952. Richard Löwenherz. Von K. Simrock. – Vgl. Sagenb. II., 325. Diez Leben und Werke der Troub. S. 102. Diese Weis' und immer diese Tag und Nacht Singt der König im Verließe Bis der Morgen lacht. Sieh, schon durch des Schwarzwalds Forchen Blickt sein Strahl, Seinem Winke zu gehorchen Eilen Berg und Thal, Möcht er dem die Freiheit bringen, Der mit schwindem Schwertesschwang Weiß die Heiden zu bezwingen Und die Herzen mit Gesang. Löwenherz, von dir erfundnen Liedeston Sang ich nun am vielgewundnen Rheine lange schon. Dich mit Liedern auszuforschen Nicht gelang, Nie erwiedern mir die morschen Thürme den Gesang. Horch doch, ist es nicht die Weise, Die von jener Zinne dringt? Fiel sie hier so tief im Preise, Daß sie schon der Wächter singt? Der da unten mit der Zither Schleicht einher, Mehr ein Sänger als ein Ritter, Was ist sein Begehr? Horch, die Töne sind es wieder, Täuscht michs nicht, Die so gern in seine Lieder Der Gefangne flicht, Einverstanden mit dem Helden Mag der schlaue Fremdling sein: Soll ich ihn mit Blasen melden? Pflicht wohl wärs, doch herbe Pein. Singen lehrt ich Wand und Sprache Dieses Lied, Seit des Oesterreichers Rache Mich von Menschen schied, Nach von unten, nach von oben Klingt es hold, Wie zum Wettgesang erhoben Um den Ehrensold. Dort der Wächter; wärs mein treuer Blondel, der mir unten sang, Kläng es wohl mit anderm Feuer: Freiheit ist der schönste Klang. Bist du's, Richard, Herz des Leuen? Heil dir, Held! England ließ sich nicht gereuen Schweres Lösegeld. Immer konnte man dich milde, Gütig schaun, Männer boten Helm und Schilde, Ring und Schmuck die Fraun. Sieh, des Reiches Brief und Siegel Gab mir Kaiser Heinrichs Macht, Ungewiß, wo Oestreichs Riegel Dich verborgen hielt in Nacht. Blondel, Bruder! Reich und Krone Dank ich dir, Aller Frauen Schönste lohne Was du thust an mir. Deines Volkes Lieb und Treue Dankst du sie, Deiner Milde, die ihr neue Kraft und Fülle lieh. Und mich dünkt, des Lobs gebührte Auch der Weise wohl ein Korn, Die euch hier zusammenführte: Fröhlich stoß ich nun ins Horn.