ambrosius Paræus saget von 388. David Hermannus erzehlet 399. Archangelus Picolhomini zehlet 402. Mit welchem ichs halte. 44. Wie viel Maͤußlein hat ein jeder Theil? Der Unter-Bauch hat ‒ ‒ ‒ 10 Der Hintere ‒ ‒ ‒ ‒ 3 Die Blase ‒ ‒ ‒ ‒ 1 Die Hoden ‒ ‒ ‒ ‒ 2 Die Manß Ruthe oder in den Wei- bern Clitoris ‒ ‒ ‒ 4 Die Brust ‒ ‒ ‒ ‒ 12 Zwi- von der ANATOMIA. Zwischen den Rippen sind ‒ ‒ 44 Die Drossel ‒ ‒ ‒ ‒ 14 Das Zungenbein hat ‒ ‒ ‒ 10 Die Zunge ‒ ‒ ‒ ‒ ‒ 8 Das Zaͤpfflein ‒ ‒ ‒ ‒ 4 Das Genick ‒ ‒ ‒ ‒ 8 Die Schulter-Blaͤtter ‒ ‒ ‒ 8 Der Ruͤcken ‒ ‒ ‒ ‒ 14 Der Kopff ‒ ‒ ‒ ‒ ‒ 14 Die Stirne ‒ ‒ ‒ ‒ 2 Die Augenlieder ‒ ‒ ‒ ‒ 6 Die Nase ‒ ‒ ‒ ‒ 8 Die Leffzen ‒ ‒ ‒ ‒ ‒ 12 Die Backen ‒ ‒ ‒ ‒ 4 Der Unter-Kinbacken ‒ ‒ ‒ 12 Die Augen ‒ ‒ ‒ ‒ 12 Die Ohren ‒ ‒ ‒ ‒ 8 Die Ober-Arme ‒ ‒ ‒ 14 Die Unter-Arme ‒ ‒ ‒ ‒ 8 Die Radii ‒ ‒ ‒ ‒ 8 Die Carpi ‒ ‒ ‒ ‒ ‒ 8 Palmares ‒ ‒ ‒ ‒ ‒ 2 Die Finger ‒ ‒ ‒ ‒ ‒ 46 Die Schenckel ‒ ‒ ‒ ‒ 22 Die Schienbeine ‒ ‒ ‒ ‒ 22 Die Tharsi ‒ ‒ ‒ ‒ 12 Die Zehe ‒ ‒ ‒ ‒ ‒ 40 Summa 402. B Brevis- Brevissima Tabula omnium Muscu- lorum. Frontis, 2. Palpebras sursum trahunt \& ad li- bitum etiam supercilia con- stringunt. Palpebrarum. 8. Nimirum in uno latere. 1. Ciliaris. 2. Orbicularis supe- rior. 3. Orbicularis infe- rior. 4. Levator seu rectus. Palpebras movent clau- dunt \& ape- riunt. Oculorum. 12. Nempe quatuor recti \& duo obliqui. 1. Attollens sive superbus. 2. Deprimens sive humilis. 3. Adducens sive bibitorius. 4. Abducens sive indignatorius. Duo obliqui, amotorii dicti: ut 1. Major superior sive trochleator. 2. Minor obliqvus inferior. Nasi Brevissima Tab. omnium Muscul. Nasi 7. vel 8. Conjugati sex \& unus Azygos. 1. Communis. Deprimit nasum cum labium superius deor- sum trahitur. 6. Proprii. Nempe quatuor ex- terni, ut. 2. qui oriuntur juxta foramen lachrymale \& ad alas veniunt. \& 2. quià maxilla superiori orti in pinnas inseruntur. 2. inter- ni qui ab ossis extremitate in alas internè inseruntur. Labiorum. 12. Oriuntur à gingivis utriusque ma- xillæ. Principalis Musculus est Circularis vel Osculato- rius. Maxille inferioris 12. Nimirum in uno latere. 1. Temporalis. Sursum movet. 2. Latus dicitur etiam quadratus. 3. Digastricus sive bi- venter. Deorsum trahunt. B 2 4. Mas- Brevissima Tabula 4. Masseter sive mansorius. Ad latera trahit. 5. Pterigoideus internus. Ante pellit. 6. Pterigoideus externus. Antror- sum movet. Aurium. 8. Dehis valdè dissentiunt Autores. Linguæ. 8. Nimirum in uno latere. 1. Genioglossus. 2. Bassioglossus. 3. Styloglossus. 4. Miloglossus. Parvis mo- tibus movet liguam. Ante Retro. #Adla- tera. Uvulæ 4. 1. Par pterygostaphylinum exter- num. Antrorsum movet. 2. Par pterygostaphilinum inter- num. Deorsum movet. Ossis hyoidis 10. In uno latere sunt. 1. Ster- omnium Musculorum. 1. Sternohyoideus. 2. Genoihyoideus. 3. Mylohyoideus. 4. Coracohyoi- deus. 5. Styloceratohyo- ideus. Movet magnis motibus. Antedũ tollit. Deorsum retrahit. Ad lato- ra deor- sum. Sur- sum tra- hendo. Laryngis 14. Nempe communes quatuor. 1. Bronchius. 2. Hyothyroideus. Proprii decem. 1. Cricothyroideus anticus. 2. Cricothyroideus lateralis. 3. Cricoarytænoi- deus. 4. Thyroarytænoi- deus. 5. Arytænoides or- bicularis. Ad vocis forma- tionem respirati- onem \& respira- tionis inhibitio- nem usus eorum tendit. B 3 Ca- Brevissima Tabulæ Capitis 14. Eorum duodecim parte postica, duo ve- rò antica locantur. 1. Mastoideus qui flectit. 6. Qui extendunt in uno latere, \& distinguntur in majores \& minores, \& hi iterum in re- ctos \& obliquos. Cervicis 8. 1. Longus. 2. Scalenus sive trian- gularis. Hi in quolibet latere flectunt. 3. Transversarius. 4. Spinatus. Extendunt. Diaphragma. Musculus unus. Thoracis 12. 1. Subclavius. 2. Serratus major. 3. Serratus posticus superior. 4. Triangularis. Dila- tant. 5. Sacro lumbus. 6. Serratꝰ posticus inferior. Contra- bunt. Dor- omnium Musculorum. Dorsi \& Lumborum 8. In uno latere sunt. 1. Quadratus. flectit lumborum vertebras. 2. Semispinatus. Costas extendit. 3. Sacer. Flectit Lumbos. 4. Longissimus. Lumbos, tho- racem extendit. Intercostales 44. Nempe 22. externi. Dilatant. 22. interni Contrahunt. Abdominis 10. 2. Obliqui externi descen- dentes. 2. Obliqui interni ascen- dentes. 2. Recti. 2. Transversi. 2. Pyramidales. Ad ex- pellenda excre- menta, compri- mendo. Penis 4. 2. Acceleratores qui parastatas comprimunt. 2. Erectores qui erigunt penem. Ani. 3. 2. Levatores, ne intestinum rectum prolabatur. B 4 1. Sphin- Brevissima Tabula 1. Sphincter. Vesicæ. 1. Sphincter vesicæ, alii plures faciunt. Testium 2. 2. Cremasteres. Scapularum 8. In uno latere sunt sequentes. 1. Trapezius sive cucullaris. 2. Levator sive mendicus. Ele- vant. 3. Serratus minor sive anticus su- perior. Movet antrorsum. 4. Rhomboides seu quadratus. Mover retrorsum. Brachiorum 18. 1. Deltoides. 2. Supraspinatus. Sursum mo- vent. 3. Latissimus. Aniscalptor. 4. Rotundus major. Deorsum movent. 5. Pectoralis. Movet antrorsum. 6. Infra spinatus. 7. Rotundus minor. 8. Immersus seu subsca- pularis. Retror- sum mo- vent. 9. Coracoideus Riolani, portio potius bicipitis est, \& brachium ad pectus adducit. Cu- omnium Musculorum. Cubitorum 8. 1. Biceps. Qui flectit. 2. Longus. 3. Brevis. Hi unum habent tendinem. 4. Brachiæus externus. Exten- dunt. Radiorum 8. 1. Pronator superior teres est. 2. Pronator inferior qui quadratus. 3. Longus. 4. Brevis. Pronafit ma- nus horum a- ctione. Carporum 8. 1. Radiæus internus. 2. Cubitæus internus. Flectunt. 3. Radiæus externus seu bicornis. 4. Cubitæus externus. Exten- dunt. Palmares 2. Reliquis Musculis supersternuntur \& volam corrugant. Digitorum manuum. 46. 1. Perforans 1. Perforatus 4. Lũbricales Habent quatuor tendines \& flectũt. Tertiũ interno- dium sec. inter- nodiũ primum internodium. B 4 4. Ex- Brevissima Tabula 4. Extensores 4. digitorum. 2. Extensores pollicis. 6. Interossei 1. Abductor 1. Adductor Pollicis. 1. Indicator sive indicis. 1. Abductor minimi digiti. Femorum 22. 1. Psoas. 2. Iliacus internus. 3. Triceps. 4. Lividus. Flectunt. 5. Glutæus medius. 6. Glutæus major. 7. Glutæus minor. Extendunt. 8. Iliacus externus. 9. Obturator externus. 10. Obturator internus. 11. Circumagens quartus. Circuma- gunt. Tibiarum 22. 1. Membranosus. 2. Rectus. 3. Vastus externus. 4. Vastus internus. 5. Crureus. Extendunt. 6. Suppopliteus obliquè movet. 7. Fa- omnium Musculorum. 7. Fascialis sive Sartorius 8. Gracilis. 9. Seminervosus. 10. Semimembranosus. 11. Biceps. Flectunt. Tarsorum 12. 1. Tibialis anticus. 2. Peronæus secundus. Flectunt. 3. Tibialis poꝰ; introrsum. 4. Peronæus primus; extror- sum. Mo- vent. 5. Gasterocnemius. 6. Soleus. Extendunt. Plantares. 2. Digitorum pedum 20. 1. Perforans. 2. Perforatus. 3. Lumbricalis. 4. Pollicis flexor. 5. Pollis abductor. 6. Pollicis adductor major. 7. Pollicis adductor minor. 8. Abductor minimi digiti. 9. Pollicis extensor. 10. Ex tensor quatuor digitorum. 45. Wie Frag und Antwort. 45. Wie ist es mit den Muscu- len der Stirn bewandt? Derer sind zwey/ welche die Augenlieder in die Hoͤhe ziehen/ und nach belieben diesel- be zusammen ziehen. Sie entspringen bey der Cronfugen ( Sutura coronali , ) und wer- den bey den Schlaffmaͤußlein ( musculo temporali ) angehefftet/ endigen sich bey den Augen-Liedern/ am Ende gehen sie beyde zusammen als wann es nur ein musculus waͤre. 46. Wie viel sind Musculen der Nasen? Derer sind acht/ wiewol ziemlich klein/ weil die Bewegung der Nasen/ schlecht ist: Vier sind die Nasen-Loͤcher auffzusperren/ und vier dieselbe zusammen zu ziehen. 47. Wie viel sind Halß-Maͤuß- lein/ und was ist ihr Ampt? Derer sind acht/ an jeder Seiten viere/ als 1. Longus , 2. Scalenus oder Triangula- ris , diese beugen auff die Seite 3. Transver- sarius. 4. Spinatus. Diese zwey strecken auß. 48. Wie viel sind Maͤußlein der Lefftzen und Baken? Zwoͤlff/ haben ihren Ursprung von dem Zahn- von der ANATOMIA. Zahnfleisch beyder Kinnbacken. Der Prin- cipalste ist der Circularis. Diese bewegen die Lefftzen. 49. Wie viel sind Augenlieder Musculen? Acht/ in jedem vier/ der 1. heist Ciliaris , 2. Orbicularis superior , 3. Orbicularis infe- rior , 4. Levator seu rectus. Diese vier in jedem Augenliede bewegen dasselbe/ machen es auff und zu. 50. Wie viel sind Maͤußlein der Augen/ und was ist ihr Ampt? Zwoͤlff/ nehmlich in jederm Auge vier gerade/ welche eine gerade Bewegung ma- chen/ und werden zu Latein Recti genandt/ und zwey/ welche eine schrege Bewegung machen/ obliqui genandt. Die vier ersten heissen 1. Attolens der Auffheber. 2. De- primens der Niederdruͤcker. 3. Adducens der zur Nasen das Aug ziehet. 4. Abducens der das Auge von der Nasen abziehet. Die zwey/ welche das Aug rundtumb oder schraͤg ( obliquè ) drehen/ werden genandt 1. der Oberste grosse Trochleator , welcher gleichsahm durch eine Rolle ( trochlea ) ge- het/ 2. der Unterste kleine. 51. Wie viel sind Maͤußlein der Ohren? Acht/ Frag und Antwort. Acht/ in jedem vier/ ins Creutz außge- spannet/ ihre Verrichtung ist schlecht/ nur daß sie das Ohr anhefften. 52. Wie viel sind Maͤußlein des Unterkieffels? Zwoͤlff/ 1. Temporalis das Schlaff- Maͤußlein/ welches den Kinbacken auffhe- bet. 2. Latus, quadratus oder der Breite. 3. Digastricus sive biventer der Zwey-Leibige. Diese zwey ziehen ihn hinunter. 4. Masseter sive mansorius welcher vor sich/ hinter sich und auff die Seiten ziehet. 5. Pterigoidæus internus , treibet vor sich. 6. Pteregoidæus externus , welcher vor sich ziehet/ und den Kinbacken herauß stosset. Auff der ande- ren Seiten sind eben so viel. 53. Wie viel Musculen sind des Schlundes? Vierzehen: nemblich vier gemeine: als 1. Bronchius. 2. Hyothyroidæus auff einer Seiten/ und zehn eigene/ als 1. Cricothyro- idæus anticus. 2. Cricothyroideus lateralis. 3. Cricoarytænoideus. 4. Thyroarytænoideus. 5. Arytænoideus orbicularis. Dienen zum Athem holen und Formirung der Stimme. Auff der andern Seiten sind auch so viel. 54. Wie viel sind Musculen des Zungenbeins? Zehn/ von der ANOTOMIA. Zehn/ auff jeder Seiten fuͤnff/ als 1. Ster- nohyoideus. 2. Geniohyoideus. 3. Mylohyoi- deus. 4. Coracohyoideus 5. Stylocoratohyoi- deus. Bewegen die Zunge starck auff aller- hand Art und Weise. 55. Wie viel sind Musculen der Zungen. Acht/ auff jeder Seiten vier/ als 1. Genio- glossus 2. Basioglossus. 3 Styloglossus. 4. My- loglossus , bewegen die Zunge maͤhlich/ hin- ter sich/ vor sich/ zu den Seiten und allen Orten. 56. Wie viel sind Schulter- blaͤtter- und Achsel Maͤuß- lein. Acht/ an jeder Seiten vier/ als 1. Tra- petius sive cucullaris. 2. Levator sive mendi- cus. Diese heben die Schulter auff. 3. Ser- ratus minor beweget sie vor sich. 4. Rhom- boides beweget ruͤckwerts. 57. Wie viel sind Maͤußlein des Haupts? Vierzehen/ derer Ampt/ nemlich der Sechs auff einer Seiten/ ist/ das Haupt auß dehnen/ biegen und herumb drehen. Mastoideus aber/ bieget das Haupt vor- werts. Frag und Antwort. werts. Und weil das Haupt schwer/ hat die Natur zu beyden Seiten zwoͤlff Maͤuß- lein hinter dasselbe gewidmet/ damit es nicht vor sich falle/ und weil die Schwere der Bewegung/ welche vor sich geschicht/ zu Huͤlffe kommt; So sind nur zwey forne/ welche mastoidei genand werden. 58. Wie viel sind Brustmaͤuß- lein? was ist ihr Ampt? Derer sind zwoͤlff/ so oben den Rippen liegen; Als/ auff einer Seiten 1. Subcla- vius 2. Serratus major. 3. Serratus posticus superior 4. Triangularis. 5. Sacrolumbus. 6. Serratus posticus inferior. Diese erweireren die Brust; Und die zwey letzten ziehen sie zu- sammen. Uber das sind noch vier und viertzig/ wel- che zwischen den Rippen liegen: Als 22. ausserhalb/ welche erweitern/ und 22. in- nerhalb/ welche zusammen ziehen. Zu wissen ist/ daß zwischen zweyen Rippen alle- zeit zwey Musculen liegen; Einer inwendig/ der ander außwendig: Ihre Fibræ und Zaͤ- serlein sind gleich einem X einander entge- gen gesetzet. 59. Wie viel sind Maͤußlein des Ruͤckens? Acht/ an jeder Seiten vier/ als 1. Qua- dratus. von der ANATOMIA. dratus. 2. Semispinatus. 3. Sacer. 4. Lon- gissimus dorsi. Diese beugen die Gewerb der Lenden/ strecken die Rippen auß/ wie auch die Brust. Hier ist zu mercken/ daß die Anatomici in den Musculen der Brust und Ruͤckens nicht eins seyn: Dann etzli- che zehlen die Musculen der Brust zu dem Musculen des Ruͤckens/ etzliche zehlen hin- wiederumb die Musculen des Ruͤckens un- ter die Musculen der Brust. 60. Wie ist es umb das Zwerg- Fell beschaffen? Das Zwerg-Fell Diaphragma genandt/ wird auch von etzlichen unter die Musculen gezehlet: Unterscheidet den Unterbauch von der Brust/ ist Fleischicht/ in der Mitten aber Nervosisch: Hat drey Loͤcher/ durch welche die Spieß-Roͤhre/ die vena cava und arteria magna durch gehet. 61. Wie viel sind Musculen des Schmeerbauchs? Deren sind zehn/ als 2. obliqui descen- dentes vel externi die Schrege herabsteigen- de. 2. obliqui ascendentes vel interni die schreg hinauffsteigende. 2. recti oder gerade 2. transversi oder uͤber zwerge. 2. Pyrami- dales , welche doch nicht allezeit gefunden werden. Dienen den Unflat auß den Daͤr- C men Frag und Antwort men durch ihre vielfaͤltige Zusammenschnuͤ- rung des Unterbauchs/ auß zu druͤcken. 62. Wie viel sind der Manns- ruhten Maͤußlein? Vier/ als 2. acceleratores , welche die parastatas drucken/ 2. erectores , welche die Ruthe auffheben. Die Hoden aber haben zwey/ welche Cre- masteres genandt werden. 63. Wie viel sind der Gebaͤr- Mutter Maͤußlein? Es sind vier Musculi Clitoridis , haben fast gleiche Verrichtungen/ als bey der Manns-Ruhten gedacht worden. 64. Wie ist es mit dem Blasen- Maͤußlein bewandt? Hierin stimmen die Autores nicht uͤber- ein/ in dem etzliche die zwischen den membra- nen roͤthlichte Substantz fuͤr einen muscu- lum halten; Andere hergegen sagen/ es sey kein ander Musculus mehr der Blasen als der Sphincter , welcher sich nach belieben des Menschen auff und zu thut/ umb den Harn auß zulassen/ und dessen Gang zuverschlies- sen/ damit natuͤrlicher Weise wider unsern Willen nichts außgelassen werde. 65. Wie von der ANATOMIA. 65. Wie ist es mit den Affter- Maͤußlein bewand? Der Afftern hat drey Musculen/ 2. Le- vatores , weche den Mastdarm halten/ und nach dem außdrengen in seinen Ort zuruͤck ziehen. Und dann 1. Sphincterem oder Thurhutter gleich wie die Blase. 66. Wie viel sind Maͤußlein/ so die Hufft oder Schenckel bewegen? Derer sind in beyden zwey und zwantzig/ als auff einer Seiten 1. Psoas. 2. Il acus in- ternus. 3. Triceps. 4. Lividus , diese beu- gen. 5. Glutæus major. 6. Glutæus medius. 7. Glutæus minor , diese strecken auß. 8. I li acus externus 9. Obturator externus. 10. Obturator internus. 11. Circumagens quar- tus , diese vier Letzte bewegen in die Runde. 67. Wie viel sind Maͤußlein so die Schienbein bewegen? Zwey und zwantzig 1. Membranosus. 2. Rectus. 3. Vastus externus , 4. Vastus inter- nus. 5. Crureus ; Dise strecken auß: 6. Sup- popliteus , beweget schreg. 7. Fascialis sive sartorius. 8. Gracilis. 9. Seminervosus. 10. Semimembranosus. 11. Biceps , diese beugen das Schienbein. Auff der andern Seiten auch so viel. C ij 68. Wie Frag und Antwort 68. Wie viel sind Maͤußlein so den eusersten Fuß bewegen? Zwoͤlff sind Musculen der Tarsorum , als auff einer Seiten 1. Tibialis anticus. 2. Pe- ronæus secundus , diese beugen. 3. Tibialis posticus. 4. Peronæus primus diese bewegen außwerts und einwerts. 5. Gasterochemius. 6. Soleus; Diese strecken auß. 69. Welche sind die Musculen der Zehe? Ausser den Zweyen in beyden Fuͤssen/ welche Palmares genennet werden/ sind noch zwantzig; Als auff einer Seiten 1. Perforans. 2. Perforatus. 3. Lumbricalis; Diese beugen die Zehe. 4. Pollicis flexor der den grossen Zeh beugt. 5. Pollicis abductor , der den grossen Zeh abwarts hinweg zeucht. 6. Pollicis adductur major , der den grossen Zeh hinzu zeucht. 7. Pollicis adductor minor , der kleine Muscul/ so den grossen Zeh hinzu zeucht. 8. Abductor minimi digiti , der den kleinen Zeh abfuͤhret. 9. Pollicis exten- sor der den grossen Zeh außstrecket. 10. Ex- tensor qisatuor digitorum , der die anderen vier Zeh außstreckt. 70. Wie viel sind Maͤußlein im Ober-Arm/ so den Ell- bogen bewegen? Deren von der ANATOMIA. Deren sind Achtzehen. Als auff einer Seiten 1. Deltoides. 2. Supraspinatus , die- se heben den Arm in die Hoͤhe. 3. Dorsi La- tissimus sive aniscalptor. 4. Rotundus major. Diese ziehen ihn unter sich. 5. Pectoralis , zie- het ihn vor sich. 6. Infra spinatus. 7. Rotun- dus minor. 8. Immersus seu subscapularis , diese fuͤhren ihn ruͤckwerts. 9. Coracoideus , ziehen ihn zur Brust. 71. Wie viel sind Musculen der Ellbogen oder Cubitorum? Acht/ als aud einer Seiten 1. Biceps , welcher beuget. 2. Longus. 3. Brevis , diese beyde haben einen tendinem. 4. Brachiæus externus , diese drey Letzten strecken auß. 72. Wie viel sind Musculen der kleinen Roͤhren Radiorum? Deren sind auch Acht; Als an einem Arm 1. Pronator superior , ist laͤnglicht. 2. Pronator inferior , ist viereckt/ diese beugen die Hand vor sich. 3. Longus. 4. Brevis , die- se beugen die Hand ruͤckwerts. 73. Wie vie sind Musculen der beyden Hand-Wurtzel Carporum? Acht/ als an einer 1. Radiæus internus. 2. Cubitæus internus , diese beugen. 3. Ra- C iij diæus Frag und Antwort diæus externus. 4. Cubitæus externus , diese strecken auß. 74. Wie viel Maͤußlein haben die Finger? Ausser den Zweyen/ so Palmares genandt werden/ sind zwey und zwantzig; Als an einer Hand 1. Perforans. 2. Perforatus. 3. Lumbricales viere; Diese beugen die Fin- ger. 4. vier Extensores , der vier Finger. 5. Zwey Extensores pollicis , oder Außstrecker des Daumens 6. Sechs Interossei. 7. Ab- ductor pollicis. 8. Adductor pollicis. 9. Indica- tor oder der Zeiger. 10. abductor minimi di- giti oder Ableiter des kleinesten Fingers. 75. Was hat die Brust in sich? Das Hertz und die Lunge. 76. Ist auch ein Fell darum? Uber das Mediastinum oder die Scheid- Wand der Lungen/ ist die gantz Brust mit einem Haͤutlein pleura genandt/ umb und umb begeben. 77. Was ist die Leber/ wo liegt sie/ wie ist sie gebildet/ und was ist ihre Nutzbarkeit? Die Leber ist ein Ursprung aller Adern/ liegt stracks unter den Zwergfell/ an der rechten von der ANATOMIA. rechten Seiten/ einem geronnenen Gebluͤt nicht ungleich: Ihre Verrichtung und Ampt ist Blut machen. 78. Wie vielerley Adern sind am Menschen? Fuͤrnemlich zweyerley: Als die Vena porta und Vena cava , welche in der Leber per anastomosin zusammen gefuͤget sind. 79. Wie nehmen die Blut-A- dern in der Leber ihren Ur- sprung? Die Zweige der Pfort-Adern nehmen allgemach gegen dem Untertheil der Leber an der Zahl ab/ und werden groͤsser/ biß sie in einen Stamm sich endigen: Also gehen auch oben in den Vordertheil die Aeste der venæ cavæ in eins: Darnach theilet sie sich in zwey Theil/ in die auffsteigende und abstei- geigende Holl-Ader/ wird also da fuͤr gehal- ten/ daß die Port-Ader von dem unterm Theil; Die Hol-Ader aber auß dem obe- ren und erhobenen Theil entspringe. 80. Wie werden die Blut-A- dern durch den gantzen Leib außgetheilet? Wie viel sind ihrer? Und was nutzensie? C iiij Alle Frag und Antwort Alle Adern des gantzen Leibes werden unter diese zwey Principahle gezehlet/ als die Pfort-Ader und Holl-Ader. Die Pfort-Ader ( vena porta ) ist nicht so groß/ als die Holl-Ader ( vena cava ). Die vena porta wird in viel Aeste außgetheilet/ und spreitet sich also auß/ daß alle innerliche Glieder von derselben versehen werden/ als da ist/ Magen/ Miltz/ Daͤrme/ Gekroͤß und Netz/ auch entspringen daher die inner- liche Hæmorrhoides oder guͤldene Ader. Die vena cava aber/ die durch die Leber in die Hoͤhe gehet/ bleibet ungetheilet biß zu dem Halß/ daselbst wird sie in vier Aeste/ als die 1. ist Vena Diaphragmatica . Die 2. Vena coronaria . Die 3. Vena azygos . Und die 4. Intercostalis superior , außgespreitet. Bey dem Halßbein aber ( Clavicula ) theilet sie sich in zwey Theil/ incephalicam \& basilicam , diese beyde machen die Dritte medianam ge- nandt. Wie woll nichts daran gelegen/ welche Ader man unter diesen lasse/ sinte- mal der Ast venæ cavæ eben so wol außge- leert wird/ denn sie haben einen Ursprung/ und soll man dieselbe/ welche am scheinbar- sten ist/ lassen. Vena cava descendens , der absteigende Stamm/ welcher mit der arte- riâ magnâ begleitet wird/ gehet ungetheilet biß zu dem vierdten Gewerb der Lenden/ und theilet inwendig viel Aeste auß/ als die Adi- von der ANATOMIA. Adiposas zu den Nieren die Venas emulgen- tes oder außsaugende Adern/ die Spermati- cam und Lenden Adern/ auch dem periosteo , Musculen des Unterbauchs ( Epigastry ) der Schaam und der Hufft. Endlich theilet sie sich auff jeder Seite in sechs Theile/ als da sind 1. Saphena 2. Ischias minor . 3. Mus- cula . 4. Poplitea . 5. Suralis . 6. Ischias ma- jor , diese Letzte theilet sich wieder in zehn Theile/ und giebet einem jeden Zeh zwey Aestlein; ist derowegen in Lassung dieser A- dern so groß nicht zuwehlen. Sie fuͤgen sich offt per anastamosin mit den arteriis zu- sammen. Ihr Nutz ist das Blut den Glie- dern gleichsahm durch Rinnen zu zufuͤhren. 81. Was ist das Hertz/ wo liegt es/ wie ist es gebildet/ und was ist seine Nutzbarkeit? Das Hertz ist das principahlste Glied des Menschen/ liegt in der Mitten der Brust/ doch lencket es sich mit der Spitzen ein wenig zur Lincken Seiten/ hat eine pyramidali sche Figur/ wird mit dem Mediastino und Dia- phragmate durch das pericardium angeheff- tet/ anderen Theilen aber durch die Vasa ; Es ist starck und dick von Fleisch/ mit einer duͤnnen Haut bekleidet/ zu beyden Seiten hat es Ohr Laͤplein/ wie auch valvulas , wel- che das Blut auß und einlassen. Des Her- C v tzens Frag und Antwort tzens Nutzbarkeit ist/ daß es sey ein Brun- nen der natuͤrlichen Waͤrmbde/ und ist nicht allein wie etzliche wollen/ das Blut zu machen/ sondern vielmehr das Blut zu ver- besseꝛen/ daher es auch purgatoriu msangvinis genandt wird. Die rechte Hertz-Kammer haͤlt in sich das Blut/ zur Nahrung der Lungen: die Lincke aber/ welche das auß der Lungen zuruͤck gelauffene/ und mit Lufft in der Lungen angefuͤllete Blut vollkom- men machet/ schicket dem gantzen Leibe sol- ches zu. 82. Wie entspringen die Arterien und Lufft-Adern darein? Das Hertz hat vier fuͤrnehme Gefaͤsse/ als nehmlich in dem rechten ventriculo wer- den zwey Blut-Adern gefunden/ als Vena cava und Vena arteriosa ; auff der lincken Seiten/ zwey Puls-Adern: Als Arteria venosa und Arteria magna . 83. Was ist ihre Nutzbarkeit und Ampt/ und wie wer- den sie durch den gantzen Leib außgetheilet? Die Vena cava fuͤhret das Blut von der Le- ber zu dem Hertzẽ/ wie auch dem gantzẽ Leibe/ durch den absteigenden uñ auffsteigendẽ Ast. Die von der ANATOMIA. Die vena arterialis , welche deßwegen arte- riosa genandt wird/ weil sie das Blut auß deꝛ rechten Seiten des Hertzens/ der Lungen/ wegen der Nahrung zufuͤhret. Arteria ve- nosa welche auß der lincken Seiten entsprin- get/ und deßwegen arteria genandt wird/ weil sie pulsiret/ wird aber venosa genandt/ ihrer Substantz wegen/ weil sie bestehet von einer einfachen Haut. Ihr Ampt ist/ in dem sich das Hertz außbreitet/ den Lufft auß der Lungen zugleich mit dem zuruͤck fliessen- dem Gebluͤht zu empfangen/ damit die Le- bens-Geister zu formiren/ und die Lebens- Waͤrmbde gleichsam zu nehren und abzu- kuͤhlen. Arteri magna wird in zwey Aeste abgetheilet/ nemlich in den Auffsteigenden und absteigenden/ wird fast allezeit mit der vena cava begleitet/ und theilet eben wie die vena cava allen Gliedern die Lebens-Geister mit/ dem arteriosischen Nahrungs-Ge- bluͤth/ so wol zur Nahrung/ als zum Leben; Damit aber solches nicht moͤge zuruͤck ge- hen/ sind drey valvulæ oder Thuͤrlein dabey gesetzet. 84. Wie hat der Pulß seinen Ur- sprung? Der Pulß ist die Bewegung des Her- tzens/ welche durch das einfliessende Ge- bluͤhte und pulsirende Macht verursachet wird/ Frag und Antwort wird/ welche im Hertzen ist; Dieselbe Be- wegung/ wann sich das Hertz zusammen zeucht/ wird Systole genandt/ durch welche das Blut auß dem rechten ventriculo durch die Venam arterialem in die Lunge gefuͤhret wird/ und auß der lincken Hertz-Kammer/ durch die aortam in den gantzen Leib: die Außdehnung aber des Hertzens wird Dia- stole genandt/ geschicht deswegen/ damit das Blut durch die venam cavam in die rechte Hertz-Kammer/ und durch die arteriam venosam in die lincke Kammer ge- zogen werde. Wie nun der Pulß im Her- tzen/ also wird auch der an der Hand ge- spuͤhret und gefuͤhlet. Zwischen der Dia- stole und Systole ist eine kleine Ruhe/ Perisy- stole genandt. 85. Was ist das Hirn/ wo liegt es/ und was ist dessen Nutzbarkeit und Zweck? Das Hirn hat eine sonderliche Sub- stantz/ dergleichen am gantzen Menschen nicht gefunden wird/ ist weich und feucht/ damit die Einbildungen leichtlich koͤnnen eingedruckt werden/ seine Figur ist etwas rund/ gleich wie die Hirnschal/ hat viel krumme und eingebogene Theile/ damit die vielfaͤltige Adern und Arterien besser und sicherer koͤnnen oder moͤgen gefuͤhret wer- den. von der ANATOMIA. den. Des Hirns Nutzbarkeit ist/ die sinn- liche Verrichtungen hervor zu geben. Un- ter diesem liegt das Cerebellum , ist an Sub- stantz Farb und Wesen dem Hirn gleich/ nur daß es keine Kruͤmmen hat; Sonsten hat das Hirn vier Hoͤlen/ welche ventriculi genant werden: Doch haͤlt Bartholinus davor/ daß nur ein ventriculus sey. Es sind noch andere Theile/ als Glandula pituita- ria, Infundibulum, Corpus callosum, For- nix, Anus, Nates, Testes, Plexus choroi- des, Septum pellucidum, Glandula pinealis , von welcher Nahmen und Nuͤtzen die Ana- tomici viel schreiben. 86. Wo ruͤhren die Nerven her/ und wie entspringen sie? Auß dem Marck des Ruͤckgrads/ doch also/ daß das innere Theil des Marcks/ welches in der Hirnschal/ die innerliche/ das eusserliche Theil aber/ welches im Ruͤck- grad/ die eusserlichen Nerven der Glied- massen herfuͤr geben. Insgemein wird der Ursprung der Nerven dem Hirn zugeschrie- ben. 87. Was ist ein Nerv/ was ist ihr Ampt und Thun? Ein Nerv ist ein gemeines Werckzeug/ durch welches die sinnliche Krafft in die an- dere Theile des Leibes gefuͤhret wird. 88. Hat Frag und Antwort 88. Hat ein Nerv auch Blut? Sie haben kein Blut also wie die Adern und Arterien/ sind auch nicht holl/ als nur allein die Nervi optici , sondern fuͤhren nur allein den Spiritum in die Theile des Leibes: Wiewoll Gvaltherus Charleton in Tractatu de Oeconomia animali mit vielen Gruͤnden beweiset/ daß zugleich auch der Nahrungs- Safft durch die Nerven den Gliedern zuge- fuͤhret werde; Wie solches in den Schlag- getroffenen zu sehen/ da dann das Glied/ welches vom Schlag getroffen/ gantz von Kraͤfften kommt/ ob schon es am Blut kei- nen Mangel hat. Wie solches weitlaͤuffti- ger daselbst pag. mihi 186. kan nachgelesen werden; Es ist auch selbige Meinung refu- ti ret/ von D. Antonio Deusingio . 89. Wie werden die Nerven hin und wieder außgetheilet? In Erzehlung der Nerven sind die Auto- res nicht einig/ in dem etzliche/ wie wol die meisten sieben Paar zehlen nach dem Vers: Optica prima, oculos movet altera, ter- tia gustat. Quartaꝙ́, quinta audit, vaga sexta est, septima linguæ. Das par olfactorium zum riechen/ wird auß- gelassen/ weil es nicht von der medulla her- kommt/ von der ANATOMIA. kommt/ und werden processus mammillares genandt. Bartholinus erzehlet zehn Paar innerhalb dem Cranio. Marchettus zehlet acht Paar/ ohne die/ welche zum Geruch dienen. 90. Was ist zwischen den Lufft- Adern/ Blut-Adern/ Ner- ven und Span-Adern vor ein Unterscheid? Die Lufft-Adern fuͤhren das Spirituosi- sche Gebluͤth/ und sind zweyfach von Haut/ haben ihren Ursprung vom Hertzen: Die Blut-Adern fuͤhren das Gebluͤt von der Le- ber/ und sind einfach von Haut: Die Ner- ven aber haben ihren Ursprung vom Hirn/ oder vielmehr von der Medulla oblongata , fuͤhren die Spiritus zu den Gliedern/ und sind nicht holl. 91. Wie ists mit den Nerven des Ruͤckgrads/ oder des weissen Flachs-Geaͤders beschaffen? Derselben sind dreyssig Paar/ auff jeder Seiten dreyssig. Nemlich zum Genick sie- ben Paar/ gehen durch die Musculen des Halses/ des Kopffs/ der Schulterbletter/ theils auch zum Zwerg-Blat/ Armen und Haͤnden. Der Frag und Antwort Der Ruͤck- und die Brust hat zwoͤlff Paar/ derer ein Theil/ und zwar die obe- ren sich in die Arme begeben/ die anderen Aeste aber spreiten sich/ so wol in die Musculẽ/ als Haͤutlein der Brust/ so wol hinterwerts als vorwerts. Die Lenden haben fuͤnff Paar/ welche so wol durch die Musculen als Haͤutlein der Lenden gepflantzet seyn. Das Heylige Bein hat sechs Paar/ de- ren die zwey ersten in der Naͤhe außgetheilet werden/ die andern vier erstrecken sich biß in die Fuͤße. Endlich hat der Ruͤckgrad- Marck einen Forsatz/ welcher ohne Paar ( Nervus sine pari ) genandt wird/ kan in viel Theile als eine Buͤrste oder Pferd- Schwantz von einander getheilet werden. 92. Was sind die Glandulæ, Kuͤßlein oder Druͤßlein? Es sind Schwammigte Stuͤcklein Fleisch/ welche an unterschiedlichen Orten des Leibes gefunden werden/ als nemblich; hinter den Ohren/ und dieses sind und wer- den Emunctoria cerebri genand: unter der Achsel werden gefunden/ weche Glandulæ axillares genennet werden/ und sind emun- ctoria cordis : neben der Schaam werden auch welche gefunden/ und sind Emunctoria hepatis , also/ daß ein jedes principales Theil seine eigene Außwurff-behalter ( recepta- cula ) von der ANATOMIA. cula ) hat. Sosten sind auch noch zwey an der Zungen/ und werden Tonsillæ ge- nandt/ halten in sich eine Feuchtigkeit/ die Zunge und Mund zubefeuchten; In den Augen-Winckeln sind auch welche: auch werden im mesenterio viele gefunden/ un- ter welchen eine grosse/ glandula centralis genandt wird. Im Hirn eine glandula pituitaria . In den Bruͤsten glandulæ mam- mariæ . Am Halse wird die glandula, Thy- mus genand. 93. Wie vielerley Fleisch ist am Menschen? Viererley: Als zum ersten Caro muscu- losa , das Musculosische Fleisch/ welches weich/ roth und eigendlich ein Fleisch ge- nennet wird. Zum andern/ Caro viscero- sa , das Fleisch der Eingeweide/ und wird sonst genandt Parenchyma , ein zusammen gelauffenes Gebluͤth. Zum Dritten/ Caro membranosa . eine jede spanadrichte Sub- stantz eines Theils oder Gliedes/ als Ma- gen/ Gedarm/ Blase und Gebaͤrmutter. Zum vierten Caro glandulosa , das schwam- michte druͤßichte Fleisch; Als der Druͤsen hinter den Ohren/ unter den Achseln/ an der Schaam/ und dergleichen. 94. Worvon wird das Haupt zusammen gesetzt? D Von Frag und Antwort Von Knochen/ Musculen und Haut/ welch dicker ist/ als an einem andern Ohrt/ weil in solcher die Haar stecken. 95. Worvon werden die Ohren zusammen gesetzt? Sie bestehen von Krospel und Haut/ und wird ein jedes Ohr durch Huͤlff vier Musculen angehefftet. 96. Was sind die Augen vor Glieder/ und worvon beste- hen sie? Die Augen sind zusammen gesetzt von drey Haͤutlein/ nemlich/ wann die weisse Haut Adnata , welche den Augapffel formi- ret/ weg gehoben/ erscheinet das erste Augen- Haͤutlein Sclirotica , das Vorder Theil die- ses Haͤutleins wird Cornea genandt/ weil es einen polierten Horn ehnlich ist/ diesem folget das ander/ Choroides , und wird in dem Vordertheil Uvea genandt/ auß die- sem erscheinet der Zirckel oder Regenbogen. Das dritte Haͤutlein wird genandt Retina , ist weich und rotzicht/ und umbgiebt gleich wie ein Netzlein die glaͤserne Feuchtigkeit. In diesen Haͤutlein sind drey humores als 1. Humor aqueus , die waͤßerichte Feuchtigkeit. 2. Humor vitreus die glaͤserne Feuchtigkeit. 3. Humor Crystallinus , die Cristallische Feuch- von der ANATOMIA. Feuchtigkeit. Sonsten bestehen sie noch von Musculen und Nerven/ von welchen schon gemeldet worden. 97. Worvon ist die Naas zu- sammen gesetzt? Die Naas ist zusammen gesetzt/ von Haut/ Musculen/ Knochen/ Krospeln/ Adern/ Arterien/ Nerven und Haͤutlein. 98. Worvon ist der Halß zu- sammen gesetzt? Von sieben Gewerben oder Gleychen des Ruͤckgrads/ wie auch von acht Musculen/ Haut und Gefaͤßen. 99. Wie viel Eingaͤng hat der Halß? Zweene. Der eine wird die Lufftroͤhr genandt/ bestehet anß vielen zusammen ge- setzten Krospeln/ welche den Ringlein gleich seyn/ jedoch nicht gantz krosplicht/ sondern hinterwerts/ da die Speißroͤhr an liegt/ ist sie Hauticht/ damit im schlicken die Lufft- roͤhr nachgeben koͤnne. Der ander Ein- gang ist die Speißroͤhr/ ist Fleischicht/ und einen Darm gleich/ und gleich wie die Lufft- roͤhr zur Lungen gehet/ also gehet die Speiß- roͤhr/ jedoch durch das Diaphragma zum Magen. D ij 100. Frag und Antwort 100. Wie ist es umb das Zaͤpf- lein bewandt? Das Zaͤpflein/ Uvula , hanget herab von dem Gaumen/ uͤber die Ritze der Lufftroͤhr/ neben den Lufft-Loͤchern der Naasen/ zwi- schen den beyden Mandeln/ ist roth/ einer luckeren und schwammichten Substantz/ mit vier Musculen angehefftet. Sein Ampt ist zu werhuͤten/ damit die Lufft nicht haͤuffig koͤnne zur Lungen dringen/ wie auch den Gang zur Naasen zu verstopfen/ damit nicht der Tranck auß derselben/ wie auch die Lufft im reden herauß gehe. 101. Wie ist es umb die jenigen Haͤutlein bewandt/ welche den Gaumen/ Magen- Schlund/ den Magen/ die Gedaͤrm und Lufft-Roͤhr bekleiden? Es wird der Gaumen bekleidet mit einer dicken Haut/ welche vor der duramater ent- springet/ und bekleidet den gantzen Mund/ die Kehle/ Magenmund und Magen/ und andere Theile/ weswegen sie dann eine solche Verwandsafft ( consensum ) mit einander haben. 102. Was hat das Zahnfleisch vor eine Substantz? Es von der ANATOMIA. Es ist ein hartes Fleisch/ und umbgiebt die Zaͤhne gleisam mit einem Wall/ wel- ches/ wann es verzehret oder verschwindet/ werden die Zaͤhne wanckel. In denen/ welche keine Zaͤhne haben/ dienet das Fleisch an stat der Zaͤhne. 103. Was ist die Zunge/ und worvon bestehet sie? Sie hat eine sondere Substantz/ des glei- chen am gantzen Leibe nicht ist/ sie ist nicht musculosisch/ dann sie hat keine Fibras oder Zaͤserlein/ sondern sie ist luck und schwammicht/ damit sie desto besser den Ge- schmack fassen koͤnne/ hat zwo Adern/ und so viel Arterien: hat acht Musculen/ von welchen sie regieret wird. Ihr Nutzen ist viererley. 1. daß sie ein Instrument des Ge- schmacks sey. 2. zur Sprach helffe. 3. die Kaͤuung befodere/ in dem sie die Speise her- umb wirfft 4. Ist sie zum Lecken dienlich. 104. Wozu dienet die Lunge/ und was ist ihr Ampt? Die Lunge liegt zu beyden Seiten/ und umbgiebt das Hrrtz/ ist von Substantz weich/ luck und schwammicht/ uñ mit Adern und Arterien begabet/ hat wenig Nerven/ damit sie nicht gar zu empfindlich sey/ in dem sie sich stets beweget. Ihr Ampt ist/ die D iij Lufft Frag und Antwort Lufft und Athem ein zu holen/ und außzu- lassen/ durch Huͤlff des Zwergfells. 105. Wie ist es umb die Pleuram und Mediastinum? Die Pleura oder Rippen-Haut/ ist eine harte und weisse Haut/ welche die Brust inwendig bekleidet/ sie ist gedoppelt/ zwi- schen welchen die vasa gehen/ und sich offter- mahls die Materie des Seitenstechens verhaͤlt; diesem ohngeachtet/ haben doch die Rippen ihr periostium , die Haut auch seine Adern/ Arterien und Nerven. Ihr Nutz ist/ die Brust glatt zu machen/ damit durch die stetige Bewegung die Lunge nicht versehret werde/ und dann auch die Brust und dessen Theile zu bekleiden/ und das Mediastinum zu machen/ welches die Lunge zertheilet; Dessen Ampt ist das Hertz mit dem pericardio anzuhefften/ und die Lunge zu zertheilen/ damit/ wann sie auff einer Sei- ten verwundet wird/ das andere Theil ihr Ampt verrichte. 106. Wie ist es mit dem Magen und seinem Schlund be- schaffen? Der Magen liegt stracks unter dem Zwerchfell/ hat zwey Mund-Loͤcher/ das lincke und oberste wird der Magen-Mund genandt/ von der ANATOMIA. genandt/ das rechte aber und unterste/ wird pylorus oder zuschliesser genandt/ ist enger als das andere/ damit die Speisen nicht eher/ biß sie verdauet seyn/ koͤnnen herauß kommen. Ist dreyfach von Haut/ hat auch dreyerley Fibras und Zasern/ damit er desto staͤrcker sey/ und sich besser koͤnne auß- dehnen. Sein Ampt ist/ die Speiß und Tranck anzunehmen/ und den Nahrungs- Safft zu bereiten. Von Figur ist er lang- licht rund/ wie eine Sackpfeiffe/ hat viel Adern/ Arterien und Nerven/ weßwegen er dann sehr empfindlich/ und deswegen wenn er leidet/ Hertz und Hirn per consen- sum mit leiden koͤnnen. 107. Was hat es um die Daͤrme vor eine Beschaffenheit? Die Daͤrme fangen von dem Magen an/ und endigen sich im Afftern/ sind mit dem Magen einerley Substantz/ werden abge- theilet in drey duͤnne/ und werden genandt 1. Duodenum , welcher zwoͤlff quer Finger lang ist/ der 2. Jejunum , weil er ins gemein leer ist. Der 3. Ileon weil er in den Ileis und Hufftbeinen lieget/ oder auch/ weil er sich viel mahl umwendet; Dieser ist der allerlaͤngste. Nach diesen sind drey dicke/ als 1. Cœcum der blinde Darm. 2. Colon deßwegen also genandt/ weil in selbigen die Colica entste- het. 3. Rectum , weil er gerade gehet/ wird D iiij auch Frag und Antwort auch der Mastdarme genandt. Die duͤnne hangen dem Mesenterio an/ die dicken aber dem Mesocolo , außgenommen das Cœcum , welches dem peritonæo anhanget. Der Mast-Darm hat zwey Musculen/ welche ihn auffheben/ damit er nicht außweichen koͤnne/ und einen Shincterem oder Zuschlies- ser. Der duͤnnen Daͤrme Ampt ist/ den Chylum besser zu kochen/ und weiter außzu- theilen: der Dicken aber/ die Excrementa zu behalten/ wie auch die Winde und Galle/ welche von der Leber kompt/ einzuschlies- sen/ biß sie bequemlich moͤgen außgefuͤhret werden. 108. Wie ist es um das Gekroͤß und Netz gethan? Das Gekroͤß Mesenterium genandt/ ist von membranen und Haͤutlein doppelt/ wel- che von dem peritonæo ihren Ursprung ha- ben/ und werden durch selbiges/ die Ge- daͤrme unter einander vereinbahret: Es ist mit sehr vielen Druͤßlein begabet/ unter die- sen ist eine ziemlich groß/ und wird glandula centralis genandt; die Druͤsen sind deßwe- gen/ damit durch sie/ die vielfaͤltige Adern und Arterien beschuͤtzet/ und die Eingeweide werden. Des Kroͤßes Nutzbarkeit ist/ die Gedaͤrme anzuhefften/ durch die doppelte Haͤutlein aber/ die vasa zu beschuͤtzen/ da- mit sie desto sicherer zu den Daͤrmen gelan- gen moͤgen. Das von der ANATOMIA. Das Netz ist gleichsahm eine Decke der Gedaͤrme/ hanget an dem Bodem des Ma- gens/ wie auch an der Leber und Miltz/ und erstrecket sich nicht weiter/ als biß an den Nabel/ ist fett und haͤuticht/ mit vielen A- dern und Arterien/ wie auch kleinen Nerven versehen/ erwaͤrmet den Magen-Grund und die Daͤrme/ wegen seiner Fettigkeit; wiewoll solches mehr den Adern und Arte- rien zuzuschreiben/ weßwegen es warm und feucht ist. 109. Was ist die Miltz vor ein Glied/ wo liegt sie/ und was ist ihr Ampt und Nu- tzen? Die Miltz liegt in der lincken Seiten/ ge- gen der Leber uͤber/ (ist gleichsam die andere Leber) unter dem Zwerchfell/ ist viel kleiner als die Leber/ einer langlichten Figur/ etwas schwartzlicht/ wird durch duͤnne Haͤutlein/ welche vom peritonæo herkommen/ dem Netz und lincken Nieren angehefftet: Ihr Fleisch ist gleichsam ein gerunnenes Gebluͤht/ hat viel Adern und Arterien/ auch kleine Ner- ven/ welche vielmehr in die Haͤutlein/ als in die Substantz außgetheilet sind. Ihr Ampt ist/ daß sie/ gleichwie die Gallen-Blaß al- lein die Gallmaͤßige Matery/ also auch die Miltz das saure Wesen an sich ziehe und D v nehme/ Frag und Antwort nehme/ von welchem die Miltz schwartzlicht scheinet. 110. Wozu ist die Gallenblase geschaffen? Die Gallen-Blase liegt in dem holen Theil der Leber/ in Gestalt einer Birne/ hat viel klei- ne Zweyglein/ welche zwischen den Aesten der venæ cavæ und portæ hinstreichen/ endi- gen sich hernachmals in einen Gang/ und fuͤhren die reine Galle zu der Gallen Blase. Der Gallen-Blasen Ampt ist/ die gelbe Galle in sich zu behalten/ und hernachmahls zu gewisser Zeit von sich zu lassen. Von Nutzbarkeit aber der Gallen selbst/ haben die Gelahrten viel angemercket/ daß sie sey der Leber und gantzen Gebluͤhts Balsam/ daß sie auch die umbliegende Theile vor der Faͤu- lung bewahre und erhalte. Viele eigenen der Gallen zu/ daß sie durch ihre Schaͤrffe den Stulgang befodere. Das andere Ge- faͤß der Gallen wird genandt Canalis seu po- rus bilarius , gehet den geraden Weg/ nicht in die Gallen-Blase/ sondern in das intesti- num duodenum , gleich wie der meatus der Gallen-Blas: dieser haͤlt in sich bilem crassam . 111. Was sind die Nieren/ wo liegen sie/ und was ist ihr Ampt? Es von der ANATOMIA. Es sind zwo Nieren/ und liegen/ eine unter der Leber/ welche deßwegen niedriger/ und eine unter der Miltz: Ihr Fleisch ist hart/ werden mit einer membrana welche vom peritonæo herkompt/ an dem Zwergfell und Lenden angehefftet/ durch die venas ar- terias emulgentes aber/ an die venam cavam und arteriam magnam . Der Nieren Nutz- barkeit ist/ durch die Venas emulgentes oder aussaugende Adern/ das wasserichte von dem Blut an sich zu ziehen/ und also das Blut davon zu reinigen. 112. Was hat es umb die Harn-Blase vor eine Be- schaffenheit? Die Harn-Blase liegt in der Hoͤlen des heyligen Beins/ ist theils Spanadericht/ theils Fleischicht/ der Boden wird dem peri- tonæo , wie auch durch den Urachum dem Nabel angehefftet/ zu dem von den zweyen Nabel-Arterien/ welche in den erwachsenen in Ligamenta verwandelt werden. Sie hat drey Loͤcher/ als durch zwey gehet der Urin durch die Harn-Gaͤnge in die Blase/ in wel- chen zweyen Harn-Gaͤnge/ eine membra- nula ist/ damit der Urin nicht wieder zuruͤck in die Nieren gehen koͤnne: Das dritte Loch ist groß/ und durch solches wird der Urin ausgelassen. Die Blase wird durch einen Frag und Antwort einen Musculum Sphincterem genandt/ ver- schlossen/ damit der Urin ohne unseren Wil- len nicht kan ausgehen/ sie hat auch kleine Nerven/ welche sie vom Magen uͤberkom- men/ dannenhero kompt denen das Er- brechen an/ welche am Stein leiden. 113. Was ist das Peritonæum, und worzu nuͤtzet es? Das Peritonæum ist die starcke Haut/ welche unter den Musculen des Unter- bauchs lieget/ und denselben gantz bekleidet/ die Gefaͤße bedecket/ die innerliche Waͤrmbde bewahret/ damit sie nicht verfliegen kan. In den Maͤnnern sind zwey Fortsaͤtze des peritonæi ( processus peritonæi ) welche sich biß in das Scrotum erstrecken/ wann diese Haut sich ausdehnet oder zerreist/ wird dadurch ein Bruch veruhrsachet. 114. Was ist Epigastrium oder Schmeerbauch? Der Schmeer-Bauch faͤnget an bey den Rippen und Sterno , und endet sich bey der Schaam/ wird zusammen gesetzt von Haͤut- lein/ Haut/ Fett und panniculo carnoso oder Fleischichten Haut/ hat zehn Musculen/ von welchen unter den Musculen gesagt worden. 115. Was von der ANATOMIA. 115. Was hat es um die Saa- men-Gefaͤße vor eine Ge- legenheit? Die Saamen-Gefaͤße haben ihren Ur- sprung und Anfang von der vena cava und arteria magna , und endigen sich bey den Ho- den/ durch welche die Matery des Saa- mens gefuͤhret wird/ und bekommen unter- schiedliche Nahmen/ als vasa deferentia , welche den Saamen hin leiten/ vasa præpa- rantia , welche den Saamen bereiten/ und vasa ejaculantia welche den Saamen aus- stossen: die venæ und arteriæ sind in etwas oberhalb von einander unterschieden/ aber nachmahls sind sie in einander so verwickelt/ als wann es ein vas waͤre/ daß man auch ei- nes vor das ander nicht erkennen kan. Dieser Gefaͤße Ampt ist/ das Blut und die Geister zu den Hoden hin zu fuͤhren/ damit es da- selbst in den vielen Kruͤmmen erhalten/ und mitlerweil in Saamen verwandelt werde. 116. Wie ist es umb das Maͤn- liche Glied beschaffen? Dessen Substantz ist einer sonderlichen Arth/ bestehet aus einer Cuticula , gemeinen Haut und panniculo carnoso , hat aber kein Fett/ damit es desto empfindlicher im Bey- schlaffsey/ wird in vier Theile getheilet/ als nehm- Frag und Antwort nehmlich in die Eichel/ Haarn-Gang und zwo Nervosische Corpora . Der Gang oder die Roͤhre ist Spanadericht/ bey welchem Anfang eine Valvula oder Pergament Haͤutlein/ damit sich der Saame mit dem Urin nicht vermischen koͤnne. Dieses Gan- ges Thun ist/ so woll des Saamens als des Urins/ zugleich auch der oͤhlichten Feuch- tigkeit allgemeiner Gang zu seyn. Das vorderste Theil wird die Cichel oder Glans genandt/ ist in etwas rund/ hat ein dickli- cher und empfindlicher Fleisch/ als die an- deren Theile des Leibes/ ist mit einem sehr duͤnnen Haͤutlein bedecket/ wird uͤber das mit dem præputio oder Vorhaut bedecket. Die zwey nervosische corpora , auff jeder Seiten eine/ machen den uͤbrigen und groͤs- sesten Theil des Gliedes/ ist gleich einer dicken Arterie/ schwammicht/ und gleich- sam mit Fleisch angefuͤllet; Dieses Glied hat auch seine Adern/ Arterien und Nerven/ wie auch seine Musculen/ von welchen dro- ben gesagt worden. 117. Was sind die Hoden/ und was ist ihr Ampt? Die Hoden sind dem maͤnlichen Glied zugesellet/ und hangen zwey derselben un- ter der Manns-Ruthen oder Glied/ sind einer Druͤsichten Substantz/ weich/ luck/ weiß von der ANATOMIA. weiß und schwammicht/ wegen der vielen Vasa , so daselbst ausgespreitet werden/ dann sie haben Adern/ Arterien und Nerven/ sind einer langlich-runden Figur/ in der Groͤsse eines kleinen Huͤner Eyes/ sind in- wendig nicht holl/ sondern haben eine jede an der Seiten ein kleineres corpus , welche Epi- didymi genennet werden/ in welchem der Saame behalten wird. Sie werden be- decket mit zwo gemeinen Haͤuten/ 1. heisset Scrotum , ist dick und runtzlicht/ die 2. heist Dartos , ist Fleischicht und rohtlich. Uber das haben sie drey eigene Haͤutlein/ derer 1. Elytroides , hat ihren Ursprung aus dem proc essu peritonæi . 2. Erythroides , ist roth/ hat ihren Ursprung von dem musculo cre- mastere . 3. Albuginea , ist weiß/ hat ihren Ursprung von den Saamen-Gefaͤssen: Die Hoden haben auch zwey Musculen/ auff jeder Seiten eine/ welche Cremasteres ge- nandt werden/ weil sie dieselbe auffhengen. 118. Was hat es umb die Ge- baͤhr-Mutter fuͤr eine Be- schaffenheit? Die Gebaͤhr-Mutter Uterus oder Ma- trix genandt/ liegt zwischen dem Osse sacro und Ileo , ihre Figur und Groͤsse ist nicht alle- mahl gleich/ ihre Substantz ist membrano- sisch/ damit sie nach Nothurfft koͤnne aus- gedeh- Frag uñ Ant. von der ANAT. gedehnet und eingezogen werden/ inwendig ist sie runtzlich/ hat zwey Haͤutlein/ zwischen welche eine zaͤserliche fleischichte Substantz; Sie hat zu beyden Seiten runde und breite Ligamenta : Sie hat Adern/ Arterien und Nerven. Ihr Ampt und Thun ist den Weiblichen so woll als den Maͤnnlichen Saamen an sich zu ziehen und zu behalten/ die Hoͤle ist klein/ daß man kaum eine Fe- derkiel hinein stecken kan/ jedoch rauch und uneben/ den Saamen desto besser darin zu behalten. Ana- Anatomischer Anhang. F Reundlicher lieber Leser/ dieses waͤre nun eine kurtze Anato- mische Antwort/ nach Anleitung de- rer Fragen/ welche von Doct . Ludwig von Horning/ in seiner Politia medica denen Candidatis chirurgiæ auffgegeben worden. Dieses aber habe ich erinneren wollen/ daß in denen Fragen/ welche von der Leber/ Her- tzen und Blut-machung handelen/ der al- ten opinion nachgegangen: Damit es dir aber an der neuen opinion nicht fehlen moͤch- te/ welche von den Umlauff des Gebluͤhts ( Circulatio sangvinis ) handelt/ als habe ich die Meinung Pauli Barbette , eines vor- trefflichen Doctoris zu Amsterdam hieran fuͤgen wollen/ und wiewol die Autores hier- innen nicht uͤber einstimmen/ so ist doch die- ses Autoris Meinung nicht die geringste/ und verhaͤlt sich also/ und gehet die Blut- machung also zu. Nach dem die harte Speise mit den Zaͤh- nen zermalmet/ und mit dem Speichel an- gefeuchtet worden/ wird sie etzlichermaßen einen Nahrungs-Safft zu machen/ berei- E tet/ Anatomischer tet/ und durch die Speißroͤhr mit Huͤlffe derer eigenen Maͤußlein in den Magen ge- bracht. Der Magen/ damit er die Speise desto besser an sich halte/ ziehet sich alsobald fest zu/ doch/ daß er den Magen-Mund gar fest/ den Außgang aber nur in etwas zuschliesse/ damit der Nahrungs Safft/ wann er nur ein wenig gedrenget wird/ sei- nen Außgang finde. So bald nun der Magen die Speise an- genommen/ und dieselbe mit Speichel/ Tranck und eineger Feuchtigkeit allenthal- ben befeuchtet worden/ faͤnget er also bald durch seine eingepflantzte Waͤrmbde an zu dauen. Es wird aber die Ordnung nicht eben so in acht genommen/ als wie die Speise ge- nossen/ im Anfang zwar/ koͤnnen solche in derselben Ordnung gefunden werden/ als das auffgeschnitte Thier dieselbe zuvor einge- schlungen/ aber nachmahls sendet der ohne unterlaß dauende Magen die Speisen/ so am leichtesten zu verdauen sind/ zu erst zu den Daͤrmen/ und laͤst sich von denen noch unverdaueten keines weges auffhalten/ wie solches so wol der Stuhlgang/ als das Er- brechen augenscheinlich darthun/ so fern man nur dieselbe zu beschauen Lust hat. Die verdauete Speise wird weiß/ als ein Milchrahm oder Schmandt/ und wird ein Milch- Anhang. Milch- und Nahrungs-Safft ( chylus ) ge- nandt/ welcher durch den Ausgang des Magens ( pylorum ) in die Gedaͤrme gehet/ auß welchen die Milch-Adern ( venæ lacteæ ) das gute/ so zur Nahrung der Theile dienlich ist/ außsaugen/ das unnuͤtze aber wird durch den Stuhlgang ausgeworffen. Die Milch-Adern bestehen auß einer gar duͤnnen Haut/ und sind mit vielfaͤltigen Vorfaͤllen ( valvulis ) begabet/ welche von der Leber gegen die Druͤßlein ausgespannet seyn/ und werden durch das gantze Gekroͤß ( mesenterium ) außgetheilet/ biß sie in die kleine Daͤrme/ mehrentheils aber in das Jejunum geleitet werden. Es ermangeln aber die dicken Daͤrme derselben nicht gaͤntzlich/ damit nichts vom Nahrungssafft umbkomme. Weswegen auch der beruͤhmte Anato- Observatio Marchetti. micus zu Padua Petrus de Marchettis Anno 1661. im demonstri ren dieser Milch- Adern im Mesocolo zu erzehlen pflag/ daß er durch Huͤlffe dieser Milch-Adern seine Patienten/ welche Angina laborirten/ mit nehrenden Clystieren erhalten habe/ biß sie selbst haben etwas hinunter schlincken koͤn- nen/ er habe aber vorher ein außfuͤhrendes Clystier gebrauchet/ nachmahls aber das nehrende von Fleischbruͤh/ Graupenschleim/ Eyerdotter und dergleichen. E ij Von Anatomischer Von den Daͤrmen gehen so woll diese Milch-Adern/ und der eꝛhaltene Nahrungs- Safft/ nach den drey Druͤsen/ die groͤßeste sitzet in der Mitten des Gekroͤses/ und wird Pancreas Asellii genandt/ die andern zwey kleine/ werden glandulæ Lumbares genandt/ weil sie neben der lincken Nieren liegen. Eine jedere dieser Druͤsen laͤst einen Ast auß/ wel- che oberhalb den lincken Nieren sich zusam- men fuͤgen/ und einen Stamm/ einer gros- sen Federkiel gleich machen/ wird die grosse Milch-Ader ( vena lactea magna ) genandt. Diese grosse Milch-Ader/ welche zwischen der Arteria Aorta uñ den Gewerben der Len- den/ mit feiste verborgen lieget/ giebt sich hin- auf zu dem Hertzen/ uñ laͤhnet sich fast an der Speißrohr/ eylet biß zu der Vena subclavia der lincken Seiten/ woselbsten sie mit einem einfachen/ duppelten/ zu weilen auch dreyfa- chẽ Ast sich endiget. Allhie ist ein Vorfalchen ( valvula ) welches sehr subtil/ stehet mit seiner Spitzen vor/ damit der Chylus nicht wieder zuruͤck/ auch nicht weiter zum Arm kommen koͤnne. Aus dieser vena subclavia gehet der Chylus durch den auffsteigendẽ Stamm der Holl-Ader ( vena cava ) in die rechte Kam̃er ( in dextrum ventriculum ) des Her- tzens/ damit in demselben der Chylus durch Huͤlffe der Waͤrmbde und einge- pflantzten Krafft/ zu Blut gemachet werde. So Anhang. So bald solches geschehen/ gehet das Blut durch die Arteriam pulmonariam zu der Lungen/ welche zum Theil davon erhalten wird/ das uͤbrige aber gehet durch die Ve- nam pulmonariam zu der lincken Hertz- Kammer/ damit es desto besser außgearbei- tet/ und durch die grosse Puls-Ader allen Theilen des gantzen Leibes/ zur Nahrung uñ Erhaltung des Lebens/ mitgetheilet werde. Ein Theil des Bluts/ das nicht gantz un- nuͤtze/ aber gleichwol zur Nahrung nicht dienlich genug ist/ wird durch die Hohl- und Pfort-Adern welche durch die Mundloͤch- lein ( anastomoses, ) uͤberall mit den Puls- Adern vereiniget sind/ zuruͤcke nach der Le- ber und dem Hertzen gefuͤhret/ daß es alda verbessert/ und wieder gekochet werde. Es saget der Herꝛ Barbette, daß nicht allein das Blut durch die vena cava wieder zum Hertzen geleitet werde/ sondern es ge- schehe auch solches durch die venam portæ in die Leber/ welches Er mit fuͤnff herꝛlichen rationibus und gruͤnden ausfuͤhrlich bewei- set/ und endlich schliesset daß das zuruͤcklauf- fende Blut durch die venam portæ, der Leber zugebracht/ in derselben gereiniget/ und etzli- cher massen gekocht werde/ damit das Hertz in seinem Ampt/ nemblich das Blut zu per- fectioni ren/ und vollkommener zu machen/ in etwas erleuchtert werde/ mehrentheils E ijj umb Anatomischer Anhang. umb deßwillen/ weil das Blut wegen des nohtwendigen Pulses im Hertzen nicht lang verbleiben koͤnne/ und umb der Ursachen willen/ haͤlt Er davor/ daß das gantze Ge- bluͤht sich durch die Circulation bewegen muͤsse. Dieser Umbgang des Bluts wird Euch befehlen/ daß ihr alle gifftige und maligne oder boͤßartige Feuchtigkeiten/ welche die Natur entweder selbst außwirfft/ oder die derselben von aussen zugebracht worden/ ohngesaͤumt/ mit den besten an sich ziehen- den Artzeney-Mitteln/ so woll auß den Druͤßlein/ als der Haut außziehet/ damit nicht in kurtzer Zeit das gantze Gebluͤht ver- unreiniget/ und also das Hertz uͤberwaͤltiget werde. Hieraus ist ohne Anfuͤhrung meh- rer Weitlaͤufftigkeit zu lernen/ wie gefaͤhrlich das Aderlassen und Purgieren in einer Pe- stilentzialischen oder Frantzoͤsischen Beulen/ und in allen vergiffteten Wunden sey; Wie auch/ wie nothwendig das Schwitzen und die ausziehende Artzeneyen seyn. Und schließ- lich/ daß die Erkaͤntnuͤß des Umlauffs des Bluts einen grossen Nutzen und Ge- brauch in der Artzeney-Kunst habe. Erster Erster Theil der Mund-Artzeney. von Geschwuͤlsten. 1. Was ist ein Chirurgus oder Wund-Artzt? C Hirurgus ist ein Griechisch Wort/ und so viel als einer/ welcher ein kuͤnstlich Geschaͤfft mit der Hand Aristotel. lib. de arti- bus mecha- nicis. am Menschlichen Leibe verrichtet/ demselben von euserlichen Gebrechen abzu- helffen/ dieweil die Chirurgia nicht allein in der Wissenschafft der Gebrechlichkeiten Menschliches Leibes bestehet/ sondern auch zugleich in Handgriffen. Es wird auch sonsten der Chirurgus ein Diener der Natur genennet. 2. Was ist die Wund-Artze- ney? Sie ist eine Kunst/ welche weiset uñ anzeiget Gvido. die rechte Form zu aꝛbeiten am Menschlichen Leibe/ fuͤrnehmlich im Schneiden und Zu- sammenhefftungen der entgaͤntzten Dingen. Sie wird getheilet in zwo Theil. 1. in eine Zwo Theil der Chirur- gy an und fuͤr sich selbst. Kunst/ welche man erlanget durch fleissiges Lesen und Lernen der guten Authoren/ welche von solcher Kunst geschrieben haben. 2 in eine Kunst/ welche dasselbige vollbringet/ was E v man Erster Theil man durch die Erfahrung erlanget hat/ und gute Meister hat aꝛbeiten sehen und behalten. 3. Was gebuͤhret einen Wund- Artzt zu wissen? Gvilhelm. Fabrit. de præstant. anatom. Erstlich und vor allen Dingen soll Er in der Anatomia oder kuͤnstlichen Zerlegung des Menschlichen Leibes/ woll geuͤbet seyn/ weil solche das Fundament der Chirurgiæ, ohne welcher Wissenschafft Er am Mensch- lichen Coͤrper nichts recht arbeiten kan. Dann wie kan einer in einer Sachen arbei- ten/ dessen Wesen er nicht vollkoͤmmlich verstehet. Wie wird ein Chirurgus die Me- dicamenta in den Zufaͤllen recht appliciren koͤnnen/ wann er nicht weiß/ an welchem Orth ein jedes liege/ wie die Glieder mit ein- ander verbunden/ und wie eins mit dem an- dern verwandt ist. Darff man derohalben woll kecklich sagen/ so viel einer ein Anato- micus ist/ so viel ist er ein Artzt! Zum an- dern soll er die Schaͤden des Menschlichen Leibes kuͤnstlich/ und so viel muͤglich/ ohne Schmertzen heilen. Citò, tutò jucundè Son- sten ist unter einem Stuͤmpler und Wund- Artzt kein Unterscheid. 4. Wie viel Stuͤck hat die Chi- rugia? Sie von Geschwuͤlsten. Sie wird in fuͤnff Theile getheilet/ und Fuͤnff Stuͤck der Chirur- gy/ der Ge- brechen nach. bestehet in Heilung/ 1. der Geschwuͤlste/ 2. der frischen Wunden 3. der Geschwaͤr/ 4. der Bruͤche/ 5. der Verruckungen/ und wer- den in folgenden Vers begrieffen. Ulcera, fracturæ, vulnus, luxata, tu- mores. Welche er alle auß dem Grunde verstehen muß. Den Zufaͤllen muß er gleichfals wis- sen zu begegenen/ welches das kuͤnstlichste ist/ als da sind/ Kaͤlte/ Hitze/ Feuchte/ Trockne/ Geschwulst/ Krampff/ Fieber/ Schlag/ ꝛc. wie bey den Wunden soll ge- sagt werden. 5. Was ist eine Geschwulst? Die Geschwulst ist nichts anders/ als ei- Galenus. ne Kranckheit/ in welcher die Theile unsers Leibes wider die Natur groͤsser werden. 6. Was ist die Ursach solcher Geschwulst? Die Ursach ist die Zufliessung und Ver- samlung der Feuchtigkeiten/ durch welche der Ohrt/ wo sie hingeschicket worden/ er- hoben und außgedehnet wird. Auff welche man im curiren eigendlich acht haben muß/ damit man nach selbigen die medecamenta richte. 7. Wo- Erster Theil 7. Woher kan man der Ge- schwuͤlste Unterscheid er- kennen? Aquapen- dens. Solcher Unterscheid wird auß zweyen er- kandt. 1. auß den einfliessenden Feuchtigkei- ten/ 2. von oder auß dem Glied/ worin sie geflossen; dann auß diesen zweyen muß man abnehmen/ auff was Weise sie zu curieren seyn. 8. Wie sind die Geschwuͤlst zu unterscheiden? Aquapen- dens. Nach den vier Humoribus, als da sind 1. die Blutige/ 2. Wassrichte/ 3. Gallmaͤßi- Btutige Ge- schwulst. ge/ 4. die Melancholische Feuchtigkeit/ und dann die auffblehende. Dann auß dem guten Gebluͤth kompt die rohte und blutige Geschwulst Phlegmone oder In- flammatio genandt/ welche/ nach dem sie in ein Theil des Menschlichen Leibes kompt/ unterschiedlich benahmet wird/ dann wann die Hirnhaͤutlein ( meninges ) inflammi ret seyn/ wird sie Phrenitis genandt/ wann die Inflammatio in den Augen ist/ wird sie Op- thalmia genandt/ wann sie im Halse und Zaͤpfflein/ Columella, wann sie in der Gur- gel/ Angina, wann sie in den Rippenhaͤut- lein/ ( Pleura, ) wird sie pleuritis oder Sei- tenstechen genandt/ wann sie in der Lungen/ peri- von Geschwuͤlsten. peripneumonia, wann sie in den Druͤsen und glandulis, wird diese Inflammatio oder bluti- ge Geschwulst Bubo genennet. Auß der Gallichte Geschwulst. Gall/ welche nicht gar beissend ist/ kompt das Rothlauff ( Erysipelas, ) der Wolff ( Herpes miliaris. ) Auß dem Waß- Wasserichte Geschwulst. richten humore kompt eine Geschwulst œdcma, die Wassersucht zwischen Fell und Fleisch ( Anasarca ) \&c. Auß der ( melan- cholico humore, ) Melancholischen/ kompt Scirrhus, welcher humor auch unter- schiedliche Nahmen nach Beschaffenheit des leidenden Theils bekompt; dann ist solcher Melancho- lische Ge- schwulst. in den glandulis und Druͤßlein/ wird er Struma genandt/ ist er im Scroto, wird Er Ramex genandt/ faͤllt er in die Beine/ und dehnet die Adern auß/ wird er varix ge- nandt ꝛc. Die auffblehende humores ma- chen emphysemata, (auffblehende Geschwuͤl- Aufblaͤhende Geschwuͤlst. ste) wann sie aber die duͤnne Seiten ( Hypo- chondria ) auffblehen/ wird sie eine Art Wassersucht ( Tympanites. ) Aber die Ge- schwuͤlste kommen nicht allezeit von den sau- beren und reinen humoribus, von welchen jetzo gesagt worden/ sondern auch und gemeinig- lich von vermischten/ uñ bekommen darnach vermischte Geschwulst. Paræus. auch Zunahmen; als zum Exempel: Wann in Vermischung der Waßerichten Feuchtigkeit und des Gebluͤths/ das Blut die Erster Theil die Feuchte uͤbertrifft/ wird das Apostema so darauß entstehet, Phlegmone œdematodes, das ist/ die Wasserichte rothe Geschwulst genennet/ also auch im Gegentheil/ œdema phlegmonodes, und so verhaͤlt sichs auch mit den andern. 9. Was ist Phlegmone, oder rohte und blutige Ge- schwulst? Sie kompt auß uͤberfluͤssiger Zufliessung des Gebluͤths/ und wann solches auß rei- Vigierius. nem Gebluͤth entstehet/ wird sie genandt phlegmone exquisita, wann aber das Ge- bluͤth mit Gallen vermischet ist/ wird sie phleg- Sennertus. mone non exquisita genandt/ wie auch phleg- mone erysipelatodes. Wann nun das Ge- bluͤth mit grosser Menge sich etwan in ein Glied des Leibes begiebt/ werden die grosse Blut- und Puls-Adern/ hernach auch die mittelmaͤßige/ biß zu den aller kleinesten er- fuͤllet/ alsdann dringet das Blut gleich wie ein Tau hindurch/ und erfuͤllet die Hoͤlen und Spatia der Musculen selbst; nach diesem die Nerven/ endlich auch die Span-Adern. Kennzeichen. Der Kennzeigen sind sechs. 1. die gros- se Hitze/ 2. die Roͤthe/ 3. der Schmertz/ 4. die Außdehnung/ 5. das Glaͤntzen/ 6. Ursach. die Bewegung der Pulß-Adern. Die Ur- sach dieser Geschwulst/ ist die Zufliessung des von Geschwuͤlsten. des Gebluͤths/ welche entweder euserlich herruͤhret von Stossen/ Fallen/ Vrennen ꝛc. oder welche auß einer pletora und Uberfluß Vigierius. Cur. des Gebluͤths her kompt. Die Cur wird in 4 Stuͤcken verrichtet. 1. in der Di æt 2. in dem man die einfliessende Feuchtigkeiten hemmet 3. in dem man das eingeflossene außfuͤhret. 4. in dem man die Zufaͤlle ver- bessert: Und wird diese Cur nach Beschaf- fenheit der Zeiten verrichtet/ derer vier seyn/ 1. der Anfang ist/ wann das Gebluͤth noch Aquapen- dens. zufleust/ 2. das Zunehmen/ in dem das Gebluͤth/ welches zugeflossen/ noch hitziger wird/ und durch die Faͤulung/ weil das Blut auß ihren Gefaͤssen/ sich veraͤndert. 3. Der Stillstand/ wann das Blut in Matery und Eyter verwandelt wird/ und die groͤsten Schmertzen seyn/ 4. das Abnehmen/ wann die gekochte und in Eyter-verwandelte Ma- terie zertheilet oder außgefuͤhret wird/ und die Geschwulst an ihr kleiner wird. Derohalben soll man/ nach dem man Paræus. gute Anordnung im Gebrauch der sieben nicht natuͤrlichen Dingen angestellet/ auch zugleich den Zufluß des Gebluͤths/ durch purgieren und Aderlaßen abgeleitet/ auff euserliche Mittel bedacht seyn/ und zwar im Anfang gebraucht man solche Mittel/ wel- In principio che den Gang der einfliessenden Feuchtigkeit versperren/ als da sind: Oxicratum, Safft oder Erster Theil oder gebrand Wasser von Hauswurtz/ Wegereich/ Rosen/ Bilsen-Saamen/ Bol. armen. Terra sigillata, Rosen-Oehl/ von welchen man entweder Pflaster/ Cata- plasmata oder Wasser zurichtet. Im In augmen- to. Zunehmen muß man nicht allein auff die jetzt einfliessende Feuchtigkeit/ sondern auch auff die schon eingeflossene achtung geben/ und deshalben den Artzeneyen so den Fluß ab- und zuruͤck treiben/ auch resolvirende und zertheilende mit einmischen/ doch/ daß die zuruͤcktreibende staͤrcker und mehr seyn: Als zum Cataplasmate, Pappel/ Wermuht/ Wegerich in halb Eßig und Wasser gesot- ten/ hinzu gethan. Farin. Fabar. hordij, pulv. rosar, ol. rosar, chamomillæ, Im In Statu. hoͤchsten Grad aber/ als im Statu, so ver- mischt die repellentia und digerentia im glei- chen Gewicht/ mit hinzuthun etzlicher Schmertzen-stillenden Sachen/ als Rad. altheæ, malvæ, parietariæ, Farin. fabar, pulv. chamomill, melilot, ol. chamomill, rosar, pingv. gallinar. oder den Schmertzen zu stil- len/ Weitzen-Brosahmen in warm Was- ser geweicht/ pulv. rosar. ruhr, Absinthij, ol. anethi und Honig vermischt. Wann aber In declina- tione. solche Geschwulst in declinatione und ab- nehmen ist/ sollen die zertheilende und resolvi- rende alle andere medicamenta uͤbertreffen/ auch gar allein/ ohne Zuthun anderer/ ge- braucht von Geschwuͤlsten. braucht werden/ als Papelen/ Ibisch/ Ger- stenmehl mit Honig und ol. chamom. ver- mischt/ oder Empl. de mucilaginibus, Empl. d. melilot, ol. chamom, anethin. \&c. Die- ses ist die Cur ohne Oeffnung. 10. Wie wird aber eine Phleg- mone durch eine Vereyte- rung curiret? Solches geschicht/ wann man keines we- ges die zufliessende Materie zertheilen kan/ welches aus der grossen Hitze und Ge- schwulst/ aus der Schaͤrffe des stechenden Schmertzens/ und gegenwaͤrtigen Fieber abgenommen wird; Alsdann muß man alle Hoffnung der Resolution oder Zertheilung hindan setzẽ/ uñ allein zur Vereyterung greif- fen. Als Lilien Wurtz/ Ibisch Wurtz/ Pap- pelblaͤtter/ Tag und Nacht/ in Honig-Was- ser gesotten/ Leinsaamen-Mehl/ Schwein- Schmaltz uñ Oehl von weissẽ Lilien uͤbeꝛlegẽ. Doch haͤlt Hieronymus Fabritius ab Aquapendente davor/ daß die Pflaster/ wel- che mit ihrem ankleben die Schweiß-Loͤcher der Haut verstopffen/ besser vereyteren/ als die cataplasmata, welche nicht so sehr kleben. Man soll aber die Oeffnung/ so bald man eine gekochte Materie verspuͤhret/ vor die Hand nehmen/ und nicht warten/ biß es von ihm selbst sich eroͤffne/ damit nicht die F behal- Erster Theil behaltene Materie die inwendigen Theile mit ihrer Schaͤrffe benage/ und also eine Fistel oder hohles Geschwaͤr verursache. In Oeffnung der Apostemen hat man inson- derheit zu betrachten/ daß man sie am wei- chesten/ und wo es seyn kan/ am niedrigsten Theil des Geschwulstes oͤffne/ und dazu an einem sicheren Ort/ da keine Blut-Lufft- und Span-Adern seyn/ auch soll die Oeffnung nach laͤnge der Haut und der darunter lie- genden Musculen geschehen/ die Materie muß man nicht auff einmahl auslassen/ son- dern allgemach/ und nach diesem reinigen und heilen. 11. Was ist der Rohtlauff oder die Rose? Paræus. Es ist eine Geschwulst Erysipelas genand/ wird allein aus dem scharffen/ subtilen/ duͤn- nen und Gallmaͤßigen Gebluͤht oder Chole- Avicenna. ra verursachet/ kompt fast in alle Gliedmas- sen des Leibes/ allermeist aber ins Angesicht/ wegen duͤñe der Haut uñ subtilen Gebluͤhts/ Keñzeichen. hat fast eben die Keñzeichen/ als die Phlegmone nur daß die Rose nicht so erhoben ist/ auch ist die Hitze viel hefftiger/ daß sie auch die Haut verbrennet/ auch hat der Rohtlauff Aquapen- dens. keinen so grossen Schmertzen/ als die Phleg- mone, ist aber stechender : Im Rothlauff weichet so woll die Roͤhte/ als die Ge- schwulst/ von Geschwuͤlsten. schwulst/ wann sie mit den Fingern druͤcket/ in der Phlegmone aber geschicht es nicht; Zu dem so bleibt auch der Rohtlauff nicht an ei- nem Ort bestaͤndig/ sondern weicht und kreucht immer weiter/ welches die phlegmo- ne nicht thut. Die Cur belangend/ ist die- Cur. selbe fleißig in acht zu nehmen/ damit nicht die schaͤdliche Feuchtigkeit wieder in die in- wendigen Theile getrieben werde/ dann wann solches geschicht/ wann die Rose im Angesicht/ kan eine Braͤune und Entzuͤn- dung der Hirnhaͤutlein daraus erfolgen/ wann die Rose am Arm und Schenckel/ kan der heisse Brand ( Gangræna ) durch die Fabritius Hildanus Cent. 1. ob- serv. 82. Im Gesicht zuruͤcktreibende medicamenta veruhrsachet werden. Soll man derohalben/ wan sol- che im Gesicht ist/ kecklich zur Ader lassen/ damit nicht die Braͤune verursachet werde/ in anderen Theilen aber des Leibes/ soll man keine Ader oͤffnen/ sondern purgantia gebrau- chen. Im Gesicht soll man wie gesagt/ keine euserliche kalte Sachen gebrauchen/ damit nicht die materia peccans zuruͤck ge- trieben werde/ noch warme Sachen/ damit nicht mehr hinzu gezogen werde. Dem Aquapen- dens. Krancken aber und den Beywesenden zu mehrerm Trost/ das Pulver vom Schwal- bennest/ mit Honig vermischt uͤberstreichen/ oder mit suͤß Mandel-Oehl beschmieren. Sonst wann der Rothlauff im Schenckel Im Schen- ckel oder Arm. F ij oder Erster Theil oder Arm/ mag man im Anfang/ und wann der Schmertz am groͤßesten/ kuͤhlen- de Sachen/ welche zugleich feucht seyn/ ge- brauchen/ mit nichten aber zusammen zie- hende/ oder welche mit einer Druckenheit kuͤhlen/ sondern Lactuca, Polygonum, por- tulaca, psyllium, semper vivum, umbilicus veneris, solanum, mandragora, und alle/ welche einer Waͤßerichten Natur und Art seyn: Wie auch Eßig und Wasser gemischt/ und uͤbergeleget/ daß infrigidans Galeni ist auch gut. Wann aber der groͤßte Schmertz hinweg/ soll man von den kuͤhlenden ablas- sen/ und zertheilende gebrauchen/ als ein cataplasma von Gerstenmehl/ Bohnen- und Feigbohnen-Mehl mit Honig angemacht: Man soll auch das Glied mit warmen Wasser/ oder Saltz- und See-Wasser behen/ damit die zusammengetragene Feuch- Johann. Pe- trus Faber in Chirur- gia Spagy- rica. tigkeit koͤnne außgefuͤhret werden. Auch ist im Anfang gut zu gebrauchen das ungu- ent. aus dem Eßig/ welcher auff dem Ly- targirio gestanden/ mit Viol-Oehl gemacht/ oder den obgedachten Eßig mit dem Ol. Tart. starck vermischt/ daß eine Milch daraus wird. 12. Was ist ein Oedema oder Wassersuͤchtige Geschwulst. Es ist eine weiche und unschmertzhaffte Ge- von Geschwuͤlsten. Geschwulst/ wenn man sie mit einem Fin- ger drucket/ weichet sie/ und laͤst eine Grube Keñzeichen. nach sich/ sie entstehet gemeiniglich an Haͤn- den und Fuͤssen/ weil diese Theile etwas weit von dem Ursprung der Waͤrme/ nem- lich dem Hertzen liegen. Sie entstehet eben wie andere Geschwulste/ dann/ wann die Ursach. Natur/ mit gar zu grosser Maͤnge des Ge- waͤssers beladen/ wird solches von der Na- tur außgetrieben/ von den grossen Gefaͤssen zu den Kleineren/ solche pituita aber ist na- tuͤrlich in der Leber generi ret/ ist weiß/ kalt und feucht/ hat keinen Geschmack/ oder ist et- was suͤßlich/ wann sie aber von ihrer Natur abweichet/ durch einmischung des Gebluͤts/ wird sie œdema phlegmonodes genennet/ wird etwas Gall eingemischet/ nennet man sie œdema erysipelatodes, wird etwas von me- lancholischer Feuchte mit eingemischt/ nennt man sie/ œdema scirrhosum. Das œdema Cur. von welchem oben gesagt/ zu curieren/ muß man vor allen dingen der Ursach wehren/ aus welcher sie gekommen/ als/ kompt sie aus dem Magen/ wegen uͤberfluͤßiger Kaͤlte/ muß solche corrigi ret werden/ deßgleichen/ wann die Ursach aus anderen Theilen her- kompt/ welche ein vernuͤnfftiger Medicus erforschen muß. Nach diesem/ soll man die albereit entstandene Feuchtigkeiten auß- fuͤhren/ durch Phlegmagoga: als mit dem F iij melle Erster Theil melle rosato solutivo, rad. Turbith, Aaga- rico: Diaphœnic. Pill. Cochijs. Rad. gialap \&c. Der Zufluß soll durch defensiva auff- Galenus. gehalten werden. Der schon eingeflossenen Feuchtigkeit soll man mit eusserlichen Mit- teln also begegnen; im Anfang einen Schwam in halb Eßig und Wasser genetzt uͤbergeschlagen/ oder aber/ die Schwaͤm- me eingetunckt/ in Aqua ex calce, item in Laugen aus Weinreben/ auch kan man etwas Alaun dazu thun. In statu \& de- clinatione soll man außtruckende und resol- vi rende Mittel gebrauchen: alß/ Cypres- sennuͤß/ Granatoͤpffel-Schalen/ Salbey/ Wollgemuht/ Isop/ Meliß/ Wermuht/ Wegerich/ Alaun/ Weinstein/ Saltz/ warm uͤbergelegt; auch koͤnnen zertheilen- de Pflaster gebraucht werden/ doch soll alle- zeit vor Gebrauch der Medicament en das Glied woll gerieben/ oder mit Salbey/ La- vendeln/ Roßmarin/ rothe Rosen/ woll ge- behet werden/ sonsten koͤnnen sie wenig wir- cken/ weil das Glied allezeit kalt. Wann diese Geschwulst zur Vereyterung kompt/ welches doch selten geschicht/ sollman sie ver- eyteren und heilen/ wie anderre abscessus. 13. Was ist eine blaͤstige oder windige und duͤnwasse- richte von Geschwuͤlsten. richte Geschwulst/ wie wird sie verursachet? Die blaͤstige Geschwulst hat in etwas Aquapen- dens. Verwandschafft mit der œdema/ wird ge- nand ( Emphysema ) eine Auffblehung; die Ursach solcher Geschwulst ist/ die zaͤhe und Ursach. dicke pituita und die mittelmaͤßige Waͤrmb- de/ dann wann eine dicke und zaͤhe Matery in unserm Leibe ist/ die Waͤrmbde aber schwach/ so wird keine Blaͤhung daraus entstehen/ weil solche schwache Hitze die Ma- terie nicht kan in Blaͤste veraͤndern/ herge- gen/ wann die maͤchtig/ die Matery aber duͤnn/ wird keine Blaͤhung verursachet/ sondern sie wird durch die starcke Hitze gantz zertheilet und verspreitet. Diese Geschwulst wird erkand/ wann man mit den Fingern Keñzeichen. drucket/ laͤst es keine Grube hinter sich/ als wie das œdema, ist auch heller und klaͤhrer/ auch kein stetswehrender Schmertz dabey. Im curiren muß man auff den gantzen Leib Cur sehen/ und muß eine gute Diaͤt/ von Spei- sen die da waͤrmen/ angestellet werden/ her- gegen welche Wind und Blaͤhung machen/ verbieten. Man soll auch solche boͤse Feuch- tigkeit mit purgieren und Aderlassen/ aus dem gantzen Leibe ausfuͤhren/ als/ mit Pill. de agarico, de hermodactylis auch mit denen/ welche die Humores duͤnne machen und præ- F iiij pari- Erster Theil pariren, als Syr. d. hysopo, oxymele scillitico pulegio ; Nachdem solches geschehen/ soll man zu dem beschaͤdigten Theil sich wenden/ ehe man aber medicamenta auffleget/ soll man das Glied behen/ mit der Bruͤhe vom decocto rutæ, pulegij, calaminth, betonicæ, mit Schwaͤmmen uͤberlegen eine Laugen/ welche Aquapendens sehr lobet. Die Zer- theilende und Duͤnnmachende sind/ Pech/ Hartz/ Terpentin/ Ochsen-Schmaltz und dergleichen. Vigierius ruͤhmet sehr das Empl. de baccis lauri, item Empl. de ranis cum \& sine ☿rio Vigonis, und befiehlet alle Medicamina warm uber zulegen. 14. Was ist Atheroma fuͤr eine Geschwust? Aquapen- dens. Atheron ist ein grichisch Wort/ und heist so viel als ein Brey/ weil diese nicht schmertz- haffte Geschwulst in einer duͤnnen membro- no sischen Haut einen humorem dem Brey gleich/ verschlossen hat/ wann man sie mit Keñzeichen. dem Finger starck drucket/ kompt sie nicht geschwind wieder empor. Sie koͤmpt aus Ursach. einer kaltschleimigen materie, welche allge- mach in eine hohe Geschwulst waͤchst/ und so woll von innerlichen als aͤusserlichen Zu- faͤllen verursachet wird. Weil diese Ge- schwulst eine gar zaͤhe und dicke materie hat/ kan sie nicht durch zertheilende Medicamen- ta von Geschwuͤlsten. ta geheilet werden/ sondern durch aͤtzende Cur durch zerthel- lende Artze- neyen. oder durchs schneiden: Doch koͤnnen die weichen atheromata welche nicht lang ge- dauret resolviret werden. Die aͤtzende ( me- dicamenta septica ) sind/ ærugo, squama æris, durchaͤtzende. chalcitis, auripigmentum, arsenicum, ealx viva, atramentum sutorium ; Solche muͤs- sen aber mit Unterscheid gebrauchet werden/ als die starcke in den erwachsenen/ die schwa- chen aber/ bey den Jungen und zarten/ dann arsenicum und lebendiger Kalck ist in den starcken Leibern woll ein aͤtzendes ( septicum ) aber in den Zarten woll ein Causticum und brennende Artzeney: deßgleichen ist der Kalck ein sopticum bey den Kindern/ aber in den Erwachsenen nur ein Epuloticum, oder durchschnei- den. Haut-schliessende Artzeney. Was das schneiden anlanget/ welches fuͤr das aͤtzen zu erwehlen/ so sol man den Ort so lang das Geschwaͤr ist/ mit Dinten zeichnen/ so lang der Schnit seyn soll/ (in den grossen muß man ein Creutz-schnit thun/) in dem schnei- den soll man zusehen/ daß man das Baͤlg- lein/ worinnen das apostema verschlossen/ nicht zerschneide/ sondern mit einem In- strumentlein von der Haut abledige/ das Blut welches die operation gern zu verhin- deren pflegt/ muß man unterdessen/ so viel muͤglich/ fleißig abwischen und stillen: auff dem grunde muß man die Ader/ welche F v dem Erster Theil dem Baͤlglein zu gehet/ und von welcher das atheroma seinen Wachsthum hat/ uͤber zwerg abschneiden/ doch also/ damit nichts von Baͤlglein darinnen bleibe/ und also wiederwachse; Diese Ader ist eintzelich und ohne arteria, daher kompts/ daß sel- biges kein Nahrungs-Gebluͤt ist: Nach diesem soll man die Lefftzen wieder zusam- men fuͤgen/ doch allezeit zu sehen/ ob auch in der Heilung ein Blut sich verhalte. Wann aber das Baͤlglein entweder vorher/ oder von dem Chirurgo zerrissen/ muß man das Baͤlglein entweder herauß schneiden/ oder mit aͤtzenden sachen herauß bringen. Sennertus. Sennertus befielet/ wann ein solches Baͤlg- lein dem pericranio oder Cranio selbsten ange- wachsen waͤre/ soll man das pericranium mit dem Cranio radieren und abschaben/ da- mit nichts uͤberbleibe: Doch verbeut solches Aquapendens, wegen allerley Ungelegenheit. 15. Was ist Meliceris fuͤr ein Ge- schwulst? Aetius. Meliceris ist eine Geschwulst/ welche in einem Baͤlglein eine materie dem Honig gleich/ in sich hat/ ist gantz nicht schmertz- Keñzeichen hafft/ wann man sie mit einem Finger dru- cket/ weicht sie leicht/ und kompt leicht wie- der/ ist ein vermischter humor, wider die Na- tur. Wird auff dreyerley arth curiret/ ent- weder von Geschwuͤlsten. weder durch zertheilende/ oder durch auß- Cur durch zerthei- lende Artze- ney fuͤhrende Artzeneyen/ oder durchs Schnei- den. Weil aber von den aͤrtzenden Mitteln/ wie auch vom Schneiden/ bey dem Athe- romate gesagt/ ist noch uͤbrig/ etwas von dem außspreitenden und digerirenden Mit- teln zu melden/ welche die Materie durch einen Dampff außfuͤhren/ solche muͤssen aber staͤrcker seyn/ als wann ein Geschwaͤr ohne Baͤlglein were. Mittelmaͤßige Artze- neyen sind: Terebintina, galbænum, opopa- nax ; staͤrckere sind: Aq: ex calce zweymahl infundi ret/ auch die Bruͤh von decoct: allij, oder Laugen mit Schwaͤmmen eingetunckt/ uͤber gelegt. 16. Was ist Steatoma fuͤr ein Geschwulst? Es ist eine runde Geschwulst des Haͤupts/ banget starck dem cranio und pericranio an/ Keñzeichen. hat eine Materye dem gerunnenẽ Talck oder Inschilt gleich/ ist zwischen zweyen Haͤutlein eingeschlossen/ wann aber solcher abcessus in anderen Theilen des Leibes ist/ hat die Ma- terie viel mehr eine Gleichheit eines Fettes/ als Talges/ es pflegt auch ein Baͤlglein und keine Haͤutlein zu haben. Es wird aber sol- che Materie auß Unrechtmaͤßigkeit ( ex in- Ursach temperie ) des Orthes eingeflossen/ durch das boͤse Gebluͤth. Was die Cur anlan- Cur get/ Erster Theil get/ ist solcher abscessus wegen Haͤrte der Materie/ Außbreitung/ Vielheit des Tal- ges/ nicht anders als durch das schneiden zu Actius lib. 15. curiren/ in dem man das Sevum oder Talg von dem pericranio woll ablediget/ damit nichts dahinten bleibe/ (sonsten kompt es auffs neue wieder/) das Cranium radiret/ und letzlichen heilet. 17. Was ist Herpes oder der Wolff fuͤr eine Geschwulst? Aquapen- dens. Es ist eine Geschwulst auß einer subtilen und scharffen gallmaͤßigen Feuchtigkeit her- kommend/ wann nemlich dieselbe durch Mittel ihrer Subtilitaͤt biß zu der obersten Haut epidermis genandt/ gelanget/ und sich in dieselbe hin uud wieder weit außbreitet. von Galeno werden dreyerley erzehlet. als Herpes ist dreyerley. 1. Herpes simplex, wann die Materie einer mittelmaͤßigen und nicht allzu dicken Sub- stantz ist/ und alsdann naget sie nur die Haut. 2. Herpes miliaris, welche nebst dieser Gallmaͤßigen Feuchtigkeit die Waßerichte mit bey sich hat. 3. Herpes exedens, wann bey besagter Ma- terie auch eine melancholische Feuchtigkeit verhanden ist. Der Herpes miliaris hat viel Blaͤterlein/ dem Hirse gleich/ in der obersten Haut/ und wann die Blaͤtterlein schon von Geschwuͤlsten. schon heilen/ kommen doch andere wieder/ und kriechen weiter. Der Rothlauff kompt auß der natuͤrlichen/ dieser aber auß der wie- dernatuͤrlichen Galle. Es wird auch dieser Celsus. Herpes, Ignissacer genandt/ und wiewoll solcher keine Gefahr mit sich bringet/ so ist er doch unter allen denen Kranckheiten/ welche umb sich fressen und kriechen/ schwer zu cu- riren/ denn es ist offt eine Unrechtmaͤßigkeit der Leber darbey/ welche verursachet/ daß sie so schwer zu curiren ist. Es muß aber in der Cur auff den gantzen Leib gesehen wer- Cur den/ und weil dieser Herpes dem Rothlauff fast gleich/ kan man mit ihm auch also ver- fahren/ ausser dem/ daß die uͤberfluͤssige Feuchtigkeit eine Außfuͤhrung so woll der Gallen/ als der pituita erfodert/ dannen- hero gelobet wird/ das Elect. diaphœn. oder die pill. cochiæ ; wann eine plethora verhan- Vigierius. den/ soll man zur Aderlassen/ sonsten hat das Aderlassen keine statt/ weil dieser affect von der uͤbelen Dauung seinen Ursprug hat; Hergegen ist das purgieren mit dem Scam- monio in Ziegenmilch nuͤtzlich. Was den beschaͤdigten theil anlanget/ soll man zu ruͤck treibende Artzeneyen brauchen/ zwar nicht kalte und feuchte/ wie im Rothlauff/ son- dern kalte und truckene/ als/ Wegerich/ Granat-Schalen/ Gersten- und Linsen- Mehl in Wasser gesotten/ Rosen/ Wer- muht Erster Theil muth und Honig dazu gethan/ und zum cataplasmate gemacht; Oder welches staͤr- cker/ Galloͤpffel/ Granat-Schalen/ Bol. armen. alles mit Rosen-Wasser und wenig Aquapen- dens. Eßig vermischt/ damit es nicht beisse. Aqua- pendens gebraucht das Meer- oder Saltz- Wasser/ in welchen Schwefel und Alaun geworffen/ hierinnen soll das Glied gehal- ten werden/ wann die Blaͤtterlein auffge- hen/ soll man abtrucknende und abwischende medicamenta gebrauchen. Herpes exedens der kreucht fort/ und frist umb sich/ aber nur die Haut/ zum Unterscheid Phagedenæ, welche auch das Fleisch naget und frist/ die Ursach ist einerley mit dem miliari, nur das keine pituita da ist: wird curirt durch Gall- purgierende Mittel/ euserlich uͤbergelegt/ daß ceratum de succo tabaci, innerlich die Zie- genmolcken oder decoct. sarsæparill nach dem die Zeit und Leber beschaffen. 18. Was ist Ganglion oder Uber- bein fuͤr eine Geschwulst? Paræus. Es ist eine Geschwulst/ welche bißweilen hart/ bißweilen weich ist/ entstehet gemei- Keñzeichen. niglich in den harten und spanadrichten Or- ten des Leibes/ auß Unvermoͤgligkeit der Nerven oder Haarwachses/ welche ihnen auß den Biegungen/ Außstreckung/ erlit- tenen Stichen/ harter Arbeit und derglei- chen von Geschwuͤlsten. chen verursachet werden/ und dieweil der Ursach. Narungs-Safft der Glieder/ welche zu ih- nen gebracht worden/ weder verdauet/ noch in ihre Substantz kan verwandelt werden/ so wird er zu einer solchen dicken und kalten Feuchtigkeit. Die Cur anlangend so sol- Cur len die Geschwuͤlst/ welche Haarwachs und Gelencke eingenommen haben/ nicht mit Instrumenten weggebracht werden/ sondern mit Medicamenten, welche eine erweichen- de/ fließigmachende und zertheilende Krafft in sich haben/ als nemlich: gum. ammoniac, segapen. in aq. vitæ zerlassen/ oder mit dem Empl. de ranis cum duplici ☿rio Vigonis auch mit dem Empl. de ammoniac: cum suc- co cicutæ. Wann aber solche Geschwuͤlst an andern Theilẽ des Leibes in einem Baͤlglein oder besonderen Haͤutlein wohnen/ sol man solche/ wann sie noch neu/ mit dem Fingern starck reiben/ damit das Haͤutlein zerreisse/ oder ein Bleyern Blech mit ☿ vivo bestri- chen/ uͤberlegen/ auch knoͤnnen diese durchs Schneiden weggenommen werden/ wie bey der Geschwulst atheroma gesagt worden. 19. Was sind Scropulæ, stru- mæ oder Kroͤpff fuͤr Ge- schwuͤlste? Es sind wasserichte Geschwuͤlste mit ein- Celsus. gemischter Melancholischer Feuchtigkeit/ entste- Erster Theil enstehen in den glandulis und druͤsichten Or- Ursach. ten/ als/ neben dem Gemaͤchte/ unter den Armen/ und sonderlich an den Druͤsen des Halses/ selten an den Bruͤsten und Hoden. Riolanus. Riolanus vermeinet/ daß der wahre Ur- sprung dieser Geschwuͤlste/ das druͤsichte mesenterium sey/ und daß niemand einen Kropff habe/ es seyn dann das mesenterium mit der gleichen Geschwuͤlsten angefuͤllet/ welches doch Thomas Bartholinus in sua ana- tomia reformata. p. 77. wieder spricht. Sie sind von andern Geschwuͤlsten hierin unter- Unterscheid. schieden/ daß ihrer viel nahe beysammen und aneinander seyn/ tieffer einwurtzeln/ und dann und wann schmertzhafft seyn: Es bekommen die Leuthe am meisten/ welche viel fressen und sauffen/ und dem Muͤßig- gang und Faulheit ergeben seyn: In der Steyermarck sind die am Halse sehr gemein. Cur Was die Cur und heilung betrifft/ muß man auff den gantzen Leib sehen/ denselben in guter Ordnung halten/ und wie mit den Paulus Æ- gineta. Scirrhis verfahren. Zertheilende Sachen soll man brauchen/ als: Rad: altheæ mit ping v: gallinarum, oder farina lupinorum Aquapen- deus. mit oximel gekocht/ oder Ol: vetus, acet: acerim, und ein Thiel Lytargir: darunter gekocht/ biß es ein ceratum wird. Wann aber ein ander humor/ als Blut oder Gall mit eingemischet ist/ lassen sie sich nicht resol- vi- von Geschwuͤlsten. vi ren/ als dann muß man sie zur vereyterung durch Verey/ terung. bringen/ mit Empl. Diachyl: oder ein cata- plasma gemacht/ von Rad: altheæ, liliorum alb, pingv: anseris \& gallinæ \&c. Es ist aber allhie in acht zunehmen/ daß man die Ge- schwuͤlste nicht ehe oͤffne/ es sey dann alle Materie in Eyter verwandelt/ dann/ es kan sosten die andere Materie nicht so leicht zur vereyterung gebracht werden/ weil sie in den fruͤhzeitigen offnen die Waͤrmbde ver- lohren hat. Bißweilen sind sie so wider- spenstig/ daß sie auff diese weise nicht koͤnnen curiret werden/ als dann muß man die glan- Galenus. dulam zugleich mit außnehmen/ solches kan wol in dem Halß/ unter den Achseln und Schaam aber nicht leichtlich in den Bruͤsten Cur durchs schneiden. und Hoden zugelassen werden/ man muß auch sonderlich behutsam damit umbgehen/ damit kein Blutfluß entstehe/ auch nicht von dem Druͤßlein darin gelassen werde/ damit nicht das Ubel wiederkomme/ auch ist vor- sichtiglich mit umbzugehen/ damit nicht im schneiden/ wann die scropulæ am Halse/ die Blut- und Lufftadern jugulares \& carotides wie dann auch die nevirecurrentes beschaͤdi- get werden/ dann Vigierius bezeuget daß Vigierius. auch nur durch entbloͤssung dieser Nerven/ die Sprach verlohren worden. G 20. Was Erster Theil 20. Was ist Scirrhus vor eine Geschwulst? Aquapen- dens. Es ist eine harte Geschwulst kompt her von einem dicken/ zaͤhen/ kalten und leimich- ten humore, als da ist/ die schwartze Galle/ und die uͤber die maaß außgetrucknete Pitui- ta, die melancholische Feuchtigkeit aber/ worauß der Scirrhus entstehet/ ist die Natuͤr- liche/ welche in der Leber generiret ist/ und gleichsam der Hefen des Gebluͤths ist/ son- sten dick und kalt/ aber dennoch dem Leibe nuͤtzlich/ denn es naͤhret die harten und dicken theile des Leibes/ und machet das Gebluͤht dick und starck; die Geschwulst hat keinen Schmertzen/ und bleibet an einem Ort/ ist unbeweglich. Der Scirrhus welcher auß Keñzeichen. der pituita koͤmpt/ hat eine gleiche Farbe mit dem andern/ welcher auß der Melancholey kompt/ ist bley-farbig/ sie entstehet auch offt in der Leber und Miltz/ aͤusserlich aber ge- meniglich in den Haͤuptern der Musculen/ werden auch offt verursachet/ wann man gar zu kalte Sachen/ oder gar zu starcke zer- theilende Medicamenta in den inflammati- onibus gebraucht/ daß also entweder der hu- mor verhartet/ oder durch zertheilung der duͤnnen Materie die uͤbrige Dicke ertrucknet/ Cur und gleichsam zu Stein wird. Die Cur belangend/ muß man auff die innerlichen Ur- von Geschwuͤlsten. Ursachen sehen/ dann kompt solche melan- cholische Feuchtigkeit auß uͤbeler Beschaffen- heit des Miltzes/ oder der Leber/ muß sol- ches verbessert werden/ kompt sie auß ver- haltung der monatlichen Blum oder guͤlde- nen Ader/ muͤssen solche geoͤfnet werden; Wann nun der Leib gereiniget/ soll man zun aͤusserlichen Mittelen schreiten/ und auff sei- nen Ursprung sehen: denn kompt er auß der pituita/ muß man erweichende und zerthei- lende Sachen gebrauchen/ kompt er auß melancholischer Feuchtigkeit/ soll man be- hutsahm mit ihm umbgehen/ dann braucht man zertheilende Artzeneyen mehr als sichs gehoͤret/ wird solcher gar zum Stein/ thut man ihm in erweichen zu viel/ muß man in furcht stehen/ es werde gar ein Krebs dar- auß/ und sonderlich/ wann er auß einer melancholischen Feuchtigkeit herkommen/ ist also das beste/ man brauche eins umbs an- der/ oder mische die erweichende mit den zer- theilenden zusammen/ also kan das Erweich- te zertheilet werden: uͤber alle andere Mitel ist das Empl. d. ranis cum duplo ☿ rio Vigo- nis : kompt er aber nach dem Rothlauff oder inflammation , soll man wissen/ das solcher Scirrhus aus erkalteten Artzeneyen entstan- den/ derohalben sollen erweichende/ erwaͤr- mende und ausfuͤhrende Mittel gebrauchet werden/ als ein cataplasma gemacht von G ij gum . Erster Theil ad Alman- sor lib. 7. gum. bdellij, ammoniac. galban . in Lilien- Oehl zerlassen/ und mucilag. sem. Lini. fœn: græc. \&c . darzu gethan. 21. Was ist der Krebs/ wie vielerley ist er/ und wie ist er zu curiren? Paræus. Sennertus. Der Krebs ist eine runde Geschwulst/ blau/ rauh/ uneben/ unbeweglich/ hat im Umbkreiß/ umb sich herumb auffgelauffene und baͤrstende Adern/ den Krebs-Fuͤßen Ursach. gleich/ daher er auch den Nahmen hat. Kompt von der schwartzen Galle/ welche Aquapen- dens, auff vielerley Weise generirt wird. Biß- weilen kompt der Krebs auß uͤbermaͤßiger Hitze der Leber/ welche durch ihr Brennen die schwartze Galle bereitet/ auch geschiehet solches bißweilen/ wann durch Schwach- heit des Miltzes/ die melancholische Feuch- tigkeit von ihr nicht kan angezogen werden/ sondern im Leibe behalten und gebrathen wird: Bißweilen kompt er auß Verstopf- der guͤlden Ader/ und Verhaltung der Mo- natlichen Blum/ item/ auß vielen und staͤ- tem Gebrauch/ dicker und hitziger Speisen/ als Knoblauch/ Zwiefel/ und allerley Huͤl- sen-Fruͤchte/ Hasen- und Esel-Fleisch und Celsus. dergleichen. Es kan zwar der Krebs in al- len Theilen des Leibes entstehen/ allermeist aber von Geschwuͤlsten. aber in den Theilen des Gesichts/ als Leff- Paulus Æ- gineta lib. 4. tzen/ Naas/ Ohren/ wie auch in den Wei- ber Bruͤsten/ welche nicht allein luck seyn/ den Melancholischen humorem an sich zu nehmen/ sondern sie haben auch Verwand- schafft mit der Gebaͤr-Mutter/ durch die Adern/ durch welche sie gereiniget werden soll/ wann nun in Verstopffung derselben solches nicht kan auß gefuͤhret werden/ stei- get es uͤber sich/ und kan leicht zu den Bruͤ- sten gelangen. Laͤst sich im Anfang schwer Krebs ist schwer im Anfang zu erkennen. erkennen/ in dem er gar klein/ wann er aber groͤßer worden/ machet er durch die scharffe Hitze grosses Stechen und unleidlichen Schmertzen: Doch ist dieser einer etwas guͤttigern/ und nicht so boͤsen Arth/ als welcher eine Schaͤrffe beysich hat/ und offen ist/ welcher Cancer exulceratus genandt wird/ dann dieser ist ein Geschwaͤr eines uͤbe- len Geruchs/ dicker auffgeworffener Lefftzen/ außgefressen/ und geborsten. Die Cur anlangend/ so ist der Krebs fast unheilbahr/ Hippocrat. Aphor. 82. sect. 6. er sey wie er wolle/ dann/ in welchen die Cur vorgenommen wird/ sterben bald. Doch kan man den anfangenden heimlich und noch nicht offenen Krebs/ offtermahls vor- kommen und begegnen/ und zwar den Klei- Cur nen/ mit medicamenten , den Grossen aber/ mit Hand-Cur und Instrumenten . Muß dero- wegen innerlich die melancholische Feuchtig- G iii keit Erster Theil keit außgefuͤhret werden/ mit Confect: Ha- mech , Epithim: Hicra \&c . und durch fleißi- ges diæt gewaͤhret werden/ daß keine solche Feuchtigkeit gemehret und gehaͤuffet werde/ zu dem/ kalter und feuchter Speisen sich ge- brauchen/ hergegen sich aller scharffen und gesaltzenen enthalten. Euserlich soll man sich der zuruͤcktreibenden und zertheilenden Avicennas. Sachen gebrauchen/ als/ consolida, succ. solan, acetosæ, plantag, item tutia in ol: ro- Sennertus. sarum, cerusa, lytargir, plumb: ust. Sen- nertus ruͤhmet das Oehl/ welches von gruͤ- nen Froͤschen distilliret wird/ auch koͤnnen sie Pulver weiß/ wie auch die Schnecken gebraucht werden: Alle ungventa zu diesen Gebrechen/ koͤnnen fuͤglich und mit Nutz/ in einen bleyern Moͤrser gemacht werden. Hil- Cent. 1. Ob- ser. 1. danus lobet das Wasser/ es sey der Krebs wo er wolle/ gemacht von Nachtschatten/ Braunwurtz/ Bethonien/ Wasser-Froͤ- schen ꝛc. Paræus das Diapalma in Nacht- schatt-Safft und Rosen-Oehl zerriben. Wann aber der Krebs ziemlich groß/ muß solcher durchs schneiden weg gebracht wer- den/ wiewoll solches an etzlichen Orten sehr gefaͤhrlich/ wegen Verblutung/ so woll der Adern/ als Arterien. Im schneiden soll man zugleich die abgeschnittenen Adern bren- nen/ welches eben woll gefaͤhrlich/ dann wann solches in den Bruͤsten geschicht/ ist sol- von Geschwuͤlsten. solches zu besorgen/ daß die Hitze zum Her- tzen steige. Mit Medicamen ten aber soll man Ihn nach Galeni Meinung unangeta- stet laßen/ weil er durch dieselbe noch mehr erzuͤrnet wird. 22. Was ist Aneurisma fuͤr eine Geschwulst? Es ist eine Geschwulst (wie woll eigent- Sennertus. Keñzeichen. lich zu reden/ sie nicht unter die Geschwuͤlst gehoͤret) welche sich mit den Fingern fast hinein trucken laͤst/ und ist sehr weich/ ent- stehet in den Arterien/ dann weil auß der Anatomia bekandt/ daß solche zwo Haͤutlein haben/ als die innere hart und dick/ die eu- serliche aber welche weich und zart ist/ so ge- Ursach. schicht solche Geschwulst/ wann die innere Haut verietzet wird/ und weil solche mem- branosische innere Haut nicht zusammen hei- len kan/ die obere aber/ welche weich und dem Fleische nahe/ gar leicht zuheilet/ weil sie aber schwach/ wird sie durch die Bewegung des Pulses außgedehnet/ uñ eine Geschwulst verursachet. Zu zeiten ist auch ein Rauschen und Zischen darin/ welches die leblichen Geister verursachen/ so sich mit grossem Ge- walt und Ungestuͤmm/ durch diese enge Wege machen/ und also ein Geraͤusche ma- chen. Sie erzeigen sich in allen und jeden Gliedern des Leibes/ durch starckes Schrey- G iiij en/ Erster Theil en/ Blasen/ Gebaͤhren und dergleichen/ insgemein aber/ wann durch unerfahrne im Aderlassen eine Arterie verletzet wird. All- hie wird die Meinung Fernelij, Fallopij, Ve- salij und Paræi widersprochen/ welche da- fuͤr halten/ daß ein aneurisma allein eine Auffspnannung und Nachlassung der Haͤutlein sey/ auß welchen die Puls-Ader gemacht worden. Auch wider Sylvaticum Fabritius Hildanus Cent. 3. obs. 44. pag. 297. lehret D . Doͤring/ daß das aneurisma nicht geschehe/ wann das Blut der Puls-Ader unter die Haut ergossen wird/ dann wann das Gebluͤht ausser die Gefaͤße kompt/ fau- let es bald/ welches im aneurismate nicht Cur geschicht. Die Heilung anlangend/ ist sol- che schwer/ doch welche noch neu/ und nicht sehr groß/ moͤgen/ wie Hildanus lehret/ also zurecht gebracht werden. Innerlich soll man Julep eingeben von Agrimonia, Fumaria, Polypod, Veronica mit Syr: Fu- mar: und Aq: Cinamom: gemacht. Den Leib soll man reinigen/ mit Confect: Hamech , oder Spec: Diaturb. c. Rhabarb . Euserlich das Empl. de Cicuta uͤberlegen/ oder das Empl: Diachalciteos mit Mastix/ rothen Rosen und Heydelbeer/ Wallwurtz und Rosenoͤhl vermischt. Es koͤnnen auch zu- sammenziehende und zuruͤcktreibende Sa- chen gebraucht werden/ wie auch ein Bleyern Blech/ welches zuruͤck treibet/ zusammen zie- von Geschwuͤlsten. ziehet/ und die Arterien dick machet. Und wiewoll Paræus auch durch das Abbinden/ und zwischen zweyen Faͤden abzuschneiden/ die aneurismata zu heilen lehret/ ist doch sol- ches wegen grosser Gefahr nicht vor die Hand zunehmen/ denn in den grossen Ge- faͤssen/ durch solche Abscheidung der Arterien eine solche Zerrinnung der Geister verursa- chet werden kan/ daß der Tod darauff er- folget. Die innerliche aneurismata sind gar nicht zu curieren. 23. Was ist Hydrocephalus’ oder Wasserkopff? Es ist eine waͤsserichte Geschwulst des Galenus. Paulus. Haͤupts/ fuͤrnemblich viererley art. 1. Wann zwischen dem Hirn und deren Haͤutlein die Feuchtigkeit sich verhaͤlt. 2. Zwischen den Haͤutlein und Knochen. 3. Zwischen dem Aetius. Knochen und pericranio . 4. Wann zwi- schen dem Cranio und der Schwarten sich solches verhaͤlt. Die Ursachen dieser Ge- Ursach schwulst sind/ wann in den new gebornen Kindern das Haͤupt nicht recht zusammen gedruckt wird. Zum andern wird sie ver- ursachet/ von stossen oder fallen/ in dem die Blut- und Lufft- Adern zerrissen werden. Zum dritten/ durch die umbstehende kalte Lufft/ in welcher das Haͤupt des Kindes ge- wesen. Zum vierten durch uͤberfluͤssigen Hydroce- phalus G v tranck Erster Theil tranck des Wassers/ der schwangeren Wei- ist zweyerley. ber oder der Saugenden. Es ist zweyerley Art dieser Geschwulst/ nemlich/ wann nur bloß Wasser oder Molcken in der Geschwulst ist/ welches geschiehet auß einer innerlichen Ursach/ als auß uͤberfluͤssiger samlung des Gewaͤssers im Leibe/ die andere Art/ hat nicht allein bloß Molcken in sich/ sondern auch ein dickes und hefenmaͤßiges Gebluͤth/ welches auß einer zerrissenen Ader/ oder eus- Cur ferlichen Ursach geschicht. Was die Cur anlangent/ so sind dieselben Wasserkoͤpffe toͤdlich/ wann ein solcher humor zwischen dem Hirn und dessen Haͤutlein sich verhelt/ in den andern/ und zwar Kleinen/ hat es keine Gefahr/ und soll man das Wasser auff eine allgemeine Weise versuchen abzu- fuͤhren/ mit pill. Cochijs oder pill, aloephang: entweder dem Kinde selbst/ oder der Saͤug- ammen solche beybringen; Nachdem/ soll man Medicamenta auflegen/ welch warm und trucken sind/ einer duͤnnen Substantz/ und die ein wenig astringiren: Als: decoct : Salis, Sulphur : \& Alum : in Schwaͤmmen eingetunckt/ in Erwachsenen/ kan man woll aq: ex calce gebrauchen. Wann aber sol- ches nicht wolte weg gehen/ soll man zum Schnit greiffen/ und also die wasserichte oder blutige Molcken außlassen/ doch nicht auff einmahl/ sondern behutsahmlich/ denn es von Geschwuͤlster. es ist eben/ gleich wie in der Wassersucht/ Gefahr dabey. 24. Was ist Parotis fuͤr ein Geschwulst? Es ist ein unnatuͤrliche Geschwulst so sich in und umb die Druͤßlein hinter den Ohren Paræus. verhaͤlt/ durch welche das Hirn seinen Un- rath außlest/ wird von einer dicken/ zaͤhen uñ schleimichten/ wie auch von Gall-maͤßiger Ursach. und melancholischer Feuchtigkeit verursa- chet; Unterweilens werden auch gifftige und pestilentzische humores mit eingemischet. In Cur heilung dieser Geschwulst soll man sich der zuruͤcktreibenden Mitteln gaͤntzlich enthal- ten/ es sey die Materie guͤttig oder boͤß/ damit nicht die Natur von neuen damit be- laͤstiget werde/ was sie einmahl schon von sich gestossen/ sondern man soll viel mehr herzuziehende und lindrende Mittel gebrau- chen/ ol. chamomill, irinum, de melilot , oder Rad: Liliorum, Vitell: Ovorum, Pin- gved: porci: Nach solcher Erweichung soll man nicht warten/ biß sie selber auffbrechen/ sondern/ so bald es seyn kan/ zur Oeffnung schreiten/ damit keine Symtomate dazu schla- gen. 25. Was ist die Feige fuͤr eine Geschwulst? Es ist eine runde/ und etwas harte Ge- Aquapen. dens. schwulst/ Erster Theil schwulst/ aus welcher eine Materie den Koͤr- nern in den Feigen gleich/ ausgehet/ wor- von sie auch den Nahmen hat/ ist in allen Theilen des Leibes/ allermeist aber in dem Ursach. Haupt der Kinder. Kompt von vermisch- ten Feuchtigkeiten/ als dickem Gebluͤht/ Wasser und Molcken. Im curiren muß man der Vereyterung wehren/ sonsten wird eine andere Kranckheit darauß/ welche aͤr- Cur ger ist. Man kan aber der Vereyterung wehren/ wann der gantze Leib gereiniget wird/ mit pill: cochiæ , und durch den Schweiß mit dem decoct: Sarsaparill: Eu- serlich muß man erweichen/ damit sie koͤnne zertheilet werden/ nemblich Schaffgarben mit Saltz uͤber gelegt/ oder aq: sulphur: \& salis mit Schwaͤmmen uͤbergelegt/ wann er aber zur Vereyterung kompt/ soll man das Ceratum Citrinum Aquapendentis uͤber- legen/ und zur Reinigung/ Honig mit Feigen vermischt/ gebrauchen. 26. Was ist Testudo, Talpa oder Maulwurff fuͤr Ge- schwulst? Diese Geschwulst wird also genennet/ dieweil sie/ gleich wie der Maulwurff die Erde durchkreucht/ sich mit ihrer Geschwulst zwischen der Haut und pericranio auffhaͤlt/ und unter der Haut auch das cranium an- greifft/ von Geschwuͤlsten. greifft/ ist in einem besonderen Baͤlglein be- griffen/ welches offt dem Cranio also an- hanget/ daß es offtmahls auch dasselbe an- greifft. Entstehet gleich wie die meliceris , Ursach. Cur und Heilung. auß vermischten humoribus . Was die Cur anlanget/ soll der gantze Leib mit den pillu- lis cochijs, aureis, velde tribus vel aggrega- tivis gereiniget werden/ absonderlich soll man auff das Haupt sehen/ aus dessen An- fuͤllung diese Geschwulst geschicht: Wann die Cur wiederspenstig/ soll man das deco- cium sarsaparillæ gebrauchen. Euserlich soll man/ und zwar im Anfang digerentia und emollientia gebrauchen/ als; ceratum d. betonica , oder Rad: Liliorum alb . mit Honig vermischt; Wann solche sich nicht wil zertheilen lassen/ ist ein Zeichen/ daß sie zur Vereyterung gelangen wil/ welches vielmehr befodert/ als verhindert werden soll/ mit Diachyl: c. Gummis, Empl: tria- pharmaco \&c . hernach soll es geoͤffnet wer- den/ damit nicht das unterliegende Haͤut- lein pericranium , wie auch/ wann die Ge- schwulst auff einer sutur , nicht die dura ma- ter angegriffen werde/ soll nachmahls ge- reiniget werden/ mit farina lupinorum in Honig gemischt/ nach diesem Fleisch zielen/ mit dem Ungv. Isidis , mit truckenen Sachen/ als/ Tut. ppt., balaust, bol: armen: oder Hirschhorn vermischen. 27. Was Erster Theil 27. Was ist ein Polypus oder die Nasen-Geschwulst? Es ist eine Geschwulst/ welche dem Fuß und Fleisch des Meerfisches Polypi sich ver- gleichet/ hanget dem Osse Cribroso oder sieb- formigen Bein an/ verstopffet die Naßloͤ- cher/ daß man nicht woll reden/ außschneu- tzen noch athemen kan/ zu weilen waͤchst er auch in den Hals/ daß die Patienten fast er- sticken. Es ist aber diese Geschwulst ein weises Celsus. uñ weiches Fleisch/ von vielen stuͤcklein gleich- sahm zusammen gesetzt/ und schwammicht/ Ursprung. entweder am Knochen oder Krospel anhan- gend/ daher sie gemeiniglich aus einer was- serichten Matery kompt/ hat etzliche Adern von welchẽ es genehret wird/ dahero nach Al- bucasi Meinung fast glaͤublicher scheinet/ sie komme von einem gar zu waͤsserichten Ge- bluͤht/ welches in dem Hirn uͤberfluͤßig zur Unterscheid. Nasen fleust. Diese Geschwulst ist unter- schiedlich/ denn bißweilen ist der polypus hart/ bißweilen blau/ schmertzhafft/ und kuͤrtz- lich zu reden/ Krebsmaͤßig/ welchen man mit Instrumenten keines weges curiren soll/ sondern mit ihm umbgehen/ wie beym Vigierius. Fuͤnfferley Art. Krebs gesaget worden. Vigierius setzet fuͤnfferley Arten des Polypi , die 1. ist eine weiche/ lange und duͤnne Membrana , mit einer wasserichten und leimichten Materie ange- von Geschwuͤlsten. angefuͤllet. 2. Ist ein Fleisch/ aus dem melancholischen Gebluͤth entsprossen. 3. Ist ein Fleisch/ welches von dem Krospel herab hanget/ ist laͤnglich und weich/ entspringet aus dem wasserichten Gebluͤht. 4. Ist eine harte Geschwulst/ dem Fleisch gleich welches wann es beruͤhret wird/ einen Thon als ein Stein von sich giebet/ entstehet aus dem ausgetrucknetem Gebluͤht. 5. Bestehet aus vielen Krebsmaͤßigen geschwaͤrlein. Son- sten ist der Polypus welcher durch Handgriff curiret werden soll/ weiß/ weich/ und ohne Hand Cur Schmertzen/ und solches geschicht/ entwe- der durch ein schneidendes und von Fabritio ab Aquapendente erfundenes Instrument/ oder durch ein Brenn-Eysen/ in dem der Polypus durch ein dazu gemachtes Roͤhrlein beruͤhret wird. Euserlich soll man in solchen operationibus , den Schmertzen zu stillen/ oder der Inflammation zu wehren/ das Ungv. de Bolo. Item Ungv : nutritum oder Eyer- klar mit Rosen-Oehl vermengt/ uͤberschla- gen/ und weil in Wegnehmung des Polypi , insgemein etwas dahinten bleibt/ so soll man mit Einblasung eines etz- und trucken Pulvers/ das hinterstellige hinweg nehmen. 28. Was ist zu thun/ wann ei- nem durch einen hitzigen und scharffen Fluß die Naa- se Erster Theil se geswollen waͤre/ und der Krospel mit anlieffe? Hildanus Cent 2. ob- serv. 22. Nach angestellter guter Ordnung im Es- sen und Trincken/ soll man den Patienten purgieren und Aderlassen/ damit der Zu- fluß abgewendet werde/ in die Naasen kan man spruͤtzen/ oder mit Faͤßlein einlegen/ ein medicament , gemacht/ von Quitten- Kern/ Rosen-Wasser/ Frosch- und Weg- breit-Wasser/ und zum Schleim gemacht/ in welchem Rosen-Honig/ Corallen-Pul- ver/ Galmey/ Thutien/ gebrandt Hirsch- horn/ alles praͤpariret/ gethan: von aussen die Feuchtigkeit zuruͤck treiben/ und das lei- dende Theil zu staͤrcken/ soll man mit einge- netzten Tuͤchern uͤberlegen: Bethonien/ Roßmarien/ rothe Rosen/ Wegbreit/ Weiden-Blaͤtter/ in rothen Wein gesotten. Zu mehrer Ableitung ein Setaceum oder Haar-Seil setzen; Zu dem Geschwaͤr soll man ein Saͤlblein brauchen/ von Angelica/ rund Holtzwurtz/ Veyel-Wurtz/ Bendic- ten-Wurtz/ Frantzosen Holtz/ alles gepul- vert mit Rosen-Honig zum Saͤlblein ma- chen. Auch wird mit grossen Nutzen der Holtztrañck zutrincken gegeben. 29. Was ist Epulis fuͤr ein Ge- schwulst? Paræus. Sie ist eine unnatuͤrliche Zunehmung und von Geschwuͤlsten. und heraußwachsung des Fleisches/ zwi- schen den Zaͤhnen/ giebet einen Speichel- maͤßigen und stinckenden Wund-Schweiß Keñzeichen. von sich/ endert sich zuweilen in den Krebs/ welches auß seiner Farb/ Schmertzen und Zufaͤll abzunehmen/ und solchen soll man mit der Hand- Cur unangefochten lassen. Die andern aber/ soll man mit einem Faden abbinden/ denselben taͤglich je laͤnger je haͤr- ter zu ziehen/ biß sie endlich selbst herab fallen/ den Ort mit einem gluͤhenden Draht/ oder mit aq: fort: oder Vitriol-oͤhl/ doch mit Be- scheidenheit beruͤhren/ und wo solches be- ruͤhren nicht geschicht/ ist kein Bestand zu hoffen. Man soll auch mit der Cur nicht verzuͤglich seyn/ sondern/ so bald immer muͤglich/ dieselbe angreiffen/ damit nicht die Geschwulst groß/ und zu einem Krospel werde. 30. Was ist die Ranula oder Frosch unter der Zungen? Es ist eine Geschwulst/ so entstehet auß einer kalten/ dicken/ feuchten/ zaͤhen und Ursprung. schleimichten Materie/ welche in der Farb und dicke einem Eyerklar/ auch Citronen- Farb sich vergleichet/ und aus dem Hirn auff die Zunge herab faͤllt. Damit nun die Cur bestaͤndig/ so beruͤhre/ doch nur allein Cur den Ort/ mit einem gluͤenden Eisen/ durch H ein Erster Theil ein eisernes Blech/ damit du die gesunden oͤrter nicht verletzest/ nach verrichter oͤffnung soll man dem Krancken den Mund außwa- schen/ mit Gersten-Wasser und Rosen Honig. Auch vergehet die Ranula , wann man sie offters mit dem Spir: Sulph: per cam- panam bestreicht. 31. Was ist die Geschwulst der Mandelen? Paræus. Es ist eine Entzuͤndung der Druͤßlein im Halse/ welche dazu sehr geneigt seyn/ weil sie an so einen warmen und zugleich feuchten Ursach Orth eingeschlossen seyn/ entstehet offtmahls auß grosser Maͤnge Wasserichter und zaͤher Feuchtigkeit und Gebluͤth/ auch von uͤber sich daͤmpfeten Wein und anderen Speisen. Dieser kan fuͤglich begegnet werden/ mit Cur. Purgation/ Aderlassen/ Schroͤpffen/ wie auch durch ein zusammenziehend Gur- gel-Wasser/ wann aber solche sich zur Ver- eyterung schicken wolte/ muß solche mit ei- nem Laßeisen geoͤffnet werden. Wiewol Aquapen- dens. Celsus und Paulus lehren/ die Mandeln in der inflammation und derselben Verhaͤr- tung/ wenn sie dem Athemen zu wider seyn/ herauß zu schneiden/ ist doch solches nicht oh- ne Gefahr. 32. Was von Geschwuͤlsten. 32. Was ist die Entzuͤndung des Zaͤpfleins/ oder wann es gefallen/ wie ist ihm zu helffen? Wann es entzuͤndet ist/ soll man nebst dem Purgiren und Aderlassen/ Schroͤpffen Cur und Heilung. und der gleichen/ mit kuͤhlenden und zusam- menziehenden Mitteln zu Huͤlffe kommen/ als: Gesten-Wasser mit Schlehen oder unzeitigen Trauben-Safft; Kompt es aber/ daß es auß uͤberfluͤßiger Feuchte nachgelas- sen wird/ und herunter faͤllt/ soll man star- cke zusammenziehende Mittel gebrauchen/ entweder decocta oder Pulver/ gemacht/ von Granat-Schelffen/ Tormentill- Wurtz/ Pfeffer und dergleichen. Auch soll man zertheilende Mittel brauchen/ als/ Bethonien/ Scabiosen/ Rosen-Blaͤtter/ Roßmarin/ Chamillen-Blumen/ und fleißig gurgelen. Wann aber das Zaͤpff- lein zulang herunterhanget/ kan man mit der Scheer/ oder mit Hildani dazu erfun- Cent. 2. obs. 21. denen Instrument/ oder viel mehr mit des Bartholini in den anatomi schen Observati- onibus , so viel desselben zu viel ist/ abschnei- den/ doch soll man zusehen/ daß solches Zaͤpfflein nicht Krebs-maͤßig und boͤser Art/ welches zusehen/ wann es hart/ Bley-Farb oder Schwartz/ so soll man keines weges H ij diese Erster Theil diese Cur vornehmen. Wann es faulen wolte/ sind die Cauteria , welche durch ein gemachtes Rohr hinein geschoben werden/ die beste Mittel: oder da solches gefuͤrch- tet/ das Ungv: Ægypt: Hildani brauchen. 33. Woher kommen die War- tzen auff der Zungen? Die Wartzen kommen gemeniglich auß Ursach. dem boͤsen Narungs-Safft und herabfal- lenden Fluͤssen. Man soll sie/ wo muͤglich/ Heilung. mit einem Faden binden/ biß sie herab fallen/ hernach reinigende Mittel gebrauchen/ als Rosen-Honig/ Diamorum, Ungv. Ægyptiac . Doch soll man zusehen, daß sie keiner boͤ- sen und gifftigen Art seyn/ dann dadurch kan man einen Krebs verursachen. 34. Was ist Bronchocele oder ein Hals-Kropff? Celsus. lib. 7. cap. 13. Es ist eine Geschwulst/ welche sich zwi- schen der Haut und Lufftroͤhr auffhaͤlt/ wird in seinem eigenen Baͤlglein eingeschlossen/ hat bald ein unempfindliches Fleisch in sich/ offt auch eine Wasseꝛichte/ oft eine Honigmaͤßige Vigierius. Feuchtigkeit/ welche algemach in das Leiden- de Theil gefuͤhret wird/ in dem sich die ex cre- menta der dritten Dauung haͤuffen/ und we- gen Schwachheit der außtreibendẽ Gewalt/ sich die Natur derselben nicht hat erledigen koͤn- von Geschwuͤlsten. koͤnnen: Etzliche sind erblich/ etzliche nicht/ Unterschied. etzliche sind mit Adern und Arterien verwi- ckelt/ und sind wie die aneurismata auch wegen des Blutflusses unheilbar. Sie werden auff zwey Wege curiret/ 1. durchs Hand. Cur. brennen/ 2. durchs schneiden/ welches bes- ser ist/ indem nur die obere Haut der Laͤnge nach/ zerschnitten wird/ der Hals-Adern und Nerven verschonet/ nachmals loͤset man die Haut/ und nimpt den Kropff mit seiner gantzen Haut/ herauß/ in dem man die Ader/ von welcher er seinen Ursprung gehabt/ uͤberzwerg entzwey schneidet/ dann mit Saltz/ Salpeter und Eßig außgewa- schen und geheilet. 35. Wie ist mit der Pleuritide und Seitenstechen/ so sich zur Vereyterung schicket/ zu ver- fahren/ und wie sind die Sei- ten zu oͤffnen/ die Rippen zu durchbohren/ und das Ge- schwaͤr zu reinigen und zu heilen. Weil dieses gefaͤhrliche Seitenstechen Paræus. eine Entzuͤndung des inwendigen Haͤutleins pleuræ ist/ und auß den duͤnnen Gallmaͤßi- gen/ und mit einer ungestuͤmen Gewalt/ H iij auß Erster Theil auß der grossen Blut-Ader in die venam Woher sie komme. azygos , und von dannen in die kleinere/ zwischen den Rippen hinauffsteigenden/ und in die leere Orter desselben Haͤutleins außgegossenem Gebluͤth entstehet/ kan solches offmahl nicht wieder zuruͤck getrie- ben werden/ sondern wird zuweilen daselbst also versperret/ daß es vereytert und grosse Zufaͤll verursachet. Solche Matery wird ausgefuͤhret/ entweder durch das Husten/ oder durch den Harn/ durch Huͤlff der A- Heilung. der sine pari welche gleiches weges hinunter zu die emulgentes oder in die venam cavam selbst gehet/ oder durch den Stuhlgang/ welcher Weg doch nicht so bekandt/ doch wegen der Schweißloͤcher woll geschehen Aquapand. part. 1. cap. 46. kan. Wann aber die Natur zu schwach/ und die Materie auff gehoͤrte Weise nicht ausgefuͤhret werden kan/ muß man zur Hand. Cur. Chirurgia greiffen/ und die Brust oͤffnen/ welches fuͤglich geschehen kan/ zwischen der fuͤnfften und sechsten Ripp/ in dem der Pa- tient den Lufft auslaͤst/ damit die Lung nicht getroffen werde/ und zwar mehr vorwerts/ ungefehr vier Finger breit vom Sterno , denn daselbst nur ein Musculus , nehmlich/ wel- cher den Arm zur Brust fuͤhret/ in Sum- ma/ man soll an der sechsten Rippen nahe an oͤffnen/ doch damit nicht die Ripp ent- bloͤsset werde/ an dem Ort/ da das dritte Theil von Geschwuͤlsten. Theil der Rippen sich endet/ also wird man so woll von Verletzung der innerlichen/ als euserlichen Theilen sicher seyn: das Messer- lein aber soll krum und spitzig seyn/ nach Form der Brust/ der Schnitt soll nach Hippocratis Meinung auff der lincken Sei- ten geschehen/ weil auff der rechten Seiten die Leber mit ihrem oberem Huͤgel das Dia- phragma in die Hoͤhe hebt/ und also gefaͤhr- licher/ es soll auch der Schnitt nach der Schrege und Fibren der euseren Rippen- Musculen geschehen; Doch haͤlt Vigierius Vigierius. das Widerspiel/ in dem er vermeinet/ es sey besser/ daß die inneren Rippen-Muscu- len nach ihren Fibren sollen geschnitten wer- den/ damit sie desto leichter koͤnnen geheilet werden/ auch soll man zu erst die Haut/ wel- che etwas hart/ oͤffnen/ hernach das Mes- serlein auff einmahl hinein drucken/ das Loch so groß machen/ nachdem die Materie/ dann in der Wassersucht der Brust/ darff das Loch kleiner seyn/ als wann ein Eyter verhanden; den Eyter soll man nicht auff einmahl heraus lassen/ damit nicht zugleich auch die Geister heraus kommen/ und eine Ohnmacht verursachen/ sondern wann un- gefehr ein halb Pfund heraus gelauffen/ ein bleyern oder silbern Roͤhrlein mit Fluͤ- geln/ oder an einen starcken Fadem ange- bunden/ hinein schieben/ damit nicht dassel- H iiij bige Erster Theil bige von der Lung in den Leib gezogen werde. Das Roͤhrlein soll nicht zu lang seyn/ auch unterwerts gegen das Diaphragma , krumb gebogen/ wann aber beyde Theile der Brust solten angefuͤllet seyn/ muß man die andere Seite auch oͤffnen. Wiewoll auch etzliche wollen/ daß man denen/ welche starcke und breite Rippen haben/ auch dieselbe durch- bohren soll/ so scheinet doch/ als wolle solches Hippocrates nur allein in der Was- sersucht der Brust haben/ dann Er allezeit nicht von Eyter/ sondern vom Wasser re- det/ damit dasselbe desto besser koͤnne ver- stopffet werden/ es kan aber solches alles eben woll fuͤglich geschehen/ in Oeffnung zwischen den Rippen/ dann man eben solche Roͤhrlein/ welche mit dem Messerlein uͤber- ein stimmen/ bey der hand haben/ daß auch kein Tropff heraus fliessen kan. Es mel- den auch die Autores von einem Instrument Pyulcus genandt/ mit welchem Sie die Materie heraußziehen wollen/ allein es giebt nicht viel Nutzen. Letzlich soll man den uͤbrigen Unrath abwaschen/ durch Einspruͤ- tzung/ als zum Exempel/ Gersten-Wasser mit Rosen-Honig ꝛc. 36. Was ist die Wassersucht/ und wie vielerley ist sie? Die Wassersucht ist ein uͤber natuͤrliches in von Geschwuͤlsten. in unserem Leibe gesamletes Wasser/ aus unmaͤßiger Kaͤlteder Leber/ und schwaͤchung der Blutmachenden Krafft herkommend. Riolanus will/ das sehr offt ohne der Leber Riolanus. einige Schuld nur aus schwachheit der Nie- ren/ welche die Waͤsserigkeit nicht gebuͤhr- lich an sich ziehen/ eine Wassersucht entstehe. Es sind aber dreyerley arten der Wasser- Dreyer Art Wasser- sucht. sucht/ die 1. wird genandt Ascites , wann der Raum zwischen den Daͤrmen uñ dem Peri- tonæo mit Wasser und blaͤste angefuͤllet ist. Die 2. Art wird genandt Tympanites ist trucken/ und ist der Leib mit Wind und Blaͤste erfuͤllet/ also/ dann wann man mit einem Finger drauff schlaͤgt/ einen Thon oder Schall gleich wie eine Drummel von sich giebet/ daher sie auch die Drummel- sucht genand wird. Die 3. Art genandt Anasarca, wann die waͤsserichte Feuchtig- keit im gantzen Leibe außgetheilet ist/ und die Fuͤsse schwellen und voll Wassers werden. 37. Warum endigen sich etzli- che Kranckheiten endlich in eine Wassersucht? Solches geschicht offtmahls/ als/ wann durch den langwierigen Durchlauff die leb- liche Geister und angebohrne Waͤrmbde zerstreuet werden/ oder durch hefftiges blu- H v ten Erster Theil ten/ oder nach lang außgestandenen Fie- bern/ auch geschichts denen/ welche an der Gelben-Sucht/ Gicht und Glieder-Kranck- heit lang gelegen; auch koͤmpts vom uͤber- fluͤssigen Wasser-Trincken/ und grosser Arbeit. 38. Mag man wol eine Para- centesin anstellen/ und wel- cher gestalt/ und an welchem Ort soll solche oͤffnung ge- schehen? Aquapen- dens par. 1. cap. 54. Solches mag man wol anstellen/ erst- lich in der ersten Art Ascites genandt; zum andern/ nicht in einer jeden und kleinen Waßersucht/ sondern wann solche gar zu groß/ und uͤberhand genommen/ und keine andere Huͤlffe mehr uͤbrig: Drittens/ soll solches vorgenommen werden/ bey noch starcken und nicht gar alten Personen/ und die noch auffrecht sitzen koͤnnen. Die oͤff- nung aber soll geschehen/ nach Celsi Mei- nung/ im Nabel/ und zwar nicht im flei- schichten/ sondern membrosischen Theil/ damit nicht die Musculi recti , oder venæ mammillares getroffen werde. Weil aber solche sollen geschonet werden/ haben die Alten recht gelehret/ man soll die oͤffnung drey oder vier Finger breit unter dem Nabel anstel- von Geschwuͤlsten. anstellen/ und zwar auff der rechten Sei- ten/ wann das Miltz erhoben und auffge- schwollen; Auff der lincken Seiten/ wann die Leber erhoben; in der Mitten/ wann beyde zugleich auffgeschwollen/ oder die Duͤrme noht leiden. Dieses soll geschehen mit einem einschneidigen/ und in etwas krummen Messerlein/ daß im schneiden die Spitze dem Nabel zustehe; Nach dem sol- ches geschehen/ soll man ein bleyernes oder kupffernes Roͤhrlein/ welches recht in das Loch passet/ hinein schieben/ damit ohn un- sern Willen/ kein Tropff vorbey gehe/ das Roͤhrlein soll nicht zu lang seyn/ damit es inwendig nicht etwas drucke. Das Wasser soll man nicht auff einmahl herauß lassen/ (dann die Patienten sterben sonst insgemein/) sondern allgemach/ und nach dem der Patient starck ist. Es soll auch das Roͤhrlein so lang darinnen bleiben/ und allemahl dicht verstopffet werden/ daß kein Tropffen heraus gehe/ biß alles Wasser außgefuͤhret ist. 39. Worvon entstehet die Ge- schwulst Exomphalos, Nach- laß oder Vorschiessung des Nabels/ und ob jeder mit der Hand-Cur benommen wer- den moͤge? Die Erster Theil Aquapen- dens. Die Ursach solches Nachlasses ist/ ent- weder eine Außdehung des Nabels/ welche geschicht auß innerlichen Ursachen/ nehm- lich von Blaͤste oder von dem Wasser/ oder Ursach. es ist eine Zerreissung des Peritonæi/ welche geschicht/ auß eusserlichen Zufaͤllen/ als Stossen/ Schreyen/ Springen ꝛc. Auch geschicht solches bey den schwangeren Wei- bern. Es wird auch solcher Außgang des Nabels offt verursachet/ auß Menge des Gebluͤths/ wie in dem Aneurismate , wie auch von gesundem Fleisch/ oder einem sol- chen Fleisch/ welches einem Carcinomate aͤhnlich ist. Die Ursachen dieser Nachlas- sung/ muͤssen fleissig erforschet werden/ nach welchen die Cur auch zu richten ist: Paræus. Derohalben/ so die Geschwulst von dem Gedaͤrm/ oder Netze/ oder Blaͤste/ oder einer duͤnnwasserichten Feuchtigkeit ent- Cur standen/ kan sie durch die Hand-Cur ver- richtet werden/ die aber vom Fleisch und Gebluͤth/ mit nichten. Hieronymus Fa- britius erinnert/ daß man nicht gleich zur Hand-Cur greiffen soll/ es sey dann sonsten nichts mit Medicamenten außzurichten/ oder es sey die Außdehung sehr groß. Son- sten soll man mit dem Band helffen/ und ein adstringiren des Ceratum von Bolo arme- ni, sang: draconis, mastici, sarcocolla, te- gulis, resina gemacht/ daruͤber legen. 40. Wie von Geschwuͤlsten. 40. Wie vielerley sind die Her- niæ oder Bruͤche? Wie woll nur zweyerley Art der Bruͤche Paræus. Unterscheid. seyn/ nehmlich der Darmbruch und der Netzbruch/ so bekommen sie doch nach ihrer Gelegenheit/ andere Nahmen. Und sind wieder zweyerley/ als 1. Hernia incompleta oder Bubonocele genand/ wann das Netz Aquapen- dens. oder Gedaͤrm nicht weiter/ als neben dem Gemaͤcht liegt. 2. Hernia completa , oder Oschocele , wann sie in das Scrotum fallen/ und diese Oschocele hat sechs Species , Als 1. wann die Gedaͤrm hineinfallen/ wird sie Vigierius. Enterocele genandt. 2. Wann das Netz hineingefallen/ wird sie Epiplocele genandt/ wann aber beyde zugleich hinein gefallen/ Enteroepiplocele . 3. Wann sie auß Winde oder Blaͤste/ Pneumatocele , oder ein Wind- bruch genandt/ 4. wann sie auß einer duͤn- waͤßerichten Feuchtigkeit/ Hydrocele , oder Wasserbruch genandt/ wann sie auß beyden zusam̃en/ Hydrophisocele , 5. Wañ ein Fleisch um die Hoden/ und desselben Substantz/ Sar- cocele genandt/ oder Fleischbruch. 6. Wann die Blut-Adern untereinander verwi- ckelt/ und die Hoden und Hoden-Sack auffblehen/ Cirsocele genandt/ oder Ader- Bruch. Die erste Art Bubonocele , geschicht allein mit Reissung des peritonæi, aber die ande- Erster Theil andere zwo Arten/ der Oschocele , welche Enterocele und Epiplocele genandt werden/ kommen nicht allein von Reissung des peri- tonæi , sondern auch von Nachlassung der Fortsaͤtze oder Anhaͤnge (processus peritonæi ,) welche biß in das scrotum hinein gehen. Avi- cennas setzet noch hinzu den Nabel-Bruch Exomphalos . 41. Wie sind die Bruͤche alle zu erkennen? Aquapen- dens. Das allgemeine Zeichen der Bruͤche ist/ die Geschwulst in den Hoden/ oder neben dem Gemaͤcht/ absonderlich aber wird 1. der Kennzeichen der Bruͤche. Darm-Bruch erkandt/ auß dem/ weil er bald zunimpt/ bald abnimpt/ entweder von Wind und Blaͤste/ oder vom Unflat; So ist er auch ohne Schmertzen/ und wann man ihn trucket/ so weicht er leicht/ weil er rund und schluͤpricht ist. 2. Der Netz- Bruch ist wegen der Geschwulst allezeit gleicher Groͤsse/ im angreiffen uneben/ weich und schlupricht/ wegen seines Fetts. 3. Der Wasser-Bruch ist klein von Geschwulst/ wann der Hunger vorhergegangen/ die A- dern im scroto werden auffgeblasen/ ist hell und klar/ wann man ein Liecht dagegen haͤlt/ hat nicht leichtlich einen Schmertzen/ sondern zufaͤllig. 4. Der Wind-Bruch wird erkandt bey den auffblasenden Adern/ ist von Geschwuͤlsten. ist heller/ als der Wasserbruch/ und entste- het geschwind. 5. Der Fleisch-Bruch/ hat eine Scirrosi sche Haͤrte/ veraͤndert die Farbe der Hoden nicht/ ist allezeit im glei- chen Stande. 6. Die verwickelte Blut- Adern/ koͤnnen im angreiffen gespuͤret wer- den/ auch haͤnget die eine Hode mehr her- unter als die andere/ wegen der schweren und dicken Feuchtigkeit. 42. Was ist die Ursach dieser Bruͤche. Die Ursach solcher Bruͤche/ ist die Aus- dehnung/ oder Zerreissung des Peritonæi , welche geschicht/ entweder aus innerlichen Ursachen/ und zwar von den humoribus , welche sich im Leibe verhalten/ oder von eu- serlichen/ als durchs Stossen/ Schreyen/ Springen/ Anhaltung des Athems/ schwe- rem Heben/ auch von starcker Arbeit im Beyschlaff/ und absonderlich/ wann der Leib entweder mit Blaͤste oder Unrath an- gefuͤllet ist/ starckem Rennen auff einem Pferde/ Werffen und dergleichen. Wie hiervon mit mehrem/ auch wegen der Cur kan gelesen werden/ in dem gar geschickten Buͤchlein Kelegraphia Malachi æ Gei- gers. 43. Warumb weicht ein Darm eher Erster Theil eher und leichter wieder- umb zuruͤck an seinen Ort/ als das Netz? Paræus. Solches geschicht/ weil die Gedaͤrm ei- nerley Substantz seyn/ und an einander hangen/ so folgen sie nicht allein einander nach/ sondern so bald einer aus ihnen etwan gedruckt wird/ zeucht er nach der Ordnung den andern Darm auch nach/ dieses aber thut das Netz nicht/ als welches ein un- empfindlich/ schweres und unbeweglich Glied ist. 44. Woran ist abzunehmen daß das Peritonæum ge- rissen? Solches wird aus dem scharffen und reissenden Schmertzen/ und auß dem schnel- len und gehlingen Zunehmen der Geschwulst erkandt/ dann wann das Peritonæum nur nachlaͤst/ und sich außdehnet/ so waͤchst die Geschwulst fein langsam/ und fast ohne/ oder mit wenigem Schmertzen. 45. Warumb koͤnnen die Ge- daͤrm und Netz bißwei- len nicht wiederumb zu- ruͤck an seinen Ort ge- bracht werden? Sol- von Geschwuͤlsten. Solches geschicht entweder/ aus der zaͤhen Matery/ so sich bißweilen zwi- schen ihnen samblet/ oder aber auß der Verletzung/ in dem man gar zu grob das Gedaͤrm oder Netz mit Gewalt hinter sich zuruͤck stosset/ oder/ wann solche gar zu lange in dem Hoden-Sack gelegen/ da dañ in den Daͤrmen sich die Excrementa setzen. 46. Welche Bruͤche sind unheil- bahr? Die/ welche nunmehro vollkommen und veraltet seyn/ und auß Reissung des Perito- næi enstanden/ sonderlich bey den alten und betagten Leuten/ und wann der Bruch oder Riß des Peritonæi fast groß ist. 47. Welche Bruͤche sind heil- bahr/ und wie sind sie zu curiren? Unter den Gedaͤrmen faͤllt allein das Ile- Aquapen. dens. on in das Scrotum, und auff der lincken Seiten das Cœcum. Werden curiret/ wann das Peritonæum nur nachgelassen/ in dem man die Daͤrme an seinen Ort brin- get/ welches leichtlich geschiehet; Wann aber solche von Unflat oder Blaͤste angefuͤl- let/ soll man den Ort behen/ mit rad: al- theæ farin: sem: lini, in Oehl und Wasser gekocht/ wann solches nicht angehet/ soll J man Erster Theil man den Krancken/ ruͤcklich den Kopff le- Innerliche Cur gen/ damit die Daͤrme uͤber sich fallen koͤn- nen; Nach diesem soll man ihm Feuchte und Blaͤhung-machende Speise verbie- then/ innerlich die zufliessende Feuchtigkeit außfuͤhren/ mit agarico, manna, melle ro- sato so lutivo, oder die molckigte humores, mit syr: d. calamintha, d. hysopo, de beto- nica \&c. nachmahls zu den zusammenzie- henden/ trucknenden und zusammenbin- denden Mitteln greiffen; Als da sind : her- niaria, betonica, rosa rubra, balaustia, plantago, nuces cupressi, figill: salamonis, mastix, bolus armeni, mumia, sang v: dra- conis, auß welchen allerhand Traͤncklein/ Lattwerge und Pulver koͤnnen gemacht werden. Euserlich soll man uͤberlegen/ trucknende und zusammenziehende Sa- Eusserliche Cur chen. Avicennas macht ein Mittel von nuc. cupressi, \& ejusdem foliis und sabina oder ein Pflaster von acacia, gallis imma- tur, sarcocolla, tragacant: gum : arabico und laͤst ein Bruch-Band daruͤber tragen; Wann aber das peritonæum gebrochen/ soll man gleichfals die Gedaͤrm an ihren Ort bringen/ und ein Pflaster uͤberlegen/ von t erebintina, cera, thure, myrrha, ichtio- colla, carne cochlearum ; Wann es auff sol- che Weise nicht helffen will/ soll man nach A- vicennæ Meinung den Ort breñen/ doch soll man von Geschwuͤlsten. man woll zusehen/ damit nicht die Gedaͤrm das Feur empfinden/ welches leichtlich ge- schicht/ wann die Gedaͤrm oder das Netz/ so herab gewichen/ dem nachgelassenen peri- tonæo starck anhangen: Es wird die Cur Cur durch den Schnitt auch verrichtet durch den Schnitt/ und sol- cher ist zweyerley: Eine Art der Chirurgo- rum, welche geschicht/ ohne Ausnehmung des Hodens/ die andere Art der Versuch- Aertzte/ mit Ausschneidung des Hodens. Die erste Art der Cur/ soll also verrichtet werden; Es soll der Krancke/ stehend den Athem an sich halten/ damit man sehen koͤnne/ wie groß der Bruch sey/ darnach soll mit Tinten der Bruch/ so groß als er ist/ in die Runde gezeichnet werden. Nach- mahls bindet man den Patienten auff ein Bret/ der Diener druckt den Unterbauch nieder/ der Chirurgus fasset mit der lincken Hand die gezeichnete Haut/ so viel muͤglich/ und schneidet mit dem Messerlein so woll die Haut/ als die Membra nen/ gleich durch den Zirckel/ biß auff das entweder außgedehnete oder zerrissene Peritonæum, (doch/ daß die Saamen-Gefaͤße nicht ver- letzet werden/) welches wieder gehefftet und geheilet wird. Paræus setzet eine andere Art/ mit den guͤldenen Puncten/ wie ers nennet. Der Netz-Bruch geschicht nich leicht/ durch Zerreissung des Peritonæi/ dann vom J ij Netz Erster Theil Cur des Netzbruches Netz kein groß Theil herunter hangen kan/ weil es dem Grund des Magens/ dem Ge- daͤrm Colo, und dem Ruͤckgrad angehefftet/ ist auch nicht so gefaͤhrlich/ hat auch nicht so viel sorgliche Zufaͤlle/ jedoch einerley Cur und Heilung. Cur des Wasser- bruchs Die Heilung der Hydrocele geschicht/ in dem man die Leber und Miltz in einem rech- ten Standt bringet/ und das Gewaͤsser außfuͤhret/ (worzu sonderlich das decoct. salsæparill dienet/) und dann den Leib reini- get: Euserlich soll man resolvirende/ zer- theilende und außtrucknende Mittel vor die Hand nehmen/ als: Cerusa, Spum: Ar- genti, Sal fossile, Atrament: Sutor, Aq: ex calce \&c. Wann aber die Geschwulst wegen uͤberfluͤßigem Wasser/ durch diese Mittel nicht weichen wolte/ so muß man zur Hand-Cur schreiten/ und den Hoden- Sack/ mit sampt dem Haͤutlein/ in wel- chem sich das Gewaͤsser verhaͤlt/ mit einer dicken Nadel/ darinnen etzliche seidene Faͤ- dem/ durch stechen/ doch ohne Verletzung der Hoden/ und also den Fadem darinnen hangen lassen/ damit das Wasser außge- fuͤhret werde. Etzliche oͤffnen den Hoden- Sack mit einem Scheer-Messer/ fast eines halben Fingers lang/ biß zu dem Wasser/ und halten die Wunden mit leinen Meisse- len so lang offen/ biß das Wasser außge- ronnen. von Geschwuͤlsten. ronnen. Es ist zu mercken/ daß man die Oeffnung bey Zeiten anstellen soll/ damit nicht durch das lange Verhalten des Ge- waͤssers im Hoden-Sack die Hoden verder- bet werden/ und eine Gangræna oder gar Sphacelus verursachet werde. Der Windbruch wird weder mit schnei- Paræus. den noch mit brennen curiret/ sondern durch eine bequeme Diaͤt/ wie auch durch das aufflegen der resolvirenden und verzeh- Cur des Windbruchs renden Mitteln/ als Fenchel-Saamen/ Anies/ fœn: græc, Bey-Fuß/ Rauten/ Wollgemuth und dergleichen/ das Empl: Joh : de Vigo c. ☿ rio wie auch das Diapalma in Malvasir und Lorberoͤhl/ zerrieben. Der Fleisch-Bruch wird nicht durch Paræus. Cur des Fleischsbru- ches. Medicamenta geheilet/ doch erzehlet Mat- thiolus, daß einer etzliche Monat lang/ die gepulverte Radicem Ononidis gebraucht/ und dadurch sey curiret worden: Wann aber solches nicht helffen wolte/ muß man zum Schnitt greiffen: Man erforschet fleißig/ ob das Fleisch an dem Haͤutlein/ oder an den Hoden anhanget/ als dann schneidet man an der Seiten das scrotum auff/ biß auff das harte zusammen gewach- sene Fleisch/ und wann es nicht gar starck angewachsen/ loͤset man es von den Haͤut- lein oder Hoden saͤuberlich ab/ wann aber solches starck angewachsen/ muß man den J iij Hoden Erster Theil Hoden mit auß nehmen/ die Saamen-Ge- faͤße abbinden/ und mit sampt den Hoden abschneiden/ dann wann man ein Theil von dem Fleisch dahinten ließ/ wuͤchse hernach- mals ein Schwamm/ welches noch aͤr- ger ist. Aquapen- dens. Die Hydrosarcocele aber/ das ist/ der Wasser- und Fleischbruch zusammen/ hat Cur des Wasser- und Fleischbru- ches. eine sonderliche Art/ den man schneidet an der Seiten des Scroti ein nicht gar zu groß Loch/ und nach dem das Wasser außgelas- sen/ so stecke einen ziemlichen langen Meissel mit digestiv bestrichen hinein/ und lege dar- uͤber diachil: c gummis: den Eyter aber soll man nicht herauß lassen/ sondern so viel muͤglich/ darinnen behalten/ damit da- durch das Fleisch verfaule: Man soll auch von den Medicamen ten nicht ablassen/ biß alles Fleisch in Eyter verwandelt ist/ wel- ches/ wie woll es langsam geschicht/ so ist es doch das sicherste und beste Mittel/ wel- ches auch in den groͤsten Bruͤchen angehet. Paræus. Cur des A- derbuchs. Die Cirsocele oder Geschwulst der Auff- geblasenen und Verwickelten/ auß dickem melancholischen Gebluͤth uͤberfuͤllete Adern/ vertreibet man/ in dem man den Hoden- Sack/ biß auff bemeldete Adern/ zwey Fin- ger breit durchschneidet/ eine Nadel mit zweyfachen Faden unter der Ader/ so hoch man immer kan/ durch stosset/ die Wurtzel mit von Geschwuͤlsten. mit dem Faden fein hart zusammen bindet/ wiederumb mit der Nadel und Fadem zu unterst unter der Ader/ durchsticht/ und bindet wie vor/ laß als dann zwischen zwey- en Banden/ etwann eines Fingers groß/ Platz und Raum/ ehe man aber den unter- sten Faden zuziehet/ so oͤffne zuvor zwischen den beyden Banden die geschwollene Blut- Ader/ wie man in der Aderlaß thut/ damit also das dicke Gebluͤth/ auß welchem die Geschwulst entstanden/ auß gefuͤhret wer- de. Die Wunde belangent/ mag man dieselbe/ wie andere tractieren/ die Faͤdem/ welche doch ohne daß von sich selbst herab fallen/ haͤngen lassen/ und endlich eine Schwuͤle/ und absonderlich/ da die Blut- Ader gebunden ist/ verschaffen Doch soll Aquapend. man/ ehe man zur Hand-Cur schreitet/ adstringiren de/ trucknende und kalte Sa- chen brauchen/ dann mit dergleichen kan man des Schneidens manchmahl uͤberho- ben seyn: Als da ist/ succus hypocisti, ba- laust: gluten piscium, bolus armen, sangv : dracon, cum album: ovorum. 48. Aus was Ursachen schiest der Mastdarm biß weilen hervor? Diese Vorschiessung geschicht/ wann der Paræus. Sphincter ani oder Thorhuͤtter-Maͤußlein J iiij des Erster Theil des Afftern/ von wegen der uͤbrigen/ und allzu grossen Feuchtigkeit/ mit seiner unge- woͤhnlichen Last/ also beschweret und erwei- tert wird/ und die zwo Musculi Ani Leva- tores denselben laͤnger nicht halten koͤnnen. Diesem Gebrechen/ geben Ursach/ die rothe Ruhr/ das harte Drucken/ in dem man seine Nothurfft verrichtet/ die grosse Kaͤlte/ die guͤldene Ader/ die schwere Last eines Steins/ in der Harn-Blasen/ und so fort Cur an. Diesen Mangel zu verbessern/ soll man ihnen allen Gebrauch des uͤbermaͤßigen Trinckens/ vieler Suppen/ unzeitigen und unverdaulichen Obstes verbiethen. Euser- liche Mittel sind: Granathschelffen/ Gall- oͤpffel/ Heydelbeer/ Wegtritt/ Cupressen- Nuß/ Alaun/ Saltz/ ꝛc. in Schmieds Lesch-Wasser/ oder rothen sauren Wein gesotten/ und damit gebehet und gewaschen/ alsdann den Darm mit Rosen- und Hey- delbeer-Oehl geschmieret und hinein ge- druckt/ das schmutzige Oehl/ so viel muͤg- lich abgewischt/ und den Patienten seine Nothurfft stehend/ oder durch ein enges Loch verrichten lassen. Aetius lib: 14. cap. 8. meldet/ daß man das orificum brennen soll/ daferne die Medicamenta nicht fruchten wollen. 49. Was von Geschwuͤlsten. 49. Was ist Paronichia vor ei- ne Geschwulst? Es ist eine Geschwulst/ welche unter die Sennertus. Inflammation zu rechnen/ kompt fuͤrnehm- lich in das euserste der Finger/ entstehet aus einem hitzigen/ verbrenten Gebluͤht und Ursprung. schwartzer Gall/ und erreget/ wegen beylie- genden Nerven und Haarwachs/ viel Zu- faͤll/ als: pulsirenden/ unleidlichen Schmer- tzen/ Fieber/ Abkraͤffte/ Ohnmaͤchte/ Aber- willen/ und dergleichen: Es kan auch durch eine Zerstossung dieses verursachet werden/ und fuͤrnehmlich/ wann das Blut unter dem Nagel bleibet. Es ist zweyerley Art/ Vigierius. die eine/ welche zu euserst der Haut sich er- zeiget und ist mit einem leidlichen Schmer- tzen/ die andere Art/ welche Tieff/ und zwar unter dem periostio an dem Bein sich findet/ ist mit einem gar hefftigen Schmer- tzen. Man soll die eine Art/ worauff Fa- britius Hildanus cent. 1. observ. 97. sein Ab- sehen hat/ gleich im Anfang/ die insgemein dicke Haut von oben/ mit einem Scheer- Cur Messer ein wenig abschneiden/ so erzeigen sich unter der Haut etzliche rothe Flecken/ welche man oͤffnet/ und das rothlechte Wasser heraus laͤst/ nachmahls soll ein Tuͤchlein in Brandtwein eingenetzt/ darin ein wenig Theriack zerrieben/ uͤbergelegt J v wer- Erster Theil werden/ uͤber die gantze Hand aber/ ein duppeltes Tuch/ in halb Eßig und Wasser getunckt/ und solches soll alsobald im An- fang geschehen/ sonsten ist diese Oeffnung weinig nuͤtz/ es sey dann die Materie gezei- tiget : Die andere Art aber/ ist sehr wider- spenstig zu zeitigen/ und soll auch die Oeff- nuͤng vor der Zeitigung geschehen/ und zwar nach der Laͤnge neben an/ damit nicht in der Vigierius. Mitten der Nervus oder der Tendo getros- fen werde/ der Schnitt aber/ soll biß auffs Bein gehen/ und dafern in der Heilung ein geiles Fleisch heraus wuͤchse/ muß solches nicht mit starcken reinigenden/ sondern mit linden Mitteln vertrieben werden/ damit nicht der Schade erzuͤrnet werd/ es wird sich solches schon setzen/ wann die Materie wird ausgefuͤhret seyn. Der Mercurius præcipitatus, wann er nach Hildani Mei- nung praͤpariret/ hat so woll in diesem affect, als in dem Glied-Wasser/ grossen Nutzen/ dann er ziehet/ Pulver-weise eingestreuet/ die klebrichte und viscose Materie/ welche die Heilung verhindert/ maͤchtig heraus. 50. Wie ist der Geschwulst der Knie zu begegnen? Paræus. Nach langwierigen und schweren Kranckheiten/ geschicht es vielmahls/ daß sich eine Geschwulst in den Knien samblet/ wie von Geschwuͤlsten. wie auch den jenigen/ nach großer Arbeit und Leibes-Ubung/ so mit vielen boͤsen und urartigen Feuchtigkeit beladen sind. Die Cur anlangend/ muß auff die vorhergehen- Cur de Ursach gesehen werden. 51. Was sind die Mittesser/ wie sind sie zu vertreiben? Es haben die Alten viel da von geschrie- ben/ stimmen aber gantz nicht uͤber ein/ wann aber die Kinder unruhig sind/ und sich bald hin/ bald her werffen/ heißen die Frantzosen solche Cridones oder Mittesser/ solche aber entspringen von kleinen Haͤrlein/ welche kaum einer Nadelspitz/ doch etwas dicker seyn/ werdẽ mit einen mehr als laulich- tẽ warmẽ Wasser gebehet/ gleich darauff mit einem Teich von Honig und Roggenmehl geschmiert/ vertrieben/ dann also werden die Haͤrlein/ so noch unter der Haut sind/ herauß gelocket/ und nachmahls mit einem Scheer-Messer abgeschoren: welches Ge- Fabritius Hildanus cent 5. post observ. 50. in epistola ad Hild. Horstius. orgius Horstius an seinen Kindern erfahren/ und meldet/ daß die damit behaffte Kinder/ gleichsam Schwindsuͤchtig und mager wer- den/ weil solche zaͤhe Materie/ welche wie- der die Natur in den Schweißloͤchern der Haut auffgehalten wird/ verhindert/ daß die eingepflantzte Wuͤrmbde keine taugliche Verlufftung haben kan/ so bald aber die Schweiß- Erster Theil Schweißloͤcher von besagter Materie be- freyet/ fangen die Glieder an zuzulegen. 52. Was ist der heisse Brand/ und wie ist ihm zu steuren? Beschrei- bung des heissen Brandes. Der heisse Brand ist eine anfangende Ersterbung/ welcher gemeiniglich auff gros- se entzuͤndungen folget/ und verdirbt die wei- che Oerter des Leibes/ als Haut/ Muscu- len/ Adern und Sehnen. Kompt auß Fabr. Hild. de gangræ- na. fuͤnfferley Ursachen/ als 1. auß unmaͤßi- ger Hitze/ 2. auß scharffen und gifftigen Ursachen des beissen Bran- des. Feuchtigkeiten/ 3. auß Auffenthaltung der Geister/ 4. auß unmaͤßiger Kaͤlte/ 5. auß Mangel der Nahrung und einfliessenden Waͤrmbde/ kurtz zu sagen/ so koͤnnen die Glieder ersterben/ aus diesen dreyen Ursa- chen/ als: 1. ex vehementi alteratione qua- litatis manifestæ, auß einer geschwinden of- fenbahren Veraͤnderung/ 2. ex oc culta qualitate, auß einer verborgenen Eigen- schafft. 3. ex interceptione spirituum, auß Auffenthaltung der Geister/ wornach auch die Cur muß angestellet werden/ dann kompt solcher auß einer intemperie, das ist/ alzu grosser Hitze/ Kaͤlte/ Feuchte oder Trockne/ muß solche verbessert werden; als wann er auß Hitze kompt/ muß man kuͤhlen/ wann er auß Kaͤlte/ muß man erwaͤrmen/ und so fort an. Es wird auch der heisse Brand offter- von Geschwuͤlsten. offtermahls verursachet/ durch Ungeschick- ligkeit des Chirurgi, in dem er in der Phleg- mone und Erysipelate gar zu kuͤhlende Sa- chen brauchet/ wie auch die defensiva unor- dentlich/ item wann man die zerquetschten Bein-Bruͤche im Anfang gar zu starck bin- det/ wann man die aͤtzende Sachen an war- me und feuchte Oerter/ als im Mund/ am Halß/ unter der Achsel/ an der Schaam/ oh- ne Bescheidenheit gebrauchet/ oder/ wann ein Glied nicht wieder in seine Stelle gebracht wird/ als in Verrenckung der Achsel und Hufft/ dañ dadurch werden die Vasa, uñ zwar in ihren Anfaͤngen gedruckt und verschlossen/ daß das Glied abnehmen und schwinden muß/ ein solches thun auch die harte Scir- Fallopius d. tumor: cap: 26. rho sische tumores, wann sie neben solchen Vasis liegen/ oder aber/ wann solche Vasa an ihren principiis uͤber zwerg entzwey geschnitten sind. Es kompt auch der heisse Brand an die Versen/ wann wegen eines Beinbruchs/ der Fuß lange Zeit/ und ohne Unterlaß auf- richtig auff der Versen liegen muß/ und werden dadurch die Vasa, welche die Wa- den ablauffen/ zugetruckt/ daß die Geister und das Blut nicht frey abfliessen koͤnnen. Die Zeichen des heissen Brandes sind Keñzeichen des beissen Brandes Aus Ent- zuͤndung. unterschiedlich/ dann kompt er auß Entzuͤn- dung/ so lest der klopffende und stechende Schmertz/ wie auch die Roͤthe nach/ und wird Erster Theil wird bleich und Aschenfaͤrbig/ wie auch Schwartzgrau/ und erheben sich Blattern Aus Frost. voll Fleisch-Wassers. Kompt er auß Frost/ so verursachet er stechenden und brennenden Schmertzen/ ist im Anfang roht/ weil die Schweißloͤcher von aussen verstopffet sind/ aber bald darnach wird der Ort bleich/ asch- farbich und kalt/ auch kan der Patient an- zeigen/ ob er im Wasser/ Schnee oder Kaͤl- Aus unmaͤ- siger Feuch- te. te gewesen. Kompt er auß unmaͤßiger Feuch- te/ so ist der Ort zuvor mit grosser Ge- schwulst/ voller Wasser und duͤnner Feuch- tigkeit gewesen/ der Patient ist schwach/ Aus unmaͤs- siger Trocken- heit. außgezehrt und Wassersuͤchtig. Kompt er auß unermaͤßiger Trockenheit/ das ist/ auß Mangel der Foͤdung/ so ist im Anfang kein Schmertz/ Entzuͤndung noch Uberfluß des Gebluͤths oder anderer Feuchtigkeiten/ die sich entzuͤnden koͤnnen; Solchen Leuten aber kompt er/ welche mager/ schwach und außgezehrt seyn/ und fuͤrnehmlich an die eus- sersten Spitzen des Leibes/ welche gleichsam entschlaffen/ und empfindet der Krancke fast nichts/ aber nach dem die Blattern auf- gefahren und auffgeschnitten sind/ in wel- chem Grund es schwartzgrau ist/ stellen sich die Schmertzen/ Fieber und andere Zufaͤll gemeiniglich mit ein: Kompt er aber auß ei- ner verborgenen und gifftigen Eigenschafft/ welche in unserem Leibe geworden/ und die Natur von Geschwuͤlsten. Natur selbige von sich stossen wil/ zu den eus- serlichen Gliedern/ so gehen die Zufaͤll vor/ als Fieber/ Ohnmacht des Hertzens/ Er- brechung des Magens/ und darnach wird der Ort bleich/ aschfarbig und schwartzgrau: Kompt er von Stich oder gifftiger Thiere Aus giffti- gen Thiere Beß. Biß/ folgen eben dergleichen Zufaͤlle nach: Kompt er endlich auß Auffenthaltung der Aus Auff- enthaltung der Geister. Geister/ so kompt Entzuͤndung und Schmertz/ welches von festen binden oder gar zu vielem Gebrauch der defensiven auch gesagt sey. Was nun die Heilung des heis- Cur des heis- sen Brandes. sen Brandes/ und zwar welcher ex intem- perie entstanden/ betrifft/ so soll man nach angestelter Lebens-Ordnung/ Aderlassen auch schroͤpffen. Wann der heisse Brand auß Entzuͤndung kompt/ soll man erstlich Erstes Stuͤck. dem noch einfliessendem Gebluͤth den Weg versperren/ zumahl/ wann der Schmertz/ Entzuͤndung und Geschwulst groß ist/ wo- zu sonderlich nuͤtzlich seyn/ die Defensiva, so nicht oͤhlicht/ damit sie die Schweißloͤcher nicht verstopffen/ als Gerstenmehl/ Cupres- sennuͤß/ Bolus, Granatschelffen/ Galloͤpffel und Campfer mit Oximel zu einem Uber- schlag gemacht/ und damit verfahren/ so lang die Faͤulung in augmento oder Zuneh- men ist/ in statu aber wann die Faͤulung ste- het/ und nicht weiter gehet/ kan man sie nachlassen/ damit die Geister und das Ge- bluͤth Erster Theil bluͤth ihren freyen Gang haben. Das an- Ander Stuͤck dere Stuͤck der Heiligung ist/ daß man das einfliessende Gebluͤht und Feuchtigkeiten von dem breßhafften Ort abziehe/ und an andere lencke/ solches muß/ je ehe je lieber mit Purgiren/ Aderlassen und Schroͤpffen Drittes Stuͤck. geschehen. Das dritte Stuͤck der Heilung ist/ daß man die eingeflossene Feuchtigkeit herauß ziehe/ in dem man den beschaͤdigten Ort mit einer Lantzetten/ so viel und tieff/ als es noͤthig scarifici ret/ der Adern und Nerven soll man woll/ aber in starcker Faͤu- lung auch nicht schonen. Ein decoctum von scordio, Wermuth/ Feigbohnen/ Rau- ten/ aloes, myrrh: \&c. machen/ den Scha- den/ damit so offt man verbindet/ abwaschẽ/ den gantzẽ Ort mit dem ung v. ægyptiaco ma- gistrali Hildani bestreichen/ und einlegen/ wann eine Eschara sich wird erzeigen/ fleißig weg thun/ das Glied warm halten/ und wañ der Brand stehet/ und nicht weiter gehet/ soll man den Schaden reinigen/ mit Saͤlblein von Honig/ Erven-mehl/ Viol-Wurtz und Holl-Wurtz gemacht. Kompt er aber auß Frost/ so soll man nicht alsobald dem Feur zu eylẽ/ sondern den Frost außzuziehẽ/ das Glied in ein gantz kaltes Wasser setzen/ oder mit Schnee reiben. Nach diesem ihm ein guten Theriack in firne Wein mit Confectio Al- kermes eingeben/ damit die Waͤrme und Geister von Geschwuͤlsten. Geister des Hertzens/ zu den außwendigen Gliedern getrieben werden/ das Glied mit warmer Milch und Decoct: von Lorber- beer-Blaͤtter/ Roßmarin/ Rauten/ Wer- muth und dergleichen/ behen/ darnach mit ol: de lateribus, d. terebintina, d. cera, item, cum sem: urticæ, nasturtij bestreichen. Die- weil in den heissen Branden/ auß unmaͤßi- ger Feuchte und Kaͤlte/ der Grund des Affects, vornehmlich in der Miltz und Leber Innerliches Abseheu im heissen Brand. gelegen ist/ muß man das Purgieren und Aderlassen/ und dergleichen darauff rich- ten: Euserlich ein Defensiv uͤberlegen/ von Sachen/ welche mittelmaͤßiger Waͤrmb- de/ und nicht kalt und trocken seyn/ son- dern auß Rosen-Blaͤtter/ Wermuth/ Ma- joran/ Roßmarin/ Feigbohnen/ Alaun/ Saltz in halb Laugen und Wein gesotten/ nachmahls die Feuchtigkeit verzehren/ das Ægyptiacum uͤberlegen/ die dadurch verur- sachte Escharam mit der Lantzett wegneh- men/ und nicht nachlassen/ biß der Brand stehe. Franciscus Peccettus lehret/ man Franc. Pec- cettus. soll/ wann die Faͤulung groß das aq: fort: gebrauchen/ dann es macht keine Schmer- tzen/ weil dessen Schaͤrffe von der Naͤsse und Faͤulung des Geschwaͤrs benommen wird. Kompt er auß Trockenheit/ soll man das Glied behen/ mehlig reiben/ das Gebluͤth und Nahrung herzuziehen/ mit K Cata- Erster Theil Cataplasmatibus, welche zu gleich der Faͤu- lung wehren/ als Feig-Bohnen-Mehl/ Wermuht/ beyderley lachen Knoblauch/ Rautenblaͤtter/ Schwalben-Wurtz/ An- gelica/ fliessend Pech: Und dieser Art Brand ist ins gemein todtlich; Die Schutz- Pflaster oder Defensiva haben allhie keine Statt/ es sey dann/ daß es schon zum kal- ten Brand gehe/ alsdann sind sie zu gebrau- chen/ damit die boͤsen Daͤmpffe nicht zum Hertzen/ in den Leib steigen koͤnnen. Dieweil aber nicht allein auß jetztge meld- ten offenbahren Ursachen/ sondern auch auß verborgenen und gifftigen Eigenschafften/ der heisse Brand entstehet/ so muß man auch ihm mit solchen Sachen begegnen/ welche ebenmaͤßig ( per occultas qualitates ) durch heimliche Eigenschafften wircken/ als da sind: Theriack/ Methridath/ Diptamus Creticus, Bezoar/ Scordium Rad: Vince- toxici, Angelic, Succ: Citron, und weil sol- che Braͤnde/ wegen ihrer Geschwindigkeit/ toͤdtlich/ muß man geschwind mit erstbesag- ten Medicament en/ den Schweiß treiben/ Purgieren und Aderlassen: Das Schlaf- fen ist hier schaͤdlich/ denn dadurch wird das Gifft zu den inneren und edlen Gliedern ge- zogen. Außwendig soll man die Haut fein tieff scarifici ren/ woll außbluten lassen/ und mit dem decocto, wie vor gesagt/ abwaschen/ und von Geschwuͤlsten. und des Hildani Ægyptiacum daruͤber le- gen/ die Escharam wegthun/ und wieder scarifici ren/ und den Schaden lang offen halten. Kompt er auß gifftiger Thiere Biß/ Heilung des heissen Brands/ aus gifftiger Thiere Biß. soll man alles wegschneiden/ was vom Biß oder Stich moͤchte beschaͤdiget seyn/ wann der Schad etwas außgebluthet/ ein gluͤend Eisen darauff setzen/ mit vorbesagten decocto abwaschen/ und das Ægyptiac Hild: mit Fasen einlegen/ mit einem guten Defensiv verhindern/ damit die gifftigen Daͤmpffe nicht hinauff steigen. Kompt aber der Brand/ auß einer gifftigen Feuchtigkeit/ welche im Leibe generi ret worden/ soll man keine Defensiva gebrauchen; Wann der Fabrit: Hil- dan: Brandt gestillet/ soll man das mundicati- vum de succo apii zu reinigen gebrauchen/ und hernach cicatrisi ren und heilen. Kompt der Brand auß Auffenthaltung oder Ver- hinderung der Geister/ so soll man nach an- gestellter guten Diaͤt/ die Ursach erforschen/ und wann solches durch hartes und steiffes Binden geschehen/ alsobald auffloͤsen und daruͤber legen/ was die Feuchtigkeit/ wel- ches das Band verursachet/ zertheilet und außtrocknet. In den anderen Ursachen/ verfaͤhret man nach gestalten Sachen. 53. Was ist der kalte Brand/ und wie ist ihm zusteuren? Der kalte Brand Sphacelus, ist eine voll- K ij kom- Erster Theil Keñzeichen des kalten Brandes. kommene und gaͤntzliche Ersterbung/ nicht allein der vorgemeldten/ sondern auch aller anderen Gliedern/ in welchem alles erstor- ben und verfaulet ist/ das gantze Glied ist eyskalt und todt/ und bekompt an Statt der roͤthlichen und schoͤnen Farbe/ eine schwartz-graue/ stincket gar uͤbel/ und an Statt/ daß das Glied weich und schluprig anzugreiffen/ wird es duͤrr und trocken; Man soll sich aber die Bewegung nicht ver- fuͤhren lassen/ daß man schliesse/ wann eine Anmer- ckung. Bewegung geschicht/ es sey der kalte Brand noch nicht verhanden/ dann wann das ca- put musculi beweget wird/ als in welchem der kalte Brand noch nicht gekommen/ so beweget sich der tendo gleich woll/ ob schon Cur durch Handgriff. er vom kalten Brande ergriffen. Diesen Brand zu curieren/ muß man von der vo- rigen Weiß ablassen/ weil (nach der Re- gel A privatione ad habitum non datur re- gressus ) nicht muͤglich/ etwas wieder leben- dig zu machen/ was schon einmahl erstor- ben/ muß derohalben alles/ was verfaulet/ weggeschnitten werden. Es soll aber ein Schenckel bequemlich eine Hand breit/ un- term Knie abgeschnitten werden/ waͤre aber das Knie mit angegriffen/ so soll/ so viel muͤglich/ das gesunde Fleisch geschonet werden/ denn je hoͤher das Abschneiden/ im dicken geschicht/ je gefaͤhrlicher die Ver- rich- von Geschwuͤlsten. richtung. Eben dasselb ist auch bey Ab- schneidung Hand zu befuͤrchten/ welche am allerbesten kan im Carpo oder in der Hand- Wurtzel abgenommen werden. Ob nun wol viel gelehrte Aertzte der Meynung seyn/ man solle das Glied/ im erfaulten abschnei- den/ den Schmertzen und Verblutung zu vermeiden/ so soll man doch solches/ we- gen vielen Ursachen/ im gesunden verrich- ten/ und zwar auff folgende Weise: Es soll der Patient vorher von boͤser Feuchtig- keit gereiniget seyn/ Ihm eine gute Ord- Præparato- ria zum Ab- schneiden des Gliedes. nung im Essen und Trincken vorschreiben/ das Hertz staͤrcken: An demselben Tag/ wann das Werck soll vorgenommen wer- den/ soll man Ihm ein Suͤplein/ wie auch ein frisches gesottenes Ey/ und ein Truͤnck- lein Wein bey bringen/ ein Hertz-Uberschlag gebrauchen/ und alsdann den Schnitt im Nahmen GOttes vor die Hand nehmen. Man soll aber den Patienten auff eine Banck setzen/ und alsobald/ nach dem die Haut und Fleisch/ so viel muͤglich in die Bindung des Gliedes. Hoͤhe gezogen/ eine schmale starcke Schnur/ ein wenig zu oberst/ da er den Schnitt thun wil/ nehmlich im gesunden/ woll fest umb- legen und zuziehen/ denn dadurch wird nicht allein das Blut gehemmet und ver- hindert/ sondern es koͤnnen auch nicht die Spiritus animales, das ist/ die Sinnliche K iij Gei- Erster Theil Geister/ durch die Nerven kommen/ wes- wegen dann auch der Schnitt weniger Schmertzhafft. Man kan auch nach Gvi- donis Meinung ein ander Band zu unterst binden/ und zwischen solchen beyden/ den Schnitt thun/ welches mehrentheils umb der Umstehenden willen geschicht/ damit nicht das Blut/ welches auß dem Stumpff fliesset/ desto groͤssern Abscheu des verblu- Befaͤstigung des Gliedes. tens mache. Das Knie soll man an die Banck fest anbinden/ und soll die Banck forne zugespitzet seyn: Wann solches ge- schehen/ soll man eine dazu gemachte Hose/ von Fabritio Hildano beschrieben/ anlegen/ oder an das obere Band des Schenckels/ gleichsam zwey Handheben machen/ damit der Diener/ welcher das Knie haͤlt/ mit dem Mittel-Finger nach dem Schnitt/ ver- mittelst der Handheben/ das Fleisch/ so viel muͤglich in die Hoͤhe hebe und ziehe/ daß die Saͤge nicht an das Fleisch streiffe: Als- dann muß man eine ander Banck/ gleicher Hoͤhe unter den Fuß stellen/ an welche er den Fuß gleichfals binden soll/ unangesehen dessen/ soll man dem Krancken hinter den Ruͤcken einen behertzten Mann stellen/ des- gleichen einen/ der den Schemel und Schenckel halte/ damit es alles unbeweg- lich sey: Wann nun der Schenckel also gebunden/ soll der Wund-Artzt mit einem krum- von Geschwuͤlsten. krummen scharffen Messer/ das Fleisch biß Fleischschult. auff den Knochen/ und das periostium, so so viel muͤglich/ durchschneiden/ sonderlich wann zwey Roͤhren verhanden/ das Fleisch darzwischen; Er soll aber zu oberst/ und an der Seiten des Schenckels anfahen/ die Waden aber durch welche die groͤste Blut- und Hertz-Adern lauffen/ zum aller- letzten durchschneiden/ und alsdann das Bein mit der Saͤgen/ so hoch ihm muͤglich/ Schnitt mit der Saͤge. geschwind absaͤgen/ das Blut/ nach des Patienten Beschaffenheit lauffen lassen/ die grossen Adern/ auch das Bein selbst Cauteria. brennen/ damit es sich desto eher reinige/ und die Schieffer abstosse/ wann solches geschehen/ soll man das Band geschwind auffloͤsen/ ein Blutstillung-Pulver/ mit Eyerweiß auff Hanff-Buͤschlein ange- macht/ daruͤber legen/ den Stumpff mit einer Ochsen-Blas umbwickeln/ oberhalb den Stumpff ein Defensiv, welches kuͤhlet Defensiva. und die Einfluͤsse zuruͤck treibet/ uͤberlegen/ es sol aber die Blase/ oben wo sie offen ist/ tro- cken seyn/ damit sie nicht zusam̃en falle/ unten aber angefeuchtet/ daß sie sich nicht glatt an- lege/ mit Binden/ in halb Eßig und Wasser getunckt/ umwicklen/ und vor den andern Tag im Sommer/ im Winter aber/ vor den dritten Tag/ nicht auffbinden/ es verhin- dere es dann der Schmertz. Im Auffbin- Heilung. K iiij den/ Erster Theil den/ soll man wieder frische Paͤuschlein/ mit Blutstillung bey der Hand haben/ und mit selbigen so lange/ wie auch mit den De- fensivis verfahren/ als der Blutfluß zu fuͤrchten/ die Beiner soll man mit trucknen Fasen belegen/ und das uͤbrige mit einem guten Digestiv verbinden: Wann die Wun- de gnugsam vereytert/ das mundificativ d. succo apij, (welches von Hildano pag. 1124. beschrieben stehet/) aufflegen/ oder wo es zu starck mit dem Digestiv temperiren/ und die Lefftzen mit klebenden Pflastern oder Salb- hefften herunter ziehen: Nach dem vierze- henden Tag/ ist die Natur schon geschaͤfftig/ die blossen Beiner mit einem lucken Fleisch zu bedecken/ die Schuppen aber gehen vor dem dreysigsten oder viertzigsten Tag nicht weg/ doch muß man den Stumpff allge- mach heilen/ mit dem diapalma, cerat: dia- pompholig. de tutia, de lapide calaminari, und dergleichen. Wann aber die Nerven zuruͤck gezogen/ und das Knie krum ist/ daß der Krancke solches nicht ausstrecken kan/ so muß man den Patienten auff die Erde setzen/ den Schenckel aber in die Hoͤhe heben/ und an der Banck fest machen. 54 Was ist der Gliedschwam/ und wie ist er zu vertrei- ben? Der von Geschwuͤlsten. Der Gliedschwam ist eine Geschwulst/ Platerus in medicina practica. fuͤrnehmlich der Glieder/ in welchen viel Nerven und Sehnen zusammen kommen/ und geschicht solche Geschwulst fuͤrnemlich im Knie/ wann nehmlich durch eine starcke Bewegung und Außdehnung/ die Nerven Ursach. und Sehnen verzogen werden/ durch wel- che den Gliedern mehr Nahrung und Feuch- tigkeit zugezogen wird/ als sie von noͤhten gehabt/ auß welchem Safft dann eine schwam̃ichte Substantz waͤchset/ welche offt Keñzeichen. das gantze Glied umbfasset/ daß der Patient weder recht gehen/ noch das Knie beugen kan. Es hat sonsten diese Geschwulst keinen sonderlichen Schmertzen/ ist an Farb der andern Haut gleich/ und weder Hitze noch Kaͤlte dabey. Die Cur anlangend/ ist sol- Cur. che ziemlich schwer/ und weil sie an den Ner- vosischen Theilen/ koͤnnen sie wie andere Gewaͤchse/ durch den Schnitt nicht geheilet werden/ sondern/ sie sind zu zertheilen und zu erweichen: Doch erinnert Hildanus, daß man sich vor allen Dingen huͤte/ damit sie zu keiner Erschwaͤrung gebracht werden/ und also daselbst ein unheilbar Geschwaͤr verursachet werde. Es ist sonsten unter an- dern gut/ das Alumen crud: mit Sale com: calcini ret/ von diesem Pulver genommen/ und in aq: vitæ zerlassen/ das Glied woll da- mit gerieben/ und das Empl: de sapone, wel- K v ches Erster Theil ches Frartz Renner in seinem Tractat von den Frantzosen schreibet/ daruͤber gelegt. Platerus ruͤhmet in seinen observationibus lib. 3. folgendes: Man soll das Glied mit Schwaͤmmen behen/ in folgendem Wasser: als Lixivii, Urinæ Vini, jedes gleiche viel/ und zu einer Maaß dieses Liquoris hinzu thun Aq: vitæ eine Untze Aq: vel Spiritus Ju- niperi ein Drachma/ hernach ein Pflaster uͤberlegen/ gemacht/ von rad: bryon, irid, bulborum lilior: recent: in scharffen Eßig ge- kocht und zerstossen/ und mit gum: ammo- niac, und ol: liliorum, zum Pflaster ge- macht. 55. Wie ist der Schmertz der guͤldene Ader zu stillen/ und was ist zu thun/ wañ sie geschwollen und baͤr- sten wollen? Es hat die guͤldene Ader in vielen Kranck- heiten grossen Nutzen/ und kompt offter- mahls/ das sie sich nicht oͤffnen wollen/ und nur ein scharffes serum herauß fliesset/ wel- ches dann grossen Schmeꝛtzen und beschwer- liches Brennen verursachet/ soll man als- Franœ Pec- cettus. dann/ entweder mit Aufflegung der Medi- camen ten/ oder mit den Saug-Iglen die Oeffnung befodern/ doch soll der Leib zuvor gerei- von Geschwuͤlsten. gereiniget seyn/ damit nicht mehr hinzu ge- zogen werde. Auff den schmertzhafften Ort kan man plantag: parietarg. \& malvam in Milch sieden/ und mit ol: rosaceo ein cata- plasma machen und uͤberlegen. Oder ein Paræus. Saͤlblein von Silber-Schaum/ Bleyweiß/ Rosenoͤhl/ Wachs und ein wenig Opii: Wann man aber mehr trucknen soll/ farin: hordij, milij \& hordij dazu thun. Auch ist Sennertus. sehr nuͤtzlich/ ein Saͤlblein gemacht von ungv. popoleo : ol: papaveris, succ: solan, sacch: ♄rni, opio, vitell: ovorum \&c. Item Balsamus Sulphuris Rulandi. 56. Was ist zu thun/ wann ei- ner Feigwartzen im Hin- dern hat? Die Feigwartzen/ sind auß einer Entzuͤn- Paræus. dung entstandene/ rauhe/ harte Huͤgelein/ gleichsam kleine herfuͤr geschossene Stuͤck- lein Fleisch/ so mehrentheils in den runtzlich- ten Raͤnden des Hintern/ und der Gebaͤhr- Mutter/ zu eꝛwachsen pflegen/ eꝛfodern eꝛkal- tende und nachlassende Artzeneyen/ als Eyer- oͤhl uñ Leinsaamenoͤhl/ jedes gleich viel/ in ei- nem bleyern Moͤrser lange gestempelt uñ ge- ruhret; Wann eine Entzuͤndung dabey/ thut man etwas Campfer dazu. Celsus sagt/ man Celsus lib. 6. cap. 18. Cur soll den Patienten in ein Wasser setzen/ da Eysenkraut darinnen gekocht/ alsdann Was- Erster Theil Wasser-Linsen-Mehl/ mit ein wenig Honig vermischt/ uͤberlegen. Wann aber solche alt und erhaͤrtet/ muß man sie/ wann die Wurtzel klein/ mit einem Fadem abbinden oder abschneiden/ oder mit aͤtzenden Artze- neyen/ Gruͤnspan/ Myrrha/ Weyrauch/ Schlehen ꝛc. vertreiben. 57. Wann einer Feigwartzen an der Mans-Ruthen haͤt- te/ und die Vorhaut wegen der Geschwulst nicht zuruͤck gieng/ auch inwendig Feig- wartzen waͤrẽ/ da kein Wund- Artzt dazu koͤnte kommen? Fabritius Hildanus cent: 5. ob- serv. 57. Solches geschicht gemeiniglich auß un- reinem Beyschlaff/ denn weil das Maͤnn- liche Glied luͤcker/ und in solchen Werck er- hitzet wird/ kan es leicht einen boͤsen Dampff Innerliche Cur. an sich ziehen. Man muß derowegen den Leib reinigen/ hernach eine Ader oͤffnen/ nach diesem etzliche Tag nacheinander den Schweiß treiben/ mit Theriack/ gebran- ten Hirschhorn/ in Cardobenedicten-Was- Euserliche Cur. ser und dergleichen. Auff den leidenden Theil soll man mit nichten kuͤhlende Sa- chen gebrauchen/ ob schon eine Entzuͤndung dagegen/ damit nicht die gifftige Materie zuruͤck getrieben/ und hernach boßhafftige und von Geschwuͤlsten. und gifftige Geschwaͤr verursachet werden/ sondern/ weil der Schmertz am meisten be- schwerlich/ soll man einen Uberschlag auff- legen/ gemacht von Bohnen- und Gersten- Mehl/ fœn: grœc: rothe Rosen-Blaͤtter/ ein wenig Saffran/ mit Kuh-Milch und Eyer-dotter/ zu einem cataplasmate ge- macht/ und warm uͤbergelegt. Die Pur- gation muß auch wiederholet werden: Wann also der Schmertz gestillet/ und die Geschwulst um die Eichel und der Vorhaut nicht weichen wil/ und also die Vorhaut/ weder hinter sich noch vor sich koͤnne gezogen werden/ soll man einen Uberschlag von Linsen- und Bohnen-Mehl/ rothe Rosen/ Chamillen/ Wermuth/ Hollunder und Eyerdotter machen/ warm aufflegen/ und damit verfahren/ biß die Haut hinter sich und vor sich gehen kan. Wann solche nicht kan hinter sich gebracht werden/ muß man so lang zwischen die Vorhaut/ vier- mahl des Tages einspruͤtzen/ ein decoct. von Frantzosen-Holtz/ Erdrauch/ Wermuth/ rothe Rosen/ Angelica/ oder Rosen-Ho- nig/ mit gedachten Wassern vermischet; Nach gestiltem Schmertzen und gnugsamer Zeitigung/ das præciptat Pulver/ welches rectifici rt entweder allein/ oder mit Rosen- Salb vermischt/ darein legen; Wann diese Mittel nicht helffen solten/ muͤste eine Fran- Erster Theil Frantzosen-Cur vor die Hand genommen werden. 58. Wann einer den kalten Brand an der Mannsru- then bekaͤhme/ wie waͤre ihm zu helffen? Heilung. Der Leib muß gereiniget werden/ des Fabrit: Hildani ægyptiacum magistrale, oder das schwartze kuͤhl-Wasser uͤberlegen/ da- mit der Faͤulung gewehret/ und das faule von dem gesunden geschieden werde/ und ferner verfahren/ wie im kalten Brande ge- lehret worden. 59. Was ist fuͤr ein Geschwulst welche Phyma genand wird? Sennertus. lib: 5. prax: Es ist eine Geschwulst der Druͤsen/ wel- che geschwind zunimpt/ und zur Zeitigung eilet/ die Ursach ist das wasserichte Gebluͤth entstehet offters an den Kindern/ gar selten Keñzeichen und Cur. in den Erwachsenen/ wird erkand auß seiner runden und erhabenen Figur/ ist ein wenig roth/ und fast ohne Schmertzen/ wird ge- heilet wie die Inflammatio. 60. Was ist Phygetlon vor eine Geschwulst? Die Lateiner nennen sie Panus oder Pa- nis, von Geschwuͤlsten. nis, und ist gleichfals in den druͤsichten or- tern des Leibes/ hat seinen Ursprung von Ursprung. dem gallmaͤssigen Gebluͤth/ ist derhalben dem Rohtlauff ehnlich/ und kompt gemei- niglich nach außgestandenem Fieber/ oder erlittenen Schmertzen eines Gliedes. Die Zeichen sind folgende: als die Haͤrte/ Hitze/ Keñzeichen. Spannung und ein groͤsserer Schmertz als die Geschwulst an ihr selber ist. Was den leidenden Theil betrifft/ so soll man nach Cur. angestelter Ordnung im Essen und Trin- cken/ Aderlassen und purgieren/ und sich bemuͤhen/ die Geschwulst mehr zuverthei- len/ als zur Vereyterung zu bringen/ weil er gallmaͤßig ist/ derohalben lobet Galenus die Alsinem, an stat eines Cataplasmatis uͤber zulegen/ item die Atriplicem \& malvam hortensem. 61. Was sind frantzoͤsische Schlier/ oder Beulen? Der frantzoͤsische Gifft/ welcher auch biß Paræus. zur Leber gebracht wird/ und nachmahls von derselben/ wann nehmlich ihre außtrei- bende Krafft noch starck ist/ in die Seiten neben dem Gemaͤchte/ als ihre eigene Auß- gaͤnge ( Emunctoria ) genand/ verwiesen/ verursachet solche Knollen/ welche man Bu- bones nennet. Diese knollichte Matery/ ist mehrentheils die Menge der kalten/ zaͤhen und Erster Theil und schleimichten Feuchtigkeiten/ wie auß derselben Haͤrte/ weissen Farbe/ boͤsen Schmertzen und Widerfpaͤnstigkeit der Aquapend . Cur. Cur/ leichtlich abzunehmen. In heilung solcher Beulen/ haben die zuruͤcktreibende und zertheilende Artzeneyen keinen Platz/ man purgieret nicht/ auch laͤsset man nicht zur Ader/ sondern man befodert mit allem fleiß die Zeitigung/ und wird hernach an dem erhabensten Ort/ und zwar uͤber zwerg geoͤffnet/ mit einem Meissel lange Zeit offen gehalten: doch soll man in oͤffnung das Ei- sen nicht zu tieff hinein drucken/ damit keine grosse Ader verletzet werde. Wann es nun offen/ und eine Zeitlang geflossen/ so mag man alsdann purgieren und Aderlassen; Nach 30 oder mehr Tagen/ mag man die Geschwulst/ nach dem sie mit dem ☿ rio præcipitato gereiniget/ mit Fleisch erfuͤllen und heilen. Ist er aber seiner Art nach/ hartnaͤckig und boͤß-artig/ so gebraucht man nebenst den anziehenden Mitteln/ die Ven- tosen/ mit scarificie ren; wil es sich noch nicht bessern/ so begint gemeiniglich das gantze Gebluͤth angesteckt zu werden/ und alsdann muß man zu einer allgemeinen Frantzosen Cur schreiten. 62. Was sind Pestilentzische Schlier und Beulen? Es von Geschwuͤlsten. Es ist eine Geschwulst von Anfang lang- Paræus. lecht/ und hin und her beweglich/ nach- mals aber/ hoch und unbeweglich/ in den Truͤsen eingewurtzelt/ als in denen hinter den Ohren/ wann sich das Hirn von der gifftigen und Pestilentzischen Matery entle- diget: Unter den Armen/ wann sie auß dem Hertzen getrieben; und zum dritten/ neben dem Gemaͤchte/ wann es auß der Le- ber kompt. Sie haben eine dicke und zaͤhe Matery/ anfaͤnglich wann sie noch im zu- nehmen sind/ haben sie eine stechenden Schmertz bey sich/ da sich dann die Matery Keñzeichen. bald/ hernach zusammen ziehet/ sich allge- mach erhebet und entzuͤndet/ welches dann ein gutt Zeichen ist: wann sie aber bleich/ und bleyfaͤrbig/ sind sie boͤß und toͤdlich/ wie auch dieselben/ welche mit grossem Un- gestuͤm groß werden/ und in der eil zuneh- men. Diesen nun zubegegnen/ muß man Cur. so bald sie sich erzeigen/ eine Ventose mit grosser Flammen auffsetzen/ selbige eine Viertelstunde stehen lassen/ in drey stunden solches wiederholen/ und ein Cataplasma von gebratenen Zwifeln/ in welchen The- riack und Rau tenblaͤtter gefuͤllt gewesen/ mit Sawerteich und Schweinen-schmaltz zerstossen/ warm uͤberlegen/ oder eine Ca- taplasma von Ibischwurtz/ Lilgen/ Fœn: Grac. Leinsaamen/ Senff/ Feigen und L Schwei- Erster Theil Mit der oͤff- nung muß man eylen. Schweinen-Schmaltz. Man darff mit der oͤffnung biß zu volliger vereyterung nicht warten/ sondern ehe sie noch zeitig/ oͤffnen/ aber gleichwol mit den Zeitigungs-Mitteln fortfahren/ sie auch lang offen halten/ biß alle boͤse und gifftige Materie herauß. Wann die Beulen scheinen/ als wolten sie wieder in den Leib gehen/ soll man dieselben hin und wieder mit Laßeisen/ auch woll ziem- lich tieff oͤffnen/ Ventosen darauff setzen/ und mit an sich ziehenden Mitteln/ wieder herauß bringen/ auch woll gar ein Breney- sen auffsetzen/ und unterdessen ein vesicato- rium unterhalb der Beulen setzen/ damit das Gifft seinen Außgang habe/ biß die Ruffen von brennen herab faͤllt. Wann aber vermercket wird/ als solte durch star- cken Zufluß boͤser Feuchtigkeiten dem Glied eine Ersterbung zufallen/ soll man umb die Beule herumb zuruͤcktreibende Sachen/ als Saͤffte von Haußwurtz/ Sawerampff/ und Nachtschatten gebrauchen. 63. Was ist der Unterscheid zwischen einem Schlier und Apostem? Ein Schlier haͤlt sich nur in den druͤsich- ten oͤrtern/ ein Apostem aber in andern fleischichten Theilen auff: Es ist auch in den Schlieren vorher ein stechender Schmertz/ von Geschwuͤlsten. Schmertz/ gleich als in den verhaͤrteten und spannenden Nerven/ welches in den Apo- stemen nicht ist/ so sind sie auch rund und hart/ und liegen tieff in der Haut/ welches gleichfals in den Apostemen sich nicht findet. 64. Was ist eine Kohl oder Carfunckel? Es ist eine brennende Geschwulst/ mit Galenus. de different: morb: cap. 1. lib. 2. Ursprung. einer schwartzen Ruffen/ ist eine vermischte Kranckheit/ welche auß einem Geschwaͤr oder Apostem entstehet/ hat ihren Ursprung auß einem hitzigen Gebluͤth/ in dem das sub- tileste in die gelbe Gall/ das dicke aber in die schwartze (gleich wie in den Kohlen/ car- bonibus, geschiehet) verwandelt wird. Es wird aber das Gebluͤth entweder vor sich al- lein/ oder mit andern eingemischten Feuch- tigkeiten verbraͤnd/ dannenhero die Car- bunckel unterschieden/ in dem etzliche eine schwartz und aschenfarbige coleur/ und ei- nen Ruffen auffsich haben/ etzliche haben viel Blaͤtterlein/ als wann sie vom Feuer verbrand weren/ unter den Blaͤßlein aber/ verhaͤlt sich ein Geschwaͤr. Es sind aber Aquapen- dens Unterschtib. zweyerley Carfunckel/ einerley hat keine ma- ligni taͤt bey sich/ die ander Art ist/ Pestilen- tzisch. Die nicht Pestilentzische/ wird erkant/ wann es ein ruffenmaͤssiges Geschwaͤr ist/ welches zu zeiten Aschenfarbig/ zu zeiten L ij schwartz Erster Theil schwartz ist/ wann wegen der Hitze ein Fie- ber dabey/ wann ein starcker Schmertz/ Schlaff und Schauder verhanden/ und wann die Carfunckel heraußbricht/ ein jucken Cur des nicht Pesti- lentzischen Carfunckels. folget und im kratzen außblaͤttert. Die nicht Pestilentzisch sey/ soll man auff solche weise curiren/ man soll/ wo sonsten nichts hinderlich/ eine starcke Aderlaß biß zur Ohn- macht thun/ wo nicht/ mag man purgie- rende Mittel geben/ zugleich auch mit kuͤh- lenden Syrupen zu huͤlffe kommen. Was aͤusserlich anlanget/ soll man nicht leicht zu- ruͤcktreibende Sachen gebrauchen/ sondern vielmehr relaxi rende und nachlassende/ als welche die Brunst maͤßigen/ dann die an sich ziehende hie keine statt finden/ sondern ein cataplasma brauchen von Wegbreit/ Brodt und Milch/ oder von Leinsaamen/ Lilienwurtz/ Feigen und S. Johannis Oel/ hernach das Geschwaͤr scarifici ren und schneiden/ wo es der Patient nicht fuͤrchtet/ ein gluͤend Eisen auffsetzen/ die Escharam oder Ruffen abloͤsen/ und nach Anleitung Cur der Pe- stilentzischen Kohl. der Kunst/ reinigen und heilen. In den Pesti- lentzischen aber/ soll man nicht leicht Ader lassen/ sondern Antidota mit aq. scordij und syr. citri eingeben/ den Ort mit trochisc. d. viper. theriac, mithridat verbinden/ welche dem Gifft widerstehen; Paræus ruͤhmet den Rettig/ scheuffelein weiß geschnitten und uͤber- von Geschwuͤlsten. uͤberlegt. Siehe hievon ein mehres im Drit- ten Theil/ in der 77. Frage. 65. Was ist ein Vorgang oder Außfall der Mutter Proci- dentia Uteri, und wie ist sol- chem zu begegnen? In Eroͤrterung dieser Frage/ solte einer/ so zu sagen/ in ein labi rinth gerathen/ wo- fern man dem Faden Ariadnæ des itzigen secult nicht ergreiffen solte. Denen hoch- begabten Maͤnnern aber/ zu widersprechen/ scheinet fast unverantwortlich zu seyn. Dañ Actius lib. 16. de re medica cap. 78. meldet/ daß die Gebaͤhr-Mutter in groͤsse eines Strauß Eyes außfallen kan. Felix Plate- rus haͤlt gleichfals davor/ daß die Gebaͤhr- Mutter nicht allein außfallen koͤnne/ son- dern setzet auch die Ursach dazu/ daß solches geschehe/ von starckem ruffen/ Stulgang/ von fallen/ vom unmanierlichem Beyschlaff/ ja von Kinder gebaͤhren. Aquapendens in operationibus chirurgicis cap: 86. ist gleicher Meinung daß die Ge- baͤhr-Mutter außfallen koͤnne. Paulus Ægineta de art: med: lib: 3. cap : 72. bringt zum Vorschein/ daß eine Frau wol lebenkan/ ob Ihr schon die Gebaͤhr-Mut- ter außgeschnitten worden. Du. Laureus, Theophrastus Paracelsus L iij Jacob: Erster Theil Jacob: Berengar: Carpus, nebenst Ihm Lan- gius, Mercurialis und Ludovic: Durerus, haben ohne eintzige Furcht/ und den Frauen dadurch das Leben zu fristen/ die Gebaͤhr- Mutter weggenommen. Der Koͤnigliche Fernelius darff verzeh- len/ daß Er gesehen/ daß einer schwangeren Frauen/ die Gebaͤhr-Mutter/ mit sampt der Frucht/ ohne eintzige Gefahr des Lebens/ sey abgeschnitten worden/ da doch dieser vor- treffliche Mann/ in seiner Anatomia cap: 7. selbst bekennet/ wie so faͤst die Gebaͤhr-Mut- ter der Blaasen/ dem Schaambein/ dem Mastdarm und dem Peritonæo anhangen. Avenzoar, Anton: Beniv: VVierus , Zac: Lusitanus, Felix Platerus und andere mehr/ melden/ daß sie nicht allein die verfaulte Gebaͤhr-Mutter abgeschnitten/ sondern die Frauen sind lang gesund geblieben/ und ha- ben auch Kinder gezeuget. Paræus, Franciscus Rouset: in tract: de partu Cæsareo, wie auch Hildanus cent : 4. ob- serv: 60. 61. sind eben der Meinung/ daß die Gebaͤhr-Mutter außfallen koͤnne/ wie auch Thomas Bartholin: in anatom: reform: pag: 164 wie wol derselbe in seinen observa- tionibus anatom: Cent: 2. cap. 91. und cent: 1. Hist. 97. erzehlet/ daß zugleich mit der Nachgeburth die Gebaͤhr-Mutter durch ei- ne Hebamme unvorsichtig zwar sey herauß gezo- von Geschwuͤlsten. gezogen/ aber der Gebaͤhrenden den Todt verursachet. Dem allen ungeachtet/ so gieb nicht al- lein die fleißige Betrachtung in der Anato- mia an den Tag/ daß solche Außfaͤlle der Gebaͤhr-Mutter/ und noch vielmehr die Außschneidung derselben/ ohn gefahr/ un- muͤglich sey/ sondern es giebt auch die Au- topsia eines vortrefflichen Hollaͤndischen Chirurgi, Jacobi van Meeckren, mit unter- schiedlichen Exempeln an den Tag/ daß die Gebaͤhr-Mutter nicht außfallen koͤnne/ sondern dasselbige/ was dafuͤr gehalten werden wil/ nur eine Außweichung und dilatatio vaginæ seyn; wie auß bald nach- folgender Cur zusehen seyn wird. Dann was erstlich die Anatomiam der Gebaͤhr- Mutter betrifft/ so ist bekandt/ daß dieselbe mit vielen Baͤndern begabet/ nemblich/ mit Arterien/ Adern/ Ligamenten, Hautlein/ Saamen-Gefaͤssen/ und dergleichen/ und durch selbige der Blaas/ dem Mastdarm/ dem Peritonæo, dem osse sacro faͤst anhanget/ auch also/ daß man solche vasa mit einem scharff schneidenden Messer kaum entzwey schneiden kan/ zu geschweigen/ was sie durch die Adern/ Arterien und Nerven/ fuͤr Verwandschafft mit dem Hirn/ Hertz und Leber haben/ wie die Kranckheiten der Mutter gnugsam bezeugen. Es bezeuget L iiij Thom: Erster Theil Thom: Bartholinus Cent: 2. cap. 58. in ob- serv. anat: daß eine Frau zu Padua zehn Jahr an einer solchen vermeindten Außwei- chung der Gebaͤhr-Mutter sey geplagt ge- wesen/ wie auch der damahlige Hospithal- Chirurgus solches starck davor gehalten/ al- lein D. Marchettus hielte das Widerspiel; Wie dann auch der Außgang solches geleh- ret/ in dem man nach ihren Tode den Coͤr- per geoͤffnet/ und die Gebaͤhr-Mutter an ihrem ordentlichen Ort/ wohlgestalt gefun- den/ und einen Außwachs oder Außdeh- nung oder Bruch der vaginæuteri welches also außgehangen/ vermuthlich auß schwe- rer Arbeit; Wie hiervon beym obgedach- ten beruͤmbten Ambsterdammischen Chi- rurgo unterschiedliche Beweißthuͤmer und Exempel verhanden/ in seinen observatio- nibus an der Zahl die 51. in Hollaͤndischer Sprach neulich auß gegangen/ zu finden. Cur durch Artzeneyen. Die Cur anlangend/ so hat Fabrit: Hil- dan: cent: 4. observ: 60. 61. 62. dieselbe un- terschiedlich verrichtet. Als da eine Pati- entin nach der Geburt einen solchen Zufall bekommen/ und zwey Monath lang damit geplaget worden/ auch die Kraͤffte sehr ab- genommen/ hat Er dieselbe mit Confect: Al- kermes und Zimmet-Wasser erquicket/ und mit Rosen-Oel die Hufft und Lenden/ den Unterbauch und umbliegende Oerter gesal- bet/ von Geschwuͤlsten. bet/ nachmahls eine linde Purgation bey- gebracht/ welche so woll als die Hertzstaͤr- ckung offtermahls wiederholet worden/ endlich dem leidenden Theil/ so woll mit Schmertzen-stillenden/ als an sich ziehen- den Mitteln zu huͤlffe gekommen/ wodurch die Patientin genesen. Selbiger Autor hat auch eine andere Art/ in dem er einer Patientin/ welche in etzlichen Jahren nicht hat koͤnnen zu recht gebracht werden/ hat Kuͤgelein von Pantoffel-Holtz machen las- sen/ in der groͤsse eines grossen Huͤner-Eyes/ auch dergleichen Circkelrund/ und dieselbe in ein geschmoltzen Wachs Pflaster so lange eingetunckt/ biß alle Loͤchlein im Pantoffel- Holtz damit angefuͤllet seyn/ das Pflaster aber wird gemacht/ von Wachs/ Colophon, Gum: elemi, terbint, rothe Rosen/ Heydel- beer/ Granat-Bluͤht/ Wallwurtz/ Ma- stix und Weyrauch; Es muͤssen aber die Kuͤglein nach Proportion des Gliedes ge- macht seyn/ dann sonsten kan die Außwei- chung/ wann die Kugel zu klein/ nicht dar- in behalten werden: Es muß auch die Ku- gel einen starcken Fadem haben/ damit man im Fall der Noth dieselbe herauß ziehen koͤn- ne. Die dritte Art solcher Heilung hat Hildanus verrichtet/ in dem er einer Frauen eine linde Purgation geordnet/ und des Tages 3. oder 4. mahl ein Saͤcklein warm L v auff- Erster Theil auff legen/ und bey sich tragen lassen/ ge- macht/ von Wegbreit/ Weidenblaͤtter/ Mespelen/ Eychen-Laub/ Schlehen rothen Rosen/ Tormentil-Wurtz/ Wallwurtz/ Granathbluͤth/ Cupressen-Nuͤß und Anieß/ alles groͤblich zerstossen und zer- schnitten. Und wie wol unterschiedliche damit sind curiret worden/ so gestehet Er doch gerne/ daß obgedachte/ auch noch viel koͤstlichere Artzeney-Mittel vergebens ge- braucht worden. Weswegen dann/ so fern die Patientin einstimmig/ die Cur durch den Schnitt kan vorgenommen wer- den/ und sonderlich/ wann das außhan- gende kroͤßliche Fleisch etwan angekommen/ stinckend oder schwer/ wie offt geschicht/ so soll man die Cur nach Anleitung Jacobi van Meeckren also anstellen. Man soll die Patientin mit einem brei- ten Bande den Unterbauch faͤst binden/ die- selbe auf ein Tafel legen/ uñ mit einem schma- len Baͤndchen/ den Hals des anhangenden Wesens/ so hoch und faͤst man kan/ zu- schnuͤren/ wann solches geschehen/ so ziehe mit der lincken Hand/ das Außhaͤngende zu dir/ und schneide mit der rechten Hand/ durch ein krummes Messerlein/ unterhalb dem Bande/ den Hals des außhangenden Wesens ab/ lege auff die Wunde ein Blut- stillungs-Pulver/ mit Eyerweiß/ auff Hanff- von Geschwuͤlsten. Hanffheide gestrichen/ und schiebe auff das- selbe in den Leib ein duppeltes Tuch/ gegen das Baͤndchen/ welches lang herauß hen- gend bleiben soll/ biß es selbst abfaulet. Des anderen Tages/ soll man ein Spruͤtz-Was- ser beybringen/ gemacht von fol: malv, ver- basci, alchimil, plantag, rosar, sem: lini, mastic, oliban, in Wasser gekocht/ uñ mel ro- sarum darzu gethan. Und nach dem man ei- ne linde Reinigung etzliche Tage gebrauchet/ soll man umb mehr zu reinigen und zu truck- nen brauchen: rad: consolid, rut, scord, hy- sop, arthemis, absint: rosa, in Frantzwein/ zu einem Spruͤtzwasser gekocht und hinzu thun liqvor: ægypt, mell: rosar: und ungv. d: succ: apij. Hiermit soll man eintzige Tage ver- fahren/ und so bald man mercket/ daß der Eyter weiß und sich mindert/ soll man zu der letzteren Einspruͤtzung hinzu thun: tut: ppt. lap: calaminar, sief: alb: Rhasis, bals: sulph: wodurch die Hei- lung bald folgen wird. ENDE des Ersten Theils von Geschwuͤlsten. An- Ander Theil der Mund-Artzeney. von den Wunden. 1. Was ist eine Wunde? D Ie Wunde ist eine frische und bluti- ge Zertrennung dessen/ so natuͤrlicher Weise an einander gehoͤret/ welches durch einen Stich/ Streich/ Fall/ oder Biß verursachet worden. 2. Wie vielerley Art und Unter- scheid sind die Wunden? Der Unterscheid der Wunden wird auß Aquapen- dens. vier Beschaffenheiten genommen/ als 1. auß dem beschaͤdigten Theil/ als da sind die Wunden der Nerven/ die Fleisch-Wun- den/ die Wunden der Adern/ Ligamenten/ die Wunden der Brust/ des Haupts/ Hertz/ Leber/ Lunge und dergleichen. 2. Auß der Natur und Eigenschafft der Wunden; als der Figur nach/ werden etzliche genennet/ lange/ uͤberzwerge/ schlims und dergleichen; Der groͤsse nach/ als kleine/ grosse/ lange/ kurtze Wunden; oder der Gleiche oder Un- gleichheit nach/ als: ebene und unebene/ gantz offene und halb offene/ theils unter der Haut verborgene. 3. Auß den unnatuͤrli- chen Dingen/ als da sind/ die Zufaͤll/ der heisse Ander Theil heisse und kalte Brand/ die Inflammation, wie auch die Kugel/ Pfeil und spitzige Sa- chen/ die in den Wunden verbleiben/ wie auch eine schmertzhafft oder nicht schmertz- haffte Wunde. 4. Von der Zeit/ denn man nennet es eine frische Wunde oder al- ten Schaden. 3. Was seyn die Ursachen der Wunden ins gemein? Die Ursachen der Wunden/ sind alle die jenigen Werckzeuge/ welche geschickt seyn/ das gantze zu entgaͤntzen/ und geschicht sol- ches durch stechen/ hauen/ schneiden/ reissen/ zerstossen/ und außfressen/ Item, durch Biß und Stich der Thiere. 4. Wie viel sind Zufaͤll der Wunden ins gemein? Deren sind unterschiedlich; als Kaͤlte/ Frost/ Hitze/ Geschwulst/ Krampf/ Fieber/ Gichtbruch/ Schlag/ Schwindel/ Ohn- macht ꝛc. 5. Welche Wunden sind groß zu achten? 1. Die Wunden des Hertzens/ des Hirns/ und der grossen Gefaͤß/ wegen ihrer Wuͤrd und digni taͤt. Zum 2. die Wunden von welcher die Substantz des verletztens Glie- des/ in die Tieffe/ Laͤnge/ und Breite etwas weg- von den Wunden. wegkommen und verlohren. Zum 3. die/ so einer boͤsen art und maligni taͤt sind/ als die Wunden der Gelencke und Gewerbe/ welche gemeiniglich boͤser art seyn. 6. Welche Wunden sind ge- faͤhrlich zu halten? Die sind ins gemein gefaͤhrlich/ in wel- chen etwa ein groß und vornehmes Gefaͤß oder Nerve verletzet wird/ denn von wegen der Nerven/ hat man den Krampff/ auß den Adern und dero Verblutung den Ab- gang der Kraͤffte zu besorgen; Es werden auch gefaͤhrlich gehalten/ die Wunden un- ten und ober der Achsel/ neben der Schaam und Huͤffte/ Gewerb und Gelenck/ zwischen den Fingern gleichfals/ weil an selbigen Or- ten die Gefaͤße liegen. 7. Welche Wunden sind nicht gefaͤhrlich? Dieselbe/ welche einen Fleischichten Ort angetroffen/ und welche nach der laͤnge der Musculen gehen. 8. Welche Wunden sind aller- dinges toͤdlich? Die Wunden der Harnblasen/ des Hirns/ des Hertzens/ der Leber/ der Lungen/ des Magens/ Miltzes und duͤnnen Darms/ M und Ander Theil und sonderlich/ wann sie recht mitten durch/ und ihre grosse Gefaͤß verlaͤtzet worden. Sonsten hat man viel Exempel/ daß solche Verwundete auch genesen: Hievon hat D. Gottfried Welsch/ ein vortrefliches Tractaͤtlein/ Rationale jndicium de Letha- litate vulnerum geschrieben; Item D. Nico- laus Pfitzerus, welche einem Chirurgo hoch- noͤtig zu lesen. 9. Warumb sterben etzliche an kleinen Wunden/ etzliche aber hergegen genesen/ aus grossen und gefaͤhrlichen? Solches geschicht/ offtmahls wegen Un- terscheid der Naturen/ wie auch wegen einer verborgenen Maligni taͤt und boͤsen zustand/ entweder der selbst verletzten/ oder aber der nechst herumb liegenden Glieder. 10. Warumb sind die gestosse- nen Wunden schwaͤrer zu heilen? Weil vor der Heilung eine Erschwaͤrung und Vereyterung vorher gehen muß/ und je groͤsser nun die Zerstossung/ je laͤnger Zeit muß man haben zur Vereyterung und Rei- nigung/ und weil durch die Zerstossung et- was von der Substantz verlohren wird/ muß von den Wunden. muß solches durch das Fleisch-zielen ersetzet werden. 11. Warumb sind die runden Wunden schwaͤrlich zu heilen? Die Zusammenheilung der Wunden geschicht am allerbesten durch Zusammen- fuͤgung der Winckel und Ecken/ nun man- geln die runden Wunden derselben; auch werden die Wunden allezeit fuͤr groͤsser ge- halten/ je weiter ihre Lefftzen und Ende von einander sind/ welches dann in den runden sich begiebet. 12. Warumb sind die Wunden der Schwindsuͤchtigen und fluͤßichten Leuthen schwaͤ- rer zu heilen? Weil vorhin die leblichen Geister und angebohrne Waͤrmbde viel schwaͤcher als in den gesunden/ und also der natuͤrliche Balsam/ welcher in Heilung der Wun- den noͤthig/ mangelt. 13. Warumb sind die Wunden an den alten Leuthen schwaͤr- licher zu heilen/ als an den Jungen? M ij Weil Ander Theil Weil eben/ wie vor gesagt/ in ihnen der natuͤrliche Balsam schwaͤcher/ hergegen in den jungen das Fett und Gebluͤth/ staͤrcker/ haͤuffiger und kraͤftiger ist. 14. Werden die Wunden der Nerven/ Blut- und Lufft- Adern/ wie auch der Kno- chen durch eine schlechte Zusam̃en-wachsung oder Vereinbarung ihrer selbst eignen Substantz geheilet? Nein: denn ob sie schon bißweilen gehei- let werden/ geschiehet solches nicht auß ihrer selbst eigenen Substantz/ wie in den Flei- schichten Gliedern/ sondern durch Mittel einer andern fast gleichformigen: Denn in denen Theilen/ des Leibes/ welche auß dem Saamen/ und nicht auß dem Gebluͤth entstehen/ stellet die sorgfaͤltige Natur an dessen Statt was verlohren worden/ ein an- ders dergleichen/ dann dasselbige/ was an Statt des gebrochnen Beins waͤchst/ ist kein Bein sondern eine harte Schwuͤlle oder Callus, und also auch in den anderen Theilen. 15. Wie ist mit einer einfachen Wunde zu verfahren? Es von den Wunden. Es kan zwaꝛ eine einfache Wunde odeꝛ das Aquapen- dens. Fleisch nicht verwundet werden/ es sey dann daß auch zugleich Adern/ Nerven/ auch woll Arterien mit getroffen werden/ doch nennet man dieses eine einfache Wunde/ welche keine grosse Verblutung/ noch gros- sen Schmertzen bey sich hat; Nach dem Heilung ein- facher Wun- den. das Blut gestillet/ muß man die Wunde etzliche Tag mit einem degestiv digeri ren und zur Erschwaͤrung bringen/ nachmahls mit einer Renigung mundifi cieren/ wann sol- ches geschehen/ soll man Fleischziehlende/ und endlich Hautschlissende Mittel ge- brauchen. 16. Wie ist eine Tieffe Wun- de/ da gleichwol keine Sub- stantz verlohren ist/ zu curie- ren? In solchen ist nicht gnugsam/ daß man die Lefftzen aneinander fuͤge/ sondern man muß/ nach dem sie zusammen gefuͤget seyn/ am niedrigsten Ort/ die Wunde mit einem Meissel offen halten/ damit die Materie auß dem Grunde herauß fliesse/ zu dem muß man auch mit den Meißlen erstlich die ver- eyterende/ hernach die reinigende/ und end- lich die Fleischmachende Artzeneyen bey brin- gen/ und also heilen. M iij 17. Wie Ander Theil 17. Wie ist eine hole Wunde/ da Verlust der Substantz ist/ zu curieren? Aquapen- dens. In dergleichen Wunden/ soll man auff den gantzen Leib sehen/ und also bald das Blut stillen; Damit aber keine Inflamma- tion dazu komm/ soll man den Patienten eine gute Diaͤt fuͤrschreiben/ kuͤhlende Spei- sen ordnen/ den Wein verbiethen/ und sich vom Zorn und Beyschlaff enthalten/ die Lufft soll kuͤhl seyn/ den Leib soll man offen halten/ mit linden Purgationen/ die Hu- mores, welche in dem Leib auffruͤhrig ge- macht worden/ soll man durch Revulsoria wehren/ damit sie nicht zum beschaͤdigten Theil fliessen/ welches geschehenkan/ durch Purgieren/ Aderlaß/ Ventosen/ reiben/ binden und dergleichen/ so dann auch durch repellentia helffen/ welche dann kalt und trucken sind/ als die Defensiva, welche ober- halb dem Schaden geleget werden/ von welchen bey der Phlegmone ist gedacht wor- den; Wann solches geschehen/ so soll man die Wunde mit einem digestiv, gemacht von terebint, vitell: ovorum, thure und im Winter ein wenig Crocus darin gethan/ verbinden/ nachmahls reinigen/ mit melle rosarum, farin: fabar, \& hordij, gemacht/ oder mit dem ungv: de succo apij Hildani, als- von den Wunden. alsdann Fleischmachende Sachen gebrau- chen/ von tutia ppt., aloes, thure, rad: ire- os, ungv: Isidis, Apostolorum, Basilicon: \&c. uͤber den Schaden anfaͤnglich das Empl: Basilicon: letzlichen/ das Diapalma uͤber- legen. 18. Wie viel Stuͤck find zu der Zusammenfuͤgung oder Hei- lung ver Wunden vonnoͤ- then? Fuͤnff. Daß man zum 1. alles das Je- Paræus. nige/ so beydes umb und in den Wunden/ wider die Natur gefunden wird/ herauß nehme und abschaffe. 2. Die Lefftzen der Wunden zusammen fuͤge. 3. Die zusam- men gefuͤgte Lefftzen bey einander behalte. 4. Die Complexion des verletzten Gliedes erhalte. 5. Die Zufaͤlle/ so etzliche entstan- den/ verbessere. 19. In welchen Wunden soll man nicht alsobald das Je- nige hinweg nehmen/ was sich wider die Natur da- rinnen finden laͤst? Solches soll geschehen/ wann man sich etwan auß der geschwinden Außreutung/ dieser vorgesagten Dinge einen grossen M iiij Schmer- Ander Theil Schmertzen und Verblutung zu besorgen hat/ und ist alsdann viel besser/ daß man solches der Natur befehle; Wo fern aber auß Unterlassung der Dinge/ eine grosse Gefahr zu besorgen/ soll der Wund-Artzt Nohthalben eylen/ doch so sanfft und sicher es immer seyn kan/ verfahren. 20. Warumb soll man die lang- sahme Verblutung in den Wunden mehr befoderen? Solches geschicht in den blutreichen/ da- mit das Glied des uͤbrigen Gebluͤths entle- diget/ und von der Sorge der Entzuͤndung befreyet werde. 21. Auff wie vielerley Weise mag das Blut gestillet werden? Blutstillung mancherley. Auff fuͤnfferley Weise. 1. durch ein- und zusammenziehende Artzeneyen/ welche ge- macht werden/ von Terra sigillata, bolo ar- meni, mastici, myrrha, olibano, aloe. farin: volatili, mit Eyerweiß angemacht/ und mit Hanff-Puͤschlein uͤbergelegt. 2. durch Zusammenhaltung der Wunden/ wann man alles das jenige/ was auff der Wun- den liegt/ hinweg thut/ und mit dem Dau- men so lang zuhaͤlt/ biß das Blut gestehet/ und von den Wunden. und dick wird. 3. durch zubinden der Ge- faͤsse/ wann man mit einer Nadel die Ader oder Arterie untersticht ein Stuͤcklein Fleisch mit fasset/ und also zustricket. 4. durch brennende Artzeneyen/ oder gluͤende Eisen/ 5. durch Abschneidung der Gefaͤsse/ damit die abgeschnittene Ende ins Fleisch weichen/ und dieses ist das letzte Mittel. 22. In wie viel Wege gehet das Gebluͤth? In zweyerley/ als Erstlich auß den Pulß- Adern/ welches subtiler und gleichsam dan- tzend herauß springt; Zum andern/ auß den Blut-Adern/ welches/ schwartzer/ und im Außrinnen langsamer ist. 23. Soll man Einem/ der ge- hauen worden/ laͤnger blu- ten lassen/ oder ihm das Blut alsobald stillen? Solches muß mit Unterscheid geschehen/ dann ist der Mensch Blutreich und zornig/ so ists besser/ daß man im Anfang das Ge- bluͤth ein wenig lauffen lasse/ und darff man alsdann keine Aderlassen; Ist aber der Mensch vorhin schwach/ soll man Ihm das Blut alsobald stillen/ sintemahl das Gebluͤth ein Schatz der Natur. M v 24. Wel- Ander Theil 24. Welche Wunden werden allein durch das Gebaͤnd geheilet? Die schlechte und geringe Wunden/ wel- che nicht biß auff eine Merckliche Nerve oder Sehnen gehen/ haben mit den schlechten und einigen Baͤnden genug/ fuͤrnehmlich/ wann sie in die Arme und Schenckel ge- rathen. 25. Welche Wunden haben nechst dem Gebaͤnd auch der Hefftung von noͤthen? Alle grosse Wunden/ fuͤrnehmlich aber die jenigen Glieder/ in welchen man wegen ihrer Figur und Orts keine Gebaͤnde haben noch gebrauchen kan/ als da sind: die Oh- ren/ Nase/ Augenlieder/ Lefftzen/ Kehle/ Bauch/ ꝛc. Zu dem haben auch der Heff- tung noͤthig/ die nach der Schlimme zer- hauene Musculen; Wie auch/ wañ ein stuͤck Fleisch an der Wunden gantz und gar her- ab hanget/ muß solches gleichfals gehefftet werden/ damit die Lefftzen/ welche von ein- ander waren/ wiederumb zusammen ver- einbahret und zusammen gezogen werden. 26. Sind dann nicht in allen Wun- von den Wunden. Wunden Heffte zugebrau- chen? Nein: Dann wann die Wunden laͤngst den Schienbeinen oder Armen/ koͤnnen sie woll des Hefftens entrathen/ wann sie aber nach der Schlimme und uͤberzwerg (dann die Fibren ziehen sich/ wann sie uͤberzwerg geschnitten/ zuruͤck) kan man ihnen woll mit den Hefften zu huͤlffe kommen. 27. In welchen Wunden ist das Aderlaß noͤthig? In allen grossen Wunden/ in welchen etwa ein Zufluß/ Schmertz/ Aberwitz und Unruhe zu besorgen ist/ allermeist in den vol- ligen Patienten. Item, in den Wunden der Gleiche/ Haarwachs oder Nerven/ ist sie sehr noͤthig. 28. In welchen Wund en ist das Purgieren noͤthig? Wie woll Gvido das Purgieren in den Verwundungen gantz verwirfft/ dann er sagt/ sie sind ins gemein hitzig/ erregen ei- nen Zufluß/ und machen die Wunden zu Apostemen und Geschwaͤren/ so kan man dennoch in denen unreinen/ der Purgan- tien nicht entbaͤhren, sollen aber lind und kuͤhlend seyn/ als da sind welche Cholagoga genennet werden. 29. Wie Ander Theil 29. Wie vielerley Hefften sind uͤblich? Fuͤnfferley Hefften. Fuͤnfferley. Die erste ist Interpunctus, lest allwege eines Fingers breit Raum und Platz/ zwischen einer jeden Heffte/ geschicht mit einer Nadel und Fadem und Huͤlffe ei- nes Roͤhrleins/ welches den Lefftzen entge- gen gesetzet wird/ in dem sie mit der Nadel durchstochen/ und der Fadem zusammen ge- bunden werden: Die andere Art ist/ wann die Lefftzen der Wunden mit einer Kuͤrschner Naat zusammen gehefftet werden: Die dritte Art/ wird durch eine oder mehr Na- del verrichtet/ und lest man die/ durch bey- de Lefftzen hindurch geschobene Nadel/ dar- innen stecken/ und wickelt hernach den Fa- dem uͤmb die Nadel/ auf die weise als wenn man eine Nadel im Kleid verwahret/ wird in den Haasenscharten gebrauchet. Vierd- tens ist Gastrozaphia in den grossen Muscu- len des Unterbauchs und Peritonæi. Fuͤnff- tens die Saͤlbhaͤffte genant/ im Angesicht zu gebrauchen. 30. Wie ist die erste Heffte zu- thun? Der erste Punct oder Hefft soll in der Mitten der Wunden geschehen/ und da- fern die Wunde lang/ soll die ander Heffte in von den Wunden. in gleicher weite von der Mittelsten/ und so fort an/ geleget werden. Man soll auch die Lefftzen der Wunden nicht allzuhart zu- sammen ziehen/ sondern zwischen den Pun- cten etwas offen lassen/ nicht allein den Eyter außzufuͤhren/ sondern auch die Entzuͤndung und Schmertzen zu verhuͤten. 31. Wie tieff soll man die Leff- tzen in dem Hefften fassen? Wie wol man nicht leicht diese blutige Aquapen- dens. Hefftung vor die Hand nehmen soll/ nach Anleitung Hieronymi Fabritii ab Aquapen- dente, sondern vielmehr die/ welche durch den Leim ( glutinum ) oder Saͤlbheffte ge- nandt/ geschiehet/ sintemahl dieselbe viel sicherer/ weniger schmertzhafft und grau- sam ist/ so soll man/ wann man die Heff- tung mit der Nadel brauchen muß/ sich woll vorsehen/ damit man weder zuviel noch zu wenig fasse/ sintemahl das wenige nicht halten kan/ daß zu viel gefaste aber/ erwecket nicht allein einen Schmertzen und Entzuͤn- dung/ sondern es wird auch die Wunde sel- ten/ ohne Hinterlassung einer unflaͤtigen Narben/ zusammen geheilet. Wo eine starcke Hefftung noͤthig/ als im Unterbauch/ soll man nebst der Hefftung mit der Nadel/ auch die Salb-Heffte gebrauchen. 32. Ist Ander Theil 32. Ist es auch gut/ daß man eine Wunde zuviel heffte und drucke? Solches ist nicht allein nicht gut/ son- dern hoch schaͤdlich/ und soll nach Celsi Meinung eine Heffte von der anderen eines Fingers breit von einander seyn/ es sey dann daß ein Nerv oder Haarwachs solches ver- hindere/ alsdann muß man sie weiter setzen. 33. Auff wie vielerley weise lei- det das Haͤupt von Ver- wund- und Zerstossungen? Das Haͤupt wird an und fuͤr sich selbst verwundet/ durch vielerley Zufaͤll/ als: stossen/ schlagen/ stechen und dergleichen: So wird auch selbiges verwundet/ entwe- der nur durch die Haut/ oder auch zugleich durch das Pericranium, bißweilen wird es verwundet mit Zerstossungen/ bißweilen ohne dieselbe/ bißweilen wird auch das un- terliegende Cranium gebrochen/ und solches entweder mit verletzung der dura mater, und des Hirns/ oder aber/ ohne derselben. Der art Bruͤche des Cranij werden von Hippocrate fuͤnff gezehlet: die erste Art nen- net er Fissuram, seu Fractur am einen Spalt. Die 2. Contusionem oder Collisionem eine Zer- stos- von den Wunden. stossung. Die 3. Effracturam oder Auff- brechung. Die 4te Sedem, einen Sitz oder Hineinweichung/ die 5te/ Contrasissuram oder Resonitum, eine Widerspaltung oder Wiederschall. 34 Was ist zu thun/ wann ein enger Spalt oder Riß in der Hirnschal ist? Wann die Haut noch gantz/ und ein Zeichen des gebrochenen Cranij. Argwohn waͤre/ als moͤchte die Hirnschal darunter gespalten seyn/ sind folgende Zei- chen vorhergegangen/ als nehmlich/ es faͤllt der Patient nach empfangnem Streich zu bodem/ Er liegt eine Weile Sprachloß/ kan weder sehen noch hoͤren/ das Blut laufft zur Nasen/ Mund/ Augen und Ohren herauß/ uͤbergiebt sich/ faͤllt in eine Schlaffsucht und der gleichen; Als- dann soll man den Ort abscheeren/ mit ei- nem Scheer-Messer/ die Haut oͤffnen/ doch so viel muͤglich huͤten/ damit man die Schlaͤffe und Suturen nicht treffe/ die Haut soll man mit dem pericranio abscheelen/ und den Riß erforschen/ wie weit er gehe/ sol- ches geschicht/ wann man ein wenig Din- ten mit Rosenoͤhl auff das Cranium schuͤttet/ es wieder fein sauber abtrucknet/ alsdann bleibet die Schwaͤrtze in dem Bruch/ wel- ches man fleißig/ und so lang als die Schwar- Ander Theil Schwaͤrtze waͤhret/ mit den Schrot-Meis- Ob beyde Tafeln ge- brochen. seln radie ren und schaben muß: Zu erfor- schen/ ob beyde Tafeln gebrochen seyn/ laß den Patienten mit Gewalt den Athem auß- stossen/ halte Ihm Mund und Nasen zu/ so blaͤhet sich eine schaumichte Materie auß den Haupt/ und magst alsdann radieren/ Hand-Cur. biß auff die duram meningem, das Radieren darff nicht der Laͤnge nach/ so tieff geschehen/ sondern nur so viel/ als zu Außfliessung der Materie gnug ist/ die Lefftzen der Wunden/ soll man im Anfang mit Blutstillung/ dar- nach mit digestiv bestreichen und zuruͤck hal- ten/ auff die Hirnschal/ und sonderlich am radierten Ort/ ein Haupt- und trucken Heilung. Pulver von myrrh: aloes, mastic, oliban, sang: draconis, und rad: aristolog: rotund: gemacht/ streuen/ die Wunde offen halten/ biß das Fleisch vom Bein herauß waͤchst/ hernach mundifici ren/ mit mel rosarum, te- rebint, und succo apij, zusammen vermischt; Wann dieses geschehen/ soll man in car- nieren und ein sarcoticum als ungv: aurum mit sarcocollæ vermischt/ uͤberlegen; Nach dem die Wunde mit Fleisch erfuͤllet/ so be- schliesse sie mit trucknenden und zusammen- ziehenden Artzeneyen: Als empl: de minio, alb: coct, diapompholyg, diapalma und der- gleichen/ uͤber den gantzen Kopff soll man brauchen/ entweder das Bethonien-Pfla- ster/ von den Wunden. ster/ diadiptam: Galeni, oder eine Behung/ den Schmertzen und Geschwulst zu stillen/ gemacht von herb: betonicæ, malvæ, origan, majoran, verbasci, flor: chamomil: rosarum, melilot. sem: lini und mirrh: davon zwey Saͤcklein gemacht/ in weissen Wein gesot- ten/ außgedruckt/ und nach dem ein reines Tuͤglein uͤber den Beschaͤdigten Ort gelegt/ die Saͤcklein/ so warm mans leiden kan/ zwey oder dreymahl vor dem verbinden/ Morgends und Abends gebraucht/ auch kan man die umliegende Oerter mit Rosen- Oehl defen dieren. 35. Was ist die Contusion oder Zerstossung der Hirn- schal? Sie geschicht mehrentheils/ wann durch Beschrel- bung. stumpffe und schwere Gewehr oder derglei- chen/ die Hirnschal hinein gebogen wird/ und solches gemeiniglich bey den jungen Kindern/ Weibern und Maͤnnern/ wel- che einer weichen und feuchten Complexion und mit Wasserichten Feuchtigkeiten bela- den sind/ welche Einbiegung der Hirnschal/ so bald es immer muͤglich/ soll zurecht ge- bracht werden/ dann wann solche lang ein- gedruckt verbleibet/ erreget es viel boͤse zufaͤll. Es soll aber die Hirnschal und zwar der jungen Kinder/ nach dem das Haar abge- N schoren/ Erster Theil Auff behung des Cranij schoren/ auffgehoben werden/ entweder mit einer Ventosen/ in dem Mundt/ Naas und Ohren zugehalten werden/ oder aber mit Durch Pfla- ster einem wollklebenden Pflaster/ an welchem zu vor starcke Baͤndlein angemacht/ wann es nun woll angeklebet/ soll man das Pfla- ster bey den Baͤndlein in die hoͤhe ziehen/ und solches wo es nicht mit einem mahl an- gehet/ ferner continui ren. Bey erwachse- nen Personen aber/ soll man mit einem Durch In- strumentæ Bohrer und darzugemachten Instrument von Hildano Cent: 2. observ. 4. beschrieben/ die Hirnschal aufheben/ nemlich einen Kreutz- schnit thun/ zuvor mit einem dreyschneidich- ten Bohrer ein Loch machen/ hernach die dazu gemachte Schraube allgemach ein schrauben/ doch nur durch die eine Tafel des Cranij; wann nun solche auffgehoben/ kan man die Lefftzen wieder so viel muͤglich zu- sammen ziehen und heilen/ wie vor gesagt. 36. Was ist zuthun wann die Hirnschal gantz hinein ge- wichen? Hand-Cur. Wann solche gantz hinein gewichen/ und zugleich in viel stuͤcke und schiefer zertheilet were/ kan man des Bohrers woll entra- then/ und soll man die stuͤcklein mit krum- men Instrumentlein oder zaͤnglein gemach heraußnehmen/ damit man nicht mit den zerbro- von den Wunden. zerbrochenen Spreißlein die darunter lie- gende Haut verletze/ und soll man sich vor allen dingen befleissigen/ daß alles geschwind und ohne Gefahr verrichtet werde: Im uͤbrigen mit behungen/ defendiren, mundi- ficiren, incarnie ren/ und dergleichen ver- fahren/ wie im Anfang der Hauptwunden gedacht worden. 37. Wann ein solcher geschrau- bet worden were/ auch etz- liche Beiner der Hirnschal/ schwartz oder angelauffen weren/ wie ist ihm die Hirnschal mit Fleisch zu- bedecken? Wann die Beiner von der Lufft/ Ma- Cur des an- gelauffenen Cranij. terie oder schmutzigen Artzeneyen (vor wel- chen man sich huͤten soll) schwartz und an- gelauffen/ soll man sie fein sitsahm mit dem rectificir ten Spirit. Vitrioli uͤberfahren/ die Suturen und das pericranium nicht beruͤh- ren nachmahls fein sauber wieder abwischen/ ein Pulver von rad bryoniæ, aristolog: long, gum: euphorbij, mastic. darauff streuen/ da- mit sich die Schuppen vom Knochen able- digen/ welches gemeiniglich in fuͤnff oder sechs Wochen geschicht/ hernach wann sol- che Schuppen hinweg/ ein Fleisch-zielendes N ij Pulver Ander Theil Pulver darauff straͤuen/ welches gemacht ist von Rad. ireos, aloes, olibano, myrrhæ, mastic, sarcocoll, aristolog, und dergleichen: Wann nun das Fleisch vom grunde und dessen Wunden im Musculosischen Theil auch etwas genauer zusammen gehet/ so un- terlest man die ungventa und fette Sachen/ und gebraucht sich der truckenden Tuͤchlein wie auch in Schliessung der Wunden des Cerat: d. minio, Diachalcitid: und Dia- pompholyg: 39. Was ist die Gegenspaltung der Hirnschal oder Reso- nitus? Wiewoll diese art Bruͤche der Hirnschal mit vielen Veweißthuͤmen von etzlichen Au- toribus geleugnet wird/ so haltẽ doch die mei- sten dafuͤr/ daß ein Wiedeꝛschall oder Gegen- spaltung seyn kan/ wann zum Exempel ein Schlag auff die rechte Seiten des Haͤupts geschiehet/ die Lincke aber/ den Riß oder Bruch empfindet/ welches gemeiniglich bey Fleissige Un- tersuchung. denen Leuthen geschiehet/ welche entweder enge oder gar keine Suturen, oder Fugen ha- ben: Ist gar schwar zu erkennen/ daher achten sie denselben auch toͤdtlich/ soll man derohalben fleissig in acht nehmen/ ob der Patient eben so wol an demselben/ wo der Streich geschehen/ als am andern Ort ge- gen von den Wunden. gen uͤber/ schmertzen empfindet/ auch offter- mahls mit den Haͤnden darnach greifft: Es geschicht auch offt/ daß die untere Taffel ge- brochen/ die Obere aber gantz bleibet/ wel- ches auch ein verfuͤhrischer Zufall ist. Wañ man nun seiner Sachen gewiß ist/ soll man den Ort/ da der Schmertz am groͤssesten ist/ Cur durchs trepanie- ren. trepani ren/ und sehen/ was unter demsel- ben Widerwertiges verborgen ist/ und so alda nichts were/ und die Zufaͤll gleichwoll nicht nachliessen/ so muß der affect noth- wendig gegenuͤber seyn/ und so man den Patienten beym Leben erhalten will/ muß an dem Orth auch Lufft gemacht werden/ ob schon solches abscheulich ist/ dennoch bes- ser ein zweiffelhafftes Mittel vor die Hand genommen/ als den Patienten huͤlffloß ge- lassen/ der doch ohne das sterben muß/ und woll mit groͤsserem Schmertzen: Und weil bey diesem Schaden sonderlich eine Schlaf- sucht ( Lethargus ) sich einfindet/ als soll man das Haͤupt defendiren, mit ol: ruthæ, anethi, masthic, anisi, ol: de gummi elemi und cheiri, eine Benung gebrauchen/ von Herb. betonic. ruthæ, salviæ, majoranæ, stœchad arab: origan, myrrhæ, laudan: und storac. in wein gesotten. 39. Worvon kompt die gewalt- same Bewegung und un- N iij natuͤr- Ander Theil natuͤrliche Erschuͤtterung des Hirns/ und wie ist Ihr zu helffen? Paræus. Solche geschicht ebenmaͤßig von eusserli- chen Ursachen/ als durch fallen/ stossen wie auch Krachen der Vuͤchsen/ und Donners/ Ursach. welches dann verursachet/ daß die Vlut- und Puls-Aderlein zerreissen/ und zwar nicht allein die durch die Fugen gelangen/ sondern auch/ so sich zwischen die beyde Tafeln zu der schaumichten Substantz ihre Nahrung zu- fuͤgen/ daher dann solche Erschuͤtterung auß dem grossen Schmertzen/ verfinsterung der Augen/ und erbrechendes Magens/ weil solcher mit dem Hirn durch das sechste Paar Cur. verbunden/ erkandt wird. Was die Cur anlanget/ soll man das gantze Haͤupt ab- scheeren/ mit Rosen-Oel beschmieren/ und Hildanus Cent. 5. ob- serv: 8. in Epistola 2. ad Petrum Blandinum. ein uͤberschlag mit Gerstenmeel/ gestossenen Bethonien/ Rosen und Chamillen in Be- thonienwasser gekocht/ uͤberlegen/ den Leib mit Stuhlzaͤpfflein oder linden Clystieren offen halten/ eine Ader auff dem Arm lassen/ nach dreyen tagen ein Saͤcklein brauchen/ gemacht von Chamomillen/ Steinklee/ Hollunderbluͤth/ Schluͤsselblumen/ Be- thonien/ Dosten/ Salbey/ wild Cypreß in Anies und Fenchel-Wasser gekocht/ wel- ches man des Tages zweymahl/ allemahl eine von den Wunden. eine viertel Stunde lang warm uͤberlegen muß/ in dem zwey Saͤcklein seyn muͤssen/ daß man eins umbs ander waͤrmen und uͤberlegen kan. 40. Warumb geschichts/ daß in den Wunden des Haupts/ auß Verletzung des einen Theils des Hirns/ der an- der gegẽ uͤber vom Krampf uͤberfallen wird/ der ver- wundete Ort aber Para- lysi? Solches geschicht daher/ weil die umb- Vigierius. liegende Theil der Wunde schwaͤcher seyn/ deßwegen lassen die Nerven nach/ und ma- chen eine Unempfindlichkeit/ gegen uͤber koͤn- nen sie sich zusammen ziehen: Oder/ weil zu dem verletzten Theil mehr und subtilere Feuchtigkeiten zufliessen/ sich auch dieselbe erstlich zu dem verletzten/ hernach zu dem ge- sunden Theil verfuͤgen/ weßwegen dann die Nerven in dem verletzten Theil erweichen und nachgelassen werden/ das dicke zuge- flossene aber/ verursachet auff der anderen Seiten den Krampff. 41. Welches sind gute und heil- same Zeichen in Haupt- Wunden? N iiij Die- Ander Theil Heilsahme Zeichen. Dieses sind gute Zeichen/ wann eine Ge- schwulst sich zwar erzeigt/ aber nach dem Purgieren und Aderlassen bald wieder ver- schwindet/ wann die Lefftzen der Wunden fein roth/ gleich/ und ein gutes Eyter von sich ge- ben/ wann ein Fieber verhanden/ und sel- biges vor dem siebenden Tag sich verleuret. 42. Welches sind toͤdtliche Zei- chen in den Haupt-Wun- den? Toͤdliche Zei- chen. Wann die Wunden duͤrr/ trucken/ bley- farbig oder gar schwartz/ und durch aus kei- nen Eyter von sich geben/ wann nach em- pfangener Wunde der Patient Sprachloß und unbeweglich liegen bleibet/ wann dem gegen uͤber befindlichem Gliede ein Krampff zufaͤlt/ diese und dergleichen sterben insge- mein. 43. Wañ einer von einem Fall oder Schlag geronnen Blut zwischen der Hirn- schal und dura mater haͤtte/ die Hirnschal aber noch gantz waͤre/ wie ist solches zueꝛkennen und zu heilen? Die- von den Wunden. Dieses ist im Anfang fast schwer zuerken- Vier betrieg- liche Haupt- Wunden. nen dann nach Vigierij Meinung sind vier unter den Haͤupt-wunden welche einen Chi- rurgum betriegen 1. Wann das Cranium also eingetrucket wird daß es wieder an sei- nen Ort springet 2. Wann eine fissura ca- pillaris das ist eine Haarspalt ist 3. Wann die unterste Tafel bricht/ die obere aber gantz bleibet 4. Wann ein resonitus oder Wiederschall verhanden/ wie vor gemeldet. Ob nun zwar die Zeichen dieses Schadens offt gering/ so sind sie auch zuweilen so groß/ daß sie den Schaden viel groͤsser machen/ gemeiniglich aber ist das nechste und gewis- seste Zeichen im Anfang/ das Drucken und die Schwere unter der Hirnschal und sonderlich der Augen. Die Cur anlan- Cur und Heilung. gend soll man das Haar gantz hinweg schee- ren/ eine behung gebrauchen/ welche da außtrucknet und durch die poros verzehret/ was zur faulung am meisten geneigt ist/ als: Herb: absinthij, myrtill:, nuc: cupress:, flor: rosar, calom: aromat:, carvi, coriand: lixivij, vini rubri, jedes nach der Kunst und proportion, den drittentheil einsieden lassen/ und den Ort mit eingetunckten Schwaͤm- men gebehet/ das/ was sonsten schaͤdliches verhanden/ soll man mit Clystiren/ Ader- durch Artz- neyen. laß/ und vesicatorijs hinter die Ohren ab- fuͤhren; Durch diese und der gleichen Mit- N v tel Ander Theil tel kan man offt dem Patienten ohne oͤff- nung der Hirnschal helffen/ daß die Natur den unrath auß dem Kopff/ als Eyter und Blut durch die Nasen/ wie auch auff die glandulas fallen lest und außtreibet. Da fern aber die euserliche Artzeneyen nichts ver- fangen wollen/ sondern der Schmertz Fie- ber und dergleichen fast zunehmen/ muß Durch Handgriff. man ohne verzug die Hiꝛnschal durchbohren/ und zwar am niedrigsten Theil des beschaͤ- digten Ortes/ doch wann solches im Hin- tertheil des Hauptes/ mit kleinen modiolis; und wiewol fast alle Autores verbieten die Suturen zutrepaniren/ ja vielmehr warnen daß man ihnen nicht zu nahe kommen soll/ In libro au- reo de vul- neribus ca- pitis. so befielet doch solches Berengarius, wann nemblich der Schade die Suturen getroffen; dann es ist gewiß/ daß man keinen vor den dritten Tag Trepa nieren soll/ es habe sich dann die dura mater durch das Vereyteren vom Cranio abgegeben/ welches in den drit- ten Tag in gemein geschiehet/ hat sich nun die dura mater durch solch apostemi ren vom Cranio abgegeben/ warumb soll man nicht auch die Suturen trepa nieren/ und sonderlich wann es der Schade erfodert. Wann nun die erste Tafel durchbohret ist/ welches das hervorbrechende Blut anzeigen wird/ muß man den Dorn oder die Spitze des medioli herauß nchmen/ und ferner bohren/ biß von den Wunden. biß das Stuͤcklein kan herauß genommen werden/ nachmahls das Eyter oder Blut mit zuhaltung des Mundes und der Nasen herauß treiben/ ein decoct: von betonica, majoran, rosmarin, centaur, flor: rosar, myrrh aloes, \&c. hineinlassen welches der Faͤulung widerstehet/ das Lavament mit sampt der Materie wieder herauß bringen/ die gebohrte Hirnschal fein radie ren und ebe- nen/ mit trucknen Tuͤchlein und Faͤslein/ Haupt- und trucken Pulver wie auch deven- siven woll versehen. Es ist auch in acht zu- nehmen daß im trepani ren nicht allezeit Blut Anatomia reformata pag: 480. folget/ dann wie Bartholinus erinnert/ so ist an etzlichen Orten das Cranium einfach/ duͤnn und durchscheinend/ und ohne Marck/ weswegen man leicht kan betrogen werden/ wie obgedachter Autor meldet. 44. Wann einer mit einem Prie- gel oder Stein geworffen were/ aber keine Wunde haͤt- te/ wie ist zuerkennen ob die Hirnschal entzwey oder nicht? Dieses zuerkennen muß man erforschen Zeichen der gebrochenen Hirnschal. ob der Patient nach dem Schlag erstum- met/ ob er sich uͤbergeben/ ob ihm Blut auß der Nasen/ Ohren/ Mundt und derglei- chen Ander Theil chen geflossen/ ob ihm ein Schwindel uͤber- fallen; wo nicht/ so soll man erforschen/ ob der Schlag mit einem Eisen/ Holtz oder Stein geschehen/ ob selbiges schwer oder leicht gewesen/ ob er vor diesem einen gesun- den starcken oder schwachen Kopff gehabt; etzliche legen ein Pflaster uͤber von cera, thu- re, laudano, resina, farina fabarum \&c, und lassen es biß auff den anderen Tag lie- gen/ welcher Ort nun am meisten außge- trucknet ist/ da soll der Bruch seyn; Andere geben dem Patienten einen Faden mit den Zehnen zu halten/ schlagen darauff mit ei- nem Stecklein/ wann der Patiente einen Schmertzen darvon empfindet/ so ist der Bruch am selbigen Ort: Oder geben dem Patienten eine Haselnuͤß oder ein Korn zu zerbeissen/ und am welchem Ort der Pa- tient den Schmertzen empfindet an selbigem Oberwehnte Zeichen werden examiniret. Ort ist auch der Bruch/ welche Zeichen von obgemeldten trefflichen Italienischen Chi- rurgo Jacobo Berengario in Zweifel gezogen werden/ in dem viel Leuthe gefunden wer- den/ welche in gesunden Tagen/ das obge- dachte Fadem knirren/ nicht vertragen koͤn- nen/ was das Kornbeißen anlanget/ kan auch nicht in allen Bruͤchen der Hirnschal passie- ren/ theils auß itztgedachten Ursachen/ theils daß nur die Bruͤche moͤchten dadurch erkand werden/ welche nahe an dem muscu- lo von den Wunden. lo temporali geschehen/ in dem derselbe mit dem musculo massetere eine Verwandschafft hat/ und also durch das ruͤhren des musculi masseteris/ auch der musculus temporalis geruͤhret/ und also ein Schmertz umb den- selben gespuͤret werde. 45. Wann aber der Patient die Probier-Mittel als Fadem und Kornbeissen duldete/ un- terdessen doch der Thaͤter ge- fangen were/ und der Wund- Artzt deꝛ Obꝛigkeit seine Mei- nung zu eroffnen beschickt wurde/ was fuͤr Bericht hat- te er zuthun? Weil diese Zeichen/ wie vor gesagt/ was zweiffelhafftig/ soll man die Antwort oder Aussag die ersten Tage etwas auffschieben/ weil vor dem neundten Tag von der quali- taͤt und gelegenheit der Wunden nichts ge- wisses zu urtheilen/ dann zwischen diesen Tagen finden sich ins gemein die Zufaͤll/ sie seyn entweder schwer/ oder gering. Wann aber der Patient nach empfangenem Streich zur Erden gefallen/ sprachloß wor- Sorgliche Zeichen. den/ mit Schwindel uͤberfallen worden/ Blut zur Nasen und Ohren geflossen/ eine Galle Ander Theil Galle durchs erbrechen von sich gegeben/ und den Sthulgang und Harn unwissend gehen lest/ ist die Wunde sorglich; wann aber uͤber daß der Mensch mit einem behar- Toͤdliche Zeichen. lichen Fieber uͤberfallen wird/ die Zung und Lefftzen duͤrr/ die Wunde auch duͤrr und keinen Wundtschweis giebet/ der Pa- tient mit Krampf/ Schlag/ Hirnwuͤten oder Unsinnigkeit behafftet/ den Harn und Stuhlgang entweder wider seinen Willen gehen lest/ oder gar nicht von sich geben kan/ so wisse daß der Todt aller nechst vor der Thuͤr ist. 46. Wañ der Patient das Korn nicht zerbiße/ und die Hirn- Schal Ihm gerissen waͤre/ wie ist zu helffen? Cur durchs radieren. Man soll alsdann den Kopff mit dem decocto von Bethonien-Bruͤh einnetzen/ das Haar sauber abscheeren/ die Haut biß durchs pericranium mit einem Creutz- Schnitt oder Driangel oͤffnen/ und von Cranio abloͤsen/ (welches aber von Marco Intract: de efficaci me- dioina. Aurelio Severino sehr getadelt wird/ in dem solches Abscheelen und Zuruͤckschieben/ oh- ne grossen Schmertzen nicht geschehen kan/ und leicht eine Inflammation verursachet wird/ rathet derohalben so viel vom Peri- cranio von den Wunden. cranio auß zuschneiden/ als von noͤthen ist/ welches viel sicherer und ertraͤglicher/ wann solches geschehen/ den Riß radi ren/ wann Blut oder Materie unter der Hirnschal/ mit dem radi ren anhalten/ biß die Materie Lufft bekompt/ alsdann dieselbe außlassen/ das Haupt defendie ren/ behen/ die Leftzen der Wunden digerie ren/ mundificie ren/ das Bein mit Haupt-Pulver trucken hal- ten/ truckne Faͤßlein daruͤber legen/ und alsdann/ wann das Fleisch von unten her- vor waͤchst/ mit den Leftzen der Wunden/ (welche/ wo sie Haut geschlossen/ in etwas zu scarificie ren) zusammen fuͤgen/ wie bey anderen Haupt-Wunden gedacht worden. 47. Wañ einer mit einem Latt- Hammer gehauen/ oder mit einem Dolche durch die Hirn- schal gestochen waͤre/ und ein Schiefer auf der dura ma- ter laͤge/ welcher groͤsser waͤ- re/ als das Loch selbsten/ also/ das Er auch zu fanta- sieren anfieng/ wie soll man mit ihm verfahren? Man soll die Wunde ein weinig erweite- Cur durch oͤffnung der Schwarten. ren/ den Schiefer/ wann er nicht groß/ fein Ander Theil fein gemach herauß nehmen/ wann er aber groß/ soll man denselben nur auffheben/ und also dem Hirn seine natuͤrliche Decke nicht leicht nehmen/ und wann sonsten durch die Ritze die darin verschlossene Ma- terie ihren Außgang nicht hat/ kan man woll so viel mit einer kleinen/ dazugemach- ten halbrunden Saͤgen oͤffnen/ im anderen verfahren/ wie mehrmahls bey anderen Haupt-Wunden gedacht worden; Und weil auß dem Stechen und Drucken der Hirn-Haͤutlein/ leicht eine Entzuͤndung derselben entstehet/ kompt gemeiniglich eine Phrenesis oder Hirn-Wuͤtten dazu/ und wann solchem durch Abschaffung der Prin- cipahl-Ursachen/ nicht geholffen wird/ laͤst sie nicht nach/ biß es den Menschen gar umb bringet. Solches zu verhuͤten/ soll man den Schmertzen stillen/ den Leib oͤffnen/ und die Artzeneyen dem temper ament gleich richten. 48. Woran erkennt man/ daß einer Hirn-wund ist/ und wie ist Ihm zu helffen? Cur durch Stem- Meissel. Die Zeichen dieser Verwundung sind theils vor Augen/ theils werden sie genom- men/ wann der Patient zu Bodem faͤllt/ sich erbricht/ in Ohnmacht liegt/ Blut zur Nasen und Ohren aus gehet/ und grosse Schmer- von den Wunden. Schmertzen des Haupts verhanden: Fol- gende aber/ sind Zeichen des bald nahenden Todes/ als/ wann die Vernunfft aussen bleibet/ Gedaͤchtniß und Gehoͤr verlohren/ beharlich Fieber/ Duͤrre und Truckenheit der Zungen/ zittrender Pulß/ Convulsion in den Nerven/ Einschrumpffung der Leff- tzen an den Wunden/ schwerer seufftzender Athem/ Verhaltung des Harns und Stuhlgangs/ und dergleichen. Die Cur Præpara- toria anlangend/ soll man den Patienten an ein finster und still Ort legen/ die sechs res non Zur Hei- lung. naturales in acht nehmen/ ihn vom Blut saubern/ den Ort und Bruch der Hirnschal mit einem Finger oder Instrumenten woll erkuͤndigen/ die ledigen Beiner hinweg thun/ die Wunde mit linden Tuͤchlein offen hal- ten/ doch daß der motus Diastoles und Systo- les nicht verhindert werde. Im anderen Gebaͤnd soll man fleißig mit einem Wachs- Licht zusehen/ wo man nicht kan/ soll man das pericranium fuͤrsichtiglich separi eren und unterlegen/ (oder wie vorgesagt/ ein Stuͤcklein desselben weg schneiden) das Bein mit dem Stem-Meissel an den spitzi- gen Ecken ebenen/ und also erweitern/ die Beinlein und geronnen Blut hinweg thun/ eine Behung gebrauchen/ die da zugleich zer- theile/ die hinzu geflossene und noch hinzu- fliessende Materie digeri re und bereite/ vom O Liquo- Ander Theil Liquore Johan Andreæ a Cruce laulecht etzli- che Tropffen in das verwundete Hirn fallen lassen/ ein lindes Tuͤchlein eingetunckt dar- Lib. 2. cap. 20. ein legen/ oder des Aquapendentis beruͤhm- tes Oehl gebrauchen/ oben darauff zwischen das Cranium und Meninges ein ungv: cepha- licum warm einlegen/ unter dem verbinden die Wunde allezeit mit einem warmen Kraͤuter-Saͤcklein behen/ damit die rohe Lufft nicht hindere/ auff das blosse Bein truckne Tuͤchlein legen/ die Lefftzen der Wun- den/ mit einem guten digestiv versehen/ uͤber die Wunde ein Haupt-Pflaster gebrau- chen/ das gantze Haupt/ Genick und Ruͤck- grad mit Oel und Salben defendi ren/ nach- Innerliche Cur. dem der Mensch complexioni ret. Sonsten soll man nach Anleitung der Medicorum, in Mangelung dessen/ den Leib oͤffnen/ das Haupt und Magen staͤrcken/ und so ein Fieber dazu kompt die faulen humores ab- schaffen. 49. Wann einem eine Sub- stantz zwischen der Hirn- schal heraus gienge/ wie ist es zuerkennen/ ob sie vom Hirn waͤre oder nicht? Schaumich- ter Jaͤst dem Hirn gleich. Es pfleget in den Wunden des Haupts/ zwischen der Hirnschal etwas hervor zu kom- von den Wunden. kommen/ welches dem Hirn nicht ungleich ist/ dieses zu erkennen/ ob es ein warhafftes Hirn sey oder nicht/ muß man andere Zei- chen und Zufaͤll/ welche bey Verwundung des Hirns/ sich zu eraͤugen pflegen/ zu Huͤlffe nehmen/ dann wann die Hirn-Haͤut- lein nicht entzwey/ so ist es vielmehr ein Schaum und Außwurff/ als die rechte Substantz des Hirns/ ja es ist auch etwas luckerer und schaumichter/ wie auch Aschen- farbichter/ als das Hirn selbst. 50. Was ist zu thun/ wann ei- nem ein Stuͤck sampt der Hirnschal hinweg gehauen waͤre/ und das Hirn bloß lege? Diesem soll man/ wie offt gedacht/ das Paræus. Haar wegscheeren/ alles was unnatuͤrlich/ auß der Wunden wegnehmen/ das Blut verstellen/ die dur a mater mit linden Tuͤch- lein belegen/ dem Haupt im anderem Ge- baͤnd eine gute Behung gebrauchen/ und wann der Schlamp noch ein wenig/ ent- weder an der Mausechten Haut/ oder am pericranio hieng/ soll man mit nichten den Schlampen wegschneiden/ noch das peri- cranium und mausechte Haut von der Hirn- schal abschoͤlen/ sondern nach dem das O ij Blut Ander Theil Natürliche Decke soll man nicht leicht neh- men. Blut abgetrucknet/ und die duramater ge- saubert/ soll man das Bein wieder an sei- nen Ort verhelffen/ es anhefften/ die Lefftzen mit linden Tuͤchlein erfuͤllen/ damit die Ma- terie Lufft habe/ wann es aber die hohe Noht erfodert/ kan mans von der Haut ab sepa- ri ren/ und mit der Wunden verfahren/ wie bey anderen Haupt-Wunden gedacht worden. 51. Was ist zuthun wann einer auff den Kopf gefallen/ und lang nicht verbunden wor- den were/ auch keine Wunde haͤtte/ und doch gantz unter- koͤtig were worden? Cur durch oͤffnung der Schwarten. Man soll demselben das Haar wegschee- ren/ an einem oder zwey Orten die Haut oͤffnen/ die Materie herauß lassen/ alsdann erforschen ob die Hirnschal entzwey oder nicht/ und ob etwa eine Materie oder Blut unter der Hirnschal verdaͤchtig/ alsdann nach Beschaffenheit der Sachen die Hirn- schal durchbohren/ den Leib mit ordentlicher Diaͤt und anderen dingen versehen/ das Haupt behen/ defendi ren/ digerie ren/ mun- difici ren/ in carnie ren und consolidi ren wie schon offters Meldung geschehen. 52. Was von den Wunden. 52. Was ist zuthun wann einer mit einer Kugel/ an den Kopf gebrandt worden/ also daß ihm das Fleisch biß an die Hirnschal hin- weg were/ die Hirnschal Schaden gelitten hatte/ und Er fantasierte? Solchen schaden zu heilen/ soll man fuͤrs erste/ weil es eine starcke contusio ist/ pur- gieren und Aderlassen/ den Zufluß gleich im Anfang stillen/ mit uͤberlegung eines Saͤlb- leins von Bol. armen: Eyerklahr/ Rosen- und Myrtenoͤhl/ Rothrosen Pulver mit Alaun und Mastix vermischt. Fuͤrs an- der die Digestion der Wunden befoderen/ den Bruch der Hirnschal belangend/ wann er nach der laͤngst ist/ radie ren und Lufft machen/ damit dasselbige/ was unter der Hirnschal sich verhalten/ herauß fliessen koͤn- ne: Wegen des fantasierens ihm kuͤhlen- de Speisen und Julapia gebrauchen/ und gleich wie andere Haupt-Wunden/ an ei- nem stillen Ort den Patienten halten. 53. Was ist zu thun/ wann durch die Wunde der Hirn- schal eine Materie/ einem O iij Fleisch Ander Theil Fleisch gleich heꝛaus wuͤch- se? Hild. Cent. 1. observ. 15. Solches geschicht offt/ und sonderlich/ wann das Hirn entbloͤsset/ so schaffet die sorgfaͤltige Natur ein solches Schwam-Ge- waͤchs/ dann weil die Kaͤlte dem Hirn/ wie auch allen Nervosischen Gliedern sehr schaͤd- lich ist/ so befleißiget sich die Natur/ wann sie anderst starck genug ist/ sich mit einer sol- chen Decke zu bewahren/ wie solches in den Glied-Wunden gleichfals zugeschehen pfle- get. Weil nun solcher Schwam aus einer Feuchtigkeit des Hirns/ und Menge der zufliessenden Materie herkompt/ muß man dieselbe mit linden purgieren und Aderlassen abschaffen/ auff den Schwam ein Pulver streuen/ gemacht von Sevenbaum und Zeitlosen/ item ein Pulver von gebrandten Alaun/ und bolo armen: oder von Bene- dicten-Wurtz/ Angelica/ runde Holtzwurtz/ Veyl-wurtz/ Frantzosen Holtz/ Majoran/ Roßmarin/ und ein trucknendes Haupt- Pflaster daruͤber legen/ so wird er sich alge- mach etwa in vierzehen Tagen niedersetzen. 54. Wie viel Heffte sind noͤ- thig/ wann einer in den Kopff gehauen? Aquapen- dens. Wann die Musculosiche Haut nur allein ent- von den Wunden. entzwey/ kan man die Wunde wol hefften/ wiewoll solches auch mit dem binden kan verrichtet werden/ damit die Lefftzen der Wunden an einander gelangen/ wie auch mit starck-klebenden Pflastern; Wann aber Hauptwun- den sind nicht leicht zu heff- ten. das Pericranium und der Knochen mit ge- troffen/ welcher ohne daß in Verwundung des Pericranij nicht woll unberuͤhret bleibet/ soll man mit nichten weder hefften/ noch die Lefftzen so nahe an einander ziehen/ sondern das Bein schaben und radie ren/ und also die Wunde durchs Fleisch-Zielen/ von un- ten auff heilen. 55. Welche Haupt-Wunden sind gefaͤhrlich/ aber nicht toͤdlich? Wie woll auch an den kleinesten Haupt- Wunden offt welche sterben/ so sind doch die Wunden des Hintertheils nicht so ge- faͤhrlich/ als die im Vordertheil/ weil die- ses viel subtiler und also leichter kan gebro- chen/ und die dur a mater verletzet werden/ die Wunden der Schlaff-Maͤußlein sind nicht allein gefaͤhrlich/ sondern/ wann solche groß/ auch gar toͤdlich/ weil sie nicht allein viel Pulß-Adern in sich haben/ sondern auch wegen der Nerven/ welche sie vom Hirn haben/ sehr empfindlich/ auch viel Zufaͤll/ als Krampf/ und Gichtbruch gemeiniglich O iiij dazu Ander Theil dazu kommen; Die Wunden der Sutu- ren sind auch gefaͤhrlich/ weil die dur a mater ihnen einverleibet: die Wunden aber piæ matris und weil ohne daß auch das Hirn selbst in dieser Verwundung mit getroffen wird/ sind auch mehrentheils toͤdlich. 56. Aus was Ursachen kompt bißweilen ein toͤdlicher Zu- fall/ wann schon die Wun- de nicht toͤdlich ist? Nicht toͤdtli- che Wunden werden toͤdt- lich. Solches geschicht gemeiniglich/ wann der Patient vorhin einer boͤsen beschaffenheit des Leibes ist/ wie auch/ wann Er nicht fleißig nach den rebus nonnatur alibus gehal- ten wird/ den solchen nicht allein die uͤbele Diaͤt/ sondern auch die euserliche Lufft/ die heitere oder Helligkeit des Losaments/ das stete Wachen/ das Gepolter und Getuͤm- mel und Beyschlaff hoch schaͤdlich/ und ob schon der Patient woll stehet/ koͤnnen doch oberwehnte/ grossen Schaden und Nach- theil bringen. 57. Wie vielerley Zufaͤllen ist ein verwundetes Haupt unterworffen? Sechszehn principal Zu- faͤll. Anderer Zufaͤll zugeschweigen/ so finden sich in den zerbrochenen Hirnschalensechs- zehn/ von den Wunden. zehn/ welches die fuͤrnehmsten sind. Als 1. Das Niederfallen zur Erden/ nach empfan- genem Streich oder Stoß. 2. das Erbre- chen der Gallen. 3. Vertigo der Schwindel. 4. Verlust des Gesichts. 5. Vergiessung des Gebluͤhtes aus den Augen/ Ohren und Nasen. 6. die Sprachlosigkeit. 7. gefaͤhr- licher Krampff. 8. Erstaunung. 9. Aber- witz. 10. Paralysis der Halbschlag. 11. Apople- xia der gantze Schlag. 12. Epilepsia die schwe- re Noth. 13. Rigor Erschuͤttelung oder Fie- ber. 14. Lethargus die Schlaffsucht 15. Spasmus der Krampff. 16. die Truckenheit der Wunden/ welche sich mehrentheils bey angehender Entzuͤndung erzeiget. 58. Wie sind solche Zufuͤll zu erkennen/ und wie ist ihnen zu begegnen? Was das Umbfallen belanget/ ist sol- Umbfallen woher. ches Augenscheinlich/ und geschicht daher/ weil die bewegliche Krafft mit sampt den be- stimbten Instrumenten die zur Bewegung gewidmet sind/ beschaͤdiget worden/ daß also der Mensch wider seinen Willen nieder faͤllet. 59. Vom Erbrechen der Gall. Die Erbrechung der Gall in den Ver- Erbrechung der Gall wo- her. wundungen des Hanpts geschicht per con- O v sensum, Ander Theil sensum, denn weil der Magen mit dem Hirn durch die Nerven des sechsten Pahres ver- bunden ist/ zeucht er sich/ so bald er der Be- leidigung des Hirns theilhafftig worden/ zusammen/ und stosset dasselbige/ was er in sich gefasset/ von sich/ und weil die Gall ei- ner feurigen und auffsteigenden Art ist/ wird solches Brechen desto leichter erreget. 60. Vom Schwindel. Ursach des Schwindeis. Der Schwindel als eine Zerruͤttung des Gesichtes so auß Verletzung des Ge- hirns geschicht/ kompt daher/ weil die Nervi optici durch solche Verletzung leichtlich ent- weder verstopffet/ eingezogen/ oder sonst verderbet werden/ und also die Kraͤffte und Geister zu dem Chrystall nicht hinkommen koͤnnen. 61. Von Vergiessung des Bluts aus Ohren/ Augen und Naasen. Wie die Vasa im Hirn reis- sen. Solches geschicht aus der gewaltigen Zerruͤttung und Verwundung des Ge- hirns/ in dem die Adern desselben zerrissen werden; Ist unter den Zufaͤllen nicht der geringste/ und ist so zu reden auch ein gutes Zeichen/ wann die Natur zu starck ist/ sol- ches durch die meatus auszutreiben. Wird durch Oeffnung der Hirnschal geholffen. 62. Von von den Wunden. 62. Von der Sprachlosigkeit. Die entstehet daher/ weil auff eine grosse Zerschuͤttelung des Hirns oder dessen Ver- letzung/ sich die virtus animalis oder Kraͤffte der Sinnen zuruͤck zeucht/ und den Men- schen stumm und unbeweglich verlaͤst. Wird fast wie der Schlag curieret. 63. Vom Spasmo oder Krampff. Der Krampff ist eine gezwungene Be- Krampfs Ur- sprung/ und wie vielerley. wegung/ und ziehen sich die Musculi und Nervi zu ihrem Ursprung zuruͤcke/ entste- het aus dreyerley Ursachen/ als nemblich 1. aus einer uͤberfuͤllung allerhand boͤser Feuchtigkeiten/ und wird solcher durch Ab- schaffung derselbigen/ mit purgieren und Aderlassen curiret. Die 2. Art geschicht aus der Außleerung/ als nemblich unmaͤßigem Erbrechen/ Durchlauff/ Verblutung und dergleichen. Die Cur wird verrichtet mit gutem Diaͤt und naͤhrenden Speisen. Die 3te Art kompt aus Mitleiden/ so auff den Schmertz folget/ wann nemlich die Ner- ven entweder verletzet/ oder gar zu sehr er- kaltet seynd/ welchen man nach gestalten Sachen zu Huͤlffe kompt; als wenn er von eines gifftigen Thieres-Biß verursachet wird/ muß man die Haut oͤffnen und erwei- tern/ etwas von Theriack und aq: vitæ hin- ein Ander Theil ein lassen: Wann er vom Schmertz ent- standen/ mit dem ol: therebint. Euphorbio, mit aq: vitæ vermischt/ wann aber aus gros- ser Kaͤlte/ mit erwaͤrmenden Oehlen/ und Salben von ol: d. lateribus, laurin, tere- Franciscus Peccettus pag. 676. rebint, succini zu huͤlffe kommen. Es ent- stehe aber der Krampff aus einer Ursach wie sie wolle/ so muß man das Haͤupt/ abson- derlich das Hintertheil desselben/ mit gebuͤh- renden Oehlen staͤrcken/ wie auch den Nacken/ Halß/ Ruͤckgrad und neben der Scham. 64. Von der Erstarrung. Erstarrung woher. Die Erstarrung/ ist nichts anders/ als eine unvolkommene Paralysis oder unvol- komne Resolutio der Nerven/ entstehet aus Beschaͤdigung des principii nervorum, Sti- che oder trucken des Gehirns oder seiner Haͤutlein/ kompt bißweilen auch auß gros- ser Erkaltung/ oder gewalsahmer Ver- stopffung. 65. Vom Aberwitz. Aberwitz/ wobey zu er- tennen/ daß er kommen wird. Der Aberwitz ist ein unfehlbahres Zei- chen daß das Principium Nervorum oder der Anfang der beweglichen Krafft verletzet sey/ und ist daneben auch das Gefaͤhrlichste/ wann andere boͤse Zufaͤll daneben/ dann in selbigen sich der alsobald nahende Todt ein- findet. 66. Von von den Wunden. 66. Von der Paralysi oder Gichtbruch. Die Paralysis ist eine Laͤhmung eines Glie- Paralysis was sie sey. des aus einer uͤbermaͤßigen erweichung und nachlassung der Nerven/ welche das behaf- te Glied seiner Bewegung beraubet; Diesen Zufall zu curiren soll man sich nicht unterste- Cur und Hei- lung. hen/ es sey dann eine gute Diaͤt/ purgieren und Aderlassen vorher gegangen/ nachmals das Glied mit erwaͤrmenden oͤhlen/ wie auch den Ruͤckgrad woll gerieben und ge- schmieret/ und mit dem decocto ligni schwi- tzen lassen. Welcher Paralysis aber durch Zerschneidung oder hefftige Zerstossung ei- ner Nerven erfolget/ die ist allerdings un- heilsahm; denn dadurch wird den Sinnli- chen Geistern ihr Weg und Lauff zu den Gliedern gantz und gar versperret/ Item, alten Leuthen ist sie selten/ oder gar nicht zu heilen: Wann aber ein Fieber bey dem Fieber ist der Paralysi nuͤtzlich. Gichtbruch erreget wird/ ist es gut/ denn dadurch koͤnnen die Feuchtigkeiten verzehret werden. 67. Von der Apoplexia oder dem Schlag. Apoplexia ist eine allgemeine Resolutio Apoplexia ist ein sonder- bares Zeichen des verletzten Hirns. oder Nachlassung der Nerven/ ein eignes und sonderbahres Zeichen des verletzten Hirns/ Ander Theil Hirns/ und entstehet aus verletzung des Principii Nervorum, auch wenn die Ven- Wie sie ent- stehet. triculi des Hirns mit kalten Feuchtigkeiten uͤberfallen/ oder das Principium Nervorum verstopfft/ oder das Marck im Ruͤckgrad an einem theil oder gantz belaͤstiget wird. Cur. Die Cur anlangend/ soll man dem Pati- enten/ entweder wo Hitze verhanden/ zum Schlag-Wasser nur riechen lassen/ oder gar eingeben/ auch ist ein Pulver zutraͤglich von præparir ten Hirsch-Horn und Elffen- bein in Peonien-Wasser/ Linden-Bluͤht und Schluͤsselblumen-Wasser eingegeben/ alles hitzige Getraͤnck und Speisen soll er meiden/ das Genick und Ruͤckgrad mit starcken und durchdringenden Oliteten fein warm schmieren und einreiben/ hernach das Empl: nervinum uͤberlegen/ und ein gut Mund-Wasser von Salbey/ Roßmarin/ Lavendel und dergleichen gebrauchen; Auch ist gut ein Extractum gemacht von weissen Senff und Spirit: Vini. 68. Von der Epilepsia oder schwaͤren Noth. Gvalterus Rieff, Diese Kranckheit wird fuͤr ein allgemei- ner Krampff des gantzen Leibes gehalten/ und sind die Ursachen derselben mancherley/ denn es entstehet die Kranckheit/ entweder wann das Hirn verletzet ist/ oder auch wann durch von den Wunden. durch zaͤhe grobe und schleimichte Feuchtig- keiten/ die Gaͤnge der leblichen Geister in den Ventriculis und Zellen des Hirns ver- stopffet werden: So entstehet diese Kranck- heit auch aus dem Magen/ wann das Hirn die auffsteigende Daͤmpffe außzutreiben sich bemuͤhet. 69. Vom Rigore Erschuͤtlen oder Fiebern. Der Rigor ist eine Erschuͤtlung des Leibes/ Rigor was/ und woher er sey. und wird offt durch die außtreibende Krafft erreget/ und sonderlich bey den Haͤupt- Wunden/ da allezeit in diesem fall zu vermu- thẽ/ es sey etwas unter der Hirnschal verbor- gen/ welches die Haͤutlein angreifft und ver- letzet/ dahero die Natur einen Streit erregt/ sich der Materie so ihr zu wider ist/ zu ent- ledigen/ da dann die natuͤrliche Waͤrmbde zu ruͤcke gehet/ solchem Streit bey zustehen/ dessen die aͤusserlichen Glieder ermanglen muͤssen/ und also eine Erschuͤtlung erreget wird. Diese Wund-Fieber sind unter- Unterschtid der Wund- Fieber. schiedlich/ dann wañ Haͤupt-weh/ Schwin- del und Delirium dabey/ so ist zubesorgen/ daß etwas Widerwertiges unter der Hirn- schal verhanden/ und so es offt koͤmpt/ und starcke Hitze mit sich fuͤhret/ so ist es ein ge- wisses Zeichen des bald folgenden Spasmi. Die Cur anlangend/ so vergehet es von sich selbst/ Ander Theil selbst/ wann nemlich die Ursachen gehoben/ und durch Trepaniren abgeschaffet werden/ wann es aber aus einer Kranckheit aus dem Leibe/ seine Ursach hat/ muß man durchs schwitzen helffen/ kompt es aber aus einer Faͤulung unter der Hirnschal/ so ist das schwitzen nichts nuͤtze/ es moͤchten dann an- dere Evacuationes vorher gegangen seyn/ dann sonsten wuͤrde das schwitzen die Suppu- ration nur mehr befodern. 70. Vom Lethargo oder uͤber- maͤßigem Schlaff. Lethargus woher. Solches koͤmpt aus erkaͤltung des Hirns/ und wann solche starck und hefftig/ und mit einer frembden unnatuͤrlichen Feuchte ver- mischet ist/ erreget sie daselbst ein Apostem/ so Lethargus oder Schlaff-sucht genennet wird/ und wird solches mit hinwegschaffung der Ursachen/ so vom Schaden kommen/ Cur. curiret: Koͤmpt er aber aus dem Leibe/ so soll man eine gute waͤrmende und staͤrcken- de Behung gebrauchen/ mit Oehl und Pfla- stern defendi ren/ als ol: ruthæ, anethini, mastic, cheirin: neben andern evacuationi- bus die vesicatoria und nasalia, doch die nicht niesen machen/ gebrauchen/ auch ist in diesem fall ein guter Schlag-Balsam/ in welchem viel vom ol: succini in ist/ sehr dien- lich. Innerlich kan man brauchen/ einen corri- von den Wunden. corrigierten Spir. Sal. in aq: peoniæ, und aq: apoplectic. 71. Von Truckenheit der Wunden. Wann die Wunden die gantz trucken/ Truckenheit der Wunden toͤdlich. oder wenig Eyter geben/ daneben braun und aschen farbig werden/ ist ein gewisses Zeichen des nahen Todes/ und sonderlich wann es etzliche Tage anhelt und andere Zu- faͤll dabey sind/ solches aber kompt aus unvermoͤglichkeit der Daͤwung und der Kraͤffte. 72. Ist das Fieber/ oder der Krampff in Haͤupt-Wun- den sorglicher? Diese Frage kan ohne Limitation nicht Gemischt e Frag. fuͤglich beantwortet werden/ dann beyde so starck den Patienten angreiffen koͤnnen/ das sie ihn woll gar wuͤrgen und toͤdten/ nach dem sie eine Complexion antreffen/ man kan auch auß vorhergehenden Fragen/ von beyden Zufaͤllen pro \& contra disputi ren: Doch scheinet das Fieber ertraͤglicher zu seyn. 73. Was ist zu thun/ wenn man einen bekaͤhm/ dem ein Stuͤck sampt dem Ohr vom Haͤupt P abge- Ander Theil abgehawen wehre/ daß es noch ein wenig anhinge? Ich wolte ihn vom Blut und Haar sau- beren/ den Schlampen wie auch das Ohr anhefften/ doch daß man den Krospel mit der Nadel nicht beruͤhre/ denn es macht Entzuͤndung und Faͤulung; oder ohne Hefften/ das Ohr mit einem klebenden me- dicament von weiß vom Ey/ Mastix/ Hartz/ Terpentin/ Rosenoͤhl und wenig Wachs gemacht/ anhefften/ ein trucknen- des Pulver von rothen Rosen/ bol: armen und flor: balaust : darauff gestreuet/ und das Empl: barbarum oder Diapalma daruͤber ge- legt/ und woll zusehen/ damit weder Mate- rie noch ein Fleisch in dem meatum audito- rium kaͤhme. 74. Wie sind die Knochen in der Cur weiß zu halten? Dreyertey wodurch die Knochẽ weiß zu halten. Wann man so viel muͤglich die euserliche Lufft nicht ankommen laͤst: Zum andern/ wann man sie fleißig mit trucken Pulver und Faͤßlein beleget/ daß das Eyter/ oder der scharffe Wundschweiß nicht dazu kompt. Drittens/ wann man nichts schmutziges oͤhlichtes oder fettes gebrauchet/ und also selbst kein Anlaß zur Faͤulung und Verder- bung giebt. 75. Wie von den Wunden. 75. Wie ist einem zu helffen/ welcher ins Ohr gestochen worden/ und sehr blutete/ das Ihm kein Schad am Gehoͤr bringe? Fabritius Hildanus Cent: 1. observ: 6. hat einem Toͤchterlein/ welche die Ohren mit einer Nadel reinigen wollen/ und ihr die Nadel entfallen und stecken bleiben/ daß das Ohr voller Blut worden/ ein decoctum mit einem Schwam uͤbergelegt/ welches gemacht war von Eibisch-Wurtzel/ fœn: græc: Chamillen-Blumen/ Stein Klee und braun Bethonien/ und solches alle Tag drey oder vier mahl gebrauchet/ wor von sich nicht allein das Blut gestillet/ und auß der Hoͤle des Ohrs das Blut durch den Schwam an sich gezogen/ und in sich ge- schlucket/ sondern auch im kurtzen nach Auß- ziehung der Nadel/ zurecht kommen. 76. Was ist zu thun/ wann ei- nem die Ohren erfrohren? Man soll ein Stuͤck Eys oder Schnee ehe man in die Waͤrmbde kompt/ daran halten/ so ziehet sich der Frost herauß/ her- nach mit starckem Brandwein und Pfeffer reiben. P ij 77. Was Ander Theil 77. Was ist zu thun/ wann ei- nem ein Floh oder Kaͤfer ins Ohr gekommen? Aquapen- dens. Wie woll solche offt herauß zu bringen/ wann man ein Puͤschlein Haar in das Ohr hinein schiebet/ auff welches sie hecken blei- ben/ und also mit dem Haar koͤnnen herauß gezogen werden/ so kan man doch/ wann es auff solche Weise nicht angehen wolte/ ein warmes suͤsses Mandel-Oehl ins Ohr giessen/ und wieder herauß fliessen lassen; man kan auch an ein Instrument ein Schwaͤmlein anbinden/ selbiges in etwas klebriges eintuncken/ und damit mehlig in das Ohr fahren; Oder Nieß-Pulver ge- ben/ und im Niesen Naas und Maul zu- halten. 78. Was ist zu thun/ wann ei- ner lange Zeit nicht gehoͤ- ret haͤtte? Von der Chirurgia zu reden/ soll man das Ohr von dem Unflat mit einem Ohr- loͤffel woll reinigen. Wann aber solches etwa mit einem Fell oder Haut verwachsen/ gebiethet zwar Celsus und Paulus, die Haut zu oͤffnen/ und den meatum auditorium mit einem Roͤhrlein offen zu halten/ biß die Wunde geheilet: Allein Aquapendens haͤlt davor/ von den Wunden. davor/ daß im Schneidẽ das Tympanum leicht koͤnne verletzet werden/ gebeut derohalben/ man soll vielmehr mit Einfliessung eines Meerzwieflen Eßig/ Zwifel-Safft/ oder aqua vitæ das Fell duͤnne machen/ hernach gar durch fressen/ mit ol: sulph: oder ol: vi- triol mit Rosen-Wasser vermischt/ herge- gen aber sich huͤten/ daß das Tympanum nicht verzehret werde/ welches gemercket wird/ wann der Patient etwas besser hoͤret/ und man als dann weniger von den scharf- fen Sachen nehmen und brauchen muß. Wann aber der Schade auß Fluͤssen kaͤh- me/ muͤssen solche durch innerliche Artzeneyen gehoben werden. 79. Was ist zu thun/ wann einer uͤber zwerg uͤber ein Aug gehauen/ und das Au- gen-Bein mit sampt dem Augen-Lied und Stern entzwey waͤre? Nach dem man Ihn vom Blut gesau- Hand-Cur. bert/ soll man zusehen/ ob ledige Knochen verhanden/ und selbige herauß thun/ im anderen Gebaͤnd den Bruch der Hirnschal recht erforschen/ ob er durch beyde Tafeln oder nicht/ die spitzige Ecken mit einem Ra- sorio oder Meissel sittsam wegnehmen/ ein P iij trucken- Ander Theil trucken-Pulver mit trucknen Faͤßlein zwi- schen die zwo Taffelen bringen/ die Hoͤlen/ wie auch den Knochen mit Carpey woll außfuͤllen/ die Lefftzen der Wunden mit ei- nem ungv: digestivo versehen/ mit Oehl und Pflaster defendi ren/ und dem Haupt eine staͤrckende Behung gebrauchen/ wegen des verwundeten Auges/ soll man Schmer- tzen-stillende Sachen gebrauchen/ als Frauen-Milch/ Tauben-Blut das unter den Fluͤgeln ist/ oder ein Cataplasma von gebrahtenen Aepffeln mit Gerstenmehl/ Schleim von Ibisch-Wurtz und Floͤh- kraut-Saamen/ das gesunde Aug soll man gleichfals zubinden/ damit das Ver- letzte nicht beweget werde/ nachmahls ein gut Collyrium gebrauchen. Wo aber das Auge selbst nicht Noth gelitten/ muß man die Wunde nicht also bald zu heilen/ son- Noͤthige An- merckung. dern sehen/ ob der Mensch auch das Aug auffmachen/ und das Augenlied auffbehal- ten kan/ wo nicht/ so soll man versuchen/ wie viel es zuviel/ dasselbige alsdann uͤber- zwerg von der Musculosischen Haut weg- schneiden/ die Lefftzen mit einem Schnitt erneuren/ und also an einander fuͤgen/ an zweyen Orten hefften/ und in der Mitten/ als wie in den Haasen-Scharten/ die Na- del stecken lassen/ die Wunde fein trucken halten/ mit Binden und Polster versehen/ daß von den Wunden. daß kein Apostema verursachet werde/ her- nach die Narbe mit ol: camphoræ, ovorum, myrrhæ oder Talci oder Wasser von gesotte- nen Eyern in balneo destillirt/ vertreiben. 80. Wie ist zu rathen/ wenn ei- nem der Augapffel an das Augenlied gewachsẽ were? Wie ist solches Fleisch weg zu bringen? Solche Zusammen-wachsung geschicht/ Ursach. wann die Geschwaͤr oder Wunden der Au- gen nachlaͤssig geheilet werden/ wann nehmlich zwischen dem verwundetem Aug- apffel und Augenlied/ entweder nichts dar- zwischen geleget wird/ oder faͤst zugebun- den werden. Wiewol nun Celsus lib: 7. cap. 7, und Hieronymus Fabritius ab aqua- pendente in cap. de ancyloblepharo lehren/ solches durch den Schnitt zu curiren/ so hat doch Hildanus cent. 6. Observ: 7. eine an- dere Weise ohne Schnit zu helffen: nem- Cur ohne Schnitt. lich/ Er bindet einen seidenen Fadem an das Ende eines krummen subtielen Su- chers/ und faͤhret von einem Augen-Win- ckel biß zum andern durch/ und bindet die zwey Ende der Seiden aneinander/ haͤnget des Tages ein Gewichtlein Bley eines Qvintl: schwaͤr daran/ in das Aug streicht P iiij er Ander Theil er mit einer Huͤner Feder ein Saͤlblein ein/ gemacht von Rosen-Wegereich- und Au- gentrost-Wasser preparir te tutien, Bley- weiß/ gebrand Hirschhorn mit dicken Qvit- ten-Schleim zum Salblein gemacht/ wird also innerhalb zehen oder mehr Tagen alles des jenige was angewachsen/ durch besag- ten Fadem abgeschnitten/ die Stirn und Augenlied schmieret man mit Regenwuͤrm- oͤhl/ und legt ein Saͤcklein daruͤber von Be- thonien/ Augentrost/ Chamillen/ Schluͤs- selblumen/ Rosen und Roßmarin/ in Wasser gesotten. 81. Wie ist zu helffen/ wann ei- nem durch Fallen oder stos- sen das Hintertheil am Augapffel herfur gekehret were? Platerus in lib: Praxeos \& observ: lib: 1: pag: 103. Dieses ist ein sorglicher Handel/ denn schlechte Artzeneyen verachtet es/ wann man aber starcke/ als zusammenziehende Mittel brauchet/ machet man durch die Einschrumpffung und einruntzelung das Sehen schwach; doch kan man das rothe Rosen-Wasser/ in welchem die Flores Ba- laustiæ gekocht/ so woll uͤberlegen/ als ein- troͤpflen. Item, Granatschelffen in Rosen- wasser gesotten. Man muß auch zu gleich den von den Wunden. den Leib nach gebuͤhr bereiten/ auch Schroͤpff-Koͤpffe und Setaceum in den Na- cken setzen. 82. Was ist zu thun wenn ei- nem mit einem heissen Ei- sen ins Auge gestochen worden were? Dieser Zustand hat zwey intentiones, Fabrit: Hild: vom brennen. erstlich/ daß man das brennen und dessen Schmertzen stille/ darnach/ daß man die Wunde heile. Wegen des Brandes/ soll man defensiva oder Schutz-Mittel umb die Stirn und Schlaͤfe schlagen/ in die Augen soll man stets eintroͤpflen lawlechte Weiber- Cur und Hei- lung. Milch und Rosen-Wasser/ darin ein we- nig gantzer Saffran eingebeitzt gewesen/ es soll auch ein gedoppeltes Tuͤchlein in solcher Milch genetzt/ umb die Augenlieder geschla- gen werden/ und solches/ so offt es trucken/ wiederholen/ wann der Schmertz groß/ kan man zwey oder drey Gran Opij unter das Augen-Wasser mischen. Wann die Ruffen hinweg/ muß man das Geschwaͤr wie sonsten zu heilen/ und etwas vom gum- mi Elemj darunter mischen/ denn es treflich gut zu den Wunden solcher Glieder. Man muß auch zusehen/ das die Augenlieder Anmerckung nicht erhaͤrtet/ noch zu ruͤck gezogen werden/ P v wes- Ander Theil weswegen dann der schmertzhaffte Ort mit einem erweichenden Saͤlblein/ gemacht von Gum: Elemj, weiß Lielien-Oehl/ Baͤhren- Schmaltz und Sleim von Fœn. græco ge- schmieret werden muß/ doch daß das Saͤlb- lein dicke sey/ damit es nicht in die Au- gen lauffe/ denn die feiste Sachen/ wann sie in die Augen kommen/ machen sie schmertzen. 83. Wie ist der Glantz und das Sehen zu behalten/ wann die Kinder Durchschlecht oder Pocken bekommen? Paræus. Wann man ein Argwohn solcher Kranckheit hat/ soll man die Augen wie auch die Lieder bestreichen mit Rosen-Was- ser/ unzeitigem Trauben-Safft/ mit ein wenig Kampffer vermischt: oder Granat- schelffen/ Aloes in Wasser gesotten/ und ein wenig Saffran dazu gethan/ auch ist sehr dienlich/ die Augenlieder rund umb mit dem Rauten-Safft/ in welchem ein we- nig Saffran/ bestrichen. 84. Wie ist denen von Hitz und Fluͤssen rothen Augen zu helffen? Innerklche Cur. Erstlich muß man auß Raht und ange- ben von den Wunden. ben des Medici ein gutes Diaͤt anstellen/ die vorhergehende Ursach außfegen durch Purgationes/ Aderlassen/ Schroͤpff-Koͤpf- fe auff den Schultern/ und Reiben. Zu den Mit-anhangenden und gegenwertigen Ursachen/ braucht man unterschiedliche eus- Eusserliche Cur. serliche Mittel/ nach gelegenheit der vier un- terschiedlichen Zeiten der Entzuͤndung/ als im Anfang/ wann sich die scharffe Matery mit grossem Ungestuͤm hervor thut/ braucht man die jenige/ so da hefftig zu ruͤcke treiben/ nachmahls in dem Auffsteigen und Zuneh- men die zu ruͤcktreibende/ mit den Zerthei- lenden vermischet/ als Rosen-Wasser/ Wegbreit-Wasser/ Schleim von Gum. tragam, mit Eyerklahr vermischt/ und warm in die Augen getriefft/ auch außwen- dig uͤbergelegt; Wann der Schmertz groß/ soll man uͤber das ein Cataplasma von Psil- lien und Quitten-schleim/ Weißbrohsah- men in Milch eingeweicht/ und Rosenwas- ser vermischt/ uͤberlegen. In die Augen/ Tauben und Huͤner Blut unter den Fluͤ- geln/ eintroͤpflen. 85. Woher wachsen die Felle uͤber die Augen/ und wie sind sie zu vertreiben? Diese entspringen entweder von aussen Ursprung. her/ als von einem Stich/ Stoß/ Fall und Ander Theil und dergleichen/ oder innerlich/ von den jenigen Feuchtigkeiten/ so zu den Augen rin- nen; die Fell/ die nunmehr alt/ und dem eusersten Haͤutlein des Auges faͤst und hart anhangen/ koͤnnen schwerlich abgeschnitten werden/ und soll sich auch kein Wund-Artzt nicht leicht unterstehen/ und sonderlich/ so sie das gantze Aug bedecken/ denn ob man sie schon schneidet/ so verhindert doch nach- mahls die hinterbliebene dicke Narbe das Hand-Cur. Sehen. Die aber/ so nicht faͤst anhangen/ sondern da man mit einem Instrument da- zwischen kommen kan/ soll man weg schnei- den/ und zwar nach Paræi und Georg Bart- schen Meinung/ das Fell mit einem Haͤck- lein auffheben/ und alsdann mit einem klei- nen krummen Messerlein dasselbe abloͤsen. Doch ist sicherer/ das Fell mit einer Nadel mit Seiden durch stechen/ etwas anziehen/ und mit einem kleinen Zwick-Scheerlein das Fell abschneiden/ nach diesem ein Pul- ver hinein streuen/ von tutia ppt, sach: ♄ni, vitriol: alb. sachar cand, magist: alum. ge- macht/ man muß aber woll zusehen/ damit man den Augen-Winckel nicht mit aus schneide oder verletze/ denn dadurch wuͤrde ein unauffhoͤrliches Augentrieffen erfolgen. 86. Was ist zu thun/ wann einem eine Mußquet oder Rohr von den Wunden. Rohr zersprungen/ also daß Ihm das Pulver die Augen und das Angesicht verbrandt haͤtte? Wann das Angesicht mit Schieß-Pul- Cur und Hei- lung. ver verbrandt/ und Pulver-Koͤrnlein in der Haut stecken blieben/ so muͤssen die Koͤrnlein alsobald heraus gezogen werden/ mit einem scharffen Instrumentlein/ und wann Blaͤt- terlein auffahren/ geschicht solches mit gerin- ger Muͤhe/ wann aber die Haut schon zuge- heilet/ und schwartze Flecken hinterblieben/ muß man die Haut mit einem vesicatorio oͤffnen/ und die Blaͤßlein auffschneiden/ nachmahls mit einer Salben von ungesal- tzener Butter/ ungv: basilicon: weis Lilien- und Eyeroͤhl gemacht/ verbinden/ und alle- zeit zusehen/ daß man das Schwartze in wehrendem Verbinden abledige; Wann aber die Haut allein von der Flamme des Pulvers verbrandt/ soll man das Saͤlb- lein von Seiffen/ Suͤß-Mandel-Oehl/ Eyeroͤhl und Quitten-Schleim beym Hil- dano beschrieben/ gebrauchen. Ins Aug kan man eintroͤpflen Quitten-Schleim mit Wegbreit- und Rosen-Wasser gemacht/ ein wenig Weiber-Milch dazugethan/ son- derlich aber ist Fleiß anzuwenden/ daß der Zufluß der Feuchtigkeiten verhindert/ uñ der Schmertz Ander Theil Schmertz gestillet werde/ welches geschicht durch Purgieren/ Aderlassen/ und defensi- va oder Schutz-Mitteln. 87. Was ist zu thun/ wann einem die Naase also abge- hauen/ daß sie noch ein we- nig anhieng? Solche soll man wieder an ihren ordent- lichen Ort helffen/ und mit etzlichen Hefften/ so viel als noͤthig/ oder welches besser/ mit Saͤlb-Hefften/ ein oder zwey Roͤhrlein in die Naasloͤcher schieben/ theils die Beiner so etwañ entzwey/ an ihren Ort zubehaltẽ/ theils dem Athemen und Außgang der Materie einen freyen Gang zu lassen/ nicht mit sehr vereyterenden Mitteln/ sondern vielmehr truckenen/ verbinden/ mit guten Binden und Polstern versehen/ damit die Naas nicht gedrucket/ und also ein Ungeschick dar- aus wuͤrde/ und mit ihr verfahren/ wie bey den Fleisch-Wunden gedacht worden. 88. Was ist bey einem grossen Naasenbluthen zu thun/ und woher kompt es? Gveltherus maele. Das grosse Naasenbluten kompt daher/ wann etwa durch einen Stoß oder Schlag eine Ader entzwey gerissen/ oder aber das Blut von den Wunden. Blut ohne das so haͤuffig/ daß es seinen Auß- gang nothwendig suchen muß/ oder sonsten durch eine bey sich habende Schaͤrffe die Mund-Loͤchlein der Adern oͤffnet; Es ge- schicht insgemein in dem dritten sinu oder Thom: Bar- tholin: a- nat: refor- mat: Kammer des Hirns/ welcher gantz weit hin- unter/ biß in die Naas hinein gehet. Sol- chem nun zu begegnen/ soll man eine Ader auff derselbigen Seiten oͤffnen/ den Zufluß des Gebluͤhts abzuwenden/ umb die Stirn/ Halß und Schlaͤff kan man ein Umbschlag Cur. brauchen von bolo armeni, terra sigillata mit Eyerweiß und Rosen-Essig angemacht. Auff die Leber und Achseln kan man grosse Ventosen setzen: In die Naase kan man Meissel machen/ mit Weyrauch/ aloe, bolo armen, rad: tormentil. oder von laudan: opi- ato mit Zindel uͤberzogen. Hildanus ruͤhmet Cent: 2. ob- serv. 15. 16. 17. das Moß vom Todten Kopff/ mit einem Meissel in die Naasen gesteckt. Innerlich ein Tranck von Wegerich-Erdbeer- und Wegwarten-Wasser mit syr: citri und gra- nator. terra sigillata und bolo armeni zuge- richt. In der eusersten Gefahr setzet man den Patienten in eine Wanne voll kaltes Wassers/ da dann das Gebluͤht erkaltet und dick wird. 89. Wann aber die Naas zu bluten auffhoͤrete/ das Blut aber Ander Theil aber dagegen in den Leib lieffe? In diesem Zustand soll man die vorigen obgedachte Mittel eben woll gebrauchen/ zugleich aber ein Mund-Wasser verordnen/ von kuͤhlenden gebrandten Wassern/ mit etzlichen zusammenziehenden Dingen/ als succo acatiæ, extract: tormentil: und derglei- chen/ zu dem auch dem Patienten mehr vor sich den Kopff halten lassen/ und vor das schon in den Leib eingelauffene Blut eingeben/ ein decoctum sem: Apij, Bdellium cum acoro und dergleichen. 90. Was ist zu thun/ wann ei- ner zum Mund in den Halß gestochen waͤre/ und sehr blutete? Cur durch innerliche Artzeneyen. Wiewoll die Wunden des Halses an ihm selbst gar nicht gefaͤhrlich/ so sind sie doch fast toͤdtlich/ wann die Speiß- oder Lufft- Roͤhr/ oder die inneren Hals-Adern/ oder die Nervi recurrentes entzwey gestochen seyn: In solchen bluthen aber und Ver- letzung der inneren Hals-Adern oder arte- terien stehet der Patient in hoͤchster Gefahr/ als welche man durch medicamenta, nicht anders/ als durch kuͤhlende und zusammen- ziehen- von den Wunden. ziehende Mittel stillen kan/ mit der Hand- Hand-Cur. Cur aber nicht dazu kommen kan. Wann aber die eusersten verwundet seyn/ muß man geschwind die beyde Ende der Ader oder ar- terie mit einem Fadem zubinden/ und zwi- schen beyden Faͤdem das vas entzwey schnei- den. 91. Was ist zu thun/ wann schwammecht Fleisch im Halse waͤchst? Allhie kan man nicht wie anderen Ge- schwaͤren etwan aͤtzende Pulver uñ ungven- ten gebrauchen/ sondern man muß mit kuͤhlenden Mund-Wassern helffen/ das schwammichte Fleisch mit dem ol: sulphuris oder vitrioli betupffen und wegbringen. 92. Was ist zu thun wann ei- ner zum Mund unter der Zungen hinein geschossen waͤre/ und worvon sind in diesem affect die Gurgel- Wasser zu machen? Wiewoll dieses ein sehr gefaͤhrlicher Zu- stand/ und ein gar empfindlicher Ort/ so soll man nichts desto weniger dem Patien- ten ein Mund-Wasser machen von Oder- mening/ Tausendguͤldenkraut/ Pimpinell/ O Wer- Ander Theil Wermuth/ Wegerich/ runde Holtzwurtz/ in Gersten-Wasser gesotten/ und hinzuthun Aloe und Rosen-Honig/ mit demselben etz- liche Tag anhalten/ auch kan man/ wo es vonnoͤthen/ von dem ungv: ægyptiaco hinzu- thun. 93. Wie viel Kranckheiten ist der Mund unterworffen? Deren sind unterschiedlich/ als die Mund- faͤule/ der Schorbuck/ die Schwemme der jungen Kinder Aptha genandt/ die Frosch oder Ranula unter der Zungen/ die Geschwaͤr des Zahnfleisches/ Zungen und Zaͤpfleins/ die Braͤune im Halse ꝛc. 94. Wie ist die Mund-Faͤule zu erkennen/ wo ruͤhret sie her/ und wie ist ihr zu helfen? Joh: Andre- as â Cruce Die Mund-Faͤule kan man mit Augen sehen und mit den Haͤnden fuͤhlen/ und kompt/ die rothe auß dem uͤberfluß des Blutes/ die gelbe auß der Gallen/ die weis- se auß der Phlegma, und die schwartze/ wel- che die alleraͤrgste/ auß der Melancholey/ faͤnget offtmahls an dem Zahnfleisch an/ und erstrecket sich durch den Rachen/ Zaͤpf- lein und gantzen Mund. Galenus unter- scheidet sie in zweyerley Art/ als nehmlich in die eine/ welche den Kindern durch die scharf- von den Wunden. scharffe Milch der Saͤug-Ammen verursa- chet worden/ welche geheilet wird/ wenn man der Saug-Ammen erkaltende Speise giebet/ die Bruͤste mit warmen Wasser behet/ und also die Milch temperiret. Die andere Arth/ die auß einer hinzufliessenden Matery und gifftigen boͤsen Feuchtigkeiten entstehet/ ist sehr muͤhsam und schwer zu hei- len/ und soll man dieselbe mit dem gruͤnen aq: fort: welches die Goldschmiede schon ge- brauchet/ beruͤhren/ oder mit dem Ol: Vi- triol, oder Sulphuris, Nochmahls ein Mund- Wasser gebrauchen/ von Odermenig/ Wegbreit/ Miltzkraut/ mit Rosen- und Maulbeer-Safft vermischet: Wann Schmertzen da sind/ pflegt man sie mit Kuͤh- und Geißmilch/ oder mit rothen herben Wein abzuwaschen/ das rob nucum, dia- morum und Syr. Granatorum ist auch gut. Bey einem erwachsenen Menschen soll man nebst schmaͤlerung der Diaͤt/ ein gut Theil Blut lassen/ den Leib woll reinigen/ und die Leibes uͤbung verbiethen. 95. Wie ist der Schorbuck zu- erkennen/ wie wird er ver- ursachet/ und wie ist er zu heilen? Der Schorbuck nimbt seinen Ursprung/ Hild: cent 5. odserv: Q ij ent- Ander Theil 5. in Epist: ad Ludovic: Schmit entweder auß des umbgehenden Luffts und des Orthes Natur und Beschaffenheit/ oder auß boͤser Ordnung im Essen und Trincken/ oder aber/ auß einer sonderbah- Ursach. ren Leibes Beschaffenheit/ welche alle dero- gestalt muͤssen geartet seyn/ daß dannen- hero eine dicke/ rohe/ kalte/ unreine/ es sey gleich Melancholische oder mit der Pituito- sischen vermischten Feuchtigkeiten umb die Glieder der Nahrung gezielet und bereitet/ und von dannen in alle Glieder des Leibes/ durch die Adern koͤnnen mit getheilet wer- den/ daß also auch das Zahnfleisch ange- stecket wird/ wiewoll der Schorbuck sich auch an den Fuͤssen sehen lesset/ auch eine Sennertus lib. 5. pra- xeos. gangrænam scorbuticam verursachen kan/ so ist doch nur allein von der schorbuckischen Mund-Faͤul die Frage/ welche auffschwilt/ Blut von sich giebt/ verfaulet und verdir- bet/ daß auch die Wurtzel der Zaͤhne bloß stehen/ worzu auch Anlaß giebet/ der haͤuf- fig angesetzte Schleim an den Zaͤhnen/ und der darauß coagulierte Tartarus, welcher Cur. ebenmaͤßig das Zahnfleisch verdirbet/ der erstlich muß abgeschabet werden/ nachmahls braucht man das Ungv: ægyptiac, mit dem Succo citri vermischet. Item. mel rosarum, mit pul: mirrhæ, salviæ, alum: usti, sp. vitri- ol. vermischt/ Item, ein Mund-Wasser von Herb. baccabung: plantag, aqvileg, cort: auran- von den Wunden. aurantiar: in Nachtschatten-Wasser/ oder rothen Wein gekocht/ mit hin zuthun Alum: usti, mel rosarum, diamorum und Syirit: Vitrioli. 96. Wie ist dem zu helffen/ welchem ein Bein oder Fisch-Graͤd in dem Halse bestecken bleibet? Wann etwas Widriges in die Speiß- Hild: Centi 1. obs. 36. Roͤhr kommen/ soll solches/ so bald es muͤglich/ herauß gezogen werden/ und ver- sucht man solches ins werck zustellen/ erst- lich/ wann man den Patienten zum Er- brechen noͤtiget/ da dann offtmahls/ auff solche weise dasselbe herauß gebracht wird/ oder nach dem man Ihm den Mund mit Nieder-druckung der Zungen auffgemacht/ siehet man zu/ ob solches mit einem Raben- Schnabel zu fassen sey/ wo nicht/ so gießt man den Patienten erstlich Suͤß-Mandel- Oehl in den Halß/ fahret alsdann mit des Hildani dazu gemachten Instrument fein sanfft in die Speißroͤhr/ und ist woll acht zu haben/ daß man mit dem Schwaͤmlein/ welches am Instrument ist/ und mit Man- del-Ohl geschmieret/ hart an die Gewerb des Halses niederfahre/ damit man das epi- glottis niederdrucke/ und also die Lufftroͤhr Q iij vor- Ander Theil vorbey gehe/ und wann du auff das Bein- lein oder Graͤd kommest/ so drehe es fein ge- mach umb/ und ziehe alsdann das Instru- ment in die Hoͤhe/ so wird entweder die Graͤd oder Knoͤchlein in des Instruments Loͤchlein bestecken bleiben/ oder an dem Schwamlein hangen/ oder es wird dassel- bige in den Magen hinunter gestossen. 97. Was ist zu thun/ wann einer hinten am Halß eine Wunde haͤtte/ und die Wunde sich gern uͤberschlupffte? Wann sonsten keine Blut- und Pulß- Ader/ zu dem auch kein Nerv verwundet/ sollman mit digeriren, hefften/ mundifici erẽ/ defendi ren uñ consolidie ren verfahrẽ/ wie bey anderen Fleisch-Wunden gedacht worden/ allein dieses ist woll in acht zu nehmen/ daß man zugleich Artzeney brauche/ das Haupt zu sterckẽ/ deñ leicht eine convulsion dazu kom- men kan/ dieweil die Nerven an solchem Ort leicht koͤnnen lædi ret werden: Im uͤbri- gen muß man wegen der Uberstulpung Fleiß anwenden/ daß die Haut so viel muͤglich/ erweichet/ und die Lefftzen im Anfang an einander gebracht/ und das uͤbrige mit Fleisch angefuͤllet werde. 98. Was von den Wunden. 98. Was ist zu thun/ wann ei- ner einen Streich uͤber zwerg in den Halß bekommen haͤt- te/ daß die musculi und Ner- ven/ so vom Hirn gehen/ gleichfals entzwey waͤren/ und Ihm der Kopff vor sich hienge? Dieses ist eine gefaͤhrliche und toͤdtliche Wunde/ denn so die Musculi, welche das Haupt auffrichten/ zertrennet seyn/ verlieh- ren sie ihre Bewegung/ sind die nervirecur- rentes an einer Seiten entzwey/ erfolget eine Heißrigkeit/ sind sie auff beyden Seiten ent- zwey/ erfolget eine Stumheit/ ist das Marck im Ruͤckgrad verletzt/ so verliehret sich alle Bewegung der Glieder; Doch/ wenn man dazu beruffen/ soll man solches den Umbstehenden anmelden/ und wann et- was von den Knochen loß/ solche heraus nehmen/ das Blut stillen/ den Ruͤckgrad biß zum Haupt hinauff mit warmen Oeh- len/ wie offt gemeldet/ defendi eren/ und wie mit einer Nerven-Wunden verfahren. 99. Wann einem die grosse Pulß- Ader am Halß entzwey waͤre/ und sehr blutete? Q iiij Die- Ander Theil Aquapeu- dens. Dieses ist gleichfals eine toͤdtliche Wun- de/ in dem sich der Mensch gar leicht ver- bluthen kan/ ehe der Wund-Artzt darzu kompt/ wann aber die Wunde nicht groß/ kan man erstlich mit einem Blutstillungs- Pulver die Wunde verbinden/ dieselbe zu- sammen hefften/ kuͤhlende und zuruͤcktrei- bende Artzeneyen brauchen/ das Blut/ wo die Kraͤffte da seyn/ durch eine Aderlaß ge- gen uͤber abfuͤhren/ wo nicht/ mit Schraͤpff- Koͤpffen verrichten; Wann aber solches mit Mendicament en sich nicht wil stillen las- sen/ muß man/ wie schon gesagt/ beyde ver- wundete Ende der Pulß-Ader zubinden/ und in der Mitten abschneiden und verheilen/ und muß man Fleiß anwenden/ daß man in den Wunden der Arterien/ durch die Fleisch-ziehlende Pulver ein hartes Fleisch generi ere/ damit nicht ein ancurisma verur- sachet werde. 100. Wie lang soll ein solcher Patient verbunden bleiben? Nach dem man das Blut mit einer Blut-Stillung gestillet/ soll mans vor den dritten Tag nicht auffbinden/ und wann alsdann das medicament fest anklebet/ soll man solches nicht wegthun/ sondern ein an- ders daruͤber legen/ waͤre aber das medica- ment loß/ soll mans sanfft abnehmen/ und mit von den Wunden. mit der lincken Hand die Ader oder Arterie drucken/ und wieder eine Blutstillung in die Wunden thun/ biß man sich nicht mehr des Blutens zu befuͤrchten hat. 101. Was ist zu thun/ wann ei- ner mit einem Zwerg-Beil durch das Schulter-Blat gehauen waͤre? Wann die Wunde klein/ auch nicht sehr tieff/ hat es mit diesem keine Gefahr/ und sollen/ wie andere Fleisch-Wunden/ mit digeri eren/ munuifici eren ꝛc. geheilet wer- den/ wann sie aber groß/ sollen sie woll in acht genommen/ und wie die Wunden der Nerven geheilet werden/ wie im kurtzen soll gesaget werden. 102. Wann einer uͤberzwerch einen Strich in die Achsel im Glied hatte/ wie ist ihm zu thun/ und was kommen fuͤr Zufaͤlldazu? Dieser Schaden ist fast sorglich/ in dem Georg: Gel. man. die Glieder wegen der unterliegenden Ner- ven fuͤr anderen Theilen sehr empfindlich/ auch durch allerhand Zufaͤll toͤdtlich. Der Musculus Deltoides, welcher die Achsel uͤber sich hebet/ wird allhie verwundet/ wird Q v auch Ander Theil auch leicht Beinschroͤtig/ in dem der proces- sus coracoides, welcher vom Schulterblat herfuͤr gehet/ nahe dabey ist. Der Zufall/ welcher sich bey diesen Schaden ins gemein Anmerckung. einfindet/ wenn man nicht recht fleissig mit ihm umbgehet/ ist die Apostemie rung des Arms/ und ist nicht leicht ohn ein mercklich Fieber/ und erzeiget sich solch apostem, wann sich ein Schmertz hinabwerts des Ellbogens zwischen den Musculen mercken laͤst/ und ist solcher Schmertz stechend/ und wird mit Hitz und Durst begleitet/ so aber die zuflies- sende Materie in den Nerven fortgehet/ werffen sich an etzlichen Orten Hoͤlen und Cur und Hei- lung. Beulen auff. Diesen Schaden recht zu handeln/ muß man das Blut abseuberen/ die ledige Beiner herauß nehmen/ die Achsel in die Hoͤhe heben/ in der Mitten einen star- cken Hefft thun/ doch nicht genau zusam- men ziehen/ damit die Artzeneyen unverhin- dert in den Grund der Wunden koͤnnen gebracht werden/ hernach das Blut stillen/ unter die Achsel ein Kugel-Polster binden/ wie auch den Schaden selbst fassen. Im anderen Gebaͤnd ein warm digestiv, so mit gum: elemi gemacht/ hinein floͤßen/ ein lin- des Tuͤchlein oben darauff legen/ uͤber dieses ein Celtlein Stich-Pflaster; den gantzen Arm soll man mit Rosen- und Chamomil- lenoͤhl schmieren/ und mit den Binden und Pol- von den Wunden. Polstern verfahren/ so lang es noͤthig ist/ wann nun durch das digerie ren die Wunde ein gutes Eyter giebt/ muß man ein mun- dificativ gebrauchen/ oder einen gutten Wund-Balsam/ doch soll man mit dem Zuheilen nicht eilen/ dieweil die Nerven ei- ne laͤngere Erschwaͤrung beduͤrffen/ als die Musculen/ sondern den Ort wol ertruck- nen lassen/ und wann nichts widerwaͤrti- ges mehr zu fuͤrchten/ mit dem diapalma beschliessen. Das Apostem kan man ver- Apostem zu verhuͤtten huͤtten/ so man dem Zufluß wehret/ mit Clystieren/ Purgieren/ Aderlassen und schmalen Diaͤt/ auch auff die Schulter und gegen die Brust defensiva gebrauchet/ die kuͤhlen/ zusammen ziehen und zuruͤck treiben/ als da sind: das diapalma, diapompholygos mit dem empl: de sperm: ranarum, ol: rosa- rum und myrtill. So aber die Materie schon eingefloßen/ muß man mit dem dia- chyl. c. gummis zeitigen/ den Ort/ wo es beqvemlich/ oͤffnen/ mundificie ren und heilen. 103. Wobey ist zu erkennen/ daß ein Nerv/ Blut-Ader/ oder Arteria entzwey ist? Daß ein Nerv verwundet oder entzwey Zeichen des verwundeten Nerven. sey/ ist erstlich zuerkennen/ wann die Wun- de an einem solchem Ort/ da viel und grosse Nerven durchgehen/ und muß man allhie Wis- Ander Theil Wissenschafft der Anatomi haben: doch kan man auch muthmassen/ daß ein Nerv entzwey/ und getroffen/ wann die Wunde in oder nahe am Glied/ oder/ wann die Wunde an einem Beinichten- und nicht Fleischichten Ort ist/ als/ an Haͤnden und Fuͤssen; das andere Zeichen der Verwun- deten/ aber nicht gar abgeschnittenen Ner- ven ist/ der Schmertz/ welchem eine Ent- zuͤndung/ Krampff und Aberwitz folget: Wann aber ein Nerv gantz entzwey und uͤber zwerg abgeschnitten/ ist keines der vori- gen dabey/ auch kein Schmertz/ sondern es erzeiget sich eine Traͤgheit/ und verlieret das Glied die Empfindlichkeit/ und die Zeichen der verwundeten Blut- und Lufft-Ader. Avicennas quarta quarti tract: 2. c. 16. Bewegung. Ob aber das Blut auß einer arterie oder Blut-Ader kommen/ ist zuwis- sen/ daß das Gebluͤth so auß einer arterie kompt/ mit gewalt und mit huͤpffen herauß springet/ das aber so auß einer Blut-Ader gar gleich/ und auff eine weise; so ist auch das Blut der Arterien viel subtiler und geist- reicher/ das Blut der Ader aber/ dicker/ schwartzer/ auch nicht so hitzig. 304. Wie sind die verwundete Nerven zu curiren? Joh: And: à Cruce. Wie woll auch in den kleinesten Fleisch- Wunden die kleinen Zaͤserlein der Nerven verwundet werden/ wird doch allhie von der- von den Wunden. derselben Verwundung nicht geredet/ son- dern von den grossen und principahl Ner- ven/ unter welche auch zugleich die tendines und Haarwaͤchse verstanden werden/ wie woll diese viel staͤrcker und weisser/ auch staͤrckere Artzeneyen vertragen koͤnnen. Es werden aber die Nerven auff unter- schiedliche art ver wundet/ als nemlich durch Schnit/ Stich und Zerstossung. Die Zufaͤll/ welche sie wegen der Verwandschaft Zufaͤll. mit dem Hirn haben/ sind grosser Schmertz/ Krampff/ Aberwitz/ Wachen/ duͤrre der Zungen/ starckes Fieber/ welches Avicen- nas vor das Leidlichste haͤlt. Gleich wie nun die Nerven auff dreyerley Art verwundet werden/ als werden sie auch auff drey un- terschiedliche weise geheilet. Als erstlich die Cur der Ner- ven- Wun- den/ nach der Laͤnge. nach der laͤngst gehauene Wunden der Ner- ven/ oder des Haarwachses (als welche am wenigsten gefaͤhꝛlich) wañ man die Wunden oder Lefftzen in dem Fleisch/ mit einem Hefft/ glutine oder Gebaͤnd fein wieder vereinbah- ret/ den niedrigsten Ort offen laͤst/ hernach- mahls einen warmen Venedischen Terpen- tin/ welcher in diesen Wunden sehr geruͤh- met wird/ einfloͤsset/ oder einen ungeloͤsch- ten Kalck/ welcher in Sommers-Zeiten woll gewaschen/ mit Viol-Oehl vermischet/ und damit biß in den siebenden Tag verfaͤh- ret und wann solche Zeit verflosse/ das Ung: basili- Ander Theil basiliconis, empl: diapalma, oder ung: de lum- bricis gebrauchet/ und allen Schwesel/ eu- phorbium, opopanax, und andere dergleichen hineindringende Sachen vermeidet/ es sey dann daß die Wunde viel Feuchtigkeit zieh- le/ und eine Faͤulung bekaͤhme; das Glied soll man/ so woll im verbinden als auch sonstẽ/ mit waꝛmen Rosen-Mastix- und Lein- sahmen-Oehl/ offt und warm schmieren/ ein defensiv umb und oberhalb/ von sangv: dra- con, bol: armen, ol rosarum, mastici \& myr. rha gebrauchen/ ein schmales Diaͤt anstel- len/ den Wein verbieten/ den Leib mit Cly- stiren und purgiren reinigen/ gleich in den ersten Tagen/ eine Ader gegen uͤber/ als/ wenn die Wunden in der rechten Hand am rechten Fuß/ und è contra oͤffnen/ das Ge- mach soll fein laulecht und temperirt seyn/ still und guten Luffts/ das verletzte Glied muß mit dem gantzen Leib woll geleget wer- Cur der Ner- ven/ so uͤber zwerg ge- schnitten. den daß es ruhe. Denen uͤber zwerg ge- schnittenen Wunden der Nerven/ weil sie nicht geringe Gefahr den Menschen bringen/ befiehlet Galenus eine Aderlaß/ und das Blut woll lauffen zu lassen/ eine schmalt Diaͤt anzustellen/ den Ort und Ruͤckgrad fein warm schmieren/ mit ol: rosarum, cha- momill, liliorum albor, amygd: dulcium, mastic. lini. und pingved: gallinarum: und je mehr die Nerven ihrer Uberdeck beraubet sind von den Wunden. sind/ je weniger koͤnnen sie die starcke Sa- chen erleiden/ und soll man noch uͤber das/ mit erwehnten Sachen zugleich solche Pfla- ster brauchen/ die da nicht allein vertrucke- nen und staͤrcken/ sondern zu gleich auch die Faͤulung ohne alles ein- und zusammen zie- hen verhuͤten/ dergleichen bey Joh. Andræ a Cruce pag. 261. zu finden. Die aͤrgsten und gefaͤhrligsten Wunden Cur und Hei- lung deꝛ Ner- ven so gesto- chen. sind die Stiche/ sintemahl die Nerven/ auch an den geringsten Stichen/ grosse Schmertzen verursachen/ nach Galeni Meinung ist dieses das erste und fuͤrnehmste geschaͤfft/ daß man die Wunde in der Haut und Fleisch oͤffne und erweitere/ sintemahl sich viel Feuchtigkeiten darin samlen und verhalten; zu dem muß man zusehen/ ob nicht etwas spitziges von Holtz/ Eisen/ Dorn ꝛc. darin geblieben; Nach dem die Wunde erweitert/ soll man warme und truckne Artzeneyen gebrauchẽ/ uñ sonderlich den Venedischen Terpentin/ uͤber welchem in diesem accidens kein Mittel ist/ und son- derlich in zarten Leibern/ in starcken und groben kan man ein wenig Schwefel oder euphorbium hinzuthun/ daß der Terpentin die Dicke eines Honigs bekomme/ aber man lege es nur bloß in die Wunde/ und defendi re den Ort mit Mastix-Oehl oder diapalma. Es Ander Theil Cur der Ner- ven/ so ge- qvetzscht. Es geschicht auch/ als die dritte art der Wunden der Nerven/ daß die Haut/ zu sampt dem darunter liegendem Fleisch/ ent- weder zerrissen/ und augenscheinlich ver- wundet/ oder ausserhalb gantz und unver- letzt gelassen/ oder es erhebet sich allein eine Geschwulst/ welche dem Menschen wehe thut/ und den Ort etwas schwartz machet. Und diese Zerstossung/ ist nicht weniger boͤß als die Stiche/ in dem sich diese nicht so leicht heilen laͤsset als die zerstossung des Fleisches/ dann solche nicht so bald/ son- dern mit grossen Schmertzen vereytert werden. Ist demnach die erste intention, daß man den Leib/ wie oben gemeld/ reinige/ eine ge- naue Diaͤt anstelle/ und eine Ader oͤffnt/ wofern man anders den zufliessenden Feuch- tigkeiten/ zu sampt den Schmertzen weh- ren wolle. Den kleinen und geringen Zer- stossungen/ soll man mit dem Oehl von Rosen und Chamamillen/ oder mit der Salben von dialtheæ oder de alabastride, in vorigen oͤhlen zerlassen/ fein warm schmit- ren; Es ist auch gut/ wenn man den Ort mit resolviren den und zertheilenden Mit- teln/ als das Oehl von Chamillen/ Dille/ Schwertel/ Hollunder und Weinrauten/ fein warm behet. Wann sich aber eine Wunde im Fleisch erzeiget/ muß man sol- che von den Wunden. che Sachen gebrauchen/ die da hefftig auß- trucknen/ darneben das zertheilete Fleisch wiederumb zusammen heilen/ und die Schmertzen vertreiben: als Terpentin mit Johannes Oehl vermischt/ warm in die Wunde gelegt/ uͤber das ein cataplasma von Bohnen- und Linsen-Mehl mit Oximel vermischt/ insonderheit thut das Pflaster von braun Bethonien in Mastix- und Ro- sen-Oehl zerlassen/ sehr woll; so sich etwa eine Cruditaͤt in der Wunden erzeiget/ muß man den Terpentin mit Eyerdotter vermischen. 105. Darff man auch die ent- zwey gehauene Nerven hefften? Wiewoll das Hefften in diesen Fall von Ob die Ner- ven zu heff- ten. vielen Chirurgis, auch von Hippocrate selbst widersprochen wird/ daß auch die einmahl entzwey-gehauene Nerven nicht koͤnnen wie- derumb zusammen geheilet/ viel weniger nutz/ daß sie zusam̃en gehefftet werden/ so hal- ten doch viele davor/ als Marcus Aurelius Severinus de efficaci medicina, Paræus lib. 22. cap. 10. Fabius Pacius, Gabriel Ferra- rius, in sylva chirurgiæ observ. 17. wie auch Aqvapendens de sutura ligamentorum, daß solches fuͤglich mit grossem Nutzen auff diese Art geschehen koͤnne; Man solle mit einem Elffenbeinern Zaͤnglein die Ende der Ner- R ven Ander Theil ven fassen/ und die euserste Haut der Nerven oder Ligament en viermahl durchstechen/ an statt der Seiden/ feine Seiten gebrauchen/ welche in rohten Wein eingeweichet gewe- sen/ und also hefften/ damit die Nerve in ihrem gewoͤhnlichen Lager bleibe/ und ihre fibren durchauß nicht verdrehet werden. 106. Welche Verwundung der Nerven ist am sorglich- sten? Wiewoll alle Verwundung der Ner- ven/ und sonderlich/ wann man mit dessen Cur nicht recht umbgehet/ gefaͤhrlich/ so ist doch die Verwundung der Nerven/ wel- che durch einen Stich geschehen/ am sorg- lichsten/ da doch die/ so durch die Zerstos- sung geschehen/ nicht aller dings ohne Sorg und Gefahr ist/ wegen der Faͤulung/ wel- che dem Hirn/ als dem Ursprung der Ner- ven leichtlich kan mitgetheilet werden. 107. Auff wie vielerley Weise werden die Nerven ver- wundet? Auff unterschiedliche/ entweder nach der Laͤngst oder uͤberzwerg/ und daß entweder halb oder gantz entzwey/ oder aber durch ei- nen Stich oder durch die Zerstossung. 108. von den Wunden. 108. Koͤnnen auch die entzwey gehauene Nerven wieder geheilet werden? Wann sie auff vorgesagte Art kuͤnstlich zusammen gehefftet werden/ muß auch de- nen vorgesagten Autoribus Glauben gege- ben werden/ daß sie geheilet werden koͤn- nen/ sintemahl Sie solches selbst practici ret und wahr befunden/ daß aber solche opera- tion schwer zu verrichten/ ist kein Zweiffel. 109. Ist es dem Menschen hoch- schaͤdlich/ wann Ihm die Pulß-Adern entzwey ge- hauen seynd? Solche Verwundung ist nicht allein Wunden der Pulß-Adern toͤdtlich und schaͤdlich. hochschaͤdlich/ in dem der jaͤhe Todt erfol- gen kan/ ehe und wann etwas dazu gethan wird/ sondern es entstehen auch in der Hei- lung grosse und gefaͤhrliche Zufaͤll/ als: Krampff/ Schlucken und Ohnmacht; Nach der Heilung bringet es dem Glied auch Schaden/ in dem das Blut durch die abgeschnittene/ und nun mehro verheilete Arterie zu dem Glied nicht kan geleitet/ und die Geister hingebracht werden. 110. Koͤnnen auch die verhau- ene Ligamenta wieder- R ij umb Ander Theil umb zusammen geheilet werden? Mit denselben hat es gleiche Beschaf- fenheit/ als mit den Nerven/ und haben ih- re Wunden keine sonderliche Gefahr und grosse Zufaͤll/ sind aber dennoch schwaͤrlich zu heilen/ und erfoderen trucknende Mittel. 111. Koͤnnen auch die verwun- dete Maͤußlein wieder geheilet werden? Gar woll/ und sonderlich/ wann sie nach der Laͤnge verwundet worden/ koͤnnen sie auch ohne Hefft geheilet werden/ dieweil sie gar fleischicht/ und wegen des Gebluͤths und gleichsam natuͤrlichen Balsam sich bald zur Heilung bringen lassen. 112. Koͤnnen auch andere Faͤll im Leibe geheilet wer- den? Nicht alle/ sondern nur dieselbige/ welche fleischicht/ und in dem fleischichten Theil ver- wundet werden/ die aber/ so in dem Span- Adrigen Theil/ nehmen keine Heilung an. 113. Kan auch das euserste Fell am Haupt/ wann es ver- letzt/ von den Wunden. letzt/ wiederumb zusam- men geheilet werden? Wiewoll etzliche darwider streiten/ so Schwart auf dem Kopff/ ob sie zu hei- len. haͤlt doch Fabritius ab Aquapendente davor/ daß solches geschehen kan/ und sonderlich soll man die Lefftzen zusammen fuͤgen/ wann das pericranium nicht entzwey/ wann aber dasselbe auch lædie ret worden/ soll man die Wunde von unten aus dem Grunde heilen. 114. Kan man auch/ wann das Fleisch weggenommen/ anders an die Stelle brin- gen? Solches kan fuͤglich geschehen/ mit Huͤlff der Fleisch-ziehlenden Artzeneyen/ als da sind mastix. oliban, myrrha mumia, fari- na hordii, terra sigillata, sarcocolla, ung: fuscum \&c. 115. Was ist zu thun/ wann ei- ner in eine Mauß am Arm oder an der Hand/ oder am Waden gestochen/ und die Pulß-Ader daneben ent- zwey waͤre? R iij Die- Ander Theil Wunde der Pulß-Adern im fleischich- ten Theil. Dieses ist ein sorglicher Zustand/ in dem man das Blut zu stillen/ zu der verletzten Arterie nicht allerdings gelangen kan/ wel- ches man mit Meisseln verrichten muß/ und allerdings zusehen/ daß keine Inflammation dazu komme/ weswegen man kuͤhlende sy- rupos, welche ein wenig astringie ren und den Urin befoderen/ beybringen muß/ daneben revulsoria gebrauchen/ die Wunde defen- die ren/ digerie ren/ mundificie ren/ incar- nie ren/ und endlich cicatrisie ren. 116. Woher kompts/ daß in so gestalten Sachen/ doch das Blut bißweilen sich nicht will stillen lassen/ auch der Arm oder der Schenckel aufflaͤufft und erschwaͤrtzet? Solches geschicht/ in dem man zu der Verwundeten Arterie nicht kommen kan/ das Blut aber zwischen die Musculen laͤufft/ und im kurtzen verdirbet/ wann es nun je mehr und mehr sich erhitzet hat/ erfaͤulet es endlich/ stincket heßlich/ und wird zu Zeiten ein kalter Brandt daraus. 117. Wie von den Wunden. 117. Wie ist dann solchem Scha- den zu helffen? Solches muß geschehen/ mit Anstellung einer guten Diaͤt/ Purgieren und Aderlaß/ damit man dem Zufluß wehret/ dem geronnenen/ und zwischen den Musculen liegenden Blut/ muß man mit Uberschlaͤgen/ auch mit dienlichen reinigenden Einspruͤtzun- gen in die Wunde zuvorkommen/ daß sol- ches verzehret werde/ und nicht zur Faͤulung gelange/ wie beym heissen Brandt gemeldet worden/ dafern sich aber das Glied aposte- mie ret/ muß man eine Oeffnung machen. 118. Wie ist zu erkennen/ wann einer eine Wunde am Arm haͤtte/ und eine Roͤthedazu kaͤhme/ ob solche Roͤthe ein Rohtlauff oder sonsten ei- ne Hitze sey? Solches wird erkandt/ in dem beym Rothlauff/ ehe er hervor bricht/ ein Fieber vorgehet/ so ist auch der Rothlauff viel hitzi- ger/ als sonsten eine Inflammation, im Rothlauff weichet so woll die Roͤthe/ als die Geschwulst/ wann man sie mit Fingern drucket die phlegmone aber nicht. 119. Wie ist zu erkennen/ wann R iiij bey Ander Theil bey einer Glied-Wunden ein Zufall verhanden/ ob es ein gemeiner Fluß/ oder das Glied-Wasser sey? Bey dem Glied-Wasser/ oder vielmehr Glied-Wasser-Sucht empfindet der Kran- cke eine fliegende Hitze/ die auß dem verletz- ten Theil uͤber sich steiget/ es ist auch ein hefftiger Schmertz dabey/ dann die scharffe ungekochte Matery/ in dem sie scharff ge- worden/ sticht die Nerven/ es waͤchst auch ein schwammecht/ bleich-blaues Fleisch in der Wunden/ auch ist ein stetswehrendes Fieber dabey/ auß welchem viel andere Zu- faͤll entstehen koͤnnen/ welches alles bey ei- nem gemeinem Fluß nicht so haͤuffig ge- schiehet. 120. Was ist zu thun/ wann die Wunden an einem Arm/ so lang verwundet gewe- sen/ hohe Lefftzen und Kan- ten haͤtten? Wunden mit Raͤnder. Diese Lefftzen muß man beguͤtigen und erweichen mit einem gutem digestiv, und wann solche Lefftzen hart/ mit dem empl: diachyl: c. gummis oder de ranis sine mercu- rio verbinden/ oder ein uͤberschlag von den Radi- von den Wunden. Radicibus altheæ, lilior: alborum, flor, cha- momill, pul.sem: lini, mælvæ \&c. in Geiß- oder Ziegen-Milch abgesotten und uͤber- schlagen/ welches die Wunde zu einer Er- schwaͤrung und gutem Eyter befodert/ und die harte Lefftzen erweichen und niedrig ma- chen wird. 121. Wie ist zu helffen/ wann einer einen Stich mitten im Arm haͤtte/ der einen guten Finger lang hinauff biß zur Mauß gienge/ und das Blut were gestillet/ aber so es fast heil/ fienge das Blut erstlich widrumb an/ gestalt es sich dann offt zutraͤgt/ daß solch bluten etzliche Wochen lang wehret? Wiewoll die Wunden pflegen wiederum anfangen zu bluthen/ wann etwa ein Schie- fer darinnen/ so geschiehet auch woll/ daß sie anfangen zu bluthen/ wann keiner verhan- den/ sondern wann sich die Ruffen der ver- wundeten Ader oder Arterie abstost/ und mit den gar zu langen Meißlen gestochen wird/ alsdann muß man auffs new den Ort mit Blut stillung von croco martis \&c. R v woll Ander Theil woll versehen/ dem Patienten auch in- nerliche Kuͤhl-traͤncke gebrauchen/ kuͤhlend verbinden/ und mit solchen Artzeneyen/ die da zu gleich die Kraͤffte staͤrcken/ begegnen/ und so der Patient starck ist/ eine Ader auff der andern seiten lassen. 122. Was ist zu thun/ wann einem eine Hand gar abge- hawen? Hildanus pag. 1065. Man soll alsobald das Blut stillen/ mit einem Blut-stillungs Pulver mit Eyerweiß angemacht/ und mit nichten die Wunden Creutzweise hefften/ wie etzliche wollen/ dann wann das Fleisch geschwillet/ so ver- mehret solches hefften den Schmertzen/ und durch schlitzet die Haut/ daß die Heffte nachlassen: Wann das Bluth gestillet/ soll man den Band vor dem dritten Tag nicht auffbinden/ es verhindere es dann der Schmertz: Unterdessen muß man alle Tage den Arm mit Rosen- und Heidel- beeren-Oehl schmieren/ und ein gutes Schutz-Pflaster/ oberhalb des Schadens gebrauchen/ die Beiner mit truckenen Fa- sen belegen/ und ein degestiv auff die Wun- de von Terpentin/ Rosenoͤhl/ suͤß-Man- deloͤhl/ gummi elemi und Saffran gemacht/ legen/ die Lefftzen der Wunden mit einem starckklebenden Pflaster herzu ziehen/ die Wun- von den Wunden. Wunde mundifici ren mit dem mundicativo de succo apii Hildani, und endlich be- schliessen. 123. Welches sind die vier in- nerliche Glieder des Leibes/ welche/ wañ sie verwundet werden/ kein Blut geben? Wiewoll nicht leicht ein innerlich Glied Innerliche Glieder wel- che nicht blu- ten/ wenn sie verwundet. im Leibe verwundet wird/ welches nicht bluten solte/ so sind doch die folgende/ wel- che am wenigsten Bluth geben. Als erst- lich/ die duͤnne Daͤrm/ 2. der Magen/ 3. das Diaphragma in seiner Spanadrischen Substantz/ 4. die Blase/ welche doch zu zeiten auch blutet/ fuͤrnehmlich wann sie an dessen halse verwundet ist. 124. Welches sind die jenige vornehmste Glieder in des Menschẽ Leibe/ welche/ wañ sie verwundet worden/ auch unheilbahr und toͤdlich seyn? Solche sind folgende: Als das Hirn Wunden der innerli- chen Glieder so toͤdtlich. wann es biß in die Sinus verletzet ist/ das Hertz/ die Leber/ in dem die Vena porta ab- gestochen/ die Lunge/ wann sie in der Mit- ten verwundet/ die duͤnnen Gedaͤrm/ der Magen/ die Nieren/ Harngaͤnge und Bla- Ander Theil Blase/ Gebaͤhrmutter und Gallen-blaß/ wie auch die verwundung der grossen Arte- ri en und Adern. 125. Welches sind Zeichen des Todes/ an einem verwun- deten Menschen? Toͤdtliche Zufaͤll. Wann ein unauffhoͤrliches Fieber/ con- vulsion oder anderer Zufall/ auff darzu ge- brauchte Artzeneyen nicht nachlassen wol- len/ wann die Wunde trucken/ die Lefftzen derselben auffgeworffen/ hart/ blau und Aschenfaͤrbig seyn/ und keinen rechten Eyter geben wollen/ wann entweder der Patient seine Nothturfft nicht verrichten kan/ oder aber solches wider seinen Willen von ihm gehet/ wann ein kalter Schweiß den Pa- tienten uͤberfaͤllt ꝛc. 126. Wie ist an einem Scha- den zu erkennen/ ob der Ey- ter gut oder nicht? Zeichen ob der Eyter gut oder boͤse. Wann die Wunde ein dickes/ wollge- kochtes/ gelbes und mit etwas Bluth ver- mengtes Eyter giebet/ ist es ein gutes Zei- chen; wann es aber ein Waͤsserichtes mol- ckiges und zum theil stinckendes Wasser giebt/ ist es ein boͤses Zeichen. 127. Was von den Wunden. 127. Was verhindert die Hei- lung eines Schadens? Die gegenwaͤrtige zufaͤll/ der gebrochne und angegriffne Knochen in den Wunden/ und das gar zu hohe Fleisch. 128. Ist denn alles Fleisch der Wunden weg zunehmen? Nein: sondern man muß ihr so viel las- sen/ daß die Narbe der andern Haut/ und nach gestalten Sachen/ der natuͤrlichen gleich sey. 129. Wie ist mit den Wunden des Angesichts zu verfahren? In diesen Wunden soll man sich des Aquapen- dens. hefftens mit der Nadel/ so viel muͤglich/ enthalten/ an dessen stat einen glutinum oder Saͤlbheffte gebrauchen/ nicht grosse anlaß zu einer langwierigen Erschwaͤrung geben/ auß welcher nur abscheuliche Nar- ben werden/ sondern mit truckenen Sachen verbinden/ und so viel muͤglich/ eine kleine Narbe heilen. 130. Was ist bey den Wunden der Ohren zu thun? Die verwundete Ohren/ wann sie zer- spalten/ kan man mit einer krummen Na- del Ander Theil del fuͤglich hefften/ doch/ daß man die Kros- pel nicht beruͤhre/ sondern nur das wenige von der Haut und Fleisch fasse/ sonsten verursachet man eine gangrænam und Faͤu- lung/ im uͤbrigen soll man der Entzuͤndung wehren/ und truckne Mittel gebrauchen. 131. Sollen die Augen-Artze- neyen kalt oder warm ge- brauchet werden. Paræus. Damit sie desto besser durchdringen/ und zu ihrer Wuͤrckung kommen moͤgen/ sollen sie warm uͤbergelegt und eingetroͤffelt werden/ sintemahl alle kalte Dinge die sichtliche Geister dick machen/ und deswe- gen den Augen hefftig zu wider seyn. Aqua- pendens hat ein nuͤtzliches Instrument er- dacht/ die Augen-Wasser dem Augen lang zu behalten/ welches auch bey Sculteto in sei- nem Armamentario Chirurgico zu finden. 132. Was insonderheit bey den Augen-Pulvern zu mer- cken? Hild: Cent: 6. obs. 28. Solche sollen mit allem Fleiß auff einem reinen Marmor woll klein gerieben werden/ damit sie die Augen nicht verletzen/ darauß ein grosser Schmertz erfolget. 133. Wie ist dem unnatuͤrli- chen von den Wunden. chen Fleisch/ welches an das Haͤutlein Adnata ge- wachsen/ zu steuren? Solches kan man vertreiben/ mit einem Pulver/ gemacht von den Beinen der Meerspinnen oder Blackfisch/ und calcinir- te Eyer-Schalen/ jedes gleich viel: Oder calcienierten vitriol und gebrandten Alaun/ doch mit Bescheidenheit/ damit nicht durch das Beissen/ und dem Schmertz/ die Fluͤß und Feuchtigkeit herzugezogen werden/ son- dern umb das Aug solche Mittel legen/ welche die Fluͤsse und Materie hinter sich treiben. 134. Wie ist mit den Wunden der Backen zu verfahren? Eben wie mit den Wunden des Ange- Heilung der Backen. sichts gemeldet worden/ mit truckener Hefft verbinden/ welche gemacht von Staub- Mehl/ Mastix/ Drachen-Blut/ Wey- Aquapend. rauch/ gestossen Dragant/ Gips und der- gleichen/ mit Eyerklahr angemacht/ auff Tuͤchlein gestrichen/ an welche kleine Baͤnd- lein gemacht/ nachmahls auffgelegt/ doch also/ daß sie ein wenig von der Lefftzen der Wunden seyn/ und wann sie er- trucknet/ und der Haut starck anhangen/ welches in wenig Stunden geschicht/ die Lefftzen Ander Theil Lefftzen alsdann mit gemeldten Baͤndlein an einander fuͤgen/ mit Binden und Pol- stern uͤber das versehen/ und wie bey den Wunden des Angesichts verfahren. 135. Was sind vor Mittel am besten/ vor die alten Au- genfluͤsse? Vor allen anderen das Setaceum oder der Schnur im Genick/ mit einem gluͤen- den Eisen/ oder mit einer Nadel durchstos- sen/ welches nicht allein von Paræo und an- Cent: 1. ob- serv. 40. dern hoch geruͤhmet/ sondern auch von Fa- britio Hildano mit vielen Exempeln bewie- sen wird. 136. Was ist in den Wunden der Naasen zu thun? Dieses ist in der 87sten Frag eroͤrtert/ doch ist zu melden/ daß in den Bruͤchen der Naasen eine Artzeney von mastic, bol: ar- men sangv: dracon, alum: ust. mit Eyerklar kan uͤbergeschlagen werden. 137. Auff wie vielerley Weise wird die Zung verwun- det? Die Zung wird entweder gar wegge- schnitten oder aber zerstuͤmmelt und ver- kuͤrtzt/ von den Wunden. kuͤrtzt/ oder in die Laͤng auffgespalten oder uͤberzwerch: Wann die Zunge gespalten ist/ oder ein Stuͤcklein noch daran haͤnget/ soll man dieselbe mit einem Tuͤchlein herauß ziehen und hefften/ doch so viel muͤglich/ nicht viel Fleisch fassen/ damit keine Entzuͤn- dung dazu schlage/ wie Celsus ermahnet. Lib. 5. cap. 26. Nachdem solches geschehen/ soll man/ weil keine unguenta und Pflaster an diesem Ort statt haben/ fluͤssige Artzeneyen brauchen/ welche die uͤberfluͤssige Feuchtigkeit theils trucknen/ theils zusammen ziehen/ als da sind/ Granathen-Wein/ mit Alaun-Was- Aquapen- dens. ser/ oder Wegbreit-Wasser/ mit Johanns- Beerlein Syrup/ dem Patienten auch eine gute und kuͤhlende Diaͤt halten lassen/ gute Suppen/ Eyerdotter in Fleisch-Suppen/ Gersten-Schleim und dergleichen geben/ ihm allezeit Quitten-Syrup und Rosen- Zucker im Mund halten lassen/ worvon dann nicht allein der Krancke genehret/ son- auch die Wunde geheilet wird. 138. Wie vielerley seyn die Wun- den des Genickes? Die Wunden des Genicks und Unter- Halses/ sind entweder einfach/ als wann nur die Musculi verletzet werden/ oder aber vermischt/ als wann zugleich mit den Musculen die Beiner/ und grosse innerliche S und Ander Theil und eusserliche Blut- und Lufft-Adern des Halses/ verwundet werden. Also werden auch die Lufft- und Speißroͤhr/ entweder al- lein verwundet/ oder gar durchweg entzwey geschnitten. 139. Warumb sind die Wunden der Lufftroͤhr schwerlich zu heilen? Dieweil sich solche stets beweget/ durch das Haͤutlein/ mit welchem die Lufft- und Speißroͤhr an einander verdunden sind/ zu dem/ weil sie mehrentheils Krospicht und ohne Blut ist. 140. Welches sind die Kennzei- chen der verwundeten Lufft-Roͤhr? Solche Verwundung weiset der Augen- schein/ zu dem kompt das Blut durch einen steten Husten zum Mund/ die Daͤmpff und Geister aber/ zu der Wunden heraus. 141. Was ist in diesem Fall zu thun? Wiewoll dieses allerdings eine toͤdliche Wunde ist/ so soll man doch nichts desto weniger den Patienten Huͤlffloß lassen und verzagen/ sondern allen muͤglichen Fleiß an- wenden/ von den Wunden. wenden/ dann jemahls die Natur gar wun- derbahrlich wuͤrcket/ wann man ihr zu Huͤlf- fe kompt: Weßwegen man alsdann die Wunde hefften/ und eusserlich nicht gar zu Cur. fluͤßige Sachen brauchen soll/ ein Mund- Wasser machen von Gersten Wasser/ suͤß Holtz/ Rosen/ Rosinlein/ Brustbeerlein/ Rosen-Honig und Rosen-Julep/ dem Krancken damit fein warm den Rachen außschwencken/ welches die Rauhe vertrei- bet/ den Schmertzen lindert/ und die Wun- de reiniget und heilet. 142. Warumb sind die Wunden der Gewaͤrb gemeiniglich boͤß und gefaͤhrlich. Dieweil bey denselben insgemein viel Gewaͤrb- Wunden ge- faͤhrlich. Nerven und Sehnen/ welche/ wann sie ge- troffen oder von Schiefern gedruckt wer- den/ viel schwere Zufaͤll erregen/ wann die Gewaͤrb oder Gelenck im Ruͤckgrad ver- wundet werden/ ist solches wegen des Marcks noch gefaͤhrlicher. 143. Wie sind die Wunden der Sehn-Adern und Nerven zu tractiren/ wobey ist die Verletzung zu erkennen/ und warumb sind sie toͤdt- S ij lich/ Ander Theil lich/ und wie ist mit ihren Zufaͤllen zu verfahren? Dieses ist zur Gnuͤge in der 105ten biß zur 109ten Frage gehandelt worden/ nur dieses ist noch zu melden/ daß die Toͤdligkeit her- komme/ weil die Nerven ihren Ursprung vom Hirn haben/ und also durch den mit- leidenden Schmertzen viel Zufaͤll verur- sachen. 144. Wie vielerley sind die Wun- den der Brust? Etzliche sind vorwerts/ etzliche hinter- ruͤcks/ und wiedrumb/ etzliche sind fast tieff/ etzliche nicht/ und etzliche gelangen auch durch die inwendige Theil der Brust und verletzten/ Hertz/ mediastinum und Lung/ etzliche sind endlich toͤdtlich/ etzliche koͤnnen wieder geheilet werden. 145. Wie ist die Verwundung des Hertzens zu erkennen? Joh: An- dreas â Cru- ce pag. 284. Wann das Hertz verwundet wird/ so laͤufft das Blut springweise herauß/ und wann die Wunde in der rechten seiten/ ist das Blut fast hitziger/ schwaͤrtzer und sehr dick/ in der Lincken/ roͤhtlicht und hell/ und wann die Cammern des Hertzens getroffen/ lauffen zugleich mit dem Bluth die Geister aus/ von den Wunden. aus/ daß der Mensch gleich sterben muß; wann aber nur die harte Substantz dersel- ben verletzet ist/ kan der Mensch woll einen Tag beym Leben bleiben/ denn es kan keine entgaͤntzung dulden/ sondern beweget alle andere Glieder zum Mitleiden. Celsus sagt/ es erbleiche der Mensch/ und gebe einen kal- ten stinckenden Schweiß von sich. 146. Wie ist die Cur zu ver- richten? Das Hertz nimpt keine Cur und Heilung an/ kan derowegen weder Wunden noch Apostem erleiden/ und dieweil es ohne des pericardij oder Hertzhaͤußleins verletzung nicht beschaͤdiget werden kan/ dasselbe aber sehr empfindlich/ kan leicht ein gefaͤhrlicher Krampff erfolgen/ weßwegen dann die Chi- rurgi bey denselben durchauß keiner Cur gedencken/ und ob schon etzliche Autores Exempel anziehen/ daß auch die Wunden des Hertzens und anderer edlen Theilen/ sind geheilet worden/ so sind solche mehr un- ter die miracula zu zehlen. 147. Wobey ist die Verwun- dung der Lung zuerkennen/ und wie ist die Cur dersel- ben anzustellen? S iij Sol- Ander Theil Keñzeichen. Solche werden erkand/ wann die Wun- de erstlich biß in die Hoͤle der Brust gehet/ der Mensch schwaͤrlich athemet/ einen tru- ckenen Husten bekommet/ Bluth auß- speyet/ und mit einem beharlichen Fieber befallen wird/ zu welchem bald eine Ent- zuͤndung kompt/ und ins gemein der Tod: Wann aber die Wunde gar klein/ auch am Ende und untersten Spitzen ist/ kan sie woll geheilet werden: Zu welcher Heilung Paræus. dann/ damit das Geschwaͤr gereiniget werde/ eine beqveme Diaͤt muß angestellet werden/ innerlich eingeben Kuͤh-Milch/ Ziegen-Milch/ oder Weiber-Milch/ wel- che viel besser/ mit ein wenig Honich ver- Cur. mischt. Avicennas ruͤhmet den Rosen- zucker/ welcher nicht allein reiniget/ sondern auch zusammenziehet: Nach dem das Ge- schwaͤr gereiniget/ kan man Zusammen- ziehende Artzeneyen beybringen/ als Safft von Schlehen/ Granat-aͤpffel/ Wegbreit/ terra sigillata, bolus armen: \&c. Eusser- lich ein Spruͤtz-wasser eingiessen/ gemacht von mastic, oliban, bolo, sangv: draconis, entweder wann es starck blutet/ mit rothen herben Wein/ oder mit Wegbreit-Wasser angemacht/ aber man muß zusehen/ daß so viel wieder herauß kompt/ als man einge- spruͤtzet hat/ sonsten verursachet es nicht schlechten Schaden; Nach diesem schiebe/ ein von den Wunden. ein von Bley gemachtes Roͤhrlein hinein/ und binde es an/ uͤber selbiges lege einen grossen Schwamm/ in warmen Wein und aq: vitæ genetzt/ und wieder außge- truckt/ laß den Patienten/ so viel muͤglich/ auff der verletzten Seiten liegen/ und mit verschlossenem Mund und Naasen auß athemen/ damit also der Eyter mit Gewaldt herauß getrieben werde/ umb und uͤber die Wunde/ kan man das diapalma ge- brauchen. 148. Worbey ist die Verwun- dung des Diaphragmatis, oder Qveerfell zu erkennen/ und wie ist die Heilung an- zu stellen? Wann die Wunde in die Hole der Brust Keñzeichen. und hinabwerts gehet/ dazu an den Enden der Rippen/ ist zubesorgen/ das diaphragma sey verwundet/ zu dem kan der Mensch schwaͤr athemen/ empfindet grosse Schmer- tzen in dem Ruͤckgrad/ die Jegend des Her- tzens zeucht sie ein/ und wegen der Entzuͤn- dung/ erfolgt ein gewaltiges Hirnwuͤten und Aberwitz. Die Cur und Heilung ist Cur. sehr schwer/ und in dem Span-adrichten Ort toͤdlich/ im Fleischichten Theil/ wo eine Entzuͤndung zu gegen/ ist selten eine Besse- S iiij rung Ander Theil rung zu hoffen. Sonsten kan man die Hei- lung anstellen/ als wie von den Wunden der Brust gesagt worden. 149. Worbey ist zu erkennen/ das Blut aus den Adern in die Hoͤle der Brust außge- lauffen? Solches kan abgenommen werden/ aus dem von Tag zu Tag wachsenden Fieber/ schweren Athem/ Gestanck des Athems/ Blut-speyen und andern Zufaͤllen; Es kan der Patient nicht anders als auff dem Ruͤ- cken liegen/ befindet ein auffsteigen des Ma- gens/ und Begierde sich zu erbrechen/ be- gehret offt auffzustehen/ und faͤllt in staͤtige Ohmacht. 150. Jst mit Zuheilung der Brust-Wunden/ zu eylen oder nicht? Hierinnen sind die Autores nicht einerley Meinung/ etzliche antworten mit ja/ etzliche mit nein; Doch soll man wissen/ daß in den Wunden der Brust/ in welchen kein oder sehr wenig geronnen Blut/ in die Hoͤle der Brust kommen/ mit der Heilung zu eylen/ damit der rauhen Lufft/ welcher zum Her- tzen dringet/ gewehret werde/ wo aber viel Blut von den Wunden. Blut zu gegen/ soll man sich der Meiselen so lange gebrauchen als noͤthig ist. 151. Sind auch bittere Sachen der Brust beqvemlich? Nein/ sondern es steiget solcher bitterer Geschmack zu dem Mund hinauff/ und er- reget grossen Widerwillen/ also daß dem Patienten mehr Verdruß und Beschwerde/ als Nutzen geschaffet wird. 152. Soll man in Brust-Wun- den kleine oder grosse Meis- sel brauchen? Wann sie klein seyn/ sollen sie mit star- cken Fadem angehefftet werden/ damit sie nicht im athemen hinein in die hole Brust ge- zogen werden/ woraus dem Patienten grosse Gefahr verursachet wird; Wann man aber durch viele Anzeigungen vermercket/ daß viel Blut in der Brust/ welches geronnen liege/ so behalte den Eingang der Wunden mit etwas dickeren Meisseln fein offen/ biß alles Blut/ welches sich nunmehr in Eyter verwandelt hat/ heraus sey/ dann das ver- stockte Gebluͤth ist gifftig. 153. Warumb ziehen die Wun- den der Brust so viel Eyter? Solches geschicht darum/ dieweil sie dem S v Her- Ander Theil Hertzen/ als dem Brunqvell des Gebluͤhts fast nahe sind/ die Natur auch dem beleidig- ten Theil Huͤlff und Mittel/ als Blut und Geister ohn unterlaß zuschicket/ ja es ziehet auch der Schmertz/ Entzuͤndung und staͤte Bewegung der Lungen sehr viel Blut an sich/ also/ daß das zufliessende/ von boͤser Art und Eigenschafft des Geschwaͤrs ver- derbet wird/ und daher eine Menge des Ey- ters verursachet wird/ dann die starcken Re- pellentia haben allhie keinen statt/ damit nicht durch dieselbe der Zufluß auff die in- wendigen Theile getrieben werde. 154. Warum werden die Bꝛust- Wunden leichtlich zu Fi- stelen? Solches geschicht aus dreyen Ursachen/ 1. Dieweil derselben Musculen in einer im- merwehrenden Unruh und Bewegung sind. 2. Dieweil sie gleich wie die Rippen an ihrem inwendigen Theil/ allein mit dem Haͤutlein pleura, welches ohne Blut ist/ uͤberzogen sind. 3. Dieweil es keine Gelegenheit giebt/ die Wunden zusammen zudrucken/ zu naͤhen oder zu binden. 155. Wie ist die Verwundung der Leber zu erkennen/ und wie ist sie zu curieren? Sol- von den Wunden. Solches ist zuerkennen/ wann die rechte And:à Cru- te pag. 310. \& 322. Seite unter den kurtzen Rippen verwundet ist/ eine grosse Menge dickes und Pech- schwartzes Blut heraus laͤufft. Vigierius Keñzeichen. schreibet daß auch ein Blut-Speyen verhan- den/ in dem das Blut in den Magen stei- get/ durch die Aeste der venæ portæ, welche in die Haͤutlein des Magens einverleibet werden/ bißweilen ist auch ein Erbrechen der Gallen/ und anderer stinckenden Materie dabey/ auch liegt der Patient gern auff dem Bauch/ giebt blutigen Harn von sich/ em- pfindet grossen stechenden Schmertzen/ biß an den Hals hinauff/ und bekompt ein star- ckes Fieber. Wiewoll nun solches aller- dings eine toͤdtliche Wunde ist/ soll man doch den Patienten nicht gar verlassen/ son- dern wann keine grosse Verblutung/ Ihm Cur. eine beqveme Diaͤt vorschreiben/ kein Fleisch/ Wein oder andere naͤhrende Speisen geben/ sondern welches das beste/ ein Panadel, Reis/ Gersten und dergleichen/ in einer Suppen von Kaͤlber-Fuͤssen; da es Noth thut/ eine Aderlaß am lincken Arm zu unter- schiedlichen mahlen doch nur allemahl ein wenig ordnen/ den Ort mit einem warmen Terpentin verbinden/ wann der siebende Tag voruͤber/ denselben mit Mastix/ Tra- ganth und Huͤttenrauch vermischen/ den Ort herum mit complet Rosen-Oehl und Mastix- Ander Theil Mastix-Oehl defendi eren/ in die Wunde ein Medicament, entweder ein ungvent oder Spruͤtz-Wasser machen/ von Fuͤnffinger- kraut/ Maus-Oehrlein/ Wegbreit/ oliban, rhabarbar, Tausendguͤldenkraut/ mumia, bol: armen, tutia, und das Empl: Barbarum oder Gratia Dei daruͤber legen. Inwen- dig kan man eingeben/ was die Leber staͤr- cket und heilet/ als : Latwerge/ gemacht von gebrandt Elffenbein/ thabarb, gum: arabic, tragacanth, terra sigillata, bolo ar- meni mit Rosen-Zucker angemacht. 156. Wie ist die Wunde der Gallen-blase zu erkennen? Diese ist gleichfals eine toͤdtliche Wunde/ und weil sie gantz spanadricht nimpt sie keine Heilung an/ wird auch selten verwundet/ es sey dann die Leber mit verwundet/ hat derowegen mit derselben gleiche Zeichen und Zufaͤll. 157. Wie ist die Verwundung des Magens zu erkennen? Keñzeichen. Diese Verwundung wird eꝛkand/ in dem deꝛ Mensch die Gall erbricht/ uñ die Speise/ wel- che er neulich zu sich genom̃en/ vonsichgiebt/ einẽ gelindẽ Schweiß hat/ uñ ein Schlucken dazu kompt; Wañ nun die Wunden biß in die Hoͤle/ oder in den Magen-Mund gehen/ seyn von den Wunden. seyn sie allerdings toͤdtlich wegen der grossen Empfindligkeit/ welche er durch die Ner- ven des sechsten pahres hat: Wann aber die Wunde nur die euserste Haut getroffen/ Cur. oder im Bodem des Magens ist/ soll man den Patienten nicht verlassen/ sondern we- nig zu essen geben/ von amylo, terra sigillata, gesotten Milch und dergleichen/ wenn kein Fieber dabey/ einen rothen herben und schlechten Wein zu trincken geben/ auch ist der Quitten-Wein sehr dienlich/ den Leib mit Clystier und Zaͤpflein offen halten/ etzli- che mahl des Tages ein wenig Quitten-Latt- werg/ ohne Gewuͤrtz oder Rosen-Zucker/ geben/ eusserlich den Ort verbinden/ und defendi ren/ wie bey Verwundung der Le- ber gesagt worden/ und das uͤbrige der Na- tur befehlen. 158. Wie ist abzunehmen daß die Miltz verwundet sey? Solches geschicht, wann die Wunde Keñzeichen. unter den kurtzen Rippen der lincken Seiten ist/ es laufft ein haͤfenmaͤßiges Gebluͤht her- aus/ die gantze Seite wird hart/ bringt grossen Durst und Schmertzen. Wann die Wunde nicht tieff und keine sonderliche Blut- und Lufft-Ader getroffen/ darff man sich der Heilung getrost annehmen/ und haben mit der Leber einerley Cur/ nur daß Cur. man Ander Theil man sich in beyden gemelten Gliedern/ im Gebrauch der hitzigen und zusammen-zie- henden eusserlichen Artzeneyen woll vorsie- het/ dann die Leber so woll als die Miltz zu den Verhaͤrtungen sehr geneigt seyn. 159. Wie ist die Verwundung der Nieren zu erkeñen/ und wie sind sie zu curieren? Keñzeichen. Auff die Verletzung der Nieren/ kompt ein Harn mit Blut vermischt/ oder Blut allein oder es wird der Harn verschlossen/ und ver- schwilt der Ort/ daß der Mensch sterbẽ muß. Weñ aber nur der Fleischichte Theil getroffẽ/ kan man etwas/ wiewoll muͤhsam uñ schweꝛ Cur und Hei- lung. helffen/ alsdann soll man die Wunde von aussen mit dem Terpentin-Oehl und Empl. barbaro verbinden/ wann sie aber tieff/ er- foderen sie eine bequeme und genaue Diaͤt/ dann man dem Patienten wenig zu essen ge- ben muß/ und zwar von Krafftmehl Tra- ganth ꝛc. Daneben Bruͤhlein/ welche so woll dem Harn/ als uͤbrigen Feuchtigkei- ten ihre Schaͤrffe nehmen/ wie auch solche Speisen/ welche einer guten Substantz sind/ und wenig Unraht geben/ als/ weich gesottne Eyer/ Reiß/ Panadel in Fleisch- Bruͤh/ und jungen Huͤnern/ und derglei- chen/ alles was den Harn befodert/ verbie- ten/ wie auch sawre/ suͤsse/ gesaltzene/ scharffe/ eroͤff- von den Wunden. eroͤffnende Sachen/ wie auch daß viele trin- cken/ welches dann anders nichts/ als Wasser seyn soll. Wann sich eine Verblu- tung erzeiget/ muß man gegen uͤber die Sa- phenam lassen/ und solche Artzeneyen zum Blut-stillen hinein spruͤtzen/ die da glutinie- ren und zusammen ziehen/ zu welchem ende dann/ der rothe Wein/ in welchem Wall- wurtz/ Wegbreit und Tragant eingeweicht gewesen/ sehr woll dienen: Den Ort der Wunden ausserhalb/ mit einem Diapalma, den Safft von Acacia, und einem ein- und zusammenziehenden rothen Wein versehen/ wann aber das hinabgesenckte in der Harn- Blasen den Urin verschlossen/ kan man mit bitter Mandel-Oehl/ Scorpion-Oehl/ Schwertel- und Capper-Oehl schmieren/ oder eine Behung machen/ von Miltz-Kraut/ Steinbrech/ Obermening/ Haasen-Paͤppel und der gleichen. Inwendig kan man in Manglung eines Medici der besten terra sigillata ein Qvintlein/ mit einem Loth Ve- nedischen Terpentin/ wie auch weissen Wein gebrauchen. 160. Wie ist die Verwundung der Blasen zu erkennen/ und wie ist sie zu curiren? Es bleibet der Harn entweder verschlos- Keñzeichen. sen/ oder es giebt der Mensch an stat dessen/ nichts Ander Theil nichts als Blut von sich/ oder es laufft der Harn von sich selbst durch die Wunden her- aus/ erbricht die Gall/ faͤngt an zu schlu- cken/ empfindet unten in dem Leibe grosse Schmertzen/ die Gegend umb das Ge- maͤcht wird fast hoch/ bekompt grosse Kaͤl- te/ gefaͤhrlichen Krampff und endlich den Todt. Wann aber nur dessen Halß wel- cher Fleischicht/ verwundet worden/ ist noch Cur. gute Hoffnung/ und ist mit der Cur zu ver- fahren/ wie bey den Nieren gesagt worden/ nur daß man so viel muͤglich/ und wo es seyn kan/ ohne Meissel die Wunde geschwind heile/ damit keine Fistel und Harnlauffen verursachet werde; umb die Wunde soll man mit maͤßig-erwaͤrmenden und resolvi- renden Oehlen/ als Mastix-Schwertel- Narden- und weiß Lilien-Oehl schmieren/ wo man durch den Harngang einspruͤtzen muß/ muß man das Wasser machen von Gersten/ Rosen und klein Tausendguͤlden- kraut/ in rothen Wein gesotten/ Rosen- Honig dazu thun/ und laulecht hinein spruͤ- tzen. 161. Wie ist zu erkennen/ obei- ner/ der in den Bauch ge- stochen worden/ tieff ver- wundet sey/ oder nicht? Solches kan man erforschen/ wann die Wun- von den Wunden. Wunde groß/ mit den Fingern/ oder wann sie enge mit einem Wund-Eysen oder Wachslicht/ und soll man den Patienten so es muͤglich in solcher stellung stehen lassen/ in welcher derselbe verwundet worden/ so wird mans leicht erfahren koͤnnen. 162. Mag man auch das Haͤut. lein welches die Daͤrm be- decket hefften? Man kan es binden und hefften/ wie es die Noht erfordert/ und wann sie bey seiner natuͤrlichen Farbe bleibet/ wiederumb hin- einthun/ und den Fadem nicht abschnei- den/ sondern auß der Wunden herauß han- gen lassen. 163. Wie ist zuhelffen wañ solch ein Darm- oder Schmeerfel herauß hienge und lang her- außen gewesen were? Man soll solches so bald es muͤglich wie- Paræus. der hinein thun/ sintemahl solches gar ge- schwind vom eusserlichen Lufft verderbet wird/ wann nun solches erkaltet/ schwartz und Bleyfaͤrbig worden/ muß man es nicht alsobald hinein thun/ sondern daß/ was angelauffen/ erstlich mit einem Fadem starck binden/ denselben daran lassen/ T das Ander Theil das boͤse wegschneiden/ und alsdann fein gemach an seinen Ort bringen. 164. Wie ist zu helffen/ wann die Daͤrm herauß hiengen/ und dick verschwollen we- ren/ dazu das Loch enge were? Ehe man sie hinein bringet/ muß man sie mit einer Bruͤhe von Chamomillen/ Steinklee/ Anieß/ Fenchel/ gesotten/ mit einem Schwamm erwaͤrmen und behen/ oder lebendige junge Hanen oder Huͤndlein von einander reissen und uͤberlegen/ damit sie also erwaͤrmet und die Blaͤste zertheilet werden/ hernachmahls den Patienten auff die andere gesunde Seite/ oder aber/ da die Wunde tieff unten/ den Kopff niedrich/ den Hindern aber hoch legen/ und also fein gemach hinein bringen; Wann sich aber die Blaͤste nicht woltẽ zeꝛtheilen lassẽ/ muß man die Wunde erweitern/ und also den Darm Sondertiche Invention. wieder hinein helffen. Petrus Pigræus, ein vortreflicher Chirurgus, meldet/ daß man die duͤnnen Daͤrme/ wann sie voll Blaͤste/ und nicht koͤnnen hinein gebracht werden/ mit einer spitzigen subtilen Nadel/ etzliche mahl durchstechen soll/ daß der Wind her- auß gehe/ wie Franciscus Peccettus und Vi- gierius Beyfall geben/ und sonderlich Mar- cus von den Wunden. cus Aurelius Severinus erhebet diese inven- tion sehr hoch/ in tractatu de efficaci medi- cina: Die Wunde des Unterbauches/ soll man fleissig hefften/ doch also/ daß man auff einer Seiten das peritonæum allein fasse/ auff der andern seiten das Fleisch al- lein/ und also allezeit umbgewechselt/ fast biß zu ende der Wunden verfahre/ und dem Eyter lufft lassen. Aquapendens er- mahnet/ man soll nebenst dem Hefften/ umb der Sicherheit willen/ auch den gluten gebrauchen/ dann den hefften/ wegen der Bewegung/ allein nicht zu trawen. 165. Wie ist ein Darm der den langen Weg verwundet worden/ zu curieren? Wiewol kein Wund-Artzt/ so geschickt daß er die verletzten Daͤrme heilen koͤnne/ die Dicken zwar/ lassen sich bißweilen noch woll hefften/ jedoch nicht allezeit heilen/ und allewege ist mehr Furcht als Hoffnung zu gegen. Das hefften ist bey vielen unter- schiedlich/ die gemeineste ist/ daß man den Darm mit solchen stichen zunehet/ als die Kuͤrschner die Peltze/ oder wann man einen Sack nehet; Etzliche nehmen Seiden/ etzliche geschnittene Pergament-haͤutlein/ in Wein genetzt/ etzliche/ welches fast das beste/ einen ungebleichten gewaͤchsten flaͤch- T ij senen Ander Theil senen Faden. Gabriel Ferrara observ: Chi- rurg: 18. wil/ man soll feine Lauten-Seiten nehmen/ welche in Wein sollen geweichet werden/ der zuvor mit Roßmarin und Rothen Rosen gekocht sey. Nach dem die Hefftung geschehen/ waͤschet man die Daͤrme mit einem wolrichenden weissen Wein fein ab/ und bestrewet sie mit pul: aloes, mastic, sang: dracon: und Mumia, und thut sie an ihren Orth/ doch daß der Fadem vom hefften herauß hange/ damit man ihn nach dem er abgefaulet/ koͤnne her- auß ziehen. 166. Wann einer mit einem Messer in das Lincke Duͤtt- lein gestochen were/ und sehr bluthete/ was man ge- troffen zu seyn vermeine? Es ist erstlich getroffen/ der musculus pectoralis, und wegen vielen bluten/ vermu- thet man/ daß eine Ader von den intercosta- libus getroffen sey/ als dann soll man nicht viel in der Wunden gruͤblen/ sondern ein Meissel mit einem Bluth-stillungs Pulver hinein schieben/ eine Ader auff der andern Seiten lassen/ den Orth mit Chamomil- len-Rosen-Regenwuͤrm- und Mandel- Oehl defendi ren/ ein gut defensiv -Pflaster uͤber- von den Wunden. uͤberlegen/ nachmahls die Wunde mit ei- nem guten digestiv etzliche Tag uͤber/ ver- binden/ nachmahls mit dem mundicativo de succoapij Hildani, und ein Stich-Pfla- ster Celtenweis daruͤber legen/ wann es in die Hoͤle der Brust gienge/ ein lavament hinein spruͤtzen/ gemacht von Herb: veronic, centaur, pulmonar, hysop, flor: rosarum, oli- ban in Wasser gesotten/ und mel: rosar: da- zu gethan. 167. Wann ein Weib eine hitzi- ge geschwollene Brust hatt/ worvon kompt es/ und wie ist sie zu curiren? Die Ursach dieser hitzigen Geschwulst ist/ Ursach. die uͤberfuͤllung des Leibes/ und zufluß der Milch/ in dem dieselbe durch die vertruck- nende Hitze erhaͤrtet wird. Derowegen/ so bald das Blut zu einer Brust beginnet hinzufliessen/ muß man die basilicam auff der andern gesunden Seiten eroͤffnen/ und Cur durch resolventia. also von dannen wieder hinweg ziehen/ oder da das Weib Blutreich/ die Saphenam auff der Seiten der geschwollenen Brust/ und dasselbe umb so viel mehr/ wann sie mangel an ihrer Monatlichen Blum hat: Auff die Brust soll man resolvi rende Sa- chen gebrauchen/ doch auch zu gleich Er- weichende mit untermischen/ damit die sub- T iij tile Ander Theil tile Feuchtigkeit nicht verzehret/ die grobe aber darin bleibe/ muß derohalben zu den resolvi renden/ als da sind: Chamomilla, melilot, rad: altheæ, rad: lilior: alborum, ungv: dialtheæ, farin lupinor: adeps anseri- nus, \&c. auch erweichende und humectantia untergemischt werden/ als da sind: mal- va, sem: lini, fœn: græc, bdellium, ammo- niacum, galban, ficus, diachyl. simplex, und dergleichen; Man sol sich auch fleissig vor das behen huͤten/ dann sie ziehen noch mehr hin/ zu dem leidenden Theil/ auch soll man die zuruͤcktreibende nicht gebrauchen/ sie seind dann im ersten Grad/ als das Ro- sen-Oehl ꝛc. Es pfleget sich aber solches nicht allezeit zuverziehen/ sondern sich zur Cnr durch Vereyte- rung. Vereyterung zu schicken/ in dem der Orth eine Roͤthe bekompt/ und dem Patienten sehr wehe thut/ alsdann muß man zu den verey- terenden Mitteln schreiten/ als Fol. malv, rad: altheæ, farin tritici, ficus, uvæ passæ, pingved: porci, vitel: ovorum, crocus \&c. Auß welchen nach belieben/ entweder ein Pflaster oder ein cataplasma in Milch gesot- ten/ gemacht werden kan; Wann der abcessus zur Zeitigung kommen/ kan man ihn entweder mit einem corrosiv oder Lan- tzette oͤffnen und heilen/ daneben der Pur- gantz und Lenitiven nicht vergessen. 168. Wie von den Wunden. 168. Wie ist dem zu helffen/ der durch und durch gestochen? Daß einer koͤnne ohne verletzung der Lungen durchstochen werden/ bezeuget Hil- danus mit einem Exempel/ in dem der Stoß eben dann geschiehet/ wann der Mensch expiri eret/ da sich dann die Lunge einzeugt und kleiner wird. Ob nun schon die innerliche Glieder unverletzt seyn/ gehets doch so leer nicht ab/ und kommen offt sehr beschwaͤrliche Zufaͤll/ als da sind/ Ohn- macht/ Husten/ schwerer Athem/ Schmer- tzen im Rucken/ oder Seiten/ mit Ste- chen/ Entzuͤndung der Lungen/ welche ent- weder seine Ursachen auß Verwundung der Lungen selbst/ oder auß dem eingeflossenen Blut bekommen. Den Schaden anlan- Cur. gend/ soll man mit einem Meißel von Stichpflaster gemacht/ von beyden Seiten verbinden/ an einem Fadem faͤst machen/ und mit einem starck klebenden Pflaster an der Seiten anmachen/ damit er nicht in die Hoͤle der Brust gezogen werde/ und ferner mit defendie ren/ digerie ren/ mundificie ren/ incarnie ren und cicatrisi ren verfahren/ wie bey einer Brust-Wunden. 169. Sind die Wunden des Bauchs/ so nicht durch ge- hen/ schaͤdlich? T iiij Die Ander Theil Aquapen- dens. Die Wunden des Unterbauchs/ welche nicht in den holen Leib gehen/ sind nicht ge- faͤhrlich/ sie seyn dann gar groß/ doch sind dieselbe mehr gefaͤhrlich/ welche in der Mit- ten des Unterbauchs/ als welcher mehr spanadriger und uͤbeler zu hefften/ als die/ so an der Seiten seyn; Doch soll man in Er- An merckung forschung der Wunden Fleiß anwenden/ dann mannichmahl ist die Wunde inwen- dig enge/ oder es verhindert etwas/ daß man mit dem Sucher nicht hinein kan/ und gehet doch die Wunde in die Hoͤle/ hergegen schiebet man bißweilen den Sucher nach der Seiten weithinein/ zwischen die Musculen/ und gehet der Stich doch nicht in den holen Leib/ weßwegen man dann fleißig zusehen muß . 170. Was ist zu thun/ wann ei- ner mit einer Kugel durch und durch geschossen/ und der Blaasen-Zipffel ver- wundet waͤre? Diese Wunden sind wegen der Contu- sion viel gefaͤhrlicher/ als die andere frische Wunden. So bald man aber zu einer ge- schossenen Wunden beruffen wird/ muß man vor allen dingen den verletzten Ort und dessen Natur beobachten/ fleissig sehen und fuͤhlen/ von den Wunden. fuͤhlen/ ob man die Kugel oder Schrott/ Stein/ oder sonsten was unnatuͤrliches in der Wunde spuͤhret/ dasselbige alsobald her- auß thun/ oder da es sonsten der grosse Schmertz nicht zulest/ biß zum anderen ge- band bleiben lassen/ nachmahls wann es sehr blutet/ ein Meissel mit einer Blutstillung hinein schieben; Den Schmertzen zu stillen/ brauchet man eusserlich/ des Mesue Rosen- Cur. salb oder den extrahir ten Quitten-Schleim/ die Wunde selbst verbindet man mit war- men Terpentin oder gemeinen digestiv oder ol: hypericon: mit Fasen eingelegt. Paræus ruͤhmet das ol: von jungen Hunden pag. 469. Wann etwa boͤse Feuchtigkeiten zum Schaden zufliessen/ muß man solches mit purgieren und aderlassen wehren/ eine be- queme diæt wie bey verwundung der Harn- Blaasen in der 161. Frag gesagt worden/ anstellen. Nach diesem muß man die Wunde zur Vereyterung bringen/ damit das gequetzte Fleisch in Materie verwandelt werde/ worzu dann die ungventa von mastic, oliban, terebint, ol: hyperic, ol: rosarum \& croco gemacht/ dienlich: wann die Wun- de zu einer guten digestion gebracht/ und kein boͤser Zufall/ als Krampff und Schmertzen dazu kompt/ soll man in der Heilung fort- schreiten/ und die Wunde fein saͤnfftig rei- nigen/ welches fuͤglich geschehen kan/ ent- T v weder Ander Theil weder allein mit dem ung v: ægyptiaco oder mit ol: hypericonis temperiret/ nach dem die Wunde viel Unraht in sich hat: Wann etwa die Kugel ein Bein angetroffen/ und dasselbe zerschmettert ist/ muß man solche fein gemach herauß thun/ damit nicht die Adern oder Nerven damit verletzet werden/ das Glied fein gerade legen/ die Beiner wel- che groß/ und nicht herauß genommen wer- den koͤnnen/ auff einander richten/ doch vor den siebenden oder neundten Tag keine Schienen gebrauchen/ wo der Ort Schie- nen erfordert/ und wie ein Beinbruch heilen/ und in dem der Callus waͤchst/ dem Patien- ten in den Speisen etwas reichlicher halten/ welche eine zaͤhe Nahrung geben. Wann ein Nerv getroffen/ muß man den Zufaͤllen mit Purgieren/ Aderlassen und guter Diaͤt zuvor kommen/ dann zu den Spanadrigen Orten leicht ein gefaͤhrlicher Krampff/ dazu kommen kan/ welcher alsdann den Todt drauet. 171. Was ist zuthun/ wann in- wendig eine Faͤulung dazu kaͤme/ ohneracht an Fleiß nichts unterlassen wor- den? Zu solcher Faͤulung geben vors erste an- laß/ von den Wunden. laß/ die boͤsen Feuchtigkeiten/ mit welchen der Leib angefuͤllet gewesen. Zum andern/ die Unart und Ungelegenheit des Luffts und Gewitters/ wie auch die Verderbung derer Dinge/ so man zu Auffenthaltung des Lei- bes nicht entrathen kan. 172. Was ist zu thun/ wann ei- ner mit einem Pfeil geschos- sen waͤre/ der einen Wieder- hacken haͤtte? Es ist nichtes schwerers/ als diese Pfeil herauß zu ziehen/ weswegen dann woll in acht zu nehmen/ wann solche in ein vorneh- mes Glied geschossen/ daß man die gewalt- sahme Außziehung bleiben lasse/ es sey dann/ daß der Patient oder die Umbstehende auff ihre Gefahr es begehrten. Wann aber der Pfeil an einem fleischichten Ort/ und fast auff der anderen Seiten durch/ soll man viel lieber den Pfeil gar durchstossen als zu- ruͤck ziehen/ wann solches keine Ader oder Haarwachs verhindert/ oder da solches nicht thunlich/ die Wunden erweiteren; so er im Knochen steckt/ hin und her gemach be- wegen/ oder mit dem Eisen abledigen. 173. Was ist zu thun/ wann ei- ner mit einer vergifften Ku- Ander Theil Kugel oder Pfeil geschos- sen worden? Wiewoll Paræus und andere mehr/ nicht zugeben wollen/ daß die Kugeln koͤnnen ver- gifftet werden/ sondern die boͤsen Zufaͤll nur allein von der contusion verursachet werden/ so gestehet doch solches Sennertus, daß solche koͤnnen/ wo nicht mit einem vegetabile, doch mit einem minerale vergifftet werden. Wann nun etwa ein Muthmassen des Koñzeichen. Giffts verhanden/ weiset solches alsobald der fast grosse und ohnunterlaß/ als mit Nadeln-stechender Schmertz/ zu dem/ so ist auch das verwundete Fleisch bleich und bleyfarbig/ und laͤst sich ansehen/ als wenn es gar ersterben wolte/ so erzeigen sich auch bey solchen Wunden/ sehr viel und boͤse Zu- faͤll/ uͤber die Natur der anderen und schlech- Cur und Hei- lung. ten Schaͤden. Derowegen/ so wird erfo- dert/ daß man/ so bald der Pfeil oder an- ders vergifftes herauß gezogen/ das verdor- bene Fleisch/ entweder hinweg schneide/ oder aber scarifici ere/ und eine Ventose darauff setze/ rund herumb mit terra sigillata oder bolo armeni oder einem Theriack in Rosen- Oehl zerlassen/ defendi re. Die Artzeneyen aber/ so alle boͤse Materien zu den eussersten Orten herauß ziehen/ sind/ der Sauerteig/ Rohrwurtzel/ ammoniac, serapinum, ari- stolog. von den Wunden. stolog. diptamus, viscus quercinus Honig und dergleichen. Wann der Ort von Ner- ven und Adern frey/ soll man die Wunde etzliche mahl mit einem gluͤenden Eisen be- ruͤhren/ und woll zusehen/ damit der heisse und kalte Brandt nicht dazu schlage/ welcher dann das Glied nicht allein verzehret/ son- dern auch die Kraͤffte weg nimpt/ ein Fieber erregt und den Menschen gar erwuͤrget. 174. Auff wie vielerley Weis und Weg wird der Ruͤck- grad verwundet? Entweder durch Hauen/ Stechen/ mit Streit-Hammer/ Pfeilen/ Kugel und an- deren Geschoß/ und solches entweder mit Verletzung oder ohne Verletzung des Marcks. 175. Wie ist zu erkennen/ wann einer in den Ruͤckgrad ge- stochen/ ob das Marck veꝛ- wundet/ und wie ist er zu verbinden? Solches wird theils gesehen/ und aus der Anatomia gemuthmasset/ theils kan mans aus den Zufaͤllen erkennen/ denn es ist erstlich ein grosser Schmertz dabey/ En- Keñzeichen. tzuͤndung und endlich Geschwulst/ und wann Ander Theil wann man nicht recht fleiß anwendet/ so kompt dazu stupor, spasmus und paralysis, dann wann das Marck gantz uͤber zwerg abgeschnitten/ so verliehret der Leib alsobald sowol die Bewegung/ als das Fuͤhlen/ und folget bald der Todt darauff; Wann es Zufaͤll. aber nur halb abgeschnitten/ so folget noth- wendig eine convulsion, und offt auch der Todt/ weil aber zuweilen etzliche davon kom- men und geheilet werden/ soll man das/ was man loß von Beinern findet/ gemach herab nehmen/ das Blut stillen/ die Schmer- tzen linderen/ der convulsion wehren/ und Cur. den Eyter ohne beissen außfuͤhren/ weßwe- gen man dann die Wunde/ und zwar das Marck/ mit einem ungv: Cephalico belegen muß/ weil dieses mit der dura und pia mater umb geben/ oder das ol: hyperic: mit ein we- nig Theriac eintroͤpflen/ dann es erfodert eben die Artzeneyen/ nemlich trucknende und linderende/ als die Wunden des Hirns/ zu dem sind auch die oͤhlichte in die- ser Cur die aller nuͤtzlichsten/ auff das Bein aber lege truckene Tuͤchlein/ oder ein Haͤupt- Pulver/ die Lefftzen der Wunden versehe mit einem guten digestiv fein warm/ ein gu- tes Haͤupt-Pflaster daruͤber/ den gantzen Ruͤckgrad salbe mit dem ungv. nervino, ol: vulpino, mast ichino, chamomill. und lumbri- cato \&c. und verbinde/ wie bey den Nerven gesagt. 176. Was von den Wunden. 176. Was ist bey den innerli- chen Wunden der Hufft und Schenckel zu thun/ und war- umb sind sie toͤdlich? Diese Wunden sind deswegen toͤdlich und gefaͤhrlich/ weil in den inwendigen Theilen der Huͤfft grosse Arteri en und Huft-Wun- den warumb toͤdtlich. Bluth-Adern/ wie auch starcke Nerven liegen/ welche/ wann sie verwundet und tieff hinein gehen/ eine grosse Verblutung verursachen/ welche den Menschen umbs leben bringen. Wann man in der Zeit da- zu beruffen wird/ und die Wunde nicht gar tieff und groß/ soll man/ wie offt gesagt/ das Bluth stillen/ die Wunde hefften/ am Cur. nidrigsten Ort offen behalten/ ihm eine kuͤh- lende und beqveme Diaͤt vorschreiben/ die Wunde vereyteren/ reinigen/ den gantzen Schenckel defendi ren/ und endlich beschlies- sen und heilen. 177. Was ist zu thun/ wann ei- ner mit einer Kugel durch den Knoͤchel geschossen were? Dieses ist ein sorglicher Handel/ in dem der Ort gar beinicht und sehr empfindlich/ also daß offt viel daran sterben: Man soll ihm die Kugel/ wo sie noch darein/ zu sampt den Ander Theil den ledigen Beinern sanfft herauß nehmen/ den Ort umb und umb mit vorbesagten Mitteln defendi ren/ und mit umbgehen/ als mit einer Beinschroͤtigen Wunden. 178. Wie viel Kranckheiten er- scheinen am Afftern? Deren sind unterschiedlich/ als: 1. die Außweichung des Mastdarms. 2. die Feigwartzen und condylomata. 3. die Fistel und Geschwaͤr. 4. die Gulden Adern oder Hæmorrhoides. 179. Wie entspringet eine jede Kranckheit/ und wie sind sie zuerkennen? Die Vorschiessung des Mastdarms an- langend so ist dieselbe albereit im ersten Theil dieser Chirurgiæ in der 48. Frag eroͤrtert Feigwartzen. worden. Die Feigwartzen aber sind kleine rauhe huͤgelein/ gleichsam harte herfuͤrge- schossene stuͤcklein Fleisch/ so mehrentheils im runtzlichten Ort und randen des Afftern/ wie auch in der Gebaͤhrmutter erwachsen pflegen/ und sich mit ihrer grossen Brunst und Runtzelen/ nicht allein sehen/ sondern auch mit ihrer rauhe und Haͤrte fuͤhlen las- Cur. sen: Sie erforderen erkaltende/ erweichen- de und nachlassende Artzeneyen/ als Lein- samen- von den Wunden. samen- und Eyeroͤhl/ im bleyernen Moͤser eine Weile geruͤhret/ wo eine Entzuͤndung zugegen thut man Campfer hinzu/ oder man fasset sie mit einem Zaͤnglein an/ und schneidet sie weg/ oder/ so sie eine kleine Wurtzel haben/ bindet man sie mit einem seidenen Faden ab. Besiehe die 56te Frag des ersten Theils. Die Fistel des Affters Fistel des Affters. anlangend/ so entstehen dieselbe auß eben den Ursachen/ als andere Fistelen/ nemlich auß den Wunden oder Apostemen/ so et- wa uͤbel und unrecht geheilet worden/ und solche gehen entweder durch den Mast- Darm/ oder nur umb denselben und ins Fleisch. Die in dem Afftern verborgen sind/ werden auß dem daselbst herauß trief- fenden Wundschweis und eyterichten Keñzeichen. Feuchtigkeiten/ wie auch auß dem Schmer- tzen der nechst herumbliegenden Ortern leichtlich erkand. In Heilung derselben/ soll man den Finger/ nach dem der Nagel woll abgeschnitten/ in den Afftern schieben/ ein von Bley gemachtes Instrumentlein mit einem seidenen Fadem daran/ in die Cur durch Handgriff. Fistel schieben/ wenn es nun an den Finger kompt/ die Spitze des Instruments krumb biegen/ mit dem in den Afftern geschobenen Finger/ zum Afftern herauß ziehen/ die beyden Ende des Fadems alle Tag faͤster zu- binden/ biß endlich die Fistel gar durch- U schnit- Ander Theil schnitten/ nach diesem/ soll man verweh- ren/ damit die Lefftzen der Fistel nicht gleich aneinander heilen/ sonsten wird man nicht zum Zweck gelangen; welche aber nicht tieff sind/ beduͤrffen des bindens nicht/ sondern werden mit einem krummen Messerlein her- auß geschnitten. Es ist aber im schneiden dieses in acht zu- nehmen/ daß man nicht den Sphincterem Ani oder Zuschliesser des Hintern gantz durch schneide/ sondern etwas von seinem Circkel lasse/ sonsten wuͤrde ein unauffhoͤr- lich außlauffen der excrementen wider des Patienten Willen verursachet werden. Nach dem die Schwule oder callus abge- schaffet/ wird sie wiederumb geheilet. Die Hæmorrhoides und derselben Geschwulst/ Schmertzen/ und Blutfluß/ sind schon in der 55. Frag im ersten Theil beantwortet worden. 180. Wo ruͤhret die Faͤulung im Afftern her? Die/ so innerlich/ kompt her von einem Geschwaͤr des Mastdarms/ und weil die Materie beissend und scharff/ auch zugleich an so einem feuchten Ort/ durch welchen al- ler Unflat herauß muß/ ist er deswegen der Faulung destomehr unterworffen Es werden auch deswegen die Fisteln des Aff- tern von den Wunden. tern desto weniger durch Artzeneyen ge- heilet. 181. Was ist zu thun wann ei- ner mit einem spitzigen Mes- ser und der gleichen in den Afftern gestochen were und sehr bluthete? Das bluten soll man stillen mit einem Blutstillungs-Pulver/ dann ohne Zweiffel alda die Vena hæmorrhoid alis verletzet wird. Die Heilung soll man anstellen/ mit ein- Cur. spruͤtzung der Clystier und einsteckung der Stuhl zaͤpflein von Rosenhonig und der- gleichen/ diese Wunden sind zuweilen Schmertzhafft/ zuweilen auch gar toͤdlich wie beym Aquapendente zu sehen. 182. Was ist zu thun/ wann ein wilder Ochs einer Frawen mit den Hoͤrnern zwischen die Beine kaͤhme/ und ihr das Gemaͤcht mit einem Horn von einander risse? Dieses ist ein gefaͤrlicher Handel/ in dem nicht allein die Verwundung mehr eine Zerstossung und Zerreissung der Glieder ist/ sondern das Blut laufft zum Gemaͤcht her- Zufaͤll e U ij auß/ Ander Theil auß/ empfindet grosse Schmertzen/ uͤmb die Druͤsen/ Huͤfften und umb das Gemaͤcht: Wann die Gebaͤr-Mutter mit getroffen und verwundet/ kompt ein Fieber und Er- brechen der Gallen dazu/ etzliche kom̃en umb ihre Sprach/ etzliche umb den Verstand/ und welche daran sterben/ die haben gleiche Zu- faͤll/ mit dem verwudeten Hertzen. Sol- Cur und Hei- lung. che Wunden zu curieren/ wird ein grosser Abbruch im Essen und Trincken erfodert/ und muß man die Ader am Arm oͤffnen/ die Feuchtigkeiten still und unbewegt erhal- ten/ die Entzuͤndung durch abkuͤhlen ver- huͤten/ die Wunde in den ersten Tagen mit der Mixtur von Terpentin/ Eyerdotter und Saffran versehen den Ort herumb mit Ro- sen-Oehl/ Leinsaamen-Oehl und Mutter- Kraut staͤrcken/ hernach die erste Artzeney mit ein wenig olibano, mastic, und Aloe mit Wachs vermischen/ das verlohrne Fleisch wieder erstatten/ und den Patienten also legen/ daß das Gedaͤrm die Gebaͤhrmutter nicht beschwaͤre/ wann sich aber die Hei- lung verweilete/ und eine hefftigere Truck- nung erfodert wuͤrde/ nimpt man die tuti- am, aloen mit sampt den bolo armeni, Saff- ran und dergleichen/ mit dem Safft von Pimpinel oder Wallwurtz/ zu einem flies- senden Spruͤtz-Wasser gemacht: Da es einer Reinigung bedarff/ so verrichte es mit rothem von den Wunden. rothem Wein und Honig mit einander ver- mischet/ und befehle das uͤbrige der Natur. 183. Woher kompt das Blut- harnen/ und wie ist ihm zu steuren? Solches kompt entweder wann die Nie- Ursach. ren verwundet/ oder die Jegend derselben zerstossen worden/ dergleichen geschicht auch/ wann die Blaase verwundet: Es geschicht auch/ daß solche von dem Stein beschweret und wund gemachet wird/ in dem er sich zum Außgang schicket. Wann solches von dem Stein verursachet worden/ weh- ret es nicht lang/ sondern wann der Stein wieder ruhet/ hoͤret es auch bald wieder auff/ wann aber sonsten/ aus verwundung Cur. der Nieren/ solches geschicht/ giebet man dem Patienten ein/ trochisc: de succino, al- kekengi, gordonis \&c. mit aq: plantag, bursæ pastoris \&c. 184. Was ist zu thun/ wann ein Stein in der Roͤhren steckt der weder hinter sich noch vor sich wolte? Dafern der Stein nicht weit hervor Aquapend. in lib. de o- perat. chi- rurgic. Hand-Cur. soll man einen Versuch thun/ denselben mit dem Cathetere welcher zuvor mit Rosen- U iij Oehl Ander Theil Oehl beschmieret/ zu ruͤck in die Blasen zu- treiben/ man muß aber behutsahm und ge- mach damit verfahren/ daß man nicht mit dem cathetere die membr anulam oder val- vulam. welche zu den Saamen-gefaͤß gehet/ verletze/ sonsten eine Gonorrhoea erwecket wuͤrde/ welches bald zu mercken/ indem das Instrument gar schwer hinein gehet/ zu- dem auch ein grausamer Schmertz sich er- zeiget/ und das Bluth darnach kompt/ weswegen man dann ein wenig zuruͤcke zie- hen muß/ daß man die membranulam vor- bey gehe: Were aber der Stein schon forn in der Roͤhren/ muß man hinter dem Stein mit dem Fingern drucken/ daß er nicht wieder zu ruͤck weichen kan/ alsdann sich bemuͤhen/ daß man mit einem Instrument einem Ohrloͤffel gleich/ den Stein vorbey komme/ mit der Hoͤle ergreiffe und also her- auß ziehe; Solte aber der Stein sich ge- wendet haben/ und in der Breite mit seiner Laͤnge forne stecken blieben/ so muß man nach Pauli Lehre lib. 6. cap. 60. den mea- tum urinarium mit einem Messerlein oͤffnen. Es sollen aber die corpora nervosa geschonet werden/ damit keine Fistel verursachet wer- de/ wie Joh: van Horne in mi crotehne er- mahnet/ pag. 156. 185. Wie von den Wunden. 185. Wie ist der zuverbinden und zu heilen/ der uͤber- zwerg uͤber eine Hand oder Fuß gehauen ist/ daß die Nerven entzwey? Wann solche gantz entzwey/ entstehet Unterscheid. kein Krampff/ und wird leicht geheilet/ in dem sich beyde Theile zuꝛuͤck ziehen und leicht- lich mit Fleisch bedecket werden/ wann aber solche nur halb entzwey/ geschicht insgemein ein grosser Schmertz/ Entzuͤndung und Krampff. Weßwegen man dann eine starcke Aderlaß thun muß/ den Ort fein weit Cur. herumb defendi eren/ digeri eren/ ziemlich lang offen behalten/ die Nerven mit trucken- den Sachen verbinden/ welche nicht beissen/ als lebendigen Kalck/ pompholix woll ge- waschen/ ungv: Isidis in ol: rosarum zer- lassen. 186. Was ist zu thun/ wann ei- ner in einen Arm oder Schenckel gestochen we- re/ und lange unverbun- den gelegen/ unterkoͤtig und stinckicht worden waͤre? Solchem soll man alsobald mit einer U iiij Oeff- Ander Theil Oeffnung zu Huͤlffe kommen/ die boͤse und stinckende Materie heraus lassen/ ein Spruͤtz-Wasser in die sinus spruͤtzen/ welche der Faͤulung wiederstehen/ gemacht von Wermuth/ Scordio, Ehren-Preiß/ Oder- mening und dergleichen/ oder das ungv: ægyptiac: magistrale Hildani entweder hin- ein spruͤtzen/ oder vor sich selbst warm hin- einfloͤssen/ umb das angeloffene und faule Fleisch/ wie auch die Nerven zu mundificie- ren: Wann etwa die Beiner angegriffen/ dieselbe radie ren/ wann es noͤthig/ eine Ader oͤffnen/ purgationes und beqveme Diaͤt vor- schreiben und heilen. 187. Was ist zu thun/ wann einer in ein Knie geschossen worden waͤre/ und die Ku- gel noch darin stecke? Hildan. pag 2125. Cur Man soll/ wie vor diesem schon gemeldet/ die Kugel/ wo es muͤglich/ alsobald heraus thun/ wie auch die ledige Beiner/ und nach dem das Blut gestillet/ soll man ein Saͤlb- lein von Terpentin/ Wachs/ Geigenhartz/ Lilien-Oehl/ Suͤß-Mandel-Oehl/ Eyer- dotter/ Saffran und gebrand-Hirsch-horn gemacht/ hauffig in die Wunden thun/ das Empl: basilicum daruͤber legen/ die er- sten fuͤnff oder sechs Tage ein Schmertzen- stil- von den Wunden. stillend Uberschlag gebrauchen/ gemacht/ von Gersten-Mehl/ roth Rosen/ Heydel- Beer/ fœn: græcum und Quitten-Kern/ in halb Wasser und Eßig zum dicken Uber- schlag gekocht/ und zwey Eyer hinzugethan: Wann es das Ansehen hat/ als wolt der heisse Brand darzu schlagen/ soll man das ægyptiac: Hildani gebrauchen; Wann der Schmertz gestillet/ die Wunde gezeitiget/ und das Glied fleißig desendiret/ soll man an statt des basilicum, das diapalma brau- chen/ und weil in den grossen Zerstossungen boͤse Daͤmpffe gegen dem Hertzen steigen/ und daselbsten Ohnmaͤchten verursachen/ so muß der Wund-Artzt die Vereyterung auffs beste befoderen/ auch dem faulen Fleisch/ mit Hinwegschneidung/ doch oh- ne Schmertz helffen/ unter die ungventa, so man in die Wunde braucht soll man immer- zu etwas von Hertz-staͤrckenden Sachen/ als Theriac/ Hirschhorn/ Bezoar und der- gleichen brauchen/ auch innerlich das Hertz staͤrcken. Daß allernoͤthigste ist/ daß man Anmerckung gleich im Anfang sich den Schmertzen zu stillen bemuͤhe/ dann sonsten Glied-Wasser- Sucht und Brand nicht aussen bleiben. 188. Was ist zu thun/ wann ei- nem ein Stuͤck von der Roͤhren am Arm oder U v Schien- Ander Theil Schienbein abgehauen waͤre/ daß das Marck bloß lege? Cur. Man soll die ledigen Beiner weg thun/ und welche noch faͤst anhangen/ wieder an ihren Ort richten/ das Blut stillen/ im an- deren Gebaͤnd das Bein wie auch das Marck mit trucknen Fasen uͤberlegen/ in die Wunde ein gutes digestiv fein warm flies- sen lassen/ das Glied defendie ren/ wann die Wunde gezeitiget/ mundificie ren/ und wann kein Schiefer nicht mehr zu befahren/ und das Fleisch von unten heraus waͤcht / incarnie ren und beschliessen. 189. Was ist zu thun/ wann einer in eine Kniescheibe gehawen were/ und ihm das Knie mit sampt der Scheiben herab hienge? Georg: Gelman pag: 432. Dieses ist der sorglichen Schaden einer/ in dem gewiß etzliche fuͤrnehme tendines ent- zwey/ welche das Glied bewegen/ wie auch die Ligamenta, welche das Glied zusammen Vorher Ver- kuͤndigung. halten sollen. Zu dem so koͤnnen allerhand Zufaͤll/ auch bey guten angewandten Fleiß dazukommen/ und sonderlich der Spasmus, welcher bey diesem Schaden der naͤheste ist/ auch von den Wunden. auch ist nach der Heilung die Laͤhmung zubefuͤrchten/ oder/ so die Knie-Scheibe gar hinweg/ die stete Außeinander-weichung und wancken des Gliedes. Die Cur anlan- Cur und Hei- lung. gend/ soll man die Wunde vom Blut saͤu- bern/ und wann ledige Beine verhanden/ selbige heraus nehmen/ und wiewol man sonsten nicht leicht eine beinschroͤtige Wun- de hefften soll/ so ist doch allhier von noͤhten/ daß man die Scheibe wieder an ihren Ort richte/ von beyden seiten/ doch nicht gar zu ge- nau heffte/ ein warm digestiv etzliche mahl in die Wunden lege/ und mit eingelegten Fasen oder Meiseln dieselbe offen halte/ bald dar- nach etwas von durchdringenden Balsam oder Oehlen/ als: ol: ceræ, oder Indiani- schen Balsam gebrauchen: Den unter- und ober-Schenckel soll man defendie ren/ mit ungv. nervino, den Patienten in rechter Le- bens Ordnung/ still/ ruhig und warm halten; Wann aber ein hitziger Zuflus dazu kaͤhme/ soll man den gantzen Schenckel mit dem ungv: d. lytargir? mit Campfer und sacchar saturni vermischt/ beschmieren/ die gantze Hufft und Ruͤckgrad mit Rosen-oͤhl salben/ und den unter-Schenckel mit dem diapalma einfassen/ auch kan man vor die Hitze ein lae virginis, doch nicht zu naß/ uͤber- schlagen/ die Wunde mit einem Stich- Pflaster Celtenweiß bedecken; Wann nun also Ander Theil also den Zufaͤllen gewehret/ kan man mit dem Schaden verfahren/ wie offt gemeldet worden. 190. Was ist zu thun/ wann einem die Mans-Ruthe gar abgehawen were? Solches ist ein gefaͤhrlicher Schaden/ in dem nicht allein die vielfaͤltige Nerven/ sondern auch zugleich die Bluth- und Lufft- Adern verwundet werden/ durch welche sich ein Mensch leicht zu tode bluten kan/ wie beym Hildano Cent. 3. observ. 89. in zweyen Cur und Hei- lung. Exempeln zusehen. Wann man aber in der geschwindigkeit dazu kompt/ oder der Chirurgus selbst das Maͤnnliche Glied weg schneiden muß/ soll man ein Bluth-stil- lungs Pulver mit Eyerweiß angemacht/ mit Hanff-hede uͤberlegen/ die beyden seiten der Schaam und das scrotum mit gedop- pelten Tuͤchern in halb Wasser und Essig eingetaucht/ einwickeln/ und mit Binden versehen/ hernachmahls Diener anstellen/ welche einer umb den andern die Haͤnd in halb Essig und Wasser gefeuchtet/ die Bluth-stillung faͤst anhalten/ damit das Bluth nicht hervor schiesse; Nach dem nun das Bluth gestillet/ die Wunde dige- ri eret/ der Unterbauch mit Rosen- und Hey- del- von den Wunden. delbeer-Oehl defendi eret/ kan man endlich zur Heilung schreiten. 191. Was ist zu thun/ wann ei- ner in den Hodensack gesto- chen/ und derselbe mit Blut unterlauffen/ auch die Hode zu gleich mit getꝛoffen weꝛe? Das Bluth im Hodensack zuverzehren/ Zweyfache Cur. und vor Faͤulung zubewahren/ kan man einen Umbschlag brauchen/ von scord, ab- sinth, arthemis, vitriol roman, gallas in Essig oder Wein gekocht/ und zu den Hoden/ weil es ein empfindlicher Ort ist/ grossen Fleiß anwenden/ als den Leib purgieren/ und selbigen in einer beqvemen Diaͤt erhal- ten/ und wann die Wunde groß/ soll man sie hefften/ am niedrigsten Ort ein wenig offen lassen/ den ersten Tag einen gewach- senen Terpentin mit ol: hypericon: vermischt/ mit zarten Meisselein hinein schieben/ den gantzen Ort der jegend mit der Rosen-Salb Mesuæ oder Rosen-Oehl mit Mastix-Oehl defendi ren/ mit Rosen-Honig abster gieren und reinigen/ mit dem ungvento basiliconis das Fleisch ergaͤntzen/ und endlich mit dem cerato d. minio oder diapalma schliessen/ die Zufaͤll/ so etwa zugegen/ bestes Fleisses ab- schaffen und vertreiben. 192. Was Ander Theil 192. Was ist zu thun/ wann einer in die Mans-Ruthe gestochen waͤre? Diese Verwundung ist fast sorglich/ von wegen der vielen Adern/ Arterien und Nerven/ und muß man aller dings/ mit Cur. denselben/ als wie mit den Nerven-Wun- den verfahren/ mit guten defensivis versor- gen/ den Schmertzen stillen/ und vor Zufaͤll bewahren/ und gaͤntzlich sich des Purgie- rens enthalten. 193. Was ist vor ein Unter- scheid zwischẽ den Wunden/ so durch die Kugel verursa- cher/ und denen/ so mit den Pfeilen geschossen? Unrerscheid. Es sey eine Wunde wie sie immer wolle/ so ist sie doch nicht ohne Zerstossung/ noch dennoch werden die Wunden der Kugel und der Pfeile/ wegen der Zerstossung un- terschieden. 194. Wobey ist zu erkennen/ ob das Geschoß vergifft gewesen? Daß so woll die Kugel/ als Pfeile mit Gifft angemacht werden koͤnnen/ dadurch der von den Wunden. der Mensch kan angesteckt werden/ auch an einer kleinen Wunde/ welche nur mit der Kugel angestreifft worden/ sterben koͤn- ne/ bezeuget neben anderen auch Hildanus pag: 1229. und ist die Art des Gifftes nicht allein eines groben und corporalischen We- sens/ welches sich uͤber etzliche Tage in sei- ner Wirckung sehen laͤst/ sondern mehren- theils ein geistlicher und subtiler Dampff/ in dem es gleich im Anfang seine Gewalt an den edlen Gliedern des Leibes/ als dem Hertzen/ Hirn und Leber beweiset/ in dem es allerhand boͤse und ungewoͤhnliche Zufaͤll erreget/ wie mit mehren in der 174. sten Frag zu sehen. 195. Was ist zu thun wann ei- ne Wunde umb sich frist? Es muß durch eine beqveme diæt der Pa- Innerliche Cur. tient gebessert/ und die Materie mit Pur- gationen und Aderlaͤß abgefuͤhret werden/ damit das Glied von den Feuchtigkeiten welche durch laͤnge der Zeit gewohnt hinzu- zufliessen/ befreyet werde. Euserlich ist Eusertiche Cur. das Wasser gut/ gemacht von Rosen- Wasser/ Maur-Kraut-Wasser/ rothen Vitriol und roth Kupfer-Wasser und Alaun zusammen gesotten und den Ort da- mit bestrichen. Item aqua ex calce cum ☿ rio dulci. 196. Was Ander Theil 196. Was ist bey einer Wun- den zu thun/ so von einem vergifften Thiere gebissen oder gestochen worden? Unterschied- liche Mei- nungen wer- den taxiret. Wiewoll Celsus und andere alte Scri- benten dafuͤr halten/ daß kein Thier-Biß ohne Gifft sey/ so haͤlt doch Fabritius Hilda- nus Cent: 2. observ: 76. das Widerspiel/ in dem er zwar zugiebt/ daß die Biß oder Stich der Attern/ Vieperen/ Hecken- Schlangen/ Kroten/ wuͤtende Hunde/ Scorpionen/ Spinnen/ Immen/ Waͤs- pen und dergleichen/ sehr gifftig/ die Biß aber der Pferde/ Baͤhren/ Hunde/ Katzen und dergleichen/ woll wegen der Zerquetz- schung einer boͤsen Art sind/ aber mit nich- ten gifftig/ dann sonsten muͤsten die kleine Wunden gemeldeter Thiere auch boͤß und Paræus. arg seyn. Die Cur anlangend muß man vor allen dingen und zum ersten sehen/ das Cur und Heilung. Gifft zu zertheilen und heraußzuziehen/ dann wann es in die innerliche Glieder geschlichen/ alle Muͤh und Arbeit umsonst ist. Wes- Euserlich. wegen man dann von den euserlichen Mit- teln den Anfang machen muß/ nemblich die Wunde mit Harn oder Saltz-Wasser/ aq: vitæ, Wein oder Eßig/ in welchem et- was von dem aͤltesten Theriack oder Senff- mehl zerlassen ist/ abwaschen/ so warm und hart von den Wunden. hart/ als es der Mensch erleiden koͤnne/ nach diesem ein Brenn-Eisen auffsetzen/ die Ruffen oder Escharam so bald immer muͤg- lich/ herab helffen/ den Ort biß auff das Le- bendige scarificie ren/ das Geschwaͤr eine Zeit lang offen halten/ uͤber und umb die Wunde ein an sich ziehend Pflaster von gal- bano, Terpentin/ schwartz Pech und ande- ren dergleichen uͤberlegen: Nachdem die Ruffen hinweg genommen/ das ungv: ba- silic: mit dem Pulver vom ☿ rio vivo ver- mischt/ uͤbergelegt/ denn es den gifftigen Eyter aus der Tieffen der Wunden heraus ziehet. Innerlich soll man nichts den The- Innerlich. riack und Mithridat gebrauchen/ auch vor den dritten Tag weder Purgieren noch Aderlassen/ weder Clystier noch Baͤder/ oder den Schweiß befoderen/ alle Leibes- Bewegung und Arbeit/ wie auch den Bey- schlaff meiden/ dann damit wird das Gifft desto mehr zum Hertzen gezogen. 197. Wie ist zu erkennen/ ob ein Mensch von einem wuͤten- den Hund sey gebissen wor- den? Dieses ist schwer zu erkennen/ dieweil im Anfang dieselbe mehr nicht/ als eine andere gemeine Wunde verursachet/ die Maligni- X taͤt Ander Theil taͤt aber laͤst sich nicht eher sehen biß daß sie allerdings in den Leib hinein gelanget und die vornehmsten Glieder eingenommen hat; Keñzeichen. Jedoch kan mans auff solche Weise erkun- digen/ wann man nemblich ein klein stuͤck- lein Brodt in das Eyter tauchet/ und das- selbe nachmahls einem Hunde vorwirfft/ und wann er solches ob er gleich hungrig/ nicht allein nicht fressen/ sondren auch nicht im geringsten anriechen will/ so haͤlt man davor das die Wunde gifftig sey. Wann aber solches Gifft schon in die innerliche und fuͤrnehmste Glieder gekommen/ ist der Mensch fast still und traurig/ alle Gedaͤcht- niß und Verstand ist auffgehoben/ er leidet grossen Durst/ und begehret ihn doch nicht zuloͤschen/ schewet das Wasser/ die Spiegel und das Licht/ bellet/ beisset und kratzet wie ein Hund/ und wann man solchem nicht bey Zeiten zu Huͤlffe kompt/ bringet es den Menschen umb. 198. Ist den Jenigen so von ei- nem wuͤtenden Hund ge- bissen worden uñ albereit das Wasser foͤrchtet noch zu helffen? Cur und Heilung. Welchen die Sinnlichen Kraͤffte dieses Gifft noch nicht eingenommen/ denen muß man von den Wunden. man mit starcken Purgationen zu huͤlffe kom- men/ und wird hieriñen das vitrum antimo- nij sehr geruͤhmet/ weil es nicht allein den Schweiß treibet/ sondern auch den Stuhl- gang und Erbrechen befodert/ die fast hitzi- ge und gesaltzene Speisen als Zwiefeln/ Knoblauch/ wie auch Gewuͤrtz und star- cker Wein/ verhindern nicht allein den Gifft/ daß er sich nicht außbreiten kan/ sondern staͤrcken auch die innerliche Glieder. 199. Sind die kleinen oder gros- sen von den wuͤtenden Hun- den gebissene Wunden ge- faͤhrlicher? Die kleine sind allezeit gefaͤrlicher/ und muͤssen selbige entweder durchs cauteri siren oder scarificie ren/ gleich wie die grossen ge- oͤffnet werden/ welche aber ohne daß groß/ koͤnnen/ wann sie cauteri siret/ auch beßer offen behalten werden. 200. Wie sind die von wuͤten- den Hunden gebissene Wun- den in specie zu curi ren? Solche zu curi ren/ muß man gleich im Hildan: Cent. 2. Obs: 98: Anfang die Wunde scarificie ren/ auch wol eine Ventos darauff setzen/ den gantzen X ij Ort Ander Theil Ort herumb mit scharffen Eßig/ Saltz und Teriack vermischt/ abwaschen/ dann es kan der Speichel/ wann er nicht abgewa- schen/ auch eine Wuͤte verursachen. Nach dem man die Wunde mit einem gluͤenden Eisen woll tieff gebrand/ soll man eine Cur. Baum-Wolle oder Fasen in Brandwein/ darinnen Theriack zerrieben/ eingetunckt uͤberlegen/ und mit einem Pflaster das Glied einwicklen/ gemacht von Zwifeln in der Aschen gebraten/ Senffmehl/ Saltz/ Sawerteig/ Rauten-Blaͤtter/ Wasser- Knoblauch/ Theriack und Honig; den folgenden Tag muß man die Ruffen oder Escharam mit einem kleinen Messerlein wegschneiden/ aber auff die Wunde/ die Escaram abzuledigen/ keine faͤste Sachen/ wie sonsten gebraͤuchlich/ legen/ auch sich umb den Schmertzen zu linderen nicht viel bekuͤmmeren/ dann wann ein Schmertz verhanden/ so ist auch ein Zufluß dabey/ und kan alsdann das Gifft nicht zu den principahl Gliedern hin dringen: Man kan auch die Cur also anstellen/ daß man in das Geschwaͤr ein siedheisses Oehl mit ei- nem kleinen dazu gemachten Loͤfflein giesset/ welches nicht allein in diesem affect keinen Schmertzen machet/ sondern den Krancken vielmehr erfrischet und erqvicket/ daß mans nicht heis genug hinein giessen kan; es muß aber von den Wunden. aber in dem Loͤfflein nicht mehr seyn/ als das Geschwaͤrlein fassen kan/ damit nicht das uͤberlauffene/ die Haut brenne. Letz- lichen ist hoch noͤthig/ solches geschwaͤr lang offen zu halten/ und wann es zuheilen will/ etwas von einer aͤtzung hinein legen/ oder es mit einer Erbiß oder Schwaͤmlein/ wie eine Fontanel/ in die drey Monath of- fen behalten/ und endlich mit einstrewung des Pulvers von Angelica und Bezoar ge- mehlig zu heilen. 201. Was ist zu thun wann ei- ner von einer Vipern/ Eyde- ren/ Salamander/ Attern/ Wasser-Schlang/ Kroten/ Scorpion/ Immen/ Spin- nen/ Muͤcken und Saug- Eiglen vergifftet worden? Wie woll die Mittel so in vorhergehen- den Fragen gemeldet worden/ auch in al- len anderen gifftigen Stichen und Bissen koͤnnen und sollen in acht genommen und gebrauchet werden/ so hat doch neben dem- selben ein jedes Gifft auch seine eigene und sonderbahre Cur: Als die Cur der giffti- Cur der Viper Bill gen Vipern Biß/ welche ihren Gifft zwi- schen den Zaͤhnen in Blaͤßlein verschlossen haben/ und solchen Gifft dem Ort mitthei- X iij len/ Ander Theil len/ soll man anstellen mit uͤberlegen der Mixtur von altem Theriack und aq: vitæ, oder anstatt des Theriacks einen Mithridat oder in Mangel derer/ Meerzwiflen/ Knob- lauch/ oder Lauch zerstossen und uͤberlegen. Etliche thun weiters nichts/ als daß sie den Ort waschen und behen mit Eßig/ Saltz und Honig. Sam: Haffenreffer de cut: af- fect: pag: 466. meldet auß Erfahrenheit/ daß die excrementa auß dem Ohr als ein ungvent auff die Viper Biß auffgelegt/ kraͤftig helffen. Item Menschen-Zaͤhne ge- pulvert/ wie auch Menschen-Urin offters eingegeben. Cur der Kupffer- Eydexen. Die Cur der Kupffer-Eydexen welche Sepes genennet werden/ erfodert eben die Mittel/ wie bey den Vipern: Die Zei- chen sind der brennende unaußsprechliche Schmertz/ welcher das Haar außfallen macht/ die Wunde giebt erstlich Blut/ hernach ein stinckend Eyter/ die albereit ver- faulete Oerter werden weiß/ und der gantze Leib voller unflaͤtiger Flecken. Cur der Sa- lamand er. Die Cur der Molchen und Salaman- der/ welche nicht allein den Menschen und Vieh mit ihrem anbeissen beschaͤdigen/ son- dern vergifften auch durch den Speichel und dicken Feuchtigkeiten/ so ihnen auß dem Leibe herauß dringet/ alle Kraͤuter/ Fruͤch- te und Wasser. Man pflegt ein Erbre- chen von den Wunden. chen zuerregen/ den Leib mit Clystiren rei- nigen/ und Theriack/ Mithridat/ Ter- pentin/ Storax und Cypressen-Blaͤtter eingeben. Die Cur der Attern-Biß muß mit obge- Cur der At- ter-Biß. dachten Mitteln verrichtet werden/ kein bessere Huͤlff noch Raht ist/ als daß man das Glied als Zehe oder Finger gar hinweg schneide. Die Cur der Bienen/ Hummel/ Roß- Cur der Ble- nen-Stich. Kaͤfer und dergleichen anlangend/ soll man sehen/ daß man den Angel herauß bringe/ und wo solches nicht zu thun/ den Stich erweiteren: Die Brunkreß zerstossen und uͤbergelegt/ stillet den Schmertzen/ etzliche zerstossen das Thierlein/ und reiben oder be- legen den Ort damit/ auch ist gut dazu: Eßig/ Honig und Saltz/ so warm als mans leiden kan/ uͤbergeschlagen/ wie auch die Milch aus den unzeitigen Feigen. La- zarus Riverius cent: 2. observ: 14, ruͤhmet das Empl: vesicatorium, in welche eine ziem- liche Menge der Spannischen Fliegen sey/ und laͤst solches nur eine viertel Stunde lie- gen/ ziehet in der kurtzen Zeit keine Blaase/ sondern nimpt den Schmertzen gantz hin- weg. Die Cur der Spinnen-Stich/ soll man Cur der Spinnen- Stich. verrichten/ mit Eßig/ so heiß es der Mensch erleiden mag/ den Ort abwaschen/ nach- X iiij mahls Ander Theil mahls gestossene Zwiefel und Knoblauch uͤberlegen/ und einen Schweiß mit Wasser und Schweiß-Bad erregen/ unter allen Mitteln aber hat der Theriack und Mythri- dath den Vorzug. Sam: Haffenreffer de cutis affectibus lehret auff die Stich der Spinnen/ eine gequetztschte Fliege zu le- gen. Cur der ein- genommenen Spanischen Fuͤegen. Die Cur der eingenommenen Spani- schen Fliegen/ soll man im Anfang von den Erbrechungs-Mitteln anfangen/ und die- weil das Brennen des Harns/ der Harn- Blaasen und Maͤnlichen Gliedes verursa- chet wird/ muß solche gemiltert werden/ auch wegen der rothen Ruhr/ welche verursachet wird/ soll man Kuh-Milch zu trincken ge- ben/ oder in einem Clystier beybringen/ und die Versehrung des Magens/ mit Suͤß- Mandel-Oehl heilen. Cur der giff- tigen Saug- Egelen Biß. Die Saug-Egelen/ weil unter ihnen auch gifftige gesunden werden/ soll man/ und sonderlich/ dieselben/ welche sich in morastigen Wasser auffgehalten/ in fri- schem Wasser eine ziemliche Zeit unterhal- ten/ damit sie von ihrer boͤsen Arth moͤgen gereiniget werden/ wann man sie brauchet/ soll man sie nicht mit Gewalt abreissen/ da- mit nicht etwa der Angel darin bleibe/ wel- ches dan aller hand boͤse und unheilsame Ge- schwaͤr erwecket/ sondern nach dem saugen Rosen- von den Wunden. Rosen-Zucker mit bolo und terra sigillata uͤberlegen. 202. Wie kompts/ daß der Mensch durch solches Stechen oder Beissen in- wendig vergifftet wird? Solches Gifft wird durch die Nerven Ursach der Zufall. dem Hirn/ durch die Blut-Adern der Le- ber und durch die Lufft-Adern dem Hertzen zugefuͤhret/ durch welches so viel und man- nigfalte Zufaͤll erreget werden. 203. Was ist zu thun/ wann ei- ne Entzuͤndung in das Glied kaͤhme? Umb den Schmertzen und Entzuͤndung/ Hild: Cent: 1. observ: 87. wann sie nemlich leidentlich/ und nicht zu hefftig/ soll man sich nicht groß-bekuͤmme- ren/ denn ich halte/ bey solchen Geschwaͤren nicht nuͤtzlich zu seyn/ feiste Sachen zu ge- brauchen/ viel weniger aber kuͤhlende und zuruͤcktreibende Artzeneyen: Dann jene ver- hinderen/ daß das Gifft nicht wieder kan ausdaͤmpffen und zertheilet werden/ diese aber treiben das Gebluͤth/ und mit demsel- ben das Gifft gegen den edelsten Gliedern. X v 204. Wie Ander Theil von den Wunden. 204. Wie sind die Haasenschar- ten zu curieren? Man muß mit einem wollschneidenden Zwick-Scherlein die bewachsene Lefftzen und Raͤnder woll beschneiden/ nach diesem zwey oder drey Hefft-Nadeln durch die getheilte Lefftzen durchstechen/ und im Fleisch stecken lassen/ und einen Fadem umb dieselbe win- den/ wie man zu thun pflegt/ wann man eine Neh-Nadel im Kleide verwahret/ und beym Paræo in einer Figur zu sehen/ cap: 26. lib: 20. Man muß auch kleine Polster- lein neben den Lefftzen legen/ damit die zu- sammengezogene Lefftzen desto besser anein- ander bleiben moͤgen; Man muß auch zuse- hen/ damit der Rotz auß der Naasen nicht allein den Fadem faulend mache/ sondern auch daß das junge Fleisch nicht zu naß wer- de welches man verhuͤten kan/ wann man mit unterlegen eines Leders oder bleyernen Blechs dem Unrath einen Gang machet/ und ein Pflaster als ein Daͤchlein uͤberleget/ uͤber welches die Feuchtigkeit rinnen kan/ zu schneller Heilung dienet das ol: carvi, ovorum, juniperi, mit Mastix und Weyrauch ver- mischt. Drit- Dritter Theil der Mund-Artzeney. von Geschwaͤren. 1. Was ist ein Geschwaͤr? E S sind die Geschwaͤr an- Beschrei- bung der Geschwaͤr. ders nichts/ als veraltete Schaden der fleischichten und wei- chen Oerter/ welche etwas von dem Fleisch wegnehmen/ und allewege eine oder mehr Ungelegenheiten umb sich haben/ welche die Heilung verhinderen/ und einen Eyter oder anderen faulen Unrath von sich geben. 2. Was ist fuͤr ein Unterscheid zwischen einem Geschwaͤr und einer Wunden? Sie sind 1, in dem unterschieden/ daß Unterscheid unter einer Wunden und Ge- schwaͤr. die Wunden nur einfache Kranckheiten seyn koͤnnen/ die Geschwaͤr aber haben der Un- gelegenheiten mehr. 2. So kommen die Wunden aus einer euserlichen Ursachen/ die Geschwaͤr aber aus einer innerlichen. 3tens sind die Wunden blutecht und frisch/ die Ge- schwaͤr aber mehrentheils Eytericht und alte Schaden. 4tens sind sie auch unterschie- den in der Cur/ indem die Wunden offt- mahls ohne Eyter/ und bißweilen durch ihre eigene Dritter Theil eigene Feuchtigkeit wiederum vereinbahret werden/ die Geschwaͤr aber haben vielerley indicationes. 3. Was ist fuͤr ein Unterscheid unter den Geschwaͤren? Unterscheid unter den Geschwaͤren selbst. Sie sind in vielen Dingen unterschieden/ als erstlich wegen des Ortes/ in welchem sie sind/ dann die/ so bey den Adern und Arterien/ erfodern staͤrckere trucknende Ar- tzeneyen als die anderen. 2. Sind sie un- terschieden der Form nach/ in dem etzliche rund/ etzliche lang/ etzliche tieff und breit seyn. Vigierius erzehlet 22 Arten der Ge- Zwey und zwantzig Arten der Geschwaͤre. schwere als 1. Ein Geschwaͤr mit einer hitzi- gen unrechtmaͤssigkeit. 2. mit einer kalten Unrechtmaͤßigkeit. 3. mit einer trucknen Un- rechmaͤßigkeit. 4. mit einer feuchten Unrecht- maͤßigkeit. 5. mit einem Schmertzen. 6. mit einer Geschwulst. 7. mit einer Zerqvetzung. 8. mit einem uͤbermaͤssigen Fleisch. 9. mit einer runden Figur. 10. mit Wurmen be- hafftet. 11. mit Krampff-Adern. 12. mit Verderbung der Knochen. 13. mit einer har- ten Schwulle oder callo. 14. mit einer Fi- stel. 15. mit starckem Rinnen und Fliessen. 16. mit starckem und dicken Unflat. 17. mit einem Gestanck und Außfressung. 18. mit einem fast weissem und wasserichten Unflat. 19. einer uͤbelen Art und widerspenstigen Natur. von Geschwaͤren. Natur. 20. einer Krebsmaͤssigen Art. 21. mit einem Kropfmaͤssigen Wesen. 22. Ein tieff holes Geschwuͤr/ welches viel Sinus oder Hoͤlen hat. 4. Was ist die Ursach der Ge- schwaͤr? Die Ursachen sind theils innerlich/ als Ursach der Geschwaͤr. welche auß einer boͤsen Feuchtigkeit/ deren der Leib voll ist/ herkommen/ theils euser- lich/ wann nemlich eine Wunde veraltet/ und nicht baldt zuheilet/ einen Eyter be- kompt/ und zum Geschwaͤr wird; auch koͤnnen solche verursachet werden mit dem Brande/ wie auch brennenden und giffti- gen Artzeneyen. 5. Wie sind alle und jede Ge- schwaͤr zuerkennen? Die Kenzeichen werden zum Theil auß Keñzeichen der Geschwaͤ- re. derselben Simplicitaͤt und einfache/ mehren- theils aber auß ihrer Vermischung/ als son- derlich von der Eßentz und Natur genom- men: Dann die einfache sind mehr nicht als eine blosse Zertrennung des gantzen/ und werden auch von den geringsten Zufaͤllen und Kranckheiten gar nicht begleitet/ wel- che aber noch eine andere Kranckheit/ als etwan eine Entzuͤndung oder Verderbung der Dritter Theil der Beine/ oder boͤse Zufaͤll/ als Schmer- tzen/ Unrechtmaͤßigkeiten und dergleichen/ bey sich haben/ dieselbe werden allesampt fuͤr vermischte gehalten. Endlich hat auch ein jedes Geschwaͤr fuͤr sich selbst seine beson- dere Zeichen wie bey einem jeden insonderheit soll gemeldet werden. 6. Welche Geschwaͤr sind leicht- lich zu curiren? Ein fache Ge- schwaͤr sind leicht zu cu- riren. Die jenige welche einfach genennet wer- den/ und anders nichts als einen einfachen Ort einnehmen/ einen weissen/ gleich-for- migen und glatten Eyter ohne Gestanck zieh- len/ deren Guͤtigkeit fuͤrnehmste Ursach ist/ die gute constitution oder gelegenheit des gantzen Leibes/ die staͤrcke der Natur/ recht- maͤssigkeit des verletzten Orts/ zu sampt der guten Nahrung. 7. Welche Geschwaͤr sind schwaͤr zu curiren? vermischte Geschwaͤr sind schwer zu curiren. Die vermischte/ und welche lange Zeit offen gewesen/ dadurch die Beiner ange- griffen worden; Auch sind die stinckende und aus einem gar unreinen Leibe hersprin- gende/ schwerlich zu heilen. 8. Welche Geschwaͤr sind ge- faͤhrlich? Die/ von Geschwaͤren. Die/ so an einem principahlen Ort sind/ Gefaͤhrliche Geschwaͤr. zu dem auch dieselbige/ welche sehr groß und tieff/ dann in solchen wird nicht allein das Glied geschwaͤchet/ sondern es werden auch die Adern/ Nerven und Arterien zerfressen; Es sind auch die gefaͤhrlich/ welche in den Ruͤcken/ Arm/ Elbogen und Schienbein sind/ auch sind nach Galeni Ausspruch/ die jenige gefaͤhrlich/ welche auß einer hitzigen unrechmaͤßigkeit der Leber und boͤsen Miltzes entstehen. 9. Welche Geschwaͤr sind gantz toͤdtlich? Die/ so in oder vor einer Kranckheit er- Toͤdliche Ge- schwer. wachsen/ sich schnell und gaͤhlichen entfaͤr- ben/ schwartz/ blau oder bleyfarbig/ bleich/ trucken und duͤrr werden/ welches anzeiget/ daß die natuͤrliche Waͤrmbde erloschen/ und die Natur dem Glied seine gewoͤhnliche Nahrung nicht mehr zuschicken kan. 10. Wie sind die Geschwaͤr ins gemein zu heilen? In Heilung der Geschwaͤr/ muß man Gemeine Cur der Ge- schwar. auff des Patienten Temperament/ Alter/ Geschlecht/ gewoͤhnlich Diaͤt und derglei- chen acht haben: Die euserliche Mittel an- langend/ ist dieses das fuͤrnehmbste/ daß Y man Dritter Theil man die feuchte Geschwaͤr vertruckne/ die unflaͤtige der Gebuͤhr nach reinige/ die Hoͤle mit Fleisch wieder erfuͤlle/ die erfuͤllte fol- gends schliesse und heile/ alle Zufaͤll abschaf- fe und vertreibe/ und da etwan eine boͤse Un- rechtmaͤßigkeit zugegen/ dieselbe mit ihrem contrario oder Gegentheil verbessere/ die Schmertzen bestens Vermoͤgens stille/ die natuͤrliche Waͤrmbde vermehre und staͤrckt/ die Ursach des Schmertzens verzehre/ oder dem Glied seine Empfindligkeit benehme/ die vorstehende Entzuͤndung verhuͤte/ oder die allbereit gegenwaͤrtige vertreibe. 11. Was ist fuͤr ein Unterscheid unter einer Aetzung und Reinigung? Aetzung was sie sey. Die Aetzungen werden mit solchen Artze- neyen verrichtet/ welche mit ihrer Schaͤrffe den Ort erfaulen uñ unempfindlich machen/ und so woll das gesunde als das faule Fleisch Reinigung was sie sey. angreiffen: Die Renigung aber geschicht durch solche Mittel/ welche nur allein das faule und ungesunde von dem gesunden ab- ledige. 12. Was ist fuͤr ein Unterscheid zwischen der Zeitigung und Weichung? Die von Geschwaͤren. Die Zeitigungs-Mittel sind die/ welche Zeitigung was sie sey. das allbereit erweichte zu einer Materie und Eyter kochen/ und soll der Zeitigung alle- zeit eine Weichung vorher gehen/ damit die Zeitigung desto besser fortgehe. 13. Wie ist der Schmertz in den Geschwaͤren zu stillen? Den Schmertzen zu stillen/ muß man Schmertzen- stillende Ar- tzeaeyen. solche Mittel aufflegen/ welche wider dessel- ben Ursach streiten/ als wann er auß einer veralteten Entzuͤndung/ oder einer gewalt- samen Ausdehnung geschehen/ so muß man die Materie durch eine beqveme Purgation außfuͤhren/ und also die Geschwulst vertrei- ben/ den Ort zuvor mit warmen Wasser behen/ denn also wird die Haut erweichet/ und von ihrer Ausdehnung entlediget/ nach- mahls muß man den Ort oͤffnen/ Schroͤpff- Kopff oder Saug-Eglen darauff setzen/ damit also die schaͤdliche Materie ausgefuͤh- ret werde. 14. Was gehoͤret zur Wieder- stattung des in dem Ge- schwaͤr verlohrnen Flei- sches? Hierzu gehoͤren zwey Stuͤck/ nemlich 1. Fleischzieh- lende Mittel die wuͤrckliche Ursach/ welche eine beqveme Y ij Recht- Dritter Theil Rechtmaͤßigkeit und complexion des gantzen Leibes und verletzten Gliedes/ denn wo die- selbe starck und vermoͤglich ist/ lest sich auch der gute Safft leichtlich hinzuziehen/ verdauen und in Fleisch verwandelen. Daß andere Stuͤck ist die zum Fleisch ziehlen taͤugliche Materie an ihr selbst/ und selbige ist ein solches Gebluͤth/ so weder an seiner Menge/ noch an der Qvalitaͤt und Eigen- schafft einigen Mangel hat; weswegen man dann dasselbige zuerlangen/ dem Un- flath und Wundschweiß (als welche die- sem intent sehr zu wider) begegnet und ab- schaffet/ und durch trucknende Mittel im ersten Grad so das Geschwaͤr reinigen/ ver- bessert. 15. Was ist ein Wundtmahl oder Narbe? Narbe was sie sey. Die Narbe ist nichts anders/ als eine hingeziehlete Schwule und erhaͤrtetes Fleisch/ an stat der wahren und natuͤrlichen Haut/ doch haͤlt Sennertus davor daß die Haut auch wiederwachsen und zunehmen koͤnne. 16. Wie ist den Narben zube- gegnen. Wie eine Narbe zu machen. Nachdem das Geschwaͤr mit Fleisch er- fuͤllet/ soll man die Narben zu befoderen ein Pul- von Geschwaͤren. Pulver von gebrandt Alaun/ und gebran- ten Vitriol daruͤber streuen/ als die da hefftig trucknen und fast ohne/ oder geringer Scharfe seyn/ also ist auch die Osterlucey- Wurtzel/ Aloes/ gebrand Bley/ gebrandte Rinden von Granatschelfen/ Silber- schaum/ Nichts ꝛc. und welches fast in die- sem fall das beste ist dann alle andere Mit- tel/ nemlich ein Bley-Blech mit ☿ vivo bestrichen und uͤber den Schaden gelegt und ziemlich gebunden. Man muß aber mit den Narbenschliessenden Mitteln nicht so lang warten/ biß das Fleisch aus dem Ge- schwaͤr dem anderen Fleisch gleich gewachsẽ/ sondern eine weile zuvor/ ehe es so weit kom- men/ und wenn noch etwan eine kleine tieffe zugegen ist/ denn indem wir uns/ sagt Avicennas , befleissigen eine Narbe zuver- schaffen/ gebehret die Natur unterdessen Fleisch. 17. Wie ist ein Schwaͤr mit einer Truͤckne zu erken- nen und zu curiren? Solches wird durch den Augenschein Keñzeichen. gnugsahm erkand/ als/ das Schwaͤr ist voller runtzeln/ und giebt keine oder wenig Feuchtigkeit von sich/ ist rauch und hart. Vigierius. Cue deꝛ tꝛuck- nen Geschwaͤ- ren die muͤh- sahmste. Die Cur ist unter allen anderen Geschwaͤ- ren die muͤhsamste/ dann in den anderen Y iij Ge- Dritter Theil Geschwaͤren kan ich denen Unrechtmaͤssig- keiten eben wol zu huͤlffe kommen/ das Ge- schwaͤr aber nichts desto weniger versaͤu- men/ und der Gebuͤhr nach außtrucknen/ aber in diesem Fall laufft eines wider das andere/ und muß alsdann das Schwaͤr verabsaͤumen und nur der Unrechtmaͤßig- keit zu Huͤlffe kommen/ weßwegen man dann den Ort wie Galenus lehret/ entweder mit warmen Wasser/ oder Oehl und Was- ser zusammen/ behet/ so lang biß das her- umbliegende Fleisch roht/ weich und feucht wird/ nach der Behung legt man ein Saͤlb- lein uͤber/ von Schleim auß Gersten/ Paͤp- pel-Blaͤtter in Wasser gesotten/ Schwein- schmaltz und Honig/ zusammen in einen Moͤrsel zerstossen. 18. Wie ist ein Geschwaͤr mit einer Feuchtigkeit zu erken- nen und zu heilen? Keñzeichen. Dieses wird erkandt auß der Menge des Unrahts und der Schwammechten weiche/ des herumbliegenden und uͤberwachsenden Fleisches: dieses nun zu verbesseren muß man trucknende Mittel/ doch nach Gele- Cur. genheit der Menge des Unraths vor die Hand nehmen/ als das Alaun-Wasser/ welches uͤber die Massen trucknet/ saubert und von Geschwaͤren. und den Ort staͤrcket/ die Behung ist auch nuͤtzlich/ welche gemacht wird von rothen Rosen/ Wermuth/ Betohnien/ Wull- kraut/ ein wenig Galloͤpffel und Cupreß- Nuͤßlein/ in unzeitigen sauren Wein ge- kocht/ und den Ort mit gebehet/ nach der Behung das Empl: d. cerusa , oder de cinna- bari oder ein wenig gebrandten Alaun ge- brauchet. Aurelius Severinus in Chirurg: trimemb. p: 49. meldet/ daß er die Harntreibende Mittel mit grossem Nutzen gebrauchet/ da man sonsten so wol mit innerlichen als euser- lichen Mitteln nichts hat außrichten koͤn- nen. Celsus lib. 5. cap. 27. lobet solche auch sehr in den gifftigen Thier-Bissen. 19. Wie ist ein Geschwaͤr mit ei- ner Hitze zu erkennen und zu curieren? Die Zeichen sind die gelbe und rothe Far- Keñzeichen. be/ grosse Hitze/ der Schmertz/ welche mit erkaltenden Mitteln muͤssen verbessert wer- den/ als: mit des Mesuæ Rosen-Salb/ infrigid: Galeni, ungv: popoleon. Die Bin- Cur. den und Polstern netze in Wegbreit-Was- ser/ Nachtschatt-Wasser/ oder in die Mixtur von Essig und Wasser/ auch soll man das erhitzte Gebluͤth/ welches zu der Faͤulung geartet/ durch Schroͤpff-Kopff und Saug- Anmerckung Y iiij Eglen Dritter Theil Eglen heraus ziehen/ und das Glied seiner Last erledigen/ und diese letzte Mittel ver- schlagen in diesem affect mehr/ als alle andere. 20. Wie ist ein Geschwaͤr mit einer Kaͤlte zu erkennen/ und zu curieren? Keñzeichen. Solches wird erkandt/ in dem der Ort kalt und bleich ist/ der Patient auch uͤber die Kaͤlte klaget. Solchem nun vorzukommen/ soll man dem Ort mit folgender Behung zu Cur. Huͤlffe kommen/ als Wermuth/ Wollge- muth/ Chamillen/ Dillen/ Majoran/ Sal- bey/ Roßmarin ꝛc. in alten Wein gesot- ten/ und mit einer rechtmaͤssigen Menge aq: vitæ zur Behung gemacht/ und mit Schwaͤmmen oder Schweinsblasen ange- fuͤllet/ uͤbergeleget: Nach der Behung das Vigierius. Empl: oxicroceum, de meliloto, Isidis, Ni- cotianæ , oder Empl: d. ranis cum vel sine ☿ rio daruͤber legen. 21. Wie ist ein Geschwaͤr zu cu- rieren/ dabey ein Schmertz ist? Wenn derselbe etwa aus einer Unrecht- maͤssigkeit entstanden/ ist schon in vorigen Fragen gemeldet/ wie ihm zu thun. Im Fall von Geschwaͤren. Fall er aber also nicht weichen wolte/ mag Cur durch Narcoticæ. man zu den Narcoticis greiffen/ als welche den Ort gleichsam unempfindlich machen/ nehmlich cataplasmata , gemacht von den Blaͤttern von Alraun/ Seeblumen/ Bil- sen- Kraut/ Nacht-Schatten/ Schierling/ Magsaamen. Item/ der gleichen Oehle mit dem opiò, ungv: popoleo und andere der- gleichen: Wann aber solcher Schmertz von der boͤsen und gifftigen Schaͤrffe seinen Ur- sprung hat/ richtet man mit den anodynis und narcoticis nichts aus/ sondern es wird noch derselbe mehr erreget/ derohalben muß man staͤrckere vor die Hand nehmen/ als das gestaͤrckte ungv: ægyptiacum, und das ol: vitriol: ins Geschwar thun/ welches sehr dienlich/ umb das Glied aber/ soll man er- kaltende Sachen schlagen/ damit nicht durch solche scharffe Sachen der Fluß hinzu- gezogen werde. 22. Wie ist in den wuͤsten und unflaͤtigen Geschwaͤren zu verfahren? Diese erfodern erstlich eine Vorbereitung Cur und Hei- lung. des gantzen Leibes/ nach diesem muß man folgende Behung brauchen/ gemacht von Tausendguͤlden-Kraut/ Johannes Kraut/ Andorn und Eppig/ laß mit einander sie- den/ und zu der durch gesiehenen Bruͤhe/ Y v nim Dritter Theil nim ungv: ægyptiac. und Honig/ mache es zu einer Behung. Anmerckung Zur Reinigung brauch das mundicati- vum de succo apij Hildani, ungv: ægyptiacum magistrale \& c. Allhie ist zuwissen/ daß/ so bald der Unrath auß dem Geschwaͤr ge- bracht/ mit den scharffen Artzeneyen inne zu halten ist/ damit nicht die Fleisch-Ziehlung verhindert werde/ sondern man muß der Natur die Hand biethen/ mit Einstrewung der Pulver von Aloe/ Mastix/ Myrrha/ Silber-Schaum/ antimonio , Entzian/ Gersten-Mehl und dergleichen/ und die complexion des Patienten woll in acht neh- men/ ob Er grob oder zaͤrtlich/ Jung oder Alt. 23. Was sind gifftige/ umb sich fressende und unartige Geschwaͤre/ und wie sind sie zu tractieren? Dysepu- lotica Warumb so schwer zu hei- ten. Diese Geschwaͤr werden von Galeno , weil sie sich schwaͤrlich heilen lassen/ Dysepu- latica genennet/ und werden deswegen schwerlich geheilet/ dieweil entweder das Glied in seiner Gestalt und complexion einen Mangel hat/ und solches die hinzufliessende Feuchtigkeiten verderben/ oder dieweil das Geschwaͤr von wegen des hinzufliessenden unreinen Gebluͤths/ als welches den Ort bena- von Geschwaͤren. benaget/ gar zu feucht wird. Die Cur der- Cur und Hei- lung. selben ist mancherley/ in dem eines das an- der mit seiner Unarth uͤbertrifft/ und muß man nach Gelegenheit der Sachen/ starcke und geringe Mittel erwehlen/ als da sind: Sorey/ Alaun/ ungeleschten Kalck/ Wey- rauch/ Galloͤpffel mit Wachs und Kaͤlber Inschlitt zum Pflaster gemacht/ oder ein Pflaster von Kupffer-Schaum/ Kupffer- Rost/ Lerchen-Baum/ Hartz und Wachs. Man muß aber wissen/ daß man nach Ga- Anmerckung leni Befehl die jetzt gemeldte Pflaster in dreyen Tagen erst herab nehmen muß/ und das Geschwaͤr fein warm dehen/ das Pfla- ster saubren/ und wieder aufflegen/ denn weil die natuͤrliche Waͤrmbde in solchen gifftigen Geschwaͤren sehr verfallen ist/ und durch den Gewalt der unnatuͤrlichen Hitze hefftig geschwaͤchet und gebrochen worden/ muß auch die Artzeney/ soll sie anders ihre Wuͤrckung verrichten/ mehr Zeit und Weile haben; Wann man aber das Pflaster eher herunter nimpt/ verhindert man die natuͤrliche Waͤrmbde in ihrer Ar- beit/ in dem sie sich zu helffen am besten be- muͤhet ist. 24. Wie hat man sich mit den Gebaͤnden/ so zu den Ge- schwaͤ- Dritter Theil schwaͤren gebrauchet wer- den/ zu verhalten? Art des Ge- baͤndes. Die Geschwaͤr/ zu denen man Gebaͤnd oder Binden gebrauchen muß/ belangend/ soll man den Anfang zubinden/ allewegen bey dem Geschwaͤr/ und die Baͤnde also breit machen/ daß nicht allein das Ge- schwaͤr/ sondern auch die nechst herumblie- gende Gegend/ unter und uͤber demselben damit koͤnne begriffen werden: Damit aber die unnatuͤrliche Feuchtigkeit herauß- getruckt/ und das Geschwaͤr also truckner und zurecht gebracht werde/ so muß man zusehen/ daß die Baͤnde weder zu hart noch zu leise angezogen werden: Denn auß dem harten und strengen binden/ wird der Schmertz und Zufliessung der Materie er- reget/ durch das allzuluckere aber des er- wuͤnschten Zwecks verfehlet. 25. Was ist fuͤr ein Unter- scheid unter den Augen- Schwaͤren? Wann die Cornea mit einem engen und kleinen holen Geschwaͤr behafftet ist/ heist es bey den Griechen Botyron , die etwas brei- tere/ und nicht so tieff Cœloma , das umb den Zirckel des Sterns oder Aug-Apffels Arge- mon , die unflaͤtige/ und die oben eine Kruͤste haben/ von Geschwaͤren. haben/ Epicaumata \& c. Wie weitlaͤuffti- ger beym Paul: Æginet: zusehen. 26. Woher entstehen die Oh- ren-Geschwaͤr/ und wie sind sie zu heilen? Sie enstehen entweder von aussen/ als Ursach. etwa durch einen Stich oder Fall/ oder in- nerlich wann ein Apostem daselbst entstan- den. In der Cur muß man sonderlich Cur. auff die vorhergehende Ursach sehen/ als durch welche das Geschwaͤr auffgehalten wird/ und solche durch gebuͤhrende Mittel/ als durch masticatoria und errhina abschaf- fen. Die euserliche Mittel anlangend/ sol- len alle feiste und oͤhlichte Sachen unterlas- sen werden/ als welche das Geschwaͤr un- flaͤtiger machen/ hergegen gebrauchen/ die Zaͤltlein Andronij in Eßig zerrieben/ welche gemacht werden/ von Gallaͤpffel/ Ham- merschlag/ Weyrauch/ Osterlucey/ Alaun/ Myrrha/ sal armoniac: mit Honig-Was- ser zum Zaͤltlein gemacht: Es verbessert auch die Faͤule/ Rinds-Gall in einem scharffen Eßig zerrieben/ und warm in die Ohren gethan. Hartmannus in praxi chy- miatrica lobet in den Ohren-Geschwaͤren parotides genandt das stinckende ol: Gvajaci oder Tartari . 27. Was Dritter Theil 27. Was ist das Naasen-Ge- schwaͤr Ozæna, wo ruͤhret es her/ und wie ist es zu hei- len? Ursach. Ozæna ist ein tieff und stinckend Ge- schwaͤr/ inwendig in den Naasen-Loͤchern/ giebt viel stinckende Krusten und Ruffen von sich: Entstehet auß einem scharffen und faulen Fluß/ so sich von dem Haͤupt daselbst hin umb die processus mammillares Cur und Hei- lung. Innerlich. begiebt. Die Cur anlangend/ soll man dem Patienten starcke und scharffe Speissen verbiethen/ die vorbereitete Feuchtigkeit/ durch eine Purgation ausfuͤhren/ das Haupt austrucknen und staͤrcken/ damit es die zufliessende Feuchtigkeit abtreiben koͤnne. Nachmahls kehre dich zum Ge- schwaͤr selbst/ truckne dasselbige mit einem zuruͤcktreibenden und zertheilenden Mittel Euferlich. fein auß/ als da sind: Der Safft von Granat-Aepffel/ in einem Kupffernen Ge- schier/ biß in die Helffte eingesotten: Oder ein Pulver gemacht/ von rothen Rosen/ Heydelbeer/ Kalmus/ Entzian/ Angelica/ Muscaten-Blumen/ Neglein mit ein we- nig Campffer/ Ambra und Biesem; Offt begiebt sichs/ daß/ wann solche Geschwaͤr veralten/ daß das os ethmoides mit dem osse cribroso angegriffen wird/ da muß man dann von Geschwaͤren. dann die losen Beiner nicht mit Gewalt her- auß reissen/ sondern solches der Natur be- fehlen/ und mit Vitriol/ Kupffer-Rost/ sal armoniac und Alaun mit Eßig ver- mischt/ begegnen. Siehe davon ein meh- rers. Fabritius Hildanus cent. 2. obs: 22. Aquapendens trucknet solche Naasen-Ge- schwaͤr mit einem gluͤenden Eisen durch ein Rohr fein mehlig ohne Schmertzen auß. 28. Was ist das Mund-Ge- schwaͤr so Aphtha oder die Schwem̃e genandt wird? Solches Geschwaͤr ist den jungen Kin- dern gemein/ die fuͤrnehmste entstehet offt- mahls an dem Zahnfleisch/ und erstrecket sich durch den Rachen/ zu dem Zaͤpflein/ Schlund/ und durch den gantzen Mund: Galenus unterscheidet sie in zwey Arten/ de- Zweyerley Schwemmt. ren die eine/ als welche den Kindern durch die scharffe Milch der Saͤugammen verur- sachet worden/ leichtlich zu heilen sey: Die andere aber/ als die aus einer hinzufliessen- den boͤsen und gifftigen Feuchtigkeit ent- springen/ schwerlich und muͤhsam zu heilen. Den alten soll man alle scharffe Speisen ver- bieten: Sinds junge Kinder/ soll man den Saͤugammen erkaltende Speisen zu essen geben/ die Milch temperiren und maͤßigen/ den Dritter Theil den gantzen Leib/ und sonderlich die Bruͤste/ mit warmen Wasser behen. Cur und Hei- lung. Wann das Geschwaͤr boͤser Arth/ so be- ruͤhre es ein wenig mit dem cap: mort: von aq: fort : oder ol: vitriol. ol: sulphuris \&c . Die schlechten koͤnnen woll mit dem diamo- ro oder dianuco geheilet werden; Man kan auch ein Mund-Wasser von Gerst/ Wege- rich/ Steinfahrn/ Odermennig ꝛc. kochen/ und mit Rosen-Honig und Brombeer- Safft anmachen. Wann aber solche Ge- schwaͤr ihren Ursprung von den Frantzosen haben/ muß man die Cur darauff richten. 29. Wie ist ein Mandel-Ge- schwaͤr zu curiren? Mit solchem muß man nicht/ wie mit anderen Geschwaͤren verfahren/ sondern mehrentheils mit Saͤfften und Mund- Wassern zu huͤlffe kommen; Als wann sol- ches mit Rosen-Honig/ Maulbeer-Safft/ oder Safft von unzeitigen Trauben gereini- get worden/ lest sich solches desto besser/ mit der Artzeney von Galloͤpffel/ Federweiß/ Honig/ oder mit den Trochicis Andronil vertrucknen. 30. Was ist zu thun/ wann ei- ner eine Blase am Zaͤpflein haͤtte? Das von Geschwaͤren. Das Zaͤpflein wird sehr bald entzuͤndet/ und folgens auff mancherley weise versehret; Wann es allein inflammi ret ist/ hat man sich solcher Sachen zu gebrauchen/ welche die Feuchtigkeit zuruͤcke treiben/ denn es ist eine weiche Substanz , zu den Fluͤssen sehr ge- neiget/ und immer feucht/ und bleiben die Artzeneyen nicht auff ihn. Man muß den Cur und Hei- lung. Leib purgieren/ eine Ader lassen/ und das Zaͤpflein entweder mit spirit: vitriol: und mel rosarum vermischt/ bestreichen/ oder eine Artzeney von mirrh, alum: rochæ, traga- canth, terra lemnia mit Honig gebrauchen/ auch das rob: nucum mit alumine usto ver- mischt/ ist sehr dienlich dem klaren Zaͤpflein. 31. Was ist Angina die Braͤu- ne und Hals-Geschwaͤr/ wie vielerley ist sie/ wor- von wird sie verursachet/ und curiret? Die Angina ist eine Entzuͤndung und Ge- Hildan: in intract: pe- culiari de Angina. schwulst der Musculen des Halses/ wie auch des Obertheils der Lufft-Roͤhr/ des Schlunds/ der Zungen und auch des Ra- chens/ ist fuͤrnehmlich zweyerley/ als erst- lich/ die aus hitziger Feuchte und Bluth ent- stehet/ und Angina vera genand wird/ bey welcher allezeit ein Fieber. Zum andern Z die Dritter Theil die aus kalter pflegmatischer Feuchte her- kompt und angina notha genandt wird/ ist auch nicht so gefaͤhrlich als wie die andere. Euserliche Ursachen. Ihre Ursachen sind eusserlich und viele/ Als nehmlich: Wann man in gar zu heisser Lufft gar zu starck trincket/ oder sehr hitzige und gewuͤrtzte Speisen isset/ oder den Ra- chen und die Zunge brennt/ daß Blasen auffschiessen/ oder wann der Leib mit boͤser Feuchte beladen/ alßdann folget Hitze und Braͤune darauff. Auch kompt solche/ wann im Halse entweder Fischgraͤd/ Beinlein/ oder dergleichen stecken blieben/ oder wann der Chirurgus zu einem geringen Fluß/ ein hitziges Zaͤpflein-Pulver braucht/ oder gleich im Anfang der Kranckheit des Hal- ses/ alsobald die Ader unter der Zungen laͤst/ durch welches das Blut und Feuchte mehr herbey gezogen wird/ und offt eine toͤdliche Braͤune folgt/ und sonderlich/ wann die Braͤune die inwendige Musculen angegrif- fen/ da sich dann der Halß verschleusst. In- Innerliche Ursachen. nerlich aber enstehet sie mehrentheils vom Blut und der Gallen/ wiewoll anch biß- weilen von einer kalten zaͤhen und pflegma- Cur und Hei- lung. tischen Feuchte. Die Cur anlangend/ soll man den Patienten alsobald Clystier ge- brauchen/ den Weibern/ wann die menses verstopfft/ die saphænam , den Maͤnnern/ welchen die hæmorrhoides geflossen/ die Spor- von Geschwaͤren. Spor-Ader oͤffnen/ oder sonsten eine Ader am Arm/ und wann solches Gebluͤht abge- zogen und derivi ret/ soll man des andern Tages die Ader unter der Zungen lassen/ da- mit man das schon zugeflossene boͤse Gebluͤht außlasse/ aber die Binden mit welchen man in lassung der Braͤun-Ader den Halß zu wuͤrgen pfleget/ unterwegen lassen/ welches noch mehr boͤses hinzu ziehet. So fern Er etwas einschlucken kan/ soll man Ihm ein Purgier-Traͤncklein eingeben/ wofern nicht/ des Tages zweymahl Clystier gebrauchen; Und weil offtermahls der Patient keine Speise hinunter bringen kan/ die intestina crassa aber gleichfals mit den venis lacteis begabet sind/ (wie mein Præceptor, Petrus de Marchettis, Professor zu Padua deutlich gewiesen) als kan man den Patienten nach dem die excrementa durchs Clystier heraus gebracht/ auch ernehrende Clystier beybrin- gen/ daß also ein Chylus der Leber/ oder wie die Recentiores wollen/ dem Hertzen zuge- fuͤhret werde/ dadurch dann der Patient/ wie vorgestelter Doctor offt practisi ret/ viel tage kan genaͤhret werden/ biß er selbsten essen kan. Wann aber der Patient in Ge- Hand-Cur. fahr der Erstickung gerathen/ muß man die Eroͤffnung der Lufft-Rohren/ als in diesem gefaͤhrlichen Zustand ein bewehrt und au- genscheinliches Huͤlff-Mittel vor die Hand Z ij neh- Dritter Theil nehmen/ welches die Lateiner Bronchotomen oder Tracheotomiam nennen wie solche se- ction aber soll verrichtet werden/ kan gesehen werden bey Thoma Fieno, item in Tractatu de Bronchotome Monavii und Armamenta- rio chirurgico Sculteti , in welchem es auch in deutscher Sprach mit ihren Kupffern/ deutlich zu finden. Wann aber die Ge- schwulst nicht so gefaͤhrlich/ kan man ein zer- theilendes Mund-Wasser gebrauchen/ von zerstossener Gersten/ flor: rosar, herb: plan- tag, schabios, balust , in Wasser gesotten/ und syr: rosar : und diamorum dazu thun: In den anderen Tagen soll man das Mund- Wasser veraͤnderen/ und es machen von herb: \& flor: violar, scabios chamomill, passul: min, fic: pingv, liquirit, sem: fœn: græci syr: violar , und diamorum. Hiemit soll sich der Patient ohn unterlaß gurgelen oder spruͤtzen lassen/ auch waͤre gut/ ein Zaͤltlein von dem trochisc: diatarg: frigid: unter der Zung im Mund zu halten; Euserlich ein erweichend und linderung-Saͤlblein/ gemacht von ungv: alth, ol: lilior: alb, amygd: dulc, ol: ovorum, axungia human, anserin, \& c. den Halß und Genick mit geschmieret/ und ein cataplasma von mica pan: tritic, rad: altheæ, lilior: albor, sem: fœn: græc, lini in Milch ge- sotten/ hernach hinzuthun ol: amygd: dulc, lilior: alb: croc, vitell: ovorum. Wann aber das voͤn Geschwaͤren. das Apostem innerlich im Hals zeitig wor- den ist/ soll man es mit einem beqvemen In- strument oͤffnen/ nach der Oeffnung ein Mund-Wasser bereiten/ so da reiniget und heilet/ als hord, flor: rosarum, scabios , mit mel : rosarum vermischt; Wann eine Faͤu- lung da/ das ungv: ægyptiac dazu mischen. 32. Worbey ist zu spuͤren/ daß sich die Materie resolvie ren und verschwinden wolle? Solches wird erkandt/ wann dem Kran- Keñzeichen. cken das Fieber verlaͤst/ derselbe besser reden/ schlucken/ athemen und sanfft schlaffen kan/ und sich der Schmertz den meisten Theil verlohren hat/ als dann muß man durch resolviren de und zertheilende Mittel/ der Natur die Hand biethen. 33. Wie ist ein Zahn-Geschwaͤr zu curieren? Solches wird wie andere Geschwaͤr im Cur und Heilung. Mund geheilet/ wo aber eine Faͤule zu ge- gen/ hilfft man derselben mit dem ungv: agyptiaco , welches nach Beschaffenheit des Geschwaͤres und des Patienten/ mit dem mel rosarum kan temperieret werden. Wañ aber das Bein des Kiefers angegriffen/ muß man den Ort erweitern/ und was an dem Z iij Bein Dritter Theil Bein verdorben/ mit denen dazu gehoͤrigen Instrumenten/ (welche so woll in Johann Andreæ de Cruce guͤldener Werckstelle/ als auch in dem Armamentario Chirurgico Scul- teti koͤnnen gesehen werden/) hinweg neh- men: Spuͤhret man aber/ daß eine Ver- derbung einer Zahn-Wurtzel verhanden/ muß man selbige herausziehen. Endlich pflegt man solche Geschwaͤr und verderbt Zahn-Fleisch mit der gesottenen Bruͤhe von rothe Rosen/ Heydelbeer und Myrrha/ mit Rosen-Honig vermischt/ oder mit der Tinct: gummi lacoæ Mynsichti zu verbessern und zu heilen. Auch ist nicht allein in die- sem affect , sondern auch in der Mund-Faͤu- le dienlich die tinctura florum balaust: \& tor- mentillæ. 34. Was ist zu thun/ wann einer einen Fluß zwischen zween Zaͤhnen haͤtte/ der Backen ihm schwuͤlle/ auch auffbraͤche/ der Fluß aber sich weder stillen/ noch der Backen heilen wolte? Mit solchem Schaden ist sorglich zu handeln/ dieweil es im Gesicht/ weswegen man nicht recht mit ihm umbgehen kan/ wie an einem anderen Ort/ doch muß man/ nach von Geschwaͤren. nach dem man Ihm eine beqveme Diaͤt vorgeschrieben/ purgieret und Adergelas- sen/ auff den Grund des Geschwaͤrs sehen/ und mit einem Wund-Eisen erforschen/ ob nicht etwa das darunterliegende Bein an- Cur und Hei- lung. gegriffen und verderbet sey/ welches man abnehmen kan/ wann man etwas rauhes und unebenes spuͤret/ oder wann etwa ein schwartzbraunes verderbtes Fleisch das Ge- schwaͤr bedecket/ und die haͤuffige Materie einen boͤsen Geruch und Farbe von sich gie- bet. Wann nun ein solch verdorbenes Bein/ wie leichtlich zuerachten/ gespuͤret wird/ so soll man solches Geschwaͤr entwe- der mit einem Schnitt oder Qvel-Meissel von Entzian erweiteren/ da man dann also bald die corruption des Beines betrachten soll/ ob solche nur gering und ausserhalb/ denn dieselbe kan mit einer geringen Auß- Durch In- strumenta. trucknung oder Radierung/ biß auff das feste Bein/ daß es blutet/ (welches dann ein Zeichen eines gesunden Beines ist/) ge- hoben werden; Wann aber das verdorbe- ne Bein gantz duͤrr/ muß man solches ent- weder mit Stem-Meissel wegschaffen/ oder mit einem gluͤenden Eisen brennen/ doch hat solches in anderen Gliedern mehr statt/ als im Gesicht/ und muß allhie be- scheidendlich umbgegangen werden/ und wann die Instrumenta nicht statt haben/ die Z iiij medi- Dritter Theil medicamenta vor die Hand nehmen/ wie- woll solche langsahmer etwas außrichten/ als da sind: gebrandte Hunds-Bein/ ge- brandt Hirschhorn/ Elffenbein/ Hecht- Kiever/ Osterlucy/ Kupffergruͤn/ hermo- dactili, aloe , Fichten-Rinde/ alum: rochæ , Bilsen- und Feigen-Blaͤtter/ auß wel- chen allerhand composita koͤnnen gemacht werden. 35. Was ist zu thun/ wann/ nach dem ein Zahn ist auß ge- brochen/ die Lucke sehr blutet? Ursach. Dieses pflegt am meisten zu geschehen/ wann die Zaͤhne an die Lade des Kinba- ckens angewachsen/ im heraußziehen aber ein stuͤcklein vom Kinbacken mit gehet/ wel- ches dann mit seiner schaͤrffe das Zahn- fleisch/ und die darin befindlichen arteriolas oder venas zerreisset/ worauß dann leichtlich ein starckes bluthen kan verursachet werden/ Cur und Hei- lung. worzu dann ein Bluth-stillungs-Pulver von mastic: oliban : farin: volatil. \&c. ge- brauchet werden kan/ zugleich aber muß mit einem Finger/ das Bluthstillungs-Pul- ver/ mit Baumwollen angefuͤllet/ ange- drucket werden/ und so lang darauff gehal- ten werden/ biß es stehet/ dann ohne das drucken/ das Pulver nicht fruchten kan. Auch koͤnnen kuͤhlende Außspuͤlungen mit lap: von Geschwaͤren. lap: brunellæ gebrauchet werden: Die Tinct: florum balaustiæ , wie auch die Tinct: mart: astringens Mynsichti ist auch sehr nuͤtzlich/ mit einer Baumwollen auffgelegt. 36. Was ist die Ursach der Ge- schwaͤꝛ des Schlundes/ Luft- und Speißroͤhr/ item des Magen-Schlundes und der Gedaͤrme? Die Ursachen sind/ entweder eusserlich/ Paræus. als etwan schraffe Artzeneyen/ Gifft und dergleichen: Oder innerlich/ als da sind/ die boͤse unartige und benagende Feuchtig- keiten. Wann ein solches Geschwaͤr im Ursach und Keñzeichen. Schlund oder in der Lufft-Roͤhre/ empfin- det der Patient in dem Einschlucken oder Athemen einen Schmertz/ solcher aber ist viel groͤsser und unleidlicher/ wann das Ge- schwaͤr im Magen-Mund/ dann es er- zeigen sich groͤssere Zufaͤll/ als Ohnmach- ten/ Widerwill/ Eckel vor der Speise/ biß- weilen auch Erbrechen: Wann aber die Daͤrme angegriffen sind/ giebet der Krancke viel Eyter durch den Afftern von sich. 37. Wie sind solche Geschwaͤr alle zu heilen? Die Cur dieser Geschwaͤr/ wird mehr Cur und Hei lung. Z v durch Dritter Theil durch den Gebrauch der Speisen und Ge- traͤnck/ als durch Artzeney geheilet. Die Mittel so zu den Geschwaͤren des Schlun- des und der Lufft-Roͤhr gebrauchet werden/ sollen etwas zaͤh und klebricht seyn/ und offt und fein gemach in den Halß hinunter ge- lassen werden: Zu der Abwaschung und sauberung ist nichts besser/ als der rohe und ungesottene Honig/ zur endlichen Heilung aber/ den Tragant mit einem ein- und zu- sammenziehenden Wasser vermischt. In den Magen-Mundes-Geschwaͤr muß man alle das Scharffe meiden/ und sich des Zuckers/ mit Gersten-Bruͤh vermischt/ ge- brauchen/ auch der Gelatina mit zerlassenen Tragant und bolo armeni , wie auch der ge- sottenen Bruͤhe von Pflaumen/ Dattlen/ Feigen/ item Kuhmilch mit etzlichen Eyer- dottern und Honig gesotten: Die endliche Heilung aber verrichten/ mit den jenigen/ so ohn alle scharffe ein- und zusammen ziehen/ als: Der Safft von hypocist. Wild-Gra- nat-Bluͤt/ Terra Sigil: acacia , die Bruͤh von Qvitten/ die Blaͤtter vom Mastix- Baum und dergleichen. In den Ge- schwaͤren der Daͤrme dienet der Honig mit anderen Artzeneyen/ wie vor gesagt/ treflich woll/ nur dieses ist zu mercken/ daß die duͤn- nen Daͤrme durch den Mund/ die dicken aber durch Clystier muͤssen curiret werden. 38. Was von Geschwaͤren. 38. Was ist die Ursach der Ge- schwaͤr der Nieren und der Harnblasen? Solche entstehen entweder auß dem Ge- Ursach. brauch scharffer Speisen/ Getraͤnck/ Ar- tzeneyen/ Spanischen Muͤcken ꝛc. oder auß versamlung und durchfliessen einer scharffen Feuchtigkeit/ oder wann etwa ein innerlich Apostem gerissen und auffgebrochen und zu einem Geschwaͤr worden. 39. Muß man in diesen Ge- schwaͤren starck oder ge- lind purgieren? Man soll vielmehr durch Clystier/ als durch starcke Purgationes/ den Leib offen halten/ denn durch das Purgieren werden die Feuchtigkeiten auffruͤhrisch und bewegt/ und selbige zu den Nieren Harnblasen destomehr getrieben. Vigierius meldet/ daß die vomitoria zuweilen statt haben/ dadurch werden die humores zuruͤcke gezogen. 40. Wie ist der Ort des Ge- schwaͤres in der Harn- Blaase zu erkennen? Die Geschwaͤr der Harnblaasen sind ent- weder in desselben Untertheil und Bodem/ oder Dritter Theil oder in dem Eingang. Der Schmertz im Untertheil wehret fast immerdar/ so lang das Geschwaͤr ungeheilet bleibet/ und giebt gleichsam einen Schupechten Unraht und kleine Haͤutlein im Harnen von sich/ im Obe- ren aber ist der Schmertz so lang der Krancke seinen Harn abschlaͤgt/ auch wehret der Schmertz eine kleine Weile hernach/ und ist die Schaam fast immer zu auffrecht und starricht. 41. Warum sind die Geschwaͤr des Bodems oder Unterthei- les der Harnblasẽ unheilsam? Geschwaͤr des Bodens der Harnbla- sen unheil- sam. Solches geschicht von wegen ihrer Span-adrigen und Blut-losen Substantz/ und dann auch/ dieweil sie von der schaͤrffe des Harns ohn unterlaß benaget/ und alle- zeit wiederumb frisch gemacht werden/ sinte- mahl auch nach dem harnen etwas von dem Harn in der Blaase uͤbrig auff dem Bodem bleibet. 42. Wie sind diese Geschwaͤr zu heilen? Die Cur anlangend/ soll man/ wie ge- sagt/ dem Patienten offt Clystiren/ zur Reinigung und Saͤuberung ihm alle Mor- gen ein Traͤncklein eingeben/ gemacht von Suͤß- von Geschwaͤren. Suͤßholtz/ Sauerampff-Wurtzel/ Peter- sielgen-Wurtz/ in Gersten-Wasser gekocht/ und nach Galeni Befehl allezeit etwas von Honig und Harn-treibenden Sachen hinzu thun/ oder von des Gordonii Zeltlein/ wel- che gemacht werden von den 4. Sem: Frigi: major: Qvitten/ gum. arabic . Zierbelnuͤß und Pimpernuͤßlein/ suͤß Mandelen/ bolo armeni, sangv: dracon . Rosen und Myr- rhen/ mit Honig Wasser angemacht: Die- ses ist zu mercken/ daß man zu der Blaasen Anmerckung. zugleich auch von den obgedachten Zeltlein Clystier machen/ und in die Blaase spruͤtze. Den Schmertzẽ zu stillen/ thut trefflich woll/ das außgepreste Oehl von Bilsenkraut: Umb das Gemaͤcht/ kan man schmertzen stillende cataplasmata und Saͤlblein gebrauchen/ und wann das Geschwaͤr einen Gestanck hat/ etwas von dem ungv. ægypt . mit Wein oder Wegerich-Wasser/ oder Rosen-Wasser zerlassen/ unter das Spruͤtz-Wasser mi- schen. 43. Wann einer ein Geschwaͤr am Elbogen haͤtte/ so weit hol und hitzig/ auch die Beiner angelauffen und schwartz waͤren/ wie ist ihm zu helffen? Die- Dritter Theil Joh: And: à Cruce. Die Gelencke/ als in welchen unterschied- liche Beiner zusammen kommen/ werden offt und viel enttzuͤndet/ und wo solchen kei- ne rechte Pflege geschicht/ werden sie auch mit holen Geschwaͤren/ einer boͤsen Art be- hafftet; Ist derowegen von noͤthen/ daß man den Eingang weit offen erhalte/ fol- gends den inwendigen Busem mit der Mix- tur von Honig und Wein/ oder mit einer lauteren Lauge und Honig allein/ reinige/ und laulecht hinein spruͤtze; Damit es sein Geschaͤfft verrichte/ soll man das Loch eine weile zustopffen/ oder das Spruͤtz-Wasser mit dem ungv: ægyptiac , Rosen-Honig und dergleichen verstaͤrcken/ die angelosfene Bei- ner zu recht bringen/ wie in den Bruͤchen der Hirnschal/ auch in der 34sten Frage die- ses Theils gemeldet worden. Wann ein hartes/ schwulichtes oder callosisches We- sen sich erzeiget/ bringt mans mit dem woll abgesuͤstem præcipitat, ungv: ægyptiac , oder spirit: vitrioli hinweg/ und hilfft ihm mit dem ungvento aureo oder fusco wieder zu sei- nem verlohrnen Fleisch. 44. Worvon kompt der Wurm am Finger/ und wie ist er zu curieren? Wiewoll diese Frage in dem ersten Theil der von Geschwaͤren. der 49sten Frag beantwortet worden/ und zur Gnuͤge/ dessen Ursach und Heilung dar- gewiesen/ kan man doch dieses hinzuthun/ daß sonderlich den Schmertzen stillet/ der Schleim von Floh-Kraut-Saamen/ mit Eßig extrahieret/ und ein wenig opium dar- zu gethan. 45. Von wannen kompt das Rohr-Geschwaͤr? Wiewoll etzliche dafuͤr halten/ es sey der Beschret- bung. Saamen-Fluß Gonorrhæa , und die giffti- gen Harn-Winde oder das Rohr-Ge- schwaͤr ein Ding/ so weisets doch der Au- gen-Schein/ daß das Rohr-Geschwaͤr kei- nen Saamen/ sondern viel mehr einen gel- ben/ schwartzlechten/ blutigen und stincken- den Wund-Schweiß von sich giebet/ mit welcher Schaͤrffe er den Harngang durch- naget/ und ein Geschwuͤr verursachet/ wel- ches fuͤrnehmlich drey Ursachen hat/ in dem Drey Ur- sachen. zum 1. der Mensch mit Blut uͤberfuͤllet ist/ oder sich des Beyschlaffs enthalten/ die außfuͤhrende Krafft des Saamens fast schwach/ und solchen außzufuͤhren/ nicht vermoͤglich/ der Saame aber in den Druͤß- lein prostatæ genandt/ sich entzuͤndet. 2. Ge- schicht solches durch die Außleerung/ in dem man sich des Beyschlaffs unmaͤßig ge- brauchet/ durch welches die oͤhlichte und an- geboh- Dritter Theil gebohrne Feuchtigkeit der vorgemeldten Druͤßlein/ welche sonst den Harngang be- feuchten und schlupfrig machen/ gantz und gar erschoͤpfft wird. 3. Kompt solches auß der Ansteckung/ durch den unreinen Bey- schlaff von solchen Weibern/ welche entwe- der von einem andern kurtz zuvor angesteckt/ oder mit dem weissen Fluß behafftet seyn/ oder verborgene Geschwaͤr in der Schaam haben: denn durch das starcke erhitzen/ wird solches Gifft mit dem Maͤnlichen Glied an sich gezogen/ welches/ wann es in den Druͤßlein verschlossen/ erreget es eine Entzuͤndung und Geschwaͤr/ aus welchem der gifftige Eyter herauß rinnet/ und die gifftige Harn-Winde verursachet/ und wann solches lang wehret/ begeben sich die Daͤmpffe zu den fuͤrnehmbsten innerlichen Gliedern/ und verursachen auch endlich gar die Frantzosen Kranckheit. 46. Wie ist dem zu helffen/ der das Roͤhr-Geschwaͤr hat? Cur ung Hei- lung. Anfangs muß man sich befleißigen den Schmertzen zu stillen/ und die Entzuͤndung zu loͤschen/ als nemlich ein Spruͤtz-Wasser offt und vielfaͤltig gebrauchen/ welches gemacht ist/ von Floͤh-Kraut-Saa- men/ Lattig/ weiß Mag-Saamen/ Wegrich/ Qvitten-Kern und Bilsen- Kraut- von Geschwaͤren. Kraut-Saamen/ von welchen ein Schleim wird ausgezogen/ mit Nacht-Schatt- und Rosen-Wasser/ und die trochisci de cam- phora Rhasis in kleiner Qvantitaͤt hinzu ge- than: Ausserhalb das ungv: infrigid: Ga- leni c. camphura umb das gantze Gemaͤcht und Glied gelegt. Das Geschwaͤr aber abzuwaschen und zu reinigen/ nim der einfa- chen Mixtur/ von Wasser und Honig/ Syrup von duͤrren Rosen und Wermuth/ mische es zum Spruͤtz-Wasser/ item die essentiam aristolog: rotund: mit aq: plan- tag: und Rosen-Honig vermischt; Wann dieses zu schwach/ thue von dem ungv: ægy- ptiac etwas hinzu; Das Geschwaͤr außzu- trucknen/ nim Loͤsch-Wasser/ wild Gra- nath-Bluͤth/ Cupressen-Nuͤßlein/ Syrup von Rosen und Wermuth/ mache ein Spruͤtz-Wasser. In Manglung eines Medici, kan man nach Vigierii Rath in- nerlich die emulsiones, julapia und opiata ge- brauchen/ und wann die Hitze gedaͤmpffet/ und das Beissen und Jucken ein Ende hat/ den Terpentin mit pulv: von rhabarbara gebrauchen. Die Purgations muͤssen nicht hitzig seyn/ uñ ist sondeꝛlich dienlich der ☿ rius præcipit: viridis, welcher von Hartmanno in praxi chymiatrica pag: m: 212 beschrieben wird. 47. Wie ist dem zu helffen/ A a wann Dritter Theil wann einer das Roͤhr-Ge- schwaͤr uñ gꝛossen Schmeꝛ- tzen dabey haͤtte/ und nicht harnen koͤnte? Es geschicht offt/ daß die Patienten die Zeit ihres Lebens mit solchen giffti- gen Harn-Winden geplagt werden/ und wann sie verwarloset/ die Zeit ihres Le- bens unheilsam dleiben/ wann aber eine Verstopffung des Harns dazu kompt/ wel- ches geschicht/ wann die Druͤßlein prostatæ verschwollen/ und der Eingang der Harn- Blaas sehr entzuͤndet/ ists ein Zeichen des nahenden Todes/ den man mit dem cathe- tere nicht woll helffen kan. Im harnen aber den Schmertzen zu stillen/ soll man das Wasser-Glaß oder Nacht-Scherben voll Milch oder warm Wasser fuͤllen/ das Maͤnnliche Glied hinein hengen/ und also Cur. das Wasser lassen. Die Beschwaͤrde des Harns/ wird in Abschaffung der Ursachen curieret. Innerlich soll man Gersten- Wasser geben/ mit Rosen- und Violen- Safft/ die purgierende Sachen meiden/ hergegen die laxirende/ kuͤhlende und erwei- chende erwehlen/ als: Die Mannam, Cassiam und Thamarint: auch die Milch von den erkaltenden Saamen mit Myr- then-Safft. 48. Was von Geschwaͤren. 48. Was ist Varix, worvon wird sie verursachet/ was sind die Kennzeichen/ und wie werden sie curieret? Varix ist eine Erweiterung und Verwi- Beschꝛelbung und Ursach. ckelung der Blut-Adern/ sie pflegen an vie- len Orten des Leibes zu entstehen/ fuͤrnehm- lich aber an den Hufften und Schenckeln: Ihre Ursach ist ein Melancholisch Gebluͤth/ auch geschehen solche den vollbluͤtigen schwangeren Weibern/ wegen verstopffter Monat-Zeit: Sie werden durch ihre wei- te/ breite und dicke Geschwulst und Farbe gnugsam erkandt. Die Cur betreffend/ Cur und H ei- lung. soll man sich bey den alten Krampff-Adern nichts unterfangen/ den man giebt nur An- laß zur Wiederkehrung des Melancholi- schen Gebluͤths/ zu den vornehmen Glie- dern; Doch kan man das melancholische Gebluͤht aus den varicibus durch eine Ader- laß abhelffen/ dafern aber solches nichts thun wolte/ kan man die verwickelten Adern unten und oben zubinden/ und was zwi- schen zweyen Baͤnden ist/ gantz herauß schneiden. 49. Woher haben die Geschwaͤr der Gebaͤhr-Mutter ihren Aa ij Ur- Dritter Theil Ursprung/ und wie sind sie zu curieren? Ursach. Solche entstehen/ entweder auß den hin- zugeflossenen Feuchtigkeiten/ so mit ihrer schaͤrffe die Haͤutlein benagen/ oder etwa auß einer Geschwulst/ welche zu einem Apo- stem worden/ oder auß einer harten und Keñzeichen. muͤhsamen Geburt. Sie werden fuͤrnehm- lich erkandt durch den Schmertz/ durch die Weite zwischen dem Gemaͤcht und Afftern/ wie dann auch auß dem Eyter und Wund- schweiß/ so von dem Gemaͤcht herauß fleust. Cur und Hei- lung. Die Cur anlangend/ ist solche einerley mit den Geschwaͤren des Mundes/ als cap: mort: von dem aq: fort, vitriol- oͤhl und der- gleichen/ auch kan man Clystier einspruͤtzen/ gemacht von Gersten-Wasser/ Schwertel- wurtz/ Wegrich/ Wermuth/ Tausend- guͤlden-Kraut/ und Rosen-Honig und Wermuth-Syrop dazu thun: Wider den boͤsen Geruch kan man das ungv. ægyptiac. hinzu thun; wann solches gereiniget/ kan mans mit Wegrich-Wasser/ Alaun und ein wenig Victriol zu heilen. 50. Was ist der Grind oder die Raͤude? Beschrel- bung. Die Raͤude oder Kraͤtze ist ein beissender ansteckender Gebrech der innerlichen Haut/ in von Geschwaͤren. in welcher viel feuchte oder trockne Blaͤter- lein auffschiessen/ da dann auff die feuchte etwa eyterige Geschwaͤrlein/ auff die truckne aber ein hefftiges und unleidliches Jucken/ mit vielen kleinen Schuppen erfolgen/ welche auch schwerer zu heilen ist/ als die Feuchte. 51. Was ist fuͤr ein Unterscheid unter dem Aussatz und Grind? Der Grind nimpt nur allein die eusserste Unterscheid. Haut ein/ erreget daselbst kleine Schuppen/ Jucken und unebene: Der Aussatz aber macht die Haut fast rauch/ erreget noch ein groͤsser Jucken/ verschmeltzet den Leib/ hat tieffere und runde Schuppen/ welche end- lich das gantze Glied einnehmen/ und nach- mahls mit grossen Gestanck abfallen. 52. Wie unterschiedlich ist der Grind? Der Grind ist dreyerley als 1. der Feuch- Dreytrley Grind. te/ wann nemblich das Gebluͤth verfaulet/ und auf der Haut hin und wieder viel Blaͤt- terlein eines duͤnnen Wassers erreget. 2. Der Truckne/ welcher entstehet auß einer nitro- si schen und gesaltzene Feuchtigkeit/ auß wel- cher auch das hefftige Jucken entspringet/ A a iij und Dritter Theil und erreget viel kleine Schuͤplein. 3. Der Erschworne auß den verbrandten Feuchtig- ten/ und solcher ist boͤser Art/ wird auch sehr leicht in boͤse Flechten und Aussatz ver- wandelt. 53. Wie ist den Zittrisen und Flechten an Haͤnden und Fuͤssen zu wehren? Ursprung. Dieses ist auch ein Gebrechen der Haut/ welcher rauch machet und ein Jucken erre- get/ nimpt offt das gantze Gesicht ein: Kompt auß einer scharffen/ subtilen oder auch etwan auß einer verbrenten dicken oder groben Feuchtigkeit her/ hat eine flache und runde Rauhe/ in etwas erhoben sonderlich Cur und Hei- lung. am Ende. Die Cur anlangend/ so erfo- dert sie eine gantze evacuation oder Reni- gung des Leibes/ als etwa purgieren und Aderlassen/ nach welchem man dann zu de- nen Mittelen greiffet/ die da hefftig trucke- nen/ doch muß man von den geringeren anfangen. Zu den Kindern ruͤhmet Ægi- neta den nuͤchtern Speichel/ Galenus das Oehl von Weitzen/ auch ist dienlich der Safft von Wilden Hasenpaͤplen/ mit un- gebrandten Schweffel/ die mixtur von Burtzel-Safft und Salpeter/ oder die von Leber-Kraut-Safft/ Salpeter und Schwe- fel; Auch ist der succus radicis buglosse ein gewis- von Geschwaͤren. gewisses Mittel/ wie auch der Wein-Essig/ welcher auff dem Lytargirio gestanden/ wie auch die Mittel welche zum Grind gehoͤren und jetzo folgen sollen. 54. Wie ist der Jenige zu heilen/ der gantz grindig ist? Man muß/ wann er noch jung und im Fruͤhling ist/ eine Ader oͤffnen/ die Diaͤt schmaͤleren/ folgends den Leib mit Speisen/ die da kuͤhlen und befeuchten/ versehen/ mit denen Sachen purgieren/ welche die ver- brente Feuchtigkeiten außfuͤhꝛen/ als da sind: Elect: diaphœnic, d. fol. senæ, serum lactis cum fol. senæ: Die duͤnne subtile Feuchtig- keiten/ muͤssen vor der Außfuͤhrung mit Syrupen von Erdrauch/ Endivien/ und Blau-Violen mit dem decocto boraginis \& lupuli vermischt/ præpari ret werden/ die ver- brandte und Gallmaͤßige Feuchtigkeiten mit der Confectio Hamech, diacatolic : und dergleichen purgieren/ auch kan man den Patienten baden und schroͤpffen lassen/ die Salben soll man machen von Schwein- Schmaltz/ Terpentin in Rosen-Wasser gewaschen/ Butter/ Saltz/ Kuͤrbis-Safft/ Eyerdotter und Rosen-Oehl; Die aber ei- nes gestanden Alters/ sollen folgende brau- chen: Als Schwein-Schmaltz in Rosen- Wasser gewaschen/ frische Butter/ unge- A a iiij brand- Dritter Theil brandten Schwefel/ Eyerdotter ꝛc. Auch kan man hinzuthun Oehl von Mastix und Rosen/ Lorbeer/ Goldklett/ Sublimat/ Bleyweiß und dergleichen. 55. Was sind die Durchschlech- te/ und was ist zu denselben zu gebrauchen? Beschrei- bung. Die Durchschlecht Variolæ oder Pocken sind hohe Blaͤtterlein/ in der Mitten weiß/ neben herumb aber roth/ welches dann eine gewisse Anzeigung ist/ daß die wasserichte Feuchtigkeit mit dem Gebluͤth muͤsse ver- mischt seyn/ und wie woll sie in den ersten Zeichen. Tagen schwerlich zu erkennen seyn/ so heben sie sich am dritten und vierten Tag in die Hoͤhe/ haben eine Schaͤrffe bey sich/ durch welche der Leib gleichsam mit Nadeln gesto- chen/ und mit einem Jucken uͤberfallen wird/ haben viel Zufaͤll bey sich/ als Ohn- macht/ Eckel der Speise/ Erbrechen/ Heiß- rigkeit/ schwerliches Athemen/ Brennung und Geschwulst der Augen/ auch endlich gar ein Aberwitz- und ist die Qvali taͤt dieser Kranckheit der maassen gifftig/ pestilen- tzisch und anstoͤssig/ daß sie nicht allein das Fleisch verzehret und zerreist/ sondern auch die Beiner angreifft und verderbet. Die Cur. Cur anlangend/ so ist solche mancherley/ nach Gelegenheit der Feuchtigkeit/ so ent- weder von Geschwaͤren. weder mit Gifft/ oder ohne Gisst ist. Im Anfang der Kranckheit mag man wohl mit Gelindigkeit purgiren/ in Zunehmen aber nicht/ hergegen haben die Schweiß-treibende statt; Das Aderlassen ist auch im Anfang dienlich/ und bekommen alsdann die Pati- enten dieselben Blattern nicht so haͤuffig; Nachdem sie nun herauß gekommen und reiff worden/ kan man/ und sonderlich die grossen Blattern/ auffzwicken/ und frische Butter uͤberlegen/ auch Behung von Pa- peln/ Lilien-Wurtz/ Feigen und dergleichen gebrauchen. 56. Wie ist dem zu helffen/ der in einen Kessel voll sieden- den Wasser gefallen/ und sich am gantzen Leib ver- brandt hat? Dieses ist ein sorglicher und offt toͤdtli- Hildanus in tractatu de ambust. cap. 6. cher Schade/ indem die Adern/ Arterien und Nerven einschrumpfen/ dadurch dann die natuͤrliche actiones verhindert werden. Doch/ so man zum Patienten beruffen wird/ soll man den gantzen Leib/ außge- nommen die Augen/ mit einer Salben be- streichen/ gemacht von fluͤssiger Seiffen/ Saltz/ Eyer-Oehl/ Rosen-Oehl/ Suͤß- Mandel-Oehl und Quitten-Schleim. A a v In Dritter Theil In die Augen kan man ein Wasser eintroͤf- len/ als Rosen- und Wegrich-Wasser/ mit Quitten-Kern und fœn: græc: ange- macht/ und ein wenig Weiber-Milch; Umb die Augenlieder herumb soll man mit einer Salben von einer dicken Substantz schmieren/ damit sie nicht in die Augen flies- se/ doch sollen keine Zwiefel darunter seyn: Die Diaͤt soll man nach gebuͤhr anstellen/ den Leib offen halten/ die basilicam oͤffnen/ und nach der Kunst heilen. 57. Was ist zu thun/ wann ei- ner sich mit Feur/ Wasser/ Butter oder Pech ver- brand haͤtte? Unterscheid in heilen. Allhie muß man diesen Unterscheid in acht nehmen/ dann wann es im Anfang/ und noch keine Blaͤtterlein auffgefahren/ muß der Brand und scharffe Feuchtigkeit außgezogen werden/ soll derowegen das Glied also bald in ein warm Wasser gesteckt werden/ oder da solches nicht seyn kan/ mit Schwaͤmmen uͤbergelegt werden/ hernach ein Saͤlblein von rothen Zwiefflen/ Saltz und Venedischer Seiffen/ in einen Moͤrsel mit Rosen- und Suͤß-Mandel-Oehl ge- macht/ daruͤber legen/ welches den Brandt gewaltig außziehet/ und keine Blattern auf- fahren von Geschwaͤren. fahren laͤst/ auch kan man oberhalb des Schadens defensiva oder Schutz-Mittel/ als Baͤnder in halb Essig und Wasser ge- tunckt ꝛc: Gebrauchen: Wann aber der Brand im anderen Grad/ also/ daß nicht allein die Blaͤtterlein auffahren/ sondern auch die Haut verbrent/ ertrocknet und zu- sammen gezogen/ soll man keine Zwiefel/ Saltz oder truckne Mittel gebrauchen/ son- dern was die Haut erweichet und schlup- richt machet/ dieselbe sind mittelmaͤssiger Art/ warm und feucht: Wann nun die Blaͤtterlein mit einer Scheer auffgeschnit- ten/ und ein defensiv gemacht von bol: armen, sangv: dracon, gall, croc: ♀ nus mit Rosen- Oehl und Wachs/ soll man uͤber den gan- tzen Orth/ wo der Brand geschehen/ ein Saͤlblein brauchen/ gemacht von ungvento basilic. ol: rosar: und lilior: albor: und vitel: ovorum, oder von ungesaltzener Butter/ Hennen-Fett/ Wachs und weiß Lilien- Oehl/ Ouitten-Schleim und ein wenig Saffran darunter; Wann aber der Schmertz zu groß/ soll man ein halb Scru- pel Opii darzu thun. Wann die Haut gnug- sam erweichet und schluͤpfrich gemacht wor- den/ sind zwar etzliche Autores der Meinung/ daß man truckne Artzeneyen brauche/ als das Saͤlblein Rhasis, ungv: ex calce, cerat: diapompholyg: \&c. Doch ist besser/ daß man erwei- Dritter Theil erweichende Sachen/ biß zu Ende der Hei- lung gebrauche/ und sonderlich in den Fin- gern/ dann wann dieselbe mit truckenen Artzeneyen geheilet worden/ baͤrstet die Haut/ und sind unbegaͤng und steiff. 58. Mit was fuͤr einer Brand- loͤschung/ sind alle Braͤnde/ sie seyn von Pulver/ Fett/ Wasser/ Eysen und deꝛglei- chen zu loͤschen? Allgemeine Brandtloͤ- schung. Fabritius Hildanus ruͤhmet folgende zu allem Brennen/ dann sie erweichet/ lindert den Schmertzen/ und heilet gemaͤhlich/ oder beschleust/ und macht eine Narbe/ welche gemacht wird; Von frischer Butter in Rosen-Wasser gewaschen/ Veyel-Oehl/ Eyer-Oehl/ Suͤß-Mandel-Oehl/ Gersten Mehl/ Qvitten-Schleim/ Saffran und Wachs in einem Moͤrser zur Salben ge- macht; und damit im Abwischen der Ge- schwaͤr/ kein sonderlicher Schmertz verur- sachet werde/ soll man gar zart Leinwand auff den verbrandten Ort legen und nicht hinweg thun/ biß das Geschwaͤr geheilet/ dann durch solche kan der Eyter leichtlich außfliessen/ und die Krafft der Artzeney zu dem Geschwaͤr kommen. 59. Wie von Geschwaͤren. 59. Wie ist der zu curieren des- sen Haͤnde und Fuͤsse erfro- ren seyn? Die Haͤnde und Fuͤsse/ ja auch Naasen und Ohren/ erfriehren am allerersten/ die- weil sie von dem Hertzen/ alsdenn Brun- nen der natuͤrlichen Waͤrmbde abgelegen/ ist also bey ihnen die natuͤrliche Waͤrmbde schwach/ darauß dann erfolget/ daß die na- tuͤrliche und eingepflantzte Feuchtigkeit/ sampt den Geistern erfriehren/ daß sie sich zusammen setzen und erhaͤrten/ daß also das Glied seine natuͤrliche Nahrung und Unter- halt nicht haben kan. Derowegen/ so soll Cur und Hei- lung. man erstlich den Patienten das Glied mit Schnee oder kalten Wasser reiben/ nach- mahls behen in Saltz-Wasser oder suͤsser Milch/ in welcher Roßmarin/ Lorbeer- Blaͤtter/ Salbey und dergleichen erwaͤr- mende Kraͤuter gekocht seyn/ damit also das Bluth wiederumb hingezogen werde. In- nerlich einen guten Theriac in Firne-Wein zerrieben eingegeben/ mit Confect: alkermes und Bezoar vermischt/ den andern Tag die Behung wiederholen/ und nach diesem das Glied bestreichen mit ol: therebint, ol: de cera, ol: de lateribus. mit dem Sem: urticæ, nasturtii \&c. Wann aber der Frost schon eingerissen/ soll man den Ort scatificiren, und Dritter Theil und tractiren wie in den 52. und 53sten Frage des ersten Theils dieser Chirurgiæ vom heissen und kalten Brandt gemeldet worden. 60. Wann aber die Bein sehr schwartz wehren/ und die Nerven sehrfliessen? Cur und Hei- lung. In solchem Fall soll man ein Schutz- Pflaster brauchen/ doch nicht von kalten und truckenen Sachen/ sondern aus denen die mittelmaͤssiger Waͤrmbde seyn/ und we- gen ihrer an sich ziehenden Krafft/ die Glie- der staͤrcken/ als rothe Rosen/ Majoran/ Wermuth/ Heidelbeer/ Wacholder-Beer/ Scord, Roßmarin/ Cupreß-Nuͤß/ Meer- Saltz/ alles in halb Laugen und Wein gesotten und hinzugethan/ Bohnen-Feig- Bohnen-Linsen- und Gersten-Mehl/ und zu einem Uberschlag gemacht/ den Ort nach Gelegenheit scarificiren das Ungv: ægyptiac: magistrale Hildani gebrauchen/ und die ver- dorbene Beiner entweder wegschaffen/ oder mit auffstreuung der Pulver und radiren weiß machen und heilen. 61. Wie ist einem vollen Mann zu helffen/ der auff dem Feld sich niederleget und bey nahe erfrohren ist? Mit von Geschwaͤren. Mit solchem soll man verfahren wie ge- sagt/ als daß man erstlich den Frost außzie- he/ hernachmahls die Glieder mit warmen Tuͤchern reibe/ ihm hitzige und erwaͤrmende Speisen gebrauche/ einen guten Theriack in Wein zerlassen eingebe/ das Bett mit warmen Ziegelsteinen oder mit warm Was- ser/ in welchen Chamomillen/ Krausemuͤntz oder dergleichen gekocht gewesen/ und Bla- sen mit angefuͤllet/ waͤrmen und also zurecht bringen. 62. Wie ist zu erkennen/ wann einer einen alten Schaden an einem Schenckel haͤtte/ der sehr fliesse/ ob es ein Lei- bes-Fluß sey/ oder ein sol- cher/ der sich zwischen Fell und Fleisch verhaͤlt? Wann solcher Fluß zwischen Fell und Fleisch/ ist der Schenckel dick mit Feuch- tigkeit angefuͤllet/ und giebt einen dickeren Unrath/ wann aber solcher ein voͤlliger Lei- bes-Fluß/ leidet nicht allein der Schenckel/ sondern es ist auch ein Mangel des Miltzens und der Leber/ und eine cacochymia dabey/ auch ist der Unrath haͤuffiger/ duͤnner und ungekocht/ wie auch ohne Geruch. 63. Was Dritter Theil 63. Was ist zu einem Leibes- Fluß zu gebrauchen? Joh. And. a Cruce. Heilung. Wenn der Leib mit allerley Feuchtigkei- ten uͤberfuͤllet ist/ und das Geschwaͤr mit boͤsen Unrath uͤber fallen wird/ muß man vor allen Dingen den Leibe solches Uberflus- ses abhelffen/ nemblich die Diaͤt/ so viel es die Noth erfodert/ schmaͤleren/ so fern es noͤthig/ eine Aderlaß anstellen/ die duͤnne und subtile Materie durch eine bequaͤme Purgation außfuͤhren/ die von den Ge- schwaͤr fern abgelegene Glieder reiben/ das verletzte Glied der Gebuͤhr nach staͤrcken/ die hitzige Unrechtmaͤssigkeit veꝛbesserẽ/ die Feuch- te durch das decoctum ligni sancti vertruck- nen/ und die Zufaͤll fleissig abwehren. Das Geschwaͤr an ihm selbst maͤssiglich zu truck- nen/ braucht man Linsen-Mehl/ Gersten- Mehl/ Myrrh/ Galloͤpfel/ bol : armeni, aloë, rhabarbar, roth Vitriol/ gebrand Kup- fer/ præcipitat, Nacht-Schatten/ Wege- rich/ Tausendguͤlden-Kraut/ Osterlucy/ von welchen entweder Behungen/ Pflaster oder Ungventa gemacht werden; Nebst dem muß man das Glied von unten biß oben mit zimlichen starcken Binden versehen. 64. Was ist zu einem Fluß zu- gebrauchen/ der sich zwi- schen von Geschwaͤren. schen Fell und Fleisch ge- setzt? Solcher hat fast einerley Cur mit dem vorigen/ doch ist diese leichter als wie die an- dere/ und laͤst sich offt heilen/ nebst dem Binden mit der weissen und rothen Camp- fer Salben/ cerat: de minia, cerat: de tutia und diapompholygos und mit allen denen Ar- tzeneyen/ welche die duͤnne und subtile Feuch- tigkeiten vertrucknen. 65. Wann einer einen alten Schaden an einem Schen- ckel haͤtte der gantz spe- ckicht were/ und sich weder reinigen noch aͤtzung an- nehmen wolte/ wie ist ihm zu thun? Solche Geschwaͤr werden offt verursa- Ursach. chet/ wann man oͤhlichte oder allzuhefftig absteringirende Artzeneyen brauchet/ zu dem auch/ wann man gar zu schwache oder un- bequeme Trucknung applicie ret/ oder es kompt solches auß der boͤsen Art und Uber- fluß der Nahrung; Wann nun ein solch dichter/ zusammen gehaͤuffter/ weisser oder aschenfarbichter auch heffenmaͤssiger Un- rath mit einer weissen Krusten in den Ge- B b schwaͤ- Dritter Theil schwaͤren sich erzeiget/ muß man vors erste eine bequeme Diaͤt/ und eine gebuͤhrliche Purgation ordnen/ dann sonsten wenig auß- gerichtet wird. Cur und Hei- lung. Das Geschwaͤr zureinigen/ muß man von denen anfangen/ so da hefftig beissen/ sintemahl das Fleisch noch mit dem Unrath bedecket ist/ und nichts empfindet/ hernach aber lindere/ und soll geschehen/ wann das speckichte Wesen durch den unbequemen Ge- brauch der erweichenden Artzeneyen erfolget ist/ wann aber das Fleisch durch die uͤber- maͤssige Schaͤrffe der Artzeneyen verschmel- tzet wird/ werden geringere und lindere ab- stergentia erfodert. Die Besten aber als deren Kraͤffte nicht zu hefftig/ sind die Mehl von Gersten/ Bohnen/ Feyg-Bohnen und Erven/ item die Aloe/ Osterlucy/ Entzian/ Eppich/ Rhabarbar/ welche alle mit Ho- nig muͤssen vermischt werden/ denn er rei- niget und abstergiret nicht allein/ sondern verzehret auch den Unrath: Die oberzehl- ten Mehle haben zwar die Art/ daß sie ab- stergiren/ koͤnnen aber die poros keines we- ges oͤffnen/ man vermische sie dann mit Ho- nig/ Mehl oder Eppig-Safft. 66. Wie ist zu helffen wann ei- ner sich mit Wasser oder Oehl an einem Schenckel ver- von Geschwaͤren. verbrand haͤtte der Brand aber sehr eingefressen? Dieser Brand ist gar gefaͤhrlich/ weil er offt zu einem heisen und kalten Brand wird/ denn erstlich/ wegen hefftiger Hitz wird die angebohrne Feuchtigkeit ertrocknet und ver- zehret/ zum andern wird die Haut/ das Mauß-Fleisch/ Pulß- und Blut-Adern eingetrocknet und zusammen gezogen/ daß kein Blut in den verletzten Theil mehr flies- sen kan: Drittens/ so lauffen die Feuchtig- keiten und das Gebluͤt wegen des Schmer- tzens zusammen/ und vermehren die Entzuͤn- dung/ daher das Glied offt erstirbt. Die Cur anlangend soll man alle Blaͤt- Cur und Heilung. terlein auffschneiden/ die Ruffen entweder mit der Scheer abledigen/ oder mit der Salben von weiß Lilien-Oehl/ suͤß Mandel- Oehl/ Eyer-Dotter/ frische Butter/ Ba- silicon-Salbe und dergleichen/ nachmahls ein duppeltes Tuch/ genetzt in Schleim von Kuͤrbis-Samen/ Quitten-Kern/ fœn: græc. uͤberlegen/ oberhalb defensiva gebrau- chen/ auch kan man die Schmertzen zu stil- len zu den obigen Stein-Klee und Camillen dazu thun. Marcus Aurelius Severinus in Chirurgia trimembri ruͤhmet das aq: è Jperm: ranar: mit der phlegma vitriol: vermischt. 67. Wann einem ein Fluß in ein B b ij Glied Dritter Theil Glied kaͤhme/ wie ist es zu- erkennen ob er von Hitze oder von Kaͤlte komme? Keñzeichen. Kompt solcher auß Hitze so ist der schmertz brennend und stehend/ auch lest sich eine Roͤhte sehen und glaͤntzet die Haut/ kompt er aber aus Kaͤlte/ so ist der Ort bleich/ der Schmertz nicht groß/ auch lassen sich offt- mahls Gruben eindrucken. 68. Was ist zu einem hitzigen Fluß zu gebrauchen? Hierzu dienet das blau Viohl-Oehl/ Rosen-Oehl/ Seeblumen-Oehl/ die Saͤff- te von Lattig/ Burtzelkraut/ Wegbreit und Nachtschatten/ ungv: rosar: Mesuæ, ungv: de cerusa, infrigidans Galeni. Im fall sol- che Hitze und Roͤhte nicht weg gehen wolte/ muß man dem Gebluͤth durch eine Aderlaͤß hinweg helffen/ oberhalb dem Geschwaͤrden Ort mit defensivis versehen. 69. Was ist zu einem kalten Fluß zugebrauchen? Zu der kalten Unrechtmessigkeit sind die Oehl von Chamomillen/ Dillen/ Wein- rauten/ ol: costinum, ung v. basiliconis, ungv: dialthea, diapipereon, ol: lign: gvajaci, und dergleichen/ mit warmen Tuͤchern nuͤtzlich zu gebrauchen. 70. Was von Geschwaͤren. 70. Was ist zu thun/ wann ei- nem durch einen starcken Fluß die Fußsohlẽschwaͤ- rend/ faul und unterkoͤtig weren? Solchen soll man/ nach dem die kuͤh- lende Diaͤt/ Purgationes und Ader- laͤß angestellet/ mit Reinigungs-Mitteln/ derer vorhin viel gedacht/ begegnen/ die Hoͤlen woll saͤuberen/ nachmahls das Pfla- ster diapalma oder von Nachtschatt-Safft/ oder folgendes brauchen/ welches gemacht wird von Weyrauch/ schieffrichen Allaun/ Minia und Terpentin mit Schwein- schmaltz/ oder Rosen-oͤhl/ Silberschaum/ Honig/ Rindern Inschlit/ Farnkraut/ und mit colophon: zu einem Pflaster ge- macht. 71. Was ist fuͤr ein Unterscheid zwischen den Pestilentz Paræus. Blaͤttern und Beulen? Der Unterscheid ist mancherley/ denn Unterscheid zwischen Blaͤttern uñ Beulen. die Beulen sind laͤnglicht/ hin und wieder beweglich/ die Carfunckel aber oder Blat- tern/ sind rund und unbeweglich; Die Beulen kommen in den druͤsichten Oertern/ als/ weñ sie vom Hirn ihrẽ Ursprung haben/ kommen sie hinter den Ohren hervor/ wann B b iij sie Dritter Theil sie vom Hertzen/ unter den Achseln/ wann sie von der Leber/ neben dem Gemaͤchte/ auch sind sie in der Materie unterschieden/ in dem die Beulen eine dicke und zaͤhe/ die Carfunckel aber/ eine scharffe und sehr hitzi- ge Materie haben/ entstehen auch nicht an gewissen Orten/ sondern allenthalben in den Musculen. 72. Wo kompt die Pestilentz her? Die Pestilentz kompt auß zwo Ursachen her/ 1. auß Ansteckung und Verderbung der Lufft/ welche durch viele wege kan ver- derbet werden/ als/ auß den faulen Auß- daͤmpffungen der stinckenden und koͤthich- ten/ morastichten Suͤmpffen/ auß Verfau- lung der unbegrabenen menschlichen Coͤr- per/ als in See- und Feld-Schlachten zu geschehen pflegt/ aus Hungers-Noth/ und Mangelung des Futters vors Vieh/ in dem dasselbige erkrancket/ und nachmahls von Menschen genossen wird/ oder/ wann sol- ches Vieh unbegraben liegen bleibet/ aus dem haͤuffigen sterben der Fische/ Musche- len/ Schnecken und dergleichen/ wann sol- che ans Ufer getrieben werden und verfau- len; Auch erinnert Kircherus, daß das ein- weichen des Hanffs und Flachses/ eine giff- tige Faulung und eine beqveme Ursach der Pesti- von Geschwaͤren. Pestilentz verursache. 2. Aus einer sonder- lichen Verderbung und Verfaulung der humoren beym Menschen. 73. Wie kompt die Pest an einen Menschen? Der Mensch wird angesteckt/ entweder von der inficir ten Lufft/ oder von einem in- ficir ten Menschen/ in dem schon vorhin der Leib mit boͤsen Feuchtigkeiten angefuͤllet ist/ und gleichsam faͤhig ist/ durch das Athemen solche gleichfoͤrmige Unrechtmaͤssigkeit an sich zuziehen/ und also den Saamen der Pe- stilentz ihm theilhafftig machet/ welches Gifft nicht allein den Hertzen/ sondern auch allen anderen Gliedern communici ret wird. 74. Wo und an welchen Orten erzeiget sich am meisten die Pest? Ins gemein an denen Orthen/ welche sumpficht/ schwefelicht/ eines boͤsen Ge- stancks und Unflatts/ und an dem Meer gelegen seyn/ aus welchen offt boͤse und un- gesunde Nebel hervor steigen/ auch geben die Erdbeben offt Ursach zur Pestilentz. 75. Was hat die Pest vor Zu- faͤll? Solche sind Eckel vor der Speise/ Er- Bb iiij brechen Dritter Theil Zufaͤll. brechen/ Magenweh/ Engbruͤstigkeit/ un- erloͤschlichen Durst/ Aberwitz/ Fieber/ und dergleichen/ nach gelegenheit und Art des Giffts. An dem Harn hat man sich in die- sem Fall nicht viel zu richten/ sintemahl der- selbige mit dem Gesunden offt gleich/ dann dieweil das Hertz in solchen Faͤllen mehren- theils leidet/ so werden auch vielmehr die Geister/ als die Feuchtigkeiten angefochten; Unter den Zufaͤllen/ ist auch nicht der ge- ringste/ der tieffe und harte Schlaaff/ wel- cher von den unverdaulichen und kalten Feuchtigkeiten/ welche in das Haͤupt gestie- gen/ verursachet wird/ hergegen aber/ wann solche Daͤmpffe scharff sind/ erregen sie ein stetiges Wachen. 76. Wie ist zu erkennen ob einer der die Pest hat/ lebendig bleiben wird oder nicht? Toͤdliche Zei- chen. Wann das brennende Fieber nicht im geringsten nachlaͤsset/ die Zunge trucken/ duͤrꝛ/ rauch und schwartzlich ist/ mit uner- loͤschlichem Durst/ Wach-Sucht/ Aber- witz/ Unsinnigkeit/ Schlucken/ Hertz-zittern/ schweren Ohnmacht und dergleichen uͤber- fallen ist/ einen Bauch-Fluß/ heßlichen Stulgang von sich wirfft/ das Fleisch der Carfunckel schwartz und duͤrꝛ ist/ neben herumb schwartz/ blaw oder Bleyfar- big/ von Geschwaͤren. big/ so wisse das der Patient gewiß und bald sterben werde. 77. Wie ist ein Pestsuͤchtiger zu verbinden und zu heilen? Die Pestilentzische Schlier und Beulen Euserliche Cur der Beu- ten. zu curiren/ soll man gleich im Anfang eine Ventose darauff setzen/ und lang darauff stehen lassen/ in 3 stunden solches wieder- holen/ auch kan man die Beule fein tieff scarifici ren/ ein starck an sich ziehend Cata- plasma daruͤber legen/ gemacht von Zwiffel mit Theriack und Rauten-Blaͤtter/ unter der Aschen gebraten/ und mit Sawerteig und Schwein-Schmaltz in einen Moͤrsel gestossen/ und warm uͤbergelegt/ oder von Ibisch- und Lilien-Wurtz/ fœn: græc. Lein- saamen/ Senff/ Theriack/ das Marg auß den fetten Feigen/ und mit Schweinen- Schmaltz zum cataplasma gemacht: Man kan auch vor der rechmaͤßigen Zeitigung die Fruͤhzeitige oͤffnung. Beulen oͤffnen und mit Meisseln lange zeit offen halten/ deswegen aber die erweichende Mittel nicht unterlassen/ damit der uͤberrest auch zur Zeitigung gebracht werden moͤge. Die Carbunckel aber zu curieren/ muß man Euserliche Cur der Car- bunckel. keine hitzige und an sich ziehende Pflaster- maͤßige Mittel gebrauchen/ als welche die Lufftloͤchlein der Haut verstopffen/ und also die außdaͤmpffung des Giffts verhinderen/ Bb v sondern Dritter Theil sondern man soll relaxi rende und nachlas- sende Mittel/ als welche die Brunst maͤs- sigen/ gebrauchen/ als in den ersten Ta- gen/ Paplen/ Lilienwurtz/ Leinsaamen/ fette Feigen/ mit einander sieden/ und nach- mahls mit Johannes oͤhl zum cataplasma machen/ oder folgenden tag dieses: Saur- ampffblaͤtter und Bilsenkraut zusammen gesotten/ nachmahls mit Eyerdotter/ The- riack/ Lilienoͤhl und Gerstenmehl zu einem cataplasma gemacht/ es stillet die Schmer- tzen/ lindert die Hitze/ und befodert die Vereyterung/ oder Ruß auß dem Camin/ gemein Saltz mit Eyerdotter zum cataplas- ma gemacht; Wann der Carbunckel in seinem Zunehmen/ soll man die Spitze mit der Alchimisten Scheidwasser oder Brenn- heißen-oͤhl beruͤhren/ die Ruffen saͤnfftiglich renigen/ und nach der Kunst heilen. 78. Was ist zu thun/ wann die Pest nicht herauß will? Wann die Beulen oder Carbunckeln nicht herauß wolten/ muß man die kalte Lufft/ Aderlaß/ purgieren und harten Schlaaff meiden/ und eusserliche an sich zie- hende Mittel vor die Hand nehmen/ und also der Natur in dieser Bewegung die Hand biethen/ weswegen dann das The- riack-Wasser/ wie auch das decoctum ligni sancti von Geschwaͤren. sancti und andere Schweis-treibende Artze- neyen/ welche zugleich das Hertz staͤrcken sehr dienlich/ nach verrichtetem Schweiß den Krancken mit woll-verdaͤwlichen mit- telmaͤßigen Speisen erqvicken: auch sind die Harntreibende Mittel nicht undienlich. 79. Ob auch/ und in welcher Art der Pest die Fontanel- len rathsahm seyn? Solche sind sehr nuͤtzlich in der Art/ wel- Nutz der Fontanellen. che auß den boͤsen Feuchtigkeiten herkompt/ deñ auf solche Weise wiꝛd der Leib von solchen gereiniget/ und gleichsam der Zunder des Giffts außgefuͤhret/ daß also der Mensch solchen Gifft nicht leicht auffangen kan/ wie hievon Hildanus cent. 4: Observat: 23. und 86. wie auch cent. 6. observat: 92. mit vielen Exempeln beweiset/ daß nicht leicht einer/ der ein Fontanel gehabt/ an der Pest ge- storben/ außgenommen etzlicher wenigen/ welche gar unreines Leibes gewesen. Hie- von kan ferner nachgelesen werden/ in dem Tractaͤtlein Doct. Christoph: Schoͤrers/ vom Nutz und Gebrauch der Fontanellen. 80. Wie sind die Fontanellen zu setzen? Die Fontanellen werden gemeiniglich Wie die Fontanellen zu setzen. am Dritter Theil am Arme und Fuß gesetzet/ (wiewoll auch in dem Nacken/ und auff der sutura coro- nali ) Am Arm und sonderlich am Lincken/ soll man das corrosiv auffsetzen/ zu End des Maͤußleins/ welcher den Arm auffhebet/ und sonsten Deltoides genand wird/ und dann zwischen diesem/ und dem musculo bi- cipiti, denn also fuͤhren sie auß dem Hirn und auch zum theil auß der Brust auß. Die am Fuß soll man setzen drey qver Finger breit unter dem rechten Knie am sechsten Maͤußlein/ welches das Schienbein be- wegt/ zwischen dem gasterocnemio und soleo, dann an solchen Ort gehet ein ziemlicher Ast von der vena cava, weswegen dann man nothwendiger Weise die spatia und intersti- tia musculorum suchen muß/ zu dem auch/ damit das Kuͤglein oder Erbse desto beßer darin bleibe. Das corrosiv, welches man heutiges tages gebraucht/ ist nicht eine fluͤssi- ge Lauge/ welches viel Ungelegenheit machet/ sondern es wird das aq: fort: mit dem feine- sten Silber figie ret und so lang verrauchet/ biß es zum Stein wird: Ich habe erfunden/ daß man auff ein Eisen-Blech davon Kuͤg- lein gegossen/ groß und klein/ wie mans haben wil/ als wann man die Brust-Kuͤch- lein giest/ es muß aber nicht zu heiß gegossen werden/ sonsten werden sie allzu duͤnne/ man muß auch im giessen die Hand nicht zu hoch von Geschwaͤren. hoch vom Blech halten: Was nicht auff ein mal gut faͤllt/ lieset man auß/ und schmel- tzet es so lang umb/ biß man seines Gefal- lens alles auß gegossen/ die gar kleinsten brauche ich die Wartzen mit weg zu etzen. Sonsten hat man grossen apparat noͤthig/ zu dieser præparation, nehmlich ein Sand- Capell/ Kolben und Helm/ und viel Ab- ziehens/ allein ich verrichte solches in einem schlechten glaͤsernen Scherbel/ uͤber einen Goldschmieds Dreyfuͤßchen in offnen Feur gar geschwind und mit wenig Muͤhe/ wel- ches ich dem gut-hertzigen Leser/ weil es von mir wenigen communicieret/ bekandt mache. 81. Was ist der Aussatz? Der Aussatz Maltzey oder Elephantiasis Beschrei- bung. ist ein Gebrechen der Haut/ in dem dieselbe schuppicht/ runtzlich/ ungleich/ auffgebor- sten/ und der Haut des Elephanten fast gleich. Paulus Ægineta sagt/ es sey der Aussatz anders nichts/ als ein allgemeiner Krebs des gantzen Leibes/ welcher die com- plexion Form und Gestalt aller Glieder ver- dirbet und zu nichte machet. 82. Worvon kompt der Aus- satz? Die Ursachen dieser Kranckheit sind viel- Ursath. faͤltig/ als/ die boͤse Unrechtmaͤssigkeit der zu Dritter Theil zu der Ernehrung gehoͤrigen Stuͤcken/ als der Leber und des Miltzes/ uͤbermaͤssige Hi- tze und Truckne/ welche das Gebluth und andere Feuchtigkeiten verbrennt/ und in ei- ne Melancholey verwandeln/ ist doch auch sonsten eines Giffts theilhafftig/ sintemahl derer viel seyn/ und gleichwol nicht aussaͤtzig seyn/ welche der Melancholey ergeben. Die eusserliche Ursachen seyn/ wann man mit der- gleichen Leuthen umbgehet/ eine boͤse Diaͤt haͤlt von groben Speisen/ als Linsen/ Boh- nen/ Cameel- und Esel-Fleisch/ auch wann man sich des Beyschlaffs nach dem Essen gebrauchet. 83. Wie ist zu erkennen und recht zu probiren/ ob einer aussaͤtzig ist oder nicht? Keñzeichen. Was die Zeichen anlanget/ so ist am An- fang dieser Kranckheit eine Faulheit/ kurtzer Athem/ mit einem Gestanck/ und eine Geil- heit dabey/ wann sie aber zur Haut hinaus kommen/ bekompt der Mensch eine heßliche Gestalt/ ein scheußlich schuppicht Angesicht/ rauhe schuppichte Haut voller Druͤsen/ der gantze Leib giebt/ sonderlich im Schwitzen/ einen boͤsen Gestanck von sich/ auff der Zun- gen fahren harte Knollen auff/ der Mund ist stets duͤrꝛ und trucken/ die Haar fallen aus/ die Stimme wird heisser/ unter der Zun- von Geschwaͤren. Zungen lauffen die Adern hoch auff/ die Lefftzen werden dick und auffgeschwollen/ der gantze Leib spuͤhret ein Jucken/ als wann es mit Nadeln und Dornen gestochen waͤ- re/ weil die scharffen Daͤmpffe unter der dicken Haut verschlossen seyn/ endlich/ wann es auffs hoͤchste gekommen/ so erfolget eine Erstaunung/ Minderung der Sinne und eine Unempfindligkeit uͤber den gantzen Leib/ in dem sie nichts empfinden/ wann man sie sticht oder schneidet/ es giebt auch gar kein Blut/ verdirbt also alle Glieder/ und machts zu stinckenden und faulen Geschwaͤ- ren. Etzliche halten dafuͤr/ daß wann man ihr Blut durchseihe/ so findet man wie Sand-Koͤrnlein darin. 84. Was ist fuͤr ein Unterscheid zwischen dem Aussatz und Frantzosen? Der Unterscheid ist dieser/ in dem nemb- lichen der Aussatz den gantzen Leib mit Schuppen und rauhen kleyenmaͤssigen Ge- schwaͤren fast uͤberziehet/ in den Frantzosen aber nur hin und wieder solche Flecken auß- schlagen/ auch ist in dieser Kranckheit ein Schmertz verhanden/ welches in dem Aus- satz nicht ist/ so werden die Frantzosen auch mehrentheils durch einen unreinen Bey- schlaff verursachet/ der Aussatz aber nicht/ es Dritter Theil es sey dann mit dergleichen infici erten Per- sonen geschehen. 85. Woher kommen die Fran- tzosen? Fuͤrnehmlich durch den unreinen Bey- schalff/ denn es sey gleich des Mannes oder Weibes-Schaam mit solchen gifftigen Ge- schwaͤren eingenommen/ so wird das an- dere Glied also bald auch theilhafftig/ nemb- lich/ wann der Mann dem Weibe in ihren heissen und gleichsam durstigen Eingang der Gebaͤr-Mutter zugleich mit dem Saamen den Gifft hinein spruͤtzet/ oder/ wann das Weib von einem inficie rten angesteckt wor- den/ ein ander solchen Gifft/ welcher in den Falten und rugis der Gebaͤr-Mutter gleich- sam verborgen gelegen/ mit seinem starrich- ten membro virili (als dessen Lufft-Loͤchlein in coitu durch das erhitzen offen stehen) ein- gezogen wird/ auch wird das Weib durch die vielfaͤltigkeit der eingelassenen Saamen/ infici eret/ in dem dieselben eine gifftige Art bekommen/ und durch die unterschiedliche Schaͤrffe/ welche sie bey sich haben/ den Halß der Gebaͤhr-Mutter exulcerie ren. Solches Gift aber eylet nicht geschwind und unmittelbahr zum Hertzen/ wie andere Gifft/ sondern greifft zu erst die Leber an/ verdirbt dieselbe mit sampt dem Gebluͤth/ und von Geschwaͤren. und erreget allerley Zufaͤll/ wiewoll solches Gift auch durch inficierte Bette und Kleider/ wie auch Anklebung des Speichels im Trincken/ kan mit getheilet werden. 86. Wie vielerley sind die Frantzosen? Wie woll das Gifft einerley/ so ist doch Unterscheid. die Kranckheit fast unterschiedlich/ in dem offtmahls des Giffts nicht viel ist/ auch nicht starck/ auch beweisen sich offtmahls nur Blaͤtterlein und Geschwaͤr an der Mans- Ruthen/ offtmahls gifftige Harn-Winde oder gonorrhæa , dann Schlier und Beulen am Gemaͤchte/ dann offene Geschwaͤr ent- weder mit/ oder ohne Anlauffen der Bei- ner/ dann mit boͤsen Haͤlsen und so fort an. Die Leichste ist/ wann nur das Haar auß- faͤllt; Die/ welche runde und truckne Blattern und Geschwaͤr hat/ ist aͤrger/ aber die alleraͤrgste ist/ wann sie Speck-Beulen hat/ und die Knochen angegriffen. 87. Wie viel Kennzeichen der Frantzosen erscheinen im Mund? Es ist der gantze Mund entzuͤndet/ die Keñzeichen. Mandeln oder Druͤßlein im Halse werden dick und schwellen/ und sind dem Menschen C c im Dritter Theil im Reden/ Schlincken/ ja auch den Spei- chel an sich zu ziehen/ sehr verhinderlich/ auch ist das Zaͤpfflein hitzig/ exulcerirt , und mit Speckichter gruͤn und gelber Ma- terie angefuͤllet. 88. Wie ist an einer Wunde zu erkennen/ ob der Verwun- dete die Frantzosen habe/ oder nicht? Solches wird gespuͤret/ wann die Wun- de nach geschehener Reinigung wieder un- rein wird/ oder sich nicht wil reinigen lassen/ wie gebraͤuchlich/ auch sind solche Wun- den gantz widerspenstig in der Heylung/ ob man schon dazu taugliche Mittel ge- brauchet. 89. Wie ists/ wann einer keine Frantzosen am Leibe/ im Halß aber Loͤcher haͤtte/ zu erkennen/ ob sie von Fran- tzosen seyn oder nicht? Im Halß/ und sonderlich am Zaͤpflein/ Gaumen und Mandlen/ erzeigen sich offt solche Geschwaͤr/ welche dieselbe außfressen/ und sonderlich in den Frantzosen/ in dem dieser Ort darzu erschaffen/ daß solcher alle uͤbrige vom Haupt herabfallende Feuchte empfan- von Geschwaͤren. empfangen muß/ wiewoll nun solche Ent- zuͤndung/ wann sie uͤber Hand genommen/ viel Zufaͤll erreget/ so sind sie doch in den Frantzosen viel schwerer/ in dem die scharffe Feuchte derselben/ den Ort gantz unrein ma- chet/ und wann es eine Zeitlang wehret/ auch die Beiner angreifft/ sind diese im Hei- len gantz wiederspenstig/ in dem sie keine ge- meine Cur nicht annehmen/ als wie die an- deren/ sondern es muß eine rechte Frantzo- sen Cur vorgenommen werden. 90. Wie sind solche Loͤcher zu heilen? Erstlich muß man den Leib nach Noth- Cur und Hei - lung. trufft purgieren/ vorher aber mit dem decoct: fum: terræ, endiviæ, polypod, epithemi \&c. digerie ren/ nachmahls die pillulas de fumo terræ, sine quibus, aureas \&c. gebrauchen/ die Loͤcher mit dem ungv: ægyptiaco , mit mel rosaro vermischt/ uͤberfahren und reinigen/ hernach gargarismata gebrauchen/ von agri- monia, prunell: plantag, rosis, serpillo, origa- no, flor: balaust , mit rob: nucum, diamorum, rob rhibes \& berberis ; Wann aber solche Frantzoͤsisch/ kan man sie mit der spirit: vi- trioli uͤberfahren/ und daneben das decoct: ligni sancti gebrauchen. 91. Wie ist der/ so der Frantzo- C c ij sen Dritter Theil. sen hat/ von Anfang biß zum Ende zu curieren und zu verpflegen? Paræus. Cur auff vie- rerley Art. Nach dem man den Leib sampt desselben Feuchtigkeit mit den vorbereitenden Syru- pen und decoctis , und nach mahls durch die Aderlaß und Purgationen ausgefuͤhret hat/ so verschaffe/ daß der Patient in seinem ver- schlossenen und maͤhlig warmen Gemach verbleibe/ nachmahlen/ so erwehle dir nach Erheischung der Kranckheit eine Cur/ dann solche auf viererley Weg kan verrichtet wer- den. 1. Durch den Holtz-Tranck. 2. Durch die Schmier-Salbe mit dem ☿ rio vivo . 3. Durch die Emplastra mer- curialia . 4. Durch Raͤucherung / auch kan durch den ☿ rium dulcem eine salivation Cuꝛ duꝛch die salivation. verursachet werden. Zwar die Cur der Frantzosen kan woll durch den Holtz-Tranck verrichtet werden/ es scheinet aber/ als wann er zu allen und jeden nicht kraͤfftig genug/ weswegen viel mehr die salivation entweder durch den ☿ rium dulcem , oder durch die Schmier-Salbe soll befodert werden/ wel- che ins gemein von Schwein-Schmaltz/ Lorbeer- und Spick-Oehl/ Terpentin und ☿ rio vivo mit ein wenig Theriack gemacht wird/ doch ist der ☿ rius vivus hierin der Principal/ und irret nicht/ wann er auch nur von Geschwaͤren. nur mit blossem Schwein-Schmaltz ver- mischt wird/ dann die andern ingredientien nichts præservie ren koͤnnen/ wie insgemein vorgegeben werden wil/ mit der Salbe/ wo man sie erwehlet/ muß der Patient fruͤhe nach vertaueter Speise umb die Glieder und Gelencke der Haͤnd und Fuͤsse maͤhlig und mittelmaͤssig/ bey linder Waͤrmbde ge- schmieret werden/ so lang biß daß die giffti- ge Feuchtigkeit durch den Mund und Spei- chel/ Stulgang/ Harn/ Schweiß oder unempfindliche Durchdaͤmpffung aller- dings ausgefuͤhret ist/ welches man auß der Vertilgung und Außtruncknung der Ge- schwaͤr und Blaͤtter/ wie auch auß Nach- lassung und Abweichung der Schmertzen und anderer dieser Kranckheit eigenen Zu- faͤllen leichtlich abnehmen und erkennen kan: Doch muß man in wehrender Cur und Schmieren auff die Kraͤffte des Patienten auch sehen/ demselben mit kraͤfftigen Hertz- staͤrckungen/ welche aber nicht kuͤhlen/ zu Huͤlff kommen/ zu dem Munde sehen/ dann das Zahnfleisch ehemahlen mit sampt der Zungen sehr geschwillt/ daß der Patient nichts schlincken oder reden kan/ welches man mit guten erwaͤrmenden Mund-Was- sern verbesseren kan. Nach diesem kan man durch das decoct. ligni sancti die uͤbrigen C c iij giffti- Dritter Theil gifftige Feuchtigkeit mit Schwitzen follens außreuthen und verzehren. 92. Warumb ist ein Frantzo- sichter so strengen Cur zu halten und außzuhun- gern? Daß man ihnen nicht viel soll zu essen ge- ben/ geschicht darumb/ sintemahl die un- reinen Coͤrper/ jemehr man sie nehret und speiset/ je mehr beleidiget werden: Jedoch soll man sie des Tages zweymahl speisen/ in solchem die Zeit und Stunden erwarten/ wann ihnen am meisten hungert/ und zu Mittag allweg mehr als zu Abends geben. 93. Was hat ein Wund-Artzt in der Cur an den Holtz- Traͤncken in acht zu neh- men? Erstlich daß die species als salsaparill- lign: gvajac, sassafras und cortic: ligni sancti in warm Wasser woll geweichet/ abge- kocht/ gesien und clarificiret/ die uͤbrigen species noch einmahl gekocht/ zum gewoͤhn- lich Tisch-Trank bereitet werden: Wie- woll etzliche meinen/ man soll purgierende Artzeneyen mit einmischen/ so ist doch sol- ches ungereumbt/ sintemahl der Schweiß- tranck von Geschwaͤren. tranck nicht zu gleich den Schweis und Stulgang befodern kan. Des ersten Trancks/ soll man zwoͤlff Loth fein warm zu sich nehmen/ und darauff zwo Stunden lang schwitzen/ hernach den Schweiß ab- trucknen/ wieder in ein warm Bett nieder legen/ und etzliche Stunden hernach/ den Patienten mit Speisen erqvicken; Folgen- den Tag/ soll man den Schwitz-tranck wieder holen/ daneben aber den Leib mit er- weichenden Clystiren offen halten/ denn durch die Hitze dieses Trancks wird derselbe gemeiniglich verstopfft: Wie lang aber/ man ihm solches decoctum solle trincken las- sen/ wird dir nicht allein die maligni taͤt/ son- dern auch des Patienten Natur genugsam kund thun/ sintemahl die Hitzigen und wel- che außgemergelt/ dieses Tranckes in ge- ringerer Maaß und mit einer Bescheiden- heit gebrauchen sollen: Die Speisen sollen dabey lind und leicht zu verdauen seyn/ und die Diaͤt schmal. 94. Was ist zu thun/ wann ei- nem nach der Cur die Glie- der contract worden? Es geschiehet offt in den veralteten Fran- Franc. Ren: cap: 37. tzosen/ daß die Glieder lahm und contract werden/ wie dann auch solches durch das viele schmieren mit dem ☿ rio vivo verursa- C c iiij chet Dritter Theil chet werden kan/ weswegen dann nicht al- lein das schwitzen mit dem decocto , sondern auch das Bad mit allerhand erweichenden Kraͤutern zugebrauchen ist: Wo fern man aber damit nichts außrichten koͤnte/ muͤs- sen die lahmen Glieder/ als in welchen eine schaͤdliche und gifftige anklebende Materie stecket/ mit einen vesicatorio bestrichen und mit einem Pinsel uͤbeꝛfahren werden/ welches gemacht wird von mercur: subl, cantharid, fermento acertim, adipe lardi porcini, euphor- bij, piper long , mit Theriaca Andromach: und vino suplimato zum Wasser gemacht/ wann denn der Ort 2/ 3 oder 4 Tage nach- einander bestrichen/ muß man die auffge- fahrne Blaͤttern und Blaasen auffschnei- den/ und die gifftige Materie außlassen/ auch ist diese Cur nicht allein allen schmertz- hafften Gliedern/ sondern allen Laͤhm- und Speck-Beulen zugebrauchen. 95. Was ist zu thun/ wann ei- ner Loͤcher im Halse haͤtte/ und ihm das Zaͤpflein und der Gaumen faulete? Cur. Nachdem man den Leib mit den pill: chochijs, ☿ rio: dulc: oder anderen derglei- chen purgieret/ soll man den Ort mit einem scharffen Wasser/ oder spirit: vitriol uͤber- fahren/ von Geschwaͤren. fahren/ und nachmahls das unsaubere mit dem ungv: ægyptiac reinigen/ oder das aq: magistralem æluminosam Fallopij gebrau- chen/ nachmahls Gurgel-Wasser/ ge- macht/ von hordeo, staphysagr, gland, nuc: cupress, coriand, fœnicul, liqvirit, ruta, sal- via, consolida, pulegio, flor: rosar: und mit diamoro, rob: nucum und dergleichen/ suͤß gemacht/ auch kan man den Hals pinseln mit rob: nucum, diamoro und ein wenig præ- cipitat da zu gethan. 96. Was ist zu thun/ wañ einem Patienten das Gaumẽ-Bein hinweg/ und ihm die Speise durch die Naase gienge/ und an der Spraach hinderte? Wann die ordentliche Heilung und Cur des Gaumes geheilet/ soll man den Pa- tienten ein duͤnn geschlagen Silber-Blech- lein machen lassen/ dasselbe den Gaumen gemaͤß/ beqvem anpassen/ nach Propor- tion des Gaumens/ und des Lochs im Gaumen-Bein/ an dasselbe Blechlein/ soll ein stuͤcklein Schwamm angemacht wer- den/ und also in das Loch geschoben wer- den/ welches/ wann es die herabfallende Feuchtigkeit annimpt/ starck verqvillt/ und faͤst sitzen bleibet/ und nicht allein der Spei- C c v sen/ Dritter Theil sen/ sondern auch dem Lufft den Weg ver- sperret/ daß er nicht verflattern kan/ und also Stimm und Sprache behalten wird. Wann das Loch im Gaumenbein gar zu groß/ daß man das gantze Loch mit dem Schwamlein außfuͤllen muß/ muß man ober dem Blechlein ein auffstehendes Roͤhr- lein/ in dicke eines Federkeils/ eines Gliedes lang/ machen/ und selbiges mit dem Schwamlein umbnehen/ so kan er den Lufft durch die Naasen schoͤpffen/ und gehet nur so viel Lufft durch das Roͤhrlein/ als er sonst von Natur von noͤthen hat/ welches letztere invention ich an einem Patienten wahrge- nommen/ die erste invention aber/ ist zu fin- den beym Fabritio Hildano Cent. 2. obser- vat: 22. 97. Wann einer die Frantzosen aussen herumb umb die Naasen haͤtte/ wie ist er zu curieren? Franc. Ren- ner in tract. de lue ve- nerca cap. 27. Gleich wie der Halß inwendig von sol- chen scharffen unreinen und gifftigen Feuch- tigkeiten versehret wird/ also wird auch die Naase beschaͤdiget/ in dem sie vorhin von der Natur gewidmet/ den Unraht des Hirns außzufuͤhren/ und desto mehr leidet/ wann sich etwas von einer unreinen Kranck- heit von Geschwaͤren. heit zutraͤgt/ denn diese Feuchtigkeit greifft nicht allein die Musculosische Haut und Fleisch an/ sondern auch die Crospel und Knochen/ welche man also curiren muß: Erstlich soll man das Haͤupt sampt den Cur. gantzen Leib mit den obgedachten Pillulis/ hernach mit dem merc: dulce renigen/ eine Ader unter der Zungen/ am Arm oder Hand oͤffnen/ Ventosen oder Schroͤpff- Koͤpff auff die Schultern setzen lassen/ als- dann die vollkommen Cur des Holtz- Trancks vornehmen/ (dafern aber dieselbe zu schwach/ die sallvation befordern) den Fluß durch vesicatoria abziehen: Ist dann der Schade eusserlich/ soll man ihn renigen und heilen/ wie andere Geschwaͤr; Ist aber der Schade der Naasen innerlich/ soll man mit Spruͤtz-Wassern zu huͤlffe kom̃en/ und die Faͤule renigen/ mit Vitriol: virid, sal nitri, alumin, aq: plantagin, ligust , und mel rosarum . Ist etwan ein Knoche angelauf- fen/ und man kan dazu kommen/ soll man solchen weg schaben/ biß zu dem Gesunden/ und dazugehoͤriges Truͤcken-Pulver daruͤber strewen/ ist es aber innerlich/ muß man solches der Natur befehlen/ doch lehret Aquapendens , und durch Ihn Scultetus in seinem armamentario chirurgico durch ein Rohr ein Breneisen durch die Naase beyzu- bringen. 98. Wie Dritter Theil 98. Wie sind die kleinen Kinder wañ sie mit den Frantzosen behafftet/ zu curieren? Es werden auch offt die Kinder in Mut- terleibe dieses Gifftes theilhafftig/ die weil sie aus einem solchen Saamen erzeuget wor- den/ sie werden auch schwerlich geheilet/ und stecken dieselben auch gesunde Ammen/ Cur. welche sie saͤugen/ an. Die Cur soll den- noch folgender massen angestellet werden: Daß man der Saͤug-Ammen zwantzig oder mehr Tage von des Ambrosii Paræi The- riack-Wasser/ oder sonsten ein Gifft- und Schweiß-treibende Artzeney zu trincken ge- be/ damit also das Kind mit der Milch auch die Artzeney empfange/ nach dem saͤu- gen aber/ soll sie allemahl die Brust und Wartze abwaschen/ damit nichts vom Gifft hencken bleibe/ des Kindes auffgefahrne Blaͤtterlein schmiere mit der Salbe von Alant mit merc. vivo vermischt/ aber nicht sehr offt und starck/ damit nicht der Mund entzuͤndet werde/ und etwa der Gifft seinen Außgang durch den Speichel suche. Die Wiege/ Windelen und Zubehoͤr/ soll man mit dem Rauchzeltlein/ welche zu den ver- allteten Schrunden gebraucht werden/ raͤu- cheren/ welche von Paræo am 803. Bladt beschrieben werden/ sind gemacht von cina- bar , von Geschwaͤren. bar, storac: calamit, assæ dulcis, ladan, oli- ban mastio: und Theriack mit ol: tartari . 99. Wie ist zu erkennen/ ob die Frantzosen heil seyn? Solches wird erkandt/ wann nehmlich Heilungs Zeichen. die außgefahrne Blaͤtterlein abheilen und abfallen/ die Zufaͤll nachlassen/ die Glieder wieder zunehmen/ und das Angesicht seine natuͤrliche Farbe wiederumb bekompt. 100. Worvon kom̃en die Speck- Beulen her/ und worvon werden die Schienbein so hoch? Solche Beulen kommen her/ aus ver- Ursprung. brenter und ausgedoͤrter Feuchte des Ge- bluͤths/ welche sich einem Speck und einem weissen gesottenen Ey vergleichet. 101. Wie sind solche Speck- Beulen zu vertreiben? Solche lassen sich nicht zeitigen/ wie an- Cur und oͤff- nung. dere apostema , sondern werden fuͤglich ge- geoͤffnet/ durch das oleum mercurii und oleum antimonii , mit welchem der Ort etzli- che mahl uͤberfahren wird: wann nun solche geoͤffnet/ reiniget man die Hoͤle/ mit einer Aetzung oder Reinigung/ damit die Ader- lein Dritter Theil lein und Zaͤserlein/ daran solcher Speck ge- hafftet/ gar vom Grunde außgereutet wer- den/ denn wo etwas darinnen bleibet/ ist keine vollkommene und standhafftige Hei- lung zu gewarten. 102. Wie sind solche harte und frantzoͤsichte Beulen zu zertheilen/ damit sie nicht geoͤffnet werden duͤrf- fen? Heilung oh- ne oͤffnung. Solches kan geschehen/ anfaͤnglich/ wann sich solche Beulen beginnen auff zu blehen/ und der Speck noch nicht recht ein- gewurtzelt und coagulirt ist/ alsdann kan man wohl solche zaͤhe feuchte per poros ge- maͤhlich außziehen/ durch folgendes: pulv: rhabarbar, aloes epat, sapo venet: incis, lixiv . zu einem cataplasmate gekocht/ und dick uͤbergelegt/ hernach ein duͤnn- geschlagen Bley darauff gebunden/ welches einen hal- ben Tag in scharffen Wein-Essig mit Saltz vermischt/ gelegen/ solches ein Monat lang continuiret , ziehet alle Feuchte heraus/ und verzehret solche. 103. Wie ist zu erkennen/ was ein Frantzoͤsichter fuͤr eine complexion habe? Die von Geschwaͤren. Die Cholerici uͤberkommen die Frantzo- sen/ und schlagen auß/ mit gar truckenen Blattern/ zum Theil hart wie Druͤßlein/ von unten auff roth/ oben mit gelben De- ckeln; Laufft eine scabies mit/ so ist dieselbe auch gantz duͤrꝛ und trucken/ sie erzeigen sich auch mit hefftigen/ gifftigen und umb sich fressenden Flechten. Was Melancholici seyn/ die uͤberkom- men sie mit Zapffen oder scrophulis und zur Truckne geneigt/ wo aber sonst Blattern außgeschlagen seynd/ haben sie Schwefel- gelbe und schwartze Deckel/ es zeigen sich auch daneben Flechten und Raude/ wie von der cholericis gemeldet worden. Die Sangvinei werden auch mit die- ser Kranckheit vergifftet und verunreini- get/ und erzeigen sich eines theils roth mit weissen Blattern/ anderen Theils mit Zapf- fen/ wie die Wartzen: und ob schon diese complexion die edelste und subtileste ist/ un- ter allen complexionen , so ist sie doch wegen ihrer zarten Subtilitaͤt/ gantz faͤhig/ solchen Gifft auffzufangen. Die phlegmatici schlagen auß/ gantz breit-rufftig/ weitlaͤufftig/ fluͤßig und eytrich/ und wo solcher Eyter hinlaufft/ wird die andere umbliegende gute Haut auch verseh- ret und verunreiniget/ es laufft auch ein scharff wasserige scabies mit/ die offt gantz unheil- Dritter Theil unheilbahr ist. Dieses zu mercken/ daß diese Kranckheit nicht so gar einen humorem angreifft/ sondern macht eine Turbierung aller Qvalitaͤten: Doch kompt diese Kranckheit von groben verbrenten Gebluͤth/ mit scharffen gesaltzenen Schleim etzlicher- maaßen vermischt/ welcher sich am ersten in der Leber einwurtzelt/ und dann allgemach in die Glieder gebracht wird. 104. Was ist Spina ventosa fuͤr eine Kranckheit? Es ist eine sonderliche Kranckheit/ von den Barbaris und Arabern , ungewiß auß was fuͤr Ursachen also genennet/ und son- derlich zuerst von Avicenna lib. 4. Fen. 4. tract: 4. cap . 9. vielleicht nach Severini Mei- nung/ weil ventositas bey den Arabern so viel heist/ als œdema, spina aber daher/ weil die Patienten uͤber einen stechenden und reis- senden scharffen Schmertzen klagen/ als wann sie mit einem Dorn gestochen werden. Die Griechen nennen einen solchen affect Te- redo , die Hollaͤnder einen Beinfresser/ und wie der Tulpius lib: 4. observ: 12. vermeinet/ nennet ihn Celsus lib: 8. cap: 10. Cancrum Petrus de Marchettis. ossis , einen Krebs der Knochen. Die Materie dieser Kranckheit ist die pituita oder kalte Feuchtigkeit; Der schadhaffte Ort allezeit die Gelencke/ nimmermehr die internodia , wann von Geschwaͤren. wann sie ja bißweilen mit angesteckt wer- den/ leiden sie nur wegen der sympathia oder Mit-Verwandschafft. Die Art und Weise/ wie sie gezeuget wird/ ist diese: Es faulet die kalte Feuchtigkeit/ welche denen Gelencken zur Nahrung gewidmet ist/ und verdirbet erstlich durch die Schaͤrffe die Beiner/ und zwar ohne Schmertzen/ nach- mahls greifft sie auch das periostium an/ da dann der stechende Schmertz allererst/ wie oben gemeldet/ seinen Anfang nimbt : So lang das Haͤutlein gantz/ ist keine Ge- schwulst zu sehen/ so bald es aber verdorben und angesteckt ist/ so erhebet sich die kalt- schleimichte Materie/ welche frey und unge- hindert durch die Musculen durch gehet/ und verursacht im schadhafften Gelenck erst- lich eine weiche/ luckere/ unschmertzhaffte/ und an der Farbe der Haut gleiche Ge- schwulst/ welche/ wann sie geoͤffnet/ haͤr- ter wird/ in dem die Feuchtigkeiten allda haͤuffig zusammen fliessen/ derer duͤnnere Theil außrauchet und weggehet/ der dickere aber hinterstellig bleibet/ als dann kan man erst befinden/ daß das Bein verdorben ist. Es koͤnnen aber so woll Manns als Wei- bes-Persohnen meistentheils umb das 25ste Jahr damit beladen werden/ im hohen Alter aber selten/ sie muͤsten dann schon zu- vor mit dieser Kranckheit behafftet gewesen D d seyn: Dritter Theil seyn: Dahero Marc: Aurelius Severinus diesen affect Pædarthrocacen nennet/ dann selbiger definie ret diese Kranckheit/ daß sie sey ein abscessus umb die Gelencke der Kin- der/ welches die Knochen sphacelie ret und verdirbt/ herkommend auß den nicht gerei- nigten ersten Unreinigkeiten des Saamens und Monathlichen Gebluͤthes/ welcher an die Gelencke gelanget und alda faul wor- den. Die Cur anlangend/ so ist solche Kranckheit uͤbel zu curiren/ so wol wegen des steten Zuflusses/ der Materie/ als we- gen der Verderbung des Beins/ und soll man die Heilung nicht vornehmen/ es sey dann zuvor der Fluß abgewendet. Die euserliche Cur anlangend/ so soll man/ so bald sich der Patient eines solchen obgedach- ten Schmertzens beklaget/ es sey in den Ge- lencken/ entweder der Haͤnde oder Fuͤsse/ Ellbogen oder Knie/ oder auch der Knoden an den Fuͤssen/ also bald einen Schnitt thun/ wann auch schon keine Geschwulst da ist/ und mit einem Sucher fuͤhlen/ ob das verdorbene Bein ungleich/ welches dann eine Anzeigung ist/ daß das Bein eher als das periost ium verdorben/ weswegen dann das Bein also bald radie ret werden muß/ ohne welches Mittel nie mahls in keiner Wunden oder Geschwaͤr eine faͤste Narbe geziehlet werden kan. Wann we- gen von Geschwaͤren. gen Tieffe des Orthes man mit den rasarijs nicht zukommen kan/ muß man sich des Feuers gebrauchen/ und zwar nach dem die Wunde entweder mit Entzian-Wurtzel oder consolida von einander gedehnet/ soll man ein eisernes Roͤhrlein biß auff den Grund des Beins schieben/ und alsobald mit einem gluͤenden Eisen das verdorbene Bein brennen/ so viel als noͤthig erachtet wird/ daß sich das verdorbene loͤsen koͤnne. Weil es sich aber bißweilen zutraͤgt/ daß in den Kindern gantze Gelencke in den Fingern und Fuͤssen verdorben werden/ so hilfft in solchen Fall weder Feuer noch Eisen/ son- dern man muß an derer statt ein duͤnnes Boͤhrerlein brauchen/ mit denselben die Mitten der kleinen Gelencke durchbohren/ nach diesem mit einem behenden Abbeisser die Gelencke entzwey theilen/ und herauß nehmen/ den leeren Ort mit Fleisch anfuͤl- len/ welches mit der Zeit hart/ und an statt eines Beines kuͤnfftig dienen kan/ man muß sich aber huͤten/ daß man der Sehnen und Nerven schone/ damit nicht etwa eine convulsion verursachet werde. Die innerli- che Cur kan in Mangelung eines Medici verrichtet werden/ mit Artzeneyen/ die da den gantzen Leib betreffen/ und die kaltschlei- michte Feuchtigkeit außfuͤhren/ dieselbe auß- zutrucknen/ ist das decoct: lignorum sehr D d ij dien- Dritter Theil dienlich. Wie hiervon Petrus de Argellata lib. 5. cap. 2. weitlaͤufftiger handelt. Wann man aber nach Rath desselben die verfaulete Knochen nicht aus dem Wege schaffen kan/ muß man zur amputation und Abschneidung des Gliedes greiffen/ von welcher zwar zur Gnuͤge im ersten Theil dieser Wund-Artze- ney in der 53sten Frage gehandelt worden: Nur dieses ist noch zuzuthun/ daß man das Knie mit dem eingeschraubten Instrument des Hildani faͤst machen soll/ und ein Mes- ser zu erwehlen/ welches nicht gar zu krumb/ wie Johann van Horne in Microtechne er- mahnet/ zu dem in denen Gliedern/ welche zwey Roͤhren haben/ (nach dem der Schnitt mit dem krummen Messer geschehen/) ein zweischneidiges/ nicht gar zu breites Messer gebrauchen/ mit welchem man zwischen den zwo Roͤhren die verborgen liegende grosse vasa entzwey schneiden kan/ wie auch das periostium zwischen beyden Knochen. Zu dem soll man mit der Saͤgen hinten bey der Handheben anfangen zu saͤgen/ in dem man die Finger der lincken Hand nebst dem Schnitt haͤlt/ und gemach etzliche kurtze Zuͤ- ge thun/ biß man einen guten Anfang hat/ darnach kan man laͤngere Zuͤge thun. Man sall aber nach des obgedachten vortrefflichen Joh. van Horne Meinung/ erstlich die klei- ne Roͤhre/ hernach die grosse durchsaͤgen/ viel- von Geschwaͤren. vielleicht weil im Abstossen des Knochens/ wie man ins gemein/ aber nicht gar zu recht redet/ leicht ein Schade entstehen kan/ ab- sonderlich/ wann die gewaltsame Hand des Chirurgi zu dem schweren Bogen der Saͤ- gen dazu kompt/ dann leichtlich geschehen kan/ daß entweder die Saͤge gebogen/ oder gar gebrochen wird/ oder aber wann der Chirurgus bey der grossen Roͤhr angefangen/ und im stossen ist/ die kleine Roͤhr durch den Stoß mehr abgestossen und gebrochen/ als abgesaͤget wird/ welches in der Heilung leicht eine Hindernuͤß geben kan: Ist derohalben besser/ man verfahre sicher und bedachtsam/ als daß man mit der furie die operation ver- richte. Endlich ist auch zu erinnern/ wie so gar ungereumbt die Creutz-Heffte seyn/ mit wel- cher sie die Lefftzen der Wunden herzuzuzie- hen gedencken/ wie hiervon Hildanus kan nachgelesen werden. Die Blutstillung durch die cauteria hat zwar ihre Anfechtung/ in dem die gemachte eschara abfallen/ und einen neuen Blutfluß verursachen kan/ al- lein man muß nicht Ursach zur Erschwaͤ- rung der escharæ geben/ sondern truckne Artzeneyen darauff bringen/ dadurch sie end- lich sicherer ab gehen wird. Die Zubin- dung der grossen Gefaͤsse/ in Annehmung D d iij der Dritter Theil von Geschwaͤren. der Glieder/ wird zwar von Paræo lib. 12. cap. 35. sehr recommendie ret/ aber Stephanus Gourmelenus in Syntag: art: Chirurg: pag: m. 125. verwirfft sol- che gar sehr. ENDE des Dritten Theils/ von Geschwaͤren. Vier- Vierter Theil der Wund-Artzeney. von Verrenckungen. 1. Was ist eine Verrenckung? D Ie Verrenckung ist eine unnatuͤrli- Beschrei- bung. che Ausweichung des Haupts eines Beins oder Knochen aus seiner Pfannen/ in einen anderen ihm unge- woͤhnlichen Ort/ welche die Bewegung verhindert. 2. Wie unterschiedlich seyn die Verrenckungen? Die Verrenckungen sind viererley/ Unterscheid. 1. wann das Haupt des Beins auß seiner Pfannen weicht/ die 2. ist/ welche auff eine gewaltsame Außdehnung der Sehn- und Spanadrigen Gliedern/ welche die Gleiche oder Gewerb fest machen und verbinden/ er- folget. 3. Wann zwey Beine/ welche bey ein ander gelegen/ von ein ander weichen/ als in dem Arm des Vorder- und Hinter- Beins/ in den Schenckeln das Schien- und Waden-Bein. 4tens wann die Ecken der Beine von den andern/ in welchen sie eingefuͤgt waren/ herauß gerissen werden. 3. Was haben die Verrenckun- gen fuͤr Ursachen? D d v Derer Vierter Theil Ursach. Derer sind drey/ als zum ersten die In- nerliche / in dem die uͤbrige boͤse Feuchtig- keiten/ welche sich mit grosser Ungestuͤm und Menge in die Gelencke setzen/ und die Seh- nen/ durch welche die Beiner an einander hangen/ dermassen erweichen/ nachlassend und schlupfrich machen/ und also die darin- liegende Beine herauß treiben. Zum an- dern: Die euserliche Ursachen sind/ etwa ein Fall/ von der Hoͤhe herab/ die schwere und harte Stoͤß/ ungewisse Tritt und der- gleichen. Zum dritten: die erbliche Ursachen sind/ die etwann einer von seinen Eltern mag ererbet haben/ in dem die Pfannen der Gebeine zu flach/ und nicht so tieff/ als sie seyn solten/ derowegen sie die Haͤupter der Glaͤiche nicht recht fassen koͤnnen. 4. Wie ist eine jede Art der Verrenckung zu erkennen/ und von anderen zu unter- scheiden? Keñzeichen. Die gemeine Zeichen sind/ die allezeit ge- genwaͤrtige Geschwulst des Orts in wel- chem das Bein gewichen/ und die Tieffe des anderen/ auß welchem es sich herauß gethan. Die eigene und sonderbahre be- langend/ so wird die vollkommene oder gaͤntzliche Verrenckung/ durch den Unter- gang und Auffhoͤren des Geschaͤffts und Wuͤr- von Verrenckungen. Wuͤrckung/ zum Theil auß dem Schmer- tzen erkand; Man spuͤret auch den Man- gel/ in dem man das verrenckte Glied ge- gen das gesunde haͤlt und vergleichet. 5. Koͤnnen auch alle Verren- ckungen wieder zu recht ge- bracht werden? Nein! Dann auff die Verrenckung des Toͤdliche Ver- renckung. Haupts/ folget anders nichts/ denn der jaͤhe Todt/ sintemahl das gantze Marck im Ruͤckgrad/ gleich oben bey seinem Anfang und Ursprung hart gedrucket wird; Eben- maͤßig verhaͤlt sich auch mit den Verren- ckungen der spondylen im Ruͤckgrad und des Kinbackens/ wann er zu beyden Seiten auß gewichen/ dann ehe sie eingerichtet werden/ wird eine Entzuͤndung und Geschwulst er- reget/ welches dann die Einrichtung ver- hindert. Auch koͤnnen die alte Verren- ckungen nicht wieder zu recht gebracht werden. 6. Warumb sind die Beine/ so langsam veꝛrencket wor- den/ auch schwerlich wie- derumb einzurichten? Je naͤher das außgewichene Glied der Schwere Verrenckung Pfannen/ je eher ist es einzurichten/ alldie- weil Vierter Theil weil die Verrenckung geschwind und bald geschehen kan/ je weiter aber das auß ge- wichne Glied davon/ welches langsahm und gewaltsahm auß seiner Pfannen ge- wichen/ je muͤhsahmer und langsahmer werden solche zu recht gebracht: Solches geschicht auch in den Fleischichten und woll gehaltenen Leibern/ in dem die Gleiche durch die Dicke der Musculen und Menge der Faͤiste allendhalben hart und enge verschlos- sen werden/ daß sie nicht so leicht außfallen koͤnnen; in den Magern/ in welchen der Leib trucken/ die Sehn-Adern starck und fest/ geschichts gleichfalls/ und koͤnnen de- rowegen/ wann sie außgewichen/ nicht ohne Muͤhe eingerichtet werden. 7. Welche Verrenckungen sind gantz unheilsahm? Unbeisah- me Verren- ckung. Solche/ welche durch den Unrath und verwerffliche Feuchtigkeiten/ die Sehnen kuͤrtzer gemacht worden/ auch sind dieselbe unheilsam/ wann in den Verrenckungen zugleich die appendices und Anhaͤnge der Knochen zerbrochen sind/ den solches un- muͤglich/ also wiederumb zusammen/ und in einander zufuͤgen/ wie sie zuvorgewesen. Die nunmehro veraltete Verrenckungen/ durch welche die zaͤhe Feuchtigkeit/ so die Pfanne des außgewichenen Beins einge- nom- von Verrenckungen. nommen/ zusammen geronnen und gestan- den oder hart worden/ werden auch nim- mermehr zu recht gebracht. 8. Soll man auch das ver- renckte Bein/ wann es mit einer Entzuͤndung befal- len/ einrichten? Wann sich neben der Verrenckung eine grosse Wunde und Bruch erzeiget/ so ist zu besorgen/ daß/ in dem man sich dieselbe wiederumb einzurichten/ einer Außstre- ckung unterwindet/ nicht etwan die Ner- ven zuviel auß gedehnet/ die Sehnen/ sampt den Blut- und Lufft-Adern abreissen/ und also eine Entzuͤndung/ Krampff und der- gleichen andere boͤse Zufaͤll erreget werden: Derowegen haͤlt Hippocrates viel ertraͤgli- cher zu seyn/ daß man in der Zusammkunfft und Vermischung solcher Zufaͤll/ das Gleid uneingerichtet verbleiben lassen; Denn auff eine solche Einrichtung/ sey anders nichts/ dann der gewisse Todt/ auff derselben Un- terlassung aber/ mehrentheils ein immmer- wehrendes Hincken oder Laͤhme allein zu besorgen. 9. Auff wie vielerley Stuͤcke muß der Jenige sehen/ wel- cher Vierter Theil cher eine Verrenckung ein- richten wil? Auff fuͤnfferley. 1. Muß man das Glied recht fassen/ 2. Der Gebuͤhr nach außdeh- nen/ 3. Das Bein an seinen Ort bringen/ 4. Dasselbige an seinem Ort behalten. 5. Den Zufaͤllen wehren. 10. Was ist die Ursach der Verrenckung des Kinba- ckens? Ursach. Wiewoll diese Verrenckung auß viel und mancherley Ursachen entstehet/ jedoch entstehet sie am allermeisten auß dem Gieh- nen und Hojahnen/ oder einer anderen Außdehnung und hefftigen Auffsperrung des Mundes. 11. Auff wie vielerley Arth werden die Kinbacken verrenckt? Solcher wird verrenckt mehr und offter hinfuͤr/ denn hinterwerts/ bißweilen auff eine Seite allein/ bißweilen auff beyde zu- gleich. 12. Welches sind die Kennzei- chen jederer Art? Keñzeichen. Der auff die eine Seite allein verrenckte Kinn- von Verrenckungen. Kinnbacken/ krumbt sich mit sampt dem Kinn nach der Schlimme/ gegen der ande- ren Seite uͤber/ als in welcher er noch un- verrenckt ist/ und verlaͤst auff der Seiten/ aus welcher er gewichen/ eine Tieffen in wel- cher sich nachmahls ein Geschwulst samlet/ also/ daß der Krancke seinen Mund weder zu thun/ noch essen kan/ es stimmen auch die Zaͤhne nicht auff einander: Wann aber derselbe auff beyden Seiten verrenckt ist/ so thut er sich gantz und gar/ mit sampt dem Kinn hinaußwerts/ und gegen die Brust hinab/ und scheinen die musculi temporales außgedehnet/ es fleust auch dem Krancken/ wieder seinen Willen der Speichel aus dem Munde/ er kan nicht recht reden/ sondern muß nohtwendig stamlen. 13. Warumb erfolgt auff die Verrenckung des Kinn- backens auff beyden Sei- ten/ der Todt? Solches geschicht darumb/ diewel sol- cher/ wann er nicht bald eingerichtet wird/ unertraͤgliche Schmertzen verursachet/ nach- mahls eine Entzuͤndung/ wie auch bald nach demselben/ ein Fieber/ und offtermahls in- nerhalb zehn Tagen den Tod/ wegen unge- buͤhrlicher Außstreckung der fuͤnff Aeste der Nerven/ Vierter Theil Nerven/ welche sich aus dem anderen und fuͤnfften Paar/ in die Musculen/ welche den Kinnbacken bewegen/ hin und wieder auß- breiten. 14. Wie ist die Verrenckung des Kinnbackens zu cu- riren? Cur und Hei- lung. Solchen einzurichten/ so beyderseits hin- fuͤrwerts verrencket ist/ soll man den Pa- tienten auff den Ruͤcken legen/ das Haͤupt unbeweglich halten lassen/ die Daumen rund umb mit Tuͤchern wol versehen/ mit denselben in den Mund greiffen/ die andern Finger unters Kinn legen/ und also den gan- tzen Kinnbacken uͤber sich richten: Wann aber der Mund nicht so weit offen/ daß man die Daumen mag hinein bringen/ so muß man hoͤltzerne Keil/ von weichem Holtz ge- macht/ auff beyden Seiten zwischen die Back-Zaͤhne hinein schieben/ das Kinn mit einer Binden unterlegen/ einen Diener auff des Patienten Schultern mit den Knien steuren/ die beyden Enden der Binde er- greiffen/ und also das Kinn damit uͤber sich und in die hoͤhe ziehen/ in dem aber/ muß man die hoͤltzerne Keil hinabwerts drucken/ und also einrichten. Wann aber der Kinn- backen nur allein auff einer Seiten hinfuͤr- werts verrencket ist/ so laß den Patient fein nie- von Verrenckungen. niedrich sitzen/ den Kopff faͤst halten/ nach- mahls mustu die Daumen zu den Backen- Zaͤhnen hinein schieben/ den Kinnbacken hinabtrucken/ und allgemach fein gegen der Seiten zu/ wiedrumb in seine Hoͤle oder Pfannen richten: Wann er aber etzliche Tage also verrenckt/ und uneingericht ver- blieben/ muß man ihn/ ehe man sich der Ein- richtung unterfaͤngt/ mit gebuͤhrlichen Ar- tzeneyen/ zuvor erweichen und nachlassen: Nach dem er nun wiedrumb eingerichtet worden/ den Schmertzen zu stillen eine Ar- tzeney von Essig und Rosen-Oehl uͤberlegen/ die Binden in halb Essig und Wasser ein- weichen/ dann solche Mittel gebrauchen/ die da heilen/ die Sehnen und andere nach- gelassene Stuͤck/ ein- und zusammen ziehen/ als da sind: bol: armen, sang: dracon, farin: volatil, mastix, pix, resina mit Eyerklar angemacht/ nachmahls das Em- plastrum diachalciteos biß zu ende der Hei- lung uͤbergelegt. 15. Was ist zu der Verrenckung des Gurgeleins umb den Knopff am Unter-Halß/ zu thun? Dieses wird sonsten Clavicula zu latei- nisch genandt/ und wird verrencket/ entwe- der gegen oder wider das Sternon, oder ge- E e gen Vierter Theil gen die Schulter/ oder aber derselben Ecke acromion, wie woll gar selten: Hinein- wertz aber/ wie auch herauß und gegen der Seiten zu/ kan er sehr leicht außweichen/ und nach Arth und Gelegenheit/ auff viel und mancherley Weise wiederumb einge- richtet werden/ in dem man den Patienten mit dem Ruͤcken/ auff eine umbgekehrte Schuͤssel oder hartes Ledern Kuͤssen leget/ damit die Schultern fein heraußwerts und in die Hoͤhe gebogen werden/ ziehe ihn als- dann den Arm hin und wieder hinter sich/ fuͤr sich/ und auff allen Seiten/ je nach dem das Bein hie oder da gewichen ist/ denn al- so gehet das/ was herfuͤr gestanden/ wieder in seine Hoͤle: Nachmahls mustu solches mit zugehoͤrigen Sachen verbinden/ und mit Paͤuschen oder Polster und Binden ver- sehen/ als wenns gebrochen waͤre. Es ist warlich solche Verrenckung boͤse zu erken- nen/ und muͤhsahm zu heilen/ wann aber solches nicht eingerichtet wird/ so kan der Mensch die Zeit seines Lebens/ die Hand nicht auff den Kopff/ oder zum Munde bringen. 16. Wie ist der Verrenckung des Ruͤckgrads zu helffen? Die Gelencke des Ruͤckgrads koͤnnen nicht allein ein- und beraußwerts/ sondern auch von Verrenckungen. auch auff beyden Seiten leichtlich außwei- chen und verrencket werden. In der Hin- einweichung/ erzeiget sich auff dem Ruͤcken an selbigem Ort/ eine hinein gebogene Tieffe/ gleich wie in dem Gegentheil/ oder wann sie auff diese oder jene Seiten herauß gewichen/ eine Hoͤhe. Diese Verrenckungen haben Ursach. zwo Ursachen/ die Innerliche und Eusserli- che. Die Verrenckung von aussen-hinein- werts/ kan ohne grosse Gewaldt/ wie auch ohne Zerreissung der Band und Sehnen nicht geschehen/ und ist allerdings toͤdlich/ dann durch die Zusammendruckung des Marcks werden die darunter liegende Glie- der erstaunet/ und aller ihrer Empfindlig- keit beraubet/ weßwegen dann der Harn und Stulgang entweder verstopffet wird/ oder wider des Krancken Wille von ihm gehet/ zu dem so kan man sie auch durch den Leib nicht wiederumb hinaus und zuruͤcke bringen. Die von innen heraus gewichene Cur. gleiche wiederumb einzurichten/ soll man den Patienten auff einen Tisch/ nach der Laͤnge außgestreckt/ auff den Bauch legen/ umb die Arme/ wie auch unter dieselben zu- gleich/ auch umb die Huͤffte ein Handtuch binden/ mit eben demselben durch zwey Die- ner strecken lassen/ wo solches zu schwach und nicht angehen will/ muß man Scam- num Hippocratis so beym Paræo und Sculteto E e ij in Vierter Theil in armamentario chirurgico abgebildet/ zu finden/ gebrauchen/ und damit strecken/ in dem muß man mit den Haͤnden/ oder mit zwey Stoͤcklein mit Tuch umbwickelt/ von beyden seiten den Hogger eindrucken/ biß die Gleiche wieder hinein an ihren Ort weichen/ welches erkandt/ wann der Ruͤckgrad eben und gleich ist; Nachmahls muß man etzli- che Schienen/ von Blech und geschlagenem Bley umb den Ort legen/ jedoch die Ecken und Spitzen der Gleiche/ so woll jetzo als im Einrichten unberuͤhrt/ und also den Patien- ten biß zur endlichen Einwachsung/ in einem Bette liegen lassen. 17. Wie ist der Verrenckung der Gleiche im Genick zu- helffen? Diese Gleiche werden entweder gantz und gar verrencket/ oder aber nur ein wenig auß ihrer Pfannen beweget/ die gaͤntzliche/ wo man ihr nicht in der Zeit begegnet/ brin- get anders nichts/ als den jehen Todt/ die- weil der Anfang des Marcks und der Ner- ven hefftig getruckt wird; Die halbe Ver- renckung aber/ hat keine solche Gefahr. Cur. Diese Verrenckungen zu verbesseren/ muß man den Patienten auff einen niedrigen Stuel setzen/ und sich einen Diener von hinten mit dem gantzen Leibe auff des Pa- tienten von Verrenckungen. tienten Schultern stewren lassen/ du aber fasse mit beyden Haͤnden das Haͤupt bey den Ohren/ schuͤtele und bewege es hin und wieder/ biß das Gleich wieder in seine Pfan- ne faͤllt/ ob aber solches recht eingerichtet/ kan man erkennen/ wann der grosse Schmertz auff einmahl nachlaͤst/ und Er das Haͤupt ungehindert hin und wieder be- wegen kan. Nach diesem/ binde das Ge- nick und die Gewerb der Schultern so hart als die Lufft- und Speiß-Roͤhr vertraͤget. 18. Warumb ist die Verren- ckung eines Gleichs allein/ gefaͤhrlicher/ als wann der- selben etzliche zugleich mit einander auß weichen? Dieweil in Außweichung eines Gleichs/ das Marck im Ruͤckgrad mehr getruckt und gekrumbt wird/ da in Außweichung vieler Gewerbe/ das Marck gleichsahm wie ein halber Circkel und weitlaͤufftiger einge- bogen wird/ und ob woll dasselbige eben auch etwas leidet/ so ist doch solches nicht so hefftig/ daß es solte den Todt verur- sachen. 19. Wie ist die Verrenckung des Endes oder Schwan- E e iij tzes Vierter Theil tzes im Ruͤckgrad zu erken- nen/ und wie ist es zu heilen? Keñzeichen. Solche Verrenckung wird durch einen schweren Fall oder harten Stoß verursa- chet/ und kan der Mensch in solchem Fall die Fersen oder Hacke/ nicht biß gegen die Ars- Backen biegen/ seine Nothurfft kuͤmmer- lich verrichten/ und kan anderst nicht/ denn auff einen durchloͤcherten Stuhl sitzen. Cur. Diese Beine wiederumb einzurichten/ muß man einen Finger dem Patienten zu dem Afftern/ biß zum verletzten Ort hinein schie- ben/ wie in den Bruͤchen soll gesagt wer- den/ dasselbige mit Gewalt auffrichten/ unterdessen mit der anderen Hand fein eben machen/ und in seinem natuͤrlichen Ort steiff und unbeweglich erhalten. Die end- liche Heilung erfolget in zwantzig Tagen/ und soll seine Nothurfft anders nicht/ dann auff einen engen durchloͤcherten Sessel ver- richten. 20. Woher kompt die Verren- ckung der Rippen/ wie sind sie zu erkennen und zu hei- len? Ursach. Die Rippen werden duͤrch einen starcken und gewaltigen Stoß verrencket/ und von den von Verrenckungen. den Gleichen/ als welchen sie durch ihre sonderbahre Gewaͤrb anhangen/ abgetrie- ben. Das Kennzeichen des herauß gewi- chenen Beins ist/ die unebene Gestalt/ wel- che allhie eine Tieffe/ dort aber eine Hoͤhe verursachet/ in den hinein getriebenen/ aber erzeiget sich an den Ort/ da sie sich mit dem Ruͤckgrad verbindet/ eine Hoͤle. Sie er- regen viel Schmertzen und Zufaͤll/ und ist ein Schmertz wie das Seiten-Stechen/ es kompt dem Krancken das Athemen schwer an/ und kan sich weder recht außstrecken oder biegen/ und blaͤhet sich das mausechte Fleisch/ so nechst an den Rippen lieget/ sehr hoch auff. Vor allen Dingen/ soll man die Einrichtung auff solche Weise vor die Hand nehmen: Wann die verrenckte Cur. Rippe in die oberste Seite des Gleichs ge- wichen/ so stelle den Krancken auffrecht/ hencke ihm die Arme ober eine Thuͤr oder Fensterlade/ und trucke alsdann das Haupt der Rippen wieder an seinen Ort. Im Gegentheil/ wann es in die unterste Seite des Gleichs gewichen/ so laß sich den Pa- tienten hinfuͤrwerts biegen/ und mit den Haͤnden auff die Knie steuren/ und richte also das außgewichene wieder ein. Im Fall es aber hineinwerts gewichen/ kan es eben so wenig/ als wie die hinein gewichene Gleych im Ruͤckgrad an seinen Ort ge- E e iiij bracht Vierter Theil bracht werden. Doch pflegen etzliche mit Aufflegung starckklebenden Pflastern die eingewichene Rippen wieder hinauff zu zie- hen/ einen Versuch zu thun. 21. Wie geschicht die Verren- ckung der Schulter? Solche wird leicht verrenckt/ dieweil sie nicht wie die Gewerb der Hufft inwendig mit einer Sehn-Ader verbunden wird/ ent- weder durch einen Fall oder Stoß/ in dem der Arm etwan vorgeworffen und außge- strecket wird/ und eine Gewalt dazu kompt/ welche den Boltzen auß seiner Pfannen/ entweder hinunterwerts oder vorwerts treibet. 22. Wie sind diese Verrenckun- gen zu tractieren? Aliaemeine Einrichtung. Es sey die Verrenckung wo und wie sie wolle/ so muß eine gebuͤhrliche Streckung geschehen/ welche entweder bey den Zarten und Schwachen/ mit den Haͤnden/ oder in den Staͤrckeren/ mit den Instrumenten geschiehet; Wann solche Streckung ge- schehen/ muß man/ in dem solche wieder allgemach wird nachgelassen/ mit den Haͤn- den das Bein an seinen Ort verhelffen; Es geschicht auch gar offt/ daß/ wann das Bein gestrecket und hervor gebracht wird/ die von Verrenckungen. die musculi solches Bein mit Gewalt in ihren vorigen Ort ziehen/ ist also alles an ei- ner gebuͤhrlichen Streckung gelegen/ es ge- schehe gleich uͤber eine Thuͤr/ Leyter/ Pistill/ oder mit der Fersen und einer Kugel/ oder man gebrauche sich der remoræ Hildani pag: 635. beschrieben/ scamni Hippocratis, oder der Kruͤcken/ durch welche es woll angehet/ wann nur die Handgriffe richtig. 23. Was ist zu thun/ wann einem eine Achsel/ so noch nicht gar heil/ wiederumb außfiel/ und solche sich mit Kugeln und freyer Hand nicht wolle wieder hinein bringen lassen? Solches wird geschehen/ wenn keine recht vollkommene Einrichtung geschehen/ oder/ wann kein gebuͤhrlicher Vand ge- brauchet/ oder/ wann der Patient sich nicht darnach gehalten/ weswegen dann die Einrichtung wiederholet werden muß/ und zwar durch vorgesagte Instrumenta, uͤber welche von Hippocrate geruͤhmet werden/ das Glossocomion oder Ambi, welche von Parao abgebildet seyn. 24. In wie viel Wege gehet der Ellbogen auß? E e v Auff Vierter Theil Beschrei- bung. Auff viererley Weise/ nemblich hinein und heraußwerts/ uͤber sich und unter sich/ dieses aber ist zu verstehen/ wann die Hand oder der Arm also stehet/ daß der Daume uͤber sich/ der kleine Finger aber unter sich stehet. 25. Wie ist eine jede Gattung solcher Verrenckung zu er- kennen? Keñzeichen. Wiewoll solches/ wie in allen Verren- ckungen die Hoͤhe/ und an dem Gegen-Ort die Hoͤle zu erkennen giebt/ so wird doch genauer erkandt/ wann der Ellboge hin- außwerts verrenckt ist/ daß sich der Arm keinesweges einbiegen laͤst/ sondern gleich außgedehnet stehen bleibet: Wann aber der Ellbogen hinfuͤrwerts gewichen/ so laͤst sich der Arm nicht außstrecken; Also auch/ wann er entweder uͤber sich oder abwerts verrencket worden/ so ist der Arm zu dem Ort/ auß welchem das Bein gewichen/ gekrumpt/ auch nicht recht außgestreckt. 26. Wie ist ein Ellboge/ so auß- gangen/ wieder einzurich- ten? Es sey der Ellbogen außgewichen/ auff was fuͤr Weise er wolle/ so ist doch/ den- selben von Verrenckungen. selben einzurichten/ nur eine Weise. In dem man durch einen Diener den verrenck- Cur. ten Arm unter dem Gewerb der Achsel steiff und faͤst halten laͤst/ du aber den Arm uͤber der Hand fassest und ziehest/ und zugleich die Schulter hinauffwerts/ den Huͤgel des Ellbogens aber/ hineinwerts treibest/ den Arm allgemach entweder streckest/ oder ein wenig dehnest/ fein leis hin und her drehest/ und also dem Bein wiederumb in seine Pfanne verhelffest. Oder verrichte solches/ mit einer Saͤule/ mit einem dazu gemach- ten Zaum und Stecken/ wie beym Paræo abgemahlt zu sehen. 27. Was ist zu thun/ wann das vordere Armbein Cu- bitus hineinwerts gewi- chen waͤre? Alsdann ist vonnoͤthen/ das man den Arm mit aller Macht und Staͤrcke auß- strecke/ nachmahls geschwind und unge- stuͤmlich einbiege/ also daß die Hand auff ihre derselben Seiten Achsel schlage. Etz- liche legen etwas rundes in des Ellbogens Biege/ und biegen alsdann den Arm ge- hoͤrter massen schnell und geschwind ein: Zu mercken ist/ daß man in diesem affect das Glied bewegen laße/ so lang die Cur wehret/ Vierter Theil wehret/ damit nicht Ancylosis verursachet werde. 28. Was ist zu thun/ wann der Knorr oder Knopff des vorderen Armbeins/ so Sty- loides genennet/ außgan- gen? Dieses Bein/ welches durch eine kleine Hoͤle oder Pfanne auff und angenommen wird/ weicht bisweilen auß seiner Stelle von dem Hinter-Bein hinweg. Wie woll man nun die Einrichtung gebuͤhrlicher mas- sen anstellen soll/ so wird doch nach Hippo- cratis Aussage einmahl keine vollkommene Einrichtung/ so wohl in dieser/ als ande- ren allen solchen Abreissungen zuwege ge- bracht/ in dem die Sehnen entweder von einander gerissen oder nachgelassen haben/ doch soll man solche medicamenta, die da hef- tig ein- und zusammenziehen gebrauchen. Es geschicht fuͤrnemblich/ wann etwa einer aus der Hoͤhe auff die Hand stuͤrtzet. 29. Wie geschicht die Verren- ckung der Hand-Wur- tzel/ wobey ist sie zu erken- nen/ und wie ist sie zu cu- rieren? Der von Verrenckungen. Der Carpus kan hineinwerts/ hinaus- werts/ und zu beyden Seiten verrencket werden. In der ersten wendet sich die flache Keñzeichen. Hand gegen die Hoͤhe/ in der anderen bieget sie sich ein/ und laͤst sich durchaus nicht aus- strecken/ in der dritten und letzsten aber zur Seiten/ kruͤmmet sie sich nach der Schlim- me/ jetzt zu dem Daumen/ bald zu dem klei- nen Finger/ nach dem sie verrenckt seyn. Alle diese Verrenckungen werden auff einer- Cur. ley weise eingerichtet/ denn man laͤst zweene Diener bey der Hand und unter dem Arm fassen/ und uͤber etwas hartes und glattes also ausstrecken/ daß das flache oder inwen- dige hinab/ und gegen der Erden sehe/ und der Theil/ auß welchem das Bein gewichen/ unter/ der ander aber/ in welchem es sich gegeben/ oben liege/ nachmahls truckt man die uͤbersich ragende Beine mit den Haͤnden fein wiederumb hinein in ihre Stelle. 30. Wie ist die Verrenckung der Beiner der Hand-Wur- tzel zu erkennen/ und zu heilen? Solche Verrenckung/ wie woll sie nicht leicht ohne grosse Gewalt entstehen kan/ wer- den sie doch aus der unebene leicht erkandt und zurecht gebracht/ wann man die Hand auff Vierter Theil auff einen Tisch also ausstrecket/ daß/ wann die Beiner hineinwerts gewichen/ der flache Theil uͤber sich/ wann sie aber heraußwerts/ die Flache auff den Tisch und unter sich gele- get werde/ und also mit drucken/ oder mit der Fersen wiederumb hinein bringet/ mit gehoͤrigen Pflastern und Binden versiehet/ und gebunden in ihrem Ort behaͤlt/ damit die Beiner nicht wieder ausgehen. 31. Was ist bey den Verren- ckungen der Beiner/ zwi- schen der Hand-Wurtzel und Fingern zu thun? Das Metacarpium wird nur in den zwey eussersten Beinern hinauswerts/ nemblich/ bey dem kleinen Finger und Daumen ver- rencket/ und werden auff einerley Weise mit denen in der Hand-Wurtzel wiederumb ein- gerichtet und zu recht gebracht. 32. Was ist bey der Verrenckung der Finger zu thun? Diese Beiner koͤnnen gleichfals auff vie- rerley Weise verrencket werden/ und pflegt man sie auff einem Tisch fein auszustrecken/ denn also werden sie/ (dieweil ihre Pfannen nicht tieff/ die Gleiche fast kurtz/ und die Sehnen etwas schwacher/) sehr leicht- lich von Verrenckungen. lich wiederumb eingericht und zu recht ge- bracht. 33. Was ist bey der Verrenckung des obern und dicken Schenckels/ oben bey der Hufft zu thun? Der Schenckel kan in der Hufft auff vie- rerley Art ausweichen/ am allermeisten aber/ hinein- und herauswerts/ sonsten gar selten/ zuweilen auch aus einer innerli- chen Ursach/ in dem die haͤuffig zufliessende humores die ligamenta und Baͤnder der Hufft also erweichen und nachlassen/ daß das Bein in seiner Pfannen nicht kan behal- ten werden: Diese Verrenckung geschicht allezeit vollkommen/ denn wegen der star- cken Musculen/ runden Haͤuptern und Pfannen/ ist unmuͤglich/ daß ein Theil der- selben koͤnne heraus weichen/ das andere aber darin bleiben. 34. Warumb ist solche Verren- ckung so schwerlich zu cu- rieren/ und der Schenckel so leichtlich wieder aus einander gehet? Daß sie schwerlich zu curieren/ geschicht daher/ weil die Musculen und Sehnen starck Vierter Theil starck und faͤst/ und wann das Bein wie- der in seiner Stelle/ sind sie so starck ausge- dehnet gewesen/ und haben so nachgelassen/ daß sie das Glied in ihrer Pfannen nicht halten koͤnnen/ weil sie durch unnatuͤrliches Außdehnen also geschwaͤchet worden; Auch geschichts offt/ daß das innerste kurtze und runde ligament, welches das Haupt dieses Beines/ in dem Gleich der Hufft innerhalb seiner Pfannen angehefftet/ entweder mit Gewalt zerrissen/ oder durch die Menge der boͤsen Feuchtigkeiten weich weꝛden und nach- lassen. 35. Wie ist zu erkennen/ daß der Schenckel im obe- rem Gleich bey der Hufft herauß oder hinein gewi- chen? Wann die Roͤhr hineinwerts gewichen/ so ist derselbe Schenckel laͤnger und dicker/ das Knie aber mehr eingebogen/ denn das ander/ wendet sich mit den gantzen Fuß hin- außwerts/ laͤst sich nicht einbiegen/ und er- scheinet neben dem Gemaͤcht/ als an wel- chem Ort das Haupt des Beins gewichen/ eine grosse und augenscheinliche Hoͤhe. Wann es aber heraußwerts gewichen/ so scheinet im Gegentheil der verrenckte Schen- ckel von Verrenckungen. ckel kuͤrtzer/ der gantze Schenckel wendet sich mit sampt den Knie und Fuß hinein- werts/ und koͤnnen die Patienten nicht auff der Fersen/ sondern allein auff den Wur- tzeln der Zaͤhe gehen. 36. Wie ist zu erkennen/ wann das Haͤupt der Roͤhrn im Obern-Schenckel/ oben bey der Hufft hinfuͤrweꝛts gewichen? Dieses/ wiewol es selten geschicht/ ist zu erkennen/ wann das offt gemeldte Haͤupt zur Schaam gewichen/ und die seiten da- selbst erhoͤhet werden/ im gegentheil die Arß- backen tieff und eingefallen/ es kan auch der Patient den Schenckel/ wegen der an- und einziehung der Musculen/ ohne Schmer- tzen nicht außstrecken/ noch zu den seiten der Schaam einbiegen/ denn das vorderste Maͤußlein so von dem osse ileo herkompt/ wird sehr von dem Haͤupt des Beins ge- druckt/ und ruͤhret der Patient nur mit der Versen und nicht mit der Wurtzeln der Ze- hen im gehen die Erde an. 37. Woher kompt in dieser Ver- renckung die Verstopffung des Urins? F f Die- Vierter Theil Dieweil der grosse Boltzen der Hufft die grosse Nerven so sich zur Harnblaasen en- den/ gewaltig trucket/ durch welches die Harnblaase/ durch Mitleiden/ nicht allein des Schmertzebs theilhafftig gemacht/ son- dern mit einer Entzuͤndung uͤberfallen wird/ welche/ wann sie den Sphincterem Vesicæ er- reichet/ denselben sphincterem durch die Geschwulst verschliest/ und keinen Harn herauß lest. 38. Wie ist das auß der Pfanne hineinwerts gewichne Haͤupt der Roͤhren im Obern-Schenckel/ in dem Gewerb der Huͤffte/ wie- drum einzurichten und zu recht zu bringen? Paræus lib. 15. cap. 4. erzehlet eine Ma- nier/ in dem man den Patienten auff einen Tisch oder Banck legen soll/ in dessen Mit- ten ein starcker hoͤltzerner Nagel stecken soll/ welcher nach der Lehre Hippocratis mit lei- nen Tuͤchern umbwunden sey/ auff solche weise werde der Leib auffgehalten/ daß er nicht in dem Außdehnen außweiche/ nach- mahls soll man ein recht starckes Leinwand- tenes Band ober dem Knie anmachen/ den Schenckel mit einem Zug starck strecken/ und von Verrenckungen. und nach diesem ein wenig nachlassen/ zu gleich aber das außgewichene Haͤupt in seine Pfanne helffen; Nach dem nun das Bein gehoͤriger maßen eingerichtet/ wel- ches genugsahm darthut/ wann der Schen- ckel dem andern in allem gleich ist/ der Schmertz nachgelassen/ und den Schenckel ohne schmertzen gebrauchen kan/ soll man dann/ wie vor gemeldet/ die zusammen- heilende Artzeneyen vor die Hand nehmen/ den Ort neben dem Gemaͤcht mit Wuͤlst- lein versehen/ und den Patienten ein Mo- nat lang mit außgestreckten Schenckel im Bette behalten. Zu dieser Einrichtung kompt sehr beqvem/ des Fabritij Hildani Instrument, Remora genant/ mit dem dar- zu gehoͤrigen Gurtel. Cent: 5. Observat: 86. 39. Wie ist der in der Hufft heraußwerts gewichene Schenckel wiedrumb ein- zurichten? Diese Art Verrenckung ist die aller leich- sie wiedrumb einzurichten/ also daß durch das bloße Außstrencken solche verrichtet wer- den kan/ und man macht es eben so/ als mit der hineinwerts gewichenen Roͤhren/ und geschicht entweder mit/ oder ohn einen Knall. F f 2 40. Wie Vierter Theil 40. Wie ist ein Bein so hinvor- werts gewichen/ wiedrum einzurichten? Lege den Patienten auff seine gesunde Seite/ binde die Gurte umb/ lege ein Wulstlein auff das herfuͤr ragende Haͤupt des Beins/ lasse dasselbe steiff und fest dar- auff halten/ wann nun die Außdehnung nach der Gebuͤhr/ entweder mit den Haͤn- den oder Schraubezeug geschehen/ so treibe das Bein entweder mit den Haͤnden oder Knie an seinen Ort/ und verfahre weiter wie es sich gehoͤrt. 41. Wie ist ein Bein so hinter- sich und zuruͤck gewichen/ einzurichten? Allhie muß man den Patienten auff den Bauch legen/ die Baͤnder gehoͤrter maßen anmachen und außstrecken/ das Haͤupt hinein treiben/ in dem auch zu gleich das Knie von dem gesunden Schenckel hinweg ziehen/ und nach dem es einmahl eingerich- tet/ woll zu sehen/ damit es nicht wieder außgehe/ welches in dieser Art Verrenckun- gen durch unzeitige Bewegung leichtlich ge- schicht/ denn die Last dem darin liegenden Bein fast schwer ist. 42. Auff von Verrenckungen. 42. Auff wie vielerley weise koͤnnen die Kniescheiben verrencket werden? Solche koͤnnen so woll uͤber sich als unter sich/ also auch hinein und heraußwerts/ mit nichten aber hinterwerts/ wegen des unterliegenden Knies/ verrencket werden. 43. Wie ist solche Verrenckung zu curieren? Man lest den Patienten auff einen ebenen Boden stehen/ drucket die Kniescheibe von dem Ort/ da es gewichen/ wieder in seine Psanne/ fuͤllet den Ort in welchen es ge- wichen war/ mit Wuͤlstlein auß/ desglei- chen auch die Kniebeuge/ und bindet also das Knie faͤst steiff und unbeweglich: Nach- dem es nun lang genug geruhet/ kan der Patient allmaͤhlich das Knie wieder beugen. 44. Auff wie vielerley Weise wird ein Knie verren- cket? Solches wird auff dreyerley Weise ver- rencket/ nehmlich hineinwerts und heraus- werts/ hinter sich oder hinauswerts. Celsus aber will/ daß es auch hinfuͤrwerts verren- cket werde/ doch selten/ und nicht als mit grosser Gewalt. F f iij 45. Vierter Theil 45. Was ist solcher Verren- ckung Ursach? Sie werden gemeiniglich/ durch etwann einen Fall von der Hoͤhe herab/ Tantzen/ Springen/ und schnellem Lauffen verur- sachet. 46. Wie werden solche Verren- ckungen er kant? Solche sind leicht zu erkennen/ weil sol- cher Ort gantz ohne Fleisch/ in dem hie eine Hoͤle/ dort aber das Widerspiel vermercket wird; Es wird auch die Bewegung auff- gehoben/ in dem der Mensch die Fersen nicht kan zu dem Afftern biegen. 47. Wie ist die Verrenckung der Knie zu curiren? Die Verrenckung so hinein oder herauß- werts geschehen/ werden durch eine maͤssige Außdehnung/ in dem man die Beiner mit den Haͤnden/ von dem Ort in welchen sie gewichen/ wiedrumb ab und hinweg trucket/ eingerichtet und zurecht gebracht. 48. Was ist zu thun/ wann das Knie hinfuͤrwerts gewichen? Wiewol diese Verrenckung gar selten ge- schiehet von Verrenckungen. schiehet wegen der Kniescheiben/ welche mit gar starcken Ligamenten mit dem Knie ver- bunden wird/ im fall es aber geschehe/ soll man den Patienten die Hufft und unten den Fußbinden/ der Gebuͤhr nach ausstrecken/ entweder mit den Haͤnden/ oder aber mit dem Schraubzeug/ nachmahls mit beyden Haͤnden so lang auff dem Knie liegen und das heraußgewichene Bein hinein treiben und drucken/ biß daß es wieder in sein Lager komme. 49. Auß was Ursachen werden das Waden-Bein und Schien-Bein von einan- der zertrennet? Solches geschicht deßwegen/ dieweil das Waden-Bein dem Schien-Bein ohne ein- tzige Hoͤle und Pfanne/ so woll oben in dem Knie/ als unten bey den Knoden anhanget/ kan also leichtlich etwann durch einen unge- wissen Tritt/ in dem die darob liegende Last des Leibes dazu kompt/ von einander weichen. 50. Wie ist mit Verrenckung des Waden-Beins unten beym Knoden am Ge- lenck des Fusses/ umbzu- gehen? F f iiij Die- Vierter Theil Dieses muß man wieder/ wie offt gesagt/ an seine Stelle bringen/ denselben Ort/ wo- hin es gewichen gewesen/ mit Wuͤlstlein außfuͤllen/ nachmahls der Gebuͤhr nach ver- binden/ die Binden bey der Verrenckung anlegen/ mit derselben hinauffahren/ daß es das Gesunde treffe/ und also den Patien- ten 40. Tage liegen lassen/ biß die Sehnen starck genug/ doch soll man im binden den grossen tendinem nicht zu sehr druͤcken. 51. Woher werden die Fersen zur Verrenckung gebracht? Solches geschicht gemeiniglich in dem ei- ner von der Hoͤhe herab springet/ daß also durch das harte Anstossen die Ferse von dem Knoden abgerissen wird: Es geschicht aber vielmehr und offters hinein/ denn heraus- werts/ dieweil das hinabfallende Waden- Bein den Knoden gleichsahm umbfasset/ und also die Fersen desto faͤster und steiffer auffhaͤlt. 52. Wie sind sie zu curiren? Solches wird durch das Außdehnen und Hineintrucken erlanget/ und ist an ihr selbst die Verrichtung nicht schwaͤr/ es sey dann daß etwann ein grosser Fluß und Entzuͤn- dung dasselbige verhindere. 53. Was von Verrenckungen. 53. Was pflegen fuͤr Zufaͤll auf die Zerstossung der Fer- sen zu erfolgen? Es werden die Bluth- und Lufft-Adern so belaͤstiget/ daß sie woll Troͤpflein Bluth von sich geben/ welches hernach Geschwulst und Schmertzen verursachet/ und mit er- weichenden Behungen/ Aderlassen und Purgieren abgewendet wird. 54. Was ist bey der Verren- ckung des Knodens un- ten am Gelenck des Fus- ses zu thun? Solcher kan ebenmaͤssig auff allerley wei- se außweichen/ welchen man durch gebuͤhr- liche Außstreckung wieder in seine Pfanne bringet/ und durch gebuͤhrliche Mittel in selbiger behaͤlt; Dieses ist aber zu mercken/ daß der Patient etwas laͤnger als sonsten zu Bette liegen muß/ damit sich die Nerven wiederumb befestigen/ weil die gantze Last des Leibes darauff ruhet. 55. Was ist bey der Verrenckung des Fußblats biß an die Zaͤhe vorzunehmen? Solche werden so woll hinab- als hinauf- werts verrencket/ an die Seiten aber gar selten/ werden mit der Hand in ihren Orth gebracht. F f v 56 Wie Vierter Theil von Verrenck. 56. Wie sind die verrenckten Zaͤhe wieder einzurichten? Solche weichen ebener massen aus/ als die Finger/ und werden auch gleicher massen eingerichtet und geheilet. 57. Was fuͤr Zufaͤll sind den Verrenckungen gemein? Zufaͤll. Derer sind fuͤrnemblich folgende: Als die Zerstossung/ grosser Schmertz/ Entzuͤn- dung/ Fieber/ innerliche Apostem und Ge- schwaͤr/ Brand/ Ersterbung/ Fistel/ Schwindung des Gliedes und Abnehmung des Leibes/ welche alle einen fleissigen und erfahrnen Chirurgum erfordern. 58. Woher kompts daß ein Ach- sel/ Ellbog/ Hand/ Huft/ oder Knoͤchel/ nach dem es einge- richtet/ entweder starꝛ/ krum oder unbegaͤng bleibet? Solches verursachen die durch die Ver- renckung hingezogene und gebrachte Feuch- tigkeiten/ welche das Glied starꝛ machen/ und entweder erweichet oder verzehret werden muͤssen. ENDE des Vierten Theils von Verrenckungen. Fuͤnff- Fuͤnffter Theil der Mund-Artzeney. von Bruͤchen. 1. Was ist ein Bruch? E In Bruch ist nichts anders/ als eine Paulus lib. 6. cap. 89. gewaldsahme Zertrennung derselben Knochen/ welche natuͤrlicher Weise aneinander hangen sollen. 2. Woher entstehet ein Bruch? Gar selten entstehet ein Bruch von fres- Ursach. sender und nagender Ursach/ als da ist das Feuer/ selten durch Stechen/ offt wol durch Hauen/ am alleroͤfftesten aber/ durch Zer- stossen/ Zerreiben/ Erschuͤttelen und der- gleichen. 3. Wie vieleꝛley sind der Bꝛuͤche? Deren sind vielerley/ und wird die erste Paræus. Lib. 14. cap. 1. Art Raphanidon genennet/ wann das Bein uͤber zwerch durch und durch in zwey stuͤck entzwey bricht. Die 2. Art wird Caryedon genandt/ wann viel kleine stuͤcklein hinweg/ als/ wann man eine Nuß auff einem Am- bos entzwey schlaͤgt/ geschicht fuͤrnehmlich in den Bruͤchen/ so mit Bley Kugeln ge- schossen werden. Die 3. Art wird Schidaci- don genandt/ wann das Bein den langen Weg Fuͤnffter Theil Weg gespalten/ uñ entweder augenscheinlich oder subtil und Haarfoͤrmig gebrochen; Es werden auch offt die Beiner nur hinein gebo- gen/ offt geben sie sich herfuͤr und waͤlben sich gleichsahm auff/ etzliche sind nur oben hin mit einem Schiefer gespalten/ etzliche gehen mit ihrem Spalt biß auff das Marck/ etzliche find wiederumb mit/ oder ohne Wunden/ etzliche mit Verblutung/ Entzuͤndung/ Brand und dergleichen Zuͤfaͤllen/ etzliche sind wiedrumb wegen des Orts unterschie- den/ als Bruͤche des Haͤupts/ der Rip- pen/ Arme/ Schenckel/ Gelencke/ Item des Alters/ Gestalt der Leiber ꝛc. 4. Wie sind die Beinbruͤche zu erkennen? Paræus setzet drey Kenn-Zeichen/ das 1. wann man die stuͤcklein Bein im betasten von einander befindet/ und daneben ein Ge- reusch hoͤret. Das 2. ist die Unvermoͤg- ligkeit des Gliedes/ und sonderlich wann beyde Roͤhren entzwey. Das 3. die unna- Part. 2. lib. 4. cap. 1. tuͤrliche veraͤnderung der Figur. Fabritius ab Aquapendente erzehlet uͤber obgemelte noch zwey Kenn-Zeichen/ in dem bey den Bruͤchen ein grosser Schmertz/ und solcher von wegen der Nerven/ welche alsdann entweder zerrissen/ oder sonsten verdrehet sind/ oder dieweil sich etwan eine Spitze des von Bruͤchen. des Beins in die hoͤhe richtet und eine Spanadrigen Ort ruͤhret und sticht. Zum andern/ kan man es abnehmen/ auß den Ursachen der Bruͤche/ in dem der Patient den Wund-Artzt berichten kan/ wie solche Beschaͤdigung zugangen. 5. Warumb kan im Winter leichtlicher ein Beinbruch geschehen als sonsten? Dieweil zur selben zeit dieselbe Knochen durch die Truckne des eusserlichen Luffts noch mehr außgetrucknet werden/ hergegen sind sie in dem feuchten Wetter und ande- ren Zeiten des Jahres auch feuchter/ und lassen sich hin und wieder biegen. 6. Warumb sind die Schaden der Knochen schwerlich zuheilen? Solches geschicht wegen ihrer natuͤrli- chen und angebohrnen Truckne/ und koͤn- nen nicht so leicht/ als wie das Fleisch zu- sammen heilen/ doch geschicht solches nach Galeni Meinung/ an den Kindern fuͤglicher. 7. Warumb lassen sich die Bein-Bruͤche in den Jun- gen eher/ als in den Alten heilen? Das Fuͤnffter Theil Das kompt daher/ weil die Jungen noch viel der eingepflantzten und natuͤrlichen zaͤhen und schleimichten Feuchtigkeiten ha- ben/ die Alten aber hergegen nichts/ dann eine waͤßerichte und verwuͤrffliche/ so unter den Unrath kan gezehlet werden; Darauß dann zusehen/ daß man keine gewisse Zeit der Heilung benennen koͤnne/ dann solches geschicht vielmehr nach Gelegenheit der Zeit/ complexion, Alter ꝛc. 8. Warumb sind die Bruͤche/ so bey den Gelencken sind/ gefaͤhrlich? Weil bey den Gelencken ein concursus tendinum oder Zusammenkunfft der Seh- nen geschicht/ welche dann durch ihre scharffe Empfindlichkeit/ einen grossen Schmer- tzen/ Entzuͤndung und andere Zufaͤll er- wecken. 9. Soll man auch ein zerbro- chen Glied/ so mit einer grossen und hefftigen Ent- zuͤndung uͤberfallen/ nichts desto weniger ohne Ver- zug einrichten? Allerdings nicht recht woll ohne Gefahr/ weil in dem Außstrecken ein gefaͤhrlicher Krampff von Bruͤchen. Krampff dazu kommen kan/ ist derowegen rathsamer/ wo es seyn kan/ daß man die Einrichtung auffschiebe/ biß die Feuchtig- keit verzehret/ die Geschwulst zertheilet/ und der Schmertz gestillet werde. 10. Was wird zur Heilung der Bein-Bruͤche erfodert? Vier Stuͤck/ als das man 1. ein jedes Joh. And. à Cruce. Stuͤck des zerbrochenen Beins alsobald wieder an seinen Ort helffe. 2. dieselben steiff und unbeweglich beysammen erhalte/ 3. durch die Huͤlff des calli wieder zusammen heile/ 4. die folgende Zufaͤll abschaffe und verbessere. 11. Worbey ist abzunehmen/ daß das Bein recht einge- richtet? Solches wird erkant/ wann das Bein dem andern gleich/ keine Hoͤle oder Hoͤcker gespuͤret wird/ absonderlich aber/ wann der Schmertz gestillet/ welches das gewis- seste Zeichen. 12. Warumb weichen die ein- mahl eingerichteten Beine biß weilen wie derumb auß/ und wie ist solches zu er- kennen? G g Das Fuͤnffter Theil Das Außweichen geschicht daher/ wann etwa der Krancke sich im Bette unruhig haͤlt/ oder die Glieder im Schlaaff vom Krampff uͤberfallen werden/ wodurch sich die Musculen wiederumb zuruͤck und zu ih- ren Ursprung ziehen/ und also zur Außwei- chung Anlaß geben/ ob es schon woll einge- richtet gewesen/ da dann die Erneuerung des Schmertzens/ das Drucken und Ste- chen/ genugsahme Zeichen sind/ welche sich nicht eher legen koͤnnen/ biß das Glied wie- der auffs neue eingerichtet wird. 13. Welche Art zu liegen ist dem Patienten die beste? Lager der Bruͤche. Die mittelmaͤßige/ als die Armbruͤche etwas eingezogen und in einen Winckel ge- bogen/ die Schenckel ein wenig/ doch nicht gar außgestreckt/ dann wann das Lager nicht recht/ ziehen sich etzliche Musculen ein/ hergegen lassen auch etzliche nach/ und wer- den zu lang: Doch soll man den Patienten fragen/ daß er keine Schmertzen davon habe/ und die Gewohnheit zu liegen/ von ihm erforschen. 14. Wann ist das erste Ge- baͤnd in den Bruͤchen auff- zuloͤsen? In den Bruͤchen laͤst man solches drey oder von Bruͤchen. oder vier Tag liegen/ es sey dann/ daß der Schmertz/ Entzuͤndung/ Krampff und dergleichen solches verhinderte/ da dann ohne Verzug das Band abgeloͤset/ und den Zufaͤllen muß gewehret werden. In den Verrenckungen aber/ hat es weniger Noth/ und kan woll sieben Tage liegen bleiben. 15. Welches sind die sorglich- sten Bein-Bruͤche? Gleich wie die Jenigen/ boͤser und mehr beschwerlich seyn/ welche den langen Weg gebrochen/ als die uͤberzwerg/ also sind die am aͤrgsten/ welche in kleine Stuͤcklein zer- brochen/ und die Nerven verletzen. 16. Wobey ist zu erkennen/ das ein Bruch zu hart ge- bunden? Solches wird erkant/ wann der Boͤse Zei- chen. Schmertz nicht nachlassen wil/ und nichts desto weniger der Bruch woll auffeinander gerichtet ist/ zu dem/ wann nach dem Ver- binden das Glied geschwilt/ auch braun wird/ und wann das Glied gleichsam ent- schlaͤfft und schwer wird. Wann aber kein Gute Zei- chen. Schmertz zu gegen/ und nur auff dem Bruch ein wenig drucket/ wo selbsten es G g ij man Fuͤnffter Theil man haͤrter zu binden pflegt/ so wisse/ daß das Gebaͤnd recht sey. 17. Was pflegen in und nach der Heilung fuͤr sonderliche Zufaͤll zu kommen? Derer sind viel/ als der Schmertz/ rothe hitzige Geschwulst/ Jucken/ offne Wunden/ uͤbermaͤßige Truckne oder Feuchte/ so dem Ursprung der Schwulen widerstehen/ der Brand/ uͤbermaͤssige Harte und Groͤsse des calli oder Schwulen/ und letzlich gar zu kleine Schwule/ welche alle mit grossem Fleiß entweder verhuͤtet oder abgeschaffet werden muͤssen. Als/ wann Cur der phlegmone ein Schmertz und eine phlegmone oder hitzige Geschwulst dazu kompt/ muß man das Gebaͤnd und Schienen weg thun/ den Ort mit Oehl und Eßig/ mit genetzter Wolle versehen/ oder mit Rosen-Oehl/ mit dem Weissen vom Ey geklopfft/ die Binden einweichen. Celsus braucht die Behung mit warmen Wasser in grosser Menge. Cur des Ju- ckens. Das Jucken/ so durch scharffen Eyter verursachet worden/ begiesset Hippocrates und Galenus mit laulechten Wafser/ die Neoterici aber mit gesaltzenem Wasser/ und schmieren es mit dem ungv: camphorat: Rhasis, oder ungv: popol: Wann eine Wun- de zugegen/ muß man sie tractieren/ wie in den von Bruͤchen. den Fleisch-Wunden gedacht worden/ mit digerie ren/ mundificie ren/ incarnie ren/ und die Schiefferlein herauß thun/ nach diesem kan man woll die Binden faͤster anziehen/ und die Schienen gebrauchen. Die allzu grosse Schwule klein zu ma- Cur des grossen Calli. chen/ muß man die Diaͤt schmaͤlern/ und resolvie rende und astringie rende Mittel ge- brauchen/ das Gebaͤnd enger einziehen/ und geschlagen Bley darauff binden. Die kleine Schwule aber groß zu ma- Cur des kleinen Calli. chen/ muß man das contrarium gebrauchen/ mit starckem Reiben/ dem Ort die Nah- rung hinziehen/ und mit warmen Wasser behen. 18. Wann einer einen Bein- Bꝛuch haͤtte/ so nicht gerad geheilet waͤre/ wie wolte- stu ihm thun? Solchen wieder zurecht zu bringen/ muͤ- Cur der un- gleichen Bꝛuͤ- che. ste man bey Zeiten darzu thun/ mit Behun- gen/ gemacht von Ibisch-Wurtzel und Kraut/ Baͤren-Klaw/ Stein-Klee/ Cha- millen/ Wermuth/ Leinsaamen/ \&œn: græc: mit welchem decocto das Glied/ und son- derlich der Bruch und callus fleissig muß ge- behet werden/ nach selbiger mit einer Sal- ben schmieren/ gemacht von Menschen-Fett/ Baͤhren Schmaltz/ Gaͤnse Schmaltz und G g iij der- Fuͤnffter Theil dergleichen/ nach diesem ein Instrument an- legen/ welches erstlich mit dem Bein accor- dieret/ nachmahls mit der Schrauben taͤglich gerader schrauben/ biß endlich allge- mach das Glied seine rechte Figur bekompt. 19. Wie ist ein jeder Bruch zum ersten zu verbinden? Erster. Band Man muß das Glied gebuͤhrender mas- sen strecken/ doch nicht zu sehr/ damit nicht die vorgedachten Zufaͤll erreget werden/ nachmahls die Knochen fein auffeinander richten. Zum andern die eingerichtete Bei- ne mit gehoͤrigen Binden zusammen halten/ welche nicht zu breit seyn sollen/ und an der Zahl zwey/ mit derer einen man mitten auff dem Bruch anfangen muß/ und so hinauff- werts herumb lauffen lassen/ daß es ein gut Theil von dem gesunden mit treffe/ mit der anderen/ welche noch einmahl so lang seyn soll/ fange man wiederumb auff dem Bruch an/ und lauffe mit derselben hinabwerts/ und auch wieder hinauff. Wie du aber mit der ersten Binden nach der lincken Sei- ten gefahren bist/ also fahre mit der andern zur rechten Seiten herum/ damit die musculi nicht verdrehet werden/ netze aber zuvor die Binden in eine Mixtur von Essig und Was- ser/ dann nicht allein das Binden/ sondern auch die Mixtur den einfliessenden Feuchtig- keiten/ von Bruͤchen. keiten/ auch der Entzuͤndung wehret/ ehe man aber die Binden brauchet/ soll man entweder ein defensiv oder Doͤrꝛband mit Eyerklar angemacht/ oder das diapalma uͤberlegen: Damit aber solche desto besser anhalten/ gebraucht man sich uͤber der alten ihren Wuͤlstlein und spleniis der Schindlen/ welche entweder von einer trucknen Rinden/ duͤnnen Blech oder dicken Karten Pappier gemacht seyn/ welche man mit linden Tuͤ- chern und Polstern bekleidet/ daß sie nicht druͤcken. Hippocrates hat vor dem sieben- den Tag die Schindlen nicht anlegen wol- len/ weil er sich des Schmertzens und der Entzuͤndung gefuͤrchtet/ uͤber das sind etzli- che sorgfaͤltige Chirurgi, welche das Glied und sonderlich die Schenckel/ in eine so ge- nandte Stroh-Laden/ oder darzu gemach- ten Kasten legen/ in solcher Form/ wie in der 13den Frag gemeldet: Ist aber der Bruch mit einer Wunden/ so sind ihrer etzliche/ welche den Bruch mit den Schindlen gar verschonen/ etzliche schneiden so woll in die Schindel/ als auch in die Binden Loͤcher/ damit man taͤglich zur Wunden kommen kan/ wie solches in dem Armamentario Chi- rurgico Sculteti nebst einer Art Binden in Figuren deutlicher zusehen ist/ auch daß man die Wunde ohne Auffhebung des Schenckels/ taͤglich verbinden kan; Letz- G g iiij lich Fuͤnffter Theil lich ist zu wissen/ daß nun/ wann alles woll stehet/ man den Bruch vor dem funffzehen- den Tag nicht auffloͤsen darff. 20. Was ist zu thun/ wann ei- ner einen Bruch haͤtte/ aber kein Warm- oder Doͤrꝛ-Band oder Pfla- ster leiden koͤnte? Es bezeuget es die Erfahrung/ daß offt- mahls so widerwaͤrtige Naturen gefunden werden/ welche gantz und gar kein Pflaster/ Salben oder dergleichen vertragen koͤnnen: Nun ist nicht ohne/ daß eintzig und allein die Natur bey Erwachsung des Calli das beste thun muß/ nichts desto weniger kan und soll man solchen widerspenstigen Bruͤchen helf- fen/ mit eusserlichen Wassern und decoctis von den Ingredienti en/ welche sonsten zu den Bruch-Pflastern gebrauchet werden. Hil- danus ruͤhmet auch/ so woll innerlich als eusserlich/ den lapidem osteocollæ, welcher den Callum sehr befodert/ doch muß man sol- chen behutsam und mehrentheils nur alten Leuthen gebrauchen/ denn in den jungen und starcken Leibern/ verursachet er einen gar zu grossen callum. 21. Was ist fuͤr ein Pflaster zu gebrauchen/ damit ein je- der von Bruͤchen. der Beinbruch/ wann er wieder an einander ge- stossen/ koͤñe faͤst gemacht und geheilet werden? Die Bruch-Pflaster werden aus unter- schiedlichẽ ingredientien gemacht/ welche den callum befoderen helffen/ als: Rad: consolid, barba caprina, far in: fabarum, farin: volatil, bolus armeni, sangv: dracon, thus, myrrha, a- loes, acacia, tragacant, gallas nuc: cupress, aus welchen mit Hartz/ Pech/ Colopfonia und Wachs/ entweder Pflaster gemacht/ oder die Pulver mit dem Weissen vom Ey uͤber- gelegt werden/ unter den Pflastern/ werden sonsten auch/ und zwar im Winter gebꝛaucht das Empl: barbarum und oxycroceum des Sommers/ des Fruͤhlings aber das dia- palma. 22. Wie vielerley sind Unter- scheid der Bruͤche der Hirn- schal? Fuͤnfferley. 1. Fissura. 2. Contusio. 3. Ef- fractura. 4. Sedes. 5. Resonitus wie solches weitlaͤufftiger in der 33sten Frag des anderen Theils ist gemeldet worden. 23. Von was fuͤr eusserlichen Ursachen werden die Bruͤ- G g v che Fuͤnffter Theil che der Hirnschal verur- sachet? Solches geschicht entweder durch Hauen und Stechen/ oder Fallen und Schlagen. 24. Wie moͤgen die Bruͤche der Hirnschal erkandt wer- den? Zeichen des gebrochenen Cranii. Nach Celsi Meinung soll man die Umb- stehende fragen/ ob der Patient die Gall von sich gebrochen/ ob er das Gesicht und Gehoͤr verlohren/ ob durch die Naasen und Ohren Blut gelauffen/ ob er nach dem Schlag zu Bodem gefallen. Welches zwar unfehlbahre Zeichen der gebrochenen Hirnschal seyn/ doch soll man die Wunde auch das Gewehr oder Instrument womit es geschehen/ betrachten/ zu dem auch den Ort des Haͤupts/ dann das Hinter-Theil und hinter den Ohren die ossa petrosa viel staͤrcker als der Wirbel/ wie mit mehrem in der 45. Frag des andern Theils zu sehen. 25. Wie soll der Sucher damit man den Bruch erforschet beschaffen? Vesalius in Chirurgia magna pag. m. 86. Damit man nun gewisser gehe/ soll man den Bruch zu erforschen/ einen Sucher ge- brauchen/ von Bruͤchen. brauchen/ solcher aber soll nicht gar zu duͤnn auch nicht gar zu spitzig seyn/ damit/ wann etwa eine natuͤrliche Hoͤle angetroffen wird/ man nicht gleich schliesse/ daß das Bein entzwey sey. 26. In welchen Faͤllen/ soll man die haarichte Haut oͤffnen? Die haarichte Haut muß man offt auch nur in denen Zerqvetzschungen derselben oͤff- nen/ wann sie gantz geblieben/ und sich ein ge- ronnen Gebluͤth/ unter derselben gesetzt; Sol- ches geschicht auch/ wann man muthmas- set/ daß das Cranium gebrochen oder gespal- ten sey. 27. Wie ist die haarichte Haut von der zerbrochenen Hirn- schal abzuloͤsen? Man thut erstlich entweder einen Creutz- Schnitt/ Driangel oder wie Marcus Aure- lius Severinus der vortrefliche Chirurgus zu Napolis, in form eines H oder T und das gar durch/ mit einem scharffen Messer biß auffs Bein/ damit daß pericranium zugleich mit durch geschnitten werde/ alsdann se- pari ret man die Haut mit sampt dem peri- cranio von der Hirnschal/ und ziehet die Leff- tzen zuruͤck mit Hefft-Pflastern. 28. Wie Fuͤnffter Theil 28. Wie kan man des Bruchs der Hirnschal/ wann er sich erstlich nicht erzeigt/ innen und gewiß werden? Die Zeichen sind gar viel/ und uͤber die- selbe/ welche schon erzehlet sind/ kan man auff die entbloͤste Hirnschal ein wenig Din- ten giessen/ und nachmahls wieder sauber abwifchen/ da sich dann die Dinte in den aller kleinesten Haarspalt setzet/ und den Bruch/ dafern einer ist/ andeutet/ welches doch nebst dem Korn-Auffbeissen/ item den Fadem zwischen den Zaͤhnen Berengarius in libro aureo de fracturis cranij in Zweiffel zie- het mir gar schoͤnen rationibus, 29. Wie ist zu erkennen/ ob der Bruch durch beyde Taffeln der Hirnschal gangen? Solches wird erkand/ wann man den Patienten die Naase gantz zu haͤlt/ auch zum Mund hinauß keine Lufft lest/ sondern mit gewald den Athem außstoͤst/ da dann die Lufft den Eyter oder das Blut durch die Hirnschal stoͤsset/ welches nicht geschehen kan/ wann nur eine Tafel entzwey ist. 30. Wie bald ist das gebroche- ne und geschiefferte Bein her- von Bruͤchen. herauß zu nehmen von- noͤthen? Solches muß mit Unterscheid geschehen/ dann wann die Schieffer klein/ und gantz bloß liegen/ mag man sie woll alsobald her- auß nehmen/ im gleichen auch wann etwan die Schieffer die duram matrem drucken/ wann aber dergleichen nicht ist/ kan man woll die Natur und die medicamen ten mit wircken lassen; Wann sie aber groß und sich nicht wollen mit einer Schwule befaͤsti- gen lassen/ die soll man sitsahm herauß nehmen. 31. Warumb muß man zu wei- len die zerbrochene Hirn- schal durchbohren? Umb viererley Ursachen willen damit Noͤthige Trepanatio. zum ersten die Knochen welche etwan das Hirn und die dura mater stechen/ herauß genommen oder auffgehaben werden. Zum andern/ damit der hinabfallende Eyter koͤnne außgefuͤhret werden. Zum dritten/ damit man desto fuͤglicher die Artzeneyen zum beleidigten Theil bringen moͤge. Zum Vierten/ damit also der Zufluß/ welcher in anderen Gliedern des Leibes/ durchs bin- den gehemmet wird/ verhindert werde; Hergegen wann der Bruch nicht durch bey- de Fuͤnffter Theil de Tafeln gehet/ auch keine contusion zuge- gen/ soll man nicht trepani eren/ und also vergeblich die dura mater von der Lufft an- wehen lassen. 32. Was ist bey den Naasen- Bruͤchen zuthun? Dieselbe einzurichten steckt man den klei- nen Finger in die Naasen/ und bieget also die eingewichne Beinlein herauß/ hergegen die herauß gewichene hinein/ wann nun al- les auff einander gerichtet/ so mache von Bley oder Federkeil ein Roͤhrlein/ umb- winde sie mit Flachs/ bestreich sie mit Ro- sen-Oehl/ und schiebe sie in beyde Naasloͤ- cher/ und weil die Naas/ ohne hohe Noth/ nicht soll starck gebunden werden/ so ge- brauche folgendes: als Mastic, oliban, myrrh, bol: armen, sangv. draconis, alum, farin: volatil: mit album: ovorum ange- macht/ solches ist ein sehr bequem/ wie auch ein außtrucknend ein- und zusammenziehend Medicament und waͤchst die Schwule ins- gemein in 12 oder 15. Tagen. Das unterste Knorsplichte Wesen wird nur zerdrucket/ selten aber gebrochen. 33. Wie ist den Bruͤchen des Untern-Kinbackens zube- gegnen? Sol- von Bruͤchen. Solchen Bruch muß man mit den Fin- gern/ so woll in- als außwendig wieder zu recht helffen/ damit es aber also zusammen bleibe/ muß man mit einem geschmeidigen Drat/ da wo der Bruch ist/ die beyden Zaͤhne an einander faͤst machen/ ein Bruch- Pflaster oder Doͤrband uͤberlegen/ eine Schiene von Solen-Leder laͤngst dem Kin- backen richten/ mit einer Binden/ so zweyer Finger breit und rechter Laͤnge/ (welche an beyden Enden zerspalten/ damit es das Kinn recht fasse) der gebuͤhr nach binden/ in dem die zwey unterste Enden der Bin- den hinauff zu dem obern Theil des Haͤupts gezogen weꝛden/ daselbst gebunden und an die Schlaaff-Haube gehefft werden/ die ande- ren zwey obersten aber/ uͤberzwerg zu dem Unter-Theil des Genickts geleitet/ und gleich- fals angenehet werden. 34. Wie sind die Zaͤhn so durch den Bruch beweget wor- den/ wiederumb zu befaͤ- stigen? Die Zaͤhne welche erschuͤttelt/ oder gar auß ihren Lucken beweget worden/ muß man wiedrumb einrichten und an ihren Ort brigen/ zu dem mit einem gewaͤxtem Fa- dem an die naͤgste anbinden und faͤst ma- chen/ Fuͤnffter Theil chen/ biß daß sie von sich selbsten wieder einwurtzelen. 35. Wobey ist abzunehmen daß der Kinbacken wieder ein- gerichtet ist? Wann die Zaͤhne fein recht in ihrer Ord- nung stehen: Damit aber solche in ihrer Ordnung bleiben moͤgen/ soll man dem Pa- tienten wollbereitete linde Speisen geben/ welche man nicht viel kaͤwen darff/ wann also verfahren wird/ so ist die Schwule oder callus in zwantzig Tagen befaͤstiget. 36. Wie ist den Bruͤchen des Unterhalses zu begegnen? Die clavicula oder das Gabel-Bein bricht liederlich/ kan aber schwer also geheilet werden/ daß nicht der Bruch solte mercklich gesehen und gefuͤhlet werden/ doch soll man die Beiner/ sie seyn den langen Weg (wel- ches in allen Bruͤchen aͤrger als sonsten) oder uͤberzwerg entzwey/ so viel muͤglich auff einander richten/ ein Bruch-Pflaster und Creutz-Polster von harten Tuͤchern oder alten uͤbereinander vielfaͤltig gelegten Pflastern gemacht/ uͤber legen/ die Hoͤle aber der Achsel mit einer Kugel oder Knaul versehen/ die Binden Creutzweis uͤberein- ander von Bruͤchen. ander gehen lassen/ und mit demselben den Arm hinter sich und zuruͤcke ziehen: Die Schwule oder Maser dieses Beins/ weil sie luck und Schwammicht ist/ wird meh- rentheils innerhalb zwantzig Tagen vol- lendet. 37. Wie sindt die Bruͤche des Schulterblats zu heilen? Solche zu heilen/ muß man vorerst zu- sehen/ ob die Beinlein noch an dem grossen Bein/ oder am periostio hangen/ dafern nicht/ muß man den Ort oͤffnen/ die Bei- ner herauß nehmen/ wofern sie aber noch anhangen/ wieder an ihren Ort richten/ und mit gehoͤrigen Mitteln versehen/ auch mit Wuͤlstlein und Binden/ so zu diesem Glied dienlich/ steiff und faͤst erhalten: Wie von den Binden und andern schoͤnen Handgriffen auß den Kupfferstichen des Armamentarij chirurgici Sculteti zu erler- nen ist. 38. Auff wie vielerley weise mag das Schulterblat zerbrochen werden? Das Schulterblat kan an allen Enden und Orten zerbrochen werden/ als an seiner Spitzen/ welche sich in der Mitten/ gleich H h wie Fuͤnffter Theil wie ein Gipffel/ dieselbe zubeschuͤtzen/ an- hebt/ wie in den Gleichen des Ruͤckgrads zu sehen/ und wird bey den Anatomicis Acromion genennet/ oder wird an seinem breiten Theil hinein getruckt/ oder sonsten auff andere wege in dem Gelenck/ da es sich mit der Obern-Schulter verbindet/ zerbrochen. 39. Warumb werden die Bruͤ- che in dem Gewerben der Schulter/ des Genicks und Schultterblats selten geheilet? Weil in dieses Gewerb auß den Achseln viel grosse Bluth- und Lufft-Adern/ wie auch auß den Gelencken des Ruͤckgrads im Ge- nick/ nicht wenig und geringe Nerven ge- hen/ welche sich von dannen/ in alle des Arms Maͤuselein außbreiten/ und werden auch die fuͤhrnehmste Glieder/ der Entzuͤn- dung und Faͤule/ so etwa daselbst entsteht/ wegen der Nachbarschafft leichtlich theil- hafftig gemacht/ dadurch also viel und grosse Zufaͤll/ ja auch woll der Todt verur- sachet wird. 40. Wie ist zu erkenen/ ob das Genick auß/ oder entzwey? In von Bruͤchen. In solchen Faͤllen entfaͤrbet sich das Ge- sicht/ und wird der Mensch am Athemen und Reden sehr verhindert/ der gantze Leib wird der sinnlichen Geister beraubet/ und also eine schnelle und unverhoffte Entzuͤn- dung/ die Braͤune und schwaͤres Athemen/ oder vielmehr eine gaͤntzliche Erstickung ver- ursachet. 41. Was ist zu thun/ wann ei- nem das Genick entzwey ist? Auff des Genicks Zerbrechung geschehen sehr grosse und schwaͤre Zufaͤll/ welche/ wann sie das Marck im Ruͤckgrad beleidi- gen/ auch woll den Tod verursachen: Man soll aber/ so viel muͤglich/ die zerbro- chene Beiner wieder zu rechte helffen/ so fern etzliche lose Schieffer verhanden/ die Haut oͤffnen/ und herauß nehmen/ die uͤbri- gen mit Pflaster/ Polster/ Binden und dergleichen versehen/ so viel/ und am besten man kan/ wie in dergleichen Verwundun- gen gemeldet. 42. Wie ist der jenige zuverbin- den/ dem das Brust-Bein entzwey? Man muß den Patienten auff ein hart Polster legen/ den Diener die beyde Schul- tern mit den Haͤnden nieder drucken lassen/ H h ij und Fuͤnffter Theil und also in dem man die Rippen zu beyden seiten ein und zusammen presset/ denselben wiedrumb uͤber sich und an seinen Ort ver- helffen/ nachmahls/ die Entzuͤndung zu- verhuͤten/ und den Schmertzen zu stillen/ die offterwehnte Artzeneyen/ Binden und Baͤusche brauchen. 43. Was ist zu thun/ wann ei- ner eine Achsel außgefal- haͤtte/ und der Ellbogen entzwey waͤre? Senertus lib. 5. prax. Man hat sich offt wol vorzusehen in den Bruͤchen/ die nahe bey den Glaͤichen sich befinden/ denn es geschicht offt/ daß auch das Glied dabey mit aus ist/ welchen denn recht zu begegnen/ man das verrenckte Glied zuvor einrichten muß/ hernach den Bruch/ und beydes mit gebuͤhrenden Mitteln verse- hen. Wann man aber ohne Gefahr/ das verrenckte Glied nicht einrichten darff/ we- gen grossem Schmertzen und grosser Ent- zuͤndung/ soll man zuvor den Bruch vor- nehmen/ und dann endlich die Achsel ein- richten/ wann der Callus sich gesetzt/ denn sonsten wuͤrden viel Zufuͤll verursachet werden. 44. Was ist zu thun/ wann ei- ner von Bruͤchen. ner die Achsel außgefallen/ und der Arm hinter dem Ellbogen entzwey waͤre/ und haͤtte eine beinschroͤti- ge Wunde? Bey Einrichtung der Achsel waͤre allhie grosse Gefahr/ in dem nicht allein der Ell- bogen oberhalb entzwey/ sondern auch un- terhalb eine beinschroͤtige Wunde; Weß- wegen man das zerbrochene Glied der Ge- buͤhr nach verbinden soll/ nachmahls zu der Wunden sehen/ die losen Beiner heraus nehmen und heilen/ wie offt in den anderen Theilen dieses Buchs gedacht worden/ in sonderheit den Zufaͤllen/ als Entzuͤn- dung/ Krampff/ Fieber und dergleichen zu- vor kommen. 45. Was ist zu thun/ wann ei- ner einen Armbruch haͤt- te/ und ihm die Achsel schwindete? In Heilung der Schwindung soll man Hildanus in Tractat. de Synovia. allezeit auf die Ursach Achtung gebẽ/ derowe- gen/ wañ wegen Verstopfung oder Schwaͤ- chung der iñeren Glieder das Abnehmen ge- schicht/ so muß man die Glieder eroͤffnen und staͤrcken/ so woll durch Artzeney als durch H h iij Spei- Fuͤnffter Theil Speisen. Die Leibes Bewegung soll maͤssig seyn/ das krancke Glied soll man des Mor- gens/ wann der Patient auffstehet/ und die Schweißloͤcher noch offen seyn/ erstlich mit warmen Tuͤchern/ nachmahls mit Safft von Regenwuͤrm/ Forsch-Oehl/ oder son- sten einem staͤrckenden Glieder-Wasser rei- ben/ oder in Mangelung dessen/ mit einem Schwind-Saͤlblein des Tages zweymahl schmieren/ welches gemacht ist von Rengen- wuͤrm-Oehl/ langen Pfeffer/ Euphorbio, castoreo, ol: è baccis juniperi \&c. Wenn aber eine Haͤrte an einem Ort des leidenden Theils zu gegen/ welche den Durchgang der Nahrung und Geister verhindern wolte/ so ist dieselbe zu erweichen und zu zertheilen mit Behungen/ gemacht von Ibischwurtz/ Weiß-Lilienwurtz/ Stickwurtz/ Attich- wurtz/ Paplen/ Chamillen/ Steinklee/ Bethonien/ Hollunderbluͤth/ Leinsamen/ fœn: græc: und ein wenig Anies/ ein Saͤck- lein gemacht/ dasselbe in Wasser gesotten/ das Glied gebehet/ nach diesem mit Regen- wuͤrm-Oehl gesalbet/ und ein Empl. d. mu- cilaginibus oder de œsypi oder de ranis c. merc. Vigonis, oder de cicuta uͤbergeleget. 46. Was ist bey den Bruͤchen der Rippen zu thun? Die gebrochene Rippen zu recht zu brin- gen/ von Bruͤchen. gen/ soll man wissen/ daß solche entweder halb oder gantz entzwey gebrochen werden koͤnnen/ welchen man entweder mit den Haͤnden/ nemblich wann sie heraußwerts stehen/ oder aber mit starck-klebenden Pfla- stern/ wann sie sich hinein begeben/ zurecht hilfft/ nachmahls ein Bruch-Pflaster uͤber- gelegt/ und sich keiner andern Gebaͤnde ge- brauchet/ als daß nur das Pflaster aufflie- ge: Die Heilung der halb entzwey gebro- chene Rippen/ wird in 21. Tagen nach Celsi Meinung/ verrichtet. 47. Warumb sind die innerliche Bruͤche der Rippen meh- rentheils toͤdtlich? Daß solche nur allein in ihrem inwendi- gen Theil zerbrechen/ geschicht gar selten/ wann sie aber also brechen/ so sind sie deß- wegen fast toͤdlich/ weil sie mit ihren gebro- chenen Spreißlein die innerliche Haut pleu- ram, als welche hin und wieder voller Ner- ven Blut- und Lufft-Adern ist/ verletzten und stechen/ worauff denn ein grosser Schmertz/ Entzuͤndung/ schwerer Athem/ Blut speyen/ Husten und Fieber erfolget/ welches auch offt den Todt verursachet. 48. Wie ist zu erkennen/ ob eine Rippe im Leibe entzwey H h iiij sey/ Fuͤnffter Theil sey/ wann die Haut noch gantz ist? Solches wird erkandt durch das Beta- sten/ durch die Unebene und Krachen/ und geschicht sonderlich/ wann der Bruch durch und durch/ worauff dann auch insgemein in voriger Frag gedachte Zufaͤll darzu kom- men. Wann aber die Rippe nicht gantz entzwey/ so folget weder Blutspeyen/ Fie- ber/ noch grosser Schmertz. 49. Was ist zu thun/ wann ei- nem mit einem Beihel eine odeꝛ mehr Rippen entzwey gehauen waͤren? Wann man spuͤhret/ daß keine sonder- liche Splitter in der Wunden/ soll man dieselbe fein wiederumb mit der Haut bede- cken/ welches fuͤglich mit Hefft-Pflastern oder Selbhefften geschehen kan/ und also verhuͤten/ daß keine eusserliche Lufft die Rip- pen beruͤhre/ so viel muͤglich aber die entzwey gehauene Rippen auff einander richten/ das Blut stillen/ und der Entzuͤndung wehren/ am untersten Ort der Wunden Meisselen gebrauchen/ damit die losen Splitter und der Eyter koͤnne ausgefuͤhret werden/ im uͤbrigen mit mundificie ren/ incarnie ren/ ci- catrisie ren verfahren und heilen. 50. Wo- von Bruͤchen. 50. Woher kompt das Blut- speyen in diesen Bruͤchen? Solches kompt/ wie in der 47sten Frag schon beruͤhret/ von der durch die Splitter verwundeten pleura, in dem dieselbe mit vie- len Aederlein begabet/ und das Blut/ so aus den zerrissenen Adern heraus rinnt/ gleichsam von der Lungen ausgesogen/ von dannen in die Lufftroͤhr gebracht/ und end- lich durch den Mund und Husten ausgefuͤh- ret wird. 51. Was sind fuͤr Zufaͤll bey die- sen Bruͤchen? Unter anderen vielen theils schon erzehl- Paræus. ten/ ist diesen Bruͤchen gemein/ die Auff- blehung des zerstossenen Fleisches welche von keinem Eyter/ sondern von einer waße- richten/ zaͤhen und rotzmaͤßigen Feuchtig- keit also erhoben wird/ sintemahl das Glied von wegen des Stosses oder etwan einer Unrechtmaͤßigkeit unvermoͤglich worden/ und also den ernehrenden Saft/ so entweder von sich selbst hauffen weise hinzugeflossen/ oder durch den Schmertz dahin gezogen/ oder aber von der Natur/ welche alle Glie- der und also sich selbst zu erhalten begehret/ dahin verschicket/ weder verdauen/ noch ihme selbst gleich machen und in sich ver- H h v wand- Fuͤnffter Theil wandlen kan. Hierauff folget der zweyte Zufall/ die Ersterbung/ Verfaulung und Verderbung der Rippe/ welches geschicht/ wann nemblich die Beiner ihrer natuͤrlichen Ober-Decke beraubet worden. Diesem zu begegnen/ muß man die zer- brochene Ripp/ so bald immer muͤglich/ auff oberzehlte Weise wiederum auffrichten/ die rotzige Geschwulst durch sonderbahre er- waͤrmende und resolvierende Artzeneyen zer- theilen/ und das Fleisch durch die Wuͤlst- lein und Binden wiederumb zu seinen Bei- nern fuͤgen. Wann sie sich aber in ein Ge- schwaͤr verwandelt/ muß mans bey Zeiten oͤffnen/ ein Roͤhrlein/ wie in den Brust- Wunden/ hinein schieben/ und also dem Eyter herauß helffen. 52. Wie sind die Bruͤche der Gelencke im Ruͤckgrad und dessen Ecken zu erken- nen/ und was ist dabey zu thun? Wann solche nur ein wenig zerstossen oder zerbrochen/ und kein Zufall dazu kompt/ koͤnnen sie leichtlich/ weil es gar schwammichte Beiner/ zusammen heilen/ wann aber solche sehr entzwey/ oder deren Apophyses und Ecken die membranam oder die von Bruͤchen. die Substantz des Marcks im Ruͤckgrad stechen/ ist es allerdings fast toͤdtlich/ dann auff solches Stechen/ folget gemeiniglich Entzuͤndung/ und nach dem solches an ei- nem Ort/ entweder Erstaunung der Arme oder Schenckel/ oder Verschliessung oder Auffloͤsung des Afftern/ und der Harn- Blaasen. Man muß sie/ wann etwan Hoffnung/ wieder zusammen helffen/ wann sie aber stechen/ die Haut oͤffnen/ und die Splitter herauß nehmen. 53. Was ist bey den Bruͤchen des heyligen Beins zu thun? Solches wird ins gemein an dem Ort zerbrochen/ da es leichtlich geheilet werden kan/ wann aber nebenst seinen Glaͤichen auch das darin liegende Marck getroffen und verletzet wird/ koͤnnen ihrer wenig dem Tode entrinnen/ doch sind sie nicht so ge- faͤhrlich/ als beym Genick. 54. Was ist bey den Bruͤchen des Endes oder Schwan- tzes des heyligen Beins zu thun? Allhie muß man den Patienten stehen Vesalius lib. 2. cap. 9. lassen/ damit man mit der einen Hand den Schwantz des Beins nieder drucken/ mit der Fuͤnffter Theil der andern aber mit dem Finger in den Aff- tern greiffen/ und mit demselben auffheben koͤnne/ und dasselbige so lang versuchen/ biß das Bein wieder an seinen gehoͤrigen Ort gebracht worden: Damit aber wegen Vortreffligkeit des Marcks/ so woll die ein- fliessende Materie auffgehalten/ als die schon eingeflossene zertheilet werde/ ruͤhmet Joh: de Vigo sein defensiv gemacht von ol: ro- sarum, ol: myrtillorum, cera alba, bol: ar- men: santal: omn, farin: fabarum, hordei. 55. Wie sind die Bruͤche der Hufft zu erkenen? Sie werden erkand durch den stechenden Schmertzen/ eusserliche Tieffe und Unebe- ne des Orts/ wie dann auch auß der Er- staunung desselben Schenckels/ auch ist der- selbe Schenckel kuͤrtzer. 56. Wie sind die Bruͤche der Hufft zu curiren? lib. 4. fen: 5. tract. 3. c. 14. Wiewoll Avicennas bezeuget/ daß diese Bruͤche ohne hincken nicht koͤnnen curieret werden/ sonderlich wann sie nahe am Ge- lenck der Hufft/ welchem auch beyfallen Celsus lib. 8. cap. 10. Johannes de Vigo lib: 6. cap. 14. Gvido, Brunnus und andere mehr/ so hat doch Fabritius Hildanus durch Erfin- dung eines Instruments, welches Centur: 5. Obser- von Bruͤchen. Observat: 86. beschrieben stehet/ so viel zu wege gebracht/ daß solche ohn eintziges hin- Cur und Hei- lung. cken geheilet werden koͤnnen: Mann soll aber dem Patienten das Schenckel-Bein fleissig und woll/ doch ehe zu viel/ als zu wenig strecken/ welches geschicht/ in den Kindern und Schwachen/ mit den Haͤn- den und Handtuͤchern/ in den Starcken aber/ mit den Instrumenten/ als dem Zug und des Hildani Remora mit sampt dem gemachten Guͤrtel/ dann auff solche weise/ koͤnnen die/ gleichsahm uͤber ein ander lie- gende Beiner/ von einander gezogen/ und mit der Hand fuͤglich eingerichtet werden/ nach welchen man das Seil des Zugs nicht nachlest/ sondern zuvor das Glied von un- ten biß oben/ mit Rosen-Oehl wol gesal- bet/ uͤber den Bruch aber/ ein Umbschlag/ von Gerstenmehl/ gestossene Rosen/ Gra- nath-Bluͤth/ Cypres-Nuͤß/ Galloͤpffel/ Eyerdotter/ und mit halb Essig und Wasser zu einem Cataplasmate gemacht/ warm uͤber- gelegt/ nachmahls mit Binden und Paͤuschlein/ Schienen und dergleichen wol versehen/ in eine darzu gemachte Kisten legt: Am vierten und fuͤnfften Tag/ soll man/ wo nichts widerliches sich bey dem Bruch zugetragen/ auffbinden/ und die Pflaster ernewren/ auch kan man in Ver- binden das Schraubzeug wieder anlegen/ aber Fuͤnffter Theil aber gar nicht anziehen/ nur daß man desto steiffer im Verbinden den Fuß halten kan; Nach dem aber das Glied gehoͤriger maßen verbunden/ muß man des Hildani Instru- ment anlegen/ biß zu end der Heilung/ wel- ches/ wie es gemacht werden soll/ außfuͤhr- lich am gedachten Ort beschrieben wird. 57. Was ist bey den Bruͤchen des Voder- oder Hinter- Arms zu thun/ und wie ist ihnen zu helffen? Diese Beiner werden entweder mit ein- ander zerbrochen/ welches aͤrger/ oder ei- nes allein/ welches leidlicher/ dann in sol- chen haͤlt das eine Bein den Arm in seiner stelle besser/ als alle Schienen; Zu denen aber/ da beyde zerbrochen/ muß man heffti- ger und mit groͤsserer Gewalt außdehnen/ welche/ wann sie der Gebuͤhr nach/ einge- richtet/ und mit Pflastern und Schienen/ wie auch Binden und dergleichen woll ver- sehen/ man den Arm in eine Schlinge legen muß/ also/ daß die Hand nur ein wenig hoͤher sey/ dann der Ellbogen/ damit das Gebluͤth und andere Feuchtigkeiten sich nicht hinunter lassen/ der Arm aber soll also liegen/ damit der Daumen in die hoͤhe stehe/ daß die Musculen und Roͤhren in ihrem rechten von Bruͤchen. rechten Lager bleiben/ und nicht verdrehet werden. 58. Wie ist ein Arm der im Glied oder Glaͤich des Ellbo- gens entzwey ist/ zuver- binden/ damit er nicht steiff bleibe? Solchen Gebrechen nennet Galenus Æcy- losin, welchem man vorkompt/ in dem man dem Krancken den Arm zu etzlichen mahlen/ doch so viel immer muͤglich/ ohne Schmer- tzen einbieget und außstrecket/ damit sich nicht durch das allzu lang still liegen in der Schlingen/ etwan ein Fluß daselbst hinsetze/ und die Beiner oder Knochen des Glaͤichs durch denselbigen/ gleich als durch einen Leim zusammen wachsen/ und mit dem callo oder Schwulen uͤberzogen werde/ wel- ches das Biegen und Außstrecken des Glie- des verhindere/ wie in der 27. sten Frage des 4ten Theils stehet. 59. Was ist zu thun/ wann einem/ dem ein Glied auß/ oder entzwey gehauen/ es waͤre am Arm oder Schen- ckel/ das Glied krum bliebe oder schwindete? Hier- Fuͤnffter Theil Hierinnen ist nichts sonderliches zuhelf- fen/ wann ein Glied also zerhauen daß seine Ligamenta und Sehnen/ welche die Bewe- gung machen sollen/ allerdings entzwey seyn/ auch die zerhauene Beiner im Glaͤich mit einem callo befestiget sind/ welches dann die Unbewegligkeit verursachet; Wann aber solche Wundung noch leidlich gewesen/ kan man das Glied mit dem decocto von Schaaff-Fuͤssen/ auch flor: cham: altheæ, melilot und der gleichen behen/ erweichende Oehl und Saͤlblein brauchen/ so gemacht von axung: human, gallinar, canum, ung: dialtheæ \&c. Das Schwinden ist auch allerdings unheilbahr/ welches durch die Zertrennung der grossen Adern und Arte- rien verursachet wird/ in dem die Nahrung dem Glied nicht mehr kan so haͤuffig zuge- suͤhret werden/ wann aber sonsten solche Schwindung durch Geschwulst verursa- chet wird/ muß man solche erweichen und zertheilen/ kompt sie aber aus mangel der Nahrung/ muß man dieselbe durch maͤssiges Reiben/ und hitzigen an sich ziehenden Saͤlb- lein herzu locken/ wie schon zur gnuͤge ge- meldet. 60. Was ist zu thun/ wann ein Kampfrad in einer Muͤhl/ einem eine Hand erwischt/ und von Bruͤchen. und dieselbe also zurichte- te/ daß die Nerven herauß hingen? Fast dergleichen ist vor wenig Jahren zu Padua geschehẽ/ daß ein Pferd mit den Zaͤh- nen einem Stall-Knecht den Daumen erha- schet/ denselben von der Hand hinweg ge- rissen/ zugleich mit einem stuͤck des Tendinis einer ziemlichen Laͤnge. Petrus de Marchet- tis Chirurgiæ Doctor hat ihn folgender mas- sen curiret: Erstlich hat er ihm das Blut gestillet/ das Glied maͤhlig gebunden/ und weil die Natur/ in dem sie dem krancken Glied zu huͤlffe kompt/ viel Bluth hinzu- schicken pflegt/ hat er den Ober-Arm mit ei- nem defensivo umbgeben/ gemacht von bolo armen, terra sigillata sangv : draconis, cera, ol: rosaceo \& aceto, und damit in dem leeren Theil der Musculen/ da zuvor der tendo ge- wesen/ sich kein Bluth samle/ und sich end- lich apost emire und faule/ hat er den gantzen Ellbogen mit dem ol: rosato omphacino, auch den Schmertzen zu stillen/ gesalbet: Des andern Tages/ in dem die Bluth- stillung abgenommen/ lagen die Beiner und tendines, welche er mit truckenen Fa- sen belegte/ biß sie mit Fleisch kunten bede- cket werden/ das zerstossene und zerquetzte Fleisch zu suppuri ren/ brauchte er das ungv. J i dige- Fuͤnffter Theil digestivum c. ol: rosarum, uͤber welches ein Pflaster gelegt ward/ welches sehr kraͤfftig die humores zuruͤcke zu treiben und die Ent- zuͤndung zu verhuͤten/ ist gemacht ex ungv: de solano, Infrigidante Galeni, und de cerusa camphorat, denselben Tag/ nach dem man dem Patienten zuvor ein Clystier beyge- bracht/ hat man ihm am anderen Arm eine Ader gelassen; Den dritten Tag gab man ihm eine gelinde Purgantz/ mit dem defen- sivo, digestivo und Salbung hat man in den siebenden Tag angehalten/ nach diesem aber/ an stat des ol: rosacei omphacini, das ol: ro- saceum lumbricatum gebrauchet/ damit durch selbiges die Nerven moͤchten erfrischet werdẽ/ nach der digestion hat man zu mundi- fici ren angefangen/ und gleichfals die Wun- de zu incarnie ren/ das ungventum de beto- nisa uͤbergelegt/ uͤber selbiges das Empl. dia- calciteos Galeni, damit die Wunde außge- trucknet und das Fleisch gezielet werde. End- lich/ damit die Wunde mit Haut beschlos- sen wurde/ ist das ungv. de tutia und Empl. diapalma gebrauchet worden/ das herfuͤr- qvillende Fleisch zu daͤmpffen/ mischte man ein drittentheil des ungv. Isidis darunter; Ward also dieser Patient ohn zukommen- den eintzigen Zufall/ gluͤcklich geheilet/ in dem man ihm dabey in die 14. Tage in ge- nauer Diaͤt gehalten. Weil aber bey der- gleichen von Bruͤchen. gleichen Zerqvetschung/ als in den Muͤhl- raͤdern/ viel Zufaͤll pflegen zuzufallen/ son- derlich der heisse- auch woll gar der kalte Brand/ als muß man denselben/ wie an seinem Ort gemeldet/ mit gebuͤhren den Mit- teln vorkommen/ die losen Beiner herauß nehmen/ und sonsten verfahren/ wie offt ge- gemeldet worden. 61. Was ist zu thun wann einem ein Stein oder Klotz auff die Hand oder Fuß fiele/ daß die Beiner auff dem Reihen oder Blad zer- schmettert jedoch die Haut nicht offen? Wann man spuͤrte daß die Beiner ent- zwey/ und in grosse Stuͤcke gebrochen kan man solche woll wieder auf einander richten/ den zufliessenden Feuchtigkeiten muß man mit Umbschlaͤgen/ als der Mixtur von Es- sig und Wasser/ steuren/ nachmahls ge- brauchen/ welches das Gebluͤth vor Fau- lung bewahret/ als Farin: fabarum, salis commun, sumitat: absinthii scordii utriusq;, ruthæ \&c. welche gekocht werden mit oximel und hinzu gethan aloes und Mirrhen; Wañ aber die Beiner gantz zerschmettert/ und die Schiefferlein die Nerven stechen/ soll man J i ij die Fuͤnffter Theil die Haut an einem beqvemen Orth oͤffnen/ dieselbe heraus nehmen/ oberhalb des Scha- dens mit dem ol: rosaceo defendi ren/ eine ge- naue Diaͤt anstellen/ eine Ader oͤffnen/ die Wunde mit einem digestivo, in welchem gummi elemi, ol: rosarum, ovorum, und crocus gethan/ versehen/ auch kan man wegen ver- huͤtung des Brandts das ungv: Ægyptiac: Magistrale Hildani brauchen. 62. Was ist bey den Bruͤchen der Haͤnde zu thun? Man sol die Hand auff einen ebenen Ort legen/ die Beiner wieder auffeinander rich- ten/ dieselben mit Wuͤlstlein/ Binden und Schienen an seinem Ort erhalten/ und weil diese Beiner schwammicht/ werden sie in wenig Tagen mit einer Schwule uͤberzogen. 63. Was ist bey den Bruͤchen des Obern-Schenckels zu thun? Wie woll von der Cur des gebrochenen Ober-Schenckels oder Hufftbeins in der 56ten Frage dieses Theils ist gemeldet wor- den/ so ist uͤber das zu mercken noͤthig/ daß man die Figur des Schenckels behalten muß/ in dem solcher am inwendigen Theil holl/ im außwendigen aber heraus gebogen und gewelbet/ weßwegen man dann inwen- dig von Bruͤchen. dig die Hoͤlen mit Wuͤlstlein/ so mit einer Rosen-Salb oder dergleichen uͤberstreichen/ damit sie fein ankleben/ außfuͤllen muß: Wie solches auch in den Bruͤchen des Schienbeins in acht zu nehmen ist. 64. Auff wie viel Stuͤck hat ein Chirurgus Achtung zu- geben/ der ein gebrochen Bein oder Glied recht und woll legen wil? Auff dreyerley/ daß nemblich das Glied liege 1. weich/ damit nicht durch das Dru- cken ein Schmertz und Entzuͤndung verur- sachet werde. 2. Muß es gleich liegen/ da- mit nicht durch das ungleiche Lager eine Kruͤmme gemacht werde. 3. Soll das Glied in etwas erhoͤhet liegen/ damit das Gebluͤht sich hauffen-weise nicht koͤnne hinab begeben. In dem Bruch eines Fusses soll das Lager also beschaffen seyn/ daß nicht allein derselbi- ge um den Bruch herum/ sondern auch der gantze Schenckel biß zur Hufft in etwas hoͤ- her geleget werde. Fabritius Hildanus pag. 92. wil/ daß/ nach dem der Schenckel mit Binden/ Schienen und Capseln woll ver- sehen/ man denselben bald auff diese/ bald auff eine andre Seite lege/ damit die Last auff die Hacke oder Verse nicht allezeit kom- J i iij me/ Fuͤnffter Theil me/ wie etzliche im Brauch haben/ davon offters viel Schmertzen und Zufaͤll kom- men. 65. Was ist in den Beinbruͤ- chen zu gebaͤhrung einer Schwulen am meisten vonnoͤthen? Den Callum zu gebaͤhren/ kan und soll man sich nicht ehe befleißigen/ es sey dann keine inflammation mehr zu fuͤrchten/ wel- ches ins gemein umb den siebenden Tag ge- schicht/ und wird solcher befodert 1. durch Speiß und Tranck/ welche einer zaͤhen und klebrichten Substantz seyn/ als Reiß/ Gruͤtz/ wie auch Fuͤsse von Thieren/ doch muß man des Patienten Natur betrach- ten/ daß man Maaß halte/ damit nicht solche Speisen eine Verstopffung der Ge- kroͤß- aͤderlein verursachen. Die gar zu duͤnne Speisen sind auch nicht ersprießlich/ in dem sie ein zartes duͤnnes Gebluͤth ma- chen/ und die Ziehlung des Masers verhin- dern/ ist also das beste/ daß man die Mit- telstraaß halte. 2. Wird der callus auch durch innerliche medicamenta befodert/ als da ist; der succus primulæ veris, pulv: rad: agrimon, in Wein eingegeben/ auch der Lap: Osteocollæ, welcher doch nur alten Leu- ten von Bruͤchen. ten zu gebrauchen/ wie beym Fabritio Hil- dano pag. 89. zu sehen. 3tens gehoͤren auch eusserliche Mittel dazu/ derer sehr viel/ als: Radix consolid, barb: caprin, nuc: cupres, gallas, farin: volatil, bolus, lap: osteocoll, myrrhæ, aloes \&c. von welchem theils Doͤr- baͤnd/ theils Pflaster gemacht werden; Unter den compositis hat man das Empl. oxicroceum, das Empl. barbarum, welche/ weil sie hitzig/ im Winter/ das Empl. dia- palma aber/ im Sommer gebrauchet wer- den. Damit aber solcher Callus nicht zu hoch werde/ ist zum 4ten von noͤthen/ daß man das Glied mit Binden und Schienen woll versehe/ wie bey Verbindung der Bruͤche gedacht worden: Letzlichen ist am allermeisten die Ruhe hoch von noͤthen. 66. Wie ist in den Bruͤchen des Obern- und Untern Schen- ckels/ so etwan nahe bey dem obern oder unterem Gelenck oder Haupt des Beines seyn/ zu verfahren? Von den Bruͤchen der Hufft ist kurtz Paræus. vorher gedacht worden; Uber das ist zu erinnern/ daß man die Beine fein auffein- ander richten muß/ etzliche Schienen und Wuͤlstlein herumb legen/ hernachmahls J i iiij mit Fuͤnffter Theil mit einer zweykoͤpfichten Binde der Schlimme nach Creutzweiß uͤber dem Glaͤich oder Gewerb den Bruch versehen/ dem Patienten einen Auffhelffer machen/ damit er sich offtmahls auffrichten/ und die Lenden/ welche durchs liegen hart gedrucket werden/ auffluͤfften koͤnne. 67. Welche Bruͤche der Roͤh- ren im Obern-Schenckel koͤnnen leichtlich fuͤr eine Verrenckung angesehen werden? Die/ so nahe bey dem oberen Gelenck der Hufft geschehen/ haben viel unvorsich- tige Wund-Aertzte betrogen/ in dem sie es nicht fuͤr eine gaͤntzliche Absonderung oder Heraußreissung des Anhangs oder Haupts gemelter Roͤhren/ sondern vor eine Ver- renckung gehalten haben; In dem man aber im Strecken auff das Krachen ach- tung giebt/ auch keine Hoͤle noch Tieffe in der Junctur befindet/ spuͤret man gleich/ daß es ein Bruch und keine Verrenckung. 68. Waruͤmb sind die Bruͤche/ welche nahe an dem Gelen- cke sind/ gefaͤhrlicher als andere? Sol- von Bruͤchen. Solches geschicht/ weil die Oerter kalter Natur seyn/ wegen mangel des Gebluͤths/ am aller meisten aber/ weil in den Gelen- cken viel tendines zusammen kommen/ auch die tendines und nervi ziemlich bloß liegen/ und mit wenig Fleisch bedecket seyn/ wes- wegen sie dann auch viel schweren und boͤsen Zufaͤllen unterworffen seyn. 69. Was ist bey den Bruͤchen der Kniescheiben zube- trachten? Die Kniescheiben werden mehrentheils zerstossen/ bißweilen/ aber selten zerbrochen/ denn sie weichen bald von einer Seiten zur andern/ wann es aber geschicht/ so brechen sie in zwey oder drey Stuͤck/ in die laͤnge oder uͤber zwerg/ oder durch die Mitte ge- spalten/ oder in viel Stuͤcklein zerschellt/ und dieses alles/ entweder mit/ oder ohne Wunden. 70. Wobey ist ein Bruch der Kniescheiben zu erkennen? Sie werden erkandt/ wann der Patient nicht mehr gehen kan/ denn das Gelenck bie- get sich/ so woll vor/ als hinter sich/ es er- zeiget sich auch im Knie eine Tieffe/ man kan auch die Stuͤcklein durchs Betasten J i v unter- Fuͤnffter Theil unterscheiden und fuͤhlen/ in dem mans mit den Haͤnden tractiret/ hoͤret man auch das Geraͤusch. 71. Was ist zu thun/ wann ei- ner die Kniescheibe uͤber zwerg entzwey gefallen haͤtte/ und das Knie were auß? Man soll/ wann keine Entzuͤndung zu gegen/ das Knie wieder einrichten/ wie in anderen Verrenckungen gemeldet/ den Schenckel fein außstrecken/ die gebrochene stuͤck der Kniescheiben aneinander richten/ mit Baͤnder und gebuͤrlichen Artzeneyen ver- sehen/ eine Strohlade oder Capsel anlegen/ und damit der Krancke nicht/ etwan aus Vergessenheit/ das Knie einbiege/ einen Kneil unter die Kniebeuge binden/ und also biß zu end der Cur/ außgestreckt erhalten. 72. Wie ist der jenige zu ver- den / der durch fallen ein Knie verrencket haͤtte/ und ein Glied-schwam dazu kaͤhme? Wie das verrenckte Glied einzurichten/ ist in der 43sten Frage dieses Theils eroͤrtert/ wie von Bruͤchen. wie aber mit dem Gliedschwam zu verfah- ren/ siehe die 54ste Frage des ersten Theils. 73. Wie ist zu helffen/ wann durch einen starcken Fluß/ der Krancke das Knie krumm gezogen haͤtte. Wann der Leib der Gebuͤhr nach gereini- Hildanus Cent. 6. Observ. 90. get/ und also der Zufluß benommen/ soll man/ wann das Knie hart und steiff/ eine Behung gebrauchen/ von Ebisch/ Pappel- wurtz/ Bethonien/ Chamomillen/ Stein- klee/ Leinsahmen Fœnum Græcum, Anies ꝛc. gekocht/ in einer Bruͤhe von Hammels- Fuͤssen/ damit drey mahl des Tages gebehet/ nach derselben/ ein erweichend und staͤrcken- des Pflaster uͤbergelegt/ so gemacht von Empl. d. mucilaginibus, gum: ammoniac, Saffran/ Regenwuͤrm-Oehl/ Mastix/ Weyrauch und Wachs; Auch kan man das Knie mit dem ausgepresten Safft von Regenwuͤrmen/ Bethonien/ Salbey/ und Wacholder-Wasser schmieren/ das Knie staͤrcken/ und mehlich zur Bewegung ge- wehnen: Wie dann auch die geschraubte Instrumenta nuͤtzlich koͤnnen angeleget wer- den/ die nicht allein beym Hildano, sondern auch in dem Armamentario chirurgico Scui- teti zu finden. 74. Was Fuͤnffter Theil 74. Warum hincken dieselben gemeiniglich/ so von den Bruͤchen der Kniescheiben sind geheilet worden? Hildanus Cent. 5. Observ. 88. Wiewoll Paræus lib. 14. cap. 22. solches dem daruͤber gewachsenen Maser die Schuld zumisset/ so haͤlt doch Fabritius Hil- danus vernuͤnfftig davor/ daß solches nur ge- schehe 1. wann eine Zermalmung so woll der Kniescheiben als des periostij zugegen/ dann/ wann das periostium gantz/ so haͤlt es die Materie des Masers auff/ daß derselbe nicht außwachsen kan. 2. Wann der Bruch der Kniescheiben in die breite/ und uͤber zwerg oder schlims/ dann also koͤnnen die Maͤuß- lein die zerbrochene Stuͤck von einander zie- hen/ und ist unmuͤglich (wie woll Paulus Ægineta lib. 6. cap. 103. dafuͤr haͤlt) daß solche Stuͤck koͤnnen mit ihren Lefftzen zu- sammen gefuͤgt/ oder wann sie heysammen/ so lang wegen hefftigen Schmertzens zu- sammen gehalten werden; Wann aber die Kniescheibe der laͤnge nach entzwey/ wird kaum das Hincken dadurch verursachet werden koͤnnen/ wann nur die Zufaͤll ver- huͤtet werden/ dann es kan das gebrochene leichtlich mit Polster und Schienen an sei- nem Orth erhalten werden/ weil der Maͤußlein eigenthuͤmliche Verrichtung ist/ daß von Bruͤchen. daß sie gegen ihren Ursprung sich ziehen/ und also wegen starcker anziehung die Lippen der gebrochenen Kniescheiben/ auffs steiffeste ver- einbahren. 75. Wie ist zu erkennen/ ob das groͤssere/ kleinere/ oder alle beyde Schienbein zerbro- chen? Wann das grosse Schienbein allein Paræus. zerbrochen ist/ so lassen sich die Zeichen der Bruͤche allein im inwendigen Theil des Schenckels sehen/ denn das kleinere laͤst sich nicht/ wann es noch gantz und unverletzet ist/ in dem eusersten Theil herfuͤr/ gleich wie die Bruͤche des Kleineren im Gegentheil im auswendigern. Wann sie aber beyde ent- zwey/ erscheinen die Zeichen/ so wol auff ei- ner/ als auch der anderen Seiten. 76. Wie sind sie zu curieren? Die groͤssere Roͤhr/ wird schwerlicher als Cur und Heilung. die kleinere geheilet/ noch schwerer ist/ wann sie beyde zugleich entzwey. Man muß sie mit Strecken und Streichen fein in ihr La- ger bringen/ wann etwa eine Wunde da- bey/ mit dem Finger fuͤhlen/ ob lose Bei- ner verhanden/ dieselbe heraus nehmen/ wann aber die Roͤhren herauß stehen/ muß man entweder ein Stuͤck davon abbeissen/ dafern Fuͤnffter Theil dafern man solches mit strecken nicht kan willig hineinbringen/ oder die Wunde er- weiteren/ welches sich aber ohne Unter- scheid/ sonderlich bey den Gelencken und grossen Adern und Arterien nicht wil thun lassen; Die Wunde muß man vom Blut sauberen/ die Lefftzen so woll/ als die umb- liegende Oerter salben mit dem ungv. ro- sat, oder ol. rosar. omphacino, die Wuͤlstlein und Binden in halb Eßig und Rosen-Was- ser getunckt/ gebuͤhrlich anlegen/ aber mit dem Eintuncken uͤber 5. oder 6. Tag nicht anhalten/ dann es verstopfft die Schweiß- loͤcher/ und veruhrsachet Jucken/ Geschwaͤr und andere Zufaͤll; Auch soll man die Binden eben so woll auch uͤber die Wun- de gehen lassen/ es sey dann ein grosser Schmertz dabey/ dann wann die Binden nicht uͤber die Wunde gehen/ werden die Feuchtigkeiten durch die umbliegende Bin- den/ so woll von oben/ als von unten zur Wunden getrieben/ und allerhand Zufaͤll verursachet. 77. Worbey ist abzunehmen/ obetzliche Stuͤck der Kno- chen gar abgerissen oder loß seyn? Paræus. Solches wird erkant aus dem duͤnnen und unzeitigen Wundschweiß/ so aus der Wun- von Bruͤchen. Wunden rinnet/ und ist desselben mehr/ als die Hoͤle der Wunden mit sich bringet/ item aus den dicken und auffgeworffenen Lefftzen der Wunden/ aus den luckeren und schwammichten Fleisch/ wie auch aus der Bloͤsse der Beiner/ dann weil sie mit Fleisch nicht bedecket seyn/ kan die Nahrung durch die Adern nicht mehr hingebracht werden. 78. Woher kompt es fuͤrnem- lich/ daß ein Patient bey solchen Bein-Bruͤchen der Glieder/ in dem Schlaff mit der Convulsion oder Krampff uͤberfallen wird? Daß solches mehrentheils im Schlaff ge- schicht/ ist anders nichts/ als/ weil durch den Schlaff die natuͤrliche Waͤrmbde in den Leib hinein getrieben wird/ die eusersten Glie- der aber dessen beraubt/ hefftig erkalten/ in dem aber schickt die sorgfaͤltige Natur dem leidenden Theil die Geister zu/ welche/ weil sie nicht koͤnnen wegen Schwaͤche des Glieds angenommen werden/ hauffenweis zuruͤck mit ungestuͤm prallen/ und an den Ort gelangen/ von welchem sie aus gegan- gen/ diesem folgen die Musculen/ und also auch necessariò die daranhangende Beiner: Welches die Ursach ist/ daß offtmahls die einge- Fuͤnffter Theil eingerichtete Beiner mit einem unleidlichen Schmertz außweichen. 79. Wie ist zu erkennen/ ob der Bruch mit einer Schwule bewachsen? Wann die Schmertzen und Zufaͤll nach- lassen/ und wann eine Wunde dabey/ nicht viel mehr Eyter und Wundschweiß giebt/ auch faͤngt der Bruch in etwas an zu kitzelen und zu jucken/ alsdann beginnet die Schwu- le oder callus hart zu werden/ und soll man den Bruch nicht mehr so offt auffbinden/ da- mit nicht die Materie der Schwulen/ durch das gar zu offte absauberen erschoͤpffet/ und verzehret werde. 80. Wie kan die Schwule ver- hindert oder befodert wer- den? Die Mittel/ welche die Schwule entwe- der verzoͤgeren/ oder gantz und gar auffhe- ben/ sind/ die grossen Gewalt haben/ duͤnn zu machen und zu zertheilen/ oder aber/ die da schmierig/ oͤhlicht und feucht seyn/ denn dadurch wird der Safft/ aus welchem die Schwule erwachsen soll/ zerschmeltzet/ ge- mindert/ weich und nachlaͤßig gemacht. Die Mittel aber/ die den Callum befoderen/ sind von Bruͤchen. sind vielmehr trucken/ dick und hart zuma- chend/ wie dann auch ein- und zusammen- ziehend/ und gleichsahm die Haut zu ver- stopffen geartet/ und einer maͤßig-warmen Natur/ in welchen man sich auch vorzuse- hen hat/ damit die Schwule nicht gar zu groß werde/ wie schon gemeldet/ denn es geschicht zu zeiten/ daß ein uͤberaus grosser/ harter und gleichsam steinichter callus her- vor waͤchst/ welcher sich mit medicamenten nicht wil bendigen lassen/ alsdann muß man/ (wo man die deformi taͤt nicht leiden wil) die Haut oͤffnen/ und selbigen mit scal- pris wegschaffen/ wie Jessenius à Jessen, in seinen Institutionibus chirurgicis lehret. 81. Wie ist mit den Behungen und Uberschlaͤgen/ so man zu den Bein-Bruͤchen zu gebrauchen pfleget/ zu ver- fahren? Daß die Behungen/ auch nur das blosse Wasser allein/ grossen Nutzen in den Bein- Bruͤchen haben/ ist bekandt/ denn sie erwaͤr- men die Feuchtigkeiten/ so sich in den euser- sten Gliedern des Leibes verhalten/ machen dieselbe duͤnn/ und zum vertheilen geschickt/ ziehen das Gebluͤth und andere ernehrende Feuchtigkeiten/ zu dem schwindsuͤchtigen K k Glied/ Fuͤnffter Theil Glied/ lindern die Schmertzen/ und ma- chen die ausgedehnte Glieder nachlassend/ solches behen aber soll nicht gar zu heiß ge- schehen/ es hat auch sein Gebuͤhr/ in dem dieselben so lang sollen gebraucht werden/ und alsdann ihre Gnuͤge haben/ wann der Ort nunmehro erroͤthet und roth worden. 82. Wie ist mit den Bruͤchen der Beiner in den Fuͤssen zu verfahren? Solche werden eben als wie die Beiner der Hand geheilet/ und soll man den Pa- tienten eben woll nicht aus dem Bette kom- men lassen/ ehe die Schwule hart worden/ gleich wie in den Bruͤchen der Schenckel. 83. Was ist zu thun/ wann die eine Roͤhr im Schienbein etwa eines halben Fingers lang/ durch das Fleisch heraus gienge/ auch das Loch gar enge waͤre/ und sich durchs Strecken nicht wolte wieder hinein bege- ben? Alsdann muß man entweder die hervor- gehende Spitze mit einem Abbeisser oder Saͤgen von Bruͤchen. Saͤgen abnehmen/ oder/ wann es nicht gar nahe an einem Nervosischen Ort/ die Wun- de mit einem Messer erweiteren/ und also in seine vorige Stelle bringen/ dabey gute re- pellentia und anodyna gebrauchen. 84. Was ist zu thun/ wann in einem Bein-Bruch die Roͤhr den langen Wegent- zwey waͤre/ aber nicht of- fen? Solches wird fuͤr keinen vollkommenen Bruch geachtet/ in dem das Bein den lan- gen Weg als wie ein Glaß zerspaltet/ die deutschen Chirurgi nennen es einen Klack- Bruch/ und wird erkant/ wann nach ei- nem Fall/ Stoß oder Schlag der Ort ge- schwilt/ erroͤthet/ und im Angreiffen schmer- tzet/ denn durch solchen Spalt rinnet offt ein fetter Liquor auß/ und erhoͤhet den Ort/ welchem/ wann es noch neu/ mit einem Bruch- Pflaster und wenig Schinen zu helffen/ wann aber solches in die Laͤnge ge- waͤhret und verwarloset worden/ pflegt sol- che Materie zu verfaulen/ und die Beiner anzugreiffen/ da man dann das Glied faͤst bindet/ den erhabenen Ort/ welcher roth/ mit einem starcken Laß-Eisen oder Lantzett oͤffnet/ die Materie herauß laͤst/ die ange- K k ij lauf- Fuͤnffter Theil lauffene Beiner reiniget/ und wie ein Schlitz- bruch verbindet; Es ist auch zu mercken/ daß man den Ort nicht lange offen halte o- der meissele/ sonsten werden alte Schaden daraus. 85. Was ist zu thun/ wann ei- ner einen Bein-Bruch haͤt- te/ und von einem schon drey oder vier Wochen ver- bunden worden/ welcher das Bein aber nicht recht eingerichtet? Wann die Schwule noch frisch/ und entweder die natuͤrliche Gestalt des Gliedes heßlich verkehret/ oder desselben Geschaͤffte umb viel verhindert/ oder aber beydes zu- gleich verhanden/ als dann sol man den Ort behen mit Ibisch-Wurtzel/ Stick-Wurtz/ Lein-Saamen fœn. græc. Lorbeer/ ꝛc. in Bruͤhe von Hammels-Kopff und Fuͤssen gesotten/ nach dem Behen den Ort salben mit ungvento de althea, ol, lilior. alb, axung, anserin, \&c. uͤber daß ein Empl. d. rani s c. ☿rio Vigonis oder das empl. de œsepi Phila- grij uͤberlegen/ solches eine Zeitlang conti- nuiren/ und wann die Schwule erweichet worden/ wieder entzwey brechen/ und die Beiner zu recht legen/ und von neuen die Cur von Bruͤchen. Cur anfangen : Im fall sie aber gar zu alt/ so unterstehet man sich solches gar nicht/ und ist besser/ daß der Patient solches dulde und hincke/ als daß er die Unformlig- keit mit Gefahr seines Lebens aͤndern lasse. Ende des Fuͤnfften Theils von Bruͤchen. K k iij Chi- Chirurgischer Anhang. Von Zufaͤllen aller Schaͤ- den ins gemein. 1. Welches sind die Zufaͤll ins gemein aller Schaͤden? M Iewol von unterschiedlichen Zu- faͤllen der Wunden/ an einem an- deren Ort schon gemeldet worden/ so hat doch diese Frage/ wie auß folgenden Fragen erhellet/ ein Absehen auff die Zu- saͤlle/ welche ins gemein ihren Uhrsprung aus der Verwarlosung der unerfahrnen Artzte nehmen/ als da sind Fieber/ Wund- sucht/ Wuͤrm und Maden/ Schwindung/ Zittern der Wunde/ Wartzen in der Wun- de/ Glied-Wasser/ Geil Fleisch/ Apostem/ Laͤhme/ Blutspeyen/ Verstopffung des Stuhlgangs/ Krampff/ Fistel/ Geschwaͤr und dergleichen. 2. Wie Chirurgischer Anhang. 2. Wie ist dem Fieber und Wund-Sucht zu bege- gnen? Im anderem Theil dieser Chirurgiæ , in der 70sten Frage/ ist zwar vom Rigore und Fieber/ welches in den Haͤupt-Wun- den zu entstehen pfleget/ gehandelt worden/ so sind doch bey anderen Wunden auch Fieber/ und sind unterschiedlich. Die er- ste Art der Fieber entstehet auß hefftiger Bewegung des Gemuͤths und des Leibes/ und wird Ephemera genandt/ wird zugleich mit der Verwundung verursachet/ und ob woll solche Fieber keiner absonderlichen Cur nicht noͤtig haben/ in dem sie bey guter Diaͤt selbst nachlassen/ so kan doch viel boͤses hin- zu gezogen werden/ wofern sie biß in den vierdten Tag dauren/ als umb welche Zeit die Zufluͤsse und Entzuͤndungen zu geschehen pflegen. Die ander Art Fieber entstehet/ wann der Eyter kompt/ und haͤuffig gezie- let wird/ denn alsdann faͤulet das Bluth/ und wird eine Auffwallung desselben/ weil es in dem leidenden Theil nicht alles zur Nahrung kan angewand werden/ wird also solche Hitze durch die Auffwallung dem Gebluͤth in den Adern und Arteri en mitge- theilet/ welche/ wañ sie zum Hertzẽ kompt/ ein Fieber verursacht/ und solches geschicht/ wie K k iiij gemel- Chirurgischer gemeldet/ umb den vierten Tag/ weßwegen man dann/ allen Fleiß anwenden muß/ daß dem Eyter sein Außgang befodert wer- de/ und solches desto eiliger/ dafern der Ey- ter in einem edlen Glied ist/ oder in einem solchem/ welches mit einem vornehmen Gliede eine Verwandnuͤß hat; Zu dem muß man Fleiß anwenden/ damit der Zu- fluß der Feuchtigkeiten verhuͤtet werde. Die dritte Art Fieber entstehet auß der Entzuͤndung des verwundeten Gliedes/ durch welche gleichfals mit Huͤlffe der fau- len Daͤmpfen/ das Hertz angezuͤndet wird/ das Fieber wird erkand aus vorhergehen- der inflammation , und wann solche durch gebuͤhrende medicamenta refrigerentia und alter antia gehoben/ laͤsset es auch nach. Die vierte Art Fieber entstehet/ wann in der Wunden selbst/ eine Faͤulung der hu- morum geschiehet/ welche Art denen/ wel- che aus dem Eyter kommen/ fast gleich seyn/ wird erkandt/ in dem aus der Wun- den vielmehr ein faules und uͤbel riechendes Wesen/ als ein gutes Eyter herauß laͤufft/ und ob schon solches nicht einer grossen Menge ist/ dennoch ist es eine Anzeigung/ dafern der Eyter boͤß/ und dem Glied eine Schwerniß/ auch Schmertz verursachet/ daß die boͤse Materie zwar da/ aber nicht kan außgetrieben werden/ und solche Fie- ber Anhang. ber sind bald wenig/ balst sehr gefaͤhrlich/ nachdem die Faͤulung groß oder klein: Die Heilung des Fiebers geschicht/ in dem auffs geschwindeste der Faͤulung im leiden- den Theil gewehret/ und der boͤsen Mate- rie der Außgang gemacht wird. Endlich entstehet auch eine Art Fieber/ wann der verwundete Mensch in einer unreinen Haut steckt/ dann alsdann kan durch die hefftige Bewegung des Gebluͤts und der Geister/ wie dann auch eine Faͤulung in dem verwundeten Theil/ ein Fieber erre- get werden/ bald ein alltaͤgiges/ bald ein drey taͤgiges/ bald ein immerwehrendes/ und ob schon solche Fieber/ eine Uhrsach von den Wunden genommen/ muͤssen sie doch/ weil ihre principahl Ursach/ in den boͤsen Feuchtigkeiten stecket/ methodicè cu- rieret-werden. In die Wunden pflegt man das Ol. Camphoræ einzustreichen/ und ein ceratum von lytargir, lap. calaminari, mi- nio, ol. myrtillorum und Wachs gemacht/ uͤberlegen; Auch koͤnnen nach beschaffenheit der Schaͤden/ als/ wann eine Faͤulung oder sonsten zu gegen/ die medicamenta , von welchen in den Chirurgischen Theilen ge- meldet worden/ applici eret werden. 3. Woher wachsen Wuͤrme in den Wunden/ und wie sind sie zuvertreiben? Sol- Chirurgischer Solche wachsen ins gemein in faulen und stinckenden Geschwaͤren/ wann keine gebuͤhrende Reinigungs Mittel gebraucht worden; Hierzu dienen Lavamenta , wel- che gemacht werden/ von melle, succo che- lidoniæ, aloe epatica, sal. comun. und der- gleichen. Auch ist sehr gut das Ungv. æ- gyptiacum Hildani , oder auß demselben mit Aq. hordij und scordij ein Spruͤtz-Wasser/ oder Lavament gemacht. 4. Woher kompt die Schwin- dung/ und wie ist sie zu cu- rieren? Solches ist schon zur gnuͤge gemeldet worden/ in dem Fuͤnfften Theil der 45 Schwindũg. und 59sten Frage/ nur dieses ist noch zube- richten/ daß man der Materie in den Ge- schwaͤren nicht den Willen lasse/ und et- wa sich sencke und die Arteri en und Blut- Adern abfresse/ welches dann dem Glied ei- ne unheilbahre Schwindung verursachet/ in dem durch dieselbe alsdann die Nah- rung nicht kan hingefuͤhret werden; Auch wird solche verursachet/ in dem die verrenck- te Glieder nicht eingerichtet werden/ dadurch gleichfals die Vasa gedrucket werden/ daß die Nahrung in das Glied nicht einfliessen kan. 5. Wo- Anhang. 5. Woher kompt das Zittern der Wunden/ und wie ist ihm zu wehren? Das Zittern kompt aus einer Unrecht- maͤßigkeit und Zufluß boͤser Feuchtigkei- ten/ solchem zu begegnen/ muß man den Patienten der Gebuͤhr nach purgieren und Aderlassen/ euserlich das ol. terebint, gum. galban , und ol. laurin. gebrauchen. 6. Wie kompt es/ daß bißwei- len Wartzen in den Wun- den wachsen/ und wie sind sie zu vertreiben ? Diese kommen nicht aus den humoribus , Paracelfus in Chirur- gia magna lib. 1. tract. 2. cap. 15. sondern aus einem verderbten Nahrungs- Safft/ werden vertrieben mit dem tartaro , sublimirten sal armoniac. welcher etzliche- mahl sublimiret/ und auff einen Marmel- stein in einem Wasser gerieben/ in dieses Wartzen. Lavament werden Tuͤchlein genetzt/ und so weit die Wartzen gehen/ uͤbergelegt. 7. Woher kompt die Loͤche- rung der Wunden/ und wie sind sie zu curieren? Die Loͤcherung geschicht/ wann eine Loͤcherung. Wunde mit der Verheilung zu lang auff- gezo- Chirurgischer gezogen wird/ und ein Zufluß dahin ge- bracht wird/ daß ein holes und loͤcheriches Geschwaͤr daraus wird. Die Ursach ist auch/ wann man die Wunden in den gros- sen Musculen an den Fuͤssen/ nicht wol und recht bindet. Welchen man hilfft mit Spruͤtzwassern und Lavamenten , wie bey den holen Geschwaͤren gedacht werden. 8. Wie ist das Glied-Wasser zu erkennen/ wie ist es zu curieren? Glied-Was: Wiewol das Glied-Wasser aus Ver- stauchung und Glied-Wunden verursachet werden kan/ so geschicht doch solches meh- rentheils aus Unerfahrenheit des Wund- Artztes/ in dem der Schmertz nicht gestil- let/ und der Entzuͤndung nicht gewehret wird/ weswegen dann viel Zufaͤll/ als Hirn-Wuͤt/ Krampff/ heisser Brand und Zusammenwachsung der Beiner in den Ge- lencken zu folgen pflegen; Und weil die Glied-Wasser-Sucht nichts anders ist/ dann ein Uberfluß des Seri welcher unge- kocht/ von der uͤbermaͤßigen Hitze und Ent- zuͤndung eine Schaͤrfe bekommen/ und al- so durch den Schmertz gleichsam durch ei- nen Schroͤpff-Kopff in die verwundete ner- vosische Glieder gezogen wird/ auch ohne diese beyde/ als Entzuͤndung und Schmertz/ kein Anhang. kein Glied-Wasser-Sucht entstehen kan/ also muß man auch die Cur von densel- ben anfangen. Nach dem eine rechtmaͤs- Hil. in tact. de Synovia. sige genaue Diaͤt/ Purgation und Ader- laß angestellet/ soll man/ den Schmertzen zustillen/ Saͤlblein in die Wunde legen/ gemacht von colophon gum. elemi, terebint. venet, croco, ol. lumbricor, ol ovorum, ol. rosar , und ol. amygdal, dulcium. Ein uͤberschlag von Gersten-Mehl/ Bohnen-Mehl/ Chamillen/ Steinklee/ Bethonien/ Rosen/ und mit Milch gekocht/ wann aber grosse Hitze ver- handen/ kan man ein uͤberschlag machen/ von Gersten-Mehl/ Bethonien/ Heydel- beer/ Granath-Bluͤth/ mit Bethonien und Wald-Cypressen-Wasser angemachet: Das Zufliessen aber der Feuchtigkeiten aus dem Leibe zu dem leidenden Theil/ sol man verwehren/ mit Repellenti en und Defensi ven/ welche oberhalb des Schadens gelegt wer- den/ so lang die Feuchtigkeiten einfliessen/ und werden gemacht/ entweder von kalten und feuchten/ als/ außgepresten Saͤfften und Wassern von Lattich/ Granathen/ Haußwurtz/ Nachtschatten/ Wegericht Eßig ꝛc. oder kalten und trocknen/ als da sind/ Tormentil-Wurtz/ Granaht-Scha- len/ terra sigillata, bolus armeni, sangv. draconis. tutia, \& c. Wann nun das Ge- schwaͤr mit dem mundicativo d’. succo apij gerei- Chirurgischer gereiniget/ soll man/ die Nerven zu staͤr- cken/ einen andern uͤberschlag machen/ von Schluͤssel-Blumen/ Salbeyblaͤtter/ Lor- beer/ Chamillen und dergleichen/ das Fleisch ziehlen und also die Wunde beschliessen. 9. Woher kompt das geile Fleisch/ und wie ist es zu daͤmpfen? Geit Fleisch. Wiewol das uͤberfluͤßige Fleisch in den Wunden/ auch aus einem uͤberfluß des Gebluͤths zuentstehen pfleget/ so wird allhie nur von dem geilen Fleisch gefragt/ welches der Wund-Artzt verursachet/ in dem er die Wunde zu wenig gereiniget und getruck- net/ welches man weg nimmt mit den O- strien-Schalen-Pulv. hermodactyl, aristo- log. rotund. Wann es gar uͤberhand nim̃t/ mit dem alumine usto, ærugine, mercur. præcipitato \& c. auß den compositis das ungv. ægyptiacum. ungv. Isidis, Apst. \& c. 10. Wie wird die Laͤhm verur- sachet/ und wie ist sie zu cu- rieren? Hildanus. Wiewol in der drey und siebentzigsten Frag des Fuͤnfften Theils/ schon etwas Laͤhmung. davon gemeldet worden/ so sind doch nicht alle Laͤhmungen zu curiren/ dann wan nach der Anhang. der Glid-Wasser-Sucht in den Glaͤichen eine Kruͤmme und Erstarrung verbleibet/ kan man solches auff keine weise curieren/ sintemahl der scharffe Ichor wann er lang geflossen/ die Ligamenta und Krospel/ mit welchen die Haͤupter der Gelencke uͤberzo- gen seyn/ weg frist/ und hernachmahls mit einem Maser/ gleich wie in den Bein- Bruͤchen/ an einander befaͤstiget; Wann aber nur die Nerven zuruͤcke gezogen und das Glied eingebogen/ und selbige von der unnatuͤrlichen Hitze und Entzuͤndung auß- getrocknet und gedoͤrret sind/ kan man noch woll etwas außrichten/ in dem man das Glied mit den Nerven erweichet und be- feuchtet/ so woll mit Behungen als Sal- ben und Pflastern: Nachmahls wann es von noͤthen/ kan man auch die Instrumen- ta anlegen und nach belieben anschrauben/ wie beym Hildano cap. 26. von der Glied- Wasser-Sucht zu sehen. 11. Woher kompt das Blut- speyen/ und wie ist ihm zu wehren? Solches geschicht/ wann man in den Paracelf. lib. 1. ber- theon: cap. 13. Wunden der Brust das Blut nicht aus- fuͤhret und reiniget/ sondern sich setzen und gestehen laͤst/ welches offtermahls auff dem diaphragmate erfaulet und grosse Zufaͤll er- reget. Chirurgischer reget. Solches zu endern/ giebt man den Patienten ein/ sperm: ceti, mumia, rhabar- barb: auch den Liquorem de lacca: Auch sind die diur etica oder Harntreibende medica- menta dienlich/ dann man in der praxi er- fahren/ daß die Natur per venam azygos sich dessen entlediget; Solte aber die Faͤulung groß und haͤuffig auff dem diaphragmate lie- gen/ muß man eine Oeffnung/ wie in der Empyemate anstellen. 12 Woher kompt die Verstop- fung des Stuhlgangs/ und wie ist sie zu enderen? Verstopf- fung. Es kompt offt bey den Verwundungen/ daß durch das viele Bluthen die Natur also geschwaͤchet wird/ daß der Patient nicht Stuhl oder Harn hat/ da soll man nicht leicht purgieren/ sondern durch Clystier und suppositoria versuchen/ wo nicht/ so sol man nur Laxativa gebrauchen/ dann die Wund- Traͤncke emendie ren und verbesseren die laxativa daß sie ohne Schaden durchge- hen. 13. Was ist eine Fistel? Fistel. Diese sind eben woll nachlaͤsse boͤser Hei- lung/ werden darumb so genennet/ weil sie eine Gleichheit mit den Roͤhren und Pfeif- fen haben/ und sind tieffe und hole Ge- schwaͤr/ Anhang. schwaͤr/ dessen Raͤnder mit einer callosi- schen Haut umbgeben sind/ die Holen und Busem geben zuweilẽ eine scharffen Wund- schweiß/ zuweilen wenig oder gar keine Feuchtigkeit von sich. 14. Wie sind die Fisteln zu er- kennen? Wann eine Fistel bloß im Fleisch/ so ist der Bodem derselben mit dem Sucher Aquapend. zuberuͤhren/ und derselbe ist weich/ wann er auff einen Nerven zugehet/ erreget man ei- nen grossen Schmertzen/ und ist die Ma- terie fettig und einem Oehl nicht ungleich; Wann solche eine Ader oder Arterie be- trifft ohne Außfressung derselben/ so kompt eine Materie dem Heffen gleich; Wann sie eine Ader durchfressen/ gehet das Blut dunckel/ schwaͤrtzlicht und dicklicht ohne Springen/ wann aber eine Arterie/ gehet das Blut mit Ungestuͤm; Wann die Fi- stel einen Knochen trifft/ kan manns mit dem Sucher erkundigen/ ob es glatt oder grubicht ist; Ob aber inwendig eine oder mehr Fistel und Hoͤle sey/ merckt man an dem/ wann mehr Materie und Eyter her- auß fleust/ als eine sichtliche und begreifliche Hoͤhle in sich haben kan. 15. Wie kommen die Fisteln her? L l Sie Chirurgischer And. d. Cru. Sie kommen gemeiniglich auf zweyerley Weise/ 1. Wann die Natur die boͤsen Feuchtigkeiten zu den unedelen geringen Gliedern verweiset/ und nachmahls wegen des gantzen Leibes Boͤsen Zustandes/ (o- der dieweil der Wund-Artzt nicht recht da- mit umbgehet/ oder der Patient selbst nicht folget/) zu einer Fistel wird. 2. Wann etwan euserlich der Mensch mit einem Pfeil geschossen wird/ und dannenhero eine enge Wunde bekompt/ wie solches in der Brust und Gelencken gemeiniglich geschicht. Oder es gibt/ wie schon gesagt/ der uner- fahrne Wund-Artzt Anlaß und Ursach da- zu/ in dem er die noch nicht zeitige Ge- schwaͤr durch das Schneiden eroͤffnet/ o- der die Hoͤle nicht genugsam reiniget/ oder die Vereyterung zu langsam oͤffnet/ wel- che nachmahls/ in dem die Wasserichte Materie vertrocknet/ in eine Fistel verwan- delt wird. 16. An welchen Orten des Lei- bes erscheinen die Fisteln gemeiniglich? Es sind fast alle Ort des gantzen Lei- bes den Fisteln unterworffen/ allermeist a- ber die feuchten/ und die von Natur Bu- sen und Hoͤlen haben/ als der Hindern/ Kinbacken/ Brust und dergleichen. 17. Was Anhang. 17. Was ist unter einer Fistel und Geschwaͤr fuͤr ein Un- terscheid? Die Geschwaͤr sind weit und groß/ die Fisteln enge und schmal. Die Geschwaͤr geben viel unflaͤtiger Materie von sich/ die Fisteln aber sind gantz trucken/ oder geben tropffenweiß einen Wundschweiß von sich. 18. Wie sind die Fisteln bey den Augen zu heilen? In den Augen samlet sich offtmahls ei- Georg Bar- tisch in sei- nem Augen- Dienst/ im 9. Theil. des 10. cap. ne zehe/ dicke truͤbe Feuchtigkeit/ welche vom Gebluͤth auch vom Hirn sich dahin setzet. Die vom Hirn/ giebet eine weisse/ lautere und nicht dicke Materie/ die vom Gebluͤth/ ist dicke und zaͤhe/ als ein Ge- schwir/ und muß man dabey Ader lassen/ auß etzlichen rinnet und laͤufft gar ein lau- ter Wasser/ aus etzlichen aber/ ein dicker und truͤber Eyter/ und solches ins gemein den jungen Maͤgdlein/ welche ihre menstrua noch nicht haben/ oder dieselbe verlohren: wo nun solches ist/ da ist eine Fistel zu be- sorgen/ eines grossen Schadens/ welche Ægilops oder fistula lachrymalis genennet wird/ solche wird auch verursachet/ in Aus- fressung des grossen Augenwinckels bey der Naasen/ welche dann zu verhuͤten/ man be- L l ij queme Chirurgischer queme purgantia , wie auch euserliche Mit- tel gebrauchen muß/ als destilliert Wasser von Johannis-Kraut/ Schell-Kraut/ Tor- mentill/ Campfer/ Weyrauch/ Mastix/ Saffran/ wann aber die Fistel schon zu ge- gen/ und sich auffgeworffen/ muß man sie schneiden/ oder mit einem gluͤenden Eisen beruͤhren/ damit die Callosische Haut hin- weg komme/ die Fistel reinigen/ die Augen defendie ren/ mit Fleisch erfuͤllen uñ zuschlies- sen Wann das Geschwaͤr neu/ kan es nach dem es gereiniget/ durch Huͤlff eines Instru- ments vom Fabritio ab Aquapendente crinale genandt/ welches auch im Armamentario chirurgico Sculteti zu finden ohne Schneiden oder Brennen geheilet werden/ wie ich selb- sten etzliche curieret. Die callosische Haut kan auch gehoben werden/ wann man sie linde mit einem corrosiv uͤberfaͤhret. Franciscus Romanus ruͤhmet in seinen Consultationibus medico-chirurgicis , welche neulich zu Nea- poli ausgangen/ cent. 1. consult. 17. die callo- sische Haut wegzubringen mit dem ☿ rio præcipitat. mit Wein-Eßig-Heffen und Saltz vermischt. 19. Wie sind die Fisteln im Halß und Kinnbacken zu heilen? In dem unteren Kinnbacken entstehet offt Anhang. offt ein kleiner Knoll/ welcher mehrentheils zu einer Vereyterung und folgends zu ei- nem fast unheilsamen Geschwaͤr kommt/ denn es ist gern eine Verderbung des Kno- chens dabey/ und gehet ein Zahn-Wehtag vorher/ biß sich das Geschwaͤr mit der Zeit gar in eine Fistel verwandelt; Derselben nun zu begenen/ muß man den Leib genug- sam bereiten/ und mit den pillulis aureis und aggregativis \& c. reinigen/ eine Ader oͤffnen/ den Zahn/ (welches offt das prin- cipahlste ist) heraus ziehen/ die harte Schwule und Maser mit einem Etz-Saͤlb- lein wegnehmen/ das Geschwaͤr reinigen mit dem ungv. de succo apij und letztlich die Wunde mit dem Empl. diachalciteos hei- len. 20. Warumb sind die Fisteln der Brust fast unheilsam. Wiewoll sich die einfachen Fisteln der Brust/ so bald die Schwule hinweg/ mit denen Sachen/ so gar nicht beissen/ leicht- lich heilen lassen/ wan man den Leib genug- sam reiniget/ und eine bequeme Diaͤt an- stellet/ zu dem gebuͤhrliche Wund-Traͤn- cke von Odermenig/ Taufendguͤldenkraut/ Pimpinell/ Benedicten-Wurtz/ Schafft- Hew/ Bethonien/ Gundel-Reben und der- gleichen bereitet/ aus welchen man auch L l iij mit Chirurgischer mit zuthun etwas Myrrhæ , Osterlucey und Schwertel/ ein Spruͤtz-Wasser ma- chet; Noch dennoch sind sie schwer zu hei- len/ in dem nicht allein der Ort des Leibes in staͤter Bewegung/ sondern auch die Brust selbst der uͤberfluͤssigen Feuchtigkei- ten/ vieler Duͤnste und Geister voll ist. 21. Welche Fisteln sind am schwersten zu heilen? Diese ben/ als von welchen kuͤrtzlich ge- sagt worden/ dann wann sie forne an der Brust entspringen/ woselbsten der Mensch der Musculen und Blut-Adern sonderlich viel hat/ sind sie nimmer ohne Gefahr: Wie auch auff dem Ruͤcken/ als an einem Ort voller Adern und Nerven: Welche zwischen den Rippen hinein dringen/ pfle- gen gemeiniglich das diaphragma zu belei- digen/ auch sind solche Fisteln/ welche in- wendig viel Hoͤlen und krumme Busen haben/ schwerlicher zu curieren/ als die ein- fachen und schlechten. 22. Was ist die Schwindung des Zahn-Fleisches/ und wie ist solche zu benehmen? Die Schwindung des Zahn-Fleisches ist nichts anders/ dann eine Verzehrung desselben vom Schorbuck/ wird benom̃en/ in Anhang. in dem man den Leib reiniget/ und von boͤsen Feuchtigkeiten und saltzigen humori- bus befreyet/ den Mund reiniget/ mit Tin- ctura gummi laccæ Mynsichti , oder Tinct. flor. balaust. mit spiritu salis und aq. plan- taginis gemacht/ oder mit dem ungv. ægyp- tiac , oder melle rosato mit spiritu salis und alum. usto gemischet. 23. Was ist vom Aderlassen zu halten? Die Aderlaͤß befreyen offtmahls nicht allein von der Kranckheit/ sondern man kompt auch denen noch bevorstehenden und kuͤnfftigen zuvor/ dienen insonderheit denen Coͤrpern/ so zu den Kranckheiten/ (welche aus dem Uberfluß des Gebluͤths oder des- selben boͤsen Qualitaͤt oder beyden zugleich entspringen) geneigt/ oder allbereit damit behafftet sind. 24. Wie viel Adern werden an des Menschen Leib gelas- sen? Die Alten haben viel Adern geoͤffnet/ als nach Albucasi Zeugnuͤß/ so giebt die grosse Blutroͤhr hundert und acht und sechtzig Aest und Zweig/ aus welchen in die dreyßig gelassen werden: als an der Stirn/ hinter den Ohren/ an den Schlaͤffen/ in den Au- L l iiij genwin- Chirurgischer genwinckeln/ am Ende der Naasen/ an den obern und untern Lefftzen/ unter der Zung/ an dem Hals/ am Arm die medi- an, cephalica und basilica , an der Hand die Haupt-Ader und salvatell ; An den Fuͤssen die Brand-Ader die Schiatica und Saphe- na. Wie hiervon weitlaͤufftiger kan ge- lesen werden in Tractatu de Chirurgia effi- caci sub titulo Angiologia Marci Aurelij Soverini. 25. Wozu ist ein jede nuͤtzlich? Wiewoll die Alten unterschiedliche A- dern/ zu diesem oder jenem Gebrechen ge- lassen/ als die Stirn-Ader/ vors Haͤupt- weh/ die hinter den Ohren zu den Cathar- ren oder Haͤuptfluͤssen ꝛc. so werden doch solche Regeln heute zu tage nicht observi ret/ auch kan man die Adern vielmahls nicht lassen/ sondern man muß mit Blut-Eglen oder Schroͤpff Koͤpffe das Gebluͤth heraus ziehen. Vielmehr ist zu wissen noͤthig/ daß man in lassung der Adern/ in acht nehme die Zeit/ dann im Anfang/ da man eine revulsion von noͤthen/ muß man eine weite und ferne Ader lassen/ im Stillstehen aber/ oder Abnehm der Kranckheit/ als zur eva- cuatio , eine in der naͤhe gelegene dem leiden- den Theil. Es ist auch in Erwehlung der Adern nicht so groß zu sehen/ wie etzliche dafuͤr Anhang. dafuͤr halten/ welche auff dem Arm/ ent- weder die Leber-Ader oder Median oder Ce- phalicam mit fleiß zu lassen befehlen/ da doch gleich viel ist/ welche man lasse/ in dem sie aus einem trunco entspringen/ und in viel Aeste außgetheilet werden/ man soll aber/ vielmehr die jenige welche am sichersten liegt/ und am besten zu sehen und zu fuͤhlen ist/ zum lassen erwehlen/ und solches sey auch gesagt von den Adern der Fuͤsse. Daß aber die Adern ihre absonderliche Nahmen haben/ ist nicht wegen der Kranckheiten/ son- dern wegen ihres Lagers/ dann die am Arm/ welche Cephalica genandt wird/ heist nicht deßwegen also/ daß sie vom Haupt herkom- me/ sondern weil sie oben am Arm liegt: Und also ist es auch von den andern zu ver- stehen. 26. In welchem Zeichen ist das Aderlassen verbothen? Hiervon machen abermahls etzliche viel Wunders/ indem sie bald dieses/ bald jenes Himmlische Zeichen verwerffen/ und mit Ptolomæo verbiethen/ das Glied mit keinem Eysen zu beruͤhren/ wann der Mond in dem Zeichen ist/ welches das Glied innen hat/ in Meinung/ es werde entweder dem gantzen Leibe/ oder auffs wenigste dem Glied grosse Gefahr zugezogen/ da doch hiervon von den L l v vor- Chirurgischer vornehmsten Lichtern der medicin als Hip- pocrate und Galeno keines Worts gedacht wird. Soll man also sich solcher Sachen nicht irre machen lassen/ sondern unverzagt und sonderlich in den schnellen und strengen Kranckheiten/ als Seitenstechen/ Braͤune/ Entzuͤndung Lung und Leber/ ꝛc. die Ader- laß vor die Hand nehmen/ auch in dem Glied/ welches der Mond inne hat/ wie hiervon ein mehrers zu finden beym Arnoldo de villa nova, Gvidone, Joberto, Levino \& c. Und bezeuget auch solches Fabritius Hilda- nus , daß er niemahlen eine Veraͤnderung gespuͤret/ wann er wider der Astrologorum Regel zur Ader gelassen. Felix Platerus in quæstionibus terapeuticis meldet auch/ daß die Teutschen mehrentheils hierinnen fehlen/ und ohne Noht im curiren dieselben sorgfaͤl- tig in acht nehmen/ da doch weder die alten Griechen und Lateiner/ noch die heutigen gelehrtesten Italiaͤner und Frantzosen wenig davon halten. 27. Wie ist der nach der Laͤß ge- schwollenen und auffge- lauffenen Ader zu helffen? Solches geschicht insgemein bey denen/ welchen ein Nerv/ Sehne oder Arterie ge- troffen/ ienes ist aus dem Schmertzen/ die- ses aus dem haͤuffigen Auslauffen des Ge- bluͤths Anhang. bluͤths abzunehmen. Es entstehet zu wei- len aus dem daselbst außgespreitetem Blut/ so auff das harte Binden erfolget/ und hat durchaus keine Gefahr/ und kan etwa mit einem warmen Wein oder Umbschlag ver- zehret werden. Mit den andern muß man verfahren/ wie bey Verwundung der Ner- ven/ auch bey der Geschwulst Aneurisma genandt/ gemeldet worden. 28. Was ist zu thun/ wann der Ort/ da die Ader geschla- gen worden/ gelb/ braun oder blau wird? Wenn man solches gleich im Anfang verspuͤret/ kan man/ wie gesagt/ offter warmen Wein uͤberschlagen/ oder Saͤck- lein in Wein kochen/ gemacht von Dosten/ Wollgemuth/ Roßmarin/ Chamillen/ rothen Rosen/ Wermuth ꝛc. auch kan man den Arm salben mit ungv: populeonis. ol: ro- sar, lumbricorum. \& c. 29. Womit ist nach verrichte- ter Laͤß die Ader zu zu- stopffen? Es wird insgemein mit einem feinen lei- nenen Polsterlein verrichtet/ auch brauchen etzliche Baumwollen mit Rosen-Oehl be- stri- Chirurgischer strichen/ denen aber/ so sich bewegen und uͤber Feld reisen muͤssen/ legt man ein wenig Pfauen-wisch uͤber. 30. Ob man einen Pestsuͤchti- gen/ und wie oder wo man Ihm zur Ader lassen wolle? Daß in Pestzeiten nicht leicht denen da- mit behaffteten/ zur Ader zu lassen/ ist hier- aus zu sehen/ in dem man der Natur durch Schweißtreibende Mittel den Gifft vom Hertzen und innerlichen Gliedern zu treiben/ sich bemuͤhet/ die Purgation und Aderlaͤß aber/ ziehen das/ was schon einmahl her- aus getrieben/ wieder in den Leib: Doch kan man den sehr Blutreichen am dritten Tage auch eine Ader oͤffnen. 31. Ob und wo einer schwange- ren Frauen zu lassen? Den schwangeren kan man fuͤglich im vierdten/ biß zu End des sechsten Monds lassen/ am Arm oder auff der Hand/ an den Fuͤssen aber gar nicht. 32. Wie ist von dem gelassenen Bluth zu judici ren? Wiewoll solches mehr von einem Medi- co Anhang. co als von einem Chirurgo erfodert werden soll/ so geschichts doch offtermahls/ das in mangelung eines Medici der Chirurgus ent- weder dem Patienten zugefallen/ oder aber umb dessen Wollfahrt/ wegen des Blutts ein judicium finden muß: Als zeiget viel Joh. Castel- lanus Ana- tomicus Romanus. gelbes Wassers auff dem Gebluͤthe/ einen starcken Trincker/ oder schwache Leber/ o- der Nieren und dessen Verstopfung : Wann es sehr schaͤumet/ und ist nicht von starckem Lauffen verursachet worden/ zei- get es eine Entzuͤndung derselben Feuchtig- keit/ derer Farb es an sich hat/ und zwar der rothe Schaum/ die Entzuͤndung des Gebluͤths/ der bleiche/ der Gallen/ der weis- se/ die schleimichte Feuchtigkeit/ der schwar- tze Schaum/ die Melancholey. Das Blut so gestehet und uͤber-roht ist/ auch ein we- nig Wasser hat/ ist eine Anzeigung eines guten lebhafften Gebluͤths/ die Citron- Farb zeiget an die Galle/ die weisse Farbe/ schleimichte Feuchtigkeit/ die gruͤne Farb eine außgetruckenete Gall/ die lichte und Bley-Farbe/ eine schwartze und schaͤdliche Gall. Daß aber mit mancherley Farben vermengte Bluth/ zeiget allerley uͤbrige Feuchtigkeiten an/ die auch eine Faͤule mit sich fuͤhren. 33. Wie Chirurgischer 33. Wie ist ein Setaceum zuse- tzen ? Erstlich setzt man den Patienten auff ei- Hild cent. 1. observ. 40. ne niedrige Banck/ und zeichnet den Ort wo das Loch durch zu machen auff beyden Seiten mit der Tinten/ alsdann fast man erstlich mit den Fingern die Haut/ zwischen dem andern und dritten/ oder dritten und vierten Gewerb des Genicks: Wann sie nun von dem Mauß-Fleisch abgezogen/ fast man mit der lincken Hand die Haut mit einer Zangen also/ daß die gezeichnete Tippel der Tinten durch die Loͤcher sehen/ hernach stehe vor dem Patienten und dru- cke seinen Kopff an deinen Bauch/ und durchstich die Haut mit einer dazu gemach- ten Nadel/ in Form einer Lantzetten/ an welcher eine seidene Schnur/ vier Span- nen lang gebunden/ daß sie umb den Halß reiche/ alsdann schlage ein Tuͤchlein in Ey- erweiß eingetuncket uͤber/ welches den Schmertzen und das Blut stillet. Auch legt man ein beschirmungs Mittel uͤber/ ge- macht von Terpentin/ neu Wachs/ gumi elemi , Rosen- und suͤß-Mandel-oͤhl. Wann nun die Materie biß in den sechsten Tag gezeitiget/ so ziehe den Schnur hin und wie- der/ und saͤubere den Schnur/ und verbin- de es taͤglich zweymahl. Heutiges Tages braucht Anhang. braucht man keine Zange mehr/ noch der gluͤenden Nadel/ sondern man scheret ein wenig das Haar weg/ wo es noͤthig/ zeich- net den Ort/ und fast der Diener die Haut mit einer Hand in die hohe/ mit der ande- ren der operator , und sticht mit einer star- cken Lantzett die Haͤut durch/ und ziehet al- sobald einen leinenen gemeinen Band durch/ und verbindet es/ wie oben gemeldet/ wie solches Joh. van Horne in introductione sua methodica ad chirurgiam pag. m. 176. lehret. Von Von Chirurgischen Instrumenten. und Medicamenten. 1. Was bedarff ein Wund- Art fuͤr Instrumenta und Werckzeug zu seiner No- thurfft? 1. Einen Trepahn oder Bohrer zur Hirn- schal. 2. Radicula oder krumme Raspeln und Feilen zu den angelauffenen Knochen. 3. Rasoria oder Schaber/ auch scalpra genandt/ die Riß zu erweiteren. 4. Stem-Meissel klein und groß/ mit ei- nem bleyernen Hammer. 5. Vectis ein Heber/ die eingebogene Hirn- schal auffzuheben. 6. Eine starcke Zange/ die Schiffer mit heraus zu ziehen. 7. Ein Pelicahn und Geißfuß die Zaͤhne aus zuziehen. 8. Saͤglein/ die Hirnschal damit zu zer- theilen. 9. Eine Chirurgischer Anhang. 9. Eine Nadel und Zange zum Setaceo oder Haar-Seil zu setzen. 10. Kugelzieher oder Kugelschrauben zun geschossenen Wunden. 11. Etzliche Specula zum Munde/ Afftern und Behr-Mutter. 12. Instrument zum Einrichten der ver- renckten Glieder. 13. Ein Zug mit den Scheiben/ sampt den Schrauben. 14. Spruͤtzen klein und groß/ zu allerhand Verrichtungen. 15. Beinsage groß und klein. 16. Abbeisser groß und klein zum Abfetzen. 17. Allerhand bleyerne und silberne Roͤhr- lein zur Brust. Und was dergleichen mehr seyn/ welche nicht allein haͤuffig beym Andrea de Cruce, Paræo und Hildano zu finden/ sondern auch in des Sculteti Armamentario chirurgico die appli- cation derselben in Kupffer gestochen gewie- sen wird. Daniel Major D. und inventor chirurgiæ infusoriæ hat diese instrumenta me- chanicè expliciret. 2. Was fuͤr Pflaster bedarff Er in seiner Werckstatt/ und wie viel sind ihrer zu ge- brauchen? M m Ob Chirurgischer Ob woll ein jedweder Chirurgus bald die- ses bald jenes Pflasters sich bedient/ und sei- nem besten gutduncken nach dieses oder je- nes Ihm erwehlet/ so sinds doch folgende die insgemein gebrauchet und fertig sollen gehalten werden. Als das Empl: de betoni- ca, gratia Dei, Apostolicum, de melilot, basilicum, diapalma, diachylon simplex, diachyl. cum gummis, de mucilaginibus, o- xicroceum, nervinum, griseum, de spermate ranarum, de argento vivo, filij Zachariæ, sticticum, ad fracturas, opodeldoch, album coctum, ad ulcera antiqva \& c. 3. Worvon werden solche Pflaster bereitet/ und wor- zu dienen sie? Das Empl. de betonica wird gemacht von von klahren Terpenthin/ Wachs/ Rosen-Oehl/ ausgepresten Safft von Bethonien/ Mastix/ Myrrha und Weyrauch. Dienet wol in Zerstossung des Haupts. Empl. Gratia Dei. wird gemacht von Safft von Bethonien/ Eisen-Kraut und Pimpinell/ Wachs/ Hartz/ Terpen- tin/ Mastix/ Weyrhauch/ Myrrha und Galbano. Wird auch zu vori- gen Gebrechen gebraucht. Empl. Anhang. Empl. Apostolicum , wird gemacht von ly- targirio , Wachs/ Bienen-Hartz/ Co- lophon/ Vogel-Leim/ ammoniac. la- pid. calaminar , Weyrauch/ Mastix/ mumia Terpentin/ galban, bdell, sarco- colla, dictã: cretic, aristolog Kesselbraun squama æris, myrrha. Gruͤnspan uñ al- tes Oehl/ welches dienet wider die gif- tigen Thier Biß/ zeitiget und reiniget die Geschwaͤr/ zeucht aus allen Gifft und Spreissel und Dorne/ ist gut zu frischen und alten Schaden. Empl. d. meliloto. Wird gemacht von Steinklee/ Chamillen Blumen/ fœ- num græc: Lorbeer/ Ibischwurtz/ Wer- muth/ Cardamom/ Violen-Wurtz/ Spicanarden/ Eppigsahmen/ Cy- perwurtzel/ cassia lignea, ammeos, majoran, ammoniac, storax, cala- mit, bdellio , Terpentin/ fette Feigen/ Bocken-Inschlit/ Hartz/ Wachs/ oleo sampsuchini, nardini. Ist eine trefliche Erweichung der alten Ver- haͤrtung der Leber/ Miltz/ Magen und anderer Glieder. Wird auch ge- braucht in den bubonibus neben dem Gemaͤcht; Es stillet auch die Schmer- tzen/ welche von Kaͤlte herkommen. Empl. Basilicum , Wird gemacht von Wachs/ Pinen-Hartz/ Kuͤh-In- M m ii schlicht/ Chirurgischer schlicht/ schwartz Pech/ Terpentin/ Weyhrauch/ Myrrh und Oehl. Dienet wol zu frischen Wunden/ und heilet dieselben woll. Empl. Diapalma. Wird gemacht von ly- targir: aureo , Oehl/ in welchem die innerste gruͤne Rinde von den Pal- men gesotten/ Schweinen-Schmaltz/ calcinier ten Victriol. Ist gut zu frischen Wunden/ treibet die Fluͤsse zu ruͤcke/ schliesset Haut/ und ist gut vor den Brand. Empl. diachylon simplex. Wird gemacht vom Schleim von Leinsaamen/ fœn. græc. und Ibisch-Wurtz/ altes Oehl/ und lytargir. Zertheilet die haͤrte der Leber/ Miltz und Kropf/ auch die kleinen Blutschwaͤr. Empl. diachylon cum gummis. wird eben so gemacht/ und thut man die gum- mata von sagapeno, opopanac, bdell , galban , und ammoniaco in Essig zer- lassen/ darzu. Ist viel staͤrcker zu resolvi eren/ zu zeitigen und zu verey- teren. Empl. de mucilaginibus oder diachylon ma- gnum. Ist so wol mit den ingredi- entien als auch mit den Kraͤfften/ den vorigen fast gleich. Empl. Anhang. Empl. oxicroceum. Wird gemacht von Wachs/ Pech/ colophonia, Terpen- tin/ gum. galban, ammoniac, Myrrh/ Mastix/ Weyhrauch/ Essig und Saffran. Dienet woll zu den Bein- bruͤchen/ wenn keine Zufaͤll nicht mehr zu besorgen/ auch zu der Ver- stauchung der Nerven und Zerstos- sungen/ auch ist es dienlich zu den alten Verhaͤrtungen der Geschwulst/ zu- erweichen und zu zertheilen. Empl. Nervinum. Wird gemacht von ol. chamomill, Rosen-Oehl/ Mastix- Oehl/ Terpenthin-Oehl/ und Lein- Ohel/ Terpentin/ oll. hypericonis, Kaͤlber- und Boͤcken Inschlitt/ Ros- marin/ Bethonien/ Pferdschwantz- und Tausendguͤldenkraut/ Regen- Wuͤrm/ Faͤrber-Roͤthe/ Mastix/ gum. elemi, Pech/ Hartz/ segapen, galban. ammoniac, lytargir. vitriol, minio. Erweicht/ zertheilet und ver- zehrt/ und ist den nervosischen Glie- dern nuͤtzlich. Empl. Griseum oder de lapide calaminari ins gemein Zelten-Pflaster/ wird ge- macht von Galmey/ Tutien/ Ter- pentin/ Wachs/ Hartz/ lytargir, Mastix/ Weyhrauch/ Tragant/ M m iij Ro- Chirurgischer Rosen- und Myrten-Oehl. Truck- net die Geschwaͤr/ unnd schliesset Haut. Empl. de spermate ranarum, wird gemacht von cerusa, lytargirio Baum-Oehl/ weiß Wachs/ Frosch-Leich/ Weyh- rauch und ein wenig Campfer. Die- ses kuͤhlet und lindert die Schmertzen des Brandes. Empl. d. argento vivo, wird gemacht von Schwein-Schmaltz/ Rosen-Oehl/ cerusa und lytargir, storac. liqvid, ☿ rio vivo, Terperin. In den Fran- tzoͤsischen Beulen/ wie auch alten fluͤßigen Schaden/ wird es mit gros- sem Nutz gebraucht. Empl. filij Zachariæ wird gemacht von Wachs/ das Marck auß den Kuh- Knochen/ Huͤner und Endten- Schmaltz/ Schleim von Leinsaa- men/ Lein-Oehl; Wil man es staͤr- cker haben/ thut man hinzu Schaff- Brallen und das ol. leucoij vor das Lein-Oehl. Erweicht und zertheilet die Knoden und Beulen der Gelen- cke/ und macht auch die auff der Brust liegende Materie duͤnn und zum Auswerffen beqvem. Empl. Anhang. Empl. Sticticum wird gemacht von Ro- sen-oͤhl/ Colopfonia/ Hartz/ Schiff- Pech/ gelb Wachs/ Kupffer-Was- ser/ Bleyweiß/ Weyhr. Mirrhen/ Mastix/ Eyer-Oehl/ Wacholder- Oehl/ Spick-Oehl/ Mumia/ gesie- gelte Erde/ Drachen-Bluth/ weissen vitriol, rothe Corallen/ Magnet- Stein/ Regen-Wuͤrm und Cam- pfer. Ist sehr kraͤfftig in frischen Wunden und Stichen derselben/ wovon es auch den Nahmen hat. Empl. ad fracturas. Diese werden gemacht von Wachs/ Hartz/ lytargir, bol. ar- men, farin. fabarum, consolida, barba caprin, gum, tragant und dergleichen. Empl. Opodeldoch. Wird gemacht von minia, lapid: calaminar, lytargir, ol. laurin, olivar, lini, Wachs/ Colo- fon/ Ferniß/ Terpentin/ gum. galban, ammoniac, oppopan: serapino, bdellio, gelben Agtstein/ Weyhrauch/ Myrrh/ Aloes/ Osterlucey/ Mumia/ Blut- Stein/ Magnet/ Perlenmutter/ Drachen-Blut/ gesigelte Erde/ vi- triol. alb. flor. antimon, croc ♂, und Campffer. Ist wie bekant/ von grosser Tugend. M m iiij Empl. Chirurgischer Empl. album coctum wird gemacht von cerusa, oleo olivar, und Wachs. Kuͤhlet und trucknet/ und schliest Haut. 4. Was bedarff ein Wund- Artzt fuͤr Ungventen? Ins gemein das Unguentum Basilicum, Ægyptiacum, Popoleum, Apostolorum, Au- reum, Dialtheæ, Fuscum, ad Ambustum, Defensivum, Resumptivum, Incarnativum, Campharatum, Digestivum, Mollificans, Vesicatorium, contra Scabiem, Diapompho- lygos, Pulverloͤschung/ Wund-Balsam und dergleichen. 5. Worvon werden sie bereitet/ und worzu dienen sie? Das Ungventum Basilicum wird ge- macht von weiß Wachs/ Pinen- Hartz/ Kuͤh-Inschlitt/ Schiff-Pech Fisch-Leim/ Weyrauch/ Mirrhen. Dienet zu denen Wunden/ welche einer Erwaͤrmung von noͤhten ha- ben/ und sonderlich in den Wun- den der nervosischen Glieder. Ungventum Ægyptiacum. Wird gemacht von Gruͤnspan/ Honig und Wein- Eßig/ ist sonderlich gut die faulen Ge- Anhang. Geschwaͤr zu reinigen/ und das uͤ- brige Fleisch weg zuetzen. Hildanus setzet hinzu Safft von Scord. Lachen- Knoblauch und Rauten/ wie auch Theriack/ Methridat/ und Campfer. Ungvent: Popoleon: Wird gemacht von den Knopffen des Pappelbaums/ Schwein-Schmaltz/ mandragora, papaver, cimarorubro hioscyamo, ver- miculari, semper vivo, bardano, Nachtschatten/ umbilic: Veneris. \&c. Dienet wieder die Hitze der Fieber/ macht schlaffend/ wenn man die Stirn und Schlaͤff damit salbet. Unguent: Apostolorum. Wird gemacht von Terpentin/ Hartz/ Wachs/ ammoniac, aristolog, Weyrauch/ Myrrhe/ galban, opopanax, Gruͤn- span/ lytargir, oͤhl und Eßig. Wird gebraucht die Busen und Hoͤlen der Geschwaͤr und Fisteln mit zu reini- gen/ abzuwischen und zu trucknen/ Fleisch wachsend machen und zu hei- len. Unguent. aureum. Wird gemacht von gelb Wachs/ Oehl/ Terpentin/ Hartz/ colophon: Weyrauch/ Mastix/ und Saffran. Macht Fleisch wachsen M m v und Chirurgischer und heilet die Wunden/ insonderheit in den zarten Coͤrpern. Unguent. dialtheæ. Wird gemacht von I- bischwurtz/ Leinsahmen und fœn: græc, Oehl/ Wachs/ Terpentin und Hartz. Ist treflich gut zu erweichen und zu befeuchten/ wie auch zu erwaͤr- men/ lindert die Schmertzen/ zerthei- let und erweichet. Unguent. fuscum. Wird gemacht von Oehl/ gelb Wachs/ Pech/ sagapen. Mastix/ galban, Weyrauch/ Ter- pentin. Reiniget und saͤubert die Wunden/ machet Fleisch wachsen/ das faule Fleisch aber nimt es weg. Ungv. ad ambustum und zwar im ersten Grad da keine Blattern noch nicht auffgefahren/ wird gemacht von ro- hen Zwieflen/ Saltz/ Venedischer Seiffen/ in einem Moͤrsel mit Rosen- und Suͤß-Mandel-Oehl. Im an- dern Grad macht man die Salbe von ungesaltzener Butter/ Hennen-Fett/ Wachs/ weiß Lilien-Oehl/ Quitten- Schleim und ein wenig Saffran/ im grossen Schmertzen thut man ein we- nig opij darzu. Resumptivum. oder Schwind-Saͤlb- lein Anhang. lein wird gemacht von Regen- Wurm-Oehl/ Pfeffer/ Euphor: Bi- bergeil-Oehl/ Wacholderbeer-Oehl/ Kam-Schmaltz/Menschen-Baͤhren- und Murmelthier-Schmaltz/ Regen- Wuͤrm und Bertram. Ungventum album camphoratum, wird gemacht von Rosen-Oehl/ weiß Wachs/ cerusa, weiß vom Ey/ und Campfer. Dienet wider den Brand und Rothlauff/ wider die Kraͤtze und Auffschiessen der Blaͤtterlein/ auch daͤmpffet es die unrechtmaͤßige Hitze der Geschwaͤre. Ungv. digestivum, wird gemacht von Ter- pentin/ in aq: plantag. gewaschen/ Rosen-Oehl/ Eyerdotter und Saff- ran/ die Wunden zu zeitigen. Etz- liche thun hinzu mastix, olib anum und ol: hypericonis. Ungv. Vesicatorium wird gemacht von Sauerteig und Eßig/ oder das Empl: de alchimilla mit cantharides ver- mischt. Ungv. ad scabiem wird gemacht von sto- rac: liquid terebintina, butyr, Limo- nien-Safft/ cerusa, Saltz/ auch von Schweinen-Schmaltz und Schwe- fel. Ungv. Chirurgischer Ungv. diapompholyg: wird gemacht von Rosen-Oehl/ weiß Wachs/ Nacht- schatt-Safft/ cerusa, pompholyg ge- brand und gewaschen Bley/ Wey- rauch. Dienet den hitzigen scharf- fen und gesaltzenen Geschwaͤren/ denn es erfrischet und kuͤhlet/ trucknet und heilet/ und macht Haut wachsen ohne Beissen. Brandloͤschung oder Pulverloͤschung wird gemacht von Honig/ Hauß- wurtz-Safft/ Krebs-Safft/ Rosen- Eßig und phlegma vitriol. Wund-Balsam/ und zwar des Paræi, wird gemacht von Venedischen Ter- pentin/ gummi aus den Wacholder- baͤumen/ S. Johannis-Oehl/ bol: armeni, Drachen-Blut/ aq: vitæ, pul: rad: ircos florentini Mastix/ Aloes und Myrrhen. oder das ol: Hispan: Aqua- pendentis. Ungv: ad hæmorrhoides wird gemacht von Sterck-Mehl/ cerusa, lytargir, ge- brand Bley/ Traganth/ opio Kam- pfer/ weiß vom Ey/ Rosen- und Veyel- Oehl. Stillet die Schmertzen/ und wehret der Entzuͤndung. 5. Was Anhang. 5. Was bedarff ein Wund- Artzt fuͤr Pulver in seiner Werckstatt? Er muß haben Pulver zum Warmband/ Terband/ Weichung/ Blutstillũgs Pulver/ Stich-Pulver/ Haupt-Pulver/ Zaͤpffle- Pulver/ ☿ rium præcipitatũ, Rohtlauff Pul- ver-Augen-Pulver/ Pulver zum Glied-was- ser/ Gifft Pulver/ Pestilentz Pulver/ drucken- Pulver/ Hand-Pulver/ Zaͤhn-Pulver/ Beinbruch-Pulver/ fuͤr Fell der Augen/ Etz-Pulver/ gebrandten vitriol, lap: me- dicamentosum, gebrand Alaun. 6. Worvon werden solche pul- veres gemacht und wor- zu dienen sie? Das Pulver zum Warmband/ wird gemacht von Pappeln/ Ibisch/ Li- lien-wurtz/ Eppich/ Leinsaamen/ fœn. græc. Chamillen/ Steinklee/ Feigen und dergleichen. Sind gut die Lufft-Loͤchlein der Haut zu oͤffnen/ die Glieder zubefeuchten/ und die Feuch- tigkeiten duͤnn zu machen. Der Dorband wird gemacht von Staub-Mehl/ Feig-Bohnen/ Boh- nen- und Gersten-Mehl rad. Conso- lidæ, Chirurgischer lidæ, Weyhrauch/ sangv. drac. bol. armeni. Weichungs Pulver/ zum captaplas- ma, wird gemacht von Ibisch Wurtz/ Chamillen/ Steinklee/ Lilien-wurtz/ Lein-Kuchen/ Weitzen-Mehl und Saffran. Bluthstillungs-Pulver. Wird ge- macht von Staubmehl/ Drachen- bluth/ Weyhrauch/ bolo, terra sigil- lat, gyps, croc ♂, cap, mort. vitriol. klein geschnitten Hasen-haar/ Moß vom Todten-Kopff. ꝛc. Stich-Pulver/ contra casum genand/ wird gemacht von mumia, rhabar- baro, Bocks-Bluth/ Krebs-Stein/ sperma ceti, Naͤgelein/ Entzian/ ter- ra sigillata, und bolo armeni. Haupt-Pulver/ wann das Craneum ge- brochen/ und die duramater verwun- det/ wird gemacht von colophon, myrrh, aloes, mastix, sangv. dracon, croco oriental, sarcocoll. Auff die blosse Beiner braucht man Ger- sten-Mehl und Veyelwurtz. Das Zapffen-Pulver wird gemacht von Tormentill-Wurtz/ Veyel-Wurtz/ Natter-Wurtz/ Galloͤpffel/ rothe Ro- sen- Blaͤttter / Granat-Schelffen/ Sca- Anhang. Scabiosen-Blaͤtter und Blumen/ gebrand Alaun. Mercurius præcipitatus, wann er fleißig bereitet und rectifici ret/ ist eine treflli- che Artzeney in den Gleich-Wunden/ reiniget und ziehet die klebrige Mate- rie/ so sich bey den nervosichen Glie- dern gesamlet/ aus der Tieffe heraus/ stopffet auch das Glied-Wasser/ man muß es aber nicht gleich im Anfang/ sondern wann die Kranckheit am hoͤchsten gebrauchen. Rothlauff-Pulver/ wird gemacht von Gersten-Mehl/ Erven-Mehl/ Rosen/ Chamillen/ Salbey/ Wermuth/ Stein-Klee/ Ibisch-Kraut ꝛc. Augen-Pulver muͤssen etzliche in bereit- schafft seyn/ als das geronne Blut im Aug-Apfel zu verzehren/ macht man vom Zuckerkand/ præp: Tutien/ Per- len. Vor die Fell der Augen/ braucht man ein Pulver/ gemacht von Cypreß- Nuͤß/ oliban, mastic, tutia, præp. acacia, margarit, alum, sangv: dra- con, coral: rubr, aloes epat, sarcocoll, sal: gemmæ, corusa, lap: hæmat: ppt. \&c. Pulver zum Glied-Wasser/ wird ge- macht Chirurgischer macht von gebrandt Hecht-Zaͤhn/ præcipitat Pulver/ Colopfon/ Myr- rha/ Aloes/ Gersten-Mehl/ sarcocol. werden aber lieber zu ungventen mit Eyer-Oehl/ Saffran/ und derglei- chen Schmertzen-stillenden Artzeney gemacht. Gifft- und Pestilentz-Pulver/ werden gemacht von scord, diptam: cretic, rad. tormentil, terra sigillata, bolo armeni, corn: cervi chym. ppt. Rau- ten/ Wermuth/ Cardobenedicten/ Wacholder- und Holderbeeren/ En- tian, Angelica/ auch hat man andere Pulver/ aus den pretiosis gemacht/ welche man vielmehr in den Apothe- cken suchen soll. Drucken-Pulver macht man von aristo- logia, radic. ireos florentin, Gersten- Mehl/ Colopfon/ gebrand Hecht- Zaͤhn/ sarcocol, mastic, Weyhrauch ꝛc. Hand-Pulver wird gemacht von Boh- nen-Mehl/ Reiß-Mehl/ Feigbohnen- Mehl/ rad. ireos, sal. tartar. alb, ppt. Kreiden/ spodio, sperm. ceti, weiße ge- duͤrten Rosen/ und magmate von suͤs- sen und bittern Mandeln. Zahn- Anhang. Zahn-Pulver wird gemacht von calci- nier ten Kiesel-Steinen/ Bims- Stein/ rad. ireos florent, rothen Co- rallen/ ꝛc. Lap. medicamentos: Wird gemacht von gruͤnen und weissen Vitriol/ Alaun/ Stein-Saltz/ gemein Saltz/ das Saltz von tartaro, Wermutt-Ci- chorien-Floͤhkraut- und Wegbreit Saltz/ cerusa und bolo armeni. Die- nel woll wider alle inflammationes und heissen Brand. Glutinum oder Saͤlbhefften-Pulver/ wird gemacht von sangv. draconis, masti- ce, olibano und sarcocolla wird mit dem weissen vom Ey eingeruͤhret/ in der dicke eines Honigs/ wormit die Tuͤchlein bestrichen werden/ welche in einer Stunde ankleben/ daß man nach belieben/ durch Huͤlff der ge- waͤchsten Faͤdem/ welche an die Tuͤch- lein angemacht sind/ die Lefftzen der Wunden herzu ziehen kan. Alumen ustum. Der Alaun wird fuͤglich gebrand mit scharffen Wein-Essig biß er gantz weiß wird. 8. Was hat ein Wund-Artzt fuͤr Oel von noͤthen? N n Das Chirurgischer Das ol. absinthij welches erwaͤrmet und staͤrcket/ sonderlich den Magen. Das ol. amygdal. dulcium welches alle Rauhigkeiten der Kehlen und des Halses benimpt/ ist maͤssig warm und feucht/ weßwegen es dann alle Unrechtmaͤsigkeiten saͤnfftiget und stil- let/ wird auch in die Roͤhr den stein- suͤchtigen und im Roͤhr-Geschwaͤr hinein gespruͤtzt. Das ol. amygdal. amararum, welches er- waͤrmet/ duͤn machet und zertheilet/ und deßwegen zu dem klingen und Sausen der Ohren gebrauchet wird/ wie auch zu den erkalteten Nerven/ und machet die rauhe Haut glat und sanfft. Das ol. anethinum ist ein schmertzenstillen- des Oehl/ machet weich und zerthei- let die rohen tumores ist den nervosi- schen Gliedern und Kraͤmpffen dien- lich/ lindert auch das Haupt-Weh. Das ol. chamomillæ ist auch ein Schmer- tzen-stillendes Oehl/ und wird des- wegen in den Blaͤhungen und colica unter die Clystier gebraucht/ saͤnffti- get die phlegmones zertheilet maͤhlich und haͤlt die Fluͤsse auff/ in dem es maͤßig Anhang. maͤßig zusammen ziehet und astrin- gie ret. Das ol. castorij dienet wieder alle Kaͤlte der Nerven und des Hirns/ heilet den Klam oder Krampff/ Zittern und paralysin, den Ruͤckgrad mit ge- schmieret. Das ol. hyperici waͤrmet und trucknet/ weswegen es zu allen kalten Ge- brechen und Schmertzen zu stillen/ ge- brauchet wird/ dienet den Stichen der Nerven/ Wunden und Krampff. Das oleum liliorum alborum, lindert die von Kaͤlte herkommende Schmer- tzen/ ist gut den weiblichen Gebuhrts- Gliedern/ und hilfft zur leichten Ge- buhrt/ es vertheilet und zeitiget alle Haͤrtigkeit/ dienet wider Schuppen und Kleyen des Haupts. Das ol. lini ist dem ol. chamomil. und anethino gleich/ stillet uͤber das die Schmertzen der guͤldenen Ader/ und heilet die Versehrungen und Schrun- den derselben. Gesnerus ruͤhmet es hoch im Seitenstechen/ da fast keine Huͤlffe mehr ist/ 3 oder 4 Untzen ge- truncken. Das ol. lumbricorum Ist ein schmertzen- N n ij stillen- Chirurgischer stillendes Oel/ und den Nerven gar angenehm. Das ol. myrtillorum staͤrcket das Hirn/ Nerven und Magen/ wegen seiner zusammenziehenden Krafft und ist dienlich/ in den Geschwaͤren/ der Ent- zuͤndung vorzukommen. Das ol. nympheæ kuͤhlet/ macht schlaffen/ und benimpt die Hitze und brennen der Nieren und Harns. Das ol. ovorum benimpt die heßligkeit der Narben und Haut/ stillet die Schmertzen der Geschwaͤr und aller nervosischen Gliedern/ dienet im bren- nen. Das ol. rosarum hat die Macht zu saͤnffti- gen/ zuruͤck zutreiben/ zu bereiten und zu zertheilen/ dienet sehr woll/ denen so an der rothen Ruhr krancken/ eingenommen. In Entzuͤndung des Mutterhalses/ des Haͤupts und Hirn-Wunden/ thut es sehr woll. Das ol. rosar completum und omphacinum ist noch kraͤfftiger. Das ol. scorpionum ist gut fuͤr die Gebre- chen der Nieren und Steines/ ist auch gut wieder die gifftigen Biß und Pestilentz. Das Anhang. Das ol. terebint, wird gebraucht zu den kalten Zufaͤllen der Nerven/ in der Colica und Stein. Das ol. verbasci hindert alle hitzige Schmertzen/ wie auch das Podagra. 9. Was ist fuͤr ein Unterscheid zwischen der Weichung und Wiederschlagen? Die erweichende Artzeneyen sind hitzig/ doch allerdings mittelmaͤssig/ erweichen die verhaͤrtete Dinge/ ohne eine merckliche Außtrucknung und Befeuchtigung: Die Wiederschlagende aber/ oder repelli rende/ sind kalt und einer dicken und erdmaͤßigen oder irrdischen Substantz/ unter welchen Nahmen auch die ein- und zusammen-zie- hende verstanden werden. 10. Was ist zur Weichung zu gebrauchen? Die geringe und schwache/ sind die Wurtzel von weiß Lilien/ Ibisch/ Paplen: Aber die Gipffel von Dillen/ Violen/ fœn. græc, feiste Feigen und Rosinlein sind kraͤfftiger. Die vermischte sind die Oehl/ mit den erweichenden Kraͤutern gesotten. Die starcke sind das Schmaltz von Och- sen/ Hirschen Baͤhren/ Pferden/ wild N n iij Schwei- Chirurgischer Schweinen/ ltem bdellium, galbanum lau- danum, storax, opopanax, propolis \&c. 11. Was ist zur Wiederschla- gung zu gebrauchen? Repellen- tia. Solche sind zweyerley: nemlich wasse- richte und irrdische/ die wasserichte wel- che gar nicht zusammen ziehen/ sind Lattich/ Burtzel-Kraut/ Meer-Linsen/ Nabel-Kraut Cucumeren/ Koͤrbiß/ Melonen/ Hauß- Wurtz/ Alraun/ Doll-Kraut/ Bilsen- Oehl. Die Truckne aber/ welche zugleich ein- und zusammen ziehen/ sind: Wegrich/ Rosen-Knoͤpf/ Eichen-Blaͤtter/ Mespeln/ Qvitten/ Heidelbeer/ Galloͤpffel/ Eicheln/ und allerhand unzeitige Fruͤchte/ Eßig/ herber Wein/ Schlehen-Safft/ allerley Mehl/ von Gersten/ Bohnen/ Habern/ Hirse/ Erbsen/ bolus armeni, Drachen- Blut/ terra sigillata, cerusa, Spießglaß/ Lett/ Magnet-Stein/ Bley ꝛc. 12. Was ist fuͤr ein Unterscheid zwischen der Beschirmung und Wiederschlagung? Wiewoll die Beschirmungs-Mittel e- ben woll aus kalten und trucknen Artze- neyen gemacht werden/ welche die einflies- senden Anhang. senden Feuchtigkeiten dick machen/ und al- so den Weg versperren/ so sind doch die zuruͤcktreibende viel staͤrcker/ werden auch an unterschiedlichen Oertern gebrauchet/ denn die defensiva oder Beschirmungs- Mittel/ legt man oberhalb den Schaden/ die zuruͤcktreibende aber auff den beschaͤ- digten und leidenden Ort selbst. 13. Was ist eine Beschirmung/ Schutz-Mittel/ oder de- fensivum? Solche werden gemacht von bol: ar- Defensiva. men, rad. consolid, tormentil, prun. silvestr, Blutstein/ crocus ♂ balaust, und derglei- chen. Die composita sind das defensivum Felix VVurtzij von der Sinaw gemacht/ wiewoll es eigentlich kein defensivum, das ceratum mit dem Flohkraut-Saamen/ das ceratum von Rosen/ das ceratum von Mirten/ das ceratum diachalciteos; Dieses aber ist zu mercken/ daß die defensiva sol- len lind seyn/ damit sie weder den Ort drucken/ noch mit ihrer Vertrucknung mehr Schmertzen verursachen. Es sollen auch solche defensiva von jung Biehnen oder weissem Wachs gemacht werden/ dieweil solche Pflaster durch auß keine Schaͤrffe nicht leiden. N n iiij 14. Chirurgischer 14. Was sind an sich ziehende Mittel? Attrahentia Diese sind den repellentiis entgegen ge- setzet/ dann gleich wie die repellentia die Materie vom centro zu dem uͤmblauf trei- ben/ also ziehen die attrahentia von der pe- ripheria oder Umblauff/ zu dem centro, und sind folgende: Biehnen-Hartz/ dictamus und fast alle gummata, der Senpff/ der Bertram/ aristologia, sal armoniacum eu- phorbium, Pech/ Terpentin und alle Hartze. Unter den compositis welche bekant seyn/ ist das Empl. oxicroceum, empl. e baccis lauri, empl. ex alio; è fermento. empl. dia- chyl: cum gummis. 15. Welche sind kuͤhlende Ar- tzeneyen? Refrigiran- tia. Nicht allein Hippocrates, sondern auch die Natur selbst lehret uns/ daß wir denen Gebrechen des Leibes mit den contrariis zu huͤlffe kommen sollen/ wie dann auch deß- wegen in den einfachen inflammationibus zu weilen aber auch in dem Rothlauff und herpete kuͤhlende Artzeneyen gebrauchet werden/ wiewol die heutigen Chirurgi in applici rung derselben/ sonderlich im Roth- lauff gar zu furchtsam seyn/ vielleicht weil sie den locum Galeni woselbsten er saget/ daß Anhang. daß durch den vielen Gebrauch der kuͤhlen- den medicamenten aus den hitziegen Ge- schwuͤlsten und Rothlauff/ offtermahls Scirrhi verursacht werden/ nicht recht un- terscheiden/ denn solches geschicht nur/ wann die Materie der hitzigen Geschwul- sten dicke und schleimicht ist/ wann aber die Humores duͤnne und feurig sind/ kan man kecklich kuͤhlende Sachen auch in ziemlichem Grad gebrauchen/ als da sind/ Haußlauch/ Portulack/ cicuta, Lattig/ Nachtschatt/ Wegbreit/ umbilicus veneris aus welchen Saͤffte ausgepresset werden; Der Campfer hat auch seinen Ruhm/ wiewoll man solches nicht seiner kuͤhlenden/ sondern vielmehr seiner durchdringenden/ und wundersahmen zertheilenden Krafft zu zuschreiben hat. So kuͤhlen auch die weisse Rosen/ die herbe Trauben/ die Seeblu- men/ der Froschleich/ sonderlich wann dessen Wasser mit der phlegmate vitrioli ver- mischt/ das destilirte Schnee-Wasser in Martio. Marcus Aurelius Severinus in Chirurgia trimembri lobet sehr das Was- ser/ welches mit mercur. vivo lange Zeit geschuͤttelt und geruͤttelt ist/ auch die bley- erne Platchen/ wie auch kuͤhlende medica- menta in bleyernen Moͤrser lange geruͤhret/ sonderlich auch das saccharum Saturni, und alle composita aus demselben. N n v 16. Wel- Chirurgischer 16. Welche sind zusammenzie- hende Artzeneyen? Astringen- tia. Solche sind eines herben und unange- nehmen Geschmacks/ man gebraucht sich derselben/ wann man zuruͤcktreiben und austrucknen will/ Item wann man die auffqvellende humores daͤmpfen wil/ auch gebraucht man sich derselben in Blutstil- lung im Narben ziehlen/ auch wenn die vasa gerissen/ auch in Verwundung der Daͤrme/ Gebaͤhr-Mutter und Blaase/ wie auch in den horniis, im Haar ausfal- len/ zu den fluͤßigen und wiederwaͤrtigen Geschwaͤren. Es sind aber dreyerley Art/ nemblich/ linde/ starcke/ und gar starcke. Die linde sind die rothen Rosen/ Wer- muth/ eupressus, hypocystis, pinus, thuris manna, asphaltus \&c. Die starcke sind: die Schlee/ unzeitige Trauben/ Granath- Bluͤth/ Gallaͤpfel/ Eicheln/ Myrthen/ Weyhrauch/ bolus armeni. Aus den staͤr- ckesten/ ist der Alaun und chalcantum. 17. Welche sindzertheilende und duͤnmachende Artzeneyen? Discutien- tia. Dieselbe/ welche warmer Natur seyn/ dann sonsten wuͤrde der humor nicht koͤn- nen in Daͤmpffe verwandelt werden/ als da sind: Chamomillen/ Steinklee/ I- bisch- Anhang. bischwurtz/ weiß Lielienwurtz fœn. græc. Feigbohnen/ Leinsahmen/ Paͤpel/ Seven- baum/ castoreum Gaͤnse-schmaltz/ Dille/ Stabwurtz/ Wermuth/ Kuͤmmel/ Wol- gemuth/ Isop/ Rauthe/ Salbey/ Hollun- derbluͤt/ Anies/ Fenchel/ Violwurtz u. d. g. von den compositis das ol. terebint, ol. iri- num, ol. vetustissimum, empl. diachyl. em- pl. de mucilagin, empl. filii Zachariæ empl. d. militoto, ungv. dialtheæ, ungv. Agrippæ \&c. 18. Welche sind etzende und zer- fressende Artzeneyen? Dieselbe welche das faule Fleisch/ und Caustica . allerhand auffgeworffene Schwaͤmme/ wie auch die polypos und Fleisch-Gewaͤchse durch ihre Krafft verzehren und weg etzen/ als da sind: Die geringe/ spongia mari- na, her modactyli, der Weinhefen mit Pimsstein gebrandt/ der gebrandte Alaun/ merc. præcipitat. Die staͤrckere/ sind Leben- diger Kalck/ Gruͤnspan/ ol. chalcanthi, ol. sulphur, ol. tartari, aq: fortis und Weyd- Aschen-Lauge. 19. Welches sind die reinigen- de und abwischende Mit- tel? Die- Chirurgischer Detergeu- tia. Dieselbe/ welche den Unflath auß den Wunden und Geschwaͤren ziehen/ und die- selbe sind ins gemein bitter/ als da sind die Mehle von Gersten/ Feigbohnen und Ki- cheren/ die Aloes/ die Myrrhe/ welche staͤr- cker ist/ aber diese weichen alle an Staͤrcke den Gallen aller Thiere; Wann die Ge- schwaͤre anfangen tieff zu werden/ braucht man zur Reinigung die Mixtur von Ho- nig und Wein/ auch woll einen herben Wein allein/ wann sie stincken und fau- len/ braucht man die Mixtur von Eßig und Honig/ Eßig und Wein/ und die Bruͤhe/ in welcher weiß Antorn/ Wermuht Aloe oder Myrrhen geweicht/ und ein we- nig Honig untergemischt. Unter den compo- sitis werden geruͤhmet/ das ungv. ægyptiacum, entweder das einfache/ oder welches der Faͤulung besser wiederstehet/ das ægyptia- cum magistrale Hildani item das mundifi- eatum de succo apij, und sonderlich/ wann der ☿ rius præcipitatus darzu gethan wird/ welcher entweder nach Hildani Meinung/ mit Abbrennung eines starcken sp. vinire- ctificie ret ist/ oder wie M. A. Severinus in chirurgia trimemhri pag. 131. lehret/ wann Er in den weissen Kuͤhl-Saͤlblein/ (wel- ches ins gemein vom aceto welcher auf dem lytargirio gestanden und Rosen-Oehl ge- macht wird/) etzlicher massen auffgekocht wird. Anhang. wird. In Summa/ es werden alle sal- nitrische und bittere Sachen/ welche ohn al- les Beisen und Zusammenziehen abstergie- ren/ zur Reinigung der Geschwaͤre gebran- chet. 20. Welche sind Fleischziehlen- de Artzeneyen? Hierzu sind solche Mittel zu erwehlen/ die Sarcotica da maͤßiglich vertruckenen. Es muͤssen aber die Geschwaͤr oder Wunden/ welche man mit Fleisch zuergaͤntzen begehret/ nicht allein rein/ sondern auch aller Fluͤsse/ Schmer- tzen/ Entzuͤndung/ Schwulen und unrecht- maͤßigkeiten enthoniget seyn/ denn es ist die Wiederstattung des verlohrnen Fleisches einig und allein ein geschaͤfft der Natur/ zu welchem der Artzt mehr nicht thun und helf- fen darff/ als daß man alle Hindernuͤß aus dem Wege raͤume/ worzu aber viel Ge- schickligkeit von noͤthen. Und ob schon ge- wiß/ daß dazu trucknende Artzeneyen gehoͤ- ren im ersten Grad/ so ist doch ferner zu wis- sen/ weil der erste Grad sich weit erstrecket/ ob die trucknende Artzeneyen des ersten Grads/ sollen linde oder starck seyn Dero- halben/ wenn viel Eyter verhanden/ als in ei- nem grossen Geschwaͤr/ muß man staͤrckert trucknende Sachen gebrauchen/ aber in den kleinen/ lindere. Also auch wann die Na- tur Chirurgischer tur des schwierigen Ortes weich und feucht ist/ so muß man dergleichen weiches und feuchtes Fleisch zielen/ und muß man die trucknende Sachen also abmessen: Als wann ein klein Geschwaͤr ist und der Leib feucht/ muß man umb beyder willen lindere Trucknung gebrauchẽ/ weßwegen der Wey- rauch am allerbequemesten/ wo aber das Geschwaͤr groß/ uñ eine feuchte Unrechtmaͤs- sigkeit dabey/ muͤssen die Artzeneyen auch mehr trucken seyn: Derohalben die Mehle von Gersten und Bohnen dienlich. Da- fern das Geschwaͤr groß und der Coͤrper temperat, oder zur Truckenheit geneiget ist/ muͤssen die trucknende Sachen noch staͤrcker seyn/ als: farina ervi und iris florenti: Ist aber das Geschwaͤr groß/ das Fleisch aber sehr trucken und hart/ muß man die aller- staͤrckeste trucknende in seinem/ nemblich er- sten Grad gebrauchen/ als da ist die aristo- logia, tutia, pompholix. Ob aber ein solch medicament nuͤtzlich/ ersehen wir daher/ nemblich wann das erschworne Theil/ eine solche Truckenheit bekombt/ als es vorhin natuͤrlicher weise gehabt/ als wann aus dem Geschwaͤr kein Unflat noch Eyter rinnet. Die Fleischziehlende Mittel sind endlich: Der Weyrauch/ welcher den oberstẽ Ort hat/ unter welchem auch der manna thuris und cortex verstanden wird/ diesem folgen die sar. Anhang. sarcocolla aloes, mastix, mirrha, sangv: draconis, Hartz/ Pech/ Terpentin/ Tan- nen-Hartz/ Fichten-Hartz/ rad: iridis und hypericon, die composita sind unguent : aureum, ungv : basilicum. 21. Welche sind Haut-schlies- sende Artzeneyen. Wann nun die Schaͤden mit Fleisch sind Epulotica. ergaͤntzet worden/ muß man sie auch endlich mit einer Narben uͤberziehen/ und gehoͤren Artzeneyen dazu/ welche ohne alle Schaͤrffe vertrucknen und astringi ren/ zudem auch etwas zuruͤck treiben/ das Fleisch zusammen ziehen/ und mit Haut/ oder vielmehr mit einer subtilen Schwulen uͤberziehen/ und wird derowegen eine groͤssere Trucknung er- fodert/ als die Fleischziehlende bedurfft ha- ben. Die Stuͤcke aber/ die dazu erfodert werden/ sind: unzeitige Gallaͤpffel/ Myr- thenbeerlein/ Granath-Rinden/ Kupffer- Schaum/ chalcitis oder roth Vitriol/ Mysy/ gebrand und gewaschen Gruͤnspan/ gebrand und gewaschen Kupffer. Die Ab- schaffung des uͤbermaͤßigen Fleisches/ zu sampt des Schadens endlicher Zuheilung/ in den harten und zarten Coͤrpern/ kan durch einerley Mittel verrichtet werden/ dann die scharffe Metallen nehmen/ allein gebrand/ alles uͤbermaͤßige Fleisch hinweg/ ge- Chirurgischer gebrand und gewaschen aber heilen sie die Schaden zu/ sintemahl man alle solche Sachen/ durch das Waschen fein beguͤti- gen kan/ als da sind: pompholix, cadmia squama æris, plumbũ ustum, cerusa, calx \&c. Die composita sind : cerat: ex cælce, dia- pompholygos, de minio, de plumbo \&c. 22. Welche sind zusammenhei- lende Artzeneyen? Glutinantia. Die Artzeneyen welche die Lefftzen der Schaden zusammen heilen/ haben gleich- sahm saͤmptlich die Art/ daß sie im andern Grad vertrucknen/ sind zwischen den Zu- heilenden und Fleisch ziehlenden einer mittel- maͤßigen Natur/ muͤssen gar nicht abster- gi ern/ sondern ein- und zusammenziehen/ und die Feuchtigkeiten von den Lefftzen der Geschwaͤr abhalten/ als da sind: sanicula, symphytum, Wegerich/ Schaffthew/ S. Johannis-Kraut/ Spinnenweben/ sarcocolla und die gummi so nicht beissen/ noch gewaltig abstergi ern oder reinigen. Die composita sind: Das Empl. triaphar- mac. Wund-Balsam Ambrosii Paræi und der Balsamus Aquapendentis, welcher lib. Chirurg. cap. 7. beschrieben stehet. 23. Was sind schmertzen-stil- lende Medicamenta? Diese Anhang. 23. Was sind Schmertzen-stil- lende Medicamenta? Diese sind einer subtilen Substantz/ in Anodyna. dem ersten Grad hitzig/ oder dermassen tem- peri ert daß sie sich wegen der familiari taͤt der Elementen/ der Natur des Orts ver- gleichen. Als da sind: Das suͤsse Baum- Oehl/ so nicht zu frisch auch nicht zu alt/ Chamillen/ Leinsaamen/ Ibisch/ suͤsse Mandelen/ Regenwuͤrm/ Eyerdotter- Oehl/ Butter/ Hennen-Fett/ Gaͤnse- und Schweinen-Schmaltz/ Neben diesem findet sich eine Art/ die sich des Schmer- tzens Ursach mit ihrer quali taͤt schnur stracks wider setzen/ als das Lorbeer Oehl/ den erkalten Gliedmaßen: Das blawe Viol-Oehl den erhitzten: Die Mixtur von Baum-Oehl und Wasser den allzu- trucken. Die dritte Art der Schmertz-stillenden Mittel/ sind die so das Glied gleichsahm schlaffend machen/ und demfelben seine Empfindligkeit benehmen/ damit es den Schmertz desto weniger fuͤhlen kan/ und solche werden Narcotica oder Hypnotica genand/ welche man nicht ehe brauchet/ als wann alles andere nichts verschlagen will/ und man an allem verzweiffelt/ O o und Chirurgischer Anhang. und solches sind die Opiata, welche offter- mahls/ wann sie innerlich zur ungebuͤhr gebrauchet werden/ dem Patienten ma- chen ein sanfftes/ mir aber anjetzo ein froͤliches ENDE. IN- INDEX RERUM ET VERBORUM A Anasarca 121 Aneurisma 103 Angina 353 Anthrax 162 Aptha 351 Apoplexia 221 Ascites 121 Atheroma 88 Ani procidentia 135 B Bronchocele 116 Bubonocele 129 Bubo pestilentialis 161 Venereus 159 C Cancer ulceratus 100 non ulceratus 101 Carbunculus 163 Cerebri commotio 198 vulnus 208 Chirurgus 73 Chirurgia 73 Cirsocele 134 Condylomata 155 Cranij contusio 193 fissura 191 Introcessio 194 Resonitus 196 D Dracunculi 139 E Elephantiasis 397 Emphysema 87 Enterocele 129 Enteroepiplocele 125 Epilepsia 222 Epiplocele 132 Epulis 112 Exomphalas 123 Erysipelas 82 F Fonticulus in brachio 396 in pede 396 Factura cranij 190 Claviculæ 480 O 2 Homo- INDEX. Homoplatæ 481 Costaruus 486 Spinæ dorsi 490 Femorum 492 Ossis coccigis 491 Ossis sacri 491 Patellæ 505 Tibiarum 514 G Ganglion 94 item 152 Gangræna 140 Gingivarum corruptio 242 Gonorrhoea 367 H Hæmorrhagia Narium 238 Vulnerum 184 Hæmorrhoides. 154 Herpes simplex 92 miliaris ibid. exedens ibid. Hernia 104 Hydrocele 132 Hydrocephalus 105 Hydrops 120 Hydrosarcocele 134 L Lethargus 224 Lichenes 305 Lues venerea 401 in infantibus 412 Luxatio claviculæ 433 Cervicis 436 Carpi 444 Cubitus 441 Coccigis 438 digitorum 446 digitorum pedum 458 Femoris 447 Luxatio Genu 453 Maxilla 430 Patellæ 453 Spinæ dorsi 434 Tarsi 455 Tibiæ 456 M Manus amputata 266 Meliceris 90 Morbilli 376 N Nervorum punctura 255 Vulnera 252 O Oedema 84 Oschocele 129 Ozœna 350 P Paralysis 221 Para- INDEX. Paracentesis 122 Parotis 107 Paronychia 137 \& 366 Panus. Phygetlon 158 Pestis 390 Phlegmone 78 Phrenitis 220 Phyma 158 Pleuritis 117 Pneumatocele 133 Polypus 110 R Ranula 113 Rigor 223 S Sarcocele 133 Scirrhus 98 Scorbutus gingivarum 243 Scrophulæ 95 Setaceum 272 \& 542 Spasmus 219 Sphacelus 147 Spina ventosa 416 Steatoma 91 Struma 95 Sutura vulnerum 188 Synovia 524 T Talpa. Testudo 108 Tympanites 121 U Varix 371 Vertigo ex vulnere 218 Ulcus aurium 349 Calidum 343 Dentium 357 Dolorosum 339 Fistulosum 528 Frigidum 344 Humidum 342 Intestinorum 361 Matricis 372 Oculorum 348 Ulcus Phægædenum 346 Putridum 345 Renum 363 Siccum 341 Sordidum 345 Verminosum 521 Vesicæ 364 Uteri procidentia 165 Uvula 115 Vulnus arteriarum 259 Cerebri 208 Cranij 203 Duræ matris 207 Ligamentorum 260 Nervorum 252 Tunicarum 260 Venarum 251 O o iij Re- Register. A Aberwitz. ‒ ‒ 220 Aderbruch 134 Aderlassen worzu es nuͤtzlich 536 Was von den Zeichen zu halten 537 Ader so nach der Laͤsse ge- schwollen und auffgelauffen 538 Ob einem Pestsuͤch- tigen zu lassen 540 Ob schwangeren zu lassen 540 Aetzung was sie sey 338 Augapffels Anwachsung 231 so umgekehrt 232 Angen Brand 233 Angen Artzeney ob sie kalt oder warm zu appliciren 270 Fluͤsse 234 Felle 235 Aussatz Unterscheid zwischen den Frantzosen 399 Probe ‒ ‒ 398 Ausweichung des Mastdarms 135 der Gebaͤhr-Mutter 165 B Blut-Ader Verwickelung 371 Wunde 251 Blut harnen woher 309 so gelassen wie es zu judicieren 540 Blutstillung wie vielerley 184 Brand der heisse 140 der kalte 147 Brennen mit Feur/ Wasser/ Pech/ 378 Braͤu- Register. Braͤune 353 Beinbruch was er sey 461 wie vielerley 461 Kennzeichen 462 zuheilen eher in den Jungen als alten 463 der Gleiche gefaͤhr- lich 464 mit hefftiger Entzuͤn- dung nicht einzurich- ten 464 was zur Heilung erfo- dert werde 465 ob er recht eingerichtet 465 warum sie ausweichen wañ sie eingerichtet 465 Lager 466 Bein-bruch wann sie zum ersten auffzuloͤsen 466 Zufaͤll 468 so nicht gerade ge- heiler 469 Bruch der Naasen 478 der Hirnschal 473 des Unter-Kinnba- ckens 478 des unterhalses 480 des Schulterblats 481 des Genicks 482 des Brust-Beins 483 des Elbogens mit aus- fallen der Achsel 484 der Rippen 486 warum sie toͤdtlich 487 des Ruͤckgrads 490 des heiligen Beins 491 des Schwantzes des Ruͤckgrads 491 der Hufft 492 des Vorder- und Hinter Arm 494 der Haͤnde 500 Bruch welche leicht vor eine Verrenckung anzusehen 504 an den Gelencken faͤhrlich 504 der Kniescheibe 505 zu erkennen/ ob er ei- nen Callum gesetzt 512 wie sie zu behen 513 der Beiner in den Fuͤssen 514 im Schienbein mit einer Wunde. 514 O o iiij und Register. den langen Weg 715 so nicht recht eingerich- tet/ wie zu handlen 516 Beinfresser 416 C Carsunckel 163 Unterscheid zwischen den Pest-Beulen 389 D Darm-Bruch 129 Durchschlecht 376 E Eyter ob er gut oder nicht 268 F Feige eine Geschwulst 107 Fieber 223 u. 519 Feigwartzen 155 Fistel 528 Unterscheid unter einem Geschwaͤr 531 der Augen 531 des Halses und des Kinbackens 532 der Brust 533 Flechten 374 Fleischbruch 133 Fluß des Leibes 383 zwischen Fell und Fleisch 385 so hitzig 388 so kalt 388 der Fußsohlen/ so faul und unterkoͤtig 389 Fontanell 395 Frantzosen 401 biß 411 der Kinder 412 Frantzoͤsichter wes complexion 414 Frosch unter der Zungen 113 Frost an Haͤnde u. Fuͤsse 381 G Geschoß am Finger 137 366 Geschwaͤr 333 Unterscheid unter einer Wunden 333 Unterscheid 334 Ursach 335 wie sie zu erkennen 335 welche leicht zu heilẽ 336 welche schwer zu hei- len 336 welche gefaͤhrlich 337 gantz toͤdtliche 337 wie Register. wie sie zu heilen 337 mit einen Schmertz 339 mit einer Truckne 341 mit einer Feuchtig- keit 342 mit einer Hitze 343 mit einer Kaͤlte 344 Geschwaͤr So unflaͤtig 345 so gifftig und umb sich fressen 346 wie sie zu binden 348 der Augen 348 der Ohren 349 der Nasen 350 des Mundes 351 der Mandlen 352 des Halses 353 der Zaͤhne 357 des Schlundes 36 der Lufft und Speiß- Roͤhr ibid. des Magen-Schlun- des ibid. der Gedaͤrme ibid. der Nieren 363 der Harnblasen ibid. der Ellbogen 365 der Roͤhren 367 der Gebaͤhrmutter 372 Geschwulst was sie sey 75 Ursach ibid. Unterscheid 76 \& 77 Geschwulst rothe oder blutige 78 wasserichte 84 windigte oder duͤnn wasserichte 87 Melancholische 98 hinter den Ohren 107 der Knie 138 der Mandeln 114 Gichtbruch 221 Gliedschwam 152 Gliedwasser 524 Guͤldene Ader 154 H Haasenscharten 333 Haar-Seil zu setzen 542 Haupt-Wunden 190 so toͤdlich 200 Hefften der Wunden 188 Heisser Brand 140 Hirns Bewegung oder Er- schuͤtterung 198 Verwundung 208 O o v Hirn- Register. Hirnschal Spalt 191 Zerstossung 193 Einweichung 194 Gegenspalt 196 Bruͤche Kennzei- chen 474 K Knie so durch einen Fluß krum 507 Scheibe so gebrochen gewesen/ hincken 508 Knochen weiß zu behalten 226 Krampff Ursprung 219 wie vielerley 219 Krampff-Adern 371 Krebs 100 Kropff des Halses 95 . 116 L Laͤhmung 526 Leibes-Fluß 383 Loͤcherung der Wunden 523 M Mandel-Geschwulst 114 und 352 Mastdarm Außweichung 135 Maulwurff Eine Geschwulst 108 Mittesser 139 Mundfaͤul 242 N Nabels Nachlassung oder Vorschiessung 123 Naasen bluthen 238 Geschwulst 110 Narbe oder Wundmahl 340 Nerven Wunden 252 Netzbruch 131 O Ohren so abgehawen 225 so erfrohren 227 P Pest 390 biß 394 Pestilentz-blatter 163 Pocken oder Durchschlecht 376 Puls-Ader Wunde 259 Quet- Register. Q Quetzschung 499 R Raͤude oder Grind 372 Rose. Rothlauff 77 Reinigung was sie sey 82 Roͤhr-Geschwaͤr 367 S Schlaff-Sucht 224 Schlag 221 Schlier venerischer 159 pestilentzischer 161 Schorbuck 243 Schwindel aus einer Haupt- wunde 218 Schwindung der Glieder 522 des Zahnfleisches 534 Schwere Noth 222 Seitenstechen 171 Sprachlosigkeit aus einer Wunde 219 Speck-Beulen 413 Schwemme 351 V Vber-Bein 94 Verrenckung 425 Unterscheid 425 Ursach 426 Kennzeichen 426 des Kinnbackens 430 des Gurgelbeins 433 des Ruͤckgrads 434 des Genicks 436 des Schwantzes im Ruͤckgrad 438 der Rippen 438 des Ellbogens 442 der Handwurtzel 444 der Finger 446 der Hufft 447 biß 452 der Kniescheiben 453 des Knies 453 des Wadenbeins 455 des Schienbeins 457 des Knodens 457 Verrenckung der Fersen 456 der Zehe 458 der Fußblats 457 W Wartzen in Wunden 110 der Zungen 116 Wasser-Bruch 132 Wassersucht 120 Was- Register. Wasser-Kopff 105 Wind-Bruch 133 Weichung was sie sey 338 Wund-Artzt 73 Wund-Artzeney 73 wie viel Stuͤck 74 Wunde 175 Unterscheid ibid. Ursach 176 Zufaͤll 176 welche groß zu achten 176 welche gefaͤhrlich 177 nicht gefaͤhrlich 177 toͤdtlich 177 der Schwindsuͤchti- gen 179 Wunde der alten Leuthe 179 einfache 180 tieffe 18 hole 182 mit Verlust der Sub- stantz ibidem Welche der Hefftung noͤthig 186 In welchen Aderlaß noͤthig 187 In welchen purgieren noͤthig 187 Der Duræ matris 207 Welche gefaͤhrlich und nicht toͤdlich 215 Truckenheit 225 der Nasen 238 der Pulß-Adern am Halse 247 der Achsel 249 des Schulterblats 249 einer Blut-Ader 251 einer Puls-Ader 259 einer Nerven 252 der Ligamenten oder Band-Ader 260 Der Felle 260 Wunde des Angesichts 269 der Ohren 225 und 269 der Backen 271 der Hirnschal 203 des Hirns 208 der Zungen 272 des Genicks 273 der Lufft-Roͤhr 274 der Gewerb 275 der Brust 276 des Hertzens 276 der Lungen 277 des Register. des Qveer-blatts 279 der Leber 282 der Gallen-blaas 284 des Magens 284 der Miltz 285 der Nieren 286 der Blaasen 287 der Daͤrme 291 des Netzes 289 So gestochen 295 so geschossen 296 mit Pfeilen geschossen 299 so mit vergifften Ku- gel oder Pfeilen geschossen 300 Wunde des Ruͤckgrads 301 der Hufft und Schenckel 303 des Afftern 307 der Kniescheiben 314 der Manns Ruthe 316 des Hodensacks 317 So umb sich frist 319 So von vergifften Thieren gebissen 320 von wuͤtenden Hun- den gebissen 321 Wuͤrme in den Wunden 521 am Finger 137 366 Z Zahnfleisches Schwindung 534 Zaͤpfleins Geschwulst 115 Zeitigung was sie sey 339 Zittern der Wunden 523 Zufaͤll der Haͤupt-Wun- den 216 aller Schaͤden. 518