411. Die Hexe des Attila. Von Schöppner. – C. Stengel comment. rerum August. I. c. 23. J.W. Wolf deutsche Märchen und Sagen S. 322. Durch des deutschen Landes Gauen Brauset Etzels wildes Heer, Schäumend gleich der Brandung Wogen, Zahllos wie der Sand am Meer. Gegen Augsburg wälzt die Horde Mordbegierig sich heran, Gleich dem Lavastrome sengend, Was sie trifft auf ihrer Bahn. An des Lechs Gestade lagert Sich des Hunnenkönigs Schaar, Und von Stund' zu Stunde dräuet Immer näher die Gefahr. Schon durchstöhnet Augsburgs Gassen Ein entsetzlich Klaggeschrei, Gleich als ob des Weltgerichtes Großer Tag gekommen sei. Auf den Knieen fleht die Menge Um Errettung von dem Tod, Doch zu rathen zeigt sich Keiner Noch zu retten aus der Noth. Sieh! da naht ein häßlich altes Grauenvolles Mütterlein, Weniger ein lebend Wesen, Als Skelett von Haut und Bein. »Was verzagt ihr, feige Seelen? Euch zu helfen bin ich da, Bringt mir einen alten Klepper Und ich schlag' den Attila!« Schleunig war der Gaul gefunden Und sie schwingt sich nackend drauf, Nach dem Heer des Hunnenkönigs Richtet sie des Kleppers Lauf. Nackten Leibes, bleich und hager Hängt das grauenvolle Weib Auf der Mähre und es fliegen Schlangenhaare um den Leib. Aus den hohlen Augen grinset Das Entsetzen selbst hervor Und die Krallenhände recken Mordbegierig sich empor. Also nimmt das Volk der Hunnen Jetzt der nackten Hexe wahr, Hu! wie fährt es durch die Glieder, Sträubt zu Berge sich das Haar! Alles rennet, rettet, flüchtet Durcheinander Mann und Roß, Wie vom Wirbelwind ergriffen Fleucht des Hunnenkönigs Troß. Was kein Heldenschwert vermochte Wider Etzel in der Schlacht, Hat zu Augsburg eine Hexe Heldenmütig einst vollbracht. Darum sei der wackern Hexe Angedenken hoch und werth Und von Männern wie von Frauen Augsburgs heute noch geehrt.