Johann Meyer Dichter un Buern oder Im Rektoratsgarten zu Otterndorf. Plattdeutsches Volksstück mit Gesang in 2 Akten. Musikarrangement von C. W. Prase, J. Maas und L. Jessel.   Aus: Plattdeutsche dramatische Dichtungen Johann Meyer's Sämtliche Werke. Siebenter Band   Kiel und Leipzig Verlag von Lipsius und Tischer 1906   Die nachstehenden Theaterstücke sind für die Bühnen als Manuskript gedruckt, wegen der Berechtigung zur Aufführung und Übersetzung in eine andere Sprache hat man sich an die Erben des Verfassers: Frau Georgine Meyer und Töchter, Kiel, am Rondeel 1 zu wenden. Personen: Johann Heinrich Voß, Rektor in Otterndorf. Ernestine, seine Frau. Auguste, ihr Hausmädchen. Matthias Claudius, der Wandsbecker Bote. Peter Grothusen, Otterndorfer Marschbauer. Frinken, seine Frau. Fiken , Petje , beider Kinder. Krischan Fölster Witjen Fölster Otterndorfer Marschbauern und ihre Frauen. Paul Uhlen Antje Uhlen Hartwig Kröger, Schifferknecht. Die Handlung spielt im Rektoratsgarten zu Otterndorf, in Lande Hadeln, im Sommer 1780. Erster Akt. Vorgarten des Rektorats zu Otterndorf. Im Hintergrunde ein Staket, resp. eine Mauer, in deren Mitte eine Doppelpforte. Hinter dieser Einfriedigung Gesträuch und Bäume. Rechts nach der letzten Kulisse hinter der Einfriedigung und über sie emporragend das Rektoratsgebäude, Rechts in der letzten Kulisse vor der Einfriedigung eine kleine Pforte nach der im Rektoratsgebäude an dieser Seite befindlichen Küche, und links eine solche nach dem an dem Garten befindlichen Apfelhof führend. Rechts weiter nach vorn ein vier Plätze langer, etwas schräger mit der Verjüngung der Bühne parallel stehender, halbgedeckter Tisch. Über demselben ein Tischtuch, darauf, noch nicht geordnet, Messer, Gabeln und einige Teller. An der rechten Seite des Tisches vier Stühle, an der linken eine improvisierte Bank, ein auf zwei Stapeln alter in Schweinsleder gebundener Folianten liegendes, mit einer Wolldecke umhülltes Brett. Links eine Laube, darin ein runder Tisch, auf welchem Bücher, Papier und Schreibgeschirr. An dem Tisch ein altdeutscher Lehnstuhl. An Stellen, wo es passend erscheint, und je nach der der Größe der Bühne, auf derselben Bäume, Gesträuch und Blumenbeete. Rechts und links immer vom Zuschauer aus. Erste Scene. Ernestine. Voß. Ernestine (am Tisch beschäftigt, in abgerissenen Sätzen sprechend und jedesmal nach Voß hinübersehend, welcher seitwärts links in der Laube an seiner Homer-Übersetzung arbeitet.) Ein schöner Abend! – – – Es rührt sich kein Blatt am Baum! – – – Wie viel angenehmer ist es doch hier draußen als da drinnen! – – – Aber es ist so schwül! – – Und die Fliegen schwirren! – – – Wenn es nur nicht regnen wird! – – Aber Voß! – – Johann! Heinrich! – Voß (noch mit seiner Übersetzung beschäftigt). Wa? – – Was? Ernestine. Hörst du denn gar nicht? – Voß (schon mit mehr Aufmerksamkeit). Ich? – Ja! – Ernestine. Schmiedest du denn noch immer Hexameter? – Komm, und hilf mir decken! Voß (aufstehend und das Buch zumachend). Mit Vergnügen, mein Kind! Den göttlichen Dulder Odysseus Laß' ich der Circe derweil und gehorch' der gebietenden Hausfrau! (Geht nach dem Tisch und macht sich dort zu schaffen). Ernestine. Wenn Auguste nur käme mit den Tellern! Voß. Wir Dichter sind doch geniale Leute! – Da geben wir Gesellschaft und haben nicht einmal das nötige Steinzeug dazu! – Ha! Ha! Ha! Ha! Ernestine. Los der Poeten! – Und mein Männchen läßt es sich zur Ansicht kommen, gerade wie vom Buchhändler seine Bücher! Voß. Und morgen bekommt der Kaufmann schon alles wieder zurück, – sauber und unbeschädigt. Ernestine. Vielmals zu grüßen vom Herrn Rektor! die Terrine wäre ihm doch zu teuer! Ha! Ha! Ha! Ha. Voß. Und von der Frau Rektorin: sie wäre ihr auch zu groß, – und sie würde schon selber kommen, um sich eine andere auszusuchen! Ha! Ha! Ha! Ha! Ernestine. So?! – auszusuchen?! Voß. Ha! – Ha! Ha!– – Anzusehen! – Anzusehen, wollte ich sagen. Ernestine. Gott Lob, daß wir doch nicht nötig haben, uns auch noch die fehlenden Stühle zu borgen! Voß. Dank der Erfindung meiner Ernestine! Ernestine. Und der ihres lieben Poeten! Voß. Ja! – wir haben es gemeinschaftlich aufgebaut, dieses famose Sitzgestell. Ebn als de Buern dat makt op de Grotföst, wenn se keen Stöhl hebbt, Nehmt se de Breder to Hölp un leggt se öwer de Beertünn! Ernestine. Und statt der Biertonnen deine alten schweinsledernen Pergamentbände! Ha! Ha! Ha! Ha! Voß. Und dem Gasselbrett aus der Backstube darüber! Ha! Ha! Ha! Ha! Ernestine. Sorgfältig umhüllt mit unserer besten Wolldecke! Voß. Ein niedliches Bänkchen! Ernestine. Ja! – aber en beten wacklig! Voß. Ja, sehr wacklig, sehr wacklig! Und die es drücken werden, die mögen sich in acht nehmen, Daß nicht ausweichend ein Glied mitnimmt das nächste, und jählings Holter kapulter das Brett nachrutscht und die ganze Bescherung! Voß Ernestine   (zugleich)   Ha! Ha! Ha! Ha! Ha! Ha! Ha! Ha! (Man hört die Haustürglocke.) Ernestine. Horch! – Da kommt Auguste! Zweite Scene. Auguste. Die Vorigen. Auguste (durch die Mitte kommend, mit einem Korb, darin eine Terrine, anderes Steinzeug und Gläser) Oha! – is de awer swar! Voß. Setz' auf die Erde den Korb, Auguste, und gib' mir die Rechnung! Auguste (den Korb niedersetzend) Ja wul, Herr Rekter! Hier is de Reken! (Gibt Voß eine Rechnung, Auf die Terrine zeigend) Wat'n prächtige Punschtarin! – – – Awers ick heff mi argert öwer den Menschen! Voß Ernestine   (zugleich)     Ah! Ah! Ernestine. Du hast ihm doch nichts verraten? Auguste. Verraden? – Dat de' garnich eerst nödig, – he muß all vun allens Bescheed! – vun de ganze Gesellschap, – wokeen als dar kamt – un ock, wat dar op'n Disch kummt! Voß Ernestine   (zugleich)     Ah! Ah! Auguste. Un als ick de Reken verlang, dar meen he ördentlich: En Nota, dat de' ja garnich eerst nödig! – Un wenn Fru Rektern ock sünst noch wat bedürftig weer, – vellicht ock noch en Kaffekann oder en Teeputt, – denn schull ick man wedderkamn, – he lehn uns dat geern! Ernestine. Der Unverschämte! Auguste. Ja, dat dach ick ock! – awers de Mann harr doch so nebenbi noch ganz vernünftige Ansichten! Voß Ernestine   (zugleich)     So?! So?! Auguste. Ja! He meen: bi so'n lüttj' Gehalt, als de Otterndörper ehrn Rekter dat doch man geben, weer dar ja garnix bi, wenn de Fru Rektern sick dit und dat mal lehn de', wat se sick in'n Ogenblick noch ni köpen kunn! Ernestine. Das laß ich mir gefallen! Auguste. Ja! – un wenn't na sin Will'n gung, denn müß de Herr Rekter vun sin dreehunnert Daler doch to'n minnsten op achthunnert fett warrn, un dat alleen all vun wegen sin Berümtheit als Dichter un all sin smucken Leeder! Voß. Ein prächtiger Mensch, dieser Kaufmann! Ernestine. Das ist ja reizend! Voß. Dafür bekommt er später meine Gedichte! Ernestine. Und meinen Dank! (zu Auguste.) Aber nun flink nach der Küche, Auguste! – Wasche mir alles hübsch sauber ab und mache mir nichts entzwei! Auguste. Heff Fru Rektern man keen Sorg! (Ab mit dem Korb durch die kleine Pforte rechts nach der Küche.) (Ernestine macht sich wieder an dem Tisch zu schaffen.). Voß. Aber, mein Schatz, wie steht's mit dem Imbiß? Ernestine. Fix und fertig! – Zwei große Schüsseln voll, – Auguste wird sie gleich hereinbringen! Voß. Und die Bowle? wenn ich fragen darf? Ernestine. Auch schon gemacht, aber vorläufig noch in einer Milchschüssel, des besseren Gefäßes harrend, das Auguste soeben gebracht hat, – – – und genau nach deinem Rezept! – Eine Rheinwein-Bowle, so aromatisch und duftig, daß die olympischen Götter sie für Nektar trinken könnten! Voß. Wie wir Studenten sie in Göttingen tranken! Und vor allem in unserm Heinbunde! – Apropos! – Mein silberner Ehrenpokal! soll der nicht auch mit die Tafel schmücken? – Ernestine. Aber Voß! Das wertvollste, was wir besitzen! Voß. Eben darum! Ich sage dir, der würde den protzigen Bauern imponieren! Ein solches Trinkgeschirr hat auch der reichste nicht! Und damit jedem die Ehre zu teil werde, auch einmal daraus getrunken zu haben, lassen wir ihn kreisen beim Rundgesang! – Also bitt' schön, mein herzlieb Ehegespons, – deines Dichter-Gatten Ehrenpokal! Ernestine. Dein Wunsch ist mir Befehl, mein Schatz! Dritte Scene. Auguste. Die Vorigen. Auguste (mit Gläsern und Tellern auf einem Teebrett, durch die kleine Pforte rechts eintretend,). Süh so! – Hier sünd all de Gläser, un de Tellern! Ernestine. Danke! – Und nun bring auch das andere! Aber zunächst den großen, silbernen Ehrenpokal! Hier ist der Schlüssel! Auguste. Ja wul, Fru Rektern! (Ab durch die kleine Pforte.). Ernestine (die Gläser ordnend.). So! – Damit wir weiter kommen! (Man hört die nahe Turmuhr schlagen.). Horch! – die Uhr schlägt sechs! – wir haben alle Ursache, uns zu sputen! Voß. Ja wohl! – alle Ursache, uns zu sputen! (beschäftigt sich gleichfalls mit dem Gedeck.). Vierte Scene. Auguste. Die Vorigen. Auguste (mit dem Ehrenpokal durch die kleine Pforte kommend.). Hier is ock all de Beker! – Na, wat ward de Burn seggen, de ümmer so mit ehr Sülwertüg prahlt! – So en Sülwerklumpen hett doch keeneen op'n Disch to setten! Voß (ihr den Becher abnehmend und in beiden Händen haltend, pathetisch) . Du herrliches Gefäß! – Denkmal meiner schönsten Erinnerungen! So oft ich dich umfasse, ist es mir, als umarmte ich meine Freunde! (Während der nun folgenden Hexameter bewegt sich Auguste, schottisch tanzend, nach dem Rhythmus). Miller und Hölty und Hahn , und die beiden prächtigen Stolberg! Dich, mein Boie , zugleich durch das heilige Band der Verwandschaft Doppelt mir teuer und wert! – Und dich, du herrlicher Barde, Der den Messias uns sang! – – (Zu Auguste). Nun? was fällt dir denn ein? (Setzt den Becher auf den Tisch). Auguste. Ick hüpp, Herr Rekter! Ernestine. Ich möchte dich doch bitten, um etwas mehr Respekt vor deiner Herrschaft! Auguste. Ja, Fru Rektern, wat kann ick darför, wenn de Herr Rekter mennigmal so, so, – so in so'n Hoppsa oder Schottisch sprickt! – (Nach dem Rhythmus schottisch tanzend.). Raddera, raddadada, raddada dadda! Wenn ick dat so hör, denn is mi allemal, als wenn ick danzen müß! (Ab durch die kleine Pforte.). Voß Ernestine   (zugleich)     Ha! Ha! Ha! Ha! Ha! Ha! Ha! Ha! Voß. Na, was sagst du nun, mein Weibchen? – Könnt ich mir wohl einen besseren Kritiker für meine Hexameter wünschen, als dieses Naturkind?! Ernestine. Sie hat Recht! – Es ergeht mir ebenso! Anmutiger Wohllaut liegt in deinen Worten, und wie Musik sind deine Verse! Fünfte Scene. Auguste. Die Vorigen. Auguste (mit einem Teller voll Butterbrot,, durch die kleine Pforte eintretend) . Süh so! Und hier is ock all en Schöttel! – Un een so'n Schöttel vull is dar noch mehr! – Wat för'n lecker Botterbrod! – Ward se dar awers rinhau'n! – (setzt die Schüssel auf das obere Tischende). Ick glöv förwahr, Fru Rektern, dar kummt all een! – He schester eben de Strat hendal un lit ov uns to! – (Man hört klingeln.). Dar klingelt dat all! Ernestine. Aber die Uhr schlug vorhin doch erst sechs! Voß. Hat sich wohl ein wenig verfrüht! Ernestine (zu Auguste) . Geh hin und öffne! Auguste. Ja wul, Fru Rektern! (ab durch die Mitte) . Voß. Vielleicht Nachbar Grothusen! Bekanntlich immer der erste! Ernestine. Aber ohne Frau?! Und die würden auch die Straße nicht herunterkommen! Sechste Scene. Claudius. Die Vorigen. Claudius (durch die Mitte kommend, mit der Botentasche um. Hinter ihm Auguste, die im Hintergrunde, rechts bei der Pforte bleibt) . Voß (ihm entgegeneilend und ihn umarmend) . Claudius! – Ah, nein! – In meine Arme! Claudius (während der Umarmung) . Als Bote kam es mir doch wohl zu, der erste zu sein! Auguste (für sich.). Wat? – Bote?! Claudius (zu Ernestine, ihr beide Hände drückend) . Frau Ernestine! – Frau Rektorin wollt ich' sagen! Ernestine. Seien Sie uns tausendmal willkommen, liebster Herzensfreund! Auguste (für sich). Fru Rektern ehr Hartensfründ?! Claudius. Und tausend Grüße von Rebekka! Voß Ernestine   (zugleich)     Rebekka! Rebekka! Auguste (für sich.). Rebekka?! Ernestine. Was macht sie? Voß. Wie geht es ihr? Claudius. Danke! – Auf's schönste! – So munter, wie ihr Bote! Auguste. Also sin Fru! Voß. Nein! Diese Freude! – Diese Überraschung! – – Du hier, – mein liebster Freund und Bruder in Apoll! – (mit Wehmut). Aber ach! wie ist es nun doch schon alles so ganz anders, als früher! Und wo sind sie alle, die lieben Freunde und die schönen Stunden und Tage unseres herrlichen Bundes?! – – – Ein kurzer Traum! – Verflogen! – – Zerstoben! – – Claudius. Ja, ja! – – Aber warum so elegisch?! Das Bessere, was er gezeitigt, wird doch bleiben für alle Zeiten! – Sein unverwelklicher Kranz schöner Dichtungen und Lieder! Voß. Und sein Verdienst, um die Befreiung unserer deutschen Litteratur von der Überwucherung französischer Torheit und Mode! Auguste (für sich). Wa gelehrt dat klingt! Ernestine. Und wer einen Klopstock zu den Seinigen zählte, – – Claudius. Und einen Hölty , eine Boie , einen Leisewitz ! Voß. Und die Millers , – die Stolbergs ! Claudius. Und einen Voß ! Voß. O, bitte! bitte! Claudius. Und einen Bürger , einen Lessing zu seinen Freunden! Voß. Und einen Asmus , omnia sua secum portans! Auguste (für sich). Dat's gewiß französch! Claudius. Sei es! – Warum nicht?! – Euer Bund war mir immer an's Herz gewachsen! – – Aber wer das alles so hat und hatte, der wird auch bleiben, wie jene bleiben! Ernestine. Das wird er! – Er lebt mit ihnen! Voß. Claudius! (ihm beide Hände drückend). Du alte, liebe, treue Seele du! – – – (in anderm Ton). Aber du trägst ja noch immer die Tasche! – Entschuldige, daß ich dir sie nicht schon abgenommen – (nimmt ihm die Tasche ab). Sieh', da guckt wahrhaftig ja auch noch etwas heraus! – Ernestine. Am Ende gar ein Gedicht! Voß. Und das neueste, was der Bote sich hineingesteckt! – Darf ich? – (nimmt das Gedicht heraus). . Claudius. Warum nicht?! – Ich machte es unterwegs auf dem Schoner, als die Flut kam, und wir vor Anker lagen. – Wenn's dir gefällt, sei es dein! Auguste. Also ock so'n Dichter! (leise in die Hände schlagend). Prächtig! prächtig! Voß (lesend) . Die Geschichte vom großen Goliath und dem kleinen David. War einst ein Riese Goliath, Ein gar gefährlich' Mann! Er hatte Tressen an dem Hut Und einen Klunker dran! Und hatt'n Rock von Silberdraht Der ganz gewaltig funkeln tat. Voß Ernestine   (zugleich)     Ha! Ha! Ha! Ha! Ha! Ha! Ha! Ha! Auguste Ernestine. Das ist ja reizend! Auguste. Ja, Fru Rektern, dat is hübsch! Ernestine (verweisend) . Auguste! Auguste. Gott, Fru Rektern, ick kann mi doch ock wul freun?! (ab durch die kleine Pforte rechts). Ernestine (zu Claudius) . Etwas vorlaut, aber doch herzensgut! Voß. Ein naives Naturgemüt. Claudius. Das hab' ich gern! Voß. Aber deine Ballade, – die lesen wir nachher unseren Bauern vor! – Die werden sich ja unter den Tisch lachen! – Es kommt nämlich noch Gesellschaft. Claudius. Ja. das seh' ich! – Der Tisch ist so hübsch gedeckt, und dein großer Göttinger Ehrenpokal mitten darauf! – Voß. Halt! da fällt mir 'was ein! – – Aus dem sollst du heute abend trinken! Claudius (abwehrend) . Ah! Ah! Voß. Wir wollten ihn kreisen lassen beim Rundgesang, aber nun trinkst du allein daraus! Ernestine. Bravo, mein Männchen! – Und oben am Tisch da soll er sitzen, als unser aller Ehrengast! Voß. Und in meinem Lehnstuhl! Ernestine. Bravo, bravo! Tragen wir ihn gleich dahin! (Vosz und Ernestine gehen nach der Laube und tragen den Lehnstuhl nach dem oberen hinteren Tischende, während der Dialog weiter geht) . Claudius. Viel Zu viel der Ehre! Aber die Gesellschaft! – Da bin ich doch am Ende wie ein alter Störenfried gekommen. Ernestine. Gott bewahre! Voß. Im Gegenteil; – die Gesellschaft wird dich interessieren, – und du sie! – – Wenn sie dich auch nicht kennen, – den Wandsbecker Boten, kennen sie doch alle! – Er geht hier von Haus zu Haus! Ernestine. Und man lernt seine Gedichte und singt seine Lieder! Claudius. Ist mir gar lieb zu hören! Voß. So lernst du auch hier deine Verehrer und Verehrerinnen mal kennen! – Lauter Otterndorfer Bauern mit ihren Frauen, – und eine kleine allerliebste Bäuerin auch ohne Mann! Ernestine. Na? wer könnte das denn sein? Voß. Doch! Und doch! – – Und die könntest du zu Tisch führen! Claudius. Aber mit Verlaub! – Meine Tischdame für heute Abend ist doch Frau Ernestine! Ernestine. Danke bestens! – Mit großem Vergnügen! Voß. Nun, dann nimm sie! – Ich sprach im Bilde! – Es wird nämlich nur platt gesprochen, – und ich meinte eben nichts anderes, als unsere alte, schöne, liebe, teure Muttersprache! Ernestine. Du Schelm! Claudius. Nur platt gesprochen! – Das ist ja reizend! Voß (mit Pathos) .Ja! – denn kumm man her, – du lüttje dralle Burdeern mit din langen brunen Flechten, din rosenroden Mund und din sneewitten Tähn! – Mit din hellen Vergißmeinnich-Ogen un din fröhlich Kinnerhart! – Ja, denn kumm man her! – du sittst bi mi! – Siebente Szene. Fiken Grothusen. Auguste. Die Vorigen. Auguste (Fiken, die sich sträubt, an der Hand hereinziehend. Beide durch die kleine Pforte rechts kommend) .Nu kumm man, Fiken! Voß. Fiken! [Klammer] (zugleich) Ernestine Fiken! Auguste. Nu schaneer di doch man ni! – (zu Ernestine) .Se hett wat op'n Harten! Claudius (bei Seite) .Welch eine Menschenblume! Voß. Na, Fiken, kumm! – giff uns de Hand! Claudius (bei Seite) Das kleine Bauermädchen! Fiken. Ja, Herr Retter! – (Sie gibt zuerst Ernestine, dann Voß die Hand, jedesmal einen Knicks machend, während dessen sagt) Claudius (bei sich) Ja, das ist sie, die kleine allerliebste Bäuerin! Voß (nach Claudius zeigend) Un den dar ock, Fiken! – Is'n guden Fründ vun uns! Un du freust di an allens, wat he schrifft, und singst sin Leeder! Dat is Asmus, min Kind, de »Wandsbecker Bote«. Fiken. Ah, ne! – Ah, ne! Der Mond ist aufgegangen, Die gold'nen Sternlein prangen, – Dat is doch dat schönste uun all mm Leeder, de ick singen kann! – Un Se hebbt dat makt? Ne, wa freut mi dat! – Aber ick heff ja man nix als en paar arme Wör to danken! Claudius. Doch! doch, min Kind!– wat schullst du ni! – Kumm, giff mi noch eenmal de Hand! (sie gibt Claudius die Hand) Un süh, so hal ick mi fülben min Dank! un drück mi mal de lüttje frische Ros' an min Lippen! (er küßt sie) Voß Ernestine   (zugleich)     Ha! Ha! Ha! Ha! Ha! Ha! Ha! Ha! Fiken (verschämt) Ah ne! (mischt sich mit der Schürze über den Mund) Voß (in die Hände klatschend) Bravo! – charmant! – Kumm, lüttj' Fiken, giff mi ock een! Ernestine (eifersüchtig) Aber Voß! laß doch den Unsinn! Auguste . Ja, Fiken, do' dat man! – Uns Herr Retter is doch ock so'n Dichter! Ernestine (zu Auguste) Du schweigst! Auguste. Gott, Fru Rektern, wat is dar denn bi! – En Dichter kann man doch geern mal küssen! Ernestine Schweig! sag ich dir noch einmal! Auguste Ja, ick swig! Ernestine (zu Fieken) Nun, mein Kind, was hast du denn auf dem Herzen? Auguste Se hett en unglückliche Liebe, Fru Rektern! Voß Claudius   (zugleich)     Ah! Ah! Ernestine Sieh! Sieh! Auguste Ja, Fru Rektern, mit Hartwig Kröger! – Un ehr Vader un Moder sünd beide so dargegen! Voß Hartwig Kröger, de arme Schipperknecht! – Un Fiken Grothusen, de rike Burndochder! Fiken (weinend) Ja! Un nu hett Jochen Bull sin Jochen um mi anholen – un denn schall ick pattu nehmen! Voß Jochen Bull! – De eenzig Söhn! – un sin Vader, de hett ock ja en groten Hoff! Claudius (bei Seite) Wieder mal der leidige Mammon und die Habsucht der Menschen! Fiken (weinend) Un ick kann un kann dat ni! – Ni un nümmer nich! Ernestine Sehr natürlich! Auguste De ole, rothaarige Mensch?! Gott bewahr uns! – De is ja jüst akkerat ebenso, als sin Gizpesel vun Vader! Ernestine Rede doch nicht immer so vorlaut dazwischen! Geh' nach der Küche! Auguste Ja, Fru Rektern! (Ab durch die kleine Pforte rechts) Fiken (noch mehr weinend) Dat is ja ock man blots vunwegen dat Geld, – Un wil min Hartwig arm is. – Nu heff ick nix mehr vun min Leben! Voß Na, na! Nu lat doch dat Ween'n na, min lüttj' Fiken! Ernestine Ja, tröst' di man! – Dat hett wull noch keen Not! Claudius (bei Seite) Das kann einem doch leid tun! Fiken (weinend) Wat fang ick arm Deern nu eenmal an! – – – Awers wil min Vader und min Moder doch vunabend ock mit hier sünd, – wull ick den Herrn Rekter und de Fru Rektern beden, – wenn't jichens möglich weer, – un de Gelegenheit jüst mal günstig, – – bi min Vader un Moder en fründlich Wort för mi un min Hartwig to spreken! Voß. Ja! Ja! wenn't jichens möglich is – so will ick't do'n! Claudius. Un ick ock! – Du arm lüttj' Deern! Ernestine. Und ich nicht minder! Achte Szene. Auguste. Die Vorigen. Auguste (durch die kleine Pforte kommend) Herr Rekter, Fru Rektern! – Fiken! Deern! – Din Vader un Moder, de kamt! (Man hört klingeln) Fiken (erregt) Ach Gott! Ach Gott! – Un se meent, ick bin na'n Höker! – Se dörft mi hier ni drapen! – Wa kam ick nu wedder rut?! Auguste. Hett keen Not, min lüttj' Fiken, lat mi man sorgen. Fiken. Denn man gau! man gau, ehr se kamt! – Wo schall ick eenmal hin! – Auguste. Wo du hinschast? – (nach der Pforte links zeigend) Dar, – dör de Port schast du hin! – Deern, büst du denn rein verbistert? – Denn büst ja all in'n Appelhoff! – Fiken. Ja, in'n Appelhoff! – Auguste. Un tonöst kummt ja all de Wisch mit den Fotstig na'n Dik heröwer! Fiken. Ja, na'n Dik heröwer! Voß. Charmant, Auguste! Ja, das geht! Ernestine (zu Fiken) Dann nur noch ein wenig weiter, und du bist schon wieder zu Hause, mein Kind! Auguste. Ja, is't ni so, Fru Rektern? (zu Fiken) Denn kumm man Fiken! (man hört wieder klingeln) Ja, man gau! man gau! (Fiken und Auguste ab durch die kleine Pforte links) Ernestine. Dann muß ich wohl öffnen! (Ab durch die Mitte) Voß. Richtig, Peter Grothusen! – wieder einmal ein gut Stück früher als all die andern! Claudius. Na, das paßt ja schön! – Da haben wir ja gleich die beste Gelegenheit! Voß. Eine hübsche Aufgabe, aber sicherlich eine recht schwierige! Claudius. Setzen wir einmal all unser Können daran, sie glücklich zu lösen. Auguste (wieder durch die kleine Pforte links zurückkehrend) Dar nerrn in de Wisch heff ick wat sehn, Herr Rekter! Voß. Na, wat denn? Auguste. Dar leep em öwer'n Dik heröver un na de Wisch hendal. Voß. Und was denn weiter? Auguste. Ja, so veel als ick man in'n Mandschien un so ut de Feern noch sehn kunn, – en groten, slanken un smucken jungen Menschen! Voß. Hartwig Kröger?! Auguste. Ja, wer weet! – De Tofall spelt mennigmal ock en Rull! – Na, wat geiht uns dat an! (ab durch die Pforte rechts) Neunte Scene. Peter Grothusen. Trinken Grothusen. Die Vorigen. Ernestine (die Tür öffnend) So! Si'n Se so gut! (Peter Grothusen zuerst eintretend, nach ihm Trinken Grothusen und dann Ernestine) Peter Grothusen (Voß die Hand gebend) Schön gu'n Abend! Voß. Gu'n Abend! Trinken Grothusen (schnell, ebenso) Schön gu'n Abend! Vosz. Gu'n Abend! (auf Claudius zeigend) Dat's 'n guden Fründ vun mi! Peter Grothusen (Claudius die Hand gebend) So?! Na, gu'n Abend denn ock! Claudius. Gu'n Abend! Trinken Grothusen (ebenso) Gu'n Abend denn ock! Claudius. Gu'n Abend! Ernestine (Auf die Stühle hinter dem Tisch zeigend) So! Nu nehm'n Se man eerst mal en beten Platz! Peter Grothusen. Danke! Trinken Grothusen   (zugleich)     Danke! Danke! (Beide setzen sich). Zehnte Scene. Auguste. Die Vorigen. Auguste (kommt durch die kleine Pforte rechts, in der Hand ein Gefäß mit Senf und Salz, welches sie geräuschvoll vor Peter Grothusen auf den Tisch stellt. Sie bleibt im Hintergrunde stehen). Solt und Semp, Peter Grothusen! Peter Grothusen (etwas verblüfft über Augustes Benehmen). Wa! – wa, – wa, wa, wat!? Ernestine (verweisend). Auguste! Vosz. Na, wa steiht't denn to Hus, Peter Grothusen? un wat makt de Kinner denn? Peter Grothusen. Ah, danke för de fründliche Nafrag! Ja, wi hebbt ja man de twee! Ernestine. Aber wat för'n twee! – Als Melk un Blot sünd de beiden! Auguste (zu Ernestine) . Nu man frisch, Fru Rektern! Peter Grothusen. Wat sä Se dar? Auguste. Ah, nix! Peter Grothusen. So?! nix?! – Na, ja! – Ja! – en paar däge Kinner sünd dat ock! – – Trinken Grothusen. Un wat de lüttje is, de Petje, dat Nestküken, – de is so mehr sin Vader sin Ogappel! Peter Grothusen Ja, un Fiken, de grote, mehr ehr Moder ehr! Trinken Grothusen Wenn de Jung man nich ümmer so waghalsig weer un so ballstürig! Peter Grothusen Un Fiken man ni bischuerns so egensinnig un so obsternasch! Trinken Grothusen Dat eene is wul so slimm, als dat anner! un vertrocken sünd se wul beid so'n beten. – Awers de Petje, de Racker, de kann sin Vader ja nagrad' um'n Finger wickeln. Peter Grothusen So?! – Dat billst du di dochen man in, Trinken! Trinken Grothusen Na, dat heff ick ja dochen all wedder mal sehn mit de Joll! Peter Grothusen Kummst du all wedder mit de Joll! Wo jüm Frunslüd eenmal en Pick op hebbt, dat bringt ju jümmers wedder op't Tapet! Voß Sehr richtig. Ernestine So?! Ah! Trinken Grothusen Ja, denken Se sick mal, Herr Rekter, dar wünsch de Jung, de Petje, sick nülich en Joll to sin Geburtsdag! Claudius Allerdings, ein ganz nettes Geschenk! Peter Grothusen Na, wat is dar denn bi? Trinken Grothusen So'n nie Joll, de kost doch en ganzen Barg Geld! – Peter Grothusen Ach wat! – wi hebbt dat ja! Voß (zu Claudius). Peter Grothusen ist einer der reichsten Bauern in Otterndorf! Claudius So? Ah, das wußte ich noch nicht! Peter Grothusen (selbstgefällig). Ja! – ja! – dat bün ick! – Un dochen queest se mi noch ümmer um de Joll! – Trinken Grothusen Na, um dat Geld is't ja ock jüst nich alleen! – Awers nu denkt de Jung an nix anners mehr, als an sin Joll, – un wenn dar mal keen Schol is, denn liggt he'n ganzen Dag darmit op't Water! – Un bi sin Waghalsigkeit, – wa licht kunn dar ni mal en Malör passeeren! – Man kummt ut de Angst ja rein garni mehr herut! – Peter Grothusen. Ach wat! Jüm Frunslüd hebbt dar ock jümmers wat to queesen! – Bekümmer du di dochen man um din Fiken! – Mit de ehrn Egensinn un ehr Wedderhaarigkeit is dat dochen noch arig wat slimmer! – De makt di ock doch wahrhaftig Sorgen 'nog! – Un mi noch darto! Voß. So?! Ah?! – Un ick heff ehr ümmer für so'n nettes, gudes Mäten holn. Ernestine. Und ich auch! Claudius. Das ist sie gewiß doch auch. Auguste (schnell) Ja, sekerlich! Peter Grothusen. So?! Wat weest du darvun?! Ernestine (verweisend) Auguste! – – Voß. Wat hebbt Se denn mit Fiken? Wat is dar denn los mit ehr! Wenn ick so fri sin dörf, Se to fragen? – Peter Grothusen. Ja, wa, wa, wa, wat is dar los?! – Dar is een, de hett ehr den Kopp verdreiht, – un nu sett se sick op gegen ehr Öllern! Trinken Grothusen. Dar is de Mensch an schuld! Ernestine. Wat för'n Mensch? Peter Grothusen. Ah, de Hartwig Kröger, de! Trinken Grothusen. Se is ja rein vernarrt in em! Auguste. Na, Fru Rektern, – nu man to! Peter Grothusen. Wat sä Se dar? Auguste. Ah, nix! Peter Grothusen. So! nix! wedder nix?! Ernestine (verweisend) Auguste, nach der Küche! Auguste. Gott. Fru Rektern! Ernestine. Hörst du nicht?! Auguste. Na, denn gah ick! – Aber de Wänn' hebbt ock Ohren! (Ab durch die kleine Pforte rechts) Peter Grothusen. Dat is mal en näswise Deern! – Awers wat ick man noch seggn wull. Dat is recht! – Ja, wat düsse Hartwig Kröger sick wul inbilln deit, – so'n Lump vun Schipperknecht! – Un nu weer dar jüst so'n schöne Patti för uns' Fiken! Frau Grothusen Jochen Bull sin Jochen! Peter Grothusen Ja! Ernestine Jochen Bull sin Jochen un Ehr lütt' Fiken?! Ah, ne! – de paßt ock doch man slecht tohopen! Peter Grothusen und Trinken Grothusen (zugleich). So?! Voß Dat weer ja to'm Verglik als en gehle Hunnblom bi en rode Ros'! Elfte Szene. Auguste Die Vorigen Auguste (durch die Pforte rechts kommend, mit einer Pfefferdose, welche sie geräuschvoll vor Peter Grothusen auf den Tisch stellt, so daß der Pfeffer heraus und Peter Grothusen in die Nase fliegt. Im Hinstellen:). So, hier is ock noch de Peper! (Sie tritt nach der Pforte rechts hin zurück, dem weiteren Gespräche lauschend). Peter Grothusen (durch wiederholtes Niesen im Sprechen unterbrochen). Wa, – wa, – wa, – hapies! ja, töf, – du! Ha, – hapies! – wa, – wa, – wa, wat sä'n Se? – hapies! als, – als – 'n Hunnblom mi – mit'n Ros'?! – Wa, – wa, – wakeen wull dat behaupten?! – Voß Na, man brukt se dochen man beide mal antosehn! Claudius Un nix slimmer, als twee Menschen an enanner binn', de ni för enanner paßt! Auguste Ja, dat is wahr! Peter Grothusen Ni för enanner paßt?! (Er klopft sich auf die Tasche, daß das Geld klingt) Ick meen dochen, dit hier, – dat hebbt se beide! – Un wat paßt dar denn ock wull beter tohopen, als dat?! Trinken Grothusen Ja, un wat hett de anner denn?! Peter Grothusen So arm als en Karkenmus! – Garnix hett he! Voß Doch en staatsche Figur un en smuckes Gesicht! Peter Grothusen Wa, – wa, – wat do' ick darmit! Ernestine Un en gudes Hart! Peter Grothusen Wa, – wa, – wakeen seggt dat?! Dar süht nüms herin! Ernestine He ernährt doch all sit Jahren sin ole Moder! Voß Un als dat grote Für weer in de Osterstrat, hal he dar ni de kranke Fru ut de Flammen?! Ernestine Un twee vun min Mann sin Scholkinner, de dar op de Mäm' dör't Is braken, hett he doch dat Leben rett! Voß Un de ole Fischer Groth weer ock verdrunken, wenn he em ni nasprungen weer! Claudius Na, wenn de keen gudes Hart hett, de dat allens da'n, – wakeen harr't denn? Voß Un Jochen Bull sin Jochen, de is als sin Vader, – se hebbt dar beide vun dat allens nix! Auguste Ni mal en beten Mutterwitz! Ernestine (verweisend). Auguste! Peter Grothusen Awers doch en groten Hoff un mit en reines Folium, – un ock noch Geld op Zinsen! Voß . Peter Grothusen, schall'ck Em mal wat seggn? Peter Grothusen Ick mag dar nix mehr vun hören! Voß Dat Geld makt den Menschen ni glücklich! – Un wat nützt mi Hab un Gut, wenn ick keen annere Freuden mehr Heff?! Claudius Un leewer arm un mit Freuden, als rik und mit Leiden! Voß Wo dat Glück is, dar sünd ock de Armen rik, – awers arm sünd ok de Riten, wenn se ni glücklich sünd! – Un wa kunn de beiden wul glücklich mit enanner warrn! Auguste (bei Seite). Ne! Düsse Dichters! Claudius . Un wa kunn en Vader un en Moder denn ock wul vun ehr hartleev Kind dat höchste un dat schönste to'n Opfer verlangen, wat düsse Welt man hett? De Leevde?! Voß. Uns' Herrgott is ja sülben de Leevde, – un wo he ehr opblöhn lett in en Menschenhart, dar beschützt un beschirmt he ehr ock, – un wer sick daran vergripen wull, de vergreep sick ja an uns' Herrgott sülben! Auguste (bei Seite) Ne, dar kunn ja en Steen week bi warrn! Peter Grothusen (aufspringend und mit dem Fuß stampfend) Dunner und Doria! un der Deuscher noch mal to! – Dat heff ick ni nödig, mi beeden to laten! – Wat gaht denn anner Lüd min Kinner an?! Trinken Grothusen . Gott in'n Himmel, Peter, betäm di dochen, dat't man keen Spektakel gifft. Peter Grothusen . Ach wat! – Lat't geben, wat't will! – Min Kinner sünd min! – un dar hebbt de annern sick nix um to kümmern! Voß . So?! na! – Vellicht sprekt wi uns noch mal wedder! – wi Menschen hangt doch all mitenanner tohopen! – Claudius . Un dat is ja jüst de höchste Plicht för en jeden, dat de een den annern hölpen un stütten schall, wenn't nödig deit! Peter Grothusen . Ick kann mi sülben helpen un bruk keen Hölp vun annere Lüd! Voß . Awers Fiken brukt ehr! Peter Grothusen und Trinken Grothusen [Klammer] (zugleich) Fiken?! Voß . Se hett uns mit natte Ogen darum beden! Peter Grothusen. De ungeraden Deern! – Annere Lüd optostacheln gegen ehr egen Vader un Moder! – – Awers töf man! Lat uns man wedder to Hus kam'! – Dat schall se mi büßen! (er setzt sich wieder) Auguste. So, Peter Grothusen?! – Denn wull he ehr to all dat Unrecht noch en nies wedder hento do'n? Ernestine (verweisend) . Auguste! Auguste. Pfui, Peter Grothusen! Scham He sick wat; Ernestine (verweisend) . Auguste, sag' ich! Peter Grothusen. Herut mit di! Auguste. Ick bün ja man en arme Deenstdeern! – Awers so een, als den olen gizigen Jochen Bull sin rothaarigen Jochen, den neehm ick ja nich, un wenn he mit Goldstücken bespickt weer! Ernestine Voß [Klammer] (zugleich) . Aber Auguste! Peter Grothusen (aufspringend, während Auguste schnell abgehend durch die kleine Pforte, diese hinter sich zuschlägt) . Herut mit di! – Oder ick stopp di noch mal din näswises Mul, dat di Hör'n un Seh'n vergeiht! – (man hört klingeln) . Ernestine (durch die kleine Pforte rechts rufend) . Aber Auguste, komm doch und öffne! Auguste (an der Pforte, die sie etwas öffnet, argwöhnisch nach Peter Grothusen hinübersehend) . Ja, Fru Rektern! – Ick bün man bang, he deit mi wat! – Peter Grothusen (auffahrend) . Ja, töf! – Ick will di krigen! Auguste (schnell die Pforte zuschlagend, ab, aber gleich wieder zurückkehrend, und in der Nähe der Pforte verbleibend) (Man hört wieder klingeln) . Trinken Grothusen. Gott Lof! – Dar geiht de Klock all wedder! – Nu hett de Strit doch en Enn! Peter Grothusen (aufgebracht) . En Enn?! – De hett noch lang keen Enn! Trinken Grothusen. Dat klingelt ja doch, – de annern kamt! – Voß. Krischan Fölster und Paul Ohlen! Ernestine. Mit ihren Frauen! Peter Grothusen (aufgebracht) . Lat dat klingeln! – Lat se kam'! – Wi gaht! – Trinken Grothusen. Gott in'n Himmel, Peter! Peter Grothusen (aufgebracht) Ja! – wi gaht! (zu Voß) Als Fründ hebbt Se mi inladen, Herr Rekter, un als en Fründ bün ick kam! – Awers nu hett de Fründschap en Enn! – Un dat segg ick noch mal, un dat künnt Se sick marken, Herr Rekter, un ock Fru Rektern, un ock ehr Fründ ut Wandsbeck: För min Kinner sorg ick alleen, – ick – Peter Grothusen! – un bruk keen Hölp vun annere Lüd! Trinken Grothusen . Gott bewahr' uns, Peter! Voß Ernestine   (zugleich)     Aber, Peter Grothusen! Beruhigen Sie sich doch! Aber, Peter Grothusen! Beruhigen Sie sich doch! Peter Grothusen. Wat ick seggt heff, dat heff ick seggt! (zu seiner Frau) Un nu kummst du (sie sträubt sich; er faßt die Sträubende an und zieht sie fort) Ick segg di, du kummst! – (zu Voß) Un öwer Ehr Döhrschwell kummt Peter Grothusen ni wedder! (seine Frau mitziehend, ab durch die Mitte) (Man hört wieder klingeln) (Durch die Baumkronen wird der Vollmond sichtbar) Voß (rasch) Wir müssen ihn zurückhalten! Claudius (rasch) Ihn besänftigen! Ernestine (rasch) Ja, ihm nach! – Und die andern helfen mit! (Voß und Claudius ab durch die Mitte) Ernestine (rasch zu Auguste) Und du, Auguste, bringe schnell noch das übrige aus der Küche! – Wenn wir wiederkommen, geht's gleich zu Tisch! (ab durch die Mitte) Auguste (ihr nachrufend) Ja, Fru Rektern! – Na, de Gesellschaft fangt ja schön an! – Wat ward de wul noch för'n Enn nehm'! – Awers töf man, du Hitzkopp! – Vun so'n Burn lat so'n paar Dichter sick noch lang nich in't Bockshorn jagen! – Wat för'n Strit! – un denn an so'n schön Summerabend! – (den Mond gewahr werdend) Ah, süh! – Ah, süh! – Dar kiekt ja ock all de Mand dör de Twigen! – Un rein so fredsam un so trulich, als wenn he seggn wul: Gott bewahr uns, Peter Grothusen, schamst du di denn nich? – Un den Fiken, de beschütz ick, denn in ehr Hart, dar blöht de Leevde! Un darför bün ick ja de Mand, – de se alle beluern un beschützen deit, de sick leev hebbt! – Na, wenn Fiken hier wee[e?]r, denn wüß ick wul, wat se de', – denn fung se an to singn, – un ick weet ock wul, wat! – – Dat Leed vun den Wandsbecker Dichter, unsen Herrn Rekter sin Fründ! – – Se hett dat ja all so hüpig sungn, dat ick dat nu ock all kenn! – Vorspiel. (sie singt). Der Mond ist aufgegangen, Die gold'nen Sternlein prangen Am Himmel hell und klar! Der Wald steht schwarz und schweiget, Und aus den Wiesen steiget Der weiße Nebel wunderbar! (Gesang in der Ferne, in der Wiese, Fiken). Wie ist die Welt so stille! Auguste (schnell zum Publikum). Ha! Und in der Dämmerung Hülle, Auguste (schnell). Wat hör ick! So traulich und so hold! Auguste (schnell). Fiken Grothusen! Gleich einer stillen Kammer Auguste (schnell). Ehr Stimm! Wo ihr des Tages Jammer Verschlafen und vergessen sollt! Auguste (schnell). Ja, se is dat! (an die Pforte links eilend, und darüber sehend). He! Fiken! Fiken! – Na, wo is se denn? Wahrhaftig! – Dar geiht se! Un mit Hartwig Kröger in'n Arm! – He, Fiken! Fiken! – Awers se hört mi ni! – Denn sing ick wedder! (singt). Wir stolze Menschenkinder Sind eitel arme Sünder Und wissen gar nicht viel! Wir spinnen Hirngespinnste Und brauchen viele Künste Und kommen oft doch nicht an's Ziel! Dat hebbt se hört! – Nu staht se still, un kiekt sick um, – Se weiht mit'n Taschendok! – (Gesang in der Ferne, in der Wiese, Fiken und Hartwig Kroger). Laßt uns auf Gott vertrauen! Auguste (schnell). Ha! Auf seine Hülfe bauen! Auguste (schnell). Twee! Und unser Herz, das sei sein Haus! Auguste (schnell). Hartwig ock! Wenn auch kein Trost uns bliebe, Gott ist ja doch die Liebe! Auguste (schnell) Die Liebe, ja, ja! Und führet alles schön hinaus! Auguste. Und führet alles schön hinaus! (rufend, mit dem Tuche wehend). He, Fiken! Fiken! – Wahrhaftig! – Nu weiht se noch mal mit'n Dok! – Fiken! – Hartwig! – – Awers nu gaht se wider! – den Stig dör de Wisch un an de Mäm' hendal! – Fiken, Deern, du kriggst ja natte Föt! – Nu bögt se links um, den Dik tohöchd bi de grote Slüs'. – un nu, – ja nu kann ick se ja all ni mehr sehn! – Nu sünd se all ov de anner Sit an't Water! – – Na, wenn Peter Grothusen un sin Fru se nu man nich in de Möt kamt, – de Hof liggt ja ganz in de Neegde! – Du ol' leewe, true Wand dar baben, nu beschirm un beschütz du se wider! – Hett wull nix to seggn! – Se hebbt ja noch guden Mot! – Un wa schön dat klung, als de beiden so tohopen sungn! – (sie singt). Laßt uns auf Gott vertrauen, Auf seine Hülfe bauen, Und unser Herz, das sei sein Haus! Wenn auch kein Trost uns bliebe, Gott ist ja doch die Liebe Und führet alles schön hinaus! (Sie geht langsam durch die Pforte rechts ab). (Der Vorhang fällt langsam). Zweiter Akt. (Dieselbe Dekoration.). Vorspiel. (Eine Strophe des Liedes »Der Mond ist aufgegangen«.). Erste Scene. Auguste (mit der zweiten Schüssel voll Butterbrot durch die kleine Pforte rechts kommend und die Schüssel auf das untere Tischende setzend). Na, nu fehlt man blots noch de Punsch, un denn is ock all allens op'n Disch! – Wenn Fiken un ehr Hartwig man blots ni de beiden Ol'n bemöten do't! Se hebbt ja keen Ahnung darvun, dat de nu ock all wedder to Hus gaht! – Un wenn de sick bemöten, denn passeer en Unglück! – Herr Gottes, ick glöv, Peter Grothusen, de slog em dod! Zweite Scene. Ernestine. Auguste. Ernestine (eilig durch die Mitte kommend und hastig sprechend). Alles auf dem Tisch? Auguste? Auguste. Ja, Fru Rektern, de Punsch is dat letzte! Ernestine (schnell). Schön! – – – Dann hole ich sofort die Gesellschaft her! – Peter Grothusen und seine Frau sind auch noch hier! Auguste (schnell). Gott Lof un Dank! Ernestine (schnell). Es war nur gut, daß wir gleich nachstürzten, und ein Glück, daß gerade die anderen Gäste auch schon kamen! Sie haben wacker mitgeholfen und wir alle dem alten Starrkopf so lange zugesetzt, bis er nachgab! Auguste. Ja! Dat weer man got! Ernestine (schnell). Und nun haben wir uns denn alle wieder vertragen, und sogleich wird zu Tisch gegangen! – (eilig ab durch die Mitte). Auguste. Gott Lof, dat se sick doch man wedder verdragen hebbt! – Nu kann de Gesellschap denn ja wedder anfangen! – Awers mit mi hett he sick doch noch ni verdragen! – Ick will mi doch leewer noch en beten sitwarts holn! – (man hört Stimmen und Geräusch). Ha! – Dar kamt se ja all! Na, Peter Grothusen, wünsch' ock guden Appetit! (geht seitwärts nach der kleinen Pforte rechts). Dritte Scene. Voß. Claudius. Ernestine. Peter Grothusen. Trinken Grothusen. Krischan Fölster. Witjen Fölster. Paul Ohlen. Antje Ohlen. (Alle durch die Mitte eintretend. Die Bauern ihre Frauen am Arm. Zuerst Voß, der, die Pforte öffnend, sie herein läßt und bei der Pforte stehen bleibt. Nach ihm Peter Grothusen und Frau, dann Claudius und Ernestine, und nach diesen oder ziemlich gleichzeitig mit ihnen die andern. Im Garten lassen die Herren die Damen wieder los). Voß. So! jetzt nur herein durch die enge Pforte in mein kleines Paradies! Krischan Fölster. Ne! wat'n Freud un wat en Ehr, för uns, Herr Rekter, mit Ehrn Fründ, den Wandsbecker Boten mal so en Abend to verleben! Die anderen Bauern und Frauen. Ja, wat'n Ehr! Voß. Dat schull ick meen! – Dar sühst du, Claudius, wa veel se hier all vun di holt! – Claudius (wie abwehrend). Ah! Ah! Witjen Fölster. Ja, un eerst recht wi Frunslüd! Die andern Frauen. Ja, wi Frunslüd! Antje Ohlen. Un vör alln vunwegen all sin smucken Leeder, de Trinken Grothusen ehr Fiken so schön singen kann! – Paul Ohlen. Schö scho schön singen kann! Trinken Grothusen. Un Krischan Fölster doch ock! Die Anderen. Krischan Fölster ock! Krischan Fölster (zu Claudius). Ja, Herr Claudius, dat is wahr! – In alle Hüser hier in Otterndörp holt un lest se Ehrn Wandsbecker Boten. Claudius. Ah! Ah! wie mich das freut zu hören! Krischan Fölster. Awers de Leeder do't dat noch nich alleen, als de Herr Rekter seggt! – Paul Ohlen. Re Re Re Rekter seggt! Krischan Fölster. Un ock noch all dat annere, wat he so schrifft, wil dat so vun Harten to Harten geiht! Die Anderen. Ja, vun Harten to Harten! Voß. Das sollt' ich meinen! – Mein Freund Claudius ist ein echter Volksdichter! Die Anderen. Ja, dat is he! Paul Ohlen. Da, da dat is he! Claudius (wie abwehrend). Sch! Sch! – Kinners! – Ju Otterndörper makt mi ja rein verlegen! Krischan Fölster. Und Ehre, dem die Ehre gebührt! – Ganz wat Ähnliches is ja ock uns' Herr Rekter! Die Anderen. Ja, uns' Herr Rekter! Paul Ohlen. U u uns' Her Rekter! Claudius. Na, was sagst du nun, mein lieber Bruder in Apoll?! Voß. Da will ich der Rede doch gleich eine andere Wendung geben. Deckt steiht Fru Rektern ehr Disch, un de leewen Gäst sünd versammelt, Sett wi uns denn und gevt ehr de Ehr – un lat uns dat smecken! Claudius. Ha! ha! ha! ha! Bravo! Ernestine (schnell) Ja, bravo, Männchen – das mein' ich auch! Also setzen wir uns! Krischan Fölster. Awers denn doch bunte Reeg! – Ni wahr, Fru Rektern? – Paul Ohlen. Bu bu bu bunte Reeg! Voß. Ja, dat geiht man ni gut! – De Bank dar is man wat wacklig! Dar möt wi Mannslüd man rop! – Un de'Stöhl, de lat wi de Frunslüd! Hebbt wi se denn ock nich an de Sit, so hebbt wi se dochen Vis à vis , als dar segt de Franzos, wenn he seggn will: liköwer! Claudius. Ha! ha! ha! ha! Bravo Johann, Heinrich Voß! Die Anderen. Bravo! bravo! Krischan Fölster. Ha! ha! ha! ha! vis à vis , als dar seggt de Franzos, wenn he seggn will liköwer! Na denn man vis à vis ! Paul Ohlen. Vi vi vi sa vis ! – Du Krischan! – Krischan Fölster. Na, wat denn, Paul? Paul Ohlen. Vi vi vi sa vis , – wat is dat? Krischan Fölster. Ja dat's französch, – dat's so veel, als liköwer, so to'n Verglik als nu wi beiden, ick un du, – un dat Gegendeel darvun, op de anner Sit, dat nömt se dos à dos ! Paul Ohlen. Do do do dos a dose ! Voß. Awers nu wüllt wi uns doch setten! Ernestine. Und unser Wandsbecker Freund und Ehrengast in meines Mannes Lehnstuhl! Voß. Auf den Ehrenplatz dort oben! Die Anderen. Ja, op'n Ehrenplatz! Claudius. Wenn es denn einmal so sein soll! – – Danke, danke gehorsamst, – ich füge mich! (zu Ernestine, ihr den Arm bietend). Und wenn ich bitten darf, Frau Ernestine! – – Ernestine (ihm den Arm gebend). Mit Vergnügen! – (zu den Frauen). Awer bitte, nu setten Se sick doch. Hier op düsse Sit vun'n Disch! – De veer Stöhl sünd för uns veer Damen Trinken Grothusen und Witjen Fölster und Antje Ohlen (zugleich). Danke! (Claudius, Ernestine und die anderen drei Frauen setzen sich. Claudius in den Lehnstuhl. Ihm zur Linken oben an den Tisch Ernestine, an deren Seite Trinken Grothusen, an deren Seite weiter nach unten Frau Ohlen, und an deren Seite ganz unten nach der Rampe hin, Witjen Fölster). Voß Aber es fehlt uns noch die Bowle! (nach der Pforte rechts hinrufend.) Auguste! – Auguste! die Bowle! Auguste (hinter der Pforte nicht sichtbar.). Ja, Herr Rekter! Kummt glieks, Herr Rekter! Voß Na, – un nu wi Herrn op de Bank hier! – Awers opgepaßt, dat wi dar mi mit runnerpurzelt! Krischan Fölster Ah, dat kennt wi! dat schaneert ni, Herr Rekter! Dar wet wi mit umtospringen! Paul Ohlen Mi mi mit umtospringen! Voß Na, denn man to! Un Peter Grothusen dar baben, bi unsern Ehrengast! Claudius Bi Fru Rektern un mi! – Un Fru Rektern lik gegenöwer! – Denn is se ja so quanzwis' ock Peter Grothusen sin Dischdam! Peter Grothusen Ja, dat is se ja denn so quanzwis'! – Na, denn will ich mi setten! – (setzt sich oben links, neben Claudius, rechts von diesem) Krischan Fölster (zu Grothusen). Jung, Peter, denn sett ick mi so, dat ick din Olsch vor mi heff! – (setzt sich neben Grothusen) Peter Grothusen Dat kannst ja man do'n! Ick heff ehr ja alle Dag! Trinken Grothusen Pfui, Peter, scham di wat! Peter Grothusen Ja, dat's ja wahr! Paul Ohlen. Un Fru Fru Fölstern, de de sök ick mi ut! – Du du du hest da doch nix da dargegen, Krischan! Krischan Fölster. Nimm ehr man! – ick günn di ehr geern! Witjen Fölster. Ock ni siecht! – Ne, düsse Mannslüd! – Un wat schulln se wul anfangen, wenn se uns ni harrn! Peter Ohlen. Un un un uns ni harrn! Voß (sich neben Paul Ohlen setzend). Un Fru Antje Ohlen, de is min Dam! – Antje Ohlen. En grote Ehr för mi, Herr Rekter! Auguste (mit der Punschbowle durch die kleine Pforte rechts auftretend, bleibt vorläufig noch im Hintergrund, auf das Gespräch horchend). Ernestine. Ei! ei! mein liebes Männchen! – Und das kleine, liebliche Bauermädchen! – Paul Ohlen. Lie lie liebliche Bauermädchen, – bü bü büst du dat, Antje?! Antje Ohlen. Hol den Mund! Voß. Na, wer weiß, ob die Kleine nicht vielleicht auch noch kommt! – Claudius. Wenn wir Glück haben, sicherlich! Vierte Szene. Auguste. Die Vorigen. Auguste (vortretend). So, dar kummt se all! Voß. Ah, die Bowle! Auguste. Ja, un de schall Se wul smecken! – Twee Buddel Rheinwin, vun'n allerdürsten! – Un en feinen Buddel Madeira, ock vun'n dürsten! – Un mehr als'n halben Buddel Conjack, – ock vun'n dürsten. – Un ock noch en ganzes Pund witten Hotzucker! – Ick heff all rein en lütten Swipps, blots vun den Geruch! – (die Bowle in der Nähe Ernestine's auf den Tisch setzend). Gesundheit, Peter Grothusen! Peter Grothusen (halb auffahrend). Ja töf! (Auguste schnell nach dem Hintergrunde zurückweichend). Ernestine. Aber Auguste, wann wirst du einmal bescheidener werden! Auguste. Ach, Fru Rektern! – Ick spaß ja man! Dörf man denn keen Menschen mehr de Gesundheit wünschen?! Ernestine. Ach was! – Schäme dich! Auguste. Ja! Ernestine (zu Voß). Aber nun, mein lieber Mann, sorge du, bitte, da unten für unsere Gäste, wie ich hier oben. (Die Schüssel mit Butterbrot an Claudius gebend). Bitte, bedienen Sie sich! Claudius (die Schüssel anfassend und sich Butterbrot nehmend). Danke! (gibt die Schüssel an Grothusen). Voß (die untere Schüssel Frau Ohlen reichend). Na, denn si'n Se man so gut! Antje Ohlen (die Schüssel anfassend und sich Butterbrot nehmend). Danke! (gibt die Schüssel an Witjen Fölster) (Die Schüssel an der Seite, wo die Männer sitzen, geht bis Voß, der, nachdem er als der letzte davon genommen, sie dort niedersetzt, wo die andere Schüssel gestanden hat. Die Schüssel an der Seite rechts, wo die Fraueu sitzen, geht bis Ernestine, welche als die letzte davon nimmt und sie dort niedersetzt, wo die andere Schüssel gestanden hat. Der Dialog ist unterdessen weitergegangen.). Trinken Grothusen. Wat för'n schönes Botterbrod! Witjen Fölster. Un wat för'n schönen Abend! Antje Ohlen. De Mand schient so hell! – Ernestine. Wi hebbt wul jüst Bullmand hüt! Paul Ohlen. Bu Bu Bu Bullmaand hüt! Krischan Fölster. Du, Paul! Paul Ohlen. Na, wa wa wat denn, Krischan? Krischan Fölster. Seeg di mal den Mand an! Paul Ohlen (dahin sehend). Ma Ma Ma Mand an! Krischan Fölster. He freut sick öwer di! Paul Ohlen. So so so? Wa wa wa so denn? Krischan Fölster. Na, wil du em so ähnlich sühst! – Die Anderen (lachen). Ha! Ha! Ha! Ha! Paul Ohlen Du du du makst Spaß! Auguste Awers, Krischan Fölster! Peter Grothusen (halb auffahrend). Wat geiht di dat an! – (Auguste schnell bis an die Pforte retirirend). Trinken Grothusen Gott bewahr uns, Peter! Peter Grothusen Ja, wat geiht ehr dat an! – Ick kann de Deern nich utstahn! – Dat is mal en asige Deern! Paul Ohlen A a asige Deern! Auguste So? ick danke! Krischan Fölster Hest ja na garnix kregen! Auguste Ne, dat heff ick ock nich! – Awers ick heff dat doch allens op'n Disch dragen! Ernestine Und nun hältst du den Mund! Auguste Ja. Fru Rektern. Voß Und du, mein liebes Weibchen, füllst uns die Gläser, nicht wahr? Ernestine (aufstehend und den Löffel anfassend). Jawohl, mit Vergnügen, mein lieber Mann! – Und damit es desto schneller gehe, reicht mir sie alle her! – Ein jeder das seinige! – (zu Claudius). Darf ich bitten? Claudius (den Pokal hinhaltend, welchen Ernestine zuerst füllt. Ebenso die anderen ihre Gläser, die sie gleichfalls füllt, während der Dialog ungestört weiter geht). Suum cuique! – Jedem das Seinige! Aber da bekomme ich ja so viel mehr, als all die andern! – Voß Eben weil du auch so viel mehr und ein ganz anderer bist! Claudius Ich danke! Voß Und ich bitte! – Auf einen Augenblick um deinen Pokal! Claudius (ihm den Pokal gebend). Da hast du ihn! Paul Ohlen (sich mehrere Male schnell nach der Nase schlagend). Sch! sch! sch! – schwapp! Krischan Fölster Na, wat fuchelst du dar denn? wat hest du, Paul? Paul Ohlen Mi mi mi ste steek'n Mück op de Näs'! Krischan Fölster Hett wul dacht, dat'n Punschglas weer, un mal smecken wullt! Die Anderen (lachen). Ha! Ha! Ha! Ha! Paul Ohlen Du du du spaßt all wedder! Voß Aber nun bitt' ich um's Wort! Die Anderen Herr Rekter hett't Wort! Voß (sich gegen Claudius wendend). Zu einem solchen Ehrenpokal gehört, wenn er gefüllt ist, doch allemal ein herzliches Wort! Und mit einem solchen möchte ich ihn dir sogleich wieder zurückgeben, – Dir, meinem lieben Bruder in Apoll! Du echtes, treues, deutsches Dichterherz Voll Gottesfurcht und wahrer Menschenliebe! Du Ehrenmann, – nun unser Ehrengast! Dir trinke ich aus diesem Ehrenbecher Den Willkommsgruß! – Du Sänger all der Lieder Sieh' her also! - (Er trinkt und reicht Claudius den Pokal wieder hin). – – – – – – Und reiche dir ihn wieder! Und ruf' aus vollem Herzen gleich daneben: Matthias Claudius, hoch sollst du leben! Alle (anstoßend). Hoch! Auguste (hinterher). Hoch! Peter Grothusen (nach Auguste sehend, welche schnell wieder etwas zurückweicht). Snackst du all wedder mit?! Ernestine (verweisend). Wirst du schon wieder vorlaut?! Auguste Gott, Fru Rektern, wat is dar denn bi?! – – – Ick heff ja ni mal wat in't Glas! – Un wat kann de Mensch för sin Geföhl?! Un för de Dichters swärm ick nu eenmal! Voß und Claudius (zugleich). Ha! Ha! Ha! Bravo! Bravo! Krischan Fölster Herr Rekter, Fru Rektern, – schüllt wi nu nich eerst mal een singen?! Voß Bravo! – Dat meen ick ock' – Jawul! Een singen! Ernestine Aber erst die leeren Gläser wieder her! Paul Ohlen (vor den andern sein Glas hinhaltend und vorlaut). Hier! Peter Grothusen Krischan Fölster Voß (zugleich und die Gläser hinhaltend). Hier! Ernestine (füllt die Gläser). Peter Grothusen Ja, denn man to, Krischan Fölsterr – In't Singn weerst du doch ümmer de Makkado mank uns Buern! Paul Ohlen Ma Makkador, mank uns Buern! Krischan Fölster Als Paul in't Supen! Paul Ohlen Du du spa spaßt all wedder! Voß Na, denn man to! Witjen Fölster Na, Krischan?! Krischan Fölfter Ja! wenn min Olsch dat will, denn mutt ick ja! (singt). Wenn Jemand eine Reise tut, (Claudius macht Zeichen des Unwillens). Ah! Ah! Ah! (ohne daß Fölster sich im Singen stören läßt). So kann er was erzählen, Drum nahm ich meinen Stock und Hut Und tat das Reisen wählen. Die Anderen. Da hat er gar nicht übel, gar nicht übel, gar nicht übel dran getan! – Erzähle Er nur weiter, Herr Urian! Claudius (nimmt Krischan Fölster das Wort und singt, während die andern, namentlich Krischan Fölster, sich wundern und freudig darüber erstaunen). Doch kurz war nur mein Reisepfad! Voß (dazwischen schnell). Bravo! Bin gar nicht weit gekommen! – Zu Otterndorf im Rektorat, Hab' ich Quartier genommen! Die Anderen. Ha! Ha! Ha! Ha! (singend). Da hat Er gar nicht übel, gar nicht übel, gar nicht übel dran getan! – Erzähle Er nur weiter, Herr Urian! Claudius (singend). Da sitz' ich nun mit frohem Sinn Und streb' nicht mehr ins Weite! Und nahm mir die Frau Rektorin An meine grüne Seite! Ernestine (dazwischen schnell). Ah! Die Anderen Ha! Ha! Ha! (singend). Da hat Er gar nicht übel, gar nicht übel, gar nicht übel dran getan! Erzähle Er nur weiter, Herr Urian! Claudius (singend). Doch jetzt ist auch mein Lied schon aus, Mir fiel was ein soeben! Nun bitt ich, auf die Frau vom Haus Die Gläser zu erheben! Ernestine (wie vorhin). Ah! Alle (singend). Da hat Er gar nicht übel, gar nicht übel, gar nicht übel dran getan! – Erheben wir die Gläser und stoßen an! (Alle stehen auf und stoßen an). Krischan Fölster (beim Anstoßen mit Ernestine). Op Fru Rektern! Claudius. Fru Rektern, de schall leben! vivat! Alle Hoch! Paul Ohlen Ho, ho, ho, hoch! Krischan Fölster Dat weer awers lustig, Paul! Paul Ohlen Lu lu lustig. Krischan! Auguste Ja, Fru Rektern, dat weer schön! Peter Grothusen (während Auguste schnell etwas retiriert). Snackst du all wedder mit?! Trinken Grothusen Gott, Peter, lat ehr doch! Peter Grothusen Ne, de Deern argert mi! Auguste Ne, düsse Dichter! – Nu heirad ick keen annern als en Dichter! – Claudius Voß (zugleich). Bravo! Ernestine (zu Auguste). Nun machst du aber, daß du fortkommst, und das gleich! Auguste. Ja, Fru Rettern! (ab durch die kleine Pforte rechts). Claudius. Das Mädchen ist gut! Voß. So naiv! Drum sehn wir ihr auch vieles nach! Ernestine. Sie will nur einen Dichter heiraten! Claudius Voß   (zugleich)     Bravo! Bravo! Voß (zu Claudius). , Nun, mein Freund, was willst du noch mehr?! Claudius. Ich?! – Noch eins! Voß. Und das wäre? Claudius. Ein Lied! – ein anderes Lied! – so eins, aus dem so recht die Freude sprudelt, weil wir alle so fröhlich sind! Voß. Bravo! – Wer singt es?! Paul Ohlen. Kri Kri Krischan Fölster! Ernestine. Aber erst die Gläser gefüllt! Paul Ohlen (wieder wie vorhin am schnellsten sein Glas hinhaltend und vorlaut) . Hier! Peter Grothusen Hier! (zugleich und die Gläser hinhaltend). Krischan Fölster Hier! Voß Hier! Ernestine (die Gläser füllend) . So! So! So! So! – (zu Claudius) Auch das Ihrige, lieber Bote! Claudius. Danke! – Noch vollauf darin! Witjen Fölster. Na, Krischan, denn stimm man an! Krischan Fölster. Ja, wenn du dat denn wedder wullt, denn mutt ick ja! Paul Ohlen. Mu mu mutt he ja! Krischan Fölster (singt, und alle fallen gleich nachher mit ein). Freut euch des (Alle mit). Lebens, Weil noch das Lämpchen glüht! Pflücket die Rose, Eh' sie verblüht! (Man hört klingeln). Krischan Fölster (allein). Man schafft so gern sich Sorg' und Müh', Sucht Dornen auf und findet sie, Und läßt das Veilchen unbemerkt, Das uns am Wege blühet! Fünfte Scene. Auguste. Die Vorigen. Auguste (durch die Mitte sehr eilig auftretend in großer Aufregung. Sie ruft laut und wiederholt winkend, während der Chor ungestört weiter singt). Herr Rekter! Herr Rekter! Voß (steht rasch auf und geht zu ihr. Sie teilt ihm eilig und sehr aufgeregt unter lebhafter Gestikulation etwas mit, wodurch auch er lebhaft affektiert wird. Die anderen, es schon teilweise bemerkend, und dahin sehend, singen doch ihre Chor-Strophe zu Ende). Alle. Freut euch des Lebens, Weil noch das Lämpchen glüht! Pflücket die Rose, Eh' sie verblüht! Krischan Fölster (aufstehend, dahin sehend, schnell). Wat is dat?! Paul Ohlen (ebenso). Wa, wa wat is dat?! Peter Grothusen (ebenso). Büst du all wedder dar? Ernestine (ebenso). Ja, was habt ihr, Voß?! – Was willst du, Auguste?! – (während Krischan Fölster, Paul Ohlen, Peter Grothusen und Ernestine das sagen, dauert die lebhafte Unterhaltung zwischen Voß und Auguste noch fort.). Auguste (schnell). Ah, nix, Fru Rektern! Voß (gleich darauf). Ja, wirklich – – – nichts, – – mein Kind! – –Nichts von Belang, Ernestine! – – – EZ ist, – – sie wollte, – – – Ich werde nur eben mal fortgerufen. – – – Eine unerwartete Sache, – – – aber nur auf eine kurze Zeit! – – – (zu Claudius). Du könntest mich begleiten! – Claudius (schnell). Sehr gern, mein Lieber! – Aber was ist denn passiert?! Krischan Fölfter (schnell). Ja, war is denn los?! Ernestine (schnell). O, Gott! doch kein Unglück?! Trinken Grothusen Witjen Fölster Antje Ohlen   (zugleich: schnell, bestürzt und ängstlich).     En Unglück?! Voß (schnell, doch etwas verlegen und zerstreut). Wer, – sagt das?! – Will's Gott nicht! – – Beruhigt euch doch nur! – – Aber ich kann dir jetzt nichts mehr sagen, – hab' keine Zeit mehr, – muß fort! – – Und während wir fort sind, Ernestine, – sorge du so lange für die Unterhaltung! Du könntest, – könntest, unseren Gästen das Gedicht vorlesen, das Claudius uns geschenkt, (nimmt das Gedicht aus der Tasche und gibt es ihr). Da, da hast du es! – – (zu Claudius). Ein Unglück?! Und nun komm', Claudius! Claudius (dazwischen). Ein Unglück?!. Ja! Voß (der ohne Unterbrechung fortgesprochen). Wir sind so schnell als möglich wieder hier! (Voß und Claudius rasch ab durch die Mitte. Auguste rasch hinterher). (Der Mondschein verschwindet.) Peter Grothusen Dat schient mi ja en wichtige Sak to sin! Krischan Fölfter Mi ock, Peter! – Wat dat wul is?! Paul Ohlen Wa wa wat dat wul is?! Ernestine Hoffentlich nichts Schlimmes! Trinken Grothusen Ja, dat wüllt wi höpen! Ernestine Sonst hätt' uns Voß auch nicht schon beruhigt! Antje Ohlen Ne, wo is nu awers mit eenmal de schöne Mandschien bleben? – (Alle sehen nach dem Mond.). Krischan Fölster Ja wahrhaftig, nu hett Luna sick verkrapen! Paul Ohlen Si si sick verkrapen! Antje Dhlen Dar stiggt en grote Wulk tohöchd! Paul Ohlen (mit Gestikulation in der Luft schlagend). U u, un da dat ol Mü Mückentüg su su summt un swi swirrt hier noch ümmer herum! Krischan Fölster Am Enn kriegt wi noch anner Wedder! Ernestine Ich befürchte es schon! Na, – wir sind ja nur im Garten! Krischan Fölster Un för't eerste hett't noch nix to seggn, Fru Rektern! – – Awers Fru Rektern, – Fru Rektern, – gifft't denn nu ni mal en lüttjen Vördrag?! Trinken Grothusen Witjen Fölster Antje Ohlen   (zugleich)     Ja, Fru Rektern! Krischan Fölster Vunwegen dat Gedicht dar – vun'n Herrn Rekter! Paul Ohlen Vu vu vun'n Herrn Rekter! Ernestine Das ist wahr! – Ja, wenn es gewünscht wird, gern! Krischan Fölster Ja, sehr gewünscht! Trinken Grothusen Witjen Fölster Antje Ohlen zugleich. Sehr gewünscht! Paul Ohlen Se se sehr gewünscht! Krischan Fölster Hol' den Mund! – Silentium! Paul Ohlen Ho ho hol'n Mund! Silentium! Ernestine (steht auf und rezitirt). Die Geschichte von David und Goliath, in Reime gebracht. War einst ein Riese Goliath. Gar ein gefährlich' Mann! Er hatte Tressen auf dem Hut Und einen Klunker dran, Und einen Rock von Silberdraht, Der ganz gewaltig funkeln tat. Auf seinen Schnurrbart sah man nur Mit Schauder und mit Graus Trinken Grothusen Witjen Fölster Antje Ohlen   (zugleich)     Hu! Und dabei sah er von Statur Schier wie der Satan aus! Trinken Grothusen Witjen Fölster Antje Ohlen   (zugleich)     Hu! Hu! Hu! Sein Säbel war, man glaubt es kaum, Noch länger als ein Weberbaum! Die Anderen (lachen). Ha! Ha! Ha! Ha! Paul Ohlen Da da dat is ja hübsch, Fru Rektern! dat is hübsch! Krischan Fölster Ja, dat is ja en verdüwelt Gedicht! Ernestine Hört nur weiter! (sie liest). Er hatte Knochen wie ein Gaul Und eine freche Stirn, – Und ein entsetzlich großes Maul, Doch nur ein klein Gehirn! Gab jedem einen Rippenstoß Und flunkerte und prahlte groß! Die Anderen (lachen). Ha! Ha! Ha! Ha! Krischan Fölster Gab jedem einen Rippenstoß Paul Ohlen U u und flun flunkerte und pra prahlte groß! Krischan Fölster Paul Ohlen   (zugleich)     Ha! Ha! Ha! Ha! Ha! Ha! Ha! Ha! Ernestine (lesend). So kam er alle Tage her Und sprach Israel Hohn, »Wer ist der Mann?! wer wagt's mit mir?! Sei's Vater oder Sohn! Er komme her, der Lumpenhund, Ich werf ihn nieder auf den Grund! Die Anderen (lachen.). Ha! Ha! Ha! Ha! Krischan Fölster Er komme her, der Lumpenhund! Paul Ohlen I i ich werf'n nie nieder an auf den Grund! Krischan Fölster Paul Ohlen   (zugleich)     Ha! Ha! Ha! Ha! Ha! Ha! Ha! Ha! Peter Grothusen Dat weer wat för min Petje! – Dat mutt he sick mal afschribn, Fru Rektern! Die Anderen Sch! Sch! Ernestine (lesend). Da kam in seinem Schäferrock Ein Jüngling zart und fein! Paul Ohlen Aha! De de lü lüttje Daniel! Krischan Fölster David! Du Schapskopp! Paul Ohlen Da Da David! Du Scha Scha Schapskopp! Die Anderen Sch! Sch! Ernestine (lesend). Er hatte nichts als seinen Stock, Die Schleuder und den Stein, Und sprach: Du hast viel Stolz und Wehr, Ich komm im Namen Gottes her! Paul Ohlen Da, da dat stimmt! Die Anderen Sch! Ernestine (lesend). Und damit schleudert er auf ihn Und traf die Stirne gar; – Da fiel der große Esel hin, So lang und dick er war! Die Anderen (lachen.) Ha! Ha! Ha! Ha! Ernestine Und David haut' in guter Ruh' Ihm auch den Kopf noch ab dazu! Die Anderen (lachen). Ha! Ha! Ha! Ha! Krischan Fölster Da fiel der große Esel hin! Paul Ohlen So so so la lang un di dick er war! Krischan Fölster Paul Ohlen   (zugleich)     Ha! Ha! Ha! Ha! Ha! Ha! Ha! Ha! (Während beide lachen, schlägt Paul Ohlen sich mit beiden Händen auf die Schenkel, dadurch und durch Krischan Fölsters Lachen veranlaßt, fallen die drei Bauern plötzlich mit der Bank um, während die gegenüber sitzenden drei Frauen und Ernestine, die sich wieder niedergesetzt hat, zu gleicher Zeit aufspringen und einen kreischenden Schrei ausstoßen. – Komische Lage der drei Gefallenen. Peter Grothusen in sitzender Stellung schneidet Grimassen und fühlt sich nach hinten. Krischan Fölster kollert um sich herum an der Erde, und Paul Ohlen liegt unbeholfen auf dem Rücken und streckt beide Beine in die Höhe). Witjen Fölster Ach Gott! Ach Gott! Unse Mannslud! Krischan Fölster Dar hebbt wi de Bescherung! Ernestine Dat deit mi awers hartlich leed! (Peter Gruthusen und Krischan Fölster stehen wieder auf, reiben sich hinten und schneiden Grimassen). Trinken Grothusen Hest di stött, Peter? Peter Grothusen (sich reibend und Grimassen schneidend). Ja! so'n beten na achtern! Krischan Fölster (sich reibend und Grimassen schneidend.). Dar heff ick dat ock ja wul kregen! Antje Ohlen Gott in'n Himmel! Paul! He liggt ja noch ümmer an de Eer! Krischan Fölster Na, Paul, kannst ni wedder op de Been kam? Paul Ohlen Ho hö hölp mi mi'n be beten! Krischan Fölster Ja, denn man to! zu Peter Grothusen Kumm, Peter, fat em mal mit an! (Krischan Fölster und Peter Grothusen ziehen ihn mühsam in die Höhe). Krischan Fölster Paul Ohlen   (zugleich)     Hoch op! Hoch op! – Oha! (Paul Ohlen steht wieder.). Peter Grothusen Paul, du büst awers swar! Krischan Fölster Dat deit de dicke Buk! Ernestine Ah! Ah! nun auch noch der Spott! – Wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen! Krischan Fölster Dat stimmt, Fru Rektern! – (zu Paul Ohlen). Na, Paul, waneem hest du dat denn kregen? Paul Ohlen (Grimassen schneidend und sich hinten reibend). Ja, ma waneem schu schull ick da dat wul kre kregen hebbn?! vi vi viz à vise deit mi nix weh (sich nach hinten fühlend). awers do do dos à dose! Krischan Fölster Awers nu man gau de Bank wedder in de Höchd', eh' de Herr Rekter un sin Fründ wedder torüg kamt, sunst lacht se uns ock noch wat ut! Peter Grothusen Ja, denn man gau! Paul Ohlen De de denn ma man gau! (Alle drei stapeln die Bücher wieder auf und legen das Brett darüber, während der Dialog weiter geht). Witjen Fölster Mi sitt de Schreck noch in de Glider! Trinken Grothusen Mi ock! Antje Ohlen Dat keem ja ock so ganz unvermoden! Krischan Fölster Ja, Paul Ohlen hett uns ünnern Disch lacht! Paul Ohlen Me, me meenst da dat, Krischan? Du du, he hest do doch ock lacht! Krischan Fölster Ja, awers dochen ni so op de Been sla'n, als du! – Dar is dat vun herkam! Paul Ohlen Da da dat is't de denn ja wul! Witjen Fölster All den Herrn Rekter sin smucken Böker! Ernestine O, das schadet nicht! Krischan Fölster Min Stapel steiht all! Paul Ohlen Mi, mi, min ock! Krischan Fölster (das Brett auflegend). Süh so! De Bank is wedder torecht! Nu wüllt wi uns wedder setten! (setzt sich). Peter Grothusen Ja, dat lat uns man! (setzt sich). Paul Ohlen. La, la, lat uns man! (setzt sich). Ernestine Un denn man eerst noch gau mal en lüttjen Sluck op den Schreck! Krischan Fölster Ja, Fru Rektern! Dat meen ick ock! (zu den anderen Bauern). Peter Grothusen, Paul Ohlen, her mit de Gläs', – (mit Pathos). Was wir lieben! – Unse Fruns, de schüllt leben! (Alle stoßen an und die Männer trinken aus, während der Dialog ununterbrochen weiter geht). Witjen Fölster Wenn't man so recht vun Harten kummt! Krischan Fölster (das Glas umkehrend). Na, sünst harrn wi doch wul ni so rein utdrunken! Antje Ohlen Na, so'n schön Punsch, de deit ock all wat! Witjen Fölster Dat schult ick meen'n, Antje! Ernestine Denn nur schnell die Gläser wieder gefüllt!– Paul Ohlen (als der erste sein Glas hinhaltend, vorlaut). Hier! Krischan Fölster Peter Grothusen (zugleich, schnell ihre Gläser hinhaltend). Hier! Ernestine (die Gläser füllend). So! De Gläser sünd voll! un nu lat uns man eerst mal wedder een anstimm! Paul Ohlen E e een anstimm! Krischan Fölster Een anstimm! – Dat meen ick ock, Fru Rektern! – – Paul, Peter Grothusen, un unsere lieben Frauen, nu man alltohopen frisch mal in'n Chorus mitgesungen! (Er singt und bei dem Wort »Veilchen« stimmen alle andern mit ein). Hier sitz' ich auf Rasen mit Veilchen bekränzt, Hier will ich auch singen, Bis lächelnd am Himmel der Hesperus glänzt! – Das menschliche Leben eilt schneller dahin, Als Räder am Wagen, (Voß, Claudius und nach ihnen Auguste treten durch die Mitte ein und bleiben unbemerkt von den andern etwas im Hintergrunde stehen, während der Gesang ungestört fortschreitet). Wer weiß, ob ich morgen am Leben noch bin! Sechste Scene. Voß Caudius Auguste Die Vorigen (Sowie der Gesang verstummt, treten Voß, Claudius und ihnen nach auch Auguste etwas weiter nach vorn. Claudius und auch Voß sprechen in sichtlicher Erregung). Voß Ja! ja! – Unser Leben! Alle (schnell, überrascht nach Voß sehend). Herr Rekter! Ernestine (schnell). Mein Mann! Voß (schnell, erregt). Es eilt schneller dahin, als Räder am Wagen! Claudius (ebenso). Und wer weiß, ob ich morgen am Leben noch bin. Ernestine (schnell). O, Gott! Voß (wie vorhin). Morgen?! – – Heute! heute! – wer weiß es?! Ernestine (schnell). O Gott! – Was ist gescheh'n? Witjen Fölster (schnell). Doch keen Unglück? Krischan Fölster (schnell). Dat lett ja meist so! Paul Ohlen (schnell). Le le lett ja meist so! Antje Ohlen (schnell). Ick heff mi rein verschrocken! Ernestine (schnell). Aber, bitte, – sprecht, sprecht doch! Voß (wie vorhin). Schon wieder mal einer ins Wasser gefallen! Peter Grothusen Krischan Fölster Paul Ohlen   (zugleich schnell)     In't Water?! In't Water?! In't Water?! Claudius (wie vorhin). Und wie lange Zeit mit dem Tode gerungen! Ernestine Trinken Grothusen Witjen Fölster Antje Ohlen   (zugleich schnell)     O Gott! Voß (wie vorhin). Wir selber sind freilich nicht mit dabei gewesen. Wir haben die Katastrophe nicht mit erlebt. Als wir kamen, war sie schon gewesen. Aber der Küster, der mir den Boten geschickt, als ich vorhin so plötzlich forteilte, – der hat es mit erlebt und uns alles erzählt. Claudius (wie vorhin). Die Menschen standen ja noch zu Haufen und waren voll davon. Und wohl mehr als zehn zugleich, als sie Voß erblickten, wollten ihm erzählen, was sie soeben erlebt hatten! Voß (wie vorhin). Ein wirres Gerede, – alles durcheinander, aber doch verständlich genug, zumal als sich nun auch der mit herandrängte, der mich vorher hatte rufen lassen. Claudius (wie vorhin). Der alte Küster. – – Peter Grothusen (ihn unterbrechend, ängstlich). Awers de dar in't Water full'n? – – Claudius (ihn überhörend, wie vorhin). Ich hatte die Uhr gestellt, rief er hastig, – kam vom Turm herunter und wollte noch eben mal über'n Deich gehen, und im hellen Vollmondschein mich des süßen Duftes erfreun, der den blühenden Bohnen entströmte, – – – Da – bei der Schleuse, – – – was hör' ich?! – – was seh' ich?! – – Unten in der Mäme im Wasser kämpft einer mit dem Tode! Ernestine. Gott im Himmel! Peter Grothusen (ängstlich). Un wakeen weer dat? wakeen?! Voß (wie vorhin). Wir unterließen es im ersten Augenblick, darnach zu fragen! – – Trinken Grothusen (zu Peter Grothusen). Un als wi weggungn, dar wull uns' Petje na sin Joll, na de Mäm' hendal, – – Peter Grothusen (zu Trinken Grothusen). Un du hest ja doch sülben hört, dat ick em dat streng verbaden heff, (zu Voß). awers man wider, man wider! Voß (wie vorhin). Un uck Jochen Bull, de Ole und de Junge weern mit darbi! Un se künnt beide swümm! Peter Grothusen Ja, dat künnt se. – un vor alln de Junge! Voß (wie vorhin). Ja! ja! – zumal der! – »Jochen! – gau! gau! – – spring herin! – noch is't möglich! – Rett em dat Leben!« – – Aber Johann sträubte sich! – Ick heff ja min best Tüg an!« gab er zurück. Und der Alte meinte: De is doch ni mehr to redden! – – Und dann sahen beide mit zu, wie der Unglückliche noch immer mit dem Tode rang. Peter Grothusen Dat weer schändlich nun Jochen Bull! Krischan Fölster Ja, dat süht em ähnlich. Paul Ohlen (schnell). Sü süht em ähnlich! Claudius (wie vorhin). Und man sprang in die Jollen, – und löste die Taue und Ketten! – Man brachte Stangen und Stricke. – Und schon einmal war der Unglückliche gesunken und dann wieder von der wirbelnden Strömung in die Höhe getragen! Und man sah die Arme, – und dann den Kopf,– – Es war ja heller Mondschein. – – – Aber die Stangen und Stricke reichten nicht, – – – Und von den Böten war noch immer keins zur Stelle. – Peter Grothusen (ängstlich). Awers, wakeen weer dat doch?! – Herr Rekter, wakeen weer dat doch?! – Voß Natürlich wedder mal een vun de waghalsigen Jungs ut unsen Rekter sin Schol! Trinken Grothusen (schnell und ängstlich.). O, Gott! Peter Grothusen (überrascht, ängstlich, aufgeregt.). Wa! – – wat! Claudius (wie vorhin). Hett wul noch en beten in sin lüttje Joll – – – Peter Grothusen (sehr erregt ihn unterbrechend). In sin lüttje Joll! – – Claudius. Un bi den schönen Mandschien op de Mäm' rudern wullt, un is darbi öwer Bord schaten, – Peter Grothusen (wie vorhin). Un de Joll! – de Joll! Voß Ja, de dreew dar in de Neegde, un de beiden Neems darbi herum! – – Peter Grothusen (wie vorhin). Un wie seeg se ut?! – De Farv?! de Farv?! Voß Witt! Trinken Grothusen Peter Grothusen   (zugleich)     Witt?! Witt?! Un de Rand, de Rand darum, Herr Rekter? Voß Rot! Peter Grothusen Trinken Grothusen   (zugleich)     Rot?! Rot?! – – – Rot?! Gott in'n Himmel, Peter! Voß Un de Lüd wulln sogar behaupten, – – – vun de Joll! – – Trinken Grothusen Peter Grothusen   (zugleich)     Vun de Joll?! Vun de Joll?! wat?! wat?! Voß Dat se wul Peter Grothusen sin Petje! – – – Trinken Grothusen Peter Grothusen   (zugleich)     Petje?! Petje?! (wie taumelnd, sich am Stuhl haltend). Hol di, Moder! – – Hol di, Moder! – – Hol di! – – Sünst fallst du um! – – Ick kann mi ock ni holn! – – Petje!! – – Ah!! – (er schlägt plötzlich der ganzen Länge nach zu Boden, während Trinken Grothusen aufschreit). Trinken Grothusen Ach Gott, min Mann! – Hölp em – he kriggt'n Slag! – He starvt! – (sie springt ihm zur Hülfe). Peter Grothusen (in Verzweiflung sich etwas aufrichtend). Petje! – – – Min Söhn! – – – Min Kind! – – – (schlägt wieder zu Boden). Trinken Grothusen (bei ihm knieend). Peter! – Peter! – fat di, Peter! – – Ne, dat öwerlev ick ni! Peter Grothusen (sich wieder halb aufrichtend). Min arm' Kind! Harr em denn keeneen noch retten, keeneen noch hölpen kunnt vun all de Menschen?! Voß. Peter Grothusen, – – Sin Kummer deit uns leed, bit in de deepste Seel! – – Awers de Mund, de dar nu so fragt, sä de ni noch vör korten hier op desülwige Sted': »Ick bruk keen Hölp vun annere Lüd! – un för min Kinner sorg ick sülben, dar brukt sick de annern nich um to bekümmern?! Peter Grothusen (noch an der Erde) Sä' ick dat, Herr Rekter? – – Ja, ja! – dat heff ick seggt! – Awers dat weer en Wort in Hochmot un in Unbedacht vun mi spraken! – – Un du barmhartige Gott! – wa swar mutt ick dar nu för büßen! – – – (aufspringend) Awers – wo is he? – – Ick mutt darhin! – – Liggt he noch in't Water? – – – Kumm, Moder, – denn wüllt wi em söken! – – Wat weer dar de Öllernleevde ni möglich! – Trinken Grothusen. Min Kind! Min Kind! – Ne! ne! Dat kann en Moderhart ni dregen! (Beide wollen fort) Voß (schnell) , Ne! ne! blivt doch! – – wat nützt dat?! – Vellicht! – – – Peter Grothusen. Weer dar nu noch een, de mi em wedder bringen kunn – – wa wull ick em danken! – wat wull ick em geben! – – Allens! Allens! – wat ick man heff un geben kunn! – Trinken Grothusen. Dat ock nich een den Mot harr, nich een, em natospringen un em to hölpen in sin Not un Bedrängnis! Voß. Un wenn dar doch een wesen weer! Peter Grothusen (sehr erregt) Doch, doch een wesen weer! Claudius. Un wenn em doch een holpen harr! Peter Grothusen (sehr erregt) , Em!? Em!? – Wenn em doch! – – Wenn em doch een holpen harr?! Voß. Ja, Peter Grothusen! – dar is doch een wesen! Un dar hett em doch een holpen! Peter Grothusen. Un he muß likers starben! Claudius (freudig) , Ne, Peter Grothusen, – dar keem een! – In'n letzten Ogenblick keem dar doch noch een! – – He keem den Dik tohöchd' vun de annere Sit herup! – un mit en junges Mäten an'n Arm! – Un dar baben, dar stunn de beiden denn, in'n hellen Mandschien, – – un wunnern sick wul öwer all de Lüd un all den Lärm dar nerrn! – – Un in'n Nu weer he ock all ünner, – un dat junge Mäten achterher! Voß Un Hartwig Kröger! – reepen alle Menschen! Die Anderen (zugleich). Hartwig Kröger?! Voß Un denn sus' he ock all in't Water 'rin, dat de Sprütten rundum man so in de Höchd' slagen! – Und denn weer allens still. – Un ock keen Hartwig Kröger mehr to sehn! Claudius Un denn keem dat wedder in de Höchd'! – un ditmal selvanner! Un wat en Glück, dat wi so hellen Mandschien harrn! – Un denn keem ock all de eersten Böt un holpen wider! – Un denn keem de Dokter und bröch dat Kind wedder in't Leben. Peter Grothusen Dat Kind wedder in't Leben! – Wak ick denn? oder dröm ick man?! – He levt! – He is ni dod?! Moder! Moder! wie hebbt em wedder! – – Trinken Grothusen Du barmhartige Gott, wa dank ick Di! Krischan Fölster De brave Mensch! Paul Ohlen Me, meen't ock so, Kri Krischan! Ernestine Das wird ihm Gott vergelten! Voß Un Hartwig Kröger leep darvun in sin Moder ehr lüttje Kat und wessel de Kleeder! Un lüttj' Petje, de keem to Hus un to Bett! Awers in't Bett dar weer he man ni to holn, – he wull hierher, na sin Vader un Moder! – un kreeg sin Willn! Peter Grothusen Trinken Grothusen (zugleich). He is hier?! He is hier?! Peter Grothusen Petje! Petje! – wo is he?! Kumm her, min Kind! Auguste (durch die kleine Pforte rechts). Na, Petje, Jung, denn kumm man! Siebente Scene. Petje Grothusen Die Vorigen Auguste (mit Petje an der Hand). Hier, hett He em wedder, Peter Grothusen! (wieder ab durch die Pfote rechts). Petje (zu seinem Vater laufend). Vadder! Peter Grothusen (ihn umarmend und küssend). Petje! – Min Petje! Min Kind! (ihn zur Mutter tragend). Kumm, Moder, dar hest du em ock! Petje Min Mudder! Trinken Grothusen (ihn umarmend und küssend). Min Söhn! – Min hartleev Kind! (Fiken und Hartwig Kröger erscheinen im Hintergrunde, beide von Auguste durch die kleine Pforte rechts hereingezogen. Stummes Spiel der Auguste, die jene beiden zum Auftreten zu ermutigen scheint). Petje Awers wo is Fiken? un Hartwig Kröger? Auguste Hier sünd se all! Petje Kumm Fiken! – Kumm Hartwig! – Ick freu mi so! Ick hol so veel mm di! – Du hest mi ja dat Leben rett! – Auguste Ja, Peter Grothusen. Nu bedank He sick man! Voß Ernestine   (zugleich)     Auguste! Auguste! Peter Grothusen (weich). Na, Finken?! – kumm! – Un freu di doch mit uns tohopen! Fiken (ihm in die Arme stürzend). Min Vader! (ebenso ihrer Mutter). Min Moder! – (sie küssend). Voß (auf Hartwig Kröger zeigend). Un hier steiht noch een de müch dat ock wul so mit ropen, als lüttj' Fiken dar' eben ropen hett! Petje Hartwig, kumm Hartwig! – rop dat man! – Du hest mi ja dar Leben rett. Claudius Na, Peter Grothusen?! Alle Anderen (zugleich). Na, Peter Grothusen?! Peter Grothusen. Hartwig Kröger! – Dat weer en hogen Pris, awers du hest ja ock din Leben darför insett un swar darum rungen! – Ja, Hartwig Kröger, rop dat man! (Fiken bei der Hand fassend, sie küssend und ihm gebend). Un dar, dar, – dar hest du unse Fiken, unse eenzige Dochder. Hartwig Kröger Fiken Grothusen   (zugleich und sich Umarmend)     Fiken! Hartwig! Auguste. Hurra! Brut un Brüdigam! Paul Ohlen. Hu hu hu ra! – (sich nach der Nase fühlend). Na, na, na! – wa wat weer da dat? – dar fu fu full mi mi ja wa wat Natt's op de Näs'! Krischan Fölster. Ja, wahrhaftig, dar kreeg ick ock all en Drüppen. Dat fangt an to regn! Ernestine. Hab' ich's nicht gedacht?! – – Aber was tut's?! dann gehen wir hinein! Voß. Ja, hinein! – Und knüpfen den fröhlichen Anfang wieder an das fröhliche Ende! Es ist ja nun noch eine Verlobung zu feiern! Nehme ein jeder sein Glas! – Ich trage die Bowle! (Voß nimmt die Bowle, sein gefülltes Glas stehen lassend, ein jeder der andern nimmt sein Glas. Alle aufbrechend). Ernestine. Und du, Auguste, besorgst das andere! Auguste. Ja, Fru Rektern! Paul Ohlen (eine Serviette über die Terrine breitend). He, He – – Herr Rekter! wa, wat öwerdecken! da da dat dar dochen man ke keen Wa, Water inregnt! Voß. Dat weer recht, Paul Ohlen! Un dat eerste Hoch dar binnen op dat junge Paar, dat bring ick ut'. – Un to'n Affscheed hier buten noch en fröhliches Leed! – Dat schönste vun alle Leeder, de uns de Wandsbecker Bote all sungen hett! – (fängt an zu singen, alle stimmen sofort mit ein). Am Rhein, am Rhein, da wachsen uns're Reben! Gesegnet sei der Rhein! Da wachsen sie am Ufer hin und geben Uns diesen Labewein! (Mit Beginn der zweiten Strophe kommt die Gesellschaft in Bewegung und schreitet langsam durch die Pforte des Hintergrundes. Voß mit der Bowle voran, dann Claudius mit Ernestine, dann Peter Grothusen mit Frau und Petje, dann Krischan Fölster mit Frau, dann Paul Ohlen mit Frau, ein jeder sein Trinkgefäß tragend, und zuletzt Hartwig Kröger und Fiken Grothusen, welche aber bei der Pforte stehen bleiben und sich küssen. – Der Gesang verhallt, nachdem die letzten abgegangen, immer mehr, sodaß man die letzten Worte der folgenden Strophe nur noch schwach aus der Ferne hört). So trinkt ihn denn und laßt uns allewege Uns freun und fröhlich sein! Und wüßten wir, wo jemand traurig läge, Wir reichten ihm den Wein! Auguste. Na, nu ward de Gesellschaft eerst lustig! – nu ward ja noch Verlabung fiert! – – (sie sieht nach den Küssenden). Süh! Süh! – (während diese rasch davoneilen) . Na, Peter Grothusen, ick gratuleer ock veelmals! – Nu hebbt se sick dochen kregen! (zum Publikum). Wat gifft't ock wul Schöneres als dat Glück vun twee junge Menschenharten, de sick so leev hebbt, als düsse beiden? Awers dat eerste Hoch op dat junge Paar, dat snapp ick den Herrn Rekter vor de Näs' weg! dar steiht ja noch sin Glas! – Ick lat se all hier buten leben! Un dat mit Pauken un Trompeten! (sie nimmt das Glas und schreitet weiter vor, rufend) . Fiken Grothusen un Hartwig Kröger, Brut un Brüdigam, de schüllt leben! Vivat! Hoch! (Orchestertusch). (Der Vorhang fällt).