Heinrich Pröhle Sagen des Ober-Harzes und der Gegend von Harzburg und Goslar bis zur Grafschaft Hohenstein und bis Nordhausen. Gesammelt und mit Anmerkungen herausgegeben von Dr. Heinrich Pröhle. Harzsagen. Erster Band.     Sr. Excellenz, Herrn Generallieutenant Joseph von Radowitz in Berlin General-Inspecteur des K. preußischen Militär- Erziehungs- und Bildungswesens gewidmet.     Vorwort. An den Waldrändern des Harzes verdampften längst die bläulichen Meiler, die letzte Frucht der Vogelbeerbäume auf seinen Höhen glänzt wieder so eigen im scharfen Morgenreif, die Zugvögel, Schildamseln und wie diese guten Bekannten alle heißen, haben ihren Besuch längst abgestattet – da bereiten sich auch diese Sagen, über die deutschen Gauen auszufliegen und mit alter Liebe, die nicht rostet, auch nach ihrer waldigen Heimat zu ziehen. Dorthin bringen sie die freundlichsten Grüße mit von dem Sammler, der dort in manchem hölzernen Hause, auch wol unter mancher schönen Buche geruht hat, und der seine treuen Wünsche und seinen Spruch auch hier nicht besser zu sagen weiß, als in dem Trinkspruch des Oberharzers: Es grüne die Tanne, es wachse das Erz! Gott schenke uns Allen ein fröhliches Herz! – Die nachfolgende Sammlung wurde veranlaßt theils durch eigene Lust und Neigung, theils durch das Verlangen nach einer neuen Sammlung von Harzsagen, welches Jakob Grimm in der zweiten Auflage der »Deutschen Mythologie« aussprach und das sich besonders seit dem Erscheinen meiner ›Kinder- und Volksmärchen‹; durch gar manche mir zugekommene Mittheilung als ein von den Männern der Wissenschaft allgemein gefühltes Bedürfniß herausstellte. Ich liefere hier zunächst die Sagen aus der Gegend von Harzeburg und Goslar bis Nordhausen und gedenke nun auch Sammlungen in der Gegend vom Brocken bis zur Grafschaft Mansfeld, denen von mir schon vielfach vorgearbeitet ist wie auch die Anmerkungen des vorliegenden Buchs bereits zeigen, mit Eifer zu betreiben. Der vorliegenden Sagenschrift gingen jene ›Kinder- und Volksmärchen‹; voraus, die hauptsächlich auf dem Oberharz gesammelt waren. Wenn in jener Schrift überhaupt zum ersten Male, wie sehr auch der Name Harzmärchen für ausgeschmückte und verfälschte Ortssagen vom Harz bei den Kennern in Miscredit gekommen sein mag, wirkliche Märchen aus dem Harz geliefert wurden, so hat unsere Sagensammlung aus dem Harz dagegen einige Vorgänger, die wir zum Nachweis ihres literarischen Zusammenhanges sogleich hier nennen wollen, obschon sie sich mit der Gegend, deren Sagen man in diesem Werke findet, nur in sehr geringem Maße und vorzugsweise mit demjenigen Theile des Harzes beschäftigen, dessen Sagen eine fernere Sammlung liefern soll. Wir dürfen bei dieser Musterung der ältern Harzsagenliteratur etwas ausführlicher sein, da nicht blos sich darin die literarische Entwickelung der deutschen Sagenforschung überhaupt aufweisen läßt, sondern da es auch fast scheint, als hätte die deutsche Sagenforschung aus unserer Gegend ihren ersten Ausgang genommen. Die Poesie dieser grünen Wald- und Berginsel mitten in Deutschlands freilich nur scheinbar prosaischem Norden mochte wol schon früh die Aufmerksamkeit auf sich ziehen, wie sie denn jedenfalls noch früh genug das Nachdenken und den Sammelfleiß unsers Otmar beschäftigte. Wie mir Dr. J. W. Wolf nachgewiesen, so gedachte Professor Rhode 1816 In Büsching's ›Wöchentlichen Nachrichten für Freunde der Geschichte, Kunst und Gelahrtheit des Mittelalters‹;, II, 189. mehrerer Localsagen aus dem Harz, unter Anderm von der Christinenklippe, auch mehrerer Märchen, so von dem dummen und feigen Bauern Hans Hodrian; die letztern, die »Spinnstubenmärchen«, sagt er, seien noch nirgends gedruckt, wol aber die Localsagen schon in » mehreren Schriften«. Wenn ich nun anfangs in die Richtigkeit dieser Angabe mit Wolf Zweifel setzte, so scheinen diese doch durch einen weitern, mir von Dr. F. W. Ebeling gemachten Nachweis unbegründet, und schon 1698 scheint eine Sammlung von Harzsagen, die vielleicht nur ein paar Sagen und diese ausschließlich vom Unterharze enthalten haben mag, erschienen zu sein. Der Titel dieser muthmaßlichen Sagensammlung ist: »Wahrhaftige Geschichten, so sich die Bawern in denen Gegenden des Hartzgebürges erzählen. Nunmehro zum Erstenmahl ans Licht brachtt vnnd mitgetheilet von Caspar Schwengen. Frankfurt, in Verlegung vnndt druckts Johann Gottfried Schönwetters Wittib vnndt Erben. 1698.« In Georgii »Bücherlexikon« und den Supplementen (1742 und 1758) und in Ebert's »Bibliographischem Lexikon« (1821) ist die Schrift nicht aufgeführt, wie es mir denn auch bisher nicht gelungen ist, derselben habhaft zu werden. Jeder weitere Nachweis, der ihr auf die Spur helfen könnte, würde mich sehr verpflichten. Mit Stolz aber nenne ich den Ephorus einer Schule, die ich selbst später besuchte, als meinen unmittelbaren Vorgänger, der, indem er zuerst Harzsagen sammelte, überhaupt das erste erhebliche deutsche Sagenwerk lieferte, dessen Lob daher die Brüder Grimm in der Vorrede ihrer »Deutschen Sagen« verkündigten und den Rhode jedenfalls mit vor Augen hatte. Einer mir von mehrern Seiten gewordenen Mittheilung zufolge war nämlich der verstorbene Ephorus der Domschule und Generalsuperintendent Nachtigall zu Halberstadt der Sammler der »Volkssagen«, die 1800 unter dem Namen Otmar in Bremen erschienen. Otmar gab in seinen Volkssagen etwa dreißig Ortssagen aus dem alten Hartingau heraus, der nicht allein den jetzigen Harz umfaßte, sondern sich nördlich noch über Oschersleben hinaus erstreckte. Das demnach in seinem jetzigen Umfange noch zum Harzgau gehörige halberstädtische Gebiet hat er vorzugsweise berücksichtigt, vom westlichen Harze dagegen ist er ohne alle Nachricht und nur dadurch, daß er südlich drei Sagen aus der Grafschaft Hohenstein (Herrschaft Lohra) mittheilt, trifft er mit der vorliegenden Schrift zusammen. Bei dem regen literarischen Sinne, der damals noch durch die Gleim'schen Anregungen im Halberstädtischen herrschte, erhielt er bereits zahlreiche schriftliche Mittheilungen, vorzugsweise auch, wie es scheint, von unserm erst 1851 in Wulferstedt verstorbenen Dr. Stephan Kuntze, der damals noch ein fröhlicher Arbeiter war und noch nicht, wie später, wo er in seinen immerhin noch verdienstlichen Chroniken in der Geschichte nichts sah als Sterbefälle, des Zusammenhangs mit allgemeinern Forschungen, die einzig auch das Verständniß für das Charakteristische im Kleinen öffnen können, entbehrte. Ein sehr reiches Material scheint Otmar vorgelegen zu haben, doch veröffentlichte er nur eine von poetischen und historischen Gesichtspunkten aus veranstaltete Auswahl und legte demnach vielleicht die für die deutsche Mythologie wichtigsten Sagen zurück. Der Auffassung der Zeit gemäß, die wir auch bei Musäus finden, ging er von der seltsamen Vorstellung aus, welche in der Sage vorzugsweise eine Quelle für die Geschichte des (spätern) Mittelalters sieht; er polemisirt zwar gegen die Ausschmückung der Sage zu Ritterromanen, borgt aber doch für seine allerdings selbst vor Musäus durch verhältnißmäßige Kürze und Treue ausgezeichneten Erzählungen das mittelalterliche Colorit. Hat denn aber das Volk wirklich diese Epoche aus der Geschichte so im Kopfe, daß der Sage gerade dies Colorit zukäme? Es unterscheidet sich ja eben dadurch von den gebildeten Ständen, daß es nur in der Gegenwart , in dieser natürlich nur unmittelbar und nicht mit Bewußtsein lebt; es erzählt uns, wenn es nicht von Geistern redet, von Fürsten, Bauern, Pfarrern, Amtleuten und Edelleuten, in wenigen Geschichtssagen von Rittern. In diesem Augenblicke kann das Volk in Norddeutschland z. B. höchstens bis zum Siebenjährigen Kriege wirklich zurückblicken, wo daher auch, seiner Angabe nach, fast alle Ritterburgen zerstört sein. Voß sagt in einer Anmerkung zu dem Gedicht »Der Riesenhügel« ganz richtig, daß das Volk in Norddeutschland Heidenzeit für katholische Zeit gebrauchte. Indessen geht dies nicht, wie er glaubt, aus Intoleranz, sondern blos aus der Unfähigkeit hervor, sich förmliche Geschichtsepochen vorzustellen, in diesem Falle z. B. drei Religionsepochen nebeneinander. Treten ihm bestimmte Denkmale aus seiner Vergangenheit vor Augen, so versteht es dieselben oft gar nicht und faßt sie als etwas Fremdes, als Ueberreste einer fremden Nation, von Riesen, Zwergen etc. Es ist daher schwer zu sagen, woher bei einem Manne wie Otmar die Vorstellung von dem vorzugsweise mittelalterlichen Charakter der deutschen Volkssagen entsprang, wenn nicht aus einem verkehrten Zeitgeschmack, der nun einmal nur von Rittersagen etwas wissen wollte. Freilich sind die Trümmer alter Burgen jetzt vorzugsweise sagenreich, wie schon die zahllosen Sagen von Jungfern mit Schlüsseln und zahllose Schatzsagen beweisen. Allein abgesehen davon, daß das doch sonst überall mit der Sage Hand in Hand gehende Märchen , weil es der örtlichen Anknüpfung nicht bedarf, so altfränkisch es ist, eigentlich nichts vom Mittelalter weiß, bildet alles Dies ja doch nur die Schale, es ist nur die Form, während der Geist der Sage träumend die ganze Vergangenheit umfaßt und mit seinem Kern gerade durch all die Verpuppungen hindurch auf das höchste Alterthum hinweist. Wenn nun auch dem Fernstehenden die historisch-rationalistische Auffassung der Sage, wie wir sie bei Otmar finden, oft weniger kühn erscheint als die mythologische, so ist dies doch nur scheinbar, da diese letztere zwar den Kern der Sage im Allgemeinen auf ein weit höheres Alterthum, dafür aber auch fast ausschließlich auf das Geistes leben der Nationen bezieht, und zur Erforschung gewisser Grundideen benutzt, welche die ältere Geschichtschreibung, selbst wenn ihre Quellen bis dahinauf reichen, aus guten Gründen oft der Vergessenheit übergab, nicht auf das Detail der eigentlichen Geschichte. Schon an und für sich erheblich zur Charakteristik der historischen Auffassung der Sagen im Allgemeinen ist folgendes Beispiel, wobei indessen die Ritterzeit aus dem Spiele bleibt. Es liegen vom Harze, aber – was Otmar noch nicht wissen konnte – mehr oder weniger auch aus andern Gegenden Deutschlands, auffallend lebhafte Erinnerungen an ein Zwergvolk, seinen Abzug u. s. w. vor. Vgl. namentlich S. 208-211 unserer Sammlung und die Bemerkungen über den Sachsenstein in meiner »Michaelisreise«, im »Deutschen Museum« von 1853. Er sucht dies Alles historisch anzuwenden auf ein im grauen Alterthume überwundenes Volk von etwas kleinerer Statur als die Sieger, das eine Zeitlang in der Unterdrückung lebte, und endlich seinen Abzug nahm – nordwärts, sagen alle Harzsagen bestimmt und deutlich. Wenn man nun aber die Zwerge einmal als wesentlich mythisch erkannt hat (wie denn ihrer gerade vorzugsweise sogar sich die Mythendeutung bemächtigt und in ihnen, wie die Anmerkungen erwähnen, Naturkräfte nachgewiesen hat), so wird man zwar in einzelnen Gegenden oder Ländern noch geschichtliche Einwirkungen auf dieselben muthmaßen können, aber man wird, da der Grund der Sagen einmal gefunden ist, diese geschichtlichen Züge, die jedenfalls die Zwergsagen nicht erzeugen, sondern nur später trüben und entstellen konnten, dann nicht gerade in das graueste Alterthum verlegen, in dem die mythische Erzählung gegründet ist, auch das Ereigniß selbst nicht für so bedeutend halten, sondern ein Haufen von Heimatlosen, etwa Zigeunern, kann genügen, uns diese etwaige Einwirkung zu erklären. Diese Bemerkungen sollen jedoch Otmar's großes Verdienst um die Sagenforschung keineswegs schmälern, vielmehr einfach die ältere Sagenforschung vor den Brüdern Grimm charakterisiren, wie ich denn auch anerkenne, daß das mittelalterliche Kolorit der Sage eine gewisse künstlerische Berechtigung hat und daß, abgesehen von den oft verwirrten und geschmacklosen Musäus'schen Geschichten, Fouqué's nicht nach einer Idee von Paracelsus ausgedachte, sondern wesentlich aus »Tausend und Eine Nacht« stammende »Undine« schwerlich so gelungen wäre, wenn er nicht diese mittelalterliche Färbung für sie angewandt hätte. Der Kern von Otmar's Sammlung ging in die »Deutschen Sagen« der Brüder Grimm über, die 1816 erschienen, und, weil die Grimm'sche Sammlung aus dem Harze nur wenig mündlich enthielt, und sich überhaupt hier mehr an gedruckte Quellen anschloß, auch für die Gegend, deren Sagen wir in diesem Werke liefern, weniger als für die andere Hälfte des Harzes enthält. In den von Otmar für sein Werk gezogenen Gränzen haben sich dann zufällig auch mehrere durchaus unwissenschaftliche Sammlungen gehalten und mit besonderer Vorliebe an dem schönen nördlichen Harzrande verweilt. In denselben Gränzen, auf die ich gleich den Andern von meiner Heimat aus zunächst angewiesen war, hielt ich sodann mich selbst, als ich 1851 meinem Schriftchen »Aus dem Harze« in gedrängter Kürze eine Anzahl von Harzsagen mitgab; einige davon hatte ich bereits sehr früh im Harze mündlich gehört, noch mehrere aus Chroniken genommen und die meisten nur aus der schnöden Form in einer unwissenschaftlichen Sammlung Den »Sagen und Geschichten aus der Vorzeit des Harzes und der Umgegend« (1847), woran übrigens anonym auch mehrere sonst sehr tüchtige, hier nur unbewanderte Männer mitgearbeitet haben sollen. Dieses jetzt, wie ich höre, in den Verlag von R. Frantz in Halberstadt übergegangene Buch, worin sich auch Manches ohne Quellenangabe nach Otmar findet, ist neuerdings zum großen Theil in Reime gebracht in der Schrift »Der poetische Harz oder Sagen und Märchen des Harzes im (!) Schleier der Dichtung gehüllt. Sechstes Heft der Gedichte von Josephine Holzmärker-Gerbode« (Worbis, im Selbstverlage der Verfasserin, 1852). Auch der rothenburg-sondershäuser Püsterich pustet da noch in einem Gedichte als heidnischer Abgott, wenig bekümmert darum, daß er etwa gleichzeitig gänzlich entlarvt wurde und seinen Credit als Abgott längst eingebüßt hatte. zu der ursprünglichen Einfachheit herausgeschält. Diese kurze Mittheilung mag den Otmar'schen Sagenschatz für jene Gegend ungefähr verdoppeln und ist neben ihr die einzige echter unterharzischer Sagen, doch wollen beide für den Sagenreichthum jener Gegend noch wenig oder nichts bedeuten. Wenn der zu früh verstorbene Emil Sommer in seinen Sagen aus Sachsen und Thüringen nur bis in die Gegend von Eisleben und Aschersleben, also nicht einmal bis an den Fuß des Harzes gekommen war, so streiften dagegen Professor Kuhn und W. Schwarz, welche 1848 das verdienstvolle Werk »Norddeutsche Sagen, Märchen und Gebräuche« herausgaben, fast über das ganze Harzgebirge hin. Sie zeichneten dabei aber, vielleicht in der Einsicht, daß hier doch die von Grimm gewünschte eigene Harzsammlung nicht überflüssig gemacht werden könne, dieses sagenreiche Gebirge keineswegs aus vor den übrigen Landstrichen bis Mecklenburg und Pommern hin, welche sie gleichfalls behandelten, legten sich daher zwar auch nicht, wie die Andern, auf das seit Otmar mit Vorliebe behandelte Gebiet, mieden aber doch in etwas, wie es scheint, den Oberharz wegen seiner Eigenthümlichkeiten. Nicht eigentlich vom Oberharz, sondern vorzugsweise von der osteröder und scharzfelder Gegend erschienen 1832 sechs »Harzsagen« von Schuster. Sie beschäftigen sich daher zwar mit einem kleinen Theil des Sagengebiets, welches das vorliegende Werk behandelt, können aber ihrer Ausschmückung wegen nur in sehr geringem Maße in Betracht kommen. So bleibt denn nur Eine Sammlung als eigentliche Vorgängerin der schon in diesem Bande enthaltenen zu nennen: das zweite und letzte, sehr dünne Heftchen der 1840 von Hermann Harrys herausgegebenen Sagen Niedersachsens, dessen 39 Sagen im Wesentlichen demselben, wenn auch nicht ganz so weit abgesteckten Gebiete, wie die im vorliegenden Bande, entnommen sind. 19 davon sind oberharzische Sagen und wurden dem Herausgeber dem Vorworte nach von Georg Schulze mitgetheilt, die Mehrzahl der 20 übrigen gedruckten Quellen entnommen. Wie bekannt, ist diese Sammlung höchst verdienstlich und von unzweifelhaftem Werthe gegenüber der Wissenschaft; doch was will für deren jetzigen Stand eine solche Handvoll Sagen aus einem so großen Gebiete bedeuten, zumal wenn der Herausgeber die Eigenthümlichkeiten Derer, von denen sie entnommen sind, nicht kennt, sie uns daher auch nicht erläutern kann und sie noch dazu so unvollständig zu geben genöthigt ist als hier. Daß die meisten in vorliegender Sammlung vorkommenden Oertlichkeiten bei Harrys überhüpft sind, möchte gleichgiltig sein, selbst wenn es sich um die Harzeburg und St.-Andreasberg handelt; aber man vergleiche die Vollständigkeit unserer Mittheilungen über den Zwergkönig Hibich, den Bergmönch, die Osterjungfrau, die Frau Holle u.s.w. mit den entsprechenden bei Harrys, nicht zu gedenken der bei ihm ganz fehlenden über verschiedene mythologische Gegenstände, den wilden Mann, das Hickeding u.s.w. Es traf sich glücklich, daß Herr Pfarrer Georg Schulze in Altenau, als Sprachforscher besonders durch die treffliche Redaction und Herausgabe der »Harzgedichte« rühmlichst bekannt, ein Mann, auf den der Oberharz stolz sein kann und das Volk dort wirklich stolz ist, für die vollständige Sammlung der Sagen in den hannoverschen Bergstädten mir die Hand bot, und dabei mußte dann zur Ergänzung des neuerdings Gesammelten, d.h. einzelner Sagen, die schon bei Harrys stehen, von denen ich Varianten bekam und die nun hier auf eine angemessene Weise zusammengefügt wurden, auch vielfach, wie unsere Anmerkungen im Einzelnen nachweisen, das früher von Schulze in der Harrys'schen Sammlung Veröffentlichte herbeigezogen werden, sowie denn auch der Konsequenz wegen, jedoch noch kürzer, Einiges aus den nicht gerade vom Oberharze handelnden Sagen in dem 2. Hefte der Harrys'schen Sammlung zur Ergänzung einiger bestimmten Sagen in unserer Sammlung benutzt wurde. Anfangs dachten wir an eine vollständige Wiederaufnahme der 19 dort gedruckten Schulze'schen Sagen vom Oberharz, auch wo wir keine Varianten dazu hatten; doch stand ich davon ab, weil mein Freund und Gönner durch eingetretenes körperliches Leiden verhindert wurde, sich mit mir der Herausgabe der Sagen zu unterziehen, oder gar, wie ich, um mich dann ausschließlich der Herausgabe meiner andern Sammlungen, von Volksliedern u.s.w. widmen zu können, gewünscht, die Redaction derselben allein zu übernehmen. Da ich unter diesen Umständen nun auch sogleich die übrigen Sagen aus der Gegend von Goslar bis Nordhausen zu den oberharzischen hinzunahm, so fehlte es theils an Raum, theils glaubte ich als alleiniger Herausgeber der vorliegenden Sammlung die Harrys'sche weniger, als dies meinem Mitarbeiter zugestanden hätte, antasten zu sollen. Unter den mancherlei Bergmannssagen, die dieser Sammlung ihren eigenthümlichen Charakter geben, verdankt der Leser die ausführlichern , mit reichem Detail aus der Wirklichkeit ausgestatteten, Schulze ausschließlich. Ich darf auf sie, da sie dabei doch nicht ausgeschmückt sind, in mancher Hinsicht großes Gewicht legen. Aus Altenau nennen wir auch noch W. Lohrengel , der jetzt auch für meine übrigen Sammlungen eine rege Thätigkeit entfaltet, dankbar als einen recht geschickten Mitarbeiter. Die unter der harzeburger Gegend eingereihten Sagen von Vienenburg und Wiedelah, sowie ein Beitrag zu den lautenthaler Zwergsagen und zu den Sagen von Dorste wurden mir von Professor Wilhelm Müller in Göttingen mitgetheilt. Dieser, der Verfasser von »Geschichte und System der altdeutschen Religion« und Herausgeber des Mittelhochdeutschen Wörterbuchs, hatte die Güte, mir Dasjenige zuzusenden, was er, beschäftigt mit dem Sammeln der Sagen des Leinethals und anderer hannöverschen Sagen, dem er sich mit dem Herrn Rector Schambach in Eimbeck unterzogen hat, gelegentlich theils selbst an hannöverschen Harzsagen gehört, theils von Herrn Pfarrer Isecke zu Wiedelah und Herrn Collaborator Richard in Osterode erhalten hatte. Für die Gegend von Lonau und Sieber insbesondere verdanke ich Mehreres Herrn Lehrer Theodor Stender in Lonau. Außerdem die nordhäuser Hexensage dem Herausgeber der »Urkundlichen Geschichte von Nordhausen«, Professor Ernst Günther Förstemann in Nordhausen. Wenn diese Männer für die Sammlung der Sagen des westlichen Harzes, wie sie im Texte gegeben sind, thätig waren, so zeichnete noch während des Druckes der Sammlung mein sehr theurer Freund, Pastor Banse in Beckendorf, zwei Varianten aus dem Selkethale zu im Text stehenden oberharzischen Sagen auf. Unser thätiger Karl Elis , Lehrer an den höhern Bildungsanstalten zu Halberstadt, dem die Sammlung unter harzischer Sagen noch ungleich mehr verdanken wird, vervollständigte meine Localnotizen über Götterculte, besonders der Ostara. Schätzbare Auskunft erhielt ich auch von den Herren Subconrector Vollbrecht am Gymnasium zu Klausthal, Hüttenaspirant Blum in Lautenthal, und Lehrer Niemeyer in Osterwieck; meinem wackern Schul- und Universitätsgenossen dem Rector Karl Schütte zu Horenburg, und vom Buchhändler Häniche zu Oschersleben. Im Allgemeinen habe ich, je voller bei uns noch der lebendige Quell der Ueberlieferung sprudelt, um so spärlicher gedruckte Quellen zu Hilfe gerufen. Die bekanntern ältern gedruckten Quellen sind von den Brüdern Grimm und von Harrys bereits hinlänglich und, wie sich von selbst versteht, gut benutzt; viel neue aufzusuchen erlaubte aber der Raum nicht. Nur bei Goslar habe ich aus nahe liegenden Gründen eine Ausnahme gemacht und ich denke, der Leser wird sich an der Fülle historischer Sagen, die ich nun von dieser Kaiserstadt zu liefern im Stande bin, und die sich freilich immer noch gar sehr vermehren ließen, erfreuen und Einiges darin nicht nur für den Mythologen, sondern überhaupt für den Historiker von Interesse sein. Nach den bisherigen Angaben wird man sich von der zwar immer nur relativen Vollständigkeit der vorliegenden Sagen überzeugt haben. Nicht allein für die wenigen aus gedruckten, auch für die aus mündlichen und handschriftlichen Quellen geschöpften Nummern wurden zum Theil mehrere, oft sehr viele Quellen benutzt. In der Behandlung schließt sich die vorliegende Sammlung den bekannten Sagensammlungen aus dem übrigen Deutschland an und die Grundsätze sind die allgemein giltigen, nach denen der Vortrag der Sage einen schlichten Ton verlangt. Das große Vorbild der Brüder Grimm steht auch für die Sage noch unerreicht da, denn auf welcher andern Sagensammlung läge jener eigenthümliche Glanz und jene Hoheit, die uns von der ihren wie ein Firniß von alten schönen Gemälden entgegenstrahlt? Aber auch der weite Ausblick, den die Sammlungen von J. W. Wolf verrathen, die Kühnheit und der Trotz, mit der Professor Müllenhoff , einer unserer feinsten Köpfe und geistvollsten Gelehrten, seine Sammlung wie einen Spiegel der Gegenwart vorhielt; die Eckartstreue, mit der Kuhn und Schwarz den Überlieferungen nachgehen, und der höchst glückliche Ton, der Professor Meier 's Sagen noch vor seinen Märchen auszeichnet, in denen er da nicht recht sicher war, wo er doch, wie die Grimm es so schön verstehen, als Märchenerzähler einmal den Ton des Volksdichters hätte anschlagen müssen: Alles Dies läßt mich erkennen, wie viel und Mannichfaltiges hier schon geleistet ist, und wahrlich nicht ohne Scheu stellte ich mich als Baugenossen zu solchen Männern. Die Eigenheiten der vorliegenden Sammlung bestehen nun darin, daß von einem Theile des hier abgehandelten Sagengebiets, dem Oberharz, die Sagen hier nun doch wol vollständiger vorliegen, als vielleicht aus irgend einer andern Gegend Deutschlands. Das kann dem denkenden Leser einen Einblick in das Seelenleben des Volks gewähren und ihm zeigen, wie die Poesie noch in unserer Zeit jedes Lebensverhältniß desselben durchdringt. Bei der Sprache der nach mündlicher Überlieferung aufgezeichneten Sagen ist unser Zweck, den auch wol schon andere Sagensammlungen sich ähnlich vorgesetzt hatten, erreicht, wenn der Leser sich bei der Mehrzahl der Nummern sagen muß: so denkt unser heutiges Volk und so spricht es seine Gedanken aus. Georg Schulze wird man nachrühmen dürfen, daß er diesen Zweck der vorliegenden Sammlung in dem Stücke »Mer soll dn Teifel net porren« (S. 80 – 84) vollständig erreicht hat. Das Dialektstück »Die Jungfer auf dem Amte Staufenburg« (S. 37 – 41), welches ich kürzer und dadurch noch charakteristischer aufgeschrieben hätte, wenn es mir nicht um eine möglichst vollständige Dialektprobe zu thun gewesen wäre, ist mir rührend, weil es so genau zeigt, wie treuherzig und in welchen altfränkischen Formen sich das Volk das Leben der Vornehmen denkt. Noch ein drittes der nur zu wenig zahlreichen Dialektstücke, Abtheilung I der »Osterjungfrau« (S. 160 – 161), habe ich einer hochbetagten Frau Wort für Wort nachgeschrieben, welche in das jungferliche Benehmen der Osterjungfer gegen den »frechen« und den keuschen Ritter offenbar ihre eigenen Jugenderinnerungen niedergelegt hat. Uebrigens könnte der Vortrag um Vieles besser sein, wenn alle Varianten hätten in die Anmerkungen verwiesen werden können. Dies konnte indessen nur ausnahmsweise und da, wo es geschehen, mehr zufällig geschehen, weil selten in Einem Berichte, wie man ihn mündlich hört, das Wesen einer Sage erschöpft wird, sondern erst in mehrern Fassungen. Den Text der Sagen gebe ich rein, frei von den zu Anfang und am Schluß der Nummern sonst wol hinzugefügten Quellennachweisen. Alles Derartige ist hier (nur daß da, wo mündliche oder handschriftliche Mittheilung die Quelle ist, dies nicht im Einzelnen angegeben ward) mit in die Anmerkungen verwiesen, sodaß die Sammlung da, wo die Sagen ein Localinteresse haben, ein Volks- und Hausbuch werden kann , wie jedes Sagenbuch in seiner Heimat es werden sollte . Auch der neuerdings mehrfach gebrauchten Anordnung der Sagen nach den mythischen Wesen habe ich die populäre nach den Orten vorgezogen. Das Bequeme jener neuern Anordnungsweise erkenne ich vollkommen an. Aber ich glaube theils, daß die Sage dadurch fast zu sehr dem allgemeinern Interesse entfremdet wird, das man da, wo sie zu Hause ist, denn doch immer für sie voraussetzen soll, und daß, wenn man die wissenschaftliche Form in dieser Weise hervortreten läßt, die Localsage erst wieder durch unwissenschaftliche, allgemein deutsche Sagenbearbeitungen den einzelnen Gegenden zugeführt werden würde, während doch die Centralisation in diesem Falle gar nichts nützt und es wirklich höchst gleichgiltig ist, ob der gewöhnliche Berliner die Sagen von München kennt oder nicht. Sollte aber einmal aus der neuern Sagenliteratur ein solches allgemein deutsches Sagenbuch hergestellt werden, so wäre an die aufzunehmenden Sagen eine zehnmal strengere Kritik in Bezug auf ihren poetischen Gehalt anzulegen gewesen, als von Bechstein geschehen ist, wofür wir ihm eine gewisse Vollständigkeit gern geschenkt hätten. In den Anmerkungen habe ich die Localliteratur mehr zur Vergleichung herbeigezogen, als dies sonst in der Regel geschehen ist. So tritt denn zunächst das Geschichtliche wol klarer hervor. Gelegentlich gebe ich einige speciellere geschichtliche Untersuchungen, will aber damit keineswegs die Verantwortlichkeit für alle geschichtlichen Angaben im Text, welche ich nicht weiter erörtere, übernehmen. Die Vergleichung der Sagen mit den Sammlungen aus andern Gegenden ist ziemlich ausgedehnt, aber doch noch lückenhaft, und da sie bei den Sagen nicht ganz so wichtig ist als bei den Märchen, Trotz der bei meinen »Kinder- und Volksmärchen« auf die Literaturvergleichung verwandten Sorgfalt haben sich doch bei weitern Nachforschungen mehrere gefunden, von denen ich, ihres poetischen Werthes unbeschadet, in wissenschaftlicher Hinsicht lieber ganz abzusehen bitte, da sie als nichtdeutschen Ursprungs oder als umgebildet durch dichterische Behandlung verdächtig sind. Es sind die Märchen »Bärenheid, Adelheid und Wallfild«, »Der Geist des Ringes und der Geist des Lichtes«, »Die Riesen und das Stippfeuerzeug«, »Die sieben Frauenbilder und der König der Todten«, »Von bösen und guten Feen I«. Von den für »Springendes Wasser, sprechender Vogel, singender Baum« benutzten beiden Berichten war der oberharzische unecht. Der Inhalt von »Königskind« ist Theil eines Volksbuchs. Der Schwank »Die hochmüthigen Mädchen I« dürfte aus dem Italienischen stammen, ist aber so umgestaltet, daß er für vollkommen selbständig gelten kann. zum Theil mehr nach der augenblicklichen Lecture als mit völliger Consequenz durchgeführt. In den Anmerkungen habe ich ferner – und insofern hält das Buch ungleich mehr, als sein Titel verspricht – theils sehr Vieles aufgeführt, was mir von den Sagen des übrigen Harzgaues bereits vorliegt und sich oft, sodaß ich später nicht darauf zurückzukommen brauche, und sodaß nun die Sage, um die es sich gerade handelt, sich von vornherein vollständig übersehen läßt, in dieser Zusammenstellung mit wenigen Worten erledigen ließ. Und da ich hauptsächlich aus ältern, bisher für diesen Zweck meist unbenutzten Schriften auch eine Sammlung deutscher Sagen vorbereite, so ist auch von diesen deutschen Sagen mit wenigen Worten in den Anmerkungen erledigt, was sich irgend als Variante zu den im Text vorliegenden Harzsagen betrachten ließ, und ebenso habe ich alle mir mündlich oder aus ältern Schriften bekannten, noch nicht von mir veröffentlichten Gebräuche dort gleich eingefügt, wenn sie zur Vergleichung dienlich waren und mehr Licht geben konnten. Auf diese Weise sind die Anmerkungen zu einem kleinen Magazin angewachsen und enthalten neben der Literaturvergleichung eine ganze Reihe kleiner, das Material für einen Gegenstand zusammenstellender Artikel, wie man sie in unsern Fachzeitschriften zu suchen gewohnt ist. Über den innigen Zusammenhang alter Überlieferungen mit dem gesammten Volksleben und besonders mit der Volkssittlichkeit, auch über die Erfahrungen, welche man beim Sammeln macht, will ich mich hier nicht wieder aussprechen, da ich es schon früher anderswo gethan, Eine Pfingstbetrachtung. Im zweiten Quartal des »Magdeburger Correspondenten« von 1853. und nur einige Andeutungen über Mythenbildung mögen hier stehen. Eine Abschwächung der Mythen findet ohne Zweifel statt, doch geht sie sehr langsam vor sich. Vergleiche darüber anzustellen ist schwierig, weil die Ersten, die Sagen sammelten, die modernen Züge bevorzugten, wir Neuern aber die altertümlichen am liebsten hervorheben. Wenn man nun aber dieses Verhältniß in Abrechnung bringt, wie billig, so wird man sich z. B. schwer überzeugen, daß Otmar vor mehr als 50 Jahren seine Sagen in einer viel alterthümlichern Form hörte als wir. Ja selbst die prosaischen Schriftsteller seit der Reformationszeit und kurz vorher liefern die Sagen kaum alterthümlicher, als das Volk sie jetzt erzählt, und die Abschwächung dieser Mythen steht in gar keinem Verhältniß zu der Raschheit, mit der besonders seit Thomasius die Schar ihrer Gläubigen zusammenschmilzt. Wie die Sage sich nach Zeit und Personen umgestaltet, kann man beim Sammeln täglich sehen; allein die rasche Abschwächung ist nur scheinbar, da ihre alten Formen neben den neuen im Volke haften und in der Regel wieder über diese den Sieg erringen, wenn die neuen nicht etwa einer soliden und dauerhaften Entwickelung fähig sind. Zwei sehr verschiedene Elemente, die sich fast das Gleichgewicht halten, sind es, welche die Sage umgestalten: der Aberglaube, der Befriedigung verlangt und nicht ruht, bis er Das, was er der Großmutter angehängt hat, nun auch der Enkelin anhängen darf, und – der Humor. Dieser letztere zieht die Mythen förmlich an sich und spielt und tändelt mit ihnen; aber das ältere Volksbewußtsein steht griesgrämlich dabei und läßt von dem alten Sagengehalt so wenig als möglich umkommen. So werden von humoristischen Personen Anekdoten und Schwänke, zuletzt aber ganz alte Mythen erzählt, und gerade auf diese Weise scheinen stets die Sagen von ältern vergessenen Personen auf die jüngern übertragen, ohne daß die Sage dadurch schließlich um Vieles verjüngt erscheint. Solche Personen aus neuerer Zeit sind in dieser Sammlung der Feuerholzmeister von Lautenthal, der Spielmann Wolf und der Scharfrichter Gosler; doch konnte natürlich das Wenigste, was von ihnen erzählt wird, in dieses Buch aufgenommen werden. Derselbe Proceß ist offenbar schon in frühern Jahrhunderten und damals vielleicht rascher als jetzt mit den Sagen vor sich gegangen. Zuweilen vermißt auch das moderne Zeitbewußtsein im Volke wol an der überlieferten Sage die Pointe und findet sich gedrungen, irgend einen Zug derselben humoristisch zu einer solchen zuzustutzen, was sich dann wunderlich genug ausnimmt. Vgl. die Sagen vom lautenthaler Spar-die-Müh, Abtheilung IV. Wie leicht sich dergleichen noch einmal abstreift, liegt auf der Hand. Statt aller weitern Bemerkungen über Bildung und Entstehung einzelner Sagen hier nur noch eine solche über die von den Venedigern, den Zauberern und Schatzsuchern, welche, wie ich weiß, für die Bewohner des Harzes von besonderm Interesse sein wird. Es scheinen unter ihnen zunächst Hausirer gemeint; daß aber wirklich früher Italiener am Harze in größerer Anzahl hausirten, kann ich nicht nachweisen. Vielleicht sind sie nur mit Ungarn, die, zuweilen in ihrer Husarenuniform, Arzneien herumtrugen, was jetzt die Thüringer thun, und mit den Mausefallen verkaufenden Slowaken verwechselt worden. Aus einer von der »Magdeburgischen Zeitung« unlängst mitgetheilten Magdeburger Proceßverhandlung habe ich ersehen, daß alle Hausirer, auch die bei uns einheimischen, Italiener heißen, insbesondere sofern sie auch, vielleicht nur heimlich, mit Gift handeln. Venefica ist Hexe und Giftmischerin, und es dauerte, soviel ich sehe, lange, bis in den Hexenprocessen zwischen Zauberern und Giftmischern geschieden wurde. Hier ist der Punkt, wo die Vorstellung sich bilden konnte, daß wandernde Italiener (und dann überhaupt Hausirer) Zauberer seien, eine Vorstellung, über deren große Verbreitung in Deutschland I. W. Wolf unlängst Einiges zusammengestellt, und die sich nach Karl Spindler's Roman »Der Vogelhändler von Imstthal« auch auf Tirol erstreckt. Ein solcher Hausirer war ja auch der Rattenfänger von Hameln. Daß diese Vorstellung von den Hausirern selbst oft benutzt sein wird, um Einheimische zum Schatzgraben zu verleiten und ihnen dadurch Geld abzulocken, liegt auf der Hand und läßt sich auch aus den Sagen, wo so oft Einheimische die fremden Männer auf alte Burgstätten begleiten, schließen. Geschichtlich ist mir darüber nichts bekannt, da alle ältern Schriftsteller glauben, daß der Harz wirklich von solchen Reisenden durchsucht sei oder noch durchsucht werde, und sich dies natürlich zu erklären suchen. Namentlich sagt der Naturforscher Göze in einer seiner »Kleinen Harzreisen«: »Wahr ist es, daß die Italiener, besonders Venetianer , noch vor einigen Jahren weite Reisen in diese Gegenden gethan, sich wol oft mit Lebensgefahr, auch mit Schießgewehr versehen, ohne Führer in die Höhlen des Harzes gewagt; gleichsam verstohlenerweise diese vermeinten Golderden in geringer Quantität herausgeholt und zu Fuße nach ihrem Vaterlande getragen haben. Man hat diese Leute einigemal darum befragt. Ihre gewöhnliche Antwort ist: sie holten Antimonialerde, womit sie zu Venedig ihre Gläser poliren . Andere sagen, sie machten Porcellan daraus. Allein bei Beiden ist kein Verhältniß gegen die weite Reise, gegen die Kosten und gegen das Wenige, was sie heimbringen. Das Wahrscheinlichste ist hierbei noch immer Das, was der ehemalige Naturkundige, der Pastor Lesser, versichert hat: er habe einem solchen Italiener viele Gefälligkeiten erzeigt und endlich so viel von ihm herausgebracht, daß er einem gewissen Laboranten in Venedig diese Sachen bringen müsse. Zwar wisse er selbst nicht, was er damit mache; er habe aber von den Bedienten gehört, daß sie griechische Erze bekämen, die durch Nichts als diese Erde in Fluß zu bringen wären«. Hieraus dürfen wir so viel schließen, daß, abgesehen von ihrem mythischen Kern und den Hausirern, sich diese Sagen hauptsächlich durch die Erinnerung an Fremde, welche in alten verlassenen Gruben nach Erz suchten, und wol auch an Alchymisten gebildet hat, welche beim Goldmachen Mineralien aus der Gegend des Brockens besonders schätzen mochten, wie man denn auch sowol von der Bode als von der Selke sagt, daß sie Gold führe. – Unter den Nachrichten des Tacitus über die heidnische Religion der Deutschen werfen auf die von der Nerthus Gebräuche in unsern Gegenden ein interessantes Licht. Sie wurde auf einem mit weißen Tüchern verhüllten, mit Kühen bespannten Wagen ins Wasser gefahren, und noch jetzt wird jeder Todte, der zu Buhlendorf im Anhaltschen, aber nicht im anhaltschen Harze, sondern unweit Zerbst und der Elbe, auf einem mit Ochsen bespannten Wagen durch einen Ochsenjungen zunächst in einen Teich, den »Puhl«, gefahren. Näheres über diesen noch mit andern merkwürdigen Ceremonien verknüpften Gebrauch theilte ich unter I in einem Aufsatze »Zur deutschen Alterthumskunde« im »Magdeburger Correspondenten« 1853, 2. Quartal, mit. Abtheilung II desselben handelt über die Keule zu Jüterbogk. Im lieben Bekendorf, im Halberstädtischen, wird der Sarg jeder Wöchnerin unter einem weißen Laken auf den Friedhof getragen und ins Grab gesenkt, und derselbe Gebrauch herrscht nicht weit davon, in Hornhausen. Hier aber scheint früher, um die Mitte des 17. Jahrhunderts, jeder Sarg »mit einem weißen Tuch bedeckt« begraben zu sein. Die Nachricht findet sich in der von meinem Vater, H. A. Pröhle, 1850 herausgegebenen »Chronik von Hornhausen« 143, nach dem Theatrum Europaeum wo ein solcher Begräbnißzug, wahrscheinlich der eines fremden Badegastes, abgebildet ist. Combinirt man beide Gebräuche aus Buhlendorf und Hornhausen, so erhält man ganz den mit weißen Tüchern verhüllten Wagen der Nerthus, der mit Rindvieh bespannt und ins Wasser geführt wird. Was die Nachrichten von Götterculten betrifft, welche wir direct mit auf unsere sächsischen Vorfahren beziehen könnten, so steht darunter die niederdeutsche Abschwörungsformel voran. Sie ist uns durch eine vatikanische Handschrift aufbewahrt, doch hält man freilich ihre Sprache nicht für rein niedersächsisch, sondern sieht darin eher einen Hinweis auf das ripuarische Franken. Darin schwören die Heiden namentlich ab den Donar, Wodan und Saxno. Die Abschwörungsformel lautet: Forsachistu diobolae? et resp. ec forsacho diobolae.     End allum diobol gelde? respon. end ec forsacho allum diobol geldae.     End allu dioboles uuercum? resp. end ec forsacho allum dioboles uuercum end uuordum, thunaer , ende uuoden ende saxnote ende allem them unholdum, the hira genotas sint. Hierauf folgte das christliche Glaubensbekenntniß. Zur Vergleichung damit kann folgende Stelle aus einer von Haupt aus einer wiener Handschrift mitgetheilten Abmahnung vom Tanzen dienen: » Zum funfften so tued die tentzer und tentzerin in etlich wise wider die sacrament der kirchen und besunder wider den tauff: wann sie brechen das gelubde, das sie got getan haben in dem tauff, als ir pfetterich an ire stat gesprochen haat: ich widersage dem tufel und allem sine gespenste. « Von Saxnot haben wir sonst gar keine Nachricht, aber bekanntlich bedeutet sein Name Schwertgenoß, und taucht in der Stammtafel der Westsachsen, über welche unter Andern J. Kemble geschrieben, wieder auf als Saxneat, Wodan's Sohn. Die beiden übrigen Götter, Donar und Wodan, wird diese Sammlung vielfach auch für diese Gegenden bestätigen. Nächstdem könnten etwa die in thüringischer Mundart abgefaßten beiden Zaubersprüche, welche Georg Waitz in der Bibliothek des merseburger Domcapitels auffand und Jakob Grimm herausgab, besonders hier zu beachten sein. Außer Wodan werden darin noch genannt Balder (Phol), Sunna , Sinthgunt , Friia und ihre Schwester Volla. Für Balder könnte allenfalls der Name Boldershausen , den nach einer mir von Förstemann gemachten Mittheilung eine Wüstung bei Nordhausen, also schon mehr im Thüringischen als Sächsischen, führt, von einiger Bedeutung sein. »Ach du Alder Aller, nämlich Allerhöchster, Allgütiger oder dergleichen. Den Ausruf »Ach du Aller!« ohne den Zusatz hören wir noch jetzt sehr oft. Chrischan Balder!« war ein Ausruf der Verwunderung, den wir Kinder im Halberstädtischen oft gebrauchten, ohne uns etwas dabei denken zu können, am allerwenigsten, ohne dabei an eine lebende oder bereits verstorbene Person erinnert zu werden, und ihn wage ich auf Balder zu beziehen, da die Namen von Gottheiten sich so gern in Ausrufungen flüchten. Zunächst für die weibliche Gottheit der Friia , Frigg, enthält die Sammlung gar Vieles. An die Abschwörungsformel und die Zaubersprüche reihen sich nun einige speciell auf den Harz sich beziehende Nachrichten über Götterculten, die aber alle etwas Räthselhaftes haben. Voran steht darunter an Gewicht der Quelle, aber noch mehr an befremdender Seltsamkeit die Nachricht vom Abgott Crodo, aus dem 15. Jahrhundert, aber freilich von Bothe, seiner Angabe nach, aus einer oder mehrern Schriften geschöpft, was man übersieht, verweist man Crodo deshalb schon aus der Reihe der deutschen Götter, »da die Erinnerung an einen heidnischen Cultus sich unmöglich mit solchen Einzelheiten siebenhundert Jahre im Christenthum erhalten konnte.« Hieran schließen sich nun so manche Nachrichten, namentlich für die in diesem Buche berücksichtigte Gegend, über Ostera, oder gar Astaroth, und Biel, die sich in unbedeutendern Localschriften aus diesem und dem vorigen Jahrhundert herumtreiben, deren Ursprung zum Theil dunkel, aber doch wol in ältern gedruckten Quellen zu suchen ist. Sie lehren uns meiner Meinung nach hauptsächlich die Orte kennen, wo die hauptsächlichsten Götterculten stattfanden, während die mündliche Ueberlieferung diese Punkte weniger festhält. Zur nähern Bestimmung der Götter selbst müssen wir uns aber durchaus auf den Kern der im Volksmunde lebenden Sage verlassen. Wo diese letztere selbst anstatt der ihr jetzt zukommenden zu Spukgestalten herabgesunkenen Wesen von Göttern redete, habe ich ihr durchweg gemistraut und gelehrten Einfluß befürchtet. Muthmaßliche heidnische Opferstätten sind, ausgenommen vom Oberharz, bei uns zahlreich bekannt. In der Gegend von Nordhausen, an der Straße nach Niedersachswerfen, liegt das Riewenheiwet, was Förstemann Nachträge und Verbesserungen zu Abtheilung I, S.2 und 3 seiner »Urkundlichen Geschichte von Nordhausen« durch Reuehaupt, Reuehügel, Sühne- und Versöhnungshügel erklärt. Zwischen Halberstadt und Derenburg liegt auf dem Lausefelde der Lausekniggel oder Lausehügel, 80 rheinländische Fuß lang und 40 breit, der, wie man sonst deutlich bemerken konnte, selbst wieder aus verschiedenen eigenthümlichen Hügeln bestand. Unser allverehrter Dr. Christian Friedrich Bernhard Augustin , der 1823 einen sehr ausführlichen Bericht über eine Untersuchung dieses Lausekniggels veröffentlichte in seinen damaligen »Halberstädtischen Blättern«, leitet den Namen jetzt von lausan her, d.i., wie auch aus einem alten Vaterunser hervorgeht, lösen , und theilte mir mit, daß sich im Lausehoch bei Gröningen (den gleichen Namen führt unter Anderm ein noch nicht untersuchter Hoch bei Hornhausen) nicht nur Opfergeschirr, sondern auch ein Götzenbild gefunden, welches er besitzt und worüber mir vielleicht später Näheres mitzutheilen vergönnt ist. Dieser ernste Forscher, der in seinem 82. Lebensjahre noch der Wissenschaft mit dem hellen Auge der Jugend gegenübersteht, der seine Amtswohnung als Oberdomprediger zu einer einzigen großen Sammlung machte und dessen Name mit dem eines Otmar noch lange der Stolz des Halberstädter Domes bleiben wird, wenn er auch am Geburtstage Sr. Majestät des Königs von Preußen zum letzten Male in ihm gesprochen, hat über den Kniggel bei Halberstadt und Derenburg nach jener Ausgrabung eine so scharfsinnige und für die deutsche Vorzeit so äußerst wichtige Vermuthung ausgesprochen, daß ich mir, da sie ebensowol von den Mythologen als auch wahrscheinlich von den Historikern bisher allgemein übersehen ist, es nicht versagen darf, sie hier in der Kürze mitzutheilen. Er fand in dem auf der untersten Fläche des Hügels errichteten Steingewölbe unter einer Menge irdener Gefäße nicht ein einziges, welches er unbedingt für eine Begräbnißurne hätte halten können. Alle ohne Ausnahme waren mit Erde, nicht mit Asche gefüllt. Dagegen deutete die Menge von verbrannten und unverbrannten Schädeln und Knochen, verbunden mit den zum Theil mitten unter ihnen, zum Theil in der Nähe befindlichen Opfermessern, sowie die eigenthümliche Gestalt der in dem ersten Gewölbe der südlich belegenen Hügelreihe aufbewahrten Gefäße auf eine altdeutsche Opferstätte. Da auch ferner nur Menschenknochen , und zwar in sehr großer Menge und meistentheils, wie aus den zahlreichen Schädeln zu ersehen, von Kindern und Halberwachsenen gefunden worden, da ferner die Spur der Grausamkeit an diesen Ueberresten menschlicher Leiber nicht zu verkennen war, so hat dieser Opferplatz nach einer vorgefallenen Schlacht zu einem großen Menschenopfer gedient. Als den nächsten Ort, welcher mythologischen Aufschluß geben könne, bezeichnet Augustin das (nur 1/4 Stunde entfernte) Mahndorf (Monddorf). Ein so großes Menschenopfer aber kann, wie er weiter entwickelt, nur in einem Kampfe zweier Stämme gebracht sein, die es auf ihre Vernichtung abgesehen hatten, und so nimmt er an, daß es von den Sachsen nach dem Siege gebracht sei, den sie zufolge der in Abel's Sammlung aufgenommenen niedersächsischen Chronik 479 bei Vedekenstedde, jetzt Vekenstedt, der dem Lausekniggel am nächsten gelegenen Schlachtstätte, über die Thüringer erfochten, als »de Konigk Melverikus to Doringk« (wie mehrfach aus unserer Sammlung hervorgeht, wird Thüringen noch jetzt oft Döringen genannt) mit Macht über den Harz gezogen kam und die Sachsen wieder aus dem Lande vor dem Harze, welches früher der Nordthuringau gewesen war, vertreiben wollte, zumal da wir durch Gregor von Tours wissen, wie unerhörte Grausamkeiten in dem Kampfe der Thüringer mit den Franken und Sachsen geschahen. Späterhin ist dann nach Augustin's Vermuthung der Hügel noch zum Begräbnißplatze benutzt, und zwar zuerst von einem Volke, das, wie die Sachsen, seine Todten verbrannte, da sich zuletzt an der westlichen Seite eine wirkliche Urne und in der obern Erde häufige Urnenscherben von ähnlicher Form und Masse gefunden. Daß diese Aufstellungen ebenso kühn als großartig sind, kann Niemand entgehen; wer aber die Umsicht der Augustin'schen Localgeschichtsforschung kennt, wird schwerlich hoffen (wenn man nicht etwa aus der Vergleichung mit in neuerer Zeit ausgegrabenen Geräthen jetzt geradezu auf das Jahrhundert, dem die im Laufekniggel gefundenen angehören, schließen kann), eine andere Hypothese nur von gleicher Wahrscheinlichkeit aufzufinden. – Professor Ernst Günther Förstemann berichtet in den Nachträgen und Verbesserungen zu der »Urkundlichen Geschichte von Nordhausen«: »Das Backwerk der Oelmännchen , in der rohen Gestalt eines kleinen Wickelkindes , aus Mehlteig gebildet und in Oel gesotten, sah man noch vor wenig Jahren häufig, besonders an unsern Jahrmärkten, ehemals an den Marienfesten feilbieten. Sie waren ohne Zweifel ursprünglich gebackene Götzenbilder, später von den Christen als Christkinder betrachtet; so auch wol die bodunger Männchen und verschiedene aus Teig gebildete menschliche und thierische Gestalten, aus Honigkuchenteig zu Weihnachten, als Kreppeln zu Fastnacht und in der Fastenzeit.« Daß die Oelmännchen wirklich Götzenbildchen sind, dürfen wir auch aus dem in anderm Zusammenhange vorkommenden Namen Oelgötzen schließen. Die Bilderstürmer nannten, wie in Leo's »Universalgeschichte« erwähnt wird, die in Oel gemalten Heiligenbilder spottend Oelgötzen. »Er steht da wie ein Oelgötze« ist eine noch jetzt vorkommende Redensart, zu der 1785 in den Halberst. gemeinnützigen Blättern der literar. Gesellschaft bemerkt wurde: »Die alten Deutschen strichen ihre häßlichen plumpen Götzen mit Oel an; daher dieser Ausdruck. Wachter schreibt in seinem deutschen Glossar: Elgötze.« – Auf das Heidenthum weisen auch die in unsern Gegenden einst so verbreiteten Kalandsbrüderschaften Vgl. die mit Neuem vermehrte Uebersicht über den Kaland nach früherer Darstellung in der »Chronik von Hornhausen«, 28-42 (auch das Vorwort derselben Chronik IV und V), wo die weitern Quellen angegeben sind, denen sich noch die Erwähnung in Grimm's Mythologie anschließt. Auch die Koljadalieder sind hier herbeizuziehen. zurück. Sie sollen sichern Nachrichten zufolge schon zu Anfang des 13. Jahrhunderts vorhanden gewesen, und, weil mit ihnen Seelenmessen verbunden gewesen, hauptsächlich nach der Reformation in Verfall gerathen sein. Eine Stelle in einer Aufführung der Hauptsünden Colere kalendas, der manode kalendas begann, also genoge tont « (»Altdeutsche Blätter« I, 366, nach einer Pergamenthandschrift des 13. Jahrhunderts). weist zwar die Feier der Kalenden, und zwar diese als schon von der katholischen Kirche gemisbilligt, nicht aber ausdrücklich die Kalandsbrüderschaften selbst im 13. Jahrhundert nach. Wäre wirklich Ostar, die »Göttin des aufsteigenden Lichts« wie Grimm sagt, eine Mondgottheit, Vgl. die kurze Angabe über das im 16. Jahrhundert am Süntel gefundene Götzenbild in W. Müller's Altdeutscher Religion 10 und 11. so müßten wir auf den großen Kaland in Osterode, auf den osteröder Mariencultus zu Ostern, von dem noch ein Ueberrest sich erhalten hat, und in Verbindung hiermit darauf, daß mit dem Kaland an mehrern Orten ein Mariencultus in Verbindung stand und auf die große Verbreitung und das hohe Alter der Kalandsbrüderschaften in unsern Gegenden überhaupt nach dieser Seite hin Gewicht legen. Die Kalandsbrüder »hatten auch wol tragbare Altäre , die aus einem Steine gemacht und in Holz eingefaßt, auch so klein waren, daß man sie täglich von einem Orte zum andern tragen konnte. Solche wurden geweiht, schön geziert und besonders bei den Leichenbegängnissen der Kalandsbrüderschaften gebraucht.« Da nun in Osterwieck ein Kaland war und der sogenannte Krodoaltar, ein tragbarer christlicher Altar, Vgl. die Vorbemerkung zu den Anmerkungen zu den harzeburger Sagen. nicht unmittelbar von Harzeburg, sondern zunächst von Osterwieck nach Goslar gekommen sein soll, so wird man dies bei fernern Nachforschungen über diesen Altar nicht ganz aus den Augen lassen können, obgleich Zweck und Bedeutung des Altars einer solchen christlichen Brüderschaft nur schwer so ganz in Vergessenheit kommen konnte. Das Merkwürdigste ist dabei, daß zwischen dem Saturn , den nach der Sachsenchronik das gemeine Volk den Krodo genannt hätte, und dem Kaland ein sehr naher Zusammenhang denkbar ist. Die Benutzung bei Leichenbegängnissen wird auch schwerlich der ursprüngliche Zweck der Kalandsaltäre gewesen, sondern erst bei dem Ueberwiegen der geselligen Tendenz des Kaland in den Vordergrund getreten sein: es liegt zu nahe, ihre Benutzung bei auf die Jahreszeiten bezüglichen Umzügen zu vermuthen, wie ein solcher noch jetzt von der katholischen Kirche am Fronleichnamsfeste gehalten wird. Doch diese hier soeben berührten und viele andere Dinge wird hoffentlich der projectirte Alterthumsverein klarer machen, für den wackere Männer, z. B. Augustin, Karl Elis, Director Richter, Graf Schulenburg-Ottleben, Georg Schulze u. A., ihre Theilnahme bereits aussprachen, sei es, daß er als ein selbständiger Alterthumsverein für den Harz und seine Umgebung, oder als Zweigverein eines andern schon bestehenden norddeutschen Alterthumsvereins ins Leben tritt. Eine höchst werthvolle Alterthumssammlung für die verschiedenen Geschichtsepochen haben wir zu Halberstadt in der des Oberdompredigers Augustin . Auf dem hannoverschen Harz ist aber meines Wissens in dieser Art soviel als Nichts gesammelt, und wie Vieles könnte nicht z. B. in Goslar für deutsches Alterthum geschehen! Würde nun die Anregung des Interesses an einem solchen die gesammte Alterthumskunde umfassenden Verein in ausgedehnten Kreisen eine schöne Frucht dieses nicht ohne vereinten Sammelfleiß entstandenen Werkes sein, so darf ich andererseits auch nicht versäumen, im Interesse der Sagenforschung selbst hier die schon von J. W. Wolf in seiner Zeitschrift so freundlich in meinem Namen ausgesprochene Aufforderung für Jedermann, der Lust und Neigung dazu hat, zu wiederholen, Sagen (auch Volkslieder und Gebräuche) gefälligst direct für mich hierher senden zu wollen, sowie auch Lokalblätter um Verbreitung dieser meiner Bitte gebeten werden. Es handelt sich dabei nun hauptsächlich noch um die Sagen vom Brocken, von der Ilse, von Wernigerode, von der Roßtrappe, dem Regenstein, Falkenstein, von Blankenburg, Stolberg, der Lauenburg, dem Stufenberg, Alexisbad, Questenberg, aus Wallenstedt, vom Kyffhäuser, der Rothenburg; das Halberstädtische und Magdeburgische mag sich hier noch anschließen. Die vorliegende Sammlung zeigt ja, auf welche unscheinbare und verachtete Dinge, nach den Worten der Bruder Grimm, es dabei ankommt, und so hoffe ich nach der in diesem Buche, zu dem mir auch Nachträge willkommen sein werden, vorliegenden umfassenden Probe keine Fehlbitte mehr zu thun. Mit dieser Bitte schließe ich und mit dem Wunsche, daß die vorliegende Sammlung bei den Freunden der weithin über die Ebene leuchtenden bläulichen Harzberge in der Nähe und in der Ferne eine freundliche Aufnahme finden möge. Von dem ausgezeichneten Manne, der an ihrem Fuße noch in diesem Sommer die Gräber seiner Ackern mit Kränzen umwand und an dessen Krankenlager sie als ein Gruß aus seiner Heimat tritt, weiß ich es im voraus. Hornhausen bei Oschersleben, am Andreasabend 1853. Heinrich Pröhle. Sagen der Harzeburger Gegend. * 1. Die Kinder auf dem Burgberge. Bei Harzeburg liegt der Burgberg, der fast wie ein großer Kohlenmeiler aussieht. Dahinauf ist eines Tages ein Lehrer mit seinen Schulkindern gestiegen und da sind einige Kinder nahe bei den Brunnen gegangen. Da hat eine Stimme gerufen, sie sollten nach einer andern Stelle auf dem Burgberge hingehen. Wie sie dahin gegangen, sind einen Augenblick zwei Gestalten, ein Mann und eine Frau, in weißen Kleidern unter ihnen gewesen und sogleich verschwunden. Auch sind da Stufen gewesen, die haben in den Berg geführt, und da sind die Kinder die Stufen hinabgestiegen und sind in ein Gewölbe gekommen, darin ist ein Tisch gewesen, auf dem haben lauter blanke zinnerne Teller gestanden, die sind auf dem Tische fest gewesen. Aber an den Seiten herum ist eine große Blänke gewesen, auf der haben auch solche zinnerne Teller gestanden und da hat wieder eine Stimme gerufen: von den Tellern auf der Blänke könnten sie welche mitnehmen. Nachher sind die andern Kinder noch einmal die Stufen hinabgestiegen und die Stimme hat ihnen die Erlaubniß gegeben, für sich und für ihren Lehrer noch Teller zu nehmen. Wie sie mit denen aber herausgegangen waren, ist eine eiserne Thüre hart hinter ihnen zugeschlagen und da waren die Stufen nicht mehr zu sehen. Die Teller aber sind draußen immer den Kindern aus den Händen gerollt, als wollten sie mit den Kindern spielen, und haben so herrlich geklungen dabei, und sind immer schwerer geworden und immer schwerer. Endlich sind die Aeltern der Kinder gekommen, die haben die Teller greifen können, haben sie mit Mühe nach Hause gebracht und haben einen Juden kommen lassen, der hat gesagt, es sei lauter gediegenes Silber, und von der Zeit an sind die Aeltern mit ihren Kindern und auch der Lehrer steinreich geworden. Der Lehrer ist aber seitdem oft mit den Schulkindern um den Berg herumgegangen und hat gesungen und gerufen: er danke vielmals, und wenn hier etwa eine Verwünschung oder so etwas sei, so wünsche er, daß sie durch den Gesang gelöst werde. Auch ist er oft allein um den Berg herumgegangen und hat geistliche Lieder gesungen, hat aber nicht vernommen, was es mit der Stimme im Berge und mit dem Gewölbe für eine Bewandtniß hat, auch die Stufen nicht mehr wahrgenommen. – Diese Stufen haben zu verschiedenen Zeiten auch einige Reisende gesehen, aber sie hatten den kindlichen Sinn nicht, daß sie hinabstiegen, und darum sind sie auch so glücklich nicht geworden, wie die Kinder mit ihren Aeltern. * 2. Der Rothbart und andere deutsche Kaiser im Brunnen auf dem Burgberge. Im Burgbrunnen auf der Harzeburg fährt es oft wie mit Kutschen umher und rauscht gewaltig. Einige sagen, als Kaiser Heinrich der Vierte vor den Sachsen geflohen sei, habe er die Krone in den Burgbrunnen geworfen und die sei noch darin. Andere sagen, es sei ein Kaisersarg in dem Brunnen, und Andere, ein Kaiser sei in den Brunnen verwünscht. Den Kindern sagen die Mütter, sie sollten nicht zu dem Brunnen gehen, weil Kaiser Rothbart darin säße. Daß die weiße Jungfer darin sei, weiß in Harzeburg Jedermann. Einstmals ist ein Verbrecher Namens Schöppenstedt in dem Brunnen heruntergelassen worden, dem hat sollen das Leben geschenkt sein, wenn er glücklich aus einem Gange wieder herauskäme, der von dem Brunnen ausgehen soll. Als nun Schöppenstedt in dem Brunnen ist, kommt er an eine eiserne Thür, die thut sich auf und da steht die weiße Jungfer vor ihm und sagt: das sei sein Glück, daß er nicht aus Muthwillen hierher käme. Sie hat ihn nun in dem Gange entlang geführt, und hat ihm soviel Geld gewiesen und gesagt: »wenn't bronswieksche Land mal pankerott wörre, soll dat wedder davon herestellt weren.« Dann sind sie auch in eine Höhle gekommen, darin hat eine Tafel gestanden. Und was nun die Kaiser gewesen sind, Kaiser Otto, Kaiser Heinrich und der Rothbart, die haben Alle an der Tafel gesessen und haben Speisen vor sich stehen gehabt, und dem einen Kaiser ist der Bart durch die Tafel gewachsen, und in der Höhle sind große Schätze gewesen an Kleinodien und Geschirr, zumal an Krügen und Kelchen, das hat ausgesehen wie Holz, ist aber Silber und Gold gewesen. Auch viele Pferde haben da herumgestanden, die hatten statt des Futters Dornenwasen auf der Hille und schienen von der Hille zu fressen, es ist aber nur zum Schein gewesen. Zuletzt ist Schöppenstedt an der jetzt sogenannten Schöppenstedtergründ wieder herausgekommen, an einer Stelle, die durch einen Kieserling bedeckt sein soll. Auf diesem Gange soll auch der Kaiser Heinrich IV. zu seinen Lebzeiten heimlich aus der Burg vor den Sachsen entwichen sein. * 3. Die weiße Jungfer von Harzeburg. Die weiße Jungfer, die in dem Burgbrunnen wohnt, ist schon Vielen erschienen. Einstmals haben die Kinder einen ihrer Gespielen in den Brunnen gelassen und sind fortgelaufen, weil die Stunde geschlagen hat, wo sie in den Pfarrunterricht gemußt haben. Weil die Kinder nun so verstört gewesen sind, so hat der Pfarrer gleich gemerkt, daß etwas vorgefallen ist. Da haben sie's müssen sagen und der Pfarrer ist mit andern Leuten auf den Burgberg geeilt und haben den Knaben wieder heraufgewunden, der aber ist halb todt gewesen und hat die Jungfrau auch gesehen. Oft hat die Jungfer an einem Twisselsbeerbaum über Ruhsack's Wiese an der Ostseite des Burgberges gestanden. In den Grasgärten, die um den Burgberg herumliegen, und auf den Wiesen am sogenannten Krodobrink hat man sie oft mähen sehen. Fast immer ist sie in der Freitagsnacht erschienen, und die Leute in Schulenrode pflegen zu sagen (wie man auch sonst im Halberstädtischen sagte): Die ganze Woche wunderlich, Der Freitag ist absunderlich. Einmal ist die Jungfer in drei Freitagsnächten hintereinander in Schulenrode vor ein Fenster gekommen und hat einen jungen Burschen mit nach der Schöppenstedtergrund haben wollen, damit er dort einen Schatz heben sollte. In der dritten Nacht hat der Bursche gesagt.: »Wenn ich meinen Bruder Valentin mitnehmen soll, so will ich mitgehen.« Da hat sie vor dem Fenster einen Seufzer gethan und ist verschwunden. Die Leute selbst, vor deren Fenster dies geschehen ist, sagen, die Jungfer hätte beim Weggehen gesprochen: Nun wäre das Kindeskind noch nicht geboren, welches das Geld einmal heben könnte. – Auf dem Sintinnigsplatze (Sanct-Antoniusplatze) hat die Jungfer auch einmal gesessen und einem Köhler eine Blume gegeben. Wie er die Blume gehabt hat, führt sie ihn in eine Höhle in den Berg, und darinnen füllt sie ihm seinen Holster, sagt ihm aber, er solle den Holster nicht eher öffnen, bis er über das Wasser wäre. Als der Köhler aus der Höhle geht, hat er die Blume darin liegen lassen, und da schlägt die Thür hinter ihm zu, daß ihm beinahe die Hacken abgeschlagen wären. Hätte er die Blume mitgenommen, so hätte er noch oft in die Höhle gekonnt. Auch hat er nachgesehen, was in dem Holster wäre, bevor er übers Wasser gewesen ist, und da ist es lauter Pferdemist gewesen. Was aber in den Ecken sitzen geblieben ist, das ist nachher, wie er übers Wasser gewesen ist, eitel Gold gewesen. – Diese Jungfer ist immer weit am Burgberge herum gesehen worden, aber ihr eigentlicher Aufenthaltsort ist nur der Brunnen gewesen. Einer, dem sie auch erschienen ist, hat erzählt, daß Sturm und ein gewaltiges Windbrausen von ihr ausgegangen wäre. Einige sagen auch, daß aus der Jungfer später ein weißer Spitzhund geworden wäre, der sei auch immer in der Freitagsnacht auf den Wiesen um Schulenrode her gesehen worden. Andere sagen, die weiße Jungfrau aus dem Burgbrunnen erscheine noch jetzt. Im Radauthale an der Köhlerlochsbrücke steht ein Ulmenbaum, dabei ist auch eine Jungfrau erschienen, man weiß nicht, ob es die aus dem Burgbrunnen gewesen ist, aber sie ist ganz so gewesen wie diese. Die hat gewollt, daß die Frau sich hinsetzen und sie erlösen sollte. Da hat die Frau sich hingesetzt und die Jungfer hat sich in einen Lork verwandelt, ist an der Frau in die Höhe geklettert und hat sie küssen wollen, als aber der Lork der Frau bis an die Brust kommt, erschrickt sie so, daß sie davonläuft. – Ein andermal ist im Radauthale, den Steinbrüchen gegenüber, eine Köhlerfrau gegangen, da ist deutlich das Wasser aus der Radau hinter ihr hergekommen wie eine große Flut, und da hat da eine Jungfrau gestanden mit blauem Licht und hat erlöst sein wollen. Die Köhlerfrau aber ist auch davongelaufen. – Auch als in Neustadt unter dem Burgberge ein Haus neben dem Chausseehause gebaut ist, hat sich da unweit einer Linde eine blaue Jungfer und ein Licht gezeigt, und man meint, daß vielleicht vom Burgberge herunter Schätze dahin »gerückt« sind. – Endlich wird erzählt, daß am Breitenberge beim Papenberge ein Brunnen ist, da ist einmal Gerste herausgequollen, und als eine Frau die Gerste für ihre Hühner mit nach Haus genommen hat, ist es Geld gewesen. * 4. Der Basilisk auf dem Burgberge. Auf dem Burgberge und in seiner Umgebung hat sich früher eine ungeheure Schlange gezeigt, die ist so lang gewesen wie ein Heubaum und wird von Einigen die große Otterschlange, von den Meisten aber der Basilisk genannt. Einige halten dafür, daß die weiße Jungfer aus dem Schloßbrunnen sich habe in diese Schlange verwandeln können, Andere sagen: die Schlange sei der Teufel gewesen, der die Schätze in den unterirdischen Gängen und Höhlen von außen bewacht habe. Das wissen die Meisten, daß der Basilisk der Schätze wegen da gewesen sei, die in dem Gange hinter der eisernen Thür sind, und daß er den Menschen hat Furcht einjagen sollen, wiewol er Niemandem etwas gethan hat. Oft hat er auf der Burgwiese da gelegen und den Kopf auf dem Boden gescheuert. Endlich, bei einem Waldbrande an der Stelle, die jetzt die Brandklippe heißt, soll der Basilisk mit verbrannt sein und einen furchtbaren Quik gethan haben. Aber Andere sagen, der Basilisk sei seitdem schon wieder gesehen worden. Einmal soll auch ein junger Basilisk gesehen sein, der hat ausgesehen wie eine Puppe. * 5. Der Schlangenkönig oder die Königsschlange. Es ist einmal ein Mann, der einen Mantel umgehabt hat, zu Pferde in eines der Dörfer um die Harzeburg gekommen und hat einen Mann mitgenommen, mit dem er auf den Burgberg gestiegen ist. Der Fremde hat auch ein Schächtelchen oder ein Kästchen bei sich gehabt. Als nun die Beiden auf dem Burgberge gewesen sind, hat er einen Kranz auf dem Boden beschrieben und hat dann gepfiffen. Da sind unzählige Schlangen angekommen und haben die Köpfe um den Kreis herum gelegt, in dem die beiden Männer gestanden haben. Nur die weiße Schlange oder der Schlangenkönig ist lange ausgeblieben, und der Fremde hat zu dem Andern gesagt: er läßt auf sich warten. Endlich kommt die weiße Schlange an mit zwei andern großen Schlangen. Da sagt der Fremde zu der weißen Schlange, welche die Krone auf dem Kopfe gehabt hat: »Du alter Bengel hast viele Thaten gethan, ich will sie dir aber auch thun.« Vor ihr aber hat er in dem Kreise ein rothes Tuch ausgebreitet gehabt, darauf hat der Schlangenkönig oder die Königsschlange ihre Krone abgelegt, das ist ein kleiner gelber Knoten gewesen. Darauf hat die weiße Schlange, vielleicht mit den andern beiden Schlangen, in das Kästchen gemußt. Nun hat der Fremde zu seinem Begleiter gesagt: wenn sie erst aus dem Kreise herausträten, so wäre große Gefahr vorhanden, und sie müßten eilen, daß sie den Burgberg herunter kämen. Dann hat er einen Stab genommen, hat die Schlangen, die in dem Kreise herumgelegen haben, damit berührt, und die haben so weit zusammenrücken müssen, daß die beiden Männer bequem hindurchgehen können. Als sie aber aus dem Kreise heraus und erst eine kleine Strecke weit fort sind, kommen alle die Schlangen, die um den Kreis herum gelegen haben, ihnen nachgeschossen. Unten, wo der Burgberg ziemlich zu Ende ist und schon die Gärten und der Kirchhof von Neustadt anfangen, haben die sie schon eingeholt. Da hat aber der Reiter geschwind seinen Mantel abgeworfen, und da sind alle Schlangen hinein gefahren. Am andern Tage ist der Mantel in lauter Fäden zerrissen gewesen, und mehre Schlangen haben da gelegen und sind von ihrem Gifte geplatzt. * 6. Die Burgmieke. Die Burgmieke, die auf dem Burgberge gewohnt, hat so viele Katzen gehabt (Einige sagen sieben, Andere sagen elf, Andere zwölf, Andere dreizehn), aber alle Katzen sind weiß gewesen; auch sagen viele Leute, die Katzen wären ihre Kinder gewesen. Jede Katze hatte ihren eigenen Namen, die eine hieß Adämken, die andere Brillken u.s.w. Jede Katze hatte auch ihren eigenen Trog, und die Katzennäpfe waren immer so blank gescheuert, daß sie blitzerten und blänkerten. Wenn die Burgmieke ausgegangen war, so lauerten alle ihre Katzen auf sie, bis sie wiederkam, und dann hatte sie jeder Katze einen Zwieback mitgebracht. Jeden Freitag, wenn's unten in die Betstunde geläutet hat, hat die Burgmieke geweint; warum, das weiß man nicht. Einige sagen, es sei ihr einmal an einem Freitage eine Katze gestorben, welche Kesemirken geheißen habe, und darum habe sie immer gesagt: »Allewiele lüt öt mienen Kesemirken wat.« Einige meinen auch wol, ihr Bruder, der Burg-Hansjürgen, möchte vielleicht an einem Freitage gestorben sein, und da möchte sie wol geweint haben, weil ihr Bruder todt sei. – Von dem Burg-Hansjürgen wird erzählt, daß sie ihn einmal nach Braunschweig unter die Soldaten genommen hätten, da habe er aber das Exerciren nicht loskriegen können und dem Herzog ein Vierfaß auserlesener Haselnüsse vom Burgberge versprochen, wenn er ihn wieder gehen ließe. Da habe der Herzog ihn gehen lassen, und der Burg-Hansjürgen habe nachher richtig das Vierfaß Haselnüsse angebracht. * 7. Der Riese. Zwischen dem sogenannten Krodobrink und dem Wasserloche ist früher ein Riese gegangen, der hat einen Stab oder eine eiserne Stange in der Hand gehabt. Andere erzählen, es seien ihrer zwei Riesen gewesen, davon sei der eine zwischen dem Krodobrinke und dem Wasserloche auf der Wiese gegangen, und der andere habe auf dem Burgberge gewohnt, die hätten zusammen ein knöchernes Beil gehabt, das hätten sie einander zugeworfen, wenn sie es gebraucht hätten. Auch hätten sie miteinander den Gang vom Burgbrunnen bis zur Schöppenstedtergrund gemacht. Eine Frau erzählte auch, der eine Riese habe auf dem Burgberge gewohnt und der andere in Burgdorf, welches mehrere Stunden weit entfernt sein soll, und da hätten sie sich den Hammer vom Burgberge aus bis nach Burgdorf zugeworfen. * 8. Das eingemauerte Kind. An einer Stelle in dem Gemäuer auf der Harzeburg ist ein Kind eingemauert, dadurch ist die Burg fest gemacht. Das Kind ist ein unehelich Kind und ein Jahr alt gewesen, das hat seine Mutter verkauft an eine Herzogin, die dazumal auf der Burg gewohnt haben soll. Wie das Weibsbild das Kind gebracht hat, hat ihr die Herzogin das Geld hingelegt und gesagt: es stände noch bei ihr, ob sie das Kind verkaufen wollte. Da hat das Weibsbild nach dem Gelde gegriffen, und darum hat ihr die alte Herzogin eine herzhafte Maulschelle gegeben. Nun haben sie das Kind in die Mauer gesetzt, und haben ihm eine Semmel in die Hand gegeben, und haben angefangen zu mauern, und dabei hat das Kind seine Semmel gegessen. Zuletzt haben sie nur noch ein kleines Kuckloch gelassen, und wie sie auch das zugemauert haben, hat das Kind auch gerade seine Semmel aufgehabt, und hat gesagt: »Semmel up un Kucklok tau.« * 9. Das Salzwerk Juliushall. Auf Bartholomäitag ist früher, als das Salzwerk Juliushall noch im Gange war, in Harzeburg immer Spendebrot an die Armen ausgetheilt, als das aber einmal versäumt wurde, da ist die Seele (Soole) in Juliushall ausgeblieben. Da haben sie geläutet und Kirche gehalten wie gewöhnlich, und Spendebrot an die Armen ausgetheilt, und da kommt meine liebe Seele wieder an. Wenn sie das Salz im Preise erhöht haben, so ist die Seele gleich ganz ausgeblieben. Und wenn sie in frühern Jahren das Salzwerk haben ganz still stehen lassen, so hat sich in Juliushall ein Geist gezeigt, darum, daß das Salz von Juliushall den armen Leuten gar werth gewesen ist, denn es ist zwar grobkörniger gewesen als anderes Salz, hat aber besser gesalzen. Und da hat der Geist von Juliushall so lange gespukt, bis sie das Salzwerk haben müssen wieder aufnehmen, und dann ist bei allen armen Leuten große Freude gewesen. * 10. Der Baum am Burgberge. Auf der Westseite des Burgberges, nach dem Radauthale zu, soll ein Baum stehen, unter dem himmelblaue Erde ist. Wenn das braunschweigische Land einmal bankrott ist, so soll es von dieser Erde wieder hergestellt werden. * 11. Das wunderthätige Marienbild. Die Geschichtschreiber melden uns, daß auf der Harzeburg, wie sie nicht mehr bewohnt gewesen, ein wunderthätiges Marienbild gestanden habe, das vielen Kranken und Elenden geholfen. Die Leute in Schulenrode und im ganzen Amte Harzeburg behaupten, diese Kranken hätten sich mit dem Wasser benetzt, das unter dem sogenannten Krodobrink hervorquillt, und hatten auch davon getrunken, und davon wären sie gesund geworden. Zuletzt habe man wollen den Gebrauch des Wassers bei den Kranken nicht mehr dulden, und da hätte man alle die Krücken, welche die Geheilten an der Quelle zurückgelassen, genommen und Bier damit gebraut. Wie aber die Krücken gebrannt hätten, da hätte es einen schrecklichen Krach gethan und das Bier wäre sauer, und noch nicht einmal fürs Vieh zu gebrauchen gewesen. * 12. Hans von Hackelberg. Hans von Hackelberg war braunschweigischer Oberjägermeister und soll erst, wie Einige sagen, wegen seiner guten Eigenschaften und seiner wissenschaftlichen Bildung in den Adelstand und zu hohem Range erhoben sein, wiewol auch schon vor ihm ein Bohemund von Hackelberg bekannt war, der nicht diese guten Eigenschaften besaß und dabei auch ein leidenschaftlicher Jäger war. Mit seiner Ernennung zum Oberjägermeister erhielt Hans von Hackelberg auch zugleich den Befehl, eine große Jagd auf der Harzeburg zu veranstalten. Einen Tag vor dem Beginne der Jagd reiste er dahin ab und träumte in der Nacht, daß er durch einen Keiler ums Leben kommen würde. Er nahm sich deshalb vor, an der Jagd nicht Theil zu nehmen, und wurde in diesem Vorsatze noch durch das Zureden seiner Jagdgenossen bestärkt. Die Jagd aber ging vor sich und ein ungeheurer Eber wurde geschossen. Der Kopf des Ungeheuers allein soll 75 Pfund gewogen haben. Jeder besah und bestaunte es, auch Hackelberg kam auf die Nachricht neugierig herbeigegangen, nahm den Kopf des Ebers in die Hand, um sein Gewicht zu taxiren, und sprach: »Du bist ja wol das Unthier, das mir das Leben nehmen sollte? Doch damit ist's jetzt zu Ende, du sollst mir nicht mehr schaden.« Damit ließ er den Kopf wieder fallen, und dabei ritzte ein Fangzahn ihm die Wade. Diese geringe Wunde wurde aber immer schlimmer und schlimmer, mehrere Aerzte wurden herbeigerufen, aber vergeblich. Hackelberg schrieb dies der Unwissenheit der Aerzte zu und hoffte in Braunschweig bessere Hilfe zu finden. Auf dem Wege dahin, den er auf einem Esel reitend antrat, mußte er der einbrechenden Nacht halber in Wülperode bleiben, wo er ein Jagdschloß gehabt haben soll. Hier verschlimmerte sich sein Zustand, der kalte Brand trat zu der Wunde hinzu und machte seinem Leben ein Ende. Vor dem Tode wünschte er sich noch, daß er bis zum jüngsten Tage jagen müßte. Sein Wunsch ist ihm erfüllt und auf dem Fallstein sowie in der ganzen Gegend hört man oft ein Hundebellen und ein Rufen: hi! hau! das dem wilden Jäger Hackelberg zugeschrieben wird. In seinem Jagdzuge ist auch die Tutursel in Gestalt einer Eule . – Noch jetzt zeigt man Hackelberg 's Grab im Garten des Klöpperkruges bei Wülperode. Das Grab bedeckt ein Hügel, der nur noch eine sehr geringe Erhöhung bildet, und in dem Grabstein soll das Bild Hackelberg's, seines Esels und seiner Hunde eingehauen sein. Von der Umschrift soll nur noch zu lesen sein: domini 1581 den 13. Martii , und dies soll das Sterbejahr des wilden Jägers Hackelberg sein. Außerdem war bisher Herr Klöpper, der Wirth vom Klöpperkrug, gern bereit, den Fremden den angeblichen Helm Hackelberg's und den Halsharnisch seines Esels zu zeigen. Der Helm soll den jetzigen preußischen Pickelhauben ähnlich sehen, nur daß deren Spitze durch eine Eichel vertreten wird. Vor etwa 15 Jahren sollen zwei hannöversche Offiziere Hackelberg's Grab geöffnet, darin den Hirnschädel vorgefunden und ihn mitgenommen haben. Wahrscheinlich, so meinte der Wirth auf dem Klöpperkruge, wird er jetzt auf dem Museum zu Hannover aufbewahrt. Der Klöpperkrug selbst soll Hackelberg's wülperoder Jagdschloß sein und war bis zur westfälischen Zeit abgabenfrei. Es ward uns auch erzählt, daß der braunschweigische Oberjägermeister Hackelberg zu Uslar im Hannöverschen seinen Tod durch den Eber gefunden habe. Dort habe er in seinem Testamente verordnet, daß sein Schimmel ihn an die Stelle ziehen solle, wo er begraben würde, und daß da seine Ruhestätte sein solle, wo dieser zum ersten Male stehen bliebe. Das wurde nicht geachtet und wurden vier Braune vor den Trauerwagen gespannt, die zogen den Leichenwagen ins Holz, blieben aber mit ihm in einem großen Sumpfe stecken. Hackelberg's Schimmel war leer nebenher gelaufen, wie ein Hund, und als die Braunen den Leichenwagen nicht wieder aus dem Sumpfe ziehen konnten, spannte man den Schimmel vor den Leichenwagen, da lief der Wagen von selbst zum hohen Moosberge im Solling hinauf. Auf des Berges Mitte hielt der Schimmel an und wich nicht von der Stelle, soviel man ihn auch antrieb. Also ward Hackelberg an der Stelle begraben, jetzt aber weiß Niemand mehr sein Grab. Einst fand es ein Kuhhirt auf und hing seinen Kittel und Hut an seinem Stock darüber, ging ins nächste Dorf und sagte: er habe Hackelberg's Grab gefunden. Da strömten alle Bauern hin, als sie aber ans Grab kamen, saß eine Eule darauf, des Schäfers Sachen aber waren weit umhergeworfen, Hut und Stock lagen diesseits und der Kittel jenseits des Berges. – Häufig necken die Jungen im Solling den Hackelberg und rufen: Hui, hui, pif, paf, pif, paf. Dann wirft er ihnen Fleisch zu und ruft: Wollt Ihr mit helfen jagen, Sollt Ihr auch helfen knagen. * 13. Die Räuber vom Eckernkrug im Schimmerwalde. Weit verrufen ist der Schimmerwald zwischen Harzeburg und Ilsenburg wegen der Räuber, die früher in ihm hausten. Eine alte Frau, die auf Klausthal am Zellbache wohnte und deren Tochter als hochbejahrte Frau in jener Stadt noch am Leben sein soll, wurde einmal im Schimmerwalde von der Nacht überfallen und suchte im Eckernkruge ein Obdach, da schlief sie auf dem Fußboden in der Stube. In der Nacht aber kamen viele Räuber, die führten einen dicken Mann gefangen daher, den schlachteten sie, zertheilten das Fleisch und machten Wurst davon. Ehe sie das aber thaten, leuchteten sie über die alte Frau hin und kitzelten sie sogar an den Fußsohlen, um zu sehen, ob sie auch wol fest schliefe. Hätte sie sich dabei nur im Geringsten bewegt, so wäre sie auch ermordet; allein sie überstand alle diese Proben und sah doch genau was vorging. Am andern Morgen sagten die Räuber, sie hätten in der Nacht ein Schwein geschlachtet, ob sie denn nichts gehört hätte. Gar nichts, sagte die Alte, sie habe in ihrem Leben noch nicht so gut geschlafen als diesmal, und dabei sah sie die Räuber sehr freundlich an. Hätte sie aber das nicht gethan, so hätte sie doch noch sterben müssen. Da setzten die Räuber ihr Wurstsuppe hin, und die Alte vom Zellbache aß die Wurstsuppe und lobte sie. Hätte sie das nicht gethan und nur den geringsten Ekel gezeigt, so hätte sie sterben müssen. Danach brachten ihr die Räuber eine frische Wurst, die schlug sie in ein Tuch ein und sagte, die wollte sie ihren Kindern mitnehmen und bedankte sich viele, viele Male dafür. Hätte sie das nicht gethan, so hätte sie doch noch sterben müssen, so aber ließen sie die Räuber ihres Weges gehen. Als sie nun eine Strecke weit im Walde fortgegangen war, traten zwei Männer zu ihr, die sie nicht kannte, und fragten, wo sie denn übernachtet hätte; weil sie nun sagte auf dem Eckernkruge, fingen sie an die Leute aus dem Eckernkruge zu belästern und sagten, daß von denen viel Böses geredet werde. Allein die Alte sagte: Allen könne man es nicht recht machen und die Lästerzungen lauerten selbst den Besten auf; sie aber sei nicht leicht zu mildthätigern Leuten gekommen als zu denen auf dem Eckernkruge, und zum Beweise wies sie noch die Wurst vor, die sie ihr geschenkt hätten. Hätte sie das nicht gethan, so hätte sie doch noch sterben müssen, denn die Männer gehörten zu der Räuberbande. Sie gingen jetzt von ihr fort, aber nach einer Weile traten wieder zwei Männer zu ihr, die machten abermals die Leute auf dem Eckernkruge schlecht und sagten gerade heraus, sie hätten gehört, es seien Räuber. Da wies die Frau von neuem ihre Wurst vor, rühmte die Mildthätigkeit der Leute und sagte geradezu, sie glaubte, solche guten Leute als die vom Eckernkruge gebe es auf Gottes Erdboden nicht mehr. Hätte sie aber das nicht gesagt, so hätte sie immer noch sterben müssen, denn auch diese Männer sind Räuber gewesen. Sobald die Alte nun glücklich aus dem Schimmerwalde heraus war, lief sie so schnell sie konnte nach der nächsten Ortschaft. Da verkündigte sie der Obrigkeit Alles was sie gesehen hatte, und die Räuber wurden gefangen genommen. Als sie nun an Händen und Füßen gebunden auf einem Saale da lagen, wurde das Mütterchen zu ihnen geführt und sagte aus: daß sie alle diese Männer zur Nachtzeit auf dem Eckernkruge habe ein- und ausgehen sehen, wie sie den dicken Mann geschlachtet hätten. Die Räuber aber schäumten vor Wuth, als das Mütterchen, dem sie so schwer das Leben geschenkt hatten und von dem sie nun doch überlistet waren, gesund und munter zwischen ihnen herumging. * 14. Der Köhler vom Ahrensberg. Auf dem Ahrensberge ist einmal beim Kohlen ein Köhler verbrannt, der spukt nun dort des Nachts um die Kohlstätte her, und was die Köhler bei Tage treiben, treibt er des Nachts, sodaß ihnen oftmals schon ein Grausen darüber angekommen ist. * 15. Der Jäger vom Ahrensberg und die Broombüchse. Der Förster vom Ahrensberge mußte einmal viel Wildpret nach Braunschweig abliefern, wohin damals noch die Jagd vom Ahrensberge gehörte. Er hatte aber einen alten und einen neuen Jägerburschen und der neue schoß täglich ein Stück Wildpret. Einstmals ging ihm der alte Jägerbursche heimlich im Holze nach, da sah er wie der andere eine große Broombüchse , wie sie auch auf den Hütten gebraucht wird, um den Gehalt des Erzes zu erkennen, herauszog. Aus der Broombüchse aber flog eine Brummes (Bremse) heraus und darauf war auch sogleich Wildpret da. Als er geschossen und getroffen hatte, kam die Brummes wieder und flog in die Broombüchse hinein. Der alte Jägerbursche verkündigte aber dem Förster, was er gesehen hatte, und sogleich schickte der den neuen aus dem Dienste. * 16. Die Harliburg unweit Vienenburg. Wenn man von Braunschweig nach Vienenburg (der nächsten Eisenbahnstation vor Harzeburg auf der Braunschweig-Harzeburger Bahn) fährt, so hat man zur Linken das im Jahre 1291 zerstörte, damals braunschweigische Schloß Harliburg oder Herlingsburg. Es lag auf einem jetzt mit Laubholz bewachsenen Berge unweit Vienenburg (Amt Wöltingerode) an der Oker. Noch kann man deutlich die Spuren seiner Gräben und Wälle verfolgen, von dem Mauerwerk ist aber Alles verschwunden, nur ein Stück von einer Säulentrommel soll vor einigen Jahren ausgegraben sein. – Nach der Volkssage soll sich noch eine eiserne Thür im Boden befinden, welche zu dem »untergegangenen« Schlosse führt und täglich in der Mittagsstunde sich öffnet. Ein Mann, der sie einst entdeckte und durch sie ins Schloß hinein ging, fand dort drei große Kessel aufgestellt; in dem einen war Gold, in dem andern Silber, im dritten Kupfer die Hülle und die Fülle. Ist man einmal dort, so kann man nach Belieben nehmen, so viel man will, und so oft wiederkommen, als Einem beliebt. Aber wer mit dem Glockenschlage Eins nicht wieder fort ist, darf nie und nimmer das unterirdische Schloß verlassen. – Von der Harliburg wird auch erzählt, daß sie eine Besitzung Hackelberg's, des wilden Jägers, gewesen sei, der aus dem nahen Klöpperkruge begraben liegt. In der Nähe aus dem Galgenberge lag ein anderes Schloß, das auch versunken ist. Nach diesem ziehen täglich durch einen unterirdischen Gang die Prinzessinnen, welche in der Harliburg hausen. – An dem Wege von Wiedelah nach Lengede liegt unter der Harliburg ein Feld, welches den Namen »Liesenkämpen« führt. Dort hütete einst ein Schweinehirt seine Heerde. Alle Mittage entlief ihm mit dem zwölften Glockenschlage ein Kämpe (Eber) und blieb eine Stunde lang fort. Der Hirt ging einst nach und fand vor der Burg eine Prinzessin, welche den Kämpen mit Linsen (Liesen) fütterte. Daher stammt ver Name des Feldes. * 17. Die Schweinegrund im Finkenherde unweit Wiedelah. Der Finkenherd ist ein mit Wald bewachsener Hügel, dicht neben dem Dorfe Wiedelah, der Sage nach so genannt, weil Kaiser Heinrich I. dort seinen Vogelherd gehabt haben soll. Mitten in dem Walde befindet sich eine stets mit Wasser angefüllte Schlucht. Alles, was man hineinwirft, versinkt und ihre Tiefe ist unergründlich. Einst soll dort eine Schweineheerde untergegangen und aus den einzelnen Schweinen sollen die Holzbüsche gewachsen sein, welche aus dem Wasser hervorragen. Noch heute heißt die Schlucht die Schweinegrund. * 18. Der Okerhund bei Wiedelah. Der Okerhund ist ein großer schwarzer Hund mit funkelnden Augen, der an der Oker hauset und bei Nacht auch durch das Dorf Wiedelah kommt. Er springt Demjenigen, der sich ihm nähert, auf den Rücken und läßt sich von ihm tragen. Wer jedoch auf einem Wagen oder Pferde sitzt, oder bei seiner Annäherung darauf springt, dem kann er nichts anhaben. Sagen von Goslar. * 1. Die Entstehung der Bergwerke auf dem Rammelsberge.   I. Auf dem Brocken regierte in alter Zeit die Zauberjette und hatte noch elf junge Frauenzimmer in ihrer Gewalt. Nun hatten sich zwei Ritter am Brocken verirrt, von denen hieß der eine Otto, der andere Ramme. Sie hatten schon mehrere Tage am Brocken zugebracht und konnten sich nicht aus der Wildniß finden. Plötzlich sahen die Beiden, daß mehrere Männer in der Wildniß auf sie zukamen. Das war eine Räuberbande, die in der Schweiz verstört war und sich nach dem Brocken durchgeschlagen hatte. An diese Bande mußten die Ritter sich anschließen, um ihr Leben zu retten, und versprachen, ihr auf jede Weise zu helfen. Nun suchten sie sich die beste Stelle am Brocken aus, um eine Höhle aus Steinen zu bauen. Was sie aber am ersten Tage gearbeitet hatten, war den andern Tag wieder auseinander. Da wunderten sie sich, wie das geschehen sein könnte, daß das Kram wäre auseinander gekommen. Sie faßten aber Muth und arbeiteten den zweiten Tag wieder an der Höhle. In dieser zweiten Nacht mußten zwei Räuber vor der Höhle wachen und das Kram war am nächsten Morgen wieder auseinander. In der dritten Nacht wachen die beiden Ritter und der Räuberhauptmann. Wie es um die Mitternachtsstunde hinkommt, steht zuerst der älteste der beiden Ritter, Ramme, elf Frauenzimmer kommen, die haben einen kleinen Hammer und klopfen an den Pfeiler, den die Räuber haben hingebaut, da fließt er auseinander wie Wasser. Ritter Ramme aber zieht sein Schwert, ergreift Die, welche den kleinen Hammer trägt und sagt, warum sie ihre Arbeit wieder vernichte? Es antwortet ihm aber Niemand und am Brocken entsteht ein ungeheures Krachen. Die andern Räuber kommen zu Hilfe, da fragt der Ritter zum zweiten und dann zum dritten Male, warum sie ihre Arbeit vernichteten. Da antwortet Die, die den kleinen Hammer in der Hand trägt: sie kann ihm den Grund nicht sagen, doch soll er und der andere Ritter mit zu ihrer Befehlshaberin gehen, da würden sie erfahren, warum sie die Ordre erhalten hätten, ihre Arbeit wieder zu vernichten. Nun gehen die beiden Ritter mit und kommen in eine große steinerne Höhle, die nordwestlich am Brocken liegt. Als sie hinein sind, ist da die Zauberjette und die Höhle ist so schön inwendig, wie ein Schloß nur sein kann. Die Ritter fragen, warum sie den Befehl ausgäbe, ihre Arbeit zu vernichten. So antwortet sie, sie wolle allein hier am Brocken herrschen und habe deswegen noch elf Personen unter ihrem Joche, sie sei die Zauberjette. Gefiele es den Rittern, so möchten sie bei ihr bleiben und mit ihr leben, dann wolle sie auch die Bande am Brocken dulden. Wenn die Ritter aber nicht bei ihr bleiben wollten, so möchten sie nur ihren Bau einstellen, denn es würde doch Alles wieder zerstört werden. Die Ritter entschlossen sich endlich bei der Zauberjette zu bleiben. Wie sie aber einige Zeit bei ihr gewesen sind, wird ihr Zauber sehr schwach, weil sie in dieser Zeit nicht nach ihrer sonstigen Gewohnheit gelebt hat, denn sie ist sonst alle Nacht nach dem Wolfsbrunnen unten am Brocken gegangen, daraus hat sie in jeder Mitternachtsstunde drei Gepschen Gepsche, die hohle Hand. voll Wasser nehmen und trinken müssen. Davon hat sie ihren Zauber gehabt und das hat sie um der Gesellschaft der Ritter willen versäumt. Nun wird sie zuletzt so schwach, daß sie an zwei Stöcken gehen muß. Endlich fühlt sie, daß es mit ihr zu Ende geht, bekennt gegen die Ritter alle ihre Missethaten, und zeigt ihnen all ihr Vermögen und ihre Schätze. Von den Dienerinnen, die sie unter ihrem Zauberjoche hat, macht sie fünf frei, und geht dann mit den beiden Rittern unten am Brocken nach einer Höhle und zeigt dort alle Schätze, die darin sind. Darunter stand auch das Marktbecken, welches jetzt auf dem Markte zu Goslar steht. Vor der Höhle aber lag ein großer schwarzer Hund. Als sie den Rittern Alles gezeigt hat, greift sie in die Wand und zieht eine Flasche und einen goldenen Becher hervor, schenkt ein und will noch einmal die Gesundheit der beiden Ritter mit diesen trinken. In dem Augenblicke aber, wo sie eingegossen hat, kommt der Vater des Ritters Ramme hinten aus der Höhle und sagt! »O du alte Zauberjette, jetzt sind die zwölf Jahre um, für die du mich in den Schlaf gezaubert hast.« Da staunten die Ritter und der Sohn, der den Kelch in der Hand hatte, ließ ihn vor Schrecken zu Boden fallen. Alsbald aber erkannte er seinen Vater, der vor ihm stand, und der Alte sagte: er sei ihr Retter, das sei das ärgste Gift, das sie hätten sollen trinken. Da zog der Sohn des alten Ritters sein Schwert und hackte der Zauberjette den Kopf ab. Da entstand wieder ein furchtbares Krachen und ein Gewinsel des Hundes, der noch in der Höhle gewesen ist. Die Räuber, welche die Ritter oft bei der Zauberjette besucht hatten, waren ihnen auch jetzt auf dem Gange mit der Zauberjette zu ihrem Schutze aus der Ferne gefolgt. Als die das Krachen hörten, drangen sie in die Höhle ein. Wie sie nun in der Höhle waren, da verwandelte sich der schwarze Hund in einen alten Mann und sprach: Alles, was sie sähen, gehöre ihnen, sie hätten's erlöst; er sei froh, daß er nun nichts mehr zu verwahren brauche. Alles dies aber ist am Rammelsberge geschehen und sind noch immer die Goslar'schen Bergwerke beschäftigt, die Schätze der Zauberjette zu heben.   II. Andere erzählen Folgendes von der Entdeckung des Goldes im Rammelsberge: Ein Mädchen, welches in der Mühle diente, die sich am Fuße des Rammelsberges befand, stand eines Morgens schon vor Tagesanbruch auf, und während sie das Feuerzeug suchte. um auf dem Herde Feuer anzuzünden, sah sie am Rammelsberge Feuer. Sogleich eilte sie dahin und fand am Feuer mehrere Männer mit weißen Bärten sitzen. Beim ersten Anblick derselben überfiel sie eine furchtbare Angst, da es aber ein beherztes Mädchen war, ging sie auf sie zu und fragte unerschrocken, ob sie einige Kohlen nehmen dürfe. Die Angeredeten sagten aber kein Wort, sondern sahen starr vor sich auf die Erde. Sie nahm Kohlen, da sie dachte, »keine Antwort ist auch eine«, und trug sie in ihr Haus auf den Herd, aber als sie Holz darauf legen wollte, brannten sie nicht mehr. Einige Male holte sie noch Kohlen von dem Feuer, aber sobald sie dieselben auf den Herd schüttete, wollten sie nicht brennen. Als sie nun kein Feuer anzünden konnte, weckte sie ihre Herrschaft, welche ihr Feuer gab. Wie es dann völlig Tag geworden war, lag auf dem Herde ein großer Goldhaufen, und an der Stelle, wo das Mädchen die Kohlen hergeholt hatte, lagen nur alte Kieselsteine. Der Müller zeigte dies der Obrigkeit an, welche den Berg untersuchen ließ und dadurch den Goldreichthum des Rammelsberges entdeckte.   III. Bei Goslar am Rammelsberge war eine Grube, da kam der Teufel immer hin und arbeitete dort mit. Er arbeitete aber immer allein und einer der Bergleute sagte einst, daß sie ihm einmal nachgehen wollten. Ein Anderer sagte, sie möchten das unterlassen, doch folgten die Bergleute dem Erstern nach. Als der Teufel das sah, sprach er, das solle ihnen nicht gut bekommen und der große Rammelsberg solle nun nicht eher bebaut werden, als bis der kleine ausgebaut sei. Wie er am andern Morgen kam, geleitete er den einen, der seinen Kameraden abgeredet hatte, nach Hause, von den übrigen Bergleuten hat Niemand wieder etwas erblickt und auch den Teufel hat Niemand wieder gesehen. Am andern Tage haben sie Alles wieder aufbauen wollen, aber es ist Alles wieder eingestürzt, und so oft man seitdem einen Schacht in den Berg geschlagen hat, ist jedesmal in der Nacht Alles wieder eingesunken, oder, wie Andere sagen, es dürfen höchstens sechs Bergleute in einer solchen Grube arbeiten, den übrigen wird der Hals umgedreht; darum mag sich Keiner hineinwagen und steckt doch im großen Rammelsberge noch weit mehr Silber und Gold als im kleinen, wo der Bergbau allein noch getrieben wird. * 2. Die Kaiserstochter zu Goslar und die Gründung von Quedlinburg. Wie noch der Dom in Goslar gestanden hat, und es ist ein Fremder gekommen und hat ihn sich ansehen wollen, so ist gewöhnlich ein Geistlicher mitgegangen, und hat Einem die Merkwürdigkeiten gezeigt, und da hat er denn den Leuten einen Sarg gewiesen, darin hat ein Frauenbild gelegen und ihr zu Füßen ein kleines Hündlein, und dabei hat er diese Geschichte erzählt. Es ist einmal ein Kaiser (Heinrich der Dritte) in Goslar gewesen, der hat eine Tochter gehabt, die ist so schön gewesen, daß sich ihr eigener Vater in sie verliebt hat, und er hat sich gar nicht bezwingen können und har sie zu seiner Gemahlin haben wollen. Die Prinzessin ist dazu zu gottesfürchtig gewesen und hat's nicht thun wollen. Aber der Kaiser hat sich es nicht ausreden lassen, sie sollte seine Gemahlin werden, es möchte daraus werden was da wolle, und es ist schon der Tag zur Hochzeit angeordnet. Die Nacht vor der Hochzeit, wie sich das Mädchen gar nicht mehr zu helfen wußte und in ihrem Schlafzimmer war, warf sie sich auf die Knie und rief die Mutter Maria an, sie möchte ihr doch helfen. Da erschien ihr die Mutter Maria und fragte, was sie wolle? Sie erzählt ihr ihre Noth und bat sie, wenn's nicht anders geschehen könne, so möchte sie ihr doch lieber ihre Schönheit nehmen, ehe sie diese Sünde thun müßte. Da sagte ihr die Mutter Maria, ihr Wunsch sollte erfüllt sein. Den andern Morgen, wie die Prinzessin aufstand und sich im Spiegel besah, kannte sie sich fast gar nicht mehr, so häßlich war sie geworden, und wie sie der Kaiser zu sehen bekam, wollte er anfangs gar nicht glauben, daß sie seine Tochter sei, aber endlich hat er sie doch erkannt, und sie hat ihm Alles gesagt, wie sie's gemacht hat. Da wird er ganz wüthend und will sie hinrichten lassen. Aber seine Minister legten sich ins Mittel und Alles, was zugegen war, bat ihn, er möchte ihr doch Gnade widerfahren lassen. Da sagte er endlich: nun ja, wenn sie in acht Tagen ein Altartuch für den Dom fertig schaffen könnte, so wollte er sie wieder zu Gnaden annehmen. Nun hat aber die Prinzessin über alle Maßen schön weben und stricken können, und darum hat er Alles gesagt, wie das Altartuch sein soll, und er machte es so schwer, daß wol Eins Jahr und Tag daran zu thun gehabt hätte. Aber die Prinzessin dachte: wer dir einmal geholfen hat, der kann dir auch wieder helfen. Wie sie des Abends in ihrem Schlafzimmer war, rief sie wieder die Mutter Maria an, aber wer auch nicht kam, das war die Mutter Maria. Da ward ihr aber so Angst, und sie wußte nicht wohin und woher. Und die andere Nacht, wie sie wieder die Mutter Maria anrief, kam sie auch nicht und die dritte Nacht auch nicht. Da kam sie ganz von Sinnen vor Angst und sie rief den Bösen an. Der kam auch richtig und fragte, was sie wolle? Da sagte sie's ihm und bat ihn, er solle ihr helfen. Er sagte ja, das wolle er thun, wenn sie ihm ihre Seele verschreiben wolle. Nein, sagte sie, lieber wolle sie sterben, als ihre arme Seele ins höllische Feuer schicken. Er antwortete, sie möchte sich besinnen, morgen Nacht wolle er wiederkommen. Die vierte Nacht kam richtig der Böse wieder: ob sie sich besonnen hätte? Sie sagte nein, ihre Seele wollte sie ihm nicht verschreiben. Er antwortete: nun so wolle er doch das Altartuch machen, das heißt, wenn er in der letzten Nacht käme, zwischen elf und zwölf Uhr, und sie wachte, so wolle er ihre Seele nicht haben, schliefe sie aber, so müßte sie sein werden. Ja, antwortete sie, damit wäre sie zufrieden. Die andere Nacht wuchs das Altartuch zusehends und ward ganz wunderschön, wie's gar nicht zu erdenken ist, und sie ward auch gar nicht müde. So ging Alles recht gut, bis in der letzten Nacht, wie das Altartuch beinahe fertig war. Da konnte sie sich gar nicht halten vor Müdigkeit und schlief ein. Nun hat aber die Kaiserstochter ein kleines Hündchen gehabt zu ihrem Vergnügen, das hat Quedel geheißen. Das Hündchen ist niemals von ihr gewichen, weder Tag noch Nacht. Das lag auf ihrem Schooße und war munter, wie sie schlief. Wie's zwischen elf und zwölf war und der Böse trappte über den Saal, wie er eben auf die Thür zukam, hörte es das Hündlein und fing laut zu bellen an. Da erschrickt die Prinzessin und wird auch munter, und wie der Böse sah, daß sie wachte, ward er wüthend und griff nach dem Hündlein und schmetterte es gegen den Boden, daß es auf der Stelle den Geist aufgab, und darauf verschwand der Böse. Aber zum ewigen Gedächtniß an die Begebenheit hat die Kaiserstochter das Kloster Quedlinburg bauen und das Hündlein einbalsamiren lassen, und ehe sie starb, hat sie befohlen, daß es mit ihr in einem Sarge liegen soll. Und das ist das Hündlein und das Frauenbild, das man im Dom zu Goslar gezeigt hat und das in dem kleinen Theile des Doms, der noch steht, noch heute gezeigt wird. Das Altartuch hat man zu jener Zeit auch noch sehen können. * 3. Kaiser Heinrich IV. und der Dom zu Goslar. Kaiser Konrad II. war schon Willens gewesen, das Stift von der Harzeburg nach Goslar zu verlegen, mußte aber, vom Tode übereilt, diese Ehre seinem Sohne und Reichserben Heinrich III. überlassen und hat nur eine Kirche zur Ehre der Jungfrau Maria in Goslar erbaut. Im Jahre 1051 hat Kaiser Heinrich herrlich vollendet, was sein Vater angefangen. Denn er hat in Gegenwart von 73 Prälaten, Aebten, Bischöfen und Erzbischöfen das freie Exerntstift zu Goslar mit großem Pomp und Herrlichkeit entweder durch Papst Leo IX. oder durch Hermann, Erzbischof zu Köln, einweihen lassen. Es hat auch der Kaiser mit vielen Reliquien und Heiligtümern den Dom zu ehren nicht unterlassen, vor allem mit dem Leib des heiligen Valerius, der ein Bischof zu Trier gewesen. Ueberdies hat er von dem Papste viele Reliquien von den Aposteln Petro und Paulo erbeten, zwei Schultern der heiligen Simonis und Judä, wie auch das Haupt des heiligen Servatii, einen Theil von dem Blute des heiligen Stephani, den Leib des heiligen Matthiä, der von den Trierschen mit großen Gütern ist erkauft worden , und noch viele andere, welche zu der Zeit hochgehalten worden und der Kirche ein treffliches Ansehen gegeben haben. Die Einweihung ist geschehen am Tage der Märtyrer Processi und Martiniani, welches ist der andere Juli, und ist gewidmet zur Ehre der heiligen Mutter Gottes und der heiligen Apostel Simonis und Judä. Ursprünglich wurde die Kirche nach der Maria , später nach den Aposteln genannt. Im Jahre 1063 beging des Kaisers Nachfolger, Heinrich IV., den Christtag zu Goslar, an welchem Feste ein großes Aergerniß geschehen, das der Geistlichen Ehrgeiz der ganzen Welt gegeben. Am Weihnachtstage, wie des Abends die Stühle der Bischöfe zurechte gesetzt worden, hat sich ein großer Streit erhoben zwischen den Kämmerern Hecelonis, Bischofs zu Hildesheim, und Wiederadi, Abts zu Fulda, und sind sie von Worten zu Schlägen kommen, hätten auch endlich zum Degen gegriffen, wenn nicht das Ansehen Ottonis, Herzogs in Baiern, welcher es mit dem Abt hielt, die Sache gestillet hätte; die Ursache aber war diese. Es war eine Gewohnheit im Reiche, so von langen Jahren her war in Acht genommen worden, daß der Abt in allen Versammlungen nächst dem Erzbischofe von Mainz seine Stelle nehme. Aber der Bischof wendete ein, daß in seiner Inspektion außer dem Erzbischofe ihm Niemand müßte vorgezogen werden, und war überdies muthig wegen seines Reichthums, und wurde gereizt durch die Gelegenheit, indem bei des Königs jungen Jahren ein Jeder thun mochte, was ihn gelüstete. Am folgenden Pfingstfeste ist dieser Zank wegen des Vorsitzes zu einem gräulichen Blutbad ausgeschlagen, womit in der Kirche selbst nicht dem Heiligen Geist, sondern dem Teufel ein reichlich Opfer gebracht ist. Als der König und die Bischöfe in der Vesper zusammengekommen waren, ist wiederum wegen der Ordnung der Stühle ein Lärm entstanden, nicht wie zuvor von ungefähr, sondern aus lang bedachten Anschlägen. Der Bischof zu Hildesheim, des vorigen Schimpfes eingedenk, hatte Graf Eckberten mit vielen Soldaten hinter den Altar verstecket, welche, nachdem sie den Wortstreit der Kämmerer gehöret, eilig hinzuliefen, und schlugen die Fuldaischen theils mit Fäusten, theils mit Prügeln, und verjagten sie, als die unversehens überfallen waren, leichtlich aus der Kirche. Die Fuldaischen aber machten geschwinde Lärm, und weil es ihnen nicht an Gewehren fehlte, fielen sie haufenweise in die Kirche, und fingen mitten auf dem Chor unter den singenden Domherren nicht, wie vor mit Prügeln, sondern mit Degen, den Streit an. Es wurde eine grausame Schlacht, und wurde in der ganzen Kirche, anstatt geistlicher Gesänge, nichts Anderes gehört als Zurufen der Soldaten und Heulen der Sterbenden. Auf dem Altar Gottes wurden jämmerliche Menschenopfer geschlachtet, und flossen hin und wieder durch die Kirche Ströme Blutes, » nicht wie für diesem nach den Gesetzen des Gottesdienstes «, sondern durch feindliche Grausamkeit vergossen. Der Bischof zu Hildesheim stellte sich auf einen erhabenen Platz und ermahnte die Seinen, daß sie tapfer fechten sollten, und damit sie nicht durch die Heiligkeit des Orts von dem Streit abgeschreckt wurden, schützte er sein Ansehen vor und versprach, daß er es verantworten wollte. Unter diesen Streit rief der König und beschwor das Volk bei der königlichen Majestät, aber es war, als wenn er Tauben was gepredigt hätte. Endlich von den Seinen gebeten, daß er doch aus dem Streite weichen und seines Lebens schonen möchte, hat er sich kaum durch das Gedränge des Volks hindurchdrängen und in seinen Palast salviren können. Die Hildesheimischen, welche sich zum Streit geschickt hatten, wurden Meister. Die Fuldaischen, als welche unbewehrt und unvermuthet dieser entstandene Sturm zusammengetrieben, wurden geschlagen und aus der Kirche gejagt. Die Thüren wurden alsbald verriegelt. Die Fuldaischen, welche bei dem ersten Tumult ihr Gewehr herbeizuschaffen sich etwas weit gemacht hatten, liefen wieder häufig zusammen, nahmen den Vorhof der Kirchen ein, machten eine Schlachtordnung, daß sie in die Feinde im Ausgehen aus der Kirche recht einfallen könnten. Aber die Nacht hat endlich den Streit geendigt. Das Blut ist zuletzt aus den Thüren geflossen. Viele sind verwundet von beiden Seiten, viele auf dem Platze geblieben, unter welchen waren Reginbodo, ein fuldaischer Fähnrich, und Bero, der Graf Eckberten ein lieber Soldat war. Auch Buko, ein Bischof zu Halberstadt, welcher genannt wird ein Schürer der Flammen im Sachsenlande, blieb da todt und liegt begraben zu Ilsenburg. Ingleichen ein Graf von der Sommerschenburg blieb da auch todt und liegt begraben mitten in dem Münster, weil er ihm die Güter zu Schlanstedt und zu Dedeleben gegeben hatte. Noch andere Adelige aus Schwaben, Baiern, Franken und aus diesem Lande (Sachsen) wurden da getödtet. Da ward gehört der Teufel, der in das »Hunc diem gloriosum fecisti!« mit grober Stimme dazwischen sang: »Düssen Dag des Strietes hewwe ek emaket.« Und dabei ist er auch gesehen, war feuerroth anzuschauen und bläkte eine feurige Zunge heraus. Das Erscheinen des Teufels im Dom zu beweisen, pflegte noch im siebenzehnten Jahrhundert gezeigt zu werden ein Loch, wodurch der Geist der Finsterniß soll gerufen haben, welches, wie man dafür gehalten, nicht hat können zugemauert werden. Eine so große Uebelthat ist ungestraft geblieben, weil Graf Eckberten, der des Kaisers Vetter war, aus Gunst ist übergeholfen worden, und der Abt mit einer großen Summe Geldes sich loskaufte. * 4. Der große Christoph und die Clus. Im Dom zu Goslar war, bis dies herrliche Bauwerk 1819 abgebrochen wurde, auch das ungeheure hölzerne Bild des großen Christoph mit dem Christkind auf dem Rücken. Der ist früher im Harze und besonders zwischen Goslar und Harzeburg gegangen und hat auch einst eine Erbse, die ihm im Schuh gelegen hat, dort herausgeschüttet; die ist immer mehr angewachsen und daraus ist der mächtige Sandsteinfelsen geworden, der jetzt die Clus heißt. Sie wird von den Reisenden gern besucht, ihr Inneres ist als Marienkapelle in früherer Zeit eingerichtet und als kleine Kapelle noch ziemlich gut erhalten; die Clus ist auf der einen Seite jetzt von kleinen Gartenanlagen umgeben. Einst kam der große Christoph über das Osterfeld, das unweit der Clus und dicht bei Goslar liegt. Da verlor er auf dem Boldrick, wie eine Stelle dort genannt wird, die Säbelscheide. Viele Schneider, die ihm nachfolgten, trachteten da sogleich nach seinem Leben. Als er aber umkehrte, verkrochen sich alle in seine Säbelscheide und da hat er sie alle in der Säbelscheide erstochen. * 5. Zwei deutsche Kaiser halten zu Goslar ihren ersten Reichstag unter Donnern und Blitzen. Wie König Heinrich V. im Jahre 1107 nach Heinrich's IV. Tode einen Reichstag zu Goslar hielt und die Reichssachen nach seinem Verlangen ordnete, entstand unversehens ein solches Donnern und Blitzen, daß der König und das Volk sehr erschrak. Denn es war so ein heftig Wetter, daß der Blitz einen guten Theil des königlichen Schildes nebst dem Gürtel und das Leder oder Ueberzug des Schildes zusammenzog. Es wird auch gesagt, daß der König sei am großen Zehe des rechten Fußes verletzet worden, und habe diese Wunde getragen, solange er gelebet. – Aber auch schon von Kaiser Heinrich IV. wird berichtet: In dem ersten Jahre seines Reiches ließ er ausrufen einen Hof zu Goslar in den Pfingsten, da ward sein Schild mit dem Schwerte in seinem Zelte Goslar bei seinem Bette verbrannt von dem Blitze. * 6. Kaiser Lothar's des Sachsen Tod. Im Jahre 1138 sind große Feuersbrünste entstanden in Goslar, Mainz, Speier und Hall in Sachsen. In eben diesem Jahre am 3. December starb Kaiser Lothar, unter welchem sich das Reich ein wenig wieder erholet hatte. Näher aber wird über des Sachsen-Kaisers Tod also berichtet: Der Papst litt Noth an dem König von Neapolis und einem Herzoge, da rief er den Kaiser Lothar zu Hilfe. Der sammelte Volk und zog in die Lombardei und überwältigte die Feinde des Papstes. Da war aber eine Burg, auf der waren viele Räuber, die beraubten alle Lande. Das verdroß den Kaiser und er nahm die Burg und fing fünfhundert Räuber, die ließ er Alle hängen, und brannte die Burg rein aus. In der Angst aber gaben sich alle Städte und Burgen unter den Kaiser. Solches geschah vor Pfingsten. Da dies geschehen war, zog der Kaiser in die nächste Stadt. Da kam auch der Papst Innocentius, und das war in den Pfingsttagen, da sang der Papst die Messe im Münster zu Sanct-Nikolaus. Da sah man oben in der Kirche eine goldene Krone vom Himmel niederschweben, darüber saß eine weiße Taube und unter der Krone waren noch andere Zeichen zu schauen. Das wunderte alle Leute und ein weiser heiliger Mann deutete es dahin, das bedeute die Einigkeit und den Frieden zwischen dem Kaiser und dem Papste. Dieser Papst gab dem Kaiser Lothar auch den Ablaß zu Luther in Sachsen. Nun wollte der Kaiser Lothar wieder nach Haus, als er aber nach Nürnberg kam, da starb er und wurde von Nürnberg hergeführt in das Land zu Sachsen nach Königsluther. * 7. Herzog Heinrich der Löwe und die Bergleute von Goslar. Es wüthete im Jahre 1166 durch ganz Sachsenland ein groß Gewitter und Aufruhr, indem alle Fürsten wider Herzog Heinrichen von Braunschweig sich auflehnten und seine gar große Macht auf alle Weise zu mindern suchten. Und es wurden viel Soldaten gefangen, verstümmelt und viel Städte und Häuser zerstöret und verbrannt. Goslar hielt es mit den Fürsten, deswegen ließ der Herzog die Stadt blockiren, daß ihnen kein Proviant konnte zugeführet werden, und sie litten zu Goslar große Hungersnoth. Im Jahre 1168 wurde Herzog Heinrich durch Vermittlung des Kaisers Friedrich I., der insgemein Barbarossa oder der Rothbart genannt wird, mit seinen Feinden wieder vereiniget und nur Witekind von Dasseburg allein blieb sein Feind. Wie die übrigen alle befriediget (beruhigt) waren, belagert er den Witekind in seinem Schloß Dasseburg. Weil aber der hohe Burgberg alle Bemühungen und Kriegswerke vergeblich machte, berief der Herzog arbeitsame Männer vom Rammelsberge, die ein schwer und bisher unerhört Werk anfingen, und durchgruben den Dasseberg, und zu dem Innersten des Schlosses kommend, fanden sie einen Brunnen, daraus die Dasseberger ihr Wasser schöpfeten. Wie sie den verstopfeten, fehlete es den Schloßleuten am Wasser und ward der Witekind gezwungen, sich und das Schloß in des Herzogs Gewalt zu geben. Der übrigen Besatzung wurde frei gegeben, in ihr Land zu ziehen. * 8. Die Goslarsche Grenze. Als die Freiheit der freien Reichsstadt Goslar im Sinken war und sie an Braunschweig fiel, wurden drei schwangere Bergmannsfrauen zu dem Herzog von Braunschweig, der die Stadt besetzt hatte, geschickt, um Gerechtsame für sie zu bitten. Da befahl der Herzog: die Stadt solle einen Ochsen mästen drei Vierteljahre lang, dem solle eine centnerschwere Glocke umgehängt werden und so viel Wald er in Einem Tage umschreiten könne, solle der Stadt gehören. Es geschah auch also mit dem Ochsen, und der schritt dann das Okerthal hinauf und kam auf dem Gebirge heraus bis zum Auerhahn, wo er gefüttert wurde. Unter Hahnenklee wurde er auf dem noch jetzt so genannten Ochsenwege geführt, da ist er gefallen und darum ist am Graneflusse noch jetzt die Grenze der goslarschen Forst. * 9. Der Saal im Petersberg. Am Petersberge bei Goslar, worauf sonst das Peterskloster gestanden hat, pflückte ein Kind eine Blume. Da that sich der Berg vor ihm auf und es kam in einen Saal, wo viele herrliche Pferde muthig wieherten und wo von Gold und Silber gegessen wurde. Alle, die dort speisten, hatten goldene Kronen auf und gaben auch dem Kinde einen silbernen Teller mit nach Haus. Die Aeltern haben nachher den Eingang und auch die seltene Blume nicht finden können. Es sollen aber die Männer im Petersberge die Kaiser gewesen sein, die in Goslar einst gewohnt haben. * 10. Der Kinderbrunnen bei Goslar. Kinderlose Frauen trinken in Goslar aus dem Kinderbrunnen und werden davon fruchtbar. Er hilft jetzt mit seinem Ausfluß den herzberger Teich nähren, dessen Wasser die Kunst des Rammelsberges treiben. Der kaiserliche Jäger Ramme, dessen Roß auch nach manchen Sagen Gold aus dem Rammelsberge hervorgescharrt und so das Entstehen der Bergwerke am Rammelsberge veranlaßt haben soll, kam einst mit seiner Gemahlin Gosa vom Rammelsberge her und diese wurde am Kinderbrunnen von Geburtswehen überfallen. Daher soll der Kinderbrunnen den Namen haben und das Flüßchen Gose daher, weil in ihm das Kind der Gosa gereinigt sei. Andere erzählen, Sophie, die Gemahlin Gundel Karl's, welcher nach der Pest die todten Gruben des Rammelsberges wieder ins Leben rief, wollte seiner Gemahlin den neuerwachten Bergbau zeigen; auf dem Rückwege vom Rammelsberge gebar sie Zwillinge. Noch vor nicht langer Zeit war am Kinderbrunnen ein Stein zu sehen, an dem mehrere Kinder ausgehauen waren. Von Augenzeugen wird auch in Goslar erzählt, es lasse sich zuweilen Abends zwischen acht und zehn Uhr auf dem Rammelsberge eine Laterne mit drei Flämmchen sehen. In demselben Augenblicke, in welchem sie oben auf dem Berge sei, erscheine sie auch wol eine Viertelstunde von jenem Punkte entfernt; sie sei bald hier, bald da, doch nehme sie gewöhnlich ihre Richtung nach dem eine halbe Stunde entfernt dem Rammelsberge gegenüberliegenden Sudmerberge. Die Laterne sei sogar dicht an den Augenzeugen vorbeigeschwebt und sie hätten jeden Augenblick ihren Angriff erwartet, auch die Besinnung verloren und kleine körperliche Verletzungen davongetragen. Man erzählt auch in Goslar, daß vor alten Zeiten eine Frau ihre drei Kinder in einem Brunnen vor Goslar, wol dem Kinderbrunnen, ertränkt habe, daß darum ihre Seele noch keine Ruhe finden könne und daher gewöhnlich am Abend in der Gestalt einer Laterne mit drei Flämmchen in der Nähe des Brunnens herumwandern müsse. * 11. Die verwiesene Papiermüllerin. Hinter Goslar lag eine Papiermühle, darin wohnten ein Paar alte Leute, die hatten nur einen Sohn. Als der heranwuchs, schaffte er sich eine Liebste an, und das wollten die alten Aeltern nicht leiden. Er ließ sich aber nicht davon abbringen und freite sie. Einige Zeit nach der Hochzeit starb die Alte und der Papiermüller übergab dem Sohne die Meisterstätte und das ganze Kram, zog selbst nach Goslar und nahm da Quartier. Die Zeit lief hin und die junge Frau gebar einen Sohn. Die beiden Dienstmädchen mußten bei der Wöchnerin wachen. Als es gegen Mitternacht war, wurden die Mädchen gleich der Wöchnerin müde und Alle schliefen ein. Da sie am Morgen aufwachten, lag der Knabe todt neben der Wöchnerin und Niemand wußte, auf welche Weise er zu Tode gekommen war. Die Zeit ging wieder hin und die junge Papiermüllerin gebar ein kleines Mädchen. Dabei ereignete sich Alles wie zuvor. Eine Zeit lang nach dem Tode der Tochter gebar die Frau wieder einen Knaben. Da war unter den beiden Dienstmägden eine neue, die erzählte der andern in der ersten Nacht etwas und dadurch blieben Beide wach. Es war aber eine wundervolle Nacht, der Mond schien hell und als es so gegen elf war, sprach das neue Mädchen, sie wollten gar ein bischen ausgucken. Nun lag der Papiermühle gegenüber ein großes Angebäude, da entstand plötzlich ein Geräusch und dann ging dort ein Fenster auf und guckte eine weiße Gestalt heraus. Als die Glocke zwölf schlug, schloß die weiße Gestalt das Fenster, holschte wieder über den Boden herüber und ging fort. Wie am Morgen der Herr der Mägde aufstand, erzählten sie ihm das. Er wollte ihnen anfangs nicht glauben und beschloß in der folgenden Nacht selbst mit aufzubleiben. Sobald die Glocke nun elf schlug, kam die Gestalt wieder und der junge Papiermüller erkannte seine Mutter. Schlag zwölf warf die Gestalt wieder das Fenster zu und verschwand. Am andern Tage wurde der alte Papiermüller herbeigeholt, auch der blieb die Nacht auf und überzeugte sich, daß die ersten beiden Kinder von Niemand anders als von seiner Frau getödtet sein konnten. Er bestellte also sogleich zwei Barfüßer herbei, welche den Geist verweisen sollten. Auch der Arzt und die Hebamme wurden herbeigeholt, für den Fall, daß der Wöchnerin etwas geschähe, weil der Geist auf der Kammer, wo sie lag, verwiesen werden sollte. Die Barfüßer befahlen dem Müller, daß er während der Verweisung Alles im Hause offen lassen sollte, und das geschah auch; doch machte der Wächter, als er vorbeikam, die Hausthür und das Dielfenster zu. Die beiden Barfüßer beschrieben zuerst drei Ringe auf dem Fußboden der Stube. Es waren aber die Beiden ein junger Mensch und ein alter. Der Junge setzte sich unten ans Bett an einen kleinen Tisch, nahm sein dickes Buch, legte es verkehrt und fing an, so darin zu lesen; der Alte stellte sich neben ihn. Nun kam auf den Glockenschlag elf die Alte ans Fenster im Angebäude. Als sie ein Schäuerchen (Weilchen) ausgeguckt hatte, schob sie das Fenster zu und kam herein. An dem vordersten Ringe blieb sie stehen. Da sprach der junge Barfüßer: »Geist, bist du ein guter Geist oder ein böser Geist? So gebiete ich dir zu reden.« Sie antwortete nicht und er fragte zum zweiten Male. Sie antwortete aber wieder nicht und als er zum dritten Male fragte, hielt sie ihm vor, daß er seiner Mutter einmal einen Pfennig weggenommen hätte. Er sagte zwar, daß er sich dafür Papier gekauft hätte, aber dennoch mußte er aufstehen, und der Alte setzte sich an seine Stelle. Als der sie auch also anredete, begann sie sich zu schütteln und gestand, sie könne nicht ruhen, weil sie nicht gewollt, daß ihr Sohn seine Frau freien sollte, auch daß sie am Tode der beiden Kinder schuldig wäre. Und wenn das Mädchen diesmal nicht munter geblieben wäre, so wäre es dem dritten Kinde ebenso ergangen. Da verwies der Barfüßer sie ins Rothe Meer , sie aber fing an zu betteln: sie möchten ihr doch einen Winkel im Hause lassen, und wenn es nur ein Loch wäre, wo sie hineinkriechen könnte. Da fragte dieser Barfüßer ihren Sohn und ihren Mann, ob sie haben wollten, daß sie im Hause bleiben solle. Die wollten es nicht leiden und sprachen: nein, sie soll ins Rothe Meer. Sobald die Glocke zwölf schlug, wendete sie sich um und war verschwunden und ließ einen furchtbaren Gestank zurück. Als sie herunter kamen auf die Diele, wo der Wächter Alles zugemacht hatte, hatte sie das eine Fach von den Fensterruthen mit herausgenommen. Von der Zeit an aber ist sie nicht wieder gekommen. * 12. Die Wöchnerin. In Goslar stellt ein verwiesener Pastor in einem Hause den Wöchnerinnen nach und ist auch sonst an den Stuben, worin sich Wöchnerinnen befinden, ein Hängel , sodaß sie von innen zugehängt werden. Das Hängel ist aber ein Kreuz, oder es ist wenigstens vor Zeiten ein Kreuz gewesen, und das Kreuz bewirkt, daß kein Gespenst und kein Geist an der Wöchnerin Macht hat. Da hat nun auch einmal eine Wöchnerin, die in jenem Hause gewohnt, das Hängel vorgehängt hat und mit ihren Kindern allein in der sichern Stube gewesen ist, draußen ein gewaltiges Rumoren gehört. Als ihr Mann, der ein Bergmann war, nach Haus kam, sagte sie ihm noch nichts davon; allein als es spät Abends war, hörte der ein furchtbares Rumoren im Ofen, und weil er meinte, eine alte Frau, die mit im Hause gewohnt und manchmal eine Pfeife geraucht hat, liege so spät noch im Ofen und suche nach einer Kohle, so rief er ihr zu: sie solle nur herein kommen, er wolle ihr schon Feuer geben. Da ist der Lärm noch ärger geworden, der Bergmann aber faltete darauf die Hände und sprach: Ihr Höhlengeister, packet euch, Ihr habt hier nichts zu schaffen; Dies Haus das steht in Jesus Reich, Laßt es ganz ruhig schlafen. Hiernach ist es im Hause still geworden. Auf dem Hofe aber ist ein Holzstoß gewesen, da hat eine Glucke oder Bruthenne mit ihren Küken gesessen, die hat während des Lärmens immerfort gerufen Kakedak und hat geplustert, als suchte sie ihre Brut mit den Flügeln zu schützen. Am andern Morgen aber hat die Glucke mit allen ihren Küken todt auf dem Hofe gelegen und das Gespenst, weil es der Wöchnerin mit ihrem Kinde nichts hat anhaben können, hat der Glucke mit ihren Küken den Hals umgedreht. Die Wöchnerin ist nun sehr besorgt geworden und als sie am Tage einmal auf den Hof gegangen ist, hat sie ihren Sohn, ein Schulkind, mitgenommen. Wie sie nun aber so auf dem Hofe stand, rief der Knabe alsbald hoch erschrocken: »Mutter, da kommt der Pastor!« In dem Augenblicke sah sie ihn auch, wie er mit ausgebreiteten Armen auf sie zukam. Doch entfloh sie glücklich in die Stube, und getraute sich erst den Abend in Begleitung ihres Mannes wieder auf den Hof. Der Knabe ist ihnen auch gefolgt, und der rief alsbald wieder: »Mutter, da kommt der Pastor.« Da sahen sie ihn alle, die Wöchnerin aber erreichte auch diesmal glücklich die Stube und der Mann ging sogleich zur Geistlichkeit und fragte, wie er sich zu verhalten habe. Die Geistlichkeit sagte, am andern Tage solle die Wöchnerin zur Kirche gehen und sich einsegnen lassen; dann aber dürfe sie nicht in das alte Haus zurückkehren, sondern er solle eine neue Wohnung miethen, und da müsse sie sogleich von der Kirche aus hingehen; in das alte Haus sei früher einmal ein Pfarrer verwiesen, der stelle den Wöchnerinnen nach. Und so ist es auch gewesen. Vor einer Kammer in dem alten Hause hat ein mächtiges Schloß gehangen, und auf der Kammer hat der verwiesene Pfarrer gesessen. Der Bergmann aber hat mit seiner Frau gethan, wie ihm geheißen ist. * 13. Eine alte Anweisung für Goldsucher von Goslar aus. Der Harz wurde in frühern Jahren viel nach Schätzen durchsucht und es finden sich viele sehr bestimmte Anweisungen für Schatzsucher, besonders in der Gegend des Brockens. Die folgende entnehme ich aus der im Jahre 1680 von dem leipziger Magister Johannes Prätorius herausgegebenen Schrift » Alectryomantia «. »Der Hirschberg – heißt es darin – ist gelegen vor Goslar, bei dem Rammelsberg über. So halte dich in demselben Berg auf die rechte Hand, so kommst du auf einen Kreuzweg, da stehe stille und siehe nach der Sonnen, wenn sie zu Gnaden gehet, da richte dich nach; danach kommt dir ein Grabe zu mit einem halben Berge, da lege dich nieder, da wirst du Moos auf finden, und drunter ein Wasser, aus dem Klee springend. Hebe das Moos auf und suche darunter, und gehe darüber entlang, bis daß du kommst an das rechte Holl oder Born, darinne findest du Gold-Körnlein, so groß als Erbsen, und wie Bohnen und immer größer. Probatum est!« Sagen von Gittelde und der Staufenburg. * 1. Kaiserswoort in Gittelde. Durch Förste kam einstmals ein alter Kaiser mit noch so einem alten Knaben; da sagte der Kaiser an der Stelle, wo jetzt Gittelde steht: hier will ich mich anbauen. Da sagte der Andere, dem die Gegend auch lieb war: is dat eu Woort? Ja, antwortete der Kaiser, und baute Gittelde. An der Stelle, wo das Gespräch gehalten wurde, steht jetzt Holz, sie heißt aber noch heutiges Tages Kaiserswoort. – Ferner wird ein Garten in Gittelde noch heutiges Tages der Kaisersgarten genannt und die Mauer, die ihn umgibt, die Kaisersmauer. In dem Kaisersgarten hat aber das Schloß des Kaisers gestanden, und die ganzen umliegenden Dörfer haben zu Gittelde gehört. * 2. Kaiser Heinrich der Vogelsteller und die Mönche. Heinrich der Vogelsteller wohnte auf der Staufenburg und ließ seine Frau einmal daheim, während er selbst in den Krieg ziehen mußte. Das erfuhren die Mönche in einem reichen Kloster, welches etwa acht Stunden von der Staufenburg entfernt nach Nordhausen zu lag, und deren dort fünfhundert Mann gewesen sind. Sie waren aber so schandbare Burschen, daß sie während der Zeit allesammt Herrn Heinrichs Frau nachgestellt haben. Da sind denn einmal ein paar Mönche nach der Staufenburg gereist und haben der Kaiserin aufgelauert. Die Kaiserin ist gerade spazieren gefahren und die Mönche sind zugesprungen, haben sie aus der Kutsche geraubt und mit sich nach dem Kloster geführt. Der Kutscher, der aus dem Klosterdorfe gewesen ist, hat die Mönche gekannt und Keinem etwas gesagt. Die Kaiserin aber hat sich dazu nicht gebrauchen lassen wollen, wozu sie die Mönche haben brauchen wollen, und darum hat man sie in das finsterste Gefängniß geworfen. Den Kutscher nahmen dann die Mönche selbst in Dienst und da hielt er nun vollends seinen Mund. Lange Zeit nachher aber wurde er abgelohnt und ging in die Welt, um sich eine Stelle als Kutscher zu suchen. Er kam wieder zu Kaiser Heinrich, der jetzt schon wieder aus dem Kriege zurück war, und der behielt ihn auch. Da sollte er eines Mittags die Probefahrt machen, ob er auch das Fahren bei den Mönchen nicht verlernt hätte, und er fuhr an der Stelle vorbei, wo die Kaiserin aus der Kutsche geraubt wurde; da sagte der Kutscher zum Kaiser: »Diese Stelle ist mir sinnlich.« Der Kaiser fragte: wodurch? und der Kutscher erzählte die Geschichte mit der Kaiserin. Der Kaiser aber sagte mit Thränen in den Augen zum Knecht, der Jakob hieß: »Kehre nur um, Jakob, du hast deine Probefahrt gut gemacht und dieselbe soll dir Vieles einbringen.« Darauf ließ der Kaiser alle Soldaten zusammenblasen, zog hin und umringte das Kloster mit seinen Soldaten, sodaß kein Mönch herauskonnte. Sie überlieferten ihm seine Frau aus dem Gefängniß, und er ließ für die vielen Schandthaten, die sie in ihrem Leben ausgeübt, alle fünfhundert Mönche bestrafen. Der Knecht aber wurde zur Belohnung für sein gutes Gedächtniß vom Kaiser zum General gemacht und er hat auch nachher bewiesen, daß er ein rechter General war, durch seine Tapferkeit im Kriege. * 3. Die Schlacht bei Staufenburg und der Schimmel. Bei der Staufenburg ist eine Schlacht im Siebenjährigen Kriege geschlagen und diese hat für unsere Vorfahren einen guten Erfolg gehabt. Vor dem Berge lagen die Unsern und frühstückten und hinter dem Berge lag der Feind. Und die Soldaten, was unsere Vorfahren waren, die haben schon an Gott gehakt . Am guten Ausgang der Schlacht verzweifelt. Der eine General hat gesagt: so wenig als sein Pferd, was ein Schimmel war, schwarz wäre, so wenig gewönnen sie auch die Schlacht. Da ist auf einmal das Pferd, welches ganz weiß war, kolkrabenschwarz geworden. – Nun haben die Soldaten erst fertig gefrühstückt, dann ist zum Aufbruch geblasen und der Ausgang des Gefechts war für unsere Vorfahren glücklich. Dieselben hatten zuletzt mehrere Kanonen gewonnen, die Franzosen aber hatten Reißaus genommen. Das Pferd des Generals ist aber sehr alt geworden, und es ist das kostbarste Pferd gewesen, was in der ganzen Garnison war. * 4. Die Jungfer auf dem Amte Staufenburg. (In der niederdeutschen Mundart von Gittelde.) Vor drei Wochen hät en Knecht, Namens Georg Sepenbein, op Amt Staufenburg dä Päre futtert, un weil e dä Päre futtert hät, kümmt e rinter in de Knechtstube, un da steit en Talglicht up en Dische, dat is saun Stümpel west, dä denn de Herrens nich mehr brennt, dä kriet denn dä Knechte un mött dä verbrennen. Un (hei) stickt dat Talglicht an von siene Lüchte un da hät da de witte Jumser säten, ganz schneiwitt, un hät immer in Eine Stee kuckt. Da verfeert (erschrickt) hei sik un löpt na dä andern Knechte, dä sind in Pärstalle west un hät nu all in Bedde lägen. Dei staht nu ut en Bedde un seit tau, dat (indem, weil) se dat hätt wollt nich glöben. Weil düsse Knechte dat seit, dat düsse witte Jumfer da sit, da lopet dä wedder retur, Sau passet dä Knechte dä andre Nacht nu wedder op, da sind se alle te hope in dä Stube, de eine hät hier esäten un hät ne Piepe Taback eroket un de andern hät da esäten. Da schleit de Klocke elwe, da deit düsse witte Jumfer dä Dör up un set sik da wedder hen in dä selwige Stelle. Sau lopet düsse ganzen Knechte ruter un lopet hen na'n Verwalter. Hei will sik sülwest owertügen, un weil hei dä Dör updeit, da sitt düsse witte Jumfer da. Den andern Morgen sägt hei dat sienen Herrn. Weil hei nu na den Herrn kümmt: »Guten Morgen, guten Morgen, lieber Herr, ich habe mich selber überzeugt wegen der Geschichte wegen der weißen Jumfer.« Da vertellt hei 't nu sienen Herrn un düsse Amtmann dä hat nu dat wollt ok nich glöben un sägt, wenn se düssen Abend wedder da sitten deee, denn soll hei öne mal sülwest raupen. Weil nu düssen Abend dä Klocke elwe sleit, da sit düsse Verwalter nu in de Knechtstube inne, da kümmt se nu an up en Punkt elwe. Da löpt e hen, un kloppt an dat Fenster, wu dä Amtmann slöppet, ganz barbarsch mit en Stocke, un da sägte: »Herr! Herr! dä witte Jumfer is nu all wedder komen un hät sik up dä Stelle settet.« Düsse Amtmann dä will dat nich glöben, dä sägt: »Sau forwahren Gott wie sien Rietpärd, sien Schimmel, nich for sien Fenster keime un sänge 'n Geschricht an, sau forwahr wörre dat nich wahr«, sägt denn düsse Amtmann. Sau weil'e knapper Noth (kaum) dat Wort utesägt hät, sau kümmt sien Schimmelpärt for 't Fenster un fänget ok en Geschrichte an. Sau sägt düsse Amtmann to siener Fru, se woll'n mit enander mal hengahn un wollen sek da sülwest von owertügen. Weil nu dä Amtmann mit siener Fru da rinder kümmt, kucket tau'r Dör rin, da fällt dä Fru gliek in Ahmacht (Ohnmacht), dat se dä Jumfer da süt. Sau hät düsse Jumfer aber noch vele schönder utesein, als wie vorher, da se lewet hät. (Awer op veelerlei Art is se manchmal ewest. Wenn wer rinter komen is, den se is nich gut ewest, denn is se aschenfahl in Gesichte worren.) Den andern Dag sägt düsse Amtmann tau sienen Bedienten, se wollen mal na Gittelde reisen na'n Herrn Superdenten, mit den hät hei en Kluck (Club). Sau reiset hei na Gittelde mit siener Fru, mit den Verwalter un den Bedienten und sint mit twei Kutschen hen ereiset. Dat (als) se sik nu erst sau fraget: »Herr Amtmann is nist Nies passirt?« da sägt dä Amtmann: »Herr Superdente, wenn ick Sei't Nieste sägge, dat glowet Sei doch nich«; wettet hei umme fief Flaschen Wien, dat hei dat nich glöfte, düsse Superdente... da drinkt se nu düsse fief Flaschen Wien mit enander erst, düssen Amtmann siene Frue un düssen Superdenten siene Frue dä mött nu ok rupper komen up dä Stube un mött midde drinken un düsse Bediente hät denn ok wat vonekricht. Düsse Superdente den wart nu Tiet un Wiele lang, ehr e dat gewahr werd (erfährt). Wie nu dä Wien utedrunken is, da sägt et ne dä Amtmann un da mott dä Superdente den Wien betalen, weil hei't nich glöben will und weil hei sägt: »Das ist fürwahr nicht wahr, so wahr unser Herr Gott die liebe Sonne da her scheinen läßt!« Da hätt se sik aber mit den Superdenten in de Kutsche set un feuhrt hen na'n Amt Staufenburg un de Superdente nimmt ok noch siene feir Söhne midde, dat dä da sik ok owertüget. Sau wie dä Klocke nu elwe sleit, sau gaht se nu tehope hen na dä Knechtstube, dä Jumfer is all da, un weil nu düsse Superdente mit sienen feir Söhnen rinder kummet, sau kricht se nu'n Kopp, sau wat lewet gar nich (man sollt' es kaum glauben) un alle Haare staht te Barge un is aschenfahl in Gesichte. Düsse jüngeste Sohne dat is nu'n Soldate west, dä wanket (winkt) sienen Vader un siene Breuders, dat se söllt mal ruter gan. Weil dä nu knappernoth ter Dör rut sind, da steit düsse Witte Jumfer up un wert wedder ganz schön, un gift ne en Handkuß. Da will e'r nu wier noch midde (er nun noch weiter mit ihr) spräken; aber se gift sik wier keine Bekanntschaft, da is et nu sau wiet ewest, dat et hät twölwe slan wollt. Da maket se weg un düsse Superdentensohne dä geit midde rut. Da schrift düsse Superdente na'n Genderalsuperdenten na Seesen: sau un sau wörre passirt. Da kümmt dä Genderalsuperdente den Abend drup mit twei Jüngelingen, dat sind Studenten ewest. Sau komet se hen, weil et elwe schlan hat, in dä Knechtstube weer rinter, sau sitt düsse Witte Jumfer da wedder, awer dä Genderalsuperdente dä hät nu up jede Halwe (Seite) en Jüngeling ehat. Weil nu dä drei sau vorgaht, sau kricht sei nu wedder 'n paar Ogen in Kopp, dei sind sau glu, sau wat is gar nich. Sau kucket düsse Witte Jumfer immer man dä beiden Studenten nu an, sau immer man von einen op et ander (von einem zum andern) mit en Ogen. Sau wer't düsse bei'n Studenten bange und lopet ter Dör ruter, un da kricht düsse Jumfer ortlich'ne andre Culör un kricht ortige Ogen wedder as wie en Minschen taukümmt, un sägt tau düssen Genderalsuperdenten: als wie vor tein Jahren wörre sei von Bronswiek, wu se te Hus wörre, wegekomen na Amt Staufenburg un da wörr' se twei Jahre als Mamsell ewest un darop wörr se storben. Aber sei härre in Bronswiek en Hus ehät, un da wörre de Vader un de Mutter von estorben, da wörre dat Hus verkoft un da härr' se sik en kleinen Kasten maken laten un da härre se dat Geld ineda'n. Un in Bronswiek da härr se sik als Mäken von tein Jahren in en Burschen verleiwet hat, dat wörre 'n Offzier ewest; un ehr dä nu dat Geld nich härre, ehr könne se niche ruhn, un sau lange möste se hier wuten (spuken) gahn. Un da mott sik düsse Genderalsuperdente gliek hensetten un mott en Brief schrieben, wu de Verhältnisse wörren op 'er Staufenborg. Oern Namen schrift düsse Jumfer sülwest derunder un hät ok de Upschrift eschreben un hät den Breif wollt taumaken, da sleit de Klocke da twölwe un da mott se da weg. Un dat durt (dauert) hen bett de dridde Nacht, ehr düsse Offzier nu kümmt. De erste Nacht hat se an de Stubendör mit saune witte Kriete 'n Strich emaket, un de tweite Nacht hat se weer 'n Strich emaket un de dridde Nacht hat se weer einen emaket, un da kümmt se ter Dör rin un sett sik wedder up öre Stelle, un weil se da sitt, da röpt se dreimal: »Fränzchen! Fränzchen! Fränzchen!« Sau hät den Offzier sien Pärt eheeten, dat is en schlootewitten Schimmel ewest, damit is hei up en Hof eredden ekomen. Un wie sei taun driddenmale Fränzchen sägt, sau tritt dä Offzier ok all ter Dör erin. Un dä Offzier hat ne Lüchten in der Hand ehät un da gaht se mitenander hen na öre Schlapkamer; dä Kamerdör is tauschloten west, sau wie aber düsse schneiwitte Jumfer darvor komen is, is se upegahn. Da koomt se da up düsse Schlapkamer up, un da hat se da en einschläprig Bedde stahn, un da fat düsse schneiwitte Jumfer an düt Bedde un rücket dat da weg, nn da hät se da'n Gypsstücke ruter nomen un da hat düsse Offzier da Kisten Geld most ruter nehmen, un sei sägt da, nu könn hei mit den Gelle daun wat hei wolle, nu härr sei Ruhe, un teletzt sägt se noch »Gott sei gedankt!« Hei wickelt den Kasten in sienen Mantelsack un bindt den nu up dat Pärt, un da lät hei hernacher in Bronswiek utgahn, als hei wolle 'n paar dusend Daler Geld verleihen. Dei witte Jumfer awer hät seitdeme nich mehr ewutet . * 5. Die Säule Auf Amt Staufenburg hat bis vor einigen Monaten in der Küche ein rother, runder Pfeiler, eine hölzerne Säule, die inwendig hohl gewesen ist, gestanden, da hat die Frau Amtmännin ihren Mann beredet, den Pfeiler abzureißen, weil er ihr beim Kochen im Wege gewesen ist. Wie nun der Pfeiler abgerissen ist, hat man eine Stimme gehört, die hat bald geschrien wie ein Mensch, bald wie ein Hund, bald wie eine Eule, die Stimme des Menschen ist aber sehr gräulich gewesen. Auch ist, als der Pfeiler niedergestürzt ist, ein weißes Taschentuch zur Erde gefallen, das hat nachher Niemand finden können. * 6. Burg Staufenburg. Eine halbe Stunde von Staufenburg auf einem großen runden Berge, der »Burg« genannt wird und mit kleinem Buschwerk bewachsen ist, steht ein altes Schloß, das im Dreißigjährigen Kriege zerstört sein soll. Noch etwas Mauerwerk, wie eine Stube im Umfange, ist da zu sehen. Es wird erzählt, von diesem Berge sei unser Herr Jesus gen Himmel gefahren in einer Wolke, die ihm unser Herrgott geschickt hätte. Darum ziehen nach diesem Berge zu Himmelfahrt aus Gittelde und drei, vier Stunden Weges ringsumher die Leute und aus Gittelde ziehen Bäcker, Fleischer und Wirthe hin, die etwas feil haben. Dann steigen Sänger auf die alte Ruine und singen und beten dort. – Unter der alten Burg aber ist ein Keller oder ein Gewölbe, darin sitzt eine Jungfer mit mehrern Zwergen. Alle sieben Jahr zu Ostern läßt sie sich sehen mit einem dicken Bunde Schlüssel an der Seite. Früher zeigte sie sich öfter, man hat sie aber einmal geprellt und hierüber erscheint sie jetzt so selten. Sie verweilt, wenn die sieben Jahr um sind, jeden Ostertag eine Stunde, von elf bis zwölf des Mittags, und harrt da auf ihre Erlösung. Auch begleitet diese Jungfer ein weißes Spitzhündchen, welches früher wie sie noch nicht verwünscht gewesen ist, ihr Schoßhündchen gewesen ist. Es bellt, wenn die Stunde um ist, und sie thut einen lauten Quik, ehe sie verschwinden. Auch hat einmal da ein Hirt gehütet, dem ist immer eine Sau fortgegangen, und wenn sie wiedergekommen ist, hat sie sich so dick gefressen, daß sie den ganzen Tag kein Fressen wieder angerührt hat, und das hat die Sau eine ganze Zeit lang gethan. Da ist ihr der Hirt einmal nachgegangen und sie hat ihn in ein Loch geführt, vor dem eine Rose geblüht hat, die hat er abgepflückt, da ist die Jungfer erschienen und hat ihn mitgenommen. Da hat er sich soviel Geld nehmen müssen, als er hat nur tragen können. Er ließ aber die Rose fallen, da hat sie immer gerufen: er sollte das Beste nicht vergessen; er aber hat die Rose nicht wieder aufgenommen. Wie er nun heraus gekommen ist, da ist sein Geld lauter Dreck gewesen und die Rose hat da wieder geblüht, wo er sie abgepflückt hat. Hätte er nun die Rose mitgenommen, so wäre sein Geld auch Geld geblieben, und er hätte durch die Rose die Jungfer erlöst. Auch ist einmal der Amtmann vom Amte Staufenburg in das Loch an der Staufenburg gegangen, und hat da die Sau verfolgt, da ist die Jungfer ihm begegnet und hat ihn gefragt, was er hier thäte. Da hat er wieder gefragt, was sie hier mit seiner Sau anfinge. Da hat sie gesagt: die fütterte sie nicht um tauben Dunst , und danach hätte er nicht zu fragen, er sollte jetzt machen, daß er fortkäme, sonst erginge es ihm übel. Da hat er nur machen müssen, daß er fortgekommen ist, sonst hätte es ihn noch das Leben gekostet. Die Sau aber hat da dicke Milch und Reilsch (warmes Essen) gefressen, und hat drei Tagen nachher neun Ferkeln zur Welt gebracht, die haben alle neun sprechen können, sind aber bald gestorben, denn kluge Menschen und Thiere sterben eher als andere Menschen und Thiere, die dümmer sind. Die Jungfer mit Schlüsseln au der Seite bleicht aus der Fohlenburg in der Kreuzbreite alle sieben Jahre Leinewand. Die ganze Fohlenburg ist dann voll Leinwand gedeckt, und der Spitzhund bewacht die Leinewand. Die Fohlenburg ist ein großer grüner Platz, der sich zum Bleichen eignet. Der Platz liegt, wenn man von Gittelde aus nach Amt und Burg Staufenburg geht, links. * 7. Der Knabe aus Gittelde und die Jungfer von Burg Staufenburg. (Niederdeutsch, in der Mundart von Gittelde.) In Gittelde is en armen Taglöhner ewest, dä hät en Sohn hat, dä is twei Jahr olt ewest, dä gaht hen in't Feld un willt wickeln (Garben binden). Sau sett se düssen Jungen hen sau in de Foor (Furche), un na nc körte Tict fänget düsse Junge op einmal sau'n fürchterlich Geschrichte an. Da löppet hei nu flugs (gleich) hen, da hät sik düssen Jungen saune Blinder-Schlange umme'n Hals eschlungen. Da lopet se'r midde na Hus, un willt er midde na'n Dokter, un hat dacht da Schlange solle schneen (abgeschnitten, operirt) weeren. Awer kein Dokter hat wollt dä Schlange schnien, denn keinder hat 'er könnt en Kop anne finnen, kein Enne un keinen Anfang hät se 'r konnt anne finnen . Düsse Junge aber hät sik sau ower dä Schlange freut un hät esägt, dat düt sien Vogel wörre. Na'n Jahre nu da gaht se wedder up dat Stücke, da sett se dat Kind weer up düsse Steee, da fänget dat en Geschrichte an: »Sien Vogel wörre weg, un da wörre rin kropen.« Da lopet dä Lüe hen un langet en Gefäß (Geräth, Spaten) un willt dä Schlange roven, dat se da ut hervorsall, un endlicher Wiese komet se nu up dä Schlange up, un da kummt dä Schlange ut den Locke ruter. Da willt se dä Schlange kriegen un willt dä in de Stube setten oder in sau'n olt Buer. Aber düsse Schlange dä lät sik nich holen un maket wedder in den Locke rinter. Da fänget se wedder an te roven, da komet se hen up en Kettel vull Geld. Un weil se hen up dat Geld komet, düsse Lüe, sägt düsse Schlange, als nu wörre sei erlöst, sei wörre 'ne verwünschte Prinßessinne von de Staufenborg. Düt Geld dat härre sei da verbuldert (eingegraben) un sei härre't all up mehrerlei Art emaket, dat se härre wollt erlöset sien, sei härre all sau schöne Blaumen up dä Stelle da eruter wassen laten un dä härren dä Lüe nich eacht un nich edan (ganz und gar nicht geachtet), dä Lüe härren sollt man dä Blaumen nafolgen, wu dä dicken Wörteln henewieset härren, denn wörren se up dat Geld henekomen un denn wörre sei erlöset ewest. Dä Lüe härren awer den Stamm (Wurzel) von dä Blaumen nich naefolget un härren dä Blaumen afferetten un rümmerher esmetten. Na einiger Tiet hät dä Junge frien wollt un da is hei wedder up düsse Stelle gahn un hät wollt Geld seuken. Da kümmt en Witt Männeken un sägt: hei soll man hen gahn nar Borg, da wörre 'n Gang, da kreigte hei wat. Sau weil hei na düsse Borg henkümmet, sau sägt da düsse Prinßessinne: »Mein Sohn, was wünschest Du?« Da sägt hei, hei wolle frien un datau soll sei öne 'n betten Geld gewen. Da sägt se, wu hei dat von gewahr eworren wörre, dat sei hier wörre. Da sägt hei, hei härre dat ehört, dat siene Oeldern härren vor öne dat veele Geld ekregen, aber hei härre da nist von ekregen un nu härre öne düt witte Männeken da esägt, dat sei da wohne. Da kricht hei en paar Stapels Gold, düsse Bursche, taur Hochtiet. Da willt dä Oeldern wedder dat Geld hewwen, aber hei hät et nich heregewen, hei hält da Hochtiet vor. Da dä Hochtiet ut is, da stirft düsse junge Mann. * 8. Die Hexe in Gittelde. In Gittelde gab's früher viele Hexen und die Häuser, in denen sie wohnten, konnte man daran erkennen, daß öfter ein Feuer über dem Schornstein brannte, dann saß nämlich das Uriänchen oben drauf und brachte ihnen, was sie haben wollten. Dort ist einer alten Bauersfrau ihr Mann gestorben, aber Knechte und Mägde hat sie noch gehabt. Wenn die Sonntags aus der Kirche kamen, hat das warme Essen auf dem Tische gestanden und ist doch auf dem Herd kein Feuer gewesen. Da lauerte einmal einer von den Knechten unter einer großen Tonne in der Küche während der Kirche heimlich auf, was geschah. Wie es so um 10 Uhr hinkam, erschien der Teufel und setzte sich auf ein Querholz im Schornstein, das die Frau für ihn hatte heimlich machen lassen, und hatte auch einen kleinen Gesellen mitgebracht. Als die Frau nun das Essen haben wollte, rief der kleine Gesell immerfort: Meister, er guckt, Meister, er guckt! Sagte die Frau spöttisch: Laß ihn gucken! Denn sie hat gedacht, es wären Alle in der Kirche. Da warf ihr der Teufel Alles in einen Napf, den sie unterhielt, herunter, sauern Kohl, Schweinefleisch und Kartoffeln. Einige erzählen auch, der Teufel hätte es ausgebrochen. Den Mittag, als das Essen aufgetragen war, hält der Knecht der Frau vor, daß sie es vom Teufel empfangen habe. Da versprach sie, ihm viel Geld zu geben und noch obenein das Hexen zu lehren, wenn er still schwiege. Er sagte ihr zum Schein, daß sie ihn das Hexen lehren solle und da schickte sie ihn hin, einen neuen Topf zu kaufen. Als er mit dem Topfe wiederkam, sagte die Frau, er solle sich darauf setzen und sagen: Ins Teufels Namen. Der Knecht aber setzte sich darauf und sagte: In Gottes Namen. Da sprang der Topf voneinander und ein großer Lork saß darunter, und sogleich ging der Knecht hin und zeigte die Frau an. Da wurde ein Scheiterhaufen gebaut, um die alte Hexe zu verbrennen. Als sie nun darauf saß, rief sie ihren Knechten und Mägden, die dabei standen, zu: »Wenn ihr früher am Sonntag Bratbirnen aßt, so waren es Mäuse, aßet ihr Klümpe, so waren es Spinnen, und der Sauerkohl, den es jeden Sonntag Mittag gab, war nichts als Würmer.« Da schlugen die Flammen über ihr zusammen. * 9. Die weiße Kappe. In Gittelde geht ein Pastor mit einer weißen Kappe in der untern Kirche spuken, auch steht da zur Nachtzeit die weiße Kappe auf dem Altar. Es ist aber einmal ein Mädchen gewesen, das hat gesagt, es wolle die weiße Kappe aus der Kirche holen, und sich vor Keinem grauen. Da geht das Mädchen hin und nimmt die weiße Kappe vom Altare. Da ist der Geist zweimal erschienen und hat geschrien: sie sollte die Mütze wieder hinbringen. Da geht das Mädchen zum Pastor, der segnet sie ein, und nun soll sie hingehen und die Kappe wieder auf den Altar stellen. Das thut sie auch, wie aber die Kappe auf dem Altare steht, kommt der Geist, nimmt sie in die Arme und drückt sie todt. – Dieser Pastor, nämlich das Gespenst, soll verwünscht sein, und wer hingeht, nimmt die weiße Kappe vom Altare, setzt dafür eine schwarze hin und wirft einen Pfennig in den Armenstock, der hat ihn erlöst. Sagen der Bergstadt Lautenthal. * 1. Spar-die-Müh und die Zwerge am Bielstein.   I. Unmittelbar am nordöstlichen Ende der Bergstadt Lautenthal liegt der Bielstein. Unterhalb, am nordwestlichen Ende der Stadt, fließt die Innerste in nordöstlicher Richtung dem Bielstein entgegen, vor seinem Fuße biegt sie links ab und läuft an ihm entlang. Ueber dieser Krümmung des Flusses, am Berge und zwar nur einige Schritte über dem Wasser, befindet sich eine Höhle, die von den Lautenthalern das Zwergloch genannt wird. Die Ebene aber, welche am Fuße des Bielsteins am rechten Innersteufer und südwärts von der Höhle liegt, wird Spar-die-Müh genannt. Im Zwergloch wohnten in frühern Zeiten drei Zwerge, die verliehen Geld an die Bewohner der Bergstadt Lautenthal, auch silberne und goldene Geräthschaften bei Hochzeiten und Kindtaufen. Einst brachten die Leute den Zwergen das geliehene Geld nicht wieder zurück. Da sie nun wieder zu dem Zwergloche kamen und Geld leihen wollten, vernahmen sie eine Stimme, welche ihnen zurief: Spar die Müh! Von der Zeit an thaten die Zwerge den Lautenthalern nichts mehr zu Gefallen und seitdem heißt auch die Stelle: Spar-die-Müh.   II. Einst tanzten die drei Zwerge droben auf dem Berge und sangen: heute backt eine Frau, die hat keinen Kümmel in ihrem Teig. Das hörten zwei Holzhauer, und da die Frau des einen gerade backen wollte, lief er geschwind nach Haus und warnte sie, doch ja den Kümmel nicht zu vergessen, damit die Zwerge nicht das Brot stählen. Unterdessen tanzten die Zwerge immerfort nach der Weise: »Hast du denn unsern Großvater seine Ziege nicht gesehen?« und nach andern schönen Melodien. Als der Holzhauer aber wiederkam, wußten die Zwerge wohl, was geschehen war, nahmen ihn her und prügelten ihn, und das soll auch der Grund sein, weswegen die Lautenthaler das schöne Zwerggeschirr nicht mehr geliehen erhielten und mußten von der Zeit an auf Hochzeiten und Kindtaufen aus hölzernen Schüsseln und mit hölzernen Löffeln essen und könnten doch speisen von eitel Silber und Gold.   III. Eine Frau in Lautenthal hatte von den Löffeln der Zwerge einen behalten. Als die geboren hatte, schoben ihr die Zwerge ein Zwergkind unter, das hatte einen dicken Kopf und konnte nicht sprechen. Da wurde in einer Eierschale Bier gebraut von einer alten Frau und da sagte das Zwergkind: Döringerland und drei Ringe alt, Zweimal abgeholt, Und habe noch nicht gesehn ein altes Weib in der Eierschale Bier brauen. Da wußten sie, daß sie ein Zwergkind hatten, und sind heute noch ihrer Viele in Lautenthal, die den dicken Kopf haben und von den Zwergen herstammen.   IV. Andere erzählen, daß auf dem Bielstein einmal ein Bergmann habe einen Stollen anlegen wollen. Wenn er nun des Morgens wieder hinkam, so war Das, was er am vorigen Tage gemacht hatte, immer wieder eingeschurrt, darum sagten die Leute zu ihm: »Spar die Müh.« Er gab es aber immer noch nicht auf, dort einen Stollen anzulegen, und fluchte und wetterte, so oft sein Stollen wieder eingeschurrt war. Zuletzt rutschte er einmal vom Bielstein herunter auf seinem Hinterleder und als er unten angelangt war, sprach er zu den Leuten, die dort waren: »Das hätt' ich doch nicht gedacht, daß der Berg wäre an mir heruntergerutscht.« * 2. Der Venediger als Bergmann. In Lautenthal war ein Venediger, der mit als Bergmann arbeitete; als der abging, gab er seinem Kameraden in dem Bergwerke einen kleinen Stein. Solange er den in der Tasche hatte, brauchte er nicht zu arbeiten, sondern das Gebirge lag immer schon losgehauen vor ihm. Einmal wurde der Kittel des Bergmanns gewaschen, da ging der Stein verloren und er mußte wieder arbeiten. * 3. Der Teufel in Lautenthal. In Lautenthal war ein Haus, da lag eine alte Schwiegermutter auf dem Boden krank, die junge Frau aber saß vor dem Nachbarhause und nähte. Da kam ein Handwerksbursche mit Haarzopf und Tornister und ging in das Haus, die junge Frau aber lief sogleich dahinter durch. Da ward vor der Thür der Alten ein großer Lärm, da ist es der Teufel gewesen, der hat die Alte geholt und ist mit ihr durchs Fenster geflogen, davon hat er ein Stück mitgenommen. Das Gedärm der Alten aber ist in der Luft herumgeflogen. * 4. Der Feuerholzmeister und die faule Rohne. Ein alter Feuerholzmeistcr in Lautenthal ging einmal mit der Försterei am Aehnertsberge über Lautenthal auf die Jagd. Da ging er allein auf die andere Seite des Berges, nahm aber weiter nichts mit als seinen Vierfußstock. Auf einmal fiel ein Schuß und als die Försterei hinkam, stand er da mit dem Vierfußstocke und hatte den Hirsch geschossen. Da wird der Hirsch nach dem Försterhofe in Lautenthal gebracht und als er dort lag, verwandelte ihn der Feuerholzmeister in eine faule Rohne (Holzstuke). Da hat der Förster mehrere Waldarbeiter beordert und gesagt, wenn das eine faule Rohne wäre, so wolle er sie auch auseinander hacken lassen. Sowie aber die Waldarbeiter auf die Rohne loshacken, hieb der Eine sich ins Bein und die Andern verwundeten sich gleichfalls an ihrem Körper, von der Rohne aber konnten sie nichts abhacken. Da lag die faule Rohne drei Wochen lang auf dem Försterhofe, dann aber war sie verschwunden. Da hat der Feuerholzmeister sie weggenommen und wieder in einen Hirsch verwandelt gehabt. Einstmals war Schützenhof in Gittelde, da fand sich viele Försterei vom ganzen Harze zusammen und auch der alte Feuerholzmeister ist dazu gekommen. Da schoß er immer gut und weil die Försterei auch gut schießen wollte, bat ihn Einer nach dem Andern um seine Büchse und legten Alle der Reihe nach das Gewehr an, es ging aber bei Keinem von der Försterei los. Da sagte der Alte: wenn sie die grünen Röcke auszögen, so würden sie mit seinem Gewehre schon treffen. Da zog die Försterei die grünen Röcke aus und da ging jeder Schuß los und die Herren konnten gut mit der Büchse schießen. * 5. Der Schildberg. Am Wege zwischen Lautenthal und Seesen liegt der Schildberg, auf dem sich noch Spuren einer alten Ritterburg finden. Von ihm werden viele Spukgeschichten erzählt und Mancher will dort in der Nacht einen Leichenzug gesehen haben. Als noch mehr von der Burg zu sehen war als jetzt, soll sich auch dort am Johannistage eine Jungfer gezeigt, den Wanderer in die Burg gelockt und ihm Schätze geboten haben, wenn er sie erlösen wollte. Sagen der Bergstadt Wildemann. * 1. Wilde Mann. In alten, alten Zeiten war ein Räuber aus Thüringen nach dem Oberharze verschlagen und lebte dort in der Oede wild mit einer wilden Frau. Sie wohnten in einer Höhle und bedeckten ihre Scham nur mit Borke und mit Hecke, d.h. mit Tannenzweigen, oder auch mit Hexenkraut, d.i. eine Art Moos. Darum werden noch heutigen Tages zum Schützenhof in Wildemann der wilde Mann und die wilde Frau dargestellt in Hecke oder Hexenkraut. Der Ritter Klaus, der das kleine Klausthal gegründet und den Bergbau auf dem Oberharze angefangen hat, sah einmal auf der Wildemännerklippe, unter der er selber saß, den wilden Mann, so bekleidet, wie eben beschrieben ist. Der trug eine abgerissene Tanne in der Hand und auf dem Rücken einen Bären, den er damit erschlagen hatte, denn er hatte unmenschliche Kraft und hatte schon viele Bären und viele wilde Schweine mit dem Tannenzweige getödtet. Ritter Klaus folgte ihm nach und wie er vor der Höhle den Bären abwarf, sah er auch darin die wilde Frau, die er schon früher einmal im Walde gesehen hatte, die aber im Dickicht seinen Augen behende entschlüpft war. Sie schlüpfte auch jetzt sogleich aus der Höhle, als sie den Ritter erblickte, rannte vor Scham in die Dickniß des Waldes und ist nicht wieder daraus zum Vorschein gekommen. In der Höhle ließ sie ein Kind zurück, das war auch in Hecken und in Hexenkraut eingewickelt und der wilde Mann bekam später mit einer andern Frau noch fünf Kinder, von denen stammen viele Leute ab in Wildemann und auf dem ganzen Harze. Der Ritter Klaus hielt ihn nämlich zu Waldarbeiten und zum Bergbau an, und aus der Höhle des wilden Mannes entstand die Stadt Wildemann, das Rathhaus steht gerade an der Stelle, wo früher die Höhle stand. Man sagt auch im Scherz: Auf Wildemann sei nur ein Messer, das hänge auf dem Rathhause an einer Kette, und wer etwas schneiden wolle, der müsse aufs Rathhaus gehen. Damit will man sagen, daß man den Leuten auf Wildemann noch immer ihre Abstammung anmerken könne. * 2. Hexenbutterwerk. Auf dem Wildemann war eine Frau, die schloß ein Bündniß mir dem Teufel. Sie handelte auch mit Butter und der Teufel gab ihr einen Beutel, worin etwas war, man weiß nur nicht was. So oft sie butterte, sollte sie das unters Butterfaß legen. Das hatte die Frau schon viele Jahre gethan; da mußte sie einmal ins Backhaus gehen und ihre Tochter ging auf die Nachbarschaft. Die Nachbarsfrau butterte auch gerade, da sagte das Mädchen: sie müßte es machen wie ihre Mutter, dann bekäme sie viel Butter. Ihre Mutter hätte einen Butterbeutel, wenn sie den unter das Butterfaß legte, käme das Butterwerk sogleich oben heraus. Da sagte die Nachbarsfrau, ob das Kind nicht wüßte, wo die Mutter den Beutel hätte, und es lief sogleich hin, um den Beutel zu holen. Den legte sie unter ihr Butterfaß, da kam die Butter sogleich oben heraus. Als sie fertig gebuttert hatte, gab sie dem Kinde den Beutel wieder, um ihn an seine Stelle zu legen, damit die Mutter nicht merken solle, daß sie den Beutel gebraucht habe. Da wusch sie die Butter, und dann wollte sie dieselbe wägen. In dem Augenblicke ging die Thür auf, und es kam ein Mann herein im dreieckigen Hute und rothen Mantel, der hatte einen Pferdefuß und einen Menschenfuß und sagte: ob sie denn nun Butter genug hätte? zog sogleich ein großes Buch heraus und sagte: sie möchte sich erst hier unterschreiben. Die Frau aber weigerte sich, sie hätte mit so einem Manne, wie er wäre, nichts zu schaffen. Der Mann antwortete: warum sie den Butterbeutel gebraucht hätte? Wenn sie sich nicht unterschriebe, müßte er seinen Theil von der Butter wieder wegnehmen. Einen solchen Mann, wie er wäre – sagte nun die Frau – ließe sie nicht an die Butter, sie wüßte, wie viel sie immer erhalten hätte. Er aber sagte: das wisse er besser als sie, was sein wäre und was ihr gehöre. Die Frau nahm endlich ihre Butter davon und der Mann das Uebrige, damit ging er zur Thür hinaus. Die Frau aber war schwatzhaft und wollte ihrer Nachbarin erzählen, was geschehen war. Als sie die Thür öffnete, klatschte der Mann ihr die Butter ins Gesicht und flog zum Schornstein hinaus. Die Frau aber schrie und lief auf die Straße. Da war der Mann schon hoch in der Luft. Nun legte sich die Frau und wurde krank. Am andern Tage, wo dies geschehen war, um dieselbe Stunde, war sie kalt und ihr Gesicht war von der Teufelsbutter kohlenschwarz. Es wird auch erzählt, daß in einem Harzdorfe, dessen Namen wir einmal verschweigen wollen, früher alle Frauen Hexen waren, ausgenommen eine, die der Teufel noch nicht in seine Klubben bekommen hatte. Butterte eine von den Hexen, so war in fünf Minuten Alles fix und fertig und das ging folgendermaßen zu: die Hexen hatten vom Teufel dafür, daß sie sich ihm ergeben hatten, ein Knäuel Garn zum Geschenk bekommen, welches, unter das Butterfaß gelegt, den Rahm in Zeit von etlichen Minuten in Butter verwandelte, die sich nachher beim Gebrauch nicht verminderte. Dies Knäuel hatte die Oberhexe in Verwahrung: butterte nun eine von den Hexen, so ging sie hin zur Oberhexe und holte sich dasselbe, legte es unter das Butterfaß und in wenigen Minuten war schon Alles fertig, auch Butter die Menge. Nun butterte eines Tages auch einmal die Frau, die keine Hexe war. Von des Morgens an bis Mittag hatte sie schon gebuttert, aber noch schien es nicht, als ob es Butter werden wollte. Da kommt ein Mädchen, welches mit der Tochter dieser Frau im gleichen Alter ist, und will dieses zur Schule abrufen. Das Mädchen sieht die Quälerei dieser Frau und verwundert sich darüber. »Wenn meine Mutter buttert«, sagt es, »so ist es ripsch, rapsch, rupsch, dann ist die Butter fertig. Das geht ganz geschwind. Sie legt ein Garnknäuel unter das Butterfaß, dann hat sie so viel Butter, daß sie sie nicht alle bewältigen kann. Wenn ich's einmal holen soll? Meine Mutter hat heute Morgen auch gebuttert; jetzt ist sie aber ausgegangen.« – »Ja«, sagt die Frau, »hole es einmal.« Rasch läuft das Mädchen hin und holt das Knäuel. Darauf geht es mit dem Mädchen der Frau in die Schule und läßt das Knäuel da. Nun legt die Frau das unter das Butterfaß und in weniger als fünf Minuten ist die Butter fertig, und die Frau hat auch viel mehr gehabt als sonst. Das Mädchen hat aber das Knäuel nicht wieder abgeholt und so bleibt es denn bei der Frau liegen bis zum Abend. Als es nun dunkel geworden ist und die Frau gerade in der Küche ist, kommt der Teufel im Schornsteine herunter , ein dickes Buch unterm Arme haltend, darin haben auch die Namen aller andern Frauen im Dorfe gestanden. Nun fängt der Teufel mit der Frau zu unterhandeln an und sagt, da sie sich seines Geschenkes bedient hätte, so müsse sie sich ihm auch ergeben. Aber die Frau will anfangs nicht daran. Er hält ihr das dicke Buch vor und sagt ihr, daß so viele ihm sich schon verschrieben hätten, so viel Namen darin ständen, nun solle sie sich entscheiden und sich mit ihrem Blute unterschreiben. Ja, sagt die Frau, der schon übel zu Muthe wird, das könne sie so für sich nicht thun, da wolle sie erst ihren Mann einmal fragen, was der dazu sagte; er solle mittlerweile das Buch dalassen und morgen um diese Zeit wiederkommen. Darauf macht sich der Teufel fort und läßt auch gutmüthig das Buch da. Abends spät, als der Mann zu Hause kommt, erzählt ihm seine Frau dies Stückchen mit dem Teufel. »Nein«, sagt der Mann, »daraus wird Nichts. Morgen gehst du zum Pastor, der wird dir wol Rath und That geben, wie wir uns zu verhalten haben.« Am andern Tage geht die Frau mit dem Buche hin zum Pastor, erzählt ihm ihre Angelegenheit und fragt ihn, wie sie sich dabei zu verhalten habe. Dabei gibt sie dem Pastor das Buch hin, das der Teufel dagelassen, und sagt zu ihm, daß sie sich darin unterschreiben solle, aber sie thäte es auf keinen Fall. Da nahm der Pastor eine Feder und schrieb in das Buch unter die Namen: »Christi Blut und Gerechtigkeit Ist mein Schmuck und Ehrenkleid.« »Heute Abend«, sagte der Pastor, »wird nun wol der Teufel um die Zeit wiederkommen. Legen Sie nur das Buch aufgeschlagen in die Küche und verhalten Sie sich ganz ruhig, Sie werden dann schon sehen was sich begibt; thun kann Ihnen der Teufel nichts, der hat keine Macht an Ihnen.« Die Frau thut auch wie ihr geheißen und legt das Buch aufgeschlagen in die Küche. Abends zu der bestimmten Zeit kommt auch der Teufel wieder im Schornsteine herunter, aber schon ganz wüthend. Als er das Buch sieht und das Geschriebene liest, thut's auf einmal einen Krach und ist zum Küchenfenster hinaus und mit ihm auch das Küchenfenster fort. Das Buch aber liegt noch auf der nämlichen Stelle und als die Frau es verbrennt, werden die übrigen Weiber, deren Namen darin mit Blut geschrieben ist, vom Teufel frei. Das Küchenfenster hat nicht wieder eingesetzt werden können und das Fensterfeld steht heute noch offen. * 3. Die faule Stuke beim Wildemann. Eine Frau auf dem Wildemann handelte mit Kattun und Tüchern und ging zu Markte, um einzukaufen, hatte aber zu wenig Geld. Indessen als sie in die Gegend der Sägemühle zwischen Wildemann und Lautenthal kam, stand eine faule Stuke am Wege und daran kribbelten Ameisen und Würmer. Da nahm sie einen Stock und rührte darunter und da ist Alles zu lauter harten Thalern geworden. Das rapte sie in die Schürze, ging nach Lautenthal damit, und als sie es im Schützenhause zu Lautenthal zählte, waren es 150 Thaler, dafür hat sie auf dem Markte nachher eingekauft. Sagen vom Hibichenstein und der Bergstadt Grund. * Der Zwergkönig Hibich.   I. Der Hibichenstein, zwei mächtige aneinanderstehende Kalksäulen unweit Grund, ist zu der Zeit, da noch große Riesen am Harze gingen, von einem Riesen aus dem Schuh geschüttet, wo er ihn wie ein kleines Steinchen drückte.   II. Im Hibichenstein wohnten Zwerge, die sollen in Grunde mitunter den Leuten die Kinder gewartet haben. Ihr König ist der Hibich gewesen, ein alter Mann mit rauhem Haar, wie ein Bär, einem sehr alten Gesichte und von kleiner Statur. Er hat einen eisgrauen Bart gehabt, der ist ihm bis auf die Brust gegangen und darin hat eine zauberische Kraft gesteckt. In der Hand hat er ein silbernes Grubenlicht getragen, das hat so hell geschienen wie die Sonne, und auf dem Haupte eine goldene Krone. So klein er gewesen ist, konnte er sich doch aber sehr ausrecken. Früher hat er, wie Einige sagen, alle fünfhundert Jahre einmal auf die Oberwelt kommen dürfen; jetzt dürfe er es nicht mehr. Der Zwergkönig Hibich hat dir Waldungen beschützt und spielte den Leuten, die in der Waldung Schaden anrichteten, oft einen Possen. Er zeigte sich aber auch wohlthätig gegen arme und hilflose Menschen, die in den Wald kamen und ihm treuherzig ihre Noth klagten. So ging einstmals eine Bergmannsfrau aus Grunde in den Wald, deren Mann schon lange hatte krank gelegen, sie wollte Tannenzapfen suchen und dafür sollte der Bäcker ihr Brot geben. Wie sie nun im Walde war, kam der alte Hibich und fragte: was sie hier suche, da erzählte sie ihm Alles und der Zwergkönig gab ihr ein Kraut und sagte, davon würde ihr Mann genesen. Auch bezeichnete er ihr eine Stelle im Tannenwalde, da würde sie Tannäpfel finden, und dahin begab sich die Bergmannsfrau, fand aber anfangs keine. Da fing es plötzlich an zu werfen, wie von den Bäumen herunter, mit lauter Tannäpfeln. Die Frau aber ward von keinem getroffen, sondern alle flogen an ihrem Kopfe vorbei in die Kiepe. Das waren die Zwerge, die haben schon Ordre gehabt vom Zwergkönig Hibich und haben der Frau aus der jungen Grüne, worin sie versteckt waren, die Tannäpfel zugeworfen. Als die Kiepe voll war und die Frau sie aufhob, dünkte sie sogleich ihr etwas schwerer, als sonst eine Kiepe voll Tannäpfel ist. Als sie wieder an die Stelle kam, wo sie den Zwergkönig Hibich getroffen hatte, kam der wieder und fragte, ob sie Tannäpfel gefunden habe. Da sagte sie, was ihr begegnet war und da offenbarte es ihr der alte Hibich, daß das seine Zwerge gewesen seien, fügte auch hinzu, das wären silberne Tannzapfen, davon solle sie nehmen so viel, daß sie mit ihrem Manne und ihren Kindern genug hätte, von dem übrigen Silber solle sie die Kirche zu Grund neu bauen lassen, rieth ihr auch noch, des Krautes nicht zu vergessen, das er ihr für ihren Mann gegeben. Wie nun die Frau nach Hause kam, da waren die Tannäpfel nichts als gediegenes Silber, von derselben Art, von dem die alten Harzgulden geprägt wurden. Und damals hatten Gold und Silber noch einen viel höhern Werth als jetzt und von dem Silber, was die Frau in ihrer Kiepe getragen hatte, ist richtig die Kirche zu Grund gebaut und von dem, was sie für sich behielt, kamen noch große Reichthümer in die Familie des kranken Bergmanns. Der aber wurde von dem Kraute, das der alte Hibich seiner Frau im Walde gegeben hatte, von Stund an so gesund wie ein Fisch.   III. Auf dem Försterhofe in Grund wohnte vor alten Zeiten einmal ein Förster, der hatte seine Frau früh verloren, und nur noch einen einzigen Sohn. Der soll ein recht geschickter und auch recht guter Bursche gewesen sein, nur ein bischen zu vorwitzig. Einmal ging der Försterssohn an einem Sonntag Nachmittage mit seinem Freunde, einem Bergmannssohne, spazieren ins Holz. Wie sie nach dem Hibichenstein gelangten, kam das Gespräch auf dessen Höhe und der Bergmannssohn sagt, den wollte er sehen, der da hinaufsteigen könnte. Da sagt der Försterssohn, das wäre nichts, und er wagte es, der Andere aber rieth ihm ab. Denn wenn Einer hinaufgestiegen ist, hat er nicht wieder herabgekonnt und am andern Tage zerschmettert unten gelegen. Aber der Försterssohn glaubte nicht daran, lachte und sagte, nun wollte er's erst recht thun. Er ließ sich nicht halten, was der Andere auch angeben mochte, und stieg hinauf. Mag ihm wol sauer geworden sein: denn was man jetzt den kleinen Hibichenstein nennt, ist vor alten Zeiten viel größer gewesen als der, den man jetzt den großen Hibichenstein nennt, und hat deshalb auch der große geheißen. Der Försterssohn gelangte richtig oben auf den Hibichenstein hinauf. Da war oben ein großer breiter Platz, darauf sprang er hin und her und tanzte vor Freuden, daß er droben war, und rief zu seinem Kameraden herunter, er möge auch hinaufkommen. Der Bergmannssohn aber schüttelte den Kopf, und wie der Försterssohn eine Weile getanzt hatte, bat er ihn sehr, er möge nun auch wieder herunterklettern. Das wollte der Försterssohn auch, aber wie er herabzusteigen dachte, konnte er nicht fort von dem Platze oben auf dem Felsen, wie sehr er sich auch mühte, denn der alte Hibich hatte ihn zur Strafe da festgebannt. Er klagte und sagte, der Bergmannssohn möge doch hingehen nach dem Forsthause und es seinem Vater verkünden, daß er hier oben auf dem Hibichenstein sitze und nicht herunter könne. Da kam der alte Förster mit der Flinte, wehklagte um seinen Sohn und wollte ihn endlich herunterschießen. Sowie er auf seinen Sohn zielte, kam der alte Hibich und fragte, was er hier machen wolle, und als der Förster antwortete, er wolle seinen Sohn vom Hibichenstein herunterschießen, rieth ihm der Zwergkönig ab von solchem thörichten Unternehmen. Vom Felsen herunter bat aber der Försterssohn immerfort, daß sein Vater nur losdrücken möge, und darum legte der Förster von neuem das Gewehr an und zielte. Da entstand aber plötzlich am Hibichenstein ein furchtbares Donnern und Blitzen und Regengüsse strömten dem Förster in die Pfanne, sodaß das Gewehr nicht losging. Andere berichten, als der Förster losschießen wollte, waren sogleich die kleinen Zwerge mit Heckruthen bei der Hand, die schlugen ihn auf die Finger und neckten ihn hier und da mit Tannenbüschen, daß er nicht losdrücken konnte. Und damit ließen sie nicht nach, obgleich er immerfort rief: »Jungen, geht mir aus dem Wege! Mein Sohn soll ja dort oben nicht verhungern!« So brach die Nacht herein und der Förster war nicht zum Schuß gekommen. Er ging endlich nach Hause mit dem Vorsatze, am andern Morgen mit dem Frühesten wiederzukommen und seinen Sohn herunterzuschießen. Auch der Bergmannssohn und die andern Leute von Grund die dazugekommen waren, gingen mit ihm nach Hause und zuletzt ging auch der Bergmannssohn heim, weil sein guter Freund ihn selber bat, daß er sich Ruhe gönnen möge, um am andern Morgen so früh als möglich wieder in seiner Nähe zu sein und zu versuchen, ob Rettung möglich wäre. Kaum war er fort, da kamen auch schon die Zwerge an. Alle trugen Bergmannskleidung und Jeder hatte ein Grubenlicht, auch führten sie kleine gar kunstvolle Leitern mit sich, davon setzten sie eine auf die andere, und nun hielten sie zusammen, als wären sie ineinander gelöthet. Wie nun so eine einzige große Leiter aufgerichtet war und bis an die Spitze des Hibichensteins hinanreichte, da stand auch schon auf jeder Seite ein Zwerg mit seinem Grubenlichte und leuchtete. Und da mußte sich der Försterssohn dem Zwerge, der auf der obersten Stufe stand, auf die Schultern setzen, und da war auf einmal die Leiter so breit, daß er ihn an all den andern Zwergen vorbeitragen konnte, die da mit ihren Grubenlichtern standen und leuchteten. Als der Försterssohn vom Hibichenstein herunter war, waren alle die Lichter verschwunden und alle Zwerge waren fort, auch der, der ihn getragen hatte. Da kam der alte Hibich wieder, nahm ihn bei der Hand und sagte: Da er einmal oben auf dem Hibichenstein gewesen sei und so große Angst dafür ausgestanden habe, so solle er nun auch noch mit in des Zwergkönigs Schloß kommen; der lasse es sich nicht nehmen, er müsse ihn nun zum Beschluß einmal ordentlich bewirthen. Also ging der Försterssohn mit dem Zwergkönig durch ein großes Thor in den Berg hinein und führte ihn in ein großes Zimmer, da standen Stühle und eine große Tafel, davor mußte er sich hinsetzen. In dem Zimmer blinzten die Wände von Stuferz, die Decke war von einem Stück Schwerspath, weiß wie der Schnee, und von der Decke hing ein großer Kronleuchter herab, ganz von Krystallen und Edelgestein, größer als im goslarschen Zehnten; und der Fußboden war mit grünen Tannenzweigen überstreut und die Pannele glänzten nur so von Gold und Edelgestein. Und mitten in der Stube stand ein Glaskopf und ein silberner Stuhl davor. Darauf setzte sich nun der Zwergkönig, sagte zu dem Försterssohn, er solle sich setzen und schlug mit dem silbernen Schlägel gegen den Tisch von Glaskopf. Der gab einen Ton von sich, so köstlich, wie man es in der Welt nicht hört. Da kamen tausend kleine Frauenbilder herein, die trugen Erdbeeren und Himbeeren auf, und der Hibich sagte zu dem Förstersohn, er solle davon nehmen. Also sprachen sie zusammen, und die andern Frauenbilder machten Musik dazu. Wie die Mahlzeit zu Ende war, schlug der Hibich wieder mit dem Fäustel an den Tisch von Glaskopf, und wie der köstliche Ton wieder erklang, da trugen die kleinen Frauenbilder Krüge herein vom lautern Silber; und der Hibich sagte zu dem Försterssohn: er solle Bescheid thun. Der sagte: Glück auf, und that seinen Zug. Aber so Herrliches hat er im Leben nicht getrunken. Wie nun der Försterssohn sich so erquickt hatte, führte ihn der Hibich in ein gar großes Gemach, da war auf der einen Seite an den Wänden Silber, auf der andern Gold. Nun stand der Hibich da und commandirte auf einmal: Silber! und das andere Mal: Gold! und bei jedem Ruf des Hibich mußte der Försterssohn zugreifen, und der Hibich rief so lange: Silber und Gold! daß er mit unermeßlichen Reichthümern belastet wurde. »Willst du mir nun einen Gefallen thun?« sagte Hibich; »nämlich solange der große Hibichenstein der große bleibt, hab' ich mein Recht daran und darf auch auf der Erde walten gehen (umgehen); wenn aber der große Hibichenstein zum kleinen wird, so kostet's mich die Krone, und dann darf ich blos unter der Erde herrschen. Da schießen nun immer die Leute nach Krimmern, Raben und Falken oben auf dein Hibichenstein, und das darf ich nicht leiden; denn trifft's den Stein, so bröckelt etwas ab. Der Försterssohn versprach's und gab ihm die Hand darauf, daß weder sein Vater, noch er selbst, noch ein Anderer, solange er lebe, jemals nach dem Stein schießen solle. Wie das geschehen war, führte ihn der Hibich in ein anderes Zimmer. Da war ein Bett von Moos recht artig bereitet. Der Hibich sagte, er wolle seinen Gast morgen zeitig wecken und wünschte ihm gute Nacht. Der Försterssohn hatte noch nicht lange geschlafen, da weckte es ihn auf, und wie er die Augen aufschlug, graute der Morgen, und wie er sich besann ('s ist kalt gewesen), lag er unten am Hibichenstein unter einem Busch, all sein Silber und Gold aber, das er auf des Hibich's Ruf bekommen hat, lag neben ihm. Das hat er Alles der Obrigkeit erzählt und den Armen von seinem Reichthume mitgetheilt. Und die Obrigkeit hat ein Gesetz ausgehen lassen, daß Keiner auf den Hibichenstein steigen und Keiner da nach Falken und Krimmern schießen dürfe und nach Raben. Und solange der große Hibichenstein ist unversehrt gewesen, hat der Hibich da sein Wesen gehabt und viel Gutes gethan, und manchen Bösen bestraft, und es hat ihn auch Mancher gesehen. Aber im Dreißigjährigen Kriege haben die Kaiserlichen die Spitze des großen Hibichensteins aus Muthwillen mit Karthaunen heruntergeschossen, und von der Zeit an hat kein Mensch den Hibich mehr gesehen.   IV. In einer Mühle speisten die Zwerge jede Nacht und der Müller mußte deshalb jeden Abend mit seiner Familie ausziehen. Eines Abends kam ein alter Soldat und bat den Müller, ihm in seiner Mühle für die Nacht ein Quartier zu vergönnen. Der Müller erklärte ihm die Sache, wie es zusammenhing, und sagte: wenn er sich vor den Zwergen nicht fürchten wollte, so konnte er da bleiben. »Ach«, sagte der Alte, »ein alter Soldat darf sich nicht fürchten«, stopfte sich eine Pfeife und setzte sich hinter den Ofen, während der Müller mit seiner Familie wieder auszog. Wie es die Nacht an zwölf Uhr kam, erschien eine ganze Hetze Zwerge. Sie deckten den Tisch und setzten goldenes und silbernes Geschirr darauf, worin sogleich von selbst Speise war. Wie dies geschehen war, kamen sechs Zwerge, hatten Hibich auf eine mit Gold und Silber ausgestickte Bahre gelegt, und setzten ihn auf der Mitte der Tafel auf einen hohen Sessel. Kaum hatte er aber fünf Minuten gesessen, da schrie er: hier riecht's nach Taback, und die kleinen Zwergmännchen schnüffelten den Soldaten auf, sprangen mit goldenen Gabeln und Messern auf ihn zu und wollten ihn ermorden. Dies Ding verstand aber der Soldat unrecht, nahm seinen Stock, und haute die ganzen Zwerge in die Flucht, ihren Hibich hatten sie aber sitzen lassen, und der verschwand von selbst. Da strich der alte Soldat das Gold- und Silbergeschirr ein, legte es auf die kostbare Bahre und zog damit zu Markt, verkaufte das überflüssige Geschirr und die Bahre und löste daraus so viel, daß er frei und frank leben konnte, hatte aber doch etwas von dem seltenen Geschirr behalten, und es war in demselben, sobald er es sich nur wünschte, die kostbarste Speise. Am andern Abend saß er wieder in der Mühle und der Müller war auch dageblieben. Wie es nun an Zwölf kam, klopfte etwas dreimal an das Fenster und fragte: Müller, hast du deine böse Katze noch? Da schrie der alte Soldat selber: »Ja, sie jungt alle Nächte zwölfe.« Da riefen die Zwerge betrübt: »Dann mag dir der Teufel wiederkommen«, und sind seit der Zeit nicht wiedergekommen. Der alte Soldat lebt aber bei dem Müller herrlich und in Freuden, und lebt alle Tage einen Tag von seiner Wunschspeise. Sagen der Bergstädte Klausthal und Zellerfeld. * 1. Sagen vom Bergbau.   I. Es ist einmal ein Venediger gewesen, der wurde auf Klausthal zum Steiger gemacht. Wenn die Leute nach Haus zu gehen wünschten, ließ er sie sogleich gehen, weil er alle Arbeit für sie that. Wegen seiner Nachsichtigkeit mit den Bergleuten erhielt er viele Strafe und wollte deshalb nach Venedigen zurück. Er entließ alle seine Leute, behielt nur den Anschläger und fragte, ob er mit ihm wolle. Der sagte ja. Da machten sie miteinander ins Gesenk hinein, wo die Tonnen hineingehen, und der Steiger besetzte die ganzen Löcher so weit, daß sie losgehen mußten, um den Stollen zu nichte zu machen. Sein Zorn war so groß, daß er mit dem Stollen auch noch einen Bergmann, der da arbeitete, in die Luft sprengte, wiewol der Anschläger um dessen Leben bat. Da frühstückten sie miteinander und dann ging's immer im Felsen entlang und überall war der schönste Weg. Als sie lange genug gegangen waren, kamen sie ins Venedigenland, in einen großen schönen Garten bei des Steigers Haus. Dem Anschläger gefiel es da sehr gut, als er aber eine Zeit lang da gewesen war, fragte ihn der Steiger: ob er einmal wieder nach dem Harz wollte. Er sagte: das wolle er gern, nahm sein Grubenlicht, und sie gingen immer in dem Felsen entlang. Weil in den Bergen Alles eingestürzt war, konnte er sich auch von da an nicht mehr finden, wo sie gefrühstückt hatten, und der Steiger brachte ihn ganz aus der Erde heraus und ging dann zurück nach Venedigenland. Als der Anschläger aber nach Klausthal kam, kannte ihn da Niemand mehr und seine Frau und Kinder waren auch nicht mehr dort. Da wurden die Altenthümer aufgeschlagen und darin stand, daß dieser Bergmann vor einigen hundert Jahren verschwunden war. Er hatte aber geglaubt, nur einige Jahre in Venedigenland gewesen zu sein.   II. In dem vorigen Betriebe der Silbernaaler Gruben haben sie einen Kunstknecht gehabt, der hat am Sonnabend, als die Bergleute Schicht gemacht haben, dem Kunstjungen Alles übergeben, ist nach Zellerfeld gegangen und hat da sich verweilt bis den Montag Nacht um Zwei. Dem Jungen hat er angekündigt, es möge geschehen, was da wolle, so solle er nicht hineinfahren. Wie er nun zurückkam, stand das ganze Gesenke (die Tiefe) voll Wasser und da sind sie eingefahren, er hat aber dem Kunstjungen angekündigt, es möge geschehen, was da wolle, so möge er nichts sagen, sondern nur immer Acht geben, auf daß er's auch so machen könne, wenn er einmal Kunstknecht wäre. Als nun der Kunstjunge zusah, so ging das Wasser ohne Weiteres an den Wänden herauf. Da sie nun herauskamen, war das ganze Gesenk schon leer und da waren auch schon die Frühschichter, die fuhren hinein und konnten ohne Weiteres ihre Arbeit beginnen. Der Kunstjunge hatte auch Niemand etwas verrathen, wiewol die Leute in Zellerfeld wußten, daß der Kunstknecht zu Haus war und sich in der Zeit nicht um die Kunst bekümmerte. Endlich drohte aber der Geschworner dem Kunstjungen mit Ablegen (Dienstentlassung), wenn er nicht bekenne, und da hat er gesagt, was er gesehen hat. Sobald er's aber ausgesprochen hat, ist er todt zu Boden gestürzt. Der Kunstknecht aber ist verschwunden und soll auch der alte Markscheider mit ihm fortgegangen sein, der den Dammgraben angelegt und, wie das Volk sagt, verpfuscht hat, und der soll alle die alten Kunstrisse vom Harz mit sich genommen haben.   III. Es erzählte ein Knabe: Mein Großvater hieß Friedel Märten und arbeitete in den Gruben auf dem Klausthal mit einem Kameraden, der hat Christian geheißen. Da sagte Christian zum Friedel: »Weißt du was, Friedel, ich will an Lasebuch mitbringe, wollen an Teifel für uns locken.« Am andern Morgen bringt Christian auch ein Lesebuch mit und wie sie den Abend da nun lesen, kommt so ein Gebollwerke und ein Ungestüm im Schacht herauf und hin vor die Stubenthür. Das ist der Teufel gewesen, der ist im Schacht heraufgekommen, hat die Stubenthür aufgemacht und hereingeguckt. Da hörte nun Christian auf zu lesen und guckten alle Beide vor sich nieder. Da fuhr der Teufel wieder im Schacht herunter und nun war es still. Christian aber sagte: »Weißt du was, Friedel, morgen Abend will ich noch mal an ander Lasebuch mitbringen, woll'n wer an Teifel noch näher für uns locken.« So brachte Christian denn auch wieder ein Buch mit, und als sie den Abend darin lasen, kam wieder so ein Rumoren im Schacht herauf und der Teufel erschien wieder, kam in die Stube, trat vor den Christian und sagte: wenn er das wieder von rückwärts lesen könne, was er von vorwärts gelesen hätte, so wäre ihm das Leben geschenkt, aber wenn er das nicht könnte, so müßte er sterben. Da las der Christian es von rückwärts und da ist der Teufel wieder im Schacht herunter gefahren.   IV. Vor langen, langen Jahren, da der Zellerfelder Teich gemacht wurde, arbeitete daran auch ein Grabenarbeiter, Namens H......, ein pfiffiger und vermessener Bursche. Der saß an einem Nachmittage mit seinen Kameraden und vesperte. In ihren Gesprächen kam die Rede auch auf das Grabenhaus, das nicht weit unterhalb des Teufelsteiches auf dem Graben stand, zur Theilung des Wassers nach der Bockswiese und nach dem Spiegelthale. Schon oft hatte der Grubenarbeiter, welcher die Wasser weg- und hineinmachen mußte, trotz des festen Schlosses, das an der Grabenhausthür war, bemerkt, daß eine Aenderung der Wasserleitung gemacht und dadurch großer Nachtheil für die betreffenden Werke herbeigeführt war. Trotzdem, daß häufig gewacht und das Haus beobachtet wurde, auch Niemand gesehen war, war doch kurze Zeit, nachdem der Grabenwärter weg war, die Wasserstimmung anders gewesen, als sie sein sollte. Man kam endlich dahin überein, es müsse im Grabenhause nicht richtig sein und das fand so viel Anklang, daß die meisten Leute sagten: Im Grabenhause spukt's. Mein pfiffiger Grabenarbeiter nahm einen kräftigen Schluck Branntwein und sagte, wie er seinen Kameraden den Bergspiegel hinreichte: »Dissen Ohmd will ich de Wasser emol schtimme; der Karel soll mer de Schlissel gahn.« – »Na«, sagten die Andern, »nimm dich in Acht, dort ist's nicht geheuer; du kannst den Kürzern ziehen.« – »Ach was! Possen! Den will ich sehen, der mir an den Theiler kommt! ohnehin ist Mondschein.« – »Na! Na! wir sagen nichts. Wenn du einen Klapphandschuh davonträgst, hilft dir ihn Keiner tragen.« Der eine der Grabenarbeiter sagte: als er neulich sich beim Stukenroden verspätet habe und die Nacht hereingebrochen sei, so habe er im Vorbeigehen eine luftige weiße Gestalt im Graben unter das Haus hinschlüpfen sehen; er habe sich aber weiter nicht darum bekümmert, am andern Morgen seien aber die Wasser, statt nach der Bockswiese, nach dem Spiegelthale gekommen. Ein Anderer sagte: als er voriges Jahr spät aus den Heidelbeeren gekommen sei von den drei Birken, habe er in der Nähe des Grabenhauses eine feurige Schlange im Graben liegen sehen und die sei im Graben fort unter das Haus hingeschwommen und darunter verschwunden, und am andern Tage sei das Wasser unrichtig gezogen gewesen. Ein Dritter sagte, den Bau des Grabenhauses habe der Teufel nicht haben wollen, und da die Menschen ihm den Willen nicht gethan haben, so mache er ihnen immer Schabernack. »Kurz und gut«, sagte der Aelteste, der Pfiffikus, »ich mache diesen Abend die Wasser hin nach der Bockswiese, trotz Höll' und Teufel«, und nachdem noch zwei Stunden gearbeitet war, sagten die übrigen dem H.....: »es gieh der wull« und gingen nach Hause, als eben der Grabenwärter kam, Wasser nach der Bockswiese hinzumachen. »Karl«, sprach H..... zu ihm, »laß mich heut Abend mal deine Arbeit thun. Ich will diesen Abend mal Wasser herummachen, du kannst dich drauf verlassen. Ich will auch dabei bis wenigstens um elf Uhr wachen, daß uns kein Schabernack dabei gemacht wird.« – »Nun, wenn du willst«, sagte der Grabenwärter, »ich habe Nichts dabei. Nimm dich aber in Acht. So kann ich diesen Abend mal ein bischen früher zu meiner Braut.« Er gab dem H..... die Schlüssel und sprach: »Nu mach's gut; es gieh der wull«, und ging nach Hause. H..... ging nun gleich hin nach dem Grabenhause, zog das eine Geschütz auf und setzte das andere zu, schloß danach das Haus zu, probirte, ob es auch fest zugemacht war, und nachdem dies geschehen, stopfte er sich eine Pfeife und legte sich in das grüne Gras mit dem Worte: »Nun will ich doch Den sehen, der mir den Kram verderben will.« Zu Hause wartete aber seine Mutter mit dem Abendbrote. Es schlug sieben und er kam nicht; es schlug acht und er war nicht da; es schlug neun und zehn und seine Mutter wartete immer vergeblich. Endlich ward ihr angst und bange. Sie ging nach einem seiner Kameraden, klopfte den auf und fragte besorgt, ob er nicht wisse, wo ihr Sohn sei. »Doch«, sagte er, »der ist beim Grabenhause geblieben und hat dem Grabenwärter heute seine Arbeit abgenommen.« Wie ein Stein fiel das der Mutter aufs Herz. Sie, in ihrer Angst, lief gleich hinaus und – welch ein Anblick! Zwanzig Schritt vom Hause beschien der Mond einen Todtenschädel, der sie anglotzte, vier Schritt davon lag der Rumpf, den Kittel noch an, und ohne Arme und Beine, weiterhin lag ein Bein und ein Arm, und am Hause war ein Bein an die Thür und der andere Arm an den Giebel des Hauses angenagelt. Voll Schreck lief die Mutter nach Hause, und nachdem man hinausgegangen und die Sache näher untersucht hatte, hat es sich gefunden, daß das alles Theile des zerstückelten Körpers von dem Grabenarbeiter H..... gewesen sind. Es ward Alles sorgfältig in einen Sarg gethan und H..... wie ein Umgekommener mit allen bergmännischen Ehren beerdigt. Das Haus wurde bald nachher abgerissen und seit der Zeit hat sich nichts Verdächtiges da wieder hören und sehen lassen.   V. Zu Anfang der Zeit da man schrieb 1700 ist ein Bergmeister gewesen, der hat Hinten geheißen und eine Haushälterin gehabt. Der hat er anbefohlen, ihn nicht vor der bestimmten Zeit zu wecken, wenn er am Nachmittage eingeschlafen sei. Sie soll ihn aber auch keine Minute länger liegen lassen. Wie er nun eingeschlafen ist, setzt sich die Haushälterin aus Vorsicht neben ihn hin und sieht genau nach der Uhr und dann nach ihrem Herrn. Auf einmal kommt ihm eine Maus aus dem Munde gekrochen, läuft an ihm hinunter und verschwindet auf der Erde. Wie die Weckzeit näher kommt, eine Minute vor der Zeit, kommt die Maus zurück und kriecht dem Bergmeister wieder in den Mund. Der Bergmeister wacht mit einem Schnarcher auf, zieht rasch sein Fahrzeug an und fährt nach. Und sicherlich hat er jedesmal durch die Maus Nachricht bekommen, daß die Leute falsch gearbeitet haben oder ausgerissen sind, denn er ist nie vergeblich gefahren. Nun ist auch einmal ein Bergmann vor Ort, der hat Schramm geheißen. Sie haben auf den Durchschlag gearbeitet. Es ist gerade Freitag gewesen und sie machen sich auf die Fahrt, um auszureißen. Wie sie ans Fahrloch kommen, sitzt der Bergmeister auf dem Fahrloche. So ist's ihnen dreimal gegangen. Das kommt den Bergleuten wunderlich vor, und sie erkundigen sich bei dem Gaipelaufseher, wie das wol zugehen mag. Aber der hat nichts gesehen. Also forschen sie die Haushälterin des Bergmeisters aus, aber die sagt, er sei gar nicht aus dem Hause gegangen. Und doch haben ihn die Gedinghauer gesehen. Nach dem dritten Male kommt der Bergmeister, nimmt ab und sagt: wenn sie wieder ausreißen würden, so würden sie nie wieder aufs Geding kommen.   VI. In alten Zeiten hat ein Puchjunge eines Morgens verschlafen. Er wohnt am Zellbache auf dem Klausthal und läuft deshalb gleich hinten aus seiner Gartenpforte über die Bremerhöhe nach seinem Thalspuchwerke zu. Wie er eben aus seiner Pforte tritt, stolpert er über Etwas. Wie er sich umsieht, erblickt er einen Maulwurfshaufen, der glänzt wie Silber. Er fährt mit der Hand so hindurch, und was er damit fassen kann, das steckt er in seine Tasche und beeilt sich dann, daß er an Ort und Stelle kommt. Er denkt an dem Tage gar nicht wieder an den Vorfall. Wie er aber des Abends nach Hause kommt, so klingelt's in seiner Westentasche, und wie er sie auszieht, siehe da! es sind lauter blitzblanke silberne Näpfchenpfennige. Von diesen hat die Familie noch bis auf diesen Tag mehrere zum Beweis der Wahrheit aufbewahrt.   VII. Ein Bergmann auf dem Klausthal träumte in der Nacht, daß er am folgenden Tage Schaden nehmen würde, darum fuhr er an diesem Tage nicht an, blieb daheim und legte sich auf das kleine Sopha, das in seiner Stube stand. Da fiel aber das Plätteisen herunter, das über ihm am Balken hing und erschlug ihn. Von der Zeit an fahren die Bergleute noch unverzagter als zuvor in den tiefen Schacht und sie sagen, man sehe aus dieser Begebenheit, daß man überall in Gottes Hand stände und daß sie Den, den sie erreichen wolle, auch auf dem Sopha zu finden wisse. * 2. Der Bergmönch vom Klausthal und vom Zellerfeld.   I. Der Bergmönch, der sich auf Klausthal und Zellerfeld zeigt, ist früher ein Bergmeister gewesen, der solche Freude an dem Bergbau gehabt hat, daß er im Tode den lieben Gott gebeten hat, er möge ihm statt der seligen Ruhe im Himmel lieber die Erlaubniß geben, bis auf den jüngsten Tag in Berg und Thal und Gruben und Schachten umherzufahren und den Bergbau zu beaufsichtigen. Diese Bitte ist ihm gewährt. Der Bergmönch erscheint den Menschen in der Kleidung eines Bergmeisters mit einem silbernen Grubenlichte. Seine Beschäftigung ist diese: er durchfährt alle Stollen, durchspürt jeden Bau, geht auch am Tage (das heißt auf der Oberfläche der Erde) an solchen Stellen, unter denen Erzgänge liegen, hin und her, und zwar bald langsam, bald schnell wie der Blitz. Bisweilen setzt er sich auf die Kunstgänge, oder er hält sie auf, oder er drillt auch die Wasserräder, je nachdem seine Laune ist, oder je nachdem er den Schützer leiden mag oder nicht. Er tritt manchmal aus dem festen Gestein heraus in den Gruben, und das feste Gestein thut sich vor ihm auf, und ist er hineingetreten, schließt es sich hinter ihm so fest, daß keine Spur bleibt. Man hat ihn des Nachts oft aus alten Stollenmundlöchern und aus alten Pimpen, auch aus den engsten Räumen der Radstuben herauskommen und in denselben verschwinden sehen. Wem er gut ist, dem thut er manchen Gefallen, macht ihm Geschenke und erscheint ihm in Menschengestalt und in Menschengröße. Wem er böse ist, oder wo er sich unbeachtet glaubt, oder sich um das Auge der Menschen nicht kümmert, erscheint er in seiner wahren Gestalt. Dann ist er riesengroß, gekleidet wie ein Geschworener. Seine Augen sprühen Flammen und sind wie Kutschenräder, sein silbernes Grubenlicht ist so groß wie ein Scheffel, und die Flamme desselben ist von entsprechender Größe und Helle, seine Beine sind wie Spinnengewebe. Wenn ein Bergmann seine Pflicht nicht thut, gibt er ihm den Rest.   II. Das Mönchsthal bei Klausthal hat seinen Namen vom Bergmönch, der hat hier seinen Lieblingsaufenthalt gehabt. Es hat auch hier früher sehr reiche Gruben gegeben. Da ist der Bergmönch manchmal in der Grube erschienen, ja wol gar in die Bucht gekommen, und die Bergleute haben sich an ihn gewöhnt, daß sie eben keine Furcht mehr vor ihm gehabt haben. Aber manchmal hat er auch seine Launen gehabt, hat die Schütteln aufgehoben, daß man die Wasserräder nicht hat zum Stehen bringen können, oder hat die Kunst aufgehalten und die Bergleute erschreckt durch allerlei abenteuerliche Spiele und Neckereien. Dadurch ward er endlich den Bergleuten zur Last und sie haben ihn gern los sein wollen. Endlich folgten ihm einmal ein paar Bergleute nach und legten, so wie sie gingen, Kreuze vor sich hin. Da ging der Bergmönch zuletzt in eine Schlucht hinein, welche hinten durch eine nackte Steinwand geschlossen wird. Der Bergmönch blickte sich noch einmal um und sah ganz zornig aus. Darauf rührte er den Stein an. Sowie er den angerührt hatte, that er sich voneinander und der Bergmönch trat hinein. Gleich darauf schloß sich die Wand wieder fest zusammen. Seit der Zeit ist der Bergmönch nicht wieder in die Gruben gekommen, aber diese sind auch alle überschwemmt und man hat sie auflassen müssen und bis auf diesen Tag sind die Wasser im Mönchsthal nicht zu gewältigen und keine Grube hat Glück. An der Stelle, wo der Bergmönch in den Fels gegangen ist, auf der nämlichen Felswand ist das Bild eines Bergmanns zu sehen; man kann aber den Stein jetzt nicht mehr finden.   III. Es hieß eine Grube »der alte Segen«, darin arbeitete ein Bergmann, der kam Abends, als er heimkehren wollte, in einen Gang und ging lange darin hin. Zuletzt wollte sein Licht ausgehen, da kam der Bergmönch, gab ihm ein ordentlich Stück Inselt (Unschlitt) und winkte ihm, nur noch weiter in dem Gange hinzugehen. Zuletzt kam er in einen Schacht, den er gar nicht kannte, und sah Gold und andere edle Erze. Sein Licht aber verminderte sich gar nicht und sein Kamerad fragte ihn, woher er es hätte. Endlich erzählte, er's, aber als es heraus war, schmolz sein Licht schon zusammen und von dieser Zeit an ist auch das ganze Gold und Stufferz, das in diesem Gange gewesen ist, wie das Talg zerschmolzen und wie in die Luft gespritzt.   IV. Einem Bergmann Ahrend, dem der Bergmönch auch Inselt gegeben hatte und der es gegen die Kameraden ausplauderte, stellte der Bergmönch nach. Am Weihnachtsheiligenabend wollte der Bergmönch ihm in einer Grube etwas anthun, da kam aber seine Frau, die sammelte im Sommer heilsame Kräuter und hatte einen Kräuterbeutel auf der Brust hängen. Da warf der Bergmönch den Ahrend lebendig aus der Grube und sagte zu der Frau ärgerlich: Hättest du nicht Dill und Dust, So hätt' ich es wol gewußt, d. h. er hätte wol gewußt, was er sonst gethan, nämlich, daß er dem schwatzhaften Bergmann ein Leid zugefügt hätte.   V. Der Bergmönch hat einem Weilarbeiter gesagt, daß er nicht eher arbeiten solle, bis drei Tage vor der Abnahme. Immer drei Tage vor der Abnahme wolle er kommen und das Geding richtig machen. Er dürfte es aber Niemand sagen. Er wolle ihm Oel auf seine Lampe gießen, das solle so lange brennen, als er lebe, wenn er reinen Mund hielte. Da ist er verschwunden in die Kluft hinein, wo Alles geblitzt und geblänkert hat. Der Bergmönch machte nun stets die Arbeit für den Weilarbeiter. Als dieser aber beim Trunk die Sache erzählte, verdörrte das Licht und der Bergmönch kam nicht wieder, um für ihn zu arbeiten.   VI. Es ist einmal ein Bergmann gekommen, der hat Arbeit gesucht und die ist ihm angewiesen an einer Stelle, wo es sehr schwer gewesen ist, das Erz loszuhauen. Als es nun an die Arbeit gehen sollte, sagte er zu seinem Kameraden, der schon längere Zeit herangefahren war: nun laß du mich nur machen, jetzt wollen wir uns noch eine Zeit lang hier draußen verweilen, dann aber geh' ich hinein und besorge die Arbeit allein. Dazu versteht sich der Bergmann endlich, und so hat der Fremde die Arbeit lange Zeit allein besorgt. Zuletzt hat aber den Bergmann die Neugierde so geplagt, daß er sich nach dem Gange geschlichen hat, wo er und sein Kamerad die Arbeit gehabt haben, und da hat er gesehen, wie sein Kamerad ganz ruhig am Gestein gelehnt, und ein Geist, welcher der Bergmönch gewesen ist, aus Leibeskräften für ihn gearbeitet hat. Darauf hat er sich wieder fortgeschlichen, bald ist aber sein Kamerad ihm nachgekommen und hat ihm eine tüchtige Backpfeife gegeben, und von der Zeit an hat er müssen wieder selbst arbeiten.   VIII. Es ist einmal ein recht armer Bergmann gewesen, dessen Frau kam nieder mit dem siebenten Kinde. Das hat ihm nun große Sorge gemacht, denn er hat schlechte Strosse gehabt und also hat der Lohn nicht reichen wollen. Eines Abends saß er mit seiner Frau trübselig zusammen, da klopfte es an die Thür. Gleich darauf trat Jemand recht fest auf und der Bergmönch kam herein, gab Beiden die Hand und sprach! »Ihr seid ehrliche Leute, ich weiß es, darum will ich euch aus der Noth helfen.« Damit gab er der Frau einen Packen Flachs , klar wie die Sonne, dem Manne aber gab er ein Stück Unschlitt, befahl ihnen auch Niemand etwas davon zu sagen. Damit verschwand er. Der Flachs aber hat nicht abgenommen und der Unschlitt ist nicht verbrannt.   IX. Zwei Nachtschichter standen vor Ort, aber der Bohrer wollte nicht bohren und es war als bohrten sie auf lauter Hornstein. Am nämlichen Abend machten ihre guten Freunde sich lustig und da beschwatzte der Eine den Andern, daß sie hinausfahren wollten. Sie fuhren also auf einem Stollen nach einer andern Grube hin und wollten da hinausfahren. Als sie durch den Stollen waren, kehrte auf einmal der Vordermann um und schrie: »Alle guten Geister loben Gott den Herrn!« und machte, daß er vor seinem Kameraden vorbeikam. Da sah der den Bergmönch, der stand vor dem Stollen und hatte ein silbernes Grubenlicht in der Hand, so groß wie ein Scheffel und die Flamme ging bis an die Stollenklappen und seine Augen waren so groß wie Wagenräder und seine Beine waren wie Spinnengewebe. Und wie er seine Hand ausstreckte und den Beiden den Hals umdrehen wollte, da stürzten sie fort und fuhren zurück. Aber der Bergmönch lachte aus vollem Halse. Die Nachtschichter fuhren in vollem Laufe bis nach ihrem Schachte und da hinaus. Wie sie noch eine Fahrt hatten, da stand der Bergmönch quer über dem Fahrloche und wie der erste den Kopf hinausstreckte, klemmte ihn der Bergmönch zwischen seine Beine, zog ihn aus dem Fahrloche heraus und drehte ihm den Hals um. Wie der andere Nachtschichter das sah, fuhr er wieder hinein, aber der Bergmönch folgte immer nach. Da dachte er, sollst nur gleich wieder an deine Arbeit gehen, vielleicht thut er dir nichts; fuhr gleich wieder zurück, und wie er vor Ort war, fing er an zu hämmern. Aber er hatte so harte Strosse, daß das Feuer nur immer so gestrahlt hat vom Bohrer und daß er allein so einige Stunden hat bohren müssen, und der Bergmönch stand immer dabei, und wie der Nachtschichter fast nicht mehr das Fäustel regieren konnte und dachte, er wolle sich einen Augenblick erholen, da hob der Bergmönch die Hand auf und wollte ihm eine Ohrfeige geben. Da hat er wohl oder übel hämmern müssen, bis er sein Loch nieder hatte, und der Bergmönch hat noch dazu gelacht, daß die ganze Strecke geschallt hat. Wie das Loch nieder war, blieb der Bergmönch noch immer stehen. Kurz von der Sache zu reden. Der Bergmann mußte auch noch schießen. Da warf's denn einen Haufen herein, daß es was Ungeheures war. Und der Bergmönch wollte immer noch nicht weg. Und es konnte Alles nichts helfen, der Bergmann mußte aufräumen. Wenn er nun eine Masse Berge aufgemauert hatte an den Wangen, lag noch wieder eben so viel auf dem Haufen und das Ausgemauerte war weg und der Haufen ward nicht kleiner. Zuletzt konnte er nicht mehr, es ward ihm ganz schwarz vor den Augen und er sank in Ohnmacht. Da ging der Bergmönch ins Feste. Wie der Nachtschichter aufwachte, war Alles aufgemauert und alle Arbeit gethan. Er hat nachher die Geschichte oft erzählt. * 3. Die Bremerhöhe. Die Höhe bei Klausthal, auf welcher die Windmühle steht, heißt die Bremerhöhe und hat ihren Namen von einem Manne, dem sie gehört hat. Dieser Mann ist sehr reich gewesen. Der ganze Wald sammt dem Berg hat ihm gehört. Aber einmal geht er an einem Frühlingsmorgen in seinem Forst spazieren. Da hört er den Kuckuck schreien. Ei, denkt er, sollst doch auch einmal hören, wie lange du noch zu leben hast. Also fragt er den Kuckuck, wie lange er wol noch zu leben habe. Da schreit der Kuckuck: Kuckuck! Kuckuck! Kuckuck! – I, denkt der Bremer, wenn du nur noch drei Jahre zu leben hast, so sollst du dir's auch recht zu Gute machen; fängt also an zu wirtschaften, daß er nach drei Jahren keinen Baum mehr hat, viel weniger einen Forst. Alles ist durchgebracht. Und so hat denn der arme Schelm sein Brot vor anderer Leute Thüren suchen müssen, noch lange Jahre. Wenn er nun Jemand um ein Almosen angesprochen hat, so hat er gesagt: Seid doch so gut und theilt einem armen Manne etwas mit, den der Kuckuck betrogen hat. * 4. Die Schnapphähne. Wenn zwei Harzer gemeinschaftlich aus einem Glase Schnaps trinken, so beobachten sie dabei diesen Brauch, daß Derjenige, welcher eben getrunken hat, indem er das Glas dem Andern zuschiebt, neben dem Glase mit dem Finger auf den Tisch klopft. Der Andere antwortet auf die nämliche Weise. Davon erzählt man sich Folgendes. Im Dreißigjährigen Kriege hat es auf dem Harze viele Bergleute gegeben, die haben auf ihre eigene Faust mit dem Kaiser Krieg geführt und weil die Herzöge von Braunschweig es auch mit den Papisten gehalten, auch gegen die braunschweigischen Behörden. Doch haben sie dem Bürger nichts zu Leide gethan. Aber kaiserliche Soldaten haben sie erschossen auf dem Marsche und auch in ganzen Scharen Gefechte geliefert und kaiserliche Beamte aus den Ortschaften entführt, Kassen weggenommen und Pferde und Munition geraubt. Diese Leute hat man Schnapphähne genannt. Und Tilly hat Preise auf ihren Kopf gesetzt und sie wie Räuber behandelt. Sie haben sich aber bei Tage, oder wenn sie nichts im Schilde geführt haben, bald hier bald da ganz einzeln aufgehalten, und weil ihrer Viele gewesen sind, so haben sie ein Zeichen verabredet. Wenn nämlich ein Schnapphahn in einem Wirthshause oder sonst wo gewesen ist, wo er mit Andern Branntwein getrunken hat, so hat er bei jedem Schluck mit dem Finger auf den Tisch leise aufgeklopft. Ist nun noch ein Schnapphahn dagewesen, so hat der's gleich ebenso gemacht. Und daran haben sie sich erkannt. So haben sie sich überall schnell zusammenfinden und ihre Anschläge sich mittheilen und verabreden können, ohne daß Andere sie erkannt haben. – Der Brauch vom Aufklopfen vor dem Trinken herrscht übrigens auch außerhalb des Harzes in Niedersachsen. * 5. Die Haulemutter.   I. Auf Zellerfeld war ein Bergmann, der ging Abends spät nach Hause, da saß die Haulemutter da und haulte, und hatte das eine Bein auf einem Zaune an der einen Seite des Fahrweges und das andere Bein auf einem Zaune an der andern Seite. Weil der Bergmann nun sehr beherzt war, so ging er gerade unter der Haulemutter durch. In dem Augenblicke aber schlug sie ihm den Hut vom Kopfe. Der Bergmann ließ den Hut liegen; als er aber nach seinem Hause kam, so wohnte dort eine Frau, der sagte er, er habe seinen Hut verloren, den möge sie ihm doch langen, er müsse dort zwischen den beiden Zäunen liegen. Die Frau ging hin und nahm den Hut auf; aber kaum war sie damit in dem Hause angelangt, so war auch schon die Haulemutter draußen und haulte ganz furchtbar und bedrohte das ganze Haus. Da haben sie ihr den Hut aus dem Fenster geworfen und damit hat sie sich beruhigt, aber der Hut ist am andern Morgen auf der Straße in lauter Fäden zerrissen gewesen.   II. Ein Bergschmied vom Klausthal fuhr vor fünfzig bis sechzig Jahren eines Morgens früh um ein Uhr an. Wie er am Zellbach durch das sogenannte Prachtgäßchen kam, hörte er eine feine und dünne Stimme, welche zu ihm sprach: »Bleiste schtiehn! bleiste schtiehn.« Weil er aber wußte, daß die Frau, welche in dem kleinen Hause an der Straße wohnte, eine Hexe war, so dachte er gleich, das ist die Hexe, die dir einen Schabernack anthun will, und lief was er laufen konnte, daß er fortkam. Aber gleich hörte er hinter sich ein Trappeln und Rappeln, Jauchzen und Schreien, daß ihm Hören und Sehen verging, und doch sah er nichts. Mit einem Male that's einen Satz und er fühlte auf seinen Schultern eine schwere Last, gleich als wenn sich ein Mensch darauf setzte und mit den Beinen vorn herunterhinge. Er fühlte auch, wie die Finger gleich Krallen in die Haut eingeschlagen wurden. Und das Ding verließ ihn nicht eher, bis er die Gaipelthür aufgemacht, an welcher er matt und erschöpft aus dem untern Burgstädter Zuge ankam. Dann aber gab's ihm einen derben Schlag in den Rücken, daß er ohnmächtig im Gaipel hinstürzte und erst nach einigen Stunden sich von seiner Noth erholen konnte. Des Abends, als er nach Hause kam, hatte er noch die schwarzen Flecke auf Schultern und Rücken. * 6. Der Geisterseher. Ist auch einmal auf dem Zellerfeld Einer gewesen, der ist an einem Sonntage geboren, des Nachts zwischen elf und zwölf Uhr; der hat auch Geister sehen können, und wenn er Einem begegnet ist des Nachts, hat er mit ihm gesprochen. Aber nur mit guten Geistern hat er zu thun gehabt, denn er ist ein frommer Mann gewesen, mit bösen Geistern hat er sich nicht abgegeben. Nun war einmal Fastnacht. Da war er auch in der Kirche. Und wie der Pastor auf der Kanzel stand und legte Gottes Wort aus und sagte, wie ein Bergmann sich verhalten müsse, wenn er Gott lieb und angenehm sein will, da saßen auch Zwei auf der andern Emporkirche, Dem gegenüber, der hat Geister sehen können. Die schwatzten miteinander und lachten, und hörten gar nicht darauf, was der Pastor sprach. Und hinter ihnen stand der Herr Urian (der da hat Geister sehen können, hat's mit seinen leiblichen Augen gesehen) und hatte eine Kuhhaut und eine große Feder in der Hand. Und mit der Feder schrieb er auf die Kuhhaut Alles, was die Beiden schwatzten, mit großen Buchstaben, daß es der Andere hat lesen können. Wie der Pastor aufhörte zu predigen und das Vater Unser betete und den Segen sprach, hörten die Beiden noch nicht auf zu schwatzen und zu lachen; und der Böse konnte es nicht Alles auf die Kuhhaut bringen. Da trat er mit dem einen Fuße auf die Kuhhaut und mit den Händen zog er sie an sich, und wie er so zog mit aller Gewalt, rutschte ihm die Kuhhaut unter dem Fuße weg. Da fiel der Böse rücklings nieder und streckte die Beine gen Himmel. Das fiel dem Bergmann so ins Lachen, daß er sich nicht halten konnte, und er lachte so laut, daß die ganze Kirche davon schallte. Der Pastor hat ihn aber gleich gesehen und erkannt und hat ihn sich gemerkt, und wie die Leute aus der Kirche gingen, stellte er sich ins Kirchenhaus, wartete, bis der Bergmann herauskam, und sagte zu ihm: er möchte doch ein paar Augenblicke mit ihm gehen, er hätte ein paar Worte mit ihm zu sprechen. Gut das Ding! Wie sie beim Pastor ins Haus getreten waren, ging er mit dem Bergmann gleich auf seine Studirstube und da hielt er ihm Gottes Wort vor, und hielt ihm eine Strafpredigt, die ist aus dem FF gewesen: ob er sich denn nicht der Sünden schäme, daß er sogar an seinem höchsten Feiertage im Gotteshause vor allen Menschen den Segen verspottete. Dafür könne es ihm nun und nimmermehr wohlgehen. Wie der Pastor fertig war, sagte der Bergmann: nun, Herr Pastor, sind Sie fertig? Sagte der Pastor: ja. »So erlauben Sie mir wol auch, daß ich spreche.« Sagte der Pastor: Wenn Er was zu sagen hat, mag Er's sagen. Da erzählte ihm der Bergmann Alles, was er gesehen hatte und sagte ihm Alles wieder, was der Böse auf die Kuhhaut geschrieben hatte, und gab ihm die Hand drauf. Wie das der Pastor hörte, sagte er gleich zu ihm, so möchte er ihm doch den Gefallen thun und nur noch ein paar Augenblicke verziehen; und schickte hin und ließ die Beiden rufen. Wie sie kamen, ließ er den Bergmann in das Nebenzimmer treten. Darauf fragte er die Beiden, was sie heute Morgen unter der Predigt gesprochen hätten. Da sagten die Beiden, sie hätten nicht gesprochen. Fragt er sie noch einmal, ob sie leugnen könnten, daß sie gesprochen hätten, und sagt ihnen Alles wieder, was sie gesprochen haben. Aber sie blieben dabei, sie hätten nicht gesprochen. Da machte der Pastor die Thür auf, und der Bergmann, der da hat Geister sehen können, trat in die Stube und sagte so und so, das und das, und erzählte auch, wie's der Böse gemacht. Da erschraken die Beiden und bekannten, und nun wollten sie es auch in ihrem Leben nicht wieder thun. Da war's gut, und der Pastor gab ihnen noch manche gute Lehre mit auf den Weg. Den andern Sonntag saß der Bergmann, der ein Sonntagskind war, wieder in seinem Stuhle und gegenüber saßen die beiden Andern. Wie der Pastor auf der Kanzel stand und legte Gottes Wort aus, richtig stand wieder der Böse hinter den Beiden und hatte seine Kuhhaut und seine große Feder. Aber die Bergleute sprachen kein Wort und hörten aufmerksam zu. Und wie der Pastor das Vater Unser betete und den Segen gab, beteten sie recht andächtig mit. Da nahm der Herr Urian seine Kuhhaut zwischen die Zähne und zerriß sie, und seine Feder zertrat er mit den Füßen und stürzte wüthend durch den Gang und die Treppe hinunter und zur Kirche hinaus. Und alle Menschen haben den Lärm gehört, aber Keiner hat gewußt, wo er herrührte. Aber der da hat Geister sehen können, hat Alles gesehen und hat's nachher oftmals erzählt. * 7. Die Stiefmutter. Einem Bergmanne ist seine Frau bei ihrem zweiten Kinde im Kindbette gestorben. Er hat aber bald darauf wieder geheirathet. Aber die Stiefmutter ist mit den beiden Kindern ganz unbarmherzig umgegangen. Das ältere hat sie gepeinigt mit Arbeit, die es noch nicht hat verrichten können, und hat ihm die Nahrung vorenthalten, und wenn das arme Kind nicht hat thun können, was die Stiefmutter gewollt, so hat es Schläge, aber nichts zu essen bekommen und oft hungrig zu Bette gehen müssen. Dem kleinsten Kinde hat aber die Mutter keine Nahrung gegeben, hat's auch nicht gewartet und nicht reinlich gehalten, in der Meinung, es solle auf diese Weise sterben. Aber das kleine Kind ist ihr zum Trotze gediehen. Denn als einmal auch das ältere Kind nichts zu essen bekommen, aber desto mehr Schläge, hat es geweint und gejammert und ganz laut gerufen: Ach Mutter! Mutter! ach meine liebe Mutter! Da sprang die unbarmherzige Mutter auf das Mädchen los, um es noch mehr zu schlagen; indem that die Kleine einen lauten Schrei, flog auf den Vater zu und zog ihn hinter sich her, daß er hinter den Ofen sehen mußte, wo die Wiege stand. Und da sah er, wie bei der Wiege seine verstorbene Frau saß und das Kind im Arme hatte und es säugte mit ihrer Brust. Die Stiefmutter aber, wie sie das sah, erschrack fast zu Tode, bat das arme geschlagene Mädchen um Verzeihung und es möge doch in Zukunft nur nicht seine Mutter rufen, und sie ist seitdem eine gute Mutter für die Kinder geworden, und da hat auch der Geist der Mutter Ruhe gehabt und hat sich nicht wieder sehen lassen. * 8. Mer soll dn Teifel net porren.   An Rathsel. (Im oberharzischen Bergmannsdialekt, der sog. Harzsprache.) Is ämol ä Barkmann gewest. Wenn dar hot vor Ort geschtanden und hot sich epper geschnieft oder darkleinig, su hot er gesagt: Da Teifel, dan sost du hahn. Dos hot er lange Zeit su getriem. Aemol schlicht er ahch vor Ort un schnieft sich un saht: Da Teifel, dan sost du hahn! Su wiere dos gesaht hot, schlicht a der Teifel vorne. »Was hoste do gesaht, Karrel! Dos prowier mer noch ämol, soste sahn, wie dersch gieht.« – »Haha«, sahte dr Barkmann, »en wos woste du mir thun? Du host an mir kä Thäl.« – »Na, ich sah dersch«, schpricht der Teifel, »thuste mersch noch ämol, ich will net häßen, wie ich häß, giehtersch ene Värtelschtunne schlacht.« Und do dermit verschwindter. De annre Nacht wie dr Barkmann wieder vor Ort schtieht, klatsch! »Da Teifel, dan sost du hahn!« Schwuppdich is dr Teifel wieder do. »Ich sahdersch! Mach mich net zacket! kann su wos net leiden. Loßmersch unterwahng!« – »Haha! du alwerner Teifel! Ich bin hie in män Beruf. Kannst mir nischt thun. Schar dich deine Gäng!« – »Na ich sahdersch in Guten. Namm dich in Acht.« Do drauf verschwindter. De annre Nacht is dr Barkmann wieder vor Ort. Klatsch! »Da Teifel, dan sost du hahn.« In Ahmblick is dr Teifel do: »Karrel ich sahdersch zum letzten Mol. Loß mich zufrieden, oder es giehter schlacht.« – »Haha! du sost mich wull lahm loßen. Schar dich deine Gäng.« – »Ich hohdersch zum letzten Mol gesaht. Prowiermersch net wieder.« Wack isser. De annere Nacht wie mei Barkmann wieder vor Ort schtieht, klatsch! »Da Teifel, dan sost du hahn!« Dr Teifel is wieder do, un is glatt unriehmsch vor Wuth. »Wart, Jerg! Nu will ich dersch eindränge. Du sost mich zum letzten Mol gefoppt hahn!« Do dermit verschwindter. Mei Barkmann oder lacht sich schef und ähtschtne wos aus. Gut das Ding. In der namling Nacht macht sich dr Herr Uriäng nong Klasthol, nimmt ä paar Fansterscheim ausen Kerringfanster, fährt in dr Kerch nein un langt de silwern Lächter von Altar un prackteziertse dan Barkmann ins Haus un unter sän Bett. Dr Barkmann kimmt gehng Morring häm un legt sich zu Bett un hot aus nischt wos Arges. Na! gans frieh an Morring wärds all publiek, daß de Kerch beschtuhln is, un 's kimmt a dr Owrigkät ze Uhren. De Herrn hin nohch dr Kerch un sahn de Beschäring. Nu isses oder Winter gewast, un es is von dr Kerch aus ene Schpur gange nohch dr Schulgaß zu. Dar Schpur ward nohchgange, un weil se ahm in dan Barkmann sän Haus fiehrt, ward kleich nein gemaschiert un fluck gefissentiert. Dar Barkmann is ahm aufgeschtanden, un weil er noch de Schlof in de Ahng hot un sich das net ze reime wäß, su schmeißt er de Piedels un dn Herrn gleich ä Schock Dunnerwatter an Kopp un will wissen, wosse in sän Haus ze suchen hahn. Dos wier sich finden, häßt's. Forsch ärschte sollt er ju sei Maul halten. Wos willer machen? Har muß es sich gefallen lassen, lett sich's a gefallen un denkt: wardtich schneiden! saht oder: »Wenner oder nischt findt, saht, Karrels, kännter das Ding? ('s is ä Axtenhalm gewast) sollich ä Watter regieren.« Oder dos Ding kimmt annerscht, wieer ich lächtsen denken kännt. Untern Bett waren de Lächter gefunden. Un im trawalljeh la portt, Marsch! in dn Pfardieb seiner Schtet! Drauf ins Verhär. Hie verzehlter wosne mit dn Teifel begähnt is. Oder de Herrn lachenna in de schieren Zähn, un denken: dar Karrel wäß wull wie's elfte Gebut häßt, oder hie kimmste an de unrachten. Wart, häßt's hie, dir soll dr Schpaß balle vergiehn. Marsch mit dir of dr Tracktur! Na, dar muß all ä Karrel sein, dan do net es Läkeln vergiehn soll. Har kann's net aushalten un bekännt, ja har hette de Lächter geschtuhlen. Na, wie da es Ortel gelaut hot, kännter ich lächtsen vierschtellen. Es Ortel häßt: har sull gehängt waren. Na prost! De Nacht vor dr Ecksekuzion kimmt dr Teifel zum Barkmann in dn Pfardieb seiner Schtet: »Na, Jerg, wie gefelltsder in dr Fisitenschtuh? Hoste endlich genunk? oder hoste a Lust zum hanneftne Fanster?« – »Dn Teifel offen Kopp«, saht dr Barkmann, »ich sah wull, du bist ä Erzgeneralschpitzbub, un war dich porrt, dan kost's Hals un Krahng.« – »Na, ich sah, du bist klieker geworren. Här, ich willder an Vierschlohk machen. Verschreibmer deine Seel, su soste dei bissel Lahm behalten.« – »Was? icha? meine Seel? dan Teifel willichder verschreim!« – »Na besinn dich! Forwahr, es is ene verdammte Himmelfahrt, wu dr Mäster Hammerling druhm of dr wartt und dir mit dn Schtrick dn Willkummerts gitt. Loß dich net ä Mol hänge. Mer kann's net zwä Mol prowieren.« – »Heija! Loß dich obmohle of Leschpapier mit Elfarwa, biste zwä Mol ze sahn!« – »Na här, an verdammt harten Kopp hoste denn oder doch. Verschprachmer, daß de mer su deschpecktierlich net wieder begähne witt, su soste deine Seele un a dei Lahm behalten. Giehste dos ein?« – »Nu ja, dos is wos annerscht; dos will ich eingiehn.« – »Na gut. Dos is dei Gelick. Wennste nu morring offen Galling schtiehst un dr Schinderschknacht will dr de Schling iwern Kopp schmeißen, denn gieh mant schlank wack, offen Galling hin un schteig dr Fahrt nob. 'S wärd dich käner hinnern.« Na gut das Ding. Dn Tohk drauf, 's Nohchmittogs, wiere seine Armesinderschmohlzeit ahm in Leiwe hot, wärder ausen Gefängnis rausgefiehrt. Offen Mark is ä Rummel Menschen, daß es gans wos grundluses gewast is. Gans Klasthol is of dn Bänen, die guckenne ahn, es wie ä wild Gethierg. Mitten offen Mark is ä Gebrickrich aufgefiehrt, do sitzen de Herrn droffe in vullen Schtaat. Do wärdne noch emol es Ortel viergelasen un gefragt, epper wos derwieder einzewenden hot? Oder har saht kä Wort. Alsu, »das Ortel is geschprochen, der Schtock der is gebrochen.« Do fiehrensen wieder nunter in dn Krähsch, dan de Zaldaten gemacht hahn. De heiling Engels schmeißenna of än Karrn of ener Kuhhaut. Dr Schriftgelehrte mit sän Alkoran setzt sich beina un schwatztne was vier, wure net drauf hart. De grußen Schilersch vor dn Karrn, de Korrent derhinter, schtimme dn Lieningtansermarsch ahn. Je Fuchs! Vorwärts gieht's zu dr Schtadt naus, nong Galling. Na, es Harz hot ne denn doch oder gepuckert, wierre dr Fahrt nauf schteigt. Zunt schtiehter of dr deitschen Siewena, un dr heilige Engel denkt all: nu hoste dei letzt bissel Brud in Leiwa. Oder wiene dr Musche Plicks de Ehs iwern Kopp schmeißen will, wutsch, do bickter sich, wutschtne untern Arm wack, gieht of dr deitschen Siewena hin nohch dr Fahrt un schteigt nob. Wierre unten is, guckter nohch emol su von ohnegefahr zurick. Wierre sich umguckt, wos dan Dunnerwatter, do schtieht dr Teifel bei dn Schinderschknacht un hot än Schtruhwisch un hältn in dr Ehs nein, un zeigt dn Leiten, was kä Gesicht is. Wiere dos ane Weil ahngesahn un sich saht gelacht hot, giehter mitten dorch dan Rummel Menschen dorch. Käner haltne ahn, daß er ungeschuren häm kimmt. Do schtoppter sich äne un guckt zum Fanster naus. Na prost! Endlich kumme de Leit wieder zurick von der Ecksekuzion. Su wie de Aerschten vor sän Haus kumme un sahn, daß dr arme Sinder zum Fanster raus guckt, Harr Jeses, schrein de Leit, dr Dellequent gieht all wallen! Har leit in sän Fanster un schmökt, daß es pafft! De Aerschten reißen aus wie Schoflader. Oder wies publiek wärd, daß dr Dellequent zum Fanster naus guckt, kömme immer meh ahn. Un zuletzt wärd vor dan Haus ä Tullmult un ä Schawul, as wenn de Walt ze Grund giehn soll. Har bleit ruhig in Fanster lieng un fletscht, as wenner än Lork an Schtrick hot. Endlich, wieer sän Schpaß lang genung gehat hot, redter de Leit ahn: »Kinnersch un ihr Leit! wos hotter denn vier? Seid doch gescheit! Kummt doch rein! Ich bin doch kä Geschpenst! Ae Geschpenst kann doch net schmöken. Un de Geschpenster giehn doch ahch an Tohk net wallen.« Oder Käner hot dn Hannel getraut. Drim is a Käner zune ins Haus ganga. Endlich kimmt a sei Kammerad. Dar faßt sich ä Harz un redtne ahn: »Bengel! bistes oder isses dei Gäst?« – »Ach sei doch gescheit! Wenn's mei Gäst wär, kännt ich ju net schmöken.« – »Ja sah mant, Bengel, wasde gemacht hast? Du hängst ju leibhaftig an Galling!« – »Is net wahr.« – »Harr Jeses, hoste denn mit dn Teifel ä Verbindnis gemacht?« – »Ach! Schwatzewark! Wenn ich mit dn Teifel ä Verbindnis gemacht hette, wier dar mich hie sitzen lossen? Kumin rein, su will ich dersch verzehln.« Na su gieht denn sei Kammerad nein zune in de Schtuh, un weil alle Leit sahn, dassersch salwer is un net sei Gäst, so kummese ah rein, daß de Schtuh geschtoppte vull wärd. Un do hatter allen Leiten de Geschichte von vornst ahn verzehlt, wie ichse eich verzehlt hah. »Oder wie is doch des mant mieglich?« saht sei Kammerad, »du sitzt hie un labst un mer hahn dich doch alle an Galling bummeln sahn un net än Schtruhwisch,« – »War wäß wos ihr gesahn hat. Satt doch noch emol zu, ob ihr mich noch drahn satt.« Genunk, es giehn weche hin nong Galling. Wos sahnse? Aen Schtruhwisch! – Satt! su is mei Barkmann dis Mol noch mit' an blan Ahg dervon gekumme, oder ihr geläbtmersch, dasser zitter dar Zeit dn Teifel net wieder geporrt hot. Un ihr thutt ahch an gescheitsten, wenner su was unterwahnglott. Denn wenner dn Teifel an dr Wand mohlt, su kimmt er. * 9. Bau der zellerfelder Kirche. Wie die zellerfelder Kirche abgebrannt ist und wieder hat aufgebaut werden sollen, da hat Jeder gegeben, wie er's gekonnt und gehabt hat. Da ist aber ein armer Schelm gewesen, der hat Nichts gehabt und hätte doch auch gern seinen Pfennig gegeben. Wie er so darüber nachdenkt, was er wol macht, da fällts ihm ein: I! wenn du einen Korb Schwämme holtest! Gibt's nicht viel, gibt's wenig und es gibt Einer wol einen Groschen mehr, wenn du sagst, was du mit dem Gelde machen willst. Also geht er stante pede in den Wald und verirrt sich, bis er auf einen freien Platz kommt, wo er sich umsieht und nachrechnet, wo er wol sein mag. Wie er so sich umsieht, auf einmal haben ihn drei verlarvte Männer gepackt. Die halten ihn fest und verbinden ihm die Augen und führen ihn mit sich weiter und er merkt endlich, daß es eine Treppe hinab geht. Endlich wird stillgehalten und es wird ihm die Binde von den Augen genommen Da ist er in einem großen Saal, der ganz köstlich ausstaffirt ist und viele Lichter brennen, so hell wie der Tag. Er hat sich nicht lange besinnen können. Denn da sitzen viele Männer, Alle verlarvt, und Einer verhört ihn. Da erzählt er aufrichtig, wie's ihm gegangen ist und sagt, sie sollten ihm doch nun auch wieder seine Freiheit geben. Seine Frau und Kinder warteten gewiß mit Schmerzen auf ihn. Aber er wird nicht entlassen, sondern in ein anderes Zimmer geführt, wo man ihm Speise und Trank gibt und sagt, er solle sich nur erst erquicken, und sich dann ruhig schlafen legen, morgen wolle man mehr mit ihm reden. Das Zimmer ist auch ganz prächtig gewesen und das Essen und der Wein und das Bette ist eben nicht gewesen als ob's Spitzbuben gehörte. Nachdem er sich erquickt hat, legt er sich zu Bett und denkt: Na! das ist eine schöne Geschichte! Wo bist du denn nun eigentlich? Spitzbuben sind's gewiß nicht; die wären nicht so manierlich mit dir umgegangen. Bist wol gar unter die Venediger gerathen. Hm! Da wärst du ja gerade recht gekommen. Am andern Morgen, das heißt, wie er geweckt wird, bekommt er erst wieder einen Trunk Wein und Backwerk dazu, und darauf wird er wieder vor die Herren geführt. Die sind da nicht mehr verlarvt und sind ganz ansehnliche Leute gewesen. Die fragen ihn, ob er nicht Lust hätte die Welt zu sehen; wenn er ehrlich wäre, konnte er ein reicher Mann werden. Ja, sagt er, das ginge so nicht, er wisse ja auch nicht, wer die Herren wären, aber er dächte, sie müßten wol Venediger sein, und da müßte er ja Frau und Kind verlassen und das wäre doch unrecht. Nun, sagt da Einer, wir sehen, daß du eine ehrliche Haut bist und wenn du dir etwas wünschest, nun so sag's. Ja, sagt er, wenn sie ihm ein paar Groschen geben wollten, es wäre ihm doch so verdrießlich, daß er gar nichts geben könnte für die Kirche. Die Sammler kommen heute und am Ende konnte man denken, er sei nur so lange ausgeblieben, um nichts geben zu dürfen. Die Herren wären ja so reich, könnten wol auch etwas thun für den Aufbau der Kirche. Da gibt's ein lautes Gelächter. »Na, so suche dir etwas aus.« Da führt ihn ein Mann in ein anderes Zimmer, und zeigt ihm ganze Fässer voll Pistoletten. »Nun, willst du nicht zugreifen?« – »O ja! werde mich hüten; hieße am Ende gar, ich hätt' es gestohlen!« – »Nun, des Menschen Wille ist sein Himmelreich. Da, weiter haben wir nichts für dich.« Damit gibt ihm der Mann eine blecherne Henne. Auch gut, denkt mein Bergmann, und bedankt sich. Darauf werden ihm wieder die Augen verbunden und so wird er wieder abgeführt. Wie ihm die Binde abgenommen wird, befindet er sich aus einem Wege. Er kennt ihn, es ist der Weg nach Zellerfeld gewesen. Er nach Haus. Na, Gottlob! ruft seine Frau, aber wo hast du denn so lange gesteckt? Na, nur stille! mir ist's wunderlich gegangen. Und da erzählte er. Aber was sollen wir denn nun mit dem Dinge machen? heißt es. Und während sie das Ding so um und um betrachten und betasten, da auf einmal öffnet sich unter dem Bauche der Henne ein Kläppchen, und es fallen lauter Goldstücke heraus, alle wie kleine Küchlein gestaltet. Da ist's Freude gewesen im Hause, und der arme Schelm ist auf einmal reich geworden und hat die zellerfelder Kirche gebaut. Und zum Wahrzeichen hat er die Glucke mit den Küchlein über den Kirchthüren in Stein abbilden lassen. * 10. Die Buttermilchsbetstunde. Es ist auch einmal in Zellerfeld ein Superintendent gewesen, Namens C.....r, dessen Frau ist sehr geizig gewesen. Wenn ihr Mann ins Fenster Pfennige gelegt hat für die Armen, so hat sie dieselben unterschlagen und versteckt. Wenn sie am Donnerstage gebuttert hat, hat sie die Buttermilch mit Wasser vermischt; und wenn sie Butter verkauft hat, hat sie immer eine falsche Wage gehabt und so die Leute betrogen. Wie sie gestorben ist, hat sie keine Ruhe gehabt und ist walten gegangen und man hat im Hause nicht bleiben können vor Geheul und Lärm, das sie gemacht hat. Endlich hat man einen Pater aus Goslar kommen lassen, um sie zu bannen. Der hat sie citirt, und wie sie kömmt, sagt er Allen, die dabei sind, sie sollten sie ja nicht anrühren. Aber Einer hat's doch gethan, wie sie ihm die Hand hingestreckt hat. Da haben ihm gleich die Finger gebrannt. Der Pater fragt sie, was ihr Begehr sei. Ach ich brenne im höllischen Feuer, jammert sie, und habe keine Ruhe. Im Keller ist das Geld, um welches ich die Armen betrogen habe. Darauf hat sie der Pater verbannt, und ihr verboten, jemals hier wieder zu erscheinen. Das Geld aber ist gefunden, ein großer Kessel voll, im Keller vergraben. Dieses Geld ist auf Zinsen gelegt worden und die Zinsen werden alle Donnerstage nach einer Betstunde an die Armen verteilt. Die Wage aber ist in der Kirche aufgehängt. Die Betstunde nennt man in Zellerfeld die Buttermilchsbetstunde. * 11. Das vertriebene Gespenst. Ueber den zellerfelder Kirchhof führt ein Weg, der sonst wenig gegangen wurde, am allerwenigsten aber des Abends und des Nachts zwischen elf und zwölf. Denn eine lange weiße Gestalt, wie eine weißgekleidete Jungfrau, hat früher diesen Weg bewacht und Jeden zurückgeschreckt, der ihn hat gehen wollen. Wie man sich einmal davon unterhält, daß die weiße Gestalt mit einem Bunde Schlüssel da alle Nacht stehe, und Jedem den Rest gäbe, der da durchgehe, entschließen sich zehn kräftige und muthwillige junge Burschen, der Sache auf den Grund zu kommen, und begeben sich mit Stöcken bewaffnet nach dem Gottesacker. Als sie oben beim Hospital angekommen sind, verlieren sie aber Alle, bis auf einen untersetzten, aber sehr kampflustigen kleinen Mann den Muth. Dieser spricht zu seinen Kameraden: gebt mir einen tüchtigen Stock für meine kleine Eiche, dann will ich allein hingehen und sehen, was es gibt. Man gibt ihm einen tüchtigen Knüttel und muthig und trotzig geht er über den Kirchhof. Es ist gerade des Nachts zwischen Elf und Zwölf gewesen. Da, wo der Weg bald aus der Mauer vom Kirchhof herabführt, steht die weiße Gestalt. Er geht darauf zu und sagt laut und deutlich: »Guten Abend!« bekommt aber keine Antwort. Er wendet sich wieder um und spricht: »Guten Ohmd ho ich gesaht!« Wieder keine Antwort. Da geht er wieder zurück und spricht: »Guten Ohmd ho ich gesaht. Seid ihr denn epper tahb?« Die Gestalt antwortet nicht. Da wird er zackig, greift nach dem Schlüsselbund und schlägt mit dem Stocke nach der Gestalt. Da ist Alles verschwunden, und hat sich seit der Zeit nichts wieder auf dem Gottesacker sehen lassen. * 12. Das Gespenst mit der Mütze. Aus Klausthal war ein Mädchen, die mußte bei einem Spiel vom Gottesacker aus dem Gewölbe einen Hut wegholen. Auf dem Kirchentritt saß auch ein Mann, der hatte eine weiße Strohmütze auf, die nahm sie ihm auch weg. Den Hut trug sie in derselben Nacht wieder hin, die Mütze behielt sie. In der nächsten Nacht rief es immerfort von Elf bis Zwölf vor ihrem Hause: »Hannemargrethe, meine Mütze!« So ging es drei Nächte lang. Nun sprach sie zur Geistlichkeit und die sagte, sie müsse dem Manne die Mütze wieder aufsetzen an der Stelle, wo sie dieselbe weggenommen. Die Pastoren gingen selbst mit, als aber das Mädchen dem Gespenst die Mütze aufsetzte, bekam sie von dem Männlein eine Ohrfeige, daß sie todt niederfiel. Aehnlich wird in Wildemann von einem Mädchen erzählt, das spät aus der Spinnstube heimgekehrt sei. Als sie über den Gottesacker ging, stand da eine weiße Gestalt und hatte nach Landessitte ein Tuch um den Kopf gewunden. Sie glaubte, es sei ihre Kameradin, lief rasch hin, riß ihr das Kopftuch ab und sprang davon, mußte aber auch diesen Muthwillen mit dem Leben büßen. * 13. Das klausthaler Mädchen in Amerika. Es ist ein Bräutigam auf dem Klausthal gewesen, der ist hingegangen nach Amerika. Von da schrieb er an seine Braut, wenn sie hinkommen wolle, so möge sie kommen, sonst möge sie hier bleiben. Da packte die Braut auf und ging hin, da war der Bräutigam sogleich an der See und arbeitete da und sagte, er könnte sie nicht behalten. Da ging dies Mädchen fort und kam vor so ein Schloß, da ging es hinein. Da sagte der Herr zu seinen Dienern, nun sollten sie dem Mädchen gleich ein gutes Zimmer anweisen, wo es schlafen könnte. Und da hat sie so ein schönes Bett bekommen, das hat einen solchen Schwung gehabt von den schönsten Schwungfedern, daß es immer in die Höhe geflogen ist. Das Mädchen aber hat gedacht, sie wäre bei Räubern und diese wollten sie tödten. Allein am andern Morgen ließ der Herr sie rufen und fragte, ob sie freien wolle, und da sagte es, es könnte nicht freien, es hätte kein Bett und nichts. Da sagte der Herr, es solle nur sagen ob es freien wolle, da sagte es: ja, es wollte freien. Da freite der Herr sie und sie hat von da an immer im Bett mit Sprungfedern geschlafen, hat auch müssen sagen, was ihr untreuer Bräutigam für einen Tod sterben solle, und da hat er diesen Tod sterben müssen. * 14. Der Rabe vom Klausthal. Auf Klausthal war ein Herr, der hatte einen Raben und ein Dienstmädchen. Der Rabe schleppte alle silbernen Löffel fort und der Verdacht fiel auf das Dienstmädchen; sie sagte auch in der Tortur aus, daß sie schuldig sei. Da sollte sie bei der Ziegelhütte gerichtet werden und vor ihrem Tode sagte sie noch, sie sei unschuldig, es war aber da schon zu spät. Nachher wurde an dem Hause des Herrn ein neues Dachgerenn gemacht, da hat es sich gefunden, daß der Rabe Alles dorthin getragen hat. Da ist das Mädchen von der Richtstelle wieder aufgegraben und hat ein ordentliches Begräbniß erhalten. * 15. Die Rebhühner. Es ist einmal ein Kaufmann von Klausthal nach Osterode gegangen. Wie er in die Gegend hinkommt, die jetzt der Heiligenstock genannt wird, sprengen zwei Menschen auf ihn los und greifen ihn an. Der Kaufmann ist unbewaffnet gewesen und hat sich gegen die beiden Räuber nicht wehren können. Er bittet sie daher, sie möchten ihm doch das Leben lassen, das Geld möchten sie nehmen. Aber die Räuber sagen: Wenn wir dir das Leben lassen, so verräthst du uns. Du mußt sterben. Er schwört zwar hoch und theuer, daß er sie nicht verrathen will, aber vergeblich. Wie sie ihm die Kehle abschneiden wollen, indem fliegt ein Schwarm Vögel vorbei. Da sagt der Kaufmann: Nun, wenn ihr denn keine Barmherzigkeit haben wollt, so sollen euch diese Vögel verrathen. Aber die Räuber lachen und schneiden ihm den Hals ab. Darauf gehen sie nach Klausthal zu. Wie sie vor die Ziegelhütte kommen, sagt der Eine: Weißt du was? Wir wollen erst Einen nehmen. Gut das Ding! Sie gehen also hinein. Wie sie in der Stube sind, fragen sie den Wirth, was er Gutes zu essen habe. Hübsche Vögel, eben erst gefangen. Gut! bringt uns ein Gericht! Das thut auch der Wirth. Wie sie die Vögel fast aufhaben und auch einen Tüchtigen dazu genommen haben, werden sie lustig und fangen an verblümterweise miteinander zu reden und zu spotten, und der Eine sagt zuletzt: Am besten im Bauch, da können sie's nachher dem A...t verrathen. Darüber fangen sie höllisch an zu lachen. Nun hört nur zu, wie das Ding noch kommt! Hinter dem Ofen da liegt der Knecht und hört dies, und bei Gelegenheit macht er sich auf und steckt's dem Wirth. Der denkt Halt! das ist nichts Richtiges, schickt den Knecht nach Klausthal, und hält die Räuber durch allerlei Gespräch am Tisch, bis die heiligen Engel (die Gerichtsdiener) von Klausthal kommen und den Räubern frei Quartier im Gefängniß anweisen. Nach vier Wochen haben sie schon am Galgen gehangen. So haben doch die Vögel die Spitzbuben verrathen. An der Stelle aber, wo der Mord geschehen ist, hat man ein Kreuz aufgerichtet und davon hat der Ort den Namen Heiligenstock erhalten. * 16. Die Glühwürmer. Ein Zimmermeister hatte zur Winterszeit Zimmerleute im Walde, um Bauholz hauen zu lassen. Eines Tages hatte er die Gesellen im Walde besucht, um ihnen die Arbeit anzuweisen. Gegen Abend ging er wieder nach Hause. Da führte ihn sein Weg über einen Kohlungsplatz, und er sah mitten auf dem Platze, mitten im Schnee, einen hellen Schein. Ei, dachte er, was hat denn das zu bedeuten? und ging darauf zu. Was fand er? Mitten im Schnee einen ganzen Haufen Glühwürmer. I, dachte er, das ist doch wunderlich. Glühwürmer im Winter, und mitten im Schnee, und auf dem Harze; das glaubt dir doch auch Niemand, wenn du es erzählst; da mußt du doch ein paar davon mitnehmen zum Wahrzeichen. Er zog also seine blecherne Tabacksdose aus der Tasche und legte einige von den Glühwürmern hinein. Zu Hause erzählte er seiner Frau was er gesehen, und wie er zur Bekräftigung seine Tabacksdose öffnete, fanden sich statt der Glühwürmer Goldstücke. Am andern Tage ging der Zimmermeister wieder in den Wald nach den Glühwürmern, hat aber keine gefunden. * 17. Der Heerwurm. Auf Klausthal erzählt man vom Heerwurm, welcher lang und dick ist und viele Köpfe hat. Legt er sich vor den Frachtfuhrleuten her über die Straße, so bedeutet dies Krieg. * 18. Kaiser Heinrich und die Vogelsteller.   l. An Heinrich I. erinnern bekanntlich noch zahlreiche Vogelherde auf dem Harze, an deren jedem er die Kaiserkrone empfangen haben soll. Von dem Vogelherde, genannt: der Kaiser Heinrich, bei Schulenberg auf dem Oberharz erzählte mir ein Vogelsteller auf Klausthal: »Dort hat Herr Heinrich gerade Vögel gefangen, da ist Extra gekommen, daß er zum deutschen Kaiser erwählt sei. Herr Heinrich wäre aber lieber bei seinen Vögeln geblieben.« Ausführlicher erzählte der Schmied, der jetzt in der tiefsten Waldeinsamkeit auf Kaiser Heinrich wohnt und das Vogelstellen nur nebenbei betreibt: »Der Kaiser Heinrich hat gar viele Finkenherde auf dem Harze gehabt, auch Holztaubenherde in den Thälern, deren hier herum noch immer neue aufgefunden werden, welche alle vom Kaiser Heinrich herrühren. Hier aber ist ihm die Kaiserkrone angetragen und da, wo in meinem Garten die Vertiefung ist, hat seine Bucht (Vogelhütte) gestanden. Von Abend her ist er gezogen gekommen, ehe er diese Stelle entdeckt hat, und hat das Wasser im schulenberger Thal im Vorbeiziehen wegen seiner Klarheit das weiße Wasser getauft, welchen Namen es noch bis auf den heutigen Tag führt. Wo jetzt mein Haus steht, hat er seinen Pferdestall gehabt, und auch ein kleines Stübchen daneben, worin er sich mit seiner Frau aufhielt, wenn er hier war. Von diesem Stalle lag noch eine alte Schwelle dort, daraus habe ich mir eine Zither gemacht, weil man zur Zither altes Holz am besten gebrauchen kann. Die habe ich mitgenommen, als ich nach Texas auswanderte, und glücklicher wieder heimgebracht als mein Vermögen, das ich dort einbüßte. (Er zeigte sie auch vor und spielte eine hübsche Weise darauf, wozu seine Frau ihr Kind auf den Armen tanzen ließ.) – Als die Reichsboten in diese Bergschlucht kamen, sahen sie die Bucht des Herrn Heinrich vor Wald nicht und mußten deswegen in das Horn stoßen, um ihn zu rufen. Da wurde ein Zug Finken verscheucht, welcher bereits im Netze war, das er eben hat rücken wollen. Darüber ist er anfangs sehr ungehalten gewesen und hat gesagt, die Krone werde ihm nicht so viel Freude bringen als dieser Zug Finken. Von der andern Seite ist eben auch Herrn Heinrich's Bruder gekommen und hat einen Wolf erlegt gehabt. Wäre die westfälische Regierung (!!) geblieben, so hatte sie vor, hier zum Andenken an diese Begebenheit ein Denkmal zu setzen.«   II. Noch bis auf den heutigen Tag betrachten die Vogelsteller oder, genauer gesprochen, die Herdsteller auf dem Harze den Kaiser Heinrich gewissermaßen als ihren Schutzpatron. Es ist ein Herdsteller gewesen, der hat wollen zur Himmelfahrt zum Nachtmahle gehen und spricht zu seiner Frau: »Hanne, ich kann mir nicht anders helfen, ich muß vorher ein paar Stunden nach dem Vogelherd gehen.« Und als er hinauskommt, fängt er so viele Vögel, daß er nicht weiß wohin damit, und es drängen sich immer noch mehr in das Netz. Nun aber kommt die Zeit heran, wo er zu dem Gottestische gehen muß. Seine Frau lauert auf ihn zu Hause, er aber kann sich nicht trennen von den vielen Vögeln, die sich immerfort in sein Netz drängen. Vergißt also den Gottestisch und fängt an diesem Tage so viele Vögel, daß er sie kaum tragen kann. Wie er aber heim kommt und schüttelt die Vögel auf den Tisch, ist es eitel Pferdemist gewesen. Dies sind keine Lügen; der Herdsteller Schier, der's erzahlte, hat's von seinen Vorgängern gehört. * 19. Die drei Brüder vom Zellerfeld. Auf dem Zellerfeld waren drei Brüder, die waren Jäger und gingen miteinander nach der Schalk auf die Jagd. Da bekam der Jüngste drei Rebhühner zu sehen, und schoß nach dem einen. Er glaubte es getroffen zu haben, es lief aber fort und er verfolgte es bis nach der Höhe des Berges an die Stelle, welche »beim Neunbrunn« heißt. Allda ist das Huhn verschwunden. Der Jäger nimmt die Stelle in nähern Augenschein und findet eine Oeffnung, die bezeichnet er sich, geht zurück und pfeift seinen Brüdern. Alle Drei gehen nun zu der Oeffnung hinein und kommen unter der Erde in ein geräumiges Zimmer, worin Tische und Stühle sind, der Tisch aber ist gedeckt und voll allerhand guter Speisen. Die drei Brüder setzen sich da nieder, essen und trinken und lassen sich es wohlschmecken. Nach dem Essen kommen drei herrliche wohlgekleidete Damen, welche sie anreden um Standhaftigkeit und kund thun, daß sie hier verwünscht wären. Wenn sie drei Jahre hier verharrten, ohne das Tageslicht zu schauen, so wären sie befreit. Versprachen ihnen auch, während der Zeit für gutes Essen und Trinken zu sorgen. Auch luden sie die drei Jäger ein, um ihnen ihre Schätze zu zeigen. Da führten die Damen die Jäger ins Nebenzimmer, zeigten ihnen drei Fässer mit Gold und thaten ihnen kund, daß sie von nun an wohl schwarz werden und sich nur alle Jahre einmal sehen lassen würden. Sobald das erste Jahr verflossen ist, kommen die Drei wieder, da sind sie schon etwas weißlicher geworden. Sie ermahnten die drei Jäger aber noch einmal, nur standhaft zu bleiben. Das zweite Jahr kamen sie wieder, da waren sie schon wieder etwas weißlicher. Da ermahnten sie die drei Jäger nochmals, nun auch noch das letzte Jahr auszuharren. So verging denn auch das erste halbe Jahr glücklich, im dritten Vierteljahre aber wurde der älteste Bruder unzufrieden und sprach: »Wozu wollen wir hier länger weilen?« Der jüngste vermahnte ihn aber mit ihm auszuharren. Auch der zweite Bruder wurde endlich wankelmüthig, und so beschlossen die Beiden endlich fortzugehen. Sie drohten, den Jüngsten zu ermorden, wenn er nicht mit wollte, und um sein Leben zu retten, gab der nach. Der Aelteste sprach nun weiter: »Wir wissen ja das Geld, so nehmen wir mit, soviel wir schleppen können.« So thaten sie auch und gelangten mit ihrem Gelde glücklich nach dem Zellerfeld, wo Alle die Drei schon verloren gehalten haben. Die haben sich unterwegs beredet, von der ganzen Sache nichts auszusagen, und sie gaben vor, daß sie auf Reisen gewesen seien und sich da durch Gelegenheit ein ansehnliches Geld verdient hätten. Sie legten auch die Jägerei nieder und nun lebte der Aelteste als ein Freiherr, der Zweite kaufte sich eine Wirthschaft und der Jüngste eine Mühle, alle Drei aber nahmen Weiber und lebten als verheirathete Männer. Nun hat der Aelteste in Saus und Braus gelebt und es dauert nicht wie lange, so ist sein Geld alle gewesen. Mit dem Zweiten hat es etwas länger gedauert, und der Jüngste hat in rechtem Wohlstand und guten Verhältnissen gelebt. Als nun die beiden Aeltesten ihr Geld durchgebracht haben, halten sie miteinander Rath und befinden für das Beste, wieder an die Stelle zu gehen, um sich noch mehr Geld zu holen. Der Jüngste wollte nichts davon wissen, doch zwangen ihn die beiden ältern Brüder wieder mitzugehen. So gingen denn alle Drei wieder dem verlassenen Orte zu, fanden ihn richtig auf, doch trafen sie das Zimmer nicht so wieder, als sie es verlassen hatten, denn es war Alles schwarz überzogen und auf dem Tische standen drei Trauerlampen. Sie dachten nun gleich wieder nach dem Gelde zu greifen, konnten es aber nicht finden, kehrten in das Zimmer zurück und setzten sich voller Verwunderung dort nieder. Als sie in dem Zimmer waren, kamen die drei Damen ganz kohlschwarz wieder. Sie sprachen nichts, bald aber kamen drei Männer, gekleidet wie Fleischer und mit weißen Schürzen vor. Sie sprachen, auf den Aeltesten blickend: »Ihr meineidigen Schurken!« Darauf ergriffen sie den Aeltesten, viertheilten ihn und packten ihn in ein Faß. Also erging es auch dem Zweiten, und so wurden Beide getödtet. Der Jüngste hatte Alles mit Zittern ansehen müssen, ihm aber riefen die Damen zu: »Du treuer Freund bist unschuldig! Dir soll dein Leben geschenkt sein! Nimm was du willst und geh vergnügt zu Haus! Wir müssen so lange in Trauer verharren, bis sich drei Retter finden.« * 20. Der Freischütz vom Zellerfeld. Bei einem Förster war ein Jägerbursche in Dienst, der konnte jede beliebige Kugel als Freikugel schießen. Der Förster hatte einen dreizehnjährigen Knaben, der wollte auch die Kunst lernen. Er quälte deshalb den Jäger alle Tage, sie ihm beizubringen. Der Jäger sagte zu dem Knaben: wenn er confirmirt würde, sollte er den wahren Leib behalten und nach Hause bringen, das Weitere wollte er ihm dann noch sagen. Ein halbes Jahr nachher wurde der Knabe confirmirt und brachte den wahren Leib mit nach Hause. Der Jäger ging mit ihm ins Holz, spendelte das Brot an einen Baum, lud das Gewehr und gab's dem Knaben, der nun nach dem Brot schießen sollte. Der weigerte sich und sagte, nach der Oblate könnte er unmöglich schießen. Der Jäger aber sagte, jetzt müsse er nach der Oblate dreimal schießen oder er wäre verloren. Der Knabe nahm das Gewehr, schoß nach der Oblate dreimal, und traf jedesmal bei alledem daß er nicht danach gezielt hatte. Seit dieser Zeit hat er freie Kugeln schießen können. Nachher ist er Förster geworden und hat manchmal seine Geschicklichkeit sehen lassen des Spaßes wegen. Wenn er zuweilen an langen Winterabenden Gesellschaft gehabt, so hat er gefragt was sie essen wollten, Hasenbraten, Rehbraten oder einen Auerhahn. Dann hat er seine Flinte genommen, blindlings zum Fenster hinausgeschossen und gesagt: geht in den Garten, oder: geht in den Hof, oder: auf die Gasse, da liegt's. Und wenn sie dahin gegangen sind, wo er gesagt hat, haben sie es gefunden. Zuweilen hat er auch gefragt, wo's liegen sollte, und jedesmal hat's da auch gelegen, wo es die Leute haben wollten. Bei seinem Tode hat ihm der Teufel den Hals umgedreht, und rings um den Hals hat er einen blauen Streifen gehabt wie ein blaues Halsband. * 21. Das kleine Klausthal.   I. Bei dem jetzigen Klausthal hat früher ein Städtlein gestanden, das hat das kleine Klausthal geheißen und ist sehr wohlhabend gewesen. Aber je reicher die Einwohner geworden sind, desto schlechter und gottloser haben sie sich gezeigt. Darüber hat Gott die Stadt untergehen lassen und an der Stelle, wo die Kirche gestanden hat, ist ein Teich entstanden. Das Thal heißt jetzt noch das kleine Klausthal. In der Mitternacht vom Grünen Donnerstage auf den Charfreitag ist die Kirche an der Stelle regelmäßig zu sehen, zugleich zeigt sich ein Reh, das Niemand jagen darf. Einst verführte der Bergmönch einen Bergmann, die Zeit zu verschlafen, und da ging er dann einen Weg, der über den Teichdamm war. Da stand die Kirche da vom kleinen Klausthal, und weil er sich sehr darüber verwunderte, so ging er hinein, kannte aber Niemand von den Leuten, die darin waren, auch nicht den Prediger. Drauf wurde er vom Bergmönch, der ihm da wieder erschien, hinausgeführt, und als er weiter gegangen war, waren Kirche und Steg verschwunden.   II. Am Harz war einst ein grausamer Wilddieb. Wenn der wußte, daß irgendwo ein Stück Wild stand, da war's auch nicht sicher. Da hatte er auch gehört, daß im kleinen Klausthal in der Mitternachtsstunde des Charfreitags ein Reh mit seinem Kalbe sich sehen ließ, das man nicht schießen darf. Aber er lachte nur darüber. Einmal kurz vor Ostern war er in einer lustigen Gesellschaft. Da erzählten sich auch die Leute vom kleinen Klausthal. Aber wie er denn an nichts geglaubt hat, so lachte er nur darüber und sagte: Was gilt's? Ich schieße euch das Reh mit sammt dem Kalbe, und wir wollend am ersten Osterfeiertage verzehren. Die Leute haben ihm wol davon abgerathen – aber er ließ sich nicht sagen. Am Charfreitag Abend machte er sich nach dem kleinen Klausthal. Wie er vor den Teich kam, sah er auf demselben einen hohen, dicken Nebel liegen, der ging bis an den Himmel und man hat den Teich nicht sehen können. Und in dem Nebel war ein Geflüster, wie wenn Viele miteinander reden, und es schimmerten bisweilen wunderliche Gestalten hervor. Auch über den Weg kamen viele Gestalten herübergehuscht, wie luftige Schatten, und alle verschwanden im Nebel über dem Teiche. Aber er hatte nichts Arges draus. Er ging vorüber und stellte sich am Ausgang des Thales, da wo jetzt das erste Innerste-Puchwerk ist, hinter einem Busch auf die Lauer. Richtig kam das Reh mit seinem Kalbe. Da schoß er das Kalb nieder. Wie er es fallen sah, sprang er drauf los und band ihm die Füße zusammen und hing's über die Schulter. Darauf ging er zurück. Wie er dahin kam, wo jetzt wieder der Teich ist, stand auf der nämlichen Stelle, wo eben noch der Teich war, eine Kirche, die war hell erleuchtet und der Gesang schallte und die Orgel dazwischen. Das ist doch seltsam, dachte er, du sollst doch einmal in die Kirche gehen. Er trat also hinein. Da sah er denn die ganze Kirche voll Menschen; aber die sahen Alle aus, als wenn sie schon Jahrhunderte lang im Grabe gelegen hätten. Die Kleider waren nach einer Mode, die er nicht kannte. Er grüßte, Keiner dankte ihm: aber Einige nickten, Andere schüttelten den Kopf und winkten einander zu und wiesen mit den Fingern auf ihn. Auf dem Altar die Lichter, und die Lichter auf dem Kronleuchter brannten mit blauer Flamme und aus dem Kelche auf dem Altar zuckte eine blaue Flamme hervor. Von den Leuten in der Kirche stand Einer auf und wies ihm die Thür. Der Wilddieb aber blieb stehen, guckte auch noch bei Einem ins Buch und wollte mitsingen. Da stand noch Einer auf, wies ihm die Thür, er ging aber noch nicht und wollte noch immer mitsingen. Er konnte aber die Schrift nicht lesen und mußte es also sein lassen. Nachher kam der Pastor vor den Altar, aber das ist gar keine menschliche Sprache gewesen; es war als wenn Wind und Donner die ganze Kirche erfüllte, und aus dem Munde ging dem Prediger eine blaue Flamme. Auf einmal krachte es durch die Kirche, als wenn die Erde zu Grunde gehen sollte. Da zeigte der Pastor auf ihn hin und schrie: Verfluchter Sabbathschänder! Und die Geister standen gegen ihn auf und heulten das Wort nach. Darüber stürzte er voll Angst und Schrecken zur Kirche hinaus. Die Thür schlug hinter ihm zu, daß ihm die Fersen abgeschlagen wurden. Da flog er bis an den Weg, und hier blieb er liegen bis an den nächsten Morgen. Wie er zu sich selbst kam, lag der Teich ruhig da, das Rehkalb war fort. Er aber war todtkrank und konnte sich kaum nach Hause schleppen. Wie er noch neun Tage gelebt hat, hat er die Geschichte erzählt und ist darauf gestorben. * 22. Das Nachtwächterhorn und der Dreißigjährige Krieg. Als einst auf Klausthal der Nachtwächter Zwölf geblasen hatte, kam er über den Kirchhof. Da begegnete ihm ein kleines Männchen, das von ihm verlangte, daß er nochmal Zwölf tute; der Nachtwächter weigerte sich aber aufs äußerste, und sagte: »Ich habe bereits Zwölf durchgetutet und zweimal darf ich nicht tuten«; damit ging er seiner Wege. Den andern Abend kam der Nachtwächter um Zwölf abermals auf den Kirchhof; das kleine Männchen kam abermals zu ihm und forderte abermals ungestüm, daß er nochmals Zwölf tuten sollte; der Nachtwächter that dies aber wieder nicht. Den andern Abend, als der Nachtwächter über den Kirchhof kam, war das kleine Männchen wieder da und forderte von ihm abermals, daß er nochmals Zwölf tuten sollte; der Nachtwächter weigerte sich auch diesmal aufs äußerste, das Männchen ließ aber nicht nach, er mußte tuten. Wie er nun ausgeblasen hatte, mußte er sich umsehen, und er sah lauter Feuer und Soldaten am Himmel. Hierauf sagte das kleine Männchen zu dem Nachtwächter: Dies ist ein Zeichen, daß bald Krieg entsteht; und das kleine Männchen war verschwunden mit sammt den Soldaten und dem Feuer. Der Nachtwächter erzählte dies vielen Leuten, und diese schützten sich so viel als möglich vor dem Kriege. Kurz nachher entstand auch der Dreißigjährige Krieg. Dieses kleine Männchen soll der Sage nach der Berggeist gewesen sein. * 23. Die Springwurzel. Vor vielen Jahren gab es eine wunderbare Blume, die Springwurzel oder auch Johanniswurzel genannt wurde. Sie war aber ebenso selten als wunderbar. Sie blühte nur in der Johannisnacht (Einige sagen: unter dem Farrenkraut) zwischen 11 und 12 Uhr; mit dem zwölften Glockenschlage war sie verschwunden. Nur in waldigen Gegenden, wo viele edle Metalle im Schose der Erde ruhten, wurde sie dann und wann in dieser Nacht auf einsamen Bergwiesen gesehen. Die Berggeister wollten durch sie den Menschen zeigen, wo ihre Schätze zu finden wären. Die Blume selbst war gelb und leuchtete in der Nacht wie ein Licht. Sie stand niemals still, sondern hüpfte beständig hin und her. Auch fürchtete sie die Menschen, denn sie floh vor ihnen und Keiner hat sie jemals gebrochen, es sei denn, daß er von der Vorsehung ausdrücklich dazu bestimmt gewesen wäre. Wer so glücklich war, sie zu pflücken, dem zeigte sie alle Schätze der Erde und machte ihn dadurch reich, sehr reich und glücklich. Auf Klausthal ist ein Mann gewesen, der hat gehört, daß in der Johannisnacht um Zwölf die Springwurzel geholt werden könne, vor der alle Schlösser aufspringen müssen. So geht denn dieser Mann, der Stopp geheißen hat, dahin, wo jetzt vor Klausthal die Scheibenschanze steht und eine Wiese ist. Da standen damals Farren, und wie er dahin kam, sah er die Johanniswurzeln, die in der Johannisnacht blühten. Zur Vorsicht hatte er sich ein großes Schloß ans Bein gebunden, und so ging er vorsichtig zwischen den Johannisblumen herum mit dem Schloß am Bein. Da kam ein großer Kerl unter die Wurzeln, reden that er nichts, der schlug ihm sein Bein durch seine Beine und schlürte ihn so über den Farren mit dem Schlosse hin und her, bis es Zwölf schlug. Da warf er ihn eine Ecke Wegs hin auf den Erdboden, und er lag ohne Besinnung eine Stunde lang, und wie er da aufwachte, lief er nach Haus, und das Schloß mit dem langen Stricke hat er vergessen abzulösen. Und wie das Schloß nun beim Laufen klapperte, meinte er, der große Kerl sitze hinter ihm. Da lief er immer mehr und das Schloß zerschlug ihm die Beine, und so stürzte er damit in die Stube, und die Leute, die noch aufgewesen sind und auf ihn gewartet haben, wußten nicht, was sie dazu denken sollten und was ihm fehle. Sie fragten hin und her, er konnte aber nicht sprechen. Sie kleideten ihn aus, da war Alles an ihm allheil (ganz) schwarz, wo ihn der große Kerl, der der Teufel gewesen ist, hin und her geschleudert hatte. Am andern Morgen brachte er einige Worte hervor und erzahlte, was mit ihm geschehen war. Den Mittag aber war er schon todt. * 24. Die Hexenkatzen. Es ist schon lange her, da hatte ein Bergmann die Nachtschicht auf der Juliane und mußte des Nachts um 11 Uhr jedesmal anfahren und seinen Kameraden ablösen. Er ging also um die bestimmte Zeit aus seinem Hause auf der Spitalstraße in Zellerfeld und kam oben aus der Stadt auf den Kreuzweg. Siehe! da saß eine kohlrabenschwarze Katze und klagte und schmeichelte ganz erbärmlich, und dabei doch auch freundlich, um ihn herum. Sie wollte nicht von ihm weg und wetzte sich immer an seinen Beinen, bald an dieser, bald an jener Seite, bald vorn, bald hinten. Da sie nicht weichen wollte, fragte er sie: »Du hast heut Abend wol noch nichts zu leben gehabt?« und dabei machte er seinen Brotbeutel auf und nahm daraus ein ziemlich großes Stück Brot und warf ihr das hin. Begierig faßte das die Katze und sprang damit fort, und er fuhr an, ohne daß er etwas Arges daraus gehabt hätte. Am zweiten Abend ging's ebenso, nur mit dem Unterschiede, daß ihm, wie er weiter hinauf auf die Höhe kam, noch eine Katze kam und an ihm so lange herumschmeichelte, bis er auch ihr ein Stück Brot hingeworfen. Das schien ihm doch aber zu unverschämt, und er nahm sich vor, am andern Tage ein Hausmittel dagegen anzuwenden. Wie er den folgenden Tag heimgekommen ist und ausgeschlafen hat, ist sein Erstes, nachdem er aufgestanden ist, einen tüchtigen Knüttel voll Nägel zu schlagen, um damit die Katzen, wenn sie ihm etwa wieder mit ihrer Bettelei lästig werden wollen, zu bewillkommnen. Wie er des Abends wieder anfuhr, kam die erste Katze wieder und machte es wie die vorigen Abende. Er wollte sich nicht lange damit herumärgern und schlug sie mit dem Stocke so derb über den Kopf, daß sie quäkend zu Boden stürzte. Durch diesen Schrei aber wurden so viel Katzen zusammengerufen, die alle über den Bergmann herfielen und anfingen zu kratzen und zu beißen, daß er am andern Morgen früh zerfleischt und zerrissen todt auf dem Kreuzwege gefunden ward. Nachdem fand sich's, daß das lauter Hexen gewesen, die es auf seinen Tod abgesehen und ihn auch todt gemacht haben. Eine derselben hat am andern Tage ein Tuch über dem Kopfe gehabt und sich vom Chirurgus verbinden lassen; denn sie hat so viele kleine Nagellöcher im Kopfe gehabt, wie in dem Stocke des zerfleischten Bergmanns Nägel gewesen sind. * 25. Die Hexen vom Klausthal. Die Hexen ziehen am »Wolpersabend« (Walpurgisnacht) besonders als Katzen nach dem Brocken. Eine Frau und ein junges Mädchen aus Klausthal kamen einst am Walpurgisabend, Jede mit einem Korbe schwerbeladen, nach Klausthal heim und setzten sich an einen Kreuzweg, um zu ruhen. Da kamen unzählige Katzen, die nach dem Brocken zogen, sodaß das Mädchen sich vor Furcht hinter der Alten verkroch. Diese aber wurde von einer der Katzen bei Namen gerufen und erhielt den Auftrag, der Frau Steiger L. im Vorbeigehen zu sagen, »sie möchte den Tanz nicht versäumen«. Wirklich rief die Alte vor des Steigers Haus: »Frau Steiger L., sie möchte den Tanz nicht versäumen!« Da kam auch schon die Frau Steigerin als eine fette schwarze Katze aus dem Hause gesprungen und eilte dem Brocken zu. Aus dem Klausthal war früher ein Fleischermeister Eschenbach, der war auf dem Schweinehandel gewesen und ist am Walpurgisabend zurückgekommen. Wenn es auf Klausthal heißt: Walpurgis, so wird geschossen – das haben die Klausthaler noch von ihren Alten. Da kamen viele Hexen an, und die vom Zellbach in Klausthal gewesen sind, die hat er gekannt, und die nahmen ihn am Kreuzwege in Haft, und er mußte sich verschwören, sie Niemand zu nennen. Wie er aber auf dem Sterbebette lag, da erzählte er's dem eisernen Ofen , und dadurch hat man's erfahren. * 26. Die Wunderkuh. Auf Klausthal war ein Mann, der hatte eine Kuh, die war 200 Fuß lang und 50 Fuß hoch; 80 Fuß lang waren ihre Hörner, Alles nach der großen preußischen Maß. Dreißig Fuhrherren hatten jeder 10 Pferde, die mußten Tag für Tag in einer großen Wanne (sie war von 100 Meistern gemacht, von denen hatte jeder 10 Gesellen, und hatte 80,000 Reichsthaler gekostet) die Milch nach dem Butterfasse fahren. Das hatte 90,000 Reichsthaler gekostet. 50 Dienstmägde mußten täglich die Kuh milchen. 100 Maß Milch gab die Kuh bei jedem Milchen. Davon wurden 300 Pfund Butter gemacht, die mußten die Fuhrherren täglich nach Paris, Berlin, Wien. Bremen, Leipzig und allen sonstigen großen Städten fahren. Sie hatten Pferde, die fuhren in einem Tage vom Klausthal nach Paris und wieder zurück. Für jedes Pfund Butter haben sie 5 Louisdor bekommen, so echt war die Butter, und die Pferde waren auf dem Rückwege so schwer mit Geld beladen als auf dem Hinwege mit Butter. Die Butter war aber so gesucht, daß der Mann, dem die Kuh gehörte, allemal den vierten Tag eitel Brot essen mußte. Dafür kaufte er sich wöchentlich ein Schwein von 4000 Pfund. Davon hielt er sieben Frühstücke, und zuletzt starb er vor Hunger. * 27. Die Revisorklippe. Es war einst ein Todtenschreiber oder Revisor auf Klausthal, der konnte nicht ruhen und ging täglich zur Mittagsstunde in seinem Hause walten (spuken). Ein älterer Pater sollte ihn verweisen, konnte es aber nicht, weil er etwas begangen hatte. Da holte ein alter Fuhrherr Namens Kaiser einen siebenzehnjährigen Pater, welcher den Mann verweisen sollte. Unterwegs, Morgens in der Frühe, sagte der Pater, ob er nichts fliegen sähe. – Ja, er sähe einen großen Vogel. – Ja, ein schöner Vogel, sagte der Pater lachend, es ist der Stepke (Teufel); er sei schwer beladen, ob er wolle, was er hätte? er müsse ihm etwas abnehmen, sonst sei seine Gerechtsame verfallen, und er könne nicht mehr verweisen. Der Teufel berichtete ihnen nun, er wolle zu einer Kindtaufe und habe bei sich Mehl, Rosinen, Zucker und Butter, das wolle er den Kindtaufsleuten bringen. Der Fuhrherr meinte zwar, er möge vom Teufel nichts, der Pater aber meinte! er solle wenigstens die Butter nehmen. So nahmen sie ihm die Butter ab, damit hat der Fuhrherr nachher seine Pferde geschmiert und besonders schöne Rosse dadurch erhalten. Der Pater hat den Revisor darauf nach der Klippe gebannt, die nun die Revisorklippe genannt wird. Dort sieht man deutlich ein Buch oder einen Berg Acten aus Stein und einen Sessel dabei. Kohlenbrennern ist der Revisor erschienen in der Sterbemütze und im großen langen Leichenkittel. Ein Schäfer erzählt von der Klippe Folgendes! Sein Vater habe einstens seine Heerde nahe an diese Klippe hin zu treiben versucht, und mit einem male sei ein Steinregen auf seine Hunde geworfen, daß diese heulend entflohen seien und er sich selbst mit der Heerde habe schnell entfernen müssen; hierauf nach längerer Zeit hätten ein paar göttinger Studenten auf einer Harzreise versucht sich dieser Klippe zu nahen, aber auch diese seien mit furchtbaren Steinen, die ihnen entgegengeworfen worden, zurückgetrieben und seitdem habe Niemand wieder gewagt sich ihr zu nahen. * 28. Die verwiesene Wirthin vom Klausthal. Eine Wirthin auf Klausthal hatte mancherlei Schlechtigkeiten ausgeübt und besonders die Milch, welche sie den armen Leuten verkaufte, mit Buttermilch verdünnt. Darum konnte sie sich nach ihrem Tode nicht zur Ruhe geben und vollführte einen großen Lärm in ihrem Hause. Nun ist ein Soldat gewesen, der ist mit einem andern Soldaten auf Urlaub nach Klausthal gekommen. Hier hat seine Braut in jenem Wirthshause gedient, wo die Wirthin gestorben ist. In dies Wirthshaus ist der Soldat immer hingegangen und die Magd hat ihm allerlei Speisen in ein kleines Hinterstübchen gebracht. Eines Abends ist der Soldat durchs Fenster in diese Stube gestiegen, da kommt die Hausfrau im weißen Gewand herein und geht walten. Sie hält dabei den Kopf in der Hand, wie er auch gethan hat, und sieht ihn groß an. Er resolvirt sich kurz, zieht den Hirschfänger heraus und sticht zu, sodaß der Hirschfänger in der Wand steckt. Da bekommt er eine Ohrfeige an der rechten Backe und die Dienstmagd, die eben hereintritt, erhält eine an der linken. Damit ist das Gespenst verschwunden. – Dieser nämliche Soldat hat dann auch die Frauensperson verweisen sehen. Er sitzt mit dem andern Soldaten, den er von nun an aus Furcht immer mitnahm, in der kleinen Stube. Da geht die Thür auf, kommt der Gastwirth herein, hat einen kleinen Tisch, darauf deckt er eine weiße Serviètte. Auch legt er auf den Tisch ein großes Buch. Der Wirth sagt, sie möchten nur sitzen bleiben; so bleiben sie sitzen. Es dauert nicht lange, so kommt eine Kutsche gerattert, darin sitzt ein Pater, der hat sie sollen verweisen, und ist noch hinter Osnabrück hergekommen. Schon vorher waren zwei Pater nacheinander vergeblich herbeigeholt. Die Wirthin hatte nämlich dem einen vorgehalten, daß er Möhren gestohlen, dem andern, daß er ein Nähnadelbesteck entwendet habe. Dadurch verloren sie die Macht über sie, mußten das Klausthal unverrichteter Sache verlassen und sogar die Reisekosten selbst tragen. Wie nun dieser dritte Pater eintritt, so stehen die beiden Soldaten auf. Der Pater aber sagt: bitte, sie möchten nur sitzen bleiben, aber ja sich nicht regen, so könnten sie dies mit anschauen. Natürlicherweise hat der Wirth sogleich einen Stuhl parat gestellt, wo der Pater sich darauf setzt. Nun nimmt er das dicke Buch, das der Wirth auf den Tisch gelegt hat, liest rückwärts darin und citirt dadurch die Wirthin. So klopft etwas an und der Wirth ruft herein. Dies ist nun die Wirthin gewesen: doch hat sie vor diesem Pater sogleich Furcht gehabt und wollte anfangs nicht zu ihm aufs Stübchen. Nun hält aber der Pater sein weißes Taschentuch zur Thüre hinaus, daran faßt die Frau an und daran zieht er sie nun mit Gewalt herein. Dann stellt er sie in einen Kreis, den er neben seinem Tische gezogen hat. Nun erzählen Einige, sie habe auch diesem Pater Verschiedenes vorgehalten, zum Exempel: er habe da und da einen Pfennig weggenommen. Dafür habe er sich eine Schreibfeder gekauft, habe der Pater gesagt, und da habe sie ihn deshalb nicht verwerfen können. Andere wollen wissen, daß dieser Pater noch nie das Geringste entwendet gehabt hätte. Kurzum, die Wirthin kann dem Pater nichts anhaben. Weil sie nun sieht, daß der Pater Macht hat, sie zu verweisen, so bittet sie ihn, er möge sie doch unter die Dachspitze verweisen. Er spricht aber: kein Pardon; darauf bittet sie, er möge sie unter die Hausschwelle verweisen. Er bleibt aber dabei: kein Pardon, und verweist sie ins Rothe Meer. Da sie heulend sagte, daß sie den Weg nicht wisse, schrieb er ihr vor den Weg die goslarsche Straße herunter, über das Zellerfeld, den Auerhahn und dann zunächst nach Goslar. Auch sagte er ihr, daß er in seiner Kutsche, die er vor dem Hause stehen hätte, ihr nachfolgen und in Goslar noch einmal mit ihr zusammentreffen würde. Darauf aber commandirte er, wie die Soldaten nachher berichteten: Marsch fort ins Rothe Meer. Da machte er die Thür auf und sagte zu den Soldaten, sie möchten einmal hinter ihr her sehen. Da fährt sie die Straße herunter wie ein glühendes Feuerrad. Auch der alte Meister eines Schuhmachers, welcher seinem Lehrlinge von der Sache erzählte, hatte noch das Geschrei und Windbrausen vernommen, als die verwiesene Frau sich auf den Weg nach dem Rothen Meere machte. Auch hat er den Pater in die Kutsche einsteigen und ihr wirklich nachfahren sehen, nachdem er sich zuvor von dem Wirthe das Geld hatte auszahlen lassen. Ob der Pater sich nur in Goslar noch einmal mit der Verwiesenen besprochen hat, oder ob er mit ihr bis ms Rothe Meer gereist ist und sich selbst überzeugt hat, daß sie sein Gebot erfüllte, wußte der Meister nicht zu sagen. * 29. Die lange Schlericke. Nicht weit vom Zellerfeld und vom Schulenberg liegt ein langes und breites Thal, das heißt die Schalk. Darin soll's sonst nicht recht sicher gewesen sein. Es haben aber gewöhnlich viele Heidelbeeren da gestanden, und die sind denn auch jedesmal von vielen Leuten geholt. Viele Burschen holen nun auch einmal Heidelbeeren, werden aber unten im Thale die lange Schlericke gewahr, das ist eine Jungfer mit Schlüsseln gewesen. Dem Einen winkt sie, ihr zu folgen. Er ist zwar erst ängstlich, geht aber doch hin. Sie führt ihn in einen aufgeschlossenen Berg, durch fünf große herrliche Zimmer, und endlich in einen schönen Saal, der roth ausgeschlagen ist. Hier spricht sie zu ihm: »Ist gut, daß du mitgekommen bist, sonst wär's euch übel ergangen.« Danach öffnet sie einen Kasten und gibt dem jungen Manne, der ganz verwundert gewesen ist, einen großen Beutel voll Gold. Darauf entläßt sie ihn aus dem Berg und der junge Mensch ist dadurch sehr reich geworden. Man erzählt auch, die Schalk sei ein verwünschtes Schloß und um sie her liege das ganze Groß- und Kleinwild in kleinen Steinen abgebildet umher, Hirsche, Rehe, Hasen, Katzen und Hunde, sagt man, seien um das Schloß her verwünscht. Die Jungfrau von der Schalk sah nicht lieblich aus, wie wol andere Schlüsseljungfrauen, sondern sehr verwildert, und hatte eine schmuzige Nase. So hat sie unzählige Frauen aus den Erdbeeren fortgejagt. Einen noch lebenden Hirten vom Zellerfeld, der sie rief, verfolgte sie eine ansehnliche Strecke weit, sodaß er vor Schrecken erkrankte und seine Heerde im ganzen Walde sich zerstreute. Am meisten aber trieb sie mit den Fuhrleuten ihr Unwesen, wovon ich nur eine Geschichte statt vieler erzähle. Wie ein Fuhrknecht an den schalker Teich kommt, steht sie dort auch wieder an der Schalk. Der Knecht sieht sie nicht, die Pferde aber, wie sie denn nun gar fein sind, spitzen sogleich die Ohren und haften unbeweglich an der Stelle. Endlich kommt der Fuhrherr herbei, der erkennt sogleich die Ursache und beginnt zu donnerwettern, daß die Schlüsseljungfer schon wieder da sei, und diese verschwindet. – »Sie muß jetzt auch wol erlöst sein«, sagte eine Frau, die das erzählte – »denn sie läßt sich nicht mehr sehen.« * 30. Die Kohljungfrau. Im Gemmikenthal unterm Schulenberg rechts hat sich vor 80 Jahren eine Frau am weißen Wasser in den Gärten hinter den Häusern etwas grünen Kohl gesucht und nicht genug erhalten. Der Mann aber weiß schöne große Plätze zwischen dem Holz, wo grüner Kohl wächst, und geht dorthin ihn zu suchen. Im Suchen richtet er sich einmal auf, da steht vor ihm eine Frau in grüner Kleidung und hat Klötzerschuhe an und weiße baumwollene Strümpfe. Aber gritzgrau hat sie aus dem Gesicht gesehen, sodaß er sich vor ihr gefürchtet hat. Sie aber sagt, er möge sich nicht fürchten und fragt: ob er mit ihr buhlen wolle. Wenn er das thäte, so möge er übers Jahr hier wieder erscheinen, dann solle er eine reichliche Vergeltung erhalten. Er weigert sich aber es zu thun. Da faßt sie ihn bei der Hand, aber ihre Hand ist eiskalt, da zieht er seine Hand zurück. Auf einmal ist sie verschwunden, er aber läßt sein Kohlsuchen und ist voller Schrecken. Dies ist aber eine Verwünschung gewesen und die Person hat von dem Manne dadurch erlöst sein wollen. * 31. Das Heringskämmerle bei der Wegsmühle. Eine Frau geht nach Goslar auf dem alten Wege und kommt über der Wegsmühle an dem Orte vorbei, der das Heringskämmerle genannt wird. Als sie scheu zur Erde blickt, in der Meinung, daß es hier nicht geheuer sein soll, wird sie eine ganze Menge Heringsschuppen gewahr. »Halt!« denkt sie, »da könnte etwas dahinter stecken«, und rafft sie zusammen in ihr Tuch. Unterwegs wird das Tuch so schwer, und wie sie nach Goslar kommt, hat sie lauter blitzblanke Mathier statt der Heringsschuppen. Auf dem Rückwege geht sie über den Stadtteich und siehe! da steht ein ziemlich neuer Topf auf dem Teichdamme. Sie guckt hinein und sieht darin zwar etwas Schmuz und Schmier, denkt aber »den kannst du noch gebrauchen« und nimmt ihn mit nach Hause. Wie sie nach Hause kommt, ist der Topf inwendig, so weit der Schmuz und Schmier gewesen ist, mit klammem, klarem Golde gefüllt und sie hat für ihr Leben lang genug daran, sodaß sie nicht wieder nöthig hat, nach Goslar zu gehen. * 32. Das Mädchen auf der Wegsmühle. Auf der Wegsmühle diente ein großes, starkes und schönes Mädchen. In diese Mühle kam eines Abends spät ein Mann mit einem hohen Hedesacke, wie ihrer Viele nach dem Oberharze hinauf steigen, nachdem sie in der Ebene bei den Bauern für Beeren sich den Sack voll Hede eingetauscht, oder ihn sich auch auf den Bauerhöfen zusammengebettelt haben. Ob er nicht in der Mühle im Stalle übernachten könne? fragte der Mann. Beinahe wäre es ihm verstattet, denn der Müller that manchem Armen Gutes, aber er wollte an diesem Abende mit seiner Frau auf ein Dorf gehen, wo er Freundschaft hatte, und wo er zu einer kleinen Lustbarkeit eingeladen war, denn es war gerade Fastnacht. Da machte es sich nicht gut, daß der Harzker in der Mühle bleiben konnte, weil das Mädchen ganz allein zu Hause war. Nun, sagt der Fremde, so wolle er ins nächste Dorf zurückgehen, seinen Hedesack auf der Mühle in den Kuhstall stellen, damit er ihn nicht wieder mit zurückschleppen müsse, und ihn am andern Morgen wieder abholen. Das sei ihm ganz recht, sagt der Müller. Der Harzker stellt also seinen Hedesack in den Kuhstall, geht fort und eine Weile drauf geht auch der Müller und die Müllerin fort. Wie aber das Mädchen in den Kuhstall kommt, sieht es beim Milchen, daß der Hedesack, der da in der Ecke steht, bald groß und bald klein wird, und sich auf und nieder bewegt. Da läuft es geschwind ins Haus und holt eine geladene Flinte heraus, die in der Stube an der Wand hängt. Mit der Flinte tritt es vor den Sack hin und ruft: Wer da? Es erhält aber keine Antwort und schießt los. Da schallt ein Geschrei aus dem Hedesack, und wie das Mädchen ihn aufbindet, schwimmt da ein großer Mann in seinem Blute, der hat ein Messer und eine Pfeife neben sich liegen. Der Mann winselt sehr, daß er nun vor Gottes Gericht ziehen soll, und bekennt, daß ihrer zwölf Brüder seien, die wären Räuber; zehn davon wollten in der Nacht hier einbrechen, der elfte das wäre der jüngste, der säße in der Räuberhöhle bei der steinalten Mutter, die wollte ihn nicht von sich lassen. Er aber wäre der zwölfte, ihn hätten sie in einen Sack gebunden und das große Messer neben ihn gelegt, auf daß er ihn zur rechten Stunde durchschneiden und heraussteigen könne. Dann habe er hintreten sollen vor die Oeffnung in der Mühle, wo der Mühlbach durchs Haus ginge, und da habe er dann pfeifen sollen. Die elf Räuber lägen schon draußen vor der Mühle versteckt, und lauerten nur auf den Ton seiner Pfeife. Sie möge zusehen, daß sie im Dunkel entfliehen könne, und die Mühle ihrem Schicksal überlassen. Und damit starb er. Entfliehen konnte aber das Mädchen nicht, denn der Müller hatte die Hofthür zugeschlossen und den Schlüssel eingesteckt, damit es nicht nach ihm und seiner Frau in der Nacht aufbleiben müsse, und damit sie selbst, wenn sie heimkehrten, ausschließen könnten. Es überlegte nun, was zu thun sei, nahm das große Räubermesser und die Pfeife und ging damit in die Mühle hinein. Nun tritt sie vor die Oeffnung in der Mühle hin, hält das Messer in der rechten Hand und bläst auf der Pfeife. »Plumps« geht es im Wasser, und halb schwimmt, halb watet der Kerl darin, der den Hedesack getragen hat. Der streckt seinen grimmigen Kopf bald unter der Mühlschwelle herein. Dies ist nun als der stärkste der Räuberhauptmann gewesen, den packt sie bei den Haaren, schneidet ihm mit dem Messer den Hals ab, sodaß er nicht einmal schreien kann, und zieht ihn vollends herein. Da blies das Mädchen wieder aus seiner Pfeife. »Plumps« geht es im Wasser. Da kommt der zweite Räuber an. Es faßt ihn beim Schopf, schneidet ihm den Hals ab und zieht ihn wieder herein. Dann pfeift es wieder, und so lockt es nachgerade alle zehn Räuber unter die Schwelle der Mühle, schneidet ihnen die Hälse ab und zieht sie herein. Als der Müller mit seiner Frau nach Hause kam, fand er das Mädchen, wie es ganz zerstört und mit Blut befleckt in der Stube saß. Nachdem es ihnen die vielen Leichen der Räuber gezeigt hatte, pries er es hoch als seine Retterin. Es lebte nun in der Mühle hinfort mehr als Freundin denn als Magd, und war hoch geehrt nicht allein im Hause, sondern auch weit und breit berühmt wegen seiner Heldenthat. Es fanden sich auch junge Bursche aus dem Dorfe ein, die sie gern gefreit hätten. Das Mädchen aber war so stolz und so finster und sagte, es wolle Niemand, als der verspreche, nach ihrer Pfeife zu tanzen, womit es die Räuber herbeigelockt. Aber weil es nun so schön war, so fand sich zuletzt in der Mühle ein Stadtherr ein, der ging auf Freiersfüßen, und war sehr reich, und hielt um das Mädchen an. Das Mädchen wollte auch von ihm nicht recht viel wissen, aber er schenkte ihm die kostbarsten Sachen und dadurch gewöhnte es sich an ihn, weil der Müller und die Müllerin sagten, der müsse einen großen Goldkasten zu Hause stehen haben, und wer da einmal hineingreifen dürfe, sei wol glücklich zu preisen sein Lebelang. Nun aber sagte der fremde Bräutigam: er wolle das Mädchen einmal in der Kutsche abholen und ihm sein Haus zeigen, wie prächtig das sei. Der Müller gab die Erlaubniß, daß das Mädchen mit ihm fahren solle. Das Mädchen selbst hatte anfangs wieder keine Lust, mit dem fremden Bräutigam zu fahren; doch war es neugierig, einmal sein Hauswesen zu sehen, und darum setzte es sich ein in die Kutsche. Der Fremde fuhr nun mit dem Mädchen in den Wald. Als sie mitten in dem Walde waren, ließ er den Kutscher, der ein Lohnfuhrmann war, halten, und hieß das Mädchen mit ihm aussteigen. Den Fuhrmann hatte er schon vorher gut bezahlt und hatte ihm gesagt, wie er's in dem Walde wollte gehalten wissen. Darum schlug der jetzt auf seine Pferde, jagte davon und ließ das Mädchen mit dem Fremden im Walde stehen. Der Fremde griff jetzt das Mädchen hart an, und weil er stärker war als sie, so mußte sie ihm folgen, und er schleppte sie in eine Räuberhöhle. Da saß die steinalte Mutter der elf Räuber, die das Mädchen getödtet hatte. Der Fremde aber sagte, daß er der zwölfte Bruder sei, und seiner Mutter es zugeschworen habe, die andern elf Brüder an ihr zu rächen, darum habe er sich verkleidet und sie hierher gelockt. Hier müsse sie sterben. Nun weinte und klagte das Mädchen, so muthig es war, aber doch, und bat bei dem jüngsten Bruder der Räuber um ihr Leben. Dieser hätte sie gern leben lassen, denn ihre Schönheit hatte ihn schon längst bestochen. Und weil die steinalte Mutter das merkte, und weil das Mädchen sich erbot, die Wirthschaft in der Höhle zu führen, was der Alten sehr schwer wurde, und auch das Weib des jungen Räubers zu werden, so beredeten sich Mutter und Sohn und ließen das Mädchen am Leben. Nun war das Mädchen schon mehrere Tage in der Räuberhöhle gewesen, und weil sie gar so schön war, so konnte der junge Räuber es nicht lassen, daß er am vierten Tage, nachdem sie zu Mittag gegessen hatten, den Kopf in ihren Schooß legte. Sie liebkoste ihn nun und er schlief ein. Dann nahm sie ein großes Räubermesser, das auf dem Tische lag und schnitt ihm auch, wie seinen Brüdern, den Hals ab. Hierauf ging es wieder zu dem Müller, der rief die Obrigkeit herbei und so folgten sie dem Mädchen in die Räuberhöhle. Sie fanden die Alte dicht vor der Höhle, weil sie vor Altersschwäche nicht hatte entfliehen können, nahmen sie nur und ließen sie von vier Ochsen zerreißen. Das Mädchen aber erhielt alle Schätze, die sich in der Räuberhöhle vorfanden. So war sie nun steinreich geworden; von den ordentlichen Burschen aus dem Dorfe aber, welchen sie früher sehr schnöde begegnet war, fand sich Keiner wieder ein, weil sie die drei Tage bei dem jungen Räuber in seiner Höhle gewesen war. Und so lebte sie hoch berühmt und sehr reich, aber einsam bis an ihr Ende. * 33. Die neue Mühle an der Innerste.   I. In der neuen Mühle an der Innerste auf dem Oberharze soll es spuken, und das liegt daran, daß dort die alten Papstthümer zerstört sind, als die Mühle gebaut ist. Nämlich wo jetzt die Mühle steht, hat früher ein Kloster gestanden, und wie in protestantischen Zeiten da die Mühle gebaut ward, faßten die Geister der alten Mönche die Arbeitsleute bei den Füßen und foppten sie immerfort. Auch brannte an einer Stelle ein Flämmchen und ein dicker Mönch war den ganzen Tag sichtbar, ein Gespenst, das wies den ganzen Tag dahin, wo das Flämmchen brannte. Endlich ließen die Arbeitsleute, weil sie vor Geistern nicht mehr aus und ein wußten und auch vermutheten, daß hier Schätze vergraben seien, einen Pater kommen und fragten, was hier zu thun sei. Ja, sagte der Pater, als er das Treiben der Geister eine Weile mit angesehen hatte, hier stände sehr Vieles und davor könnten die Geister nicht ruhen. Er hieß nun die Arbeiter an der Stelle, wo das Flämmchen brannte, unter seiner Anleitung nachgraben, und da fanden sie einen dreimal verschlossenen Kasten, der war gewiß voll lauter Geld. Aber der Pater sagte, ehe das Geld herausgenommen werden könne, müsse er den Kasten erst mit nach Hause nehmen und viele Gebete darüber sprechen. Da haben sie ihm den Kasten mit vier Pferden dahin gefahren, wo er zu Hause war, und die vier Pferde konnten den Kasten kaum von der Stelle bewegen. Wie der Pater das Geld in dem Kasten zu der bestimmten Zeit nicht wieder nach der neuen Mühle brachte, machten sich die Arbeitsleute auf nach der Wohnung des Paters. Da war der Pater in die weite Welt gegangen, der Kasten aber stand noch da. Als sie ihn nun endlich öffneten, war nichts mehr darin als ein rother Pfennig, das Andere hatte der Pater in der Stille herausgenommen und vor sich her dahin geschickt, wohin er sich zunächst begeben wollte. Als die neue Mühle schon im Gange und im vorigen Jahrhunderte an die Weibgensleute verpachtet war, schwärmten die Mönche und Schüler dort so viel auf den Gängen umher, daß die Knappen sich oft kaum getrauten Korn aufzuschütten, wenn die Mühle klingelte. Mitunter trugen die Geister auch Puffjackenkleidung und grüne Schachthüte und so sahen die Knappen sie das Korn aussacken. Einstmals war ein Mühlknappe dort, der las viel in der Bibel und verstand mit den Geistern umzugehen. Der war einmal an einem Sonntag Nachmittage allein in der Mühle und im ganzen Hause. Er hatte alle Thüren verriegelt und las wieder in der Bibel, da kam der Teufel zu ihm in die Stube. Der Mühlknappe merkte sogleich, daß es der Teufel war, und fuhr ihn hart an, wo er hereingekommen sei. Auch zeigte er ihm die Stelle in der Bibel, die er aufgeschlagen hatte, und da stand geschrieben: Hebe dich weg von mir, Satan. Da flog der Teufel mit großem Geräusch zum Dach hinaus und nahm noch drei Schindeln mit, die haben sie später niemals wieder einsetzen können. In dem Wohnhause auf der neuen Mühle erschienen oft die Geister, lauter Mönche und Bergleute. Da traten denn herein auch oft die zwölf Schüler, von denen trug immer der erste ein Buch, darin blätterte er die ganze Stunde von Elf bis Zwölf, denn die Geister kamen immer mit dem Schlage elf Uhr herein und mit dem Schlag Zwölf gingen sie wieder fort. Der erste trat mit seinem Buche immer an den Tisch, der zweite war auch sehr wißbegierig und sah ihm über die Schulter ins Buch hinein. Der zwölfte aber stellte, wenn sie kamen, eine Glocke auf den Tisch, und die nahm er Punkt zwölf Uhr, wenn sie fortgingen, wieder hinweg, und das gab dann einen ordentlichen Klang, wenn er die Glocke vom Tisch aufhob. Unter den übrigen Geistern, die sich sehen ließen, waren drei, die ihre bestimmten Namen hatten bei den Leuten in der Mühle. Der eine war das Dickauge , dem hing ein dickes Auge aus dem Kopfe heraus. Er trug ein weißes Laken, das hatte er vor der Stirne in einen Knoten zusammengebunden. Dieses Dickauge hat nur immer geklopft, um die Leute zu ärgern, und wenn ein Lärm in der Mühle entstand und die Leute wurden aufmerksam darauf, so war es immer dies boshafte Wesen. Und dann hieß es: ach, es ist das Dickauge! und sie kümmerten sich nicht weiter darum. Ein anderer Geist hieß der Fegelork , der hat immer mit einem neuen Besen in der Mühle umhergefegt. Das beste Wesen von allen war das Freundliche . Das hatten Alle gar lieb, wenn sie ihm auch nicht seinen Willen thaten. Denn es hat immer einen Stuhl mit in die Stube gebracht, den hat es in die Mitte gestellt und daneben hat es gestanden, und dann hat es Jedem zugewinkt, daß er sich auf den Stuhl setzen sollte. Das that nun Keiner und wenn nach einer Stunde um Zwölf sich Niemand darauf gesetzt hatte, nahm es seinen Stuhl auf und ging mit ihm wieder zur Thür hinaus, dann sah es aber nicht mehr so freundlich aus, sondern war betrübt, daß Niemand sich auf seinen Stuhl setzen wollte. Das Freundliche erschien in der Regel alle sechs Wochen; ihm schien am wohlsten zu sein, wenn eine recht lustige Gesellschaft mit Tanz und Zitherspiel sich vergnügte, was mitunter geschah, wenn recht viel Leute aus den nahe liegenden Ortschaften in der Nacht mahlen ließen. Gar oft ist das Freundliche so mit seinem Stuhl in eine solche heitere Gesellschaft auf der neuen Mühle getreten.   II. Die Familie Weibgen hatte beinahe hundert Jahre die neue Mühle in Pacht. Sie zahlte jeden Tag einen Thaler, kam aber endlich durch Viehsterben und anderes Unglück ganz herunter. Die Kühe wurden nach und nach behext, sahen munter aus den Augen, fraßen bis den letzten Augenblick, waren aber so dürre, daß nichts mehr an ihnen war als Haut und Knochen. Manche schwollen auch ganz auf und hatten faul Wasser. Einstmals blickte die Müllerin in der Nacht aus ihrem Kammerfenster, da sah sie eine Waschfrau vom Klausthal, die ging mit zwei Himten Mehl auf dem Rücken erst vor den Stall, ehe sie fortging, und machte mit dem Fuße lauter Kreuze vor den Süll (Schwelle). Die Müllerin schimpfte sie aus dem Fenster, da ging sie ganz still davon. Nun wurde freilich die Stelle abgewaschen mit vielem Wasser; aber die Frau muß es doch schon gewußt haben an die Kühe zu bringen, denn bald darauf wurde wieder eine krank. Einstmals mußte der Abdecker auch wieder nach einer kranken Kuh kommen und sollte sie abziehen. Da sagte er, sie wollten nun die kranke Kuh einmal lebendig auf einen grünen Platz bringen und sie dort todtstechen. Dann müßte in der Herzkammer eine Blase sein wie eine Wallnuß groß, darin wären lauter kleine Eidechsen. Die Blase aber müßte uneröffnet verbrannt werden. Würde sie geöffnet, so hüpften die kleinen Eidechsen davon und gleich zu der Hexe hin, dann ginge es mit dem Verhexen wieder von vorn an. Die Blase fand sich, die Müllerin aber war neugierig, die kleinen Eidechsen zu sehen, und meinte, sie würden ja wol zu halten sein. Nun gut, die Blase wird aufgeschnitten, da ist ein dicker Klumpen voll Eidechsen darin, der wurde immer weniger und bald waren alle Eidechsen wieder bei der Hexe. Da ging das Behexen mit den Kühen erst recht los. Hätten sie die Eidechsen verbrannt, so wären damit auch der Frau, die das Vieh behext hatte, die Finger verbrannt und man hätte sehen können, wer es gewesen wäre. Nun wurde wieder eine Kuh in der Mühle krank, da waren die Aeltern klüger, erzählt eine alte Weibgenstochter. Der Schinder sagte, sie wollten das Ding nun einmal anders anfangen. Er hieß den Aeltern, von der kranken Kuh die Milch zu nehmen, davon immer ein paar Tropfen in die Hespen der Stallthür zu schütten und die Thür immer auf- und zuzumachen, aber nicht ganz zu, sondern nur bis vor die Krampen. Nun war dazumal ein Vetter aus der neuen Mühle aus Ostindien, der hatte sich bei den Ostindiern den Magen verdorben, konnte nichts weiter vertragen als weichgeklopftes Fleisch, und Wein, aber kein Brot und keine Suppe, und sagte, er wollte nun auf der neuen Mühle sein letztes Stündlein abwarten. Der konnte nicht mehr ordentlich deutsch und sprach! »Ich will sich die Thür geknirken, ich haben da Zeit dazu.« Da nimmt der das Knirken über sich und wie er eine Zeitlang geknirkt hat, kommt eine Frau an die Thür des Wohnhauses und bettelt: sie wäre so kalt, sie wollte sich wärmen. Aber die Müllerin ließ sie nicht herein. Wäre sie drin gewesen, so hätte sie können wieder einen Schabernack thun, denn das ist dieselbe Frau gewesen, die die Kühe behext hatte. Mein Ostindier knirkt immer zu. Als die Milch all ist, gibt die Thür so einen Schrei von sich, da hat die Frau auch so übel gethan, als säße ihr das Messer an der Kehle. Darauf ist die Frau noch einmal so ums Haus herumgeschwärmt und dann verschwunden. Diese Frau hat sich nachher ausgelassen, sie wäre von der Treppe herunter in eine Säge gefallen und hätte sich die Hände zerrissen, das würde lange dauern, ehe die Hand wieder heile. Das ist aber blos von dem Knirken und der Milch gekommen. Auch in den Pferdestall kam Krankheit, daran mag wol auch Hexerei mit Schuld gewesen sein. Nur kann man's bei den Pferden nicht so wahrnehmen, weil die Pferdekrankheiten einen viel raschern Verlauf haben als bei den Kühen. Auch unter die Hühner kam die Sterbige. Die Müllerin sagte: »Was heißt doch dies wol mit unsern Hühnern? Heute Abend noch gesund und morgen todt; und ganz breitgedrückt liegen sie im Stalle.« Da kamen Leute, die meinten, sie sollte mit arabischem Weihrauch räuchern, das wäre gegen Schabernack und Spukerei. Das that die Müllerin und das half. Sie kaufte sich nun einen ganzen Vorrath von Weihrauch und räucherte von nun an alle vier Wochen im Hühnerstall. Wenn sie's aber nur einmal um einen Tag länger aufschob, kam gleich wieder die Sterbige unter die Hühner. Auch die Sonne that dazumal viel Schaden, denn es war eine große Trockniß, daß die Fische halb aus der Innerste hervorguckten und die Sonne zündete an mehrern Orten Feuer an. Da sah es mit dem Mühlwasser schlimm aus, daß Gott erbarm! Durch solche Dinge sind die Weibgen's Erben heruntergekommen. Haben sich aber immer rechtschaffen gehalten und gehören mit zu den besten Zitherspielern auf dem ganzen Harze. Sagen der Bergstadt Altenau. * 1. Die Kirche in der Altenau. Vor langer lieber Zeit ist hier in der Altenau ein Mann gewesen, der das Läuten und Uhraufziehen zu seinem Geschäft gehabt hat, und der ist zugleich ein Schuster gewesen. Er hat Fuchs geheißen. Der vergaß nun einmal die Uhr bei Tage aufzuziehen, und wie es Abends so zwischen elf und zwölf Uhr war, dachte er erst daran. Um seiner Versäumniß nun wieder nachzukommen, zog er sich an, nahm die Schlüssel und ging nach der Kirche. Er schloß auf, machte aber die Thür wieder hinter sich zu, ging dann die Treppe hinauf, schloß die Uhrkammer auf und zog die Uhr auf, ohne daß ihm dabei etwas passirt wäre. Er schloß die Uhrkammer wieder zu und ging nun hinunter. Auf einmal, wie er wol so auf der Hälfte des Weges, ungefähr auf der zweiten Treppe war, da sprang ihm etwas wie ein großer Hund auf den Rücken und hielt sich mit beiden Händen auf seinen Schultern fest, sodaß es ihm ordentlich wehe that. Die Last hat er gar nicht fortbringen können. Nun hatte er früher einmal gehört, daß man, wenn Einem einmal ein Gespenst etwas thun wolle, oder wenn Einem ein Gespenst begegnete, aus Leibeskräften fluchen müsse. »Alle Kreuz-Stern-Donnerwetter sollen dich von meinem Rücken bringen!« fluchte er, und wie er so fluchte, schlug's zwölf Uhr vom Thurme. Da ließ das Gespenst von seinem Rücken los, er aber machte, daß er nach der Thür kam, schloß sie auf und schlug sie dann zu. Vor Angst und Schmerz wußte er gar nicht, wo er hin sollte. Seitdem er geflucht hat, hat er kein Wort sprechen können. Wie er nach Hause kam, legte er sich gleich hin und winselte und ächzte immerfort. Seine Frau fragte ihn, was ihm denn fehle, er konnte aber nicht sprechen. So hat er drei Tage gelegen. In der letzten Zeit hat er wieder sprechen können, da hat er seiner Frau Alles erzählt. Den dritten Tag starb er. Wie sie ihn da auszogen, da hatte er auf jeder Schulter eine kohlrabenschwarze Hand sitzen und die Finger sind ordentlich ins Fleisch eingedrückt gewesen. In der Altenau sah auch der Nachtwächter einst die Kirche in der Nacht erhellt; sie war besucht von weißgekleideten Männern, und vor dem Altar stand ein weißgekleideter Prediger. Dies sah er auch in der folgenden und nächstfolgenden Nacht. In der dritten Nacht stand der damalige Prediger von der Altenau schon in seiner vollständigen schwarzen Amtskleidung und mit den Kirchenbüchern bereit und aus Verabredung holte der Nachtwächter ihn ab. Der Prediger trat nun in die Kirche und sogleich verschwand der weiße Prediger vom Altare. Wie er aber vor den Altar trat und aus seinen Büchern etwas herlas, verschwand auch die ganze weiße Versammlung und es wurde in der Kirche dunkel. Dieser Pastor von der Altenau hat nachher nicht wieder gepredigt, sondern ist fortwährend krank gewesen und bald gestorben. * 2. Das Schloß im Gerlachsbache. Da wo jetzt hinterm Glockenberge und unterm Röhrenteiche im Gerlachsbache der große Bruch ist, soll früher, so erzählen die Alten, ein mächtiges Schloß gestanden haben, welches aber keinem Ritter oder Grafen, sondern einer unverheiratheten Frau gehört haben soll, die in der Umgegend nur schlankweg die Schloßfrau geheißen hat. Sie hat ihren Gefallen daran gehabt, Frauen und Mädchen, die sich auf der Landstraße haben blicken lassen, einzufangen und in ihr Schloß, das mit hohen Mauern umgeben gewesen ist, zu sperren. Die Zahl der Eingefangenen ist schon sehr beträchtlich gewesen. Einst haben ihre Spione auf der Landstraße ein Hirtenmädchen aufgefangen und zu der Herrin aufs Schloß gebracht. Aber das Hirtenmädchen ist dem heiligen Antonius geweiht gewesen. Da nun jede eingefangene Frau ihre bestimmte Beschäftigung gehabt hat, und die eingefangenen Mädchen ihrer Herrin haben aufwarten müssen, so hat die Schloßfrau dem Hirtenmädchen einen Kasten mit Schlüsseln und dazu noch ein großes Bund Schlüssel umgehängt, damit diese ihr gleich zur Hand wären, wenn sie selbst ihrer bedürfte. Das Schloß hat ein Garten umgeben, da hinein haben die eingefangenen Mädchen nach einiger Zeit wol gehen dürfen, aber nicht durch ein Thor hinaus ins Freie, das in der Gartenmauer gewesen ist. An allen Ecken und Enden haben Spione und Schildwachen gestanden, damit, wenn ja einmal eine Gefangene eine Miene zum Entfliehen hätte machen wollen, sie gleich wieder hat zurückgeholt werden können. Eines Abends ist das Hirtenmädchen auch in den Garten gegangen und hat sich in eine Laube desselben gesetzt. Hier kniet es nieder und ruft den heiligen Antonius an, es doch aus dieser Knechtschaft zu befreien. So wie es ausgeredet hat, kommt ein kleines graues Männchen daher und fragt das Mädchen, was es denn weinte und was ihm denn eigentlich fehle? Das Mädchen antwortet hierauf: ihm erginge es hier sehr übel, denn es wäre von seinen Aeltern genommen und auf dies Schloß gebracht worden, wo es nun in der Gefangenschaft schmachten müsse. Es habe soeben den heiligen Antonius angerufen, daß derselbe es aus dieser Gefangenschaft erlösen möchte. Da sagt das graue Männchen: »Ich bin der heilige Antonius; ich habe dein Flehen wol gehört und deine Bitte soll dir auch gewährt werden. Du und alle Eingefangenen, ihr sollt von dieser Stunde an frei sein, aber das Schloß mit allen seinen Reichthümern und Kostbarkeiten soll untergehen und die Schloßfrau soll, zur Strafe für ihre Missethat, deine Bürde, die du getragen hast, tragen und vierhundert Jahre auf diesem Berge (und hiermit soll er auf den nahe bei dem Schlosse gelegenen Glockenberg gezeigt haben) mit dieser Bürde walten gehen. Eher soll sie von Gott nicht erlöst werden; wenn aber eine reine unschuldige Jungfrau aus Barmherzigkeit ihr die Bürde abnimmt, so soll sie doch vor Gott Gnade finden und vor ihrer Zeit noch erlöst sein.« Wie der heilige Antonius dies ausgesagt hat, da thut's aus einmal einen Knall und das Schloß sammt seinen Gärten und Mauern ist von der Erde verschwunden. An seiner Stelle ist jetzt ein großer Bruch. Alle Eingefangenen sind auch von diesem Augenblicke an in ihre Heimat versetzt gewesen; aber die Schloßfrau steht auch in demselben Augenblicke, da dies geschehen, verwünscht auf dem Berge, einen Kasten vor sich tragend und ein großes Bund Schlüssel daran. Nun hat sie aber, wenn ihr Menschen begegnet sind, was öfters der Fall gewesen ist, weiter nichts sagen dürfen, als: »Huk up, huk af.« Viele, die sie gesehen haben und ihr begegnet sind, aber nicht gewußt haben, was dieses »Huk up, huk af« zu bedeuten gehabt hat, sind vor dieser unheimlichen Gestalt geflohen; sie aber hat keinem Menschen etwas zu Leide gethan. Von Zeit zu Zeit hat sich nun das untergegangene Schloß wieder aus der Erde sehen lassen, ist aber dann bald darauf wieder verschwunden. Wer so glücklich gewesen ist, dies zu sehen, der hat nur Etwas von seinem Zeuge, seine Mütze, Hut oder sonst Etwas, oder was er gerade in der Tasche gehabt hat, darauf zu werfen brauchen, dann ist das Schloß stehen geblieben und hat Jenem dann als Eigenthum gehört. Einstmals hat in der Nähe ein Köhler gekohlt. Dieser hat zwei Mädchen gehabt, welche Wasser zugetragen haben. Eines von diesen kommt nun und will aus der Tränke im Thale Wasser holen. Es sieht sich einmal um und da vor ihm steht ein großes mächtiges Schloß mit Gärten und Mauern. Wie es dies sieht, läßt es gleich seine Eimer stehen und läuft, erschreckt über diese Erscheinung, so schnell als möglich zu seinem Vater und erzählt ihm, daß da im Thale ein großes schönes Haus stände, was es früher da nicht gesehen habe (denn es hat von der ganzen Geschichte nichts gewußt). Gleich fragt der Köhler, ob es denn nichts darauf geworfen hätte, und als das Mädchen dies verneint, da gibt er ihm eine Ohrfeige und schilt es kurz und lang aus. Dies ist aber das letzte Mal gewesen, daß das Schloß wieder zum Vorschein gekommen ist. Wäre das Köhlermädchen nun hingelaufen und hätte Etwas daraufgeworfen, so hätte ihm das Schloß gehört. Die Jungfrau mit den Schlüsseln (so ist sie immer genannt) hat ihre Zeit aber müssen durchwalten. Viele haben sie gesehen und sind ihr begegnet, ja, selbst Alte, die ich noch gekannt habe, behaupteten, sie gesehen zu haben. Einer Namens F.... behauptete steif und fest, daß, als er eines Sonntags Morgens im Kirchenholze Weden bei einem Feuer gedreht und sich einmal aufgesehen habe, die Jungfrau mit den Schlüsseln vor ihm gestanden hätte. * 3. Der Fieke-Mackensbrunnen. Auf dem Harze sind gar viele Brunnen, die ihren Namen nach den Köhlern erhalten haben, welche lange Jahre neben ihnen kohlten. So heißt auch eine Quelle am Fohlenbrinke bei der Altenau der Fieke-Mackensbrunnen nach einem Köhler, doch damit hat es noch seine eigene Bewandtniß. Der Köhler ist ein Pietist (Penetist) gewesen und hat sich da selbst das Abendmahl gereicht und darum ist der Brunnen nach ihm genannt. Er ist jetzt ordentlich ausgemauert, das Wasser ist so hell und klar wie keins und schmeckt seit der Zeit, daß der Köhler sich da das Abendmahl gereicht, ordentlich weinhaft. * 4. Der Lork. In der Altenau war ein Mann, der wollte ins Holz gehen. Als er auf den Tränkeberg kam, der auch der Rothenberg heißen soll, saß da ein dicker schwarzer Lork, der glupte ihn so an und zog einen Thaler hinter sich her. Da trat er aus den Thaler drauf, sodaß er von dem Lork abriß, und steckte ihn ein. Am Abende saß er am Tische und sah aus, als ob er weinen wollte. Seine Frau fragte, was ihm fehle, er aber sagte, es sei ihm so traurig, seit er den Thaler von dem Lork abgerissen und eingesteckt hätte. Da sagte seine Frau, er solle zum Pastor gehen und mit Dem reden. Er nahm also am andern Morgen den Thaler, zeigte ihn dem Pastor und sagte, was ihm geschehen war. Der aber sagte, er solle den Thaler nehmen, wieder nach dem Tränkeberge gehen, und wenn dann der Lork käme, solle er sich nicht umsehen, sondern sich umwenden und den Thaler über sich hinüber werfen. Also that er auch und trug den Thaler wieder dort zur Stelle. Am nächsten Morgen ging er wieder ins Holz und als er an den Tränkeberg kam, saß da ein rother Frosch, da nahm er seinen Stock und schlug den Lork todt. Am andern Morgen aber ward er krank und starb. * 5. Der Stadtschreiber. In der Altenau läßt sich ein Stadtschreiber sehen, er hatte einen Mann um zweihundert Thaler betrogen und erschien diesem später in der Nacht. Er hielt ihm das Geld auf einem Deckel (Zahlbrett) entgegen, der Mann aber wies es zurück. Mit diesem Stadtschreiber hat der verstorbene Nachtwächter in der Altenau oft seinen Spaß gehabt. Der Stadtschreiber hielt ihm das Horn zu und einmal hat er sich auch mit dem Nachtwächter geschlagen. Seit der Nachtwächter nun wußte, was der Stadtschreiber für einer sei und was er hinten auf seinem Rücken mit seinem Horn für Possen treibe, ließ er ihn immer vornweggehen, sobald er ihn hinter sich bemerkte. Zuletzt mußte ihm der Stadtschreiber immer leuchten, denn er trug stets eine Lücht (Laterne). Der Nachtwächter hatte drei ganz deutliche Kreuze vor der Stirne. * 6. Der Eseltreiber. In der Altenau war ein Eseltreiber Namens Förster; der mußte in seinem Alter noch aus Armuth Wegearbeiten verrichten. Da stellte er sich aber immer an eine Tanne und schlief im Stehen. Des Abends hing er nur einen Korb um, stellte sich an eine Tanne und schlief die ganze Nacht. So ist er auch gestorben und acht Tage nach seinem Tode hat man ihn mit einem umgehängten Sacke an die Tanne gelehnt gefunden. Sagen vom Bruchberg. * 1. Der wilde Jäger in der Gegend des Bruchberges.   I. Des wilden Jägers Jagdzug wird auf dem Oberharze zumeist in der Gegend der Altenau und des Bruchbergs, an den Vorbergen des Brockens erblickt und es scheint, daß man ihn meist vom Brocken herkommend denkt, wo er einen Ausjageplatz hat und sich dort auf dem alten Wetterberge mit Wind und Wetter zu schaffen macht. In Lerbach sagt man, daß der wilde Jäger während des Gewitters umhergehe und rufe: »Wer will Fleisch?« Dann darf ihm aber bei Leibe Niemand antworten. – Vor vielen Jahren sind einmal zwei Frauen, eine Namens W.... und die andere Namens L....., aus der Altenau ins Gras nach dem Ochsenberge, der wol eine Stunde von der Altenau liegt, gegangen. Weil es nun sehr heiß gewesen ist, so haben sie Alles, was sie angehabt haben, bis aufs Hemd und den Rock ausgezogen. Beide haben sich schon ihre Trachten geschnitten und sind eben am Zurechtmachen derselben, als sie auf einmal ein Sausen und Brausen und Etwas wie Pferdegewieher in der Luft hören. Schnell laufen sie, Grastracht, Zeug und Alles, was sie bei sich gehabt haben, im Stiche lassend, davon, nach Hause. Wie sie aber wol meinen, daß der wilde Jäger, denn sie haben gedacht, daß derselbe es gewesen, durchgezogen sei, da gehen sie mit Zittern und Beben wieder hin an den Ochsenberg nach ihrer Grastracht, ziehen ihr Zeug geschwind an, hocken ihre Tracht auf und machen sich davon.   II. Zimmerleute hauten einmal zur Winterszeit am Bruchberge Bauholz. Als sie da des Abends in ihrer Köthe um das Feuer herumlagen, ihr Abendbrot verzehren und eben den Braten vom Feuer nehmen wollten (es ist ein Hinterzimmer von einem Reh gewesen, das sie gehabt), da ging's hinten im Walde: »Hoho! hoho!« und dazwischen klafften die Hunde. Den Zimmerleuten wurde angst und bange, einer aber war keck, fürchtete sich vor nichts und sprach: »Was gilt's? Das ist der wilde Jäger! Den muß ich sehen.« Gleich darauf kam auch der wilde Jäger heran mit seiner ganzen Schar. Der kecke Zimmermann ging vor die Köthe und als der Jagdzug vorüber war, schrie er spottweise: »Hoho! hoho! hoho!« Im Augenblicke kehrte die Schar wieder um, vor der Köthe vorbei, und der Zimmermann bekam eine Ohrfeige, daß er wie todt niederfiel. Zur Thür herein aber flog eine schwarze Masse und stürzte ins Feuer, daß den Zimmerleuten die Kohlen und die Asche um die Köpfe flogen. Als sie sich erholt hatten und Licht anzündeten, war der Rehbraten verschwunden und statt seiner lag eine Pferdelende aus dem Herde. Der Zimmermann aber, der die Ohrfeige bekam, hat seit der Zeit nie wieder den wilden Jäger nachgekabbelt.   III. Den wilden Jäger, so erzählte mir Jemand, habe ich zweimal gesehen; das eine Mal bewachte ich mit einem Kameraden im Herbst die Kartoffeln. Wir hatten ein Feuer angezündet; als ich das Jauzen wie von einem wilden Schwein oder von einem Eseltreiber: Hoi! hoi! vernahm, ging ich eine Strecke weit vom Feuer weg, um ihn zu erblicken. Doch sah ich ihn später deutlicher, als ich in einer Bucht (Köhlerhütte) war. Da zog er über die Bucht weg, kaum hundert Schritt entfernt. Er kam vom großen Breitenberg und zog in der Waldung durch nach dem Voshai. Tausend Stimmen hörte ich aus der Luft, sah aber nur den wilden Jäger. Er sah ungefähr aus wie ein Förster und hatte an sich viel grünes Kram. Ob er durch die Lüfte ging oder schritt, konnte ich nicht unterscheiden, es war fast als ob er flöge und als ob sich ein Fittich rege, doch kann es auch ein Mantel gewesen sein, den er auseinanderschlug. Sein Aufzug war zu vergleichen, wie wenn die Sonne schnell über einen Ort hinzieht. Deshalb konnte ich ihn auch diesmal noch nicht genau sehen, doch erkannte ich deutlich, daß es Derselbe war, den ich, nur noch weniger deutlich, auf dem Felde gesehen hatte. Beide Male verhielten wir uns ganz ruhig. Denn den Eseltreibern , die am Brocken gelagert waren und das Hu! hu! und das Bellen der Hunde nachahmten, als er vorüberjagte, warf er die Lende von einem todten Pferde zu und rief: weil sie ihm hätten geholfen jagen , sollten sie auch helfen knagen , die Pferdelende solle ihnen zur Weisheit dienen, daß sie ihn künftig nicht wieder nachmachten.   IV. In Andreasberg erzählt man vom wilden Jäger: er hätte durch den Eber seinen Tod gefunden und sich dabei gewünscht, nicht zu verwesen und zu jagen bis an den jüngsten Tag. Darum verwest der wilde Jäger nicht und muß jagen bis an den jüngsten Tag. Viele haben das Hundebellen und den Jagdruf: Hoi! hoi! in der Luft gehört. Einstmals hat ihm Jemand am Breitenberge unter dem Brocken nachgejagt, d.h. er hat auch Hoi! hoi! gerufen, da hat der wilde Jäger auch gerufen: Hast du geholfen jagen, Sollst du auch helfen knagen, und hat ein todtes Pferd heruntergeworfen. Da hat der aber verlangt, er solle ihm Kümmel und Salz dazu bringen, und das hat er nicht gekonnt. Da hat der brauchen das todte Pferd nicht zu essen. * 2. Wolfswarte. Am Bruchberge und besonders in einer bestimmten Gegend desselben waren früher so viele Wölfe, daß, wer dort übernachten mußte, auf die Klippe, die deshalb Wolfswarte genannt wird, sich begab und dort ein Feuer anzündete, sie zu verscheuchen. Einstmals kohlte ein Köhler unweit der Wolfswarte, der erwartete vom Sonnabend bis Sonntag Morgen seine Frau, welche ihm Lebensmittel bringen sollte. Da sie auch am Sonntag Morgen nicht kam, so wollte er ihr entgegengehen, da begegnete ihm ein Wolf, der hatte die Schnauze voll rother Fasern, die waren von dem rothen Rocke der Köhlersfrau, welche er etwas weiterhin zerfleischt und getödtet hatte. Zuletzt wurden die Waldungen am ganzen Bruchberge wegen der reißenden Thiere, besonders der Wölfe, abgebrannt, und das ist der Grund, weshalb er noch jetzt an vielen Stellen so kahl ist. * 3. Die Bauern am Ackergebirge. Beim Beerenpflücken am Ackergebirge, das zum Bruchberge gehört, haben sich einmal vor alten Zeiten drei Bauersleute aus dem Lande verirrt und sind zuletzt, weil sie sich gar nicht wieder fortfinden konnten, da umgekommen. An der Stelle, wo sie nach längerer Zeit gefunden und begraben wurden, stehen am Acker bis auf den heutigen Tag drei Steine. Ein Hirtenknabe ist einmal, als es am Bruchberge noch so ganz öde war, am Acker bis unter die Arme in den Bruch (Morast) versunken und hat sich da acht Tage durch Schnecken, die um ihn her gelegen haben, ernährt. * 4. Der Wolfskopf. Am Wolfskopfe hat sich der Waldarbeiter Nothdurft mit einem scharfen Beile in den Fuß gehauen und ist daran gestorben, er läßt sich nun dort in der Gegend des Ackergebirges sehen. Zwei Brüder lagen in einer Bucht (Köhlerhütte, auch Köhlerköthe) zur Nachtzeit, als der Eine von ihnen erwachte und Nothdurft sah. Er weckte den Andern, dieser war sehr beherzt und da er nichts erblickte, so trat er zur Bucht hinaus und ging, um frische Lust zu schöpfen, in der hellen Nacht ganz um dieselbe herum, ohne Jemand zu bemerken. Kaum aber hatte er sich dann wieder neben seinem Bruder niedergelegt, als Nothdurft sich ganz zur Thür der Bucht hereinlegte. Die Brüder, welche ihm nun nachblickten, sahen ihn nach der Stelle hingehen, an welcher er sich gehauen. Dabei schrie er fortwährend: Hoi! hoi! hoi! wie ein Eseltreiber oder eine Eule. * 5. Die Goldlöcher. Es ist einmal ein Fuhrmann Namens Dehne aus der Altenau mit seinen Pferden über den Bruchberg gefahren. Da sah er auf einmal vom Wege aus ein Loch, worin gelbe Erde war. Er dachte, du sollst dir einmal einen Brotbeutel voll davon mitnehmen; kratzte also einen Haufen zusammen und that denselben in seinen Brotbeutel. Diesen nahm er mit nach Hause. Hernach hat er gedacht, das könnte vielleicht Werth haben, hat die Erde nach Goslar genommen und da verkauft. Dazwischen ist auch Gold gewesen. Darauf ist er einmal wieder über den Bruchberg gefahren, da hat er wieder daran gedacht und hat wieder zusehen wollen, ob er das Loch hat wieder finden können. Da ist aber von keinem Loche eine Spur zu sehen gewesen, so eifrig er auch gesucht hat. Auch sind einmal zwei Männer aus der Altenau, Einer hat Fedisch und der Andere hat Schmidt geheißen, ins Holz gegangen. Sie streiften so im Walde herum, trockenes Holz zu suchen, und dabei kamen sie ins Kellwasser. Auf einmal kamen sie an einen großen grünen Platz, in dessen Mitte ein Loch war. Sie guckten hinein. Da war's in demselben so wie gelber Letten (Lehm). Sie dachten, ihr sollt euch doch einmal von dem Krame ein Bischen mitnehmen; machten sich also Jeder so einen Klumpen, wie ein großer Schneeball groß ist, zurecht und nahmen ihn mit. Auf dem Wege besah Schmidt seinen Lehm und sagte zu seinem Kameraden: was sie doch mit dem Lehme wollten, den könnten sie hinter ihrem Hause finden, den brauchten sie so weit nicht zu schleppen, kurzum er warf seinen Lehm fort. Der Fedisch ist aber klüger gewesen und hat seinen Klumpen behalten. Wie er nach Hause kam, legte er seinen Klumpen oben aufs Kandelbrett über den Fenstern. Da ist auch einmal ein Schacherjude gekommen, der auch in Gold und Silber geschachert hat. Sowie er in die Stube trat und da oben auf das Brett guckte und den Klumpen gewahr ward, so sagte er zu dem Fedisch, er solle ihm doch das einmal zeigen. Er nahm den Klumpen herunter, und wie der Jude ihn besehen hat, so bot er ihm gleich einen Gulden; er war damit zufrieden, und der Jude gab ihm einen Gulden und ging mit dem Klumpen fort. Da ist auch in dem Lehm Gold gewesen. Wie nun der Fedisch und der Schmidt einmal wieder beieinander kamen, da sagte der Fedisch zu ihm, daß er für seinen Klumpen einen Gulden bekommen habe. Das ärgerte den nun, daß er seinen Klumpen weggeworfen hatte, und er beredete den Fedisch, noch einmal dahin zu gehen und Etwas davon zu holen. Aber wie sie ins Kellwasser kamen, da sahen sie von keinem Lehme etwas und der ganze Platz war mit Rasen bewachsen. * 5. Der silberne oder goldene Hirsch.   I. Vor vielen Jahren ist in der Altenau ein Jäger gewesen, welcher auf einer Wiese im Schulthale gelegen und geschlafen hat. Auf einmal sind ein Paar Männer gekommen, welche Venetianer gewesen sind. Diese Männer sind immer nach dem Bruchberge gegangen und haben Gold herausgeholt, was kein anderer Mensch hat zu finden gewußt. Sie haben ihn aufgeweckt und ihn gefragt, ob er ihnen nicht den Weg nach dem Bruchberge zeigen könnte. Der Jäger hat hier in der Gegend gut Bescheid gewußt und also gesagt, den könne er ihnen wol zeigen. Darauf sind sie mit ihm fortgegangen nach dem Bruchberge. Da sind sie miteinander nach einer kleinen Grube gegangen, welche wie ein Stollen in den Berg hineingeführt hat. Hier haben sie die gelbe Erde, welche sich in derselben gefunden, ausgewählt und in einen Beutel gethan. Das ist aber das pure Gold gewesen. Wie sie fertig sind, haben sie sich hingelegt und geschlafen. Wie sie aber aufwachen, da sind sie Alle in Venedig. Der Jäger hat sich nun aber in der großen Stadt nicht zu finden gewußt, da haben ihn seine zwei Gefährten in der ganzen Stadt herumgeführt, ihm in ihrem Hause auch ihre ganzen Schätze gezeigt, die sie gehabt. Sehr viele Schränke zeigten sie, wo Alles, was man nur hat erdenken können, von Silber und von Gold gewesen ist; auch alle Mineralien. In dem einen Schranke ist eine ganze Jagd gewesen, Hirsche, Rehe, wilde Schweine und alle wilden Thiere, entweder von Gold oder von Silber. Der Jäger hat einen silbernen Hirsch zum Andenken bekommen. Des Abends legen sie sich zu Bette und wie sie am andern Morgen aufstehen, da ist der Jäger wieder im Schulthale auf der Wiese, wo er gelegen hat, und die Venetianer sind in Venedig geblieben. Seinen silbernen Hirsch hat der Jäger bei sich gehabt. Hernach hat der Jäger einmal wieder nach der Grube gewollt, um sich von der Erde auch was zu holen, da hat er aber weder den Weg zu der Grube noch die Grube selbst finden können.   II. Dieselbe Sage wird auch folgendermaßen am Oberharz erzählt: Ein Revierförster ging eines Morgens in seinem Revier, da sah er von Weitem sechs Menschen kommen. Er ging auf sie zu, fragte, was sie da machten, kannte aber Keinen davon, weil sie so unscheinbar waren und keine rechte menschliche Statur hatten. Er drohte ihnen und sagte, sie möchten ihm sein Revier nicht verruiniren, ging aber von ihnen fort, ohne sie weiter zu verstören. Am andern Morgen ging er wieder an diese Stelle, um nach den Männlein zu sehen. Da traf er Niemand mehr an, dachte, das sei wol nicht die Zeit, wo die Männlein da wären, setzte sich hin und schlief ein. Als er aufwachte, war er in einer Gegend, wo er noch niemals gewesen war. Nun ging er da umher und gelangte an ein großes Wasser. Da kam ein großer Hund und erbot sich, ihn über das Wasser zu tragen. Als er nun über das Wasser hinüber war, fand er einen großen Garten. Darin waren Vögel, die konnten sprechen und ein Haus, das war so durchsichtig wie Krystall. Da kamen die sechs Leute und führten ihn in dies Haus, da war Alles, was hier auf Erden ist, von Golde – auch das ganze Wild – Hirsche, Schweine, Hasen, Füchse. Da sagten die Leute: er solle sich davon Etwas wünschen und der alte Förster wünschte sich darauf einen Zehnender. Nun nöthigten sie ihn auch zum Essen; die Speise waren weiße Schlangen . Der Förster sagte anfangs, die könne man nicht essen, mußte aber essen. Nun mußte er sich in ein Bett legen und als er aufwachte, saß er an dem Baume, wo er an dem Tage hingegangen war. Er schaute um und um, ob er träume; da war unter ihm ein Born, da kam eine Statur heraus und sagte, daß er nicht träume, hier sei der Hirsch, den er sich gewünscht habe. Der Förster nahm den Hirsch, die Statur war verschwunden, und er ging mit seinem goldenen Zehnender nach Hause. Sagen der Bergstadt St.-Andreasberg. * 1. St.-Andreasberg. Die Bergstadt St.-Andreasberg ist benannt nach der ersten dortigen Grube: Andreaskreuz , die noch jetzt im Betriebe ist. Diese Grube aber soll daher den Namen haben, daß die ersten Bergleute hier zwei übereinander setzende Gänge antrafen, wovon es nach uralter christlicher Bergmannssprache heißen soll: Die Gänge machen ein Andreaskreuz. Nach dem Bergmannsglauben verspricht ein solches Kreuz edle Anbrüche. * 2. Der Bergmönch in St.-Andreasberg.   I. Auch in St.-Andreasberg ist der Bergmönch bekannt. Er war ein wirklicher Mönch und wollte die Bergwerke einrichten, brachte es aber nicht zu Stande. Den Rehberger Graben fing er an zu bauen, der die ganzen Wasser zum Bergbau nach Andreasberg bringt, war auch fast damit zu Ende, da wurde er darüber bankrott. Nach seinem Tode ließ er sich nun, weil ihn der Gedanke an den Bergbau nicht ruhen ließ, sehen, im Wäschgrund, vor dem Treibholz, am Dammbach und wo die Grube Samson, vielleicht der tiefste Schacht der Erde, steht. Ueberall aber, wo er gegangen ist, haben sie nachher Erz gefunden, und daher rühren die reichen andreasberger Bergwerke, die reichsten auf dem Harze. Der Bergmönch ist von Geburt ein Graf gewesen, und wie er sich als Geist hat sehen lassen, hat er Puffjacke, Hinterleder und Licht gehabt, das Licht ist nicht ausgegangen, und wenn der Wind so stark geweht hat, daß er Bäume ausgerissen hat.   II. Im Sperrlutterthal kam der Bergmönch des Nachts einem Vogelsteller entgegen mit dem Geleucht, der Vogelsteller dachte, es sei ein Bergmann, und sprach: »Du kannst mir wol ein wenig Inselt (Unschlitt) geben; wie du stehst, geht mein Licht aus.« Da gab der Bergmönch ihm Inselt von seinem Grubenlicht, das brannte einen Tag und eine Nacht, da war's schieres Silber.   III. Einmal kam der Bergmönch in Bergmannskleidung am Sonntag zu einem Kunstjungen, der auf einen Kunstknecht wartete. Der Kunstjunge meinte, es sei sein Kunstknecht, fuhr also hinter ihm her, bis sein Inseltlicht trocken war. Da legte ihm der Bergmann eine weiße Wand (ein Stück Kalkspath) aufs Licht, da hat es wieder gebrannt. Der Bergmann hat nicht gesprochen, sie haben aber viel Erz miteinander gesehen. Nach einiger Zeit kamen sie wieder auf den Fleck, wo sie angefahren waren, da ist der Bergmann verschwunden. Es hat sich aber gezeigt, daß der Kunstjunge dreißig Jahre hinter ihm hergefahren ist. Von den Leuten, mit denen er gearbeitet, ist Niemand mehr dagewesen, und das Haus, worin er gewohnt hat, haben fremde Leute bewohnt. Sein Licht hat aber immerfort gebrannt, bis er's einmal an Jemand verkauft hat. Da hat es nicht mehr gebrannt, und als der Käufer es ihm wieder gebracht, hat es auch bei ihm nicht mehr gebrannt.   IV. Im Jahre 1849 hat der Bergmönch sich zuletzt sehen lassen. Damals sollte die Grube Andreaskreuz eingestellt oder doch nur noch schwach betrieben werden, da zeigte sich der Bergmönch im Wäschgrund und ist gegangen bis nach dem Berge Mathias Schmidt, wo der andreaskreuzer Gang hingeht. Das dauerte wol vier Wochen und viele Leute sind des Abends zwischen Neun und Elf hingegangen, um ihn zu sehen. Seitdem ist nun auch wieder Erz da und die Grube steht in gutem Betrieb. * 3. Steiger Calvör. In einer Grube auf Andreasberg wird das Rothgülden gegraben, das ist so kostbar, daß die Bergleute, die aus dem Schacht kommen, am ganzen Körper untersucht werden. Dort kamen zu einer gewissen Zeit so viele Bergleute, die des Nachts arbeiteten, zu Tode. Einst nahmen sich zwei Kameraden vor, die Ursache dieser Todesfälle zu untersuchen. Da kam um die Mitternachtsstunde ein furchtbares Brüllen und Getöse und so näherte sich ein furchtbarer Ochse. Als sie ihn aber mit dem Bohrfäustel und mit dem Zweimenschenbohrer angriffen, verstummte das Gebrüll und bald darauf bat es mit menschlicher Stimme aus der Ochsenhaut ums Leben. Die Bergleute rissen nun die Ochsenhaut herunter und da kam der Steiger der Grube, mit Namen Calvör, zum Vorschein. Er bot ihnen viel Geld, wenn sie schweigen wollten, denn er hatte die Ochsenhaut, die er im Schacht verborgen hielt, benutzt, um die Bergleute zu schrecken und dann zu tödten, um viel Nothgülden für sich aus dem Schacht zu bringen. Die Bergleute aber wollten sein Geld nicht und zeigten ihn an. Als er festgenommen werden sollte, hatte er sich in den Schacht gestürzt. Lange hat er da gespukt und überall den Bergleuten im Wege gestanden und oft haben die zueinander gesagt! Da steht der lange Calvör schon wieder mit seiner Ochsenhaut. * 4. Frau Holle, die schwarze Kathrine und die Waldfrau in St.-Andreasberg. Alle Nacht von Elf bis Zwölf kommt die Frau Holle nach den Drei-Brotsteinen im Walde bei Andreasberg, setzt sich darauf und weint. Diese Steine sehen wie drei aufeinandergeschichtete Brote aus, sind von der Erde an wol drei Lachter hoch. Sie liegen auf einer Höhe, zu deren beiden Seiten Thäler sind, in deren jedem Wasser fließen, von denen das eine Dreibrotenwasser heißt. Wenn da im Sommer an einem bestimmten Tage Jemand durchgekommen ist, so ist die Frau Holle ihm auf dem Rücken gesprungen und er hat sie etwa sieben Minuten, bis vors Wasser, tragen müssen. Wer die Steine, die früher Brote gewesen sind, wieder in solche verwandeln kann, erlöst die Frau Holle. Einige sagen auch, die schwarze Kathrine sei in die Dreibroten verwiesen. Früherhin sagte man in Andreasberg den Kindern, um sie zu schrecken: »Wir rufen die Frau Holle herein!« Sich in sie zu verkleiden, wie an andern Orten geschieht, hätte dort Niemand gewagt. Einstmals ging eine Mutter mit ihrem Kinde ins Holz und kamen nach dem Berge, welcher jetzt: Sieh-dich-im (Sieh-dich-um) heißt und im Löwengrund liegt. Da ging das Kind, das ein Mädchen gewesen ist, von der Seite ihrer Mutter fort, in die Hecke (Gebüsch), hörte auch nicht auf das Rufen der Mutter. Da erschien vor dem Mädchen eine schwarze Frau mit zwei Eimern ohne Boden in der Hand, welches die Frau Holle gewesen ist, drehte dem Mädchen den Kopf um und sprach: Sieh dich im . Seit der Zeit heißt der Berg: Sieh-dich-im . Auf Andreasberg geht auch ein Hund, der einen Korb in der Schnauze hat, worin ein Bund Schlüssel ist. Er taucht bei dem Mühlenborner Puchwerk auf und geht ganz im Sperrlutterthal herunter, wo er verschwindet. Wer den Sonntag geboren ist, von dem sagt man, daß er die Waldfrau in einem weißen Laken sehen könne. Einst rupfte eine Frau im Walde Brennesseln, da ging die Waldfrau immer hinter ihr und rupfte wie sie. * 5. Daß grüne eiserne Schwein mit dem hohen Busch. In Andreasberg läßt sich ein eisernes grünes Schwein sehen, welches schon einmal einem Bergmann die Hose ausgezogen hat, dasselbe hat einen hohen grünen Busch auf dem Buckel und richtet viel Schaden in den Geschneiten (Dohnenstiegen) an, kann sich auch leicht verwandeln. So hat es sich z. B. vor den Augen eines Bergmanns in ein Stachelschwein und in einen Vogel verwandelt; es kann sich auch außerdem unsichtbar machen. * 6. Der Stoßemann. Aus der Landstraße, die von Herzberg nach Andreasberg führt, läßt sich ein Mann mit einem Mörser und Stoßer, der Stoßemann, sehen; er hat seinen Stoßer und Mörser in der Hand und läuft die Straße auf und ab. Wenn der gestoßen hat, so sind die Funken immer aus dem Mörser geflogen. Auch spricht man in Andreasberg viel von diesem Stoßemanne den Kindern vor und sagt: »Der Stoßemann soll euch holen, wenn ihr nicht artig sein wollt.« * 7. Die Rathskatze. Im Jahre 1314 hat sich ein Planet gezeigt, der gar selten kommt und dessen lange Jahre nicht zu finden gewesen ist. Da lebten die Leute auf Andreasberg in großen Aengsten, was dieser Schweifstern, der hinten wie ein Besen geformt war, ihnen wol bringen mochte. Auch kamen sie jeden Abend zusammen und wollten den Schweifstern sehen. Zwei Abende saßen sie in ihrem Rathhause beieinander und warteten auf den Stern, aber er zeigte sich erst am dritten, und wie! In dem Rathhause waren nämlich so viel Mäuse gewesen, daß es auf Andreasberg nicht Katzen genug gab, um sie wegzufangen. Da kamen die Andreasberger durch ein Schreiben aus Paris an eine gute Katze, die ließen sie sich mit Extrapost kommen und die Herren von Andreasberg räumten ihr das schönste Rathhauszimmer ein, darin wurde sie in einer Stunde so groß und so dick, daß sie nicht mehr zur Stubenthür hinauskonnte. Als nun die Andreasberger zwei Abende vergeblich auf den Kometen gewartet hatten, da brachte sie am dritten Abende dreihundert Junge zur Welt. Nun hatte das Rathhaus zu St.-Andreasberg dreihundert Fenster, und da saß in jedem von den dreihundert Fenstern des Rathhauses eine junge Katze. Zuletzt brachte die alte Katze noch einen Ziegenbock zur Welt, und der hatte den erwarteten Kometen hinter sich . Da kamen die Leute aus ihrem Traume, was der Komet bedeutete. Aber er hatte doch noch mehr zu bedeuten als dies. Denn um dieselbige Zeit kamen viele Schneider nach Andreasberg, die hatten in Holland eine Rebellion gemacht und waren darum dort vertrieben. Weil aber auf dem Rathhause kein Platz war, so wurden sie bei dem Ziegenbock in den Stall gesperrt. Da hatte aber am andern Morgen der Ziegenbock die vielen Schneider aufgefressen. Seit dem großen Kometen essen die Leute auf Andreasberg das Fleisch vor der Suppe. Die Katze aber ist alt geworden 52 Jahr, 52 Wochen und 52 Tage und von den dreihundert jungen Rathhauskatzen stammen noch jetzt die Andreasberger Katzen ab. * 8. Der Rauschenbach.   I. Im Rauschenbach, etwa eine halbe Stunde vom Oderteich, ist eine Höhle, darin wohnt eine Prinzessin bei sieben Zwergen. Einst wollte ein Jüngling sie erlösen, dem sagte sie, daß er sie dreimal küssen müsse, zuerst als Prinzessin, dann als Pudelhund und endlich als Schlange. Sie offenbarte ihm das in Schlangengestalt, indem sie sich an einem Tische emporhob und den Schlangenkopf darauf legte. Als er versprach sie zu erlösen, stand sie zuerst als Jungfrau vor ihm. Da küßte er sie, und auch als Hund hat er sie nachher geküßt. Als Schlange sie zu küssen hat er aber nicht gewagt, darum ist die Prinzessin unerlöst geblieben. – Die meisten nennen die Prinzessin nur die Schlüsseljungfer im Rauschenbach und sagen, sie rufe besonders die Mädchen, die Karoline hießen. Auch müsse sie von einem Mädchen erlöst werden, die Karoline hieße, und wenn ihr eine solche folgte, so bekäme sie den Schatz, der im Rauschenbachthale verborgen sei. Es sei ihr aber noch keine gefolgt.   II. Im Rauschenbach war einmal ein Aufseher beim Tannenpflanzen. Zu dem kam ein Mann, das mag wol ein Venediger gewesen sein. Der nahm ihn eine Strecke weit unter eine Tanne, da gruben sie und fanden unter einer Wurzel einen gelben Thon. Davon nahm der Mann den ganzen Holster voll und redete auch dem Aufseher zu, daß er wenigstens drei Kugeln davon mitnahm. Dafür hat ihm nachher ein Hamburger Kaufmannsdiener 55 Thaler gegeben und es ist eine Art Gold gewesen. Als sie aber wieder unter die Tanne gegangen sind und nachgegraben haben, fanden sie nichts mehr. * 9. Der Knabe und die Venediger. Beim Oderhause, welches eine Stunde von Andreasberg liegt, sind einmal zwei Venediger gekommen, die haben einen kleinen Jungen da angetroffen, den haben sie mit nach Venedig genommen und haben ihn da bei sich behalten, bis er vierzehn Jahr alt gewesen ist; wie er da eines Morgens aufgewacht ist, ist er wieder im Oderthale gewesen und die Venediger bei ihm. Die haben ihn da in den Berg geführt, und ihm da die Schätze und die Kunst, der Schätze Herr zu werden, beigebracht. Da hat der in seinem spätem Alter gänzlich von diesen Schätzen gelebt, die Venediger haben ihn aber mit einem Glückwunsche verlassen. Sie sind vorgedrungen in diesem Berge bis nach dem kleinen Brocken, der 2 3/4 Stunden vom Oderhaus liegt; daselbst sind sie zu einer Thür , die von Stein gewesen ist, herausgekommen. * 10. Die Windeltreppe. An der Windeltreppe unweit des Rinderstalles bei Andreasberg sah ein Mädchen einen ganz neuen Topf voll Pferdemist. Sie ließ ihn stehen, sagte es aber ihrer Mutter, und die machte ihr Vorwürfe, daß sie den Topf nicht mitgenommen. Da gingen sie zusammen hin, der Topf war weg, aber es lagen noch einige Viergroschenstücke da. Ein andermal sah das Mädchen da einen neuen Topf voll Pferdewürmer, vor denen fürchtete sie sich und ließ ihn stehen. Das dritte Mal lagen auf bloßer Erde, wie auf einem Maulwurfshaufen, nichts als Heringsschuppen. Die nahm sie in ihre Schürze, da waren es nachher lauter blanke Mathier. Andere erzählen: Am Wurzelwege bei der Engelsburger Grube habe ein Bergmann einen ganzen Tannenstuken voll Karpfenschuppen gefunden. Was er davon mitnahm, sind nachher lauter Mathier gewesen. Als er darauf mit Andern wieder nach der Stuke ging, haben aber die übrigen Karpfenschuppen nicht mehr dagelegen. Sagen vom Riefensbeek und Kamschlacken. * 1. Riefensbeek und Kamschlacken.   I. Die Ortschaften Kamschlacken und Riefensbeek standen früher an der Stieglitzecke oben auf dem Bruchberge, und auf der Hanskühnenburg wohnten früher Riesen, die wurden aufrechtstehend begraben. Wie nun Riefensbeek von einer großen Wasserflut den Bruchberg heruntergeflossen ist, stieß es die Riesen immer an den Kopf. Die stiegen aus den Gräbern, da kam oben Kamschlacken auch noch angeschwommen. Das hielten sie dort auf, darum liegt es nun dicht unter der Begräbnißstätte der Riesen, die noch jetzt der »Kerkhof« heißt und früher der »Riesenkerkhof« geheißen haben soll.   II. Riefensbeek und Kamschlacken ist früher Ein Ort gewesen, und die Häuser, die darin gestanden haben, sind Hüttenhäuser gewesen, und diese haben alle zusammen einem Superintendenten gehört. Der Hüttenteich, der über Kamschlacken liegt, wird noch heutiges Tages Superintendententeich genannt. Da sind einmal ein paar Kartenspieler gewesen, die haben so viel Leben beim Kartenspielen gemacht und vor dem Zechenhause gesessen und gespielt. Da sagte der Eine beim Trumpf-Ausspielen: Trumpf rut! De Superdente theilt det Geld ut. Das hat der Superintendent gehört, hat daran gemerkt, daß seine Leute von der Hütte mehr profitirten als er, und hat alle seine Hütten, deren er 99 gehabt, eingehen lassen. * 2. Der Schimmel von Kamschlacken. Etwa eine Viertelstunde von Kamschlacken im alten Riefensbeek liegt merkwürdigerweise ein alter verfallener Backofen mitten im Walde; er muß sehr alt sein, denn Fichten von beträchtlicher Höhe und Stärke zieren seinen Rücken. Vor vielen Jahren war beim Meier in Kamschlacken einmal Spinnstube, wozu sich die Knechte und Mägde von beiden Höfen, Kamschlacken und Riefensbeek, eingefunden hatten. Es ging bis tief in die Nacht recht vergnügt her. Unter Anderm wurden auch Pfänderspiele gespielt. Da traf es sich, daß einem jungen Mädchen als Pfandlösung aufgegeben wurde, einen Barnstein vom alten Backofen zu holen. Das junge Mädchen ist ein tüchtiger Bruckert gewesen, darum besann es sich nicht lange, sondern eilte in nächtlicher Weile am Schwarzenberge vorbei, im hellen Mondschein dem Backofen entgegen. Beim Backofen angelangt, versuchte sie einen Stein loszubrechen, aber das wollte ihr nicht gelingen. Da entschloß sie sich in den Backofen zu kriechen, um im Innern desselben einen Stein abzulösen. Kaum war sie im Backofen, als sie den Hufschlag eines Pferdes vernahm. Sie nahte sich der Mündung, um zu lauschen, was es da gebe. Da gewahrte sie in kurzer Entfernung einen Reiter, welcher eine Dame vor sich auf dem Pferde hielt. Die Dame flehte ängstlich um Gnade. Auf einmal sprang der Reiter vom Pferde, band dasselbe an den nächsten Baum, riß auch die Dame herunter und schleppte so das schreiende Weib mit sich fort. (Andere erzählen, daß er eben dabei gewesen sei, sie zu ermorden.) Schnell verließ die Pfandlöserin den Backofen, band den Schimmel los, schwang sich auf denselben und wollte davonsprengen, aber das ging nicht so schnell, denn es war Nacht und der Weg schlecht. Zwischen den Hecken und Steinen ging's oft im schnellsten Laufe. Bald hörte sie den Eigenthümer des Pferdes hinter sich. Da bemerkte das Mädchen zwei Pistolen am Sattel, schnell faßte es eine derselben und feuerte sie nach dem Verfolger ab, da ward es ruhig und es langte wohlbehalten in Kamschlacken an. Die Herrschaft kaufte dem Mädchen den Schimmel ab und der ist lange Zeit mit den andern Pferden angespannt gewesen. Als er endlich starb, sind dem Meier immer die Pferde gefallen, bis er wieder einen Schimmel im Stalle gehabt hat. Das Mädchen ist bald nach jenem Vorfalle gestorben. – Ein besonderer Bericht, der der Geschichte im Ganzen um Vieles näher zu stehen scheint als das Vorige, möge hier noch folgen. Als das Mädchen eben vom Backofen wieder fort will und den Stein bereits außen gebrochen hat, hörte es in der Ferne, trapp! trapp! trapp! zwei Pferde, welche gerade auf den Backofen loskommen. Daß bei so später Zeit zwei Reiter gerade hierher reiten, das kommt ihr nicht richtig vor. Wer weiß, was dahinter steckt, denkt sie, finden die Kerle dich hier allein, so könnt's dir übel gehen. Darum kriecht sie in den Backofen hinein, und will sich in demselben verhohlen halten, bis die Reiter weit genug vorbei sind. Kaum ist sie drin, so kommen auch die Reiter bei dem Backofen an und halten vor dem Ofenloche. Es ist ein Kerl und eine Frau gewesen. Jener ist abgestiegen und hat sein Pferd an dem Ofen angebunden. Darauf nimmt er das Pferd der Frau an dem Zügel und führt es nach der Schlucht. Das Mädchen streckt sachte den Kopf zum Ofenloche heraus, da sieht es, wie der Mensch der Frau vom Pferde hilft und sie in die Schlucht hineinführt. Das Pferd aber, wie es das Mädchen sieht, fängt an zu schnauben und zu niesen und der Kerl sagt: Na, was hast du vor? Darauf wird ein trauriges Gestöhne in der Schlucht, und das Mädchen kann sich ungefähr denken, was da vorgeht. Aber das Mädchen ist doch zu neugierig und guckt nochmals zum Ofenloche heraus. Das Pferd schnaubt wieder. Da kommt der Kerl wieder aus der Schlucht hervor mit einem langen Messer in der Hand und spricht: Na, was hast du denn vor? Ist wer Fremdes da? Das Pferd niest wieder. Da hat das Mädchen deutlich sehen können, wie der Kerl sich umsieht; und es denkt, kommt er auf den Backofen, so murxt er dich auch ab. Darum springt's schnell aus demselben heraus, macht das Pferd, welches daran gebunden ist, los, ist drauf wie der Blitz und stachelt's mit dem Messer, das es bei sich gehabt hat, um den Stein loszubrechen, an und fliegt davon wie aus der Büchse gejagt. Der Kerl auf seinem Pferde hinter ihr drein. Wie es so nahe dem Hause ist, daß man es hören kann, schreit es aus allen Kräften: Macht auf! macht auf! Das hören die Leute in der Stube, springen gleich hinaus und eben wie der Thorweg aufgeht, sprengt auch das Mädchen herein. Der Kerl aber nicht. Der bleibt vor dem Hause noch eine Zeitlang halten und fordert sein Pferd. Aber das Mädchen sagt! Nein, es ist ein Spitzbube, ein Mörder. Da kehrt der Räuber um und sagt, wenn er binnen drei Tagen sein Pferd und so und so viel Geld nicht wieder hätte, so stecke er ihnen den rothen Hahn aufs Dach, und damit zieht er ab. Aber der Kerl hat sich nachher nie wieder sehen lassen und auch aus seiner Drohung ist nichts geworden. Das Pferd, welches das Mädchen auf die Weise erbeutet hat, ist ein Schimmel gewesen, und hinten auf ist ein Mantelsack geschnallt gewesen, ganz voll Geld und Ringe und Edelsteine. Das Mädchen ist auf diese Weise reich geworden; das Pferd hat nachher ein Förster auf dem Forsthause gehabt. – Die Meierei in Kamschlacken, wo solches geschah, ist jetzt zugleich das Wirthshaus. * 3. Das Gewitter. In Riefensbeek ist ein Mann gewesen, dem ist prophezeit, daß sein Sohn vom Gewitter erschlagen werden sollte. Da hat der Mann einen tiefen Keller in die Erde graben lassen. Der Sohn ist aber sogleich, wiewol sein Vater ihn in diesen Keller gesperrt hat, vom ersten Blitz getroffen. * 4. Der Hirsch vom Quitschenberge. Auf dem Buntenbock wohnte ein Waldarbeiter, der ging nach dem Riefensbeek zu aus Arbeit. Als er an den Quitschenberg kam, lag da ein todter Hirsch. Wie er nun über den Hirsch schritt, regte er sich, sprang auf und lief mit dem Waldarbeiter, der gerade auf seinen Rücken zu sitzen kam, davon. Seitdem ist der Waldarbeiter von Niemand mehr gesehen. * 5. Das weiße Männchen am Quitschenberge. In Riefensbeek geht ein Männchen, welches ganz weiß ist. Es kommt auf dem Zimmerplatz zum Vorschein und geht herunter bis nach dem Quitschenberg vor Riefensbeek, kehrt da vor einem Kreuzweg um und geht wieder nach dem Zimmerplatz, wo es verschwindet. * 6. Die Pferdewürmer am Allerberge. Am Allerberge oberhalb Kamschlackens werden die ersten Heidelbeeren reif, aber der Berg wird doch gemieden, denn er ist wegen Spukens berüchtigt. Einst versteckte dort, wie die Waldarbeiter zu thun pflegen, ein Waldarbeiter einen halben Topf voll Schmierkäse, den er am Ende der Woche übrig behalten hatte. Als er nun am Montag wieder nach dem Allerberge kam, den Topf hervorsuchte und öffnete, waren nichts als Pferdewürmer darin. Da warf er vor Verdruß den Topf auf die Erde und es that einen Schlag, als wollte sich der Berg aufthun, und weder die Scherben noch die Pferdewürmer waren zu sehen. Seit der Zeit aber spektakelte es am Allerberge jede Nacht und einige Wochen darauf fand ein anderer Waldarbeiter dort 200 Thaler. Das sind die Pferdewürmer gewesen. Sagen vom Buntenbock. * 1. Der Ursprung vom Buntenbock. Wo jetzt Buntenbock ist, soll früher nur ein Sägemühlenhof gestanden haben; Andere sagen, auf dem alten Hofe, aus dem Buntenbock entstanden (es soll der jetzige Bormann'sche Hof sein), habe die einzige adelige Familie des Oberharzes gewohnt und von der Viehzucht gelebt. Seinen Namen aber soll der Ort auf folgende Weise erhalten haben. Der Besitzer des ersten Hofes, aus dem Buntenbock entstanden ist, stellte einer Dirne nach und diese versprach ihn zu erhören, wenn er ihr einen bunten Bock schenkte, der die Zierde seines Hofes war. Da schenkte er ihr den bunten Bock und hat diesen auch nachher an seinem Thorwege abmalen lassen zum Andenken an die Lustbarkeit, die er mit der Dirne genossen hat. Einige Alte, die noch nicht lange verstorben sind, wollten ihn noch dort gesehen haben. * 2. Das Hickeding. Bei Buntenbock an der Ausflut aus dem Teiche hat sich ein Mann dem Teufel unterschrieben und dafür ein Hickeding erhalten, das Geld hecken konnte. Einstmals wollte er es an einen Tischlermeister verkaufen, da machte es aber ein furchtbares Brausen. Man gibt dem Hickeding Milch und Semmel zu essen. Eines Tages auf dem Freischießen zu Buntenbock sagte der Mann, dem dies Hickeding gehörte, zu seiner Frau, sie hätten ja vergessen, dem Hickeding zu fressen zu geben. Da war es verhungert, als sie nach Hause kamen. In einem Hause zu Buntenbock war auch ein Hickeding, das saß in einer verschlossenen Kammer, wo Niemand sich hineintraute. Nun brannte es einmal in diesem Hause, da schlug der Lehrer diese Thür aus. Da saß das Hickeding auf der Kammer in einem Kästchen, es sah wie eine Kröte aus, hatte Krötenbeine und Kropfaugen. Vor ihm stand eine kleine Fußbank und ein silberner Ambos, daraus lag ein Hammer. Es entstand aber ein Windbrausen und aus der Kammer kam Feuer heraus. Da wurde die Kammer wieder verschlossen und ist nicht mit abgebrannt. Lange sah man noch in ihr einen Feuerbatzen (Klumpen). Einen Schneider, welcher gerade Bräutigamszeug anfertigte, machte sein Nachbar glauben, dieses Hickeding wolle rücken , und darauf setzte er in der Nacht einen Kohlentopf in des Schneiders Garten. Da warf der Schneider das Bräutigamszeug in das Feuer unter den Baum, um damit die Schätze für sich zu heben und das Hickeding zu gewinnen. * 3. Der Wehrwolf. Vor alten Zeiten haben zu Buntenbock vier Leute Gras gemäht und Einer davon konnte sich in einen Wolf verwandeln. Nun kam ein Handelsmann von Klausthal herunter mit zwei Pferden und einem Füllen und ließ sein Vieh dort weiden. Drei Grasmäher schliefen, der vierte aber, der sich in den Wehrwolf verwandeln konnte, schnallte seinen Riemen um und fraß als Wehrwolf das Füllen auf. Da legte er sich schlafen zu seinen Kameraden. An seiner Unbehilflichkeit merkten die Kameraden, daß er das Füllen gefressen habe und begannen darauf zu sticheln. Da schnallte er seinen Wolfsriemen um, lief als Wehrwolf in den Wald und ist nicht wieder gesehen. * 4. Die Molche. Hinter Buntenbock hatte ein Arbeiter eine Eisensteinsgrube. Er hatte aber in dieser Grube immer so viel Molche von gelbem und schwarzem Aussehen, daß er sie in der Karre herausfahren mußte, denn sie krochen ihm sogar auf sein Essen und verdarben es. An einem Feuer schüttete er dann immer seine Karre um und verbrannte die Molche. Am Morgen nach dem Tage, wo er so viele Karren voll verbrannt, fand er noch einige in der Grube, die glänzten so eigen. Und indem er auch die noch ins Feuer tragen wollte, da winkte ihm der Bergmönch; er aber achtete nicht darauf und verbrannte sie. Von nun an arbeitete er im Tauben (ohne Ausbeute). Wäre aber der Arbeiter dem Bergmönch gefolgt, so hätte dieser ihm gewiß etwas offerirt und er hätte sein Glück machen können, denn gewiß sind die Molche eitel Gold gewesen. Die Grube ist von dieser Zeit an ganz in Verfall gerathen, viele Arbeiter waren schon darin und haben keinen Eisenstein mehr gefunden. Sie heißt jetzt die Molchsgrube zum Andenken an diese Begebenheit. Daß die Molche Gold gewesen sind, steht zu vermuthen nach folgender Geschichte. Es wollte einmal ein Mann seinem Nachbar einen Schabernack anthun, der rapte einen Sack voll Molche ein, die schüttete er über die Thür dem Nachbar auf die Diele, der langte nun bei ihm einen Himpen (ein Getreidemaß) fort, er aber war politisch und machte unten etwas Leim daran, um zu sehen, was der zu messen habe. Wie er den Himpen zurückbekam, sah er, daß es Gold gewesen ist – das sind die Molche gewesen, mit denen ihm der Nachbar hat einen Schabernack thun wollen. Lerbacher Sagen. * 1. Namen und Entstehung des Bergdorfs Lerbach. Wie das Lerbach noch nicht gewesen ist, da ist einmal ein sehr reicher Ritter durch das herrliche Lerbacher Thal geritten, der hat nach Klausthal reiten gewollt (damals hat die Straße nach Klausthal über die rothe Soole geführt). Dieser Reiter ist aber sehr weit hergekommen und sein Pferd hat vor Durst nicht mehr von der Stelle gekonnt. Da band er sein Pferd auf die Wiese dicht über dem Hause, worin jetzt der Vorsteher Bode wohnt, damals hat aber da ein osteröder Rinderstall gestanden. Der Reiter ging, nachdem er sein Pferd angebunden hatte, zum Berge herunter und wollte für sein Pferd unten Wasser suchen. Wie er nun herunter kam, war wegen der langen Hitze kein Fingerhut voll Wasser in dem Bache, er ging ganz hinauf im Bache bis dahin, wo jetzt Hasens Krug steht. Wie er nun bis dahin gegangen war und noch kein Wasser gefunden hatte, da lief er wieder den Berg hinan, und sprach die Worte aus: »Ei du verdammter leerer Bach!« Unter der Zeit aber hatte die Rinderhirtin sein ohnmächtiges Pferd in den Rinderstall gezogen und es da getränkt. Als nun der Reiter da sein Pferd wieder froh wiehern hörte, ging er hin, holte sein Pferd wieder und beschenkte die Leute hierfür so reichlich, daß sie die Rinder zu hüten nicht mehr nöthig hatten. Darauf – sagen Einige – habe Heinrich der Finkler, der Städteerbauer, auch das Bergdorf Lerbach erbaut und ihm wegen des Wortes von jenem Ritter den Namen gegeben: Lerbach. Die Meisten aber erzählen so, daß die Hirtenfrau im Thale und im Walde umher Kräuter gesucht habe. Sie habe sich auf des Ritters Pferd geschwungen, das unbewacht dagestanden, weil der Ritter Wasser gesucht, und sei mit ihm nach dem Rinderstalle gejagt. Das Pferd, das ein Schimmel gewesen, sei nun zwar trotz des vorgeschobenen Riegels nicht im Stalle zu halten gewesen, sondern daraus auf wunderbare Weise verschwunden; aber von dem Gelde, das in dem hintenauf geschnallten Mantelsacke gewesen, sei Lerbach erbaut. In das Mühlenthal, das an das große Lerbacher Thal stößt, soll auch der Rinderhirt verwiesen sein, der an dem Raube Theil hatte. Einige erzählen auch, der Ritter, der dem Bergdorfe Lerbach den Namen gegeben, habe zuvor sein Pferd schon am Teufelsloche bei Osterode tränken wollen und weil der Rand desselben zu steil dazu gewesen, so habe er gesagt: du Teufelsloch! und dadurch auch dem Teufelsloche den Namen gegeben. * 2. Vieh bedauern. Wenn man ein Vieh beim Schlachten bedauert, so hat es langes Leben, gibt wenig Blut und sein Fleisch ist den Menschen schädlich, sodaß sie dann auch daran sterben müssen. Einmal war ein Mann und eine Frau, die hatten so eine ganz große Kuh, und das liebe Thier war so schön bunt und hatte euch einen ordentlichen Stern vor ihrem Kopfe und eine so schöne große Zitze, und da saß so viele süße Milch darin. Nun ging die Kuh einmal über einen schmalen Steg, da fiel sie herab und brach ein Bein. Mit vieler Mühe wurde sie wieder zu den Leuten ins Haus gebracht, denen sie gehörte, und da sollte sie geschlachtet werden. Als der Schlächter kam, bedauerte nun der Mann die Kuh so sehr, daß sie erst vom hundertsten Schlage vor den Kopf in die Knie sank. Der Mann aber heulte immer zu, und als der Kuh schon das Fell abgezogen war, stand sie noch einmal auf und ging auf der Diele umher. Jetzt sagte der Hirt, das Fleisch sei nicht zu genießen, es würde Dem den Tod bringen, der es äße. Da mußte zum Schinder geschickt werden, und als der die Kuh auf den Schindanger hinausschleifte, heulte und jammerte der Mann erst recht. Da tröstete ihn die Frau, wie sie dem Schinderkarren nachsah, und weil sie auch nicht mit Verstande zu sehr gesegnet war, so sagte sie! »Sei doch nur ruhig, den Weg, den unsere Kuh jetzt geht, müssen wir ja Alle einmal gehen!« * 3. Von einer Gastwirthsfrau, die nicht treu gehandelt hat. Eine Gastwirthsfrau in Lerbach hat die Leute betrogen mit Gewicht und Gemäß, hat Wasser zwischen die Milch gethan und überhaupt nicht richtig gehandelt. Einstmals ging sie in den Keller und wollte einem Reisenden ein Glas Bier holen. Als sie bei dem Bierfaß stand, so kam mit einem Male der Keller niedergestürzt, und fiel die alte Frau todt, und haben die Angehörigen drei Tage müssen arbeiten, ehe sie die Frau gefunden haben, und da ist sie gehörig beerdigt. Aber von der Zeit an ist sie spuken gegangen. Wenn die Leute des Abends noch in den Stall gewollt haben, hat sie bei der Kuh gesessen, oder haben sie in den Keller gewollt, so hat sie vor dem Bierfasse gesessen, oder wenn sie des Morgens haben einheizen wollen, so hat sie vor dem Ofenloche gesessen; dann haben die Leute ihr erst jedesmal einen Schlag geben müssen, ehe sie fortgegangen ist. Die Leute wußten sich zuletzt nicht mehr zu helfen und erzählten es einem alten Manne, der sagte: »Ach, Lühe, jie möttet den Pastor un einen Pater or ein Kapziener kohm laten, dat jöck dei dat ole Speukedink in dat Möhlendahl verwiesen kann.« Also kamen die Verweiser an und forderten das alte Spukeding hervor. Als sie nun kam, so sagte der Pater: »Hanne Charlotte, du sollst in das Mühlenthal verwiesen werden.« Da sagte das alte Spukeding: »Ach, ne, ne, ek kann nich ur mienen Krauge ruter gahn, dat is et Mienige, et is et Mienige,« Der Pater ließ nicht nach und verwies sie in das Mühlenthal. Aber das Gespenst war immer wieder in dem Gasthause gesehen und auch in dem Mühlenthale. Einen Abend kam sie einmal zwischen Elf und Zwölf wieder und bettelte, daß sie doch nur möchte unter der Treppe eine kleine Stelle haben, aber da kam der alte Wirth und sagte zu der Verwiesenen: »Du hest nu diene Stehe in den Möhlendahle, da geist du ok weer hen oder ek will dek Beine maken.« Da schrie sie noch einmal: »Ek sal ut mimen Krauge gahn, dat is et Mienige, et is et Mienige.« Da ward auf einmal ein Sausen und Brausen in dem Gasthause, daß einem Jeden angst und bange ward und da war das alte Gespenst auf einmal fort und ist nun blos noch in dem Mühlenthale spuken gegangen, und da hat sich kein Mensch dürfen hinwagen vor ihm. Also dieser Wirth hat einstmals in diesem Thale Feuerholz gehabt und hat da mehrere Frauen genommen, die das Holz tragen sollten. So gingen sie denn hin und trugen an dem Feuerholze. Als das eitle Mädchen sein Bund aufgehuckt hatte, kam das alte Gespenst und setzte sich auf das Holz hinten drauf. Da konnte das Mädchen nicht aufstehen. Da warf das Mädchen das Bund Holz ab und lief nach Lerbach. So ist es vielen Mädchen beim Holzholen im Mühlenthale ergangen. Auch der Wegarbeiter Bertram erzählte, daß er als Knabe im Mühlenthale ein Mädchen, das Holz getragen habe, für todt daliegend gefunden. Er bemerkte sogleich die Ursache, da die »verwiesene« Wirthin neben dem Mädchen auf dem Holzbündel saß. Er fing nun zuerst an zu beten und, da dies ohne Erfolg war, zu wittern (wettern, fluchen), worauf sie sich langsam entfernte. Das Mädchen ist nach einer fünfwöchigen Krankheit, welche ihr die Erscheinung zugezogen hatte, wieder gesund geworden. * 4. Jägerspuk. In Lerbach war ein Schütze, der traf so gut, daß er immerfort auf den Schützenhof kam, wenn das Schießen eben vorbei war; dann that er noch seine drei Schüsse und dadurch wurde er jedesmal der Bestemann. Einstmals kam er auch so spät an und die Schützenbrüder sprachen untereinander: jetzt wird er uns abermals den Gewinn entreißen. Der gute Schütze aber lehnte sein Gewehr an den Schützenstand und sagte dann: es möge ihm Niemand etwas zum Schur und zum Tort thun, er könne sonst nicht dafür einstehen, daß kein Unglück geschähe. Es standen ihm aber drei Scheiben statt einer vor Augen, das sahen die Andern nicht und nur der Eine wußte es, der ihm das Blendwerk dort hingestellt hatte. Als die beiden falschen Scheiben nicht verschwanden, schoß er los auf die Scheiben und da fiel der Mann, der das Blendwerk gemacht hatte, gerade hinter ihm zu Boden und war mitten ins Herz getroffen. In Lerbach wird auch erzählt, daß in der »Wäsche« drei kreideweiße »Wilperte« (Rehe) auf hoher Klippe gestanden und sich dem Jäger gezeigt haben. Der Förster Fleischmann sah einst im Hahnenwinkel zwischen Lerbach und Osterode eine große Katze. Da lud er einen Mathier, vor dem aller Spuk zunichte wird, in die Büchse und als die Katze das sah, stand sogleich eine natürliche Frauensperson da, die er genau kannte. Da sagte er zu ihr: »Thu das nicht wieder, was du jetzt gethan hast, sonst bist du geliefert.« Da ging das Weib beschämt von dannen. Sogar als Hasen sind den Jägern hier bereits Hexen erschienen. * 5. Der Jägerbursche und die Jungfrau. In der Gegend von Lerbach nach Mitternacht zu winkte einem Jägerburschen eine Jungfrau ihr zu folgen in einen Berg. Sie deutete in demselben auf einen Sarg, ohne zu reden. Er faßte nun an den Henkel, um den Sarg umzustoßen, doch dieser war so schwer, daß der Henkel abbrach. Hierauf entstand in dem Berge ein großes Getöse und der Jägerbursche entfloh, hat auch später an der Stelle die Oeffnung nicht mehr gefunden. Hätte er den Deckel geöffnet, anstatt den Sarg umstoßen zu wollen, so wäre es gewiß zu seinem Glücke gewesen und würde ihm die Jungfrau schon weitere Zeichen gegeben haben, wie er sie hätte erlösen sollen, indem wahrscheinlich in dem Sarge eine Schlange oder ein anderes Thier gelegen hat, worin die Jungfrau verwünscht gewesen ist. Auch ist es schon vorgekommen, daß Soldaten sich haben in solche Särge hineinlegen müssen, um dadurch zu erlösen. – Der Jägerbursche ist jetzt Förster im Elbingerödischen und bewahrt den Sarghenkel noch immer zum Andenken; es ist ihm schon viel Geld dafür geboten, er gibt ihn aber nicht her. * 6. Das wilde Mädchen. (Niederdeutsch, lerbacher Mundart.) In Lärpich sind freuer mal paar ohle Lüe west, dä sind sau gottesförchtig ewest un hewwet eine einzige Dochter ehat, dei is sau wild ewest. Kort vor öhren Doe latet se sek von der Dochter anloben, dat se ok will gottesförchtig un nich mehr sau wild sien. Aber dat Mäken hät hernacher sien Wohrt nich eholen un is immer in siene dullen Gesellschaften gahn. Da drögt et sek tau, dat öt den einen Abend am Kerkhowe mot ne Doenkopp langen. Weil düt Mäken bei siener Mutter Grabe dorchkümmt, liet da en witt Laken. Oet geit erscht hen un halt den Doenkopp, wie öt mit den Doenkoppe wedder retour kümmt, liet dat Laken da noch un öt nümmt dat Laken mee. Knappe is öt in dat Hus rin, sau kümmt ok siene Mutter all vor't Fenster un segt: sei wolle öhre Laken hewwen. Oet will et taun Fenster rut recken, aber siene Mutter segt, öt solle et da wedder henbringen, wo öt et wegelanget härre. Sau geit de ganze Gesellschaft mee up den Kerkhof und nöhmet dat Mäken in öhre Midde und weil öt dat Laken eben henschmitt, kümmt en Geist un territt 't in veir Schtücke. * 7. Die lerbacher Zwerge.   I. Es ist noch gar nicht lange her, daß die Zwerge durch das Bergdorf Lerbach » durchmarschirten «. Wohin sie zogen, wußte man mir nicht zu sagen. Aber sie verwechselten viele Kinder mit Wechselbälgen, und darum waren dort noch vor einiger Zeit viele verkrüppelte Menschen. Noch später aber scheint es geschehen zu sein, daß einzelne Zwerge sich dort aufhielten. Man hörte sie mit den Kindern reden, wenn diese allem in den Stuben waren. Einstmals ließ ein Kind den Zwerg in der Stube mit aus seinem Napfe essen, da hörte man draußen, wie der Zwerg mit sehr grober Stimme (auch der Teufel hat eine grobe Stimme) zu dem Kinde sagte: »Du moßt den Napp ok nich sau scheif holen.« Ein ander Mal hörte man, wie eine alte Zwergin einen Zwerg aus der Stube hinwegrief, weil seine Schwester krank geworden sei. Einstmal merkte eine Mutter zeitig genug, daß ihr statt ihres Kindes ein fremdes untergeschoben war. Da ließ sie den Scharfrichter Gosmann kommen; dieser erkannte, daß es ein Wechselbalg war und rieth ihr, sich damit vor ihre Hausthür zu stellen und es mit einer Gerte unbarmherzig zu schlagen. Das that die Frau und sogleich trat aus dem Walde gegenüber die Zwergin heraus, brachte der Frau ihr rechtes Kind und nahm das ihre mit in den Wald. Unweit Lerbachs war es auch, wo einst Bergleute eine Anzahl Zwerge trafen, welche lustig und guter Dinge ihre Mütze (sie hatten zusammen nur Eine Nebelkappe) in die Luft warfen. Befragt nach dem Grunde ihrer Fröhlichkeit, sagten sie, daß sie nach Osterode zu einer Hochzeit gingen. So wollten sie auch mitgehen, sagten die Bergleute. In Osterode stellten sich die Zwerge in der Nähe des Hochzeithauses auf. Ein Zwerg nach dem andern aber setzte die Mütze auf, ging in das Haus und aß sich, ohne von den Menschen bemerkt zu werden, von den Hochzeitschüsseln satt. Da nahmen ihnen die Bergleute ihre Mütze weg, gingen auch Einer nach dem Andern in das Haus und aßen von den Hochzeitschüsseln. Da merkten die Hochzeitgäste denn doch mit Erstaunen, wie die Speisen verschwanden, konnten aber die Bergleute nicht sehen. Endlich aber wurde ein Bergmann so übermüthig, daß er sich sehr unnütz machte in der Hochzeitstube. Da stürmten die Zwerge herein, rissen ihm die Mütze vom Kopfe, eilten damit hinweg und ließen den Bergmann, der sich unnütz machte, vor Aller Augen in der Hochzeitstube stehen.   II. Oben in Lerbach waren ein Paar alte Leute, die bekamen noch ein Kind, das tauschte ein Zwerg um für ein Zwergenkind. Da haben die alten Leute so viel Geld gehabt, daß sie es haben mit dem Scheffel messen können. Aber die Zwerge haben müssen das Kind wiederbringen, und weil sie auch mit Hexen in Verbindung gestanden haben, so haben diese darauf den Leuten das ganze Geld weggehext. * 8. Die Kuhkolksklippe und Frau Holle.   I. Frau Holle hat auf der Kuhkolksklippe zwischen Klausthal und Lerbach ein Bett stehen. Unweit derselben kommt sie um zehn Uhr Abends aus dem Buchenholz, schaut in das Fenster, wo sie noch Licht steht, und thut übel. Sie hat glühe Augen und einen rothen, ganz feurigen Mund; ihr weißes Gewand schlägt sie (wenn es schneit) weit auseinander. Von zehn bis elf Uhr Nachts sitzt sie nun so da und thut übel, von elf bis zwölf Uhr aber trägt sie Wasser in zwei hellen Eimern aus dem Bache herauf. Denn sie hat auf der Kuhkolksklippe auch ein Faß ohne Boden stehen; wenn dieses voll ist, wird sie erlöst, darum trägt sie das Wasser den steilen Berg hinan. Ein Waldarbeiter ging eines Abends spät nach Lerbach heim, da hört er am Wege etwas winseln. Er glaubt, es heule eine alte Frau dort an der Straße, und fragt, ob sie nicht mit ihm gehen wolle. Er bekommt keine Antwort, aber es beginnt hinter ihm herzugehen und kommt richtig in seine Stube. Nun fragt er die Alte, ob sie nicht einen Schnaps mit ihm trinken wolle: denn der Oberharzer liebt den Schnaps gar sehr. Da macht sie sich so groß bis an die Decke und beugt sich so über ihn. Nun will er zu seiner Frau auf die Kammer entfliehen, da faßt sie ihn, und davon hat er lange ein schwarzes Bein gehabt. Es ist aber dies die Frau Holle gewesen und sie sagte ihm: es solle ihm das zur Warnung dienen, daß er sie gehen lasse, wenn er wieder vorbei käme am Frau-Hollen-Abend, wo sie Recht hätte dort im weißen Gewande zu sitzen, und wo sie heulen müßte. Einer Witwe mit vier Kindern, welche noch in der Mitternachtsstunde saß und spann, warf die Frau Holle in dieser Zeit sieben vollgesponnene Rollen in das Fenster.   II. Am Osterheiligeabend fährt die Frau Holle mit dem Teufel in einer Kutsche den Langenberg hinab, wie die alte steile Heerstraße heißt, die früher, hart an der Kuhkolksklippe vorbei, eine Strecke weit von Klausthal nach Osterode benutzt wurde. Auch in Lerbach fuhr Frau Holle oft in der Kutsche herauf. Gingen dann in der Nacht Leute nach Hause, so hielt sie an und erkundigte sich nach dem Wege. Zuletzt reichte sie die Hand aus dem Wagen, und wenn man ihr dann die Hand gab, so wurde sie schwarz gebrannt wie im Feuer: man mußte ihr statt der Hand den Stock hinreichen. Es sind aber in Lerbach damals Viele auf diese Art um ihre Hand gekommen.   III. Am Frau-Hollen-Abend kommt in Lerbach Jemand verkleidet als Frau Holle in einem kreideweißen Laken herein. Der eine Zipfel hängt ihr bis an die Nase, zwei andere Zipfel hat sie um sich herumgeschlagen, der vierte hängt auf den Hacken. Sie sagt dann ihren Spruch, der also lautet: So manches Haar in der Wocken, So manches Unglück in der Wochen; So manches Haar, So manches böse Jahr.   IV. Frau Holle kam in Lerbach auch immer in ein Haus und wärmte sich. Einstmals war in dem Hause ein Mann unpäßlich, darum war sehr stark eingeheizt. Da stellte sie sich doch an den Ofen, jener Mann aber drängte die Frau Holle ganz dicht an die glühende Ofenplatte. Da nahm sie den Ofen und ging damit ab, die Leute aber haben ihren Ofen niemals wiedergesehen. * 9. Güllen-Kerke. (Niederdeutsch, lerbacher Mundart.) In Lerpche was en Mann, dä het Schubert eheten. Den hat de Nacht edrömmet, hei solle da hen gahn up siene Wiesche un solle roen, da wörre sau veele Gold, dat von den Golle könne ne güllen Kerke buet weren. Gat hei hen den Morgen na siener Wieschen un roet. Weil e'n Schur eroet hat, sägt e: »Wat sall ek miene Wiesche tenichte roen? Ik finne doch nüscht.« Da deit et en gefährlich Brummen under öne un dröhnt orntig. Dat is dat Gold ewest, wu de güllen Kerke härre könnt von ebut weren. Hei hat hernacher noch emal eroet, aber nüscht efunnen, weil et erste mal esproken hat, damit het et verscherzet, un't Gold ist wedder retour egahn. Von der Tiet an hett dä Barg Güllen-Kerken. * 10. Der Bergmönch hinter Lerbach. Hinter Lerbach hat sich auch der Bergmönch gezeigt. Er winkte einem Fuhrmanne zu dem Probirschacht hin und rief, es solle sein Schaden nicht sein, wenn er ihm folge. Der erwiderte, daß er seine Pferde nicht stehen lassen könne. Als der Bergmönch zum dritten Male rief, wurden die Pferde wild und stürmten mit großem Gebrause den Berg hinauf. * 11. Duft's Glück und Vasel's Langsamkeit. In Lerbach herrscht bei manchen Arbeiten, z. B. beim Wiesenmähen, die schöne Sitte, daß mitunter zwei Kameraden immer zusammen arbeiten, die dann alles Glück und Leid des Lebens miteinander theilen. Zwei solche Kameraden, von denen aber der Eine, Vasel, sehr faul und langsam gewesen ist, trockneten eines Tages auf einer Wiese miteinander Heu. Als die Mittagssonne ihnen auf den Kopf brannte, legten sie sich ins duftige Heu und schnarchten bald miteinander um die Wette. Da erschien ihnen eine Jungfrau und winkte ihnen ein wenig abseits und deutete auf einen Stein, der an zwei kleinen Wässerchen lag. Da stieß Duft den Vasel in die Seite, und als auch der erwacht war, hatten sie Beide die Jungfrau gesehen. Sie gingen hin und fanden auch richtig den Stein. Sie hoben ihn also auf, aber Vasel war so träge, daß er kaum mit anfaßte, und als Duft ihn aufgehoben hatte, stand ein Topf darunter in der Erde, in dem waren nichts als Lörke. Da warf Duft den Stein wieder auf den Topf, daß er zersprang, und da klang es wie lauter Silber, das in die Erde versunken wäre. Da sind die Lörke lauter Pistoletten gewesen, und Vasel hätte nur zugreifen und den Topf umkehren müssen, so hätten sie Alles gehabt. So aber hatten sie Nichts, und die Leute spotten ihrer noch heute, denn die zwei kleinen Wässerchen am Ende von Lerbach, an denen dies geschah, werden nach ihnen noch jetzt oft Duft's Glück und Vasel's Langsamkeit genannt. Auch sagt man wol in Lerbach, wenn Jemand einen Wunsch thut, der doch nicht erfüllt werden wird: geh' hin zu Duft's Glück und zu Vasel's Langsamkeit! * 12. Der Schlarfentoffel und die Tortel-Wäsche. In Lerbach läßt sich der Schlarfentoffel sehen, ein fremder Fuhrmann, der sich in dem abschüssigen Dorfe todt fuhr und da am Zaune begraben wurde. Er hat große Schuh an und trägt einen sehr großen Hut. Von der linken Schulter hängt ihm eine Kette, die er wie eine Schärpe umgeschlagen hat, und daran führt er ein kleines Hündchen. Dem Nachtwächter war der Schlarfentoffel lange Zeit unterthan. Auch die Tortel-Wäsche (Tante) spukt in Lerbach, geht besonders immer in der Flut herunter und hat sich früher in eine Katze verwandelt, die so groß als ein Kalb gewesen ist. Hat Jemand diese Katze geprügelt, so ist nachher die Tortelwäsche krank gewesen. * 13. Die Frau im Kunstloche. Im Kunstloche über Lerbach geht eine gespenstische Frau in Socken, die sind zwanzig Fuß oder zehn Ellen groß und damit tritt sie die »junge Grüne« (die jungen Tannen) nieder, die fünfzehn Jahr alt und halb wie eine Stube hoch ist. – (Von den klausthaler Harzträgerinnen wird im Scherz gesagt, sie hätten so große Socken, daß diese schon in Goslar »guten Tag« sagten, wenn die Frauen noch oben beim »Auerhahn« wären.) * 14. Kuh ohne Kopf. Am Hüttenteiche bei Lerbach hat sich früher eine Kuh ohne Kopf sehen lassen und Viele haben sie erblickt, die von Lerbach nach der Hütte auf die Freit gingen. Die Kuh ohne Kopf aber hatte eine solche Kraft im Schwanze, daß sie eine Frau damit bis nach dem Brehmeck, welcher wol eine Viertelstunde von da entfernt ist, hinwarf. * 15. Branntweinstein. Am Branntweinstein bei Lerbach hatte Jemand einen Schuh gefunden, da kam ein Gespenst hinter ihm her und sagte: er solle den Schuh wieder dort hinbringen. Er that es nicht, da kletterte es auf seine Schulter und zog ihn zuletzt auf der Straße herum, daß die Blutstropfen umherflogen. – Am Branntweinstein haben sie nachher viele Schädel gefunden und sind da in einem Kriege viele Leute zu Tode gekommen. Sagen der osteröder Gegend * 1. Die Osterjungfrau.   I. (In der niederdeutschen Mundart von der Freiheit vor Osterode.) Wu de Markkerke in Osterroe steit, hät immer en klein Mann uppen Stein esäten un hat da ebäet. Wenn de Jäger von en Graf Osterrot nu int Sloß inkummet (heimkehrt), hät e dat den Hären vertellt. Nu ritt de Graf Osterrot mal sülbest medde, da sitt e da ok wedder in Holte. Nu sägt e, nu woll hei ok da en Bethus henbuen laten, da hät e de Kerke dahen buen laten. Da is de Stadt Osterroe ut eworren un de Peiterzillgenstrate is de erste Strate west. Düsse Graf Osterrot hät da erst Alles int Wark ebrocht. Et is en groten Mann ewest un hät veel, veel Kram ehat. De Graf Osterrot harre ne Dochter, da is e von estorben un hät se sienen treuen Knappen öwwergeben. Da fällt en Krieg in, da komet veele Ritters un dä eine strenge un freche Ritter hölt um dä Dochter an. Se sägt aber ne, sei will nich. Da kümmt e taun tweiten Male met veelen Ritters un holt noch emal an. Se sägt aber wedder ne, se frie nich. Da kummt e taun dridden Male, da is e aber mit veelen Vulk ekomen un hät Alles verrungeniert un inpumperdiert, un hei, dä ole Knappe von Graf Osterrot, lät darub ok vele ankomen, aber se hät se nich konnt twingen. Da sägt e da, of se wol denken künne, dat hei se verwünschen könne, dat se da möste in ören Kelder bi ören Schätzen sitten. Da sägt se, ja, dat möst se sek Alles gefallen laten, se frie öne aber nich, et mögte er drumme sin. Da hät hei se in den Kelder ebrogt met sammt ören Schätzen un is en Hund ewest an de Kedde. Da hät hei se doch de Macht egeben, dat se alle Ostermorgen in öre Gestalt west is un is da von de Borg erunder hinnern Bärengraben ekomen un hät sek da in lerbacher Water wuschen. Da is emal en Lineweber komen un hät sin betchen Arbeit wollt da erupper dragen taun Harze. Da hät se sek ewuschen un hät ene Lillige vor sek hat. Denn is sei kriedewitt west anetogen. De Lineweber bütt guen Morgen un sägt: »Sau freu un se härre all ne Lillige vor sek?« Da sägt se ja, un wenn hei ok eine hebben wolle, sau solle hei met ör komen; da geit e met ör rupper. Als hei rupper kümmt, da steit en Lilligenbusch vorn Kelder, wu se inne sitt. Da brikket se öne eine af un sägt: hei soll se nich verschenken, ok nich verköpen. Da is se wedder in den Kelder rinner estegen un de Lilligenbusch un nist steit da. Na nu hät hei se verwünschet hat, dat se mit en keuschen Ritter solle erlöset weren. Darup hewwe'n Siebenjährigen Krieg bekomm un da is en Ritter von Harze runner mit sienen Päre gerae ekomen. Da steit se da ok wedder un wäscht sek un da hät se ne Rose vor sek hat. Da beut hei ör ok en guen Morgen tau un segt: »Sau freu un all ne Rose?« Da segt se ja, wenn hei eine hebben wolle, soll hei met ör gahn, se wolle öne ok eine schenken. Da is e met erupper gahn. Da steit dä Rosenbusch vor den Kelder, da brikket se ne Rose af un gift ne dei ok. Un da well se nu geschwind in den Kelder un hei fadde de Kelderdöre. Da liet se allwedder an de Kedde. Da hat hei de Kedde aferetten un da steit se vor öne, hät hei se erlöset. Da hät e öre ganzen Schätze upelaen up en Wagen un sind hen efeurt na Frankreich. Seitdem hät se sek nich mehr seien laten.   II. Andere erzählen, vielleicht nach gedruckter Quelle, die Verwünschung der Jungfrau also. Es sei ein Ritter von Trutzburg aus Herzberg oder Harzeburg gewesen, der um die Jungfrau angehalten und, nachdem sie sich ihm versagt, habe er gesprochen: »Ich habe dreimal gegen die Mohren gestritten und ein Schwarzkünstler im Mohrenlande hat mich das Stück gelehrt, dich zu einem Hunde zu machen, der über deines Vaters Güter wacht.« Bei ihrem Erscheinen am Ostermorgen habe die Jungfrau dann den Gesangbuchvers gesungen: »Früh Morgens, da die Sonn' aufgeht.«   III. Das Erscheinen der Jungfrau vor den Augen des Leinewebers wurde mir auch in folgender Weise berichtet: Der Weber sah in der Pfingstzeit vor sich plötzlich einen Lichtstrahl, ja, eine ganze Lichtstraße, , die von der alten osteröder Burg ausging. Vor derselben lagen auch zwei feuerspeiende Thiere, wie der Erzähler sagte, Löwen. Die Jungfrau aber bestellte den Weber auf den andern Abend um Elf, da erschien sie ihm abermals mit dem Lichtstrahle, gerade auf den Hieb (Glockenschlag) um Elf. Sie führte ihn nun an den wilden Thieren vorbei durch eine eiserne Thür und in einen Gang, der auch sehr hell war. Sie traten von dem Gange aus durch eine alte Stubenthür in ein Zimmer ein, wo auf einem Tische ein Buch lag und daneben eine wunderschöne Kerze stand, die Kerze aber ist eine Blume gewesen . Der Weber brach die Kerze ab, da tönte es mächtig. Sie aber hatte so großen Werth, daß der König sie dem Weber nicht abkaufen, sondern sie nur zum Geschenk nehmen wollte und ihm ein Rittergut als Gegengeschenk gab.   IV. Nach andern Erzählungen hat die Jungfrau einen Schneider, der vom Harze herunterkam, in die alte Burg geführt und hat nackt am lerbacher Wasser gestanden und sich da gewaschen. Links am Eingange an der Kette hat ein Hund gelegen. Im Schlosse hat ein Kessel voll Gold, ein Rosenbusch und ein Lilienbusch gestanden. Die Lilie hat der Schneider erhalten, sie ist aber schieres Gold gewesen und so ist er sehr reich geworden.   V. In der alten Burg bei Osterode haben vor noch nicht sehr langer Zeit die Kinder immer gespielt, weil sie damals noch nicht so verfallen gewesen ist als jetzt, auch ist die Küche noch in ganz gutem Zustande gewesen. Einstmals als auch die Kinder da spielen und sich, wie Kinder thun, in dieser Küche etwas kochen, sprang eine eiserne Thür auf. Das eine von den Kindern lief sogleich in den Gang und es standen drei Kasten an Ketten gebunden, auch war da ein Pudelhund mit feurigen Augen, der an eine Kette gebunden war im hellen Saale. An der Wand spiegelte sich eine weiße Jungfer, die verwünscht war und kurz nach dieser Zeit von einem armen Leineweber erlöst ist. Die Kinder kam aber doch das Grauen an und sie verließen eiligst die Burg und erzählten den Aeltern, was sie gesehen hatten. Die Aeltern gingen darauf nach der alten Burg, um zu sehen, ob es wahr wäre; als sie aber hinkamen, war Alles wieder verschwunden.   VI. Einstmals hat sich eine große Menge junger Leute zusammenrottirt, um nach dem Schatze, der in der alten Burg stecken soll, zu suchen. Ein Müller, der noch nicht lange todt oder vielleicht noch am Leben ist, damals noch ein unbesonnener kecker Bursche, ist auch mit dabei gewesen. Nachdem sie lange gegraben, kamen sie endlich in einen großen Kellerraum, der weit hineinging unter den Berg. Wie sie am Ende des Kellers waren, gruben sie wieder und kamen auch an einen großen Kasten. Der Müllerbursche ist einer von Denen gewesen, die den Kasten heraushoben. Wie sie damit schon fast in der Mitte der Höhle waren, erschallte plötzlich hinter ihnen eine furchtbare Stimme: Halt! so nicht! Einen von euch muß ich zum Opfer haben! Da ließen sie den Kasten fallen und stürzten nach dem Ausgange des Kellers zu. Da schrie der Teufel: Nehmt das Geld! gebt mir Einen, den da mit dem rothen Kamisol! Das ist gerade der Müllerbursche gewesen und er war der Letzte. Indem hatte er ihn schon beim Kopfe, aber gerade wie er ihm denselben umdrehen wollte, besann sich der Bursche noch, daß er schrie: Nein Teufel, mich sollst du nicht haben! und dazu ein Kreuz machte. Da warf ihn der Teufel zum Loche hinaus. Seit der Zeit hat dem Müllerburschen beständig das Gesicht nach der Schulter gestanden. Aber in den Keller hat sich seitdem Niemand hineingewagt. * 2. Die Jungfer auf dem Amte in Osterode. (Niederdeutsch, osteröder Mundart.) Up den Amte in Osterode sall sek in freuherer Tiet ne Jungfer upeholen hebben, un dä hät alle Nächte speuken egahn, sau dat de Lüe nich hebbet derfor schlapen können. Sau hät düsse Sahke lange Tiet ören Fortgang hat, bet dat mal en Mann ekomen is, un hät düssem Dinge ein Enne maket. Düsse Mann sall ein Jesuite west sien, un hat bannen können. Einstmals hät hei up den Amte upepasset, un weil sek nu de Jungfer hat seien laten, hät'e se in ein von Holt eschnitzelt Bild bannt, un in eine einsame Kahmer ebrocht. Veele Jahre lang hät hier Keiner nich wedder an dat Bild dacht, bet dat endlich mal en Mann sek hen wagte, den et emal vertellt word. Hei fund ok dat Bild, un hei bemeuhe sek, et runder in sien Zimmer te dragen. Weil et aber for öne tau schwar war, gung hei runder un wolle gliek en paar Knechte halen. Weil hei nu rup kamm mit sienen Knechten, war dat Bild verschwunnen up unerklärlige Wiese un de Knechte meinten all, dat de Spauk von Nien losgünge, aber et hät sek Niks wedder seien laten. De Geist hät jetzt gewiß im Grabe siene Ruhe funnen. * 3. Die verwünschten Offiziere. In Osterode geht ein Hauptmann von den Soldaten, die früher in Osterode gelegen haben, in Hundegestalt spuken. Alle Abend um Elf kommt er bei der Obern Mühle an dem Theile der Stadtmauer, welche die Schildwache genannt wird, zum Vorschein, geht langsam durch die Schildwache hindurch bis ins Johannisthor und dann wendet er sich bei der Johannisbrücke und geht am Magazine hinunter, wo er dann bei Kreit's Steg verschwindet. Wenn ihm wer auf seinem Wege vorkommt, den verfolgt er bis dahin, wo der hin will. Er thut aber Niemand etwas zu Leide, nur Den, der ihn neckt oder gar schlägt, beißt er. Als noch Militär in Osterode gewesen ist, hat dieser Hund immer die Posten aufgeweckt, wenn die geschlafen haben, und nicht eher mit Scharren, Klopfen und Bellen angehalten, bis sie wieder wach gewesen sind. Es soll aber ein sehr großer Hund sein, von der Gestalt der Fleischerhunde. – Auch wird in Osterode noch Folgendes von einem Offizier erzählt. Es ist einmal ein Mann gewesen, dem hat das Haus über dem Kopfe verkauft werden sollen, weil er mehr Schulden als Haare auf dem Kopfe gehabt hat. Da hat er angegeben, das Haus könnten seine Gläubiger bekommen, aber es könnte sich Keiner vor Spuken drin bergen. Ach, sagt die Obrigkeit, das wollen wir dann schon abbringen. Sie schickt also einen Mann Wache hin und sagt Diesem, welcher mit Säbel und Pistolen bewaffnet gewesen ist, er solle nur gleich losschießen, wenn das Gespenst kommen sollte. Wie es nun Zwölf geschlagen hat, kommt ein Gerassel zur Treppe herunter, macht die Stubenthür auf und tritt herein. Es war eine Wanduhr, die einen furchtbaren Lärm verursachte und die Wache fast taub machte. Die Wache legt an, kann aber augenblicklich nicht schießen wegen eines Schadens, den das Gewehr bekommen hatte. Die zweite Nacht wird ein anderer Posten hingeschickt, welchem eine runde Summe Geld geboten wurde, wenn er das Gespenst erlegen würde. Die Wache ist beherzt bis auf die letzte Zeit. Wie nun die große Uhr sich um Zwölf der Wache nähert, legt die an und schießt durch Zufall das eine Gewichtstück ab und die Uhr fällt auseinander und ein Offizier steht da, welcher verwünscht lange Zeit in diesem Hause gewaltet hat. Die Wache bekam den versprochenen Lohn von der Obrigkeit, und auch der Offizier zeigte sich dankbar für die Errettung. * 4. Osteröder Banngeschichten.   I. Einst sollte auch einem Manne in Osterode sein Haus verkauft werden, und er gab an, daß es darin spuke. Das Gericht stellte also Wache in dem Hause auf. In der ersten Nacht polterte das Gespenst die Treppe herunter, kam der Wache näher, riß ihr das Licht aus der Hand, pustete es aus, nahm auch dem Posten eine Flasche Wein aus der Hand, die man ihm gegeben hatte, um sich Muth zu trinken, und trank sie selber aus. Darauf machte das Gespenst noch einiges Geräusch und entfernte sich dann wieder. Die zweite Nacht kamen zwei andere Posten in das Haus mit dem Befehle loszuschießen, sobald sich etwas regte. Wie das Gespenst nun in der Geisterstunde ankam, der Wache abermals das Licht auspustete und den Wein wegnahm, legte die Wache an, konnte aber wegen Armlähmung, welche plötzlich bei ihr eintrat, nicht schießen und mußte also unverrichteter Sache wieder nach Haus. Den dritten Tag kam Einer, der sich anbot, das Gespenst zu erlegen, und was von der Zauberkunst verstehen wollte. Es ward ihm das Haus angeboten, wenn er das Gespenst finge. Er fuhr also in einer Kutsche hin nach dem Hause. Wie es nun zwischen Elf und Zwölf kam und das Gespenst wieder zur Treppe hinunter polterte, lief er hin und faßte es schnell, warf es in die Kutsche und fuhr so damit ab. Es war aber des Hausbesitzers Mutter, welche Hexen konnte. Der Mann sagte nachher, er habe das Gespenst in einen alten hohlen Baum gebannt, und bekam das Haus als Lohn, welches er dem vorigen Besitzer, weil er selbst so reich war, daß er Nichts mehr nöthig hatte, wieder schenkte. Auf diese Weise kam der Mann wieder an sein Haus. Nach einiger Zeit erschien Einer und befreite die Mutter wieder aus dem Banne und bezauberte sie, daß sie von Stunde an nicht mehr hexen konnte. Und nun lebte sie noch lange Zeit mit ihrem Sohne glücklich und in Frieden in dem Hause.   II. (Niederdeutsch, osteröder Mundart.) Oet sind veier Fruens West, dä hebbet hen in de Himbeeren wollt. Wie se an den Sösekop komen sind, da hebbet twei von düssen Fruens ne ganz nacketen Mannsminschen sein. Düse Kärel dä hat ane dünnen Twiege hänget, wo tau anderer Tiet keine twei Pund ane hängen könnt, hei is aber bannt west. Aber man blos twei von düssen Fruens hebbet den seien könnt, un doch hebbet de anderen an derselben Stelle stahn. Hiervon sägt me, dat man blos Däjenigen dat seien könnt, dä ein Sondag Middag twischen Oelwe un Twölwe geboren sind.   III. An einem Orte war ein Mann, der ward durch sein ruchloses Wesen bekannt. Wie er schon viele lose Streiche gemacht hatte, da hat ihn Einer auf einen Scheunenboden gebannt. Aber hier ist er auch noch nicht zufrieden gewesen. Sein vieler Spuk auf dem Boden ist den Leuten lästig geworden und sie gingen nach dem Pater. Der Pater kam, überzeugte sich hiervon und wollte den Gebannten zur Rede stellen. Der Gebannte aber ließ sich von dem Pater Nichts sagen, sondern schalt ihn aus und sagte, er hätte von seiner Mutter einen Dreier gestohlen; der Pater sagte: dafür habe ich Papier gekauft und Gottes Wort darauf geschrieben. »Er hätte Erbsen vom Felde gestohlen«; der Pater antwortete: die habe ich für den Hunger gegessen. Damit hatte aber der Pater schon ein gebrochenes Schwert und konnte Nichts mit ihm aufstellen. Kurze Zeit nachher schickten die Leute nach einem andern Pater, welcher bannen konnte. Der bannte diesen unnützen Menschen in einen hohlen Weidenbaum. Lange Zeit nachher ließ der Besitzer den Baum abtreiben. Als der nun vor dem Hause vorbeigefahren wurde, wo der Mann vorher gewohnt hat, sprang der Unnütze heraus und lief oben ins Haus. Der Spuk aber ging nun wieder von neuem los. Die Leute liefen wieder nach dem Pater. Der sagte, daß er ihn nun nicht wieder aus dem Hause herausbringen könnte. Da ist der Unnütze von einem Andern oben auf den Boden in eine Ecke gebannt, wo er heutiges Tages noch sitzt.   IV. Nicht weit vom Lichtenstein ist ungefähr vor fünfzig Jahren eines Tages zwischen Elf und Zwölf die Post mit Pferden, Menschen und Allem in die Tiefe gegangen. Es war Winter und ein furchtbares Schneegestöber. Der Kutscher soll von mehrern Geistern verführt sein, welche die Pferde an einen gefährlichen Ort hinlenkten. Diese Geister sollen Gebannte gewesen sein, denn hier gibt es Viele, welche gebannt sind. Nicht weit hiervon an dem Weg ist Einer in einen Stuken, und noch weiterhin beim Feldbrunnen sind Mehrere in Weidenbäume gebannt. * 5. Der Scharfrichter. Ein Scharfrichter von Osterode hat vielen Leuten geholfen, die kein Arzt gesund machen konnte. Daneben konnte er bannen und zeigte dies sogar zum Vergnügen seiner Freunde; als er einmal oben auf Klausthal war und daselbst mit einem Freunde auf der Straße stand, während gerade die Kühe ausgetrieben wurden, bannte er demselben zum Spaß zwei Frauensleute auf der Straße fest, und sie mußten dort stehen, bis der Kuhhirt wieder eintrieb. Ein Dieb stahl ihm zu Osterode in der Nacht vom Sonnabend zum Sonntag in seinem Garten Kohl, den bannte er mit dem Kohl auf der Gartenmauer fest, bis die Leute zur Kirche gingen. Da aber brachte er einen Schweinskopf, reichte ihn dem Dieb auf die Mauer und sprach: er wolle ihm auch Fleisch zu seinem Kohl geben, und ließ ihn laufen. Sein Meisterstück aber machte er an Hans von Eisdorf. Zwei Jäger, die auf Hans von Eisdorf schossen, bannte dieser Ritter fest, zog ihre Kugeln aus seiner Tasche hervor und gab sie ihnen zurück. Später, nachdem der Bann vorüber war, schoß einer der Jäger nach ihm mit einem Mathier, das ist ein altes goslarsches Vierpfennigstück mit dem Bilde des heiligen Mathias als Schutzpatron der Bergwerksstadt Goslar. Obgleich mit dem Mathier schon Mancher getödtet ist, der sonst kugelfest war, prallte er doch machtlos vom Ritter ab. Diesen Hans von Eisdorf traf er in einer Wirthsstube und machte ihn dort im Zimmer »wisse«, d. h. er bannte ihn. Da zeigte es sich nun, daß der Scharfrichter doch noch stärker war, und Hans von Eisdorf wurde auf dem Richtplatze mit vier Ochsen auseinandergerissen. Einst ward auf der Neustadt in einem Ziehbrunnen ein neugeborenes Kind gefunden. Der Magistrat untersuchte, konnte aber die Mutter nicht ausfindig machen. Da wandte er sich an den Scharfrichter und versprach zu thun, was der vorschrieb. Der ließ also alle Mädchen der Stadt aufs Rathhaus kommen und dort mußte eine nach der andern in des Scharfrichters Gegenwart das todte Kind anrühren. Als nun die Mutter das Kind berührte, kam Blut aus demselben und sie bekannte auf der Stelle. Der nämliche Scharfrichter hat die Kindesmörderin alsdann gerichtet. Man sagt in Osterode auch, bei jeder Hinrichtung erscheinen einem Scharfrichter drei Köpfe und wenn er von diesen nicht den mittelsten ins Auge faßte, so träfe er nicht. * 6. Die unschuldig Hingerichtete. Zu Osterode diente in einem Hause eine Magd, die war bisher ganz redlich gewesen, und der Eigenthümer des Hauses beschuldigte sie eines Diebstahls, sie sollte nämlich einen Ring gestohlen haben. Die Magd betheuerte zwar lange ihre Unschuld, aber es half nichts, sie wurde ins Gefängniß gebracht. Damals galt aber das Gesetz: daß wer fünf Thaler an Werth gestohlen hätte, den Galgen bekleiden müßte, und deshalb wurde die Magd auch nach dem Uehrderberge unweit Osterode zum Galgen geführt. Es begleitete sie aber dahin ein frommer Pfarrer, der sie tröstete und zur Beichte aufforderte; sie betheuerte ihre Unschuld, und dem Pfarrer wurde zuletzt doch schwül ums Herz. Sie gab ihm die Versicherung, daß sie durch zwei Tauben, die ihm in sein Haus fliegen sollten, ihre Unschuld zeigen wollte. Nicht lange danach, daß sie gerichtet war, kamen auch wirklich die zwei weißen Tauben und flogen in das Zimmer des Pfarrers. Da trug der Pastor darauf an, daß der Galgen abgerissen wurde, was auch geschah, und es ist nach der Zeit Keiner wieder so leicht hingerichtet. Andere sagen, es sei vor achtzig bis neunzig Jahren gewesen, daß die Magd in Osterode unschuldig hingerichtet sei, und sie habe vor dem Galgen, der auf dem Uehrderberge bei Osterode stand, gesagt: sie würde so lange in Schafsgestalt nach ihrem Tode spuken gehen, bis ihre Unschuld an den Tag käme. Wie sie nun gehängt war, da konnten die Leute vierzehn Tage lang nicht schlafen vor allem Schafblöken, bis es sich fand, daß eine Elster den Ring gestohlen hatte. * 7. Dreierlei Seelen. In Osterode sagt man, es gäbe »dreierlei Seelen«, weiße, fahle und schwarze. Die weißen sind die guten, die fahlen gehen geradezu und suchen Jedem, der ihnen in den Weg kommt, was auszupuhlen (anzuhaben); die schwarzen aber sind die ganz schlechten. Einst ging eine Frau aus Osterode nach Braunschweig, wo gerade Messe war. Unterwegs eines Nachts kamen drei Seelen ihr in den Weg, die weiße ging an ihre rechte Seite, die fahle hinter ihr, und die schwarze schwebte immer vor ihr her mit einem Knotenstock und einer feurigen Zunge. Diese Seelen haben die Frau eine Stunde lang verfolgt, da wurden sie immer kleiner und kleiner und zuletzt waren sie ihr ganz aus den Augen verschwunden. Als aber die Frau wieder etwas gegangen war, da fing es plötzlich an über ihr Steine zu regnen und dies währte wol eine Viertelstunde lang. Den andern Tag, als sie in Braunschweig angekommen war, traf sie einen Mann aus Herzberg, dem es auf diesem Wege ebenso ergangen war. Was das Merkwürdigste hierbei war: von den vielen Steinen, die es regnete, hatte bei Beiden kein einziger getroffen. * 8. Die Stölkenlichter. Die Stölkenlichter sind Seelen, welche in hellen Leuchten, die ein Mann in der Hand trägt, von Michaelis bis Weihnachten schwärmen gehen. Diese Männer mit den Leuchten darf man nicht anrufen oder ihnen in den Weg gehen, sonst gereicht es zum Schaden. Die Leuchten gehen fünfmal so schnell als ein Mensch, der ziemlich gut marschirt. Einmal kam der alte Uhle aus Osterode und wollte noch hin nach Haus nach der Fabrik Eulenburg unter dem Scherenberge. Vor ihm ging ein Mann mit einer hellen Leuchte her. Er rief ihn an, dachte, es wäre einer von seinen Leuten, der auch noch nach Haus wollte, und hatte gar kein Arg daraus. Als er aber bei die Leuchte kam, sah er, daß es ein Geist war. Er marschirte mit dem Geist immer zu, bis bei die Eulenburg. Hier wollte Uhle abgehen, aber er konnte nicht, er mußte mit bis nach dem Scherenberge, und hier zur Strafe zwei Stunden lang in der furchtbaren Kälte auf- und abgehen. Hier kam ein Geist mit einer Leuchte und sagte: Dies sollte er sich zur Warnung dienen lassen und keine Geister wieder foppen. * 9. Der Cholerageist. In Osterode lag in einem Hause Jemand krank an der Cholera im August 1850. Da kam ein Geist, welcher ganz weiß war, und sprang von einem Winkel zum andern an dem Bette vorbei, und fragte immer: »Wollt ihr mit? wollt ihr mit?« Die Mutter des Kranken sah den Geist ganz deutlich, der Kranke aber wurde sehr ängstlich und rief seiner Mutter zu: »Mutter, siehst du ihn nicht?« Er starb schon früh am andern Morgen und außer ihm in den folgenden acht Tagen noch fünf Andere im selben Hause. * 10. Hans von Eisdörp. (Niederdeutsch, osteröder Mundart.) Hans von Eisdörp war saun ruchlosen Mann, dat hei sek von sienen Landsläen afsondere, und sammele sek ne Banne, womit hei sek in Höhlen upheilt. Hiermit dee hei der Stadt Osteroe veelen Schaden un den Dörpern, dei in der Gegend lieht, ook, denn hei dee rauben un stehlen, un nam ook den Heers (Hirten), dä da öhre Veih weiden deen, dat Veih af, wat hei denn mit sienen Verbündeten vertheren dee; un wenn se öne nahsporen deen, sau güngen se ümmer irre, denn öt war saun Schlukop, dat hei sienen Pären de Haufisen verkehrt undernägeln dee. Sau betreif hei düt ne ganze Tied lang, bet hei endlich dorch siene Dristigkeit mal an Kracke sat (sich festrannte). Oet war nämlich in Osteroe mal Jahrmarket, wo hei sek ok bie anfund, da gung hei in ein Wirthshus, un dee da zechen mit sienen Verbündeten. Nun war dat Gesetze sau: dat ein Jeder, dä sik blot wegen de Jahrmarket-Frieheit in de Stadt true, ümme drei Uhr all wedder ruter sien mußte; ümme Drei, denn sau leit de Obrigkeit lühn un denn sau war dat Jahrmarket ute. In den Wirthshuse aber da harren öne schon welke kennt, de waren glik hen nan Gerichte lopen un Einer harre glik de Uhr verstellt, dat Gerichte dat harre glik Lüe schicket, de öne sollen feste nöhmen. De Uhr de schlaug drei, un nu stürme hei mit siener Banne glik eruter. Aber butten (draußen) da word hei öbel mit sienen Verbündeten begrüßet, se neihmen öne glik feste un nu word hei hen nahn Dore brocht. Nah einiger Tied ward von den Gerichte dat Urtheil fällt, dat hei solle von veier Ossen in veier Deele reten werden. Un düt is up Seikenhowe scheihn. Dat eine Deel davon hebbet se nah der Wagelos brocht un da begraben, dat andere nah den Rönnenberge, dat andere nah der Mahnte un dat vehre nah den Brennewienssteine. Up den Brennewienssteine da zeiget sek nu alle Abende ne Lüchte de von einem Deele bet taun anderen Rad schleit un teletzt wedder up den Brennewienssteine verschwind. * 11. Das Teufelsloch und der Klinkerbrunnen.   I. Beim Teufelsloch ist eine Wiese gewesen, die hat einem Bürger in Osterode gehört. Da ließ einmal der Bürger Mist nach seiner Wiese fahren, wie aber der Fuhrmann ankam, lag schon Mist auf der Wiese, er freute sich darüber herzlich und ließ ihn auf eins von seinen andern Stücken fahren, wo er auch nöthig war. Als sie nun hinkamen und mähen wollten, war die Wiese schon gemäht und als sie dachten, daß es Zeit würde, das Heu in Haufen zu bringen, war es auch schon in Haufen. Als sie nun aber hinkamen und wollten das Heu holen, ist es auch schon fort gewesen. So ist es fünf Jahre lang bei den drei Heuernten im Jahre hergegangen. Da legte der Bürger einmal Fallen, hiermit hat er den wilden Jäger gefangen, ihn tüchtig durchgepeitscht und laufen lassen. – In Herzberg hat sich der wilde Jäger einmal an einem Abende ein paar Semmeln gekauft und ist dann über das Teufelsloch hin nach Osterode zu gezogen. Auch die Frau Holle hält sich beim Teufelsloch auf. Früher, wo der eigentliche Fußweg von Osterode nach Herzberg dicht am Teufelsloche vorbeiging und sehr schlecht und sumpfig war, hat sie die Leute, die von Osterode nach Herzberg gegangen sind (wo die Frau Holle Leidfrau heißt) bis dahin verfolgt, wo der Fußweg aufhörte.   II. In Osterode waren zwei Wildwächter, davon hat der Eine seinen Eid gebrochen und sich beim Teufelsloche einmal einen Hirsch gebuxt. Seit dieser Zeit hat ihn die Frau Holle verfolgt, und ihm nicht Ruhe gelassen, bis er sein Verbrechen selbst angezeigt hat. Auch hat er aus seinem Horn nach der elften Stunde keinen Ton herausbringen können. Den Andern aber hat die Frau Holle mit Geld beschenkt.   III. In Osterode sagt man den Kindern, daß bei dem Tapphäuschen im Teufelsloche ein Haken sei; dort würfe die Hebamme ein Stück Zucker ins Wasser, dann kämen die Kinder geschwommen und würden mit dem Haken herausgezogen.   IV. Beim Teufelsloche spuken Figuren von menschlicher Größe mit Laternen umher, besonders bei einem jetzt abgebrochenen schiefen Baume, der über das Teufelsloch herüber hing. Es läßt dort um Mitternacht Niemand hindurch, die göttinger Botenfrau weiß davon zu sagen. – Große unförmliche Feuerklumpen, gleich dem ausgeschütteten Inhalt der Schmelzöfen, stürzen oft vom Himmel ins Teufelsloch oder Teufelsbad. Oft sah man auch den Schweif einer schwarzen Schlange aus der Mitte des Teufelspfuhls emporragen, in verwirrte Knoten sich zusammenziehen und in verrenkten Biegungen sich wieder auseinanderringeln.   V. Das Teufelsloch ist sehr tief und soll einst eine Grube gewesen sein, die ein Mann aus Osterode Namens Cludius besessen hat. Wie diese Grube schon über hundert Jahr verfallen war und die bösen Geister ihr Unwesen darin trieben, kamen einmal Männer, welche die Tiefe dieses Loches wissen wollten. Kaum waren sie über hundert Fuß herunter, so zogen die Bösen einen Canal auf, der in diese Grube führte und den Keiner wußte, und die ganze Gesellschaft mußte ertrinken. Hier bei diesem Loch soll ein Schuster aus Herzberg zur Strafe für seine Neugier Wache stehen, denn er war den fremden Männer nachgeschlichen und hatte zusehen wollen, wie sie in das Teufelsloch stiegen.   VI. Als in Osterode noch Militär gelegen hat, ist einmal ein Soldat ausgegangen, Fische zu fangen. Er ging nach dem Teufelsloche und angelte da, fing auch einen recht großen Fisch. Voll Freuden huckte er seinen Fisch auf und trug ihn hin nach Haus. Er war aber kaum vor Osterode, da sprang der Fisch von seinem Buckel, gab dem Soldaten eine Ohrfeige und sagte: er solle ihn sogleich da hinbringen, wo er ihn bekommen hätte. Der Soldat weigerte sich so lange als möglich, zuletzt brachte er den Fisch aber doch wieder hin nach dem Teufelsloche und setzte ihn ins Wasser. Als der Fisch nun wieder im Wasser saß, sagte er zu dem Soldaten: dafür, daß er ihn aus dem Wasser genommen hätte, solle er in drei Tagen sterben. Als nun der Soldat nach Haus kam, ward er krank und starb am dritten Tage danach. Im Teufelsloche sollen Fische von Mannsstärke sein, mit Moos von halber Armlänge bewachsen. Auch der Spielmann Wolf in Lerbach wußte viel von den Fischen im Teufelsloche zu erzählen. Er wollte sie einmal mit Pulver aus dem Wasser gesprengt haben, sodaß sie an den umstehenden Tannen hingen.   VII. Zwischen dem Teufelsbade und der Papenhöhe ist ein schwarzer Hund zu sehen, der geht um die Mitternachtsstunde ums Teufelsbad herum. Mit dem Teufelsloche hängt das Wasser in dem ziemlich fernen Klinkerbrunnen unter der Erde zusammen. Darin klingelt es wie eine Glocke, wenn man nur hineinspuckt. Sagen vom Lichtenstein, von Förste und Dorste. * 1. Ritter Bruno von der Linden. Auf der Burg Lichtenstein hat zuletzt der Raubritter Bruno von der Linden gewohnt. Den haben die Bauern immerfort verfolgt, sie haben ihn aber niemals fassen können. Wenn sie gedacht haben, der Ritter wäre dorthin geritten, und haben ihn verfolgt, so ist er auf der entgegengesetzten Seite gewesen, denn er hat seinen Pferden die Hufeisen verkehrt unterschlagen lassen. Nur einmal haben ihn die Bauern in die Enge getrieben, da ist er nach den Katzensteinschen Klippen geflohen, sein Pferd hat da den Hals eingestürzt, er ist aber vermöge seines weiten Mantels vom Wind hinübergetragen ins Harzholz. * 2. Der Brunnen bei dem Lichtenstein und die erlöste Jungfer. Nicht weit vom Lichtenstein ist ein Brunnen, an diesem hat jeden Mittag ein Schäfer gehütet und seine Schafe da getränkt. Eines Mittags, als er auch da war, kam unter einem Stein eine große Schlange hervor und sah ihn freundlich an. Er war dabei zuerst ganz ängstlich, faßte sich aber, und ward zuletzt ganz vertraulich mit der Schlange. Diese ist gerade eine Stunde draußen geblieben. Den zweiten Mittag kam die Schlange wieder hervor, hatte sich aber vom Kopf an in einen halben Menschen verwandelt, und sprach zu dem Schäferknaben: er sollte sich morgen ein Herz fassen, und der Schlange, die morgen Mittag zum Vorschein käme, einen Kuß geben, es würde auf ewig sein Glück sein. Den andern Mittag kam die Schlange auch richtig unter dem Steine hervor, kroch an dem Schäfer in die Höhe und wollte ihn küssen. Erst hatte der Schäfer einen Ekel vor ihr, drückte aber die Augen zu und gab ihr einen süßen Kuß. Sowie das geschehen war, stand eine wunderschöne Prinzessin mit Leib und Seele vor ihm. Da hat der Schäfer seine Schafe im Stiche gelassen, ist mit der Prinzessin nach dem König gereist und hat sie da geheirathet. * 3. Die lichtensteiner Currende. Auf dem Lichtenstein zwischen Dorste und Osterode hört man oft einen Gesang und ist doch Niemand sichtbar. Der Spielmann Wolf sah dort aus einem Loche einmal wol dreißig Schüler in blauen Zarschmänteln hervorsteigen und singend in den reinsten Tönen und ohne nur einmal im Singen anzuhalten, wie eine gute Currende auch nicht muß, bis nach dem Buchenholze gegenüber hingehen, wo zu Himmelfahrt das Fest gefeiert wird, das die Oesteröder den Füllenmarkt nennen, weil die jungen Leute dort so gern über den Strang schlagen. Wer aber dann, wenn die Schüler aus der Grube gestiegen sind, das Herz hätte, dahinein zu steigen, der könnte große Schätze herausholen. Der Spielmann Wolf hatte es nicht, darum ist er als ein armer Teufel gestorben. * 4. Der gottesfürchtige Fuhrmann. Bei Dorste auf dem Lichtensteine haben schon viele Leute eine Laterne wandeln sehen. In dieser Gegend hatte einmal ein Frachtfuhrmann mit seinem Wagen ein geringes Unglück und wünschte sich: ach, hätt' ich doch nur eine Laterne hier, wie leicht wollt' ich das repariren! Da stand auf einmal die Leuchte neben ihm und leuchtete ihm so hell wie drei Lampen. Da brachte der Fuhrmann rasch seinen Wagen in Ordnung, und wie er fertig war, wünschte er Dem, der ihm geleuchtet hatte, dreimal den Himmel und die ewige Seligkeit. Da erschallte eine Stimme, die sagte: Das helfe ihm Gott sprechen, auf dies Wort hätte sie, die Stimme, schon viele hundert Jahre gelauert. Empfahl ihm auch schließlich, wenn ihm einmal wieder von unsichtbarer Hand geleuchtet würde, nicht zu fragen, wer es wäre, und verschwand. Aber so hell ist es doch geblieben, daß der Führmann hat können den Weg sehen, bis er nach Osterode gekommen ist. * 5. Die Zwerge in Dorste. Bei Dorste zwischen Osterode und Northeim liegt der Hütteberg. Er ist gegen vierzig Fuß hoch, auf ihm liegt Acker und wächst etwas kleines Buschwerk. Dahinter an der linken Seite zieht sich in der Schlucht eine Wiese herauf, der Harenbergsgrund, und unter dem Berge geht der Freifluß der Söse. Neben diesem Berge liegt auch eine Papiermühle und ein großer Garten. In diesem Garten wohnt der Gärtner Steinberg, und dieser will behaupten, – so erzählte mir ein Arbeitsmann aus Dorste – er habe in dem Hütteberge und auch in dem nahen Söseberge noch viele Zwerge gesehen. Dies müssen doch wol nur einzelne Marodeurs gewesen sein: denn schon vor hundert Jahren ist das Heer der kleinen Leute aus Dorste abmarschirt. Bevor die Kinder getauft sind, sind sie auch dort gekommen und haben gewaltig danach getrachtet, sie wegzufangen. Nach der Taufe soll es so schlimm nicht mehr gewesen sein. Auf dem Hütteberg und dem Söseberg sind sie ins Feld gegangen, haben da ihren Kram gehabt und sich ihre Nahrungsmittel fortgeholt. Dabei haben sie gesungen: Düt is gut, düt is gut, Dat de Buer dat nich weit (weiß), Dat de Sunne et Nachts Klocke twölwe upgeit. * 6. Die weiße Jungfer bei der Herrenkirche unweit Dorste. Vor vielen hundert Jahren stand da, wo jetzunder die Herrenkirche ist, ein Dorf, das auch Herrkirche hieß. In einem Kriege wurde es dem Boden gleich gemacht und seine Bewohner zogen nach Dost (Dorste). Seit dieser Zeit läßt sich hier alte hundert Jahr auf der Herrenkirche eine weiße Jungfer sehen, und wer dann zufällig in der Nähe ist, kann sein Glück machen. Die Jungfrau kommt aus einer von alten Eichen beschatteten Quelle hervor und sieht sie einen Menschen, so geht sie auf ihn zu und bittet, daß er doch eine Molle voll Geld annehmen möge. Wer nun dreist genug ist und über die Molle eine schon in der Kirche getragene Weste deckt, bekommt das Geld in die Hände und erlöst dadurch die Jungfrau. Wer aber das Halstuch darüber deckt, dem dreht sie den Hals um. Wird Jemand graulich und läuft davon, so versinkt sie wieder auf hundert Jahre mit einem lauten Quiek in den Born. Noch jetzt lebt in Dorste ein Mann, der die Jungfrau gesehen haben will, aber aus Furcht davongelaufen ist. Den öden Anger mitten im Felde, eine halbe Stunde von Dorste, wo sie erscheint, betritt noch jetzt Niemand, ohne an sie zu denken. * 7. Die Juden von Förste. In Förste lebte früher eine große Anzahl Juden, die aber nachher durch eine Revolution der Bauern gegen sie vermindert wurden. Diese Revolution brach auf folgende Weise aus. Die Christen in Förste hielten sich einen Dachdecker, der ihnen was decken mußte, die Juden hielten sich auch einen Dachdecker, der Jude sein mußte. Der Christendachdecker deckte eines Tages bei seinem Nachbar auf dem Dache Ziegel, aber unglücklicherweise hatte es ein bischen gemisselt (fein geregnet) und der Dachdecker rutschte beim Decken aus und fiel einem Juden, der unten gerade vorbeiging, auf den Kopf, sodaß derselbe todt niederstürzte. Ueber diesen Vorfall empörte sich die ganze Judenschaft und verklagte die Christen in Rom bei dem Papste. Der Papst, welcher den Juden auch nicht gut war, fällte folgendes Urtheil: Es sollte der Judendachdecker auf ein Dach steigen, und einen Christen, der unten vorbeiginge, todtfallen. Als nun dieses Urtheil kam, hielten es die Juden für günstig, um sich für den todtgefallenen Juden zu rächen, und der Dachdecker mußte sogleich auf dem Tempel steigen, denn sie meinten, wenn er sich vom Tempel herunter auf den Christen stürzte, würde Gott ihm beistehen, Es kam denn auch bald ein Christ an, und der Judendachdecker stürzte sich sogleich von der Zinne des Tempels herunter, fiel aber nicht den Christen todt, sondern sich selbst, weil er vorher nicht gezielt hatte. Hiermit waren die Juden noch nicht zufrieden, und weil sie keinen Dachdecker mehr hatten, so stellte sich ein Jeder selbst auf sein Dach, lauerte einem Christen auf und stürzte sich herunter; aber kein Einziger fiel einen Christen todt. Nach dieser Periode wurden die Juden seltener in Förste, nur ein paar Familien, die vernünftiger waren, blieben, und ihre Nachkommen leben noch in Förste. Sagen der herzberger Gegend. * 1. Ursprung von Herzberg. Zur Erbauung der Stadt Herzberg oder Hirzberg, wie es die alten Diplomata schreiben, soll Folgendes Gelegenheit gegeben haben. Es hätte Albertus Ursus, Markgraf zu Brandenburg und Herzog zu Sachsen, der ein gewaltiger Jäger gewesen, einstens in den beerwaldischen Heiden, so unweit Herzberg gelegen, gejaget und einen starken wohlgehörnten Hirsch angetroffen, demselben fleißig nachgestellt, solchen aber niemals zum Stande bringen können, sondern es wäre derselbe stets, sobald er die Leute ansichtig worden, vor ihm geflohen; endlich hat er ihn doch nach vieler Mühe in der Gegend, da hernach die Stadt angeleget worden, gefällt und ihn durch den Kopf geschossen. Es soll solcher Hirsch nebst Alberti Brustschilde, daran Albertus Hand, einen Bogen führend, im Schloß Beerwalde im sechzehnten Seculo noch sein gesehen worden, auch solches mit der Stadt altem und großem Insiegel zu beweisen sein. * 2. Der grubenhagensche Acker der Edeln. Von einem Fürsten von Grubenhagen, der in Herzberg residirte, wird auch erzählt, daß er die Edeln wegen ihrer Hartherzigkeit vor einen Pflug gespannt habe und es soll sich bei Herzberg (nach einer Mittheilung aus Klausthal) noch ein Adelacker finden, der aber gewöhnlich nur der Acker genannt werde. * 3. Der Güß. Auf dem Güß, einem großen Wasser bei Herzberg, hat ein großer Ackerhof gestanden, worauf steinreiche Leute gewohnt haben. Einstmals ist ein Bettler nach diesem Ackerhofe gekommen und hat Nachfrage um ein bischen Brot gethan. Da hat ihm die Herrin ein bischen Brot gegeben, und der Bettler hat gesagt, sie möchten ihm doch auch ein wenig Butter geben, denn er wäre so alt und schwach und deshalb thäte ihm auch einmal ein bischen Zubröde gut, und solche Leute wie die auf dem Ackerhofe hätten es ja auch nicht gespürt an ihrem Reichthume, wenn sie dem Bettler auch ein bischen Zubröde gegeben hätten. – Da hat die Herrin das Brot zurückgenommen und Dreck auf das Stück geschmiert vom jüngsten Kinde, das sich soeben beschmutzt hat. Der Bettler, welcher altersblind gewesen, ist seiner Wege gegangen, ohne bemerkt zu haben, was auf seinem Brote gewesen ist. Unterwegs aber hat der Alte Appetit verspürt und sein Brot hervorgezogen, um es aufzuspeisen. Als er nun dabei merkt, was die reichen Leute gethan, denkt er bei sich selber, sie hätten doch an dir verdient, daß sie gleich sammt ihren Schätzen untergingen. In demselben Moment, daß er dies gesagt hat, ist sogleich das Schloß untergegangen, und sein Wunsch ist sogleich eine Strafe für die schlechten Menschen geworden, die ihnen Gott gesandt hat. Nach dieser Zeit ist ein Wassertaucher gekommen, der ist so lange in diesem Wasser gewesen wie in keinem andern. Wie derselbe herausgekommen ist, hat er gesagt: Nun und nimmer ginge er wieder in dieses Wasser, denn unten im Wasser wäre er auf ein Haus gekommen, vor demselben hätten vier große schwarze Pudelhunde mit feurigen Augen gelegen, die hätten Feuer gespien, und ihres Gleichen an Größe und Stärke hätte er auf der Erde noch nie angetroffen, denn ein Hund wäre wol so groß wie ein Löwe gewesen, und er hätte, wenn er sich nicht für einen Dachdecker aus dem Dache ausgegeben hätte, sterben müssen. Da sind einige Herren unter den Zuschauern gewesen, die haben dem Wassertaucher tausend Thaler geboten, wenn er einen Ziegel von dem Dache des Hauses hole. Der Wassertaucher, welcher geldgierig gewesen, ist noch einmal untergetaucht und nie wieder ans Tageslicht gekommen, vermuthlich haben ihn die vier Hunde zerrissen. Die vier schwarzen Hunde sind aber umschicht (abwechselnd) nachher in Herzberg umhergegangen und haben Jeden, der Nachts auf die Freit gegangen ist, ins linke Bein gebissen. * 4. Der Freischütz von Herzberg. In Herzberg hat ein Oberförster gewohnt, der hat keinen Jägerburschen behalten können, weil sie ihm immer von einem andern Förster, der Freikugeln hat schießen können, todt geschossen sind. Eine ganze Zeit lang hat er darum keinen Burschen gehalten. Einst kam ein Jägerbursche und bot seine Dienste bei diesem Oberförster an, der aber wollte ihn nicht annehmen und erzählte, wie es ihm noch bei jedem Burschen ergangen wäre. Der Jäger sagte: Wenn weiter nichts wäre, diesem Dinge wollte er schon den Pflock beistecken. Der Oberförster nahm also den Burschen an. Den andern Tag, als der nun ins Holz ging und der Freischütz nach ihm schießen wollte, stellte er seinen Hut zwanzig Schritt von sich und fing die Freikugel darin auf, lud sie in sein Gewehr und schoß den Förster todt. Von dieser Zeit an hat der Oberförster seine Burschen behalten. * 5. Das Männchen im Schloßberge. Bei Herzberg unter dem Schloßberge hat ein großes Haus gestanden, darin hat eine Mamsell gewohnt, zu der ist immer ein kleines Männchen gekommen und hat um Essen gebeten. Die Mamsell hat ihm auch immer etwas gegeben, und eines Tages unter dem Essen sagte er zu ihr: sie solle mit ihm gehen. Sie ging also mit ihm und der Zwerg führte sie in eine lange Höhle, aus der in einen tiefen Keller, aus dem Keller in eine Küche, worin viele Kohlen gelegen haben. Dort sagte er zu der Mamsell, sie solle sich eine Schürze voll Kohlen mitnehmen, das that sie auch, warf sie unter den Feuerherd und ging dann in ihre Stube. Als sie wieder herauskam, fand sie statt der Kohlen lauter Goldstücke unter ihrem Herde. Nach dieser Zeit hat man die Zwerghöhle nicht wieder finden können. * 6. Das Kloster auf dem Hausberge. Auf dem Hausberge unweit der Aschenhütte bei Hörden soll früher ein Nonnenkloster gestanden haben und in einem Kriege von Franzosen zerstört sein. Lange Zeit wurden die Nonnen in ihrem Kloster gefangen gehalten und die Feinde ließen sie bald verschmachten, und da wollten sie sich einen heimlichen Gang graben bis nach dem Forsthause Lüderholz, das an der Chaussee zwischen Herzberg und Osterode liegt. Dabei aber fanden sie eine silberne und eine goldene Glocke; wenn sie mit der silbernen Glocke läuteten, brachten Engel Speise, läuteten sie mit der goldenen, so brachten sie den schönsten Wein, und so wurden die Nonnen von den Engeln gespeist und getränkt, bis sie aus der Gefangenschaft erlöst waren. * 7. Das Hegerfeld. In der Nähe des Forsthauses Lüderholz liegt das Hegerfeld und daran gränzt das Bärenholz oder der Silberhai. Auf dem Hegerfelde aber hat ein Nagelschmiedemeister aus Herzberg Land gehabt, und als er eines Tages dort an seinem Acker gearbeitet hat, ist ein Handwerksbursche gekommen, der hat sich bei ihm in Dienst gegeben. Der Handwerksbursche aber hat statt der Nägel nur Geräthschaften geschmiedet, ist auch oft mit seinem Meister nach dem Hegerfeld gegangen, da haben sie ein Loch gegraben und viel Gold herausgeholt. Als nun der Meister davon wohlhabend geworden war und was im Burnus hatte, wurde der Gesell eines Tages so ängstlich und hieß seine Meistersleute einen Kessel mit Wasser herbeischaffen. Da ist auch alsbald eine Kugel in den Kessel geflogen, und der Gesell hat gesagt: die käme weit her und hätte ihn treffen sollen; hat sie auch sogleich wieder fortgeschickt und gesagt: jetzt träfe sie Den, der damit nach ihm gezielt hätte. Danach ist aber der Gesell fortgegangen und der Meister hat die Stelle auf dem Hegerfelde nicht wiederfinden können. Ein andermal hat auch ein Mann an seinem Acker gearbeitet und hat sich niedergelegt zu schlafen, da hat er, wie er so dagelegen, einen eisernen Kasten erblickt, ist hingeeilt zu der Stelle und hat lauter zinnerne Schüsseln darin gesehen. Die hat er eben herausnehmen wollen, da ist aber seine Frau gekommen und hat ihm zugerufen: »Hans Heinrik, wat makest de denn da?« Wutsch war der Kasten mit dem Zinn und den Schüsseln fort. Auch eine Jungfer mit Schlüsseln hat sich in der Nähe vom Hegerfeld und vom Forsthause Lüderholz gezeigt. Es soll auch auf dem Hegerfelde selbst früher das Dorf Hegerdorf gestanden haben. * 8. Das weiße Männchen und der Kartoffelfuhrmann. Zwischen Herzberg und Osterode ist ein Fuhrmann vom Eichsfelde mit einem vierspännigen Fuder Kartoffeln gefahren, da hat nicht weit von der Papenhöhe plötzlich ein weißes Männchen neben ihm gestanden. Da sind die Pferde niedergestürzt und die Wagenräder sind bis an die Axe in die Erde gesunken, dem Fuhrmann aber ist gewesen, als wäre der Wagen in lauter Granatbischen zersplittert. Das weiße Männchen ist auf den Wagen gestiegen und hat sieben oder neun Kartoffeln davon genommen, aus jedem Sack eine. Darauf hat es gesagt: jetzt hätte es sein Recht , und ist von dem Wagen heruntergestiegen. Sogleich sind Wagen und Pferde von selbst wieder in die Höhe gekommen und so leicht dahin gefahren, als wäre nichts geschehen. * 9. Der Vogelherd auf dem Rothenberge. Bei Pöhlde auf dem Rothenberge ist eine Stelle zu sehen, da hat ein Kaiser heimlich einen Vogelherd gehabt. Auch die Kaiserin Mathilde hat in Pöhlde einmal gewohnt, die hat immer ihre Dienerinnen in den Wald geschickt, damit sie die Vögel haben füttern müssen nach des Kaisers Tode, um seiner Seele Ruhe zu geben. * 10. Die Mönche von Pöhlde. Die Mönche in Pöhlde müssen zu Zeiten ihrer Sünden wegen umgehen, und dann sieht man sie scharenweise in Pöhlde herumstreifen. Wenn die Leute zu Pöhlde das bemerken, so sagen sie: Die Mönche haben diese Nacht einmal wieder Auflage gehabt. * 11. Die rothhaarige Jungfer von Pöhlde. Im Tumpenseesteiche zu Pöhlde sitzt eine Jungfer, die hat rothe Haare und läßt sich alle Nacht zwischen Elf und Zwölf sehen. Einem Burschen rief sie siebenmal zu, daß er ihr doch einmal an die rothen Haare greifen möchte, und als der es nicht wagte, sprach sie: nun müßte sie noch so lange wandern, bis aus einer Eichel eine Eiche aufwächst, die Eiche haubar und eine Hotze (Wiege) daraus gemacht würde; der Knabe, der dann in die Wiege zu liegen käme, könnte sie wieder erlösen. * 12. Der Mann ohne Kopf zu Pöhlde. Dicht bei Pöhlde und dicht am Rothenberge ist ein Stück Land, das heißt die Krambude . Da ist einmal ein Kerl ohne Kopf herumgelaufen und hat einem Burschen, der da etwas gefahren hat, die Pferde ins Buchenholz hineindrängen wollen, das sich am Rothenberge hinzieht. Der Bursche aber gab das nicht zu; da verschwand der Mann ohne Kopf und dabei war er wie ein Feuerklumpen anzusehen, hatte auch einen langen feurigen Schwanz. * 13. Das goldene Kalb. Auf der alten Burg auf dem Rothenberge bei Pöhlde geht zur Nachtzeit ein goldenes Kalb, das zeigt sich besonders da, wo sonst das Thor gewesen ist. * 14. Die vergrabene Pest. Bei Pöhlde befindet sich eine Stelle, die zu dem Kloster gehört hat, da ist eine eiserne Thür in der Erde und darunter ist viel nach Schätzen gesucht. Es soll aber einmal die Pest in Pöhlde geherrscht haben, da ist sie unter der eisernen Thür vergraben worden. Sagen von der Lonau und Sieber. * 1. Der Wilddieb von der Sieber. In der Sieber wurde 1853 ein Wilddieb durch Unvorsichtigkeit eines Jägers erschossen, dem lag vor vier Jahren ein kleiner Junge krank und man verzweifelte, daß er wieder genesen würde; da sprach der Wilddieb: stirbt mir der Junge, so schieß' ich den lieben Gott todt. Richtig, der Junge starb; da ging der Wilddieb hinaus, legte seine Büchse an und schoß in die helle Sonne. Gerade als dies geschehen war, verdunkelte sich durch Zufall die Sonne und der Wilddieb dachte wirklich, er hätte den lieben Gott erschossen, wurde sogar bange, daß ihm die Andern deshalb auf den Kittel steigen würden. Kurze Zeit nachher begab es sich, daß seine Frau einen kleinen Jungen gebar, da erkannten Alle, die das verstorbene Kind gekannt hatten, in diesem Kinde wieder das erste. Das Kind lebt noch, konnte schon wie es einige Wochen alt war sprechen, und erzählte oft von seiner Himmelsreise. * 2. Die Schatzgräber im Sieberthal. Vor vielen, vielen Jahren lag im Sieberthale, da, wo jetzt die sogenannte lange Wiese ist, eine Kupferhütte. Eine große Menge Schlacken, welche nun aber größtentheils zum Chausseebau verwandt worden sind, bezeichnen noch jetzt die Stelle ziemlich genau. – Die Besitzer der Kupferhütte, welche sehr reich gewesen sein sollen, sind gleich der Hütte selbst in einer Nacht verschwunden. Am andern Morgen war weiter nichts mehr zu sehen als ein großer Schlackenhaufen. Man sagt, sie hätten ihr Geld vor ihrem Verschwinden unter die Schlacken vergraben. Bald nachher sah man jede Nacht zwischen elf und zwölf Uhr eine blaue Flamme auf dem Schlackenhaufen leuchten, welche ein schwarzer Mann (der Böse) bis zwölf Uhr zu unterhalten suchte. Das Gerücht von einem Geldfeuer im Sieberthale verbreitete sich bald in der Gegend. Viele haben das Feuer auch gesehen, aber Keiner wagte es, den Schatz zu heben. Endlich fand sich ein Mann aus Lonau, welcher sich schon viel mit Schatzgräberei beschäftigt hatte. Er wollte auch diesen Schatz heben und nahm zu diesem Zwecke einige Leute von der lonauer Hammerhütte mit dahin. Auf dem Wege sagte er ihnen: »Daß aber Keiner beim Graben ein Wort spricht, sonst ist Alles verloren.« Die Leute versprachen es und gaben sich die Hand drauf. Mittlerweile waren sie zu rechter Stunde bei der Stelle angelangt. Sogleich ging die Arbeit vor sich, und es dauerte auch nicht lange, da kamen sie auf einen großen Kessel, welcher mit holländischen Ducaten gefüllt war. Jetzt mußte nur noch der Kessel gehoben werden. Schnell wurden Hebebäume herbeigeholt und nun ging's huhupp! huhupp! Bald war der Kessel heraus. Da hörte man auf einmal Fuhrwerk. Die Schatzgräber stellten ihre Arbeit ein Weilchen ein, um zu sehen, was es gäbe. Und siehe, ein Wagen kam daher im schnellsten Fluge mit vier Tauben bespannt. Der Fuhrmann sagte »Guten Abend, geht's gut?« aber Keiner antwortete. Gleich darauf kam ein Kerl in einer Mulde sitzend dieselbe Straße daher gerutscht und sagte ganz schnell: »Sollt' ich wol noch dran kommen? Sollt' ich wol noch dran kommen?« dabei arbeitete er mit Macht, um zu dem Taubenwagen zu kommen. Da lachte einer der Schatzgräber und sagte: »Müßte dek dä Düwel dran fahren!« Wupp! war die Flamme weg, auch der Kessel war verschwunden. Die Männer aber standen noch eine Weile auf der langen Wiese und machten lange Gesichter. Da bekamen sie mit einem Male graue Haare und starben bald darauf vor Gram. * 3. Der verwiesene Förster Kempf. In dem Harzdorfe Sieber lebte vor vielen Jahren einmal ein Förster mit Namen Kempf, der war sehr hart und unbarmherzig gegen seine Waldarbeiter. Wenn die Leute um Lohnerhöhung baten, dann erhielten sie zur Antwort: »Ich will euch noch züchtigen, daß ihr pfeifen sollt wie die Mäuse, und Heu fressen wie die Kühe.« Aber er mußte auch für diese Härte büßen; Läuse und Flöhe ließen ihm Tag und Nacht keine Ruhe, bis er starb. Kurz vor seinem Tode hat er auch ein Mädchen über einen Ameisenhaufen an einem Baum festgebunden und so haben die Ameisen sie zu Tode gequält. Nach seinem Tode hat er auch keine Ruhe gefunden, das zeigte sich schon bei seiner Beerdigung. Als sein Leichenzug sich von der Försterwohnung nach dem Kirchhofe bewegte, sahen sich einige von den Trägern um, da sahen sie, daß der Förster Kempf aus der Dachluke seinem Leichenzuge nachsah. Auch zu spuken hat er sogleich angefangen, unter Andern: bei den Fischreusen der Försterei am Sieberflusse, und wenn seine Frau beim Heumachen gewesen, ist er immer hinter ihr hergeschritten. In der Försterwohnung war nichts als Poltern und Spuken, sodaß kein neuer Förster wieder in das Haus ziehen wollte. Was war zu thun? Es wurde ein Pater bestellt, der den Förster verbannen sollte. Der Pater kam; als er aber sein Werk an dem Förster beginnen wollte, sagte Kempf: »Du kannst mich nicht verbannen, denn du bist ein sündiger Mensch, du hast das sechste Gebot übertreten.« Der Pater wußte nichts dagegen zu sagen und zog unverrichteter Sache ab. Darauf wurde ein anderer Pater beordert, als Der kam, sagte der Förster wieder: »Du kannst mich nicht verbannen, denn du bist ein sündiger Mensch.« – »Sage an«, sprach der Pater, »was habe ich gethan?« – »Du hast gegen das siebente Gebot gehandelt. Du hast eine Möhre vom Felde gestohlen.« – »Ja,« antwortete der Pater, »ich habe freilich in meinen Schülerjahren einmal eine Möhre ausgezogen, um meinen Durst am heißen Tage damit zu stillen; aber ich habe auch in die dabeistehende Möhre ein Viergroschenstück gesteckt, womit die Möhre mehr als bezahlt war.« Da mußte der Förster schweigen und die Verweisung begann. »Erscheine in deiner Jägerkleidung«, sprach der Pater mit harter Stimme. Der Förster aber kam in einer fürchterlichen Gestalt. »Fort!« schrie der Pater, »so will ich dich nicht sehen.« Er mußte fort, kam aber immer wieder in so gräßlicher Gestalt. Zum vierten Male kam er endlich heulend und schreiend in seiner Jägerkleidung. »Halt!« rief der Pater, »zwischen der Thür bleibst du stehen, mit einem Fuße in der Stube, mit einem auf der Diele.« Darauf fuhr er fort: »Ich sage dir, daß du mit dem heutigen Tage dies Haus räumst und deinen Aufenthalt im Rothen Meere nimmst.« Nun begann der Förster zu bitten und zu flehen: »Ach, laß mich doch hier, wenn's auch nur im Keller ist!« – »Nein.« – »So laß mich im Stalle.« – »Nein.« – »Gib mir ein Plätzchen auf dem Hühnerwiemen!« – »Nein«, sagte der Pater, »fort mit dir.« Da heulte der Förster fürchterlich. Der Pater aber ließ die Pferde vor seinen Wagen spannen. Als er wegfuhr, sah man eine Schleife hinter dem Wagen des Paters mit Hühnern bespannt , auf der Schleife aber saß heulend der Förster und wurde so in das Rothe Meer gebracht, wo er sich noch jetzt aufhalten soll. Im Försterhause aber war es fortan ruhig. Andere erzählen die Verweisung selbst also. Dem ersten Pater hat Kempf vorgehalten, er sei nicht rein, er habe einmal als Kind eine Rübe ans einem fremden Acker ausgezogen und nicht bezahlt, da hatte der Pater keine Macht über ihn. Es kam ein zweiter Pater, dem hielt Kempf vor, er habe als Kind auf fremdem Acker eine Erbsenschote abgerissen und nicht bezahlt. Da hatte auch der keine Macht über ihn. Einem dritten Pater hielt Kempf vor, er habe als Kind eine Kornähre von fremdem Felde mitgenommen und nicht bezahlt. Der aber sagte, die sei ihm von selbst in den Schuh gefallen, und verwies Kempf ans Rothe Meer. Ein Fuhrmann mußte Kempf bis an die siebersche Gränze bringen und der Pater rieth ihm, wenn Kempf ihm dort die Hand geben wolle, den Peitschenstock hinzuhalten, und sich dann nach Kutsche und Pferden nicht noch einmal umzusehen. So hat der Fuhrmann auf der Gränze auch gethan, und der Peitschenstock ist sogleich kohlenschwarz gewesen, als Kempf ihn angefaßt hat. Pferde und Wagen aber sind plötzlich mit ihm verschwunden. * 4. Das Kußregister. (Schwank.) Auf der Lonau war früher ein Gesetz, daß, wenn ein Junggesell einer Jungfer wollte einen Kuß geben, so mußte er's vorher beim Ortsvorstande anzeigen. Kam es einmal an den Tag, daß ein Liebespaar beisammen gewesen war, das vorher davon keine Anzeige gemacht hatte, so mußten die Junggesellen und die Jungfrauen ein volles Jahr lang jeden Monat einmal die Straße reinigen. Dabei hatten die Burschen dann einen Strohkranz auf dem Kopfe und die Mädchen trugen ein Seil um den Leib. Das Buch ist aber nachher so dick geworden, daß zehn Pferde es nicht von der Stelle schaffen konnten, und wer damals auf der Lonau sehen wollte, ob seine Braut ihm treu sei oder ob sie's auch noch mit Andern hielte, der brauchte blos zum Herrn Vorsteher zu gehen und das Kußregister nachschlagen zu lassen. So wird in Lerbach erzählt. * 5. Verkündigung des Friedens. Ehe nach den Franzosenkriegen Frieden wurde, zeigte sich einer Frau in der Lonau der liebe Gott am Himmel auf einem Stuhle sitzend. Sagen von Scharzfeld. * 1. Die Zwerglöcher bei Scharzfeld.   I. Im Gemeinholze bei Scharzfeld, auf der sogenannten » Sneie « ist die Zwerghöhle, da haben früher die »Querge« gewohnt. Sie stahlen Kinder, die von den Arbeitsleuten auf dem nahen Felde in die Kiepe gesetzt waren, und setzten für die gestohlenen Kinder kleine Zwerge hinein. Wenn dann die Mütter nachher zu ihren Kiepen gingen, um zu sehen, was ihre Kinder machten, so erblickten sie statt ihrer Zwergkinder. Wenn dann die Mütter laut schrien, so brachten die Zwerge die Kinder wieder und nahmen ihre Zwergkinder wieder mit fort. Aber nicht immer nahmen sie die Kinder blos so zum Scherz. Einmal kam ein alter Zwerg zu der Edelfrau auf dem Gute Scharzfeld, und sagte: Wenn sie das Räthsel nicht errathen könnte, das er ihr aufgeben wolle, so nähme er ihr Kind weg. Das Räthsel aber lautete also: Heute brau' ich, Morgen back' ich, Uebermorgen bin ich Edelkind. Edelfrauen, ich weiß, Daß ich Fidlefitchen heiß'. Das hat die Edelfrau nicht rathen können, da hat ihr der alte Zwerg ihr Kind weggenommen und einen kleinen Zwerg dafür untergeschoben. Da haben sie lange auf dem Gute einen kleinen Zwerg als Edelkind gehabt und das hat der alte Zwerg mit seinem Räthsel gemeint. Die Zwerge von Scharzfeld gingen auch des Nachts auf die umliegenden Dörfer und holten Braten und Alles fort, was sie dort in den Häusern vorfanden. Am liebsten aber gingen sie auf das Erbsenfeld des Gutsherrn und naschten zur Nachtzeit die Erbsen weg. Dabei hatten sie ihre Nebelkappen auf und dadurch wurden sie unsichtbar. Später aber nahmen die Leute einen langen Leigesiemen , das ist eine Leine, womit die Pferde beim Pflügen gelenkt werden, zogen die über alle Gränzen der Felder hin und davon fielen ihre Nebelkappen vom Kopfe und sie wurden sichtbar. Darauf wurden sie tüchtig durchgeprügelt, und dadurch sind sie scheu geworden und haben sich weggezogen bis auf Einen, der da jetzt noch geht.   II. In der Zwerghöhle bei Scharzfeld sind in späterer Zeit viele Menschen gewesen, aber Keiner ist ans Ende gekommen. Hinten in dieser Höhle fließt ein Wasser, darüber liegt eine Brücke. Wer über diese Brücke kommt, der hat gewonnen und bekommt viel Gold, Diamanten und dergleichen Schätze mehr, denn in diesem Wasser findet man das reinste Gold. Einst hat es auch ein Jäger versucht an diese Stelle zu gehen, aber der ist nicht wieder herausgekommen. Nachher hat man ihn mit seinem Hund versteinert in der Mitte der Höhle gefunden. Nur Einer ist einmal über den Fluß gekommen, das ist ein Waldarbeiter aus Scharzfeld gewesen, der hat Gehr geheißen. Ihm hat der Böse einen Sack voll Steine gegeben; wie er nun aus der Höhle war, ward ihm der Sack zu schwer, und als er nun sah, daß es Steine waren, die er in dem Sacke hatte, warf er sie wieder vorn in die Höhle. Nur seine Taschen steckte er voll, wie er aber mit den paar Steinen zu Haus ankam, war es lauter Gold. Schnell lief er wieder hin zur Höhle, aber die andern Steine hatte der Böse schon selbst wieder zu sich genommen.   III. Vor diesen Zwerghöhlen haben früher Aepfelbäume gestanden. Da ist denn einmal Einer gekommen, der ist in den Baum gestiegen und hat sich Aepfel stehlen wollen; wie er nun im besten Zuge war, da kam auf einmal Einer und vergrub Geld, zu gleicher Zeit erschien der Böse und sagte: Dieses Geld könne nur Einer wieder bekommen, der ihm zwei Zwillinge brächte, die Ein Haar hätten. Das hörte der im Aepfelbäume. Den andern Tag aber gebar seine Ziege zwei Lämmer, die hatten beide Eine Farbe und waren kolkrabenschwarz. Da dachte er an den Ausspruch des Bösen von gestern Abend, und führte sogleich die Ziegenlämmer unter den Aepfelbaum. Da erschien der Teufel, nahm die beiden Lämmer in Empfang und er bekam das Geld. * 2. Die Steinkirche bei Scharzfeld. Die Steinkirche bei Scharzfeld ist von einem Schweinehirten mit einem hölzernen Beile im Felsen eingehauen; und doch kann jetzt die beste Stahlfeile nichts davon abhauen. Auch ist hier eine Glocke, die tief verscharrt in der Erde gelegen hat, von einer Sau mit zehn Fickeln (Ferkeln) aus dem Boden gewühlt und dann von einem Hirtenmädchen mit einem Haarbande aus der Steinkirche herausgezogen. Dieselbe läutet jetzt noch in Scharzfeld und dabei spricht sie immer: Su fand, Jungfernband. * 3. Kaiser Heinrich IV. auf Scharzfels. Aus Zeiler und andern Chronisten ist uns bekannt, daß der Kaiser Heinrich IV. in Liebe entbrannte zu einer Gräfin von Lauterberg auf Scharzfels, den Grafen 1080 durch einen Auftrag von Scharzfels entfernte und auf der Jagd dort einkehrte. Durch Anstiften eines Mönchs im Kloster Pöhlde, der ein Schwarzkünstler gewesen und sich mit dem Kaiser aufs Schloß verfüget, bewältigte er listig die edle Frau und beraubte sie ihrer Ehren. Da fuhr ein Burggeist, welcher sich bis dahin immer am Hohenthurm und in der Küche aufgehalten hatte, durch den Thurm in die Luft hinaus, nahm das Dach des Thurmes mit hinweg, machte ein gewaltiges Lamento und schrie, daß an der verübten Unthat der Mönch mehr schuldig wäre als der Kaiser, für den später dieser Vorfall auf Schloß Scharzfels verhängnißvoll geworden sein soll. Nachdem der Burggeist so das Verborgene ans Licht gebracht hatte, duldete er kein Dach mehr auf dem Thurme, Dieser Burggeist war, wie ich mündlich erfahren, mit den Burgherren, deren Frauen er bewachte, überhaupt in so gutem Einverständniß, daß er oft vor dem Schlosse stand, wenn der Burgherr heimgeritten kam, um ihm sogleich Bericht abzustatten, falls ein Unglück geschehen war. In neuerer Zeit sind auf Burg Scharzfels auch große Sängerfeste veranstaltet; dann richtete der Burggeist, den Andere auch einen Zwerg nennen, es jedesmal so ein, daß die Festlichkeit durch den Regen gestört wurde, – er will nun einmal auf Burg Scharzfels keinen Frohsinn mehr dulden. * 4. Die Frau von Scharzfels. Die Frau von Scharzfels bekam auf der Flucht einen Stein in den Schuh. Sie zog den Schuh aus, schüttete den Stein aus, der wuchs immer mehr und mehr, zum Verwundern. ist jetzt ein mächtiger Fels, und heißt zum Andenken an die eilige Flucht der Burgfrau der Eilenstein. Wo er sich befindet, wußte der Erzähler nicht anzugeben. * 5. Die Jungfer von Scharzfels. Auf Scharzfels wohnt eine Jungfer mit Schlüsseln, die steigt zu Ostern von der Burg herab und wäscht sich drunten in der Brämecke. Sagen der lauterberger Gegend. * 1. Lauterberg. Lauterberg hat früher an einer andern Stelle gestanden als jetzt und lag da, wo jetzt das Försterhaus liegt, an der Straße von Lauterberg nach Andreasberg. Damals haben aber zu Lauterberg oder Lutterberg die alten Grafen von Lutterberg gewohnt, sowie in früherer Zeit auch ein Herr von Lauterberg am rehberger Graben wohnte. Die Grafen von Lauterberg hatten einmal Besuch von den Mönchen zu Walkenried und da saßen sie zu Lauterberg und spielten miteinander Karten. Dabei entstand erst Kreiderei (Zank) und dann Schlägerei und dabei lief einer der Mönche auf den Boden und legte Feuer an. Da ist das alte Lauterberg ganz abgebrannt und das neue ist an der jetzigen Stelle wieder aufgebaut, weiter unten hinab im Thale. Die Stelle aber, wo das alte Lauterberg gestanden hat, hieß lange Zeit Mönchsbrandstelle . Der Name ist jetzt abgekommen, doch der Mönch hat lange Zeit auf jener Brandstelle umgehen müssen und ist noch nicht lange von einem armen Reisenden erlöst. Dieser vollführte die Aufgabe, durch deren Lösung der Mönch erlöst werden konnte, und wurde reichlich von ihm dafür belohnt, sodaß er hinfort nicht mehr nach Arbeit zu suchen brauchte. * 2. Die Lutterjungfer und die Frau Holle auf dem Hausberge. Nahe bei der alten Burgstelle oben auf dem Hausberge ist der Eselsborn, von dem soll früher das Wasser auf Eseln nach der Burg geschafft sein. Zu ihm hat die Lutterberger Jungfer oder die Lutterjungfer die Schlüssel, wie man den Kindern sagt, und wenn sie aufschließt, so gehen die Leute hin und holen sich mit der Brunnenstange, woran eine Semmel gebunden wird, einen kleinen Jungen oder ein kleines Mädchen heraus. Die Mädchen gehen deshalb auch dorthin und rufen: Schlüsseljungfer, bring uns einen kleinen Jungen oder ein kleines Mädchen. Wenn die Kinder unartig sind, so sagt man ihnen: Sei still oder wir bringen dich wieder hin nach dem Eselsbrunnen Ein ganz kleiner Knabe erzählte: Wenn die Kinder vor den Eselsbrunnen hinträten und sprächen »Duck, duck, duck«, so kämen Esel heraus und holten sie hinein. Es soll auch ein Brunnen in dem alten lutterberger Schloßkeller sein. An jedem ersten Ostermorgen steigt die Jungfer vom Hausberge herunter und wäscht sich dort in der Lutter. Dabei hat sie einmal Jemand gesehen, dem hat sie eine Maulschelle gegeben, weil er sie angeredet hat. Hätte er es nicht gethan, so hätte er sie erlösen können. Im Burgkeller bewacht sie große Schätze und Manche sagen, wer sie erlösen wolle, müsse sich lange Zeit dort neben dem Brunnen verstecken. Auch die Frau Holle sitzt oben auf dem Hausberge und wird von Einigen die Kammerfrau der Lutterjungfer genannt. Oft wäscht sie ihren Schleier drunten in der Lutter, und wenn's auch die ganze Woche regnet, hofft man doch in Lauterberg den Freitag und Sonnabend noch auf gutes Wetter und sagt: Die Frau Holle muß doch zum Sonntag ihren Schleier wieder trocken haben. * 3. Das Glockenhaus von Lauterberg. Als die Lauterberger ihre Kirche gebaut hatten, wußten sie wie die Bewohner vieler Harzörter nicht, wo sie mit dem Glockenhause hinsollten, denn wohin sie es auch an der Berglehne ihres Thales stellten, immer konnte man doch das Läuten nicht hören. Endlich brachten sie es oben auf den Krummelberg, von wo aus allein der lange Ort zu übersehen ist, aber man hörte das Läuten noch immer nicht. Sie ließen dort das Glockenhaus die Nacht über stehen, und da trugen es in der Nacht Geister gegenüber auf den hohen Hausberg. Von dort aus konnten die Lauterberger nun das Läuten hören und das Glockenhaus hat lange dort gestanden; jetzt aber steht es nicht mehr dort. * 4. Der Schatz zu Laßfelde. Ein junger Bauer Namens D...... in Laßfelde träumte drei Nächte hintereinander, er solle auf eine Brücke vor Lauterberg gehen, da würde er etwas Neues erfahren. Nach der dritten Nacht ging er auf die Brücke und da kam ein Schneidermeister , der fragte, was er da säße. Da erzählte er, was ihm geträumt hatte und da sagte der Schneidermeister: bei D. in Laßfelde stände unter einem Baume ein Kessel voll Geld, das hätte der alte D. da vergraben und wenn man zwei schwarze Ziegenböcke, die ein Jahr alt wären, nähme und die auf der Stelle tanzen ließe , so könnte man erlangen, daß das Geld blos würde . Da ließ er zwei solche Ziegenböcke da tanzen und dadurch ward da ein kleiner Braukessel mit Geld los. Den hat er mit seiner Frau herausgehoben, aber sie haben immerfort dabei gesprochen und als sie es in die Stube gebracht haben, ist es von dem Schwatzen nichts als Pferdedreck gewesen. Da warfen sie den Pferdedreck auf die Mische (den Mist). Nachher aber kam eine Frau, die hielt um etwas Pferdemist an, um den Kessel damit auszukochen, da gaben sie ihr von diesem Mist und als sie damit nach Haus kam, war es Gold. Da kam die Frau wieder und wollte ihnen den ganzen Hucken (Haufen) Pferdemist abkaufen. Sie gaben ihr den ganzen Hucken hin und als sie ihn eine Zeit lang im Hause hatte, ist der Pferdemist bei ihr wieder Gold geworden. Nach kurzer Zeit wechselte die Frau bei D. Gold und sagte dabei, daß es von dem Pferdemist wäre und da hat der Bauer D. sich aus Aerger erschossen. * 5. Die Federn. Vor zwanzig Jahren fand ein Mann Namens Bennholz in Steina zwischen Lauterberg und Sachsa auf seiner Scheune, die er am Abend vorher ganz rein abgefegt hatte, nichts als gelbe Federn. Er nahm eine Hand voll davon, ging damit zu seiner Frau und zeigte sie der. Nun nahm er einen Besen und wollte die Scheune von neuem abfegen, da lag keine einzige Feder mehr da. Die Frau aber hatte die Federn, welche ihr ihr Mann gebracht hatte, auf den Tisch gelegt, und als sie zu Mittag essen wollten, ist es Gold gewesen und hat fünfundfünfzig Thaler an Werth gehabt. * 6. Die Buche bei Osterhagen. Vor Osterhagen ist ein Platz, wo Büsche stehen und der die Buche heißt. Dort ist ein Loch, da sitzt ein Hund mit glühender Zunge drin. Ein solcher Hund soll auch lange Zeit in einem Hause zu Osterhagen gewesen sein. Auch sollen sich aus der Buche vor Osterhagen einmal vor den Pferden eines Fuhrmanns her zur Nachtzeit zwei Knaben gebalgt haben, und sind dann plötzlich verschwunden, man weiß aber nicht, was das zu bedeuten gehabt hat. * 7. Das Grundelos bei Osterhagen. Das Grundelos, das unweit Osterhagen nahe bei einem Walde liegt, war früher ein Garten; darin war die Eigenthümerin des nahen Hauses; da rief draußen eine Stimme. »Salz! Salz!« Da ließ die Frau ihre Kiepe stehen, eilte hinaus und wollte Salz kaufen, es war aber Niemand da. Wie sie sich noch umsah, kam auch schon ihre Kiepe auf dem Wasser des Grundelos daher geschwommen, denn der Garten hatte sich in einen Erdfall verwandelt. Man sagt in Osterhagen den Kindern, daß aus dem Grundelos die neugeborenen Knaben, aus dem Fischloch aber die Mädchen gezogen würden. * 8. Krodenhagen. Unweit Osterhagen liegt Krodenhagen, welches jedoch nur der Name eines Forstes sein soll. Dort in der Nähe befindet sich auch die Kreuzwiese und die »gräfliche Kuhle«; da hat sich eine Jungfer mit Schlüsseln gezeigt und angekündigt, daß dort Geld vergraben sei. Auch liegt bei Krodenhagen ein Stein, vielleicht auf der Kreuzwiese, bei dem zwei Brüder einander erschossen haben sollen. Sagen vom Weingartenloch, Römerstein und Nixei. * 1. Römerstein und Nixei. Wie die Teufelsmauer am Nordrande des Harzes vom Teufel als Gränzscheide seines Reiches errichtet wurde, so an der Südseite der Römerstein. Von fruchtbaren Aeckern und Wiesen umgeben, auf einer Seite mit frischem Laubholze bekränzt, steigt der kegelförmige nackte Berg empor, auf dessen Rücken zackige Felsen wie Ruinen einer Burg sich heben. Nach der Volkssage wohnten sonst gewaltige Riesen hier; drüben im blanken Alabaster des Sachsensteins gegenüber mächtige Zwerge mit ihrem Könige; vor diesen kleinen Zwergen schwebten die talpigen Riesen in solcher Furcht, daß sie diese Felsburg aufthürmten, um vor dem Zwergkönige drüben sicher zu sein. Sein Haupthaar und Bart war weiß, wie das Gestein hier umher; vom Scheitel war ihm eine helle Krystallkrone emporgeschossen. Einst durchschweifte ein Jüngling, Romar geheißen, den Wald und fand unter einem Baume schlafend die Ruma, eine wunderschöne Jungfrau; die Herzen fanden sich, aber Beide erschraken, als sie entdeckten, daß er ein Hünenkind, sie die Tochter des Zwergkönigs war, da sie also zwei gegenseitig feindlichen Mächten angehörten; jedoch die Liebe verscheuchte jegliches Bedenken, jahrelang lebten Beide in glücklicher aber heimlicher Ehe. Da überraschte sie einst bei ihrer Umarmung der Zwergkönig; zornentbrannt schleppte er seine Tochter in die tiefsten Berghöhlen, zerschmetterte sie an dem zackigen Felsen, den Jüngling aber packten zahllose Zwergscharen und trieben ihn blutend von dannen. Die unglückliche Ruma, von boshaften Kobolden bewacht, versuchte auf jede Art ihre Rettung; sie verwandelte sich in eine Wassernixe und suchte als Quelle einen Ausweg, um an das Tageslicht und zu ihrem Gatten zu kommen; aber immer drängte sie der grausame Vater in die Erdtiefe zurück. Endlich nach vielen Jahren gelang es ihr, als vollendeter Strom hervorzubrechen. Die Höhle, worin die trauernde Frau so lange eingekerkert geweint hatte, heißt der Garten des Weinens, Weingartenloch , und in ihr bezeichnen tiefe Erdfälle und das schauerliche Rauschen unterirdischer Bäche den Weg der Nixe, bis an der Gränze des Gypsfelsens ein Strom hervorbricht, die Rume , zum Andenken der Verbannten also geheißen; die Stelle, wo Romar die Nixe Ruma zuerst sah, heißt jetzt noch Nixei, und der Fels, auf welchem Romar einsam sein Leben vertrauern mußte, wurde Römerstein genannt. – Doch nicht ganz und gar und immer mußten die beiden Gatten einander meiden. Denn der Erdgeist oder Zwergkönig war bei der Wiederkehr gewisser Zusammenstellungen der Gestirne in gänzlicher Ohnmacht gefesselt, und dann erschien plötzlich, in dem alten Bette, der Spiegel des Nixteiches in der Nähe des Römersteins, verschwand jedoch ebenso schnell mit der Rückkehr des Zwergkönigs. – Auf dem Römerstein soll auch eine Jungfer zu sehen sein, die sich im Sonnenschein das Haar kämmt, und dabei fallen ihr Goldperlen vom Kopfe. Besonders ein Schweinhirt hat sie oft so hinter einem Dornbusche sitzen sehen, da wo das untergegangene Dorf Lüttchenrode gestanden hat. * 2. Das Weingartenloch.   I. Unweit Osterhagen und Steina und dem Forsthause Nixei liegt das Weingärtnerloch oder Weingartenloch. Die es Weingärtnerloch nennen, erzählen, daß außer vielen andern Menschen auch einmal ein Weingärtner aus einer fremden Gegend, der dort nach Schätzen suchte, darin umgekommen sei. Die es Weingartenloch nennen, erzählen, hier sei früher ein Garten gewesen und die Eigenthümerin desselben habe ihren Kindern ein paar Weintrauben gebrochen. In ihrem Hause sei aber Besuch angekommen und das jüngste Kind habe die Mutter deshalb gerufen, daß sie nach Haus kommen solle. Als die Mutter aus dem Garten getreten, sei derselbe untergegangen, und es sei ein großes Loch da gewesen, welches mit Wasser vollgefüllt gewesen sei.   II. Der Hirt von Osterhagen hat einmal hinter einem Eichenbusch gelegen, da sind aus dem Weingartenloch zwei Männer hervorgekommen, haben sich auf einen Stein gesetzt und da getrunken. Dabei haben sie ihm gewinkt und er ist zuletzt auch hingegangen und hat mit getrunken. Darauf hat er sich wieder hinter den Eichenbusch gelegt und ist eingeschlafen. Als er nach einiger Zeit aufwacht, liegt er in einer prachtvollen Kammer und in einem kostbaren Bett; davor auf einem Stuhle hat auch Zeug gelegen, aber nicht seine Hirtenkleidung, sondern schmucke vornehme Gewänder. Er kleidet sich an und weil er nicht weiß, was das Alles zu bedeuten hat, so zieht er endlich auch einen Glockenzug, der dort hängt, und darauf erscheint eine Dienerin. Sie führt ihn von seiner Kammer herunter, und so wird er gewahr, daß er sich in einem großen Kaufmannshause befinde; da haben unten die beiden Männer, mit denen er getrunken hat, hinter dem Kaufmannsladen als Ladendiener gesessen. Sie haben auch jetzt nichts gesagt, doch ist der Eine von ihnen mitgegangen und hat ihn in der Stadt umhergeführt, in der das Haus gelegen hat. So hat er ihn dreimal im ganzen Hause umhergeführt, da hat er endlich zu reden angefangen und den Hirten gefragt: ob er Lust hätte nach seiner Heimat zurückzukehren. Als er darauf mit Ja geantwortet, hat der Kaufmannsdiener gesagt, er solle sich wünschen, was er aus dem großen Kaufmannshause mitnehmen wollte, ihm auch gerathen, er solle sich entweder einen goldenen Hirsch oder einen goldenen Hasen wünschen. Darauf hat der Hirt scherzend geantwortet: So wollte er sich einen goldenen Hasen wünschen, der könnte wol am besten laufen. Danach hat der Hirt sich wieder in das kostbare Bett legen müssen, und als er aufgewacht ist, hat er wieder hinter dem Eichenbusch beim Weingartenloch gelegen. Auch hat er sein Hirtenzeug angehabt wie gewöhnlich, neben ihm aber hat ein goldener Hase gelegen. Ueberdies hat noch ein Stein neben ihm gelegen und von dem hat ihm der Kaufmannsdiener, ehe er sich wieder in das kostbare Bett gelegt hat, gesagt: Wenn er mit dem Steine vor das Weingartenloch käme, so würde sich das vor ihm aufthun. Seine Kühe sind verschwunden gewesen und als der Hirt nach Osterhagen zurückgekommen ist, hat er vernommen, daß die Leute ihr Vieh an jenem Tage haben in der ganzen Gegend zusammensuchen müssen. Für den goldenen Hasen hat dem Kuhhirten nachher ein Jude zweitausend Thaler ausgezahlt. Den Stein aber hat er später einmal auseinander geschlagen und die eine Hälfte davon einem treuen Kameraden gegeben und ihn aufgefordert, mit ihm in das Weingartenloch zu steigen. Als sie nun Beide darin gewesen, sind sie auseinander gekommen, und da hat sein Kamerad die Hälfte des Steins, die er in Händen gehabt hat, weggeworfen, und deshalb hat er sich nicht wieder zu ihm finden können. Der Kuhhirt aber, der die Hälfte des Steins in der Hand behalten hat, ist glücklich wieder ans Tageslicht gekommen und hat große Schätze an edlem Erz aus dem Weingartenloch getragen.   III. Aus dem Weingartenloche haben sich zwei andere Männer ein großes Vermögen herausgeholt, aber jedesmal einen Dritten mit hineingenommen, den sie da geopfert haben und der von einem Hunde zerrissen ist. Sie sind nun elfmal im Weingartenloche gewesen und es hat Keiner mehr mit hinein wollen. Zuletzt hat sich doch noch ein Mann aus Osterhagen Namens Schlosser gefunden. Der hat eine junge Frau gehabt, und weil Jeder, den die Beiden mit in das Weingartenloch hineingenommen haben, sich erst hat waschen und ein reines Hemd anlegen müssen, so hat die Frau ihm, ohne daß er es gewußt hat, in das Hemd Dill, Dust und Allermannsherrnkraut genäht und hat ihn das anlegen lassen. Nun sind die Drei in das Weingartenloch gestiegen und als sie ans Ende des großen Raumes gekommen, hat da ein großes Wasser gelegen, darüber hat eine steinerne Brücke geführt. Als sie über die Brücke gegangen sind, kommen sie an eine eiserne Thür und gelangen von neuem an eine Höhle, darin hat ein großer schwarzer Hund gelegen. Das ist der Teufel gewesen, von dem auch erzählt wird, daß er leibhaftig gleich hinter der Brücke sitze. Der Hund hat sie hingeführt zu den Gold- und Silbererzen und sie bedeutet, daß sie davon einpacken sollten, so viel sie möchten. Als sie nun ihre Säcke voll gehabt haben, wollen sie wieder den Mann, den sie mitgenommen haben, als Opfer zurücklassen. Allein weil in dessen Hemd die Kräuter eingenäht sind, so sagt der Hund: an Dem hätte er keinen Theil. Da müssen die Beiden dreimal unter sich losen, und dreimal trifft den Einen von ihnen das Loos. Da ergreift ihn der Hund und reißt ihn voneinander, und dabei hat die ganze Höhle gezittert und gekracht. Die beiden Andern sind mit ihren Schätzen davongezogen, haben aber nachher die eiserne Thür nicht wiederfinden können, weil Der, dem der Hund das zwölfte Mal geöffnet hat, allein den Spruch gewußt hat, vor dem die Eisenthür aufgegangen ist.   IV. Ein Mann aus Gandersheim ist jedes Jahr in der Nacht vom Grünen Donnerstag bis Stillen Freitag in der Stunde von Elf und Zwölf ins Weingartenloch gegangen und hat sich aus demselben viel Geld und Edelsteine geholt. Wenn er aber herausgekommen ist, so hat er mit Niemand sprechen dürfen. Dies hat er viele Jahre lang getrieben und sich in Gandersheim von den Schätzen große Ackerhöfe gebaut. Einstmals sind die Leute aus Osterhagen ihm nachgefolgt und haben mit ihm reden wollen. Wie er nun herausgekommen ist, da ist er vor den Leuten verschwunden, und ist sowol in Osterhagen als auch in Gandersheim nie wieder gesehen worden. In derselben Nacht sind aber in Gandersheim seine ganzen Ackerhöfe abgebrannt, und ebenso schnell, als er sie bekommen hat, sind sie verschwunden.   V. Es ist noch nicht fünfzig Jahr her, da kam ein Mann von Eimbeck und gedachte, in der Höhle einen guten Fang zu thun. Er war mit Allem wohlversehen, brachte auch Gefährten mit von Lauterberg und kroch hinein. Da hielt ihn aber einer der Gänge, durch den er sich hindurchzwängte, fest, sodaß er weder vor- noch rückwärts konnte. Vergebens ward Bergmannschaft aufgeboten, ihn aus dem Weingartenloche zu holen, und bei den Versuchen, ihn loszumachen, wurde ihm zuletzt der Kopf abgerissen. Es wird auch erzählt, daß Zwerge, Berggeister und der Bergmönch im Weingartenloche umgingen. Daneben liegt die » Wolfskuhle «. Sagen von der Sachsa, dem Sachsenstein und Walkenried. * 1. Die Zwerge vom Sachsenstein. Der Weg, der jetzt von dem preußischen Städtchen: die Sachse, nach dem braunschweigischen Klosterorte Walkenried am Sachsenstein in der Grafschaft Hohenstein vorbeiführt, wurde früher fast gar nicht gegangen. Denn, wie noch jetzt die Zwerglöcher zeigen, so wohnten im Sachsenstein gar viele Zwerge und darum fürchteten sich die Leute, wiewol die Zwerge sehr munter waren und immer eine forsche Musik vor dem Sachsenstein gehört wurde. Besonders scheuten sich die Frauen vorbeizugehen, denn eine Frau, die einst vorbeiging, hatten die Zwerge ergriffen und lange gefangen gehalten. Kein Erbsenfeld ringsumher war vor ihnen sicher und man hörte sie oft darin schmatzen, wie die Schweine, ohne daß man sie sah, denn sie hatten dabei ihre Hehlkappen oder Verheltnißkappen auf. Die Zwerge haben auch unter sich Hochzeit gehalten und Kindtaufen gefeiert, und dazu Reisbrei gegessen und es ist dabei sehr lustig hergegangen im Sachsenstein; auch gingen sie nach auswärts bei den Leuten auf Kindtaufen und Hochzeiten. Auf der Kindtaufe waren sie einmal beim alten Gödeke in Bräunrode mit ihren Hehlkappen; da aßen sie Alles auf, ohne daß sie Jemand sah, der alte Gödeke aber braute Bier in einer Eierschale, da verriethen sie sich, denn nun mußten sie sprechen: So bin ich doch so alt Wie der Döringerwald Und habe noch nicht gesehen in einer Eierschale Bier brauen. An einer Hochzeit in Bräunrode fanden sie auf einem schönen Saale die Tafel gedeckt und setzten sich lustig zu Tische, wurden aber gar kleinmüthig, als sie merkten, daß Kümmel im Brote war. Einst hütete ein Schäfer in der Nähe des Sachsensteins, da hörte er auch die Musik, räumte mit seinem Hakstocke vor den Zwerglöchern auf und hat die Zwerge und die Zwergmusikanten alle gesehen, ist auch eingeladen worden, an der Festlichkeit Theil zu nehmen, und dann ganz unversehrt wieder aus dem Sachsenstein hinausgegangen. Ein andermal brachen Maurer Steine vor dem Sachsenstein, da kamen Abends Zwerge daher, hielten ihre Hehlkappen in der Hand, sodaß die Maurer sie sehen konnten, und sprachen: sie möchten jetzt nur heimgehen, ihr Werkzeug da lassen, sich um nichts kümmern und ihnen am andern Morgen Brot mitbringen, dann solle die Arbeit schon gethan sein. Das thaten die Maurer auch, kamen am andern Morgen wieder, legten das Brot vor den Sachsenstein, nahmen ihr Werkzeug, welches da lag, dafür hin und luden die Steine auf die Wagen, welche die Zwerge ihnen befohlen hatten sogleich mitzubringen. Aber nicht immer waren die Zwerge vom Sachsensteine so gut und hilfreich gegen die Menschen, denn sie stahlen ihnen Kinder und schoben ihre Wechselbälge dafür unter, brachen auch zu ganzen Haufen in die Bäckerladen in der Sachsa und zu Walkenried ein und stahlen Brot. Da rieth ein Mädchen den Leuten, daß sie Kümmel ins Brot backen sollten, das konnten die Zwerge nicht vertragen und wurden krank davon, nahmen auch zur Strafe das Mädchen gefangen, als es einmal am Sachsensteine vorbeiging, und mishandelten es gar sehr. Von der Zeit an wurde kein Brot ohne Kümmel mehr gebacken und nur wenige Zwerge, welche Kümmelzwerge genannt wurden, konnten das vertragen, denen gaben die Leute das Brot gern und sie gehen vielleicht jetzt noch in der Gegend. Die Andern aber versammelten sich vor dem Rathhause in der Sachsa zum Abmarsch und als sie abgezogen sind, hat der Sachsenstein geklungen, als wenn ein großer Goldkessel drin wäre, und die Zwerge sind auch mit voller Musik oder, wie Einige sagen, mit Gesang durch die Sachsa gezogen. In der Sachsa war großes Leben, als es hieß: die Zwerge kommen jetzt durchgereist, und große Freude, daß sie fortzogen. Vor dem Rathhause riefen sie immerfort, indem sie über ihren Abzug unterhandelten: »Wollt ihr ein ewiges Bergwerk haben oder von einem Jeden von uns einen Pfennig?« Da antworteten die Leute in der Sachsa: von Jedem einen Pfennig. Manche erzählen auch, die Zwerge hätten gefragt, ob sie etwas Gewisses oder ob sie nach ihrem Belieben geben sollten, und da hätten die Sachsaer in ihrer Thorheit etwas Gewisses von Jedem verlangt und deshalb von Jedem einen Pfennig bekommen. Es wurde aber ein geaichter dresdener Scheffel auf dem Markte vors Rathhaus hingestellt, da warf ein jeder Zwerg seinen Pfennig hinein, daß er über und über voll wurde. Einige sagen, daß ihrer sechshundert Zwerge und daß die ersten schon am Thore gewesen wären, als die letzten in der Reihe noch vor dem Rathhause gestanden hätten. Andere sagen gar, daß man die letzten noch bei den Zwerglöchern vor dem Sachsenstein hätte murmeln hören, als die ersten schon in der Steina, dem nächsten Dorfe zwischen der Sachsa und Lauterberg, gewesen wären. Die Zwerge zogen nordwärts und als sie zu den Zwergen nach Scharzfeld kamen, machten sie Halt und gingen da in ihren Hehlkappen mit den scharzfelder Zwergen in die Erbsenfelder. Darin fraßen sie wie die Mäuse, aber kein Mensch konnte sie sehen. Da nahm ein Bauer eine Bohnenstange und fuhr damit immer über den Erbsen herum. Dadurch schlug er ihnen die Kappen vom Kopfe und so wurden die Zwerge sichtbar. Weil aber der Bauer die Zwergkappen nicht wieder herausgeben wollte, so kündigten sie zuletzt ihm und den andern Scharzfeldern den Krieg an und er mußte sie ihnen wieder zustellen. Darauf sind die sachsaer Zwerge weiter gereist und mögen wol auch die Zwerge von Scharzfeld mit ihnen gereist sein. Als sie aber durch Osterode gekommen sind, haben sie an der Wirthstafel gespeist und dabei geschnattert wie die Gänse. * 2. Die Jungfer vom Sachsenstein.   I. Bei den Zwergen vom Sachsenstein wohnte auch die Frau Holle und eine Jungfer mit Schlüsseln. Seit die Zwerge abgezogen sind, ist ein fahles Männchen im Sachsenstein gesehen worden; ein Eingang in den Sachsenstein, der aber schwer zu finden ist, führt in die Wohnung der Jungfrau und des fahlen Männchens, und gleich vorn in der Höhle steht ein Tisch mit verschimmeltem Brot und mit Wein. Die Jungfrau erscheint entweder am hellen Mittage oder um Mitternacht.   II. Ein Schäfer hütete einst seine Heerde Mittags auf dem Sachsenstein droben, da erschien ihm die Jungfrau mit dem Schlüsselbunde. Er sah sie Klängeflachs , d. i. Lein, den die Sonne aufziehen soll, in der Sonne ausbreiten und auseinanderharken, dabei half er ihr und ihm kamen einige Leinknotten in seine weiten Schuh. Als er des Abends in seiner Schäferkarre die Schuh auszog, fielen lauter Pistoletten heraus.   III. Ein andermal hütete auch ein Schäfer da, der schlief beim Hüten ein. Als er erwachte, erblickte er neben sich ein hübsches Blümchen, welches eine Lilie gewesen ist, pflückte es und steckte es, wie Schäfer thun, an seinen Hut. Gleich darauf erschien die Jungfrau mit Schlüsseln und fragte, ob er mitgehen wolle. Als er nun mit ihr vor dem Eingange stand, gingen sie zuerst vor eine große eiserne Thür und an zwei Hunden mit glühenden Zungen vorbei. In dem Schlosse aber lag nichts als Gold und Silber und die Jungfrau sagte zum Schäfer, er möge sich so viel hinnehmen, als er möchte. Da füllte er zuerst seinen großen Schäferranzen, dann nahm er den Schäferhut ab und wollte ihn füllen. Dabei ließ er die Lilie fallen und die Jungfrau rief dreimal, er solle das Beste nicht vergessen. Er achtete aber dessen nicht und ging ohne die Blume fort. Als er aus dem Schlosse war, schlug die Thür ihm fast die Hacken ab, da dachte er an die Blume, mit der er die Jungfrau hätte erlösen können, aber nun war es zu spät. – Ein anderer Schäfer sah einst in einer Klippe des Sachsensteins Kirche, Altäre und Prediger. – Auch ein Geigenspieler wollte einst das verwünschte Schloß auf dem Sachsenstein mit seinem Spiel erlösen. * 3. Der Zaubersaal in Walkenried. Zu der Zeit, da noch in Walkenried eine weitberühmte Schule gewesen (so erzählt Behrens in seiner »Hercynia curiosa« ) ist daselbst ein Knabe, so von Ellrich soll gebürtig gewesen sein und mit Namen Damius geheißen hat, bei einem Springspiele auf einen bestimmten Platz unbeweglich festgebannt. Von den mitspielenden Knaben herzugerufen, kommt der Rector heran und diesem fällt es bei, daß solches von einer Beschwörung herrühren müsse. Er sagt dem Knaben also: er solle fleißig um sich schauen, ob er etwa eine Schrift oder ein Zeichen erblickte. Da wird der Knabe über sich einen Circul, auch an der steinernen Wand eine griechische Schrift, gegen Süden aber etliche Characteres gewahr. Dieses Alles muß er dem Rector theils herlesen, theils beschreiben, und dadurch wird es offenbar, daß in der Mauer ein Schatz verborgen sei. Sobald der Rector dieses versteht, wird der Knabe wieder los und geht aus dem beschworenen Zirkel heraus, wohin er will. Nach des Rectors Anweisung aber ist nun an dieser Stelle nachgesucht und ein steinernes Geschirr mit Gelde eingemauert gefunden. Auf diesem Zaubersaale ist 1687 Herr Doctor Weitz, Bürgermeister zu Gotha, mit einigen andern Herren gegangen, daselbst aus Neugier die Metallruthe zu gebrauchen. Nicht weit von jener Stelle, wo der Rector das Geschirre hat ausnehmen lassen, haben sie starke Züge der Ruthe angemerkt. Da aber haben sie ablassen müssen, denn es ist ihnen Allen ein großer Schrecken angekommen, weil es am hellen Tage etwas dunkel um sie geworden. Derowegen retteten sich Alle in Sicherheit, wo sie einander fast gleichmäßig erzählten: daß Jedem gewesen, als ginge ein Wind durch ihn hin und sie würden mit den Haaren bis an die Decke gezogen. Diese Historie – bemerkt Behrens – stärket den gemeinen Mann in seinen von diesem Saal annoch habenden Gedanken, als welcher gänzlich davor hält: daß noch mehr von den Mönchen mit gewissen Beschwörungen eingemauerte Schätze darauf vorhanden sein müssen, weilen es gemeiniglich allhier nicht gar zu richtig sei, und der Teufel oftmals sein Spiel daselbst habe. Im Kreuzgange aber nach der Kirche zu ist eine Gestalt, mit allerlei kleinen Thieren und Pflanzen daneben, als z.B. Tauben und Lilien zu sehen, und hielt solches hochgedachter Herr Doctor Weitz für ein »recht fatales Werk«. Deswegen halten Etliche dafür, daß vor Alters Basilius Valentinus, unter dessen Namen viele berühmte chemische Schriften gedruckt sind, sich in diesem Kloster aufgehalten habe, und dies ist auch die Ursache, daß Etliche vermeinen: wie der vorbesagte auf dem Zaubersaale gefundene Schatz kein Geld, sondern der Lapis Philosophorum , oder der Stein der Weisen, gewesen sei, welchen der Rector heimlich geholt, und sich damit, alle seinen Hausrath im Stiche lassend, fortgemacht habe, woran aber doch Viele zweifeln und das Erstere für wahrhaftiger halten wollen. * 4. Das Mönchsgespenst in Walkenried.   I. In Walkenried hat sich ein Mönch gezeigt ohne Kopf; besonders auf dem Fruchtboden des aufgehobenen Klosters, wo die Arbeitsleute alle Vierteljahr ihre Frucht bekommen, hat er rumort und gemessen, wenn der Amtmann betrogen hat. Auch in die Mühle ist er gekommen und hat in den Rumpf geguckt, ob die Frucht richtig wäre. Oft hat er auch das Vieh karbatscht, daß es laut gebrüllt hat, und die Krippen in den Ställen abgerissen.   II. Auf der Pfarre zu Walkenried diente ein Mädchen, zu der kam Nachts ein Geist, führte sie in den Keller, und wies ihr dort einen Koffer, den sie auf ihre Kammer tragen mußte. Darauf sollte das Mädchen sich drei Tage krank melden, dadurch wäre der Geist vermuthlich erlöst gewesen. Allein da es in dieser Zeit nach Ellrich geschickt wurde, kehrte es sich nicht an dies Gebot, ging sogar durch den Kreuzgang des Klosters Walkenried und da drehte der Geist ihr den Hals um. Lange war das Blut an der Stelle zu sehen. Der Koffer aber soll noch auf der Mägdekammer im Pfarrhause stehen. * 5. Der Mann ohne Kopf in Walkenried. Der Mann ohne Kopf jagt in Walkenried oft zu Pferde umher, dann sieht man aber nichts von ihm, sondern hört nur das Schnaufen seines Rosses. Am meisten wird er auf der Schäferwiese gesehen, wo auch oft viele Geister um ein Feuer herumstehen. Wer glühende Kohlen von dem Feuer in die Hand nimmt, fühlt kein Feuer in der Hand. * 6. Uetelsteich und Uetelsklippe. Am Uetelsteich und der Uetelsklippe ist das Spielmannsloch. Da ist ein Spielmann, der Maiblumen gesucht hat, hineingestürzt. Dort liegt auch, wenn es nicht das nämliche Loch ist, das Gänseloch, und da hinein ist der Tuchfabrikant K. aus Ellrich gebannt. * 7. Das Mähholz. Nicht weit von Walkenried liegt das Mähholz, Mehholz oder Ehholz. Da haben die Mönche von Walkenried oft eine Dirne aus einem andern Dorfe hinbestellt und der haben sie es zu ihrer Heirath geschenkt. Jetzt gehört es der Gemeine, aus der die Dirne gewesen ist. Sagen von der Zorge, von Hohegeiß und Benneckenstein. * 1. Das Denkmal zu Zorge. An der Kirchmauer des Hospitals St.-Cyriaci zu Zorge sollen ehemals acht Kreuze von rothem Sandstein gestanden haben, und oben unter dem Schieferdache ein kniender Priester mit dem Kelch zu sehen gewesen sein. Dies beziehet sich auf eine Begebenheit, die eben zu der Zeit, da er das Abendmahl ausgetheilt, geschehen sein soll. Durch ein starkes Gewitter und Wolkenbruch ist die Zorge so angelaufen, daß sie Priester, Communicanten und Kirche weggerissen hat. Acht Personen sind ertrunken, zu deren Andenken die acht Kreuze gesetzt sind. Die Glocken haben nachher die Schweine, eine ziemliche Weite von der Kirche, aus dem Schlamme gewühlt, wovon der Ort, da Solches geschehen, noch jetzt den Namen: die Saugrube führt. * 2. Die Jungfrau von der Zorge. Am Hohegeißberge nach der Zorge zu hat sich alle sieben Jahre die weißgekleidete Jungfer vom Staufenberg mit einem Bund Schlüssel sehen lassen. Nun kam der Hirt aus der Zorge (Andere sagen aus Kloster Walkenried) und hatte da seine Trift hindurch. Da stand die Jungfer auf der Klippe, auf der auch ihr Fuß eingedrückt sein soll, früh Morgens und sang aus höchster Schar (fröhlich), und kam herunter von der Klippe auf ihn zu. Sie sagte zu ihm, ob er sie wolle erlösen. »Ja, wenn er es könne, wolle er es thun.« Dann solle er am andern Morgen wieder hierher kommen, so wolle sie wieder hier erscheinen. Da würde sie zuerst so wie heute aussehen, dann aber müßte er ihr als einer Schlange einen Schlangenkuß geben. Das versprach er. Als er am andern Morgen hinkam, stand sie auf der Klippe und sang vor wie nach. Als nun sein Vieh vorbei war, kam sie als Schlange herunter, sprang an ihm in die Höhe, daß er sie küssen sollte, er aber kam nicht dazu und wendete sich hin und her. Da war sie verschwunden, hat aber dabei einen solchen Kreisch gethan, daß der Schäfer von der Zeit an taub gewesen ist. Nach Walkenried kam einstmals in ihrer grauen Kleidung, wie sie dort erscheint, die Frau Holle und führte Jemand nach der Staufenburg. Da sah er die Jungfer vor der zerstörten Burg mit einem goldenen Leibband, woran ein Bund Schlüssel hing. Da wurde ihm viel Gold und viele Sachen versprochen, wenn er sie erlösen wolle, er aber hat sich gefürchtet und ist fortgelaufen. (Auch nach einem Schlosse über Wieda, eine Stunde von Sachsa und Walkenried, hat die Frau Holle Leute hinführen wollen und dort war gleichfalls eine verwünschte Jungfer.) Einige erzählen, daß auf dem kleinen Staufenberge » die Todtenschenke « gewesen und daß dort vor noch nicht langer Zeit jeden Mittag die Jungfer erschienen sei. Lebende Personen wollen dort ein Schwein gesehen haben, das geweint hat wie ein Kind. Dieselben, die das erzählen, wollen dort in den verfallenen Gängen, die sich dort befinden, einmal einen Brunnen gefunden haben, den sie später niemals wieder finden konnten. * 3. Der Waldgeist, und die Jungfer im »preußischen Holze«. Im Jahre 1785 erzählte der Stiftshauptmann Herr von Arnstedt aus Quedlinburg dem Superintendent Göze auf der Reise nach Ellrich, wie es ihm einmal in der Gegend von Drudenstein und Benneckenstein ergangen sei. Er habe sich mit einem Boten im Holze verspätet. Es sei Nacht geworden, und es sei nicht möglich gewesen, aus dem Holze zu kommen oder einen Weg zu finden. Er habe das Pferd am Zügel genommen und nebst dem Boten den Weg gesucht. Alles vergeblich. Sie hätten sich also entschlossen, im Walde zu übernachten, ein Lager gemacht und das Pferd mit dem Zügel am Arm behalten. Als er etwas eingeschlummert, sei das Pferd scheu geworden, und habe ihm bald den Arm aus dem Gelenke gerissen. Der Bote habe sich überaus kläglich angestellt und geglaubt, es sei um sein Leben geschehen. Endlich sei es etwas Tag geworden; da sie sich dann aufgemacht, und nicht zwanzig Schritte von ihrem Lager den ordentlichen Weg gefunden hätten, den sie in der Finsterniß vorher bei einem zweistündigen Suchen nicht hatten finden können. Der Bote habe von Nichts gesprochen, als daß es hier irre ginge und der Waldgeist sie verführt habe. Eine Jungfer mit dem Bunde Schlüssel an der Seite hat sich auch oft im »preußischen Holze« bei Hohegeiß sehen lassen. Vielen Leuten hat sie dort geholfen und Gutes erwiesen; nur den Holzhauern hat sie oft geschadet, weil die in dem Holze immer so viel Schande (Lärm) gemacht haben. * 4. Das Tönnchen Gold im Brunnen. Zwischen Hohegeiß und Andreasberg etwas abseits vom Wege ist ein Brunnen, auf dessen Grunde ein Tönnchen Goldes liegt. * 5. Die weiße Frau in Hohegeiß. In Hohegeiß erzählt man viel von der weißen Frau. Sie hat oft auf den Tritten vor den Häusern gewaschen; am Cantorbrunnen wusch sie ein weißes Tuch und trocknete es dort; auch beim Tunnebrunnen stand sie und verfolgte die Leute von dort. Auf einer Kindtaufe in Güllen's Hause stand sie hinter dem Ofen und zeigte ihre langen Zähne; auch hängte sie sich oft an den Druden 'schen Zaun und auch auf die Dächer hat sie sich gesetzt (wie die Haulemutter). * 6. Der Fuchspastor und der Fuchs In Hohegeiß zeigt sich oft während des Gottesdienstes ein Gespenst, das der Fuchspastor heißt und besonders den Pfarrer schreckt, der es immer zuerst zu sehen bekommt. – Zwischen Hohegeiß und Benneckenstein auf einem Kreuzwege ist ein Fuchs erschienen, der hat zwei Boßeln (Kugeln) gehabt und ein Spiel Kegel, die hat er mit den Boßeln umgeworfen, hat auch Dem, der vorüber gegangen ist und es gesehen hat, gewinkt, mit zu kegeln. * 7. Der Name Benneckenstein Es verfolgte einmal ein Jäger ein Mädchen. Das aber wehrte sich tapfer, und da er's eine Zeit auf den Steinklippen herumgezerrt und gemishandelt hatte, so rief es ihm zu: Ben ek en Stein ? (Bin ich denn ein Stein?) Davon soll Benneckenstein den Namen erhalten haben. Sagen von Ellrich und der Kelle * 1. Der Säuferkönig Graf Ernst von Klettenberg ritt einst, an einem Sonntagmorgen, zu einem großen Gelag nach Ellrich. Viel waren der geladenen Ritter, die hier um den Ehrenpreis tranken. Der ausgesetzte Dank war eine goldene Kette. Viele Stunden tranken die Ritter, bis sich der Sieg mehr entschied, und hier einer, dort einer erlag unter der Last der ungeheuren Humpen, und unter der lauten Hohnlache der Zecher als Schwächling niedergelegt wurde auf den Boden des Saales. Endlich blieben noch vier von all diesen Edlen auf dem Kampfplatz. Doch drei von ihnen lehnten an der Wand und triumphirten mit lallender Zunge, daß die Willkommen den zitternden Händen nicht entsanken. Nur Ernst von Klettenberg stand noch auf freien Füßen und ergriff siegprangend die goldene Kette, die auf dem Tische lag, und hing sie sich um den Hals. Um sich dem Volke als Sieger zu zeigen, wankte er aus dem Gemach und befahl sein Roß vorzuführen. Vier Knappen hoben ihn herauf, und so ritt er unter dem Gekreische der hinzuströmenden Menge durch das Städtlein, um nach Klettenberg heimzukehren. Als er durch die Vorstadt ritt, hörte er in der Kirche, dem heiligen Nikolaus geweiht, die Vesper singen. Graf Ernst, in seinem Taumel, ritt durch das offenstehende Kirchthor ein, mitten durch die versammelte Gemeinde hindurch, bis vor den Altar. Der Gesang der Andacht ging in starres Anstaunen und bald in wildes Geschrei über. Aber nicht lange freute Graf Ernst sich seines Frevels. Denn, als das gespornte Roß jetzt die Stufen des Altars betrat, siehe, da fielen plötzlich alle vier Hufeisen ihm ab, und es sank nieder mit seinem Reiter. Zum ewigen Andenken wurden diese vier Hufeisen an die Kirchthür angenagelt, wo sie Jahrhunderte lang angestaunt wurden, wegen ihrer Größe und der schauerlichen Sage. Bei einem Kirchenbrande kamen sie aufs Rathhaus oder auf das Inspectoramt zu Ellrich. Noch jetzt spricht man in Ellrich viel von einem Gerippe, welches sich alle siebenzig Jahre auf dem Buntel , einem Teiche, sehen läßt. Einige sagen, das sei das Gerippe des Klettenbergers, des Säuferkönigs; Andere, es sei das Gerippe eines Mönchs von Walkenried. Alle aber sagen, wer das Gerippe erlöse, bekomme viel Geld dafür. Einstmals waren auch die siebenzig Jahre gerade wieder um, da kam eine Frau daher, sah das Gerippe auf dem Wasser schwimmen und hörte wie es schrie: »Erlöst mich! erlöst mich!« Allein die Frau lief so schnell als möglich davon, erzählte auch Alles sogleich daheim ihrem Manne. Der lief sogleich hin, den Säuferkönig, oder wer das Gerippe nun sonst war, zu erlösen, und das viele Geld zu gewinnen, allein das war schon wieder im Wasser niedergesunken. Die Frau hat von der Zeit weder Ruhe noch Glück mehr gehabt. * 2. Die Kelle   l. Ein Mädchen war so elend, daß es sich wünschte lieber in die Erde zu versinken, als auf der Erde zu sein. Da nahm ein Maurergesell, der das hörte, seine Kelle , warf sie zur Erde und sie versank tief in die voneinander gespaltene Erde. Die Kelle kam nicht wieder zum Vorschein und soll der Stelle den Namen gegeben haben, in der nun auch das Mädchen sitzt. – Einige sagen, es wohne eine Nixe in der Kelle.   II. Auf dem Berge gegen der »Höle« oder »Kelle« über war eine Kapelle dem St.-Johannes geheiligt, in diese ist ein papistischer Priester aus Ellrich alle Jahr zu gewisser Zeit, in Begleitung seiner Pfarrkinder und andern Benachbarten der Höle in voller Procession mit vorhergetragenem Kreuz, Fahnen und Bildern der Heiligen gegangen; sobald nun daselbst der heilige Johannes, papistischem Gebrauch nach, genugsam verehret worden, hat der Priester sich fort nach der Höle gemachet, und in dieselbe ein Kreuz hinabgelassen, auch wieder herausgezogen. Als nun Solches geschehen, hat er dem umstehenden Volke diese Reime zugerufen: Kommt und kucket in die Kelle, So kommt ihr nicht in die Hölle.   III. In der Kelle hat es einst gebrannt, wie ein Frachtfuhrmann aus Ilefeld da vorbeigefahren ist. Er hatte Lust zum Rauchen, stopfte sich eine Pfeife und dachte: da kannst du Feuer bekommen. Er ging auf das Feuer zu, da lag ein großer Hund da und bewachte es. Sowie er zugreifen wollte, sprang ihm der Hund entgegen und faßte ihn vor die Brust. Eine halbe Stunde hat er ihn so gehalten. Wie ihn nun der losließ, wollte er nach seinen Pferden zurück. Er ging an die Stelle, wo er sie stehen gelassen hatte, fand sie aber nicht wieder. Da lief er nach dem Feuer zurück, da standen seine Pferde mitten in der Kelle und er mußte sie mit großer Mühe wieder herausziehen. * 3. Die weiße Jungfer bei Gleisingen Auf dem weißen Berge bei Gleisingen unweit Ellrich ist so'n kellerartiger Eingang, da zeigt sich eine weiße Jungfer mit Schlüsseln. Nur Sonntagskinder sehen sie. * 4. Eine alte Anweisung für Erzsucher von Ellrich aus. Prätorius sagt in seiner » Alectryomantia « : »Es lieget ein Städtlein, das heißt Ellrich, von der Stadt gehe in den Hartz, nach der rechten Brücken auf die Haffen-See, von der Haffen-See halte dich auf die linke Seite auf einer halben Meile, so siehe dich um, da wirst du einen Mönch in einen Stein gehauen und nicht weit davon ein Mauerstück finden von einer alten Kirche, und wenn du das findest, so halte dich auf die linke Hand einen Steinwurf weit und gehe gleich vor dich, so wirst du einen hohlen Platz finden, bei dem ein Wasser herfleußt, so da heißet die Neyge . Bei dem Wasser siehe dich um unter den Tannen, da wirst du einen Hort (Horde) liegen finden, mit Laub und Moos überworfen, dieselbe heb' auf, da findest du einen Gang oder Stollen, darinnen gediegen Silber zu finden. Solches Loch hat ein Knecht gefunden, die Horde davon, weil er unversehens hineingetreten, weggeworfen, und war zum Loche hineingegangen, weil es Stiegen, wie zu einem Keller, hineingegeben. Da er denn weit hinten hin ein Licht wahrgenommen, danach war er gegangen, weit hinein. Aber endlich hatte sich das Licht verloren, daß ihn zu grausen angefangen, doch hatte er hingegen hinter sich als nachen Loche zu wieder ein Licht gemerket, darzu war er wieder zurücke gewichen, und weil er Ertz vermerket, das schon ausgehauen gewesen, so hatte er einen Hut voll mitgenommen und herausgebracht gehabt. Aber nach der Zeit hat weder er, noch Andere, das Loch mögen aufsuchen, wie sehr sie sich auch danach beworben gehabt.« Sagen von Ilefeld, dem Hohenstein und Elende. * 1. Gründung des Klosters Ilfeld. Von einem bösen Graf Ilger von Bielstein weiß der Volksmund, der bewachte den Eingang in das Gebirge, den man später die Porta Ilefeldensis genannt hat; der Graf mordete und beraubte Jeden, der ihm in den Weg kam. So zog denn auch eines Tages Graf Konrad von Beichlingen, Otto's von Northeim Sohn, diesen Weg; da brach der Jlger aus seiner Burg und erschlug den Beichlinger. Aber kaum war dieser Mord geschehen, da erhoben sich die Kobolde und Berggeister aus ihren Klüften und Höhlen, wälzten das ganze Thal voll Felsen, trieben dann die Behre aus ihren Ufern, sodaß Ilger's Besitzthum in Wellen begraben wurde; alle Wege sperrten sich, nur eine Oeffnung hatte sich in einem Felsen gebildet, durch welche Ilger eben noch kriechen konnte, um auf die andere Seite des Thales zu kommen. Da gelobte er dann, wenn er gerettet würde, zur Sühnung und Buße an dem Orte, wo er den Beichlinger erschlagen, eine ewige Lampe zu gründen. Alsbald öffnete sich das Thal wieder und der Fluß trat ruhig in sein Bett und Ilger ward ein frommer Mann. Aus seiner Stiftung entstand Ilfeld, der Klosterort. Die Wahl des Ortes, auf welchem das Kloster Ilfeld, das jetzt eine namhafte Gelehrtenschule ist, erbaut ward, wird folgendermaßen erzählt: Einst hat die Gräfin auf dem Schlosse Ilburg mitten im Walde ein großes Licht brennen sehe. Sie weckte ihren Mann deshalb, aber wie der kam, sah er nichts. Die Gräfin hatte es aber eine Stunde lang brennen sehen. Die zweite Nacht sah sie es um dieselbe Zeit, sie weckte den Grafen abermals, der aber sah wieder nichts. Die dritte Nacht, wie die Gräfin es sah, sagte sie dem Grafen nichts, sondern sattelte stillschweigend ein Maulthier und ritt damit auf das Licht zu, belud aber das Thier mit so viel Geld, als es nur tragen konnte. Wie nun das hinauskam, war das Licht ein großes Feuer, das rollte sich zusammen in ein großes feuriges Mühlrad und rollte immer weiter. Die Gräfin mit dem Maulthiere folgte dem feurigen Rade und kam so an eine Stelle, wo es erlosch. Da ließ sie dann von dem Gelde, das sie auf den Esel geladen hatte, eine Kirche bauen, und wie man an der Stelle, wo das Feuer gebrannt hatte, einen Graben in der Erde grub, um die Grundmauer hineinzusehen, wurden noch überdies an der Stelle zwei Tonnen Goldes gefunden, die zum Klosterbau mit benutzt wurden. * 2. Das Nadelöhr. Bei dem Kloster Ilfeld, zur linken Hand gleich bei dem Harzfahrwege, steht auf einem hohen Berg ein starker Stein hervor, der in seiner Mitte eine enge und schmale durchgehende Höhle hat. Alle Knechte aus Nordhausen und den umliegenden Oertern, wann sie das erste Mal in den schönen und prachtvollen Harzforst hinter Ilfeld nach Brennholz fahren, müssen dreimal durch dies Nadelöhr kriechen mit großer Mühe und Beschwerde und werden beim Ein- und Auskriechen von ihren Kameraden dazu mit Peitschenstielen tapfer abgeschlagen. Wollen sie diese Kurzweil nicht ausstehen, so müssen sie solches mit Gelde abthun. Auch müssen die neuen Scholaren auf der Schule zu Ilfeld noch jetzt zum Scherz durch das Nadelöhr kriechen, sowie die neuen Schüler zu Osterode durch den Ofen kriechen müssen. – Den Stein, das Nadelöhr, soll ein Riese aus dem Schuh geschüttet haben. * 3. Der Schimmelreiter vom Bielstein. Was man jetzt den Bielstein nennt, ist nicht der alte Bielstein, sondern dieser liegt nicht weit davon am Berghange und gleichfalls unweit Ilfeld. Dort soll früher dem Götzen Biel geopfert sein und große Feuer, die ihm angezündet waren, sollen weit ins Land hinein geleuchtet haben. Dies erzählt man in Ilefeld und außerdem, daß ihm Zehnten gebracht wären, welche die heidnischen Priester sich angeeignet hätten und die noch jetzt an das Kloster Ilfeld gegeben werden müßten, auf welches sie übergegangen wären. Auf dem Bielstein ist seit langer Zeit immer ein Mann ohne Kopf zum Vorschein gekommen. Er hat einen blendend weißen Schimmel gehabt und den Kopf unterm Arm getragen. So ist er nach dem Burgberge geritten, und dicht bei dem Brunnen verschwunden. Ist der Schimmelreiter an einen gewissen Kreuzweg gekommen, so ist er jedesmal abgestiegen und hat sich erst wieder aufgesetzt, wenn er hinübergewesen ist. Früher ist er nur Himmelfahrt erschienen, jetzt wird er aber viel gesehen. Wiehert sein Roß, so hat das stets etwas zu bedeuten; entweder die Witterung ändert sich, oder Dem, der das Wiehern hört, steht ein Unglück bevor. Die den Reiter verfolgen, werden irre geführt. Viele sagen, der Schimmelreiter um Ilfeld sei der Amtmann Friesenberg oder Friesberg; der reite auf dem Schimmel im Felde umher ohne Kopf und verjage die Felddiebe. Seiner Gottlosigkeit und seines Spukens wegen habe man ihn gebannt und dabei habe er unter die Treppe oder ins Nadelöhr gewollt, doch habe man ihn in einen Sumpf vor dem Baumgarten des Klosters gebannt, da erscheine er oft zwischen den Schweinen , wenn diese sich im Sumpfe wälzten. – Zeigen soll er sich, wie Einige sagen, besonders in der Fastenzeit. Friesenberg's Bedienter soll Klevesaal geheißen haben und dessen hölzernes Bild befindet sich noch auf dem Amte zu Ilfeld. Mit dem Klevesaal wird dort zwar jetzt von den Mägden groß Gespött getrieben; wenn aber das hölzerne Bild aus dem Amte kommt, so spukt es. * 4. Die Jungfrau von der Ilburg und Frau Holle.   I. Es ist einmal ein Bergmann gewesen, der ist bei Ilfeld auf den Burgberg hinaufgegangen. Da hörte er im Busche ein Niesen und sprach: »Gott helf dir«; es nieste zum zweiten Male, er sprach wieder: »Gott helf dir«; es nieste zum dritten Male, er sprach abermals: »Gott helf dir ins Himmelreich.« Da stand eine weiße Jungfer mit Schlüsseln in dem Busche und winkte ihm und er hat sich hier einen Schatz gehoben. – Auch einem andern Manne hat diese Jungfrau eine Kanne voll Geld gegeben.   II. Frau Holle hat sich mit der Jungfer mit dem Bund Schlüssel an der Seite am Burgberge bei Ilfeld nicht gut vertragen können, denn Beide haben dort auch zusammen gewohnt. Da hat einmal die Jungfer, die stärker als Frau Holle war, dieselbe in einen Kasten gepackt und ein Junge hat sie nach Neustadt unterm Hohenstein bringen und dort ins Wasser werfen müssen. Seitdem hat sich Frau Holle noch nicht wieder sehen lassen. Die Jungfer hat den Jungen später zur Belohnung bei einem Kaufmann in Neustadt in die Lehre gebracht und ist ihm jedesmal erschienen, wenn er Unrecht gethan hat.   III. In der Mahlmühle zu Ilefeld zeigte sich auch eine Jungfrau mit Schlüsseln; sie trug ein rothes Kleid und ging dreimal um einen Klotz herum. Eine weiße Jungfer zeigte sich auch auf der Harzburg , die bei Ilfeld liegt, in Werna auf dem Amte aber zeigte sich eine gespenstische Frau und kämmte sich das Haar. * 5. Die Schloßjungfer vom Hohenstein. Die Schloßjungfer vom Hohenstein zeigte sich alle sieben Jahre und sah quittengelb aus, hatte aber graue Zähne. Hinter dem Hohenstein nach Stolberg zu auf der Thiergärtnerwiese ist ein runder Platz, der auch gelb sein soll und der Jungfernkranz heißt und in dessen Mitte eine Eiche stehen soll. Darauf wuchs nichts und auf diesem Platze tanzte die Jungfrau alte sieben Jahre . Andere sagen, sie wäre alle Mittage auf dem kreisförmigen Platze im Kreise herumgegangen. Sie umkreiste aber nicht nur jene Eiche, sondern hat sich noch an verschiedenen andern Orten sehen lassen und ihr Geld anbringen wollen. Denn als der Hohenstein zerstört ist, soll sie sich mit ihren Schätzen in den Burgbrunnen gestürzt haben. Einst brach ein Maurer Steine auf dem Hohenstein. Da sank ein Gewölbe ein und die Schlüssel der Schloßjungfer blitzten ihm daraus entgegen wie Silber. Vor einigen Jahren sah sie Herr von B. auf dem Hohenstein mit glänzendem, silberdurchwebtem Kleide. Zwölf Männer wollten einst den Schatz der Schloßjungfer heben, aber vergebens. Ihnen erschien ein großer schwarzer Hund mit glühender Zunge, fragte, was sie da wollten, und verscheuchte sie. Rosse duldet es nicht auf dem Hohenstein. Das Dörfchen Osterode unter dem Hohenstein, zwischen Neustadt und Ilfeld, soll von der Schloßjungfrau seine Kirchenglocken empfangen haben. * 6. Das Kegelspiel unterm Hohenstein. Einst hütete ein Hirt unterm Hohenstein, es war gerade in der Mittagsstunde. Da kamen zwölf weißgekleidete Geister und sogleich stand eine Kegelbahn da, die vorher nicht dort gestanden hatte; der Hirt aber erhielt den Befehl, die Kegel aufzurichten. Eine volle Stunde kegelten die Geister hier und wie sie fertig waren, verschwanden elf sogleich, nur der Eine gab vor seinem Verschwinden dem Hirten den König zur Belohnung. Der Hirt nahm den Kegelkönig mit, der ward aber immer schwerer und schwerer, daß er ihn zuletzt nicht mehr tragen konnte. Sowie er ihn aber fallen ließ, ist es lauter gediegenes Gold gewesen. * 7. Elende. Lora, die Göttin der Liebe, gab der Bergveste Lohra den Namen. Sie soll von den Sachsen dieser Gegend als Göttin verehrt sein. Ihr war ein großer schauerlicher Wald geweiht. Vor fünfzig Jahren oder jetzt noch erinnerte an diesen Hain noch ein kleines Gehölz, der Aufenthalt zahlloser Vögel, die Ruhensburg genannt, zwischen dem Reinhartsberg, Bleicherode und der Burg Lora, und einige getrennte Feldhölzer, zwischen denen nun gutgebaute Dörfer an der Wipper liegen. In diesem Walde sollen einst Jünglinge der Göttin Lora im Spätjahre die Erstlinge der Jagd geopfert und im Frühjahre sollen die Jungfrauen unter frohen Gesängen der Göttin Blumenkränze dargebracht haben. In der Mitte des Berges, auf dem man vorzüglich Lora verehrte, entsprang eine Quelle, zu der unglücklich Liebende, besonders Jungfrauen, denen der Tod ihren Geliebten entriß, wallfahrteten, um hier Vergessenheit zu trinken. Auf dem Gipfel dieses Berges baute eine edle Jungfrau der Sachsen, deren Verlobter in einer Schlacht gegen die Franken das Leben verlor, die Ruhensburg, wovon der Hain noch jetzt den Namen führt. Ruhensburg nannte sie den Ort, weil ihr Lora in diesem Haine einen neuen, ihrer würdigen Geliebten sandte, dessen Liebe die Trauernde tröstete und ihrem Herzen die langentbehrte Ruhe wiedergab. Furchtbar war dieser heilige Wald den Ungetreuen. Hermtrud, die Verlobte Eilger's, eines edlen sächsischen Jünglings, der in den Kampf gezogen war, ward hier in den »Buchen« in Hermann's Armen gefunden. Dort weckte Lora sie auf durch einen Hirsch , der das Dickicht rauschend durchbrach und Hermtrud floh und betrat ohne Besinnung Lora's heiligen Hain. Da erbebte der Berg, und die Erde spie Flammen aus, welche die Unglückliche verzehrten. Der Heidenbekehrer Winfried soll mit seinen Genossen auch die Ruhensburg zerstört haben; denn verschwunden war jetzt Lora's Macht. Folgende Rache erschöpfte ihre letzten Kräfte. Unweit des Reinhartsberges ereilte sie Winfried, der Heidenapostel, und Wagen und Pferde blieben plötzlich in tiefem Schlamme stecken. Und er wäre hier von der Erde verschlungen, hätte ihn nicht das Gebet zu der heiligen Jungfrau gerettet. Zum Andenken dieser Gefahr errichtete er drei Kreuze, die noch jetzt an dem Orte zu sehen sind, wo die Erde ihren Schlund gegen ihn aufthat, und weihte »in seinem Elende bei Lora's Walde« der Maria eine Kapelle. Noch jetzt heißt davon der Ort Elende. Es wird auch erzählt, Elende habe daher den Namen empfangen, daß einst ein Fuhrmann, welcher Wein geladen hatte, dort festgefahren sei und deshalb ausgerufen habe: »Ach Elend!« Darauf stand aber eine Jungfrau neben ihm und erbot sich ihm zu helfen, wenn er ihr einen Trunk Wein reichte. Dazu war er bereit, die Jungfrau aber formte einen Becher aus Blumen, trank daraus und half dem Fuhrmann. Dieser nahm den Becher zum Andenken mit. Der Becher aber ward zu Gold und davon ist der heiligen Jungfrau eine Kirche zu Elende gebaut und Elende war lange Zeit ein berühmter Wallfahrtsort. Sagen der nordhäuser Gegend * 1. Der Teufel auf dem Kohnstein Früher hatte der Teufel in dem kohnsteiner Felsen eine Schatzkammer. Wer sich ihm verschrieben hatte oder verschreiben wollte, konnte die Thür derselben öffnen. In dieser Kammer lag ein feuriges Buch und darin standen auch die Namen sehr vieler Herren und Damen aus Nordhausen. Einst war zu Nordhausen ein Mann, der hatte so viel Schulden als Haare auf dem Kopfe und seine Gläubiger drängten ihn unbarmherzig, ja, es wollten ihm zwei der Gläubiger das Haus über dem Kopfe verkaufen lassen. Da ging der Mann betrübt umher und so begegnete ihm der Teufel, der fragte, was ihm fehle. Als er's nun erzählt hatte, wollte ihn der Teufel mit sich führen und er ließ sich endlich bereden, mit zu der Schatzkammer zu gehen. Da ihm nun der Teufel sagte, wenn er sich in das feurige Buch schriebe, so könne er so viel Geld erhalten, als er wollte, sprach er: so will ich morgen wiederkommen und mich unterschreiben. Das war der Teufel zufrieden, als aber der Mann hinwegging, hatte er schon einen Blick in das brennende Buch geworfen und die Namen der beiden Gläubiger darin gelesen. Wie er nun nach Nordhausen kam, ging er sogleich zu seinen Gläubigern und sprach: »Jetzt kann ich das Geld erhalten, das ich Euch schulde; aber da Ihr einmal dem Teufel Euch verschrieben habt, so lasset es Euch doch lieber selbst von ihm geben.« Da flehten ihn die Gläubiger an, sie nur nicht zu verrathen, und schenkten ihm so viel Geld, als er nur mochte. * 2. Der Galgen auf dem Kohnstein   l. Einst wetteten Abends spät ein paar Burschen mit einem Mädchen und versprachen ihm einen Thaler, wenn es zum Galgen aus dem Kohnsteine gehen wolle. Zum Beweis hat sie einen Spahn vom Galgen mitbringen sollen, den die Burschen am andern Tage zur Probe in den Galgen hineinpassen wollten. Als das Mädchen nach dem Galgen kam, fand es dort fünf gesattelte Reitpferde, aber keinen Reiter bei ihnen . Schnell setzte es sich auf eines der Pferde und jagte davon. Bald darauf fand es mehrere Briefe, durch die es gewarnt wurde, sich dem Galgen wieder zu nähern. Als es nun geheirathet hatte und nach Nordhausen gehen wollte, um dort auf dem Markte einzukaufen, ward es an dieser Stelle von fünf weißgekleideten Gestalten gefangen genommen, – man weiß nicht, ob es Geister oder Menschen waren. Sie banden die Frau an einen Baum und nahmen die Frucht aus ihrem Leibe, denn sie war hochschwanger. Ein Jäger sah diese Grausamkeit aus der Ferne, legte seine Büchse an und schoß das zappelnde Kind todt. Da waren vie fünf Gestalten verschwunden, die Frau aber ist an den Wehen gestorben.   II. Unterm Kohnstein har früher ein Wirthshaus gestanden. In dem hat ein albernes Mädchen gedient. Nun haben einmal mehrere Leute Karten da gespielt. Da sagte der Eine: sie sollte eine Flasche Wein holen, aber unterm Galgen weg. Da ging das Mädchen hin nach dem Galgen, der auf dem Kohnsteine gestanden hat und dachte: sie solle eine Flasche Gänsewein aus dem Brunnen, der unterm Galgen gewesen ist, holen. Wie sie aber das Wasser schöpfen wollte, da erschien eine Jungfer mit einem Bund Schüssel, und fragte: was es hier mache. Da sagte sie in der Verwirrung doch: sie wollte eine Flasche Wein holen. Da mußte sie fünf Minuten stehen bleiben und die Jungfer gab ihr eine Flasche des schönsten Weines. Häufig hat aber auch hier die Jungfer die Holzhauer verjagt, denn sie hat keinen Lärm im Walde leiden mögen. * 3. Der Tanzteich Bei Niedersachswerfen, am wolfleber Wege, liegt dicht am Fuße des Mühlberges ein Teich, der Tanzteich genannt, an dessen Stelle ehemals eine Schenke gestanden hat. In diesem Wirthshause wurde alle Sonntage getanzt, schon bevor am Nachmittage der Gottesdienst zu Ende war. Als dies das erste Mal geschah, kam ein Gewitter und schlug in einen Baum ein; als es das zweite Mal geschah, kam das Gewitter wieder und donnerte, daß die Balken des Hauses krachten und die Erde erbebte. Als es das dritte Mal geschah, schickte der Herr ein Wetter, welches das Haus mit allen Musikanten und Tänzern in die Tiefe schlenderte und an die Stelle trat der Tanzteich, der über sechs Morgen im Umfange haben soll. In diesem Teiche lebt ein Ungethüm, das ein fremder Wasserspringer einst heraufholen wollte, aber nicht aufzufinden vermochte. Dagegen sah eine Frau oben vom Rande des Mühlbergs, wo er jählings gegen den Tanzteich abfällt, einstmals ein Geschöpf mit menschlichem Antlitz und langen schwarzen Zotteln wie ein Pudel sich über das Wasser emporheben. Im Jahre 1815 ging auch das Gerücht, daß das Ungethüm sich zeige. Jemand, der es damals gesehen, hält es aber für eine Rudel Fische, vielleicht Schleien, wenigstens schien die Masse sich selbständig fortzubewegen. Andere erklärten es für ein Bündel Schilf oder andere Wasserpflanzen. – Nahe beim Tanzteich ist das Ziegenloch, dahinein soll das Wasser aus dem Tanzteich strudeln. Es wird auch erzählt, daß zu Nordhausen einst ein Schwarzkünstler mit Namen Wildtverer war, der stellte sich, als fräße er einen Bauern aus mit Wagen und Pferden. Der Bauer mit Pferd und Wagen wurde aber nachher einige Meilen Wegs von Nordhausen entfernt in einem Sumpf gefunden. Doch ist der Tanzteich hier schwerlich gemeint, da er nicht Meilen weit von Nordhausen entfernt ist. * 4. Das liebe Brot Es berichten die Einwohner der benachbarten Oerter von dem Ursprung des Erdfalles bei Hochstädt, wie sie von ihren Aeltern gehöret hätten: daß in vorigen Zeiten an der Stelle, wo anjetzo der See sich befindet, ein feuchter grasigter Platz gewesen sei, und die Pferde darauf gehütet worden; als nun einesmals etliche Pferdejungen die Pferde darauf zur Weide gebracht und gesehen hätten, daß Einer unter ihnen Weißbrot esse, wäre ihnen auch ein Appetit, davon zu genießen, ankommen, derowegen sie dasselbe von dem Jungen hastig begehret, wie aber derselbe solches gänzlich abgeschlagen, und fürgewendet, daß er dieses Brot zu Stillung seines Hungers selber nothwendig bedürfte, wären gemeldete Jungen so unwillig und erbittert darauf worden, daß sie nicht allein ihren Herren alles Unglück an den Hals gefluchet, als die ihnen nicht dergleichen Weißbrot, sondern nur gemeines schwarzes Hausbackenbrot, zur Speise mitgegeben, sondern sie hätten auch ihr Brot, aus großem Zorn und Frevel, auf die Erde geworfen, mit Füßen getreten, und mit ihren Pferdepeitschen gegeißelt; als aber darauf alsobald Blut aus dem Brote geflossen, wären sie über solches Wunder und Zeichen eines bevorstehenden Unglücks dermaßen erschrocken, daß sie nicht gewußt, wohin sie sich wenden und was sie anfangen sollen; unterdessen sei hingegen der Unschuldige, sonderlich da derselbe, wie Einige erzählen, von einem alten unbekannten, ohngefähr dazukommenden Mann gewarnt worden, auf eines seiner Pferde gefallen, und mit diesem, auch denen anderen übrigen, dem großen Unglück entflohen, welchem zwar die Bösewichte nachfolgen wollen, hätten aber nicht von der Stelle kommen können, wie denn auch bald hernach der ganze Platz, sobald der vorige davon gewesen, mit großem Krachen untergegangen und solche böse Buben sammt ihren Pferden mit sich so tief hinuntergenommen habe, daß auch nach der Zeit nicht das Geringste von ihnen an das Tageslicht kommen sei. Dieses sind nun die Gedanken des gemeinen Mannes, welche er von dem See hat, und sollte derselbe eher einen Eid schwören, als zugeben, daß derselbe auf eine andere als jetzt gemeldete Art könnte entstanden sein. Woferne nun solche Tradition sich wahrhaftig also in der That verhielte, als dieselbe erzählet wird, so wäre es ein sonderliches und erbärmliches Exempel der von Gott höchlich bestraften Ueppigkeit und Verachtung des lieben, obschon schwarzen Brots. Dem sei nun wie ihm wolle, so stecket doch unter solcher Tradition ein feines Morale oder eine herrliche Sittenlehre, maßen die lieben Alten damit haben anzeigen wollen, daß man insgemein das liebe Brot, wenn es auch noch so geringe, nicht verachten solle, insonderheit ist aber dem gemeiniglich unvergnügten Gesinde damit eine heimliche Lection gegeben worden, daß sie mit demjenigen Brote vorlieb nehmen sollen, welches ihnen ihre Herren und Frauen, ihrem Vermögen nach zur Speise darreichen. So bemerkt Behrens in der » Hercynia coriosa « zu dieser Sage. * 5. Die Hexen von Nordhausen Am 28. April 1573 wurde zu Nordhausen die Hexe Anna Beringer verbrannt, genannt: »Guten Morgen, Kuwichen!« Auf dringendes Zureden bekannte sie, daß sie auf dem Brocken beim Satan zum Tanz gewesen sei und den Leuten »die Elben«, das ist die Gliederkrankheit, zu- und abgebracht habe. Am 7. August desselbigen Jahres ward zu Nordhausen auch verbrannt Katharina Wille, genannt » Klötzgen «, welche auch aussagte, daß sie mit dem Teufel zugehalten und »Elben« gemacht habe, daß sie aber auf dem Brocken gewesen sei, durchaus nicht gestehen wollte. Die letzte Hexe wurde zu Nordhausen verbrannt anno 1602. Als nach einem der großen nordhäuser Brände (1710, 1712) ein vorübergehender Soldat des Nachts einer Katze, die sich auf Bauholze, das auf der Straße lag, mit einer andern Katze biß, eine Pfote abgehauen hatte, lag des Morgens eine Menschenhand da. Eine ähnliche Erzählung ging auch von einer Katze, welcher ein Bäcker, als sie ihm in der Dämmerung eine Semmel vom Laden stehlen wollte, mit dem Zwiebackmesser eine Pfote abhieb: die Hexe wurde an der Verstümmelung erkannt. * 6. Der Stein vor dem Altenthore und der Hünenstein bei Nordhausen Vor dem Altenthore zu Nordhausen, an der Ecke des Gasthauses zum Lorberbaum liegt ein großer Stein, der jetzt verschüttet ist. Ihn, sowie auch den sogenannten Hünenstein bei Nordhausen, warfen Riesen aus den Schuhen, worin sie diese Steine gleich Sandkörnern drückten. Als der eine Riese von einem Berge zu dem eben hinabgeworfenen Hünensteine hinabschritt, trat er vor ihn, seinen Behuf zu thun. Von der Kraft der Strömung rührt noch ein Loch her, das sich in dem Steine befindet. * 7. Kloster Neuwerk Johanne Kestner, eine Klosterfrau vom nordhäuser Frauenberge, hat ausgesagt, man fände geschrieben, daß ehe das Kloster auf diesem Berge geworden, da eine Festung gewesen sei, auf der habe ein Vogt des Reichs zu wohnen gepflegt; also geschah es, daß der eines Tages in seinem Schlaf gelegen, da sah er ein solch Gesicht, daß graue Tauben flogen aus seinen Fenstern hoch in die Höhe, und wieder nieder, aus und ein, und auf das Letzte flogen sie so hoch, daß er sie nicht mehr sehen konnte, und solch Gesicht brachte der obgenannte Vogt an seinen Beichtvater und offenbarte das mehrern andern Herren und Schrifterfahrenen; also ward der Vogt unterwiesen und ihm ward eingegeben, daß er aus solcher Festung, da er auf wohnte von des Reichs wegen, ein Jungfernkloster graues Ordens stiftete. Anmerkungen * Zu den Sagen der harzeburger Gegend [S. 1 – 15] Vorbemerkung. Man spricht in der Gegend Harzeburg , nicht Harzburg; der volksthümlichen Aussprache, wie sie jetzt ist, wurde hier wie überall, weil es für dieses Buch wichtig erschien, die Schreibung angepaßt. Harzeburg ist jetzt der Name eines braunschweigischen Amtes, dagegen heißt die alte Burgstelle Harzeburg jetzt nur der Burgberg und von den um ihn her sehr nahe zusammen liegenden Ortschaften des Amtes Harzeburg, worunter die Reisenden besonders Neustadt und Schulenrode schlechtweg Harzeburg nennen, führt jedes seinen eigenen Namen. Der Burgberg hat eine so reiche Vorzeit, daß seine übrigens so schönen Sagen ein förmliches Gewirre bilden, sodaß eine gesonderte Aufzeichnung des Einzelnen, wie sie nun im Text vorliegt, nicht geringe Schwierigkeiten bot. Man kann unter den harzeburger Sagen überhaupt folgende Kreise unterscheiden: a) die Kaisersagen und was sich sonst an den Burgbrunnen anlehnt; b) die Hackelbergsage , deren das Volk am wenigsten gedenkt und auf deren Anknüpfung an die Harzeburg ein jüngeres, wahrscheinlich historisches Ereigniß (Hackelberg's Tod) Einstuß gehabt haben könnte; c) die Krodosage . Ich habe sie im Text gänzlich unberücksichtigt gelassen, weil sich ein innerer Zusammenhang zwischen ihr und den unter a und d bezeichneten Sagen, so sehr das Volk sie auch äußerlich mit den unter a aufgeführten verwirrt hatte, nicht gezeigt hat, sodaß Dasjenige, was man mir über den Abgott Krodo in Harzeburg erzählte, aus der »Sachsenchronik« sich entwickelt haben könnte. Ich habe den Stand der Untersuchung über den harzeburger Krodo in einem Aufsatze Arx Hercynia in R. Prutz' »Deutschem Museum« (1852, Nr. 4) etwas ausführlicher, namentlich mit Rücksicht auf die Delius'schen Untersuchungen dargelegt, als es von J. Grimm, der des ganzen Krodostreites nicht weiter gedenkt und ihn nur durch eine neue Muthmaßung weiterführen wollte, geschehen war. Indem ich auf jenes Referat über die Sache verweise, muß ich bemerken, daß ich jetzt, nachdem ich die harzeburger Sagen gesammelt, die Delius'sche Ansicht, daß die Verehrung des Krodo zu Harzeburg eine Fabel sei, mehr als früher für richtig zu halten geneigt bin, behalte mir aber vor, mich über Krodo vielleicht später in einer Monographie auszusprechen. Ueberflüssig ist eine solche Wiederaufnahme der Frage, zu der ich mich nicht ohne vorhergegangene weitere Ausgrabungen entschließen würde, nicht, da Delius die Volkssage ganz links hatte liegen lassen und da Leonhard, der ihm mit seiner »Harzeburg und ihre Geschichte« (1825) zu seinen »Untersuchungen« Veranlassung gab, Manches in seiner unwissenschaftlichen Weise beigebracht hat, was nun nach Dem, was wir jetzt von der deutschen Mythologie wissen, doch wieder eine Prüfung verlangt, während es Delius für sonderbar und aus den Fingern gesogen hielt. Es handelt sich bei einer Fortsetzung dieser Untersuchungen, von wem dieselbe auch unternommen werden mag, zuerst um ein Zurückgehen auf die von Leonhard lüderlich benutzte und von Delius vielleicht mit zu großem Mißtrauen angesehene ältere Krodo-Literatur, wodurch es sich, wenn Manches, was Leonhard ohne Quellenangabe herfaselt, nachzuweisen wäre, möglicherweise allerdings immer noch zeigen könnte, daß der wahrhaft Lessing'sche Scharfsinn des verstorbenen Regierungsrath Delius zu Wernigerode, dessen Verzeichnis der Krodo-Literatur dabei zum nächsten Anhalt dienen würde, mit mehr Glück gegen die unwissenschaftliche Methode eines harzeburger Forstschreibers als gegen ein Capitel der Sachsenchronik gekämpft hätte. Um den Krodo, nach welchem man neuerdings sogar eine Locomotive benannt hat, in diesem Werke nicht ganz leer ausgehen zu lassen, stelle ich kurz Folgendes über ihn zusammen. Nach dem Wortlaut der Sachsenchronik hat der »Afgott« oben auf dem Burgberge gestanden, wo auch nach Leonhard schon in einer Zeichnung aus dem 16. Jahrhundert eine Stelle die Krodohalle genannt wird , welchen Namen sie noch jetzt führt. Allein das Volk läßt ihn – was weder Leonhard noch Delius erwähnt – unten am Abhange des Burgberges, auf dem sogenannten Krodobrink (vgl. S. 4, 8 und 9), der sich auf Ruhsack's Wiese befindet, gestanden haben. Der sogenannte Krodoaltar in Goslar ist ein selbständiger Gegenstand der Alterthumsforschung: für Krodo kann er nicht in Betracht kommen; Professor Vischer aus Tübingen hält die rein byzantinische Arbeit für ein Denkmal vielleicht aus der Karolingerzeit, aber schlechtweg nicht früher. Sicherlich ist er, wie schon Delius richtig angab, ein tragbarer christlicher Altar, wie ein solches altare portabile 1410 der Papst dem frommen nordhäuser Bürger Simon Segemund, nach einer Mittheilung von Ernst Günther Förstemann, erlaubte. Dieser vermeintliche Krodoaltar nun soll von Harzeburg zunächst nach Osterwieck gekommen sein. Dürfte man bei Osterwieck noch an Ostara denken, worüber man jedoch meine Bemerkung in J. W. Wolfs »Zeitschrift für deutsche Mythologie und Sittenkunde« (I. Heft, 77), vergleiche, so könnten wir drei Fälle nachweisen, wo Krodo und Ostara miteinander in Beziehung scheinen; der zweite ist, daß bei Krodenhagen Osterhagen liegt, und der dritte, daß nach einer freilich von nicht sehr zuverlässiger Seite zuerst aufgezeichneten Sage (vgl. die Anmerkung zu unserer Sage von der Steinkirche bei Scharzfeld) Krodo und Ostara an demselben Orte zusammen verehrt sein sollen. Wenn Schuster hier nicht, wie es die Localschriftsteller, besonders die novellistischen, zuweilen machen, daß sie ganz willkürlich ein paar Götternamen setzen, wo im Allgemeinen von einem Göttercultus die Rede ist, diese Namen aus der Luft gegriffen hat, so könnte dies, aber abgesehen von Ostara, zu J. Grimm's Vermuthungen von einem slawischen Krodo stimmen, wie aus der Vorbemerkung zu unsern Anmerkungen zu den Sagen von Scharzfeld hervorgeht. Zu Dem, was J. Grimm nach einer Mittheilung von J. W. Wolf noch in den Nachträgen der 2. Auflage der »Mythologie« über Krodo bemerkt hat, mag daraus hingewiesen werden, daß Leonhard nach seiner Art ohne nähere Quellenangabe sagt, wie »mehrern übereinstimmenden Nachrichten zufolge« der Dienstag und der Sonnabend dem Krodo heilig gewesen seien. Selbst die wegen mangelnden Zusammenhanges mit dem Berichte der Sachsenchronik lächerliche Ansicht, daß Krodo mit einem Krötencultus in Verbindung gestanden haben könnte (noch zu Leonhard's Zeit wurden, wie dieser angab, in Harzeburg Kröten von Holz zum Verkauf geschnitzt; man sieht keinen Zweck), kann insofern von neuem der Prüfung werth erscheinen, als in der vorliegenden Sammlung, und in unserer Nr. 3 der harzeburger Sagen selbst, in anderm Zusammenhange Lörke eine Rolle spielen. Vgl. auch unten die Anmerkung zu der buntenböcker Sage »Das Hickeding«. Im 1. Hefte von Wolf's Zeitschrift theilte J. V. Zingerle eine Menge Krötensagen aus Tyrol, wo sie für Seelen gelten, mit, und wie sie Zingerle, ohne an unsern Krodo zu denken, das für die deutsche Mythologie wichtigste Thier nennt, so lasen wir in Stöber's Sagen des strasburger Münsters sogar, daß sie sich in dem ältern, heidnischen Wappen der fränkischen Könige befunden haben sollen. – Vgl. für Krodo auch das Vorwort. – Der Aufsatz » Arx Hercynia « berichtet auch über eine kleine Sammlung von Alterthümern, die auf dem Burgberge gefunden sind und dort aufbewahrt werden. – An der uralten Heiligkeit des Burgberges und daran, daß überhaupt dort irgend ein Göttercultus stattgefunden hat, kann kein Zweifel sein. Wahrscheinlich war es ein Cultus mehrerer , und selbst mehrerer männlicher Gottheiten. Leonhard berichtet (S. 27 und 28) Folgendes, was er nur auf Krodo bezieht, was aber ebenso gut auf andere Götterculte bezogen werden kann: »Ich fand mich im Jahre 1820 veranlaßt, einen Hügel durchgraben zu lassen, welcher unmittelbar an den alten Opferplatz der Krodohalle gränzt. Hier zeigte sich zuerst beim Eingraben wol einen Fuß hoch gute, dann Stauberde. Dann folgte eine Schicht Schutt von vormaligen Gebäuden mit Schiefer vermengt, welcher dem Anscheine nach auf Dächern gelegen hatte. Unter diesen fand sich wieder ungefähr ein Fuß hoch Erde und unter derselben viele Asche, mit Kohlen und Knochen vermengt, welche vier bis fünf Fuß tief unter der Oberfläche lagen. Unter letztern hatten besonders große Zähne, welche von Pferden oder Rindvieh zu sein schienen, auch starke Gewehre (oder Hauezähne) von großen und kleinen Schweinen [durch einen Eberzahn starb Hackelberg] u. s. w., sich sehr gut erhalten.« Die Localschriftsteller nennen außer Krodo auch noch Wodan und »Thor« als harzeburger Gottheiten und berichten, daß zwischen dem Burgberge und der Ecker auch der Wodansberg liegt, an den Schimmerwald aber (vgl. Nr. 12 unserer Sammlung) die Waldung »Thorla«, Thorhain, sich anschließe. Die sonst müßige Ableitung des Namens Krodo von der grote geht auch davon aus, daß eine allgemein anerkannte heidnische Gottheit auf dem Burgberge verehrt sei. Ein Köhler zu Lerbach erzählte, daß auf dem harzeburger Burgberge alljährlich zu Michaelis viele Menschen sich einfinden und dort mehrere, etwa von der herzoglichen Domäne zu Neustadt gelieferte Tonnen Bier austrinken, was aber vielleicht ein bereits eingegangener Gebrauch sein wird. J. W. Wolf theilt in seinen »Deutschen Sagen« (1845) unter Nr. 183 eine Sage mit, wonach St.-Michael auf dem Wudinsberge in der Rheingegend einheimisch erscheint, und sieht in der Anmerkung dazu in St.-Michael unbedenklich Wodan. In unsern harzeburger Sagen wird auch der »Sintinnigsplatz«, der historischen Nachrichten zufolge eigentlich St.-Antoniusplatz heißt, genannt, weil sich dort zuweilen die weiße Jungfer zeige. Als Schutzpatron einer menschlichen Jungfrau erwähnt ihn S. 119 die eigenthümliche Sage vom Schloß im Gerlachsbache aus der wenige Stunden von Harzeburg entfernten Bergstadt Altenau, und nach Honemann II, 9 war in Grund schon vor der sagenhaften Erbauung der dortigen Kirche (vgl. S. 57 der vorliegenden Sammlung) ein »Filial St.-Antonii«. 1. Die Kinder auf dem Burgberge. Diese in einiger Entfernung von Harzeburg mitgetheilte Sage kündigt ahnungsvoll und sinnig die Kaisersagen an, die der Erzählerin unbekannt waren und die wir in den folgenden Nummern nach in Harzeburg selbst gesammelten Erzählungen geben. 2. Der Rothbart und andere deutsche Kaiser im Brunnen auf dem Burgberge. Vgl. die Sagen von entrückten Kaisern im Kyffhäuser (J. und W. Grimm »Deutsche Sagen« I, Nr. 23), im Unterberg (ebend. I, Nr. 22). Bemerkenswerth ist, daß A. Kuhn und W. Schwarz in dem nicht weit von Harzeburg entfernten Ilsenburg von der Prinzessin Ilse einen einzelnen Zug, das Entführen von Pferden, vernahmen, welches Kühn (in den Anmerkungen seiner »Norddeutschen Sagen« 491) als bedeutsam bezeichnet und mit Kaisersagen in Verbindung setzen will, die nun hier etwa eine gute Stunde von Ilsenburg entfernt und auch in dem gleichfalls nahen Goslar (vgl. unsere goslarschen Sagen) so schön und von echtem Gepräge aufgefunden sind. Auch eine Aeußerung von Otmar (»Volkssagen« 145), daß die Schätze des Kyffhäusers sogar auf alten Burgen am Nordrande des Harzes gesucht würden, weil sie gerückt seien, mag wol mit unserer Sage zusammenhängen und das an sich richtige »Rücken« der Schätze für diesen Fall auf einem Irrthum beruhen. 3. Die weiße Jungfer von Harzeburg. Vgl. die ilsenburger Sage in meiner Schrift »Aus dem Harze« 91. Die salinger Fräulein in Zingerle's tiroler Märchen (wo sich überhaupt manches mehr Sagenhafte findet) mähen gern. Auch in Ernst Meier's »Sagen aus Schwaben« I, 51 werden Gerstenkörner Geldstücke. 4. Der Basilisk auf dem Burgberge. Vgl. Meier a. a. O. I. 207. 5. Der Schlangenkönig oder die Königsschlange. Verwandte Sagen sind sehr häufig; hier stehe die folgende aus Godelmann von Zauberern I. 63: »Zu Saltzburg rühmt sich ein Zauberer, er könnte alle Schlangen in der gegendt auff eine Meile Weges in eine Gruben zusammenbringen undt erwürgen: Welches als er sichs unterstunde, kreucht endlich herfür eine alte große Schlange, welche als er sich untersteht mit seiner Beschwerung in seine Grube zu zwingen, sprang sie herauß, schlug sich Ringweise, wie ein Gürtel, umb den Zauberer und Beschwerer her, zeucht ihn in die Grube und tödtet jhn. Diß ist der Solt solcher Zauberey, diß ist die Frucht solcher angemaßten Freundschaft.« Näher steht der harzeburger Schlangensage die Sage von der Lauenburg in »Aus dem Harze« 105 und 106, welche jetzt auch in dem Schriftchen von K. Elis »Lauenburg und Stecklenberg« S. 16-19 in neuer Aufzeichnung vorliegt. In dieser Variante bei Elis wird statt des Schlangenkönigs eine weiße Schlange genannt, und nachdem die Fremden diese gegessen, sehen sie alle Schätze unter der Erde und heben endlich einen schlicht mit Goldstücken gefüllten Kessel (er wird in einer stecklenberger Familie, deren Vorfahr die Männer begleitet, noch jetzt aufbewahrt) aus ihr hervor. Am bemerkenswerthesten aber ist für den Vergleich mit unsern harzeburger Sagen, daß sich nach jener Variante auf der Lauenburg »seit kurzer Zeit bei dem Quellbrunnen des jetzigen Bewohners der Lauenburg die seltene weiße Schlange wieder blicken läßt und von den Wasser Holenden schon oft gesehen ist.« Daraus und aus dem Geldkessel auf der Lauenburg ergibt sich nämlich der Zusammenhang der harzeburger Königsschlange mit der Jungfrau im dortigen Burgbrunnen und ihren Schätzen. Es scheint auch nach den harzeburger und der schon oben citirten ilsenburger Sage, daß die Verwandlung der Geschenke verwünschter Jungfrauen in werthvolle Gegenstände gerade am Wasser vorgeht. Das nicht erkannte und deshalb verschmähte göttliche Geschenk gibt sich an der Ilse durch Tönen zu erkennen, wenn es gleich dem Schatz der Nibelungen unwiederbringlich in die Flut versinkt. Nach J. H. Voß (»Sämmtliche Gedichte«, Ausg. von 1835, II, 211) wären Basilisk und Schlangenkönig ganz Dasselbe und erwüchsen »aus dem Ei eines neunjährigen Hahns«. Ist hier das von einem solchen Hahn mit einer Henne erzeugte Ei gemeint, oder ist das Hahnei dasselbe, wie man in Ungarn scherzweise von Hahnenmilch , in Deutschland von Hasenbrot redet? Auch nach Prätorius »Alectryomantia« 41 sind Basilisk und Schlangenkönig Dasselbe. 6. Die Burgmicke. Sie ist eine ursprünglich historische Person und man liest von ihr und ihrem Bruder in den meisten Reisehandbüchern für den Harz. Für sie und besonders für die Kaisersagen vgl. das Geschichtliche in »Aus dem Harze« 44-47 und den Aufsatz »Arx Hercynia« in Prutz' »Deutschem Museum« 1852, 241-248. Auch Leonhard (222-226 a. a. O.) handelt über Burghansjürgen (starb 1757) und Burgmieke (starb 1775); sie führten den Familiennamen Bierbaum. Nichtsdestoweniger geht die Burgmieke deutlich in die Jungfrau über, welche mit dem Kaiser im Brunnen sitzt, ja sie hilft uns diese erst näher erkennen durch die Katzen, auch wol durch das Weinen. Neuerdings wurde mir auch noch in Harzeburg erzählt, daß die Burgmieke immer vorher den Grasmähern unten am Berge gewinkt habe, wenn ein Unwetter gekommen sei. 7. Der Riese. Den Zug vom Zuwerfen der Hämmer erzählt Grimm (»Deutsche Sagen« I, 27) von Niesen, die auf dem Zierenberge und einer Harzburg wohnen, welche nach seiner Angabe an der Gränze des Paderbornschen, Lippeschen und Corveyschen liegt. Grimm hörte dies von einem dort auf dem Köterberge hütenden Schäfer; wahrscheinlich ist hier eine Sage von der einen Harzburg auf die andere übertragen und an der unsern mag die Riesensage wol ursprünglich haften. Wenigstens hat unsere Harzeburg nicht allein die mündliche Erzählung für sich, sondern auch Brederlow (»Harz« 249) gedenkt eines »ungeheuern Riesen« von dieser und scheint dabei aus einer ältern gedruckten Quelle zu schöpfen. Außerdem geht nach einer unserer goslarschen Sagen ungefähr hier der große Christoffel. Doch ist auch die Gegend jenes Köterbergs überhaupt sehr sagenreich, wie wir aus Grimm »Kinder- und Hausmärchen« III, 180 ersehen. 8. Das eingemauerte Kind. Eine auch in Magdeburg und sonst sehr oft vorkommende Sage, die anderswoher auch von E. Duller besungen und hier in Nr. 8 besonders schön und treuherzig ist. 10. Der Baum am Burgberge. Landgraf Ernst Ludwig von Hessen-Darmstadt wollte einst den Schatz der weißen Frau im Schlosse heben, da erschien ihm diese und sprach: »Du kannst das nicht. Jetzt sind noch goldene Zeiten; aber einst werden schwere Zeiten kommen und großes Unglück, dann wird das Haus Hessen durch den Schatz gerettet werden.« Nach Mittheilung urkundlicher Nachrichten aus dem geheimen Cabinetsarchiv zu Darmstadt in Wolfs »Hessischen Sagen« Nr. 270. 11. Das wundertätige Marienbild. Um die Zeit nach Beendigung des Dreißigjährigen Kriegs wurden Gesundbrunnen in unserer Gegend noch weit mehr von religiösen als medicinischen Gesichtspunkten aus gebraucht. Die Geschichte der einige Meilen von Harzeburg entfernten damaligen Gesundbrunnen zu Hornhausen beweist dies. Ein Brunnen hieß der Marienbrunnen, weil er am Tage vor einem Marienfeste zum Vorschein gekommen, ein anderer der Johannesbrunnen, weil seine Heilkraft, nachdem er längst vorhanden gewesen war, plötzlich an einem Johannistage entdeckt ward. Die Katholiken behaupteten theils, die Kraft des von einem protestantischen Geistlichen geleiteten Bads rühre davon her, daß zu Hornhausen noch die Gebeine ihrer Heiligen ruhten, theils schrieben sie dieselbe dem Teufel zu. Vgl. H. A. Pröhle, »Chronik von Hornhausen«, 75-147, meinen Aufsatz im »Morgenblatt« von 1849, Nr. 96 bis 99, sowie Augustin in den »Halberstädtischen Blättern«, 1823, II, 3-31. 12. Hans von Hacklberg. Zu der Fassung der Sage, wie wir sie hier zu liefern im Stande sind, vgl. Otmar »Volkssagen« 247-250; »Deutsche Sagen« der Brüder Grimm I, Nr. 171, 172, 310; Kuhn und Schwarz, »Norddeutsche Sagen« 180-182; Bechstein, »Sagenbuch« Nr. 317. Auch die hessische Sage »Der Eberkopf zu Büdingen« in Wolf's Zeitschrift für Mythologie, Heft l. Unsere eigene Mittheilung im Text, sowie auch schon die Fassung der Sage bei Kuhn und Schwarz läßt Hackelberg's Tod und Grab auf dem Klöpperkruge immer mehr als historisch erscheinen und spricht daher nicht für Jakob Grimm's Vermuthung, daß das dortige angebliche Denkmal etwa die Insignien eines Gottes aus einer alten Opferstätte bezeichnen möge; desto überraschender kommt der dieser scharfsinnigen Bemerkung zu Grunde liegenden Idee aber Das entgegen, was wir über das Grab Hackelberg's im Solling hinzufügen konnten. Merkwürdig in mythologischer Hinsicht ist, daß des wilden Jägers Grab beim Klöpperkruge gezeigt und im Solling sogar gesucht wird, da spätere dänische und schwedische Ueberlieferungen auch von Odhinn's Grabe wissen. Vgl. Finn Magnusen, »Lexicon mythologicum« 589, und Wilhelm Müller, »Altdeutsche Religion« 202, wo freilich 256 und 257 die Erzählung von Hackelberg's Tod und Grabe vielmehr auf Baldr's Tod und Grab bezogen wird. Eine auf die Localgeschichte zu begründende rein historische Untersuchung über Bohemund und Hans von Hackelberg wäre sehr zu wünschen. Vgl. die Sage von der Harliburg und unser Buch »Aus dem Harze« 85 und 86. Einige schätzenswerthe Nachrichten über die Familie Hackelberg finden sich in Görges' »Vaterländischen Geschichten« I, 29 – 57; letztere lassen uns aber gerade für Hans von Hackelberg im Stich, da der ungenannte Verfasser es entweder für seine Schuldigkeit gehalten, das Leben dieser romantischen Figur auszuschmücken, oder darüber nichts wußte. In den »Sagen und Geschichten aus der Vorzeit des Harzes« 478 wird gesagt, die Dummburg und Hornburg (die Stadt Hornburg?) schienen Eigenthum des Geschlechts gewesen zu sein und ihr Jagdrevier sich von Gröningen bis gegen Egeln hin erstreckt zu haben. Uebrigens vgl. zu Hans von Hackelberg die Sagen vom wilden Jäger in der Gegend des Bruchberges und besonders auch die vom Teufelsloch bei Osterode, und über den wilden Jäger auch die Anmerkung zur lerbacher Sage »Die Kuhkolksklippe und die Frau Holle«, wo ich auch die Tutosel als Frau Holle nachzuweisen suche. Was die Tutosel oder Tutursel betrifft, so dürfte der letztere Name auch für die Sage von der heiligen Ursula, über welche Dr. Oskar Schade die neueste Untersuchung herausgab, von Bedeutung sein, bei deren Ankunft man schwerlich ohne Grund jetzt an den segenbringenden Umzug einer Gottheit denkt. Unsere harzische Tutursel, die am Umzuge eines Gottes theil hat, ist nach »Aus dem Harze« 88 und nach andern Fassungen der Hackelbergsage die Tochter eines schwarzburgischen Forst- und Jägermeisters, insofern dem Oberjägermeister Hackelberg etwa ebenbürtig, und aus einem thüringischen Kloster nach dem Tode zu ihm nach dem Harze gebannt. In der kölner Ursulasage müssen (vgl. Wolf's »Deutsche Sagen«: Die auswandernden Heiligen) infolge eines Traums die Reliquien dreier Jungfrauen aus der Schar der Elftausend nach dem thüringischen Cistereienserkloster Folcoldesrode geholt werden, und die Wolf'sche Fassung der Sage zeigt überhaupt, daß Thüringen in ihr eine Rolle spielt. Nach einer Rheinsage ist Ursula nicht in Köln einheimisch, sondern kommt zu Schiffe an. Wahrscheinlich gibt es auch Fassungen der Sage, wonach sie nicht aus den Niederlanden, sondern zu Lande aus Thüringen ankommt, weshalb die drei Jungfrauen nach Thüringen geholt werden müssen. Die heilige Ursula und die gebannte Ursula in Hackelberg's Jagdzuge scheinen daher dieselbe Person zu sein, sie laufen im thüringischen Kloster zusammen. Damit stimmt, daß die drei Jungfrauen schließlich doch in dem thüringischen Kloster nicht Ruhe haben, sondern es wegen Vernachlässigung wieder verlassen, wie die spukende und tutende Ursel, diese gezwungen, das Kloster verläßt. Sehr auffallend ist schon an sich das Hin- und Herziehen, sowol der Tutursel als der Jungfrauen bei Wolf. – Tutursel spukte im Kloster, weil sie das Keuschheitsgelübde gebrochen hatte, wie auch die Pfaffen, die nicht keusch leben, »mit ir wîben ewiglichen muozzen vallen « und in feurige Ketten geworfen werden (vgl. »Pfaffenleben«, Bruchstück aus dem 12. Jahrhundert, mitgetheilt von M. Haupt im 1. Bande der »Altdeutschen Blätter«). Nach einer Rheinsage wurden die Nonnen von Machern, weil sie mit den Mönchen von Herchheim und Niederlahnstein buhlten, auch üppige Feste mit ihnen feierten, zu »Nachteulen und Nachtgespenstern und alle die buhlenden Mönche zu Teufelslarven«. Hier haben wir also bereits eine ganze Schar von Nonnen, die gleich Tutursel in Eulen verwandelt sind und, wie uns weiter erzählt wird, mit den gleichfalls verwünschten Mönchen gemeinschaftlich spuken. Vielleicht findet sich in der wilden Jagd auch noch eine größere Zahl aus Thüringen oder vom Rhein entstammender Nonnen, wodurch dann auch die Elftausend mit einiger Wahrscheinlichkeit als die bereits mit Wodan dahinziehenden Valkyrien nachzuweisen wären. Für jetzt vgl. für Ursula noch unten die Anmerkung zu der lerbacher Sage von der Frau Holle. Den Namen Herodes, der durch die von Kuhn aufgefundene Abkürzung Rôds so überaus wichtig wird, hörte ich von einem Handwerker aus Gittelde, der ihn auch in Kassel gehört hatte, für den Teufel und für den wilden Jäger. In den von W. Wackernagel mitgetheilten Glossen aus dem 12. Jahrhundert heißt der » wite ualcho« herodius (»Altdeutsche Blätter« l, 348). Nach W. Müller's altdeutscher Religion 112 wird bei Burchard von Worms die Herodias der Diana gleichgestellt; in dem Gedicht » Salve regina « wird Maria angeredet » du liehter stern Diane « (»Altdeutsche Blätter« I, 184). Merkwürdige Beziehungen zum wilden Jäger stellen sich durch den Leo'schen Aufsatz über den Zusammenhang des germanischen Heidenthums mit dem der indischen Arier im 1. Hefte von Wolf's Zeitschrift von selbst heraus. Die jetzigen Besitzer des Klöpperkrugs, die Gebrüder Klöpper, haben neulich Auction angestellt, weil sie nach Amerika auswandern wollten. Da ist auch ein angeblicher Säbel Hackelberg's, aber ein wenig altes Ding, für wenige Groschen verkauft. Den echt sein sollenden Helm und die übrigen Sachen hat man nur mit 5 Thalern bezahlen wollen, wofür die Klöpper sie nicht losgeschlagen haben. Unter den Vielen, welche die Hackelbergsage ausschmückten, soll der Novellist Wilhelm Blumenhagen das Ausführlichste geliefert haben. Auch Bürger's Gedicht vom wilden Jäger, worüber ich anderswo ausführlicher zu reden gedenke, scheint in Bürger's bekannter Produktionsweise aus verschiedenen niedersächsischen Sagen von Hackelberg zusammengesetzt; als Rheinsage existirt der Inhalt keineswegs, und wenn K. Simrock ihn doch als solche betrachtet und nach dem Rheingrafenstein verlegt, so geht er von der falschen Voraussetzung aus, daß Bürger in seinen größern erzählenden Gedichten einen gegebenen Sagenstoff einfach erzählte (was er in der »Lenore« und »Des Pfarrers Tochter von Taubenhain« keineswegs that), und stützt sich außerdem lediglich darauf, daß Bürger seinen wilden Jäger »Wild- und Rheingraf« nennt. Diese gab es nur am Rhein, aber ein wilder Jäger ist uns von da durch wirkliche Sage nicht nachgewiesen. Bürger kannte den Titel Wild- und Rheingraf und scheint ihn einfach für den eines braunschweigischen Oberjägermeisters gesetzt zu haben. 13. Die Räuber vom Eckernkruge im Schimmerwald Man erzählt sich auch ein nicht mittheilbares Märchen , wo Jemand auf Reisen geht und da, wo er hinkommt, gleichfalls einen dicken Mann schlachten sieht und überhaupt allenthalben so ekelhafte Nahrung erhält und so Ekelhaftes erblickt, daß er halb todt und verhungert wieder zu Hause anlangt. 15. Der Jäger vom Ahrensberg und die Brohmbüchse Im Texte steht Broombüchse, was ich in Brohmbüchse corrigire, da Brohm, so geschrieben, als Eigenname vorkommt; so jetzt in Halberstadt. 16. Die Harliburg unweit Vienenburg. Einige historische Nachrichten über sie hat Cörber in seiner » Historia Goslariensis « (1697, gedruckt bei Simon Andreas Duncker in Goslar). Sie wird von ihm Herlingsberg, in einem Citate aus Arnoldus von Lübeck aber Harlingenberg genannt. Ausführlicher handelt von der Burg Harlingsberg Eduard Crusius in Görges' »Geschichten etc.« I, 380–384 und gedenkt auch eines eigenen lateinischen Gedichtes » Herlingsberga « von Heinrich von Rosla. 17. Die Schweinegrund am Finkenherde unweit Wiedelah. Wie hier die Schweine selbst als Büsche aus dem Sumpflande hervorwachsen, stehen schwankartiger und nur vorgeblich z. B. in meinen »Kinder- und Volksmärchen« Nr. 49 (»Der gelehrige Dieb«) die Schwänze von versunkenen Ochsen daraus hervor. Der Name saudreck ist am Harze auch für den Teufel bekannt; saeuznagel, saeuschwanz ist nach Wolf's Zeitschrift I,5 ein Schimpfwort für den Teufel und für den Wirbelwind. Nach einem mir aus Holstein bekannt gewordenen Gebrauche hebt dort beim Schweineschlachten der Schlächter, wenn er dem Schweine den Schwanz abgeschnitten hat, diesen feierlich in die Höhe und spricht die wol an die Stelle eines altern Spruchs getretenen Worte: »De Steert (Schwanz) hört de Weerth; Wenn he den nich behagt, Hört he de Magd«. * Zu den Sagen von Goslar [16 – 34]. 1. Die Entstehung der Bergwerke am Rammelsberge (I–III). Vgl. zu dem Namen Rammelsberg »Aus dem Harze«, 26 und 27, sowie die unterharzischen Namen Rammelburg und Ramberg, worüber später mehr. In I vgl. zu dem Namen Zauberjette Grimm's »Deutsche Sagen« Nr. 138 und Meier a.a.D. I, 303. Sie erinnert an die im Jungbrunnen badende rauhe Els, die nach dem Heldenbuche den Wolfdietrich in ihr Land entführt. Otto scheint Otto der Große (vgl. Honemann I, 21–23). Zu Abtheilung II vgl. unten die herzberger Sage »Das Männchen am Schloßberg«, ferner zu Abtheilung III die Sagen von der Kelle und besonders Wolf's »Hessische Sagen« Nr. 179, »Männchen hütet das Feuer«. 2. Die Kaiserstochter im Dom zu Goslar. Einige nennen Heinrich den Finkler als den Kaiser, der in dieser Sage vorkommt. Abweichend steht diese bei Kuhn und Schwarz. Der Zug vom König, der in seine Tochter verliebt ist, kommt in Allerleirauh auch vor, worauf diese in ihrer wunderlichen Tracht entflieht; auch in der »Bärin« im » Pentameron « des Basile (Grimm, »Kinder- und Hausmärchen« III, 308), wo die Königstochter sich deshalb in eine Bärin verwandelt; in »Das Mädchen ohne Hände« im »Pentameron« (ebend. 319) ist der König in seine Schwester verliebt, welche sich deshalb die Hände abhauen läßt. Das Weben des Altartuchs erinnert an Penelope. Zum Erscheinen der Maria vgl. die folgende Sage. 3. Kaiser Heinrich IV. und der Dom zu Goslar. Nach der Chronik der Fürsten, die in Goslar residirten, in Leibnitz' » Scriptores rerum Brunsvicensium « III, 42 – 46; einige Notizen aus Brederlow's »Harz« 195, wo es sich leider ohne specielle Quellenangabe findet; das Meiste aus Cörber's » Historia Goslariensis « , die beiläufig bemerkt nur bis zum Tode Kaiser Friedrich's II. reicht. Er entlehnte seinen Bericht dem Engelhusius, Winnigstädt, Lambertus Schafnaburgensis u. s. w. Honemann in seiner unter dem Titel »Alterthümer des Harzes« erschienenen Chronik des hannöverschen Harzes benutzt noch andere Quellen, ohne die Geschichte deshalb im Wesentlichen zu vervollständigen. Vgl. die kürzern Berichte über den Streit in Grimmas »Sagen« I, Nr. 182 und bei Harrys II, Nr. 25. Mathias war der Schutzpatron von Goslar. Cörber erwähnt, daß Mader in seinen »Braunschweigischen Antiquitäten« sagt, der Dom werde St.-Mithiasstift genannt. Zu Buko von Halberstadt vgl. »Aus dem Harze« 99 und 100. In Remigii »Dæmonolatria « , II, 119 wird der Streit in der Kirche kurz von Mainz und von Heinrich III. erzählt, doch scheint er nur in Goslar historisch. In Mainz ruft der Teufel erst, als die Bischöfe den Tempel von neuem geweiht haben, und der erschrockene Kaiser gibt die für ihn und sein Hofgesinde zugerichtete Tafel selbst an die Armen, um ihn zu vertreiben. Vom Teufel wird auch erzählt, daß er zu Goslar in der Freimaurerloge wohne. So hörten auch Kuhn und Schwarz: »Alle Jahre holt der Teufel einen Freimaurer«; oft sagt man, es geschehe stets auf Johannii, wo die Maurer ein Fest feiern. In Nr. 20 der »Evangelischen Kirchenzeitung« für 1853 wird des Volksaberglaubens gedacht, der in den Logen »den Teufel und den Tod« vermuthe. 4. Der große Christoph und die Clus. Bedeutsam, daß hier statt des sonst im Schuh der Riesen gewöhnlichen Sandkorns eine Erbse herausgeschüttet wird. Was bedeutet der Name Boldrick ? Zu dem Worte Clus vgl. »Altdeutsche Blätter« I, 308, wo es heißt: »Dy herren worden moenche, dy frowe (Crescentia) fur in eyne kluss.« Auf dem Osterfelde zwischen Harzeburg und Goslar sollte auch das bekannte nachgemachte Gelübde »Hilli Krotti Woudana« in einer Urne aufgefunden sein. 5. Zwei deutsche Kaiser halten zu Goslar ihren ersten Reichstag unter Donnern und Blitzen. Nach »Chronik der Fürsten u. s. w.« in Leibnitz' »Scriptores« und nach Cörber's »Historia Goslariensis« , welcher dem Dodechinus in seinem Anhang zum Marianus Scotus folgt; abweichend, vielleicht nur anders gewendet, in einem Gedicht »Kaiser Heinrichs Waffen« von Gruppe. 6. Kaiser Lothar's des Sachsen Tod. Nach Cörber, wo es nach Albertus Stadensis steht, und nach Bothe's Sachsenchronik bei Leibnitz a. a. O. III, 841. 7. Herzog Heinrich der Löwe und die Bergleute von Goslar. Aus Cörber, nach Helmold; Honemann I, 34 erzählt Dasselbe. Kurz erwähnt die Sage auch Leonhard, 30. 9. Der Saal im Petersberg. Diese Sage und daß man sich noch vor kurzem in Goslar gefürchtet habe, Abends in der Dämmerung vor das Haus zu treten, weil um diese Zeit ein Wagen mit einem Kutscher ohne Kopf umfahre, er. zählte mir der Führer, der jetzt die Reisenden in den Ueberrest des goslarschen Doms führt, zum Beweise, wie abergläubisch das Volk sei, da die Sage noch jetzt geglaubt werde. Es unterliegt daher keinem Zweifel, daß diese Kaisersage mit ihrer localen Anknüpfung wirklich der Stadt Goslar eigenthümlich, wie sie denn auch, in Verbindung mit den harzeburger Kaisersagen (vgl. besonders unsere Sage »Die Kinder auf dem Burgberge«) Manches enthält, was sie von den Kaisersagen des Kyffhäusers sehr bestimmt unterscheidet. 10. Der Kinderbrunnen bei Goslar. Der Schluß nach dem »Unterhaltungsfreund« vom 19. Dec. 1852, der um »Aufklärung« in der Sache bittet. In Helmstedt zeigt sich vom ersten Advent bis Weihnachten die weiße »Adventsjungfer« und in derselben Zeit der wilde Jäger. Das Ertränken der Kinder wird auch von einem Teiche zwischen Osterode und Lerbach erzählt, in dem nun die Kindesmörderin sitzen soll. Die Sage vom Kinderbrunnen steht auch in Görges' »Vaterländischen Geschichten« (1845) III, 10 und 11; v. Rohr's »Merkwürdigkeiten des Oberharzes« 469 sagen auch, Heinrich II. habe befohlen, das Wasser aus dem jetzigen Kinderbrunnen solle durch Röhren nach dem Kaiserpalaste gebracht werden. Es sind indessen von einer solchen Wasserleitung keine Spuren vorhanden. Die Sage von dem Brunnen, in welchem Kinder wohnen, ist übrigens nicht ausschließlich deutsch. Remigii » Dæmonolatria « II, 172 und 173 hebt eine Stelle aus des Enapius Leben des unter Kaiser Konstantin lebenden Jamblichius, eines pythagoreischen Philosophen, Schülers des Porphyrius, aus, wonach Jamblichius einst in das warme Bad in Syrien, nach Cadana, reist. Zwei Brunnen führten den Namen Amor und Anteros, Deus Amantinæ injuriæ vindex . Den einen Brunnen berührte Jamblichius mit der Hand und murmelte einige Worte, da kam alsbald aus der Tiefe des Brunnens ein schneeweißer Knabe, mit goldenen Haaren, in Gestalt eines Badenden. Darauf ging er zum nächsten Brunnen und »brachte Amorem in Gestalt eines Knäbleins abermals auch aus demselbigen Brunnen herfür«, dem vorigen fast gleich. Beide Knaben, »mit Wasser umgeben«, fallen dem Jamblichius um den Hals und herzen ihn, als wenn er ihr natürlicher leiblicher Vater wäre. Zuletzt schickt sie der Philosoph »in ihren vorigen Sitz und eigenthümliche Wohnung« zurück. 11. Die verwiesene Papiermüllerin. Fast in allen unsern Geschichten von Verwiesenen, zuweilen auch in Banngeschichten und mitunter wenn es einen Schatz zu heben gilt, werden »Pater« herbeigeholt, als die Zauberkundigen. Durch die Reformation war der Aberglaube aus der Kirche verwiesen und zur Gemüthssache geworden, Spuk und Teufel mußten der Regel nach durch Gebet zu Gott überwunden werden, wie wir durch die eigenen Anfechtungen Luther's wissen, der von Aberglauben nicht frei war, und nach einer altern, ihm keineswegs feindlichen Schrift sogar einst wollte, daß ein Kind als Wechselbalg ins Wasser geworfen würde. Die katholische Kirche dagegen ging durch Beschwören, Segnen u. s. w. den Spukgeistern selbst gleichsam unmittelbar zu Leibe, und es ist daher leicht glaublich, daß das Bedürfniß des evangelischen Volks in Norddeutschland noch lange die katholische Kirche gegen die bösen Geister zu Hilfe rief. Gödelmann nach Nigrin's 1392 erschienener deutscher Bearbeitung seines Buchs von Zauberern, Hexen und Unholden beklagt sich deutlich darüber, daß die katholische Kirche in ihren Ceremonien Alles belebt denke, und will letztere nur in diesem Sinne verstehen. Lercheimer, ein Schüler Melanchthon's wenn ich nicht irre, zog in seinen »Bedenken von Zauberei« gelegentlich selbst gegen ziemlich unverfängliche Sitten der katholischen Kirche zu Felde, die sich ähnlich als protestantisch-kirchliche Sitten bis auf diesen Tag erhalten mögen, z. B. Ceremonien mit neuen Glocken. Dabei war er selbst voller Aberglauben und wollte ihn nur mit wahrhast reformatorischem Geiste aus Kirche und Gerichtsstube hinausweisen. Gödelmann zählt a. a. O. 63 unter den Beschwörern ausdrücklich »die päpstischen Exorcisten und Teufelsbeschwörer« auf, »welche meistlich Schwarzkünstler oder Zauberer sind, wie Acatius saget. Denn wie diese mit ihren greulichen Beschwörungen die Teufel aus der Hölle herausfordern, also unterstehen sich die Erorcisten und Teufelsbanner nicht allein mit gewissen Gebetlein und den gebrauchten und zugesetzten Ceremonien, Mahlzeichen, Beschwörungen und mit oft wiederholten Namen Gottes, Maria und der Heiligen die bösen Geister auszutreiben von Menschen, Vieh und Häusern, sondern sie beschwören und heiligen auch Wasser, Salz, Oly, Kerzen, Palmen, Kräuter und andere Creaturen, auszutreiben, wie sie wollen, die Gespänste und Spückniß.« – In Hornhausen, im Halberstädtischen, ist noch der Name des »Segenzehntens« bekannt, freilich wol nur deshalb, weil der Zehnten selbst noch an ein aufgehobenes Kloster zu Halberstadt gegeben werden mußte, als die Ceremonie schon aufgehört hatte, wofür er gegeben wurde. Diese bestand darin, daß Mönche kamen, die Felder umzogen und weihten. Ein damit verwandter Zehnt hieß Krippenzehnt . Offenbar (wiewol die Bedeutung dieser zweiten Abgabe dem Volke nicht mehr bekannt ist) wurde also auch das Vieh von den Mönchen zu bestimmten Zeiten gesegnet. Das nahe Kloster Hamersleben theilte Spendebrot (vgl. die harzeburger Sage Nr. 8 vom Salzwerk Juliushall) aus. Dieses wurde keineswegs blos von den Armen, auch nicht von den Katholiken blos geholt, sondern wohlhabende, protestantische Hofbesitzer, z. B. in Hornhausen zerschnitten es und gaben es dem Vieh ein, weil es gesegnet war. – Daß das Gespenst, welches, wie der verwiesene Pastor in einer andern goslarschen Sage, S. 32, den Kindern nachstellt, ins Wasser verwiesen wurde, wäre beachtenswerth, wenn nicht das »Rothe Meer«, wohin Verwiesene gewöhnlich ziehen müssen, vielleicht ausschließlich die fabelhafte Entfernung bezeichnet; in dem »Herzog Ernst« (Gervinus, »Deutsche Dichtung«, 4. Aufl., I, 195 u. f.), in welchem man die ganze »Wundergeographie« der frühern deutschen Dichtung beisammen hat, kommt ein Lebermeer vor, worunter das Nordmeer, oder das Rothe Meer zu verstehen ist. * Zu den Sagen von Gittelde und der Staufenburg [35–46]. 1. Kaiserswoort in Gittelde. Eine Kaiserdwoort als Name eines Hauses findet sich in Goslar, eine Woort als Name eines marktähnlichen, etwas tiefliegenden Platzes in Halberstadt, als Name einer Häuserreihe auch in Quedlinburg, Das Wort Woort soll ursprünglich eine sumpfige Stelle, also so viel als der wert , die Insel, auch als Werder bedeuten, welches letztere Wort in einer prosaischen Auflösung der Geschichte von der Crescentia vorkommt, die Haupt in den »Altdeutschen Blättern« I, 306 mittheilt. Dort heißt es: »Sy (Crescentia) beful gote yre sele flous czwene thage an dem wassere: der nach quam sy an einen werder , do bleyb sy haftene ... Uff dem vorgenanten werder bleyb dy vorgenante frowe besytczene « . Ein Ort Werdersleben oder Werderslewe (etwa das jetzige Warsleben zwischen Oschersleben und Weferlingen wird in einer Urkunde in Kunze's unten näher anzuführender Chronik von Hamersleben, 9, erwähnt. Einige Nachweisungen über Wohrt finden sich noch in Görges' »Geschichten etc.« II,143. Zu Werder, das auch der Name eines Städtchens bei Berlin ist, und wert stellt sich auch wol noch das Wort Wört in dem Ortsnamen Donauwörth. 2. Kaiser Heinrich der Vogelsteller und die Mönche. Der Erzähler nannte das Kloster Klettenberg , meinte aber wol Walkenried , welches, wie man meist als gewiß annimmt, und Förstemann in seiner »Chronik von Nordhausen« wenigstens wahrscheinlich findet, von der gräflichen Familie Klettenberg gegründet sein soll. 4. Die Jungfer auf dem Amte Staufenburg. Nach der Erzählung des Kleinbinder- (Eimermacher-)Gesellen Friedrich Benholz aus Gittelde, welcher sagte, daß er die Wahrheit der ganzen Sache vertreten könne und wolle, weil sein Bruder zu der Zeit auf Amt Staufenburg gedient habe. Offenbar ist hier eine ältere Sage (im Sommer 1852) wieder erneuert; die Sage ist aber in dieser Fassung ein merkwürdiger Beweis, wie bei einer solchen Erneuerung trotz aller Lebendigkeit und modernen Anschaulichkeit sich viele, wenn nicht alle, sehr alten Züge erhalten können. Bemerkenswerth das Zeitwort wûten wobei man an das althochdeutsche Zeitwort wuot und Wuotan denkt. 5. Die Säule. Kam zu gleicher Zeit wie die vorige Sage in Umlauf und wurde noch bekannter. 6. Burg Staufenburg. Vgl. zu dem Fortlaufen der Sau die Sage von der Harliburg unter den Sagen der harzeburger Gegend; übrigens auch die osteröder Sage von der Osterjungfrau. 8. Die Hexe in Gittelde. Ergänzt nach Kuhn und Schwarz a.a.D. Nr. 217. Uriänchen ist in Osterode auch ein Spottname für kleine drollige Menschen. Vgl. zu der Sage J.W. Wolf »Hessische Sagen« Nr. 115, und wegen einzelner Züge meine »Kinder- und Volksmärchen« Nr. 70) und Nr. 19. * Zu den Sagen der Bergstadt Lautenthal [47-56]. 1. Spar-die-Müh' und die Zwerge am Bielstein (I–IV). Abtheilung I ist sehr ausgeschmückt als Novelle auch erzählt vom Hüttenaspirant Blum in Lautenthal im goslarischen »Unterhaltungsfreund« von 1851, Nr. 10–15. Die Volkssage selbst, die oft auch das geliehene Zwerggeschirr von den Menschen verunreinigen und die Zwerge deshalb widerspänstig werden läßt, kommt ähnlich auch von Zwergen bei Altenau und bei Osterwieck im Halberstädtischen vor. Zu II und III vgl. unten die Zwergsagen vom Sachsenstein und von Lerbach. Wegen der Abstammung der Lautenthaler von den Zwergen vgl. Kuhn und Schwarz, 189; wol nur aus einem Misverständniß heißt es dort »Schpartemihl« für Spar-die-Müh. Die Bezeichnung »drei Ringe alt« in Abtheilung III ist vom Volke daher genommen, daß der Baum in jedem Jahre einen Ring ansetzt, indem sich dann jedesmal ein Theil des Splint in Holz verwandelt, was man die Ringe oder die Kennung nennt. Diese Bezeichnung, worin das Zwergkind sein eigenes Alter nach den Merkmalen eines Baumes zu berechnen scheint, wirft ein ganz merkwürdiges Licht auf den Umstand, daß die Zwergkinder sonst bildlich sagen, sie seien ebenso alt als der Thüringerwald oder der Westerwald. Will unser Spruch wirklich das Leben der Zwerge zu dem Leben des Baums, dem Aufsteigen des Saftes in Beziehung setzen, so ist das ein Zeugniß mehr dafür, daß sie ursprünglich still wirkende elementarische Wesen sind. 4. Der Feuerholzmeister und die faule Rohne. Bei Wolf »Hessische Sagen«, Nr. 123, verwandelt sich der Wildfrevler selbst in einen »Schneisenblock«. 5. Der Schildberg. Ein Gedicht »Die bezauberte Gräfin oder die Sage vom Hause Schildberg« von H. Blum in Lautenthal (»Unterhaltungsfreund«, 1851, Nr. 22) erzählt nur eine vom Verfasser erfundene Geschichte. * Zu den Sagen der Bergstadt Wildemann [51–55]. 1. Wilde Mann. Nachzutragen ist, daß vor dem Rathhause zu Wildmann eine sehr alte Linde steht, die Alle mit der Sage in Verbindung bringen. – Vgl. Kuhn und Schwarz, 188, wo kurz erwähnt wird, daß Kaiser Heinrich den wilden Mann auf seiner Reise zum Vogelherde bei Schulenberg getroffen. Auch die Gebräuche vom Einfangen des wilden Mannes und der Räuberbande, welche Sommer und Kuhn und Schwarz aus den unsern benachbarten Gegenden aufzeichneten. Auch im graubündner Oberland ist der wilde Mann bekannt nach Ernst Meier's Sagen. Wilde Weibchen besonders kommen bei Wolf vor (»Hessische Sagen« Nr. 82 bis 87). Für Häuser kommt der Name wilder Mann in Aachen vor nach J. W. Wolfs »Deutschen Sagen« 188, für Gasthöfe besonders in der Schweiz und in Braunschweig. Auch Musäus gedenkt des harzischen wilden Mannes in der, wie es scheint, durch eine Harzreise entstandenen Erzählung »Der Schatzgräber«. Er beschreibt ihn als am ganzen Leibe behaart, mit einem Bart bis über den Nabel, einen Kranz um das Haupt, um die Lenden einen Schurz von Eichenlaub und in der rechten Hand haltend einen ausgewurzelten Tannenbaum. »Das ist – setzt Musäus hinzu – der wilde Mann auf dem Harzgelde, welchen Einige fälschlich (?) für den Schildhalter des braunschweigischen Wappens ausgeben. Er ist der Berggeist des Harzes, wie er sich hier zu erkennen gibt, der einer reichhaltigen Fundgrube daselbst den Namen gegeben, wo er oft den Bergleuten erschienen ist.« Eine ältere publicistische Schrift mit dein Titel »Der Wilde Mann von Wolfenbüttel « erwähnt Gervinus. Der originelle Theriakskrämer Georg vom Harz (vgl. »Ein Störger« im 1. Hefte von Wolf's Zeitschrift) rief auf dem Jahrmarkt zu Kassel »Schau, Bauer, schau: Hier ist eine wilde Frau!« »nach Gewohnheit dieses Volks« und bot darauf unter Anderm Dill und Petersilie (Beides, auch das letztere, wie es scheint, am Harz wunderkräftige Kräuter) aus. Nach Jakob Grimm, welcher eine Untersuchung wünscht, wann der wilde Mann zuerst auf Wappen etc. vorkommt, stellt er einen Faun dar. Damit stimmt, was Zeilerus, Prätorius und Flemming, Letzterer in seinem »Deutschen Jäger«, melden, daß man auf dem Harzwalde im Jahre 1240 zween Satyros oder wilde Menschen mit langen Schwänzen gefangen, davon das Weiblein, da es verwundet worden, gestorben, das Männchen aber lebendig geblieben und zahm gemacht worden, aufrecht gangen, auch endlich reden lernen, doch keine Vernunft gehabt, große Geilheit erwiesen und wie eine Ziege geschrien. Voß erklärt, wol schwerlich genau, in der Anmerkung auf Seite 213 des 2. Bandes der »Sämmtlichen Gedichte« das Wort Hüne durch »Riese, wilder Mann «. Unsere Sage ist in mehrfacher Hinsicht sehr merkwürdig und ein einsichtsvoller Bergbeamter, dem sie mitgetheilt wurde, wollte sie fast ohne Weiteres für Geschichte halten, insofern wirklich in Wildemann der älteste Bergbau vielleicht schon von Eingeborenen betrieben sei. Ein Mann aus Thüringen wollte in einer Chronik gelesen haben, daß aus Ilmenau (?) ein thüringischer Ritter nach dem Harze gezogen sei und dort den Bergbau angefangen habe. Die Einwanderungen nach dem Oberharze aus Franken und Thüringen geschichtlich festzustellen, wäre eine dankenswerthe Aufgabe, nur wäre zu beachten, daß nach L. Bechstein's »Thüringischem Sagenschatz«, II, 88, z. B. in Ruhla Bergleute vom Harze nach Thüringen eingewandert sind, um dort den Bergbau zu betreiben. Der Name Ritter Claus ist auch zu beachten und mit dem Namen Clausthal, Clausberg bei Lerbach, an dessen Fuße schon vor Alters eine Eisensteingrube gewesen sein soll, zu vergleichen. Am Ende bedeutet aber Klaus (anderweitig kommt für Clause das niederdeutsche Wort Clus vor) nichts als Zelle , und wir kommen so auf die Begründung des Bergbaues durch Mönche zurück, worauf auch das alte zellerfelder Zellkloster hinweist. Zuletzt kehrt aber auch die Sage von Rittern, welche die erste Cultur brachten, immer wieder. Wir verweisen auf die Sage »Entstehung der Bergwerke am Rammelsberge«; auch den später folgenden Sagen von Lerbach und Kamschlacken, wo Reiter in das Lerbacher- und Sösethal kommen und ihre Pferde verlieren, hat vielleicht ursprünglich diese Erinnerung zu Grunde gelegen und ist ihnen nur mit der Zeit verloren gegangen. 2. Hexenbutterwerk. Vgl. was in »Aus dem Harze« 29 über das Wahrzeichen eines alten Hauses in Goslar gesagt ist. Die Butter, die sich nicht vermindert, erweist sich dadurch als ein göttliches Geschenk, wie Flachs und Inselt vom Bergmönch. In Remigii »Dæmonolaitria« II, 309 und 310 verhindert ein Knabe eine Magd durch eine recitirte Psalmenstelle am Buttermachen und hebt den Zauber dann wieder auf, indem er die Stelle rückwärts liest. (Zum Rückwärtslesen vgl. S. 65.) * Zu den Sagen vom Hibichenstein und der Bergstadt Grund [56–62]. Der Zwergkönig Hibich (I–IV). M. Haupt's Zeitschrift l. 572 fg. enthält von Jakob Grimm eine Aufzählung der verschiedenen Gibechensteine in Deutschland, eine Zusammenstellung derselben mit dem althochdeutschen Kipicho, mittelhochdeutsch Gibeche, der in der Nibelungensage als Vater der burgundischen Könige erscheint, und die Erklärung des Namens durch Geber , dator, largitor , was denn weiter durch δώτωρ έάων gedeutet und in der Mythologie 126 mit Wuotan zusammengestellt wird. Auf diese Weise ist von Grimm der Name Hübich, für den in der Sammlung von Harrys auch der Name Gübich mitgetheilt war, auf Wuotan gedeutet. Ich selbst hörte den Namen Gübich so wenig als Kuhn und Schwarz, wol aber sogar Gütte für Hütte. Die niederdeutsch redenden Bewohner des Oberharzes nennen den Hibichenstein nur Hêwekenstein , worauf ein Knabe, meine eigene Aussprache verbessernd, mich ausdrücklich aufmerksam machte. Die sogenannte Bergmannssprache schwankt, wenn mir recht ist, zwischen Hêbich, Hîbich, Hêbichenstein und Hîbichenstein. Dieser wird von Einigen auch eine Zwergkanzel genannt. Von der Bergstadt Grund (Grunde, Grunne, Grünne) , die dicht am Hibichenstein liegt, horte ich auch eine merkwürdige Redensart: » Da müßte Grund zum Steinhaufen werden !« Zu Abtheilung IV vgl. die Abtheilung II in Nr. 24 meiner »Kinder- und Volksmärchen«. Nach S. XXXIV des Vorworts jener Märchen wurde ich durch jene II. Abtheilung, die Geschichte vom Zwergengroßvater Trutram , wegen eines einzelnen Zuges an den Zwergkönig Hibich erinnert, von dem die Geschichte nun hier in der That und viel schöner und vollständiger erzählt wird. Vgl. übrigens zu den Sagen von Hibich Harrys I. Nr. 1 und 21, wonach ich den Tert ergänzte. Harrys II, Nr. 18, und Kuhn und Schwarz, 121, wurden zur Ergänzung nicht benutzt. Für das gesund machende Kraut, das im Besitz Hibich's ist, können Rübezahlsagen verglichen werden, für die Verwandlung des Laubes in Gold vgl. Meier I, 49. Das Wort die junge Grüne in Abtheilung II (vgl. auch die lerbacher Sagen unten, S. 159) entspricht noch dem altern diu wilde . Von der in dieser Abtheilung auch erwähnten Erbauung der »gründnerschen« Kirche findet man das Geschichtliche bei Honemann II. 9, der den Ort »zum Grunde« nennt. Vgl. oben die Vorbemerkung zu den Anmerkungen der harzeburger Sagen wegen des heiligen Antonius. Der krimmer (Abtheilung III) heißt auch grimmer (von seinen furchtbaren Augen?) und dieser ist schon im Vorwort meiner »Kinder- und Volksmärchen« XLIII! (wo in der letzten Zeile von unten »welche« für »welcher« zu lesen ist) als Weihe, Hühnerweihe erklärt. Interessant ist in Abteilung IV das Wort wunschspeise , das natürlich von unserm Erzähler gebraucht wurde, für die Speise in den Schüsseln und Tellern der Zwerge. So kommt auch im »Iwein« V. 44 das Wort wunschlebn vor, und den wunschwind 'bei Gregor hat J. Grimm aus Wodan gedeutet. wunschspeise ist nicht eine Speise, die man jedesmal ausdrücklich herbeiwünschen muß , wie die auf dem Tischlein-deck-dich (der Soldat hatte dazu gar keine Anweisung erhalten), sondern die vollkommenste, die man nur denken und wünschen kann, und die darum auch nicht auf irdische Weise zu bereiten ist; also eine Ambrosia, wie Wunschleben ein Götterleben (diesen letztern Ausdruck auch in seinem jetzigen bildlichen Sinne genominen) ist. * Zu den Sagen der Bergstädte Klausthal und Zellerfeld [63-116). 1. Sagen vom Bergbau (I–VII). Zu Abtheilung I vgl. die lautenthaler Sage »Der Venediger als Bergmönch« und unten Abtheilung IV der Sagen vom Bergmönch. Eine ähnliche Sage wie Abtheilung II, in der aber der Teufel, der hier nur im Hintergründe zu stehen scheint, genannt wird, wird aus Goslar erzählt. Vgl. übrigens zu Abtheilung II die Abtheilungen I und III. Die in Abtheilung IV erwähnten Näpfchenpfennige werden auch am Andreasabend zur Vorherbestimmung des künftigen Gatten benutzt. 2. Der Bergmönch vom Klausthal und vom Zellerfeld I – IX). Bemerkenswerth ist, daß da, wo der erste Bergbau des hannöverschen Harzes getrieben wurde, in Goslar, der Teufel beim Bergbau ungefähr die Stelle des Bergmönchs vertritt. In den jüngern, jetzt vorzugsweise so genannten sieben Bergstädten aber ist der Bergmönch nicht von Klausthal und Zellerfeld, sondern von Wildemann ausgegangen. Aus Honemann's »Alterthümern des Harzes« (Originalausgabe I, 74) geht dies deutlich hervor und auf diesen Ort weist somit immer Mehreres als wichtig für harzisches Alterthum hin. Dort zeigte sich ja auch der wilde Mann und die wilde Frau; den wilden Mann nennt Musäus (vgl. unsere obige Anmerkung zu der Sage vom wilden Mann) den »Berggeist des Harzes« und scheint den Bergmönch als Berggeist neben ihm gar nicht zu beachten. Interessante Vergleichungen lassen sich zwischen dem Bergmönch und Rübezahl anstellen; vielleicht gehört auch dahin, daß, wie Jemand erzählte, der Bergmönch einst einen Bergmann unter der Erde bis nach Schlesien führte. Die unten folgende klausthaler Sage »Mer soll dn Teifel net porren« wird in Schlesien ganz ähnlich von Rübezahl erzählt; vielleicht erzählte man sie bei uns ursprünglich vom Bergmönch. Auch ein Stadt- und Bergschreiber Martin Hoffmann (geboren zu Steinau in Schlesien 1573, gestorben zu Klausthal 1647), der ein Vermächtniß begründete (Näheres über ihn und sein Vermächtniß bei Honemann), wurde neuerdings durch die Sage zu einem Schutzgeiste des Bergmannsvolkes. Dieser Hoffmann ist auch abgebildet auf dem Rathhause zu Klausthal. Als einmal die Herren vom Rathhause eine Betstunde abschafften, mit der ein feierlicher Umzug der Puchknaben an dem Tage, wo diesen die Gelder des Hoffmann'schen Vermächtnisses ausgezahlt werden, verbunden ist, machte der steinerne Hoffmann oben auf dem Rathhause einen großen Lärm, und warf die Rathsherren, da sie das nächste Mal zum Rathhause kamen, die Treppe herunter. Da mußten sie die Betstunde und den festlichen Umzug der Puchknaben wieder anstellen, und seitdem ist an der Hoffmann'schen Stiftung nichts wieder geändert. So erzählte mir ein alter Bergmann; Weiteres habe ich von Hoffmann nicht vernommen. Abtheilung I und II unserer Sagen vom Bergmönch aus Harrys II, Nr. 2 und 3. Vgl. für den Bergmönch Grimm's »Deutsche Sagen« I, Nr. 2 und 3, und Kuhn und Schwarz 194 und 195. Aehnliche Erscheinungen wie der Bergmönch kommen auch anderswo in Gruben vor; so die Bergmönche im Oberbiberstollen, bei Wolf »Deutsche Sagen« (1845) Nr. 75. Ausführlicher redet über solche Erscheinungen Remigii » Dæmonolatria « II, 45 und 65; danach erscheinen (wie bei uns S. 134 ein verkleideter andreasberger Steiger als Ochse) in den Gruben wirkliche Pferde und Ziegen mit goldenen Hörnern; auch der Bergmännlein, welche als Zwerge und Kobolde gedacht werden und die reichen Anbruch bedeuten, wird dort erwähnt. Ueber den Bergmannsaberglauben im Allgemeinen spricht H. Ch. Oersted in seinem »Geist in der Natur «. Wie in Abtheilung VIII Flachs, so verschenkt der Bergmönch auch bei Harrys II, Nr. 22 eine Spindel. Vgl. übrigens außer den Sagen vom, Bergmönch zu Andreasberg und bei Lerbach, S. 157, auch noch die klausthaler Sagen vom kleinen Klausthal, S. 96*, und vom Nachtwächterhorn, S. 98*, die buntenböcker Sage »Die Molche« S. 147* und unter den ellricher Sagen die Anweisung für Erzsucher S. 223. 5. Die Haulemutter (I – II). Vgl. unten die Anmerkung zu der S. 155 stehenden lerbacher Sage »Die Kuhkolksklippe und die Frau Holle«. 7. Die Stiefmutter. Oft kehren Todte in die Welt zurück, um ihre gewohnte Beschäftigung fortzusetzen; besonders werden auch Mütter durch die Klagen ihrer Kinder im Todesschlaf gestört. Die Volkslieder verschiedener Nationen handeln davon. Was Wackernagel 1835 in einem Programm über Bürger's »Lenore« so schön und sinnig an solchen Sagen und Liedern zusammenstellte und was dann auch mit einem schätzbaren Anhang von H. Hoffmann in die »Altdeutschen Blätter« überging, hoffe ich bald durch eine Arbeit zu erweitern, die überhaupt ein noch engeres Verhältniß von Bürgers erzählenden Gedichten zu Sage und Märchen herausstellen wird, als sich früher übersehen ließ. 8. Mer soll dn Teifel net porren. Ae Rathsel. (Im Dialekt der oberharzischen Bergleute, der sogenannten Harzsprache.) Vgl. oben die Anmerkung zu den Sagen vom Bergmönch. Zu dem Zusatz in der Überschrift »Ae Rathsel« (nicht »an« Rathsel, wie durch einen Druckfehler im Text steht), welcher wörtlich so von Georg Schulze hinzugefügt wurde, vgl. das Vorwort meiner »Kinder- und Volksmärchen« XVI, wonach Räthsel ein Ausdruck für Märchen und Sagen ist, aber auch die Conjectur des einsichtsvollen Recensenten in Zarncke's »Literarischem Centralblatt« 1853, Nr. 4, wonach eher redsel zu schreiben wäre. Das hier in der sogenannten Harzsprache gleichfalls in Schulze's Ueberschrift vorkommende Wort porren ist wol dasselbe mit dem niederdeutschen purlen . Spaß muß sein, sagt der Bauer, wenn Jemand empfindlich ist: hat doch Eulenspiegel seine Großmutter mit der Mistgrepe gepurlt. Hier haben wir, wie es scheint, die ursprüngliche sinnliche Bedeutung des Wortes mit der von Necken, Quälen, die ihm sonst im Niederdeutschen selten eigen ist, beisammen. Die sinnliche Bedeutung scheint bei uns zunächst: unruhige, unsichere Handbewegungen machen, daher kitzeln, stacheln, auch die Hand krümmen und hin und her wenden, um etwas auszukratzen, z. B. die Kartoffeln aus der Erde purlen ; dann überhaupt von Arbeiten, die nicht gut von Statten gehen, und von Arbeitern, die keine Kraft oder keine Energie anwenden, z. B. von einem alten Manne: »er purlt noch ein bischen auf dem Hofe herum«, und von einem Lässigen und Ungeschickten: »er purlt und purlt und es wird nichts und wird nichts.« In andern Redensarten tritt der Begriff der Unruhe mehr hervor als der der Resultatlosigkeit und daher auch ein Adjectiv purlig : eine purlige Frau, d. i. eine Frau die stets unruhig, hastig ohne Noth im Hause herumwandert und zehn Handgriffe anwendet, wo Einer hätte genügen sollen. Dann sagt man anpurlen , zunächst ganz sinnlich: die Pferde anpurlen , mit der Peitsche antreiben, wie man sagt: die Pferde mit der Peitsche oder der Leine tetschen , Pferde mit der Leine – indem man diese auf ihrem Rücken hin und herwirft – sterlen ; dann aber auch: die Arbeiter auf dem Felde anpurlen , aber auch blos anpurlen , z. B.: Du mußt einmal anpurlen , sehen, ob etwas zu machen ist; ferner auch an etwas herumpurlen , z. B. an einem Geschwür; auch etwas aufpurlen ; – purren oder burren bedeutet aber auch ein mattes Fliegen, Flattern, z. B. der Schmetterling burrt von der Blume auf, und der Taubcnzüchter läßt die jungen Tauben burren , treibt sie sich im Fluge zu versuchen. Dies Wort möchte aber wie das verwandte plustern aus einer Nachahmung des Tons beim Flügelschlag hervorgegangen sein, wie man denn auch mit dem Zurufe: bur! die Vögel aufscheucht. 9. Bau der zellerfelder Kirche. (In ihr soll auch der Höllenzwang an der Kette liegen.) Vgl. Harrys' II. Nr. 12. 10. Die Buttermilchsbetstunde. Es ist in dieser Sage von der Gattin des hochverdienten Verfassers der » Saxonia inferior « . Oder heidnisches und christliches Niedersachsen«, M. Caspar Calvör , und von diesem trefflichen Manne selbst die Rede. Ueber sein Leben vgl. Honemann (Originalausgabe) IV, 102 und 147. 11. Das Gespenst mit der Mütze. Vgl. oben unter den Sagen von Gittelde »Die weiße Kappe«, und unten unter den lerbacher Sagen »Das wilde Mädchen«, auch übrigens die ganz ähnliche Sage bei Wolf »Hessische Sagen«, Nr. 164, »Geist beraubt«. Unsere hier vorliegende Sage wird in einer ohne Ortsnamen erzählten Variante auch so berichtet, daß das Mädchen, nachdem es die einem in der Kirchthür sitzenden Geiste genommene Kappe wieder hingetragen, ihr Leben lang auf der linken Backe den Abdruck einer kohlschwarzen Hand getragen hat. 14. Der Rabe vom Klausthal. Vgl. unter den osteröder Sagen »Die unschuldig Hingerichtete«, S. 119. Die vorliegende Sage wird auch in Goslar, wo der Rabe Alles in einen Lindenbaum trägt, erzählt, und zwar von der Gemahlin Heinrich's III., der Kaiserin Agnes (Brederlow, 195). Aus Reue ließ dort die Kaiserin, nachdem die Unschuld des Gerichteten entdeckt war, das Petersstift bauen. Am bekanntesten ist die Sage von Merseburg, wo sie vom Raben des Bischofs Thilo von Throta erzählt wird. Ein Rabe wird dort auf dem Dome in einem großen Käfig zum Andenken wol noch jetzt Jahr aus Jahr ein gefüttert. In Schweidnitz richtete ein Rathmann eine Dohle ab, um ihm die Stadtgelder durch die Eisengitter der Rathsstube zu stehlen (Wiedar Ziehnert, »Preußens Volkssagen« I, Nr. 11). 15. Die Rebhühner. Vgl. wegen des in vielen, selbst orientalischen Geschichten wiederkehrenden Gedankens meine »Kinder- und Volksmärchen« XXXVIII, und nun auch die Geschichte von den Raben bei Meier II, 328, wo das Märchen bereits, wie hier, zur Sage geworden ist. Das Rebhuhn heißt bei den Römern Perdix , nach Ovid's »Metamorphosen« ist es des Dädalus Schwestersohn. 18. Kaiser Heinrich und die Vogelsteller (I – II). Zu Abtheilung I vgl. Kuhn und Schwarz, 187. 19. Die drei Brüder vom Zellerfeld. Einem Märchen mannichfach ähnlich, worin gewöhnlich desertirte Soldaten ebenso viele Jungfrauen erlösen sollen. Vgl. wegen der Schalk unten »Die lange Schlerike« S. 106. In beiden eng zusammenhängenden Sagen kehren die unterirdischen Gemächer wieder. Der Teich, der in der zweiten der beiden Sagen eine Rolle spielt, läßt uns vermuthen, daß die Rebhühner in der ersten ursprünglich Schwäne sind. 20. Der Freischütz vom Zellerfeld. Der Schluß nach Harrys II, 23. 21. Das kleine Klausthal (I – II). Beide Abtheilungen meist aus Harrys II, 8 – 14, und hier nur ergänzt. Die Sage von untergegangenen Städten ist sehr häufig; am bekanntesten von Vineta, vgl. aber auch z. B. die Sage bei Kuhn und Schwarz, 41, aus der Ukermark. Zu Abteilung II vgl. die vorige Sage und zu der Beschreibung der Geisterkirche »Geisterkirche« in Bechstein's »Thüringischem Sagenschatze«. Auch Henricus Cäsarius, Prediger zu Utrecht, gerieth in seiner Jugend, 1558, als Choral zu Saltbommel zur Zeit einer schweren Pest, wie er in seinem »Seelen-Himmel und Hölle« 255 erzählt, und wie danach in Remigii » Dæmonolatria « II, 405 – 407 steht, in eine Geisterkirche, wo ihm wiederholt die Lichter ausgeblasen und die Bücher zugeschlagen wurden. 22. Das Nachtwächterhorn und der Dreißigjährige Krieg. Vgl. zu dieser bedeutungsvollen Sage wegen des Horns, das Krieg ankündigt, Jakob Grimm »Deutsche Mythologie« 214 und die werthvollen Nachweise von Kuhn in den Anmerkungen, »Norddeutsche Sagen« 494 – 496. Vgl. oben die Sagen vom Bergmönch S. 69 u. fg. 23. Die Springwurzel. Vgl. die Sage aus Gittelde, S. 44, und unsere »Kinder- und Volksmärchen« Nr. 67; ferner Steffens »Der Berggeist Rübezahl als Hüter der Springwurzel« in Hiecke's »Deutsches Lesebuch für untere und mittlere Gymnasialclassen«. Statt des Teufels in unserer Sage erscheint dort beim Suchen der Springwurzel Rübezahl, und der Sucher findet zuletzt seinen Tod. Uebrigens wird die Springwurzel für eine kranke Dame gesucht. Vgl. über die Gewinnung der Springwurzel auch Müllenhoff 204. Kurz gedenkt der »Wunderblume«, die bei Klausthal in der Johannisnacht blüht, Harrys II, Nr. 9. 26. Die Wunderkuh. Vgl. die lerbacher Sage »Kuh ohne Kopf«. Die hier zum Schwank gewordene Sage von der Wunderkuh, in deren Beschreibung die Phantasie sich wahrhaft zu erschöpfen sucht, findet sich auch bei fernen Völkern. Vgl. das Vorwort zur 6. Aufl. der Grimmschen Märchen XXXVI. wo über den finnischen Ochsen berichtet wird. 27. Die Revisorklippe. Vgl. unsere Verweisungsgeschichten unter Goslar u. s.  w. Besonders merkwürdige Banngeschichten finden sich beiläufig bemerkt auch in Müllenhoff's »Sagen, Märchen und Liedern aus Schleswig-Holstein und Lauenburg«, z. B. 194–199. 29. Die lange Schlerike. Vgl. oben »Die drei Brüder vom Zellerfeld« S. 93–95, und die Anmerkung dazu. 30. Die Kohljungfrau. Vgl. bei Kuhn und Schwarz 45 »Die schwarze Frau« (aus Zehden in der Neumark). 33. Die neue Mühle an der Innerste ll–II). Zu Abtheil. II vgl. unter den lerbacher Sagen »Vieh bedauern« und bei Meier I. 178 die köstliche Sage »Die verhexte Kuh«. Um zu wissen, ob ein Pferd bezaubert sei, und von wem, nahm man eines todten Pferdes Darm, schleppte diesen zu einem dazu bestimmten Hause, aber nicht durch die Hausthür, sondern etwa durch den Keller oder sonst einen unter der Erde befindlichen Gang , und verbrannte die Eingeweide. Dann bekam die Hexe Reißen und Wehtage in den Eingeweiden, lief nach diesem Hause und ergriff einen Kohlenbrand von dem Feuer , worauf ihr Schmerz sich linderte. Ward die Thür der Hexe nicht aufgethan, so verfinsterte sich das ganze Haus und entstand ein schreckliches Donnern . Remigii »Dæmonolatria« II, 365; dort nach Sprenger. In der »Goëtia vel Theurgia« Ausgabe von 1631 S. 231, heißt es nach Carrichter's »Arzneien wider Zauberschäden«: »Wann das Vieh bezaubert ist, so nimb Weyrauch und Myrrhen und rothen Knoblauch, stoß unter einander an einem Donnerstage , Nachmittage; wenn das Vieh ausgehet, so nimb ein new Laib Brod vnd schneid ein Bißlein Brod, vnd in ein jedes ein wenig eingemachd, vnd darauf ein wenig Salz gestreuet, daß es das Vieh esse; darnach zu Felde getrieben; es hilft. Hernach am Freytage zu Morgen frühe, wenn du gemolken hast, so laß die Gelten nicht außschwenken, oder henge es vergebens in Rauch ohn ausgewaschen, so wird dieselbe (Hexe) kommen und etwas borgen wollen, du solt ihr aber nichts leyhen, sie wird im Hause hin und her gehen, so mustu sehen, daß sie nicht hinaus mag, es hilft sonst nichts«. In einem dann noch angeführten Mittel zu demselben Zwecke muß die Milch in einen neuen Topf, dazu etwas vom Hausstaub gethan, das vor den Stall gesetzt und gesprochen werden: O Herr Jesu Christ, mein Nutz ist mir benommen, ich bitt dich durch dein theures Leiden, daß mir möcht mein Nutz wiederkommen. Zu Wulferstedt im Halberstädtischen sagt man, daß kleine Blasen an die Kühe rollen und ihnen die Milch aussaugen, und nennt diese Blasen Kobolde . * Zu den Sagen der Bergstadt Altenau [116-123]. 1. Die Kirche in der Altenau. (Man spricht noch oft Altenawe .) Eine lerbacher Sage vom Spuken beim Uhr aufziehen und vom Spuk eines alten Pfarrers in der Kirche nehmen wir an der betreffenden Stelle als bloße Gespenstergeschichte nicht auf. Für die Geisterkirche in vorliegender Sage vgl. oben die Sage vom kleinen Klausthal S. 96* und 97*. 2. Das Schloß im Gerlachsbache. Andere erzählen einfach, daß die Klagefrau (Frau Holle) in der Altenau umgehe und rufe: Huckup, huckaf! * Zu den Sagen vom Bruchberg [124–131]. 1. Der wilde Jäger in der Gegend des Bruchbergs (I-IV). Abtheilung II findet sich wenig abweichend bei Harrys II, Nr. 5. Vgl. die Hackelbergsage und die osteröder Sagen vom Teufelsloch S. 143–145. 2. Wolfswarte. Von den Wölfen auf dem Harz weiß auch ein Volksbuch zu berichten: Eulenspiegel geht auf den Harz und fängt Wölfe, um die Leute damit zu schrecken. 3. Die Goldlöcher (I–II). Vgl. die folgende Sage »Der silberne oder goldene Hirsch«, und insbesondere die andreasberger vom Rauschenbache. Abtheilung II der vorliegenden Sage wurde mir fast ebenso in Sachsa erzählt und scheint sehr verbreitet. 6. Der silberne oder goldene Hirsch (I–II). Vgl. die vorige Sage von den Goldlöchern, die vom Bau der zellerfelder Kirche, vom Weingartenloch und die Sagen von Venedigern. Abtheilung II scheint viel ältere Züge zu enthalten als I und den Schlüssel zu Manchem zu geben, was in den Venedigersagen vorkommt, und sichert jedenfalls im Verein mit dem über das Weingartenloch unsern Schatzsagen ihren Werth. Durch ihre größere Verbreitung am Harz und Anknüpfung an verschiedene Oertlichkeiten springt ihre Bedeutung noch mehr in die Augen. Die Sage vom goldenen Hirsch wird ausgeschmückt, aber im Wesentlichen doch weit unvollständiger, vom hannöverschen Harz auch noch erzählt in Görges' »Vaterländischen Geschichten und Denkwürdigkeiten der Vorzeit« (1843) I, 53 und 54, und zwar von einem Förster von Scharzfeld , der jedesmal am Johannistage die drei Venetianer antrifft. Auch auf dem preußischen Unterharze ist die Sage bekannt in folgender Art, die den Uebergang bildet zu der von mir in »Aus dem Harze« 108 von einem Edelmann aus der Gegend von Göttingen mitgetheilten, wozu nun Wolf's »Hessische Sagen« unter Nr. 191 bereits eine ausführliche Variante gestellt haben. Ein Förster zu Meisdorf im Selkethale ging eines Morgens den hart an der Selke sich hinziehenden Kirchberg hinan und sah unter einer großen Eiche zwei ihm unbekannte, mit grünen Kitteln bekleidete Männer sitzen und Frühstück essen. »Gott zum Gruß, und wohl bekomm's«, sprach er herantretend zu ihnen, und »großen Dank!« sagten sie erwidernd. Freund, so nahm zum Waidmann gewendet, der Fremden Einer weiter das Wort, laßt's Euch gefallen, hier bei uns Platz zu nehmen und unser Gast zu sein! Der freundlichen Ladung Folge gebend setzte sich der Forstmann und ließ sich das Dargebotene, Speise und Trank, ausnehmend gut schmecken. Gesprächig anfangs, ward er bald sehr müde und schlief ein. Unbeschreiblich groß aber war sein Erstaunen, als er vom tiefen Schlafe erwachend und von seinem Lager aufstehend sich allein und in einer ihm ganz fremden Gegend befand, und kaum glaubte er seinen Augen trauen zu dürfen, als er um sich schaute und ganz in der Nähe eine große, prächtige Stadt erblickte. Da er Niemand gewahrte, der ihm auf die Frage: Wo bin ich? Antwort geben konnte, entschloß er sich endlich nach der Wunderstadt zu gehen und eintretend in dieselbe erfuhr er, daß sie Venedig heiße. Nicht wissend, wie ihm geschehen sei, rathlos, was er beginnen und wie er wieder heimkommen solle, durchwanderte er eine Straße nach der andern. Die vielen Menschen, die glänzenden Kaufläden, die herrlichen Paläste zogen zwar seinen Blick auf sich hin, aber Unruhe trieb ihn weiter und weiter. Da hörte er plötzlich von oben sich bei Namen rufen und aufsehend erblickte er im offenen Fenster einen vornehm gekleideten Herrn, der ihn nöthigte ins Haus zu kommen, und bald auch dem Staunenden entgegentrat, ihn freundlich bewillkommnete, in sein Zimmer führte und fragte, ob er ihn kenne. Auf die verneinte Frage hieß der Herr den Förster sich setzen, begab sich ins Nebenzimmer und im grünen Kittel wiederkehrend, sah und erkannte nun Jener in ihm einen der beiden Männer, die ihn in seinem Walde zu dem verhängnißvollen Frühmahle eingeladen. Der freundliche Wirth zeigte nun dem Gaste des Herrlichen und Schönen gar Vieles im großen Palaste und erzählte ihm dann, daß er durch im Selkethale gefundenes Gold zum Besitze dieser seiner Reichthümer gekommen sei. Reich wie ich, fügte er hinzu, ist auch mein Euch bekannter Freund auf dieselbe Weise geworden. Der freundlichsten Bewirthung ungeachtet, fühlte sich der Waidmann dort unbehaglich und sehnte sich nach seinen heimatlichen Bergen. Die beiden Venediger gingen darum am andern Morgen mit ihm auf eine Anhöhe außerhalb der Stadt, man setzte sich zum Frühstück nieder, der Förster aß, trank, ward müde, schlief ein – und erwachend befand er sich unter der obenerwähnten großen Eiche auf dem Kirchberge am Selkethale. Er hat dies Herrn Pastor Banse, der es uns aufzeichnete, als Knaben oft selbst erzählt. * Zu den Sagen der Bergstadt St.-Andreasberg [132 – 139] 1. St.-Andreasberg (I-IV). Nach Honemann II, 19 und danach bereits in Brederlow's »Harz«. Auch Görges II, 201 hat die Entstehung Andreasbergs. Nach Honemann III, 10 befand sich der heilige Andreas, »welcher sein Creutz mit beiden Armen umfassete«, sogar im Wappen des andreasberger Bergamts. Außer dem Namen Andreaskreuz, welchen eine der Gruben »auf dem andreaskreuzer Gange am Knieberg« führte oder noch führt, hat der heilige Andreas aber am Harz zu Lauterberg vor dem Dreißigjährigen Kriege drei Gruben, und diesen, wie es scheint, direct den Namen gegeben und in Lauterberg befindet sich auch der Andresbach (vgl. das Verzeichnis der harzischen Grubennamen bei Honemann II, 68-75). Zum Augustinerkloster Hamersleben im Halberstädtischen, welches in Siegel und Wappen das Herz des Augustinus, »die Liebe bedeutend«, und in den vier Feldern den Hammer führt, oben über dem Wappen den heiligen Pancratius mit Hammer und Spieß, gehörte eine Kapelle des heiligen Andreas (Kunze, »Geschichte des Augustinerklosters Hamersleben«, 50 und 80). Harzische Andreasabendgebräuche vgl. im 1. Heft von Wolf's Zeitschrift, wo jedoch S. 87 für »Wünschruthen« genauer »Kirschruthen« zu lesen ist. 2. Der Bergmönch in St.-Andreasberg. Vgl. oben die Sage von ihm in Klausthal S. 69 – 74. 4. Frau Holle, die schwarze Kathrine und die Waldfrau in St.-Andreasberg. Hier zunächst zu dem Anfang von den Dreibrotsteinen eine mir von Herrn Pastor Banse in Beckendorf gütigst mitgetheilte Variante vom Unterharz: Im Selkethale oberhalb Meisdorf war es sonst, besonders an der sogenannten »steinernen Grund« gar nicht geheuer. Ein Geist harrte dort an jedem Abende, huckte sich auf den Rücken eines Vorübergehenden und ließ sich schwer wie ein Sack voll Sand bis an die Schäferbrücke (jetzt Annenbrücke) tragen. Da sprang er ab und verschwand. Der Träger durfte ungestraft unter der Last stöhnen, aber wer sich nach dem huckenden Geiste umsah, dem drehte er den Hals um. Gar Mancher hat den Geist geduldig getragen und ist dann von Schweiß triefend in Meisdorf angekommen. – Zu dem Namen Kathrine vgl. den Namen »Schlüsselkathrine« (aus Nebra an der Unstrut) bei Kuhn und Schwarz 210. In Halberstadt nennt man den Durchfall »die schnelle Kathrine«, wozu man folgenden derben plattdeutschen Volksreim aus Lerbach hatte: Fru Holle wolle backen, Da kreig se dat K...., Da greip se na'n Schlöttel, Da feilen de K...... In der Kirche zu Oliva bei Danzig hängt der Brotstein; der Sage nach (Ziehnert, »Preußens Volkssagen« I, Nr. 44) ward ein Brot, von dem ein Mönch einer Mutter für ihre hungernden Kindlein nichts abgeben wollte, und das er deshalb für einen Stein erklärte, wirklich in diesen Stein verwandelt. Die Frau mit den beiden Kleinen ist dabei wol die Hauptsache und verwandelt vielleicht das Verlangte und durch die Lüge beschimpfte Brot selbst in Stein. 7. Der Rauschenbach. Der Name Caroline in Abteilung I wird vielleicht für Kathrine genannt (vgl. die andreasberger Sage). 10. Die Windeltreppe. Vgl. unsere obige Sage vom Heringskämmerle S. 107. * Zu den Sagen vom Riefensbeek und Kamschlacken [140 – 144]. 1. Riefensbeek und Kamschlacken. Die Sage von den Schmelzhütten ist sehr verbreitet und ich habe sie von Harzeburg, wo man sagte, daß die 99 Hütten in Einer Nacht abgebrannt seien, bis Lauterberg gefunden. Man beruft sich dabei gewöhnlich auf die Schlacken, die noch an vielen Orten umherliegen, wo jetzt keine Hütten mehr sind. Ueber den Namen Riefensbeek vgl. die Anmerkung zu der Sage von der Entstehung Buntenbocks. 2. Der Schimmel von Kamschlacken. Vgl. oben die Anmerkung zur Sage vom wilden Mann, unten die Sage von der Entstehung Lerbachs und die merkwürdige Sage »Der Galgen am Kohnstein«. * Zu den Sagen vom Buntenbock [145 – 147]. 1. Der Ursprung vom Buntenbock. Honemann III. 65 sagt über den Namen Buntenbock: »Der Ursprung dieser Benennung kommt vermuthlich nicht von Bock, sondern von dem Worte Beck her, welches einen Fluß bedeutet und ehedem Böck geschrieben worden, wie sich solches von beiden Oertern Riemensbeck und Buntenbock in alten Schriften findet; und hat man zwar nachher aus der letztern Silbe des erstern, nämlich Böck, ein Beck gemachet, statt Buntenböcks oder Becks aber aus Irrthum den Namen Buntenbock angenommen und geschrieben«. 2. Das Hickeding. (Statt »Kropfaugen« S. 146 Z. 14 v. o. lies »Knopfaugen«). Auch in Rosenburg an der Saale kennt man, wie ich höre, Heckedinger. Zwischen Halle und Leipzig sollen die Hickedinger Haussegen heißen. Dieser Name stellt sie bereits zu den Hausgeistern, den Kobolden, wie denn nach Emil Sommer's Sagen 33 und 172 in Auerbachshof zu Leipzig geradezu Kobolde verkauft werden, die im Uebrigen mehr unserm Stepke, dem Drachen oder Teufel als den Hickedingern gleichen. Dieselbe Auffassung in Betreff der Kobolde findet sich auch in dem eben genannten preußischen Orte Rosenburg, und ebenso holt der auch Sommer in dieser Weise bekannte dreibeinige Hase dort den »Segen«, wie man es dort bedeutungsvoll nennt, aus einem Hause ins andere. Auch Heckmännchen sind im Königreich Sachsen bekannt; so z. B. wird in der Vorrede des Uebersetzers von »Francisci Hutchinson's historischem Versuch von der Zauberei« (1726, mit einem Vorwort von Thomasius) aus dem Annabergischen erwähnt: »Wenn Einer etliche Thaler Geld mehr hat als der Andere, so heißt es alsbald, er habe ein Hecke-Männgen oder Käutzgen ; und wenn sich ein Rabe auf sein Haus setzet, sprechen sie, es sei der Schwarze , und werde es in Brand stecken.« Heckmännchen sind auch im Halberstädtischen bekannt, und werden zu Wulverstedt in die Koffer gelegt. Bei Wiedar Ziehnert »Preußens Volkssagen« II, 228 – 236 findet sich eine Sage »Der Hick in Liebehausen« (einem Dorfe zwölf Stunden von Köln). Dieser Hick ist das Bürle in Grimm's Märchen I. 61, das in einem mir erzählten noch ungedruckten Märchen gleichfalls Hick heißt. Einer der vom Bürle und auch vom Hick erzählten Züge, wie nämlich der Listige seine Schafe sich im Wasser spiegeln läßt, ist mir in Altenau vom Rothmützchen erzählt, von dem es viele lustige Streiche (vielleicht das ganze Märchen vom Bürle oder Hick?) gäbe. Dies Rothmützchen ist, wie Hütchen, ferner die Mützchen und die Rothmützchen selbst, welche in Ostflandern tolle Streiche verüben, offenbar ein Kobold und Zwerg. In Hick, dem Bäuerlein, scheint nun der Besitzer des Kobolds und der Kobold selbst zusammengeschmolzen zu Einer Person, die mit List den Segen den rechtmäßigen Eigenthümern entführt und ihn für sich selbst behält. So zeigt denn auch wie die Hickmännchen Zwerge sind, Hick, das Bürle, ursprünglich die Zwergennatur, und in den Fehden, die es auf seine Weise listig auskämpft, ist der Gegensatz zwischen den listigen Zwergen und der täppischen Riesennatur gar nicht zu verkennen. Treckmännchen , desgleichen dann die Hickedinger, bringen geprägtes, also geschmiedetes Metall hervor; die Niflalfen aber sind tüchtige Schmiede. Die Heckmännchen werden gefangen gehalten; Volund oder Wieland war auch bei Zwergen in der Lehre, als er schmieden lernte, und Sigurd bekommt das Schwert von einem Schmied, welcher wieder an den Zwerg Alberich des Nibelungenliedes erinnert. – Auch was wir über die Alraune lesen, kann hier zur Vergleichung mit unsern Hickedingern herbeigezogen werden. Sie soll – wie schon Arenkiel meinte – ihren Namen erhalten haben von den alten deutschen Weissagerinnen, welche auf die Unterjocher, die nach Deutschland hereinzogen, einen so furchtbaren Eindruck machten. Wir übergehen, was man über die Gewinnung dieser Wurzel bei J. Grimm findet, und bemerken nur, daß sie, in Kästchen gelegt und gut gehalten, ein Geldstück, das neben sie gelegt wird, über Nacht verdoppelt. Wenig bekannt ist, was wir in Calvör's »Niedersachsen« aus Arenkiel lesen, daß Landstreicher und Betrüger im Lande umherzogen und solche Alraune feilboten. »Es sind kleine Bildchen, gleichsam geschnitzelte Männlein oder Weiblein, mit allen ihren Gliedmaßen, den Kopf mit langen Haaren bewachsen, mit einem kleinen weißen Hemdlein angethan; Summa, ebenermaßen zugerichtet, wie die All-Runen der alten Teutschen, ist aber in der Wahrheit eitel Betrug und Gaukelei. Des Krautes Mandragorä Wurzel ist von Natur ebenso formirt als ein kleiner nackender Mensch, die graben diese Betrüger aus der Erde, wischen sie ab, helfen ihr mit Schnitzeln und Ausarbeiten dermaßen, daß sie einem Männlein oder Weiblein, wie sie wollen, gleich siehet; da am Haupt die Haare sein sollen, stecken sie Gerstenkörnlein oder andern Samen häufig ein, lassen sie auswachsen und wieder etwas trocknen, so sitzet es fest und scheinet wie natürliches Haar. Solche All-Runen ziehen sie artig an mit einem kleinen Hemdlein, thun ihnen einen Gürtel um den Leib, legen es in ein sauber Schächtelein, und befehlen dem Käufer, daß er es wohl pflege, wöchentlich bade und sonst fleißig in Acht nehme, so werde er großes Glück haben in allem seinem Thun und Handirung. Es geben aber solche All-Runen oder der Teufel gemeiniglich die Belohnung, welche die alten teutschen All-Runen ihren Gefangenen gaben, nämlich, daß sie ihnen den Hals abstoßen, sie mit Leib, Seel' und Gut ins Verderben stürzen, denn der Teufel ist in den Abergläubischen mächtig!« – Ein Bergmann erzählte mir, daß Hickedinger noch jetzt zum Verkaufe herumgetragen würden. – Auch erzählte der Schriftsteller Duval in »Thüringen Betreff der Kobolde findet sich auch in dem eben genannten preußischen Orte Rosenburg, und ebenso holt der auch Sommer in dieser Weise bekannte dreibeinige Hase dort den »Segen«, wie man es dort bedeutungsvoll nennt, aus einem Hause ins andere. Auch Heckmännchen sind im Königreich Sachsen bekannt; so z. B. wird in der Vorrede des Uebersetzers von »Francisci Hutchinson's historischem Versuch von der Zauberei« (1726, mit einem Vorwort von Thomasius) aus dem Annabergischen erwähnt: »Wenn Einer etliche Thaler Geld mehr hat als der Andere, so heißt es alsbald, er habe ein Hecke-Männgen oder Käutzgen ; und wenn sich ein Rabe auf sein Haus setzet, sprechen sie, es sei der Schwarze , und werde es in Brand stecken.« Heckmännchen sind auch im Halberstädtischen bekannt, und werden zu Wulverstedt in die Koffer gelegt. Bei Wiedar Ziehnert »Preußens Volkssagen« II, 228 – 236 findet sich eine Sage »Der Hick in Liebehausen« (einem Dorfe zwölf Stunden von Köln). Dieser Hick ist das Bürle in Grimm's Märchen I. 61, das in einem mir erzählten noch ungedruckten Märchen gleichfalls Hick heißt. Einer der vom Bürle und auch vom Hick erzählten Züge, wie nämlich der Listige seine Schafe sich im Wasser spiegeln läßt, ist mir in Altenau vom Rothmützchen erzählt, von dem es viele lustige Streiche (vielleicht das ganze Märchen vom Bürle oder Hick?) gäbe. Dies Rothmützchen ist, wie Hütchen, ferner die Mützchen und die Rothmützchen selbst, welche in Ostflandern tolle Streiche verüben, offenbar ein Kobold und Zwerg. In Hick, dem Bäuerlein, scheint nun der Besitzer des Kobolds und der Kobold selbst zusammengeschmolzen zu Einer Person, die mit List den Segen den rechtmäßigen Eigenthümern entführt und ihn für sich selbst behält. So zeigt denn auch wie die Hickmännchen Zwerge sind, Hick, das Bürle, ursprünglich die Zwergennatur, und in den Fehden, die es auf seine Weise listig auskämpft, ist der Gegensatz zwischen den listigen Zwergen und der täppischen Riesennatur gar nicht zu verkennen. Treckmännchen , desgleichen dann die Hickedinger, bringen geprägtes, also geschmiedetes Metall hervor; die Niflalfen aber sind tüchtige Schmiede. Die Heckmännchen werden gefangen gehalten; Volund oder Wieland war auch bei Zwergen in der Lehre, als er schmieden lernte, und Sigurd besammenstellungen, an denen Wilhelm Müller, Altdeutsche Religion 384 und 385, zeigt, wie die Hausgeister als kleines Opfer etwas Speise, besonders Milch, erhalten, ließen sich jetzt leicht noch vermehren. 3. Der Wehrwolf. Die Sage vom gefressenen Fohlen und dem Wolfsriemen ist selbst im Magdeburgischen ähnlich oder ebenso bekannt. * Zu den lerbacher Sagen [148 – 159] 1. Namen und Entstehung des Bergdorfs Lerbach. Eine sehr lange Ausschmückung der vorliegenden Sage brachte seinerzeit der »Harzfreund«. Uebrigens sollen sich die Grundzüge der Sage in einer schriftlichen Nachricht gefunden haben, welche beim Abbruch des alten Rinderstalles, des ersten Hauses von Lerbach, zum Vorschein gekommen ist. Die für die Ortsgeschichte unschätzbaren Papiere sind leider durch Nachlässigkeit abhanden gekommen, doch wüßten wir ohne sie nichts von dem mythischen Verschwinden des Schimmels aus dem geschlossenen Stalle. Vgl. übrigens die Schimmelsage von Kamschlacken und unten »Der Galgen vom Kohnstein«, auch die obige Anmerkung zu der Sage vom wilden Mann. 3. Von einer Gastwirthsfrau, die nicht treu gehandelt hat. Vgl. die Geschichten von Verweisungen zu Goslar (S. 30) und Klausthal (S. 104), Auch diese Verweisungsgeschichte wird von den Meisten so erzählt, daß zuerst zwei Pater, von denen der eine eine Stecknadel gestohlen hat, von der Wirthin verworfen werden, bis der Dritte sie verwünschen kann. Das Thal, wohin die Wirthin verwiesen ist, nennen Andere das Schafmeisterthal. Zu dem Ausrufe der Verwiesenen »Et is ja et Mienige! et is ja et Mienige!« ist folgender altenauer Gebrauch zu vergleichen. Wenn Jemand stirbt, so wird ihm ein Dreier mit in den Sarg gelegt und dabei gesagt: Nun hast du das Deine, nun laß mir das Meine . 6. Das wilde Mädchen. ( Niederdeutsch, lerbacher Mundart .) Vgl. oben die klausthaler Sage vom Gespenst mit der Mütze. Die hier vorliegende Sage wird ohne Ortsnamen abweichend auch so erzählt, daß das Mädchen, welches zur Auslösung eines Pfandes von einem ihr bezeichneten Grabe eine Blume hat holen sollen, außer der Blume auch ein schneeweißes Laken mitnimmt, welches auf dem Grabe liegt. Sie rollt es zusammen, versteckt es unter der Schürze, gibt die Blume, die freilich zu den im Winter gehaltenen Spinnstuben nicht recht passen will, in der Spinnstube ab und bringt das Laken, ohne davon zu reden, nach Hause. Nun kommt in der Geisterstunde, während sie im Bette liegt, Jemand unter ihr Kammerfenster und ruft: »Ek will mien Laken hahln, ek will mien Laken hahln!« In der zweiten Nacht ruft es die ganze Geisterstunde von Elf bis Zwölf hindurch. Da reicht sie's dem Geiste an einer Erbsenstange durchs Kammerfenster zu. Der aber sagt: »Du sastet mek sülwest given.« Da wird das Mädchen trotzig und behält es. Am dritten Abend kommt der Geist wieder, donnert und wettert schon von Weitem, und als er vor das Haus kommt, ist es gewesen, als wäre der Gottseibeiuns mit seiner ganzen Armee gekommen. Seinen Ruf wiederholt er noch viel lauter und fürchterlicher als an den vorigen Abenden und pocht auch ans Fenster. Da steht das Mädchen auf und nimmt, um den Unhold los zu sein, das Laken, geht herunter, schließt die Thür auf und gibt dem Geist das Laken hin. In dem Nu, als der Geist es hinnimmt, faßt er das Mädchen beim Kopfe, dreht ihr den Hals um, und wie der Wind ist er fort. – Ueber ein Gespenst, das sich vorzugsweise mit dem Leinen zu schaffen macht, spricht Remigii »Dæmonolatria« II. 359–361, aus einem friesischen Dorfe unter der Ueberschrift »Das Bett- und Laken nehmende Gespenst«. 7. Die lerbacher Zwerge. (I–II.) Einige erzählen, die Zwerge, welche auf die Hochzeit wollten, wären unter einer Stuke (Baumstamm) herausgekommen und hätten denen, die zu Haus hätten bleiben wollen, zugerufen: »Smiet mek mal miene Kappe rut!« Darauf wären die Kappen aus der Erde geflogen gekommen. Die Geschichte von dem übermüthigen Hochzeitsgaste ward mir auch in Walkenried erzählt. 8. Die Kuhkolksklippe und Frau Holle. (I–IV.) Zum Besuch der Frau Holle bei dem Waldarbeiter (Abtheilung I) vgl. Harrys II, Nr. 6, wo im Wesentlichen Dasselbe von der Haulemutter (vgl. S. 76 und 77 die klausthaler Sagen von derselben) erzählt wird. Mit Nennung der Frau Holle wird die Geschichte auch in Andreasberg erzählt! ein Bergmann habe die heulende Frau Holle ins Haus gerufen, weil er geglaubt, es sei die Nachbarin, die ihr Mann oft unbarmherzig geprügelt und auf die Straße geworfen etc. Der lerbacher Spruch am Frau-Hollen-Abend ist anderweitig bereits vollständiger bekannt. Auch der dritte oberharzische Name für die Frau Holle, Klagefrau , kommt in Lerbach vor. Dazu kommt der herzberger Name Leidfrau . Klagemuhmen, Klagemütter, Klagefrauen sind nach Grimm (Mythologie 403 und 1088) »klagende, weissagende Vögel oder Geister, beiderlei Geschlechts, deren Stimme im Wald flüsternd, raunend und muhend vernommen wird«, besonders Eulen, wobei bemerkt wird, »die Eule war ein verwünschter Mensch«. Am Oberharz, fährt Grimm fort, »bedeutet Klagemutter, Klageweib, Klagefrau ein gespenstiges, aber fliegendes Wesen«. Wir lassen zunächst dahin gestellt, wie weit diese Erklärung mit der unsern, daß die Klagefrau die Frau Holle sei, in Einklang steht. Frau Holle ist edler als namentlich die Haulemutter, sie kümmert sich um das Flachsspinnen, trägt Wasser auf einen steilen Berg, »hat beim Schnee zu thun«, wie Jemand sagte, und macht den Wirbelwind auf den Gebirgshöhen. Die Haulemutter ist boshaft und spukt, sitzt aber in Lautenthal an Wasserbottichen und taucht junge Leute da hinein, ist also auch dem Wasser verwandt gleich der Frau Holle. Wenn die Haulemutter beim Spuken erkannt wird, legen sich die Leute aufs Gesicht, wie bei der wilden Jagd. Die Haulemutter hat als spukendes Wesen die Haupteigenschaft, daß sie sich groß und klein machen kann, wie die Frau bei Kuhn und Schwarz 101 und 48, die der wilde Jäger jagt. Mit allen Dreien, mit der Frau Holle, der Haulemutter und der Klagemuhme, macht man die Kinder fürchten. Fällt nun die Klagefrau auf dem Oberharze zusammen mit der Frau Holle, und dürfte man gleichwol auch hier daran festhalten, daß sie nach einer andern Seite hin als Vogel, namentlich als Eule , gedacht wird, wofür ich freilich auf dem Oberharze kein Zeugniß habe auffinden können, so wäre auch die in eine Eule verwünschte Nonne Tutosel, die in der wilden Jagd auf dem Harze vorkommt, und mit Geheul vor dem Jagdzuge herzieht, eine solche Klagefrau, folglich die Frau Holle. (Grimm sagt bereits ohne Bezug auf Tutosel: »Holda wird zur Unholdin« und findet ein andermal die Klagefrauen überhaupt der Pertha entsprechend.) Daß die Sage die Tutosel auf eine historische Person zurückführt, thut nichts zur Sache, denn man zeigt auch, und wie es nach dem Obigen scheint, vielleicht nicht mit Unrecht, Hackelberg's Grabstein, und doch ist er Niemand anders als Wodan. Bedürfte es hierfür nach Grimm's Untersuchungen noch der Beweise, so würde auch Das ein Zeugniß dafür sein, daß auf dem Oberharze vorzugsweise der nahe Brocken, weil es der höchste und windigste Punkt ist und weil die Hexen sich dort versammeln, d. h. mit andern Worten, weil er eine Opferstelle des Wodan ist, für den Ausjageplatz des wilden Jägers gilt. Auch die Erzähler der obigen Sagen aus der Gegend des Bruchbergs vom wilden Jäger denken ihn der ganzen Situation nach unzweifelhaft meist als vom Brocken herunterjagend, wie auch schon S. 124 gesagt ist. Hier ist noch herbeizuziehen, daß Wodan Gott des Windes war, und daß die Sage von der wilden Jagd, die verbreitetste der von Odhinn noch fortbestehenden, nach Grimm's Mythologie 599 »eine Deutung des durch die Luft heulenden Sturmwindes« ist; endlich daß nach E. Sommer's »Sagen aus Sachsen und Thüringen«, 9, zu Dederstedt an einer Stelle, wo der wilde Jäger einmal seine Pferde und Hunde fütterte, fortwährend der Wind weht, was, wie bemerkt wird, auf echt heidnischer Vorstellung beruht. Dem Wodan nun als wildem Jäger war nach allen Untersuchungen in andern Gegenden Deutschlands schon die Frau Holle zugesellt (der nach dem Obigen auch Antheil besonders am Sturm zugeschrieben wird) fast mit alleiniger Ausnahme der Harzgegend. Die Tutursel, über welche auch schon oben in der Anmerkung zur Hackelbergsage die Rede war, lernte als Kind von selbst das Horn blasen und stellt sich auch dadurch als Frigg zu Wodan, der dies Horn gleichfalls führt. Von der oberharzisch aufgefaßten Klagefrau theile ich S. 81–89 meiner »Kinder- und Volksmärchen« ein Märchen »Die Geschenke der Klagefrau« mit. Unter den Geschenken ist gleichfalls das Horn, außerdem Wünschhut und Mantel. Schon früher kam sie, anders gedacht, in einigen nicht harzischen Sagen vor, und lediglich als Todesbotin tritt sie auch in einem Gedicht von Günther Nicol, »Das Klageweib«, aus (Schad's »Musenalmanach« 1853, 310 fg.). Danach stirbt Jemand in den Häusern, die sie beschreit und über die sie die Arme ausstreckt (vgl. die tiroler Sage »Todesgespenst« bei Grimm); sie kann den Leib bis zu riesiger Größe ausrecken wie unsere Haulemutter, und trägt ein weißes Leichengewand. Der Stoff dieses Gedichts scheint aus der lüneburger Haide genommen, wenigstens wird das Klageweib von der lüneburger Haide bei Harrys I, Nr. 48 ebenso beschrieben. Aehnlicher der oberharzischen Klagefrau als der auf der lüneburger Haide ist die weiße Riesenfrau zu Kortryk in Wolf's »Deutschen Sagen« Nr. 93. In » Goëlia vel Theurgia « 58 wird erwähnt, daß Olaus Magnus von einem Weibe berichte mit Namen Hagberta , welches sich ihres Gefallens pflegte zu verwandeln in eine seltsame, ungeheure Größe, bald auch sich wieder einzog, daß sie klein und bisweilen kleiner war denn andere Menschen; einmal machte sie sich so groß, daß sie bis an den Himmel reichte. hag ist Gehege, Befriedigung, Hagberta ist Frigg als Hügelgöttin, Berggöttin, welche vielleicht auch als Gränzgöttin verehrt wurde, wie N. Hocker in Nr. 152 der »Saar- und Moselzeitung« von 1853 Aehnliches mit Bezug auf den Frau-Hollen-Baum (vgl. »Rechtsalterthümer« 542) und den Frauen-Hollstein (Wolf's »Hessische Sagen« Nr. 12) von der Holda behauptet hat; wie die klausthaler Haulemutter (vgl. S. 76 unserer Sammlung) auf zwei Zäunen steht und die hohegeißer weiße Frau (S. 219) an Drudens Zaun. * Zu den Sagen der osteröder Gegend [160–175]. Vorbemerkung. Honemann I, 8–14 der Originalausgabe seiner Alterthümer nimmt an, daß Bonifacius da, wo jetzt Osterode ist, den Götzen Astaroth (!), den Heine, wenn wir nicht irren, im »Romanzero« erwähnt und den Honemann auch eine Göttin nennt, vernichtet habe, wobei wol jedenfalls von Bonifacius abzusehen wäre. Wenn er aber an der Verehrung der Gottheit Astaroth oder Ostara oder der Ostera, wie wir sie mit den meisten Localüberlieferungen aus unsern Gegenden hier nennen müssen, nicht zweifelt, so ist es um so wunderlicher, daß er dennoch der Ansicht ist, Osterode habe ursprünglich Brunsrode geheißen, da es ja, wenn wirklich dort die Ostera oder eine ähnlich benannte Gottheit verehrt ist, kaum denkbar erscheint, daß Osterode ursprünglich einen andern Namen geführt hat als denjenigen, der noch jetzt auf diese Gottheit hinweist. Honemann weiß genau anzugeben, wie Osterode zu dem ältern Namen Brunsrode gekommen sein soll, nur der angeblich jüngere Name Osterode ist ihm unklar. Er sagt: »Nach des Herzogs in Sachsen Wittekind's des Großen im Jahre 807 geschehenem Ableben folgte ihm sein Sohn Wigbertus der Erste in der Regierung von Niedersachsen nebst dem Lande Engern und diesem wiederum sein Sohn Bruno. Von dem Letztern, welcher im Jahre 843 mit Tode abging, wird berichtet, daß er den Grund zu der Stadt Osterode am Harz geleget, und solchen Ort zuerst nach seinem Namen Brunsrode genennet, auch das ehemalige berühmte Jungfernstift St.-Jacobi, welches an dem Orte, wo jetzo noch das fürstliche Schloß steht, belegen gewesen, erbauet habe.« Folgen wir nun der weitern Entwicklung unserer Historiker über die Stadt Osterode, um zu sehen, ob sie diese Aufstellungen wo nicht zu behaupten, doch wenigstens wahrscheinlich zu machen im Stande sind. Dr. J. G. Fr. Renner, der in seinen »Historisch-topographisch-statistischen Nachrichten und Notizen von Osterode« (1833, S. 22 und 26) jenen Honemann'schen Angaben beistimmt, aber sie offenbar nur als Muthmaßungen betrachtet, und durch welchen man an jenem Bruno wieder zweifelhaft wird, scheint so viel für gewiß zu halten, daß Osterode früher Brunsrode geheißen hat. Dann aber führt er die lächerliche Ansicht aus, daß Brunsrode den Namen Osterode von den »sogenannten alten Herren von Osterode« erhalten habe. Mit diesen sogenannten alten Herren von Osterode beginnt offenbar die Geschichte der Stadt und Renner ist so gedankenlos, daß er uns, ohne den Widerspruch zu merken, ganz genau angibt, wer diese »alten Herrn von Osterode« waren, wie im Jahre 969 fünf Söhne eines Grafen von Lutterberg oder Lauterberg sich in ihr väterliches Erbe theilten und wie einer von diesen »Brunsrode« erhielt. Um nun Brunsrode nach seinem Namen in Osterode umzutaufen, hätte dieser Graf von Lauterberg offenbar selbst erst den Namen Osterode annehmen müssen. Und woher sollte er diesen bekommen, wenn er ihn eben nicht von seiner neuen Besitzung nehmen durfte? Diese Gedankenlosigkeit läßt der alte Honemann sich nicht zu Schulden kommen, denn er sieht sich nach einer andern Erklärung der Verwandlung des Namens Brunsrode in Osterode um. Ihm ist es wahrscheinlich, daß Brunsrode in Osterode deshalb umgetauft wurde, weil es von Westfalen aus gesehen im Osten, in dem damals sogenannten Ostfalen lag. Allein auch diese Annahme ist gänzlich unhaltbar. Denn nachdem die Stadt einmal Brunsrode hieß, konnte sie freilich durch irgend ein großes historisches Ereigniß wol einen andern Namen bekommen, aber wahrlich Niemand hätte es sich können beifallen lassen, blos wegen des Umstandes, daß der Ort in Ostfalen lag (eine Eigenschaft, die er jedenfalls damals schon mit Hunderten von andern Ortschaften theilte), ihm seinen alten Namen Brunsrode zu nehmen und diesen Namen in Osterode umzutauschen. Am meisten Licht möchte, richtig gedeutet, der Artikel Osterode in Zedler's »Universallexicon« (1740), 25. Band, S. 2322 geben, wo es heißt: »Osteroda, Osterode – hat ihren Ursprung von einem uralten Kloster , welches erstlich von seinem Erbauer, Herzog Bruno, Ludolfs Vater, Brunsroda genannt worden. Der Name Osteroda aber ist nicht sowol von der phönizischen Göttin Astaroth als von der Lage in Ansehung der Weser herzuleiten. Die Stadt ist von den ältesten Hertzogen den Grafen zu Lutterberg zu Lehn gegeben u. s. w.« Der hier genannte Bruno ist Bruno I., welcher 843 starb was auch mit Honemann's Angabe, der ihn als einen Enkel Wittekind's des Großen bezeichnet, stimmt. Das bei Zedler erwähnte »uralte Kloster« nennt Honemann » das ehemalige berühmte Jungfernstift St.-Jacobi «. Ein Bruno gründete nach Zedler ein »uraltes Kloster« – ohne allen Zweifel an einer Stelle, wo ein alter heidnischer Göttercultus, wahrscheinlich der Osteracultus, stattgefunden hatte. Weil nun das »uralte Kloster« Brunsrode hieß, so haben die Historiker deshalb offenbar irrthümlich den Namen Brunsrode auch auf Stadt und Schloß übertragen, welche in ihren Namen die Erinnerung an die heidnische Gottheit niemals, wie das Kloster, verleugnet haben mögen. Der Irrthum war um so eher möglich, als zwei Stunden von Braunschweig noch jetzt ein Schloß und Dorf »Brunsrode oder Brunsrothe« liegt, von dem ein adeliges Geschlecht sich herleitet; vgl. Zedler's »Universallexicon«, 4. Band, S. 1650, wo einige Herren von Brunsrode bei Braunschweig angegeben sind, während uns die Geschichtschreiber noch keine Adelige des angeblichen Brunsrode am Harz nachgewiesen haben. Es wäre freilich möglich, daß Honemann nur darin irrte, wenn er angibt, Osterode habe erst, nachdem es eine Zeit lang Brunsrode geheißen, seinen jetzigen Namen wegen seiner Lage in Ostfalen erhalten. Gegen die Annahme, daß der Ort sogleich bei seiner Begründung von seiner östlichen Lage den Namen Osterode erhalten, ließe sich an sich nichts einwenden, wenn man uns nicht darin beistimmt, daß die von uns in diesem Buche mitgetheilten Sagen, verbunden mit den in Osterode gesammelten Ostergebräuchen im 1. Hefte von Wolf's Zeitschrift die von Honemann schon in etwas ältern Quellen vorgefundene und von ihm nicht bezweifelte Nachricht vom Cultus einer Gottheit, welche in der That die Ostera gewesen sein mag, sehr glaubhaft macht. Für einen osteröder Göttercultus im Allgemeinen spricht vielleicht auch die alte Redensart! »Ich wollte, daß dich der Teufel nähme und über Osterode trüge«, welche man im vorigen Jahrhundert blos auf einen spitzen Thurm der Stadt Osterode beziehen wollte. Noch muß ich erwähnen, daß mir noch zwei ganz kleine Ortschaften bekannt sind, die gleichfalls den Namen Osterode führen und ebenfalls am Harze liegen. Die eine davon ist das Dörfchen Osterode zwischen Ilefeld und Neustadt unterm Hohenstein (vgl. die Sage »Die Schloßjungfer vom Hohenstein«). Davon berichtet Leopold in seiner »Kirchen-, Pfarr- und Schulchronik«, 269, daß es seinen Namen von Ostar haben soll, welche nach der Zerstörung des Götzenbildes bei Osterode in diese Gegend gebracht sein solle. Ein zweites Dörfchen Osterode liegt am Fallstein, bei Hornburg und Osterwiek. Bei Osterhagen (vgl. einige Sagen dieses Ortes 200 und 201) soll die Ostera einen heiligen Hain gehabt haben. Bei Zelle soll, beiläufig bemerkt, ein Osterloh liegen, wovon in Görges' »Vaterländischen Geschichten« III, S. 1 gesagt wird, es sei noch überall mit Hügeln umgeben, die man bei dem Dienste der Ostera liebte, und selbst an Opfersteinen hat es, der Sage nach, in dortiger Gegend nicht gefehlt. Das helmstedter Benedictinerkloster liegt, wie aus, Görges III, 3105 hervorgeht, vor dem Osterthore. Ein Dorf Oster liegt nach »Goëtia vel Theurgia« 274 in der mecklenburgischen Mark. Es mögen ferner folgende von Herrn Elis mir gütigst schriftlich mitgetheilte werthvolle Notizen hier Platz finden: »Bei Ströbeck [im Halberstädtischen] liegt der hohe Osterberg, an dessen Fuße der Osterbach fließt, wovon Ströbeck seinen Namen empfangen hat (Ostrabeck). Ich selbst habe vor Jahren auf der Kuppe des Berges gegraben und viele Opfergefäße in der mit Kohlen und Asche gemischten Erde gefunden. Auch fand sich hier ein kleines Götzenbild von Bronze, eine herculische Figur, welche in die Sammlung des Oberdompredigers Augustin gewandert ist. Bei Welbsleben gegen Abend liegt ein Berg, der unter dem Namen Osterberg bekannt ist. Die Leute erzählen [aber vielleicht aus Büchern?], daß hier auf der Spitze des Berges die Göttin Ostrea verehrt worden sei, und machen alljährlich am ersten heiligen Ostertage Abends ein helles Feuer daselbst an, weil sie behaupten, daß sie im Unterlassungsfalle allerlei Unglücksfälle in dem Jahre erlebten. Sie nehmen ein angebranntes Stück Holz mit nach Hause und verwahren dies sorgsam, weil sie der Meinung sind, daß ihr Vieh dann nicht krank wird. Unweit Gandersheim heißt ein Berg Oster. Rechts vom Pfeifenkruge bei Haymburg ist das Osterholz und darin ein bedeutender Felsen, welcher Osterstein heißt, auf dessen Platte ich Ueberbleibsel von Thongefäßen gefunden habe. Bei Timmenrode, auf dem Wege nach Blankenburg, liegt ein Stein im Holze, wol zweimal so groß als unser Lügenstein [der schon durch Otmar und Grimm bekannte Opferstein auf dem Domplatze zu Halberstadt], der der Osterstein genannt wird. –In den »Denkwürdigkeiten des Fürstenthums Blankenburg und Walkenried« I, 193 wird von einem Osterstein im Blankenburgischen geschrieben, der 18 Fuß hoch und 40 Fuß breit sei und mehrere eingehauene Löcher habe. Hier fand man 1781 noch ein Mauerwerk von 30 Fuß im Umkreise, dessen Mitte hohl war und für den Standort des Altars [?] gehalten wurde.« Zur Vervollständigung aller dieser Zusammenstellungen stehe hier noch ein kurzer Artikel »die Göttin Ostera« aus dem »Osteröder Intelligenzblatt« von 1823, Nr. 29 und 30, welcher uns die gelehrte , wol zum Theil durch alte Chroniken fortgepflanzte, von Honemann und Renner aber nicht aufgenommene, Ueberlieferung aufbewahrt. Daß wir weit entfernt sind, das in demselben Gesagte vertreten zu können, zeigt ein Blick auf den Artikel selbst. »Diese Göttin – so lautet der Aufsatz, der weder unterzeichnet ist, noch irgend eine Quelle nennt – auch Ostra , Ostar und Costar [soll Eostar heißen] genannt, wurde besonders von den alten Sachsen verehrt und angebetet. Noch jetzt findet man in Niedersachsen eine Menge Ortbenennungen, die sich auf diese Göttin beziehen, z. B. der Osterawald , das Osterholz , der Osterborn , die Osterwiese , Osterbeck , Osterode ; welches letztere der Hauptsitz der Göttin gewesen sein soll. Dort war ihr ein Hain geweiht. Der Platz, wo ehemals ein Dorf, Göddenhusen, d. i. Götzenhausen [in Renner's Nachrichten von Osterode finde ich einen solchen Ort nicht erwähnt. Die Nachricht soll sich auch in der »Allgemeinen deutschen Bibliothek«, L.XXXV. 248 finden] gestanden hat, soll der Standort des Götzenbildes und des Altars gewesen sein. Das Hauptfest der Göttin wurde im April gefeiert, wovon derselbe den Namen Ostermonat bekam, welchen er auch behielt, als Kaiser Karl der Große den Monaten deutsche Namen gab. Bei dieser Festfeier wurden nun die sogenannten Osterfeuer auf Bergen und Hügeln angezündet, wodurch man die Raupen und Insekten zu vertreiben und das Vieh gegen Seuchen zu sichern gedachte. Zwar wurde dieser heidnische Gebrauch auf der ersten deutschen Kirchenversammlung zu Regensburg im Jahre 742 verboten, erhielt sich aber doch, und erhält sich noch an manchen Orten. Als der heilige Bonifatius das Evangelium in Deutschland verkündigte, mußten alle Götzen und ihre Altäre weichen, und die fliehenden Priester vergruben ihre Heiligthümer. Der Zufall entdeckt [deshalb?] noch jetzt bisweilen dergleichen altertümliche Ueberreste der Vorzeit bei Nachgrabungen hier und da. Bei dem Dienste der Göttin Ostera wurde besonders ein großes heiliges Horn [?] gebraucht, und immer an einem sichern Ort aufbewahrt. Es führen daher [!] viele Oerter am Harze, wo die Göttin besonders in Achtung stand [!], den Namen Horn ; ebenso im Bremischen und im Lüneburgischen, wo man ein Heilshorn, ein Bogshorn, d. i. Gotteshorn [?], ein Mahnhorn, d. i. Mondshorn antrifft. Denn die Göttin Ostera war nichts Anderes als der im Bilde vorgestellte und angebetete Mond, dessen sichelförmige Gestalt auch das heilige Horn andeutete. Ueberhaupt schrieb man dem Monde einen großen Einfluß auf die Erde zu, und ordnete daher alle wichtigen Unternehmungen nach der Ab- und Zunahme des Mondenscheines. Die Zeit des Neu- und Vollmondes hielt man für die glücklichste, und lieferte keine Schlacht vor dem Vollmonde. Die Anbeter des Mondes gaben ihm eine Frauensgestalt mit bedecktem Haupte, den Mond auf der Brust tragend. So verehrten die alten Sachsen ihn als Waldgöttin in geheiligten Hainen. Dabei wurde nun das heilige Horn gebraucht, theils um die Anbeter der Göttin zusammen zu rufen, theils auf das Wohlsein derselben bei dem Opfermahle zu trinken. Vermuthlich wurden die Opfer zur Nachtzeit beim Scheine des Mondes dargebracht, wobei auch zu gewissen Zeiten große Feuer angezündet wurden. Denn Feuer durften bei keiner Festlichkeit unserer heidnischen Vorfahren fehlen.« Wir fügen diesem sonderbaren, ohne Zweifel aber in den allgemeinern Angaben aus einer bekanntern, wenn auch nicht sehr zuverlässigen Schrift (das Hauptsächlichste soll sich z. B, auch in Bertuch's »Curiositäten«, 1812, II, 460 finden) abgeschriebenen Artikel noch hinzu, daß Menke in seiner »Beschreibung der Ertersteine«, 18 , Ostar von Astarte herleiten soll. 1. Die Osterjungfrau. (I – VI.) Abtheilung IV aus Harrys II, Nr. 20. Vgl. zu dem Opfer in dieser Abteilung »Aus dem Harze«, 105 . Die Löwen in Abtheilung III stammen aus dem osteröder Wappen. Im »Schutt«, im vierten Gesange, »Fünf Ostern« betitelt, beginnt Anastasius Grün mit der » Sage des Orients « (so nennt es Barthel in seiner »Deutschen Nationalliteratur«, 393 ), daß Christus jährlich zu Ostern in der Morgenstunde auf dem Oelberg walle, um auf die Thale seines Wandelns hinabzuschauen. Nach einer im Tert noch nicht berücksichtigten, von Herrn Collaborator Richard aufgeschriebenen Variante war der Ritter, der die Jungfrau verwünschte, ein Ritter von Staufenburg, und sie selbst hieß Astarot . Gegen den Ritter von Staufenburg leitete ihr Vater selbst den Kampf und fand in der Fehde mit ihm seinen Tod; ein Schneider mit Namen Mertens war es, der sie an einem ersten Ostermorgen am Lerbache stehen und sich waschen sah. Er begrüßte sie und sie dankte freundlich; alsdann fragte er, woher sie zu dieser ungewöhnlichen Zeit die schöne Rose habe, mit der sie geschmückt sei. Sie antwortete: diese sei aus ihrem Garten, wenn auch er eine haben wolle, so möge er ihr folgen. Darauf führte sie ihn auf die alte Burg, die er aber nicht als Ruine fand, sondern als ein prachtvolles Schloß mit einem schönen Garten, worin der schönsten Blumen gar viele standen. Von diesen brach sie ihm eine weiße Lilie ab; er dankte ihr dafür, und steckte sie an seinen Hut. In demselben Augenblick war die Jungfrau auch verschwunden, er wußte nicht wie, und auch von dem Garten sammt dem Schloße war nichts mehr zu sehen. Nun wanderte der Schneider mit seiner Lilie hin zur Stadt, aber schon unterwegs merkte er, daß die Lilie immer schwerer und schwerer wurde; als er sie aber abnahm, war es gediegenes Silber. Aengstlich wegen dieses Schatzes, wandte er sich an den Magistrat von Osterode, zeigte ihm die Lilie vor und erzählte, wie er in ihren Besitz gekommen sei. Die Lilie wurde darauf abgeschätzt und ihr Werth hoch angegeben. Nach etwa fünfzig Jahren reitet in der Osternacht ein junger Ritter von Klausthal nach Osterode und findet wieder die unterdessen schon mehr gesehene Osterjungfer am Lerbache Wasser schöpfend. Auf seinen Gruß dankt sie und er fragt, woher sie die schöne Rose habe, die sie an ihrem Busen trage. Die Jungfrau erwiderte, die Rose sei aus ihrem Garten und sie werde ihm gern eine solche Blume geben, wenn er ihr folge. Bezaubert von ihrer wunderbaren Schönheit steigt er vom Pferde und folgt ihr auf die alte Burg. Hier findet er wieder ein stattliches Schloß nebst einem Garten mit den schönsten Blumen. Die Jungfrau pflückt ihm eine Rose und will eben hinter einer eisernen Thür verschwinden, aber in demselben Augenblick, wo sie die Thür zuschlagen will, faßt er diese und sieht in einem dunkeln Gemache einen großen Hund an einer Kette liegen, der wüthend gegen ihn anspringt. Doch seiner Gewandtheit gelingt es am Ende, das Halsband des Hundes zu erfassen, und in demselben Augenblick steht wieder das schöne Mädchen vor ihm, welches ihm kurz die Ursache und Geschichte ihrer Verwandlung erzählt und ihm als ihrem Erlöser dankt. Darauf heirathet der Ritter die Osterjungfer und hat noch lange mit ihr auf der alten Burg bei Osterode gewohnt. – Auf die Sage, wie wir sie soeben hier in der Anmerkung referirten, und vielleicht auch auf die Abtheilung I und II der Sage, wie wir sie im Text geben, mag eine gedruckte Ausschmückung der Sage von der Osterjungfrau eingewirkt haben, die unter dem Titel »Die Osterjungfrau oder Sagen von Osterode« existiren soll, von Bornhöck. Als unantastbarer Kern aber bleibt, daß die Jungfrau wie andere Schlüsseljungfern bis zur lauterberger Gegend hin sich am Ostermorgen am Wasser wäscht und am lerbacher Wasser stehend besonders Leinwebern erscheint; es bleibt auch wol die Lichtstraße, welche in einer unserer Sagen von der Osterjungfer von ihr ausgeht; wenigstens finden wir von diesem Zuge überall da Nichts, wo muthmaßlich Ausschmückungen eingewirkt haben, und so fehlt er auch bei Harrys II, Nr. 23, wo übrigens noch die dankenswerte und gewiß echte Angabe sich findet, daß der Ritter, der die Jungfrau verwünscht habe und mit ihr selbst nun in der Burg sitzen müsse, jeden Freitag umgehe (vgl. die folgende Anmerkung). Man beachte, wie durch das von uns selbst Gesammelte Ostera bekannten: weiblichen Gottheiten um Vieles näher tritt, und zunächst das sich herausstellende Verhältnis zur Frau Holle. 3. Die verwünschten Offiziere. Nach andern Erzählungen kommt der Hund aus der alten Burg und ist derselbe, der dort an der Kette liegt, sodaß auch die Beziehung des Offiziers zu der Jungfrau auf der Hand liegt und er zusammenfällt mit dem Ritter, der sie verwünschte (vgl. die vorige Anmerkung). Außerdem wird erzählt, daß vom osteröder »Commandantenhause« jeden Abend ein Offizier als dreibeiniger Hase (vgl. S. 273) ausgeht. Wenn der Soldat, der vor dem Commandantenhause gestanden, seinen Posten verlassen hat, so hat er ihn wieder nach demselben hingejagt Hat der Soldat den Hasen geschlagen, so hat er am andern Tage »Stripsruthen« laufen müssen. Außer dem Hunde und Hasen soll in Osterode auch ein dreibeiniges Pferd umgehen. 4. Osteröder Banngeschichten. (I–IV.) Vgl. außer unsern übrigen Banngeschichten auch die Sage von den osteröder Offizieren. Zu Abtheilung IV vgl. unten die Sage vom Lichtenstein, wonach nicht blos die Geister der Gebannten sich dort aufzuhalten scheinen. 5. Der Scharfrichter. Die Sage wird gewöhnlich von dem vorvorigen Scharfrichter Gürtler und sogar von seinem erst vor einigen Jahren verstorbenen Nachfolger Gosmann (vgl. die lerbacher Zwergsagen) erzählt. Hans von Eisdorf ist aber weit älter als Beide (vgl. unten die Sage über ihn und die Anmerkung dazu). 6. Die unschuldig Hingerichtete. Vgl. oben die Sage »Der Rabe vom Klausthal«. In Wolf's »Hessischen Sagen« läßt eine Hingerichtete zum Zeichen ihrer Unschuld jedesmal zur Zeit der Heuernte regnen. 8. Die Stölkenlichter. Zu ihrem Erscheinen zwischen Michaelis und Weihnachten vgl. unter Anderm, was »Aus dem Harze« 104 über die Adventsleuchte bei Oschersleben gesagt ist. 10. Hans von Eisdorf. (Niederd.) Vollständiger als die Sage in Renner's »Nachrichten und Notizen von Osterode« steht. Dort wird S. 75 und 76 auch das Historische mitgetheilt. Danach war der Harzschütz oder Schnapphahn Hans von Eisdorf ein Anführer der »Landzwinger« während des Dreißigjährigen Krieges (vgl. die klausthaler Sage »Die Schnapphähne« und »Aus dem Harze« 92), hieß Warnecke , und war aus Eisdorf. Kurz vor Pfingsten 1627 schickte er der Stadt Osterode einen Fehdebrief, lagerte sich vor ihr neben der Freiheit, raubte und wurde von den Osterödern verfolgt. Doch nicht Hans aus Eisdorf, sondern ein Schnapphahn aus Echte wurde auf der Flucht gefangen. Demnach ist eine andere, mir von einem Manne aus Dorste erzählte Sage auch in historischer Hinsicht bemerkenswerth, welche Hans von Eisdorf selbst im Augenblick der Noth auf der Flucht mit ausgebreitetem Mantel nach dem Harze zufliegen und so verschwinden läßt. Es soll auch einen Brunnen geben, zu welchem Hans in Beziehung steht. Vgl. oben die osteröder Sage »Der Scharfrichter«. Der Zug von den umgekehrten Hufeisen wird fast von allen Ritterburgen am Harz erzählt. Vgl. dazu auch Wolf »Hessische Sagen« Nr. 39. Außerdem zum Branntweinstein die Sage von demselben unter Lerbach. Die Sage von Hans von Eisdorf wird abweichend auch erzählt in Spiel's »Vaterländischem Archiv«, II, 248 und 249. Darnach entführte Hans eine Nonne edlen Geschlechts aus Katlenburg, deren Verwandte mit gewaffneter Hand ihre Schmach und die Beleidigung der Kirche zu rächen strebten. Der Ritter aber entfloh durch eine Steinpforte zu Roß aus belagerter Veste, wobei sein Roß dann einen jähen Abhang hinabsprang, und sich selbst zerschmetterte, während der Ritter unversehrt die Flucht fortsetzte. (Für »Landsläen« Z. 3 v. o. lies »Landslüen«.) 11. Das Teufelsloch und der Klinkerbrunnen. (I–VII.) Von diesen Sagen, die ohne Zweifel zu den erheblichsten der vorliegenden Sammlung gehören (vgl. dazu die übrigen Sagen vom Teufel, auch vom wilden Jäger und der Frau Holle ) ergänzten wir Abtheilung IV nach Schusters »Harzsagen« 59–71. Nach einer kurzen Notiz über die »Teufelstümpel« zwischen Osterode und Herzberg, die Harrys II. Nr. 31 aus von Rohr aufnimmt, wird gesagt, daß sich hier der »böse Geist« besonders am Johannistage zeige als Stier, Pferd, Gans u. s. w. Vgl. auch »Aus dem Harze« 84 und 85. Eine Gans, die in den Klinkerbrunnen geworfen sein soll, wie Nenner 323 als »Sage« anführt, soll »todt und völlig zerrissen« im Teufelsbade wieder zum Vorschein gekommen sein; ich glaube darin die Erinnerung an dargebrachte Thieropfer zu finden. Dem Klinkerbrunnen (einer Höhle) ist ein osteröder Ostergebrauch gewidmet, den ich im 1. Hefte von Wolf's Zeitschrift 79 mittheile, und worin das Spinnrad wieder auf die auch dem Teufelsbade angehörige Frau Holle hinweist. Ein Teufelsbad ist auch in Thüringen bekannt. Vgl. Bechstein's »Thüringischen Sagenschatz« III, 148, wo man auch zu der nach Renner auf »alten, aber nicht beurkundeten Sagen beruhenden«, wahrscheinlich rein mythischen unterirdischen Verbindung des Teufelsloches und Klinkerbrunnens vgl. III, 141. Wie am Teufelsbade der wilde Jäger, so wird in Müllenhoff's »Sagen aus Schleswig-Holstein und Lauenburg« 370 einmal der Teufel eingefangen. * Zu den Sagen vom Lichtenstein, von Förste und Dorste [176 – 180]. 1. Ritter Bruno von der Linden. Vgl. die Anmerkung zu der osteröder Sage von Hans von Eisdorf. 2. Die lichtensteiner Currende. Vgl. Abtheilung IV der osteröder Banngeschichten. 3. Die Zwerge in Dorste. Eine artige Geschichte von ihnen theilt Grimm in einer Anmerkung der 2. Auflage der Mythologie I, 436 plattdeutsch mit. Zu unserm Zwergspruch vgl. den Teufelsreim in meinen »Kinder- und Volksmärchen« 76 . * Zu den Sagen der herzberger Gegend [181 – 187]. 1. Ursprung von Herzberg. Aus Flemming's »Teutschem Jäger« ( 1724 ). Noch jetzt nennt man in Lerbach einen Hirschbock herzebock . Uebrigens soll sich jetzt kein Hirsch mehr im herzberger Wappen finden. 3. Der Güß. (Das Volk spricht Jühß.) Vgl. die Sage von Seeburg bei Grimm »Deutsche Sagen« I . Nr. 131 und die vom Güß bei Kuhn und Schwarz 200 , wonach der Taucher in ihm ein Schloß und in diesem eine Jungfer mit Schlüsseln sieht. Nach einer mir mitgetheilten Erzählung hat zuerst der Teufel die reichen Leute versucht und nach dem Frevel der Frau zuerst die Magd, die unschuldig gewesen ist, aus dem Hause geführt. Bei Altenau – so schreibt mir Georg Schulze – stand noch zu Anfang des 18. Jahrhunderts eine Sägemühle an der Oker, mußte aber wegen Mangels an dem nöthigen Gefälle eingestellt werden. Sie wurde schließlich ganz abgerissen und das Areal der Pfarre zugewiesen. Von diesem Sägemühlenplatz und von seiner Lache erzählen sich die Altenauer nun Dasselbe, was sich die Herzberger vom Güß erzählen. Das Volk dichtet also zu Oertlichkeiten und Gegenständen ganz jungen Ursprungs seine wundersamen Geschichten hinzu, oder trägt noch lieber Erzählungen weit ältern Ursprungs von den Gegenständen, an denen sie ursprünglich haften, auf jene über. Es sind das meist Erzählungen, denen eine ethische Idee zum Grunde liegt. Sie lehren uns aber, daß nicht immer der Ort, an den irgend eine Sage oder Tradition sich anknüpft, auch der Ort des Ursprungs sei, sowie daß nicht immer da ein Göttercultus stattgefunden, wo die Sage ist. 7. Das Hegerfeld. Vgl. für den Anfang die herzberger Sage »Der Freischütz«, die lerbacher »Jägerspuk«, auch bei Meier I, 288. Der heger ist ein großer Vogel. 9. Der Vogelherd auf dem Rothenberge. Das Füttern der Vögel nach des Kaisers Tode hängt wol damit zusammen, daß die Seele gern als Vogel erscheint. Nicht »ein Kaiser heimlich«, wie im Text steht, sondern: der Kaiser Heinrich hatte einen Vogelherd auf dem Rothenberge, gewiß nicht heimlicher als eben nöthig war, damit ihm die Vögel nicht vom Netze hinweggescheucht wurden. * Zu den Sagen von der Lonau und der Sieber [188 – 192]. Vorbemerkung. Honemann schreibt »Die Lohnau«. 1. Der Wilddieb von der Sieber. Vgl. Wolf's »Hessische Sagen« Nr. 124, »Drei Schüsse«, wo der erste Schuß gegen die Sonne, der zweite »gerade in die Höhe nach dem lieben Gott« gerichtet ist, während bei uns der Wilddieb, um den lieben Gott zu erschießen, auf die Sonne zielt. Meigerius » De panurgia lamiarum « 2. Buch 9. Cap. erzählt, daß Ulrich Schröder, ein »Bierqualsterer«, dem beim Trunk »nichts als Marter und Wunden« aus dem Munde gegangen, gedroht habe, Gott im Himmel todt zu stechen, auch beim Trunk den Dolch nach dem Himmel geworfen habe, der sei ausgeblieben , drei Blutstropfen, welche nicht abgewaschen werden konnten, wären auf den Tisch gefallen und der Frevler sei bei Luzern hingerichtet. Dieselbe Sage, doch abweichend und nach andern Quellen, findet sich in Wolf's »Deutschen Sagen« Nr. 191. 3. Der verwiesene Förster Kempf . Außer unsern übrigen Verweisungsgeschichten vgl. insbesondere zu dem Hinhalten des Stockes statt der Hand unsere Sage von der lerbacher Frau Holle und die Sage aus Kerkow in der Altmark bei Kuhn und Schwarz 119. 5. Verkündigung des Friedens . Die Sage zeigt vielleicht speciell, daß Wodan, wie dem Kriege, auch dem Frieden vorsteht. Der Stuhl, auf dem Gott sitzt, ist Odhinn's Thürbank Hlidskialf (J. Grimm's Mythologie 121). Sonst wird auch Gott dargestellt, auf einer Hitsche (Fußbank) oder einem Schemel am Eingange des Himmels sitzend, oder auch nur auf sie die Füße stellend. Wenigstens wirft in einer oberharzischen Variante zu einem durch Grimm bekannten Märchen ein Bergmann, den Gott an seiner Stelle sitzen läßt, die Hitsche zornig nach dem ersten Bergmann herab, den er ein Stück Holz stehlen sieht. Dichter schreiben Jedem, der in den Himmel oder auch in die Hölle kommt, seinen Stuhl zu; so heißt es in dem von Haupt in den »Altdeutschen Blättern« mitgetheilten Gedicht » Salve Regina « (Maria): Hilf daz uns dort obnan hô Gestuolet werde schône ; und schon vorher: Theophilus, ein sündec man, Der dîn kint hete verlân Unt hete in der helle pfuol Zuo dem tiuvel sînen stuol Vil nâher gesetzet; Den hâstu, frouwe, ergetzet. Ueberhaupt aber beruhen alle noch in unserer Zeit häufigen Visionen und Entzückungsträume vom Himmel mehr auf aus dem Heidenthume stammenden als auf biblischen Vorstellungen, schon weil das Christenthum für diese sinnliche Anschauung von Gott wenig Stoff gibt. Schwertfeger's Entzückungstraum, eine in der »Chronik von Hornhausen« 147 –156 mitgetheilte derartige Vision aus dem Jahre 1733, machte wol eben deshalb bei den damaligen Theologen so großes Aufsehen, weil sie wesentlich biblisch war, und Christus dabei in den Vordergrund trat. Ein Gemisch von biblischen und überwiegend heidnischen Vorstellungen kommt auch in den Hexenprocessen zum Vorschein, und lebhafte aus dem allgemeinen Volksbewußtsein hervorgegangene sinnliche Visionen vom Teufel mögen viel zu den Geständnissen der Hexen beigetragen haben. Hatte eine Hexe diese Visionen nicht eher, so kamen sie ihr doch im Gefängniß, ja auf der Marterbank! * Zu den Sagen von Scharzfeld [193–196] Vorbemerkung. Die Ortschaft heißt jetzt Scharzfeld, die Burgruine und das Amt aber Scharzfels; doch scheinen die Chronisten diesen Unterschied nicht Alle zu kennen. Letzner in der Dasselschen Chronik z. B. nennt die Burg Scharzfeld, wohingegen sie Honemann Scharzfels nennt. Schart nennt sich in einer von mir in einer ältern Schrift aufgefundenen, sonst unbedeutenden Variante zu einer schon bei Grimm stehenden Sage der Teufel gegen einen Edelmann, dessen Knecht er wird, weil Schart auf böhmisch der Teufel heiße, was der Edelmann nicht weiß. Schartfeld konnte demnach möglicherweise Teufelsfeld sein, falls es nicht soviel als Scharten- oder Schießschartenfels bedeutet, und wenn dann Schuster die Verehrung des Krodo in der Steinkirche (vgl. die Anmerkung zu ihr) nicht gänzlich aus den Fingern gesogen, so wäre der möglicherweise slawische Name Schartfeld vielleicht ein Zeugniß für J. Grimm's slawische Auffassung der Krodosage. 1. Die Zwerglöcher bei Scharzfeld. (I–III.) Abweichend und sehr kurz bei Harrys II, Nr. 30. Jemand sagte, die Zwerghöhle sei identisch mit der berühmten »Einhornshöhle« bei Scharzfeld. Aus dieser, die eine Zeitlang die größten Naturforscher Europas beschäftigte, sind nach einem einmaligen gewiß merkwürdigen Funde später auch viele jedenfalls falsche Einhornknochen herausgeholt und als Naturmerkwürdigkelten an Fremde verkauft. Wunderlich ist nun die Bemerkung in einem Buche über Hannover, daß »Einhornsknochen« als Schutzmittel gegen Krankheiten aus der Höhle geholt seien, doch, wenn wirklich Einhornshöhle und Zwergloch Dasselbe sind, abgesehen von der mit unterlaufenden Confusion, welche gerade den von den Naturforschern so gut bezahlten Einhornsknochen die Heilkraft zuschreibt, nicht ohne Interesse. – Zu Abtheilung II vgl. unten die Sagen vom Weingartenloch; zu Abtheilung III in meinen »Kinder- und Volksmärchen« Nr. 70 »Die diebische Spinnstube«. 2. Die Steinkirche bei Scharzfeld. Die Sage von durch Sauen ausgewühlten Glocken, die sich auch bei Meier I, 290 aus Schwaben findet, ist am Harz sehr verbreitet und hat von Scharzfeld bis nach Sachswerfen hin fast überall locale Anknüpfungspunkte; wir nehmen sie nur noch einmal auf unten, wo sie mit mehr historischer Anknüpfung in der Sage »Das Denkmal zu Zorge« von einer weggeschwemmten christlichen Kirche erzählt wird. Die Sage von der Steinkirche lesen wir auch in Schuster's Sagen, dem sie auch Harrys und Brederlow nacherzählen, sodaß dort der Ostera (hiermit würde allerdings unsere fünfte scharzfelder Sage stimmen) und dem Krodo geopfert sei. Da sei zu den Heiden der erste Apostel jener Gegend getreten, und als diese unwillig gemurrt, habe er mit einer hölzernen Streitaxt die Felsen gespalten, sodaß sie ihre jetzige Gestalt angenommen und die Heiden durch das Wunder bekehrt seien. Alsdann sei dort die erste christliche Kirche gewesen. Eine Mittheilung in Spiel's »Archiv« I, 53 – 55, »Die Steinkirche bei Scharzfels«, enthält eine Beschreibung der Oertlichkeit. 3. Kaiser Heinrich IV. auf Scharzfels. Wenig abweichend bei Harrys Nr. 29 und noch weniger bei Grimm I Nr. 203. 5. Die Jungfrau von Scharzfels. Vgl. unsere Anmerkung zu der scharzfelder Sage von der Steinkirche. * Zu den Sagen der lauterberger Gegend [197–201]. 1. Lauterberg. Ein durch den Titel hinlänglich gekennzeichneter Roman »Die Marterkammern von Walkenried. Historisch-romantisches Sittengemälde des Mittelalters, von F. Bartels, Verfasser des Concino Concini, des Frankenwürgers, u. a. m.« spielt zum großen Theil auch in Lauterberg und berührt manches in dieser Sage Vorkommende. 2. Die Lutterjungfer und die Frau Holle auf dem Hausberge. Vgl. zu dem Erscheinen zu Ostern die Sagen von der osteröder Osterjungfrau und von der Jungfrau von Scharzfels. 4. Der Schatz zu Laßfelde. Vgl. J. Grimm Mythologie 1100 zu der Brücke. Der Schneidermeister, und die Ziegenböcke die sich bei Schatzgräbereien auf den Teufel beziehen, stehen offenbar in Zusammenhang. Vielleicht ist der Schneider für den Teufel eingetreten, was auch wol in der in Norddeutschland sehr gewöhnlichen Antwort auf das Anklopfen »Herein, wenn's kein Schneider ist!« der Fall ist, deren Entstehen sich durch den mit den Schneidern getriebenen Spott allein nicht ganz erklärt. Nach einem Aberglauben, der aus der Gegend von Harburg stammen soll, bedeutet es Geldgewinn, wenn man vom Teufel träumt. * Zu den Sagen vom Weingartenloch, Römerstein und Nixei [202 – 207.] 1. Römerstein und Nixei. Ergänzt nach Schuster's »Sagen des Harzes« 228 – 243 und nach Brederlow's »Harz« 485. Kurz findet sich die Sage auch in Bechstein's »Sagenbuch« Nr. 394. Der Kampf der Zwerge mit den Riesen und der ganze Naturmythus ist sehr merkwürdig und erscheint so in sich abgerundet, daß auch ein Auszug aus den unzuverlässigen Schuster'schen Sagen nicht gescheut wurde. Ein Dorf Lüttgenrode (Kleinenrode) besteht noch jetzt bei Osterwieck. 8. Das Weingartenloch. (I – V.) Einzelnes ergänzt nach Bechstein's »Deutschem Sagenbuch« Nr. 349, wo sich Einiges vom Weingartenloch findet. Kurz gedenkt der Sage auch Harrys II, Nr. 33. Es gibt, wie man mir sagte, auch eine eigene Schrift über das Weingartenloch, die ich aber nicht zu Gesicht bekommen konnte. Zu Abtheilung I unserer Sage vgl. oben die vom Grundelos bei Osterhagen. Das Grundelos und das Weingartenloch müssen nahe beisammen liegen. Zu Abtheilung II vgl. oben »Bau der zellerfelder Kirche«; auch die Bruchbergsagen »Der silberne oder goldene Hirsch«. Auch in Abtheilung II ist nicht zu verkennen, daß der Hirt nach Venedig entrückt wird. Man vgl. zu der immer wiederkehrenden prächtigen Stadt in » Spiegel der Tugende « (»Altdeutsche Blätter« I, 105) die Stelle: Zuo der vroüdenrichen stat Hilf mir, swenne ich hinnen var. und in einem Todtensegen aus Nierstein am Rhein (mitgetheilt von J. Wagner im 1. Hefte von Wolf's Zeitschrift) die Worte » die himmlische freud' ist eine wunderschoene stadt «. Ueber »Venediger« vgl. das Vorwort. – Auch in folgender, ohne Ortsnamen in Lerbach erzählten Geschichte folgt Jemand einem »Goldmanne«. Es war einmal ein Ackersmann, der ging Morgens hinaus, um das Kartoffelfeld umzuhacken. Während des Hackens kam ein reicher Herr daher, der war voll Gold und sagte zum Ackersmann: er solle ihn einmal hacken lassen. Da sagte der Ackersmann, das verstände er besser als der reiche Mann. Aber der läßt nicht nach, bis er die Hacke in der Hand hat und hacken kann. Darauf muß der Ackersmann mit ihm gehen und sie gehen in eine Höhle hinein, die ist voll Räuber. Darin sind auch Frauensleute gewesen, die haben so blank und behaglich mit dem Ackermann gethan, aber er gibt sich nicht mit ihnen ab und da bekommt er vieles Gold und geht damit wieder nach Haus. Da fragt seine Frau, wo er denn so lange gewesen wäre und da sagt er, daß er in der Räuberhöhle gewesen sei und viel Gold bekommen hätte, wie sie wol sähe. Am andern Tage hackt der Bauer wieder auf dem Felde, da kommt wieder ein Goldmann und will hacken. Das erlaubt ihm der Ackersmann zuletzt, und als der reiche Mann gehackt hat, muß der Ackersmann wieder mit. So gehen sie wieder in die Räuberhöhle und die Frauensleute thun wieder so behaglich mit ihm, er aber gibt sich mit ihnen nicht ab und bekam wieder so viel Gold und Silber und geht damit nach Haus. Am andern Morgen hackt der Bauer wieder, da kommt abermals ein reicher Mann und will hacken. Er gestattet's ihm auch und folgt dem Manne wieder in die Räuberhöhle. Diesmal läßt er sich aber mit den Frauensleuten in der Höhle ein, die wieder so blank gethan haben, und er gibt sich mit ihnen zu kennen . Als die Räuber das sehen, wird er ermordet und kommt sein Leben nicht wieder nach Haus. Seine Frau aber hat daheim das Gold gehabt, das er die beiden ersten Male mitgebracht hat. * Zu den Sagen von der Sachsa, dem Sachsenstein und Walkenried [208–215]. 1. Die Zwerge vom Sachsenstein. Vgl. unsere frühern Zwergsagen, besonders die scharzfelder. Für den Abzug der Zwerge aus der Grafschaft Hohenstein vgl. die etwas unvollständige und abweichende Sage in Otmar's »Volkssagen« 323–329 und den danach abgefaßten Bericht in Grimm's Sagen I, Nr. 152; es liegt bei Otmar gleichfalls eine auffallend lebendige und anschauliche Überlieferung zu Grunde. Den Rath, Kümmel ins Brot zu backen, ertheilt bei Kuhn und Schwarz 224 den Sachsaern ein Zwerg, der die Nebelkappe verloren hat, selbst, um sich zu retten. Zu Hehlkappe ist zu erwähnen, daß in Nigrin's deutscher Bearbeitung von Godelmann's »Zauberern, Hexen und Unholden« 416 in einer Überschrift »Teufels Heelkappen im Bapstthumb« etwa für Teufels blendwerk gesagt wird. In den Edden kommt der Ausdruck hialmr huliz , d. i. hehlender Helm bekanntlich für Wolke vor. Die Hehlkappen der Zwerge sind also Wolken und einen solchen hehlenden Helm trug Wuotan. 2. Die Jungfer vom Sachsenstein. (I–III.) Die Sagen von ihr erinnern an Sagen des nicht allzu weit von hier entfernten Kyffhäusers. Nr. III wird ähnlich von einer Cantormagd erzählt, welche, während sie Gold und Silber einsteckt, die Blume auf den Goldkasten legt, der im Sachsenstein steht. Entweder die Schlüsseljungfrau oder das Mädchen hatten dabei einen Rosenkranz auf dem Kopfe. Einen komischen Vorfall, den der feste Glaube an die Jungfrau vom Sachsenstein noch neuerdings veranlaßte, erzählte ich in Dr. Pletzer's »Sonntagsblatt« für 1853 unter der Überschrift »Das fahle Männchen von Walkenried«. 4. Das Mönchsgespenst in Walkenried. (I–II.) Vgl. zu Abtheilung I die Sagen »Die Mönche zu Pöhlde« unter den Sagen der herzberger Gegend. 5. Der Mann ohne Kopf in Walkenried. Vgl. die Sage vom walkenrieder Mönchsgespenst. * Zu den Sagen von der Zorge, von Hohegeiß und Benneckenstein [216–219]. 1. Das Denkmal zu Zorge. Nach Behrens' » Hercynia curiosa « 119, von wo die Sage auch in Göze's vierte Harzreise 47 und 48 überging. Wegen der ausgewühlten Glocken vgl. oben die Sage von der Steinkirche bei Scharzfeld nebst Anmerkung. 2. Die Jungfrau von der Zorge. Kurz auch in Otmar's »Volkssagen« 37 und 38, und danach in Grimm's Sagen I, Nr. 227. 3. Der Waldgeist, und die Jungfer im »preußischen Holze«. Der Name Waldgeist, der bei uns so wenig volksthümlich ist als Berggeist, wurde vielleicht nur für Waldfrau gebraucht (vgl. unsere Sagen von Andreasberg, das gerade hier nicht fern ist). Ueber den Namen Drudenstein oder Trautenstein, den ein auch in dieser Sage genanntes blankenburgisches Dorf führt, sagt Niemann in seinem Reisehandbuche, daß er »wol eher aus Druidenstein entstanden, als von einer nirgends erwähnten Göttin Truda, deren Bild auf einer Klippe im Pfarrgarten gestanden haben soll, abzuleiten ist«. Das ist eine Verbesserung durch Johann Ballhorn, denn die Deutschen kannten keine Druiden. Wol aber kennt die katholische Kirche eine heilige Gertrud, deren Bild im Pfarrgarten gestanden haben wird. (Unweit Hasselfelde, also hier ganz nahe, liegt auch das Gertrudenkloster.) Ueber sie redet J. Grimm. Ein Vogel, durch den man schnell reich werden kann, heißt nach ihr bekanntlich der Gertrudenvogel, und als ich im Jahre 1847 von Tegernsee nach München fuhr, ersuchte mich mein Fuhrmann, ihm das Gertraudenbuch , welches durch eine an einer Spindel in die Höhe laufende Maus auf dem Titelblatte kenntlich sei, zu verschaffen. J. Grimm führte auch bereits in den »Altdeutschen Blättern« I, 294 die Stelle aus dem Namenbüchlein an: » so kumet die liebe st. Gertrud, die so entschlief in Gotes willen und stulen die ratten und miuse ir spillen und truogen si in ir miuseloch « . Die Zusammengehörigkeit der Maus und der Spindel geht auch aus Folgendem hervor: Einer Maus, die der Teufel gewesen, an der Spindel einer ehrlichen Bürgersfrau im Städtchen Wilster im Holsteinischen in die Höhe gelaufen, worauf dann der Flachs auseinandergefallen und alles Linnen im Hause zerschnitten (von Mäusen zerfressen?) gewesen sei, gedenkt M. Samuel Meigerius, weiland Pastor zu Nortorf, im 8. Capitel des 1. Buchs seines 1587 in plattdeutscher Sprache erschienenen Werks » De panurgia lamiarum « . Nach Zingerle's »Tiroler Märchen« 82 kann Derjenige, der das Gertraudenbüchlein besitzt, sich unsichtbar machen und den Teufel nöthigen, verborgene Schätze zu bringen. Es scheint in Süddeutschland die Stelle des in Norddeutschland wohlbekannten Höllenzwang zu vertreten. – Das dritte Märchen bei Musäus »Rolands Knappen« macht uns mit einer Alten bekannt, die unter Anderm mit einem wunderbaren Tischtuch (Tischchendeckdich) begabt, als Zauberstab eine Mistel (durch welche Baldr getödtet wurde) führt, sich eine offenbar mythische Katze hält und Drude heißt. Eine gespenstische Frau, Frau Trude, kommt auch in den Märchen von Grimm I, Nr. 43 vor. Uebrigens heißen Teufelsdiener und Hexen Trutner und Trutnerinnen , vgl. J. M. Meyfart's »Christliche Erinnerung, wie das abscheuliche Laster der Hexerei auszurotten, aber in Verfolgung desselben sehr bescheidentlich zu handeln sei« (1636) 157 und 222; ebenda kommt S. 226 auch die Ansicht zur Sprache, daß der Teufel als ein Geist doch nicht eigentlich mit den Hexen buhlen könne, dagegen aber vielleicht »die Hexen verblende und unter seiner Gestalt ihnen einen Trutenmann beilege, der wirklich die Schande verrichte«. Schon J. Grimm, Mythologie 394, erinnert bei den ihm bekannten Wörtern Trute oder Drut (Hexen, auch Alpdrücken) an den Namen einer Walkyrie Trudhr . Nach einer Mittheilung von Weigand in Wolf's Zeitschrift I, 6 fuhr man » mit der perchten oder pilbiczen oder Trutten auff den brückelssberg « . Nach J. H. Voß, »Sämmtliche Gedichte« II, Anmerkung auf S. 211, ist Drude »eine höhere Zauberin, gleich den Feen«. (Der auf der vorigen Seite erwähnte Trutenmann wird sonst auch schlechtweg: der ascendens genannt.) 4. Das Tönnchen Gold im Brunnen. Gold im Brunnen deutet nach Wolfs »Hessischen Sagen« auf dessen Heiligkeit. Für das Tönnchen, Tönnecken oder die Tunne, vgl. den Tunnebrunnen in der Sage von der weißen Frau zu Hohegeiß. Zu Rocklum im Halberstädtischen werden die Kinder aus dem Tünneckenbrunnen , der am Fußwege nach Osterwieck zu liegt, gezogen; in Osterwieck nennt man den Kinderbrunnen Kinneckenborn . 5. Die weiße Frau in Hohegeiß. Schon 1494 wurde hier ein Kirchlein der heiligen Jungfrau renovirt. * Zu den Sagen von Ellrich und der Kelle [220-223]. 1. Der Säuferkönig. Der Anfang, der auch in dem Gedichte eines bekannten österreichischen Dichters erzählt wird, nach Otmars »Volkssagen« 15–18, wonach er auch bereits in Grimm's Sagen I, Nr. 554 und bei Harrys II, Nr. 39 steht. Ueber die historische Person des Grafen vgl. Otmar a. a. O. und Bechstein's »Sagenbuch« Nr. 397. 2. Die Kelle. (I–III.) Abteilung II nach Behrens' » Hercynia curiosa « 82; vgl. auch Bechstein's »Sagenbuch« Nr. 398. Dieser erklärt Kelle mit Kehle, Schlund. Bei Uftrungen zwischen Stolberg und dem Kyffhäuser liegt eine Kalksteinhöhle, genannt die Heimkehle ; darin soll der Teufel wohnen. Nicht recht echt scheint in Ziehnert's »Volkssagen Preußens« II, Nr. 42 die Erzählung von der Kelle »Der Einsiedler bei Ellrich«. Ein Kellwasser findet sich auch noch in der altenauer Gegend; Behrens nennt den Ort bei Ellrich die Höle oder Kelle, was auch mit dem Spruche des Priesters an der Kelle stimmt. So sagt man nach Harrys Sammlung Hübichenstein und Gübichenstein, und Kohnstein dürfte nach Förstemann's Erklärung Dasselbe bedeuten wie Hohnstein. Der Dichter G. v. Göckingk in Ellrich, der die Kelle besang, hatte sie mit Bildern aus dem Tartarus ausschmücken lassen. Vgl. übrigens noch Grimm's Sagen I, Nr. 304 und die kurze Notiz über die Kelle bei Kuhn und Schwarz Nr. 256. * Zu den Sagen von Ilefeld und dem Hohenstein [224–230] 1. Gründung des Klosters Ilfeld. Der Anfang aus Harrys II, 85 und 86, von wo er auch in Brederlow's »Harz« 470 überging. 2. Das Nadelöhr. Nach Behrens' » Hercynia curiosa « 126 und 127, von wo die Sage auch schon in Grimm's Sammlung I, 323 und in Harrys' Sammlung II, Nr. 37 überging, und hier nur unbedeutend ergänzt. Dem Gebrauch beim Nadelöhr gab Kopisch in einem Gedichte eine sinnige fromme Deutung. 3. Der Schimmelreiter vom Bielstein. Der Name Bielstein kommt auch unter den lautenthaler Sagen von dem Zwergberge vor, der kein Bergwerk auf seinem Gipfel duldet. Die bekannte Bielshöhle im Rübelande erhielt ihren Namen erst, als sie von Fremden besucht wurde; doch auch hier wurde der Name des Biel nur von einer nahegelegenen, weniger besuchten Stelle auf sie übertragen. Eine Freiheit Bielstein soll in einem Amte Bielstein auf einem Berge liegen, Leonhard in seiner »Harzeburg und ihre Geschichte« erwähnt S. 24 ohne Quellenangabe: »Zu Katlenburg, Ilefeld, auf der Bielshöhle [soll wol Bielshöhe heißen?] und an mehrern Orten [?] stand der Biel, welcher als Waldgott in großem Ansehen stand und von dem viele Berge u. s. w. benannt sind.« Eine Ritterburg Bielstein kommt in Wolf's »Hessischen Sagen« mehrfach vor. In Schwaben ist an einem Kirchlein »der große Bel oder Beel« und »der kleine Biel« abgebildet (Meier I. 297). In allerfrühester Zeit lebten Edle von Bilstein in Halberstadt als Domherren. Vom Biel oder Bila in der ilefelder Gegend erzählten Einige auch, daß die Priester ihn selbst oft angezündet hätten. Vgl. dazu die Feuer in der Sage von der Gründung des Klosters Ilefeld. Nach Leopold's »Kirchen-, Pfarr- und Schulchronik« soll, wie die Ostera, so auch der Biel nach seiner Zerstörung an einer andern Stelle, von Katlenburg hierher gebracht sein! Aehnliches in Görges' »Vaterländischen Geschichten« II, 135. Unweit seines hier zunächst in Rede stehenden ilefelder Standortes soll auch ein Thal das Gottesthal , wo nicht Gothsthal, heißen. Förstemann in seiner »Urkundlichen Geschichte von Nordhausen bis 1250« S. 3 und in den Nachträgen und Verbesserungen S. 4 weist für die Gegend slawische Einflüsse, auch in Bezug auf Religion nach. In der Kirche des Dorfes Windhausen in der nahen Goldenen Aue findet sich das plumpe hölzerne Bild einer Schmerzensmutter mit dem todten Christus auf dem Schoße und ist seit undenklichen Zeiten am Orte unter dem Namen der Bomeibock bekannt. »Pomai-Bog« ist wendisch und heißt auf deutsch »Gott helfe«! mit dem Zurufe »Bog w'pomoschtsch« – Gott zur Hilfe – beginnt der Russe, wenn er zu einem Arbeitenden tritt, und erhält darauf zur Antwort »Bomogaj Bog« – Gott helfe. Förstemann sagt nun auch: »Das Dorf Bielen sowie der Bielstein bei Wiegersdorf mögen vielleicht an den slawischen Biel, den weißen, guten Gott erinnern«. Falkenstein meint in seiner »Thüringischen Chronik« I, 163, wenn die alten Germanen einen Biel verehrt hätten, so sei dies wol der Belen der Walen gewesen, der durch frühern Verkehr zu ihnen gekommen sein möchte. In den »Gelehrten Anzeigen« von 1731, S. 881, soll sich ein Aufsatz über Biel finden. Der Schimmelreiter kommt auch auf dem Harze in Gebräuchen vor, wie bei Emil Sommer »Sagen und Gebräuche« 156, und in andern Gegenden, z. B. auch in einer sonst nichts Mythisches enthaltenden Beschreibung des mecklenburger »Fastellabends« in Nr. 22 der »Grenzboten« von 1853 bei diesem. Zu dem Namen Friesberg, von dem wir nicht wissen, ob er historisch ist, sei bemerkt, daß Wrisberg als Name für ein adeliges Geschlecht in Niedersachsen vorkommt und J. Grimm ihn als Mons Giganteus gedeutet hat. Ein Name von Friesen kommt z. B. auf dem Unterharze vor. 4. Die Jungfrau von der Ilburg und Frau Holle. (I–III.) Abtheilung I abweichend bei Harrys III, Nr. 36, vgl. auch Wolf's »Deutsche Sagen« Nr. 257, dessen »Hessische Sagen« Nr. 152 und Chamisso's Gedicht vom Königsstuhl auf Rügen. 6. Das Kegelspiel unterm Hohenstein. Vgl. oben die Sage vom Fuchs und Fuchspastor von Hohegeiß und in meinen »Kinder- und Volksmärchen« Nr. 33; fernere Nachweise vom Kegeln bereits bei Wolf in der Anmerkung zur 72. hessischen Sage. 7. Elende. Der von einer Göttin Lora, welcher wir sonst nirgends in Localschriften begegneten, handelnde Anfang nach Otmar's »Volkssagen« 75–78, theils des Localinteresses wegen, theils und hauptsächlich zur Vergleichung mit Dem, was oben in der Anmerkung zu Osterode aus Localschriften,, wo es sich ganz unbeglaubigt findet, und in denen sie auch wol, wie Lora bei Otmar, die Göttin der Liebe genannt wird, über Ostera ausgezogen ist, sowie mit Ostergebräuchen. Bemerkenswerth ist noch, daß Otmar den Namen Lora als den angibt, der beim Volke gang und gäbe sei. Loo heißt Eiche, Wald, z. B. in Venloo (Sumpfwald), Waterloo (Wasserwald). Auch bei Gondershausen gibt es einen Loo oder Loh. Aha heißt Fluß. Das r mag zur Verbindung dienen oder Adjectivableitung sein. Also Loraha bedeutet Waldfluß. Die Göttin Lohra scheint eine spätere Erfindung, entstanden, als man die Bedeutung der Endung a vergessen hatte. Der Schluß der Sage, vom Weinfuhrmann, jetzt vollständiger in Bechstein's »Sagenbuch« Nr. 399. * Zu den Sagen der nordhäuser Gegend [231–236]. 2. Der Galgen auf dem Kohnstein. Vgl. zu den Abteilungen I–II die frühern Sagen vom Schimmel zu Kamschlacken und von der Entstehung Lerbachs. Auch in einem mir neuerdings erzählten noch ungedruckten Märchen geht ein Mädchen infolge einer Wette zur Nachtzeit unter einen Galgen, um einen Spahn davon abzuschneiden, und trifft unter demselben einen Schimmel mit einem Sack voll Geld, neben dem mehrere schlafende Räuber liegen. So werden denn auch in der vorliegenden Sage vom Kohnstein die Rosse unzweifelhaft Schimmel sein und auch die Mehrzahl der Rosse erscheint durch Vergleich mit jenen andern Sagen als Entstellung. Dadurch erklärt es sich zunächst, daß die Eigenthümer der Pferde nachher dem Weibe zur Strafe für den Pferdediebstahl die Frucht aus dem Leibe reißen: denn der Volksglauben am Harz setzt die Schimmelpferde mit der Niederkunft in Verbindung. 3. Der Tanzteich. Der Anfang meist nach Harrys II, Nr. 35, und Bechstein's »Sagenbuch« Nr. 409. Auch Behrens' » Hercynia curiosa « 91 fg., sowie Pastor Leopold in seiner »Kirchen- und Schulchronik« (Nordhausen 1817) und Görges' »Vaterländische Geschichten« II, 61 und 62, reden vom Tanzteich. E. G. Förstemann will die Namen Ober- und Niedersachswerfen ableiten von sahs , Stein, Steinwaffe, Hammer, Schwert. Viele Steinwürfe, sagt er, kommen in Helden- und Riesensagen vor, und er erinnert an die Steine der Gegend, von denen auch wir unter Nordhausen Sagen mittheilen; auch an den Ortsnamen Steina, die Steine, wie es in der Sprache der Gegend heißt (vgl. unter den Sagen der lauterberger Gegend »Die Federn«) u. s. w. Der Schluß vom Schwarzkünstler zu Nordhausen nach Samuel Meigerius', Pfarrers zu Nortorf in Holstein, plattdeutscher Schrift » De panurgia lamiarum « (1587) 1. Buch 4. Capitel. Das Auffressen von Pferden und Wagen wird (jedoch ohne den merkwürdigen Zug, daß Bauer und Wagen nachher in einem Wasser gefunden werden) gewöhnlicher von Faust erzählt, aber in Nigrinus' Übersetzung des Gödelmann'schen Buches von Zauberern und Unholden (1592) S. 28 auch aus dem Jahre 876 von einem Juden Sedechias, angeblichem Leibarzt Kaiser Ludwig's. 5. Die Hexen von Nordhausen. Der Name Klötzchen für eine Hexe erinnert an das Klotzwerfen, wodurch in Hildesheim und Halberstadt das Andenken der heidnischen Götter verächtlich gemacht werden sollte. (J. Grimm »Deutsche Mythologie« 173 und 743), Unweit Rocklum im Halberstädtischen liegt am Bruche der Klotzberg. Nach Leo's »Universalgeschichte« 3. Auflage III, 181 nannten die Bilderstürmer in der Reformationszeit alle plastischen Darstellungen in den Kirchen Klötze. In Remgii »Dæmonolatria « I, 91 kommt unter Anderm für eine Hexe der Name Apra Hoselatia oder Hosenlatz vor. Die Geschichte von Hexen, die als Katzen verwundet werden und nachher als Frauen krank liegen, ist mir ohne Ortsnamen weit ausführlicher als hier von Nordhausen bekannt; sie ist weit verbreitet, auch in Belgien (vgl. »Sagen Belgiens« von Maria von Plönnies, 1846, »Der Katzentanz«) und Brentano verwebte sie in seine »Mehreren Wehmütter und Ungarischen Nationalgesichter«. 6. Der Stein vor dem Altenthore und der Hünenstein bei Nordhausen. Nach E. G. Förstemann's »Urkundlicher Geschichte von Nordhausen« 2 und 3, und den Nachträgen und Verbesserungen dazu 4. Wie weit etwa die Erzählung vom nordhäuser Riesenstein in »Preußens Volkssagen« von Ziehnert auf wirklicher Sage beruht, ist mir nicht bekannt. Bei Kuhn und Schwarz höhlt in einer andern Gegend eine weibliche Erscheinung durch gewaltsames Harnen einen Stein aus; nach einer ältern gedruckten Quelle beginnt auch ein entlarvter weiblicher Mahrt unnatürlich zu harnen, und nach » Goëtia vel Theurgia « benutzt ein allein im Dorfe nicht zur Hochzeit geladenes Mädchen ihren Harn zum Wettermachen. 7. Kloster Neuwerk. Nach Förstemann's Nachträgen und Verbesserungen S. 4.     Druck von F. A. Brockhaus in Leipzig.