Das Hufeisen auf dem Breitenstein Einst lebte auf Montclair ein mächtiger Graf mit einer wunderschönen Tochter, die an Anmut und Tugend alle andern Ritterstöchter des Saar- und Moselgebiets weit übertraf. Viele Freier fanden sich ein, doch blieb ihr Werben erfolglos; nur ein weither aus deutschen Landen stammender junger stattlicher Rittersmann mit edlem Sinn wußte sich die Gunst des Fräuleins zu erringen. Der Vater hätte es lieber gesehen, wenn seine Tochter einem reichen welschen Ritter die Hand gereicht hätte; doch dieser besaß bei all seinen vielen Gütern und Burgen ein unbeständiges Herz und einen wilden Sinn, was dem tugendsamen Fräulein nicht behagte. Als alle Vorstellungen des Vaters nichts fruchteten, rief er zornig aus: »Nur jener von beiden Rittern soll dein Gemahl werden, der unter Einsatz seines eigenen Lebens einen Wagen im schnellsten Lauf auf dem Breitenstein wenden kann.« Der Graf wußte, daß der Welsche ein ebenso guter Reiter wie tüchtiger Wagenlenker war. Am Entscheidungstage herrschte ein großer Zulauf von nah und fern. Dem Welschen fiel durch das Los die erste Fahrt zu; doch beim Wenden auf dem schmalen Pfad schlug der Wagen plötzlich um, und der Ritter stürzte auf das harte Gestein. Nun kam die Reihe an den jungen Deutschen; als hätte ein unsichtbarer Helfer dem Jüngling zur Seite gestanden, vollendete er unter dem Jubelgeschrei des Volkes die schwere Fahrt, während der welsche Ritter fluchend und tobend vom Breitenstein versehentlich in den schaurigen Abgrund stürzte und in den hochaufspritzenden Wogen der Saar versank. Der junge deutsche Ritter aber führte die Braut heim, und zum Andenken an dieses Begebnis ließ der Graf von Montclair Hufeisen und Radfurche in den Breitenstein meißeln. Wenige Schritte vom Eingang zu den Ruinen der Burg Montclair, über den Rand eines jäh nach der Saar sich öffnenden Abgrundes hinausragend, findet sich der Gedenkstein.