Franz von Kobell Wildanger Skizzen aus dem Gebiet der Jagd und ihrer Geschichte mit besonderer Rücksicht auf Bayern. Mit Bildern von Ernst Fröhlich. Stuttgart . J. G. Cotta'scher Verlag . 1859. Seiner Majestär dem König Maximilian II. dem erlauchten Waidmann und Schutzherrn der Jagden in Bayern   in tiefster Ehrfurcht gewidmet.                                                     von dem Verfasser. Vorwort. Die folgenden Skizzen sollen die mannigfaltigen Arten des edlen Waidwerks, welches ich von Jugend auf, wenn auch nicht als Fachmann geliebt und getrieben habe, in Kürze charakterisiren, seine Reize hervorheben und in freien Umrissen seine Geschichte darstellen. Ich bin dabei keinem strengen System gefolgt; wie sich die Betrachtungen und Erinnerungen eben verknüpften, habe ich sie niedergeschrieben, gleichwohl war ich bemüht, nichts fehlen zu lassen, was von Interesse seyn und dem Ganzen eine gewisse Vollständigkeit geben konnte. Das Unternehmen hat eine größere Theilnahme erregt, als ich hoffen durfte, und zahlreiche Freunde, denen ich hiemit meinen Dank ausspreche, haben mich mit Beiträgen und Notizen unterstützt. Für die Geschichte der Jagd in Dentschland habe ich unter den neueren Werken vorzüglich das betreffende von Dr. G. Landau benützt, welches vor andern den großen Vorzug hat, daß es viele Briefe, welche die ältere Jagd besprechen, wörtlich mittheilt und dadurch eine farbige Darstellung gewinnt, wie sie ein bloßer Bericht der Thatsachen niemals erlangen kann. Für die specielle Geschichte der Jagd in Bayern waren es die Arbeiten des Pfarrers A. J. Jäckel in der Zeitschrift des zoologisch-mineralogischen Vereins zu Regensburg, welche mir, besonders über die Raubthiere und das Vorkommen des Federwilds, willkommene Beiträge geliefert haben. Aus den hiesigen Archiven der Hofjagdintendanz und aus alten Akten der ehemaligen Klöster Tegernsee und Benediktbeuern habe ich manches ergänzen können, gewiß aber ist vieles noch, namentlich im Staatsarchiv, verborgen, welches, mit der Zeit zu Tage gefördert, die Jagdgeschichte Bayerns wird vollständiger darstellen lassen, als es mir möglich gewesen ist. München, im November 1858. v. Kobell . Inhalt.         Einleitung I. Haarwild. Hirschjagd Der Damhirsch Schweinsjagd Die Gemsjagd Der Steinbock Spruchreime Der Bär Der Wolf Der Luchs . Die Wildkatze Spruchreime Murmelthierjagd , Mankei-Passn Das Reh Der Fuchs . Der Dachs Der Hase . Alpenhase. Kaninchen Spruchreime Die Treibjagd Treibjagdlied Der Biber Der Fischotter . Edelmarder. Steinmarder. Iltis. Wiesel Spruchreime II. Federwild. Der Auerhahn Auerhahnfalz Der Spielhahn (Birkhahn) Spielho'-Falz Haselhühner, Schnee- und Steinhühner Das Rebhuhn , Hühnerjagd. Die Wachtel Fasanen . Trappe Waldschnepfen Wasserjagd Spruchreime Falk und Reiher . Die Falkenjagd Spruchreime Der Schuhu . Die Aufhürte Schluß Glossar Einleitung. Von Kaiser Albrecht I. († 1308) heißt es, daß er zu sagen pflegte »die Jagt gebür den Mannen, der Dantz den Weibern und er könne anderer Wollust wohl entrathen, aber der Jagt gar nicht.« – Haben sich zwar fürstliche Vorgänger und Nachfolger nicht immer mit gleicher Bevorzugung über die Jagd ausgesprochen, so sind deren doch wenige gewesen, welche sie nicht mit Freuden geübt und gepflegt hätten. Und hat auch Friedrich der Große ihr nicht das gebührende Recht zuerkannt, so hat Karl der Große desto mehr gejagt, und will man an Friedrich den Philosophen hervorheben, so hat die Autorität eines Plato der Jagd das Wort geredet. Was man darüber klügeln und einwenden will, es besteht immer noch zu kraft, was die Alten gesagt haben, daß die Jagd »zur hurtigkeit und gesundheit deß Leibs zur Kriegs und verstands geschwindigkeit hochdienstlich und nutzlich« und vor Weichlichkeit und Wollust bewahre. Wenn Friedrich der Große anführt, Anti-Machiavell. daß Männer wie der Cardinal Fleury, Ximenes u. a. sehr alt geworden, ohne zu jagen, daß Türenne, Marlborough, der Prinz Eugen und Gustav Adolph große Krieger gewesen, ohne Jäger zu seyn, so beweist das nur, daß die Jagd nicht eine absolut nothwendige Bedingung für langes Leben und sonstige Tüchtigkeit, und es wäre auch wahrlich schlimm, wenn jeder jagen müßte , um solcher Vorzüge theilhaftig zu werden, denn da stürben zu unserer Zeit die Leute gewiß entsetzlich früh und wär's mit den dem Vaterlande dienenden Kräften schlecht bestellt. Daß aber ceteris paribus ein Waidmann frischer in's Leben hineinschaut und sich frischer drin bewegt, als ein anderer, dürfte schwerlich zu bestreiten seyn, denn der Umgang mit der freien Natur und die Kräftigung des Körpers, wie sie das Waidwerk begünstiget, hat dem Geiste nie geschadet, wohl aber das Gegentheil. Die Vorzüge der Jagd für die Gesundheit erheben Alle, die je gejagt haben und nicht mit Unrecht sagt vergleichsweise Venantius Diana: »Wenn die Pürschbüchsen selbst reden könnten, würden sie bejahen, ihnen sey viel besser, daß man sie stark im Wald brauche, als daß man sie lasse zu Hause an der Wand hängen und verrosten.« Gaston de Foix (um 1387) sagt: On desire en ce monde a vivre longuement en sante et en joye et apres la fin la salutacion de lame et veneurs ont tout cela. Donc soyez tous veneurs et vous ferez que sage. Unsere Zeit ist aber gewaltig materiell und krämerisch geworden und in Rücksicht auf solchen Zustand muß man freilich mit anderen Argumenten als Gesundheit und Bewahrung von Geistesfrische kommen, wenn man ihr das Waidwerk empfehlen will, und so hört denn, wie es auch Schätze, die sich greifen lassen, gehoben hat. Karl der Große entdeckte im Verfolgen eines Hirsches die berühmten heißen Quellen von Aachen und bei gleicher Veranlassung Kaiser Karl IV. 1370 die Quellen von Karlsbad, welches nach ihm seinen Namen erhalten hat. Wie viel Geld ist um dieser Wasser wegen schon in Umlauf gekommen, wie viele herrliche Fabrikate, die man doch eigentlich zu gar nichts brauchen kann, wandern jährlich unter dem Protectorat der Mode nach jenen gesegneten Quellen und werden mit großem Gewinn abgesetzt! – Durch Ritter Niklas von Rohrbach wurde bei einer Gems- und Hirschjagd der obere Haller-Salzberg entdeckt; einem Köhler und dem dazu gekommenen Jäger verdankt man die Zinnerzlager von Altenberg in Sachsen und andere Zinnerzlager am Geyer daselbst Jägern, welche Geyer verfolgten; einem Jäger des Kaisers Otto I. die Entdeckung der Bleierzlager am Rammelsberg bei Goslar. Die anthracitischen Kohlenlager in Pennsylvanien, welche gegenwärtig über sechzig Millionen Centner liefern, sind 1791 von einem Jäger, Namens Ginter , aufgefunden worden; die reichen Goldgruben von Potosi in Peru ebenfalls von einem jagenden Indianer, Gualpa; die mächtigen Goldsandlager am Angarafluß in Siberien 1816 von einem Jäger, der ein Birkhuhn schoß, in dessen Magen man Goldkörner fand und so auf die Entdeckung geführt wurde. (Spekulanten ist in dieser Beziehung vor allem Federwild der Auerhahn und der Birkhahn zu empfehlen, weil sie gerne kleine Steine und Sand hinunterschlingen.) Es ist ferner zu bemerken, daß viele Kirchen, Stiftungen und Klöster dem Waidwerk, wenn auch nicht unmittelbar, doch in einem seltsamen Zusammentreffen mit solchem, ihren Ursprung zu danken hatten. So stiftete Tassilo das Kloster Wessobrunn, nach einem seiner Jäger Wesso und den dortigen Quellen benannt. Tassilo übernachtete in der Gegend gelegenheitlich einer Schweinsjagd, und die Sage erzählt, wie er die Engel auf der Himmelsleiter habe niedersteigen gesehen \&c.; in ähnlicher Veranlassung erbaute er Polling Ein Stück Wild bezeichnete durch Scharren im Boden die Stelle, an der man bei weiterem Nachgraben drei Kreuze und mehrere Reliquien fand. und das noch bestehende reiche Kremsmünster (777), wo sein Sohn Gunthar von einem Keiler, dem er den Fang gegeben, so geschlagen wurde, daß er neben dem verendeten Thiere verschied. Als der Herzog nach langem Suchen mit den Jägern den Jüngling fand und schmerzlich getroffen dessen Begräbniß besprach, da erschien bei einbrechender Nacht ein Hirsch am Waldessaum, auf dessen Geweih flammende Kerzen leuchteten. An der durch ihn bezeichneten Stelle wurde dann das Kloster erbaut. Monum. boica XIII. pag. 503. – Die Frauenmünsterabtei in Zürich ist in Folge einer ähnlichen Erscheinung entstanden. Die Töchter König Ludwigs des Deutschen († 876), Hildegard und Bertha, bewohnten eine Burg auf dem Albis und pflegten des Nachts in den angrenzenden Wald zu gehen und dort in wilder Einsamkeit zu beten. Da erschien ihnen zu wiederholtenmalen ein Hirsch, der brennende Kerzen auf dem Geweih trug und ihnen jedesmal bis zu dem Platze leuchtete, wo dann auf das himmlische Zeichen hin das Frauenmünster erbaut wurde. Zum Andenken wurde, wie noch gegenwärtig zu sehen, ein Hirsch mit zwei Kerzen auf dem Geweih über der Hauptthür der Kirche in Stein ausgehauen und später in das Siegel der Aebtissinnen aufgenommen. Alpensagen von Th. Vernaleken, S. 317. Einem Keiler verdankt Ebersberg (davon benannt) seine Gründung. Ein jagender Graf Sighardus bemerkte einen gewaltigen Keiler zwischen einem Felsen und einer riesigen Linde liegend, konnte ihn aber nicht fangen. Dieser Keiler kehrte mehrmals des Nachts auf denselben Platz zurück und da er immer entkam, hielt man ihn für den Teufel und verkündete ein Konrad von Hewa, daß dieser Ort göttlichem Dienste bestimmt sey und wurde dann um 1020 das Kloster gebaut. Oefele II. 711. Die Klöster Thierhaupten und Metten sind auch durch Vermittlung der Jagd entstanden, das erstere wurde von Tassilo 750 in Folge eines Gelöbnisses gestiftet, als er sich auf der Jagd verirrt hatte; Metten gründete Karl der Große, da ihn das Waidwerk mit dem Einsiedler Utto zusammenführte, von dem manches Wunder erzählt wurde. Karl versprach ihm eine Bitte zu gewähren und Utto verlangte das Kloster, welches auch erbaut wurde und Utto selbst zum ersten Abt erhielt. Wenn vor diesen Zeiten manche Kirchenväter gegen die Jäger als einer arti nequissimae ergeben \&c. losgezogen sind, so mag das hingehen, sie dachten nicht daran, was später geschehen könne; weniger erbaulich ist, wenn jene Aeußerungen noch weiter im canonischen Recht fortgeführt wurden. Da heißt es auch: »der Unschuldige muß viel leiden.« Im Baseler Bisthum entstand um 1140 das Kloster »Bellay« bei Gelegenheit, als der Probst Sigismund zu Münster im Granwald, auf der Schweinsjagd bei Biel sich verirrte und für seine Rettung eine Kapelle gelobte; von der Gründung des Klosters Ebrach (in Oberfranken) erzählt die Sage, daß ein Eber im Walde Nonnenkloster einen Bischofstab aus dem Boden gewühlt und ihn an den Platz getragen habe, wo jetzt das Kloster steht. Der Versuch, dasselbe an einen anderen Platz zu bauen, mißlang, denn was man am Tag baute, fiel in der Nacht wieder ein. Panzer, bayerische Sagen \&c. II. S. 182. Die Stelle, wo Graf Gebhard von Kastel um 1030 Sulzbach (in der oberen Pfalz) gründete, bezeichnete ebenfalls ein gehetzter, an labender Quelle verendeter Keiler. – Man weiß auch, daß die Franzosen in der Schlacht bei Patay ihren Sieg über die Engländer vorzüglich einem Hirsch zu danken hatten, der sich zu gutem Beispiele muthig in die Reihen der Feinde stürzte, daß sogar ein Hase dem Kaiser Arnulph 896 zur Eroberung Roms verhalf \&c. Und so ließe sich noch Vieles erzählen, was zu einer Apologie der Jagd dienen kann, von der Herrlichkeit eines Schweinskopfes und der Braten des Hirsches, Rehes und Hasen, von den feinen Tafelfreuden, die in Fasanen, Haselhühnern und Rebhühnern wohnen, von dem Gewinn, der mit Fellen und Bälgen zu erwerben \&c., und von ihrer Poesie gar nicht zu reden, die keiner Anpreisung und Deutung bedarf, wo überhaupt poetisches Verständniß vorhanden, die aber auch, wo dieses fehlt, nicht begreiflich zu machen ist. Es war bedeutsam bei den Alten, daß der Diana kein Kalb geopfert werden durfte. Wenn Frauen gegen die Jagd sprechen, so kann man's nicht so genau nehmen und sie sind vielfach zu entschuldigen, gleichwohl dürften sie sich erinnern, daß im klassischen Alterthum die mondgeschmückte Diana Oberstjägermeisterin war und gerade deßwegen als eine der liebenswürdigsten Göttinnen verehrt wurde; bei den Drohungen aber, welche einmal eine indische Königin erhob, wie das buddistische Buch »der Weise und der Thor« Herausgegeben von Schmidt, Petersburg 1843 S. 379. erzählt, hat man sich zu denken: bange machen gilt nicht. – Diese Königin sprach zu ihren zehn Söhnen: tödtet nicht das Wild. Hierauf erwiderten die Söhne: es geht nichts über das Vergnügen der Jagd wilder Thiere, wenn unsere Mutter dieses uns verbietet, so muß sie uns hassen. Darauf entgegnete die Königin: keineswegs hasse ich euch, sondern als liebende Mutter verbiete ich euch die Jagd. Denn wer ein lebendiges Thier tödtet, muß hunderttausend Jahre lang in der Hölle Qualen erleiden, und zwar dadurch, daß er selbst hirschköpfig, widderköpfig, hasenköpfig, kurz mit allen Köpfen des Wildes versehen, welches er getödtet hat, von den Höllenwächtern beständig getödtet wird. – Wie anders gemeint war es, wenn gegenüber dieser heidnischen Mutter der Landgraf Philipp von Hessen als christlicher Vater in seinem Testament die Söhne ermahnt, das Wild zu hegen. Er sagt wohl auch: »Hätte Gott kein Wildpret wollen haben, so hätte es seine Allmächtigkeit nicht in die Arche Nohe lassen nehmen;« er will es aber zum Jagen gehegt wissen und sollen sich »die Herrn zu Zeiten verlustiren, die sonsten mit schweren Geschäften überhäuft sind. Die Herrn vernehmen auch viel, wenn sie auf der Jagd und den Jagdhäusern sind, können auch dadurch ihre Grenzen selbst wissen, was ihrer ist, kann auch selbst mancher arme Mann vorkommen, der nicht sonst zugelassen wird.« Landau, Beiträge zur Geschichte der Jagd \&c. S. 9. Wenn Friedrich der Große diese Art, Land und Leute kennen zu lernen, bezüglich eines Fürsten sehr ungenügend hält, so hat er freilich recht, gleichwohl bietet sie dazu Gelegenheiten, die außerdem vielleicht nicht vorkommen. Wäre die Kaiserin Katharina jagend durch die Krim gezogen, so hätte ihr Potemkin schwerlich weißmachen können, daß das Land blühend und glücklich sei. – Hierüber spricht sich auch der Kaiser Maximilian I. aus, indem es in seinem Jagdbuch G. v. Karajan. Kaiser Maximilian I. geheimes Jagdbuch. Wien 1858. heißt: »Du kunig von osterreich, mitt dein erblanden zw dem Haus osterreich gehorundt solst dich Ewiklich freyenn des grossen lust der waidmanschafft, so dw fur all kunig vnd fursten hast zw deim gesunntt und ergetzlichaitt, Auch zw trost deiner vndersassen, das dw Inne bekantt magst werden, auch der arm als der reich, der reich als der arm teglichen an solchem Waidberich Iren Zwgang mogen haben, sich Irer nott zu beklagen und anbringen, dw in auch solichs wenden magst mit lust, die armen in der Ergetzlichait der Waidmanschafft magst dannen Richten, dartzw dw allzeitt deinen Secretary vnd ettlich dein Rett (Räthe) mit dier an solich Waidmanschafft solst nemen, domitt dw den gemain man, so dich also besuechen vnd zw dier komen, magst Abzwfertigen, das dw dan pas am Waidberich, dan in Heyssern thuen magst. Domitt dw auch kain Zeitt verlierst, so solstw also nimer Rue haben, allain wan die Falcken fliegen oder die Hundt Jagen.« Was die Jagdlust selbst betrifft, so schwanken viele darüber, wohin sie zu classificiren sey. Ich erinnere mich, daß ein sogenannter Phrenolog Jagdlust und Mordlust, für die er auch ein Plätzchen am Schädel ausgemittelt hatte, zusammenfaßte und beide ziemlich für gleichbedeutend erklärte. Es ist dieses, wie mir scheint, eine ganz verrückte Ansicht. Die Jagdlust ist eine Lust männlichen Ehrgeizes. Ehrgeiz ist das bewegende Element, Ehrgeiz, die Geschicklichkeit des Aufsuchens, Findens, Fangens und Fällens, zu bewähren und Gleichstrebenden es zuvorzuthun, und listiger zu seyn als das listige Wild, und, um den Zweck zu erreichen, kein Hinderniß scheuend, Wind und Wetter, Hitze und Kälte und allen Gefahren Trotz zu bieten. Der Ehrgeiz ist es, in solchem Thun und Treiben auftreten zu können, wie Mannen gebührt. Je vielseitiger sich dieses bekundet, desto edler stellt sich die Jagdlust; Boner sagt ganz richtig: For be it remembered that it is not in killing his quarry that the hunters delight consists, but in the excitement of the pursuit, in the varying chances, in the »hope deferred« and above all in that crowning moment, when whispering to himself »Now he is mine!« Chamois Hunting. sie wird im eingestellten Jagen bedeutend heruntergedrückt, denn der Ehrgeiz hat hier fast nur in der Fertigkeit des Schießens seinen Boden, sie wird im Schlingenlegen, im Fangen mit Eisen \&c. ebenfalls bedeutend gemindert, denn es fehlt das Element rascher Entschlossenheit, wenn der Augenblick zu schießen gekommen ist, von dem aller Erfolg abhängt, oder wenn es einen Kampf mit dem Thiere gilt. Wenn man aber weiter gehen will, wenn man vereinzelte Fälle citiren will, wo geknebelte Sauen abgefangen wurden oder dergl., so ist das niemals zur Lust des Waidwerks gezählt und nur als eine bedauerliche Art von Vergnügen angesehen worden, auf welche gleichwohl der Begriff von Mordlust ebenso wenig paßt, als auf das gewöhnliche Schlachten eines Kalbes. Wer dabei an Mord erinnern will, der erinnert auch an den Schützen, der auf einen Rehbock, welcher ihm vor angeblasenem Treiben kam, nicht schoß, und darüber befragt, meinte: es wäre ja ein Meuchelmord gewesen, zu schießen, da man den Bock noch nicht durch das Anblasen benachrichtiget habe, daß eine Jagd sey, und daß er also aufpassen und nicht so leichtsinnig im Holz herumlaufen solle. Es lassen sich zuweilen auch Stimmen gegen die Jagd von Leuten vernehmen, die selber eifrig jagen, nur in einer anderen Art, und mit dem Unterschied, daß ihr Wild ein passives ist. Das Jagen der Paläontologen, Botaniker, Mineralogen \&c. nach einer neuen Species, die immer gern als Hirsch vorgestellt wird, wenn sie auch nur ein Rehspießer ist, das Jagen der Philologen nach einer neuen Lesart, der Etymologen nach einem neuen Stammwort, wobei der Böcke genug geschossen werden, das Jagen nach Monogrammen, alten Handschriften \&c., alles dieses gehört hieher und hat gleiche Triebfeder, nämlich den Ehrgeiz, sich im Suchen, Finden und Fangen vor anderen auszuzeichnen und entgegenstehende Hindernisse zu überwinden. Nach dem Gesagten ist begreiflich, daß Kaiser und Könige dem edlen Waidwerk von jeher zugethan waren, denn die Großmeister sollen den Rittern vorangehen und alles ritterliche Treiben an ihnen die ersten Träger seiner Würde finden. Und sind auch einzelne Frauen gegen die Jagd, so ist die Mehrzahl doch den Jägern hold wie den Soldaten, denn sie lieben am Manne Muth und Entschlossenheit und die Lust zu einigem Wagniß und empfiehlt sich damit ein einfacher Jäger trotz seines verwetterten Gesichtes weit mehr als ein geschniegelter Narcissus mit zuckerblumigen Sentenzen. Es meinen zwar Einige, mit den Strapazen und Gefahren der heutigen Jagd habe es nichts mehr zu bedeuten, weil keine Wölfe und Bären oder hauende Schweine wie vormals zu bekämpfen und auch keine so grausamen Wildnisse; diese Kritiker mögen aber nur einmal einige Gemsbirschen der unfreundlichen Art in unsern Bergen machen und dem Brunfthirsch zu lieb in Hütten übernachten, deren Lage kein Feuer gestattet und wo auf eisigem Wind der Dämon Rheumatismus seinen Ritt hält, oder sie sollen's probiren mit einem, wie sie glauben heruntergekommenen Parkkeiler anzubinden oder einen dergleichen Sechsender zu genicken \&c., und sie werden mit Verwunderung bemerken, daß zur Zeit noch genug übrig ist an Mühsal wie an Gefahr der Jagd und daß es dabei nicht immer so behaglich und gemüthlich hergeht, wie etwa bei einer Hühnerjagd, die sie kennen gelernt haben. War in den Urzeiten die Jagd ganz frei und wurde sie später auf den Besitz von Grund und Boden beschränkt, so ist das ebenso natürlich, als daß die Mächtigeren, wenn sie von ihren Grundstücken an andere verschenkten, verkauften oder verpachteten, sich das Jagdrecht vorbehielten, und da die Fürsten am meisten zu vergeben hatten, wie sie auch am meisten erwerben konnten, so bildete sich damit gegen das zwölfte Jahrhundert das sogenannte Regale aus, welches dem Fürsten die Jagd überall zusprach und das Recht, sie zu verleihen und zu vergeben. Freie Pirsch bestand in Franken und Schwaben bis ins achtzehnte Jahrhundert. Sie wurde vom Adel und von dem Bürger nach den gesetzlichen Jagdzeiten ausgeübt und war dazu eine Art von Jagdkarte eingeführt. Die Rechtshistoriker haben weitläufig darüber geschrieben und unser Kreitmayr macht folgende spitze Bemerkung dazu: »Hätte man an Mäusen, Ratten, Würm, Schlangen, Schnecken, Heuschrecken, Mücken, Bienen, Maikäfern und dergl. Insectis so viel Profit und Lustbarkeit, wie an anderen wilden Thieren gefunden, wären sie ebenfalls schon lang zum Jagdregale mitgezogen worden, da aber das nämliche Agrement nicht davon abfallt, so bleiben sie in ihrer natürlichen Freiheit und verlangt sich solche niemand cum exclusione aliorum zu attribuiren.« Daran hat der gelehrte Herr ganz recht, aber die Fürsten hatten auch recht, daß sie lieber Hirsche und Schweine jagten, als Mäuse und Ratten, obwohl Ludwig XI., da er nicht mehr vom Krankenlager konnte, auch mit letzteren zufrieden war und sie in seinem Zimmer mit Katzen jagen und fangen ließ. Wie aber auch das Regale sich herangebildet haben möge, denn genau weiß man es nicht, immer bleibt es für die Jagd- und Forstwirthschaft schon deßwegen von Wichtigkeit, weil die Erhaltung der Jagd dadurch mehr gesichert war, als außerdem der Fall gewesen wäre, und weil im Zusammenhang damit die Wälder geschont und erhalten wurden. Die deutschen Könige und nachmaligen Kaiser hatten natürlich bedeutende Jagddistrikte für sich, die sogenannten Bannforste, wie z. B. den Dreieicherhain oder Dreieicherwald bei Hanau, den an das Vogelsgebirg angrenzenden Büdingerwald, den Spessart u. a., und ist interessant, welche Ceremonien im vierzehnten und fünfzehnten Jahrhundert stattfanden, wenn sie diese Forste zum Jagen besuchten. Es geben darüber Nachricht die Weißthümer unter Kaiser Ludwig dem Bayer von 1338 über die Dreieicher Wildbahn und unter Kaiser Sigismund von 1425 über den Büdingerwald. Wollte der Kaiser birschen, so mußte der Forstmeister des Reviers einen weißen Bracken mit herabhängenden (bedruften) Lappen an der Schnauze, auf einer seidenen Decke und seidenem Kissen bereithalten mit silbernem vergoldeten Halsband und seidenem Hängseil. Dann hatte er dem Kaiser eine Armbrust zu reichen mit einem Bogen von Eibenholz, einer Säule von Elfenbein und dazu Pfeile, deren Spitzen (Strahlen) von Silber, der Schaft (Zain) von Lorbeerholz (Lorebaumen) und befiedert (gefettert) mit Strauß- und Pfauenfedern. Und wäre es »daß ein Kayser und das Reich wolte über Berg, und es dem Forstmeister maneten, so solte der Forstmeister ihme dienen mit einem weißen Roß auf des Reichs Kosten und Schaden.« Das Jagdregal führte später auf die Bestimmung einer hohen und niederen Jagd, die kaum einen anderen Grund hat, als daß die Fürsten oder andere durch sie mit Jagdfreiheit begabten Besitzer ihr Jagdrecht nicht immer vollständig ausüben, sondern sich nur vorbehalten wollten, was sie am liebsten jagten. Daher auch diese Eintheilung zu verschiedenen Zeiten verschieden angegeben ist. In Bayern wurde z. B. im sechzehnten Jahrhundert zur hohen Jagd gezählt: Hirsch, Schwein, Gems, Steinbock, die Reiher, Falken, Milanen und der Blaufuß, alles übrige Haar- und Federwild gehörte zur niederen Jagd, als Reh- und Damwild, Auer-, Birk-, Haselhühner \&c. In der Mitte des siebzehnten Jahrhunderts aber wurde das Reh im Fürstenthum Würzburg zur hohen Jagd gerechnet, dagegen 1775 im Fürstenthum Bamberg zur niederen Jagd, 1751 im Fürstenthume Augsburg zur hohen Jagd u. s. w. Die niedere Jagd hieß in Bayern: das »Reiß-Gejägd.« In Sachsen unterschied man noch eine Mitteljagd, wohin das Reh, Luchs, Dachs (mitunter auch das Schwein), das Birkwild und die Haselhühner gezählt wurden. Gewöhnlich rechnete man zur hohen Jagd das Edel-, Dam- und Schwarzwild, Gemsen, Bären, Wölfe und Luchse, Trappen, Auerwild, Fasanen, Schwäne und Kraniche. Die Geschichte der Jagd hängt mit der Geschichte der Jagdwaffen und Geschosse nothwendig zusammen. Neben dem Jagdspieß bestand aus den ältesten Zeiten der Bogen und die Armbrust bis zum Anfang des sechzehnten Jahrhunderts und letztere sogar bis gegen die Mitte desselben, obwohl eine Pulvermühle schon 1340 in Augsburg erwähnt wird, und 1381 der Rath 30 Büchsenschützen zum Krieg der Reichsstädte mit den Edlen von Franken, Schwaben und Bayern stellte. 1280 schoß man schon aus Kanonen. Die Erfindung hieß: »eisernes Feuer«. Hormayr's goldene Chronik, S. 122. Auch sind schon 1429 und 1430 Scheibenschießen mit Büchsen zu Augsburg 1429 fing man an in Augspurg mit den Buchsen zu schiessen, da ward ein Kürschnergesell erschossen mit einer Büchsen, der hat sich zu allervodernst bei dem Zyll yber die Mauer herausgelaindt. Hormayr Taschenbuch 1834. und Nürnberg gehalten worden. Es finden sich aber noch 1493 bayrische Verordnungen, den Wilderern ihre Armbrust zu nehmen und 1498 erwähnt ein Bericht des Landgerichts Schongau des Schießens der Hasen, Eichhorn, Vögel, mit der Armbrust. Ebenso bespricht eine hessische Jagdverordnung von 1532 noch das Führen der Armbruste, »mit denen so wie mit Büchsen in die Felde und auf die Wasser bierschen zu gehen verboten wird.« 1515 ist in den französischen Verordnungen die Flinte, fusil, angeführt, 1517 wurde das Radschloß in Nürnberg erfunden. Zu Kaiser Maximilians I. Zeit war der Uebergang der älteren Schießwaffen zu den neueren; der Kaiser gebrauchte noch die verschiedenen Arten. Es heißt im Weiß Kunig, daß er die »hußarisch Reitterey« erlernte und weiter »Nun war under den hussaren der Gebrauch mit Iren schiessen, welcher anders beruemt wolt sein, das derselb ain frey gemuet muesset haben, mit dem hantpogen, zu Roß die Vögel in den lufften zu schiessen, das kam allein mit viel schussen, aus der behendigkeit, Sölichs schiessen lernt der Jung weiß kunig, in kurtzer Zeit, das Er dem pesten hussaren gleich war.« Er lernte weiter mit dem englischen Handbogen Die berühmten englischen Bogen waren von Eibenholz. Sie waren um 1500 in England sehr in Uebung. Unter Heinrich VIII. mußten die Schützen auf 666 Fuß weit (266 Schritt) bei Strafe von zwei Schilling acht Denars ins Ziel treffen. Hormayr Taschenbuch 1841. zu schießen, daß er Alle übertraf und das mit solcher Kraft, daß er einen »hultzein schafft, der kain Eisen gehabt hat, durch ain dick lerchein holtz, das dann sonderlich hart, vnd drei zwerch finger dick gewesen ist, geschossen.« – So war er auch berühmt mit der Armbrust und dem »Stächlin pogen,« »dann antragen nach der schutzen Art und abtrucken ist albeg ein Ding gewesen.« – So jagte er auch einmal zu Reichenau in Steyermark auf Gemsen, und stund ein Gemsbock in eine hohe Wand ein. »Der kunig het bei Ime gar einen gueten puxenschutzen, mit namen Jorg Purgkhart, der kundt mit der hantpuxen insonderhait wol schiessen, Also hieß der kunig denselben, Er solle mit seiner puxen denselben Gembspokh schiessen, darauf gab er dem kunig Antwurt, der Gemspockh stund zu hoch vnd möcht den mit der puxen nit erreichen, da nam der kunig seinen Stachlin pogen in sein handt und sprach secht (seht) auf, Ich will den Gembspokh mit meinem Stachlin pogen schiessen vnd erschoß also denselben Gembspokh in dem Ersten schuß.« Da war große Verwunderung, denn der Gemsbock stand auf hundert Klafter hoch und wurde die Steinwand zum Angedenken »des kunigs schuß« genannt. Ferner erlegte er in Selrain in Tyrol an einem Tag mit Armbrust und Stahlbogen zehen Hirschen, »Verer so hat Ich gar vil von seltzsamen schussen zu schreiben, die Er gethan hat, mit dem Antfogl, vnd Raigern, vnd anderem geflugl, mainigs mal Hat Er ainen Antfogl in dem auffliegen geschossen \&c.« Man ersieht, wie gut man damals mit dem Bogen und mit der Armbrust zu schießen verstand und daß im Lauf und im Flug geschossen wurde, obwohl solche Schüsse nicht gewöhnlich waren, denn der Kaiser befiehlt z. B.: es sey in den Weiß Kunig zu stellen, daß er drei Schuß auf einen Hirsch im vollen Lauf gethan und mit zweien ihn getroffen. Er hat auch einmal in »dreyen schussen nach einander vom Roß dreyen antvogln die köpf abgeschossen. Item Ir. Mt. hat XXVIJ Hasen nach einander geschossen vnd nyt gefehlt.« Man schoß auch aus der Armbrust bleierne Kugeln, und in den hiesigen »vereinigten Sammlungen« findet sich eine Armbrust für den Pfeil mit einer kurzen Kugelbüchse in der Art verbunden, daß man durch Umwenden des Geschosses auf die eine oder andere Art schießen konnte. Noch bei J. Feyerabendt 1582 wird neben den Vogelrohren des Gebrauches des »Flitschbogens« und der »Armbrusten« erwähnt und heißt »der Schütz, welcher auf die Vögel schießet, vnd so der selbigen viel auff einem Ort beisammen sitzen, sol sein Gesicht nicht zu einem, so gegen den eussersten ort vnd end sitzet, allein richten und kehren, sondern zu einem andern stracks in der mitten, damit er, ob der Pfeil etwan höher oder niederer, oder aber auff die seiten neben auß führe, dennoch keinen vergeblichen Schuß thun möge.« Die Schrotgewehre wurden schon 1556 (Hagelgeschoß) gebraucht, das französische Batterieschloß aber 1630 erfunden, und da kam der Feuerstein Flinte kommt von Flint, wie ehemals der Feuerstein benannt wurde. zu hohen Ehren und erhielt sich bis 1807 das Percussionsschloß und 1820 das jetzige Knallfeuer in Aufnahme kam. Die Einführung der Pulvergeschosse gab der Jagd im Allgemeinen einen anderen Charakter und gestattete eine weit ausgedehntere Betheiligung als früher, die Baize aber mußte mehr und mehr Beschränkungen erleiden, denn es war wenigstens ebenso lustig, ein Rebhuhn oder einen Hasen zu schießen, als sie mit Falken zu fangen. Soweit aber das Baizen den Reiher betraf, war das Schießpulver nicht die nächste Ursache, daß diese Jagd ein Ende nahm und somit ist nicht richtig, wenn der Herausgeber des »La Curne de Sainte-Palaye« von der Pulvererfindung und ihrem Einfluß auf die Jagd sagt: »Elle en bannit ce qui autrefois en faisoit le plus grand agrément, la présence des dames.« Dazu ist übrigens zu bemerken, daß zwar jeder ächte Jäger ein Freund und Verehrer der Damen, daß aber derjenige der die Jagd nur liebt, wenn sie Damen im Gefolge hat, kein ächter Jäger ist. Der Wildstand mußte durch die neuen Waffen natürlich viel mehr gefährdet werden als vordem, die Bodenkultur und Lichtung der Wälder verringerte in gleicher Weise das Hochwild und das extreme Hegen von ehemals wechselte vielfach mit extremem Vertilgen. Die alten Jäger sehen nicht ohne Schmerz den Mond ihrer Göttin verbleichen und wie dem edlen Waidwerk die einstige Weihe genommen wird. Pfuscher gar viele statt Meister der Kunst und wie der Herr, so sein Hund, das Edelwild von den Schrottspritzen der Bauern geschunden, Hegezeit, Schußzeit, Jagdkarten, nur zu oft gleichgültige Worte u. s. w. Und wie mag es erst in ein paar hundert Jahren aussehen, wo man vielleicht alle Wälder der Urzeit zu Tage gebracht und dafür die lebenden begraben hat, wo man Moos und Filzgrund nur dem Namen nach kennen wird und das Wildpret zwischen Kaffeetrinkern in den zusammengeschrumpften Parken herumspaziert \&c. Doch wer weiß es! Ritterliche Lust wird den Fürsten nicht abhanden kommen und unsere Alpen werden nicht geebnet seyn, und so können dem Weidmann zwischen den wilden Bergblumen immer noch seine frischen Freuden blühen, und spaltet der unterirdische, so oft rumorende Erdgeist wohl auch mit einem Ruck wieder Schlünde und Gräben, die profanem Volk den Eintritt in's letzte Heiligthum des Waidwerks verwehren. I. Haarwild. Hirschjagd.                         Auf den Hirsch! auf den Hirsch! es taget schon,     Frisch zu ihr Waidgesellen, Er trägt mit Trotz die vierte Kron,     Jagt die Rivalen all davon, Den laßt uns fangen und fällen! Auf den Hirsch! auf den Hirsch! wohl in der Nacht     Da ließ er sich vernehmen, Da ist die Kampflust ihm erwacht     Und wollt' mit seiner Stimme Macht Den Andern 's Wort vergrämen. Auf den Hirsch! auf den Hirsch! er spürt sich gut,     Vier Finger breit die Schalen; An hohen Aesten wohlgemuth     Das grüne Laub er wenden thut, Sollt heut den Stolz bezahlen. O Büchse, liebe Büchse mein,     Da geht's um Ruhm und Ehren, Und wär' ich reich an Silber fein,     Eine Silberkugel müßt' es sein Dich würdig zu bewehren. O liebstes Rohr, verlaß mich nicht,     Nur sicher heut' und schnelle, Wenn durch den wilden Wald er bricht     Und in's Geweih die Ranken flicht, O hilf daß ich ihn fälle!                 Ich weiß mir ain hüpschen grünen Wald, Drinn lauffen drey Hirßlen wolgestalt, Drinn lauffen drey Hirßlen hüpsch und fein, Die fröen dem jager das junge hertze sein.                 Aus einem Liede von 1540.         Wolauff wolauff in Gottes namen Wöllen wirs heut anfahen, Rugel dich, rugel dich, rugel dich, Der liechte Tag scheint vber dich, Wolauff wolauff, die heut mit uns ans jaidt wöllen, Heut nam ich mein Hund ans sail, glück und hail. Von 1569. So lange das Waidwerk besteht, war der Hirsch ( cerphus elaphus ) seine vorzüglichste Zierde, und wird sie bleiben. Kein edleres Wild magst du schauen, ob er vertraut am Waldhang hinzieht, oder in der Flucht durch's krachende Dickicht bricht, ob er auf blumiger Wiese sich friedlich äs't oder mit hochgetragenem Kronengeweih den Kampf anhebt gegen unliebe Rivalen, daß es weithin hallt vom Schlag der gewaltigen Stangen. Der Hirsch stirbt nicht, sagen figürlich die alten Waidmänner, er tritt die Eichel in den Grund und sieht den Baum daraus aufwachsen, der ihm dann reichliche Mastung liefert und er sieht diesen Baum vergehen, daß er sein Geweih in den Stamm stoßen und das modernde Holz mit den Läufen zerstäuben kann. Er liebt Gesang und Musik und heißt nicht umsonst der edle Hirsch, denn, sagt Döbel, es ist eines wohlgeübten Waidmanns vornehmstes Prädikat, ein hirschgerechter Jäger genannt zu werden. Vom langen Leben des Hirsches berichten schon die Alten und Pausanias erzählt, daß man in Arkadien einen geheiligten Hirsch gekannt habe, der ein Halsband mit der Inschrift trug: »Wurde, ein Kalb noch, gejagt, als gen Ilion zog Agapenor.« Pausanias schließt daraus, daß ein Hirsch weit länger lebe als ein Elephant, dessen höchstes Alter man gegen 200 Jahre annahm. Alexander der Große ließ manchmal ein gefangenes Wildkalb mit angelegtem Halsband wieder frei und war auf diesem die Jahrzahl \&c. eingegraben. Es findet sich die Angabe, daß einmal ein Hirsch mit solchem Halsband gefangen worden sey, dessen Alter sich aus der Inschrift zu 85 Jahren ergeben habe. Es war daher sprichwörtlich bei den Alten »cervinos annos vivere.« So viel ist gewiß, daß der Hirsch über 70 Jahre alt werden kann, denn man kannte einen solchen in dem Park des Grafen Hardegg zu Schmida bei Wien, von welchem die Abwürfe des Geweihs gesammelt wurden. Es war ein Hirsch, der gewöhnlich 20–24 Enden aufsetzte und im 72. Jahre, wo er noch ganz frisch sich zeigte, von einem Wildschützen erschossen wurde. Daß der Hirsch die Musik liebe, führt schon Aristoteles an. Er sagt, man locke ihn durch ein gewisses Pfeifen und andere Töne und bezaubere ihn durch Gesang. »Wenn daher zwei Jäger zusammen sind, so singt oder bläst der eine, der andere aber verwundet ihn von hinten, wenn der erste das Zeichen gibt.« Bekanntlich geht ein guter Hirsch in der Brunftzeit auf den Ruf oder das Schreien eines geringeren Hirsches und unsere oberbayerischen Jäger bedienen sich um diesen nachzuahmen eines großen Muschelhorns (Tritonshorn, Kinkhorn) und es heißt dann: »der Hirsch is a'm Schneckn' ganga.« Auch eine getrocknete Hirschgurgel wird als Ruf gebraucht. Was aber das Bezaubern durch Gesang betrifft, so klingt das zwar sehr poetisch und ist gewiß, daß besonders beim Birschfahren ein Hirsch besser aushält, wenn man singt; auf den Gesang selbst oder die Art des Singens kommt es aber nicht an und die gewöhnlichen Schnaderhüpfeln, wie sie die Holzbauern singen, reichen für die Bezauberung vollkommen aus. Von anderen Eigenthümlichkeiten des Hirsches wird erwähnt, daß er duftende Blumen liebe, besonders den wilden Jasmin und die Reseda. Der Hirsch ist als Wild von jeher und überall ausgezeichnet worden. Bei den Achäern fuhr die Priesterin der Diana auf einem mit Hirschen bespannten Wagen Die hessischen Landgrafen, als Priester der Diana wohl bekannt, fuhren auch zuweilen mit vorgespannten Hirschen, ebenso die Churfürsten von Sachsen. Um 1730 wurden auf dem Vorwerk Neustadt-Ostra 14 zahme Hirsche zum Fahren gehalten und einer zum Reiten. Sie liefen anfangs gut, wurden aber bald träge. zur Feier des Opferfestes, Laphria genannt, und man gelobte der Göttin Hirschgeweihe ( votivi cornua cervi ), die in ihrem Tempel aufgehängt wurden. Die alten Deutschen liebten zur Bekleidung die Hirschdecken, die sie mit den Geweihen trugen, ganz besonders, und die alten Könige von Frankreich ließen sich in solchen begraben. Die Hirschjagd hatte auch schon frühzeitig einen überall verehrten Schutzpatron an dem heiligen Hubertus, einem Sohn des Herzogs Bertrand von Aquitanien, der früher ein gewaltiger Jäger im Ardennenwald zuletzt als Bischof von Lüttich 727 starb und dessen Geschichte mit der Kreuzerscheinung genugsam bekannt ist. Einen Vorgänger mit ähnlichem Erlebniß hatte er an dem heiligen Eustachius, einem Feldhauptmann unter Kaiser Trajan (98–117), der in einem glühend gemachten ehernen Stier endete, da er vom Christenthume nicht abfallen wollte und weiter nennt die Jagdgeschichte noch im vierten Jahrhundert den heiligen Martinus Karl der Große führte bei seinen Jagden im Nürnberger Reichsforst immer die Chorkappe des St. Martinus und ein Heiligthum von St. Dionysius mit sich. Churfürst Karl Albrecht führte bei größeren Jagden eine Feldkapelle mit, auf deren Altar die Bilder von St. Hubertus und Eustachius. . Als der erste dieser Patrone gilt aber St. Hubertus und der Hubertustag (3. November) wurde und wird zum Theil noch gegenwärtig regelmäßig von der Jägerei mit einer Jagd und Lustbarkeit gefeiert. Dieses Fest wurde schon von Ludwig dem Heiligen († 1270) gestiftet und auf den Tag eingesetzt, da der Leichnam des Bischofs Hubertus unter großer Feierlichkeit nach seinem Kloster im Ardennerwald gebracht und bestattet worden. An diesem Tage soll, sagt Flemming, jeder rechtschaffene Jäger auf die Jagd gehen und »keinen um sich leiden, welcher wider die Jagd-Reguln, das Wild muthwilligerweise verderbt. Wenn bei diesem Festin eine Frauensperson erscheint und solcher Jagdfreude mit theilhafftig werden will, so soll sie gestifelt und gespornt seyn, auch wie eine Mannsperson reiten.« So geschah es z. B. bei den Hubertusfesten, welche der Churfürst Friedrich August zu Sachsen auf der Hubertsburg und Herzog Eberhard Ludwig von Würtemberg zu Ludwigsburg hielt, der auch 1702 einen Hubertusorden stiftete. Der bayerische Hubertusorden ist kein Jagdorden, obwohl er von den Herrschaften bei den königlichen Jagden getragen wird. Er wurde gestiftet von Herzog Gerhard von Jülich und Berg wegen eines Sieges, welchen er 1444 am St. Hubertustag über Arnold von Egmont erfocht. Um 1780 unter Herzog Karl zog am Hubertustag der würtembergische Hof mit den Jägern in Jagduniform aus und wurden nur Schimmel geritten. Die Festlichkeit dauerte manchmal acht Tage. Auch in Preußen wurde der Tag von mehreren Fürsten mit Glanz gefeiert, so vorzüglich von dem König Friedrich Wilhelm I. († 1740), Friedrich Wilhelm II. († 1797) und von dem jetzigen König. Bei einem solchen Fest, welches Friedrich Wilhelm II. 1787 gab, erschien die Prinzessin Friederike und ihre Begleiterinnen in einem olivenfarbenen Amazonenhabit mit goldenen Epaulets und nahm selbst Theil an der Jagd. Es war dabei mitunter Sitte, daß zur Tafel die Jägerei bediente und aufwartete; die Jagdpagen trugen die »Willkomm« und überreichten sie dem Oberjägermeister zum Credenzen. Brachte die hohe Herrschaft eine Gesundheit aus, so blies die Jägerei mit Flügel und Hiffthörnern und wurde auch wohl ein Waldgeschrei Es war das Geschrei, mit dem die Jäger bei beginnendem (eingestellten) Jagen zu Holz zogen. Bei der Hirschjagd: Ja, ha ha, ja ha! bei der Schweinshatz: Ho, Rido, ho ha ho! angestimmt. In den bayerischen Jagdrechnungen findet sich oft einer großen und kleinen Hubertijagd erwähnt und wurde das Hubertusfest mit Beiwohnung des ganzen Hofes und der churfürstlichen Jägerei bis 1777 gewöhnlich zu Fürstenried gefeiert. Unter Churfürst Maximilian III. wurde 1760 die große Hubertijagd am 7. November und die kleine am 13. gehalten. Zu letzterer waren 28 Damen geladen. König Maximilian II. begeht den Hubertustag ebenfalls jährlich mit einer Gemsjagd und wird dann bei der Tafel des hohen Jagdpatrons in einem fröhlichen Trinkspruch mit gebührenden Ehren erwähnt. Das Gemsgejaid hat der Herr, da er noch auf Erden wandelte, wohl nicht gekannt, es gefällt ihm aber vielleicht um so besser, als es dem Himmel näher ist, denn irgend ein anderes. Einen Hubertusjägerorden in Böhmen stiftete der Reichsgraf Franz Anton von Spork und bei Gelegenheit einer Jagd 1723 geruhte Kaiser Karl VI. diesen Orden anzunehmen. Einen »Orden des güldenen Hirsches« stiftete 1672 der letzte polnische Piast Herzog Georg Wilhelm zu Brieg (im Breslau'schen); der Landgraf Ludwig VIII. von Hessen-Darmstadt ließ um die Mitte des vorigen Jahrhunderts Hirschdukaten schlagen mit dem Spruche »durch den Dukaten ward ich verrathen« und mit dem Bild eines Hirsches, und so geschah mancherlei zu dessen Ehren, wie auch die Wehrhaftmachung mit dem Hirschfänger feierlich stattfand und dabei der Spruch gebraucht wurde:     Jo! hoch o ho! Hier hast du nun deine Wehr;     Die brauch zu Gottes Ehr Zu Lieb und Nutz des Nächsten dein,     Halt' dich ehrlich treu und fein, Wehr' dich damit deiner Feinde;     Doch unnütze Händel meide. Gürt' deine Lenden wie ein Mann,     Der sein Horn recht blasen kann. Nunmehr hast du deine Freiheit;     Es gehe dir wohl allezeit!« – Kein Wunder, daß der Hirsch auch ein Gegenstand der Poesie wurde. Seltsam klingt ein arabisches Gedicht, welches von ihm sagt: Im Tumult ist er ein Orkan Und fliegt wie ein Vogel himmelan, Hinauf, schnell wie das Gebet einer unterdrückten Welt, Hinab, jäh, wie das Loos vom Himmel fällt. Doch ist er auch störriger Natur Und durchstreift wie Feuer die Flur, Sein Ansehn ist das eines Thoren, Immer in Gedanken verloren, Ist beschaulichen Männern drum wohl bekannt Und wird der Gaul der Einsiedler genannt. Anderer Art sind die einfachen deutschen Waidsprüche , welche bis ins dreizehnte Jahrhundert zu verfolgen, auch schon zur Zeit von Friedrich Barbarossa angeführt werden und erst zu Anfang des vorigen Jahrhunderts allmählig abgekommen sind. Da erscholl der Weckruf durch den grauenden Morgen: Wohl auf Ihr Fürsten und Herrn, Ritter und Knecht Und alle schöne Jungfrauen, Laßt uns heut' den edlen Hirsch anschauen; Wohl auf all meine gute Gesellen Die heut mit auf die Jagd wellen Die schicken sich bald Daß der liebe Gott walt! Wohl auf heint wohl jägerlich, habt Fleis Ihr Waidleut, bis daß der Hirsch auf der Seiten leit Ritterlich, Der liechte Tag scheint über dich! Wohlauf, wohlauf Roß und Trat (alles tretende Vieh) Daß uns heut der berat, Der uns all erschaffen hat! Wohlauf, wohlauf in des Namen, Der beschuf die Wilden und Zahmen! Dann spricht der Jäger seinen Leithund an: Gesell, Gesell, wohl hin mit Lust und Freuden, Herrn und Frauen zu lieb, auch uns beiden! Hin hin frisch ritterlich Der helle Tag scheint über dich! Ho ho, ho ho, trauter Gesell, hin, hin! Führt dann der Jäger den Herrn auf die Fährte, die er verbrochen (mit einem Eich- oder Tannenreis bezeichnet, wobei der Ast mit dem abgebrochenen Theil nach der Richtung gelegt wird wo die Fährte hingeht), so spricht er wieder mit dem Hunde: Wohlan, wohlan, hin zu jener Buchen, Wollen wir den edlen Hirsch heut thun suchen. Wohlan, wohlan, hin zu jener Linden, Da wollen wir den edlen Hirsch heut finden. Wohlan, wohlan, hin zu jener Eichen, Wart, wo findest du heut des edlen Hirsches Zeichen! Wenn die Jäger von der Vorsuch zusammenkommen, ist die Ansprache: Mein lieber Waidmann sag mir an, Was hast du mit deinem Hund wechselnd vernommen, Wo die Hirsch von meinem Zug sind hinkommen? Antwort: Jo ho, mein lieber Waidmann, Es gingen meinem Hund zehn Hirsche wechselnd an, Drei sind heraus und sieben drüben, Diese sind in unserm Jagen blieben. Beim Zeugstellen: Auf auf mit Waidmanns Heil Jagdzeugmeister und Zeugknecht, Richtet das Zeug hinter mir her auf meinem Zuge recht, Unsern Fürsten zur hohen Freude Und dem edlen Hirschen zu Leide. Beim Anjagen und wenn der Hund scharf anzieht und der Jäger merkt, daß sie dem Hirsch nahe kommen: Es wird schier Zeit, hin hin, Gesell es wird schier Zeit. Da kommt der edel Hirsch einher. Nun geht es nach mit den Hunden, die Hörner erschallen und so oft der Hirsch gesehen wird wieder die Waidrufe: Da fleucht der edel Hirsch über den Weg, Daß Gott meines schönen Buhlen heut pfleg'! Da lauft der edel Hirsch Wasser und Grund, Mich freut meines Buhlen rother Mund! Da fleucht der edel Hirsch durch den Thau, Wie gern ich meinen Buhlen anschau! Da lauft der edel Hirsch über die Heid, Gott grüß mein schön Buhlen in ihrem weißen Kleid. Da lauft der edel Hirsch und macht ein Gewend, Ich wollt, ich hätt' meinen schönen Buhlen bei der Händ! Da lauft der edel Hirsch über diese Heide Den Hunden zu lieb, ihm selbst zu Leide. Nun kommen Fragen und Rufe, wohin die Hunde gejagt: Ho ho, mein lieber Waidmann, hast du nicht vernommen, Wo meine hochlautende Jagdhunde sind hinkommen? »Ho ho ho, mein lieber Waidmann, Ich höre jetzt zu dieser Stund Weder Jäger noch hochlautenden Jagdhund.« Ho ho, mein lieber Waidmann, kannst du mir nicht sagen: Ob du meine hochlautende Jagdhund hast sehen oder hören jagen? »Jo ho ho, mein lieber Waidmann, Woit gut in jenem Thal, Sie haben den rechten Anfall Das sag ich dir frei, Es waren der Hunde drei, Der eine der war weiß, weiß, weiß, Der jagte den edeln Hirsch mit allem Fleiß, Der andere der war fahl, fahl, fahl, Der jagte den edlen Hirsch über Berg und Thal, Der dritte der war roth, roth, roth, Der jagte den edlen Hirsch bis auf den Tod. Wenn der Hirsch gefangen und den Leithunden, ehe man ihnen zu genießen gibt, das ausgeschlagene Geweih vorgehalten wird: Söllmann, Söllmann, mein lieber Söllmann, Dieß ist der edle Hirsch, so dir heut gangen an, Da er zog her mit seiner prächtigen Kron und gespaltenen Schal, Dem hast du mein Gesellmann recht gethan, Habe Dank überall, habe Dank, mein Söllmann, du hast Recht. Und nun ging es an's Essen und Trinken auf grünem Rasen unter schattigen Bäumen mit mancherlei Kurzweil und Freudenspiel und war dabei herkömmlich und besonders empfohlen, von den schönen Frauen und Jungfrauen in der Gegend zu sprechen und ihre Schönheit und Holdseligkeit »stuckweis« zu beschreiben und zu zergliedern. Daneben fanden mancherlei Reimfragen und Antworten statt, welche die Waidmannswissenschaft betrafen oder Witz und Scharfsinn darthun sollten. Dergleichen waren: Jo ho ho, mein lieber Waidmann, frisch und fein, Wenn mag der edle Hirsch am niedrigsten und am höchsten seyn? »Jo ho ho, mein lieber Waidmann, Das sag' ich dir an: Am niedrigsten ist er im März, So er abgeworfen und kein Gehörne trägt, Am höchsten im Juni, so er aufgesetzt, völlig vereckt Und eh er schlägt, so dünket mich eben, Daß das Gehörn seine Höh' und Niedrigkeit thut geben.« Lieber Waidmann, sag' mir hübsch und fein: Was bringt den edeln Hirsch von Feld gen Holz hinein? »Der helle lichte Tag und der helle Morgenschein Bringt den edlen Hirsch vom Feld gen Holz hinein.« Lieber Jäger jung, thu mir kund, Was macht den edeln Hirsch wund Und den Jäger gesund? »Der Jäger und sein Leithund Machen den edeln Hirsch wund Und eine schöne Jungfrau macht den Jäger gesund.« Sag mir an mein lieber Waidmann: Was macht den Wald weiß, Was macht den Wolf greis, Was macht den See breit, Woher kommt alle Klugheit? »Das will ich dir wohl sagen schon: Das Alter macht den Wolf greis, Der Schnee macht den Wald weiß, Und das Wasser den See breit, Von schönen Jungfräulein kommt alle Klugheit.« Waidmann, lieber Waidmann, sag mir an: Was ist weißer dann der Schnee, Was ist grüner dann der Klee, Schwärzer dann der Rab Und klüger dann der Jägerknab? »Das kann ich dir wohl sagen: Der Tag ist weißer als der Schnee, Die Saat grüner als der Klee, Die Nacht schwärzer als der Rab, Schöne Mägdlein klüger als der Jägerknab.« Waidmann, lieber Waidmann hübsch und fein, Sage mir. wann mag der Hirsch am besten gesund seyn? »Das kann ich dir wohl sagen für: Wenn die Jäger sitzen und trinken Bier und Wein, Pflegt der Hirsch am allergesündsten zu seyn.« So wurde es überall in den alten Zeiten gehalten und mag wohl ein lustiges Leben gewesen seyn für einen jungen Jäger, Hirsche zu jagen wie man sie von gleicher Stärke an Leib und Geweihen nicht leicht mehr sieht und dabei ein schmuckes Sprüchlein in den Wald zu rufen, welches der Liebsten gedenkt mitten im Getümmel des wilden Treibens. Das Jagdleben bewegte sich damals ungleich poetischer als in unserer Zeit, wenn diese auch an wohlpolirter Poesie auf dem Papier überaus reich ist. So war es auch bei uns in Bayern, wie die vorkommenden Worte »heunt« für heute und »woit« für »woitern, woltern,« in der Bedeutung »genugsam« darthun. Bei den alten Jagden wurden, außer Birsch Man schreibt auch pirschen und pürschen, im Mittelalter birsen ( birsare ) und bersen; letzteres soll aus dem isländischen von bersar stammen, welches verfolgen und Fällen wilder Thiere mit dem Jagdspieß bedeutet. Im vorigen Jahrhundert kommt auch oft vor, daß man das Fällen des Wildes durch einen Schuß selbst im eingestellten Jagen »bürschen« nannte. und Anstand, das Wild in Netze gejagt, die von ihren Tragstangen niederfielen, und ihm, wenn es darin verwickelt war, der Fang gegeben, oder es wurde angeschossenes Wild zu Roß mit Hunden gehetzt, und wenn es diese gestellt hatten, abgefangen, auch während des Hetzens geschossen, wie es im Theuerdank heißt, daß dem Kaiser Maximilian beim Reiten im Jagen einigemale die Armbrust losgegangen, daß er sich fast erschossen hätte; oder es wurde ein eingestelltes Jagen angerichtet. In den ältesten Zeiten wurden in Deutschland auch zahme Hirsche, sowohl zur Hirsch- als zur Schweinsjagd gebraucht. Die Salischen, Ripuarischen, Alemannischen und Longobardischen Gesetze bestimmen für das Stehlen oder Tödten eines solchen Hirsches mancherlei Strafen und mußte oft neunfacher Ersatz geleistet werden, auch gezähmte Thiere (Hirschkühe) wurden ähnlich gebraucht. Sie waren durch bestimmte Zeichen kenntlich gemacht ( si quis cervum domesticum signum habentem etc. ). Nach der gewöhnlichen Ansicht wären solche zahme Hirsche gleich dem Schießpferde beim Anbirschen gebraucht worden oder hätten in der Brunftzeit gedient durch Schreien andere Hirsche herbeizulocken; nach einer freundlichen Mittheilung des Herrn Oberforstraths Pfeil war es aber so, daß dergleichen Wild in Einfriedungen (Hagen) großgezogen und gefüttert wurde, und von da durch angebrachte Ausgänge wie das Wild eines Parks in den freien Wald gelangen konnte. Von da kehrte es dann zur Futterzeit regelmäßig an den gewohnten Platz zurück und gesellten sich, besonders in der Brunstzeit, fremde Hirsche dazu (auch Sauen folgten) und der passende Jäger erlegte dann die Gäste. Diese Ansicht hat alle Wahrscheinlichkeit für sich, denn in großen Parken, wo mehrere Futterplätze, kommt Aehnliches vor, daß nämlich das gewöhnlich sich einfindende Wild von Zeit zu Zeit fremde Gäste mitbringt. Die Hetzjagd auf den Hirsch ist vorzüglich in Frankreich ausgebildet worden und daraus die bekannte Parforcejagd entstanden. Gewöhnlich wurde das Wort »hetzen« nicht für diese Jagd gebraucht, sondern das Wort »forciren.« Der Vorgang bei der Parforcejagd war kurz folgender: Nachdem der Hirsch durch den Leithund bestätigt war, wurden theils berittene Jäger, theils solche zu Fuß mit Hunden auf die sogenannten Fürlagen, Relais, vertheilt, d. h. an Orte, welche der Hirsch passiren mußte. Auf einer solchen Fürlage waren 20 bis 30 Hunde. Der Jagdherr und sein Gefolge begaben sich alsdann zu Roß an den Standort des Hirsches und vertheilten sich so, daß der ausgesprengte Hirsch von dem einen oder andern gesehen werden mußte. Darauf wurde der Hirsch von der Jägerei mit den Leithunden aufgesucht und angejagt. Sowie dieses geschehen war, ging die eigentliche Jagd mit der Meute, die manchmal bis 100 und mehr Hunde zählte, an, dann wenn der Hirsch auf die Fürlagen kam, mit den dort aufgestellten Hunden weiter und mit Reiten und Laufen, mit Waidgeschrei und Hornruf, durch Wald und Feld gings dahin oft bis in die Nacht hinein. Die Piqueurs leiteten die Jagd, die Hunde wurden öfters zum Halten gebracht, theils um andere nachkommen zu lassen oder wenn sie die Fährte verloren hatten. Man nannte das stopfen (das engl. stop ). So oft der Hirsch erblickt wurde, erschallte der Ruf »Tajo«. Zur Jagd wurden gewöhnlich ebene Holzgrunde gewählt und Durchschläge zum Reiten und Beobachten des Hirsches angebracht. Es versteht sich, daß man des Wechselns wegen vieler Pferde bedurfte und bei größeren Jagden stieg ihre Zahl mit den für die Damen und Küchenwagen \&c. auf 150 bis 200. Den meisten Jägern galt dieses Waidwerk mehr als die concurrirende Baize, wovon unter anderen ein Gedicht von Gasse de la Bigne von 1359 Zeugniß giebt, denn, heißt es, wer einmal das Geläute der Hunde gehört hat, wird sich wohl schwerlich ein anderes Paradies wünschen, und der Ton eines Hifthorns übertrifft auch gewiß die Musik der Engel. Der Hirsch machte häufig Wiedergänge, schwamm lange Strecken in einem Fluß hinab, gesellte sich zu andern Hirschen und war oft schwer, ihn auszumachen, aber endlich mußte er doch der Meute erliegen. Viele Hirsche wurden, besonders bei den spätern Parforcejagden, geradezu todt gejagt und waren die Hunde abgerichtet, den Hirsch nicht anzufallen, sondern nur zu treiben, damit die Jagd länger dauere. Geschah es aber, wie das oft der Fall war, daß sich der Hirsch vor den Hunden stellte, so birschte sich ein Jäger an und gab ihm den Fang mit dem Hirschfänger, oder er erhielt einen Schuß auf den Kopf. Es geschah dieses meistens in Gegenwart der ganzen Jägerei und wurde das Halali ( ha la lit ) dabei geblasen:         »Nun waren auch die Jäger kommen, Umringten ihn mit Lärm und Schall Zum Absang blasend mit lautem Hall.« ( Tristan und Isolde. Um 1220. ) Um dem Jagdherrn die Ehre des Abfangens oder Fällens zu lassen, wurden die Hunde oft zurückgehalten, wenn der Hirsch nicht mehr weiter konnte, und der Fürstenruf geblasen. Das Abfangen mit dem Hirschfänger war zuweilen sehr gefährlich und viel gefährlicher als bei der Schweinsjagd. Drum hieß es auch »dem Hirsch die Bar, dem Schwein der Balbirer.« Im Altfranzöschen heißt es bei Gaston Phöbus: apres le sanglier le mire et apres le cerf la biere (mire-medecin). Gaston de Foix, genannt Phöbus, zur Zeit Karls VI. von Frankreich, ein Prinz, der 1348 die Tochter Philipps III., Königs von Navarra heirathete und 1391 zu Orthez starb. Daher wurden oft dem gestellten Hirsch die Sehnen am Sprunggelenk der hintern Läufe ( die Hessen ) abgehauen, um ihn wehrlos zu machen. War der Hirsch gefällt, so wurde ihm der rechte Vorderlauf abgelöst und dem Jagdherrn als Ehrengabe überreicht. Dann folgte das Curée-Machen, schon bei Gaston de Foix (Phöbus, † 1391) unter diesem Namen erwähnt, welches darin bestand, daß man über den zerwirkten und klein zerlegten Hirsch die Decke mit dem Kopf und Geweih legte, dann die Hunde in die Nähe brachte, ihnen den Kopf zeigte und mit raschem Wegziehen der Decke den Hirsch preisgab. Auch gab man ihnen das Gescheide, Milz \&c. mit dem Schweiß zum »Genieß«, oder wie die deutschen Jäger sagten, die Hunde wurden »gepfneischt.« Illustrationen zur älteren Parforcejagd finden sich bei Fouilloux »La Venerie« übersetzt von Bernhart Jobin unter dem Titel »Neu Jägerbuch« 1590, die spätere hat El. Ridinger (1756) auf vierzehn großen Kupfertafeln vortrefflich in al1en ihren Momenten dargestellt; in Immermanns»Tristan und Isolde« ist ein farbiges poetisches Bild davon gegeben (im Tristan von Gottfried von Straßburg ist die Erzählung weniger gelungen); auch das Gedicht »La chasse du Grand Seneschal de Normandye« aus dem 15. Jahrhundert gibt ein lebendiges Bild. Mehuls bekannte Jagdsymphonie hat als Tongemälde nicht ihres gleichen. Diese Jagd forderte zur Zeit ihrer Blüthe an Studien und Uebung des Jägers weit mehr, als irgend eine andere Jagd. Es galt nicht nur einen jagdbaren Hirsch sicher anzusprechen und zu bestättigen, sondern beim Jagen auch immer an demselben zu bleiben, zu erkennen, ob die Hunde die rechte Fährte halten, oder ob sie die eines anderen Hirsches, dem die Jagd nicht vermeint war, angefallen. Das Einüben der Hunde war eine Hauptarbeit des Jägers, die Zeit dazu, welche man » Behängenszeit « nannte, war im Mai und Juni. Da wurde der Leithund In den bojarischen Gesetzen im siebten Jahrhundert kommt Spurihunt vor, womit der Leithund oder auch der Schweißhund gemeint war, denn es heißt, daß er am Seil geführt, die Fährte halte. am Hängeseil unter fleißigem und fröhlichem Zuspruch an die Waldsäume zum Aufsuchen der Fährten geführt und mußte allmählig dahin gebracht werden, eine bestimmte Fährte zu halten. Daß der Jäger diese genau kennen mußte, Vergleiche »Der Fährtegerechte Jäger« von Cl. Louis. Aschaffenburg 1853 und desselben Gypsabgüsse der Fährten. versteht sich von selbst, bei der Jagd aber auf wechselndem Boden ohne Fehler durchzukommen, war eine schwierige Aufgabe. Die alten Jäger hatten 72 Kennzeichen des Hirsches. Winkell hat die Zahl umgekehrt und hält 27 für ausreichend. Davon sind die wichtigsten, die schon ein alter Waidspruch nennt: Ho ho ho, mein lieber Waidmann, unveracht, Sag' mir an: was hast du vor sieben Hauptzeichen betracht? »Jo ho ho, mein lieber Waidmann rund, Den Zwang und Ballen thu' ich dir kund, Woraus der Burgstall klar sich findet, Der Abtritt (des Grases), dessen Grüne oder Welke sich damit verbindet, Der Schrank und der Schritt, Die Oberrücken mit, Hiedurch bei schnellem Fliehen, Als auch bei sachtem Ziehen Kann ich den edlen Hirsch erkennen Und auch nach seiner Güte nennen. Der Zwang oder das Zwängen entsteht dadurch, daß der Hirsch die im Tritte zusammengepreßte Erde zum Theil mit den Schalen fest an sich und rückwärts zieht. Dadurch schließen die Spitzen der Schalen fest aneinander, welches beim Thier nicht der Fall ist. Die Ballen sind größer als beim Thier und tiefer eingedrückt. Burgstall . So heißt die Wölbung innerhalb der Hirschfährte, die beim Thier viel weniger ausgesprochen. Diese Wölbung, nach der Länge ausgedehnt, ist auf thonigem Boden sehr deutlich zu sehen. Der Schrank oder das Schränken besteht darin, daß die Tritte des rechten und linken Laufes nie in gerader Linie hinter einander kommen, sondern im Zickzack neben einander wie die nachfolgenden Punkte . · . · . · . · . Die Größe des Schranks wird durch die Entfernung der beiden geraden Linien von einander gemessen, welche durch die links und rechts liegenden Fährten gezogen werden können. Schritt heißt die Entfernung einer Fährte von der nächsten. Ist der Schritt 2½ Schuh weit, so kann der Hirsch für einen Zehnender angesprochen werden. Bei Fouilloux (Jobin) heißt es von dem Gang des Hirsches: »gehet geschrenkt wie ein voller Bawer, als wenn jr zween weren, das Wild aber geht schlechtlich.« Oberrücken . Die Oberrücken oder Afterklauen (Geäfter) drückt der Hirsch in gutem Boden fast daumendick ein, beim Thier ist der Eindruck spitz und schmal. Ein alter Waidspruch sagt ferner von den Kennzeichen des Hirsches: Sag' an mein lieber Waidmann Was hat der edle Hirsch unten und oben gethan? »Er hat unten geblendt und oben gewendt, Dabei hat ihn der Jäger erkennt.« Beim Blenden tritt der Hirsch mit der hintern Schale in die vordere Fährte, so daß diese dadurch etwas länger und breiter wird. Man kann damit getäuscht werden, einen geringen Hirsch für einen starken anzusprechen. Das Wenden heißt auch Himmelszeichen . Beim Durchziehen durch junges Laubholz wendet der Hirsch mit dem Geweih Blätter und knickt feine Aestchen. Es sind weiter noch zu bemerken das Fädlein , ist der dünne Erdstreifen, der sich durch den Zwang der Schalen in die Höhe drückt, beim Thier ist er breiter als beim Hirsch. Das Insiegel , hohe Insiegel. Dieses Zeichen besteht in dem durch die Schalen auf thonigem Boden gerissenen Klumpen. Das Schlagen und Fegen , auch Himmelsspur genannt, ist ein untrügliches Zeichen des Hirsches. Der Hirsch wählt sich dazu junge Bäume und schlägt mit dem Geweih daran die Rinde ab. Je stärker der Hirsch, an desto stärkeren Holzstangen fegt er und desto höher hinauf sieht man die Rinde geschunden. Die Losung , das Gloß, erfordert ein besonderes Studium, da sie zu verschiedenen Jahreszeiten verschieden geformt erscheint. Die alten Jäger mußten die Losung nach Hause bringen und wurde dieselbe dem fürstlichen Jagdherrn als ein Zeichen des bestätigten Hirsches präsentirt. Wie dabei die Anzeige geschehen soll, gibt B. Jobin an: Vom Herren mein anzeig zu thun hinein ich tritt, Mit vorgehender Reverentz so ist mein bitt, Daß jedermann schweig, und leg auff den tisch als stoltz, Das gloß auf grünen blettern bring auß dem g'holtz, Sprich gnedigster Herr ein Hirsch von zehen enden, Welchen ich bestetet, vnd gewiß weiß zu finden, Sein gloß ist lenglecht dick schleimig vnd eckecht, Zeigt an das Wildpret vnd ist dabei auch safftecht, Da dann sein Gnad auch ferners sollt befragen; Was vnd welcher Gestalt der Hirsch sein Gehirn thut tragen, Antwort dann fluck auff der vorsuch gnedigster Herr, Mein Laithund verfieng die fart eines Hirsch von ferr, Faßt ihn kurtz, alßbald vnd folgt jhm strack nach, Den Hirsch fand ich auff dem geäß vnd war mir gach, Sein Ghirn ist wie eine offne Hand vnd war mir wirsch, Nach ihm, war braun vnd ein zehen endiger Hirsch, Die Stang dick rund vnd groß bey dem Kopff vnden, Sehr rauch Perlen gleich, braun breit vnd wol erzogen, Nach dem ich dann diß gut Zeichen bfand gab acht, Im ab vnd wider zug sein zugang wol betracht, Im Heimgang zum stand, nam für mich sein vorfart, Umbzog, fürschlug kraißt ein fürgriff mein Hund riß hart. Fiel in die Fährt verfieng sehr wol zog ab von Holtz, Merkt den Stand verprach nider hoch fand Hirsch groß stoltz, Der mein allein blieb in seinem stand (fragt er dan Wie die fart beschaffen, so sag vnd lieg (lüg) nichts dran) Er hab die fast lang vnd stark vnd auch die ballen, Groß breit den Klawen gesperrt darzu hole schalen, Mutig, keck auffrecht, sey noch kurzkegelt darzu, Der Hirsch laufft wol, macht Hund vnd Jäger groß vnruh. – Man sieht mit welchem Fleiß das Bestätigen des Hirsches vorgenommen wurde. Auch den Jägerinnen jener Zeit wurden die Hirschlosungen zur Augenweide vorgelegt, wie ein Gedicht aus dem 15. Jahrhundert, La chasse du Seneschal de Normandye, Le livre de la chasse du Grand Seneschal de Normandye et les Ditz du bon chien Souillard, publié par le Baron Jérôme Pichon. A Paris. chez Auguste Aubry. 1858. besagt, wo der Seneschal der gefeyerten Anna von Beaujeu die Losung eines Achtzehnenders präsentirt. Es heißt (z. Thl. sehr naiv): »Quant je vins pour mon rapport faire La trouvay à table assise, Lors me vit et fit chacun taire, Car désir de chasser l'atise; Des fumées (Losungen) eut en maintes guises Sur la table et de lieux divers – – En la saluant humblement Mes fumées lui presentay: Elle me respond doulcement: Et à vous! dont me contentay.« Wie der Leithund, mußte auch der Schweißhund gezogen und geübt werden, er heißt im 15. Jahrhundert oft Bluthund, Pluthund . Mit den Wind- und Parforce-Hunden war es ähnlich und mußten diese vorzüglich auf die Hornrufe exercirt und geeignete Jagden mit ihnen angestellt werden. Auf gute Hunde wurde natürlich Alles gehalten, man ließ sie weither um theures Geld kommen, sie bildeten den Gegenstand werthvoller Geschenke der Fürsten und ihre Unterhaltung und Beaufsichtigung kostete große Summen. Berühmt waren in Frankreich zu Ende des 13. bis in's 16. Jahrhundert die sogenannten grauen Hunde und die Abkömmlinge des Hundes Souillard oder die Hunde der weißen Race, Baulx Auch baulds geschrieben. Soll vom italienischen boldo, kühn, stolz, herkommen. Greffiers hießen sie, weil die Stammhündin der Race einem Kanzellisten Ludwigs XII. angehört hatte. In einer Uebersetzung von Fouilloux von 1590 heißt es: »Sanct Hubert von Gottesforcht, Souillard sein Hund ihm wohl gehorcht, Aller guten Hund Vater ist Wol gearbait zu aller frist.« oder Greffiers genannt, dann die alten schwarzen Hunde der Abtei St. Hubert in den Ardennen; in Deutschland später die englischen Hunde. Die genannten grauen Hunde waren von Ludwig dem Heiligen aus dem Orient von seinem ersten Kreuzzug mitgebracht worden (um 1254). Es wurde von ihnen behauptet, daß sie niemals von der sogenannten Wuth befallen würden, im gewöhnlichen Sinne des Wortes waren sie aber die wüthendsten Hetzer und auf der Hirschjagd glich eine Meute derselben einem Rudel rasender Wölfe. Es existiren mehrere französische Gedichte, Le Livre de la chasse du Grand Seneschal etc. welche ausgezeichnete Hunde Ludwigs XI. und Ludwigs XII. besingen. So von den Hunden Soulliart, Basque und Bon Relay, die alle selbstredend eingeführt sind und ihre guten Eigenschaften und Thaten hervorheben, auch den Wunsch aussprechen, Gott möge ihren Herrn das Paradies verleihen. Unter anderem äußert Relay daß Ludwig XII. selbst dessen Biographie geschrieben Car ma vie est par lui escrite et redigée, Dont ma race à jamais luy demeure obligée. Courage aussi donnoit à mes posterieurs D'estre bons comme moy, ou estre encore meilleurs.« Am Schlusse heißt es in Beziehung auf den König »Digne estoit d'un tel chien, moy heureux d'un tel maistre!« Die Hunde der weißen Race standen in Ansehen bis in's 17. Jahrhundert und Robert de Salnove, der unter Ludwig XIII. jagte, erzählt wie diese Hunde den angejagten Hirsch vier und fünf Stunden jagten und denselben unter fünf- bis sechshundert andern Hirschen, unter welche er sich nach und nach während der Jagd mischte, immer wieder herausfanden und nicht nachließen, selbst wenn die Jäger sie irrigerweise von der Fährte, die sie verfolgten, abbringen wollten. Gaston de Foix hatte eine Meute von 14–16 Hundert Hunden, die deutschen Parforce-Jagden waren nicht so übertrieben ausgestattet, Döbel führt 460 Hunde der Anhalt Dessau'schen Jagd an und 155 der königlich polnischen und churfürstlich sächsischen Jagd. Mit der besprochenen Jagd kam auch die französische Ansprache der Hunde nach Deutschland herüber und dem braven Döbel wie anderen Jägern des Landes zum Aerger mußte nun ein modischer Besuchsknecht statt »recht so, Gesellmann« ein mechanisch eingelerntes »Ami, tu dis vrai« sagen und erklangen die deutschen Wälder vom ungewohnten Kauderwelsch. Französische Piqueurs, die man kommen ließ, machten sich wichtig mit ihrer Jägerei und führten das Wort, die Hornrufe wurden französisch benannt, Lancé, Vue, Retour etc. die Namen der Hunde waren französisch \&c. Hier einige solcher üblichen Namen: Aimable, Amant, Ami, Charmante, Flottante, Humaine, Coquette, Brunette, Blondine, Comte, Comtesse, Duc, Duchesse, Marquis, Marquise, Lady, Madame \&c. Auch aus der Mythologie wurden sie oft genommen: Apollo, Jupiter, Diana, Mars, Pluto \&c. Namen der Jagdhunde in Frankreich im dreizehnten Jahrhundert waren: Brisegaus, Frisaus, Liépart, Tisson, Cortin, Hector, Cloëte, Brachine, Violette, Fauve, Gete-rose, Primevaire, Pinçonete etc. ; die Namen ausgezeichneter Nachkommen des berühmten Hundes Souillard im Besitz der Anna von Beaujeu (um 1470) waren; Cleraut, Jombard, Miraud, Meigret, Marteau und Hoise de la bonne Lyce. Die altdeutschen Namen der Leithunde waren: Söllmann (Gesellmann) und Heila (Hela), auch Weckauf, Klopfan, Sultan  \&c. kommen vor. Schon Ludwig XI. wird als großer Parforcejäger genannt und unter Karl VI. († 1419) glänzte der Graf Gaston de Foix, der unter dem Namen Phebus (Phöbus) über die Jagd und besonders über die Parforcejagd schrieb, als einer der berühmtesten Jäger seiner Zeit. Er preist diese Jagd, die dem Jäger zum Himmel verhelfe, denn wenn er den gehetzten Hirsch erblicke, und die jagenden Hunde, wenn er schreie und in's Horn stoße aus Leibeskräften, so denke er an keine Sünde und nichts Böses – et puit quat tous ses chiens serot devat il se mettra a chevaucher sur la meute apres ses chiens et huera et cornera de la plus forte et grat alaine quil ne pense a nul autre peche ne mal. Franz I. († 1547), Heinrich II. († 1559) und dessen berühmte und berüchtigte Gemahlin Katharina von Medicis huldigten der Parforcejagd und letztere ritt auf einem Männersattel mit, ohngeachtet sie mehrmals abgeworfen wurde. Die sogenannte petite bande des dames, eine auserwählte Schaar schöner junger Damen an dem lüderlichen Hofe des Königs fand sich auch bei diesen Jagden ein. (Brantome). Wie Katharina jagte auch Maria von Medicis mit ihren Damen zu Fontainebleau und hatte 4–500 Edelleute dabei im Gefolge. Karl IX., Katharinas Sohn, schrieb ein berühmt gewordenes Werk über die Hirschjagd: »La chasse royale,« zuerst publicirt 1625 (neue Ausgabe von Henri Chevreul, Paris 1857) worin er namentlich die Angaben des Aristoteles einer Prüfung und Kritik unterwirft. Von ihm wird in einem Gedichte von François d'Amboise gerühmt, daß er einen Hirsch ohne Hunde forcirt und erlegt habe. Heinrich IV. († 1610) forcirte oft an einem Tage 5–6 Hirsche. Die Liebe des Franzosen zu Glanz und Luxus zeigte sich auch hier, denn Ludwig XIV. hielt 1671 zu Chantilly eine Parforcejagd bei der Nacht, wo der Wald von Lampen und Fackeln erhellt war und in dem Glanz ebenfalls schöne Damen funkelten, ein Fest, welches ein Prinz von Condé später ebenda in ähnlicher Weise wiederholte. Interessant sind aus jener Zeit die Briefe der churpfälzischen Prinzessin Elisabeth Charlotte, Herausgegeben von Wolfgang Menzel. Herzogin von Orleans, an die Raugräfin Louise zu Pfalz. Die Prinzessin war eine eifrige Jägerin. Sie schreibt von Marly 1709 – Ist es möglich, daß Ihr liebe Louise nie Keine parforce jat gesehen habt, Ich habe gewiß mehr alß tausendt hirsch fangen sehen, habe auch manchen braffen fall Im jagen gethan, In 26 mahl daß Ich gefallen bin, habe ich mich Nur Ein Eintzig mahl wehe gethan. 1710 schreibt sie ebenfalls von Marly – – wie wir alle die st hubert celebrirten undt schon Einen hirsch gefangen hatten, undt den andern renten, sehe Ich Einen daher renen der stürzt mitt dem pferde, Ich meinte Erst Es were Ein piqueur sahe wohl daß Er sehr blessirt war, den er hatte Mühe auffzustehen wie Man Ihm auffhilfft undt Ich Ihn ins gesicht sehe war Es mein sohn denkt wie mir Zu Muht war Ich Nahm Ihn In Mein calesch  \&c. – Sie hat die Jagden theils zu Pferde theils in einer kleinen Calesche mitgemacht. Davon schreibt sie (Marly am 6. Mai 1702) – Kame Ich Eben Von der jagt mitt I. M. dem König, die jacht war perfect schön, der König hat kleine Calesche und kleine pferdtger, die renen aber so stark daß man allzeit bei den hunden ist – die jagt wehrte Nur anderthalb stundte undt die hunde Ersoffen den hirsch allernegst hier bei in Einem weyer, Es war recht schön alle die Hunde mitt dem hirsch Ins wasser zu sehen alle die leutte magnifick gekleydt so drumb herumb wahren undt alle die jager so auff den jagts hörner sehr woll blaßen, Es war Ein recht specktackel. In einem Briefe von 1714 heißt es – Vergangen Donnerstag fung man Einen hirsch der Ein wenig böß war Ein Edelmann stieg auff den felßen hinter dem hirsch undt gab Ihm Einen hieb In den schenkel, da könnte Er den Kopff nicht mehr bücken war also ohne gefahr. hinter meiner Calesch war eine Calesch mitt 3 geistliche, der Ertzbischoff von Lyon undt 2 abte, welche das jagen nicht gewont sein die wie der hirsch sich Ihnen Nur wieß sprangen 2 auß der Calesch undt Versteckten sich hinter der Calesch plat auff dem boden Es ist mir leydt daß Ich dieße scene nicht gesehen habe, hette mich braff lachen machen den wir ander alten jäger scheuen die hirsche nicht so sehr .« Unter Ludwig XV. ereignete sich auf einer Parforcejagd am St. Hubertustag zu Rambouillet der seltene Fall, daß drei von verschiedenen Meuten gejagte Hirsche in einem Weiher, genannt l'etang de Hollande, zum Halali zusammenkamen, der eine von der Meute des Königs, ein zweiter von der des Fürsten von Conti und der dritte von der Meute des Fürsten d'Ombre. – Die Jäger in glänzenden Uniformen von den verschiedenen Farben ihrer Herrn, die Menge der Pferde und Hunde, die dreifach besetzten Fanfaren \&c., das ganze Schauspiel eines solchen Zusammentreffens muß wohl einzig in seiner Art gewesen sein. J. La Vallée. La Chasse à courre en France, pag. 304. Um die Zeit Ludwigs XIV. kam die französische Parforcejagd nach Deutschland Im weiß Kunig vom Anfang des 16. Jahrhundert heißt es übrigens schon vom Kaiser Maximilian, daß er von »Newem« das »fortz vnd parckgejagt« auf den Hirsch aufgebracht habe. und wurde in Hannover, Preußen, Sachsen, Bayern, Würtemberg, Hessen \&c. eingeführt. Sie dauerte bis zu Anfang des gegenwärtigen Jahrhunderts; 1811 hielt der Großherzog Karl August von Weimar noch eine Hirschparforcejagd. Gegenwärtig besteht zu Pardubitz in Böhmen eine Parforcejagd-Gesellschaft, welche sich 1840 constituirt hat und die Fürsten Trautmannsdorf, Auersperg, Taxis, Windischgrätz \&c. zu Mitgliedern zählt. Es wurden im Herbst 1857 – 24 Jagden gehalten um Nemoschitz, Kolodej, Sesemitz \&c., die letzte am 6. December. Diese soll ziemlich anstrengend gewesen seyn, der Hirsch ging fünfmal durch die Elbe und ward erst fünf Meilen von Pardubitz bei einbrechendem Dunkel gefangen. Hugo's Jagdzeitung. Die Jagdkleidung ist die englische mit dem rothen Rock. Zur Zeit des Gaston Phöbus war, wie man aus einer illustrirten Handschrift ersieht, die Jagdkleidung nicht uniform sondern namentlich in den Farben sehr verschieden, blau, roth, braun \&c. Im alten Glanze, wenigstens äußerlich und was das Ceremoniel betrifft, sind die Hirschparforcejagden in Frankreich in den kaiserlichen Parken wiederhergestellt. Vor der letzten Hälfte des 17. Jahrhunderts, wo man in Deutschland, wie oben gesagt wurde, auch Hetzjagden zu Pferde hielt und dabei die Jagdhörner gebrauchte, war das Todthetzen der französischen Parforcejagd ohne Schuß oder wie absichtlich geschah nur mit einem nicht tödtlichen, bloß damit die Hunde etwas Rothfährte hatten, nicht bekannt. Man nannte einen solchen Schuß einen Hetzschuß, mit welchem auch Hunde auf ihre Tüchtigkeit probirt wurden. Ein Bericht eines hessendarmstädtischen Jagdbeamten, welchen Landau mittheilt, giebt ein Bild, wie es noch um die Mitte des vorigen Jahrhunderts damit gehalten wurde. Dieser Bericht ist so charakteristisch, daß ich ihn ausführlich wiedergebe: »Ihre Hochfürstl. Durchl. zu Hessen-Darmstadt committirten mir, eine Raiße nacher Wien zu thun, alwo an Ihre Kayserl. Majestät, als auch Ihre Königliche Hoheit dem Prinz Carl und Ihr Durchl. dem Fürst Wensell von Lichtenstein, von unterschiedenen Sorten gute Hunde bringen mußte. Ich tratte hierzu, nachdem ich allhier von Smo. völlig expedirt worden, den 19. Juli 1748 meine Raiße mit einem Jungen, 9 Stück Hunde, und einem Pferde im Namen des Herrn an. Meine Raiße zu Land bis nacher Ulm ging glücklich von statten. In Ulm verkaufte mein Pferd und raisete zu Wasser, dem Höchsten seye gedanket, glücklich bis nacher Wien; des Morgens um 10 Uhr komme ich alda an, da es dann sogleich dem Fürsten Lichtenstein ohne mein Wissen gemeldet worden, so bekame sogleich die ordre, daß mich dahin verfügen solte. Es geschahe solches und es wurden, als ich meine Commission bei Hochdemselben abgelegt, alsobalden die Hunde nebst meiner ganßen equibagen in dessen Behausung gebracht. Dieser Herr hatte eine ungemeine Freyde darüber und raiseten alsbalden von da ab nacher Schönbrunn; sobalde es nun Ihro Majestät dem Kaiser gemeldet worden, so wurden sogleich ordre ausgestellt, mich nebst meinen Hunden abzuholen; punct 12 Uhr des Mittags kamen etl. Kutschen benebst denen ordre, ich solte sogleich mit allem was von lebhafften Creaturen bei mir hätte, auf Schönbrunn fahren, als nun vor dem Schloßhoff ausgestiegen, und ließ meine Hunde einen jeden apart hinter mir herführen ( NB. Hierzu wurden mir Leuthe gegeben) so stunden Ihre Majestät der Kaiser und viele hohe Personen auf der äusseren Gallery, und sahen mich von weitem kommen, als nun in die Nähe kamen, rufften Ihre Majestät selbsten mir gnädigst zu, ich sollte mit allen Hunden hienauff auf den Saal kommen; ich wurde sogleich zu Ihro Majestät dem Kayser geführet, da dann meine DCommission mit spanischen Complimenten abgelegt, so mußte einen Hund nach dem andern vor Hochdieselben führen, auch explication thun, kurtzum es war Hochdieselben über die Hunde dergestalt condentiret, daß Sie die allergnädigste expressionen darüber ausdrückten. Ich bekame demnach vor Hochdenenselben die gnädigste ordre, daß mich den anderen Tag alsobalden darauf schicken sollte, vor Ihre Majestät die Prob, sowohl mit denen Schweis Hunden als auch Saufinder zu machen; ob ich nun schond mir solches abbitten wolte, und zwar um deßwegen, weilen die Hunde von der Raiß noch ermüdet wären, so halff es nichts, den andern Tag mußte ich mit 2 Kutschen hinausfahren und zwar auf ein Forsthauß, alwo der Kayser die Hallstatt benennten. Es ware des Nachmittags um 3 Uhr und bin keine ½ Stunde dagewesen, da kamen alle Herrschafften, und wohl über 80 bis 90 Personen dahin, ich mußte sogleich zu Sr. Kaiserl. Majestät, alwo nochmahlen befragt worden, ob ich getraute die prob mit meinen Hunden so zu machen, wie ich gestern versicherte, ich antwortete ja, und ich wünschte mir hierzu nichts anders, als nur Gelegenheit; Se. Majestät setzten sich zu Pferd und mir wurde ebenfalls ein Pferd gebracht und mußte auf speciellen Befehl gleich hinter dem Kayser reiten. Es fragten mich Hochdieselben im Wegreiten, wie ich einen Hirsch zum Hetzen geschossen haben wollte, ich stellte Ihro Majestät solches in gnädigste disposition und erwähnte, weilen Ihro Majestät ein guter Jäger sind, so durffte mir solches nicht erstl. schoisiren . Als wir nun weiter kamen und eine weile verstrichen, so kamen Hirsch zum Vorschein, Ihro Majestät blieben auf dem Pferd sitzen und gaben dem Hirsch einen Hätz-Schuß; ob nun zwar schon I. M. der Kayser, als Sie solches sahen, sehr hitzig gewesen, so hatte meine Ehre hierbei zu retten, mir die Freyheit nehmen müssen und zu sprechen, es seye nicht Stili bei unß einen guten Schweis Hund auf den heisen Schweis zu hetzen, Sie nahmen solches gnädigst an, worüber denn eine weitläuffte explication thun muste; und weilen nun dabei gewahr wurde, daß der Fürst Auersperg Durchl. und Fürst Lichtenstein mir darüber zu blickten, so wurde dadurch versichert, daß es vor genehm gehalten wurde, Ihro Majestät beliebten mir auf die letzt zu sagen, und zwar mit dieser expression, diese ganße Jagd solte allein von mir depentiren, und Sie wollten von mir provitiren und wann die Hunde solten auf dem verwunten Hirsch gearbeitet werden, solte ich es nur sagen; I. M. ritten noch eine halbe Stunde herum und schussen ein Stück Wild, welches gleich liegen bliebe, da sie nun über den guten Schuß mit Verwunderung fertig gewesen, so tratte hinzu, und fragte unterthänigst an, ob Ihro Majestät gnädigst befehlen, die Schweis-Hunde zu probiren, weil es nun Zeit dazu seye. – Ich kann dabei versichern, daß es nun an dem ware, daß meine Ehre oder Schande in denen Wagschalen lagen, und mußte also gewärtiget seyn (absonderlich da es mit nichts anders, als mit unvernünftigen Creaturen herausbringen mußte) sowie solches ablaufen durfte, allein Gott Lob, es ginge gut von statten. Ich mußte voraus reiten, und alle hohe Herrschaften kamen dahin, wo der Hirsch angeschossen worden. Ich nehme meinen einen Schweis-Hund an den Hetzrühmen und ginge Hochdenenselben bis dahin entgägen, da dann sogleich von Ihro Majestät befohlen worden, alle Herrschaften alda halten zu bleiben, und Niemand vom Pferd abzusteigen, Hochdieselben bemühten sich mit mir zu Fuß zu gehen und Sie sprachen ferner zu mir, jetzo solte meinen Hund arbeiten, wie wir es zu Darmstadt tractiren und ich solte nicht thun, als wann I. M. bei mir wären; ich thate also und setzte den Hund auf die Fährt; mein Zuspruch gefiel dem Kayser ganz ungemein und Sie gingen mit mir allein bei dieser Arbeit über 1000 Schritt. Es kame nun endlich daß der angeschossene Hirsch völlig aufhörte zu schweisen, und konnte man nicht mehr, ohne einen rechten firmen Hund sähen, ob wir noch an dem kranken Hirsch wären. Als ich nun gewahr wurde daß I. M. wollten anfangen zweyfellhaft daran zu werden, so sprach dem Hund erstl. zu und darauf ließ ihn zeigen, sobalden der Kayser dieß gewahr wurde, so fragten Sie, was das seye, ich that meine kürtzliche Explication und sagte, es seye dieses die Versicherung, daß wir noch an dem geschossenen Hirsch wären, auch die Firmität von einem guten Hund; solches gefiele I. M. über die massen, Sie nahmen mir den Hund hierauf aus der Hand und arbeiteten solchen nach meiner Arth; als Sie nun den Hund unterschiedenemahl auch zeigen ließen, so funden Hochdieselben vor des Hundes Naas etliche Tropfen Schweis; dieses ware eine ungemeine Freude und der Hund wurde über 10mal von Hochdenselben gekupt. Unser nach Henken auf dem Schweis wurde über eine starke halbe Stunde, endlich hörete der Hirsch vor unß in dicken Rohr \&c. losbrechen. I. M. hörten selbsten und sprach ob S. M. den angeschossenen Hirsch wiederum Vortheil lassen wolten, damit wir solchen mit diesem Hund nocheinmal sprengen könnten oder ob Sie solchen hätzen wolten; es sprachen Hochdieselben, nein, dieser Hund hat Ehre genug an dem Rühmen gemacht und wann ich glaubte, daß er an dem verwundeten Hirsch anhielte, so wolte er ihn dran lassen, ich gabe darauf unterthänigst die Versicherung, daß der Hund nichts anders, als seinen verwundeten Hirsch jagen, auch daran halten würde. Hierauf ließen I. M. den Hund selbsten loos, und schrien Pferd her. Der Hund wurde alsobalden an dem Hirsch laut, und die ganze Suite jagten dem Hund nach. Ich machte mich mit dem Kayser voraus, und der Hund kam mit dem Hirsch bei dem Kayser vorbey und fiel in die Donau, der Hund hinter ihm drein, und ereilete solchen an dem im Wasser, der Hirsch trauete sich in völligen Strom um deßwillen nicht zu wagen, weilen solchem der Kayl entzwey geschossen ware, weßhalbe er eine kleine tour in dem Wasser macht, und stiege endlich an dem Uffer, alwo der Kayser gehalten, wiederum hinaus. Es liesen Hochdieselben den Hirsch mit allem Fleiß lauffen, um die prob recht mit dem Hund zu machen, weßhalben die Jagd wiederum anginge, und zwar so lang, bis der Hirsch vor dem Hund stehen mußte, da dann I. M. mit mir dahin ritten, und schussen dem Hirsch auf den Kopf. Es rufften und wuchseten (winkten) Hochdieselben denen übrigen von der Suite hefftig zu, und als sie beisammen gewesen, wurde von Hochdenenselben die Firmität und gute Arbeit dieses Hundes mit vielen Lobreden erzehlt; I. M. trugen den Hund selbst von dem todten Hirsch ab und es wurde derselbe von allen hohen Herrschaften admitiret . Als nun das weitere vorgenommen werden sollte, so mußte ich mit dem kleinen Saufinder herbey; I. M. beliebten ein Stückwegs mit mir zu reithen, und wissen mir einen District, wo mit denen Hunden durchsuchen solte. Es verfügten sich Allerhöchstdieselben auf eine Alee und wollten alda zusehen, was die Sau-Finder jagden. Ob nun zwar sehr wenige Sauen in dieser revier gewesen, wohl aber viel Wildpreth und Hirsch, so ist mir dabei nicht zum Besten gewesen, allein es ginge sehr gut von Statten, ich suchte etwa eine halbe Stunde, so kamen die Hunde auf Sau und bellen auf das schönste. – Ich machte mich sogleich hin, um zu sehen was es vor Sau sind und ich sahe ein Schwein nebst einer Bache mit 4 Frischling; ich verfügte mich sogleich dahin wo der Kayser hielte und berichtede also. Dieses war Hochdenselben noch die allergrößeste Freyde und Sie sprachen: dieses hiesen Saufinder. Es wolten Hochdieselben sogleich mit mir hinein und wolten vor denen Hunden schiessen (denn die Sau blieben stehen) allein weilen es wegen dem Schwein gefährlich vor solchen großen Monarchen gewesen, so habe es wiederrathen, dahingegen der Prinz Carl sich sogleich erbethen, mit mir hinein zu gehen, um die Sauen über die Alee zu jagen, wo der Kayser gestunden. Es geschahe dieses also, es konnte aber wegen der Hunde niemand schiesen, aus Furcht einer getroffen zu werden. Weilen ich aber meinen Hunden folgen muste, und der Abend darüber angekommen, schickten I. M. und liessen mir durch Hr. Oberjägermeister sagen, ich möchte zu sehen, daß mir die Hunde wiederum bekommen möchte, es wären Hochdieselben mit meiner prob vollkommen zufrieden \&c.« (Beim Abschied erhielt der Jäger vom Kaiser 150 Kremnitzer Dukaten, vom Fürst Lichtenstein 50 dergl. \&c.). Die Parforcejagd erfordert gewiß Muth und Geschicklichkeit im Reiten, es wird aber das Vergnügen, man mag sagen was man will, nur mit einer widerlichen Quälerei des edlen Hirsches erkauft. Dem ächten Waidwerk selbst hat sie viel geschadet, denn das rücksichtslose Getummel über Feld und Flur, wie es oft genug und fast zu jeder Jahreszeit vorkam, mußte nothwendig eine Erbitterung gegen das Jagen überhaupt hervorrufen, und diese hat sich auch, nachdem dergleichen Forciren aufgehört oder auf Parke beschränkt wurde, noch erhalten und fortgepflanzt. Es dauerte je nach der Oertlichkeit und Jahreszeit manchmal lange, bis der Hirsch halali gejagt war und oft mußte die Jagd der Nacht wegen unterbrochen werden und wurde dann am folgenden Tage wieder fortgesetzt. – In den Jahren 1712, 1713 und 1714 wurden vom Landgraf Ernst Ludwig von Hessen 124 Hirsche halali gejagt. Die im Frühjahre forcirten erlagen nach 3–4 Stunden, im Herbst hielten sie bis 5 und 5½ Stunden aus. Manches Pferd wurde dabei zu todt geritten; ein Fürst von Anhalt-Dessau soll einmal bei einer Jagd, die 10 Meilen weit ging, sogar acht Pferde todt geritten haben; die Hälfte kann man also wohl sicher annehmen. Im Dessau'schen wurde überhaupt scharf gejagt. Der Fürst Leopold (1746) jagte öfters mit einer Meute von 140 bis 150 Hunden und wurden dergleichen keine auf Relais gestellt, sondern die ganze Meute gleich auf den Hirsch angelegt und mußte bis zum Fange aushalten. Von einem anhalt-dessauischen Prinzen Dietrich führt Döbel an, daß er in etlichen Jahren zweimal mit seiner Jagd gewechselt und die Hunde umgearbeitet habe, da sie zuerst Füchse Parforce jagten, dann Rehböcke und dann Damhirsche. Der Fürst Leopold jagte auch mit 40 seiner Hunde in Preußen etliche Elennhirsche und sogar einen Bären Parforce. Eine besondere Berühmtheit hatten damals die Parforcejagden des Fürsten Victor Friedrich von Anhalt-Bernburg, welche in den Gebirgsgründen des Harzes zwischen Ballenstädt, Harzgerode, Güntersberg und Gernrode stattfanden. Das Reiten war da sehr gefährlich und mußten die Pferde oft über die Berghänge hinuntergeführt werden. Es wurden vom August bis Hubertustag öfters 30–40 Hirsche forcirt. Der Markgraf Alexander von Ansbach, wo die Parforcejagd 1763 neu errichtet wurde und bis 1791 dauerte, jagte von Anfang August bis St. Hubertustag im November wöchentlich zweimal mit 50–60 englischen Hunden. Es wurden 25–30 Hirsche gefangen. Zu Kornburg, Landgerichts Schwabach, steht eine Denksäule mit einem Hirsch und mit der Inschrift: »Der durchlauchtigste Fürst und Herr, Herr Wilhelm Friedrich, Markgraf zu Brandenburg, Herzog in Preußen, auch zu Mecklenburg, Burggraf zu Nürnberg, haben einen Hirsch von 10 Enden auf der paar(!)force Jagd bei Weidersdorf angejagd und solchen durch Regelsbacher Wildfuhr oberhalbs Reichelsdorf durch die Redniz, dann durch Kornburger, Megeldorfer und Fischbacher Wildfuhr, von dannen wieder zurück bis Kornburg in den Flecken forcirt und auf diesem Platz nach 3¼ Stund mit 40 Hunden erlegt. – So geschehen den 3 ten  November 1712.« – Diese Jagd ging durch sieben Forstreviere nach jetziger Eintheilung und betrug der Weg bis gegen 10 Stunden Länge. – Bürgers Lied vom wilden Jäger zeichnet die damaligen Verhältnisse. – Der erwähnte Markgraf war als Jagdtyrann besonders verrufen. Oft wurden die Hirsche mit Netzen eingefangen und in die Parke transportirt, um da bequemer parforce gejagt werden zu können. Von diesen Jagden in Bayern wird später noch die Rede seyn. Die Leidenschaft, mit der damals und in früherer Zeit die Hirschjagd getrieben wurde, erhellt auch aus der ohne alle Rücksicht geübten Wildhege, die oft solche Verwüstungen in den Feldern zur Folge hatte, daß z. B. 1580 in Franken ernstliche Händel darüber entstanden. Es wurde von Nürnberg, Bamberg, Würzburg \&c. eine Deputation an den Kaiser geschickt, der dann die fränkischen Herren und namentlich den Markgrafen von Brandenburg ernstlich auf ihr alleiniges Eigenthum und Grund und Boden verwies und gebot, daß Niemand verwehrt werden solle, sein Eigenthum mit Zäunen, Hunden \&c. vor dem Wilde zu wahren. Die Gemeinden trieben es auch oft auf's Aeußerste, so daß sie die Wälder anzündeten, um das Wild zu verderben, wie in Hessen und anderwärts im 16. und 17. Jahrhundert mehrmals vorgekommen ist. Der Wilddiebstahl wurde natürlich auf's strengste geahndet. Die Geldstrafen waren unter Churfürst in Brandenburg Friedrich III.: Für einen Hirsch 500 Thaler, Stück Wild 400 Thaler, ein hauend Schwein 400 Thaler, ein Reh 100 Thaler, für einen Hasen und alles größere Federwild 50 Thaler, Reiher, Gans \&c. 40 Thaler \&c., »welches an einigen Orten noch mehr geschärfet ist,« heißt es in Groß »Begriff der edlen Jägerei« von 1730. Landesverweisung und Ausstäuben, Abhauen der rechten Hand, Blenden, Hinrichtung mit Strang und Schwert \&c. Vgl. den Artikel » Schweinsjagd .« sind in den betreffenden Mandaten bis in's 18. Jahrhundert als Strafen bestimmt und bei geringeren wurde oft die Art des Frevels durch das Zeichen des Hirschgeweihs hervorgehoben. In Hessen brannte man 1562 einem Wildschützen ein Hirschhorn auf die Wange oder auf die Stirne, im Ansbach'schen kommt dieses Brennen auf die Stirne ebenfalls vor um 1586 und 1587 und 1601; der Wilddieb mußte bei einer öffentlichen Arbeit ein mit einer Kette befestigtes 20–25 Pfund schweres eisernes Hirschgeweih tragen \&c. Die Erzählungen vom Binden auf einen lebendigen Hirsch à la Mazeppa sind weniger beglaubigt. Ich habe nichts weiter darüber finden können, als was Stiesser in seiner Jagdgeschichte doch als nicht verbürgt anführt. Es heißt in der Einleitung der Historie des Churfürstenthums Sachsen: »Unter Mauritii Regierung ist einem Bauren, welcher eine geraume Zeit in der Stille viel Wild geschossen, eine besondere Strafe widerfahren. Denn dieser wurde, andern zum Schrecken, auf einen lebendigen Hirsch zwischen die Geweihe gebunden, darauf hetzte man den Hirsch mit Hunden hinaus in die Wildniß, daß also dieser elende Mensch von Bäumen und Hecken jämmerlich zerfleischt worden.« Auch soll man i. J. 1666 im Mai in der Wetterau in einem Kornacker einen Hirsch angetroffen haben, worauf ein Mensch mit zerrissenen Kleidern und zerfleischtem Leibe geschmiedet gewesen und um Hilfe gerufen habe \&c. Aehnliche tyrannische Rohheiten werden mehr berichtet, von Vielen aber als bloße Erfindungen angesehen. So unter andern, daß der Erzbischof Michael von Khienburg zu Salzburg i. J. 1560 »einen armen Mann, der einen Hirschen, so ihme zu Schaden gangen, niedergemacht und mit den Seinigen gegessen, in die Hirschhaut stecken, auf dem Markt jagen und von den Hunden zerreissen (ließ), darauf er aber des andern Tages, auf der Jagd, vom Pferd durch eine jähe Krankheit gefallen und umkommen ist.« Pfeffinger Vitriar. illustr. III. das westphäl. Jagdrecht v. I. S. Seibertz. Arnsberg 1852. p.  42. Dükher in seiner Salzburger Chronik von 1666 widerspricht dieser Erzählung und sagt, daß sie »besorglich die Ketzer, welche er (der Bischof) auszutreiben gedacht war, geschmidt haben möchten.« Nach seiner Angabe ist der Bischof vom Schlag gerührt worden, als er von der Schweinshatz, zu der ihn Herzog Albrecht in Bayern nach Geisenfeld eingeladen, heimkehren wollte. In der Geschichte der alten fränkischen Könige wird Folgendes erzählt. Auf einer Jagd, welche König Guntram in den Vogesen hielt, fand er Spuren eines getödteten Auerochsen ( bubuli ), und als er von dem Aufseher des Waldes zu wissen verlangte, wer sich unterstanden habe, das Thier im königlichen Walde zu erlegen, nannte derselbe den Chundo, den Kammerdiener des Königs. Dieser wurde auf Befehl des Königs sofort ergriffen und in Fesseln gelegt. Dem Aufseher gegenüber gestellt, läugnete er jedoch die That, weßhalb der König auf Zweikampf zwischen beiden erkannte. Der Kämmerer stellte für sich seinen Neffen, der die Lanze nach dem Waldaufseher werfend, dessen Fuß durchbohrte, daß er rücklings niederstürzte. Als nun der Neffe den an seinem Gürtel hangenden Dolch zog, um ihn dem Gefallenen in den Hals zu stoßen, wurde sein Leib von dem Dolch des Letzteren durchbohrt, so daß auch er stürzte und nun beide starben. Chundo, dieses sehend, suchte fliehend sich in die Basilica des heiligen Marcellus zu retten, ehe er jedoch dieselbe erreichte, wurde er auf des Königs Befehl gefangen, an einen Pfahl gebunden und zu Tode gesteinigt. N. Gregor v. Tours. S. Seibertz a. a. O. Das Grausige eines Hirschrittes à la Mazeppa mag, obwohl ganz unverdient, vor etwa hundert Jahren der Stadtschreiber Lanner von Furth im Wald (im Chambthal an der böhmischen Gränze) empfunden haben. Die Erzählung sagt: daß er auf einer Jagd in Daberg einen Hirsch niederschoß und sich in seiner Waidmannslust darauf wie reitend setzte, um so vor seinen Jagdgefährten zu triumphiren. Als diese herankamen, springt der Hirsch plötzlich mit ihm auf und wirft das Geweih der Art zurück, daß der erschrockene Reiter davon festgehalten wurde, und so rennt der Hirsch gegen das nahegelegene Dickicht. Wenn auch Lanner nicht lange geritten wäre, so hätte ihn doch das Unterholz zerrissen und zerfleischt. Da ergriff einer der Jagdgefährten entschlossen die Büchse und schoß den dahineilenden »Gaul der Einsiedler« glücklich nieder, ohne den Stadtschreiber zu verletzen. – Man weiß wie bedenklich ein Schuß ist, der einen Hirsch auf den Fleck niederwirft, der Hirsch ist dann oft nur am Kreuz geprellt oder unter dem Rückgrat, wie man sagt, »hohl« durchgeschossen und eilt man nicht ihm einen zweiten Schuß zu geben, so steht er wieder auf und ist meistens verloren. Es ist mir dieses mit zwei Hirschen und einem Thier begegnet, welches letztere ich schon am Luser gefaßt hatte, um es zu genicken, es riß sich aber los und entkam, ohne wieder zu Schuß gebracht werden zu können. Von solchem Prell- und Hohlschuß erholt sich ein Stück bald wieder und geht selten eines darüber ein. Die Hirsche waren in den älteren Zeiten ungleich stärker als heutzutage, und ist die Ursache davon theils darin zu suchen, daß ihnen alle Getreidefelder zur Aesung offen standen, denn es durften diese entweder gar nicht geschützt werden, oder nur sehr unvollkommen; dann aber auch darin, daß es damals viel ausgedehntere Wälder gab und diese nicht auf alle Weise begangen und beunruhigt wurden, wie zu unserer Zeit. Es ist zwar nicht immer der Fall, daß die Zahl der Enden für die Stärke eines Hirsches entscheidet, denn ein Achtender wiegt oft mehr als ein Zwölfender, im Allgemeinen aber ist daran ein Anhaltspunkt. Das Verzeichniß der Hirsche, welche der Churfürst Johann Georg I. von Sachsen in 44 Jahren, von 1611 bis 1655 erlegt und gefangen hat, gibt auf die außerordentliche Zahl von 15,291 Stücken über die Hälfte Hirsche an, davon die geringeren von zehn Enden waren und auf der Hirschliste des Churfürsten Johann Georg II. von Sachsen, der mit seinen Schützen in 24 Jahren von 1656 bis 1680 gegen 13,636 Hirsche erlegte, waren auch über ein Drittel Hirsche von wenigstens zehn Enden. Es mag wohl beim Aufschreiben etwas zugegeben worden seyn, doch finden sich Angaben auch anderwärts, welche eine Jagdbeute von 300–600 Hirschen und mehr in einem Jahre beurkunden. So berichtet der Landgraf Philipp von Hessen, daß die Beute an Hirschen im Jahre 1561 die Zahl 367 ergeben, der Markgraf Georg von Brandenburg 679 Hirsche vom Jahr 1581, Graf G. Ernst von Henneberg in demselben Jahr 366 Hirsche u. s. w. Darunter sind öfters Hirsche von fünf und sechs Centner erwähnt, und werden einige sogar zu acht und neun Centner angegeben. Um 1649–52 hatten viele im Fürstenthum Baireuth erlegte Hirsche sechs Centner, und ein Sechzehnender, der im Thiersteiner Wald gefangen wurde, wog sieben Centner zehn Pfund. 1560 schreibt der Landgraf Philipp von Hessen von einer Jagd, daß die Hirsche im Ganzen nicht faist und keiner über 4½ Centner schwer gewesen. Ein Hirsch von vier Centnern gehört aber gegenwärtig schon zu den selteneren. Was die Geweihe betrifft, so sind unter den Hirschen, welche die genannten Churfürsten von Sachsen zusammen in 69 Jahren (von 1611–1680) erlegt haben, erwähnt: 1 Hirsch von 30 Enden 1 " " 28 " 1 " " 26 " 3 " " 24 " 15 " " 22 " 51 " " 20 " 187 " " 18 " 669 " " 18 " Wenn damals Jahr für Jahr neun Hirsche von sechzehn Enden und zwei oder drei von achtzehn Enden erlegt wurden, so vergehen in unserer Zeit oft viele Jahre, bis ein einziger Hirsch von solcher Endenzahl erlegt wird, und mit Recht zeigte 1838 der Herzog Heinrich von Württemberg das Erlegen eines Hirsches von achtzehn Enden mit den Worten an: »wofür ich der schönen Diana Hände und Füße küsse.« Man weiß, daß das Aufsetzen und die Bildung des Geweihs mit der Aesung sehr zusammenhängt und nicht nur vom Alter bedingt ist, und dieselben Gründe, warum früher die Hirsche so feist wurden, gelten auch für die damals so vielendigen und starken Geweihe, deren manche bis zu 30 Pfunden wogen, während jetzt gewöhnliche Geweihe von zwölf Enden selten sieben Pfund erreichen. Von Hirschen mit außerordentlichen Geweihen, insoweit es die Endenzahl betrifft, sind besonders folgende zu nennen: Ein Hirsch von 66 Enden, welchen König Friedrich I. von Preußen 1696 in der Gegend von Frankfurt a. d. O. erlegte. Man errichtete an dem Platz, wo er verendete, eine Denksäule. Das Geweih kam als Geschenk an den Churfürsten von Sachsen, Friedrich August, und wird in der Moritzburg aufbewahrt. Ein Hirsch von 42 Enden, dessen Geweih der Herzog Wilhelm IV. von Bayern um die Mitte des sechzehnten Jahrhunderts der Königin Maria von Ungarn schenkte. Ein Hirsch von 32 Enden, von Landgraf Ludwig VIII. von Hessen-Darmstadt 1762 als Zwanzigender bei Battenberg lebendig gefangen. Er wurde in den Thiergarten zu Kranichstein gebracht, wo er 22, dann 24, und zuletzt 32 Enden aufsetzte, dann aber auf 26 zurücksetzte. Kaiser Maximilian erwähnt eines Sessels, »der von selbs vnd aus aim hierschhorn gebaxen (gewachsen, gebildet) ist, oben die schauffl zum sitzen vnd die andr zinken zw staphfflen des gehurn oder sessel.« (V. Karajan, Jagdbuch.) Da man vielendige Geweihe, sowie auch abnorme besonders schätzte, so suchte man dergleichen auch künstlich zu erzielen, indem man besonders Parkhirschen gelegenheitlich in der Kolbenzeit, im Mai, einen Schuß mit groben Schroten in die Kolben gab, wo dann das Geweih eine zerrissene Krone mit vielen Enden erhielt. Bekanntlich wurde ein End als solches angesprochen, wenn man ein Hornfessel (d. i. der schmale Riemen an dem das Hüfthorn getragen wurde) daran hängen konnte. Hirsche mit den prächtigen Geweihen, die wir in alten Sammlungen bewundern, sind gegenwärtig selten geworden, doch kommen dergleichen noch vor, wo für Aesung reichlich gesorgt ist und sonst nöthiger Raum und Ruhe gegeben. So in der Gegend von Wien an beiden Ufern der Donau nach aufwärts und abwärts etwa sieben Meilen weit. In der Lobau, auf der Jagd des Grafen Hardegg zu Stetteldorf \&c., setzen die Hirsche ausgezeichnet auf, ebenso in der Bukowina, in Serbien und Galizien. Graf Arco-Zinneberg hat im Stanislauer Kreis in den Karpathen noch in jüngster Zeit Hirsche von vierzehn Enden geschossen, deren Geweihe den schönsten alten nicht nachstehen. Der Urtypus des edlen Hirsches scheint sich aber in seiner ganzen Herrlichkeit nur in den sogenannten Roky mountains des nördlichen Amerikas erhalten zu haben. Diese Riesenhirsche sind Edelhirsche. Der Graf Arco-Zinneberg macht den Versuch, dergleichen bei uns anzusiedeln. Von drei Hirschen und zwei Stück Wild in seinem Besitz sind bereits Kälber vorhanden, und soll im Gebirge eine geeignete Thalschlucht die stolzen Thiere aufnehmen und ihre Nachkommen verbreiten. Das ist wohl ein dankenswerthes und waidmannsfreudiges Unternehmen, dem der Segen des St. Hubertus nicht fehlen möge. Die ältesten Nachrichten Von Karl dem Großen ist erwähnt, daß er sich bei seinem Aufenthalte in Nürnberg viel mit Jagen beschäftigt habe. – Er sei, unter einem Zelte schlafend, ganze Nächte in den Nürnbergischen Gehölzen geblieben. Die Kaiser bewohnten bei ihren Jagden im Reichsforst ein befestigtes Haus, Brunn genannt, welches 1449 im Kriege verwüstet wurde. Diesen Reichsforst nannte Kaiser Ludwig »Unser und des Reichs Pingarten,« wegen der Bienen, welche zu nützen an die Zeidler verliehen wurde, die davon Honigzins gaben. Eine bemerkenswerthe Jagdnotiz von 1376 mag hier auch Platz finden. In der Chronik von Augsburg, von Burkhard Zink heißt es, Ann.  1376: »Da kam ein großer schelm unter das wild überal in dem Land also, das in den walden und auf dem veld gar vil wild tod lag, hirschen, hinden, rech, bern, wolff, fuchs und hasen fand man überal also tod liegen.« Es ist dieses vielleicht der erste Fall, der eine allgemeine Seuche unter dem Wild anzeigt. Oefele I. 257. über die Jagd in Bayern und über die Hirschjagd gibt ein Salbuch des Jägermeisteramts im Herzogthum Bayern-Ingolstadt von 1418. Es findet sich darin ein Verzeichniß der Klöster in Oberbayern, welche für den Herzog Stephan († 1413) auf eine bestimmte Zeit (wahrscheinlich die Jagdzeit), Jäger und Hunde freizuhalten hatten, und zwar 3 Jäger, 10 Jägerknechte, 5 Pferde und 42 Hunde. Da trifft z. B. Tegernsee sechs Wochen, Etal zwei Wochen, Scheftlarn zwei, Diessen eine Woche \&c. Die Jagden erstreckten sich auch nach Kufstein, Kitzbüchel und Rattenberg, wo die Bären- und Wolfsjäger ihr Gejaid hatten. Dasselbe Salbuch gibt ein Verzeichniß des Personals der Hofjägerei Ludwigs des Gebarteten, mit Pferden, Hunden \&c. Unter den Jägern sind genannt: 2 berittene Hirschjäger mit 10 Knechten zu Fuß und 68 Hunden zur Hirschjagd (Hirßgejaigd) Der Hirsch ist um 1300 oft hirz geschrieben, im neunten Jahrhundert hiret und bei den alten Germanen auch harz . und 64 Hunden zur Schweinsjagd, ein Birscher (Pirrsär) zu Roß »mit ainem Bluthund,« ein Windhetzer zu Roß, 15 Hinderhetzer (Hinderheczer) mit 30 Hund und 15 Leithund, welche das Wild von den Gränzen in des Herrn »wiltpan« hetzen mußten \&c. Mehrere dieser Jäger hatten Wagen, Zeug und Netze zur Verfügung. Von Herzog Heinrich von Landshut († 1450) heißt es: Oefele I. 313. »der Herr hett groß lieb zue den rotten wild, und ließ das gar wenig vahen, darumb ward des wilds gar unsäglich vil, das denn Leuten reich und armen vil schaden davon geschah an irem traid \&c.« Wie es aber mit der Hirschjagd hoch herging in unseren Forsten um die Mitte des sechzehnten Jahrhunderts, beweist ein Jagdregister Herzog Wilhelms IV. vom Jahre 1545. Einen Reichthum an Edelwild hegten die Waldungen und Gehölze um Ebersberg, Anzing, Hechenkirchen, Grünwald, Kranzberg, Isareck, Geisenfeld, Kösching, Kehlheim, Abensberg, um Starnberg und Polling \&c., da ging der Herzog birschen und mit seinen Freunden jagen und gab es Arbeit vollauf. So heißt es in den Angaben über die Jagden von Ingolstadt aus: am andern Augusti (am Suntag) an der Möringer an gefangen vnnd geschossen XVIJ Hirsch, XVIIIJ wild, IIIJ kölber. Item am Montag den dritten Augusti gefangen und geschossen, an der Menn und Mennhinger Au XVJ Hirsch, VJ wild, J peckher (Keiler.) Item Mittwochs den funfften Augusti: von der Au, so man am Sackh nennt, gefangen vnnd geschossen XVJ hiersch, XXXVJ wild \&c. Item am VJ Augusti an Zucheringer Au XXX hiersch, XV wild \&c.; dann weiter am 7ten August am Stasgelsletten \&c. gefangen und geschossen 36 Hirsche, 4 »spieß« (Spießhirsche), 18 Wild, 6 Kälber. In letzterem Gejaid, heißt es, sind geschehen 127 Schuß, ein Beweis, daß viel des Wildes von den Hunden gefangen und mit dem Hirschfänger erlegt wurde, sonst kämen nur zwei Schüsse auf ein Stück, was nicht wahrscheinlich ist, wenn auch die Herrn gut geschossen haben. In einer dieser Jagden werden zwei Hirsche von 18 Enden erwähnt, wovon der eine mit den Winden (großen flüchtigen Hunden, Windhunden) gefangen wurde, der andere geschossen, dazu ein Sechzehnender, Zwölfender und ein Zehner, welcher »von seinem khürn (Gehörn) größer und schwärer« war, als einer der Achtzehnender. Der Herzog ist auch »pirschen« geritten und gefahren, und auch die Herzogin, Maria Jakobäa, des Markgrafen Philipp von Baden Tochter, war dem Waidwerk ergeben, »– ist mein gn. Frau von Grienwald Wird schon zu Herzog Mainhards Zeit um 1361 erwähnt. Grienenwald und Wolfstein »zu Gejaid und anderer Kurzweil.« aus auf die haid pirschenndt gefarn, vnd gen Grienwald pracht IIIJ wild.« Der Bericht, welcher die Jagden des Herzogs und seiner Schützen, sowie die Lieferungen der Jäger umfaßt, schließt also: Somma alles obgeschriebenen fanngs, an allerlei wildprät, von ostern an, biß auf den leczten Faschang tag, thut: An hirschen 817 " wilden jm. 78 " kölbern 137 " rechern (Rehen) 224 " spiessen 22 " schwein (starke Keiler) 84 " pachen 253 " frischling 178 " wölff 38 Von dem Sohn und Nachfolger Wilhelms IV., Herzog Albrecht V., findet sich ein Jagdbuch von 1555 bis 1579, in welchem Jahr der Herzog starb, und weist dasselbe nach, daß der Herzog in den genannten 25 Jahren 2779 Hirsche, 1784 Stück wild und 220 Kälber erlegt habe. Auch die Herzogin Anna jagte. Es finden sich in den Hofrechnungen von 1583: »Andre Dietrich der Bixenmacher zu Passau umb 2 sonderbare Birschbixen für die gnädige Frau 60 fl.« Die meisten der aufgeführten Hirsche sind vom Jahr 1576 (nämlich 246), die wenigsten von 1555 (nur 28). Die Hege war sehr streng und wurden um die Felder nur Wildzäune gestattet, welche an den vier Ecken Oeffnungen hatten, durch welche das Wild ungehindert ein- und ausgehen konnte. Der Herzog erließ mehrere Warnungsschreiben an den Abt des Klosters Benediktbeuern, seine Jäger nicht zur Unzeit pirschen und jagen zu lassen und die Hirsche gar »im Schnee« niederzuschießen. 1558 befiehlt er dem Abt, die Jagd nur für seine Person »waidelich vnnd beschaidenlich« zu treiben, und droht im Fall des Zuwiderhandelns mit Einziehung der Jagdbefugniß. Die Klosterrechnungen geben damals jährlich nur gegen 12 Stück Edelwild an, zehn Jahre später aber und bis 1600 wurden dann durchschnittlich per Jahr gegen 40 Stück erlegt. Im Jahre 1584 wurden erlegt und zur Hofhaltung geliefert: 105 Hirsche, 305 Stück Wild, 30 Kälber. Der Stand an Edelwild in den Tegernsee'schen Klosterjagden war damals merklich besser als zweihundert Jahre später. Es sind von 1568–1580 in 13 Jahren verzeichnet: 159 Hirsche, 282 Stück Wild; von 1768–82 (von zwei Jahren fehlen die Rechnungen, daher wieder 13 Jahre) sind nur 83 Hirsche und 56 Stück Wild verzeichnet. Diese Erscheinung erklärt sich zum Theil daraus, daß es in dem angegebenen Zeitraum des sechzehnten Jahrhunderts wahrscheinlich nicht so viel Luchse gab, als in dem letztern, wo deren 39 aufgeführt sind. Diese Klosterjagden betreffend ist ein Bericht von P. Aegydio Schmid »würdig und embsigstem waldmeister« von 1752 von Interesse. Er sagt, daß er aus einem Pergament-Codex entnommen, daß von 1400–1500 und zu Anfang 1600 das Kloster Tegernsee an Jägerei gehabt habe: »Erstens einen Jäger, andtens einen Jägerknecht, drittens einen Jägerjung, viertens einen gämbß Jäger, oder dortmahlens sogenannten Pockschizen; fünftens einen Federspihler, das ist, einen solchen Jäger, welchem wegen bösseren Erhaltung des Federwildbräths hauptsächlich obgelegen die Falken, stoßdann andere Raubvögel zu schiessen, und endlichen einen huener Jäger, mithin in allen 6 Jäger für beständig in der Besoldung gehabt habe.« Der Ordnung halber sei 1564 ein Oberjäger ernannt worden, früher hätten die Jäger nach Gutdünken gejagt. Die Besoldung eines Jägers war damals an Geld und taxirten Naturalien jährlich 39 fl. 34 kr., davon an baarem Geld nur 4 fl. 40 kr. Alles Uebrige in Naturalien. Darunter kommt vor: Vor die schuech 1 fl. 30 kr. Jedem Jäger alle freytag 4 Kiechl und alle Sambstäg 1 Straubn thut jährlich 2 fl. Bei jeglicher Rauchnacht-Zeit giebt man jedem Jäger 2 Maaß Bier, 1 leger Käß und 2 gsölln-Brod. »Wann die Jäger ein Bärn, Wolf, Lux od Hirschn. Item ein Wild, Rech od gämbß schießen, haben sie miteinand 2 Maaß schuß- und 2 Maaß fangbier.« 1544 unterhielt das Kloster Jagdhunde in einem eigenen Zwinger: » 8 Herzhunt und 14 Jahunt sufficiunt nobis .« Das Jägerrecht wurde 1606 neu bestimmt, da sich die Jäger beschwerten, nicht mehr mit der Besoldung leben zu können. Es heißt: »Von ainem Hirsch, Wilt, schwein, Pern für das Stück 40 kr.; von einem »Wildkalb, Rech, frischling, ohrhahn« (Auerhahn) per Stück 20 kr. Es muß mitunter auch die Sitte gewesen sein, einem gefangenen Hirsch ein Halsband umzulegen und ihn wieder freizulassen, wie man den Reihern einen Ring anlegte und sie wieder frei ließ. Im hiesigen Wittelsbacher Museum findet sich ein solches Halsband oder vielmehr eine Halskette von Messing, deren Glieder zweifingerbreite Platten bilden. Auf diesem steht der Spruch: »Lieber Jäger Laß Mich Leben, Der Churfürst Hat Mir Freyheit Geben 1609.« An den Schlußgliedern steht auf dem einen: Friedrich (IV.) Pfaltzgraff Churfürst, auf dem andern ist das churpfälzische Wappen. Wie der Hirsch wieder gefangen wurde ist nicht bekannt. Aus einem Schreiben des Sebastian Kolb zu Trauchgau vom 18. Juli 1614 geht hervor, daß im Hohenschwangauer Gebirg 37 Hirsch befindlich, darunter 29 jagdbare, welche während der Brunft am Geschrei zu erkennen waren. 1618 wurde die Hirschfaist von Maximilian I. im Amt Rueperting am Oxensteig gehalten. Sie dauerte 38 Tage, während welcher Zeit Jagden mit Zeug und Hunden gehalten wurden. (Jägermeister: Wilhelm von Maxlrain.) Unter Ferdinand Maria ist bei Anwesenheit des Kaiser Leopold I. im August 1658 und diesem zu Ehren »zu Schleißheim in der GarchingerAw ein Gejagt vorgangen, in welchem, ob schon etlich hundert Stück Hirschen gewesen, doch weil Ihro Majestät so gewollt, über 60 Stück nicht gefällt worden.« Ein anderes Gejägte wurde nächst der Perlacher-Hayd gehalten, auf welcher auch unter Zelten und »Lauberhütten« das Mittagsmahl eingenommen wurde und »nur hundert Stück ob wohl über fünfhundert Stück Hirschen vorhand gewest, gefället und seyn Ihro Majest. sampt den Churfürstlichen Persohnen zu solchen in ihrem schönen Leibwagen innen und aussen mit Gold hoch erhebt und gestickt, auß der Statt in seiner Ordnung mit Trompeten und Heerpaucken gefahren. Ferner »den zweiten September nach eingenommener Mittagsmahlzeit ist in dem Hoffgarten auf dem Hirschanger ohne auffwarten der Cavallier etwas von Hirschen gepürscht worden.« Den Arbeiten mit den Leithunden wurde die größte Sorgfalt gewidmet. Von 1667 ist unter dem Oberjägermeister Graf v. Törring zu Seefeld angegeben, daß in diesem Jahr ein Behenget im Forst- und Wildbahnamt Landshut gehalten wurde, welches 28 Tage dauerte. Die Hirschfaist (im August) wurde in diesem Jahre von Ferdinand Maria um Dachau, Gelting und Schleißheim gehalten. In den folgenden Jahren ist eine merkliche Abnahme des Edelwilds ersichtlich. Von 1674–82 (in acht Jahren) wurden noch dem Hofzöhrgaden und Hofkuchen geliefert: 600 Hirsche 484 Stück Wild 225 Kälber. Von 1683–91 aber nur 278 Hirsche 360 Stück Wild 75 Kälber. 1690 wurden von Max Emanuel mehrere Parforcejagden im Forstenrieder Forst gehalten, auch in der Geigersau und zu Buching bei Hohenschwangau hielt er Hirsch- und Wildpretjagden. Im Jahre 1722 wurde von demselben Churfürsten eine Jagd zur Vermählungsfeier des Churprinzen Karl Albrecht im sogen. Kezlholz bei Schleißheim gehalten. Es wurde dazu ein Theil des Wilds weit her in Kasten transportirt und im besagten Holz ausgelassen, so Rehe von Utting und Hofolding, Damwild aus dem Thiergarten von Landshut, Sauen und Rothwild von Geisenfeld. Eine andere Jagd fand in demselben Jahr am Stahrenbergersee statt und giebt einen Beleg, wie damals die Jagd zu einem je nach der Mode gestalteten Spektakel gemacht wurde. Es begaben sich der Churfürst mit der Churfürstin, die Prinzessinnen, der Churfürst von Köln, die Hofdamen und zahlreiches Gefolge auf Schiffen nach dem Ufertheil, an welchen der Park von Forstenried angränzt. Die höchsten Herrschaften hatten den Bucentauro, ganz in der Größe und nach dem Modell des berühmten venetianischen Dogenschiffs erbaut, bestiegen, die übrigen je nach dem Rang die kleineren Schiffe. Im Park war ein Auslaß so eingerichtet, daß der gejagte Hirsch gezwungen werden konnte, dort auszubrechen und sich in den See zu stürzen. Der Berichterstatter erzählt nun: »Die Fürsten und ihre Jäger, durch Kanonenschüsse von der Ankunft der Prinzessinnen auf den Schiffen benachrichtigt, jagten den Hirsch auf und zwangen ihn durch den Schall des Waldhorns, aus seinem Hinterhalt hervorzubrechen. Dieser Hirsch, einer der stärksten und wildesten, behielt lange Zeit das Terrain, durch die Thätigkeit der Jäger und Hunde aber, welche letztere nie wechselten, sondern immer den aufgejagten Hirsch beibehielten, obschon dieselben in diesem Walde vielen anderen begegneten, da es hier in Uebermaß giebt, wurde er am Ende dennoch gezwungen, durch die Oeffnung zu gehen; allein wohl zwanzigmal kam er ans Ufer und ging jedesmal, durch den Anblick der Schiffe geschreckt, welche in drei Linien, den Bucentauro allein voran, aufgestellt waren, wieder zurück. Endlich durch die Hunde gedrängt, welche durch die immer blasenden Jäger unterstützt waren, sprang er ins Wasser, und die Hunde setzten ihm schwimmend nach und umringten ihn. Sogleich tauchte er unter und verlor sich aus dem Gesicht, aber bald erschien er wieder auf dem Wasser und wurde aufs Neue von den Hunden verfolgt. Je mehr er sich vertheidigte, um so mehr wurde er angegriffen; dieser Kampf dauerte beinahe eine Stunde und gewährte unendliches Vergnügen. Die Trompeter bliesen während dieser Zeit abwechslungsweise. Der Hirsch kämpfte endlich seinen Todeskampf und die Jäger bliesen seinen Tod; vier Gondeliere bemächtigten sich hierauf des Hirsches am Geweih und brachten ihn an Bord, wo er sogleich verendete. Ein Jäger schnitt ihm den Lauf ab und brachte ihn der Churfürstin, und diese erlauchte Gesellschaft hatte das Vergnügen, bei dem Schalle der Hörner das Jagdrecht der Hunde zu sehen. Die Churfürstin ließ sich hierauf vom Churfürsten zur Bayerin taufen; er bespritzte sie mit einigen Tropfen Wasser, sowie auch die Schlüsseldamen und Edelleute von ihrem und des Churfürsten von Cöln Gefolge.« Diese Jagd, wenn man sie so nennen will, wurde von Seite der Jagenden zu Pferde gehalten, war also eine Parforcejagd, welche der Churfürst sehr liebte. Er hielt dazu 300 Pferde und 400 Hunde. Einer der eifrigsten Jäger unter den bayerischen Fürsten war Karl Albert (Kaiser Karl VII.) Es sind von ihm Jagden von 1727–1744 verzeichnet. Bei einer derselben in Hohenschwangau wurden zwei Hirsche, der eine zu 400 Pfund, der andere zu 420 Pfund, erlegt. Daß damals noch sehr gute Hirsche vorkamen, beweist auch ein prächtiges Geweih von 24 Enden, welches noch gegenwärtig im Hirschgarten bei Nymphenburg aufbewahrt wird. Der Hirsch wurde vom Churfürsten in der Hirschau bei München erlegt. Unter den Jagdbezirken ist auch Fürstenried genannt, welches Max Emanuel 1715 erworben und ihm den Namen gegeben hat. Früher hieß es Poschetsried (Poschn, Büsche), und gehörte einem Grafen von Hörwart. Unter Karl Albrecht kommen mehrere Jagden und Jagdfeste vor, wie sie nach dem damaligen Geschmack der Zeit an Höfen Mode waren, einem einfachen Waidmann aber nicht gefallen können. Von einem derselben gibt ein Anschlagzettel Bericht, der folgendermaßen lautet: Eigentliche Abbildung und Lista, der aufgezogenen Ritter, bei dem unweit Nymphenburg in Alla, zwischen zwei Waldungen auf einer Wiesen, den 15. May Anno 1727 vollbrachten wilden Thierkampf. Französische Jäger . Aufführer Herr General Graf Costa. 1. Ihro Churfürstl. Durchleucht. 2. Ihro Durchl. Hertzog Theodor \&c. 3. Ihro Exc. Herr Graf Gaudenz v. Rechberg, Obrist-Jägermeister. – – 6. Ihro Exc. Herr Baron v. Freyberg, Obrist-Falkenmeister. – 8. Herr Graf Carl v. Lodron, Intendant von denen Festinen \&c.   Teutsche Jäger . Aufführer Herr General Graf Minutzi. 1. Ihro Durchl. Hertzog Ferdinand \&c. 2. Ihro Excell. Herr Graf Max von Preysing, Obrist-Stall-Meister. – Graf Piossasque, Trabanten-Hauptmann. – Graf Hier. Spreti, Oberst-Kuchel-Meister. – Graf Em. v. Tauffkirchen, Hatschier-Hauptmann \&c.   Gewinneter zu dem Thier-Turnier zu Nymphenburg und wie solche ausgefallen . Das Erste in den mehristen Numeris. Eine große Jagd-Dosen von Orientalisch gefleckten Stein, mit Gold garniert: Hat gewonnen Mons. de Seyssel mit 6 Numeris. Das Erste mit der Lantzen. Ein Englisch glatt-goldene Repetier-Uhr: Haben gewonnen Ihr Durchl. Hertzog Theodor mit 3 Numeris und 1 Krantzl. Das Erste mit dem Pfeil. Ein Stock mit einem goldenen Knopff, welcher mit Carniol, Schmaragd und Brillanten besetzt ist: Haben gewonnen Ihro Durchl. Herzog Ferdinand \&c. Das Erste mit dem Pistol. Eine schöne Flinte sambt ein Paar Pistolen: Haben gewonnen Ihro Churf. Durchl. unser Gnädigster Herr \&c. durch Rittern mit Ihro Excell. Herrn Grafen General Rechberg. Das Erste mit dem Degen. Ein Hirschfänger mit einem Schildkrottenen reich mit Gold eingelegten Gefäß: Hat gewonnen Ihro Churf. Durchl. unser Gnädigster Herr \&c. Pour la Dame. Ein grüner Schlaff-Rock: Haben gewonnen Ihro Churf. Durchl. unser Gnädigster Herr \&c. Es sind noch weitere Preise angegeben, darunter Ein groß Silberner Ingenier und zugleich Reyß-Besteck \&c. Auf dem beigegebenen Kupferstich sieht man die Hirsche aus einem laubenartigen zugemachten Raum in den mit einem Netz gesperrten Lauf zwischen zwei Barrieren hervorspringen. Die Herrn ritten außerhalb der Barrieren dem Hirsch entgegen und schoßen, warfen mit dem Pfeil \&c. Man sieht, daß die Hirsche eine Gurte um den Leib hatten, an welche lange Stricke oder Riemen befestiget waren, daß sie nicht frei ausbrechen konnten. Der Schauplatz ist ein Viereck, an jeder Seite ein Pavillon mit Bogen für die Herrschaften und »Damesen,« für »Trompeten und Heerpaucken,« für die Richter des Turniers, für die Musikanten \&c. Dann ein Amphitheater für die Zuschauer, und vertheilt stehen zu Pferde mehrere »Kampff-Ritter« mit Lanzen. Es wurden Hirsche und »Dendl« (Damhirsche) gefällt. Eine andere gedruckte Lista dieser Art beschreibt eine maskirte Hirschjagd in Nymphenburg am 1. März 1734. Es erschienen im Aufzug: Nr. 1. Teutscher Jäger mit einem Wayd-Messer. Ihro Churfl. Durchleucht zu Cölln \&c. Ihro Churfl. Durchleucht in Bayern \&c. Nr. 2. Frantzösischer Jäger mit einem Couteau de chasse. . Ihro Durchleucht Hertzog Ferdinand \&c. Ihro Durchleucht Hertzog Theodor \&c. Nr. 3. Pantelons mit einem krumpen Messer. Mons. Marqui Caponi, Chur-Cöllnischer Cammerer und Intendant der Musik. Herr General Graf Joseph Taufkirchen, Churfürstlicher Cammerer. Nr. 4. Prigella mit der Pritschen. Herr Graf Fugger von Zünenberg, Churf. Cammerer, General-Wachtmeister u. Hauptmann von der Hatschier Leib-Guardi. Herr Baron Rechberg, Churfürstl. Cammerer. Nr. 5. Scaramouches mit dem langen Degen. Herr Graf Ruepp, Churfürstl. Cammerer. Herr Baron Sigmund Lösch, Churfürstl. Cammerer. Nr. 6. Camin-Feger mit der Leiter und Besen. Herr Baron Stein, Chur-Cöllnischer Cammerer. Herr Graf von Plankenheimb. Nr. 7. Bayrische Bauern mit der Mist-Gabel. Herr Graf Sensheimb, Churfürstl. Cammerer und Obrist-Silber-Cammerer. Herr Graf Truckseß, Churfürstl. Cammerer. Nr. 8. Oesterreichische Bauren mit Wein-Reben-Messer. Herr Graf Max Preysing, Churfürstl. Geheimer- und Conferentz-Rath und Obrist-Stallmeister. Herr Baron von Haßlang, Churfürstl. Cammerer und Hochfl. Freysing: Ober-Stallmeister. Nr. 9. Frantzösische Bauren mit der Drischl. Herr Graf Carl Piosassque, Churfürstl. Cammerer und General-Wachtmeister. Herr Baron Stein, Churfürstl. Cammerer, Obrister und Lieutenant von der Hatschier Leib-Guardi. Nr. 10. Juden mit denen Geld-Beutlen. Herr Baron Valaise, Churf. Cammerer u. General-Wachtmeister. Herr Graf Ludwig Fugger, Churfürstl. Cammerer. Nr. 11. Vieillards mit der Krucken. Herr Baron von Roll, Chur-Cöllnischer Geheimer-Rath und Obrist-Stallmeister. Herr Baron Burgau, Chur-Cöllnischer Cammerer. Nr. 12. Pourceaugnacs mit dem Degen. Herr Graf Trauner, Chur-Cöllnischer Geheimer Rath und Cammerer. Herr Baron Seybolstorff von Rockhenstein, Churf. Cammerer. Nr. 13. Apotheker mit der Spritzen. Herr Baron Joseph Neuhauß, Churfürstl. Cammerer und Hochf. Freysing: Ober-Kuchelmeister. Herr Graf Ladron von Haag, Churfürstl. Cammerer. Nr. 14. Homes â deux visages, mit einer Holz-Scheer. Herr Graf Emanuel Arco, Churfürstl. Cammerer und Intendant der Musik. Herr Baron Metternich, Chur-Cöllnischer Cammerer u. Domherr. Nr. 15. Narr mit einem Narren-Kolben. Herr Baron Fraunberg, Churfürstl. Cammerer. Herr Baron Max Burgau, Churfürstl. Cammerer. Nr. 16. Pieross mit dem Tobacks-Ribeisen. Herr Graf von Satzenhofen, Churfürstl. Cammerer u. Obrister. Herr Graf Max Taufkirchen, Churfürstl. Cammerer. Nr. 17. Harlequins mit der Pritschen. Herr Baron Joseph Morawitzki, Churfürstl. Cammerer. Herr Baron Joseph Lösch, Churfürstl. Cammerer. Nr. 18. Hannß-Wurst mit dem Schwein-Spieß. Herr Baron Mayrhofen, Churfürstl. Cammerer und Vice-Stallmeister. Herr Baron Perfahl, Churfürstl. Cammerer und Ober-Hofmeister bei denen Hertzoglichen zwei Prinzen Maximilian und Clemens Durchlauchten \&c. Nr. 19. Schulmeister mit dem Ferl. Herr Baron Bibra, Chur-Cöllnischer Cammerer, Commendeur zu Frankfurt und Teutscher Ordens-Ritter. Herr Graf Allcardi, Churfürstl. Cammerer. Nr. 20. Pagodes mit der Tobacks-Pfeiffen. Herr Graf Max Fugger, Churfürstl. Cammerer. Herr Baron Ingenheim, Churfürstl. Cammerer und Vice-Jägermeister. Nr. 21. Policinella mit zwei Blattern. Herr Graf Spreti, Churfürstl. Cammerer und Obrist-Kuchelmeister. Herr Baron Morawitzki, Churfürstl. Cammerer und General-Wachtmeister. Nr. 22. Domino mit einer Masque . Herr Graf Quido Taufkirchen, Churfürstl. Cammerer. Mons. de Seyssel, Churfürstl. Cammerer, und Lieutenant von der Trabanten-Guardi. Nr. 23. Dottorie mit einer Rollen Pappier. Herr Baron Mantica, Churfürstl. Cammerer. Herr Baron Manteufel, Churfürstl. Cammerer. Wie die Jagd gehalten wurde, ist nicht angegeben, der Intendant von denen Festinen wird wohl gesorgt haben, daß sie ebenso geschmackvoll angeordnet war, wie der Zug. 1735 den 9. August, erhuben sich Ihro Churfürstl. Durchleucht mit Ihre Churfürstl. Durchleucht der Churfürstin dann Ihro des Churprinzen und beider Churf. Herzoginnen Antonia und Theresia Durch. Durchl. nacher Geiserfeld zur Hirschfaist \&c. Es wurden am 10. August 88 Hirsche und 22 Thiere erlegt. Die Churfürstin Maria Amalia (Tochter Kaiser Josephs I.) war eine leidenschaftliche Jägerin. Keyßler erzählt in seinen Reisen: die Churfürstin schießt sehr gut nach der Scheibe und nach dem Wildpret, – »wann ihr Kutscher auf par force Jagden sie zum Tod des Hirsches liefert, hat er allzeit einen Maxd'or oder siebenthalb Gulden zu gewarten.« Obwohl die Churfürstin bei einer solchen Gelegenheit, und da sie guter Hoffnung war, zweimal in einem Vormittag umgeworfen wurde, erhielt der Kutscher doch sein Trinkgeld und kam ohne Strafe davon. »Auf der Jagd geht sie in grüner Mannskleidung mit einer kleinen weissen Perücke, in welcher Gestalt sie auch das erstemal in's Land gekommen und zu Sleisheim (Schleißheim) abgemalt ist. – Die Hofdamen gehen spanisch gekleidet und können sich der schönsten Gesichtsfarben nicht viel rühmen, weil sie nebst der Churfürstin in der größten Hitze und Kälte, bei Regen, Wind und Sonnenschein an allen Spazierfahrten und Jagden des Churfürsten theilnehmen.« Zschokke bemerkt dazu, daß diese »Amazonen« dem Herzen des Churfürsten oft gefährlicher waren, als seinem Gewilde. – Die Churfürstin liebte die Hunde sehr, und die Schlösser Karl Albrechts wimmelten von Hunden aller Art. – Keyßler erzählt darüber: »Der Churfürst hat gleichfalls viele Jagdhunde, von welchen sein Herr Vater nicht weniger ein großer Liebhaber war, also daß er auch in Frankreich allezeit die trefflichste meute unterhielt. – Ludwig XIV. sagte einsmals aus Scherz zu dem Churbayerischen Oberjäger-Meister v. Freyberg, wegen einer Hündin, auf welche der Churfürst insbesondere viel hielt: on m'a dit que votre chienne prend souvent le change Prendre le change heißt die Fährte wechseln, nicht auf derselben Fährte bleiben. worauf der v. Freyberg im Eifer antwortete: Comment elle est aussi sure que l'Evangile.« Unter Churfürst Karl Albrecht war, 1738, Commandant der Parforce-Jagd (die Französische Jägerei genannt); Baron Sigmund von Preysing, Obrist-Jägermeister; Vice-Commandant Ferd. Graf v. Rampaldi, Kämmerer \&c. Es waren 4 berittene und 1 unberittener »Piquir«, 3 Bsuch-Knecht, 10 Jäger-Jungen und 1 Hundskoch dabei angestellt. 1739 hielt der Churfürst großes Jagen im Geisenfelder Forst (Landgericht Pfaffenhofen), welches am 4. November angefangen und am 20. beendet wurde. Treiber und Wehrleute lieferten Pfaffenhofen, Vohburg, Abensberg, Neustadt \&c. zusammen 1200 Mann, nebst 270 Pferden und 12 Wagen. Dazu die berittenen Amts- und Gerichtsleute, Klopfklupperer \&c., die Hälfte mit guten Hacken versehen. – Die Zurüstung zu dieser Jagd erforderte weiter 25 Tücherwagen, 16 Netzwagen, Federwagen, Schirmwagen, 12 Hirschkästen, 12 Hudelwagen und Bagagewagen, zusammen 85 Wagen und gegen 240 Pferde. Es wurden dabei im Feillerforst 12 Hirsche gefangen und lebendig an die Parforce-Jagdparks übersendet. Ausserdem wurden an Rothwild und Rehen 181, mit den Sauen aber 445 Stück erlegt. Die Jagdkleidung bei der gewöhnlichen Hirschjagd war dunkelgrün, bei der Parforce-Jagd hellblau mit Silbertressen, gelben Westen und Hosen, hohen Reitstiefeln und dreikantigem mit Silberborten besetztem Hut. In Sachsen war 1730 die Jagdkleidung zur Parforcejagd gelb, die Damen gingen in Mannskleidung; am Hofe des Königs von Preußen Friedrich Wilhelm I. war die Kleidung der Piqueurs roth und grün, der Rock roth mit grünsammtenen Aufschlägen, Hosen und Weste grün. 1744 war Karl Albrecht als Gast beim Landgrafen Ludwig VIII. von Hessen, welcher ihm eine Parforcejagd gab. Zur Erinnerung daran wurde im Walde Mitteldick, unfern Trebur, ein 4 Fuß hoher Stein errichtet mit der auf dessen vier Seiten vertheilten Inschrift: Carl VII. Roemischer Kaiser hat Anno MDCCXLIIII den V. May (hier folgt das Bild eines starken Hirsches) diesen Hirsch par force gejagt. Der Waldbezirk wurde davon die Kaiserplatte genannt. Unter Maximilian III. scheint 1748 eine der von 1722 ähnliche Hirschjagd stattgefunden zu haben, wo der Hirsch in den Starrenbergersee gesprengt und die Jagd von den hohen Herrschaften vom Bucentauro aus angesehen wurde. Diese Jagd (mit der angegebenen Jahrzahl 1748) ist von dem Maler Bidermann auf einem großen Bilde dargestellt, worauf auch der zeichnende Maler zu sehen. Es wurde ein Hirsch von 12 Enden forcirt. Er schwimmt im See, hinter ihm etwa 70 weiße, lichtgelb gefleckte Hunde. Zahlreiche Kähne zu beiden Seiten, wo kleine Kanonen gelöst werden und flinke Gondeliers auf venetianischen Gondeln geben ihm die Richtung nach dem berühmten, mit Reichthum überladenen Bucentauro. Der Churfürst selbst hatte den Hirsch mit vielen Cavalieren in den See forcirt und hält am Ufer, wo der Wald ausgeht, in Mitte zahlreicher Jäger, welche auf großen Parforcehörnern blasen. Die höchste Pracht ist überall sichtbar, die Schiffe und Kähne meistens mit den bayerischen Rauten bemalt und Flaggen, Segel und die Kleidung der Schiffer von den Hausfarben, daneben ein größeres Schmuckschiff mit rothen und weißen Farben und auf dem mächtigen Bucentauro Cavaliere und Damen in grosser Galla, rothe und blaue in Gold und Silber schimmernde Uniformen \&c., auf dem höchsten Deck die Trompeter und Paucker in voller Arbeit und rings ein Gewimmel von Barken und Kähnen mit Jägern, Dienern und Zuschauern. Das Schauspiel muß ein höchst imposantes gewesen seyn. Von Maximilian III. sind Jagden verzeichnet in Großwayl, Isareck und zu Schleisheim. Eine derselben 1758 zu Großwayl bei Benediktbeuern wurde mit großartigem Aufwand eingerichtet. Es waren 1300 Mann und 190 Pferde aufgeboten. Am 5. August begann das Einrichten der Jagd, am 11. August wurde abgeschossen. Angegeben waren 40 Hirsche, darunter zwei Vierzehn-Ender, drei Zwölf-Ender \&c. Das Resultat der Jagd selbst fand ich nicht aufgezeichnet. Zu Schleisheim hat sich der Churfürst öfters aufgehalten um der Hirschjagd zu pflegen, so in den Jahren 1753 und 1754 jedesmal vom 12. bis 24. Juli. Bei dem Aufenthalt in letzterem Jahre erlegte er während der kurzen Zeit allein 12 Hirsche und 1 Thier. Bei mehreren Jagden in diesen Jahren wurden 7, 11 und 15 Hirsche lebendig gefangen und nach Forstenried in den Parforce-Park gebracht. Am 20. und 25. August 1755 hielt der Churfürst im »Yberreiteramt Isaregg« (Wiltmeisteramts Landshut) zwei gesperrte Hirschjagden, wobei 92 Hirsche, 7 Thiere und 15 Kälber geschossen wurden. Die Lieferungen zum Wildpretgewölb und Hofzöhrgaden zeigen, daß die Hirschjagd um die Mitte des vorigen Jahrhunderts gegen das Ende des siebzehnten wieder zugenommen hatte. Eine Zusammenstellung von 1751–55 ergibt durchschnittlich per Jahr 97 Hirsche, 102 Thiere und 49 Kälber (248 Stück), während die Lieferungen von 1674–1691 durchschnittlich per Jahr nur 55 Hirsche, 53 Thiere und 19 Kälber gibt. Das Personal der Parforce-Jagd bestand um 1770 aus 30 Jägern, Knechten \&c. mit den zugehörigen Pferden; es wurden 100 Hirschhunde, 40 Wildprethunde, 20 Leithunde gehalten zu Neuhausen bei München, wo noch ein Mauerbild darstellt, wie die Hunde den fürstlichen Herrschaften vorgeführt werden. Commandant war Sigm. Friedrich Graf v. Preysing. – Die ganze Parforce-Jagd kostete 15,864 fl. 1775 hielt der Kurfürst am 12. Oktober, an seinem Namenstage, eine Parforce-Jagd bei Maria Eich, einem bekannten Wallfahrtsort in der Nähe von München. Nach langem Hetzen flüchtete sich der Hirsch in einen eingezäumten Winkel der dortigen Mutter-Gottes-Kapelle. Die Meute fand ihn bald, die Jäger eilten herbei und der ganze Jagdtumult erscholl um die Kapelle. Da aber der Churfürst herankam (er fuhr in einer zweirädrigen Kalesche) befahl er sogleich, um die heilige Zufluchtsstätte zu ehren, vom Hirsch abzulassen und ihm die Freiheit zu schenken, worauf er die Jagd anderwärts fortsetzte. Eine Bildertafel mit gereimter Beschreibung des Ereignisses ist noch an der Kapelle zu sehen. Die Kurfürstin Maria Anna war ebenfalls Jägerin. – 1780 als Wittwe begab sie sich auf den Schleisheimer Hirschplan zum Jagen. – Um diese Zeit wurde der Hirschgarten bei München auf Befehl des Churfürsten Karl Theodor durch den Oberstjägermeister Freiherrn von Waldkirch angelegt. – Mit der Hirschjagd scheint sich der Kurfürst damals weniger mehr beschäftiget zu haben als seine Vorgänger. Die Parforce-Jagd ist unter ihm 1778 aufgelöst worden. In der Rheinpfalz hatte er sie 1747 eingeführt. König Maximilian I. war ein großer Freund und Gönner des Waidwerks, und unter ihm begann vorzüglich die Hirschjagd in Tegernsee in Flor zu kommen, sowie in Berchtesgaden. 1818 – und 1820 hielt der König eingestellte Hirschjagden zu Tegernsee am Gruberberg. – In der ersten Jagd wurden 49 Stück Edelwild, darunter 19 Hirsche (2 von 14 Enden 3 von 12 \&c.) in der zweiten 116 Stück erlegt, worunter 53 Hirsche (1 von 16 Enden, 2 von 14, 8 von 12 \&c.) Die erste Jagd kostete 1406 fl. – die zweite 1785 fl. In Berchtesgaden wurden auf dergleichen Jagden im Mittel 60 Stück erlegt. – Ferner hielt König Max I. Jagden in Forstenried, Neuried, Fürstenfeldbruck, in der Hirschau und zu Ismaning, es wurden meistens gegen 50 Stück erlegt. – Unter den Jagden des Königs Ludwig waren die in den Freisinger Auen die vorzüglichsten und wurden meistens 100 Stück und darüber geschossen, so 1827 – 172 Stück, 1829 – 108 Stück, 1832 auf zwei Jagden einmal 130, das anderemal 108 Stück, 1835 – 168 Stück und s. f. bis mit dem Jahre 1848 in diesen Revieren ganz abgeschossen wurde. – Es sind daselbst von 1825 bis 1847 auf 11 königlichen Jagden geschossen worden 435 Hirsche, 624 Stück Wild, 247 Kälber. – Die Lieferungen zum Zwirchgewölb betrugen von 1841–45 im Durchschnitt jährlich 325 Hirsche, 354 Thiere und 83 Kälber. Vorzügliche Gehege waren auch in den Bergen um Stauf und Wörth bei Regensburg, deren Jagdherr, der Fürst von Thurn und Taxis, den Wildschaden so erheblich vergütete, daß derselbe öfters beim Verkaufe eines Hofes oder Grundstückes als Rente mit in Anschlag kam. In den Wörther-Revieren wurden in freier Jagd von 1827 bis 56 an Edelwild 1294 Stück geschossen, worunter 549 Hirsche. – Die Jagd wurde ächt waidmännisch getrieben, denn der Fürst ist ein ausgezeichneter Jäger und es war eine Seltenheit, wenn ein angesagter Hirsch im Bogen fehlte oder unrichtig angesprochen war. – Die Hirsche waren meistens sehr gut und kamen mitunter vorzügliche Geweihe vor. – Unter den genannten Hirschen sind 3 von 16 Enden, 20 von 14 Enden, 54 Zwölfer, 117 Zehner und 145 Acht-Ender verzeichnet. Mit dem Jahr 1848 wo unter allerlei Vorwand von der Gefahr des Vaterlandes auf Volksbewaffnung gedrungen und diese auch theilweise in der Bildung von Freicorps \&c. erreicht wurde, mußte schon deßhalb der Wildstand mehr oder weniger seinen Untergang finden, denn die Bauern, Bergschützen \&c. zogen mit den zutheilten Waffen so viel sie konnten zum Jagen aus und mancher anfangs jubelnde Demokrat sah mit Entsetzen, wie sie lieber dem Wild nachliefen, als sich der angesonnenen Verfechtung seiner Fortschritts-Ideen hinzugeben und wie alles Reden und Schmeicheln nichts nützte. – Dazu kamen die neuen Jagdgesetze und allerlei Verwirrung und Unfug, so daß namentlich die Hirsch-Jagd in vielen Landesdistrikten ihr Ende fand oder auf Parke beschränkt wurde. Außer dem Hochgebirg kommt noch Edelwild, doch verhältnißmäßig in geringer Menge, im Freien vor: im Spessart, 1787 wurden im Spessart beim Hirschfaistjagen, welches der Churfürst von Mainz hielt, 89 jagdbare Hirsche erlegt. in der Rhön, im Gramschatzer-Wald bei Würzburg, im Fichtelgebirg und Veltensteiner-Forst in Oberfranken, in den Waldungen zwischen Rothenburg und Winsheim in Mittelfranken, in den oberpfälzischen Waldungen zwischen Grafenwöhr und Vilseck, und in den Revieren Buchenberg (Jagd des Prinzen Luitpold, am Gebirg), Kürnach und Glöttwang in Schwaben, theils als Pacht, theils als Regie-Jagden. Die vorzüglichsten Parke, welche Edelwild hegen, sind die königlichen von Forstenried (gegen 800 Stück), Perlach und Grünwald (500 Stück) unter Administration der Hofjagdintendanz, dann die Parke von Anzing und im Spessart (200 Stück) unter Administration der Forstverwaltung; die Parke des Fürsten von Thurn und Taxis bei Regensburg, des Fürsten von Löwenstein im Spessart (500 Stück) und des Fürsten von Leiningen bei Amorbach an den Ausläufern des Odenwalds. In den Parken von Forstenried, Anzing und Grünwald sind auf den königlichen Jagden von 1851–55 inclus. 333 Stück Edelwild erlegt worden. In unseren Alpen dagegen, jenen willkommenen Schlössern, welche die neuere Zeit mit all ihrer Sucht des Gleich- und Ebenmachens nicht abtragen und erniedrigen kann, ist die Hirschjagd, obwohl sie ebenfalls viel gelitten, durch des regierenden Königs hohen Schutz wieder zu erfreulicher Blüthe gediehen. Es giebt auch kaum anderwärts so vortrefflich gelegene Thäler und Höhen, die allen Zwistigkeiten über gegründete und ungegründete Wildschadensklagen entrückt sind, und sie schicken nun den angrenzenden Jagden der Gemeinden freigebig manchen Hirsch zu, dessen diese außerdem nur durch alte Geweihe als der Beute vergangener Zeiten erinnert würden, oder durch Wirthshausschilde, an welchen die Jugend der württembergischen Bauern und vieler anderer nächstens allein noch ihre Studien machen wird, wie wohl ein Hirsch des Landes ausgesehen haben mag. In den Ammergauer-Revieren sind vorzügliche Gehege; die einsamen Thäler von Graswang und Halbammer, durch die felsigen Rücken des Sonnenbergs, Brunnenkopf, Klammspitz und andere getheilt, über welche die Wechsel gehen; in der Vorder-Riß die Au und der Hochkopf mit seiner wundervollen Fernsicht; in Berchtesgaden der Regen ober der Kaunerwand, die Fischunkel, die Eisschlucht bei St. Bartolmä und das wilde Wimbachthal. Vorzüglich bemerkenswerth ist die Jagd auf dem sogenannten Regen an der östlichen Seite des Bartolomä- oder Königssee's. Der König hat dort in der Nähe der Regenalphütte zwei Birschhäuser für sich und seine Gäste. In einer Höhe von 5000 Fuß mit der schönsten Aussicht auf die Bergketten am westlichen und südlichen Theil des See's mit dem Watzmann, steinernen Meer, und der mit ewigem Schnee »übergossenen Alm« wechseln waldige und steinige Gehänge mit mancherlei Einsenkungen und zum Theil schwer zu begehenden Gründen voll felsiger Gruben und Löcher. Da ist man zwischen zwei Gemsgebirgen, unterhalb das Warteck, die Kaun, Thalwand \&c. und oberhalb die Tauern, Karlsberg \&c. Der Stand an Edelwild ist verhältnißmäßig für den kleinen Platz bedeutend und kommen oft gegen 100 Stück in den Jagdbogen. Gewöhnlich werden von den 8–9 Schützen 15–16 Stück geschossen, da die Jagd ganz frei ist und einfach getrieben wird, wobei viele Rudel nicht an die Schützen kommen, von den anlaufenden aber meistens nur die stärkeren Hirsche zum Schuß ausgewählt werden. Auf den Berchtesgadner-Jagden kommen der Oertlichkeit wegen Scenen vor, welche anderwärts nicht möglich sind und es geschieht öfters, daß die Hirsche den Obersee oder den Bartolomäsee annehmen oder in's Steingewänd einsteigen wie die Gemsen (wobei selten einer abstürzt, außer wenn er flüchtig ist), und wechseln in den romantischen Gründen die herrlichsten Bilder, wie sie nur ein Hirsch gewähren kann, sei es, daß er das Dickicht theilend, aus dem Dunkel des Holzes trotzig hervortritt in den sonnigen Tag oder durch ein Gewirre mächtiger Felsblöcke hinzieht, oder mit dem flüchtigen Rudel des Wildprets vom Gehänge heranbraust, daß der Boden zittert, – Jagdscenen, welche all den seiner Zeit so gepriesenen Glanz übertreffen, der um die Mitte und gegen Ende des vorigen Jahrhunderts bei den eingestellten Jagen mit aufgeputzten Schirmen und Zelten und Empfang des Wildes mit Trompeten und Pauken erzielt werden wollte. So geschieht es gewöhnlich, wenn die Fischunkel mit Hunden gejagt wird, daß Hirsche durch den auf zwei Seiten mit steilen Wänden eingeschlossenen Obersee schwimmen und entweder von einem Kahn aus geschossen werden können, oder an dem Platze, wo sie aussteigen und hat der König 1856 dort fünf starke Hirsche erlegt. Auch schwimmen sie wohl an eine Stelle, wo man es bei den Thalbrunnen nennt und steigen an der furchtbaren Thalwand hinauf, wo ein überhängender Felsen scheinbaren Schutz gewährt. Ein guter Büchsenschuß erreicht sie aber und stürzt sie in den See. – So sind 1853 vom Könige zwei Hirsche von 10 Enden vom Schiff aus geschossen worden. Am Obersee, im Eis- und im Wimbachthal sind die Berge in größeren Höhen meistens so steil und mit Wänden begränzt, daß oft nur wenige Stellen bleiben, wo ein Hirsch noch weiter steigen und in's hohe Gemsgebirg wechseln kann. Es bedarf manchmal nur einer Thüre, um dieses zu verhindern und dergleichen (die sog. Gatterln) sind auch mehrere angebracht, weniger wegen des Jagens, als weil ein sich so versteigender Hirsch oder Stück Wild, wenn Schnee fällt, verloren ist und verhungert. In das sogenannte Hocheis, so heißt ein Gehänge, welches die Thalschlucht mit der bekannten Eiskapelle abschließt, kann das Wildpret nur hinaussteigen, wenn viel Schnee fällt, und dort einen felsigen Graben zwischen der Hachelwand und »der Kirch« ausfüllt und dadurch zugänglich macht. Wenn dieses nicht der Fall ist, so können allein die Gemsen aus dem felsigen Kessel an den Wänden fortwechseln, das Wildpret muß durch das Thal des Eisbachs. Man kann daher dort leicht ein eingesperrtes Jagen anstellen, indem man das Wild in den Kessel treibt und den engsten Theil der Thalschlucht mit Tüchern abschließt. Solche Jagden werden auch gehalten und dann das Zeug in der Nähe der Watzmann-Wände, wo der Königsschirm steht, niedergelegt. Wenn durch frühen Schnee die erwähnte Schlucht an der »Kirch« sich ausfüllt und Wildpret in's Hocheis steigt, so müssen die Jäger sich bemühen, es zeitig herunter zu treiben, denn da die Schneemasse in Eis sich umwandelt, und unter ihr ein Bach sich bildet, der das Eis aushöhlt, so bricht dann dieses oft ab, so daß auf der Oberfläche kein Wechsel mehr möglich ist, sondern nur unter dem stehengebliebenen Gewölbe. Diesen Weg nimmt das Wild niemals und da es bei eintretendem Winter im Hocheis zu Grunde gehen muß, so bleibt nichts übrig, als darauf Jagd zu machen und zu schießen, was zu bekommen ist. Ich war einmal bei einer solchen Jagd und habe, obwohl nur Wildpret zu schießen war, kaum eine erlebt, die romantischer gewesen wäre, denn abgesehen von dem unheimlichen Wege in jener Schlucht, wo wir unter dem drohend niederhängenden bis 5 Fuß dicken Eisgewölb eine ziemliche Strecke in dem Bach ansteigen mußten, kam während des Jagens ein Donner von der Hachlwand, als wollte diese in sich zusammenstürzen. Man sah dabei nicht sogleich was vorgehe, bis sich plötzlich von Staubwolken begleitet eine gewaltige Felsmasse über den höchsten Rand des Gehänges hervorwälzte und bei dem furchtbaren Sturz in Trümmer zerschellend in die Decke des Eisgewölbes einschlug, welches wir passirt hatten und durch welches wir wieder zurück mußten. Wir schossen damals vier Stück Wild, deren eines in eine Kluft fiel, wo das Eis am Felsen abgeschmolzen war. Es mußte ein Mann an einem Strick hinuntergelassen werden um das Thier zu bekommen, ebenso mußte das sämmtliche Wild am Strick über den Felsen, der die »Kirch« heißt, heruntergeschafft werden, und bot diese Jagd von Anfang bis zu Ende gar seltsame und malerische Bilder. Ich sah dabei ein Thier und ein Kalb auf einem sehr steilen Felsrücken zwischen scharfen Gräben gegen eine Wand steigen, wo sie nicht mehr weiter konnten und war der Grat so schmal und der Wechsel so gezwungen, daß der Jäger, der sie heruntertreiben wollte, nur mit Gefahr ausweichen konnte, als sie um durchzubrechen auf ihn zukamen. Ein eigenthümliches Schauspiel erlebte ich einmal am Obersee in Berchtesgaden, als ich von einem Ausflug in die Fischunkel nach Bartolomä zurückkehrte. Dort führt nur ein schmaler Weg um den See, der sich ansteigend und wieder senkend am Felsengehäng hinzieht. Am höchsten Punkte, etwa 80 Fuß ober dem See, ist eine der vorhin besprochenen Thüren, welche den Steig abschließt und gegen die Seite nach der Salet sich öffnet. Ich mußte da durch und machte die Thüre wieder zu, weil ich schießen hörte und wußte, daß in der Salet (am Saamenschlag) eine königliche Jagd stattfinde. Es ist nämlich der erwähnte Steig auch der einzige Wechsel, welchen ein Hirsch annehmen kann, um aus der Salet in die Fischunkel zu gelangen, wenn er nicht hoch ansteigen oder über den Obersee schwimmen will, daher bei den Jagden die Thüre geschlossen wird. Als ich auf dem ziemlich langen Steig etwa eine Viertelstunde weiter gegangen war, fiel mir ein, daß es gerade kein Spaß wäre, auf solchem Platz einem ausreißenden Hirsch zu begegnen, denn der Abhang gegen den See ist schwindlich steil und die andere Seite an vielen Stellen ebenfalls nur schwierig oder gar nicht zu erklimmen. Der Steig aber wird am schmälsten wo er gegen die Salet ausgeht und an ein Ausweichen ist nicht zu denken. Ich beeilte mich daher aus diesem Felsengang zu kommen und kaum hatte ich den Fuß auf die Ebene der Salet gesetzt, so rannte wirklich ein Hirsch von 6 Enden gerade auf mich zu und dann in größter Flucht den Steig hinauf, welchen ich eben verlassen hatte. Es war ein herrlicher Anblick. Als er nun gegen die Thüre kam, hielt er an und stand unschlüssig was er thun wolle. Indessen kam der Hund, der ihn gejagt und hell ausgebend rannte er ebenfalls den Steig hinaus. Da versuchte der Hirsch über die furchtbaren Platten unter ihm das Ufer des See's zu gewinnen. Mit einigen Sprüngen gelang es ihm etwa ein Drittel der Höhe herunter zu kommen und sich auf einem Vorsprung der Felsschichten zu erhalten. Der Hund wagte nicht zu folgen, aber nicht lange so setzte der Hirsch wieder hinauf an gegen den Hund, bei der zweiten Platte rutschten ihm aber die Läufe aus, er drehte sich noch einmal, konnte keinen Halt mehr fassen und stürzte nun die ganze Höhe, nur einmal an der Wand auffallend, in den See, wo er auch sogleich verendete und mit einem Kahn an's Land geschafft wurde. Es haust da oben der Tod, der wilde Jäger für Mensch und Thier, mit manchem Vortheil für sein Waidwerk, der ihm in der Ebene versagt ist. Die meisten königlichen Hirschjagden, welche der König im Gebirg hält, sind freie Jagden, wobei zuweilen Federlappen Dieses Scheumittel war schon den Römern unter dem Namen formido (Furcht) bekannt: Pennae in lineam contextae dicuntur formido . gebraucht werden und wird je nach den Verhältnissen auch mit Hunden gejagt, an denen übrigens fast zu wenig geschieht, was sonst zu viel daran gewendet wurde. In den großen Forsten der Ebene waren vor 1848 die Jagden, welche der verstorbene Fürst Löwenstein hielt, da ihm die königlichen Reviere zu Gebote standen, von eigenthümlicher Art, und mag hier Einiges davon erwähnt werden. Wenn die Schützen und Treiber angestellt waren, so setzte des Fürsten Leibjäger einen Leithund auf die Fährte des Hirsches, welcher bestätiget war und zog, auf der Fährte nachhängend, voraus in's Holz. Die Treiber rückten still und nur wenig an die Bäume klopfend nach. Der Hund verließ die Fährte nicht, da es dann bald geschah, daß der Jäger an den Hirsch kam. Sowie er ihn erblickte, stieß er in's Horn, und es waren eigene Zeichen, welche die Stärke des Hirsches verkündeten, und leicht zu erkennen, wohin sich dieser im Bogen wendete. Auf das Zeichen blieben die Treiber stehen oder folgten nur von fern dem Hornruf. Anfangs ging der Hirsch wohl flüchtig, aber nicht weit, denn er wußte bald was im Werk war, da man nur auf einen jagdbaren Hirsch jagte und ein solcher hatte als Spießer, Gabler und auch später schon genug Erfahrungen gemacht und unterschied die Störung der Jagd und zufälliges Aufgescheuchtwerden recht gut. Der Hirsch suchte also keineswegs in übereilter Flucht gegen die Schützen zu rennen, sondern vielmehr den verfolgenden Jäger durch Wiedergänge zu täuschen, und steckte sich in jedem größeren Dickicht. Aber der Hund war gut und wie das Verhängniß sein Opfer überall findet, so fand er den Hirsch. Da wurde dieser doch endlich gegen die Schützen gedrängt, und ging oft so bedächtig vor, daß ihm der Jäger ganz nahe kam und ihn häufig erblickte, wobei er jedesmal in's Horn stieß. Wer ein Waidmann ist, kann sich die Spannung denken, und wie das Herz schlug, wenn der Ruf immer näher kam, und das Dickicht deutlich bezeichnete, welches den Hirsch verbarg. Alles ringsum still, der Blick unverwandt nach dem dichten Tannengrün gerichtet, die Büchse hoch genommen, schußfertig – noch ein Hornruf, jetzt muß der Hirsch erscheinen; ein Rauschen, jetzt gilts – da bricht er vor mit dem stolzen Geweih! Waidmanns Heil! – Im Dickicht zog der Hirsch gewöhnlich sehr zögernd hin und her, sobald er aber ins lichte Holz oder gegen eine Straße oder einen Richtweg kam, und öfters konnte man nur da schießen, dann ging er mehrentheils flüchtig, so daß es flink seyn galt, ihn zu fällen. Im Hessischen nennt man diese Jagd auch das Lanciren des Hirsches und den gebrauchten Leithund – Lancirhund – ( Lancer le cerf  = den Hirsch auftreiben). So nannte man auch den Hund manchmal, der bei der Parforcejagd den Hirsch zuerst sprengte. Alle Arten, den Hirsch im Treiben zu jagen, haben ihre anziehende Seite, ihn aber in der Brunstzeit im freien Wald oder im Gebirge zu birschen, ist noch viel höher zu stellen. In manchen Revieren unserer Berge kann man sie zu Ende Septembers wohl zu zehn und mehr auf einem Platz von ein paar Stunden schreien hören und haben viele, wie die oberbayerischen Jäger sagen »a' woiterni Laut'n« d. i. eine tüchtige Stimme. Im Graswangthal und in der Halbammer bei Ettal und auf dem Regen bei Berchtesgaden geht der Handel am lustigsten. Wenn man da auf einer Alphütte übernachtet, so wird man wenig schlafen, denn die sogenannten »Almliecht'n« oder die Waideplätze der Alpen besuchen die Hirsche in der Nacht vorzüglich gern und kommen der Hütte oft so nahe, daß beim Mondschein mancher vom Fenster aus geschossen wird. Unter günstigen Umständen kann man an einem Gehäng ihr Treiben oft beobachten und besonders anziehend ist es zu sehen, wie ein guter Zehn- oder Zwölfender sein Wildpret gegen einen zudringlichen Achter bewacht, wie er ihn gewaltig zürnend anspricht und bald drohend gegen den nahenden vorschreitet, bald in Sprüngen ihn in die Flucht jagt. Seltsam ist dabei, daß wenn ein solcher geringerer Hirsch mit einigem Wildpret, welches er jagt, in die Nähe eines starken kommt, das Wildpret diesem zuläuft und sich zu seinem Harem gesellt. Bei Fouilloux nach B. Jobin heißt es: »ist wunderbarlich zu hören, daß der alt Hirsch viel hitziger auff das Wild, vnnd auch demselbigen viel annehmlicher ist, dann der jung, welches bei etlichen vnsern Weibern nicht breuchlich seyn, sondern im Widerspil gefunden werden wil.« Es kommt freilich auch vor, daß während der Platzhirsch mit einem Rivalen sich beschäftigt und mit ihm kämpft, ein anderer Rival der leichteren Waare die Gelegenheit benützt, beim Wildpret sein Glück zu machen und nicht abgewiesen wird. Das Kämpfen, welches man weit hört, endet oft mit tödtlicher Verwundung des einen oder auch beider Betheiligten und kommt viel auf den Bau des Geweihes an, um diesem oder jenem Hirsch beim Kampf ein Uebergewicht zu verleihen. Vor zwei Jahren habe ich einen auf diese Weise todtgekämpften Hirsch bei Gelegenheit einer Jagd in der Riß gesehen. Er war noch ganz frisch und hatte einen tiefen Stoß unter der Lunge erhalten. In den Jagdgeschichten ist ein besonderer Fall verzeichnet, welchen der Herzog Christian von Sachsen-Weissenfels erlebt hat. Er erlegte im Jahre 1728 bei der Hirschbrunft zu Freyburg dreißig Hirsche und darunter einen von 14 Enden, welchen er auf der Bürkersrodischen Weidenau mit einem Zwölfender kämpfend antraf. Die Hirsche hatten ihre Geweihe dergestalt verkämpft und verschlagen, daß sie nicht mehr auseinander konnten. Der Zwölfender erlag im Kampfe und der Vierzehner wurde dann vom Herzog geschossen. Auch findet man Beispiele, daß zwei Hirsche verenden mußten, weil sie im Kampfe ihre Geweihe in gedachter Weise verschränkt hatten. Schon der Kaiser Maximilian führt einen solchen Fall an: »Zwen Hiersch In der brunfft habendt mit ainander gekempfft, vnd sindt mit dem gehurn in ainander kommen, und nit von ainander megen, das Er ain hiersch todt ist peliben. also sendt sy gefunden worden, vnd die Gehurn noch also Inainander.« Solches geschah auch 1756 in Hessen, im Bickebacher-Tann, wo zwei so aneinandergeklammerte Hirsche verendet gefunden wurden. Die Geweihe befinden sich im Darmstädt'schen Jagdschloß Kranichstein und sind von Ridinger abgebildet worden. Darunter stehen nachfolgende Verse, worin den Hirschen zum Vorwurf gemacht wird, daß sie sich nicht vom Landgrafen Ludwig haben erschießen lassen. Es heißt: Schau Leser einen Hirsch-Duell Wo beide blieben auf der Stell' Als sie aus Eifersucht gerungen Und mit Gewichtern sich verschlungen; Ihr Fleisch, das sonst dem Mensch gehört, Ward schimpflich von dem Wurm verzehrt, Da sie entgangen Ludwigs Waffen So mußten sie sich selber strafen. – Landgraf Ludwig VIII. war ein großer Jäger und hat in der Brunft wohl die meisten und stärksten Hirsche erlegt, die je ein Jäger gebirscht, denn 1748 schoß er zu Jägerthal 80 Hirsche und 1747 erlegte er einen 22-Ender von 480 Pfund, dessen Geweih 24½ Pfund wog, dann einen 20-Ender von 500 Pfund mit einem Geweih von 15½ Pfund und weiter zwei 20-Ender von gegen 4½ Centner. Diese 4 Kapitalhirsche erlegte er in nicht 3 Wochen, vom 18. September bis 5. Oktober. Das ist des Guten wahrlich zu viel! – Er pflegte dabei meistens mit einer Windbüchse zu schießen. Es hängt viel von der Geschicklichkeit im Birschen, aber auch von Glück ab, um in der Hirschbrunft zu Schuß zu kommen. Manchmal zieht ein suchender Hirsch daher, als wäre er bestellt worden und manchmal kann man Tag und Nacht laufen und immer gehts verkehrt. Treibt man es im Gebirg eine Woche so fort, so kann man wohl um einige Pfunde leichter werden und zum Verdrusse wird dann auch mitunter die erste Morgenstunde versäumt, weil der Schlaf nicht zu bewältigen und trotz harter Lagerstatt auf Tannenästen und trotz Frierens in der Hütte, wo der Wind überall hineinbläst, dennoch sich einfindet und die Glieder fesselt. Dann fährt man wohl erschreckt empor, wenn die Sonne schon die Laanen bescheint und das Wildpret eingezogen ist. Die Tyroler Schützen behaupten, man bekomme keinen Schlaf, wenn man eine Fledermaus bei sich trage oder ein Rabenherz. Sie verfertigen sich auch ein sogenanntes »Wachbeutele,« welches so geschieht: »Fange Frösche, stich ihnen die Augen aus, und lasse sie wieder lebendig in's Wasser hineinschwimmen. Die Augen aber umhülle mit dem Fleisch von einer Nachtigall und nähe Alles in ein kleines Flecklein von Hirschhaut. Das Beutelchen hänge dir um den Hals, so kommt kein Schlaf durch viele Tage, und bist trotzdem gleich stark zum steigen.« Alpenburg. Mythen und Sagen Tyrols. Auf einen schreienden Hirsch, wenn er allein ist, läßt sich wohl ankommen, es ist aber nicht immer möglich der Aufmerksamkeit des Wildprets zu entgehen, wenn ihn solches begleitet. Die Vorsorge und Wachsamkeit des weiblichen Wilds zum Vortheil und Schutz des männlichen ist überall bemerkbar und namentlich in der Zeit des Brunftens und Falzens, wo die Buhlen vor Leidenschaft und Schwärmerei oft den Kopf verlieren und an Gefahr gar nicht denken. Bei der Hirschbrunft vereitelt daher nicht selten das Wildpret ein glückliches Anschleichen ebenso, als es die Hennen sind, welche oft verrathend aufflattern, wenn man einen falzenden Auer- oder Spielhahn anbirscht. Am ärgerlichsten ist, wenn das Wildpret vom Hirsch gegen den Birschenden getrieben wird und ehe dieser noch den Hirsch gewahr werden kann, sehr nahe heranzieht. Ist dann der Wind nicht ganz gut, so ist man meistens um den Schuß betrogen. Es ist schon oben angeführt worden, daß das Kinkhorn »der Schneck« bei der Hirschbrunft von unsern Jägern gebraucht wird. Man bricht dieser Muschel die Spitze ab, daß die Luft durchzieht und ruft nun, den Hirsch nachahmend, in den Schnecken hinein. Der eifersüchtige und kampflustige Hirsch kommt zuweilen ohne Säumen heran; wenn er aber auch nicht kommt, so meldet er sich wenigstens und ist das natürlich schon ein schätzbarer Behelf beim Anbirschen. Ein sehr großer Schneck taugt weniger als einer von mittlerer Größe. Unter den mir bekannten Waidmännern handhabt der Graf C. Dürkheim den Schnecken mit besonderer Meisterschaft und hat damit (1858) auf den Jagden des Fürsten Lamberg in Steyermark in 14 Tagen 23 meist sehr gute Hirsche erlegt. Es ist kein Wunder, wenn man bei solcher Birsch zuweilen das sogenannte Hirschfieber bekommt, denn der Anblick eines starken Brunfthirsches ist prachtvoll, und es packt einen, wenn er so stolz und wilden Ansehens dasteht, den Hals dick und langbehaart, dunkelfarbig, ganz schwarz, wie unsere Jäger sagen, und wenn das hohe Geweih in weißen Enden blitzend die dreifache Krone trägt. Es geschah einem meiner Freunde, der einen solchen Hirsch aus eigener Jagd in einem Schlag anbirschte, daß ihn das Fieber so überkam, daß er nicht schießen konnte. Da der Hirsch ganz vertraut war, birschte er sich wieder zurück und ruhte eine zeitlang unter einem Baum, indem er sich fortwährend zusprach, doch ruhigen Blutes zu seyn, es sey ja kein gar so großes Unglück, wenn er den Hirsch auch fehlen sollte, er komme ja sicher ein andersmal wieder an ihn u. s. w. Nachdem er meinte, er sey nun hinlänglich ruhig und zum Schießen gefaßt, birschte er wieder vor und war der Hirsch noch etwas näher gezogen. Da kam aber wieder das Fieber und obwohl er nun gleichsam im Zorn schoß, so fehlte er ihn doch. Die Urhirsche des Grafen Arco, welche ich in Berchtesgaden zu beobachten Gelegenheit hatte, schreien wohl theilweise wie die unserigen, der Schluß des Schreiens ist aber verschieden. Während die unserigen meistens mit einigen rauhen, kurz ausgestoßenen Tönen schließen, endet bei jenen das Schreien mit einem überschlagenden gezogenen Sägen. Daß die Parkhirsche in der Brunstzeit und auch außer derselben manchmal gefährlich sind und den Menschen annehmen, ist bekannt und erst vor einigen Jahren ist der Graf Wilhelm von Württemberg von den Angriffen eines solchen, der ihn schon zu Boden geworfen hatte, nur durch einen zufällig dazu gekommenen Dachshund gerettet worden; im Freien kommt dergleichen nur bei angeschossenen Hirschen vor, dagegen sind manche in anderer Weise bösartig und rauflustig und hat man Beispiele, daß sie Stiere angegriffen und mit ihnen gekämpft haben. Ein solcher Kampf fand im vorigen Jahre mehrmals auf der Griesalm im Wimbachthal statt und die Sennerin rief dem König, der dort zur Jagd ritt, zu, er könne leichter als mit Jagen den starken Hirsch bekommen, wenn er am Morgen oder Abend an dem Platz, wo der Stier weide, passen wolle, denn der Hirsch komme gewiß wieder zum Raufen. Einen ähnlichen Fall, der zu Veuve an der Ouche vorgekommen, erzählt Bingley. Der Hirsch erschien bei der Heerde fast immer zu derselben Zeit während der Monate April bis Juni und wurde von dem Stier, sobald ihn dieser erblickte, mit lautem Brüllen empfangen; meistens mußte der Stier weichen. Einem angeschossenen Hirsch, der sich niedergethan hat, darf man nur mit Vorsicht nahen und ebenso ist es immer gefährlich einen Hirsch beim Jagen an einem engen Platz abwehren zu wollen. In den Revieren von Weitwörth bei Salzburg war sonst ein guter Hirschstand und ich hatte selbst Gelegenheit mit dem Fürsten Löwenstein dort zu jagen. Da ist nun das meiste Holz so dicht unterwachsen und mit Ranken und Schlinggewächsen durchzogen, daß Treiber und Hirsch nur schmale Gänge haben, die durch die Wildniß führen und ging der Hirsch gegen den Treiber, wie oft geschah, so blieb diesem nichts anderes übrig, als sich auf den Boden zu werfen und ihn über sich wegsetzen zu lassen. Ein Versuch gewaltsamen Wehrens hatte bei ähnlichen Verhältnissen des Jagdbogen auf einer der fürstl. Taxis'schen Jagden einen höchst traurigen Ausgang. Der Hirsch stieß nämlich dem Treiber, einem erwachsenen Mann, einen Sproßen des Geweihs tief in's Auge und trug den Sterbenden noch eine ziemliche Strecke mit sich fort, ehe er ihn wegschleuderte. Die Stärke eines guten Hirsches ist überhaupt sehr groß und einen solchen genicken zu wollen, wie man einen Rehbock genickt, mag jeder bleiben lassen, der noch eine Kugel zu einem Schuß laden kann. Auch bei den Kampfjagen hat sich darin der Hirsch oft bewährt. Bingley erzählt, daß ein Herzog von Cumberland um 1764 einen Hirsch mit einem Tiger in einem eingeschlossenen Waldtheil von Windsor zusammenbrachte, um sie kämpfen zu sehen. Der Hirsch wies zwei Angriffe des Tigers mit seinem Geweih tapfer zurück und beim dritten schleuderte er ihn dermaßen weg, daß der Tiger abließ. Der Herzog schenkte diesem Hirsch die Freiheit und legte ihm ein breites silbernes Halsband um, auf welchem die Erzählung des Kampfes eingegraben war. Weiße Hirsche kamen bei uns vor 30 Jahren in der Gegend von Andechs vor und noch im Jahre 1847 in der Nähe davon bei Hochschloß. Landau erwähnt derselben auch in früherer Zeit in Hessen, ebenso braun und weiß gefleckte Hirsche. Im Park von Hellbrunn bei Salzburg befinden sich noch gegenwärtig mehrere weiße Hirsche und Thiere und kamen zu Ende des 17. Jahrhunderts im Salzburg'schen auch im Freien vor. Im Jahr 1693 wurde ein weißer Hirsch im Revier Golling auf dem Satteleck gefangen und 1690 einer bei Glaneck in Gegenwart des Erzbischofs Johann Ernst. Flemming sagt, daß das Erscheinen eines weißen Hirsches Unglück bedeute; um solches Omen kann man sich beruhigen; öfter trifft bei der Hirschjagd das Unglück ein, daß auch kein brauner Hirsch erscheint. Schwarze Hirsche sind sehr selten. Es befand sich ein solcher 1813 im Thiergarten zu Waldleiningen. Sowie zuweilen Hirsche mit mehreren Stangen, drei und sogar vier, vorkommen, ebenso gibt es welche, die nur eine Stange haben und auch solche ohne Geweihe. Erstere nannte man vormals in Hessen Mörder , letztere Mönche . Von unsern Gebirgsjägern werden die Spießer häufig Moses oder Moises genannt, weil die gewöhnlichen Strahlen am Kopf des Moses in den alten biblischen Bildern oft durch zwei Hörner, ähnlich wie bei einem Spießer, ersetzt sind. Die Gebirgshirsche sind, je nach der Lage und Güte der Aesungsplätze, gewöhnlich stärker am Leib, als die Landhirsche und unterscheiden sich von diesen durch stumpfere Schalen der Läufe; sie wechseln oft sehr weit, und als noch auf dem Schleisheimer-Moos Standwild war, konnte man nicht selten einen Berghirsch im Rudel beobachten. Die Jäger machten meistens gleich Jagd auf den unstäten Gast und erlegten ihn gewöhnlich, indem sie den Rudel über die sumpfigsten Stellen trieben, wo die leichte Waare glücklich hinüberkam, der schwerere Berghirsch aber bei dem steten Einsinken so zu arbeiten hatte, daß der Jäger zum Schuß gelangen konnte. Umgekehrt wechseln auch die Landhirsche in's Gebirg. Es ist oft viel Arbeit, einen erlegten Hirsch von den Bergen herunterzubringen und geschieht gewöhnlich auf Schlitten oder kleinen Karren, zuweilen muß er aber zerwirkt und theilweise getragen werden. Es gibt dort noch Männer, deren einer allein im Stande ist, einen jagdbaren Hirsch zu tragen. Dazu wird Vorder- und Hinterlauf auf derselben Seite geschränkt oder zusammengebunden, daß sie wie Tragriemen dienen, der Mann schlieft mit den Armen durch und nimmt den Hirsch so auf, Kopf und Geweihe hängen über die Schulter. In unserer papierenen Zeit ist es ein erfrischender Anblick, einen solchen Träger mit seinen Steigeisen zu sehen, wie er mit dem stattlichen Thier dahingeht und muß man sich wundern, daß dergleichen Bild noch von keinem Maler benutzt worden ist. Wegen der erwähnten Schwierigkeiten des Fortbringens kommt es auch vor, daß ein Jäger, der sich auf seinen Hund verlassen kann, absichtlich einen Hirsch waidwund schießt und dann den Hund daran läßt. Mit solchem Schusse geht der Hirsch immer abwärts und findet ihn der Jäger vor dem verbellenden Hund meistens an einem Bach am Fuße des Berges, wo er ihn erlegt. Man wird dieses Verfahren nicht so sehr mißbilligen können, als es auf den ersten Blick vielleicht scheinen mag, denn so oder so, der Gebirgsjäger hat ohnehin mit Mühseligkeiten, Beschwerden und Gefahren genug zu kämpfen. Wer die Hirschjagd nur in der Ebene kennt, der hat sie, möchte ich sagen, nur halb genossen, und wer sie nicht anders als in Parken mit regelrechten Geräumten mitgemacht, der hat daran das Wenigste erlebt. In den Bergen aber sind die günstigen Verhältnisse gegeben, die ganze Herrlichkeit solcher Jagd zu entfalten. Es ist dieses ganz natürlich, denn man denke, wie dort oft ein weites Gehänge zu überschauen und das nahende Wild oft lange zu beobachten ist, ehe es in die Schußweite kommt, man denke sich, wie ein einziger Hirsch solche Landschaft belebt, während im ebenen Wald die Aussicht bedeutend beschränkt ist und in Parken das Wild oft nur momentan beim Wechsel über ein Geräumt zum Vorschein kommt. Der Stand an Edelwild ist in mehreren unserer Gebirgsreviere vorzüglich. In den Jagden von Hohenschwangau waren im Jahre 1828 nicht über 50 Stück vorhanden, gegenwärtig kann der Stand auf 700 Stück angesprochen werden, in den Berchtesgadener-Revieren (Königssee, Bartolomä, Schapbach und Wimbach, Hintersee, Bischofswies) zu 450 Stück \&c. Die früheren Feinde des Edelwildes unter den Raubthieren sind fast gänzlich verschwunden, und kommt der Waidspruch nicht mehr vor, wo es heißt: »Sag an, mein lieber Waidmann, wie spricht der Wolf den edlen Hirsch im Winter an?« und die Antwort lautet: »Wohlauf, wohlauf, du dürrer Knab, du mußt in meinen Magen, da will ich dich wohl durch den rauhen Wald hin tragen.« Dagegen ist der Winter selbst der gierige Wolf und der grimmige Bär, welcher in manchem Jahr gar furchtbar haust unter dem armen Wild und seine Feinde sind weiter die Calamitäten der kleingehackten Jagdbezirke und die ungenügenden Pachtzeiten, welche zu Nutz und Freude baldigst beseitiget werden mögen! Der Damhirsch. Es ist oft bemerkt worden, daß jede Art von Wild im Allgemeinen eine gewisse Einförmigkeit im Aussehen habe und daß es mithin kein Wunder seyn kann, wenn sich Bekannte und Gatten verwechseln oder auch anderseits wunderbar, wenn sie das nicht thun, was ebenfalls vorkommt. In der Farbe gibt es zwar mancherlei Nuancen, auffallende Verschiedenheiten sind aber immer selten. Bei genauerer Betrachtung finden sich auch Unterschiede in der Gestalt und selbst in der Physiognomie, ja es ist gewiß, daß es unter dem Wild schöne Individuen giebt und in ihrer Art auch häßliche, wie unter den Menschen. Bei den physiognomischen Verschiedenheiten zeigt sich seltsamerweise, daß diese mehr beim harmlosen Hirsch- und Rehwild sich finden, als bei den räuberischen Füchsen, wo einer aussieht wie der andere, während unter den Spitzbuben des Menschengeschlechts die größte Mannigfaltigkeit des Ausdrucks vorkommt. Ein Wild aber, welches, besonders in der Farbe, sehr auffallende Verschiedenheit zeigt, ist das Damwild ( Cervus Dama ). Man kann zu derselben Zeit röthlichbraune, graue, weiße und schwarze, und gefleckte Individuen auf einem Rudel beisammen sehen und dieses Verhältniß ist nicht etwa auf einen besondern Landstrich beschränkt, sondern ist allgemein und sowohl in Parken als im Freien zu beobachten. Diese Abwechslung hat manchen Reiz und die Dichter, welche herkömmlicherweise gerne von einem weißen Hirsch oder einer weißen Hindin singen, können ihr Ideal unter dem Damwild leicht verwirklicht finden, während sie beim Edelwild lange drum suchen dürften. Das Damwild erinnert in mancher Beziehung an ein Mittelding zwischen Hirsch und Ziege und besonders, wenn es halbflüchtig ist, springt es dieser ähnlich satzweise auf alle vier Läufe zugleich. Da es auch vom Edelwild nicht sonderlich geliebt wird, so hat Laube Jagdbrevier. den bastardischen Ursprung des weiteren ausgeführt und werden die ersten Damkinder von den Edelhirschen zur Rede gestellt: »Ihr habt von Ziegen Schwanz und Haar Von unanständ'ger Länge, Ihr galoppirt wie ein steifer Gaul, Wer seyd Ihr, wir fragen strenge! Und als die Abkunft dargethan war, so   – gingen die Hirsche zornig fort, Ein Fluch ward ausgesprochen: »Wer mit den Bastarden verkehrt, Hat Hirschenehre verbrochen!« So blieb das Pärchen denn allein, Hat sich allein vermehret; Der Titel »ein verdammter Hirsch« Hat sich in »Damhirsch« verkehret. Von ihrer Mutter behielten sie Die Neugier und schweres Verständniß, Der Rothhirsch nimmt noch heut'gen Tags Von ihnen keine Kenntniß. – Die älteren Jäger haben behauptet, daß in der That eine solche Antipathie zwischen Edel- und Damwild bestehe und daß durch das viele Umherziehen des letzteren das Edelwild aus seinen Standorten vertrieben werde, wie auch nicht zu leugnen ist, daß ein Schaufler mitunter sehr keck sich benimmt und sogar starke Sauen vom Futterplatz jagt, um sich's schmecken zu lassen. Döbel dagegen, Wildungen und der Graf von Mellin haben das Damwild in Schutz genommen und in Parken müssen sich wohl beide, wie's eben geht, vertragen. Ein alter Schaufler (siehe die Vignette am Schluß) ist ein stattliches Thier und wird bis 250 Pfund schwer, das Geweih zählt bis zu 30 Enden, nach denen aber der Damhirsch nicht angesprochen wird, sondern man taxirt und bezeichnet ihn nach den Jahren. Das Schaufelgeweih bildet sich erst im fünften Jahr aus. Der Spießer setzt im folgenden Jahre ein Geweih von 6–8 Enden auf. In der Brunftzeit, welche der des Edelwilds folgt, schreien die Hirsche oder Damböcke, wie sie auch heißen, in kurzen Tönen und bei weitem nicht so stark wie ein Edelhirsch. Sie kämpfen dann lebhaft miteinander und sind auch sonst zum Scherzen und Raufen aufgelegt und besonders im Frühjahr vor der Zeit des Abwerfens, welche bei den stärkern Hirschen zu Ende April und in den Mai fällt. Sonst ist das Damwild harmlos und gutmüthig. Die Damhirsche haben keine Graanln oder Hacken (Eckzähne) wie die Edelhirsche. Sie erreichen ein Alter von 20–25 Jahren. Das Damwild ist in Deutschland erst seit der letzten Hälfte des sechzehnten Jahrhunderts bekannt. Während Einige annehmen, daß es aus Nordafrika nach dem südlichen Europa und von da zu uns gekommen sei, ist historisch nachgewiesen, daß es im sechzehnten Jahrhundert aus Dänemark von Landgraf Wilhelm IV. von Hessen für seine Jagden bezogen wurde. 1570 schickte der König von Dänemark dem Landgrafen 30 Stück, welche in den Thiergarten zu Sababurg gebracht wurden. Das Wild wurde damals Damwild, Dehn, Dähnen genannt. Dergleichen Sendungen folgten mehrere und wenn auch das Damwild nicht überall gedieh und fortkam, so war es doch in einzelnen Gehegen auch im Freien der Fall, z. B. in der Obergrafschaft Katzenelnbogen, wo man im Jahre 1629 schon 228 Damböcke und 446 Stück Damgaisen zählte. In dem Thierbuch Geßners von 1563 ist erwähnt, daß der »Damhirtz« in den Wäldern Helvetiens »als bei Lucern offt vnd viel« gefangen werde. Von der Statthalterin der Niederlande Maria wird erzählt, daß sie, überhaupt eine große Jägerin, auch die Jagd auf Damwild geliebt und 1549 einen Damhirsch, welchen sie mit der Armbrust erlegt, selbst kunstgerecht aufgebrochen und zum Curée hergerichtet habe. Auch die Königin Elisabeth von England pflegte diese Jagd zu treiben. Man nannte die Damhirsche überhaupt zuweilen Damenhirsche, weil sich die Damen vorzüglich mit ihnen beschäftigten. So berichtet auch Rohr, daß im Jahre 1706 zu London »die Damen-Hirsche an der Zahl 200, in dem Park einen unvermutheten Krieg gegen einander anfiengen, und sich dermaßen schlugen und bissen, daß sie fast allesammt todt auf dem Platze blieben.« In Bayern wird das Damwild zuerst unter Herzog Albrecht V. († 1579) erwähnt »Für die Thärnlhirschen zu grunwaldt ein garten zugericht per 632 fl. 2 ss. 9 du.« Westenrieders Beiträge. 3. 72. In den Rechnungen des Hofzöhrgadens von 1674–1682 findet sich kein Damwild, dagegen in den folgenden Jahren 1683–91 in den Lieferungen 93  Dändl verzeichnet sind. 1722 ließ Max Emanuel, wie bei der Hirschjagd gesagt worden, zu einer Jagd in Schleisheim auch Damwild aus dem Thiergarten zu Landshut bringen. 1751–55 incl. sind nur 35 Dändl geliefert worden. Vorzüglich wird zu Ende des vorigen Jahrhunderts Wartenberg (Landgerichts Erding) als ein Geheg für Damwild genannt und ferner die Isarauen. Auf den von 1825–48 gehaltenen 11 Hofjagden in den Freysinger-Revieren sind 93 Stück Damwild, welches auch als Tannenwild aufgezeichnet, erlegt worden. Von 1841–45 sind ins Münchner Zwirchgewölb meistens aus den Parken 406 Stück Damwild geliefert worden; auf den königlichen Jagden von 1851–55 wurden 202 Stück geschossen, die meisten in Forstenried, einige im Anzing. Im Freien kam früher Damwild im Revier Wies bei Steingaden (von München aus eingesetzt) vor, und zu Lindenbühl bei Gunzenhausen in Mittelfranken. Auf der Herreninsel am Chiemsee (dem Grafen von Hunolstein gehörig) ist noch gegenwärtig ein Stand von 60–70 Stück und auch einiges in den Isarauen bei München. Die Parke von Forstenried (gegen 600 Stück), Anzing, Eichstädt und der des Fürsten Taxis zu Stauf, sind mit Damwild ziemlich bevölkert. Im Gebirg ist es bei uns niemals vorgekommen. Als noch die Parforcejagd florirte hat man auch mitunter Damhirsche parforce gejagt, so im Anhalt'schen, in Frankreich und in einigen Gegenden von Irland und Schottland. Sie können aber nicht so aushalten wie der Edelhirsch. Es gab eine Zeit, wo ein riesiges Geschlecht von Damhirschen blühte und wären die noch bestehenden nur halb so stattlich, so würden sie gewiß zu den ersten Zierden des Waidwerks zählen. Man gräbt die Reste dieser Herrlichkeit aus den Torfmooren von Irland, aus dem aufgeschwemmten Land am Rhein, in Frankreich \&c. Die Geweihe solcher Hirsche haben eine Länge von 8 Fuß (also fast das 4fache der gewöhnlichen) und einen Abstand von einer Endspitze zur andern von 11–13 Fuß. Geweih und Schädel wiegen bei einigen an 90 Pfunde. Einige Naturforscher sind der Meinung, daß diese Hirsche erst um die Mitte des 16. Jahrhunderts erloschen seyen und daß unter dem »grimmen Schelch,« der im Nibelungenlied erwähnt wird, ein solcher Hirsch zu verstehen sey. Wahrscheinlicher aber ist, daß dieser Schelch das Elenn gewesen, welches in Holland noch um das Jahr 1000 vorgekommen und gejagt worden ist, wie mehrere Urkunden bezeugen. In einer derselben von Kaiser Otto dem Großen vom Jahre 943 heißt es: »Es darf niemand, ohne Erlaubniß des Bischofs Balderich, in den Forsten der Landschaft Drenthe Hirsche, Bären, Rehe, Eber, und diejenigen Bestien jagen, welche in der deutschen Sprache Elo (Elg) oder Schelo (Schelg) heißen.« – Dasselbe in einer Urkunde Heinrichs II. vom Jahre 1006 für einen Bischof von Utrecht und in einer dritten Conrads II. von 1025. Der Fürst von Anhalt Dessau machte 1726 den Versuch, Elennwild im Freien zu hegen und ließ eine Anzahl Elennthiere aus seinem Thiergarten in den offenen Wald bringen. Mehrere davon zogen nach Sachsen, wo ihre Schonung befohlen wurde, man weiß aber nicht wie lange sie sich gehalten. Schweinsjagd. »Ein stark, freffel, muthig zornig und wütend Thier ist das wilde Schwein, allzeit wild, mag nicht heimisch gemacht werden« heißt es in einem Jagdbuch von 1582 (nach Geßner). Dieser Satz ist zwar nicht buchstäblich zu nehmen, denn es gibt Beispiele auferzogener Schweine, welche ihren Herrn wie ein Hund begleitet haben, im Allgemeinen aber ist das Thier so geartet und gerade deßwegen wurde und wird noch die Schweinsjagd hochgehalten und wie der Hirsch ein edles, so wird das wilde Schwein ein ritterliches Thier genannt »massen es ihm nie an Muth und Herze fehlet.« Laube (Jagdbrevier) macht den Vers dazu: »Sau ist ein ritterliches Thier,     An Muth und Kraft des Waldes Zier, Und an Verwüstung so ungebährlich     Und jeder Ordnung so gefährlich Wie die Ritter alle es waren.« Dieser Ritterlichkeit gedenkt auch der alte Spruch: »Ein Kriegßmann soll drey Eygenschafften an sich haben, den beherzten anfall eines Hetzhunds, die flucht eines Wolffs vnd gegenwehr eines Schweins.« Eine andere Lesart bestimmt dem Wolf den Angriff und nennt für den Rückzug den Fuchs. Wegen seiner Tapferkeit ist der Keiler auch öfters zum Wappenbild gewählt worden, und wie man den Reiher und den Pfau ehrte, indem man sie bei hohen Gelöbnissen berührte, so geschah es nach scandinavischen Sagen mit dem Keiler. So schwört König Ring den Frithiof zu fangen und berührt dabei einen zubereiteten Keilerkopf. »Und König Ring erhebt sich in seinem Silberhaar, Des Thieres Stirn berührend, gelobt er dieses klar \&c.« Das wilde Schwein eignet sich für Parke mehr als irgend ein anderes Wild, da des Waidmanns Lust dabei verhältnißmäßig am wenigsten beeinträchtigt wird. Das Jagen in Parken, wenn sie nicht sehr groß sind, steht dem ächten Waidmann immer weit zurück gegen das Jagen im Freien, denn schon die Leichtigkeit Beute zu gewinnen oder einen begangenen Fehler ohne besondere Opfer wieder gut zu machen, mindert das Vergnügen, da man das Wild als Preis verlangt für Arbeit, Anstrengung und bewiesene Geschicklichkeit; fällt daher Letzteres mehr und mehr weg, so sinkt auch der Werth des Preises. Ein weiterer Umstand, der die Parkjagd herunterdrückt, ist der, daß des Wildes Natur durch das Parkleben allmählig eine andere wird. Eine gewisse Schwäche und Mangel an Selbstvertrauen, möchte man sagen, gibt sich als Zeichen der Gefangenschaft, der künstlichen Fütterung und anderer Einflüsse kund, so vorzüglich bei dem Rothwild. Die Thiere verkümmern, das wildfrische Leben, welches ihnen im Freien eigen, verliert sich, sie entbehren des Stolzes auf ihre Kraft, sie sind ein schwindendes Geschlecht. Das wilde Schwein aber verhält sich darin ganz anders. Findet es nur genug gute Aesung, so gedeiht es unbekümmert um die Freiheit und wird nicht von nagender Sehnsucht des Ziehens und Wanderns ergriffen, wenn es durch die Parkdillen nach den weithin schimmernden Ebenen schaut und nach den fernen blauen Bergen, oder es ist wenigstens leicht mit einer tüchtigen Portion Eicheln, Kartoffeln oder Kastanien zu trösten. Wegen so völliger Unzugänglichkeit zu irgend einer Art von Sentimentalität, welche die Nerven abspannt oder überspannt, bewahrt denn eine ordentliche Sau auch im Park ihre Wildheit, ihren Muth und ihren Trotz. Wenn ein Keiler merkt, daß es an's Jagen geht, so ist's ihm zwar nicht gleichgiltig, doch hängt sein Thun und Lassen mehr von der momentanen Laune ab als von Reflexionen über kluges Benehmen unter den drohenden Umständen. Liegt er gerade recht bequem in seinem Lager oder Bett, so bleibt er wohl liegen, bis ihn fast der Stock des Treibers trifft oder der aufspürende unausstehliche Kläffer mit scheuem Bisse an den Borsten rupft und rumpelt dann unwirsch schnaubend gegen Treiber und Hund und bricht durch die Linie; ein anderesmal aber, da er gerade nicht faul ist, erhebt er sich schon bei dem leisesten Geräusch, welches eine Jagd andeuten kann (das Gehör ist schärfer als bei irgend einem andern Wild) und schleicht wie ein Fuchs durch's Dickicht, um aus dem Bogen zu kommen. Ein seltsames Treiben aus sumpfigen Gegenden am Rhein erwähnt Keyßler. Man errichtete auf der Seite, wo der Wind herkam, eine Reihe von Stangen und zündete daran Schwefel an. Der Geruch des brennenden Schwefels, der in den Bogen zog, trieb die Sauen heraus und gegen die auf der andern Seite aufgestellten Schützen. Gelingt es nicht und wird er des Flüchtens müde, so überkommt ihn nicht Zittern und Zagen, sondern im Gegentheil Trotz und Wuth und er setzt sich im nächsten Dickicht fest und wetzt wie die Jäger sagen, in seiner Bosheit die Hauer, um Alles was sich naht, auf den Tod zu schlagen und zu zerfleischen. Man muß nicht glauben, daß einem rauhen und wetterharten Waidmann das Gefühl des Mitleids für Thiere fremd sey, er mag sie nicht ohne Noth leiden sehen und geschieht ihm oft mehr weh dabei als sogenannten zarten Naturen, aber gerade deßhalb ist es eine Lust mit einem schäumenden Keiler anzubinden, der ein wahrer Eisenfresser ist und auf den Ruf Huß Sau! sich selber in den vorgehaltenen Spieß (die Schweinsfeder) oder in den Hirschfänger hineinbohrt, bis er verendend zu Boden stürzt. Von der Bosheit der Sauen wäre mancherlei zu erzählen und sie können sogar fast Raubthiere genannt werden wie die Bären und Wölfe. Rothwild und Damwild, wenn es den Park mit ihnen theilt, ist schlimm genug daran und wittern sie den Schweiß eines angeschossenen Stückes, da sie in der Abenddämmerung aus ihren Dickichten ziehen, so beginnt eine nächtliche Jagd auf das wunde Thier, welche erst mit dem Fangen desselben endet und dann geht es mit Anschneiden drüber her und verzehren sie unter Neid und Streit gegeneinander die besten Braten. Die Alten haben auch die Wuth gejagter Keiler mit besonders lebhaften Farben gemalt. So heißt es bei Xenophon, daß ihre Hauer wenn sie zornig sind, glühend werden und den Hunden die Spitzen der Haare versengen, wo sie dieselben beim Schlagen streifen. So weit haben es unsere Keiler nicht gebracht, es hat sich aber auch das Schlagen der nicht glühenden Hauer von jeher einen solchen Respekt verschafft, daß man damit schon zufrieden ist und ein Mehreres nicht verlangt. Sowie den Gemsen die Vorsicht das Revier zu recognosciren, in welches sie flüchten wollen und das daher rührende öftere Stehenbleiben und Herumschauen beim Jagen zum Verderben gereicht, so ist die trotzige Trägheit der Sauen ebenso gefährlich für diese. Man hatte sonst eigene Hunde mittlerer Größe, die sogenannten Saufinder, welche man bei Jagd und Birsche gebrauchte; diese ließ man im Holz vorsuchen und trafen sie auf ein starkes Schwein, so gaben sie vor demselben Laut oder verbellten es, wobei das Schwein meistens Stand hielt und der Jäger zum Schusse sich anschleichen konnte. Die üblichste Art der Jagd war aber das Hetzen oder die Hatz. Dazu wurde, wenn ein guter Keiler in einem großen Dickicht bestätigt war, der zur Jagd ungünstige Theil des Holzes mit Tüchern oder Tuchlappen verwehrt und wurden Jäger mit leichten Rüden auf Wechsel oder Durchschläge gestellt, andere mit den schweren Hunden standen ebenfalls bereit und nun wurde ein Saufinder in's Dickicht gelassen. Wollte der Keiler nicht vom Fleck, so ließ man ein paar flinke Hunde daran, daß er endlich aus dem Lager fuhr und flüchtig ging. Sowie er die Wechsel der Jäger passirte, hetzten diese die Rüden, welche ihn bald ermüdeten, da er sich dann stellte und mit den Waffen (den Hauzähnen) um sich schlug und seine Ritterlichkeit bewährte. Nun schickte man die großen, öfters mit Panzerjacken beschirmten Hunde zu Hülfe, während die Jäger zu Pferde dem Jagen folgten und nach dem Kampfplatz eilten. Die großen Hunde aber packten endlich den Keiler so fest am Gehör, daß er nicht mehr schlagen konnte und der nächste Jäger oder dem die Ehre zugetheilt war, stieg vom Pferde und gab ihm, wenn er so von den Hunden gedeckt war, mit dem Hirschfänger den Fang unter dem Blatt. Bei späteren Hetzen und bei den z. B. in Preußen noch üblichen, wird von einem Jäger die von den Hunden gedeckte Sau ausgehoben , d. h. an den Sprunggelenken der hinteren Läufe gefaßt und in die Höhe gezogen, daß sie nicht mehr schlagen kann. Dann werden die Hunde abgebrochen und gibt ihr der Jagdherr oder ein anderer Jäger den Fang. Seit 1827 besteht in Berlin eine Aktiengesellschaft (an deren Spitze die königlichen Prinzen) zu solcher Jagd. Es werden verhältnißmäßig wenig Hunde verloren und ist angegeben, daß bei 378 Hatzen nur 31 ums Leben gekommen. So gar sicher war der Handel gleichwohl nicht, denn öfters riß sich der Keiler von den Hunden los und kam der Jäger hart in's Gedränge. Der Fang oder ein Schuß wurde auch vom Pferde herunter gegeben, welches aber bei manchen als unritterlich galt. Von den Hunden gingen gewöhnlich einige zu Grunde, woher das Sprüchwort: »Wer Schweinsköpfe haben will, muß Hundeköpfe daran wenden.« Ein tüchtiger Hund fing zuweilen ein Schwein ganz allein, indem er sich über dasselbe schwang und es beim Gehör packte, wo er dann nicht mehr geschlagen werden konnte. Es bedarf nicht vieler Phantasie sich in das Romantische der Lage des Jägers bei solchem Waidwerk zu denken, das Durchbrechen der Wildniß zu Pferde, das Schnauben und Bäumen des edlen Thieres, wenn es dem weitschallenden Getümmel der wüthenden Hunde immer näher kam, der Anblick des würgenden Knäuels durch die grünen Büsche und mitten drin der schäumende Keiler mit seinen blitzenden Hauern links und rechts den Tod sendend und nun vom Pferde mit der blanken Klinge in den Haufen hinein und des Augenblicks zu gewahren, wo der Fang zu geben, Alles das mußte von aufregenden, wilden und ernsten Scenen und Stimmungen begleitet seyn. Daß man schon zu Kaiser Hadrians Zeiten († ann. 138) zu Rosse Sauen hetzte, geht aus einer Grabschrift hervor, welche der Kaiser einem seiner Pferde Borysthenes setzen ließ. Es heißt,   Pannonios nec ullus Apros eum insequentem Dente aper albicanti Ausus fuit nocere Vel extimam saliva Sparsit ab ore caudam Ut solet evenire. daß dem die pannonischen Eber verfolgenden Thiere keiner je zu schaden gewagt mit dem weißlichen Hauer oder seines Rachens Schaum an dessen Schweifspitze geschleudert habe, wie zu geschehen pflege. Eine Jagd dieser Art, welche Karl der Große bei Aachen gehalten, ist in einem lateinischen Gedicht vom Jahre 799 beschrieben. Das Gedicht wird Theodulf, Bischof von Orleans (früher missus dominicus im Dienste Karls) zugeschrieben; nach Bouquet ist der Verfasser unbekannt. B. Rerum Gallicar. et Francicar. Scriptores T. V. p. 388. Unter dem Gefolge Karls ist seine Tochter Theodrada genannt, auch Rhodhaid (auf einem stolzen Rosse mit einer Hirschdecke) und Hildrud werden erwähnt. Die Hunde ( Molossi ) werden gelöst, die Reiter umschwärmen den Bogen bis die Jagd anhebt und das Horn erschallt, wo dann die Hatz fortgeht. D'rauf entflammte das Horn zum Kampf die mächtigen Hunde, Wo den verwachsenen Grund durchbricht der fliehende Keiler; Zeichnend die Richtung des Gangs mit den fallenden Blättern der Bäume Eilet er schnaubend dahin, im Zorne wetzend die Hauer, Bis ihm der Athem versagt und nun mit den tödtlichen Waffen Schlägt er der Hunde Schwarm und wirft sie gewaltig zu Boden. Sieh' da naht dem Gewühle der Held mit blitzendem Schwerte, Schneller als Vogelflug durchbohrt es die borstige Decke, Dringend tief in die Brust und verendend stürzet der Keiler. Die Jagd wird dann mit Treiben fortgesetzt und Karl erlegt viele Sauen mit dem Wurfspieß ( missile ferrum ). Die Hunde waren beim Verfolgen einer Sau so wüthend, daß sich der Reiter in Acht nehmen mußte, zwischen sie und die Sau zu kommen, denn in solchem Fall haben sie oft das Pferd gepackt, niedergerissen und Pferd wie Reiter fürchterlich zerbissen. Die großen zum Fangen und Hauptkampf bestimmten Hunde waren gewöhnlich englischer oder irländischer Race, sog. Doggen, die auch Leib- und Kammerhunde hießen, da sie als Lieblinge ihrer Herren in deren Schlafkammer ihre Lagerpolster und Bärendecken hatten. Die Panzer waren von starkem theilweise mit Haaren und Wolle dick gefüttertem und vielfach unternähtem schwarzen Barchent, an der untern Seite aber mit Spangen von Fischbein wohl bewehrt. Auf alten Schlössern sieht man die fürstlichen Herren oft mit einem solchen Leibhund an der Seite abgebildet. Noch 1812 prangten bei einer königl. Jagd in Württemberg unter den dritthalbhundert Hatzhunden zwanzig solcher Panzerhunde. Das Kloster Benediktbeuren war im Anfange des vorigen Jahrhunderts um seiner Hunde wegen berühmt. 1717 ersucht ein Graf d'Albert (nachmaliger Prince de Grimberg ) den Prälaten um zwei Rüden zur Schweinshatz »so groß als sie immer seyn können,« da das Kloster genugsam mit solchen versehen sey. Er erhielt sie auch. 1737 wünscht der Churfürst Carl Albrecht ein paar gute »Faischhundt« (Schweißhund). Mehrere dergleichen Gesuche finden sich in den Klosterakten. Im eingestellten Jagen wurden die Sauen auch auf den sog. Lauff gehetzt, d. i. nach dem Abschußplatz und wurden da aus dem Schirm geschossen oder es fingen sie die Herren außerhalb des Schirms mit der Feder oder dem Hirschfänger ab. Diese Saufeder heißt auch Schweinsspieß und 1474 findet sich die Benennung Eberspieß. Seltener wurden die Sauen mit dem Wurfspieß ( Javeline, Javelin oder mit der Lanze vom Pferde aus gefällt; manchmal geschah das Abfangen zu Fuß und zu Pferde wie bei einer Jagd August II. von Sachsen 1737 im Saugarten hinter Neustadt-Dresden, wo 400 Sauen erlegt wurden. Es war auch Mode unter dem Eisen kleine buntfarbige Fähnlein anzubringen, da dann, wie v. Rohr (Ceremon. Wissensch.) sagt, »curieus und lustig anzusehen, wie dieses Wildpret mit solchen Spiessen, darinnen die Fähngen stecken, ganz rasend fortläufft.« Daß die Jäger vor Zeiten von härterem Holz waren, als sie heutzutage sind, erweisen mancherlei Beispiele. So schreibt 1581 ein Graf von Henneberg in seinem 70sten Jahre an den Landgraf Wilhelm von Hessen, daß er vom Roß einem Schwein den Fang auf den Kopf gegeben, wobei der Spiesschaft, den er unterm Arm geführt, entzwei gebrochen »das zeigen E. L. (Euer Liebden) als einem Waidmann wir darum an, daß sie gleichwohl zu vernehmen, daß wir, als ein sechs und zwanzig Jähriger (d. h. gleich einem solchen) dannächst noch etwas mit unseren Fäusten vermögen.« Dr. G. Landau, Beiträge zur Geschichte der Jagd \&c. Bei einer Hatz, zu welcher 1582 der Landgraf Wilhelm von Hessen den Erzbischof von Bremen und den Grafen von Henneberg eingeladen, war der letztere so krank, daß er in den Wagen zur Abfahrt nach dem Jagdplatz getragen werden mußte. Unterwegs wurde ihm schon etwas besser, »zu Spangenberg aber, schreibt der Landgraf, als S. L. an die wilden Sauen kommen, sind sie wieder auf's Pferd gesessen und gar gesund worden.« Manches Abenteuer des Kaisers Maximilian zeigt die Gefahren, denen sich ein Waidmann damals aussetzte. So heißt es im Theuerdank, »Maximilian kroch in Oesterreich, auß frecher Jugend, einem großen hauenden wilden Schwein, auf allen vieren allein mit einem blossen Degen, durch eine gar dicke Hecken, in einen Busch, darinnen es lag, nach, und erwürgte solches mit seinem Schwert.« Im Brüßler Wald geschah es ihm, daß, als er ein Schwein abzufangen vom Pferde steigen wollte, das Schwein ihn übereilte, »daß er ihm mußte den Fang geben, als er noch den einen Fuß in dem Stegreif, und nicht Zeit hatte, völlig abzusteigen, noch sich recht nach Vortheil zu stellen, das Schwein schlug seinem Pferd einen Schenkel ab.« Ein anderes Abenteuer erzählt: »Maximilianus rite auff einem braunen Türkischen Pferd in Braband auff ein Schwein-Jagen, solches, wie er Ihme vornahm, nicht zu Fuß, sondern auff dem Pferd zu fahen, als nun die Hund nach dem Schwein außgaben, rennet Er dem Gebell nach, indem nun das Schwein ihn ersehen, verließ es die Hund und setzte Maximiliano hefftig zu, stieß das Pferd mit den Waffen in den Bauch und Maximilianum an einen Fuß, daß Er länger als acht Tag hinket, als das Pferd nun unter Ihme todt dahinfiele, stach Maximilianus das Schwein im fallen, blieb aber darneben ligen, weilen Er deß Fußes halber weder stehen noch gehen kondte, biß man Ihne fand, und auff einem andern Pferd nach Hauß brachte.« Gelegenheitlich mag hier angeführt werden, daß dieser »letzte Ritter« und Hauptjäger in Bayern das Jagen gelernt hat. 1475 als Erzherzog begab er sich mit seinem zugeordneten Hofstaat von 60 Pferden nach dem Bischofssitz Dillingen und verweilte da ein ganzes Jahr, in welcher Zeit er durch »Dipolten von Stein, zu Raisenburg Rittern« zur Jägerei angewiesen wurde, »welche Fürstl. Ubung Er mit sonderbarem Lust erlernte und mit solcher Emsigkeit, daß Ihme alle Ritte, Steige, Klingen-Forst, Wasser, Wälder, Berg und Thal, in der Markgrafschaft Burgau, auch in der Gegend zwischen dem Lech, Donau, Iler und Altmühle, viel besser als einigem Landmann selbiger Orten bekandt wurden.« Auf der Schweinsjagd sich als tüchtig zu bewähren, mußte um so mehr Anerkennung finden, als das Abfangen mit dem Eisen einem ritterlichen Jäger besonders zustand und das Handeln aus sicherer Entfernung weniger Geltung hatte. So besingt schon Michel Beheim 1469 den Churfürsten Friedrich I. von der Pfalz (der Siegreiche) in seiner Reimchronik: C. Hoffmann. Quellen und Erörterungen zur bayerischen und deutschen Geschichte. B. III.         »Ey wer hat hie noch anderswo je kein fursten gesehen (der) so manch wild, hauwend, grissgramend schwin felln vnd vahen mit dem schwert sin als unser Frideriche dyser furst lobeliche. Es wird dann des Herkules und des Erymanthischen Ebers erwähnt und heißt weiter: »Aber unser Furst Friderich, der durchluchtig, hochgeborn, löblich, Synen eltern den Herculem wyt ubertroffen hat in dem mit sölchez, lobez prise, als ich uch hye bewyse; Wann der wilden hauwenden schwin wol tusend vnd dannocht me sin vff bergen, im tal vnd gevild vnd sust an manchen enden wild alein hat hindergangen vnd mit dem schwert gefangen. Diese Abenteuer besprechen auch viele Briefe, die auf uns gekommen sind, denn die Jagd war natürlich oft Gegenstand derselben und die Fürsten und Herrn theilten sich gerne gegenseitig ihre Erlebnisse mit. So schreibt 1565 der Landgraf von Hessen Landau. Geschichte der Jagd in beiden Hessen. an seinen Sohn Ludwig, da er 46 Sauen und darunter 8 hauende Schweine gefangen: »Und wir sind an eine ziemlich große Sau kommen, die ledig gewesen und hat gestanden an einem stickeln Berg; da viel Sau Geraffteln gewesen, daß wir zu Pferd nicht haben wohl zu ihr kommen können, denn der Schnee hat geglidden, und ist also gewesen, daß er sich gebellet und sind abgesessen und neben Karlowitz, Jost Jäger und Hansen von Rotenburg zu ihr gangen und wie die Sau unser sichtig worden, hat sie unser den nächsten begehrt und ob wir sie wohl getroffen, hat sie uns doch gelaufen, daß wir auf dem Rücken gelegen, desgleichen Karlowitz auch; und haben sie Jost Jäger und Hans von Rotenburg von uns gestochen, hat uns durch ein Stiefel gehauen, aber nicht wund und ist eine sehr lustige Jagd gewesen.« Der Landgraf Wilhelm IV. von Hessen schildert ebenso in seinen Briefen wie es oft arg bei den Saujagden herging. »Wir wollenn auch E. L. nicht verhaltenn, das wir itzo alhier gar ein schwinden blutigen Kriegk mit den wilden Sauen füehrenn. Dann wir deren vff dreien Jachtenn 413 erlegt, wiewohl sie sich, das wir ihnen nachgeben müßten, redlich gewähret, haben Fürsten vnnd vom Adel, darundter große Rittmeister, die vor Mästricht ihre Pferd vnbeschedigt darvonn pracht, die Pferde auch ezlicher vom Adel, Jeger vnnd Bauren selbst geschlagen, vnd mit Geulen vnd andernn vberhauffenn gelauffen, auch den Bauren so vff Beume entfliehen wollen, nachgesprungen, bei den Füssen erwüscht vnnd widder herab gezogenn, doch seinde vnsere englische Rüdden biß anhero noch Gottlob zimblich ledig außgangenn, was nun weiter darauff ervolgtt, sollen E. L. vonn vnns freundlich verstendigt werdenn, wir haben E. L. offt darbey gewünschett, daß sie den Lusten auch mit hetten mögen ansehen.« Derselbe meldet 1581 in einem Schreiben an den Herzog Adolph von Holstein den Tod seines »frommsten Kammerjungen« Klaus Rantzau, gelegenheitlich einer Schweinsjagd. »Wiewohl wir nun eine sehr lustige Jagd gehabt, darinnen wir 121 Säue gefangen, und sonst Gottlob! ohne Schaden abgegangen, so ist doch zuletzt der genannte Kammerknabe, welcher ohne unser Vorwissen bei den Vorhetzern gestanden, aus 'm Schirm gelaufen, und seinen Dolch, den er zuvor verloren, suchen wollen. Indessen kommt ein Schwein vor den Hunden gegangen, da läuft er zu und will es fangen. Wiewohl ihm nun einer seiner Gesellen (ein Treusch von Buttlar) welcher an jenseit des Grabens, zugeschrien, er sollte gemach thun und sich vorsehen, denn es wäre ein Schwein (nämlich ein starker Keiler) so ist er doch fortgetreten, den Spies vorgeworfen, und fängt das Schwein vorn auf den Kopf, da schlägt ihm das Schwein den Spies aus und schlägt den armen Jungen gleich über'm Knie in's Dicke dermassen eine harte Wunde, daß alle Adern durch und durch bis auf's Bein des Schenkels entzwei gewesen, und ob ihm wohl unser Jäger einer zu Hülf kommen wollen, so hat doch solches von wegen eines tiefen Grabens, so zwischen ihnen gewesen, sobald nicht thuen mögen, also daß Rantzau danächst umgefallen und als man ihm nah kömmt etliche Worte zugeredet und ihn zu Gott ermahnt, hat er noch einmal oder etliche geseufzt und ist sobald selig entschlafen.« Die Sauen jener Zeit waren freilich theilweise Riesen gegen die jetzigen, und besonders in Hessen erreichten sie eine ungewöhnliche Größe und Schwere. Es werden oft hauende Schweine von 4 Centner und darüber angeführt und 4 Fuß hoch und 7½ Fuß lang. Unter den Sauen, welche die Churfürsten Johann Georg I. und Georg II. von Sachsen um 1630 und 1668 erlegten, sind die stärksten Keiler zu 5–6 Centner, ein Gewicht, welches mitunter die Bären nicht erreichten, angegeben, die stärksten Bachen zu 4 Centner und aus dem ehemaligen würtembergischen Schlosse zu Urach fand sich ein hauendes Schwein abgebildet, welches der Herzog Ulrich 1507 gefällt hatte, wo die Unterschrift besagt, daß es bei 7 Fuß 3 Zoll Länge eine Höhe von 5 Fuß 2 Zoll gehabt habe. Man denke sich die Wucht und Gewalt eines solchen Thieres! Kein Wunder, wenn der Waidmann da guter Dinge war und selbst im Jagdhumpen gern an das ritterliche Wild erinnert wurde, wie einen solchen der Markgraf Friedrich von Baden 1605 in reich vergoldetem Silber fertigen ließ. Er stellt einen Schweinskopf vor und faßt 1¼ Maas. Dieser Humpen wird noch zu Kandern aufbewahrt und derjenige, dem er vorgesetzt wird, muß sich in das Stiftungsbuch einschreiben, welches das »Wilkum-Buch zu Kander« heißt. Der Markgraf selbst schrieb 1605 hinein: »Als mir das Waidwerk wohl abgangen, Und ich ein gutes Schwein gefangen Und auch mit Freuden kam nach Haus Trank ich den Willkhom erstlich aus.« Die Schweinsjagd wurde vom 16. bis Ende des 18. Jahrhunderts und noch im Anfang des gegenwärtigen in Deutschland theilweise in einer Ausdehnung getrieben, von der man sich kaum eine Vorstellung machen kann und nur der dreißigjährige Krieg that einigen Abbruch. Vorzüglich reich an Schwarzwild waren die hessischen Waldungen, worüber Landau's Jagdgeschichte sehr schätzbare und ausführliche Details enthält. Die oben genannten Landgrafen erlegten nicht selten in einer Jagdzeit über tausend Sauen. Unter dem Landgrafen Ludwig VIII. wurden die sogen. Sau-Dukaten geschlagen, sie zeigten auf einer Seite ein Schwein, auf der andern den für die Jägerei eben nicht sehr schmeichelhaften, sonst aber eine ziemlich erprobte Wahrheit enthaltenden Vers »durch den Dukaten ward ich verrathen.« Aehnliche Dukaten hatte man für die Hirschjagd. Um interessante Vorfälle auf die Nachwelt zu bringen, waren gewöhnlich Jagdmaler im Gefolge des Landgrafen, darunter der Maler Eger sich in treuen Darstellungen besonders auszeichnete. Die sächsischen Churfürsten Johann Georg I. und J. Georg II. hatten noch reichere Gehege und es klingt fast fabelhaft, wenn man aus den Verzeichnissen ihrer Jagden ersieht, daß sie mit ihrer Begleitung in einem Zeitraum von 68 Jahren (1611–1680) über 50,000 der schwarzen Borstenträger erlegt und gefangen haben. Mögen auch, wie wahrscheinlich, die Angaben übertrieben sein, so geben sie immerhin Zeugniß außerordentlichen Wildstandes. In Preußen war um 1728 des Schwarzwilds so viel, daß sich oft keine Käufer dafür fanden. Da wußte man aber in jenen Zeiten Rath; zum Theil mußten die Bediensteten der verschiedenen Collegien, Räthe, Secretäre, Canzellisten \&c. die Sauen für ihre Küche annehmen und bezahlen, zum Theil waren es Bürger, Kaufleute \&c., denen man sie aufnöthigte, den bedeutenden Rest aber mußten die Juden in Berlin annehmen. Im Falle sich der eine oder andere nicht willig zeigte, lud man ihm die verhaßten Sauen vor der Hausthüre ab und ging dann der Handel schneller, nur um den Gräul eines Schweines nicht vor den Augen zu haben. Viele wußten mit dem erkauften Wilde nichts anzufangen, als es zu verschenken. In Würtemberg war bis zu Anfang des gegenwärtigen Jahrhunderts immer ein bedeutender Stand an Schwarzwild. 1761 kostete ein Wildschwein durchschnittlich nur 5 fl. Zu einer Jagd des Herzogs Karl wurden 1782 außer 6000 Stück Hoch- und Rehwild auch 2600 Sauen eingefangen und bis zum Tode des Königs Friedrich war die Jagd vorzüglich. Als er in den letzten Jahren befahl, daß diejenigen, welche über Wildschaden zu klagen hatten, deshalb einkommen sollten, machte ein Pfarrer die Eingabe: Euer Königlichen Majestät Allerhöchste Sauen haben meine allerunterthänigsten Kartoffeln gefressen. – So berichtet ein vorzüglicher Waidmann, der verstorbene Herzog Heinrich von Würtemberg im Jahre 1835 und nennt sich damals, charakteristisch für die Wendungen der Zeit, »Jäger ohne Wild und ohne Hoffnung, daß Diana ihm wieder lächelt.« Sie hat ihm aber doch noch einmal gelächelt, wie bei der Hirschjagd erwähnt ist. In Oesterreich befahl Kaiser Joseph II. schon 1786, daß Schwarzwild nur in Parken gehalten, im Freien aber wie Raubthiere behandelt und zu jeder Jahreszeit von jedermann gefällt und gefangen werden solle. Aus den ältesten Urkunden ersieht man, daß in Bayern die Hirschjagd bedeutender war, als die Schweinsjagd. So finden sich im Gjaidregister des Herzogs Wilhelm IV. von 1545 in diesem Jahre 515 Sauen verzeichnet, während die Zahl des erlegten Rothwilds 2000 Stück betrug. Die Jagden und Hatzen fanden vorzüglich statt zu Höchenkirchen, Geisenfeld, Köschingerforst, Landshut \&c. Das Jagdbuch des Herzogs Albrecht V. von 1555–1579 gibt 525 Sauen an, welche der Herzog eigenhändig erlegte, die Zahl des erlegten Rothwildes ist dagegen auf 4783 Stück angegeben. Vom Schwein hatten die Jäger 1 fl. 15 kr. Fanggeld, von »Pachen« 45 kr. Es gab damals auch im oberbayrischen Gebirge einiges Schwarzwild in den Klosterjagden von Tegernsee und Benediktbeuern, wo jährlich 5–6 Stück gefangen wurden. Von 1618 werden Schweinshatzen von Churfürst Maximilian I. angeführt, welche in Mindelheim abgehalten zehn Tage dauerten. Es muß der Wildstand damals ziemlich bedeutend gewesen seyn, weil 1637 auf Antrag des Jägermeisters Grafen Wilhelm von Hohenwaldegg verschiedene Jagdbezirke in Ober- und Niederbayern pachtweise vergeben wurden, um den Unterthanen sowohl wegen des Schwarzwilds als wegen der Wölfe, heißt es, zu helfen und dabei einige Rente zu erzielen. Schrank gibt an, daß unter Churfürst Maximilian I. die Schweinsjagd der Kammer jährlich 200,000 Gulden eingetragen habe. Zu den Schweinshatzen und Birschen wurden vorbehalten: Grünwald, Sauerlach, das Ueberreiteramt Däning, Hoffolding, Hechenkirchen, das Ueberreiteramt Pörring, Vorssterried, Wangen, Traubing, Prunnen, Schöngeising, Pfaffenhofen, Ingolstadt sammt der Meringer- und Künsau, Eichelforst, Dirnpuech sammt dem daran stoßenden Gemain, dann Mainburg. Ferner das Isareggeramt und das Wildbahnbereiteramt Landshut, Wartenberg, der Seyboltstorfer-Bogen im Cröningeramt, Ergolsbach, Mattighoven, Maurkirchen, Burghausen und Oetting. Obwohl der Churfürst ein großer Freund der Jagd war, so wurde doch stets das Eigenthum der Bauern an Feld und Aeckern möglichst geschont und sollte bei großen Jagden, zu welchen fremde Potentaten oder Fürsten eingeladen waren, wegen Reitens oder Fahrens durch fremde Grundstücke zuvor mit den Besitzern unterhandelt werden, und im Fall eine Vereinigung nicht zu Stande käme, gar nicht gejagt werden. Die damals abgehaltenen Hirschfaisten, Hirsch- und Schweinsjagden und Hatzen kosteten im Verhältniß gegen die späteren nicht viel, eine Hauptrechnung von 1599 gibt 3868 fl. für sämmtliche Jagden an, darunter auch die niedern Jagden und die Kosten auf Vorsuchen der Bären in der Grafenau und an der Schöfa bei Murnau. Es wurden zu den Schweinshatzen 3–400 Rüden gehalten, später aber auf 200 reducirt. Da im Laufe des dreißigjährigen Krieges sich vielerlei Gesindel mit Wilddieberei beschäftigte und im Lande herumtrieb und die Bauern auch Büchsen führten, die sie in Ermanglung einer Gelegenheit zu eigener Vertheidigung zum Wildschießen verwendeten, so ergingen 1648 und 1649 deßhalb mehrere Erlasse, um Ordnung und Jagdschutz aufrecht zu erhalten. Im Jahre 1630 wohnte der Kaiser Ferdinand II. der Hirschfaist und Schweinshatz um Regensburg bei und den Birschen auf der Perlacherhaide, und ebenso Ferdinand III. 1640 der Schweinshatz um München und Regensburg, wie aus den betreffenden Jagdamtsakten unter dem Jägermeister Grafen von Maxlrain zu entnehmen ist. Wo und so lange der Kaiser jagen wollte, da mußten auch die mit Gnadenjagden begabten auf ihre Rechte verzichten, wie ein Erlaß der Churfürstin Maria Anna von 1653, während der Minderjährigkeit ihres Sohnes Ferdinand Maria, bezüglich der Jagden um Regensburg kundgibt. Im Jahre 1660 hielt der Churfürst Ferdinand Maria, zu Ehren des Erzbischofs von Salzburg, Sau- und Wildpretjagden in Forstenried, Grünwald, Schleißheim und Gauting, welche Jagden 794 fl. kosteten. 1662 war zur Tauffeier Max Emanuels unter andern eine Schweinshatz zu Schleißheim. Desgleichen wurden 1670 bei Anwesenheit des Churfürsten von Köln Schweinshatzen und Wildpretjagden gehalten in der Gegend von Leonsperg, Hofdorf, Glaimb, Landshut, Isaregg, dann Hofolding, Grünwald und im Thiergarten zu Possenhofen (Kosten 2071 fl.). Die Minderung des Schwarzwilds um jene Zeit veranlaßte den Churfürst Ferdinand Maria 1670 die Concessionen des Hetzens und Jagens auf dieses Wild einzuziehen, sowie das Blenkeln im kleinen Waidwerk in den Bannforsten denjenigen zu untersagen, welche die sog. Edelmannsfreiheit genossen und gemäß derselben befugt waren, das kleine Waidwerk auf eigenem und fremden Grund auszuüben, so weit sich »das plau am Himmel erstreckhe,« doch wurde später eine beschränkte Erlaubniß wieder gegeben. Der Churfürst erließ auch mehrere Wildschützenmandate und sollten die Hauptwilderer nach München in den Falkenthurm geliefert und da processirt werden. Der Herzog Maximilian Philipp, Bruder des Churfürsten Ferdinand Maria erhielt nach dessen Tode vom Churfürst Max Emanuel 1680–82 die Erlaubniß in der Herrschaft Mindelheim Sauhatzen zu halten und Max Emanuel selbst war ein Freund dieser Jagd, die er vorzüglich um München und zu Grünwald ansübte. Von 1674–1682 wurden in den Hofzöhrgaden und Hofkuchen 952 Sauen geliefert, von 1683–91 bestand die Lieferung in 926 Stück. Im Spessart war zu Ende des 17. Jahrhunderts der Erzbischof von Mainz, Anselm Franz, Jagdherr und ging oft lustig da zu mit den Sauen. An einem Schloßthor zu Aschaffenburg ist noch der Kopf eines Keilers angeheftet, welchen bei einer Jagd 1680 der Leibmedicus des Fürsten, P. von Hartenfels mit dem Eisen aus freier Hand abgefangen. Der Keiler war nicht angeschossen, brach den am Kopf steckenden Schaft entzwei und rannte noch eine Weile damit fort. Der Medicus hat das Ereigniß in einem ziemlich langen Gedicht besungen. Um 1693 muß der Stand des Schwarzwildes im Oberland bedeutend gewesen seyn, man begehrte nämlich die landesherrliche Erlaubniß, auf dasselbe auch zur Sommerszeit Treibjagden anzustellen. Um 1700 trieben die Studenten von Ingolstadt, auch Officiere und andere Leute ohne Befugniß übermäßiges Jagen. Es ergingen deßhalb mehrere Mandate, welche vom Kaiser Joseph I. 1705 nach eingetretener Landes-Administration nach älteren Vorlagen von 1657, 1663 \&c. noch verschärft wurden. Die darin den Wildschützen angedrohten Strafen sind sehr streng, zum Theil aber auf die frühesten Zeiten zurückführbar. Verrufene Wildschützen, welche den Jägern auch auf Leib und Leben gegangen, sollen ohne Weiteres auf offener Straße, wo sie das Wild geschossen, aufgehängt werden, »die aber, heißt es, welche dennen Leuthen auff Leib und Leben mit Ernst trohlich, wenn sie schon nit verrufft gewest, und über ein oder zwei Stuck nit gefället, die sollen ihrer Trohlichkeit halber (da sich dieselbe glaublich und wahrhaftig befindet) mit dem Schwert vom Leben zum Tod hingerichtet werden; drittens, diejenigen Wildbrädschützen betreffend, welche zwar dieser Unthat halber verrufft aber auf Leib und Leben nit betrohlich gewesen, die sollen für das erstemal mit Abhauung der rechten Hand, Diese Strafe kommt schon in den Weisthümern vor (im 14. Jahrhundert), daß der die rechte Hand verliere, der in dem Drei-Eichenwald (bei Frankfurt am Main) jage. Auch kommt daselbst vor, wenn einer wegen Fangens mit Schlingen verklagt sey und sich verantworten wolle, »dem soll man seine rechte Tage setzen, wil er unschuldig werden, so sol man Ihme seine Hand binden zu hauf und sol Ine einen Heynen Knebel zwischen seinen Beinen und Armen durchstoßen und so Ihne werfen in ein Meyesche Boden von treyen Fuder Wassers, fellet er zu Grund, so ist er schuldig, schwebet er empor, so ist er unschuldig, daß sol man dreywerb (dreimal) thun.« das andermal aber gleich wie die Verruffte und Betrohliche mit dem Strang gestrafft und auff offener Straße aufgehenkt werden.« Das Abhauen der rechten Hand ist um diese Zeit wahrscheinlich durch den begangenen Meineid motivirt worden, da die Wildschützen das erstemal »Urpfet« schwören mußten, d. h. den Schwur leisten, eine bestimmte Gegend nicht mehr zu betreten. Wurden sie dann wieder auf dem verbotenen Platz ertappt, so hatten sie den Eid gebrochen und das Abhauen der rechten Hand war die Strafe des Meineids . Es liegt nach unsern jetzigen Begriffen eine Barbarei in diesen Strafen und Niemand wird sie mehr vertheidigen, diejenigen aber, welche so gar geneigt sind, die Parthie der Wildschützen zu ergreifen, wissen nichts von den betreffenden Verhältnissen. Das Leben eines Jägers war zu allen Zeiten der Wildschützen wegen ein Leben von heute auf morgen und die Wilddieberei vertheidigen zu wollen, hieße einen Räuber höher stellen als einen pflichtgetreuen ehrlichen Mann. Wie viele Jäger habe ich gekannt, die im Kampfe oder meuchlings durch Wildschützen gefallen. Da fand man einen Forstwart, Stubenbeck, von der Glashütte bei Kreut und einen Jagdgehülfen, Landthaler, von Berchtesgaden, herrliche Jäger, erschossen im Walde liegend, und zeigte die Untersuchung deutlich, daß sie schlafend angebirscht und der Schuß so nahe gegeben wurde, daß das Feuer die Joppe verbrannt hatte; da ward der Revierjäger Mayer von Gmund und seine zwei Gehülfen, während sie einen gefangenen Wildschützen transportirten, in einem Hohlweg von dessen Kameraden überfallen und nicht auf das Schießen wollten es diese ankommen lassen, sondern wie reißende Luchse stürzten sie von den Gehängen und schlugen mit ihren Bergstöcken die überraschten Jäger zu Boden, deren zwei dabei ihr Ende fanden. Da kannte ich einen 16jährigen Jagdjungen, Aigner, der in solchem Handel umkam. Es war ein blühender Knabe, den ich zuerst in Brannenburg sah, als er eben einen gewaltigen Kranich im Eisen auf dem dortigen Moos gefangen hatte und heimbrachte. Muthige Jugendlust strahlte aus seinen blauen Augen. Kurz darauf traf er mit einem wildernden Bauernknecht zusammen und obwohl dieser zehnmal stärker war zwang er ihn doch durch sein schneidiges Benehmen und Androhen des Erschießens, die Flinte abzulegen und sich als Gefangenen transportiren zu lassen. Mit gespannter Büchse ging Aigner hinter dem Knecht, als nach einer Weile dieser plötzlich sich wendete, die Büchse faßte und mit ihm zu ringen begann. Da zog der flinke Junge seinen Genicker, der Knecht sein Messer, und nun kämpften sie bis beide zum Tod verwundet waren und starben auch beide. – Die Rachelust solcher Bursche, die sich gewöhnlich das Gesicht schwärzen um unkenntlich zu seyn, erreicht mitunter einen Grad wie man es unter Christen nicht für möglich halten sollte. So haben sie einen Jäger von Reichersbayern, Zachäus Wagner, buchstäblich gekreuzigt. Er war an der Benediktenwand auf einen Hirsch birschen gegangen und übernachtete in einem Heustadel. Im tiefsten Schlafe liegend wurde er plötzlich durch das Anschlagen seines Hundes geweckt und gleich darauf sprangen drei Bursche (wahrscheinlich durch den Hund auf seine Gegenwart aufmerksam gemacht) in die Hütte und fielen mit so furchtbaren Schlägen über ihn her, daß er bald die Besinnung verlor. Als er von Schmerzen gepeinigt wieder zu sich kam, welcher Zustand! da war er an die äußere Holzwand der Hütte genagelt, durch jede Hand und durch einen Fuß ein großer hölzernen Nagel geschlagen, und so hing er, mit gebrochenem Blick in die Dämmerung des heraufziehenden Tages hinstarrend, bis ihm wieder die Sinne schwanden. Zum Glück hatte das Winseln und zeitweise Bellen seines Hundes einen Hirtenbuben herbeigelockt, der dann Holzknechte zu Hülfe rief, die den Unglücklichen losmachten und nach Hause trugen. Der Mann wurde wieder hergestellt und lebte zuletzt in Ammerland am Starenberger See, wo er 1847 starb. Ist es ein Wunder, wenn bei solchen Vorkommnissen auch die Jäger ihre Feinde auf Tod und Leben bekriegen und ihrer Ehre willen sich allen Gefahren dabei aussetzen; und welche Scenen kommen da vor! – Es war eine trübe Nacht, als der Jäger Riesch vom Isarfall beim Heimgehen auf einer verlassenen hochgelegenen Alpe am Dürrenberg zeitweise ein Feuer bemerkte. Er dachte sogleich, daß dort Wildschützen ihr Nachtquartier gewählt und machte sich mit einem Kameraden unverweilt auf den Weg, sie zu fangen. Nach langem Steigen kamen sie bei der Hütte an und beschloßen, sobald die Morgendämmerung es gestatte, mit raschem Anlauf die ihnen als morsch bekannte Thüre einzurennen und die Ueberraschten zu bewältigen. Ohne zu wissen, wie viel deren in der Hütte seyen, führen sie es aus, die Thüre bricht zusammen, die Wilderer, es waren zwei Tyroler, springen auf und wollen ihre Büchsen fassen, da stoßen sie die Jäger mit ihren Stutzenläufen nieder, ein furchtbares Gewirr und Raufen erfolgte, aber die Jäger blieben Herr und die Schützen mußten sich ergeben. – Im Anzingerforst wurden von Zeit zu Zeit Sauen gestohlen. Eines Tages fand ein dortiger Jäger eine geschossene Bache, die in ein Dickicht geschleppt worden war. Auf die Anzeige beim Förster wurde beschlossen, daß zwei Jäger die Nacht über in der Nähe des Dickichts passen sollten, der Förster selbst an einer Stelle, welche die etwa ausreißenden Wilddiebe passiren mußten. Die Jäger paßten beim Mondschein die ganze Nacht, es kam aber kein Wilderer. Nun paßten sie die zweite Nacht, unter einer alten Tanne sitzend und in ihre Mäntel gehüllt, denn es war im Winter. Der Schatten, den die Tanne beim Mondlicht warf, deckte sie vollkommen und sie konnten den Platz wohl überschauen. Gegen Mitternacht überkam sie der Schlaf und sie mochten eine Weile geschlafen haben, als der eine durch ein Geräusch erwachte. Da stehen drei Bursche nicht zehn Schritte von ihm und lauschen mit gespannten Büchsen. Nach einigen Minuten sagt der eine zu den andern, sie sollten nun die Sau aufbrechen, er wolle schon Wache halten. Während er spricht, stößt der Jäger leise seinen Kameraden, der sogleich erwacht, in demselben Augenblick auch die Wilderer sehend. Von diesen ziehen zwei die Sau aus dem Dickicht, der dritte späht, die Büchse bereit haltend, fleißig herum. Nun hatte der Mond seine Stellung so verändert, daß der Schatten der Tanne gerade nur noch reichte, um die Füße der drunter sitzenden Jäger zu decken; zog er sich noch ein wenig zurück, so mußte der Wilderer sie bemerken. Die beiden, welche die Sau aufbrachen, äußerten ihre Freude, daß sie so feist und indem der wachehaltende auch danach sehen wollte, faßten die Jäger rasch ihre Gewehre und kracht ein Schuß und wieder einer, dann ein Stürzen und Rennen, die Jäger nach und wieder ein Schuß am Fluchtweg. Zwei der Wilderer waren verwundet, entkamen aber, der dritte war gefangen. – Bei den früheren Gesetzen gegen die Wilddiebe wurden ihrer Strenge wegen die Untersuchungen meistens in einer Art geführt, daß der Jäger gegen den Wildschützen welchen er einbrachte, oft zu kurz kam und wenn er, seiner Haut sich wehrend, einen erschossen hatte, in weitläufige nicht selten seine Stellung gefährdende Plackereien gerieth. Die Folge davon war, daß manche Wildschützen spurlos verschwanden. Eine wilde Felsenschlucht, ein See oder Sumpf mochte wohl wissen, daß sie ihr Ende gefunden hatten. Die neueren Gesetze sind ungleich zweckmäßiger, gleichwohl sind die Kämpfe noch bestehend und kommen zum Theil in größerem Maßstabe vor als früher, besonders an den Grenzen unserer Alpen, wo der Menschenschlag kräftig, trotzig und rauflustig. Doch ich kehre von dieser Excursion wieder zum Thema des Artikels zurück. Von Max Emanuel sind keine besonderen Schweinsjagden aufgezeichnet. 1715 wurde unter ihm der Thiergarten von Forstenried vollendet. Zur Anlage waren 200 gefangene Türken verwendet worden, deren mehrere dabei durchgingen und wieder eingefangen »auf Befragen vermelt haben, daß Sye von dem Teifl also verführt worden.« Es wird damals die Jagd als sehr heruntergekommen bezeichnet, wurden daher die Pflege- und Gnadenjagden eingezogen und die Jagd auf Rothwild 3 Jahre, auf Schwarzwild 2 Jahre eingestellt. Daß Max Emanuel ein fleißiger Jäger gewesen, beweist die Angabe, daß er vom 14. Juni 1715 bis letzten Dezember 1725 an 39,665 Stück verschiedenen Wildes gefangen, gebeizt, forcirt und geschossen habe. Um 1721 betrugen die Kosten des Jagdwesens 78,000 fl., wurden aber in diesem Jahre auf 50,000 fl. beschränkt, doch sollten die Ersparungen die Falknerei und französische Parforcejagd nicht treffen. Von Carl Albrecht (1742 zum Kaiser gewählt) sind mehrere große Jagden auf Roth- und Schwarzwild verzeichnet. So eine Schweinsjagd von 1727 im Geisenfelder Forst, welche theils in Hatzen theils in Schützenjagen bestand und woran die Churfürstin Maria Amalia, die Herzoge Ferdinand und Theodor und andere Herren Theil nahmen. Die Jagd dauerte vom 11. bis 19. Oktober und wurden im Ganzen 348 Stück erlegt, worunter 52 hauende Schweine. Die stärksten erlegte der Churfürst mit 238–264 Pfund. Die Churfürstin erlegte auch einen Keiler von 264 Pfund. Im Jahre 1729 wurde wieder im Geisenfelder Forst gejagt vom 12. bis 19. Oktober und war dazu ein Aufgebot von 1270 Mann ergangen, ferner 282 Pferde und 12 Fuhren. Man erlegte 508 Sauen, worunter 105 Hauptschweine, deren die sieben stärksten 247–300 Pfunde wogen. 1731 war eine Strafe von 20 Thalern gesetzt, wer von einem Wildschützen ein Schwein kaufte. Eine große Jagd wurde im November 1735 von dem Jagdschlosse Wollnzach aus in besagtem Geisenfelder Forst gehalten. In etwa 10 Tagen wurden 1105 Stück Sauen erlegt. Das oben erwähnte Wildschützenmandat wurde 1735 wieder in Erinnerung gebracht und heißt es in dem groß gedruckten Plakat in Betreff der Vermummungen der Wildschützen »wann der, oder diejenige(en), welche sich einiger Vermummung, als mit Verlarff: oder Färbung der Angesichter, Machung Bärt , oder in andere Wege Verkehr: Verwechs: und Vertauschung ihrer sonsten gewohnlichen Klayder, wasserley frembder, und von Haaren gemachter Kappen oder Paroquen aufsetz: dann Hüet-Veränderungen gebrauchen, auf Anruffen der Jäger sich nit stellen und zu erkennen geben, diese unbedenklich auf selbige losbrennen solten.« Die Jäger sollten nach den Füßen schießen außer bei Widersetzung, wo sie in Nothwehr auf Leib und Leben zu schießen haben. Wie um jene Zeit manchmal die Hirschjagd zu einem unwaidmännischen Spektakel gemacht wurde, da man die Thiere zwang, bei türkischer Musik über künstliche Barrieren zu setzen und dergl., so mußten auch die ritterlichen Sauen zu solchen sogenannten Ergötzlichkeiten dienen, die einen Waidmann anwidern. Am 10. November 1736 begaben sich der Churfürst mit der Churfürstin, den Herzoginnen Antonia und Theresia und des Herzogs Ferdinand älteren Prinzen Maximilian nach Stegen an den Ambersee, allwo eine Schweinshatz in den See veranstaltet war. »Es wurde, sagte der Bericht, eine Maschine auf Flössen im Wasser erbaut, gleich einem großen Haus, welches mit grünem Laubwerk auf das prächtigste ausgezieret, aus welchem die durchlauchtigsten Herrschaften mit aller Bequemlichkeit die in das Wasser eingesprengten Schweine zu schiessen und theils anschwimmen zu lassen gnädigst beliebten, also zwar, daß deren bis 111 Stück erlegt wurden, worunter sich oben auf einer Gallerie die Trompeten und Pauken beständig hören lassen und eine Tafel von 30 Personen, darunter auch der in Regensburg residirende holländische Gesandte Herr von Gallines mitzuspeisen und diese Wasserjagd zu sehen die höchste Gnade genossen, zum Fruhstück zugerichtet gestanden.« Ein Bild aus jener Zeit von dem Maler Bidermann zeigt, daß der Wald, in dem sich die Sauen befanden, mit starken Netzen umstellt war und nur einen Ausgang gegen den See hatte. Der Floß, der das Haus trug, stand innerhalb eines im Wasser angebrachten Einfangs, so daß die eingesprengten Sauen nicht hinausschwimmen konnten, sondern sich zwischen dem Floß und diesen Barrieren bewegen mußten. Die Cavaliere sieht man mit Saufedern und Hirschfängern die sie schwimmend annehmenden Sauen abfangen, einige auch mit Büchsen schießen. Die Jagdkleidung zur Schweinsjagd war damals für gewöhnlich hechtgrau mit Silberschnüren, bei dieser Festjagd sieht man aber die Herren in grünen Röcken mit Gold, kurzen rothen Hosen und weißen über die Kniee gezogenen Strümpfen oder Kamaschen, einige auch mit schweren Reitstiefeln. Besagtes Bild findet sich im Wittelsbacher Museum. In dergleichen Jagddivertissements, wie man es nannte, war man damals sehr erfinderisch und um 1725 wurde bei einem großen Schweinjagen, welches in der Nähe der churpfälzischen Residenz Mannheim stattfand, das außerordentliche Schauspiel aufgeführt, daß die Schweine unter der Erde hervorkommen mußten und unter dem Schirm herauf in den Abschußplatz. Dieser befand sich auf einem künstlich angelegten Berg mit Gallerien umgeben und hatten die Schweine über 240 Fuß hohe Treppen zu diesen Gallerien hinaufzulaufen. Daß bei ähnlichen Gelegenheiten auch die Diana mit ihren Nymphen vielfach mitspielen mußte, versteht sich von selbst. Bei der Krönung Ludwigs XV. von Frankreich, erzählt Rohr, wollte sich »Ihro Majestät in dem Walde bei Chantilly mit der Jagd erlustiren, und wie der König daselbst anlangte, traff er die Dianam mit ihren Nymphen, in einer von Laubwerk gemachten Grotte an, die Ihrer Majestät bis an den Eingang der Grotte entgegenkam, und etwas absungen, worinnen sie Ihrer Majestät die Herrschaft über die Wälder abtraten, auch anstatt der Huldigung derselben ihren Bogen und Köcher überreichte, da mittlerweile die um sie befindlichen Nymphen einen Tanz machten, und unter demselben dem König alle zur Jagt gehörigen Stücke überreichten. Das Frauenzimmer war alle in Jagt- Habit und die Herrn von Hof, so in Jagt- Habit von der Jägerey des Hertzogs von Bourbon gekleidet waren, hatten sich um die Dianam gestellt. Deren Gesang wurde durch die in Buschwerk versteckte Vocal- und Instrumental-Music accompagniert.« Zur Vermählungsfeier des Herzogs Carl zu Würtemberg mit der Marggräfin Sophie zu Brandenburg-Bayreuth 1748 wurde am 8. Oktober zu Leonberg bei Stuttgart ein Prunkjagen gehalten, wozu 700 bis 800 Stück verschiedenen Wildes, Sauen, Hirsche, Rehe \&c. zusammengetrieben worden waren. Einer ausführlichen Beschreibung der damaligen Feste ist ein Kupferstich des Augsburger J. Wangner beigegeben, welcher die Jagd darstellt. Land- und Wasserjagd sollte dabei vereinigt werden. Es befand sich daher auf der Hauptseite vor dem fürstlichen Schirm ein großes Bassin, in welches das Wild durch eine Reihe geschmückter Arkaden 14 Fuß hoch heruntergesprengt und schwimmend erlegt wurde, während auf der Rückseite ein Laufplatz zu sehen, ebenfalls von Arkaden umgeben, durch welche das Wild über den unteren mehrere Fuß hoch geschlossenen Theil einspringen mußte und wo die Sauen mit der Feder abgefangen wurden. Um die Herrlichkeit der Scenerie vollständig zu machen, waren an den Arkaden des Bassins links und rechts perspektivisch gemalte Castelle angebracht, jedes 65 Fuß lang und 40 bis 45 Fuß hoch. In der Mitte der Arkaden thronte auf einem Hauptportal die Diana nebst einem Schild mit den fürstlichen Namen und dem großen würtembergischen Jagdorden. Es wurden unter Pauken und Trompeten 400 Stück erlegt und die übrigen freigelassen. In einer Pause während der Jagd wurde eine Collation eingenommen und dann in Ludwigsburg ein großes Banket gehalten, wobei man in Jagdkleidern erschien. Der Luxus und die Anordnung solcher Bankette entsprach dem Jagen und will ich hier nur als ein Beispiel anführen, daß das eben erwähnte unter einem im glänzend beleuchteten Rittersaale des Schlosses zu Ludwigsburg errichteten, 30 Fuß hohen Dianentempel stattfand, dessen Säulen und Schwibbogen mit grünem Bindwerk und Jagdtrophäen geschmückt waren. In Mitte der Tafel sprudelten 4 Fontänen um eine vergoldete Statue der Diana und unter dem Confekt erschien diese Göttin in einem mit 8 Löwen bespannten Triumphwagen. Die grüne Livree der Jäger war prachtvoll mit Silber und seidenen Borten besetzt und beim Einzug in Stuttgart ritt der Oberjägermeister Baron Geyers von Geyersberg in grünsammtner goldgestickter Kleidung der Jägerei voran und ging zu seiner Linken ein Laufer in grüner reich mit Silber verzierten Lauferkleidung. Dreizehn adelige Forstmeister (die Kleidung hellgrün mit Gold) folgten auf Schimmeln, dazu Jagdpagen, Hofjäger und 62 reysige Forstknechte mit Birschbüchsen, welche sämmtlich Rappen ritten. Die letzte von dergleichen Prunkjagden Eine der letzten großen Saujagden, wo noch Sauen mit Hunden gehetzt und abgefangen wurden, hielt Friedrich August III. von Sachsen im Jahre 1826 zu Hubertsburg. Es wurden 147 Sauen theils geschossen, theils abgefangen. in Deutschland war wohl die, welche der König Friedrich von Würtemberg noch 1812 abgehalten und welche von dem Dichter Matthisson als einem Augenzeugen unter dem Titel »das Dianafest von Bebenhausen« beschrieben wurde. Diese Jagd fand wie üblich statt mit reich gezierten Schaubühnen und Schirmen und unter dem Lärmen von Hörnern und Trompeten, und wie der Aufputz ist theilweise auch die Beschreibung. »Mannigfaltig heißt es, wie auf den Schlachtfeldern der Iliade, die Todesarten der Helden, erblickte man hier die Todesarten der fallenden Thiere. – – Den imposantesten Anblick des Jagdfestes boten unstreitig die enormen Wildmassen dar, welche wie Katarakte, wovon Keuler, Bachen, Hirsche, Rehe und anderes Gethier gleichsam nur die Tropfen (!) bildeten, hernieder an der schroffen Abdachung des Gebirgsrückens ihrem unwiderruflich geworfenen Todeslose zustürzten.« Es wurden in 2 Stunden 823 Stücke erlegt, darunter 139 Sauen. Von den größeren Jagden des bayerischen Churfürsten Carl Albrecht fand 1739 wieder eine in dem an Sauen reichbevölkerten Geisenfelderforst statt, wobei 236 Sauen, darunter 44 Hauptschweine gehetzt und geschossen wurden, und eine andere im Jahre 1740 am 17. November zu Utting am Ammersee. Zu letzterer waren 44 Zeugwagen nöthig, 7 andere, 1 für die Feldkapelle und 1 für die Kasse, mit 303 Pferden, und noch darüber 9 Fuhren; ferner an Klopfern, nach Utting, mit siebentägiger Verproviantirung 800 Mann (die Hälfte mit Hacken versehen und alle starke Leute). Es wurden 111 Sauen erlegt, worunter aber nur 4 Hauptschweine. 1751 unter Churfürst Maximilian III. wurden bei einer Schweinshatz in Geisenfeld 414 Stück gefangen und erlegt. Auch im Köschinger, Oettinger, Grünwalder und Forstenrieder Forst wurden noch öfters 200 Sauen bei einem Jagen erlegt. Von 1751–55 sind 1213 Sauen ins Wildpretgewölb zu München geliefert worden. Das Pfund Schwarzwildpret kostete damals 10 kr., gegenwärtig kostet es 24 kr. Von 1841–45 sind 532 Sauen geliefert worden, und gegenwärtig ist das Verhältniß ein ähnliches. Zu Eberfing bei Weilheim hielt der Churfürst einen Park. Unter Carl Theodor wurden diese Jagden bedeutend reducirt, schon deßwegen, weil mehr Wildschaden geleistet werden sollte als früher. Vom Jahre 1788 (15. Juli) ist eine Jagd verzeichnet, welche aber bei Neckargemünd im Elsenzbacherthal stattgefunden, eine Prunkjagd auf Roth- und Schwarzwild, die der Churfürst in Begleitung seiner Gemahlin Elisabetha Augusta abhielt und wobei sich diese Dame als besonders flinke Schützin erwies. Bei den späteren bayerischen Fürsten wurden die Schweinsjagden in eingestellten Jagden mit Schießen abgehalten und kamen keine Hatzen mehr vor. Unter den Jagden, welche König Maximilian I. hielt, wurden die meisten Sauen im Park von Grünwald in den Jahren 1820 und 1822 mit 113 und 155 Stück erlegt. Die Gehege von Anzing wurden in einen Park umgewandelt, ebenso im Spessart. Außerdem befinden sich Sauen im Forstenriederpark. Unter König Ludwig wurden im Jahre 1828 zu Anzing 92 und 1831 zu Pöring bei 155 Sauen erlegt. Gegenwärtig werden zu Grünwald, Forstenried und Anzing Im Forstenrieder-Park sind gegen 100 Stück; in Grünwald 140 Stück. in Anzing sind sie auf 300 zu bringen, im Spessart 100 Stück. abwechselnd Schweinsjagden gehalten, gewöhnlich alle 2–3 Jahre auf demselben Platz. Im Durchschnitt sind bisher auf einer solchen Jagd 60–70 Stück erlegt worden, die stärksten Keiler mit 177 Pfund. Von Privatparken ist vorzüglich der des Fürsten von Thurn und Taxis bei Stauf zu nennen. Er ist besonders schön wegen des Terrains und in neuester Zeit so bedeutend vergrößert worden, daß die Jagd in demselben der freien Jagd gleichkommt. Auch im Fürst Löwenstein'schen Park im Spessart werden Sauen gehegt. Im Eichstädter-Park des Herzogs von Leuchtenberg, der noch vor 10 Jahren reich bevölkert war, sind nach dem Tode dieses liebenswürdigen Fürsten die Sauen bis auf einige abgeschossen worden. Bis zu Ende des vorigen Jahrhunderts war das Schwarzwild Schon in den bojarischen Gesetzen des sechsten und siebenten Jahrhunderts kommt das Wort Suarzwild vor, es scheint aber als habe man damals theilweise auch Bären und Büffel darunter verstanden. Sepp, Beiträge zur Geschichte des bayrischen Oberlandes. H. 2 und 3, S. 82. in Bayern ziemlich allgemein verbreitet, gegenwärtig findet sich im Freien nur noch einiges im Spessart in den Revieren Lohrerstraß und Rothenbuch, im sogenannten Orber-Reisig und den umliegenden Waldungen in Unterfranken und als Wechselwild in der Pfalz. Ein Waidmann kann einen Seufzer kaum unterdrücken, wenn er daran denkt, wie es mit dem Schwarzwild einst gewesen und wie es gegenwärtig damit steht, glücklicherweise aber ist, wie schon oben bemerkt, wenigstens für diejenigen, welche einen Keiler im Park birschen und jagen können, immer noch mehr als eine bloße Erinnerung jener vergangenen Herrlichkeit erhalten und liest man in der Geschichte dieser Jagd die furchtbare Plage und Noth, die der Bauer darüber zu tragen hatte, so wird man gerne genügsam. Es ist davon gar Vieles geschrieben und geklagt worden und wie brav der brave Landmann oft ist, weiß man auch, aber der Wahrheit gebührt ihr Recht und so mögen zum Schlusse einige alte Verse eines Hans von Spangenberg angeführt werden. Sie fassen das Bezügliche so zusammen, daß man leicht selbst weitere Schlüsse machen kann. Sie lauten: »Das ist der Will des Herren mein, Daß ich ihm heg' viel Hirsch und Schwein; Dem Hirten ich den Hund nicht gan, Er häng' ihm dann groß' Prügel Den größeren Hunden mußten Prügel angehängt werden, oft bis zwei Ellen lang, um sie am Laufen zu hindern; aus demselben Grunde wurde (in Hessen 1570) befohlen; den kleinen Hunden in der Nähe einer Wildbahn die Sehnen an den Hinterschenkeln entzwei zu schneiden. Eine weimar'sche Verordnung von 1736 bestimmt noch weiter, daß zum Zweck des leichteren Erkennens einem Haushund der Schwanz abgeschnitten werden soll, einem Schäferhund die Ohren und einem Mezgerhund sowohl Schwanz als Ohren. an; Und für das Wild leid ich kein Zaun; Zeug mir die Jagdhund schwarz und braun; Zu fröhnen schickt euch wenn ich jag', Und schonet nicht den Feyertag; – Dein' Rüden Die Schäfer und Bauern mußten ihre großen Hunde zu den Saujagden stellen; deren wurden oft gegen 200 gebraucht. schick' mir an die Säu Eh' daß ich dir den Balg erbläu; Zahlt was wir bei euch han verzehrt, Daß euch nicht Böses wird beschert.   Die Gemsjagd. Wer je in Gebirgen gewandert ist, und wem es je das Herz dort erhoben, wenn der stille Morgen heraufzog und die Gipfel röthete wie mit blühenden Rosen, oder wenn der Mond in die Nacht der felsigen Schluchten sein Licht ergoß, und nun plötzlich die Steinwände geisterhaft in dem bleichen Scheine hervortreten, wer je die schmucken Gärten der Alpenrosen geschaut, oder die einsamen Blumen des Edelweiß – er hat bei solchen Genüssen gewiß auch des Wildes gedacht, der kühnen Gemsen und der stolzen Hirsche, oder eines verwegenen Bären oder Luchses, und ob Jäger oder nicht, er mußte, mein' ich, unwillkürlich eines gewissen Schwärmens um das edle Waidwerk theilhaftig werden. In der That, wie viel der Poesie verschwände aus jenen Höhen, wenn wir sie mit der Gewißheit betrachteten, dort lauscht kein Hirsch mehr nach dem Zug des Windes, dort stößt keine Gemse mehr den sausenden Stein von der Wand, dort tanzt kein Spielhahn mehr, wenn die schöne Frühlingszeit kommt und schweigt der Wald vom Falzgesang des Auerhahns, dort rührt sich kein Wild und kein Waidmann, grast nur das Rind und geht nur der Hirte und Holzknecht. Es gibt Menschen, die einen mächtigen Baum nur bewundern, weil sie ihm die vielen Klafter Holz ansehen, die er liefern kann, die bei jeder frischen Quelle, welche sie labt, ausrufen: hätte ich den Sprudel in Paris, was hat man dort für den Brunnen von Grenelle bezahlt mit seinem elenden Wasser, was bezahlte man mir für solchen Trunk! die jeden Felsen fragen: versteckst du keine Erze, keine Steinkohlen und die nur an's Goldwaschen denken, wenn sie einen wilden Strom die blinkenden Kiesel dahinrollen sehen. Diese liebenswürdigen Geschöpfe fürchten die Poesie, welche so viele ihrer Pläne bekämpft und verdirbt, wie der Teufel einen Engel, und hätten sie längst umgebracht und vernichtet, wenn ihnen die Gewalt dazu wäre. Die Jagd gar ist ihnen ein Gräul schon deßwegen, weil man sein Kapital auf einen Hirsch nicht so sicher anlegen kann als auf einen Ochsen, und was ginge denn über das Kapital und seine lieben Kinder, die Zinsen! Es findet aber jeder sein kleines Paradies auf dieser Erde, und so mögen jene Denker das Ihrige in einer Seifensiederei oder Stearinfabrik, in Guano oder Braunkohlen suchen und finden, Wild und Waidwerk aber den leichtsinnigen Schwärmern überlassen, die es dann sich selbst zuschreiben müssen, wenn sie in's Verderben rennen. Doch wir haben uns schon im Eingang dieses Buches genugsam bei derlei Betrachtungen verweilt, die Jagd blüht noch in unserem Hochland, also freue sich dessen, wem der Himmel die Gunst solcher Freude geschenkt hat. Die charakteristische Jagd der Berge ist aber die Gemsjagd. Wenn man sich in der Geschichte dieser Jagd umsieht, so bemerkt man mit Verwunderung, daß in den alten Zeiten, wo man von Zündkapseln noch keine Ahnung hatte, und ein Zillerthaler-Granat am Radschloß das Feuer sprühte, daß damals in vielen unserer Alpen nur sehr wenig Gemsen vorhanden waren. Und doch hatte mancher Wald noch keine Axt gesehen, war kein Gelauf von Touristen, Malern, Badgästen und Volksbeglückern, war die Wildniß noch ungebrochen und nach Gefallen wuchernd. Diese Erscheinung ist zum Theil dadurch zu erklären, daß die Gemsen in den schönen Ständen Tyrols noch nicht wie die Wölfe verfolgt, sondern zu Maximilian I. Zeit gut gehegt wurden, also die Voralpen nicht aufsuchten, zum Theil mögen aber auch die zahlreicheren Raubthiere Luchse, Bären und Gemsgeier Ursache gewesen seyn. In den Jagdrechnungen des 16. Jahrhunderts kommen dergleichen zwar wenig vor, aber wahrscheinlich nur, weil man mit dem Fangen und Schießen nicht so umgehen konnte wie später. Die Tegernseer Klosterrechnungen z. B. verzeichnen von 1568–1580 keinen Luchs und nur 2 Bären, auch keine Gemsgeier, die Zahl der in diesen 13 Jahren gelieferten Gemsen betrug gleichwohl nur 16 Stück. Um dieselbe Zeit finden sich in den Rechnungen des Klosters Benediktbeuern bis 1600 nur 8 Gemsen und erst zu Anfang des 17. Jahrhunderts kommen auf das Jahr gegen 8 Stück. Auch da ist kein Luchs erwähnt, auch kein Bär, obwohl es daran nicht gefehlt haben wird. Ein weiterer Grund für das seltenere Vorkommen der Gemsen lag darin, daß die Jagd an manchen Orten freigegeben war und heißt es z. B. in den Rechten der Grafschaft Werdenfels von 1431: »Am Kramer (Berg bei Garmisch) darf jedermann jagen Gämsen, Hasen, Hühner, Bären, Schweine und Eichhörner, Rothwild und das rothe Federwild ausgenommen.« Ueberhaupt ist im 15. und 16. Jahrhundert, einige Plätze ausgenommen, in unserem Alpengebirg wohl ziemlich willkürlich und ohne Aufsicht in der Jagd gewirthschaftet worden. Wie man damals Jäger bestellte und das Jagdrecht vergab, erhellt aus einem Vertrag, gemäß welchem das Kloster Tegernsee 1506 einen Hönnsl Smid von Rotach und Jörgen Messerer von Egern zu dem »Gämbs vnd Reyßgejayd« bestellt. Es heißt darinn »vnd süllen vns järlich zu Zins geben zwen Füx . »Item als offt Sy ainen gämbß fahen süllen Sy vnns den anpieten, vnd wellen wir den kauffen, süllen wir jn dafür geben vj β θ vnd ain Suppen. Item der gleichen auch allemal ain Fux darfür ij sexer, Itx allemal für ain mader auch ij sexr Itx ain Lux für iiij sexer Itx ainen Dax für vij krx Itx ainen Hasen für iiij krx Ob wir aber der Stuckh ains oder mehr nach Irem ansagen nit wollen von jn käuflich annemen mügen Sy dy weiter wo Sy wollen verkauffen. –« Es wird noch weiter besonders bemerkt, »dy Suppen geben wir allain zu dem gämbs.« Von einem geregelten Abschießen, Schonen der Gembsgaisen oder dergleichen ist keine Rede. In der Jagdordnung von 1551 unter Herzog Albrecht V. heißt es » dem Leindl , Ueberreiter zu Marquartstein, auf die Gämsen zu sehen zu befehlen, und ihm jährlich Besoldung zu geben 4 fl. Der damalige Goldgulden galt nach heutiger Münze ungefähr 3 fl. 34 kr.; 1 β (Schilling) = 30 kr.; ein Pfenning war nahezu = 1 kr. In den Rechnungen sind meistens Goldgulden gemeint. Westenrieders Beiträge. B. 6. 1 Kleid über's andere Jahr.« Die bayrischen Herzoge kümmerten sich im Ganzen persönlich nicht viel um die beschwerlichen Gemsjagden, die nicht lohnend waren, und hatten im ebenen Lande des Waidwerks in Ueberfluß mit Hirschen und Sauen. Anders war es in einem Theil von Steyermark und Tyrol, wo Kaiser Maximilian († 1519) zu dieser Jagd eine besondere Neigung zeigte. Er ließ die Gemsen überall hegen, und wie im Weiß-Kunig erzählt wird, waren einmal im Thal Smyeren in Tyrol über 600 Gemsen im Jagdbogen und wurden 183 gefangen. Dieser ritterliche Waidmann hatte auch alle Eigenschaften, um solche Jagd nach Lust treiben zu können. Körperlich stark und kühn war er ein trefflicher Schütze und Steiger, dabei »gar fürsichtig« und wie sich von selbst versteht »hat er kainen swyndel in seinem Haupt nit.« Er stieg gern auf hohe Thürme und stand oft nur mit halbem Fuß auf dem Mauerrand, den anderen Fuß in die Luft hinaushaltend, so auf dem Ulmer Münster. – Er jagte im Innthale, am Höllkopf, im Steinacher Thal, am Achensee und Heiterwangersee, wo er die Gemsen und Hirsche in den See sprengen ließ, und wenn gerade nichts zu schießen angeschwommen kam, fischte. Von einer solchen Fisch- und Jagdparthie heißt es in seinem Jagdbuch: »Herr Caspar Hebst hatt gesehen, das der gros Waidman mit andern fursten, Grauen vnd Hern hatt gembsen geJagt an aim pirg, genantt am schocks, auff Wellichem pirg, Nahendt vnder den gembsen, da ist ain klainer se, voll mit klainen Visch, phrillenn, vnd ee als das gejaidt angieng, da vischten die Edlewtt nach den Phfrillen mit aim pern, der gar vill warn. also warden die gembssen gegen dem se gejagt vnd genott. da hielt graff Hainrich von Hardeck ain fischpern (Fischbären) fur, vnd der gembß lieff in den Vischper vnd wart also gefangen.« Der Kaiser hat alle Abenteuer und Gefahren eines Gemsjägers bestanden, stieg in die schärfsten Wände und schwang sich am Stock über felsige Klüfte; öfters war er nahe daran von herabrollenden Steinen erschlagen zu werden, die ihm einmal den Hut vom Kopf schlugen, ein anderesmal die »beed Span-Adern« verletzten und einen begleitenden Jäger besinnungslos niederstürzten, der sich todt gefallen hätte, wenn er nicht vom Kaiser gefaßt und gehalten worden wäre. Auch ein geschossener abstürzender Gemsbock hätte ihn einmal in die Tiefe geschleudert, wenn jener nicht durch Aufprellen an einem kleinen Felsenvorsprung über ihn hinausgeflogen wäre. »Darauff der Held ohn' Hindernuß That auf den Gemsen einen Schuß; So daß der Pfeil durchs Hertz hinauß Dem Thiere fuhr und es mit Grauß Herunder fiel, auff Ihn gerad, Doch gab der Höchste sein Genad, Daß dieser Gems rührt in dem Fall Ein Stein, darum er überal Am Berg den Helden nit berührt, Darauß Er hat groß' Glück gespürt, So Er hat jederzeit gehabt: Dann hätte Ihn der Gemß ertappt, Sammt seinem Knecht so wäre Er Der Theuerdank, gefallen mehr Denn hundert Klafter in ein Thal.« Sein Abenteuer an der Martinswand ist bekannt, wo er »2 Tag und Nacht« nicht herauskommen konnte, und Abfahren auf Steinplatten, mit den Steigeisen aus dem Schnee \&c. kommen im Theuerdank Das Gedicht »Theuerdank« von Melchior Pfinzing ist von 1517. Johann Scheifelen von Nördlingen hat Bilder in Holzschnitten dazu gemacht, welchen erklärende Unterschriften beigefügt sind, die sich auf das dargestellte Faktum beziehen, welches dann weiter poetisch behandelt ist. In einer Ausgabe von 1679 ist zwar unter einem solchen Bilde das Abenteuer von der Martinswand erzählt, das Bild stellt aber ein anderes dar und ebenso das begleitende Gedicht, wie nämlich Maximilian unter Zusehen von Frauen ein Gembs in sehr gefährlicher Lage mit dem Schaft gefällt habe. Von obigem Abenteuer an der Martinswand kommt in den Gedichten des Theuerdanks nichts vor. mehrmals vor. Es ist öfters davon die Rede wie er mit dem Schaft ein Gems aus der Wand warf, wahrscheinlich aber sind damit angeschossene Gemsen gemeint, die in eine Wand eingestiegen waren, denn obwohl es nicht unmöglich ist unter günstigen Umständen ein Gems in einen Gang an einer hohen Wand zu zwingen, wo es nicht weiter kam, so ist doch sehr unwahrscheinlich, daß sich in einem solchen Fall ein Jäger mit einiger Sicherheit seines Lebens anbirschen kann, wenn er nur einen Wurfspieß als Jagdwaffe hat. Von einer solchen Birsch und Jagd heißt es im Theuerdank:     »Der Held steigt Berg und Felsen an Mit Hilff seines Schaffts, so gut er kan,     Kam hoch, an eine jähe Wand, Allwo ein Gäms hielt seinen Stand,     Den Gämsen solt wol keiner kriegen, Weil niemand je so hoch gestiegen,     Der Theuerdank hielt es für Schand, Wo er den Gämsen aus der Wand     Nicht werffen solte doch, so gar Gantz unerachtet der Gefahr,     Setzt er dem Gämsen hefftig zu, An einen Ort, da er den Schuh     Gar schwerlich setzt, an einer Wand, Weil er sonst keinen Platz mehr fand;     Der eine Fuß schwebt in der Lufft, Weil sonst kein Raum mehr bei der Grufft,     Stach d'rauf das Thier mit seiner Stang, Es fehlte nicht zwei Finger lang,     Daß, da er einen Schwank jetzt nam, Der Held nicht um das Leben kam,     Doch hat das Glücke nicht gewolt, Daß er auff dießmal sterben solt.« Im Jahre 1495 schreibt Maximilian an seinen Vetter, den Erzherzog Sigmund von Tyrol in ächter Waidmannslust: Wir »haben den Tag zu Wurms auf dem Rein gekurzt vnd den in daz gepirg zu den wilden gaemsen gelegt« und ladet den Erzherzog »zu dem vngeheuren gemsgejaid in dy nechent ein« (wahrscheinlich in die Nähe von Innsbruck). Dazu seyen viele deutsche Fürsten geladen und heißt es weiter: »Ich hoff zu gott, daz solche hörner da erlauten werden, vnd so maniger wilder waidgeschrey daz das den Turken vnd allen andern pössen kristen Ier oren erschellen werden.« Es sind erst vor kurzem Aufzeichnungen von des Kaisers eigener Hand (aus der Wiener Staatsbibliothek) durch G. v. Karajan In dem oben erwähnten Jagdbuch. mitgetheilt worden, welche die Gemsjagd betreffen und gewiß liest sie jeder Waidmann mit Vergnügen. Es heißt darin unter andern von der Kleidung und Ausrüstung: Item: Grab (grau) vnd gruene klaider solstw haben; halb grab, halb grien gefiertlt. Zw Hierschen vnd gembsen ist die pest farb. Item: Dw folst Erlich (tüchtige) fuesEyssen haben am Ersten, mit sex Zuecken – Item: Dw solst allzeitt zwiffach Schuech haben; dar zw vier layst (Leisten), wan dw an das gepirg gest vnd In schne, das die Schuech nas werden, das man sy yber die layst schlach vnd die Trucken herfur uemb. Die schuech sollen mitt Riemen gemacht werden, das die stain nitt darin sallen. Item: Du solt dir alzeitt aiu Hiern Hauben In aim Waid asser (Waidsack) lassen nachtragen, so dw In die pirg gest vnd die Huntt die stain lassen lauffen, fur das schlahen. Dergleichen ain guett Gesayll (Seil). Item: Du solst dir lassen machen ain leibrechkell (Reibröckl) mit abgeschnitten Ermblain, woll weitt vnd mitt einer kurtzen schos, ain benig yber die waych. Das wamas vnd Reckll soll hoch sein am Hals, wann dw durch die Zunckhen schleufft, das Es dir nitt in Rucken vall. In der von Karajan gegebenen Uebersetzung heißt es »wenn du durch die Felsenriffe schliefst,« mir scheint daß mit »Zunckhen« die Laatschen gemeint sind, welche noch gegenwärtig in Tyrol und theilweise auch bei uns »Zundern« heißen. Es werden ferner angegeben zweierlei Handschuhe, wollene Socken oder Strümpfe, die im Schnee über die Schuhe und Hosen anzuziehen, leichte und warme Hüte und Kappen, die »hurnan (hörnerne) armbrust« für den Winter und der »stechlan pogen« (Stahlbogen) für den Sommer, ein breiter Degen, Tillmesser und Horn mit hellem Klang, dann die Schäfte, welche dritthalb bis vier klafter lang seyn sollen. Klafter ist hier offenbar ein kleineres Maß, als wir unter diesem Namen kennen. Der Kaiser warnt vorzüglich vor den herabrollenden Steinen: »Vor allen Dingen soll Dier; Hertzog von Oesterreich, verpotten sein, In Rissen vnd vnder die wendt zw gen, da die stain herab lauffen. Das ist das fercklchist (gesährlichste), vill mer weder das fallen, so sy komen, so offt vnd an seltzam ortten, von den Hunden vnd Jegern, das ainer seins lebens nit sicher ist.« Daher soll auch der Fürst beim Ansteigen der erste vor seinem Gefolge, beim Heruntersteigen aber der letzte seyn. Das Jagen auf die Gemsen begann gewöhnlich am frühen Morgen, denn es heißt: »So dw an die gejaidt wildt oder gembssen Jagen, so Muestw gewondlich zw dreien Vren (3 Uhr) auff sein, das dw zuuor Mes horst (die Messe hörst) und ist (essest). Guten Imbiß und Wein mitzunehmen wird empfohlen, auch ein verlässiges Saumroß. Das Hegen der Gemsen in Tyrol, ebenso wie des Kaisers Jagden mußten immerhin unsern Grenzbergen Gemsen zuführen, wie gegenwärtig umgekehrt geschieht, der Stand blieb aber im Allgemeinen gering, nur um Hohenschwangau scheint er gegen Ende des 16. Jahrhunderts ziemlich gut gewesen zu seyn. Landau erwähnt, daß 1572 der Landgraf Wilhelm von Hessen vom Herzog Albrecht Gemsen zugeschickt erhalten habe und ebenso 1591 deren 10 Stück vom Pfalzgrafen Wilhelm zu Landshut, welcher weiter viele, besonders um Hohenschwangau, fangen ließ und eine zweite Sendung machte, wo aber die meisten auf dem Transport erlagen und nur 11 lebend übrig blieben. Die erste Sendung war im Juni erfolgt und der Pfalzgraf entschuldigt sich, daß er nicht die gewünschte Zahl von 24 geschickt. Aber sie seyen in dieser Jahreszeit gerade am schwächsten und von 40 im Herabtragen von dem hohen Gebirg in Folge des warmen Wetters 30 erstickt. Der Erzherzog Ferdinand von Oesterreich jagte 1591 mit seinen Gästen, dem Herzog von Mantua und dem Erzherzog Hoch- und Deutschmeister Maximilian am Plansee, um Schwangau, im Lechthal und bei Nesselwang, wo er mit Hülfe des Revierjägers Conrad Rief und seiner Brüder den Meisterschuß that auf eine hoch einsteigende Gemse, wofür er die Begleiter reichlich belohnte. Albert VI. von Bayern hielt im Jahre 1617 in Berchtesgaden eine Gemsjagd mit seinem Bruder Ferdinand II. Churfürst von Köln. Einer Gemsjagd in Hohenschwangau ist auch 1671 erwähnt, welche Ferdinand Maria gehalten hat. Auch auf dem Untersberg wurde um jene Zeit (1665) von dem Fürstbischof von Salzburg Guidobald dem Kaiser Leopold I. eine Gemsjagd gegeben »allda an einem hierzu von der Natur einem Schau-Platz nit vngleich, vnnd gar bequemlichen Ort zwischen 2 hohen Steinwänden 16 Gämbs einklopfft, auch oben und vnten mit Plachen gespörrt worden: da Ihr Maj. mit allergnädigsten Vergnügen etliche Gämbs geschossen, vnd vier lebendig gefangen worden. Fr. Dückher, Saltzbug. Chronica 1666. Ich habe oben der gemsfeindlichen Raubthiere gedacht, und wird von den Luchsen, Bären und Wölfen in besondern Kapiteln noch die Rede seyn, nur von den Gemsgeiern ( Gypaëtos barbatus ) will ich anführen, daß sie im 17. Jahrhundert zahlreich vorhanden waren. Es geht dieses aus der Angabe auf einer Tafel von 1650 in St. Bartolomä am Königssee hervor, wo zwei dieser Riesenvögel in natürlicher Größe abgebildet sind. Es heißt dort, daß Hans Duxner allein 127 derselben erlegt habe und ebenso besagt ein schön zu lesendes Gedicht von 1675, welches ich bei der Bärenjagd ausführlich mittheilen werde, daß der Jäger und Fischmeister Urban Fürstmüller 43 Gemsgeier und seine beiden Söhne deren 31 erlegt haben. Den Steinadlern ist wohl auch ihr Antheil geworden, sie sind zwar weniger stark als die Gemsgeier, aber doch kräftig genug, wenigstens ein Gemskitz zu rauben, wie ihre Horste noch heutigen Tags hinlänglich beweisen. Die Gemsgeier sind gegenwärtig große Seltenheiten geworden und scheinen nicht mehr in unseren Bergen zu horsten. 1855 wurde einer im Königsseerevier (Berchtesgaden) geschossen. Die Steinadler ( Aquila chysaëtos ) aber kommen fast am ganzen Alpenzug vor, besonders im Berchtesgadnischen, im Wimbachthal, im Eis, auf der Schreck \&c. kann sie der Jäger oft beobachten und werden fast jährlich einige geschossen, meistens im Winter bei einem eingegangenen Gems oder Stück Wild oder bei einem eigens zu diesem Zweck gelegten Aas. Die Jungen werden auch, wo es möglich ist, aus dem Horst genommen, wobei der Ausnehmende meistens an einem Strick über eine Felsenwand hinuntergelassen werden muß. Im Allgäu bei Obersdorf, im Oythal, geschah dieses Ausnehmen fast alle Jahre und war zugleich eine Art von Volksfest geworden, in neuester Zeit aber schießen und fangen die Jäger die Adler, die dort in zwei Wänden horsten, wie sie dieselben bekommen können. Bei manchen Adlern beträgt die Spannweite der Flügel 8 Fuß. Im vorigen Jahre (1857) erlegte der Graf Max Arco drei Steinadler, einen im Winter am Obersee in Berchtesgaden und zwei im Juni am Untersberg in der Nähe der Gurrenwand etwa zwei Stunden von Hallthurm. Die letztern waren Männchen und Weibchen und hatten ein Junges. Der Horst war in einer Höhle an jener Wand. Mit diesen Adlern gab es schwere Arbeit. Alles Passen auf der Wand war vergebens, in die Wand selbst und zum Horst konnte man nur durch Herablassen an einem Seil gelangen. Der Anblick der riesigen Vögel, welchen der lauernde Schütze öfters genoß, steigerte die Leidenschaft nur um so mehr, in ihren Besitz zu gelangen und er beschloß dazu keine Mühe zu scheuen und im Nothfall einen Sack voll Geduld drum zu erschöpfen. Da der junge Adler schon das Aussehen hatte bald flügge zu werden, so ließ sich Arco zum Horst an einem Seil herunter, welches oben an einem Baum und ihm um den Leib befestigt war. Er band dem Adler einen Strick um die Ständer und knüpfte ihn an einem schweren Stein fest. Dieses geschah nicht ohne heftiges Hauen des Jungen mit den Fängen. Im Horste lag ein buntes Gemenge von Knochen, Skeletten und Resten von Gemskitzen, Schafen, von einem Edelmarder \&c. Mühesam wurde nach einem Stand geforscht, von dem aus der ein- oder ausstreichende Adler etwa geschossen werden könne. Da fand sich eine Tanne hart an der Wand, auf deren winklich gebogenem unterem Stamm man sitzen konnte, freilich nicht sehr bequem und unter dem Sitz ging die Wand bei 700 Fuß in die Tiefe. Vom obern Rand derselben war der Baum etwa 50 Fuß entfernt und nur mittelst eines Seils dahin zu gelangen. Arco, einer meiner ältesten Jagdgefährten, mit dem ich auf den Gemsjagden manchen Adler beobachtet, hob bei Erzählung des Abenteuers, welches ich hier beschreibe, besonders die Herrlichkeit des Anblicks hervor, als er nach einigen Tagen, da er von Morgens bis Abends auf dem erwähnten Platz gepaßt, einen der alten Adler mit einem Schaf, wohl an 20 Pfund schwer, hoch in der Luft erblickte. Majestätisch kam er über den Untersberg her und stürzte dann mit eingezogenen Flügeln pfeilgerad in seiner Nähe mit solcher Schnelligkeit herunter, daß man hätte meinen sollen, es müsse ihn ein Schlag getödtet haben. Plötzlich aber am Horst breitete er die gewaltigen Schwingen aus und fuhr in die Höhle. Man weiß, daß zärtliches Familienleben gerade nicht die Sache der Adler ist, die Alten halten sich zwar zusammen, mit den Jungen geben sie sich aber nicht viel ab. Sie bringen etwas zur Nahrung und verweilen dann keine Minute lang im Horst, sondern gleich gehts wieder fort auf ihr Gejaid. Mehrmals mußte Arco die Adler so aus- und einstreichen sehen, welches mit sehr großer Geschwindigkeit geschah, bis einer über ihn wegstreichend mit einem Schrotschuß zu erlangen war. Der ging auch nicht fehl und in zwei Wochen waren beide Adler die Beute des beharrlichen Schützen. Sie sind eine Zierde des Jagdhauses »am Schorn« und der junge ist bereits zu einem stattlichen Exemplar herangewachsen. Das geschossene Weibchen hatte 7½ Fuß Spannweite der Flügel, das Männchen etwas weniger. Im ebenen Land ist der öfters vorkommende Adler, der Fisch- oder Flußadler, Seeadler, Haliaëtos albicilla . Um München werden jährlich einige geschossen. Ein Bericht des J. Brandstätter, Forstmeister zu Hohenschwangau gibt 1726 den Gemsstand in den dortigen Gebirgen zu 150 Stück an, davon im »Saugarten« 30–40, in den »Gumpen« ebensoviel. Den 21. Juli 1727 reiste der Kurfürst Carl Albrecht nach Hohenschwangau auf die Gemsjagd »wohin keine durchlauchtigste Fürstenperson seit 1671, da Ihro Churfl. Durchlaucht Ferdinand Maria das letztemal dagewesen, wegen des gefährlichen Gebürgs nit mehr kommen ist.« Es wurden zwei Gemsjagden gehalten, die eine am 28. Juli und wurden 19 Gemsen »gefangen« worunter 7 lebend, die in den Thiergarten nach Nymphenburg gebracht wurden. Am 30. Juli wurden 29 Gemsen gefangen, davon 16 Stück lebend nach Nymphenburg kamen. Zu diesen Jagden betrug die Zahl der Treiber 550 Mann, nämlich: vom Amt Hohenschwangau 77 Mann " " Riedhofen 90 " " " Trauchgau 83 " " Kloster Steingaden 100 " " " Ettal 100 " " " Rothenbuch 100 " 550 Mann. 1731 war der Gemsstand in den Hohenschwangauer Jagden am Seyling und Jugend, Hirschwang, Albeskopf, Straußberg und Tegelberg, drei Maandln, Pechkopf \&c. 103 Stück. Von 1752 findet sich eine »Gämps- und Hirschjagd« verzeichnet, welche der Churfürst Maximilian III. am 8. und 9. August zu Großwayl in der Nähe des Kochelsees (wahrscheinlich am Heimgarten) abgehalten und wobei 38 Gemsen, darunter 10 Kitz, als Beute angegeben sind. Um diese Zeit war der Gemsstand in Tegernsee im Vergleich zu 200 Jahren früher nicht sonderlich gewachsen. In 13 Jahren, in welchen damals 16 Gems angegeben sind, finden sich von 1768 bis 1782 (die Rechnungen von 1776 und 1777 fehlen) nur 29 Gemsen verzeichnet. Während aber in jenem Zeitraum wie oben gesagt, kein Luchs aufgeführt ist, sind in diesem deren 39 angegeben, also bedeutend mehr Luchse als Gemsen. 1752 war die Besoldung eines Klosterjägers inclus. der taxirten Naturalien 42 fl. 24 kr., dazu kam noch 10 fl. Holzbschau und das Schußgeld, welches wenig genug war und für ein Gembs 45 kr., in Benediktbeuren für die dem Kloster nahe gelegenen Standorte sogar nur 24 kr. betrug. So hat z. B. der Oberjäger Adam Mayer 1760 zum Kloster geliefert » 5 Lux 3 Hirsch 7 Reh 2 Gämbs 3 Oedlmader 7 Haasenhendl 1 Hausmader 1 Fuchs 1 Haas« und betrug das Schuß- und Fanggeld dafür nur 20 fl. 52 kr. Die Klosterherren hielten drauf, daß ihr Wild nicht leichtfertig angeblenkelt wurde, denn ein Befehl von 1711 bestimmt: »sollen die Schredtpixen Bei Verlust der Jährlichen Bsoldung in dem Gepürg zu tragen verboten seyn, ausgenommen auf dem Hanenfalz, Hasenpirsch und Fuchswartten.« Der Gemsstand um Tegernsee und Schliersee hob sich erst als König Maximilian I. seinen Herbstaufenthalt in Tegernsee nahm und für hinreichenden Jagdschutz sorgte. Im Jahre 1817 wurden im sog. Peisenberg die erste königl. Zeugjagd eingerichtet und auf der Au innerhalb Enterrottach abgeschossen. Es wurden 25 Gemsen erlegt. Im Jahre 1820 aber wurden auf einer ähnlichen Jagd in der Rasserin am Planberg (Blauberg) 100 Gemsen geschossen, aus einer anderen 1823 in den Scheeren am Wallberg 56. Bei der ersten wurde auf der Pförner-Weißachalpe, bei der letztern auf der Wallbergerau vor der Enterrottachbrücke abgeschossen. Um diese Zeit zeigte sich auch schon der Gemsstand in Berchtesgaden bedeutend, und wurden 1821 aus einer k. Jagd im Königsthal 95 Gemsen erlegt und unter König Ludwig ebenda (1826) 61 Stück, 1827 62 Stück und im Reitl 1829 65 Gemsen. Die Gemsen vermehren sich schnell, wenn sie der gehörigen Ruhe auf ihren Standorten genießen, denn sie sind das einzige Wild, welches von harten Wintern verhältnißmäßig sehr wenig Schaden leidet. Sie finden auf den steilen Gehängen, von welchen die Lawinen Von den Lawinen und abfallenden Steinen werden manche erschlagen und ist zu wundern, daß nicht jährlich viele dadurch zu Grunde gehen. abstürzen, oder unter den Felsen und Schirmbäumen, welche den Schnee etwas abhalten, immer noch ihre Aesung, während Hirsch und Reh, zu Thal getrieben, ohne künstliche Fütterung häufig erliegen. So zeigt eine Wildstandsübersicht von Tegernsee im Jahre 1800 nur 20 Gemsen, im Jahre 1847 aber 650; eben so vom Hohenschwangauer-Leibgehege im Jahre 1828 etwa 100 Stück, im Jahre 1853 aber 12 bis 1500 Stück. Diese Vermehrung hat aber ihre Grenze, insoferne sie von der Oertlichkeit bedingt ist, denn eine gewisse Anzahl Gemsen verlangen wie jedes Wild einen Standort von einer gewissen Größe und werden ihrer zu viele, so verläßt der Ueberschuß den Platz und wechselt nach andern Bergen. Zuweilen verirren sie sich bis ins Flachland. Es sind in den letzten dreißig Jahren einige solche Fälle vorgekommen und wurde ein Gemsjährling bei Ebersberg, zwei bei Grünwald und ein Bock sogar bei Freysing erlegt. Bei gehörigem Gemsstand muß also zum Vortheil der Jagd ein bestimmtes Abschießen stattfinden. Von 1841–45 sind ins Zwirchgewölb 598 Gemsen geliefert worden, viele werden aber auswärts verkauft. Das Jahr 1848 verlangte auch für dieses harmlose Wild seine Opfer, doch muß anerkennend hervorgehoben werden, daß die Hohenschwangauer, die Ettaler und Berchtesgadner die Excesse nicht getheilt haben, welche mitunter am Tegernsee, Schliersee, in Bayrischzell und anderwärts vorgekommen sind. Daß die Bauern im Allgemeinen eine Jagd nicht zu verwalten verstehen, und die Gemeinden selten die Kraft haben, der Willkür einiger unbändigen Bursche und Wilddiebe energisch zu steuern, ist eine nur zu bekannte Erfahrung. Auf der einen Seite ist es der Egoismus und das »was soll ich für die Nachkommen etwas thun, sie haben für mich auch nichts gethan,« auf der andern Furchtsamkeit und Gleichgiltigkeit, welche da ihre Wirkung kund geben. Wildschützen von Genie haben das selbst erkannt und wohl voraussehend, daß wenn die Gemeinde die Jagd handhaben will, in Bälde keine Schale mehr zu spüren seyn werde, weil bei dieser Regierung jeder thut, was er will (nur mit der Ausnahme, daß der schwächere dem stärkeren aus dem Weg gehen muß) so haben sie oft dafür gestimmt, die Jagden in einer Art zu verpachten, daß Jäger das Regiment führen, denn dann gab's doch Wild, wenn auch nebenher einige Widerwärtigkeiten. Das schöne Tyrol könnte mehrere tausend Gemsen hegen, v. Moll sah noch 1784 starke Rudel am Sonntagfeld im Zillerthal. Sie wurden damals sorgfältig gehegt und wurden an einer gar zu gefängigen Schlucht, wo sie für die Wildschützen leicht zu bekommen gewesen wären, Schafe gehalten und damit die Gemsen an weniger preisgegebene Orte getrieben. Von 1683–1694 war der Stand durchschnittlich 350 Gemsen in Zillerthal und Gerlos, und wurden davon jährlich gegen 40 von den aufgestellten Jägern geschossen. wäre nicht fast überall zu jeder Jahreszeit schonungslos gehetzt und geschunden worden, so aber ist der Gemsstand kaum zu nennen. Der Ruin seiner Waldungen und das Ausrotten des Enzians (mit Allem kann man fertig werden) geht aus gleichen Ursachen hervor. Es soll sich aber damit gegenwärtig wieder zum Bessern wenden. In der Schweiz verdanken die Gemsen ihr Fortkommen auch mehr den gewaltigen Bergen als der dortigen Jägerei oder betreffenden Verordnungen. Das Geplenkel in den Thälern um jeden Spatzen, welches Tschudi rügt, träfe sie nicht minder, wenn ihre Standorte zugänglicher wären. Das Edelwild ist bereits seit 30 Jahren ausgerottet und einen Rehbock kann man auch schon als Rarität in einer Menagerie zeigen. Soviel aus Tschudis Beschreibungen zu ersehen, schießt man eben »was Haar hat«; daß dazu ein überreicher Wildstand nicht berechtige, weiß man wohl, das Glück ist, daß nur wenige Schützen (Jäger kann man eigentlich nicht sagen) das Gemsschießen mit Erfolg treiben, weil die Gemsen bereits in das schärfere Hochgebirge zurückgedrängt sind, wo ihr bester Freund, Nebel genannt, gerne seinen Mantel schützend über sie breitet. Glücklicherweise ist das Eigenthum an Grund und Boden, auf welchem die Jagd dem Staate gehört, in Bayern bedeutend genug um diese zu erhalten, von besonderem Werth dafür aber ist es, daß König Maximilian II. der Hebung des Wildstandes und namentlich der Gemsen im ganzen Zug unserer Voralpen hohen Schutz und Pflege angedeihen läßt. Und gerade die Gemsjagd kann ohne die leidigen Verhältnisse des Wildschadens gepflegt werden und ist ihr Gedeihen um so wünschenswerther, als das Wild überhaupt gegen früher überall abgenommen hat. Obwohl es in der Mitte des vorigen Jahrhunderts nur wenig Gemsen gab, so waren sie doch, weil an anderem Wild Ueberfluß vorhanden, sehr wohlfeil und kostete ein Gems nur 3 fl. 30 kr. bis 4 fl., ein Kitz 1 fl. 30 kr. Gegenwärtig kostet ein Gems unter 45 Pfund das Pfund 15 kr., über 45 Pfund aber das Pfund 18 kr. wegen des höheren Werthes der Decke, so daß ein Gemsbock von 50 Pfund auf 15 fl. kommt. Ueber das Jagen der Gemsen ist gar viel geschrieben worden und manchmal hat einer der kaum ein paar Jagden gesehen, die Feder ergriffen und je nach Stimmung und Erlebniß diese Jagd zur gefährlichsten aller Jagden gemacht, oder sie auch wieder in einer Weise dargestellt, als wäre es nicht viel mehr als ein »Klopfet« auf Hasen und Rehe. Abweichend von den gewöhnlichen Uebertreibungen dieser Art, gibt manches treu aufgefaßte Bild das Buch des Engländers Boner: Chamois Hunting in the Mountains of Bavaria. Daß diese Jagd romantischer ist, als die meisten andern, liegt in der Natur des Terrains auf dem sie sich bewegt; was aber die Gefahren des Jägers betrifft, so kommt es auf Art und Weise des Jagens und auf die Verhältnisse an, unter welchen man jagt. Wer viele Gemsbirschen gemacht hat, der wird schwerlich den Gefühlen inneren Grausens entgangen seyn, wenn er durch eine Wand oder Schlucht stieg und plötzlich ober ihm ein Steingerumpel von flüchtigen Gemsen losging, und kaum der Vorsprung eines Felsen den Leib zu decken vermochte, oder wenn er einer angeschossenen Gemse nachsteigend unversehens an Stellen kam, wo für das Mißlingen eines Schrittes oder Sprunges, der unvermeidlich gemacht werden mußte, die Folgen nur zu deutlich vor Augen lagen. Es ist dann ganz eigen, einem Stein nachzusehen, den der Fuß von der Wand löste, wie er gellend in die Tiefe fällt, und auf dem Grunde steiler Gräben in weithin geschleuderte Trümmer zerschellt. Und nun bedenke man, daß gar oft ein Jäger den erlegten Bock von dem Platz wo er verendete, nicht anders fortbringen kann, als indem er ihn auf den Rücken ladet und eine wilde Schlucht hinuntersteigt oder quer durchs Felsgehäng, und das ohne Gefährten, fern von aller Hülfe auf sich allein gestellt, auf seine Gewandtheit und seinen Muth. Das Steigen will geübt seyn. Wer z. B. an einer Wand, in der überhaupt noch fortzukommen, in der Art heruntersteigen wollte, daß er mit dem Gesicht gegen die Wand mit Händen und Füßen sich anklammernd den Versuch machte, wie man auf einer Leiter heruntersteigt, der würde geradezu das Leben wagen, weil er die Stelle, wohin er den Fuß setzen will, nicht sieht, sondern mit diesem nur fühlt und nicht weiß, was dann weiter kommt; man hat in solchem Falle sich niederzusetzen und sitzend mit den Händen zu halten, während man hinuntersieht und die Stellen erforscht die verlässig scheinen, die Füße darauf niederzulassen und weil man nur so einen Plan des Weiterkommens entwerfen kann. Dabei ist die Büchse und der Stock oft sehr hinderlich und muß man diesen manchmal hinunterwerfen, wenn er dadurch nicht verloren geht. Man trennt sich aber nicht gern vom Stock, der eine große Hülfe gewährt und man ist oft schlimm genug dran, wenn er einem an solchen Plätzen aus der Hand gleitet und abfährt. So lange man noch etwas anzufassen hat und nicht gezwungen ist zu springen oder zu laufen, geht's noch gut, wenn aber das Anfassen nicht mehr möglich und man auf einem schiefen schmalen Grat fort muß oder durch eine Stelle in einem steilen Graben laufen oder drüber springen, dann ist es bedenklich und doch soll man nicht viel drüber denken und keine Furcht haben. Es kommen Fälle vor, wo gehen oder rutschen wollen weit gefährlicher ist, als ein paar flinke Schritte zu machen und derjenige, welcher drüber ängstlich ist, thut besser, umzukehren, wobei freilich zuweilen auch das Umkehren noch schlimmer ist, als das Weitergehen. Alles dieses steigert oder mindert sich an Gefahr unter sonst gleichen Umständen, je nachdem man allein ist oder ein Jäger vorsteigt. In solcher Gesellschaft macht man Wege mit Leichtigkeit, die drohend und schreckhaft herschauen, wenn man allein steigt. Es ist dabei nicht die Hülfe, die der Jäger gewährt, denn er kann oft gar nichts helfen, aber es ist die erlangte Gewißheit, daß der Gang überhaupt zu machen und es ist die Vorzeichnung des Weges der zu nehmen, was wesentlich ermuntert und forthilft. Steigeisen sind nur mit Vorsicht und vorzüglich auf den Graslaanen zu gebrauchen, man verwöhnt sich aber leicht damit, und ich kenne ausgezeichnete Steiger, die ein Eisen nur sehr selten an den Fuß nehmen, außer bei gefrorenem Boden oder wo es schwer zu tragen gilt. Die Graslaanen sind übrigens nur zu scheuen, wenn sie sehr steil, vom Regen naß oder beschneit oder auch wenn sie sehr trocken sind. Enden sie nach unten an einer Wand, so sind sie natürlich doppelt gefährlich. Fällt man auf einer solchen und kommt auf den Rücken zu liegen, so ist's vorbei, wenn man sich nicht sogleich auf den Bauch herumwirft und an den Rasen noch anklammern kann. Es ist in der That merkwürdig, wie wenig Unglücksfälle beim Steigen vorkommen, wenn sie aber vorkommen, so geschieht es selten bei Jagden, dagegen oft genug beim Brocken des verlockenden Edelweiß, wie vorzüglich in Berchtesgaden. An Stellen, wo die Gefahr augenscheinlich ist, geschieht auch weniger ein Unfall, weil man behutsam zu Werke geht, außerdem aber wird leicht übersehen, daß beim Fallen und Abfahren ein sich halten nicht immer möglich und somit auch keine Rettung mehr ist. Am gefährlichsten sind schiefhängende Steinplatten, wo man die Schuhe ausziehen und in Strümpfen oder noch besser barfuß gehen muß. Unter den Verunglückungen ist ein Fall in Berchtesgaden bekannt, welcher zeigt, welche Schrecken ein wildes Gemsgebirg bergen kann, und wenn einem eine solche Geschichte gegenwärtig, so schaut man in das düstere Starren der Felspfeiler mit ganz anderen Augen, als wenn man nur an ihre Alpenrosen denkt. Es war in St. Bartholomä ein Jagdgehilfe Seb. Schlechter, ein trefflicher Gemsjäger und kühner Steiger, welcher dem zürnenden Berggeist, dem er oft seine Gemsen genommen, zum Opfer fallen sollte. Am 16. Oktober 1839 ging der lebensfrische Jäger (damals 35 Jahre alt) vom Jagdhause fort, um im Hocheis eine Gemsbirsche zu machen, und wollte Abends wieder zurückseyn. Es ist bei der Hirschjagd erzählt worden, wie man in dieses Hocheis gewöhnlich nur in einer Schlucht zwischen der Hachelwand und der sogenannten »Kirch« gelangen kann. Schlechter wollte aber von einer andern Seite, in den Wänden, die vom Watzmann niedergehen, dort hineinbirschen. Ich habe da einmal einen Jagdgehilfen Sollacher durchsteigen sehen und muß einer schon »a' woiterner« Steiger seyn, der es wagen darf. – Schlechter wollte sich den Weg kürzen und über das Dach der sogenannten Eiskapelle an die Wand gelangen. Diese Eiskapelle (in älteren Schriften auch »gläserne Kapelln« genannt) ist eine Art von Gletscher, der an die Steinwände angelehnt im Thal ein Thor zeigt, durch welches der »Eisbach« hervorkommt. Der Jäger stieg an der Seite hinauf und dann über das Dach hin. Als er am Rand des Eises in die Felswand steigen wollte, brach dieses unter ihm mit donnerähnlichem Krachen zusammen, und nun gings mit Eis und Steinen hohl schallend hinunter in die Nacht eines 180 Fuß tiefen Abgrunds. Vom Sturz und den erlittenen Verletzungen (die Rippen waren sechzehnmal gebrochen) der Besinnung beraubt lag er viele Stunden und erst gegen Abend kam er wieder zu sich. Es war tiefe Nacht um ihn und er erkannte, mit den Händen tastend, daß er auf einem mit Schnee bedeckten Felsenvorsprung (Stellen) gefallen, und daß es neben ihm noch weiter hinuntergehe. Man denke sich die furchtbare Lage! Im ersten Augenblick gab er sich für verloren, als er aber seine Büchse fühlte, deren Riemen seltsamerweise ihm um den Hals geschlungen war, da dämmerte einige Hoffnung, durch einen Schuß vielleicht einen Retter herbeizuführen. Diese Hoffnung wurde freilich von dem Gedanken gedrückt, daß um jene Zeit außer einem Jäger selten jemand an den Ort komme, gleichwohl schoß er nach oben zu die Büchse ab. Er sah wohl die Wirkung des Schusses an herabfallenden Steinen und Eisstücken, er hörte den Knall aber nicht, denn der erschütternde Sturz hatte ihn des Gehörs beraubt. Erst nach einiger Zeit erhielt er es wieder, und da ward es plötzlich laut von rauschendem Wasser, welches neben ihm in die Tiefe stürzte. In Schmerzen und Angst verging die eisige Nacht, gleichwohl sann die Liebe zum Leben auf Rettung. Wo vom Schuß die Steine heruntergefallen waren, schien ein Kamin nach oben zu münden und in diesem sich hinaufzuarbeiten, beschloß der Unglückliche nun, nachdem er sich überzeugt hatte, daß kein Fuß gebrochen war. Den Rücken an das Eis gestützt und die Füße an Schnee und Felsen schob er sich mühsam empor, vier bis fünf Stunden lang, daß ihn oft die Kraft verließ und auch der Muth zu sinken begann, als er endlich durch eine Oeffnung oben das Tageslicht gewahrte. Mit erneuerter Anstrengung kam er bis auf etwa 20 Fuß unter jene Stelle, wo er eingebrochen war. Hier befand sich ein sogenannter kleiner Boden (ebene Stelle) von dem aus sich jedoch die Schlucht, die er hinaufgekommen, nach oben erweiterte , so daß ein Emporklimmen wie bis dahin nicht mehr möglich war. Da sah er zwei eng zusammenstehende Eissäulen, die sich zunächst an der Wand befanden, und nun beschloß er zwischen diesen sich hinaufzudrängen. Dazu mußte er in der gefährlichsten Lage mit dem Messer in die eine Eissäule Kerben einschneiden, um sich mit den Füßen daran zu stemmen, während er den Rücken an die andere Säule preßte. Mit unsäglicher Plage gelangte er so bis an 4 Fuß von der Oeffnung, und schon glaubte er sich gerettet, als ihm die Füße ausglitten, und abermals stürzte er in die Tiefe, doch glücklicherweise nur bis zu dem erwähnten Boden und ohne sich weiter zu beschädigen. Besinnungslos lag er auf dem kleinen Fleck, wo jede Bewegung mit dem Tode bedroht war, und erwachte erst wieder, nachdem mehrere Stunden vergangen seyn mochten. Das unschätzbare Messer hatte die erstarrte Hand krampfhaft festgehalten, wie seltsam! im bewußtlosen Zustande, wo alle Muskeln erschlaffen! Der Eiskamin mußte zum zweitenmal erstiegen werden, und endlich mit zitterndem Herzen schob er sich über den Rand, und körperlich und geistig gebrochen sank er ohnmächtig auf dem wieder erreichten Dach der Eiskapelle zusammen, nachdem er dreißig Stunden in dem Abgrund begraben gewesen. Zu Hause war man schon am Abend vorher über sein Ausbleiben in Sorgen, und am andern Tag spähte die Tochter des alten Forstwarts Hochleitner, welche der Gedanke einer Verunglückung am meisten beunruhigte, mit einem Tubus öfters nach der Eiskapelle, wo sie gegen zwei Uhr Mittags einen schwarzen Punkt entdeckte, den sie früher nicht gesehen, was dann Veranlassung gab, daß sich mehrere Männer und sie selbst mit Stärkungsmitteln auf den Weg machten. Als sie bei dem Unglücklichen ankamen, war es höchste Zeit, ihn vor Erstarrung zu retten. Der Mann war furchtbar zugerichtet und erblindete sogar für einige Zeit, wurde aber wieder hergestellt und lebt noch, im Park von Anzing als Saufütterer verwendet. Ich habe ihn seine tragische Geschichte selbst erzählen hören. In seltsame Gefahr des Abstürzens gerieth im vorigen Jahre (1857) der herzogl. Coburg'sche Jäger Ragg in der hintern Riß. Er wollte einen Gemsbock, dem das Kreuz abgeschossen war und der auf einer steilen gefrorenen Sandreise gegen eine Wand hinunterrutschte, aufhalten und genicken, und sprang daher ins Gehäng und riß den Bock nieder. Dieser aber schlug dabei mit einer raschen Wendung des Kopfes dem Jäger den spitzen Hacken eines Krickels durch die Haut und durch einen Muskel am Schienbein unter dem Knie und beide rutschten nun mit Kämpfen und Ringen immer näher an die Wand, da es dem Jäger nicht möglich war, den Fuß frei zu machen, oder den Bock, der sich gewaltig wehrte, zu genicken. Noch wenige Schritte und sie stürzten mit einander in die Tiefe; da warf sich der Jäger mit verzweifelter Anstrengung auf den Bock und bewältigte ihn glücklicherweise so, daß er den verhängnißvollen Krickelhacken vom Fuße reißen und dem Bock den Genickfang geben konnte. Es versteht sich nach dem Gesagten von selbst, daß man schwindelfrei seyn müsse, um fortzukommen, gleichwohl kann sich unter Umständen eine Anwandlung von Schwindel einstellen. Ich habe wohl ein paar hundert Gemsjagden mitgemacht, wo zuweilen auch Situationen vorkamen, die ich gerade nicht noch einmal erleben möchte, und ich kann mich nicht erinnern, während des Steigens oder Gehens an Gehängen schwindlich geworden zu seyn, dagegen geschah mir dieses einigemal bei stundenlangem Sitzen an einer gefährlichen Stelle und bei dem fortgesetzten Hinunterschauen. Dann hilft ein Schluck Rum, Cognak Nach einer Tyroler-Sage ist einer vor Schwindel und jähem Abstürzen sicher, wenn er einen Türkis in einem Ring am Finger trägt. – Alpenburg. oder dergleichen, aber es hilft auch der Anblick der nahenden Gemsen, denn ich erinnere mich einer solchen Anwandlung, da mein Stand bei einem Treiben auf einem Keil zwischen steilen Gräben war, wo kaum Platz genug zum Sitzen. Nachdem ich fast drei Stunden da gesessen und den Schwindel fühlte, wollte ich einen andern Stand nehmen, als plötzlich fünf Gemsen in den Graben hereinsprangen. Da war aller Schwindel weg, ich schoß einen guten Bock und wohlgemuth sah ich ihm nach als er stürzte und im Graben hinunterkugelte. Man muß sich natürlich nicht vorstellen, daß Gemsen und Jäger immer an Gehängen herumzukrabbeln haben wie die Fliegen an der Wand, die Oertlichkeit ist oft so günstig, daß man ohne besondere Kunst und Mühe seine Beute erringt und besonders beim Treiben, wenn z. B. die Wechsel über einen Alpweg gehen oder durch einen Waldgrund oder durch die Thalsohle selbst und es giebt kaum eine andere Jagd, wo diese Verhältnisse mannigfaltiger und wechselnder wären. Wer übrigens nicht auswählen will, darf nicht ängstlicher Natur seyn, und es ist eine Seltenheit, daß Damen, deren so viele sich am Waidwerk betheiligten, die Gemsjagd kennen gelernt haben. Das war der Fall bei der Fürstin Leopoldine von Löwenstein-Werthheim, der Frau des allen bayerischen Jägern wohl bekannten im Jahr 1844 verstorbenen Fürsten Löwenstein. Ich hatte oft das Glück, mit der edlen Dame zu jagen, die sich nicht nur bei der Treibjagd auf Gemsen betheiligte, sondern auch birschen ging und als eine treffliche Schützin bekannt war. Noch heißt ein Stand im Langeck bei Kreut nach ihr »der Stand der Fürstin.« Einen guten Bock auf der Birsche zu schießen, hat immerhin seine Schwierigkeiten, die einmal ein alter Jäger in folgender naiver Weise explicirte: »Für's erschti (sagte er): muaß a' Bock dasey(n'), denn ma' moat' gar oft es is oana da, d'erwei' is aber koana da. Dees g'schicht, wann d'an' Bock ebba g'segn hast wo er durchwechselt, wo er aber nit sein Stand hat. Für's zwoati, wenn oana da is, muaß's aa' oana sey(n'), denn es hoaßt leicht a' Bock, bal' er aber daliegt is's a' Goas. Für's dritt' muaß der Bock an an' Platz sey(n') wo'r er zun a'birschn is und wo er oan' nit sicht. Zum vierten muaß er auf an' Platz sey(n') daß er ihm nit z' Lumpen d'erfallt bals' d' 'n abaschießst, oder daß er nit in a' Loch einikuglt, wo d' 'n nit' rausbringa ko'st, denn sunst bideut 's Schieß'n nix. Zu'n fünftn brauchts an' guatn gleich'n Wind und deßtwegn a' fei's Wetter. Zu'n sechst'n mußt d' 'n treffa und zu'n siebetn muaßt d' 'n guat treffa, daß d' 'n kriegst aa' und daß er dir nit in a' Wand eini steigt, wo d' nit nachiko'st. A so is's! Das ist Alles sehr wahr und richtig, glücklicherweise sind aber die günstigen Verhältnisse doch nicht gar zu selten, und wie der Zufall manche Birsche verdirbt, so begünstigter auch wieder manche. Besonders die Jäger kommen bei den vielen Gängen die sie machen oft zum Schusse, wo sie gar nicht dran denken. Der systematische Gang solcher Birschen ist mitunter ziemlich weitläufig; da muß man am frühen Morgen von einem geeigneten Platze aus das Einziehen der Gemsen beobachten und sehen, wo der Bock sich niederthut, welches gewöhnlich unter einer Wand auf einem Felsenvorsprung geschieht, wo er eine schöne Aussicht hat. Wenn man nun weiß, wo er sich niedergethan, hat man sich vom Beobachtungsplatz möglichst ungesehen wegzubirschen und zu warten, bis die Sonne hoch genug steht, daß der Wind aufwärts zieht, dann steigt man über den Bock, oft auf weitem Wege, und rutscht auf dem Bauch an die Wand, unter der er sich niedergethan hat, vorsichtig und die Büchse schußfertig hinaus und schießt so liegend hinunter. Nun geschieht es aber nicht selten, daß man den in der Ruhe befindlichen Bock, ob man gleich an der rechten Wand ist, von oben nicht sehen kann, z. B. wenn die Wand etwas überhängig, eine hinderliche Laatsche vorhanden \&c.; dann hat man zu warten, bis der Bock zum Aesen freiwillig wieder aufsteht, wenn indessen der Wind nicht zum Wechseln kommt, oder man wirft einige Steinchen hinunter, um das Aufstehen zu veranlassen und mancher beschwerliche Gang wird trotz aller Vorsicht umsonst gemacht. Ein Gems in der Ruhe sieht selten aufwärts, sondern meistens nur nach abwärts und nach der Seite. Wo mehrere beisammen in der Ruhe sind, kann man einzelne beobachten, welche behaglich auf der Seite liegend alle Viere von sich strecken. Ist man von einem Gemsbock beim Anbirschen einmal gesehen worden, so ist die Birsche meistens vergeblich. So lange er den noch fernen Jäger erblickt, bleibt er unbeweglich stehen, ist ihm dieser aber verschwunden, so wechselt er sogleich weiter. Sind zwei Jäger zusammen, so gelingt es manchmal den beobachtenden Bock zu täuschen, indem der eine sich fortwährend sehen läßt, ohne sich zu nähern, während der andere sich ungesehen anbirscht. Einem Jäger von Fischbachau gelang eine solche Birsche dadurch, daß er vor dem auf ihn niederschauenden Bock das Hemd auszog und an seinem Bergstock aufhing. Dann schlich er sich ungesehen weg und stieg auf weitem Umweg zum Bock hinauf. Als er ankam starrte dieser immer noch nach dem Signal hinunter und der Jäger schoß ihn ohne Schwierigkeit. Je nach dem Wildstand werden nur starke Böcke oder auch Gaisen und geringe Gemsen geschossen. Das Erkennen des Bocks ist mitunter schwer, wenn man aber Zeit zum Beobachten hat und ein gutes Fernrohr zu Hülfe nimmt, dann hat es keinen Anstand, an den stärkeren Krickeln und den mehr eingebogenen Enden unterscheidet man den Bock ziemlich leicht von der Gais und um so leichter, wenn es ein starker Bock ist. Kommt man nahe genug, so erkennt man wohl auch den Pinsel, der in wenigen langen Haaren besteht. Beim Treiben ist es schwerer und soll nur ein Bock geschossen werden, so kann man als Regel annehmen, ein einzeln kommendes starkes Gems immer zu schießen, wenn man an demselben nicht die dünnen und weniger eingebogenen Krickeln der Gais deutlich erkennt, denn im schlimmsten Falle schießt man dann eine Galtgais Galt , d. i. unfruchtbar, soll vom altdeutschen Gall, Galet, Gallgett abstammen, welches das nämliche bedeutet. Wachter Glossar. german. 56. um die nicht viel schade ist. Kommt aber ein Rudel, so muß man die letzten nach dem dickern und kürzern Hals und der mehr gedrungenen Figur, die auch den Bock kennzeichnet, mustern, und gehört ein geübtes Auge dazu, sich nicht zu täuschen. Man muß mit dem Schuß nicht eilen, und wenn die Gemsen flüchtig sind überhaupt nur schießen, wenn weiter keine Aussicht bleibt sie zu bekommen, denn dann sind sie wegen des unregelmäßigen Sprunges sehr leicht gefehlt, außerdem aber ist der Augenblick zu benützen, wo sie stutzen ( hoffen heißt man es bei uns), und das geschieht öfters und kann auch durch Anpfeifen oder durch einen kurzen Ruf bewerkstelliget werden. Wenn man mit ihrer Art und Wesen bekannt ist und den Platz wohl angeschauet hat, so läßt sich fast mit Gewißheit bestimmen, wo sie hoffen werden, so zwar, daß man während sie kommen, die Büchse gleich auf einen solchen Platz richten, gut zusammenschauen und sie erwarten kann. In Betreff der Entfernung, besonders über einen Graben hinüber, kann man sich sehr täuschen und manches Gems wird deßhalb gefehlt. Als Regel gilt, daß es zum Schießen zu weit ist, wenn man die Krickeln nicht mehr sieht. Am besten ist es beim Zielen, die Größe des Thieres gegen das Absehen oder Korn der Büchse zu taxiren, ob das Thier vom Korn zugedeckt wird oder nicht \&c. Man muß dazu das Korn gelegenheitlich mit einer geschossenen Gemse in verschiedenen Distanzen prüfen. Der beste Schuß ist freilich ein Blattschuß, es kommen aber oft Waidwundschüsse vor. Ein so angeschossenes Gems thut sich bald nieder, wird es aber angegangen oder der Hund drauf gelassen, so geht es fort und steigt meistens in eine Wand ein, wo der Hund nicht folgen kann, der es dann außerhalb verbellt. Man birscht sich an und schießt es aus der Wand herunter. Im schärferen Gebirg kann man wegen des Abfallens keinen Hund gebrauchen, die Rothfährte findet man gewöhnlich leicht auf den grauen Steinen, zuweilen aber ist es für den Jäger unmöglich an den Platz vorzudringen, wo das angeschossene Gems steht und es muß verlassen werden und geht verloren. Wie sie sich in solchen Fällen an den Felsen halten können ist oft unglaublich, ich habe ein eingestiegenes Gems an die Wand sich schmiegen gesehen, an der es nur mit einem Vorder- und einem Hinterlauf Halt hatte, die beiden anderen Läufe hingen in der Luft. Auch ist, wie oft man es gesehen haben mag, immer zu staunen, wie sie in ganz steilen Wänden, wo nur ein Wechsel, den sie selber mit einer gewissen Vorsicht annehmen, beim fallenden Schuß durcheinander rumpeln ohne daß eines ungetroffen herunterstürzt. Es reicht eben eine hervorragende Stelle von einem Zoll Größe hin um ihnen fortzuhelfen, wobei sie oft mit gewaltigen Sprüngen über ganz unhaltbare Stellen wegsetzen und doch gleich wieder anhalten können. Unter Umständen vertragen sie auch ein Abstürzen, daß man es gesehen haben muß, um es für möglich zu halten. So schoß ich einmal einen Jährling von einer steilen bei 50 Fuß hohen Wand. Er fiel, sich überschlagend unten auf eine schiefe steinige Fläche, da lag er einige Minuten, stand dann auf, zog anfangs langsam weiter und, ins Treiben kommend, ging er flüchtig und war nicht mehr zu Schuß zu bringen. Wahrscheinlich war er hohl durchgeschossen. Dergleichen ist mehrmals beobachtet worden. Wenn ein Gems nach dem Schusse pfeift, so ist das noch kein Zeichen, daß es nicht getroffen wurde, ebensowenig als beim Reh das Schallen nach dem Schuß oder bei einem Brunfthirsch das Schreien. Ich habe dieses auffallend an einem starken Bock beobachtet, welchen ich kurz am Blatt und etwas schief getroffen hatte, so daß noch die Leber berührt war. Der Bock that sich bald nieder und pfiff, als er beim Nachsuchen aufgegangen wurde, und so geschah es mehrmals, denn es war zufällig nicht möglich einen Schuß anzubringen. Erst als er nach einem Verfolgen von zwei Stunden ziemlich krank wurde, pfiff er bei weiterem Aufstehen nicht mehr und fing ihn dann ein Hund ohne Schwierigkeit in einem Wassergraben. Die starken Böcke sondern sich gern vom Rudel und kommen ihrer oft zwei miteinander, auch einzelnweise habe ich einmal in den Scharf-Laanen in der Riß drei auf demselben Stand geschossen. Hat man nicht acht zu geben, ob Bock oder Gais, so kann man in guten Jagdbögen öfters drei, vier und mehr Stück erlegen, wenn man auch nur mit einer Doppelbüchse versehen. König Maximilian, welchem mehrere dergleichen zu Gebote stehen, hat einigemal zehn und zwölf Stück erlegt. Die Art, wie die Gemsen beim Treiben kommen, ist sehr verschieden und bietet tausenderlei Bilder dar, denn die Gehänge, Gräben und Schluchten wechseln auf's vielartigste. Je nachdem sie nur den entfernten Lärm der Treiber hören und ihr Standort nicht zu tief im Bogen, steigen sie oft ganz vertraut auf eine hohe Kuppe und bleiben da, nach dem Treiben sich öfters hinwendend, wohl eine halbe Stunde und länger, ehe sie weiter vorwärts gehen; kommt ihnen aber ein Treiber plötzlich zu Gesicht, so springen sie oft mit unglaublicher Geschwindigkeit einen Hang herunter und verschwinden in den Gräben, um dann an einer Scharte des Grats wieder zu erscheinen. In scharfen Wänden nimmt das Rudel, wenn nicht dreingeschossen wird, fast immer denselben Weg, über eine Kluft springt eins wie das andere, und manchmal geht es zickzack herunter ohne Aufhalten. In den Laatschen stecken sie sich gerne und es ist kaum zu begreifen, wie schnell sie durch deren widerstrebende und wirr sich deckende Stämme und Aeste fortkommen können. Wenn der Wind gut ist sind sie in der Regel leicht vorwärts zu treiben und ist dabei die Hauptsache, daß sie den Treiber sehen, denn abgelassene Steine sprengen sie wohl auch, wenn sie nahe niederrasseln, außerdem aber kümmern sie sich nicht viel drum. Sie wissen auch recht wohl, ob ihnen die Steine etwas anhaben können oder nicht, und deckt sie ein Felsenvorsprung, so bleiben sie trotz alles Steinregens der drüber heruntergeht, ganz ruhig stehen. Wenn daher Nebel liegt, ist mit der Gemsjagd nur dann etwas auszurichten, wenn der Treiber sehr viele sind und diese ziemlich geschlossen fortkommen können. Die Felsgründe bieten mancherlei enge Schluchten und Kamine, welche die Gemsen gern annehmen. Wenn sie in solchen ansteigen und der Schütze oben, sind sie leicht zu schießen. Es gibt Wechsel, wo die Rudel kommen und andere, wo nur ein guter Bock kommt. Man kann je nach den Umständen darüber eben so sicher seyn, als über einen guten Fuchsriegel. Die alten Böcke sind übrigens sehr schlau, und ich habe manchen in einem Graben hinaufsteigen sehen, während ein Treiber in einem ganz nahe daran gelegenen mit lautem Rufen und Pfeifen herunterstieg. Nicht selten stecken sich die Gemsen so, daß sie erst unmittelbar vor den Treibern kommen. Ist der Wind schlecht, so bringt sie nichts vorwärts. Ein Jäger sagte einmal darüber: »sie hätt'n mit Gwalt nit vüri (vorwärts) kinna und wan s' hundertmal mög'n hätt'n.« Wenn ein Rudel naht, so kann man nicht selten mit Vergnügen beobachten, daß die Gemsen ein ziemlich leichtsinniges Volk sind, denn der Haupttrupp überläßt die Sorgen der anführenden Kitzgais, und wenn diese anhält um zu speculiren und zu studiren, was zu thun, so stoßen und raufen sich oft die andern, es wäre denn, daß ihnen das Treiben gar zu nahe gekommen. Je wilder die Gegend, desto schöner ist diese Jagd. In den hohen Regionen von Berchtesgaden, am Funtnsee, Simmetsberg \&c. ist es wild und einsam genug, daß es zuweilen den Schein hat, als hätten manche Vögel, denen man begegnet, noch keinen Menschen gesehen; mit offenbarer Neugierde umfliegen sie den auf dem Stand lauernden Schützen, und den herrlichen Karminspecht hätte ich manchmal mit einem Schmetterlingsnetz leicht fangen können; die hell kreischenden Steindohlen mit den rothen Ständern hassen sogar zuweilen auf das fremde Menschenwesen und ohne Scheu ließen sich einmal mehrere nicht zehn Schritt von mir auf einen geschossenen Gemsbock nieder und begannen ihm nach den Lichtern zu hacken. Nur der Adler weiß schnell, was es mit Jägern für eine Bewandniß hat, und ist aus nähere Bekanntschaft nicht neugierig. Auch die großen Aasraben erkennen den Jäger, und immer hört man ihren weitrauschenden Flügelschlag, wenn sie eine Jagd bemerken. Dabei gewährt es einen eigenthümlichen Reiz, Stellen zu betreten, von denen man wohl sagen kann, daß sie vorher nie ein menschlicher Fuß berührt, worüber schon Byron geschwärmt hat, wenn er in Harold's Pilgerfahrt sagt: To sit on rocks, to muse o'er flood and fell etc. II. 25.     Sinnend am Waldstrom ruh'n, auf Stein und Klippen Bei Wesen, die nach Herberg nicht verlangen,     In Wäldern streifen, Oeden und Gestrüppen, Wo selten oder nie ein Fuß gegangen;     Allein auf Höh'n, wohin nie Stege drangen, Bei wilden Heerden, die kein Hirt darf hegen, In anderer Weise schwärmte Schrank, wo er von den Berchtesgadner Bergen spricht: »Ich stellte mir in Gedanken schon die Jahrhunderte vor, in welchen diese jetzt rauhen Berge bis an ihre, freilich beträchtlich erniedrigten, Gipfel bewohnt sein würden, sah da goldene Felder, wo ich jetzt kümmerlich einige Alpenpflanzen zwischen den Steinen herausgrub, sah da Kaninchenwohnungen , wo jetzt die Murmelthiere sich Löcher gegraben hatten.« (Naturhistorische Briefe, I. 270.)     Beim Wassersturz wo Felsen niederhangen: Das heißt nicht einsam sein, nein Zwiesprach pflegen     Mit Reizen der Natur, enthüllt seh'n ihren Segen. Wenn man nun an einem solchen Platz oft mehrere Stunden in mancherlei Betrachtungen weilt und wird plötzlich durch das Klingen und Sausen fallender Steine aufgeschreckt, und es steigt ein starker Bock »schwarz wie der Teufel« herein über ein Eck und kommt am Gewänd herunter immer näher und näher, wär's ein Wunder, wenn einen da das Jagdfieber befiele und es befällt wohl einen jungen Schützen, daß ihm die Zähne klappern. Gehts aber gut und bricht der Schuß am rechten Fleck und der Bock stürzt durch Gestein und Alpenrosen in den Graben, während die Echo wiederhallen von Berg zu Berg – was soll ich's schreiben, wie einem da ist! Nennt es einen materiellen Genuß, einen bedauerlichen, grausamen, nennt es wie ihr wollt, ihr Jagdbekrittler, wir andern rufen freudig: es lebe das Waidwerk! Der wilde Ort muß auch einen passenden Namen führen, ich wenigstens jagte viel lieber, wenn es hieß »in der schwarzen Wand, in der Teufelskuchl, auf der dürren Mähr', Schreck, Todtengräben« oder dergleichen, als wenn der Name des Reviers oder Bogens »Rührkübl« oder »Speibnkäs« war, wie zwei übrigens sehr gute Plätze heißen, der eine in Bayrischzell, der andere in der Riß. Es gehören ferner zur Leitung einer Gemsjagd Jäger, die im Gebirg gewachsen sind, stark, keck und leichten Sinns, die nicht gleich scheu zurückweichen, wenn einmal ein schwarzes Felsenloch unheimlich den Rachen gegen sie aufreißt und welche die mancherlei oft verwickelten Feldzugsplane, die besonders beim Birschen vorkommen, gehörig zu entwerfen und auszuführen verstehen. Man sieht auch an solchen lieber die kurze Lederhose und die braunen nackten Kniee als ein modisches Pantalon und man hört gar gern den markigen Volksdialekt von ihnen, während das Barometer der Hoffnung gewaltig sinkt, wenn einem durch Zufall etwa aus der Forstkanzlei ein hochdeutsches Individuum als Birschbegleiter zugetheilt wird. Ich muß da gestehen, daß es mir was man sagt etwas gegen den Mann geht, wenn ich Gemse schreiben muß, denn es heißt Gambs bei den Jägern soweit im deutschen Land dieses Wild bekannt ist. An dem rechten Jäger hat alles eine gewisse waidmännische Originalität. Er gebraucht das Wort anbirschen in Anwendung auf eine schöne Gesellin wie draußen auf ein Schmalthier, er sagt von einem der nicht mehr recht beim Zeug, »er setzt z'ruck, geht ei,« wie beim Hirsch u. dergl. Ich hörte einmal eine vornehme Dame einen Jäger fragen, um welche Zeit es Tag werde, weil eine Bergpartie projektirt war. »Exllenz,« sagte der Jäger, »um sexi (6 Uhr) ko' ma' mit der Bix no nit schiessn.« Danach konnte sie den Grad der Dunkelheit berechnen. Gute Gebirgsjäger haben einen außerordentlich geübten Blick auf die Gemsen und es sind diese, auch in den kahlsten Wänden, nicht immer so leicht zu sehen, als man meinen möchte. Man bekommt erst einen rechten Begriff von der Größe der Bergmassen, wenn man die Gemsen dran wie winzige Punkte erblickt, während man vorher eine ganz andere Vorstellung hatte. Im Sommer, wo sie die eigenthümlich gelbe Farbe haben, erkennt man sie noch leichter, im Spätherbst aber wo sie schwarz sind, ist es schwer sie vom Gestein, seinen Schatten und dunkeln Rissen zu unterscheiden. Obgleich die Gemsen einen Jäger, der sich ruhig hält, nicht erkennen, wenn er einigermaßen gut angezogen ist und natürlich guten Wind hat, so erkennen sie ihn bei der geringsten Bewegung auf sehr große Entfernung. Ein Hirsch oder ein Stück Wild, wenn sie ziemlich nahe gekommen und den Schützen erblicken, erkennen ihn gewöhnlich sogleich, eine Gemse aber nicht, und so sind sie mir oft auf ein paar Schritte hergezogen, obwohl ich ohne Schirm ganz frei dasaß. Das frische Leben eines Bergjägers bringt es mit sich, daß er meist aufgelegt und guter Dinge ist und der Schalk steckt ebenso drinn wie bei den Jägern des Flachlands. An Ausreden fehlt's auch nicht, wenn etwa nichts zusammengeht. Jagt man die Sonnseite, so heißt's, den Gemsen sey's da zu warm, sie stehen auf der Schattseite; jagt man die Schattseite, so heißt's es sey ihnen da zu kalt, sie stehen auf der Sonnseite; jagt man hoch oben, so heißt's, die Gemsen stehen bei solchem Wetter lieber unten im Holz; jagt man unten, so heißt's die Gemsen sind (bei dem nämlichen Wetter) »ganz bei der Höch« \&c. Ein Neuling wird oft hitzig gemacht. So erinnere ich mich gelegenheitlich einer Hirschjagd in Tegernsee, wo ein Jäger die Schützen anstellte, daß ein fremder Schütze, dem sein Plätz bezeichnet wurde, fragte, was geschossen werden dürfe. Der Jäger sagte: »Es werd a' jagdbarer Hirsch g'schoßn, der achti oder mehra aufhat; kimmt Ihna aber a' Sechser, der achti verdient, so schiessn S'n; kimmt a' galts Stuck, nieder damit! kimmt a' Schmalthierl, dees schiessn S'; kimmt a' Gambsbock, den laßn S' nit aus; kimmt a' Rechbock, nieder damit! ebber a' Fuchs, nach Ihnern Beliebn, is a' Raubthier« – und beim Weggehen wendete er sich noch einmal und sagte: »Gebn S' Acht, 'kunnt' an' Auerho' aa' daherreitn.« Die Augen des Schützen wurden bei dieser Aufzählung immer größer und die Aufregung eine gewaltige, aber – »kemma is ihm nix.« In der Brunftzeit, die im November beginnt, sind an gewissen Plätzen die Böcke leicht zu schießen, wenn man Geduld genug hat auf dem geeigneten Wechsel anzusitzen, denn dann geht der Handel den ganzen Tag hin und her, auch sind sie auf folgende Art zu täuschen und herbeizulocken. Man zieht eine weiße Schlafhaube fest übers Gesicht herein, besser noch ist der Gebrauch einer eigens dazu gemachten Kappe mit Gemskrickeln, und hat man an einem Gehäng einen Gemsbock beobachtet, so birscht man sich (natürlich bei gutem Wind) hinter der Schneid oder einem Felsrücken an und läßt sich dann etwas gebückt mit halbem Leib auf der Schneid sehen, zieht sich aber sogleich wieder zurück und macht es so mehrmals. Der Bock, der die Erscheinung sehr bald bemerkt, meint es gebe da oben Gesellschaft oder auch etwas zu raufen und steigt dann gar begierig hinauf. Um die beste Zeit aber ist oft schon so viel Schnee gefallen, daß das Steigen sehr beschwerlich und gefährlich wird und daß man das Hinsitzen nicht lange aushalten kann. In der Nähe des Pusterthals in Tyrol, im Thale Sextn, ist vor einigen Jahren der Fall vorgekommen, daß zwei Schützen, Vater und Sohn, auf ein Gems auszogen, dessen Standort sie kannten, ohne daß aber einer dem andern etwas darüber mittheilte. Der Vater gebrauchte die Gemshaube und als er damit mehrmals über einen Grat aufgetaucht war, erschoß ihn der unglückliche Sohn, der, von einer andern Seite kommend, auf das vermeintliche Gems sich angebirscht hatte. Hitzige Schützen und solche die nicht gut sehen, sind auf der Gemsjagd oft mehr zu fürchten als auf andern Jagden, besonders wenn der Schußplatz theilweise mit Laatschen bewachsen ist. Bemerken sie dann ein Bewegen und Wischen durch diese Laatschen und sehen einen grauen Fleck oder etwas, was Krickeln gleicht, so meinen sie, es müsse ein Gems seyn und in der Furcht den günstigen Augenblick, da das Ding etwa ruhig steht, zu verpassen, feuern sie drauf los; ich weiß selbst einen Jäger in Tegernsee, der einen andern beim Treiben in dieser Weise geschossen und einen Schützen, der die Spielhahnfedern seines Nachbarn für Krickeln ansah und am Schuß glücklicherweise noch durch einen Träger gehindert wurde, der hinter ihm saß und zeitig den Irrthum bemerkte. Die fürstlichen Vorfahren des regierenden Königs haben nach hergebrachter Hofsitte, welche auch noch für Park- und niedere Jagden besteht, nur eingestellte Gemsjagden gehalten, welche nicht ohne großen Aufwand an Arbeit und Kosten Die Jagd von Königsthal in Berchtesgaden im Jahre 1824 kostete gegen 10,000 fl. eingerichtet werden können und wozu öfters 8 Tage und mehr nothwendig waren, bis der Bogen zum Schließen kam. König Maximilian II. hält aber nur freie Gemsjagden, wie sie die Poesie des Gebirges verlangt, und gewiß gehören sie zu den schönsten, deren je ein fürstlicher Jagdherr sich erfreut hat. In Betreff des Gemsstandes sind auch die Jagden des Kaisers von Oesterreich und die des Erzherzogs Johann in Steyermark und im Salzkammergut ausgezeichnet, und der gegenwärtige treffliche Gems- und Wildpretstand in Blümbach, wo die Jagd einer Gesellschaft von österreichischen Cavalieren zugehört, gibt ein erfreuliches Zeugniß was mit geeigneten Mitteln und einer guten Jägerei aufzubringen ist, denn noch vor sechzehn Jahren war das Revier fast ausgeödet. Treffliche Gemsjagden hat ferner der Herzog von Coburg in der hintern Riß, an die königlichen der Vorderriß angrenzend (s. Gerstäckers Gemsjagd in Tyrol) und der Fürst Lamberg in Steyermark. Es wurden auf dessen Jagden im Jahre 1857 38 Gemsböcke und 32 Gemsgaisen erlegt. Es hängt dieses auch mit Anordnungen über Nebendinge zusammen, welche scheinbar nicht von Belang sind, gleichwohl aber wesentlich beitragen das Ganze waidmännisch und poetisch auszustatten. Es gehört dahin eine uniforme malerische Kleidung der Schützen, welche im Allgemeinen den Charakter der Kleidung trägt, wie sie im Gebirg gangbar ist. Eine lichtgraue grün ausgeschlagene Joppe mit geschlitzten Aermeln, grünes Collet, kurze dunkelgraue Hosen und ähnliche Strümpfe mit grüner Verzierung und Schnürschuhe bilden den Anzug, dazu ein grüner Gebirgshut mit Gemsbart und Spielhahnfedern, und ein kurzes Waidmesser als Wehrgehäng. Aehnliche Kleidung tragen die bei den Jagden beschäftigten Forstmeister und Förster. Der Auszug zur Jagd wird meistens zu Pferde gehalten, und bestehen auch Reitsteige nach jenen Birschhäusern, welche hoch gelegen, die Schützen oft mehrere Tage beherbergen. Ein solcher Zug durch die herrlichen Thäler und auf dem Sammelplatz die bunten Gruppen der Jäger und Treiber, welche oft in einer Art von Lederharnisch (Lederleib) gar seltsam und abenteuerlich aussehen, dazu die Pferde und Schweißhunde – das ist eine gar lustige Schau, reich an Bildern, die man sonst nirgends zu sehen bekommt. Und dabei fröhliche Stimmung überall, denn auch Treibern und Trägern sind diese Tage nicht nur Tage des Verdienstes, sondern es sind auch die Tage, auf welche sie sich von einem Jahr zum andern freuen. Da möchte indessen mancher denken, daß diese Leute, wenn auch gut bezahlt, Der Mann erhält per Tag 1 fl. 12 kr. Vor hundert Jahren erhielt in Tegernsee ein »Fuxklopfer« per Tag 2 kr. und ein gewisses Brod. Die Zahl der Treiber und Träger bei den größern königlichen Jagden, wo auf den Berghütten übernachtet wird, beträgt 80 bis 100 Mann. übel genug daran seyen bei dem Herumsteigen in den Wänden und trügerischen Grashängen, und daß die Freude an solcher Arbeit eben nicht groß seyn mag. Es verhält sich aber anders, denn diese Leute haben auch das Zeug zu dem, was sie thun; sie sind hart wie die Eiben ihrer Berge, und zähe wie die Laatschen (Krummföhren), mit denen sie auf ihren Wegen oft genug zu raufen haben. Ohne in eine Jahn'sche Schule gegangen zu seyn, steigen sie wie die besten Turner und oft gerade da, wo es »schiech« d. i. wild, gefährlich hergeht, kann man sie jauchzen und jodeln hören. Eine Hand, die nur gewohnt ist, einen Federkiel zu regieren, erschrickt freilich vor der gewichtigen Axt eines Holzknechts und ein Staatshämorrhoidarius wird niemals eine Gemsjagd begreifen. Den Leuten dort oben ist aber zu Spiel und Vergnügen geworden, was andere oft schon in der Erzählung mit Schauder erfüllt. Die Gemsjagden in Hohenschwangau, Graswang, Ettal, in der vorderen Riß, in Kreut und Berchtesgaden sind durch die Munificenz des königlichen Jagdherrn gegenwärtig in einem erfreulich blühenden Zustande, ebenso die Jagden des Prinzen Karl in Tegernsee und die Jagden im Allgäu, im Besitze des Prinzen Luitpold, welche sich in wenigen Jahren zu einem namhaften Wildstand erhoben haben, so daß die Zahl der Gemsen in allen diesen Revieren zwischen 4000 und 5000 Stück angenommen werden kann. Durch die königlichen Gehege werden aber auch die angränzenden Jagdgebiete mehr und mehr bevölkert und gewinnt das Gebirg allmählig an Leben, Nutzen und Reizen des Waidwerks. Die Jagdbögen auf Gemsen, welche der König jagt, sind im Revier Hohenschwangau: Tegelberg, Branderschroffn, Bennoköpf, Holzschlagbogen, Gumpen. Im Revier Buching: Roßställ. Im Revier Ettal: Klammspitz, Erzgraben, Sonnenberg, Kofel, Laber. Im Revier Riß: Galtboden, Stuhljöchl, Lange-Reisn, Scharflaanen, Gembskahr, Mooskopf und Röthlseitn, Grasberg, Speibnkäs. Im Revier Kreut: Gernberg, Felseck, Langeck. In Berchtesgaden, Revier Bartholomä: Warteck, Tauern. Revier Ramsau: Schüttalpställ, Schönwand, Zirbeneck, Rothleitn, Ofenthal. Abwechselnd werden einige dieser Bögen nicht jährlich gejagt. Im Jahr 1855 wurden von 8–9 Schützen 111 Gems erlegt, im Jahre 1856 125 Gems. Der König schoß auf diesen freien Jagden bis zum Jahre 1857 incl. eigenhändig 331 Gemsen, davon im Jahre 1855 45 Gems, 1856 deren 47. Im Jahr 1857 hat der König 66 Gemsen geschossen (in der Klammspitz einmal in einem Bogen vier Böcke, worunter 3 sehr starke und ein dreijähriger), im Ganzen wurden 161 erlegt. Obwohl der König, wie sich von selbst versteht, den besten Stand hat, und das Treiben möglichst dahin gerichtet ist, so geschieht es doch zuweilen, daß gar kein Gems anspringt. Seine Majestät nimmt das aber hin, wie es ein Waidmann hinnehmen soll. Die meisten Bögen haben eine ziemlich große Ausdehnung, so daß das Treiben, wenn die Schützen schon angestellt sind, oft 3, 4, auch wohl 6 Stunden dauert, welches natürlich auch von der Art des Gebirgs mit abhängt, es kann daher an einem Tage meistens nur ein Bogen genommen werden. Die stärksten Böcke, welche auf diesen Jagden vorkommen, wiegen selten über 60 Pfund (d. h. aufgebrochen und ohne Weiß), es sind aber zuweilen Böcke von 72 und 79 Pfund von den Jägern auf der Birsch geschossen worden. Dergleichen Kapitalböcke sind wie die guten Hirsche, sehr schlau, stehen gern allein und wissen sich vom Treiben abzuschleichen. Der König bestimmt jährlich einen Preis bestehend in einer Büchse oder Hirschfänger, Pokal \&c., welchen derjenige seiner Schützen erhält, dem das Glück den stärksten Bock zutheilt. Der Eifer um einen guten Bock wächst dadurch natürlich bedeutend, um so mehr, als es an diesen nicht fehlt, denn 1855 sind z. B. in der Riß unter 21 Böcken 14 erlegt worden, wovon die geringsten 50 Pfund wogen, der stärkste 59 Pfund. Abnormitäten sind bei den Gemsen verhältnißmäßig gegen Hirsche und Rehböcke sehr selten, sowohl was die Krickeln betrifft, als die Farbe der Haare und dergleichen. Die Industrie wußte aber auch da Rath zu schaffen, und in vielen Geweihsammlungen werden Doppelkrickeln, ja sogar dreifach und vierfach doppelte aufbewahrt. Ich gebe in der beifolgenden Vignette die Abbildung eines solchen aus einer hiesigen Sammlung. Wer dieses abenteuerliche Gebilde zum erstenmal sieht und die Aechtheit aus dem Grunde nicht bezweifelt, weil die Krickeln wirklich auf der Schale stehen, der malt sich in der Phantasie die Herrlichkeit, ein solches Gems an einem wilden Gehäng zu erschauen und schwärmt von dem Glück des Schützen, der es angebirscht und erlegt hat. In dieser Beziehung ist es wirklich schade, den schönen Wahn zerreißen und den bewunderten Gemsschädel aus einen Widderschädel und das seltene Naturgebilde auf ein betrügerisches Machwerk von Menschenhand reduciren zu müssen. Gleichwohl ist es nicht anders, der Schädel stammt nämlich von einer eigenthümlichen, vorzüglich in Sardinien vorkommenden Schafart, Ovis aries polyceras, welches, wie der Name polyceras (vielhörnig) auch besagt, gewöhnlich vier und auch sechs Hörner aufsetzt. Diese Hörner nimmt man von den Zapfen herunter, haut die Schale so kurz ab, daß die Stirnlinie nicht verfolgt werden kann (denn diese steht nicht fast rechtwinklich gegen die Zapfen wie bei der Gemse) und setzt auf die gehörig zugefeilten Zapfen Gemskrickeln auf, wie man Lust hat. Wenn das geschickt gemacht ist, so scheint die Aechtheit des Produktes kaum zweifelhaft. Das sicherste Mittel, den Betrug zu entdecken, besteht in Abnahme der Krickeln und in der Untersuchung der Zapfen. Bei der Gemse geht vom Obertheil der Hirnschale aus eine rundliche Vertiefung unter den Zapfen, geht aber nicht über einen Zoll tief hinein, bei den erwähnten Hörnern aber geht ein röhrenförmiger Kanal über 2 Zoll tief in den Zapfen, auch sind letztere, um sie den Krickeln anzupassen, zugeschnitzelt und gefeilt und oft an der Seite ein Stück mit Entblößung des Röhrenkanals weggeschnitten. Ich habe diesen Betrug nicht selbst entdeckt, sondern bin von einem Forstmann (Herrn v. Mantel) darauf aufmerksam gemacht worden, dann aber konnte ich durch mehrfache eigene Beobachtungen und Vergleichungen bestätigen, daß es so sey und glaube der edlen Jägerei diesen Beitrag zur Geschichte der Geweihindustrie nicht vorenthalten zu dürfen. Ich habe dergleichen Raritäten mit 3, 4, 5, 6 und 8 Krickeln gesehen, meistens von Bock und Gais beisammen, wodurch sie noch den Schein gewinnen, als ob sie von Zwittern abstammten. Schlechteres Machwerk dieser Art besteht darin, daß man mehrere Paare gewöhnlicher Gemskrickeln auf der Schale durch Zuschneiden dieser und Zusammensetzen verbindet. Dieses Flickwerk wird aber gewöhnlich leicht erkannt. Ich meinestheils habe unter einigen tausend Gemsen, die ich lebend gesehen, niemals das Vorkommen von mehr als zwei Krickeln beobachtet, auch ist mir kein Jäger bekannt, der ein Gems mit drei oder mehr Krickeln geschossen oder auch nur einmal gesehen hätte. Die Arco'sche Sammlung enthält einen größtentheils weißen Gemsbock, dessen Krickeln der Länge nach auf der vorderen Hälfte schwarz, auf der hinteren blaß gelblicht. Dieser Bock wurde in Bayrischzell geschossen, ein anderer mit seltsamer Bildung wurde in der Röthelseite in der Riß erlegt; an diesem zeigt sich außer den gewöhnlichen Krickeln ein beweglicher schwarzer krickelartiger Auswuchs fast 2 Zoll lang auf einem der Augendeckel. Krickeln von 7¾ Zoll Länge sind schon selten, über 8 Zoll kommen nur höchst wenige vor, die stärkeren haben an der Schale bis fast 4 Zoll Umfang. Im Jahr 1846 wurde ein weißes Gems zu Tegernsee geschossen. Im Jahre 1857 wurde öfters ein starker weißer Gemsbock im sogenannten Holzschlag am Tegelberg bei Hohenschwangau gesehen, er kam aber bei einer darauf angestellten Jagd des Königs nicht zum Vorschein. Von Jägern in der Schweiz werden weiße Gemsen für Todesboten gehalten; wie bei der Hirschjagd angegeben galt sonst auch ein weißer Hirsch als ein böses Omen. Das gewöhnliche Alter der Gemsen wird zu 20–25 Jahre angenommen, man behauptet aber, daß sie mitunter 50 und mehr Jahre erreichen. Die vormals berühmten Gemskugeln, aus Haaren, vegetabilischen Fasern \&c. bestehend finden sich zuweilen im Magen der Gemsen. Sie sollten ein gutes Mittel seyn gegen die Pest, Schwindel, Melancholie \&c., etwas davon nüchtern eingenommen sollte sogar auf 24 Stunden lang schuß- und stichfest machen, welches doch, bemerkt Flemming, dem Gems, so es ganz gehabt, nicht geholfen. Der Glaube an die Gemskugeln ist noch in Tyrol sehr verbreitet, sie sind wichtig, sagt Alpenburg, Mythen und Sagen Tyrols. Alpenburg erzählt auch eine eigenthümliche Sage vom sog. Gemsfräulein im Kalmthal, einer Seligen, welche sich eines Kitzbockes, von dem die Gais weggeschossen wurde, erbarmte und ihn einem Hirten zur Pflege übergab. Als er herangewachsen, kam das Fräulein, schenkte dem getreuen Pfleger ein Kästchen voll schöner Krystalle und Granaten, schwang sich auf den Gemsbock und ritt mit ihm durch die Lüfte davon. Man sieht die Reiterin auf ihrem Bock noch öfters im Abendroth über die hohen Felskämme hinfliegen. wie kein anderes Ding im Lande, die Jäger und sympathetischen Bauerndoctoren und die Bauern führen sie in der Hausapotheke. Unter andern handelt darüber ein weit verbreitetes Buch von einem Dr.  Georgius Hieronimus Velschius. Mit einer Gemskugel im Sack hat man einen Universaltalisman für Seele und Leib gegen die Uebel der Natur, wie gegen böse Geister. Sie muß aber vom 15. August bis 15. September (in dreiß'gen, frauendreißigsten) erobert werden. Zum Kugelgießen ist sie vor allem anzuwenden. Man gießt die Kugelform halb voll Blei, legt etwas von der Gemskugel darauf und gießt die andere Kugelhälfte darüber. Eine solche Kugel trifft sicher, besonders die Gemsen. Das Gemswildpret ist besonders von einem Jährling (einem Gems im zweiten Jahr) oder von einem Kitz sehr gut zu essen, von den alten Böcken aber, denen der Jäger mit so großer Begierde nachstellt, ist es eben kein vorzüglicher Braten, am wenigsten in der Brunftzeit, wo hinter den Krickeln eigene Drüsen von Bocksgeruch (Brunstkappe) anschwellen. Im 16. Jahrhundert scheint das Gemswildpret sehr geschätzt gewesen zu seyn und wurden bei der Hochzeit Wilhelms von Rosenberg mit der Prinzessin Anna von Baden am 26. Januar 1576 nicht weniger als 50 Gemsen verspeist (sind auch noch 40 Hirsche, 50 Fässer eingesalzenes Wildpret, 20 Sauen, 2130 Hasen, 250 Fasanen, 30 Auerhähne, 2050 Rebhühner \&c. angegeben). Sowie man gern die Krickeln als Andenken zum Wandschmuck der Stube verwendet, ebenso ist ein schöner Gemsbart ein wesentliches Stück zur Zierde des Jagdhutes. Dieser Bart, bekanntlich über den Rücken des Thieres sich hinziehend, ist um die Brunftzeit (im November) am schönsten und erreicht eine Länge bis 6½ Zoll. Es wird verschiedentlich gefaßt getragen und manchmal bindet man den Bart von zwei Böcken zusammen, um den wehenden Büschel stattlicher zu machen. Bauernbursche und Wildschützen stecken auch gern einen Gemsbart auf und gibt es dadurch öfters Gelegenheit zu Prahlereien und Händeln mit den Jägern. 1785 ist deswegen im Salzburgischen den Bauernburschen das Tragen von Gemsbärten und Wildfedern verboten worden. In Berchtesgaden trägt auch das junge Weibervolk ein kleines rundgefaßtes Gemsbärtlein auf dem Hut. Noch muß ich eines schönen Gebrauchs erwähnen, der in Berchtesgaden üblich ist und in dem Kränzen des Wildes besteht, welches der König selbst erlegt hat. Da beeilen sich die Sennerinnen der Nachbarschaft, bei Beginn des Jagens Alpenrosen, Edelweiß und das dunkelgrüne Bärenkraut zu sammeln und in Kränze zu binden, und dann geht es mit lustiger Geschäftigkeit an's Zieren des Wildes auf dem Streckplatz und ist die Freude groß, wenn der König die schmucke Arbeit lobend besieht und sich noch einen Strauß auf den Hut stecken läßt. Dieses Edelwild der Berge mußte bei den vormaligen Prunkjagden zuweilen auch Parade machen und sich in den »Lauft« hetzen und fällen lassen. So bei einem Hochzeit-Festjagen des Kaisers Leopold in Wien 1666, wo unter andern etliche Gemsen in Gesellschaft von 70 »Thannhirschen« geschossen und gehetzt wurden, ebenso bei einer solchen Jagd des Herzogs Karl Eugen von Würtemberg († 1793). Die Franzosen haben in ihrem Revolutions-Kalender von 1796 der Gemse die Aufmerksamkeit erwiesen, den 2. Juli bezeichnen zu dürfen; dem Hirsch wurde keine solche Anerkennung, wahrscheinlich weil ihn die Aristokratie so lange ausgezeichnet hatte. Von anderem Haarwild findet man in diesem tollen Machwerk noch den Rehbock, den Hasen, das Kaninchen und den Fischotter genannt. In Beziehung auf die Stelle, welche die Gemse unter den Thieren nach physiologisch-psychologischer Taxation etwa einzunehmen hat, ist bemerkenswerth, daß der Phosphorgehalt des Gemsenhirns nach den Untersuchungen des Freiherrn von Bibra größer ist als bei allen andern Thieren, und sogar größer als beim Menschen. Er beträgt nämlich bei der Gemse 3 2 / 5  Procent, beim Menschen im Mittel nur 2 Procent. Wenn die Spekulanten des Materialismus Recht hätten, indem sie den Phosphorgehalt des Gehirns als den Vater der Gedanken anbeten, so müßten die Gemsen die gedankenreichsten Wesen auf der Welt seyn. So viel ist richtig, daß die alten Böcke die Einsamkeit lieben, wie es die Oberpriester des Denkens, die Philosophen auch oft gethan haben, und so möge eine weitere Untersuchung darüber auch der Philosophie überlassen bleiben. Die Jäger aber meinen, der Hirsch sey, trotz Materialismus und Phosphor, im Denken dem Gems weit voraus.                 Koa' lustigers Leben meinoad Als Jaagern in' Berg umanand,     Is der Weg nacha schmal oder broat Geht a' Grabn her oder a Wand,     Dees is mir oa' Ding Und bal's no' grad Gambsein gnua geit     Acht' i' Alles gar g'ring!     Heruntn leicht Jaager d'erfragst Auf Henna und Hasn und Füx,     Wo d'robn aber 's Edelweiß wachst, Da taugn die mehrern nix     Aber i' bi' dabei, Denn »wie höcher wie lieber« dees is     Mei Spruch allewei!     Sichst 'n steh' wier er hofft wier er schaugt, Wie der Teufi so schwarz und so wild,     A' sella Bock is's, der ma' taugt Und i' trau mir aa', daß er's verspielt,     Denn a so oder so Und steiget er eini in d'Höll     I' krieg'n halt do!     Schöni Graanln a' Ringei wohl ziern Und 's g'freut mi' und g'fallt mir a guat,     Wann der Spielho' sei' Schaar muß verliern Und wann i' mir's steck auf'n Huat,     Aber bring i' mir z'wegn An' wachle'dn Gambsbart, verstehst,     Da is Alles nix dagegn! Graanln = Hacken, die zwei Eckzähne beim Hirsch; Spielho' = Birkhahn, dessen Stoß Schaar = Scheere heißt; wachle'd = wehend. Der Steinbock. Der Steinbock ( Capra Ibex ) soll vor Zeiten in unserem Wettersteingebirg vorgekommen seyn, sonst aber scheint es, daß er in den Bergen des heutigen Bayern niemals heimisch gewesen, im angrenzenden Tyrol dagegen war bis zu Anfang des vorigen Jahrhunderts ein Hauptstand von Steinwild (damals auch Fahlwild, Falbwild genannt) im Zillerthal an der Floite, Stillupe \&c. Auch am Steinberg, zu Brandenberg und in einem Theil der Riß soll es vorgekommen seyn und von da kann es möglicherweise auch als Wechselwild unsere Berge besucht haben. Die ältesten Nachrichten finden sich darüber im Weißkunig. Es heißt, daß sie der Kaiser Maximilian hegen ließ, daß sie aber schon damals, um das Ende des fünfzehnten Jahrhunderts, fast ausgerottet waren und seyen nicht über vier Stück mehr da gewesen, als der Kaiser das Hegen befahl; sie hätten sich aber bald vermehrt. Der Ort ist nicht angegeben, doch wahrscheinlich sind die obgenannten tyrolischen Berge gemeint. Die starke Verminderung des Steinwilds, heißt es weiter, sey durch das Aufkommen der Handbüchsen veranlaßt worden »dann als die hanndpuxen aufkummen sein, hat man angefanngen damit die Stainpöck zu schiessen, das durch die pawrsleut beschehn ist, die dann wo Sy über das wiltpret kumen kein maß halten, sondern Irer pawrnart nach ausöden (haben sich darin bis heute nicht merklich verändert), so sein die Stainpöckh soliche Thier, daß Sy in den hochen gepirgen scharf in die höchen stainen wendt geen vnd springen vnd steen still; vor den armprusten weren Sy woll sicher, Aber die pawren, die in den gepirgen steigen kunden, Erreichen vnd schiessen die Steinpöckh mit den Handtpuxen.« Neben der Jagd- und Schießlust war es auch der Eigennutz, der zur Verfolgung des Steinwilds beitrug, denn das Gehörn war geschätzt und den Körpertheilen manche arzneiliche Wirkung zugeschrieben. Im Zillerthal war das Steinwild seit 1500 bekannt und 1585 kam die Jagd an den Erzbischof Johann Jakob von Salzburg. Auf Befehl des Erzbischofs Marcus Sittich wurden 1616 mehrere Stück Steinwild gefangen und nach Hellbrunn bei Salzburg gebracht. Man fing sie mit Garnen und waren dazu 80–90 der besten Jäger und Steiger aufgeboten. Der Erzbischof liebte dieses Wild ganz besonders und an seinen Bauten in Salzburg ist meistens das Bild eines Steinbocks angebracht, er selbst führte als Wappen einen goldenen Steinbock im grünen Feld. Dieses Fangen der Steinböcke wurde während des ganzen 17. Jahrhunderts fortgesetzt und die Thiere an auswärtige Höfe verschenkt oder ins Lammerthal, zwischen Abtenau und Rastatt, ausgesetzt, weil man sie da besser zu schützen hoffte als im Zillerthal, wo die Wildschützen immer mehr zunahmen und der Stand um 1666 nur mehr 60 Stück betrug. Nach Mandaten von 1662–1665 mußte der Steinbockschweiß gedörrt eingeschickt werden, ebenso die Lunge, Herz und Leber von Gemsen, Hirschen, Wolf und Fuchs, ferner mußten die Augensteine und Gemskugeln und die »Herzkhreizl der Gämbsen,« die von gleicher Kraft und Güte seyen, wie die Hirschkrenzeln , eingesandt werden. Für das Horn eines Steinbocks, der durch den Schnee oder Steine umgekommen, wurden dem Jäger 2 Rthlr., für das einer Steingais 1 Rthlr. bezahlt. Der Erzbischof Max Gandolph war für die Schonung und Hegung dieses Wildes sehr besorgt und noch mehr der Erzbischof Johann Ernst, ein eifriger Jäger, der selbst 1698 die Floite besuchte. v. Moll Naturhistorische Briefe von Schrank und Moll. II. 98. gibt über den Stand des Steinwilds an der Floite und Gunggl nachstehende Uebersicht von 1683–1694. Böcke. Gaisen. Kitze. Summa. Von den ange- stellten Jägern erlegte Böcke. Von Schneela- winen und Stei- nen erschlagen. 1683 48 70 17 135 – – 1684 44 64 18 126 – 5 1685 48 70 15 133 5 1 1686 50 70 24 144 5 2 1687 50 80 20 150 2 7 1688 55 90 22 167 1 12 1689 60 80 30 170 1 2 1690 70 83 28 181 2 – 1691 66 80 25 171 – 6 1692 65 85 20 170 1 16 1693 70 80 20 170 1 2 1694 72 83 24 179 – –   18 53 Von 1694–1700 wurden 13 Böcke, 14 Gaisen und 23 Kitze gefangen. Für einen gefangenen jungen Bock wurden 4 Rthlr., für eine junge Gais 4 fl., für einen geschossenen Steinbock 3 fl. bezahlt. 1706 wurden 12 Stück gefangen. Nach dieser Zeit hat man keine Kunde mehr von dem Steinwild im Zillerthal. Die später in Hellbrunn befindlichen Steinböcke stammten nicht daher, denn die aus dem Zillerthal eingesetzten waren allezeit eingegangen. Erzbischof Hieronymus erließ 1772 ein Mandat, worin es hieß, daß wer einen Steinbock »welche mit so großen Kösten, Mühe und Sorgfalt hierlands wieder eingeführt worden,« schieße oder fange, solle auf 10 Jahre in Hohenwerfen eingesperrt werden und an jedem Jahrestag der That 50 Prügel erhalten. 1781 befanden sich Steinböcke in einem Einfang des hiesigen Nymphenburger Gartens. Die zu Ende des vorigen Jahrhunderts in Hellbrunn befindlichen Steinböcke stammten aus der Schweiz, wo sie früher ziemlich zahlreich waren und hatten sich 1802 bis zu 12 Stück vermehrt, sie wurden von den Franzosen, da diese Salzburg besetzt hatten, schmählicherweise alle erschossen. Gegenwärtig findet sich Steinwild nur noch im Piemontesischen zwischen Val Locana und Val d'Aosta auf den Gletschern, deren südliche Gehänge gute Waideplätze sind. Das Steinwild kommt mit Gemsen zusammen vor. Graf Cäsar Pallavicini, welcher im Gefolge des Königs von Sardinien und des verstorbenen Herzogs von Genua von 1851–53 Jagden auf Steinwild (und Gemsen) mitmachte, hatte die Güte mir einige Notizen darüber mitzutheilen. Die Jagden wurden im Juni und Juli gehalten. Von Fort Bard ging der Weg in einem ansteigenden Thale über Champorcher auf die Schneiden der Berge und war eine Alpe Notre Dame de la neige die Hauptstation, von wo aus die Herren in verschiedenen nahen Thälern, namentlich in Cogne jagten. Dieses Jagen bestand theils in Birschen, theils in sog. Riegeln, indem ein oder zwei revierkundige Leute einen Bogen durchgingen. Eigentliche Jäger sind leider keine aufgestellt und man überläßt sich der Führung einiger Bauern, welche die Gemsjagd treiben, gelegentlich aber auch Steinwild schießen, obwohl dieses streng verboten ist. Diese Schützen schießen mit sehr schweren und langen, rohgearbeiteten Stutzen, die nur aufgelegt gebraucht werden können und erlegen das Steinwild meistens auf dem Anstand auf natürlichen Sulzen, wo sie oft Tag und Nacht hindurch passen. Bei den erwähnten Jagden wurde mehrmals Steinwild gesehen, einmal ein Rudel von 10–12 Stück, es wurde aber nur ein Bock von einem Jäger erlegt, denn die Jagden mißlingen meistens, weil keine gezwungenen Wechsel sind und das Terrain so frei, daß das Wild nur sehr schwer anzubirschen ist, auch haben die leitenden Bauern keinen Begriff von Jägerei. Diese halbwilden Kerls schießen die Steingaisen zur Setzzeit, wenn sie glauben ein Kitz fangen zu können, welches sie zu 500 und mehr Francs verkaufen. Der Schweiß wird getrocknet und noch gegenwärtig als Arzneimittel theuer bezahlt. Trotz dieser Schinderei hat sich der Stand an Steinwild in neuester Zeit gehoben und hat man der großartigen Natur der dortigen Berge das meiste zu danken. Es sind diese übrigens nicht so schwer zu begehen als unsere zerrissenen Voralpen, aber gerade weil die engen Gräben und Schluchten seltener, so sind die Wechsel nicht sicher. 1854 wurde am Montblanc ein Steinbock geschossen und nach Tschudi kommt Steinwild auch am Monterosa vor. Der Steinbock ist bedeutend größer als ein Gemsbock und wiegt ausgeweidet 160–200 Pfund, die Gaisen wiegen selten über 100 Pfund. Die größten Hörner haben gegen 20 Knoten und eine Länge bis 2 Fuß 7 Zoll, das Gewicht beider auf der Schale beträgt 10–16 Pfund. Die Hörner der Gais werden nicht viel über ½ Fuß lang und sind weniger knotig. An den Felsen von Hellbrunn, wo in neuerer Zeit wieder Steinböcke eingesetzt wurden, kann man sich überzeugen, daß dieses Wild im Springen und Scharfsteigen die Gemsen übertrifft. Der alte Bock, welcher sich längere Zeit da befand, stellte sich, wenn man ihn neckte, auf die Hinterläufe aufrecht, zog dabei die Vorderläufe an den Leib und stieß mit einer Seitenbewegung des Kopfes. Diese Stellung, welche auch ein Ziegenbock oft annimmt, findet man gewöhnlich auf Wappenbildern. Bei den Gemsen sieht man sie nur zuweilen in dem Augenblick, wo das Thier von der Kugel getroffen wird. Es kommt aber selten vor und scheint ein eigenthümlicher Schuß, der die Nieren verletzt, die Ursache. In Hellbrunn ist eine Kreuzung des Steinwildes mit zahmen Ziegen versucht worden, und vorzüglich der Erzherzog Ludwig hat bedeutende Summen darauf verwendet, die Resultate sind aber zur Zeit noch nicht befriedigend. Die Bastarde haben zwar etwas vom Steinwild, die Ziege ist aber daran vorherrschend. Auch in dem berühmten Bliembacherrevier im Salzburgischen (an die Berchtesgadner-Röth-Jagd angrenzend) sind solche Kreuzungsversuche gemacht worden, ohne die gewünschten Resultate zu geben. Spruchreime.                 Vom Gemsbock lern' das Steigen,     Das Birschen lern' vom Fuchs,     Vom Spielhahn lust'gen Reigen     Und kecken Griff vom Luchs. ——— Wenn Hirsch und Gemsbock hoch bejahrt, Sag' an wie ist dann ihre Art?     »Ein alter Gemsbock, ein alter Hirsch,     Die spielen den Einsiedler gern,     Sie weilen beschaulich an stillem Ort     Und bleiben dem Rudel fern.     Wird aber am Wald des Herbstes Pracht     Vielfarbig aufgerollt     Und kommt für die Hochzeitfeste der Tag     Und schimmern die Lärchen in Gold,     Dann lassen sie eiligst die Einsiedelei     Und sind wieder schneidig und jung     Und sind die ersten voran im Tanz,     Sah's oft mit Verwunderung.« ———     Hirsch und Gems, um diese zwei     Müht sich baß die Jägerei,     Doch eine Birsch nach schmucker Maid     Ist wohl auch ein lustig Gejaid. ———     Kein Heger, kein Jäger. ———     Das merkt Ihr Jagdgenossen,     Eine Rede wie schön sie sey,     Hat nie ein Gambs erschossen     So ist's und bleibt dabei. ——— Sag' an, mein lieber Waidmann frei, Was dir das ärgste Leidwesen sey?     »Es ist wohl hart, einen Gemsbock fehlen,     Man muß sich ja genug drum quälen,     Doch springt er dann erst recht herbei     Und schaut mit den verdrehten Lichtern,     Wer denn der scharfe Schütze sey,     Und thut als wollt' er nicht weiter gehen     Und mußt den Bart hochschwankend sehen     Und spannlange Krucken mit prächtigen Hacken,     O Herr, da kann's wohl einen packen,     Und denke ich bei meiner Treu,     Daß kaum ein ärger' Leidwesen sey.« ———     Wem das Blut nicht kalt, nicht warm,     Hat zum Schuß den sichersten Arm,     Aber beim Singen und Gläserklingen     Wird's ihn auch nicht heben und schwingen,     Ei da ist mir doch noch lieber,     Kitzelt den Schuß ein kleines Fieber. Der Bär. Der Bär ( Ursus Arctos ) stand seit den ältesten Zeiten seiner Gewalt und Größe wegen in Deutschland in einem gewissen Ansehen und wie der Löwe in seiner Heimat, so galt er bei uns als der König der Thiere. Man getraute sich seinen Namen nicht geradehin auszusprechen, ebensowenig wie beim Wolf, sondern nannte ihn, gleichsam freundlich schmeichelnd, wenn er es etwa höre, den alten Großvater, Schwarzzahn, Süßfuß \&c. Die von ihm hergenommenen Eigennamen Bernhart, Bernwin, Adalbern, Reginbern \&c. und der Gebrauch seines Bildes im Wappen bezeugen ebenfalls, daß er sich Achtung erworben. Ein Markgraf von Ansbach (1720) würdigte junge Bären, im Zimmer seines Prinzen auferzogen zu werden, um diesen zu einem herzhaften Jäger zu machen. Nach einiger Zeit aber wurde diese Gesellschaft doch nicht als ganz passend erachtet, da einer der Bären einen Bedienten durch die Hand biß. Der Bär galt als ein zwar grober, aber sonst ehrlicher und tapferer Geselle, der dem Feind mit breiter Brust entgegengeht und ihn mehr durch Umarmung erdrückt, als durch seine Zähne zerfleischt. Die nordischen Sagen erzählen wie vom Werwolf, so von der Verwandlung eines Menschen in einen Bären, welche mittelst eines Eisenhalsbands erfolge, und in Norwegen herrscht der Glaube, daß die Lappländer sich in Bären verwandeln. Grimm, deutsche Mythologie. S. 1051. Der Bär ist einfach in seinen Sitten und vernünftig in der Wahl der Nahrungsstoffe. Er ist zufrieden mit Fleisch und Gemüse, wenn nicht mehr zu haben ist, sonst aber auch ein Freund der Fische, namentlich der Forellen, die er aus seichten Bächen zu holen weiß, und ein Liebhaber von Obst und Honig. Bekanntlich hält er einen Winterschlaf, dessen Träume durch den ihm geltenden Jagdlärm oft unangenehm gestört werden. Seine gewaltige Stärke ist bekannt. Man hat öfter beobachtet, daß ein Bär ein Pferd über 200 Schritte weit geschleppt hat und mancher befreite sich aus dem Bärenfang, indem er die Thüren trotz eiserner Bleche und Klammern auf unglaubliche Weise zerbrochen. Die Bärenjagd im 16. Jahrhundert und früher wurde mit starken, muthigen Hunden, Bären- oder Bollbeißern in der Art wie die Schweinsjagd gehalten; die Hunde trieben den bestätigten Bären auf, faßten ihn am Gehör und stellten ihn; dann gab der Jäger mit dem Bäreneisen den Fang auf den Stich oder geschah dieses durch mehrere. Bei einer solchen Jagd im Thüringerwald zu Anfang des 16. Jahrhunderts fing ein einziger Hund einen starken Bären und hielt ihn am Gehör so fest, daß er abgefangen werden konnte. Man schoß auch mit Pfeilen und begann dann die Hatz auf den verwundeten Bären. 1852 ist von dem Forstwart Neuner von Linderhof in einer finstern Höhle auf der Nordseite des Sonnenbergs (Revier Ettal) ein Bärenskelett gefunden worden, unter welchem eine eiserne Pfeilspitze lag. Die Bärenjagd gehörte zur hohen Jagd oder galt sogar noch mehr, denn sie war bei Verleihung der hohen Jagd nicht mitbegriffen. Das Geschlecht der von Riedesel wurde z. B. in Hessen mit der Bärenjagd besonders »investirt.« Wenn man im Bayerland überall eine Denktafel errichten wollte, wo ein Bär oder ein Wolf geschossen oder gefangen worden, man würde erschrecken und das ganze Land würde mit solchen Tafeln fast übersät seyn. Besonders im 17. Jahrhundert waren sie zahlreich verbreitet und auch noch im vorigen gab es Arbeit damit, gegenwärtig aber erscheinen sie nur sporadisch, als große Seltenheiten und haben als Standwild aufgehört. Mehrere bayerische Fürsten liebten die Bärenjagd. Von Kaiser Ludwig dem Bayer ist bekannt, daß er gelegenheitlich einer solchen, zu welcher er schon unwohl ausgeritten, gestorben, zu Puch bei Fürstenfeldbruck 1347. Es muß damals in der Umgebung von München nicht an Bären gefehlt haben, denn ein Mandat des Herzogs Johannes in Bayern von 1395 verbietet den Jägern Forderungen an das Kloster Scheftlarn zu machen, weder »in dem Sweingejayd, Perngejayd« noch bei einem andern Gejaid. Monum. boic. 8. 562. Vom Herzog Christoph dem Kämpfer † 1493 heißt es »seiner person der ritterlichst vnnd beruembtist fürst, der sein Zeit lebt vnnd ain gueter pernfaher an dem Ihaid den vienng er gern.« Ludwig der Bärtige von Ingolstadt (der trotzige Graf von Mortain † 1447) hielt einen Bärenjäger jenseits der Isar, mit 5 Knechten zu Fuß und Hunden nach Bedarf. Es war damals angenommen, der Bär beginne den Winterschlaf »gehe ein« am St. Clemenstag (Mitte November) und gehe wieder aus zu St. Peter in der Fasten, manche früher manche später. Wer dem Aufgebote zur Bärenhatz nicht folgte, dem wurde der Ofen eingebrochen. Ein Bär oder ein Wolfshund kostete 4–6 Dukaten. Der Bärenkopf gehörte der Herrschaft und »die rechte Hand,« die linke dem Pfarrer der mit dem Sakrament bei der Jagd bereit seyn mußte, denn obwohl der Bär für sich den Menschen nicht leicht anfällt, so ist er furchtbar, wenn er verwundet worden. Es sind dafür Beispiele genug vorhanden und bei einer Bärenjagd, die Heinrich IV. von Frankreich in der Grafschaft Foix hielt, zerriß ein stark verwundeter Bär sieben Treibleute, mit denen er auf dem Gipfel eines Felsens zusammentraf und mit mehreren, die er ergriffen, stürzte er zerschmetternd in den Abgrund. Im Jahre 1540 kamen am 15. Oktober die bayerischen Herzoge Wilhelm und Ludwig mit ihrem Bruder Ernst, Erzbischof von Salzburg, in Reichenhall zusammen und hielten eine Bärenjagd am Untersberg. Der Herzog Albrecht V. von Bayern befahl in Betreff der Hege der Bären um Hohenschwangau 1570 »da sollen sie zu unserm Lust ungeirrt gelassen und derselben orten nit gefangen noch vertrieben werden.« Im Allgemeinen war die Jagd auf Bären ziemlich freigegeben, und Ritter, Prälaten, Bürger, erhielten leicht das Recht Bären zu jagen, das Hohenschwangauer Gebirg war aber schon von Kaiser Maximilian her in Ansehen wegen dieser Jagd. So schreibt der Kaiser 1494 von Füssen, der Erzherzog Sigmund von Tyrol solle den Conrad Steck nach Swangau schicken »wo Wir mit Herzögen Wilhelm von Bayern sind vnd in der pern prummfft, am khayserbrunn hie König Maximilian II. hat diesen Brunnen frisch fassen und als Monument mit einer Inschrift herstellen lassen, welche des Kaisers Ludwig des Bayern gedenkt, der auch in der Gegend des Waidwerks pflegte und nach welchem der Brunnen benannt worden. am Planse (Plansee) wie es dann viel giebt von disen wilden tieren, auf die wir grussen haß und verlangen tragen. Ist auch gejaide mit gemsen vnd großen Sweinen. Der Steck soll uns auszaichnen, wo vberall der pest lauf an jedem gejaid ist vnd selbgeschoße awfrichten den wölffen.« Als Standorte der Bären sind auch der Schnaitberg und Picheleck angegeben. Ein andermal schrieb der Kaiser (von »ratenman« datirt 1490) daß er ein Gejaid anrichten wolle » mit wilden wurmen, genannt dy Sbartzen peeren. « Man unterschied die schwarzen und die braunen Bären, die ersten werden von einigen nur für eine Varietät oder für die jüngeren Thiere gehalten. Feyerabend (1582) macht das kurz ab: »Etlich machen vnderscheid vnter Beeren da keiner ist, dann Beer ist Beer.« Der Kaiser Maximilian hatte eine besondere Lust die Bären allein ohne anderer Hülfe zu fällen; so that er einmal im Land ob der Enns an einem »unmenschlich großen Bären,« ein andermal beim Schloß Tyrol, wohin ihn mehrere Bauern geleiteten. »Weilen aber den unwegsamen gehen Felsen, und rauch verwachsenen höle nit ohne große Gefahr zuzukommen war, thäte Er allein auff einem schmalen Steg sich zu dem Beeren, welcher, als er Ihne ersehen, sich auf die hindern Füsse gelassen und auffrecht gegen Ihme dargeeilet; Max aber nam den Spieß zu halbem Schafft, und schoß solchen so meisterlich gegen den Beeren, daß Er ihne mitten in den Bauch getroffen, daß er in ein tieffes Thal über eine Wand herunter zu todt fiel.« Da der Bär unter dem Edelwild großen Schaden anrichtet, und weil er sehr schlau ist, und oft weit umher wechselt, manche Jagd auf ihn fruchtlos gemacht wird, so bemühte man sich damals schon, wie später desselben durch Fangen in Gruben, Fallen und Eisen habhaft zu werden oder ihn mit Selbstgeschossen zu erlegen. Die lebendig gefangenen Bären, mit welchen die Fürsten sich gegenseitig Geschenke machten, wurden in die mit einer Mauer umgebenen Bärengärten gebracht und da aufbewahrt, um dann bei solennen Gelegenheiten gehetzt zu werden und in den sogenannten Kampfjagen Proben ihrer Stärke und Wildheit zu geben. Von diesen Kampfjagen wird noch später die Rede seyn. Als zu Ende des fünfzehnten Jahrhunderts und im sechzehnten die Büchsen mehr und mehr in Gebrauch kamen, wurden die Bärenjagden ergiebiger getrieben als früher und war oft ein einzelner Jäger im Stande einen Bären zu fällen, ohne das Revier besonders zu beunruhigen. Außer im oberbayerischen Gebirg, wo noch die Namen Bärenloch, Bärenholz, Bärenfilz, Bärenleite, Bärensteig, Bärensunk \&c. um Ettal, Partenkirch, Mittenwald, Riß, Tegernsee und so bis Berchtesgaden daran erinnern, hausten damals auch Bären um Immenstadt und Sonthofen, und ebenso im Fichtelgebirg und im bayerischen Wald. Pfarrer Jäckel Correspondenzblatt des zoologisch mineralogischen Vereins zu Regensburg Jahrgang 1852 und 1855. hat mit seltenem Fleiß historische Notizen über das Vorkommen der Bären, Luchse und Wölfe in Bayern gesammelt, und erwähnt unter andern, daß um 1554 ein Jäger Michael im jetzigen Landgericht Sonthofen gelebt habe, welcher 15 Bären geschossen hatte. Am Grinten wurden zu jener Zeit einmal bei einem Treibjagen zwei Bären geschossen. Zahlreicher noch erscheinen die Bären im 17. Jahrhundert in Bayern, zum Theil wohl weil zu ihren Gunsten der 30jährige Krieg manche Oede geschaffen, zum Theil aber auch, weil die verbesserten Büchsen und Schlageisen die Jagdbeute beträchtlich gegen früher erhöhten. In einem Gedicht von 1675, welches eine Bärenjagd im Königssee beschreibt, kommt vor, daß der Jäger und Fischmeister Urban Fürstmüller 25 Bären gefällt habe. Wer St. Bartholomä besucht hat und alte Jagdgeschichten liebt, kennt gewiß das besagte Gedicht und die Bildertafel dazu. Manche, die seiner erwähnen, nennen es langweilig; mir ist es trotz einiger Breite nicht so vorgekommen, und ich kann nicht läugnen, daß ich es lieber gelesen habe als die poetischen Jagdbeschreibungen Matthissons, wovon eine Probe bei der Schweinsjagd gegeben wurde. Ich theile es also hier mit und mag es überschlagen, wen es langweilt. Der Fischmeister und seine Knechte zu St .  Bartlmä mit dem Bären im Jahre Christi 1675 .         Merkt und hört zu dieser Zeit Des Fischmeisters zu St. Bartolomä gehabten Streit, Was sich mit einem wilden Bären begeben, Nun hört zue und merket eben, Wie es ihm und seinen Knechten ergangen, Als sich der Streit angefangen: Der Bär zog über den Watzmann herein, Und wollte beim Bartlmä See gar gern seyn. Er zog herab wohl durch die Rhinn, Uebern See zu schwimmen war sein Sinn, Er ging an mit Gewalt den See, Vermeint zu kommen desto eh. Als er nun that im Wasser schwimmen Ward es der Fischmeister gar bald innen; Ruft zusammen seinen Knechten, Sprach: Wir müssen mit dem Bären fechten. Der Sigl-Michel flog davon, Die Andern thaten bei ihm stohn, Hatten alle gleich so viel Weil, Zu nehmen Hacken, Büchsen und Griesbeil, Zu laufen hin wohl an die Zillen, Nun sey es mit Gottes Willen! Als sie nun auf das Wasser kommen, Hatt es der Bär stark vernommen. Zu Stund an hebt er an zu fliehen, Dem Lande mit Gewalt zuzuziehen, Macht Wellen als wärs ein Wind, Der Bär sieht den Fischmeister und sein Gesind Herziehen vom Land noch ziemlich weit, Gedacht, jetzt muß ich haben Streit! Hätt' ich sie in einem Wald! Diesen Streit würd ich gewinnen bald! Oder die Zillen umkehren mit einem Prenken, Ich wollt euch gewiß das Leben enden, Und alsbald das Schiff umreißen, Euch erdrücken und zerbeißen. Fischmeister ihm wollt zu nahe kommen, Der Bär fing an zu raffen und zu brommen. Indem der Fischmeister sehr eilt, Des Bären erster Schuß feilt. Der Bär fängt an zu knorren und grinnen, Daß es thät in den Bergen klingen. Fischmeister schießt hin, wieder nit weit, Traf den Bären, da hebt sich der Streit: Als derselbe ward hart verwundt, Auch nicht erreichen möcht den Grund: Da wollt er ihnen die Zillen nehmen, Das thaten die Fischer hart erkennen. Sie reichten einander zu mit Gewalt, »Schlagt geschwind mit den Hacken bald« Hans Fürstmüller und Hans Hasenknopf Zerschlugen dem Bären Haut und Kopf, Ihm mit Gewalt auf den Helm, Die Streich her wiederhelln. Sie stachen mit den Griesbeilen d'rein: Zwei Kinder sahn zu mit Weinen und Schreyn. Dem Bären gingen die Därm heraus, Dennoch ward der Streit noch nicht aus. Erst ging ihnen zu Herzen der Graus: Wünschen, ach Gott! wären wir bei Haus! Der Bär von uns wohl tausend Meil! So hart und lang war ihnen die Weil! Hatten sich auch gänzlich ergeben: Möchten dem Bären nicht nehmen das Leben. So sehr tracht er nach der Zillen, Daß er sie thät halb mit Wasser füllen. Hätt es noch gewährt eine halbe Stund, So wäre gesunken Alles zu Grund. Denn er ließ ihnen nicht so viel Weil, Das Schiff auszuwassern in Eil. Gab ihnen zu schaffen mit großer Macht, Daß sie ihn unter das Wasser gebracht: Darunter hieltens den Bären streng Mit Hacken und Griesbeil eine gute Läng. Als sie vermeinten nach ihrem Gedunken, Es sey der Bär nunmehr ertrunken, Ließen sie ihn auf neben der Zillen, Da hebt er an zu reißen und zu brüllen, Mit rinnenden Wasser zu beiden Seiten. O Gott! müssen wir denn noch länger streiten! Der Bär war wund und aller naß, Und wild und zornig ohne Maß. Der Fischmeister sprach: thut euch nit geben, Der Bär uns alle sonst bringt ums Leben. Schlagt und stecht nach ihm ernstlich und frei, Ich glaub: daß er der Teufel selbst sey. Wären wir blieben bei Haus, Und das Ungeziefer lassen schwimmen aus! Sowohl er wund war bis in den Tod, Fieng er erst an aus grimmiger Noth, Als wollt er uns samt der Zillen umreißen, Was er erwischt alles zerbeißen: Er greift ein Ruder an der Zillen, Unverhofft ohne ihren Willen, Das Ruder das zerriß er als, Stießens ihm noch besser in Hals, Mit dem nahm sein Leben ein End, Die Fischer reckten zu Gott die Händ, Und dankten Gott von Herzens Grund, Daß sie noch blieben lebendig und gesund. Urban Fürstmüller ist genannt, Hat gefällt 25 Bären mit eigener Hand, Geschossen und in der Falle gefangen, Mit denen allen nit so gräulich ergangen, Als mit diesem verruchten Bären \&c. Der Schluß giebt weiter an, was der Fischmeister und seine Söhne sonst an Wild erbeutet, und daß der Bauer Georg Krehnn 1704 dieses Gedicht gemacht habe. Aus den Aufzeichnungen, welche Jackel Aus Wildpretsrechnungen, mitgetheilt vom Kreisforstrath Wineberger in Regensburg. von dem damaligen Stand der Bären in den oberpfälzischen Jagdbezirken von Rötz (Landg. Waldmünchen) gesammelt hat, muß um Waldmünchen, Penting, Roding, Schwarzhofen \&c. lustiges Gejaid mit ihnen gewesen seyn, denn von 1644–1688 wurden fast jedes Jahr einige geschossen und gefangen, Im Jagdverzeichniß des Churfürsten Johann Georg I. von Sachsen sind von 1611–55 in 44 Jahren 99 Bären angeführt und in dem Georgs II. von 1656–80 (mit seiner Begleitung erlegt) 239 Bären, der schwerste 6½ Centner. so unter andern: 1648: 3 alte Bären von Roding, Stammsried und Neubäu. 1659: 8 junge und alte Bären, 1660: 2 alte und 3 junge Bären, 1662: 10 Bären, darunter 5 alte von Waldmünchen, Stammsried, Schwarzhofen, Dobrigau und Mitterteich. 1663: 8 Bären, 3 alte und 5 junge. 1664: 13 Bären, dabei nur 1 alter, 1665: 9 Bären, 1667: 12 Bären u. s. w. Im vorigen Jahrhundert haben dort die Bären aufgehört, dagegen erhielten sie sich im Fichtelgebirg bis 1769. Auf dem großen Waldstein bei Zell steht noch heute ein gemauerter Bärenfang. Er hatte zwei Fallthüren und sind darin mehrere Bären gefangen worden, zuletzt aber zwei terminirende Kapuziner, die sich vor einem Gewitterregen hineinflüchteten, und erst als die Fallthüren niederrasselten, erkannten, wo sie waren. Obwohl den Jägern, die dann dazu kamen, zwei Bären lieber gewesen wären, so war mit dem Fang natürlich doch großes Gaudium. Nach den Berichten Lehmanns muß das angränzende Erzgebirg ein Haupttummelplatz der Bären gewesen seyn, und werden von ihm auch viele Fälle erzählt, wo Bären, ohne verwundet worden zu seyn, einzelne Wanderer angefallen und arg zugerichtet haben. »Dieses Niederreißen und Beschädigen von Bären, sagt er, war im 30jährigen deutschen Kriegswesen gar gemein, dieweil sich das Mordvieh sonderlich Anno 44, 45 und 46, da es nicht konnte abgefangen werden, dermaßen vermehret, daß über 30 Paar alte Bären mit ihren Jungen nur auff dem hohen Schwarzwald herumgelauffen \&c.« Ein plötzlicher Schrei, Klirren mit Eisenwerk und dergleichen hat manchen Bären verjagt, und mancher Angegriffene hat sich mit der Flucht retten können, indem er dem Bären seinen Hut oder ein Kleidungsstück zuwarf und dieser dann daran herumriß und sich damit beschäftigte. Im oberbayerischen Gebirg und im bayerischen Wald waren im vorigen Jahrhundert die Bären nicht selten. Der Oberstjägermeister Karl Albrechts, Graf Gaudenz Rechberg fragt (um 1727) beim Prälaten von Benediktbeuern an, wie es sich mit den dort gespürten zwei Bären verhalte, da der Churfürst eine Jagd darauf machen wolle. In den Akten des Klosters Tegernsee fand ich nachstehendes Verzeichniß der Bären, welche von 1710–1757 geschossen und gefangen wurden. Bern Gordian Oerlacher Oberjäger.     An Wallberg 1 aufn Wechsl 2 An Stolznberg mit dem Länziger Jäger,         der den bern geschossen 1 An Wechsl ain wundtgeschossen 1 auf der Pamkel-Ebnet ohnweit Valip 1 Mechior (Melchior) Pachmair. Zu Hintermaur 1 An Weniberg 1 An Wildnlaberg NB.: den großen hat der Melcher, den jun-         gen aber hat der Länziger geschossen. 2 Auf der Schlag- oder stiellner albn im         schlag Eisen ein junges Berl leben-         dig gefangen 1 In der Stiellner Albn mit beyhilff des         Gschwändtlers in hölzelnen fahlnen         große 2 Joseph Lettner Gschwändtler. Am Raucheneck 1 Zu Hintermaur 1 Untern Roßstain 1 altn und jungen Bern 2 In der Langenau auf der Schmöll 2 junge 2 Aufn Wechsl 1 verwundt und 1 geschossen 2 Adam Mair derma- liger Ober-Jäger. Aufn Räcken-Pödn geschossen 1 In Stangen am Weniberg im schlag Eisen         gefangen und darauf todt geschossen 1 Auf der Ahleittn in der hilzenen fahln 1 Bern 24 Von 1758–1766 sind noch 3 Bären aufgezeichnet, dann keiner mehr bis 1786, so weit die Rechnungen reichen. Später kommen wieder Bären vor. Wenn doch die Bäume reden könnten! fällt einem wohl ein, wenn man beim Jagen dort noch durch einen Urwald geht und die riesigen Tannen mustert, von denen das Moos wie ein langer Bart niederweht, oder wenn man an einer dreihundertjährigen Eibe ruht, deren Eisenholz die verschlingende Zeit nicht bewältigen konnte. Welche Scenen könnten sie von Bären und Luchsen erzählen, welche Kämpfe mögen sie mitunter geschaut haben. In einem Waldtheil des Reviers Buching bei Hohenschwangau erinnert noch eine verbleichte Tafel daran, wie ein Bär von einem Stier an einen Baum gepreßt ward. Man fand beide todt und den Bär in solcher Stellung, daß ihn der Stier am Baum erdrückt haben muß. Die Wuth eines gefangenen Bären ließ sein Gebrüll oft weit wiederhallen und ein Bär, der im Pletscherergraben, eine gute Stunde von Kreut, in ein Eisen einging, brüllte dermaßen, daß ihn der Jäger, genannt Winn-Adam, der das Eisen gelegt hatte, von Kreut aus hörte. Er eilte sogleich auf den Platz und gab dem furchtbar am Eisen zerrenden und herumreißenden Bären einen wohlgezielten Schuß, der ihn zu Boden streckte. Die Eisen wurden auf den Wechseln an Orten gelegt, wo vorauszusehen war, daß kein Mensch hinkomme, gleichwohl fing sich einmal ein Bettler, der von Achenthal über den sogenannten Felssteig unter dem Schildensteinerkogel ging und lag zwei Tage im Eisen, bis ihn die dazu gekommenen Jäger befreite. Er wurde wieder hergestellt. In Hohenschwangau wurde 1760 ein alter Bär auf dem hohen Straußberg geschossen und 1761 einer am Schwarzenberg, der ganz nahe am Schloß gelegen. Im bayerischen Wald waren sie zahlreicher. Von 1760 bis Ende des vorigen Jahrhunderts erlegte der damalige Revierförster Georg Forster, zu Zwisler Waldhaus in den Waldungen zwischen dem Rachel und Arber allein 37 Bären und beinahe ebensoviele sein Bruder Andreas, als ein herzhafter Waidmann überall in der Gegend bekannt. Im gegenwärtigen Jahrhundert sind im oberbayerischen Gebirg und im bayerischen Wald noch mehrere Bären geschossen worden, 1807 einer in der Riß von dem Jäger Thomas Soyer, 1815 einer am Wamberg bei Parthenkirch. Sepp in seinen Beiträgen zur Geschichte des bayerischen Oberlandes H. 2 und 3. S. 87. erzählt davon, es hätten sich in den damaligen Franzosenkriegen zwei Bürgersöhne von Parthenkirch, um dem Militärstand zu entgehen, in's Gebirg geflüchtet und dort zwei Jahre als Wildschützen zugebracht. »Da trifft sich's eines Tages, daß einer von ihnen am Wamberg einem Bären begegnet, dem man schon längere Zeit auf der Spur war. Er schickt ihm seinen Hund entgegen, der augenblicklich zerrissen ward, schießt dann zweimal los und läuft schnell davon; aber der zottige Bär war geblieben. Um dieser That willen wurden die beiden Brüder vom König pardonnirt, und der glückliche Jäger heißt noch jetzt (1854) der Bärenschütz, und ist der Drechsler Oefele, genannt der »Müllernazihansjakob«. 1822 wurde von dem damaligen Forstamtsaktuar Reisberger zu Ruhpolding ein Bär geschossen, 1826 und 1828 je einer zu Traunstein, und 1835 wieder einer zu Ruhpolding. Dieser letztere wurde in einem Treibjagen erlegt, welches der Forstmeister Dillis, der mit einigen Jägern den Bären frisch gespürt hatte, am 24. Oktober veranstaltete. Von den Hunden bald angetroffen kam der Bär in voller Flucht dem Jagdgehilfen Seb. Schlächter, welcher ihn bis auf 15 Schritte anlaufen ließ und dann auf den Kopf schoß. Die Kugel prallte aber auf dem Stirnbein ab, wie sich später zeigte, und der Bär wandte sich in den Jagdbogen zurück. Nach einiger Zeit kam er mit großem Geräusch von abgelassenen Steinen über einen Hang herunter und ging fluchtig über das 36 Schritt breite Griesbett des Schwarzachenbaches, welches der damalige Forstamtsaktuar Klein zu überschießen hatte. Klein gab ihm auf 80 Schritte Entfernung einen tödtlichen Schuß hinter dem rechten Blatt, worauf der Bär sich bald niederthat und von den auf dem Schweiß nachsuchenden Jägern zur Vorsicht noch einige Schüsse erhielt. Er war von schwarzbrauner Farbe und wog 280 Pfund, aufgeschärft 240 Pfund. Außer diesen sind im oberbayerischen Gebirg noch einige vorgekommen, die aber nicht erlegt wurden. So trieb sich 1828 ein Bär am Planberg bei Kreut herum, und machte dem Forstwart Sollacher viele Mühe, ehe er ihn zu Schuß bekam. Dieses geschah eines Abends, da sich Sollacher mit dem Jagdgehilfen Sebastian Riesch auf einen Wechsel an den »Stangen« unter der Halserspitz angestellt hatte, um dort die ganze Nacht zu passen, denn es war mondhell und der Wechsel öfters von dem Bären begangen worden. Im Fall der Bär käme, wollte Sollacher die Ehre des ersten Schusses haben, da ihn sehr gelüstete gleich seinem Vater und Großvater einen Bären im Jagdregister aufzuzeigen, er gebot daher dem Gehilfen strengstens, nicht eher zu schießen, als bis er selbst geschossen habe. Sie nahmen ihre Stände zu beiden Seiten des Wechsels in den felsigen Gehängen. Gegen alle Erwartung kam der Bär schon bei einbrechender Dämmerung, und Sollacher ließ ihn ganz nahe heran, mit größtem Fleiß nach dem Kopf zielend, da wollte das Unglück, daß der Dupfer den Hahn nicht ausschlug; der Bär warf um, und als die Büchse endlich krachte und dann auch der Gehilfe nachschoß, war der günstigste Augenblick zu einem guten Schuß bereits vorüber. Gleichwohl stürzte der Bär getroffen in einen Graben, kurz darauf aber sahen ihn die Jäger am jenseitigen Hang wieder ansteigen und zwar so langsam, daß sie noch einmal hätten laden und schießen können, wenn sie schnell dazu entschlossen gewesen wären. Statt dessen löste Sollacher seinen Hund in der Meinung, der werde den Bären gleich stellen. Der Hund, ein sogenannter hochstämmiger Daxel, fiel auch den zottigen Gesellen wacker an, dieser aber kümmerte sich wenig um sein Rebellen und entschwand bald in den Felsschluchten. Da in der Nacht nichts zu machen war, so wanderten die Schützen, bald von freudiger Hoffnung gehoben, bald von peinigenden Zweifeln wieder niedergedrückt nach Kreut und erzählten ihr Abenteuer. Alles gerieth in die größte Aufregung, man träumte vom Bäreneinzug, besprach Triumphbögen \&c. und die widerwärtigen Zweifel wurden mit vollen Humpen frisch weg aus der Zechstube gejagt. Beim Nachsuchen des andern Tages aber war der Bär nicht zu finden, soweit man auch die Spur verfolgte, welche seinen Weg mit mancherlei Wendungen über das Schmaleck in's Thiersee'sche bezeichnete. Wie man später erfuhr, begab er sich von da in's Brandenberg'sche und trieb sich noch längere Zeit herum, bis er von einem Hirten im Achenthale erlegt wurde. Im bayerischen Wald spürte der Jagdschütze Andreas Röck von Bodenmais 1812 im Walddistrikt Seewand am Arber zwei Bären, einen alten und einen jungen in einer Höhle, welche zwei Ausgänge hatte. Er verrammelte diese mit großen Steinen und schickte um Schützen nach Bodenmais. Der darauf angekommene Förster Xaver Fink stellte sich an den oberen Ausgang, während Röck durch den untern in die Höhle kroch und gegen die Bären schoß, die er auch verwundete. Die Bären brachen nun bei Fink hervor, der junge zuerst, welchen Fink durch einen Schuß in's rechte Licht niederschoß, und dann der alte, dem er auf wenige Schritte Entfernung den Schuß in den aufgesperrten Rachen gab. Wenn man die mancherlei Bärengeschichten liest, welche ausgezeichnet sind, so ist eigenthümlich, wie einerseits Proben von ungewöhnlichem Muth und Geistesgegenwart vorkommen, und manche Jäger mit den Bären oft verfahren sind, als wären's nur Frischlinge, andererseits aber die stärksten Männer von einer Furcht gepackt werden, die sie ganz den Kopf verlieren läßt. So sind die obengenannten Georg und Andreas Forster mit ihrem Vater und einem Jagdschützen 1812 zu Sulzriegel auf einen Bären gestoßen, wo sie gar nicht daran dachten und nur Flinten mit Hasenschrotten geladen bei sich führten. Ihre Hunde verbellten in einem Dickicht den Bären, sie eilten drauf zu und schossen fast gleichzeitig. Der verwundete Bär nahm sie an, und ohne die Hunde wäre es ihnen wohl schlecht ergangen; diese aber hielten den Bären auf, so daß die Jäger wieder laden und schießen konnten. Da ein Schrotschuß auf ein solches Thier nur ganz nahe von Wirkung seyn kann, so ließen sie den Bären möglichst herbei und mußten mehrmals den Angriff wiederholen, bis sie ihn erlegten. Dabei waren die wenigen Schrote, die sie bei sich hatten, bald verschossen, und zum letzten entscheidenden Schuß lud Andrä Forster seine kleinen zinnernen Rockknöpfe. Als dabei der Bär auf den Jagdschützen, einen der stärksten Männer der Gegend, losging, warf dieser die Flinte weg und schrie von Furcht ergriffen so gewaltig, daß der Bär umkehrte und beide vor einander flohen. Alle, welche die Bärenjagd kennen, stimmen darin überein, daß man womöglich dem Bären nicht entgegenschießen, sondern ihn vorbeilassen und nachschießen soll, denn während er im ersten Fall den Schützen meistens annimmt, thut er das nicht beim Nachschießen. Wenn er sich beim Annehmen erhebt und die breite Brust darbietet, ist er durch einen Schuß wohl niederzustrecken (in Rußland gebraucht man dazu eine eigene mit einem kurzen Bleicylinder geladene Büchse), wenn er aber auf allen Vieren ankommt, dann ist die Lage des Schützen gefährlich. Ein starker Hund, der den Bären keck angreift und ihn beschäftiget, hat schon manchen Schützen gerettet. So warf eine Bärin, welche der Revierförster Lutz im Jahre 1824 im Staatswald Hohenbogen, Landgerichts Kötzting, angeschossen, diesen zu Boden und stellte sich über ihn. Sein großer Fanghund fiel aber die Bärin muthig an und raufte sich mit ihr, bis Schützen herbeieilten, deren einer, der Müller Roiber von Simpering, das wüthende Thier durch den Kopf schoß. Mit einer leichten Verwundung und einem Riß im schützenden Büchsenranzen kam der Förster davon. 1833 wurde noch ein Bär im Forstamt Wolfstein geschossen. Die Zwiesler-Bären wogen bis zu 5 Centner. Junge fing man öfters lebendig mit Zangen, wenn sie auf Bäume sich geflüchtet hatten. Obgleich die Bären, wie schon oben gesagt wurde, für die Jagd kein wünschenswerthes Standwild sind, so wäre doch von Zeit zu Zeit ein Exemplar auf Besuch nicht unwillkommen, und besonders in unsern Hochalpen hat wohl jeder, der da gejagt, davon geträumt, ein Abenteuer mit dem grimmen Gesellen zu bestehen. Man muß dort die Jäger, die dergleichen erlebt haben, sehen, wie sich's in ihnen rührt, wenn sie erzählen; wie's lebendig wird in ihrem Blick, wie sie leiser sprechen, wenn's d'ran kommt, der Bär sey so oder so erschienen, in einem Graben heraufgestiegen oder beim Mondschein durch eine »Sink« gewechselt, und wie sie beim Schuß dann laut werden und die Freude noch dieselbe ist, die sie war vor vielen Jahren, da die getreue Büchse wirklich geknallt, und an dem schwarzen Ungethüm sich Ehre errungen hat. Und auch ohne Jagd gibt der Bär zu manchen farbigen Bildern Veranlassung. Ich erinnere mich mit Vergnügen der Erzählung einer alten Tyrolerin, die als ein Mädel von 14 Jahren beim »Wurzngrabn« einem Bären begegnete. Beide standen plötzlich regungslos einander gegenüber, sie, mit hoch erhobener Wurzenhacke, vor Schrecken aber keines Lautes mächtig, der Bär betroffen und verblüfft über die Erscheinung. Nachdem er das gleichsam versteinerte Mädel eine Zeit lang angeschaut, wandte er sich und ging einem Dickicht zu; da war's, als wäre der Zauber ihrer Glieder gelöst und sie floh wie ein gescheuchtes Reh vom Platz des Schreckens. Als ich das Weib fragte, was sie gethan hätte, wenn der Bär auf sie losgegangen wäre, sagte sie lächelnd: »Woaß es selm nit, gmoant haat i' wöll i' schlüg zua bal' er kaam.« Ich hörte diese Erzählung auf einer Alm am Karwendl und sie würzte die Birschgänge in den wilden Gehegen, die freilich nur einem Gemsbock galten. Das Schwärmen kommt leicht in Zug, und ich bin überzeugt, daß es bei einem Romantiker in der vielbesungenen Waldeinsamkeit nicht so angeregt wird, wenn ihm plötzlich aus dunklem Busch ein rußiger Kohlenbrenner entgegentritt, als bei einem Waidmann, der am geeigneten Platze an die Zusammenkunft mit einem Bären denkt. Da aber das benachbarte Tyrol immer noch Bären hegt und diese oft weit wandern, so hat die Phantasie um so mehr eine gewisse Berechtigung und treibt ihr Spiel um so lebhafter. Noch 1835 wurden in Tyrol 23 Bären geschossen, nämlich im Kreise Trient 14 Bären " " Botzen 4 " " " Imst 1 " " " Roveredo 2 " " " Bruneck 2 " Im Jahre 1833 wurden 27 Bären erlegt und im Jahre 1834 deren 16; im Jahre 1836 erschlug ein Bauer von Laatsch einen Bären mit einem Baumstamm und erwürgte ihn vollends mit den Händen. B. Weber. Das Land Tyrol. I. 88. Der Ortler und die Berge des untern Engadin in der Schweiz sind Standorte der Bären, und die lange Lebensdauer und Fortpflanzungsfähigkeit derselben gibt auch Hoffnung, daß es mit ihnen bei uns noch nicht für immer abgemacht ist. Im Stadtgraben von Bern hat man einen Bären 47 Jahre lang erhalten und eine Bärin bekam noch im 31. Jahre ein Junges. Von diesen Bären erzählt Conrad Geßner, Thierbuch (1669). S. 36. daß sie eine Stiftung des Herzogs Reinhard von Lothringen von 1476 seyen, für den Beistand, welchen ihm die Berner gegen Karl von Burgund geleistet haben. Ein zahmer Bär soll den Hilfe suchenden Herzog auf das Rathhaus begleitet und zum Zeichen der gerechten Sache desselben die Tatzen bittend erhoben haben. Bern selbst habe seinen Namen von einem Bären, da der Erbauer der Stadt, Herzog Berchthold von Zähringen, bestimmt hatte, sie nach dem Wild zu taufen, welches er bei einer Jagd zuerst fangen werde, und das war ein Bär. Andere Standorte der Bären als Tyrol und die Schweiz sind von uns zu weit entfernt, als daß von dort auf ein Einwechseln der Bären zu rechnen wäre, zur Vervollständigung möge ihrer erwähnt werden. In den Karpathen, in Siebenbürgen, im Banat und in der Moldau kommen Bären vor, In Krain sollen auch noch einzelne Bären vorkommen. Im Jahre 1728 schoß daselbst der Kaiser Karl VI. einen Bären auf den Jagden des Grafen Cobenzl. und ein Waidmann liest mit Interesse, daß man dort nicht ohne Hoffnung eine Bärenjagd machen kann. Im Jahre 1855 wurden in den 10 Kreisen Siebenbürgens 135 Bären und 843 Wölfe erlegt, und im Jahre 1856 sind 100 Bären und 990 Wölfe angegeben. Für 1857 sind fast das Doppelte, nämlich 190 Bären verzeichnet, und wer einen Wolf schießen will, den wird die weitere Angabe von 952 Wölfen noch mehr befriedigen. Nach den Mittheilungen in Hugo's Jagdzeitung vertheilt sich diese Jagdbeute in folgender Weise: Bären Wölfe Hermannstädter-Kreis 9 129 Kronstädter-Kreis 39 103 Udvarhelyer-Kreis 61 66 Maros-Vasarhelyer-Kreis 1 47 Bistritzer-Kreis 39 86 Decser-Kreis 9 79 Szilagy-Somlyoer-Kreis – 74 Klausenburger-Kreis – 86 Karlsburger-Kreis 1 58 Brooser-Kreis 31 224 190 952 Auch im Banat sind die Bären- und Wolfsjagden bemerkenswerth. Von einem k. k. Förster Laßariovich in Ohaba bistra wird erwähnt, daß er 15 Bären erlegt habe. In der Gegend von Mehadia und Caransebes werden jährlich mehrere geschossen. In Norwegen sind die Bären keine Seltenheit und hat schon Olaus Magnus, Bischof von Upsala, im 16. Jahrhundert wunderliche Dinge von ihnen und ihrer Jagd erzählt, an die wohl kaum ein Bär und ebensowenig ein Jäger jemals gedacht hat. In Schweden wurden im Jahr 1835 allein im Bereich der Staatsjagden 144 Bären erlegt, und im Jahre 1838 betrug die Zahl 98. In Rußland sind sie bekanntlich auch zu Hause, und mit Grausen liest man, wie um die Mitte des 16. Jahrhunderts Johann IV. Wasiliewitsch sich ihrer zu tyrannischem Zeitvertreib bedient hat. Wenn er nämlich in der Nähe seines Palastes einen Haufen des immer friedlichen stillen Volkes erblickte, so ließ er sowohl im Zorn als zum Vergnügen zwei oder drei Bären auf die Leute hetzen und lachte laut über die Flucht und über das Geheul der Erschreckten, Verfolgten und Verwundeten. Die Letzteren beschenkte er dann. Gegenwärtig dienen viele der russischen Bären zu einer Jagdspekulation der Bauern, welche sie auskundschaften und dann den reichen Waidmännern Petersburgs um hohe Preise zur Jagd anbieten. Eine solche Jagd wird in der Art ausgeführt, daß der Bogen, worin der Bär sich befindet, ganz mit Treibern und Wehrleuten umstellt wird, bis auf eine enge Strecke, welche von den Schützen besetzt ist. Die Treiber erheben dann ein andauerndes furchtbares Geschrei und werden viele Blindschüsse gethan, während einige Hunde den Bären auftreiben. Sehr oft jagt man bei so tiefem Schnee, daß der Bär nicht flüchtig kommen kann und nicht schwer zu schießen ist. Den Schützen stehen ein oder zwei mit Beilen bewaffnete Leute zur Seite, auf die man sich aber im Nothfall nicht immer verlassen kann, denn mancher Schütze hat sich, wenn er dem Bären einen Schuß gegeben, vergeblich nach ihnen umgesehen. Zahlreich kommen Bären in Finnland vor, und es giebt dort eigene Jäger, welche fast nur die Bärenjagd treiben. Unter diesen sind mehrere bekannt, welche 40 Bären erlegt haben, und lebt noch einer, der die Zahl seiner Bären sogar auf 72 gebracht hat. Bei den Jagden wird der Bär eingekreist und mit Rauch aus seinem Lager gejagt. Stürzt er nicht unter den Schüssen, so geben ihm die kühnen Jäger den Fang mit einem langen Messer. Am leichtesten wäre nach den Berichten der Reisenden ein Bär in dem freilich ziemlich abgelegenen Kamtschatka zu birschen, denn sie sollen dort heerdenweise herumlaufen und gar vertraulich seyn, wie nachstehende Stelle aus Bingley's Thierseelenkunde deutlich darthut: »Wird ein Kamtschadale einen Bären ansichtig, so bewirbt er sich in der Ferne um seine Gunst und Freundschaft, redet ihn freundlich an und macht vielerlei Geberden. Sie sind so zuthunlich und artig, daß die Weiber und Mädchen, wenn sie Wurzeln und Kräuter oder Torf zur Feuerung mitten unter einer ganzen Heerde Bären suchen, in ihrer Beschäftigung nie von ihnen gestört werden: kommt ja Eines von diesen Thieren zu ihnen heran, so geschieht es bloß in der Absicht, um ihnen aus den Händen zu fressen. Man kann sich keines Beispiels erinnern, daß ein Bär einen Menschen angegriffen hat, außer wenn er plötzlich aus dem Schlafe aufgestört wurde.« Dort wird auch berichtet, daß sich die Jäger den linken Arm mit Holz schindeln und diesen dem annehmenden Bären hinhalten, während sie ihm mit einer Lanze den Fang geben. Aehnliches erzählen noch die Bauern in Engadin, wo ein berühmter Jäger viele Bären mit dem Beil erschlagen, indem er ihnen die linke mit einem eisernen Handschuh gesicherte Faust in den Rachen stieß. Auch die Schweden gebrauchen ein mit Stacheln versehenes Armfutteral von starkem Eisenblech. Wenn der Bär den Jäger annimmt, stößt ihm dieser die Schutzwehr in den Rachen, und während er zubeißt, zieht der Jäger den Arm heraus, da er dann, bis jener das Eisenfutteral los wird, Gelegenheit hat, ihm den Fang zu geben. Die Romanen im Banat umwickeln den linken Arm dick mit Tuchlappen und schlitzen dem angreifenden Bären mit einem Messer den Bauch auf. Der schwächste Theil des Bären ist der Kopf, und Plinius erwähnt, daß sie bei den Kampfspielen öfters durch einen einzigen Faustschlag auf den Kopf getödtet worden seyen. In dem National-Epos der alten Finnen, Kalewala, Deutsch von Anton Schiefner. Helsingfors 1852. wird des Bären vielfach erwähnt und erzählt, daß er vom Himmel gekommen und auf den Schultern des »großen Bären« dort entstanden sey in der »Lüftetöchter Nähe, an der Schöpfungstöchter Seite.« Wie bei den Deutschen das zur Weide getriebene Vieh gegen den Wolf gesegnet wurde, so geschah bei den Finnen, daß der Bär mit Flehen und Drohen angesprochen wurde, die Heerde zu schonen und er wird des alten Schwurs erinnert, den er dem Schöpfer geleistet haben soll, als er Zähne und Krallen empfing, daß er nicht Böses verüben und schlechte That vollbringen wolle. »Höre, Otso, du, mein Theurer, Schöner mit den Honigtatzen! Nicht verbiet' ich dir zu schweifen Und der Heerde dich zu nahen, Nur der Zunge zu berühren, Mit dem garst'gen Mund zu greifen, Mit den Zähnen zu zerreißen, Mit den Tatzen sie zu packen. Gehe krumm du um die Weide, Schräg du um die mil'gen Fluren, Schief du um der Glocke Töne, Seitwärts von des Hirten Stimme! Ist die Heerde auf den Fluren Mußt zum Sumpf du dich verfügen, Ranschet durch den Sumpf die Heerde, Mußt du nach dem Dickicht fliehen \&c. – Denke an die alten Schwüre An dem Strome von Tuoni, An dem jähen Wasserfalle, Vor den Knie'n des höchsten Schöpfers: Wurde dir daselbst gestattet Dreimal in dem Lauf des Sommers Dem Getön der Glock' zu nahen, Zu dem Land, wo Glöckchen tönen, Aber nicht ward dir gestattet, Nicht gegeben die Erlaubniß, Böse Handlung zu beginnen, Dich der Schandthat hinzugeben. – Sollte der Bär dennoch sein Gelüste zu reißen nicht überwinden können, so heißt es »Wirf die Bosheit in den Laubwald, Dein Gelüste an die Tannen! Haue du in faule Bäume, In der Birken morsche Stämme, Wende dich an Wasserreiser; Stoße dich auf Beerenhügel!« »Hast Verlangen du nach Nahrung Und verlangt dein Sinn nach Speise, Friß du Schwämme in dem Walde, Mach' dich an den Ameis'haufen, Raffe rother Stengel Wurzeln, Honigbissen von Metsola, Nicht das Gras zu meinem Futter, Nicht das Heu für meine Theuern!« Wenn aber der Bär kriegerisch leben und kämpfen wolle, so wird er eingeladen, im Winter zu kommen, wo Mann und Weib mit ihm anzubinden bereit seyen, helfe aber keine Vorstellung und kein Flehen bei ihm, so möge Verzauberung die Heerde ihm entziehen. »Ukko, du, o Gott im Himmel! Hörst du, daß es wirklich Ernst wird, Dann verwandle meine Kühe Und bezaubre meine Heerde, Meine Lieben mach' zu Steinen, Meine Theuern du zu Stämmen, Wandert durch das Land der Unhold, Wandert dort einher der Klumpen.« In einem andern Gesange wird der Bär von dem Jäger, der ihn fällen will, in einer Weise angesprochen, wie mancher auch in unsern Tagen wohl thun würde, wenn davon einiger Erfolg zu hoffen wäre. Der bärenjagende »Wäinämöinen« sagt nämlich: »Otso, du des Waldes Apfel, Runder mit den Honigtatzen! Hörest du, daß ich erscheine, Daß zu dir der Brave schreitet, Birg die Krallen in den Haaren, Deine Zähne in dem Zahnfleisch, Daß sie mich durchaus nicht treffen, Ganz und gar sich nicht bewegen!« Das Wildpret des Bären schmeckt ziemlich wie Rindfleisch, die Tatzen wurden sonst als kostbare Leckerbissen angesehen, und wie der Schweinskopf prangte bei festlichen Tafeln der Fürsten oft ein geschmückter Bärenkopf. Bei dem Beilager des Markgrafen Sigismund von Brandenburg (1594 zu Königsberg) sind auch 2 Bären verzeichnet (und sonst seltenes Wildpret: 6 Auerochsen, 29 Stück Elennwild, 5 Schwäne). Die sogenannten Kampfjagen , bei welchen der Bär immer eine Hauptrolle spielte, findet man vom Ende des 16. Jahrhunderts bis zu Ende des vorigen an mehreren Höfen. Sie waren eine Nachahmung der alten römischen Thierkämpfe, wie sie im Cirkus gehalten wurden. Bei diesen kämpften entweder die Thiere miteinander, Tiger gegen Löwen, Elephanten und Stiere, Rhinoceros und Auerochs, oder es traten Fechter gegen sie auf, wie Martial einen solchen Namens Karpophorus mit Auszeichnung hervorhebt. Derselbe fällte einmal mit dem Spieße Auch ein kurzes Schwert, nach Art unserer Hirschfänger, gebrauchten die Römer, und ließen, wie man später that, Sauen drauf anlaufen. Die spanischen Stiergefechte erinnern noch an diese »Circenses.« Pius V. († 1572) hatte sie untersagt, Gregor XIII. († 1585) aber wieder freigegeben. nacheinander einen furchtbaren Bären, einen Löwen von noch nie gesehener Größe und einen Panther, ebenso bestand er im Kampf mit dem Büffel und Auerochs. In ähnlicher Weise wurde es bei den sogenannten Kampfjagen gehalten, nur mit dem Unterschied, daß die Thiere, welche man abfangen wollte, selten frei dem Angreifenden gegenüberstunden wie damals, sondern meistens von schweren Hunden gehalten waren. Außer den Bären wurden zum Kampfe auch Löwen, Tiger \&c. wie zu den Römer-Zeiten gebraucht und kosteten große Summen. 1595 wurde ein solches Kampfjagen im Schloßhof zu Dresden gehalten und figurirten dabei 2 Löwen, 2 Tiger, 1 Panther, 4 Bären, 2 Wölfe, 4 Hirsche, 6 hauende Schweine. – Während des Kampfes bliesen drei Hörner-Chöre. – 1630 am 9. März wurden ebenda 3 Bären gehetzt, darunter einer über 8 Centner schwer war. Am 15. März wurden wieder 4 Bären gehetzt und am 16. war ein Bärenkampf mit hauenden Schweinen, wo von letzteren 5 auf dem Platz blieben. 1666 wurden zu Wien 4 große Bären gehetzt, und der größte vom Kaiser Leopold I. mit dem Eisen abgefangen. 1690 bei einem Kampfjagen zu Augsburg soll der Churfürst von Sachsen und König von Polen August (der Starke) in den Kampfplatz getreten seyn, und einem Bären mit zwei Hieben den Kopf abgehauen haben. Die Stärke, welche dieser Fürst besaß, ist bekannt, aber auch dessen Sohn, der nachmalige August III. und der Marschall Graf Moritz von Sachsen bewährten ihre Kraft bei einer Jagd, die ihnen der König von Preußen, bei dem sie auf Besuch waren, unweit Charlottenburg gab. Sie hieben zum Staunen der Zuschauer mehreren Sauen die Köpfe auf einen Hieb herunter. C. O. v. Heineken. Erinnerungen aus dem Gebiete der Jagd. 1693 war ein Kampfjagen zu Berlin, wobei Auerochsen, Löwen, Tiger, Bären, Pferde \&c. vorkamen; man prägte eine Münze zum Andenken, auf welcher der Hetzgarten und Jagdpalast abgebildet war, dabei die Inschrift: Hilaritati publicae. 1719 wurde ein solches Spektakel zur Hochzeitfeier des Kron- und Churprinzen von Polen und Sachsen, Friedrich August mit der österreichischen Prinzessin Maria Josepha am 6. September im Jagdhause gegeben, wo am Schlusse die Prinzessin 3 Schweine erlegte, andere der König und der Prinz einen Bären schoß. Bei einem solchen Jagen am 8. Februar 1721, welches im Löwenhaus gehalten wurde, kamen vor 1 Löwe, 1 Tiger, 3 Bären, 4 hauende Schweine, 1 Keiler, 1 Bache, 1 Auer- und ein Büffelochs. Theils geschossen wurden und theils blieben im Kampfe 1 Bär und die Schweine. Der Bär wog 475 Pfund. 1739 war wieder ein Kampfjagen im Jägerhof zu Dresden; es blieben 2 Bären (wovon der größere 7 Centner wog), 1 Auerochs und 1 Stier auf dem Platze. 1740 war daselbst ein ähnliches großes Kampfjagen, und geht aus der Beschreibung hervor, daß viele Thiere zugleich sich bekämpften, denn es heißt: »der Löwe und einer von den Bären ergriffen alsbald zwei wilde Schweine, und nachdem sie dieselben getödtet, fraßen sie, ein Jeder das Seinige halb auf. Der Auerochse Der König von Polen August II. und sein Sohn August III. ließen öfters Auerochsen aus Polen kommen, und August III. hielt 1744 eine Jagd zu Bialistock auf dieses Wild, wobei 30 Auerochsen, 4 Elennthiere und 2 Rehböcke erlegt wurden. Bei einer ähnlichen Jagd 1752 wurden 42 Auerochsen und 15 Elennthiere erlegt. gab der Mauleselin mit den Hörnern einen Stoß, womit er ihr den Leib aufschlitzte, einer von den Bären attakirte den Wolf, er warf ihn einigemal in die Luft, worauf dieser davonlief und zu den Schweinen seine Zuflucht nahm \&c. Wenn Bären mit Hunden gehetzt wurden, stellte man oft zur größeren Unterhaltung ein schweres großes Schaff mit Wasser in den Kampfplatz. In dieses stieg dann der verfolgte Bär und theilte drinn sitzend seine furchtbaren Ohrfeigen aus. »Es pflegt die Herrschaft auch, sagt Flemming, den Bären mit Schwärmern und Sternbolzen zu vexiren, und mit einem kleinen roth ausgestopften Männgen zornig zu machen, massen die Bären solcher Farbe gram sind.« Diese Vexation war den klassischen Römern abgelernt, welche bei ihren Cirkus-Spielen die Stiere auch mit Strohmännern, die mit rothem Tuch überzogen waren, wüthend machten. Keyßler erwähnt, daß man zu seiner Zeit (um 1730) im Hetzgarten am Palazzo Pitti in Florenz ein eigenes Mittel gebrauchte, um nach dem Hetzen die nicht gebliebenen Thiere wieder in ihre Behälter zu treiben, nämlich eine hohle Maschine, die einen Drachen vorstellte, und in der einige Personen mit brennenden Fackeln verborgen waren. Das Feuer, das durch den Rachen und die Augenhöhlen des Drachen hervorleuchtete, setzte die wildesten Thiere in solche Furcht, daß sie zurückwichen und sich in ihre Logen treiben ließen. Noch im Jahre 1796 wurden solche Thierkämpfe zu Regensburg in einem eigens dazu erbauten Hatzamphitheater gehalten, welches zwei Jahre lang bestand. Ein Bierbräuer J. Dausinger war der Unternehmer. Wildungen theilt einen sehr erbaulichen Anschlagzettel dieses Theaters mit, welcher ein deutliches Bild der Unterhaltung gewährt. Es heißt unter andern: »Viertens. Geht es unserm Wolf heute wiederum nicht besser, wie sonst, mit ziemlich starken doppelten Traktamenten soll er heute bewirthet (sage: teuflisch umgekehrt) werden. Fünftens. Kömmt der mächtige, große, unwillkührlich kämpfende Lithauer-Bär. So wie der Mann, so brät man ihm die Wurst. Obschon die Feinde ganz schwach sind, so sind ihrer desto mehr, wenn sie ihn nur soweit bringen, daß er zeigt, ob er Laune zum Raufen hat, oder nicht, auf jeden Fall kommen die gestreimten Solofangen, mit ihm so lang zu kämpfen und zu würgen, bis entscheidende Proben zeigen, daß alle Gegenwehr auf Seite des Bären vergebens. Siebentens. Kömmt der Siebenbürger-Bär, was will er? kämpfen will der Bär: das soll und muß er; wirklich eilen schon Hunde her, und ehe er sich versehen hat, der Bär, ah weh! so lag schon er, und um ihn her stehen seine Peiniger, und kehren ihn hin und her, so daß er, der Bär, selbst muß glauben, er wär' nicht mehr der kohlteufelschwarze Siebenbürger-Bär. Achtens. So übel es unserm edlen prächtigen Hirschen das erstemal ergangen, so, und noch weit übler, geht es ihm heute; das erstemal verlor er das Blümel, und heute stehen seine Lueser den Solohunden Preiß. Frisch Zigeuner! sonst kannst auf des Hirschen Enden paradiren!« – Preise der Plätze 24 kr. bis 6 kr. »Alles unter dem Schall von Trompeten und Pauken.« Diese Beschreibung übertrifft fast noch die Rohheit des Spektakels selbst, welches übrigens bei den fürstlichen Kampfjagen ziemlich dasselbe war. Welcher Geschmack der Zeit, solche Schauspiele zu wählen, um die Hochzeit einer Prinzessin oder Königin oder sonst eine festliche Gelegenheit zu verherrlichen! In Wien bestand ebenfalls ein Hetzhaus bis zu Ende des vorigen Jahrhunderts, wo es mit den Thieren ein Brand vernichtete. Nur ein Dachs soll sich durch Graben gerettet haben. Ich habe noch 1821 derlei Vorstellungen in Paris gesehen. Es war damals an der Barrière du Combat ein Hatzhaus, wo sich unter andern auch regelmäßig ein Bär produciren mußte. Man ging durch einen langen Hofraum in den Cirkus, und dieser Weg zeigte gleichsam schon ein Vorspiel dessen, was kommen sollte, denn links und rechts als Spalier lagen an Ketten die furchtbarsten Hunde und Bullenbeißer, die ich je gesehen. Die Kampflust des Bären war wegen des fortwährenden Raufens nicht besonders groß, und man mußte ihn jedesmal an einer langen eisernen Kette aus seinem Behälter auf den Kampfplatz ziehen, in dessen Mitte ein Balken stand, an den er angehängt wurde. Die Kette war lang genug, daß er sich frei bewegen konnte. Etwa zehn bis zwölf zum Theil starke Hunde wurden auf ihn gehetzt. Anfangs schlug er sie sitzend mit den Branten nach links und rechts nieder, bis sie ihn mit gesteigerter Wuth anfielen, dann ergriff er aber mehrere schnell nacheinander und schob sie unter sich, indem er sich drüber hinwarf, daß sie bei jämmerlichem Schreien zusammengedrückt wurden, während er laut brüllend andere zerfleischt zur Seite schleuderte, wo dann das Haus vom Zuruf und Jubel der Zuschauer wiederhallte. Das Spektakel nahm erst ein Ende, als mehrere Hunde erdrückt und todtgeschlagen waren. Es fehlte unter den Zuschauern nicht an Weibern und Kindern. Zur Verherrlichung großer Aufzüge mußte der Bär auch wesentlich beitragen. Da man sich jetzt kaum eine Vorstellung von dergleichen machen kann, so folge zum Schluß der große Jäger-Aufzug, welcher im Jahre 1662 zu Dresden stattfand, als Christian Ernest, Markgraf zu Brandenburg, mit Erdmut Sophia churfürstl. Prinzessin Beilager hielt. Den Zug führte der damalige Churprinz Johann Georg III. auf, und er giebt ein Bild sowohl des damaligen Geschmacks als auch wie die Thiergärten wohl bestellt waren. A. Fr. Glasey. Kern der Geschichte des hohen Chur- und Fürstlichen Hauses zu Sachsen. Ich behielt die Schreibweise des Originals bei. Drei Jäger mit einem Leit-Hunde. Der Ober-Hof-Jägermeister Ziegeser. Dreyßig Pattini, als sieben Ober Förster, drey Forst- und ein Pürsch- fünff Wild Meister, ein Hof- und zwei Land-Jäger, eilf Ober-Förster, je drey und drey in einem Gliede. Zwei Riesen in wilder Männer Gestalt. Vier Satyri mit Schalmeyen auf einem Berge, gleich einem Walde, mit Thieren und Vögeln gezieret, sitzende. Drey Nymphen. Drey Nymphen anstatt der Laquayen. Seine Chur-Printzliche Durchl. in der Dianen Gestalt auf einem weißen Hirsch reitende. Zwei Nymphen, welche vor Leib-Knechte neben dem Chur-Printzen giengen. Drey Nymphen anstatt der Laquayen. Dreißig Aventurirer mit Jäger-Habit bekleidet, Schwein-Eisen und Pürsch-Büchsen führende. Drei Personen, als ein Löwen-Wärter in grüner Liberey und zwey Sack-Pfeifer wie wilde Männer gekleidet, auf einem runden Invention -Wagen, darauf zugleich fünf junge Bären vom Gutscher geführt wurden. Fünf, als ein Löwen-Wärter, drei Ober-Förster mit Bären-Eisen, der Gutscher aber führete einen doppelten eisernen Kasten mit zwey Tieger-Thieren. Fünf, als vier Ober-Förster mit Bären-Eisen, und ein Gutscher führete einen eisernen Kasten mit einem Löwen. Fünf, als vier Ober-Förster mit Bären-Eisen, und ein Gutscher führte einen doppelt eisernen Kasten mit einem Löwen oder Löwin. Fünf, als vier Ober-Förster mit Bären-Eisen, und ein Gutscher führte einen einfachen eisernen Kasten mit einem weissen Bären. Sechs Jäger-Jungen, welche Engeländisch Hunde führeten. Fünf, als vier Ober-Förster mit Bären-Eisen, und ein Gutscher, der einen einfachen eisernen Kasten mit dem größten Brandenburgischen Bären führte. Sechs, als drey Jäger-Jungen und drey Fuß-Knechte mit Engeländischen Hunden. Fünf, als vier Ober-Förster mit Bären-Eisen, und ein Gutscher, einen einfachen Kasten mit Hertzog Moritzens Bären führend. Sechs Jagd-Zeug-Knechte mit Engeländischen Hunden. Fünf, als vier Ober-Förster mit Bären-Eisen, und ein Gutscher führte einen eisernen Kasten mit Werners Bären. Sechs Jagd-Zeug-Knechte, führend Englische Hunde. Drei, als zwey Ober-Förster mit Sau-Eisen, und ein Gutscher mit doppelten Kasten, darinnen zwey hauende Schweine. Vier Lappländer mit Racken-Hunden. Drey, als zwey Oberförster mit Sau-Eisen, und ein Gutscher, der einen doppelten Kasten mit zwei Schweinen führte. Zwei Lappländer führen Sau-Rüden. Drei, als zwey Ober-Förster mit Pürsch-Büchsen, und ein Gutscher, der einen vierfachen Kasten mit 4 Luchsen führte. Zwey Vogelsteller führten Pürsch-Hunde. Drey, als zwey Ober-Förster mit Pürsch-Büchsen, und ein Gutscher, einen vierfachen Kasten mit vier Luchsen führende. Zwey Vogelsteller mit Pürsch-Hunden. Drey, als zwey Ober-Förster mit Pürsch-Büchsen, und ein Gutscher, einen Doppelkasten mit zwey Wölfen führende. Zwey Loschwitzer führen Pürsch-Hunde. Drei, als zwey Hege-Reuter mit Keulen, und ein Gutscher, so einen doppelten Kasten mit zwey Wölfen führte. Zwey Loschwitzer mit Pürsch-Hunden. Drei, als zwei Förster mit Pürsch-Büchsen, und ein Gutscher, so einen Kasten mit zehen Hasen und Caninichen führte, und dann noch einer mit zehen Hasen und Caninichen. Drey, als zwey Falkenirer mit Gabeln, und ein Gutscher, einen Kasten mit Dachsen führend. Zwey Loschwitzer mit Dachs-Hündigen. Drey, als ein Fisch-Otter-Fänger, ein Schütze mit Gabeln, und ein Gutscher, der einen Doppel-Kasten mit Fisch-Ottern und wilden Katzen führte. Zwey Loschwitzer mit Fisch-Otter-Hunden. Ein Jagd-Meister mit Sau-Eisen und Pürsch-Büchsen. Vier, als der Wirth, der Wagner, der Schmied und der Seiler, tragen einen Kasten mit Mardern und Elthieren (Iltisse). Sechs, als zwei Schirm-Knechte, zwey Zeug- ein Zelt-Schneider, und ein Geschirr-Knecht, trugen einen Kasten mit Eichhörnern und Hamstern . Vier Jäger-Jungen mit grossen Rüden-Hörnern, zwei Jagd-Hunde an Leinen führende. 1. Der erste Pürsch-Wagen mit zwei aufgeladenen Hirschen . Der andere Pürsch-Wagen mit zwey Thann-Hirschen . Der dritte Pürsch-Wagen mit zwey hauenden Schweinen . Der vierte Pürsch-Wagen mit einem Bär und einem Wolfe . 1. Der erste Pürsch-Karren, auf welchem ein Knecht bey den Leit-Hunden mit einem Leit-Hunde sitzet. Ein Fasan-Wärter. 2. Der andere Pirsch-Karren, darauf ein Jäger-Junge mit einem Leit-Hunde. Zwey Jagd-Zeug-Knechte. Der dritte Pürsch-Karren, mit einem Jäger-Hunde und einem Leithunde. Zwey Jagd-Zeug-Knechte. Der vierte Pürsch-Karren mit einem daraufsitzenden Jäger-Jungen und einem Leit-Hunde. Zwey Jagd-Zeug-Knechte. Der Wende-Wagen mit Hasen und Füchsen behangen, darinn etliche Hunde. Ein Loschwitzer mit zwey Hasen-Netzen. Ein Zimmermann mit einer Bind-Axt. Snmma der Personen 265, der Pferde 139. Ein ähnlicher Aufzug wurde 1678 zu Dresden gehalten und dabei 8 Bären mitgeführt. Der Wolf.         Ho ho ho, mein lieber Waidmann rund: Wie unterscheidest du den Wolf vor dem Hund? Ho ho ho, mein lieber Waidmann: Des Wolfs Fährt ist vorn gezwungen, länglich und schmal, Des Hundes aber breiter, die Klauen auseinander überall; So schnürt der Wolf gerade und fein, Bei'm Hunde aber wird's selten seyn. Ein Engländer gibt vom Wolf ( Canis lupus ) folgendes Charakterbild: Behlens Forst- und Jagdzeitung. 1834. »Derb, dürr und boshaft, ganz Nerv, Knochen und Muskel, hat er keine Unze überflüssiges Fleisch an seinem Körper, seine ganze Gestalt ist der Inbegriff der Niederträchtigkeit; Wildheit zieht seine Lippe in Falten und droht von seiner Klaue, Bosheit lauert in seinem ruhelosen Auge und Argwohn in seinem gespitzten Ohre.« Und solche Bestien haben in den vergangenen Jahrhunderten schaarenweise in Deutschland gehaust, vorzüglich aber zur Zeit des dreißigjährigen Krieges, als wäre an dessen Morden und Sengen und Brennen des Schreckens und Elends noch nicht genug gewesen. In Bayern trieben sie wie anderwärts ihr Unwesen und eine Menge von Verordnungen jener Zeit betreffen ihre Vertilgung. Ueberall wurden Jagden auf sie angestellt und große Aufgebote gemacht, denen sich niemand entziehen durfte. Besonders in der Oberpfalz, Ober- und Mittelfranken war es arg mit diesen Räubern. Man darf nur die Angaben im ehemaligen oberpfälzischen Forstamt Roetz, welche Jäckel mittheilt, Correspondenzblatt des zoolog. mineral. Vereins in Regensburg. 1855. überblicken, um eine Vorstellung zu erhalten, wie es auch in der Nachbarschaft ausgesehen habe. 1643 wurden 16 alte Wölfe von Taxsöldern, Tannstein, Reichenbach, Waldmünchen, Pullenried \&c. geliefert. 1644 wurden 10 Wölfe geliefert, von Waldmünchen, Murach, Stammsried \&c. 1645 wurden 19 Wölfe geliefert, 15 alte und 4 junge von Penting, Wetterfeld, Neubäu \&c. Von 1646–51 in 6 Jahren wurden 55 Wölfe geschossen und gefangen, und als wäre ihre Zahl mit der Verfolgung nur gewachsen, kommen auf die 9 Jahre von 1660–1668 nicht weniger als 160 Wölfe. In diesem einzigen Forstdistrikt sind in 97 Jahren von 1631–1728 gegen 890 Wölfe erlegt worden. Nicht viel besser war es in Franken. Der Markgraf Albrecht V. (1639–67) that was möglich war zur Vertilgung dieser Würger, die öfters rudelweis in die Ortschaften eindrangen, bei Tag wie bei Nacht, und Menschen und Vieh zerrißen und fortschleppten. Es wurden Wolfsgruben Diese Gruben waren 10–12 Fuß tief und weit, mit Stangen und Aesten \&c. bedeckt und in der Mitte ein Lamm oder dergleichen auf einer Stange auf ein kleines Rad gebunden; manche Gruben hatten einen beweglichen um eine Achse sich drehenden Deckel und waren mit einem geflochtenen Zaun umgeben, der nur einen Eingang hatte. Jenseits desselben war eine Gans oder anderer Köder und mußte der Wolf, um dahin zu gelangen, über den Deckel, der sich dann drehte, so daß der Wolf in die Grube fiel. angelegt, Fallen gerichtet und Luderplätze, für welche man eine Menge alter Pferde kaufen und stechen ließ. Die Jäger hatten Tag und Nacht Arbeit und waren streng in Dienst gehalten. Das Jägerrecht war um 1650 für einen Wolf anderthalb Thaler und der Balg, dagegen wurde denen, welche in der vorgeschriebenen Zeit nicht die bestimmte Zahl von Wölfen lieferten, für ein fehlendes Stück 1½ Thaler an der Besoldung abgezogen. Unter dem zahlreich vorhandenen Wild machten die Wölfe natürlich auch großen Schaden und wurde um 1660 das Fanggeld für einen alten Wolf in der herrschaftlichen Wildfuhr auf 18 fl., außer derselben auf 9 fl. festgesetzt. Unter dem Markgrafen Johann Friedrich war 1679 das Schußgeld nur 1 fl. 12 kr. und für den Balg, der eingeliefert werden mußte, 36 kr. Entschädigung. Man kann sich denken, daß es viele Wölfe gegeben habe, denn jeder Wildmeister und Streifer mußte jährlich 2 Stück liefern. Aber auch früher war manchmal große Noth mit den Wölfen. So haben sie in dem harten Winter 1271 gräulich in Franken gehaust und in wenig Tagen um Würzburg bei 30 Menschen zerrissen. Große Jagden wurden unter Markgraf Georg Friedrich (1557–1603) gehalten, zu Berneck, Bayreuth, Kulmbach, Bischoffsgrün \&c. und 1592 wurden sie vom 5. Februar bis zum 11. April fortgesetzt, 1602 von Martini bis 18. März 1603, also vier Monate hindurch. In anderen Kreisen von Bayern gab es ebenfalls zahlreiche Wölfe. Im Gjaidregister des Herzogs Wilhelm IV. von 1545 werden von Miterfels, Geisenfeld, Landshut, Ortenberg, München, Landsberg \&c. 38 gelieferte Wölfe angeführt. 1618 wurden von München Jäger mit Zeug zu großen Wolfsjagden nach Donaustauf geschickt, ebenso nach Trostberg. Aehnliche Jagden wurden zu Hechenkirchen und Forstenried gehalten. Es liegen von 1643–73 mehrere kurfürstliche Befehle vor, daß die Freiherrl. Ruep. Herrschaft Falkenstein (bei Brannenburg) Jäger und Schützen, Leut' und Fuhren, zu den Wolfsjagden nach Hechenkirchen schicken soll. Es wurde remonstrirt, daß man im eigenen Besitz auf die Wölfe genug zu jagen habe. »Wir, im Gebirg, heißt es, haben nicht nur auf Wölfe, sondern auch auf Bären und Luchse zu jagen und haben keine Hülfe vom Flachland herein \&c.« Daß sie auch in andern Gegenden des oberbayrischen Gebirges, um Hohenschwangau, Werdenfels, Tegernsee \&c. vorkamen, geht aus mehreren Angaben hervor, und noch jetzt trifft man dort vielfach die sogenannten Wolfsgruben. Um 1665 wurden von Zeit zu Zeit Wolfsjagden angestellt und wenn das Vieh auf die Almen getrieben wurde, ein eigenes Gebet der Wolfssegen Ein Wolfssegen aus einer Handschrift des l5. Jahrhunderts lautet: »ich treip heut aus in unser lieben frauen haus, in Abrahams garten, der lieber herr sant Martein, der sol heut meines (Viehes) pflegen und warten, und der lieber herr sant Wolfgang, der lieber herr sant Peter, der hat den himelischen slußel, die versperrent dem wolf und der vohin irn drussel, daß sie weder plut lassen noch bein schroten. Des helf mir der man, der chain ubel nie hat getan (d. i. Christus) und die heiligen V wunden behüten mein vieh vor allen holzhunden.« Grimm deutsche Mythologie S. 1189. Vohin ist hier die Wölfin, in Bayern wie beim Fuchs Fehin genannt. drüber gesprochen (Sepp). In Tegernsee und vielleicht auch in Berchtesgaden scheinen aber die Wölfe doch nicht gar zu häufig gewesen zu seyn; in den Rechnungen von Tegernsee ist wenigstens von 1568–80 kein Wolf genannt, die vom 17. Jahrhundert fehlen freilich, aber auch in dem Verzeichniß des Jägerrechtes von 1606 kommt der Wolf nicht vor, dagegen in dem von 1752, wo es zu 2 fl. angesetzt ist. Das Gedicht von St. Bartholomä erwähnt auch keines Wolfs. 1667 sind nach München eingeliefert worden 86 Wölfe und 6 Luchse. (Hiefür war das Schußgeld 554 fl.) Diese gräuliche Plage dauerte bis gegen das Ende des 17. Jahrhunderts, wo unter andern noch die Zahl der Wölfe im Würzburgischen zu 80 Stück angeschlagen wurde. In Sachsen fehlte es um jene Zeiten auch nicht an Wölfen. Vom Churfürst Johann Georg I. ist angegeben, daß er von 1611 bis 1655 (in 44 Jahren) 815 Wölfe erlegt habe und von Georg II. sind von 1656–1680 (mit seiner Begleitung) an erlegten Wölfen 2195 Stück verzeichnet (der stärkste zu 130 Pfd.) Um die damaligen Zustände ganz würdigen zu können, muß man in Erwägung bringen, daß die Wölfe sehr unstett sind und weit wechseln; wenn man daher glaubte eine Gegend gereiniget zu haben, so waren plötzlich wieder Schaaren von Wölfen da, als wüchsen sie aus dem Boden. Eine Wölfin setzt oder wölft 3–9 Junge und trotz aller Verfolgung weiß man aus neuerer Zeit 1815, daß ein Wolf in der Gegend von Schliersee, Tegernsee \&c. sich neun Jahre herumgetrieben hat, bis er erlegt wurde. Er hat nach amtlichen Erhebungen in dieser Zeit gegen 1000 Schafe gerissen und viel Wildpret, so daß der Schaden auf 8–10,000 fl. veranschlagt wurde. Ein Wolf frißt ein ganzes Schaf auf eine Mahlzeit, auch zwei, wenn er hungrig ist, außerdem frißt er von einem Stück nur die Weichen, das Netz oder dergl. und macht wieder auf ein anderes Jagd. In Tegernsee riß einer ober der Roßsteinwand 4 Stück Wild, alt und jung in einer Nacht und fraß nur die Weichen. Bei Fischhausen am Schliersee riß ein Wolf Nachts zwischen 10 und 11 Uhr vier Schafe und des andern Morgens früh 6 Uhr ward er am Isarfall gesehen. Man sieht daraus, wie weit ein Wolf in einem Zuge wechselt, denn in gerader Linie ohne Berg beträgt die Entfernung 8 Stunden. Man wußte gewiß, daß nur ein Wolf damals in der Gegend war. Die Wolfsjagden haben daher die Jäger oft zur Verzweiflung gebracht und hat mancher geglaubt, es gehe nicht mit natürlichen Dingen zu. So berichtete 1677 der Oberforstmeister von Leubelfing zu Amberg, welcher auf einen Wolf, der um Schönsee einige Kinder angefallen und zum Theil zerrissen, vergebens mit seinen Förstern Jagd machte, daß dieses »khain Nathürlicher, sondern ein gezauberter Wolff« sey und erhielt, nachdem das Thier zu Treswitz wieder einen Hütbuben getödtet, von der Regierung neuen Befehl zum Streifen, mit der Aeußerung »dabei auch die Hüt- und andere Leuth, so uffm Feld zu schaffen haben, sich mit Geistlichen mitln versehen zu lassen.« Die abergläubische Furcht vor dem Wolf war von Alters her so groß, daß man sich scheute seinen Namen auszusprechen, woher das noch gangbare Sprüchwort: »Wenn man den Wolf nennt, so kommt er gerennt.« Man sagte »das Unthier« oder dergl. und bei den Schäfern in Hessen hieß er im 15. Jahrhundert »Wul, Höltzin, Hennicke, auch Graubein, Goldzahn \&c. S. Landau S. 214 und Wolfs deutsche Götterlehre S. 93. Nach der altdeutschen Sage konnte man sich auch durch Zauberei mittelst eines sog. Wolfshemds, Wolfsgürtels oder Wolfsrings in einen Wolf verwandeln; ein solcher hieß Werwolf Werwolf = Mannwolf, goth. ver = Mann. J. Hanush. Zeitschrift für Mythologie \&c. von Wolf und Mannhardt. Bd. IV. und dauerte der Zauber neun Tage, dann kehrte die menschliche Gestalt wieder zurück. Dieselbe Sage bestand schon bei den alten Griechen. Pausanias Beschreibung von Hellas. Bd. VI. 8. 2. und VI. 2. 3. berichtet als solche, daß ein Faustkämpfer, Namens Damarchos, bei dem Opfer des Zeus Likäos in die Gestalt eines Wolfes (λυκος) verwandelt und zehn Jahre nachher wieder ein Mensch geworden sey. Bei ähnlichem Opfer sey ein Sohn des Pelasgos, Lykäon (der ein Menschenkind geopfert habe) zum Wolf geworden, es aber nicht sein ganzes Leben hindurch geblieben. Wenn sich ein solcher des Menschenfleisches enthalte, werde er nach zehn Jahren wieder ein Mensch, außerdem bleibe er ein Wolf. Die Betheiligung gleichen Aberglaubens zeigt auch folgende Geschichte. Jäckel a. a. O. Schöppners Sagen. 1685 trieb ein Wolf in der Gegend von Ansbach sein Unwesen, verwundete mehrere Leute und zerriß und fraß in der Zeit eines Vierteljahres drei oder vier Kinder, so daß Alles in Angst und Schrecken gerieth. Im Volk verbreitete sich nun bald die Sage, dieser Wolf sey der kurz vorher gestorbene Bürgermeister von Ansbach, Michael Leicht, von dem es auch hieß, er habe von seinem Dachfenster aus seinem eigenen Leichenbegängniß zugeschaut; nun sey er in einen Wolf verwandelt worden und ziehe als ein solcher herum. Nach längerem Verfolgen wurde der Zauberwolf erschlagen und ist darüber folgende Relation ausgezeichnet: »Als dieser schädliche Wolf Samstags den 10. Oktober in den Weiler Neuses bei Windsbach sich begeben, um alldorten abermals seine grausamen Mordthaten auszuüben und an zwei Bauernknäblein sich zu rächen suchte, auf welche er hinter den Holzstößen lauerte, die Knäblein aber ihm, Wolfen, zu klug gewesen und sich in ihre Häuser retirirten; ist es von den Aeltern laut und in dem Weiler auflauernd geworden. Endlich aber, als Gott diesem wüthig und grimmigen Thier zu fernerem Unheil nicht länger mehr zusehen wollte, fügte sich's zum Glück an, recht wunderbar, durch die Dazwischenkunft eines Hahns, daß er denselben verfolgte und über einen alten mit Reisig bedeckten Brunnen vor ihm daherflatternd hinjagte, dabei aber selbst in den Brunnen hineinfiel, und von der eilend zusammenlaufenden Gemeinde mit Stangen, Prügeln und Steinen umgebracht wurde. Nachdem man nun das Luder also gefällt, nacher Ansbach der hochfürstlich gnädigsten Herrschaft zu schauen gebracht hatte, wurde derselbe an dem auf dem sogenannten Nürnberger Berge vor Onolzbach aufgerichteten Schnellgalgen in einer Kleidung von gewichster Leinwand, an Farbe fleischfarb röthlich, in einer kastanienbraunen Perücke und mit einem langen weißgraulichten Barte aufgehängt. Das Wolfsgesicht selbst aber an und für sich ist mit einem Schönbart oder gemalten Menschengesicht seiner etlichermassen bei Lebzeiten gemachten Physiognomie nach verdeckt und die Wolfsschnauze bis an die Augen abgehauen worden.« Hierüber wurden damals folgende Reime gemacht, welche auch über das verzauberte Individuum Aufschluß geben. »Ich Wolf, ein grimmig Thier und Fresser vieler Kinder, Die ich weit mehr geacht', als fette Schaf' und Rinder, Ein Hahn, der bracht' mich um, ein Bronnen war mein Tod; Nun häng' am Galgen ich, zu aller Leute Spott. Als Geist und Wolf zugleich thät ich die Menschen plagen, Wie recht geschiehet mir, daß jetzt die Leute sagen: Ha! du verfluchter Geist bist in den Wolf gefahren, Hängst nun am Galgen hier geziert mit Menschenhaaren. Dieß ist der rechte Lohn und wohlverdiente Gab', So du verdienet hast, der Galgen ist dein Grab. Hab' dieses Trankgeld dir, weil du fraßt Menschenkinder, Wie ein wuthgrimmig Thier und rechter Menschenschinder \&c. Es werden dem in den Wolf Gefahrenen weiter Geiz, Wucher, Eigennutz und Untreue in Amtssachen vorgeworfen. Die Ansbacher erhielten wegen dieser Exekution den Spottnamen »Wolfshenker.« Das Hängen der Wölfe an den Galgen kam öfters vor und schon 1333 ist bei Marburg ein »Woluisgalgin« erwähnt. (Landau.) Nur mit fortgesetzter Anstrengung konnte dieses Raubwild endlich so weit vertilgt werden, daß es seit den Zwanziger Jahren des vorigen Jahrhunderts nur vereinzelt von Zeit zu Zeit in unsern Wäldern erscheint. 1815 wurde das Schußgeld für einen Wolf auf 75 fl. erhöht. Im gegenwärtigen Jahrhundert wurden geschossen: in Oberbayern: 5 Wölfe, zu Oberammergau, Schliersee, Reit im Winkel je einer, zu Tegernsee 2, der letzte daselbst 1837; in Niederbayern: 2 Wölfe, einer zu Zwisel und einer 1846 zu Falkenstein im bayerischen Wald; in der Oberpfalz: 3 Wölfe, zu Vohenstrauß, Waldsaßen und 1852 bei Langenbruck; in Oberfranken: 3 Wölfe, einer bei Erlangen und 2 am Fichtelgebirg, der letzte 1811; in Mittelfranken keiner, in Unterfranken 2: einer zu Arnstein, ein dritter 1819 angeschossen. Den letzten dieser Wölfe erlegte ein Forstgehülfe, der seltsamerweise den Namen Lamm führte; in Schwaben und Neuburg einer zwischen Offingen und Landstrost 1821; in der Rheinpfalz: 4 Wölfe, 1846 im Zweibrück'schen und 3 im Jahre 1848. Außer diesen sind mehrere Wölfe in Bayern vorgekommen, die nicht zu Schuß gebracht werden konnten oder zu Verlust angeschossen wurden. Nach der Pfalz kommen sie zuweilen von Frankreich herüber, wo deren 1797 so viele waren, daß hohe Prämien auf ihre Vertilgung gesetzt wurden. Es sollen dort damals an 7000 Wölfe erlegt worden seyn. Auch im gegenwärtigen Jahrhundert haben sie sich in Frankreich um das Jahr 1816 so vermehrt, daß von Beginn dieses Jahres bis zum 1. Juli 1817 nach amtlichen Berichten nicht weniger als 2416 Wölfe erlegt wurden, besonders im Ardennen-Departement, im Aude-Departement, Landes \&c. In Tyrol und Vorarlberg sind von 1833–1835 inclus. 18 Wölfe erlegt worden. Ein Hegen der Wölfe, um sie zu jagen, hat begreiflicher Weise nirgends stattgefunden, sie waren so zu sagen immer vogelfrei erklärt, wie es schon der Sachsenspiegel 1215 bestimmt. Dagegen suchte man sie oft lebendig zu fangen und hatte dazu die sogenannten Wolfsgärten, von Pallisaden umschlossen, wo man sie mit Luder hineinlockte und dann Fallthüren niedergingen. Von da wurden sie weiter transportirt in die Behälter zu den Kampfjagen oder um in geschlossenen Höfen mit Hunden gehetzt zu werden. Junge Wölfe können wohl gezähmt werden, nehmen aber meistens ihren wilden falschen Charakter an, wenn sie erwachsen sind oder alt werden. Keyßler erzählt von einem schwarzen Wolf, welchen der Herzog Eberhard Ludwig von Würtemberg besaß und welchen er nach dem französischen Freibeuter Melak benannte. Er begleitete den Herzog wie ein Hund. Als er einst bei der Armee über'm Rhein war, mochte ihm der Feldzug, der sich in den späten kalten Herbst verzog, zu lange dauern, und plötzlich erschien er wieder im Schloß zu Ludwigsburg, ohne daß man weiß, wie er über den Rhein gekommen war. Ebenso entfernte er sich von der Kaiserkrönung 1711 zu Frankfurt. Obwohl dem Herzog sehr zugethan, war er gegen andere falsch und riß einmal dem Oberstlieutenant v. Forstner ohne alle Veranlassung ein Stück aus dem Backen. Die Sage erzählt viel von der Zähmung wilder Thiere durch heilige Männer und Frauen, und P.  Abraham a St. Clara macht davon folgende Zusammenstellung: der heil. Sabba hat die Löwen zahm gemacht, der heil. Corbinian die Bären (ein Bär trug sein Reisegepäck nach Freysing – Freysingerwappen), der heil. Kentingernus zähmte die Wölfe, die heil. Brigitta die Füchse, der heil. Dintanus die Hirsche, der heil. Bandolinus die Wildenten. Die Jagden wurden im 16. und 17. Jahrhundert meistens mit Garnen angestellt, in welche die eingekreisten Wölfe durch Treiber und Hunde unter großem Geschrei und Lärmen von Trommeln gesprengt und von den dabei aufgestellten Leuten mit Prügeln erschlagen oder wenn man sie lebend haben wollte, mit starken eisernen Zangen zu beiden Seiten am Hals gefaßt und aus den Netzen gezogen wurden. Dann brachte man sie in Kasten und führte sie weiter. Es kamen damals Wölfe von 80 und 90 Pfund schwer vor, einzelne sogar über 100 Pfund schwer. Die Kosten einer solchen Jagd waren oft bedeutend. So betrugen die Ausgaben für eine Wolfsjagd, welche 1691 in dem genannten Bezirk Rötz 19 Tage hindurch gehalten wurde, 269 fl. 20 kr. und für das Luder (Pferde à 1 fl. 15 kr. und gefallene Ochsen à 44 kr.) 10 fl. 43 kr. und 4 fl. 40 kr. Botenlohn. Die am Zeug stehenden Leute, die das Fangen überwachten, erhielten jeder 10 kr. von jedem Wolf, und diejenigen, welche den Wölfen den Fang gaben oder sie todtschlugen, auch von jedem 10 kr. Bei erwähntem Jagen, wo übrigens nur ein einziger Wolf gefangen wurde, verbrauchte man 4 Pfund Pulver zu Schreckschüssen. Die Jagden waren um so beschwerlicher, als sie wegen des Einspürens gewöhnlich nur im Winter mit Vortheil angestellt werden konnten. Wie bei uns in Bayern, so waren in früheren Jahrhunderten fast durch ganz Deutschland Wölfe verbreitet und bis in's 16. Jahrhundert fehlten sie kaum irgendwo in Europa. Im 11. und 12. und bis zum 15. Jahrhundert hausten sie zahlreich in England, Schottland und Irland, waren jedoch zu Ende des 17. Jahrhunderts fast gänzlich vertilgt. Charakteristisch für die Zeit ist die Angabe, daß Alan Earl of Bretagne, den Mönchen der Abtei Fors in Yorkshire in der letzten Hälfte des 12. Jahrhunderts das Privilegium verlieh, in dem Walde von Wensleydale die Reste alles Wilds für sich zu benützen, welches durch die Wölfe gerissen worden. Es scheint Jägerfamilien gegeben zu haben, welche vorzugsweise die Wolfsjagd trieben; so wird um 1320 ein John le Wolfhunt, Sohn und Erbe des John le Wolfhunt erwähnt, der in den königlichen Forsten von Derbyshire die Wölfe jagen und fangen sollte. Visits to Fields of Battle in England by R. Brooke. 1857. p. 294. In Frankreich wurde im 16. und 17. Jahrhundert die Wolfsjagd systematischer getrieben, als anderwärts und Karl IX. († 1574), Ludwig XIII. († 1643) und Ludwig XIV. († 1715) liebten diese Jagd. Die churpfälzische Prinzessin Elisabeth Charlotte erwähnt als Herzogin von Orleans in ihren Briefen mehrmals der Wolfsjagden, die sie mitgemacht. In einem derselben (Versailles den 3. April 1699) sagt sie: »Ein wolff ist viel weniger alß ein hirsch zu fürchten, den wen sie gejagt attaquiren sie die menschen Nie.« Ein andermal (Versaille den 8. mertz 1701) heißt es: »Montag fuhr Ich mitt monsieur le dauphin auff die wolffs jagt funden aber nichts ob wir zwar lang suchten, Dienstag renten wir den hirsch zu St germain – – Donnerstag wieder auff die wolffjagd, die wehrte 4 gantzer stunden.« 1709 schreibt sie von Marly den 9. Februar: »Die wolff haußen auch abscheulich hir, den courier von allançon haben sie Sambt seinem pferdt gefreßen undt vor der statt du mon haben 2 wolff Einen Kauffmann attaquirt Einer sprang Im auff die Brust undt fing schon ahn sein justau corps zu zerreißen Er schrie zwei dragoner so Vor der statt spatzirten Kammen dem Kauffmann zu hülff Einer zog den Degen undt stieß den wolff damitt durch und durch der wolff lest den Kauffmann undt springt den dragoner ahm halß der Cammerraht Konte nicht geschwindt genug dazu Komen Er bracht den wolff zwar umb allein daß graußame thier hatt den dragoner schon Erwürgt, der zweyte wolff Kam von hinden wurff den dragoner zu boden undt biß Im die gurgel ab Ehe Man Ihm auß der statt zu hülff Konnte Komen wie die hülff kam fandt Man Einen wolff undt die zwey dragoner todt der zweyte wolff aber hatte sich auß dem staub gemacht.« Unter Ludwig XV. vermehrten sich die Wölfe im Jahre 1764 auf eine furchtbare Weise und war damals eine solche Bestie durch ihre Anfälle auf die Menschen, deren sie nicht weniger als 83 zerrissen und gefressen haben soll, der allgemeine Schrecken des Landes. Man nannte das Thier la bête du Gévaudan und erst mit einem allgemeinen Aufgebot der Jäger unter Anführung von Antoine de Beauterne gelang es, dasselbe zu erlegen. Man hat öfters die Bemerkung gemacht, daß manche Wölfe eine besondere Gier nach Menschenfleisch zeigten und die Hirten aufsuchten, wenn ihnen auch die Heerden zu Gebote standen. So geschah es um 1437, wo die Wölfe in der letzten Woche des Septembers zwischen dem Montmartre und Porte Saint-Antoine vierzehn Menschen zerrissen und auffraßen. Johann von Clamorgan, der zur Zeit Carls IX. über die Wolfsjagd geschrieben, gibt Anleitung, wie der Wolf mit dem Leithund zu bestätigen, wie er zu ludern und wie er parforce zu jagen sey. »Ich habe, sagt er, mein tag viel par force gefangen, vnd mit etlichen auff die acht stund sehr kriegt vnd zu thun gehabt.« Die Wölfe wurden auch in der Art gejagt, wie Clamorgan beschreibt, daß Jäger mit Hunden in Schirmen verborgen sich auf die Wechsel vorlegten und andere das Treiben und Jagen besorgten. Sowie dann ein Wolf an den Vorlagen erschien, hetzte der Jäger seine Hunde und fingen ihn diese. Bei dem entstehenden Kampf war die Aufgabe des Jägers, dem Wolf »ein guten langen Stecken in's gebissz zu stossen.« Dieser Autor erwähnt schon, daß die Pariserinnen Wolfszähne in Silber oder Gold gefaßt von zahnenden Kindern in den Mund nehmen lassen, um das Hervorbrechen der Zähne zu erleichtern, ein Brauch, der sich auch bei uns bis zu Anfang des gegenwärtigen Jahrhunderts erhalten hat. Von des Wolfs Natur führt er an, daß sie den Schafen ganz und gar zuwider, »darumb gesagt wird, wann ein seyten (Saite) von einem Wolfsdarm, und eine andere von einem Schafsdarm gemacht, vnd zusammen auff ein Lauten oder sonst Instrument gezogen werden, sie allzeit vngleich vnd einander zuwider lauten, vnd die Schafseite viel eher, dann die ander zu trümmern gehet.« Um der Wölfe Herr zu werden bestand in Frankreich das Institut der Louveterie La Chasse a Courre en France par J. La Vallée. p. 375. mit einem Grand Louvetier (Oberstwolfsjägermeister) an der Spitze, welcher Großofficier der Krone war. Man kennt die Namen dieser Würdeträger von 1479 bis 1789, wo ein Graf d'Haussonville das Amt bekleidete. In der Revolution hörte das Institut der Louveterie auf, die Wölfe mehrten sich aber wie schon oben gesagt so, daß allgemeine Jagden angeordnet werden mußten. Unter Napoleon I. wurden freiwillige Wolfsjäger gesucht und diese erhielten den Titel Lieutenants de louveterie. Sie mußten einen Piqueur, zwei Hundknechte und eine Meute von 10 Hunden und 4 Leithunde halten und durften zur Uebung des Monats zweimal in den Staatswaldungen jagen. 1830 wurde letztere Erlaubniß aufgehoben, die Wolfsjäger trieben aber dessenohngeachtet aus Neigung ihr Jagen fort und erlegten in den Jagden von 1835 und 1836 nicht weniger als 641 Wölfe. Die Jagdlust bestimmt sie öfters auch zu einer gewissen Hege und eine Wölfin lassen sie gern laufen. Meistens wird ein Bogen umstellt und der Wolf geschossen. Der Luchs. Ich hörte einmal einen Jäger sagen, es wäre nicht lustig, wenn's keine »Wilderer« mehr gebe. Es ist etwas daran; muß es aber solche geben, so scheint mir doch, daß die Arbeit um einen Luchs, Bären oder Wolf, die gewiß unter die ärgsten Wilderer gehören, lustiger wäre, als um einen andern dieses Gelichters. Und in der That haben sich die Jäger auch immer freudig mit dergleichen Würgern geplagt und namentlich mit dem Luchs, diesem nahen Verwandten des Leopards und Panthers. Der Charakter dieser grimmigen Katzen ist allgemein ganz derselbe, ihr Schleichen, ihr Lauern, der tückische Angriff mit plötzlichem Sprung aus irgend einem Versteck und die Blutgier. Gegenüber dem Menschen ist aber der Luchs scheu, und nur wenn er gefangen, ist er gefährlich. Diejenigen, welche lebende Luchse im Schlageisen Diese Eisen, aus zwei gezähnten zusammenschlagenden Bogen bestehend, wurden in Tegernsee durch Reiben mit Laatschen verwittert. getroffen haben, sind oft Zeugen ihrer Wildheit gewesen, besonders wenn das Eisen nur eine Vorderbrante gefaßt hatte. Kam der Jäger dazu, so zog der Luchs rückwärts kriechend das Eisen, welches immer mit einer Kette an einer starken Baum oder Laatschenwurzel befestigt ist, mit sich, so weit er konnte, und richtete seine wüthenden Blicke, dabei furchtbar grinsend, auf den Herannahenden. Glaubte er dann den Feind erhaschen zu können, so versuchte er es, wenn er dessen noch fähig, mit einem so gewaltigen Satz, daß es gräulich zu schauen war. Meistens hatten sie sich die Krallen an den freien Branten von der gewaltigen Anstrengung, sich zu befreien, ausgerissen und die Fänge (Zähne) gebrochen. Und dennoch hat der Jäger G. Mair vom Oberwinkel einige gefangene Luchse lebend aus dem Eisen gelöst und geknebelt im Rucksack nach Tegernsee getragen. Er führte es in der Art aus, daß er eine gefällte junge Tannenstange über dem Luchs unter die Baumwurzel steckte, die das Eisen hielt, den Luchs dann damit auf den Boden niederdrückte, und indem er sich auf die Stange legte, gegen ihn hinrutschte. Dann fing er die Branten mit Strickschlingen und befestigte ihm einen Knebel in den Nacken. Ein so geknebelter Luchs wurde einmal bis München getragen, wo ihn König Maximilian I. besah. Unterwegs war er mit Kalbsblut gespeist worden. Diesen Luchs erschoß dann der damalige Hofmarschall Marquis v. Montperny in einem Gewölb der Hofküche. Der Luchs liefert einen sehr guten Braten, feiner als Rehwild, und beim Congreß zu Wien 1814 kamen öfters Luchsbraten auf die Fürstentafel. Schon 1578 galt der Luchs in Hessen als eine Delikatesse. Graf Georg Ernst von Henneberg schickte damals 2 »Luxinen« nach Kassel »als thun wir E. L. – schreibt er an Landgraf Wilhelm – dieselbigen wohlverwahrt und in dem Verhoffen, daß sie E. L. nach Gelegenheit dieser noch währenden Winterszeit frisch zugebracht werden können, überschicken, freundlich bittend, E. L. wolle solches für lieb und gut annehmen, und deroselben neben Ihrer Gemahlin und junger Herrschaft in Fröhlichkeit und guter Gesundheit genießen und ihr wohl schmecken lassen.« (Landau.) 1819 wurde nach Ettal Auftrag gegeben, einen Luchs zu fangen, da dessen Wildpret dem König als ein Mittel gegen den Schwindel dienen sollte. Manchmal geschah es, daß ein nur leicht gefangener Luchs sich losriß oder losbiß, und der genannte Jäger Mair hat einen solchen geschossen, dessen Spur auf dem Schnee vom Eisen weg zeigte, daß er nur drei Brante gebrauchen konnte. Er ließ den Hund auf die Fährte und bald fing dieser zu jagen an. Die Jagd ging bergab, als plötzlich der lauschende Jäger ziemlich nahe den Schnee von den Laatschen und Tannenbüschen fallen sah und dann der Luchs aus diesen hervorkam. Der Hund hatte ein Stück Wild angetroffen und dieses gejagt, der Lärm hatte aber auch den Luchs aus seinem Versteck aufgeriegelt. Wenn man nicht ohne Regungen des Beneidens die silbergefaßten Luchskrallen »Luchskräul« Diese »Luchskräul« gelten als ein Mittel gegen das Beschrei'n oder Vermeinen (Verzaubern oder durch irgend eine Rede, auch durch Loben einem ein Uebel anzaubern). Man umcirkelt auch damit die sog. Zitterachen (trockene Hautflechte). daß sie schneller heilen, und gebraucht sie bei Pferden, denen sich ein Fell über das Auge gebildet, zum »reissen«. Sie galten auch als ein Mittel gegen den Krampf \&c. sieht, welche die Gebirgsjäger tragen, so würde doch manchem die Jagdlust bald gekühlt seyn, müßte er im Winter, wo die beste Fangzeit, viele Stunden weit mit Schneereifen in die Berge steigen, um nach den Eisen zu sehen, und müßte er sich einer so erschöpfenden Anstrengung vielmals unterziehen, ohne den rothfleckigen Balg zu erblicken, denn ein paarmal umsonst gehen, ließe sich freilich jeder gefallen. Man hat oft behauptet, daß die Luchse auch in Gesellschaft jagen oder kleine Treibjagen halten, wobei einer gleichsam auf dem Wechsel ansteht. Forstrath von Schenk hat einen Fall am Sulfersteingehäng durch Abspüren auf dem Schnee beobachtet, der deutlich schließen ließ, daß dem so sei. Es hatten drei Luchse ein Reh gerissen und man konnte sehen, daß einer auf dem Wechsel gelauert, die andern im Bogen gegen diesen gejagt hatten. Daß mehrere Luchse in der Art zum Jagen ausziehen, daß einer in die Fährte des andern tritt, bis sie Wind von einem Wild haben, daß sie sich dann trennen und in Bogen wieder auf einem Punkt vereinigen, daß ferner immer nur einer von dem gerissenen Stück frißt und die andern warten, bis er satt ist und so der Reihe nach, wie Dr.  Groß (zehnter Bericht des naturhist. Vereins in Augsburg) berichtet, wird von Tegernseer Jägern widersprochen. Daß der Luchs aufbaume und durch Herabspringen fange, ist in Tegernsee auch nie beobachtet worden, sondern nur, daß er auf einem Stock oder Stein an einem Wechsel sitzend lauere oder birsche. Ereilt er sein Stück nicht in 4 bis 5 Sprüngen, so verfolgt er es nicht weiter und unterscheidet sich dadurch wesentlich vom Wolf. In Tegernsee waren die Wechsel der Luchse immer auf den Schneiden der Berge. Im bayrischen Wald ist das Aufbaumen der Luchse öfters vorgekommen. Pfarrer Jäckl giebt darüber Mittheilungen, die keinen Zweifel lassen. G. Forster zu Zwisler-Waldhaus machte mit einigen Schützen zu Anfang des gegenwärtigen Jahrhunderts Jagd auf einen Luchs, den sie bis zur Seewand am großen Arbersee verfolgten. »Hier fanden wir,« sagt ein Augenzeuge, »den Luchs auf einer Fichte, gegen zwei Sägblöcher hoch auf einem starken Aste liegend, jeden Gang der Schützen mit dem Kopfe verfolgend. Auf den Schuß des Försters (Forster), welcher traf, aber nicht tödtete, kam der Luchs, sich von Ast zu Ast herablassend, auf den Boden hernieder, wo er noch die drei Jagdhunde, welche die Schützen bei sich hatten, fassen wollte, aber sogleich von den umstehenden Jägern mit den Gewehrkolben und Schneereifen völlig erstoßen wurde.« Ebenso erzählt der ehemalige königl. Revierförster Fr. Meisinger zu Finsterau: »Im Jahre 1802 ging ich in den Walddistrikt Langruck auf eine Marderjagd, spürte aber drei Luchse. Ich ließ sogleich meinen Jagdhund drauf, der nicht lange jagte, indem einer der Luchse aufbäumte. Ich eilte dem Standlaut zu und schoß fünfmal auf das Thier hinauf, welches angeschossen immer höher und höher bis zu dem Gipfel des Baumes stieg, wo sich der schwer Verwundete unbeweglich gedrückt hatte. Weil mir die Schrote ausgegangen waren, begab ich mich um Hilfe nach Scheuereck zu dem Holzhauer Hopfinger und seinen Söhnen, welche mir den Baum fällten und den Luchs, der nicht mehr weiter konnte, mit der Hacke erschlugen.« Der Luchs wog gegen 50 Pfund. Derselbe erzählt: »In den Jahren 1803 und 1804 erlegte ich weitere 3 Luchse. Bei einem Revierbegang kam ich in dem Distrikte Steinfleckberg auf eine Luchsspur, ließ sogleich meinen Hund drauf und schoß den Luchs, der nach kurzem Jagen aufgebaumt hatte, auf Einen Schuß herunter. Er wog 55 Pfund.« Einen andern von 60 Pfund schoß er auf einem Wechsel beim Jagen seiner Hunde, und wieder einen von einem Baum, wo ihn die Hunde verbellten. In den früheren Zeiten wurden die Luchse fast überall in Bayern angetroffen, In Sachsen kamen im 17. Jahrhundert Luchse vor. In den Jagdlisten der Churfürsten Johann Georg I. und Johann Georg II. sind in 69 Jahren 408 Luchse verzeichnet. In Würtemberg wurde der letzte 1770 erlegt. doch die meisten im oberbayrischen Gebirg, im Fichtelgebirg und am Böhmerwald hin. Das Vorkommen war aber zeitweise sehr verschieden. Es kommt z. B. in den Rechnungen des Klosters Tegernsee von 1568–1580, Um 1591 schickte der Herzog Wilhelm V. eine »Luxin« an den Landgraf Wilhelm von Hessen und wollte auch einen Luchs folgen lassen, wenn es der Landgraf wünsche, doch dankte dieser, denn das würden in seinem Thiergarten doch böse Gäste seyn. Landau. also in 13 Jahren kein Luchs vor, zweihundert Jahre später aber finden sich in derselben Zahl von Jahren 39 Luchse verzeichnet, und von 1734–1786, wobei die Rechnungen von 8 Jahren fehlen, also in 44 Jahren wurden 109 Luchse erlegt und gefangen. Man sieht auch aus den Rechnungen, die leider für das 17. Jahrhundert fehlen, daß die Zahl der Luchse im vorigen Jahrhundert wachsend zugenommen hat, denn zu Anfang desselben kommen verhältnißmäßig weniger vor als später. Aus den weiteren Wildverzeichnissen geht das seltsame Resultat hervor, daß der Rehstand unter der Luchsherrschaft zugenommen , das Edelwild aber abgenommen habe, und auch die Gemsen nicht aufkommen konnten, wie folgende Zusammenstellung zeigt:   1568–1580   1768–1782   (Zwei Jahresrechnungen fehlen.) Hirsch 159 83 Thier 282 56 Reh 48 575 Schwein 13 – Gems 16 29 Bär 2 – Luchs – 39 Es ist dieses Verhältniß wohl in sehr verschiedenartigen Ursachen begründet, der Rehstand aber scheint durch den Umstand erklärlich, daß die Luchse vorzüglich die Gebirgsschneiden begehen, wo sich die Rehe weniger aufhalten, als an den untern Gehängen. Da oben aber haben sie Gemsen und Wildpret, Schmalthiere und Kälber gerissen oder versprengt . Die meisten Luchse wurden an der Roßsteinwand gefangen, dann auf dem Osterberg, Peissenberg, Scharlingmoos, Röthenstein, Hirschberg \&c. Das Jägerrecht für einen Luchs war in Tegernsee 1606 höher gestellt als das für einen Bären, es war nämlich 1 fl. 30 kr., während für den Bären nur 40 kr. angesetzt sind. Die Jäger dursten mit erlegten Luchsen und Bären, um sie zu zeigen, in der Gegend herumziehen und sich Trinkgelder sammeln. Von den Bären trugen sie gewöhnlich die Köpfe zur Schau herum. 1752 war das Jägerrecht für Luchs, Bär und Wolf gleich und zu 2 fl. bestimmt. 1812 war es 4 fl. und als König Maximilian I. die Gebirgsjagden in besonderen Schutz nahm, wurde das Schußgeld für einen Luchs auf 75 fl. erhöht, welche bedeutende Summe, die oft ausbezahlt werden mußte, 1826 auf 25 fl. reducirt worden ist. 1820–1821 sind im Ettaler-Gebirg 17 Luchse geschossen und gefangen worden, in den 30ger Jahren mehrere in Berchtesgaden, vorzüglich im Wimbachthal, dann bei Reichenhall, Ruepolding und Marquartstein. 1826 wurden in der Riß 5 Luchse gefangen und bis 1831 in Altlach, Urfeld, Wallersee und um Benediktbeuern noch 6 Luchse. In den Rechnungen des Klosters zu Benediktbeuern findet sich auch der seltene Fall erwähnt, daß der Revierjäger Wolfgang Heiß von Urfeld in der Nähe der Jocheralm 2 Luchse, einen alten und einen jungen, auf einen Schuß erlegt habe. 1829–1830 wurden im Forstamt Partenkirch im Revier Garmisch und bei Greinau 3, in Eschenloch 5, in der Vorderriß 5 Luchse gefangen. Sie wurden zum Theil auch auf Treibjagen geschossen. Es würde zu weit führen, wollte ich alle Luchse angeben, die in den Jagdverzeichnissen vorkommen, ich will nur noch erwähnen, daß ein Hauptwohnplatz derselben das Allgäu war, und namentlich auf dem Grindten wurden viele gefangen. Zwei Jäger dort, Vater und Sohn, Georg und Kaspar Agerer, fingen von 1790–1838 in 48 Jahren 30 Luchse, die meisten in Tellereisen, nur 2 oder 3 erlegten sie auf der Birsche oder auf dem Anstand; dem noch lebenden Kaspar Agerer kam 1820 auf den Reheruf eine Luchsin mit drei Jungen, sie bekamen aber Wind, und Agerer verwundete die Alte mit einem Kugelschuß am Bug. Nach mehrstündigem Suchen gewahrte er sie mit dem Fernrohr unter einer einzeln stehenden Fichte und sah die jungen Luchse miteinander scherzen, während die Alte daneben liegend, ihre Wunde leckte. Mit vorsichtigem Birschen kam er ihnen bis auf 30 bis 40 Schritte nahe, als er aber schießen wollte, versagte sein Steinfeuergewehr, die Luchse gingen flüchtig bergab, und wurden nicht weiter gesehen oder gespürt. Es war an der Tyroler-Gränze, über die sie wahrscheinlich weiter wechselten. Derselbe Jäger fing 1838 den letzten Luchs im Rottenschwanger Thal, welcher 49 Pfund wog. Ein Reisender, der über das Allgäu berichtet, Neue Münchner Zeitung. 1854. 133 Beil. hat 1840 zu Hindelang noch einen erlegten Luchs zur Schau herumtragen sehen. Demselben wurde auch ein Fall erzählt, wo ein Luchs in einen Ziegenstall zu kommen suchte, indem er die Einfassungswand untergrub. Als er aber drinn mit dem Kopf hervorkam, gab ihm ein die Gefahr merkender Bock so nachdrückliche Stöße, daß er ihn todt hinstreckte. Im Winter 1850 hat man noch auf der Zipfelsalpe 2 Luchse gespürt, sie gingen aber in die gelegten Eisen nicht ein und wechselten nach einiger Zeit nach Tyrol, wo sie hergekommen waren, zurück. Im bayrischen Wald sind die Luchse um 1846 nicht mehr bekannt gewesen, im Fichtelgebirg wurde 1774 der letzte im Steinwald geschossen. In der Oberpfalz wurde 1817 ein gewaltiger Luchs bei Winklarn geschossen, er wog 65 Pfund. Wie sie aber dort im 17. Jahrhundert zahlreich genug waren, zeigen die Rechnungen des mehrgenannten ehemaligen Forstamts Rötz. Es wurden von 1646–1692, wo von 13 Jahren keine Aufschreibungen vorhanden, also in 33 Jahren 60 Luchse geschossen und gefangen. Von einer Zähmung des Luchses ist meines Wissens unter den Jägern der Neuzeit nichts bekannt. Kaiser Friedrich II. erwähnt aber, daß außer den Hunden auch Leoparden und Luchse zur Jagd dienen. Vom Leopard (Jagdleopard felis jubata ) sind mehrere bestätigende Angaben vorhanden; so jagte zu Anfang des 14. Jahrhunderts Galeazo Visconti mit Leoparden in der Nähe von Mailand auf Hasen. Die Jagd begann damit, daß diese durch kleine Hunde aufgetrieben und dann durch drei bis vier abgerichtete Leoparden, welche die Jäger hinter sich auf den Pferden mitführten, gefangen wurden. Ebenso jagten Karl VIII. und Ludwig XII. von Frankreich (1510). Auch Kaiser Leopold I. († 1705) jagte mit zahmen Leoparden, die ihm der türkische Kaiser geschenkt hatte. Sie fingen wie Windhunde Hasen und Rehe. Da ein Leopard so abzurichten war, mochte es wohl mit einem Luchs auch manchmal gelungen seyn. Wenn es, trotz des daraus entspringenden Nutzens für den Wildstand, doch nicht erfreulich ist, ein so schönes Raubthier wie der Luchs ganz verschwinden zu sehen, so ist gewiß beklagenswerth, daß auch die Erinnerungen daran allmählig durch Gleichgiltigkeit und Gewinnsucht verloren gehen. Luchsköpfe waren sonst eine Zierde der Jägerhäuser im Gebirg, und besteht noch ein solches mit 15 Stück zu Hindelang (das Haus des Forstwarts Kaspar Agerer) das schönste aber, welches ich gesehen habe, war das vormals am Winn genannte bei Kreut. Auf der von der Zeit gebräunten »Laabn« zeigten unter dem Vorsprung des Daches einige 60 Luchsköpfe ihre gräulichen Gesichter und war daneben ein gewaltiger Bärenkopf befestiget. Ich sah das Haus zum erstenmale in einer mondhellen Nacht, als ich mit dem dort wohnenden Forstwart Sollacher von einer Jagd zurückkehrte. Wie war es malerisch, und welche anziehende Jagdstimmung erweckte es! Jetzt ist nichts mehr davon zu sehen, einige wenige dieser Köpfe (eigentlich Kopfbälge mit dem Gebiß) sind von einem Bauer beim Marmorbruch erworben, die übrigen verschleudert worden. Mit gar vielen andern Dingen geht es ebenso, und hat der oft geäußerte Spruch wohl seine Geltung: »Besser kann's werden, schöner wirds nicht.« Wie sich der Wolf zum Fuchs verhält, so verhält sich der Luchs zur Wildkatze ( Felis catus ). Dieses scheue Thier mit seinen falschen funkelnden Lichtern ist eine der boshaftesten Bestien, die man in einem Jagdgehege finden kann, und macht es im Verhältniß seiner Größe dem Luchs ganz gleich. Kein Vogel, kein Hase oder Rehkitz ist vor der Wildkatze sicher, sie probirt es sogar, ein Wildkalb zu würgen, und dazu das lautlose Schleichen und Birschen und die blitzschnellen Sprünge und das Lauern in ebenem Grunde wie vom Baum, daß sich wohl ein Fuchs über die mancherlei Bevorzugung ärgern mag, die ihr zu Theil geworden, wenn er gerade Gelegenheit hat, zuzusehen. Und wird sie beim Jagen in die Enge getrieben, oder wenn sie angeschossen, so rauft sie in unbändiger Wuth mit den Hunden oder fällt auch den Jäger an und verwundet mit gefährlichem Beißen und Reißen. Hohberg erzählt sogar einen Fall, wo eine Wildkatze, die sich mit seinem Hund verbissen, und die er mit dem Degen durchstochen, sich »also durchstochener mit so großer Furi« an der Klinge nach seiner Hand emporschwang, daß er den Degen loslassen mußte. Die Wildkatze ist bedeutend größer als die Hauskatze, und erreicht eine Länge bis über 2½ Fuß und im Gewicht bis zu 19 und 22 Pfund. Die Ruthe ist bis an's Ende gleich dick und an diesem immer von schwarzer Farbe. Die Wildkatze haust in hohlen Bäumen und Felsenhöhlen oder in verlassenen Fuchs- und Dachsbauen, aus denen sie gehetzt, seltener gegraben wird. Beim Treiben schleicht sie meistens auf dem Fuchsriegel daher oder wird, wenn sie vor den verfolgenden Hunden aufbaumt, vom Baum geschossen. Dieses kommt aber gewöhnlich nur vor, wenn sie angeschossen ist. Von der Wildkatze stammt die zahme nützliche Hauskatze, welche im 11. und 12. Jahrhundert in Europa noch eine Seltenheit war und in hohem Preise stand. Dessen ohngeachtet, meint Winkell, kann der Waidmann dieß so dankbar nicht erkennen, daß er den Stammältern zu irgend einer Zeit das Leben fristen sollte. Die cultivirten Katzen verläugnen auch noch gegenwärtig ihre Abstammung nicht, denn sie ziehen gar gern zum Jagen aus, und bedürfte es eines Beweises, so kann angeführt werden, daß um Wien in einem Jahre (1854) nicht weniger als 1323 solcher heimtückischer Hausmizzln in den Jagdgehegen ertappt und verdientermaßen erschossen worden sind. Die Wildkatze kommt in Bayern, jedoch nur in einigen Gegenden und ziemlich selten vor. In den Alpen ist ihr Vorkommen fast zweifelhaft, obwohl in Tegernsee 1606 dafür 1 fl. Schußgeld erwähnt ist und ebenso 1750. Ich habe sie aber in den betreffenden Verrechnungen von 1734–1786 nur einmal angeführt gefunden. Auch in dem angränzenden Flachland kommt sie nur vereinzelt vor, ebenso im Fichtelgebirg und bayrischen Wald, dagegen wird sie angetroffen in den Waldungen um Bamberg, Vilseck, Burglengenfeld, im Hienheimer-Forst bei Kelheim, bei Bach im Fürstl. Taxis'schen Herrschaftsgericht Wörth, bei Pyrbaum, Kastell und Beilngries. Ihr Hauptwohnsitz ist nach Jäckel Mittelfranken, besonders im Forstamte Rothenburg an der Tauber kommt sie vor, im Burgbernheimer-Wald, im Eichstädt'schen und Ansbach'schen. Sie wird auch angetroffen im Guttenberger-Wald bei Würzburg, im Gramschatzer-Wald, im Spessart und in der Rhön. In der Rheinpfalz soll es mehr davon geben. Von andern bekannten Wohnplätzen dieses Raubthiers verdient der Strich zwischen Freiburg und Offenburg von den Gehängen des Schwarzwalds bis an den Rhein eine besondere Erwähnung. Nach einer verlässigen Mittheilung hat im heurigen Winter (1858) dort ein Jäger nicht weniger als 28 Wildkatzen geschossen. Spruchreime.                 Stahlfedern sonst und jetzt, Wie seyd verschieden ihr, Bei Keilern sonst im Dienst, Und jetzt beim Schreibpapier! Mit Baumwoll' schießen sie, Granat und Feuerstein Sind auch schon längst besiegt Von zarten Pülverlein. Es ändert sich die Welt, Daß einem wahrlich graust, Die Finger verlernen's noch Zu machen eine Faust. ——— Lernst wohl auch beim Jagen Für das Leben viel, Ist mit Welt und Menschen Oft dasselbe Spiel. Thu' dann wie der Jäger Draußen im Gefild, Aber auch zu Zeiten Mach' es wie das Wild. ——— Ei wie mag die Welt so fein Und so seltsam herrlich seyn, Wenn dereinst was kreucht und fleucht Alles von der Cultur erreicht, Wenn wir Hirsche mit den Rehen Wie die Rinder mästen sehen, Wenn die Gems gemolken werden, Zahme Schweine nur auf Erden, Füchse nur die Maus genießen, Achtungsvoll den Hasen grüßen, Der nach Vorschrift auch dinirt, Kraut und Rüben respectirt, Wenn du selbst an Damwilds Wedeln Deutlich schauest ein Veredeln, Fortschritt rings in der Natur Und Dressur und Politur, O ich armer, armer Mann, Daß ich's nicht erleben kann! ——— Am Rehbock nicht die Farbe Als Zeichen gilt, wie alt er sey, Wohl geht's vom Braun in's Graue, Doch wechselt's immer neu; Stellt aber das Verfärben Beim Waidmann mit dem Grau sich ein, Dann wär' es wohl ein Wunder, Sollt' der ein Spießer seyn. Murmelthierjagd. Mankei-Passen. Es war Anfangs Oktober im Jahre 1840, als ich am Funtensee an der Grenze des steinernen Meers zum erstenmale auf ein Murmelthier oder Mankei, wie sie im Berchtesgadenschen heißen, zu Schuß kam. Nach einer erfolglosen Gemsbirsche erfuhr ich bei der Rückkehr zur Holzhütte von dem Träger, daß er in der Nähe des Sees an einem Gehänge Mankei'n gesehen habe. »Kinnts leicht oa's schießn heunt, sagte er, weil's Wetter so fei' is, bal' Enk's Hi'hocka nit verdrießt.« Das war mir sehr lustig zu vernehmen, denn welcher Jäger wäre nicht vor Allem begierig ein Wild zu schießen, welches die Wenigsten kaum einmal gesehen haben. Ich ließ mir den Platz möglichst genau angeben, und machte mich sogleich auf den Weg. Die beschriebenen großen Steine und zerstreut herumliegenden Felsblöcke waren bald gefunden und ich sah auch ohne vieles Suchen mehrere Röhren des Baus, an einigen frisch gescharrt und Geröll und Erde herausgeworfen. Es galt also einen geeigneten Platz zu finden um die begangensten Röhren zu überschauen und Geduld im »Hi'hocka.« Während ich da und dort probirte, wie es taugen könnte, bemerkte ich eine kleine Mauer aus aufeinandergelegten Steinen gebaut und erkannte bald, daß diese als Schirm den Jägern wohl schon gedient hatte. Es waren einige Löcher zum Durchschauen angebracht und man konnte an der Seite mit der Büchse leicht und ungesehen in Anschlag kommen. So setzte ich mich an und war voller Hoffnung, da eine herrliche milde Luft (mit gutem Wind) wehte und die Sonne freundlich schien. Etwa nach einer halben Stunde zeigte sich unter dem ziemlich weiten Eingang der einen Röhre ein junges Mankei, kam heraus, setzte sich auf die Hinterbranten wie ein Hund, der aufwartet und blieb so mehrere Minuten vollkommen unbeweglich, als wäre es ein ausgestopftes Cabinetsstück. Dann aber wendete es sich, lehnte sich an einen Stein, über den es wegsehen konnte und gegen den See hinunter und fing nun an wiederholt zu pfeifen, daß der dickhaarige Bauch wackelte. Dann plötzlich mit einem Ruck war es wieder in der Röhre, kam nach einiger Zeit abermals hervor und verschwand nach einigem Pfeifen wie das erstemal. »Ja wenn's nur nicht ein so junger Grasteufel wär', dachte ich, so wollte ich gerne anzünden.« Als es aber ziemlich lange nicht mehr erschien, da beschloß ich doch wenn es wieder käme, nicht zu zaudern, denn die Jahreszeit war schon vorgerückt und waren vielleicht die letzten Tage, daß ein Mankei aus dem Baue ging, und ich wollte gar gerne einmal Mankeizähne, wenn auch nicht erster Qualität, erbeuten, um sie am Uhrgehäng zu tragen, wie man es bei Gebirgsjägern oft sieht. Es ist mit solchen Dingen nicht eigentlich wegen des Schmuckes, daß man sie haben will, sondern wegen des Erzählens, wenn Einer gelegentlich fragt was das für Zähne seyen, denn im Erzählen macht man die Jagdscenen immer wieder durch und handelt es sich um einen seltenen Fall, so bemerkt man gerne, wie die Andern begierig oder auch neidisch zuhören. Das junge Mankei kam wirklich noch einmal und nun nahm ich die Büchse fein zusammen, denn ich wußte, daß man den Kopf treffen müsse, weil das Thier wenn es nicht auf dem Fleck erlegt wird, in den Bau schlieft und dann verloren ist. Der Finger lag schon so am Dupfer, daß ich dachte jetzt müsse es knallen, als das Mankei wie der Blitz verschwand und ich fast erschrak es könne der Schuß noch losgehen. Doch glücklicherweise geschah es nicht und ich wollte eben die Büchse vom Backen nehmen, als ich mit Verwunderung den ganzen Eingang der Röhre mit Pelz sich ausfüllen sah und aus diesem wie aus einer Wildschur der graue Kopf eines alten Mankei zum Vorschein kam. Ich rührte kein Auge und athmete fast nicht. Das Mankei starrte eine zeitlang gerade auf meine Mauer, dann wendete es langsam den Kopf und sah mit grämlicher Miene nach dem Abhang hinunter. Jetzt gilt's, ich visirte so gut wie möglich und pumps! rollte der Knall in vielfachem Echo durch die Berge. Das Pelzwerk dort sank aber langsam in sich zusammen, ich sprang hin und zog einen herrlichen Mankeibären aus der Kluft mit prächtigen Zähnen, gut für's Uhrgehäng und gut zum Erzählen. Später habe ich noch einige Mankei'n in der Nähe von Falleck, auf Tyrolergrund, geschossen, wo man's »die Kemattenbretter« heißt. Dort sind weitum die meisten und ist dieser Platz, eine Art von Kar, durch die wundervolle Kräuter-Vegetation merkwürdig, denn man befindet sich in einem wahren Hochlandsgarten, wuchernd von Enzian, Meisterwurz, Almanharnisch, Hirschwurz und wie die aromatischen Gewächse alle heißen. Die Mankei'n sind selten anzubirschen; man sucht, wo man sie pfeifen hört, mit dem Fernrohr die Felsblöcke ab, auf denen sie sich gerne sonnen und unter welchen der Bau ist; ersieht man dann ein geeignetes Stück, so geht man ohne weiters drauf zu und jagt es in den Bau, dann setzt man sich an. Gewöhnlich nach einer Stunde, manchmal auch später kommt das Mankei wieder aus dem Bau. Das Schlimme aber ist, daß mehrere Röhren sind, und daß das Thier oft unter Ueberhängen des Felsblockes sitzen bleibt, die nicht gestatten, daß es gesehen werden kann. Drum braucht's Geduld zum »Mankeipass'n« wie die Jäger sagen. Ein Mankei ist ein seltsames Thier, etwa anderthalb Fuß lang und wie plattgedrückt, nämlich zum Schliefen durch Klüfte gebaut, der Kopf hat Aehnlichkeit mit dem eines Hasen, welchem man die Löffel vollständig abgeschnitten hat, an den beiden Seiten der Kinnlade mit langhaarigen Pauschen und mit vier langen Nagezähnen, wovon die untern mit der Wurzel über 2 Zoll lang, die obern etwas kürzer. Diese Zähne haben bei alten Thieren eine schöne lichtgelbbraune Farbe an der Außenseite. Eine Beschreibung von 1588 v. S. Münster mag Vorstehendes ergänzen: »Es sicht gleich wie ein groß Küngelin (Kaninchen), hat aber abgeschnitten Ohren, vnd ein Schwantz d'einer spannen lang ist, lang vorder Zen, beißt vbel so es erzürnt wird, hat kurtz Schenkl, die seind under dem Banch gantz dick von Haar, gleich alß hett es Schlotterhosen angezogen, hat Beren tappen vnd lange Klauwen daran, mit denen es gar unbillich tieff in das Erdtreich grebt. So man jhm etwas zu essen gibt, nimpt es dasselbig in sein vorder Fuß wie ein Eichhörnlin, sitzt auffgericht wie ein Aff \&c. Kann auch auf den zweyen hindern Füssen gehn wie ein Beer.« Bei dem Worte Aff möchte ich die Etymologen an die Aehnlichkeit des englischen monkey und unseres Mankei erinnern. Die Mankei'n äsen feine Alpenkräuter, vorzüglich deren Wurzeln, und lieben besonders die Nelkenwurz, geum montanum, aber auch die giftige weiße Nießwurz oder den Germer ( veratrum album ) sollen sie benagen. Herr Sutor, Forstmeister in Berchtesgaden, dem ich manche freundliche Mittheilung über die Mankei'n verdanke, ist der Meinung, daß sie den Germer nicht äsen, aber abbeißen, um das ergiebige und gut fortzubringende Kraut zum Einheuen zu benützen. Sie bewohnen Baue unter Felsblöcken und können nicht leicht gegraben werden. Wo solches möglich ist, geschieht es im Spätherbst, wo sie schlafen, denn wenn sie wachen, wird behauptet, graben sie sich so schnell weiter, daß man mit der Arbeit nicht nachkommen kann. Je nach sich einstellender Kälte verlassen sie gegen die zweite Hälfte des Oktobers den Bau nicht mehr und halten den Winterschlaf, welcher in der Regel bis Mitte Mai dauert. Dann kommen sie hervor, gehen aber wieder zurück, wenn der Schnee noch nicht weggeschmolzen ist und dann erliegen manche dem Hunger und der Ermattung. In Tyrol besteht die Sage, daß die schlafenden Murmelthiere in der Christnacht um die zwölfte Stunde erwachen, einen freudigen Pfiff thun und dann wieder fortschlafen. Noch 1840 prüfte der Alpenhirte Johann Wolf mit mehreren Murmelthieren, die er in einem Keller verwahrt hatte, diese Sage, nachdem er sich überzeugt hatte, daß die Thiere in festem Schlaf lagen. Er will ihre Pfiffe punkt 12 Uhr gehört haben und dann lagen sie wieder wie todt. Alpenburg's Mythen und Sagen Tyrols. In der Schlafzeit sinkt die Temperatur des Thieres bis auf 5° und sie athmen in einer Stunde nur etwa fünfzehnmal, der Puls ist kaum bemerkbar. Sie liegen dann zusammengerollt, wie eine Kugel und sind fast gefühllos, so daß man sie wie eine Kegelkugel rollen kann, ohne daß sie erwachen; sie sollen sogar nur schwache Zuckungen machen, wenn sie im tiefen Schlaf anatomirt werden. Scheitlin. Thierseelenkunde. Im Winter können sie daher in Heu gepackt leicht versendet werden. Im Zimmer bleiben sie in gewöhnlicher Temperatur fast immer wach und werden bekanntlich sehr zahm. Um sich für ihren langen Schlaf gut zu betten, sammeln sie Gras und Kräuter und schleppen sie in den Bau, was man das Einheuen nennt, dabei helfen sich die zu einem Bau gehörigen einander in der Art, daß einige sich zum Sammeln weiter entfernen, andere näher beim Bau bleiben und diese dann den ferne herkommenden die Grasbüschel abnehmen und in den Bau tragen oder es nimmt noch ein drittes dem zweiten die Last ab und trägt sie in die unterirdische Schlafkammer. Dieses Einheuen wird oft (und schon bei Plinius) in der Art erzählt, daß sich ein Murmelthier auf den Rücken lege, wie ein Wagen mit Heu beladen und so von seinen Hausgenossen an der Ruthe (Schwanz) in den Bau schleppen lasse. Wenn sie schlafen, liegen sie dann zu 3, 5 oder 7 Stück gedrängt aneinander. Außerhalb des Baues sind sie sehr scheu und kennen ihre Hauptfeinde die Adler gar gut; wo ein solcher erblickt wird, flüchtet alles in das Felsenhaus. Sie können sehr laut pfeifen, fast wie wenn einer auf dem Finger pfeift und stoßen meistens drei solche kurze Pfiffe aus, wenn sie Gefahr wittern, aber auch aus andern Ursachen und wie es scheint rufen sie auch damit einander zu. Nach Tschudi geschieht das Pfeifen durch die Nase. Er gibt an, daß nur junge Thiere pfeifen; ich kann aber aus eigener Erfahrung versichern, daß es ebenso bei Alten der Fall ist, wenn sie vielleicht auch nicht so häufig den Pfiff hören lassen, wie die Jungen. Ein »Kläffen« statt des Pfeifens ist bei uns an diesen Thieren nicht bekannt. Die Schußzeit der Mankei'n ist der September und Anfangs Oktober, am besten auf Michaelis. Man schießt vorzugsweise die Männchen, welche Bären heißen, die Weibchen nennt man Katzen oder auch Mütterinnen (so in Berchtesgaden). Die letzteren unterscheiden sich bei den alten Thieren vorzüglich dadurch, daß sie auf dem Bauch sehr dünn behaart sind, während die Bären stark behaart sind. Das Häutl oder Schwartl (man sagt nicht Balg) ist von geringem Werth und gilt höchstens 24 Kreuzer, obwohl es gar kein schlechtes Rauchwerk ist und eine schöne braungraue, auf der Bauchseite braungelbliche Farbe hat. Die Hauptsache am Thier ist das Fett (Schmalz), welches sehr wohlthätig gegen Glieder- und Gelenkleiden wirkt. In der Schweiz hält man es auch für Kolik und Keuchhusten heilsam. Ein altes Mankei hat in der guten Zeit 2–3 Pfund Schmalz, wofür 2 fl. 42 kr. bezahlt werden und auch mehr. Das Schmalz wird zu / Maß verkauft, das / nie unter 15 kr., manchmal aber bis 20 kr. Eine Maß Mankeischmalz wiegt 2 Pfund. Das ganze Thier wird zu 3–4 fl. verkauft. Das Fleisch oder Wildpret wird gegessen und schmeckt besonders von jungen Thieren ganz gut. Nach altem Brauch gehört das Mankei dem Jäger der es schießt. Man sorgt übrigens nur für den Bedarf an Mankeischmalz und läßt wenn man damit versehen, die Thiere in Ruhe. Im Berchtesgadenschen werden jährlich nicht über 6–8 Stück geschossen, obwohl sie keineswegs selten sind und den ganzen Kranz von Bergen bewohnen, welcher den Bartholomä- oder Königssee und den Obersee einschließt. Auch in den Bergen der Ramsau, auf der Hochalpe, am Blaueis, Steinberg \&c. kommen sie vor, fast überall an der Grenze der Baumvegetation. Außer dem Berchtesgadner Gebiet finden sich in Bayern keine Mankei'n mehr bis jenseits des Lechs in den Immenstadter Gebirgen, in den Revieren Burgberg, Fischen u. a. Besonders in den Bergen um Hindelang gibt es deren viele und können auf der Blettelealp und Wengenalp 200–300 Stück angenommen werden. Nach einer Beschreibung von Salzburg von 1703 war damals in Hellbrunn auch ein Mankeipark, worin sich gegen 100 Mankei'n befunden und ihre Baue gehabt haben sollen. Wer die Einsamkeit zu durchwandern hat, wo nichts mehr zu sehen, als öde Felskuppen und Steinfelder, der hört wohl gerne einen frischen Mankeipfiff und wer in solcher Scenerie diese Thiere in dunklem Geklüfte sitzen oder einen Block ersteigen sieht, der kann sich ohne viel Phantasie ein Untersberger-Mannl mit einer zottigen Kutte draus machen und beruht vielleicht die bekannte Sage von diesen Mannln ursprünglich auf dergleichen Vorstellungen, denn früher hat es auch im Untersberg Mankei'n gegeben, gegenwärtig aber kommen sie da meines Wissens nicht mehr vor. Im Allgäu und in Tyrol nennt man die Murmelthiere » Murmentl « und unter diesem Namen werden sie schon im Weißkunig erwähnt. Kaiser Maximilian ließ sie hegen: »hirsche, Stainpock, Gembsen, Wiltswein, Murmentln , Hasen und ander wiltpret.« Es ist auch wahrscheinlich, daß sie an der Hoftafel gespeist wurden, denn in einem betreffenden Gedenkbuch von 1505 wird als Vorschrift für die Küche angegeben: »die Murmentln uberland zufueren solle man die heut (Häute) undersich legen vnd das wilpret ubersich, so bleibt das wilpret frisch.« In einem Tyroler Landreim von 1558 werden auch »die faysten Murmentl im Etzthal« hervorgehoben. Auch »Urmenten« (von Mure montana der Tessiner) kommt vor. Die Hegezeit für die Murmelthiere ist bei uns vom 31. Oktober bis 15. August festgesetzt. Das Reh. Wenn man Form und Bau unseres heimischen Haarwilds beachtet, so ist der Rehbock ( cervus capreolus ) nach dem Hirsch gewiß das schönste Jagdthier. Man darf aber deßhalb, will man nicht gegen die Waidmannssprache verfehlen, keineswegs sagen ein »schöner« Rehbock, wie man vom Hirsch nie sagen darf ein schöner und ein großer Hirsch. Es ist das ebenso ausgemacht, als daß der Reiher keine Füße hat, sondern Ständer , während dagegen der Habicht keine Ständer hat, sondern Füße und der Falke weder Ständer noch Füße, sondern Hände . Mag mancher drüber lächeln, es ist so und ein Waidmannsohr wird von solchem »schön« beleidigt, wie das Ohr eines Musikers von einem falschen Ton. Bekanntlich war es im vorigen Jahrhundert Brauch (auch bei fürstlichen Lustjagden). daß sich derjenige, welcher in der Waidmannssprache fehlte, dem sog. Pfundgeben unterwerfen mußte, indem er auf einen Hirsch oder Stück Wild gelegt wurde und von dem Jagdherrn oder obersten Jäger mit dem Hirschfänger drei Schläge auf den Hintern bekam, wobei der Executor rief: »das ist für fürstlich gnädige Herrschaft! das ist für Ritter, Reiter und Knecht! das ist das edle Jägerrecht!« Dabei mußten die Jäger die Waidmesser entblößt halten und wurde das Waldgeschrei erhoben. Fürstlichen Personen gab der Fürst die Pfunde. Damen ließ man das Wild mit der Hand berühren und sie erhielten auf diese drei leichte Schläge, wenn der Jagdherr die Sache gelinde nahm. Will man einen Rehbock waidmännisch loben, so muß man ihn einen guten oder starken Bock nennen und im Falle besonderer Auszeichnung einen »Capital-Bock.« Vor Zeiten muß es weit stärkere Rehböcke gegeben haben als gegenwärtig, denn alle größeren Geweihsammlungen liefern die Beweise davon, ja es hat sogar den Schein, als habe eine besondere Art von Rehen existirt, die nun ausgestorben oder ausgetilgt ist. Jeder Jagdfreund kennt die 1½–2 Schuh hohen vielsprossigen Geweihe jener Böcke, die sich besonders von den noch heute vorkommenden dadurch unterscheiden, daß die Rosen verhältnißmäßig klein und oft über halbfingerbreit von einander abstehend sind, während sie an dem Gehörn starker Böcke unserer Tage meistens einander berühren oder nur bei geringen Böcken ein ähnlicher Abstand der Rosen bemerkbar ist. Es kommen in manchen Gegenden auch Hirsche vor, die so schlecht aufsetzen, daß das Gehörn jener Urböcke ihrem Geweih fast gleichkommt. Auch ist gegenwärtig ein Achterbock schon eine Seltenheit, an jenen Stangen zählt man aber oft 12, 14 und mehr Enden. Die in ihrer Art einzige Geweihsammlung des Grafen Arco-Zinneberg in München enthält gegen 200 Stück solcher Rehgeweihe (in Bayern Gewichte, Gewichteln genannt), welche alle ziemlich denselben Bau zeigen und nur an einigen sind die Rosen groß und nahestehend. Ich habe bei vielfacher Erkundigung niemals einen bestimmten Fall ausfindig machen können, daß in unserer Zeit ein Bock mit solchem Geweih geschossen worden wäre und aus älterer Zeit kenne ich nur zwei Angaben darüber. Es findet sich nämlich im Schlosse Harmeding in Oberbayern ein dergleichen Geweih und darunter das v. Barth'sche Wappen mit der Jahrzahl 1586; ferner fand sich beim Abnehmen eines solchen Geweihs aus der Arco'schen Sammlung von dem geschnitzten Kopf, auf den es aufgesetzt war, unter der Schale ein Zettel mit der Angabe »Geschossen zu Mariakirchen im Rotthal, Patrimonialgericht Baron Pfetten, 1749 vom Jäger Rehbock.« Der Name Rehbock kommt bei unsern Jägern öfter vor. Wildungen beschreibt dergleichen Geweihe aus der Sammlung des Fürsten Witgenstein-Berlenburg, welche aus Ungarn herstammen sollen und sehr alt sind. Auch er ist der Meinung, daß sie einer eigenen nun ausgestorbenen Rehgattung angehört haben, während Einige behaupten, daß sie noch in Ungarn vorkomme. Die Vignette am Schluß zeigt das Geweih eines solchen Urbocks neben einem aus unserer Zeit; dazu eine Abnormität. Das Geweih von 43 Enden, welches von einem bei Bamberg erlegten Rehbock, der von Ridinger abgebildet worden ist, scheint ungeachtet der vielen Enden nicht jener Art des Riesenrehs zugehörig. Es besteht aus mehreren verwachsenen Stangen. Die alte Unterschrift der Abbildung sagt: Im Stift Bambergk sprich ich ist wahr Des Rehbocks Gestalt also im Jahr Siebenzig sieben der weniger Zahl Mit sammt andern gefangen zmahl. Christoph von Krailsheim den ich meldt Zu Walsdorff die erlegt im Feldt Den 7ten Novembris ist es geschehn Welches viel vom Adel han angesehn Von seinem Gehörn fürwahr ich meldt Drei und Vierzig Endt daran waren gezehlt, Derhalben ein Wundergewächs der Welt. Landau spricht von einem Rehbock, welcher kaum ein anderer als der hier beschriebene ist, es heißt aber, daß 1577 zu Walldorf bei Meiningen ein Rehbock mit einem Gehörn von 34 (statt 43) Enden erlegt und dieses auf dem dortigen Schloß der v. Krailsheim aufbewahrt worden sey. Ein Walsdorf mit einem v. Krailsheim'schen Schlosse besteht übrigens im Bamberg'schen und liegt an der Aurach. Wie ausgezeichnete Hirschgeweihe in besonderen Ehren gehalten wurden, so geschah es auch mit dergleichen Rehegeweihen. Als Beweis dient unter andern ein Brief eines Hans Georg Hertrich von Edelstadt aus Idstein, welchen er im J. 1586 an den Landgrafen Ludwig IV. von Hessen nach Marburg schrieb: Landau a. a. O. »E. F. G. kann oder mag ich mit höchlich bekümmertem und betrübtem Gemüth unterthänigst nicht verhalten, daß so fröhlich und guter Ding bei E. F. G. gewesen, ich nunmehr viel tausendmal mehr bekümmerter und trauriger bin, denn mir zweifelt nicht, E. F. G. werden selbst gesehen und vernommen haben, wie höchlich ich mich wegen der 2 Rehegewichte, so E. F. G. mir zu ewiger Gedächtniß geschenkt, erfreuet, derselben ich auch meinen Hals tapfer daran gesetzt und wie mich dünkt weidlich genug gesoffen; darauf dann E. F. G. die Rehegewicht gnädigst liefern lassen (diese waren also der Preis eines gewaltigen Trunks). Wie ich aber dieselbigen einem Boten zugestellt, daß er sie nach Gleiberg tragen solle, hat sich derselbe ehrlos vergessene Lecker und Bub über meinen Befehl voll Weins gesoffen und die beiden Rehegewicht entweder in der Stube stehen oder sich nehmen lassen; darüber ich auch so hart ergrimmt und erzürnt gewesen, daß wo ich seiner armen Weib und Kinder nicht verschont, ich mich leichtlich an dem Lecker hätte vergessen mögen \&c.« Er bittet nun den Landgrafen eine Untersuchung anstellen und den Dieb bestrafen zu lassen und versichert, daß er lieber 50 Thaler verloren habe, aber es gehe gemeinlich dem Sprichwort nach »wann unser Herrgott ei'm etwas beschert, so ist dol sant Petter und mißgönnt es ei'm.« Ein guter Sechserbock ist gegenüber dem Jäger seines Lebens fast zu keiner Zeit sicher und auf alle Weise gefährdet, durch die Birsch, auf dem Anstand und im Treiben. Dazu kommt noch Ende Juli und im August, daß er auf's Blatten (wobei der Ruf eines Schmalrehs durch ein Blatt oder ein eigenthümliches Instrument nachgeahmt wird) springt und so in den schönsten Momenten aufwallender Liebeslust von dem erbarmungslosen Blei getroffen wird. Durch die genauen Untersuchungen des berühmten Physiologen Bischoff ist nun der vieljährige Streit über ächte und falsche Brunft des Rehs dahin entschieden, daß in der Blattzeit die ächte Brunft stattfinde und die Tragezeit der Gais 40 Wochen sey. Wenn ihm die Zeit, wo er das Gehörn abwirft, einigen Vortheil des Durchkommens gewährt, da ihn dann mancher ungeübte Schütze für eine Gais (Ricke Nach Landau sagte man im 15. Jahrhundert für Rehgais auch Rehziege, Rezege. Daraus soll Ricke entstanden seyn. ) hält, so ist wieder der eintretende Winter sein Feind und wird mancher vom Harsch (hart gefrorner Schnee, der dünne Krusten bildet) beim Durchtreten an den Läufen verwundet, eine Beute der verfolgenden Füchse, wenn er durch mangelnde Aesung gelitten hat und kraftlos geworden ist. Wäre sich der Rehbock aller dieser ihn bedrohenden Calamitäten recht eigentlich bewußt, er würde nimmer so muthwillig in die Büsche stoßen oder frisch schallend mit dem Lauf stampfen, wenn er Verdächtiges zu bemerken glaubt, oder am hellen Tag die Gais über die freie Wiese jagen und kämpfend seines Gleichen verfolgen. Diese Kampflust ist mitunter sehr groß. Ich traf einmal bei einem Birschgang zwei kämpfende Böcke, die sich über einen kleinen Graben immer hinüber und herüber stießen. Ich nahm den stärkeren auf's Korn und er stürzte im Schnall vor seinem Gegner nieder. Dessenungeachtet rannte dieser nicht weg, sondern setzte sich nach einem Sprung sogleich wieder in die Kampfstellung und betrachtete noch einmal drohend den verendenden, ehe er flüchtig ging; auch schoß ich einmal einen Bock, der offenbar gescheucht aus dem Holz auf eine Wiese rannte und während ich mich zum Aufbrechen desselben anschickte, kam ein zweiter, der verfolgende Bock aus dem Holze, welches nicht hundert Schritte entfernt war und obwohl er mich sehen mußte, näherte er sich doch und kehrte erst um, als ich nach der Doppelbüchse langte. Ohne Veranlassung solcher Kampflust oder Eifersucht ist aber der Rehbock sehr scheu und wenn er etwas Verdächtiges bemerkt oder der Wind nicht ganz gut ist, so bleibt er zwar manchmal schallend stehen oder schreitet mit eigenthümlich hochaufgezogenen Läufen schallend weiter, aber sucht doch bald das Dickicht, während die Gais viel neugieriger und kecker sich zeigt. Hat man z. B. einen Baum zur Deckung gewonnen und sie bemerkt einen ein wenig, so zieht sie mit den Läufen stampfend und schallend (schmählend) näher heran mit vorgestrecktem Halse spähend, was denn hinter dem Baum sey; man kann sie so, indem man um den Baum herumgeht und nur zuweilen etwas hervorschaut, dieselbe Runde machen lassen. Leider wird sie mit dieser Neugierde und Sorglosigkeit oft genug die Beute des Wildschützen. Einen guten Rehbock beim Treiben zu schießen, wenn er in voller Flucht vor den Hunden kommt und namentlich gegen das Ende des Triebes so recht im drunter und drüber des Jagdlärms, ist ein lustiges Ding, ihn aber auf der Birsche zu erlegen bietet ungleich mehr waidmännisches Vergnügen. Es genießt aber nur der ein solches vollkommen, welcher nicht am Gängelbande eines Jagdgehilfen seine Wege macht, sondern allein geht, das Wild sich sucht, erlegt und nach Hause trägt. Die Begleitung hat natürlich ihre Vortheile, wo man des Reviers nicht kundig, aber wie mancherlei Störungen bringt sie mit sich, will man der flüsternden Phantasie lauschen, will man der Spannung sich hingeben, welche solche Gänge mit sich bringen. Trifft noch das Unglück, daß man einen ungeschickten oder schelmischen Gesellen an der Seite hat, dann ist's gar aus mit der ganzen Birscherei. Da stolpert ein solches Individuum im geltenden Augenblick mit bleiernem Fuße über ein Gewirr von dürrem Astwerk und murmelt noch einen Fluch hinterdrein, den jeder Rehbock hören muß, wenn er nicht taub ist, da hetzt er den Schützen zu eiligem Schießen und macht das Herz noch ärger schlagen, als es ohnedem schon der Fall ist, oder er mahnt vom Schießen ab, um näher zu kommen, wo es ohne Geräusch nicht mehr möglich ist u. s. w. Ein Schelm winkt wohl gar hinter dem anbirschenden Schützen dem hergaffenden Bock mit dem Hut einen schönen Gruß zu, den dieser schnell genug versteht und in's Holz rennt. Dann großes Erstaunen von beiden Seiten, warum der Bock ausgerissen »hat leicht der Wind umgeschlagen, der verdammte Wind wechselt alle Augenblick, es muß schlechtes Wetter geben.« Oder man bemerkt beim Weitergehen auf tausend Schritt ein altes Weib im Feld, welches zur Frühmesse wandelt. Da muß dieses schuld gewesen seyn und man verwünscht das Weib. Der Jäger kennt sie, ist schon die rechte Hexe, hat nie einer Glück, dem sie begegnet. Statt der Birsche wird nun von den alten Weibern gesprochen, wie es zu fürchten sey, wenn sie einem Glück wünschen, wie der und der immer umgekehrt und nach Hause ging, wenn ihm ein altes Weib in den Weg kam, und was zu thun sey, um den Zauber unschädlich zu machen, daß dazu die Hexe auf der Büchse oder Flinte einige Schritte reiten müsse, wie auf einem Steckenpferd und dergleichen. Zur Beruhigung ängstlicher Gemüther für solchen Fall kann ich anführen, daß ich auf das Waidmanns Heil freundlicher Frauen, die gerade keine heurigen Hasen mehr waren, doch einmal einen Hirsch von 12 Enden und ein anderesmal einen von 14 Enden geschossen habe. Wie anders aber ist es, wenn man allein auszieht beim Grauen des Tages, da noch im Westen die Sterne funkeln, und den schwarzen Waldsäumen zueilt über bethaute Wiesen und Felder, dann leise durch's Vorholz schleichend herumspäht und so die ersten Strahlen der Sonne begrüßt und mit dem wehenden Hauche des Morgens frische Gedanken einathmet, welche das Gemüth klären und zu muthiger Lust erheben. Alles ringsum so still und regungslos, alles noch vom Zauber des Schlummers gebannt, nur im Osten zieht es langsam herauf mit heller und heller werdendem Scheine. Durch die Nebelschleier, die dicht am Boden gebreitet, ziehen die Rehe nun wie Schatten gegen das Holz, da und dort verweilend in den blumigen Gräsern; ein Fuchs begegnet wohl auch auf seiner Birsche dem Waidmann und verschwindet mit einem lautlosen Sprung im Dickicht, ein Hase, stets kümmerlichen und besorgten Ansehens, äst seine Kräutlein im Feld. Nun vorsichtig und wohlgedeckt vorwärts und das »eile mit Weile« dabei nicht vergessen, und achte auf den Wind und auf das Wild und geh' und steh' zur rechten Zeit. Auch der Anstand am Abend hat mannigfache Genüsse, und gerne bleibt man bis zur einbrechenden Nacht sitzen, wenn man einmal dem eigenthümlichen Leben der Natur, welches dann beginnt, seine Aufmerksamkeit geschenkt hat. Ein seltsames Geknister und Geflüster geht um die alten Bäume und bewegt sich in den dürren Aesten und rauscht durch's gefallene Laub; das Käuzlein läßt seinen schrillen Ruf hören und kreist leisen Flugs um den lauschenden Jäger. Der Himmel mag wissen, was sich da alles regt und kriecht und schleicht, es liegt aber in dem verstohlenen, sich gleichsam verbergen wollenden Treiben etwas Unheimliches, und ist als wollte die mit der Nacht wandelnde Furcht gerne auch am Waidmann anklopfen und ihm das Herz bewältigen. Dazu dann der aufgehende Mond und die langen Schatten vom Wald her, die erwachende Erinnerung an manches Abenteuer solcher Stunden, an Sagen und Märchen, das Alles zusammen und man ist nicht mehr allein in der wilden Einsamkeit, und es ist nicht langweilig wie Mancher meint. Bei solchem Waidwerk ist ein guter Hund der freundlichste und nützlichste Begleiter. Wie er theilt kein Diener die Freuden und Aufregungen seines Herrn, und manche Birsche gelingt nur durch ihn, sey es, daß er nach dem Wild windend dessen Stand verräth, wo man gar nicht dran dächte, oder daß er in hohem Grase die rothen Tropfen findet, die der Waidmann nach dem Schusse so gerne sieht. Und muß der Hund gelöst werden, und es geht die Jagd in die verwachsenen Gründe, und man hört, wie er Standlaut gibt, wie zieht man nach in freudiger Eile, wie lobt man den lieben Daxl, wenn der erlegende Schuß gefallen! Einen guten Hund bei solcher Jagd zu beobachten ist ein um so größerer Genuß, als man sich bewußt ist, daß kein Falsch an ihm, daß keine Nebenabsicht und keinerlei Affektation seine Bewegungen lenkt, wie das an menschlichen Wesen, und wären sie auch die rauhen Söhne des Waldes, oft genug vorkommt. Dabei sind die Hunde individuell sehr verschieden, wenn auch von gleichen Talenten, und hat der eine diese, der andere jene Eigenthümlichkeit. So gibt es Schweißhunde, welche gerne Bögen schlagen und doch immer wieder auf die Fährte kommen, während sie andere Schritt für Schritt verfolgen, und gibt einige, welche man frei suchen lassen muß, die dann auf den Jäger warten, wenn sie Schweiß haben, als wollten sie ihm denselben zeigen, oder auch nach einiger Zeit mit einer Miene zurückkehren, aus welcher deutlich zu lesen: »thut mir leid, ist nicht getroffen.« Was die Nase eines solchen Hundes anbelangt, so hatte ich Gelegenheit, einen merkwürdigen Fall zu beobachten. Der Forstwart Sagenbacher in Tegernsee besaß einen Hund (von einer guten Race des Baron von Gemmingen in Stuttgart), welcher eine Kugel, die auf etwa hundert Schritte in den Boden oder nieder in einen Baum geschossen wurde, zu finden wußte. Der Forstwart war auf diese Eigenschaft des Hundes aufmerksam geworden, als er nach einem Rehbock, der in einem Schlag an einem Berghang äste, geschossen hatte. Der Bock sprang weg, und beim Suchen auf den Anschuß bemerkte der Jäger, daß sich sein Hund mit eifrigem Zerwühlen eines morschen Baumstocks beschäftigte. Da von Haaren und Schweiß nichts zu finden war, untersuchte er den Stock und fand drinn seine Kugel. So machte es der Hund auch, wenn Sagenbacher, von der Jagd heimkehrend; seine Büchse auf die in der Nähe des Hauses angebrachte Scheibe abschoß. Der Hund sprang jedesmal an der Scheibe hinauf, als wollte er die Kugel haben. Diese Geschichte klang mir so wunderlich, daß ich selbst einen Versuch mit dem Hund anstellte. Etwa hundert Schritte von der Scheibe, wo er öfters gesucht hatte, war ein Grashang und daran ein Büschel weißer Blumen. Ich ließ dem Hund die Augen zuhalten und schoß in die Blumen. Dann wurde er freigelassen. Sogleich sprang er nach der Scheibe, schnopperte da ein wenig herum, verließ sie aber schnell wieder und schlug nun Bögen, und zwar in ziemlichem Lauf, bis er in die Nahe der Blumen kam. Da fing er an langsamer zu suchen, kam immer näher dran und wühlte nun eifrig in die Erde, wo die Kugel steckte. Von der Intelligenz und dem Gehorsam guter Jagdhunde kann man sich bei uns im Gebirg oft überzeugen, denn viele Jäger legen ihren Rucksack Der Rucksack ist ein Sack, meistens von grünem Zwilch, mit einem Zug versehen, um ihn auseinanderzulassen und zusammenziehen zu können. Er faßt leicht einen Rehbock und wird auf dem Rücken mittelst zweier Armbänder, Gurten oder Riemen, getragen. Wer diesen Sack einmal kennen gelernt hat, der zieht ihn gewiß allen andern Jagdtaschen, Ranzen u. dergl. vor. Dem Bergjäger ist er unentbehrlich und dient ihm in so mannigfacher Weise, daß, ließe sich sein Erfinder ausmitteln und lebte er noch, die Jägerei ihm zu einer Ehrenbelohnung verpflichtet wäre. weg und bedeuten dem Hund, dabei liegen zu bleiben, wenn sie sich auf ein gesehenes Stück anbirschen wollen. Der Hund bleibt, auch bei einem Schuß des Jägers, ruhig liegen, bis er geholt wird, und empfängt dann den Herrn mit tausend Freudenbezeugungen. Wenn daher der Altmeister Goethe in seinen Epigrammen aus Venedig (Nr. 73) sagt: »Wundern kann es mich nicht, daß Menschen die Hunde so lieben, Denn ein erbärmlicher Schuft ist, wie der Mensch, so der Hund.« so mag man sich an diesen Versen ein warnendes Beispiel nehmen, zu welchen Verirrungen auch ein großes Genie kommen kann, wenn es eben gar kein Jäger ist. Die alten Gallier waren darin gerechter und poetischer, denn sie schmückten beim Dianenfest ihre Jagdhunde mit Blumen, und ein Sprüchlein von 1582 hat auch eine gewisse Geltung, wenn es sagt: »Vnder alln Thiere am liebsten hat Der Hund den Menschen wirt nicht mat. Wie Weib jetzt lieb, bald wiedr schabab, Darvbr mich offt verwundert hab.« Die Rehjagd in Bayern muß in älteren Zeiten nur unbedeutend gewesen seyn, wie aus dem Jagdregister des Herzogs Wilhelm IV. von 1545 und noch mehr aus dem des Herzogs Albrecht V. erhellt, welcher in 25 Jahren nur 100 Rehe erlegte. Die Rechnungen des Klosters Tegernsee von 1568–1580 in 13 Jahren führen nur 48 Rehe an, zweihundert Jahre später aber in gleicher Zahl von Jahren 575 Rehe. Von 1674–1691 wurden jährlich im Durchschnitt nur 37 Rehe in den Münchner Hofzöhrgaden geliefert. Aehnlich war es in Hessen. Vor hundert Jahren aber war bei uns der Rehstand schon der Art, daß jährlich gegen 200 Rehe in's Münchner Zwirchgewölb geliefert wurden. Um München war der Rehstand in mehreren Revieren, Alach, Grünwald, Schleißheim \&c. vor dem Jahre 1848 ein ausgezeichneter und auf den Jagden, welche König Maximilian I. und König Ludwig bei Sendling hielten, wurden mehrmals 100 bis 136 Rehe und gleichzeitig gegen 400 bis 1000 Hasen erlegt. Im Lochheimer-Schlag (Sendlinger Revier) wurden um 1845 in freier Jagd in einem Bogen 135 Rehe, darunter über 100 Böcke, geschossen. Ein sehr guter Rehstand war ferner in Unterbrunn und besonders in Eberfing bei Weilheim, wo auch Karl Theodor manchmal ein »Klopfet« hielt. Man wird kaum anderwärts etwas dieser Art aufzuweisen haben, denn es war 1843 nicht besonders schwer, im Mai oder Juni dort an einem Tage auf der Birsch 6–8 gute Sechserböcke zu schießen, und der General Baron von Zweibrücken gewann einmal die Wette, in 8 Tagen auf der Birsch 36 Böcke zu erlegen. Ebenso war das zwischen Weilheim und dem Ammersee gelegene Reisdinger-Moos reich an Rehen und man konnte den ganzen Tag hindurch birschen, denn das Moos war theilweise ganz frei und die Rehe immer zu sehen und eine Menge kleiner Heustädel machten das Anbirschen möglich. Da war Waidwerkslust, denn es gab nebenher Auerhähne und Spielhähne, also zuerst auf diese, dann heim und sich stärken mit erklecklichem Frühstück, und dann auf die Birsche in's Moos hinaus. Gegenwärtig ist kaum mehr ein Reh dort zu finden, das Jahr 1848 hat sie vertilgt, wie auch die zu Germering, Pframering, Anzing \&c. Von 1841–1845 incl. sind in's Münchner Zwirchgewölb 6243 Rehe und 551 Kitze geliefert worden, also über 6mal mehr als vor ungefähr hundert Jahren. Die Rehe gehen im Gebirg ziemlich hoch hinauf und im Mittelgebirg ist es keine Seltenheit, daß beim Treiben auf Gemsen auf einem der höher gelegenen Wechsel ein Gemsbock und ein Rehbock geschossen wird, wie im Tegernsee'schen, in Bayrischzell, Hohenschwangau \&c. öfters (mir selbst) geschehen und noch geschieht. Der Rehstand dort hat zwar durch die unsinnige Bauernwirthschaft von 1848 auch sehr gelitten, und waren selbst die Jäger an manchen Orten genöthigt, Alles niederzuschießen, um dem Treiben ein Ende zu machen, gegenwärtig aber hat es sich damit wieder in erfreulicher Weise gehoben und in manchen Revieren des Allgäus, um Ettal, Kohlgrub, Partenkirchen und Hohenschwangau ist ein guter Rehstand. Ebenso um Rosenheim und Berchtesgaden. Im Reichswald bei Nürnberg werden auf 90,000 Tagwerk nachhaltig jährlich 200 Böcke und 20 Galtgaisen geschossen, und auch in der Umgegend von Würzburg, im Guttenberger- und Gramschazer-Wald, im Steigerwald, Frankenwald, Fichtelgebirg und vorzüglich in der Pfalz ist guter Rehstand. Bei München werden im Grünwalder Park Rehe gehegt. Der Churfürst Karl Albrecht ging öfters auf's Rehblatten, ebenso Maximilian III. Auch der regierende König und die Prinzen pflegen zuweilen dieser Jagd. Weiße Rehe gab es in der Gegend von Banz noch 1846; ein weißer Rehbock wurde auch 1849 im Forstamt Pressath erlegt und im vorigen Jahrhundert ein solcher in Hohenschwangau (1783) mit großer Arbeit lebendig gefangen. Es wurden dazu von München drei Tücherwagen hingeschickt und der Meisterjäger Moosmüller nebst mehreren andern Jägern abgeordnet. Der gefangene Bock wurde nach Nymphenburg gebracht. Dergleichen weiße Rehe sind Kakerlaken, die Lichter (Augen) sind immer roth. Auch schwarze Rehe sind vormals in der Gegend von Weissenburg und Pappenheim vorgekommen, und Schecken auf dem Revier Schwand bei Schwabach, sie hatten weiße Blässen, weiße Unterläufe und Schaalen. Nach Landau finden sich schwarze Rehe auch im Schaumburger-Wald in Hessen und gab es zu Anfang dieses Jahrhunderts bleifarbene in den Erbach'schen Forsten. Winkell führt mehrere dergleichen seltenfarbige Varietäten aus dem Anhalt-Dessau'schen an und beobachtete, daß eine gewöhnliche rothe Gais wiederholt weiße Kitze gesetzt habe. Daß Gaisen Geweihe aufsetzen, kommt auch zuweilen vor, und wurde bei uns eine solche mit bebastetem Gabelgeweih im Jahre 1833 im Revier Hofolding (Forstamt München) geschossen. Scheitlin Thierseelenkunde II. 140. erwähnt des höchst seltenen Falles eines Rehbastards, von einem Rehbock und einem Schaf abstammend. Er hatte Aehnlichkeit mit dem Reh. Der gelehrte Thierpsychologe macht dazu die seltsame Bemerkung: »daß die Natur solche Geschöpfe wie nur zur Probe hervorbringe, um zu sehen, was werden könne (denn sie ist nicht allwissend), die Probe dann aber, wenn sie sie gesehen, umkommen mache, ist bekannt genug.« Danach muß die Natur entweder sehr ungeschickt im Probiren seyn, denn bis jetzt sind Bastarde, die sich fortpflanzen, nicht bekannt, oder es ist ihr unrichtigerweise eine Tendenz zugeschrieben, die sie nicht haben kann. Wir halten unmaßgeblichst dafür, daß letzteres der Fall sey. Der Fuchs. Dem Rehbock folgt als ein fast äquivalentes Stück der niedern Jagd, der weltbekannte und berüchtigte Fuchs ( Canis Vulpes ). Die Freude, diesen listigen Schelm zu erlegen, ist für viele Jäger noch größer als die, einen guten Bock zu fällen. Hat er doch jeden Waidmann oft genug geärgert und erbost gemacht. »Herr! ich könnte die Drangsal, die mir der Bube bereitet Nicht mit eilenden Worten in vielen Wochen erzählen. Würde die Leinwand von Gent, so viel auch ihrer gemacht wird, Alle zu Pergament, sie faßte die Streiche nicht alle.« (Reinecke Fuchs.) Da soll man seiner Ränke wegen aufpassen wie ein Haftenmacher, da soll man die Augen im Kopf haben, wie eine Schnepfe, um links und rechts auf sein Erscheinen zu lauern, denn er wählt gerne den engsten Gang durch's Dickicht, wo man geradeaus gar nichts sehen kann, da muß man oft das Gewehr an den Backen werfen und losdrücken zugleich, sonst ist's mit dem Schießen vorbei. Vergebens liegen manche Schützen schon beim ersten Treiberruf im Feuer und zielen in die Lücke, die er, wie sie meinen, passiren muß, entweder er passirt sie doch, und ist sie etwas eng wie gewöhnlich, so rupft ihm der Schuß meistens nur die Blume der Ruthe, oder er kommt wo anders und schlägt bei der kleinsten Wendung des Schützen um und verschwindet. Er hat ein solches Talent, sich zu schirmen, daß er beim Umschlagen selbst im lichten Holz meistens entrinnt, indem er die ihn möglicher Weise deckenden Bäume meisterhaft zu benützen versteht. Oft scheint er gar harmlos und vertraut daherzutraben, man meint, er denke an nichts, es ist noch kein Treiber laut, kein Hund los, man fährt möglichst langsam mit der Flinte auf, er merkts und weg ist er. Bald kommt er lange vor dem Treiben, wo der Waidmann die kurze Frist der Ruhe zu einigem Imbiß verwendet, bald fährt er wie ein Pfeil aus den Büschen, wenn die Treiber schon an den Schützen sind. Da man noch mit Steinfeuer schoß, sprang er oft aus dem Schuß, ehe das abbrennende Zündkraut die Pulverkammer erreichte, bei den Kapseln geht das nicht mehr so leicht, obwohl Manche behaupten, daß er es noch thue, gleichsam instinktartig vorauswissend, wenn es knallen werde. Es hilft auch kein Anzug, der ihm den Jäger unkenntlich machen könnte, wenn er diesen einmal verdächtig anschaut, und trüge einer selbst ein Kleid von Tannenrinde oder von wahrhaftigem Buchenlaub, so nützt's nicht viel, denn man sagt, er kenne die Augen und ihren Glanz auf den ersten Blick; es haben deshalb wohl auch Superfeine die Augen gar zugemacht, wenn sie einen Fuchs nahen gesehen, um ihn auf sichere Schußweite herzulocken, aber meistens war er verschwunden, wenn sie dann die Augen zum Schießen begierig wieder aufgemacht haben. Weil er nun sowohl den Waidmann als die dafür gelten wollenden Flintenträger oft genug zum Narren hält, so verfällt der Fuchs auch Verwünschungen und Schimpfnamen, wie sie z. B. für den Hirsch nach Waidmannsbrauch nicht geduldet sind, denn der Hirsch darf niemals geschimpft werden. Der Fuchs aber muß Alles leiden, und ich kann mir nicht versagen, anzuführen, wie Wildungen über ihn spricht. Er sagt:   »O des Buben! Ueber seinen Ränken Geh'n mir Sprache schier und Odem aus! möcht' ich mit weiland Bürger ausrufen, wenn ich seiner unerschöpflichen List, seiner tausendfältigen Jagd- und Fangkünste gedenke, die kein Jäger – denn wahrlich! nur wenige sind schlauer als er – jemals auslernen wird. Kurz, er ist der wahre Harumpascha aller vierbeinigen Schelme, und der allerabgefeimteste Wilddieb, soweit ihn der Balg berührt.« Mit denselben Versen schließt auch Diezel sein Kapitel über den Fuchs, indem er beifügt, daß sie kurz zusammenfassen, was über die List und Rachgier dieses rothen Spitzbubengesichts zu sagen sey. Schon im Sachsenspiegel (1215) ist der Fuchs, wie der Wolf und Bär behandelt und vom Bann ausgenommen, d. h. jeder durfte ihn tödten. Genauer betrachtet ist aber am Fuchs doch eigentlich nur der Fehler, daß er gescheiter ist, als anderes Wild, und daß er keine Maus frißt, wenn er ein Rebhuhn speisen kann, wobei ihm jedoch immer gar hoch angerechnet wird, daß er sich nicht von jedem Juchtenstiefler todtschießen lassen will. Die Thierpsychologen erkennen die Begabtheit des Fuchses besonders daran, daß er durch die Nähe des Menschen und durch dessen Nachstellungen verhältnißmäßig viel klüger, vorsichtiger und listiger werde als andere Thiere, und daß an ihm wahre Elternliebe zu beobachten, die so weit gehe, daß wenn die Jungen sich über das Zappeln einer Maus oder eines Vogels mit allerlei Kreuzsprüngen freuen, die Alten diese Sprünge mitmachen, um die Lust der Kinder zu steigern. Umgekehrt aber zeigen die Kinder dergleichen Liebe nicht immer gegen die guten Eltern oder unter einander, denn man hat beobachtet, daß sie die angeschossene Mutter, die nach dem Bau flüchtete, ohne Umstände aufgefressen haben, wie auch ein bei ihren Scherzen und Raufereien verwundetes Individuum öfters einem solchen Schicksal verfallen ist. Die Urtheile des Volkes über den Fuchs lauten je nach den Umständen, wie immer, sehr verschieden. Ich ging einmal mit einem Jäger auf die Birsch und wir passirten zwei nahegelegene Bauernhöfe. Vor dem einen rief uns ein Weib zu: »So schießts do' amal den verdammt'n Fuchs, der ma' meini Hendln bein helllichten Tag holt, den Teufi d'erschießts amal, i' bitt' Enk gar schö'.« Beim zweiten Hof stand ein Bauer, der uns anredete: »Gel' habt's ma' jetz' mein Fuchs d'erschoß'n, hätt's aa' 'was Gscheiters thoa kinna. Hat so fleißi g'maust auf mein' Feld, daß i' mei' Freud dra' g'habt ho'.« So gehts auf der Welt, der Fuchs soll sich mit Mäusen begnügen und die Menschen mit Kartoffeln, dafür sollen sie sich tüchtig plagen und arbeiten und nicht nach Besserem verlangen. Der Fuchs kümmert sich aber um solches Ansinnen nicht viel und frißt einen guten Bissen, wo er ihn haben kann, ja er wagt selbst manchmal mit auffallendem Leichtsinn den Balg drum. Nebst allen Vögeln In Surrey ist ein Fal1 beobachtet worden, aus welchem der Berichterstatter den Schluß zieht, daß der Fuchs sogar mit einem mesmerischen Einfluß begabt sey und ihn zum Fangen geltend mache. Ein Fuchs rannte fortwährend um einen Baum, auf den sich Federvieh geflüchtet hatte und es dauerte nicht lange, so fiel dieses in großer Verwirrung herunter und trug der Fuchs seinen Braten davon. hat er es besonders auf die Hasen gepackt; es ist als reize ihre Furchtsamkeit und Feigheit seinen Zorn und gar oft gereicht ihm dieses zum Verderben, da ihn der Jäger durch Nachahmen des Kleinkinder-Geschrei's eines verzweifelnden Hasen herbeilockt und niederschießt. So wird er gar vielfach getäuscht trotz seiner Verschlagenheit, und wäre ihm diese nicht in so hohem Grade verliehen, es wären gar wenig Füchse auf der Welt, denn abgesehen davon, daß er an vielen Orten zu jeder Zeit geschossen wird, so stürmt man auch erbarmungslos seine unterirdischen Wohnungen und würgt seine lieben Kinder, und wahrhaft grausig sind die Apparate der Eisen und Fallen und Schnellhaken anzusehen, die man zu seiner Vertilgung ausersonnen hat. Mit Rauch und Gift verfolgt man ihn sogar, kurz, barbarisch wird ihm zugesetzt, aber Unkraut verdirbt nicht, und wie es trotz aller Verfolgungen immer Spitzbuben gibt, so gibt es immer Füchse. Das kommt zum Theil auch daher, daß der Fuchs um seinen Aufenthalt und Wohnsitz nicht zu wählerisch ist, Berg und Thal, ein Sumpf, ein Felsenloch oder ein hohler Baum, überall ist er heimisch und macht man's ihm an einem Platz gar zu bunt, so kümmert er sich nicht viel um das Vaterhaus und die Spielplätze seiner Jugend, wechselt das unterirdische Quartier, wie's gerade kommt, oder geht auch auf Reisen in wildfremde Gegenden, seinem Genie vertrauend, welches ihm schon durchhelfen wird. An Orten wo Rehe und Hasen nicht aufzubringen sind, wird er aber auch gehegt und zuweilen nimmt man ihm auch die Jungen vom Bau, um sie in sicherem Verschluß zu erziehen und dann gelegentlich dem Jagdherrn einen Bogen damit fettzumachen. Ich habe einmal eine solche Jagd erlebt, und da die Vorbereitungen nicht bekannt waren, so nahm sie sich seltsam genug aus. Man sprach von einem Hauptbogen auf Füchse. Als der Trieb angeblasen wurde, schickte einer meiner Nachbarn seinen Gewehrträger vor, um einen hinderlichen Tannenbusch zu stutzen. Ich ärgerte mich über dieses Verfahren in solchem Augenblick, da es meinen Riegel leicht beeinträchtigen konnte, und wollte schon abwehren, als zu meinem Staunen ein Fuchs dicht neben dem hackenden Burschen hinlief und von seinem Herrn geschossen wurde, da dachte ich, es könne ein wüthender Fuchs gewesen seyn, denn ein solcher rennt wie taub und blind herum, aber bald darauf kam zugleich mit einem Laut gebenden Dachshund ein anderer Fuchs, beide mit seltsamen Sprüngen und ich konnte deutlich bemerken, daß der Fuchs mit dem jungen Hund scherzen wollte; da war die Art des Wildes freilich klar. Solche auferzogene oder wie man sagt aufgeluderte Füchse haben gegen die wildfreien einen schlechten Balg und sehen meistens verkümmert und schäbig aus. In Bayern fehlt es nicht an Füchsen und gibt deren viele in den Forsten um München, Ebersberg, Freysing, in Niederbayern \&c. Früher waren sie besonders zahlreich im Forstamt Schongau und um Weilheim, und in den 17 Revieren um Landsberg wurden jährlich 500–600 Füchse geschossen, meistens an den Ufergehängen des Lech und der Amber. Im Revier Pullach bei München wurden sie in einem Bogen gekörnt und dann bei den königlichen Jagden bis zu 200 Stück erlegt. Daß ihnen unsere Jäger fleißig nachstellen, beweist, daß von 1841–45 nicht weniger als 7706 Füchse beim Zwirchgewölb in München verrechnet worden sind. Gegenwärtig wird ein Fuchsbalg zu 3 fl.. 30 kr. verkauft, während er noch vor wenigen Jahren 1 fl. 12 kr. kostete. Um des Nutzens willen, welchen der Fuchs durch das Mausfangen für die Felder gewährt, hat er zu Zeiten wohl auch Gnade gefunden und sind darüber bayerische Mandate von 1616–1648 vorhanden, wo das erstere das Fuchsgraben auf den Hauptliegern verbietet und das andere befiehlt, daß in Zeiten wo die Feldmäuse allzusehr überhand nehmen und die Getreidefelder beschädigen, das Fuchsjagen auf 3 Jahre eingestellt werden soll. Bei einer schrecklichen Mausplage im Jahre 1753 in der Gegend von Nördlingen kamen die Füchse aus den Bergen des Ries und mühten sich so fleißig um die Mausvertilgung, daß ein Berichterstatter meint, bei den alten Egyptiern hätte man ihnen dafür Altäre gebaut und Opfer dargebracht. Nach der alten bayerischen Gejaidsordnung war bestimmt, Füchse nur von Michaelis bis Lichtmeß zu fangen. Die Füchsin heißt in Oberbayern Fehin . So sagt ein bekanntes Schnaderhüpfl: »Fuchspassn mag i' nit,     Is ma' viel z'kalt, Paß' lieber auf a' Fehin,     Hat aar an' schön' Balg.« Von Churfürst Ferdinand Maria sind 1670 Fuchsjagden zu Feldmoching und in der Freimanner Au gehalten worden. Wie weit die Lust, einen Fuchs zu schießen, gehen kann, mag ein Fall beweisen, der in Tyrol (Schattwald) vorgekommen ist. Es gibt dort einsame Orte, welche im Winter, wo der Schnee, wie man sagt haushoch fällt, fast unzugänglich sind. Stirbt an solchen eine Person um diese Zeit, so wird die Leiche in den Schnee verscharrt, bis im Frühjahr das Thal wieder zugänglich ist und dann erst das übliche Begräbniß gehalten. Oft aber legt man die Leiche auch auf den Heuboden oder unter's Dach und läßt sie da überwintern. Bei solcher Gelegenheit spürte ein Bauer einen Fuchs, der die Leiche gewittert hatte. Er zog diese nun des Nachts in's Freie und paßte dabei, wo es ihm nach einigen Nächten auch glückte den Fuchs zu schießen. Neben einer Leiche Fuchspassen beim Mondschein und in eisiger Winternacht! Am Fuchs sieht man deutlich, welche Gefahr es mit sich bringt, ein hervorragendes Talent zu besitzen. Wäre der Fuchs ein langsames friedfertiges dummes Thier, man würde ihn füttern wie ein Schaf, man würde ihn nicht mit den Furien der Hunde und mit den Harpyen der Geschoße verfolgen, sondern des Balges willen einfach in einem Momente todtschlagen, wo er gar nicht dran denkt. Sein Leben flöße still und ruhig dahin. Weil er aber genial und in Ränken und Schelmereien erfinderisch ist, weil er menschliche Autorität nicht im geringsten anerkennt und rücksichtslos nach dem eigenen Willen zu leben verlangt, so fodert er alles gegen sich heraus, Menschen wie Thiere, und man begnügt sich nicht damit ihn kurzweg zu erschießen, sondern man will sich auch damit vergnügen zu beobachten, was er in der Noth anfängt, was er Alles ausstudirt um zu entkommen. So könnten die Engländer gar wohl ihre Füchse schießen, sie thun es aber nicht, sondern hetzen den armen Langschwanz mit gewaltigen Meuten, bis er fast verendend von ihnen erreicht wird. Man erkennt Spuren dieser Jagd in England, wie auch in Deutschland, schon in alter Zeit, und Eduard I. († 1307) hielt 12 Fuchshunde, die ein eigener Jäger ( the Kinge's huntsman of Foxes ) besorgte. Die Fuchsjagd in ihrer jetzigen Gestalt scheint um 1700 zwar bestanden zu haben, bildete sich aber erst seit Ende des vorigen Jahrhunderts aus und wird nun großartig betrieben, so daß z. B. der Herzog von Beaufort allein über 100 Hunde Die Namen sind meistens specifisch englische Eigenschaftswörter wie: Flighty, Faithful, Willing, Boundless, Dauntless, Warbler etc., zum Theil kommen auch Personennamen vor, Falstaff, Palafox, Hebe etc. dazu hält, welche auch nöthig sind, wenn man in der Woche drei bis viermal jagen will. Die Engländer überbieten sich oft in Anpreisungen dieser Jagd, welche offenbar mehr ein Wettrennen zu Pferde (mit Hindernissen) genannt werden kann, wenigstens da, wo der angehetzte Fuchs keinen Halt mehr hat. So sagt einer: »der Fuchs ist unter allen Thieren, was nach Homer Agamemnon unter den Heroen war« (άναξ ανδρων der erste der Männer) und setzt, vielleicht mit einiger Ironie, großgedruckt hinzu, die Nationalität Großbritanniens hänge von der Existenz des Fuchses ab und die Wohlfahrt des Landes gewinne von der Fuchsjagd ebensoviel als von den Fortschritten der Agricultur und Chemie, welches damit motivirt wird, daß die beträchtlichen Ausgaben dieser Jagd den Farmers, Pferdezüchtern \&c. zu gut kommen. Ein Jagdschriftsteller aus den dreißiger Jahren, »Nimrod« genannt, Hunting Tours. Letters on Riding to Hounds. welcher den Ruf eines »Dickens« für die Jagdwelt genießt, sagt: Salomon sey bei all seinen Weibern, Wein, Palästen, Gold, Essen, Trinken und Musik doch ein mürrischer Herr gewesen und hätte seine Freuden wohl in besserer Laune genossen, wenn er die Fuchsjagd gekannt hätte. Derselbe meint, weil man sprichwörtlich sage: »er reitet wie der Teufel,« so müsse dieser dereinst auch ein guter Reiter und Fuchsjäger gewesen seyn, daher er schwerlich je so schwarz ausgesehen habe, als man ihn male, Die Vorstellungen von der Teufelsfarbe sind also verschieden, denn Marco Polo berichtet schon, daß einige Stämme Indiens den Teufel weiß malen, weil sie selber schwarz sind. denn er sey wohl wie die Fuchshetzer in rothem Kleide geritten ( he rod in red ). Ein anderer singt in elegischem Ton: Nicht lieb' ich den Frühling, bekleidet er auch     Die Erde mit glänzendem Grün, Er trübt mir das Herz, denn es flüstert sein Hauch     Von schönerer Tage Verblüh'n, Von vergangener Zeit, die der Fuchsjagd geweiht \&c. Weniger Aufhebens macht ein Franzose (la Vallée) von dieser Jagd. Er sagt: C'est une chasse ni pénible ni bien savante; aussi les maîtres de la science disent-ils que c'est le délassement des mazettes . La chasse à Courre en France, p. 147. (Ausruhen der Schindmähren.) Die Meister der Kunst in England reden aber nicht so und »Nimrod« sagt mit Recht, es sey etwas ganz anderes, auf dem Papier oder am Kamin bei einer Flasche Wein ein Fuchsjäger zu seyn, als draußen, wo's über Stock und Stein weggeht und auch ein paar Rippen leicht in Unordnung kommen können. Man thut natürlich Alles, um an Füchsen keinen Mangel zu haben, man zieht auch junge Füchse in künstlichen Bauen groß, um sie dann zu hetzen und von Frankreich werden sie als Handelsartikel nach den lustigen Inseln übergeschifft. Der Hunde sind mancherlei Arten, über deren Abkunft oft wie über die der Pferde Register geführt wird, obwohl fast jeder Hund den Fuchs gern jagt. Sie werden zuweilen mit 10–12 Pfund Sterl. bezahlt. Vor der Jagd werden des Nachts die Baue zugestopft, wie auch sonst bei den Fuchsjagden. Das Hetzen dauert manchmal nur eine Viertelstunde, je nach der Oertlichkeit aber auch mehrere Stunden. Nach Diezel zählt man gegenwärtig in England und Wallis gegen 98 Meuten, davon die meisten durch besonders organisirte Gesellschaften unterhalten werden. Mit einer solchen Meute, welche 36–50 Hunde begreift (je nachdem man auf Feldern oder im Waldland jagt) werden jährlich 70 bis 90 Füchse gehetzt, welches für alle Meuten die bedeutende Zahl von nahe 9000 Füchsen beträgt. Diese Zahl läßt sich theils durch das große Landesgebiet, theils durch das Schonen erklären, welches man außer dieser Jagd den Füchsen angedeihen läßt. Wenn man erwägt, daß nur einige Meilen um München jährlich über 1500 Füchse erlegt werden, so sind 9–10 Tausend Füchse in allen Jagddistrikten von England nicht zu viel. Die vorzüglichsten dieser Distrikte sind Leicestershire, Oxfordshire, Warwickshire, Yorkshire, Lincolnshire, Northamptonshire \&c. Die rechten Fuchsjäger klagen über das sichtliche Ausarten ihrer Lust, indem Nebendinge und Luxus den ächten »sport« niederdrücken und jeder Jüngling, ob mit Jagdlust oder nicht, sich schon des rothen Rocks wegen betheiligt und des Champagners wegen, in welchem vor und nach, mit und ohne Ritt geschwelgt wird: »Champagne breakfests, Champagne luncheons, Champagne dinners and Champagne suppers.« Da gilt der alte Spruch: Lieber Waidmann sag mir an: Wo willst du heut hinan? »In's Wirthshaus, Da schlägt mir kein Reis kein Aug' aus, Es werf' mir's denn einer mit der Kandel aus, Sitz zu mir und ich zu dir, Ein Glas mit Wein das bring' ich dir. Vom Fuchs wird dabei wenig gesprochen, fast nur von den Pferden und Hunden. Viele (die health-hunting fox-hunters ) treiben die Fuchsjagd nur auf Anordnung der Aerzte, denn diese verschreiben Fuchsjagd wie die Mineralwässer von Cheltenham oder Harrowgate oder irgend eine Medicin, wo auf dem Zettel steht: »Ist wohl zu schütteln beim Einnehmen.« Auch soll in neuester Zeit eine bedenkliche Abnahme der Füchse bemerkt worden seyn und manche Jäger scheinen einzusehen, daß die Hege andern Wilds und besonders edlen Federwilds doch dem Spaß vorgehe, mit einem Troß berufener und unberufener Reiter einen Fuchs zu hetzen. Die Geistlichen ritten sonst fleißig mit, es fängt aber an Mode zu werden, solches für unschicklich zu halten. Das Stürzen mit dem Pferde soll im Allgemeinen nicht so bedenklich seyn als man meinen möchte, doch geschieht es zuweilen, daß einer den Hals bricht. Eine gespenstige Fuchshetze umgekehrter Art erzählt Alpenburg aus Tyrol. Nach einer uralten Knappensage bewohnen » die Fackeljungfrauen « eine große Berghöhle voll langer Gänge und bodenloser Tiefe und haben Füchse in ihrem Gefolge, die ihnen dienen. Werden sie bei ihrem nächtlichen Wandeln, wo sie hellleuchtende Fackeln tragen, von einem Menschen belauscht und sie nehmen es gewahr, so erschallt ein Schrei, die Fackeln verlöschen, die Fräulein verschwinden und der Frevler irrt in trostloser Finsterniß, verfolgt und gehetzt von den Füchsen seinem Unglück – dem Wahnsinn – entgegen. Weniger gefährlich war eine zu Ende des 17. und Anfang des 18. Jahrhunderts an üppigen Höfen vorkommende Unterhaltung, bei welcher der Fuchs (auch der Hase) herhalten mußte, nämlich das Fuchsprellen . Es bestand darin, daß man mittelst der Prellnetze Füchse so lange in die Luft schleuderte, bis sie verendeten. Herren und Damen engagirten sich zu diesem Prellen, wie man sich zum Tanz oder zum Volantspiel engagirt. Die eingefangenen Füchse und Hasen wurden in Kästen auf den »Lauff-Platz« gebracht und Flemming beschreibt den weiteren Hergang folgendermaßen: »Erscheinen nun an dem bestimmten Tage die Cavalliers und Dames in grüner mit Gold und Silber verchamerirten Kleidung bei Hofe, so werden sie an den verlangten Ort invitiret, und aldann in einer bunten Reyhe, wechselsweise ein Cavallier und eine Dame gestellet, und also, daß eine jede Dame allezeit ihren Cavallier gegenüber habe vor sich, welcher mit ihr den Fuchs mit den hiezu behörigen schmahlen Prell-Netzen aufziehet und prellet. Nachdem sich nun viel Cavalliers und Dames bei dem Fuchs-Prellen eingefunden, werden drey biß vier und mehr Reyhen formiret und sind also gleichsam zwei bis drey Gassen zu sehen. Auf den Befehl der hohen Herrschaft werden die Kasten der Füchse und Hasen zuerst geöffnet, daß alles durch einander die Gassen durchpassiret. Die Cavalliers und Dames schicken mit vielfältigem Prellen die Füchse und Hasen nach mancherlei wunderlichen Figuren in die Lufft, daß die Herrschaft ihr Vergnügen haben kann. Soll es nun bald zu Ende gehen, so werden die Sauen herausgelassen (Frischlinge und geringe Bachen) und die machen dann bei den Dames unter den Reifröcken einen solchen Rumor, daß nicht zu beschreiben.« Man kann sich leicht vorstellen, welche Scenen da vorkamen, besonders wenn man weiß, daß ein Frischling im vollen Lauf auch einen starken Mann umzurennen im Stande ist. Der Boden war mit Sand hoch überschüttet, weil sonst diese Kurzweil gar zu kurz gedauert hätte. Unter der Landgräfin Amalie Elisabeth von Hessen († 1651) wurden Fuchsprellen öfters im Schloßhof zu Kassel gehalten. Zur Hochzeitsfeier des Kaiser Leopolds I. mit der spanischen Infantin Margaretha Theresa wurden im Prater zu Wien am 16. December 1665 über 100 Füchse und 50 Hasen geprellt; ein solennes Fuchsprellen fand auch bei der Heimführung der Landgräfin Magdalena Sibylla zu Hessen durch den Herzog Wilhelm Ludwig zu Würtemberg im Jahre 1674 auf dem Schnarrenberg bei Stuttgart statt. Unter August dem Starken und seinem Sohn und Nachfolger August II. wurden solche Prellen im großartigsten Maßstabe zu Dresden gehalten. So 1722, wobei 160 Füchse geprellt wurden und 1747 in der Reitbahn zu Dresden, wo in 9 Abtheilungen geprellt wurde, jedesmal gegen 40–50 Füchse und eben so viele Hasen, auch wilde Katzen und Dächse, im Ganzen 414 Füchse, 281 Hasen, 39 Dächse, 6 wilde Katzen. Bei einem solchen Prellen zu Blankenburg 1724 hatte man den Hasen Krägen von starkem Papier umgebunden, Leiern, Violinen und dergleichen vorstellend und Porträts angehängt zur größten Lustbarkeit der prellenden Herrschaften. Das Prellen wurde von Ludwig Rudolph, Herzog zu Braunschweig und Lüneburg gehalten und mit einem besonderen Jagdaufzug. Unter den Jägern »hatten sich, schreibt Döbel, einige mit glattanliegenden grünen Beinkleidern, Strümpfen und kurzen dergleichen Westen, welche in die Hosen ein- und angemacht waren, daß es anzusehen, als ob es in einem Stücke wäre, um den Leib von Wintergrün, als aus Orangerie-Laube, Kräntze, auf dem Kopffe unaufgeschlagene Hüte, worunter sie eine Tour hatten, welche den Greiß-Haaren ähnlich, und über's Gesicht eine Masque, an welcher ein breiter langer Bart war, angethan: die andern Jäger aber waren mit proprer grüner Kleidung und Stieffeln bekleidet, in der Hand eine Spiß-Ruthe habende. »Wie nun die ersten als die abgemahlten wilden Männer aussahen, so war auch einer unter ihnen, welcher den Pohlnischen Bock pfeifen konnte. Demselben war ein Fuchs verfertiget, darauf er, wie auf einem Pohlnischen Bocke pfeiffen konnte, dabei ein anderer die Violine spielete.« Andere bliesen Hüffthörner. »Hierauf geschah der Aufzug: vorher ging der jüngste Jagd-Junker mit bloßem Hirschfänger in der Hand. Diesem folgte der Fuchs oder Bock-Pfeiffer, danebst die Violine und spielten ihren Marsch. Nach diesen kamen etliche mit obengedachten wilden Mannes-Habit, und verstümmelten Bäumen in der Hand. Nach denen kamen die mit den Parforce- und Hüft-Hörnern, welche wechselsweise mit der vorhergehenden Music ihren Marsch bliesen. Nachdem kam ein Forstmeister mit dem bloßen Hirschfänger in der Hand. Diesem folgten die andern Jäger Paar und Paar nach ihrem Range, und zogen also im Angesicht der durchlauchtigen Herrschafften und zuschauenden Cavaliers und Dames zum Schloßhof hinein, nach dem angerichteten Platze.« Hierauf kamen die prellenden Cavaliere und das Prellen ging an. Die Prellen waren eine starke Hand breite Gurten 9 bis 10 Ellen lang oder auch von Stricken mit eingezogenen Knebeln. Gute Preller schleuderten den Fuchs 6 bis 8 Ellen hoch. Es gehörte dazu ziemliche Kraft und Gewandtheit. Ein Prellen von 200 Füchsen war keine Seltenheit, es wurden oft viel mehr dazu eingefangen, denn bei einem Prell- und Lustjagen 1751 auf der Stallbahn vor dem königl. Schloß zu Dresden wurden am 1. März 687 Füchse geprellt und da man wegen andern Prellens und Hetzens an diesem Tag mit den Füchsen nicht fertig werden konnte, so sind am 2. März deren noch 83 geprellt worden! Heinecken. Erinnerungen. Wenn man die Porträts von Damen aus jener Zeit betrachtet und wie sie so kindlichen Gemüths eine Rose oder Lilie in der Hand haltend dargestellt sind und man denkt an's Fuchsprellen, so gibt's einem wie man bei uns sagt, »einen Riß,« der manchen schönen Wahn entzweireißt. »Reineckens Neffe der Dachs ,« der lateinisch Meles taxus und italienisch tasso heißt, ist ein seltsames Thier, welches die Zoologen zu den bärenartigen stellen, da er u. a. auf ganzer Sohle geht und auch im Zahnbau Aehnlichkeit hat. Der Dachs führt ein, man könnte fast sagen, klösterliches oder einsiedlerisches Leben, sitzt bei Tage in seiner dunkeln Zelle, betritt nur des Nachts die Waldeinsamkeit, um Wurzeln und Kräuter zur Nahrung zu suchen, wobei er freilich auch manchen Vogel, sogar einen Fasan oder ein Häslein mitnimmt, wenn er dergleichen haben kann und schläft ein gutes Stück im Jahr, daher das Sprichwort »schläft wie ein Dachs.« Er geht nämlich sowie Frost und Schnee kommt, nicht mehr, oder nur selten aus seinem Bau. Gewöhnlich wird er im Oktober oder November, wo er am besten ist, gegraben oder im Eisen gefangen, auch in mondhellen Nächten auf dem Anstand am Bau geschossen. Das Graben geschieht (wie beim Fuchs) indem man, wenn die Dachshunde in dem Bau einen Dachs angeben, einen etwa 3 Fuß breiten und 4–6 Fuß langen Graben oder sogenannte Wanne quer gegen die Röhre oder den Kessel, wo der Dachs liegt, niedergräbt und ihn dann durch einen Pistolenschuß tödtet, oder wenn man zukommen kann, durch einen Schlag auf die Nase. Will man ihn, wie sonst üblich, zum Hetzen aufbewahren, so wird er mit einer eigenen Zange gefaßt oder auch mit einem spitzen Eisenhaken herausgezogen und in einen Sack gesteckt. Je nach der Beschaffenheit des Bodens und je nachdem der Dachs tief liegt, dauert dieses Graben mehrere Stunden, und sind mehrere Dächse in einem Bau, so kann man einen ganzen Tag damit zubringen; la Vallée erzählt sogar einen Fall, wo zwei hitzige Jäger bei Saint-Omer zwei Tage und zwei Nächte die Arbeit fortsetzten und endlich 3 Dächse erbeuteten; deshalb sagt Fouilloux, daß man sich beim Dachsgraben mit Essen und Trinken wohl versehen müsse. So heißt es in der Uebersetzung von 1590: »Alle Nägel vnnd Sailer am wagen sollen mit Fläschen behengt, vnnd zu end deß Wagens ein Kasten von holtz gemacht stehn vnnd gefüllet sein, mit kalten Indianischen Hünern, Schinncken, Ochsenzungen vnnd andern guten schleckerbisszlein vnd fressereyen.« Zur Winterszeit wird ein Zelt empfohlen, und ein Feuer darin anzumachen, auch etwa zur Kurzweil ein »jung Töchterlein von 16 oder 18 Jahren« mitzunehmen. Was man bei diesem Graben besonders bewundern muß, ist der Muth der Dachshunde, deren die ächten von der Natur zu solcher Arbeit offenbar bestimmt sind, wie man aus ihren kurzen krummen Branten ersehen kann. Der Dachs beißt sehr scharf und doch geht der Hund mit Freuden in der Dunkelheit des Baues seinem Feind entgegen; daß es da nicht beim Vorliegen und Verbellen bleibt und beide öfters hart aneinander kommen, zeigen die Risse und Narben, die ein Schliefer, der öfters dabei war, genug aufweisen kann. Füchse suchen sich eher durch eine Fluchtröhre aus dem Staub zu machen, daher eine solche immer von einem Schützen überwacht wird, der Dachs aber verläßt sein Schloß nicht so leicht. Das Fangen mit der Dachshaube ist bei uns nicht gebräuchlich; es besteht diese Haube in einem sackförmigen Netz, an dem vorne ein eiserner Ring (Nasenring) von 3–4 Zoll Durchmesser und weiter eine lange Zugleine angebracht ist. Man geht des Nachts ziemlich spät an den Bau und untersucht mit Hilfe einer Blendlaterne, ob der Dachs denselben verlassen hat, dann wird das Netz in den Eingang einer Hauptröhre gelegt und der Dachs mit Hunden im Holz aufgesucht. Er eilt nun dem Bau zu, und da man andere Röhren versteckt, so fährt er in die mit der Haube und wird von einem wachehaltenden Jäger das Netz sogleich zugezogen, mit dem Dachs aus der Röhre gerissen, und dieser mit einem Prügel todt geschlagen. Fangen die Hunde den Dachs beim Jagen, so wird er auch mit einer Gabel gestochen. Es galt sonst als ein Hauptvergnügen, einen gefangenen Dachs in einem geschlossenen Hof mit Hunden zu hetzen bis er erlag. Dieser Spaß dauerte manchmal zwei Stunden. Bei der Hochzeitfeier des Kaisers Leopold I. wurden im Prater zu Wien 24 Dachse mit Hunden todt gehetzt. Um die Dachsbaue durch Graben nicht zu verderben, legt man auch in der Nähe einen halbrunden Kunstbau an mit zwei Ausgängen. Werden dann die Röhren des Naturbaues versteckt und der gejagte Dachs kann nicht hinein, so geht er in den nahegelegenen Kunstbau und wird dann leicht gegraben. Bei der Fuchsjagd, wo die Röhren der Baue des Nachts versteckt oder verstopft werden, kommt der Dachs auch manchmal in's Treiben. Man erkennt seine Gegenwart leicht an dem gewaltigen Lärm der Hunde, mit denen er sich, da er nicht schnell laufen kann, oft einige Zeit an demselben Platze herumbeißt, und man kann der ihn umringenden Hunde wegen zuweilen gar nicht schießen. Der Dachs kommt in Bayern ziemlich allgemein verbreitet vor, besonders im Forstamt Partenkirchen, Schongau und Weilheim (im Revier Peiting wurden 1846 aus einem Bau neun Dächse gegraben) und im Aschaffenburg'schen. In Oberfranken ist er selten. Die Dachse erreichen ein Gewicht bis zu 28 Pfund und ein Alter bis zu 12 Jahren, sie sollen dann oft blind werden. Als eine Seltenheit kann ich einen Fall anführen, wo ein Dachs in einer Art von Wuth, wie sie zuweilen bei den Füchsen vorkommt, einen Mann bei Ebersberg von freien Stücken mit gierigem Beißen anfiel und sich dieser nur schwer desselben entledigen konnte. Der Hase. Die niedere Jagd oder das Reiß-Gejaid, wie es in alten Zeiten hieß, begreift neben Reh und Fuchs als ein weiteres wesentliches Stück den Hasen , der wegen seiner Furchtsamkeit von den Naturforschern lepus timidus genannt wird. In der That ist er oft bedauerlich anzusehen um dieser Schwäche willen, er kann sich wenigstens so kümmerlich anstellen, als erschrecke er vor seinen eigenen Bewegungen und als schwebe fortwährend ein Damoklesschwert über ihm, auch thut er gern, als könne er nicht sieben zählen und doch ist er keineswegs so dumm wie er aussieht, und nicht so wehrlos wie man meinen möchte, denn hätte er Courage genug zu beißen und anzupacken, er würde sich bald in Respekt setzen und der Fuchs würde ihm nicht so unbesorgt zu Leibe gehen. Die Perser zeichnen ihn sehr gut in den Versen: »Wenn er schläft, so ist es für ihn ein furchtbares Geschäft, und wenn er wacht, ist er voll Sorgen und Verdacht.« Ueberall aber gibt es Ausnahmen, und so hat man auch freilich als Seltenheit Beispiele von muthigen Hasen. Ich kann einen Fall anführen, der zu Kaiser Maximilians I. Zeit vorkam. Es heißt in einem Notizbuch von damals: »Item in kay. Mt. Waydtpuech zuschreiben, das bej Lintz ob der Enns zween Hasen ain hundtlein gejagt und gepissen haben, hat herr Wolfgang Jörger bezeugt vnd antzaigt.« Ich selbst habe einmal gesehen, wie ein Hase einen Raben verfolgte, der längere Zeit die kreuz und quer nieder am Boden vor ihm her strich, bis er sich endlich hoch aufschwang, worauf der Hase sitzen blieb und ihm mit offenbarem Verdrusse nachsah. Es war wahrscheinlich eine Häsin, die um ihrer Jungen willen den Raben jagte und man sollte meinen, daß solche Fälle nicht selten wären, denn die Mutterliebe macht sich bei den Thieren wie bei den Menschen geltend, aber beim Hasen ist's doch anders und kann oft ein Junges sogar von einem Wiesel erwürgt werden, ohne daß die Alte ein Abwehren oder einen Angriff zu unternehmen wagt, obgleich sie auf das Jammergeschrei des Kindes herbeieilt. Freilich muß man bedenken, daß eine Hasenfamilie gewöhnlich sehr zahlreich ist, denn es heißt: »Geht der Hase im Frühling zu Feld, so kommt er um Bartholomä selb 16 bis 17 wieder zu Holz,« und da Reckenhaftigkeit nicht des Hasen Sache ist, sondern sein ganzes Treiben den Charakter egoistischer Kleinkrämerei trägt, so mag eine Hasenmutter wohl berechnen, daß sie wegen eines Jungen ihr Leben nicht auf's Spiel setzen kann. Dagegen sind die Rehgaisen Heldinnen und hauen mit den Läufen nach dem Fuchs, der ihr Kitz fassen will, als hätte er keinen Zahn im Rachen. Es gibt sogar unter den Hasen Rabenmütter, welche die frischgesetzten Jungen ohne Gewissensskrupel auffressen. Auch bei den kleinen Raufereien, die sie unter sich haben, und wo man die Häsin dem verfolgenden Rammler häufig mit dem Hinterlauf einen tüchtigen Puff versetzen sieht, kommt nicht viel heraus, höchstens rupfen sie sich, daß die Wolle wegfliegt. Wenn man nun nach dem Angeführten von den moralischen Eigenschaften eines Hasen gerade keine hohe Meinung gewinnen kann, so ist doch nicht zu läugnen, daß er als materielles Gebilde sehr beachtenswerth, denn er liefert einen vortrefflichen Braten, so daß der berühmte Epigrammendichter Martial den Vers auf ihn gemacht hat: »Inter quadrupedes gloria (n. and. mattea ) prima lepus,« welches ungefähr heißt, daß er unter den Vierfüßern der erste Leckerbissen sei. Unter den Vögeln erkennt der Dichter den Preis dem Krametsvogel ( turdus ) zu: Inter aves turdus, si quis me judice certet, Inter quadrupedes mattea prima lepus. An einer anderen Stelle wird einem solchen Braten noch zugeschrieben, daß er auf sieben Tage Schönheit und Anmuth verleihen könne, und von Kaiser Alexander Severus wurde gesagt, seine Schönheit komme vom vielen Hasenessen her. Wenn das wahr wäre, wie hoch stünden die Hasen im Preis! Schon Xenophon lobt die Hasenjagd. Das Thierchen ist zu artig, sagt er, als daß nicht jeder, welcher es aufspüren, finden, verfolgen und fangen sieht, alles was er liebt vergessen sollte! Auch bei Fouilloux (1602) wird der Hase als Preisstück bezeichnet:     »Lievre je suis de petite stature, Donnant plaisir aux nobles et gentils:     D'estre leger et viste de nature, Sur toute beste on me donne le pris.« Zu Carls des Großen Zeit war es verboten, Hasen zu essen, und solches Verbot kommt schon im alten Testament vor. Darüber äußert sich ein Schriftsteller des 16. Jahrhunderts mit den Worten: »Wir sind aber nu des alten Testaments loß vnd brauchen vnsere Christliche freyheit auch in diesem fall billich.« Es hieß ferner vom Hasen, daß er gegessen ein melancholisches Blut mache. Es ist keine große Kunst, ein solches Wild-Preisstück zu erringen, und wer es ganz bequem haben will, der darf nur Abends an einem guten Platz auf den Anstand gehen. Da kann er den demüthigst daherbockelnden Hasen leicht erlegen. Die Jagd gewährt aber mancherlei Vergnügen, wenn man mit einem eifrigen Stöberhund allein dazu auszieht und nicht gerade offenes Feld, sondern eine buschige Au zu begehen hat, wie sie an Flußbeeten oft vorkommen. Es ist dann lustig zu sehen, wie der vom Hund aufgejagte Lampe, in größter Flucht vor ihm dahinrennend, nach einiger Zeit, indem er den Hund mit einem Absprung getäuscht hat, gar verstohlen und selbstzufrieden über seine Pfiffigkeit wieder an den Platz zurückkehrt, wo er das Lager verlassen hat und da und dort sitzen bleibt, um nach dem ferne noch einigemal lautgebenden Hund zu lauschen. Man sieht ihm an, daß er sich sagt »den hast du hübsch zum Narren gehabt,« zugleich aber, daß er sich fortwährend ermahnt, vorsichtig zu seyn, und doch nützt's oft nichts und bläst ihm mitten in solchem Sinniren und Studiren die Flinte das Licht aus. Manchmal kommt er auch in große Verlegenheit, nicht gleich zu wissen, was besser sey, gedrückt im Lager liegen zu bleiben oder Reißaus zu nehmen. Hat er dabei das Letztere versäumt, so kann man ihn wohl mit blitzenden Lichtern, die Löffel tief zurückgelegt, erblicken und mit einer Miene, andeutend »er sieht mich nicht,« oder »ich bin ja gar nicht da;« geht man nun ruhig vorbei, so fällt ihm doch das Sprichwort »weit davon ist gut vor'm Schuß« gar schnell ein, und er macht sich eiligst aus dem Staub. Bei einem Neu ist es natürlich leichter als sonst einen Hasen zu finden, und bei tiefem Schnee hat man nur auf die Löcher in demselben achtzugeben, um einen zu entdecken. Wenn er dann ganz verschneit liegt, so hält er oft so aus, daß man ihn mit dem Fuß herausstoßen kann und rumpelt zuweilen noch einige Schritte unter dem Schnee vorwärts, ehe er zum Vorschein kommt. »Wenn ein Haß, sagt Feyerabendt, auß seinem Läger mit gespitzten vnnd in alle höhe auffgeregten Ohren, vnd gekrümmten Schwanz als gemach vnnd sitsam herfür tritt, vnd nicht stark vnnd stracks für sich hinweg laufft, gibt dasselbig eine gewisse anzeigung, daß es ein starcker vnd sehr tückischer arglistiger Haß sey.« Dieses mag einem jungen Jäger zur Danachachtung dienen; ebenso ist die weitere Mittheilung, die sich vielfach bewährt findet, beachtenswerth, daß die Hasen eines Platzes fremde Hasen nicht gern leiden, daher man zu sagen pflege: »Je mehr man in einem Land Hasen hetzt, je mehr man finde und fahe.« Wenn man es aber mit Hetzen und Schießen treibt, wie in Italien, Tyrol und in der Schweiz geschieht, dann ist's mit der Hasenjagd bald aus und beschreibt Dr.  Michahelles zur Verwunderung, wie er in Triest in einer Jägergesellschaft Zeuge von der ungeheueren Aufregung gewesen, welche die Nachricht hervorbrachte, daß ein Hase in der Gegend gesehen worden sey, und wie man mit großer Zurüstung nach ihm auszog, als gelte es einen Bären oder wenigstens einen schwarzen Hasen, dergleichen meines Wissens bis jetzt nur als große Rarität in England vorgekommen sind. So im Jänner 1855 zu Brom bei Eye und sieben Jahre früher auch einer an demselben Platz; ein dritter bei Epping in Essex 1856. The zoologist. By E. Newman B. 13 und 14. In den alten Zeiten wurde der Hase häufig mit den Winden zu Roß gejagt Max Emanuel hielt als Churprinz 1670 eine Hasenhetz am Sendlinger »Pirckha« (Birket). oder auch mit dem Habicht gebeizt, und ersteres geschieht noch gegenwärtig als eine Variation und Ersatz für die englische Fuchsjagd. Gewöhnlich wurde, wie man es nannte, vom Strick aus gehetzt, d. h. im freien Felde ohne Garne, nur mit einigen Koppeln Hunde, die man nacheinander vom Hetzriemen löste. Strick war so viel wie Koppel und begriff 2–3 Hunde. Ein spanischer Bischof, der 1579 einen Spiegel des menschlichen Lebens schrieb, eifert dagegen und lauten die Worte der alten Uebersetzung: »Ist nicht das eine große leichtfertigkeit, das so vil künig, so vil fürsten, herren, ritter vnd knecht, einem klainen vorchtsamen flüchtigen thierlein, als die hasen synd, mit sovil iuchzten, schreien vnd manigerley geschelle nachrennent.« Bei dieser Jagd ist zu verwundern, daß der arme Hase nicht gar den Verstand verliert, denn die auf ihn einstürmenden Schaaren der heulenden Hunde sind fürchterlich genug; es ist aber im Gegentheil bemerkt worden, daß er da oft Proben sowohl des Muthes als der List gegeben, die man ihm nicht zutrauen möchte. Man hat ihn hohe Mauern wie eine Katze hinanspringen sehen und die reißendsten Ströme durchschwimmen; jeder Winkel zum Verstecken wird benützt, unter eine Schafheerde mischt er sich, wenn er kann, und die Verzweiflung treibt auch zu kleinen Schlechtigkeiten, z. B. daß er einen Kameraden aufsprengt, und indem er sich in dessen Lager drückt, diesen den Hunden überläßt. Wie der Hirsch Maximilians III. zur Madonna »in der Eich« sich flüchtete und dadurch gerettet wurde, so wird es auch von einem gehetzten Hasen zu Thüngenthal erzählt, der in ein Kirchlein und auf den Altar zur Madonna sprang, wo ihn die Hunde nicht herunterholten, sondern wie gebannt stille standen. Der jagende Freiherr von Lymburg brachte dann den Hasen in Sicherheit und erhob sich das Kirchlein dadurch zu einem berühmten Wallfahrtsort »zur gütigen Maria.« Das geschah 1431. Unter den üblichen Jagden auf Hasen sind die sogenannten Kesseltreiben oder Kreisjagen, wo sie gemacht werden können, diejenigen, welche den armen Lampe am härtesten treffen, schon deswegen, weil er gar viel laufen und sich mehrfachem Anblenkeln aussetzen muß, ehe es sich eigentlich um Seyn oder Nichtseyn handelt. Bei Treibjagden im Holz ist er viel besser dran. Bekanntlich umstellen bei solchen Kesseltreiben die Schützen eine Ebene im großen Kreise und gehen dann nach dem Centrum zu. Diese Art zu jagen kannte schon Pausanias (172 n. Chr.), indem er erzählt, daß das Elennthier im Lande der Kelten nur bei dergleichen Jagden erlegt werde. Die Jäger, heißt es, wenn sie ihre Ebene von wenigstens tausend Stadien oder einen Berg umgehen, dürfen keine Oeffnung im Kreise lassen, und indem sie zusammen anrücken fangen sie Alles, was innerhalb des Kreises sich befindet, und darunter auch die Elennthiere. Beschreibung von Hellas. Bd. IX. 21. 3. Ein Stadium mißt ungefähr 500 französische Fuße. Aehnliche Kesseljagd des tartarischen Großkhans beschreibt Marco Polo. Sie wurde von zwei Jägermeistern geleitet und im großartigsten Maßstabe ausgeführt. »Jeder hat unter seinem Befehl ein Corps von zehntausend Jägern, und es hat des einen Jägerherrn Volk rothe Kleider an und des anderen lichtblaue, wenn sie im Dienste sind. Die Zahl all der verschiedenen Hunde, die sie mit sich auf die Jagd führen, beläuft sich auf nicht weniger als fünftausend. Der eine (Jägermeister) mit seinem Heere nimmt das Feld zur rechten Hand des Kaisers und der andere mit dem seinigen zur linken und jeder rückt in regelmäßiger Ordnung vor, bis sie einen Landstrich einnehmen, daß einer kaum in einem ganzen Tage von einem Ende zum andern kommen könnte. Es ist ein schönes und heiteres Schauspiel, die Jäger in ihrem Treiben und die Klugheit der Hunde zu sehen, wenn der Kaiser im Kreise ist \&c. Dergleichen orientalischer Aufwand an Jägerei und Treibern findet sich, wenn auch in kleinerem Maßstabe, aber immer noch erheblich genug in der älteren Jagdgeschichte Europa's ebenfalls, und als der Kaiser Ferdinand III. bei seiner Ankunft in Neapel mit der Kaiserin Eleonora, seiner dritten Gemalin, eine Jagd zu Strunj hielt, wurde der Platz von 5000 Treibern umringt. In Frankreich wird auf Kleefeldern und dergleichen auch eine besondere Art des Treibens angewendet, deren schon Gaston Phöbus erwähnt, und die darin besteht, daß Treibleute lange Stricke, an welchen Schellen oder kleine Glocken befestigt sind, über den Boden streifen und so die Hasen aufjagen. Die Kesseljagden, die um München gehalten werden, haben öfters in einem Tage eine Beute von 3–400 Hasen ergeben. Auf den eingestellten königlichen Jagden wurden aber nicht selten 800 bis 1000 Hasen erlegt. Im Revier Gern und bei Sendling sind mehrmals 12–1400 Hasen erlegt worden. Solche Resultate sind freilich gering gegen die der ehemaligen Jagden des Herzogs Karl von Württemberg, welcher 1782 bei Heilbronn Kesseljagden hielt, bei denen man 6000 und mehr Hasen schoß. Im 16. Jahrhundert scheint es bei uns nur wenig Hasen gegeben zu haben, und auch anderwärts mögen sie verhältnißmäßig in früherer Zeit selten gewesen seyn, sonst wäre wohl das betreffende Mandat des Kaisers Sigmund von 1425 milder ausgefallen, denn es heißt darin: »Wo ein Hasenlauser ist, oder der Hasen fähet im Büdinger-Wald (in Hessen) und drume, der verwürkt seinen rechten Daumen.« Lausen oder Lauschen wurde genannt, wenn einer an künstlichen Lücken in Hecken oder Zäunen auf die Hasen paßte und diese da erschlug oder fing. Als die Königin Eleonora von Frankreich am 18. Oktober 1544 ihren Bruder Kaiser Karl V. zu Brüssel besuchte, erhielt sie für ihre Tafel täglich, außer 128 Pfund Rindfleisch, vielen Hämmeln, Kälbern, Schweinen \&c. nur zwei Hasen . Diezel a. a. O. Nach dem Tagebuch Albrechts V. (1555–1579) erlegte der Herzog in 25 Jahren nur 50 Hasen, und ist gewiß treulich aufgeschrieben worden, da selbst 33 Eichhörnchen nicht vergessen sind. Freilich hatte ein Jäger damals bessere Arbeit, als sich mit der Hasenjagd zu befassen, man findet aber auch, daß Kaiser Maximilian I. Hasen von Wien nach Augsburg bringen ließ oder bringen lassen wollte, denn in einem Gedenkbuch von damals heißt es: »Der kunig sol hundert hasen von Wien gen Augspurg bestellen.« Noch um die Mitte des vorigen Jahrhunderts muß die Hasenjagd um München nicht bedeutend gewesen seyn, denn von 1751 bis 1755 wurden jährlich im Durchschnitt nur 166 Hasen zum Hofzöhrgaden eingeliefert, während 1841–45 jährlich gegen 7000 geliefert wurden. Gegenwärtig werden bei vergleichsweise gegen damals sehr beschränktem Hofjagdgehege per Jahr gegen 12–1300 Hasen geliefert. Der Grund solcher Differenzen liegt zum Theil wohl in der größern Feldcultur, vorzüglich aber in der Art, wie das Revier geschützt und der Hase von seinen vielen Feinden befreit wird. Denn hier ist nicht wahr, was die Perser sagen: »Der Hase von verständiger Natur und feinen Sitten ist von allen Thieren wohl gelitten.« Sehr wahr dagegen sind die entgegengesetzt lautenden Verse von Wildungen: Menschen, Hunde, Wolfe, Lüchse, Katzen, Marder, Wiesel, Füchse, Adler, Uhu, Raben, Krähen, Jeder Habicht, den wir sehen, Elstern auch nicht zu vergessen, Alles, Alles will ihn fressen. In unsern oberbayrischen Gebirgen kommt auch der Alpenhase ( lepus variabilis ) längs der ganzen Kette hin vor und ist nicht besonders selten. Dieser Hase, der auch in Tyrol und in der Schweiz zu Hause ist und im Norden, in Rußland, Finnland, Lappland \&c. häufig vorkommt (in Schweden soll er der einzige vorkommende Hase seyn), ist kleiner als der gemeine Hase. Die Sohlen sind breiter, tiefer gespalten, stark behaart. Die Spur ist runder und größer als beim gewöhnlichen Hasen, und besonders auf dem Schnee wird sie einer, der sie nie gesehen, kaum für eine Hasenfährte halten. Im Winter ist er ganz weiß, die Spitzen der Löffel schwarz, im März fängt er an grau zu werden und verfärbt etwas später als das Schneehuhn. In der Hälfte November habe ich ihn einzeln im Ettaler Gebirg schon ganz weiß gesehen. Die Häsin setzt zweimal, im Mai und im Juli oder August. Balg und Wildpret sind nicht besonders geschätzt. Es werden wenige dieser Hasen geschossen, weil man ihretwegen die Gemsregion nicht gern beunruhigt. Beim Treiben auf Gemsen kommen sie oft zum Vorschein, haben übrigens in ihrem Benehmen nichts besonderes. Bei starkem Schnee gehen sie auch in die Thäler und Ebenen am Gebirg herunter, so daß auf den Jagden in den Filzen von Hohenschwangau schon beiderlei Hasen, der gewöhnliche und der Alpenhase zugleich vorgekommen sind. Im vergangenen Jahre (1857) wurde ein Alpenhase sogar in der Nähe von Diessen am Ammersee geschossen. Der Alpenhase ist eine Lieblingsspeise der Adler. Das Kaninchen ist ein Diminutivum vom Hasen und heißt lateinisch Lepus cuniculus und bedeutet cuniculus einen unterirdischen Gang, weil diese kleinen Hasen bekanntlich in unterirdischen Bauen wohnen. Daher kommt auch der alte Name Cannickel. Auch Killen nannte man sie. Die Kaninchen vermehren sich unglaublich, wo man sie aufkommen läßt, und aus Flandern, von Gent, Enkloo, Thielt \&c. werden jährlich über dritthalb Millionen Stück abgebalgt nach England geliefert, dort gegessen und gut bezahlt (in Flandern ist der Preis 1 1 / 5 –2 Francs). Die Zubereitung und das Färben der Bälge beschäftigen in Gent mehr als 2000 Arbeiter. Die Ausfuhr der Bälge findet besonders nach Amerika, Frankreich und Rußland statt. Vorzüglich reich an Kaninchen ist Spanien. Es kommen aus der Umgegend von Madrid jährlich 25,000 Stück zum Verkauf und in dem königlichen Park der »Casa de campo werden nach Viardot jährlich 40,000 Stück erlegt. Zur Zeit des römischen Kaisers Augustus riefen die Bewohner der balearischen Inseln diesen sogar um militärische Hilfe gegen die Alles verheerenden kleinen Hasen an und wurde ein Feldzug gegen sie eröffnet. Es gibt auch eine Münze aus der Zeit des Hadrian, wo die Hispania mit einem Kaninchen zu ihren Füßen dargestellt ist. Nach Strabo kamen die Kaninchen von Spanien nach Italien und haben sich vielleicht von da aus weiter in Europa verbreitet. Man begreift die außerordentliche Vermehrung dieses Wildes, wenn Diezel angibt, daß die Rammelzeit der Kaninchen vom Februar an bis tief in den Herbst hinein daure, so daß das Weibchen alle 5 Wochen Junge setzt und zwar gewöhnlich 6–12 auf jeden Satz. Drum sagt schon ein alter Spruch (von 1582): Dauben vnd Killen in deim Hauß Thun dir den Hunger treiben auß, Dir komm' ein Gast gleich wenn er wöll, Bist gefaßt, nimpt für gut gut Gesell. Man schießt die Kaninchen auf dem Anstand oder im gewöhnlichen Treiben oder jagt sie mit dem Frettchen ( Mustela furo ) einem marderähnlichen Thiere, welches aus Afrika stammt und schon zu den Römerzeiten in Spanien zur Vertilgung der Kaninchen gebraucht wurde. Es ist diese Jagd mit dem Frettchen auch von Petrus de Crescentiis 1518 beschrieben und von Geßner, der solche Frettchen 1540 zu Montpellier beobachtete »sy (die Jäger) henkend jenen kleine schällele an halß, lassend sy in die löcher der Künele schliefen, spannend Garn für die löcher, vnd so die Künele von dem thier herauß gejagt, schlahend solche im garn zu tod.« In England hat man auch Bastarden von Frettchen und Iltis gezogen, die zur Kaninchenjagd gebraucht werden. Wenn die Kaninchen vor dem Frettchen aus dem Bau fahren, so hört mans schon an dem unterirdischen Rollen und darf flink im Schießen seyn, denn sie fürchten die Frettchen wie eine arme Seele den Teufel. Wenn ein Frettchen ein Kaninchen fängt so saugt es ihm das Blut aus und schläft dann wohl auch ein. Um es wieder zu bekommen muß der Jäger oft lange passen, im Nothfall ein Netz um die Röhren anbringen. Man hat ihnen daher auch wohl Maulkorbe angehängt. Die Frettchen werden von den Jägern gezogen. Kaninchen sind um München in den Revieren von Gern (300 Stück) Moosach und Schleisheim ziemlich häufig. In geringer Menge kommen sie auch bei Aschaffenburg, Ostheim, Oberau, Kleinwallstadt vor und bei Zell und Eisenberg in der Pfalz. Ein Lapin-Garten oder Kinigl-Garten wird schon 1698 zu Moosach erwähnt. Von 1751–55 wurden zum Hofzöhrgaden 936 Kaninchen geliefert, von 1841–45 kamen in's Zwirchgewölb 3421 Stück. Das Kindische und Extravagante, welches sich im vorigen Jahrhundert neben der ächten Jägerei von Zeit zu Zeit geltend gemacht hat, zeigt sich auch an einer Jagd, welche 1725 in dem Bilnitzer Schloßgarten bei Dresden mit Kaninchen und jungen Hasen, überhaupt kleinem Gewild angestellt wurde und wobei man auch kleine Jäger beschäftigt sehen wollte. Es mußten also »die Hof-Zwerge die Stelle der Oberjägermeister und Chefs präsentiren, die übrigen Jägerstellen wurden von kleinen Knaben, die alle grün gekleidet, vertreten, und die zu dieser Jagd gebrauchten Hunde waren auch sehr klein und lustig, also daß sowohl Jäger als Hunde ein Gelächter machten.« J. B. v. Rohr, Ceremoniel-Wissenschaft. Spruchreime.         Das Jagen würzt den Schlummer, Das Jagen würzt den Wein Und gegen Liebeskummer Kann auch nichts besser seyn. Die Sorgenvögel horsten Am liebsten stets im Haus, Nach frisch umgrünten Forsten Wagt keiner sich hinaus. Dort wächst der Muth im Jagen, Das wissen sie gar gut Und würden's bald beklagen Mit ihrer ganzen Brut. ——— Waidmanns Heil von schönen Frauen Hat sich oft bei mir bewährt, Aber manchmal ging's verkehrt, Ob auch standhaft mein Vertrauen. Was war schuld? Ich will's euch sagen, Dachte immer dann beim Jagen Weniger des edlen Wilds Als des schönen Frauenbilds. ——— Laßt das Roth den englischen Reitern, Deutsche Jägerfarb' ist grün, Wie die Farbe stolzer Eichen Dran die wilden Ranken blüh'n. Ist des Auges liebste Farbe, Keine labt das Herz so sehr, Schimmert drinn erneutes Leben Bei des Frühlings Wiederkehr. Jung und grün, und jung und jagen, Wär's nur nicht so schnell vorbei, Schwärmst ja noch in alten Tagen Wie es schön gewesen sey. ———     Stein- und Edelmarder sind     Wohl zu kennen beide,     Jenem ist die Kehle weiß,     Dem, wie gelbe Seide;     Willst du aber Raub und List     An dem Paar vergleichen,     Darzuthun den größern Schelm,     Weiß ich keine Zeichen. Die Treibjagd. Rehe, Füchse und Hasen und dazu die Waldschnepfen sind die gewöhnlichen Elemente der herbstlichen Treibjagden. Wie es dabei hergeht weiß jedermann und wenn die Anordnung eine tüchtige und wenn es auch an schönen Beigaben nicht fehlt, so ist die Treibjagd gewiß jedem Waidmann willkommen. Ich habe, letzteres betreffend, viele Jagden mitgemacht, wobei jedesmal der Trieb durch Waldhörner angeblasen wurde und die kleinen Fanfaren, welche der Wind bald stärker bald schwächer über Wald und Haide hinträgt, sind mir lieber gewesen, als die Variationen die man in einem Horn-Concerte verarbeitet. Die waidmännische Stimmung kann auf keine andere Weise so angenehm erregt und erhöht werden, als durch diese wehenden Töne und da ihnen gerne jeder lauscht, so wird auf solche Stille dann das beginnende Treiben und Jagen der Hunde um so lebendiger und spannender. Abgesehen vom Schießen selbst kann man beim Treiben mancherlei Beobachtungen über das Wild und seine Natur anstellen, welche ergötzlich und belehrend sind. Da kommt ein Häslein gebockelt und hält plötzlich an, nach dem Lärmen lauschend und sinnirend was zu thun, und daneben schleicht ein Fuchs aus dem Busch. Er bemerkt den Hasen wohl und wirft auch einige begehrliche Blicke nach ihm, aber jetzt ist's nicht an der Zeit sich mit Fangen und Würgen zu beschäftigen und auch der Hase, wenn er den Fuchs sieht, erschrickt nicht so sehr, als wisse er, daß der Schelm nun selber besorgt seyn müsse, aus der Noth zu kommen. So habe ich sie öfters ziemlich nahe nebeneinander laufen gesehen und hat mich gemahnt, wie auch Menschen die sich feindselig gesinnt sind, allen Groll in gemeinschaftlicher Gefahr vergessen. Freilich kommt's mitunter vor, daß ein rechter Hauptspitzbub von Fuchs es doch nicht lassen kann, einen Schnapper nach dem verblüfften Hasen zu machen, wenn sie der Zufall gar zu nahe zusammenführt, ja es ist sogar beobachtet worden, daß er den Hasen vor den Schützen gewürgt, meistens aber ist es nur eine momentane Vergessenheit und schnell überkommt ihn wieder der Ernst der Lage und er läßt den armen Teufel seine Wege laufen. Und naht eine Rehgais mit zagendem Schritte, an allen Läufen zitternd, so sieht sie dem Schützen wohl in's Auge, als wollte sie fragen, ob sie ungefährdet ziehen dürfe und der rechte Waidmann wird sie gewiß nicht erschrecken, wie solches abgeschmackter Weise zuweilen von jungen und alten Buben geschieht. Gar seltsam ist zu bemerken, wie verschieden die individuellen Ansichten des Wildes sind sich in Sicherheit zu bringen. Man sollte meinen, wenn ein Hase gegen die Treiber rennt und es kommt ein anderer von dorther, der ihm begegnet, er würde mit diesem nun umkehren; zuweilen geschieht es, aber oft auch rennt er fort, wie er es sich einmal in den Kopf gesetzt hat; oder es spielt ein solcher Lampe gleichsam Verstecken mit einem gewaltigen Hühnerhund, der fortwährend auf der Fährte herumtappt oder setzt sich ganz philosophisch unter einen dichten Tannenbusch, wartend bis der lärmende Treiber vorüber ist und macht sich dann in den Bogen zurück, während ein anderer ohne Hund und Treiber über Hals und Kopf daherrennt, als hätte ihn schon einer beim Genick. Mancher hinwieder scheint sich auch weiß machen zu wollen, der ganze Spektakel gehe ihn eigentlich nichts an, er knackelt und trippelt immer auf einem Fleck herum bis der aufpringende Daxl den schönen Wahn zerstört. Geärgert hat mich immer, wenn sich ein stolzer Rehbock in solchen Momenten ganz dem Verstand seiner Gais überläßt und ihr wie ein kleiner Bub seiner Mutter nachläuft; dieser Mangel an Selbstvertrauen, diese Huldigung gegen die intellectuelle Superiorität des weiblichen Geschlechts wirft auch einigen Schatten auf den edlen Hirsch wie auf den Gemsbock, denn sobald sie in gemischter Gesellschaft angejagt werden, überlassen sich die meisten der Führung der Weiber. Auch zu Studien der menschlichen Psychologie findet sich bei der Treibjagd Gelegenheit. Man beobachte z. B. die Schützen, wenn sie nach vollbrachtem Tagwerk die trauliche Zechstube vereinigt. Welches Gemisch der verschiedensten Stimmungen! Hier freudestrahlende Jünglinge, die ihren ersten Hasen geschossen haben oder gar einen Fuchs, welche Aufregung! Jeder erzählt sein Abenteuer, jeder schießt den Hasen in Gedanken noch duzendmal und immer kommt er wieder dahergesprungen und wird abermals geschossen, jeder weiß jetzt, wie man's machen muß, jeder ist nun ein Waidmann und kann mitreden. Der Hut wird mehr und mehr nach der Seite gerückt, die Tabakswolken gehören nothwendig zum errungenen Himmel und sind die Bursche von rechtem Zeug, so haben sie auch ein Jägerlied gelernt (wird aber immer seltener in unseren Tagen) und singen dann flott weg zum Ergötzen der Alten. Da ist der schon im 17. Jahrhundert bekannte »Jäger aus Churpfalz« mit seiner schönen Melodie und seinem schlechten Text, oder »Auf, auf zum fröhlichen Jagen! auf, in die grüne Haid!« etwas zopfisch aber gemüthlich, Mit mancherlei Variationen. Ursprünglich von G. B. Hanke. dann »Im Wald und auf der Haide, da hab' ich meine Freude« (von Bornemann), und bei uns oberbayrische Lieder und Schnaderhüpfeln, schneidig, daß es einen von der Bank aufhebt. – Dabei sitzt wohl auch einer, der die Wunde im Herzen hat, die er nicht auf sein Wild anbringen konnte; der Arme hat sein Stück gefehlt, vielleicht sogar, daß es Andere gesehen haben, er entschuldigt freilich, aber die unerbittliche Gewissensstimme spricht immer drein, daß nichts zu entschuldigen sey. Wer diese Schmerzen nicht erlebt hat, war nie ein Waidmann und hätte er noch so viel geschossen. Und betrifft's nun erst einen Gemsbock, einen Hirsch! man glaubt's nicht und es ist auch nicht zu beschreiben, wie es das Herz packt, nur Liebesunglück hat ähnliche Gewalt. Ein altfranzösischer Spruch, welchen Gaston Phebus citirt, sagt: »De chiens, doyseaulx, darmes et damours Pour une joye cent doulours.« Dort aber lärmt und lacht einer gerade darüber, daß er schmälig gefehlt hat, er weist jede Entschuldigung Anderer weg, er hat eine wahre Freude daran, daß er sich so ungeschickt wie möglich benommen und prahlt, daß er es immer so mache; allgemeines Gelächter schallt um ihn und er merkt nicht darauf, wie sich ein Graubart mit unwirschem Murmeln von »Hanswurst« und dergleichen abwendet. Dann sieht man eine Gruppe in lebhaftem Gespräch über die verschiedensten Jagdartikel; der eine docirt, wie er am schnelleren Laufen sogleich den Rammler erkenne, der andere, daß die Hasen verschiedener Gegenden überhaupt sehr ungleich schnell laufen. »Was will ein flüchtiger Hase hier heißen, sagt er, da sollet Ihr das Rennen der Frauenberger Hasen sehen, das geht anders vom Fleck u. s. w.« So behauptet auch schon Xenophon, daß die Hasen aus gebirgigen Gegenden schneller laufen als die aus ebenen. Ein dritter zeigt eine Handvoll Wolle, die er einem Hasen, der ein Männlein machte, ausgeschossen, und doch ist der Hase davon gelaufen; wie's nur möglich seyn kann! Jedem zeigt er die Wolle und Jedem erzählt er das merkwürdige Fortrennen. Man spricht von gutem und schlechtem Brand der Flinten, von Waidmannsetzen, vom Verhexen und knüpfen sich mancherlei Historien an, so vom verwunschenen Hasen im Schmierwald bei Aub, den ein Jäger dreimal niederschoß, ohne daß er ihn auf dem Platze, wo er fiel, finden konnte, bis er zuletzt dem umpurzelnden Hasen nahe genug rasch drauf hinsprang und nun mit ihm versank, während ein fremder Mann mit höllischem Gelächter zusah. – Einem andern Schützen erging es ähnlich mit einem Fuchs, den er maustodt auf seinen Stand zog und hinter sich legte; nach dem Trieb war der Fuchs fort und kein Hund konnte ihn mehr finden, ein anderer schwört, er hätte die Gewichteln deutlich gesehen und wie er den geschossenen Bock aufnehmen will, ist keine Spur von Gewichteln am Kopf und ist eine leibhaftige Gais! – Man betrachtet mit Neugierde bekannte Meisterschützen, aber der Neid flüstert auch über den einen und anderen, daß er sein Taroksolo nur spiele, wenn's gedruckt sey (nicht zu verlieren) d. h. er schieße nur, wo er ganz sicher treffen müsse, oder man raunt sich in die Ohren, die Notabilität habe auch auf obige Gais geschossen aber glücklicherweise gefehlt und erzähle nun, es wäre ein Schnepf gewesen, der in's Dickicht gefallen und den der Jäger finden werde. Die seltsamsten Individuen sind aber diejenigen, welche ihr Glück, sie haben z. B. ein paar starke Böcke geschossen, mit so hölzerner saurer Miene mittheilen, als wäre ihnen das größte Unglück geschehen. Und gerade diese Gesellen ohne Freud und Leid, ohne Sang und Klang, sind es, welche oft das Meiste schießen. O du schöne Diana, du guter St. Hubertus und Eustachius und Martinus, wie mögt ihr an so langweilige Puffer eure Gunst verschenken! Während ein heißblütiger Jünger des Waidwerks Alles aufbietet, um Anlauf zu haben, während er sich auf dem Stand kaum zu athmen getraut, hat der erwähnte Philister keine Spur einer Aufregung, er schnupft und räuspert und nießt als säße er zu Haus auf der Ofenbank und doch kommt ihm der Fuchs und der Bock und er schießt sie nieder ohne zu wissen, wie. Während der Eine nicht schlafen kann in Erwartung des kommenden Jagdtages oder in Betrachtungen über den vergangenen, schnarcht der Andere nicht nur die ganze Nacht, sondern, findet er auf seinem Stand einen bequemen Sitz, so schläft er auch da noch ein Stückchen, bis ihn der anjagende Hund aufweckt, erhebt sich dann gemüthlich und schießt sein Stück mit mehr Ruhe als er auf der Kegelbahn die Kegel umschiebt. Ist der Mann gar noch seines Zeichens ein Wirth oder Kaminfeger, so ist nicht gegen ihn aufzukommen, bei uns wenigstens stehen diese im Rufe eines besondern Glückes Auch von den Schullehrern ist bekannt, daß sie guten Anlauf haben und gilt von ihnen oft der Spruch: Quisquis amat cervam, cervam putat esse Minervam. und sieht man auf dem Streckplatz einen Capital-Bock oder einen »Fetzen-Fuchs« liegen und fragt, wer hat ihn geschossen und es heißt: der Wirth, der Kaminfeger , so kann man immer hören: »Versteht sich, allemal, wie magst fragen« u. dergl. – Diana als Patronin eines Kaminfegers und Hubertus als Patron eines Bierzäpflers, wer kann einen Vers darauf machen, welche Geheimnisse sind da im Spiel! Mancher brave Waidmann, der es beobachtet und drüber nachgedacht hat, wußte am Ende nichts zu sagen als »das ist zum Teufelholen!« Freud und Leid wechseln bei solchen Jagden oft wunderlich, zuweilen aber hängt sich ein Jagdpech so bitterbös an sein Opfer, daß die besten Mittel dagegen nichts helfen. Da steckt ein Fuchs kaum die Nasenspitze aus dem Busch und schlägt auch wieder um oder er kommt von hinten, man hört ihn in den dürren Blättern, wendet sich und sieht gerade noch die Ruthe wo er in's Dickicht fährt; da springt ein flüchtiger Hase in dem Augenblick wo man abzieht in eine Vertiefung, von der man keine Ahnung haben konnte, er kommt noch einmal zum Vorschein aber im engsten Stangenholz, der zweite Schuß klappert an die Stangen, der Hase rennt fort. Jetzt hört man die Hunde, sie jagen auf den Stand zu, man eilt was möglich mit dem Laden, es sind nur noch die Kapseln aufzusetzen, in diesem Augenblick steht ein Rehbock da, schaut einen verlegen an und ohne sich besonders zu beeilen springt er auf wenige Schritte vorbei und ist verschwunden. Dann gibt es andere Annehmlichkeiten; man hat einen Hasen auf dem Korn, jetzt! aber er macht schon einen Purzelbaum, der Nachbar war etwas schneller oder die Flinte versagt, oder es kugelt wohl ein Häslein um, erholt sich aber so schnell wieder, daß man ihn nur mit Verwunderung zu andern Schützen laufen sieht. Man kommt oft mehrere Tage nicht zum Schusse, während es überall kracht und doch hat man von holder Hand eine Blume oder ein Band erbettelt und hat sie so hoffnungslustig auf den Hut gesteckt. Man erhält die besten Stände, nützt nichts. Endlich bringen ein Paar flinke Hunde einen Hasen daher, aber o weh sie sind so nahe hinter ihm, daß man nicht schießen kann, man will ihn durchlassen, um rückwärts zu schießen, da fangen ihn die verdammten Hunde und reißen ihn in Stücke, ehe man nur abwehren kann. Mehr oder weniger heißt es von all' solchem Unglück: »Man hat dir einen Waidmann gesetzt.« Es spricht darüber der berühmte Flemming, indem er eine Ermahnung über die Sündhaftigkeit des Aberglaubens voranschickt. Da heißt es unter anderm: »Es ist bekandt genug, daß unter den Jägern mancherley Zauberwerk und abergläubisch Wesen vorgehet; Bald wollen sie einander die Büchsen versprechen, bald sich an demjenigen auf eine empfindliche Art rächen, der ihnen an ihrem Gewehr einen Possen gethan; bald wollen sie ein Wild schiessen, welches im Walde umfallen soll, wenn sie nur zu ihrem Fenster heraus einen Schuß gethan. Da wollen sie die Kugeln täuffen, die hernach niemals fehlen, und von sonderbarer Würkung seyn sollen, da beten sie gewisse Narren-Possen, wenn sie früh auf die Jagd gehen, um glücklich zu seyn; da wollen sie sich auf eine unzuläsige Art die Gunst des Frauenzimmers zuwege bringen, da wollen sie auf eine abergläubische Art ihre Büchsen zurichten und was dergleichen sündliche und abergläubische Possen noch viel mehr sind, die unter gottlosen Jägern im Schwange gehen. Es lernt es immer einer von dem andern, und mancher bildet sich ein, er sey schon ein guter Jäger, wenn er nur viele solche Teufelskünste machen und viel einfältige und alberne Weyde-Sprüche herbeten kann.« Nach dieser Exposition sagt er man solle sich, wenn eine Büchse bezaubert scheine, wohl aller natürlichen Möglichkeiten der Ursache, wie sie etwa zu verderben, erinnern, unter anderem auch ob man sie nicht etwa in's Bett gelegt habe, »da sich die Atomi hineingezogen, welches ihr ebenfalls nicht gut,« und dann fährt er fort: »Dafern er (der Jäger) aber genugsam versichert, daß er im geringsten nicht Schuld, sondern daß böse Leute einen solchen sogenannten Weydemann gemacht, es rühre nun solches von den Bauren her, die er einmal in der Haide im Holz gepfändet oder von den benachbarten Schützen aus Neid, so kann er, ohne die geringste Sünde zu begehen, oder sich Verantwortung darüber auf den Hals zu ziehen, einem solchen gottlosen Menschen auf folgende Art schaden: Hat man geschossen und merket, daß das Wild getroffen, es laufft aber dennoch davon, und es lassen sich in dem Rohr oder auf der Pfanne kleine blutrothe Körnlein sehen, so ist diß eine Marque, daß das Rohr bezaubert ist; Will man nun einen solchen Bösewicht plagen, und wieder zur Raison bringen, so wischt man inwendig die Büchse mit Werg reinlich aus und streuet ein vom Römischen oder Cypri schen Vitriol nebst Gummi Tragant zubereitetes sympathe tisches Pulver in den Laufft oder auf das ausgewischte Werg, nimmt die Schwanz-Schraube heraus, und macht in der Küche auf dem Herd einen Rauch von Haaren, Schwein-Koth und Ochsen-Klauen, wodurch ein greulicher Gestank entstehet. Hat nun solcher durch den Laufft das sympathe tische Pulver berühret, so empfindet der Zanberer große Schmerzen in den Augen und Gestank in der Nase per Antipathiam, daß er gezwungen wird, über Hals und Kopff zu lauffen, und Hülffe zu suchen, weil er wohl weiß, wo derjenige wohnhafft ist, welchem er einen Possen thun wollen. Will man nun diesem Menschen wieder eine Hülffe erzeugen, so wirfft man nur das Gewehr in fließend Wasser, oder läßt den Laufft durchspielen, so empfindet er Linderung. Soll er Reissen im Leibe haben, streuet man das sympathe tische Pulver in den nassen Laufft, wie er losgeschossen, giesset recht scharffen rothen Wein-Essig in den Laufft, stopffet alles feste zu, und setzet die Büchse bei Seite in Winkel, so wird sich der Thäter bald melden. Dieses sympathe tische Pulver wird in dem Monat Junio, wenn die Sonne im Löwen würket, durch die Sonne distilli ret, bei heissem Sonnenschein vier Wochen in das Trockne gesetzt, in einem steinernen Mörser klar gerieben, jedes vier Wochen absonderlich in die Sonne gesetzt, nachmahls zusammen vermischt, in einer hölzernen Schachtel an einem temperir ten Orte, der nicht zu trocken, nicht zu feuchte, nicht zu kalt und nicht zu warm, zum Gebrauch verwahrlich aufbehalten.« Noch Döbel Ausgabe von 1746. Thl. III. S. 114. versichert, daß ihm ein solcher Possen einer verderbten Flinte im Württemberger Land geschehen: »daß ich nichts (ob es auch noch so nahe vor mir gesessen, gelauffen oder geflohen) damit todtschiessen können, welches mir ein alter Waidmann gethan, mir auch selbst zugestanden, daß er mich als einen jungen Menschen, und als dortigen Ausländer probiren wollen. – Ich stand das Malheur über acht Tage aus, da ich doch darbei zu versichern, eine andere Flinte borgte. Mit selbiger konnte ich gute Dienste thun, aber mit meiner nicht, bis ich mir geholfen, gebrauchte hiergegen eine Antipathie, welche ich auch hier mit anführen will und finde mich verbunden, dem Waidwerks-Liebhabenden hiermit an die Hand zu gehen, damit er sich gegen solche Bosheit präcaviren könne. So nehme und schieße man einen Sperling, man muß aber fein nahe dabei hingehen, daß ihn die Hagel doch niederschlagen und man ihn vollends fangen kann. N. B. Wenn die Flinte recht verderbt ist, wird man nichts todtschiessen können. Der Sperlingskopf wird an den Krätzer des Flintenstockes geschraubet, und damit in das Flintenrohr gefahren und durchgewischt. Nach diesem wird eine weiße Zwiebel genommen, und ein Leinwandlappen damit bestrichen, vorher aber mit der Zwiebel auch in das Rohr hineingefahren, und darauf mit dem bestrichenen Lappen das Rohr vollends ausgewischt. Alsdann wird der Sperlingskopf und die Zwiebel in den Lappen gebunden und in den Schornstein und Rauch gehänget; so wird es sich mit der Flinte bald ändern oder aber der gute Freund wird sich einfinden. Man schmeist es sodann in etlichen Tagen wieder aus dem Rauche heraus und den ersten kleinen Vogel, den man zu Schusse haben kann, schießt man und wird man den auch gut treffen, wird solcher ins Rohr auf das Pulver geladen, wenn es auch nur Stückchen davon seyn, und in die Lufft geschossen. Probatum est.« Zweckmäßiger ist es, sich überhaupt vorzusorgen, daß einem kein Waidmann gesetzt und das Rohr verderbt werden kann und da ist unter mehreren andern ein sehr einfaches Mittel bei Döbel mitgetheilt: »Zuvörderst befehle man sich dem dreyeinigen Gott, ehe man aus dem Hause gehet; ferner, wenn man aus dem Hause kommt, ziehe man den Lade-Stock heraus, und stoße selbigen dreymal auf die Erde und sodann in den Laufft, und wieder an seinen gehörigen Ort, desgleichen die Mündung vom Rohre auch dreymal auf die Erde gestoßen. Es ist solches eine Antipathie gegen des andern Sympathie.« Noch gegenwärtig kann man von dergleichen hören, namentlich bei den Treibjagden, wo verschiedenes Volk, jung und alt, zusammenkommt. Sitzen dann in der Herberge die Gläubigen beisammen und klagt oder flucht einer, man habe ihm einen Waidmann gesetzt oder seiner Flinte etwas angethan, so deutet ein anderer wohl geheimnißvoll nach einem schweigsamen finster dreinschauenden Jäger, wenn dieser den Rücken wendet. » Der kann's, flüstert er, das ist ein solcher, hast du einen Handel mit ihm gehabt?« und nun wird in die Ohren geraunt und von den Künsten gesprochen und gedroht, wie man sich rächen wolle. Es gibt aber auch Mittel, daß man immer trifft und werden sie in unserer Zeit für unnütz erklärt und daß sie nichts helfen und helfen können, so ist damit schon ausgesprochen daß der Glaube daran abhanden gekommen. Es ist aber eine bekannte Sache, daß jedes Werk der Sympathie oder betreffender Wunderkunst nur gelingen kann, wenn der feste Glaube daran besteht. Man soll also zuerst wieder diesen Glauben lernen und dann prüfen, statt in den Tag hinein zu räsonniren und sich über die verborgenen Geheimnisse der Natur lustig zu machen. So sagen die, welche noch nicht von der dünkelhaften Weisheit unserer Zeit geblendet sind. Geht mir mit euren Naturwissenschaften, rufen sie aus, aber das Kapselfeuer ist ihnen doch lieber als das Steinfeuer und ausreichend, davon zu wissen, daß man die Kapseln beim Peter oder Paul kaufen kann. Wir mischen uns nicht in solche Streitigkeiten und so seyen hier auch einige Treffrecepte mitgetheilt. »Nimm Herz und Lunge von einem Wiedehopf, der niemals auf die Erde gekommen, binde sie auf den linken Arm, so triffst du was du kannst.« »Suche eine Natter vor S. Georgi, haue ihr den Kopf ab, thue alsbald in beide Augen und Mund eine Erbse, grabe den Kopf unter eine Brücke, worüber man reitet und fährt. Lasse ihn sieben Wochen und drei Tage darunter, so werden die Erbsen wachsen; diese stoße zu Pulver, so wirst du gewiß keinen Schuß fehlen, wenn du deine Ladung damit vermischt hast.« Jägerbrevier. Aus dem gewehrgerechten Jäger. Stuttgart 1762. Dieses Mittel ist gewiß sehr einfach, nur ist der Gebrauch etwas beschränkt, denn wer z. B. viele Hühnerjagden mitmacht, hätte wohl seine Noth, die erforderlichen Nattern aufzutreiben, selbst wenn sie nicht auf S. Georgi gefangen werden müßten. – »Man kann auch das Herz von einer Fledermaus unter das Blei bei dem Giessen mischen, damit kann man Alles tödten, was recht getroffen worden.« Um alle Geschoße unfehlbar treffend zu machen, dient: »So nyme eynen schwartzen haushahnen, da keine eyniche (einzige) weiße Feder an ist, vnd würge in mit eynem newen messer, vnd nyme das Hertz heraus vnd lege es in eyn loch in eyner mauren vnd lasse es neun tage darinnen liegen, vnd am neundten tage, so gehe wieder dartzu in derselben stunde, da du es hineingeleget hast, so findest du ein ringlein, das stecke an die lynke handt.« Warum eine Schrottflinte gut schießt, die andere nicht, warum die eine einen starken Brand macht, die andere keinen, das sind bis jetzt nicht ergründete Geheimnisse. Soviel ist richtig, daß in dem alten Spruche »Viel Pulver wenig Schrot Ist des Hasen sicherer Tod« eine Wahrheit steckt, die mancher Flinte helfen kann, Alles aber ist damit noch nicht abgethan. Für das Brandmachen haben die alten Jäger mancherlei Recepte. »Man lade das Rohr vorher bloß mit Pulver, fange sodann eine junge Schlange und stecke sie in's Rohr, lasse sie etliche Stunden darinne, und schieße sie alsdenn in einen Eichbaum: so wird man nachgehends gewahr werden, daß es fernerhin beßer d'raus stirbet. Man heißet dieses den kalten Brand im Rohre.« Noch besser und approbirter aber, den heißen Brand im Rohre zu machen, so nimmt man das Rohr aus dem Schafft und muß man zusehen, daß man eine Blindschleiche findet, selbige thut man in das Rohr, stopffet das Rohr zu, läßet dasselbe also vierundzwanzig Stunden stehen, daß die Blindschleiche darinne sterben muß, ladet alsdenn das Rohr und läßt die Blindschleiche wieder hinein und schiesset sie in die Lufft, so wird man mit Verwunderung gewahr wie selbiges Rohr hernach tödtet.« Döbel a. a. O. S. 116. Es gibt aber Schützen, denen kein Recept helfen kann. Entweder sind sie so langsam, daß sie nur allenfalls zu einer Schneckenjagd zu gebrauchen wären oder sie schießen gar nicht, theils wie betroffen das ankommende Wild anstarrend, theils nicht erkennend was es sey. Da hörte ich einen Münchener Bürger sagen: »dees Schiessen kimmt mi' verdammt hart a', denn meß' i' (ziele ich) so bleibt d'Sach nit steh' und meß' i' nit so triff i' nix.« Einem andern kam ein Waldschnepf (die Jäger sagen bei uns der Schnepf) aus dem Holz zugelaufen. Er sah ihn verwundert an, als aber der Schnepf ganz nahe vor ihm aufstand, da zappelte er gewaltig mit dem Schießen und verpuffte vergebens seine beiden Schüsse. Nach dem Trieb fragte sein Nachbar warum er denn den Schnepfen nicht im Laufen geschossen habe. Lachend sagte er: »Ja denkens Ihna, z'Fuaß hab' i' 'n nit kennt.« ( Zu Fuß habe ich ihn nicht erkannt.) Er hatte die Schnepfen immer nur streichend gesehen. Natürlich wird das Thema des Schießens auch viel besprochen ob man vorhalten oder nicht vorhalten soll, wie weit man vorhalten solle, wie man sich bei grobem oder feinem Visiren zu verhalten habe \&c. Darüber lassen sich nicht leicht Vorschriften geben, die jeder für sich passend finden wird, drum ist auch der Gegenstand sehr zur Disputation geeignet. Der verstorbene Herzog Max von Leuchtenberg war ein ausgezeichneter Schütze ohne viel Rechnens um einen Schuß zu machen. Er hatte einen so sichern Anschlag, daß ich ihn einmal eine Doublette auf Fasanen machen sah, da doch zufällig der Flintenriemen auf die Schiene zu liegen gekommen war. Er sagte mir auch, daß er immer nur den Fasan ansehe, auf's Korn niemals achtgebe. Manche Schützen behaupten, auf gewöhnliche Schrotschußweite fast gar nicht vorzuhalten, andere bezeichnen es als unerläßlich, studirtere sprechen von der mitgetheilten Bewegung und beweisen aus dem Gesetz vom Parallelogramm der Kräfte, daß bei bewegtem Rohre der Schuß niemals in der Richtung gehe, welche das Rohr im Augenblick des Abziehens habe, sondern immer seitwärts in der Richtung der Flintenbewegung \&c. Eine Autorität in der Physik, Professor Jolly dahier, wurde deshalb einmal um ein Gutachten ersucht und es fiel dahin aus, daß die mitgetheilte Bewegung allerdings den oben bezeichneten Einfluß habe und man deshalb unter Umständen einen entfernten Gegenstand treffen könne, welcher dem Auge des Schützen z. B. durch eine nahestehende Mauer verdeckt sey, daß man also in der That »um's Eck« (dieses freilich sehr stumpf) schießen könne, wovon so oft scherzweise gesprochen wird. Es sey ferner für größere Distanzen ein Vorhalten unerläßlich, weil die Kugel in einer Sekunde nur 1000 Fuß mache, ein Wild aber in derselben Zeit 30 und 40 Fuß Weges zurücklegen könne und die mitgetheilte Bewegung dieses Verhältniß nicht ausgleiche. Bei kleinen Schußweiten und beim Schrotschießen sey aber schon wegen der Zerstreuung der Schrote das Vorhalten weniger und nur bei schnell bewegtem Gegenstande nothwendig. Die bezüglichen Details habe ich im Anhang dieses Buches unter » Schießen « mitgetheilt. Das Kugelschießen mit dem Schrotschießen gehörig zu vereinigen und die Eigenthümlichkeiten eines jeden zu beachten, hat auch seine Schwierigkeiten, ebenso das Ermessen, ob der Schuß überhaupt zu versenden, der Gebrauch des Zwillings \&c. und es knüpfen sich daran die verschiedenartigsten Vorwürfe und Vorsätze:         Ei ei, verdammt! daß mir der Bock So schmählich durchgekommen, Wie hab' ich denn auch unbedacht Das Korn zu grob genommen, Man kann nicht mit dem Büchsenrohr Wie mit der Flinte spielen, Das Schrotgepuff bringt einen noch Um alles feine Zielen! Ei ei, verdammt! der Spielhahn war Wahrhaftig nicht zu fehlen, Wie konnt' ich mit dem Zielen nur Mich gar so ängstlich quälen, Ist doch die Flinte keine Büchs, Ja ja, das Büchsenschießen, Das macht zu langsam, kannst dich nicht Zum flinken Wurf entschließen! O Leichtsinn, hätt' ich's doch gespart, Den zweiten Schuß zu machen. Die Ente war einmal zu weit Und dennoch mußt' es krachen, Jetzt rauschen ringsum Enten auf Als wollten sie mich fressen, Ich werde diesen zweiten Schuß Mein Lebtag nicht vergessen. O Knickerei, den zweiten Schuß So lächerlich zu sparen, Ein Schrot wirft oft den Hasen um, Man hat's genug erfahren, Nicht schießen, heißt's, ist auch gefehlt Und was hätt's können schaden, Kommt doch nicht Alles auf einmal Und ist ja schnell geladen. Bis in die neueste Zeit fanden sich bei den Treibjagden auch die geistlichen Herrn fleißig ein und Pfarrer und Beneficiaten, manchmal auch ein alter Canonikus mit einer einfachen langen Flinte mischten sich unter die Jäger. Es ist schon erwähnt worden, daß in den vergangenen Jahrhunderten vom Clerus das Waidwerk oft mit Leidenschaft getrieben wurde und daß man es mit dem »Esau venator erat quoniam peccator erat« nicht immer so genau genommen hat. Es mag hier über dieses Verhältniß noch Einiges angeführt werden. Schon zu Anfang des sechsten Jahrhunderts kommen Verbote gegen das Jagen der Geistlichen vor und Karl der Große bestimmte, daß die Klosterjagden durch Jäger besorgt werden sollen und daß nur einzelnen Geistlichen das Jagen für ihre Person zu erlauben sey. Allein die Geistlichen jagten und die Prälaten und Bischöfe wußten von den Kaisern immer mehr Jagden und Jagdgerechtigkeiten für sich und ihre Territorien zu gewinnen. Mit Vergrößerung ihrer Macht und mit der Erhebung zu regierenden Fürsten erschienen sie in zweifacher Person, als Bischöfe und Landesherrn, und den letztern stand der Wildbann und das Jagdrecht zu. Sie jagten nun als Landesherrn und war der Geistliche gleichsam die zweite Person, die den Rechten und Freuden des Regenten wie billig keinen Abbruch thun sollte. Vergebens wurden die älteren Verbote auf mehreren Concilien wiederholt, sogar mit Androhung des Bannes, die Jagdlust nahm zu und die Jägerei an den geistlichen Höfen wetteiferte mit der an den weltlichen. Die Bischöfe von Eichstädt hatten einen Erbjägermeister Nach Stisser scheinen die Bischöfe sogar früher Erbjägermeister gehabt zu haben als die Kaiser. wie Erbmarschall, Erbschenk und Erbküchenmeister, und ebenso um 1400 und 1500 das Bisthum Würzburg. Damals waren aber andere Zeiten und gefiel es wohl auch einem Bischof mit schönen Frauen zu tanzen, ohne daß darüber Lärm geschlagen wurde, wie solches von Johann II. Grafen von Werdenberg bei seinem Einzug in Augsburg geschah im Jahre 1496. Ist ja noch 1734, wie bei der Hirschjagd angeführt, ein Domherr bei einem maskirten Jagen als homme à deux visages mitgeritten. Burgbernheim mit seinen Jagden kam anno 1000 an das Stift Würzburg und Bischof Heinrich gebot daß »hinfüro zu ewigen Zeiten niemands anders hohen oder niedern Standes darinnen stellen, jagen, Hirschen, Schwein, Bären oder Reh fangen solle, dann ein Bischoff von Würzburg. Welcher aber ein solches überführe, der sollte allermassen darum gestraft werden, als hätte er das in Kaiser Otten selbst wäldern gethan.« 1584 beschwert sich das Dorf Geismar bei Fritzlar über das Hetzenreiten der geistlichen Herren und die Stadt Fritzlar klagt beim Kurfürsten von Mainz über die Jagdzüge der Chorherren. In den Erlassen der Bischöfe von Bamberg und Würzburg aus dem 16., 17. und 18. Jahrhundert findet sich Alles berücksichtiget, was zur Hege des Wildes dienen kann, z. B. das Verbot, in der Setzzeit in den Hölzern Erdbeeren oder Schwämme zu sammeln, das Wild mit Schießen von den Feldern zu jagen, das sogenannte Prügeln der Hunde, Haussuchungen, Ueberwachung des Wildprethandels, des Gewehrverkaufs \&c. 1734 besaß der Fürstbischof von Würzburg vier wohl ausgestattete Jagdschlösser, nämlich im Guttenberger Wald, zu Zellingen, Büchold und Rimpar. Auch Frauenklöster hatten es, wenn nicht zu persönlicher Jagdausübung, doch zu bedeutenden Jagdrechten gebracht. Die Aebtissin des Klosters Chiemsee durfte 1462 mit ihren Hunden bis an die Mauern von München jagen und trafen zufällig die herzoglichen Hunde mit den ihrigen zusammen, da sie ein Aas im Walde fanden und fraßen »so sol man der Herrschafft Hundt hindan schlahen, hintz daß meiner Frawen Hundt des als geniessen und darnach erst der Herrschaft Hundt nyessen lassen.« Monum. boic. II. p. 512. Bei diesen Verhältnissen kamen allerlei Wendungen vor, das Jagen zulässig zu machen. Der erste Versuch ging dahin zu behaupten, die Verbote bezögen sich nur auf die vierfüßigen Thiere aber nicht auf den Vogelfang und bald wurde dieser so eifrig getrieben, daß nach dem Zeugniß des Landmeter S. Stiesser. Forst und Jagdhistorie der Deutschen. S. 531. die Luft schier keine Vögel mehr hatte; dann unterschied man zwischen der lauten und stillen Jagd ( inter venationem clamorosam seu horrisonam et placidam vel quietam ) nämlich zwischen der Jagd mit Hunden, Hörnern und Waldgeschrei und dem Birschen oder Jagen mit Hilfe weniger Leute. Dann schrieb ein Florentiner Professor aus dem Servitenorden eine Vertheidigung des geistlichen Jagdvergnügens und kamen mehr dergleichen, und ein Felix Spatz bewies geradezu aus der Genesis, daß Gott als dominus directus der von ihm geschaffenen Erde, weiland Adam seinen Vasallen mit den wilden Thieren beliehen habe. Diese erste Investitur sey für Noah erneuert worden. Alle ihre Nachkommen also, die Theil an der Erde haben, seyen eo ipso von Gott auch mit der Jagd belehnt, woraus er dann für die begüterte Geistlichkeit folgerte, daß sie von Gott selbst zum Jagen berufen und höchstens aus Standesrücksichten verpflichtet sey, sich der venatio clamosa zu enthalten. S. Stiesser und Seibertz, das westphälische Jagdrecht. S. 99. Wie hat sich das Alles geändert und wie seltsam nimmt es sich aus, wenn von Rechten und Geboten für ewige Zeiten gesprochen und geschrieben wurde! Das Jagen der Geistlichen ist in Bayern gegenwärtig fast auf Null reducirt und in manchen Diöcesen dürfen sie gar nicht mehr jagen, wie es auch den protestantischen Geistlichen verboten ist. Nur nicht das Kind mit dem Bad ausschütten! Freilich, wenn Fälle erzählt werden, wo der Pater beim Ueberlandgehen um eine Frühmesse zu lesen regelmäßig seine Flinte mitnahm und unterwegs in Holz und Feld herumpuffte oder da er einen Partikel zum üblichen Kusse in der Hand hielt und durch's hohe Kirchenfenster draußen einen Hasen laufen sah, in aufwallender Jagdlust mit dem länglich gefaßten Kleinod auf den springenden Lampe anschlug und mitfuhr bis er verschwand, oder über einen gefehlten Fuchs mit Exclamationen loszog, wie sie allenfalls ein naturwüchsiger Jagdgehülfe hören läßt, dann hat das Veto einen guten Grund, wenn aber der Geistliche sonst der rechte Mann, dürfte man ihm einige Erfrischung des Jagens wohl gönnen. Die Gebildeten werden daran keinen Anstoß finden und die Bauern ebensowenig eine Beeinträchtigung seiner Würde, als es ihnen auch ganz natürlich vorkommt, daß ein solcher Herr zu Zeiten Durst hat und sich im Honoratiorenstübl freut, wenn ein frisches Faß angestochen wird. Treibjagdlied.         Hinaus in den Wald Dem Jagen zu lieb, Es glitzert vom thauigen Rasen, Hinaus auf den Bock und den listigen Dieb Den Fuchs und die Schnepfen und Hasen, In den Wald, in den Wald! Und laßt zum Aufbruch blasen! Hinaus in den Wald, He Luxl herbei Und der Waldl, der Schnaunz und die Kleine, Ihr treuen Gesellen bald läßt man euch frei, Ihr seht mir im Aug' was ich meine: Es geht in den Wald Und thue dann jeder das Seine! O liebliche Luft, Wie duftig und fein, Es kann sie kein Garten so hegen, Und wirft auch der Mai seine Rosen hinein, Nicht bringt er die Würze zuwegen Wie der herbstliche Wald Wenn die harzigen Tannen sich regen. Was nahet, was kommt, Nußheher sag' an, Was kreischest du auf in den Bäumen, Ein Rehbock ho ho! wie das Wetter voran, Ei den darf man nimmer versäumen, Paff! nieder damit! Nun rings wird es laut in den Räumen. Hui! jagen sie hell Der Waldl, der Schnauz, Das Füchslein sie meisterlich kennen, Im Zug ist der Tanz, o schelmischer Kauz, Nun wirst du die Nase verbrennen. Piff paff hin und her! Und die Hasen hallo! wie sie rennen! Es lebe der Wald Und es leb' das Gejaid Und der uns das Pulver erfunden, Ging's ledern und stille, das wäre mir leid, Dem Knall' bin ich lieber verbunden, Es schalle und hall': Heut' rühren sich fröhliche Stunden! Der Biber. Der Biber ( Castor fiber ) und der Fischotter ( Lutra vulgaris ) werden oft beide als Fischdiebe zusammengestellt, wie sie auch deßwegen das Vorrecht genießen, als Fastenspeisen zu gelten. Genau besehen ist es aber anders als die Herrn, welche vor Alters das Fastenreglement diktirten, gemeint haben, denn der Biber frißt weder Fische noch Krebse, sondern nur der Fischotter. Biberfang und Otterfang wurden zu den Regalien gerechnet, die Gelehrten waren aber uneinig, ob sie zur forstlichen Obrigkeit oder zur Fischerei gehörig anzusehen seyen. Man kann wohl beklagen, daß es so ist, denn ließe der Biber sein Schneiden der Bäume, womit er seinen Aufenthalt nur zu deutlich verräth, es stünde gewiß besser mit der Erhaltung seines Geschlechts als wirklich der Fall ist. Dieses Schneiden der Bäume ist eine merkwürdige Erscheinung, denn nicht nur an dünne Stangen geht der Biber, sondern auch Stämme von ein Fuß Durchmesser fällt er mit seinen Nagezähnen, die bei uns Stemmer heißen (ähnlich wie Stemmeisen). In den Salzachauen zu Weitwörth bei Salzburg habe ich dergleichen gefällte Stämme mehrere gesehen. Es geschieht bei den stärkern so, daß durch das Schneiden zwei Kegel gebildet werden, die sich mit der Spitze berühren (der eine aufrecht, der andere umgekehrt); an der dünnen Stelle bricht der Stamm ab und ist der Zweck solcher Holzarbeit, daß der Biber zu den zarten Gipfelzweigen, die er besonders zur Aesung liebt, gelangen kann und auch Material für seine Bauten gewinnt. Meistens sind es Weiden, auch Eschen, Espen, Pappeln, die er schneidet. Mit einem fast schuhdicken Baum wird er in einer oder zwei Nächten fertig, vier Zoll dicke Stangen schneidet er mehrere in einer Nacht. Diese Arbeit geschieht überhaupt nur bei der Nacht, am Tag hat man die Biber nie damit beschäftigt gesehen. Der vielbesprochene Bau des Bibers ist meistens an einer Einsenkung oder Einbiegung eines hohen Ufers gelegen und zwar so, daß der Biber unter Wasser aus- und einschwimmen kann und daß das Wasser da tief genug ist, um nicht im Winter ganz einzufrieren. Um das Wasser gehörig anzuschwellen, errichten die Biber auch in geeigneter Entfernung von den Bauen einen Damm, der bei reißendem Wasser eine convexe Krümmung gegen den Strom hat. Der Bau ist mit einem Haufwerk von Aesten, Reisig, Schilf und Lehm gedeckt und hat nach genauen Untersuchungen keinen Ausgang nach oben, wie Einige angeben. Die Kammern und Höhlen der unterirdischen Wohnung, Burg genannt, liegen über dem Wasserspiegel und bei großem Anschwellen des Wassers ist der Biber gezwungen, sich in den obern Theil der Burg zu flüchten, oder diese auch ganz zu verlassen. Eine Biberburg an der Yssel im Herzogthum Cleve war 6 Fuß hoch und hatte 6 Fuß im Gevierte mit zwei Kammern über einander, die wieder in drei bis vier Zellen getheilt waren, jede mit einem Ausgang nach dem Flusse. Es war eine solche Masse von Weidenstämmen, Rohr, Binsen \&c. zusammengeschleppt, daß sie wohl zwei Pferde kaum weggezogen hätten. Die bekannten Erzählungen von den großartigen und künstlichen Biberbauen gelten für Gegenden, wo es sehr viele Biber gibt, wie in Nordamerika. Es hat darüber sowie über das Leben dieser Thiere Hearne S. Fauna Boreali-Americana by John Richardson. die getreueste Darstellung gegeben. Nach seinen Beobachtungen hausen selten mehr als 4 alte und 6 bis 8 junge Biber in einem Bau, obwohl die Zahl zuweilen auf das Doppelte steigt. Eine Gemeinschaft oder Verbindung ihrer Wohnungen besteht aber nicht, es liegen diese nur neben einander und hat jede einen eigenen Eingang von der Wasserseite. Gegenüber von diesen schleppen die Biber Aeste und Zweige zusammen, deren Rinde im Winter als Nahrung dient, daneben sind es vorzüglich die Wurzeln von Nuphar luteum am Grunde des Wassers, von welchen sie leben. Im Sommer äsen sie verschiedene Kräuter und Beeren, die in der Nähe ihrer Baue vorkommen, treiben sich auch viel außerhalb dieser herum. Wenn sie eine neue Wohnung bauen, so fällen sie das Holz im Sommer, fangen aber den Bau selten vor Mitte oder Ende August an und vollenden ihn erst wenn das kalte Wetter einfällt. Um die Biber zu fangen, gräbt man in der kalten Jahreszeit in ihre Baue, da sie dann in das Wasser und in die Uferhöhlen flüchten. Hat man beobachtet, daß einer in eine solche Höhle ausgestiegen, so verschließt man deren Eingang mit einem Rechen von geschlagenen Stöcken und zieht dann den Biber mittelst eines eisernen Hakens, der an einer Stange befestigt ist, aus der Vertiefung des Schlupfwinkels. Manchmal ist er mit der Hand zu erreichen und zu fassen. Sonst wird er auch mit Netzen und Tellereisen gefangen. Zum Schuß gelangt der Jäger am Tag selten, obwohl sich Biber und Otter gerne sonnen, bei Mondschein gelingt es eher auf dem Anstand. Manchem Berichterstatter hat das wunderliche Treiben der Biber, wie es wirklich ist, nicht genügt, und wenn Chateaubriand Voyages en Amérique, en Italie etc. p. 196. von ihren Palästen in Amerika spricht, so ersieht man, daß dort auch gewaltige Enten wohnen, welche Dinge ausplaudern, von denen gewöhnliche Forscher keine Ahnung haben. Sie erzählen z. B., daß beim Fällen eines Baumes ein besonders postirter Biber den Augenblick zu beobachten hat, wo der Baum fällt, um mit einem Pfiff die daran Arbeitenden aufmerksam zu machen, daß sie sich rechtzeitig entfernen um nicht erschlagen zu werden; daß die Biber sich regelmäßig zu gemeinschaftlichem Mahle in einem eigenen Speissaale versammeln, jährlich im Juli eine Generalversammlung halten, um neue Ansiedlungen zu besprechen und dergleichen. Wenn ein Individuum der Biberrepublik sich halsstarrig in Ausübung der Bürgerpflichten zeigt, so wird es exilirt und muß mit Schande in einem eigenen Loch wohnen, einem Vagabunden wird auch wohl zur Strafe der Schwanz abgeschnitten; es kommen Duelle unter ihnen vor und Kämpfe von dreien gegen drei wie weiland bei den Horatiern und Curiatiern, blutige Schlachten \&c. Die Rothhäute nennen die Biber wegen ihrer Intelligenz »stumme Menschen.« Fügt man dem noch hinzu, was die Alten von unsern Bibern erzählt haben, so übertrifft ihre Geschichte die jedes andern Thieres. Conrad Gessner, zu dessen Zeit es auch in der Schweiz viele Biber gab, berichtet nicht nur, daß sie, wie von den Murmelthieren das Heueinführen erzählt wird, die nöthige Holzzufuhr in der Art besorgen, daß ein Biber auf den Rücken gelegt, mit Aesten beladen und dann am Schwanz wie ein Wagen an der Deichsel fortgezogen wird, sondern er unterläßt auch nicht anzuführen, daß Einige sagen, der Biber beiße sich die bekannten Drüsen, welche die Gail heißen, und eine wunderkräftige medicinische Wirkung haben, in der Noth des Flüchtens selber ab, um sie dem verfolgenden Jäger »als eine Rantzion und Lößgeld für sein Leben« zu überlassen. Er führt die Verse an: »Dieweil sehr hoch geacht in Artzeney der Biber, Von wegen seiner Geyl, so giebet er viel lieber Und beißet selbsten auß, was sonst sein Leben fällt, Wer das erhalten kann, der geb' dem Feind das Gelt.« Die Biber sind uralte Bewohner Bayerns. Schon die bojoarischen Gesetze aus der Mitte des siebenten Jahrhunderts erwähnen den Piparhunt (Bibarhunt) qui sub terra venatur der unter der Erde jagt, d. h. in den Burgen die Biber aufsucht. Die Gesetze sagen, wer einen solchen Hund todtschlägt, soll einen dergleichen herstellen oder es mit sechs Schillingen büßen. In der Fundation der Kirche zu Diessen am Ammersee vom Jahr 1229 kommt schon vor, daß derselben das Jagdrecht auf wilde Thiere, Hirsche, Bieber und Otter zustehe. Ebenso wird der Biber und der Otter in der Amber bei Gelegenheit einer Schenkung des Grafen von Wolfratshausen an das Kloster Diessen erwähnt, 1558. Oefele II. 699. Es finden sich in Bayern gegen sechzig Orts- und Bachnamen, die mit Bieber und Biber anfangen. Die Gejaids-Ordnung des Herzogs Albrecht V. von 1551 bestimmt, daß der Jäger für jeden gelieferten »Bieberschwanz und zwei Füsse« »15 Kreuzer und die Haut« erhalten soll. Diese Biberschwänze und Füße wurden als Leckerbissen zur fürstlichen Hofküche geliefert. Die Fangzeit des Bibers war 1616 von Michaelis bis Ostern bestimmt. Unter Max Emanuel erschien 1685 ein besonderes Verbot des Biberfangs in der untern Isar, »demnach wir Vorhabens sind, hinfüran zu ein oder anderer Zeit Unsere Lust mit Fangung der Biber auf der Isar unterhalb Landshut hinab zu suchen, als ist unser gnädigster Befehl anmit, daß kein Fischer, so von gedachtem Landshut hinab bis in die Donau auf besagter Isar zu fischen pflegt, sich bei schwerer und unausbleiblicher Leibesstrafe unterstehen soll, einige Biber zu fangen« \&c. In dem fürstlichen Kemptischen Maiengebot von 1625, 1653 und 1786 ist auch des Biberfangens erwähnt. 1688 hat Max Emanuel im Bezirk von Benediktbeuern mit einigen Cavalieren eine Jagd auf Biber und Otter gehalten; das Kloster Benediktbeuern beherbergte die Jagdgesellschaft. – Biber haben sich auch an der Bibermühle bei Tölz und zu Hohenburg und Lenggries an der Oberisar ziemlich lange behauptet. In den Klosterrechnungen von Tegernsee findet sich 1727 das Jägerrecht für Biber und Otter gleich, zu 6 kr. per Pfund angesetzt, 1746 wurde es bei einem Biber mit 12 kr. bezahlt, es sind aber nur einzelne geliefert worden. Von 1751–55 incl. sind in den Hofzöhrgaden sechs Biber und sieben Otter geliefert worden. Im Salzburgischen war 1785 das Schußgeld für einen Biber nur 45 kr. Bis zum Jahre 1846 gab es noch ziemlich allgemein bei uns Biber, obwohl sie selten waren: an der Donau, besonders bei Neuburg und auf den Donauinseln bei Ingolstadt, ferner in der Vils und am Lech bei Füssen, Landsberg, Kaufring; an der Amber bei Fürstenfeldbruck und Olching, an der Isar bei Landshut und an der Salzach. Von 1808 bis 1830 wurden an der Amber auf der kleinen Strecke von Unterbruck bis Zolling bei Freising (etwa 6 bis 8 Wegstunden) 26 Biber geschossen und gefangen. 1833 waren sie ziemlich zahlreich in der Amber und brachen einige sogar in die Obstgärten z. B. in Fürstenfeldbruck, wo auch ein Paar am hellen Tag von der dortigen Amberbrücke heruntergeschossen wurden. Bei Passau wurden die drei letzten Biber 1819, bei Niederaltaich die vier letzten 1824 erlegt, auf der untern Isar der letzte 1844. Länger erhielten sie sich zwischen Dingolfing und Landshut, wo 1849–52 noch vier Biber erlegt wurden. Am Lech wurde bei Gersthofen 1847 ein Biber geschossen, an der Amber im Inkofer und Ambacher Jagdbezirk 1853 drei Biber von den Fischern von Inkofen gefangen. Zu Unterhausen bei Neuburg an der Donau wurden (von Revierförster Glas) 1846–53 (im März, April und Mai) vier Biber erlegt, davon zwei in Eisen gefangen. 1846 einer von 46 Pfund, Erlös 80 fl. 1850 " " 50 " " 110 " 1852 " " 40 " " 132 " 1853 " " 42 " " 132 " Die ersten drei wurden im Ganzen verkauft, vom letzten nur die Gail. Der Balg war nur 4–5 fl. werth, das Fleisch, welches in Amerika sehr geschätzt ist, galt fast nichts. Das Bibergail ( Castoreum ), in eiförmigen Säcken bestehend, die beiden Geschlechtern eigen und eine aromatische (im frischen Zustand salbenartige) Substanz enthalten, wird von den bayrischen Bibern vorzüglich geschätzt und den amerikanischen und siberischen vorgezogen. Die Säcke wiegen frisch 10–12 Loth, getrocknet nur die Hälfte, sie werden, wie oben angeführt wurde, gegenwärtig bis zu 132 fl. verkauft. Vor 60 Jahren konnte man das Loth für 1 fl. haben. Gegenwärtig finden sich einzelne Biber nur noch in den Salzachauen. Die Biber werden 30–40 Jahre alt, man soll auch schon welche 78 Jahre lang erhalten haben. Die Jagdzersplitterungen seit 1848, die Ufercorrektionen für die Dampffschifffahrt auf der Donau, mehr noch der Eigennutz von Bauern und Fischern, die pto. Biberfang trieben was sie wollten, alles das mußte das Ausrotten und den Untergang der Biber herbeiführen, auch von Seite der Jäger hat wohl das Verfahren nach dem Spruche: »Otter und Biber haben keine Hege« (weil der Balg fast immer gut) beigetragen. Gegenwärtig ist, leider zu spät, die Hegezeit vom 2. Februar bis 1. Oktober bei uns festgesetzt. Auch anderwärts, wo in früherer Zeit Biber nicht selten waren, sind sie verschwunden. So wurden (nach Landau) in Hessen im 15. Jahrhundert eigene Biberjäger gehalten und das Jagdregister des Churfürsten Johann Georg II. von Sachsen von 1656–1680 gibt 397 Biber an. Zu jener Zeit werden sie auch in Westphalen erwähnt, in der Ruhr und Möhne. In England wurden sie im 9. Jahrhundert, in Schottland und Wales im 12. Jahrhundert ausgerottet. Die Amerikanischen Biber werden, wenn sie die Wildniß ihres Aufenthalts nicht mehr schützt, dasselbe Loos haben, obwohl sie in außerordentlicher Verbreitung vorkommen. Man sagt, ihr größter Feind sey der sogenannte Vielfraß Eigentlich Fialfraß im Finnlandischen, d. h. Felsenbewohner. Kaup. ( gulo luscus, the Wolverene ); der ärgste Vielfraß ist aber ein egoistischer und habsüchtiger Mensch, und leider ist diese Spezies nicht nur auf dem besonders günstigen Boden des Sternbanners, sondern auch bei uns und überall heimisch. Im Jahre 1743 war die Einfuhr an amerikanischen Biberbälgen in London und Rochelle 150,000 Stück, im Jahr 1827 dagegen nur 50,000. Wäre es bei den hohen Preisen der bayrischen Biber nicht der Mühe und Kosten werth, einen Biberpark anzulegen, wie 1781 ein solcher bei Wien bestand, aus welchem die Thiere lebendig nach dem Gewicht verkauft wurden und bis 40 Pfund erreichten. Ein Wunsch und in Rücksicht auf manchen Nervenleidenden, dem die berühmte Gail Hülfe gewährt, gewiß ein frommer Wunsch! Leider nennt man fromme Wünsche die, von denen zu fürchten, daß sie nicht in Erfüllung gehen. Der Fischotter. Es giebt eine Familie, wie die Zoologen sagen, welche die der Mustelen heißt. Sie haben einen langgestreckten Körper und kurze Füße, die mit feststehenden Krallen bewaffnet und bei einigen mit einer Schwimmhaut versehen sind. Sie berühren beim Auftreten den Boden nur mit den Zehen und sind sehr flinke boshafte Raubthiere. Zu diesen Mustelen gehört der Fischotter ( Lutra vulgaris ), dessen Tummelplatz vorzüglich im Wasser, und gehören dahin die Marder, Iltis und Wiesel, die auf dem Land hausen. Die Jager sagen bei uns der Fischotter oder kurzweg Otter, und da es auch bei Döbel so heißt, so bleibe ich dabei, andern die Untersuchung überlassend, ob der oder die richtiger sey. Der Otter, dessen schöner dunkelbrauner Balg bekanntlich einen geschätzten Pelz liefert, Die bayerischen Otterbälge stehen gegenwärtig nieder im Preise und werden mit 6–8 fl. bezahlt. Ein amerikanischer Otterbalg gilt aber 25–30 fl. ist zwei Fuß lang, hat einen verhältnißmäßig kleinen, dicken, plattgedrückten Kopf und dicken kurzen Hals, kleine Lauscher oder Ohren und eine ziemlich lange spitz auslaufende Ruthe. Er ist mit allem begabt, was ein raubendes Wesen braucht, sieht und hört sehr scharf und hat eine feine Nase (äuget, vernimmt, wittert), ist in seinem Hauptelement, dem Wasser, ungemein flink und wehrt sich um's Leben sehr tapfer mit gefährlichen Bissen. Der Otter ist der ärgste Fischdieb, den man sich denken kann, und macht weite Streifzüge zu Land und zu Wasser nach den Plätzen, wo etwas zu holen ist. Wie der Hund guten Wind haben muß, wenn er etwas suchen und fangen soll, so muß der Otter guten Wasserzug haben, d. h. das Wasser muß ihm entgegenrinnen und trägt ihm wahrscheinlich die Fischwitterung so zu wie dem Hunde die Luft die Wildwitterung. Er fischt daher immer stromaufwärts. Forellen und Krebse sind Hauptspeisen für ihn. Die kleineren Fische werden gleich im Wasser verschlungen, mit den größeren aber steigt er an's Land und ist so jagdlustig, daß er mehr fängt und würgt, als er fressen kann. Der Otter bewohnt Höhlen in hohen Ufern am Wasserspiegel, die auch wie beim Biber Burgen heißen, und weiß auf seinen Raubzügen überall dergleichen zu finden. Dieses eben nicht anmuthig erscheinende Thier zeigt sich in seiner Jugend von höchst graziösen Bewegungen im Wasser, und es war ein anziehendes Schauspiel, welches der berühmte Zoological Garden in London im Jahr 1851 darbot, dort das zierliche Spielen mehrerer junger Otter zu Wasser und zu Land zu beobachten. Es ging dieses stundenlang fort. Man kann junge Otter auch zähmen und zum Fischfang abrichten. Ein gewisser Collins, erzählt Bingley, der in Northumberland lebte, hatte einen zahmen Fischotter, der ihm überall nachfolgte und auf's Commando Fische fing und apportirte. Ein Jacob Campell besaß einen, der zuweilen in einem Tage acht bis zehn Lachse aus dem Wasser holte. Sie können auch an Hunde gewöhnt werden, und Winkell spricht von einem Otter, dessen liebster Spielkamerad ein ziemlich starker Dachshund war. Der Otter sprang ihm gerne auf den Rücken und ritt auf dem geduldigen Hund umher, sie balgten sich auch oft scherzend und dann kickerte der Otter, während er sonst dem Hund auch mit öfterem Pfeifen zurief. Es ist merkwürdig, daß ein gezähmter Otter das Fischfressen gänzlich verlernen kann und die gewöhnlichen menschlichen Speisen anderer Art annimmt. Der größte Feind des Otters ist der Schnee, der weiße Leithund, wie ihn ein alter Spruch nennt, denn, besonders als Neu, wird er der Verräther seiner Wandergänge; er bezeichnet die Plätze, wo der Otter am Wasser aus- und einsteigt, und giebt dem Jäger Mittel und Vortheil, Eisen zu legen und im Mondschein auf dem Anstand zu schießen. Eine öfters anwendbare Art, den in einen Bach eingespürten Otter zu bekommen, ist folgende. Man schlägt in einiger Entfernung von den Stellen, wo Uferhöhlen den Aufenthalt des Otters andeuten, auf der Zuflußseite einen Rechen, eng genug, daß der Otter nicht durchkann und sperrt den Bach auf der Abflußseite mit einem Damm von Erde. Wenn nun das Wasser steigt und die Uferhöhlen füllt, muß der Otter zum Athemholen auftauchen und wird von den angestellten Schützen geschossen. Ich kam einmal so bei einer Otterjagd zu Schuß, die ich in Dittramszell bei Tölz zu machen Gelegenheit hatte. Die Otter besuchen von der Isar aus gerne die dortigen Forellenweiher. Es war Ende Oktober und wurde ein Otter auf dem frischgefallenen Schnee in einen schmalen, zum Theil unterirdisch fließenden Bach hineingespürt. Nachdem Rechen und Damm geschlagen waren, paßte ich an einer freien Stelle, und der Jäger sagte mir, der Otter werde wie ein schwarzer Wurm vorbeikommen. Man stieß mit Stangen in die Uferhöhlen und ließ auch einen Hund hinein. Der Otter kam aber nicht, obwohl er an andern freien Stellen öfters auftauchte, bis ich nach längerem Passen mehrere Schritte vom Bache entfernt den mosigen Grund sich bewegen und heben sah. Der Otter schien sich da herausgraben zu wollen, daher ich mich hinschlich und mit dem Gewehr im Anschlag das Erscheinen desselben erwartete. Es dauerte auch nicht lange, so sah ich das kleine falsche Auge aus dem Grund heraufblitzen und schoß ohne Zaudern drauf. Das aufquellende Wasser färbte sich roth und aus einer Tiefe von etwa 3 Fuß wurde ein alter Otter herausgezogen. Es war eine Fehin. Der Hund fing indessen zwei junge Otter, ein Beweis, wie man ähnliche hat, daß die Otter nicht bloß im Februar ranzen, da die Fehin, das Weibchen, nur neun Wochen tragend geht. Man hetzte vormals die Otter auch aus ihren Burgen in ein Sacknetz, welches den Bach absperrte. Sie wurden dann im Sack oder auch beim Vorbeischwimmen mit einer dreizackigen Gabel gestochen. Ebenso fing man die Biber, deren Bau auf dem Land man aufwühlte und Hunde hineinließ. In den bayrischen Flüssen sind die Otter ziemlich verbreitet, Im Jahre 1857 sind sogar wegen bedenklicher Vermehrung der Fischotter die Distriktspolizeibehörden angewiesen worden, Maßregelu zur Beseitigung solchen Uebelstandes zu ergreifen. besonders am Lech, an der Amber, Loisach, Isar, in den Revieren Schongau, Weilheim, Tölz, München, Freising, Rosenheim; in Mittelfranken an der Rednitz, Pegnitz, Wöhrnitz, Rezat \&c.; in Unterfranken am Main; in Oberfranken im Forstamt Horlach, Bayreuth und Wunsiedel. Unsere Otter liefern das Pelzwerk für die sogenannten Otterhauben, die von den Weibern auf dem Land um München, Starnberg, Landshut \&c. getragen werden, doch verwendet man gegenwärtig meistens ausländische, besonders amerikanische Otterbälge dazu, weil diese schöner sind und weil »d'Leut allwei' hoackler wern,« wie mir ein Kürschner sagte. Von den andern erwähnten Mustelen ist wenig Erhebliches zu sagen. Sie rauben zu Land wie der Otter zu Wasser, und wie bei diesem ist ein Neu wegen des Abspürens dem Jäger der willkommenste Helfer. Der Edelmarder oder Baummarder ( Mustela martes, ) der sich durch seine schön orangefarbene Kehle leicht von dem weißkehligen Stein - oder Hausmarder ( Mustela foina ) unterscheidet, ist nicht nur seltener als dieser, sondern auch schwerer zu finden, da er in Wäldern in hohlen Bäumen, Raubvögel-Horsten und dergleichen haust, während der letztere, die Plage der Bauern, denen er Hühner, Tauben, Enten \&c. stiehlt, in Scheunen und Ställen unter altem Gerümpel der Dachböden seinen Aufenthalt hat. Der Blechbeschlag des Tragbalkens der freistehenden sogenannten Taubenkobel hat den Zweck, dem Steinmarder das Hinaufklettern zu verleiden, denn darin ist er wie der Edelmarder sehr flink, wie auch beide 30 und 40 Fuß hoch frei auf den Boden springen können, ohne Schaden zu nehmen. Beide sind kleine Tiger an Blutgierigkeit und würgen nicht nur um ihrer Nahrung willen, sondern auch zu grausamer Unterhaltung, daher Hohberg sagt, daß der Name Marder gleichsam einen Mörder bedeute. Wie der Hausmarder mit den zahmen Hühnern und Enten wirthschaftet, so treibt es der Edelmarder mit den Waldhühnern und mit den Wildenten \&c. Beide saugen die Eier aus und der Edelmarder jagt auch gern auf ein Eichhörnchen oder packt einen jungen Hasen und ist ein Liebhaber des Honigs. Die Vögel beschleichen sie im Schlaf. – In der Schweiz besteht eine poetische Sage, wie eine Hausfrau ihre Hühner vor dem Marder und Fuchs schützen soll. Sie muß beim Schlafengehen die Sterne grüßen. – Man fängt die Marder mit den sogenannten Marderfallen, d. i. mit einem Schlagbaum, auch mit Eisen, außerdem wird der Hausmarder mit großem Lärmen und mit Hülfe der Hunde aus seinen Schlupfwinkeln getrieben und von angestellten Schützen geschossen, der Edelmarder aber, wenn man ihn auf einen Baum gespürt hat, mit Schlagen an den Stamm und Stoßen in die hohlen Theile in's Freie gejagt oder auch durch Ausdampfen mit einem stark rauchenden Feuer. Fährt er dann heraus und wird gefehlt, und ist ein Hund dran, so baumt er oft mit großer Schnelligkeit von einem Baum zum andern; kann er sich aber mit einem dicken Aste decken, so hält er auch wohl aus. Der Balg bezahlt die Mühe und ist gegenwärtig auf 8 fl. im Preis gestiegen, während er sonst die Hälfte kostete. Der Balg des Steinmarders gilt jetzt 6 fl., sonst 2 fl. 42 kr. Ein weiterer Verwandter des Mardergeschlechts ist der Iltiß ( Mustela Putroius, Elthier, Illing), der sich durch einen widerlichen Gestank kennzeichnet (eine Art von Moschusgeruch ist auch dem Marder eigen). Der Iltiß lebt wie der Steinmarder in alten Mauern und Gerinnen, Holzhaufen \&c., im Sommer mehr draußen, im Winter nahe bei den Häusern. Er bleibt lieber auf dem Boden als er klettert, obwohl er dieses auch kann, und raubt wie die andern, doch auf einmal meistens nur ein Stück, liebt besonders junge Hasen und Kaninchen, speist aber auch Fische, Ratten, Mäuse und dergleichen. Die kleinste Species der Mustelen ist das Wiesel , aber nur dem Körper nach, denn an Bosheit und Verwegenheit ist dieses spannlange Wesen fast größer als die andern und greift den Hasen an, der im Verhältniß ein Elephant dagegen. Man kann oft sehen, wie ein Wiesel einen solchen hetzt und herumjagt und wie er selber verwundert nach dem kleinen Feind schaut, ohne es jedoch mit ihm aufnehmen zu wollen. Besonders aber stellt das Wiesel den Vögeln und Eiern nach und man schießt natürlich die kleine Creatur wo man kann. Es kommen zwei Arten bei uns vor: Mustela vulgaris, das kleinere, und Mustela erminea, das seltnere größere Wiesel, welches im Winterkleide ganz weiß ist; ich habe es so schon Ende Oktober im Gebirg und zwar auf der höchsten Schneide des Grametsberges in der Riß gesehen. Auch das kleinere Wiesel kommt im Winter zuweilen weiß vor, hat aber nicht die schwarze Endspitze der Ruthe wie das große, welches den bekannten Hermelin liefert. Der Name Härmlin und Härmel kommt auch in der Gegend am obern Inn vor. Die Bosheit des Wiesels, seine schlanke kurzbeinige Gestalt, das Sichaufrichten wenn es neugierig lauscht, das Springen und plötzliche Verschwinden in einem Reiserbüschel, hohlen Baum und dergleichen haben mancherlei Sagen von ihm veranlaßt, und während seine weit größeren Verwandten keinen Platz in der Geschichte aufzuweisen haben, erzählt Aelianus aus Präneste bei Rom (221 n. Chr.), daß die Aegypter und die Thebäer das Wiesel (γαλη) verehren und sagen, daß es die Amme oder vielmehr die Hebamme bei der Geburt des Herkules gewesen, denn es habe durch sein Vorbeilaufen »die Banden der Wehen« der gebärenden Alkmene gelöst. »Daß das Landwiesel ein Mensch war,« sagt er weiter, »habe ich gehört, auch daß es eine Gauklerin und Zauberin und gewaltig zügellos war,« und der Zorn der Hekate hat die Verwandlung zum Wiesel verhängt. Panzer Bayerische Sagen, II. 360. – Als bekannt führt er an, daß die Wiesel die hinterlistigsten Thiere seyen und den Leichen der Menschen nachstellen und ihnen die Augen ausreißen und ausschlürfen. Das Anhauchen eines Wiesels oder Anpfeifen wie man es nennt, ist nach dem Glauben unseres Landvolks gefährlich und bringt Geschwülste hervor, in Tyrol wird dagegen ein Wieselbalg als ein kräftiges Amulet angesehen und eine angeblasene Geschwulst damit bestrichen vergeht sehr bald. Im bayrischen Unterland heißt das Wiesel auch Müemelein, ein Name, der nach Panzer an geisterhafte weibliche Wesen, die Mumen, erinnert, von denen gesagt wurde, daß sie die Häuser besuchen, aus unbedeckten Gefäßen essen und trinken und diese immer wieder füllen. Fänden sie aber die Gefäße bedeckt, so stünde dem Haus Unglück bevor. In Tyrol wird von dem kleinen Thier noch mehr erzählt. So heißt es, daß die Wiesel giftige Schlangen mittelst der Raute bekämpfen, welche sie im Rachen verbergen; Aehnliches findet sich bei Aelianus. Es heißt ferner: wer einem lebenden Wiesel das Herz ausreißt und dasselbe noch zuckend ißt, kann in die Zukunft schauen. Den Fuß eines Wiesels zu Rosen- und Senfkörnern gethan und in ein Fischernetz gehängt, lockt die Fische von weitem zusammen, so daß man sie mit Händen fangen kann \&c. v. Alpenburg a. a. O. Im Kanton Glarus herrscht bei alten Jägern der Glaube, es sey gefährlich, im Gebirg auf ein Hermelin zu schießen. Ein Jäger von Matt, obwohl von seinem Vater gewarnt, konnte es doch nicht lassen, als er auf der Höhe des Gulderstocks ein Hermelin erblickte, darauf zu schießen. Da zersprang die Flinte, und in kurzer Zeit war der Jäger von einer Menge von Hermelinen umgeben und machte sich eiligst davon. Th. Vernaleken, Alpensagen. Der Hermelin gilt als ein besonders reinliches Thier, daher P.  Abraham a St. Clara sagt: »Es soll ein Geistlicher seyn wie das schneeweiße Thierl Armelin, welches sich ehender laßt umbringen als mit Koth oder Unflat sich besudlen; derentwegen ihme der Poet dieses Lob schenket: Potius mori, quam foedari.« Spruchreime.             Tritt die Sonne mild hervor Aus des Morgens lichtem Thor, Ohne Prunk doch königlich: Freuen alle Herzen sich, Kommt sie aber in Purpur gegangen, Siehts der Waidmann stets mit Bangen, Denn dann lauft dem rothen Schein Schlimmer Pöbel hinterdrein, Schlechter Wind und klatschender Regen Folgen brausend ihren Wegen, Trüben des Himmels helle Fenster, Wecken die schlafenden Nebelgespenster, Senden ringsum Nacht und Graus, Jagen Jäger und Hund nach Haus. ———         Ein schönes Augenpaar         Das ist das Doppelgewehr,         Dem sich der Jäger ergiebt,         Da hilft kein Trotzen mehr. ———         Der Amorbub ist männiglich         Als Scharfschütz wohl bekannt,         Drum haben ihn die Mägdlein sich         Zum Kammerjäger ernannt. ——— Spielho' gieb Acht, daß di d'Bix nit d'erlangt, Jaager gieb Acht, daß di' 's Diendl nit fangt. ——— Vor die Diendln nimm di' in Acht, D'Lieb' gar blind und daamisch macht, Ko'st es in' Lanks am Federwild segn, Is aar 'n Hirsch oft Loads d'rum g'schegn, Und daß d'klüger als der willst sey', Jaagabua dees bild' dir net ei'. ——— Willst d'erfragn Wo der Hirsch hat g'schlagn, Frag' koan' Jaaga, der giebts nit a', Frag' jungi Taannln , bist besser dra'. ——— Nit leicht jagst an' Hasn vo' Hof und Haus, Kimmt bald wieder hoam, bleibt nit lang aus, An' Hirschn aber ko'st leicht vergräma, Da muaßt 'n Handl scho' feiner nehma. ——— Nimmst an' guatn Stutzn mit, Der d'erspart dir vieli Schritt', Nimmst a' schlechti Bix, mei' Bua, Nacha laafst umsunst grad gnua. ——— An' Dreier saufa, an' Oa'ser schießn, Werd 'n Geldbeutl bald verdrießn. Dreier = drei Kreise auf der Scheibe. Oa'ser = Einser = ein Kreis auf der Scheibe. II. Federwild. Der Auerhahn. Die wilden Hühner haben ihren stattlichsten Repräsentanten am Auerhahn ( Tetrao Urogallus ). Es ist nicht nur die Größe die ihn auszeichnet, und die der eines Truthahns fast gleichkommt, oder sein Federbart am Kinn, sondern auch eine gewisse würdige Haltung unterscheidet ihn von anderem Volke. Der Spielhahn ist ein Windbeutel dagegen, schlank und flink und aufgelegt zum Trillern und Tanzen, der Fasan ein eitler Geck, der mit seiner schimmernden Uniform der Himmel weiß was sich einbildet; Haselhühner und Steinhühner buntscheckige Sonderlinge, die jedenfalls zu den kleineren Göttern zählen; kurz der Auerhahn überragt Alle seines Geschlechts und wurde und wird daher noch überall zur hohen Jagd gerechnet. Es ist ihm wenig daran gelegen die Menschen zu sehen oder von ihnen bewundert zu werden und wäre die Liebe nicht, die selbst Männer von dreifacher Philosophie um's Herz an der Nase herumführt, es könnte kaum von einer Auerhahnjagd die Rede seyn. Aber die Liebe, die schon so viele Sänger geschaffen, sie bestimmt auch unsern ernsten Auerhahn zu einem Falzgesang, den er im April in der mystischen Stunde da die Sterne erbleichen und der Morgen graut, anhebt und zwar mit einer eigenthümlichen elegischen Färbung wie kein anderer Vogel. Und dieses Lied ist so oft sein Untergang, denn er verräth sich damit dem lauschenden Jäger und macht ihm das Anbirschen möglich. Man sieht daraus und weiß es auch anderwärts, daß das Falzen mitunter seine gefährliche Seite hat. Der Auerhahnfalz oder so genannte Jagd ist mit mancher Beschwerlichkeit verbunden aber auch von besonderen Reizen begleitet, um deren Willen sie sogar der Verfasser der Tunisias und Rudolfias, der Erzbischof L. Pyrker besungen hat: »Der Auerhahn, der Auerhahn, Der lockt mich nach den Höhen; Doch will ich dort mit Vortheil dran, So heißt es früh aufstehen! Der Auerhahn, der Auerhahn Ist selten zu ersehen! \&c. « Beim Mondschein vor Tag geht es in die waldigen Gründe oder im Fall der Himmel trüb zündet man eine Fackel an bis man in die Nähe des Falzplatzes kommt. Da geht der Weg oft zwischen alten Bäumen hindurch, die sich in der Beleuchtung der brennenden Späne phantastisch ausnehmen oder er führt in einen Filzgrund mit verkrüppeltem Krummholz, welches einen in seltsamen Gestalten anschaut und die Stimmung wird eine mehr und mehr gespannte, denn von Zeit zu Zeit lauscht man in die Nacht hinein nach dem Falzruf, um den sich der Jäger vielleicht noch mehr sehnt als die Henne der er gilt. Dabei taucht mancherlei Besorgniß auf, daß der Hahn etwa nicht Lust habe zu falzen, welches öfters geschieht. Sowie nun aber aus der dunklen Wildniß das Schnalzen ertönt und das leise Wetzen, da rührt sich das Jägerblut, da ist alle Aufmerksamkeit auf das Anspringen während des Wetzens oder Schleifens gerichtet. Man springt dabei meistens nur zwei Schritte vorwärts und steht dann wieder regungslos bis das Schleifen abermals beginnt. Wenn der Hahn frisch und aufgelegt ist, so folgen Schnalzen oder Schnackeln, welches immer schneller geht bis zum Haupt- oder Hochschlag und dann das Schleifen fast ganz regelmäßig aufeinander, so daß man gleichsam auf den Takt springen und stehen kann. Wenn der Hahn aber launisch ist und nicht gut aufgelegt, so schnackelt er oft lange einzelnweise fort, bis der Falz in Gang kommt und hat man dann beim Springen zufällig eine unbequeme Stellung bekommen, so ist das Stillstehen kaum auszuhalten. Wenn man glücklich bis auf Schußweite angesprungen ist, so hat man nicht selten noch seine Noth, den Hahn zu sehen, denn besonders auf Tannen steht er oft auf einem dicht verwachsenen Ast oder im Gipfel des Baumes, so daß man wieder wegspringen und um den Baum herumspringen muß bis man schießen kann, oder es ist noch zu dunkel und dann besser wenn man nicht zu nahe herangekommen, denn ob der Hahn auch während des Schleifens gleichsam blind und taub ist, so ist er vor und nach demselben sehr aufmerksam und steht ab sowie er das geringste Verdächtige bemerkt. Wenn er dann nicht zufällig in der Nähe wieder aufbaumt und falzt, so ist er an demselben Morgen meistens nicht mehr zu bekommen. Wenn aber der Schuß glückt, wenn es fallend herunterrauscht durch das Gezweig und schwer auf den Boden plumpt, wenn man ihn hat den acht sogar bis zwölf Pfund wiegenden Vogel und der erste Morgenstrahl läßt ihn beschauen als einen vollwichtigen alten Pechhahn, dann ist es wohl lustig und steckt man gerne die schönen schwarzen am Ende weiß gespreckelten Schaufelfedern auf den Hut. Auch Abends falzen sie nicht selten und man stellt sich dann in die Nähe der Bäume wo sie einzufallen pflegen. Die Falzzeit (Balz-Palz-Zeit) beginnt mit dem Knospen der Rothbuchen und dauert bis Anfangs Mai, bis das Laub herauskommt, daher bei uns das Sprüchlein: »Buachlaab 'raus, Ho' falz' aus.« Wildungen hat den April Auerhahnmonat genannt. Die ganze waidmännische Monatstaufe dieses Hauptjägers ist folgende: Man schießt die Auerhähne gegenwärtig meistens mit starken Schroten, in früherer Zeit wurden auch eigene Auerhahnbüchsen gebraucht, welche oft sehr zierlich mit eingelegter Arbeit in alten Gewehrkammern zu sehen sind. Außer der Falzzeit kommen die Auerhähne selten zu Schuß, bei uns werden sie zuweilen bei einer Treibjagd auf Hirsche oder Gemsen geschossen, früher aber, wo für alle Zweige der Jagd an Hege und Schonung mehr geschah als gegenwärtig, wurden die Auerhähne auch vor dem Hund geschossen. Man hatte dazu eigens dressirte kleine Hunde, welche den Auerhahn aufstöberten, da er dann aufbaumte. Der Hund verbellte ihn und die Aufmerksamkeit des Hahns war ganz auf diesen gerichtet, so daß sich der Jäger anbirschen und schießen konnte. Diese Art zu jagen wird in Schweden noch geübt. Die Auerhahnbeller dienten in gleicher Weise für Fasanen und Haselhühner. Junges Auergeflügel wird bei uns nicht geschossen oder nur zufällig. In Norwegen wird im August Jagd darauf gemacht. Man jagt die Ketten aus dem Haidekraut wo sie gerne liegen, mit dem Hund auf, nimmt dann diesen wieder zu sich und lockt die Henne, indem man den Ruf der jungen Vögel nachahmt. Wenn diese geschossen ist, werden ebenso die Jungen herbeigelockt. Diese Jagd und Jagdzeit heißt: »Föstrezeit« (föstre = auferziehen). Europa. 1857. 20. Die Liebe und Sorgfalt der Auerhenne für ihre Jungen ist bekannt. Kommt man in die Nähe wo die Jungen liegen und die alte Henne fürchtet Gefahr, so läuft und flattert sie am Boden weg, um die Aufmerksamkeit des Nahenden auf sich zu lenken und dabei stellt sie sich als wäre sie angeschossen und könne nicht recht vom Fleck. Ich habe solches Manöver öfters zu Anfang Juli, wo die Jungen die Größe eines Rebhuhns haben, beobachtet. Ein Auerhahn ist in der Falzzeit zuweilen sehr zerstreut, welches Einige auch verrückt nennen, und manchmal kann man sich ihm am hellen Tag nähern und ihn mit aller Bequemlichkeit vom Baum schießen, ob aber die Zerstreutheit so weit geht, daß er, wie Fälle erzählt werden, auch ohne zu falzen nach einem Fehlschuß aushalte und gleichsam auf sich »fleckeln« lasse, darüber kann ich nicht urtheilen; bei den bayerischen Auerhähnen ist dergleichen meines Wissens nicht gebräuchlich. Ueberhaupt werden von diesem Vogel viele seltsame Geschichten erzählt. So fiel es 1840 im Steigerwald einem ein, sich in den Orten Koppenwind und Neudorf zu den Haushühnern zu gesellen und den armen Gockel der ihn wegweisen wollte, gewaltig abzuraufen und so trieb er es öfters bis ein Schuß der Verirrung ein Ende machte. So liest man, daß ein Auerhahn im Schlesischen 1828 wiederholte Versuche gemacht habe, den Jäger »anzunehmen« und so jedermann, der seinem Standort nahe kam. Sogar die Pferde der Forstbediensteten fiel er an. Dergleichen Vorkommnisse erhöhen immerhin das Interesse der Jagd, denn gibt es wüthende Füchse, warum soll's nicht auch wüthende Auerhähne geben und erlebt auch unter hundert Jägern nur einer ein solches Abenteuer, so könnte man eben doch dieser eine seyn. In Bayern kommt Auerwild fast überall längs des Alpengebirges vor, nach der Ebene zu und soweit das Hochholz hinauf reicht. Gute Stände sind im Allgäu (auf den Jagden des Prinzen Luitpold) in den Revieren Burgberg, Fischen, Immenstadt \&c., ein sehr guter Stand bei Ettal, Partenkirchen, Riß, Altlach (Hochkopf), Hohenschwangau, Buching; in der Gegend des Ammersee's, um Diessen, Reisting, um Gimmenhausen und Wessobrunn; in Berchtesgaden und Ruhpolding. Weniger zahlreich sind sie im bayrischen Wald, dagegen ziemlich verbreitet im Forstamt Tirschenreuth und Bruck in der Oberpfalz, im Nürnberger Reichswald, in Unterfranken in den Revieren Framersbach, Burgwallbach, Steinach, im Spessart, Heinrichsthal, Heßberg \&c. (260 Stück.) In der Pfalz war vormals der Auerhahnfalz um Johanniskreuz berühmt und bestanden zum churfürstlichen Aufenthalt während der Falzzeit die Jagdschlösser »Breitschied« und der »Speckheinrich.« Noch gegenwärtig ist der Stand gut. Im Revier Ettal werden jährlich 6–8 alte Hähne, um Partenkirchen 16–20 auf dem Falz geschossen; im Revier Buching schoß vor einigen Jahren ein Jäger elf Hähne auf demselben Falzplatz. Da die alten Auerhähne die jungen sehr heftig bekämpfen und versprengen, so hat man sie besonders auf's Korn zu nehmen, um den Stand gut zu erhalten. Berühmt war schon im 16. Jahrhundert der Auerhahnfalz im Nürnberger Reichswald und im Kohlwald im Fichtelgebirg. Es wurde sehr auf die Hege gehalten und ein Mandat von 1551 unter Herzog Albrecht V. befiehlt, das Fangen der Auerhennen »Haselhuhnen« \&c. auf drei Jahre lang einzustellen. Daß man viel auf dieses Federwild hielt, beweist auch eine Urkunde von Churfürst Friedrich, Herzog in Bayern, welcher 1547 dem gelehrten Mathematiker und Astronomen P. Apian, Professor an der Universität zu Ingolstadt, das Recht ertheilt, auf seinem Gut Itlhofen in Mittelfranken, Bären, Hasen und Füchse zu schießen, zu jagen und zu fangen, auch Vögel, jedoch mit Ausnahme des Auer- und Spielgeflügels. Die Herzoge besuchten auch oft Tölz, um dergleichen Federwild zu schießen und waren die Gaisacherberge berühmt dafür. Vom Churfürst Karl Albrecht findet sich angegeben, daß er 1735 am 14. April eine Auerhahnjagd bei Neuburg am Wald in der oberen Pfalz gehalten und 1738 eine dergleichen mit der Churfürstin am 15. April bei Pruck in der oberen Pfalz. Noch gegenwärtig wird der Auerhahnfalz von Zeit zu Zeit vom regierenden König und von den Prinzen in der Gegend von Weilheim, Diessen, Sonthofen \&c. begangen und im heurigen Jahre (1858) besuchte der König wieder die alten Stände im Lorenzerforst bei Nürnberg, welche noch immer vorzüglich sind. S. M. schoß einen Hahn, der über neun Pfund wog und einen andern auf dem Hochkopf am Wallersee, wo ebenfalls ein guter Falzplatz, die Jagd aber wegen des zur Falzzeit gewöhnlich noch liegenden Schnees beschwerlich ist. Im vorigen Jahrhundert wurde der Auerhahn als Jagdstück besonders hoch gestellt und manchmal sogar dem Hirsch gleichgeachtet. Einer der glücklichsten Schützen auf dieses Wild war wohl August III. von Sachsen. Er schoß im Jahre 1745 und 1749 einmal in zwei Tagen sechzehn Auerhähne, ein anderesmal erlegte er während der ganzen Falzzeit gegen fünfzig derselben in den Forsten zu Torgau, Elsterwerda, Dobrilugk und bei Okrylle. Wahrscheinlich wurden dabei auch mehrere Hähne vor dem Hund geschossen. Zu ähnlichen Resultaten läßt sich, abgesehen davon, daß es an Wild nicht fehlt, nur gelangen, wenn die Umstände gestatten bei der Nacht zu schießen. Ich kenne einen Jäger, der bei Kleinarl im Lungau auf einen Gang fünf Auerhähne schoß; davon schoß er aber drei noch ehe der Tag graute, da sie auf lichten Buchen standen, wo die Aeste das Sehen nicht hinderten. Auf Tannen ist es in der Dunkelheit selten möglich, den Hahn gehörig zu erkennen und man kann schon zufrieden seyn, wenn man an einem Morgen auf zwei Hähne zu schießen kommt. Der Kaiser von Oesterreich hatte im heurigen Jahre (1858) das seltene Glück an einem Morgen in Reichenau vier Hähne zu schießen und einen fünften am Abend desselben Tages. Der Churfürst Clemens August von Cöln, überhaupt ein leidenschaftlicher Waidmann, war ein großer Freund vom »Auerhahnpfalz« und erließ 1755 ein Mandat, daß sich Nichtberechtigte alles Schießens und Fangens der Auerhähne bei willkürlicher Strafe und seiner höchsten Ungnade enthalten sollten, zu den Berechtigten aber versieht er sich in Gnaden, daß dieselben »Uns zu unterthänigsten Ehren« die Auerhahnen möglichst verschonen und eher auf deren »Vermehr als Schreck und Vertreibung« bedacht seyn werden. S. Seibertz. Das westphälische Jagdrecht. S. 222. Mit besonderem Glanze wurde bis 1827 der Auerhahnfalz seit mehr als hundert Jahren auf der Herrschaft Malwitz in Schlesien gefeiert. Es versammelten sich hier jährlich die Ritter eines Auerhahnordens, dessen Ordensmeister der jeweilige Besitzer der Herrschaft war. Man vertheilte sich auf drei bis vier Meilen weit, ging am Morgen auf den Falz und kam Mittags wieder zusammen, um sich die Jagderlebnisse mitzutheilen. Das Ordenszeichen, welches bei besonderen Feierlichkeiten getragen wurde, war ein silberner Auerhahn am grünen rothgesäumten Bande. Im Jahre 1827 war Ordensmeister der Graf zu Dohna. Jäger-Lexikon von Hellrung. An der Bergstraße und auf dem Schwarzwald sind gute Auerhahnstände. Der jetzige Großherzog von Baden ist ein großer Freund dieser Jagd. In Böhmen ist der Stand mitunter ausgezeichnet und ein Bericht vom heurigen Jahre gibt an, daß in den Fürstenbergischen Waldungen die Fürsten Max und Emil zu Fürstenberg und der Graf O. Lichnowsky während der Falzzeit in einigen Tagen 24 Auerhähne und 45 Spielhähne erlegt haben (dazu noch einige Haselhühner und Waldschnepfen nebst 4 Rehböcken und 8 Füchsen). Hugo. Jagdzeitung. Aehnliche gute Auerhahnstände finden sich in Oberösterreich auf den fürstlich Stahrenberg'schen Besitzungen und auf den kaiserlichen Jagden schoß der Kaiser selbst 34 Auerhähne. Trotz seiner Größe und Ansehnlichkeit ist der Auerhahn doch niemals hoch bezahlt worden, denn in der That ist er lustiger zu schießen als zu essen und besonders ein alter Hahn bedarf eines sehr gewandten Kochkünstlers, Vergrabens in der Erde und allerlei Proceduren, um genießbar zu werden. Die Stoßfedern lassen sich zu schönen Fächern fassen. Um 1796 kostete ein Auerhahn 2 fl. 24 kr., gegenwärtig im Münchener Zwirchgewölb nur die Hälfte. Es sind dahin von 1841 bis 1845 durchschnittlich per Jahr 26 Auerhähne geliefert worden. In den Rechnungen des Münchner Zwirchgewölbs von 1751–55 sind nur 9 Auerhähne angegeben. Die Klosterrechnungen von Tegernsee geben von 1734 bis 1786 jährlich im Durchschnitt 4–5, selten bis 10 Auerhähne an. Im Spessart kostet ein Auerhahn gar nur 48 kr. Im Salzburgschen findet sich 1785 für die Auerhenne der Name » Bramhenne « und kostete das Stück damals 50 kr. Auerhahnfalz.                         Wenn die Buchen knospen so denke dran Und kürze den Schlaf o Waidemann, Und zieh' zum Wald eh' graut der Tag, Viel schöne Lust dir blühen mag. Und lauschend birsche durch die Nacht Um die alten Eichen mit Bedacht, Nicht zagend ob des Käuzleins Ruf, Der Herr auch bessere Vögel erschuf. An den Auerhahn denk', an den Auerhahn, Der allen an Stolz und Pracht voran, Ihm gilt der nächtliche Waidwerksgang, Er gilt seinem heimlichen Falzgesang. Des Morgens Zwielicht das ist die Zeit Wo er zu musiciren bereit, Wo zwischen Mond- und Sonnenglanz Die Hennen er lockt zum Hochzeittanz. Horch! hörst du das leise klipp und klapp, Es trägt's der Wind wohl auf und ab, Horch! jetzt der Hauptschlag, nun voran, Das Schleifen schließt sich deutlich dran. Da springt der Waidmann, lauscht und springt, Das Falzen immer näher klingt, Wo steht der Hahn, der Tag schon graut, Das Aug' nach allen Gipfeln schaut. Sieh! dort der Ast da regt sich 'was, Da steht er, nun genau ihn faß Und wenn er schleift, fahr' keck hinein Und schieß nicht wankend, er ist dein. Und rings der Schuß die Vöglein weckt, Die schlafend in Busch und Baum versteckt Und keines von ihnen bekümmert der Tod, Sie alle frisch grüßen das Morgenroth. Die Drossel beginnt den melodischen Reih'n, Es zwitschern die Meisen und Finken drein Und die Rothkehlchen auch, es wird laut überall Von Lieben und Locken in fröhlichem Hall. O wie hold sind die Lieder, wie hold euer Sang, Wenn gnädig Hubert, wenn das Waidwerk gelang, Doch wenn es mißlungen im trügenden Licht, Dann schweigt nur ihr Vöglein, dann hört man euch nicht. Der Spielhahn. Der Spielhahn, Birkhahn ( Tetrao tetrix ) beginnt den Falz ziemlich gleichzeitig mit dem Auerhahn und dauert derselbe bis in den Mai hinein. Oft falzen diese schönen Vögel so nahe beisammen, daß man auf beide an demselben Morgen Jagd machen kann, indem man zuerst den Auerhahn anspringt und dann noch eine Birsch auf den Spielhahn macht. Wer aber den lustigen Spielhahn in seiner hochzeitlichen Freude ganz kennen lernen will, der muß ihn auf dem Platz beobachten, wo er am frühen Tag seinen Tanz hält. Das ist ein Springen und Laufen im Reigen und ein Blasen und Grugeln, daß man gar gerne zuschaut und zuhört. Der Auerhahn schreitet höchstens mit gesenkten Flügeln und mit den breiten Stoßfedern ein Rad schlagend, wie es auch der Spielhahn thut, auf einem Aste herum und kennt nur den gravitätischen Menuettschritt, der Spielhahn dagegen tanzt und springt wie etwa vor dreißig Jahren ein Jüngling in der Française tanzte. (Heutiges Tages weiß man von solchem Tanzen nichts mehr und ist zufrieden, diese Arbeit mit Gehen abzumachen.) Während der Auerhahn gleichsam nur der verschwiegenen Nacht seine Klagen vertrauen will und zeitweise in überschwenglicher Liebesphantasie den Kopf verliert, zeigt sich der Spielhahn aufgeweckt, fröhlich und herausfodernd und ist immer auf alles aufmerksam, was um ihn vorgeht, so daß er nicht leicht angebirscht werden kann. Kommt ihm ein anderer Hahn zu nahe, so geht es gerne an ein heftiges erbostes Raufen und schreiten sie mit halbgehobenen Flügeln und gesträubten Federn aufeinander los, wobei sie sich oft beim Angriff gegenseitig umwerfen und beide auf dem Rücken liegen, daß man über dem komischen Anblick das Schießen vergißt. Wegen dieser Rauflust muß auch mancher stattlicher Hahn das Leben verlieren, da ihn der Jäger durch den nachgeahmten Ruf eines jungen Hahns herbeilockt. Man sagt von diesem Locken in Oberbayern »Er is auf's Blasn ganga;« im Allgäu nennt man es »scheuchen;« es ist am anwendbarsten, wenn ein alter Hahn allein steht, wie es bei den Gebirgshahnen eher der Fall ist als bei den Mooshahnen, deren meistens mehrere zusammen einen gemeinschaftlichen Falzplatz haben. Auch den Ruf der Henne gebraucht man manchmal zum Locken, es ist ein häßliches Gegacker mit gedehntem schnarrendem Schluß. Diese Hennen verhalten sich sehr bescheiden und sittsam, lassen ihren Hahn allein tanzen und schauen gewöhnlich nicht einmal zu, sind erdfahle Weiber, die für den schmucken lebfrischen Hahn gar nicht zu passen scheinen, aber die Natur liebt oft solche Gegensätze. Außer der Falzzeit schießt man im August auch junge Hähne vor dem Hund im Buschiren oder im Treiben. In Kurland, Liefland und Litthauen lockt man die Spielhähne durch den sogenannten Balbahn oder besser Pulwan, d. i. einen ausgestopften oder künstlich nachgemachten Spielhahn, der auf einem Fallbaum befestiget wird. Man verbirgt sich in einem Schirm unter dem Baum und muß ein Jäger die gewöhnlichen Falzplätze abgehn und die Hähne gegen den Baum treiben; dabei soll der Pulwan mit der Brust gegen den Wind gestellt seyn, d. h. in der Stellung, die ein Spielhahn immer nimmt, wenn er aufbaumt und das Revier beschaut. Wenn Einer das Eingehen und Treiben versteht und außer dem Fallbaum kein anderer hoher Baum in der Nähe, so schießt man auch leicht ohne Pulwan. Diese Art hat den Vortheil, daß das Spielgeflügel auf dem eigentlichen Falzplatz nicht durch Schießen beunruhigt wird; es hält also auch den gewählten Platz besser als außerdem der Fall wäre, denn der Spielhahn ist ein sehr scheuer Vogel und leicht zu vergrämen. Das Falzen findet auch am Abend statt, doch nicht so lebhaft wie am Morgen. Birkwild oder »Spielg'flüg« kommt auf den Mösern Bayerns und in den Alpen überall vor. Zahlreich ist es im Allgäu verbreitet und um Partenkirchen und Hohenschwangau; auf den Filzen von Weilheim, Diessen, Rosenheim, Reichenhall, auf dem Grassauer-Moos (bei Marquartstein) kann man im Spätherbst und im Winter oft 80 bis 100 Hahnen beisammen sehen. Sie finden sich ferner im Aginger- und Erdinger-Moos, im Revier Kaisheim und Hafenreuth, Forstamts Donauwörth, um Dillingen; in der Oberpfalz zu Vilseck, Weiden, Bruck; häufig im Reichswald bei Nürnberg und im übrigen Franken. In der Rheinpfalz kommt der Spielhahn nicht vor. Die Mooshähne sind kleiner als die im Gebirge, welche auch ungleich schönere Stoßfedern haben. Da die Berghähne meistens auf den höchsten Gebirgsrücken ihre Falzplätze haben, so ist es um solche Jagd eine beschwerliche Arbeit und kann man sich im Schnee müde genug steigen und beim Uebernachten und Ansitzen so weidlich frieren, daß ein gewöhnliches Menschenkind gar nicht begreift, wie man das einiger krummen Federn wegen thun mag. Und doch ist es am schönsten, da oben auf dem Falz zu schießen und nicht zu vergleichen mit einer solchen Jagd in der Ebene. Die Herrlichkeit des Gebirgs verherrlicht auch die Jagd und frischer und prächtiger erscheint die blauschwarze Farbe des Vogels und der Scharlachpolster über den Augen, wenn ihn die Sonne zwischen Schnee und dunkelgrünen Latschen bescheint. In Tyrol und in den steyerischen Gebirgen kommt der Spielhahn ebenfalls häufig vor; ein vorzüglicher Stand aber ist in mehreren Gegenden von Böhmen, um Bunzlau, Eger, Leitmeritz, Königsgrätz, Prag, Saaz, so daß in manchem Jahr in jedem dieser Reviercomplexe 150 bis 250 und mehr Hähne geschossen werden. Die Jagdperiode von 1857–1858 hat in allen Jagden des Kronlandes Böhmen eine Ausbeute von 2300 Birkhähnen verzeichnet. Winkell berichtet nach sicherer Quelle, daß sich das Spielgeflügel in Schweden verschneien lasse, »so zwar, daß es unter dem Schnee acht bis zehn Tage anhaltend liegen bleibt, worauf man aus der Menge an Losung, welche in den Schneelöchern sich befindet, worin die Birkhühner ruhten, schließen kann.« Sämmtliche Waldhühner sollen in Schweden in großer Menge vorkommen und die Lieferungen an Auerhühnern, Birkhühnern und Haselhühnern nach Stockholm jährlich gegen 100,000 Stück betragen. Obwohl der Spielhahn gut zu essen, so sind es doch die krummen Stoßfedern, die den Jäger zunächst anziehen. Diese Federn werden überall im Gebirg, besonders von jungen »schneidigen« Burschen gern auf dem Hut getragen und in manchem Schnaderhüpfl ist ihrer erwähnt. »Von' Spielho' die Federn, Von' Hirschn das Gweih (und) Von' Gambsei die Krickln, Von' Diendl die Treu.« »Und bal' der Ho' falzt Is a' gar schöni Zeit Und a' Paar krumbi Federn, Die san halt mei' Freud.« Vor etwa dreißig Jahren galten diese Spielhahnfedern auch als ein Zeichen der Herausforderung und Rauflust, wenn die krummen Enden auf dem Hut nach vorwärts gestellt waren und namentlich wenn ein Bursche drei dergleichen Federn aufsteckte. Darauf bezieht sich auch ein tyrolisches Schnaderhüpfl: »Und Zillerthal und Taxnbach Ischt grad a' so a' Trumm Und hon i' a' krummbs Federl auf Und stößt ma's koaner um.« Nach Tyroler Sagen trägt der Teufel, wenn er, wie häufig geschieht, als Jäger erscheint, einen halben Spielhahnstoß auf dem Hut, er trägt ihn aber auf der rechten Seite, während ihn die Jäger auf der linken tragen. (Alpenburg.) Ein ganzer Stoß vom Spielhahn heißt oberbayerisch »a' Schaar'« d. i. eine Scheere . Die Benennung Spielhahn, Spielhenn kommt schon in einer Jagdverordnung des Herzogs Albrecht V. von 1551 vor, ebenso in einem Tyroler Landreim von 1558. »Also der Spylhahn spylen thuet Mit seiner Spylhenn Wildprät guat.« Im Fürstl. Kemptischen Maiengebot von 1683 und 1786 wird ebenfalls das »Spillgeflügel« erwähnt. Das Wort Spiel, Spil, bezieht sich, wie auch aus dem angeführten Landreim zu entnehmen, auf den Falzruf, und das damit verbundene Grugeln, welches an's Aufspielen, d. i. Musikmachen erinnert. Man nennt zwar auch den Stoß manchmal z. B. beim Fasan das Spiel , vom Spielhahn aber habe ich das niemals sagen gehört. In Oesterreich wird der Spielhahn oft Schildhahn genannt. Der Spielhahn wird bald zur hohen, bald zur niederen Jagd gerechnet. Aus früherer Zeit weiß man, daß die Herzoge von Niederbayern den Spielhahnfalz zu Schönberg und im bayrischen Wald besucht haben. Berühmt war auch das Graslfinger-Moos bei Olching in der Nähe bei München, durch welches der Churfürst Carl Theodor einen Weg machen ließ, um auf die Falzplätze fahren zu können. Der Weg besteht noch und heißt der Steinweg. In der Nähe war das Schlößchen Graßlfing, wo nach der Jagd getafelt wurde. Es giebt dort noch viel Spielgeflüg. Gegenwärtig halten die königlichen Prinzen diese Jagd zuweilen in der Gegend von Eberfing und Immenstadt und wird bei Gelegenheit der königlichen Gebirgsjagden auch manchmal ein Hahn geschossen. Die Spielhähne falzen auch im Herbst, doch nicht regelmäßig, und die Leute sagen, daß dann schlechtes Wetter eintritt. Ich habe unter andern einen Spielhahn falzen hören, welcher der Jagd, wo viel auf Gemsen geschossen wurde, auf ein paar hundert Schritte nahe war, er ließ sich aber weder vom Schießen noch von dem Lärmen der Treiber in seinem Spielen stören. So wild und scheu der Vogel ist, so kann er doch ganz zahm werden, wenn man ihn sehr jung bekommt, und in Schleißheim gedieh einmal eine ganze Zucht, die man aufzog, und falzten dann im Frühjahr die Hähne gar lustig an der dortigen Schenke auf den Tischen in Mitte zahlreicher Gäste. Vor hundert Jahren wurden jährlich nur einige 20 Stück Spielhähne ins Münchener Zwirchgewölb geliefert, von 1841–1845 aber sind per Jahr gegen 84 Stück geliefert worden. Die Klosterrechnungen von Tegernsee von 1734–1786 verzeichnen durchschnittlich 4–5, nicht über 10 Spielhähne jährlich. 1796 kostete einer 1 fl. 30 kr.; gegenwärtig mit den Stoßfedern 2 fl. bis 2 fl. 24 kr. und je nach der Schönheit der Federn auch mehr, ohne die Stoßfedern 1 fl. 12 kr. Der räthselhafte sogenannte Rackelhahn ( Tetrao intermedius ) kommt in unsern Alpen nur sehr selten vor. Man hält ihn für einen Bastard von einem Spielhahn und einer Auerhenne, oder von einem Auerhahn und einer Spielhenne (Nordmann), und einige Naturforscher sind auch der Meinung, daß er einer eigenen Species angehöre. Er hat viel Aehnlichkeit mit dem Spielhahn, die Stoßfedern sind aber nicht oder nur sehr wenig gekrümmt. Im hohen Norden, wo die eigentliche Heimath des Spielhahns, soll es auch Bastarde desselben mit dem Schneehuhn geben, sowie dergleichen mit dem Fasan vorkommen. Von letzteren wurde ein Exemplar auf der Jagd des Grafen Preysing zu Moos in Niederbayern geschossen, und aus England Note on Hybrid Gallinaceous Birds. By J. W. G. Spicer. The zoologist by E. Newman. t. 12. p. 4294. sind fünfzehn Fälle dieser Art constatirt, wovon einer besonders interessant, weil auf ein Dutzend Meilen um den Platz, wo der Vogel geschossen wurde, zu Staunton-Springs bei Melbourne, der Spielhahn ( black grouse ) ganz unbekannt ist. Der Bastard war oft unter den dortigen Fasanen, mit welchen er äste, gesehen worden. Es kommen mehrere Fälle vor, wo wahrscheinlich ein Fasanhahn der Vater war, aber auch andere, wo man sicher annehmen kann, daß es ein Spielhahn war. Bei Frimley-Ridges wurde ein Spielhahn beobachtet, welcher sich zu den Fasanen gesellte und die Hähne gewaltsam wegtrieb, was um so mehr zu verwundern, als der Fasan einen Sporn hat, der Spielhahn aber keinen. Ein Bastard, der dann dort geschossen wurde, hatte diesen Hahn höchst wahrscheinlich zum Vater. Im Allgemeinen haben die Bastarde Kopf und Brust und die Ständer vom Spielhahn, sonst gleichen sie dem Fasan und auch in den Stoßfedern, welche aber kürzer sind. Spielho'-Falz. ( Oberbayerisch. )         Der Lanks is da, steck' Bliemin auf,     Wer ihm nix schießn ko', I' will a' krummbi Federschaar',     Da muaß a' Spielho' dro'. I' geh'n ihm z'lieb durch's Filznmoos     Voneh der Tag no' kimmt, Dieselbinga die schlafa wolln     San um den Vogl g'stimmt. I' geh'n ihm z'lieb, waar's no' so weit     Und no' so frua und frisch, Es spielt si' um a' schöni Schaar,     Nit um an' Flederwisch. Spielho' wo bist, Spielho' mach auf     Und grugl', blas' und spring', Es san ja deini Hohzet-Täg'     Und die nimmt koana g'ring. Da blast er scho', da grugelt er,     Mei Flintn blast aa' drei', Sie blast ihm d'Federn um und um,     Jetz' g'hört der Vogel mei'. So hol' i' mir an' Federputz,     Schau, fangt si' 's Fruajahr o' Und mag koa Bliemi ehnder nit,     Bis i' die Federn ho'. Haselhühner, Schnee- und Steinhühner. Zu der hohen Gesellschaft des Auerhahns und Spielhahns gehört auch das Haselhuhn Tetrao bonasia , Tetrao kommt vom Griechischen τετράων, welches einen Vogel wie ein Auerhahn bedeutet, bonasia (zuerst bei Albertus Magnus bonosa ) soll von bona Assa , guter Braten, abstammen, nach Oken vielleicht von bon oiseau . jedoch haust es mit diesen nur im Gebirg zusammen und begleitet sie nicht in's ebene Land. An Schönheit des Gefieders steht es dem Steinhuhn nahe. Der Hahn hat die Kehle schwarz mit weißlichem Saum, an Brust und Leib gelbbraun und weiß gezeichnete Federn, der Rücken in's Grauliche gespreckelt, der Schnabel schwarz; die Henne hat die Kehle rostgelb, dunkelbraun gefleckt ohne weißen Saum. Als Braten übertrifft das Haselhuhn nach dem Urtheil der Kenner alles andere Hühnervolk. Kein ähnlicher Vogel hat einen so feinen weichen Falzruf, der mit einem Pfeifchen nachgeahmt wird, wenn man Haselhühner in der Falzzeit im März schießen will. Um die Weise des Rufes zu bezeichnen, haben die Gebirgsjäger bei uns den Spruch: »Zieh, zieh, zieh, bei der hitz bei der höh.« Mit demselben Pfeifchen werden sie auch im September gelockt, es ist aber nicht leicht den Ruf genau zu treffen und selbst wenn sie antworten, so geht es oft lange her, bis man zum Schießen kommt, denn das Haselhuhn nähert sich nicht selten auf dem Boden laufend und hält sich dabei überall auf, wo es etwas zu äsen findet. Am sichersten schießt man, wenn es glückt, eine Kette anzutreffen und auseinander zu sprengen. Da sich die Haselhühner bald wieder suchen, so sind sie dann mit dem Lockruf leicht zu täuschen und können mehrere nacheinander geschossen werden. Sie halten sich am liebsten an Berghängen auf, wo zwischen Tannengehölz kleine Schläge liegen und gehen ziemlich hoch in's Gebirg. Bei Hirsch- oder Gemsjagden kann man sie öfters laufen oder streichen sehen, welches mit großem Geräusch geschieht. Haselhühner finden sich bei uns fast in allen Vorbergen der Alpen, namentlich sind sie zahlreich im Allgäu verbreitet zu Buchberg, Fischen, Immenstadt, dann in den Bergen um Hohenschwangau, wo man sie in der Nähe der Spaziergänge am Alpsee oft aus den dort wachsenden kleinen Gesträuchen der Preiselbeeren aufrauschen hört, im Graswangthal, um Partenkirchen, Tölz, Rosenheim, Reichenhall, Berchtesgaden \&c., auch im bayerischen Wald und Fichtelgebirg. Die Haselhühner sind vorzüglich im nördlichen Europa zu Hause und kommen bis Schweden, Rußland und Sibirien vor. In großer Menge sollen sie aber auch in Siebenbürgen angetroffen werden. Zum Haselhuhn gehört das berühmte englische und schottische grouse . Das grouse-shooting bezieht sich aber auch auf Auerhahn und Birkwild. Die »Haßelhuhnen« werden schon 1551 in Bayern erwähnt. In den Rechnungen des Klosters Tegernsee von 1758–1786 kommen öfters 50–77 gelieferte Haselhühner vor, die wahrscheinlich auch in Schlingen gefangen wurden. In den höchsten Gebirgsregionen wohnen die Schneehühner und die Steinhühner , sowohl ihrer Schönheit als des guten Bratens wegen geschätzte Vögel. Das Schneehuhn Lagopus alpinus ist am schönsten im Winterkleid wo es weiß wie der Schnee, den es besonders zu lieben scheint und zu solchem Gefieder steht der rothe Strich über dem Auge sehr schön, auch die befiederten Ständer zeichnen es aus und sehr zierlich sind die Schwungfedern, an denen der Schaft eine glänzend schwarze Linie bildet; die äußersten Seitenfedern des Stoßes sind ebenfalls schwarz und so der Schnabel. Am Hahn zieht sich zwischen Schnabel und Auge ein schwarzer Strich hin, dieser fehlt bei der Henne. Am geschossenen Vogel sah ich einigemale in einer gewissen Lage die Flaumen nach innen zu von einem blassen Rosenschimmer, an anderen aber konnte ich das nicht bemerken. Das Sommerkleid ist rostbraun, die Federn sehr fein schwarz und grau gezeichnet, im Herbst graulich und schwärzlich gesprengt und zum Theil untermengt mit dem weißen winterlichen Gefieder. Sie verfärben ungefähr zu gleicher Zeit wie die Alpenhasen. Im Allgäu, in den Hohenschwangauer Bergen, um Partenkirchen, Rosenheim, Marquartstein, Ruhpolding, auf dem Untersberg, in der Ramsau \&c. sind Schneehühner nicht sehr selten und werden manchmal in Flügen bis zu 10 Stück angetroffen. Sie sind nicht besonders scheu und halten gut aus; ich habe sie einigemale aus Laatschendickung aufgegangen, wo sie so nahe aufstanden, daß man wohl mit dem Stock hätte eines treffen können. Da sie sich meistens nur an sehr wilden und einsamen Plätzen aufhalten, so bekommen sie wenig Menschen zu sehen und sind deshalb sehr neugierig und wenn sie an den Felsen herumlaufen, halten sie gerne an, um nach dem nahenden Jäger zu sehen, streichen auch nicht weit und fallen bald wieder ein. So habe ich es wenigstens bei uns gesehen; in der Schweiz wo sie nach Tschudi zu jeder Jahreszeit von den Bauernschützen verfolgt werden, mögen sie wohl vorsichtiger seyn. In unseren Gebirgen aber werden wenige geschossen, denn ein Jäger der ihre Regionen besteigt, führt gewöhnlich nur die Büchse und mag um ein Schneehuhn durch Schießen nicht gern das Revier beunruhigen oder sich die Birsche auf einen Gemsbock verderben. Wenn man die Schneehühner an Plätzen sieht, wo keine Vegetation mehr, sondern nur Felsen und Schnee und Eis, wie ein solches steiniges Gletscherfeld über der Hochalpe (Ramsau) im Wimbachthal sich hinzieht, so ist es ein herrlicher Anblick und zwischen den großen Felsblöcken kommt man ihnen zuweilen so nahe, daß man wohl auch ohne besonders große Kunst einem mit der Kugel den Kopf wegschießen kann, um den Braten nicht zu verderben. Das Schneehuhn hat einen schnarrenden sehr eigenthümlichen Ruf, der so stark ist, daß man meinte er müsse von einem weit größeren Vogel herrühren. In Tyrol gibt es noch mehr Schneehühner als bei uns und sie kommen überhaupt im Hochgebirge an der Schneegränze vor und weiter in solchen Ländern, deren nördliche Lage die Temperatur unserer Höhen ausgleicht, in Schweden und Norwegen in großer Menge, ebenso in Rußland und Sibirien. Weit seltener ist bei uns das Steinhuhn ( Perdix graeca saxatilis ), welches am Karwendelgebirg, am Miesing und Rüchl bei Bayrischzell und einzeln auch um Tegernsee (Rißkogl, Bernau) und um Ruhpolding, Aschau (am Kampen) \&c. vorkommt. Es ist etwas größer als ein Rebhuhn und ein schöner Vogel; die Hauptfarbe lichtgrau, an der Seite unterhalb der Flügel mit weiß, rothbraun und schwarz gezeichneten Federn, an der Kehle weiß mit einem schwarzen gegen die Brust sich länglich ziehenden Saum, der über fingerbreit ist, also die Farben im Vergleich zum Haselhuhn verkehrt oder verwechselt. Schnabel und Ständer sind schön roth. Es begegnen sich in den Alpen am Stein- und Schneehuhn zwei Vögel an der Gränze ihres Vorkommens, denn das Schneehuhn geht zwar bis an die piemontesischen Alpen, kommt aber nicht südlicher vor und das Steinhuhn nicht nördlicher als bei uns, letzteres verbreitet sich weiter nach dem Süden bis an's mittelländische Meer und bis nach Persien, ersteres bis in die sibirischen Berge. Das Steinhuhn falzt fast gleichzeitig mit dem Auerhahn und hat einen ziemlich lang andauernden mit häufigem Wetzen untermischten Falzruf. Es wird während des Falzens angebirscht, doch kommt man dabei selten auf Schußweite an und kann nur den Ort entnehmen, wo sich das Huhn aufhält. Es verbirgt sich, wenn der Jäger naht, hinter Steinen, Gestrüpp und kleinem Buschwerk am Boden und wird im Flug geschossen, wenn es aufsteht. Im Winter wird es auch gefangen. Es pflegt sich dann unter überhängenden Felswänden aufzuhalten und wird im Schnee aufgespürt. Der Jäger gebraucht beim Fangen Weizensaat, zu Hause in einem Topf gezogen, die er um ein sogenanntes Gelaß bindet, welches in einer kleinen Grube angebracht ist und eine Steinplatte trägt. Wenn das Steinhuhn an dem Weizengrün zupft, fällt das Stäbchen des Gelaßes und die Steinplatte nieder und bedeckt die kleine Grube, in der das Huhn auf diese Weise lebendig gefangen werden kann. In Griechenland gibt es viele Steinhühner. Ich habe einige Jagden drauf mitgemacht am Parnaß, Pentelikon und auf Salamis. Die Jäger aus dem Volke dort schießen mit ihren langen einfachen Flinten nur, wenn sie ein Huhn stehen sehen oder im Laufen, auf streichende Hühner habe ich sie nicht schießen sehen. Daß in unsern Alpen die Steinhühner von jeher selten waren, beweist auch der oben citirte Tyroler Landreim von 1558, wo es heißt: »Das herrlich Halshuen safftig marb Schneehüener verliern im Summer dfarb Das zarte Stainhuen, sonst wenig gmain Die Schnepfen im Summer groß und klain Vnd anders Edles gflügls vil Ders nur habm vnd bezalen wil.« Nach Landau lebte das Steinhuhn im 16. Jahrhundert auch in den felsigen Bergen am Rhein, namentlich in der Niedergrafschaft Katzenelnbogen (St. Goar). Im Jahr 1585 wurden fünf Steinhühner von Rheinfels nach Kassel geschickt und 1591 theilte Landgraf Wilhelm IV. dem Herzog Julius von Braunschweig zwölf »rothe Steinhühner« mit, welche er in der Niedergrafschaft Katzenelnbogen fangen lassen. Der Oberamtmann von Rheinfels schrieb dabei, daß sich diese Hühner in den hohen Klippen aufhielten und gar schwer zu fangen seyen; drei Hühnerfänger und Waidleute hätten 16 Tage damit zugebracht. Sie sollen in kurzer Zeit sehr zahm geworden seyn. Das Perdrix rouge der Franzosen ( Perdrix rufa, rubra ) ist eine dem Steinhuhn ähnliche Art, in der Hauptfarbe aber licht rothbraun mit grau und der schwarze Saum um die weiße Kehle zeigt kleine weiße Flecken. Schnabel und Ständer sind wie beim Steinhuhn roth. Es kommt im südlichen Frankreich vor, wo sich nach Vallée noch eine andere Art mit sehr schmalem schwarzen Halsband findet, welches man bartavelle nennt, weil der Ruf monoton wie das Klappern einer Mühle ist, welche provençalisch bartaveo heißt. Die Hegezeit für Hasel-, Schnee- und Steinhühner ist bei uns vom 2. Februar bis 1. August festgesetzt. Das Rebhuhn. Hühnerjagd. Je mehr sich für ein Jagdgehege die Reize der Einsamkeit und Wildniß verlieren, desto weniger Poesie erhebt die Jagd. Einen Hasen im Krautgarten schießen, ein Rebhuhn neben einem alten Weib, welches Kartoffeln ausgräbt, will nicht viel heißen; es ist auch wenig anziehend, wenn man Landstraßen passiren muß und Einem ein Handwerksbursche zupfeift und auf den Acker hindeutet, wo die Hühner eingefallen, oder wenn ein Bauer von seinem Wagen ein »links oder rechts« commandirt, wo man hingehen soll und dergleichen. – Die Prosa beherrscht das Revier, ja sie zieht sogar Juchtenstiefel an, setzt einen grünen Hut auf mit allerlei Federputz. worunter selten der Flügel des guten Nußhehers fehlt, trägt eine Flinte und mischt sich unter die Jäger. Man erkennt sie leicht, diese Pseudo-Diana, denn sie hat immer Hunger und Durst, und die Knackwurst in der einen, die Weinflasche in der andern Hand ist sie oft zu sehen, selbst in Augenblicken, wo das kleine Gewild aufrauscht aus den starrenden Stoppeln; dann flucht und lacht sie zu gleicher Zeit und zählt solche Vorfälle zu ihren notabelsten Abenteuern. Gilt es gar ein geflügeltes Huhn zu fangen und sie fällt einigemal auf den Bauch, so geht nichts drüber und wird selbst die Poesie angerufen, das Ereigniß mit ihren Zierden zu feiern, oder die Kunst, es auf einem Pfeifenkopf zu verewigen. Diese Diana hat großen Anhang und wird von vielem Volk verehrt. Sie ist ja so tolerant, so gut und harmlos, sie verlangt keine Waidmannswissenschaft, sie kennt ja selber keine, sie verlangt keine Waidmannssprache, warum sollte auch nicht jeder reden wie's ihm beliebt, warum sollte er nicht sagen dürfen, daß der Hase lange Ohren hat und das Reh vier Füße und dergleichen, es ist doch so wahr, sie verlangt keine Waidmannskleidung, denn das Kleid macht ja nicht den Mann, und ein abgetragener Frack und ditto Felber ist oft nicht besser zu verwenden als da draußen, wo es regnen kann und wo man nicht immer ein Dach zum Unterstehen findet. Und wie lockend für eine Jagd und wie beruhigend ist der Gedanke, daß nachdem die Jagdtasche ihres Proviants ledig, die Gefahr, von Hunger und Durst gequält zu werden, bei einiger Kenntniß der Gegend und ihrer Wirthshäuser, wenn nicht gänzlich zu beseitigen, doch gewiß so zu reduciren ist, daß ihr das wirklich Erschreckende genommen wird, daß sie nur dient die Genüsse zu erhöhen, um derentwillen man ausgezogen. Wenn es eine Seelenwanderung giebt oder wenn es im Kreislauf der Materie nach einer modernen Philosophie in Aussicht steht, daß ein Jäger zum Wild und warum dann nicht auch zum Rebhuhn werden kann, und es muß ihn das Schicksal treffen vom Schusse eines solchen Schützen zu fallen wie die oben erwähnten, so mag das wohl eine Strafe und Sühne seyn für alle Sünden, die er je begangen hat und begehen hätte können. Doch verlassen wir diese Gesellschaft und halten uns zu Jägern, so hat die Hühnerjagd weniger wegen des Wildes als wegen des Hundes, der dabei seine Geschicklichkeit entwickelt, ihre anziehende Seite. Avance! Feldmann! und freudig beginnt der Hund zu revieren, man sieht ihm gerne zu wie er so eifrig Bogen um Bogen schlägt, wie er einen Wink mit der Hand, oft nur eine Wendung mit dem Kopf sogleich versteht; jetzt hat er Wind, er zieht an, jetzt steht er! Couche – Hab' Acht, Feldmann! Er steht wie eine Mauer. Man nähert sich, man kommt ganz nahe. Avance! Feldmann! langsam! Prr! rauschts hinaus und der Schuß drauf, es fällt ein Huhn, der Hund springt zu – Apporte! Und wie er nun die Beute herträgt, wie vergnügt und zufrieden und mit einer Miene, als wollte er sagen, er hätte auch seinen Antheil am Fang, und nun giebt's ihm plötzlich einen Ruck nach der Seite, er steht wieder, ohne das Huhn fallen zu lassen. Hab Acht! Feldmann! Er schleicht niedergedrückt vorwärts, er steht ferm. Man eilt in die Nähe, es stehen wieder Hühner auf und wieder fällt eines getroffen oder flattert ein Paar am Boden liegend und so geht es fort. Dabei freut sich der Hund oft mehr als der Herr seiner Arbeit und ist eine fröhliche Jagd. Aber wehe wenn man mit einer schlecht dressirten Bestie zu thun hat, wenn der Hund »wie ein Narr« herumrennt, mit hohen Sprüngen die Hühner aufjagt links und rechts, jeden Hasen laut jagend verfolgt und das ganze Revier rebellisch macht! Da möchte der Jäger verzweifeln. »Perdrix herein! Perdrix pfui Has'!« und Pfeifen über Pfeifen bis das tolle Thier endlich wieder herankommt. Nun große Mühe bis man ihn gepackt hat, um ihm die wohlverdienten Schläge zu geben, und gleich drauf wieder der nämliche Spektakel, Perdrix herein! Perdrix pfui Has'! Man schreit sich heiser, man prügelt sich müde an dem Perdrix. Endlich steht er einmal! Couche hab' Acht! So recht! couche hab' Acht! und man eilt auf den Platz. Da steht nun das dumme Thier wie versteinert und schaut in ein Mausloch hinein oder rumpelt einige Schritte vorwärts um eine Haidelerche aufzutreiben und rennt ihr nach trotz alles Pfui Vogel, Perdrix! herein! trotz Pfeifens und Fluchens. Seltsam dabei ist, wie ungern ein Jäger, namentlich aber ein Sonntagsjäger, die Fehler seines Hundes zugeben will. Wie ein Vater oft seine ungezogenen Kinder in Schutz nimmt gegen die gerechtesten Klagen und entschuldigt und bemäntelt, so auch hier. Da wird großes Erstaunen geäußert, daß der Hund heut' nicht parire, »das thut er nie, der Perdrix ist ein ganz guter Hund, er muß keinen Wind gehabt haben, das Geblenkl macht ihn hitzig, die andern Hunde sind schuld \&c.« Da heißt es, er ist nur im Anfang so, braucht wieder einmal eine Ermahnung und da wird der Liebling von manchem, was man sagt mit einem Strohhalm gehauen, weil er aber doch ein krummes Gesicht dazu macht, so erhält er sogleich nach dem Verweis einen Brocken aus der Jagdtasche, denn er ist eben ein weicher Hund, er wäre gleich verschlagen, man muß fein mit ihm umgehn. Da hilft keine Vorstellung, daß es ein Bauernhund sey, der nichts gelernt habe als fressen und bellen, denn der Hund hat 70 fl. gekostet oder 100 oder noch mehr, er ist von der besten englischen Raçe u. s. f., und am Ende erliegen doch ein paar Hühner dem Zorn des Geschicks. Wenn es Einen gelüstet, einer solchen Bestie auf die Schlegel zu schießen, so ist das nicht zu verwundern, es aber wirklich zu thun, ist in keinem Falle rathsam, selbst wenn es Autoritäten mitunter vorschreiben, denn keiner weiß wohin die Schrote fliegen und solche Kur hat oft nur bittere Reue eingetragen. Gegen die in der Ansprache des Hühnerhundes üblichen französischen Worte haben manche Jäger, unter andern der treffliche Wildungen, gepredigt, und in der That ist Vorwärts wohl ebenso gut als Avance und Such' besser als Cherche das Apporte und Couche haben aber wie der Ruf tire haut bereits das Bürgerrecht erlangt, und wenn ein Waidmann diese Worte nicht immer richtig schreibt, so ist nicht viel dran gelegen. Gleiches gilt von den französischen Namen der Hunde, wo es freilich seltsam klingt, wenn ein Graf mit der »Comtesse« zum Jagen auszieht und diese dann alle Augenblicke weidlich durchprügelt, oder beim Buschiren wie Aeneas bei Blumauer von der Creusa ausruft – Schatzkind, Rabenvieh, wo hat dich denn der Teufel! – Andererseits haben die von Wildungen empfohlenen mythologischen Namen auch zum Theil ihre schwachen Seiten, denn einen Ajax um ein Rebhuhn vor Begierde zittern zu sehen, oder eine Juno, Diana \&c. im Wachteldienst mit einer Miene zu beobachten, als gelte es einem Königsadler, das hat auch seine »Mucken.« Manche ziehen einsylbige Namen für die Hühnerhunde andern vor, und besonders bei den Engländern sind Namen wie Miß, Blak, Love und ähnliche üblich. Bei großer Entfernung werden diese Namen weniger gehört als zweisylbige, an welchen die erste Sylbe gleichsam das Ohr auf die zweite kommende aufmerksam macht, während der einsylbige kurze Ruf zu schnell verhallt oder mehrmals wiederholt werden muß, wobei dann nichts gewonnen ist. La Vallée führt folgende Namen als für Hühnerhunde besonders geeignet an: Chispa, Ponta, Querida, Thisbé, Tonto, Phanor. Ueber den Namen des besprochenen Vogels, ob nämlich Rebhuhn oder Repphuhn zu sagen und zu schreiben, sind die Meinungen verschieden. Gloger zieht letzteres als von Repp, einem schnarrenden Naturlaut, herrührend vor, Derselben Meinung ist auch Chunrat v. Megenberg † 1374: »hat den namen von seiner stym.« Buch der Natur. und weil es in den skandinavischen Sprachen Rapphön heiße. Er weist auch nach, daß Hahn, Huhn und Henne im Allgemeinen die altgermanischen und noch in Skandinavien gangbaren Fürwörter der dritten Person seyen, nämlich han ist er , hun ist sie und henne ist sie im Accusativ. Unser (Haus-) Hahn dagegen heißt skandinavisch tuppe und die Henne oder das Huhn höna . Im Böhmischen heißt dagegen das Rebhuhn Riab oder Räb, man sollte also Räbhuhn schreiben. Da sich diese Hühner auch gerne in Weinbergen aufhalten und die Traubenbeeren gut schmecken lassen, so hat auch Reb huhn seine Begründung und althochdeutsch heißt es Rebahuon ; da ich in den ältesten Schriften nur wenig Repphuhn gefunden habe und da es bei einem Jäger überhaupt nicht viel auf die Orthographie ankommt, so schrieb ich Rebhuhn. Wer diese verwickelten Verhältnisse diplomatisch umgehen will, der darf nur Feldhuhn sagen. Lateinisch heißt es Perdix cinerea . Die Lebensweise des Rebhuhns ist hinlänglich bekannt, doch will ich in Kürze anführen, was ein »beschauender Liebhaber« von 1707 darüber äußert. »Dieser Vogel, sagt er, kann fast ein Symbolum einer verständigen und sorgfältig angestellten Hausregierung abgeben: dann es wachet der Hahn überaus fleißig vor seine Familie; so lange dieselben noch klein sind und von der Henne zu ihrer Nahrung herumgeführt werden, laufft er immerdar ziemlich weit voran, um zu sehen, ob von den Fuchsen, Hunden oder Katzen keine Gefahr vorhanden sey; welche Gefahr er, sobald er etwas merket, mit einer gewissen warnenden Stimme sogleich anzeiget, und dadurch verursachet, daß die Henne sich mit denen Jungen in eine Staude verkriechet: die Henne aber, wann der Feind gar zu nahe kommt, pflegt (wie andere Vögel mehr) mit ausgebreiteten Flügeln, auf eine Art, als ob sie nicht fliegen könnte, vor dem Feind vorbeizufahren, und sich auf der Erde herumzuwälzen, damit derselbe, in Hoffnung sie zu haschen (welches zu Zeiten auch geschieht) ihr nachlauffen und darüber von dem Ort, wo er die Jungen antreffen würde, abgewendet werden möge.« Eine weitere in der Rebhühnerfamilie besonders auffallende Vorsicht besteht in dem Zusammenrufen, wodurch namentlich Abends die in ein Holz versprengten Jungen in's freie Feld um die Alte versammelt werden. Auf Reisen in benachbarte Reviere geht die Familie nur, wenn sie für den alten Wohnplatz zu zahlreich wird. Mit gehörigem Abschießen wird deßhalb mehr gewonnen, als durch ein zu ängstliches Hegen. Der wohlerfahrene Diezel gibt als Regel an, daß man in jedem Revier etwa drei Zehntel sämmtlicher Ketten unbeschossen lasse und dazu diejenigen wähle, welche ihrem Standort nach am wenigsten Beunruhigungen und Gefahren durch Raubzeug ausgesetzt sind, die übrigen Ketten schieße man. Viele halten das Abschießen der alten Hähne, welche sich durch den braunen Schild auf der Brust von den Hennen unterscheiden und im Verhältniß zu diesen an der Zahl meistens vorherrschen, für ersprießlich, und will man außer der gewöhnlichen Zeit, namentlich in der Paarzeit, ein Rebhuhn schießen, so hat man einen Hahn zu wählen, übrigens geht schon aus dem oben Gesagten hervor, daß zum Schutze der jungen Hühner die Erhaltung des Familienvaters wenigstens in der ersten Zeit wünschenswerth ist. Ein junges Huhn beginnt gegen Ende Juni flügg zu werden und ist am 1. Oktober (Remigius) als majorenn zu erklären, wofür die Franzosen die Sprichwörter haben: »A la Saint-Jean, perdreaux volants« und   »A la Saint-Remy, perdreaux sont perdrix.« Auf deutsch etwa: Auf Sankt Johann Fangen die Hühner zu streichen an, Wer sie ganz erwachsen mag Schieß' nicht vor Remegius-Tag. Im Frühherbst sind die Hühner, besonders wenn die Ketten zum erstenmal angeschossen werden, nicht schwer zu schießen, gegen Ende Oktober aber oder im November halten sie nicht nur bei weitem weniger aus, sondern sie streichen auch ungleich schneller, und dann ist schon mehr Arbeit mit ihnen. Ebenso sind sie schwerer zu schießen, wenn sie gelegenheitlich eines Treibens gegen den Schützen gestrichen kommen und man nicht nachschießen kann. Dann gilt das französische Sprichwort: »Perdrix en tête, lièvre en cul, C'est autant de plomb perdu.« »Am Huhn von vorn, von hinten am Hasen Ist leicht das Blei umsonst verblasen.« In früherer Zeit wurden die Hühner oft mit dem Habicht gebaizt, nachdem man sie vom Hunde hatte aufsprengen lassen, auch bediente man sich desselben um sie halten zu machen, indem ein Jäger, wo der Hund Hühner anzeigte, den Habicht auf den Boden setzte, um die Hühner herumging und sich denselben durch Rufen zustreichen ließ, so daß er über die Hühner strich. Da drückten sich diese dann so fest, daß sie leicht zum Schuß gebracht oder auch mit dem, Tiraß genannten, Netz gefangen werden konnten. Rebühner sind gegenwärtig in Bayern überall ungleich mehr vorhanden als in den älteren Zeiten. 1726 wurden auf Befehl Karl Albrechts ans Böhmen gegen 800 Stück lebende Rebhühner bezogen und in die um München gelegene Wildbahn eingesetzt. Die Rebhühner wurden dann als sehr hoch gehalten, denn ein Mandat des Churfürsten von 1735 bestimmt als Strafe für Wild, welches von Wildschützen erkauft wurde, für einen Hasen 2 Rthlr, für ein Rebhuhn 3 Rthlr., für einen Fasanen 4 Rthlr. In dem Jagdschlößchen Amalienburg im Nymphenburger Garten befinden sich Bilder, welche zeigen, daß der Churfürst (Kaiser Karl VII.) und die Churfürstin Freunde der Hühnerjagd gewesen. Sie sind in reichen Jagdkleidern dargestellt mit der Flinte an der Seite und mit ihren Hunden, welche Hühner apportiren. Churfürst Maximilian III. war ein besonderer Freund der Hühnerjagd, die er meistens um Nymphenburg hielt. Die meisten Hühner hat wohl Friedrich Wilhelm I. von Preußen geschossen. Sie werden von 1722–1733 in 12 Jahren zu 17,890 Stück angegeben, also jährlich nahezu 1500 Stück. Dabei wurden auch Falken gebraucht, um die Hühner aushalten zu machen. Es erging damals (1764) ein Ausschreiben des Oberstjägermeisters Grafen von Preysing, woraus zu entnehmen, daß den Katzen aller Orten die Ohren abgeschnitten werden sollen, damit dieselben nicht mehr so leicht in die Felder zum Jagen gehen, da ihnen dann das Thauwasser in die Ohren fällt, welches sie nicht leiden können. Solche Umsicht zum Schutz der Rebhühner und jungen Hasen kommt auch schon 1735 in einer Verordnung in Hessen vor und 1747 in einer Chur-Cölnischen, wo es heißt, daß für jede Katze, die bei der Visitation mit unabgeschnittenen Ohren betroffen würde, die Eigenthümer ¼ Goldgulden Strafe zahlen sollten. J. S. Seibertz. Das westphälische Jagdrecht. S. 221. König Maximilian I. liebte die Hühnerjagd ebenfalls und war dabei als ein ausgezeichneter Schütze bekannt. Um München und Schleisheim kann die Hühnerjagd ausgezeichnet genannt werden. Im Jahre 1853 wurden im Revier Gern bei München 3300 Stück geschossen; auch in Niederbayern, Oberpfalz und Regensburg, in Franken, besonders Mittel- und Unterfranken ist der Stand sehr gut und ebenso in der Rheinpfalz. Im Alpengebirg sind die Rebhühner selten. Von 1751–1754 incl. sind nur 712 Rebhühner im Zwirchgewölb verrechnet; es kostete damals das Stück 28 kr., um 1796 – 30 kr. Von 1841–1845 wurden im Durchschnitt per Jahr 5640 Stück ins Zwirchgewölb geliefert. Für die Rebhühnerjagd ist bekanntlich Böhmen berühmt und war es vor hundert Jahren noch mehr, denn es ist eine Jagd von 1755 auf den Gütern des Fürsten Colloredo verzeichnet, welcher der Kaiser Franz I. beiwohnte und wo in 18 Tagen von 23 Schützen außer vielem anderen Wild 19,545 Rebhühner geschossen wurden. Varietäten in der Farbe sind beim Rebhuhn selten. Im Jahr 1858 wurden auf der Herrschaft Sokolnitz 5 weiße Rebhühner erlegt, 1857 ein dergleichen bei uns zu Neuburg a. d. Donau. In Gesellschaft des Rebhuhns findet man zur Jagdzeit im Frühherbst die kleine niedliche Wachtel , Schlagwachtel, Perdix Coturnix . Diese Namen stammen offenbar nicht vom Naturlaut her oder vom Wachtelschlag, der bekanntlich beim Hahn »bück den Rück« oder besser »peck wer weck« und bei der Henne ein sanftes Pü! Pü! ist. Besser erinnern daran die bei einigen alten Schriftstellern vorkommenden Namen quastula und in Handschriften des 10. Jahrhunderts quakara und quatula . So klein der Vogel ist, so ist er doch in mancher Beziehung merkwürdiger als andere. Wenn man den Waldschnepfen wohl zutrauen kann, daß sie Reisen über das Meer machen, so ist eine solche Fahrt von den Wachteln unbegreiflich, da ihnen wenigstens auf dem Lande kein besonders schnelles und weites Fortstreichen eigen ist. Und doch ziehen sie schaarenweise nach den Küsten von Afrika und nach Aegypten. Sie benützen dabei allerdings unterwegs liegende Inseln, wie Corsika und Sardinien als Ruhestationen und überwintern auch viele dort, wenn sie aber nur nach Corsika zögen, so beträgt der nächste Weg dahin schon 8–10 Meilen vom Festland aus, von Sardinien oder Sicilien bis Afrika sind aber 20 Meilen und von Griechenland oder Kleinasien aus nach Aegypten ist das Doppelte, wenn man auch Candia und Cypern als Rastorte annehmen will. Eine Hauptstation ist Malta, wo sie im Mai und September zukehren. Man weiß wie ermüdet sie auf die Schiffe einfallen und wie viele da gefangen werden und sicher gehen bei diesen Reisen Tausende zu Grunde. Diese Meerreisen, die sie jährlich zweimal machen müssen, sind aber nicht nur mit der Gefahr des Ertrinkens verbunden, sondern es lauern auch zur bekannten Zeit ihrer Ankunft tausend schwarze Italiener und noch schwärzere Barbaresken und Aegyptier mit ihren Netzen auf sie und fangen und schlagen todt was zu erhaschen. Im Herbst werden sie besonders aus Capri in großen Mengen gefangen und im Frühjahr an den Küsten von Neapel. Die Ufer sind meilenweit mit Netzen bedeckt. Ebenso werden sie in der Levante und an der Küste von Morea, auf Cerigo und Santorin zu Tausenden gefangen und viele eingesalzen verschickt. Es scheinen indessen nicht alle Wachteln verpflichtet, diese abenteuerlichen und gefährlichen Fahrten zu machen und viele wandern nicht so weit. Aber auch diese sind dem Untergang mehr ausgesetzt als andere ihresgleichen. Wenn sie im Stoppelfeld liegen, so meinen sie mit Niederducken und Verstecken vor dem nahenden Jäger sicher zu seyn, und sie wären es auch, wenn der nicht seinen Hund bei sich hätte; sie sind daher leicht zu schießen, sie sind aber auch leicht zu fangen und besonders die Hähne, deren sehr verliebtes Temperament dabei benützt wird. Eine der bekanntesten Arten des Fanges (bei uns nicht mehr üblich) ist die mit der Pfeife und dem Steckgarn. Man hat zweierlei Pfeifen, deren eine der Wecker heißt und den Laut des Hahnes giebt, die andere heißt der Ruf und giebt den Laut der Henne. Mit dem Wecker orientirt man sich über den Aufenthaltsort des Hahnes, der ihn beantwortet, dann nähert man sich auf etwa 50 Schritte, steckt das Garn, etwas winklich und gut an den Boden schließend, legt sich hinter dasselbe und lockt mit dem Ruf. Der Hahn kommt dann meistens schnell herbeigelaufen und oft so nahe, daß man ihn mit der Hand fangen kann. Wetter und Wind müssen gut seyn, die beste Zeit ist Abends. Dieses Fangen wird schon um 1582 erwähnt. Wenn es viel Weizenstroh giebt, sagen die Franzosen, so giebt es auch viele Wachteln, daher das Sprichwort: »Année de paille, année de cailles.« Von dem Charakter und Naturell der Wachtelweibchen sagt Winkell: »Duldsamkeit, Verträglichkeit, Gattentreue und Liebe zu den Jungen sind schöne Züge, durch welche sich die Weibchen in Rücksicht der Gemüthsart vor den Männchen vortheilhaft auszeichnen. Denn letztere sind nicht allein aus Eifersucht und Futterneid stets streit- und kampfsüchtig, sondern auch durchaus schlechte Gatten und Väter.« Sowie ein Weibchen brütet verlassen es die Hähne und kümmern sich auch nicht um die Jungen. Die Rauflust der Hähne gab früher zu dem Spektakel der Wachtelkämpfe Veranlassung. Man ließ die Hähne um Futter sich raufen, wobei sie wüthend übereinander herfielen und sich bis auf den Tod zerzausten. Diese Kämpfe waren in Rom und in Athen beliebt und sollen noch in China bestehen. Zu uns kommen die Wachteln gewöhnlich im Mai und ziehen Ende September wieder weg. Sie ziehen in kleinen Schaaren immer während der Nacht. Mitte Juni und Anfangs Juli legt das Weibchen 8–14 Eier, die sie in drei Wochen ausbrütet. So spätes Brüten kommt bei keinem andern Vogel vor. Um München werden jährlich gegen 500 und mehr Wachteln zum Zwirchgewölb geliefert. Fasanen. Es ist bekannt, daß körperliche Schönheit und Verstand nicht immer zusammengehen und so ist es auch bei dem Fasan, der dem Jäger als ein ziemlich dummer Vogel gilt, denn er meint auch wie der Vogel Strauß, daß ihn die Leute nicht sehen, wenn er die Leute nicht sieht. Er steckt daher oft den Kopf in's Gras, wenn der Jäger naht, ohne daran zu denken, daß ihn die langen hervorragenden Stoßfedern verrathen könnten; daß er durch die Cultur nicht dümmer geworden, wie dieses von der Gans bekannt ist, beweist daß er im wilden Zustand schon vor fünfhundert Jahren eben so dumm war, denn Chunrat von Megenberg Buch der Natur. († 1374) sagt von ihm: »der fasant hat die art das er sein haupt in ein stauden verpürgt vnd wänet er hab sich gar verporgen vnd also facht man in dick.« Ebenso heißt es bei Ariost im Orlando: »Bald treiben sie aus Stoppeln oder Hecken Mit klugem Hund den albernen Fasan.« Seine Unbeholfenheit verräth er auch, wenn etwa eine Ueberschwemmung in die Wasserauen die er liebt, hereinbricht, er will gewohnterweise auf den Boden einfallen, als wäre kein Wasser da und ersäuft, wo er sich durch Wegstreichen leicht retten könnte. Wenn er aufgebaumt hat, welches mit sorglosem Schreien geschieht, glaubt er ebenfalls vollkommen sicher zu seyn und man kann dann ohne Vorsicht hingehen und ihn herunterschießen. Gleichwohl ist der Fasan ein stolzer Vogel und will man ihm als Grund dafür etwas anderes als die schönen Federn anrechnen, so ist es die Geschichte seiner Ahnen, die ja gar oft die Nachgeborenen als eine Art von eigenem Verdienst ansprechen. Eine so klassische Geschichte hat allerdings kein anderer Vogel aufzuweisen. Der Fasan stammt nämlich, wie Martial u. A. bezeugen, aus Colchis am schwarzen Meer, hat von dem dortigen Flusse Phasis Sein zoologischer Name ist daher Phasianus colchicus . In Tyrol nannte man sonst den Auerhahn auch Fasan, in einigen Kantonen der Schweiz führt der Birkhahn diesen Namen. (dem heutigen Fasch) den Namen und wurde von Jason und seinen Gefährten bei der berühmten Argonautenfahrt zuerst nach Griechenland gebracht. Von da, wo er noch zahlreich namentlich auf Negroponte vorkommt, ist er weiter verbreitet worden. Auch gehört hieher und beweist wie er vormals in hohen Ehren stand, daß man ihn gleich dem Pfau (auch Reiher) gebrauchte, wenn bedeutende Gelübde abgelegt wurden. Man schwur auf einen lebendigen oder auch gebratenen Fasan. Bei einem großen Feste zu Lille am Hofe des Herzogs Philipp von Burgund im Jahre 1453 gelobte der Herzog einen Kreuzzug gegen die Türken zu unternehmen. Man überreichte ihm feierlichst einen lebendigen Fasan; welcher mit einer goldenen reich mit Perlen und Edelsteinen besetzten Kette geschmückt war und das Gelöbniß begann mit den Worten: »Je voue à Dieu mon créateur tout premièrement et à la très glorieuse Vierge sa mère et après aux dames et au faisan etc.« Mémoires sur l'ancienne Chevalerie par La Curne de Sainte-Palaye (par Nodier). T. I. p. 163. Schon bei Suetonius finden wir den Fasan ausgezeichnet, er schreibt daß ihn Caligula unter andern Vögeln auch würdigte, seiner eingebildeten Gottheit, der er einen Tempel errichten ließ, geopfert zu werden. Hostiae erant phoenicopteri, pavones, tetraones (Auerhahn, Spielhahn) Numidicae, meleagrides, phasianae. Caligula XXII. Solcher Götter gibt es noch viele und der Gebrauch solchen Opfers besteht auch noch, sie vermeiden aber das bedenkliche Tempelbauen und verspeisen kurzweg den vornehmen Vogel mit den Mysterien des Sauerkrauts. Wenn man es eine Ehre nennen will, so ist noch zu erwähnen, daß der französische Revolutionskalender von 1796 den Fasan aufgenommen hat, um den 15. November zu bezeichnen. Auch die Wachtel ist für den 2. Juni eingeschrieben. Wie man den Wald vor Bäumen nicht sieht, so scheint man an die viel näher gelegenen und jener Zeitstimmung angemesseneren Geyer, Elstern u. dgl. nicht gedacht zu haben. Was von der Schönheit des Fasan gesagt wurde, gilt nur vom Hahn, an dessen Gefieder bekanntlich ein prachtvoller grün und blauer Schiller an Kopf und Hals und ein goldbrauner mit allerlei Zeichnung am Leib verschwendet ist. Die Henne dagegen geht so zu sagen in einem sehr einfachen melirt braunen Hauskleid und hat auch bescheidenere Stoßfedern. In ähnlicher Weise unterscheidet sich durch eine gewisse Auszeichnung und Pracht der Federn Hahn und Henne beim Auer- und Spielgeflüg und bei den Enten, während wenig Unterschied bei Rebhühnern und Schnepfen zu bemerken. Ein Engländer hat übrigens die Bemerkung gemacht, daß auch Fasanhennen vorkommen können, welche das Gefieder des Hahns tragen. Ein Exemplar dieser Art wurde 1852 zu Easton in Norfolk gefangen und in einem großen Käfig gefüttert, es verlor aber im folgenden Herbst das schöne Kleid und erschien wieder in der gewöhnlichen Hennentracht. Eine Henne mit dem Gefieder des Hahns ist auch bei München geschossen worden. Wilde Fasanen kommen in Bayern an mehreren Orten vor, in den Isarauen, bei Neuburg an der Donau und bei Deggendorf; zu Ering am Inn; auf den fürstlich Taxis'schen Jagden bei Rain und Waiting; in der Pfalz, in den Rheinebenen \&c. Die meisten werden aber in Fasangärten gezogen und zwar seit alter Zeit. Eine Fasanerie bestand schon unter Ludwig dem Bartigen zu Ingolstadt 1416, wo es neben Fasanen auch Rebhühner und Hasen gab. Auf Abfangen der erstern war das Abhauen der rechten Hand gedroht. (In Hessen werden Fasanen »Fassandt« schon anno 1333 erwähnt.) 1698 bestanden schon Fasangärten bei München zu Moosach, ebenso einer in der Hirschau, 1780 zu Schleißheim und Hartmannshofen, welche noch bestehen. Der Graf Ignaz von Törring hatte auf seinem Schlosse Frauenbühl (Landg. Altötting) einen Fasangarten und berühmte Fasanjagden, welche 1732 selbst der Churfürst Karl Albrecht mit seiner Gemahlin besuchte. Der Churfürst hielt auch zu Nymphenburg Fasanjagden. 1790 wurde am 5. November von Karl Theodor in Anwesenheit des Königs von Neapel zu Nymphenburg eine Fasanjagd und dann im nahen Kapuzinerhölzl ein Treibjagen gehalten und an Thanhirschen, Reh, Fuchs, Hasen und Fasanen 1367 Stück geschossen. Auch Dachse kamen vor, die man gefangen hatte und im Bogen ausließ, denn es galt eine möglichst bunte Jagd zu geben. Da Alles nach Wunsch ablief, schenkte der Churfürst dem Oberjägermeister Grafen v. Waldkirch das sämmtliche erlegte Wild. Auch ein Gold - und Silberfasan garten bei München wird erwähnt, welcher aber 1799 nicht mehr bestand. Der herzoglich Leuchtenberg'sche Fasangarten in Eichstädt ist erst in der neueren Zeit aufgehoben worden. Von 1751–1755 incl. sind 1042 Fasanen ins Münchener Zwirchgewölb geliefert worden, von 1841–1845 betrug dagegen die Lieferung durchschnittlich jährlich 1631 Stück. Von 1851–1855 wurden auf den königlichen Jagden geschossen: Revier:  1851  1852  1853  1854  1855  Summe Moosach 241 377 – 66 311 1005 Schleißheim 315 501 – 86 217 1119 Hartmannshofen – 117 – – – 117 Gern 28 62 90 64 31 257 2516 Stück. Es werden also auf diesen Jagden gegenwärtig um 1½ mehr Fasanen geschossen als vor hundert Jahren; vor 1848 wurden aber fast achtmal mehr geschossen als zu jener Zeit. In den Fasanerien von Moosach und Schleißheim befinden sich gegen 1700 Stück. Um 1698 kostete in München ein Fasan 3 fl.; 1752 nur 1 fl.; 1796 1 fl. 12 kr. Gegenwärtig ist der Preis wieder 3 fl. Unter den künstlichen Fasanerien ist wohl eine der ersten die in Karlsruhe. Der dortige Fasanmeister, ein Franzose Namens Senechal, hat die Kunst des Aufziehens, Kreuzens und Erhaltens der Varietäten zu einer außerordentlichen Vollkommenheit gebracht. Die größte Sorgfalt wird natürlich den jungen Fasanen gewidmet, deren Futter neben den Ameiseneiern, aus Mais- und Kartoffelmehl \&c. (auch mit einer Dosis Ziegelmehl) mit mannigfaltigen Maschinen, welche sogar eine Dampfmaschine bewegt, bereitet wird. Man sieht dort eine sehr schöne Varietät von Fasanen, welche (die Hahnen) einen schneeweißen Ring oder Band um den Hals haben, ähnlich wie die Ringeltauben, aber schärfer gezeichnet, ferner isabellgelbe Fasanen, Bastarde mit Gold- und Silberfasanen \&c. Gegen hundert Bruthühner der verschiedensten Art werden gehegt und sind darunter gewisse Racen besonders zum Brüten qualificirt, die möglichst rein erhalten werden. Das Ganze wird mit einer erschöpfenden Umsicht behandelt und abgesehen von den Jagden ist die Anstalt den Fasanbesitzern willkommen, da die schönen Ringelfasanen ( faisans à collier ) auch verkauft und per Stück zu 5–6 fl. abgegeben werden. Man behauptet, der Fasanmeister besitze ein eigenes Geheimniß zu bewirken, daß sich seine Fasanen nicht, wie anderwärts geschieht, verstreichen; er selbst sagte mir, das Geheimniß bestehe einfach darin, den Fasanen jederzeit ein gutes Futter bereit zu halten, zu welchem sie immer gern zurückkehren. Sonst pflegte man, um diese kostbaren Vögel auf ihrem Stand zu halten, wöchentlich in der Nähe des Futterplatzes einen aromatischen Rauch zu machen »denn diß ist ein Haupt-Fundament bei der Fasanerey, sagt Döbel, indem man mit dem Rauch die Fasanen zusammenziehen, auch die verflogenen wieder herbeibringen kann« und er meint, der Fasan nehme den Rauch ebensogern an als ein Fuchs die Witterung. Auch junge Fasanen pflegte man wöchentlich einmal zu räuchern, indem man sie in ein Haarsieb setzte und über den Rauch hielt. Der Ranch wurde durch langsames Verbrennen von Haberstroh, welches mit verschiedenen Ingredientien gemengt war, erzeugt, unter letztern Weihrauch, Mastix, Kampher, Zucker, Eisenkraut, Feldkümmel, Wachs und Fasaneneierschalen. Das Verbrennen geschah in einem Loch am Boden an einer Stelle, von welcher Morgens, zur Räucherzeit, der Wind nach der Kirrung und nach dem Holz strich, wo der Aufenthalt der Fasanen war, und den Rauch dahinführte. Gegenwärtig wird dieses Räuchern nicht mehr angewendet. Berühmt sind die österreichischen Fasanjagden. In den Forstämtern um Wien, Laxenburg, Auhof und Prater wurden im Jahre 1854 nicht weniger als 6258 Fasanen geschossen, auf den fürstlich Rohan'schen Domänen in Böhmen im Jahre 1856 in den Revieren des Oberforstamts Swigan allein 943 Fasanen, auf den fürstlich Lichtenstein'schen Gütern Eisgrub, Feldsberg, Lundenburg und Rabensburg in demselben Jahre 5709 Fasanen. Die Fasanjagden in England sind theilweise vorzüglich. Man kennt dort auch Beispiele von Bastarden vom gewöhnlichen und vom Goldfasan ( Phasianus pictus ), sie sind aber sehr selten und sollen in China, wo beide Arten wild vorkommen, niemals gefunden werden. In Frankreich sind Bastarde des Fasans mit dem gewöhnlichen Haushuhn beobachtet worden, welche man cocardeau nennt. Die Fasanerien sind wohl bestellt und waren es vormals so sehr, daß von Karl X., der als ein ausgezeichneter Schütze galt, angegeben ist, er habe in manchem Jahre 8000 Fasanen geschossen. Man hat berechnet, daß jedes Stück der Fasanerie 25 Francs kostete. Eine seltsame Fasanenjagd erzählte mir ein Bekannter. Sie fand in der Nähe von Petersburg statt. Ein Jäger führte ihn nach einer hoch mit Gras bewachsenen Au und trug einen Korb mit. Auf Befragen, wozu der Korb diene, sagte der Jäger, daß die Fasanen drinn seyen, die geschossen werden sollten. Er ersuchte dann den Schützen, an einem bestimmten Platz zu verweilen, bis er sie, wie die Ostereier, da und dort versteckt habe. Dann begann mit Buschiren die Jagd. Vier Fasanen waren ausgesetzt worden, drei wurden geschossen, der vierte konnte nicht mehr gefunden werden. Praxis est multiplex. Die Trappe ( Otis tarda ) kommt zuweilen in ziemlicher Menge auf dem Wanderzug in die Gegend von Nürnberg, Bayreuth und Lichtenfels, nach Regensburg, Nördlingen und an den Bodensee. Um München ist sie sehr selten. Diese Vögel, die besser laufen als fliegen können, erreichen zuweilen ein Gewicht von 30 Pfund. In Sachsen und Thüringen kommen sie häufig vor. Diese scheuen Vögel halten sich meistens in großen fruchtbaren Ebenen auf. Die Hähne, mit schönen leichten Federbüscheln unter den Ohren, kämpfen zur Falzzeit, im März, heftig mit einander und umkreisen mit gesträubten Federn und ein Rad schlagend wie die Truthähne die Hennen, es ist aber wie man sagt eine Hochzeit ohne Musik, denn sie sollen keinen Laut von sich geben. Man schoß sie sonst mit sog. Karrenbüchsen, wie man sie auch auf Kraniche und Gänse gebrauchte, mit kleinen Kugeln oder birschte sich mit dem Schießpferd an. »Man verkleidet sich auch wie eine Frau, sagt Döbel, und nimmt einen Korb auf den Buckel, hält die Büchse an sich, damit sie es nicht gewahr werden. Ob es nun wohl lächerlich aussieht, so halten diese Vögel doch gerne, daß man mit Schießen an sie kommen kann \&c.« Dieses Verkleiden in Weibertracht wäre auch manchmal bei der Hirsch- oder Gemsbirsch zu empfehlen, denn unsere Sennerinnen scheut dieses Wild wenig und soll ein Gemsbock angegangen werden und der Platz ist so frei, daß er den, der ihn umgehen will, schon von weitem sehen kann, so läßt man am besten dieses Treiben durch eine Sennerin ausführen, denn die kann unter dem Bock vorbeigehen, ohne daß er ausreißt, kann dann ansteigen und ihn langsam gegen den angestellten Schützen bringen. Waldschnepfen. ( Heil dem Manne, der den grünen Hain \&c. ) Freund, auf Oculi da kommen sie, Die so stolz und keck die langen Schnäbel tragen, Aufgepaßt, da muß man spat und früh Drauf buschiren, ansteh'n, laufen, jagen.               Merke wohl das Zeichen               Wenn sie falzend streichen               Und sey flink im Schießen,               Soll's dich nicht verdrießen! Freund, auf Oculi \&c.               Wenn sie schnarchend kommen               Nur nicht leicht genommen,               Denn das ist Verstellen               Um den Schuß zu prellen. Freund, auf Oculi \&c.               Halte vor den Schnabel,               Nur nicht auf den Nabel,               Sonst kannst du drauf zählen,               Er läßt sich empfehlen. Freund, auf Oculi \&c.               Drum bis Palmarum,               Wo der Spaß tralarum,               Müßt euch wohl befleißen,               Wollt ihr Jäger heißen. Freund, auf Oculi \&c. Dieses Liedlein wurde anno 1844 in einer schönen Frühlingsnacht zu Monheim in Schwaben geboren; dort war damals auch der Platz für ein solches Kind, denn Schnepfen gab's im Ueberfluß. Nach wenigen Jahren aber hat es zu seinem Fortkommen weiter wandern müssen, denn als die Bauern 1848 die meisten Jagden überkamen und in ihrer Art betrieben, hat das die edlen Schnepfen so verdrossen, daß sie und die ihnen geltenden Lieder bis auf vernünftigere Zeiten einen andern Strich angenommen haben. In der That war die Schnepfenjagd um Monheim und in der Nachbarschaft, Donauwörth, Neuburg an der Donau \&c. ausgezeichnet und ist es zum Theil noch. Im Allgemeinen kommen aber Waldschnepfen zur Strichzeit fast überall in Bayern vor und brüten an mehreren Orten. Unter andern ist der Strich besonders gut im Allgäu und fast am ganzen oberbayrischen Gebirg hin, dann in Mittelfranken, Unterfranken, in der Pfalz \&c. Wie überall, hängt das frühere oder spätere, zahlreichere oder weniger zahlreichere Erscheinen der Schnepfen zumeist von den Witterungsverhältnissen ab, und der bekannte Spruch: »Auf Oculi da kommen sie« kann die Strichzeit um so weniger genau angeben, als Ostern bald früher bald später fällt und die Schnepfen ihrem eigenen Kalender folgen. So kommen sie um München oft erst um »Judica,« dafür ist's aber auch um Palmarum noch nicht tralarum. Der ganze Spruch lautet: Reminiscere nach Schnepfen suchen geh, Oculi da kommen sie, Lätare da ist 's Wahre, Judica sind sie auch noch da, Palmarum tralarum. Der Schnepfenjagd sind alle Jäger mit Vorliebe zugethan. Ist sie doch des beginnenden Frühlings erstes Waidwerk und wer stünde nicht gern um solche Zeit beim sinkenden Abend auf dem Strichplatz, dem wiedererwachten Gesang der kleinen Vögel lauschend und der wachsenden Spannung sich hingebend, wenn mehr und mehr die Dämmerung hereinbricht und mit dem bekannten Grok, Grok der räthselhafte Wandervogel über das Holz daherstreicht, bald in langsamem Eulenfluge, bald schwankend und sich im Winde wiegend wie ein großes graues Blatt oder auch mit seinen kurzen Pfiffen pfeilschnell auf- und niederstechend und winklich über's Eck, daß man kaum weiß, wie da fertig zu werden. Und wer ginge nicht gern buschiren auf diese Langschnäbel oder freute sich nicht, wenn beim Treiben der Ruf tire haut! erschallt, welches unsere Bauernbuben oft für den Namen der Schnepfen nehmen, so daß man manchen sagen hört, er habe einen Tiro aufgegangen oder aus dem Busch geklopft. Und was den wahren Jäger besonders kennzeichnet, rascher Entschluß und Wagen, wenn's seyn muß, das kommt bei dieser Jagd öfter vor als bei einer andern. Es ist keine besondere Kunst, eine Schnepfe ( Scolopax rusticola heißt sie der Ornitholog) zu schießen, welche in Gedanken vor sich hinmurmelnd mit nachlässigem Schlenderfluge langsam ihres Weges zieht, aber es ist zum Schusse oft nur ein Augenblick gegönnt, wenn sie ganz still von rückwärts kommt oder wenn ein Paar aufeinander stechen: da sind sie und fort sind sie. Dann rappeln die Schrote freilich oft in's laublose Dickicht und fallen nur dürre Aestlein herunter, aber keine Schnepfen, und doch kann man's nicht leicht glauben, denn das täuschende Dunkel verhüllt den ganzen Vorgang und vergebens bemüht sich und sucht der getreue Hund in dem Gewirre des jungen Holzes herum. So bequem der Schnepfenstrich unter Umständen für den Jäger seyn kann, so mancherlei Mühsal ist im ungünstigen Falle mit ihm verbunden, denn dann geht man nicht so leicht von dem Platz weg, wie man gekommen, weil die Nacht mitgeht, die keines Menschen Freund; da hat man oft mit dorniger Wildniß zu kämpfen, fällt in manche sumpfige Grube, die nicht zu bemerken, und muß mitunter das widrige Bewußtseyn, gefehlt zu haben, weit tragen, ehe man die trunkspendende tröstende Heimath erreicht. Phlegmatische Gesellen, die schon Zeit brauchen, bis sie den Kopf drehen, fangen bei diesem Waidwerk gar wenig und ebenso diejenigen, welche den vielleicht mehr zufällig als begründet erworbenen Ruf eines guten Schützen um keinen Preis schwankend machen wollen. Diese haben dann oft nichts gesehen, wo doch deutlich etwas zu sehen war, und nichts gehört, wenn ihnen auch die Schnepfen in bester Laune einen guten Abend gewünscht haben. Die Schießeitelkeit geht fast über jede andere. Man kann auf mancher Schießstätte Scheiben sehen, auf welchen die gangbaren Ausreden der Schützen verzeichnet sind, deren wohl an hundert, aber keine Zahl zählt die Ausreden, die beim Jagdschießen vorkommen. Die Schnepfenjagd hat wie jede Jagd auf Strichvögel noch ihren eigenthümlichen Reiz in dem Spiel, welches der Zufall mit ihrem Kommen und Gehen betreibt. Immer soll man auf den Beinen seyn, und trifft man heute wenig an, so kann der nächste Tag auf demselben Platze eine herrliche Jagd bringen. Diezel , der am besten über diese Jagd geschrieben, führt an, daß v. Winkell im Dessau'schen zuweilen an einem Abend 12–16 mal auf Schnepfen geschossen habe und daß Aehnliches in Westphalen und Liefland vorkomme, ja er citirt einen Fall, daß ein Schütze vor etwa 30 Jahren sogar 31 mal an einem Abend nach Schnepfen geschossen habe und glaubt dieses durch die Annahme erklären zu können, daß an gewissen Orten in früherer Zeit die Schnepfen den Strich nicht so spät wie gewöhnlich begonnen hätten. Bei uns kommt es selten vor, daß einer sechsmal schießt. Die Jagdgeschichte der Waldschnepfen geht nicht sehr weit zurück, was begreiflich ist, da das Flintenschloß erst um 1630 aufkam, sie scheinen aber auch beim Fangen erst um die Mitte des 16. Jahrhunderts beachtet worden zu seyn. Landau führt an, daß sie um solche Zeit in Hessen (als Schneppen) in Jagd- und Küchenrechnungen erwähnt werden, und zu Anfang des 17. Jahrhunderts wurde dort der sogenannte Schnepfendukaten (mit dem Bild einer Waldschnepfe) gestiftet, welchen derjenige als Belohnung erhielt, der auf dem Strich die erste Schnepfe erlegte. Wer von den Bürgern zu Homburg an der Höhe 100 Schnepfen schoß, war Schnepfenkönig und für ein ganzes Jahr abgabenfrei. In Bayern finde ich der Schnepfen zuerst in einer Rechnung des Münchener Zwirchgewölbes von 1698 erwähnt. Es wurden vom Forstmeister Melchior Schuster von Aichach 60 Schnepfen und 1022 Lerchen geliefert und zu 29 fl. 58 kr. berechnet. 1751 sind in's Zwirchgewölb 114 Schnepfen geliefert worden, 1752 deren 177 Stück, 1753 und 1754 zusammen nur 10 Stück. Von 1841–1845 sind jährlich im Durchschnitt 364 Waldschnepfen in's Münchener Zwirchgewölb geliefert worden. Die Ausbeute an Schnepfen hat in neuerer Zeit an einigen sonst ausgezeichneten Plätzen merklich abgenommen, an anderen hat man dagegen auch wieder eine Zunahme bemerkt. Im Allgemeinen aber ist der Preis der Schnepfen, der früher 40 kr. für das Stück betrug und auf dem Lande die Hälfte oder noch weniger, bedeutend gestiegen, und ist ein Schnepf, wie man bei uns sagt, nicht nur ein sehr lustig zu schießender Vogel, wenn er es mit seinen Blitzwendungen nicht gar zu arg treibt, und ist er nicht nur interessant, da ja das Schnepfenvolk von Aegypten bis Island schwärmt und so mystisch das Unheimliche der Dämmerung und die Sterne der Nacht liebt, sondern der Vogel ist auch materiell und finanziell betrachtet von Werth. Man verkauft gegenwärtig in München die ersten Schnepfen im Frühjahr bis zu 2 fl. und sogar mehr das Stück, und unter 1 fl. kommen sie fast niemals herunter. Die Eisenbahnen erleichtern den Handel nach der Hauptstadt zum Vortheil manches Jagdpächters, der gute Schnepfenlagen hat, denn er gewinnt daran oft in einer Woche das ganze Pachtgeld. Vor zwei Jahren (1856) wurde bei Planegg, einige Stunden von München, eine schneeweiße Waldschnepfe geschossen. Die reichsten Schnepfenjagden sind in Böhmen und zur Winterszeit in Griechenland, wenn sie der Herbststrich, der übrigens bis Afrika geht, dahin führt. Auch in Siebenbürgen und im Banat ist die Schnepfenjagd ausgezeichnet und der Strich in günstigen Jahren so gut, daß nicht selten 6 bis 8 Jäger des Tages mit Buschiren und Treiben 80 bis 100 Schnepfen schießen. Wasserjagd. Ungleich mehr Reize als der Feldjagd sind der Wasserjagd verliehen. Diese Jagd, zu welcher die Moosjagd zu zählen, gewährt fast das ganze Jahr Beschäftigung und ihre Vorzüge sind eigenthümlicher Art. Im Feld ist ein fremder Gast an Wild eine Seltenheit und nicht leicht von besonderem Interesse. Das Moos aber ist dem Meere zu vergleichen, wo es aus allen Ländern hin und her wechselt, wo jeder Tag neue Gäste bringt oder wenigstens die Aussicht dazu vorhanden ist, und ein solcher Gast ist nicht etwa einem Rammler zu vergleichen, der von der Pfarrwiese auf den Mülleracker gewechselt oder umgekehrt, ein solcher Gast ist oft weit her aus dem Mohrenlande, aus der Barbarei, oder auch wieder von den Küsten Skandinaviens, von den eisigen Fluthen Islands. Ein solcher Gast hat oft Reisen über die entlegensten Meere gemacht und mag den Jäger ebenso verwundert als ein fremdes Wesen betrachten wie dieser ihn. Da ist es als kämen Boten oder Gesandte aus fremden Vogelreichen um neue Ansiedelungen auszukundschaften oder wichtige Angelegenheiten abzumachen; oft ziehen sie gar schnell wieder ab, zuweilen aber scheint es ihnen zu gefallen und kommen noch andere ihresgleichen nach. Da klingt dann mancher seltsame Ruf über die feuchte Haide, daß Jäger und Hund lauschend stehen und gelingt es, eines solchen Fremdlings habhaft zu werden, so gibt es natürlich viel davon zu reden und zu fragen, bis endlich irgend ein lateinischer Name von einem gelehrten Professor oder auch dem nicht selten dafür geltenden Ausstopfer herausgebracht ist. So viel der Arbeit gibt es auf dem Moose, daß ein eifriger Jäger den Wunsch hegen muß, er möchte außer den Füßen, die ihm wie andern Menschen am Leibe gewachsen, noch einige Paare zum Wechseln haben, darunter, wenn's seyn könnte, eines mit recht breiten Sohlen und mit Gummielasticum überzogen, daß nichts durchgeht. Im Frühjahr der Strich und die Ankunft der verschiedenen Schnepfen, der schwarzgrünen Kibitze, der schneeig schimmernden Rothfüße, auch wohl einiger Kraniche und die Lust des falzenden Spielhahns, dann kurze Rast in der Brutzeit und nun im Sommer auf das junge Volk und die Zöglinge der Enteninstitute, im Herbst wieder Strichzeit und im Winter der Früh- und Abendfall auf Enten und Gänse und was sonst die Stürme herjagen und die Birsche im Schneegestöber; ein rastloses Treiben wie es ein ächter Jäger liebt. Aber auch anderes Wild als Federwild steht in Aussicht, der Fuchs macht wie der Jäger überall seine Gänge, wo etwas zu kriegen ist, der Rehbock ruht gerne an heißen Tagen auf den wasserfrischen Grasinseln und in ihren Gebüschen, ein Otter wird auch wohl beim Entenfall oder auf der Birsche erlegt, sogar ein Biber kann gesehen werden! Und nun der Reiz mancher Gefahr, der Wechsel der Scenerie im weiten Gehege. Ich erinnere mich noch recht gut, wie ich die Ohren spitzend von alten Jägern erzählen hörte von guten und bösen Mösern und von solchen, wo's nicht recht richtig und wie ich dergleichen mit besonderer Spannung betreten. Da hieß es z. B. der beste Platz, aber ein gefährlicher, sey bei den hohlen Weiden am alten Röhricht, wo der »schwarze Toni« versunken oder »der Anderl,« den man noch deutlich um Hilfe habe schreien hören, aber nie mehr gefunden, oder auf dem Rothmoos im rostigen Grund, wo die verdammten Kupfernattern hausen, oder im »Rosengarten,« wo freilich statt der Rosen nur Schilfgräser stunden mit weißen Blüthenbüscheln, mitunter auf einem versteckten Altwasser eine Wasserlilie sich wiegte und wo auch mancher nimmer herauskam, der sich in diesen Garten gewagt hatte. Da wird vor dem einfallenden Nebel mit Recht gewarnt und vor der feindseligen Nacht, und wer nach Irrlichtern fragt, hört auch allerlei seltsame Geschichten. Es sieht in der That auf einem solchen Moos manchmal sehr bedenklich aus, wenn der schwankende Grund unter dem Tritt des Jägers wie ein Wellenthal sich niedersenkt, wenn in einem Bache, welchen man durchschreitet, der Boden plötzlich weicht, daß man den Fuß erschrocken zurückzieht wenn es noch geschehen kann, oder mit verzweifelten Schritten sich an's Ufer wirft und die Grasbüschel krampfhaft packt um sich mühevoll herauszuarbeiten. Ein ordentliches Ersaufen ginge noch an, aber gräulicher kommt's einem vor wenn man in breiigem Moorschlamm zu sinken beginnt, daß nur ein Niederwerfen auf die quer vorgehaltene Flinte noch einen Halt gewährt. Und gerade solche Plätze sehen mitunter sehr lockend und freundlich aus, ein heiteres Grün überzieht das lauernde Grab, wo die Molche hausen und häßliches Wassergethier, manche reizende Blume blüht empor, wie man sie nie gesehen, es ist etwas märchenhaft Anziehendes um den Ort gebreitet, aber unten ist's fürchterlich, und die dort und da verdächtig aufgluckernden Luftblasen sind oft die einzigen Warner, dem falschen Schmucke nicht zu vertrauen. Und ist man im Sonnenbrande viele Stunden gewandert, daß die Flinte so heiß wird, als könnte sich daran das Pulver entzünden, und ist man tiefer und tiefer in die öden Flächen vorgedrungen, immer wieder von einem einfallenden Vogel gelockt, weit von aller Gesellschaft der Menschen und was noch schlimmer ist, von dem erfrischenden Getränke, welches sie zu brauen verstehn und welches sie Bier genannt haben, und nun zieht's plötzlich schwer in schwarzen Wolken herauf am Horizont und murmelt ferne der Donner und jagt der Sturm heran, hui dann kann man die Lust weidlich büßen. Von einem Nachhauseeilen mit flüchtigem Schritte kann kein Gedanke seyn, mühsam wie es vorwärts ging, geht es wieder rückwärts, mit aller Bequemlichkeit kann das boshafte Wetter den Jäger umgarnen, schutzlos muß er vom strömenden Regen und rauschenden Hagel sich schlagen lassen und darf bei den niederzuckenden Blitzen nicht dran denken, daß er vielleicht der beste elektrische Leiter im Revier ist. Aber das alles schreckt den ächten Waidgesellen nicht, das ist nur das Sieb, auf dem der Thaler liegen bleibt, während die kleine Waare, die Groschen- und Kreuzerschützen, durchfallen, denn die letztern erleben solche Prüfung höchstens einmal und wollen dann von der Moosjagd nichts mehr wissen, als insoweit sie für die Enten auf einem geeigneten Bache oder Teich mit sicherem Schifflein abgemacht werden kann, oder gar in der Art, wie 1718 August II. von Sachsen in Moritzburg auf dem sogenannten Großtaich eine Jagd hielt, bei welcher wilde Gänse und Enten mit gestutzten Flügeln und mit Federbüschen auf den Köpfen geziert, eingesetzt waren und deren mehrere Hundert erlegt wurden. Wir haben in Bayern der Wasserjagden genug, gleichwohl bemerken ältere Jäger mit bedenklicher Miene die Ausbreitung der Torfstecherei und das Ueberhandnehmen der Austrocknungssysteme, Drainage u. s. w. Meint sogar mancher (im Sinne des Landgrafen Philipp, siehe oben) es sey ein sündhaftes Beginnen, kein Moos mehr dulden zu wollen, denn sollte es nicht seyn, warum wäre es denn erschaffen worden. Die Moosvögel selber und ihr ganzer Bau beweisen am besten, daß es nicht Zufall war, daß ein Moos entstanden. Die Menschen aber thun, als wäre die Welt allein für sie, rotten die Gethiere des Waldes aus und die Vögel des Mooses, als hätten sie das Recht Schöpfungsverbesserer zu seyn. Und da sind die sonst so gläubigen Bauern die allerersten voran. Drum carpe diem sagt der Lateiner, das heißt, wenn du heute einen Schnepfen schießen kannst, so warte nicht auf morgen! Becassinen sind die eigentlichen Wahrzeichen eines so zu sagen vernünftigen Mooses, und wenn es an ihnen nicht fehlt, so kann man auch auf andere Gäste zählen. Es kommen drei Arten vor, wovon die häufigsten die eigentliche Heerschnepfe oder Himmelsziege, weil sie hochstreichend ein eigenthümliches Mäckern hören läßt ( Scolopax gallinago ); etwas weniger häufig kommt die kleine Haarschnepfe ( Scolopax gallinula ) vor, und die dritte Art, Halbschnepfe (große Becassine, großer »Gräser«) ist selten. Becassinen kommen auf allen Mösern in Bayern vor und um München war sonst das Dachauer, Schleisheimer und Ismaninger Moos sehr reich an diesem kleinen Wild, so daß ein berühmter Flugschütze, der Graf Ricciardelli, im Jahr 1844 in zwei Tagen 96 Becassinen auf dem Ismaninger Moos erlegte. Von 1841–1845 sind zum Zwirchgewölb in München durchschnittlich per Jahr 1497 Becassinen geliefert worden. Gegenwärtig hat die Kultur diese Jagdplätze bedeutend reducirt. Nur ein flinker Schütze wird auf der Becassinenjagd eine erhebliche Beute gewinnen, denn abgesehen davon, daß die Becassinen wie ein zuckender Blitz hinausfahren, so erschwert das Schießen auch ihr niederes Wegstreichen, während ein Vogel, der gegen die Luft hin zu sehen, immer leichter zu schießen ist, weil keine täuschende Farbe des Grundes vorhanden, auf dem er sich bewegt. Wenn die Vorschrift beim Hasen viel Pulver und wenig Schrot empfiehlt, so ist es bei der Becassinenjagd umgekehrt. Nicht viel Pulver, aber viel Schrote von feinem Korn und den Schuß beim Aufstehen sogleich hinwerfen gibt oft bessere Resultate als abwarten, bis nach dem ersten Zickzack ein Gradausstreichen kommt, denn damit entfernt sich der Vogel schon zu weit und es erfolgt überhaupt nicht regelmäßig. Man muß Glück haben in der Art des Haltens der Becassinen wie des Aufstehens, dann kann man selbst ohne Meisterschaft im Flugschießen eine befriedigende Jagd machen, wer sie aber auch unter ungünstigen Umständen trifft, der darf den Kopf immerhin höher tragen als ein anderer, wenigstens so lange er im Bereich des Mooses wandelt. Die kleineren Haarschnepfen halten gewöhnlich besser aus als die größern und sind leichter zu schießen. Das Jagen auf diese Vögel halten Viele so hoch, daß sie es den meisten andern Jagden vorziehen, nur die Waldschnepfen stehen drüber. Diezel sagt davon: »Fast möchte ich diese Jagd mit einem Tonstücke vergleichen, welches nur von einzelnen kunstverständigen Musikern geschätzt und vorgetragen wird, während die ungleich größere Zahl der Dilettanten dasselbe mit einer fast an Geringschätzung grenzenden Gleichgültigkeit bei Seite legt. Ob aber diese Gleichgültigkeit auch auf wirkliche Abneigung oder bloß auf ein Bewußtseyn des – Unvermögens gegründet sey, darüber wird wohl ebenso wenig ein Zweifel obwalten können, als über die Frage: ob die Trauben, die jener Fuchs in der äsopischen Fabel wegen ihrer Säure zu verschmähen versicherte, wirklich sauer waren oder bloß zu hoch für ihn hingen.« Es hat gewiß seine Reize, die Geschicklichkeit im Schießen möglichst zu erproben und trotz des Zickzackzuges diese schnellen Mooskinder zu fangen, die Begleitung eines guten Hundes, der beschriebene Charakter ihrer Wohnplätze \&c. thut auch das Seinige für diese Jagd; will man sie aber, wie zuweilen schon geschehen, mit der Hirsch- oder Gemsjagd in Vergleich ziehen, dann wird's mit der Erhebung zu bunt und fallen einem wieder der Fuchs und die Trauben ein. Man beruft sich gerne auf die Schwierigkeiten des Schießens und wie man flink seyn müsse bei solchem Waidwerk; das ist gewiß wahr, es ist aber auch wahr, daß es selbst gute Flugschützen machen wie die Sonnenuhr mit ihrem Spruche: »non numero horas nisi serenas« (ich zähle nur die heitern Stunden), denn sie zählen sehr fleißig was beim Schuß herunterfällt, was aber nicht herunterfällt, das zählen sie nicht so fleißig und dessen ist oft mehr, als sie sich erinnern mögen. Auch kommen hier nicht selten Schüsse vor, wo der Zufall das Stück schießt, denn es fällt gar manches zur Verwunderung des Schützen, weil er weiß, daß er schlecht abgekommen. Wie es aber auch zugehen möge, so kommt man doch selten leer nach Hause. Bei andern Jagden und namentlich wo man die Büchse zu handhaben hat, spielt sich das Spiel schon deßwegen schwerer, weil oft alles auf einem einzigen Schuß steht und weil Mühe und Plage vieler Stunden, ja ganzer Tage umsonst ist, wenn dieser mißlingt. Ueberhaupt aber ist es schwer über die Vorzüge dieser oder jener Jagd vergleichend zu urtheilen, denn ein Jäger ist niemals unparteiisch und ein Nichtjäger hat weder das Zeug dazu noch die Autorität. Auch bezieht man manchmal auf die Jagd, was genau betrachtet wo anders hin gehört. So lobt einer z. B. die Becassinenjagd, meint aber eigentlich die Mühle am Moosbach, wo sich so gemüthlich rasten läßt, wo der brave Müller ein treffliches Bier schenkt und den Labetrunk seine hübsche lustige Tochter credenzt. Ein Anderer preist aus ähnlichen Gründen die Hühnerjagd, denn er weiß, daß diese Vögel, die er gern ißt, herkömmlich im Jägerhaus schon am Spieß stecken, um den Schützen für eine vielleicht unsichere Jagd doch einen sichern Imbiß zu gewähren, ein dritter lobt das Gehege des Grafen X., während dessen Weinkeller zu verstehen u. s. w. Und gewiß ist bei der Moos- und Feldjagd eine Wahrheit, was ein alter Spruch sagt: »Die Jäger haben einen guten Schlund und essen und trinken zu jeder Stund.« Muß sich jeder Waidemann Um den Fuchs beschweren, Steht der Durst noch obenan, Kann ihn nicht erwehren,     Und muß sich viel plagen     Zu tilgen den Wicht,     Und muß es verstehen,     Sonst fällt er ihn nicht. Wißt, es ist des Durstes Art Einen Bau zu haben, Wie der Fuchs sich wohl verwahrt, Liegt auch er vergraben,     Da hilft nur ein Daxel,     Der Bier ist genannt,     Und sey noch ein Windspiel,     Der Wein bei der Hand. Schlieft der Daxl alles aus, Röhren, Kessel, Gänge, Kommt der Schelm im ganzen Haus Zagend in's Gedränge,     Dann möcht' er sich retten,     Dann ja nicht vergiß     Zu lösen das Windspiel,     Das würgt ihn gewiß. Hab's mein Lebtag so gemacht, Kann davon eins singen, Währt's auch manchmal in die Nacht, Endlich wird's gelingen;     Doch wer's mit dem Haushund,     Dem Wasser , probirt,     Der hat solches Waidwerk     Nie gründlich studirt. Das bunte Heer der Enten, Blasseln, Strandläufer, Rohrhühner, Möven, der Rohrdommel, Kibitz, Reiher \&c. sind mit den meisten Arten in Bayern vertreten, welche auch anderwärts die Möser und die Ufer der deutschen Flüsse und See'n beleben. Ich kann nicht sagen, daß ich ein besonderer Freund des Winters bin; er schaut oft gar zu grämlich drein und das Grün sehe ich lieber als das Weiß, wenn er aber einen schönen Neu bringt und damit eine gute Jagd auf Wildpret oder Sauen möglich macht oder eine Fuchsjagd, dann ist er schon recht und ebenso wenn in der Gegend, wo man weilt, mit Enten etwas zu machen ist. Ein mit weidlichem Regen vorüberziehendes Donnerwetter ist einem Wanderer ohne Büchse ein ärgerliches Begegniß, wenn es aber eine Rehbirsche begünstigt, ist es eine sehr willkommene Erscheinung und wer Enten birschen geht, der freut sich beim Schneegestöber, als fielen Rosenblätter vom Himmel, denn da sind die Enten vertraut und ihnen gut beizukommen. Schon deßwegen soll man das Jagen treiben, weil es hundert Genüsse gewährt, wo ein Nichtjäger nur Widerwärtiges hinnehmen muß. In seiner Art aber einzig kann der Entenfall genannt werden, obwohl das stundenlange Hinsitzen in einen beschneiten Schirm von Geröhricht an einem eistreibenden Bach, und der Gang dahin ehe der Tag graut, oder beim Abendfall die Heimkehr in frostiger Nacht gar Manchem die Lust benimmt, auf diese Weise einen Genuß zu gewinnen. Dazu kommt noch mancherlei, was man nicht genau nehmen darf, wenn man da mitthun will. Es gibt ein französisches Buch, welches von den kleinen Leiden des menschlichen Lebens handelt, nämlich von denen, wo einem das Butterbrod auf den schmutzigen Boden fällt und wie mancher meint, so recht boshaft immer auf die Butterseite oder wo auf den leichtbeschuhten Fuß ein schwerer Reiterstiefel des lieben Nächsten tritt, daß man schreien möchte u. s. w., dahin gehört, was man oft um die Entenfreuden des Winters erlebt, daß der Pelzhandschuh in den lockeren Schnee fällt und der nicht dran denkende Fuß ihn noch hineintritt und mit den Wasserkrystallen vollstopft, daß der Stiefel mit einemmale einen Leck bekommt, den man beim Durchschreiten eines Baches nur zu bald fühlt, ohne helfen zu können, daß die erstarrten Finger keinen Pfropfen zum Laden mehr traktiren können, während es in den Lüften trompetet vom Anzug einer Schaar von Wildgänsen \&c. Ich will nicht davon reden, daß man mit aller Geschicklichkeit des Gehens gar oft in ein Loch fällt oder durch eine Eisplatte bricht und nur mühselig das steile Ufer wieder gewinnt, daß der Frost, wenn er gerade bei Laune ist, durch den besten Pelz und durch den dicksten Strumpf dringt u. dergl., denn das weiß man ja vorher schon. Und doch ist der Entenfall höchst anziehend und besonders der Frühfall, wo das Vergnügen oft einige Stunden dauert. Welche Lust, wenn sie in reichen Flügen über den Schirm hinrauschen und in Kreisen ein- zweimal wiederkehren, bis endlich das Wasser aufschlägt ringsum und dann Alles plötzlich wieder still ist, als wäre es ein Traum gewesen. Junger Jäger, beachte diese Stille und rühr' dich nicht bis die schwarzen Schwimmer vertraut zusammenrinnen und ein kecker Entrich klangvoll in die Welt hinausruft, daß es lustig sey im eisigen Bach. Und kracht der Schuß, welches Geflutscher und Gesaus fort über den Moosgrund und, oft nicht zu glauben, im nächsten Augenblick schon wieder neue Gäste auf dem rauschenden Wasser u. s. w. Wenn der Fall gut ist und wenn die Enten einige Zeit am Fallplatz mit Eicheln gefüttert wurden, so beträgt die Zahl der nach und nach einfallenden Enten oft mehrere Hundert und kann einer, wenn er Glück hat, wohl 12–16 Stück schießen, wie dieses auf dem Ismaninger Moos bei München öfters vorgekommen und mir selbst begegnet ist. Ich meine hier die Stockente ( Anas boschas ); sogenannte Halbenten ( Anas querquedula, crecca ) kommen auch in großer Menge bei uns vor und fallen beim Abendfall, wenn es schon ziemlich dunkel, oft auf einen kleinen Platz, ohne das Schießen oder den Schützen zu scheuen, der seine Beute mit dem Hunde zusammensucht. Wie der Fall ist auch die Entenbirsche lustig und das Anschleichen in verwachsenen Auen an einen hochufrigen Bach oder an ein Altwasser, besonders wenn diese in der Nähe eines größeren Flusses liegen, wie bei uns die Auen an der Isar und an der Donau, denn da geht der Strich den ganzen Tag hin und her und steht gar mannigfache Beute in Aussicht. Wer aber die Strapazen des Winters scheut, der mache seine Jagd im Sommer auf die jungen Enten, eine Jagd die zur rechten Zeit angestellt, nämlich wenn die Enten eben aufstehen können und wenn man mit guten Hunden versehen, sehr lohnend ist. Das Interesse hat sie übrigens nicht, wie die Jagden zur Strichzeit und im Winter, denn da kommen mancherlei Bewohner des Nordens; die selten oder nicht bei uns brüten, so die Merrer, die nordischen Taucher, die Steißfüße u. a., die sich den Winter über auf unsern See'n aufhalten und auch an Flüssen getroffen werden. Von 1841–1845 sind zum Zwirchgewölb in München jährlich gegen 1877 Stück Enten und 100 Blasseln ( Fulica atra, das schwarze Wasserhuhn) geliefert worden. Entenjagden hielt Max Emanuel mehrere am Starenbergersee und wurden dabei einmal 300, ein anderesmal 524 Stück geschossen. Es bestand damals ein churfürstlicher Entenfanger, Moritz Landwöhr. Derselbe lieferte 1698 von Zustorf (Landgerichts Erding) und von Freising und Wartenberg 662 Enten, welche das Stück zu 10–12 kr. verkauft wurden. Von 1751–1754 kommen in den Rechnungen des Zwirchgewölbs nur 66 Enten und 298 Blasseln vor. Um 1750 und 1758 wurde den Fischern auf dem Kochelsee (der noch gegenwärtig sehr reich au Enten) und auf anderen Seen bei strenger Strafe verboten, zur Sommerszeit die halbgewachsenen Enten oder auch alte sich halb in der Maus befindliche zu erschlagen oder zu schießen oder Eier aus den Nestern zu nehmen. Um 1768 durften die Blasseln auf dem Chiemsee nur mit Legangeln gefangen und deren nur 20 gelegt und wöchentlich nur von zwei Fischern abwechslungsweise besorgt werden. Das Schießen derselben war damals schon seit 1732 bei 12 Reichsthaler Strafe verboten. Ein besonderer Freund der Entenjagd muß der fürstliche Probst Cajetanus Antonius zu Berchtesgaden gewesen seyn, indem er 1737 in einem Wildschützenmandat das Schießen der Enten so hoch verbietet »als ob ein solcher (Schütze) sich an Hirschen , Reh, Haasen und anderen hohen Wildprat vergriffen hätte.« Aehnlich war es mit den »Wild-Dauben« wo aber mehr »der Frevel als die Schwäre« in Betracht kommen sollte. Als Strafen sind angegeben 4–6 Wochen und mehr in Eisen und Banden, Landesverweisung, Ruthenaushauung, ewiger (!) Vestungsbau, Galeeren \&c. Alle Schießgewehre im ganzen Land waren bei 50 Reichsthaler Strafe verboten, für die Scheibenschützen waren besonders sicherstellende Bestimmungen getroffen. Jeder Denunciant, der einen Wildfrevler »glaubwürdig« anzeigte, erhielt 12 Speciesthaler d. i. 24 fl. Außer den nordischen Entenjagden sind die in der Nähe Venedigs berühmt und in den Buchten von Neapel. Der König Ferdinand hielt dort 1824 eine sechstägige Entenjagd und wurden dabei 960 Stockenten geschossen, worunter nicht weniger als 876 Entvögel, was nach Diezel ein deutlicher Beweis, daß die Zahl der Männchen größer ist, als der Weibchen. Zur Strichzeit im Spätherbst finden sich auch große Schwärme von Wildgänsen ( Anser segetum ) bei uns ein, die nur in Oberfranken fehlen. An der Rednitz und am Main kommen sie besonders zahlreich vor und ebenso in der Pfalz in den Rheinebenen. Die Wildgans, von welcher unsere zahme Gans abstammt, ist nicht so dumm, wie diese Tochter der Cultur, sie ist im Gegentheil sehr schlau und nur auf dem Fall oder wo man sich in Gräben anschleichen kann, gelingt es, sie zu Schuß zu bringen. Es kommt deßhalb eine Wildgans auch öfter zu ihrem hohen Alter als ein anderer Vogel den man brauchen kann und da ihre Lebenszeit bis zu 50 Jahren (bei der zahmen Gans sagt man bis 80) geht, so ist nicht zu verwundern, wenn der Jäger an ihr oft einen sehr zähen Braten heimbringt. Bekanntlich gilt das Sprichwort: Les vieux lievres et oisons Sont une viande de demons.   Alte Gans und alter Has' Geben einen Teufelsfraß. Im Jahre 1836 schoß ein Jäger bei Danzig eine Wildgans, die ein messingenes Halsband trug, auf welchem in holländischer Sprache eine Inschrift eingegraben war, besagend daß dieses Halsband der Trägerin im Jahre 1801 bei Snitzchen in Geldern umgelegt worden sey. Die Gans war also sicher 35 Jahre alt. (Diezel.) Von 1735 ist eine Wildgansjagd verzeichnet, welche der Churfürst Karl Albrecht mit der Churfürstin und dem Herzoge Theodor, Bischof von Freysing, am 28. Jänner bei Erding abgehalten. Eine seltsame Jagd dieser Art ist 1820 bei Nürnberg vorgekommen. Es war am 18. Januar dort der Wiesgrund am Weiler Weigerholz unter Wasser und fanden sich da viele Wildgänse ein. Am 24. bemerkte man, daß eine Schaar derselben unter großem Geschrei sich vergebens bemühte aufzufliegen. Man erkannte, daß sie wohl mit den Ständern angefroren seyn müßten und so war es auch; nun lief viel Volk herzu und wurden 167 solcher Gänse mit Knitteln erschlagen. Bemerkenswerth ist die Mövenjagd bei Seefeld in der Nähe des Ammersees. Dort brüten von der spec. Larus ridibundus viele Hunderte auf einer kleinen Insel im Wörthsee. Wenn die Jungen anfangen flügge zu werden (gegen Mitte Juni) wird die Jagd gehalten und fahren die Schützen in mehreren Kähnen nach der Insel, die sie umstellen. Auf die ersten Schüsse stehen dann solche Schwärme von Möven auf, daß man wohl sagen kann, sie verfinstern die Sonne. Das Feuern dauert einige Stunden und besteht die Beute oft in 1000–1800 Stück. Diese Möven streichen bis München und erscheinen im englischen Garten als willkommene Boten des Frühlings. Sie brüten auch in großer Menge am Chiemsee. Zu den selteneren Vögeln aus unsern Mösern, Flüssen und Seen gehören, um die bekannteren zu nennen, die Kraniche ( Grus cinerea ), wilde Schwäne ( Cignus musicus ) und Nachtreiher ( Ardea nyctocorax ). Kraniche brüten auf dem Moos bei Rosenheim und Murnau. Wilde Schwäne, besonders der Singschwan, kommen öfters zu uns Unter Karl Albrecht war 1773 das Schießen der wilden Schwäne bei schwerer Strafe verboten. und im heurigen Winter (1858) hielt sich eine Schaar von 45 Stück am Starenbergersee gegen 14 Tage lang auf und wurden 7 davon geschossen, darunter Exemplare von 23 Pfund. Sie kamen zum Abend- und Morgenfall auf die Würm und Abends meistens sehr zeitig und früher als die Enten. Man hörte ihr Geschrei weit und fast immerwährend. Vor 25 Jahren hielten sich dort drei dergleichen Schwäne mehrere Wochen auf und wurde den Jägern der Befehl gegeben sie lebendig zu fangen. Das geschah in der Art, daß man sie durch Aufstreuen von Gerste an einem Ufer, wo sie sich öfters niederließen, auf einen kleinen Platz lockte und dann ein Tellereisen legte, dessen Feder aber nur stark genug schlug, um den Schwan, wenn er sich fing, festzuhalten. Zwei Jäger waren in etwa 500 Schritt Entfernung Tag und Nacht auf der Passe und erkannten an dem Flügelschlagen, wenn sich einer gefangen hatte, eilten dann herbei und lösten ihn aus. Es fingen sich so zwei, beide am Hals und wurden nach Nymphenburg gebracht, wo sie sich bald an die dortigen zahmen Schwäne ( cign. Olor ) gewöhnten und bei ihnen blieben. Ein junger Nachtreiher wurde u. a. 1847 vom Prinzen Adalbert am Main bei Aschaffenburg geschossen. Auch Pelekane ( Pelecanus onacrotalus ) besuchen uns zuweilen und ist es mit ihnen wie mit den Bären und Luchsen, wenn sie auch große Raritäten sind, es wäre doch möglich, daß einem einer begegnete, besonders in gegenwärtiger Zeit, wo der Dampf zu Wasser und zu Land Alles rebellisch macht. Von diesem merkwürdigen Vogel erzählt Gesner, der Kaiser Maximilian habe einen gehabt, der beim Aufbruch des Lagers immer vorausgeflogen sey und habe ihm später zu Mecheln das Ehrenfutter gegeben, wobei er 80 Jahre alt geworden. Seine Heimath ist Asien, das caspische und schwarze Meer, von wo er nach den Seen Ungarns heraufkommt und gelegenheitlich auch bis zu uns. Nach Italien hat sich im Sommer 1858 eine Schaar von vielen Hunderten verstrichen und sind deren am Po eine große Anzahl geschossen worden. Jäckel gibt darüber folgendes an: Im Jahre 1768 zog den 8. Juli eine Schaar von 130 Pelekanen, vorher nirgend beobachtet, hohen Fluges vor den Schweizergebirgen nach dem Bodensee und ließ sich in der Nähe von Lindau nieder. Ein Exemplar hievon, flügellahm geschossen, gezähmt und zur Schau herumgeführt, wurde zu Augsburg auf einer Kupfertafel gelungen dargestellt. Später, etwa um das Jahr 1786 wurde bei Ingolstadt ein Pelekan geschossen. Am 26. Mai 1806 erschien wieder auf dem Bodensee ein einzelnes Exemplar bei Fussach, welches ebenfalls durch einen Schuß gelähmt, zur Schau umhergetragen wurde. In dem durch den Besuch der Flamingo denkwürdigen Jahre 1811 erschienen wieder einige Stücke am mehrgenannten See und im Monate Mai wurde auf dem Sameistersee, der an der Landstraße zwischen Roßhaupten und Lechbruck im Landgericht Füssen liegt, ein Exemplar erlegt und zur selben Zeit ließ sich ein anderes in der Nähe des Bodensees in einem benachbarten Hofe nieder und wurde gefangen. Ein Stück im Erlanger Museum ist im Bayreuth'schen geschossen worden und um 1846 eines auf der Krautinsel am Chiemsee durch den Maler Ruben, bei welchem sich die Fischer über die gewaltigen Verheerungen beklagten, die diese »Kropfgans« unter den Fischen anrichte. Die erwähnten Flamingo's ( Phoenicopterus roseus ), von den altrömischen Schwelgern um ihrer Zunge willen hochgeschätzt, sind am 25. Juni 1811 bei Bamberg beobachtet und ein Stück in der Nähe des Bades Kissingen geschossen worden. Sie stammen aus Asien und Afrika und kamen wahrscheinlich vom caspischen Meere. Im vorigen Jahrhundert sind deren auch einige in Hessen geschossen worden. Auch der Ibis (der rothe) ist mehrmals vorgekommen und unter andern ein Stück 1856 bei Gunzenhausen geschossen worden; von Hämantopus Africanus wurde 1855 im Juli ein Exemplar auf dem Ismaninger Moos geschossen. Auf die Störche , die in mehreren Gegenden Bayerns vorkommen, wird nicht Jagd gemacht. Es ist besonders der weiße Storch ( Ciconia alba ) in der Oberpfalz, Oberschwaben und in Mittelfranken häufig verbreitet, während er längs des Hochgebirges, im bayrischen Wald und im Fichtelgebirg fehlt. Dieser Vogel (der Kinderbringer), an dem Weisheit, Gerechtigkeit, Dankbarkeit und Treue gerühmt werden, hat wie die Schwalbe das Hausrecht. Man hat Beispiele, daß alte Störche sogar überwintern, ihre Jungen dagegen folgen regelmäßig dem Wanderzug der Verwandten. Der seltenere schwarze Storch ( Ciconia nigra ) brütet ebenfalls in einigen Gegenden von Oberbayern (unter andern zuweilen im Forstenrieder Forst) in der Oberpfalz, Ober und Mittelfranken. Eine sehr schätzbare Abhandlung über die geographische Verbreitung der in Bayern vorkommenden Vögel von A. J. Jäckel findet sich in den Abhandlungen des zoologisch-mineralogischen Vereins in Regensburg. 1849. Spruchreime.             Schieß auf der Scheib' einen Dreier,     So triffst du auch einen Reiher,     Kannst einen Zweier du schießen,     Mags wohl eine Gans verdrießen,     Geht ein Einser nur an,     Noch triffst du den wilden Schwan,     Aber ein Loch im Weißen     Wird keinen Vogel verheißen. ———     Glatt, gestriegelt und angethan     Wie wohl Sonntags ein Kaplan,     Will nicht gut zur Gemsjagd stehen,     Muß man aber Männer sehen     Wild bebartet und verwettert     Und die lange Flinte schmettert     Auf ein singend Vögelein,     Das steht doch noch minder fein. ———         Der fängt kein Haselhuhn,         Der ein rauhes Pfeifen beginnt         Und wer nicht fein will thun,         Auch keine Maid gewinnt. ———     Von allen Schreiern auf der Welt     Der Guguk mir am besten gefällt,     Keiner wie er so kurz und gut     Einen wahrhaften Frühling verkünden thut. ———         Was doch die Liebe Alles kann,         Macht blind und taub den Auerhahn         Und selbst den wildesten Waidemann         Zum allergehorsamsten Unterthan. ——— Beim Auerhahnfalz ein Stürmen und Regnen, Beim Birschen ein altes Weib begegnen, Ein hitziger Hund beim Schnepfenbuschiren, Die Rothfährt in sumpfigem Grund verlieren, Nachschlagen und versagen der Büchse, Fuchsriegeln im Winter und keine Füchse, Und Tasche und Flasche verödet und leer, Das Alles bedrängt einen Waidmann sehr. ———     Ein Schrotschuß ist ein Schnaderhüpfl,     Das Jeder bald traktiren kann,     Ein wenig besser oder schlechter,     Es liegt so gar viel nicht daran;     Ein Kugelschuß der ist dagegen     Vergleichbar einem feinen Lied,     Wer's leicht nimmt, kommt zu keinem Preise,     Das ist der beiden Unterschied. Falk und Reiher. Zwei Vögel haben Jahrhunderte hindurch eine Rolle auf der Welt gespielt, wie sich deren weder des Zeus blitztragender Adler, noch das Käuzlein der Minerva, noch der Juno stolzer Pfau oder die Tauben der rosigen Cypris rühmen können. Diese Vögel sind der Falke und der Reiher. Es hat der Strauß auch seine Zeit gehabt, und was den Damen zum Schmucke gefällt, bewegt freilich immer die Welt, aber gegen die genannten kann er sich nicht sehen lassen, und wenn Auerhahnen, Fasanen, Schnepfen \&c. etwas gegolten haben, so reicht es nicht dahin, ja selbst die vielbesungene Nachtigall erscheint mit ihren melancholischen Liedern dagegen nur in der Stellung eines schwärmenden Kammermädchens und der Papagei als ein unbedeutendes buntscheckiges Kinderspiel. Was auf festem Grunde im Wald und Flur Hund und Hirsch für die Parforcejagd, das war im Reich der Lüfte der Falke und der Reiher. In Ermanglung des letztern oder zur Abwechslung ging die Jagd auch auf andere Vögel und sogar auf Kaninchen und Hasen, und man nannte dieses Jagen baizen oder die Baize. Ebenso wurden als Substitute der Falken, Das Wort Falke soll vom isländischen valka, d. h. verfolgen , herkommen; Habicht vom gothischen habon, d. i. halten und Reiher, bei den Alten Raiger von dem geordneten Flug, da die alten Germanen, was in Linie gereiht, reige nannten. Nun kommt zwar bei Chunrat von Megenberg um 1350 Reygel und Reigel geschrieben vor, in der oberbayrischen Volkssprache werden aber dergleichen mit ei geschriebenen Worte auch gesprochen wie sie geschrieben stehen, während der Reiher Roaga gesprochen wird. Solches geschieht bei allen Worten, die vom 16. Jahrhundert etwa angefangen mit ai geschrieben wurden. Daher Roaga, Zoaga, Loab (Brod) für Raiger, Zaiger, Laib, dagegen wird Geiger, Leib ( corpus ) nicht Goaga oder Loab gesprochen, sondern wie es geschrieben ist. Es kann daher reige nicht wohl auf Raiger passen, denn die spätere Schreibart scheint gegen die von 1350 den Unterschied der Aussprache bestimmter bezeichnet zu haben und dem ai das gesprochene oa anzugehören. der Habicht, Sperber und andere Räuber dieser Art gebraucht. Wer kennt nicht die alten Bilder und Kupferstiche, welche dergleichen Jagden darstellen! Ritterliche Jager hoch zu Roß und schmucke Damen auf ihren Zeltern, Falkonire theils beritten, theils zu Fuß und lustig nebenher springende Hunde, so geht es hinaus im stattlichen Zug nach der weiten Ebene des Jagdreviers, wo sich die Kunst des Reitens erproben soll, wo es den Wettstreit gilt, der erste zu seyn, der den Reiher aus den Fängen ( Händen ) des Falken erlöst, um ihn seinem Herrn oder seiner Dame zu bringen, da er dann, im Falle er noch frisch genug, mit dem silbernen Ring am langen Ständer, wie mit einem Hosenbandorden, wieder ziehen und den wilden Kameraden sein Abenteuer erzählen mag. Oder wenn beim Grasmahl Das Wort »Grasmal« findet sich schon in Küchenmeisters Instruktionen von 1589. zu den Füßen der Erwählten ein junger Waidmann mit schmachtenden Blicken die Laute spielt, während sie in holder Verlegenheit mit dem Fächer tändelt, daneben bärtige Gesellen von anderer Stimmung die Humpen mit funkelndem Weine erheben und sich ein Waidmanns-Heil zutrinken und wie dergleichen Scenen so viele gemalt worden sind. Da läßt sich mancherlei schwärmen und phantasiren. Der weiß nicht was es um's Waidwerk ist, der nur an das Wild denkt und die Art es zu fällen, er ist wie ein Reisender, der seinen Weg und sein Ziel allein im Auge hat und die Blumen nicht sieht, an denen er vor übergeht, und die Vögel nicht hört, die in den Bäumen singen, und nicht Spiegel und Wiederhall in der Brust hat für so viele Lust, die links um ihn lebt und webt auf der Welt. Der ächte Waidmann ist nicht so einseitig, und zu seinen Jagdliedern gesellen sich gerne die Lieder von Liebe und Wein, ja ehe er zum Schusse kommt, ist er oft selber geschossen und hat doch kein Bangen d'rum. Die alten Eichen vom Westerholz bei Landsberg könnten wohl davon erzählen; dort horsten und hausen seit Jahrhunderten die hoch sich schwingenden Vögel, um welche einst der Freude wie der Arbeit und Plage so viele war. Auch um München und in der Gegend von Wartenberg bei Erding gab es zahlreiche Reiher, und wie man diese sorgfältig hegte, so geschah es anderwärts mit ihren Feinden, den Falken und ihren Verwandten, die man zusammen Federspiel Das Wort Federspiel wurde auch für eine Art von leichtem Ball mit Flügeln gebraucht, den man warf, um den freigelassenen Falken wieder herbei zu locken und zu fangen. nannte. Doch war dieses Hegen nicht überall der Fall. Um 1750 war bei der Klosterjagd zu Tegernsee ein »Federspihler« angestellt, »das ist ein solcher Jäger. welchem wegen bösserer Erhaltung des Federwildbräths hauptsächlichen obgelegen, die falken, stoß- dann andere Raubvögel zu schiessen.« Das Studium dieser Vögel, das Abrichten der Falken oder das » Abtragen ,« wie man es waidmännisch nannte, ihre Pflege, der Handel mit denselben und ihre Jagden haben viele tausend Menschen ihr ganzes Leben hindurch beschäftigt und ungeheure Summen Geldes sind darauf verwendet worden. Wie man nach Fähigkeiten und Schönheit Pferde und Hunde werthete und klassificirte, so die Falken. Die gewöhnlich genannten Arten sind folgende: Der Sakerfalke, Sakrifalke, wohin auch der Ger- oder Geyerfalke, Gerfaut, ist der Falco islandicus und candicans. Schlegel unterscheidet den weißen Falken aus Grönland und aus dem nördlichen Amerika; den isländischen der nur in Island vorkommt; den Gerfalken aus den Alpen Norwegens und den Sakerfalken aus Ungarn, vom Ural und aus der Tartarei. Er heißt arabisch Ssakar und wahrscheinlich ist der Name Sakerfalk damit zusammenhängend. Der Kaiser Friedrich II. leitet Girofalco von Hieros, sacer – heilig, ab, oder meint es könne sich auch auf κύριος, dominus – Herr, Meister, beziehen. Der weiße Falke Turkistans, der in den Schneebergen wohnen soll, gehört hieher und heißt im Persischen Sonkar. Er war im Morgenlande so geschätzt, daß man für das Stück tausend Dukaten bezahlte. Im Abendlande ist der Sakerfalke auch sehr hoch gehalten, und wenn er vollkommen in seiner Art und wohl abgetragen bis tausend Gulden und mehr bezahlt worden. Man erhielt ihn aus Island über Dänemark, aus Schweden und Norwegen, Irland und aus der Tartarei. Er wurde vorzüglich zur Reiherbeize, auch auf Milanen und Trappen gebraucht. Der Wanderfalke, Pelerin, falco peregrinus, der gewöhnliche Edelfalke, wurde zu gleicher Jagd wie der vorige, auch auf Kraniche, Dabei halfen, wenn die Jagd einmal auf den Boden niederkam, die Hunde zum fangen mit. gebraucht. Der Blaufuß, Würgfalke, Schwimmer, Falco lanarius, wurde auf Hasen und Rebhühner gebraucht. Der Habicht, Falco palumbarius, war auf Hasen, Tauben, Rebhühner, Fasanen, auch auf Reiher und Kraniche zur Baize dienlich. Er heißt arabisch Basi (Plurale Busat) woraus das englische buzzard, Bussard, wie Hammer meint, entstanden sey, und vielleicht das deutsche »Baizvogel«. Der Sperber, Falco nisus, diente zum Baizen von Wachteln, Lerchen \&c. In Bayern horsten wenige der Falkenarten, die meisten kommen nur zur Strichzeit vor und wurden wie noch gegenwärtig mit einer Taube und Schlagnetz gefangen. Außer andern wurde noch eine Art Merlin oder Schmerlin, f. aesalon, gebraucht, wie in »Tristan und Isolde« erwähnt wird: »Auch war da schone Vederspiel, Valkan, Pilgerime viel, Smirline und Sperwaere \&c.« Bei den Orientalen heißt es vom Schmerlin: »Der Schmerlin ist von reinen Sitten, Von schönem Wuchs und schnellen Schritten, Zwei Onyxe die Augen sind, Die in der Kegelform geschnitten.« Die Dressur dieser Vögel war eine höchst mühevolle und harte. Man begann damit den Falken durch Hunger und Benehmen des Schlafes so zu ermatten, daß dem wilden Vogel, wie Flemming sagt, »seine völlige Memorie und Imagination, Nachsinnen und Gedächtniß auf einmal genommen und geschwächet wird, damit er nicht Zeit und Gelegenheit haben könne, sich seiner Natur zu besinnen und sich zu erinnern, was er zuvorhero in seiner Freiheit zu thun gewohnt gewesen, wodurch sich seine Natur transmutiret, daß er nichts anders weiß, als wie er vom Menschen auferzogen sich dessen Willen unterwerfen müsse.« Drei Tage und Nächte und mehr noch ließ man den Falken nicht zur Ruhe kommen, wobei sich die Falkner ablösen mußten, um es auszuhalten, dabei setzte man ihm die Haube auf und ist zu verwundern, daß er mit anderem nicht auch seine Jagdlust darüber vergaß. Nach dergleichen Quälerei wurde er aber, wenn Zähmung zu bemerken war, sehr sanft und liebkosend behandelt, und erst wenn er mit seinem Falkonier ganz vertraut und gehorsam geworden war, ließ man ihn ein Rebhuhn oder dergleichen fangen und dressirte ihn weiter, wobei zu heiße oder kalte Tage zum Jagen vermieden wurden, auch schlechtes Wetter, um ihn nicht zu vergrämen. Wie er dann auf die Baize eingeübt wurde, ersieht man aus einem Bericht aus Kassel vom 18. November 1629 an Landgraf Wilhelm V. »In Folge des fürstlichen Befehls sind der Herr Oberst von Uffeln und ich (der Berichterstatter) gestern Nachmittag mit dem Falkonier draußen gewesen. Er hat hinausgenommen den schönsten unter den zwei weißbunten und unter den andern beiden der das meiste weiße Feder hat und am sprenklichsten ist. So hat er auch nur einen Reiher und zwar den, der nie recht atzen will (mitgenommen), hat ihn um den Hals her mit einem gefärbten Leinentuch wohl verwahrt, damit ihn die Falken nicht todt beißen können, an die Spitzen des Reihers Schnabel aber hatte er zwei kleine Röhrlein von Hollunder gesteckt und gebunden, damit er die Falken nicht stechen könnte. Also sind wir auf die Hofwiesen geritten, hat zum ersten den schwarzen oder sprenklichen Falken, als welchen er das meiste zutrauet, aufgenommen, den Reiher vielleicht an die vierzig Schritt von ihm nieder setzen lassen und ihm ein Seimlein oder stark Bindgarn, daran unten ein klein Kuglein, an ein Bein gebunden und darnach aufjagen lassen, welcher alsbald nach dem Teich zuflogen. Sobald er nun dem Falken die Haub abzogen und er des Reihers ansichtig ward, flog er ihm ziemlich frisch nach, ehe er aber bei ihn kam, setzte sich der Reiher und tauchte sich nieder, als der Falk auf ihn schoß, der Falk setzte sich alsbald auf ihn, kriegt ihn am Hals und zupfte dran, aber es ging wegen des Tuchs zurück; liefen also geschwind zu dem Falken mit einem bunten Huhn, zogen den Reiher unter ihm wieder hervor und nachdem der Falke geatzt war, trug er ihn auf ein Seiten und nahm den weißen auf. Mit demselben wurde voriger Proceß gehalten, gingen mit ihm wieder hinauf und ließen den Reiher wieder aufjagen. Der Falk sahe sich um, flog aber nicht eher von der Hand, bis sich der Reiher, welcher seinen Flug wieder nach dem Teich nahm, wiewohl er dießmal nicht so weit als das erstemal flog, gesetzt hatte, da flog er auch fast frischer als der andere hinzu; der Herr Reiher tauchte sich dießmal nicht, war schon klüger geworden, stellte sich zur Wehr, und als der Falk auf ihn wollte, stach er ihn tapfer auf die Brust, aber weil die Röhrlein von Hollunder an den Spitzen waren, konnte er dem Falken nicht schaden und der war davon recht bös, fiel auf ihn, konnte ihm aber ebenso viel thun als der Reiher ihm. Der Falkonier war recht froh, als er diesen Falken also thun sah, da er so viel noch nie hat thun wollen und dannen hero hat er mehr Vertrauen auf den sprinklichten als auf den weißen gesetzt. Meinet nun und hält's für gewiß, daß diese beider sehr köstliche Vögel werden sollen.« Landau a. a. O. Ein vollkommener Falkner mußte auch ausgedehnte Wissenschaft haben, die mannigfaltigen Krankheiten des Federspiels zu erkennen und zu kuriren. Es ist interessant zu sehen, wie die Studien über den Falken in den verschiedensten Ländern mit gleicher Sorgfalt angestellt wurden und wie dieselben Regeln der Zähmung \&c. daraus hervorgingen. Ein türkisches Falkenbuch aus dem 14. Jahrhundert, welches Hammer-Purgstall erst 1840 bekannt gemacht hat, zeigt übrigens deutlich, daß die deutschen Falkenjäger zur Zeit der Kreuzzüge von den Orientalen viel gelernt haben. Bei der Reiherbaiz wurden die Reiher durch die Stöberhunde aufgetrieben, dann zu rechter Zeit der Falke von dem Falkner abgeworfen, und nun ging das Schauspiel an. Der Reiher begann, sowie er den Falken erblickte, zu steigen und sich höher und höher zu schwingen, daß er kaum mehr zu sehen war. Der Falke aber folgte ihm pfeilschnell nach und mit mancherlei Manövern und Wendungen suchte er über den Reiher zu kommen, und war ihm dieses gelungen, so stieß er auf ihn herunter und machte die verschiedensten Angriffe, ihn mit den Fängen zu fassen, wobei sich der Reiher mit seinem spitzigen Schnabel wehrte, so gut es ging. Mancher Falke, besonders ein junger, wurde da am Schnabel des Reihers gespießt, ein gewandter Kämpfer aber packte endlich den Gegner, und nun kamen oder fielen sie beide mit verwirrtem Flügelschlag zum Boden nieder. »Da geht es dann,« sagt Flemming, »auf's neue an ein heftiges Piquiren, wer reut der reut, wer liegt der liegt, ein jeder will der erste seyn \&c.« In mancher Hinsicht war das Reiten gefährlicher als bei der Parforcejagd, weil man die Augen fast immer in die Luft erhob, um den Falken zu sehen und darüber Gräben und Hindernisse des Grundes nicht beachten konnte. So seltsam und entzückend war die Scene des Kampfes, daß Flemming meint, es sey sehr zu bezweifeln, ob die Zuschauer wohl den Himmel all ihr Lebtag aus inbrünstigem Verlangen, einmal hineinzukommen, so unverwendet betrachtet haben, als es bei solchem Kampf und Wettflug geschah. Ein guter Falke war daher ein kostbares Kleinod, und so heißt es in dem erwähnten türkischen Falkenbuch: »Muchtaß Risihat hat gesagt: wir haben gehört, daß der Menschensohn auf drei Dinge stolz: wenn er zur Herrschaft gelangt, wenn er guten Falken trägt und wenn er gutes Pferd reitet.« Für die Freuden dieser Jagd aber spricht mehr als alles Andere ihre Geschichte, daher eine Skizze derselben hier folgen möge. Die Falkenjagd ist uralt, wenn auch nicht sicher zu ermitteln, wo und wann sie ihren Anfang genommen. Mit einem schönen Bilde spricht Johann Feyerabendt (1582) von dem hohen Alter der Baize, indem er sagt, daß »der höchste Gott und Erzjager auch selbst, durch seine Macht und Geheiß mit seinem Falken dem Sturmwind vom Himmel herab unzehlige Wachteln in die Wüste, den Kindern Israel zu gut, regnen und beyssen lassen.« Gewöhnlich wird Aristoteles als der erste genannt, welcher der Falkenjagd erwähne. Was er aber davon sagt, ist nicht die Falkenjagd, wie sie sonst verstanden wird. Es heißt: »In der thracischen Stadt, die sonst Kedropolis hieß, jagen die Menschen die kleineren Vögel in Sümpfen gemeinschaftlich mit den Falken. Sie schlagen nämlich mit Stangen in das Rohr und Gebüsch, damit die Vögel herausfliegen. Sogleich machen die darüber schwebenden Falken auf sie Jagd. Die Vögel aber retten sich voll Furcht in schnellem Fluge wieder an's Land, wo dann die Menschen sie mit Stöcken erschlagen und die Beute mit jenen theilen. Sie werfen ihnen nämlich von den Vögeln welche hin, die jene sogleich ergreifen.« Man benützte also nur die zufällige Gegenwart von Falken, um die kleinen Vögel zu schrecken und so leichter ihrer habhaft zu werden. Daß aber die eigentliche Falkenjagd (die künstliche) im Orient schon frühzeitig getrieben wurde, ist nach andern Angaben sehr wahrscheinlich. Hammers türkisches Falkenbuch erwähnt, daß ein griechischer König Namens Demetrios der erste gewesen sey, welcher mit dem Falken jagte, ein anderer König Theophrastos hätte dem Falken den Spürhund beigegeben, und als die Jagd nach Persien gekommen, habe man auch den Sperber dazu tauglich erkannt und abgerichtete Wiesel statt der Hunde gebraucht. Mit dem Würgefalken habe zuerst der Erbauer von Istambol (Constantinopel), nämlich Constantin der Große (um 325 n. Chr.) gejagt. Aus späteren Nachrichten weiß man, daß die Perser besonders die moskowitischen Falken schätzten und die aus den Bergen des Caucasus. Sie wurden auch auf Rothwild gebraucht, indem man sie abrichtete, sich dem ziemlich müde gejagten Thier auf den Kopf zu setzen, wo dieses dann durch die Fänge und den Flügelschlag ganz verwirrt dem Jäger Zeit ließ heranzukommen. Gewöhnlich halfen dazu mehrere Falken. Chardin erzählt, Chardin Voyages en Perse etc. 1711. daß sie manchmal sogar dressirt wurden, in gleicher Weise Menschen anzufallen. Wie hoch man den Werth abgetragener Falken schon im Anfang des sechsten Jahrhunderts hielt, beweisen die burgundischen Gesetze, welche bestimmen, daß sich ein Falkendieb, der die festgesetzte Geldstrafe nicht bezahlen konnte, von dem gestohlenen Vogel aus der Brust mußte 6 Unzen Fleisch aushacken lassen Den Diebstahl eines Jagdhundes straften sie auf eine schimpfliche Weise. Es heißt: Jubemus, ut convictus coram omni populo posterioria ipsius (des Hundes) osculetur. und daß die Jagd schon damals in ziemlicher Verbreitung war, bezeugt, daß 517 eine Synode der Bischöfe von Bourgogne den Geistlichen verbietet, Jagdhunde und Falken zu halten. Dieses Verbot, welches später mehrere Concilien wiederholten, war jedoch so fruchtlos, daß die geistlichen Herren die Baize bald ebenso betrieben wie die weltlichen, und sind Beispiele genug vorhanden, wie leidenschaftlich es geschah, wenn auch die Angabe nicht wahr seyn sollte, daß ein Bischof von Auxerre um 1531 einen Menschen um einiger gestohlenen Falken willen habe kreuzigen lassen. Die bajuarischen Gesetze aus dem 7. Jahrhundert erwähnen der Habichthunde, »Habuchhund,« Man unterschied auch Kranichhabichte chranochari, Ganshabichte ganshapuch, Entenhabichte anothapuch. und Karl der Große befahl das Federspiel zu hegen. Die Celten in Wallis und die Angelsachsen kannten die Falkenjagden ebenfalls, und der heilige Bonifacius, da er im 8. Jahrhundert aus England nach Deutschland kam, schickte einem englischen (angelsächsischen) Könige Ethelbald, nach Andern Ethelbert, zwei abgetragene Falken und einen Habicht. Die deutschen Kaiser Heinrich I., der Vogler († 933), Heinrich III. († 1056), Friedrich I. Barbarossa († 1190) und Friedrich II. († 1250) werden als eifrige Falkenjäger genannt. Friedrich Barbarossa verstand selbst die Kunst, den Falken abzurichten oder abzutragen, und Friedrich II. schrieb ein Werk über die Falkenjagd ( de arte venandi cum avibus ), welches Gaston Phebus, Graf von Foix, zu Ende des 14. Jahrhunderts in's Französische übersetzte. Friedrich stellt die Jagd mit Raubvögeln viel höher als jede andere, weil sie ohne künstliche Instrumente, nämlich Jagdwaffen, Netze \&c., und ohne Thiere geschehe, die sich leicht an den Menschen gewöhnen, worunter er außer den Hunden auch Leoparde und Luchse anführt. Auch habe es die Kunst dahin gebracht, daß diese Vögel im Fangen viel mehr leisten, als sie ungelehrt ihrer Natur nach zu thun pflegen. Seine Schrift ist sehr ausführlich und verbreitet sich über den Bau der Vögel, ihre Nahrung, ihr Wandern und vorzüglich über das Abrichten der verschiedenen Falken ohne eigentliche Jagdbeschreibungen. Friedrich sagt, als er über das Meer gezogen, habe er zuerst von arabischen Falknern die Falkenkappe kennen gelernt. Friedrich baizte sogar im Kriege Angesichts des Feindes. Die Kreuzzüge trugen überhaupt wesentlich zur Ausbildung der Falkenjagd bei, denn im 12. Jahrhundert stand sie im Orient in hoher Blüthe. Die fahrenden Ritter nahmen aus ihrer Heimath oft Falken und Hunde mit, wie der König Philipp II. von Frankreich und Richard Löwenherz. Bei der Belagerung von Ptolomais (Acre) um 1189 entflog dem ersteren ein weißer Falke von besonderer Schönheit auf die Mauern der Stadt und die Belagerten fingen ihn. Der König bot ihnen für den Vogel tausend Goldgulden, sie gaben ihn aber nicht heraus. Interessant ist der Bericht, welchen der Venetianer Marco Polo, der im 13. Jahrhundert Turkistan, die Tartarei und China bereiste, von den Falkenjagden gibt, wie sie die Nachkommen des Gründers des mongolischen Reiches Dschingischan damals getrieben haben. »Im Anfang März, heißt es, bricht der große Chan von Chanbaligh mit beiläufig zehntausend Voglern auf, welche Falken, Habichte, Gerfalken und andere zur Jagd abgerichtete Raubvögel (Schekere), an der Zahl fünfhundert, mit sich führen. Der Kaiser sitzt in einer hölzernen von vier Elephanten getragenen, inwendig vergoldeten, auswendig mit Löwenhäuten bedeckten Sänfte und hat zu seinem Vergnügen einige Führer und zwölf auserlesene Habichte bei sich. Neben den Elephanten-Trägern reiten viele Edle und Soldaten, welche wenn sie Fasanen, Kraniche und andere Vögel sehen, davon den Voglern, die um den Kaiser sind, Kunde geben. Diese benachrichtigen davon den Kaiser, sie öffnen die kaiserliche Sänfte und lassen die Habichte und Falken los, während der Kaiser auf Matten sitzend, dem Spiele der Vögel zuschaut. Außer diesen zehntausend Voglern begleiten den Kaiser noch andere zehntausend Menschen, welche paarweise die Haiden durchstreifen und dem Fluge der Falken und Habichte folgen, um ihnen wenn nöthig, zu helfen; diese heißen auf tartarisch Taskaor d. i. Hüter, indem sie durch einen gewissen Pfiff die ausgelassenen Vögel zurückrufen. Es ist nicht nöthig, daß der Vogler, der den Vogel ausläßt, demselben folge, da diese (die Hüter) dafür sorgen, die Vögel zu fangen, und daß sie nicht beschädigt werden oder in Verlust gerathen; die dem gefährdeten Vogel Nächsten sind gehalten demselben beizuspringen. Jeder ausgelassene Vogel trägt ein kleines silbernes Täfelchen mit dem Zeichen seines Herrn oder Voglers am Fuße, damit derselbe seinem Besitzer zurückgestellt werden könne.« Einen übereinstimmenden Bericht gibt ein anderer Reisender Odorico von Udine und ähnliche Jagden fanden zu Ende des 14. Jahrhunderts unter Timur und Bajazet statt. Der letztere hielt siebentausend Falkenjäger und sechstausend Hundswärter, also eine ganze Armee zu dieser Lust. Es ist ein Geschenk Karls VI. von Frankreich an Bajazet aufgezeichnet, welches in Falken und Habichten bestand und in Handschuhen, welche mit Perlen und Edelsteinen besetzt waren und zum Tragen der Vögel dienten. Im 14. Jahrhundert waren die Falken der preußischen Lande in besonderem Ruf und bestanden dort eigene Falkenschulen, so eine berühmte am großmeisterlichen Hofe zu Marienburg. Die wohlabgetragenen Falken gingen als Geschenke der Hochmeister an die deutschen Höfe, nach England, Frankreich, Ungarn \&c. Die Falkner trugen sie auf diesen Reisen bis zu 10 Stück auf Rahmen, Kasen genannt, wie man es oft auf Bildern sieht. Ein dergleichen Geschenk kam um 1399 an die Herzoge von Bayern. In den Statuten des von Ludwig dem Bayer gegründeten Ritterinstituts zu Ettal von 1332 wird der Falkenjagd auch erwähnt. Mon. boic. VII. 238. Ebenda XXXIII, 313 in einem Vergleich überdie Burg Burkberg »vnd das vederspiel ist gemain.« »Es mügen auch die Ritter alle Kurzweil wol treiben, mit Pyrsen, mit Paizzen, mit Jagen« \&c. und soll der Meister einen berittenen Jäger mit zwölf Hunden und einem Leithund, auch einen berittenen Falkner mit zwei laufenden Knechten haben. Wenn oben gesagt wurde, daß die Baizlust bei Friedrich II. so weit ging, daß er selbst im Kriege derselben pflegte, so steht das gar nicht vereinzelt da und Eduard III. von England († 1376) machte es mit seinen Lords ebenso im Feldzug gegen Frankreich und führte nicht allein Hunde und Falken, sondern auch Reiher mit sich, um nöthigenfalls des zu jagenden Wildes nicht zu entbehren. Ebenso machten damals die englischen Bischöfe und Aebte ihre Amtsreisen in Begleitung des Federspiels und der Reiher. Petrarca († 1374) äußert sich über die damalige Baizlust mit den Worten: »Gott hat dir zwei Hände gegeben, wo sind sie? die eine hält den Zaum des Pferdes, die andere trägt den Habicht.« Die Lust der Geistlichen an der Falkenjagd charakterisirt auch ein französisches Gedicht aus dem 15. Jahrhundert wo es heißt: Et monasteres, en lieu de librairie, Hé qu'y atil? une faulconnerie. (Corvin-Wiersbitzki Sporting-Almanach 1844.) Man nahm die geliebten Falken selbst in die Kirche mit und sogar von Geistlichen geschah dieses. Ueber die Jagden jener Zeiten ereifert sich Cyriacus Spangenberg indem er in seinem »Jagdteufel« (1587) den Jäger mit den Worten zeichnet: Est bestia, sedens supra bestiam, ducens bestias, gerensque super manum bestiam et insequens bestias. Als Friedrich der Streitbare im Jahre 1417 auf dem Concilium zu Constanz seinen Einzug hielt, ließ er sich Falken und Habichte vortragen. Das Baizen auf Reisen und im Kriege trieb aufs eifrigste der Kaiser Maximilian. Von diesem fürstlichen Waidmann heißt es im Weißkunig: »Auf ain zeit las der Jung weiß kunig in ainem puech darynn war geschriben dise wörter, du kunig nym war, der valcken vnd der hirschen vnd Ergötz dich in den gejadten, das dir zugeben ist, das du nit einfallest in die sundtlichen vnd weltlichen Laster, diser Jung kunig nam dise schrifft groß zu hertzen \&c.« Er lernte nun auch die Falkenbaize und trieb sie bis an sein Ende. Er ließ »Saygkehr valcken« (die Sakerfalken) aus der »tatterey« kommen, »aus der Heidenschaft, aus Reyßen (1505 ließ er durch seinen Gesandten Hartinger den Großfürsten Johann in Moskau um weiße Geyerfalken ersuchen), aus preussen vnd von Rhodys \&c.« Die Hochmeister von Rhodus lieferten ihm Falken bis Venedig das Stück um einen Centner Kupfer. Die Herrschaft Venedig schickte 12 »Säckher« von Cypern in Anbetracht der Benützung der Straßen \&c. in Oesterreich. »Item der Hochmeister auß Preussen giebt auch einem Fürsten von Oesterreich zu schirm geldt seines Ordens: 12 Stuckh Valkhenn,« von denen gerühmt wird, daß sie die besten »zun Raigern,« der Kaiser schickte auch brabantische Falkner nach Norwegen und Dänemark zum Falkenkauf und hielt 15 Falkenmeister und 60 Falknerknechte. In allen seinen Reichen ließ er die Reiher und wilden Enten hegen. In seinem Memorienbuch wird auch der bayerischen Falken und Falknerstationen erwähnt. »Zu Augsburg, heißt es, vnd zwei Tagreisen davon im Allgäu und Oberlech vahet man Valkhenn, sein so gut wie die im Elsaß«. Ferner »Item in der Marggrafschaft purgau so du her von Oesterreich bist, soltu deinem valkhner ein Leger geben gen Nördlingen, gen Aicha in payern und gen lankweit, das ober Regensburg leit.« So waren Stationen für die Falkner im Elsaß, Brabant, Flandern \&c. Auch des Kaisers junge Gemahlin, die schöne Maria von Burgund ritt mit zur Falkenbaize und verlor in Folge einer solchen Jagd das Leben (1482) da sie durch Reißen des Sattelgurts vom Pferde stürzte. Dem Nachfolger Maximilians Karl V. mußten die vertriebenen Rhodiser Ritter, welchen er die Insel Malta zum Wohnsitz gab, jährlich einen weißen Falken senden. So bildeten sich Falken- und Habichtslehen oder wurden dergleichen gegen einen Tribut dieser Baizvögel vergeben, wie auch Belehnungen für den Falkenfang stattfanden. Der Pabst Leo X. huldigte mit Leidenschaft der Falkenjagd, die er häufig zu Viterbo übte und war überhaupt ein so eifriger Jäger, daß es von ihm heißt: »daß niemand kein gutes Wort von ihm haben kunnte, wenn es ihm nicht nach wunsch darbey (bei der Jagd) ergangen war, gleichwie im gegentheil alles gar leicht von ihm zu erhalten war, wenn er darbey glücklich gewesen.« Falknerinnen waren zu jener Zeit nicht selten unter den höchsten Ständen und die Königin Maria von Ungarn, Schwester des genannten Kaisers Karls V. und nachmalige Statthalterin der Niederlande verkehrte viel mit dieser Jagd, wie sie sich selbst auch »der Waidmannschaft Liebhaberin« nannte. Sie erhielt öfters vom Herzog Albrecht von Preußen Falken geschickt und beklagt sich 1546 bei ihm, daß diese von den Falknern gegen schlechtere ausgetauscht worden seyen. Um solchen Betrug zu verhindern, wurde dann jedem abgesendeten Falken eine Stoßfeder ausgerissen und in den Schenkungsbrief eingeschlossen, wodurch man sich von der Aechtheit des angekommenen Falken überzeugen konnte. Die Königin Elisabeth von England ernannte eine Lady Marie Canterbury zur Oberjägermeisterin und Vorsteherin der Falknerei, Lucretia Borgia schickt 1494 Falken an Elisabeth Este von Gonzaga; der König von Dänemark 1670 isländische Falken an die Landgräfin Sophie von Hessen; Anna von Mecklenburg zeichnete sich auf der Falkenjagd aus \&c. Bilder aus dem 13. und 14. Jahrhundert zeigen häufig Frauen zu Roß mit dem Falken auf der Hand. Diese Theilnahme der Damen, wie sie die Falkenbaize gegen andere Jagd möglich machte, brachte die ergötzliche Beschäftigung mit dem Federspiel auch in Frankreich in besondere Aufnahme. Der galante und ritterliche Franz I., der Vater der Jägerei genannt, hatte 50 Falkenmeister und 300 Baizvögel. Die Habichtjagd wurde besonders benannt Autourserie, die Falkenjagd heißt fauconnerie. Da er auch anderer Jagd sehr zugethan war, so gab es manchen Streit unter den Jägern, ob die Hirschjagd oder Falkenjagd höher stehe. Gaston de Foix hat darüber ein langes Gedicht geschrieben und war damals eine Ceremonie in Gebrauch, daß am Feste der Kreuzerfindung Anfangs Mai, wo die Mausezeit der Falken Schlegel setzt diese Zeit zu Ende Juli. begann, die Hirschjäger unter Trompetenschall die Falkenmeister mit grünen Spießgerten vom Hofe jagten, da nun ihre Jagd den Anfang nahm, im Herbst am Feste der Kreuzerhöhung (September) geschah es umgekehrt und trieben die Falkner die andern Jäger aus. Die Baize wurde übrigens an verschiedenen Orten nicht um dieselbe Zeit vorgenommen und finden sich darin mancherlei Abweichungen. Ludwig XI. und Ludwig XIII. waren große Falkenjäger. Der letztere hielt 1621 eine Falknerei von 140 Falken, deren die vorzüglichsten auszeichnende Namen wie glorieux, perle, gentilhomme etc. führten. Ein Seigneur d'Esparron de Pallieres schwärmt über diese Falken und ihre Herrlichkeit indem er sich äußert: »Sowie die Engel mit halbgeöffneten Fittichen um den Thron des Ewigen stehen und ihn mit süßen Melodien preisen: so umgeben unseren König eine unendliche Menge edle Segler der Lüfte, bald geschwätzig, bald auf der Hand des Falkners, immer wach, immer bereit und fertig zum Angriff des gefiederten Waidwerks nach seinem Willen.« Dann ruft er aus: »Wie kann eine andere Gattung (der Vögel) mit ihnen verglichen werden, sey es in der Treue, sey es in der Schnelligkeit, mit der sie sich zum Himmel erheben und gerade in die Sonne blicken, sey es im Kampfe zu dem sie gerufen werden, sey es in der freundlichen Annäherung, wenn sie die Stimme der Sanftmuth ruft! Sie haben alle Eigenschaften der Erhabenheit und mit Recht nennt man sie die Könige der Vögel.« Er erinnert, wie ihre Zähmung nicht die gewöhnliche anderer Thiere sey und ihr Gehorsam entstehe mehr aus einem geheimen Naturtrieb uns zu dienen, als um des Zwanges willen. Wir haben oben gesehen, wie es mit diesem Naturtrieb des Dienens beschaffen war. Die Orientalen trieben es in solchen Lobeserhebungen natürlich noch weiter. In einem persischen Gedicht heißt es: »Aschfarbner Falke, der die Beute raubt, Wie Liebchens Stirnhaar die Herzen raubt; Ich höre wie sein Flug die Luft durchbricht, Wie Eurer Großmuth Ruhm und mein Gedicht; Quecksilber ist sein Auge, wenn er blickt, Und seine Brust ist Seide goldgeschmückt; Wenn er aufflieget, glaubst du, es fährt Der Blitz empor, Dämonenheer und Schwert Und wenn er auf der Sclavin Hand aufsitzt, Wähnst du, daß Braut aus ihrem Brautbett blitzt.« Dieses sey der Zustand, ehe der Falke noch durch die Jagd geadelt worden, dann aber heißt es: »Kein Wunder wenn der Klang seiner Schellen, der hellen bis zu den zwei höchsten Sternen des kleinen Heerwagens sich hebt – er jagt in des Himmels Fernen immer nach den glücklichen Sternen und nimmt zur Nahrung ohne Mängel nur den Geist der Engel.« Soweit ging die Bewunderung und Hochstellung der Falken, daß die morgenländischen Herrscher oft ihre Namen angenommen haben. So nannte sich der Gründer des türkischen Reiches der Seldschucken Toghrul , wie eine vorzügliche Art des Edelfalken benannt wurde und dessen Bruder Tschakir d. i. Habicht. In der skandinavischen Mythologie findet man erwähnt, daß der Habicht der Sonne geopfert wurde und die dem Feste vorhergehende Nacht hieß die Habichtsnacht . Die Falken standen in hoher Auszeichnung. Freia, die Göttin der Liebe und des Mondes, nimmt Falken zum Gespann des Wagens, um ihren treulosen Gemahl Oedr zu suchen. Aus den Lungen des Opferfalken wurde geweissagt: Wohl mag das Zeichen trügen im Opferfalk, Und trügen mag die Rune auf Zweig und Balk': Ein redlich Herz, o Helge, mit reinen Zügen, Schrieb Oden voll mit Runen, die niemals trügen.« (Frithiofs-Sage.) In Deutschland findet man des Falken in vielen Minneliedern erwähnt und mag hier ein solches aus dem 12. Jahrhundert von Kürenberg eine Stelle finden: Ich zog mir einen Falken, Wohl länger als ein Jahr. Ihr wißt, wie zahm und sittig Der schöne Vogel war. Als ich ihm sein Gefieder Mit Golde reich umwand, Hub er sich in die Wolken, Und flog in fernes Land. Mein Falk! Ich seh dich wieder, In Wolken flogst du hoch, Du führst an deinem Fuße Den seidnen Riemen noch, Und Gold um dein Gefieder; Doch mich vermeidest du. Gott sende jedem Herzen Sein holdes Liebchen zu! Bewegt ist meine Seele, Mein Auge thränenvoll, Daß ich von meiner Schönen Und Guten scheiden soll. Verleumder, die mich trennten, Euch stürze Gott in Leid! Gott lohne, wer mich aussöhnt, Mit Lieb' und Seligkeit! Wie beliebt das Schauspiel der Reiherbaize war, beweist auch ein festliches Bankett, welches Karl VII. von Frankreich zu Lille 1453 dem Herzog von Burgund gab. Man ließ an einem Ende des Saales einen Reiher steigen und gleich darauf am andern Ende einen Falken. Dieser stürzte sich unverweilt und mit größter Heftigkeit auf den Reiher und brachte ihn nach kurzem Kampf mitten im Saal auf den Boden. Der so gebaizte Reiher wurde dem Herzog überreicht. Viele Fürsten nahmen das Bild des Falken in ihr Siegel auf und Herzog Ernst August von Sachsen-Weimar gab es (1732) zum Embleme seines bekannten Ordens vom weißen Falken. Daß auch in Bayern frühzeitig mancher Tummelplatz für das edle Federspiel gewesen, geht aus der bereits erwähnten Stiftungsurkunde von Ettal und aus dem Memorienbuch des Kaisers Maximilian hervor. In einem Saalbuch von 1418 sind unter der Jägerei Ludwigs des Gebarteten von Bayern-Ingolstadt drei Falkner zu Roß angeführt, jeder mit zwei Knechten zu Fuß und jeder mit sechs Falken und »vogell,« dann ein Blaufusser (Plabfusser) zu Roß, ein Habichter (Habicher) zu Roß, ein Vogler (Voglär) für die Jagd auf Wildenten und Gänse \&c. Der Reichsforst bei Nürnberg wird von Kaiser Wenzel († 1419) zur Hege des Federspiels empfohlen und von Herzog Johann von Bayern († 1463) heißt es, daß er »hett das wildpradt vast lieb und lust zu der valckenbaiß.« Herzog Albrecht IV. »vergunt aus Gnaden seinen lieben besondern Hilpolden und Frantzen den Ridlern Gebruedern Burgern zu Angsbnrg mit ir selbers Knechten der sy ungevärlich bedurffen, mit in zu reidtn in seinem Landgericht zu Möringen Hasen und Fuchs zu hetzen, und zu vahen auch mit Federspil zu paissen.« 1480. Oefele 2. 325. Der Herzog Ludwig in Bayern hielt im Jahre 1539 einen Hausfalkner und sechs Falkner. Ihre Besoldung betrug zusammen 1202 fl. 36 kr. heutigen Geldes. 1543 schickt der Herzog Wilhelm IV. von Bayern dem Landgrafen Philipp von Hessen einen »Gerfalkh,« auch etliche Rothfalken und in der herzoglichen Jagdordnung von 1551 unter Albrecht V. wird der Bestallung des Hausfalkners Leonhard Jäger erwähnt. Er erhielt »Besoldung 18 fl., für den Tisch 25 fl., ein Klaid, thun 43 fl. (153 fl. 47 kr. jetzigen Geldes.)« Die Gjaidsordnung von 1616 unter Churfürst Max I. verbietet das Schießen und Fangen der Reiher außer wo sie den Fischwassern zu großen Schaden thun »weil Wir die uns zu unserm und anderer frembden ankommenden Fürstenpersonen lust und ergetzung vorbehalten haben.« Schon 1612 gehörte dem Churfürsten die Reiherbaize im Westerholz bei Landsberg und besaß derselbe das nahegelegene Schloß Haltenberg. Lichtenberg, ebenfalls in der Nähe, hatten schon die früheren Herzoge erworben. Auch zu Wartenberg (Landgerichts Erding) und zu Leonsperg bei Straubing wurden Reiherbaizen gehalten. Max Emanuel begab sich dazu öfters auf das Schloß Leonsperg, von welchem Wenning (in seinen vier Rentämtern) sagt: »Unnd ist sonderbahr zu schätzen, daß man die Raiger von dem Schloß zu denen Fenstern hinauß paissen vnd fangen könne.« Bei solchen Baizen waren auch Damen im Gefolge des Churfürsten wie ein Bild zu Lustheim bei Schleißheim zeigt. Im Jahre 1681 wurde ein Mandat erlassen, worin sich der Churfürst die rothen und schwarzen Milanen zumal an den »Raiger-Ständern,« zu ihrer Lust vorbehalten und also dergleichen weder geschossen noch gefangen werden sollen, auch sollen etwa verflogene Falken nicht beschädigt sondern gefangen und eingeliefert werden »massen jederman, wenn schaden dadurch geschieht, Ergötzung widerfahren soll.« Der Milan ( falco milvus und falco ater ) ist einer der schönsten Raubvögel mit gabelförmig getheiltem Stoß. Er kommt als Zugvogel ziemlich häufig in Bayern vor, horstet auch da zuweilen. Von 1698 wird in den Akten des Zwirchgewölbs ein französischer Falkner Namens Jean Beno erwähnt, der im Sommer und Herbst 38 Falken Es heißt »schlechte Falken,« also wahrscheinlich Würgfalken, die auch unter dem Namen Schlecht- und Schlachtfalke vorkommen. gefangen, auch daß die reitenden Falknersknechte Melchior Weigl, Franz Dillis und Jan Steinmans drei verlorene Falken in neun Tagen wieder nach Hause gebracht haben. Um diese Zeit lieferte Maximilian Egger, churfürstlicher Ueberreiter zu Landsberg 291 und Kilian Streidl, Ueberreiter zu Wartenberg 67 Stück Reiherkrandln (Kraanln, wahrscheinlich von Krone), welche bis zur Ankunft des Churfürsten Max Emanuel amtlich aufbewahrt wurden. Diese Krandln sind 5–6 Zoll lange sehr schmale Federn von schwarzer Farbe, deren bei ausgewachsenen Reihern 5–6 an der Zahl am Hintertheil des Kopfes befindlich; ähnliche Federn von weißer Farbe haben sie auf der Brust. Die geschätztesten und seltensten waren die weißen mit schwarzen Spitzen. Man machte Fächer und dergleichen daraus und trug sie wie noch jetzt als Hutschmuck. In Rußland, in der Türkei und in Persien sind diese Federn ebenfalls sehr geschätzt und sogar höher als die des weißen Reihers. 1705 und 1706 wurden von Landsberg 775 Stück Krandeln und von Wartemberg 119 Stück geliefert und an Kaiser Joseph I. überschickt. Es ist nicht wahrscheinlich, daß die Jäger zu diesen Krandln immer durch Schießen der Reiher kamen, die man sonst so sehr hegte, ich habe aber nichts Näheres darüber aufgezeichnet finden können und will nur anführen, was mir ein Jäger als von seinem Vater überliefert erzählte. Er sagte, daß in der Paarzeit (April und Mai), wo die Krandln am schönsten sind, von den Jägern unter die Horstbäume gabelförmige Reiser gelegt werden, wie sie die Reiher zum Bau der Horste lieben. An diese waren Schlingen angebracht und fingen sich so die Reiher; die wachhabenden Jäger eilten dann herbei, rupften ihnen die Krandln aus und ließen sie wieder frei. Die Reiherbaizen in Bayern begannen, gegen die anderwärts beobachtete Zeit vom November bis Mai, oft gerade im Mai, und Churfürst Carl Albrecht mit der Churfürstin hielt dergleichen 1734 vom 10. Mai bis 22. Juni in Lichtenberg, ebenso 1735 und 1736 vom 4. bis zum 16. Juni, wo auch Herzog Theodor, Bischof von Freising und Regensburg, Theil nahm. In letzterem Jahre wurde auch eine Reiherbaiz zu Nymphenburg gehalten. Ebenso baizte der Churfürst 1738 zu Lichtenberg, wohin sich auch der Churprinz Max Joseph III. mit Gefolge von 18 Personen begab. Für die »niederländische Falknerei« war 1726 die Summe von 8488 fl. jährlich bewilligt, für die deutsche Falknerei oder Krähen-Parthie die Summe von 2018 fl. Jährlich wurde ein Reiher, den man lebendig bekam, wieder in Freiheit gesetzt, nachdem man ihm einen silbernen Ring am Ständer befestiget, auf welchem der Name des regierenden Herrn eingegraben war. Man fing unter Carl Albrecht einen solchen Reiher mit dem Namen des Großvaters des Churfürsten, Ferdinand Maria, auf dem angelegten Ring, so daß man das Alter dieses Vogels auf mehr als 60 Jahre schätzen konnte. So fing auch der König Friedrich III. in Preußen 1710 einen Reiher, welcher einen Wappenring am Ständer trug, der ihm vom Churfürsten Wilhelm angelegt worden. Der Reiher mag also auch ein Alter von 50–60 und mehr Jahren gehabt haben. Bei einer Reiherbaize zu Moritzburg, welche Churfürst Fr. August III. von Sachsen und König von Polen hielt, wurde 1751 ein Reiher gefangen, welcher vom Churfürst vor 10 Jahren und vor 7 Jahren vom Großsultan gebaizt worden war, man legte ihm den dritten Ring an und ließ ihn wieder frei. Das bayerische Oberfalkenmeisteramt war 1738 in folgender Weise besetzt: Oberst-Falkenmeister Christ. Adam Thadd. Freiherr von Freyberg; Vice-Oberst-Falkenmeister Friedrich Anton Reichs-Erb-Truchseß Graf von Waldburg; Gentilhomme de la Fauconnerie August Anton Graf v. Leoni; Falkenmeister Amts-Gegenschreiber Wolfgang Paur (Gjaidschreiber); Raiger- und Milanmeister Jakob Venneuln; 9 Knechte, 5 Jungen, 7 Wind- und Wachtelhund-Jungen. Die Kleidung bei der Baize war wie bei der Parforcejagd hellblau mit Silberborten. In Hessen war unter Landgraf Friedrich II. um 1765 die Uniform zur Baize folgende: scharlachtuchene Röcke mit Aufschlägen und Kragen von hellblauem Sammet und mit silbernen Tressen besetzt, wozu bei den notabelsten Theilnehmern noch die weiße Frisur mit dem schwarzseidenen fast Fuß langen und breiten Haarbeutel kam. Auch die zum Hofe erwählten Damen trugen diese rothe Kleidung und gleich den Herrn Hüte mit Reiherbüschen (Landau). Die Markgrafen von Ansbach und Bayreuth trieben die Baize vorzüglich um Gunzenhausen und Triesdorf. Welche Zeit und Arbeit auf diese Jagden gewendet wurde, erhellt aus dem Verzeichniß des von dem Markgrafen C. Wilhelm Friedrich in 25 Jahren (1730–1755) gebaizten Wildes. Es sind angeführt: 1763 Milanen, 4174 Reiher, 4857 Krähen, 1647 Elstern, 14087 Rebhühner, 985 Fasanen, 398 Wildenten, 5059 Hasen \&c., in Summa 34,429 Stück, oder im Durchschnitt jährlich 1377 Stück. Unter diesen Markgrafen wurden die sogenannten Falkenthaler , auch Falkendukaten, geprägt, welche als Belohnung den Falkoniren gegeben wurden. Die Münze zeigte einen Falken mit der Umschrift: Elatus tendet in altum und Oblectamina principis. Das Falkenmeisteramt verzeichnet 1757: 1 Oberfalkenmeister, 1 Falkenjunker, 1 Falkenpage, 1 Falkensekretär, 3 Meisterknechte, 2 Reiherwärter, 1 Falkenkanzlist, 1 Reihermeister, 1 Krähenmeister, 1 Milanenmeister, 12 Falkenknechte, 16 Falkenjungen. Andere Verzeichnisse über Falkenjagden geben zwar keine so reichliche Beute wie das oben angeführte, zeigen aber immerhin, daß viel gefangen wurde. So sind 1729 von Kaiser Karl VI., der die Reiherbaize gewöhnlich um Laxenburg bei Wien hielt, gebaizt worden: 280 Raiger, 27 Hasen, 58 Alstern, 29 Krähen, 19 wilde Enten, 7 Milan, 8 Raben, 2 Rohrhühner, 7 Mandelkrähen, 1 Wachtelkönig, 1 Tagä. (?) 439 Stück. Der Landgraf Georg II. von Hessen baizte in 4 Jahren, von 1628–1631: 269 Reiher und 172 Krähen und andere Vögel, August III. von Sachsen als Kronprinz baizte mit seiner Gemahlin zu Kalkreuth (zwischen Radeburg und Großenhain) im Juni 1731: 88 Reiher und 90 Krähen. Der letzte Markgraf von Ansbach und Baireuth, Karl Alexander, hielt noch zu Ende des vorigen Jahrhunderts Falkenjagden. Unter Max Joseph III. kam die Falkenjagd mehr und mehr in Verfall, denn von 1763–1772 sind die Falknereiausgaben nur zu 1169 fl. ausgezeichnet. Der Churfürst baizte aber noch zu Lichtenberg und die Damen machten die Jagd in kleinen Wagen (sogenannten Soufflewagen) mit. Berichte und Erlasse unter Karl Theodor von 1790 zeigen zwar, daß der Reiherzucht in Lichtenberg noch alle Aufmerksamkeit geschenkt wurde, das Baizen aber hörte wie überhaupt in Deutschland um diese Zeit auf. Später wurden und werden noch gegenwärtig im Juni, wenn die jungen Reiher eben flügge werden, Jagden in der Art gehalten, daß sich die Schützen an den Horstbäumen, deren einer oft 5–7 und mehr Horste zählt, vertheilen und die Reiher theils mit der Kugel, theils mit Schroten schießen. Dabei wird selten ein alter Reiher erlegt, denn sowie diese die Jagd gewahren, steigen sie so hoch, daß sie auch mit der Kugel nicht zu erreichen, und kreisen fortwährend über dem Wald, während die Jungen, wenn sie auch aufgescheucht wegstreichen, bald wieder zu ihren Horsten zurückkehren. Diese Jagd wird von dem regierenden König oder einem Prinzen jährlich im Westerholz abgehalten und werden immer gegen hundert Reiher geschossen. Das Fleisch ist schlecht zu essen. In England kamen zur Zeit der Königin Maria I. († 1558) Reiher auf die Hoftafel. Auch Feyerabendt (1582) empfiehlt künstliche »Reygerhalter« (Anlagen zum Züchten von Reihern) damit, im Falle der Herr begehren wollte »ein herrlich stattlich Pancket anzurichten, er die Reyger zum besten vnnd im vorraht habe.« Warum die Falkenjagd zu Ende des vorigen Jahrhunderts in Deutschland zu Grabe ging, wird zum Theil dem bevorzugten Gebrauch des Schießgewehrs zugeschrieben, es scheint aber mehr mit dem Kostenpunkt und dem alles besiegenden Dämon der Wechsel verlangenden Mode zusammenzuhängen, mit der zunehmenden Kultur des Bodens und wohl auch mit den damals aus Frankreich hereinbrechenden Kriegswettern. Im benachbarten Holland hat gleichwohl diese Jagd niemals ganz aufgehört und wird, wie auch in England, noch gegenwärtig getrieben. In England fanden Reiherbaizen statt zu Brighton 1835 und 1836, und zu Ditlington-Hall in Norfolk 1839. Es wurden dazu flandrische Falkner berufen und der Wanderfalke gebraucht. In Holland sind vorzügliche Reiherstände in der Nähe des königlichen Schlosses Loo in Geldern, und das ebene buschige Terrain ringsum ganz zur Jagd geeignet. In dem (1847) erschienenen Prachtwerk von Schlegel und Verster van Wulverhorst ( Traité de Fauconnerie ) sind die Jagden ausführlich beschrieben, und will ich in Kürze Einiges davon mittheilen. Die Jagdzeit beginnt im Juni und dauert bis Ende Juli. Die Falknerei besteht in 2 Compagnien jede zu 4 Mann mit 6 Pferden und 20 Falken. Dafür betragen die Kosten der Erhaltung 11–12,000 Francs. Die Baize findet meistens in den Nachmittagstunden von 4 Uhr an bis zum Abend statt, zu welcher Zeit die Reiher von ihren Fischereien heimkehren, auf welche sie am Morgen ausziehen und die sich 4–5 Meilen weit nach der Zuider-See und nach den Ufern der Yssel und des Rheins erstrecken. Die Jagdgesellschaft, an welcher auch Damen Theil nehmen, erwartet die Ankunft der Reiher an bestimmten Plätzen, gleichsam auf den Wechseln, wo diese ihren Strich haben. Ein als Vorposten auf einem Hügel placirter Falkonier gibt das Zeichen eines heranziehenden Reihers, indem er vom Pferd steigt und dasselbe mit dem Kopf nach der Richtung wendet, wo er ihn erblickt. Auf dieses Zeichen erschallt von den Jägern der Ruf »à la vol« und alles geräth in freudige Aufregung. Man läßt den Reiher vorüberstreichen, und dann werden zwei Falken gelöst, die nun ihre Jagd beginnen. Nach mancherlei Kampf kommen die drei Vögel mit einander zum Boden nieder, und der erste der Jäger, der sie erreicht, hat das Recht, dem Reiher die Krandln auszuziehen, welche als Auszeichnung auf den Hut gesteckt werden. Man kann täglich 6–8 Reiher baizen. Auch Milane werden gebaizt, doch sind diese weit seltener und werden dazu nicht die gewöhnlichen Falken, sondern isländische oder Sakerfalken gebraucht. Man sucht dabei den in den Lüften kreisenden Milan durch eine zahme Ohreule zu locken, die man fliegen läßt. Damit die Aufmerksamkeit des Vogels um so eher auf sie gelenkt werde, bindet man ihr eine Fuchsruthe an die Fänge. Der Milan haßt auf die Eule und nun werden zwei Falken geworfen, worauf der Milan in Spiralen in die Höhe steigt, bis ihn die Falken mit ihren Schlägen entkräften und niederbringen. Im Orient, vorzüglich in Persien, ist die Falkenjagd noch in voller Blüthe. Wenn man bedenkt, daß die Falkenjagd über tausend Jahre in den europäischen Landen in Schwung war, daß Männer und Frauen, Weltliche und Geistliche ihr gehuldigt und dabei ein Glanz entwickelt wurde, wie ihn nur vielleicht die Hirschjagd in den alten Zeiten übertraf, so wird man bestätigt finden, was ich im Eingang des Artikels gesagt habe, und der sonst wenig beachtete, durch die Lüfte kreischende Raubvogel, sowie der stille, langweilige Reiher gewinnen eine, wenn auch jetzt nur mehr historische Bedeutung, die sie sich bei ihrer Schöpfung gewiß nicht haben träumen lassen. Dabei diente der Reiher freilich nur, um dem Falken Gelegenheit zu geben, seinen Muth und seine Geschicklichkeit zu zeigen, und dennoch knüpfte sich an ihn ein geschichtliches Ereigniß, wie der Falke Aehnliches nicht aufzuweisen hat. Ein Gedicht aus der Zeit Eduard III. von England um 1338, »Le Voeu du Héron« hat es aufbewahrt. Mémoires sur l'ancienne Chevalerie par la Curne de Sainte-Palaye T. II. p. 1. Die Erzählung sagt, daß Robert von Artois, von seinem Schwager Philipp von Frankreich verbannt, sich zu Eduard nach England geflüchtet und auf alle Weise gesucht habe, diesen zu einem Krieg mit Frankreich zu bewegen und Philipp die Krone zu nehmen. Damit wollte Robert seine Verbannung rächen. Eduard aber zögerte, und darüber aufgebracht, ließ Robert einen gebaizten Reiher braten und trug ihn zwischen zwei silbernen Schüsseln, von Musik begleitet, mit Gepränge in die Gesellschaft des versammelten Hofes. Mit höhnender Rede bot er nun Eduard den Vogel an als Preis seiner feigen Gleichgültigkeit gegen eine ihm zustehende Krone, denn der Reiher galt als feig und wurde von ihm gesagt, daß er seinen eigenen Schatten fürchte. Obwohl diese Anregung ziemlich grob war, so hatte sie doch die Wirkung, daß Eduard schwur, den Krieg zu beginnen, und nun ließ Robert Herrn und Damen auf den Reiher geloben, das Werk zu unterstützen, und es schwuren die mächtigsten Ritter, ihren Arm zu bieten und die Königin selbst, die schwanger war, schwur auf den Reiher, nur jenseits des Meeres gebären oder sich und ihr Kind mit einem Dolchstich tödten zu wollen. Der Feldzug begann, die Königin zog über den Kanal und gebar zu Antwerpen ein Knäblein, welches Lion d'Anvers getauft wurde. Spruchreime.                 Ein schönes Mägdlein ist ein Magnet, Gar mächtig zieht's den Mann, Ein wildreicher Wald es auch versteht, Zieht oft noch stärker dran, Und zieht es einen so hin und her, Nicht wüßte ich was schöner wär', Drum Liebe und Gejaid Gelobt seyd allezeit! ——— Der Liebe Lust und Poesie, Die sind ein flüchtig Spiel, Und ist's mit deinem Frühling 'rum, Bedeutet's nicht mehr viel, Des Jagens Lust und Poesie, Die haben bessern Halt Und bleiben sonder Wandel treu, Ob jung du oder alt. ——— Auf des Schneees weißem Blatt Kannst in rothen Lettern lesen, Ob dein Schuß gerecht gewesen, Der dem Wild gegolten hat, Und dich freut oft mehr fürwahr Jener Purpurschrift Gezweige, Als ein Liebesbrief sogar, Doch dem Liebchen das verschweige. ——— Im Wirthshaus auf der Bank, Wenn Bieresfluthen fließen, Da spricht gar mancher Held Vom Steigen, Birschen, Schießen, Doch draußen auf der Wand, Wo wild die Wasser brausen, Da hängen die Flügel ihm Und schüttelt ihn das Grausen, Und möcht' zu retten die Haut Sich selbst in's Gambs verwandeln, So spielt der Unterschied Von Sprechen und von Handeln. ——— Wer durstet wenn ihm der Becher schäumt, Wer jagen kann und es versäumt, Wer lieben kann und es verträumt, Wie sonst gemacht sein Ruf auf Erden, Es kann doch noch ein Narr draus werden. ——— Halt' in allen Freuden Maaß, Solches darfst du nicht vergessen, Gilt es aber lust'ge Jagd, Magst du wohl 'was drüber messen, Denn der Teufel haßt die Jagd, Weil sie kräftigt Leib und Seele, Und er denkt gar fleißig stets, Wie er drum die Jäger quäle, Zettelt schlechtes Wetter an, Läßt die Nebel niederkauern, Hetzt und wiegelt gräulich auf Die Kulturer und die Bauern. Der Schuhu. »Ob zwar dieser entsetzliche Vogel, sagt Flemming, an Größe dem Steinadler nicht viel nachgiebet, so ist er doch eine Eulenart, indem er derselben nicht allein mit dem schleierigten Gesichte, der Farbe und denen mit Federn bekleideten Fängen, sondern auch mit der leichten und hagern Gestalt des Leibes und großschwingigten Fittigten sehr übereinkommt, suchet auch seinen Raub nicht wie andere Raubvögel des Tages, sondern bei der Nacht.« Bei den Eulen erläutert er weiter, daß sie »geschleiert anzusehen, wie ein altes Weib, mit großen Augen und krummem Schnabel.« Schleier nennt man den strahlenförmigen Federkranz um die Augen. Der Schuhu ( Bubo maximus, strix bubo ) ist offenbar der Eulenkönig und die Federbüschel, die wie Hörner über den Ohren stehen, nebst den großen scharfblickenden Goldaugen geben ihm ein stattliches und abenteuerliches Ansehen. Dazu der unheimliche Ruf, wenn die Nacht hereindämmert, und seine Wohnung in wildem Felsenschloß. Dieser Eulenkönig ist gar ein böser Herr und viel befiedertes Volk der Lüfte, welches ihn am Tag erblickte, gibt seinen Zorn darüber zu erkennen, alles haßt ihn, oder wie die Jäger sagen, haßt auf ihn, d. h. stürzt sich mit der Miene des Angriffs gegen denselben, wenn's auch selten wirklich dazu kommt. Immer ernst und drohend schaut er drein und sein Schnalzen und Schnakeln hat etwa die Bedeutung erbosten Zähneknirschens. Wie der Jäger alles benützt, was seinen Fangzwecken dienen kann, wie er Enten und Spielhahn mit ihresgleichen (wenn auch in ausgestopften Exemplaren) herbeilockt, eine Kappe mit Gemskrikeln aufsetzt, um den Gemsbock zu täuschen und zum Schuß zu bringen, wie er es mit den Rufen für Hirsch und Reh und Fuchs treibt, so benutzt er auch den Zorn der Vögel über den Schuhu zu seinem Vortheil. Eine Aufhütte, wie man bei uns sagt (der Schuhu heißt in Altbayern Auf) ist eine lustige Erfindung schon deßwegen, weil es interessant ist, das hassende Vogelvolk zu beobachten. Könnte man da ihre Sprache verstehen, so würde man wohl ein ganzes Register von Schimpfwörtern hören, denn daß sie ihm »du Spitzbub, Dieb, schlechter Kerl« und dergleichen zurufen, ist nicht zu bezweifeln. Er aber sitzt gravitätisch auf seinem Stock und wartet, bis der Schuß fällt und einer der Schreier vor ihm auf dem Boden zappelt. Dann kann man ihn theils mit Verachtung, theils mit Hohn auf das Opfer niederblicken sehen. Da kommen, ihm Grobheiten zu machen, die Raben und Krähen, die Falken, Milane und Habichte, und manchmal sogar ein Adler läßt sich nieder und weht ihm den rauschenden Luftzug seines Flügelschlages in's verwunderte Gesicht. Daß es zum eigentlichen Raufen gekommen wäre, habe ich nie gesehen. Der Schuhu thut manchmal dergleichen, als wenn er nur Mäuse und Ratten, Frösche, Schlangen und solch' Gethier zur Nahrung nähme, oder einen schlechten Vogel, er macht's darin wie der Fuchs und frißt keinen Hasen, wenn er keinen fangen kann. Wenn er aber dazu kommt, so zerhackt er sowohl Hasen als Rebhühner, Haselhühner und sogar Rehkitze. Sein Familienleben scheint ordentlich zu seyn, und Bingley hat einen Zug aufbewahrt, der namentlich die Liebe der Eltern zu ihren Kindern darthut und der nicht in Vergessenheit kommen darf. Der Beobachter, Cronstedt, wohnte mehrere Jahre in Südermannland in Schweden in der Nähe eines steilen Berges, wo ein Schuhu-Paar horstete und Junge hatte. Eines Tages im Monat Juli war eines der Jungen aus dem Horst gestrichen und wurde von einem Bedienten Cronstedts lebendig gefangen. Man sperrte den Vogel in einen großen Hühnerkorb und am andern Morgen fand der Besitzer ein todtes Rebhuhn vor dem Korbe liegen. Er schloß, daß die alten Schuhu den jungen entdeckt und ihm so Nahrung zugetragen hätten, und dieses war wirklich der Fall und vierzehn Tage lang brachten sie immer etwas, meist Rebhühner, auch einen Wasservogel und ein Stück von einem Lamm. Das Zutragen geschah stets in der Nacht; im August hörte es auf, weil da die Raubvögel überhaupt ihre Jungen eigenem Fortkommen überlassen. Der Schuhu ist in der ganzen Welt zu Hause, doch findet er sich nur sparsam, denn die Jäger stellen ihm begreiflicherweise fleißig nach (bei uns trägt er 4 fl. Schußgeld). In der Nähe des Schlosses Lichtenstein auf der rauhen Alp ist ein felsiger Grund mit steilen Felswänden, der Tobel genannt, und da nisten immer Schuhus, die der Besitzer des Schlosses, Graf Wilhelm von Württemberg, ungestört hausen läßt. Ich habe dort Junge öfters am Tag vor den Felslöchern sitzen sehen und an den Wänden wie angeklebt; sie schienen sich sonnen zu wollen. Die Alten kommen ganz nahe an's Schloß, dessen Romantik sie erhöhen, besonders bei Mondschein, wenn sie mit ihren breiten Schwingen lautlosen Fluges am Schloßthurm vorüberstreichen. Bei Hohenschwangau horsten sie auch und am Schwarzenberg kann man ihren unheimlichen Ruf vom Alpsee aus hören. Sie werden ebenfalls geschont. Im oberbayrischen Gebirg findet sich der Schuhu vereinzelt an mehreren Orten im Forstamt Tegernsee, Marquartstein, Ruhpolding und Berchtesgaden, dann in den Bergen von Immenstadt. Im Kemptner Wald und bei Obergünzburg findet er sich auch. In den Gebirgen des bayrischen Walds kommt er nach Jäckel nicht vor, auch nicht ständig im Fichtelgebirg, dagegen an mehreren Orten in der Oberpfalz, bei Sulzbach, Breitenbrunn, an den Ufergehängen des Regens und der Naab im Amt Burglengenfeld und besonders in den zerklüfteten Dolomiten des fränkischen Jura, bei Lichtenfels, Nankendorf, Streitberg, Muggendorf \&c. Mehrere Uhuhorste finden sich im Forstbezirk Reicheneck (Forstamts Altdorf) auf der Happürg, Geiskirchen \&c. An der Altmühl horstet er ebenfalls. Im Spessart und in der Rhön wird er nicht getroffen, dagegen an den Uferwänden des Mainthals bei Karlsstadt, Retzbach und bei Würzburg an der Festung Marienberg. Abhandlungen des zoologischen mineralogischen Vereins in Regensburg. 1849. Der Schuhu bietet, abgesehen davon, daß er einer der schönsten Raubvögel ist und daß er den Schaden, welchen er anrichtet, vielfach, wenn auch unfreiwillig, durch seine Anziehungskraft anderen Raubgesindels wieder ersetzt, dem Jager noch anderweitiges Interesse. Er ist ja anerkanntermaßen die Hauptveranlassung der vielfachen Sagen vom wilden Heer, wüthenden Heer, Nachtgejaid und vom wilden Jäger. Man muß ihm dafür dankbar seyn, denn dergleichen setzt die Phantasie in Bewegung und es ist um diese wie mit einem silberblinkenden See, wirft man einen Stein hinein, so ziehen sich die Wellenringe immer größer und weiter und blitzen dann tausend Lichtfunken drüber hin. Der Schuhu hat die Rolle eines solchen Steins für das bewegliche Element der Phantasie gespielt und wer weiß, ob er nicht bei kritischer Untersuchung sogar ein wesentliches Verdienst um die göttliche Musik des Weber'schen »Freischütz« ansprechen könnte. Das wilde Heer ist in Bayern, wie anderwärts, oft beobachtet worden. Auf der nördlichen Abdachung des Schneeberges, des Nachbars vom Fichtelberg und Ochsenkopf, da wo einst die verrufene Ritterburg Rudolphstein gestanden, jagte ein Jäger und verfolgte ein Wild gegen den sogenannten Waldstein hinauf. Je höher er stieg je mehr des Wildes wurde er ansichtig, aber alles floh vor ihm her in die Burgtrümmer hinein. Als er diese erreicht und durch ein Thor schritt, da mit einemmale umhüllte sich Fels und Mauer, Busch und Baum mit grauem Nebel und im Burghof begann ein Brausen und Sausen, Knallen und Schellen, Bellen und Gellen, als sey die ganze Hölle los, Gekreisch und Gelächter dazwischen und der wilde Jäger zeigte sich mit dem ganzen wilden Heer voll sinnverwirrender Gestalten, bis der erschrockene Waidmann zu Boden stürzte und ihm die Sinne vergingen. Als er erwachte war es Nacht und drunten in Reumersreut schlug die Thurmuhr zwölfe. Bechstein deutsches Sagenbuch. Schöppner, Sagenbuch der Bayerischen Lande III. Der heilige Kreuzwald bei Holzhausen, 7 Stunden von München, war von jeher berüchtiget wegen der gräßlichen Erscheinungen, die da vorgekommen und das wilde Nachtgejaid zog nicht selten über das Holz hin. Ein noch lebender Wagnermeister von Schöngeising kann davon erzählen. Als er von Gilching herüber durch den Kreuzwald ging, kam es daher in den Lüften mit Rauschen und Schreien, Schießen und Hundegebell. Der Mann, wohl wissend, daß das wilde Gejaid dem nichts anhaben könne, der sich schnell zu Boden werfe, legte sich stracks auf's Gesicht und ließ den wilden Jäger über sich hinziehen. Es geschah ihm auch weiter nichts, während mancher, der diese Vorsicht nicht gebrauchte, vom stürmenden Getümmel mit fort durch die Lüfte gerissen und weit weg erst wieder niedergesetzt wurde, manchmal auch hoch herabstürzend den Hals brach. In der hintern Riß, an die vordere in Bayern angrenzend, geschah es, daß ein alter gesetzter Mann einst im nächtlichen Dunkel seines Weges dahinschritt und zwar auf einem Pflichtgange, welches gar ein trefflicher Schutz ist gegen Geisterspuck. Mit einemmal hört er ein Gepfeife wie von Schlangen, dann Raubvogelgeschrei, dann Hundegebell und Katzenmiauen, Gewieher von Rossen und zahlloser gespenstiger Jäger Hallo und Hurrahruf und Peitschenknall und über des Mannes Weg hin zog das Wildg'fahr (so heißt das Wildgejaid in Tyrol) mit all seinen Schrecken in lange andauerndem Zuge. Der Mann warf sich bei Zeiten auf den Boden nieder, streckte seine Gliedmaßen kreuzweis und betete mehr als ein Vaterunser. Sausend ging's im Sturm über ihn und so stark war der Luftdruck, daß er nicht anders meinte, als es werde ihm von einer Eisenhand das Gesicht fest an den Boden gedrückt, daß er zu ersticken befürchtete. Nachdem es endlich still geworden und er sich erholte, thaten ihm alle Rippen weh und war ihm als habe er die Last einer Welt auf seinen Schultern getragen. v. Alpenburg, Mythen und Sagen Tyrols. Der Bericht eines reisenden Physikers über solche Erscheinung würde freilich anders lauten und er würde es ganz natürlich finden, daß bei einer Luftströmung, deren Geschwindigkeit das Anemometer an 70 Fuß in der Sekunde zeigte, die Widerstandsfähigkeit der Elasticität des Holzes der dortigen Bäume nicht groß genug seyn konnte, um nicht da und dort überwunden zu werden und somit das Brechen derselben, verbunden mit dem Reflex der Schallwellen von den felsigen Berggehängen einen Lärmen hervorbringen konnte, welcher einem Jagdlärm nicht unähnlich u. s. w. Wir wollen aber nur noch anführen, daß vom wüthenden Heer seit uralten Zeiten geredet wird und man es schon im 12. Jahrhundert erwähnt findet. In Niedersachsen und Westphalen führt es der wilde Jäger Hackelberg an, bei seinen Lebzeiten Jägermeister des Herzogs Julius von Braunschweig um 1580, ein gottloser Geselle. Seinem Zug fliegt eine Nachteule, wohl unser Schuhu, voraus, ehemals eine Nonne, deren Geist sich zu Hackelberg gesellte und die ihr uhu mit seinem huhu! beim Jagen ruft. Im Meißnischen heißt der wilde Jäger Hans Jagenteufel und anderwärts ist es eine Frau, die Frau Holla oder (im Mecklenburgischen) Frau Gauden, die mit ihren 24 Töchtern so leidenschaftlich jagte, daß sie einmal in wilder Freude ausrief: die Jagd ist besser als der Himmel! worauf ihre Töchter in Jagdhunde verwandelt wurden mit denen sie zwischen Himmel und Erden nun unaufhörlich jagend herumziehen muß. In Frankreich heißt der wilde Jäger Hellquin und in England führt König Arthus das Nachtgejaid an. Bei den Dänen ist König Waldemar der wilde Jäger geworden, der auch einst sagte: Gott möge sein Himmelreich behalten, wenn ich nur in Gurre immerdar jagen kann! Und nun jagt er ohne Ruh und Rast in Gurre mit kohlschwarzen Hunden, denen glühende Zungen aus dem Rachen hängen, auf einem weißen gespenstigen Roß, zuweilen sein eigenes Haupt unter dem linken Arm tragend. \&c. J. Grimm. Deutsche Mythologie. So wuchern reich und mannigfaltig in Wechsel und Wendung die Sagen fort wie immergrünender Epheu an alten Bäumen, wenn der Keim einmal Wurzel gefaßt, und daß unser Schuhu seinen Theil dran hat, ist nicht zu bezweifeln. Es wird manchem Leser von Interesse seyn, wenn ich dem eben Besprochenen noch Einiges über das Fabelthier der Alpen beifüge, welches nicht nur manchen Hirten, sondern auch manchen Jäger weidlich erschreckt hat. Dieses Thier hat verschiedene Namen. In den bayerischen Alpen, Berchtesgaden und Steyermark heißt es Bergstutzl, Birgstutz, Daazlwurm, Praazlwurm (von Taze, Praze), Springwurm, schmecke'de Wurm ; in Oberösterreich zum Theil ebenso, in Tyrol auch Mürbl , in der Schweiz Stollwurm (von Stollen, welches einen kurzen, dicken Fuß bedeutet). Die Beschreibungen treffen nur in einem Punkte fast alle zusammen, nämlich darin, daß das Thier 2 oder 4 kurze Füße und einen schlangenartigen Leib habe, ich will daher unter obigen Namen Daazlwurm gebrauchen, um weiter von ihm zu sprechen. Einige sagen, der Daazlwurm habe ein theils marder- theils eidechsenartiges Ansehen, andere vergleichen ihn einer Schlange mit Eidechsen- auch Katzenkopf. Größe und Farbe werden sehr verschieden angegeben. Nach Einigen ist das Thier 5–6 Fuß lang, nach Anderen mißt es 1½–2 Fuß; die Dicke soll die eines Mannsarmes, manchmal auch die eines Mannsschenkels seyn, die Farbe bald silberweiß, bald scheckig roth, auch schwarzbraun und schwarz. Schon A. Schultes erwähnt, von diesem Thiere gehört zu haben, als er im Jahre 1804 eine Excursion auf die Gletscher des Dachsteins machte (Reise durch Oberösterreich), auch erzählte ihm der Wundarzt Wattmann zu Ebensee, daß ein Bauer, der am Rettelstein am Gemundersee auf Gemsen ausging, einen Lindwurm, eine Schlange von der Dicke eines dreijährigen Kindes geschossen habe. Der Beschreibung nach hielt Schultes das Thier für eine große Eidechse und Wattmann vernahm auf seinen Wunsch den Bauer um den näheren Vorgang. Dieser erzählte, daß er das Thier, welches sich ihm bergan, pfeifend, mit aufgesperrtem Rachen, doch etwas unentschlossen, näherte, im Sommer des Jahres 1781 erlegt habe. Es sey 5 Fuß lang gewesen, von eidechsenförmiger Gestalt, der Kopf gleich dem einer Ziege (ohne Ohren), im Rachen viele scharfe spitze Zähne. Der Leib dick wie oben angegeben, mit einem starken schweren Schwanz und mit 4 Füßen, wovon die hinteren etwas länger gewesen. Die Farbe der Haut war bräunlichschwarz, am Bauche etwas weiß gefleckt, auch hatte es ¾ Zoll lange, aber sehr dünn stehende Haare, so daß zwischen jedem etwa ein fingerbreiter Abstand gewesen. Er hatte das Skelett 5 Jahre aufbewahrt, dann aber bis auf eine Rippe, die 7 Zoll lang war, weggeworfen. Wattman sah diese Rippe. Der Schütze war als ein gerader von jeder Prahlsucht freier Mann bekannt. Ein ähnlicher Fall wurde dem Forstmeister G. v. Schultes Neues Taschenbuch für Natur-, Forst- und Jagdfreunde auf das Jahr 1836. in der Gosau von einem alten Manne erzählt, der in seinen jungen Jahren einen Birgstutz erschlug, als er nach dem sogenannten Gambsfeld gestiegen war, um Alpenrosen zu holen. Er beschrieb ihn als von hell silbergrauer Farbe und glänzend, mit drei dunklen Längsflecken auf dem Rücken. Sein Kopf glich dem einer Schlange, der Leib war von der Dicke eines Mannsarmes, gut 2 Fuß lang und hinten zu abgestumpft, auch hatte das Thier vier ganz kurze, wenig bemerkbare Füße, konnte sich aber doch ziemlich behende drauf fortbewegen. Als der Mann darnach schlug, schnellte sich der Birgstutz am Stock in die Höhe und biß ihn in die Hand. Nach einigen Augenblicken fühlte er große Schmerzen an der verwundeten Stelle, die Hand schwoll stark auf und erst nach mehreren Monaten erfolgte die Heilung. Im Berner Oberland und im Jura ist der Glaube an die »Stollwürmer« noch heute verbreitet; sie werden als 3–6 Fuß lange dicke Schlangen mit zwei kurzen Füßen beschrieben und es heißt, daß sie nur bei anhaltender Trockenheit vor Eintritt des Regenwetters zum Vorschein kämen. Man sagt, es gebe weiße mit Krönlein auf dem Kopf, und schwarze, die weniger selten seyen. Ein verwegener Mann, der Zauberei verstund, zog eines Tages, um seine Kunst zu zeigen, einen Kreis um sich, und bannte darauf mit Pfeifen das Gewürm in solcher Menge herbei, daß es rings um den Kreis wimmelte, doch pfiff er trotzig fort, bis ein paar Würmer aus der Ferne auf ihrem Rücken einen besonders dicken und abscheulichen daherbrachten. Sie warfen ihn über den Kreis hinein gegen den Zauberer, der laut ausrief: ich bin verloren! Und im Augenblicke ward er von dem Ungeheuer zerrissen. Alpensagen von Th. Vernaleken. Der Hauch des Daazlwurms und sein Anpfeifen sind giftig und oft tödtlich, wie sein Biß, daher die Furcht vor ihm so groß ist, daß die meisten, denen einer begegnete, sich nicht lange bei seinem Anblick verweilten, sondern gewöhnlich sogleich Reißaus nahmen. G. v. Schultes hat in dem citirten Taschenbuch eine Abbildung des Daazlwurms gegeben, welche nach vorhandenen Beschreibungen entworfen ist; interessanter dürfte eine andere seyn, welche ich auf einer Votivtafel bei Unken auf dem Weg nach der Schwarzbachklamm (beim Fuchsbauer) gesehen habe. Diese Tafel ist in eine steinerne Säule eingefügt, auf welcher noch die Jahrzahl 1779 zu lesen und zeigt wenigstens für den betreffenden Fall, wie damals die Vorstellung des Daazlwurms im Volke üblich war. Die beifolgende Vignette stellt die Denksäule dar. Auf dem eingefügten Bilde sind zwei Daazlwürmer abgebildet, die wohl an Eidechsen erinnern können, der Schwanz aber beträgt nur die halbe Körperlänge und ist an den Leib wie bei einem Hund angesetzt, auch der Kopf einem spitzen Hundskopf ähnlich. Sie sind braun und schwarz, roth und grünlich gefleckt und strecken eine gespaltene Zunge aus dem Maul. Im Vorgrund liegt ein Bauer todt, der die eine Hand um die Nase gelegt hat, wahrscheinlich um sich vor dem Gifthauch zu schützen. Nachstehend folgt eine getreue Copie des Bildes. Herr Revierförster Nero, welchem ich die Copie der Votivtafel verdanke, theilte mir mit, daß vom Vorgang im Volk fast einstimmig die Sage besteht, es sey der Verunglückte ein Tyroler gewesen, welchen beim Beerensammeln zwei Springwürmer (wie sie dort heißen) angefallen und verfolgt hätten. Dieses geschah bei der Möserer Leitstube und der Bauer floh im angestrengtesten Lauf bis zur Thalbruck (höchsten Uebergangspunkt ins Heuthal), wo er in Folge des Schreckens und der Erschöpfung zusammenstürzte und verschied. Der Daazlwurm hat die Phantasie manches Jägers beschäftigt und mancher hat gewünscht, ihn einmal zu sehen und ihm eins hinaufzubrennen; dergleichen dämonisches Gethier ist aber ebenso schlau und feig als es boshaft ist, denn es erscheint immer nur denen, die es fürchten, geht aber andern gar weislich aus dem Weg. Was nun die Frage betrifft, ob es ein solches von den Zoologen noch nicht ins Register eingeschriebenes Thier gebe, so möchte ich der Meinung beistimmen, daß man das ebensowenig bejahen als verneinen könne. Wer in Freising geboren ist (gegen 20 Wegstunden vom Gebirg) und wer sein Leben da zugebracht hat, der wird billig zweifeln, daß in der Nähe ein Gemsbock gesehen worden sey, und wenn man einem Bauer, der am Po wohnt, sagen wollte, er soll sich in Acht nehmen, in dem Flusse zu baden, weil ihn ein Krokodil anfallen könnte, so würde er wohl über die Warnung lachen, und doch ist in Freising ein Gemsbock wirklich geschossen und im Po ein Krokodil wirklich gefangen worden. Ich will damit sagen, daß Thiere unter Umständen sehr weit an Orte gelangen können, wo sie niemals heimisch waren und so geht die Frage am Ende dahin, ob den Gelehrten alle Thiere bekannt seyen, welche in den Schluchten, Höhlen und Löchern unserer höchsten Alpen möglicherweise vorkommen können; wenn nicht, so kann an solchen Orten auch ein Daazlwurm vorkommen und gelegenheitlich nach begehbaren Plätzen sich verirren und einem Menschenkind Furcht und Schrecken einjagen. Mit Recht erinnert Schultes bei Besprechung dieser Frage an den Proteus der Adelsberger Höhle bei Triest und aus den unterirdischen Kanälen des Zcirknitzer Sees, von welchem Schubert sagt, es sey gleichsam ein Thier aus einer ganz andern Welt, aus der es nur zuweilen durch die Gewalt der Elemente herauf an unsere sonnenbestrahlte Erdoberfläche verschlagen werde, ein Bewohner der Finsterniß, der deßhalb auch keine Augen habe. Wer würde glauben, daß es einen solchen Salamander (der überdieß wie viele Märchenthiere mit einem seltsamen Schmuck, einer Art von korallenrothem Geweih, ausgezeichnet ist) und daß es in seiner Gesellschaft Fische ohne Augen gebe, wenn sie nicht auf dem Analysirtisch wirklich untersucht worden wären. Den Daazlwurm aber scheint bis jetzt noch keiner, als etwa in der Erzählung, gefangen zu haben, obwohl der Erzherzog Johann schon vor Jahren einen Preis von 30 Dukaten für Einbringung eines solchen ausgesetzt hat. Sollte aber ein vermeintlicher Daazlwurm gefangen und daran ein bekanntes Thier, etwa die große grüne Eidechse ( Lacerta viridis ) oder dergleichen erkannt werden, so beweist das natürlich nichts gegen die Existenz des ächten Daazlwurms, man hatte eben nur fälschlich diese Eidechse für einen solchen angesehen. Und so wird sich's mit unserem Wunderthier noch eine Weile im Kreis herumdrehen und dessen freut sich gewiß jeder Jäger, denn, allen Respekt vor der Wissenschaft, aber langweilig wäre es doch, wenn man gar nicht über die Mauern ihres allerdings recht hübschen und je nach den Vermögensverhältnissen von Zeit zu Zeit erweiterten Palastes hinausschauen und eine Fahrt der Phantasie, wenn auch ins Blaue hinein, unternehmen dürfte. Schluß. Die Bearbeitung des vorliegenden Buches war, wie der Leser erkannt haben wird, auch eine Art von Jagd, aber ich darf wohl sagen, keine Hetzjagd, sondern ein möglichst fleißiges Birschen. Ich habe dabei die alten Pergamentbestände der Bibliotheken ebenso durchstreift wie das Jungholz der neueren Literatur und war die Beute nicht so reich als sie vielleicht hätte seyn können, so muß man bedenken, daß die Reviere gar groß und weitläufig und viele gewaltig verwachsen und unzugänglich sind. Ich wollte durch diese Arbeit nur das Interesse des Waidwerks für dessen Freunde erhöhen und bin für die mancherlei Mühe hinlänglich belohnt, wenn mir dieses einigermaßen gelungen ist. Um aber auch von den Jagdgegnern friedlich zu scheiden, will ich noch einige Verse anfügen, die sie gewiß gelten lassen.           Und wenn es nichts um's Jagen wär' Als frei im Holz zu streifen, Zu lauschen wie der Guguk ruft Und wie die Finken pfeifen, Zu athmen frischen Tannenduft Und thaugekühlte Morgenluft, Es wär' genug der Lust dabei Zum Lob der Jägerei. Und wenn es nichts um's Jagen wär' Als fern vom Stadtgewimmel Durch Lauben wie sie baut der Wald Zu schau'n den blauen Himmel, Den Schwätzern aus dem Weg zu geh'n Und keine Narren mehr zu seh'n, Es wär' genug der Lust dabei Zum Lob der Jägerei. Und wenn es nichts um's Jagen wär' Als d'ran die Zeit gewinnen Ein Liedlein an das Liebchen fein In Ruhe zu ersinnen Und würde ob dem holden Bild Vergessen selber gar das Wild, Doch wär' genug der Lust dabei Zum Lob der Jägerei!