Der Brautstein bei Lüchow In der Nähe von Lüchow liegt die Kolborner Heide. Dort steht ein großer Stein, rotgesprenkelt und vier Fuß hoch. Vor vielen, vielen Jahren saß auf diesem Stein ein Ritter mit seiner Braut. Beide nahmen Abschied voneinander; denn der Ritter mußte in den Krieg ziehen. Schmerzlich bewegt bat er die Jungfrau, ihm treu zu bleiben, bis er wiederkomme. Sie gelobte ihm auch Treue mit einem feierlichen Eid. »Wenn ich dir untreu würde«, so schwur sie, »soll dieser Stein mein Grabstein werden.« Auf diesen Schwur hin zog der Ritter voll Zuversicht ins Feindesland. Doch die Jungfrau vergaß bald ihren Schwur samt ihrem Bräutigam und schenkte einem andern Mann ihre Gunst. Eines Tages ging sie mit diesem durch die Heide. Ermüdet setzten sie sich auf den Stein, auf dem sie einst dem Ritter immerwährende Treue gelobt hatte. Plötzlich wankte der Stein, die Treulose stürzte herab und wurde unter dem Stein begraben. Ihr Begleiter aber eilte erschrocken davon. Als der Krieg zu Ende war, kehrte der Ritter wieder heim. In treuer Liebe zu seiner Braut suchte er bald den Stein auf, wo ihm seine Liebste Treue geschworen hatte. Doch der Fels wies Blutflecken auf. In banger Ahnung schlug der Ritter mit seinem Schwert auf den Stein. Da sprang ein Blutstrahl heraus, der weithin die Blumen rot färbte. Zugleich drang ein jämmerlicher Schrei aus der Tiefe. Der Ritter erkannte die Stimme seiner Braut und wußte nunmehr, daß sie ihm die Treue gebrochen und ihr Schwur sich furchtbar erfüllt habe. Bestürzt schwang er sich auf sein Pferd und ritt eiligst hinweg. Niemals kehrte er mehr in die Heide zurück. Im Volk aber heißt der Stein heute noch der »Brautstein«.