Unbekannte Autoren Deutsche Schwänke Abzählen Die Büsumer sind gute Schwimmer. Eines Sonntags schwammen ihrer neun hinaus in die See. Als sie eine Strecke geschwommen hatten, wird auf einmal einem um die andern angst, und der Vordermann sagt: »Jungens, ik mutt doch w'raftig maal tellen, of da ok wull versapen is unn wy noch all tohopen sunt.« Er fing also an: »Een, twee, dree, veer, fyf, süß, saeben, ach! ik bün ik«, sagte er zuletzt, »so mutt der wull versapen syn.« »Laet my man ins teilen«, sagte ein anderer und fing an: »Een, twee, dree, veer, fyf, süß, saeben, ach; ik bün ik; das is waraftig een versapen!« Da schwammen sie alle bestürzt ans Land und suchten den neunten. Da kam ein Fremder des Wegs. Dem klagten sie jammernd ihre Not. Der gab ihnen nun den guten Rat, es solle jeder seine Nase einmal in den Sand stecken, »und zählt dann die Löcher, so habt ihr die Zahl«. Die Büsumer folgten dem Fremden, sie zählten und fanden die richtige Zahl, denn es waren wirklich neun Löcher. Vergnügt kleideten sie sich nun wieder an und gingen ins Dorf zurück. Alle beide Uhlenspeigel de was bi'n Bur in Dennst muonen lat in'n Hiärfst up'n Hoff Holt sagen. Dao kümp 'n Paoterbroer un is up Kollekt. Dao süht de Bur, dat de Mann met Sandalen un blaute Föüt geiht. Dat döht em leed, weil't dao so kaolt was, un dao sech he to Uhlenspeigel: »Gaoh iäben in'n Hus un hahl em doch 'n Paar Söck!« Uhlenspeigel geiht hen un sech to de Frau: »Ick wull gähn twee Schinkens häbben för den Paoter.« »Meinee, twee«, sech de Frau, »dat laif'k nich.« »Ja, waocht man, dann wick Ue Mann wull äs fraogen.« – He döht de Düör laoß un röpp: »Wuvull sali ick hahlen, een of twee?« »Twee, du Dummkopp!« röpp de Bur. »Sühs't dann nu?« sech Uhlenspeigel. He namm sine beiden Schinkens unnern Arm un haoll't em an'n annern End ut'n Hus; un de Bur de häff em nich mähr wierseihn. Alle zwei? In einem evangelischen Dorfe lebte ein katholischer Bäckergeselle, dem die dicken Töchter des Pastors überaus gefielen und welche er gerne einmal profitiert hätte. Alle Gelegenheiten paßte er ab, um die Maidle dranzukriegen. An einem Sonntag läutete es zur Kirche, und als es ausgeläutet hatte, ging der Pastor zur Kirche hinüber. Da trat ihm der Bäckerknecht entgegen und bat, man möge ihm zwei französische Zwanziglivres-Stücke wechseln. »Warte, bitz aß d' Kirch üs isch«, meinte der Pastor. »I ka nit warte, ich will uf d'r Zug.« – »Na ze gehn nuff züe mini Döchter und lon 's Eich schangschiere.« Schnell sprang der Bäckerbursch hinauf in die Wohnung des Pastors, wo sich die Mädchen gerade noch schnell für die Kirche fertig machten. »Ich soll eich beide vegle.« – »Uh Jemmersch, nä«, sprachen die Mädchen. »D'r Babbe will's e so han.« Der Bäckerbursch war ein sauberer Bursch und die Pastorstöchter junge, hitzige Mädel. Um sich zu vergewissern, riß die eine Schwester das Fenster auf und rief hinunter: »Babbe, isch 's wohr?« – »E nadierlig«, antwortete, sich herumwendend, der Pastor. Nochmals fragte die Tochter: »Alli zwei?« – »E nadierlig, wann er könne und wolle.« – »M'r welle schun«, riefen froh beide, schlugen das Fenster zu und hüpften mit dem Bursch ins Bett. Alte Leute Hier warden s' nich so olt as in Hamburg: Ick kam nah Hamburg rin un drap dor toierst 'n ollen Mann. Un ick segg donn: »Na Opa, wo geht di dat?« »Mi geht dat sünst ganz got, bloß hüüt nich.« Ick segg: »Wat hest du denn?« »Ach, ick heff mi mit mienen Vadder vertüürnt.« »Dien Vadder, läwt dee noch?« »Ja.« »Wo olt is dee?« »Dee is achtunnägentig!« Ick segg: »Wo kannst du di mit so 'n ollen Mann noch vertüürnen? Wat hest em dan?« »Ick hadd bloß mienen Großvadder sien Koembuddel intweischmäten.« »Dien Großvadder, läwt dee ok noch?« »Ja.« »Wo olt is dee denn?« »Hundertvieruntwintig!« »Dat glööw ick di nich mihr to?« »Denn gah man nah de Petrikirch: Dor is Paster Meyer, dee het em döfft!« Aristoteles und Phyllis Der griechische König Philipp ließ seinen Sohn Alexander durch den weisesten Meister Aristoteles erziehen und gab beiden mit ihrem Gesinde ein besonderes Haus mit einem schönen Garten. Die hoffnungsvolle Zucht und Lehre wurde aber durch die Minne unterbrochen, in welcher der junge, feurige Alexander gegen die schöne Phyllis, ein Fräulein seiner Mutter, entbrannte. Die Schöne erwiderte seine Liebe, und bald vereinigte beide der heimliche Garten. Als Aristoteles dies entdeckte, klagte er es dem Könige, der dem Fräulein mit Strafe drohte. Diese beteuerte ihre Unschuld, welche die Königin bezeugte. Die beiden Geliebten wurden aber scharf beobachtet und auseinandergehalten. Alexander saß brummend in der Schule; und die leidvolle Phyllis sann auf Rache. Sie schmückte sich aufs reizendste und ging frühmorgens mit nackten, schneeweißen Füßen im Garten durch den Tau, zum rieselnden Brunnen, Blumen und Blüten sammelnd, und dabei ihr luftiges Gewand bis übers Knie aufhebend. Der weise Greis erblickte sie durch das Fenster und ließ sich durch die Liebreizende betören, die ihm eine Handvoll Blumen ins Fenster warf und ihn minniglich grüßte. Er lud sie zu sich herein und bot ihr, die sich kosend zu ihm setzte, zwanzig Mark für eine Nacht. Sie versagte ihr Magdtum für Geld, wollte jedoch seinen Willen tun, wenn er sich einen Sattel, der dort hing, auflegen, mit ihrem Gürtel sich aufzäumen und so von ihr durch den Garten reiten ließe. Der weltweise Aristoteles war nicht stärker als Adam, Samson, David und Salomo; er ließ sich von der Minne reiten. Die Reizende saß auf ihm, mit einem Rosenzweig in der Hand, und sang ein Minnelied, während der alte Graue auf allen vieren durch den Garten trabte. Als sie am Ziele war, sprang sie fröhlich ab, schalt den alten Gauch, daß er ihr Ehre und Liebe genommen, verhöhnte ihn, daß seine hundert Jahre nun wieder zu sieben geworden, und wünschte ihn zum Teufel. Die Königin hatte mit ihren Fräulein von der Zinne des Palastes alles gesehen. So ward die große Schmach bald dem Könige und dem ganzen Hofe kund und erscholl überall, so daß der weise Meister, dem Schimpf und Spotte zu entfliehen, nach einer Woche mit seinen Büchern und aller Habe heimlich zu Schiffe ging und nach einer Insel Galicia fuhr. Dort schrieb er ein großes Buch von den Listen der schönen, falschen Weiber. Nichts vermag dagegen zu helfen, als ferne von ihnen bleiben. Auf Treu und Glauben beischlafen Hitzige Flammen der Liebe hatte Venus zwischen einem Edelmann und einer Jungfrau angezündet, gleichwohl wußten sie keine sichere Gelegenheit zu finden, daß eines dem andern sein Herz gänzlich offenbaren könne, bis sie einstmals auf einem Tanz sich verabredeten, in einer Stunde miteinander zu schlafen. Keines vergaß die benannte Zeit, sondern erst fügte sich der Edelmann, danach die Jungfrau heimlich in eine Kammer, und sie legten sich zusammen in ein Bett. Es hat sich wohl nie ein Paar freundlicher umfangen, geherzt, geküßt und inbrünstige Liebe geschworen als die beiden. Da aber der Edelmann ihr weiter als in den Busen greifen wollte, strafte sie ihn mit ernsten Worten und sagte, daß ihm dies nicht vergönnet würde, bis auf eine Zeit, da sie ihm sein eigen sei und es in Ehren zugehen würde. Jetzund sollte er es damit genügen lassen, sie nur über dem Gürtel zu betasten. Ein Spielmann aber, den jedermann seiner Kurzweiligkeit halber bei sich haben wollte, hatte sich eine Zeit zuvor in dieser Kammer unter einem Bett verborgen, auf daß ihn niemand finde, damit er eher am Abend, wenn alle Menschen trunken waren, desto besser Geld zuwege bringen möchte. Er sah und hörte diese Worte der beiden und sagte: »Jungherr, seid Ihr nicht ein Geck, spannt Ihr den Gürtel unter die Knie!« Da sie beide da an den Reden den Narren erkannten, sprangen sie zur Kammer hinaus. Und damit der Spielmann sie nicht verriete, schenkte ihm der Jungherr etliche Taler und die Jungfrau ein Hemd mit einem goldenen Kragen. Bruder Rausch Im Kloster Eßrom bei Helsingör auf Seeland hausten einst gar fromme Mönche vom Orden des heiligen Bernhardus. Die hielten streng an ihrer Regel, fasteten sich fast mager, lobten Gott den Herrn Tag und Nacht und hielten sich fern von aller weltlichen Hoffart. Das sah der Teufel Rausch, als er eines Tages in der Gegend schweifte, und ärgerte sich darob dermaßen, daß er beschloß, dem frommen Wesen, wo möglich, ein Ende zu machen. Also nahm er die Gestalt eines jungen Mannes an, trat vor das Kloster und begehrte Einlaß. Der Abt kam vor die Pforte, empfing ihn wohl und fragte: »Woher, junger Gesell? Was ist dein Begehr? Hast du Botschaft auszurichten, so sprich unverhohlen.« Da antwortete Rausch demütiglich: »Herr, ich bin ein armer Küchenknecht; auf meine Verschwiegenheit könnt Ihr zählen in allen Dingen; und, wollt Ihr mich anstellen, so will ich Euch treulich dienen.« Der Bursche gefiel dem frommen Abt und erhielt darum guten Bescheid: »Du kommst gerade recht, weil uns ein Küchenjunge fehlt. Willst du dem Koch gehorsamen Dienst tun, so mag dir wohl in kurzem noch bessere Anstellung werden.« Dafür bedankte sich Rausch ehrerbietig, eilte alsbald zum Meister Koch und empfahl sich fleißig in seine Gunst. Von da an hatte das Kloster den Teufel zum Küchenjungen, und der säumte nicht lang, seine Schalkheit zu erweisen. – Nach fünf Tagen traf der Abt seinen neuen Küchenjungen, wie er eben behaglich in der Asche lag, und hub an: »Sag mir, junger Gesell, welches ist dein Name?« Er sprach: »Ich heiße Rausch und bin gar fern von hier zu Haus.« Der Abt fuhr fort: »Rausch, gib mir Bericht, verstehst du auch Hunde zu koppeln?« Rausch lächelte: »Warum nicht? Noch Besseres als dies versteh ich aus dem Grunde: Männer und Weiber zu koppeln, darinnen bin ich Meister. Wenn's sein müßte, führt' ich Euch das schönste Weib oder Mägdelein des Nachts in Eure Zelle, und des Morgens wieder heraus – kein Mäuschen im Kloster sollt' es merken.« Dem Abte fing es an warm zu werden; er sah sich vorsichtig um, ob kein Lauscher in der Nähe sei, und flüsterte dann: »Rauschchen, lieber Knecht, ist's möglich, kannst du mir ein Weib kuppeln?« – »Ganz unbeschrien, ganz meisterlich«, nickte dieser; »nennt mir nur des Fräuleins Namen, und es soll bald genug Euer sein.« – »So höre!« sprach der Abt: »Im nahen Dorf, dort an jener Ecke, wohnt ein hübsches Fräulein. Dem sollst du melden, daß ich dich zu ihr sende. Stillet sie mein Gelüste, dann sollst du guten Lohn empfangen.« Da versprach Rausch: »Den Abend noch soll die Frau Euch zu Gebote stehen.« Hierauf machte sich Rausch wieder an seinen Küchendienst, wusch die Schüsseln und tat mehr dergleichen, was ihm der Koch befohlen hatte, wobei er über weitere Teufeleien nachsann. Des Abends ging er ins Dorf zu obbemeldetem Fräulein, welches ihn bestens empfing. Rausch sprach: »Seid gegrüßt, holdeste der Frauen. Mein Herr sendet mich, Euch zu sagen, daß er vor Liebe zu Euch den bittern Tod leiden müsse, so Ihr Euch seiner Liebespein nicht erbarmet.« – »Ei behüte!« rief das gutherzige Fräulein; »meinethalben zu sterben, das wär' doch jammerschade um solchen milden Herrn. Ich will ihm alle Freundschaft gerne leisten.« – »So kommt«, sprach Rausch, »kommt mit mir ins Kloster zu meinem Herrn Abt.« Also bracht' er das Fräulein unbeschrien in des Abtes Zelle, wo sie viellieblich empfangen ward. Des Morgens aber bei Tagesanbruch praktizierte Rausch das Weiblein wieder nach Haus, ohne daß der Ehemann das geringste merken möchte. Dafür hatten die Mönche was gewittert. Es ging im Kloster das Gerücht, Rausch sei ein so verschmitzter Junge, daß er Gelegenheit finde, einem jeden, den das Zölibat allzu sehr drücke – nun ja, man braucht das Kind nicht immer bei seinem Namen zu nennen. Item, die Mönche hielten bei ihrem Küchenjungen an, bis alle samt und sonders versehen waren, wie der Herr Abt, und man von Kloster Eßrom sagen konnte, der Teufel habe wenigstens dort das Zölibat geholt. Freilich, wenn die Mönche gewußt hätten, daß ihre armen Seelen gefährdet seien, sie hätten den verführerischen Höllenfuchs nicht so liebgehabt. Kyrie eleison! Carolus Magnus Als der große Kaiser Karl zu einer Zeit während des Winters in Friaul lag und sah, daß seine fränkischen Junker ausländische, zarte Kleider von den venedischen Kaufleuten für großes Geld gekauft hatten, Kleider von Samt und köstlichem Pelzwerk, da befahl er ihnen unversehens, als Regenwetter war, ohne Verzug, so gut gekleidet und geschmückt, wie sie waren, mit ihm auf die Jagd zu reiten. Da machten die Pelzjunker ihre zarten Kleider vom Regen wohl sehr naß und zerrissen sie, als sie durch die Hecken und Büsche redlich durchgezogen wurden. Wie er nun heimgekommen ist, mußten sie so naß und besudelt, wie sie waren, absitzen und auf den Saal mit zu Tische gehen. Weil es aber kalt war, hat jedermann zunächst bei dem Feuer und am Kamin sitzen wollen, und der Kaiser hat sie die ganze Nacht aufgehalten und danach ihnen befohlen, am nächsten Morgen in derselben Kleidung wieder vor ihn zu kommen. Da hat man dann gesehen, wie die Kleider zerrissen und zum Teil von der Feuchtigkeit und vom Feuer zusammengeschrumpft waren. Dagegen hat er ihnen seinen groben Wolfspelz gezeigt, der noch ganz und an der Luft getrocknet war, und hat sie so um solcher weibischen Verzärtelung willen gestraft. Das Arzthonorar Ein altes Weib, das ein Augenleiden hatte, lud einen Arzt zu sich, damit er sie heile; als er kam, fand er bei ihr vielen Hausrat. Davon stahl er jedesmal, wann er Arzeneien brachte, bis das Haus leer war. Als aber die Alte genesen war und ihr Haus leer fand, weigerte sie sich, dem Arzte seinen Lohn zu geben. Er zog sie vor Gericht, und dort sagte sie, er habe sie nicht völlig geheilt, denn sie sehe jetzt weniger als früher; früher hatte sie nämlich in ihrem Hause viel Gerät gesehn, jetzt sah sie nichts mehr. Das Bettlertestament Vor nicht gar langen Zeiten zogen die armen Leute landaus, landein und nährten sich vom Bettel; in unseren Tagen muß jede Gemeinde ihre Armen selbst ernähren. Und dieses ist auch recht, wenn's nur geschieht. Jene Bettlerfamilien hatten nun zwar weder Haus noch Gut, und von den Kindern hat's wohl geheißen: Der ist in Staufen geboren, und die in Vils, und das im Kempter Wald. Aber zu Haus waren sie überall in der Welt, und sie kriegten in der ganzen Christenheit zu Salz noch Schmalz, zu Brot noch Mehl; und sie mochten Tafel halten im grünen Waldrevier und unter dem blauen Himmelszelt; und Fürsten waren nicht reicher als sie. Das bewies denn auch die Bettelmutter, des Zundlers Weib, von deren Testament die Sage geht. Als sie in Todesnöten lag, ließ sie noch ihre acht Kinder zu sich kommen, um ihnen ihre letzte Willensmeinung zu sagen. Und sie sprach: »Seid friedlich und einig und störet einander nicht in eurem Gewerbe.« Darauf, als ob sie, wie eine Herzogin, Land und Leute vergeben und verteilen könnte, fuhr sie fort: »Du, Toni, ziehst durchs Konstanzer Tal; du, Käther, gehst ins Walsertal; du, Jörg, bleibst im Hindelanger Tal.« Und so wies sie den folgenden jedem sein Teil an; dem vierten das Rettenberger Tal, dem fünften das Oberndorfer Tal, dem sechsten den Bregenzer Wald, dem siebenten das Lechtal, dem achten den Schüttentobel. Dann, nach geschehener Austeilung, ließ sie sich von jedem die Hand reichen, zur Gewähr, daß sie ihr Testament ehren und erfüllen wollen, und verschied, in der ruhigen Überzeugung, daß ihre Kinder alle versorgt seien und ihr Geschlecht fortblühen werde bis auf ewige Zeiten. Das geheimnisvolle Bild Vor etlichen Jahren kam ein reicher Herr und Edelmann nach Augsburg zu einem Maler. Er hatte sich ein hölzernes Täflein machen lassen bei einem Schreiner, das brachte er dem Maler und sprach: »Mein lieber Meister, ich will, daß Ihr mir auf dieses Täfelein ein schönes Bettstättlein malt.« Der Maler sprach: »Jawohl, Herr.« Und als das gemalt war auf den andern Tag, kam der Herr wieder und sah das Bettstättlein, das gefiel ihm wohl, und er sprach: »Meister, jetzt malt mir ein schönes seiden Bett darein und darauf ein schönes Fräulein.« Der Maler machte es auch. Als der Herr des andern Tags kam und fand, wie er es bestellt hatte, und als er das sah, da gefiel es ihm von Herzen wohl, und er sprach, er solle es ihm auf das allerschönste machen, er wolle es ihm auch zahlen nach seinem Willen, und solle ihm unten auf das Bettstättlein ein fein zinnernes Brunzkächelein Nachtgeschirr. malen, und alles nur auf das allerschönste. Der Maler tat es, und machte es auf das allerfleißigste. Und auf den fünften Tag, als alles trocken und fertig war, da kam der gute Herr wieder und fand alles, wie er es hatte gewünscht, das Bettstättlein mit einem schönen, seidenen Bett, darauf ein über die Maßen schönes, nacktes Fräulein, die war noch mit Farben gar schön und lieblich gemalt, und unten, unter dem Bettlein, ein feines Brunzkächelein. Als er dies alles gesehen hatte, sprach der Maler: »Herr, gefällt es Euch?« – »Ja«, sprach der Herr, »jetzt tut ein Ding und übermalet es mir über und über mit einem feinen, grünen Vorhang.« – »Ei, Potz Marter, Herr«, sprach der Maler, »das schickt sich nicht! Kaufet ein grünes, seidenes Tüchlein und hängt es darüber, so könnt Ihr es hinwegtun, wann Ihr wollt.« Der Herr sprach: »Meister, hört Ihr nicht, was ich Euch sage? Macht es mir also! Ich will Euch Eure Arbeit wohl bezahlen. Wenn nur ich weiß, was darunter ist, es darf sonst niemand es wissen.« Da mußte ihm der Maler also einen grünen Vorhang über das Bett und das schöne Fräulein malen, weil der Edelmann dabeistund. Und das tat der Maler und ließ es sich zahlen, und er gab dem Narren oder Herren das Täfelein. Gott gebe, wohin der damit gegangen ist. Das Geschenk Herr Marquart von Ems, Ritter, lud eines Tages den Bürgermeister von Lindau in sein Schloß Ems, und als sie gegessen hatten, führte der Ritter den Gast in dem Schloß umher, das Schloß zu besichtigen. Sie kamen in eine Kammer, wo allerlei Messer und Schwerter hingen. Der Ritter aber, damit er sich dem Gast freundlich erzeige, hieß ihn da aussuchen, welches Messer er möchte. Anfangs weigerte sich der Gast, da ihm dies nicht zustehe. Der Ritter ließ aber nicht nach mit Bitten, so lange, bis der Gast ein Messer erwählte, das sehr edel gearbeitet war. Da sprach der Ritter: »Dem ist recht. Das Messer sei Euch, doch mit dem Unterschied, daß es trotzdem gar an dieser Stelle hängenbleibt, und wer in künftiger Zeit herkommt, dem will ich sagen, das Messer gehöre dem Bürgermeister von Lindau.« Das Gleichnis von der Nuß Ein katholischer Pfaff verglich beim Predigen die drei Religionen mit einer grünen Haselnuß, zog dieselbige auf der Kanzel aus dem Sack und zeigte sie dem Volk mit dieser Auslegung: »Seht, ihr Geliebten in dem Herrn, diese Haselnuß begreift drei Stücke in sich, die sehr wohl mit den drei Religionen können verglichen werden. Das erste Stück ist diese grüne Schale«, damit brach er sie von der Nuß ab, »die ist zu nichts nutz, und das ist die Calvinische Religion, die ist auch zu nichts nutz. Das andere Stück ist die andere Schale, die ist noch etwas nützlicher, denn die alten Weiber wickeln noch Garn darauf, und das ist die Lutherische Religion, die ist noch in etwas besser als die Calvinische. Das dritte Stück aber, und zwar das allerbeste, das ist der zuckersüße Kern, den kann jedermann genießen, und das ist die unsere wahre, katholische Religion.« Hiermit biß er die Nuß auf und wollte den Kern vor dem Volk zeigen und aufessen. Allein sie war zu allem Unglück ganz bös, und es war ein Wurm darin, so daß er anstatt des zuckersüßen Kerns was anderes ins Maul kriegte und wieder ausspeien mußte. Doch wußte er dem Ding (weil das Volk so heftig lachte) bald wieder zu helfen und legte also aus: Der Wurm nämlich wäre der Teufel, der pflegte auch bisweilen in ihrer katholischen Religion und Religionsgenossen also zu wüten, gleich wie der Wurm in dieser Nuß getan. Das große Geheimnis Ein anderes Exempel von einem Edelmann, der seine Frau versuchte. Als diese jung und über seinen Willen noch nicht wohl unterrichtet war, sprach er zu ihr: »Meine liebe Hausfrau, ich will Euch eine gar große Heimlichkeit sagen, so sehr, daß Ihr keinem anderen etwas davon sagen dürft. Ich habe zwei Eier gelegt.« Sie glaubte ihm und versprach, sie wolle es wohl verschweigen. Nun war es spät, so daß sie nicht mehr zu ihrer Gevatterin, um mit ihr zu reden, gehen konnte. Aber gleich am nächsten Morgen ging sie zu ihr und sprach: »Oh, meine liebe Gevatterin, ich sagte Euch gern ein großes Geheimnis, wenn Ihr solches keinem anderen sagen wolltet.« Die versprach ihr, dies zu tun. Da sagte sie: »Oh, herzliebe Gevatterin, ist es nicht ein Wunder, mein Mann hat drei Eier gelegt.« »Heilige Maria«, sprach die andere, »wie mag das sein. Das ist ein großes Ding.« Als sie nun auseinandergingen, konnte die, der das Geheimnis erzählt worden war, sich nicht enthalten. Sie sagte es einer anderen und sprach: »Ein gewisser Edelmann hat vier Eier gelegt.« Diese sagte es gleich einer anderen und daß es der Eier fünf wären. Das Geheimnis wurde immer offenbarer, daß aus den zwei Eiern fünf wurden, und das ganze Land wurde mit solcher Rede erfüllt. Viele Leute erzählten es dem Edelmann wieder. Da berief er seine Frau und viele seiner Freunde und sprach zu seinem Weib: »Frau, Ihr habt mein Geheimnis gar wohl verschwiegen, daß ich Euch gesagt habe, wie ich zwei Eier gelegt hätte, denn, Gott sei gelobt, die Zahl ist inzwischen ganz außerordentlich gewachsen, und es sind fünf daraus geworden. Daran merke ich, daß mein Geheimnis bei Euch wohl verborgen ist.« Und er erschrak die Frau so und machte sie so schamhaft, daß sie ihm keine Antwort geben konnte. Deshalb soll keine fromme Frau die Geheimnisse ihres Mannes irgend jemand entdecken. Das Heilmittel Ein Falbel ward von einer Jungfrau übertölpelt, daß er sie haben mußte. Als sie nun ein Tag oder acht beieinander gewohnt, kam ihre Mutter, fragte sie, wie sie im neuen Hauswesen lebe, warum sie so traurig wäre, ob ihr ihr Mann nichts täte. »Nein«, antwortete die junge Ehefrau, »er wendet mir nur den Hintern zu, sobald er ins Bett kommt.« – »Da laß mich sorgen«, sagte die Alte. Sie unterrichtete die Tochter, wie sie sich zu verhalten habe. Die stellte sich folgenden Morgens sehr krank. Die Alte kam sie besuchen, schickte den Ölgötzen mit dem Harn zum Doktor, welchen sie auch schon verständigt hatte. Der schilderte ihm die Krankheit schwer und sagte, wenn man ihr nicht helfe, wäre sein Weib des Todes. Als nun der Falbel Remedia Heilmittel begehrte, sagte ihm der Doktor, wie er sie natürlicherweise besteigen müsse. Der Falbel ging geschwind hin und verhielt sich also, daß die Frau wieder gesund wurde. Wer war froher denn er! Er lud seine Freunde alle zusammen, daß sie seine Freude teilten. Doch war diese seine Freude nicht ohne Leid, denn am Tisch fing der Falbel an zu weinen und sagte, es bekümmere ihn sehr, wenn er daran denke, daß er dies heilsame Mittel nicht eher gewußt; hätte er es auch an seinen lieben Eltern gebraucht, er wüßte, sie lebten noch. Das Heufuder Dei Buer kern eins mit 'n grot Föder Heu ut dei Wisch. Ein Auto führte Ummer hinner em her un tut'te un tut'te; hei wull em giern vörbie. Dei Knecht, dei wull em Platz maken, un donn schmeet dat ganze Föder Heu üm. Un donn wir dei Weg versperrt, un dat Auto künn nich vörbie. Dei Autofohrer steeg ut dat Auto ruut un keek den Knecht an, un dei Knecht, dei wir von dat Pierd runstägen un keek den Autofohrer an. Dei Autofohrer säd: »Nu mak man Platz, dat ick vörbiekam!« »Ja«, säd dei Knecht, »dat is all so leicht nich, denn dat Heu möt all ierst wedder uplad't warden.« Dei Autokierl füng an to schimpen: »Du infamtige Schlüngel, denn gah doch hen un segg den Buern Bescheid!« »Oh«, säd dei Knecht, »dei Buer weit all lang Bescheid, dei liggt ja hier ünner dat Heu!« Das kluge Urteil Vor der Königin aus Frankreich beklagte sich eine junge Tochter, daß ein Gesell ihr das Magdtum ganz gegen ihren Willen genommen hätte. Die Königin sprach: »Warum hast du dich nicht gewehrt?« Die Tochter sprach: »Er drängte mich so, daß ich mich seiner nicht erwehren konnte.« Indem hieß die Königin ein Schwert bringen, nahm die Scheide, gab dem Mädchen das Schwert und hieß sie das Schwert in die Scheide stoßen. Das konnte die Metze nicht, weil die Königin immer hin und her mit der Scheide wich, so daß sie das Loch nicht treffen konnte. Da sprach die gute Tochter: »Gnädige Frau, ich kann's nicht einstecken.« Die Königin sprach: »Hättest du dich also gewehrt, so hättest du deine Jungfrauschaft noch.« Das Martinsfest Ein reicher Bauer feierte die Martinsnacht mit seinem Gesinde über die Maßen; sie tranken so viel guten Weines, daß alle von Sinnen kamen. Das gewahrten schlaue Diebe, brachen ein Loch in seinen Rinderstall, und der Verwegenste schlüpfte hinein. Da fingen aber zween Hofwarte grimmig an zu bellen, daß der Wirt es hörte; er nahm ein Licht und ging zum Stalle. Der Dieb konnte nicht entrinnen, warf rasch sein Gewand ab, so daß er nackt dastand. Als der Wirt eintrat, machte er über ihn und seine Kinder, desgleichen über jedes Rind mehr als zwanzigmal das Kreuz und murmelte dazu wie einen Segen. Er winkte dann den Wirt näher, sagte ihm, er sei St. Martin und segne sein Gut, zur Vergeltung des Weines, welchen er am Martinsfeste gespendet habe. Zugleich habe er seine Rinder gegen eindringende Diebe behütet und wolle fürder all seine Habe bewahren, drum möge der Wirt getrost sein Fest fortsetzen. Der Wirt weinte vor Freude, pries sich glücklich, daß St. Martin ihn so gewürdigt habe, löschte das Licht und ging wieder ins Haus. Hier verkündigte er die Erscheinung des Heiligen und forderte alle auf, zu Ehren desselben fürder zu trinken. Er würde selbst seinen Hühnern Wein schenken, wenn sie ihn tränken. Sein Weib mußte einen alten Käse auftragen, damit der Wein desto besser schmeckte; und man trank auf sein und seines Weibes Leibes- und Seelenheil, und vor allem zu St. Martins Minne, so viel, bis alle sinnlos dalagen. Unterdessen trieb der Dieb alle Ochsen und manche Kühe hinweg. Als der Wirt seinen Rausch ausgeschlafen hatte und am Morgen in den Stall ging, fand er ihn leer und klagte seinem Gesinde, daß St. Martin alle Rinder genommen habe, dem er nun keinen Becher mehr schenken wolle. Er heulte und alle seine Kinder mit ihm. Sein Weib aber schalt ihn selber ein Rind, daß er den heiligen Martin gesehen zu haben wähnte. So hatte er Schaden und Schande, beklagte jedoch mehr jenen als diese. Das mißverstandene Heilmittel Einer brachte dem Doktor das Wasser. Als er solches besehen, schrieb er dem Patienten ein Rezept, gab's ihm und sprach, dies solle er dreimal drei Tage nacheinander einnehmen, so werde es besser um ihn werden. Der Patient ging mit dem Rezept nach Haus, zerriß es in drei Stücklein, nahm jeden Morgen ein solches Stücklein Papier ein, und der Lapp wurde endlich gesund. – Des Patienten Vertrauen und Gunst stärkt des Arztes Rezept und Kunst. Das Ostergelächter zu Herrenzimmern Den nachfolgenden Ostertag predigte er nicht im Schloß zu Zimmern, sondern in Anbetracht, daß der Graf damals nicht zu Hause war, predigte er den Bauern im Dorf Herrenzimmern. Nun hatte er die Nacht ein Osterspiel bei den Bauern aufgeführt und den Salvator zur Mitternacht aufgehoben und auf den Altar gestellt. Deshalb, als er am Ostertag heftig gegen die Juden predigte, daß sie die Auferstehung nicht glauben wollten, sprach er: »Christus ist wahrhaftig erstanden wie ein wahrhaftiger Gott, und da steht er« – damit zeigte er mit der Hand auf das Bild, das auf dem Altar stand – »so frei als ein Aff.« Es wollten sich die Bauern fast krank lachen. In summa, wie der Pastor und Hirt, so waren auch seine Schafe im Dorf, die er weiden sollte. Das Schneekind Wohlan, vernehmt, alle Mann für Mann, den tollen Schwank und hört zu, auf welche Art eines Schwaben Frau einst ihn, dann er sie überlistet. Aus Konstanz fuhr einst ein Schwäblein fort über das Meer, Güter bracht' er in dem Schiff. Doch zu Hause ließ er zurück sein gar loses Weibchen. Das Schiff durchschnitt kaum das wüste Wasser, seht, ein Wetter tat sich auf, wütend stieg die Flut, Winde stritten sich, Wogen hoch wallten, und den heimatlosen Mann warf an fernen Strand ein Südsturm nach der langen Irrfahrt. Zu Haus indes war sein Weib nicht müßig. Mimen kamen an, und es folgten Burschen: die empfing sie gern und vergaß dabei den fernen Gatten, sie ward in der nächsten Nacht schwanger und gebar zu rechter Zeit nicht rechtes Kindlein. Zwei Jahre waren vergangen, da fuhr heimwärts, der Fremdling hieß. Die Treulos' lief ihm entgegen mit dem Knaben an ihrer Hand. Als sie sich geküßt, da fragte jener seine Frau: »Von wem hast du diesen Knaben da? Sprich! Oder du wirst Schlimmstes leiden.« Sie aber, voll Angst vorm Manne, sann sich Lügen für alles aus. »Mein«, sprach sie, »mein Mann«, dann schließlich, »Durst bekam ich an einem Tag in den Alpen, nive sitiens extinxi sitim: unde ego gravida istum puerum damnoso foetu heu gignebam.‹ Anni post haec quinque transierunt et plus, et mercator vagus instaurabat remos, ratim quassam reficit: vela alligat et nivis natum duxit secum. Transfretato mare producebat natum, et pro arrabone mercatori tradens und ich stillt mit Schnee ihn: schwanger wurde ich davon, und ich mußte – ach, wie schändlich! – dieses Kind gebären.« Danach warn verflossen fünf Jahr oder mehr noch, und der Kaufmann rüstet' unstet seine Ruder, besserte das morsche Schiff: zog die Segel auf, und jenes Schneekind nahm er mit sich. Als er 's Meer durchfahren, bootet' er den Sohn aus, und für Geld vertraute er ihn einem Kaufmann, centum libras accipit, atque vendito infanti dives revertitur. Ingressusque domum ad uxorem ait ›consolare coniux, consolare cara: natum tuum perdidi, quem non ipsa tu me magis quidem dilexisti. Tempestate orta nos ventosus furor in vadosas sirtes nimis fessos egit et nos omnes graviter sol torret: at ille nivis natus liquescebat.‹ Sic perfidam Suevus coniugem deluserat. sic fraus fraudem vicerat: nam quem genuit nix, recte hunc sol liquefecit. Das Versprechen Es war ein großes Ungewitter auf dem Meer, so daß jedermann Gott und seine Heiligen anrief, damit sie nicht verdürben. Da war auch ein Abenteurer auf dem Schiff, der schrie zu dem heiligen St. Nikolaus: »O heiliger Herr St. Nikolaus, hilf uns, ich will dir eine Kerze opfern, so groß, wie mein Schenkel ist.« Das Meer hörte nicht auf zu wüten, da sprach er: »Hilf uns, heiliger Nikolaus, ich will dir eine Kerze geben, die so schwer ist, wie ich selbst bin.« Aber es half nichts. Da sprach er: »Hilf uns, St. Nikolaus, ich will dir eine Kerze schenken, die so groß ist wie der Mastbaum auf dem Schiff.« Die ehrbaren Leute auf dem Schiff sprachen zu ihm: »Du bist ein Narr, woher wolltest du so viel Wachs nehmen, und wenn du es schon bekämest, womit möchtest du es bezahlen?« Er sprach: »Ihr seid Narren, sobald ich einen Fuß auf dem trockenen Land hätte, würde ich ihm nicht mehr als eine Kerze geben, mit der man schlafen geht.« Das warme Almosen Ein Mann war so karg, daß er sogar vor seinem Weibe alles verschloß und den Schlüssel stets bei sich trug, auch wenn er nicht daheim war. Er zählte die Käse und wußte jedes Ei, das ihm gelegt ward; sein Weib aber hatte kaum zu essen. Eines Tages war er nach der Mühle gefahren und sie allein zu Hause, da trat ein armer Mann herein und bat sie um Gottes willen, ihm etwas zu geben. Sie klagte ihm ihre eigene Not und daß ihr, wie gern sie gäbe, ihr Mann alles versperrte; wolle er jedoch ihre Minne, so gebe sie sie ihm um Gottes willen. Der Arme hielt es für Spott, sie aber führte ihn zu einem Bett und gab ihm ihr Almosen sowohl anstatt des Fleisches als des Brotes. Der Arme ließ es sich Wohlgefallen und rühmte, daß er nimmer ein besser Almosen empfangen habe, und St. Michael und das heilige Grab möchten es ihr lohnen. Damit ging er hinweg, gerade als der Mann heimkam. Dieser hörte vor der Tür die Danksagung, eilte hinein und fragte seine Frau, was sie dem Armen gegeben habe. Sie leugnete jede Gabe, weil er ihr ja nichts dazu gelassen habe. Er aber ergriff ein Scheit und schlug sie, bis sie weinend gestand, daß sie das zum Seelenheil nötige Almosen, in Ermangelung anderer Mittel, durch ihre Minne gegeben habe. Da verwünschte der Mann seine Kargheit, die ihn so teuer zu stehen gekommen war, übergab der Frau die Schlüssel und ließ sie von nun an über alles im Hause schalten und walten, verbot ihr aber bei ihrer Ehre, fürder ein solches Almosen zu geben. Der Dichter meint jedoch, es wäre immer noch ein großes Almosen, wenn es minniglich um Gottes willen gegeben würde. Das wüste Wetter »'s isch e gruusig wüescht Wädder druße; me sott by dem Wädder kai Hund nußjage«, sagte der Mann in der warmen Stube im Gefühl seiner Geborgenheit. Da klopft es an die Türe, und ein Vetter bittet dringend um die Anwesenheit des Mannes in seinem Haus, das am andern Ende des Dorfes lag. Da meinte der zärtliche Ehegatte, der vorhin wegen des Wetters keinen Hund hinausgejagt hätte: »Frau, gang du!« Der abgeschlagene Pelz Seine Mätresse, die er im Sauerbrunnen karessiert, des jungen Simplici Mutter, bettelte bei ihm um einen Pelz, den er ihr kaufen sollte. Weil er aber ihrer müd war und nichts mehr zu spendieren gedachte, sagte er: »Ach Schatz, was wird er mir für eine Freude geben, Ihr werdet ihn ja allzeit ausziehen, wenn Ihr Euch bei mir befindet.« – »Ei«, sagte sie, »ich kann ihn jawohl anbehalten.« – »Nein«, antwortete Simplicius, »Ihr wißt, daß ich Euch allzeit am allerliebsten nackend gehabt habe.« Der abnehmende Wein Ein Philosoph hatte sein Faß Wein versiegelt. Als aber sein Famulus das Faß von unten her angestochen hatte, verwunderte er sich, daß der Wein, gleichwohl das Siegel unversehrt, täglich abnehme. Da ihm aber einer sagte, er solle sehen, ob nicht etwa unten am Faß ein Betrug begangen worden wäre, antwortete er ihm, er wäre ein Narr, der Wein mangelte nicht unten, sondern oben. Der Alte Fritz De Aolle Fritz wull nao Biäckem henkuemen. Äs de Börgermester dat häört, röpp he sinen ganzen Stadtraot bineen, un nu beraott se, weck den Aollen Fritz dat Jätten updriägen sali. Nu will kin Mensk dat daohn; se wüssen alle nich, wu se dat maken sollen. Sließlick sech de Börgermester: »Dann will ick de Supp updriägen, un ji gaoht ächter de Düör staohn un kiekt, wu ick dat mak, un dann makt ji dat akraot so!« De Aolle Fritz sitt middags bi'n Disk, dao kümp de Börgermester ganz maß met de Supp harin. Nu har de Künink son klein Rüeken bi sick, dat löpp den Börgermester för de Been gerade, wu he de Supp henstellen will, un dao fällt he üöwer dat Rüeken, dat de Supp up'n Disk flüch. Äs de annern dat seiht, meint de , dat möß so sien, un dao kuemt se haranlaupen un knallt dat ganze Jätten up'n Disk. Von de Tiet an hat de Aolle Fritz sick nich mähr in Biäckem seihen laoten. Der alte Hildebrand Et weer e mool e Schmeet in enä Derp, dee heed Hildebrand. Un sinä ole Fru weer doot un da fried he e jungä Wief. Un et duuäd nich lang, da kiggd sik dat Wiewävolk no andre Keerdels rim. De Meistä Hildebrand weer ehr to oolt. Un nu keem ok immä de jungä Faar to Gast un denn jästrierd se sik met en immä, dat alle Lied de Käpp tohoop stiggde. Un allä wußde, wat dee beids spelde, bloß de ool Meistä nich. Un de beids wulle nu dem ole Keerdel los wäre. Se vätellde dem ole Meistä, dat he bool starwe waat. Un et beste weer, wenn he sine Sind los wäre micht un e Wallfahrt no Rom mook. Un dee ool Mann gloowd dee beids. Un nu wull he losreise. Sin Wief jeef em to ete un to drinke mit ut Kella un Spieskomä. Un he kreech ok e Flasch Schnaps mit. Un nu hadd he sinä Pungel uppä Puckel un tooch los. Un et weer Sommä un de Sinnke schiend. Owä de Meistä hadd schwoor to dreje an sinä Pungel. Un wie he e Miel jewandät weer, da weer he dirch un dirch natt. Un he wull sik väpuste un huggd sik innä Growe. Da keem e Wandäborsch an, dee hadd e Kiep uppä Rigg, un dee wull sik ok väpuste. He huggd sik bi denä Meistä innä Growe, un se vätellde sik. Un dee Wandäborsch kennd dee Geschicht vonnä Fru Meistä un denä Faar. Un de Meistä Hildebrand vätelld nu, dat he no Rom wandäd, un dat sinä gode Fru em so veel mitjejewe hadd, un dat he schwoor to schleppe hadd. Da lachd dee Wandäborsch luut los. »Wat lachst du do?« frooch de Öla. Un so langsomke vätelld he dem Meistä, wat de Faar un sinä Fru drewe. De Meistä wull dat nich glowe. De Wandäborsch seed: »Kannst di jo silfts ewäfehre. Seh mool, ik hebb hiä e grote Kiep, wenn et Owend is, denn krippst innä Korf un ik drej di in din ejen Huus, un denn kannst silfst sehne. De Faar is hiede sichä bi dina Fru!« Un de Meistä Hildebrand fung nu silfst an to glowe, wat dee Wandäborsch em vätellt. He willigt in, so to done, wie de Wandäborsch em väjeschloge hadd. Un nu nehm he ut sinä Pungel Brot un Spirkel un Schinke un de Flasch mit Schnaps un dee beids ete un drunke. Un wie et Owend weer, da jinge se beids trigg in dem Derp, wo de Meistä Hildebrand to Huus weer. Un wie et diestä weer, kroop de Meistä innä Kiep rin, un de Wandäborsch nehm en uppä Rigg un klobbd an bi de Schmeetsche. Da weer Licht. Un de Faar weer al da. Owä se wulle nich upmoke. Owä dee Wandäborsch leet nich no mit Kloppe. He bulläd immä lutä un schreech: »Da weer doch Licht! Upmoke!« Un de Fru seed to denä Faar: »Ik waa em upmoke, un denn jewe wi em to ete un veel to drinke, un denn jeiht he bool schlope. Wenn wi nich so done, mookt he de ganze Derp upruhrig. Ik kenn de Klinkäwippäsch!« Un wie dee Wandäborsch rinkeem, da huggd de Faar un de Schmeetsche anne Disch, un Wien un Brode stunde da. Se wulle nu denä Wandáborsch de Muul stoppe, un he kunn mitete un mitdrinke. Un sinä Kiep hadd he mit dem Reme up e Hoke anne Stowedeer upjehonge. Un nu jing dat Frete un Supe immä wiedä. Dee Wandäborsch sulld sik besupe. Owä de Faar un de Schmeetsche were ehä bisope. Un de Faar fung al an to singe, de Schmeetsche ok. Tueerscht Ledä, wo se kunne, un tuletzt fung de Faar an to dichte. Un he sung: »Ich hab heut einen ausgesandt Nach Rom in meines Vaters Land.« De Schmeetsche sung: »Ich hab ihn gut verproviantiert, Daß er sehr schnell nach Rom marschiert!« Un de Wandäborsch sung: »O Hildebrand, o Hildebrand! Hängst in dem Korb dort an der Wand.« Un mit emool meld sik e Stimm ute Kiep, de sung: »Nun kann ich nicht mehr länger schweigen, Ich muß aus meiner Kiepe steigen!« Un de ool Hildebrand keem rut ut sinä Kiep, un de Faar wull dirche Stowedeer. Owä de Wandäborsch heel em fest, un de beids schmeerde em de Ragge voll. Un denn kreech ok de Wief ehr Deel. Un wie dee beids goot täschoowd were, da weer Ruh im Derp. Un dee Wandäborsch kehrd noch vele Mole bi dem Meistä in. Der Ärzte Freiheit Keinerlei Volk auf Erden hat so große Freiheit als die Doktores medicinae, die Ärzte, Barbiere und Bader. Denn obwohl sie schon oftmals durch ihre ungereimte Arznei manchen Menschen töten, raffen sie dadurch Geld zusammen, wobei andere Totschläger an Leib und Seele hart bestraft würden. Daraus ein Sprichwort, daß ein neuer Arzt einen neuen Kirchhof haben muß, bei uns Deutschen entstanden ist. Oder, wie etliche sagen: Ein neuer Arzt muß zwei Kirchhöfe haben, den einen für die, denen er nicht hat helfen können und die deshalb sterben, den andern aber für die, die er durch zu starke und der Kranken Natur widerwärtige Purgierungen und anderes tötet. Auf solche Weise fragte einst ein Fürst einen Medikus, der sich bei ihm für den geschicktesten und in allen Stücken der Arznei trefflichsten Doktor ausgab und versprach, indem er hoffte, bei ihm in den Dienst aufgenommen zu werden. »Ich bin von meinen Eltern unterrichtet, ich solle keinen Arzt annehmen oder zu mir lassen, der nicht zuvor wenigstens dreißig Menschen umgebracht hätte.« Hierauf antwortete der Doktor: »Wenn dem so ist, gnädiger Herr, so bin ich eben derselben einer, zu welchem Euch Eure Vorfahren geraten haben. Denn an der Zahl fehlt nicht weit, dieweil ich vor kurzem ihrer neunundzwanzig zum Kirchhof befördert habe.« Als dies der Fürst verstanden hatte, sprach er: »Oho, kannst du solche Kunst, so bist du keineswegs mein Diener! Pack dich nur von mir, es müßte sonst große Gefahr bestehen, daß ich bald der dreißigste wäre!« Der aufgeblasene Frosch In anan Paurnhof hats viili Kropftaubn khatt, und ti Päirin hat iani allwail in Hof af die Erdn as Fuadr hikschtrat. Ta is a a Frosch kwest, tear hat a mitkfressn. Den Tauwrich hat tes geärgrt und hat ten Frosch fapeckt. Tr Tauwrich hat sie nu fest aufplosn und is mit sainan kroßn Kropf konz kroß waon. Tes hat ten Frosch kar nett kfalln, und ear hat sich's ksagt: »Mußt es amol probiern, vielleicht wearst a so kroß.« Era plast und plast und is scho konz schia kwachsn. Nebntran ist tr Ochs stondn und hat tes ksehn und tsam Frosch ksagt: »Wenn tu nu a pisl ti onstrengst, ta wearst so kroß wie i, und ta kriagn ti Taum von tiar a Ongst!« So hat tr Frosch sie halt fest okschtrenkt und is faplatzt! Der Auftrag Der Herr von Rappoltstein hatte einen welschen Knecht, dem gab er einen Habicht. Er sollte ihn dem Herrn von Muntheiß bringen und anzeigen, daß der Herr von Rappoltstein ihm den geschenkt hätte. Der Geck nahm den Habicht, und in der ersten Herberge vergaß er den Handschuh. Wie er aber den Vogel auf der bloßen Hand tragen wollte, schlug der ihm die Klauen in die Hand. Das mochte er nicht erleiden, drehte ihm den Hals um und schlug ihn über die Achsel und zog zu dem Herrn von Muntheiß und sagte: »Gnädiger Herr von Muntheiß, mein gnädiger Herr von Rappelsteiß schickt Euch diesen Habeis.« Der Herr von Muntheiß sah wohl, daß der Habicht tot war, fragte ihn, wie das zugegangen sei, daß der Vogel tot wäre. »Ja«, sagte der Welsche, »gnädiger Herr, er hat mir gemack Kratzel mir auf mein Finger. Ich hab ihm gemack Krag ab.« – »Daß dich die Pest ankomme!« sagte der Herr von Muntheiß und befahl, man sollte ihn vier Tage in den Turm legen. Danach schickte er ihn wieder heim. Der Herr von Rappoltstein fragte ihn, was der Herr von Muntheiß zu dem Vogel gesagt hätte. Der Welsche sagte: »Gnädiger Herr von Rappelsteiß, es hat mir gemack der Habeis Kratzel mir auf mein Finger, ich hab ihm gemack Krag ab und dem Herrn von Muntheiß brockt.« Der Herr fragte: »Ist der Vogel tot gewesen?« – »Ja, gnädiger Herr von Rappelsteiß.« Da sprach der Herr: »Des müßte dich die Beul und Pestilenz ankommen! Was hat der Herr von Muntheiß dazu gesagt?« – »Gnädiger Herr, er hat mich geleck in finstern Lock wohl vier Tag aneinander.« Der Herr lachte des Narren, ließ ihn zwei Tage in den Turm legen und schickte dem Herrn von Muntheiß einen andern Vogel mit einem andern Diener. Der Bart Die Appenzeller haben einst einen Gesandten gen Baden auf den Tag geschickt, der hatte keinen Bart, aber gleichwohl seine Gesandtschaft mit gutem Lob verrichtet. Als etliche sprachen, sie hätten gemeint, man würde ihnen denn doch auch einen schicken, der einen Bart hätte, hat er geantwortet: »Wenn meine Herren gewüßt hätten und gemeint, daß etwas am Bart gelegen wäre, sie hätten eine Geiß abgeschickt.« Der Bauer und der Bischof Es ritt ein Bischof einmal über ein Feld mit vierzig Pferden und mit seinem Gefolge. Da ließ ein Bauer den Pflug stehen und sah dem Gefolge zu und hatte das Maul offen und die Arme in die Seiten gestellt. Der Bischof, der sah es, ritt zu ihm und sprach: »Meier, was denkst du, daß du also uns zuschaust?« Der Bauer sprach: »Herr, ich habe gedacht, ob der heilige Martin auch so mit einem reisigen Gefolge geritten sei, der auch ein Bischof war.« Der Bischof wurde rot im Antlitz, schämte sich und sprach: »Ich bin nicht allein ein Bischof, ich bin auch ein weltlicher Fürst. Jetzt bin ich ein Fürst. Willst du aber den Bischof sehen, so komm auf den Tag in die Kirche, dann werde ich das Hochamt halten.« Der Bauer fing an zu lachen, bis er sich schüttelte. Der Herr fragte ihn, weshalb er lache. Der Bauer sprach: »Herr, da lache ich, da Gott vor sei, denn wenn der Teufel den Fürsten zuletzt nimmt, was tut denn der Bischof dazu?« Da ging der Bischof davon, denn er hatte keine Antwort gewußt. Der beflissene Diener Ein Herr hatte einen Diener, dem gab er schöne, kristalline Gläser zu waschen; der Diener zerbrach eins. Als er nun mit einem in das Gemach kam, sagte der Herr: »Wie hast du das gemacht?« Der Diener ließ das andere auch fallen und sagte: »Herr, so hab ich's gemacht!« Da ward von den andern gelacht. – Wer mit Gecken zu tun hat, der muß mit ihnen nicht gecken, sonst kriegt er Gecken-Bescheid oder -Lohn. Der betrogene Seiler Es war auf eine Zeit ein guter, frommer Mann, ein Seiler, der hatte ein Weib von kleinem Witz und die ihre Treue nicht hielt, sondern sie ward durch eine falsche Kupplerin mit einer kleinen Gabe verkuppelt an einen Mönch, der ein Prior und ein rechter unkeuscher Mann war. Dieselbe kleine Gabe hatte sie zu diesen Werken verursacht, darum sprach der weise Mann: »Welche Frau nimmt, die verkauft.« Also fügte sich eines Nachts, daß derselbe Prior bei ihr gelegen war, und als er wieder aus dem Haus gehen wollte, begann das Feuer im Haus zu leuchten, also daß ihn der Seiler hinausgehen sah aus der Kammer. Da sprach er zu seiner Frau, er hätte Leute gesehen. Darüber ward sie sehr zornig und sprach, es sei der Teufel gewesen. Da begann der gute Mann zu trauern und leidig zu sein. Die Frau, die da voller Bosheit war, ging hin zu ihrer Kupplerin, die besonders viel Falschheit wußte. Als sie nun sah, daß der Seiler daranging, Seile zu machen, kam sie zu ihm mit einer Kunkel und begann, schwarze Wolle zu spinnen. Sie hatte aber noch eine andere Kunkel bei sich mit weißer Wolle. Da sprach der Seiler zu ihr: »Gevatterin, mich bedünkt, Ihr spinnt schwarze Wolle.« »Nein«, sprach sie, »fürwahr, das tu ich nicht.« Nach einer Weile ging sie von ihm. Da nahm sie die andere Kunkel und kam wieder. Das sah nun der Seiler und sagte: »Gevatterin, wie ist das? Habt Ihr jetzt weiße Wolle?« »Hei«, sagte sie, »Gevatter, wie ist Euch denn. So sieht es nicht aus. Ich glaube, Ihr seid etwas betäubt. Ihr könnt nicht Tag und Nacht unterscheiden und Ihr sehet, was nicht da ist, Ihr habt zuviel Verdacht.« Der gute Mann glaubte ihren Worten und meinte, sie spreche die Wahrheit. Und er hob an und sprach: »Gevatterin, ich habe heute nacht, wie ich glaube, etwas aus unserer Kammer sehen gehen.« »Oh, du mein lieber Gevatter«, sprach das alte Weib, »das ist genauso wie der Tag und die Nacht.« Also verkehrte sie ihm die Dinge und beruhigte den guten Mann mit ihrer Falschheit. Danach unlang begab es sich, daß der Seiler auf einen Markt gehen wollte, drei Meilen entfernt. Und er wollte einen Sack, der unter seinem Bette lag, mitnehmen. Er griff aber statt dessen des Priors Hose und nahm die anstelle seines Sackes und legte sie unter seinen Sattel. Als er nun auf den Markt kam und seinen Sack hervortun wollte, merkte er, daß er eine Hose in der Hand hatte, und er ward sehr böse. Da nun der Mönch seine Hose nehmen wollte, konnte er nichts anderes als den Sack finden. Da merkte die Frau wohl, daß der Mann die Hose hinweggetan hatte. Darüber erschrak sie sehr, ging dann zu ihrer Kupplerin und erzählte ihr die Dinge und bat sie um Gottes willen, daß sie überlegen möchte, wie man dem Zorn ihres Mannes zuvorkommen könnte. Da sagte das alte Weib: »Nehmt eine Hose, so will ich auch eine nehmen, und ich will zu ihm sagen, daß wir Hosen tragen.« Also taten sie. Da nun der gute Mann zornig und leidig wieder heimgekommen war, ging das alte Weib zu ihm und fragte ihn, in welcher Stimmung er wäre und was er täte. »Denn mich bedünkt«, sprach sie, »Euch ist etwas Mißliches widerfahren, und Ihr habt etwas von Eurem Eigentum verloren.« »Nein, fürwahr«, sprach der Seiler, »ich hab andere Gedanken.« Aber sie drang so in ihn, daß er ihr sagte, wie er die Hose gefunden hatte. Da hob sie innerlich an zu lachen und sprach: »He, mein lieber Gevatter, ich sehe wohl, daß Ihr auf dem falschen Wege seid. Denn Ihr könnt mir glauben, es gibt in dieser Stadt keine frommere Frau, die sich gegenüber ihrem Mann reiner hält als Eure. Denn sie, ich und andere fromme Frauen in dieser Stadt haben angefangen, Hosen zu tragen, um uns vor den Buben, die die Frauen reizen und mit Gewalt bedrängen, zu behüten. Und daß Ihr wisset, daß es wahr sei, so sehet hier die meine.« Damit hob sie ihre Kleider auf, ihm die Hose zu zeigen. Als er dies sah, glaubte er ihr, und man betrog ihn also zum zweiten Male. Der Bettler als Pfand Wie die Stadt Paris groß ist, also ist auch die Betrügerei groß darin. Viele Lakaien mieteten einstmals eine Kutsche mit sechs Pferden, fingen einen Bettelmann auf, dem taten sie schöne Kleider an, der mußte ihr Herr sein, zogen also in einem vornehmen Gasthof ein und gaben vor, er wäre ein deutscher Fürst. Der Fürst aber mußte nicht von der Stube kommen, denn einer von ihnen hielt die Schildwache vor der Tür. Die anderen waren in der Stadt bekannt, liefen der eine hier, der andere dort zu Goldschmieden, Kaufleuten und dergleichen; holten kostbare Waren ein, indem sie vorgaben, der Fürst wolle alles kaufen und bezahlen. Die Kaufleute wollten gern Geld lösen und trauten den Worten. Wie sie nun ein ziemliches Gut zusammen hatten, gaben sie dem Wirt zu verstehen, der Fürst wolle morgen früh auf eine Meile oder zwei ausfahren, er solle gegen morgen mittag nicht anrichten lassen, bis abends; der Wirt ließ sich auch betrügen. Des Morgens früh, da der Fürst noch im Bett lag, nahmen sie ihm die Kleider weg, ließen anspannen und fuhren davon. Denselben Tag blieb es still; den andern Tag wollte der Wirt sehen, ob sie auf der Stube nichts liegen gelassen, ging hinein und auch in die Kammer, fand in der Stube nichts, das fremden Leuten zustünde, in der Kammer aber fand er den Fürsten im Hemd liegen. Die Kaufleute kamen auch, wollten bezahlt sein. Der Fürst stand auf, hatte weder Hosen noch Wams anzuziehen; klagte, wie er zu dieser Fürstl. Dignität gekommen. Damit aber konnte keiner bezahlt werden; einer ward noch mehr als der andere unwillig. Sie hoben Knüttel auf und jagten den Fürsten im Hemd zum Haus hinaus. Der Beweis Der alte »Häberle-Muurer« von Wolfenweiler war nicht auf den Kopf gefallen und wußte stets zu rechter Zeit das rechte Wort. Einmal waren seine Maurergesellen bei einem Hausbau in dem benachbarten Scherzingen beschäftigt. Da sahen dieselben in einem nahen Garten schöne, saftige Rettiche, nach denen sie gelüstete, und waren so frei, dieselben ohne Erlaubnis des Besitzers zu holen und z' Nüüne zu verspeisen. Sie hatten aber das Kraut und die Schwänze der Rettiche im Garten abgeschnitten und liegen lassen. Die Sache kam zur Anzeige beim Bürgermeisteramt Scherzingen, und der für den Diebstahl der Gesellen verantwortliche Maurermeister wurde vorgeladen. Der Bürgermeister erhob die Anklage und sagte: »Ihr werdet's nit bstrytte, daß Euri Gselle die Schelme gsi sinn; denn me hett's gseh, wie si's Chrutt un d' Schwänz im Garte abgschnitte henn.« Darauf entgegnete der alte, verschmitzte Häberle-Muurer: »Ebedrum mueß i 's bstrytte, daß 's myni Lütt gsi sinn; myni Lütt sinn lutter ehrlichi Lütt, un wenn si d' Rettich gstohle hätte, no hätte si die Rettich mitsamt 'm Chrutt un de Schwänz gstohle. Do kenn i my Lütt besser; die lon nüt lige!« Der billige Einkauf Eben dergleichen hat sich zu Deventer zugetragen, als ich noch ein kleiner Knabe war. Es war zu der Zeit, da die Fischer regieren und die Fleischer kalten Markt halten. Da stand einer vor einer dicken Obstfrau Fenster, der sah unverwandten Gesichts auf das, was sie feil hatte. Die Frau bat ihn, ihrer Gewohnheit nach, herzutreten und forderte ihn auf zu kaufen, wenn er etwas haben wolle, und weil sie gesehen hatte, daß er die Feigen immerzu angesehen, hat sie gesagt: »Willst du von den Feigen? Sie sind sehr schön.« Als er nun ja gesagt, fragte sie ihn, wieviel Pfund er deren haben wolle. »Willst du«, sagte sie, »fünf Pfund?« Er sagte: »Ja.« Darauf schüttete sie ihm so viel Feigen in den Mantel. Indem nun das Weib ihre Waage wieder hineinlegte, entwischte dieser, und zwar nicht mit Laufen, sondern fein gemächlich. Als nun das Weib wieder herfürkam und das Geld empfangen wollte, da sieht sie ihren Käufer davongehen. Sie folgte ihm nach, und zwar mit großem Geschrei und mit Laufen. Dieser tat, als höre er nichts, und ging seines Weges fort. Endlich, da auf des Weibes Geschrei ein großer Zulauf kam, stand er still. Und als nun mitten unter dem Volke darüber geredet wurde, erhob sich schließlich ein Gelächter. Der Käufer wollte nicht gestehen, daß er etwas gekauft hätte, sondern er sagte, er habe genommen, was ihm freiwillig gegeben worden wäre. Wolle sie ihn bei den Gerichten verklagen, so wolle er allda erscheinen. Der fahrende Schüler Es war eine Frau, die war nicht gerade klug, aber sie war reich, und sie hatte einen Sohn gehabt, der war gestorben. Eines Tages war ihr Mann im Rat, da kam ein fahrender Schüler, der begehrte eine Suppe von ihr. Die Frau gab ihm zu essen, und sie sah das Gewand, das er anhatte, und sprach zu ihm: »Ich sehe, daß Ihr ein fahrender Schüler seid. Auch mein Sohn ist in eine andere Welt gefahren. Habt Ihr ihn nicht gesehen? Denn Ihr kommt ja weit hin und her.« Er sprach: »Ja, ich hab ihn gesehen, und er leidet Hunger und großen Frost, und er läßt Euch bitten, daß Ihr ihm einen Pelzrock und Hemden schickt und sechs oder sieben Gulden.« Die Frau sprach: »Gern«, und nahm des Mannes Rock, den mit Fuchspelz gefütterten, doch nicht den besten, und ein langes Hemd und drei Gulden und wickelte es in ein Leintuch wie ein Felleisen und sprach zu ihm: »Macht Euch bald damit hinweg, ehe daß mein Mann kommt, denn er würde es Euch sonst wieder nehmen.« Er ging davon, und nicht lange danach kam der Mann aus dem Rat, und die Frau sagte es ihm, wie sie ihrem Sohn etwas geschickt hätte. Der Mann war zornig und meinte, sie hätte ihm viel Geld geschickt, und er saß behend auf ein Pferd und eilte ihm nach in der Absicht, es ihm wieder zu nehmen. Da ihn der fahrende Schüler hinterherreiten sah, verbarg er das Felleisen unter einer Staude und lehnte sich auf einen Stecken. Als der Herr kam, sprach dieser zu ihm: »Hast du nicht einen Gesellen gesehen, der trug ein weißes Felleisen auf dem Rücken.« Der fahrende Schüler sprach: »Ja, er ist da über den Zaun gesprungen mit dem Felleisen, als er Euch gesehen hat, und lief dem Wald zu, Ihr könnt ihn noch erreichen.« Der Herr sprang von dem Pferd herab und gab es ihm zum Halten, bis er wiederkomme. Als der Herr nun dem Wald zulief und jenen suchen wollte, nahm der fahrende Schüler das Felleisen auf seinen Rücken, setzte sich aufs Pferd und ritt hinweg. Als der Herr niemand fand, drehte er wieder um und wollte wieder heimreiten. Da fand er das Pferd auch nicht mehr, und er mußte zu Fuß nach Hause traben. Als er nun nach Hause kam, da fragte ihn die Frau, ob er den Mann gefunden hätte. Er sagte: »Ja, ich habe ihm noch mehr Geld gegeben und habe ihm mein Pferd dazu geschenkt, damit er desto schneller zu ihm komme.« Der falsche Messias In der Stadt Worms, wie ich glaube, lebte ein Jude, der eine hübsche Tochter hatte, und in die verliebte sich ein Geistlicher, der in der Nähe wohnte, raubte ihr die Jungfernschaft und schwängerte sie; sein Haus und das des Juden waren nämlich so nahe beieinander, daß er sie öfters besuchen und mit ihr sprechen konnte, ohne daß es aufgefallen wäre. Als nun das Mädchen inne ward, daß sie schwanger war, sagte sie zum Jüngling: »Ich habe empfangen. Was nun tun? Wenn es mein Vater erkennt, tötet er mich.« Der Jüngling antwortete: »Hab keine Furcht, ich will dich schon bewahren. Wenn dein Vater oder deine Mutter sagen wird: ›Was ist's mit dir, Tochter, dein Bauch wird groß, uns scheint es, daß du schwanger seiest‹, dann sprich: ›Wenn ich schwanger wäre, wüßte ich nicht, woher; das aber weiß ich, daß ich eine Jungfrau bin und daß mich kein Mann erkannt hat.‹ Ich werde es schon dahin bringen, daß sie dir Glauben schenken.« Er dachte eifrig nach, wie er dem Mädchen helfen könne, und fand endlich folgendes Auskunftsmittel: Er nahm einen Halm Riedgras, trat in stiller Nacht an das Fenster der Kammer, wo, wie er wußte, ihre Eltern schliefen, und flüsterte durchs Rohr hinein: »Gerechte und Geliebte Gottes« – dabei sprach er sie mit ihren Namen an – »frohlocket, denn eure Tochter hat einen Sohn empfangen, der der Erlöser eures Volkes Israel sein wird«; dann zog er das Rohr zurück. Über diese Worte erwachte der Jude, weckte auch sein Weib und sagte zu ihr: »Hast du nicht gehört, was uns die himmlische Stimme verkündet hat?« Und sie antwortete: »Nein.« Darauf er: »Laß uns beten, auf daß auch du würdig werdest, sie zu vernehmen.« Als sie nun so beteten, wiederholte der Geistliche, der auf seinem Platze außerhalb des Fensters alles, was sie sprachen, wohl verstand, nach einer kurzen Weile die Worte, die er früher gesprochen hatte, und fügte bei: »Große Ehrfurcht müßt ihr eurer Tochter erweisen, ihr alle Sorgfalt angedeihen lassen und den Knaben, der aus ihrem Schoße wird geboren werden, mit vielem Eifer hüten; denn er ist der Messias, den ihr ersehnt.« In heller Freude und nun viel sicherer über die Botschaft, weil sie ihnen wiederholt worden war, konnten sie kaum den Tag erwarten. Als sie dann die Tochter, deren Bauch schon etwas angeschwollen war, betrachteten, fragten sie sie: »Sag uns, Tochter, von wem bist du schwanger?«, und sie antwortete, wie sie gelehrt worden war. Da wußten sie sich vor Freude schier nicht mehr zu fassen und konnten sich's nicht versagen, ihren Verwandten zu erzählen, was sie vom Engel gehört hatten. Die Verwandten erzählten es den andern, und so kam das Gerücht, daß die Jungfrau den Messias gebären werde, weit in den Städten und Flecken herum; und als die Zeit ihrer Geburt da war, strömten viele Juden zum Hause des Mägdleins zusammen in der Sehnsucht, sich an der Ankunft des so lange erflehten Heilands zu erfreuen. Aber der gerechte Gott wandte der Ungläubigen Hoffnung in Schande, ihre Freude in Trauer und ihre Erwartung in Enttäuschung, und das mit Recht, weil es nur billig ist, daß die, deren Väter einst samt Herodes über die heilbringende Geburt Christi Bestürzung empfunden haben, in gegenwärtiger Zeit von solchem Blendwerk betrogen werden. Was mehr? Die Stunde, wo die Elende niederkommen sollte, war da und mit ihr die Beschwerden, das Jammern und das Schrein, wie sie sich in einem solchen Falle bei den Weibern einzustellen pflegen. Endlich kam das Kind heraus, aber nicht der Messias, sondern eine Tochter. Darob war unter den Juden arge Bestürzung und Verwirrung; und einer ergriff in seiner Wut das Kindlein und zerschmetterte es an der Wand. Der Finkenritter Wie Policarpus, genannt der Finkenritter, seine Reisen angefangen und nach dem seine ritterlichen Taten bewiesen Ich, Herr Policarpus von Kirrlarissa, genannt der Finkenritter, Landpfleger des Großmächtigen Fürsten, Morathatorum, im griechischen Cathalaunia gelegen, bin ungefähr auf dritthalbhundert Jahr, ehe dann ich geboren ward, manch Königreich und Landschaften weit und breit durchzogen und hab sie besehen. Eben zu denselbigen Zeiten, als der große Chan von Cathay zu Straßburg in der Ruprechts-Au regierte und Herr Johann von Montevilla, Ritter aus England, die ganze Welt, soweit der Himmel blau, umzogen ist. Da Priester Johann von India, auf der Haller Wiesen zu Nürnberg, bei den Kemmetfegern Kaminfegern neben dem Kettenbrunnen zu Heidelberg, gegenüber des Babylonischen Seifenwebers Haus, ein Propst des Paradieses war. Dazumal fing ich ein großes, köstliches Essen, einen schönen Schildkrebs auf dem Kälber Meer, jenseits des Rennfeldes hinter dem Salzhaus zu München, nicht weit von dem Palast Sankt Patricius Fegfeuer in Hibernia, da der arme Judas seine Sünde mit dem gestohlenen Schleier auf dem Meer büßte, das ist in Arabien, da die Schafe auf den Bäumen wachsen (daher dieselbige Baumwolle genannt wird), in der Gegend des Königreichs Armenien, da die Papageien und Sittiche desselben Landes gute arabische Sprache reden, auch Lautensterne schneiden und Lieder dichten können.   Wie der edle Finkenritter Kaufmannschaft trieb mit destilliertem Vernunft-Wasser und desselbigen so gar beraubt ward Die erste Tagreise Daselbst wollte ich erstmals ein großer Kaufmann, mit kleiner und geringer Kaufmannschaft, derer man nicht viel achtet, werden, kaufte etliche hundert Last destilliertes Vernunft-Wasser, wollte daran gewinnen und schiffte auf trockenem Land in die Herrschaft Cylisyriam bei Monteflescum in dem Königreich Narragonien, zu Schallaum, an Cappendazien stoßend, allda ward ich von den Meerräubern auf der hölzernen Straße, durch die von Beinheim und Augenville, gegriffen, gefangen und meiner Ware gar beraubt, kam also um all mein Hab und Gut und ward ein armer Hack. armer Schlucker   Wie der edle Ritter ein anderes mußt anfahen und ein Schütz ward, Hering und Bratwurst zu erschießen, auch was ihm weiter begegnet Die andere Tagreise Da gedachte ich mir, mich anders zu gebrauchen und der Ritterschaft nachzutrachten, und daß ich wollte Würsten und Heringen nachziehen, so lang, bis ich auch einmal aufs Erdreich käme, wie andere Menschen, nahm damit den Weg auf die Achsel und den Spieß unter die Fuß, gürtete meinen Rock zu, ließ mir die Fältlein auf den Rücken und Kürin Falten in die Seiten machen, band meinen Degen an die Milz und zog über das weite Feld, das war mir lieber denn kein Zehrgeld. Und ich kam erst zu einem steinernen kleinen Birnbäumlein an demselben Ort, da hing der Weg über die Weiden, da brannte der Bach und löschten die Bauern mit Stroh, Käs und Brot aßen die Buben, da wurden die Hunde von den Hasen gefangen, die Schafe henkten die Wölfe, Hühner und Gänse stellten und richteten den Füchsen und Mardern mit Fallen und Garnen nach, fingen sie und fraßen sie, das war ein gutes Land.   Von seltsamen Geschichten, die dem edlen Ritter zuhanden gestoßen sind Die dritte Tagreise Ich zog fort, da begegneten mir erstlich drei Gesellen, der eine war nackt, der andere blind, der dritte ging auf einer Stelzen. Der Blinde, der sah einen Hasen, der auf der Stelzen erlief ihn, und der Nackte schob ihn in den Busen. Auch zeigte mir der Blinde den Hasen, den kaufte ich ihm ab, um zwei guter alter Knüttel-Groschen, der Nackte aber zog das Säckel aus dem Busen, tat das Geld in die Hosen und gab's dem Blinden, der kaufte ein schweinernes Kalb, einen pelzernen Schmalztiegel und ein hölzernes Schüreisen darum, damit leuchtete er seinen Gesellen und wies sie den Weg hinaus, daß sie desto besser sehen möchten. Aber der auf der Stelzen lief gar weit vor ihnen hin und bestellte die Herberg, wiewohl er strauchelte und sich fast übel an die Fersen stieß, daß ihm die Stelz heftig blutete. Der Nackte zog sich aus, daß er ihnen wohl folgen möchte, und lieh dem Verwundeten seinen Mantel, dem Blinden seinen Rock und zog er in Hosen und Pelz mit bloßen Haberkörnern daher. Als sie nun hinwegkamen, da begegnete mir ein hübscher, schwacher, feiner, grauer, junger, blöder, alter, schöner, hurtiger Mann, der tanzte an einer Krücke, der hat ein Bärtlein mit Schindeln gedeckt, ein Badstüblein auf der Nase und ein Wärzlein an einem Zahn, hinkte an einem Ohr und stammelte an einem Ellenbogen. Zu dem sagte ich: »Gott grüß Euch!« Er antwortete mir und sprach: »Ja, ich kam nächtens spät.« Ich fragte ihn: »Wo geht der Weg da hinaus?« Er sagte: »Ich könnt es nicht eher geschicken, denn ich zehrte am obern Tor, bei guten Gesellen.« Ich sprach: »Lieber Freund, weist mir die rechte Straße.« Da sagte er: »Es kam einer um siebenhalb Pfennig, das macht, daß ich so spät bin gekommen.« Ich gedachte, er fatzt verspottet mich, und zog fort, verlor den Weg und ging die Bahn und kam in einen großen, ungeheuren, dicken Wald, da war kein Baum, da fand ich einen schönen, schneeweißen Köhler, der brannte Tannzapfen, daraus wurden Leberwurst, die wollt er auf den sauren Käsmarkt gen Weihnachten führen. Ich fragte den Köhler auch, ob ich recht dahin und herwider ging. Darauf sagt er: »Nicht viel, lieber Freund, ich behaue die Weiden.« Ich fragte weiter, ob das die rechte Straße wäre, die mich also her und hin trüge. Er antwortete: »Die roten sind wahrlich die besten.« Ich sah, daß ich auch mit ihm verfahren war, und gedachte wohl, er sähe nicht zum besten an den Ohren, ging damit hinter sich und vor mich, da kam ich zu einer zwilchenen Kirche, die Glocken waren von Joppentuch gegossen, die Klöppel darin von Pelzärmeln gemacht, darin stand ein häberner Kaplan, der betete eine Gerstenmette, der Chor war aus gebackenen Fladen gemauert, der Kaplan sang Amen. Ich gedachte, er sage: Fangt mir den, da floh ich vor Schrecken zu der Türe hinaus und sprang so schnell, daß ich verwundet ward und mir das Kröß heraushing. Ich lief eilends über einen trockenen Bach, wusch das Kröß sauber, tat es wiederum hinein und schüttete etliche Klafter Meerkatzenblut dazu. Das tat ich darum, daß ich wiederum leichtsinnig und fröhlich wurde. Indem sehe ich eine alte, krumme, gerade, junge Frau, die wäscht einen alten Sack. Ich sprach: »Gott gebe Euch einen guten Tag.« Sie sagte: »Es gehen sieben Eimer darein.« Ich gedachte, fürwahr, die Frau spottet auch meiner.   Wie der edle Ritter abermals in großen Ängsten und Nöten war, über das trockene Meer zu schiffen mit geringen Kosten Die vierte Tagreise Also zog ich fort und kam an einen großen, mächtigen, erschrecklichen, tiefen und schiffreichen Bach, da war kein Wasser, darin gingen drei geladene Schiffe, das eine hatte keinen Boden, das andere hatte keine Wand, das dritte war nicht da. Ich gedachte, wie ich es täte, daß ich über das Wasser käme, und saß in das Schiff, das nicht da war, und fuhr hinüber. Da fand ich einen übergroßen, dicken, geschmeidigen, kleinen Eichbaum, darein war ein Imme geflogen. Ich gedachte, da würde ich Honig finden, und schlich zu dem selbigen Loch hinein in den Baum, die Immen erschraken, flogen heraus und hatten mir die Augen zerstochen, daß mir mein hinteres Gesicht so gar krumm ist geworden wie eine Sichel. Wie ich aber gleich wieder heraus wollte und ihnen entlaufen, da war mir das Loch viel zu klein geworden, konnte nicht aus dem Baum mehr kommen. Ich war zornig, lief bald heim und holte eine Axt und hieb den Baum ab und schlich also durch die Wurzel heraus. In solchem großen Zorn lief ich eilends zu einer großen, dicken Dornhecke, die wollte ich abhauen und das Loch im Baum damit verstecken, daß die Immen nicht wieder darein nisten könnten, denn ich war zerstochen, daß mir das Hinterteil (wie vorher gehört) lottelte. herumwackelte Wie ich aber das Beil nehm und will mich an die Sache machen, so fällt es mir am allerdicksten Ort in die Hecke, ich ward noch zorniger und lief ganz schnell in meiner Mutter Küche über den Herd und holte ein Feuer (ach Gott, es wollte so gar kein Glück da sein!) und zündete die Dornen an, so verbrennt mir das Beil und bleibt mir der Stiel, ich trug den Stiel feil, so begegnete mir einer, der kaufte mir ihn ab und gab mir neun Ellen warmes Wasser darum, daraus wollte ich einen Winterrock machen und mit gebratenen Eiszapfen hübsch lassen belegen oder verbrämen.   Wie dem edlen Ritter seine Kunst so gar fehlte und er sich selbst den Kopf abgemäht hat. Auch wie es ihm weiter ergangen sei Die fünfte Tagreise Wie ich mit meinem Tuch zu einem Winterrock also fortzog, so sehe ich dort einen schönen, weißen, dürren, grünen, langgewachsenen Rain voll Gras, das wäre meiner Mutter Kuh gut gewesen, ich hätt es auch gar gern abgemäht, aber ich hatte keine Sense. Bald begegnete mir einer, der trug Sensen feil. Ich sagte zu ihm: »Landsmann, wie gibst du mir die Sensen?« Er sagte: »Ich geb dir eine um ein Juheijaho, mit lauter Stimm.« Ich schrei den nächsten »ju ju heijaho«, so laut, wie ich schreien mocht, daß Berg und Tal davon erschallt. Ein Esel ging ungefähr hinter einer Hecke zu weiden, den hatte ich nicht gesehen, der sprang empor, über denselben Graben, und lief davon, schreit »iah iah« vor Schrecken. Ich entsetzte mich auch vor ihm und vermeinte nicht anders, denn daß er aller Hasen Mutter war. Ich nahm von dem die Sensen, zog auf den Rain und mähte herum, da schlug ich mit der Sense an einen Maulwurfshaufen, und mit demselbigen Streich, da mähte ich mir selbst den Kopf ab, der Kopf lief den Rain hinab, als galt es ihm ein gutes Mahl, flugs lief ich ihm nach, stieß mich aber in solcher Eil an einem Ast, daß mir die Stirn blutete. Sobald ich ihn erwischte, setzte ich ihn behend wieder auf, dieweil er noch also warm war, und setzte das hintere Teil zum vordersten, das tat ich deshalb, wenn ich durch den Wald ging, daß mich die Reiser nicht in die Augen schlügen und daß ich auch hinten und vorne sehen konnte. In den Dingen wollt ich ganz schnell heimlaufen und lief auch geschwinder als ein Pfeil auf einem Teller, so steht also ein starker Wind auf und weht mir den Kopf wieder herab, jagt ihn weit vor mir hinaus, ich sah wohl, wo er lief, eilte ihm schier eine welsche Meile Wegs nach, bis ich ihn erwischte, da wischte und putzte ich ihn wieder und band ihn mit roten Nesteln auf und wohl zusammen. Also wuchs er mir bald wieder an, da war ich stolz, daß ich wieder sehen konnte.   Wie der edle Ritter wollt heimziehen und was Wunder ihm in derselbigen Fahrt begegnet, von wegen derselbigen Landen, dadurch er ziehen mußte Die sechste Tagreise Demnach wollt ich einmal heimziehen und auf dem Weg, so komme ich in ein Dorf, da waren die Häuser mit Rindfleisch gemacht, die Dächer mit den Saumägen, Lungen und Lebern gedeckt, die Stuben mit den Schweinebacken getäfelt und mit den Füßen und Köpfen obenherum behängt. Auch alle Zäune um das Dorf mit lauter Brat- und Leberwürsten geflochten. Die Leute, die sprangen hinter dem Ofen und auf den Bänken, denn es war um Pfingsten, so des Heiligen Zwölf Boten Sankt Thomas Tag im Jahr ist. Eben zu derselbigen Zeit, als man gern unter der Nasen schwitzen tut und den Schnee von Dächern kehrt. Die Bürger in demselben Dorf hatten einen gemeinen Lautenschläger, der schlug alle Sonntag neun Dörfern auf einmal zum Tanz, und dieselben Dörfer heißen Roßburg, Schafweiler, Geißbrunnen, Rindsheim, Meerenstadt, Kalbsdorf, Saumünster, Stierbach und Hammelshausen. Mit demselben Lautenschläger ging ich an einem Samstag in sein Haus, daselbst fing er also früh am Morgen an und hat bis am Mittag an der Laute gezogen. Danach so lief er mit den Füßen so geschwind darauf herum, gleich wie eine Katze auf einem Dach und ein Eichhörnlein in einem Käfig, ich wollt ihm helfen, als ich aber leider nicht wohl damit konnte, so strauchelte ich und fiel durch den Lautenstern wohl eine ganze Viertelstund in die Laute, ehe ich auf den Boden kam. Der Meister erschrak, holte flugs eine Leiter, die war sechsundvierzig Sprossen lang, daran stieg ich wieder aus der Laute, der Ton aber in der Laute lief nichtdestoweniger in aller Stärke, denselben Abend, die Nacht und Morgen über alle Felder zu den neun Dörfern, bis Mittag am Sonntag, so klang es dann in jedem Dorf besonders, daß es eine Freude zu hören war. Alsdann so tanzten die Kinder, und die Alten schwatzten. Die Knaben und Töchter sahen zu, der Lautenschläger ging auch am Sonntag selbst allgemach in alle neun Dörfer und tanzte selber mit und sah damit auch zu, daß es recht daherging. Sobald es aber um den Abend ward, so verging der Ton von selbst und zog wieder heim allgemächlich in seine Laute.   Was der edle Ritter weiters gesehen hat, auch wie er sich seines Leibs wehren erleben mußt und darob zum Ritter geschlagen ward Die siebente Tagreise Und wie ich nun weiter fortzog und nahe zu einem Tanz kam, da bellten die Bauern und liefen die Hunde mit Spießen heraus, grunzten die Hähne und krähten die Schweine und brüllten die Hühner und stöberten die Schafe. Mit diesem grausamen Leben kam ich in Angst und Not, mußte mich meines Leibs und Wehrs erleben. Sie trieben mich bis an das Rote Meer, in der Joppe, hart an dem Finkenlager, zwischen Ermettingen und dem Schwaderloch, da wehrte ich mich so ritterlich mit den Fersen, daß ich mit einer rußigen, löcherigen Kastanienpfanne zum Ritter geschlagen und der strenge Finkenritter genannt ward.   Wie der edle Ritter alle seine Taten und Reisen vollbracht hatte, ist er in ein Nebelschiff gesessen und darin wiederum heimgefahren, über Stauden und Stock, wie tausend Teufel Die achte Tagreise Nach allen diesen ritterlichen Handlungen, da saß ich in ein Windschiff und segelte über Stock und Stauden, ungegessen und ungetrunken, so lang, bis ich zuletzt heimkam, da fuhr ich fast hoch über dem Haus oben zum Kamin ein. Von Stund an schüttete mich das Windschiff aus, und ich fiel von oben an, durch alle Bühnen, Kästen, Böden, Stiegen und Gemächer, bis in das Haus zuallerunterst vor die Stubentüre, so stark hernieder, daß ich wieder aufprallte, und es ist mir in demselbigen Fall die Leber und die Blas entzweigebrochen, daß mir das Hirn- und Herzblut gar stark durch die Hosen geronnen und dann mir so gar schwach geworden ist, daß meine Mutter herzulief, mich auf die Arme nahm und mich hinter den Ofen an das Warme trug, gab mir auch einen neugebackenen Speckkuchen, damit ich mich erlabe und wieder zu mir selber kam. Sie war auch so hart erschrocken, daß schon allbereit ihr ganzer Leib von Kälte geragt, das Beutelweh sie anstieß und die Kindsweh sie ankamen, da lief mein Vater und jedermann, holten die Hebamme und andere mehrere Frauen, also war fast große Not und Mühe da, wohl den dritthalben Tag, ehe sie mich gebären konnte, das tat dieses, wie ihr Wehe zu mir ward, hat sie davor einen Speckkuchen gebacken und war zu lang bei dem Ofen in der Hitze gestanden, daß ihr das Hirn zitterte, darum ihr also Weh geschah.   Von der Geburt des edlen Ritters Policarpi, genannt Finkenritter, wie er von neuem geboren und auf Erden gekommen, auch wie er sich an der Geburt gehalten hab Sobald ich aber aufs Erdreich kam und geboren ward, auch meine Mutter des Unflats entbunden und ledig war, wollt mich die Hebamme gleich baden, das wollt ich nicht leiden, sondern ich sprang von Stund an aus dem Bade und verkroch mich in einen Winkel. Die Weiber liefen alle nach, zündeten Lichter an und suchten mich, vermeinten nicht anders, als daß ich etwa wäre in ein Mausloch gekrochen. Aber zuletzt ward ich doch wieder gefunden, denn ich war in einer Spinnwebe hängengeblieben, da nahm mich die Hebamme wieder und will mich in die Windeln einwickeln und einbinden, das mocht ich gar nicht leiden und schlug ihr die Faust in den Hals, daß ihr die Nas überlief und nichts mehr sah, aber ich sprang stracks zu meiner Mutter in den Umhang und verbarg mich, fing an zu saugen, da durften sie mich nicht von dannen nehmen, ich wollt sonst unbillig geschrien und geweint haben, damit blieb ich vor den Weibern zufrieden und ging jedermann heim. Auch bin ich dazu noch auf diesen Tag meiner lieben Mutter Kind, und wenn meine Mutter noch einmal backen wird, so bin ich eben drei Speckkuchen alt. Darum wer mein Alter wissen will, der findet es hier beschrieben. Hiermit ade, ich fahr davon und hab mit diesen Gefährlichkeiten mein großes, herzliches Amt der Pflegerei in Morothaten überkommen und meine Ritterschaft auf dem Finkenlager, daselbst ich niemand verschont, männlich gestritten, erfochten und erworben. Der Gelehrtenpelz Ein sehr gelehrter Mann, der ein Poet war, dessen Bücher auch noch viel vorhanden sind, wohnte in Erfurt und ging daselbst einstmals über den Markt, mit einem köstlich gefütterten Pelz und anderem bekleidet; da flogen die Hüte und Barette von jedermanns Haupt herab, so als hätte es ihnen der Wind herabgeweht, in summa: von jedermann ward ihm große Ehre erzeiget. Eben desselben Tages ging er wiederum aber in schlechten Röcklein, Barett und Hosen, auf das einfachste gekleidet, vor vielen, die ihm kurz zuvor Reverenz getan hatten, auf dem Markt nach seinen Geschäften. Obwohl sie ihn jetzt auch kannten, fand sich doch keiner, der seinen Hut nur ein wenig gerückt hätte. Da konnte er wohl sehen, daß ihm solches nur der Kleidung halber widerfahren war. Er ging alsbald nach Hause, langte seinen hochzeitlichen Rock hervor, legte ihn auf einen Stock und sprach: »Solltest du besser sein als ich und sollte dir größere Ehre als mir erboten werden? Das müßte mich immerdar gereuen!« Und hieb ihn damit zu kleinen Stücken, auf daß es nicht wieder geschehe. Der gute Vorsatz Konrad Wieland, ein Wirt zu der Möhrin zu Konstanz, ein gar schimpfiger Mensch, hatte eine häusliche Frau. Aber Konrads Liederlichkeit und Nachlässigkeit ging weit über die Häuslichkeit der Frau. Einmal hatte sie ihm Geld gegeben, um ein Schwein zu kaufen. Sobald er aber vom Hause wegging, kam er zu Spielern und verspielte das Geld und kam wieder nach Hause ohne Geld und ohne die Sau und bat die Hausfrau um Verzeihung, die an seiner Liederlichkeit schwer trug. Er sagte, es wäre anders gegangen, denn er wäre der Hoffnung gewesen, noch einmal so viel zu gewinnen, und wenn ihm dies gelungen wäre, so hätte er sich vorgenommen gehabt, zwei Säue zu kaufen, damit er seiner Frau desto angenehmer nach Hause gekommen wäre. Der Hahn im Korb Zur Zeit, da es noch Sitte war, Narren zu halten an den Höfen, hatte ein Fürst einen solchen Schalk, der wegen seiner lustigen Streiche und gescheiten Einfälle bekannt und beliebt war. Eines Mittags, da man zur Tafel ging, aber der Narr noch fehlte, sagte der Fürst zu den eingeladenen Herren: Um den Narren mit guter Art züchtigen zu können, habe er einen Schwank im Sinne; es sollte jeder von ihnen ein Ei zu sich stecken, und wenn er's befehle, herfürlangen. Als sie nun sämtlich bei der Tafel saßen und die Reden durcheinanderliefen und überlaut wurden, rief der Fürst, scheinbar vor Unmut: »Das gackert und glucket ja, als wenn ein Hennenvolk beisammen wäre! Nun will ich aber auch die Eier sehen, die gelegt werden, geschwind!« Und er wandte sich zum nächsten, der neben ihm saß. Der duckte und schmückte sich alsogleich und druckte und legte das Ei vor sich auf den Tisch. Desgleichen taten der andere, der dritte, die übrigen, so wie die Reihe an sie kam. Zuletzt war's am Narren, daß er ein Ei legen sollte. Der aber erhob sich auf seinem Sitz und schlug mit den Armen, als wie mit Flügeln, und schrie: »Kikeriki!« – »Was will das?« fragte der Fürst. »Ei«, antwortete der Narr, »da, wo so viele Hennen sind, muß ja doch wohl auch ein Hahn sein!« Dieser Einfall ergötzte den Herrn, und der Narr entging nicht nur der zugedachten Züchtigung, sondern verblieb auch, was er bisher gewesen, der Hahn im Korb. Der hölzerne Johannes So lieb hatte ein Weib ihren Mann, daß sie sich vornahm, nach seinem Tod keinen andern wieder zu freien. Sie ließ sich darum ein hölzernes Bild in Form, Gestalt und Größe ihres Hauswirts schnitzen und mit Farben anstreichen, welches sie den ›hölzernen Johannes‹ nannte. Das sollte danach, wenn sie Witwe würde, an seiner Statt bei ihr bleiben. Es trug sich zu, was sie schon vermutet hatte, daß ihr Mann den Geist aufgab. Nachdem sie aber fast ein halbes Jahr heftig getrauert hatte, fing die Kümmernis an, etwas leichter zu werden, und als sie von ihren Verwandten zu einer Gesellschaft geladen wurde, befahl sie ihrer Magd, ja nicht zu vergessen, daß sie, wenn der hölzerne Johannes warm geworden wäre, ihn ins Bett legte und sie anschließend wieder abholte. Denn es war ihr Brauch, alle Abend, ehe sie sich schlafen legte, mußte ihr der hölzerne Johannes, der sonst bei dem Ofen stand, ins Bett gelegt werden. Die Magd dachte, es sei jetzt Zeit, weil die Frau nach der Gasterei fröhlich sein werde, sich um das ihre zu kümmern, deshalb rief sie ihren Bruder zu sich, der ein schöner und gerader Jüngling war. Den unterrichtete sie über den Handel, führte ihn in der Frauen Bett, versteckte den hölzernen Johannes an einem andern Ort und ging danach zu ihrer Frau, danach wieder mit ihr nach Haus, und da sie in der Kammer Licht angezündet, legte sich die Magd auch zur Ruhe nieder. Dieser Johannes wärmte die Frau so wohl, daß sie ihn nicht, wie den andern, wenn er kalt geworden war, vor das Bett stellte, sondern sie hielt ihn bei sich bis an den Morgen. Da kam, wie alle Morgen, die Magd und fragte, ob sie auf den Markt gehen und etwas kaufen sollte. Da sprach die Frau, sie solle sehen, ob sie nicht ein gutes Fischessen bekommen könne. »Gern will ich's tun«, antwortete die Magd, »wenn ich sie aber bekomme, haben wir sicher nicht so viel dürres Holz im Haus, daß man sie rechtschaffen dabei sieden möchte.« – »Ach«, sagte die Frau, »so nimm den hölzernen Johannes, der ist dürr genug, den zerhau, und koche damit, solange es geht.« Dergestalt brachte die Magd ihren Bruder in großen Reichtum, denn weil er die Frau so wohl wärmte, behielt sie ihn zu ihrem Ehemann. Der junge Mönch und die Bauerntochter Ein Mönchskloster war nicht weit von einem Dorf gelegen. In dem lebte ein junger Mönch, welcher eines Tages, als die anderen Mönche schliefen, zu seinem Glück oder vielleicht Unglück um sein Kloster spazierenging. Da begegnete ihm ein hübsches, junges Bauernmägdlein, welches bei dem Kloster grasen wollte. Er sprengte sie mit hitziger Begierde an und überredete das Mägdlein, das ohnehin zu solcher Kurzweil Begierde hatte, daß es mit ihm in seine Zelle ginge. Da spielten sie Blindekuh miteinander. Nun war der Abt vom Schlaf aufgestanden und kam vor des Mönchs Zelle, sah zum Schlüsselloch hinein, hörte und sah, wie der Mönch mit dem jungen Mägdlein scherzte. Als der Abt solches sah und hörte, stand er in Gedanken, ob er an die Zelle anklopfen und nachsehen sollte, wer doch bei dem Mönch sein möchte. Nach langem Bedenken ging er wieder in seine Zelle, um zu warten, bis der junge Mönch die Kapelle genügend geweiht hatte. Und als der junge Mönch mit dem jungen Mägdlein große Freud gehabt hatte, schien es ihm doch, als ob er etwas vor der Zelle gehört hätte. Er stand auf und sah durch ein kleines Löchlein den Abt vor seiner Zelle stehen und horchen. Der gedachte, daß dieser wohl alles vernommen und gesehen hatte. Wer war in größeren Nöten als der junge Mönch? Hin und her dachte er, wie er solcher Straf, deren er gewärtig war, entrinnen möchte. In solchen Gedanken fiel ihm etwas ein. Wie gedacht, getan. Als er sich nun lange genug mit dem Mägdlein ergötzt hatte, sagte er zu ihr: »Liebe, warte etwas hier, ich will schauen, wie du wieder hinauskommst. Bleib also hier, bis ich wieder zu dir komme.« Er schied von ihr und ging zu dem Abt und sprach: »Herr, ich habe ein notwendiges Geschäft auszurichten. Hier habt Ihr den Schlüssel zu meiner Zelle.« Denn solches war ihre Gewohnheit. Also nahm er von dem Abt Abschied. Wer war froher als der Abt? Wohl bedachte er, daß ihm auch eine Feder von diesem Gänslein werden möchte. Mit großer Stille ging er zu des Mönchs Kammer, tat sie auf, ging hinein und sperrte sie nach sich wieder zu. Als das junge Mägdlein den Abt kommen sah, schämte und fürchtete sie sich sehr und hub an zu weinen. Der Abt, wiewohl er ein alter, betagter Mann war, wurde doch, als er sie anschaute, ebenso wie der junge Mönch mit fleischlicher Begierde nach ihr entzündet. Und alsbald näherte er sich ihr, nahm sie bei der Hand und tröstete sie, sie solle aufhören zu weinen, denn es werde ihr nichts Arges widerfahren, wenn sie ihm auch zu Willen sein werde. Das Mägdlein, das noch an das Vergnügen dachte, das sie vorher gehabt hatte und das ihr wohl bekommen war, tat dem Abt auch seinen Willen. Der Abt aber, unter Ansehen seiner Würde, legte sich unter das Mägdlein. Als aber der Abt mit dem jungen Mägdlein in solchen Freuden lag, schlich der junge Mönch an die Tür und sah, wie der Abt mit dem Mägdlein scherzte, und ging danach wieder davon. Als der Abt nun seinen Willen nach Genüge getan hatte, sperrte er die Kammer wieder zu und ging in seine Zelle. Nicht lange danach, als der Abt vernahm, daß der junge Mönch wieder nach Hause gekommen war, forderte er ihn vor sich in seine Zelle in der Meinung, ihn zu strafen und in das Gefängnis zu legen, damit er den gewonnenen Raub zu seinem Willen allein behalten und besitzen möchte. Da nun der junge Mönch zu ihm kam, da fing der Abt an, ihn mit harten Worten zu strafen, und drohte ihm dabei, ihn in den Kerker zu legen. Der junge Mönch antwortete ihm und sprach: »Herr, wenn ich Euern Willen nicht richtig erfüllt habe, dann laßt es Euch nicht verdrießen. Denn ich bin in dem Orden noch nicht so lang gewesen, daß ich jegliches Ding gelernt hätte. Denn Ihr habt mich noch nicht unterwiesen noch gelehrt, wie die jungen Mönche mit den jungen Mägdlein, wenn sie zusammenkommen, umgehen sollen, ob die Mönche oben oder unten liegen sollen. Das habe ich von Euch neulich gesehen und gelernt. Darum bitte ich Euch um Verzeihung, und so will ich Euch versprechen, daß ich allzeit tun will, wie Ihr denn neulich auch in meiner Zellen getan habt.« Der Abt war ein gescheiter Fuchs und merkte wohl, daß der junge Mönch alles, was er mit dem jungen Mägdlein getan hatte, gesehen und gehört hatte, und schämte sich mehr als der junge Mönch seiner Sünden. Daher vergab er dem jungen Mönch seine Sünden und gebot ihm dabei, das, was er von ihm gesehen hatte, niemand zu erzählen noch zu eröffnen. Danach schickten sie beide das junge Mägdlein wieder hinweg. Der Kaufmann und der Buhler Auf eine Zeit ist ein Kaufmann gewesen, der ein junges, schönes Weib gehabt hat. Derselbige ist auch in fremde Länder nach Würsten gefahren. Ich weiß nicht, ob sie zu Bett von ihrem Mann übel gespeist war oder ob sie sonst mutwillig gewesen ist, es sei, wie es wolle, sie hat sich ihres Herrn nicht begnügt, sondern für und für umgesehen, wo sie nebenbei etwas zu naschen findet. Und eines Tages kam ein junger Kaufmann, der vielleicht von ihrem ehrbaren Leben gehört hatte, zu ihr ins Haus. Eben nach langer Umschweife fing er endlich an, von der Materie oder Sache zu reden, weshalb er hineingekommen war. Er brauchte nicht sehr viel zu bitten, sondern wurde bald mit der Frau eins, wenn er ihr vierzig Gulden gebe, so wollte sie ihm zu Willen sein. So versprach ihr der Jüngling, ihr die Gulden zu geben, wenn er bei ihr wäre. Und sie sprachen sich ab, daß er sich in der zukünftigen Nacht in ihrem Haus verstecke. Wenn sie mit ihrem Mann, dem Kaufmann, zu Bett gegangen sei, sollte sie wieder aufstehen und zu ihm kommen. Sie könnten dann, ohne gestört zu werden, beieinander sein. Dem Jungen gefiel der Rat der Frau wohl, und als es Nacht wurde, verbarg er sich in dem Haus an einem Ort, wo er von niemandem gesehen werden konnte. Indes kam der Mann der Frau heim; und nachdem beide zu Nacht gegessen hatten, gingen sie miteinander zu Bett. Als sie nun eine halbe Stunde im Bett lagen, da dachte die Frau, daß es Zeit sei, aufzustehen und zu ihrem Buhlen zu gehen, und sie sprach zu ihrem Mann: »Mein lieber Hauswirt, ich weiß nicht, was mir im Leib ist, es schmerzt mich so sehr, daß ich meine, es wolle mir die Därme zerreißen. Darum, mein lieber Hauswirt, will ich aufstehen und in das heimliche Gemach gehen. Nimm du aber das messingne Becken und schlage darauf, und solange das Becken klingelt, so fürchte ich mich nicht.« Daraufhin nahm der gute Mann, der sich nichts Arges gegen seine Frau versah, das Becken und klopfte darauf. Die Frau ging hinaus zu ihrem Buhlen, vertrieb sich mit ihm die Zeit und empfing von ihm die vierzig Gulden. Danach ging sie wieder zu ihrem Mann in das Bett und schlief bis in den Morgen. Als der gute Gesell seine Sache erledigt hatte, schaute er, wie er aus dem Haus kam und in seine Herberge, um mit den andern Mitkaufleuten seinen Imbiß zu nehmen. Es war zufällig der Mann der Frau, mit der er in der vergangenen Nacht scharmützelt hatte, auch dabei. Aber der gute Jüngling kannte ihn nicht, da er ihn zuvor nie gesehen hatte. Und unter anderem Gespräch fing er an zu erzählen: »Liebe Herren und Freunde, es ist mir die vergangene Nacht die possierlichste und seltsamste Sache zugestoßen, die mir mein Lebtag begegnet ist und die mir vielleicht mein Lebtag nicht mehr zustoßen wird. Denn heute nacht war ich bei einer Kaufmannsfrau in dieser Stadt, und der Mann hat die ganze Nacht auf einem Becken die Trommel geschlagen, bis ich mit der Frau ausgescharmützelt hatte.« Die anderen Kaufleute fingen an zu lachen und hielten es für ein seltsames Abenteuer. Sie lobten den jungen Kaufmann, daß er so beherzt gewesen wäre, die Sache so tapfer zu wagen. Da merkte der gute Kaufmann, wo seine Frau hingegangen war, während er auf das Becken geschlagen hatte; doch er schwieg still und lachte auch mit den anderen und gab sich nicht zu erkennen und sagte es niemand, daß er selbst seiner Frau zu einer solchen Sache verholfen hatte. Doch als der Imbiß geendet hatte, bat er den jungen Mann, daß er mit ihm heimgehen wollte, und sie wollten einen Abendtrunk zusammen tun. Der Junge konnte ihm solches nicht abschlagen und ging mit ihm und wußte nicht, daß er der Mann seiner Buhle wäre. Als sie miteinander vor die Tür kamen, erkannte der junge Mann sie und wäre gern wieder weggegangen, das aber wollte der Kaufmann auf keinen Fall zulassen, sondern er hielt ihn beim Rock und führte ihn mit sich hinauf in die Stube, wo er dann seine nächtliche Buhle sah. Da begann der Kaufmann zu seiner Frau zu sprechen und sagte: »Weib, wo hast du die vierzig Gulden hingetan, die dieser Jüngling dir vergangene Nacht gegeben hat?« Da konnte die gute Frau nicht leugnen, da ihr der Jüngling ja vor den Augen stand. Schnell brachte sie die vierzig Gulden in die Stube, die der Kaufherr, ihr Mann, dem Jüngling hinzählte; und das Geld war noch alles beieinander bis auf einen Kreuzer, und er sagte zu dem Jüngling: »Nimm hin deine vierzig Gulden – und du Hur den Kreuzer, den du davon vertan hast, das sei dein Lohn, denn einer Hure gehört nicht mehr als ein Kreuzer.« Und er sagte dem Jüngling, er solle hinwegziehen. Seine Frau nahm er nachher unter die Sporen und schlug sie dermaßen, daß sie ohne Zweifel ihrem Mann keinen solchen Possen mehr antat. Der kluge Hofnarr Herzog Leopold zu Österreich hatte vorzeiten die vornehmsten Herren und die Ritterschaft seines Landes versammeln lassen und mit ihnen geratschlagt, einen Feldzug wider die Eidgenossen zu tun. Die beschlossen, den Feldzug zu wagen, und berieten Zeit und Ziel, wo sie sich versammelten. Da ist des Herzogs Narren, Kunz von Stocken genannt, hinter dem Ofen hervorgekommen, und sie fragten ihn, wie ihm der Handel und ihr Vorhaben gefalle. Darauf antwortete er ganz ernst: »Es gefällt mir nichts überall.« Und er wurde gefragt, ob er es denn mit den Kühmelkern Spottname der Schweizer halten wollte. Da antwortete er: »Nein, aber wenn ich so einen Ratschlag gebe, wie Ihr großen Herren es jetzt getan habt, so sagte man doch, daß ein Narr es geraten hätte. Und zwar deshalb: Ihr habt einen Vorschlag gemacht, wie Ihr in das Land der Eidgenossen ziehen wolltet, keiner aber hat geraten, wie Ihr wieder heraus von ihnen kommen wolltet.« Das hat sich auch nach der Rede dieses Narren so bewahrheitet, denn der Herzog samt 400 Herren und Edelleuten ist von den Eidgenossen bei Sempach geschlagen worden, und sie sind alle tot geblieben. Der kluge Narr Man zog einmal aus in einen Krieg mit großen Büchsen und mit viel Gewehren, wie es denn Sitte ist. Da stand ein Narr da und fragte, was das für ein Leben wäre. Man sprach, man ziehe in den Krieg. Der Narr sprach: »Was tut man in dem Krieg?« Man sprach, man verbrenne Dörfer und gewinne Städte und verderbe Wein und Korn und schlage einander tot. Der Narr sprach: »Warum geschieht das?« Man sprach, damit man Frieden mache. Da sprach der Narr: »Es wäre besser, man mache vorher Frieden, damit sämtlicher Schaden vermieden würde. Deshalb bin ich witziger, denn Eure Herren sind: wenn es an mir läge, so wollte ich vor dem Schaden Frieden machen und nicht erst danach, wenn der Schaden geschehen ist.« Der kluge Richter Es hat sich auf eine Zeit begeben, da ist ein Kaufmann geritten gegen Frankfurt zur Messe. Da ist ihm sein Reisesack von dem Sattel gefallen, darin waren 800 Gulden. Da ist ein Zimmermann gekommen und hat den Reisesack gefunden und hat ihn mit sich heimgetragen, und als er heimgekommen ist, da hat er den Reisesack geöffnet und hat gesehen, was darin war, und er hat ihn daheim behalten, ob jemand danach fragen würde. An dem nächsten Sonntag danach hat der Pfarrer in demselbigen Dorf, da der Zimmermann daheim war, auf der Kanzel verkündet, es seien 800 Gulden verloren worden, und wer dieselbigen gefunden habe, dem wolle man 100 Gulden schenken, wenn er sie wiedergebe. Der Zimmermann ist nicht in der Kirche gewesen dieses Mal, und als man über Tisch saß, da sagte seine Hausfrau, daß 800 Gulden verloren wären. »Ach«, sprach sie, »hätten wir den Sack gefunden, daß uns die 100 Gulden würden.« Der Mann sprach: »Frau, geh hinauf in unsere Kammer unter der Bank bei dem Tisch auf dem Absatz vor der Mauer, da liegt ein lederner Sack, den bring herab.« Die Frau ging hinauf, holte ihn und brachte ihn dem Mann. Der Mann tat den Sack auf, da waren die 800 Gulden darin, wie der Priester verkündet hat. Der Zimmermann ging zu dem Priester und sagte ihm, wie er verkündet hätte, ob es also wäre, daß man einem 100 Gulden schenken wollte. Der Priester sprach: »Ja.« Da sagte der Zimmermann: »Heiße den Kaufmann kommen, das Geld ist da.« Da war der Kaufmann froh und kam. Nachdem er das Geld gezählt hatte, da warf er dem Zimmermann 5 Gulden hin und sprach zu ihm: »Die 5 Gulden schenke ich dir, du selber hast 100 Gulden genommen und hast dich selbst belohnt. Es sind 900 Gulden darin gewesen.« Der Zimmermann sprach: »Das ist nicht so. Ich habe weder 1 Gulden noch 100 genommen. Ich bin ein frommer Mann.« Das Geld wurde bei Gericht hinterlegt, und sie kamen miteinander vor Gericht. Nach mancher Verhandlung wurde ein Tag gesetzt für den Gerichtsspruch. Da kamen viel fremde Leute, die wollten das Urteil hören. Man fragte den Kaufmann, ob er einen Eid schwören könne, daß er 900 Gulden verloren hätte. Der Kaufmann sprach: »Ja.« Da sprach das Gericht: »Heb auf und schwör.« Der Kaufmann schwur. Danach fragte das Gericht den Zimmermann, ob er einen Eid schwören könne, daß er nicht mehr als 800 Gulden gefunden hätte. Der Zimmermann sprach: »Ja«, und schwur auch einen Eid. Da erkannten die Richter, daß sie beide recht geschworen hätten, der die 900 Gulden verloren hätte und der Zimmermann, der nur 800 Gulden gefunden hätte. Und nun sollte der Kaufmann einen suchen, der 900 Gulden gefunden hätte. Es wäre nicht der Sack, er hätte nicht das rechte Wahrzeichen gesagt, und der arme Zimmermann sollte das Geld gebrauchen, bis daß einer käme, der 800 Gulden verloren hätte. Das Urteil lobte jedermann, und es ist auch zu loben. Denn Untreue schlägt seinen eigenen Herrn, und so ward das Sprichwort wahr: Wer zu viel will, dem wird zu wenig. Der Knecht hinter der Heiligenstatue Do was ne Bursfrau, dei was alltiet hengaohn för ne Statue bäen, ick meen to Antonius. Ja, un dei gong dor so väl hen to bäen, do was 't Äten nich up Tiet klaor. Dei Knecht, dei denket: »Ick will mal lustern, wat dat aolle Wief dor woll säch un bäe.« Ja, do kump se uk mal weer, un dei Knecht, dei is dor all – et is aobends in'n Dunkeln. Dei Knecht, dei sitt achter't Beld un lustert. Do sech sei: »Ach, Heer, ick wull doch gärn, dat ick baoll in'n Himmel quamm!« »Dor kumms du nich!« sech hei. »Worüm dann nich, min Heer un Gott?« »Du deihst taun lüddeck Stück Fleisk in'n Pott!« »Ach Heer«, sech sei, »dann will ick et bäter maken!« »Ja, dann kannst du uk in'n Himmel raken!« Der Korbmacher In einem Dorf saß ein Korbmacher, der einstmals, als er einen Korb gemacht hatte, zu seinem Weib sprach: »Wohlan, Weib, nun sprich: Gott sei gelobt, der Korb ist gemacht!« Das Weib aber, das halsstarrig war, wollte das nicht sagen. Darüber war der Korbmacher erzürnt, daß er sie über die Maßen übel schlug und sprach: »Wolltest du nicht sagen: Gott sei gelobt, der Korb ist gemacht?« In solchem, als der Korbmacher seine Frau schlug, ging der Vogt vorbei, und er fragte sie, was das für ein Wesen wäre. Dem klagte des Korbmachers Frau alles. Der Vogt, der ein Edelmann war, begann zu lachen, und er ging nach Hause und erzählte seiner Frau alle Sachen, was sich zwischen dem Korbmacher und dessen Frau begeben hatte. Darüber sprach seine Frau: »Nun wollt ich's auch nicht sagen, und wenn ich darüber zerrissen würde!« Als solches der Edelmann hörte, sprach er: »Wie, würdest du auch so halsstarrig sein?« Und er erwischte einen Bengel und schlug sie tapfer. Die Magd, die das gesehen hatte, lief in den Stall zu einem Knecht und sagte, wie der Junker die Frau geschlagen hätte, und sie fragte, ob er nicht wüßte, warum. Der Knecht, der mit dem Junker in des Korbmachers Haus gewesen, sagte der Magd alle Sachen, was zu wissen notwendig war. Als das die Magd gehört hatte, sprach sie unbedacht: »Nun wollte ich auch nicht sprechen: Gott sei gelobt, der Korb ist gemacht, und sollte es mir gehen wie des Korbmachers Frau!« – »Wie«, sagte der Knecht, »wolltest du auch so halsstarrig sein?« Er nahm die Magd und trat sie mit den Füßen und ließ sie danach wieder laufen. So ward des Korbmachers Frau, die Vögtin und ihre Magd alle drei auf einen Tag eines Korbs wegen tapfer geschlagen. Wenn man aber die halsstarrigen Weiber allesamt schlagen wollte, würden nicht genug Bengel da sein, man müßte auch Steine und andere Instrumente dazu nehmen. Der listige Quäker Die Quäker sind eine Sekte, zum Exempel in England, fromme, friedliche und verständige Leute, wie hierzuland die Wiedertäufer ungefähr, und dürfen vieles nicht tun nach ihren Gesetzen: nicht schwören, nicht das Gewehr tragen, vor niemand den Hut abziehn, aber reiten dürfen sie, wenn sie Pferde haben. Als einer von ihnen einmal abends auf einem gar schönen, stattlichen Pferd nach Haus in die Stadt wollte reiten, wartet auf ihn ein Räuber mit kohlschwarzem Gesicht, ebenfalls auf einem Roß, dem man alle Rippen unter der Haut, alle Knochen, alle Gelenke zählen konnte, nur nicht die Zähne, denn sie waren alle ausgebissen, nicht am Haber, aber am Stroh. »Kind Gottes«, sagte der Räuber, »ich möchte meinem armen Tier da, das sich noch dunkel an den Auszug der Kinder Israel aus Ägypten erinnern kann, wohl auch ein so gutes Futter gönnen, wie das Eurige haben muß dem Aussehen nach. Wenn's Euch recht ist, so wollen wir tauschen. Ihr habt doch keine geladene Pistole bei Euch, aber ich.« Der Quäker dachte bei sich selbst: »Was ist zu tun? Wenn alles fehlt, so hab ich zu Haus noch ein zweites Pferd, aber kein zweites Leben.« Also tauschten sie miteinander, und der Räuber ritt auf dem Roß des Quäkers nach Haus, aber der Quäker führte das arme Tier des Räubers am Zaum. Als er aber gegen die Stadt und an die ersten Häuser kam, legte er ihm den Zaum auf den Rücken und sagte: »Geh voraus, Lazarus; du wirst deines Herrn Stall besser finden als ich.« Und so ließ er das Pferd vorausgehen und folgte ihm nach Gasse ein, Gasse aus, bis es vor einer Stalltüre stehen blieb. Als es stehen blieb und nimmer weiter wollte, ging er in das Haus und in die Stube, und der Räuber fegte gerade den Ruß aus dem Gesicht mit einem wollenen Strumpf. »Seid Ihr wohl nach Hause gekommen?« sagte der Quäker. »Wenn's Euch recht ist, so wollen wir jetzt unsern Tausch wieder aufheben, er ist ohnedem nicht gerichtlich bestätigt. Gebt mir mein Rößlein wieder, das Eurige steht vor der Tür.« Als sich nun der Spitzbube entdeckt sah, wollte er wohl oder übel, gab er dem Quäker sein gutes Pferd zurück. »Seid so gut«, sagte der Quäker, »und gebt mir jetzt auch noch zwei Taler Rittlohn; ich und Euer Rößlein sind miteinander zu Fuß spaziert.« Wollte der Spitzbube wohl oder übel, mußt er ihm auch noch zwei Taler Rittlohn bezahlen. »Nicht wahr, das Tierlein lauft einen sanften Trab?« sagte der Quäker. Der Maler und der Domprobst zu Regensburg Zu Regensburg ein Maler saß, der hatt ein Weib schön über Maß, war auch an ihren Ehren stark, um die der Domprobst buhlend warb. Und wollt ihr vierzig Gulden schaffen, wenn er ein Nacht bei ihr könnt schlafen. Die Frau tat es dem Mann ansagen, der Maler tat mit ihr ratschlagen, wie sie das Geld zuwege brächt, an Ehren doch blieb ungeschwächt. Endlich, da ward die Glock gegossen, mit einem wunderlichen Possen. Die Malerin schickt' ihre Maid zum Domprobst hin mit dem Bescheid, ihr Mann wär gangen über Feld. Der Domprobst kam und bracht das Geld und gab ihr das und bei sich dacht, mit ihr zu schlafen dieselbe Nacht. Die Frau briet Huhn und sott ein Fisch und ließ den Domprobst gehn zu Tisch. Dem Maler gab sie dann das Zeichen, der kam mit Gepolter ohnegleichen und klopfte an sein eigen Haus. Die Frau sprach: »Herr, mein Mann ist draus.« Er sprach: »O Frau, wo soll ich hin?« Sie sprach: »Herr, folget meinem Sinn und zieht Euch mutternackend ab und stellet Euch nur bald hinab unter die Bilder in die Werkstatt, und rührt Euch nicht, was auch für gat. Mein Mann mit seinen Waffen wild meint sicherlich, Ihr seid ein Bild.« Und so geschah's, sie tat ihm auf, der in die Werkstatt ging hinauf und sprach: »Ein Bild soll ich verkaufen.« Der Pfaff stund auch unter dem Haufen. Der Maler sprach: »Das Bild wär fein, wär ihm verdeckt sein Gschirr allein; es ist ein Schand vor ehrbaren Frauen, leih mir das Beil, laß mich's abhauen!« Die Frau sprach: »Laß das Ding nur recken, daß die Bäurinnen die Lichter dranstecken.« Doch langt' sie ihm das Beil da her, daß er ihm's abhaut. Da floh der Domprobst, stieß etliche Bilder da nieder, lief nackend aus dem Hause wieder. Kam nackend zu sei'm Haus geloffen, die Tür er ungefähr fand offen. Der Maler lief ihm hinten nach und schrie immer: »Halt auf und fach!« Und klopfet an des Domprobsts Pforten und schrie hinauf mit diesen Worten: »Mir ist ein Bild entlaufen rein!« Der Domprobst schrie: »Laß das gut sein!« »Ich will Euch hundert Gulden schenken, nur tut der Ding nicht mehr gedenken!« Der Maler nahm das Geld auch an und ging gar freudenreich darvan. So macht manch Weib noch ein' zum Schlappen und hängt ihm an die Narrenkappen, daraus ihm Schand und Schad erwachs, mit Schand und Schaden. Spricht Hans Sachs. Der Müller als Kapuziner Der Müller zu X. trank einmal lustig und in Freuden unter lustigen Zechbrüdern, bis er unterm Tische lag. Da zogen ihm die fidelen Brüder seinen weißen Müllerrock aus, zogen ihm eine braune Kapuzinerkutte an, trugen ihn vor das Städtchen hinaus und legten ihn dort am Wege ab. Bald darauf kamen zufällig einige Kapuziner daher und waren ganz erstaunt, einen ihrer Brüder in solchem Zustande an der Straße zu finden. Sie schämten sich vor den Leuten, die an einer dunkeln Kutte alles sehen und, was sie sehen, nicht vergessen können, hoben den Bewußtlosen auf und trugen ihn in ein benachbartes Kloster. Dort legten sie ihn zweg auf einen Tisch; das ganze Kloster sammelte sich um den trunkenen Bruder, aber niemand wollte ihn kennen, daher man kaum warten mochte, bis er erwachte, um ihn zu fragen, wer er sei, und woher er komme. Endlich geschah es. Man kann sich den Schreck denken, als der arme Schelm erwachte, sich in einer Kapuzinerkutte sah und Kapuziner ringsum, denen er Bescheid geben sollte, aus welchem Kloster er komme, und wie er heiße. Er staunte, er rieb sich die Augen, er sann, wußte lange nichts, es war ihm, als sei er vom Himmel herabgekommen. Endlich stotterte er, sie sollten doch in die X.-Mühle gehen, und wenn sie dort den Müller antreffen sollten, so könnte er ihnen wahrhaftig nicht sagen, woher er komme, und wer er sei. Der Nußbaum zu Garburg In der Zeit, als die Bauersleute und nämlich die im Gebirge noch fromm, schlicht, einfältig und gerecht waren, da stand außerhalb eines Dorfes, geheißen Garburg, ein großer Nußbaum an einem Rain bei einem Wasser. Dem hing ein großer Ast über das Wasser und senkte sich hier bis auf den Fluß hinab. Die guten Freunde waren liebe, einfältige, fromme Leute und hatten ein Mitleid mit dem Baum und gingen zu Rat, zu bedenken, was doch dem Nußbaum angelegen sein möchte, daß er sich so zum Wasser neige. Als nun mancher Ratschlag getan war, sagte zum letzten der Maier, ob sie nicht närrische Leute wären. Sie sähen doch wohl, daß der Baum an einem Rain und im Dürren stünde und sich darum auf das Wasser senke, das er gern trinken wolle. Es scheine ihm auch nicht anders, als daß derselbige Ast des Baumes Schnabel wäre. Also gingen die Bauern zu Rat, legten ein großes Seil oben an den Baum, stellten sich jenseits des Wassers und zogen den Baum mit Gewalt herab, vermeinten, ihm trinken zu geben. Wie sie ihn nun schier bei dem Wasser hatten, befahlen sie dem Boten, auf den Baum zu steigen und den Kopf oder die Dolde vollends in das Wasser zu tunken. Der Bote steigt hinauf und tunkt den Wipfel hinab, da bricht der Bauern Seil und schnellt der Baum hoch, und ein harter Ast schlägt dem Boten den Kopf ab. Der fiel in eine dichte Hecke. Der Bote fiel vom Baum herab und hatte keinen Kopf. Die Bauern waren erschrocken, daß er keinen Kopf mehr hatte, gingen zu Rat und fragten sich, ob er auch den Kopf gehabt hätte, als er auf den Baum gestiegen wäre. Es konnte keiner sich erinnern. Der Maier sagte, er glaube sicher, er hätte keinen Kopf gehabt, da er mit ihnen hinausgegangen wäre, denn er hätte ihn wohl dreimal gerufen, er hätte ihm aber nicht antworten wollen. Doch hätte er nicht weiter darauf geachtet. Also wurde gemeinsam das Urteil erkannt, man solle jemanden heim zu seiner Frau schicken und sie fragen lassen, ob ihr Mann auch heute am Morgen einen Kopf gehabt habe, als er aufgestanden und mit ihnen hinausgegangen sei. So kann noch heute niemand genau in dem ganzen Dorf sagen, ob der Bote den Kopf daheim gelassen oder mit hinausgetragen habe. Der Pfarrer und der Zehnte Ein Bauer und seine Frau ward allezeit im Zehntengeben von seinem Priester hart angestrengt, mehr als seine Nachbarn. Deswegen, als seiner Frau das zehnte Kind in das Kindbett gekommen, waren sie einig, daß sie das Kind, weil es das zehnte war und der Pfaff von allen Dingen den Zehnten haben wollte, ihm ins Haus schicken wollten. Welches sie dann auch taten. Der Pfaff, die Ursache hörend, warum das Kind ihm ins Haus gebracht wurde, wehrte mit Händen und Füßen, wollte das keineswegs annehmen. Wäre es der Zehnte golden von dem, was der Bauer vermochte, gewesen, er sollte davor erschrocken sein, gleich wie ein Hund vor einer Bratwurst oder Seite Speck. – Sie sind Nimms-gern, Hab-gern, aber nicht Geb-gern und Schenk-gern. Der Pfarrer zu Kolbringen droht den Bauern Der Pfarrer zu Kolbringen hielt auf eine Zeit eine köstliche Predigt und schalt die bösen Bauern übel und sprach unter anderem: »Denkt ihr Bauern, ihr seid fromm und haltet die zehn Gebote. Ich sehe es aber von keinem. Es wird euch noch der Teufel bescheißen. Wie will ich denn mit euch bestehen wie andere unserer Nachbarn, wenn wir vor den Himmel kommen? Da wird Sankt Peter stehen und rufen: ›Herr Pfarrer von Laubringen.‹ Der wird antworten: ›Adsum, Herr, hier bin ich.‹ ›Wo sind Eure Schäflein?‹ ›Hier bei mir‹, wird er sagen. ›Ziehet herein, lieber Herr Pfarrer‹, spricht Sankt Peter. ›Herr Klaus von Ringelheim.‹ ›Adsum, lieber Herr‹, wird er sprechen. ›Wo sind Eure Schäflein?‹ ›Hier bei mir.‹ Dann spricht Sankt Peter: ›Ziehet einher, lieber Herr Klaus.‹ Danach kommt er an mich: ›Bene veneritis domine Johannes, Pfarrherr zu Kolbringen.‹ Dann spreche ich: ›Gnade, Herr, deo gratias.‹ Wenn er dann sagt: ›Wo sind Eure Schäflein?‹, und ich dann hinter mich sehe, dann hat euch der Teufel alle hinweggeholt. Siehe da, als wäre mir in die Hände geschissen, und ich weiß nicht, was ich antworten soll. Deshalb will ich es euch jetzt schon sagen.« Der praktische Briefsteller Es wollte einstmals ein junger Mensch, der nichts studiert hatte, seiner Liebsten einen Brief schreiben, und weil er selbst keinen machen konnte, kaufte er sich ein Brief-Buch. Und nachdem er lange Zeit in solchem Buch gelesen hatte, fand er einen Liebesbrief, den schrieb er ab und schickte ihr denselben mit angehängtem Postscripto: »Sie antworte mir doch ehestens!« Weil sie aber eben dieses Buch hatte und diesen Brief samt der Antwort darin fand, schrieb sie ihrem Aufwärter bloß mit diesen Worten zurück: »Ich habe Seinen Brief wohl erhalten, mein Herr, Er kehre nur das Blatt um, da wird Er die Antwort finden!« Der Priester und der Sünder Dor is 'n Knecht wäst, dee het all öfter wat mit de Dierns hatt. Dee geiht nah 'n Preester hen, ob he em nich sien Sünden vergäben will. »Nee«, seggt de Preester, »dien Sünden sünd to grot!« »Oh, ick will mi woll bätern.« »Oh, du sündigst man ümmer wedder! Oewer ick will di woll eens ut de Versökung führen: Du sallst in vier Wochen unner keen Strohdack kamen, vier Wochen keen Bier un Brammwien drinken, keen Brot un Fleesch äten, in keen Fedderbett un bie keen Fruu schlapen. Denn will ick di vergäben! Oewer du möößt dat inhollen!« Ja, seggt de Knecht, dat wull he don. He geiht weg un kümmt in 't Holt. Dat is so harwstoewer wäst. He ett Noet, as he Hunger kriggt. Toletzt kümmt he nah de Stadt rin up 'n Klosterhoff. Dor is 'n Beerboom, wo weck unner liggen, dee sammelt he sick. De Domina fröggt em, ob he Hunger het. »Ja.« Denn sall he rinkamen, se will em wat to äten gäben. »Oh«, denkt he, »dat is jo keen Strohdack, dat is 'n Teigeldack. Dat is mi nich verbaden.« Un geiht rin. De Domina sett't em wat to äten up 'n Disch. »Ick sall keen Brot un Fleesch mit Brammwien äten«, seggt he. »Dat is dit ok nich«, meent se: »Dit is Stollen un Wien un Braden.« Na, he ett jo. – Nu is dat Tiet to Bett to gahn, un se wiest em een Bett an. »Nee, ick sali in keen Fedderbett schlapen!« »Nee, dit is ok keen, dit is 'n Duunenbett.« Dor geiht he jo in liggen, un se krüppt ok rin. »Nee«, seggt he wedder, »ick sall bie keen Fruu schlapen!« »Ick bün keen Fruu«, seggt se, »ick bün de Äbtissin.« »Na, wenn dat so is: Dat het he mi nich verbaden.« As de vier Wochen üm sünd, kümmt he wedder bie 'n Preester an. »Na«, fröggt dee, »alles gehalten?« »Ja, ick heff Ummer unner 't Teigeldack wahnt un bloß Stollen un Wien un Braden to 'n Laben hatt.« »O Sünden über Sünden!« röppt de Preester. »Oewer unner Feddern heff ick nich schlapen«, seggt de Knecht dor fix, »man bloß unner Duunen, in 't Bett von de Äbtissin.« »Nein, deine Sünden sind zu groß«, röppt donn de Preester wedder, »die kann ich dir nicht vergeben!« He will dat wedder gotmaken. Oewer de Preester wunderwarkt bloß: »Bie de Äbtissin! Datis jo unsern Herrgott sien Schwester!« »Oh«, seggt de Knecht donn, »denn lat man: Denn bün ick jo sien Schwager, denn bruuk ick keenen Preester!« Der Reisbrei Dat Anneliß hatte die Meirer un wollte ihn och watt Gores kochen. Buhnen un geräuchert Fleisch kriegten se alle Daag; deswejen wollte et hüt emol Reisbrei kochen. Et hatte den Reis off det Feuer gedan, hatte awwer zevill Reiser droffgelegt, un do war der Reis angebrannt. Et ärjerte sich arg, awwer et dachte: »Su schlömm ös et jo och wirrer net; dat kann jederenem passieren.« – Se schütte noch en Döppen voll Mellich derbei un dachte, su werd er noch ganz got. Awwer, we dat manchmol su geit, de Mellich wur sauer. »Ei, der dausend«, sahte det Anneliß, »dat ös mir awwer och lang net passiert!« Sie dachte, sie woll et den Meirern lewer sahn, det se Bescheid wößten. Die hatten schon von weitem gehört, wie det Anneliß im Ern heröm schannte, un wußten schon, wat los war. Sie ging mal zu den Meirern hin und frogte: »Wie äßt ihr dann den Reisbrei am lefsten?« – »Ei angebrannt un sauer«, sahte der Meirersch Anton. »Gott sei Dank«, sahte det Anneliß, »su ös er jo hüt grad.« Der Ring Ein Bauer hatte sich mit einem Mädchen versprochen, und als es nun so weit kam, daß sie in die Kirche gehen und sich miteinander trauen lassen wollten, nahm der Bauer den Trauring und band denselben in den Senkel, womit er vorne die Hosen zugebunden, weil er glaubte, daß er da am besten verwahrt sei. Wie sie nun in die Kirche kommen, denkt der alberne Tropf nicht eher an den Ring, als bis der Prediger sagt: »Darauf gebet einander die Hände und Trauringe.« Als er solches gehört, will er den Ring losbinden, knöpft den Rock auf und nestelt an der Hose. Wie der Prediger dieses sieht und nicht weiß, daß er den Ring an einem solchen Ort verwahrt, fragt er, was er machen wolle. Der Bauer gab zur Antwort: »Ich muß ihn ja herausholen!« Als sich hierauf die Braut nach ihm umsieht, bekommt sie über das Nesteln arge Gedanken und meint, daß er was anderes im Sinne hätte, kehrt sich also um und läuft davon. Der Prediger ruft ihr nach, wo sie hin wolle; sie gab mit zitternder Stimme zur Antwort: »Ach Herr, wenn er es so macht, kenne ich ihn schon, es ist hier der Ort nicht danach!« Der Prediger aber erklärte ihr das Nesteln auf eine andere Art und gab sie darauf zusammen. Der Schatz im Weinberg Im Wormser Gau saß ein reicher Bauer, der zwei Söhne hatte. Der eine, nachdem sein Vater ihn ausgesteuert hatte, wohnte in einem andern Dorf, wo er vor des Vaters Strafen, wie er es auch anfing, sicher lebte. Deshalb dachte der Vater dem andern besser vorzustehen, gab ihm auch ein Weib und behielt ihn bei sich in seinem Haus. So wie der eine nun sich um den Vater nicht mehr zu kümmern brauchte, verließ sich der andere zuviel auf seine Hilfe und seinen Beistand, soff und schlemmte und brachte alles, was ihm sein Vater zur Aussteuer gegeben hatte, mit frischem Mut und guten Gesellen – wie auch sein Bruder – hindurch, daß letztlich sein Vater, weil er ihm immer aus der Patsche half, zusammen mit ihnen um sein Erspartes und einen schönen Weingarten kam. Seine alten Tage waren deshalb voll Kummer und Krankheit, und an seinem Totenbett, als er merkte, daß er bald sterben müßte, forderte er beide Söhne vor sich und sprach: »Ihr lieben Kinder, ihr seht und merkt, wie unsere Sache jetzt steht, so daß es Zeit wird, von euch zu scheiden. Leider ist es so, daß ich fast alles, was ich hatte, euch bereits gegeben habe und nach meinem Tod fast nichts überlassen kann. Doch eines will ich euch in meiner letzten Stunde nicht verbergen: Bevor ich euch verheiratet habe, habe ich alles, was sich nun auf eine große Summe belaufen mag, in unserem Weingarten vergraben. Danach mögt ihr in Eintracht suchen und davon euch von eurem Jammer erholen.« Als er dies gesagt hat, gab er seinen Geist auf und starb. Nachher aber hofften seine Söhne, die geldhungrigen, den Schatz ihres Vaters zu finden. Sie nahmen ihre Hacke und hackten und durchgruben mit allem Fleiß den ganzen Weinberg. Und da dieser lange Zeit aus Unvermögen des Vaters und auch wegen ihrer Faulheit mehr denn halb wüst gelegen hatte, trug er, nachdem er so durchgehackt worden war, in demselben Jahr treffliche Früchte und viel Wein. Im andern Jahr taten sie und widerfuhr ihnen desgleichen, so daß sie da ihres Vaters Rede von dem Schatz, wie der zu finden, erst recht verstanden. Durch emsige Arbeit erfreuten sie sich so des Weingartens und konnten nicht allein all ihre Schuldner bezahlen, sondern wurden auch zu reichen Leuten. Der schlecht berittene Junker Nicht weit von einer Stadt im Elsaß gelegen, etwa sechs Meilen von Straßburg, da wohnte ein Edelmann, der kam alle Freitag zu Markt. Nun weiß ich nicht, ob er es aus Armut oder aus Geiz tat, denn er kam alleweg in die Stadt gegangen mit Stiefel und Sporen, und man konnte doch nicht entdecken, daß er je einem Menschen auf dem Feld zu Roß begegnet wäre oder daß er ein Pferd hätte in der Stadt in einer Herberge stehen. Das merkten die Herren in der Stadt wohl, und einmal wollten sie eine Kurzweil und ein Lachen anrichten und schickten nach dem Edelmann auf das Rathaus und hielten ihm vor, es wäre Klage erhoben worden von armen Leuten, daß er vor dem Tor der Stadt ein Kind mit seinem Kriegspferd zu Tode getrampelt hätte. Der Edelmann sprach, er hätte es nicht getan. »Vielleicht hat's ein anderer getan, und sie haben mich für den Unrechten angesehen, sie sollten es besser erfahren, denn ich bin unschuldig in dieser Sache.« Die Herren sagten, sie wollten ihm das beweisen. Der gute Edelmann sprach: »Es wird sich nicht so finden.« Und er mußte seine Schande selbst eröffnen zur Bezeugung seiner Unschuld und sprach, er wollte es beweisen mit 200 Personen in seinem Dorf, daß er in elf Jahren kein Pferd nicht gehalten hätte noch auf einem Pferd gekommen wäre. Da lachten die Herren und geboten ihm, er sollte kein Pferd sein Leben lang halten. Also ging es nicht einen Monat, und er ritt auf zwei Pferden, damit das Sprichwort wahr ist: Was man einem verbietet, das liebt er erst recht. Der Schneider und der Jude Da war amal a Schneider, und der hat si an Stoff kafn wolln. Etz is er zu an Judn ganga und hat sei Geld untern Hut nunter tu. Etz wo er dann drin war, hat er sein Hut gschittelt und sei Geld runter tu. Etz hat der Jud gmeint, des war a Zauberhut, und hatn 100 000 Mark geem. Etz is der Jud her und hat was kafn wolln. Dann hat er sein Hut gschittelt und hats Geld runter to wolln. Etz war kans druntn. Etz is er zum Schneider ganga und hats gsocht und hat sei 100 000 Mark verlangt. Etz hat sie gsocht, er war gstorm, er soll afs Bett haua. Etz is der aufgfahrn. Etz hat der gmant, er war tot gwesn, und war doch lebendi und hatn fürn Stecka a wieder 100 000 Mark geem. Etz is in Land die Königin gstorm, und wer die aufgweckt hätt, der hätt recht viel Geld kriecht. Etz hat der gsocht, er könnts aufweckn. Etz is er her und is zum König in des Zimmer, wo die gleng war, und hat die recht aufm Bauch naufghaut. Etz is die net aufgwacht. Etz is er eigsperrt worn. Etz, wo er widder raus derft hat, is er zum Schneider ganga, und dann hat sie gsocht, er is dromma in am Faß und er soll nauf, dann lernt ers Singa. Dann is er naufganga, und dann hat der Schneider gsocht, er soll sei Zunga reistreckn. Dann hat ers neigsteckt. Dann hats der Schneider abgschnittn. Na hat er gsunga: Gl, gl. Der Schneider und der Krebs Zu Mundingen, einem Dorf im Schwabenland, wohnte ein Schneider, der mehr als andere Bauern zu sein dünkte, weil er gewandert war. Eines Morgens, als die Buben mit dem Vieh auf die Weide zu fahren pflegten, fanden sie darauf einen Krebs gehen. Das wunderte sie wohl, zumal dortselbst kein Wasser war. Die Knaben machten davon im Dorf ein Geschrei, so daß eine große Zahl von Bauern kam, dieses Tier zu besehen, und auf den Anger lief. Und was sage ich viel, alle, die des Krebses ansichtig wurden, erschraken, vor allem, weil er hinter sich kroch, so schwarz von seltsamen Füßen und Gestalt anzuschauen war. Deshalb gebot der Schultheiß, mit der Glocke Sturm zu schlagen und die Nachbarn zusammenzurufen, ob jemand, dem dieses Tier bekannt wäre, gefunden werden möchte. Zuletzt dachten sie an obengenannten Schneider, der müßte auch seine Meinung dazu dartun, wofür er es hielte. »Seltsame Geschöpfe habe ich in fremden Landen, aber nichts dergleichen gesehen«, sprach er. »Doch dünkt es mich nach meiner Vermutung, es sei ein junger Hirsch oder eine seltsame Taube.« Da sie das aber nicht für gewiß hielten und auch niemand sich getraute, nahe hinzugehen, schossen sie den Krebs mit der Büchse tot, warfen weit um diesen Platz herum einen Graben auf, den sie dazu mit einem Zaun verwahrten, damit nicht aus Unachtsamkeit ein Mensch oder Vieh dahin ginge und sich an dem toten Krebs vergifte. Der schönste Traum Zwei Kumpane gingen wallfahrten, und ein Bauer ward ihr Gefährte. Die Straße war von Räubern bedroht, und sie mußten große Umwege machen, um ihnen zu entgehen. Darum konnte das Geld, das sie bei sich hatten, nicht allzu lange währen. Schließlich hatten sie nur noch Mehl zu einem Brote, und das reichte kaum für die beiden allein. Deshalb dachten sie darüber nach, wie sie den Bauern um das Mehl betrügen könnten, denn verjagen mochten sie ihn nicht, da er immer ein guter Gefährte gewesen war. Der eine sprach zum andern: »Diesen Kerl führte uns der Teufel zu; es ist seine Schuld, daß wir so bald unser Gut verzehrt haben. Mir ist seine Gesellschaft leid, denn er frißt mehr als wir beide zusammen.« »Schweig still«, versetzte der andere, »ich weiß einen Ausweg. Wir wollen aus unsrem letzten Mehl einen Kuchen backen, dann wollen wir schlafen, und wessen Traum der wunderlichste ist, dem soll der Kuchen gehören, und so wollen wir ihn betrügen.« Das gelobten sie untereinander, und es geschah, wie sie verabredet hatten. Der Bauer aber dachte in seinem Sinn: »Das sagen sie deshalb, damit sie mich betrügen wollen, denn das Betrügen ist ihre Sitte. Doch diesmal soll es ihnen nicht gut anschlagen.« Als sie fest schliefen, stand er auf, tastete nach dem Kuchen und fraß ihn, obwohl er noch nicht ganz gar war, mit Haut und Haaren auf. Dann legte er sich wieder nieder. Kurz darauf sprangen seine Gefährten auf und begannen ihr Gelübde zu vollführen. Der eine sprach: »Hier lag ich und sah Wunder im Traum. Mir däuchte, wie zwei Engel kämen, die nahmen mich mit und führten mich mit großen Ehren vor Gott unsren Herrn in den Himmel, und der empfing mich wohl.« Der andre sprach: »Dagegen hatte ich großes Ungemach: mir däuchte, Trautgeselle, mich hätten zwei Übelgeister zur Hölle entführt, und das schien mir die größte Not, die ich je erlebt.« Derjenige, der den Kuchen aß, lag und tat, als ob er schliefe. Zuletzt erwachte er und sprach: »Ach, mein Traum wird euch wenig frommen.« »Was war dein Traum, Geselle?« »Mir träumte, der eine von euch würde in die Hölle geschleppt, der andre aber in den Himmel geleitet. Nun hörte ich häufig von Priestern und Predigern, daß man im Himmel und in der Hölle wohl des Essens entbehren mag, deshalb aß ich ohne weitere Arglist den Kuchen auf. Aber hätte ich gewußt, daß ihr so schnell wiederkommen würdet, so hätte ich es wohl gelassen.« Die andern sprachen: »Daß du verflucht seiest mitsamt deinem Traum, du Vielfraß! Niemand kann dich betrügen, wir wollten es tun, aber es mißlang, denn du bist zu schlau.« Der Schreiber macht einen Kreidestrich Ein gelehrter Hofrat war alt, hatte ein junges Weib und einen Schreiber. Der Schreiber, wo er war, hatte Anfechtung von dem Weib. Einstmals war sie in Abwesenheit des Hofrats in der Stube und bei ihnen des Hofrats Sohn von etwa drei Jahren. Der Schreiber, wie er keinen Frieden haben konnte, machte mit der Kreide einen Strich an die Erde und sagte: »Frau, werdet Ihr mich nicht zufrieden lassen und über diesen Strich zu mir herüberkommen, ich soll tun, was ich sonst bleiben ließe!« Die Frau begehrte seiner Haare und ging über den Strich. Da warf sie der Schreiber auf die Bank und so weiter. Ein wenig nach diesem kam der Hofrat in die Stube. Das Kind lief ihm entgegen, rief überlaut: »Ach Vater, geht nicht über den Strich, der Schreiber tut Euch sonst, wie er der Mutter tat!« – »Wie denn?« fragte der Vater. »Er wirft Euch auf die Bank und drücket Euch!« Der schwangere Ratsherr In einer Stadt mit Namen Freiburg saß ein reicher Ratsherr, der mit seiner Frau in fünfzehn Jahren noch kein Kind gehabt hatte. Deshalb gab es oft Streit bei ihnen, und einer gab dem andern die Schuld daran. Auf eine Zeit dingte die Frau eine Hausmagd, welche ein sehr züchtiges Benehmen hatte und die auch dem Haus gut vorstehen konnte. Der Mann dachte in seinem Sinn: »Mein Weib zeiht mich, ich sei nichts nütze; wie wäre es, wenn ich's mit der Magd versuche, ob die Schuld mein sei oder nicht, damit wir aus dem Zweifel kommen?« Und er versuchte alles, um die Magd zu überreden. Durch viele glatte Worte und Versprechungen ihres Herrn willigte die Magd ein und empfing von ihm ein Kind. Nun aber verlangte die Stadtordnung allda, so ein Ratsherr die Ehe breche, werde er von seinen Ämtern gesetzt. Und er dachte, was er tun solle, denn werde man es von ihm inne, werde er übel bestraft. Und er ging hin zu einem Doktor, welcher ein gescheiter Mann war, entdeckte ihm sein Anliegen und die große Gefahr, in der er sich befinde. Der Doktor tröstete ihn und sprach: »Dem ist wohl abzuhelfen, seid unverzagt. Geht heim und legt Euch ins Bett und gehabt Euch sehr übel im Bauch, und über einen Tag schickt mir den Harn durch Eure Frau und laßt mich handeln.« Der Ratsherr tat, wie ihm der Doktor befohlen hatte, und schickte am andern Tag die Frau zum Doktor mit dem Wasser. Der Doktor besichtigte das Wasser, und indem er es besichtigte, lachte er. Die ängstliche Frau, als sie den Doktor lachen sah, betrübte sich sehr, denn sie wußte wohl, daß ihr Mann sehr krank lag. Der Doktor sprach: »Euer Herr ist sehr krank, und es schwillt ihm der Bauch, denn er geht mit einem Kind.« Die Frau antwortete: »Herr, wie kann das sein? Treibt keinen Schabernack, mein Mann ist sehr krank!« Da antwortete der Doktor: »Ich sage Euch die Wahrheit. Er geht mit einem Kind.« – »Herr«, sagte die Frau, »wie geht das zu? Es ist unmöglich!« Da antwortete der Doktor: »Ihr Weiber habt seltsame Gelüste, ihr versucht alle Wege; an dem ist Euer Mann schwanger geworden.« Und sie errötete und dachte in ihrer Einfalt: »Es mag sein!« Und sie faßte wiederum das Herz in beide Hände und fragte den Doktor, wie ihrem Mann zu helfen wäre. Der Doktor gab ihr den Auftrag: »Bestellt eine Jungfrau, die noch unschuldig ist, und bringt sie zu Eurem Mann. Alsdann wird die Jungfrau das Kind empfangen.« Die Frau antwortete: »Es wird dies keine tun wollen.« Da sprach der Doktor: »Kümmert Euch zeitig darum, sonst verdirbt Euer Mann, denn das muß sein. Und noch eins«, sprach der Doktor: »Was habt Ihr für eine Magd?« Die Frau antwortete: »Sie ist so züchtig und mag von den Dingen nichts hören, geschweige denn sie tun.« Da sprach der Doktor: »Versucht es mit ihr. Kehrt Euren ganzen Fleiß daran und sagt, sie könne den Mann beim Leben erhalten, und versprecht ihr eine reichliche Aussteuer; und wenn sie das Kind bekommt, daß Ihr es für Euer eigen Fleisch und Blut aufziehen wollt.« Also schied die Frau von dem Doktor und ging heimwärts zu ihrer Magd und hielt ihr den Handel mit großen Bitten und Flehen vor. Die Magd antwortete: »Liebe Frau, haltet Ihr mich für eine solche? Ich will noch heute nacht aus dem Haus!« Die Frau aber drang mit großen Bitten und Versprechungen in sie, sie solle doch ihres Mannes Leben retten; desgleichen wolle sie das Kind für ihr eigen Kind aufziehen und ihr eine reichliche Aussteuer geben zu einem guten Gesellen. Nach langer, heftiger Bitte willigte die Magd ein und legte sich zu dem Herrn, welcher in kurzer Zeit wieder genas, und die Magd empfing das Kind. Also wurde der Sache Rat, und die Frau hielt der Magd alles, was sie ihr versprochen hatte, und sie blieben alle bei Ehren. Als aber die Magd so bald gebar und nur die halbe Zeit, zwanzig Wochen, das Kind getragen hatte, wurde die Frau argwöhnisch und ging wieder hin zum Doktor und sprach: »Herr Doktor, wie geht es doch zu, daß die Magd des Kindes so bald genest?« Da antwortete der Doktor: »Meine liebe Frau, wundert Euch das? Bedenkt Ihr nicht, daß der Mann das Kind zwanzig Wochen getragen hat und die Magd auch zwanzig?« Die Frau sprach: »Ja, wahrlich, das ist wahr!« Dankte dem Doktor und schied von ihm. Der schwangere Säuheinz Vor kurzer Zeit bei Winzheim saß Säuheinz, der ein Sautreiber was. Er steckte aller Schalkheit voll, mit groben Schwänken war ihm wohl. Darauf er legt' all seinen Fleiß, im ganzen war er wohl nit weis und etwas von zerrütteten Sinnen. Einstmals, da wollt er werden innen, warum die Weiber schreiend wären, wenn eine sollt ein Kind gebären. Er fragte dann sein Weib danach, die ihrerseits zum Säuheinz sprach: »Was hast du nach dem Ding zu fragen, ohne Not sie nicht schreien und klagen.« Der gute Säuheinz ließ nicht davon und weiter dieser Sach nachsonn, wollt nun erfahren den Bescheid und legte an ein Frauenkleid, und um das Maul ein Tuch er band, ein Kissen auf den Bauch sodann. Tat in das nächste Dorf hingehen dort blieb er auf dem Kirchhof stehen, als wär er ein großbäuchig Weib und hätte einen schwangren Leib. Er ächzet, kreißt und krümmt sich sehr auf dem Kirchhof je länger, je mehr, als ob ihm weh wär mit dem Kind. Die Bäurinnen liefen zu ihm geschwind, erbarmten sich seiner überaus und schleppten ihn rein in ein Haus. Ein Bauer ins nächste Dorf hinritt und bracht ihm eine Hebamme mit. Sie heizten ein die Bauernstuben und auf das Marterbett ihn huben. Das war gemachet nur von Stroh, wie man denn pflegt zu machen so. Die Bäurinnen um das Marterbett gingen und rieten all zu diesen Dingen, eine riet dies, die ander so, dieweil der Säuheinz lag im Stroh und konnt den Schalk verbergen wohl und kreißt, als wär er Schmerzen voll. Die Amme griff nun runter flink, ergriff den Säuheinz bei sei'm Ding, vermeint, es wären des Kindes Händ, und schrie: »Setzt auf das Feuer behend, das Wasser zu dem Kindsbad hinein, das Kind hat schon ein Händelein!« Als sie es aber recht begriff, da merkte sie die Schalkheit tief, daß dieses bäuchig Weib ein Mann. Ganz zornig hieß sie ihn aufstahn, riß ihm die Tücher von dem Kopf, da ward erkannt der heillos Tropf. Den Bäurinnen tat gar weh die Schmach, und einhellig zu grimmer Rach sie all mit Fäusten auf ihn schlugen, an Haaren aus dem Bett ihn zugen und mit den Füßen ihn stießen und traten, gar ungestüm auf ihm rumtraten, welche kommet baß, die bleut auch baß. Als er nun so zerzauset was, rief er, sie sollten ihm gnädig sein, er wollt ihnen schenken einen Eimer Wein, den er zu schicken ihnen versprach. Danach ließen die Bäurinnen nach, zur Tür hinaus sie ihn dann stießen, und so den Säuheinz laufen ließen. Der schicket ihnen den verheißenen Wein und ließ die Bäurinnen fröhlich sein. So ward der Hader beigelegt, der Säuheinz aber weitergeht. Wo er hernach zu Leuten kam, den sagte er ohn alle Scham, jetzund so wundert' ihn nicht mehr, daß die Weiber schrien so sehr, wenn sie Kinder sollten gebären, weil sie also geschlagen wären, und würden gezogen bei dem Haar von Weibern unbarmherzig gar. Nicht Wunder wär, sie schrien noch mehr. Der Schweinediebstahl Dä Köste dä hatt Pastue de Sou jestolle us der Zing. On jetz jot, dä Koste hatt ooch noch eene Jong. Jetz drief'e ooch noch dä Spott möm Pastue, do hatt'e e Leed jemaht: »Hee e Läppche on do e Läppche ooch! Mi Vae hat Pastue de Sou jestolle, die hänk jetz möm Aasch em Rooch.« Nue, jetz wied dä Pastue dat jewahr, dat dä Jong dat song, on leet sich dat van däm Jonge sönge. Jetz kütt dä Jong heem on verzällt dat sengem Va, dat Pastue ön deswäge ann hat jeranz: wenn hä dat söng sunndichs en de Kerche vam Prädigtstohl, dann kreich hä n Belohnung. No jot, do sät däm Jong si Va: »Du kriß dat on dat, dann söngs du et äwe esu, on verdoh dich net, dann kriß de Schläg.« Nue jot, jetzend kütt dä Jong noh de Kerche. Pastue ös om Prädigtstohl on bekräftigt nue, wat dä Jong nu söng, dat wär nu janz bestimmt on secher, als ne Jott em Hemmel wär: »Nu, Junge, singe einmal das Lied, was du immer gesungen hast!« Jetz sengt dä Jong: »Hee e Läppche on do e Läppche ooch, Pastue dä hat diß Naht beim Kouch jeschlofe on bei der Maht ooch.« Do hatt Pastue ne Kopp wie zwei krijje on wor loofe jejange. Der Silberlöffel Ein Pfarrer lud einmal zwölf Gemeinderäte zum Nachtessen ein. Als sie sich entfernt hatten, sagte die Köchin: »Herr Pfarrer, ich habe zwölf Silberlöffel auf den Tisch gegeben und finde jetzt nur elf. Es muß daher einer der Herren Räte einen Löffel mit sich genommen haben.« Der Pfarrer fand dies für richtig und schrieb jedem der Gemeinderäte, ob er nicht in Gedanken einen Silberlöffel mitgenommen habe. Darauf erhielt er von elf zur Entgegnung, daß sie keinen Löffel bei sich gefunden hätten, und nur der zwölfte blieb die Antwort schuldig. Der Pfarrer wartete also noch einige Zeit, erhielt aber keinerlei Nachricht. Nach Verlauf von drei Wochen entschloß er sich endlich, diesen Gemeinderat noch einmal brieflich um Antwort zu bitten. Er habe, schrieb er, ihn vor drei Wochen bereits gebeten, ohne Antwort zu erhalten. Da er deshalb annehme, daß der Herr Gemeinderat den fehlenden Silberlöffel mitgenommen, so ersuche er höflichst um dessen Herausgabe. Aber er empfing jetzt folgendes Schreiben des Gemeinderates: »Sehr geehrter Herr Pfarrer! Es wundert mich sehr, daß Euer Hochwürden mich noch nach Verlauf von drei Wochen um Ihren Silberlöffel mahnen. Ich gestehe indessen aufrichtig, daß ich ihn genommen habe. Hätten jedoch Euer Hochwürden während dieser drei Wochen auch nur ein einziges Mal in Ihrem Bette geschlafen, so würden Euer Hochwürden ihn bald entdeckt haben, denn ich hatte den Löffel unter Ihre Bettdecke versteckt.« Der Student als Schwarzkünstler Ein armer, abgezehrter Student kam auf eine Zeit ganz spät vor eine Mühle und bat die Müllerin um Herberge, daß sie ihn um Gottes willen über Nacht behalten möge, da er kein Geld hätte, denn er könnte nicht in ein Wirtshaus ziehen. Die Müllerin schlug dem guten Studiosus solches ab, denn sie hatte den Pfaffen bei sich, und sie fürchtete, wenn sie den Studenten einließ und er sehe, wie sie mit dem Pfaffen und der Pfaffe mit ihr handelte, daß er solches danach dem Müller sagte, wodurch dann ihr Bubenstück an den Tag käme. Als nun der gute Student sah, daß er kein Glück bei der Müllerin haben würde und ihrethalben wohl erfrieren müßte, legte er sich unter das Dach, das bei den Fenstern bis auf die Erde herabging. Als er so unter dem Dach lag, hörte er alles, was die Frau mit dem Pfaffen und der Pfaffe mit der Frau redete. Es begab sich nun, daß der Müller, den die Frau in dieser Nacht nicht zurückerwartete, heimkam. Als die Frau ihn kommen hörte, sprach sie schnell zu der Magd: »Magd, trage eilig alles hinweg! Stelle den Fisch daher und den Braten dorthin, so will ich gehen und das Herrlein, den Pfaffen, in den Winkel hinter das Faß stellen, bis daß unser Meister schlafen kommt. Danach wollen wir unserer angefangenen Freude ein Ende geben.« Der Student hatte dies alles gehört und hatte sich gemerkt, wo sie jegliches hin versteckt hatte. Als nun der Müller von seinem Pferd absaß, sah er den Studenten und fragte ihn, wer er wäre. Der Student antwortete alsbald und sagte, er sei ein armer Student und hätte die Müllerin um Herberge angesprochen, doch hätte sie ihm die versagt. Daher hätte er sich unters Dach gesetzt, damit er nicht ganz erfriere. Der Müller war durch Barmherzigkeit bewegt und nahm den Studenten mit sich in die Stube, setzte ihn hinter den Tisch und fing an, mit ihm zu zechen. Als sie nun einen guten Teil Weins getrunken hatten und der Müller anfing, hinter die Kunst zu kommen, fragte er den Studenten, was er studiert hätte und ob er nichts von der schwarzen Kunst verstünde. »Ja«, sprach der Student, »ich bin ein Schwarzkünstler und habe sie lange Zeit studiert. Und wenn Ihr wollt, so will ich Euch guten Wein und Speise durch meine Kunst hereinbringen.« Der Müller begehrte das und ruhte nicht, bis der Student ihm das Versprochene leistete. Und der Student, der wohl wußte, wo alles versteckt war und woher er es nehmen sollte, fing an, etliche Zeichen mit Kreide auf den Tisch zu malen, und nach solchem sprach er zu der Magd: »Gehe hin, Köchin, an diesen und jenen Ort! Da wirst du Fisch, Fleisch, Gebratenes und guten Wein finden, das bringe uns herein, damit wir essen!« Die Frau und die Magd merkten wohl, daß der Student alle Worte gehört hatte und daß sie nicht nein dazu sagen durften oder es verweigern konnten, denn sie fürchteten, der Student würde sonst alle Dinge dem Müller erzählen. Sie gingen also hin und trugen alles herbei. Darüber wunderte sich der Müller sehr, denn er meinte nichts anderes, als wäre solches durch die schwarze Kunst herbeigebracht worden. Und er entsetzte sich, davon zu essen. Aber der Student ermahnte ihn, kecklich zu essen, und er aß auch selbst davon. Da fing der Müller auch an zu zechen, und er trank so viel des Weines, daß er begehrte, den Teufel zu sehen. Er bat den Studenten, daß er ihn den Teufel sehen lassen und diesen in die Stube bringen sollte. Der Student, der wohl wußte, wo die Frau den Pfaffen verborgen hatte, sprach zu dem Müller: »Ich will ihn hereinbringen, in welcher Gestalt wollt Ihr ihn haben?« – »Ei«, sprach der Müller, »in welcher Gestalt du willst, jedoch so, daß er nicht gar erschrecklich oder gräßlich anzusehen sei.« – »Wohlan«, sprach der Student, »so will ich ihn Euch in Eures Pfarrherrn Gestalt hereinbringen.« Mit dem ging er hinaus an den Ort, wo der Pfaffe stand, und sprach mit ihm, daß dieser kecklich mit ihm hineinging und sich nicht fürchtete, denn es sollte ihm kein Leid widerfahren. Falls er sich aber weigerte, wollte er ihn in Gefahr, Angst und Not seines Lebens bringen. Da nun der arme, gefangene Pfaff nicht nein sagen durfte und mit dem Studenten in die Stube hineintrat, wurde er von dem Müller und jedermann für einen Teufel angesehen. Ohne etwas zu sprechen, ging er wieder aus der Stube in seinen Winkel hinauf, wo er verharrte, bis der Müller schlafen ging. Als der Pfaff wieder hinausgegangen war, fing der Müller an und sagte: »Nun habe ich all mein Lebtag keinen Teufel gesehen, der unserm Pfaffen so ähnlich sieht wie dieser Teufel.« Nach diesen Worten ging er zu Bett. Da fingen der Pfaff, der Student und die Müllerin erst recht an zu zechen. Ehe die Nacht verging, bekam ein jeder von der Müllerin gewährt, wessen er begehrte. Der Student und der Nachtwächter Ein Pennal hat sich an einem Ort übertrunken, blieb im Heimgehen auf der Gasse liegen und schlief ein. Als nun von ungefähr der Nachtwächter allernächst bei ihm die Stunde ausschrie, wischte mein guter Feix hurtig auf aus dem Schlaf, faßte den Wächter in der Mitte und schrie überlaut, man solle ihm zu Hilfe kommen, es wäre ein Dieb in seiner Kammer. Der Teterower Hecht Der Herzog sollte einmal nach Teterow kommen, und man beschloß, denselben gut aufzunehmen. Darum begaben sich die Teterower an den See, um für ihres Herrn Tisch einen Hecht zu fangen. Sie fingen auch einen solchen von zwanzig Pfund. Das war nun recht schön, und sie zogen mit dem Hechte gleich wieder nach der Stadt und tranken auf die schwere Arbeit und freuten sich sehr, bis es ihnen zuletzt einfiel, daß der Herzog erst in zwei Monaten kommen wolle und der Hecht sich außer Wasser wohl nicht so lange halten werde. Als sie dies bedachten, waren sie alle mit einemmal still und wußten nicht, was sie anfangen sollten. Endlich stand einer auf und sprach: »Wi möchten den Hääkt werrer in'n See laten, bet dat de Herzoch kümmt.« Da freuten sie sich über den klugen Gedanken und tranken munter weiter, bis wieder einer aufstand und sprach: »Jo, das it recht god, öäwerst wo sallen w' den Hääkt werrer krigen, wenn de Herzoch nu kümmt?« – Da wurde es wieder still und war Holland erst recht in Not. Aber es geht doch nichts über die Klugheit; denn ein dritter fand bald Rat, indem er den Vorschlag tat, sie sollten dem Hecht, ehe sie ihn wieder ins Wasser schmissen, eine Glocke um den Hals binden; dann könnten sie ihn doch immer unten im Wasser klingeln hören und ihn wieder heraufziehen. Das gefiel den Teterowern überaus gut, und als sie noch eins getrunken hatten, banden sie dem Hecht die Glocke um und schmissen ihn so ins Wasser. Warum sie nun den Hecht nicht gefunden haben, als der Herzog wirklich kam, das weiß ich nicht. Klingeln tut es an dem See noch immer. Kommt dies nun von dem Hecht mit seiner Glocke her oder von einer Glocke, welche die Teterower in ihrer Mütze tragen? Der Teufel und der Salzsieder von Schwäbisch Hall Es ist auch nicht geheuer um einen solchen Salzbrunnen gewesen, daher man viele Jahre mit Reliquien alleweg am Dienstag nach dem Sonntag vocem iucunditatis Sonntag ›Cantate‹, vierter Sonntag nach Ostern um diesen Brunnen gegangen ist. Man erzählt eine Fabel, es soll bei Nacht der böse Feind einem Salzsieder mit einem Kübel mit heißem, siedenden Wasser, als er Salz gesotten, mit einer großen Nase erschienen sein und die Nase durch einen Spalt in das Salzhaus gestoßen und gesagt haben: »Wie gefällt dir diese Nase? Kann das auch eine Nase sein?« Da habe der Sieder den Kübel mit heißem, siedenden Wasser dem Teufel auf seine Nase geschüttet und gesagt: »Kann das nicht ein Guß sein?« Darauf habe der Teufel den Sieder erwischt und über den Fluß, die Kocher, auf den Berg, den Gensbühl genannt, geworfen und gesagt: »Kann das nicht ein Wurf sein?« Der Tod im Bett Ein Schiffer wurde gefragt, wo sein Vater gestorben wäre. Er gab zur Antwort: »Auf dem Wasser.« Wo denn der Großvater und Eltervater? Er antwortete wiederum: »Auch auf dem Wasser.« – »So wundert's mich«, sagte der andere, »daß du so töricht bist und dich auch aufs Wasser begibst.« Der Schiffer fragte ihn wider, wo denn seine Eltern und Großeltern gestorben wären, und bekam zur Antwort: »Alle auf dem Bett.« – »So wundert's mich«, sagte der Schiffer, »daß du so töricht bist und dich auch in das Bett legst.« Der über uns Zu Tübingen sind ein Pfaff und ein Bürger gewesen. Die beiden, von denen keiner vom andern wußte, buhlten um eine sehr schöne Frau eines versoffenen Tagelöhners, die sich wegen ihrer Armut, die sie durch des Mannes Sauferei litt, ihnen zu Willen gab. Eines Abends war der Mann wieder beim Wein und mischte dazu das Kärtlein, darum hatte die Frau den einen ihrer Buhlen zu sich beschieden. Indem sie nun miteinander guter Dinge waren, kommt auch der Pfaffe und begehrt, eingelassen zu werden. Doch dieweil die Priesterschaft den Vorzug zu haben pflegt, und vielleicht auch, weil sich der Geselle, der bei ihr war, vor dem Banne des Pfaffen fürchtete, entsetzte er sich, wich aus den Füßen und versteckte sich oben im Taubenhaus. Herr Enderle, so hieß der Pfaff, glaubte sich ganz allein mit seiner Lieben. Es ward ihm aber nicht lange vergönnt, denn der Mann kam und klopfte an seine Tür, sehr fest, und deshalb, da der Pfaff in der Eile nirgends sonst hinzufliehen wußte, kroch er in den Ofen. Das Weib empfing den Mann, als ob sie gar zornig wäre, mit bösen Worten, daß ihm der Tag zu kurz wäre und müßte dazu auch noch in der tiefen Nacht sitzen und saufen. Der Mann seufzte und sprach, es wäre ihm übel gegangen, und er hätte drei Gulden im Spiel verloren. »Ganz recht, lieber Mann«, sagte das Weib, »hast du nicht genug daran, daß du mich daheim im Hunger und Kummer sitzen läßt und, was du nur bekommst, alles dir durch die Gurgel fließt, sondern du mußt auch, was dir vom Saufen übrigbleibt, so schändlich verspielen. Pfui über dich! Wer wird dir das nun so bald wiedergeben?« Da antwortete ihr der Mann: »Der über uns«, zeigte mit der Hand und meinte Gott im Himmel. Jener, der sich im Taubenhaus verborgen hatte und den Pfaffen in den Ofen hatte springen sehen, sprang heraus und sagte: »Ich nicht allein! Der Pfaff im Ofen, der genauso zu deiner Frau gegangen ist wie ich, der soll es zur Hälfte erlegen.« Das war für alle drei eine gute Entdeckung, und sie kamen überein, erlegten dem Wirt das verlorene Geld, und so kamen sie ohne jeden weiteren Schaden davon. Der umgekrempelte Wolf Hier pfeife keiner, er mag's glauben oder nicht. Unser Schmied ging durch einen Wald, in dem tiefer Schnee lag; da lief ein starker Wolf mit aufgesperrtem Rachen, als ob er ihn verschlingen wollte, grade auf ihn zu. Damit er sich nun der Gefahr entledige, mußte er es wagen, mit der bloßen Hand dem Wolf ungestüm durch den Hals in den Leib zu fahren. Er erwischte den Schwanz, zog ihn nach sich, und also wie ein Schuster die Schuhe, so wandte er den Wolf ganz um. Der Vogt und der Teufel Es war einmal ein Vogt über mehrere Dörfer, ein unbarmherziger und habsüchtiger Mann, der seine Untergebenen mit schweren Steuern belegte. Eines Tages, als er, wieder um eine Steuer einzutreiben, in ein Dorf wanderte, gesellte sich auf dem Wege der Teufel zu ihm, zwar in menschlicher Gestalt, aber er erkannte es sowohl an dem eigenen Schrecken als auch durch das wechselseitige Gespräch, daß es der Teufel war. Er hatte eine ziemliche Furcht, mit ihm zu gehn, konnte ihn aber auf keine Weise, weder durch Gebete noch durch das Kreuzeszeichen, loswerden. Als sie so selbander dahinzogen, begegnete ihnen ein Armer, der ein Schwein an einem Stricke führte. Das Schwein zerrte hierhin und dorthin, bis der Mann im Zorn ausrief: »Der Teufel soll dich holen!« Da sagte der Vogt, der dies gehört hatte, in der Hoffnung, bei dieser Gelegenheit von der Gesellschaft des Teufels befreit zu werden: »Höre, Freund, das Schwein ist dir gegeben worden; geh, nimm es.« Aber der Teufel antwortete: »Er hat es mir keineswegs vom Herzen geschenkt, und deshalb darf ich's nicht nehmen.« Dann kamen sie durch ein Dorf, und dort stand ein Weib vor der Tür eines Hauses; ihr Kind weinte, und sie rief mit ärgerlicher Stimme: »Der Teufel soll dich holen! Was läßt du mich nicht in Ruh mit deinem Weinen?« Und der Vogt sagte: »Sieh, du hast eine Seele gewonnen. Nimm das Kind, es ist ja dein.« Aber der Teufel antwortete: »Sie hat es mir nicht von Herzen gegeben; es ist die Gewohnheit der Menschen, im Zorne also zu reden.« Als sie sich nun dem Orte näherten, der ihr Ziel war, da schrien alle Leute, die den Vogt von ferne sahen und nicht im Zweifel waren über den Zweck seiner Ankunft, wie aus einem Munde: »Der Teufel soll dich holen! Zum Teufel sollst du dich scheren!« Der Teufel, der dies hörte, wandte sein Haupt und sagte kichernd zum Vogte: »Sieh, die geben dich mir aus ihrem innersten Herzen, und darum bist du mein.« Und in demselben Augenblick fuhr er dahin mit ihm, und was er mit ihm getan hat, das weiß man nicht. Die Worte ihrer wechselseitigen Unterhaltung und deren Ende sind durch den Diener des Vogts, der ihn auf der Reise begleitet hatte, bekannt geworden. Der Wahrsager Ein gewisser Mensch in Paris wahrsagte einer Hofdame, welche der elfte Ludwig sehr liebte, sie würde in acht Tagen sterben. Weil nun dieses zum Unglück eintraf, so befahl der König, diesen Wahrsager vor sich zu bringen und auf ein gewisses Zeichen zum Fenster hinauszuwerfen. Als er erschien, so fragte ihn der König: »Höre einmal du, der du so gut andern Leuten ihr Schicksal voraussagen kannst, sage mir doch, wie lange du selbst noch leben wirst?« Es scheint, daß dieser Mensch entweder aus der vorgegangenen Begebenheit oder aus dem Ton, womit der König ihn anredete, sich nichts Gutes prophezeite; er antwortete also mit ziemlicher Dreistigkeit: »Ihro Majestät, soviel ich nach meiner Kunst herausgebracht habe, werde ich nicht eher als drei Tage vor Ihnen sterben.« Hierüber ward der König so betroffen, daß er vergaß, das verabredete Zeichen zu geben. Der Weih zu Börsum Wer den Bauern zu Börsum im Stift Hildesheim vom Weihen Meldung tut, der mache sich lieber aus dem Staube, will er nicht fremde Hände in seinem Haar haben. Und das hat die Ursache: Die Bauern zu Börsum hatten einen Lohn versprochen all denen, die ihnen die Weihen und andere Raubvögel fingen, die ihnen großen Schaden taten. Es kam, daß ein Bauer einen besonders großen Weih fing. Den schickten die Bauern gemeinsam ihrem Bischof gegen Steuerwald als Präsent, vermeinten, es wäre ein Habicht. Wie nun der Bauer mit dem Weih ins Schloß kam, wollte er nur selbst vor den Bischof. Das ließ man zu. Also kam er in den Saal, setzt den Korb nieder und ohne einige Reverenz spricht er: »Gnädiger Herr, die Männer von Börsum schenken Euer Gnaden diesen Habakuck und ik ok!« Der Bischof lachte und jedermann auch. Also ließ der Bischof den Korb auftun und wollte jedermann den Habakuck sehen. Wie man aber nicht gut aufpaßte, entwischte der Weih aus dem Korb, flog etliche Male im Saal umher, zuletzt aber traf er an ein Fenster, das gar schön mit Farben und Gold eingelegt war, und flog mit großem Ungestüm da durch und tat großen Schaden. Der Bischof war übel zufrieden, meinte, es hätten dies die Bauern aus Büberei getan. Es war ihm aber mehr um den Spott als den Schaden zu tun, und er sprach zu dem Bauern: »Segge den Männen tu Börsum, se seilen me twee Skeffel Roggen geven für den Schaden und du ok.« Damit ließ er den tollen Bauern hinlaufen. Es werden die Bauern von Börsum noch immerdar mit diesem Weihen geplagt. Sie haben sich lange wegen der zwei Scheffel Roggen gewehrt, bis sie sie dem Bischof gegeben haben. Der weite Weg zum Paradies Als ein Pennal auf den Tod krank lag und der Priester ihn des Hinzugs erinnerte mit den Worten, er solle sich vorbereiten zum Eingang der Seligkeit, denn heut werde er ins Paradies kommen, sagte der Kranke, es wäre ihm lieb, daß er so bald dahin kommen könnte, denn wenn es ein weiter Weg wäre, könnte er ihn wahrlich nicht gehen, so müd und matt sei er. Der Widerruf Heinrich Hämmerli ward zu seinen Zeiten ein im geistlichen Recht gar gelehrter Mann, Chorherr zu Zürich. Durch einen Unfug beleidigt und dessen unleidig, schmähte er den, der ihn beleidigt hatte, nicht wenig mit bösen Worten. Dessen wurde er mit Recht angeklagt und für schuldig erklärt, so daß der Richter erkannte, daß er die Schmachworte, mit denen er des anderen Ehre verletzt hatte, öffentlich in der Kirche zu Zürich widerrufen sollte. Es begab sich aber, während er diesen Widerruf tat, daß der Mesner derselben Kirche eben vor ihm herging. Der hinkte aber. Sobald Dr. Hämmerli den sah, sprach er, nachdem er seinen Widerruf getan hatte: »Wie wäre es aber so töricht, wenn ich spräche, daß unser Mesner nicht hinkte, da ihr doch alle wisset und sehet, daß er hinkt?« Der Wiener Meerfahrt In der guten Stadt Wien, die voll ist von Rossen, Sagen, Singen und Saitenspiel, geschah einst eine seltsame Märe. Eines Tages saßen mehrere wohlhabende Bürger beim Wein, der war so gut, daß er Trauer in Freude verkehren konnte. Dazu ließen sie viel guter Speisen holen, angemacht mit Gewürzen und Safran, damit der Wein desto süßer schmecke. Sie tranken den ganzen Tag hindurch, bis all ihr Kummer sie verließ. Auf einem Söller war es, wo die Herren saßen und Kurzweile hatten; Speisen wurden vor sie getragen, grünes Gras war unter sie gestreut, und Becher und Glas wurden selten leer. Sie tranken ohne Beschwerde, bis ihnen das Bad warm wurde, aber das kümmerte sie nicht, sie tranken alle das tiefe Glas bis zur Neige aus, weil der Wein so süß war. Davon wurden ihnen die Füße so rund wie Kugeln. Der Wein war so süß, daß mancher zuletzt seinen Nachbarn nicht mehr erkannte. Als der Abend nahte, da brachte man Licht, und das Trinken hub von neuem an; sie ließen immer mehr Wein holen zur großen Freude des Wirtes. Sie wurden alle fromm, weichmütig und freigebig. Der eine gelobte, seinen Freunden Silber und Gold zu geben, der klagte seine Sünden, der stellte Verwandtschaften von Adams Rippe her fest, aber trotzdem waren sie aus der Maßen froh, der eine erzählte von seinem Pilgergang nach Sankt Jakob, der andere unter fortwährendem Trinken von seinen Preußenfahrten, und der Kellerschreiber holte beständig neuen Wein. Schon sanken die Stärksten bei den Bänken nieder, andere zeigten eine nie gesehene Behendigkeit, sprangen auf Tische und Stühle und taumelten umher. – Da sprach ein reicher Bürger: »Wollt ihr mir folgen, so will ich euch den besten Rat geben.« Sie riefen: »Bringt Wein, dann lauschen wir der Märe.« Der Bürger sagte: »Ich rate euch, was mir gut dünkt: wir wollen an Gott den Sinn kehren und unsrem Schöpfer löblich dienen, denn wir sind reich und vermögen es wohl, und Gott wird uns dafür lohnen. Wir wollen übers Meer fahren ins Heilige Land und weder Leben noch Gut schonen.« »Ich habe den gleichen Sinn«, rief sein Nachbar, und drei zusammen schrien: »Der Ablaß ist der beste, den man jenseits des Meeres holt.« Und alsbald gelobten alle die Kumpane: »Wir wollen um Gottes willen mit einer reisigen Schar von dannen ziehen.« Zu dieser Fahrt verhalf das Überfluten des Weines; sie rückten besser zusammen und berieten sich, was sie alles mitnehmen sollten. Da ward viel Speise und guter Wein in das Schiff geschafft (mit Worten eher als mit Werken), auch Gold und Silber wurde nicht vergessen, denn davon hatten sie genug. Der Schreiber aber trug immerfort neuen Wein hinzu, goß stets frische Trünke ein und kreidete die Zeche an. Auch der Wirt selber erschien unter der Schar der Pilgrime und ließ Ingwer, Muskat und Zibeben holen. Da tranken sie Würzwein, der die Alten jung und die Jungen alt macht. Sie aber traten ihre Fahrt eilends an, denn das Meer war noch weit. Sie sangen und brüllten, daß der Söller von dem Lärm zitterte, und unter fortwährendem Trinken glaubten sie, die Straße zum Meere hin zu ziehen. Darauf ließen sie das Schiff verpichen, daß ihm das Wasser nichts schadete, das Segel wurde aufgerichtet und die Reise nach der Stadt, wo Gott als Mensch wandelte, angetreten. Töricht vom Wein, wie die Kinder sangen und redeten sie nur von dem Gottesweg. Als es Mitternacht geworden war, hatte der Wein so gewirkt, daß sie glaubten, sie segelten auf dem Meer. Sie ließen all ihre Trauer fahren und sangen auf dem Söller laut und schön ihren Leich: »In Gottes Namen fahren wir ...« Der eine sprach: »Freund, ich empfehle dir Weib und Kind auf Leib und Seele, daß du ihrer in Treue pflegst, wie ein Freund nach Rechten soll.« Da waren alle gerührt und fuhren hochgemut von hinnen. Sie baten, daß Gott ihnen guten Wind sende, indes kannte keiner den andern mehr, und sie schafften unaufhörlich dem Schreiber neuen Wein an, und wenn der Wein vor ihnen stand, so hatten sie genug guten Wind. Der eine lag und schlief, der andere machte Lärm und Schall, der dritte strauchelte und fiel, der vierte aber sprach: »Wie das Schiff schwankt!« »Ein Sturmwetter kommt über uns!« rief der fünfte, und der sechste bekreuzte sich voll Sorge vor dem Unwetter. Sie glaubten, das Meer mache sie so wanken, es war aber nichts anderes als der süße Wein. Einer sprach in großem Jammer: »Mir tut das Haupt so weh! Aber es geschehe Gottes Wille, ein Sturmwetter kommt über uns, das wird uns alle vernichten.« Da erhob sich große Klage, der eine beweinte sein Weib und seine Kinder, der andere seine Seele, der seinen Reichtum. Sie schwuren und gelobten, sie wollten gern ihre Sünden büßen. »Ach, wären wir nie gefahren«, rief einer, »zu sehr jagen der Wind und die Wogen das Schiff! Mich reuen meine Sünden!« Da der Söller verdeckt war, konnten sie die Sterne nicht sehen und merkten nicht, daß es gegen Morgen ging. Sie fuhren mit Sorgen und Klagen und waren dennoch, weiß Gott, nicht halbwegs bis Brindisi. Als sie rings kein Land ersahen, riefen sie: »Hilf, Herre, deiner Christenheit! Gibst du nicht Lehre und Rat, so müssen wir alle verderben.« Ein reicher Bürger lag dort, der war unter die Bank gefallen. Ein anderer ersah ihn und sprach: »Gefährten, nun seid guten Mutes und danket Gott, daß er uns geholfen hat! Hier liegt ein toter Pilger, der war schuld, daß das Meer also getobt hat. Folgt mir, ihr Herren, nehmt den toten Mann und werft ihn über Bord ins Meer, so läßt es sein Toben.« »Gott erbarme sich seiner Seele!« riefen sie insgemein und wurden wieder froh. Sie erhoben sich rasch, soweit sie noch gehen konnten, nahmen ihren Nachbarn und trugen ihn zu einem hohen Fenster. Umsonst rief der: »Laßt mich in Frieden, ihr seht doch, daß ich wach bin und gesund wie ihr.« Sie sprachen: »Nein, meiner Treu, ihr seid hier tot gelegen und könnt nicht mehr gerettet werden.« Trotz seines Schreiens und Bittens schleppten sie ihn fort und warfen ihn aus dem Fenster hinab mitten auf die Straße, so daß er von dem Fall einen Arm und ein Bein brach. Dann gingen sie vergnügt wieder auf ihre Plätze und tranken von neuem. Der Söller war vom Weine naß, aber das Meer schadete ihnen nicht mehr, und sie sprachen insgemein: »Uns ist großes Heil widerfahren, daß wir den Mann gefunden haben, der unser Schicksal verschuldete. Wäre er im Schiff geblieben, so wären wir nimmer gerettet worden. Gott hat unser Gebet erhört, denn schon ging uns das Wasser bis an den Bord.« Darauf sangen sie Gott ein Loblied, während der Verwundete unten schrie: »Was habe ich euch getan? Ihr habt mir Arm und Bein gebrochen!« Aber die Heergesellen waren guter Dinge und sangen so laut, daß sie seine Rufe nicht hörten. – Inzwischen tagte es, und einer sprach zu dem andern: »Wohl uns, daß wir gen Akko fuhren! Gott wird uns um so besser Seele, Gut und Leben bewahren. Er schütze uns Weib und Kind, bis wir wieder heimkehren!« Ach, die dummen Wiener wußten nicht, daß sie in Wien waren, wo sie von Kindheit an gelebt hatten. Bald wurde es heller Tag, da lagen sie wie die Garben auf dem Felde. Der Verwundete hatte sein Schreien aufgehört, denn er war eingeschlafen; sein bester Ablaß war, daß er sich dieses Falles stets erinnern würde. Als die Sonne schon hoch am Himmel stand, kamen die Nachbarn und Freunde und sahen den Schaden. Ein jeder führte seinen trunknen Freund zu Bette, und der Wunde wurde fortgetragen. Es währte wohl bis zum dritten Tage, bis sie alle völlig ihren Rausch ausgeschlafen hatten, dann erhob sich der Nibelunge Not, denn der Verwundete verklagte sie, und sie waren froh, als er sich mit zweihundert Pfund Silbers zufriedengab. Um das Geld hätten sie wirklich übers Meer fahren können. Der Wolf und der Fuchs Bei einem Dorfe lag ein Brunnen, welcher allen Leuten dienlich war. Ein großer Wald war in der Nähe, aber darin floß wenig Wasser, denn er lag zu hoch; so hatte man denn füglich einen Brunnen gegraben, und der bot Wasser genug dar. Zwei Eimer hingen daran, womit man das Wasser herausschöpfen konnte: der eine ging hinauf, der andere nieder. Eines schönen Morgens in der Frühe, da erst der Morgenstern aufging, kam der Fuchs zu dem Brunnen. Der eine Eimer war oben; der Fuchs sprang hinein und trank mit Behagen, aber plötzlich begann der Eimer ganz gegen seinen Willen mit ihm zu sinken, während der andere seiner Gewohnheit nach nach oben stieg. Als der Fuchs merkte, daß er da unten in der Tiefe saß, sprach er: »Nun hat mein letztes Stündlein geschlagen! Hätte ich doch lieber Durst gelitten! Mein Balg ist gut, das muß ich jetzt entgelten, und die Weiber begehren meine Hosen, um sich Besätze davon zu machen. Auch wegen andrer Sachen habe ich Fehde genug, denn ich beging viele Diebstähle.« Während der Fuchs diese Klage ausstieß, geschah es, daß der Wolf arg gejagt wurde. Vom Durste getrieben, kam er zum Brunnen, und der Fuchs entbot ihm seinen Gruß: »Seid willkommen, Herr Wolf! Seht mich an! Es ist Euer Frommen und mir eine Hilfe und Ehre, wenn Ihr mich aus der Not erlöst, die mich nun gefangen hält. Ein Widder kam hier herein, der mir den Brunnen trübe macht; dieserhalb benötige ich wohl Hilfe.« – »Sage mir«, versetzte der Wolf, »wie kam er da hinein?« – »Vor vielen Jahren«, sprach der Fuchs, »grub ich eine Höhle zu diesem Brunnen; das wußte der Nichtsnutz wohl, daß ich hier zu trinken pflege. Manchen Tag ging er hierher, ohne daß ich es merkte. Er ist so fett, daß man einen vollen Bach mit ihm ganz zustopfen kann, darum mag er wohl deinen Magen füllen, wenn du nach meinem Rate handeln willst.« Der Wolf sagte: »Wie gerne täte ich das! Wüßte ich nur, wo der Weg hineingeht, und daß er mir nicht zu enge wäre.« – »Setz dich auf den Eimer«, sprach der Fuchs, »und fahre hinab! Ich bringe dich schon wieder herauf, wenn du wieder in den Wald und zu deiner Wohnstätte willst.« Der Wolf sprang in den Eimer, und dieser sank zum Grunde des Brunnens. Er war schwerer an Gewicht als der Fuchs, und das war dem Fuchs sehr lieb, denn seine Waagschale schnellte mit Leichtigkeit nach oben und trug ihn zu Tage. Als der Fuchs dem Wolfe auf der Fahrt begegnete und Urlaub von ihm nahm, da sprach der Wolf: »Wo wollt Ihr hin? Ich sähe gern, daß Ihr mir Gesellschaft leistetet!« – »Die Not drängt mich«, antwortete der Fuchs, »daß ich Euch im Stich lasse, es ist mir hier unten zu dunkel, und ich brauche frische Luft. So geht es auf der Welt: der eine kommt in die Höhe, der andere herunter. Wenn ich nicht wiederkommen sollte, so seht nur zu, daß Ihr beizeiten wieder von hinnen kommt; daran werdet Ihr meiner Meinung nach gut tun, denn Ihr habt viel Feinde.« – »Das sind böse Mären«, sprach der Wolf. »Ich bin betrogen mit dieser Brunnenwaagschale. Da sieht man wieder, wozu das leichte Körpergewicht nütze ist. Gebt mir doch einen Rat, Herr Fuchs, wie ich wieder in die Höhe gewogen werden kann!« – »Könnte ich Euch dazu raten«, erwiderte der Fuchs, »so täte ich es gern. Aber hier werden die Sünden gewogen. Wer die meisten begangen hat, mit dem senkt sich die Waage nach unten.« Der Wolf sprach: »Hätte ich das gewußt, nie im Leben wäre ich da hineingegangen. Meine Sünden sind schwerer als die deinen, darum muß ich die Pein erdulden.« – »Wisse, daß du viel mehr Rinder gefressen hast«, entgegnete der Fuchs, »als ich Hühner. Wenn nun Leute kommen und dich fangen und schlagen, so sollst du das geduldig hinnehmen als heilsame Buße für deine Sünden.« Der Fuchs lief hocherfreut wieder in den Wald zu seinem Bau. Der Wolf aber erhielt seine Buße, so daß er kein Schaf mehr fing. – So ist das Leben: der eine fällt, der andre steigt, der eine erwirbt Armut, der andre Gut. Das ist die Unstetigkeit der Welt. Der wunderlich verwahrte Die Eine Dorfschaft war von ihrem Fürsten mit den Obergerichten begnadigt worden, weil ihrer etliche darum heftig angehalten, nicht wissend, daß dergleichen Regalien beschwerlich und kostbar sind. Als sich's nun einst zutrug, daß ein Schafknecht derselben Gemeinde zwei Pferde diebischerweise wegritt und noch in ihrer Hoheit ertappt wurde, brachten sie ihn wieder ins Dorf, wußten aber nicht, wo sie ihn hintun sollten; denn sie hatten kein Gefängnis, desgleichen kein Geld, nach Urteil und Recht zu schicken; so hatten sie auch, welches das Schlimmste, keinen Galgen. Was die Rechtsfragen belangt, wurden sie auf einmal schlüssig, sich nicht lange zu befragen. Denn sie meinten, es wäre einmal gewiß, daß man Diebe henke; und weil nun der Schafknecht mitsamt den Pferden ergriffen, so brauche es keines Beweises. Waren derart die ersten Punkte schon getan. Zu dem Gefängnis ward auch Rat gefunden, denn sie banden den Pferdedieb um den Leib an mit einem Strohseil, und zwar auf dem Heuboden an eine Latte, woselbst sie ihn fest genug verwahrt zu haben vermeinten. Zu desto besserer Versicherung setzten sie eine Magd mit dem Spinnrocken wie auch einen Jungen von neun Jahren draußen vor die Tür, welche sie gar nicht verschlossen, die ihn bewachen mußten. Diese Wächter hatten kaum eine Stunde gesessen, so ging es ihnen wie den Jüngern am Ölberg. Und da hatte der Dieb gar gute Zeit davonzukommen, machte sich also aus dem Strohseil los und ging über alle Berge. Des Morgens fragte keiner von der Gemeinde, was der Dieb mache, sondern weil sie meinten, er wäre gar wohl verwahrt, deliberierten sie nur, wie sie zum Galgen gelangen wollten. Etliche schlugen vor, man solle ihm die Füße in die Höhe binden und am Halseisen erwürgen lassen. Andere sagten, man solle einen starken Nagel in den Grenzpfahl schlagen und ihn daran henken. Wiederum andere brachten vor, man solle keine Kosten darauf wenden, sondern den Dieb zum Giebel heraus an einem Hause herunterbaumeln lassen. Da nun keiner von diesen Vorschlägen sich praktizieren lassen wollte, ward endlich der Schluß ergriffen, eine junge Eiche, welche fast wie ein Kniegalgen gewachsen, oben abzuhauen und ihr die Form eines Galgens zu geben. Solches geschah, und es sollte nunmehr der Dieb den letzten Gang tun. Allein wie sie zum Gefängnis kamen, war der Vogel entflohen, und sie sahen mit großem Leidwesen ins leere Nest. Der zierliche Bart Ein alter Schulfuchs hatte neben seinem jungen Weib auch einen schönen, breiten Bart, mit welchem er wie ein Pfau mit seinem Schwanz prangte. Einer verglich ihn deswegen mit den alten Patriarchen. »Ja«, sagte Simplicissimus, »wenn Ihr erst auch seine Hauptzier sehen könntet, so würdet Ihr ihn gar dem Moses vergleichen.« Die Bauern von Gaienhofen Es sind nicht allein die Bauern zu Wittershausen wegen ihrer Schwänke und Händel so berühmt gewesen, sondern die Bauern zu Gaienhofen haben sich auch dergleichen Gauklerei beflissen. Von denen sagt man, daß sie auf eine Zeit einen Mühlstein zu Zell am Untersee kauften, den wollten sie heimführen, und sie hatten vor, ihn über den See in einem Schiff, jedoch an einem Strick, zu führen. Wie sie das nun versuchten, da ist der Mühlstein so schwer gewesen, daß er das Schiff umgezogen hat und sie beinahe alle ertrunken wären. Danach haben sie einen großen Kirschbaum auf der Allmend voller Kirschen gehabt. Damit aber keinem von ihnen mehr Kirschen als dem andern wurden, haben sie einhelliglich beschlossen, daß alle, jung oder alt, Weib und Mann, jedermann aus dem Dorf selbst auf den Kirschbaum klettere, um die Kirschen abzubrechen. Dadurch haben sie den Baum so beschwert, daß die meisten Äste abbrachen, und wer darauf gesessen oder gestanden, ist heruntergefallen, und es ist ein wildes Gepurzel gewesen. Die Bauern von Wittershausen Das Dorf Wittershausen ist vor dem Schwarzwald am Mühlbach oberhalb Veringen unfern von Oberndorf gelegen, darin vor Jahren sehr gescheite, listige Bauern gesessen haben, die einen solchen Ruf ihrer Klugheit halber hatten, daß viele Leute dazumal sie um Rat gebeten haben. Daneben haben sie vieler lustiger Abenteuerreden und Händel sich beflissen, dadurch sie einen noch größeren Zulauf bekamen. Als sie einstmals erfuhren, daß Herr Johann von Zimmern in der Nähe ihres Dorfes vorbeireiten werde, und da sie wohl wußten, daß er ein seltsamer, abenteuerlicher Herr gewesen, sind ihrer viele vor das Dorf hinaus an die Straße gegangen, setzten sich dort in einem Kreis nieder, verwickelten und verschränkten ihre Füße ineinander, und als Herr Johann vorbeiritt, begannen sie ein seltsames Hadern und wilde Gebärden. Herr Johann, als er solches sah, hat er stillgehalten und den abenteuerlichen Gebärden zugesehen und sie zuletzt befragt, was sie denn wollten. Sie antworteten, sie hätten ihre Füße untereinander verloren und versuchten jetzt, daß ein jeder seine Füße wiederbekäme. Als er darüber wohl lachte, haben sie ihn gebeten, er wolle in dieser Sache entscheiden und handeln, damit ihrer jeder seine Füße wiederbekäme, dafür wollten sie ihm eine jährliche Gülte, nämlich alle Jahr einen Sack mit Korn geben. Herr Johann, sobald er dieses lächerliche Abenteuer merkte, stieg schnell vom Pferd ab, erwischte einen Stecken und schlug den Bauern auf die Beine. Sobald die Bauern die Streiche merkten, hat ein jeder seine Schienbeine an sich gezogen und ist schnell aufgestanden. Darauf haben sie Herrn Johann sehr gedankt, daß er ihnen geholfen habe, und schenkten ihm dagegen die vorgenannte Korngülte, nämlich einen Sack mit Korn. Sie haben aber den Sack für einen halben Maltersack verstanden und gemeint, daß er einen halben Maltersack nähme. Herr Johann nahm dieses Geschenk der Bauern mit Dank an und legte es in einem Vertrag nieder und bestimmte ihnen eine Zeit, zu welcher er diese Gülte einnehmen und empfangen wollte. Es wurde verabredet, daß er die Gülte holen solle. Inzwischen ließ er sich einen großen, langen Sack machen, den, wenn er voll Frucht war, kaum ein Wagen fahren konnte. Als nun der Tag kam, hat er diese Gülte durch seinen Vogt einnehmen lassen, und wie die Bauern den großen, langen Sack sahen und anfingen, ihn zu füllen, der doch etliche Malter faßte, sind sie nicht wenig erschrocken, vor allem wenn sie daran dachten, daß diese Gülte für ewig währen sollte. Und sie hätten es gerne abgelehnt und Einrede getan, aber der Brief über die Korngülte wies nicht auf einen halben Sack Malter, sondern auf einen Sack, wie Herr Johann oder seine Erben jederzeit ihn schicken würden. Damit sie nun nicht noch mehr Unkosten wegen der obengenannten Verschreibung bekämen, füllten sie den Sack mit Korn und fertigten den Vogt wiederum ab. Nun hat aber die Bauern diese Korngülte nicht wenig geschmerzt, und sie dachten daher emsig nach, wie sie ihres Schadens wiederum ledig werden möchten. Über etliche Zeit haben sie einen Ausschuß unter sich gebildet, denselben zu dem Herrn Johann geschickt und bitten lassen, da in ihrem Dorf ein Haus gebaut werden sollte, daß sie dazu etliche Bäume benötigten, und es sei ihre untertänige Bitte, er wolle vergönnen, daß sie in seinen Wäldern, denn er hat dazumal nicht wenig in der Herrschaft an Wald gehabt, einen Baum oder etliche fällen und sie dann in ihr Dorf führen dürften. Herr Johann hat ihnen solches gütlich bewilligt, zumal er nicht genau wußte, warum dies geschehe. Darauf sind die Bauern mit großem Dank von ihm geschieden, und sie zogen in den nächsten seiner Wälder, der nahe ihrem Dorf gelegen, und fällten einen Baum, der zuallerhinterst im Wald stand. Sie schickten darauf abermals zu Herrn Johann und ließen ihm anzeigen, daß er ihnen einen Baum zu hauen vergönnte und daß sie auch nicht mehr, als sie für den Bau benötigten, gefällt hätten, aber er sei so groß und ungefüge, und sie könnten denselben nicht ganz heimführen. Deshalb sei abermals ihre Bitte, er wolle ihnen erlauben, dem Baum Raum und Platz durch den Wald zu machen, damit sie denselben unverletzt heimbringen könnten, und daß er ihnen das Holz, das sie des Baumes wegen unterwegs fällten, mit heimzunehmen erlaubte. Herr Johann dachte nicht, daß ein Betrug dahinter verborgen sei, dieweil sich die Bauern so einfältig zeigten, er erlaubte ihnen für den Baum, wie sie begehrten, Platz zu machen. Sobald die Bauern diesen Bescheid bekommen hatten, fuhren sie wieder in den Wald, luden den Baum nicht der Länge nach auf den Wagen, wie man pflegt, sondern sie führten ihn mit zwei Wagen nebeneinander quer. Dieweil aber der Baum groß und lang und die meisten seiner Äste weit reichten, fällten sie durch den ganzen Wald, von ganz hinten an zu rechnen, alle Bäume, Hecken und Stauden, was der Baum erreichen mochte. Dasselbig alles holten sie mit allen ihren Wagen und führten es heim. Als sie aber hernach den Schaden, den sie Herrn Johann in seinen Wäldern angetan, überlegten und bedachten, daß er vielleicht solches nicht für gut halten möchte, sondern etwas, was ihnen ganz ungelegen sein würde, gegen sie in der nächsten Zeit unternehmen möchte, obwohl er nichts dergleichen tat, wenn ihm auch die Schalkheit der Bauern mißfiel, und um auch daneben die Korngülte im Sack abzustellen, haben sie ihm und allen seinen Erben und Nachkommen den Kirchenschatz in ihrem Dorf Wittershausen, der dazumal ihr eigen war, zur Wiedervergeltung des erlittenen Schadens in Hölzern zugesagt, geschenkt und übergeben, welcher noch dieser Zeit der Herrschaft Zimmern zusteht. Die betrogene Äbtissin Eine Äbtissin hatte in einem Kloster vierundzwanzig Nonnen, die wohnten in ihren Zellen im Kloster im Geviert; auf jeder Seite von den vieren waren ihrer neun, und die Äbtissin mitteninnen, auf diese Art: ???Tabelle 3 3 3 3 1 3 3 3 3 Also ging die Äbtissin alle Tage im Kloster herum und visitierte jedes Viertel des Klosters, um zu sehen, ob sie ihre Nonnen richtig darin finde. Einmal kamen vier Studenten vor dieses Kloster und baten um einen Zehrpfennig, und da sie vernahmen, daß es ein Nonnenkloster wäre, trugen sie Verlangen, hineinzukommen, und war ihrer aller Begehren und Wille, daß sie eine Zeitlang in diesem Kloster bei den Nonnen verbleiben möchten. Damit aber die Äbtissin, wenn sie visitieren gehen sollte, in jedem Viertel des Klosters nicht mehr als ihrer neun, wie vorhin jederzeit gewesen, finden möchte, haben die Studenten die Nonnen künstlich eingeteilt, damit diese Sache vor der Äbtissin verborgen bliebe. Daher logierten sie jedesmal in die mittelste Zelle ihrer fünf und in jede Eckzelle ihrer zwei, so waren auf allen Seiten wieder so viel wie vorher, nur neun, und steckten doch heimlich die vier Studenten unter den Nonnen im Kloster, daß die Äbtissin nichts davon wußte, und zwar auf solche Weise: ??? 2 5 2 5 1 5 2 5 2 Da diese nun eine geraume Zeit im Kloster beieinander gewohnt hatten und die Studenten sahen, daß sie, außer daß sie der Nonnen Gesellschaft genossen, wenig Pläsier und Ergötzlichkeit im Kloster hätten, wollten sie lieber aus dem Kloster wieder heraus in die freie Welt und ein jeder eine Nonne für sich dazu mitnehmen. Damit aber die Äbtissin ihre geneunte Zahl, gleichwohl einen Weg wie den andern, in jedem Viertel des Klosters für voll befinden möchte, wenngleich vier Nonnen davon mit herauskämen, und also nicht merken könnte, wie sie vexiert wäre: so stellten sie in jede Eckzelle vier Nonnen und in jede mittlere Zelle nur eine, nämlich also: ??? 4 1 4 1 1 1 4 1 4 Solchergestalt waren die vier Studenten nicht allein, sondern auch noch dazu vier Nonnen aus dem Kloster hinweg, und die Äbtissin fand doch ein wie das andere Mal auf jedem Viertel des Klosters ihrer neun und konnte nichts von dieser Fallacia Betrug. merken. Und wenn sie fragte, warum denn bald drei, bald vier, bald fünf in dieser oder jener Zelle sich befänden, gaben ihr die Nonnen zur Antwort, sie gingen bisweilen aus jedem Viertel aus einer Zelle in die andere zusammen und beteten miteinander. Also konnte die Äbtissin auf solche Weise auch nichts weiter aus der Sache machen, sondern mußte damit zufrieden sein, wenn sie nur jederzeit auf jedem Viertel ihre neun Nonnen fand. Wurde also die gute Äbtissin durch der Studenten und der Nonnen Listigkeit stattlich vexiert und bekamen die vier Studenten ein gutes Viaticum Wegzehrung aus diesem Nonnenkloster. Die blinde Sau Auf eine Zeit, sagte der Lügenschmied in Cannstatt, sei er allein in den Wald um Wildbret zu schießen gegangen, da begegnete ihm ein Wildschwein, das wegen seines Alters blind geworden sei und eines anderen jungen Schweines Schwanz, welches vor ihm herging und es führte, in dem Maul hielt. Als er dies gesehen habe, habe er seine Armbrust gespannt und dem jungen Schwein den Schwanz am Leib, der in des alten Schweins Maul blieb, abgeschossen, dann habe er das alte wohl mehr als fünf Meilen bis gen Stuttgart auf den Markt geführt und verkauft. Die blinde Suppe Es wird erzählt von einem sehr verschlagenen Diener, dessen Frau nach der meisten Weiber Art auch sehr geizig war, daß solcher einmal einen Spagen um die Suppenschüssel gebunden und solche langsam durch die Stube gezogen hat zur Küche hin. Als die Frau dessen Ursache befragt, gab er zur Antwort, er habe sein Lebtag gehört, daß man die Blinden führen müsse. Denn es wäre die Suppe so schlecht geschmalzen, daß man nicht ein Auge durch dreifache Brillen darauf habe sehen können. Die Blumenweise Ich bringe ein lügenhaftes Lied und vertraue es den Knaben an. Durch diese Lügenweise können sie bei den Hörern lauten Beifall davontragen. Edel und schön war die Tochter eines gewissen Königs, die er unter folgender Bedingung den Freiern zum Pfande setzte: »Wenn einer des Lügens kundig so lange fortzulügen versteht, bis des Herrschers Mund ihn Lügner nennt, so soll er die Tochter heimführen.« Als ein Schwabe dies hört, beginnt er unverzüglich: ›raptis armis ego dum venatum solus irem, lepusculus inter feras telo tactus occumbebat. mox effusis intestinis capud avulsum cum cute caedo. Cumque caesum manu levaretur capud, aure laeva effunduntur mellis modii centeni; sotiaque auris tacta totidem pisarum fudit. quibus intra pellem strictis, lepus ipse dum secatur, crepidine summae caudae cartam regiam latentem cepi. Quae servum te firmat esse meum.‹ ›Mentitur‹ rex clamat ›carta et tu.‹ Sic rege deluso Suuevus arte regius est gener factus. »Als ich mit geraubten Waffen allein auf die Jagd ging, starb unter dem Wild ein Häslein, vom Geschoß getroffen. Alsbald, nachdem ich es ausgeweidet, trenne ich das Haupt mitsamt der Haut ab. Als ich das abgeschnittene Haupt mit der Hand emporhob, da flossen aus dem linken Ohr hundert Schaff Honig, ebenso viele Goldstücke ergossen sich aus dem andern. Ich wickelte sie in das Fell ein und schnitt nun den Hasen selbst auf. Da fand ich im oberen Schwanzende ein königliches Schreiben verborgen. Es versichert, daß du mein Sklave bist.« Da ruft der König: »Das lügt der Brief und du!« So narrte der Schwabe den König und wurde durch List sein Eidam. Die Brunnenmesser Man sagt, daß die Bauern von Gaienhofen einstmals ihren Dorfbrunnen haben ausmessen wollen, wie tief er sei, und es haben sich ihrer etlicher aneinandergehängt und sind hinabgestiegen. Da hat der unterste dem obersten zugeschrien, woraufhin dieser beide Hände aufgetan habe, und da seien sie alle miteinander hinabgefallen, wohl in Teufels Namen, ob es aber ohne Schaden zugegangen ist, weiß man nicht. Die Bürgermeisterwahl Im Land von Westen liegt eine Stadt, da pflegt man wunderlich einen Bürgermeister zu wählen: Erstlich müssen die Herren des Rats, die alle große Bärte zeigen, wie die Schweizer im Brauch haben, ihre breiten Bärte mit dem Kinn vorn auf den Tisch, worum sie sitzen, legen, und zwar auseinandergeteilt. Hernach bringt der Herren Diener eine wohlgemästete, gravitätische Laus, die er in des Syndici Kosak in des Ratsherrn Mütze jagen und fangen muß und mitten auf die Tafel setzen. In welches Herrn Bart sie dann ihren Marsch nimmt, derselbige muß pro tempore Meister über die Bürger sein und jedem Abgesandten Audienz geben. Die demütige Seele Mir wurde erzählt, daß Simplicissimus auf eine Zeit mit etlichen Stutzern spazierengegangen, da sei ihnen ein garstiges altes Weib begegnet. Auf dieselbe hätte Simplicissimus mit dem Stab gezeigt und gesagt: »Seht um Gottes willen, was dies Weib für eine edle, demütige Seele haben muß, daß sie sich so lang in einer solchen schlimmen Herberg geduldet!« Die Diebswette Ein Dieb sah in dem Hause eines reichen Mannes einen silbernen Becher, der am Fuße etwas beschädigt war. Er kaufte einen hübschen Fisch und ging, während der Herr abwesend war, zu der Frau und sagte: »Euer Herr schickt Euch diesen Fisch, damit Ihr ihn trefflich bereiten lasset, weil er Gäste haben wird; und Ihr sollt ihm den Becher schicken, damit er den Fuß ausbessern lassen kann, weil die Gäste daraus trinken sollen.« Die Sache glückte. Als dann der Dieb seinem Gesellen davon erzählt hatte, sagte er: »Ich werde den Fisch wieder holen.« Da er die Dame samt dem Gesinde in Tränen traf, machte er ein fröhliches Gesicht und sagte: »Seid guten Muts, Euer Herr hat den Dieb schon, und über ihn ist der Spruch gefällt worden, daß er mit dem Fische in der Hand hingerichtet werde; drum gebt rasch den Fisch her.« Auf diese Weise entrann er mit dem Fische und behielt den Becher. Die ehrbare Ehefrau Es war ein Mann, dem wurde gesagt, daß seine Frau buhlte. Er wollte es nicht glauben und wollte es selber erfahren und seine Frau beobachten. Eines Tages gab er vor, er wolle am Morgen mit dem Schiff hinwegfahren und würde in drei Tagen wieder zurückkommen. Und an diesem Tag, da lud die Frau ihren Buhlen ein, und sie lagen beieinander. Und da es Nacht wurde, da berief sie abermals einen. Und in der Nacht, da kam der Ehemann und klopfte an das Haus sehr laut an. Die Frau fragte, wer da wäre. Er antwortete: »Dein Mann ist da. Hörst du nicht, daß ich es bin?« Sie sprach: »Mein Mann ist heute mit dem Schiff hinweggefahren. Du bist ein Bube und willst mich betrügen und mich fromme Frau schänden. Es kommt kein Mann in mein Haus, bis mein Ehemann wieder zurückkommt.« Also mußte der Ehemann vor dem Haus bleiben, und es war der Buhle darin. Da wußte der Ehemann jetzt, wie fromm seine Ehefrau war. Die Erfrischung De alt Herzog von Nassau hot emol e Rundraas gemacht dorch sei' Ländche, un do is er aach nooch Nummere uff em Westerwald komme. Eh er awwer dohi' kom, hot er en Feierreiter vierausgeschickt: der sollt dem Borjemaaster aa'melde, de Herzog wolld e Erfrischung. »Erfrischung? Was is des?« hot de Borjemaaster, un so hot de ganze Gemaanderot gefreht. Se hon also gleich e Sitzung ei'gerufe un hon iwwerlegt, was des haaßt: Erfrischung. Kaa' Deiwel wüßt, was des Wort bedeit. Uff aamol hot aan Gemeinderot, su en klaaner piffiger, gesaat: »Wißter, was der will? – Der will e Bad nemme!« Die ganz Versammlung hot Bravo! gekrische, un se hun sofort des ganz Ort abgesucht un hon ausgeschellt nooch ere Badbitt. Awwer im ganze Heft war kaa' Badbitt ze kriehe. Jetz was mache? De Borjemaaster hot e nei' Sitzung ei'berufe, um ze beroore, was do jetz ze mache war. Endlich hot sich de Worschthannes des Wort gewwe losse un hot gesaat: »Meine Herrn, wann mer kaa' Badbitt hun, dann nemme mer die Feierspritz!« Zum zwaatemol hawwe die Bauern Bravo! gekrische. De Borjemaaster hot also die Feierspritz fille losse, hot se vorne an de Schossee uff stelle losse un saat: »Jetz baßt uff, wie ich kummandeern!« De Schullehrer hot die Kinn Uff Stellung nemme losse, un es ganz Ort war versammelt. Uff aa'mol kreischt alles Hoch! Un als de Landesherr kimmt, rieft de Borjemaaster: »Achtung! los!« Un fladautsch gehts: schtsch, schtsch, schtsch! De Herzog erschreckt, des Wägelche werd sofort erumgedreht, un wie's Gewirrer kummandiert de Borjemaaster: »Allee! los! E hot von vorne genung! Jetz von hinne!« schtsch, schtsch, schtsch! Die Eselsbeichte Es geschah in einer Palmwoche, da kamen drei Kumpane durch das Land gestrichen: ein Fuchs, ein Wolf und ein Esel. Die drei hatten vereinbart, daß jeder seine Beichte ablege, so aufrichtig er könne. Der Wolf begann da in großer Zerknirschung als erster zu beichten und sprach: »Ich bin ein großer Räuber, ein Landschaden, der niemandem zuliebe lebt. An Gier ist mir keiner gleich, ich verschone nicht Ochs noch Roß, darum wäre ich des Galgens wohl wert. Schafe, Rinder und Ziegen habe ich mehr gefressen, als irgendein Hirte wissen mag. Ach, Esel, lieber Freund, ich habe auch Sünde an Euch getan! Einmal biß ich Euren Bruder, ich fraß Euren Vater und fast Euer ganzes Geschlecht. Das sollt Ihr mir vergeben, denn ich werde es nicht mehr tun, wenn mir Gott das Leben gönnt. Eine Sau sah ich einst allein gehen, die hatte zehn Ferkel, ach, sie wären alle vor Frost und Hunger gestorben, niemand hätte sie retten können, darum schlang ich sie hinein wie Erdbeeren. Nun, lieber Fuchs, für diese Sünden und andere, die mir eben nicht einfielen, sollst du mir eine heilsame Buße auflegen.« Er fiel ihm zu Füßen, der Fuchs aber hob ihn auf und sprach: »Gemach, Bruder! Wer mag auf Erden ohne Sünden leben, und wer ist so verworfen, daß er den armen Kleinen den Hungertod gönnte! Auch ist es kein Diebstahl, wenn du deinen Jungen ein Schwein bringst, denn die fressen ja das Korn und schädigen den Bauern. Und die Ziegen benagen die Sprossen, mit denen sich mancher Mensch genährt hätte; kannst du so großem Schaden steuern, so ist das ein gutes Werk; sollte das Land deiner entbehren, wer möchte dann das Korn schützen? Ist das Raub, wenn du das gemeinsame Land verteidigst? Und dennoch eilen sie dir mit Keulen und Stangen nach, sooft du dich blicken lassest. Es ist nicht deine Schuld, daß du so friedlos umherziehst, und hättest du Schuld, deine Reue würde sie tilgen. Aber das soll deine Buße sein, daß dich die Bauern hassen.« – »Das will ich annehmen«, sprach der Wolf, »und das beste im Sinne haben.« Hiermit schwieg er still und ging wieder sitzen. – Darauf fiel der Fuchs nieder und sprach: »Vater und Herr, ich habe gesündigt, daß alle Leute mich zeihen, daß ich ein Schalk sei. Das ist zum Teil wahr, ich habe manches Jahr der Schalkheit gepflogen, ich kenne Listen genug und bin untreu in allen Dingen. Einst lag ich, als ob ich tot wäre, die Zunge hing mir aus dem Halse, da flogen viele Krähen zu mir und gedachten sich an mir zu sättigen. Aber es geschah umgekehrt: ich fraß sie in meinen Bart. Auch ging eine Henne mit sechzehn Küchlein allein des Weges, da schwang sich ein Weih über ihnen; wäre ich nicht dabei gewesen, sie hätten sich nicht retten können. Deshalb schlang ich sie in meinen Kragen, und sie gingen hinunter wie Preiselbeeren. Enten, Gänse und Hühner, die habe ich verurteilt ohne Maß, doch hoffe ich, daß ich das in Zukunft lasse, wenn Gott mir die Gnade dazu gibt. Um dies und meine Sünden alle zusammen bitte ich dich, Meister und Vater, daß du mir eine heilsame Buße befiehlst.« Da sprach der Wolf: »Lieber Knecht, das halte ich fürwahr für übertrieben, daß dich die Tötung der Enten, Gänse und Hühner als böse Tat dünkt. So wahr ich lebe! Das Volk tut dir oft Leids, und du lebst in voller Fehde mit den Menschen. Die Leute wollen dein Fell zu ihrem Kleide, und die Frauen begehren deine Hosen. Wenn du ihnen dafür Ochsen und Pferde aus dem Stall zögest, so wäre das Kriegsrecht. Werden die Hirten deiner gewahr, so jagen sie dir mit den Hunden nach, und verliert auch ein Mann durch deine List ein Huhn, ergreift er dich dafür, so mußt du den Pelz lassen. Niemand gab so guten Tausch als um ein Huhn Fell und Leben. Darum ängstige dich nicht wegen der Sünde, sondern stehe auf und laß den Esel sprechen!« – Der Esel glaubte, nie so milde Beichtiger gefunden zu haben. Während der Fuchs sich, züchtig wie eine Jungfrau, wieder niedersetzte, fiel jener auf die Knie und sprach mit großer Zerknirschung: »Ich bin dumm, faul und träge, oft ging ich auf breiten Straßen dem Zaun so nah, daß der Sack, den ich trug, zerriß und das Korn in den Dreck fiel. Ich habe meines Vaters Gebeine bepißt, das muß ich als große Sünde bekennen. Ich habe meines Herrn Kohl benagt und das Gras, das ihm gar nicht gehörte. Wollte mir einer einen Sack auflegen, auf daß ich ihn trüge, so schlug ich nach ihm: dafür verdiente ich wieder Schläge. Einst ging ich an einem Morgen früh meiner Wege, da kam mir ein Pilgrim entgegen, dem hing das Stroh aus seinem Schuh, das biß ich alles ab, und er zieh mich keiner großen Schuld.« Da rief der Wolf ungeduldig: »Des Todes hast du dich verschuldet! Dachtest du unseliger Wicht nicht an das Kreuz und an den Frieden, der alle jene schützt, die zu heiligen Stätten fahren? Alles, was du sonst getan hast, das wollen wir dir hingehen lassen, aber diese Sünde ist so groß, daß du von Recht tot bleiben mußt. Das war Gotteslästerung und Raub zugleich: dem Elenden tatest du Leids, Weh und Schaden seinen Füßen. Der Galgen gebührte dir dafür, aber aus Rücksicht auf dein Geschlecht, das durch diese Todesart geschändet würde, wollen wir dir die Gnade erteilen, daß du von unsren Zähnen sterben darfst.« Also griff er ihn bei der Kehle und der Fuchs bei den Zehen, und sie fraßen ihn auf bis auf die Knochen. Die Frage nach der Vaterschaft Hast du nicht gelesen in dem Gedächtnis der Väter, wie ein mächtiger, wohlgeborener Mann ein Weib hatte, an Gestalt und Geschlecht seinesgleichen, doch war sie der Unkeuschheit verdächtig. Mit derselben hatte er einen hübschen, einzigen Sohn. Als die Frau den Sohn auf ihrem Schoß hatte und mit ihm scherzte, da seufzte der Mann. Die Frau fragte ihn, aus welchem Grund er also seufze. Da seufzte der Mann wieder und sprach: »Ich wollte mein halbes Gut darum geben, wenn ich wüßte und gewiß wäre, daß dieses Kind mein wäre, so wie du es gewiß bist.« Die Frau ward nicht durch diese Worte, weder an Gestalt noch an Gemüt, bewegt und sprach fröhlich zu ihm: »Lieber Mann, du brauchst nicht so viel zu geben. Gib mir nur 20 Tagewerk Wiese, damit ich meine Schäflein ernähren kann, so will ich dich gewiß machen, daß dieses Kind dein ist.« Der Mann hielt dies für unmöglich und versprach ihr es also. Da berief und forderte die Frau ihre Freunde und viel Edle und andere dazu, und in ihrer aller Gegenwart nahm sie das Kind in ihre Arme und sprach: »Lieber Mann, ist das Kind nicht mein?« Der Mann antwortete: »Ja, es ist dein.« Die Frau reichte ihm das Kind dar und sprach: »Ist es nun meins, so nimm es hin. Ich geb dir das Kind. Nun bist du ohne Zweifel, daß es dein ist. Denn was man einem gibt, das ist seins.« Da wurde jedermann zu einem Gelächter bewegt, und sie gaben gemeinsam ihr Urteil für die Frau ab; und sie hatte die Wiese gewonnen. Die Frühgeburt Naja, der Guschtl in Faichtwang, der hat's Alter kriecht zum Heirate. Etz braucht er a Fraa. Er hat a bißle gatzt, manchmal a weng ärcher aa. Naja, endli hat er halt doch aane gfunde, die wu 'n gmeecht hat. Na, 's hat net lang dauert, fimf Monat, und da war scho die erseht Kindstaaf. Des is den Guschtl aa a weng kurios vorkumme; er hat denkt, des dauert länger. Na is er zun Dokter gange, hat zun Doktor gsacht: »Herr Doktor, git's des, daß a Fraa mit siewe Monat a Kind kriecht?« »Jaa, des git's.« »Ja, git's des aa mit segs Monat?« »Jaa, des git's aa; des kummt in ganz seltne Fäll amal vor.« »Git's des aa mit fimf Monat?« »Mit fimf Monat, des git's aa. Des muß awer a ganz tichtier Vater sei.« Na hat der Guschtl gsacht: »Herr Doktor, de... de... de... des bin iich!« Die gestohlenen Ferkel Alle Johr, wenn et op Allerheilije ahnjeng, dann trocke mer met en Schuffkahr op de Anger Sitt on hant bei dene Bure d'r Buxboom jeschnidde, för Kränz zu make. Do wollden die nix för hann. Bloß moßde mer verspreche, dat mer em Fröhjohr, wenn d'r Frost verbei wör, noch ens dohenn körne, de Bux ömzuleje. Eemol wore mer henger Nüß, bereits bes Büttje jewese. D'r Schmitze Andrees on ech hadden jeder veer Sack voll Bux op de Kahr. Et wor sowieso als spät jewoode. Wie mer äwer enn Nüß erenn kome on em Mariebeldche noch eene jedronke hant, do wor et meteens ellef Uhr verbei. Mer make ons nu widder op de Söck, on jrod wie mer am Heerdter Busch längs kome, schläht et op em Quirinustorm Middernacht. Do hörden mer newer ons en Stemm: »Öhm, hadd' Ehr nix von min Ferkes jesenn?« Ech sach för em Schmitze Andrees: »Du, dat jeht dech ahn!« Denn dä wor als sibbemol bestrooft weje Ferkesstehle; äwer sons wor et ne joode Keel. »Jo, verdammt!« säht de Schmitz. »Ech hann er hei och e paar jestohle.« Do wor als widder die Stemm: »Öhm, hadd' Ehr nix von min Ferkes jesenn?« – »Ech jlöf«, säht de Schmitz, »dä hätt kin Ruh em Jraaf, beß dat'e se widder kritt.« Wie äwer zom driddemol dieselwe Wööt klunge, do sach ech: »Andrees, denn setz doch ens die Kahr henn on sach dem Mann, dats'de se jestohle on verkloppt hast!« – »Dat fällt mech nit enn«, säht dä, »ech hann doch min Stroof doför jehatt.« Do trocke mer denn wieder dörch Heerdt; äwer die Stemm wor emmer newer ons. Zuletz, wie mer bereits enn Owerkassel wore, do schlog et erjendwo eins, on de Spook hööden op. Äwer d'r Schwitz leef ons alle beide d'r Rögg eraff, wie mer öwer de Scheffbröck kome. Die geteilte Belohnung Als der Pfarrer vom Kalenberg (von dessen Schwänken ein ganzes Büchlein heraus ist) auf eine Zeit dem Erzherzog in Österreich einen schönen großen Fisch zur Verehrung trug, wollte ihn der Türwächter nicht eher hineinlassen, er verspreche ihm denn zuvor, den halben Teil davon zu geben, was er vom Herzog bekommen würde. Wie nun der Pfarrer vor den Herzog kam, gab er den Fisch dar, erzählte ihm des Türhüters Anstrengung, bat derowegen, der Herzog wolle ihm nur ein paar Ohrfeigen geben; welches er auch tat. Da nun der Pfarrer hinausging und der Türhüter den versprochenen halben Teil begehrte, gab er ihm ein Daschen, daß ihm das Ohr davon klang. So wurde der Geizhals bezahlt. Die Gewohnheit Ein Knabe hatte oftmals gesehn, wie sein Vater die Mutter schlug. Als nun der Vater eines Abends spät sagte, er habe etwas vergessen, meinte der Knabe: »Ich weiß wohl, was.« Der Vater: »Sag mir's doch, Liebster!« Da sagte der Knabe: »Ihr habt vergessen, die Mutter zu schlagen.« Die Haare sind älter als der Bart Als auf eine Zeit ein gelehrter Mann von einem Grafen zu Gast geladen worden und er ihn während der Mahlzeit um mancherlei Dinge befragte, hatte er ihm jedesmal gar klug geantwortet, so daß der Graf ein besonderes Vergnügen daran hatte, insbesondere weil er dem Ansehen nach noch nicht gar alt war. Endlich fragte ihn der Graf, wie alt er wäre. Da sagte er, er wäre nun bereits fünfzig Jahre alt. Da sagte der Graf: »Wie kommt es dann, daß Er noch nicht grau ist?« Hierauf nahm er die Perücke ab und zeigte seinen grauen Kopf. Darüber verwunderte sich der Graf und sagte: »Wie kommt es dann, daß man an dem Bart noch kein graues Haar sieht?« Dem antwortete er: »Es ist kein Wunder, weil der Bart zwanzig Jahre jünger ist als die andern Haare auf dem Kopf.« Die halbe Birne Ein mächtiger König hatte eine schöne Tochter, die versagte er allen Freiern und setzte sie zum Preise eines Turniers, welches er zum Mai berief. Da kam auch ein Freiherr Arnold, ein junger stattlicher Ritter; er besiegte viele im Turnier und gefiel der Königstochter. Der König lud ihn zu Tische und setzte ihn zu ihr. Zuletzt wurden die köstlichsten Birnen aufgetragen, je zwei Personen eine, nebst Käse. Der Ritter zerschnitt die Birne ungeschält, warf die eine Hälfte in den Mund und bot die andre der Königstochter dar. Als er nun wieder zum Turniere kam, verhöhnte sie ihn laut wegen solcher Unhöflichkeit, so daß er beschämt und zornig heimkehrte und Rache schwur. Auf den Rat seines Knappen Heinrich ließ er sich die Haare ganz abscheren, besudelte sein Antlitz, legte eine Narrenkappe an und nahm einen Kolben zur Hand. So lief er mit närrischen Gebärden in die Königsburg, von Geschrei und Spott verfolgt. Er stellte sich taubstumm, schlug aber mit dem Kolben kräftig um sich. Nachts legte er sich vor den Palast, darin die Königstochter schlief, um einen Schimpf für sie zu erspähen. Eines Abends trat eine ihrer Frauen heraus, ihr Wasser zu lassen, und sah den Narren, meldete es und mußte ihn zur Kurzweile hereinholen. Man ließ ihn am Kaminfeuer niedersitzen; er hatte weder Schuh noch linnen Untergewand an, und so hing sein langes Geschirr in der Asche. Er trieb allerlei Narrenspiel, bis die starke Natur seinen Ebenalten zum Sturm aufrichtete. Durch den Anblick dieses Minnedorns entbrannten Frau Venus und ihr Sohn Amor die junge Königin so heftig, daß sie alle Frauen schlafen gehen hieß; nur ein altes, durchtriebenes Kammerweib, Irmengard, blieb und diente ihrem Gelüste. Sie legte den Narren zu ihr ins Bett, und als er auch hier wie ein Stock lag, mußte sie ihn, auf der Königin Zuruf, in die rechte Stellung bringen und mit Rutenstreichen endlich in Bewegung setzen; ja, noch zuletzt mußte die Königin ihr zurufen: »Stäup ihn, Irmengard!« Mit Tagesanbruch wurde der Narr wieder hinaus vor die Türe gestoßen. Hierauf lief er heim, legte die Narrentracht ab und kehrte, auf den Rat seines Knappen, ritterlich zum Turnier zurück. Als er erschien, verhöhnte ihn die junge Königin alsbald wieder als den Ritter mit der halben Birne! Er aber rief dagegen: »Stäup ihn, Irmengard!«, so daß sie vor Schrecken blaß und fast ohnmächtig ward. Das Kammerweib durchschaute sogleich die List des Ritters und riet, ihn zu begütigen und ihm Hand und Herz zu bieten. Das geschah; und so gewann der Freiherr Land und Leute mit der Königin, die ihm jedoch wegen ihrer Lüsternheit nicht traulich ward. So rächte sich an beiden die Sitte und die Zucht. Die Hose Einer Frau war der Mann gestorben, und sie war einige Tage nachher, wie es guter Brauch ist, eben damit beschäftigt, das Bettzeug und die Leibwäsche des Verstorbenen gründlich zu waschen. Da ging zufällig der Pfarrer vorüber, redete die Witwe freundlich an und tröstete sie, wie sich's gehört, über den schweren Verlust, den sie erlitten hatte. In diesem Augenblick hatte die Frau gerade ein Paar Unterhosen ihres Seligen in der Hand, um sie zu waschen, und sagte gleichzeitig zu dem Pfarrer: »Jo friili, Herr Pfarer, i bi en arm, verlasse Wiibervolch; in denne Hose steckt halt nimme, was drinne gsteckt isch.« Die karge Köchin Et war ens n Köchin jewäs, die hatt m Volk ze wennig Fleesch jekauch. Nue wued dat Volk doröwe weddewellig. Wenn et hallef klapp, dann jeng die Köchin onge de Kamien knöe on bött: »O Häe, dä bei die wäe!« Nu hatt dat Volk dat jehuet, on du hatten die jedaht: »Däm welle mie äwe ens n Enk maache.« Do ös eene owe en de Kamien jeklomme on waht dat Dönge ens af. Wie die Köchin wedde onge däm Kamien bött: »O Häe, dä bei die wäe!«, huet se zoröckrofe: »Bei mich komms du nich!« »Warum denn nich, mein Gott?« »Weil du duhst zu wennig Fleesch en de Pott!« Van de Zitt aan hat et Volk mih Fleesch krijje. Die Katze und der Fuchs Eine Katze erging sich auf einem Feld voll dichten, schönen Kornes, wo sie bisweilen Mäuse fing. Unter einem Hagedorn traf sie den Fuchs. »Gott gebe dir ein langes Leben«, sprach er zu ihr, »ich wähne, du gehst mausen, weil du so ferne von den Häusern bist.« – »Ich muß gestehen«, erwiderte die Katze, »daß ich das Jahr über manche Maus in Feld und Hof fange.« – »Du bist meine Nichte«, sagte der Fuchs, »deshalb will ich aufrichtig mit dir reden. Lange habe ich danach gestrebt, deine Bekanntschaft zu machen, aber es bot sich keine Gelegenheit. Nun aber wollen wir Kameradschaft halten und immer zusammenbleiben. Wenn du mit mir gehen willst, so wollen wir zusammen manche Maus entleiben, aber noch lieber wäre es mir, wenn du mir hin und wieder ein Huhn aus dem Hofe jagtest.« – »Lieber Oheim«, versetzte die Katze, »das kann ich dir nicht versprechen, denn man würde mich dafür sehr schlagen. Was ich aber an Mäusen erwischen kann, das soll dir gehören, wenn wir zusammenbleiben. Nun aber sage, was sollen wir anfangen, um wieder nach Hause zu kommen, wenn eine Gefahr uns droht?« – »Keine Angst!« sagte der Fuchs. »Wenn wir zusammenhalten, so kann uns kein Leid widerfahren. Ich habe einen Sack voll Listen, und der wird erst aufgetan, wenn alle andern vergeben sind. Wenn ich meinen Sack aufbinde, so könnte ich mich wohl lösen, und wären die Hunde mir auf einen Schritt nahe.« – »Das mag wohl sein«, entgegnete die Katze, »und ich vergönne es dir wohl, daß du dich vor den Windhunden rettest. Was mich betrifft, so weiß ich nicht mehr als eine einzige Kunst; wir sind also ein ungleiches Paar. Nimm es mir darum nicht übel, wenn ich dich verlasse, denn ich lasse mich ungern beißen.« Kaum hatte sie ausgeredet, so kam ein Knecht mit zwei Hunden, die er auf den Fuchs losließ. Der Fuchs wandte sich in den Dornbusch, der dort stand; er war mäßig hoch, und die Katze sprang hinauf. Der Fuchs verfluchte die lange Plauderei, die sein Unglück verschuldet hatte. »Alle deine Künste sind vergebens«, sprach die Katze zum Fuchs, »nun ist es Zeit, binde den Sack auf, oder es geht dir schlecht!« Der Fuchs blieb am Platze, die Katze entkam; so nahm die Geschichte ein Ende. Die Kuh des Bürgermeisters Zu Schaffhausen soll einst des Kuhhirten Kuh des Bürgermeisters Kuh über die Rheinbrücke hinabgestoßen haben, daß sie zugrunde gegangen. Der Hirt kehrte gleich zum Bürgermeister und sagte, des Bürgermeisters Kuh habe seine Kuh die Brücke hinab ins Wasser gestoßen und sei ertrunken, und fragte, wie der Sache zu tun sein werde. Der Bürgermeister antwortete: »Es ist ein Unfall, du mußt schon selbst dafür aufkommen.« Darauf sagte der Hirt: »Ich sag's zuletzt, meine Kuh hat Eure hinabgestoßen!« Der Bürgermeister sprach: »Ja, dann muß man darüber reden!« Die langweilige Predigt An einem hohen Feiertage predigte der Abt Gevardus, der Vorgänger des jetzigen Abtes, das Wort der Ermahnung und mußte sehn, daß gar viele, besonders von den Neubekehrten, schliefen, einige sogar schnarchten. Da rief er: »Hört, Brüder, hört! Ich will euch eine neue und herrliche Geschichte erzählen. Es war einmal ein König, der hieß Artus ...« Er fuhr aber nicht weiter fort, sondern sagte: »Ihr seht euer Elend, Brüder. Als ich von Gott gesprochen habe, habt ihr geschlafen; nun, wo ich leichtfertiges Zeug eingeflochten habe, seid ihr alle wach geworden und spitzt die Ohren, um mir zu lauschen.« Ich bin selbst bei der Predigt dabeigewesen. Die letzte Bitte Ein Gaukler hatte gegen einen Ritter viele Schmähworte spottend ausgestoßen, so daß ihm denn der Galgen gewiß war, wenn er irgendwo ergriffen würde. Endlich fing man ihn. Da sprach er zu dem Ritter: »Herr, ich sehe, daß mir nichts übrigbleibt als der Tod, den ich reichlich verdient habe; gewährt mir aber eine einzige Bitte, die meiner Seele immer nützen würde.« Die Fürsprache seiner Umgebung bewog den Ritter, diese Bitte zu bewilligen. Da sagte der Gaukler: »Ich bitte Euch also, Herr, daß Ihr, wenn ich gehängt sein werde, an drei unmittelbar aufeinanderfolgenden Tagen des Morgens mit nüchternem Magen kommet und meinen nackten Arsch küsset.« Da sagte der Ritter: »Der Teufel soll dich hängen und dich küssen!« Und so entkam er. Die letzte Bitte Hans Galgenschwengel sollte und mußte wegen seiner Diebsstücke am Stricke erwürgen. Als er nun auf der Leiter stand, bat er, man solle ihm zur guten Letzt noch eine Bitte gewähren. Solches ward ihm versprochen. Da sagte er, er wolle gebeten haben, daß man doch dem Torhüter andeuten möchte, derselbe solle auf den Abend nicht auf ihn warten, sondern das Tor nur sicher zuschließen, er würde doch heute nicht heimkommen. Die listige Kaiserin Es war ein Kaiser, dessen Gemahlin einen Hofjunker ungebührlich liebte. Dies wurde dem Kaiser geoffenbart, der dann seine untreue Gemahlin dahin verurteilte, daß sie schuldig sei, vermittelst eines leiblichen Eides zu beweisen, daß sie der Unzucht halber unschuldig sei. Nun war aber zu Rom ein hohler Stein, Bocca della verità genannt, darein diejenigen, welche schwuren, ihre Hände legen müssen. Haben sie nun recht geschworen, so sind die hineingelegten Hände ohne Schaden geblieben; widrigenfalls aber von dem Mundloch des Steins abgebissen worden. Was will nun die beängstigte Kaiserin tun? Schwört sie, so wird ihr Laster offenbar; schwört sie aber nicht, so macht sie sich selbst hierdurch schuldig nach dem gemeinen Sprichwort: Schuldigen Mann kommt Grausen an. Sie sah vor Augen die schwebende Todesfurcht und Gefahr, seufzte zwar innerlich um Reu und Leid, aber dieses Trauerlied ist zu schwach und zu spät nach verübter Missetat. Sie erdachte demnach nachfolgende Arglistigkeit: Sie gab ihrem Buhlen den verschmitzten Rat, wenn man sie zur Ablegung des auferlegten Eides an den genannten Ort führen werde, daß er ein Narrenkleid anlegen, sich unter die Schar der Zuseher mischen, sie ungescheut mit Händen umfangen und küssen, auch unverzüglich hierauf die Flucht nehmen solle. Als nun dieses vorgegangen, schwur die Kaiserin öffentlich mit Hineinlegung der Hand, daß niemand dieselbe als allein der Kaiser und dieser unverschämte Stocknarr ihren Leib berührt habe, und weil sie hierüber ihre hineingelegte Hand wiederum frisch und unversehrt herausgezogen, ist sie, wider jedermanns Verhoffen, frei und ledig gesprochen und dem Kaiser wiederum seine ehrliche Gemahlin überantwortet worden. Von solcher Zeit an hat der wahrsagerische Stein seine Wirkung und Tugend verloren. Die listigen Diebe Als die Nachtwächter in einer Stadt, ihrer Gewohnheit nach, durch die Gassen gingen und etliche starke Gesellen antrafen, welche eine Truhe und sonst andere Sachen aus einem Haus trugen, und fragten, was dieses bedeute, kriegten sie zur Antwort, es wäre jemand in diesem Haus an der Pest gestorben, deswegen zöge der Herr desselben aus und wollte sich in ein anderes begeben. Wie nun die Wächter weiterfragten, warum es denn so still darin wäre, sie hörten ja niemand klagen oder weinen, gaben jene zur Antwort: Ei, es wäre jetzt jeder erschrocken und könnte den Schaden und Verlust, der ihnen dadurch zugezogen würde, nicht recht beherzigen. Aber morgen gegen Tag, wenn sie, die Wächter, wieder vorübergingen, möchten die Hausgenossen, dieses ihres Leids halber, sich vielleicht etwas mehr hören lassen. Wie dann auch geschehen. Als die Weiber und anderes Gesind in solchem Haus mit anbrechendem Tag ihre besten Sachen gestohlen zu sein befanden, erfüllten beide das Haus und die ganze Gasse mit ihrem Geschrei und Wehklagen. Die Lügenbrücke Ein schwedischer Kavalier redete einst mit einem Großsprecher. Derselbe sagte unter anderem: »Mein Bruder, Schweden ist gar nicht zu vergleichen gegen mein Vaterland, denn dieses ist so ein herrliches Land, daß du es nicht glauben kannst. Es gibt Katzen darin, die sind so groß wie eine holländische Kuh und können über einen hohen Zaun springen.« Der Schwede sagte hierzu nichts, sondern ging mit diesem Großsprecher spazieren, und als sie an einen Fluß kamen, worüber eine Brücke geschlagen war, sprach jener: »Bruder, hier muß ich dir was sagen: Mit dieser Brücke hat es gar eine seltsame Beschaffenheit; denn wenn jemand darübergeht, der jemals gelogen hat, und mitten auf dieselbe kommt, so tut sie sich voneinander, daß der Lügner ins Wasser fällt und jämmerlich ertrinkt.« Hierüber entsetzte sich der Großsprecher und ward gleichsam wie entzückt. Endlich aber sprach er: »Mein Bruder, ich habe vorhin gesagt, daß die Katzen in meinem Lande so groß wären wie die holländischen Kühe, allein ich soll dir die gründliche Wahrheit sagen: Sie sind nicht so groß wie die Kühe, aber doch so groß wie die Kälber.« Worauf der Schwede antwortete: »Ich möchte gerne eine solche Katze sehen, die so groß wäre wie ein holländisches Kalb.« Worauf der Großsprecher sagte: »Sie sind zwar ebenso groß nicht wie die holländischen Kälber, aber doch so groß wie die Hunde.« Wie sie nun beiderseits an die Brücke kamen, redete ihn der Kavalier also an: »Bruder, wir sind nun mitten an die Brücke gekommen, bedenke wohl, daß du die Wahrheit redest, denn es wäre mir leid, wenn du so schändlich um dein Leben kommen solltest.« Dem Großsprecher, welcher seines Lebens Sorge trug, will vor Angst der Mut fallen, besinnt sich bald eines andern und spricht: »Mein Bruder, ich will dir die lautere Wahrheit sagen: Die Katzen sind in unserm Lande so groß wie andere Katzen, ich habe sie auch sehen hüpfen, ob sie aber über den Zaun hinübergesprungen sind, weiß ich nicht. Nun werden wir hoffentlich sicher gehn!« Die lügenhaften Erzählungen des Vincentius Ladislaus   1. Das neapolitanische Pferd Wir haben einmal ein Roß gehabt, das war ein neapolitanisches Pferd, das hatten wir so abgerichtet, daß es alles tat, was sie ihm befahlen, und hatten dazu weder Gerte noch Sporen vonnöten. Das stand vor den Hühnern und Hasen wie ein Vorstehhund. Wir ritten einmal bei der Nacht durch einen Busch, darin war ein kleines Wässerlein. Das Pferd stand still, spitzte die Ohren. Da merkten wir wohl, daß es etwas bedeutet, und nahmen unseren Stein, den wir zu Venedig gekauft hatten und der zuvor Holz gewesen war, aber dadurch, daß er lange im Meer gelegen, zu Stein geworden war und die Tugend an sich hatte, daß er des Nachts einen hellen Schein von sich gab, so hell, daß man dabei schreiben und lesen konnte. Den Stein nahmen wir hervor, da saßen drei Hasen beieinander in einem Busch und dreihundert Enten auf dem Wässerlein; wir erschossen davon sieben und ließen sie liegen, denn wir trauten ihnen nicht, weil es vielleicht Gespenster wären.   2. Das spanische Pferd Wir haben auch einmal ein spanisches Pferd gehabt, welches, sooft es vor den König oder die Königin gekommen oder sonst vor einen, der von hohem Geschlecht gewesen, niederkniete und ihnen Reverenz erwies, von einem Knie auf das andere fiel, danach sich über drei Stunden auf einem Platz einen Tisch breit ohne Aufhören getummelt hat. Daher hat der König von Spanien zu uns gesandt und anzeigen lassen, es jammerte ihn des Pferdes, wir sollten doch abziehen. Wie wir nun abzogen, war ein See in der Nähe, welcher gefroren war, auf dem Eis tummelte es sich aber noch über zwei Stunden und rannte darauf ganz schnell, glitt auch keinmal aus und hatte doch dazu kein Fell an den Eisen. Als der König das erfuhr, wollte er uns dafür zwei andere schöne Hengste und 6000 doppelte Dukaten geben. Wir aber schlugen ihm dasselbe ab, worüber er dann heftig erzürnt war. Dasselbe Pferd konnte niemand als wir selber reiten, und wenn wir ihm auch nicht allzeit, bevor wir aufsaßen, einen Maulkorb gaben, so war es gar traurig und dachte, wir zürnten mit ihm. In summa, wir können die Tugenden dieses Pferdes gar nicht genug erzählen, denn es sprang auch wieder aus dem Wasser wie ein Schießhund.   3. Die Eroberung Wir wollen noch eine Geschichte, bei der wir selbst dabeigewesen sind, erzählen. Es ist wohl unglaublich, aber doch wahr. Wir haben einmal eine Stadt mit Pomeranzen, Melonen, Zitronen und Granatäpfeln gestürmt und eingenommen. Als wir vor der Stadt lagerten und sie ausgehungert war und das Volk nichts mehr zu essen hatte, warfen wir einen Haufen Pomeranzen, Melonen, Zitronen und Granatäpfel in die Stadt, und als das Volk vor Hunger nach den Äpfeln lief, diese auflas und ihre Sache nicht in acht nahm, nahmen wir die Stadt ein.   4. Der Jäger Wir wissen, daß Eure Fürstliche Gnaden Lust haben, nach Gänsen, Kranichen und anderem Federwildbret zu schießen, möchten deswegen wohl wünschen, daß wir unseren Wildschütz noch hätten und Eure Fürstliche Gnaden denselben hätten sehen mögen. Derselbe hat einmal mit Schrot auf einen Schuß zwölf Kraniche, etliche in die Flügel und etliche in die Beine geschossen, ist eilends herzugelaufen, damit sie sich nicht wieder erheben, hat sie aufgehoben und unter den Gürtel gesteckt. Dann haben sie sich wieder erholt, und weil ohnedies großer Wind war, haben sie sich in die Luft erhoben, den Schützen weggeführt, so daß wir nicht erfahren konnten, wohin er gekommen ist.   5. Das Eichhorn Wir sind auf eine Zeit spazierengegangen und haben einem Eichhorn den Kopf abgeschossen, aber das Eichhorn ist gleichwohl davongelaufen. Anderntags kam zu uns ein Bauer, der sagte, er hätte ein Eichhorn laufen sehen, das hätte keinen Kopf gehabt. Da dachten wir alsbald, es müßte unser Eichhorn sein, gingen deshalb hinaus und schossen es noch einmal, daß es herunterfiel ins Wasser. Da hatten wir einen Schießhund, und wie er dasselbe herausholen wollte, biß es denselben in die Nase. Endlich aber brachte er es heraus. Die Mahlzeit im Hofe Ein vornehmer Herr erzürnte sich heftig über seinen Knecht, weil er einen Karpfen zu Tisch brachte und nicht recht blau abgesotten hatte. Er nahm die Schüssel mit dem Karpfen und schmiß sie dem Koch nach dem Kopf. Der Koch, welcher gerade vor dem Fenster stand, bückte sich, daß also die Schüssel über ihm zum Fenster hinausflog. Der Narr, solches sehend, lief geschwind zu dem Tisch, raffte das Tischtuch mitsamt dem daraufstehenden Essen zusammen, ging hin zu dem Fenster und schmiß solches (wo der Karpfen hinausgeworfen) auch hinaus. Darauf sagte er und fragte: »Herr, wollen wir da unten essen?« Die Mäuse und die Katze Die Mäuse, welche aus ihrem Loche hervorguckten und in der Stube eine Katze sitzen sahen, welche mit einer ernsthaften Miene die Augen auf den Boden gerichtet hatte, sagten untereinander: »Gewiß, dieses Tier kann nicht so grausam sein, wie man es beschreibt, denn dieser bescheidene Blick zeigt, daß es von einer sanften und unschuldigen Gemütsart ist und daß es mehr zur Freundlichkeit als zur Grausamkeit geneigt sei; was für eine üble Vorstellung wir uns auch von selbigem gemacht haben!« – »Ich will gleich herausgehen«, sagte eine von ihnen, »und mit ihr reden, um den Versuch zu machen, ob ich nicht zu eurem Besten mit ihr ein Freundschaftsbündnis schließen kann.« Da sie sie nun alle zu dieser edlen Unternehmung aufmunterten, ging sie kühn heraus. Aber als sie sich der Katze näherte, wandte sich selbige um, ward sie gewahr, sprang ihr auf den Hals und fraß sie sogleich auf. Als die übrigen Mäuse das traurige Ende ihres Gesandten sahen, begaben sie sich voller Schrecken zurück und unterstanden sich nicht mehr, sich aus ihrer Freistatt herauszuwagen. Die neue Kirchenfahne Einstmals zu österlicher Zeit, Als Gewohnheit ist der Christenheit, Daß man da mit dem Kreuze singt Und daß es auf zu Gott erklingt, Des achten weder Ries noch Zwerg; Der Pfarrer von dem Kalenberg, Der sollt' auch mit dem Kreuze gahn; Da hätt' er weder Banner noch Fahn, Damit er auf den Kirchtag ging, Ein Hos er an ein Stangen hing. Da das die Bauren angesehen, Wohl zu dem Pfarrer tät' sie gehen Und sprachen: »Herr, es ist nit gut, Daß Ihr uns so beschämen tut Mit diesen Dingen ungeschlacht.« Der Pfarrer, der hub an und lacht', Er sprach: »Es ist des Teufels Scheuz, Wir armen Leut tragen armes Kreuz. Da ihr nit andres wollet kaufen, So müßt ihr nach der Hos hin laufen.« Der Zechmeister und der Richter, Die sprachen zu dem Pfarrer: »Herr, saget uns zu dieser Frist, Was bei der Kirchen Notdurft ist, Das wolln wir alles wenden gern, Daß wir nur dieser Schand entbehrn.« Er sprach: »Was ich euch sagen soll, Das wißt ihr alles selber wohl, Daß die Kirchen ist also arm; Ich seh auch niemand, den es erbarm', Weder mit Opfer noch mit Steuer. Die Gottesgnad, die wird euch teuer, Daß ihr nit wollet haben Fleiß, Daß ihr bei Gott den höchsten Preis Verdienet und den höchsten Lohn.« Sie sprachen: »Herr, laßt nur darvon, Das wolln wir immer um euch dienen.« Die Bauren gingen hin gen Wienen, Der Richter und die ganz Gemein', Die wurden da bald überein Und kauften da wohl zu der Stund Ein neue Fahn um zehen Pfund Und was der Kirchen Notdurft was, Daß sie versöhnten Gottes Haß, Und auch ein neues Meßgewand. Damit kamen sie heim zuhand Und gingen zu dem Pfarrer ein. Der hieß sie Gott willkommen sein, Er sprach: »Von wann' kommt ihr also?« Sie sprachen: »Herr, wir bringen do Ein Meßgewand und eine Fahn, Damit wir auf den Kirchtag gahn, Daß nur die Hos zu Hause blieb.« Dem Pfarrer war das sehre lieb Und lachet da mit ganzer Kraft Und sprach: »So gut ist Meisterschaft! Darzu will ich euch sagen mehr: Ihr habt sein immer Lob und Ehr, Daß ihr die Kirchen also ziert, Damit auch Gott gelobet wird. Darum laßt euch's Geld nur nit verdrießen, Ihr werd' sein an der Seel genießen.« Also macht' er die Bauren zahm, Daß sie ihm waren gehorsam, Und waren ihm da alle hold. Sie täten alles, was er wollt'. Die Reliquie von der Eselin, auf welcher Christus am Palmtage geritten Herr Friedrich Mecum, Pfarrherr zu Gotha, war zu Wittenberg bei Doktor Martino und sagte viel von der Welschen Hoffart und erzählte eine Historie, daß ein Meßpfaff zu Rom in der Beichte etliche Deutsche mit guten Worten fein betrogen und recht auf den Esel gesetzt hätte. »Ich weiß«, sprach der Pfaff, »daß die Deutschen fromme, andächtige Leute sind, die die Religion liebhaben.« Die Welschen aber seien Spötter, die sie verlachten. Darum wollte er ihm, dem Deutschen, einen großen, trefflichen Schatz einer Reliquie geben, den er bei sich verborgen hätte. Denn davon würde ganz Deutschland großes Glück und Heil bekommen. Er solle es aber niemand offenbaren, denn sie möchten beide darüber in Gefahr von Leib und Leben kommen. Da ihm nun der Deutsche es mit einem Eide versprach, er wollte es niemand sagen noch zeigen, bis er nach Deutschland käme, gab ihm der Pfaff ein Bein von der Eselin, auf der Christus am Palmtage eingeritten war, fein in ein seiden Tüchlein gewickelt, und sprach: »Das ist das Heiltum, darauf der Herr Jesus Christus leibhaftig gesessen hat, und er hat mit seinen Beinen dieses Esels Beine berührt.« Da ward er froh und trug solchen heimlichen Schatz mit sich nach Deutschland. Da er nun an die Grenze kam, rühmte er sich gegenüber seinen Gesellen des Heiltums und zeigte es ihnen. Die andern aber hatten auch ein jeglicher ein Bein und hatten eben das zugesagt wie der erste: sie wollten schweigen. Und selbst der fünfte hatte ein Bein, und als er es hörte, sprach er: »Hat denn der Esel fünf Beine gehabt?« Die schamhafte Braut Do hom zwoa gheirat. Wias auf d'Nacht zum Bettgeh is, sogt sie: »Jetzt muaßt ause geh, wei i mi oziag!« – »Ja warum«, sogt er, »mir sama ja jetz vaheirat, des brauchts doch nimma.« – »Na, des mog i net, du muaßt jetz ause geh.« Naja, wias hoit so hergeht, na isa hoit ause ganga. Wia na sie im Bett drin ghockt is: »Ja, jetz derfst schon einageh!« Na is er einaganga. Na hot sie er auszogn. Na hot sie an Wei gschaut, na hots gsogt: »Ja, wenn i des gwißt hätt, daß du d'Haxn grod so voi Dreck host wia i, hättst net ause geh braucht.« Die Schlittenfahrt zu Dillingen Zu Dillingen hatten einstmals die Edelleute eine gute Frau mit sich genommen, die sie in der Stadt von einer Gassen in die andere auf einem Schlitten umherführten. Zuletzt kamen sie auch in das Schloß und machten eine Runde um den Brunnen. Der Bischof lag oben am Fenster und sah zu. Und da die Edelleute sich einen Scherz erlauben wollten, warfen sie den Schlitten um und warfen sie so, daß ihr die Kleider über dem Kopf zusammenschlugen. Aber die gute Tochter, der nicht viel daran lag, blieb unbedeckt liegen und schrie hinauf zu dem Bischof: »Schaut, Bischof, ob das Loch gebrannt oder gebohrt ist!« Darüber hub jedermann an zu lachen, und die fromme Tochter luden sie wieder auf den Schlitten, und ich weiß nicht, wohin sie sie führten. Die Strafe für den Geiz Es war auf eine Zeit einer Abt geworden in einem Kloster, der brach den armen Leuten das Almosen ab, und die allerkärgsten, zähesten Mönche, die er hatte, denen befahl er die äußerlichen Ämter an: als Gastmeister, Pförtner, Almosner und dergleichen Ämter. Und es begab sich einmal, daß ein guter Gesell übernachten wollte, und er kam an das Kloster im Winter und begehrte Herberge, und man konnte es ihm nicht versagen. Der Gastmeister führte ihn in die Hundestube, die stank sehr übel, und er brachte ihm eine arme Suppe und ein Stückchen schlechtes Brot und einen essigsauren Wein und kein Licht, und er mußte also im Dunkeln essen. Und er mußte die ganze Nacht auf einer harten Bank liegen, bis daß es Tag wurde. Da es nun Tag wurde, da wollte er hinweggehen, und er gedachte: Wie bezahlst du den Gastmeister und dankst ihm für die gute Herberge? Als er nun hinweggehen wollte, da findet er den Abt vor dem Kloster gehen und beten. Da kniet der Geselle vor ihm nieder und dankt ihm für die Herberge und sprach: »Große Ehre und Lob will ich von Euch sagen. In zehn Jahren bin ich nicht ehrlicher gehalten worden als heute nacht. Der Gastmeister hat mir gestern abend große und kleine Fische gesotten und hat mir dreierlei Wein gebracht und Weißbrot, und wir sind da beieinander gesessen in einer hübschen Stube bis zu der Mette. Nach diesem Wohlleben hat er mich zum Schlafen gewiesen in ein gutes Bett, das war weiß und hübsch bereit und zugerüstet, und ich habe sehr wohl geschlafen, und jetzt, da ich weggegangen bin, hat er mir ein paar hübsche Messer geschenkt. Darum will ich willig Euer Lob preisen.« Der Abt, der war sehr zornig, und da man nun in das Kapitel kam, da nahm er den Gastmeister und hielt ihm das vor, was ihm der Geselle gesagt hatte. Der Gastmeister leugnete es ab. Es müßte aber wahr sein, sagte der Abt und ließ dem Gastmeister eine gute Strafe geben mit den Ruten. Also hat der Geselle sich gerächt an dem Gastmeister; und man setzte diesen ab und nahm einen andern. Die tot vermeinte und wieder lebendig gewordene Frau Eines Bürgers Frau, welche eben nicht zu einträchtig bei ihrem Mann gewohnt, fiel einst in eine hitzige Krankheit, dabei sie eine so starke Ohnmacht bekam, daß ein jeder sie für tot hielt. Es wurde also von ihrem hinterbliebenen Mann alle Anstalten zum Begräbnis gemacht. Als sie nun in einen Sarg gelegt und nach dem Kirchhof getragen wurde, begab es sich, daß die Träger aus einer Straße in die andere gehen wollten und in dem Umdrehen an die Ecke eines Hauses stießen, so daß der Sarg von der Bahre fiel, durch welches Gepolter die Frau wieder zu sich selbst gekommen und den Sarg zu eröffnen begehrte. Ob nun zwar solches dem Mann ein harter Donnerschlag war, so konnte er es doch nicht hindern, mußte also seine tot vermeinte Frau wieder zu sich nehmen. Nun geschah es einige Jahre hernach, daß sie von neuem in eine Krankheit fiel, auch darin wirklich ihren Geist aufgab. Als sie nun sollte begraben werden, sprach der Mann zu den Trägern: »Seht euch vor, wenn ihr wieder um die Ecken geht, daß ihr nicht mit dem Sarg daranstoßt und meine Frau abermals erweckt wird, die ich nun einmal los bin.« Die treue Laus Auf eine Zeit saßen viel ehrliche, reiche Weiber in einer Zeche beieinander, unter denen war eine gute, arme Frau. Als sie nun eine Weile gezecht hatten und dabei waren, daß man die Zeche zahlen sollte, wäre die arme Frau gerne weggegangen und hätte Weg und Steg gesucht, damit sie ohne Geld weggekommen wäre. Aber sie wußte keinen Rat, bis es sie auf einmal im Busen biß. Danach griff sie, fing es und sprach: »Wohlan, ihr lieben Leute, ich habe einen Floh gefangen. Den will ich auf meinen Teller setzen, und zu welcher er springt, die soll die Zeche für mich bezahlen.« Die Weiber waren des wohl zufrieden und sprachen: »Gern.« Die Frau setzte ihren vermeintlichen Floh auf den Teller – aber, Gott, da war es eine Laus, die blieb bei ihr. Deshalb mußte sie die Zeche selbst bezahlen. Die Überschwemmung Vor etlicher Zeit hatten in Straßburg einige Leute lange bis in die Nacht getrunken, und es war schon gegen Tag, als sie beschlossen, zu zweit miteinander nach Hause zu gehen. Sie mußten am Münster vorbeigehen, und als sie zu der vorderen Tür hinkamen und den Mond scheinen sahen, bedeuchte sie der Ort, den der Mond beschien, gegen den Schatten des Münsters hin, als wäre dort ein großes Wasser. Da standen sie und wußten nicht, wer sie überführen sollte; und sie überlegten, sie müßten durch das Wasser waten, und sie zogen sich aus und bereiteten sich vor, hindurchzuwaten. Als sie durch das Wasser hindurchwateten, hoben sie die Füße hoch auf, wie es denn Leute zu tun pflegen, die durch ein Wasser waten, bis sie in den Schatten von den Häusern gegenüber gelangt waren. Dann erst gingen sie heim, und sie erzählten große Dinge, wie sie durchs Wasser gewatet wären. Die umgenieteten Hauer In einem Wald stieß auf den Lügenschmied ganz allein ein überaus starkes Wildschwein, das war mit Hauern und Zähnen bewaffnet, die ihm eine halbe Elle lang zum Maul hinaussteckten, und weil es mit Hunden gehetzt worden war, ganz zornig war; deshalb floh er vor dem Wildschwein in einen alten Eichbaum und versteckte sich darin. Als nun das Schwein ihn darin merkte, stieß es mit seinen Hauern durch den Baum, daß der Schmied die langen Zähne sehen konnte. Da nahm er seinen Dolch, der oben am Heft eine breite Platte hatte, hielt sie vor das Loch, und als das Schwein weiterzuarbeiten versuchte, vernietete er es mit seinem Zahn, und da ward es von dem Schmied gefangen und getötet. Die ungewöhnliche Epistel Erwähnter Pfaff hatte auf eine Zeit denen von Bubenhofen eine Jahrtagsmesse zu Hainstetten zu halten. Deshalb erbat er zwei Priester von Meßkirch, die ihm ministrieren sollten. Unter denen war einer, der hieß Hans Hemler. Derselbige, als er die Epistel singen sollte, sah im Buch den Anfang der Epistel nur mit drei oder vier Worten geschrieben, das übrige mit einem einzigen Buchstaben verzeichnet. Deshalb sang er die Epistel, soviel er an Text geschrieben fand, danach sang er auf die gewöhnliche Melodie mit heller Stimme in Deutsch: »Ich kann nichts mehr singen, ich find nichts mehr, da ist nichts mehr geschrieben.« Das hat Herrn Melcher Leichtenhendlin an dem Altar verdrossen, und da der Hemler ein böses Auge hatte, hat er gleich darauf auch in Deutsch auf die vorige Melodie gesungen: »Daß dir die Pest in dein schlimmes Auge fahre!« Darauf hat der Hemler wieder gesungen: »Und daß dir die Pest in deinen lahmen Schenkel schlage!« Denn Herr Melcher hatte einen lahmen Schenkel gehabt. Hierauf sangen die Bauern, die zugegen waren, alle zusammen: »Amen.« Und in der Kirche ist ein großes Gelächter daraus geworden. Die Verwechslung Einmal reisten ein Student, ein Scherer und ein Kahlkopf miteinander. Als sie nun nachts im Wirtshaus übel trauten und einer um den andern wachen sollte, traf das Los den Balbierer zum ersten. Dieser, indem er also wachte, nahm sein Schermesser und schor den Studenten ganz kahl und weckte ihn hernach auf, als die Zeit an ihn gekommen war zu wachen. Dieser, da er also vom Schlaf aufwachte und, sich auf dem Haupt kratzend, keine Haare befand, fing an und sagte: »Der arge Hudler, der Balbierer, hat sich geirrt, er hat den Kahlkopf für mich aufgeweckt!« Die vier weinenden Brüder Es gingen vier Ordensmänner, vier Brüder, miteinander über Land und kamen in ein Wirtshaus und wollten einen Imbiß nehmen. Sie waren sehr hungrig. Der Wirt setzte ihnen ein gutes weißes Mus vor, das war sehr heiß. Der erste fuhr mit dem Löffel hinein und dem Maul zu und verbrannte sich das Maul, daß ihm die Augen überliefen. Der andere fragte ihn, warum er weine. Er sprach: »Mir ist kürzlich meine Mutter gestorben, an deren Tod habe ich gedacht und konnte mich des Weinens nicht enthalten.« Da sprach der andere: »Man soll jetzt essen und nicht weinen.« Da fuhr er auch mit einem Löffel voll Mus dem Maul zu und verbrannte den Rachen, daß ihm auch die Augen überliefen. Der dritte fragte ihn, warum er weine. Er sprach: »Ich denke an meines lieben Vaters Tod.« Damit verbrannte sich auch der dritte das Maul und sprach: »Ich denke an meine großen Freunde.« Der vierte weinte auch, und sie fragten ihn, warum er weine, und sie lachten. Der aber sprach: »Ich weine, weil ihr alle Schälke und Buben seid und daß es so heilige Vettern in unserem Orden gibt.« Die Vogelscheuche Schetze Kall es emol n Noocht spät vum Herwerscher Maad haamkomme, e hat sich do en Dreschflejel gekaaft. No, wäi e aus'm Wald eraus kimmt – n halbstonn Wegs vum Dorf noch weg – do stiht do offaamol e Mannskerl medde off Trineliese Hannjakob seim Erwesäcker. Mei Kall, sost net esu ängsterlich, stutzt, bleibt stih, laustert, reißt de Aage off un guckt. Der Kerl stiht aach rouhig off m Äcker, bewegt sich ob un zou su e bißje, wann aach net vill. Es geng e bißje Wend din Owend. Ds Laad, denkt mei Kall, der Kerl kimmt off mich dor un roift: »Wer es do?!« – Kaa Antwort! – E roift nochemol! – Wirrer kaa Antwort! Do werds m unhaamlich! Um läbste härre de Baa off de Buckel genomme un hät sich u s Laafe gedou. Owwer wann se das morn em Dorf gewohre woijern – denkte –, däß eich vir Aam, der aam net gleich Antwort git un aam nur ewink zoum Uhz will hall, fort sei gelaafe, daa häiß es fir ewiche Zeire: Der Ängstschesser! Naa, daß wollt der Kall sich doch net gesaat lorre sei! Do nemmt e sich nochemol de Kurraasch un roift: »En drei Deuwels Nome, wer es do off dim Äcker?!« – Wirrer kaa Antwort! Do owwer saust mei Kall en aaner Raschih met em Flouch em Maul un dm Flejel met de zwo Hann gepackt off de Äcker un met »Etz kräisde des Laad!« saust de Flejel met uminscherlicher Gewalt off Trineliese Hannjakob sei – Schutescheusel! Bei dim Haak brauchts aam net ze verwonnern, däß ds Schutescheusel korz un klaa kaput wor! No, Trineliese Hannjakob sohk jo, däß das Aaner moutwillich gedou hat und das horrem kaa Rouh gelorre, bis e raus hat kräit, wer'm din Streich gespillt hat. Un vu der Zeit ob wor Schetze Kall bei Jungk un alt ds »Schutescheusel«! Die vorlaute Elster Ich will euch ein Exempel sagen von den Frauen, die hinter dem Rücken ihrer Männer heimlich Schleckereien essen. Es war eine Frau, die hatte eine Elster in einem Käfig, die redete und sagte alles, was sie sah und was man tat. Es begab sich nun, daß ihr Hauswirt einen guten, großen Aal in einem Trog an einer heimlichen Stelle aufgehoben hatte, damit, wenn ein Herr oder guter Freund ins Haus käme, er ihn zeigen könnte und er ihm damit Ehre tun und ein gutes Essen haben könnte. Da ging die Frau zu ihrer Gevatterin und erzählte ihr von dem Aal und wie gut er zu essen wäre. Sie taten einen Anschlag, den Aal zu essen, und wollten dem Hauswirt zu verstehen geben, daß eine Otter ihn genommen und ihn gefressen hätte. Da nun der Herr nach Hause kam, hob die Elster an und sagte: »Herr, meine Frau hat den Aal gegessen.« Da ging der Herr über seinen Fischtrog und wollte sehen, ob es wahr wäre oder nicht. Als er nun den Aal nicht fand, fragte er seine Hausfrau, wohin er gekommen wäre. Sie dachte sich gar wohl zu entschuldigen. Da sprach aber der Herr: »Gewißlich hast du ihn gegessen, denn die Elster hat mir das gesagt.« Und er schalt und strafte sie darum mit gar zornmütigen Worten. Deshalb, sobald der Herr ausritt, kam die Frau mit ihrer Gevatterin zu der Elster, und sie nahmen und rauften sie so sehr, daß ihr keine Feder blieb auf ihrem Haupt, und sprachen: »Das ist dafür, daß du uns wegen des Aales verraten hast.« Immer wenn nun fürderhin die Elster einen Menschen sah, der kahl- oder glatzköpfig war, schrie sie überlaut: »Du hast wohl auch von dem Aal gesprochen.« Die wahrscheinlich bereute Erlaubnis Ein Bauer hatte einen Milchnapf zum Aufbewahren gegeben. Er forderte ihn zurück, die Milch war aber verschwunden. Vom Wortwechsel kam es endlich zur Klage, und der Nachbar ward vom Richter zur Bezahlung der Milch verurteilt, ob er gleich behauptete, daß die Fliegen sie verzehrt hätten. »Ihr hättet sie totschlagen sollen«, sagte der Richter. »Wie?« erwiderte der Bauer. »Ist es denn erlaubt, die Fliegen zu töten?« – »Ei freilich«, entgegnete der Richter; »überall, wo Ihr sie findet; das erlaub ich Euch.« In dem Augenblick erblickt der Bauer auf dem Backen des Richters eine Fliege, er tritt auf ihn zu und gibt ihm eine Maulschelle, indem er sagt: »Uber die verwünschte Fliege, ich wette, es ist eine von denen, die mir die Milch ausgetrunken haben!« Der Richter hatte die Ohrfeige weg und durfte sich nicht beklagen, wegen der Erlaubnis, die er dem Bauern gegeben. Ein abenteuerlicher Handel Ein Abenteurer kam nach Frankfurt auf die Messe zu einem Krämer und fragte ihn und sprach also: »Lieber Krämer, was kostet ein seidenes Band, das mir von einem Ohr zu dem andern reicht, denn das Barett fällt mir oft herab, wenn der Wind sehr wehet.« Der Krämer merkte seine List nicht und sprach: »Ich achte es auf eine Elle lang, das gilt einen Kreuzer.« Der Abenteurer sprach: »Wenn es aber etwas länger wird, was soll ich dann dafür geben?« Der Krämer sprach: »Du hast doch nicht so einen großen Kopf. Gib mir zwei Kreuzer, so will ich dir messen von einem Ohr zu dem andern. Gott geb', wie lang es wird.« Der Gesell gab ihm die zwei Kreuzer und nahm das seidene Band und hob es an das linke Ohr und sprach zu dem Krämer: »Nun miß du bis zu dem andern Ohr.« Der Krämer nahm das Band und zog ihm das Barett ab und will ihm zu dem andern Ohr messen, da sieht er, daß es abgeschnitten ist, und spricht: »Wo ist das andere Ohr? Es ist doch nicht da.« Der Gesell oder Abenteurer sprach: »Es ist zu Erfurt an den Pranger genagelt. Miß es mir bis dahin.« Das wollte der Krämer nicht tun, und sie kamen aneinander, ihres Streites halber vor den Bürgermeister. Der Bürgermeister konnte wohl die Absicht erkennen, daß, wenn der Krämer bis zu dem andern Ohr messen sollte, all sein Band und der ganze Kram nicht genug sein würde, und er befahl dem Krämer, daß er mit dem Gesellen Frieden mache. Beide wurden in der Sache einig, denn sie waren keine einfältigen Kinder. Darum wollte sich der Bürgermeister als ein weiser Herr des Handels nicht mehr annehmen. Ein Affe wird für ein Kind angesehen Ein Bauer im Schwabenland kam vor die Apotheke und wollte einen Taler wechseln lassen. Da saß ein angekleideter Affe vor der Tür auf dem Laden, dem gab er den Taler. Der Bauer ging hinein in die Apotheke und forderte bei dem Apotheker Kleingeld für diesen Taler; welches ihm auch gegeben ward. Als aber der Apotheker fragte, wo denn der Taler sei, sprach der Bauer: »Ich hab ihn schon vor der Tür Eurem kleinen Büblein gegeben!« Vermeinte, der Affe wäre des Apothekers Söhnlein. Ein altes Weib ist schlimmer als der Teufel Man liest in den Historien, daß zwei junge Eheleute sich von Herzen liebgehabt und gar wohl vertragen hatten. Nun hätte sie der Teufel gern uneins gemacht, so daß sich dieselben Eheleute nicht so liebgehabt hätten, und er ging zu einer alten Hure, zu einem bösen Weib, und bot derselben ein Paar rote Schuhe an, wenn sie die Eheleute uneins machen würde. Die alte Vettel nahm's an und ging zunächst zu dem Mann und sprach: »Höre, dein Weib trachtet dir nach deinem Leben.« Der Mann sprach: »Das kann nicht wahr sein, ich weiß, daß mich mein Weib herzlich liebhat.« – »Nein«, sprach das alte Weib, »sie hat einen andern lieb und will dich erwürgen.« Sie brachte es dahin, daß der Mann sich vor der Frau fürchtete und Sorgen hatte, es geschähe ihm etwas Böses. Bald darauf ging die alte Vettel auch zu des Mannes Weib und sprach: »Dein Mann hat dich nicht lieb.« Als das Weib antwortete und sagte: »Ei, ich hab einen frommen Mann, ich weiß, daß er mich liebt«, da sprach die alte Vettel: »Nein, er will eine andere nehmen, deshalb komm ihm zuvor. Nimm ein Schermesser, steck's ihm unter das Kissen und bring ihn um.« Das Weiblein glaubt's, gewann einen Argwohn, das tolle, arme Närrchen, wider den Mann, glaubt's der alten, bösen Vettel. Der Mann ist mißtrauisch, und als er von der alten Hure erfährt, daß sein Weib ein Schermesser unter dem Kissen versteckt habe, da wartete er, bis sein Weib schlief, fand das Schermesser und brachte das Weib um. Da kam das alte Weib zum Teufel und forderte das Paar rote Schuhe. Der Teufel reichte ihr die Schuhe aber an einer langen Stange, denn er fürchtete sich vor ihr und sprach: »Nimm hin, du bist ärger denn ich.« Ein Bauer dankt für den Kindersegen Ein reicher Graf saß auf einer Grafschaft und hatte etliche hundert Dörfer unter sich. Auf eine Zeit kam ein Schultheiß aus einem Dorf zu ihm und hatte mit ihm zu reden wegen etlicher Sachen, die das Dorf betrafen. Als aber der Bauer bei dem Grafen saß, kam des Bauern Knabe und sagte, er solle eilends heimkommen, denn seine Frau hätte ein Kind bekommen. »Ei«, sprach der Bauer, »wann will sie wohl aufhören! Sie hat mir nun genug Kinder gegeben.« – »Schweig, Mann«, sagte der Graf, »es ist ein Glück, wenn man Kinder hat.« – »Ja, gnädiger Herr«, sagte der Bauer, »Euer Gnaden haben gut davon reden, ich habe des Glücks so viel, daß ich schier nichts mehr in meiner Schüssel zum Essen habe.« Da fing der Graf an zu lachen, schenkte dem Bauern einen Taler und ließ ihn heimziehen. Ein Bauer schilt St. Lukas Bei Germenrod im Hessenland hat eine Kapelle gelegen, zu St. Lukas genannt. Dahin zog ein Bauer. Der hatte ein krankes Schwein, verehrte dem Heiligen ein halb Mesten Weizen, daß er sein Schwein wiederum wolle gesund werden lassen und das Leben erhalten. Als er heimkommt, wird er unwillig über St. Lukas und schilt ihn also: »Lötzge, du darfst mir wohl ein Gesellchen sein, du nimmst den Scheffel Weiz von mir und läßt mir naut dewinger nichtsdestoweniger. mein Sau sterben!« Ein Bauer verklagt drei Studenten vor dem Konsistorium in Tübingen Drei Studenten hatten miteinander überlegt, sie wollten einem Bauern im Dorf etliche Gänse stehlen. Und eines Nachts hatten sie sich entschlossen, dem Bauern jetzt die Gänse zu stehlen, aber sie machten es so laut, daß der Bauer es hörte. Doch er wollte nicht aufstehen, sondern sie vor dem Konsistorium verklagen. Und als nun der erste kam, der die Gänse stehlen sollte, fing einer an und sagte: »Habes?« Hast du? Der, der die Gänse stahl, antwortete: »Habeo.« Ich habe. Und der dritte ermahnte ihn und sagte: »Curre cito!« Lauf schnell! Diese Worte hatte der Bauer fein alle behalten. Und als er des Morgens in die Stadt kam, ging er auf das Konsistorium und sagte, es hätten drei Studenten ihm in der vergangenen Nacht etliche Gänse gestohlen, und bat die Doktores, sie möchten den Studenten befehlen, daß sie ihm die Gänse bezahlten. »Ei, lieber Biedermann«, sagten die Herren, »zeige uns die drei, die dir den Schaden getan haben, so wollen wir es schon richten, daß sie dir die Gänse bezahlen.« – »Liebe Herren«, sagte der Bauer, »ich kenne sie nicht. Ich weiß aber wohl, wie sie heißen. Der eine heißt Habes, der andere Habeo, der dritte Curre cito.« Da sagte einer unter den Umstehenden: »Verba sunt.« Das sind die Worte – »Ei«, sprach der Bauer, »es ist nicht des Färbers Hund, es sind die drei, die ich jetzt genannt habe, und bitt Euch, liebe Herren, Ihr wollt mir die bösen Buben verschaffen, daß sie daran denken, mir die Gänse zu bezahlen.« Da nun die Herren auf dem Konsistorium sahen, was sie für einen Vogel vor sich hatten, gaben sie dem Bauern zur Antwort, er solle hinziehen, sie wollten nach den dreien fleißig fragen, und wenn sie es erführen, wollten sie dafür sorgen, daß ihm die Gänse bezahlt würden. Mit dieser Antwort gab sich der Bauer zufrieden und zog nach Hause. Ein Bauer verteidigt sich vor seinem Priester Ein Bauersmann ward vor seinem Priester verklagt, daß er gesagt habe: 1. Sein Esel wäre viel verständiger als der Pfaff. 2. Er könnte in seinem Haus das Himmelreich oder auch die Hölle haben, wenn er nur wolle. 3. Gott tue, was er wolle. Hierauf antwortete der Bauer also: »Was das erste anbelangt, so trinkt mein Esel, wenn ihn dürstet und soviel er vertragen kann; der Pfaff aber sauft ohne Durst und so viel, daß er weder gehen noch stehen kann, also daß man ihn nach Hause führen muß. Auf das andere geb ich zur Antwort: Ich habe alte, unvermögende Eltern, wenn ich dieselben wohl halte, hoffe ich, Gott werde mir das Reich des Himmels verehren, halte ich sie aber übel, so weiß ich, daß ich die Hölle damit verdiene. Auf das dritte antworte ich: Gott tut, was ich will, ist wahr, aber ich will anderes nicht, als was Gott will, darum bitte ich allezeit: Herr, dein Wille geschehe!« Ein Bauernsohn läßt einen Ring machen Indem wir da beim Barbier waren, erzählte ein Jubilierer oder Goldschmiedsgesell ein artig Stücklein: Es sei vor vierzehn Tagen ein Bauernknecht zu seinem Herrn gekommen, der mit ihm um einen Ring einig geworden. Der Bauernknecht habe auch begehrt, diese Worte draufzustechen: »Ich Schulze Hänsel hab Gretle lieb, sie mich auch, so mein ich.« Da nun der Bauer wiedergekommen sei, den Ring abzuholen, habe ihm sein Herr die Worte vorlesen müssen: »Ich Schulze Hänsel hab Gretle lieb« usw. Das Bäuerchen aber sei zornig geworden, weil der Herr gesagt: »Ich hab Gretle lieb.« Dann sagte der Bauer: »Du hast sie nicht lieb, ich hab Gretle lieb.« Der Herr habe des Gecken gelacht und versprochen, die Worte anders und nach seinem Begehren zu setzen, aber Schulze Hänsel müsse etliche Viertel Weizen weitergeben. Heute aber sei er wiedergekommen, da ihm sein Herr die Worte so vorgelesen: »Du Schulze Hänsel hast Grete lieb, sie dich auch, so mein ich.« – »Jetzt ist es recht«, sprach er und lieferte den versprochenen Weizen. Ein Bürger zu Kassel fängt einen Hasen In dem Revier um die Stadt Kassel ist dem gemeinen Mann bei einer harten Strafe verboten, die Hasen zu fangen. Deshalb laufen diese fast in alle Gärten und machen viel Kraut zuschanden. Vor Jahren soll ein Bürger vor das Neustädter Tor in seinem Garten spazierengegangen sein, und als er einen Hasen, der an dem Kohl nicht geringen Schaden begangen hatte, sah, warf er nach demselben mit einer Hellebarde. Der Wurf war ihm gut geraten, er hatte den Hasen getroffen, faßte ihn unter seinen Mantel, ging wieder nach der Stadt und dachte bei sich selbst: »Jetzt willst du auch einmal satt Wildbret essen. Nur mußt du solches nicht allein genießen, sondern von deinen Gevattern und Schwägern etliche dazu einladen.« Nun aber fiel ihm ein, daß an dem Hasen nicht genug und auch ein Gericht Fleisch und Fisch daneben nicht schlecht wäre, auch daß er seinen Gästen ja zum wenigsten auch ein Viertel Wein ausschenken müßte. Als er dieses und jenes und die Kosten überschlug, fiel ihm auch plötzlich dazu noch ein, daß, wenn man ihn mit dem Hasen erwische, er einer großen Strafe entgegengehen würde. Eben in solchen Gedanken war er auf der Fuldabrücke angekommen, und da sagte er zu dem Hasen: »Solltest du mich in unnütze Kosten und andere Beschwerlichkeiten bringen, da wäre es mir lieber, ich hätte dich nie gesehen. Ich will daher lieber auf dich verzichten«, warf ihn in die Fulda und ließ ihn wegschwimmen. Ein Dieb vergißt das Wiederkommen Ich muß noch eins von diesem Krebsdorf melden. Einstmals hatten sie einen Dieb gefangen, und es war eben die Zeit, da das Korn im Felde stand. Daher sagten sie zu ihm, sie könnten ihn jetzt nicht henken, weil das Korn im Felde stehe. Sie gaben ihm deshalb ein Stück Geldes und sagten: »Geht damit so lang aus der Stadt, bis das Korn eingeerntet ist!« Er ging hin, verzehrte das Geld in kurzer Zeit und kam danach wieder zu ihnen und sprach: »Ihr müßt mir mein Recht sprechen, oder ich muß mehr Geld haben.« Da sprachen sie: »Ihr müßt so üppig nicht zehren, da habt Ihr noch einen Reichstaler, Ihr mögt Euch so lang damit behelfen.« Er aber nahm das Geld und vergaß ganz und gar das Wiederkommen. Ist leicht zu gedenken. Ein Ferkel stößt den Sauermilchhafen um Es war eine arme Witwe, die hatte eine Sache vor einem Richter, dem schenkte sie einen Hafen mit Sauermilch. Er sollte ihre Sache fördern. Der Richter gab ihr gewonnen und sprach, sie hätte eine gute Sache und brauchte keine Sorge zu haben. Sie war froh. Da kam der Gegner, der war reich, und er schenkte dem Richter ein Ferkel. Als der Tag des Gerichtsspruchs kam, da ging sie wieder hin und verlor ihren Prozeß. Da kam sie zu dem Richter und sprach: »Herr, wo ist mein Sauermilchhafen?« Er antwortete: »Das Ferkel hat ihn umgestoßen.« Ein Fuchs und ein Eichhörnchen betrügen einander Ein Eichhörnchen sprang auf eine Zeit von einem Baum zum andern. Darunter stand ein Fuchs, der sah zu und wollte das Eichhörnchen verspotten und sprach: »Du überhebst dich sehr mit deinem Springen und tust doch nicht, wie dein Vater getan hat. Denn derselbige tat die Augen zu und sprang, ohne zu blinzeln, von einem Baum zum andern.« – »Oh«, sprach das Eichhörnchen, »ich kann es wohl auch tun.« Es tat die Augen zu und wollte auf einen Baum springen. Nun verfehlte aber das gute Tierlein den Sprung, so daß es herabfiel, und der Fuchs, behende, erwischte das Eichhörnchen und wollte es fressen. Als solches das Eichhörnchen sah und merkte, daß es jetzt sterben mußte, reute es sehr, daß es dem listigen Fuchs gefolgt hatte. Doch bald erfand es eine List und sprach: »Oh, lieber Fuchs, du tust auch nicht, wie dein Vater getan hat. Dein Vater, wenn er etwas zu essen bekommen hatte, lobte er vorher Gott. Aber du willst mich ungebetet fressen.« – »Ei«, sprach der Fuchs, »hat mein Vater das getan, ich kann es auch tun.« Er ließ von dem Eichhörnchen, setzte sich auf die Hinterfüße und fing an zu beten und Gott zu loben. Dieweil er aber so saß, sprang das gefangene Eichhörnchen wieder auf den Baum und fing an, des Fuchses zu spotten und wegen seiner Torheit zu strafen. Als solches der betrogene Fuchs sah, klagte er wegen seiner Dummheit und sprach, wenn er wieder einmal was zu fressen hätte, wollte er es zuerst fressen und danach Gott loben. Ein Fuhrmann droht einem andern In einem Hohlweg begegnete ein Fuhrmann einem andern, also daß notwendig einer ausweichen und zurückkehren mußte. Der eine fuhr den andern mit so ungestümen Worten an, er solle ihm alsbald ausweichen und zurückkehren, oder er wolle es mit ihm machen, wie er es mit dem vorigen gemacht, der ihm in dem Hohlweg begegnet. Der andere besorgte sich, es möchte an ein Schlagen gehen und er dürfte Stöße davontragen, darum wich er ganz willig aus. Da nun alles vorbei war, fragte er den ungestümen Fuhrmann, wenn er ihm nicht ausgewichen wäre, was er ihm dann hätte tun wollen und was er dem andern getan hätte. Da antwortete er mit lächelndem Mund: »Er wollte mir nicht ausweichen, so bin ich ihm ausgewichen!« – »Das hätte ich dir auch getan!« Also endigte der ganze Handel in einem Gelächter. Ein Gaukler lehrt sein Pferd Latein Ein Schreier oder Gaukler hatte sein Pferd also gewöhnt, daß wenn er sprach: »Flectamus genua«, Beugen wir die Knie so kniete es nieder. Einstmals ward ihm dasselbige Pferd gestohlen. Und er eilte dem Dieb auf der Spur nach. Als aber der Dieb solches merkte, setzte er mit dem Pferd durch ein Wasser; deswegen konnte der Gaukler nicht nachkommen. Als er jedoch den Dieb mit dem Pferd mitten in der Tiefe des Wassers sah, schrie er mit lauter Stimme: »Flectamus genua, flectamus genua!«, das Pferd kniete nach seiner Gewohnheit nieder, warf den Dieb ins Wasser, daß er ersoff, und das Pferd schwamm heraus. – Hätte der arme Dieb auch Lateinisch gekonnt oder sich auf den Fastengesang verstanden, so würde er geschwind gesagt haben: »Levate!«, Erhebet euch damit er auch davongekommen wäre. Ein geistesgegenwärtiger Dieb Ein Dieb wollte eine Speckseite aus dem Schornstein stehlen, fiel aber mit einer herunter. Der Wirt im Haus zündete ein Licht an und suchte in der Küche, was da wäre. Jener hatte in die Hände gespien und an die Wand gerieben, strich sich im Gesicht kohlschwarz an und stand aufgerichtet in der Küche. Der Wirt fragte, wer er wäre. Er sagte, der Teufel. Was er da wolle? Er hätte ihm eine Speckseite gebracht. Der Wirt sagte zitternd: »Ich begehre sie nicht, nimm sie nur hin und gehe damit zum Haus hinaus!« Womit der arme Teufel gar wohl zufrieden war, weil er nichts anderes begehrt hatte. Ein Geschenk für zwölf Blinde Es kamen einmal zwölf Blinde miteinander von Nürnberg her, wo man am Tag der Heiligen Drei Könige den Blinden Geld schenkt. Da begegnete ihnen ein Ritter, der wollte gen Nürnberg reiten und sprach zu ihnen: »Ihr lieben Brüder, ihr Blinden, wo kommt ihr her bei dem wüsten Wetter?« Die Blinden sprachen: »Ach, lieber Junker, oder wer Ihr seid, wir hören wohl, daß Ihr reitet, wir kommen von Nürnberg und hatten gedacht, man hätte uns anders gehalten, als man es getan hat, und es ist schlechtes Wetter, es schneit und weht der Wind, und es ist kalt dazu, und wir armen Leute können nirgends hingehen.« Der Ritter sprach: »Geht in das nächste Dorf, es ist nicht weit von hier und fragt nach dem Wirtshaus ›Zum Hasen‹ und nehmt die zwölf Gulden und verzehret sie dort und laßt es euch gut gehen und bittet Gott auch für mich.« Die Blinden dankten ihm sehr und waren froh und kamen zu dem Wirt und sagten ihm, einer hätte ihnen zwölf Gulden geschenkt. Der Wirt rüstete zu und gab ihnen zu essen, und sie lebten wohl etliche Tage. Danach sprach der Wirt: »Wohlan, liebe Brüder, wir wollen einmal rechnen.« Die Blinden sagten: »Ja.« Der Wirt rechnete ihnen so viel Mahl und so viel Schlaftrunk, daß die zwölf Gulden schnell aufgegangen waren. Da sprach der Wirt: »Der die zwölf Gulden hat, der gebe sie heraus.« Ein jeder sagte, er hätte sie nicht, und keiner von ihnen hatte sie auch. Der Wirt war zornig und sprach: »Das wäre recht, daß ihr mich so um das Meine bescheißen wollt. Ihr Schälke, ihr müßt es an eurem eigenen Leib erdarben.« Und er schloß die armen Blinden in einen Gänsestall ein und gab ihnen nichts als Brot zu essen, und davon noch nicht genug. Der Ritter, der sie in die Not gebracht hatte, dachte: »Du mußt wohl schauen, wie es den Blinden ergangen ist.« Und er ritt hin zu dem Wirtshaus und hörte die zwölf Blinden im Gänsestall. Er sprach zu dem Wirt: »Was ist das für ein Leben?« Der Wirt sagte es ihm. Der Ritter sagte: »Lieber Wirt, wollt Ihr nicht einen Bürgen annehmen und laßt dann die armen Leute laufen?« Der Wirt sprach: »Ja, ich würde schon einen Bürgen annehmen.« Der Ritter ging nun zu dem Pfarrherrn. Nun lag die Pfarrei fern von dem Dorf, und der Priester konnte besessene Leute beschwören, und der Ritter sagte zu ihm: »Lieber Herr, mein Wirt ›Zu dem Hasen‹ ist heute nacht von Sinnen gekommen. Man meint, er sei besessen, und seine Frau läßt Euch bitten, Ihr wolltet ihn der Besessenheit ledig machen, das will sie Euch wohl lohnen.« Der Priester sprach: »Ich kann vor vierzehn Tagen nicht dazu kommen, man muß eine Weile warten.« Der Ritter ging zu dem Wirt und sagte ihm, der Pfarrer sei Bürge für die zwölf Gulden geworden. Er wolle es in vierzehn Tagen richten, und er sagte weiter: »Laßt Eure Frau mit mir zu ihm gehen, er will es ihr vor Euch versprechen.« Der Wirt sprach zu seiner Frau: »Geh hin und schau, ob es so ist.« Als sie zu der Pfarrei kamen, da sprach der Ritter: »Lieber Herr, sagt der Frau, was Ihr mir gesagt habt.« Er sprach: »Ja, Ihr müßt eine Weile warten, in vierzehn Tagen will ich der Sache einen Austrag geben.« Die Frau sagte es dem Mann, und der Wirt ließ die Blinden gehen, und der Abenteurer ritt auch hinweg. Und als dann die vierzehn Tage herum waren, da schickte der Wirt die Frau zu dem Pfarrherrn wegen der zwölf Gulden. Der Priester sprach: »Ich bin Euch nichts schuldig. Ich weiß nichts von zwölf Gulden zu sagen. Man hat mich gebeten, ich soll Euern Mann beschwören, er sei besessen.« Sie sprach: »Mein Mann ist gesund. Ihr müßt ihm die zwölf Gulden geben.« Die Frau sagte dem Mann die Antwort. Der Wirt war zornig und nahm seine Knechte mit sich, und ein jeder nahm eine Hellebarde auf die Achsel. Der Herr stand unter der Tür und rief seinen Nachbarn auch zu sich mit Hellebarden und sprach: »Seht, liebe Freunde, wenn sie voller Teufel sind, so wollen sie Geld von den Leuten haben.« Ein Gesichtswasser Ein Student zu Paris hatte in seiner Kammer eine schöne Frau. Und als er einmal vor Tage in die Schule ging, stand das Weib auf und durchsuchte die Kammer nach solcher Frauen Sitten, die zuzeiten, was ihnen gefällt, nach Hause tragen. Da es finster war, erwischte sie ein Krüglein mit Tinte, von dem sie dachte, es sei Rosenwasser, und sie salbte sich allenthalben mit der Tinte. Als aber der Student wieder aus der Schule kam und er sah, daß sie überall schwarz war, erschrak er übel vor ihr, daß ihm beinahe die Sinne schwanden, und es fiel ihm ein, daß vielleicht in der Zeit, durch Verhängnis Gottes etwa, ein böser Geist sie mißhandelt hätte. Die Frau aber, als sie den Schrecken des Studenten merkte, erschrak auch, da sie nicht wußte, weshalb dieser also erschrocken war. Und als sie einander so ansahen, begann die Frau zuerst zu reden und fragte ihn, weshalb er dastünde, warum er sich nicht wieder zu ihr legte. Da antwortete ihr der Student, er wäre vor ihrem schwarzen, ungestalten Angesicht übel erschrocken, und ihr schönes und liebliches Angesicht hätte sich, dieweil er in der Schule gewesen wäre, in eine Mißgestalt und Unform verwandelt. Und als die Frau sich selbst besah, fand sie sich nicht mit Rosenwasser, sondern mit Tinte gesalbt und sagte es dem Studenten. Damit ward er wieder fröhlich und legte sich wieder zu ihr. Ein gestohlener Hecht beißt Ein Edelmann ließ seinen Teich fischen. Ein Bauer hätte auch gern ein Essen davon gehabt, sah deswegen seine Gelegenheit ab, erhaschte einen Hecht und steckte denselben geschwind vorn in die Hosen. Indem kam der Junker hinzu geritten. Über eine Weile fing der Bauer an, laut zu rufen und schreien. Niemand wußte, was ihm schadete, bis der Bauer vor Angst die Hosen abfallen ließ. Da hatte der Hecht des Bauern Gemächt im Halse und hing gleichsam daran. Der Bauer schüttelte, aber der Hecht wollte nicht abfallen. Ein höflicher Bauer Fritz Wohlgelehrt im Bayerland hatte einen schönen Garten und darin allerlei Sachen gepflanzt. Da ihm nun auf eine Zeit seines Nachbarn Schwein hineingebrochen war und viele Dinge verwühlt hatte, paßte er ein andermal mit der Axt auf, und da es wiederkam, schlug er es mit seiner Axt auf den Kopf, daß es darüber starb. Der Nachbar verklagte den Saumörder vor dem Landesherrn, welcher auch auf Erforderung gehorsam erschien. Gefragt, warum er das Schwein totgeschlagen, antwortete er, daß es ihm großen Schaden getan und all seinen Kohl verwüstet habe. Weiters gefragt, wie er es auf einmal so gleich totgeschlagen, gab er dies Gleichnis: »Wenn dieser Saal mein Garten wäre und diese Wand der Zaun und die Tür das Loch, wo es hineingekrochen, und Eure Fürstl. Gnaden die Sau, und ich stünde hier hinter der Tür, und Ihr wolltet hereinbrechen, und ich nähme dann die Axt und schlüge Euch auf den Diebsrüssel, und Ihr stürbet davon: eben also ist's mit dem Ding hergegangen.« Ein höflicher Dieb Ein Reiter begegnete einst, als er im Quartier lag, einem Herrn Pfarrer auf der Straße, so auch zu Pferd gesessen, und zwar in einem Wäldlein. Er ritt behend auf ihn zu, in der linken Hand neben dem Zaum den Hut, in der rechten eine ausgezogene Pistole gegen ihn haltend. Als dieses der Reverendus Dominus Ehrwürdige Herr ersehen, zitterte er vor Furcht und warf alles Geld, so er bei sich hatte, dem Kriegsmann in seinen Hut, für welches sich der Reiter höflichst bedankte und sich aus dem Staub machte. Weil aber der Pfarrer den Reiter wohl in das Gesicht gefaßt und sich des andern Tags in den nächsten Marktflecken zu dem allda einquartierten Offizier begeben, demselben sein erlittenes Unglück beigebracht und der Offizier jene, so den vorigen Tag ausgeritten, beifordern hatte lassen, worunter der Pfarrer den Täter gleich erkannte, sprach er zu seiner Verantwortung, nachdem er zur Rede gestellt wurde: »Ich hab diesem guten Herrn kein Leid getan, sondern ihm, als einem ehrwürdigen Geistlichen, meinen demütigen Respekt erwiesen, vor ihm den Hut abgezogen und das Gewehr präsentiert, von ihm auch nicht mit einem einzigen Wort etwas erpreßt. Er aber hat mir aus Gegenhöflichkeit und Freigebigkeit etwas Geld verehrt, für welches ich mich untertänig bedankt und im Frieden fortgeritten bin.« Worauf sich von allen Anwesenden ein starkes Gelächter erhoben und der Herr Pfarrer die ihm erwiesene Höflichkeit teuer genug hat bezahlen müssen. Ein Hund ist klüger als sein Herr Es war ein weiser, ansehnlicher Mann am württembergischen Hofe, der hatte einen Hund, welcher ihm einstmals auf das Schloß nachfolgte. Als nun der Hund mit seinem Herrn in den Schloßhof kam, fielen ihn die großen Hofhunde an und zerzausten ihm sein Fell weidlich. Von diesem Tag an wollte er seinem Herrn nicht mehr aufs Schloß folgen, und da er ja mit seinem Herrn lief und an das Schloß kam, marschierte er wieder zurück und traute dem Burgfrieden nicht. Hierüber verwunderte sich sein Herr und sprach: »Mein Hund ist weit klüger und witziger denn ich, denn weil er nur einmal übel zu Hofe gehalten und empfangen worden, will er nicht mehr dahin kommen und ist solchen Lebens müde. Ich aber, der ich viel Unlust und Gefahr daselbst ausgestanden, bin so verständig und vernünftig nicht, daß ich mich solchen mühseligen Lebens enthielte und davon abtäte.« Ein Junge verrät sich selbst Ein Professor hielt einen Jungen, der ihm zu Tisch und sonst diente. Wenn nun das Ordinari aus war und die Herren Kostgänger noch Lust zu einem Trunk, und zwar zum besten, hatten, schickte der Professor den Jungen in den Keller mit besonderer Ermahnung, nicht zu trinken. Der Junge trank, wischte das Maul und leugnete. Der Professor wollte ihn ertappen, nahm Kreide und machte dem Jungen einen Strich über Stirn, Nase, Mund und Kinn und schickte ihn also über das beste Faß. Da durfte er nicht trinken, dachte aber, er wolle hinfort ein Stück Kreide im Sack tragen. Ein andermal, da er nun mit Kreide versehen war, sollte er Wein zapfen. Da nahm der Professor seine Kreide und stellte sich, als mache er einen breiten Strich, wie zuvor, die Nase hinunter, faßte aber die Kreide in die Faust und gebrauchte nur den Daumen. Urian dachte: »Es muß jetzt gut werden, ich hab Kreide im Sack«, Hosentasche tat einen starken Zug im Keller von dem Faß, fuhr mit seiner Kreide drei- oder viermal über die vermeinte Straße und ging wohlgemut hinauf vor seinen Herrn. Da lachte jedermann des Possens, und der gute Knecht hatte sich selbst verraten. Ein junger Bruder wollte gern eine Gans haben Es begab sich einst, daß ein Einsiedler in eine Stadt ging mit einem jungen Bruder, den er von Jugend auf erzogen hatte. Den Bruder wollte der Altvater prüfen, was hinter ihm stecke. Da sie nun miteinander in die Stadt kamen, da sah der junge Bruder viele Frauen hin und her gehen. Er gaffte sie an wie ein Kalb ein neues Tor und verwunderte sich sehr darüber. Denn es war ihm ein seltsam Ding, er hatte vorher nie eine Frau gesehen. Denn er war von seinen kindlichen Tagen an im Kloster gewesen und darin erzogen worden. Er fragte den Altvater, was diese Dinge wären. Der Altvater antwortete ihm und sprach: »Es sind Gänse.« Denn die Frauen hatten weiße Schleier aufgesetzt und weiße Ärmel angelegt. Der junge Bruder schwieg und ließ ein Ding ein Ding sein. Danach, als sie wieder heimkamen in ihr Kloster, da begab es sich, daß der junge Bruder anfing, bitterlich zu weinen. Da fragte ihn der Altvater, warum er weine. Da sprach der junge Bruder: »Ach Vater, sollte ich nicht weinen? Ich wollte gern eine Gans haben.« Ein Kapellmeister hält eine Fliege für eine Note Es wird erzählt von einem Kapellmeister, der hohen Alters halber gar ein schwaches und blödes Gesicht hatte, deshalb stets seine Nase mit einem Paar venetianischer Brillen wie mit einem gläsernen Sattel versehen mußte. Auf eine Zeit hat er in der Kirche vorgesungen und in dem Gesangbuch eine Mücke gesehen, welche oberhalb der schwarzen Linien gesessen, und er glaubte, dies sei eine musikalische Note, weshalb er seine Stimme erschrecklich erhob und jämmerlich aufgeschrien hat, wie die Wölfe, so sie den Vollmond ansingen, worauf alsbald die Kapellknaben nachgeschrien und eine unförmliche Musik gemacht haben, daß den Leuten schier das Gehör verfallen. Ein Krebs und für was er angesehen In Mesnopotamia, hinter Calicut, liegt ein kleines Märktlein mit Namen Narrenhausen. Dort trug ein Fischer in seiner Ziste etliche große Krebse vorbei, solche einem gewissen Edelmann, so draußen drei Stund von diesem Markt in einem schönen Schloß wohnte, zu bringen. Im Durchgehen aber kroch ihm ungefähr einer von den größten Krebsen heraus und fiel auf die Erde, ging also die ganze Nacht in der Finsternis um. Des andern Tags, als ihn einer von den Bürgern sah, ist er dermaßen darüber erschrocken, daß er, an Händen und Füßen zitternd, alsbald zur Obrigkeit gelaufen und angezeigt, was er dort auf dem Platz für ein seltsames und abscheuliches Tier mit vielen Füßen angetroffen, nicht wissend, wo solches müsse hergekommen sein. Der Schuhes oder Marktrichter säumt sich nicht, macht sich samt den Ältesten selbigen Orts auf, den Augenschein einzunehmen und dies fremde Tier zu besichtigen. Sie sehen und nehmen wahr, daß dasselbe sehr viele Füße hatte, hinter sich und vor sich gehen konnte, mit den Augen dickisch hinschaute, vorne zwei runde und lange Schnüre, auf rechter und linker Seite zwei spitzige Scheren hätte. Sie erschraken dermaßen darob (weil sie dergleichen noch nie gesehen), daß sie gar die Sturmglocke angeschlagen und die ganze Gemeinde zusammenberufen, über dieses Abenteuer zu beratschlagen. Da kamen verschiedene Meinungen heraus. Etliche vermeinten, es wäre ein vergifteter Basilisk. Andere sagten, es wäre eine Art der Meerhirsche, weil er Hörner hat. Einer, der sich gar gescheit zu sein dünkte, tröstete sie und sagte, man habe sich vor diesem nichts zu fürchten, es sei kein vergiftetes oder wildes Tier, sondern entweder ein Fuhrmann oder ein Seiler, weil er zwei Schnüre oder Geißeln bei sich habe. Denn gleichwie der Schmied den Hammer, der Zimmermann die Haken, der Schreiber die Feder, also trage dieser auch die Schnüre oder Stricke bei sich. Letztlich tritt einer mit einem langen, eisgrauen Bart hervor. »Nein«, sagt er, »ihr Herren, ich kann euch's wohl sagen, dies ist niemand anderer als ein verlaufenes Schneiderbürschl, weil er die Scheren mit sich trägt, und allem Ansehen nach muß er in seiner Kunst wohl erfahren sein.« Diese Meinung gefiel den anderen allen, beschlossen deswegen, das Probstück zu nehmen, und legten ihm ein ganzes Stück des besten engeländischen Tuchs vor, setzten diesen fremden Schneiderknecht darauf, und wo derselbe hingekrochen oder seine Scheren gewendet, da mußte ihm einer von ihren besten Meistern mit seiner Schere nachschneiden, in der gänzlichen Hoffnung, hiervon ein schönes Meisterstück zuzuschneiden und mit solchem raren Kleid ihren Fürsten zu Calicut zu regalieren. Es spitzten sich auch schon etliche witzige Bürgerstöchter darauf, nämlich wenn dieses Meisterstück gerate, sie ihnen alsdann auch die schönsten Mieder, Röcke und Modewämser anfrimmen wollten. Aber das Kleid ist dermaßen zerschnitten, das Tuch verpitzelt worden, daß sie die Stücke zu nichts anders mehr als zu Strümpfe doppeln gebrauchen konnten. Weil sie nun gesehen und genugsam erfahren, daß sie in ihrer Meinung betrogen und dies kein Schneider sein mußte, rief einer von den Umstehenden seinen Sohn, welcher weit und breit herumgekommen, auf zwei Meilen Wegs die Länder passiert, viel gesehen und erfahren in anderthalb Jahren. »Komm her«, sagt er, »Antoni, schau, was sagst du zu diesem Tier?« – »Ja«, sagt er, »was wollt ich sagen, ich sage und halte dafür, es sei der Anti- Christ, von dem man so viel sagt und predigt, daß er die Leute so jämmerlich betrügt und verführt.« Diesem aber widersetzt sich ein anderer: »Mitnichten«, sagt er, »ist es der Anti-Christ: Ich halte dafür, es sei sonst ein Gespenst, vor dem man sich wohl zu hüten hat. Deswegen der beste Rat, daß man solches alsbald aus dem Weg räume und lebendig verbrenne!« Dem sie auch fleißig nachgekommen; haben deswegen ein großes Feuer aufgemacht und den Krebs dareingeworfen, zu Staub und Asche verbrennt. Also, seht, hat das unschuldige Tier um sein Leben kommen und den Tod ausstehen müssen. Ein Mann will seiner Frau pfeifen Ein gelehrter Mann war jedesmal emsig über seinen Büchern. Er hatte ein schönes, rasches junges Weibchen, welche unterweilen gerne wäre geliebt gewesen, gab daher ihrem Herrn hierzu unterschiedliche Male Anlaß, indem sie öfters kam und ihn auf allerhand Arten liebkoste, den Bart kraulte und seine Haare streichelte. Der Herr aber, welcher schon ziemlich bei Jahren war, wollte solches gar nicht verstehen, sondern sprach zu ihr: »Junge Frau mein, laßt mich doch jetzt ungehindert, wenn ich Euer werde vonnöten haben, will ich Euch schon pfeifen.« Als es aber dem guten Weibchen allzulang wurde, ehe ihr Herr pfiff, kam sie vielmals gelaufen und sagte: »Herr, was wäre Euch lieb: Gelt, Ihr habt gepfiffen?« Der Mann war hierüber ganz unwillig und sagte: »Ihr irrt Euch, daß ich sollte gepfiffen haben.« Als aber ihr Herr mit dem Pfeifen gar zu lang einhielt, kam sie einstmals und sagte: »Herr, wenn Ihr nicht pfeifen wollt, so hat der Schreiber unten in der Küche schon das Maul gespitzt und will pfeifen.« Ein Mittel gegen Geschwätzigkeit Ein Weib klagte einem klugen und verständigen Mann, daß ihr Ehemann fast täglich voll heimkäme, erschrecklich rumore und alles zuunterst und zuoberst kehre. Der hörte ihr Klagen geduldig an, dachte aber bald dabei, daß der tolle und volle Mann durch die Geschwätzigkeit seines Weibes noch toller und rasender gemacht wurde. Er verhieß ihr daher nicht nur ein gutes Mittel, sondern reichte ihr solches gar in die Hand und sprach: »Seht da, liebes Weib, nehmt dieses Fläschlein mit Wasser mit Euch, und wenn Euer Ehewirt wohl bezahlt nach Hause kommt, so schlürft von diesem Saft (es war aber nichts anderes als ein schlechtes Brunnenwasser) ohne Säumnis, haltet selbigen so lange in dem Mund, bis er sich zu Bett gelegt. Ihr werdet alsdann erfahren, was dieser Liquor vortreffliche Kraft habe und wie so gar wenig Euer sonst stürmender Mann rumoren werde.« Das Weib gehorchte diesem guten Rat, gebrauchte das Mittel und verspürte treffliche Linderung. Sie stellte sich wieder bei ihrem Ratgeber ein und begehrte inständig zu wissen, was doch dieses für ein Wasser sein müsse und wie hoch es wohl zu kaufen wäre. »O liebes Weib«, sprach jener, »man kann dieses Wasser ohne Unkosten aus dem nächsten Brunnen schöpfen: denn was Ihr dem Wasser zueignet, das ist Eurem Zustand zuzuschreiben.« Ein Mönch darf kein Geld bei sich tragen Ein Edelmann ging mit einem Barfüßermönch über Feld. An einem Ort kamen sie an einen Bach, da war der Steg, wo man überging, weggenommen. Der Edelmann bat, der Mönch, weil er doch barfuß ginge, möchte ihn übertragen. Der Mönch ließ das geschehen. Wie sie aber mitten in den Bach kamen, fragte der Mönch den Edelmann, ob er auch Geld bei sich hätte. Er antwortete ja. »Oh«, sagte der Mönch, »Geld ist mir zu tragen verboten«, und schmiß den Edelmann mitten in den Bach. Ein Pfarrer droht einem Ehebrecher mit einem Stein Es wird von einem Pfarrer erzählt oder vielmehr gedichtet, daß er auf der Kanzel vorgebracht, daß ein Ehebrecher unter seinen Pfarrkindern sei, welchen er hiermit wolle ermahnt haben, von diesem schändlichen Laster abzustehen; falls er sich innerhalb acht Tagen nicht werde bessern, wolle er ihn nächsten Sonntag öffentlich auf der Kanzel nennen und vor allem Volk zuschanden machen. Der Sonntag kam heran, der Pfarrer stieg auf die Kanzel, sagte, der Ehebrecher habe sich nicht gebessert, er wolle auch dieses Mal seiner verschonen, über acht Tage wolle er einen Stein mit auf die Kanzel bringen und solchen dem Ehebrecher auf den Kopf werfen. Nach acht Tagen war ein großer Zulauf des Volks in die Kirche, welches aus Vorwitz, zu sehen, wie es werde ausgehen, sich einfand. Der Pfarrer kam mit dem Stein auf die Kanzel und sagte, weil sich der Ehebrecher bisher nicht gebessert, so wolle er seinem Versprechen hiermit nachkommen und dem Ehebrecher den Stein auf den Kopf werfen. Hiermit zuckte er den Arm mit dem Stein, als wenn er werfen wolle, behielt aber doch den Stein in der Hand. Als er aber den Stein mit dem Arm an einen gewissen Ort, wo die Männer saßen, schwang und zielte, bückten sich alle in selbiger Gegend, aus Sorge, sie möchten getroffen werden. »Holla«, sprach der Pfarrer, »ich hab vermeint, ich hätte nur einen Ehebrecher in meiner Kirche; so sehe ich aber, daß sich ihrer mehrere in diesem Falle nichts Gutes bewußt sind und ein jeder sich besorgt, er sei derjenige, den ich treffen wolle.« Ein Rebknecht beschläft seines Meisters Weib Ein Rebmann arbeitete auf eine Zeit mit seinem Knecht in den Reben. Und als es Mittag war, sagte er zu seinem Knecht: »Knecht, geh heim und heiße die Frau, dir Eier in Schmalz schlagen, und iß. Danach komm wieder heraus. So will ich dieweil hier draußen warten.« Der Knecht ging heim zu der Frau und sprach: »Frau, der Meister hat gesagt, ich soll bei Euch liegen.« – »Ei«, sprach die Frau, »das wirst du wohl glauben!« Sie lief hinaus zu den Reben und rief ihrem Mann schon von weitem zu: »Mann, soll ich's tun?« – »Ei, du Närrin«, sprach der Mann, »hast du's noch nicht getan? Geh eilends heim und tu es!« Er meinte aber, sie sollte dem Knecht Eier in Schmalz geben. Die Frau fragte nicht weiter, lief nach Hause und sagte zu dem Knecht: »Jetzt glaub ich dir erst, denn der Meister hat es mich selbst geheißen.« Der Knecht nahm die Frau, legte sie auf den Tisch, hatte seine Lust an ihr und ließ sie danach laufen. Als nun der Meister heimkam, da fing der Knecht an und beklagte sich, die Frau hätte ihm die Eier nicht genügend gebacken. Da der Meister das hörte, ward er erzürnt und sprach zu der Frau, sie sollte daran denken, die Eier ein ander Mal besser zu backen. Da waren der Knecht und die Frau wohl zufrieden und haben danach öfters solche Eier gebacken und miteinander gegessen. Ein Student kann nicht grüßen wie der Hund Ein junger Pennal besuchte seinen Vetter. Und als er in sein Gemach hineinging, grüßte er weder ihn noch den Umstand. Als aber seines Vetters Hund gegen ihn lief und ihn mit dem Schwanz anwedelte, sagte sein Vetter zu ihm, er solle sich schämen, daß der Hund besser gezogen sei als er und ihn mit seinem Schweif grüße, und er komme also da herein und lasse jedermann ungegrüßt wie irgendein Bauer. Da sagte der arme Pennal ganz schamhaft darauf: »Ich habe auch keinen Schwanz wie der Hund.« Ein Student wurde fortgejagt, weil er kalt und warm aus seinem Mund geblasen Ein Student ist auf eine Zeit im Winter bei einem Bauern eingekehrt, da stellte er sich zum Ofen und blies in die Hände. Da fragte der Bauer, warum er das täte. Er antwortete: »Damit ich mit dem Atem meine Hände erwärmen möge.« Der Bauer ließ den armen Schlucker und Hungerleider mit zu Tisch sitzen, da blies der Student in die Suppe. Hierauf fragte der Bauer, warum er dies täte. Da antwortete er: »Damit der Atem die Suppe kalt mache.« – »Oho!« sagte der Bauer. »Bist du derart, daß du kalt und warm aus einem Mund blasest, so pack dich fort! Ich habe immer von meinem Vater gehört, ich solle mich vor denen hüten, die kalt und warm aus einem Mund blasen.« Ein Versehen Een Buernsoehn is eens nah Amerika utwandert un schickt sienen Vadder 'n Papagei. De Papagei makt sick gliek den iersten Dag, as dat noch nich rund is in 'n Dorp, dat de Vagel dor is, frie un sett't sick up 't Huusdack von den Nahwer. Dor röppt de Nahwer sienen Knecht: »Johann, hal de grot Ledder mal her; wi hebben 'n hübschen Vagel up 't Dack, den will ick mi infangen!« Johann bringt jo ok de Ledder, un de Buer stiggt rup un will den Papagei griepen. Dor röppt de Papagei em to: »Guten Morgen, guten Morgen!« »Ach nähmen S' nich oewel«, seggt de Buer, »ick dacht, Se wiren 'n Vagel.« Ein Weiblein fragt, ob sie in Himmel oder in die Hölle käme Wollte Gott, daß ich jedem von meinen Zuhörern im Ernst sagen könnte, was einstmals ein Geistlicher einem alten, einfältigen Weiblein scherzweise soll gesagt haben. Sie kam zu ihm und fragte, ob er ihr nicht sagen könne, ob sie in Himmel oder in die Hölle käme. Er gab ihr zur Antwort, ja, sie solle nur das Maul aufmachen, so wolle er ihr geschwind sagen, ob sie unserem Herrn oder dem Teufel zukehre. Sie folgte, riß das Maul weiß wie weit auf, der geistliche Herr schaute hinein und sprach: »Sei guten Muts, meine Alte, du kommst nicht in die Hölle, es wäre wider die Hl. Schrift und wider das heutige heilige Evangelium, in welchem steht, daß in der Hölle werde sein Heulen, Weinen und Zähneklappern: ibi erit fletus et stridor dentium. Du aber, wie ich sehe, hast keinen Zahn mehr im Maul, also könnten die herangezogenen Worte der Schrift an dir nicht wahr werden. Du gehörst und taugst nicht in die Hölle.« Ein weises Urteil Es waren einmal zwei Gesellen, die hatten ein Gut gemeinsam, etwa 500 Gulden. Das Geld hinterlegten sie bei einer armen Witwe, die sollte es ihnen aufheben, und das Geld sollte sie keinem allein geben, beide sollten zusammen das Geld bei ihr holen. Und ich glaube, daß sie ihr auch ein ehrliches Geschenk gaben, damit sie ihnen das Geld aufhöbe. Danach gingen sie hinweg, ihrem Gewerbe nach. Als ein halbes Jahr herum war, da kam der eine zu der Witwe und sprach: »Mein Geselle ist leider von dieser Zeit geschieden. Gebt mir das Geld, das wir bei Euch hinterlegt haben, die 500 Gulden.« Die gute Frau war so einfältig und gab es ihm. Da aber ein halbes Jahr vergangen war, kam der andere auch und sagte, sein Geselle wäre gestorben, sie sollte ihm das Geld geben. Die Witwe sprach zu ihm, sein Geselle hätte das Geld schon geholt. Er hätte auch gesagt, daß er gestorben sei. Der Geselle sprach: »Ich will meinen Teil haben.« Sie kamen miteinander vor das Gericht. Die ehrbaren Richter konnten nicht darauskommen, und man wollte die Frau gefangenlegen. Da war ein weiser, gelehrter Mann und ein gelehrter Philosoph, der hieß Demosthenes, der erbarmte sich der Frau. Er ging mit ihr vor das Gericht und bat, man sollte ihm vergönnen, für die Frau zu reden. Die Räte waren froh und sprachen: »Ja.« Da sprach er also: »Diese Frau gesteht die Bedingung zu, sie sollte das Geld keinem allein hinweggeben. Er gehe hin und suche seinen Gesellen und bringe ihn her. Wenn sie beide da sind, beieinander, so will sie ihnen das Geld geben und das ersetzen, was sie vorausgegeben hat.« Das wurde auch anerkannt mit dem Urteil. Ein Wort gibt das andere Ein reicher Mann im Schwabenland schickte seinen Sohn nach Paris, daß er sollte Französisch lernen und ein wenig gute Sitten. Nach einem Jahr oder drüber kommt der Knecht aus des Vaters Haus auch nach Paris. Als der junge Herr den Knecht erblickte, rief er voll Staunen und Freude aus: »Ei, Hans, wo führt dich der Himmel her? Wie steht es zu Hause, und was gibt's Neues?« – »Nicht viel Neues, Herr Wilhelm, als daß vor zehn Tagen Euer schöner Rabe krepiert ist, den Euch vor einem Jahr der Weidgesell geschenkt hat.« »O das arme Tier«, erwiderte der Herr Wilhelm. »Was hat ihm denn gefehlt?« »Drum hat er zu viel Luder gefressen, als unsere schönen Pferde verreckten, eins nach dem andern. Ich hab's gleich gesagt.« »Wie! Meines Vaters vier schöne Mohrenschimmel sind gefallen?« fragte der Herr Wilhelm. »Wie ging das zu?« »Drum sind sie zu sehr angestrengt worden mit Wasserführen, als uns Haus und Hof verbrannte, und hat doch nichts geholfen.« »Um Gottes willen!« rief der Herr Wilhelm voll Schrecken aus. »Ist unser schönes Haus verbrannt? Wann das?« »Drum hat man nicht aufs Feuer achtgegeben an Ihres Herrn Vaters seliger Leiche, und ist bei Nacht begraben worden mit Fackeln. So ein Fünklein ist bald verzettelt.« »Unglückliche Botschaft!« rief voll Schmerz der Herr Wilhelm aus. »Mein Vater tot? Und wie geht's meiner Schwester?« »Drum eben hat sich Ihr Herr Vater seliger zu Tod gegrämt, als Ihre Jungfer Schwester ein Kindlein gebar und hatte keinen Vater dazu. Es ist ein Büblein. Sonst gibt's just nicht viel Neues«, setzte er hinzu. Eine Diebsgeschichte Ein Histörchen, welches beweist, daß die Spitzbuben zu Wien so fein sind als die zu London und Paris. In einer der dortigen Kirchen bemerkte ein Spitzbube an einem gut gekleideten jungen Menschen eine sehr kostbare Uhr, die er, weil sie noch neu sein mochte, öfters herauszog und ihre Richtigkeit untersuchte. Die Uhr eroberte das zärtliche Herz des Beutelschneiders, und er hätte längst schon einen Anfall auf sie gewagt, wenn der Kirchendiener nicht sein zu naher Nachbar gewesen wäre. Diesen mußte er also zu seinem Mitverständigen machen. Er näherte sich ihm also langsam, und da er eben den jungen Herrn seine Uhr wiederum begucken sah, sagte er zum Kirchendiener: »Diese Untugend möchte ich meinem Bruder gar zu gerne abgewöhnen. Es ist noch nicht lange, daß man ihm eine schöne Uhr geschenkt hat, mit der er seine herzliche Freude hat; allein man muß doch immer den Ort betrachten, wo man ist. Er stört die Leute durch das Geklirre der Kette in der Andacht und macht sich lächerlich. Wenn er sie noch einmal herauszieht, so will ich sie ihm stehlen. Ihr sollt Zeuge davon sein, und ich will sie in der Sakristei aufheben lassen. Wenn er sie dann vermißt, so gebt Ihr ihm erst einen Verweis und hernach seine Uhr wieder.« Der Kirchendiener willigte in die löbliche Handlung. Weg war die Uhr – und ihr Liebhaber. Der Besitzer vermißte sie bald; wurde rot, wurde blaß, und der Kirchendiener fragte ihn, was ihm fehle. »Da – meine Uhr; ich habe sie noch nicht lange in der Hand gehabt, und fort ist sie nun!« Jetzt wurde die Lektion gelesen und der junge Herr durch die Predigt in der Predigt äußerst gerührt. Endlich sagte sein Zensor: »Seid ruhig; Ihr Bruder hat sie Euch zum Spaß genommen, ich habe es selbst mit angesehen; in der Sakristei werdet Ihr sie wiederfinden.« – »Mein Bruder? Ich habe mein Tage keinen Bruder gehabt! Spitzbuben sind keine Brüder von mir.« Man geriet in Wortwechsel und ging endlich in die Sakristei, wo der junge Herr keine Uhr und keinen Bruder kriegte. Nun will er aber den Kirchendiener auf den Ersatz verklagen. Wenn dieser die Uhr bezahlen muß, so mag er für sein Geld die Regel sich merken: Man soll nie etwas Böses tun, um etwas Gutes daraus entstehen zu lassen. Eine Fabel von der List dreier Weiber Waren drei Weiber, die zusammen übereinkamen, daß die, so ihren Mann am artigsten und am besten betörete, sollt ein großes Geld davontragen. Die erste machet ihrem Mann, wie er auf ein Zeit schlief, ein Platten und zog ihm eine dazu vorgerüstet Kutten an; und als er erwachet, nennet ihn das Weib einen Herrn und einen Vater und fraget ihn, ob er nicht mit seinen Brüdern hinweg wollt, dann es wären ein kleins Weil davor erst etliche Brüder eines Klosters auf einem Wagen durch ihr Dorf gefahren. Zuerst war der Mann unwillig, fraget das Weib, ob sie wollt seiner spotten; sprach sie darauf: »Nein, fürwahr nicht, Herr Vater, das sei weit von mir, aber euer Brüder sind durchgefahren.« Als der Bauer des beschornen Kopfes und der Kutten wahrnahm, saget er: »Bin ich auch Kolin« (dann also hieß er) »oder nicht?« Weil ihn aber das Weib immerzu ein Herrn nennet und auf der Benennung beharret, schicket er sich drein und fraget, wo sie hinaus wären zogen. Weil er sie aber am selben Tag, wie ihm sein Weib hatt anzeigt, nicht hatt erreichen können, überredet sie ihn, daß er bei ihr wollt bleiben und morgen Meß lesen. Wie er also beim Altar stund, fing er an ein groben und ungehobelten Bauerngesang. Das ander Weib brachte den ihrigen dazu, daß er mutternacket zum Altar opfern ging von wegen der ersten Meß von sei'm Nachbarn, und sie hatt ihn frei überredet, er hätt sein Kleider an. Die dritte aber beredet ihren Mann, er wär gestorben, und ließ ihn auf einer Totenbahr in die Kirchen tragen. Und als er den Kopf hatt aufgehebt und seiner Nachbarn einen gesehn, wie er Meß las und ein Mönch war, und den andern, wie er ihm nacket opfert, sprach er: »Fürwahr, wann ich nicht verstorben wär, so müßt ich dieser meiner Nachbarn Narrheit hell auflachen.« Hier ist nun die Frag, welcher Frauen der Sieg soll sein. Eine Fabel von einem Mesner War ein Mesner mit Namen Allewelt, der bei einem Frauenkloster gedient hatt. Als der auf ein Zeit ward angefochten von der Geilheit des Fleisches, nahm er ein Rohr, redet dadurch mit erschröcklicher Stimme bei einem Ofen hinein und verkündet als ein Geist solche Worte: »O ihr Nonnen, höret das Wort Gottes!« Die Schwestern aber erschraken darob und gaben dem Mesner kein Antwort. Als er aber in der andern Nacht wieder kam und dieselben Worte saget, fielen sie auf ihr Antlitz, vermeineten, es wär ein Engel vom Himmel; da sie endlich hatten ein Herz gefaßt, stunden sie auf und sangen: »O Engel Gottes, zeig uns an den Willen des Herrn.« Drauf sang der Mesner durchs Rohr: »Das ist der Wille des Herrn, daß sich alle Welt auf euch lege.« Wie sie dies vernommen hatten, zweifelten sie ob dem Handel; daß es ein Engel wär, glaubeten sie darum nicht, daß er ihnen verkündiget, sie sollten sich hingeben allen Menschen. Hatten darüber reiflich Rat und legten endlich den Willen des Engels also aus, daß der Mesner, der genannt ward Allewelt, ihres Beischlafs genießen sollt, ob vielleicht etwan, wie sie rieten, ein Bischof oder ein Papst von ihnen sollt geboren werden. Beriefen also den Mesner und schlossen ihn in ein Kammer. Von ersten ging hinein die Äbtissin, die, so sie der Stimme des Engels hatt gehorsamet und die Gnade, auf daß ich so red, empfangen, beim Herausgehn sang: »Ich hab mich erfreuet an den Dingen, die mir sind gesagt worden.« Nachfolgend ist hineingangen die Priorin, wie es dann die Ordnung der Würden hatt erfordert; als sie hatt empfangen die Gnade, sang sie mit lieblicher Stimme: »Großer Gott, wir loben dich.« Die dritte aber sang: »Der Gerechte wird sich erfreuen im Herrn«, und die vierte: »Alle sollen wir uns freuen.« Des Mesners Kräfte aber waren erschöpfet und vernichtet, er brach zur Tür hinaus und heulet grausam: »Mir aber ist's zuviel.« Doch die Schwestern schrien und riefen ihn zurück: »Wer wird uns nun der Gnaden teilhaftig machen?« Eine Frau nennt ihren Mann Hahnrei Es war ein halsstarriges und böses Weib an einem gewissen Ort in der Schweiz, welche immerdar ihren Mann einen Hahnrei zu nennen pflegte. Ob es nun wohl wahr sein konnte, weil er dem äußerlichen Ansehen nach ein guter, einfältiger Mann war, so konnte er doch in der Länge solche Schmach von einem bösen Weib nicht mehr vertragen, sondern entschloß sich, ihres bösen Mauls wegen sie zu züchtigen. Damit er nun dieses ins Werk richtete, stellte er sich, als wollte er sie in einen Garten spazieren führen, und brachte sie an das Ufer eines Flusses, an einen einsamen Ort. Daselbst hat er sie bei den Haaren genommen und bis an den Hals hineingetunkt und zu ihr gesagt: »Du böses Weib, willst du mich nicht mehr einen Hahnrei nennen?« Sie kehrte sich aber nicht daran, sondern fuhr fort, ihn also zu heißen; darauf er sie bis an das Maul ins Wasser gestoßen. Sie aber hörte gleichwohl nicht auf, ihn zu schmähen, und da das halsstarrige Weib nicht mehr reden konnte, so hob sie noch ihre Hände auf und machte Hörner mit den Fingern. Deswegen sie dann auch der Mann, weil er mit ihr sonst nichts ausrichten konnte, gar ertränkte. Eine Frau sagt, wenn sie schlottert, müßte sie bei dem Pfaffen liegen Ein Pfaffe in einem Dorf hatte große Kundschaft in eines Bauern Haus, in seiner Pfarrei. Er ging auch mehr der Bäuerin zulieb in das Haus, als um die Kinder zu lehren, das Vaterunser zu beten. Und eines Tages, als er wußte, daß der Bauer abwesend war, ging er in das Haus der Bäuerin, die er eben fand, ein Mus oder Haferbrei essen. Da sagte er zu ihr: »Bäuerin, schau und verschütte nichts, sonst mußt du bei mir liegen.« Als die Bäuerin das hörte, verschüttete sie einen Löffel voll Mus auf den Tisch, damit der Pfaffe Ursache habe, sie weiter anzutasten. Und da der Pfaffe sah, woran es der Frau lag, nahm er sie bei dem Arm und legte sie auf die Bettstatt, die in der Stube stand. Was er da mit ihr machte, weiß ich nicht, ich bin nicht dabeigewesen. Nun saß aber ein kleines Büblein auf dem Tisch, das mit der Bäuerin Mus gegessen und alle Worte gehört hatte, die der Pfaff mit der Frau geredet hatte, und es sah auch wohl, was für seltsame Abenteuer mit ihr in dem Bettlein geschahen. Aber da es von nichts wußte, kümmerte es sich nicht darum, sondern es aß für sich und paßte auf, daß es nichts verschüttete, sonst mußte es auch bei dem Pfaffen liegen. Da kam der Bäuerin ihr Mann, den aber die Bäuerin, eh er nach Hause kam, gesehen hatte, und sie versteckte den Pfaffen im Stubenofen. Sie setzte sich an den Tisch und fing an zu essen in gleicher Weise, als wäre sie nie aufgestanden. Und der Bauer, der hungrig war, nahm einen Löffel und aß weidlich. Da sagte das Kind, das für seinen Vater Übel fürchtete, zu ihm: »Lieber Vater, schau, daß du nicht schlotterst, du mußt sonst auch bei dem Pfaffen liegen. Unsere Mutter hat geschlottert, da mußte sie beim Pfaffen liegen.« Als der Mann das hörte, fragte er: »Wo ist der Pfaffe?« Das Knäblein antwortete bald: »Er steckt im Kachelofen.« Die Frau, die wohl wußte, was ihr Mann für ein Kunz war, eilte herbei und sagte: »Lieber Mann, tu ihm nichts, denn er ist ein heiliger Mann. Du sollst deine Hände nicht an heiligem Blut verunreinigen. Aber wenn du solche Schmach, die er dir an mir bewiesen hat, nicht ungerächt lassen willst, so dünkt mich, ist dies der beste Rat, und du kannst ihm keinen größeren Possen tun, als daß du ihm seinen Hut nimmst, so daß er ohne Hut heimgehen muß. Hei, wie werden dann die Leute seiner spotten, wenn er ohne Hütlein geht!« Dieser Rat gefiel dem narrichten Jäckel wohl. Er ging an den Ofen und hieß den Pfaffen herausgehen. Der Pfaffe, der beider Rede in der Stube gehört hatte, kroch unverzagt aus dem Ofen. Der Bauer nahm alsbald sein Hütlein und sprach zu ihm: »Ziehet hin, mein Herrlein, also soll man Euch Gesellen tun, die einem bei dem Weibe liegen.« Nun zog der Pfaff ohne sein Hütlein bis an die Tür, und wie er vor die Tür kam, sagte die Frau zu dem Bauern: »Keine größere Schalkheit könntest du ihm jetzt tun, als daß du ihm das Hütlein nachwirfst, damit die Leute es sehen und ihn erst recht verspotten.« Nun war der Guhlemeier auch zufrieden, und er warf dem Pfaffen sein Hütlein zur Tür hinaus. Dessen war der gute, ehrbare Herr wohl zufrieden, und er fand sich nachher sehr oft ohne jede Sorge bei der Frau. Gott gebe, ob sie geschlottert hat oder nicht. Eine Geschichte von einem Kaufmann mit der Elster Ein reicher Kaufmann saß in Leipzig, der hatte ein wunderschönes Weib. Die ward zur Liebe gegen einen jungen Studenten entzündet, und wenn der Kaufmann ausritt, wie es denn der Kaufleute Brauch ist, daß sie große und schwere Reisen tun, schickte sie nach dem Studenten. Nun hatte der Kaufmann eine Elster, die konnte dermaßen wohl schwätzen. Wenn der Kaufmann allein daheim war, sagte die Elster alles, was die Frau getan hatte und was sie für Hurerei triebe. Das erzählte sie dem Kaufmann, wenn er wiederkam. Dadurch bekam dann die Frau eine böse Ehe, Zank und Hader, und sie sann darauf, wie sie den Vogel loswerden könne. Zu einer Zeit war der Kaufmann wieder ausgeritten, da schickte die Frau nach ihrem Buhlen und trieb mit ihm ihren alten Brauch. Da sprach der Vogel: »Frau, ich will dem Herrn sagen, sobald er kommt.« Darüber war die Frau sehr ängstlich, und sie wurde mit der Magd einig, sie nahmen ein Faß, taten Steine darein und trugen es auf den Boden. Dann fing die Magd an zu rumpeln, und die Frau goß Wasser hinab, danach warf sie mit kleinen Steinchen und Sand, wie es hagelt, so als wäre es ein rechtes Unwetter. Als nun der Herr nach etlichen Tagen nach Hause kam, fing die Elster an und erzählte alles, was der Frauen Buhlschaft mit ihr geredet hatte. Und das glaubte der Kaufmann alles und fing an, sein Weib zu schimpfen und zu schlagen. Sie sprach: »Was glaubst du nur dem heillosen Vogel? Ist es doch alles erlogen, was der heillose Vogel sagt! Sag an, du loser Schwätzer, welchen Tag habe ich meine Ehe gebrochen?« Der Vogel antwortete: »Weißt du nicht in der Nacht, als das große Unwetter gewesen ist?« – »Sieh nur, mein lieber Mann, wie er lügt! Es ist doch nie ein Unwetter gewesen, während du weg warst. Wenn du das nicht glauben willst, so frag alle Nachbarn, ob es nicht so sei.« Der Kaufmann fragte die Nachbarn. Und sie alle sagten, sie wüßten von keinem Unwetter, so daß der Kaufmann sehr zornig ward, lief heim im Zorn, nahm seine gute Elster und riß ihr den Hals ab und meinte, der Vogel hätte gelogen. Da war der Kaufmann durch seine Frau betrogen, und sie konnte hernach ihre Buhlerei treiben, wie sie wollte, ohne daß der Vogel sie daran hinderte. Eine Histori von einem Juden Die Herzöge von Sachsen hatten ein Juden, der vieler Ding groß Wissen trug, drum sie ihm auch viel Wohltaten erzeigeten; sie beflissen sich auch mit großem Anhalten, ihn von dem Unglauben der Juden abzuwenden, und ermahneten ihn mit viel Bitten, ein Christ zu werden. Letztlich ward der Jud durch die emsige Bitt bewegt und saget, daß er von erst möcht gen Rom reisen, dort des obersten Bischofs Leben und Wandel beschauen und sich danach beratschlagen. Zog also gen Rom und erfuhr die Sitten der römischen Stadt; und da er wieder zu den Fürsten kehret, saget er, er wollt ein Christ werden, und das darum, daß in Rom so ein ärgerlich Leben war, und daß alles schändlich und lästerlich Wesen so im Schwang ginge, daß unser Sach und Glauben kein Bestand könnt haben, wann nicht wir Christen mit sonderlicher Hilf des wahren Gotts behütet würden und nicht also einen hilfreichen und gnädigen Gott hätten. Eine Histori von einem Mann, der sein Weib im Ehebruch ergriffen hatte Man sagt, daß in Schaffhausen ein Scherer gewesen sei, der, als er einmal beim Eintritt in sein Haus ein Ehebrecher auf seinem Weib liegen hat funden, gesagt hab: »O liebes Weib, wann du solche Sach im Sinn hättest, warum bist du nicht an ein heimlichers Ort hingangen? Dann du kannst selbst erwägen, wie übel es sich würde reimen und wie wenig schicken, wann ein Fremder herein wär gangen.« Hieß den Ehebrecher weggehn. Eine junge Tochter teilt drei Eier aus, daß neun daraus werden Ein Biedermann hatte drei junge, grade, schöne Töchter, deren jegliche gern ein Mann gehabt hätte. Nun war es dem guten Vater zu teuer, seine Töchter alle drei gleichzeitig zu verheiraten. Deshalb erfand er eine List und sprach: »Liebe Töchter, jede von euch hätte gern einen Mann. Nun steht es nicht in meinem Vermögen, deshalb will ich folgendes tun: Eine jegliche nehme hin drei Eier, und die ihre Eier am besten anlegen kann, also daß ihr am meisten daraus werden, der will ich einen Mann geben. Die anderen müssen länger warten.« Da fing die älteste Tochter an und sagte: »Vater, gib mir drei Eier!« Die nahm sie und sott sie hart und gab dem Vater das eine und sprach: »Seht hin, Vater, das ist ein Ei, und du hast zwei, das sind drei.« Danach gab sie der Mutter eins und sprach: »Da hast du auch eins, nun gibt dir zur Nacht der Vater zwei, dann hast du auch drei. Und nun will ich das eine behalten, gibst du mir dann einen Mann, so gibt mir derselbige zwei, dann habe ich auch drei.« So gut konnte keine ihrer Schwestern rechnen, daß sie aus drei Eiern neun machen konnten. Also gewann sie und mußte ihr der Vater einen Mann geben. Eine kurze Predigt Ein Priester hatte nicht viel studiert, kam auf die Kanzel und sagte: »Wir wollen gar in der Kürze von dreien Stücken dieses Mal reden: 1. Das erste weiß ich und ihr nicht. 2. Das andere wißt ihr und ich nicht. 3. Das dritte wissen wir alle nicht. – Daß meine Hosen zerrissen, daß weiß ich. Ob ihr mir wollt eine neue geben, das wißt ihr. Unser Küster hat eine frische Tonne Bier eingelegt; ob das Bier gut ist, wissen wir alle nicht. Drum kommt und laßt uns eins proben!« Eine Lale wollte von einem anderen einen Wagen entlehnen Zwei Bauern zu Laleburg waren Nachbarn und hatten ihre Häuser nahe beieinander. Eines Morgens gar früh, etwa um die achte Stunde, kam der eine vor des andern Fenster und klopfte mit einem Finger daran, damit man nicht meine, es sei mit einem Stiefel geschehen. Der andere lag noch hinter dem Ofen in der Hölle, Ofenwinkel wie sie es nennen, im Nest und mochte aus Faulheit nicht aus dem Stroh aufsteigen, sondern schrie mit lauter Stimme hervor: »Wer klopft da so früh?« »Ich bin's, Nachbar«, sprach der andere Lale, »was tut Ihr?« Der in der Stube antwortete: »Hier liege ich und schlafe, was wär Euch lieb, Nachbar?« Der vor dem Fenster sprach: »Wenn Ihr nicht schliefet, wollte ich Euch um Euern Wagen gebeten haben, aber ich will über eine gute Weile hin, wenn Ihr erwacht seid, wiederkommen.« »Das tut«, sprach der in den Strohfedern. Vermeinten also diese beiden, wenn einer im Bett liege, so schlafe er auch. Eine schlagfertige Antwort Einer begegnete einem nicht gar zu wohlgestalteten Frauenzimmer und warf ihr ihre Häßlichkeit mit diesen Worten vor: »Wie kommt es doch, daß Sie ein so gar schöner Schatz sind?« Es antwortete: »Das ist leicht zu erraten; denn da meine Mutter mit mir schwanger ging, hat sie sich an dem Herrn versehen und ist so sehr darüber erschrocken.« Eine schöne Fabel von einem törichten Bauern Ein sehr reiche Wittfrau hatt ein einigen Sohn, aber von grobem und viehischem Verstand und dazu ganz närrisch. Der gewann nicht weit von ihm daheim ein edle Jungfrau heftig lieb und begehret, man sollt's ihm zum Weib geben; die Eltern der Jungfrau hatten, wiewohl sie vom Adel waren, wenig Guts und wurden durch häuslichen Mangel arg bedrängt, konnten derhalben ihrer Tochter nicht leicht einen Mann ihres Stands erwählen, darum sie sich, durch den Reichtum des Bauern bewegt, nicht lang seiner Bitt gewidert. Weil aber die Mutter seine Narrheit wußte, hat sie besorgt, daß ihn die Jungfrau wegen seines Unverstands verschmähe und vor ihm Verdruß gewinne, und ihm auf das allerfleißigst Unterricht geben, was Sitten er gebrauchen müßt. Und als der töricht Bauer zum ersten Mal zu der Jungfrau ging, auf daß sie sich mit ihm verliebe, hat ihm die Jungfrau, wie er wieder heimwärts wollt, ein Paar lederne Handschuh, so aus dem köstlichsten Fellwerk gefertigt waren, geschenkt; die zog er an, aber ein großer Regen verdarb sie ihm ganz in den Grund hinein. Darum straft ihn die Mutter: »Lieber Sohn, du hättest die Handschuh fein sollen zusammengelegt haben und getan in den Busen.« Und da er zum andern Mal zu der Jungfrau kam, verehret sie ihm einen Sperber, den er, da er auf der Mutter Lehr gedachte, in den Busen schob; als er der Mutter wollt die Schenkung zeigen, zog er den toten Sperber heraus, darauf ihn die Mutter wieder strafet und saget, er sollt ihn fein auf der Hand getragen haben. Und als er zum dritten Mal die Jungfrau heimsuchet, begabet sie ihn, weil er weder Handschuh noch Sperber hätt recht heimbracht, auf Befehl der Mutter mit einem Kornsieb, und der grob Tölpel ging hin und trug's auf der Hand, wie er hätt sollen den Sperber tragen; wie ihn die Mutter abermals lehret, er hätt's sollen dem Roß hinten an den Schwanz binden, behielt er's im Gedächtnis. Zuletzt schenket ihm die Jungfrau, die schon ein Mißfallen ob seinen unhöflichen Sitten trug, eine Speckseiten, die er dem Roß an den Schwanz band und im Heimreiten an den Dörnern und Stauden allerding zerrissen und verschleift hatt. Auf solches sorget die Mutter, daß der Sohn von seiner ungeschickt Sitten wegen nicht gar ausgeschlagen würde, befahl ihm die Hütung des Hauses, ging selbst hin zu den Eltern der Jungfrau und erlanget auch, daß man bestimmet ein Tag zu der Hochzeit; daneben hatt sie aber dem Sohn befohlen, daß er dieweil daheim keine Unruh anfinge. Wie sie weg war, ging er selbst in den Keller, wollt Wein holen und ließ dabei das ganz Faß auf den Estrich auslaufen; damit aber solches die Mutter nicht sähe, überschüttet er's mit viel Mehl. Wie er dann nach der Stuben hinaufgegangen war, erschrecket er mit seinem laut Ungestüm ein Gans, die da ist auf Eiern gesessen und die schrie »Gag gag gag«; damit jaget sie dem Narren ein Furcht ein, der verstand, die Gans sprach: »Ich sag's«, derhalben er sie erwischet und ihr, weil sie ihm gedroht zu sagen, was er im Weinkeller gestift hätt, den Kopf abhieb. Dann strich er ihm den ganzen Leib mit Honig, der bei ihm in ei'm Fäßlein stund, an, klebet aus etlichen Bettkissen die Flaumen an den Honig und setzet sich an der Gans Statt auf die Eier, von wegen sie gar ausbrüten. Als nun die Mutter aus dem Schloß der Jungfrau wieder heimkommen war, fand sie den Sohn auf den Eiern sitzen, der ihr, als sie an der Tür anklopft und ihn angeschrien hatt, nur »Gagag« antwortet, als ob er jetzunder müßt mit Stimm und Brüten das Amt der Gans versehn. Nach viel Dräuworten seiner Mutter stand er letztlich von dem Nest auf und ließ sie herein; und weil stracks hernach die Braut folgen sollt, vergab ihm die Mutter den ganzen angerichten Schaden und erwies ihm daneben, mit was Zucht er die Braut empfangen sollt, daß er nämlich die Augen freundlich und fröhlich gegen ihr werfen sollt. Und wie sie nun kam, hatt er den vielen Schafen seiner Mutter allen die Augen ausgestochen und warf sie in das Angesicht der Jungfrau; dann also, hatt es der Narr verstanden, mußt er die Augen auf sie werfen. Nichtsdestominder gab der Reichtum, der das allerbest Pfand der Liebe ist, der Heirat ein Fortgang; dann so einer Reichtum hat, kann er überkommen Adel, Schöne, Verstand und alles, was er will. Eine schwänkliche Fabel von einer hübschen Frau Im Wildbad war ein reiche, hübsche Bürgerin, deren Schöne und Zierlichkeit des Leibs keinerlei Krankheit anzeigen tat; darum forschet ein Priester von ihrer Dienerin, von was Ursach wegen die Frau, an der doch nichts, das einer Krankheit gleich wär, erschiene, in das Bad säße. Da antwortet die Magd, die Frau würde geplagt von der Sehnsucht, daß sie ein Kindlein gebäret. Drauf saget der Priester: »Ich will dir ein bessern Rat geben: Zu Tübingen sind viel junger Gesellen, die man Studenten nennet, und zu Stuttgart viel Chorherrn; an denen Orten möcht etwan einer funden werden, der ihrer Natur gemäß wär, von dem sie empfangen könnt. Sind auch noch gar viel Klöster, wo sie etwan ein glatten Mönch bekommen möcht, der zu der Handlung tauglich wär.« Da antwortet die Magd mit Seufzen: »Alles haben wir versucht, aber nichts hat helfen wollen.« Spricht wieder der Priester: »Ei, man hätt das öfter und auf mancherlei Weg versuchen müssen.« »Ich besorg eben«, saget die Magd, »ob uns nicht gerade das geschadet hab.« Eine Tochter will nicht heiraten Man sagt, was zur Nessel werden wolle, das brenne beizeiten. Also sind die Töchter nicht weniger listig als die Weiber, wie in folgendem Stücklein zu sehen. Ein ehrlicher Mann hatte drei schön gewachsene Töchter. Ein junger Geselle bat den Vater, er solle ihm eine, welche er wolle, von den drei Töchtern zur Ehe geben. Der Vater gab ihm zur Antwort, er müsse zuvor den Willen der Töchter erkundigen, welche unter ihnen Lust hätte zu heiraten. Als er nun eine nach der andern fragte, sagten sie alle, daß sie noch nicht willens wären, in den Ehestand zu treten (hatten wohl aber anderes im Herzen als im Mund). »Nun wohlan«, sprach der Vater, »so wollen wir diese Sache dem Los überlassen!« Damit ließ er einen Zuber voll Wasser herbringen und befahl den Töchtern, daß sie alle miteinander die Hände dareintauchten und auch miteinander wiederum herauszogen, indem er sprach, welcher unter ihnen die Hände am ersten trocken würden, die sollte einen Mann haben. Die jüngste aber unter ihnen, als sie die Hände wiederum aus dem Wasser zog, schrie, benahm sich übel und sagte: »Ich will keinen Mann, ich will keinen Mann, ich mag gar keinen Mann!« Und während sie also sprach, wedelte sie mit Armen und Händen, daß also, weil sie mehr Wind und Luft um die Hände hatte als die anderen zwei Schwestern, ihr auch die Hände am ersten trocken waren. Eine Witwe gräbt ihren toten Mann aus und henkt ihn an Galgen Es gibt bisweilen Wittweiber, die nicht allein froh sind, daß ihre Männer gestorben, sondern auch, damit sie bald einen andern mögen bekommen, sogar ihrer toten Männern unter der Erde nicht verschonen. – Es wird erzählt von einem Soldaten, daß ihm bei Leib- und Lebensstrafe anbefohlen gewesen, zu wachen bei einem vornehmen Herrn, der aufgehenkt worden an einen Galgen, so nicht unweit von einem Gottesacker aufgerichtet gewesen, wo einer Witwe verstorbener Mann begraben lag. Diese kam nach dem Begräbnis etliche Nächte nacheinander zum Grab, heulte und beweinte erbärmlich den Tod ihres Mannes. Der Soldat hörte das Geschrei, kam sie zu trösten; bei seiner Rückkehr aber befand er, daß ihm sein Aufgehenkter, den er bewachen sollte, gestohlen worden. O Unglück! Geschwind lief er zurück und sagte: »O was Rats, du fromme Wittib! Indem ich dich getröstet, ist mir mein Dieb vom Galgen gestohlen worden, nun muß ich für ihn henken.« – »Sei getröstet, Soldat! Willst mich heiraten, wenn ich dir aus der Not helf?« – »Freilich, da hast die Hand darauf!« – »Geschwind, hilf mir, wir wollen meinen gestorbenen Mann ausgraben und ihn anstatt des gestohlenen an Galgen henken!« Er hilft, der Tote wird ausgegraben, aber der Soldat sagt: »Er sieht dem gestohlenen nicht gleich, denn er hat gar zu lange Zähne.« – »Oh, dem ist bald geholfen«, sprach die Wittfrau, nahm darauf einen Stein, schlug ihrem toten Mann die Zähne ein und half ihn aufhenken. Nachdem begehrte sie, wie er versprochen, sie zu heiraten. »Nein«, sagte der Soldat, »ich mag und nehm dich nicht, nehm' dich der Teufel, gehst du also mit deinem toten Mann um, wie würdest du mit mir lebendigen erst umgehen?« Einer gibt dem Schultheiß fünf Schilling und schlägt ihm an den Hals Auf eine Zeit war ein seltsamer, wunderbarlicher Abenteurer in einem Dorf, der neidig war auf den Schultheiß, der in seinem Flecken war. Doch er durfte gegen den nichts unternehmen, wenn er nicht größere Strafe erwarten wollte. Nun begab es sich auf eine Zeit, daß sie beieinander beim Zechen saßen und fröhlich und guter Dinge waren. Und als der gute Gesell schon viel getrunken hatte, stand er auf, ging hinaus, um sich seines Wassers zu entledigen. Nun kam aber dem Kerl die Schmach hoch, die der Schultheiß ihm vielleicht bewiesen hatte, deshalb ging er hinein vor den Schultheiß, stellte sich hin und fragte: »Herr Schultheiß, was gilt es, wenn einer dem andern an den Hals schlägt?« Der Schultheiß, der da nicht glaubte, daß der andere ihn arglistig frage, antwortete: »Der Frevel kostet fünf Schilling.« Der seltsame Kunde zog den Säckel auf, zählte fünf Schilling heraus und schlug dem Schultheiß an den Hals, daß er über den Stuhl fiel. Danach legte er ihm fünf Schilling hin und sprach: »Sieh hin, da hast du fünf Schilling.« Einer glaubt, die Kühe kalben jeden Monat Mir gedenkt, als Graf Wilhelm von Fürstenberg noch starken, gesunden Leibs in all seinem Tun und Lassen war. Wenn er nicht in Kriegssachen und Händel verwickelt war, ging er stets von Straßburg, wo er in der Kalbsgasse einen schönen Hof hatte, nach Ortenberg und dann wieder nach Straßburg. Auf eine Zeit fiel zu Straßburg und in der umliegenden Landschaft ein Viehsterben ein, so daß ein großer Mangel an Fleisch entstand. Graf Wilhelm hatte deshalb große Beschwernis und nahm sich vor, er wollte zu Ortenberg selbst Vieh halten und Kälber nach Bedürfnis aufziehen, denn er wußte, daß die Tauben alle Monat Junge hatten, und hoffte auch alle Monate von jeder Kuh ein Kalb zu haben. Deshalb befahl er seinem Meier zu Ortenberg, zehn oder zwölf Kühe zu kaufen, von denen er glaubte, hundert Kälber und mehr in Jahresfrist zu haben. Als man ihm aber berichtete, daß jede Kuh nur in jedem Jahr ein Kalb werfe, stellte er die Aufzucht ein. Es war seine Fakultät nicht, mit dem Vieh umzugehen, sondern er konnte besser mit einem Regiment Landsknechte umgehen. Einer irrt sich Ein voller Pennal, als er nachts neben einem Bächlein, welches da rauschte, sein Wasser abschlug, blieb die ganze Nacht also aufrecht stehen, vermeinte, er brunze also lang, weil er das Bächlein rauschen hörte. Einer Jungfrau von Adel Eingang in ein Kloster00 Wie freudig ist nicht der Mensch, wenn Gott ihm einen Kürbis gibt! Wenn er ihn erhebt zu großen Würden und Ehren! Wenn er ihn segnet mit Geld und Gut! Kommt aber der Wurm der falschen Ankläger, frißt der Wurm des Unglücks die Reichtümer auf, da wird er verbittert über Gott und will lieber tot und beim Teufel als lebendig in solchem Unglück länger bei Gott sein ... Solche Leute kommen mir vor wie jene adelige Jungfrau, welche bei ihren Eltern inständig angehalten um Erlaubnis, ins Kloster zu gehen und geistlich zu werden. Sie erhielt es nach vielem Bitten und Beten, fuhr mit Kutschen und Pferden, in Begleitung der Eltern und Freunde, in das Kloster. Nachdem nun die Eltern mit den Freunden sich von ihr beurlaubt und wiederum zurückkehren wollten, hat sie sich gegen alle höchlich bedankt und einem jeden ein Denkzeichen mitgegeben, auch endlich von dem Knecht begehrt zu wissen, weil er sie so glücklich geführt ins Kloster, was sie ihm doch zu guter Letzt verehren sollte oder könnte. Darauf hat der Knecht geantwortet: »Gnädiges Fräulein! Ich heiß Peter, Peter heiß ich.« – »Das weiß ich wohl, Peter, allein begehr etwas von mir, das ich dir schenken soll.« – »Gnädiges Fräulein, ich heiß Peter, ich heiß Peter.« – »Das ist nichts Neues, sondern ein altes«, antwortete das Fräulein; »aber sag an, Peter, warum willst du nichts von mir begehren?« – »Gnädiges Fräulein, hört Ihr's denn nicht, ich heiß Peter, ich heiß Peter und begehre nichts anderes, als daß Ihr nur meinen Namen nicht vergeßt, denn ich fürcht, es möcht einmal die Zeit kommen, daß Ihr werdet sagen, nicht der Peter, sondern der Teufel hat mich ins Kloster geführt; darum bitte ich, Ihr wollt mir nur meinen Namen nicht verändern, ich heiß einmal Peter und nicht Teufel.« Einer lobt nur schlechten Wein Einem wird ein saurer, frischer Wein vorgestellt, der rühmt ihn mächtig, er sagt, das sei ein guter, vortrefflicher Wein. Der Wirt bringt ihm einen etwas besseren, den rühmt er keineswegs so wohl, er sagt nur: »Das ist auch ein feiner Wein.« Endlich bringt ihm der Wirt gar den besten alten Wein. Als er den versucht, sagt er gar nichts. Gefragt, warum er den nicht auch rühme, antwortet er: »Der rühmt sich selbst, die anderen aber haben des Rühmens gemangelt.« Einer macht alte Weiber jung Es wird von einem Landfahrer erzählt, daß er auf einem Jahrmarkt auf seine Bühne getreten und dem zulaufenden Volk die Versicherung gegeben, daß er die alten Leute wieder könne jung machen; welche deswegen ihre jungen Jahre und Kräfte wiederum verlangten, die sollten miteinander zu ihm in sein Logiment oder Herberg kommen; wenn sie dann nun alle werden beisammen sein, da wolle er sein Probstück tun. Es fanden sich viele alte Weiberlein ein, denen er dann den Vortrag tat, daß die älteste unter ihnen müsse verbrennt werden, und welche nachfolgend eine gewisse Quantität von der Asche würden in einem warmen Wein einnehmen, dieselbigen würden wieder ganz jung werden. Weil sich nun eine jede besorgte, dieses große Unglück der Verbrennung möge sie betreffen, wollte keine die älteste sein. Er machte den Anfang zu fragen jene, welche ihm die älteste schien, wie alt sie sei. Sie gab zur Antwort, dreißig Jahre. Weil nun keine älter sein wollte als dreißig Jahre, so sagte der Marktschreier, ein Weib von dreißig Jahren sei nicht alt, sondern jung; so seien sie nunmehr alle wiederum jung geworden und sollten ihren alten Männern junge dreißigjährige Weiber heimbringen. Einer übt Selbstbeherrschung In Endingen, woher ich gebürtig bin, nahm ein Tor eine junge Tochter zur Ehe, die hübscher war, als das Wesen des Bräutigams verdient hätte. Und da ihnen ihre Armut verbot, beieinander zu wohnen, diente die Braut einem andern. Nun war der Bräutigam ein Eifersüchtiger, und er verließ des Herren Haus, bei dem das Weib diente, fast die ganze Nacht nicht, indem er immer darum herumging. Einmal aber kam er später, als die Aufsicht seines Weibes es erforderte, so daß ein anderer vor ihm bei ihr war. Er fand die Schuhe dessen, der zu ihr gestiegen war, unter dem Fensterladen auf der Erde stehen und konnte leicht erkennen, daß ein anderer Zugang gehabt hatte zu seinem Weib und jetzt mit ihr die Ehe bräche. Doch wollte er die Dinge überlegen behandeln und nicht eilen und zögerte mit der Strafe bis Morgen, da er sie klug anbringen wollte. Als er am nächsten Morgen den Handel erzählte, sagte er, er hätte oftmals erfahren, daß ein Mensch, der vor Zorn entbrenne, seiner selbst nicht mächtig wäre; denn es hätte nicht viel gefehlt, und er hätte in seinem Zorn dem Ehebrecher seine Schuhe in Stücke zerschlagen. Aber da ihn seine Vernunft etwas anderes gelehrt hätte, so sei sein Ungestüm gestillt. Es ist kein Amt zu gering, es ist henkenswert Es ist ein junger Bruder gewesen in einem reichen Feldkloster, dem hat man nicht wollen eine gute Kappe kaufen. Nun hat er gedacht, wie er dazu kommen mochte, und begehrte von dem Abt, man sollte ihm irgendein Amt geben. Der Abt gibt ihm mit dem Rat des Prokurators das Amt, die Käse zu verwalten und auf den Tisch zu bringen. Der Prokurator aber zählte ihm die Käse allezeit zu, und er mußte sie auch wiederum also gezählt herausgeben. Das Amt ist gering, er ist Käsmeister, es will nicht viel Kappen geben. Auf gelegene Zeit machte er ein großes Feuer und hängte einen Kessel mit Wasser darüber und schüttete die Käse darein und sott die Butter und das Fett daraus, verkaufte es und ließ sich eine hübsche Kappe davon machen. Der Prokurator und der Abt konnten ihn nicht schelten um seine Untreue. Er hatte die Käse herausgetan, wie er sie empfangen hatte, und keinen veruntreut. Da fragte man ihn, wie er doch zur guten Kappe gekommen sei und von dem geringen Amt einen solchen Nutzen hätte. Er antwortete: »Es ist kein Amt zu klein, es ist henkenswert; es geht ohne Nutz nicht ab, man genießet sein ja etwas.« Folgen die dicksten Lügen des Schmieds von Cannstatt Als der Schmied von Cannstatt einmal mit seinem Junker, dem er der Zeit dienet, im Winter bei einem Fluß einherritt, sah der Junker unter den Eisschollen ein Fischreusen treiben; saget er: »Ei, daß wir diese Reusen hätten, die ohne Zweifel ganz voller Fisch sein wird!« Antwortet der Schmied, sie war leichtlich zu überkommen, und sprenget mit freiem Lauf ins Wasser nach der Reusen. Da erwischet ihn ein Fisch von einer unerhört Größen mit aufgetanem Schlund und verschlucket ihn mitsamt dem Pferd. Als nicht lang danach ein Fischer von ungefähr den Fisch hatt gefangen und man ihn auf der Fleischbank zum Verkauf bot und ausweidet, sprang der Schmied frisch und gesund mit sei'm Gaul heraus und zeiget dem Edelmann den neuen Handel an, darin er gewißlich nicht kärglich gelogen hat. Friedrich Taubmann   1. Die Rebhühner Als Taubmann vom Kurfürsten Christian II. eines Tages zur Tafel geladen war, nahm er zwei gebratene Rebhühner von der Schüssel, wickelte sie in Papier und ließ sie in der Tasche verschwinden. Der Kurfürst merkte es und sagte zu ihm: »Herr Professor, Ihr sollt nicht sorgen, was Ihr essen werdet!« Worauf Taubmann ihm zur Antwort gab: »Ganz recht, ich will auch nicht sorgen; und deshalb stecke ich die Rebhühner in meine Tasche.«   2. Die Gelegenheitsdichter Einmal warf der Kurfürst ein Goldstück in ein volles Weinglas und sagte zu unserem Professor: »Taubmann, wenn du einen lustigen deutschen Vers aus dem Stegreife hierzu machen kannst, sollst du das Goldstück haben!« Der Professor besann sich nicht lange, nahm den Becher, trank ihn aus und sprach, indem er das Goldstück aus demselben herauslangte: »Zwei Götter können sich im Glase nicht vertragen: Geh, Plutus, du in meinen Sack und Bacchus in den Magen.« Damit steckte er das Goldstück ein und gab dem Kurfürsten den Becher zurück.   3. Das Anagramm Taubmann zahlte jeden ihm gespielten Possen heim. Ebenso lohnte er auch denjenigen, die ihn zu schrauben und zu vexieren suchten. Den Kardinal Clesel, der ihm einst bei der kurfürstlichen Tafel allerlei sonderbare Fragen vorgelegt hatte, die er aber sämtlich witzig und treffend zu beantworten gewußt, fragte er selbst darauf, ob er auch wisse, wie man 150 Esel mit einem Worte schreiben könne. Der Kardinal wußte keine Antwort auf diese Frage zu geben. »Nun«, sagte Taubmann, »so will ich es Euer Eminenz lehren«, und bat den Kardinal, seinen eigenen Namen mit Kreide auf den Tisch zu schreiben, und zwar mit lauter lateinischen Anfangsbuchstaben. Der Kardinal tat dies bereitwillig und schrieb in Gegenwart des Kurfürsten CLESEL Die Buchstaben »CL« bedeuten nach lateinischer Zählung ›150‹. auf den Tisch. Sobald dies geschehen war, sagte Taubmann zum Kurfürsten: »Da sehen Ihre fürstliche Durchlaucht in diesem einzigen römischen Kardinal Clesel 150 Esel.« Der Kardinal ärgerte sich über diesen Streich dermaßen, daß er sich sogleich wieder nach Wien begab.   4. Die Rache Dr. Koch, ein Medikus, und Professor Taubmann waren abgeordnet, auf den Landtag nach Dresden zu reisen, doch stellte jener seine Reise etliche Stunden eher an und sagte in dem Gasthaus zu Grossenhain, es würde bald der Scharfrichter aus Wittenberg kommen, daher man ihm einen offenen Krug vorsetzen müßte; welches auch dem Herrn Taubmann bei seiner Ankunft wirklich widerfuhr. Da er nach der Ursache fragte, warum man ihn so verdächtig traktiere, wurde ihm die Antwort erteilt, er würde ja wissen, wer er wäre, nämlich der Büttel. Ferner forschte Taubmann, wer denn solches ausgebracht, und erhielt die Nachricht: Dr. Koch. Dieses verdroß Taubmann, und er gedachte deswegen auf Revange. Sie waren kaum in Dresden angekommen, da gab er Dr. Koch beim Kurfürsten an, als wenn er bei seiner Köchin geschlafen habe. Worauf er alsbald arretiert und nach etlichen Tagen von dem Fiskal aktioniert wurde. Koch leugnete das Faktum mit Tränen, berief sich auf Taubmann, der würde wissen, daß er mit solcher Sünde nicht befleckt sei. Indessen trat Taubmann herzu und sagte: »Wie könnt Ihr solches leugnen, Herr Doktor? Nicht einmal, sondern wohl hundertmal habt Ihr bei Eurer Köchin geschlafen. Denn wenn Ihr Koch heißt, so muß man ja Eure Frau eine Köchin nennen.« Da hatte sich Taubmann gerächt, und Dr. Koch wurde auf freien Fuß gestellt. Fünf Tage in der Donau Als der große Türkenzug gewesen ist und man den ganzen kalten Winter in Ungarn blieb, dazumal hat ein böhmischer Herr dreihundert Pferde geführt, die sind bei Krems an die Donau gekommen und wären gerne übergesetzt. Die Donau war hart gefroren, aber die Reiter trugen schwere Rüstung und durften dem Eis und der Brücke nicht vertrauen. Sie losten einen aus, der das Eis bereiten sollte, ob es hielte oder nicht. Der war aus dem Land zu Österreich, er wußte Wege und Stege, der hieß sie warten am Ufer, bis er ihnen zurufen würde, sie sollten ihm dann nachfolgen. Damit ritt er auf das Eis bis auf die Mitte der Donau, aber da mochte es ihn nicht tragen, denn der Fluß war zu streng, und es brach das Eis; da fielen Gaul und Mann unter das Eis bis auf den Boden. Es war finster, er konnte nichts unter dem Eis sehen, wo er im Wasser umherritt, er trabte also gemach weiter bis an den fünften Tag. Da war es hell und kalt. Auf einmal sah er einen kleinen Glast durch das helle Eis scheinen. Er ritt hinzu und dachte, das Eis werde an dieser Stelle nicht so dick sein, nahm seinen Reitspieß und stieß damit ein Loch durch das Eis; und als das Loch groß genug war, da sah er, daß er ganz nah am Ufer war. Er gab dem Gaul die Sporen und sprang in einem starken Sprung auf das Land. Da sah er sich um, wo er wäre, und merkte, daß er bis gen Kloster Neuburg gekommen war. Er ritt ins Kloster, gab dem Pferd das Futter. Er hat in fünf Tagen nichts gegessen, aber zu trinken hatte er genug gehabt. Auch zog er sich aus und trocknete die Kleider und den Harnisch. Auf den Abend kamen seine Reiter zu ihm. Sie waren bei Stein übergesetzt. Als sie ihn sahen, verwunderten sie sich und fragten ihn, wie es ihm unter dem Wasser ergangen sei. Da sagte er ihnen, daß er so lange unter dem Wasser geritten sei, sagte ihnen auch, daß es sehr finster unter dem Eis gewesen wäre. Ja, so finster, wenn einer einem andern ins Auge gegriffen hätte, so hätte er es nicht gesehen. Danach ritten sie mit ihm gegen die Türken, und der Reiter zeigte ihnen den Weg, denn er konnte unter dem Eis und auf dem Land reiten. Ich glaube, er hat auch fliegen können. Garantiert Der Kronenwirt zu N. in der badischen Pfalz machte sehr oft einen Handel mit einem sogenannten Roßtäuscher. Dieser war zufällig ein Jude. Ich sage zufällig, denn die jüdische Religion hat nichts mit dem Roßhandel und vorweg nichts mit dem Roßtäuschen zu schaffen. Der Roßtäuscher, obgleich ein Pfiffikus, wurde doch auch oft angeführt; er machte es dann wie die Kinder beim Ohrfeigen-Spiel und sagte zu sich: Gib's weiter. Der Kronenwirt wurde nun auch oft angeführt. Bald bekam er einen Kopper, bald ein Pferd, das nicht einspännig ging, bald einen Lederfresser, der, wie du wohl weißt, immer am Lederwerk knuppert. Einstmalen kam der Roßtäuscher wieder und sagte: »Kronenwirt, brauchst du keinen Gaul?« Dem Kronenwirt war es nun gar bequem, daß ihm die Pferde so vors Haus gebracht wurden und daß er weiters keine Mühe damit hatte. Er sagt daher: »Freilich brauche ich einen, aber Alterchen, ich laß mich nicht mehr hinters Licht führen; du mußt mir, wenn wir Handels eins werden, schriftlich für das Koppen, Einspänniglaufen und Lederfressen garantieren.« »Weiter nichts? Auch gut«, war die Antwort, und sie wurden Handels eins, und das Schriftliche wurde aufgesetzt. Andern Tages kommt der Kronenwirt zu dem Roßtäuscher und sagt: »Kannst deinen Gaul wieder holen, er koppt.« »Das ist ja recht«, sagt der Roßtäuscher, »ich hab dir ja für das Koppen garantiert.« Jetzt gehen dem Kronenwirt die Augen auf, und er reitet zu einem Rechtsanwalt, bekommt aber den Bescheid, daß da nicht zu helfen sei, denn da steht schwarz auf weiß: »Für das Koppen, Einspänniglaufen und Lederfressen wird garantiert«, statt daß es heißen sollte: »Gegen das Koppen usw.« Der Kronenwirt erhält nun den guten Rat, künftig vorsichtig zu sein. Was hilft aber der Herr von Künftig? Der Meister Jetzt gilt. Betrübt und fluchend geht der Kronenwirt zu einem Bierbrauer. Der Bierbrauer hat mit seinem einfachen Verstand das rechte Loch gefunden, wo die Geschichte hinaus muß. Das Schriftliche in Händen haltend, fragt der Bierbrauer: »Koppt dein Gaul?« – »Freilich.« – »Geht er einspännig?« – »Ja.« – »Frißt er Leder?« – »Nein, das tut er nicht.« – »Halt! Jetzt muß er ihn wieder nehmen; er hat auch dafür garantiert.« Und so geschah es auch. Der Roßtäuscher mußte den Gaul wieder nehmen, weil er – kein Leder fraß. Geistliche Gespräche Zwei Domherren zu Mainz gingen im Kreuzgang spazieren und diskutierten von ihren Köchinnen. Ein blinder Bettler stand nicht fern hiervon und sagte: »Ach, ihr hochwürdigen geistlichen Herren, gebt mir doch einen Pfennig um Gottes willen.« Sie fragten: »Woher weißt du, daß wir Geistliche sind?« Der Bettler: »O das höre ich aus euern geistlichen Reden.« Genügsamkeit Ein Schlossergeselle wollte an einem Sonntag zum Tanze gehen. Er war ein sparsamer Bursche auf gewisse Weise, aber kein geiziger, für Wein und Lustbarkeit reute ihn das Geld nie, wohl aber für Kleider und ihren Unterhalt, und der Wäscherin gab er fast gar nichts. Nütze doch das Waschen ja nichts, sagte er, nach acht Tagen sehe man nicht mehr, was gewaschen oder ungewaschen sei. Als er aber nun sein Hemd gschauete, das er in der Werkstatt vierzehn Tage anghabt, fand er es doch etwas wohl schwarz zum Tanzen, ein weißeres hatte er aber nicht. Er aber, nicht dumm, kehrte das Hemd, das Äußere inwendig, und legte es also an. Als er beide Arme aus den Ärmeln heraus in die Höhe streckte, rief er götterglücklich aus: »O Himmelsackerment, wie wohl ist einem, wenn man saubere Wäsche anhat!« Gulden öffentlich angeschlagen In einer gewissen Stadt in Schwaben wurden vor einigen Jahren die Guldiner, weil sie zu gering waren, verboten. Da nun in dieser Stadt kein Kupferstecher war, der diese Geldsorte stechen konnte, damit sie könnte öffentlich angeschlagen werden, hat man dieselben Guldiner in natura angeheftet, damit man selbige sehen und sich danach richten könne. Nach einigen Tagen kam einer bei Nacht, nahm die Guldiner hinweg und schrieb auf das leere Brett: »Ich nehm sie für voll!« Gutes Wort, böse Tat In Hertingen, als das Dorf noch rottbergisch war, trifft ein Bauer den Herrn Schulmeister im Felde an. »Ist's noch Euer Ernst, Schulmeister, was Ihr gestern den Kindern zergliedert habt: So dich jemand schlägt auf deinen rechten Backen, dem biete den andern auch dar?« Der Herr Schulmeister sagt: »Ich kann nichts davon und nichts dazu tun. Es steht im Evangelium.« Also gab ihm der Bauer eine Ohrfeige und die andere auch, denn er hatte schon lang einen Verdruß auf ihn. Indem reitet in einer Entfernung der Edelmann vorbei und sein Jäger. »Schau doch nach, Joseph, was die zwei dort miteinander haben.« Als der Joseph kommt, gibt der Schulmeister, der ein starker Mann war, dem Bauer auch zwei Ohrfeigen und sagte: »Es steht auch geschrieben: Mit welcherlei Maß ihr messet, wird euch wieder gemessen werden. Ein voll gerüttelt und überflüssig Maß wird man in euern Schoß geben«, und zu dem letzten Sprüchlein gab er ihm noch ein halbes Dutzend drein. Da kam der Joseph zu seinem Herrn zurück und sagte: »Es hat nichts zu bedeuten, gnädiger Herr; sie legen einander nur die Heilige Schrift aus.« Hans Clauert, Schlosser aus Trebbin   1. Wie Hans Clauert zum Handwerk gebracht ward und seinen Meister mit einem Bauern zusammenbrachte Vor nunmehr vielen Jahren wohnte ein Bürger zu Trebbin in der Mark Brandenburg, der hieß Peter Clauert, und zeugte mit seinem ehelichen Weibe einen Sohn mit Namen Hans. Dieser war von Natur ein so merkwürdiger Mensch, daß seinesgleichen kaum einer wieder nach ihm kommen wird. Nach zurückgelegtem Knabenalter brachte ihn sein Vater nach Zerbst und ließ ihn das Schlosserhandwerk erlernen. Als er nun in der Lehre war und sein Lehrmeister einmal gute Freunde bei sich hatte, denen Hans Clauert Wein und Bier einschenkte, da begab sich's, daß von ungefähr ein starker, vierschrötiger Bauernknecht vor das Haus kam und heftig an die Tür klopfte. Um ihm aufzumachen, lief Hans Clauert eilends hinaus und fragte, was des Bauern Begehren sei. Dieser gab ihm zur Antwort: »Ich wollte gern ein Schloß kaufen.« Darauf sagte Hans Clauert: »Ich habe keine Macht dazu, dieselben zu verkaufen, ich will aber meinen Meister herausrufen, der wird Euch den Kauf bald sagen. Damit Ihr aber desto besser zum Handel kommen könnet, so mögt Ihr wissen, daß mein Meister sehr schwer hört; deshalb muß einer gar laut rufen, wenn er etwas verstehen soll.« Der Bauer glaubte auch, daß dieses sich also verhalte. Hans Clauert merkte, daß sein Vorhaben einen glücklichen Fortgang haben werde. Darum berichtete er in gleicher Weise auch seinem Meister, es wünsche einer ein Schloß zu kaufen, derselbe sei aber fast taub; was denn sein Meister auch glaubte. Indem nun dieser zur Stubentür hinausging, schrie ihm der Bauer entgegen, so laut er nur immer konnte: »Einen guten Tag, Meister! Einen guten Tag!« Da fing Hans Clauert in der Stube vor dem Tische an zu lachen und sagte zu den Gästen: »Ich habe sie beide zusammengebracht; sie mögen sehen, wie sie wieder auseinanderkommen.« Dies verstanden aber die Gäste nicht, sondern wunderten sich über das große Geschrei und glaubten nicht anders, als daß die Leute unsinnig geworden wären; denn der Meister schrie noch viel heftiger als der Bauer, und das Geschrei über den Kauf wurde so lange getrieben, bis endlich jeder von ihnen mit ruhigen Worten zu sich selbst sagte: »Hat mich denn der Teufel mit solchem Narren betrogen?« So kamen sie von dem Narrenschelten endlich gar zum Raufen und Schlagen und richteten einander mit dem Hammer gar häßlich zu, bis zuletzt die Nachbarn von der Gasse und des Kleinschmieds Gäste aus der Stube kamen und Frieden stifteten. Später lachten die Nachbarn und Gäste gewaltig darüber, als sie den Grund des Lärmes erfuhren und Hans Clauerts wunderlichen Kopf dabei kennenlernten.   2. Wie Clauert für seine Frau Wein holte Kurze Zeit darauf geschah es, daß der Kurfürst zu Trebbin ein Nachtlager hielt. Dabei dachte sich Hans Clauert einen guten Trank zu holen, welchen er auch durch folgende List bekam. Als er sah, daß der Kurfürst an einem bequemen Orte stand, wo er ihn ansprechen konnte, suchte er hineinzukommen und meldete demselben, daß er ein armes, krankes Weib zu Hause hätte, die er mit einem Trunk guten Weines wieder aufzubringen hoffe; weil er aber aus gänzlicher Mittellosigkeit nicht imstande sei, den Wein zu bezahlen, und noch viel weniger an diesem Orte Geld zu bekommen wüßte, so bäte er untertänigst, der Herr möge doch ein Werk der Barmherzigkeit tun und seiner armen, kranken Frau mit einem Trunk guten Weines gnädigst zu Hilfe kommen. Hierauf gab der Kurfürst, weil ihm Hans Clauert unbekannt war, sogleich den Befehl, daß man ihm eine Kanne Rheinischen Wein geben solle. Als Clauert den Wein hatte, vergaß er seines Weibes, ja, er konnte nicht einmal das Tor vom Schlosse herab finden, sondern geriet an die Küchentür, wo er zum guten Trunke auch noch einen guten Bissen suchte. Dies gefiel den Köchen sehr wohl; sie brachten das beste Essen herbei, das sie hatten, genossen aber dagegen auch von dem guten Weine. So tranken sie miteinander, bis der Boden der Kanne zu sehen war. Da sagte einer von den Köchen: »Hätten wir von diesem Weine noch eine Kanne, wir möchten sehen, wie es Clauerten vergolten würde.« Clauert tröstete sie und sprach: »Trinket diesen aus; ich weiß, daß der Herr mir noch eine Kanne Wein gibt.« Darauf nahm er die Kanne und füllte sie in der Küche mit Wasser. Da er nun bemerkte, daß der Kurfürst eben zum Fenster herabsah, ging er seines Wegs dahin und stellte sich, als ob er nicht gut sehen könnte. Jetzt schien es ihm aber die rechte Zeit zu sein; er fiel mit der Kanne nieder, beklagte sich sehr darüber und stellte sich, als ob er nicht wieder aufstehen könnte. Als der Kurfürst dies sah, sprach er: »Ach, der arme Mann wird sich mit dem Gesichte nicht gut behelfen können; wie geht's ihn doch so übel? Wir haben befohlen, ihm eine Kanne Wein zu geben, um sein krankes Weib damit zu laben; nun ist er so schlimm gefallen, daß er nicht wieder aufstehen kann, und hat dazu auch den ganzen Wein verschüttet.« Zugleich befahl er auch, man solle ihm die Kanne alsbald wieder mit Wein füllen. Clauert, darüber aufs höchste erfreut, dankte dem Kurfürsten für diese ihm erwiesene hohe Gnade, dachte aber sogleich wieder an den vorigen Ort, wo man gute Bissen speiste; er ging also in die Küche zurück, trank den Wein mit den Köchen wieder aus und ließ seine Frau anstatt des Weines Wasser trinken.   3. Wie Clauert Herr und Narr im Hause ward Wenn Hans Clauert gefragt ward, wer zu Trebbin ein böses Weib hätte, so pflegte er zu sagen, er wisse sonst keinen als nur einen einzigen, der daselbst Bürger geworden wäre und der ein sehr böses Weib hätte; derselbe hieße Jedermann, und unter diesen Orden rechne er auch sich selbst mit, da er ein gar herbes Kraut im Hause hätte. Weil aber Clauert sehr kurzweilig und scherzhaft war, wie auch aus seinen Geschichten wohl zu sehen ist, so hatte ihn ein jeder gern bei sich, ungeachtet sie für ihn stets bezahlen mußten. Einstmals nun waren die Ratsherren versammelt und hatten Clauerten bei sich. Dieser war seit einigen Tagen nicht viel in seinem Hause gewesen, weshalb seine Frau sich bewogen fühlte, ihn zu suchen. Sie fand ihn endlich und deckte ihn mit häßlichen Schimpfreden zu. Clauert aber saß vor dem Tische und tat, als hätte er es nicht gehört; er trank herum und machte sich lustig. Die Ratsherren riefen die Frau herbei und boten ihr zu trinken an. Darüber ward sie noch grimmiger, schalt noch viel heftiger als zuvor und ging mit vielem Brummen davon. Als sie nun hinweggegangen war, sprach einer nach dem andern zu Clauerten: »Hans, Ihr mögt nun wohl nach Hause gehen und Euch baden lassen, denn die Lauge ist gut gewärmt.« Clauert erwiderte: »Wieso? Warum sollte ich denn nicht nach Hause gehen?« Die Herren sagten zu ihm: »Habt Ihr nicht gehört, wie Euer Weib Euch die Lektion gelesen hat? Geht nur nach Hause, sie wird Euch willkommen heißen.« Clauert antwortete: »Meine Frau sollte mir ein böses Wort geben? Das kann ich nicht glauben; meine Frau soll heute noch mit mir tanzen!« Darüber mußte ein jeder lachen, und sie wetteten mit ihm um eine Tonne Bier, wofern sie ungebeten und ohne Nachricht, daß er gewettet hätte, mit ihm tanzen würde. Clauert sagte: »Das sollt ihr bald erfahren, und damit ihr ganz sicher wißt, daß es wahr sei, so sendet aus eurer Mitte zwei Männer mit mir, die es mit ansehen und mit anhören können, ob sie nicht ungebeten mit mir tanzen wird.« Die Ratsherren schickten zwei Männer mit ihm. Diesen befahl Clauert, in seinem Haus vor der Stubentüre zu warten und durch ein kleines Fensterchen, welches aus dem Hause in die Stube ging, hineinzuschauen, wo sie alles genau sehen und hören konnten, was sie in der Stube begannen. Als nun Clauert in die Stube kam, saß seine Frau am Kachelofen und spann. Clauert sagte zu ihr kein Wort, sondern stützte beide Hände in die Seiten, tanzte in der Stube auf und nieder, hin und her und sang sich selbst ein Tanzliedchen dazu mit folgenden Worten: »Und bin ich denn nicht Herr im Haus, und bin ich denn nicht Herr im Haus?« Diese Worte wiederholte er in einem fort. Darüber ward das Weib so grimmig, daß sie vor Zorn hätte zerbersten mögen. Endlich konnte sie es nicht länger mehr aushalten; da nahm sie im Zorne ihren Rocken und warf ihn hinter den Ofen; dann setzte sie auch beide Hände in die Seiten, tanzte hinter ihrem Manne her, und wenn Clauert seinen Tanz sang: »Und bin ich denn nicht Herr im Haus«, so sang sie jedesmal dagegen: »Und bist du denn nicht Narr im Haus?« Diesen Tanz trieben sie so lange, bis die zwei Ratsherren im Hause mit heller Stimme anfingen zu lachen. Als Clauert dies hörte, ging er stillschweigend wieder aus der Stube hinaus und mit den zwei Abgesandten zu der Versammlung der Ratsherren zurück und ließ seine Frau zu Hause singen und tanzen, soviel sie wollte. Jene zwei Männer aber, die mit dort gewesen waren, erzählten den Ratsherren, wie Clauert es gemacht, damit seine Frau ungebeten getanzt und auch dazu gesungen hätte. Da wurden sie vor Lachen alle erschüttert und gaben Clauerten die Tonne Bier gern gewonnen, welche sie auch am folgenden Tage in aller Fröhlichkeit miteinander austranken.   4. Wie Hans Clauert sein Ende genommen Das nächste Jahr nach dem großen Brande folgte das Sterben zu Trebbin und in den umliegenden Dörfern. Deswegen begab sich Clauert aus der Stadt und hielt sich eine gute Zeit in den Wäldern der Herren von Thümen auf. Hier fing er Fische und Vögel, wovon er und seine Genossen, die mit ihm ausgezogen waren, sich sättigten. Da ließen ihnen endlich auch die Herren von Thümen sagen, wofern sie sich nicht sogleich hinwegbegeben würden, so werde man sie mit Gewalt forttreiben. Als Clauert die Nachricht erhalten hatte, daß sie des folgenden Tages kommen würden, um sie zu vertreiben, nahm er ein Stück Holz und bedeckte es mit einem weißen Tuche, als ob es ein Mensch wäre. Da nun die Dienstleute der Herren von Thümen dies sahen, glaubten sie, es wäre einer von jener Rotte gestorben; sie ließen deshalb Clauerten und seine Gesellschaft bleiben und ritten davon. Da sie nun in dem Gebüsche lagen, sagte Clauert stets zu seinem Kameraden: »Ach, wie wird der Tod Clauerten in der Stadt suchen, aber daselbst nicht finden!« Endlich jedoch vermochte er sich vor Kälte nicht länger mehr zu verbergen. Da begab er sich hinweg auf den Türdamm, wo ihn der Tod fand. Als nun Clauert zu merken begann, daß der Tod bei ihm anklopfen wolle, machte er sich näher an die Stadt und legte sich in eine Scheune vor dem Tore. Bevor er sich aber ganz zum Sterben hingab, sagte er: »Hoho! nur sachte, Tod, sachte, du wirst mich doch wohl noch erwürgen?« Nun ward er immer schwächer. Da kam zufällig einer von seinen Freunden vor die Scheune geritten, in welcher er lag; dieser fragte Clauerten, wie es ihm erginge. Clauert antwortete: »Hei! der Tod will mich haben, doch ist hier gut sterben, denn man wird nicht daran verhindert, aus dem Grunde, weil wenig Leute zu einem kommen.« Er konnte also auch bei seinem Tode seine Schelmerei noch nicht lassen. Zu seiner Frau aber sprach er noch kurz vor seinem Ende: »Ach, liebe Greta, ich merke wohl, daß ich nun dem Tode nicht mehr entlaufen kann; deshalb will ich dich nur noch um eines bitten, was du mir gewähren mögest.« Sie fragte ihn, was es sein solle. Da sprach er weiter: »Du weißt wohl, daß ich den Bauern mein Leben lang wenig Gutes erwiesen habe; jetzt nun werden alle Bauern, die in den umliegenden Dörfern liegen, auf den Kirchhof hier vor dem Tore begraben; deshalb bitte ich dich, du wolltest so wohl an mir handeln und mich ja nicht auf diesen Kirchhof unter den Bauern begraben lassen, denn wir würden uns heftig miteinander raufen und schlagen, wobei ich meine grauen Haare verlieren möchte.« Nachdem ihm seine Frau diese Bitte zugesagt hatte, machte er in aller Kürze sein Testament, nach welchem Eustachius von Schlieben das Vogelnetz, der Schmied den Amboß, der Teufel aber die Karten und Würfel erben sollte, und verschied sogleich darauf. So war also das Ende dem Leben gleich. Seine Margarete ließ ihn nach ihrem Versprechen in die Stadt tragen, und daselbst liegt er denn auch auf dem Kirchhofe unter den Bürgern begraben. Höher rauf! De Aolle Fritz har nix leiwer daohn äs Posten revendeert. Dao was he auk äs in Zivil bi'n Posten kuemen, de was an't iätten. »Ja«, sech he, »wat mäcks dao? Wat etts dann nu?« »Dat raot äs!« sech de Soldaot. »Ja«, sech de Aolle Fritz, »wat soll et sien? – Braut?« »Ne«, sech he, »höger rup!« »Stuten?« – »Höger rup!« »Mettwuorst?« – »Du häß't druoppen.« »So«, sech Aolle Fritz, »nu kaß du auk äs raoden, well ick sin; ick sin kin Schuster of Snieder, ick sin Soldaot.« »Bus du Unteroffßeer?« – »Ne«, sech he, »höger rup!« »Leutnant?« – »Höger rup!« »Oberst?« – »Höger rup!« »Du büs doch wull nich de Künink?« »Du häß't druoppen.« »Nao, Fritz, dann haoll mi de Wuorst äs fast, dat ick präsenteeren kann!« Holz für den Schultheiß Man sagt, daß die Bauern von Gaienhofen zu einer andern Zeit ihrem Schultheiß etwas am Haus ausbessern wollten. Sie seien mit einem leeren Wagen in den Wald gefahren und hätten Zimmerholz gefällt. Wie sie ein Holz aufgeladen, habe der älteste von ihnen gesprochen: »Trägt der Wagen das Holz, so trägt er auch noch eines.« Da haben sie noch eines aufgeladen. Da habe ein anderer von den Bauern gesagt: »Trägt er die zwei Hölzer, so trägt er auch noch das dritte.« Danach hätten sie das dritte aufgeladen und also hernach das vierte. Damit sei der Wagen so überladen und beschwert worden, daß er zerbrochen und zusammengefallen sei. Da haben sie den Wagen abgeladen, nämlich ein Zimmerholz, und gesagt: »Trägt er dann vier Hölzer nicht, so trägt er auch drei nicht«, nachher hätten sie aber alle Hölzer abgeladen und gesprochen: »Dieweil er die drei nicht zu tragen vermag, so erträgt er auch die zwei nicht«, und also fort, bis sie den Wagen wieder ganz abgeladen hätten. Dann haben sie ihn leer wieder heimgeführt. Wenn der Schultheiß sein Haus hat ausbessern und Holz haben wollen, so hat er weiter darum sehen müssen, und es ist ihm wohl sonst gegangen wie dem Pfarrer vom Kahlenberg. Ihr sagt es, nicht ich! Ein Edelmann war ein grausamer Bauernschinder und erdachte allerlei Mittel, sie zu packen. Einstmals kaufte er einen kostbaren Vogel und gab ihnen solchen, daß jeglicher ihn acht Tage speisen und der erste, so aus ihnen kommen und sagen würde, der Vogel sei tot, 100 Gulden Strafe geben soll. Endlich mußte es gleichwohl geschehen, daß der Vogel starb, aber kein Bauer wollte dem Edelmann die Zeitung bringen wegen der Strafe. Letztlich, weil es sein mußte, wagte es ein Schalk und ging zum Edelmann. Als nun der Edelmann anfing zu fragen: »Was macht mein Vogel?«, sprach der Bauer: »Nicht viel.« – »Singt er auch?« – »Nichts Besonderes.« – »Springt er auch?« – »Nicht hoch.« – »Ißt er auch?« – »Gar wenig.« – »Hui«, bricht der Edelmann endlich aus, »der Vogel ist tot!« Dem der Bauer entgegnete: »Junker, Ihr sagt's! Gebt die Strafe, 100 Gulden!« In den Sattel gefroren Ein Schlosser saß zu Cannstatt, der erzählte, als er ein junger Wandergesell gewesen sei, da habe ihm ein Edelmann von Stuttgart einen Gaul gegeben, den er gen Hohenurach reiten sollte. Es war um St.-Niklaus-Tag, und es war Stein und Bein gefroren, und es mochte sich kaum jemand im Feld des Frosts erwehren. Als aber der Schlosser gen Hohenurach kam und bei den Ställen absitzen wollte, da war er fest in den Sattel gefroren, dermaßen, daß er und der Sattel nicht voneinanderkommen konnten noch daß er aus den Steigbügeln treten konnte. Da wurde ein Rat gefunden, daß die Knechte ihn mit dem Sattel von dem Pferd abhoben und in die Stube hinter dem Ofen trugen, allgemach niedersetzten und auffrieren ließen, daß er danach wieder zu Fuß heimgehen konnte. Also ist er mehr als fünf Stunden hinter dem Ofen im Sattel gesessen samt den Steigbügeln, ehe er aufgefroren war. Danach ist er allgemach wieder gen Stuttgart gegangen und hat dort erzählt, wie es ihm mit dem gefrorenen Sattel ergangen sei. Klaus Narr   1. Kleider machen Leute Als Klaus einen sah, der einen neuen Anzug angetan hatte und es ein gelehrter Doktor war, da zog Klaus seinen neuen Rock auch an und sprach zu dem Doktor: »Lieber, wir wollen die Röcke tauschen.« Der Doktor sprach: »Warum sollte ich mit dir tauschen?« Klaus antwortete: »Daß du ein großer Narr wirst und ich ein großer Doktor.«   2. Wo sind die kleinen Gänslein hingekommen? Klaus hatte eine Bürgerin gesehen, die eine lustige Schar junger Gänslein an das Wasser gewiesen hatte, die gefielen ihm sehr gut, und er sprach: »Wohlan, es ist schade, wenn die Gänslein größer werden sollten.« Über etliche Wochen sah er am Wasser, daß die Gänslein groß geworden waren und zum Braten taugten. Da fragte er: »Wo sind die kleinen Gänslein hingekommen, die so lustig waren, als ich sie sah? Ist es nicht schade und eine Schande, daß man nicht ein kleines Gänslein verteidigen kann, und werden daraus solch große Dinger, daß man sie mit dem Bratspieß erstechen muß.« Lacrimae Christi Ein guter, frommer, einfältiger Mann aus dem Schwabenland wallfahrtete gen Rom. Als er nun nach Italien gekommen war, kehrte er bei einem Wirt ein, der ihn schön empfangen hat, denn er hatte wohl Geld zu verzehren. Der Wirt trug ihm vor, was er Gutes hatte, dazu die allerbesten Weine, so man in Italien hat, als Veltliner, Rheinfall und anderes gut Geschleck. Die haben dem guten Schwaben gar wohl geschmeckt. Deshalb fragte er zuletzt den Wirt, was das doch für ein Trank wäre. Der Wirt dachte sich gleich, er habe einen rechten Kunden vor sich, denn er war auch ein geborener Deutscher und ein großer Spaßvogel. »Lieber Freund«, sagte er, »der Trank, nach dem Ihr fragt, sind unseres Herrgotts Tränen.« – »Oh«, sagte der Schwabe, »du lieber Gott, warum hast du nicht auch im Schwabenland geweint?« Diese guten, einfältigen Leute findet man nicht mehr viel in unseren Tagen. Landgraf, werde hart Als der Landgraf Ludwig von Thüringen, der Eiserne genannt, eines Tages seine Kurzweil im Jagen und mit Netzen suchte und so wenig für den gemeinen Nutzen sorgte, trug es sich einmal zu, daß er im Wald auf der Jagd sich von seinen Dienern verirrte und die Nacht nicht wieder zurechtfinden konnte. Da kam er in Rula zu einem Waldschmied und bat ihn um Herberge. Der Schmied fragte, wer er sei. Er antwortete, er sei des Landgrafen Jägerknecht. Der Schmied sprach: »Pfui, des schlechten Herrn! Wer auch nur seinen Namen nennt, der sollte sich allemal den Mund danach waschen«, und er schimpfte sehr übel und sagte: »Ich will dich gern beherbergen, aber nicht um seines willen.« Und er hieß ihn sein Pferd unter den Schuppen ziehen. Der Schmied arbeitete vor sich hin und schmiedete die ganze Nacht, und wenn er mit seinem großen Hammer auf das Eisen schlug, dann fluchte er allemal dem Landgrafen und sprach: »Ei, nun werd einmal hart, du böser, unseliger Herr! Wozu sollst du sonst leben?« Und dann zählte er alle des Landgrafen Junker auf. »Der preßt dir die Deinen aus, der handelt mit den Deinen, wie er will, der tut den Deinen Gewalt an, der beraubt sie, der wird von den Deinen reich, und du wirst zum Bettler«, und so fort. Und er zeigte alles fein an, wie es im Lande zuging, und fluchte ihn in die Hölle hinein. Das mußte der Landgraf die ganze Nacht hören, und es ging ihm gar zu Gemüt, und er ging den Sachen fleißig nach, nahm sich der Regierung besser an als vorher. Das sollte mancher große Herr hören, was ihnen die armen Leute nachsagen wegen der großen Beschwernis durch das Wild und durch die Jagd, und sie würden sich vielleicht eines Besseren bedenken. Listige Liebe Als sich einst ein gewisser junger Mensch in eine Jungfer, die etwas vornehmeren Standes als er, heftig verliebte und diese hinwiederum jenen ihrer Liebe gewürdigt hatte, sie aber von ihren Eltern so genau verwahrt wurde, daß sie auch nicht einmal ohne eine scharfe Aufseherin aus dem Hause gehen durfte, hat sie endlich diese List ersonnen und ausgeführt. Als die Jungfer von ihren Eltern verständigt wurde, daß sie des folgenden Tages eine ihrer Gespielinnen zu besuchen die Freiheit haben sollte, ließ sie dieses ihren Amanten Liebhaber durch ein Schreiben wissen und vermeldete darin, daß sie durch die und die Straße gehen müßte, er sollte daher in einem daselbst gelegenen Hause sich einstellen und achthaben, wann sie vorbeigehen würde; sodann sollte er ihr einen Topf voll Wasser über den Leib schütten, damit sie gezwungen würde, in das Haus zu treten, mithin Gelegenheit hätte, ihn zu sehen und zu sprechen. Der Liebhaber verrichtete den Befehl getreulich und erwartete die Ankunft seiner Liebsten mit Schmerzen. Kaum hatte sich diese dem Hause genähert, so ging sie schon langsamer als vorher. Ehe sie sich's aber versah, kam der anmutige Wasserguß solchergestalt über sie, daß sie nicht anders als wie eine gebadete Maus aussah. Sie hatte sich kaum ein wenig erholt, als sie in das Haus, daraus dieser Guß gekommen war, sich verfügte und die schon von allem informierte Wirtin mit verstellten harten Worten zur Rede setzte, warum man sie solchergestalt auf öffentlicher Gasse prostituiert hätte. Die Wirtin entschuldigte sich mit den allerhöflichsten Reden und gab die Unvorsichtigkeit des Hausknechtes vor. Sie wurde darauf in ein Zimmer geführt, worin ein helles Kaminfeuer gemacht war, da sie sich dann auskleidete und der Wirtin Schlafrock so lange überwarf, bis die scharfsichtige Magd, so ihr sonst immer auf dem Fuße nachfolgte, die nassen Kleider nach Hause getragen und andere, trockene hergebracht hatte. Weil aber der Jungfern Eltern etwas weit entfernt wohnten, hatte der Liebhaber, welcher nach der Magd Wegsein gleich sichtbar wurde, desto länger Gelegenheit, seine Geliebte abzutrocknen, welches er dann mit einer so verliebten und angenehmen Art verrichtete, daß die Jungfer nichts mehr wünschte, als öfters auf solche Weise getauft zu werden. Ob es ihr aber ergangen wie der Danae, welche von dem goldenen Regen des Jupiters schwanger geworden, wird nicht gemeldet. Listiger Betrug eines Boten An einen Abt, der gefürchtet und von hoher Autorität war, wurde vor langer Zeit ein Bote mit Briefen gesandt. Der ward um seines Herrn willen ehrlich angenommen, mit Essen und Trinken wohl traktiert und abends in einer schönen Kammer und auch in ein herrliches Bett wohl zu schlafen geführt. Nun hing ungefähr da ein schöner, langer, mit Pelz gefütterter Rock in derselben Kammer, den der Bote eben sah, und er dachte, er könne ihn wohl gebrauchen, langte den Pelz und deckte sich damit zu. Er wollte ihn aber mit List erwerben. Als es hell geworden war, schier um den Mittag, und der Abenteurer noch nicht aufgestanden war, schickte der Abt etliche seiner Diener zu ihm, zu schauen, wie es um ihn stehe und warum er so lange im Bett bliebe. Als er das merkte, ächzte und krächzte er jämmerlich, als wäre er heftig krank geworden, und sagte, er sei einige Tage vorher in einem Ort gewesen, da damals die Pest sehr wütete. Nachts habe er sehr gefroren, und deshalb habe er den Rock genommen und sich mit diesem Pelz zugedeckt. Dies zeigten die Diener dem Herrn Abt eilends an. Der glaubte dem Schalk. Und daß nicht sein ganzer Konvent angesteckt werde, befahl er demselben, ihn hinwegzuschaffen. Dazu sollten sie ihm auch den Pelz schenken und ihn damit weggehen lassen, damit nichts Schlimmeres daraus erfolge. Das geschah, und er durfte den Pelz auf diese Weise mit List behalten. Lügen eines abgedankten Soldaten Es ist so weit gekommen, daß es ihrer viele für eine Klugheit und Geschicklichkeit halten, wenn sie also lügen, daß es andere glauben, und wenn sie einen angeführt oder, wie man zu sagen pflegt, einen Bären aufgebunden haben, so haben sie die größte Freud daran ... Andere lügen, nicht daß sie die Wahrheit gesagt zu haben wollen gehalten sein, sondern damit sie einen Spaß und Gelächter erwecken ... Einige lügen aus einer bösen Gewohnheit, als da sind die alten, abgedankten Soldaten, oder welche sonst weit in der Welt herumgelaufen. Ein solcher war jener, welcher ganz handgreifliche Lügen zu erzählen wußte, und wenn man's ihm nicht glauben wollte, mußte es ihm sein Knecht, der Hans, der mit ihm gereist war, bejahen und bestätigen. Einstmals erzählte er, wie er auf einen Schuß und mit einer Kugel einen Vogel, einen Fisch und einen Hirsch durch den hinteren Lauf und das eine Ohr geschossen habe. Die Zuhörer widersprachen ihm, da sagte er: »Hans, ist es nicht wahr? Du warst ja dabei!« – »Ja«, sprach Hans, »es hat sich aber gar wunderlich zugetragen. Mein Herr stand bei dem Fluß hierüber und der Hirsch darüber, und als der losbrannte, flog eben eine Schwalbe über dem Wasser, und ein Fisch hüpfte aus demselben hervor, und eben zugleich kreppte sich der Hirsch mit der hinteren Klaue hinter dem Ohr, wo eine Wespe saß, da hat er unversehens diese allzugleich getroffen.« Nachmals, als sie miteinander nach Haus kamen, sagte Hans: »Herr Junker, macht Eure Sache ein anderes Mal behutsamer, sonst kann ich Euch wahrhaftig ein anderes Mal nicht mehr daraushelfen.« – »Ist gut«, sagte der Herr, »wenn ich wieder einmal anfang aufzuschneiden und du vermeinst, es sei genug, so stoße mich, damit ich's unterbreche und nicht zu tief hineinkomme.« – »Es bleibt dabei«, sprach der Hans, »auf solche Weis wollen wir unsere Sache anstellen.« Bei nächster Mahlzeit fing Junker Sigismund wieder an, mächtig aufzuschneiden, unter anderem sagte er: »In Welschland habe ich eine Kirche gesehen, die ist zehntausend Schritt lang -« Hans gab seinem Herrn alsbald einen Stoß, dieser erschrak und fuhr in die unbesonnenen Worte aus: »- und zwei Schritt breit.« Alle Anwesenden fingen überlaut an zu lachen, aber Herr Sigismund entschuldigte sich mit diesen Worten: »Wenn du Bärenhäuter mich nicht hättest gestoßen, so wollte ich diese Kirche nach der Proportion, der Länge, schon breit genug gemacht haben.« Martin Breit, ein Fähnrich Ein Buchdrucker und Bürger zu Straßburg zog in den Krieg. Als aber einstmals eine Belagerung lang währte und sich die Besatzung tapfer gewehrt hatte, wollte dieser Reiter, der hieß Martin Breit, ein Ritterstück vor allen andern begehen, denn er gab sich für einen Edelmann aus. Er zog seine Rüstung an und rannte auf die Stadt zu, vermeinte, einen Feind in der Stadt zu fangen und ihn in das Lager zu bringen. Man hatte aber am Vortage ein Scharmützel getan, und auf der Walstatt lagen viele Verwundete und Tote. Unter diesen Verwundeten lag auch einer, Martin Breits Spießgeselle; derselbe sieht ihn, Martin, auf seinem Gaul daherreiten, schreit ihm nach und sagt: »Oh, lieber Junker Martin Breit, helft mir um Gottes willen von der Marter ab, denn ich kann weder sterben noch genesen.« Junker Martin Breit wurde von Barmherzigkeit bewegt, stieg von seinem Gaul ab, nahm sein Schwert zu Händen und schlug dem Verwundeten das Haupt ab. Nun, was geschah weiter? Der Tote, dem das Haupt abgeschlagen war, der sagte: »Oh, nun danke Euch Gott, lieber Martin Breit, daß Ihr mir von der Marter abgeholfen habt. Solches will ich in Ewigkeit nimmer vergessen.« Danach aber wollte Martin Breit von seinem Vorhaben nicht abstehen, setzte sich wieder auf seinen Gaul und rannte der Stadt zu. Wie er unter das Tor kommt, so läßt der auf dem Turm das Schutzgatter fallen, das trifft den Gaul grade hinten am Sattel und schlägt den halben Teil des Gauls ab, das da liegen blieb. Er rannte mit dem vorderen Teil bis auf den Markt, warf den Gaul herum und sagte: »Tummel dich, Mutz!« Da sieht er erst, daß er nur einen halben Gaul hat, denn das Heu hing ihm hinten heraus, das der Mutz morgens gefressen hatte. Der gute Reiter erschrak, der Gaul fiel um und starb. Er wurde gefangen und hat sich mit sechs Monatssolden, wie er sagte, auslösen müssen und ist also zu Fuß wieder zu den Seinen gelassen worden. Das ist ihm eine gefährliche Warnung gewesen, denn hätte das Schutzgatter den Gaul vorn getroffen und ihm den Hals abgeschlagen, so hätte er nicht mehr sehen können, wo er hinlaufen sollte, und er würde sich heftig und unbillig gestoßen haben, ehe er wieder in das Lager zu den Seinen gekommen wäre. Nachdem nun Martin Breit aus diesem Zug wieder nach Hause gekommen war, hatte es sich auf einer Fastnacht begeben, daß sein Stiefvater seine Druckergesellen samt anderen Herren und guten Freunden zu Gast geladen hatte. Da fing Martin Breit an, seiner alten Gewohnheit nach, seine männlichen Taten, wie oben gemeldet, zu rühmen, und sagte, daß er in einem Zug ein Fähnrich gewesen wäre. Darauf sagte der Stiefvater: »Mit Verlaub zu reden, es ist gelogen.« Dabei saß aber ein großer Spottvogel, Wendling von Marie genannt, ein Setzer, der sagte: »Ja, Herr, ich glaub's, und es ist auch wahr, und es geschah an einem Sonntag auf einem Dorf, als der Pfarrherr mit dem Weihwasser um die Kirche gehen wollte, da war kein Bauer vorhanden, der das Fähnlein tragen wollte. Da erwischte der Martin dasselbe und trug's um die Kirche. Zu dieser Zeit ist er wohl Fähnrich gewesen.« Modus florum Mendosam quam cantilenam ago puerulis commentatam dabo, quo modulos per mendaces risum auditoribus igentem ferant. Liberalis et decora cuidam regi erat nata quam sub lege huius modi procis opponit quaerendam. ›Si quis mentiendi gnarus usque ad eo instet fallendo, dum caesaris ore fallax praedicitur, is ducat filiam.‹ Quo audito Suevus nil moratus infit so erhielt er hundert Pfund, und nachdem er das Kind verkauft hatt', fuhr er reich in sein Heim. Als er 's Haus betreten, sagte er zum Weibe: »Tröste dich, mein Weibchen, tröste dich, mein liebes! Deinen Sohn hab ich verlorn, den gewißlich ich nicht minder liebte als du selber. Auf tat sich ein Wetter, wütend trieb der Sturmwind auf die seichten Bänke uns, die ganz Erschöpften, und uns alle dörrte sehr die Sonne: jedoch der Schneegeborne ward zu Wasser.« Sein treulos Weib führte so der Schwab hinter das Licht. List besiegte so die List: den, der Schnee gebar, den zerschmelzt mit Recht einst die Sonne. Modus liebinc Advertite, omnes populi, ridiculum et audite quomodo Suuevum mulier et ipse illam defrudaret. Constantiae civis Suevulus trans aequora gazam portans navibus domi coniugem lascivam nimis relinquebat. Vix remige triste secat mare, ecce orta tempestate furit pelagus, certant flamina, tolluntur fluctus, post multaque exulem vagum litore longinquo Notus exponebat. Nec interim domi vacat coniux. mimi iuvenes secuntur: quos et inmemor viri exulis excepit gaudens, atque nocte proxima praegnans filium iniustum fudit iusto die. Duobus volutis annis exul dictus revertitur. occurrit infida coniux, secum trahens puerulum. datis osculis maritus illi, ›de quo‹ inquit ›puerum istum habeas, dic, aut extrema patiaris.‹ At illa maritum timens dolos versat per omnia. ›mi‹ tandem ›mi coniux‹ inquit ›una vice in alpibus Närrische Klugheit Kunz von der Rosen, des Kaisers Maximilian kurzweiliger Rat, spielte mit den Fürsten Karten um großes Geld, das eingesetzt war, und fragte, als er einmal zwei Könige in der Hand hatte, ob drei Könige das ganze Spiel zögen. Die Fürsten lachten und sprachen ja. Da fiel Kunz dem Kaiser um den Hals und wies seine zwei Kartenkönige vor, mit dem Bemerken, der Kaiser wäre auch sein König und gelte mehr als die anderen beiden. Peter Schneider macht, daß ein Hafner seine Töpfe zerschlägt Kurz danach ist Peter Schneider wiederum auf einen Wochenmarkt nach Überlingen gekommen, und als viele Kaufleute aus Lindau, St. Gallen und anderen Orten des Schweizer Landes dort gewesen sind und dabei auch etliche Hafner bei der Brotlaube ihre Häfen und anderes Kachelwerk feilgehalten haben, ist er zu einem von ihnen gegangen und hat ihn heimlich befragt, ob er seinen ganzen Kram feil hätte. Und als ihm dieser sagte, daß er ihn feil habe, bat er ihn, das Hafenwerk alles abkaufen zu können, und machte mit ihm insgeheim aus, wenn er aus Zuckmantels Haus herausschaue und ihm ein Zeichen gebe, solle er alle Hafen zerschlagen. Das hat ihm der Hafner versprochen. Dann ist er wieder in die Herberge gegangen. Als nun während des Essens sein Wirt, der Zuckmantel, und auch die Kaufleute viel mit ihm von Frau Venus Berg und der Schwarzen Kunst sprachen und er ihnen auch viel davon erzählte, baten sie ihn, wenn er etwas von der Kunst verstünde, solle er ihnen eine Kurzweil damit machen. Daraufhin hat er zum Fenster hinausgesehen und so getan, als sei es Zufall, und gesagt, wenn etwa unter ihnen einer die Häfen bei der Brotlaube und die Zeche im Wirtshaus, die sie alle verzehrt, bezahlen würde, wollte er mit seiner Kunst den Hafner zwingen, seine Hafen alle zu zerschlagen. Das haben die Kaufleute sehen wollen. Also hat Peter Schneider dem Hafner sein Zeichen gegeben und bestimmte Worte gegen ihn gesagt. Gleich hat der Hafner all sein Hafenwerk zu Stücke zerschlagen, so daß sich jeder hoch verwunderte, und die Kaufleute mußten alles, was verwettet worden war und was die Häfen wert waren, mit gutem Willen bezahlen. Auch lange Zeit hernach hat niemand gewußt, jeder angenommen, daß solches Mysterium per artes magicas durch magische Künste und sonderlich verborgene Kunst zugegangen sei. Peter Schneider richtet ein Gastmahl an Auf eine Zeit kam Peter Schneider nach Winterlingen. Daselbst hatte er einen Gesellen, genannt Auberle Stöffle, der dann mit ihm und anderen mehrmals den Neckar hinabritt und Frucht kaufte. Nun war dazumal ein Pfarrer dort, der hatte etliche der besten Kapaunen gezogen, und derer nicht wenig. Das hatte Peter Schneider erfahren, und er bekam Lust, sie auch zu versuchen. Deshalb bestellte er mit Hilfe Auberles einen Knaben, der hat derweil, als der Pfaff in der Kirche war, einen Rauch von Bilsensamen in das Hühnerhaus gemacht, davon die Hühner, Hennen und Kapaunen umgefallen sind und es so aussah, als ob sie tot wären. Darüber ist der Pfaff, als er wieder zurückkam, übel erschrocken, denn er hatte viel Spaß an seinem Geflügel. Nun ging der Auberle Stöffle auf Anstiften Peter Schneiders zu dem Pfaffen, als ob er Geschäfte hätte. Da klagte ihm der Pfaff, welch großes Unglück ihm mit seinem Geflügel zugestoßen sei, und bat ihn um Rat. Darauf antwortete Auberle, es wäre eine abenteuerliche Sache, davon er nie gehört hätte, er denke aber, sie wären vielleicht alle vergiftet worden. Jedoch sprach er: »Es ist gestern ein fahrender Schüler von Meßkirch hierhergekommen, der kennt viele Künste, und es ist ihm auch manches Wunder begegnet, den will ich schicken und hören, was er dazu sagt.« Das gefiel dem Pfaffen. Man schickte nach Peter Schneider. Als der kam, tat er so, als wisse er nicht, warum er berufen wäre. Also klagte ihm der Pfaff seinen Unfall mit dem Begehren, daß er dem Geflügel wieder aufhelfen möchte. Peter Schneider dachte darüber nach und wollte helfen, sagte ihm zu, sein Geflügel wieder lebendig zu machen, doch besorgte er, es würde mit den Kapaunen schwierig sein. Aber auf Bitten und Anhalten des Pfaffen und Auberles, der ihm auch zuredete, unternahm Peter die Sache. Doch er bat sich vier der besten Kapaunen aus, wenn er den anderen helfen würde, die man ihm und der Gesellschaft zu einer Mahlzeit schenken sollte. Anderen Lohn, auch kein Geld, wäre er nicht zu nehmen gewohnt. Das bewilligte der Pfaff. Als alle weggegangen waren, machte Peter sein Gaukelspiel, daß die Kapaunen und das andere Geflügel alles wieder zu sich kam. Sobald die Hähne sich ermunterten, fingen sie an zu krähen. Da gewann der Pfaff gute Hoffnung wegen seiner Kapaunen und konnte sich nicht länger fernhalten. Er lief dem Hühnerstall zu und fand, daß alles Geflügel wieder lebendig geworden war. Damit hatte Peter Schneider seine Zusage gehalten und nahm vier Kapaune, so daß der Pfaff wohl zufrieden war. Die Kapaunen wurden bei Auberlin Stöffelin verzecht, und der Pfaff, samt anderen guten Gesellen, wurde dazu geladen. Der hatte mit ihnen gute Gesellschaft und erzählte jedem, der es hören wollte, von der großen Kunst und Erfahrung des fahrenden Schülers von Meßkirch. Peter Schneider richtet einen Possen in der Schlafkammer an Am selben Tag ist Peter Schneider zu Überlingen geblieben. Nachts hat Zuckmantel, der Wirt, ihm, auch etlichen Kaufleuten und anderen Gästen, eine große Kammer, die auf die Gasse hinaus ihre Fenster hatte, zum Schlafgemach gegeben. Nun hatte Peter Schneider unter einem Bett etliche zusammengebundene, lederne Weinschläuche gesehen, und es hat sich in derselben Nacht zufällig gefügt, daß der Kaufmann in dem Bett, darunter die Schläuche gelegen, heftig geschnarcht hat, so daß niemand zur Ruhe kam oder schlafen konnte, weshalb die meisten ganz ungeduldig wurden. Besonders Peter Schneider war darüber verdrossen und sprach: »Nun hör auf zu schnarchen, oder ich werf dich zum Fenster hinaus!« Das hat er mehrmals gesagt. Der andere aber hat das nicht hören mögen, sondern weitergeschnarcht. Deswegen haben die anderen alle lachen müssen. Letztlich aber ist Peter Schneider im Bett eilends aufgestanden, zu des Schnarchenden Bett gegangen, hat darunter die Schläuche erwischt und sie gleich zum nächsten Fenster auf die Gasse hinabgeworfen. Dieweil aber der Wurf auf dem Pflaster stark ertönte, meinten die anderen nicht anders, als der Peter habe ihren Gesellen hinabgeworfen. Nun hatte aber der Schnarcher einen Schwager in der Kammer gehabt. Sobald er den Wurf hörte und nicht anders annahm, als sei es sein Schwager, hob er ein großes Geschrei an, eilte der Tür zu, damit ihm der Täter nicht entrinne, und rief auch die anderen. Also standen sie alle auf und fingen den Peter Schneider. Es ward ein solcher Rumor und solches Geschrei in der Kammer, daß der alte Zuckmantel mit seinen Knechten aufstand, ein Licht brachte, die Kammer öffnete und wissen wollte, was das für ein Handel sei. Indessen war der Schnarcher von dem Getümmel auch erwacht. Der stand auch auf und stellte sich zu den anderen. Sie hielten den guten Peter gefangen und erzählten dem Wirt mit heftigen Worten, wie der Peter in seiner unbesonnenen Weise ihren Mitgefährten und Schwager auf die Gasse hinabgeworfen hätte. Erst als sie die Klage eine Weile getrieben und letztlich merkten, daß der, dessentwegen sie eine solche Unruhe angefangen hatten, noch bei ihnen stand, haben sie den Peter wieder frei gelassen. Der hat ihnen erzählt, wie er die Schläuche zum Fenster hinausgeworfen hätte, und die ganze Verwirrung ist zu einem großen Gelächter und Schimpf geworden. Peter Schneider von Meßkirch mit der Hühnerherde Als der große Reichstag zu Konstanz gewesen, hat Peter Schneider viele junge Hühner aufgekauft, sie in etliche Körbe getan und gen Konstanz auf einem Karren führen lassen. Den Karren hat er zu seinem ältesten Sohn bei Stockach und Bodman vorgeschickt und ist auf Überlingen zugereist. Es hat sich aber ungefähr gefügt, daß am gleichen Tag Wochenmarkt war und auch viele fremde Kaufleute zu Überlingen gewesen sind, weshalb er am Oberen Tor sich bei seinen Bekannten befragte, da der Markt, wie er höre, so groß sei, ob er nicht etwa einen Stall oder zwei in der Stadt am See bekommen könne, denn er lasse sich etliche hundert Hühner von Meßkirch aus nachtreiben, die wolle er über den See nach Konstanz liefern. Damit ist er in die Stadt gegangen in Zuckmantels Haus, also hat der Wirt damals geheißen, und es ist die Herberge ganz nahe am See, und sie wird jetzt »Zum Kopf« genannt, darin hat er samt dem Wirt und etlichen Kaufleuten gefrühstückt. Mittlerweile aber ging es in der Stadt um, daß Peter Schneider von Meßkirch, der bei allen Überlingern wohl bekannt war, eine große Zahl junger Hühner wie eine Herde in die Stadt treiben lasse, und es hat sich das Gerücht so vermehrt, daß es auch die höchsten und die meisten in der Stadt erfahren haben. Über ein solches ungewöhnliches Vorhaben hat sich jeder hoch verwundert, so daß viele zum Oberen Tor gelaufen sind, um das Wunder von Hühnern besehen zu können. Unter denen waren auch die Vornehmsten der Stadt. Die haben lange am Oberen Tor gestanden und gewartet, ob die Herde Hühner kommen würde, und der Haufen von Leuten hat sich stets vermehrt, so daß, wenn sie letztlich nicht wieder nach Hause gegangen wären, sie jetzt noch dastünden. Indes hat Peter Schneider gefrühstückt und dem Wirt und den anderen Gästen jetzt diesen Schwank eröffnet, worüber sie alle sehr gelacht haben. Dann ist er, als es ihm Zeit dünkte, in ein Schiff gestiegen und über den See nach Konstanz gefahren und hat einen großen Haufen unter dem Tor auf die Hühner warten lassen. Peter Schneider will für Kohl sorgen Eines Tages gab Peter Schneider, als er in Meßkirch war, vor, er habe köstlichen Kappessamen aus Frau Venus Berg mitgebracht. Damit habe er die Wolfhalde zu Meßkirch übersät und wolle damit zu Meßkirch eine solche wohlfeile und große Menge von Kappeskraut erbringen, wie es in vielen Jahren nicht gegeben habe. Das glaubten ihm nun viele und haben sich besonders die Frauen darauf verlassen und kein Kraut gesetzt, sondern immer gehofft, es viel leichter bei Peter Schneider zu bekommen, wenn das in der Wolfhalde aufgegangen wäre. Darauf haben sie lange gewartet, und es soll derselbige Kappes noch wachsen. Peter Schneiders Höflichkeit Einmal ist Peter Schneider seiner Geschäfte halber gen Sigmaringen gereist, und beim Vorüberreiten hat er etliche Weiber nahe der Straße in einem Hanfacker gesehen. Zu denen ist er in den Hanfacker geritten, hat sie gegrüßt und freundlich angesprochen. Dieweil das Roß ihnen aber den Hanf zertreten, sind sie übel damit zufrieden gewesen und haben ihn gescholten. Also ist er wieder davongeritten. Als sie ihm aber noch lange nachgeflucht, hat er sich wieder umgedreht und ist durch den ganzen Acker quer rüber zu ihnen geritten und hat gefragt, was sie noch wollten, da sie ihm nachgeschrien hätten und er es nicht habe verstehen können. Damit hat er die Weiber so erzürnt, daß sie mit Steinen nach ihm geworfen, so daß er weichen und wegreiten mußte. Darauf ist er gen Sigmaringen geritten und hat seine Geschäfte erledigt. Die Weiber aber, denen er den Schaden im Hanfacker zugefügt, sind ihm nachgefolgt und haben ihn vor dem Vogt zu Sigmaringen deshalb verklagt. Der Vogt hat es danach seinen Herren, den Grafen, angezeigt, und als alle die Gelegenheit erfahren, haben sie, da sie den Peter Schneider mit seinen schimpflichen Possen wohl kannten, sich der Sache nicht annehmen wollen und haben die Weiber den Hingang für den Hergang gehabt. Ritter und Gelehrte Als Kaiser Sigismund auf eine Zeit einen gelehrten Mann und vornehmen Rechtsgelehrten zum Ritter geschlagen, solcher aber hernach sich in öffentlichen Versammlungen zu denen vom Adel setzte und also jene geringer als diese achtete, sprach der Kaiser zu ihm: »Du bist wahrlich ein Narr, du weißt, daß ich in einem Tag etliche hundert Ritter, aber von allen diesen mein Leben lang nicht einen einzigen Gelehrten machen kann, und du hältst deine Kunst geringer als den Adel oder Ritterstand!« Schall und Rauch Es kam einmal ein armer Mann, ein Bettler, in ein Wirtshaus, da hing ein großer Braten an dem Spieß. Der arme Mann hatte ein Stück Brot, das hielt er zwischen den Braten und das Feuer, damit der Geruch von dem Braten in das Brot ging. Da aß er dann das Brot. Das tat der arme Mann, bis er kein Brot mehr hatte, dann wollte er hinweggehen. Der Wirt verlangte von ihm die Bezahlung. Der arme Mann sprach: »Ihr habt mir doch nichts zu essen noch zu trinken gegeben, was soll ich bezahlen?« Der Wirt sprach: »Du hast dich gesättigt von dem Meinen, von dem Geruch des Bratens, das sollst du mir bezahlen.« Sie kamen miteinander vor das Gericht. Da ward die Sache aufgeschoben bis an einen andern Gerichtstag. Da war einer der Gerichtsherren, der hatte einen Narren daheim, und bei Tisch sprach man über die Sache. Da sagte der Narr: »Er soll den Wirt bezahlen mit dem Klang des Geldes, wie der arme Mann gesättigt worden ist von dem Geruch des Bratens.« Da nun der Gerichtstag kam, da blieb es bei dem Urteil. Das Urteil fand der Narr. Schwäbischer Segen Auf einer meiner Reisen kam ich einmal abends in ein schmutziges Dorf im Schwabenlande. Im Wirtshause beim Dreimännerwein, wo immer zwei den dritten halten müssen, wenn ein Schoppen hinuntersoll, mochte ich nicht lange sitzen. Ich zog meine Hosen noch etwas höher, weil die Dorfgassen gar zu schwäbisch aussahen, und zottelte wohlgemut zwischen den Häusern herum; obgleich es gar jämmerlich nach Sauerkraut und Säudreck roch. Es wurde mir nachgerade fast wunderlich, so daß ich dem Freien zusteuerte, wo ich die Schwabenluft etwas reiner zu finden hoffte. Da erblickte ich ein neues Gebäude und eine schwarze Gestalt, die mit geschwungenem Dreispitz um dasselbe schritt, und nach und nach tönte von dieser Gestalt her ein dumpfes Murmeln mir zu. Mich stach die Neugierde, was diese Zeremonie, denn eine solche war es augenscheinlich, zu bedeuten habe. Als ich näher kam, sah ich, daß es eine Segnung des Hauses und ganz besonders eine Besprechung des Gewitters war. Was alles für Sprüche hergemurmelt wurden, weiß ich nicht mehr, aber in jeder Ecke brummte der Geistliche jedesmal: »Herr Gott! Nimm das Gewitter in deine Hand und schick es in das Schweizerland!« – »Jä so«, dachte ich, »das sind also Schwabenwünsche!« Da kömmt es uns wohl, daß unser Herrgott aufs wenigste so gut schweizerisch als schwäbisch ist. Sorgen wir nur dafür, daß er gut schweizerisch bleibt! Seltsamer Spazierritt Ein Mann reitet auf seinem Esel nach Haus und läßt seinen Buben zu Fuß nebenher laufen. Kommt ein Wanderer und sagt: »Das ist nicht recht, Vater, daß Ihr reitet und laßt Euern Sohn laufen; Ihr habt stärkere Glieder.« Da stieg der Vater vom Esel herab und ließ den Sohn reiten. Kommt wieder ein Wandersmann und sagt: »Das ist nicht recht, Bursche, daß du reitest und lassest deinen Vater zu Fuß gehen. Du hast jüngere Beine.« Da saßen beide auf und ritten eine Strecke. Kommt ein dritter Wandersmann und sagt: »Was ist das für ein Unverstand, zwei Kerle auf einem schwachen Tiere? Sollte man nicht einen Stock nehmen und euch beide hinabjagen?« Da stiegen beide ab und gingen selbdritt zu Fuß, rechts und links der Vater und Sohn und in der Mitte der Esel. Kommt ein vierter Wandersmann und sagt: »Ihr seid drei kuriose Gesellen. Ist's nicht genug, wenn zwei zu Fuß gehen? Geht's nicht leichter, wenn einer von euch reitet?« Da band der Vater dem Esel die vordern Beine zusammen, und der Sohn band ihm die hintern Beine zusammen, zogen einen starken Baumpfahl durch, der an der Straße stand, und trugen den Esel auf der Achsel heim. So weit kann's kommen, wenn man es allen Leuten will recht machen. Seltsames Roßfutter Der Müller von Knorringen war weit und breit in der Gegend als ein kurioser Mann bekannt, der allerhand seltsame Streiche machte. Und also wunderten sich die Bauern nicht, die zu Grünwiesen im Wirtshaus um den Ofen herum saßen, daß er noch spät abends bei grimmiger Kälte zu Pferd ankam; wohl aber darüber, was er weiter tat. Nachdem er nämlich in die Stube getreten und sich darin umgesehen hatte, sagte er zur Kellnerin, sie solle eine Schüssel voll Salat mit Essig und öl und harte Eier darauf zurichten lassen für sein Roß. Die Bauern dachten bei sich: »Das gibt wieder so einen Spaß, von dem man erzählen kann.« Als der Salat fertig war, ließ er ihn wirklich in den Stall tragen für sein Roß; und die Bauern folgten alle neugierig der Kellnerin, zu sehen, wie es dem Vieh schmecke. Inzwischen setzte sich der Müller gemächlich auf die Ofenbank, breitete seinen Mantel aus und ließ sich's wohl sein. Nach einer Zeit kam die Kellnerin zurück mit den Bauern und sagte: »Das Roß frißt den Salat nicht!« – »Nicht?« sagte der Müller. »Nun, so freß ich ihn!«, und setzte sich an den Tisch und aß. Darauf, nachdem er die Zeche bezahlt, holte er sich den Mantel vom Ofen und sagte höflich zu den Bauern: »Habt Dank, daß ihr mir Platz gemacht!«, und ging weiter. Jetzt merkten erst die Bauern, daß er sie gefoppt habe, der vermaledeite Müller. Und wenn der günstige Leser das Stücklein nicht glauben mag, so geh' er nach Grünwiesen und verlange nur im Wirtshaus, so laut, daß es die Bauern hören mögen, Salat mit Essig und öl und harte Eier drauf; er gebe aber acht, daß ihm die Speise nicht versalzen werde. Über den Umgang mit Bauern Man kann mit den Bauern schon zurechtkommen, wenn man's eben nur versteht ... In Leipheim (ist ein Städtle nicht unweit von Ulm) fiel der Jahrmarkt gerade auf den Tag, wo auch Holzmarkt war. Wie nun die Krämer ankamen mit ihren Waren und wollten ihre Stände aufrichten, da fanden sie die besten Plätze schon von den Holzwagen besetzt, und die Bauern machten eben keine Miene, daß sie weiterfahren wollten. Da trat ein Krämer unter sie und sagte in höflicher Weise: »Liebe Leute, seid so gut und macht uns hier Platz!« Die Bauern schwiegen und hielten aber still. Drauf ging ein andrer zu ihnen und schrie: »Ihr donnerschlechtigen Kerle! Wollt ihr weichen oder nicht?« Die Bauern lachten, sie wichen aber nicht. Zuletzt kam ein dritter, ein stattlicher Mann, aus dem nächsten Wirtshause; der verstand die rechte Weise. Er fragte den nächsten Bauern, wie teuer er seine Fuhre gebe bis vor das Haus? Der sagte ihm den Preis, und sie wurden sogleich eins; und der Mann sagte, er solle nur einstweilen vor das Tor hinausfahren; er werde gleich nachkommen und ihm den Platz bezeichnen, wo er's abladen solle. Desgleichen handelte er einem zweiten, dritten und allen übrigen ihre Fuhren ab, und er bestellte sie sämtlich vor das Tor. Die Bauern dankten und fuhren mit Freuden ab, und sie dachten: Die große Bestellung sei gewiß für einen reichen Brauer in dessen Märzenkeller, und es könnte noch ein und das andre Mäßle gutes Bier statt des Trinkgeldes absetzen. Als nun indessen die Marktstände alle geordnet und aufgeschlagen waren, kam der Käufer zu den Bauern, die vor dem Tor seiner harrten, und er sagte: »So, liebe Leute! Jetzt könnt ihr gemächlich fortfahren bis nach Höchstädt vor mein Haus. Es ist das dritte links, wenn man zum Tor hineinfährt. Ihr könnt nicht irren. «Wenn ich dann abends nach Haus komm, werd ich euch richtig bezahlen.« Die Bauern schimpften; aber sie hielten vor dem Tor, bis andere Käufer kamen, denen sie das Holz nicht so weit führen durften vor das Haus. Übertrumpft Ein etwas hitziger Vater und sein schon heranwachsender Sohn waren zu Acker gefahren und gerieten, weil sie über das Fuhren verschiedener Ansicht waren, in heftigen Wortstreit, der sich zuletzt in folgendem Zwiegespräch zuspitzte: Der Vater sagte: »Herr Gott nonemol, Bueb, halt's Muul, du verstohscht nüt, du waisch nüt, du bisch nüt, du hesch nüt glehrt, du bisch en erzdummer Chaib, wu gar nüt waiß.« Der Sohn sagte: »Villycht meh wie Ihr, Vadder.« Der Vater sagte: »Was saisch, du Lozi? I hätt gueti Luscht un hau dr der Ackerstäcke um d' Ohre, daß d' der Himmel für e Baßgiige asihsch. Schwätzt me so mit sym Vadder? Wenn i bygott sone Wort zue mym Vadder gsait hätt, no hätt 'r mi totgschlage uffm Platz.« Der Sohn sagte: »Du wirsch au e nette Vadder gha ha.« Der Vater sagte: »E nettere aß du.« Verkehrte Welt Ein Besessener lachte, während er über den Markt ging, dreimal. Das erste Mal lachte er, weil er sah, wie ein Mann Schuhe und Lederflecke kaufte; da sagte er: »Der wird heute sterben und kauft derlei!« Das zweite Mal lachte er, weil er sah, wie ein Vogt einen, der eine Kleinigkeit gestohlen hatte, zum Galgen führte; da sagte er: »Ich wundere mich, und es ist wunderbar, daß ein großer Dieb einen kleinen zum Galgen führt.« Das dritte Mal sah er, wie ein Priester, der hinter der Leiche eines Knaben herging, sang, während der Bauer weinte, wo doch der Priester, dessen Sohn der Knabe war, hätte weinen sollen und der Bauer, der von der großen Last befreit war, lachen. Von den Bauern in einem Dorf, das heißt Ganslosen, und ihrer Einfalt Es hat sich zugetragen, daß auf eine Zeit ein abenteuerlicher Possenreißer sagen hörte von der Einfalt der Bauern zu Ganslosen. Und nahm eine Katze und ging einen weiten Weg; er wanderte und trug die Katze auf seinem Arm. Das sah ein Bauer, der lief zu seinem Nachbarn und sprach: »Ei, lieber Nachbar, was trägt der Mann für ein seltsames Tier! Was mag es nur sein?« »Lieber, wir wollen ihn fragen.« Da riefen sie ihm zu und sprachen: »Höre, Landsmann, was trägst du da für ein Tier?« Da antwortete der Possenreißer: »Es ist ein Mäushund.« Da die Bauern das hörten, waren sie froh, dieweil sie noch niemals einen gesehen hatten und sie so viele Mäuse hatten, die ihnen Korn, Gerste, Hafer und alles zerrissen und fraßen. Sie fragten den Possenreißer, ob er den Mäushund feil habe. Er antwortete: »Ja.« Sie sprachen: »Wieviel soll er kosten?« Er antwortete: »Um zweihundert Gulden.« Da sagten die zwei es im ganzen Dorf an, daß da einer wäre, der hätte einen Mäushund, den wollte er ihnen zu kaufen geben. Da waren die Bauern alle froh und meinten, sie müßten die Mäuse nun loswerden. Sie wurden mit dem Abenteurer eins, legten eine Steuer um und gaben ihm hundert Gulden für die Katze. Der gab sie ihnen und zog seine Straße und war froh. Da ließen die Bauern ihren Mäushund in der Stube laufen, der gefiel ihnen wohl. Da fing einer an und sprach: »Potz, wir haben vergessen, daß wir nicht gefragt haben, was er doch fresse!« Da schickten sie ihm zwei nach, daß er ihnen sage, was er so esse. Sie liefen geschwind und schrien: »Hola, hola!« Der Spaßvogel sah sich um und sprach: »Was ist das?« Sie schrien: »Hör, Lieber, was ißt der Mäushund?« Er sprach: »Was man ihm gibt.« Des erschraken die zwei und verstanden, er fresse Vieh und Leut, liefen und sagten es den andern. Die erschraken auch und sprachen: »Ach Gott, was haben wir getan! Werden wir seiner wieder mit Ehren los, es sollte uns um das Geld nicht gereuen.« Und sie schickten eilends einen dem Spaßvogel nach, ihm zu sagen, daß er seinen Mäushund wieder nehme, sie wollten ihm das Geld lassen. Der war schon weg, und es kamen die Gesandten wieder zurück. Da tat es ihnen noch mehr leid, und sie sprachen: »Wenn er keine Mäuse mehr hat, dann wird er unser Vieh und danach unsere Weiber und Kinder und zuletzt uns selbst fressen.« – »Aber damit wir ihn loswerden«, sagte ein alter Bauer, »wollen wir noch eine Steuer umlegen und unserm Nachbarn sein Haus bezahlen und es mit Feuer verbrennen, so werden wir des Mäushunds ledig und auch unserer großen Sorge wegen der Gefahr für das Vieh, Weiber und Kinder und auch für uns selbst.« Das gefiel den andern wohl, sie zahlten das Haus und steckten es an mit Feuer. Als nun das Haus richtig brannte und die Katze sah, daß das Feuer zur Stube hinein wollte, sprang sie zum Fenster hinaus und lief auf die Bauern zu. Als das die Bauern sahen, daß der Mäushund auf sie zulief, flohen sie, schrien und warfen mit Steinen nach ihr, meinten, der Mäushund wolle sie fressen, und flohen weit weg. Das Feuer nahm überhand, so daß das ganze Dorf abbrannte und die armen, einfältigen Bauern meinten, sie wollten etwas sparen, daß die Mäuse das Getreide nicht fressen, da fraß der Mäushund das Getreide und die Häuser mitsamt der anderen Nahrung. Von der Arglist der Weiber Eine Frau hatt einen Jüngling lieb; da sie aber nicht füglich kunnt mit ihm zusammenkommen, ihn auch nicht öffentlich anzusprechen waget, gebrauchet sie sich dieser Arglist. Sie beichtet einem Mönch, der des Jünglings Nachbar war: »Ihr habt, guter Vater, als Nachbarn einen Jüngling«, benennet ihn mit Namen, »der oft hin und wider geht vor meinem Haus, mich begehrlich ansieht und mich, wie ich dann besorg, in bösen Ruf bringen wird. Ich bitt Euch, befehlet ihm, daß er seinen Gang mäßige.« Dadurch, hoffet sie, daß der Mönch mit dieser Red den Jüngling bewegen würde, sie zu lieben. Der Mönch verhieß ihr ihren Willen und handlet darüber mit dem Jüngling, der aber, weil er sich nichts schuldig wußte, und ob er gleich des Weibs Trug verstund, die Sach nicht weiter verfolget. Zum andern Mal ließ das Weib ein Gürtel und ander weibliche Zier aus Gold verfertigen, ging zum Mönch, beklaget sich, daß ihr der Jüngling hätt den Schmuck geschenkt, und bat ihn, er sollt ihm die Geschenk wieder zurückstellen. Der Mönch gab die Sachen mit großem Unwillen und Schelten dem Jüngling zurück, dessen Eigen sie, wie er glaubet, waren. Als nicht lang danach des Weibes Mann war über Land gereiset, kam sie abermals zum Bruder und saget, der Jüngling wär in der vergangen Nacht von einem Baum nah bei ihrem Haus zu ihr in die Schlafkammer gestiegen. So gab der Mönch, der darob arg erzürnet ward, dem Jüngling den Weg an, wie er endlich kunnt zu der Frauen kommen, machet sich so, ihm selber unbewußt, zum Kuppler ihrer Liebe. Von der Beichte dreier Klosterfrauen Drei Klosterfrauen beichteten auf ein Zeit einem Priester. Die erste saget, sie hätt ein fremd Messer in ihr Scheiden gesteckt; das verstund denn der Priester nicht, bedacht aber auch nichts weiter aus Ursach, daß abergläubisch Weiber oft geringe Ding für Sünd halten. Die ander saget, sie hätt zwei Messer in ihr Scheid gesteckt; auch das achtet er nichts. Die dritte aber saget von dreien. Darauf der Priester: »Was schadt das?« Da saget sie ihm, sie war mit dreien Männern beisammen gewesen. Da der Priester nun erst recht verstund, lief er den vorigen zweien, die er als unwissend absolvieret hatt, nach und schrie: »Hört, ihr schelmigen Huren, ihr seid nicht absolvieret, dann ihr habt böslich gebeichtet; dann Zagel und Messer ist nicht einerlei.« Von der Listigkeit der Weiber eine wahre Geschicht Ein Ehebrecherin hatt einem Priester gebeichtet, ein Kindlein hätt sie von einem Buhler, und nicht vom Mann; sie ward mit dem Geding absolvieret, daß sie es ihrem Manne, der es erzogen hatt, anzeiget. Das Weib verwilliget sich drein, verhieß, sie wollt es tun, und hat's auch mit solcher List getan. Sie hat beredet den Mann, daß er das weinend Knäblein in einer Verkleidung schrecken sollt, auf daß es durch die Dräuung vielleicht aufhörete zu weinen. Der Mann trat, der List unbewußt, in die Stuben und dräuet dem Knaben, wo er nicht schweigen würde, so wollt er ihn wegtragen. Da nahm das Weib das Kind auf den Arm: »Zeuch weg, du arger Mann, das Kind ist nicht dein.« Hat auch diese Wort zu often Malen wiederholet und sich überredt, sie hätt also dem Priester ein Genügen getan. Von drei Bayern Drei Bayern waren miteinander auszogen, fremde Land zu besuchen, daß sie möchten gute Sitte lernen. Kamen auch bis ins nieder Teutschland, wo die Leut so leicht und kurz reden und die Wort so behend herausbringen, daß sie die Oberteutschen kaum und schwerlich können verstehn. Wie sie nun einer Stadt naheten, schickten sie einen von ihnen, der für den kundigsten der fremden Sprach wollt gehalten sein, voraus hinein, auf daß er ihnen sollt die Herberg bereiten und ein guts Mahl bestellen. Als er nun in die Stadt kam und mit seiner langsamen, groben und harten Sprach viel mit dem Wirt geredet hatt, der Wirt aber nichts davon verstund, deutet er endlich mit dem Finger auf die Zähn, damit er anzeiget, er hätte Lust zu essen. Der Wirt aber meinet, ihm täten die Zähn weh, ließ ihn zu einem Barbierer weisen, und auch dort stund der Bayer nicht ab, auf die Zähn zu zeigen. Da riß ihm der Barbierer von des Wirten Spruchs wegen zwei Zähn heraus; zornig und traurig lief der Gesell aus der Stadt und kam zu seinen Gefährten, zu denen er saget: »O lieben Brüder, bei meiner Treu rat ich euch, nicht in diese Stadt zu gehn; dann sobald ihr werdet zu essen begehren, bricht man euch alle Zähn aus. Mir sind, wie ihr sehet, der Sach halber zwei ausgerissen, und wär ich nicht so kundig und erfahren ihrer Sprach gewesen, so wär ich gar zahnlos wieder zu euch kommen.« Durch des Narren Rat erschrecket, kehreten die guten Menschen schier tot vor Hunger um und zogen nüchtern wieder heim in ihr Bayerland. Von einem Bauern und drei Pfaffen In dem Bayerland, da liegt ein großes Dorf, nicht weit von Straubing. Darin, da saß ein Bauer, der hatte eine schöne Frau. Nun waren aber da drei Pfaffen, die hatten alle drei sich in die Bäuerin vergafft und gingen ihr nach, Tag und Nacht, so daß sie keine Ruhe vor ihnen hatte. Aber sie wollte sie nicht erhören. Zuletzt sagte sie es ihrem Mann, der sprach: »Nun, wohlan, so tun wir ein Ding und laden sie alle drei ein. Einen immer eine Stunde später als den andern. Dann will ich unser großes Weinfaß aufrecht stellen, da gehen etwa 25 Ohm darein, und will es voll Wasser gießen. Und wenn der erste kommt, so gib ihm gute Worte, alsdann will ich anklopfen, und dann sprich: Ach Herr, es kommt mein Mann! Steigt schnell in das Faß, damit ich ihm auftun kann! Und wenn er hineinsteigt, so hilf ihm, daß er hineinfällt, alsdann will ich kommen und ihn gar darin ertränken.« Die Frau sprach: »Ach, sollen wir also drei Morde vollbringen? Ich möchte mich fast vor ihnen hüten.« – »Hörst du nicht«, sagte der Mann, »was ich dir sage?« Die Frau mußte also dem Gebot ihres Mannes folgen, denn sie wollte nicht, daß der Mann gedachte, sie buhlete mit ihnen. Sie bestellte also einen nach dem andern. Die Mönche waren froh, und es kam der erste. Als er kam, waren sie fröhlich, und der Pfaff wollte immer auf den Ofen steigen. Als aber den Bauern deuchte, daß es Zeit sei, klopfte er an, und alsbald erschrak der Pfaff. Da sprach die Frau: »O mein Herr, es kommt mein Mann!« Er sprach: »Meine liebe Frau, wo soll ich hin?« Sie sprach: »Mein Herr, steigt in dieses Faß, bis er wieder aus dem Haus geht!« Der gute Pfaff meinte, er wolle nur kurz hineinsteigen, da half ihm das Weib, daß er mit dem Kopf zum ersten hineinfiel, und es ertrank der gute Pfaff. Also ging es auch mit dem zweiten und dem dritten. Als nun die drei Pfaffen ertrunken waren, wußte der Bauer nicht, wie er sie mit Ehren aus dem Haus bringen sollte. Es trug sich zu, daß ein guter Bruder durchs Dorf bettelnd zog, und er kam auch vor das Bauernhaus und bat um eine Zehrung. Da sprach der Bauer: »Mein lieber Bruder, ich hätte eine Bitte an dich, wenn du mir folgen wolltest, ich wollte dir zehn Gulden schenken.« Der Landsknecht sprach: »Was ist es?« Da fing der Bauer an und sprach: »Es ist ein Pfaff in mein Haus gekommen und hat mir mein Weib notzüchtigen wollen, da bin ich dazugekommen und habe ihn gleich in das Faß geworfen. Darin ist er ertrunken.« Somit zog er den einen aus dem Faß und sagte: »Wenn du ihn nun wolltest in das Wasser tragen, das die Mühle treibt!« Der Landsknecht sprach: »Ja, das will ich tun«, nahm den Pfaffen auf den Rücken und lief mit ihm zum Wasser, warf ihn hinein, daß das Wasser über ihm zusammenschlug, und sprach: »Wohl einher, in aller Teufel Namen! Willst du buhlen und weißt den Reim nicht!« Ging also wieder zu dem Bauern und wollte seinen Lohn fordern. Dieweil, so hatte der Bauer den andern auch aus dem Faß getan, und als der Landsknecht kam, sprach der Bauer: »Hast du ihn hineingeworfen?« Er sprach: »Ja.« Da sagte der Bauer: »Er ist aber wieder da.« Da sprach der Landsknecht: »Ei, er ist des Teufels!« – »Sieh du, ob er nicht hinter der Tür steht!« Und als ihn der Landsknecht sah, sprach er: »Ei, so schänd ich Gott! Ich weiß, daß ich ihn hab hineingeworfen.« Aber er nahm damit auch den andern und trug ihn dahin und warf ihn wohl in das Wasser. Sprach hiermit: »Da liegest du, schelmischer Pfaff, du sollst nimmer heraufkommen!« Und er ging wieder zu des Bauern Haus, da lief ihm der Bauer entgegen und sprach: »Wie tust du doch? Es steht der Pfaff wieder hinter der Tür.« Der Landsknecht sprach: »Hat uns der Teufel mit dem Pfaffen beschissen? Nun, so will ich ihn hinaustragen und will nicht davon, bis ich den Lauer nicht mehr sehe.« Er nahm damit den dritten Pfaffen, trug ihn hinaus, warf ihn in das Wasser, nahm eine Stange und stieß ihn wohl hinunter. Und sprach: »Nun glaube ich, daß du nicht wieder herauskommen wirst, es müßte dich der Teufel führen.« Als er auf dem Rückweg war, da kam von ungefähr ein Pfaffe geritten, der wollte gen Straubing. Als ihn der Landsknecht sah, meinte er, es wäre der Pfaff, den er hätte in das Wasser werfen sollen, fing an zu fluchen und zu schimpfen: »Du verzweifelter Schelm und Bösewicht! Nur Unglück hat dich allezeit in das Bauernhaus geführt!« Da nahm er ihn, riß ihn vom Pferd und ging mit ihm zum Wasser. Der gute Pfaff schrie, er solle langsam tun, aber es half nichts, er mußte auch ertrinken mitsamt den dreien. Der Landsknecht saß auf das Roß und ritt nach des Bauern Haus, und der gab ihm zehn Gulden, und der Landsknecht ritt davon. Von einem Bayern Als zwei Bayern auf der Reis nach Rom in ein Wirtshaus hatten einkehrt und Eier gessen, saget der eine, wie sie wieder auf dem Weg waren, zum andern: »Ich hab den Wirt trefflich betrogen«, und da ihn der ander hieß, die Sach zu künden: »Ich hab in einem Ei ein ganz Hühnlein verschlungen und nicht bezahlt!« Von einem Bettler, der zu Kaiser Friederich kam Als Kaiser Friederich, der Dritte, zu Nürnberg einen Reichstag der Fürsten hielt, kam ein Bettler vor den Hof und begehret, man sollt ihn einlassen, dann er wär des Kaisers Bruder; und wie er nicht wollt nachlassen, ward es dem Kaiser anzeigt, der, ob des Handel verwundert, befahl, daß man den Bettler sollt einlassen, und ihn fraget, woher er sein Bruder wär. Da antwortet der Bettler, alle Menschen wären unter ihnen Brüder von dem ersten Vater Adam, und heischet, daß ihn der Kaiser von dieser Bruderschaft wegen wollt begaben. Der Kaiser gab dem Menschen, dessen Trotz ihm nicht recht wohl gefiel, nicht mehr denn ein Kreuzer. Saget der Bettler: »Es geziemt sich nicht, großmächtigster Kaiser, daß du deinem Bruder so ein schlechte Schenkung gebest, wo du so reich bist.« Sprach der Kaiser: »Fort mit dir! Wann dir ein jeglicher Bruder so viel gibt, so wirst du reicher sein, denn ich bin.« Ein ander begehret vom Herzog von Sachsen ein Pfennig von wegen der Freundschaft, damit sie miteinander verwandt wären; da fraget der Herzog, woher diese Freundschaft käme, und der antwortet: »Von Adam, unser aller Vater.« Drauf der Herzog: »Gang hin! Dann wann ich solch Freunden allen wollt ein Pfennig geben, würde weder mein Land noch mein väterlich Erb dazu genugsam sein.« Von einem Gaukler Als einem Gaukler, der mit etlich Edeln zu Tisch saß, die kleinen Fischlein, ihnen aber die großen vorgelegt wurden, fing er an, viel Fischlein zu betasten, jetzt zum Mund, jetzt zu den Ohren zu heben, mit ihm selbst heimlich zu reden und letztlich zu weinen. Und wie ihn die Edelleut fragten, warum er solches tät, saget er: »Mein Vater war vorzeiten auch ein Fischer und ist in einem Wasser ertrunken; wie ich jetzt die Fischlein frag, ob sie ihn nirgends gesehn haben, sagen sie, sie seind noch viel zu jung, daß sie von solcher Sach wissen könnten, ich sollt die ältern darum fragen.« Als die Edelleut solches verstunden, haben sie ihm die großen vorgelegt, sie zu fragen oder vielmehr zu essen. Von einem Gaukler Ein Gaukler, der in Sachsen bei einem Städtlein vor dem Galgen vorüberkam und gesehen hatt, daß der Mensch, der erst ein kurze Zeit oben hing, ein Paar gute Stiefel anhatt, dacht sich in seiner Not und Armut, er wollt ihm die Stiefel abziehn. Als er sie aber vor Geschwulst der Füße nicht mocht abstreifen, schnitt er ihm die Füß ab. Die trug er mit in eines Bauern Haus, wo er über Nacht zukehret. In die Stuben aber, in der er schlief, hatt der Bauer auch ein zur Nacht geboren Kälblein bracht, damit man's vor Kälte in Hut hätt. Des Morgens frühe zog der Gaukler, eh daß jemand von dem Hausvolk war aufgestanden, hinweg und ließ die Füß, davon die Stiefel abgelöst waren, in der Stuben liegen. Wie nun der Bauer auch aufstund und, der er nichts wußte, daß der Gaukler hinweg war, das Kalb mit den Füßen allein sah, stieg ihm der Verdacht auf, daß das Kälblein den Gast hätt bis auf die Füß weggefressen; wie er mit seinen Nachbarn darob zu Rat ging, befunden sie, daß man das Kälblein sollt verbrennen, dann weil es so jung solches begangen hätt, fürchteten sie, es würde gar erschröckliche Ding anrichten, wann es ein älter würde. Andere sagen mit glaubwürdigerm Zeugnis, daß die Einwohner des ganzen Fleckens so hart erschrocken seind, daß sie sich nur gewappnet in das Haus, daraus der Hausvater mit all seinem Gesind geflohen sei, zu fallen unterstunden, auf daß sie das wilde Tier erschlügen; und dieweil keiner von ihnen der erste hinein wollt, hielten sie einen Rat und verbrenneten das Haus bis auf den Boden, vermeineten, es wär besser, daß das Haus verbrennete, denn daß Menschen sollten ihr Leben gefährden. Von einem Gehenkten Zu Basel war ein Kesselschmied erhenkt worden. Nun begab's sich, daß ein ander, der davon nichts wußt, auf den Baseler Markt ziehen wollt und in der finstern Nacht heftig eilet; als er nun unter dem Laufen fürchtet, daß die Stadttore noch geschlossen wären, setzet er sich nicht weit vom Galgen unter ein Baum, ein wenig zu ruhen. Bald danach kamen andere, die wie er zum Markt eileten; die sahen nach dem Galgen und schrien dem Gehenkten, den sie gekennet hatten, zu, wann er wollt, so sollt er mit ihnen auf den Markt ziehen. Wie aber der, so, wie ich vermeldt hab, unter dem Baum rastet, dieses höret, erwachet er und rief ihnen zu: »Verziehet, lieben Gesellen, ich will gleich kommen.« Die aber meineten, der am Galgen hätt geredt, und erschraken darob also, daß sie bei der schnellen Flucht schier den Atem verloren. Der ander aber folget ihnen und rief: »Ich bitt euch, wartet, ich will mit euch gehn.« Aber je mehr er schrie und eilet, liefen sie noch viel mehr, so daß sie schier halbtot vor der Stadt ankamen und sich erst über ein gute Weil zur frühern Kraft erholeten. Von einem Gesellen, der dem Kaiser ähnlich sah Es kam einmal ein junger Geselle nach Rom, der sah dem Kaiser Oktavian ähnlich im Angesicht, und jedermann lief auf ihn zu, wenn der junge Geselle in Rom spazierenging, und wollte den Kaiser sehen, dem er so ähnlich sah. Das kam vor den Kaiser, und er wollte sein Angesicht an einem andern auch sehen. Er schickte nach ihm, und als er kam, sah er, daß es wohl wahr war. Der Kaiser sprach zu dem Gesellen: »Ist deine Mutter etwa auch hier in Rom gewesen?« Der junge Mann merkte, worauf der Kaiser hinaus wollte, und sagte: »Nein, meine Mutter ist nie hier gewesen, aber mein Vater ist sehr häufig hier gewesen.« Der Kaiser wollte dem jungen Gesellen seine Mutter zu einer Hure machen. Da erweckte der junge Geselle im Kaiser einen Argwohn, als wäre dessen Mutter eine gewesen. Daraufhin gab der Kaiser ihm ein ehrliches Geschenk und ließ ihn wieder heimfahren. Von einem Kaufmann und einem Edelmann Ich bin neulich in einer Zech gewesen, darin wir uns mit gar kurzweilig Possen ergötzet haben, und vornehmlich war da ein Edelmann, der spottet eines Kaufmanns, daß er oft hinauszöge in fremde Lande und sein Weib dieweil daheim ließe in der Stadt, wo doch ein große Meng schöner, junger Gesellen wär, wie er also mit viel Sorg geängstigt würde, daß sie nicht dieweil neben den Weg treten möcht. Mit den Edelleuten hätt es viel ein besser Gestalt, deren Weiber dieweil müßten in den Schlössern bleiben, abgesondert von den Leuten. Darauf antwortet der Kaufmann gar höflich: »Verzeiht mir, bitt ich, und laßt mich auch ein wenig mit euch schwänken. Ihr wißt, wie bei uns das Sprichwort ist: Der Adel ist ungestalt, und die Häßlichkeit folgt ihm auf der Fersen; der Bürger Kinder sind aber schöner.« Als der Edelmann solches zugab, sprach wieder der Kaufmann: »In Abwesen derer, so in Städten wohnen, kommen die schönsten Gesellen zu ihren Weibern, derhalben die auch schöne Kindlein bringen; aber in Abwesen der Edelleut werden dieweil euere Weiber von Koch und Stallbuben versehn, davon danach solch Ungestalt herkommt.« Also ist die Sach mit Lachen und Scherzen beendiget worden. Von einem klugen Bauern Es war ein Bauer, der zündete allemal ein Meßlichtlein an vor dem heiligen Sakrament, und dann ging er hinter den Altar, wo der Teufel auf einer Tafel gemalt war, und dem zündete er auch ein Licht an. Der Priester hatte das gesehen und meinte, er sei kein guter Christ, und nahm ihn deshalb vor. Da sprach der Bauer: »Ich tue es nicht aus Unglauben, wie Ihr meint, lieber Herr, sondern ich tue es aus guter Meinung. Ich zünde Gott dem Herrn ein Licht an, damit er mir Gutes tue, und zünde dem bösen Geist eines an, damit er mir nichts Böses tue.« Von einem laut schreienden Mönch auf der Kanzel Zu Poppenried wohnte ein Mönch, der dieselbige Pfarre sollte versehen. Er hatte eine überaus grobe Stimme. Wenn er auf der Kanzel stand und wer ihn vorher nicht gehört hatte, der meinte, er wäre von Sinnen gekommen. Eines Tages hielt er aber ein besonders jämmerliches Geschrei, und da war eine gute alte Wittfrau in der Kirche, die schlug beide Hände zusammen und weinte gar bitterlich. Das nahm der Mönch gar eben wahr. Als nun die Predigt aus war, sprach der Mönch zu der Frau, was sie zu solcher Andacht bewegt hätte. »O lieber Herr«, sagte sie, »mein lieber Hauswirt selig, als er aus dieser Zeit scheiden wollte, wußte er wohl, daß ich mit seinen Freunden sein verlassen Hab und Gut teilen mußte. Darum bedachte er mich mit einem hübschen jungen Esel. Nun geschah es nicht lang nach meines Mannes seligen Tod, und der Esel starb mir auch. Als Ihr nun heute morgen mit einer großen und starken Stimme auf der Kanzel anfingt zu schreien, erinnertet Ihr mich an meinen lieben Esel. Der hatte eine gleiche Stimme gehabt wie Ihr.« Der Mönch, der sich eines Geschenks von dem alten Mütterlein versehen und der gedacht hatte, sie werde ihn groß rühmen, fand eine gar verächtliche Antwort, indem sie ihn mit einem Esel verglich. Von einem Mönch und seinem Sattel Ein Kloster lag auf einer Auen, dabei ein Wirtshaus mit schön' Frauen, denn wo man je ein Gott'shaus stift', da sät der Teufel auch sein Gift und baut ein Hurhaus hart dabei, daß Böses stets beim Guten sei. Wenn da die Mönch von Singen, Lesen, Fasten, Wachen, geistlich Wesen müd wurden und vom viel Studiern und wollten sich dann rekreiern, gingen sie ins Wirtshaus rein und trank der Mann ein halb Maß Wein. Unter denen war ein junger Bruder, der sucht' ein Schiff zu seinem Ruder; fand ungefähr ein' kleinen Nachen, derselb tat freundlich ihn anlachen. Den dacht er z' führen in sein' Hafen, ihm eine gute Fracht wollt schaffen. Nun war der Mönch ein langer Mann, hatt auch ein' lange Kutte an; daselbst tat er's darunterdrücken und sprach: »Du mußt wohl z'sammenrücken!« Und trug denselben Schlafgesellen gen Abend hin zu seiner Zellen. Das sah der Abt von ungefähr, sprach: »Bruder, was tragt Ihr so schwer?« Da sprach der Mönch: »Ehrwürd'ger Vater, ich bin gewesen bei dem Sattler, ein' Sattel holt ich mir zum Reiten.« Da sprach der Abt: »So zieht beizeiten die Stegreif auf, und laßt Euch sagen, der Hur wird sonst der Fuß ausragen! Geht fort, daß Ihr nicht werd't gesehen, sonst möcht vielleicht ein Unglück g'schehen, wenn jeder Bruder auch reiten wollt, was Ihr nicht gerne haben sollt. Denn alles, was das Aug nicht sieht, dasselb auch nicht das Herz verführt.« Von einem Mönch, der einer Tochter einen Dorn aus dem Fuß zog Ein Barfüßermönch ging zum Terminieren, um Käse und Eier zu sammeln. Der hatte in einem Dorf besonderes Vertrauen bei einer alten, reichen Bäuerin. Sie gab ihm alleweg mehr als jedem andern Mönch. Auf eine Zeit kam er, um Käse zu betteln. Und als sie ihm einen Käse und die Ostereier gegeben hatte, fragte er: »Mutter, was ist mit Eurer Tochter Grete, daß ich sie nicht sehe?« Die Mutter antwortete: »Ach, sie liegt oben im Bett und ist ganz schwach. Sie hat in einen Dorn getreten, und davon ist ihr der Fuß sehr groß geschwollen.« Der Mönch sprach: »Ich muß sie ansehen gehen, ob ich ihr helfen kann.« Die Mutter sagte: »Ja, lieber Herr Tilmann, so will ich Euch dieweil eine Suppe machen.« Der Mönch kam zu der Tochter und begriff ihr den Fuß mit dem Dorn, worauf sich die Tochter ein wenig übel benahm. Aber die Mutter meinte, der Mönch ziehe ihr den Dorn heraus, und rief der Tochter zu: »Erleide es nur, mein liebes Kind, so wird dir geholfen.« Als aber der Mönch fertig war, zog er die Stiegen wieder herab, nahm seinen Sack und machte sich zum Haus heraus. Die Mutter sprach: »Wollt Ihr nicht vorher die Suppe essen?« Der Mönch sprach: »Nein, es ist heute mein Fasttag«, denn er dachte wohl, er könne sich nicht lange da aufhalten. Und als die Mutter zur Tochter kam, merkte sie, daß er anders mit ihr gehandelt hatte, als was den Dorn betraf, und sie nahm einen guten Bengel und wartete, bis der Mönch auf der anderen Seite des Dorfes wieder heraufkam. Und als sie ihn kommen sah, nahm sie den Bengel hinter ihren Rücken und in die andere Hand einen Käse und rief den Mönch: »Herr Tilmann, kommt her, nehmt noch einen Käse!« Aber der Mönch merkte den Possen und sprach: »Nein, Mutter, es wäre zu viel. Es ist nicht der Brauch, man gibt nicht zweimal vor einer Tür.« Nun drohte ihm die Bäuerin mit dem Bengel und sprach: »Mönch, das laß dir gut sein, daß du nicht vor meine Tür gekommen bist, ich wollt dir sonst den Dorn herausgeben!« Also trollte sich der Mönch davon und kam nicht mehr in das Dorf, Käse zu sammeln, denn er dachte wohl, die Mutter würde es ihm nicht vergessen. Von einem Pfaffen in der Schlacht In der Mailänder Schlacht ist bei den Schweizern ein Pfaffe gewesen mit Namen Jost Has. Denn sie haben den Brauch, wenn sie zu Feld ziehen, daß sie allzeit einen Pfaffen mitnehmen. Dieser, als man in die Schlacht gehen sollte, band seinen ledernen Sack, darin er den Herrgott hatte, hinten auf seinen Rücken und sprach: »Herrgott, wehr du dich da hinten, ich will mich tapfer da vorne wehren.« Auf diese Weise kam er ungeschlagen aus der Schlacht. Von einem Pfaffen und einer Klosterfrau Ein Pfaff, der mir wohl bekannt ist, den ich aber Schanden halber nicht nenne, kam in ein Frauenkloster. Als der Mann, der eines verzagten Sinnes ist, unter dem Schlemmen geängstiget ward von der Not, zu scheißen, und nicht waget, sein Begehren mit den richtigen Worten und ohn Umschweif zu künden, sprach er zu seiner Nachbarin, die schon genugsam vorgerückten Alters war, mit diesen Worten, auf daß er die Entleerung ziemlich umredete: »Wo kann ich vollziehen die Werke der Natur?« Sie vermeinet, sie würde gebeten um Unzucht, wollt's ihm nicht so bald auf die erst Bitte verwilligen, weigert's schambarlich und saget: »O du schlimmer Mensch«, verhoffet aber, er würde mit seiner Bitt anhalten. Die Not trieb ihn, und er wiederholet zu often Malen: »Eia, ich muß die Werke der Natur vollziehen.« Endlich gedäucht es sie, sie hätt nun ein Genüge getan der Ehr und Schambarkeit, nahm ihn bei der Hand und führet ihn in ihr Schlafkammer. Der glaubet, er wär nun an einem Ort, wo er sich den Bauch könnt entleeren, und richtet sich her; sie aber stund da, gewärtig, ihm zu Willen zu sein, und da er wieder fraget: »Wo soll ich vollziehen die Werke der Natur?«, leget sie sich endlich auf das Bett und entblößet ihren Leib. Da ersah der Pfaff, wie er wär unrecht verstanden worden, und saget: »Ich wollet gern Röslein brechen«; also lehrt man nämlich bei uns die Knaben auf ein ehrbare Weis begehren des Bauchs Entleerung. Ihr aber fuhr die größte Scham ins Gesicht, und eilends floh sie aus der Kammer, auf daß er sie nicht erkennete. Danach ging auch er hinaus und fraget ein andere, so ihm begegnet, mit Worten, die im Volke gang und gäbe sind, ward also sein Wunsch erfüllet. Das hat mir der Pfaff selbst erzählet. Von einem Pfaffen, der ein Vogler war Ein Priester war von Waidwerks wegen auf das Feld hinauszogen. Da sah er hoch in den Lüften ein Reiher fliegen, und er ließ den Falken, so er auf der Hand trug, los. Wie der Falk auf den Reiher gestoßen und sie miteinander herunterfielen, hat ein Wildschwein, so von ungefähr an die Statt gelaufen, den Falken samt dem Reiher verschlucket. Als das der Priester gewahr ward, lief er hinzu und durchstach das Schwein mit dem Spieß. Daheim aber, wie er die Sau wollt ausweiden und die Haut mit einem Fleischmesser durchschnitten hatt, flog der Falk unversehrt heraus und hielt den Reiher noch in dem Schnabel. Schauet, mit was Leckerbißlein dicker Lügen die seltsam Schwänkdichter, der Pfaff und der Schmied, gleich um gleich widereinander streiten. Von einem Schneider Ein Schneider kauft' ein Tuch von Lunden, nahm's untern Arm zur selben Stunden, war schon geschoren und zubereit, draus er sich machen wollt ein Kleid. Trug's heim, auf seinen Tisch legt's nieder, maß, überschlug's, legt's hin und wider und richtet' zu, den Rock zu schneiden, nahm Ell und Maß, zeichnet's mit Kreiden und legt's dreifach zur Vorderbahn, wo zwei nur hätten notgetan. Er griff gar bald ein' scharfe Scher und schnitt dasselbe flugs durch her, da wurden draus drei gleiche Stück. Eins warf er hinter sich zurück, daß man dasselb sollt sehen nit. Fing an und sang dazu ein Lied. Das sah sein Knecht, der bei ihm saß, sprach: »Meister, warum tut Ihr das? Habt Euch versehen in dem Messen, oder seid Ihr sonst so vergessen? Ist's doch Eu'r eigen, habt's selber kauft! Ist's, daß Euch etwas überlauft? Vor wem wollt Ihr dasselb verhehlen, wollt Euer eigen Gut Ihr stehlen?« Er sprach: »Gott geb dem Brauch die Ritt! Was tut die lang Gewohnheit nit!« Von einem Schwaben, der das Leberlein gegessen Als unser lieber Herrgott noch auf Erden gewandelt ist, von einer Stadt zur andern, das Evangelium gepredigt und viel Zeichen getan hat, ist auf eine Zeit ein guter, einfältiger Schwabe zu ihm gekommen und hat ihn gefragt: »Mein lieber Gesell, wo willst du hin?« Hat unser Herrgott ihm geantwortet: »Ich ziehe umher und mache die Leute selig.« Da sagte der Schwabe: »Mein lieber Gesell, willst du mich mit dir gehen lassen?« – »Ja«, sagte unser Herrgott, »gern, wenn du fromm sein willst und weidlich beten.« – »Ja«, sagte der Schwabe. Nun, als sie miteinander gingen, kamen sie zwischen zwei Dörfer, darin man läutete. Der Schwabe schwätzte gern und fragte unsern Herrgott: »Mein lieber Gesell, was läutet man da?« Unser Herrgott, der alle Dinge wußte, sagte: »In dem Dorf läutet man zu der Hochzeit, in dem andern zum Tod.« – »Geh du zu dem Toten«, sprach der Schwabe, »so will ich zur Hochzeit gehen.« Unser Herrgott ging in das Dorf und machte den Toten wieder lebendig. Da schenkte man ihm hundert Gulden. Der Schwabe tat sich auf der Hochzeit um mit Einschenken, einem um den andern, und als die Hochzeit ein Ende hatte, schenkte man ihm einen Kreuzer, dessen der Schwabe wohl zufrieden war, sich auf den Weg machte, wieder zu unserm Herrgott kam. Als bald der Schwabe unsern Herrgott von weitem sah, hub er sein Kreuzerlein in die Höhe und schrie: »Schau, mein lieber Gesell, ich hab Geld, was hast du?« Trieb also viel Prangen mit seinem Kreuzerlein. Unser Herrgott lachte über ihn und sprach: »Ach, ich hab wohl mehr als du.« Er tat den Sack auf und ließ den Schwaben die hundert Gulden sehen. Der Schwabe aber war nicht unbehend, warf sein arm Kreuzerlein unter die hundert Gulden und sagte: »Gemein, gemein, wir wollen gemeinsam alles miteinander haben.« Das ließ unser Herrgott gut sein. Nun, als sie wieder miteinander gingen, begab es sich, daß sie zu einer Herde Schafe kamen. Da sagte unser Herrgott zum Schwaben: »Geh, Schwab, zu dem Hirt, er soll uns ein Lämmlein geben und koch uns das Eingeweide für das Essen.« – »Ja«, sagte der Schwabe, ging zu dem Hirten, ließ sich ein Lämmlein geben und zog es ab, bereitete das Eingeweide für das Essen, und im Sieden schwamm das Leberlein stets oben. Der Schwabe drückt's mit dem Löffel runter, es wollte aber nicht bleiben, so daß der Schwabe verdrossen ward, ein Messer nahm, das Leberlein abschnitt und es aß. Und als das Essen auf den Tisch kam, fragte unser Herrgott: »Wo ist das Leberlein hingekommen?« Der Schwabe antwortete: »Es hat keins gehabt.« – »Ei«, sagte unser Herrgott, »wie wollt es gelebt haben, wenn es kein Leberlein gehabt hätte?« – »Es hat bei Gott und allen Gottes Heiligen keins gehabt!« Was wollte unser Herrgott tun? Wollte er haben, daß der Schwabe stillschwieg, mußte er wohl zufrieden sein. Nun begab es sich, daß sie wiederum miteinander spazierten. Da läutete man abermals in zwei Dörfern, und der Schwabe fragte: »Lieber, was läutet man da?« – »In dem Dorf läutet man zu einem Toten, in dem andern zur Hochzeit«, sagte der Herrgott. »Ja«, sagte der Schwab, »geh du zur Hochzeit, ich will zu dem Toten.« Und meinte, er wollte auch hundert Gulden verdienen. Er fragte ihn weiter: »Lieber, wie hast du es gemacht, als du den Toten auferweckt hast?« – »Ja«, sagte unser Herrgott, »ich sagte zu ihm: Steh auf im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes! Da stund er auf.« – »Ist gut, ist gut«, sagte der Schwabe, »ich weiß es wohl zu tun.« Er zog hin, und als er zu dem Dorf kam und man ihm den Toten entgegentrug, sah das der Schwabe alsbald und schrie mit heller Stimme: »Halt an, halt an! Ich will ihn lebendig machen, und wenn ich ihn nicht lebendig mache, so hängt mich ohne Urteil auf!« Die guten Leute waren froh, verhießen ihm hundert Gulden und setzten den Sarg, darin der Tote lag, nieder. Der Schwabe tat den Sarg auf und fing an zu sprechen: »Steh auf im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes!« Aber der Tote wollte nicht aufstehen. Dem guten Schwaben wurde angst, er sagte seine Segen zum zweiten und zum dritten Mal. Aber der Tote wollte nicht aufstehen, und da sagte der Schwabe: »Also bleib liegen in tausend Teufels Namen!« Als nun die Leute sahen, daß sie von dem Gecken betrogen waren, ließen sie den Sarg stehen und eilten mit ihm zu dem Galgen, stellten die Leiter an und führten den Schwaben hinauf. Da zog unser Herrgott allgemach heran, denn er wußte wohl, wie es dem Schwaben ergehen würde. Er wollte sehen, wie er sich doch stellen würde, und er kam zum Gericht und sprach: »O guter Gesell, was hast du gemacht? In welcher Gestalt sehe ich dich da?« Der Schwabe fing an zu schelten und sagte, er hätte es ihm nicht recht gelehrt. »Ich habe dich recht gelehrt, aber du hast ihm nicht recht getan. Ihm sei aber, wie es wolle, willst du mir sagen, wo das Leberlein hingekommen ist, so will ich dich frei machen.« – »Ach«, sagte der Schwabe, »es hat wahrlich keins gehabt. Wessen zeihst du mich?« – »Ei, du willst es uns nicht sagen, wohlan, sag es, so will ich den Toten lebendig machen und dich befreien!« Der Schwabe fing an zu schreien: »Hängt mich nur, hängt mich nur! Damit ich von der Marter erlöst bin, denn er quält mich mit dem Leberlein und hört wohl, daß es keins gehabt hat. Hängt mich nur flugs!« Wie das unser Herrgott hörte, daß er sich eher henken lassen wollte, als daß er die Wahrheit bekannte, befahl er, ihn herabzulassen, und machte selbst den Toten lebendig. Nun zogen sie wieder miteinander heim, da sagte unser Herrgot zum Schwaben: »Komm her, wir wollen miteinander das gewonnene Geld teilen. Denn wenn ich dich immer wieder vom Galgen erlösen sollte, würde es mir zuviel sein.« Nahm also die zweihundert Gulden und teilte sie in drei Teile. Als solches der Schwabe sah, sagte er: »Ei, Lieber, warum machst du drei Teile daraus, wir sind doch nur zu zweit?« – »Ja«, sagte unser Herrgott, »der eine ist mein, der andere dein, und der dritte ist dem, der das Leberlein gefressen hat.« Als das der Schwabe hörte, sagte er: »So hab ich's bei Gott und allen Gottes Heiligen gefressen!« Und davor wollte er sich eher henken lassen, ehe er es bekennen wollte. Aber da er das Geld sah, bekannte er es ohne Not. Von einem Ungelehrten, der eine Empfehlung brauchte Ein Ungelehrter wollte sich auch in der Welt bekannt machen, schrieb ein Buch, wollte es drucken lassen und bat einen gelehrten Mann, er solle ihm doch ein Carmen oder eine Lobschrift darein machen, damit es desto besser möchte bekannt und von gelehrten Leuten gekauft werden. Der Gelehrte erbot sich, es zu tun, und machte ihm darein folgendes Distichon: R habet Latinum liber hic, habet r quod Pelasgum, R habet Hebraeum, praetereaque nihil. Das ist: Dies Buch hat ein lateinisches R, ein griechisches Ro [Rho] und hebräisches Res [Resch] und sonst nichts mehr; welches zusammen macht: errores, das heißt so viel wie Irrtum. Will so viel zu verstehen geben, daß nichts Gutes an diesem Buch sei, sondern durch und durch gefehlt. Der gute Gesell meinte, er habe es sehr wohl getroffen, ging mit seinem Buch in die Druckerei, zeigte den Druckerherren und Korrektoren dasselbe samt des gelehrten Manns Lobschrift, ward aber sehr damit ausgelacht. Von einem ungeschickten Kaplan Ein Priester hatte einen sehr ungeschickten und untüchtigen Kaplan, der mußte die Kirche auf- und zuschließen, den Staub und Spinnweben von den Wänden putzen und das Pflaster kehren. Desgleichen läutete er die Glocken, wenn man zur Predigt ging, und jagte die Hunde mit einer Peitsche aus der Kirche. Auf die Werktage sang er einen deutschen Psalter, letztlich, wenn immer der Priester krank oder über Feld war, so las er eine Predigt aus dem Buch, taufte die Kinder, besuchte die Kranken und letztlich, so bestattete er auch die Toten zur Erde. Nun begab sich, daß der Priester nicht zu Hause war und daß ein Gerichtsverwandter starb. Da bedachte dieser Glöckner- Kaplan, er würde eine Predigt tun müssen, machte sich über Herrn Spangenbergers Leichpredigten her, las hier eine, da die andere, damit er nicht hernach, wenn man das Begräbnis hielte, im Lesen stutzen möchte und sich blamieren würde, wie ihm solches oft begegnet war. Man trug die Leiche hinaus, legte sie ins Grab und warf sie mit Erde zu. Hierauf fing er an zu reden: »Ihr lieben Leutchen, es wäre wohl in diesem hübschen Büchelchen eine ausbündige, schöne Predigt vorhanden, die so voll Trost steckt wie ein Bienenstock voll Honig. Die ich auch mit viel Fleiß überlesen habe, und ich wollte sie Euch von Herzen gern vorlesen und mitteilen. Aber es regnete mir in das Buch und machte es mir zuschanden. Darum, so laßt Euch diesmal an dem Segen des Herrn begnügen. Der Herr segne Euch und behüte Euch, der Herr erleuchte sein Angesicht über Euch und sei Euch gnädig. Der Herr erhebe sein Angesicht über Euch und gebe Euch Frieden. Amen.« Von einem Wucherer und einem Gesellen Ein armer G'sell sich's unternahm, zu einem reichen Bürger kam. Fordert' ihn heimlich auf ein Ort und sprach: »Herr, höret mich ein Wort! Ich hätt Euch um ein Kleins zu fragen, wollt bitte mir die Wahrheit sagen. Ein Stück von Gold, geläutert, rein, die Größe wie ein Ziegelstein, wenn ei'm solchs unser Herrgott b'schert, o sagt mir, was wär es wohl wert?« Da wuchs dem Wuchrer groß Verlangen, meint', er hätt schon den Fisch gefangen. Sprach zum Gesellen: »Hör, was du tust, ein wenig du noch warten mußt, ich hab zu tun jetzt mit den Leuten, drum komm heim auf die Mahlzeit heuten und iß mit mir, was uns Gott geit, so geb ich dir ein' guten B'scheid« »und will dich mit mir fröhlich machen: dann wolln wir reden von den Sachen.« Der G'sell säumt' nicht, kam allzuhand zum Reichen, sich zur Mahlzeit fand. Der macht' ihn fröhlich, ließ schenken ein genug vom allerbesten Wein. Er aß und trank und war fröhlich und ließ kein Ding bekümmern sich. Da er war eben lang gesessen, hatt wohl getrunken, satt gegessen, er sprach: »Es ist Zeit aufzustehn«, er nahm Urlaub und wollt nun gehn. Der Kaufmann folgt' ihm an die Tür und sprach: »Du sagtest heute mir von einem großen Stücke Gold, fragtest, was das wohl gelten sollt; laß sehn, so will ich dir's wohl sagen und mich mit dir darum vertragen.« Er sprach: »Ich hab es nicht jetzunder, und es nimmt mich von Euch groß Wunder, daß Ihr bei einem armen G'sellen ein' solchen Schatz vermuten wöllen. Wenn aber mir das Glück zuständ, daß ich ein solch Stück Goldes fänd, daß ich dann wüßt, wie ich es acht, und meine Rechnung danach macht'. Ja, wenn ich's wirklich einst bekomm, gelob ich Euch, wo ich bin fromm, und weil ich sehe Eure Gier und Ihr so fleißig fragt bei mir, so will ich zu kei'm andern laufen: Ihr sollt der erste sein beim Kaufen.« Von einem, der einen Advokaten überlistete Einer ward vor dem Gericht wegen einer Sache angesprochen, daß er sich wohl dachte, er werde ohne Geld nicht davonkommen. Das klagte er einem Fürsprecher oder Advokaten. Der sprach zu ihm: »Ich will dir zusagen, aus der Sache dir zu helfen und von allen Kosten und Schaden dich davonzubringen, sofern du mir vier Gulden zum Lohn für meine Arbeit geben willst.« Dieser ward zufrieden und versprach ihm die vier Gulden zu geben, sofern er ihm aus der Sache helfe. Da gab ihm der Advokat den Rat, wenn er mit ihm vor das Gericht käme, so solle er keine andere Antwort geben, was immer man ihn fragte oder schalt, als das einzige Wort ›bläh‹. Als sie nun vor das Gericht kamen und er angeklagt wurde, konnte man kein anderes Wort aus ihm herausbringen als ›bläh‹. Also lachten die Herren und sprachen zu seinem Fürsprecher: »Was wollt Ihr an seiner Stelle antworten?« Da sprach der Fürsprecher: »Ich kann nichts für ihn sagen, denn er ist ein Narr und kann mir auch nichts berichten, was ich sagen soll. Es ist nichts mit ihm anzufangen. Er sollte billig für einen Narren gehalten und freigelassen werden.« Also gingen die Herren zu Rate und ließen ihn frei. Danach verlangte der Fürsprecher von ihm die vier Gulden. Da sprach dieser: »Bläh.« Der Fürsprecher sprach: »Du wirst mir das nicht abblähen, ich will mein Geld haben.« Und brachte ihn vor das Gericht. Und als sie beide vor dem Gericht standen, da sagte dieser alleweg ›bläh‹. Da sprachen die Herren zum Fürsprecher: »Was macht Ihr mit dem Narren? Wißt Ihr nicht, daß er nicht reden kann?« Also mußte der Advokat das Wort ›bläh‹ für seine vier Gulden zum Lohn haben und traf Untreue ihren eigenen Herrn. Von etlichen einfältigen Bauern Nah bei meiner Heimat ist ein Bauerndorf, Mundingen genennet, da sagt man, daß die sonderlich einfältigen Bauern daheim seind. Einer von ihnen war auf ein Zeit gen Ehingen auf den Markt zogen, und im Heimziehn hört er an der Mark zween Kuckuck gegeneinander rufen, und der ein war im Mundinger Wald, und der ander im Wald des nächsten Dorfs. Und da ihn gedäucht, der Kuckuck in diesem Wald schriee heller und lauter denn der im Mundinger Wald, ließ er das Roß, drauf er geritten war, stehn, stieg auf ein Baum und half seinem Kuckuck kuckucken; dieweil zerriß ihm aber ein Wolf das Pferd. Wie der Bauer heimkam, klaget er's seinen Nachbarn, wie er in dem, daß er von gemeinem Nutz und Ehr wegen seinen Kuckuck hätt geholfen, in den großen Schaden war kommen; darauf vergalten sie ihm seinen Schaden einmütiglich auf des Dorfs Kosten, dann sie meinten, es war unbillig, daß einer, der zur Erhaltung gemeiner Wohlfart und guten Namens Mühe gehabt hätte, sollt um das Seine kommen. Von neun Schwaben eine Historie Neun Schwaben, so liest man in dem Buch der alten, ungeschehenen Dinge, wollten auch die Welt erfahren und unseres Herrgotts Rock zu Trier sehen, hernach das Heiligtum zu Aachen besuchen und sich einen Ablaß holen. Damit sie nun desto sicherer wandelten, sahen sie es für gut an, sich einen starken und langen Spieß machen zu lassen, an dem sie alle neun, der kühnste und kräftigste geharnischt zuvorderst, gehen würden. Diese ihre Reise begab sich aber im Juli oder Heumonat, und als sie eines Tages einen sehr weiten Weg gezogen waren, dazu auch noch gar fern in ein Dorf gekommen waren, wo sie über Nacht bleiben mußten und im Dunkeln über eine Wiesmatte gingen, flog da ein großer Hirschkäfer oder eine Hornisse nicht weit von ihnen hinter einer Staude und brummelte feindlich. Deshalb erschrak der vorderste, daß er den Spieß schier hätte fallenlassen, und er ließ heimlich einen streichen und sprach zu seinen Gesellen: »Hört, hört! Gott, ich hör eine Trommel.« Die andern sagten, es käme ihnen auch so vor, und der zunächst nach dem vordersten in der Reihe war, empfing den Gestank der Blindschleiche seines Gesellen in die Nase und sprach: »Etwas ist ohne Zweifel vorhanden, denn ich riech das Pulver und die Zündstrick.« Im Hui begann der Geharnischte zu fliehen, sprang über einen Zaun, da lag ungefähr noch ein Rechen, denn es hatten daselbst die Leute am Tag Heu gemacht. Darauf trat er, daß ihm der Stiel auf die Nase schlug. »O wei, o wei«, schrie er, »nimm mich gefangen, ich ergib mich!« Die andern hupften alle einer über den andern hernach und riefen: »Ergibst du dich, so ergeb ich mich auch.« Letztlich wurden sie gewahr, daß sie betrogen waren, und damit sie deshalb nicht verspottet würden, verschworen sie untereinander, stillzuschweigen, so lang, bis einer das Maul auftäte. Eine andere Gefahr, die ihnen begegnete, mag mit der ersten verglichen werden. Denn nach etlichen Tagen führte sie ihr Weg durch ein Brachfeld, und da saß ein Hase in der Sonne, der sich mit den Vorderläufen den Kopf putzte. Den sahen sie, und sie blieben stehen, um zu beratschlagen, was hierbei am wenigsten gefährlich wäre. Einer von ihnen sprach ganz beherzt: »Ragenöhrle, Ragenöhrle, Name des Hasen wegen der hochgestellten Ohren. geh her!« – »O Gott«, sagte der vorderste, »wenn du hier stündest, wo ich stehe, da würde ich mitnichten sagen ›Ragenöhrle, geh her‹.« Er begann, sich mit dem heiligen Kreuz zu segnen, rief Gott um Hilfe an, und zuletzt, als nichts helfen wollte, daß der Hase nicht wegging, schrie er mit großer Furcht: »Hau, Hurle, hau, hau, hau.« Vor dieser Stimme erschrak der Hase und lief davon. Der Geck aber sprach: »Nun sehe ich, daß ein ›Hurle hau‹ besser denn tausend ›Hilf Gott‹ ist.« Danach sie an die Mosel – ein moosiges, stilles und tiefes Wasser – kamen, darüber nicht viel Brücken gemacht sind, sondern man an mehreren Orten sich mit einem Schiff überführen lassen muß. Weil sie das nicht wußten, riefen sie einem Mann zu, der jenseits des Wassers arbeitete, wie man hinüberkommen möchte. Derselbige verstand – von wegen der Weite, auch wegen der Sprache – nicht, was sie wollten, und fragte auf seine trierische Sprache: »Wat, wat?« Das ist ›was, was‹. Sie aber meinten, er sagte, sie sollten waten, und es begann der vorderste hinüberzugehen. Er konnte aber nicht lange des Schlammes und der Tiefe wegen gehen, er fiel hinein und ertrank. Die andern, als sie dessen Hut, den der Wind auf das andere Ufer getrieben hatte, sahen und auch, daß ein Frosch dabeisaß und quakte ›wat, wat, wat‹, das eben lautet, wie sie das Maul in diesem Wort und dergleichen weit aufsperren, hielten sie dafür, ihr Geselle rufe nach ihnen, sich hinterher zu machen, und sie verstanden es wohl und sagten untereinander: »Kann er hinüberwaten, warum nicht auch wir?« Und so sind sie alle neun ertrunken, weil sie die Sprache nicht verstanden, und wurden durch den leidigen Frosch jämmerlich umgebracht. Wasser im Wein Es waren Gäste in einem Wirtshaus, da sprach einer von ihnen zu dem Töchterlein: »Bring mir ein Gläslein voll Wasser. Ich will es in den Wein tun.« Das Töchterlein sprach: »Das ist nicht nötig, meine Mutter hat erst heute einen großen Zuber voll Wasser in das Faß geschüttet.« Weihwasser geht nicht durch den Hut Es war ein Pfleger im Land zu Bayern, der war gut evangelisch und in weltlichen Händeln ein aufrichtiger, ehrliebender Mann. Der ging das ganze Jahr hindurch nicht in die Messe als nur an zehn Festen, an Ostern, Pfingsten, Weihnachten usw. Und wenn es kalt war, blieb er auch daheim und opferte nichts. Das verdroß den Pfaffen sehr. Und wenn er mit dem Weihwasser herumging, nahmen die andern Bauern die Hüte ab und neigten sich vor dem Weihwasser, da setzte der Pfleger seinen Hut auf und drückte ihn fest auf den Kopf. Das hielt der Pfarrer dem Pfleger vor und sagte, daß dies den andern Bauern und Nachbarn ein böses Beispiel gebe und sie verführe. Der Pfleger antwortete und sprach: »Mein lieber Herr Pfarrer, ich gedenke noch einer Predigt, die Ihr einmal gehalten habt, daß es ein solch heilig Ding sei um das Weihwasser, daß auch die Tropfen, die Ihr auf die Totengräber werft, hinein auf die Körper fallen, und wenn sie neun Klafter tief unter der Erde lägen, welches der heilige Papst Calixtus soll erfunden haben. Das habe ich ausprobieren wollen und habe meinen Hut aus diesem Grunde nicht abgenommen, ob dies so kräftig wäre und auch durch meinen Filz möcht fallen. Aber ich habe es mitnichten empfunden, darum ich annehme, daß wenig dahinter sein wird.« Der Meßpfaff drohte dem Pfleger, daß er ihn vor die hohe Obrigkeit zitieren wolle und ihn als einen Ketzer anzeigen würde. Der Pfleger gedachte der Drohung, und da der Pfaffe noch am selbigen Tag anfing zu lärmen, nahm er den Pfaffen und warf ihn in den Stock und fragte den Pfaffen, ob er noch so böse sei, und strafte ihn hart. Da bat hernach der Pfaffe den Pfleger, daß er stillschweige und ihn nicht in den Kerker brächte, um tausend Gottes willen, so doch hundert genug gewesen wären. Also kehret sich das Blättlein oft um. Wie die Lalen eine lange Wurst machten und sie nicht kochen konnten Die Lalen hatten auf eine Zeit eine gute schweinerne Sau, die wollten sie behalten und mästen. Als aber dieselbe in einer Scheuer über den Hafer kam, fraß sie aus Hunger etwas zu viel. Darum wurde sie verklagt von der ganzen Gemeinde, vom Leben wie ein Dieb zum Tode verurteilt zu werden. Als nun Zeter geschrien und der Stab über sie gebrochen war, ward sie alsbald mit dem Messer, wie das Recht es mit sich gebracht hatte, vom Leben zum Tod gerichtet und fiel all ihre Hab und Gut, Haut und Haar den Richtern anheim zu verfressen. Denn dieweil sie mit Fressen das Leben verwirkt, wäre es auch billig, daß sie mit gleicher Strafe gestraft und auch sollte gefressen werden. Nun wollten die Bauern alles zu Ehren kommen lassen und, damit nichts unnutz abginge, auch Würste machen. Sie nahmen daher das Gedärm, wuschen es aus und füllten es, so lang es war, mit Speck, Blut, Leber, Lunge, Hirn, kleinen Knöchlein und anderem, was man pflegt zu einer Wurst zu gebrauchen, und machten eine Wurst, die war so lang wie der ganze Darm. Als nun der Tag kam, daß sie das Urteil vollenden und die Sau auffressen sollten, da wollten sie die lange Wurst zu einem Voressen haben, konnten aber keinen Hafen finden, welcher lang genug gewesen wäre, die Wurst der Länge nach darinnen zu kochen. Denn sie meinten, der Hafen müßte so lang sein wie die Wurst. Wußten also nicht, wie in der Sache zu tun wäre. Denn zudem, daß sie keinen solchen langen Hafen bei der Hand hatten, wollte auch kein Töpfer oder Hafner versuchen, ihnen einen solchen zu machen. In solchem Zweifel und Unmut geht einer der Lalen durch das Dorf weg, und als er bei etlichen Gänsen vorbeigeht, fingen diese an zu schreien: Gick, gack, gick, gack. Das hörte der Lale, kehrte sich um und hatte die Gänse nicht recht verstanden und meinte, sie haben gesagt: Zwiefach, zwiefach. Er ging deswegen wiederum zur Gemeinde und sprach, es sei ihnen allen wohl eine Schande, daß sie erst jetzt von den Gänsen sollten lernen, daß man die Wurst müsse zweifach in den Hafen tun. Als die Gemeinde solches gehört, nahm sie es ferner zu bedenken, und es wurde allda beschlossen, könne man die Wurst zweifach kochen, so lasse sie sich auch dreifach kochen, denn was sich zweie, das dreie sich auch gern, derowegen auch vierfach und noch mehrfach. Also legten sie die Wurst so oftfach zusammen, bis sie nahe zusammenkam, daß sie in einen gemeinen Hafen konnte gelegt werden (denn sie konnten nicht dareinspringen). Ward also gekocht und ausgeteilt und jedermann ein Stück davon gegeben, welches ihm dreimal um das Maul ging. Denn es mußte jeder den einen Zipfel von der Wurst ins Maul nehmen, mit dem andern Teil fuhren sie ihm um den Kopf, und wenn sie das dritte Mal zum Maul kamen, so biß er es ab; das war dann sein Teil. Davon ist das Sprichwort noch heutigen Tags vorhanden, daß die Lalen sagen: »Man muß dir eine Wurst braten, die dir dreimal ums Maul geht.« Wie die Lalen einen Acker mit Salz gesät, daß er wachsen sollte, und wie es sich damit zugetragen hat Als die Lalen ihr Rathaus gebaut und mit Narren besetzt hatten, fingen sie an, alle Tage zusammenzukommen und sich zu bekümmern und zu zermartern über die Sachen, die zum allgemeinen Nutzen und zur Regierung gehörig waren. Dieser Sachen nahmen sie sich dann mit allganzimmereifrigstmöglichstem Ernst an in dem Maße, wie sie zu tun schuldig und verpflichtet waren. Nun hat ihr E. W. Witz sie auf eine Zeit dahin getrieben, daß sie an den Proviant dachten und Rat hielten, wie man einen Vorrat anlegen möchte, dessen man sich bei vorfallender Teuerung bedienen könnte, damit man nicht müßte bei den Wucherern und Kornwürmern um Gnade bitten. Dies bedachten sie sehr weise. Denn es steht ja einer hochverständigen Obrigkeit zu, mit solchem Vorrat versehen zu sein, um den Untertanen, wenn ein Mangel vorfällt, zu helfen und den Wucherern, die den Armen, die ohnehin bedrängt und in Not genug sind, nicht anders wie die Zecken auch das Blut aus dem Leib, ja das Mark aus den Beinen saugen, um diesen Wucherern ihr unziemliches, unredliches Gewerbe zu unterbinden. Sonderlich aber ward vom Salz geredet, dessen feiler Kauf ihnen wegen der Kriegsläufte unterbunden war, deshalb sie an solchem Ort großen Mangel litten. Und wie man doch die Sachen so weit bringen könnte, daß sie auch eigenes Salz hätten, dieweil sie ja auf das Salz nicht verzichten könnten in der Küche, sowenig wie auf den Mist auf dem Acker. Solcher Handel ward nun der Länge nach eines jeden guten Bedünken erwogen, und das auf viele Wege. Denn es wurden allerlei Mittel, die man zur Hand nehmen und gebrauchen möchte, vorgebracht und nach ihrem E. W. bedacht. Endlich wurden sie Rates und beschlossen einhellig: Sintemalen kund und offenbar, daß der Zucker, welcher dem Salz nicht unähnlich, auch wachse, so müsse ja folgen, daß das Salz gleichermaßen auf dem Feld herfürwachse. Welches denn daraus abzusehen sei, dieweil das Salz auch Körnlein habe, also daß man sage, ein Körnlein Salz usw. Demnach sei es auch kund und offenbar, daß andere Sachen wachsen, wie Kälber, so man Käse setzt, und Hühner, wenn man Eier in den Boden steckt. So sei es diesmal nichts Besseres, als daß man ein großes Stück Feld, das der Gemeinde gehöre, umpflügen und anbauen und alsdann das Salz (welches sie so nötig haben mußten, als sie eher der Narren entraten als des Salzes mangeln konnten) in Gottes Namen dareinsäen sollte; so hätten sie auch eigenes Salz und dürften nicht anderen darum nachlaufen und zu Füßen fallen. Das wurde nun, wie besprochen, an die Hand genommen, das gemeine Werk bestellt, der Acker gepflügt und in Gottes Namen, wie ihr E. W. erkennt, mit Salz besät: bester Hoffnung, es werde ihnen reichlich lohnen und Gott zu ihrer Arbeit auch den Segen im Überfluß geben, besonders weil sie es in seinem Namen gesät hatten. Sie trösteten sich auch dessen, daß, auch wenn sie etwas Gewinn davon hätten, so doch dieser Gewinn als ein Erdwucher nicht schändlich sei, sondern von Gott gegeben und gesegnet und von jedermann gebilligt. In solchem Vertrauen haben sie auch desto fleißiger Sorge um diesen Acker getragen und an allen vier Ecken (denn es war nicht dreieckig wie ihr Rathaus) Hüter oder Bannwarte gesetzt, jeden mit einem langen Vogelrohr in der Hand, um die Vögel, wenn sie das gesäte Salz wie andere Samen vielleicht auflecken wollten, abzuschießen. Es dauerte nicht lange und der Acker fing an, aufs allerschönste zu grünen. Darüber hatten die Lalen unsägliche Freude, vermeinten, die Sache wäre ihnen einmal geraten, und gingen jeden Tag hinaus, zu sehen, wie das Salz wachse, und beredeten sich selber, sie hörten es wachsen wie jener das Gras. Und je mehr es wuchs, je mehr wuchs auch in ihnen die Hoffnung, und es war keiner unter ihnen allen, welcher nicht schon in seinem Sinne einen ganzen Sester etwa 15 Liter Salz gefressen hatte. Zur besseren Versicherung und besseren Verwahrung ihres Salzfeldes, welches sie gern größer genommen hätten, setzten sie in Anbetracht dessen, daß nicht nur allein die Vögel, sondern auch andere Tiere dem Samen möchten Schaden zufügen, zu den vorigen Hütern noch einen anderen Bannwart, der verhüten sollte, daß etwa das andere Vieh wie Rosse, Kühe, Schafe und sonderlich die leidigen Geißen, welche dem Salz ohnehin gefährlich waren und es für ihren Käse gemeinhin brauchten, dareinliefen. Damit nun das heranwachsende Salz nicht zertreten oder abgeweidet wurde, befahlen sie ihrem Bannwart, wenn etwa eine Kuh, Pferd, Geiß oder Schaf auf den Acker käme, so sollte er sie, wie es ihm möglich sei, wegstoßen, treiben, jagen, schlagen, puffen, knallen, zwicken, scheuchen, wie er es nur immer könnte, welches er auch getreulich zu leisten versprach – und wie er es auch getan hat, wie zu vernehmen ist. Wie ein junges Mädchen einen Mönch betrog Ein junges Mädchen beichtete einstmals einem Barfüßermönch, welche die allerheiligsten sein wollen, obwohl es sich so doch gar nicht verhält. Einem solchen heiligen Vater bekannte das gute Dirnlein seine Sünde. Wie aber der gottlose Mönch anhielt und wollte alle Heimlichkeit wissen und sie auch fragte, ob ihr dergleichen nicht geträumt hätte, denn dasselbe sei nicht minder Sünde, die man auch offenbaren müßte und die man auf keinen Fall für sich behalten dürfe, sprach sie: »Ja, lieber Herr, es hat mir wohl unlängst geträumt, aber ich schäme mich, solches zu sagen.« Der Mönch bestand darauf und wollte es wissen und gab vor, er könne sie sonst nicht absolvieren. Da fing das Mägdlein an: »Mein lieber Herr, es hat mir geträumt, daß einer bei mir gelegen sei und habe ihn mir hineingesteckt.« Der Mönch antwortete: »Meine Tochter, das ist genau so, als hättest du es in der Tat getan, und du mußt auch dafür büßen, als wäre es wirklich geschehen.« Das Mädchen erschrak und bat den Mönch, daß er das Beste tun wolle. Er gab vor, sie müsse nach Rom wallen oder sonst zu einem Poenitential gehen. Sie sagte, er solle das Beste tun, sie wolle es ihm wohl lohnen, und ließ ihn auch zwei Gulden sehen. Dem Mönchen gelüstete es nach den Goldgulden, und er sprach: »Es ist wahr, meine Tochter, wir haben so viel Gewalt, in der Tat, wie der Papst oder ein Poenitential, Beichtvater deshalben hat ja der heilige Franziskus ebensowohl fünf Wunden wie Christus. Aber, meine Tochter, wir dürfen kein Geld anrühren. Aber damit du nicht zu weit wegziehen mußt, denn es ist jetzt unsicher auf der Straße, so stecke sie mir in das Löchlein rein.« Denn der Mönch hatte eine zerrissene Kappe an und im linken Ärmel ein Loch. Der Mönch sah schlecht, und das Mägdlein tat, als stecke sie ihm zwei Gulden in den Ärmel, aber sie behielt sie für sich. Der Mönch absolvierte sie nun geschwind wie der Wind. Das Mägdlein wurde froh und wischte davon. Wie nun das Mägdlein hinausging, suchte der Mönch die Goldgulden in dem Löchlein und fand sie aber nicht und merkte den Betrug, rief das Mägdlein eilends wieder zurück und sagte: »Sie sind nicht drinnen, meine Tochter!« Da antwortete das Mädchen: »Ja, mein Herr, er ist mir auch nicht drinnen gewesen, sondern es hat mir nur so geträumt!« So ging das Töchterlein fort und war absolviert. Wie ein Mesner am Aschermittwoch die Leute eingeäschert hat Ein alter, zu Bett liegender, podagraischer Herr Pfarrer sprach seinen Mesner an, er solle für ihn am Aschermittwoch die Leute einäschern, er dürfe solches schon tun, weil die Einäscherung nur eine bloße Zeremonie und kein Sakrament sei, es schicke sich auch die Einäscherung schon für seine Person, weil er ohnedies, neben dem Mesner-Amt, die Stelle eines Totengräbers vertrete. Der einfältige Mesner läßt sich überreden, fragt allein um die Weise und Form der Worte, die er bei der Einäscherung gebrauchen solle. »Merke es wohl«, sprach der Pfarrer, »wenn du die Asche auf den Kopf streust, so sage diese Worte dabei: Gedenke, Mensch, du seiest Staub und wirst zu Staub werden. Sage es nur also deutsch, lateinisch kannst du es doch nicht vorbringen, sonst möchten die Bauern meinen, du wollest wetzen.« Unsinn machen – »Ist schon recht«, antwortete der Mesner, »will alles schon fleißig merken und verrichten«, geht hierauf hin, spintisiert und phantasiert die ganze Nacht über diese Worte. Am Aschermittwoch, in der Frühe, lief er abermals zum Pfarrer hin und fragte ihn über die Form der Worte, worüber der gute Herr Pfarrer auch in seinem großen Podagra-Schmerz herzlich lachen mußte. »Gehe hin«, sprach er zum Mesner, »es ist halt wahr, du bist ein Narr und bleibst ein Narr!« – »Wohl, wohl«,antwortete der Mesner, »jetzt hab ich schon alles gefaßt«, läuft mithin der Kirche zu, nimmt seinen Chor-Rock und den Teller mit der schon geweihten Asche, geht herum und streut denen da knienden Bauern und Bäuerinnen die Asche mit diesen Worten auf den Kopf: »Du bist ein Narr und bleibst ein Narr, und bist eine Närrin und bleibst eine Närrin!« Die Bauern reißen über diese Worte die Augen angelweit auf, wissen nicht, was das bedeute, daß ihnen der Mesner samt der aufgestreuten Asche die Narrenkappe wolle aufsetzen. Ist also aus dieser unförmlichen Einäscherung ein lächerlicher Faßnacht-Possen geworden. Wie eine junge Frau beichtete Ein Kaufmann hatte viel mit Leuten zu tun, drum mußt er oft ausreiten. Der hatt daheim ein junge Frau, die nahm's mit der Ehe nicht genau, denn in der Fasten ist's geschehen, daß man zur Beicht und Buß sollt gehen, da ging dieselbe Frau zur Beicht und unter anderm klagt' vielleicht, sie hätt ein Kind, könnt noch nicht gahn, gehörte nicht ihrem ehlichen Mann. Da setzt' der Pfarrherr ihr zur Buß und sprach: »Also geschehen muß, du sollst es deinem Manne sagen!« Das tat der Frau nicht wohl behagen, jedoch erdacht sie eine List. Einstmals hatt sich der Mann gerüst verkappt, verkugelt und verstellt, denn er wollt reiten über Feld. Die Frau das Kind mit Nägeln zwickt, da weint's, daß beinah es erstickt. Sie sprach zum Mann: »Erschreckt es doch, ob's dann das Weinen wollt lassen noch!« Der Mann kehrt sich zum Kind bald um also verkappt und sprach: »Mum, mum, mum, mum! Fürwahr, ich werd dich fressen, wirst du das Weinen nicht vergessen!« Sie sprach: »Du böser Mann, laß sein, friß das Kind nicht, es ist nicht dein! Das Kind gehört einem andern Mann, du sollst mir's ungefressen lan.« Wie einer Schnee für Salz verkauft Ein gewisser Botte reiste von einer vornehmen Stadt nach Hause. Unterwegs fragte ihn ein Bauer, ob etwas Neues wäre vorbeigegangen. »Nichts Besonderes«, sagte der Botte, außer vor zwei Tagen sei einer wegen begangener Mißhandlung hingerichtet worden. Der Bauer fragte mehrmals, was er gestiftet habe. »Soviel ich höre«, sagte der Botte, »hat er Schnee genommen und denselben zur Winterszeit hinter dem Ofen gedörrt und nachmals solchen den Leuten für Salz verkauft.« – »Ei«, sprach der Bauer, »das ist ein großer Betrug! Wenn man den Schelm hätte lebendig verbrennt, so wäre ihm recht geschehen. Und man muß die Leute in dem Fall warnen, damit sie sich vor dergleichen verführerischen Gesellen hüten können.« Hierin ist sich erstlich wohl zu verwundern über die Einfalt des Bauern, indem sonst solche Leute ziemlich klug und verschlagen; zum andern hält man in der Welt fast das Lügen für keine Sünde mehr und wird schier derselbe für witzig und lustig gehalten, der eine fremde Lüge auf die Bahn bringt. Wie etliches Vieh auf den Salzacker gekommen ist und wie der Bannwart es weggetrieben hat Ich weiß bei St. Velten nicht, wie es der lose Tropf, der Bannwart, übersehen hat, daß viel fremdes, unvernünftiges Vieh auf den so wohlbebauten und besäten Salzacker gekommen ist, denselben sehr geschändet und so häßlich zertreten hat, daß es um beides schad war, um das herrliche Salz, das dort gesät worden, und um das Salz, das noch hätte wachsen sollen. Der Bannwart, der lose Tropf, wußte wohl, was ihm wegen des Ackers auferlegt und befohlen war und wie er demselbigen nachzukommen verheißen hatte. Er sah den Schaden und fürchtete, weil das Vieh ohnehin schon zuviel Schaden getan hatte, wenn er es jetzt heraustreiben würde, so würde er, der lose Tropf, das heranwachsende Salz noch mehr beschädigen und verwüsten. Darum ging er im großen Unmut einesteils wegen der großen Strafe, die ihm darauf stand, andernteils wegen des verderblichen, augenscheinlich wachsenden Schadens heim nach Laleburg, zeigte es den Schultheißen und der ganzen E. W. an. Dieselben wußten ebensowenig, wie den Sachen zu raten und zu helfen war. Sie brachten deswegen den Handel also weiter, daß sie umfragten, wie man sich verhalten solle, damit nur dem Salz nicht mehr Schaden geschehe und der Bannwart, welcher in so gefährlicher Sache für sich selbst nichts tun wollte, damit er sich nicht irgendwie vergriffe, das lose Vieh daraustriebe. Denn die mit den Vogelrohren durften nicht wehren, derweil es nicht Vögel, sondern anderes Vieh (wie es ihnen befohlen war) gewesen ist. Als nun dieser schwere Handel also hin und her überlegt und überzwerch, hinter sich, vor sich, über sich, unter sich, in die Breite und in die Länge und Schmäle, auch krumm und grade, eben und uneben, erwogen worden und man sich so lang hierüber zu raten hatte, daß ihren E. W. die Köpfe darüber schier zerbrochen wären, wurde zuletzt von ihnen befunden und einhelliglich beschlossen und ausgesprochen: Es sollten ihrer vier von dem E. W. Gericht, vor welchem die Tiere sich vielleicht mehr als vor schlichten Leuten scheuen würden, den Bannwart auf eine Hurt setzen, ihm eine lange Rute oder Gerte in die Hand geben und ihn zu dem leidigen, losen Vieh in den Salzacker tragen, bis er's herausgetrieben hätte. Er aber, der Bannwart, solle nicht auf den Acker gehen, damit durch ihn kein Schaden, den er selbst abzuwenden geschworen, geschehe. Über solch ein gnädiges Urteil war der Bannwart wohl zufrieden, ließ sich auf der Hurt, nicht anders als der Papst zu Rom (gegenüber dem er sich dieses Mal nicht weniger schätzte), herumtragen, bis er das lose, leidige Vieh von dem Salzacker vertrieben. Wenn ich wäre Bannwart gewesen, so hätte ich leiden mögen, daß es durch das ganze Jahr alle Tage wenigstens zweimal geschehen wäre. Also geschah dem heranwachsenden Salz von den vieren, die den Bannwart getragen hatten, kein Schaden, denn sie waren des E. W. Gerichts und wußten mit ihren Füßen so subtil hereinzugehen, daß durch sie, demnach ihnen der gemeine Nutz viel höher angelegen war, kein Schaden geschah. Wie Eulenspiegel die Stadtwächter zu Nürnberg munter machte, daß sie ihm nachfolgten über einen Steg und ins Wasser fielen Eulenspiegel war sehr geschickt in seiner Schalkheit. Als er nun mit dem Totenschädel weit umhergezogen war und die Leute kräftig betrogen hatte, kam er nach Nürnberg und wollte da sein Geld verzehren, das er mit dem Heiltum gewonnen hatte. Und als er nun eine Zeitlang da gewesen war und alles erkundet hatte, da konnte er von seiner Natur nicht lassen, er mußte da auch eine Schalkheit begehen. Und er merkte, daß die Stadtwächter in einem großen Schilderhaus unter dem Rathaus im Harnisch schliefen. Und Eulenspiegel hatte zu Nürnberg Wege und Stege wohl angeschaut, sich besonders den Steg zwischen dem Saumarkt und dem Wächterhaus angesehen, wo es des Nachts schlecht wandeln ist, denn manche gute Dirn, die Wein holen wollte, ist dort belästigt worden. Also wartete nun Eulenspiegel mit seiner Schalkheit, bis die Leute schlafen gegangen waren und es ganz still war. Da brach er von dem Steg drei Dielen ab und warf sie ins Wasser, in den Fluß, der Pegnitz genannt wird. Und er ging vor das Rathaus und begann zu fluchen und hieb mit einem alten Schwert auf das Pflaster, daß das Feuer daraus sprang. Als das die Wächter hörten, da sprangen sie bald auf und liefen ihm nach. Als Eulenspiegel merkte, daß sie ihm nachliefen, da rannte er vor den Wächtern her und nahm die Flucht zum Saumarkt hin, und alle Wächter waren hinter ihm her. Also kam er mit Not vor ihnen an die Stelle, wo er die Dielen hinuntergeworfen hatte, und behalf sich, so gut er konnte, daß er über den Steg kam. Und als er hinübergekommen war, da rief er mit lauter Stimme: »Hoho, wo bleibt ihr nun, ihr verzagten Bösewichter?« Als das die Wächter hörten, da liefen sie eilends zu ihm hin, ohne an Böses zu denken, und ein jeder wollte der erste sein. Also fiel einer nach dem andern in die Pegnitz. Und da das Loch in dem Steg so eng war, zerfielen sie sich auch noch die Mäuler. Also rief Eulenspiegel: »Hoho, lauft ihr noch nicht? Morgen lauft ihr mir noch mehr nach! Zu diesem Bad wäret ihr auch morgen früh noch gekommen, ihr hättet euch nicht so beeilen müssen, ihr wäret doch noch zur rechten Zeit gekommen!« Und so brach einer sich ein Bein, der andere einen Arm, der dritte hatte ein Loch im Kopf, so daß keiner ohne Schaden davonkam. Als er nun die Schalkheit vollbracht hatte, blieb er nicht lange zu Nürnberg und zog wieder hinweg. Es wäre ihm nicht lieb gewesen, wenn es herausgekommen wäre, sonst wäre er verstümmelt worden, denn die Nürnberger hätten es sicher nicht für einen Spaß angesehen. Wie Eulenspiegel eine Wirtin mit bloßem Hintern in die heiße Asche setzte Als Eulenspiegel von Rom zurückgekehrt, da kam er in ein Dorf, da war eine große Herberge, und der Wirt war nicht zu Hause. Da sprach Eulenspiegel zu der Wirtin, ob sie auch Eulenspiegel kenne. Die Wirtin sagte: »Nein, ich kenne ihn nicht, aber ich habe wohl von ihm gehört, daß er ein außergewöhnlicher Schalk sei.« Eulenspiegel sprach: »Liebe Wirtin, warum sagt Ihr, daß er ein Schalk ist, und Ihr kennt ihn nicht?« Die Frau sprach: »Was ist daran gelegen, daß ich ihn nicht kenne? Das besagt nichts. Die Leute sagen, er sei ein böser Schelm.« Eulenspiegel sagte: »Liebe Frau, hat er Euch je ein Leid getan? Ist er ein Schalk, das habt Ihr doch nur vom Hörensagen.« Die Frau sprach: »Ich sag, was ich von den Leuten gehört habe, die bei mir aus und ein gehen.« Eulenspiegel schwieg. Morgens stand er ganz früh auf und scharrte die heiße Asche auseinander, ging zum Bett und nahm die Wirtin aus dem Schlaf und setzte sie mit dem bloßen Hintern auf die heiße Asche und verbrannte ihr den Hintern ganz und sprach: »Seht, Wirtin, nun könnt Ihr wohl von Eulenspiegel sagen, daß er ein Schalk ist. Ihr spürt es nun, und Ihr habt ihn gesehen. Daran mögt Ihr ihn erkennen.« Das Weib jammerte sehr, und Eulenspiegel ging aus dem Haus und lachte und sprach: »Also soll man eine Romfahrt vollbringen.« Wie Eulenspiegel es machte, daß des geizigen Bauern Hühner den Köder fraßen Am andern Tag ging der Mann aus, und es begegnete ihm Eulenspiegel, und er fragte ihn und sprach: »Lieber Eulenspiegel, wann willst du zu mir kommen auf das Weckbrot?« Da sagte Eulenspiegel: »Wenn sich deine Hühner um das Luder reißen, je vier um einen Bissen Brot.« Da sprach er: »Ja, dann wird es noch lange dauern, bis du auf mein Weckbrot kommst.« Da sprach Eulenspiegel: »Ich käme eher, wenn es fette Suppen gäbe«, und damit ging er weiter. Und Eulenspiegel wartete so lange, bis er den Moment abpaßte, wo des Mannes Hühner auf die Gasse zum Fressen liefen. Da nahm Eulenspiegel etwa zwanzig Fäden oder mehr und band je zwei und zwei in der Mitte zusammen und band an jedes Ende des Fadens einen Bissen Brot, und er nahm die Fäden und legte sie verdeckt, und nur die Bissen Brot schauten hervor. Als nun die Hühner hier und da pickten, schluckten sie die Bissen Brot mit dem Fadenende in die Hälse und konnten sie doch nicht ganz hinunterschlucken, denn an dem anderen Ende zog ein anderes Huhn, so daß immer eines das andere zu sich hinüberzog. Und sie konnten es weder schlucken noch aus dem Hals wieder loswerden, da die Bissen Brot so groß waren, und es standen also mehr als zweihundert Hühner je eines gegenüber dem anderen, und sie würgten und zogen an dem Köder. Wie Eulenspiegel mit einem toten Haupt umherzog, um die Leute damit zu berühren, und wie er damit viel Opfer gewann In allen Landen hatte sich Eulenspiegel mit seiner Bosheit bekannt gemacht, und wo er einmal gewesen war, da war er nicht mehr willkommen, es wäre denn, daß er sich verkleidete, so daß man ihn nicht erkannte. So kam es dazu, daß er sich mit Müßiggang nicht mehr ernähren konnte, und er war doch von Jugend auf guter Dinge gewesen und hatte genug Geld gewonnen mit allerlei Gaukelspiel. Da aber seine Schalkheit in allen Landen bekannt geworden war und seine Nahrung ausblieb, da überlegte er, was er treiben sollte, damit er weiterhin gut überstehen könne mit Müßiggang. Und er nahm sich vor, sich als Reliquienhändler auszugeben und mit der Reliquie oder dem Heiltum im Lande umherzureiten. Und er verkleidete sich mit einem Schüler in eines Priesters Gestalt und nahm einen Totenkopf und ließ ihn in Silber fassen. Und er kam ins Land Pommern, wo sich die Priester mehr an das Saufen halten als an das Predigen. Und wo dann etwa in einem Dorf Kirchweih war oder Hochzeit oder eine andere Versammlung der Landleute, da ging Eulenspiegel hin zu dem Pfarrer und sagte, daß er predigen und den Bauern das Heiltum verkünden wolle, daß sie sich damit berühren ließen. Und was er dafür an Opfer erhielte, das wolle er ihm zur Hälfte geben. Das war den ungelehrten Pfaffen recht, wenn sie damit nur Geld bekamen. Und wenn viel Volk in der Kirche war, so stieg er auf die Kanzel und erzählte etwas von dem Alten Testament und zog das Neue Testament hervor, worin von der Arche und dem goldenen Eimer, worin das Himmelsbrot lag, geschrieben war, und sprach dazu, daß es das größte Heiltum wäre. Und er erzählte von dem Haupt des Sankt Brandan, der ein heiliger Mann gewesen wäre. Das Haupt hätte er da, und es sei ihm befohlen worden, damit zu sammeln, um eine neue Kirche zu bauen. Das könne er aber nur tun mit reinem Gut, und er dürfe bei seinem Leben kein Opfer nehmen von einer Frau, die eine Ehebrecherin wäre. Und wenn solche Frauen da wären, die sollten stehenbleiben, »denn wenn sie mir etwas opfern werden und sind des Ehebruchs schuldig, so nehme ich das nicht, und sie werden von mir beschämt. Danach wisset euch zu richten.« Und er gab den Leuten das Haupt zu küssen, das vielleicht eines Schmiedes Schädel gewesen war, das er von einem Kirchhof genommen hatte. Und er gab den Bauern und Bäuerinnen den Segen und ging von der Kanzel herab, stellte sich vor den Altar, und der Pfarrer fing an zu singen und mit seiner Schelle zu klingeln. Da gingen die bösen mit den guten Weibern zum Altar mit ihrem Opfer und drängten sich zu dem Altar, daß sie keuchten. Und die in bösem Ruf stand – woran auch etwas war –, die wollte die erste sein mit ihrem Opfer. Da nahm er das Opfer von Bösen und von Guten und verschmähte es nicht. Und so fest glaubten die einfältigen Frauen an seine listige, schalkhafte Sache, daß sie meinten, wenn eine Frau stehengeblieben wäre, so wäre sie nicht fromm gewesen. Und desgleichen, wenn eine Frau kein Geld hätte, so opferte sie einen goldenen oder silbernen Ring. Und jede hatte acht auf die anderen, ob sie auch opferten. Und welche geopfert hatten, die meinten, sie wären in ihrer Ehre bestätigt, und das böse Gerede wäre damit von ihnen genommen. Auch waren etliche, die zwei- oder dreimal opferten, damit das Volk das sehen und sie aus ihrem bösen Ruf entlassen sollte. Und er gewann das schönste Opfer, wovon man noch nie gehört hatte. Und als er das Opfer hinweggenommen hatte, da gebot er bei dem Kirchenbann all denen, die ihm geopfert hatten, daß sie keinen Frevel mehr begehen sollten, denn sie wären jetzt ganz frei davon. Und wären Frevler dabei gewesen, er hätte von ihnen kein Opfer genommen. Also wurden die Frauen darüber sehr froh, und wohin Eulenspiegel kam, da predigte er. Und dadurch wurde er reich, und die Leute hielten ihn für einen frommen Prediger, so wohl konnte er seine Büberei verbergen. Wie Eulenspiegel sein Testament machte und sich ein Pfaffe daran die Hände besudelte Ein Pfaffe wurde zu Eulenspiegel bestellt, da er ihm beichten wollte. Als nun der Pfaffe zu ihm kam, da dachte er bei sich: »Er ist ein abenteuerlicher Mensch gewesen und hat damit viel Geld zusammengebracht. Es kann nicht daran fehlen, er muß eine merkliche Summe Geldes haben, das solltest du ihm abnehmen bei seinem letzten Ende, vielleicht erhältst du etwas davon.« Als nun Eulenspiegel dem Pfaffen zu beichten begann und sie darüber sprachen, sagte der Pfaff unter anderem zu ihm: »Eulenspiegel, mein lieber Sohn, bedenkt Euer Seele Seligkeit bei Euerm Ende. Ihr seid ein abenteuerlicher Gesell gewesen und habt viel Schlechtes getrieben. Das laßt Euch leid sein, und habt Ihr etwas Geld, ich wollt das wohl geben zur Ehre Gottes und armen Priestern, wie ich bin. Das will ich Euch raten, wenn es nicht immer ehrlich gewonnen ist. Und wenn Ihr das tun wollt, daß Ihr mir das offenbaren und solches Geld geben wollt, so will ich es wohl bestellen, daß Ihr zur Ehre Gottes kommt. Und wollt Ihr mir auch etwas geben, so will ich Euer all mein Lebtag gedenken und Vigilien und Seelenmessen für Euch halten.« Eulenspiegel sagte: »Ja, mein Lieber, ich will Euer gedenken. Kommt heute mittag wieder, ich will es Euch selbst in die Hand geben, ein Stück Gold, so könnt Ihr es gewiß sein.« Der Pfaff war froh und kam gegen Mittag wieder gelaufen. Während er weg war, da hatte Eulenspiegel eine Kanne genommen, die machte er halbvoll mit Menschendreck und verstreute darüber ein wenig Geld, so daß das Geld den Dreck bedeckte. Als nun der Pfaffe wiederkam, sprach er: »Mein lieber Eulenspiegel, ich bin hier, wollt Ihr mir nun etwas geben, so wie Ihr mir gelobt habt, das will ich empfangen.« Eulenspiegel sagte: »Ja, lieber Herr, wenn Ihr nur bescheiden zugreifen und nicht gierig sein wollt, so werde ich Euch einen Griff in diese Kanne tun lassen, da sollt Ihr meiner gedenken.« Der Pfaffe sprach: »Ich will es tun nach Eurem Willen und so hineingreifen, wie ich es nur kann.« Also stellte Eulenspiegel die Kanne hin und sagte: »Seht, lieber Herr, die Kanne ist ganz voll Geld, da greift hinein und langt daraus eine Handvoll, greift aber nicht zu tief!« Der Pfaffe sagte ja, und es war ihm ernst, aber der Geiz betrog ihn, und er griff mit der Hand in die Kanne und meinte eine gute Handvoll zu greifen und schlug die Hände in den Dreck. Da fand er, daß es naß und weich war unter dem Geld. Da zog er die Hand wieder heraus. Da waren ihm die Knöchel besudelt von dem Dreck. Da sprach der Pfaffe zu ihm: »Oh, was für ein hinterhältiger Schalk bist du, betrügst mich noch bei deinem letzten Ende, da du auf dem Totenbett liegst! Da dürfen sich diejenigen nicht beklagen, die du betrogen hast in deinen jungen Tagen.« Eulenspiegel sagte: »Lieber Herr, ich warnte Euch, Ihr solltet nicht zu tief greifen. Betrog Euch nun Eure Gier und habt Ihr es getan trotz meiner Warnung, so ist das meine Schuld nicht.« Der Pfaffe sprach: »Du bist ein Schalk, aus allen Schälken auserlesen. Du konntest dich zu Lübeck von dem Galgen reden, und du antwortest jetzt auch mir in dieser Weise.« Und er ging und ließ Eulenspiegel liegen. Eulenspiegel rief ihm nach, daß er warten und das Geld mit sich nehmen sollte. Aber der Pfaffe wollte es nicht hören. Wie Eulenspiegel vorgab, daß er zu Magdeburg vom Erker des Rathauses fliegen wollte, und die Zuschauer mit Spottreden abwies Bald nach dieser Zeit, als Eulenspiegel ein Kirchendiener gewesen war, da kam er nach Magdeburg und trieb viele Streiche, und sein Name wurde davon erst bekannt, so daß man von Eulenspiegel zu erzählen wußte. Da ging man ihn an, und zwar die besten Bürger der Stadt, daß er ein Abenteuer treiben sollte. Er sagte, er wolle es tun und wolle von dem Rathauserker herabfliegen. Da gab es ein großes Geschrei in der Stadt, und jung und alt versammelte sich auf dem Markt und wollte es sehen. Also stand Eulenspiegel auf dem Erker des Rathauses und bewegte die Arme und gebärdete sich so, als ob er fliegen wollte. Die Leute standen, taten Augen und Mäuler auf und meinten, er wolle fliegen. Da lachte Eulenspiegel und sprach: »Ich meinte, es gäbe keinen größeren Toren oder Narren in der Welt, als ich bin, aber ich sehe wohl, daß hier schier die ganze Stadt voller Toren ist. Und wenn ihr mir alle sagtet, daß ihr fliegen wolltet, ich glaubte es nicht. Ich bin doch weder Gans noch Vogel und habe keine Fittiche, und ohne Fittiche oder Federn kann niemand fliegen. Nun seht ihr offenbar, daß es erlogen ist.« Und er lief von dem Rathaus weg und ließ das Volk zurück, ein Teil fluchend, der andere Teil lachend; und sie sprachen: »Das ist ein richtiger Schalksnarr, denn so hat er wahr gesprochen.« Wie man ein Huhn stiehlt Zu Paris war ein Student ein arger Possenmacher, der logierte in einem Wirtshaus. Auf eine Zeit kam ein Bauer und fragte die Wirtin, ob sie Hühner kaufen wolle; die sagte nein. Hiermit kam der Student und rief ihn, er solle ihm den Korb zeigen. Er fand also ein Huhn im Korbe, welches den Schwanz oben herausgesteckt hatte, und trat ein wenig zurück, nahm das Huhn heraus, legte Steine dafür hinein, riß den Schwanz im Hui ab, klemmte ihn mit dem Korb zu, als wenn das Huhn noch darin wäre, brachte also dem Bauern den Korb wieder und sagte, es wäre niemand, der es kaufen wolle. Der Bauer ging weiter fort. Da riefen ihn andere Leute, wie teuer das Huhn sei, wollten es hiermit besehen und fanden den Stein und Schwanz. Da fing der Bauer an zu winseln, lief also fort nach dem vorigen Haus zu und sprach die Leute an. Die riefen den Studenten; der war aber mit dem Huhn schon nach seinen Kameraden, und sie hatten es am Spieß stecken. Also mußte der arme Bauer unfreiwillig sein Huhn missen. Woran der Wolf gestorben Im Breisgau war einmal bei einem Dorf ein toter Wolf gefunden worden. Die Bauern kamen zusammen, ratzuschlagen, woran doch der Wolf wohl möchte gestorben sein. Der eine sagte, er wäre von der Kälte gestorben; der andere, er wäre darum gestorben, weil er mehr zu Fuß gegangen als geritten und keine Schuhe gehabt; der dritte, daß er von Wehe gestorben, das er bewiese mit seinem Tod, daß er vor Wehe und Schmerzen hingewandert, sonst lebte er noch. Endlich sagte der Schultheiß, er sei darum gestorben, weil er nicht mehr rohes, ungekochtes Fleisch, nur mehr gekochtes gefressen hätte. Diesem ward Beifall gegeben, und der Schultheiß trank zweimal, da die andern nur einmal tranken. Man zog also dem Wolf die Haut ab; und möchten ihn die Schafe fressen, gleichwie er selbige gefressen hatte. Wunderliche Einlassung eines Malers Ein Maler, welcher sonst ein gar guter Künstler war und über alle Maßen schöne Bilder malen konnte, aber dagegen überaus häßliche Kinder hatte, wurde von jemand gefragt, wie es wohl käme, daß er so garstige Kinder hätte und doch immerdar so schöne Bilder machen täte. Da gab er zur Antwort: »Die Bilder mache ich bei hellem Tage, aber die Kinder bei der finstern Nacht.« Zeugungsprobleme Als ein Student lang an einer Magd gebuhlt, hat sie ihm endlich willfahrt und ihn in einen Stall bestellt, daß sie auch alle beide zusammenkommen. Und nachdem sie beide bereit, bedenkt er sich geschwind und sagt: »Steht auf, meine Freundin, laßt uns anderswohin gehen, denn ich hab Sorge, wir machen in diesem Stall junge Pferde, daher man uns peinlich anklagen möcht.« Zwei Schwaben proben das Hängen Zwei Schwaben, die sich beide von ihrer Hände Arbeit, wiewohl mit unverdienten Sachen, ernährten, kamen einstmals vom Hängen zu reden, und weil sie solchen Luftsprunges ihrer Hantierung nach beiderseits gewärtig sein mußten, wollten sie doch gerne einmal versuchen, ob es einem so mächtig weh im Halse täte, weil sie vernahmen, daß viele Leute solcher Wehtagen halber stürben. Daher wurden sie der Sache eins, solches unter sich zu probieren, und zwar mit dem Beding, daß einer den andern hängen, sobald der aber ein Zeichen von sich gebe, daß er es nicht länger ertragen möchte, ungesäumt wieder abschneiden sollte. Dictum factum. Der eine läßt sich zuerst aufhängen, gibt aber zum Merkzeichen, daß wenn er mit den Füßen zappeln würde, alsdann könnte er es nicht länger erdulden und sollte ihn der andere hurtig wieder abschneiden. Was geschieht; wie er mit den Füßen beginnt zu zappeln, schneidet ihn der andere geschwind wieder los und läßt sich ebenmäßig aufhängen. Der Abgelassene fragte ihn vorher, was er für ein Zeichen geben wolle, damit er wissen könne, wann er ihn wieder losschneiden solle. Dieser sagte, er wolle pfeifen. »Wohl«, sprach der andere, »sobald du pfeifst, will ich dich losmachen«, hängt ihn darauf hin. Diese Kurzweil aber will ihm nicht lang behagen, fängt bald an, das Maul zu spitzen, als ob er pfeifen wollte, der andere aber will ihn darauf noch nicht losschneiden, sondern hat wohl acht, bis er pfeifen werde. Als er aber das Maul je mehr und mehr spitzt und doch keinen Laut von sich geben will, sondern ganz schwarz und blau unterm Gesicht zu werden beginnt, schüttelt der andere den Kopf und ruft ihm zu: »Gau wärle, es gilt nicht Maul spitze, es gilt pfeife! Willst du nicht pfeife, so magst du hänge!« Geht hierauf davon und läßt seinen Gesellen hängen.