Alexander von Humboldt Über das Universum Die Kosmosvorträge 1827/28 in der Berliner Singakademie Alexander von Humboldt hielt vom 6. Dezember 1827 bis zum 27. März 1828 in der Berliner Singakademie eine Reihe öffentlicher Vorlesungen über »Physikalische Geographie«, später »Kosmos-Vorlesungen« genannt. Ein Unbekannter fertigte eine Mitschrift an; der folgende Text gibt dieses Manuskript wieder. Inhalt 1. und 2. Vorlesung: Ziel der Vorlesungen; die kosmischen Körper (Milchstraße, Nebelflecke, Sterne, Dunkelnebel, Zodiakallicht), die Bestandteile unseres Planetensystems, die Größenverhältnisse im Weltall und auf der Erde, die Gestalt der Erde. 3. Vorlesung: Vergleich der Planeten untereinander, die Aggregatzustände der Stoffe auf der Erde und auf anderen Himmelskörpern; der Einfluß des Sonnenlichts auf die organische Natur; fossile Menschenknochen, der Aufbau des Erdinnern. 4. Vorlesung: Der Aufbau des Erdinnern, die Bildung der Erde, Thermalquellen, Vulkanismus. 5. Vorlesung: Die Erdrinde, Gebirgsarten, deren Gesteine und fossile Einschlüsse, die Tiere der Urzeit. 6. Vorlesung: Die Luft- und Wasserhüllen der Erde, die Relativität der Aggregatzustände, Winde, Luftdruck, die Verdunstung des Meerwassers. 7. Vorlesung: Die Verteilung des Wassers auf der Erde, die Fische; Ballonaufstiege und ihr Nutzen für die Wissenschaft, die Temperaturzonen der Erde, der Einfluß der Wasserhülle auf das Klima, Meeresströmungen, die physikalische Wellentheorie, historische Veränderungen des Meeresniveaus. 8. Vorlesung: Die Klimate der Erde, die Lebensumstände der Menschen in verschiedenen Klimaten, die Reaktionen des menschlichen Körpers auf äußere Temperaturen; die Pflanzenformen in den Klimazonen, Urformen der Pflanzen, Zwerge und Riesen unter den Gewächsen, die Zahl der Pflanzenarten. 9. Vorlesung: Die geographische Verbreitung der Tiere, die Zahl der Tierarten, Vögel und Insekten, die Tierarten in Nord- und Südamerika sowie in Afrika, Zwerge und Riesen unter den Tieren. 10. Vorlesung: Die Natureinheit des Menschengeschlechts, die Verurteilung der Sklaverei, die Abstammung des Menschen, Menschenrassen und deren Charakteristik: Neger, Kaukasier, Mongolen. 11. Vorlesung: Weitere Untersuchung der Menschenrassen: die Mongolen, die Bewohner Afrikas und Amerikas, die Eskimos, die fragliche Verwandtschaft zwischen Affe und Mensch. 12. Vorlesung: Die Erkenntnis der Einheit der Natur in der Geschichte, mythische Einkleidungen und Epochen der rationalen Erkenntnis, die ionische Naturphilosophie, die Züge Alexanders d. Gr. 13. Vorlesung: Fortsetzung, die Araber, frühe Entdeckungsreisen, das Weltsystem von Copernicus, die Entdeckung Amerikas, die Kenntnis des südlichen Sternenhimmels; die Durchsetzung der modernen Naturanschauung (Bruno, Bacon, Campanella), die Entdeckung des Fernrohrs, des Thermometers und des Barometers, neuere Entdeckungsreisen, die Geognosie als Wissenschaft, Elektrizität, Magnetismus, Polarisation. 14. Vorlesung: Die Elektrizität und deren Anwendung in Physik und Chemie, neuere Entdeckungen in der Optik, die Polarisation des Lichtes und deren Anwendung in der Astronomie, die Entwicklung der Mikrometer, die Einheit von Elektrizität und Magnetismus; Fortschritte in der Astronomie von Copernicus bis Newton, Lichterscheinungen der Erde (Nordlicht), die Dunkelheit des Nachthimmels, kosmische Dunkelwolken, der Einfluß der Astronomie auf die Kultur des Menschen, die Wellennatur des Lichtes. 15. Vorlesung: Die Sichtbarkeit der Sterne am Tage, die Zahl der Sterne, der südliche Sternenhimmel, die Topographie des Mondes. 16. Vorlesung: Die kosmische Natur der Meteorite, die Natur der Sonne, die Sonnenflecken; die Geschichte der Naturbeschreibung, die Darstellung der Natur in der Kunst. 1. und 2. Vorlesung Anstatt der Definition des Wortes Naturgeschichte, will ich es versuchen ein Bild der Natur selbst zu entwerfen. Ich kann dazu keine bessere Einleitung geben, als eine Uebersicht der Zustände im Allgemeinen, in welchen uns die Materie im Weltraume erscheint. Wir nehmen sie wahr in zweierlei Gestalt: 1 tens zu Weltkörpern geballt, und 2 tens , als Dunstmasse dazwischen verbreitet. Ich fange mit denjenigen Körpern an, welche in der Lichtbildung begriffen scheinen. Durch Herschelsche und Frauenhofersche Telescope bemerkt man nämlich Nebelsterne, welche einen mehr oder minder hellen Kern, mit einer Lichthülle umgeben zeigen: in dieser Lichthülle nimmt man ein Ab und Zunehmen der Lichtstärke wahr, eine Ebbe und Fluth. Sie mögen zu den primitiven Formationen, zu den Uranfängen des Agregatzustandes gehören. Es scheinen dies Sonnen zu seyn, die nicht von Sternen, nicht von einzelnen Weltkörpern, sondern von einem leuchtenden Fluidum, einem Lichtstoffe umgeben sind, der sich noch nicht zu sphärischen Weltkörpern gebildet hat, oder aus dem vielleicht der Central Stern durch eine anfangende Verdichtung entstanden ist. Andere dieser Lichtmassen am Himmel, denen die Astronomen den Namen der Nebelflecke gegeben haben, lösen sich vor den Telescopen in einzelne helle Punkte auf, die aber wahrscheinlich nur näher zusammenstehende Systeme von Sonnen, welches Milchstraßen sind, die wenigstens um 100 ihrer Dunstmassen von uns entfernt sind. – Herschel hat diese entfernten Milchstraßen am ganzen Himmel aufgesucht, und es sind davon bereits über 3000 entdeckt worden. Die aufgeklärtesten alten Philosophen vermutheten schon, daß das nie erlöschende, unbewegliche Licht der Milchstraße von unzählichen Sternen entstehen müsse, die wegen der großen Entfernung einander so nahe scheinen, daß ihr Licht zusammenfließt, und wir sie nicht unterscheiden können. Die Neueren zweifelten nicht an der Richtigkeit dieser Erklärung, obgleich sie selbst durch die stärksten Fernröhre nicht mehr einzelne Sterne entdeckten, als an andern Stellen des Himmels. – Die Fernröhre, welcher sich die Astronomen im 17 ten Jahrhundert bedienten, waren von einer unbequemen, und übertriebenen Länge. Auf Befehl Ludwig XIV ten wurde von Campani in Bologna ein Fernrohr von 250 Fuß Brennweite verfertigt, durch welches der große Cassini die zwei nächsten Trabanten des Saturn entdeckte. Auzout in Frankreich brachte sogar ein Objectiv von 600 Fuß Brennweite zu Stande, das aber aus Mangel einer schicklichen Vorrichtung nicht gebraucht werden konnte. Herschel gelang es endlich, durch die Vergrößerung und Lichtstärke seines 20 Fuß Telescops, den Schimmer der Milchstraße vollkommen in kleine Sterne aufzulösen, die sich deutlich von einander unterscheiden lassen; auch bemerkte er in der That, daß jede Stelle der Milchstraße um so sternenreicher ist, je glänzender sie dem bloßen Auge erscheint. – Um sich einen Begriff von der unzähligen Menge der Sterne zu machen, die den Schimmer der Milchstraße hervorbringen, bediente sich Herschel des genau bestimmten Feldes seines Telescops als Maaß. Er fand im Durchschnitt, daß ein Raum der Milchstraße von 2° Breite, und 15° Länge nicht weniger als 50 000 Sterne enthält, die noch groß genug waren um deutlich gezählt zu werden, und wenigstens 100,000 die wegen ihres schwachen Lichtes sich nicht mehr zählen ließen. Da nun die Milchstraße im Durchschnitt eine Breite von wenigstens 12° hat, und sich über den ganzen Himmel durch 360° erstreckt, so würde dies wenigstens 20 Millionen Sterne in der Milchstraße geben. – Wären wir aber auch im Stande die Menge der Sterne in der Milchstraße einigermaßen genau zu bestimmen, so würde uns dies bei weitem nicht einen hinlänglichen Begriff von der Unermeßlichkeit auch nur desjenigen Theils des Universums geben, den unser Auge erreichen kann. Wir wissen nicht, wie viele Sternhaufen, der Milchstraße gleich, über den Himmel verbreitet liegen. Es ist offenbar, daß wenn die Milchstraße tausendmal weiter von uns entfernt wäre, die einzelnen Sterne, welche man jetzt noch in ihr entdecken kann, in eben dem Verhältniß an Lichtstärke verlieren, und näher zusammenrücken würden: das Ganze würde endlich zu einer kleinen, matten Wolke einschrumpfen, in der sich keine einzelnen Sterne mehr entdecken ließen. Wenn unser Auge von der Milchstraße nur um einen Durchmesser derselben entfernt wäre, so würde sie uns nur unter einem Winkel von 60° erscheinen, nicht viel größer als das Gestirn des großen Bären; in einer Entfernung von 10 Durchmessern, würde sie nur unter einem Winkel von 2° 25 Min., ungefähr so groß wie das Siebengestirn, und auf 100 Durchmesser unter einem Winkel von 17 Min., kleiner als der berühmte Fleck in der Andromeda erscheinen. Sie würde in dieser Entfernung dem bloßen Auge unsichtbar seyn, und durch Fernröhre als ein Wölkchen von schwachem Licht, ähnlich den kleinen Lichtmassen dastehen, denen die Astronomen den Namen der Nebelflecke gegeben haben, und deren, wie früher erwähnt, seit Herschel bereits 3000 am Himmel entdeckt sind. Die unsere Begriffe fast übersteigende Entfernung dieser unendlich weit entlegenen Weltkörper, sind wir dennoch zu berechnen im Stande, seitdem wir gelernt haben die Geschwindigkeit des Lichtes zu messen. Nicht unser Erdkörper bietet aber den Maasstab dazu dar; am Himmel selbst muß die Messung vorgenommen werden. Olof Römer , ein Däne, fand in der Verfinsterung der Jupiters Trabanten, das Mittel dieses wichtige Problem zu lösen. Er hatte in den Jahren 1670/75 mit dem älteren Cassini auf der Sternwarte viele Verfinsterungen der Jupiters Monde beobachtet, und gefunden, daß der erste Mond nicht immer zur berechneten Zeit aus dem Schatten trat, und daß der Austritt desselben sich immer mehr verspätete, je weiter sich die Erde vom Jupiter entfernte: wogegen der Eintritt früher erfolgte, jemehr sie sich demselben näherte, so daß der größte Unterschied 14 Min. betrug. Römer schloß, daß diese Ungleichheit von dem Abstande der Erde und des Jupiters von einander abhange, und eine Folge der verschiedenen Zeit sey, welche das Licht brauche, um bei ungleicher Entfernung die Erde zu erreichen. – Genauere Berechnungen haben später gezeigt, daß das Licht in einer Sekunde 40,000 Meilen zurücklegt; es gelangt daher von der Sonne bis zu uns, in 8 Min. 13 Sek. Dagegen braucht es vom Syrius 31 Jahr, und vom entferntesten Nebelfleck mindestens 94,000 Jahr. Dies giebt eine Entfernung von 33,000 Billionen Meilen. Es folgt daraus, daß das Weltgebäude ein Alter von wenigstens 24,000 Jahr hat, weil das Licht was wir heute sehen, schon vor so langer Zeit von dort ausgegossen ist. Schwindel erregend! gleich der Betrachtung, daß die zerstörendsten Revolutionen jene leuchtenden Gestirne längst vernichtet haben können, welche mit ruhiger Klarheit unsere Nächte erhellen, und daß vielleicht Generationen vergehen, ehe nur die Kunde davon zu uns gelangt. Eine sehr merkwürdige Erscheinung am Himmel sind die veränderlichen Sterne, deren Licht entweder in beständigen Perioden ab und zunimmt, oder die nachdem sie einmal erschienen sind, auf immer verschwinden. Manche Sterne sind am Himmel verloren gegangen, manche sieht man, wo man sonst keine bemerkte. – Durch die Erscheinung eines neuen Sterns ward Hipparch , 125 Jahr vor Chr. Geb. zur Verfertigung eines Verzeichnisses der Fixsterne bewogen. Einer ähnlichen Erscheinung verdanken wir das von Tycho gemachte Verzeichnis der Sterne. Der von Tycho beobachtete Stern erschien 1572 plötzlich mit einem Glanz der den des Jupiter und Sirius übertraf; so daß der Stern sogar am Tage sichtbar war. Einen Monat nachher nahm sein Glanz stufenweise ab, bis zum März 1574, da er ganz verschwand. Neuere Astronomen haben eine Menge Sterne beobachtet, die in beständigen Perioden eine Ab und Zunahme des Lichtes leiden, und sogar ganz verschwinden. Diese Perioden sind sehr verschieden; von einigen Tagen, bis zu mehreren Jahren. – Den Grund dieser Erscheinung hat man wahrscheinlich, theils in physischen Veränderungen, die auf diesen Weltkörpern vor sich gehen, theils in ihrer Umdrehung um die Axe zu suchen. Dies letzte ist, besonders bei solchen Sternen zu vermuthen, deren Lichtwechsel periodisch ist. Wenn nämlich ein Theil der Oberfläche dunkler als der andere, oder so beschaffen ist, daß er weniger Licht verbreitet, so wird der Stern uns mehr oder weniger glänzen, nachdem er uns während seiner Rotationsperiode seine helle oder dunkle Seite zukehrt. Andere Sterne die plötzlich erscheinen, und dann wieder verschwinden, erlitten vielleicht irgend eine große Revolution: es entwickelten sich bisher ruhende Kräfte, und machten seinem veralteten Daseyn ein Ende, um ihn schöner aus der Asche wieder hervorgehen zu lassen. Doppelsterne nennt man zwei oder mehrere Sterne, die so nahe bei einander stehen, daß sie dem bloßen Auge, und selbst durch kleine Fernröhre, wie ein einzelner Stern erscheinen, durch stärkere Vergrößerungen aber aus einander gerückt werden. Bessel hat gezeigt, daß einige derselben sich um einen gemeinsamen Schwerpunkt drehen, sich also wohl noch nicht selbstständig haben konstituiren können. Man findet 3–4 zusammen; ja im Sigma des Orion laufen 16 Sterne um einen Schwerpunkt. Man hat bis jetzt nahe 700 (675) dieser Doppelsterne entdeckt. Merkwürdig und auffallend ist die Verschiedenheit der Farbe, welche an denselben bemerkbar. Sie erscheinen abwechselnd blau – roth – weiß doch so, daß der mittlere Stern stets ein weißes, die circulirenden Weltkörper dagegen ein buntfarbiges Licht ausstrahlen. Man hat die Vermuthung aufgestellt, daß, da besonders verlöschendes Licht farbig erscheint, diese Körper verlöschende, in einer Abnahme des Lichtprocesses begriffen seyn mögten. – Auf keinen Fall kann man ihnen ein planetarisches Licht zuschreiben; sie müssen selbstleuchtend seyn, da ein reflectirtes Licht in so unermeßlicher Ferne nicht sichtbar seyn könnte. Auch ist zu erwähnen, daß die Bewegung mancher Doppelsterne von Osten nach Westen geht; im Gegensatze unseres Systems, wo alle Bewegung von Westen nach Osten fortrückt. Auffallend ist die Geschwindigkeit mit welcher diese mehrfachen Sonnen sich bewegen. Bessel hat im Schwan einen Doppelstern entdeckt, dessen Fortrücken schon nach 6 Monaten bemerkbar erschien. Eine merkwürdige Erscheinung am südlichen Himmel sind die sogenannten Magellani schen Wolken, deren lichtgebende Dünste jeden Abend in der Nähe des Südpols sichtbar werden. Diesen entgegengesetzt sind jene räthselhaften, von Sternen entblösten schwarzen Stellen, unpoetisch Kohlensäcke (coalbags) genannt, die ich ebenfalls in der südlichen Hemisphäre mehrfach beobachtet habe. Die eine dieser Stellen erscheint in der Spitze des südlichen Kreuzes, die andere in der Eiche Carl II, nahe am Südpol. Auffallend ist, daß, die durch meteorologische Instrumente bemerkbare Veränderung der Atmosphäre, auf das sichtbar werden dieser Flecken keinen Einfluß zu haben scheint. In jenen Nächten, wenn die übrigen Gestirne im schönsten Glanze leuchten, waren die dunkeln Stellen oft nicht sichtbar, und erschienen dagegen, wenn gleich das Hygrometer andeutete, daß die Luft stark mit Dünsten angefüllt sey. – Man hat diese Erscheinung aus dem Kontraste erklären wollen, den eine minder mit Sternen besäete Stelle am Himmelsraum, gegen den besonders hellfunkelnden Glanz der südlichen Gestirne, hervorbrächte. Ich kann dieser Meinung nicht seyn, die auch die beiden Forster nicht theilen, welche Coock's 2 te Erdumseglung begleitend, dieser Erscheinung eine vorzügliche Aufmerksamkeit gewidmet haben. – Im Scorpion befindet sich ein Raum von 3°, auf dem selbst durch Herschel sche Telescope, kein einziger Stern bemerkbar ist; und dennoch bleibt diese Stelle dem Auge unsichtbar, und erscheint vollkommen wie jeder andere Raum des Himmels. Eine dritte ausgezeichnete Erscheinung bietet das sogenannte Thierkreislicht ( Zodiacal Licht) dar, das schon im südlichen Europa, nach Untergang der Sonne sichtbar, besonders im Anfange des Frühlings, spitz=pyramidenförmig sich erhebend, seinen leuchtenden Schimmer verbreitet. – Mit mehr Wahrscheinlichkeit ist dieses noch immer räthselhafte Phänomen einer Anhäufung leuchtender Körper zuzuschreiben, als wie gewöhnlich, anzunehmen, daß es von den feinsten, und ausgedehntesten Theilen der Sonnenatmosphäre herrühre. Zum erstenmale habe ich dies schöne Schauspiel zu Valencia in Spanien beobachtet; später hat es sich mir dargeboten am Orinoco , unweit Carracas , und auf der höchsten Ebene der Cordilleren, wo durch die dünne Luftschicht durchblickend, dies Licht oft leuchtender erschien, als selbst der Glanz der Milchstraße. Welchen Platz nun unser Planetensystem in der umgebenden linsenförmigen Sternschicht einnehme, ist nur im Allgemeinen zu bestimmen: nach der neuesten Ansicht steht es dem Adler am nächsten. Obgleich die Fixsterne ihren Namen von dem angenommenen Feststehen bekommen haben, so lehren doch neuere Beobachtungen, daß auch die Fixsterne, wiewol äußerst langsam ihren Ort am Himmel verändern, wodurch die große Entdeckung von dem Fortrücken unseres Sonnensystems gemacht ward, das, nach Herschel sich gegen das λ im Hercules bewegt. Unser System besteht aus einem Centralkörper, um welchen sich 11 Hauptplaneten und 18 Nebenplaneten bewegen. Der Centralkörper ist von so ungeheurer Größe, daß unser Mond fast 2 mal darin seinen Umlauf um die Erde vollenden könnte. – Zunächst werden wir alle Planeten in 2 Klassen theilen; in solche welche sich entweder innerhalb oder außerhalb der Bahnen der neu entdeckten Planeten Ceres, Pallas, Juno und Vesta bewegen, und daher innere und äußere genannt werden. Diese 4 Planeten, wegen ihrer Kleinheit von Herschel mit Verachtung Asteroïden genannt, wie man die Halbmetalle der Alkalien Metalloïde nennt, sind alle zusammen nicht so groß als unser Mond, ja die Vesta als der kleinste, hat eine Oberfläche von 10,000 □Meilen , also weniger als der preußische Staat. – Die 4 inneren Planeten Merkur, Venus, Erde, Mars haben eine größere Dichtigkeit als die äußeren; nämlich: Mercur , Venus , Erde , Mars; Platina Gold Magneteisenstein;   sie sind deshalb, weil sich ihre Masse mehr concentrirte mondarm, und haben alle zusammen nur einen Mond. Die 4 äußeren sind weit weniger dicht: Pallas etc. Jupiter , Saturn , Uranus Bernstein , Naphta , Wasser , und ihrer viel schnelleren Bewegung halber, sehr abgeplattet, was besonders beim Jupiter sehr auffallend bemerkbar ist. Diese schneller rotirenden Weltkörper sind auch sehr reich an Satelliten, dagegen unsere Erde nur von einem Monde begleitet wird. Der Saturn bietet außerdem die sonderbare Erscheinung eines Ringes, der jedoch wahrscheinlich nichts anderes ist, als ein System von Satelliten, eine Menge knotenförmig verwachsener Trabanten. Die Fläche dieses Ringes ist auf beiden Seiten mit ungeheuren Bergen, von der fast unglaublichen Höhe von 200–300 Meilen bedeckt, die selbst über den Rand des Ringes hervortreten. Diese hervorragenden Berge sind fast 6 mal so hoch als die selbe Dicke des Gewölbes von der sie getragen werden, und weit größer als der ganze Planet Vesta.   Durch den 1781 von Herschel entdeckten Planeten Uranus wurde der Horizont des Planetensystems unserer Sonne um das Doppelte erweitert. Dieser Planet ist nämlich noch einmal so weit als Saturn – 400 Millionen Meilen von der Sonne entfernt. Er vollendet seine lange Reise um die Sonne erst in 84 Jahren und 6 Trabanten umkreisen ihn. Die Entdeckung der vier kleinen Planeten, durch welche die früher unterbrochene harmonische Progression in den Abständen der Planeten, sich vollständiger zu bestätigen scheint, verdanken wir den Deutschen. Piazzi , in Deutschland geboren, entdeckte am 1 ten  Jan. 1801 zu Palermo glücklich einen zwischen Mars und Jupiter früher vermutheten Planeten, dem er den Namen Ceres beilegte. Kaum 1½ Jahre nachher hatte Olbers in Bremen das Glück einen 2 ten planetarischen Körper zwischen Mars und Jupiter aufzufinden, den er Pallas nannte. Am 1 ten  Septbr. 1804 entdeckte Prof. Harding zu Lilienthal einen dritten neuen Planeten, ungefähr in demselben mittleren Abstande von der Sonne als Ceres und Pallas. Man hat ihn Juno genannt. – Endlich hat Olbers am 29 ten  Maerz 1807 abermals einen 4 ten Planeten zwischen Mars und Jupiter entdeckt, der von dem großen Gaus in Goettingen den Namen Vesta erhielt. Außer diesen nunmehr bekannten Haupt und Nebenplaneten gibt es im weiten Reiche unserer Sonne noch eine ungleich größere Anzahl anderer Weltkörper welche mehrentheils in langen elliptischen Bahnen sich um die Sonne drehen. Dies sind die Kometen. Ueber diese hat sich neuerlich die Meinung der Astronomen sehr geändert. Jener Gedanke namentlich, daß sie ein Planetensystem mit dem andern verbinden, ist ganz verschwunden; obgleich einige sich sehr weit von der Sonne entfernen müssen, indem ihre Sonnennähe zwischen Jupiter und Saturn liegt. – Man hat bis jetzt Kometen welche von der Erde aus sichtbar gewesen sind 400 beobachtet, nur 128 wirklich gemessen. Rechnen wir aber alle dazu, welche außerhalb der Erde ihre Bahnen ziehen, so kann ihre Zahl leicht auf einige 100,000 gesteigert werden, welche alle zu unserm Planetensystem gehören. – Die wichtigste Entdeckung in dieser Hinsicht machte in der neuesten Zeit unser Astronom Enke . Er berechnete die Bahn eines Kometen, der in 3½ Jahrn seinen Umlauf vollendet. Bei seinem letzten Erscheinen hatte er sein Wiederkommen genau vorhergesagt, und es entdeckte ihn zuerst Rühmker in Paramatta auf Neuholland. Nur fand man, daß er sich ein wenig verspätet hatte, und dies führte auf die bewegungshemmende Eigenschaft des Aethers. Dieser Komet ist nun schon 5 mal beobachtet. – Der Hauptmann Biela in Böhmen entdeckte später einen 2 ten Kometen, der in 6½ Jahren seinen Weg um die Sonne zurücklegt. – Der berühmte Halley sagte die Wiederkunft eines Kometen auf das Jahr 1759 voraus, den der sternkundige Landmann Palitsch bei Dresden wirklich am 25 Decbr. 1758 zuerst wiedersehe. Hätte man damals die Masse des Jupiters und Saturns genauer und die Existenz des Uranus gekannt, so würde man eine Genauigkeit von 5–6 Tagen erreicht haben. Von allen Kometen welche beobachtet, und deren Bahnen berechnet worden, ist keiner unserer Erde so nahe gekommen, als der von Biela entdeckte; und allerdings könnte uns dieser gefährlich werden, da man berechnet hat, daß einer seiner Knoten wirklich innerhalb der Erdbahn liegt. Die große Leichtigkeit dieser Weltkörper kann uns jedoch von aller Besorgniß befreien; denn man hat nachgewiesen, daß einer derselben (der von 1770) durch das Trabantensystem des Jupiter gegangen ist, ohne dasselbe im mindesten in Unordnung zu bringen. Die Dichtigkeit der Kometen beträgt 1 / 5000 von der Dichtigkeit der Erde. Sie sind also noch weit dünner, als die dünnste Luft, welche wir unter der Luftpumpe hervorbringen können. Zu den merkwürdigsten, bisher noch keineswegs genügend erklärten Erscheinungen gehören die Aerolithen, jene größeren und kleineren Steinmassen, welche aus den Himmelsräumen zu uns herabkommen. Chladni hat das Verdienst, auf dieses schon den Alten unter dem Namen von Steinregen bekannte Phänomen, von neuem aufmerksam gemacht, und neue Erfahrungen darüber gesammelt zu haben. Die verschiedensten Hypothesen sind aufgestellt worden, um den Ursprung dieser Massen zu erklären, die in den meisten Fällen aus terrestrischen Stoffen (Eisen, Nickel etc ) gebildet scheinen, und in denen Gustav Rose sogar das Vorkommen crystallinischer Theile nachgewiesen hat. – Einige haben sie für vulkanische Auswürfe der Erde erklären wollen; andere sie für Producte von Mondseruptionen gehalten, welche wahrscheinlichere Meinung in der auf dem Monde 5 mal geringeren Schwere, und der großen Feinheit seiner Atmosphäre, die der Bewegung keinen merklichen Widerstand entgegen setzen kann, einen Stützpunkt findet. – Die Annahme, daß die Bestandtheile dieser Massen, sich aufgelöst im Luftkreise vorfinden sollten, und durch irgend eine elektrische Explosion, (die Feuerkugeln, welche die Erscheinung gewöhnlich begleiten) im Moment des Herabfallens vereinigt würden, hat wenig Haltbarkeit, da mindestens ein Raum von 4–5 Meilen Luft erforderlich wäre, um ähnliche Massen aufgelöst zu enthalten. Einige glauben Ueberbleibsel der ehemaligen chaotischen Massen darin zu erkennen, und wir mögten sie geradezu für planetarische Weltkörper erklären, die gleich den übrigen im Weltall kreisen, bis sie der Attractionssphäre des Einen oder Andern sich nähernd, auf fremden Bahnen ihren Untergang finden. Die Kleinheit derselben darf dieser Annahme nicht entgegen stehen. Der kleinste Hauptplanet ist im Verhältniß gegen den Syrius viel kleiner als der größte Aerolith im Vergleich mit der Vesta. Bei allen Messungen im Weltraume ist es weit interressanter die Größen und Zahlen in ihrer relativen Ausdehnung zu kennen, als in ihrer absoluten: gerade wie bei den Berghöhen. Die Schneekoppe ist ½ mal so hoch als der höchste Gipfel der Pyrenäen; der Pic von Teneriffa ½ von der Spitze des Himalaya ; der Brocken 1 / 6 des Chimborazo . So wird auch eine vergleichende Berechnung von der Größe des Weltraums, wie sie Herschel anstellte, hier an ihrem Platze seyn. Man setze den Durchmesser unseres Sonnensystems mit den äußersten Kometenbahnen = 1 Linie : so wird die größere Axe unserer linsenförmigen Sternschicht = 260 Fuß seyn; und von uns bis zum fernsten Nebelfleck = 4¾ geogr. Meilen . Die Sehweite des bewaffneten Auge ist also 4¾ Meile, die des unbewaffneten in gleichem Verhältniß 5 Fuß . – Man hat Infusionsthiere beobachtet, deren Durchmesser 1 / 1000 einer Linie beträgt. Diese verhalten sich zu einem Wallfisch von 60–70 Fuß Länge, wie der Durchmesser unseres Sonnensystems, zu der Entfernung desselben von den weitesten Nebelflecken. Bei allen diesen Erscheinungen ist natürlich eine Ungewißheit vorhanden, welche nur dadurch verringert wird, daß man sie in ganz bestimmte Gränzen einschließen läßt. So weiß man mit Bestimmtheit, daß der Sirius 10,000 mal weiter von uns entfernt ist als Uranus , weil seine Parallaxe noch nicht 1 / 5 Sek. beträgt. – Bei der Entfernung des Mondes von 51,000 Meilen ist man nur um 14–15 Meilen ungewiß, welches so viel heißt, als ob man bei der Höhe des Brockens 3200 Fuß , um 1–2 Fuß ungewiß wäre. Wenn wir nunmehr zu den tellurischen Verhältnissen übergehen, so müssen wir zuerst zwei flüssige Hüllen um den Erdkörper bemerken, die des Meeres und der Luft, wodurch man schon auf die Kugelgestalt der Erde geführt werden können. Schon Aristoteles stellt die Behauptung auf, daß die Erde rund sey, weil man bei den Mondfinsternissen den Erdschatten rund in die Mondscheibe eintreten sieht. Die Erde hat aber keine vollkomne Kugelgestalt, mit gleichem Durchmesser, sondern bildet vielmehr ein Sphäroïd mit starker Abplattung an den Polen. Diese Abplattung ist bedeutender als man früher glaubte. Man nahm sie sonst zu 1 / 305 – 1 / 310 an. Jetzt weiß man, daß sie zwischen 1 / 289 – 1 / 290 liegt. – Eben so hielt man früher die Figur des Erdsphäroids für unregelmäßig, und glaubte die südliche Hemisphäre abgeplatteter als die nördliche. Nach Freycinets und Duperrés sehr genauen Messungen ist erweislich dies nicht der Fall, und die Regelmäßigkeit dieser um so viel größer. Die specifische Dichtigkeit der Erde ist sehr beträchtlich; sie ist 4–5 mal größer als die des Wassers. Die Attraction der Berge, nach deren Einwirkung auf die Pendelschwingungen man die Schwere der Erde berechnet hat, gab verschiedene Resultate. In Schottland 4,7 schwerer als Wasser, am Mont Cénis 4,4 – nach Cavendish Erdwage 5,4. Das Mittel aus diesen verschiedenen Angaben würde 4,8–5,0 ergeben. Von Cavendish der berühmte Versuche über die Zersetzung des Wassers gemacht hat, sagt man: er habe das Wasser zerlegt und die Erde gewogen. Wir müssen aber annehmen, daß im Innern der Erde eine größere Dichtigkeit herscht, als wir in den dichtesten Gebirgsarten antreffen. (Die magnetische Spannung der Erde äußert sich horizontal und perpendikular, oft auch oscillirend, und wird durch die innere und äußere Erwärmung vermehrt. – Die Versuche von Morechini in Rom haben bewiesen, daß man kleine unmagnetische eiserne Nadeln, durch die Einwirkung der Sonnenstrahlen magnetisiren kann, und diese Versuche die bei der Einwirkung der italienischen Sonne nicht immer gelangen, sind von Miss Sommerville in London , mit vielem Glück wiederholt, nach Wollaston's unverwerflichem Zeugnis. – Wir müssen demnach unsere Erde in einer fortdauernd electro-magnetischen Spannung annehmen, und es ist sehr wahrscheinlich, daß diese Spannung durch die Sonnenwärme erhalten wird, wie dies aus Seebeck's schöner Entdeckung vom Thermomagnetismus, der durch ungleiche Erwärmung hervorgerufen wird, und aus anderweiten Beobachtungen der Miss Sommerville über die Sonnenstrahlen hervorgeht.) 3 te Vorl. Gleichsam die Skizze eines großen Bildes im Umrisse gebend, das nachmals in seinen einzelnen Theilen weiter ausgeführt werden wird, will ich im Allgemeinen die Abtheilungen bezeichnen, welche wir durchzugehen haben Astronomie Geognosie – Betrachtung des festen Erdkörpers Klimatologie – Betrachtung der flüssigen Hüllen. Meer und Luft Geographie der Pflanzen Geographie der Tiere Betrachtungen über die Menschenracen. Bei der Vergleichung unseres Erdkörpers mit den übrigen Planeten desselben Sonnensystems, finden wir, daß dieselben sich nicht in allen Verhältnissen ähnlich sind. – Die Körper auf unserer Erde sind geeignet einen dreifachen Zustand anzunehmen, indem sie entweder starr, tropfbar flüssig, oder elastisch flüssig erscheinen. Derselbe Fall kann nun z. B. auf dem Monde nicht statt finden, dem wir nach der Art seiner Bedeckungen, entweder gar keine, oder eine von der unsrigen sehr verschiedene Atmosphäre zusprechen müssen. Wenn der Luftdruck auf der Erde, am Ufer des Meeres einen Barometerstand von 28 Zoll hervorbringt, so würde derselbe auf dem Monde nur etwa ⅓ Linie betragen. Eben so müssen wir annehmen, daß auf dem Monde sich keine tropfbare Flüssigkeit befindet, wenigstens keine Meere. Denn da wir durch unsere Fernröhre im Stande sind, kleine Flächen auf dem Monde, etwa von der Größe wie Berlin , genau zu beobachten, so finden wir, daß auf demselben nirgend 2 Höhen sich gleich sind. Die Ebene auf dem Monde können daher keine Flüssigkeiten enthalten, die nach hydrostatischen Gesetzen ein Bestreben haben, sich au niveau zu setzen. Der Mond ist folglich höchst wahrscheinlich starr, wie die Aerolithen, ohne Luft und ohne Wasser. – Anders verhält es sich mit den übrigen Planeten, unter denen Jupiter und Saturn durch eine sichtbare parallele Zone ihre dichtere Atmosphäre verrathen. Die Kometen scheinen dagegen ganz luftförmige Gebilde, da selbst durch ihren Kern kleine Sterne erblickt werden können. Was wir von der innern Beschaffenheit des planetarischen Körpers, den wir bewohnen, wissen, beruht auf sehr unsichern hypothetischen Vermuthungen. Denn wie gewagt sind die Schlüsse, die wir von den wenigen Fußen der uns bekannten Rinde, auf den Durchmesser der Erdmasse ( 1720 Meilen zu 23,000!) machen müssen! Man glaubte früher annehmen zu können, daß Licht und Organismus in der engsten Verbindung stehe, daß Licht zur Hervorbringung eines jeden organischen Lebens erforderlich sey. Lavoisier erklärte daher durch die Behauptung, daß Feuer die organischen Stoffe hervorrufe, auf eine geistreiche Weise die alten Scythischen Mythen, und die Fabel vom Prometheus . – So unleugbar nun aber auch der Einfluß des Sonnenlichts auf die ganze Organisation ist, so hat man sich in der neuesten Zeit dennoch überzeugt, daß auch ohne Licht ein organisches Daseyn statt finden kann: ein Gegenstand mit dem ich mich in meiner frühesten Jugend beschäftigt habe. – In den tiefsten Bergwerken, selbst solchen die ohne Zimmerung fortgeführt werden, finden wir unterirrdische Pflanzen vegetirend, und grüne Keime, selbst phosphorescirend, in Luftarten (Kohlen und Wasserstoffgas) die der Vegetation nicht günstig sind. Beim Sprengen uneröffneter unterirrdischer Höhlen, in die nie ein Lichtstrahl gedrungen war, hat man die Stalactiten mit Usneen einem flechtenartigen Gebilde überzogen gesehen. – Auch in der Tiefe des Meeres, die fast eben so vollkommen als die Bergwerke jedes Lichtstrahls entbehrt, existiren grünende Vegetabilien. Jenseit der canari schen Inseln, holte ich aus der Tiefe des atlantischen Meeres, ( 240' tief) mit dem Senkblei einen vollkommen grünen Fucus herauf, dessen Blätter Ähnlichkeit mit dem Weinlaube haben. Diese Fucus Arten, welche in einer Tiefe von 6–800 Fuß üppig vegetiren, dienen zur Bezeichnung der Richtung der Strömungen im Meere. Von ihrem Standort losgerissen schwimmen sie von einer Breite zur andern, und bilden zusammengetrieben an der Oberfläche des Meeres grüne Inseln. Nach Bouguer's Berechnungen in seinem gelehrten Werke: »Ueber die Verminderung des Lichts beim Durchgang durch flüssige Körper« dringt nach ihrem ursprünglichen Standort kein Lichtstrahl, der nicht 2–3000 mal schwächer wäre als der Strahl des Mondlichtes. Unsere geringe Kenntniß von der Erde gründet sich allein auf die Beobachtungen, welche, in die Rinde derselben eingetriebene Bergwerke, uns gestattet haben. Natürlich kann hier nicht die Rede seyn von denjenigen Bergwerken, welche auf Hochebenen, wie z.B. auf den mexicanischen Gebirgen 8–9–12,000 Fuß über der Meeresfläche eingeschlagen sind, sondern nur von solchen, welche mit dem Spiegel des Meeres gleich sind. Bisher hatte man die alten Gruben zu Ansin bei Valenciennes in Belgien ( 850 Fuß ) für die tiefsten gehalten. Herr v. Dechen und v. Oeynhausen , soeben von einer geognostischen Reise zurückkehrend, die eine reiche technische und wissenschaftliche Ausbeute gewährt, haben durch barometrische Messungen die Gruben von Bal St. Lambert bei Lüttich , 1400 Fuß tief gefunden. In England an den Küsten von Cornwales und von Cumberland giebt es Gruben in denen unter dem Meere selbst gearbeitet wird, um so merkwürdiger als der ganze Zwischenraum bis zum Meere nur etwa 8 Fuß beträgt. Bei Whitehaven gehen Gallerien von 5000 Fuß Länge unter dem Meere fort, ohne daß Gefahr damit verknüpft wäre. Ich bin selbst in diesen submarinen Gängen gewesen, und habe sie zu meinem Erstaunen keinesweges feucht sondern vielmehr staubig gefunden, da der Grund des Meeres durch den Druck des Salzwassers, wie mit einem dichten Cement überzogen ist. Selbst eine oberflächliche Betrachtung der Rinde unseres Erdkörpers zeigt unverkennbar deutlich die mannigfaltigsten Spuren großer Umwälzungen, und zerstörender Katastrophen, welche auf demselben statt gefunden haben. Unter den Versteinerungen, welche uns in den verschiedenartigsten fossilen Organismen die Reste untergegangener Schöpfungen bewahren, finden sich jedoch niemals fossile Menschenknochen. Man hat dies früher zum Theil daher erklären wollen, daß menschliche Gebeine einer schnelleren Verderbniß ausgesetzt wären. Dies hat sich bei genauerer Untersuchung jedoch keineswegs bestätigt. In Aegypten bemerkt man keinen Unterschied unter menschlichen Mumien, und denen von Vierfüßern, wovon auch wir uns durch die interessante Sammlung des Herrn Passalaqua überzeugen können. So hat auch Cuvier bei Nachgrabungen, welche vor einigen Jahren in der alten Kirche S te Géniévre statt fanden, Knochen von Menschen gesammelt, welche unter Clovis begraben worden sind und hat ihre Formen noch gut erhalten gefunden. Alles was man unter den fossilen organischen Resten für Menschenskelette gehalten hat, rührt entweder von einem andern Thiere her, oder es gehört einer neueren Zeit an. Scheuchzer's homo diluvii testis ist von Cuvier für einen Salamander od. Achalotl erkannt worden, zur Gattung Proteus gehörend; so wie die neuerlich bei Marseille aufgefundenen, angeblichen Menschenknochen, für Abdrücke von Meerröhren. – Bei Köstriz sollten sich Menschenknochen in alten Gebirgslagern vorgefunden haben. Nach den sehr genauen Untersuchungen des um die Petrefactenkunde so verdienten Herrn v. Schlottheim zu Gotha ist diese Behauptung aber mehr als zweifelhaft. – Alle wahrhafte Menschenknochen sind entweder durch Erdfälle verschüttete, oder in alten Berggebäuden zurückgebliebene, oder in einer Incrustation eingehüllte Cadaver. Dies gilt auch von den auf Guadeloupe entdeckten versteinerten Menschengerippen, von denen Eines durch den Admiral Cochrane nach England gebracht worden. Es ist dies ein ziemlich wohl erhaltenes Skelett, doch ohne Kopf und rechten Arm; ohne Zweifel von einem Menschen. Dergleichen Gerippe kommen auf Guadeloupe häufig vor, und werden von den Einwohnern Galibi (wahrscheinlich eine Korruption von Caribi ) genannt. Bemerkenswerth ist der Umstand, daß die Skelette alle in der Richtung von Ost nach West liegen, was auf die Vermuthung führt, daß vielleicht ein alter Caraïbischer Kirchhoff zu Grunde liegen kann. Das Gestein in welchem diese Reste vorkommen, ist ein Kalkstein- Conglommerat , mit vielen vom Meere ausgeworfenen Lytophyten und Madreporen, durch einen kalkigen Cement verbunden. Aehnliche Gebilde sind dem ganzen Archipel der Antillen gemein, und den Negern auf Cuba unter dem Namen Maçonne-bon Dieu bekannt. Man findet darin, oft in 24 Fuß Tiefe, die Trümmer von Gefäßen, sogar Mörser, Keulen, Aexte und andere Arbeiten von Menschenhand. Bei den ungewissen Vermuthungen, welche selbst die uns bekannte, dünne äußere Erdschicht unseres Planeten, noch stets veranlaßt, solten wir uns der Untersuchungen über ihren Kern vielmehr ganz enthalten. Aber schon Montaigne sagt: wir haben ein schwaches Gesicht und viel Neugier, und es ist uns unmöglich nicht in diese verschlossene Tiefe dringen zu wollen. Die nach dem Innern der Erde zunehmende Temperatur, deren Annahme nicht mehr zu den Hypothesen gehört, veranlaßt uns zu interressanten Schlüssen über den Zustand des Erdkerns. – Man hat Zweifel erhoben gegen die Beobachtung der in den Bergwerken beider Erdtheile mit zunehmender Tiefe sich konstant vermehrende Wärme. Man hat sie herleiten wollen von niedersinkenden, sich verdichtenden und also Wärme entbindenden Luftschichten, man hat sie der Menschen Nähe, der Wirkung des bergmännischen Geleuchtes zuschreiben wollen. Aber abgesehen davon, daß die geringe Erwärmung welche die Gegenwart der Menschen und der Grubenlichte (die sich genau berechnen läßt) hervorbringt, nicht in Verhältniß steht, mit dem Grade der zunehmenden Wärme, so haben neuerlichst die Versuche des geistreichen Physikers Arago alle Zweifel auf das Vollkommenste gehoben. Tief erbohrte Quellwasser (sogenannte artesische Brunnen) sind wärmer befunden worden, je größer die Tiefe ist, aus der die Wasser aufsteigen. In Artois hat man die aus einer Tiefe von 2–300' über den Wasserspiegel emporquellenden Gewässer 4–5° wärmer gefunden. – Hier ist jeder Verdacht einer äußeren Einwirkung entfernt; die Wasser bringen die Wärme mit sich, welche sie durch lange Berührung mit den Gestein-Massen in verschiedener Tiefe erhalten haben. La Place hat berechnet, daß mit der Tiefe von 30 mètres (etwa 100 Fuß) die Wärme um 1° Reaum. zunimmt, und dem gemäß in einer Tiefe von 30–40 Meilen selbst Gußeisen schmelzen müßte. – Die neueren Ansichten der Physiker und Geognosten, und zwar der beobachtenden, nicht leer hypothesirenden Geognosten scheinen somit den alten Mythus vom Piriphlegeton, und von Hephästos allverbreiteter Werkstätte ins Leben zurückgerufen zu haben. Welche Zweifel man auch, trotz der gerechten Verehrung die dem großen La Place gebührt, gegen die numerische Gewißheit seiner Rechnung erheben kann, so steht eine so merkwürdige und fast allgemein anerkannte Thatsache doch unstreitig mit dem in Verbindung, was die vulkanischen Erscheinungen uns lehren. Es scheint mir nämlich wahrscheinlich, daß dieselben aus einer sehr einfachen Ursache, aus einer steten oder vorübergehenden Verbindung zwischen dem Innern und Aeußern unseres Planeten entstehen. Diese Beobachtungen lehren zugleich, wie, unabhängig von der Schiefe der Ekliptik im frühesten, gleichsam jugendlichen Zustande der Erde, Tropen Temperatur und Tropen Vegetation unter jeglicher Zone entstehen, und so lange fortdauern konnten, bis durch Wärme Strahlung aus der erhärteten Erdrinde, und durch allmälige Ausfüllung der Gangklüfte mit heterogenen Gestein-Massen, sich ein Zustand bildete, in welchem, (wie Fourier in seinem tiefsinnigen Werke gezeigt hat) die Wärme der Oberfläche und des Luftkreises nur von der Stellung des Planeten gegen einen Central Körper, die Sonne, abhangt. (Nach Fourier kann sich die Temperatur in 30,000 Jahren nicht um 1° vermindern). 4 t . Vorles. Die Untersuchungen über die Beschaffenheit des festen Erdkörpers, über die geognostische Construction der Erde, haben von jeher die gebildeten Menschen beschäftigt. Doch ist erst in neueren Zeiten durch gesichertere Beobachtungen eine mehr mythische Behandlung verdrängt worden. Man kann sagen Keppler habe die Gesetze erkannt und Newton sie erwiesen. Im Allgemeinen ist angenommen, daß der Erdball, bevor seine Oberfläche ihre jetzige Gestalt gewann, sehr verbreitete Revolutionen erlitten habe, welche die Ordnung der Dinge veränderten. Schon die Alten beschäftigten sich mit den mannigfaltigsten Hypothesen über die Veranlaßung der augenscheinlichen Veränderungen auf der Erdoberfläche. Bei der Frage über den ehemaligen flüssigen Zustand der Erde, theilten sich die Meinungen, wie bei uns, und schon bei den Griechen schieden sich Neptunisten von den Vulkanisten. Lange ist die mit den theologischen Theorien übereinstimmendere Ansicht die herschende gewesen, daß die Urgebirge vom Wasser durchdrungen, und in demselben aufgelöst gewesen seyen, und erst spät hat man Granit und Porphir, wie jetzt angenommen wird, für Producte des Feuers erkannt. – Ein Engländer, Profeßor Dudley in Oxford , hat kürzlich auf eine ergötzlich, geistreiche Weise einen geologischen Thermometer zusammengestellt, auf dem Gradweise angegeben ist, wie sich almälig die Meinung der Gelehrten für die vulkanische Hypothese erwärmt hat. – Seit Buffon und der Protogaea des großen Leibnitz haben genauere Untersuchungen ein helleres Licht über die Lagerungsverhältnisse der Gebirgsmassen verbreitet. – Die Krystallographie, eine neue Wissenschaft kommt uns zu Hülfe, um die sich der schätzbare Mineralog Hauy in Paris große Verdienste erworben hat, und die hiermitten unter uns, Herr Profeßor Weiss gewissermaßen begründet hat. – Wir müssen hierbei auf eine chemische und mechanische Heterogenität in den Bestandtheilen der Erde aufmerksam machen, und demnächst bemerken, wie die constanten Associationen der Gesteine eine Gebirgsart bilden, welche man mit derselben Mischung in allen Theilen der Erde wiederfindet. Die auf diese Weise verschiedenen und ähnlichen Gebirgsarten bilden Gruppen, welche man Formationen nennt. Es ist Werner's , des verdienten Stifters der Freiberger Schule, unsterbliches Verdienst zuerst auf die Bildung dieser Formationen aufmerksam gemacht zu haben. Wie schon früher bemerkt, ist das, was wir von der äußern Rinde der Erde kennen, im Verhältniß gegen ihren Durchmesser sehr unbedeutend. Ein weiteres Feld der Beobachtung bieten uns die Abhänge der großen Gebirge, indem wir annehmen, daß alle Gebirgsketten aus Spalten emporgetrieben, und Bestandtheile der Erde aus größerer Tiefe sichtbar machen. – Die größte Höhe auf den Gebirgsrücken der Erde, ist vom Capt. Gérard auf dem Himalaya Gebirge ( 19,000 Fuß ) erreicht worden, wogegen ich auf dem Chimborazo bis 18,600 Fuß gelangt bin. Die Kenntniß von der Zunahme der Temperatur der Erde nach Innen zu, giebt uns mannigfaltige neue Ansichten, und es steht diese innere Wärme offenbar in Verbindung mit den drei großen Erscheinungen der heißen Quellen, der elastischen Dämpfe, und der Vulkane, welche letztere von zweierlei Art sind: bleibende, welche als ein Zusammenhang zwischen dem innern Kerne des Erdkörpers und der Atmosphäre zu betrachten sind, und temporaire, dahin gehören Eruptionen, Inselbildungen, wie Sabrina , (eine der azorischen Inseln, plötzlich erschienen d. 30 t.  Jan. 1811), Monte nuovo , bei Methone zwischen Epidaurus und Troezene , höher als der Monte nuovo der phlegräischen Felder bei Bajae, Ischia , oder der Ausbruch des Xovullo in Mexico. Das Phänomen der heißen Quellen, aus gewissen nahe an der Erdoberfläche befindlichen Lagern entzündlicher und oxidirbarer Substanzen, wie Steinkohlen oder Schwefelkies, und aus oberflächlicher Einwirkung der Bäche, Flüße u. s. w. erklären zu wollen, scheint uns unzureichend. Die Erscheinung ist zu groß und zu dauernd, als daß wir jene Niederlagen von so geringem Umfange, und diese Einwirkung von so geringer Stärke, für genügend zu dessen Erklärung ansehen könnten. – Diese Quellen finden sich fast durchgehende in den krystallinischen, den sogenannten Urgebirgen, oder an deren Fuße, Gebirge die man für die Unterlage aller bekannten Gebirgsarten anzusehen genöthigt wird, und auch in der Nähe vieler vulkanischer Berge. – Die Gesteinsart aus der das Karlsbader Thermal Wasser hervorbricht ist Granit in mehrerlei Abänderungen, dessen grobkörnige Art die bekannten Zwillingskrystalle des Feldspaths auszeichnen. Einer Art des feinkörnigen sind mächtige Hornsteinmassen, auch Schichten spätigen und körnigen Kalksteins beigemengt – und aus diesem Gestein besteht der, an den Hirschensprung sich anlehnende Schloßberg, so wie der Bernhardsfelsen. Das Wasser kommt aus Oeffnungen eines Kalksteins hervor, der von dem Wasser selbst gebildet wird, indem es überall wohin es fließt, nach Maasgabe als das kohlensaure Gas daraus entweicht, Sinter von einer festen, krystallinischen Textur abgesetzt. Der Sprudel, die heißeste der Karlsbader Quellen, hat nur eine Temperatur von 59° Reaum. wogegen in Südamerika heiße Quellen von 80°R. vorkommen, die zum Theil ganz ohne mineralische Bestandtheile sind, bei denen wenigstens durch Reagenzien keine Veränderung hervorgebracht werden kann. – Die sinnreichen Versuche des Herrn Dr. Struve , die auch von andern schon mit Erfolg wiederholt worden sind, versprechen interessante Aufklärungen über den Ursprung der Bestandtheile in den Thermalwässern. Reines, mit Kohlensäure verbundenes Wasser unter einem großen Druck durch das gepulverte Material des Gesteins aus dem ein Mineralwasser entspringt, getrieben, wird nämlich dem Thermalwasser sehr ähnlich, und enthält in ähnlichen Proportionen dieselben Bestandtheile. Der Zusammenhang des Phänomens der heißen Quellen mit Erdbeben und Vulkanen ist eben so merkwürdig als constatirt. Als im Jahre 1755 Lissabon er schüttert und zerstört wurde, blieben die Quellen zu Carlsbad und Teplitz aus, und kamen rothgefärbt zurück. In demselben Zeitpunkte erfolgte ein Wasserbeben im Ocean, empfunden von dem Westindischen Archipelagus an bis nach Åbo in Finnland. Ueberhaupt fehlt es nicht an entscheidenden Beweisen, daß die vulkanischen Wirkungen nicht von kleinlichen der Oberfläche nahen Ursachen abhangen, sondern große, tiefbegründete Erscheinungen sind. Selbst die Erdbeben liefern merkwürdige Beweise von der Existenz unterirrdischer Verbindungen, nicht blos zwischen vulkanischen Bändern, sondern auch zwischen Feuerschlünden, die weit voneinander entfernt sind. So stieß der Vulkan bei der Stadt Pasto 3 Monat lang ununterbrochen eine hohe Rauchsäule aus. Diese Säule verschwand in demselben Augenblick, am 4 t  Febr. 1797 als 60 Meilen davon das große Erdbeben von Riobamba , und der Schlammausbruch des Moya 30–40,000 Indianer tödtete. Dieses Erdbeben, das zerstörendste von dem man vielleicht überhaupt Kenntniß hat, schien sich im Innern des Tuncuragua vorbereitet zu haben, in welchem man schon Jahre vorher von Zeit zu Zeit Getöse und Brüllen gehört hatte. Die Mitempfindung dieses Erdbebens reichte über einen Erdstrich von 170 lieues von Süden nach Norden, 40 lieues im Umfange wurde alles zerstört, und von herabstürzenden Bergtrümmern begraben. Dabei spaltete die Erde am Fuße des Tuncuragua , und Ströme von übelriechendem Schlamme entstürzten den Schlünden, und verwüsteten alles umher. Die plötzliche Erscheinung der Insel Sabrina am 30 ten  Jan. 1811 war der Vorbote der fürchterlichen Erdstöße welche bis 1813 fast unaufhörlich, erst die Antillen, dann die Ebene des Ohio und Missisippi , und zuletzt die Küsten von Venezuela erschütterten. Dreißig Tage nach der Zerstörung der Stadt Caracas er folgte der Ausbruch des Vulkans von St. Vincent in den nahen Antillen. Ein ebenfalls evidenter Beweis für den Zusammenhang der Vulkane und Erdbeben ist, daß diejenigen Erdstriche in der Nähe der Vulkane, so lange dieselben in Thätigkeit, gegen Erdbeben gesichert sind. Man mögte sie also als eine Art Sicherheitsventile betrachten, und wenn der Chimborazo , diese vulkanisch gehobne Kuppel, wenn gleich kein thätiger Vulkan, geöffnet werden könnte, um den eingesperrten elastischen Stoffen einen Ausweg zu geben, so würden jene Erschütterungen aufhören, die seiner Umgebung oft das schrecklichste Verderben bringen. Die Vulkane der Andeskette zeichnen sich durch die Eigenthümlichkeit aus, daß sie auch bei den heftigsten Ausbrüchen keine eigentlich geschmolzene Materie, keine wahre Lava von sich gegeben haben. Die Substanzen welche sie ausstoßen sind verschluckte Stücke Grünstein, Basalt, Bimstein, Wasser und ungeheure Massen teigartiger Betten. Als nördlich vom Chimborazo am 10 en  Jul. 1698 der Krater und Gipfel des 18,000 Fuß hohen Carguairazo bei einem heftigen Erdbeben in sich zusammenstürzte, drangen Ströme von Schlamm aus den aufgebrochenen Seiten des Berges und verwüstete einen Strich von 10–12 □Meilen , die mit unfruchtbaren Koth bedeckt wurden. – Jedoch dürfen diese Inundazionen nicht als eigentlich vulkanischen Erscheinungen betrachtet werden. Es sind Phänomene die mit den Eruptionen der Vulkane meteorologisch zusammen hangen, und durch die Höhe der Berge, den Umfang ihrer stets beschneiten Gipfel und die Erwärmung der Wände der Aschenkegel vielfach modificirt werden. In weiten Höhlen, bald am Abhange, bald am Fuß der Vulkane entstehen unterirrdische Seen, die mit den Alpenbächen vielfach communiciren. Wenn Erdstöße, die allen Ausbrüchen der Andeskette vorhergehen, die ganze Masse des Vulkans mächtig erschüttern, so öffnen sich die unterirrdischen Gewölbe, und es entstürzen ihnen zugleich Wasser, Fische und jener tuffartige Schlamm. Dies ist die sonderbare Erscheinung der von den Vulkanen ausgeworfenen lebenden Fische, eine Gattung Wels, (Pimelodes Cyclopum) Preñadilla von den Bewohnern des Hochlandes von Quito genannt. – Bei einem Ausbruche des Vulkans Imbaburu wurden die Faulfieber in der nahe gelegenen Stadt Ibarra , der zahllosen, alle Felder bedeckenden Menge dieser Fische zugeschrieben. Diese Ueberschwemmungen sind nicht zu verwechseln mit den Strömen von Regenwasser, welche wie beim Vesuv, die (durch den aus dem Krater aufsteigenden Wasserdampf) während der Eruption gebildeten Wolken herabgießen. Das Erkalten der Wasserdämpfe, und die dadurch bewirkte plötzliche Condensation derselben vermehrt die elektrische Spannung, und erregt das Spiel elektrischer Kräfte, die ein locales, vulkanisches Gewitter hervorbringen, das mit einem wolkenbruchartigen Regen begleitet ist. Solch eine Erscheinung charakterisirt unter allen Zonen das Ende einer Eruption, ohne jeweils als eigentlich vulkanisches Erzeugniß angesehen werden zu können, was diejenigen Gelehrten annehmen mögten, die an einen unmittelbaren Zusammenhang der Vulkane mit dem Meere glauben. – Vor 5 Jahren als ich Gelegenheit hatte einen Ausbruch des Vesuv zu beobachten, fanden sich unter den Wasserströmen, die dem Berge entstürzten, auch zahlreiche Muscheln. Es waren jedoch Versteinerungen, einer merkwürdig neuesten Formation angehörend, und keine von denen die noch jetzt im Golf von Neapel vorkommen. 5 te Vorl. In der Provinz Popayan bilden die schweflichten Dämpfe, welche der Vulkan Purace ausstößt, in Verbindung mit den Wässern die ihm entströmen, einen Bach, von den Anwohnern: der Essigfluß genannt, der sich in den Fluß Cauco ? ergießt, einem mächtigen Flusse, von der Breite des Rheins, in den nach der Einmündung des Baches auf eine weite Strecke hinaus, kein Fisch existiren kann, so stark ist die Beimischung von Schwefel und Salzsäure. Herr Toussaint hat neuerdings meine Analyse dieses Wassers wiederholt. Er ist derselbe der die Entdeckung der Platina als anstehendes Gestein gemacht hat, da man sie früher nur als Geschiebe kannte. Es möge hier die Erwähnung der wunderlichen Hypothese des Captain Simmes ? zu St. Louis am Missouri , eine Stelle finden, der die Behauptung aufstellt, daß sich im Innern der Erde eine weite Höhlung befinde, zu der ein Loch am Nordpol, eine Oeffnung von mindestens 20° führe. Er hält es für sehr ausführbar mittelst einer kurzen Sommerreise, von Sibirien aus, diese Höhlung zu erreichen, aus der er eine reiche Ausbeute an Pflanzen und Thieren verspricht. Er nimmt jedoch an, das keine Menschen das Innere der Erde bewohnen, die übrigens von einem eignen Planeten Proserpina , in ihrem Centro erhellet wird. – Wenn man sich aber an die Entdeckung des verstorbenen Chladni erinnert, daß die Luft in einem Zustande von heftiger Compression leuchtend wird, so könnte man annehmen, daß durch die von oben eindringende Luft Licht genug hineingebracht würde, und es zur Erleuchtung weder eines Pluto noch einer Proserpina bedürfte. – Mr. Simmes hat sich ganz kürzlich an den Magistrat zu Augsburg gewendet, und ihn zur Hülfeleistung bei seinem Unternehmen aufgefordert. Die Erdrinde zeigt eine so große Mannigfaltigkeit in ihrem Bau, daß die Geognosten sich berechtigt halten mehrere große Abtheilungen zu unterscheiden, und eine successive Bildung anzunehmen. Die Grundlagen der verschiedenen Geschosse bilden: I. Die Urgebirge. Alle Glieder dieser Abtheilung tragen das Gepräge einer chemischen Bildung; sie sind krystallinisch; alles ist wie aus einem Guß. Es ist wahrscheinlich, daß diese Massen durch einen Oxidationsproceß entstanden sind, und nicht uranfänglich so waren. Versteinerungen als Denkmäler lebender organischer Wesen finden sich nicht. Man rechnet hierher: Granit, Gneiß, Glimmerschiefer, Urkalk, Urthonschiefer, und eine Formation die ihre Stelle einnimmt auf der Grenze der Ur und Uebergangsgebirge, den Euphotid des H. Hauy , den man früher mit dem Namen serpentinartiger Urgrünstein bezeichnete. Das älteste Gebilde aus dem Gebiete der Urzeit, deren Beobachtung vergönnt gewesen, ist der Granit. Diese Gebirgsart ist aus Quarz, Feldspath und Glimmer zusammengesetzt, so, daß sie in ihrer Strucktur vom grobkörnigen, bis zum feinkörnigen vorkommt. Der Granit bildet die höchsten und steilsten Punkte auf der Oberfläche der Erde, und dehnt sich in Gestalt von Ketten und Gebirgsgruppen über den ganzen Planeten aus. Der Gipfel der Andeskette, der Chimborazo , den man lange für den höchsten der Gebirgsrücken gehalten hat, besteht jedoch nicht aus Granit, sondern Trachyt. Man weiß jetzt, daß das Himalaya Gebirge in Indien, die Andes an Höhe übertrifft. Der höchste Punkt desselben der Dhawallagiri , ist zwar noch nicht erstiegen worden; durch trigonometrische Messungen ist aber seine Höhe ermittelt, und die durch Flüsse herabgeführten Bruchstücke, lassen vermuthen, daß seine Kuppe aus Granit bestehe. II. Die Uebergangsgebirge. Es sind noch immer chemische Bildungen, aber die krystallinische Form tritt mehr zurück, und schon beginnen Conglutinate, Verkittungen von zertrümmerten Gesteinen. Die Felsarten zeigen, rücksichtlich ihrer Bestandtheile noch viel ähnliches mit den Urgebilden, erscheinen aber der Form nach wechselnd mit Trümmer Gesteinen und Sandsteinartigen Bildungen. Manche Reste organischer Wesen – Abdrücke von Schilfen, von Palmen, und baumartigen Farren, von Madreporen, Pentakriniten, Trilobiten etc . Thiere aus den niedern Klassen – sind hier vorzugsweise zu Hause. Ich sage nicht in den obern Lagen, in den minder alten Gliedern dieser Abtheilung, sondern im Allgemeinen, in den nicht feldspatigen Gesteinen, und in jenen deren Masse kein krystallinisches Aussehn trägt. Hierher gehört: Körniger- talkiger- Kalk, Grauwacke mit Kohlenblende. Uebergangsthonschiefer, Porphyr, Syenit, Grünstein, schwarzer Kalk. III. Flözgebirge. Die Entwickelung der Flözgebilde ist sehr ungleichartig erfolgt auf unserer Erdfeste, und dies ungleichartige der Entwickelung gehört zu den wichtigsten Aufgaben der Geogonie oder geschichtlichen Geologie. Deutlich unterscheidet man ältere und neuere Flözgebilde. a. Die älteren folgen in der Lage auf das Uebergangsgebirge. Conglutinate, der Quadersandstein, Zechstein oder Alpenkalk (magnesian limestone) überhaupt Kalkstein, der früher nur sehr untergeordnet erscheint, herrschen vor. Die Steinkohlen sind hier zu Hause. Die Menge der Petrefacten wächst; von Vegetabilien finden sich Rohr, Palmen, Farrenkräuter, aber keine höhern Pflanzen; von Thieren außer Conchylien, auch Fische, und wiewohl äußerst selten, Reste von Amphybien. – Muschel und Jurakalk, Salzthon, Steinsalz, Sandstein, und zuletzt die Kreide gehören zu dieser Formation. b. Die jüngern Flöze. Hier tritt das Eisenoxydhydrat in größter Ausdehnung auf. Es gehören hierher der bunte Sandstein, und der Sand mit Braunkohlen unter der Kreide: zwei sandsteinartige Formationen mit Eisenoxyd gefärbt. Zahllose Petrefacten, nun schon auch Dicotyledonen – von Thieren besonders Conchyliolithen, Fische, Betrinen, Amphybien, aber noch keine Landsäugethiere. II und III werden secundäre Gebirgsmassen genannt, deren Charakter das Vorkommen von Petrefacten, den Resten einer lebendigen Schöpfung ist. Nun folgen: IV. Die tertiären Gebirgsmassen. Sie bilden die äußerste Rinde der Erde; die chemischen Gebilde werden immer seltner und undeutlicher, und die mechanischen sind die vorherrschenden. Es lassen sich drei Folgen unterscheiden: a. Die untern tertiären. In diesen kommen Reste organisirter Wesen vor, den jetzigen zwar ähnlich, aber einer untergegangenen Schöpfung angehörend. Bedeutende Lager von Braunkohlen, als residua untergegangener Wälder. b. Die mittlern tertiären Massen. Sie sind ausgezeichnet durch den Wechsel von Meer und Süßwasser Geschöpfen; es müßte also die Periode seyn, wo das Meer sich zurückzog, aber noch einigemal wiederkam. In ihnen finden sich die Reste von colossalen Landthieren und ganz unbekannten Vierfüßern. Oft finden sich See und Landthiere nicht weit von einander, hier Wallfische und Delphine, und ganz nahe dabei Elephanten und Rhinoceros. c. Die obern tertiären Massen. Diese bilden sich noch alle Tage. Die Reste von organischen Wesen, die sich darin finden, gehören der jetzigen Schöpfung an; darunter auch Knochen von Menschen. Sehr wichtig für uns ist das letzte Geschoß, dies aufgeschwemmte Land, auch als die Hauptlagerstätte der edlen Metalle und der Diamanten, die nicht in anstehendem Gestein in Gängen, sondern unter Sand und Bettenschichten als Geschiebe vorkommen. Kleine Flüsse in Brasilien führen den Waschwerken die 3 kostbaren Erzeugnisse Gold, Platin und Diamanten oft in großer Nähe beisammen, zu. Der größte Theil des Goldes das in den Handel kommt, besteht aus Körnern, die aus Bettenschichten gewaschen werden. Auch der neuerdings für Rußland so wichtig gewordene Fundort des Goldes am Ural zeigt ein ähnliches Vorkommen, wie denn auch Edelsteine aller Art: Hyacinth, Saphir u. s. w. nur im aufgeschwemmten Lande gefunden werden. Auf Zeilon findet man gediegenes Silber in Geschieben, und das häufige Vorkommen des gediegenen Kupfers, ist unstreitig Veranlaßung, daß in einem früheren Menschenalter, auf beiden Hemisphären, der Gebrauch desselben, dem des Eisens so lange vorhergegangen ist. Merkwürdig scheint es mir, daß die ältesten Völker es verstanden haben dem biegsamen Metall, durch einen Zusatz von Zinn, (das Aes der Griechen) eine größere Härte zu geben, ohngeachtet diese Mischung in der Natur nicht vorkommt. Die wahrhafte Steinkohle ist dem Uebergangsgebiete eigen; aber die große Kohlenstoff Niederlage findet sich auf der Grenze der Uebergangs= und Flöz Gesteine. Diese Lagerungsweise hat zur Folge, daß die Kohlen zuweilen mit Sandsteinartigen Schichten wahrhafter Grauwacke verbunden, untermengt vorkommen. In diesen Steinkohlenlagern sind die vegetabilischen Petrefacten sehr zahlreich, aber es zeigen sich nur Ueberbleibsel von Monocotyledonen und Acotyledonen , und weit später kommen Dicotyledonen vor, unsern Waldbäumen ähnlich. Es fragt sich auf welche Weise wir im Stande sind, diese zum Theil undeutlichen Ueberbleibsel so genau zu unterscheiden. H. Desfontaines hat uns zuerst auf einen wesentlichen Charakterunterschied der Pflanzen aufmerksam gemacht, demgemäß aus der Physiognomie des Holzes selbst die Pflanzenfamilie bestimmt werden kann. Es findet sich die merkwürdige Uebereinstimmung, daß bei allen mit einem Saamenlappen keimenden Pflanzen (Monocotyledones) die Gefäße nicht in concentrischen Ringen, die jüngern nach außen zu, sondern in Bündeln vertheilt, die jüngern im Mittelpunkt ( Endogenen ) des Stammes liegen. Diese Gewächse haben keine wahre Rinde, wachsen von Innen nach Außen; der ganze Stamm ist markig, und das Holz liegt in Längenbündeln, gleichsam zerstreut, umher in der Marksubstanz. – Bei den mit 2 Saamenlappen keimenden Pflanzen ( Dicotyledones ) liegen die Gefäße in concentrischen Lagen, die jüngern nach Außen ( Exogenen ), und sie wachsen indem dem verhärteten, bleibenden Jahrtrieb sich immer ein neuer oben ansetzt. – Der Stamm der baumartigen Endogenen ist gewöhnlich schlank und lang, fast ungetheilt und astlos, cylindrisch; jener der Exogenen gewöhnlich ästig und conisch. – Was das numerische betrifft so findet man in den wesentlichen Blüthentheilen der Monocotyledonen die Zahl 3 vorhersehend, oder die eines vielfachen von 3, wogegen bei den Dicotyledonen die mannigfaltigsten Zahlenverhältnisse statt finden. – Merkwürdig für unsere Erwähnung ist die erstere der Pflanzengruppen, denn dahin gehören die Gräser, mit den Cerealien, die unter den Tropen zum baumartigen Pisang werden, ferner die Palmen, unter diesen die Sagopalme, der Reis etc. Der Grundsatz, daß die Natur von dem Einfachen zum Zusammengesetzten in ihren Erzeugnissen fortgeschritten, findet demnach seine Anwendung, und gilt von den Thieren ohne Bedenken. Die Petrefacten aus den mindersten Thierklassen finden sich in den ältesten Gebirgsmassen. Wir finden hier ein und mehrkammerige Schnecken, von mannigfaltigen Arten, zum Theil von bedeutender Größe, unter den Ammoniten von mikroscopischer Kleinheit, bis zu einer Größe wie sie keine lebende Schnecke mehr erreicht. Es kommen Ammonshörner vor, die einen Durchmesser haben von 2 auch 3 Fuß . – Die graden Schnecken mit Scheidewänden heißen Orthoceratiten . Ihnen nähern sich die Hippuriten, deren Scheidewände weniger regelmäßig stehen. Aber eine höchst sonderbare Form bieten die Belemniten dar, wie sie durchaus nicht mehr unter den lebenden vorkommt. Ein kegelförmiger Körper hat eine Hölung, worin sich eine vielkammerige Schnecke befindet. Das Thier lebt in der vordern Kammer, und die hinteren sind leer. Zuweilen ist aber die vordere Kammer so klein, daß das Thier sich großentheils außerhalb befindet, und die Schale zum Theil umgiebt; eine Bemerkung, die Péron zuerst an dem Nautilus Spirula der indischen Meere gemacht hat. Dasselbe scheint auch der Fall mit den Belemniten gewesen zu sein. Das Thier lag außerhalb der Schaale, und umschloß sie zum Theil. Eine jüngere Flözbildung enthält jene zahllose Menge versteinerter 1 und 2 schaliger Muscheln, welche nicht selten Lagenweise aufgehäuft sind, und nach welchen das Gestein den Namen Muschelkalk erhalten hat. Cuvier hat unter diesen Ueberresten eine versteinerte Nautilus Art gefunden, die mit dem Tintenfische Aehnlichkeit hat, in dem die Sepia sich in einem noch auflösbaren Zustande befindet. Prof. Buckland zu Oxford hat der Beschreibung dieses Petrefacts eine Abbildung zugefügt, die mit dem diesem Thiere eigenthümlichen Farbestoff gemalt ist, und keineswegs etwa von einem dem Gestein beigemengtem Eisenoxyde herrührt. Nunmehr aber nähern wir uns einer Formation, zumal in deren jüngeren Schichten wir immer mehr den wunderbaren, theils gigantischen, theils wenigstens sonderbar gebauten, erloschenen Thieren der obern Klassen begegnen, die uns das Daseyn einer vormaligen vollständigen Thierschöpfung verkünden. Fische in zahlloser Menge treten auf – krokodillartige Thiere, größer als sie jetzt noch irgendwo angetroffen wurden. Der Megalosaurus eine ungeheure Eidexe von der Höhe eines Ochsen, und von 60–70 Fuß Länge, während die größten Krokodille die ich je gemessen habe nur 22–24 Fuß lang sind. Der Pleisiosaurus , ein großes Krokodill mit einem Schwanenhalse, der fast die halbe Länge des Körpers ausmacht. Wir müssen uns denken, daß dies gefährliche Thier am Ufer gelegen, und von da aus mit dem langen Halse seine Beute erhascht habe. Der Ichtiosaurus , den man in den Kalkformationen des Jura antrifft; er zeichnet sich durch seine großen Fischaugen aus, während andere Krokodille kleine geschlitzte Augen haben. Ferner schuppige Eidechsen mit Flügeln, wie die in den Steinbrüchen von Aichstedt gefundene berühmte fliegende Amphibie, dessen Abbildung Cuvier wiederholt hat. Das riesenhafte Thier vom Ohio, Mastodon von Cuvier genannt, ist dem Elephanten verwandt, ohne im Baue genau mit demselben übereinzustimmen. Die großen zum Theil so wunderbar gebauten Landthiere erscheinen jedoch meist erst über der Kreide, und gehören dem tertiären Gebiete an. – Mit großer Genauigkeit hat Cuvier die fossilen Knochen aus den Bergen von Montmartre bei Paris untersucht und darunter 2 Gattungen gefunden, welche nicht mehr unter den lebenden vorkommen, und von ihm Palaeotherium und Anaplotherium genannt werden. Das erste ist eine zwischen Pferd, Tapir und Nashorn stehende Thierart, von der Cuvier allein in den Gypsfelsen bei Paris vorkommend 5 Species unterscheidet, und von welcher aus andern Gegenden, zumal Frankreichs, noch eben so viel zusammengebracht worden sind. Das 2 te gleichfalls ausgestorbene Thiergeschlecht Anaplotherium ist zwischen Pferd und Nashorn einerseits, und Nilpferd, Schwein und Kamel anderseits zu setzen. – Bemerkenswerth ist es, daß die meisten dieser Thiere, denjenigen verwandt scheinen, welche jetzt bei uns in den Sümpfen leben, und zu den dickhäutigen Thieren, den Pachydermen gehören. Man hat bereits in den verschiedenen Gegenden der Erde 130 Species unbekannter Säugethiere entdeckt, vom Wolf bis zum Elephanten, größer als die uns bekannten in Ostindien. Fälschlich hat man die am Ohio und auf dem Giganten Felde bei Bogotà, 5–6000 Fuß hoch vorkommenden Mastodonten, des Baus der Backenzähne wegen, für Reste fleischfressender Elephanten erklärt. – Eine besondere und auffallende Eigenthümlichkeit ist, daß man an einigen Orten Elephantenknochen entdeckt hat, welche noch mit Fleisch, und andern Weichgebilden bekleidet waren. Die constatirteste Thatsache der Art, liefert der von Adams nach Petersburg gesandte Elephant, dessen Erhaltung fast wunderbar vollkommen zu nennen ist. Im Jahre 1799 bemerkte ein fischender Tunguse an der Küste des Eismeers, nahe der Mündung der Lena , mitten zwischen Eisschollen, einen unförmlichen Block, den er nicht genauer erkennen konnte. Im folgenden Jahre sah er die Masse etwas freier liegen, und gegen Ende des Sommers war eine ganze Seite eines Thiers, mit einem Stoßzahne ganz deutlich aus dem Eis hervorgetreten. Erst nach dem 5 ten Jahre, ward die Masse an die Küste auf eine Sandbank geworfen. Der Fischer nahm dem Thiere die Stoßzähne ab, und verkaufte sie. Erst 2 Jahre später, also 7 Jahre nach der Entdeckung, wurde der Engländer Adams , welcher den Grafen Golofkin auf einer Reise nach China ? begleitete, in Jakutzk davon unterrichtet, und begab sich an Ort und Stelle. Er fand das Thier schon sehr verstümmelt. Die Jakuten in der Nachbarschaft, hatten das Fleisch in Stücke geschnitten, um ihre Hunde damit zu füttern. Wilde Thiere hatten auch davon gefressen; indessen fand sich doch das Skelett noch ganz. Ein wohlerhaltenes Ohr zeigte einen Haarbüschel; man konnte den Augapfel noch unterscheiden. Die Haut war mit schwarzen, steifen 18 Zoll langen Haaren, und mit zarteren Haaren, oder einer Wolle von röthlicher Farbe bedeckt. – Im feuchten Boden fand man mehr als 30 jener steifen und zarten Haare, welche die Eisbären verscharrt hatten. Der Kaiser von Rußland kaufte dies wunderbare Denkmal einer älteren Schöpfung, und ließ es in der Sammlung der Academie in Petersburg niederlegen. Ein ebenfalls sehr merkwürdiges, nicht mehr lebendes Säuge Thier, ist das in Paraguai gefundene Megatherion , ein Riesenfaulthier, 12 Fuß lang, und 6 Fuß hoch, dessen Zehen mit ungemein langen Krallen bewaffnet sind, wie sie die Ameisenfresser haben. Die Faulthiere und Armadille der jetzigen Welt, sind dagegen sehr kleine Thiere. Den neuesten Forschungen verdanken wir besonders ein helleres Licht über diese sonderbare Folge der organischen Bildungen, um deren Untersuchungen Lamark , und Brogniart, Cuvier's Schüler, sich so verdient gemacht haben, wie unter den Deutschen H. v. Schlotheim , und der Graf Sternberg . Von dem merkwürdigsten Scharfsinn zeugt aber ganz besonders Cuvier's berühmtes Werk: Recherches sur les ossemens fossiles etc. welches uns lehrt das Zusammengesetzte aus dem Einzelnen zu vermuthen, und aus einem aufgefundenen Knochen das Geschlecht des Thieres zu bestimmen. – Hieran schließen sich die interressanten Untersuchungen von Geoffroy de St. Hilaire , von Sir Everard Home, Rudolphi, Meckel etc. Von großer Wichtigkeit ist ebenfalls die Entdeckung des Professor Buckland zu Oxford , auf welche ihn die genaue Untersuchung einer Höhle zu Kirkdale in Yorkshire vorerst geleitet, die 200 Fuß lang, bei einer zwischen 2–7 Fuß variirenden Höhe und Breite sich in Kalkstein erstreckt. Es finden sich in dieser Höhle Knochen in zahlloser Menge, von den verschiedensten Thieren, Elephanten, Nashorn, Bären etc . untermischt mit Knochen von Hyänen. Dabei findet der sonderbare Umstand statt, daß sämmtliche Knochen unvollständig, augenscheinlich angefressen sind. Die bekannte Eigenthümlichkeit der indischen und afrikanischen Hyänen, ihren Raub zusammenzuschleppen, hat den H. Buckland auf den Schluß geführt, daß die sämtlichen in diesen Höhlen vereinigten Knochen von den Hyänen, vor Eintritt der zerstörenden Naturrevolution zusammengetragen worden sind, um mit denselben gleichzeitig ihr Grab zu finden. – Durch diese Annahme ist zugleich das Räthsel gelöst, wie zum Theil colossale Thiere durch eine verhältnismäßig viel zu enge Oeffnung in diese Höhlen gelangen konnten. – Herr Buckland hat zur Bestätigung seiner sinnreichen Hypothese, assimilirte Theile in den Höhlen gefunden, die von den Wärtern einer Ménagerie in London , sogleich für Excremente von Hyänen erkannt worden sind. 6 t Vorl. Wir gehen nunmehr zu einem andern Theile des Naturgemäldes über, zur Betrachtung der flüssigen Hüllen des Erdkörpers, der Luft und des Meeres. – Zuvörderst bemerke ich, daß derjenige Zustand der Körper den man mit fest, flüssig, tropfbar oder gasförmig zu bezeichnen pflegt, nur einen relativen Begriff ausdrückt, indem ein und derselbe Körper alle diese Zustände zu durchgehen fähig ist. So kennen wir den Schwefel als einen festen Körper, welcher, der Wärme ausgesetzt, schmilzt, und bei noch größerer Hitze sich verflüssigt. Das flüssige Quecksilber wird durch das Feuer sublimirt, und gefriert zum harten Körper bei einer Temperatur von -32° Reaum. (So blieb auf der Reise des Capt. Parry gegen den Nordpol, während seines Aufenthalts auf Melville Island , 4–5 Monate lang ununterbrochen das Quecksilber gefroren, da das Thermometer stets 0/32° zeigte. Dennoch fehlt es in jenen Gegenden nicht an Thieren, welche im Stande sind dieser Kälte zu widerstehen. Es leben dort Rennthiere, Hasen, und eine Art Ochsen, von dem Geruche ihrer Häute, Muskusochsen genannt.) Die Metalle insbesondere sind geeignet diesen 3 fachen Zustand anzunehmen, und die Metalloide der Alkalien erscheinen flüssig, selbst bei einer sehr mäßigen Temperatur. So kennen wir das Wasser flüssig als Wassergas, und als Eis in so starrem Zustande, daß es am Nordpol, und auf hohen Bergen einen Theil der Gebirgsmassen des festen Erdkörpers auszumachen scheint. – Bei dem jedesmaligen Uebergange aus einem Zustande in den andern, wird Wärme frei, die zuvor gebunden (latent) die Form bestimmt hat, unter der ein Körper uns erscheint. Hierauf gründet sich die Entdeckung des Profeßor Leslie zu Edinburgh , welche das Mittel an die Hand giebt, mitten in der Tropenhitze Eis herbeizuschaffen, wenn auch keine hohen Berge in der Nähe sind. Unter dem Recipienten der Luftpumpe macht er das Wasser bei jeder Temperatur, durch seine Verdünnstung, in wenig Minuten gefrieren, indem er den entstandenen Wasserdampf, durch zugleich unter die Glocke gebrachte concentrirte Schwefelsäure absorbiren läßt, und dadurch den leeren Raum immer wieder herstellt, so daß die Verdünstung ununterbrochen schnell fortgehen kann. – Sehr viele dieser Maschinen sind seitdem von England aus, nach Ost und Westindien versendet worden, und es ist nur zu bedauern, daß die Erzeugung dieses Erfrischungsmittels im Großen doch immer etwas theuer zu stehen kommt. Gay-Lussac hat gezeigt, daß die Wärmestrahlung des Bodens durch trockne Luft gegen einen wolkenfreien Himmel, die eigentliche Ursach des sonderbaren Erkältungs Prozesses ist, der den Dr. Oudney vor Kälte sterben ließ, mitten in Afrika, an der Grenze von Bornu , unter dem 13 ten Grade der Breite, zu Ende Decembers , in einem Lande, das, nach Barometer Messungen nicht 1200 Fuß über dem Meeresspiegel erhaben ist. – So verursacht trockne warme Luft gegen die befeuchtete Kugel eines Thermometers geblasen, ein augenblickliches und bedeutendes Fallen des Quecksilbers. Dem englischen Chemiker Faraday ist es gelungen mehrere früher als permanent gasförmig betrachtete Körper zu condensiren und in flüssigem Zustande darzustellen. Bei 0° und 36 Atmosphären Pression erhielt er die Kohlensäure liquid, die farblos, dünnfließend und leicht erscheint. – Auch das Schwefelwasserstoffgas wurde in eine farblose, sehr leicht bewegliche Flüssigkeit verwandelt, und zwar bei 10°R. durch den Druck von 17 Atmosphären. Doch ist es noch nicht gelungen, weder die atmosphärische Luft, noch das Wasser = Sauer od. Stickstoff-Gas zu condensiren, wahrscheinlich weil diese Stoffe noch einen größern Druck erfordern. – Wäre der Plan von Maupertuis ausgeführt, welcher vorschlug in der Nähe unserer Stadt ein tiefes Loch, einen mehrere Meilen tiefen Schacht graben zu lassen, so würde dies Problem gewiß mit großer Leichtigkeit zu lösen seyn, da sich berechnen läßt, daß bei einer Tiefe von 11 Meilen die Luft einen so comprimirten Körper bilden muß, daß Platina darauf schwimmen würde. Die Frage von der Höhe unseres Luftkreises läßt keine absolute Beantwortung zu. Eine Berechnung, auf den Winkel von 18° begründet, unter dem die Sonne bei der Dämmerung sichtbar wird, würde eine Höhe von beinahe 8 Meilen ergeben. Die Verdünnung der Luft in dieser Höhe müßte größer seyn, als wir sie unter der besten Luftpumpe hervorzubringen im Stande sind, und da sie nur 1 / 106 Linie betragen könnte, so wäre dieser Raum wohl luftleer zu nennen. Dagegen verändert sich der Druck der Luft, auf den größten Höhen die wir in Luftbällen, und auf hohen Bergen erreicht haben, nur bis auf 13–14 Zoll , gegen den Barometerstand von 28 Zoll in der Ebne. – Verschiedene Meteore in der Atmosphäre (Sternschnuppen, Aerolithen pp.) scheinen jedoch unzweideutig anzuzeigen, daß in Höhen von 30–40 Meilen , selbst 100 Meilen , der Luftkreis seine Gränze noch nicht erreicht haben mögte. Der Druck der uns umgebenden Atmosphäre erleidet theils regelmäßig wiederkehrende, theils unregelmäßige Veränderungen, und in dem dadurch gestörten Gleichgewichte erkennen wir die Veranlaßung der strömenden Bewegungen ganzer Massen von Luft, die als Winde uns theils Wärme bringen, theils nehmen. Mäßige Winde legen in einer Sekunde 10–15 Fuß zurück. Stürme durchlaufen in derselben Zeit 40 Fuß und mehr Fuß. Man will selbst Orkane mit 124 Fuß Geschwindigkeit in 1 Sek. beobachtet haben. – In England hat man Beispiele, daß die Schnelligkeit der Rennpferde im eigentlichen Verstande, der des Windes gleichkommt. Das berühmte Rennpferd Eclipse legte 58 Fuß in 1 Sek. zurück, was schon einem starken Sturme vergleichbar ist. – Dagegen ergibt das Resultat der Versuche welche ich im Jahre 1823 in Gemeinschaft mit den Herrn Arago, Bouvard, Gay-Lussac und Prony , zwischen Ville-Juif und Montthery bei Paris , über die Geschwindigkeit des Schalles angestellt habe, daß derselbe 1058 Fuß in der Sek. durchläuft. Eine Kanonenkugel braucht 1 Sek. um 1500 Fuß zurückzulegen, wogegen in derselben Zeit der Lichtstrahl 40,000 Meilen durchmißt. Sehr merkwürdig sind die schon vorlängst beobachteten periodischen Veränderungen im Barometerstande, die abgesehen von der Verschiedenheit desselben im Großen, mit unverkennbarer Regelmäßigkeit stündlich wiederkehren. Der höchste Stand ist von 9–9½ Uhr früh, worauf das Quecksilber sinkt bis 4 Uhr, und um 11 Uhr Abends den Standpunkt des Morgens wieder erreicht. Es finden also 2 maxima und 2 minima statt, eine Ebbe und Fluth die mit so großer Regelmäßigkeit zurückkehrt, daß man am Barometer sehen kann was die Uhr ist. Die ganze Oszillation beträgt nur etwa 1½ Linien , und unter den Tropen reicht ein Tag und eine Nacht hin, um den ganzen Cyclus zu beobachten. In Deutschland bedurfte es 20 Tage, um die Mittelzahl der Stunden zu finden. Diese periodische Oszillation wird weder durch Stürme noch Gewitter, noch Erdbeben unterbrochen; sie findet statt in der Höhe von 15,000 Fuß , wie auf der Ebene; weder Wärme noch Kälte übt einen Einfluß, noch steht sie, wie die Meeresfluth mit dem Monde in Verbindung, der so wenig in den Syzygien als in den Quadraturen im geringsten sichtbar auf diese Veränderung zu wirken scheint. Die Atmosphäre welche unsern Erdball umgiebt, besteht aus einem Gemenge von Sauerstoff, Stickstoff, und einem unbedeutenden Theile Kohlenstoff ( 1 / 5 Sauerstoff, 4 / 5 Stickstoff, 1 / 1000 Kohlensäure). Merkwürdig ist es, daß nach vielfältigen Versuchen, die der atmosphärischen Luft beigemengte Quantität von Sauerstoff, auf allen Höhen, und unter allen Umständen dieselbe zu seyn scheint. Man hatte früher in der Vegetation, das große Mittel gesucht und zu finden geglaubt, um den ungeheuren Verbrauch von Sauerstoff durch Athmen und Verbrennen einigermaßen durch diesen Ersatz zu erklären. Nach den Versuchen des jüngeren de Saussure mögte diese Hypothese wohl als unhaltbar zu verlassen seyn. Der Einfluß einer, durch den verminderten Luftdruck verdünnten Luft, auf unsere Organisation, ist auch von den roheren Völkern nicht unbemerkt geblieben. Die Indier pflegen sogar die Luft auf sehr hohen Bergen, mit dem Ausdruck giftig zu bezeichnen. Der geringere Druck bewirkt eine Ausdehnung der Gefäße, welche die feineren oft zerreißen macht, so daß Blut der Nase, den Augen und den Ohren entfließt. Bei jüngeren Personen findet diese Erscheinung früher und häufiger statt, und ich erinnere mich, daß unter meinen Begleitern auf die Höhen der Anden, fast ein jeder die bestimmte Barometerhöhe kannte, unter der für ihn diese lästige Ergießung statt fand. Man gewöhnt sich jedoch an diese Erscheinung, die nicht so bedenklicher Art ist, als man glauben mögte. Auf dem Gipfel des Antisana , 1200 Fuß höher als der Pic von Teneriffa , waiden Tausende von Stieren, auf die mit Hunden Jagd gemacht zu werden pflegt. Sehr häufig ist, daß den geängsteten Rindern ein Blutstrom aus dem Maule entstürzt, als Folge des Andrangs, den die Muskelbewegung in der dünnen Luft so sehr vermehrt. Eine andere Empfindung, welche auf diesen Höhen erregt wird, hat Aehnlichkeit mit den Gefühlen welche das Meer hervorzubringen pflegt, und Uebelkeit, so wie Erbrechen mit sich führt. – Auf den Hochebenen von Quito und Peru , wo selbst Frauen zu Pferde oft Reisen über Höhen unternehmen, welche die des Montblanc weit übertreffen, kennt man das Uebel unter dem Namen: mal de montagnas , wie man ein mal de mer hat. Es ist aber keinesweges Mangel an Lebensluft, wodurch diese Erscheinung hervorgebracht wird, sondern allein Folge der Verdünnung der Luft, von der bei jedem Einathmen eine geringere Menge den Lungen zugeführt wird. – Auffallend ist aber die Art der Einwirkung auf das gastrische System. Da der Luftkreis überall in Berührung mit Wasser und Wasserhaltigen Körpern ist, die Verdunstung aber bei keiner Temperatur aufhört, so muß jederzeit in der Luft Wasserdunst enthalten seyn, und wir erkennen daher das Wassergas als einen 4 ten Gemengtheil der uns umgebenden Luft. Wie groß nun die Quantität der beigemengten Feuchtigkeit sey, ist offenbar ein Gegenstand von großer Wichtigkeit, hauptsächlich für die Meteorologie, und die Naturforscher haben schon längst auf Mittel gedacht diesen Wassergehalt zu erforschen. Man hat zu diesem Zwecke vielerlei Instrumente erdacht, die man Hygroscope oder Hygrometer nennt. Man bedient sich Behufs dieser Werkzeuge solcher Körper, welche eine ausgezeichnete Verwandschaft zur Feuchtigkeit haben, und durch Veränderung ihres Gewichts, ihres Volumens, oder ihrer Gestalt diese Feuchtigkeit anzeigen. Hierzu gehören besonders die trocknen Stoffe, die aus der organischen Natur abstammen, z. B. trocknes Holz, Grannen der Gräser, Haut, Haare, Fischbein u. s. w. – Die ältern Werkzeuge der Art sind aber nichts, als sehr mangelhafte Hygroscope, und überhaupt sind die Hygrometer sehr unvollkomne Instrumente, wenn man von ihnen die Angabe der absoluten oder relativen Menge des in der Atmosphäre enthaltenen Wassers erwartet. – In neuerer Zeit hat Dalton , ein sehr sinnreiches Mittel zu Bestimmung des Wassergehalts der Luft angegeben, und den geringen Punkt als Norm vorgeschlagen, in dem ein kalter Körper in der Luft sich mit einem Thau von Wasser zu überziehen, (anzulaufen, zu beschlagen) anfängt. Zur bequemeren Ausführung dieser Idee, hat ein anderer englischer Naturforscher Daniell 1818 ein eignes zweckmäßig eingerichtetes Instrument erdacht, welches in höherem Grade als die früher erfundenen, den Namen eines Hygrometers verdient, und zu genauern Messungen sehr geeignet ist. Mit diesen Betrachtungen stehen in Verbindung die Beobachtungen, welche man gemacht hat, über die Quantität des Regens, welcher in den verschiedenen Zonen fällt. Man hat berechnet, daß unter den Tropen jährlich 120 Zoll Regen fallen; bei uns nur 15 Zoll , und im südlichen England wo es im Verhältniß viel regnet 30–35 Zoll . 7 te Vorl. Wenn bei der Betrachtung des Naturbildes, welches ich aufzustellen versuche, wir uns heute mit einer Ansicht des Oceans beschäftigt haben werden, wenn ich die Vertheilung der Continente, und den Einfluß derselben, so wie den der Strömungen im Luftmeere, auf die Klimatologie erläutert habe, so bleibt mir noch übrig auf die Geographie der Pflanzen, und die Vertheilung der Thiere hinzudeuten, um hieran die Bemerkungen über die Verschiedenheit der Menschenracen anzuschließen. – Von den äußersten Nebelflecken bis zur ersten Spur der Vegetation, die in dem sogenannten rothen Schnee erkannt worden ist, werde ich somit eine Uebersicht der Gesamtheit des Geschaffenen gegeben haben; eine Aufgabe, die mit einiger Vollständigkeit zu lösen, in so kurzer Zeit, meine Absicht unmöglich seyn konnte. Den allgemeinen Umriß jener großen Erscheinungen werde ich hierauf in einzelnen Theilen mehr auszumalen und zu erläutern versuchen, gleichsam wie der bildende Künstler auf einzelne Studien zu einem größeren Werke mehr Ausführlichkeit und Genauigkeit wendet. – Mein Zweck wird erreicht seyn, wenn es mir gelungen ist, einer achtbaren Versammlung, deren Interesse für meine Bestrebungen ein ehrendes Zeugniß ablegt, für den Standpunkt der Kultur in dieser Hauptstadt, das Wesentliche einer wissenschaftlichen Naturbetrachtung anzudeuten, indem ich die Einheit der Natur in ihren Erscheinungen vorzugsweise hervorzuheben mich bemühe. Mehr als ⅔ der Oberfläche unseres Planeten wird von einer Wasserhülle bedeckt, die durch Berührung mit der Atmosphäre den wichtigsten Einfluß ausübt sowohl auf das Klima der Continental Massen, als auch auf die thierische Schöpfung. – Man hatte früher angenommen, daß die Lebensfunction der Fische erhalten werde durch eine Zersetzung des Wassers. Dies ist jedoch nicht richtig, und es hat sich ergeben, daß sowohl die Fische, als die mit Kiemen begabten Mollusken, die dem Wasser beigemischte atmosphärische Luft athmen. – Die Untersuchungen über die Respiration der Fische, sind lange ein Gegenstand meiner Arbeiten gewesen, und ich habe gefunden, daß die Fische der atmosphärischen Luft zum Leben unumgänglich bedürfen. Es klingt auffallend, und doch ist es richtig, daß, nachdem es mir gelungen war, ein vollkommen luftleeres Wasser darzustellen, die Fische darin ersaufen mußten. Das luftfreie Wasser ist für sie eben so tödtend als Chlor, und andere ihrer Natur entgegen wirkende Substanzen. Lange hat man dem wunderbaren Organ der Fische, der Schwimmblase, eine Bedeutung beigelegt, mit der neuere Untersuchungen nicht übereinstimmen. Man hatte angenommen, daß durch vermehrtes und vermindertes Anfüllen der Blase mit Luft, die Fische im Stande wären ihr Volumen zu verändern, und somit im Wasser sich willkührlich auf und nieder zu bewegen. Man ist jetzt vielmehr geneigt die Schwimmblase im Zusammenhang mit dem Gehörorgan dieser Thiere zu glauben. – Eine neue sehr merkwürdige Beobachtung lehrt, daß die Schwimmblase derjenigen Fische welche an der Oberfläche des Wassers gefangen werden, Stickstoffgas enthält, dagegen bei Fischen welche man aus einer Tiefe von 2–3000 Fuß heraufholte, der Inhalt aus reinem Sauerstoff besteht. – Eine noch keinesweges erklärte, merkwürdige Thatsache! – Wenn zur Zeit des Aristoteles und Aelian , als man sich schon angelegentlich mit Untersuchungen über die Respiration der Fische beschäftigte, die zufällige Annäherung eines Lichtes, oder ein anderer Umstand, auf die ausgezeichneten Eigenschaften dieser, in der Schwimmblase enthaltenen, Gasart aufmerksam gemacht hätte, so würden nicht 1800 Jahre haben vergehen müssen, ehe durch die Entdeckung des oxigène, dieses verbreiteten, für den Haushalt der Natur so wichtigen Grundstoffs, der Wissenschaft so bedeutender Vortheil erwachsen konnte. Seit dem Jahre 1782 haben die Menschen angefangen, das, die Oberfläche der Erde, und den Ocean umgebende Luftmeer selbst zu beschiffen. Man hatte sich von dieser Entdeckung sehr große Vortheile, hauptsächlich für die Meteorologie versprochen, die aber dieser Wissenschaft nicht in dem erwarteten Grade zu geflossen sind. Der Versuch ist mit zu vielen Schwierigkeiten verbunden, ist zu kostbar, und die Zeit welche man in den höhern Regionen zubringen kann, ist zu kurz um mit Muße und Umsicht Beobachtungen zu machen, die flüchtig unternommenen eher zu unsichern Resultaten führen, indem man auf Zufälligkeiten ein zu großes Gewicht legt. Dazu kommt noch, daß man diese Luftreisen sämtlich von Ebnen aus unternommen, und sich auf diese Weise kaum so hoch in den Luftkreis aufgeschwungen hat, als man auf hohen Bergen zu gelangen im Stande ist. – Die bedeutendste, und auch für die Wissenschaft wichtigste Ascension ist die von Gay-Lussac im Jahre 1804 zu Paris unternommene. Er gelangte bis zu der Höhe von 21,600 Fuß , 4000 Fuß niedriger als der weiße Berg, der Dhawallagiri des Himalaya Gebirges. Die Luft welche er mit herabbrachte, und die ich gemeinschaftlich mit ihm untersucht habe, gab durch ihre ungemeine Dilatation einen Beweis der Höhe aus der sie entnommen war, enthielt übrigens alle Bestandtheile der uns umgebenden, dieselben 21 Theile Sauerstoff, und selbst einen Antheil Kohlensäure, obgleich diese Gasart die hauptsächlich durch das Athmen und Verbrennen entwickelt wird, schwerer ist als die atmosphärische Luft. – In der weiten Einöde jener Höhen sind die letzten lebenden Wesen, denen wir begegnen – Schmetterlinge; wahrscheinlich unwillkürlich durch Luftströme in diese Regionen geführt. Ramond hat auf dem Gipfel der Pyrenäen, Saussure auf den Alpen, und auch ich habe auf den Höhen der Anden, 20,000 Fuß über dem Meere, wo längst jede Spur von Vegetation aufhörte, diese und andere kleine Insekten ebenfalls angetroffen. Wenn je die fernere Kultur des menschlichen Geistes, wie man es gegenwärtig erwarten darf, einen ihrer Hauptsitze in dem jetzt emancipirten spanischen Amerika aufschlägt, so wird es von der größten Wichtigkeit seyn von jenen Hochebnen aus ( Potusi 12,000 Fuß hoch) neue Ascensionen zu versuchen, und besonders durch kleine Aerostaten elektrische Beobachtungen zu unterstützen, um dadurch der noch immer geheimnisvollen Erscheinung der Gewitter näher zu kommen, in deren Erklärung wir so wenig vorgerückt sind. – Kein Theil der Welt eignet sich durch seinen wundersamen Bau so sehr für meteorologische Beobachtungen, als jenes plateau , auf dem sich Städte finden 600 toisen über dem Meere, und andere 12,000 Fuß . Die Veränderlichkeit der Schneegrenze, die von so großer Wichtigkeit für die Klimatologie ist, hat mich auf das System der isothermen Linien geführt, welche die Parallel Kreise unter mannigfaltigen Winkeln durchkreuzen. Sie steigen gegen den Aequator herab, weil man im östlichen Theile von Asien, und im östlichen Theile von Nordamerika, auf gleichen Höhen über dem Meeresspiegel, in einer südlicheren Breite die Temperatur suchen muß, welche in unserm mittlern Europa, weiter gegen Norden hinauf gefunden wird. – Unter denselben Breiten Graden, wo in dem nördlichen Europa noch Garten und Ackerbau getrieben werden, zeigen sich in Nord Amerika und Nord Asien nur sumpfige, moosbedeckte Länder. Dagegen äußert die kräftige Wärme Strahlung der Hochebene von Inner Asien, zwischen den fast parallelen Gebirgsketten des Himalaya , das Cunglung, und des Himmelsgebirges , den glücklichsten Einfluß auf die Bevölkerung. Die ewige Schneegrenze liegt am nördlichen Abhange des Himalaya 4000 Fuß höher, als am südlichen Abhange. Millionen von Menschen, Thibetanischer Abkunft, bewohnen volkreiche Städte, da, wo bei minderer Ausdehnung und minderer Continuität der Hochebene, Felder und Städte das ganze Jahr hindurch in tiefem Schnee vergraben seyn würden. Allgemein bekannt ist der Einfluß welchen die Wasserhülle unseres Planeten auf das Klima der Kontinental Massen ausübt. Wasser von den Sonnenstrahlen getroffen erwärmt sich nach andern Gesetzen, als die feste Erdrinde. Durch Strahlung erkältet und verdichtet, sinken die Wassertheilchen zu Boden, erregen Ströhmungen und ungleiche Vertheilung der Temperatur. Durch thermoscopische Aparate hat man die Schnelligkeit der Wärmeabnahme bestimmt, welche von oben nach unten in dem Ocean, und in Süßwasserseen, zu verschiedenen Jahreszeiten statt findet. Wie an den Abhängen der Andeskette, der Anwohner sein Haus nur um eine Meile zu versetzen braucht, wenn er eines andern Klima's genießen will: so auch finden die Geschöpfe, welchen das tropfbare Element zum Aufenthalte dient, die heterogensten Klimate schichtweis übereinander gelagert. In der Tiefe des Oceans, unter dem Aequator, wie in den Alpenseen der gemäßigten Zone, herrscht aber fortwährend ein bestimmter Kälte Grad, bei welchem das Wasser seine größte Dichtigkeit erlangt. – (Wenn das Wasser nämlich durch Erkältung bis auf 3½°Reaum. gesunken ist, so hat es hier das maximum seiner Verdichtung erreicht; 2°R. von dem Gefrieren fängt es an sich von neuem auszudehnen.) Unter den Tropen, wo die Luft sich niemals unter 15–16°R. erkältet, können erklärlicher Weise nur Wassertheile der Art in die Tiefe des Meeres herabsinken. Eine Temperatur von 3–4°R. kann daher nicht in der Zone selbst erzeugt worden seyn, und dient zum unumstößlichen Beweis, daß die Kälte welche dort nahe am Meeresboden herscht, von einer Strömung herrührt, die in den Tiefen des Oceans sich von den Polen zu dem Aequator richtet, und die unteren Wasserschichten der südlichen Meere erkältet, wie in der Atmosphäre der obere Luftstrom, der sich von Aequator gegen die Pole ergießt, die Winterkälte der nördlichen Länder mildert. – Sandbänke werden, wie Benjamin Franklin zuerst gelehrt hat, früher durch das Thermometer, als durch das Senkblei erkannt. Es sind submarine Insel Theile des Meerbodens, welche die elastischen Kräfte nicht über den Meeresspiegel erheben konnten. Auf dem Abhange der Untiefen ( the edge of the banks ) durch Stoß ansteigend, mischen sich die unteren kälteren Wasserschichten, mit den oberen wärmeren. So verräth dem Schiffer auf 4–5 Meilen Entfernung, plötzliche Meereskälte die herannahende Gefahr. Durch ihre Temperatur wirken die Untiefen auf die darüber stehende Luft, in der sie Nebel, und weit gesehene Gruppen von Wolken erzeugen. Wie die Strömungen des Luftmeers, durch die veränderte Stellung der Sonne, und durch die Richtung der Bergketten, an deren Abhange sie herabgleiten, vielfach modificirt werden, so führen auch die Strömungen des tropfbaren Oceans, die wärmeren Wasser niedriger Breiten Grade in die temperirte Zone. Ich erinnere hier nur an den Golphstrom, der, die von den Passatwinden immer gleichförmig bewegten Wasser des atlantischen Meeres gegen den vorstehenden Damm der Landenge von Nicaragua treibt, sich gegen Guatimala und Yucatan nördlich wendend, in dem Meerbusen von Mexico wirbelnd umhertreibt, durch den Kanal von Bahama ausfließt, als ein Strom warmen Wassers erst nördöstlich gegen die Bank von New Foundland , dann südöstlich gegen die Gruppe der Azoren sich hinbewegt, und vom Nordwinde begünstigt, Palmenfrüchte der Antillen , ja selbst lebendige Esquimaux aus Ostgrönland mit ihren ledernen Boten nach Irland, oder nach den Hebriden führt. Diese erwärmten Aequatorialwasser erkälten sich so langsam, daß noch in der Nähe von New-Foundland der Strom durch eine 3–4°R. höhere Temperatur sich auszeichnet, und daß selbst fliegende Fische, die nur in wärmeren Zonen existiren, mit den erwärmten Gewässern heraufkommen. Wie nun hier von Süden her Wasser im atlantischen Ocean nördlich geführt wird, so habe ich in dem Stillen Meere, und zwar in der südlichen Hemisphäre, einen Strom erkannt, der längs dem Littoral von Chili und Peru kälteres Wasser hoher Breiten unter die Wendekreise führt. In diesem Strome habe ich bei dem Hafen Callao das Thermometer bis auf 12°,4 R. sinken sehen, während außerhalb der Strömung bei dem Vorgebirge Pariña , das ruhige Meer, eine gewöhnlich unter solchen Breiten, die große Wärme von 21–22°R. zeigte. Ein junger kenntnißreicher dänischer Seeofficier Dirkink von Holmfeldt , hat im Jahre 1825 auf meine Bitte dieses sonderbare, so lange unbeachtete Phänomen von neuem untersucht, und meine Beobachtung durch sorgfältigen Vergleich bestätigt. Abgesehen von diesen Strömungen, habe ich die Temperatur des Atlantischen Oceans, (außerhalb des Golphstroms) zwischen dem 40 und 50° der Breite (die Breiten von Spanien, Frankreich, Deutschland) einer besondern Untersuchung werth gehalten. Ich habe gefunden, daß im Monat Januar das Meerwasser im 40° Br. nicht unter 10°,7 R. ; im 45° Br. nicht unter 9°,8 R. herabsinkt. In 5o° Br. also in der Zone des nördlichen Deutschlands findet eine Wintertemperatur des Meerwassers statt, welche die Luftschichten selbst in dem glücklichen Klima von Marseille nicht erreichen. Die Temperatur des Oceans begründet hauptsächlich den Unterschied der Klimate an den Ost und Westküsten desselben Kontinents, nach dem Vorherschen der Westwinde in den gemäßigten und kalten Himmelsstrichen. Westliche Winde führen nämlich zu westlichen Küsten Luftschichten herbei, die sich im strengsten Winter in Berührung mit der großen oceanischen Wasserfläche erwärmt haben. Verändert wird die Temperatur des Oceans temporair durch den Wellenschlag, der wie bei den Sandbänken, eine Vermischung der Wasserschichten, und ein Heraufwühlen der kälteren, tieferen veranlaßt, weshalb denn auch, was man früher läugnete, die Temperatur bei einem Sturme abnimmt. Es ist oft die Rede davon gewesen, sowohl die Höhe als die Tiefe der Wellen bei einem großen Sturme zu messen, und man hat in dieser Absicht mannigfaltige Versuche angestellt, die aber weder auf der Ostsee, noch dem Mittelmeere ein Resultat geben können, da nur auf einem Meere von großer Ausdehnung, die Konvexität und das Thal der Wellen eine vollkomne Entwickelung finden kann. Ebenfalls dürfen diese Messungen nicht in der Nähe der Küsten angestellt werden, wo die Wellen gegen felsige Ufer sich stauend, ungewöhnlich anschwellen. Bei der Corunna , an der cantabri schen Küste, wird das Meer oft bis zu der Höhe von 80 Fuß aufgewühlt, doch darf man dies nicht mit dem eigentlichen Wellenschlage verwechseln. – Ich habe Gelegenheit gehabt diese Messungen anzustellen auf der Südsee, westlich von Guatimala , während eines Sturmes, der nach Aussage der Seeleute zu den heftigsten gehörte, die vorkommen können, und der wunderbarer Weise bei hellem Sonnenscheine statt fand. An der Außenseite des Schiffes festgebunden, nahm ich mit einem Octanten die Sonnenhöhe auf dem Gipfel der Welle, und in ihrer Tiefe, und berechnete danach, mit einer Sicherheit die nicht über 10–12 Sek. abweichen kann, die größte Höhe der Wasserwogen auf 40–50 Fuß . Die Physikalische Lehre von den Wellen ist seit 2 Jahren durch Ernst und Wilhelm Weber , Professoren in Halle und Leipzig mit einer Gründlichkeit beobachtet worden, daß weder England noch Frankreich über diesen Gegenstand ein Werk von ähnlicher Wichtigkeit, wie diese Wellenlehre aufzuweisen hat. Der eine der Brüder, der zu einem andern Zweck eine Portion Quecksilber gereinigt hatte, machte an dieser Masse zuerst die Bemerkung, daß sie wellenförmig bewegt, Figuren, den Chladni schen Klangfiguren ähnlich, hervorbringe. An diese Beobachtung schloß sich eine ausführliche, mit seltner Genauigkeit durchgeführte Reihe von Forschungen über die wellenförmige Bewegung der Flüssigkeiten überhaupt, deren Resultate sowohl auf die akustischen, als Lichterscheinungen angewendet worden sind, bei denen ebenfalls eine undulatorische Bewegung statt findet. Es ist häufig die Frage aufgeworfen worden, ob das Gleichgewicht der Oberfläche des Oceans durch Strömung und Verdampfung sich verändern könne, und ob ein allgemeines Steigen oder Sinken des Spiegels der Meere seit der historischen Zeit wahrzunehmen sey? Die verschiedenartigsten Ansichten haben in dem Ergebniß mannigfaltiger Untersuchungen ihre Begründung gefunden, indem nur zu häufig auf locale Erscheinungen zu allgemeine Schlüsse basirt worden sind. Ein merkwürdiges Vorkommen, das zu mancherlei Vermuthungen über Veränderung des Wasserstandes im Mittelländischen Meere Veranlaßung gegeben hat, sind die bekannten Trümmer des Jupiters Tempels bei Puzzuolo . Von diesen stehen noch einige aus Cippolino antico gehauene Säulen senkrecht da. Der untere Theil dieser Säulen, von dem 15 Fuß über der Meeresfläche gelegenen Boden an, bis zu einer Höhe von 19 Fuß ist rings um dieselben voll von kleinen Höhlungen, wie diejenigen sind, welche die Pholaden (Mytilus lithophagus) in die Uferfelsen bohren. Höher hinaus sind die Säulen frei von solchen Höhlungen. Aus dieser Erscheinung hat man den Schluß ziehen wollen, daß nach Erbauung des Tempels auf trocknem Boden, der Meeresspiegel sich so weit erhöht haben müsse, als die Höhlungen in der Höhe der Säulen reichen, weil die Bohrmuscheln nur unter dem Wasser leben und arbeiten, und daß das Meer sich seitdem wieder so tief gesenkt haben müsse, um die Säulen des Tempels und den Boden desselben auf dem Trocknen erscheinen zu lassen. – Aber das Meer könnte unmöglich diese Höhe erreicht haben, ohne gleichzeitig die gegenüberliegenden und benachbarten Küsten zu überströmen, und dergleichen Annahmen beruhen auf ebenso falschen Ideen, als die Meinung: es sey Amerika später aus der allgemeinen Wasserbedeckung hervorgetreten, als die übrigen Welttheile. Das Meer kann die unermeßlichen Ebnen am Orinoco und Amazonen Fluß nicht dauernd überschwemmen, ohne zugleich unsere baltischen Länder zu verwüsten, und es ist nichts gewisser, als daß das hydrostatische niveau des Meeres, zu keiner Zeit sich partiell verändern konnte. 8 te Vorl. Die Vertheilung der Wärme auf dem Erdkörper begründet das Problem der Klimatologie. Mit Unrecht hat man früher die Modificationen der Temperatur, bald schützenden Bergzügen, bald der Erhöhung der Erdoberfläche, bald der Wirkung periodischer Windströme zugeschrieben. Die merkwürdigen Abweichungen der Klimate, welche man in großen Länderstrecken zwischen denselben Breitengraden, und in derselben Höhe über dem Meeresspiegel wahrnimmt, rühren offenbar nicht her von dem kleinlichen Einflusse individueller Oertlichkeiten, sondern von ausgedehnteren tellurischen Verhältnissen; sie sind allgemeinen Gesetzen unterworfen, welche durch die Gestalt der Continental Massen, durch ihre Umrisse, den Zustand ihrer Oberfläche, besonders aber durch ihre Stellungs und Größen Verhältnisse zu den benachbarten Meeren bestimmt sind. – Herr Profeßor Carl Ritter , hat in seinem vortrefflichen Werke: der allgemeinen vergleichenden Geographie sehr genügend dargethan wie die Natur der Oberfläche in der innigsten Verbindung steht, nicht nur mit der räumlichen Verschiedenheit der Producte, mit dem Ackerbau und dem Handelsverkehr der Völker, sondern auch mit ihrem ganzen moralischen und politischen Zustande. Wie nun die Bildung der Continente entschieden einwirkt auf die Kultur, so auch ist der Einfluß auf das Klima unverkennbar. Unser Europa verdankt sein milderes Klima seiner Position gegen das nahe Meer, und seiner gegliederten Gestaltung. Europa ist der westlichste Theil des alten Continents, und hat also den großen, kältemindernden Atlantischen Ocean im Westen. Zwischen den Meridianen, in denen Europa sich hinstreckt, fällt die Aequatorial Zone nicht in das Becken des Oceans, wie südlich von dem, eben deshalb kälteren Asien. Das sandbedeckte Afrika ist so gelegen, daß Europa von den Luftschichten erwärmt wird, welche über Afrika aufsteigend, sich von dem Aequator gegen den Nordpol ergießen. Auch erstreckt dieser Welttheil sich weit weniger gegen den Nordpol, und liegt über dies dem größten Busen eisfreien Meerwassers gegenüber, den man in der ganzen Polar Zone kennt. Auffallend bemerkbar ist, abgesehen von den Breite Graden das Klima des westlichen und östlichen Europa. Die milde Temperatur des glücklichen Italien, des vieleingeschnittenen Griechenlandes, verändert sich, wird kälter und kälter, je weiter gegen Osten der minder getheilte Kontinent sich dem compacteren Asien nähert, das da, wo es nicht gewissermaßen durch Flüsse aufgeschlossen ist, auf seinen weiten Steppen auch der Kulturverbreitung hemmende Gränzen gesetzt hat. Zu interessanten Bemerkungen veranlaßen die Betrachtungen über die Flexibilität der menschlichen Organisation, welche die verschiedenartigsten klimatischen Verhältnisse zu ertragen fähig ist. – Fröhliche Esquimaux leben unter den Polarkreisen in niedrigen Erdhütten, deren Fenster aus Eis bestehen, und verfolgen Stundenlang ihre Beschäftigungen im Freien, bei einer Temperatur von -40°R. . Captain Parry hat mit eigens dazu vorgerichtheten Alkoholthermometern, Monate lang hintereinander, in der Nähe der Hudson's und Baffin's Bay diesen Grad der Kälte beobachtet, und aus seinen mündlichen Mittheilungen weiß ich, daß in mäßig warmer Bekleidung, er sowohl als seine Begleiter bei -37°R. Kälte sich im Freien, ohne Unbequemlichkeit bewegen konnten, freilich aber nur wenn nicht durch Winde stets neue erkältende Luftschichten herbeigeführt wurden. – Welch ein Kontrast von diesen eisigen Klimaten bis zum rothen Meere, an dessen Ufern die Nähe eines dürren Continents wohl beinahe die höchste Temperatur hervorbringt, welche man beobachtet hat. Capt. Tuckey , derselbe welcher die Mündung des Niger erforschte, fand am rothen Meere den Stand des Thermometers meist über 28°R. , und um 9 Uhr Nachmittags im Schatten stets 32°R. . – Zu Murzuk in der Oasis von Fezzan , fanden, mein unglücklicher Freund Ritchie und Lyon , (welcher nachmals den Capt. Parry auf einer Nordpol Expedition begleitete) eine Temperatur von 38°R. bis 43°R. . Man kann sich auf die Genauigkeit dieser Angabe verlassen, da Ritchie sehr wohl zu beobachten verstand, und mit Instrumenten versehen war, welche Arago, Gay-Lussac und ich, mit großer Vorsicht hatten arbeiten lassen. Jedoch kann man nicht annehmen, daß diese Temperatur in der eigentlichen Luftwärme gewesen sey: vielmehr muß man sie dem in der Luft schwebenden wärmestrahlenden Sande zuschreiben, dessen erhitzte Theile sich gegenseitig anstrahlend, wie auf das Auge des Menschen, so auch auf die Kugel des Thermometers wirken, und eine Wärme hervor bringen, welche theils der Luft, theils dieser Ausstrahlung zuzuschreiben ist. Als eine Folge der Lebensfunction bewahrt aber in sich der Mensch eine andere Quelle der Wärme, die in den verschiedenartigsten Verhältnissen sich tätig erweist. Die innere Temperatur des Menschen, die Wärme seines Blutes beträgt 30°R. mit einer Abweichung, die bei veränderten Umständen nicht über ½–¾°R. beträgt. John Davy , der Bruder des berühmteren Sir Humphy Davy , hat auf seiner Reise nach Zeilon die mannigfaltigsten Beobachtungen in dieser Hinsicht angestellt, und bei den verschiedenen indischen Kasten war die Blutwärme gleich groß, sie mochten sich nun bloß von Pflanzen, oder nur von Fleisch ernähren. Selbst im pathologischen Zustande, während der größten Fieberhitze, hat man die Kugel des Thermometers unter der Zungenwurzel, kaum um 3–4°R. varii ren sehen. Auch ist die Blutwärme aller Säugethiere, der Löwen, Panther etc. der des Menschen sehr ähnlich, und auch die Vögel, denen man sonst ein viel heißeres Blut zuschrieb, weichen nur um 4–5°R. höhere Temperatur davon ab. (Auffallend ist die Bemerkung, daß die Tauben ein um 2–3°R. wärmeres Blut haben, als die Papageien.) Auch die übermäßigsten Grade der künstlichen Wärme denen einzelne Menschen sich versuchsweise ausgesetzt, haben keine sehr merkliche Veränderung hervorgebracht. Als Fordyce, Banks und Solander sich einer Hitze aussetzten, bei der Eier in wenig Minuten gar gesotten wurden, und die ihren Puls auf 144 Schläge in einer Minute steigerte, hatte ihre thierische Wärme nicht um ½° zugenommen. Dieselben Gelehrten wiederholten später diese Versuche in Gemeinschaft mit Capt. Phipps dem nochmaligen Lord Mulgrave , der in der Folge eine Reise gegen den Nordpol machte, und steigerte durch heiße Wasserdämpfe die Hitze in einem Zimmer, bis auf 102½°R. Das Wasser siedete, Fleisch kochte, und ihre Uhrketten glühten, und sie selbst waren doch im Stande, in hölzernen Schuhen, diese Temperatur 10 Minuten zu ertragen. – Ganz unmöglich würde es aber seyn ähnliche Versuche in tropfbaren Flüssigkeiten anzustellen, weil in ihnen die schützende Ausdünstung wegfiele, und durch ihre Schwere die Flüssigkeiten in die Poren eindringen müßten, um die feinsten Spitzen der Nerven sehr schmerzhaft zu afficiren. Man hat neuere sehr genaue Versuche darüber angestellt, welchen Grad der Hitze Wasser haben könne, um ohne sich zu verbrennen die Hand hineinzutauchen. 40½°R. ist für diesen Punkt erkannt worden, der unter verschiedenen Abweichungen, keine Abweichung von 2°R. zuläßt. – In Murzuk athmet man also eine Luft welche diese Temperatur übersteigt, und überhaupt ist es auffallend, daß die Reizbarkeit der Theile des Halses minder groß seyn muß, indem es Menschen giebt, welche Kaffe trinken können, der bis auf 45°R. heiß ist. Diese Flexibilität gegen die verschiedenen Grade der Wärme, ist aber den Menschen nicht allein eigen; auch Thiere theilen dieselbe, wenn auch nicht in demselben Maaße, wie Hunde und Pferde davon ein Beispiel geben. Bei allen Racen der Menschen ist sich diese Biegsamkeit aber keinesweges gleich, u. es scheint fast, als wenn sie mit der Kultur zunehmend wäre. Es ist gefährlich für die Eingebohrenen Amerika's sich, an den Bergen aufsteigend, einer Klimaverschiedenheit auszusetzen, die für einen Weißen ganz unschädlich ist. Die menschlichen Leyes de los Indios verbieten daher ganz ausdrücklich, die Indier durch gewisse Thäler zu schicken. Aber freilich sind diese Thäler auch von einer Tiefe, daß der Pic von Teneriffa darin stehen könnte, ohne sie auszufüllen. Eine der größten Schwierigkeiten welche sich den Missionen entgegensetzt ist die unbegreifliche Sterblichkeit welche in den neuen Ansiedelungen einzureißen pflegt, wenn die Eingebohrenen aus ihren dichten Waldungen hervorgehend, zuerst den Sonnenstrahlen einer baumlosen Steppe ausgesetzt werden. Wir gehen nun zur Betrachtung der organischen Theile unseres Erdbodens über. Alle Erscheinungen welche die Atmosphäre und der Ocean uns erkennen ließen, waren gewaltsam und stürmisch, in ihrem Wechsel anscheinend keinem Gesetze unterworfen. Im Bereiche der organischen Entwickelung entdecken wir Gesetze und Regeln; die Welt der Pflanzen insbesondere enthüllt das stille innere Treiben der Natur, die seit Jahrhunderten dieselben Organe entfaltet, und noch keinen Frühling ohne Blumen ließ. Die geographische Verbreitung der Pflanzen ist abhängig von den Klimaten. So auch hat der Druck der Atmosphäre einen auffallenden Einfluß auf die Gestalt und das Leben der Gewächse. Dies Leben ist gleichsam nach außen gerichtet. Die Pflanzen leben hauptsächlich an der Oberfläche, daher ihre Abhängigkeit von dem umgebenden Medium. – Eine Art Hautrespiration ist die wichtigste Lebensfunction der Gewächse, und diese Respiration, in so fern sie Verdampfen, Aushauchen von Flüssigkeit ist, hängt vom Druck des Luftkreises ab. Daher sind die Alpengewächse aromatischer, daher sind sie behaarter, mit zahlreichen Ausdünstungsgefäßen bedeckt. – Nicht die größere Wärme verhindert ihr Gedeihen in der Ebene, sondern weil die Respiration ihrer äußern Integumente durch den vermehrten Barometerdruck gestört wird, und sie den Lichtreiz entbehren, der auf den höhern Gebirgen so viel lebhafter einwirkt. Die Vegetation der südlichen Erdhälfte, die eine pelagische, eine Wasser Hemisphäre genannt werden kann, ist auffallend verschieden von der, der nördlichen. Die Schmalheit der gegen Süden pyramidalisch sich verengenden Continente, begründet ein wahres Insel Klima: kühle Sommer, und milde Winter. So wachsen Palmen und Farrenkräuter dem Pole näher, wie z. B. auf Van Diemens Land, das einen mit Genf correspondirenden Breite Grad haben wird. Zur Charakteristick der Pflanzen gehört es überhaupt, daß nicht alle über den Erdball gleichmäßig vertheilt sind, sondern daß jeder Form ein bestimmter Wohnplatz angewiesen ist. Gewiße Familien könnte man nordische, andere wieder tropische nennen, wobei jedoch nicht zu erkennen ist, daß die Gränzen irgend scharf gezogen, sondern sehr in einander übergehend sind. – Die Andromeden, Ericeen, Amentaceen werden häufiger gegen Norden, wogegen andere Pflanzenformen abnehmen, und wie die Malvaceen, Leguminosen, mit den zahlreichen Cassien und Mimosen, die Rubiaceen, zu denen die wichtige Cinchona officinalis gehört, sich gegen den Aequator hin verbreiten. Auch in Hinsicht auf die Längengrade herscht eine große Verschiedenheit. Die Vegetation von Nordamerika hat wenig Aehnlichkeit mit der Europäischen, und einzelne Pflanzentypen, die sich bei uns in großer Menge finden, scheinen der westlichen Hemisphäre gänzlich zu fehlen. So habe ich unter 5–6000 untersuchten Pflanzen kaum 1–2 Formen unserer allverbreiteten Ambellaten und Cruciferen gefunden. Unter den niedern Pflanzenformen giebt es zwar mehrere welche dem alten und neuen Continente gemeinschaftlich zukommen, wie z. B. unter den Moosen sogar dieselben Species sich vorfinden. Aber schon unter den Gräsern ist dies selten der Fall, und wenn man an der Magellanischen Meerenge, den europäischen gleiche Pflanzentypen zu erkennen glaubte, so hat sich ergeben, daß es ähnliche, aber doch ganz bestimmt zu unterscheidende Species sind. – Die Rhododendraceen, welche auf der östlichen Halbkugel mit ihrem prangenden Roth die Schneegrenze der Alpen, selbst den Schneegürtel des Himalaya eben so bestimmt bezeichnen, als schmücken, finden auf dem neuen Continente einen Ersatz in den mit ähnlichem Farbenreiz leuchtenden Befarien. Ueber das erste Aufkeimen der organischen Materie herrscht eine große Ungewißheit. Unendlich viel Versuche hat man gemacht über das Entstehen der sogenannten Priestley schen Materie, der Infusorien, Oscillatorien, Lamelliten etc. und es hat noch nicht einmal bestimmt werden können, ob diese Uranfänge sich in eine vegetabilische und animalische Masse scheiden lassen, oder ob die animalische aus einer großen Anhäufung der vegetabilischen entstehe. – Wir erkennen die ersten Pflanzenanfänge in dem sogenannten rothen Schnee des Polareises, welcher aus jenen nördlichen Regionen zu uns gebracht, bei einer Temperatur von 15–16°R. in England und Frankreich ausgehalten hat, und dessen Fortpflanzung ich selbst beobachtet habe. Es ist dies eine unendlich kleine Art von Pilzen, früher Uredo , vom großen Rob. Brown aber Tremella nivalis genannt, deren rothe Farbe von Keim körnern herrührt, welche indem sie platzen 4–5 kleine Sporen auf dem Schnee ausstreuen. – Wie nun diese auf dem ewigen Polareise wurzeln, so vegetiren andere Pflanzenanfänge, Usneen und Conferven mitten in den heißen Quellen von 60–70°R. Es giebt kaum einen größeren Contrast, als zwischen diesen microscopischen Gegenständen, diesen Anfängen der vegetabilen und animalen Natur, und den Riesenproducten der Tropenwelt, unter denen die Palmen Beispiele des höchsten Pflanzenwuchses gewähren. Die Wachspalmen, welche wir auf dem Andesrücken zwischen Ibague und Carthago in der Montaña de Quindiu entdeckt haben, Ceraxylon andicola erreicht eine Höhe von 160–180 Fuß . Die dem Tannengeschlechte verwandte Araucaria excelsa , auf den Norfolk Inseln ist sogar 240 Fuß hoch, und Dr. Douglas , welcher den Capt. Franklin auf seiner Landreise gegen den Nordpol begleitete, beschreibt das Riesenexemplar des Pinus canadensis , welchen er an den Quellen des Columbia Flusses entdeckt hat, in einer Breite die mit der von Deutschland übereinkommt, und dessen ungeheure Höhe er 260 Fuß gemessen hat. Die einzelnen Zapfen des Baumes sind 1½ Fuß lang, und der Durchmesser (nicht Umfang) des Stammes beträgt 15 Fuß – Bemerkenswerth ist es, daß diese ausgezeichneten Formen den Monocotylodonen und den Zapfenbäumen angehören, welche offenbar dem Palmengeschlechte einigermaßen verwandt sind. Beispiele einer merkwürdigen Ausdehnung in die Breite, bietet vor Allen, noch außer dem kolossalen Drachenbaum (Dracaena Draco) auf Orotava ( 45 Fuß Umfang) die von Golberry gemessene Adansonia digitata (Boabab) an der Küste von Senegal. Der riesenhafte Baum von 34 Fuß Durchmesser, bei 60 Fuß Höhe, ist zum Theil ausgehölt, und dient zum politischen Versamlungsaal einer ganzen kleinen Völkerschaft. Ein ähnlicher Contrast, wie im Allgemeinen die microscopische Kleinheit, und die riesenmäßige Größe einiger Gewächse darbietet, findet auch statt in Rücksicht auf die Größe und das Verhältniß der Theile. Die größte bekannte Blüthe trägt die Rafflesia , deren Blume einen Durchmesser von 3½ Fuß hat, und deren Kronenblätter ¾ Zoll dick sind. Dr. Arnold , der Begleiter des Sir Raffles , des Gouverneurs von Bencoolen , hat diese colossale Blume, deren Gewicht 15  beträgt, zuerst auf Java entdeckt. Diese Blüte gehört einer parasitischen Pflanze an, welche keine Blätter trägt, und sich um die Wurzeln der Cissus Arten schlingt. Sie prangt mit der schönsten rothen Farbe, und hat einen wunderbar auffallenden Geruch nach gekochtem Rindfleisch. – An den schattigen Ufern des Magdalenenflusses habe ich eine rankende Aristolochia gefunden, deren Blume von 4 Fuß Umfang sich die kleinen Indianer bei ihren Spielen über die Scheitel ziehen. Die Zahl der auf dem Erdboden verbreiteten Pflanzen ist natürlich unbekannt. Murray's Ausgabe des Linné schen Systems enthält, die Cryptogamen mitgerechnet nur 10,000 Species. Willdenow hat bereits die Zahl von 20,000 Arten angegeben. Neuere Untersuchungen haben gezeigt, wie tief diese Schätzung der beschriebenen, und in den Herbarien aufbewahrten Arten unter der Wahrheit zurückgeblieben ist. – Das größte Herbarium auf der Welt hat Herr Lambert in England zusammengebracht, der 35,000 Species besitzt; unter diesen 30,000 Phanerogamen. De Candolle findet, daß man in den Schriften der Botaniker und in europäischen Herbarien, zusammen über 60,000 Pflanzenarten antreffen würde. Wenn man bedenkt, daß allein in den botanischen Gärten (unter denen der Hiesige, der Stolz unserer Hauptstadt, von allen in Europa der reichste ist) zusammen gewiß über 16,000 Phanerogamen cultivirt werden, so ist man geneigt Herrn Decandolle's Angabe noch für zu gering zu halten. Von meiner Reise allein habe ich über 3000 neue Species zurückgebracht. Wie bedeutend ist dies Ergebnis im Vergleich mit den überhaupt bekannten 60,000 Arten! – Bei unserer völligen Unbekanntschaft mit dem Innern von Südamerika, ( Matto Grosso, Paraguay, Buenos Ayres , aller Länder, zwischen dem Orinoco und dem Amazonenfluß) mit Inner und Ostasien (Thibet , dem nördlichen Abhange des Himalaya, China, Malacca) mit Africa , in dem uns Clapperton schön bewässerte Landstriche aufschließt, drängt sich unwillkürlich der Gedanke auf, daß wir noch nicht den dritten, ja wahrscheinlich nicht den fünften Theil der auf der Erde existirenden Gewächse kennen. – Diese Betrachtungen bewahren gleichsam den alten Mythus des Zendavesta , als habe die schaffende Urkraft aus dem heiligen Stierblut 120,000 Pflanzengestalten hervorgerufen. 9 te Vorl. Wir wenden uns nunmehr der Sphäre des thierischen Lebens zu, deren Representanten, uns selbst näher gerückt, wir mit leicht erkennbaren Organen des Gesichts ausgerüstet finden. Nach dem Grade der Empfindlichkeit derselben weisen wir gewissermaßen den Geschöpfen ihre Stelle an; denn nur in höhern Organisationen verkündet sich das Leid, dessen Größe wir nach dem Ausdruck des Schmerzes zu messen pflegen. Cuvier hat bei verschiedenartigen Argonauten und Nautiliten deutliche Sinnesorgane entdeckt, und Auge, Ohr, selbst Gehirn bei ihnen vorgefunden. Dennoch aber bleiben diese Wesen uns fremd, und wenn wir beim Anblick reizbarer Mimosen die Einheit alles organischen erkennen, so bleibt doch unser Mitgefühl einzig dem Ausdruck des thierischen Schmerzes zugewandt. Die geographische Verbreitung der Thiere ist derjenigen der Pflanzen ähnlich und steht im Verhältniß mit dem Klima und der Natur des Bodens, indem sie durch die Nahrung modificirt wird, und das thierische Leben, das der Pflanzen voraussetzt. Pflanzen reisen im Ei, oft durch eine Federkrone zur langen Reise bereitet; Thiere dagegen bewegen sich frei von ihrer Entstehung, und diese Locumotivität dauert ihr ganzes Leben. Eben dieser Eigenschaft wegen streifen die Thiere, durch mehrere Klimate, wovon wir besonders bei denen auffallende Beispiele finden, welche die flüssigen Hüllen des Erdkörpers bewohnen, bei den Vögeln und Fischen. Da, wie früher erwähnt, in der Luft, wie im Ocean die Temperatur nach den Schichten sich verändert, so können diese Thiere auf demselben Punkte willkürlich sich das verschiedenartigste Klima erwählen. – Dennoch findet man einen merkwürdigen Unterschied unter den Bewohnern der beiden Küsten des großen Oceans. Wenn man dieselben Arten von Fischen antrifft, von den Küsten des mittelländischen Meeres an, längs der ganzen Westküste von Africa , um das Cap der guten Hoffnung, wieder hinauf nach Madagascar und weiter, so finden sich dagegen ganz verschiedene Arten an den Küsten von Pennsylvanien und an unsern europäischen Küsten, und es scheint fast als fänden die beweglichen Bewohner eine besondere Schwierigkeit von der östlichen zur westlichen Küste, und umgekehrt, überzukommen. In einem interessanten, umfassenden Werke von Cuvier und Valenciennes : über die Fische, das ich Gelegenheit gehabt habe im Manuscripte zu sehen, ist auf diesen Unterschied der Species in beiden Hemisphären besonders aufmerksam gemacht. – Es finden jedoch Ausnahmen statt, und es gibt Fische, die allen Meeren gemein sind, wie z. B. Seriola cosmopolita , eine Makrelen Art, die ihren Namen dieser Eigenthümlichkeit verdankt, und in Ostindien wie in Amerika, bei den Sandwich Inseln, wie an den europäischen Küsten gefunden wird. In das größte Erstaunen versetzt aber die merkwürdige Uebereinstimmung der Arten, welche in den tiefen Alpenseen, jenen abgeschlossenen Behältern, in einer Höhe von 7–8–10,000 Fuß , angetroffen wird. Hr. Ramond hat in den Pyrenäen, auf Höhen von 7000 Fuß , wo die mittlere Temperatur 1°R. ist, die Bemerkungen bestätigt gefunden, welche ich in dieser Hinsicht auf den Bergebnen in der Nähe des Aequators gemacht habe. An Wanderungen von einem Punkte zum andern ist in diesem Falle nicht zu denken, und man kann diese Erscheinung nur durch die Vermuthung erklären, daß vielleicht frühere Verbindungen, den späteren Hebungen der Erdoberfläche vorhergegangen sind. Ich will es nunmehr versuchen eine Uebersicht der Thiere der Zahl nach, gewissermaßen ein Inventarium der Thiere zu geben, das Dank den neueren Entdeckungen so viel großartiger und reichhaltiger ausfallen wird. – Wie es uns gelingt, in die Himmelsräume immer tiefer einzudringen, und nach dieser Richtung unsern Gesichtskreis zu erweitern, (indem ich nur anführen will, daß Struve in Dorpat mit dem ausgezeichneten Frauenhofer schen Refraktor, allein 2,500 neue Doppelsterne entdeckt hat, und daß, seit noch nicht 50 Jahren unser Sonnensystem uns 15 neue Weltkörper zeigt: 5 Planeten, 8 Satelliten, und 9 planetarische Kometen) so lehrt der rege Forschergeist wissenschaftlich gebildeter Männer uns eine immer größere Mannigfaltigkeit der Gebilde auf der Erdoberfläche erkennen. – Wie schon erwähnt hat sich die Zahl der bekannten Pflanzenspecies seit Linné von 10,000 auf 60,000 vermehrt; so zählte Fabricius 11,000 Insektenspecies, da jetzt Latreille und Kluge 44,000 erkennen von denen die reiche Sammlung auf der hiesigen Universität allein 30,000 Arten besitzt. – Der Zuwachs an größeren Thieren ist verhältnismäßig ebenso merkwürdig. Vor 10 Jahren kannte man etwa 4–420 größere Säugethiere; nach Prof. Lichtensteins vortrefflichem Werke sind jetzt 900 Arten beschrieben. Man zählt bis jetzt: 900 Säugethiere 5000 Vögel 700 Amphibien 5000 Fische 44,000 Insekten 4000 Mollusken 6000 Zoophyten Von den 900 Säugethieren gehören ungefähr 80 Europa an, vielleicht 100 wenn man die Robbenartigen Thiere mitrechnet. Von den Vögeln glaubt Cuvier , daß allein in den französischen Museen 5000 Arten enthalten wären, und meint annehmen zu können, daß wir wenigstens 5800 Species derselben kennen. Bei der großen Unsicherheit in Rücksicht auf nicht genau genug bestimmte Varie täten, begnügen wir uns vorläufig die erstgenannte Zahl anzugeben. Auffallend ist es, daß von den Fischen uns die gleiche Anzahl bekannt ist, und daß die Zahl der Amphybien der, der Säugethiere ebenfalls fast gleich kommt. Indem wir die 4 ersten typus zusammenfassen, nennen wir Rückenwirbelthiere (animaux vertébraux) diejenigen, deren Körper auf ein Gerüst gestützt ist, welches aus vielen mit einander verbundenen Knochenstücken besteht, und deren Nervensystem sich auf ein gemeinschaftliches Sensorium bezieht. Von allen Thieren haben die Vögel die vollkommenste Respiration, womit im Zusammenhange steht, daß die Blutwärme der Vögel die unsrige um mehrere Grade übersteigt. So hat z. B. die Krähe 33½°R. Blutwärme und 136 Pulsschläge in der Minute, wogegen das Blut des viel größeren Pferdes nur 29°R. Wärme hat, und 57 Pulsschläge macht. Wenn bei den Vögeln die Respiration am vollkommensten ist, so haben die Fische ein minimum derselben. Dennoch bedürfen sie des Sauerstoffs zum athmen, und ich habe schon angeführt, daß es mir gelungen ist, Fische in einem vollkommen luftleeren Wasser zu ersäufen, so schnell als wären sie von einem elektrischen Schlag getroffen worden. Die Säugethiere machen jetzt in den meisten Ländern 1 / 5 der Vögel aus; dies Verhältnis muß aber früher ein anderes gewesen seyn. Vor der großen Katastrophe der Wasserbedeckung unseres Planeten, muß es mehr Säugethiere gegeben haben, wie wir denn auch mehr in den Versteinerungen finden. Den Grund dieses veränderten Verhältnisses müssen wir offenbar in der größeren Locumotivität der Vögel setzen, welche entrinnen konnten, während die Thiere der Feste untergingen. – Die alte Thierwelt ist aber verschieden von der jetzigen, und mag wahrscheinlich einförmiger gewesen seyn. Die meisten der verloren gegangenen Thierformen, gehören den dickhäutigen Pachydermen, und sind unsern Tapir und Rhinocerosarten verwandt. Es finden sich 56 Arten derselben unter den Versteinerungen, wogegen uns nur 12 Species davon geblieben sind. Die größte Thierklasse ist die der Insekten, 44,000 Arten; weiter hinunter wird die Zählung unsicher, und die Wahrscheinlichkeit vieler noch unentdeckter Arten um so größer. Wenn man die ganze Masse der beschriebenen Thiere zusammennimmt so finden sich etwa 66,000 Arten; eine Zahl, welche mit der, der bekannten Pflanzen fast übereinstimmt. – Die Insekten machen fast ⅔ aller bekannten Thiere aus, und dabei ist es wahrscheinlich, daß vielleicht noch viel mehrere uns unbekannt geblieben sind, indem sie sich so viel leichter als die Pflanzen, der Betrachtung entziehen. – Die Flur von Berlin mit welcher die Arbeit des Hr. von Schlechtenthal uns näher bekannt macht, enthält in der Ausbreitung bis gegen die Oder etwa 2000 Arten; in derselben Umgegend sind schon 5000 Insekten bekannt, und man möchte erstaunen die numerische Verschiedenheit nicht noch größer zu finden, wenn man bedenkt, wie vielen Insektenarten oft eine einzelne Pflanzengattung zum Wohnplatz angewiesen ist, und wie viele derselben überdies Raubthiere sind. Es ist ein durch Buffon verbreiteter Irthum, daß einzelne Welttheile gewissermaßen tiefer ständen gegen die übrigen, in dem Verhältniß als ihnen die größern Thierformen abgehen, welche die andern auszeichnen. So z. B. Amerika, in dem sich keine der größern Pachydermen vorfinden. Es ist dies aber nicht sowohl ein anderer Welttheil, als eine andere Seite unseres Planeten zu nennen, auf der das Festland sich fast von einem Pole zum andern erstreckt. Wie von dem Monde uns stets die eine Seite sichtbar ist, und wir durch Oscillationen am Rande nur einen sehr kleinen Theil der entgegengesetzten Mondscheibe erblicken, so war auch bis ins 15 te Jahrhundert, die eine Seite unsers Planeten seinen Bewohnern unsichtbar. Es ist wahr, daß auf diesem Theile der Erdoberfläche nicht dieselbe Mannigfaltigkeit und Verschiedenheit der Menschenracen statt findet, als auf der entgegengesetzten. Von Norden nach Süden findet man mehr oder weniger eine Uebereinstimmung in der Organisation, und selbst in der Sprache der Eingebohrnen. Eigne Thier und Pflanzenformen bezeichnen diese Erdhälfte, für die z. B. die Cactus form charakteristisch ist. (Ich bemerke hierbei daß in der südlichen Zone des alten Kontinents, so wie in Amerika unsere Rose gänzlich fehlt.) – Pachydermen finden sich nicht auf dieser Seite, wahrscheinlich weil dieselbe Revolution, welche von 56 Species nur 12 übrig ließ, hier diese Thierform von Grund aus vernichtete. – Ich allein habe jedoch von meiner Reise 3 neue Species fossiler Elephanten aus Amerika mitgebracht, die merkwürdiger Weise sich nicht da fanden, wo das Klima dem ähnlich ist, in welchem noch jetzt Elephanten leben, sondern in einer Höhe von 6–7000 Fuß , oder wenn weit entfernt von den Tropen, in einer Ebene, wie am Ohio , am Missisippi , am Missouri wo die Ueberreste jener riesenhaften Mastodonten angetroffen werden. – Das colossale fossile Armadill , welches man in dem Cabinet zu Madrid aufbewahrt, ist am Rio de la Plata gefunden worden. Doch ermangelt Amerika auch jetzt nicht aller größeren Thierformen. Im äußersten Norden giebt es Auerochsen ( Bisons ), verschieden von den europäischen und unter ihnen Thiere von bedeutender Größe. Am Ohio u. Missouri waiden Heerden von 9–10,000 dieser Bisons, deren Höhe bis zum Rücken 10 Fuß beträgt, und deren Gewicht oft 2000 erreicht. – Ich mache hier auf die Thatsache aufmerksam, daß die volumineu sesten und bekannten Thiere, so wie auch die untergegangenen, sämtlich als grasfressend sich charakterisiren. So hat man neuerdings in England die fossilen Reste, sogar eines grasfressenden Krokodills gefunden, von einer Länge von 60–70 Fuß , da die heutigen nicht über 20 Fuß lang sind. Hr. Pentland , der sich mit der Untersuchung dieses Thieres beschäftigte, hat gefunden, daß dies wunderbare Geschöpf ein 5–6 Zoll langes Horn auf der Stirn trug. Man hat später im südlichen England, so wie auch im Innern von Frankreich, die Spuren ähnlicher Thiere gefunden, die man mit dem Namen der Ignalodonten bezeichnet. Bemerkenswerth ist die große Verbreitung tropischer Thierformen, welche Amerika durch die Continuirlichkeit seiner Erstreckung gestattet. So finden wir die schöne Form der Colibri im nördlichen Amerika unter einer Breite von z. B. Danzig, und Mackenzie hat diese zierlichen Vögel am Ufer des Friedensflusses unter einer Breite von 54° angetroffen. Wilson , in seinem Werke: über die Vögelarten, bemerkt mit Recht, wie auffallend es sey, daß ein so zarter, schwacher Vogel eine so weite Reise in einem kurzen Sommer zurückzulegen vermöge, da diese Thierchen zum Brüten stets in ihre warme Heimath wiederkehren, wo in Pisanggebüschen sie oft den Nachstellungen feindlicher Spinnen unterliegen. – Aber nicht bloß gegen Canada erstrecken sich diese Wanderungen; man will, bis an die Magellanische Meerenge, deren strenges Klima bekannt ist, Colibri's, und verwandte Gattungen, wie Silvia und Loxia bemerkt haben. Weshalb nun der Reichthum tropischer Regionen sich nicht so weit gegen die westlichen Alpen hin verbreitet, scheint einzig auf Localitätsverhältnissen zu beruhen. Wenn das mittelländische Meer nicht existirte, und ein 2 tes Sandmeer, die Wüste Sahara , sich nicht zwischen die eigentliche Tropenwelt lagerte, so würde Europa unstreitig eine große Menge der herrlichsten Pflanzen und Thierformen mehr besitzen. – Wenn nach alten geographischen Mythen dies Hinderniß früher nicht statt gefunden, und erst nach Entwickelung der organischen Formen das Binnenmeer durch die Enge von Gibraltar sich einen Ausweg geöffnet hätte, so wäre der auffallende Unterschied in den Erzeugnissen der südeuropäischen, und nordafrikanischen Küsten weniger erklärbar. Ich bemerke nur, daß so viele in Italien häufige Pflanzen und Thierformen in Nordafrika nicht angetroffen werden, und daß z. B. unser Hirsch dort ganz fehlt. – Die auf den Felsen von Gibraltar gefundenen wilden Affen, die einen früheren Zusammenhang der Küsten beweisen sollten, sind genaueren Untersuchungen nach, von den Arabern dort ausgesetzt worden. Der größte Reichthum an Thier und Pflanzenformen findet sich überall in der Tropenwelt; doch macht hiervon Afrika eine Ausnahme, in dessen südlicher Spitze eine größere Menge von Pflanzen und Thieren zusammengedrängt ist, als man sonst noch irgendwo beisammen antrifft. Man könnte die Cap Colonie eine Ménagerie der übrigen Welt nennen. Vom 30–35°, in der Erstreckung vom Vorgebirge bis zum Orange River , einen Raum kaum größer als Frankreich, zählt Rob. Brown nach Burchill allein 6000 Pflanzen; Lichtenstein führt 70 Säugethiere, und 500 Vögelarten auf. Es möge sich hieran eine Betrachtung schließen, über den Contrast der Massen, welcher auch bei den Thieren stattfindet. Ich will hier nicht einmal jener microscopischen Infusorien erwähnen, deren Durchmesser nicht 1 / 1000 Linie beträgt, sondern nur das kleinste ungeflügelte Insekt gegen die elephantenartigen Thiere stellen. Selbst in einer Familie findet sich der auffallendste Unterschied, und wenn wir keine microscopische Fische kennen, so ist doch die Differenz bedeutend zwischen dem in der Ost und Nordsee gemeinen 1½ Zoll langen Stichling, ( Gasterosteus purwitius) und dem 30–40 Fuß langen Riesenhay, nicht dem gefräßigen und gefährlichen Squalus Carcharius, sondern dem gutmüthigen, sich von Seetang und Würmern ernährenden Squalus maximus. – Noch auffallender ist der Contrast wenn man die kleinsten Nagethiere, gegen die Säugethiere des Oceans stellt. – Es herrscht zwar über die eigentliche Größe der Wallfische noch immer Unsicherheit, und wenn Lacépède ihnen eine Länge von 280–300 Fuß beilegt, und dem Fluge seiner Einbildungskraft folgend, sie mit den höchsten Thürmen vergleicht, so möchte nach neueren, verificirten Angaben diese Größe wohl auf den dritten Theil zu reduciren seyn. Die sichersten Nachrichten danken wir dem, um die Naturkunde vielfach verdienten Hr. Scoresby , der mehrjährig seinem Berufe als Wallfischfänger folgend, die beste Gelegenheit zur Beobachtung gehabt hat. Unter mehr als 300 Wallfischen, welche von seinen Leuten getödtet worden, haben die größeren nie das Maaß von 60–70 Fuß überschritten, und Scoresby ist der Meinung daß sich schwerlich Thiere von größerem Umfange vorfinden mögten. Die Annahme, daß die Wallfische in früherer Zeit, weniger verfolgt, größer geworden wären, scheint ebenfalls nicht gegründet. Wenigstens ergeben die Nachrichten von der Zahl der Fässer, welche mit dem Thran der erlegten Thiere gefüllt worden, und die bis ins 15–16 te Jahrhundert hinauf reichen, ein Verhältniß wonach die jetzt gefangenen fast noch einen reichern Ertrag liefern. Größer als die eigentlichen Wallfische findet man unter den Pottfischen oder Cachelotten Exemplare welche zuweilen die Größe von 100–102 Fuß erreichen. Diese gegen die kleinsten Nagethiere verhalten sich wie 1–600. Im Allgemeinen läßt sich nicht erkennen, daß die Größe der Typen augenscheinlich im Zusammenhange steht mit den Gesetzen der innern Organisation, die nirgend überschritten werden. Ich habe schon angeführt, daß niemals ein microscopischer Fisch gefunden worden, und daß kein Infusionsthier je die Vollkommenheit der Organisation auch nur eines Käfers erreicht. 10 t Vorl. Das höchste Ziel aller Naturbetrachtung kann nur erreicht werden durch klare Erkenntnis unserer eignen Natur, und wir wenden uns daher zur Betrachtung der höchsten Stufe organischer Bildung auf unserm Planeten, zu der des Menschen. Den Alten, selbst den Griechen in der Blüthe ihrer Kultur, war die Idee einer gemeinsamen Abstammung der Menschen fremd, und erst durch das Christenthum wurde die wichtige Lehre von der Einheit der Menschenart allgemeiner verbreitet. Mit dieser Ansicht milderte sich das Schicksal der Sclaven, die früher, als einem andern Geschlechte angehörig betrachtet wurden. – Nachdem Amerika zum 2 ten male entdeckt worden war – das erste mal im 10 ten Jahrhundert, von Scandinavien aus, durch die Normannen; zum 2 t mal, zu Ende des 15 t Jahrh. durch Columbus – nahm allerdings der Sclavenhandel wieder überhand. Die Guanchen von den canarischen Inseln, die Neger der Westküste von Afrika, die unglücklichen Amerikaner wurden zu gleicher aufreibender Arbeit verdammt, der gleichen unmenschlichen Behandlung unterworfen. Wachsende Industrie, neue Bedürfnisse, Reichthum, Ausartung des Christenthums brachten würdigere Ansichten von der Menschennatur in Vergessenheit, und mit Empörung lesen wir von öffentlichen Sclavenmärkten, die im 15 ten Jahrhundert zu Lisboa, Cadix und Madrid gehalten worden sind, wenn auch die Päbste niemals aufhörten den Grundsatz von der Einheit des Menschengeschlechts zu proclamiren. Trotz dieser anerkannten Einheit drängen sich zunächst die Fragen auf: welche relative Verschiedenheit herrscht unter den Völkerstämmen in ihrer Verbreitung, und wie hat sich dieselbe gebildet, wie ist sie entstanden? Die Betrachtung der äußern Erdrinde veranlaßte zu ähnlichen Untersuchungen. Leichter war es, zu bestimmen, wie die verschiedenen Schichten übereinander gelagert sind – gleichsam eine Geognosie der Position – als hinauf zu steigen bis zum wie ? ihrer Entstehung. Zwei Möglichkeiten stellen sich uns dar, die Frage zu beantworten, indem wir entweder annehmen, daß ein Urtypus der gemeinsamen Abstammung zu Grunde liege, aus dem, durch eine Degeneration, die sich Jahrhunderte und Jahrtausende fortpflanzte, und durch abweichende, eben so lange dauernde Einwirkung der Klimate, sich die jetzt offenbare Verschiedenheit entwickelt habe, oder daß mehrere Menschenstämme aus verschiedenen Typen hervor gegangen sind. Pallas , und nach ihm mehrere, sind der Meinung gewesen, daß, wenn von einem Urstamm der Menschen die Rede sey, man die schwarze Menschenrace dafür erkennen müsse, aus der nachmals die edelste Form, die circassische sich entwickelt habe. Eine Ansicht, die aber keineswegs allgemeinen Beifall gefunden hat, und eben so wenig den Negervölkern gefallen würde, welche die caucasische Race unstreitig für eine Ausartung der ihrigen zu halten geneigt sind. – So erzählte mir Major Denham , daß der Anblick seiner weißen Farbe, in Bornu allgemein den Eindruck des Entsetzens und Ekels erregt habe, der bei Frauen bis zum Erbrechen und ohnmächtig werden sich gesteigert habe, und daß es zuletzt ihm oft unangenehm gewesen, so der stete Gegenstand von Abscheu und Widerwillen zu seyn. Wie relativ die Begriffe von Schönheit und Häßlichkeit aber auch seyn mögen, wie verschieden modificirt nach Nationalvorurtheilen, und nach der eignen Individualität, so müssen wir doch einen abstracten Urtypus der Schönheit anerkennen, unabhängig von den conventionellen Begriffen der Anmuth und des Ebenmaaßes, einer höhern Ideenwelt angehörend. – Die Haut des Negers möge noch so weich und zart seyn, die schwarze Farbe wird den Begriff der Schönheit ausschließen, denn ihr fehlt der belebende Ausdruck – das Erröthen. – Bei Kindern und jungen Negerinnen will man zwar die Röthe auf den Wangen durchscheinend bemerkt haben; es ist dies aber doch nur ein sehr unvollkomnes Erröthen. Im Allgemeinen bezeichnet sich Jugend und Frische bei den Negern durch tieferes Schwarz; Blässe verräth Alter und Krankheit. Der Geschichtsforscher der Natur bedarf es nicht mehrere Menschenarten anzunehmen; er würde willkührlich das Vermögen der Natur beschränken die Körper zu verändern, wenn er die Möglichkeit, ja die Wahrscheinlichkeit der Abstammung von einem Urstamme läugnen wollte. Haut und Haare sind nicht wichtig genug, um deshalb den gemeinsamen Ursprung zu verkennen, für den die allen Stämmen gemeine, wenn auch verschieden entwickelte Intelligenz zeugt. Ist gleich dasjenige, was von der Dichtkunst und Litteratur der schwarzen Völker uns bekannt geworden, nicht eben wichtig, so zeigen neuere Forschungen bei einem andern Stamme, den Indern und Chinesen eine früh entwickelte Litteratur, und das Daseyn tief metaphysischer Werke, ähnlich denjenigen welche der Scharfsinn der Europäer hervorgebracht hat. Dem Systematiker wird es aber vergönnt seyn, verschiedene Hauptstämme aufzustellen, und sie nach der abweichenden körperlichen Bildung einzutheilen. Die Hauptverschiedenheiten welche sich uns darbieten, bezeichnen nach Cuvier den Stamm der Caucasier , der Mongolen und der Neger . – Blumenbach , der Nestor der deutschen Naturforscher, nimmt 5 Menschenracen an, die Caucasische, Americanische, Mongolische, Malayische und die Aethiopische. I. Der weiße caucasische Stamm zeichnet sich vorzüglich durch eine starke Ausbildung des Schedels aus, wobei die Stirn sehr gewölbt ist, die Gesichtsknochen dagegen zurückspringen. Das Haupthaar ist weich, lang, zuweilen lockig, nie wellig; die Farbe der Haut mehr oder weniger weiß, so daß das Blut durchschimmert und die Wangen röthet. Nur beim weißen Menschen mag jene augenblickliche Durchdringung des Hautsystems vom Blut, jene leichte Veränderung der Hautfarbe statt finden, die den Ausdruck der Gemüthsbewegung so mächtig erhöhet. Bei diesem Stamme findet sich der höchste Grad der Civilisation, die größte Ausbildung der intellectuellen Kräfte, und nach unsern Begriffen, der Typus der größten Schönheit, hauptsächlich bei den Circassiern und Georgiern, wenn auch nicht in so unbedingter Ausdehnung als man früher angenommen. – Zu diesem Stamme werden gerechnet alle Völker welche gegenwärtig Europa bewohnen, selbst die Finnen und Lappen welche man früher fälschlich den Mongolen zugezählt hat. – Neuere Untersuchungen haben ergeben, daß die Bildung dieser Völkerschaften sich von der europäischen nicht unterscheidet, daß nicht nur die Kinder weiß geboren werden, sondern daß auch bei den Erwachsenen die dunklere Hautfarbe nur von dem Oel und Schmutz herrührt, welcher sie handschuhartig überzieht. – Ferner gehören hierher viele Völker des westlichen, selbst des südlichen Asiens, Araber, Perser und Inder. – Bei dieser Gelegenheit will ich die merkwürdige Entdeckung des H. Klaproth nicht unangeführt lassen, welche durch die Untersuchungen von Abel Remusat bestätigt werden, daß nämlich in Manuscripten der Mandschuh und der Chinesen, eines blonden blauäuigigen Völkerstammes, den Germanen ähnlich, Erwähnung geschieht, welcher 165 Jahr nach Anfang der christlichen Zeitrechnung, vom östlichsten Asien, bis gegen die chinesische Mauer, und jenseit des Baikalsee's , sich verbreitet, und den Stamm der Hiongnu verdrängt habe, der nicht mit den Hunnen verwechselt werden darf, welche dem mongolischen Menschenstamme angehören. Die blauäugigen Völker werden Usin? Uisuren? ge nannt. Unstreitig ein höchst merkwürdiges Factum – eine Völkerwanderung 200 Jahre vor der Zeit, in der 374 nach Chr. Geb. die Hunnen unter Attila sich auf die germanischen Völker, die Alanen und Gothen am Don warfen. Auch in Africa ist der caucasische Stamm gleichfalls verbreitet. Die Mauren welche sich an die Südeuropäer schließen, bewohnen einen großen Theil jenes Welttheils. II. Die gelbe Varietät, die Mongolen. Bei diesen findet man ein glattes, breites Gesicht mit zurücktretender Stirn; weit aus einander, und schief nach innen stehende Augen; eine plattgedrückte Nase; eine waizengelbe, gelbbraune, oder rothe (Kupfer) Farbe, und schwarzes straffes Haar. Dieser Stamm umfaßt die Japaner, Chinesen, Thibetaner, Kalmücken, Aleuten, die Bewohner der Südsee, und die Amerikaner. – Die größten Weltreiche der Vorzeit: des Attila, Dschengis-Chan, Tamerlan – die Reiche der Mexicaner und Peruaner – sind aus diesem Stamme hervorgegangen, und noch jetzt gehören die weitherrschenden Gebieter der Chinesen ihm an. III. Der schwarze aethiopische Stamm zeigt einen von den Seiten zusammengedrückten Schedel, mit zurücktretender Stirn, und Kiefern welche vor Stirn und Kinn hervortreten, stumpfe Nase und aufgeworfene Lippen, eine graue oder schwarze Farbe, wo selten eine Spur von Röthe durchschimmert, und wolliges Haar. Dieser Stamm zieht sich südöstlich und südwestlich von den maurischen Völkern bis gegen die Südspitze Africa's. Auch auf den Andaman Inseln kommen Neger vor. Ferner gehören hierher die Nigritos der Südsee, die nicht als Kolonie, sondern unstreitig als Stammvolk, das Innere jener Inseln bewohnen. Blumenbach stellt als gesonderten Stamm die Malayen zwischen die Europäer und Neger, die er charakterisiert, durch eine dunkle, braune Farbe, dichtes, schwarzes, lockiges Haar, breite Stirn, und großen Mund. Er rechnet hierher hauptsächlich die Bewohner der Südsee Inseln, oder des eigentlichen Australiens, die der Philippinen, der Molucken, und die eigentlichen Malayen von der Halbinsel Malacca . Die Amerikaner bilden nach Blumenbach den Uebergang zwischen den Mongolen und Negern, scheinen aber doch vielmehr einen ganz abgeschlossenen Völkerstamm darzustellen. Die Stirn ist niedrig und schräg zurückweichend, die Gesichtszüge sind stark, die Backenknochen hervorstehend. Das Haar ist schwarz und starr, die Farbe heller oder dunkler kupferroth. – Wenn im Allgemeinen die Fluth der Völker von Osten gegen Westen statt gefunden hat, so muß dagegen in Amerika die Verbreitung von Norden nach Süden angenommen werden. Von Anahuak , dem jetzigen Mexico , kann man der Ausbreitung des alten Gila Stammes folgen, der Gleichheit der Sprache, der Gesichtsbildung und der religiösen Ansichten charakterisiren. Südlicher als der See von Nicaragua verlieren sich diese Spuren, und kein geschichtliches Factum erklärt uns den Zusammenhang der Bevölkerung von Nord und Südamerika. Außer den obengenannten Merkmalen, dem Knochenbau, dem Dermoïdalsystem, den Haaren p. p. hat man den Unterschied der Menschenstämme auch nach der sogenannten Gesichtslinie zu bestimmen versucht. Camper hat zuerst auf die Verschiedenartigkeit der Winkel aufmerksam gemacht, welche 2 Linien bilden deren eine man sich durch die Höhlen des Ohrs, bis auf den Boden der Nase, und die andere von den Hervorragungen des Stirnbeins, bis auf den am meisten hervortretenden Theil des Kinnbackenknochens, gezogen denkt. – In diesem Winkel soll nicht nur der Unterschied der Thiere, sondern auch der verschiedenen Nationen bestehen, und die Natur sich desselben bedient haben, um durch alle Verschiedenheit der Thierbildung, stufenweise bis zum Schönen, der schönsten Menschenbildung aufzusteigen. Die Vögel beschreiben den kleinsten Winkel, und dieser Winkel wird größer, je nachdem das Thier sich mehr der menschlichen Gestalt annähert, wie aus den Affenköpfen erhellt, von denen einige Arten einen Winkel von 42° beschreiben. Der Kopf eines Negers bildet einen Winkel von 70°, der eines Europäers von 80–85°. Cuvier stellt noch außer dieser Camper schen Gesichtslinie ( Faciale ) einen andern Eintheilungsgrund auf, der in der Betrachtung der Profil und Querdurchschnitte des Schedels von Innen begründet ist. Die Analogie und Verschiedenheit der Sprachen ist schon von den ältesten Völkern benutzt worden, um die Verschiedenheit der Stämme danach zu bestimmen. Herodot erwähnt das sonderbare Criterium welches Pharomiticus angewendet habe, um den Streit zu schlichten, welches die älteste Sprache sey. Er ließ 2 Kinder bei einem Hirten erziehen, der sorgfältig darauf sehen mußte, daß kein menschlicher Laut ihnen nahen durfte. Das erste Wort dieser Kinder war: beccos – welches in phrygischer Sprache Brot bedeutet. Und somit war denn entschieden, daß das Phrygische die Ursprache sey. Die Sprachverschiedenheit der Völkerstämme scheint einen Eintheilungsgrund abzugeben, der allerdings viel für sich hat. Meines Bruders W v. Humboldt : Philosophische Untersuchungen über die Vertheilung der Sprachen, auf der ganzen Erde, beweisen jedoch, daß keinesweges Gleichheit der Sprache, auch Gleichheit der Abstammung bedingt. Zwischen einer und derselben Race herrscht oft die größte Sprachverschiedenheit, während in dem Idiom der entferntesten Völker sich Analogien finden, die in Erstaunen setzen. So z. B. bemerkt man eine Sprachähnlichkeit zwischen Kopten , den Bewohnern von Congo u. den Baski schen Völkern. 11 te Vorl. Mit der letzten Vorlesung habe ich den Entwurf des Naturgemäldes vollendet, in dem ich die Hauptumrisse derjenigen Wissenschaft zu geben versuchte, welche am passendsten Weltbeschreibung genannt werden möchte, indem sie den Inbegriff der cosmischen und tellurischen Zustände umfaßt. Wenn die Art meiner wissenschaftlichen Bestrebungen mich mehr der Beobachtung von Thatsachen zugewendet hat, so verkenne ich deshalb nicht, daß, wie noch die Weltbeschreibung auch als Wissenschaft zu stellen sey, sie doch nur Materialien liefert, zu einer rationellen Naturphilosophie, deren letzter Zweck ein vernunftmäßiger Begriff der Natur seyn muß. Die Natur ist Einheit und Vielheit; sie ist der Inbegriff der Naturdinge, und der Naturkräfte – die Naturerkenntniß mithin die Kenntniß der Dinge neben oder nacheinander. In dem Naturgemälde welches ich aufzustellen versuchte, haben wir uns Rechenschaft gegeben von dem ersten Aufblicken der wahrnehmbaren Materie, die als unscheinbarer Nebelfleck sich kaum der Beobachtung darbietet, wir haben in der Geognosie die starren Theile des Erdkörpers, in der Meteorologie und Klimatologie die flüssigen Hüllen derselben betrachtet, und sind endlich von der Geographie der Pflanzen und Thiere zu den Menschenracen übergegangen, so in großen Umrissen eine Uebersicht des Geschaffenen umfassend. Bevor wir nun zu einer Auswahl individueller Ansichten aus dieser Gesammtheit übergehen, sei es mir vergönnt zuvörderst einiges über die verschiedenen Menschenstämme nachzuholen. Bei aller Dunkelheit welche die Forschungen über den Ursprung des Menschengeschlechts unsicher und ungewiß macht, ist so viel sicher, daß es keinen auf vernünftigen Schlüssen beruhenden Grund gibt, um die Möglichkeit, ja Wahrscheinlichkeit der Einheit, und gemeinsamen Abstammung der Menschen zu läugnen. Im Gegentheil zeigt das Entstehen mannigfaltiger Mittelbildungen, z. B. bei den Hausthieren, daß von einem Urtypus verschiedenartige Abweichungen statt finden können. Man hat das Daseyn von 5 Hauptstämmen angenommen, die hauptsächlich verschieden seyn sollen, durch das Pigment der Haut, den Haaren nach, u. durch die Abweichung der Gesichtslinie. Die Namen welche man diesen Stämmen beigelegt hat, sind eben so tadelnswerth, als die Abtheilung. Den Caucasiern werden z. B. die Inder beigezählt. Nun ist es aber bekannt welchen Unterschied die Griechen, schon zur Zeit der Züge Alexanders unter den Indern bemerkt haben. Wenn sie einige Völkerschaften derselben mit den Negern verglichen, so fanden sie andere weniger gefärbte mehr den Aegyptern ähnlich. Den Mongolen werden die Kalmücken und Chinesen zugezählt; letztere mit weniger ausgewirkten Zügen. Man pflegt ihnen die Tartaren entgegen zu setzen. – Wir finden die Mongolen zuerst im 9 t Jahrhundert südlich vom Baikal See. In den Analen der Chinesen heißen sie Ta-taren , und das dem Namen zugesetzte r scheint vielmehr eine spätere Verstümmelung. Das älteste Document in dem man diesen Zusatz findet, ist ein Brief Ludwig des Heiligen, an seine Mutter, nachdem jene Völker durch Rußland, nach Ungarn, und selbst bis Schlesien vorgedrungen waren. Der König spricht den Wunsch und die Hoffnung aus, daß die ganze Christenheit sich erheben werde, um diese Horden in ihre tartaria sites – Tartarusgleiche Wohnsitze zurückzutreiben. – So mag diese abweichende Benennung vielleicht nur einem bon-mot den Ursprung verdanken. Mit diesen Völkerschaften vermischt finden wir früh ganz verschiedenartige türkische Stämme, deren mehrere schon Dschengis Chan seinem Heere vereinigt hatte. Diese von den Mongolen sehr abweichenden Ties machten bald die Mehrzahl dieser verwüstenden Horden, von denen die Chanate in der Krim abstammen. Es ist dies aber eine schöne türkische Race, die sich selbst Turks oder Turuks nennen, und den Namen Tartar für gleichbedeutend mit Räuber halten. Auch der Aethiopischen Race werden sehr verschiedenartige Menschenstämme zugezählt. Die Foulah's sind die schwärzesten unter den Negern, mit den als charakteristisch angenommenen Kennzeichen dieser Bildung. Die Jolop's bei gleicher Farbe haben dagegen dünne Lippen und fast europäische Nasen. – In Amerika fand ich mannigfaltige Gelegenheit die Bildung der schwarzen Sclaven zu vergleichen, und habe mich überzeugt, daß die Simultaneität des Wollhaares, der Farbe, der Lippenbildung pp. keineswegs immer statt findet. – Die Timbook gehören einer sanften Race, von lichterer Farbe, und mit Wollhaar. Auf den Andaman Inseln, nach neueren Berichten sogar auf dem Festlande von Malacca , finden sich schwarze Menschenstämme; eben so auf Van Diemens Land, und im Innern vieler der Südsee Inseln, wo es wahrscheinlich ist, daß die Neger den Urstamm des Landes aus machen, und die Malayen sich nur wie Küstenpflanzen am Littorale angesiedelt haben. Noch muß ich hierbei der Frage erwähnen, die man aufgeworfen: ob sich denn unter den ursprünglichen Bewohnern von Amerika gar keine schwarzen Menschen gefunden? – Columbus berichtet, und noch ausführlicher sein Sohn Fernandus , daß auf St. Domingo , dem jetzt von importirten Negern bewohnten und beherschten Haity , von Südwesten her ein schwarzer Menschenstamm eingewandert sey, der eine Art Gold Metall ( Guanin nennt es Columbus , eine Mischung von Gold, Silber, Kupfer, also ein schlechtes Gold) mit sich geführt habe. – Balboa , der Entdecker der Landenge von Darien , führt einen Stamm schwarzer Menschen dieser Gegend benachbart an, die er als Negros de Guinea beschreibt. – Man hat die wunderliche Hypothese aufgestellt, daß diese Neger aus Sudan gekommen, und durch Seeräubereien nach Amerika verschlagen worden wären, obgleich die Bewohner von Sudan so wenig Schiffahrt als Seeräuberei jemals getrieben haben. Der 4 te Stamm der Malayen bewohnt hauptsächlich den indischen Archipel, die Küste von Malacca , und die östlichen Südseeinseln. Eine schöne Race, von sehr verschiedener Farbe. Auffallend ist, daß die Bewohner von Neuseeland, in der südlich temperirten Zone, etwa wie das mittlere Italien gelegen, dunkler gefärbt sind, und daß auf den freundschaftlichen, Gesellschafts und Marquesas Inseln, der Tropenhitze so viel näher, sich ein Stamm von lichterer Hautfarbe findet. Amerika in seiner ganzen Erstreckung von 57 Grad nördl. Breite bis zur Magellanischen Meerenge, wird von einer abgeschlossenen Race bewohnt, von der man jedoch die Esquimaux ausschließen muß, die, wie früher bemerkt, vielmehr zu den Europäern gehören. Man unterscheidet 3 Stämme sogenannter Polarmenschen. Die Samojeden, ein mongolischer Stamm in Nordasien, elende preßhafte, von Kälte verkrüppelte Menschen, verschieden von den größeren Samojeden auf dem Altai. Die Finnen im Norden, die man eigentlich Uralier oder Tschuden nennen sollte, und die Esquimaux von denen uns in neuerer Zeit englische Reisende eine fast zu oft wiederholte Beschreibung geliefert haben. Diese Menschen leben in Schneehütten, und haben von aller Vegetation so gar keine Idee, daß nach Capt. Parry ihre Sprache keinen Ausdruck für die grüne Farbe hat. Schon tausend und mehr Jahre vor der Entdeckung von Amerika, im 10 t Jahrhundert durch die Normannen, sind lebende Esquimaux bis zu den europäischen Küsten gelangt. Cornel. Nepos und Pompon. Mela berichten von Indern welche durch Schiffbruch an die nördlich germanischen Küsten verschlagen, zu einem keltischen König gekommen wären. Ohne Zweifel waren dies Esquimaux , von der Küste von Labrador ; denn unter Inder verstanden die Alten alle Völker von dunkler Hautfarbe, und an Ost=Indien ist in diesem Falle ohnehin nicht zu denken. Auch in viel neuerer Zeit 1682 und 1684 sind 2 mal lebende Esquimaux in ihren Faltbooten, (die nicht umfallen können, da sie wie ein Schlauch die Schiffenden umgeben) auf den Orkney Inseln Egga und Westram angekommen, und das eine Boot wird noch jetzt in der Kirche eines kleinen Städtchens aufbewahrt. Necker , ein Genfer , hat hiervon Nachricht gegeben. – Die Entfernung der Küste ist auch keinesweges so übermäßig, u. möchte etwa ¾ des mittelländischen Meeres betragen. Captain Sabine der so lange sich an der Baffins Bay aufgehalten, und den ich darüber befragte, hält die Thatsache gar nicht für unmöglich. Er versichert, daß die Faltboote niemals durchnäßt werden, und daß die Esquimaux von einer Küste der Hudson's Bay zur andern zu schiffen pflegen, indem das Fahrzeug sogar gestatte einige Provision mitzuführen. Aber auch das Beispiel weiblicher Racen kommt in Amerika vor, wie die Guacharicos , welche wahrscheinlich herstammen von den Quellen des Orenoca , zu denen noch kein Europäer vorgedrungen ist. Dieser Menschenstamm ist weiß wie die Mestizen, und doch kann bei diesem abgesonderten Stamme keine Vermischung statgefunden haben. Auffallend ist der Contrast zwischen diesen, und den fast schwarzen Ottomaken. Die lichtere oder dunklere Hautfarbe steht aber in keinem Zusammenhange mit der Höhe über dem Meere, oder mit der Breite gegen den Aequator. So sind die Zacaticas im nördlichen Mexico ungleich gebräunter als die Völker zwischen dem Amazonenstrom und dem Orenoco. Ein sehr merkwürdiges Vorkommen ist dasjenige von blonden, blauäugigen Menschen an der Nord-Westküste von Amerika, in der Gegend von Norfolk-Sound. Marchand hat zuerst darauf aufmerksam gemacht, und H. v. Schabelsky ein sehr unterrichteter Russe, bestätigt das Vorkommen europäischer Gesichtszüge, in einer Gegend wo sie durch keine Vermischung hervorgerufen seyn können. – Man möchte hierbei an den von H. Klaproth nachgewiesenen Völkerstamm von germanisch-indischer Bildung, in China denken. Wenn übrigens bei Charakterisirung des amerikanischen Stammes auf den gegen die Faciale zurückgedrückten Schedel Rücksicht genommen wird, so muß man nicht vergessen, daß nicht in allen Fällen diese Bildung natürlich ist, sondern zum Theil der Gewohnheit einiger Völkerschaften zugeschrieben werden muß, welche den Kopf neugeborner Kinder zwischen 2 Brettern zurückpressen. Dieser unnatürliche Gebrauch ist von großem Einfluß auf die Bildung des Schedels. – Diejenigen Köpfe welche ich auf den alten Schlachtfeldern der Peruaner gesammelt habe, und von solchen Völkern bei denen diese Gewohnheit nicht herscht, zeigen eine Gesichtslinie von bei weitem nicht so kleinen Winkel. Ob die auf alt mexicanischen reliefs vorkommenden Abbildungen ganz besonders großnasiger Menschen, einer eignen Art derselben nachgeformt, oder nur in der Phantasie der Künstler entstanden, ist nicht zu entscheiden. In mythischen Vorstellungen, die sich doch wohl von asiatischen Traditionen herschreiben, und an unsere eignen frühern religiösen Sagen erinnern, findet sich dieselbe Darstellungsweise. Die Schlangenfrau Eva von den Mexicanern la Señora de nuestra genannt, so wie Coxcox , der Adam , sind beide auf ähnliche Art abgebildet. Der Irrthum eines, in anderer Hinsicht verdienten Gelehrten, des H. Meiners , hat lange dem schändlichen Verkehr des Sclavenhandels zum Vorwand, und zur Entschuldigung dienen müssen. Meiners hat nämlich auf das entschiedenste die Ansicht vertheidigt, daß das Menschengeschlecht augenscheinlich in 2 bestimmt verschiedene Klassen zu trennen sey. Er nimmt an, daß es eine schöne, weiße Menschenrace gebe, der höhern Intelligenz fähig, und eine 2 te häßliche, böse, dunkelgefärbte, stumpfsinnige, die er sogar die unvollkomnere nennt, und zu ewiger Sclaverei mit Recht verdammt glaubt. Noch tiefer hat man die Würde der menschlichen Natur entadelt, indem man auf der Stufenleiter der Humanität sogar den Übergang gesucht hat, der unser Geschlecht an die Thiere knüpft, und den man in der Verwandschaft des gefabelten Orang-Utang , mit dem Waldneger, von diesem zum Buschhottentotten, und zum Papua von Neu-Guinea , gefunden zu haben wähnte. Die beiden Affenarten bei denen man diese geträumte Verwandschaft am auffallendsten glaubte, sind der Orang-Utang von Borneo , und der Schimpanse oder Jocko aus Afrika. – Von dem Orang-Utang sind nur selten lebende Exemplare nach Europa gekommen. Ein Affe dieser Art, den ich in Paris gesehen habe, war ein kleines nur 34 Zoll hohes, sanftes, häßliches Thier, mit einem dicken Wulst um den Mund, aber mit schöner, fast europäischer Stirn. Ob den Affen überhaupt mehr Intelligenz zuzuschreiben sey, als den Hunden, ist noch zweifelhaft, und wenn dem Affen in einiger Beziehung größere Geschicklichkeit zugesprochen werden muß, so beruht dies hauptsächlich auf der günstigeren Bildung seiner Hände. – Ich will hier eines Beispiels anscheinender Ueberlegung erwähnen, das ich an eben jenem Thiere bemerkt habe. Der Affe war krank, und eine Flasche mit Arzney auf dem Tische war ihm umgefallen, und dadurch in eine rollende Bewegung gerathen. Der Affe legte seinen Daumen dagegen, und hielt ihn so lange fest, bis die Oscillation der Flasche aufgehört hatte. – Allerdings eine zweckmäßige Bewegung, die aber doch hauptsächlich dadurch möglich wurde, daß der Affe einen Daumen hatte, und wenn ich nicht eben behaupten will, daß die Civilisation des Menschen auf der Existenz des Daumens beruhe, so ist doch nicht zu läugnen, daß die Art der Bildung unserer Hände den entscheidensten Einfluß auf die Entwickelung des Kunstfleißes gehabt hat. Tilesius hat das Verdienst zuerst entdeckt zu haben, daß der Orang-Utang , dem man eine so große Menschenähnlichkeit zuschreibt, keinesweges eine eigne Art ausmacht, sondern daß diejenigen Affen, an denen eine minder thierische Bildung bemerkt worden, sich in jüngerem Alter befanden, und daß dieselben Thiere sich später zu einem großen, häßlichen Pavian ( Pongo ) entwickeln. Rudolphi hat diese Beobachtung bestätigt. Eine 2 te dem Menschen angeblich näher stehende Affenart ist der Schimpanse, oder Jocko (Simia Troglodites) , der in Congo, Guinea, Angola lebt, und fast die Größe der Menschen erreicht. Nach den Berichten der Reisenden lebt dieser Affe gesellig, baut sich Hütten aus Baumzweigen, und vertheidigt sich mit Knütteln gegen Angriffe. Er ist gelehrig, kann zum aufrechten Gehen, zum Sitzen, und zum Aufwarten bei Tisch gewöhnt werden. Daß dem Affen die Fähigkeit articulirte Töne hervorzubringen, gänzlich abgeht, daß ihm die Sprache fehlt, hat Camper aus einer mangelhaften Einrichtung seiner Stimmwerkzeuge erklären wollen. Rudolphi's schätzbare phisiologische Untersuchungen beweisen, daß nicht in den Werkzeugen dieser Mangel begründet ist, sondern in etwas höherem, in der Seelenanlage. Mit Recht sagt Lordan in seiner Untersuchung über den grünen Affen: die Affen sprechen nicht, weil sie nicht zu sprechen haben. Diese höhere Seelenfähigkeit abgerechnet, fehlt es aber fast ganz an einem wesentlichen Kennzeichen den Menschen zu charakterisiren, und der Unterschied ist nur geringe, der ihn in körperlicher Hinsicht von den Thieren trennt. Das Verhältniß der Capacität des Schedels gegen die Gesichtsknochen, bietet eines der unterscheidensten Merkmale, indem in der größern Entwickelung der zum Beißen bestimmten Kinnladen, sich der vorwaltende thierische Ausdruck besonders charakterisirt. Ein 2 ter Unterschied beruht in der Abwesenheit des Intermaxillar Knochens, welcher dem Menschen fehlt. Göthe , welcher mit gleichem Genie alle Theile der Naturwissenschaft, wie der Kunst, umfaßt, hat sich früher mit diesem Gegenstande beschäftigt. – Man hat jedoch gefunden, daß einigen Affen Arten dieser Knochen eben so wohl, als dem Menschen abgeht. Nach Sömmering besteht eine bedeutende Verschiedenheit, nicht sowohl in der größeren Masse des Gehirns, sondern in dem Verhältniß des Gehirns gegen die Nerven. Doch finden auch hier Abweichungen statt, und Mekel hat bei dem Neger die Nerven des 5 ten Paares beträchtlich dick gefunden, im Verhältniß gegen das Gehirn. Man hat in dem Eigenthum des Kinnes einen Vorzug des Menschen gesucht, man hat die Anwesenheit des Hirnsandes angeführt, (der sich unter allen Thieren allein beim Dammhirsch ebenfalls findet) man hat das Vortreten der Nase von dem Kinn, als charakteristisches Kennzeichen darstellen wollen. Diese zuletzt an geführte Bildung ist uns aber mit einigen Affen, z. B. Simia rostratus gemein, wenn wir auch nicht mit einem französischen Gelehrten annehmen wollen, daß die Entwickelung der Nase hauptsächlich vom Schnauben herrühre, obgleich der Gebrauch eines Organes wohl allerdings der Anlage desselben verstärkt. Wenn wir alles zusammenfassen, so werden wir den Hauptcharakter des Menschlichen erkennen, in dem Uebergewicht des Gehirns, in der aufrechten Stellung, und in der Sprache , nicht als Folge der Stimmwerkzeuge, sondern als Ausdruck der höheren Intelligenz. 12 te Vorles. Wenn bei Aufstellung des Naturgemäldes dessen Entwurf mich bisher beschäftigte, die einzelnen Theile der großen Gesammtheit gewissermaßen als coexistirend betrachtet wurden, so möge sich jetzt die Untersuchung anschließen, wie durch den Lauf der Jahrhunderte wir zu den Kenntnissen gelangt sind, deren wir uns jetzt erfreuen. Eine geschichtliche Entwickelung dieses Fortschreitens kann nicht erwartet werden, und ich begnüge mich mit der Andeutung, wie sich allmälig die Idee von der Einheit des großen Natur Ganzen verbreitet hat. Ein dunkles Gefühl, eine begeisterte Ahndung derselben, müssen wir selbst bei den sogenannten wilden Völkern voraussetzen; das vernunftmäßige Begreifen jenes Natur Ganzen kann sich aber nur bei gebildeteren Nationen vorfinden: so wie der Horizont der Erkenntniß sich in allen Wissenschaften erweitert, so rückt auch dieser Begriff uns näher und näher. Mit gewonnener geistiger Freiheit wird der Glaube an die Einheit der Natur, zur lebhaften Erkenntniß, zum klaren Begreifen. Es ist viel und oft die Rede gewesen von sogenannten Urvölkern; man hat bald die Semiten dafür ausgegeben, bald die Atlanten , die Kelten , die Bewohner von Irak , endlich die Inder , während man, nach allen Beobachtungen annehmen kann, daß die Erkenntniß einer Natur Einheit sich bei allen wilden Völkern gleichmäßig entwickelt habe. Ueberhaupt ist wohl mit Recht die Frage aufgeworfen, und der Zweifel entstanden, ob jene uns in einem roheren Zustande erscheinenden Völker, ursprünglich Wilde zu nennen sind? ob man sie nicht vielleicht als Trümmer einer untergegangenen Kultur anzusehen habe, als gerettete Ueberbleibsel aus dem großen Schiffbruch des menschlichen Geschlechts? – Geschichtlich läßt sich hierüber nichts ermitteln, und wenn auf der einen Seite der vorgefaßte Glaube an eine primitive Naturweisheit, die Liebe zum Wunderbaren, die auf eine fast krankhafte Weise sich zu verbreiten scheint, geneigt macht, die Naturkenntnisse der Wilden zu überschätzen, so läßt sich anderseits nicht läugnen, daß auffallende Spuren vereinzelten Wissens unter ihnen angetroffen werden. – Es ist zwar natürlich, daß das einzig Geregelte das diese Wilden um sich sehen, auf sie gewirkt haben muß; die Eintheilung des Jahres braucht nicht von einer Nazion zur andern über gegangen zu seyn, und eine gewisse natürliche Astronomie hat gar nichts wunderbares. Auffallender ist es, wenn in den Nächten am Orenoco, während meiner astronomischen Beobachtungen, die Aeußerungen meiner indischen Begleiter mich zu der Bemerkung veranlaßten, daß nicht nur übereinstimmende Benennungen der Constellationen, sondern auch anderweitige Kenntnisse vom Lauf der Sterne, sich bei solchen Völkern finden, die in ungeheuren Wäldern lebend, den Himmel fast nur wie durch eine Esse beobachten können; da man doch voraussetzen möchte, das jene Idee nur auf den großen Savannen entstanden seyn könne, die einen unbegränzten Ueberblick des Sternengewölbes gestatten. Jedenfalls aber gehört die Annahme der entwickelten Naturweisheit bei den wilden Völkern, zu einer Sphäre des Glaubens, die unsern Untersuchungen fremd bleiben muß. Merkwürdig ist, die bei allen früher gebildeten, abendländischen Völkern allgemein verbreitete Sage einer Naturweisheit, die von Norden her ihnen zugekommen sey. Nördlich vom Hymalaja hat der Kultus des Buddha und des Brahma seinen Ursprung genommen, und von dorther hat zuerst Bildung sich über die Inder verbreitet. Eben so stammen bei den Chaldaeern und Hellenen die bacchischen und orphischen Geheimnisse aus Thracien her, und alle ihre religiösen Sagen sind von Norden herabgekommen. Eine sonderbare mythische Person, der Hyperboräer Abaris , dem Luftwanderer, dem ein vorangehender Pfeil seinen Weg zeigt, finden wir sogar in Amerika wieder. Man ist so weit gegangen, diese Sage auf den Compaß zu beziehen, und darin eine Kenntniß der nach Norden wirkenden magnetischen Kräfte finden zu wollen. – Ich erinnere noch an den caucasischen Prometheus , den die Sage das himmlische Feuer den Völkern herabbringen läßt, und an Pythagoras , der mit seinem Schüler oder Diener Zamolxis zu den Hyperboräern zurückgekehrt seyn soll, wo in Phöbos altem Garten, glückliche und gesittete Völker einen goldreichen Boden bewohnten. Wenn diese mannigfaltigen mythischen Einkleidungen uns nun auch bei den meisten wilden Völkern das Gefühl von der Einheit der Natur voraussetzen lassen, so dürfen wir ihnen doch keineswegs eine bewußte Erkenntniss derselben zutrauen, die eine begreifende Einsicht der Natur voraussetzt. Diese Kenntniß ist nicht bloßes Product der Intelligenz: sie kann nicht ausbrechen wie die Sprache, die in ihrer frühesten Entwickelung der epischen Poesie ihren Ursprung gab; langsam nur, im Laufe der Jahrhunderte, bei stets wachsender Erkenntniß, konnte der große Gedanke der Natur Einheit heranreifen, und als feststehende Ueberzeugung Wurzeln fassen. Wir unterscheiden 6 Epochen, welche als Hauptmomente die allmälige Verbreitung dieser Erkenntniß bezeichnen die Jonische Naturphilosophie, und die Dorisch-Pythagorische Schule. die Züge Alexanders nach dem Osten. die Züge der Araber nach Osten und Westen. die Entdeckung von Amerika . die Erfindung neuer Organe zur Naturbeobachtung, d.h. Fernrohr, Wärmemesser, Barometer von 1591–1643. Coock's Weltreisen, die ersten nicht bloß geographischen Entdeckungsreisen, die den Grund legten, zu späteren physikalischen Expeditionen. Wie überhaupt ein entscheidender Zwiespalt die beiden Stämme der Jonier und Dorier von einanderhält, so trennen sich auch die philosophischen Schulen der Jonier, und die des Pythagoras. Wenn die Erkenntniß der Jonier mehr auf einer sinnlichen Anschauung beruht, so finden wir bei den Doriern ein tieferes, ernsteres Streben, auf den Ursprung der Dinge zurückzugehen. Thales , der Stifter der jonischen Schule erkannte in dem Wasser das Prinzip aller Dinge, und nach ihm war die Erde aus dem Urfeuchten hervorgegangen. Anaximenes meinte dagegen alles sey aus der Luft entstanden, und Anaximander nahm einen Grundstoff an, zwischen dem Feuchten und der Luft. – Wir finden in dieser Schule die Idee der Verdichtung und Verdünnung ausgesprochen, folglich schon den Begriff der Attraction und Repulsion. – Empedocles behauptete die Gleichartigkeit aller Materie, und bezeichnete die zuerst von ihm aufgestellten 4 Elemente als einen Zustand der Materie. Diese 4 Elemente haben durch viele Jahrhunderte sich erhalten, und erst in der neuesten Zeit ist es mit Mühe gelungen, sich davon los zu machen. Es darf nicht übergangen werden, daß die jonische Schule in manchen Einzelheiten sehr richtige Beobachtungen angestellt hat. So untersuchte Diogenes von Apollonia die Respiration der Fische, und gelangte zu einem ganz richtigen Resultate. – Thales mag sich lange in Aegypten aufgehalten, und von den dortigen Priestern seine astronomischen Kenntniße mitgetheilt erhalten haben. Von ihm soll die Bestimmung des beweglichen Sonnenjahres herrühren, und sogar eine Sonnenfinsterniß vorausgesagt, oder errathen worden seyn. Die Verfinsterung trat ein, während die berühmte Schlacht am Halys, zwischen den Medern und Lydern statt fand, die mit der Flucht der durch das unerwartete Naturereigniß erschreckten Lyder endete. Anaximander soll die ersten Sonnen Uhren aus Babylon nach Griechenland gebracht haben, wobei ich anmerken will, daß noch zur Zeit des Aristophanes , die Eintheilung der Zeit auf keine andere Weise bestimmt werden konnte, und daß wichtige Geschäfte, Einladungen zum Mittagessen, danach festgesetzt wurden, daß der Schatten 7 od. 8' Länge haben werde. Die Schule des Pythagoras , welche durch Pherecydes mit der jonischen Schule zusammenhängt, liefert uns das erste Beispiel von einem weitverbreiteten Bunde, dessen Mitglieder sich überall zusammenfanden. Das sicherste und beste über die merkwürdige Erscheinung des Pythagoras , und über seine Lehre finden wir von seinem Schüler Philolaus aufgezeichnet. Hiernach läßt sich aussprechen, daß die Philosophie des Pythagoras eine Philosophie der Maaße und der Harmonie war: der erste Versuch des menschlichen Geistes, das numerische Element auf die Naturkunde anzuwenden, womit eine mathematische Symbolik in Verbindung stand. Eine Eigenthümlichkeit dieser Gesellschaft war, daß auch Frauen an dem pythagoreischen Bunde Theil nehmen konnten. Nach Philolaus befindet sich in der Mitte des Weltgebäudes ein großer Weltheerd: die Sonne ist ein Spiegel, welcher die Strahlen des Centralfeuers auf die Erde reflectirt. Die Ecclipsen werden durch eine Gegenerde ( Antichthon ) bewirkt, welche man später mit Amerika verwechselt hat. – Die Persönlichkeit des Pythagoras ist sehr ungewiß. Der Stifter dieser Schule wurde in der Folgezeit bei den Gnostikern und Neuplatonikern, zu einer völlig mythischen Person, indem man ihn bald mit seinem goldenen Schenkel Wunder thun ließ, bald ihn zu den Hyperboreern und Druiden hinaufführte. – Die Neupythagoräer, welche bis in die christlichen Zeiten reichen, haben wenig von der ursprünglichen Lehre erhalten. So stellt Plutarch den Pythagoras mit Numa zusammen, obgleich es erwiesen, daß fast ein Jahrhundert zwischen ihnen liegt. Es ist nicht zu läugnen, daß dies System einen merkwürdigen Einfluß auf die Entwickelung der Folgezeit gehabt, und eingewirkt hat, auf zwei der größten Geister auf Copernicus und Keppler. Wenn wir nunmehr übergehen zu den Ansichten welche Platon später entwickelte, so können wir nicht umhin den ungemeinen Scharfsinn zu bewundern, der ihn den Zusammenhang vieler Naturphänomene erkennen ließ. Besonders auffallend sind seine klaren Begriffe über die innere Verbindung der vulkanischen Erscheinungen, deren Entstehen er schon damals von kleinen localen Wirkungen unabhängig erklärte. Er stellte die Behauptung auf, daß im Innern der Erde ein Feuerstrom, der Pyrophlegeton, vorhanden sey, der durch die Vulkane mit der äußern Lufthülle in Verbindung stehe. – Diese Vorstellung ist später häufig mißverstanden worden; aber unstreitig liegt sie unserer heutigen Theorie, von der nach Innen zunehmenden Wärme, und einem glühenden Erdkern zum Grunde. – Auch über die äußere Gestaltung der Erdrinde hatte Platon großartige Ansichten, und betrachtete z. B. das mittelländische und schwarze Meer, von den Säulen des Hercules bis zu dem Phasis , als ein großes Becken, eine Niederung, worin die Griechen, wie er sich spöttisch ausdrückte, gleich Fröschen wohnten. – Sogar der erste Ursprung der neuesten Wissenschaft, der Krystallographie läßt sich bei Platon nachweisen, indem er die Bemerkung machte, daß die Flächen polyedrischer Körper unter bestimmten Winkeln aneinanderstoßen, und er darin einen Unterscheidungsgrund derselben auffand. Auch die Gebirgsarten trennt er in zwei verschiedene Gruppen, indem er ihren Ursprung zum Theil aus dem Wasser, zum Theil aus dem Feuer herleitet. Den 2 ten großen Hauptmoment in der Entwickelungsgeschichte des menschlichen Geistes bezeichnet der Zug Alexander's , der um so mehr Veranlaßung wurde, eine großartigere Ansicht der Natur zu gewähren, als früher der Horizont sehr beengt, und der Verbreitung allgemeiner Naturerkenntnisse wenig günstig gewesen war. Selbst die innerhalb eines beschränkten Raumes unternommenen Reisen wirkten eher nachtheilig, indem besonders der Anblick von Aegypten zu mannigfaltig falschen Annahmen verleitete. Das enge Flußthal, die Delta Bildung am Ausfluß des Nil, das Steigen und Fallen des Flusses, die etesischen Winde, alles dies sind Localphänomene, die nur irrthümlich auf dem ganzen Erdkörper in ähnlicher Art vermuthet werden können. Vor Alexanders Zuge kannten die Hellenen die Tropenproducte nur durch den Handel, und obgleich Alexander die Tropenklimate nicht eigentlich berührte, so lernten doch die Griechen eine Menge tropischer Erzeugnisse an Ort und Stelle kennen. Die Länder am Indus haben einen Continental Zusammenhang mit Indien, und eben die Continuirlichkeit dieser Erstreckung vermehrt die Wärme unter diesen Breiten, und läßt die Producte ursprünglich heißerer Zonen in ihnen gedeihen. – Früher hatte Ctesias in seinem Lügenbuche zuerst die persischen Wunder gepriesen; wenn er nach der Art mancher Reisender, der Wahrheit auch oft zu Nahe trat, so hat er doch das Verdienst die Griechen auf viele Tropenproducte aufmerksam gemacht zu haben. – H. von Schlegel stellt selbst die Vermuthung auf, daß die Lesung des Ctesias den Alexander vielleicht zu seinem großen Zuge veranlaßt haben möchte. Es sind uns so viele Relationen von diesem Zuge aufbehalten worden, daß wir im Stande sind ihn genau zu verfolgen. – Zu den neuen Gegenständen welche die Aufmerksamkeit der Griechen besonders erregten, gehörten Bäume, von einer solchen Höhe, daß die Pfeile nicht bis zu ihrem Gipfel hinaufreichten. Sie fanden ferner die Frucht der Bananen , und eine Menge fremdartiger Thiergestalten. (Ich will hier die geistreiche Bemerkung des eben erwähnten Gelehrten, H. von Schlegel , einschalten, der in dem mit seltsamen Thieren überladenen Indien, die Ornamente ihrer Architectur nach Thieren gebildet findet, wogegen in dem bewässerten, pflanzenreichen Aegypten die Formen von den Pflanzen entlehnt sind.) Am Indus sahen sie zuerst Elephanten, die als titanische Ochsen angeführt wurden. In der Schlacht bei Arbela geriethen 15 Streit-Elephanten des Darius in die Gewalt der Griechen, und es ist nicht unwahrscheinlich, daß eben diese Elephanten später von Pirrhus nach Italien übergeführt wurden. Auch die Monson Winde erregten Aufmerksamkeit, welche in bestimmten Jahreszeiten, nach entgegengesetzten Richtungen wehend, der Schiffahrt vom südlichen Afrika nach Ostindien bald hinderlich, bald förderlich sind. – Nearch glaubte im Indus den Nil zu erkennen – nicht bloß wegen der Krokodille welche man diesem Flusse allein eigen wähnte, sondern hauptsächlich des periodischen Steigens und Fallens wegen, das man fälschlich von dem geschmolzenen Schnee, nicht aber von den tropischen Regengüssen herleitete. Was die Menschenracen betrifft so bemerkte man in Indien zuerst, daß nicht alle Aethiopen gleicher Farbe und Gestalt sind, sondern sich in verschiedene Stämme theilen. Wie jetzt, kam man schon damals auf die Vermuthung, daß das Klima Einfluß auf das Menschengeschlecht übe, und schrieb es der Wirkung der feuchten Luft zu, daß die Negerartigen Völker in Indien kein Wollhaar haben. Alexander selbst drang nicht bis in das eigentlich cultivirte und sehr bevölkerte Indien vor, wohl aber nach ihm Seleucus Nicator , der einen gewaltigen Eroberungszug von Babylon bis an den Ganges unternahm, von welchem er unter andern 500 Elephanten mit zurückbrachte. Auffallend ist es, daß die Griechen damals nicht die indischen Zahlen kennen gelernt haben, welche so sehr viel später, wahrscheinlich über Persien nach Arabien eingewandert, und erst im 13 ten Jahrh. durch die Araber nach Europa gebracht worden sind. Wie wichtig die Erfindung war, durch 9 Zeichen, und den Werth der Position alle möglichen Gruppen von Zahlen auszudrücken, wird dann besonders klar, wenn man bedenkt, wie beschwerlich die römischen Zahlen, durch ihre Juxtaposition die kleinste Rechnung machen, und wie man, so lange man sich derselben bediente, in der Arithmetik unmöglich vorwärts kommen konnte. Daß die Griechen viel von den Chaldäern in der Himmelskunde lernten, ist um so wahrscheinlicher als in Babylon eine eigne Priesterkaste, die den Belus Tempel bewohnte fast ausschließend mit astronomischen Beobachtungen beschäftigt war. Die wunderliche Architektur des Gebäudes, das dieser Zunftgenossenschaft zum Wohnsitz diente, hat ein besonderes historisches Interesse. Eine Himmelhohe Treppen Pyramide diente zu gleicher Zeit zum Grabmal, zur Sternwarte, und zum Tempel, und läßt uns den berühmten Thurm zu Babel nicht verkennen. – Merkwürdig ist, daß derselbe Typus der Architektur sich in Amerika wieder findet, und daß den zu Anfang des 16 ten Jahrhunderts in Mexico aufgeführten Tempel Gebäuden eine ganz ähnliche Idee zu Grunde liegt. Wohl mit die schönste Frucht der Züge des Alexander , ist das Werk des Aristoteles . Wenn wir auch nicht annehmen wollen, daß, wie Plinius erzählt, 1000 Vogelfänger und Schützen im Heere Alexander's angestellt gewesen, um alles bemerkenswerthe für ihn einzusammeln, so müssen wir doch ein reiches Ergebniß dieser Bestrebungen anerkennen. Indeß hat Aristoteles unverkennbar die Tendenz eine nüchterne Naturbeschreibung an die Stelle des Gedankens von der Einheit der Natur zu setzen. – Sein Hauptwerk ist die Naturgeschichte, in der sich der Geist des Sammelns, der ihm vor allen eigen ist, besonders ausspricht. Auf seiner schönen Villa hatte er für die damalige Zeit eine gewiß einzige Naturalien Sammlung, auf die Alexander 500 Talente gewandt haben soll. Später wurde in Alexandrien nach diesem Muster ein Museum angelegt, dem bald eine Bibliothek folgte. In vielen Städten Vorderasiens wurden ebenfalls Bibliotheken zusammengebracht, so daß selbst ein Mangel an Papyrus entstand, dessen Ausfuhr in Aegypten man zu verbieten sich veranlaßt sahe. Unter den um die Naturwissenschaft verdienten römischen Schriftstellern nimmt Strabo eine ausgezeichnete Stelle ein, der in Augustus Gefolge die meisten Provinzen des römischen Reiches durchwanderte: wir haben von ihm eine physische Erdbeschreibung, in der vortreffliche Beobachtungen enthalten sind. Plinius 37 Bücher gehören zu den großartigsten Unternehmungen der alten Welt, in wissenschaftlicher Hinsicht. Der Plan des Werks war jedoch zu umfassend angelegt, um in allen Theilen auf gleiche Vollendung Anspruch machen zu können. Ich will hier nur erwähnen, daß Plinius unter andern die Meinung bestimmt ausspricht: daß ein gemäßigtes Klima die Ausbildung des menschlichen Geistes am meisten begünstige, während zu große Kälte an den Polen ihn austrockne, zu große Hitze unter den Tropen ihn versenge. Unter Hadrian kam der ganze Wust der morgenländischen Theosophie mit den Neuplatonikern und Gnostikern nach Rom, während vom Kaiser besonders die aegyptischen Religionen begünstigt wurden. – Von den Gnostikern kann man annehmen, daß sie wieder auf die Idee von der Einheit der Natur zurückführten. Es ist gewiß daß sie Chemie studirten, und manche schöne Entdeckung machten. Sie lernten hierin von den Phöniziern und Aegyptern, von denen es bekannt ist, daß sie sich ganz besonders mit dem Studium der Natur der Stoffe beschäftigten: so wie denn auch vieles was man in den aegyptischen Gräbern findet, eine tiefe chemische Kenntniß verräth, wovon wir uns durch die schöne Sammlung des Herrn Passalaqua überzeugen können, deren Besitz wir der Munifizenz des Königs danken. Vom Caligula weiß man, daß er eine große Neigung zur Goldmacherei hatte, und aus dem Schwefelarsenik das edle Metall herzustellen glaubte. Beiläufig möge hier die Etymologie des Wortes Chemie eine Stelle finden. Plutarch erwähnt zuerst χυμεια, indem er damit Aegypten bezeichnet, als das Land des Cham . Auf dem berühmten Rosetta schen Stein, dessen Inschrift den ersten Schlüssel zur Entzifferung der aegyptischen Charaktere gegeben hat, findet sich das Wort stets um damit Aegypten auszudrücken. Da nun auf Koptisch mit demselben Ausdruck der Begriff schwarz bezeichnet wird, so scheint Chemie, aegyptische Kunst, schwarze Kunst vollkommen gleichbedeutend. 13 t Vorl. Wenn in den Zeiten der spätern Kaisern, die aufkeimende würdigere Ansicht der Natur, durch mannigfaltige mythische Ideen verdunkelt wurde, wenn gehässige Streitigkeiten über religiöse Gegenstände und allgemeine Unduldsamkeit viel zur Schwächung des römischen Reiches beitrugen, so verbreiteten die nachfolgenden Einfälle der Barbaren vollends eine tiefe Nacht über das Abendland, während Griechenland, obgleich denselben Mängeln unterliegend, sich doch einen Schein des Lichts bewahrte. Die 3 te Epoche wird durch den Einfall der Araber bezeichnet, durch welchen ohne Zweifel die in Schwachheit versunkene Welt wieder aufgefrischt worden ist. – Die Araber waren ein wandernder semitischer Stamm, und warfen sich, nachdem sie 50 Jahr erobernd in Arabien umhergezogen, zuerst auf Aegypten. (Es muß bemerkt werden, daß, wohl schon viel früher eine ähnliche Invasion statt gefunden. Herr General Rühle von Lilienstern hat es wahrscheinlich gemacht, daß die uralten Hyksos nichts anderes waren, als ein erobernder semitischer Stamm der Perser oder Meder.) Kaum aber haben sie ihre vaterländischen Gränzen verlassen, so verbreiten sie sich mit solcher Schnelligkeit, daß in unbegreiflich kurzer Zeit von den Ufern des Ganges, bis an die Säulen des Hercules, alle Völkerschaften ihnen unterthan sind. Sie selbst vergleichen sich in ihren Gedichten einem Wolkenzuge, der an den Bergen lagert, um jeder Richtung des Windes zu folgen. Um die Araber kurz zu charakterisiren, so kann man sie im Allgemeinen unwissend nennen, aber nicht roh. Einzelne unter ihnen zeichnen sich aus durch eine große Liebe zur Natur, die sie gründlicher zu untersuchen anfangen, und man möchte die Art unserer heutigen Naturbeobachtung von den Arabern dati ren. Früh schon, von Mohamed hatten griechische Aerzte aus der Schule von Edessa und Athen wissenschaftliche Kenntnisse unter ihnen verbreitet, und die Dichtkunst hatte selbst eine schöne Blüthe erreicht. Zu Mecca und Okkadh waren im 5 ten Jahrhundert lyrische Kampfspiele angeordnet, die nicht unähnlich den olympischen, zu gewissen bestimmten Zeiten gehalten wurden. Die Gedichte denen man den Preis zuerkannte, wurden mit goldnen Buchstaben auf Byssus geschrieben, und in der Caaba zu Mecca aufgehängt. (Von Antara ist eine der 7 Moallakah , und Hamaza Heldenlieder sind kürzlich von Prof. Freitag in Bonn edirt worden.) Den höchsten Flor des Reichs kann man unter den Hascheniden und Abbassiden annehmen. Al-Manzur , ein Chalif der letzteren Dynastie erbaute Bagdad (762) zur Residenz, wo unter dem großen Harun-al-Raschid , gelehrte Schulen gestiftet wurden, so wie auch zu Mosul . Diese erhielten ihren ersten Glanz durch griechische Flüchtlinge, die wegen orthodoxer Verfolgungen ihr Vaterland aufzugeben, sich gezwungen sahen. So muß es denn dankbar erkannt werden, daß Griechenland, die alte Wiege abendländischer Kultur, von jeher, selbst im Stande der tiefsten Versunkenheit, Strahlen der Civilisation nach allen Seiten ausgesendet hat. Harun-al-Raschid ließ die Werke der berühmtesten griechischen Gelehrten ins Arabische übersetzen, durch einen eignen Uebersetzer-Ausschuß, der diese Uebertragungen durch viele Abschriften verbreitete. Einer seiner Nachfolger, der Khalif Al Mamum machte es zur Bedingung eines Friedensschlusses, daß der griechische Kaiser ihm mehrere ausgezeichnete Manuskripte (den Almagest des Ptolomäus ) überlassen mußte. – Mit der Dynastie der Abbassiden wetteiferte die der Ommajaden in Spanien. Was Bagdad in Asien, war die hohe Schule von Cordova für Europa, wo denn überhaupt im 10 t Jahrh. die Araber die Stütze der Litteratur wurden. – In Astronomie, Geographie, Medicin und Physik hat ihr Fleiß sehr glücklich und nützlich gewirkt, und noch zeugt manches arabische Kunstwort von ihrem Einfluß, selbst auf unsere heutige Kultur. Namentlich trägt der Himmel die Spuren ihrer Herschaft, indem die meisten Constellationen arabische Benennungen haben. – Schon früher ist erwähnt worden, daß die indischen Zahlzeichen durch die Araber in Europa eingeführt wurden, die höchst wahrscheinlich im 13 ten Jahrh. über Persien ihnen zugekommen waren. Erst im 14 t Jahrh. wurden diese Ziffern nach ihren Verbreitern die Arabischen genannt, durch den Handel der Genueser und Venetianer allgemeiner bekannt. Das erste Document in dem die Bezeichnung der Jahreszahl auf diese Weise vorkommt ist ein Brief des Petrarca über den heiligen Augustinus vom Jahre 1373. Zu ihren wichtigsten chemischen Entdeckungen gehört die Auffindung der Säuren: sie kannten die Salpetersäure, und das Königswasser, deren Entdeckung man fälschlich dem Raimundus Lullus zuschreibt: sie gebührt dem großen Abelmousa Schafr el ? Auch die Kunst des destillirens sind wir den Arabern schuldig: sie verfertigten Alkohol und Naphta, und kannten das Quecksilberoxyd. Wir bemerken 2 Reflexe des arabischen, wissenschaftlichen Lichtes; den einen nach Osten hin, gegen die Mongolen, wo ein Enkel des Timur zu Samarkand einen Sternkatalog anfertigen ließ: den andern im Westen, wo in Spanien Alphons X. (1252- 1284, mit einer Toleranz, die man jetzt kaum begreifen würde) zu Toledo einen Congreß von christlichen, jüdischen und saracenischen Astronomen vereinigte, durch welche die berühmten alphonsinischen Tafeln ausgearbeitet wurden. – Der Historiker Mariana sagt von diesem Könige: er verlor die Erde, indem er zu viel nach den Sternen sah. Die glänzende Epoche der arabischen Herschaft beginnt 640 mit der Eroberung von Aegypten, und schließt 1236 mit der Eroberung von Cordova durch Ferdinand III. Einen schwachen Abglanz der arabischen wissenschaftlichen Bestrebungen finden wir bei dem Spanier Raimundus Lullus aus Majorca , in dessen Schriften aber ein mystischer Spuk vorherrscht, den er die : ars magna , nennt. Bei weitem höher steht Roger Baco , ein englischer Mönch des 13 ten Jahrh., der durch die Kraft seines Genie's sich weit über sein Zeitalter erhob, und in mehreren Wissenschaften Entdeckungen machte, welche die Bewunderung der Nachwelt verdienen. Man kann sagen, daß von ihm eine völlige Reform der Naturlehre ausging. Der Zauberei angeklagt, und von dem General des Franziskaner Ordens verfolgt, mußte er viele Jahre seines Lebens im Kerker schmachten. Wenn hier abermals ein sichtbarer Ruhepunkt eintritt in der Geschichte menschlicher Bestrebungen in Erkenntniß eines Naturganzen, so ist doch der organische Zusammenhang nicht zu übersehen, wie sich allgemach die wichtige 4 te Epoche vorbereitete, welche wir mit der Entdeckung von Amerika bezeichnen. Gleichzeitig mit dem Aufblühen des Handels der italienischen Freistaaten, datirt die für das Vorschreiten der Wissenschaften merkwürdigste Erfindung der Buchdruckerkunst (1436) und ein allgemeiner erwachendes Interesse für die klassische Litteratur. Die Verbindung zwischen Griechenland und Italien war nie ganz aufgehoben gewesen: wie denn Apulien und Calabrien noch lange unter byzantinischer Herrschaft blieb. Der normännische König Robert von Neapel schickte 1453 eigne Gesandte nach Constantinopel, um von dorther Handschriften von guten Autoren zu erlangen. – Wir erinnern uns hier besonders an die Namen: Petrarca, Boccaccio, Lascaris, Poliziano, Bessarion – Männer die sich besonders ausgezeichnet haben im Kampf gegen die Scholastiker, und durch deren Bestrebungen die allgemeine Schätzung der klassischen Litteratur so sehr befördert worden ist, um deren Erweckung sich auch die Akademie der Medicäer zu Florenz Verdienste erworben hat. – Durchaus ungegründet ist die Behauptung, daß das Studium der klassischen Autoren von dem der Natur abgeführt habe, vielmehr danken wir dem erwachten Sinn für die Klassiker, die erneuerte Kenntniß vieler einzelner Zweige der Wissenschaft, deren Horizont durch materielle geographische Entdeckungen sich so sehr erweitern sollte. Schon im Jahre 1003 waren scandinavische Schiffer nach New foundland gekommen, wo sie eine Art Weinstock (unseren Vitis vinifera zum Verwechseln ähnlich) gefunden hatten, wonach sie dem ganzen Lande den Namen Wienland gaben. Später im Jahre 1390 besuchten die Brüder Zeen den großen westlichen Continent, und obgleich ihre Nachrichten von den einzelnen Ländern dunkel und verworren sind, so kann man doch mit Gewißheit annehmen, daß sie einen Theil der vereinigten Staaten müssen gesehen haben. – Frühere ausgedehnte Landreisen, besonders nach Asien hin, hatten mit der großen Erstreckung unserer Erdhälfte gegen Osten bekannt gemacht, und auf die Annahme der Rundung der Erde geführt. Die meisten dieser Reisen, von Mönchen unternommen, waren großentheils ohne bedeutendes Ergebniß für die Naturwissenschaft geblieben, mit Ausnahme derjenigen des Venetianers Marco Polo , der nicht nur die nördlichen Theile von Asien bereiste, sondern auch seinen Rückweg durch das Tropenklima von Jawa und Sumatra nahm. Es war dies ein zuvor ungebildeter, aber geistreicher Mann, der interessante naturhistorische Bemerkungen gemacht hat, und unter andern auf den hohen Bergen der Bucharei den verminderten Luftdruck erkannte, und die Schwierigkeit auf diesen Höhen Feuer anzuzünden. Aber wie unbedeutend ist der Einfluß einzelner Reisender im Vergleich mit dem Leben großer Heere, ja ganzer Völker, die nach Entdeckung des neuen Continentes nach Amerika hinübergezogen und Städte gründeten auf Höhen die selbst unter dem Aequator die Schneegrenze erreichen. Merkwürdig, und unstreitbar einwirkend ist es, daß um dieselbe Zeit dieser wichtigen Entdeckung die schönsten Gebilde der griechischen Kunst, aus dem Schooße der Erde ans Licht kamen, und aus ihren Gräbern wieder hervorgingen. Von 1498–1506 fand man den Laocoon , den Apoll und den Torso . Gleichzeitig mußten auch Luther und Calvin auftreten, um dem menschlichen Geschlechte eine neue Geistes Freiheit und Stärke (denn beide sind eins) zu erwerben. Copernicus neues Weltsystem wurde erst kurz vor dem Tode des großen Mannes bekannt, um das Jahr 1543, obgleich es erwiesen ist, daß er es ungleich früher vollendet hatte. Bei seiner gründlichen Bekanntschaft mit dem klassischen Alterthum hatte er gefunden, daß mehrere alte Schriftsteller, wie Nicetas, Ecphontes pp. von einer Bewegung der Erde reden und wenn dies auch auf eine leere, nichts sagende Weise geschieht, so hatte er doch darin Veranlaßung gefunden, näher darüber nachzudenken. Er glaubte nur das System des Philolaus herzustellen, obgleich dieser keinesweges die Sonne, sondern einen großen Weltheerd als Mittelpunkt des Weltgebäudes annahm. Besonders begeisterte ihn, wie Prof. Ideler nachgewiesen hat, eine Stelle aus dem Werke des Martianus Capella , der den Mercur und die Venus um die Sonne kreisen läßt. Die dem System des Copernicus analogste Stelle, die bei den Alten über die Bewegung der Erde vorkommt, die vom Aristarch von Samos kann er nicht einmal gekannt haben. Die steht im Arenarius des Archimedes , der nach Ideler erst ein Jahr nach des Copernicus Tode zu Venedig herauskam. Diese vorbereitende Entwickelung, wie diese gleichzeitigen Erscheinungen bezeichnen die Entdeckung der neuen Erdhälfte, als die merkwürdigste Epoche in der Geschichte des menschlichen Geistes, und von hier an datirt eben so recht im Allgemeinen eine großartigere Ansicht der Natur, als insbesondere die Ausbildung einer eigentlichen physicalischen Geographie. – Eine Menge neuer Erscheinungen boten sich den Ankömmlingen in Amerika dar. Man fand einen großen Continent, von ununterbrochener Erstreckung, in dem unter dem Aequator Schnee auf den Bergen liegt. Dies führte auf eine genauere Bestimmung der unteren Schneegränze in den verschiedenen Klimaten, die man nach ihrer relativen Höhe über dem Meere unterscheiden lernte; so wie man auch die Pflanzen und Thierformen verschieden fand, je nach der Höhe und Breite unter der sie vorkommen. Man warf die Frage auf, warum Amerika unter dem Gleicher nicht so heiß sei als Afrika, und ob in seiner ganzen Erstreckung es irgend von Negern bewohnt werde? Man fand, daß seine Einwohner einen abgeschlossenen Menschenstamm ausmachen, der zwar unter sich verschieden, durch einen eigenthümlichen Bau der Backenknochen übereinstimmt, noch mehr aber durch eine gewisse grammatische Analogie der Sprache verbunden ist, in denen man bald semitische, bald sogar baskische Anklänge zu vernehmen glaubte. Alles dies mußte gründliche Untersuchungen über die Menschenracen anregen, und verbreiten. Ganz besonders beschäftigte damals die Frage, die noch jetzt der Gegenstand von Untersuchungen ist, von woher die erste Bevölkerung dieses Erdtheils an Menschen und Thieren gekommen, und ob eine Einwanderung ,vom nördlichen Asien her wahrscheinlich sey? Ein sonst geistreicher Schriftsteller glaubte, um das Ueberkommen der reißenden Thiere zu erklären, zu der Annahme genöthigt zu seyn, daß sie als ganz kleine Thiere in denselben Booten, worin die Menschen kamen, mit eingeschifft worden wären. Mit der Entwickelung so vieler andern Kenntniße eröffnete sich auch eine neue Ansicht über die Natur des vulkanischen Feuers. Noch nirgend hatte man so lange Reihen von Vulkanen gesehen, wie hier in der Andeskette, wo die Ausbrüche der innen wirkenden Kräfte bald auf dem Rücken derselben statt finden. bald am Fuße der Gebirge, wie in der Central Republik Guatemala . – Ebenfalls wurde man damals aufmerksam auf die Strömungen der Meere, namentlich auf den mehrmals erwähnten Golphstrom, der sich von den Antillen bis nach Norwegen und Ireland erstreckt, und von dem Petrus Martyr de Anghiera in seiner Oceanica eine eben so lebhafte als gründliche Beschreibung giebt. Ein ganz neuer Himmel zeigte sich dem erstaunten Europäer. Man sah die Magellanischen Wolken, die mit dem Glanz der Milchstraße den südlichen Pol umkreisen, so wie jene schwarzen Flecken, Kohlensäcke, genannt, die zu so mannigfaltigen Hypothesen Anlaß gegeben haben. Aber keine der Constellationen war geeigneter einen lebhaften Eindruck auf die Phantasie zu machen, als das südliche Kreuz, das erst mit der Entdeckung von Amerika den nördlichen Völkern bekannt wurde. – Ich will hierbei der erhabenen Stelle des Dante im Purgatorio [I, 22–27] erwähnen, die von den berühmtesten Commentatoren auf dieses Sternbild bezogen worden: Io mi folsi a man destra, e puosi mente    All'altro polo, e vidi quattro stelle    Non viste mai fuor ch'alla prima gente. Goder pareva il ciel di lor fiamelle:    O settentrional vedovo sito,    Poi che privato se' di mirar quelle! Ich wandte mich zur Rechten aufmerksam    dem Pol des Südens zu und sah vier Sterne,    die niemand seit dem Sündenfall gesehen. Der Himmel, schien es, freut sich ihres Glanzes.    Bedauernswertes Menschenland im Norden,    daß es dir nicht vergönnt ist, sie zu schauen. Denn obgleich Dante 1321 starb, so konnte er doch durch Venezianische u. Genuesische Schiffer die im arabischen Meerbusen Handel trieben, Nachricht von diesem Sternbilde bekommen haben, das in jenen Gegenden allerdings sichtbar ist. Wie mächtig die Entdeckung von Amerika auf die Gemüther der Zeitgenossen eingewirkt hat, wie mit nichts anderm vergleichbar der Eindruck gewesen, welchen sie hervorbrachte, davon finden wir die Spuren in allen gleichzeitigen Schriftstellern. Zwei Bücher jedoch sind als besonders reichhaltig anzuführen für denjenigen der sich einen Begriff machen will von den Umwälzungen in den wissenschaftlichen Ansichten, welche als Folge dieser großen Begebenheit zu betrachten sind. Acosta's Naturgeschichte ist für die Geographie besonders wichtig, wogegen Pet. Mart. de Anghiera besonders die klimatischen Verhältnisse berücksichtigt. Letzterer ein Geheimschreiber Carl V hatte den Columbus persönlich gekannt, und von ihm ist uns ein Brief aufbehalten, vom Jan. 1493, in dem er mit gleicher Lebendigkeit und Würde des Ausdrucks den Eindruck schildert, welchen die Nachrichten von dem Umfange u. der Wichtigkeit der großen Entdeckungen, auf ihn und seine Freunde hervorgebracht hatten. Daß um dieselbe Zeit die ergraute scholastisch-dogmatische Philosophie, welche jeder freieren Untersuchung die lähmendsten Fesseln angelegt hatte, einer reineren Naturanschauung weichen mußte, ist unstreitig mehr dem fortrückenden Geist der Zeit als dem Einflusse einzelner Männer zuzuschreiben. Doch verdienen hier 3 derselben genannt zu werden, deren Werken und Schriften von dem entschiedensten Einflusse waren. 1.  Giordano Bruno , ein Pantheist, der sich zuerst das copernikanische System aneignete, zu London, Paris und Wittenberg Naturwissenschaften lehrte, und das sonderbare Schicksal hatte, von Calvin verketzert und von der Inquisition in Venedig verbrannt zu werden. 2. der Kanzler Baco von Verulam einer der ausgezeichnetsten Geister, deren ein Zeitalter sich zu rühmen hat, der es fühlte und darthat, daß in allen Zweigen der positiven Wissenschaft, der einzige Weg zur Wahrheit die Beobachtung der Natur sey. 3. der Italiener Campanella der durch Beobachtungen und Versuche sich um die Wissenschaft ganz besonders verdient gemacht hat. Die 5 te Epoche von 1590–1643 ist durch die Entdeckungen neuer physikalischer Instrumente bezeichnet, welche der sinnlichen Beobachtung, (mit der natürlichen Stärke unserer Sinne) geschärftere Organe hinzufügt. Wir heben hier insbesondere 4 Werkzeuge heraus, welche die Fortschritte der Wissenschaft merkwürdig gefördert haben: das Fernrohr, das Thermometer, das Barometer, und wenn es erlaubt ist eine der schönsten Entdeckungen ein Organ zu nennen, die Infinitesimal-Rechnung. – Das Fernrohr wurde 1590 von Janssen in Middelburg erfunden, und bis zum Jahre 1611 waren schon die wichtigsten Entdeckungen damit gemacht. Die Jupiterstrabanten waren aufgefunden, die Phasen der Venus beobachtet, und somit ein neuer Beweis für die Richtigkeit des Copernikanischen Weltsystems geführt. Das nebliche Ansehen der Milchstraße hatte vor dem Fernrohr sich in unendliche Sterne aufgelöst; der Ring des Saturn war entdeckt, und die Berge des Mondes wurden gemessen. Die Sonnenflecke führten auf die Kenntniß der Rotation des großen Weltkörpers, so wie die Anwendung des Fernrohrs bei astronomischen Winkelmessungen, eine früher stets mangelnde Genauigkeit erreichen ließ. Das Thermometer 1660 von Drebbel in Alkmar erfunden, machte aufmerksam auf die Verschiedenheit der Klimate, und ihren Einfluß auf die allgemeinen Vegetationsverhältnisse. Doch erst als Réaumur hundert Jahre später dies Instrument durch die Bestimmung der beiden festen Punkte comparabel gemacht hatte, konnte man sich desselben bei klimatischen Untersuchungen mit Nutzen bedienen. 1643 erfand der große Torricelli das Barometer und der geistreiche Philosoph Pascal wandte dasselbe auf die Messung der Berghöhen an. Es ist augenscheinlich daß das Barometer sehr viel zu einer genaueren Kenntniß der Erdoberfläche beigetragen hat, indem insbesondere die Anwendung dieses Instruments zu Höhenbestimmungen, uns mit der Lage vieler Länder und Städte bekannt gemacht hat, was durch trigonometrische Messungen weder so schnell, noch in diesem Umfange zu erreichen gewesen wäre. So z. B. können wir mittelst des Barometers schnell bestimmen, daß München auf einem weiten plateau 1200 Fuß über dem Meere gelegen ist, wogegen dieselbe Bestimmung durch Nivellement bis zum Meeresufer großen Kosten und Zeit Aufwand, erfordern würde. Das einflußreichste Organ aber ist unstreitig die Analysis des Unendlichen, zu gleicher Zeit entdeckt von Newton und Leibnitz. Die Anwendung derselben auf Physik und Astronomie war von der entscheidendsten Wichtigkeit, und erscheint als eine der größten Begebenheiten in der Geschichte der physikalischen Wissenschaft, die von nun an, da auch die Beobachtungen sich immer mehr häuften, mit Riesenschritten vorwärts ging. Je mehr wir uns aber der neueren Zeit nähern, um so schwerer wird es ein klares Bild von dem Vorschreiten in der Einsicht des Naturganzen zu unterwerfen, indem die Beobachtungen und Erfahrungen immer zahlreicher und wichtiger wurden. Wenn wir uns aber streng daran binden, das Gleichartige unter einem Gesichtspunkt zu vereinigen, so werden wir nicht anstehen, mit den Weltreisen Cook's die 6 te Epoche, oder den letzten Ruhepunkt zu bezeichnen. Durch diese erste große nautische Expedition, die nicht bloß auf Entdeckungen berechnet war, wurde die geographische Kunde des Erdkörpers in großen Massen vollendet. Neu Holland wurde zwar nicht zuerst entdeckt, aber doch ein großer Theil desselben umschifft und geographisch bestimmt. Die magnetischen Linien wurden nicht allein nach ihrer Declination, sondern auch nach ihrer Inclination genauer gezogen. Die Temperatur des Meeres, seine Tiefe und abnehmende Wärme wurde untersucht und festgestellt, und der jüngere Forster lieferte eine geistreiche Beschreibung, eben so der Sitten verschiedener Völker, als des phisiognomischen Anblicks der Pflanzen, und ihm gebührt das Verdienst alle diese Beobachtungen philosophisch zusammengefaßt, und in ein Naturbild vereinigt zu haben. Was die Landreisen betrifft, so sind dieselben in den neusten Zeiten nicht so ausgedehnt gewesen, als im Mittelalter. Damals gehörte es nicht zu den Seltenheiten, wenn ein Europäer die äußerste Gränze von China erreichte, und von dort über Timbouctu nach Cordova gelangte: allein der Nutzen der neueren eingeschränkteren Landreisen ist ungleich bedeutender, schon in Rücksicht auf die zur Beobachtung geschärften Organe. Für Asien will ich nur insbesondere nennen Gmelin, Niebuhr und Pallas ; für Europa Saussure ; für das Cap d. gut. Hoffnung Barrow u. Lichtenstein . Durch die neueren Expeditionen in das Innere von Afrika von Hornemann, Burckhard, Denham und Clapperton sollten mehr geographische, als eigentlich physikalische Zwecke erreicht werden. Die Gründung der Geognosie als Wissenschaft ist einzig das Ergebniß von Forschungen der neuesten Zeit. Durch die Verbindung der Zoologie und vergleichenden Anatomie mit der Geognosie, durch die Entdeckung der geognostischen Reisen, der relativen Folge der Erdschichten, ist man dahin gekommen die Gebirgsformationen mit Sicherheit zu bestimmen. Den raumdurchdringenden Instrumenten von Herschel und Frauenhofer danken wir die Erweiterung unserer Ideen vom Weltbau, der täglich durch neue Entdeckungen in unserer Erkenntniß an räumlicher Ausdehnung gewinnt. Die physikalischen Entdeckungen häufen sich in dem Maaße, daß es unmöglich wird hier auch nur einen allgemeinen Ueberblick derselben zu geben. Doch will ich der einflußreichen Volta schen Säule erwähnen, einer der größten Entdeckungen des Jahrhunderts, die noch wichtiger wird, durch die Anwendung davon, welche Davy und Berzelius auf die Zerlegung der sonst einfach genannten Stoffe gemacht haben. Eben so will ich nur anführen, daß Oerstädt die Identität der electrischen und magnetischen Kraft nachgewiesen, und daß Malus und Arago uns zugleich mit der Polarisation des farbigen und unfarbigen Lichtes bekannt gemacht, und dadurch in den Stand gesetzt haben, die physikalische Beschaffenheit der entferntesten Weltkörper zu untersuchen. 14 t Vorles. Die Weltansicht, als Product der menschlichen Intelligenz, hat nicht in allen Perioden gleich schnelle Fortschritte gemacht, indem wir bald eine Tendenz zur speculativen Philosophie, bald zum dichterischen Schaffen vorhersehend finden. Die Hauptentwickelung derselben gehört ganz unstreitig der neuesten Zeit an. Bei den Alten fand die Entwickelung der Kultur fast nur um das Mittelmeer herum statt, wogegen später die Civilisation sich räumlich weiter ausgebreitet hat. Wenn aber von den Neueren alle Zweige der Wissenschaft mehr gleichzeitig kultivirt wurden, so kann man doch darum die Fortschritte nicht gleichmäßig nennen, die vielmehr in den meisten Wissenschaften mehr stoßweise erfolgten. Einzelne Zweige des Wissens, z. B. die Beobachtungen der magnetischen Erscheinungen, scheinen oft lange gewissermaßen zu ruhen, um dann mit einem male um so größere und bedeutendere Fortschritte zu machen. So berechtigte die große Entdeckung der Contacts Elektricität, im letzten Jahrzehend des vorigen Jahrhunderts zu bedeutenden Hoffnungen die durch die Fortschritte in der Wissenschaft vollkommen erfüllt sind. – Im Jahre 1791 entdeckte Aloys Galvani , ein Arzt in Bologna , zufällig, daß der abgeschnittene u. von der Haut entblöste Schenkel eines Frosches in dem Augenblick Zuckungen bekam, wo man zwei Metalle, wovon das eine einen Nerv, das andere einen Muskel berührte, unter sich in Berührung brachte. Volta's Scharfsinn erkannte den Grund dieser Erscheinung in einer schwachen entgegengesetzten Elektricität welche durch die Berührung zweier Metalle erregt wurde. Nicht Zufall, sondern Nachdenken leitete ihn auf die Entdeckung des Mittels, wodurch diese Art der Elektricität auf eine bewunderungswürdige Weise verstärkt werden kann, und führte ihn auf die Construction der Volta schen Säule. So kam diese Entdeckung auf die man früher für die Phisiologie große aber nicht erfüllte Hoffnungen gegründet hatte, der Physik und Chemie zu Gute u. wurde das Mittel diese Wissenschaft auf eine zuvor nicht geahndete Höhe zu fördern. Berzelius , noch vor Davy , benutzte die Wirksamkeit dieser Säule, welche sich so unglaublich steigern läßt, zur Zerlegung verschiedener Stoffe, welche man bisher für einfach gehalten hatte. Auf demselben Wege entdeckte Humphry Davy 1807 das metallische Radikal des Kali, dem bald das der übrigen Alkalien und der meisten Erden folgte, in denen man sämtlich Metalle erkannte, die sich in einem oxidirten Zustande befinden, aus dem sie sich regulinisch darstellen lassen. So lernten wir im Calium, (Potassium) ein Metall von ausgezeichneten Eigenschaften kennen, das leichter als Wasser, bei 55°R völlig fließend unter dem Wasser entzündbar ist. Die nähere Bekanntschaft mit diesen neu entdeckten Metalloiden, läßt uns für die Folge Aufklärung noch manches neuentdeckten Phänomens hoffen; insbesondere scheinen diese Stoffe, die höchst wahrscheinlich in unoxidirtem, ungesäuerten Zustande, in großen Massen im Innern der Erde sich befinden mit den Vulkanischen Erscheinungen zusammen zu hängen, deren Veranlaßung man vielleicht zum Theil in denselben zu finden hat. Von merkwürdigem Umfang, und einflußreicher Wirkung sind insbesondere die Entdeckungen welche seit 15–20 Jahren in der Optik gemacht worden. Einige, diese Untersuchungen betreffenden Erscheinungen, waren der Beachtung früherer Naturforscher gänzlich entgangen; wie dies insbesondere mit der Polarisation des Lichtes der Fall war, welche Erweiterung der Wissenschaft wir dem früh verstorbenen Malus verdanken. – Das hauptsächlichste dieser Entdeckung besteht darin, daß ein unter gewissen Winkeln reflecktirtes Licht, der Zurückwerfung von einem 2 ten , in anderer Richtung sich befindenden Spiegel entgehen kann. Schon längst kannte man an dem kristallisirten Kalkspath, (dem sogenannten Isländischen Doppelspath) die Eigenschaft jeden Lichtstrahl der in denselben eindringt, in zwei Strahlen zu spalten. Der eine Theil des gebrochenen Strahls befolgt das allgemeine Brechungsgesetz, und diesen nennt man den gewöhnlich gebrochenen od. schlechthin den gewöhnlichen Strahl ; der andere Theil, der ungewöhnliche Strahl folgt einem verwickelteren Gesetz und erscheint aus der Richtung des gewöhnlichen Strahls ein wenig abwärts getrieben. – Diese eigenthümliche Art der Brechung erklärt die Entstehung der doppelten Bilder, welche der Kalkspath in gewissen Richtungen erscheinen läßt. Neuere Beobachtungen haben gelehrt, daß die meisten natürlichen und künstlichen Kristallisationen, mehr oder weniger dieselbe Eigenschaft der doppelten Strahlenbrechung besitzen. Arago hat die Verschiedenheit des, von glühenden, festen, oder flüssigen Körpern, und das von verbrennenden Gasarten ausgehenden Lichtes untersucht, und gefunden, daß im ersteren Falle das Licht theilweise durch Refraction polarisirt wird, während dagegen die Strahlen des letzteren unter denselben Umständen kein Zeichen davon geben. – Diese Beobachtung ist wichtig für die Kenntniß des Zustandes der Weltkörper, und eine Bereicherung der physischen Astronomie da sie uns erkennen lehrt, ob das ausstrahlende Licht von einem gasförmigen od. festen Körper herrührt. Das Sonnenlicht erweist sich, wie das einer Lampe von Wasserstoffgas nicht polarisirt , und berechtigt uns zu der Annahme, daß es aus einer gasförmigen Umhüllung des festen, dunkeln Sonnenkörpers seinen Ursprung nehme. So erkennen wir an der Erscheinung der farbigen od. unfarbigen Polarisation, ob ein leuchtender Körper im Lichtproceß begriffen, oder ob sein Licht ein reflectirtes sey, welches die Komplementarfarben giebt. Die kolorirte Polarisation des Kometenlichtes lehrt uns, daß diese Körper kein eignes Licht ausstrahlen, sondern wie die Planeten ein reflectirtes Licht verbreiten. Rochon hat bei seinem Micrometer von der doppelten Brechung der Kristalle eine Anwendung auf die Messung kleiner Winkel gemacht, die für Astronomie und Physik von großem Nutzen ist. Zur Messung des scheinbaren Durchmessers der Himmelskörper wird das System der beiden Prismen, von Bergkristal od. Doppelspath, in ein astronomisches Fernrohr eingesetzt. Dasselbe Instrument findet eine wichtige Anwendung als Distanzmesser, bei militairischen Operationen. So auch läßt sich damit auf dem Meere die Entfernung eines Schiffes schätzen, und auf Stunden Weite entscheiden, ob es herannaht, oder sich entfernt, indem im letztern Falle der Winkel unter dem das Bild zweier Masten erscheint, stets größer und größer wird. Die letztverflossenen 5–6 Jahre sind für die Wissenschaft merkwürdig geworden, durch die wichtigsten Entdeckungen über den Magnetismus, dessen Identität mit der Elektricität die berühmten Versuche des Prof. Oerstaedt zu Coppenhagen wahrscheinlich gemacht haben. Wenn ich zuvor die physiologischen und chemischen Wirkungen anführte, welche ein stetiger Strom von Elektricität in dem Volta schen Apparate hervorbringt, indem er durch lebende Körper od. leitende Flüssigkeiten hindurchgeht, welche trennbare Grundstoffe enthalten, so hat Oerstaedt an diesen Strömen noch ein anderes Vermögen entdeckt. Wenn er nämlich Metalle, welcher Art sie auch seyn mögen, durchläuft, so ertheilt er ihnen momentan die magnetische Kraft, und macht sie fähig weiches, unmagnetisches Eisen anzuziehen. – Wenn man den Volta schen Kreis durch einen Metalldrath schließt, so entsteht in diesem Drath der nun die elektrische Berührung zwischen beiden Metallen bewirkt, eine elektrische Spannung. Der Drath wird dabei magnetisch, und verändert die Lage einer in seine Nähe gebrachten Magnetnadel. Aber diese Veränderung in der Richtung der Magnet Nadel ist oberhalb und unterhalb des Drathes verschieden. Die magnetische Polarität ist der Art, daß wenn sie kräftig genug ist, die Wirkung des Erdmagnetismus auf die Nadel zu überwinden, diese in eine Stellung versetzt wird, daß sie mit dem Drathe rechte Winkel bildet, so daß die nach Nord und Süd gerichtete Nadel unterhalb des Draths nach West, oberhalb desselben nach Ost abweicht. Ampère hat dieser Beobachtung noch hinzugesetzt: daß 2 Dräthe welche galvanische Paare entladen, in welchen die E. nach derselben Richtung strömt, einander anziehen, aber einander abstoßen, wenn die E. entgegengesetzter Richtung strömt. Der ausladende Drath wird von einem ihm genäherten Magnet auf der einen Seite angezogen; auf der andern abgestoßen. Nadeln, rechtwinklich gegen den Drath gelegt, werden magnetisch, und dies in höherm Grade wenn der Drath spiralförmig um eine Glasröhre gewunden wird, in welcher eine Nadel sich befindet, wobei die Pole der Nadel eine verschiedene Richtung bekommen, wenn die Spirale rechts od. links gewunden wird. Man mögte annehmen, daß in Folge einer Beobachtung ein Schiff, das durch Zufall seiner Magnetnadel beraubt worden, im Stande wäre, diesen Verlust zu ersetzen. Kupfer und etwas nasse Pappe, od. feuchtes Leder würde einen Apparat bilden, um einen leidlichen Compaß herzustellen. Im Verfolg dieser interessanten Versuche und Beobachtungen, machte Arago endlich die große Entdeckung, daß alle Körper transitorisch von magnetischen Kräften sollicitirt werden können. – Der ältesten Annahme gemäß glaubte man, daß der Magnetismus dem Eisen, und den Eisenerzen allein angehöre; später bemerkte man, daß Stahl , (eine Legierung von Eisen mit einer kleinen Menge von Kohle) länger magnetisch bleibe, weshalb man sich desselben ausschließend zum Compaß bediente. Neuerdings fand man, daß Kobalt u. Nickel, so wie die Meteorsteine, in denen Eisen sich oft mit obigen beiden Metallen vereinigt findet, ebenfalls geeignet sind, die Körper magnetisch zu machen. Schon Coulomb hatte durch Versuche mit seiner Drehwage gefunden, daß alle Körper auf die Magnetnadel wirken; die Resultate welche er erhielt waren jedoch keineswegs entscheidend, und Arago wird mit Recht die Entdeckung des transitorischen Magnetismus zugeschrieben. – Zufällig bin ich bei dem Versuche gegenwärtig gewesen, welcher zu dieser Entdeckung Veranlaßung gab. Ich befand mich mit H. Arago auf einem Hügel bei Greenwich , um mit ihm Beobachtungen über die Intensität der magnetischen Kräfte zu machen, die vom Pol gegen den Aequator zunehmend, in der Entfernung von Paris und London, schon bemerkbar wachsen. Arago ließ eine Magnetnadel, die früher in Paris frei geschwungen, in einem hölzernen Kasten schwingen, und zählte. Er bemerkte, daß die Schwingungen stark retardirten, und bald ganz aufhörten, wodurch der Gedanke erweckt wurde, daß der hölzerne Kasten attractorisch wirke; was sich vollkommen bestätigte. Im Verfolg dieser Beobachtung entdeckte er, daß die Nähe irgend eines Körpers einen hemmenden Einfluß auf die Nadel äußert, was man so erklären kann, daß dieselbe temporär in jedem Körper einen Pol erzeugt, der auf sie hemmend zurückwirkt, wenn sie in Bewegung ist. Ein von Schweigger angegebner sinnreicher Apparat um die Wirkung eines electrischen Stromes zu verstärken hat den passenden Namen des electromagnetischen Multiplicators erhalten. Dies Instrument gewährt den Vortheil die Entwickelung der beiden Electricitäten unter einer unendlichen Menge von Umständen sichtbar und meßbar zu machen. Bequerel hat mit Hülfe desselben die Electricitäts Entwickelung dargethan, welche bei jeder chemischen Thätigkeit Statt findet. Seine Versuche beweisen, daß z. B. bei jeder Auflösung Electricität frei werde, und er war im Stand durch die Magnetnadel so kleine Quantitäten von Säuren zu entdecken, als man durch Reagenzien nie würde haben auffinden können. Diese Wirkungen sind gleichsam wie ein kleines magnetisch-electrisches Gewitter zu betrachten, da hier, eben so wie im Großen, die verschiedenartig electrische Spannung sich in ein Gleichgewicht zu setzen sucht. Schon vor mehreren Jahren war es dem Profeßor Morechini in Rom gelungen, durch den violetten Strahl im prismatischen Farbenbilde Stahl Nadeln zu magnetisiren, welche Entdeckung bald bestritten, bald bestätigt worden. Neuere ausführliche Untersuchungen haben aber dies Verhalten außer Zweifel gesetzt, so wie auch Morichini's Versuche durch eine sehr interressante Wiederholung derselben von Mistriss Sommerville in London vollkommen bestätigt wurden. Wie groß und folgenreich auch die Entdeckungen seyn mögen, wodurch in neuern Zeiten alle Zweige der Naturwissenschaft im Allgemeinen gefördert worden, so sind doch die Fortschritte in der Kenntniß des Himmels von allen die Bedeutendsten. Diese vorzügliche Ausbildung des astronomischen Wissens ist wohl hauptsächlich dem glücklichen Umstande zuzuschreiben, daß eine Reihe großer, für die Wissenschaft bedeutender Männer, in ununterbrochener Folge die Zeitepoche ausfüllt, von der Entdeckung von Amerika bis auf Friedrich II. Nicolaus Copernicus , geb. 1473 – + 1543 Tycho de Brahe , geb. 1546 – + 1601 Keppler , geb. 1571 – + 1630 Galilei , geb. 1564 – + 1642 Isaac Newton , geb. 1642 – + 1727 Diese 5 großen Männer haben zum Vortheil der Wissenschaft, fast alle ein ziemlich hohes Alter erreicht, und man könnte sagen einander abgelöst, da der Folgende beim Tode des Vorangehenden immer schon geboren war. – Wenn Copernicus als der Schöpfer einer richtigeren Ansicht des Weltsystems betrachtet werden muß, so hat sich Tycho de Brahe um die beobachtende Astronomie bedeutende Verdienste erworben. Galilei danken wir insbesondere ein treffliches Werk über die Gesetze der Bewegung, die sowohl für Astronomie als Physik eine gleich wichtige Anwendung finden. – Von Keppler dem bedeutendsten dieser Männer kann mit Recht gesagt werden, daß er den Grund gelegt habe, zu der Höhe welche die Astronomie als Wissenschaft auszeichnet. Zu Wiel im Wirtembergischen geboren, Sohn eines Gastwirths, hatte er sein ganzes Leben hindurch mit Armuth und Dürftigkeit zu kämpfen. Obgleich ausübender Astronom zu Prag , Profeßor zu Grätz , und Astronom des Herzogs v. Wallenstein , wurde ihm doch während der unruhigen Zeit des 30jährigen Krieges keine seiner Besoldungen ausgezahlt, und er starb im Mangel zu Regensburg , wohin er gegangen war, um eine geringe Pension zu erbitten. Seine unsterblichen Verdienste um die Astronomie fanden erst bei der dankbaren Nachwelt ihre gerechte Verehrung. Die von ihm entdeckten Gesetze des Planetenlaufes, (die sogenannten 3 Keppler schen Regeln, gaben Newton die nähere Veranlaßung zu seinen Entdeckungen. Es darf nicht übersehen werden, daß unsere Lage auf der Erde eine sehr günstige für die Kenntniß des Weltgebäudes ist, in so fern wir auf einem nicht leuchtenden Körper wohnen. Befänden wir uns innerhalb der Photosphäre der Sonne, so würden wir von der Existenz der übrigen Sterne nichts wissen. – Demungeachtet ist nicht zu läugnen, daß auch den Planeten mehr oder weniger ein gewisses Selbstleuchten zugeschrieben werden kann, in so fern sie einen Theil ihres Lichtes nicht von der Sonne erhalten, sondern dies von einem phosphoresciren herzurühren scheint, das vielleicht in früherer Zeit größer gewesen sein mag. Als der Druck der Stoffe aufeinander anderer Art, vielleicht größer war, als der innere Zustand des Erdkerns, unabhängig von der Stellung gegen die Sonne, mehr Wärme ausstrahlte, können auch Lichterscheinungen durch tellurische Verhältnisse entwickelt worden seyn, welche sich vermindert haben. Noch jetzt aber erkennen wir, wahrscheinlich als ein Substrat der magnetischen Spannung, ein Leuchten der Erde, das an den Polen ausgestrahlt, und mit dem Namen des Nordlichts bezeichnet wird; so wie es nicht zu bezweifeln steht, daß auf der dunkeln Seite der Venus ebenfalls ein Lichtproceß stattfindet. Schon lange hat man den Einfluß beobachtet welchen das Nordlicht auf die Magnetnadel ausübt, und neuere Untersuchungen bestätigen immer mehr den Zusammenhang dieses Phänomens mit der magnetischen Polarität der Erde. Das Resultat der genauen Beobachtungen, welche während der Nordpol Expedition des Capt. Parry über diese Naturerscheinung angestellt wurden, ist, daß sich das Nordlicht nicht so hoch über die Erdoberfläche hinauf zieht, als man vermuthet hat, und nach den Messungen in Cumberland haven nur etwa eine Meile hoch erscheint; auch hat man es oft unter Wolken beobachtet, die sehr niedrig lagen. Man hat viel darüber gestritten, ob das Nordlicht von einem eignen Geräusche begleitet werde. Parry will es auf seiner 1 ten Reise am Churchill Fluß gehört haben; Richardson dagegen, welcher den Capt. Franklin auf der Landreise in den nördlichsten Theile von Amerika begleitete, und ordentliche Tagebücher über dies Phänomen geführt hat, will während 200 Nächten, wo er Nordlichte beobachtete, nicht ein einzigesmal irgend ein Geräusch gehört haben. Vielfältige Beobachtungen beweisen, daß die Magnetnadel plötzlichen Veränderungen ausgesetzt ist, welche beim Erscheinen des Nordlichts eintreten. Wenn diese leuchtenden Strahlen in Menge erscheinen, so ordnet sich die Substanz des Meteors fast immer in mehrere concentrische Kreisbogen, welche sich nach dem magnetischen Pole hinneigen, also von ihm angezogen werden. Sehr merkwürdig ist eine ähnliche Erscheinung im Kleinen, welche Davy und Arago entdeckt haben. Bei sehr starken Volta schen Säulen erscheint bei dem Ueberströmen der electrischen Materie durch 2 Kohlen, eine Flamme von 3–4 Zoll Länge, welche das Nordlicht vorstellt. Arago hat durch einen Magnet, welcher den magnetischen Pol der Erde representirt, die Flamme abgelenkt, und zwar so, daß der Nordp. des Magnets sie anzog der Südpol sie abstieß. Wenn wir es jetzt dahingestellt seyn lassen in wie fern die Erde ein magnetisches Licht verbreitet, so haben wir auf jeden Fall uns Glück zu wünschen, daß wir einen Körper bewohnen, der wenigstens nicht in hohem Grade selbstleuchtend ist. Olbers hat zuerst die Frage aufgeworfen: weshalb es Nachts nicht so hell sey, als am Tage? bei der großen Masse von Sternen, bei den Millionen leuchtender Körper welche dichter od. dünner gewebt einen wahren Sternen Teppich über das Himmelsgewölbe decken? Diese Untersuchung hat auf die Annahme einer lichtextingirenden Materie, eines hemmenden Princips, in den Himmelsräumen geführt, wodurch die Lichtverbreitung mit wachsender Entfernung beschränkt wird. Auf diese Weise ließe sich auch die wunderbare Erscheinung der dunkelschwarzen Stellen (Kohlensäcke) erklären, die in der südlichen Hemisphäre sichtbar werden. Wenn man sich das Himmelsgewölbe aus vielen Sternschichten übereinander bestehend vorstellt, so sind diese schwarzen Flecken ein Durchbruch derselben, gleichsam längere Röhren, die in die Schichten hineingehen, und uns in die äußersten Gränzen des Weltraums einen Blick werfen lassen, von deren Entfernung wir gar keinen Begriff haben können, da nicht einmal das Licht davon bis zu uns gelangen konnte. Diese Bewandniß mag es mit dem großen Flecken im südlichen Kreuz haben, den wir uns gewissermaßen hier als ein Loch im Firmament denken können; anstatt daß die weniger dunkle 4–5 Mondbreiten große Stelle im Scorpion, wohl auch eine Oeffnung sein kann, aber nicht so tief hineingehend. Wenn dieser lichtauslöschende Aether die Himmelsräume nicht erfüllte, so würden die Millionen Sonnen am Firmament eine Helle verbreiten, die uns, in einem Lichtmeere schwebend, hindern müßte die Sterne zu sehen. Der Ideenkreis würde sich in einem eingeschränkten Raume bewegen, während er jetzt die entferntesten Weiten umfaßt. – Auch auf die Entwickelung religiöser Gefühle müßte dieser Zustand einwirkend gewesen sein, da unstreitig nichts mehr geeignet ist, eine religiöse Begeisterung hervorzurufen, als die Betrachtung des Gesetzmäßigen in der Bewegung der Himmelskörper. – Alle tellurische Messungen würden sich nur höchst unvollkommen und unbequem ausführen lassen, da ein großer Theil derselben sich auf die Vergleichung entsprechender Messungen am Himmel gründet. Es würden uns noch die Pendelversuche übrig bleiben, um die Gestalt der Erde zu bestimmen; aber wie ungewiß, ob man ohne vorhergegangene allgemeinere Kenntniß, auf diese Versuche verfallen wäre. Die Schiffahrth würde ihrer sichersten Stütze, der Sternbeobachtung beraubt seyn, und die höhere Mathematik, in so fern sie auf die Berechnung der Bahnen jener entfernten Weltkörper angewendet wird, würde ganz fehlen. Wir sehen, daß die Kenntniß der Gestirne nicht allein vom größten Einfluß auf die Gefühle, sondern auch auf die Kultur des Menschengeschlechtes ist. Eine Annäherung an den Zustand in dem die Existenz der Gestirne uns verborgen bliebe, finden wir temporair auf der Erde: und zwar nicht etwa unter den Polen, sondern in dem schönen Tropenklima von Peru , wo ein nebelartiger Dunst, (la garña) den Himmel Monate lang so verhüllt, daß man die Sonne nur als eine rothe Scheibe aufgehen sieht, (wie in dem denkwürdigen Jahre 1785, als ein dichter Heerrauch uns so lange den Anblick des Himmels entzog) und die Stelle des Mondes oft gar nicht unterschieden werden kann. – Eben deshalb, weil die Peruaner oft die Sonne wie durch ein Blendglas erblicken, waren sie auch schon im 16 t Jahrhund. bei der Entdeckung von Amerika, mit den Sonnenflecken bekannt, wie dies Acosta in seiner Reise erwähnt. Bei aller Sorgfalt in der Beobachtung der Lichterscheinungen, können wir doch den Täuschungen nicht entgehen. So erscheinen unserm Auge nur die Sonne und der Mond als Scheiben, alle andere Himmelskörper als strahlende Punkte: selbst die Planeten werden erst vor dem Fernrohr zu kleinen Flächen; dagegen verlieren die Fixsterne ihre Strahlen, und schrumpfen zu kleinen leuchtenden Punkten zusammen. Mit bloßen Augen findet man bei Fixsternen und Planeten die Polygonalfigur, und selbst Venus mit einem Durchmesser von 1 Min. zeigt sie noch sehr deutlich. Von ihr bis zum Monde, der ½° Durchm. hat, haben wir leider keinen Uebergang. Die interessante Frage muß also unentschieden bleiben: wie groß der scheinbare Durchm. eines Sternes seyn müsse, um mit bloßen Augen ihn als Kreis zu sehen? Die nach den Individuen verschiedene Entfernung des deutlichen Sehens beruht auf der Beschaffenheit unseres Auges. Indem der von einem Bilde ausgehende Strahlenkegel vor oder hinter die Netzhaut fällt, also zu früh oder zu spät von derselben durchschnitten wird, erscheint in beiden Fällen das Bild undeutlich. Hieraus erklärt sich die scheinbare Dilatation der Sterne, welche von der Irradiation herrührt. Dieser Zerstreuungskreis bewirkt, daß beim Anblick des Mondes im ersten Viertel, die dunkle aschfarbne Scheibe kleiner zu seyn scheint, als der leuchtende Theil. Die Polygonalfiguren der Sterne, welche einen andern Grund der Täuschung abgeben, scheinen ebenfalls auf der Construction des Auges zu beruhen, und abhängig von der Art zu seyn, wie dasselbe aufgeschlizt ist. – So ist die Zahl und Neigung der Strahlen verschieden, welche von verschiedenen Menschen an den Sternen bemerkt werden. Einige zählen bei Sternen 1 te Größe 5–7, andere 8 Strahlen. Daß die Beschaffenheit des Auges darauf einwirkt, läßt sich beweisen, indem man nur das Auge zu drehen, d. h. den Kopf rechts oder links zu neigen braucht, um die Strahlen willkürlich zu supprimiren, od. auseinanderfahren zu lassen: wenn man den Kopf in vertikaler Richtung senkt, so verschwinden die obern Strahlen, u. umgekehrt, wenn man ihn hebt, die unteren. Das Funkeln der Sterne ist nicht, wie man früher glaubte, eine Folge der Dünste in der Atmosphäre, sondern es beruht auf andern optischen Erscheinungen, für die man in dem neuesten System der Optik einen befriedigenden Grund gefunden hat. Schon der engl. Astronom Mitchell beobachtete, daß die scheinbare Größe des Sterns sich beim Funkeln momentan vermindere, u. daß dies intermittiren bis zu 5 mal in 1 Sek. vorkomme. Nach neueren Entdeckungen glaubt man, daß dies Phänomen mit der Interferenz des Lichtes zusammenhänge, nach der 2 Lichtstrahlen je nachdem sie in entgegengesetzter Richtung aus verschiedener Entfernung einander treffen, sich zerstören können, u. Finsterniß hervorbringen, oder wenn sie in derselben Richtung zusammen fallen sich addiren . Schon im 17 t Jahrh. hatte Grimaldi in Rom merkwürdige Versuche gemacht, über die Beugung und Diffraction des Lichtes. Thomas Young in London hat aber diese, so wie verschiedene Farben Erscheinungen, durch eine sinnreiche Hypothese, welche er das Princip der Interferenz nennt, unter einen gemeinsamen Gesichtspunkt zu bringen gesucht. Nur durch die Theorie der Vibration lassen sich diese Phänomene genügend erklären, für welche die Emanations Hypothese nicht ausreicht. Man nimmt an, daß wenn das Licht in Undulationen besteht, und die Undulation des einen Strahls das Maximum von Elevation bekommt auf demselben Punkte, wo die andere das Minimum bekommt, so hebt die eine Welle die Wirkung der andern auf, und es entsteht Dunkelheit. Wird dann der eine Strahl um eine halbe Welle retardirt, so fällt ihr Maximum von Elevation auf denselben Punkt, und sie addiren ihre Wirkung. Die Wellenbewegung welche zwei in eine Flüssigkeit geworfene Steine erregen, können als Gleichniß dienen. An denjenigen Stellen wo die entstandenen Kreise sich berühren, wird die Bewegung entweder verstärkt, oder aufgehoben, je nachdem der Wellenberg oder das Wellenthal, (der convexe od. concave Theil) zusammenstoßen. So wie, wenn das Meer von Stürmen aufgewühlt wird, die coincidi renden Wellen ihre Wirkung auf eine so schreckbare Weise verdoppeln, so hemmen und vernichten sich dieselben, wenn der convexe u. concave Theil aufeinander treibt. Es entsteht Ruhe. Was bei der tropfbaren Flüssigkeit Ruhe ist, wird Finsterniß bei dem Lichte. Da die uns umgebende gemengte Atmosphäre die Lichtwellen von entfernten Gestirnen, unser Auge nicht mit vollkommen gleicher Geschwindigkeit erreichen können, so entsteht durch ungleich zusammen treffende Undulationen momentan Finsterniß, od. erhöhtes Licht. Dies erklärt das Funkeln der Sterne, und eben daher findet diese Erscheinung in geringerem Maße statt, bei denjenigen welche uns im Zenit stehen, indem nach dieser Richtung sie uns näher sind, und das Aufeinanderstoßen nicht aliquoter Lichttheile weniger wahrscheinlich ist. Der größeren Reinheit der Atmosphäre wegen, in der selten eine Zerstreuung des Lichtes Statt findet, leuchten auch die Sterne unter den Tropen mit einem ruhigeren planetarischen Lichte. – Nach den Jahreszeiten ist der Anblick des tropischen Himmels ein sehr verschiedener. Wenn die Regenzeit eintreten soll, u. die wässrigen Dünste, welche zuvor die Atmosphäre aufgelöst enthielt, anfangen sich zu vereinigen, dann funkeln die Sterne mit so lebhaftem Glanze als bei uns. – Bei den leuchtenden Scheiben bemerkt man das Funkeln nicht weil bei diesen ein zerstörter Lichtpunkt sogleich durch einen andern ersetzt wird. Man hat nicht ohne Erfolg das Prinzip der Interferenz zur Erklärung der Nebenfarben des Regenbogens, der Höfe an Sonne u. Mond, so wie der Farben feingestreifter Flächen angewendet. Ueber letztere Erscheinung haben Brewster in Edinburg u. Frauenhofer in München verdienstvolle Untersuchungen angestellt. Frauenhofer insbesondere hat diesen Versuchen die größte Vollkommenheit gegeben. Er fand, daß die schillernden Farben der Perlmutter von äußerst feinen Strichen od. Rissen auf der Oberfläche herrühren. Durch dergleichen feine, dem bloßen Auge unsichtbare, parallele Risse, in gleichem Abstande von einander, in solcher Menge gezogen, daß mehrere 1000 auf einen Zoll gehen, hat er metallischen Oberflächen eben diese Regenbogenflächen gegeben. In England hat man dies Farbenspiel feingestreifter Oberflächen zu Zierrathen angewandt. Eine der unzweideutigsten Beobachtungen über die Beugung des Lichts, bietet sich dem Astronomen dar, wenn der am Himmel fortrückende Mond einen Fixstern bedeckt, welches man eine Occultation nennt, (für die Bestimmung der Länge so äußerst wichtig) oder einen bedeckten verläßt. In beiden Fällen scheint der Stern einige Sekunden lang unbeweglich an dem Rande des Mondes zu kleben, weil man ihn durch gebeugtes Licht sehen kann, wenn er selbst ein klein wenig hinter dem Monde steht. Auch für den technischen Gebrauch hat man von diesen neueren Entdeckungen eine Anwendung gemacht, durch die Einrichtung eines Ariometers, od. Wollmessers. Ein Lichtstrahl welcher bei einem feinen Faden Wolle vorbei geht, erleidet eine Beugung u. bildet farbige Franzen od. Ringe, die um so breiter erscheinen als der Faden zarter od. dünner ist. In einem eignen kleinen microscopähnlichen Apparate. wird die Breite dieser Ringe gemessen, wonach sich die Feinheit der Wolle ergibt. So hat der Scharfsinn der Gelehrten eine schöne Entdeckung für das gemeine Leben anwendbar gemacht, und das ähnliche Instrument dient dazu die Güte der Wolle zu messen, u. die Natur der Weltkörper zu bestimmen. 15 te Vorl. Man hat lange behauptet, daß man von dunkeln Räumen aus, auch bei Tage die Sterne sehen könne. Aus den Kellern der Pariser Sternwarte ließ man durch eine aufwärts führende Oeffnung, den Reisenden angeblich die Sterne beobachten, die aber nichts als ein vom Aufwärter, als attrape angebrachtes Licht waren. – Eben so sollen von tiefen Schachten aus, bei Tage die Sterne sichtbar seyn, was ich aber ebenfalls bezweifle; wenigstens habe ich sie nie gesehen, in so vielen Schachten ich auch gewesen bin. – Die Führer auf den Montblanc behaupten, daß wegen der tiefen dunkeln Bläue des Himmels in jener Höhe, die Sterne bei Tage sich unterscheiden ließen. Kein Beobachter von Gewicht hat aber diese Aussage bestätigt, und da auf den ungleich größeren Höhen von Südamerika, Niemand diese Bemerkung wiederholt hat, so möchte dies Vorgeben nicht anzunehmen seyn. Es giebt übrigens Menschen, welche sich durch eine unglaubliche Stärke des Gesichtssinns ganz besonders auszeichnen. So versichert Prof. Benzenberg einen H. v. Eschwege in Goettingen gekannt zu haben, der mit bloßen Augen den Regulus bei Tage sehen, u. das Fernrohr darauf richten konnte. Ebenfalls giebt es Menschen welche die Jupiters Trabanten mit bloßen Augen entdeckten. (Nicht wie jene Dame in Göttingen welche vorgab diese Monde zu erkennen, bei genauerer Prüfung aber die Stellung derselben nach einem Sternkatalog auswendig gelernt hatte.) – Das Zeugniß wahrhafter und gründlicher Beobachter setzt dies factum außer Zweifel, das um so weniger außer dem Reiche der Möglichkeit liegt, als die Trabanten dem Planeten nicht so nahe stehen, um durch sein Licht verdeckt zu werden. Der nächste ist um ¼ einer Mondsbreite entfernt. Ein sonderbares Beispiel von großer Schärfe der Sinne gewährt ein zu Genf lebender H. Chevalier , dem ein so intuitives Gefühl der Zeitdauer einwohnt, daß er mit der Genauigkeit eines Sekunden Pendels die Länge eines Zeit Abschnittes anzugeben vermag. Ausgezeichnete Naturforscher haben stets übereinstimmende Versuche mit diesem jetzt schon bejahrten Manne gemacht. Man giebt die Zahl der Sterne 1 t -6 t Größe, die man mit bloßen Augen sieht, gewöhnlich auf 5000 an; dies ist aber ungenau. Herschel zählt über 8000. – Das Sehen beruht aber nicht blos auf der Größe der Himmelskörper, sondern ist hauptsächlich abhängig von der Art des Lichteindrucks. So hat Veja nach Herschel ⅓ Sek. Durchmesser, u. erscheint uns in einer Größe von 4 Min. Uranus dagegen dessen Größe 4 Min. beträgt, erscheint so klein, daß es wenige Menschen giebt, welche ihn mit bloßen Augen gesehen haben. Merkwürdig ist es, daß die Farben mit denen uns die Gestirne erscheinen nicht von jeher dieselben gewesen zu seyn scheinen. Sirius z. B. wurde von den Römern roth genannt, jetzt erscheint er weiss . Man kann also annehmen, daß der Verbrennungsproceß seit jener Zeit auf ihm stärker geworden sey. Die 4 ausgezeichneten Sterne, welche in den Zend schriften der Perser die stellae regiae heißen, werden von ihnen in rothe und weiße geschieden. Antara u. Aldebaran , welche, wiewohl sehr ungenau die beiden Aequinoctial punkte bezeichnen, heißen roth: dagegen Fomalhaut u. Regulus , welche die Solstitial Punkte andeuten weiß. Diese Sterne jedoch haben die bezeichnete Farbe erhalten. Bei ungefährer Aufzählung der Anzahl der sichtbaren Sterne, ist zu unterscheiden wie viel überhaupt bekannt, und welche davon bestimmt sind. Die Menge der nicht bestimmten telescopischen Sterne ist unglaublich. So sah Herschel den 22 t  Aug. 1792, als er die Milchstraße beobachtete, in 40 Min. Zeit 258,000 Sterne durch sein Telescop laufen: und diese Zahl ist keinesweges bloße Schätzung. – Bestimmt nach dem Harding schen Sternkatalog, nebst denen welche Bessel beobachtet hat, kan man 120,000 annehmen. Die Vertheilung der Sterne auf den beiden Hemisphären scheint der Anzahl nach ungefähr dieselbe. Die Schönheit des südlichen Himmels beruht hauptsächlich in der Gruppierung, indem die Sterne minder gleichmäßig vertheilt sind, und die Sternbilder im Kontrast von sternreichen u. sternarmen Räumen, ausgezeichneter erscheinen. Sehr schöne Gruppen bilden: das Schiff – der Schütze – die Krone – das südliche Kreuz. – Der Nebelfleck des Schiffes Argo ist ein so gedrängter Sternhaufen, daß er hinter vorüberziehenden Wolken hervortretend einen Eindruck von Helle erregt, als ob der Mond aufgegangen wäre. Zu den Sternen des südlichen Himmels rechne ich alle diejenigen, welche man unter 37½°  N. Br. also zu Rhodus, Madeira und in Südspanien zu sehen bekommt. Erst seit 2 Jahrh. hat man sich gründlicher mit dem südlichen Himmel beschäftigt. Die Alten kannten ihn nur bis zum Krebs, den man in Syene sehen kann. Die Vorrückung der Nachtgleichen verursacht es, daß die schönen südlichen Sterne uns gleichsam fliehen. Zur Zeit der Römer erblickte man den Canopus in Spanien, und das südliche Kreuz war zu Alexandrien sichtbar. Damals hieß diese Constellation der Thron der Cäsaren, die später auf die Phantasie der christlichen Völker, das ehrwürdige Symbol ihres Glaubens darstellend, einen so viel tieferen Eindruck machte. – Ich habe schon früher erwähnt, daß Dante dies schöne Sternbild, das auch jetzt noch am rothen Meer, nördlicher als die Enge von Bab-el-Mandeb sichtbar ist, gekannt und besungen hat. In der Uebersetzung von Streckfuß heißt die vielbesprochene Stelle im Fegefeuer, so: Zur Rechten kehrt ich mich, den Geist gewandt,     Zum andern Pol, und sah vier Stern im Schimmer,     Die Niemand als das erste Paar erkannt. Den Himmel letzt ihr funkelndes Geflimmer!     O du verweistes Land, du öder Nord,     Du siehst den Glanz der schönen Lichter nimmer! Schon der Pater Corsali hat diese Stelle auf das südliche Kreuz gedeutet. Dante befindet sich nämlich auf einem Berge bei den Antipoden der Stadt Jerusalem. Da die beiden großen Sterne, welche die Spitze und den Fuß des Kreuzes bezeichnen, ungefähr die nämliche Rectascension haben, so muß das Sternbild in dem Augenblick wenn es durch den Meridian geht, beinahe senkrecht stehen. Diesen Umstand kennen alle Völker welche jenseits des Wendekreises, od. in der südlichen Hemisphäre wohnen. Man hat beobachtet, um welche Zeit in der Nacht in verschiedenen Jahreszeiten das Kreuz im Süden gerade od. geneigt ist. Es ist dies eine Uhr welche ziemlich regelmäßig, nahe um 4 Min. täglich vorrückt, und kein anderes Sternbild bietet eine so leicht anzustellende Beobachtung der Zeit dar. »Mitternacht ist vorbei, das Kreuz senkt sich!« hörten wir oft unsere Wegweiser sagen, in den Savannen von Venezuela , und oft haben mir diese Worte die rührende Scene zurückgerufen die Bernardin de St. Pierre schildert, als beim Anblick des Kreuzes im Süden, der Greis Paul u. Viginie erinnert, daß es Zeit sey zu scheiden. Man hat ein eignes wunderbar unbekanntes Gefühl, wenn man bei der Annäherung gegen den Aequator allmälig die Sterne verschwinden sieht, welche uns in der Heimath leuchten. In der Einsamkeit des Meeres grüßt man einen Stern wie einen Freund von dem man lange getrennt war, und freudig erblickten selbst unsere Matrosen den Polarstern, wenn sie aus der andern Hemisphäre heimkehrend die bekannten Sterne ihrer Kindheit wieder sehen. Wir wenden uns nunmehr zur Beschreibung des Mondlichtes, u. einer allgemeinen Uebersicht der Topographie des Erdtrabanten. Die Entfernung des Mondes von der Erde beträgt 51,000 Meilen . Ein engl. Packetboot brauchte nur 6 mal die Fahrt von London nach Canton hin u. her zurückzulegen, um dieselbe Distanz durchmessen zu haben. – Der Durchmesser des Mondes beträgt 466 Meilen ; mithin erreicht der uns zugewendete Theil noch nicht einmal die Größe des russischen Reiches. Es ist eine sonderbare Meinung, daß der Mond nicht von je her geschienen haben soll. In Griechenland ging man so weit die Arcadier Antiseleniten zu nennen weil sie älter seyen, als der Mond, der erst in einer Schlacht erschienen sey, die Hercules gegen die Giganten kämpfte. Wahrscheinlich ist dies eine Anspielung auf die Einführung des Monddienstes, oder vielleicht des Mondjahres. Man hat häufig die Frage aufgeworfen: ob die Strahlen des Mondes Wärme erregten? In neueren Zeiten, wo die Instrumente so sehr vervollkomnet sind, hat man erneuerte Versuche darüber angestellt. Mit H. Arago habe ich, auf der Pariser Sternwarte, die in einen großen Hohlspiegel aufgefangenen Strahlen, auf ein sehr empfindliches Luftthermometer fallen lassen, wir haben aber durchaus keine Temperaturerhöhung bemerkt, u. Daniell's der vor einigen Monaten eine schöne Meteorologie herausgegeben, hat dasselbe Resultat als Ergebniß seiner sehr genauen Beobachtungen gefunden. Der Anblick des Mondes bietet uns mehrere Flecken dar, die man lange Zeit für Meere gehalten hat, welche Meinung aber aufgegeben worden, da man mit Zuverlässigkeit annehmen kann, daß kein Wasser, überhaupt keine Flüssigkeit sich auf dem Monde befindet. Man ist im Stande Flächenräume halb so groß wie Berlin vollkommen deutlich zu erkennen, u. nirgend hat man eine Stelle im niveau der andern gefunden. H. Cunowsky , welcher mit seinem trefflichen Frauenhofer schen Fernrohr schöne Beobachtungen gemacht, u. eine genaue Zeichnung vom mare crisium entworfen hat, findet an jener Stelle, wo man eine Fläche vermuthete, alles voll kleiner Krater, und von Rinnen durchschnitten. Die Athmosphäre des Mondes nähert sich dem, was wir unter unsern Luftpumpen ein Vakuum nennen, u. ist über 100 mal geringer als die unsrige, wie sich dies aus der Strahlenbrechung sehr genau berechnen läßt. Das im Barometer, das bei uns am Meeresufer 28" steht, würde sich dort kaum auf der Höhe von einigen Linien erhalten. Wir müssen demnach dem Monde die Atmosphäre absprechen, u. wenn wir annehmen, daß Wasser u. dichte Luft auf demselben fehlen, so können wir uns freilich schwer einen Begriff davon machen, wie Geschöpfe darauf zu existieren im Stande wären, da nach unseren Begriffen alle Entwickelung des Organischen an das Flüssige geheftet ist. Genau genommen sollten wir nur diejenige Seite des Mondes sehen, welche er uns zukehrt; wir sehen aber etwas mehr, wegen der Schwankungen der Mondaxe. Diese Vibration beträgt 6–8° in der Breite u. Höhe. Man glaubte, daß diese Schwankungen so groß werden könnten, daß mit der Zeit auch die andere Hälfte des Mondes sichtbar würde. La Place hat diesen Gegenstand einer tiefsinnigen Rechnung unterworfen; allein es ergiebt sich, daß diese Hoffnung auch für unsere spätesten Enkel nicht vorhanden ist. Die Topographie des Mondes hat das auffallende, daß, so wie auf der Erde ein Unterschied zwischen den beiden Hemisphären statt findet, man auch auf dem Monde die nördliche eine Continental, die südliche eine oceanische Hemisphäre nennen könnte, obgleich man keine Flüssigkeit darauf bemerkt. Nur auf der nördlichen Hemisphäre des Mondes findet man Kettengebirge: die Acherus ische Kette, die Alpen u. die Appeninen, unter denen die Appeninen, Kuppen ähnlich, die höchsten sind, mit nur 2 Kratern, grade als wenn nur an diesen Stellen das Gebirge von den elastischen Dämpfen hätte durchbrochen werden können. Sie scheinen unsern Alpengebirgen nicht unähnlich, und liegen zwischen dem mare hybrium , u. dem mare serenitatis . Daneben sieht man eine tiefe Spalte. Die südliche Hälfte zeigt nichts als Centralgebirge od. Umwallungen, u. scheint ganz von Kratern durchwühlt. Bei schwachen Vergrößerungen bemerkt man eine auffallende Erscheinung auf dem Monde, für welche wir noch keine genügende Erklärung haben. Vom Berge Tycho anfangend sieht man eine Menge von weißen Streifen, die wie Lichtfäden über Berg und Thal gehen, ohne relief , u. ohne Schatten zu werfen, als wenn große Strecken Landes mit Banden von weißen Blüthen bedeckt wären. Bei stärkeren u. den stärksten Vergrößerungen nimmt das Phänomen an Deutlichkeit ab. Die Berge des Mondes verhalten sich zu seinem Durchmesser wie 1 / 214 während die höchste Spitze des Himmalaja nur 1 / 700 des Erdhalbmessers ausmacht. Die beiden höchsten Punkte des Mondes Leibnitz u. Dörfel erheben sich auf 24,900 Fuß . Eine Höhe die, als der Chimborazo noch nicht entthront war, von diesem nicht erreicht, von dem weißen Berge des indischen Gebirges, dem Dhawallagiri ( 26,000 Fuß ) übertroffen wird. Die absolute Höhe ist bei dergleichen Nebeneinanderstellungen aber nicht entscheidend, und das verschiedene Verhältniß der Durchmesser erschwert die Vergleichung. Die Masse der einzelnen Mondberge ist so groß, daß ganzen Ländern vergleichbar, sie plateaux genannt werden müssen. So hat der Hipparch einen Durchmesser von 20 Meilen , ist also ungefähr so groß als Böhmen. Die Mehrzahl der Berge auf dem Monde haben ein vulkanisches Ansehen, u. die Krater scheinen den unsrigen sehr ähnlich. Oft findet man auf den Berg einen Aschenkegel aufgesetzt, wie beim Vesuv, oft ist er auch an der Seite des Berges, wie bei einigen Vulkanen in Amerika. Seit dem Jahre 1785 hat man von Ausbrüchen der Mondvulkane gesprochen, welche an u. für sich wohl möglich wären, obgleich wir dem Monde seine Atmosphäre abgesprochen haben: denn es ist nicht zu läugnen, daß es Feuererscheinungen ohne Luft giebt. Herschel der in den Jahren 1788/90, mit dem Grafen Brühl in London fleißige Mondsbeobachtungen anstellte, glaubte diese Ausbrüche gesehen zu haben. Auffallend ist es, daß das Phänomen immer auf demselben Punkte statt findet, im Aristarch , den schon der alte berühmte Danziger Bürgermeister Hevelius , (geb. 1611 – † 1687) seines röthlichen Ansehens wegen, mons porphyrites genannt hat. Man muß entweder annehmen, daß die Erscheinung von einem Auflodern herrührt, wie beim Aetna , od. daß ein spiegelnder Fels, etwa wie die roche polie am großen Bernard , in eine solche Lage komme, um das von unserer Erde reflectirte Licht der Sonne zurückzuwerfen. Die letztere Annahme ist wohl die wahrscheinlichere. Allgemein wird die Entdeckung, daß das beim 1 t u. letzten Viertel bemerkbare aschfarbne Licht, auf dem dunkeln Theile des Mondes, von der Zurückstrahlung der Erde herrühre, Keppler's Lehrer Möstlin zugeschrieben, da doch der große Maler Leonardo da Vinci die erste richtige Erklärung davon gegeben hat. – Wenn der Mond von der Erde Licht empfängt, so ist es nicht gleichgültig, in welcher Lage sich dieselbe befindet, u. ob sie ihm eine Erstreckung von Land und Meer zuwendet. Von den opaken Theilen der Südsee muß natürlich das Licht schwächer reflectirt werden, als von den Flächen des Innern von Afrika, oder von Hochasien. – Bouguer glaubt sogar, daß das zuweilen etwas grünlich erscheinende aschfarbne Licht von den Wäldern am Orenoco , od. von den vegetationsreichen Ufern des Amazonenflusses reflectirt wurde. Zum Theil von ihrer Phantasie verleitet, sind die Astronomen zu den wunderlichsten Annahmen gekommen, über die Gegenstände welche uns im Monde sichtbar sind. So wollte Schröter die Fruchtbarkeit bebauter Felder wahrgenommen, und im Marius eine Selenitenwohnung von 80 Fuß Höhe gesehen haben. Neuerlich sind diese Träume von einem sonst achtbaren Naturforscher im südlichen Deutschland noch weiter ausgeführt worden. Man wollte Chausseen bemerken, auf denen Caravanen der Mondbewohner sich grüßend begegnen. Man glaubte 3–4 Meilen große 6 seitige Sternentempel zu erblicken, für den Kultus einer Art von Sabäismus. Man meinte Palmenwälder u. baumartige Farrenkräuter zu unterscheiden; ja es wurde die Frage ventilirt: ob das Klima des Mondes wohl dem Anbau der Brunnenkresse gestatte? Diese Phantasieverirrungen führen sehr natürlich auf die Untersuchung: wie groß denn aber ein Gegenstand seyn müsse, um ihn auf dem Mond unterscheiden zu können? Diese Frage läßt sich mit so großer mathematischer Genauigkeit beantworten, als irgend eine. Messen kann man im Monde nicht mehr als ½ Sek. Angulardistanz d. h. 1800 Fuß : man kann aber noch manches unterscheiden, ohne zu messen – doch sind 800–1000 Fuß wohl die Gränze des unterscheidbaren beim telescopischen Sehen. Bei Perpendicularhöhen kann man jedoch 4–500 Fuß mit Sicherheit bestimmen. Es gibt 3 Mittel zu diesen Messungen. 1, indem man die Gränze eines erleuchteten, und eines dunkeln Theiles vergleicht. Die einzelnen leuchtenden Punkte im Dunkeln, sind die Berge, deren Spitzen noch von der Sonne beschienen werden. Je höher sie sind, je länger bleiben sie sichtbar: da aber die Schattengränze nie ganz scharf ist, so ist auf diese Weise keine Genauigkeit möglich. 2 t  oder man mißt die Erhöhung der Berge durch Projection auf dem Mondrande selbst, bei Sonnenfinsternissen. 3 t  und das ist die beste Art: durch die Bestimmung der Länge des Mondschattens. Auf diese Weise erhält man eine Genauigkeit, daß man Höhen von 3–400 Fuß (ungefähr wie die Müggelberge ) mit Sicherheit zu messen vermag, u. man kann annehmen, daß wir die Berghöhen des Mondes genauer kennen, als selbst die auf der Erde. Ja wenn wir voraussetzen dürfen, daß man auf dem Monde dieselben Fernröhre habe, als hier: so muß man von dort aus sich über die Erde vollständiger unterrichten können, und manche Frage, welche wir hier vergeblich zu lösen suchen, z. B. über die nordwestliche Durchfahrt von der Baffins-Bay nach der Behrings -straße, würde vom Mond aus sich aufklären lassen. 16 t Vorles. Nachdem wir uns im Allgemeinen mit der Topographie des Mondes beschäftigt haben, der von einigen amerikanischen Völkern recht bezeichnend die nächtliche Sonne od. eine Schlafsonne genannt wird, will ich noch einmal auf die vulkanischen Erscheinungen zurückkommen, die seine Oberfläche durchwühlen, in so fern man dies Phänomen mit den Meteorsteinen od. Aerolithen in Verbindung zu bringen versucht hat. – Die Existenz solcher vom Himmel herabfallender Massen ist von den neueren Naturforschern lange in Zweifel gezogen worden, obgleich bei den Alten die unzweideutigsten Zeugnisse, diese für eine Fabel gehaltenen Steinregen außer Zweifel setzen. Trotz der übereinstimmenden Nachrichten über diese Naturerscheinungen bei den Griechen und Römern, die selbst bei chinesischen Schriftstellern Bestätigung finden, und obgleich viele thibetanische u. tartarische Fürsten im Besitz von Schwertern und Dolchen sind, die man aus diesem Meteoreisen verfertigt, so läugnete man doch in neueren Zeiten beharrlich die Wahrheit dieses Phänomens. Ein wunderbares Beispiel von physikalischem Unglauben! Bis der verdienstvolle Chladni , derselbe, dem es gelang die Töne sichtbar darzustellen, zuerst die Aufmerksamkeit der Gelehrten auf die wirkliche Existenz dieser, aus den Welträumen herab kommenden Massen leitete, welche seitdem unzählige Erscheinungen bestätigt haben. Eines der merkwürdigsten Beispiele bietet der 1803 zu Aix im Depart. de l'Orne herabgekommene Steinregen, dessen Wirkungen von den berühmtesten franz. Naturforschern untersucht worden sind. Bei heiterm Himmel zeigte sich am 26 t April ein Gewölk, aus dem unter anhaltendem Donnern, u. einem Gekrach wie beim Abfeuern von Geschütz ein fürchterlicher Steinregen herabstürzte, der bis auf 15 franz. Meilen im Halbmesser die Spuren seiner Wirkung verbreitete. Von den gefallenen Steinen fand man 2000; der kleinste wog 9 Quentchen , der größte 17  . Bei der versuchten Erklärung dieses Phänomens haben einige die Behauptung aufgestellt, daß die herabgeschleuderten Massen Produkte der Mondvulkane wären, vielleicht in Verbindung mit jenen erwähnten Eruptionen im Aristarch . La Place und Olbers haben die Frage aufgeworfen: welche Wurfkraft erforderlich seyn würde, um einen dergleichen Auswurf bis in die Attractionssphäre unserer Erde zu bringen? Mathematische Rechnungen ergeben, daß eine schwere Masse, die aus dem Monde mit einer anfänglichen Geschwindigkeit von 7500 Fuß in 1 Sek. (ungefähr die 4 fache Geschwindigkeit einer Kanonenkugel) geschleudert würde, nach 2½ Tagen auf unserer Erde anlangen könnte. Die auf dem Monde, seiner Kleinheit wegen, geringere Schwerkraft, und die mangelnde Atmosphäre, würden die Möglichkeit dieses Hinwegschleuderns allerdings vermehren. – Uebrigens ist diese Meinung nicht neu u. schon Paulo Maria Gonzago in Tortosa hat die Vermuthung geäußert, daß die Steinregen aus dem Monde herabkommen möchten. – Wenn aber auch die Möglichkeit die Erscheinung auf diese Weise zu erklären, nicht geleugnet werden kann, so sind doch andere Gründe vorhanden, welche diese Annahme nicht wahrscheinlich machen. Der Haupteinwurf beruht auf der Geschwindigkeit mit welcher diese Massen bei uns ankommen, und welche sie in ihrer Bewegung den planetarischen Körpern so ähnlich macht. Man hat die reißende Geschwindigkeit gemessen, mit der Feuerkugeln über einen großen Teil von Europa, vom westlichen Ireland bis nach Ungarn hinweggezogen, und gefunden, daß diese Bolide 14 Meilen in 1 Sek. zurücklegte u. mithin die Bewegung der Erde in ihrer Bahn, noch übertraf. Ich habe früher schon erwähnt, in wie fern der kosmische Ursprung dieser Meteore überhaupt wahrscheinlich ist. – Was die Bestandteile dieser Massen betrifft, so sind sie in der Regel aus Eisen, Nickel und Kobald zusammengesetzt, doch fehlt zuweilen der Nickel. Ein in Frankreich zu Juvevas herabgekommener, von H. Gustav Rose untersuchter Meteorstein enthält keinen dieser Bestandtheile, und scheint vielmehr einer Gebirgsmasse ähnlich. Man könnte ihn für ein Stückchen Syenit aus dem Plauenschen Grunde halten. – Derselbe verdienstvolle Mineralog hat die von Pallas 1772 am Jenesei aufgefundene Eisenmasse (1600  schwer) ebenfalls untersucht, und darin kristallisirtes Magneteisen, und selbst eingesprengten Olivin, wie im Basalt, gefunden. Es möge mir hier gestattet seyn, noch einiges über die merkwürdige Erscheinung der Sonnenflecke zu erwähnen. Um einen ungefähren Begriff von der Größe und Masse des Sonnenkörpers zu gewinnen, genügt die Betrachtung, daß der Uranus 400,000,000 Meilen entfernt, sich innerhalb der Attractionssphäre befindet, u. daß der Komet von 1811 (keinesweges ein besonders excentrischer) 22 mal weiter als der Uranus kreisend, ebenfalls noch demselben Sonnensystem angehört. Nach den genauen Untersuchungen von Delambre braucht das Sonnenlicht 8 Min. 13 Sek. um die Entfernung von 20871000 Meilen bis zu unserer Erde zurückzulegen. Bis zum Uranus sind 2⅓ Stunde erforderlich, bis zum Kometen von 1811 2¼ Tag. Von einer Sonne bis zur nächsten, bis zum Sirius, reiset der Lichtstrahl 3 volle Jahre. Wenn man sich alle Planeten in eine Kugel geballt denkt, so hat die Sonne doch 560 mal mehr Masse, und 824 mal mehr Volumen . Ihr Durchmesser beträgt 109¾ Durchm. der Erde. – Da die mittlere Entfernung des Mondes von der Erde 51,000 Meilen ist: so könnte er seinen Umlauf beinahe 2 mal innerhalb des Sonnenkörpers vollenden. – Obgleich dergleichen numerische Spielereien eben nicht nach meinem Geschmacke sind, so dienen sie doch oft dazu eine Sache zu versinnlichen. Ich will daher noch anführen, daß eine Kanonenkugel, welche mit einer Wurfkraft von 1500 Fuß in der Sek. abgeschossen wird, von Berlin bis Wien 9 Minuten brauchen würde, von der Erde bis zum Mond 9 Tage, und bis zur Sonne etwas über 9 Jahre. Wir wissen durch die Fernröhre weniger von der Sonne als vom Monde; nicht wegen der größern Entfernung, sondern wegen der leuchtenden Atmosphäre welche den Sonnenkörper umgiebt. – Die merkwürdigste Erscheinung auf der Sonne sind die Sonnenflecken. Man bemerkt sie zuerst an dem östlichen Rande, sieht, wie sie von Osten nach Westen sich bewegen, und nach 13 Tagen verschwinden. Daraus hat man die Rotation der Sonne sehr genau auf 25,12 Tage berechnet. – Es ist möglich diese Flecken mit bloßen Augen zu sehen. In Peru , wo ein Nebelartiger Dunst, die garña oft 3–4 Monate lang die Sonne verdeckt, wie bei uns der Heerrauch im Jahre 1783, waren den Einwohnern die Sonnenflecke schon im 16 t Jahrhundert bekannt, wie Acosta in seiner Reise anführt. Die älteste Erwähnung dieser Flecken findet sich in den chinesischen Annalen, 321 nach Chr. Geb. – Arabische Schriftsteller bemerken, daß 626 nach dem Tode Mohamed's die halbe Sonnenscheibe verfinstert worden. Die Araber nennen diese Erscheinung aber nicht Sonnenflecke, sondern haben die schwarze Merkurscheibe vor der Sonne zu sehen geglaubt. Dies wäre aber gar nicht möglich, wegen der Kleinheit des Mercur, den man überdies mit bloßen Augen nicht zu sehen vermag. Abulfaradsch, Averroës , und selbst Keppler haben diese irrige Meinung getheilt. – Obgleich nun seit Jahrtausenden die Existenz der Sonnenflecken gekannt scheint, so sind doch erst im 17 t Jahrh. genaue Beobachtungen darüber angestellt worden. Dem Jesuiten Scheiler in Ingolstadt wird insgemein die Entdeckung derselben zugesprochen. Galilei beobachtete sie gleichzeitig, und machte in den Gärten des Quirinal den Kardinal Barberini darauf aufmerksam. Als der Pater Scheiler mit dieser Beobachtung auftrat, glaubte Galilei , daß seine Entdeckung ihm von den Jesuiten verrathen sey. Dem Pater Scheiler kam aber seine Scharfsicht keinesweges zu Gute. Sein Prior Thed. Busaeus befahl ihm nämlich dergleichen alberne Meinungen künftig zurückzuhalten. Die Flecken wären nicht in der Sonne, sondern in seinen Augen. Wenn sie sich in der Sonne befänden, so müßte Aristoteles sie auch gesehen haben. – Der Sohn eines ostfriesischen Predigers Johann Fabricius hatte sich 1610 ein neuerfundenes Fernglas angeschafft, und entdeckte die Sonnenflecken, indem er mit diesem Instrument, u. zwar ohne Blendglas seine Augen gewaltig zerquälte. Nach den Untersuchungen des H. v. Zach war der Engländer Harriot der erste, welcher sie als wirkliche Flecken erkannte, am 8 t  Octbr. 1610. – Diese Flecken sind durchgehend kohlschwarz mit aschfarbnen, scharfbegränzten Rande. Sie entfernen sich nicht über 30–40° nördlich und südlich vom Sonnenäquator, und sind gegen die Pole zu niemals sichtbar. Zuerst zeigt sich gewöhnlich eine leuchtende Erscheinung, die s. g. Sonnenfackeln, als wenn eine Explosion elastischer Flüssigkeiten die Photosphäre theilte. Einige Zeit darauf erscheint der schwarze Fleck, mit einer Penumbra, welche vollkommen scharf begränzt ist. Lambert, Herschel, Bode, Fischer in Halberstadt , der Bruder unseres verdienten Physikers haben sich mit der Beobachtung dieser Flecken vielfach beschäftigt, und ihre Erklärung auf mannigfache Weise versucht. Die genügendste scheint, indem wir zu der Hypothese unsere Zuflucht nehmen, daß der Sonnenkörper von 2 Wolkenschichten umgeben sey, von denen die nächsten der Sonne aschfarben, die entferntere aber hell angenommen werden muß. Denken wir uns nun, daß wahrscheinlich auf der Sonne sich Gasarten oder ähnliche fluida entwickeln, welche bei Aufströmen die beiden Wolkenschichten trennen, und den dunkeln Sonnenkörper sichtbar machen, so wird die Erscheinung der Flecken, in der Projection in welche wir sie erblicken, vollkommen erklärlich. Die jetzt allgemein angenommene Meinung, daß die Sonne nicht selbst leuchtend, sondern ein dunkler Körper sey, wurde lange lächerlich gemacht und eben so bestritten, wie die Existenz der Aerolithen, obgleich diese in vielen Tempeln, selbst in der Caaba aufbewahrt wurden. Noch vor 40 Jahren rettete die Meinung, daß die Sonne schwarz sey, einem Menschen das Leben. Ein gewisser Smithman hatte in einer Dissertation zu beweisen gesucht, daß die Sonne nicht selbstleuchtend sey, und wurde später wegen einer Fälschung zum Tode verurtheilt. Sein Verteidiger führte diese Dissertation als augenscheinlichen Beweis an, daß er schon seit seiner frühen Jugend den Verstand verloren habe. Indem ich nunmehr das Naturgemälde beendige, das ich aufzustellen bemüht gewesen, bleibt es mir nur übrig zu danken für die Theilnahme, welche mein Bestreben das Bild eines Natur Ganzen zu entwerfen, gefunden hat. Doch will ich diese Versamlung nicht ermüden mit der Schilderung eines Gefühls, das zu seiner Dauer keine Erneuerung bedarf, und jetzt nur noch hinzufügen, welche Ursachen in der neuesten Zeit dem Studium der Natur so fördernd gewesen sind, und wodurch die Liebe zur Betrachtung der Natur so lebhaft erregt worden ist. Eine mehr aestethische Beschreibung der Naturwissenschaften überhaupt mag dazu beigetragen haben; der Anblick der schönen Pflanzenformen in den botanischen Gärten, die in so manchen ausgezeichneten Exemplaren ein Bild der Tropengewächse geben; u. endlich die Art wie in unserer Zeit die Landschaftmalerei die Pflanzen=Physiognomik darstellend, die Ansicht uns fremdartiger Naturscenen versinnlicht. Wenn ich angeben soll, was in mir zuerst die Sehnsucht nach erweiterter Weltansicht erweckt, und mich zur Unternehmung großer Reisen angetrieben hat, so war es: Georg Forster's Schilderung der Südseeinseln, der Anblick des großen Drachenbaumes in dem hiesigen botanischen Garten, u. Hodges vortreffliche Zeichnungen, welche ich bei meiner frühesten Reise nach England zu sehen Gelegenheit hatte. Wenn wir bei den Alten wahrnehmen, daß sie weniger den Einfluß beachtet haben, den der Anblick der unbelebten Natur auf den Menschen ausübt, so kommt dies wohl daher, daß der Mensch u. das Studium seiner Kräfte u. Leidenschaften, ihnen das Höchste u. Einzige schien. Nicht daß bei ihnen Beispiele fehlten, wie Einzelne besonders von der Natur angeregt worden sind. So hat uns Plinius eine schöne Beschreilbung seiner beiden Villen Laurentinum u. Tuscum hinterlassen. Nie aber wurde bei den Griechen u. Römern die Naturbeschreibung ein eigner Zweig der Litteratur, sondern die Landschaft diente gewissermaßen nur als Hintergrund um den historischen Figuren mehr Haltung zu geben. Dagegen scheint die Naturbetrachtung den indogermanischen Stämmen eigenthümlich; u. man braucht nicht anzunehmen, daß das rauhe Klima u. die Entbehrung einer schönen Natur den Genuß derselben bei den germanischen Völkern geschärft habe, da sich bei den südlichen Indern und Persern die ähnliche Richtung findet. In neuerer Zeit finden wir die erste aesthetische Beschreibung der Naturscenen beim Kardinal Bembo , der in einer eignen kleinen Blumenschrift sein Aufsteigen auf den Aetna schildert, u. auf eine reizende Weise die Veränderung der Vegetationsverhältnisse malt. – Später bei genauerer Erforschung aller Erdtheile, u. bei mehr verbreiteten allgemeinen Naturkenntnissen, treten unsere Männer auf, denen wir ebenso gründliche als geschmackvolle Naturbeschreibungen danken. – Zuerst nennen wir Buffon , der obgleich großartig in seinen Ansichten, doch mehr pomphaft malt, als individuell, u. dessen Schilderungen eine gewisse Kälte haben, weil ihn die eigne Ansicht der exotischen Natur abgeht. – An Wahrheit und Anmuth übertrifft ihn der jüngere Forster . Er entwirft ein sehr geschmackvolles Naturbild, in dieser Art das Erste, u. schildert nicht nur lebhaft den Anblick der Tropenwelt, sondern berücksichtigt auch die verschiedenen Sitten u. Racen der Völker. Später als G. Forster liefert Bernardin de St. Pierre gelungene Naturschilderungen, die gewissermaßen dramatisch sind, in so fern historische Figuren sich von landschaftlichen Hintergrunde sondern. Paul et Virginie sowohl, als die Etudes de la nature enthalten schöne Bilder, die jedoch mit Vorsicht zu betrachten sind, da falsche Axiome hin u. wieder den Verfaßer verleiten, der Wahrheit Abbruch zu thun. Chateaubriand stellt in der Atala ein eben so reizendes Bild der südlichen Natur auf, als er im »Genie du christianisme« die Missionen mit Wahrheit, u. der Natur getreu schildert. So auch malt er mit eigentlichen Localfarben das südliche Italien, Aegypten, Jerusalem, das gelobte Land bis zum todten Meere, u. giebt uns in seinem neuesten Werke den Abenceragen , den Anblick der Sierra Nevada in Granada , des höchsten Gebirges in Spanien. – Vor allen aber erwähnen wir hier den hohen Meister, dessen Werke ein so tiefes Gefühl für die Natur durchdringt. Wie im Werther , so in der Reise, in der Metamorphose der Pflanzen, überall klingt dies begeisterte Gefühl an und berührt uns gleich wie »ein sanfter Wind vom blauen Himmel weht.« Bei den Franzosen bilden diese Schilderungen der Natur besonders der exotischen, einen eignen Zweig der Litteratur, die poësie descriptive . Es ist nicht zu verkennen, daß man hierbei mitunter auf Abwege gerathen ist, in so fern eine gezierte Schwülstigkeit gar oft den Mangel des innern Gefühls ersetzen muß. Es ist immer gefährlich bei der Schilderung großer Gegenstände sich ungemessen des Schmucks der Rede zu bedienen, wenn auch der Hauch der Poesie niemals fehlen sollte. Eine Hauptsache liegt darin, daß derjenige welcher das Bild aufstellt, ganz in demselben aufgeht, u. sich selbst der Betrachtung entzieht. Wir dürfen bei dieser Gelegenheit die Landschaftsmalerei nicht übergehen, in so fern sie sich mit dem charakteristischen der einzelnen Pflanzenformen, u. der Physiognomie der Natur überhaupt beschäftigt. Bei den Alten war dies nur Nebenwerk, u. sie bedienten sich zur Darstellung der anorganischen Natur gewisser feststehender Typen, wie wir dies auch an den neu aufgefundenen Werken größerer Meister bemerken, welche vor kurzem aus Pompeji u. Herculanum ans Licht gefördert worden sind. Zur Zeit des Auflebens der italischen Kunst finden wir den Anfang der Landschaftsmalerei in der niederländischen Schule, u. bei den Schülern Van Eyk's . Namentlich hat Heinr. von Bloss zuerst versucht die Figuren sehr zu verkleinern, um dadurch die Landschaft hervortreten zu lassen. – Auch bei den großen italischen Landschaften der spätern Zeit Tizian – Bassano, Caracci findet sich keine genaue Nachahmung, besonders der exotischen Natur, u. auch sie bedienten sich für gewisse Gegenstände, angenommener, conventioneller Formen, z. B. geben sie die Dattelpalmen, die doch aus Nordafrika nach Sicilien und Italien hinüber gewandert waren, ein eigen schuppiges, wunderliches Ansehen. Franz Post , der den Prinzen Moritz v. Nassau 1642 nach Brasilien begleitete, war der erste, welcher treue Naturgemälde darstellte. Von ihm befinden sich auf der hiesigen Bibliothek einige schöne Landschaften. – Hodges brachte herrliche Zeichnungen von den Reisen heim, auf welchen er Cook begleitete, u. ging später mit Hastings nach Ostindien, wo er ebenfalls schöne Arbeiten lieferte. – Neben diesem ist Daniel zu nennen, der in seinen Oriental sceneries , die vegetationsreichen Ufer des Ganges malt, u. später schöne Darstellungen auf seiner Reise von Plymouth nach Calcutta entwarf. Rugendas , aus einer alten, geachteten Künstlerfamilie in Augsburg , hat neuerdings aus Brasilien ausgezeichnete Landschaften zurückgebracht, die sich zum Theil in Schleißheim befinden. Noch will ich hier der Darstellung eines sogenannten Urwaldes (forêt vierge) erwähnen, welche in Paris durch den Grabstichel vervielfältigt, erschienen ist, und ein ungemein wahres Bild, sowohl der Palmenform, als auch der wunderbaren Verschlingung der Gewächse darbietet, welche die tropische üppige Vegetation charakterisiren.