Idiotikon des Niederösterreichischen A B C D E F G H I J K L M N O P R S T U V W Z gách gähe, jäh, rasch, abschüssig. Gál (d'), eine Krankheit der Singvögel, deren Wirkungen: Traurigkeit, Abnahme der Singlust, Tod sind; etwa: Giel statt Gilb ( Gilbe ), Zustand des Gelbseins von der Farbe des Eiterbläschens, das sich dabei am Steiße bildet, Schmeller II. 31. (In der Pfalz : Die Dörr.) gámáz'n (– ∪ ∪ ), heftig gähnen, mit offenem Munde teilnahmslos in die Welt hinausglotzen. Gámsbart (dá), Gemsbart; Haare vom Nacken, nicht vom Kiefer der Gemse, zu einem bartförmigen Büschel zusammengebunden, welches der Jäger, der schon eine Gáms (eine Gemse, antilope rupicapra ) erlegte, als Weidmannsschmuck stolz auf den Hut steckt, und bei jedem, der diese Zier sich ohne Verdienst anmaßt, mit Verachtung ahndet. gáng' (gángát'), ginge, Konj. Imperf. von: gengá gehen; Part. gangá . Gás (dö), Geiß, Ziege. gag'lbámán steif, vom Leibe wegstehend; a gag'lbamana Rock ein stark geglätteter und gesteifter Rock. Wahrscheinlich von gogel , gegel , mutwillig ( lascivus ), ( gogel sein; luxuriari, verwandt mit Gockhel Hahn. Schmeller II. 22), und bámá sich bäumen, starren. – Nach anderen käme es von Gages Hornstein, und bámá ; – wieder nach anderen von gageln herumschleudern, und Báms ( bambo ), Geck; sonach ein Kleid, welches wohl für einen herumschlendernden Gecken, nicht aber für einen betriebsamen Landmann paßt. Gall' (d'), die Galle, der Ärger, der Zorn. Ganausá (dá, – – ∪ ), Gänserich, das Männchen der Gaus. Gantá (dá), das hölzerne Gestelle, worauf die Fässer in den Kellern liegen. Plur. d' Gántá . Gar-dá-r Andri Gar der andere, entspricht dem δεινα der Griechen, dem chose der Franzosen, dem cosa der Italiener usw. und oft auch euphemistisch dem »Teufel«. Gebitt ('s Gebid), Gebitte, Gesuch, Wunsch, Sehnsucht. geb'n geben; Präs. ih gib ; Plur. ma geb'n , ös gebt's ; Konj. Imperf. ih gáb' (gebát), Part. geb'n . geh'n gehen; Präs. ih geh' ; Plur. má gengán , ös geht's ; sö gengán ; Konj. Imperf. ih gáng' ; Part. gangá . Geia (dá), Geier ( falco ater ). Geistlichi (dá), der Priester; Plur. dö Geistlingá . gelt? nicht wahr? ( ai'n' tu? ); von: gelten zugeben. gestert gestern. gestri (– ∪ ), gestrig; Unvermögen, sich in das Heute hineinzufinden; übernächtig. gfiarbt gefärbt. G'frag' ('s), Gefrage, Nachfrage, Teilnahme. G'frieserl ('s), Gesichtchen, Diminutiv von: G'frieß ('s), das Gefräße, schimpfwörtlich für »Gesicht«, während obiges Verkleinerungswort ein Ausdruck der Zärtlichkeit ist. g'ham (g'hoam), heimlich; verstohlen; Subst. dö G'hoam die Heimlichkeit, das Verborgene. Gicksá (á), Mißton, Fehler; besonders in der Musik; von gicken , pippen ( gingrio ), wie junge Sperlinge. Gift (dá), Zorn, Unmut, Verdruß; Adjekt. gifti , zornig, verdrießlich. gift'n (sih), sich ärgern, zürnen. giges-gages alliterierender Scherzausdruck für: albernes Zeug, leeres Geschwätz. Gimp'l (dá), ein Singvogel ( loxia pyrrhula. Lin. ). G'jád ('s, G'joad), lärmender Scherz, toller Lärm; von jagen das Wild durch Lärm auftreiben; so auch jágeln wild schreien; das wilde G'jaid die wilde Jagd. G'jucház ('s), Gejauchze; Freudengeschrei. gláb'n glauben; meistens dafür: moaná meinen. glängá (g'langá), auslangen, mit einer Sache auskommen; Part. g'längt . glanz'n glänzen; Part. glanzt geglänzt. Glás'lgucká (dá), Gläschengucker; einer der gern ins Glas sieht; ein Freund des Trunkes. gleih so mein (gleihsumein), gleich so lieb; eben so gern. gleihwölst gleichwohl. gleihwohl gleichwohl. G'loat ('s), Geleite, Begleitung. glöck'lhell glockenhell; ein vom Schall auch für das Licht angewendetes Gleichnis; sehr hell. Glöckerl ('s), Schneeglöckchen ( soldanella alpina. Lin. ). glos'n glimmen. glüah'n (glüaht'n), glühen; Präs. ih glüah' , du glüaht'st , usw. Glums'n (d' Gluns'n), Ritze, Spalt, Fuge; eigentlich: Klunsen , Klunzen . Schmeller II. 360. Glur'n weit aufgerissene Augen; verächtlich für »Augen« überhaupt; ursprünglich Glorren . g'lust'n gelüstet. g'máhlá mählig, langsam. g'maus't gemaust; es is má nur g'maust es is mir ein Leichtes, eine Spielerei. g'moan gemein, niedrig, betriebsam, schlicht; – á G'moáná ein gemeiner Soldat. G'moan' (dö), die Gemeinde, davon: G'moankellá (dá), der Gemeindekeller, und: G'moanstub'n (dö), die Gemeindestube im Gasthause. G'náck ('s), Genick, Nacken. g'nua genug, hinlänglich. Goas'l (dö), Geißel, Peitsche. Godá (dá), der Kader, der fleischige herabhängende Teil unter dem Kinne; die Wamme ( palear ). God'l (d'), die Taufpatin (engl. God-Mother ); auch: die Firmpatin. godg'segn't gottgesegnet, glücklich. Godsacká (dá), Gottesacker, Friedhof. Godseibeiuns (dá), der Teufel, vor welchem man sich durch die Bitte: »Gott sei bei uns!« schützen mag. Göd (dá), der Taufpate (engl. God-Father ); auch der Firmpate. Göscherl ('s), Mündchen, Mäulchen; wie bei G'frieserl, als Verkleinerungswort ein Ausdruck der Zärtlichkeit, während das Stammwort: » Gosch'n « ein Schimpf ist. gottákeit (als Gottákeit), eine eigentümliche Redensart für: gleichsam, will sagen. Sie soll herkommen von: »God mer chyd (keit, sagt), Gott sagt mir. Nach andern: aus Gütigkeit; scilicet, nempe . In Bayern: zum Codica , gleichsam, wie das venezianische, codiga, come se dicesse (quo dicat) . Grab'n (dá), Graben; der Name eines bekannten, vielbetretenen Platzes in Wien. Plur. d' Gráb'n. graná murren ( grunire ), im Heldenbuche: gronen, winseln; vom Feuer (bei feuchtem Holze): singen, stöhnen, leise weinen ( obvagire ). gránti grämlich, mürrisch. g'rát'n (g'rad'n), geraten (entraten), entbehren, unterlassen, meiden. graupát struppig, aufgepustet; von Graupe ein rauher, sich sträubender Körper, verwandt mit raufen, rupfen. Grausbirn' (d'), Angst, Beklemmung; dö Grausbirn steig'n má-r auf mir wird unheimlich zumute. gráweln grauen, dämmern, tagen; nicht zu verwechseln mit grábeln moderig (nach dem Grabe) riechen, noch mit grabeln krabbeln. grean grün; die unterscheidende Farbe des Jägers. Grean's Grünes für die Suppe. G'rebetlá (á, – ∪ ∪ ), Wein, aus Beeren gewonnen, welche früher vom Kamm abgeriffelt (abgerebelt) wurden, damit diese nicht, wenn sie mitgepreßt werden, dem Most einen herben Beigeschmack geben. Rebeln von reiben . g'rechteln zurecht machen, bereiten; kommt schon bei Horneck vor. G'red'l (d'), Magarethe, spottweise, wie andere weibliche Namen, zur Bezeichnung einer einfältigen Weibsperson mißbraucht. Gewöhnlich bildet » d' Gred'l « das Seitenstück zum » Hans «, da beide Namen gleich häufig vorkommen. grill'n Onomatopöie für jenen Laut der Finken, durch welchen sie, der allgemeinen Meinung nach, Regen verkünden. Grill'n (dö), Grillen; figürlich Gedanken, welche den Kopf summen machen; siehe Muck'n . Grill'n fang'n sich mit eitlen Gedanken abquälen. g'rinná gerinnen. griwes gráwes ein onomatopoetischer Ausdruck für: durcheinander, unordentlich, unkennbar. grub'n (gruab'n), gruben, in Gruben umlegen, von den Reben. Part. grubt . Grüb'l ('s Grüab'l), Grübchen, die Herdgrube; die Vertiefung auf dem Herde, worin Feuer angemacht wird. G'rumpl ('s), Gerumpel, Lärm. Grund'l (dö), Gründling, Schmerl, ein kleiner Fisch ( cobitis barbatula ). G'säus ('s), Gesause, Lärm, Aufsehen; ganz dem Begriffe des französischen bruit entsprechend. G'scháft ('s), Geschäft, Beschäftigung, Fach, Arbeit. g'schámi geschämig, verschämt, scheu. G'schámi(g)keit (d'), Verschämtheit. G'schau ('s), Geschau, Blick, besonders von einem warnenden, drohenden, starren Blicke, wiewohl, ohne Beisatz, ein vocabulum medium . G'schepper ('s, G'scheber), Klang wie von zerbrochenem Geschirr, verwandt mit Scherbe , dessen Metathese es bildet. Höfer III. 78. G'schick ('s), Geschick; dös is koan G'schick das schickt sich nicht; das ist nicht in der Ordnung. g'schlag'n geschlagen; voll ( solidus ). – Á g'schlagni Stund' eine Stunde von der ersten Minute ihres Beginnes bis zur letzten, wo die Uhr sie schlägt. G'schloß ('s), Geschloß, Schloß; das Gebäude, welches der Gutsherr oder dessen Repräsentant, mit dem Beamtenpersonale bewohnt. g'schmerzt geschmerzt, gekränkt, zurückgesetzt, verlegen. g'schmiert geschmiert; schnell, rasch, voreilig, munter, flink. G'schmuck (dá), Geschmuck, Schmuck, auch: 's G'schmeid' Geschmeide. g'schnáppi geschnappig, schnippisch, kurz angebunden. G'schrá ('s), Geschrei, Aufsehen. g'schuná geschienen; von scheiná . G'schwáb'l ('s), Geschwäbel; leeres Hin- und Herreden, Geschwätze mit Beziehung auf die Redeseligkeit und (ungerechterweise zum Sprichworte gemachte) Geistesbeschränktheit der Schwaben , siehe: schwábeln . g'schwoll'n geschwollen, aufgeblasen, luftgefüllt, leer; g'schwoll'n's Red'n hohles Geschwätz ( ampullae ). G'schwur ('s), Geschwirre, dumpfer, verworrener Lärm. g'segná gesegnen; Segen zu etwas verleihen. G'setz ('s), Gesetz; Plur. dö G'sátz' . G'sicht (in's), gegenüber, vis-à-vis . G'sind ('s), Gesinde, die Dienerschaft, die Wirtschaftsleute. g'spanná gespannen, merken, ahnen, von etwas Spur haben; wie man von einem Vorstehhunde sagt: er zieht an. G'spáß (dá, G'spoas), Spaß, Scherz, Schwank. g'spáß'ln spaßen, scherzen; Kurzweil treiben. G'spiel ('s), Gespiele, Spiel, Scherz, Spott. G'stánz ('s), Lärm, Ständchen, Gespräch, Abenteuer; überhaupt etwas Auffallendes, was einen verweilen ( stehen bleiben) macht. g'státzt gestatzt, gespreizt, hoffärtig ( bellus, pusillus ); auch státzi , von stár starr, steif. g'stiarkt gestärkt, durch Stärke (einen aus Weizen, Kartoffeln usw. bereiteten flüssigen Körper) gezogen, gesteift. g'streng gestreng; dá g'streng' Herr der Gutsbesitzer samt den Seinigen; überhaupt ein Ehrentitel für alle Honoratioren, vorzugsweise für den Verwalter. g'sund gesund; Subst. dá G'sund die Gesundheit, Höfer I. 134. Guckähnl (dá), der Ururgroßvater; mehr nur scherzweise gebräuchlich. Man zählt aufwärts: Vater, Ähnl, Ur-Ähnl, Guck-Ähnl. Von guck'n schauen; vielleicht, weil auf alten Stammbäumen, welche als menschliche Figuren abgebildet wurden, die Augen ( Gucká ) im Kopfe den ersten Vater und die erste Mutter vorstellten. Höfer I. 335. Gugá (dá), Kuckuck ( cuculus canorus, Lin. ) Plur. d' Guger . Gugelhupf (dá), ein aus Germteig, Milch und Eiern gemachtes und mit Rosinen untermischtes Gebäck, welches sich rund erhebt (aufgeht) und gemeiniglich die Form eines Turbans hat; von Gug'l kugelförmiger Kopfbund ( cuculus ), und hupfen , huppen, sich erheben. In Steiermark heißt dieses Gebäcke von seiner gewundenen Form: » Widder «. – 'n Kaiser Josef sein Gug'lhupf heißt, beim gemeinen Wiener, scherzweise der von Kaiser Josef erbaute runde Narrenturm, weshalb man, die Metapher festhaltend, einen darin befindlichen Narren dann »ein Weinberl (Rosine)« nennt. gunná gönnen, vergönnen. Part. gunnt . gurg'lschmier'n die Gurgel schmieren; trinken. Gustá (dá, Gusto), Geschmack, Lust, Empfänglichkeit; fast gleichbedeutend mit: Schneid' ; siehe dieses. G'vattá (dá, G'vadá, G'vádámann), Gevatter, Gevattersmann. g'walti gewaltig; á g'waltiga ein Gewaltiger; dá g'waltigi der Gewaltige, án'n g'waltingá einen Gewaltigen. g'wándt'n (sih), sich kleiden: Subst. 's G'wándt'n das Kleiden. G'wásch ('s), das Gewäsche, langweiliges Geschwätze; siehe wasch'n . g'wichst gewichst, aufgeputzt, stutzerisch; á g'wichstá Stadtherr ein städtischer Zierbengel. G'wihr ('s, Gwiahr), Gewehr, die Wehre, die Waffe; vorzugsweise: die Flinte, das Schießgewehr. G'wurrl ('s), Gewirre, verworrene Bewegung, Wimmeln, Krimmeln. A B C D E F G H I J K L M N O P R S T U V W Z