Johann Meyer Festspiele Festspiel mit Musik in einem Akt. Zur Feier des 90. Allerhöchsten Geburtstages Sr. Majestät Wilhelm I. Deutschen Kaisers und Königs von Preußen am 21., 22. und 23. März 1887 aufgeführt im Stadttheater in Kiel. Personen: 1. Lare. 2. Lare. Klio. Germania. Borussia. Kutschke. Weikhmann. Flora. Professor. Prediger. Schullehrer. 1. Student. 2. Student. Bauer. Bauerfrau. Bauermädchen. Tagelöhner. Knecht. Matrose. Buchhalter. Handwerker. Schleswig. Holstein. Elsaß. Lothringen. Der Rhein. Polyhymnia. Friedrich der Große. Viktoria. Eirene. Dekoration : Halle im Königlichen Schloß. 1. Auftritt. Klio. Die Laren. (Klio aus der letzten Kulisse von links, die Laren aus der letzten von rechts kommend. Auf- und abgetreten wird immer nur durch die beiden letzten Kulissen. Rechts und links immer vom Zuschauer aus, wenn es nicht ausdrücklich anders bemerkt ist.) Klio. Wer seid ihr? Laren. Wir?   die Laren dieses Hauses, Und du? Klio. (Rolle und Griffel zeigend.) Kennt ihr mich nicht? Laren. (Mit freudigem Staunen.) Klio?! Klio. Ich bin's! Laren. So feiern auch die Musen dieses Fest?! Klio. Wo immer unserm Gott ein Tempel steht, So weit Alldeutschlands Sonn' und Sterne leuchten!   Doch komm' ich nicht allein,   gleich folgen mir, Die mich vorausgesandt, euch zu verkünden, Daß sie erscheinen,       (Musik in der Ferne. Melodie: »Deutschland, Deutschland über alles«.) Horch, da nah'n sie schon! Germania! Laren. (Rasch, mit freudigem Staunen.) Germania! Klio. Und ihre liebste Tochter, Borussia! Laren. (Wie vorhin.) Borussia! Klio. Heißt freundlich sie willkommen! 2. Auftritt. Germania. Borussia. Die Vorigen. (Germania und Borussia von links kommend.) Laren. Erhabene, seid uns gegrüßt! Germania und Borussia . Wir danken! Laren. Und herzlich uns willkommen! Germania und Borussia . Gleichen Dank Für diesen Gruß! Germania. Was habt ihr vor! Laren. Ein Festspiel! Lare I. Zur Verherrlichung des Tages, Der morgen aller Deutschen Lust und Freud',   Wir und die kleine Künstlerschar, die hier Im Dienst' Apolls die Stätte ihrer Kunst Sich auserkor   und die als Laren wir Von diesem Hause zu beschützen haben. Borussia. Und was hat diese Halle zu bedeuten? Laren. Hier spielt's,   Lare II. Sie ist im Königlichen Schloß, Und nahe ihr die Stätte, die geheiligt Des teuren Kaisers hohe Majestät.     Was Ehrfurcht ihm und Dank und Lieb' will zollen, Ihm huldigen in Treu' und Freud',   hier muß Es erst vorüber.     Borussia. Aber wißt ihr nicht, Daß die geheiligte Person des Kaisers Durch eure Kunst, die Leben gibt dem Wort', Nicht dargestellt darf werden? Laren. Eben das Erschwerte uns das Festspiel.     Germania. Desto besser! So greifen wir, euch helfend, selbst mit ein In euer festlich Spiel für euren Kaiser. Borussia. Der unser liebster Sohn! Germania. Zugleich entscheidend, Wer würdig sei, ihm huldigend zu nah'n.     Nun aber geht, den Eurigen zu melden, Was hier gescheh'n   und daß sie alle kommen! Laren. Wir eilen, euren Willen zu befolgen! (Beide Laren rechts ab.) Germania und Borussia. (Etwas nach vorn schreitend und in gleicher Linie, erstere links, letztere rechts vom Souffleurkasten stehend, an das Publikum.) Germania. Ein heller Stern der Freude und der Lust Hat euch vereint in dieser Abendstunde! Borussia. Euch klopft das Herz, euch hebt sich froh die Brust, Und aller Augen glänzen in der Runde! Germania. Das ist das Glück!   und des euch voll bewußt, O, danket eurem Gott aus Herzensgrunde! Borussia. Und seid willkommen alle, welche kamen! Germania. Wir grüßen euch in eures Kaisers Namen! (Musik in der Ferne. Melodie: »Es braust ein Ruf wie Donnerhall«.) Germania. Wer kommt?   ich hör' Musik,   »Die Wacht am Rhein?« Laren. Der deutsche Wehrstand tritt herein! Borussia. Wollt' heut' wohl gern der erste sein! Lare I. (In die Kulisse rechts rufend.) Nun schultert rasch mir das Gewehr! Germania. (Abwinkend.) Schon gut, schon gut, wir danken sehr! Borussia. Dem Kaiser heut allein die Ehr! Lare I. (In die Kulisse rechts rufend.) Ganzes Bataillon marsch! Eins, zwei!   Eins, zwei!   Eins, zwei! (Der Lare, indem er, rückwärts schreitend, bis an die Kulisse zurück einen kleinen Bogen durchgeht, zählt so lange, bis sich Kutschke und Weikhmann, die neben einander marschieren, in einem passenden Abstand von der Germania und Borussia befinden, dann ruft er:) Halt! 3. Auftritt. Kutsche. Weikhmann. Die Vorigen. Germania. (Nach links und rechts zeigend.) Die Landmacht stell' sich hier,   die Seemacht dort,   So sollt ihr als Vertreter der Armee Den schönsten Ehrenposten heut' bekleiden Und Schildwach' steh'n in eures Kaisers Näh'. Borussia. An eure Plätze, schnell, wie euch befohlen! (Kutschke eilt nach links, Weikhmann nach rechts in den Vordergrund bis zur ersten Kulisse, wo sie, die Gesichter gegeneinander gekehrt, in der Nähe der Rampe stehen bleiben.) Klio. Die strammen Jungen! Freut mich allemal Ins Herz hinein, wenn ich sie wiederseh'. Germania. (Zu Kutschke, der ihr rechts steht.) Du rechts, wie nennst du dich? Kutschke. Ich heiße Kutschke! Borussia. (Zu Weikhmann.) Und du mein Sohn? Weikhmann. Ick?   Weikhmann is min Nam! Klio. Sie fochten anno siebenzig schon mit. Kutschke. Det stimmt! Weikhmann. Dat stimmt! Klio. Es schrieb sie damals schon Mein Griffel in die Blätter der Geschichte. Kutschke. Es krauchte schon Napolium Vor mich einmal im Busch herum! Weikhmann. Un ick brumm all als Lichtmatros Vun'n »Meteor« mit up em los! Kutschke. Na, Weikhmann, nu laß dat Ufschneiden doch man sind! Weikhmann. Wat?!   Obsniden?!   Uns' Kaptein-Leutnant dat weer Knorr !   un de Franzos weer'n Aviso!   un bi Havanna herum, da weer de Slacht!   Un ick segg di, wi hebbt em verneiht!   un harr'n doch man twee Dode un een Blesseerten! Kutschke. Nein, mein Junge, denn kam et bei uns doch 'n bischen anders!   Man immer so die Dausende jestürzt und die Hundertdausende jefangen genommen!   und zuletzt noch den janzen Gloarr dazu!   und denn man so rin nach Paris! Weikhmann. Na, un bi Rügen, mit uns' Herr Kaiser sin lüttje smucke »Grill«,   hebbt wi em dar denn nich ock all mal verneiht?   un denn bi Danzig min Onkel Weikhmann mit de »Nymph«?! Kutschke. (Erstaunt.) Wat? Dein Onkel?! Weikhmann. Ne, min Vetter wull ich seggn! Kutschke. (Wie vorher.) Wat? Dein Vedder?! Weikhmann. Ja, tom minsten doch min Namensvedder! Kutschke. Au! Weikhmann. Wat 's dar los? Heft di stött? Kutschke. Ja, an dein' Kalauer! Weikhmann. Schadt di nix!   Na, un denn tonacher ock noch an de französche Küst!   Un wedder min Onkel,   min Vedder wull ick seggn!   dree vun de Parlevus in'n Rupps man so weggekapert! Kutschke. Wegjekapert?   Bist du da denn ooch schon als Seeräuber mitjewesen? Weikhmann. Ich weer ja mit op'n »Meteor« du Teeputt!   Un wi harrn datomal man noch keen ördentliche Flott!   Un unsen leev Herrn Prinzen un all de Torpedos harr win ock noch ni!   Awers nu schull he man mal kamn!   Junge, Junge, wat wull'n wie em Moritzen lehrn! Kutschke. Du und dein Onkel! Weikhmann. Ja! ick un min Onkel!     Awers wat versteihst du Landrött ock vun't Water?! Kutschke. Und du Wasserratze vons Land?! Germania. Nun, laßt es gut sein, Kinder,   streitet nicht! Ihr habt doch einen und denselben Kaiser, Der euch gemacht zu dem erst, was ihr seid, Die Flotte schaffend und die Landarmee! Das Landheer stürzte zwar Napoleon, Doch trat nicht auch die deutsche Flotte schon Für deutsches Recht und deutsche Ehre ein, Wo nimmermehr die Landarmee konnt' sein?! Borussia. (Zu Kutschke.) Und warst der Erste du, und war es ihm, Weil er der Zweite, nicht vergönnt wie dir Des Ruhmes grünen Lorbeer sich zu brechen, So wird es später doch einmal gescheh'n,   Und redlich habt ihr dann den Preis zu teilen! Kutschke. (Gerührt ihm die Hand hinhaltend.) Komm, Weikhmann, deine Hand! Weikhmann. (Ihm die Hand gebend.) Ja, sla man in! Kutschke. Zu Wasser und zu Land! Weikhmann. Densülwen Sinn! Kutschke. Und jleiche Brüder, jleiche Lieb' und Pflicht! Germania. So recht!   wie schwer der Stand,   ihr weichet nicht Und holt, wenn's sein muß, neue Lorbeerreiser Zu Wasser und zu Land für euren Kaiser! (Musik in der Ferne. Melodie: »Seht den Himmel wie heiter.«) Laren. Des Frühlings holdes Schwesterlein, Die Königin der Blumen! Germania und Borussia. Laßt sie ein! 4. Auftritt. Flora. Die Vorigen. Flora . (Mit einem Füllhorn voll Blumen.) Die Knospen sprangen über Nacht,   Maikätzchen sind schon aufgewacht,   Der Himmel blaut im Sonnenschein',   Und grünen will der Buchenhain,   Es schmettert schon der Finkenschlag,   Die Stare zwitschern auf dem Dach',   Die Lerche streuet ihre Lieder Hoch aus dem blauen Himmel nieder,   Ums kurze kommt auch schon Frau Nachtigall,   Und Blumen, Blumen überall! Die ersten hab' ich schon gepflückt, Womit mein Bruder die Erd' geschmückt: Märzveilchen, Primel und Anemon', Ranunkel auch vom Wiesengrund', Und auch ein früh Maiglöckchen schon,   Märzkinder alle, hell und bunt! Und, als der Blumen Königin, Noch Schöneres für ihn im Sinn, Streckt' segnend meine Hand ich auch Schon über einen Dornenstrauch, Daß er so früh schon vor der Zeit Sich anzog sein duftiges Rosenkleid!     Da hab ich denn gepflückt, gepflückt, Und das ganze Füllhorn mir vollgedrückt, Und brächt' nun so gern die kleine Schar Dem teuren Heldenkaiser dar!     Borussia. Die Blumen hatt' er immer gern! Geh', streu sie dem erlauchten Herrn, Aus deinem Reiche als das Beste, Zu seinem neunzigsten Jahresfeste! (Flora links ab.) (Musik in der Ferne. Melodie: »Ich hab mich ergeben.«) Laren. Der Lehrstand kommt! Germania und Borussia. Er soll willkommen sein! 5. Auftritt. Professor. Prediger. Schullehrer. Die andern. Professor. Der Wissenschaft Vertreter steh' ich hier, Der Majestät, des deutschen Volkes Kaiser, In Ehrerbietung ihren Dank zu bringen Für alles, alles, was er ihr getan! Und ihren Glückwunsch zu dem selt'nen Fest' Des einundneunzigsten Geburtstags, welchen Er heut' mit seinem Volk' und es mit ihm Alldeutschlands Millionen fröhlich feiern. Germania. Der Wissenschaft Vertreter unsern Dank! Denn treu hat sie geholfen eurem Kaiser, Das große Werk zu fördern, das er schuf: Die Landarmee, die Flotte und das Reich! Kein Reich erblüht, in welchem sie nicht blüht! Sie muß zu jedem Bau den Grundstein legen! Drum seid willkommen uns und geht hinein! (Professor zurücktretend.) Prediger. Im Namen der Gemeinde steh' ich hier,   Gott bittend aus des Herzens tiefstem Grunde Mit ihr gemeinsam für das teure Leben Des vielgeliebten Kaisers und sein Glück! Daß Gott ausströmen lasse über ihn All' seinen Segen!   daß er ihn behüte Und ihn erleuchte   und ihm gnädig sei! Borussia. Das flehen wir mit euch!   Sein Herz ist fromm Und demutsvoll!   und oft mit seinem Gott Hat es in schwerer Stunde schon gerungen!   Drum gab er auch, was immer er vollbracht, Stets selbstlos seinem Gott allein die Ehre! Klio. In goldnen Lettern birgt euch die Geschichte So manch ein frommes Wort aus seinem Munde! Borussia. Das Gute lieben und das Rechte tun War allezeit sein Leben und sein Streben!   O, betet allezeit, wie heut', für ihn Und sorgt, daß es die andern tun wie ihr Daheim, die eurer Predigt Worten lauschen! Er hat es für euch alle stets getan Und mehr als das!   gewacht, gemüht, gesorgt, Gestritten und gelitten,   euer Kaiser,   Ihr wißt es nicht, wie oft und viel!     Doch geht, Um mit den andern heut' ihm nah' zu sein! (Prediger zurücktretend.) Schullehrer. Ich komme für das kleine Volk der Schule;   Sie kennen ihn und alle, die er liebt Und seinem Herzen teuer,   auch die Toten! Sie wissen, wer bei Fehrbellin gesiegt, Und welch' ein Held war Friederich der Große! Und wer, als unsre Not am höchsten war, Auf Gott mit echter Herzensdemut bauend, Den Aufruf an sein Volk erließ   und dann Mit Gott für's Vaterland und für die Seinen Getrosten Muts den Riesenkampf begann Und in der Völkerschlacht bei Leipzig jäh Des Korsen Macht zertrümmerte,   sie kennen Den Vater!         Und die Mutter, o, die Mutter! Luise, ihres Volkes Schutzgeist nun, Und wissen, wie sie einst so hart bedrängt, Die Königin der Preußen, auf der Flucht Des Dichters Worte in die Scheiben grub Der Bauernhütte, wo sie rastete. Klio. Wer nie sein Brot mit Tränen aß, Wer nie die kummervollen Nächte Auf seinem Bette weinend saß, Der kennt euch nicht, ihr himmlischen Mächte! Schullehrer. Und was ein Kindesherz nur fassen kann An süßer, reiner Lieb', das bring' ich heut' In frommen Wünschen dem geliebten Kaiser Und mit ihm der geliebten Kaiserin! Gott segne und behüt' sie beid'!   und alle, Die ihren Elternherzen sind die Nächsten: Die Kinder   und die Kindeskinder   und Die Kindes-Kindeskinder!       Und der jüngst Vom Thron' hinaus ins Reich frohlockend rief: »Hurra! vier Kaiser!«   Trag' er ungebeugt Noch manch ein, manch ein Jahr die goldne Last Der Doppelkrone!   und zu jeder Zeit Schar sich das deutsche Volk an diesem Feste Mit gleicher Lust und Lieb' und Treu' wie heut' Um seinen Thron und wünsche ihm das Beste! Borussia. Habt Dank, daß ihr der Kinder Wunsch gebracht! Die spätre Zeit gehört der Jugend, und Das Los der Zukunft liegt in ihren Händen,   Mithin des Reiches Schicksal auch!   Erzieht Zur Frömmigkeit, zur Tugend und zur Liebe Zum Vaterland und ihrem Kaiser sie, So wird des Reiches Wohl gesichert sein In später Zeit, wie heute!       Geht hinein! (Professor, Prediger und Schullehrer links ab.) ( Musik in der Ferne. Melodie: » Gaudeamus igitur «.) Lare I. Da kommt ein stattliches Brüderpaar, Vertreter einer gar lustigen Schar! Es sind Musensöhne! Kutschke. Musen? Wat sagt' er Weikhmann? Weikhmann. Müs'! Borussia. Den lustigen Bruder Studio Kutschke und Weikhmann. A, so! Borussia. Verraten seines Liedes Töne. 6. Auftritt. Zwei Studenten. Die andern. Erster Student. Frisch, fröhlich und frei! Und unser Höchstes das Ideal! Und wir allzumal Mit unserm Herzblut' schon damals dabei, Als in bösen Tagen Die Preußen von den Welschen geschlagen Und in Jammer und Schmach Luisens blaues Auge brach! Zweiter Student. Und auch wieder dabei, als in schwerer Not Uns rief des Königs Aufgebot! Das Schwert in der Hand, Um zu rächen die Schand! Mit Gott für König und Vaterland! Erster Student. Und mitgekämpft in der Völkerschlacht, Die allem Jammer ein End' gemacht! Unter Friedrich Wilhelm des Dritten Fahnen Vorwärts auf ruhmreichen Siegesbahnen! Mit Vater Blücher über den Rhein! Und mit unserm König in Paris hinein! Zweiter Student. Und wieder dabei, Frisch, fröhlich und frei, Zur Zeit der Gefahr! In Reih' und Glied und unter den Waffen, Als die deutsche Einheit ein Traumbild war   Und in Fesseln zuckte der preußische Aar,   Als es galt, ein neues Heer zu schaffen, Das stark genug, den Strauß zu wagen, Um alle Ketten zu zerschlagen! Erster Student. Und frisch, fröhlich und frei, Wie könnt' es anders sein?! Nun erst recht dabei! Über den Rhein! Und durch Frankreich bis nach Paris hinein! Zweiter Student. Ha!   Nun ist es da, Unser einiges deutsches Vaterland! Und er schuf es ja, Das Schwert in der Hand, Mit seines Armes gewaltiger Kraft, Das mächtige, herrliche, schöne!       Und im Namen der deutschen Studentenschaft Ihm ein donnernd Hu       Borussia . Sch! Sch!   sachte da! 's ist noch zu früh,     geht nur hinein, Ihr lieben, lustigen Musensöhne, Und wenn es Zeit ist, stimmt mit ein! (Studenten links ab.) Weikhmann . Nu, Kutschke, wat weern de beiden smuck,   Un denn so brösig!       Kutschke . Det kommt vom Bock Und von der Freude ihr'n Jötterfunken! Frisch, fröhlich und frei, Sind ja immer mit dabei,   Und wenn man immer mit dabei ist, wird ooch mal een jetrunken! (Musik in der Ferne. Melodie: »Das ist der Tag des Herrn.«) Laren . Der Nährstand!   Bauern sind's! Germania und Borussia . Laßt sie herein! Laren I. (In die Kulisse rufend.) Kommt nur!   und nicht so furchtsam sein! 7. Auftritt. Bauer. Bauerfrau. Bauermädchen. Knecht. Tagelöhner. Die andern. Bauer . Wi sünd ja man vun'n Lann un dumm,   Nehmt uns de Blödigkeit ni krumm,   To unsen leew Herrn Kaiser dreew Vundag öck uns de Hartensleew. (Zu Weikhmann.) Süh, Weikhmann!   dat der Deutscher di! Büst du denn jümmers noch dabi?! Weikhmann . Ich heff mal so min Lust daran Un gah dar ock ni wedder van! Bauer . (Zu Kutschke.) Un Kutschke ock?   wat mutt ick sehn! Kutschke . Wir tun beim Kaiser Schildwach steh'n Als Ehrenposten vor seine Tür! Borussia. Ja, ja, so ist's!   doch ruhig, ihr! Und nun, mein liebes Bäuerlein, Was willst?   Ihr seid ja all' so fein?! Bauer . Ja, wie wulln ja geern mal rin na em! (Zu seiner Frau.) Kumm, Mudder, schast den Vörrang hemm! Se bringt em ock en schöne Hähn! Bauerfrau . (Vortretend und knicksend.) He nimmt dat doch wul fründlich up? De Preester un de Küster sä'n: Uns' Kaiser eet geern Höhnersupp. Borussia . (Zu dem Bauermädchen.) Und du, mein Kind? Bauermädchen . (Vortretend und knicksend.) Ick bring em hier En Strusch vun Kornblom to de Fier. Wiel' s' noch upt Feld ni wassen dei't, Heff ick de Körns in'n Blomputt sei't Un sülben tagn mit Luft un Fliet, Dar wurrn se blöh'n to rechter Tid! Bauer . So'n Unkrut?!   Deern, wat makst, Margret?!   Dat's leegste Tügg in unsen Weet! Bauerfrau . Lat ehr doch, Vadding,   lat't man we'n! De Preester und de Küster sä'n: De Kornblom weern sin leevsten Blöm! Bauer . Dat kann ick all min Dag ni löbn! Borussia . Und doch ist's so!   das Kind hat Recht! Bauer. Ja,     wenn't de Preester un Küster seggt, Denn is't wul so!   Na, denn man los! Doch wat'ck man seggn wull,     apropros! (Auf die Hosentasche klopfend.) Heff ock noch wat, un dat ni wenig, Für unsen Kaiser un unsen König! Borussia. Du auch? Sieh', das ist brav!   und was? Bauer. Ja,       ick weet man ni recht, op em dat paßt, Un eegntlich mag ick't knapp mal seggn! (Einen vollen Beutel aus der Tasche ziehend.) Ick dach: mußt in de Kant wat leggn, Dat du en beten öwersparst Un dat för bissen Festdag wahrst! Wat kost em ni dat Milletär! Un denn so'n grot Beamtenheer! Un allens, wat dar sunst noch mehr Ut sin Schatull privatem kehrt, Un wat uns' Kaiser mit ernährt!   He ward mi doch wul recht verstahn?   Mit Dank legg ick dat in sin Hand, För allns, wat he förn Buernstand Un för de Landwirtschaft all da'n! Borussia . 's ist brav von dir! (zum Tagelöhner.) Un du?   Tagelöhner. (Stotternd.) Ick kick kick kick wu wu wu wu wull.     Bauer. Is man Klaas Kick, min Arbeitsmann, De ganz vun sülben mit uns gung,   Sin Daglohn wennt he ock daran!   Hett'n lütten Fehler an de Tung Un weet ni recht sin Wör to spreken,   (Den Beutel zeigend.) Ick heff't mit in min Büdel steken! Tagelöhner. (Nach dem Beutel zeigend.) Bü Bü Bü Bü Büdel steken! Germania. Ihr lieben alle, nur hinein! Euer Kaiser wird sich euer freun! (Alle, bis auf den Knecht, links ab.) Knecht. (Vorschreitend.) Un ick bin wieder nix als Knecht! Doch is min Sinn ni minner slecht! Un ock min Hart ni minner warm! (Mit der linken Hand unter den rechten Arm fassend und diesen zeigend.) Un hier!   dat is för em!   min Arm! (Im Abgehen zu Weikhmann.) Du, Weikhmann, morgen schall'ck mi stell'n! Weikhmann . (Ihm nachrufend.) Dat kannst de Oln man sülbn vertelln! (Musik in der Ferne. Melodie: »Mein Schiff streicht durch die Wellen.«) Laren. Schiffahrt, Handel und Gewerbe! Germania und Borussia . Uns willkommen! Weikhmann und Kutschke . (Das Wort Fridolin mitsingend.) Fridolin! Borussia. Ruhig da! Weikhmann. Dat schöne Leed! 8. Auftritt. Matrose. Buchhalter. Handwerker. Die andern . Matrose . Schwarz, Weiß, Rot auf allen Meeren! Buchhalter . Hoch in Flor der Handelsstand! Handwerker . Das Gewerbe hoch in Ehren Und der Arbeit fleiß'ge Hand! Matrose . Schiffe kommen,   Schiffe gehen, Daß die See von Segeln schwärmt! Weikhmann . Dat stimmt! Buchhalter . Volle Speicher ragend stehen! Säge, Axt und Hammer lärmt! Kutschke . Stimmt ooch! Klio . Mit dem Menschengeist' im Bunde, Wirkt der Elemente Kraft! Fleiß und Arbeit in der Runde! Segen der Genossenschaft! Brot und Fleisch in jeder Hütte! Großer Werke schöne Zeit! Ordnung und Gesetz und Sitte! Milde und Gerechtigkeit! Borussia . Lieb' und Treu' ihm ohne Schranken! Ruhm und Preis und Ehre sein! Germania . Und für alles ihm zu danken, Ihm zu huld'gen,   geht hinein! (Matrose, Buchhalter und Handwerker links ab.) (Musik in der Ferne. Melodie: »Schleswig-Holstein, meerumschlungen.«) Lare I. Zwei blonde Jungfrau'n, von Augen blau, Aus deutscher Nordmark fernen Gauen!   Lare II. Wie Rosen frisch im Morgentau! Gar wunderlieblich anzuschauen! Borussia . Sie werden aus Schleswig-Holstein sein, Germania . Die lieben Kinder, laßt sie herein! 9. Auftritt. Schleswig. Holstein. Die andern. Schleswig . Aus dem Lande, das errungen Preußens und Alldeutschlands Aar, Bringt des Volkes Glückwunsch dar Schleswig-Holstein, meerumschlungen! Holstein . Nun ein Stück vom deutschen Reiche, Dän'schem Übermut zum Trutz! Sicher unter Preußens Schutz Grünet unsre Doppeleiche! Schleswig . Deutsch nun wieder ihre Reiser! Wo des dunklen Lorbeers Statt Auch ein helles Eichenblatt In den Kranz für unsern Kaiser! Holstein . Daß er uns noch lang verbliebe, Schleswig . Gäb' es, der die Jahre zählt! Schleswig und Holstein . Ihm up ewig ungedeelt Unser Herz und unsre Liebe! Borussia . Dem Kaiser Liebe zu erweisen An diesem Tag', wer blieb' zurück?! Germania . Geht nur hinein, ihn mit zu preisen Und mit zu wünschen Heil und Glück! (Schleswig und Holstein links ab.) (Musik in der Ferne. Melodie: »O Straßburg, o Straßburg, du wunderschöne Stadt!«) Borussia . O Straßburg, o Straßburg, du Blume am Rhein, Bei diesem Liede gedenk ich dein! Germania . Wie klingt es gar so sehnsuchtsschwer! Borussia . Wie ragt dein Münster hoch und hehr! Germania . Wie bist du schön, wie bist du fein! O Straßburg, du Rose am deutschen Rhein! Borussia und Germania . (Zu den Laren.) Seht, was da komme,   und laßt es ein! 10. Auftritt. Elsaß. Lothringen. Die andern . Elsaß . (Knicksend.) Grüeß Gott! wohnt nit d'Herr Kaiser hie? Hyt simmer ali mit derby, Us Elsaß un Lothringe! Der Majestät im Silwerhoor Zuem Fest von e-n-un-nynzi Johr E Glückwunsch an ze bringe! Lothringen . 's het ghet mol e Zyt, no isch's nit wyt, Do ess, womer doch dytschi Lyd, Dät stenge d' welschi Diebe! Doch nimmi welsch isch worre 's Herz! Dytsch blywe däts au no im Schmerz! Un dytsch i syner Liebe! Elsaß. Diß scheene Land von Iwwerrhyn, Wie-na verhäxt Dornrösle fyn Het's geschlofe lang verborje, Do find's es Prinzle, gitt em e Schmatz Un het's sich heimgfüert dnoh als Schatz Zuem scheenste Hochzytmorje. Lothringen. Un kennt err's Prinzle au?   fürwohr! 's isch gsin d'Herr Kaiser Jubilor Wo's Maidli dät erleese! Un wie - n er's geschmuzt   bumm! bumm! hets gknallt, Daß 's Door von Straßburj z'samme fallt Un frai isch d' Stadt gewese! Elsaß. Un het au Metz mit gbracht an's Rych, Un gflennt for Fraid het d' Mueder glych Um's Maidli un em Sohne. Dnoh isch er au nach Paris marschiert Un het inne d' Fridde do diktiert Un geholt sich d' Kaiserkrone! Lothringen. Jez wollet au ze güeti sin Un loßt ess beidi zue - n im nyn, Imm unsri Wünschli z' bringe, Imm unser Liedel zu deklamier', Ze danke - n em un gratulier' Vun Elsaß un Lothringe! Kutschke . Du, Weikhmann, haste wat verstanden? Weikhmann . Ne! Kutschke . Esel! Weikhmann . Du? Kutschke . Ne! Borussia . Was ihr verlangt, wie könnten wir's verwehren, Geschieht es doch zu eures Kaisers Ehren! Germania . Geht nur hinein und freut euch seiner beide! Er sieht euch gern, euer Glück ist seine Freude! (Elsaß und Lothringen links ab.) (Musik in der Ferne. Melodie: »Am Rhein, am Rhein, da wachsen unsre Reben.«) Kutschke und Weikhmann . (Bei dem »da wachsen« mitsingend.) Da wachsen unsre Reben! Germania und Borussia . Wollt ihr mal ruhig sein!. Laren. (In die Kulisse sehend, freudig.) Fürwahr! er ist es selbst, der alte Rhein! Germania und Borussia . Geschwind, laßt ihn herein! (Laren rechts ab.) 11. Auftritt. Der Rhein. Die Laren (gleich hinter ihm) . Die andern . Der Rhein. Ich bin der altersgraue Vater Rhein; Habt Dank dafür, daß ihr mich ließet ein! Vom Felsgeklüft des Gotthards plätschert munter Mein erster Quell ins grüne Tal hinunter,   Dann bad' ich mich im blauen See und walle Hinab, hinab mit lautem Jubelschalle Durch mein geliebtes deutsches Heimatland, Die Menschen segnend bis zum Meeresstrand! Im Sonnenlichte reifen süße Reben! Um hohe Burgen prangen grüne Wälder! Um Blumengärten goldne Ährenfelder! Und rechts und links Lust, Freude, Lieb' und Leben! Dem deutschen Volk' gehört das Herz des Alten! Wem wär' auf dieser Welt ich mehr ergeben, Als denen, die mich deutschem Reich erhalten?! Borussia . Nach deinen Schätzen lüstern, überzogen Dich früher schon mit wildem Krieg' die Franken, Und, wenn du deutsch bliebst, hast du es zu danken Wie keinem, ihm ! dem ich zumeist gewogen! Klio . Ein Hohenzoller schlug den Franzmann nieder, Vergeltend ihm mit königlichem Lohne,   Und Friedrich Wilhelm überschritt den Rhein! Und als der Feind erschien aufs neue wieder, Zog König Wilhelm nach Versailles hinein Und holte die verlorne Kaiserkrone! Germania . Geh' nur hinein, du alter, lieber Rhein, Und wie am Vater, freu' dich an dem Sohne! (Der Rhein links ab.) (Musik in der Ferne. Melodie: »Der frei'sten Mutter freie Söhne.« Aus dem Gesang »An die Künstler« von Mendelssohn.) Laren . (In die Kulisse sehend, freudig.) Ha! eine wunderschöne Frau! Da ist sie schon! 12. Auftritt. Polyhymnia. Die andern. Polyhymnia. Polyhynmia bin ich! Klio. Meine Schwester! Germania und Borussia . Sei uns willkommen! Polyhymnia . Und es hat mich gesandt Apollon Musagetes Kutschke . Musa? Musa? Polyhymnia. Unser Führer und Herr Kutschke. Aha, 'n Jeneral! Polyhymnia. Daß ich erschiene Im Namen der Musen. Kutschke. Schon wieder die Musen! Weikhmann. All wedder de Müs'! Polyhymnia. Dem zu danken, Welchen die Parzen, Spinnend der Sterblichen Lebensfaden, Lieben, wie keinen!   Der uns geehrt und geliebt, Beschützt und geschirmt, Wie oft auch die Schlacht ihn gerufen! All' unsre Söhne, Fördernd das Schöne, Ob der Thalia, Oder Melpomene,   Oder mir Sie dienen,       Ob sie, der Farben Liebliche Töne Harmonisch mischend, Schaffen das Bild,       Ob sie,   den Marmor Meißelnd,   dasselbe Plastisch gestalten, Ob sie in Mörtel und Stein Bannen der Schönheit Erhabne Gedanken,       Alle, alle, Jubeln sie heute, Wünschend und hoffend für ihn, Und freu'n sich des herrlichen Tages! Borussia. Ja, er liebet die Kunst Und erweiset ihr Gunst! Wohl mögt ihr ihn preisend erheben! Germania . Und was gewünschet ihr heut' Ihm in dankender Freud', Fleht die Götter an, daß sie es geben! (Polyhymnia links ab.) (Musik in der Ferne. Melodie: »Der Hohenfriedberger Marsch.«) Borussia. Ha, Wie wird mir?! Wunderbar Fesselt mich ein Ahnen! Germania. Auch mich! Auch mich! Borussia. Rauschen hör' ich Preußens Aar! Flattern seine Fahnen! Germania. Auch ich! Auch ich! Borussia. (Zu den Laren.) Eilt von dannen! seht, wer da! Laren. (Rasch ab.) Germania. Großes kommt und ist schon nah! Laren . (Zurückkommend.) Er ist's! Er ist's! Borussia und Germania. Wer?! Laren. Der alte Fritz! Borussia und Germania. Er?! Kutschke. Wat? der olle Fritz?! Weikhmann ufjepaßt!   Schultert's Gewehr! (Beide schultern.) Präsentiert's Ge         13. Auftritt. Friedrich der Große. Die andern. Friedrich der Große. Schon gut! merci pour l'honneur! (Zu Kutschke.) Wie heißt Er? Kutschke. Kutschke, Majestät! Friedrich der Große. (Zu Weikhmann.) Und Er? Weikhmann . Weikhmann, Majestät! Friedrich der Große. Schon Bataille mitgemacht? Kutschke und Weikhmann . Zu Befehl, Majestät! Friedrich der Große. (Zu Kutschke.) Er, wo? Kutschke. Anno siebenzig gegen Napolium. Friedrich der Große. (zu Weikhmann.) Un Er? Weikhmann . Bi Havanna herum, gegn de Franzosen. Kutschke. (Schnell, indigniert.) Det is stark! Friedrich der Große. Charmant!   Aufgepaßt!   Kopf gerade! Brust heraus!     Über das Gewehr! (Kutschke und Weikhmann werfen das Gewehr über.) Gut exekutiert!   (Borussia und Germania gewahrend.) Ah, mes dames, pardon! pardon !       (verwundert) Doch, was seh' ich? (gerührt) Borussia!!     Borussia. (Gerührt.) Geliebter Sohn! Friedrich der Große. (Ihr Gewand küssend.) Gott segne dich! (Zu Germania, ihr das Gewand küssend.) Und auch dich, gewaltige Germania!   Bei Gott! Dein Feind war ich nie!   nur der Feind deiner Feinde! Borussia und Germania. Das wissen wir! Germania. Meine Fahnen wehten schon zur Zeit des Großen Kurfürsten im Lager der Hohenzollern und nicht der Hohenstaufen! Borussia. Und nicht mehr für Preußen allein, sondern für Alldeutschland fochten schon meine Preußen unter Friedrich dem Großen! Friedrich der Große. Assurément ! Ja freilich! freilich!   Wo immer sich die Feinde gegen mich erhoben, stießen sie ja auf Deutsche!   So mußten wir wohl die Sache Deutschlands führen! (Auf Kutschke und Weikhmann zeigend.) Hübsche Kerle die!   Hab' immer meine Freude dran, wenn sie so an mir vorbei marschieren zur Parade vor ihrem Kaiser!   Sind ja Nachbarn, er und ich!   Sehn uns täglich!   Lug' ihm vom Pferde herab in sein Fenster,   und er salutieret von da unten herauf mit seinen freundlichen Augen! Germania. Kaiser Wilhelm, der Siegreiche! Borussia. Und Friedrich, der Einzige! Germania und Borussia. Mit die größten Fürsten aller Zeiten! Friedrich der Große. Ah, zu viel! zu viel! Doch beide nur die ersten Domestiken im Staate!   Schon am glorreichen Tage von Sedan wär' vor lauter Freuden gern einmal vom Pferd gesprungen; aber da kabbelten ja die verdammten Rangen auf mir herum. Heute bin nun mal heruntergestiegen,   und heute muß ich ihm nahe sein, ganz nahe meinem geliebten Ur-Großneffen! Der Nächsten einer von all den Glücklichen, welche ihm gratulieren! Vivat, vivat Guilelmus primus!   Vivat Augustus Victor! (Links ab.) Borussia und Germania. Vivat Guilelmus primus! Vivat Augustus Victor! Kutschke und Weikhmann . Vivat! Hurra! Kutschke. Na, Weikhmann, det war aber jut! Weikhmann. Wa so?! Wat denn?! Kutschke. Von wegen deine Seeschlacht bei Havanna! Weikhmann. Hest denn ni hört, wat he seggt hett? Charmant! hett he seggt! Kutschke. Damit meint er mich! Weikhmann. Ne, mi! Kutschke. Nein mir! Borussia und Germania . Stille da! (Musik in der Ferne. Melodie: Aus der Siegeshymne aus »Egmont.«) Laren. (In die Kulisse rufend.) Sieh da! Hurra! Da kommt sie selber, Die Göttin Viktoria! Kutschke und Weikhmann . Hurra! 14.Auftritt. Viktoria. Die andern. Viktoria. (Mit einem Lorbeerkranz in der Linken.) Ich bin es, ja! Die Göttin des Sieges! Und meine Freunde Die Helden des Krieges! Um die Stirn' ihnen wind' ich Den Lorbeerkranz! Und der Welt verkünd' ich Ihres Ruhmes Glanz! Und ihr wißt es, einen, Den lieb' ich, wie keinen! Borussia. Meinen Sohn! Germania . Und den meinen! Klio. Heil seinem Thron'! Viktoria. In jeglichem Kriege, Der bestimmt war für ihn, Einen jeden der Siege Hab' ich ihm verlieh'n! Schritt am Alsensunde Zum blutigen Strauß In der Morgenstunde Seinen Fahnen voraus! Und im Dampfe hoch drüben Sah sein Heer mich steh'n! Mir nach all' die Braven, die Lieben, So todesmutig, so begeist'rungsschön! Bis erstürmt die Sieben Auf Düppels Höhn! Klio. Und sein Fritz Mit dazwischen, wie der Blitz! Borussia und Germania. Bis die teuren Lande im Norden Unsre Kinder für immer geworden! Kutschke. Det stimmt! Weikhmann. Dat stimmt! Viktoria. Und im Böhmerlande, Welche Freud', welche Lust, Als gesprengt er die Bande, Die ihm umschnürte die Brust! Gesprengt den verrotteten Bund In entscheidender Stund'! Und ob Brüder auch gegen Brüder,   Seine Schuld war es nicht! Mit dem Feind' ins Gericht!   Und er und sein Fritz Wieder drein, wie der Blitz! Und daran und darauf und darüber! Und in sieben Tagen Österreich von Preußen geschlagen! Und die Preußen vor Wien! Klio. Und das alles durch ihn! Kutschke. Det stimmt! Weikhmann. Dat stimmt! Borussia. Seine Heere siegend, wie Friedrichs Heere! Germania . Und er selber ein Friedrich im Felde der Ehre! Viktoria. Und zum drittenmale, Als von Bergen zu Tale Erscholl der Ruf: »An den Rhein! An den Rhein! Und Alldeutschland nach Frankreich hinein!«   Noch kein Cäsar der Welt Flocht im Ruhmesglanz' Sich auf blutigem Feld' Einen Lorbeerkranz Mit so vielen Blättern des Sieges! Weißenburg! Wörth! und die Spicherer Höh'n! Mit Sturm genommen im Weitergeh'n! Klio. Und er und sein Fritz Wieder darein wie der Blitz. Viktoria. Colombey!   Vionville und Mars la Tour!   St. Privat und Gravelotte! Klio. Mit den Deutschen ihr Gott! Und in vierzehn Tagen Schon sechs Schlachten geschlagen! Germania und Borussia. Und weiter, immer weiter Die todesmutigen Streiter! Viktoria . Beaumont!   Sedan! Noisseville!   Metz und Orleans! Am Bache Lisain! und Le Mans! Und St. Quentin! Kutschke. Det stimmt! Und Napolium jefangen uf Wilhelmshöh'! Weikhmann. Dat stimmt! Un in'n Buddel de ganze französche Armee! Kutschke. Det stimmt! Klio. Und nach Paris marschiert Und den Frieden diktiert! Germania. Und die ich verloren, Lothringen und Elsaß mir wiedergeboren! Borussia. Und die Kaiserkrone Dem Sieger zum Lohne! Viktoria. (Mit Pathos, den Lorbeerkranz hebend.) Und wer zu vergleichen Kaiser Wilhelm dem Siegesreichen! (Links ab.) (Musik in der Ferne. Melodie: »Nun danket alle Gott.«) 15. Auftritt. Sirene. Die andern . Sirene. (In der Hand eine Friedenspalme.) Sirene bin ich,   Zeus und der Themis Kind,   Der Siegesgöttin folg' ich   und bringe dem, Der ihren Lorbeerkranz errungen, Lächelnd die grünende Friedenspalme! Auch jene Braven, welche den süßen Tod Fürs Vaterland gestorben, empfangen sie,   Und wo sie unter Ruhmeskränzen Schlafen, da leg' ich sie trauernd nieder! Nicht tobt der Krieg mehr,   und die ihm nachgeweint, Die Tränen alle,   goldener Friede hat Sie sanft getrocknet   und die Herzen Wieder der Freud' und dem Glück erschlossen! Ein einig Deutschland, größer denn je zuvor An Macht und Anseh'n, wie auf der Erde Rund Von allen Reichen, die es hatte, Keines ihm könnte verglichen werden! Und dem wir's danken, welchem die Parzen schon Der Jahre einundneunzig im Flug' der Zeit Verlieh'n, dem nah' auch ich zum Feste, Wünschend mit allen das Allerbeste! Daß er uns bleibe bis in die spät'ste Zeit, Und fern ihm bleibe, was ihm brächte Leid! Daß seinen Pfad, ihn zu beglücken, Stets nur die Rosen der Freude schmücken! Daß ob dem Haupte, welches so lorbeerreich, Nie fehlen mög' mein grünender Friedenszweig! Das wollen alle Götter walten. Die mich gesandt, ihm die Palme zu halten! (Links ab.) Borussia. (Etwas weiter nach vorn schreitend, rechts vom Souffleurkasten, in gleicher Linie mit der auf der andern Seite befindlichen Germania stehend.) (An das Publikum.) Daß er uns bleib' noch viele, viele Jahre, Wie hoch er steht, wie strahlend und wie hehr! Wie kurz die Zeit vom Alter bis zur Bahre, Wie weiß sein Haupt und wie so lorbeerschwer! Daß oft, noch oft sein Volk sich um ihn schare, Wie heut', zu dieses Tages Wiederkehr! Das laßt uns wünschen, hoffen, bitten, flehen! Zu aller Freude möge das geschehen! Germania. (An das Publikum.) Und möchtet ihr, die hier zu dieser Stunde Im flücht'gen Spiel ihr saht vorübergeh'n, Auf deren Worte in des Hauses Runde Ihr still gelauscht, nun gern noch einmal seh'n,   Wohlan!   sie haben sich zu schönem Bunde Vereinigt alle,   mag es denn gescheh'n! Hinweg die Hülle,   euch das Bild zu geben! Eu'r Kaiser grüßt euch, jubelnd laßt ihn leben! (Der Hintergrund geht in die Höhe.) (Großes Gruppenbild in bengalischer Beleuchtung.) (Dreimaliger Tusch vom ganzen Orchester, in die Melodie: »Heil dir im Siegerkranz« übergehend, worauf der vordere Vorhang langsam fällt. Bei wiederholtem Aufgehen desselben wiederum bengalische Beleuchtung und vom Orchester Tusch und Melodie wie vorher.) Lätitia. Festspiel mit Gesang in einem Akt. Musik arrangiert und komponiert von L. Friedr. Witt. Zur Feier des allerhöchsten Geburtstages Sr. Majestät Wilhelm II., Deutschen Kaisers und Königs von Preußen, aufgeführt im Stadttheater zu Kiel in der ersten Bearbeitung am 26., 27. und 30. Januar 1889, in der vorliegenden am 23. und 27. Februar 1890. Personen. Lätitia. Apoll. Suecia. Dania. Austria. Italia. Russia. Tristitia. Erster Matrose. Zweiter Matrose. Dritter Matrose. Vierter Matrose. Unteroffizier Piffke. Bell. Erster Student. Zweiter Student. Erster Bürger. Zweiter Bürger. Erster Handwerker. Zweiter Handwerker. Ein Bauer. Germania. Borussia. Dekoration : Die Bühne stellt eine Waldlandschaft dar, etwa drei Kulissen tief, so daß weiter zurück noch genügend Platz für das große Gruppenbild der letzten Szene übrig bleibt. (Rechts und links immer vom Zuschauer aus.) Vorspiel. Musik: »Freude, schöner Götterfunken!« (Nachdem die Melodie einmal durchgespielt, geht der Vorhang rasch in die Höhe.) 1. Szene. Lätitia . (Rasch von rechts auftretend, mit dithyrambischer Begeisterung.) Ich bin die Freude!   Die Freude!!   Lätitia!   Und jubelnd ringsum feiert vom Fels zum Meer Das deutsche Volk den Tag der Freude! Seht,   und da bin ich, weil mein die Stunden! Und unverweilt Durch die Gassen der Stadt bin ich geeilt, Die geschmückt sich so ganz Nun mit festlichem Glanz, Und mir allerwärts Freudig geweiht hat ihr pochendes Herz! Und nun ich alles geseh'n und vernommen, Was so froh sich entfaltet Und so herrlich gestaltet, Wo mein süßer, mein himmlischer Zauber waltet, Bin ich hierher gekommen, Wo die Kamönen Dienen der Kunst, Der ewig schönen, Und sich erfreuen Apollos Gunst! Auch hier bin ich heute die Königin! Auch hier will ich heute das Szepter halten Und nach meinem Sinn Die Feier gestalten! Ja! Ja! So soll es sein! Apoll, dich rufet Lätitia! Deine heilige Stätte die meine! Sieh', ich harre dein, Hier im grünen Hain Und bitt' dich, erschein' mir, erscheine! Musik : »Der frei'sten Mütter freie Söhne.« Mendelssohn: »An die Künstler.« 2. Szene. Lätitia. Apoll. Apoll . (Von rechts kommend.) Du riefest mich und gern erschein ich dir; Denn wo die Kunst ist, weilet auch die Freude!   Nun aber sag', was wünschest du von mir? Lätitia . Dich selbst und deine Musen heute, du strahlender Gott, Zu feiern auch hier den herrlichen Tag, So froh, als eure Kunst es vermag! Apoll . Wär's nicht dein Ernst, es klänge mir wie Spott! Mir das zu sagen, dem Musengott! Wo mehr, als hier mit uns im Bunde, Feiert das Volk ihn zu dieser Stunde?! Lätitia . Und doch ist hier noch nichts gescheh'n! Apoll . Grünt denn der Wald nicht, wo wir steh'n? Hat sich denn nicht gefüllt die Runde? Und hängen nicht an unserm Munde, Die froh wir hier versammelt seh'n?! Musik : Zapfenstreich. (Aus der Ferne näher kommend und dann wiederverklingend.) Lätitia . Horch! was ist das?   gar lustge, Klänge?! Musik   und wilder Lärm zugleich?! Apoll . Da draußen folget im Gedränge Die Menge froh dem Zapfenstreich'! Lätitia . Nun kommt es gar durch uns're Gasse!   Und wenn die Türen offen steh'n,   Apoll . Vielleicht wird von der großen Masse Ein Teil noch in's Theater geh'n. Lätitia . Das würde unserm Fest' nicht frommen, Verwehre ihnen diesen Ort! Wenn sie so laut dazwischen kommen, Wär' aller Ernst der Feier fort! Apoll . Und das sagst du?   Und bist die Freude, Die heut' das Szepter führt allein?! (Nach der Koulisse rechts rufend.) Herein! Herein! Ihr lieben Leute! Ihr sollt mir all' willkommen sein! Lätitia . Sie kommen!   Es ist dein Verschulden! Apoll . Und keinen laß ich wieder fort! Lätitia mag sich gedulden,   Die Freude hat allein das Wort!   3. Szene. Lätitia. Apoll. Studenten. Bürger. Handwerker. Bauer. Erster Bürger. (Zu Apoll.) Entschuldigen Sie, Verehrtester!   Da sind wir wohl durch die verkehrte Tür gekommen?! Die andern. Na, das ist gut! Erster Handwerker. Da war so ein verflixtes Frauenzimmer da vorn,   in einem langen Gewande und mit einer Maske in der Hand! Zweiter Bürger. Aber hübsch war sie doch, und gar lustig sah sie aus! Die andern. Hübsch und lustig! Apoll . Kein Wunder!   Doch ihr habt sie nicht erkannt? Die andern. Nein! Zweiter Handwerker. Hier nur hinein! sagte sie,   na, und da sind wir nun! Erster Bürger. Aber wir wollten doch ins Parterre,   und hier ist ja die Bühne! Die andern. Ja, ins Parterre! Apoll. Schon gut! ihr werdet's nicht bereu'n,   ihr seid Uns all' willkommen!   Rief ich euch nicht selbst?! Ich bin Apoll! Die andern. Apoll?! Apoll. Und die euch allen Den Streich gespielt und euch zu mir gesandt, Thalia war es, meine heitre Muse! Erster Handwerker. Nein, diese Mamsell!   Na, lustig ist es doch!   Aber wo sind denn unsere beiden lustigen Brüder Studio aus Berlin geblieben? Bauer. Dat weern en paar fidele Pommern! echte Stettiner Jungs!   Ja wahrhaftig, de sünd ja gar nich mit herin kamen! Zweiter Handwerker. Die hat das schmucke Frauenzimmer da vorn uns denn wohl gleich schon mal weggekapert! (Zwei Studenten treten von rechts auf.) Bauer. A, de Studenten!   da sünd se doch! 4. Szene. Zwei Studenten. Die Vorigen. Erster Student. Pardon,   wir sind verkehrt!   Ha, was ist das?! Vivat Apoll!   der Musengott soll leben! Apoll. Es dankt Apoll dem lust'gen Musensohn'! Zweiter Student. (Auf Lätitia zeigend.) Und sie da! die da!   Vivat hoch daneben! Wer ist die Holde? Apoll. Kennt ihr sie nicht schon? Und doch beherrscht sie euch schon alle beide Und auch die andern all!   Lätitia ist's Die andern. Lätitia?! Beide Studenten. Lätitia, o du himmlisch süße Freude! Lätitia. Ja, ja!   Ich bin's!   Und was euch heut' so froh Das Herz bewegt,   was könnt' es anderes sein Als meines Geistes himmlische Gewalt, In dessen Bann ihr alle?!   Ist's nicht so?! Erster Student. So ist es!   Ungeheure Heiterkeit! Und heut' regieret eine nur,   die Freude! Wer dies bezweifeln und bestreiten wollte   Bauer. Ja, wer das bezweifeln wollte,   de weer ja ni wert, dat em de Sünn beschien! Erster Student. Recht so, mein lieber Ackerbürger! Die andern. Recht so! Bauer. Ja, dat schull ick doch man meen! Op unsen leewen Herrn Kaiser sin Geburtstag?! Krüzfidel wüllt wi ween! Zweiter Handwerker. Ja, kreuzfidel! Wie wir das allemal waren, wenn des alten Kaiser Wilhelm Geburtstag war! Und der Apfel fällt auch nicht weit vom Stamm'. Erster Bürger. Das tut er nicht! Kaiser Wilhelm, der Siegreiche, war ja auch sein Großvater, und Kaiser Friedrich, unser zweiter Siegfried, sein Vater! Er hat es von beiden! Zweiter Bürger. Das hat er! Und gedient hat er von der Picke auf!   Zuerst bei der Garde zu Fuß und dann bei der Garde zu Pferde! Bauer. Dat schull ick meen!   Als min Klas bi de Garr stunn, weer Prinz Wilhelm sin Major!   Den Jung is dat Hart noch vull davon! Erster Handwerker. Na, und in Kassel ist er doch auch gewesen! Er und sein Bruder Prinz Heinrich, auf der Wilhelmshöh!   Und auf'm Gymnasium haben sie studiert! Und mitgefangen,   mitgehangen! Ochsen und büffeln haben sie müssen, wie all' die andern! Zweiter Student. Auf der Wilhelmshöh!   Tempora mutantur !   Jérôme, der Champagner-Bonaparte: »Morgen wieder lustik!«   Napoleon, der Gefangene, morgen wieder traurig! Und Kaiser Wilhelm der Zweite als fleißiger Schüler, morgen wieder auf der Schulbank, sich vorbereitend auf seinen allerhöchsten, aber auch allerschwersten Beruf! Erster Student. Und seine volle zwei Jahre Primaner!   Und sogar durchs Abitur hat er mit müssen,   brr! Und dann ist er ein fideler Bruder Studio in Bonn gewesen! Zweiter Handwerker. Und nun schon unser Kaiser! Bauer. Ja, un wat för een!   Wi harrn uns wahrhaftig doch gar keen betern nich wünschen kunnt! Zweiter Student. Da hat er Recht, mein lieber Bauer!   Und was ließe sich nicht schon alles über ihn sagen! Ihm zum Ruhme und zum Preise!   Und seinem Volk, zur Freude! Lätitia. Seinem Volk zur Freude! Erster Student. Über sein Herz und seinen Sinn!   Sein Gemüt und seinen Charakter! Die andern. Ja! Ja! Zweiter Student. Über seine Energie und seine Entschlossenheit! Bauer. Na, dat schull ick meen!   He is fix un forsch!   Un he weet, wat he deit! Erster Student. Über seine Frömmigkeit und sein Gottvertrauen! Bauer. Ja, dat mögt Se wull man seggn!   He geiht noch mehr to Kark als uns' Slag Lüd.   Un hett doch so heel vel mehr to do'n! Die andern. Ja, das hat er! Zweiter Student. Und über seine Toleranz und Duldsamkeit! Bauer. Sin Duldsamkeit,   jüst akkerat!   Kinners, denkt doch man blots mal an de Judenfreters! Erster Student. Die Judenfreters! Recht so, mein lieber Niedersachse! Ha! Ha! Ha! Alle. (lachen.) Ha! Ha! Ha! Zweiter Student. Und wie klar ist sein Verständnis für alles Praktische! Wie groß sein Interesse für alle Wohlfahrtsbestrebungen zumal für die Arbeiter!   Wie oft hat er ihnen das schon selber gesagt und durch die Tat bewiesen! Erster Student. Ja, wie oft! Und fort und fort jene großen Werke vollendend, die sein hochseliger Herr Großvater, unser alter lieber Kaiser Wilhelm, so schön begonnen!   Die Unfallversicherung der Arbeiter und ihre Pensionsversorgung im Alter! Bauer. (Beiseite.) Ne, düsse Studenten! Zweiter Student. Und wie warm ist nicht sein Interesse für die Wissenschaft und Kunst! Apoll. Wo immer die Gelegenheit sich bot, Dies zu betätigen, da tat er es! Des bin ich Zeuge, und ihr alle seid's! Die andern. Das sind wir! Ja! Erster Student. Und wie groß ist seine Liebe zum Vaterlande! Seine Opferwilligkeit dafür!   Unsere glorreiche Armee! Unsere stolze Flotte!   Unsere großen Kolonien! Und diese, welche Schätze für die Zukunft! Bauer. (Beiseite.) Ne, düsse Studenten! Zweiter Student. Und dann alle seine Reisen! Die andern. Doch wahrlich nicht zum Vergnügen! Zweiter Student. Nur für sein Reich und sein Volk!   Zur Erhaltung der Freundschaft mit allen Staaten! Wohin er kam, war's um die Palme des Friedens! Die andern. Das war es! Bauer. (Zugleich.) Ja, dat weer dat! Erster Student. Und last not least !   Welch ein ritterliches Wesen! Welch eine Schneidigkeit als König und Kaiser! Bauer. (Beiseite.) Ne, düsse Studenten!   Zweiter Student. Jedoch genug!   Verzeih' es, hoher Gott, Daß wir so vorlaut hier in deiner Nähe! Apoll. Ihr tatet nur, was meinem Wunsch' genehm Und die gewollt, die euch zu mir entsandte! Erster Student. Der Jubel der Begeisterung riß uns fort! Lätitia selber hauchte sie uns ein Und löste uns den Mund,   die süße Freude! Die andern. Ja! Ja! Die Freude! Lätitia. Nehmt meinen Dank, ihr habt mich hoch entzückt! Zweiter Student. Wir dich?   du uns!   Wer wäre nicht beglückt, Wenn er die Freude und in ihrer Nähe Zugleich Apoll, den Gott der Musen, sähe?! Bauer. Ne, düsse Studenten!   Se lat een ja gar nich mehr to Wort kamen! Erster Student. Was willst du, Rustice ? Denn pauk' mal los!   Zweiter Student. Silentium! Der Bauer hat das Wort! Apoll. Und auch Apoll gestattet dir es gern! Lätitia. Lätitia auch! Bauer. Na, wat ick man noch seggn wull,   wi sünd ja all so vergnögt!   Die andern. Ja ja! Das sind wir! Bauer. Un warum sünd wi so vergnögt?   Is't ni vunwegen unsen Herrn Kaiser?! Die andern. Ja! Ja! Bauer. Na, un vundag fiert he doch ton drütten Mal sin Geburtsdag als Kaiser!   Un wi hebbt em noch gar ni mal leben laten!   Zweiter Student. (Schnell.) Unser allergnädigster Herr Kai       Bauer. (Ihn unterbrechend.) Sch! Sch!   Nu heff ick endlich mal dat Wort! Un nu paßt man alltohopen blots mal op! (Er nimmt den Hut ab und geht weiter nach vorn.) Un nich alleen hier habn, ne, ock dar nerrn!   Un rund herum hier allerwegen! Nu paßt man blots mal op un fallt mit in! Un ock ju Herrn Muskanten alltosamen, mit Pauken, Becken, Trummeln un Trumpeten! Nu paßt mal op! Uns' allergnädigste Herr Kaiser Wilhelm de Tweete, de schall leben! Vivat Alle. Hoch! (Orchestertusch.) Bauer. Un uns' allergnädigste Fru Kaiserin Auguste Viktoria daneben! Vivat Alle. Hoch! (Orchestertusch.) Bauer. Un all de lüttjen kaiserlichen Prinzen schüllt leben! Vivat Alle. Hoch! (Orchestertusch.) Musik: Derselbe Marsch, wie vorher. (Aus der Ferne näher kommend und wieder verhallend.) Bauer. (Wie von der Musik elektrisiert, sehr schnell und lebhaft.) De Tappenstrich! de Tappenstrich! Nu mutt ick mit!   Ick bliev hier nich! Erster Handwerker. Er kommt im raschen Tempolauf Die Gasse eben wieder rauf! Erster Bürger. Und unserm Kaiser ist's zu Ehr'n! Zweiter Bürger. Da woll'n wir mit dazu gehör'n! Bauer. Jedoch die Brüder Studio? Beide Studenten. Man los! Wir machen's ebenso! Bauer. Na, denn man to!   denn hakt man ein! Nu woll'n wir mal fidele sein! (Der Bauer nimmt in jeden Arm einen der andern. Die übrigen paarweise gleichfalls Arm in Arm. Alle singend und nach der Musik marschierend links ab. Hinter der Kulisse verhallt der Gesang, gleich nachher auch die Musik.) Alle. (Im Abgehen.) Hoch soll er leben! hoch soll er leben! dreimal hoch!   Hoch soll er leben! hoch soll er leben! dreimal       Apoll. Nun, war's so gut?   Lätitia. Vortrefflich!   Hätte ich Mit dir nicht, die da kommen, zu begrüßen, Mit ihnen wär' davongeeilet ich, Dem frohen Volksgewühl mich anzuschließen! Apoll. Unnötig!   Sicher ist bewußt es dir, Wer heut' auch herrscht im jubelnden Gedränge, Und bleibt Lätitia in persona hier, Ihr Geist weilt dennoch auch in jener Menge! Musik: Die schwedische oder dänische Nationalhymne. Lätitia. Horch!   wieder schallt es aus der Ferne her! Ein Born der Lust sind deine Phantasien! Das rauscht und woget wie von einem Meer Vielsüßer Melodien und Harmonien! Musik, auch deine Kunst,   wie sie beglückt! Und mein Gemüt so sanft bezwingt, so milde! Mir ist, als würde plötzlich ich entrückt In weit entleg'ne, nordische Gefilde! Apoll. Mir auch!   Und daß du so begeisterungsvoll Rühmst Polyhymnia,   hab' ich gern vernommen! (Nach der Kulisse rechts schauend.) Sieh da!   zwei schöne Frau'n!     Euch grüßt Apoll! Lätitia. Und auch Lätitia!   Seid uns beid' willkommen! 5. Szene. Suecia. Dania. Lätitia. Apoll. Dania. Wir danken freundlich euch für euren Gruß! Dir, Musagetes, und nicht minder dir, Lätitia, der Vielfreudigen, die heut' Der frohen Feier ihren Namen gab! Suecia. Vom hohen Norden kommen beide wir In diese Musenstadt des Holstenlandes, Wo das Geburtsfest ihr so froh begeht Des Fürsten, dem die uns'rigen Durch uns des Herzens Gruß und Glückwunsch senden. Dania. Mich nennt man Dania!   Und ein Deutscher ist Mein König; denn in Schleswig-Holstein steht Sein Ahnenschloß!     Suecia. Und ich bin Suecia, Und unsers Königsohnes hold Gemahl Entstammt sogar dem deutschen Kaiserhause! Lätitia. Das war ein Fest, als Hymen sie verband! Wie für die Eltern für die Völker beide Und Deutschlands alten Kaiser, welche Freude! Apoll. So ist's!   So war's!   Und Schwedens König gar Ein Jünger meiner Kunst, dem auch der Kranz Des Dichters grünt aus meines Baumes Zweigen! Suecia. Und Pate ist mein König bei dem Vierten Der Deutschen Kaiserprinzen!   Oskar heißt Sein Patenkind, wie er,   und in Berlin Hob ihn mein König selber aus der Taufe! Lätitia. Auch dessen war ich Zeuge, und von mir Und meinem Glück erfüllt, wie froh bewegt An jenem Tage schlugen aller Herzen! Dania. Und sind wir nicht Germanen, wie die Kinder Borussia's, wir Skandinavier, all' Demselben Stamm gehörend?   eint uns nicht Das gleiche Band des Glaubens?!   Suecia. Gustav Adolf Und seine Krieger schirmten ihn dereinst Nicht bloß für uns,   auch für die Protestanten Des deutschen Reiches,   und bei Lützen starb Der große Schwedenkönig auch für sie! Dania. Und nur nach Deutschland, dessen Kaiserhaus Auch meinem Königshause schon verwandt, Weist uns für Skandinaviens Wohlergehn Der Pulsschlag unseres Lebens!   Nicht gen Osten Und noch viel wen'ger über Deutschland hin, Gen Westen nach dem Erbfeind' der Germanen! Lätitia. Nein, diese Freude!   Zwei edle Frau'n! Und beide so begeistert für die Feier Des heut'gen Tages! Dania. Beide sicherlich! Wie uns're Könige, die uns entsandten! Suecia. War das für Sverigs Volk ein Tag der Freude,   Lätitia. (Schnell beiseite.) Ein Tag der Freude!   Und Lätitia ich!   Suecia. Als Deutschlands Kaiser auf der Hohenzollern, Geführt von seinem Bruder, mit der Flotte Der stolzen Panzer vor Stockholm erschien, Das Königshaus der Schweden zu begrüßen! Dania. War das ein Tag der Freude, als sie dann   Lätitia. (Entzückt beiseite.) Ein Tag der Freude!   Dania. Zurück die Ostsee fahrend in den Sund, Die Anker warfen hart vor Kopenhagen! Auch meinem Königshause war ein Gast Viellieb und teuer, Deutschlands junger Kaiser, Wie einst sein teurer Vater, der so schnell Alt-Dänemarks Herz gewann, das gerade ihm Und seinem Vater noch bisher gegrollt!   Nun ist ja alles Freude! Lätitia. (Entzückt beiseite.) Alles Freude! Dania. Und Lieb' und Freundschaft! Lätitia. (Entzückt beiseite.) Lieb' und Freundschaft alles! Dania. Und jeder Groll dahin!   In diesem Sinn' Bring' ich ihm meines Königs besten Gruß Und schönsten Glückwunsch für sein teures Leben! Suecia. Und ich ihm den auch meines teuren Königs, Ihm wünschend, daß Norwegias Felsgestad', Wo jüngst sein Kaiserpaar von den Lofoten Hinauf zum Nordkap stolzen Fluges zog,   Ihm alles das im vollen Maß gewährt, Was er zu suchen kam, die stillen Tage Der Ruhe und Erholung, die daheim Des Szepters schwere Last ihm nicht gestattet. Musik: »Gott erhalte Franz den Kaiser!« Dania. Horch! Was ist das?   Suecia. Das klingt gar wunderschön! So innig, treu und froh und fromm, als käm' Es aus der Seele eines ganzen Volkes! Lätitia. (Nach der Kulisse rechts schauend, freudig.) Seht dort!   Ha, welch ein Weib, wie stolz und schön! Suecia. In langen Locken wallt das blonde Haar Vom Haupte ihr!   Dania. Und um den stolzen Leib Die Hülle wie ein königlich Gewand, Und schwarz und gelb sind ihre Farben! Lätitia. Seht, Schon kommt sie näher!   Welche Majestät In der Erscheinung! Apoll. Austria, sei gegrüßt! Suecia und Dania. (Zugleich.) Wie, Austria?! Lätitia. Austria?! Apoll. Austria! Ja, sie ist's! Borussias teure Freundin, die uns naht! Suecia. So drängt ein Augenblick den andern fort, Im Fluge ließ das Glück sie uns verstreichen! Dania. So ist für uns hier länger nicht der Ort, Nie and're nahet,   und wir müssen weichen! (Beide links ab.) Lätitia. Nein, bleibt!   Apoll. Zu spät!   Du hältst sie nicht zurück, Die freundlich unserm Spiel gesandt die Musen! Es bringt die andre schon der Augenblick,   Und dieser auch schwellst du den stolzen Busen! 6. Szene. Austria. Lätitia. Apoll. Austria. (Von rechts kommend.) Dem deutschen Kaiser sendet seinen Gruß Ein deutscher Kaiser!     Segensreicher Bund Des Friedens für so viele Millionen! Jüngst kam er ja zu uns,   und dann zu ihm Mein teurer Kaiser, wenn auch schmerzerfüllt Und gramgebeugt, da ihm und seinem Hause Und seinem Volk' so namenloses Leid Und unaussprechlich Unglück war geschehen. Apoll. Ja! Ja!   Die Götter neiden oft das Glück Der Sterblichen, auch wenn sie Kronen tragen. Lätitia. Dein armer Kaiser!     Sieh, nun will ich stets In seiner und der Seinen Nähe sein! Und Rosen streu'n, wo ihre Tränen fielen! Austria. Hab' Dank, du Holde, welch' ein Trost für mich. Die ihm so nah', und die zu jeder Zeit Sein Los und seines Volkes Los geteilt! Sieh, um so glücklicher nun steh ich hier Als Abgesandte meines teuren Kaisers Und seines Volks, daß ich dem deutschen Kaiser Den warmen Glückwunsch überbringe, den Ganz Östreich heut' so freudig für ihn hegt! Lätitia. Du sagtest freudig !   wie mich das beglückt! Wen könnte mehr auch als Lätitia Entzücken, was du sagst?!   Nun weiß ich doch, Daß auch so fern um dieses Festes willen Mein sanfter Flügel weilet, der zu Brüdern Die Menschen macht! Apoll. Und meiner Musen Spiel, Das, als ihr Führer, ich, Apoll, befahl, Auch heute erst die rechte Weihe gibt! Es wäre doch nur halb, wenn du nicht hier! Austria. Gewiß, die rechte Weihe, hoher Gott! Denn eh' der deutschen Kaiserkrone Pracht Das edle Haupt des großen Hohenzollern So herrlich schmückte, rühmte Österreich Des hehren Schatzes sich, den seine Kaiser So viele Jahre ritterlich beschirmt, Bis das Verhängnis ihn mit Nacht umhüllte.   Sieh, wenn nunmehr uns in der Zeiten Lauf Das Schicksal wieder nahm, was wir besessen Mit jenes Kleinods Pracht, die nun das Haus Der Hohenzollern schmückt,   nicht soll der Neid Ihm das mißgönnen,   aber auch der Freund, Weil dem so ist,   es um so höher schätzen!     Und um so mehr hat es mein Herz erfreut, Daß als die rechte Weihe eures Festes Erst mein Erscheinen ward von dir betrachtet! Apoll. Wie könnt es denn wohl anders sein?! Zumal Euch nun ein Bund vereinigt, stark genug, Der beiden Kaiserreiche Schirm zu sein Und jedem seiner Feinde Trotz zu bieten! Austria. Und wer hat meinem Kaiser erst die Hand Zu diesem Bunde freundlich angeboten Im Namen seines kaiserlichen Vaters?   Der Deutschen Siegfried, jener Edle war's, Der zu bezaubern Freund und Feind vermochte, Wo immer er erschien! Lätitia. Und wie einst Friedrich, Kam später Friedrichs Sohn und Wilhelms Enkel. Austria. Er kam,   und diese Stunde sei gepriesen! Noch sieht mein Auge ihn an jenem Tage Und sieht die frohgeschmückte Stadt,   noch hört Mein Ohr des Volkes freud'gen Jubelschall, Da er zur Hofburg fuhr als unser Gast! Und doch, wie wenig fern liegt noch die Zeit, Die nachtumhüllte,   wo der   Bruderkrieg       Lätitia. (Schnell, erregt.) Der Bruderkrieg!     Lösch' mir das Feuer nicht, Das heut' so hell in meinem Busen flammt, Mit der Erinnerung an jene Zeit, Wo auch Lätitias Augen tränenschwer!     Sie sei vergessen!     Austria. Ist sie es denn nicht?! Und ausgelöscht jedweder Schmerz darum?! Das aber bleibe Östreichs teurem Kaiser Und seinem treuen Volke unvergessen Für alle Zeit: daß beide ohne Groll Im Herzen gegen ihre deutschen Brüder Die Bruderhand herzinnig drückten, welcher Beschieden war nach Gottes ew'gem Rat', Aus dem Verhängnis langer, dunkler Nacht Die deutsche Kaiserkrone zu erlösen! (Mit noch mehr Pathos.) Nun komme, was da will!   Mit Österreich Im Bunde fürchtet Deutschland keine Feinde! Und beide Kaiser sind sich darin gleich: Deutsch sind sie beide!   Beide Herzensfreunde! (Links ab.) Apoll. (Zur Lätitia.) Nun, hat es dich erfreut, was sie gesagt? Lätitia. Wie könnt es anders sein!   Erscheint sie doch Wie eine Schwester der Germania Zu dieser Feier weihevollen Stunde! Gar sehr von ihren Worten ist mein Herz Ergriffen und begeistert und entzückt, Weil sie der Ausbruch reinster Freude waren! Musik: Die italienische Nationalhymne. Apoll. Und reinste Freude schwellt auch der die Brust, Die nun erscheint!   Es senden meine Musen Auch diese uns!   Horch, wie die Melodien Der Lieblingshymne ihres Volks so froh Aus Polyhymnias Seele strömen!     Sieh, Da kommt sie schon!   Italia, sei gegrüßt Auch du, Vielschöne, unserm Fest zur Freude! Lätitia. Das rufet mit Apoll Lätitia! Vieltausendmal willkommen sei uns beiden! 7. Szene. Italia. Lätitia. Apoll. Italia . Führer der Musen, Weit komm' ich her! Von der Adria Busen,   Vom tyrrhenischen Meer!   Aus dem sonnigen Lande Im Blumengewande, Wo Venetia glänzt, Von Najaden bekränzt!   Wo Napoli liegt, Die Stadt der Sirenen, An den wunderbar schönen, Tiefblauen Himmel des Meeres geschmiegt!   Und wo, nimmer müde und lebenssatt, Roma pranget, die ewige Stadt! Lätitia . Roma pranget!   Noch nie zuvor Zog ein deutscher Kaiser durch Romas Tor. Der and'ren als ihres Glaubens war! Italia. Der Kaiser, welcher das getan Zum erstenmal Unter aller Glocken Geläute, War Kaiser Wilhelm der Zweite ! Als der Quirinal Und der Vatikan Ihn als König Humberts Gastfreund sah'n! Und als das geschah, Wie freute da Sich seiner ganz Italia! Lätitia . Es freute sich!   Hörst du's, Apoll?! O, Freude!   Freude!   Auch heute soll Kein Schatten uns're Feier trüben! Apoll . Das wäre schön!   Doch steht's in Zeus' Belieben. Italia. Uns waren alle Götter hold! In aller Herzen Sonnengold! Und welch ein Jubel, welche Lust! Und welch Frohlocken aus aller Brust! Wie hätt's auch können anders sein?! Mit ihm zog ja Alldeutschland ein,   Meine teure Freundin Germania, Geführt an ihres Kaisers Hand, Im Glück und Unglück uns so nah' Und so schicksalsverwandt! In beiden Ländern zur selben Zeit, War's nicht dieselbe Zerrissenheit?! Dasselbe Ringen nach Einigkeit?! Für beide Länder nach blutigem Krieg' Derselbe schöne und herrliche Sieg?' Und als dann der Segen des Friedens kam Und dann uns der Tod unsern König nahm, Viktor Emanuel, so vielgeliebt, Wie hat es den alten Kaiser betrübt!   Und wen hat sein Herz uns da gesandt? Einen Siegfried, der wie Sonnenglanz! Und was trug seine schwerterprobte Hand? Einen wunderherrlichen Lorbeerkranz,   Ihn als der Liebe und Freundschaft Zeichen Des deutschen Kaisers zu überreichen! Und als er dann, auf seinem Arm Unsers neuen Königs kleinen Sohn, Hinaustrat vor des Volkes Schwarm, Das Kind ihm zeigend vom Balkon, Das ausgestreckt nach dem Volk' die Hände,   Da war der Jubel schier ohne Ende! Dann kam er später noch einmal her,   Und ach, es war zum letztenmal!   Da wohnt' er nicht im Quirinal,   In einem Städtchen, fern am Meer,   Alldeutschlands edler Kronprinz er,   Des großen Kaisers Wilhelm Sohn   Und selbst dann Deutschlands Kaiser schon   Und geprüft wie kaum ein Mensch so schwer! Lätitia. (Sehr bewegt.) Halt ein!   Ich bitte dich, nicht mehr An diesem Ort' davon zu sprechen! Sieh, wenn ich nicht die Freude wär', So würd' ich dich nicht mehr unterbrechen! Italia. Nun denn,   nicht mehr!   Es sei genug, Wie Schweres auch sein edles Herz ertrug. Lätitia . Ja! Ja! genug! Italia . Und dann, eh' noch das Jahr entfloh'n, Meines Königs Gast sein edler Sohn! Und die deutsche Kaiserkrone sein!   Und dann nach wenig Monden schon In Berlin zog König Humbert ein! Und zu aller Freude     Lätitia. Zu aller Freude! Italia. Welche Tage der Feste, Als sie nun beide, Mein teurer König und sein Sohn, Des deutschen Kaisers teure Gäste! Und dann       noch einmal in jüngster Zeit, Mit welcher Freud' und Innigkeit,   Lätitia. Freud' und Innigkeit! Italia . Begrüßte Italiens Herrscherpaar In Monza den deutschen Kaiseraar, Als deiner voll       Lätitia . Meiner voll! Italia . Zum Hochzeitsfeste ganz Hellas war! Des Kaisers Hand in des Königs Hand, Ward da geknüpft der Freundschaft Band! Und zwei Königinnen,   so holde Frauen, Wie Rosen und Lilien nicht schöner zu schauen, Auch die schlossen Freundschaft aus Herzensgrund! O gesegnete Stund! Und gesegneter Bund! Vereint, was doch einst sich gemieden! Und Zu der Zwei Noch die mächtige Drei Nach dem Rat' der Götter beschieden! Kein andrer Bund, welcher diesem gleich! Italien, Deutschland und Österreich Der Welt erhaltend den Frieden! (Zu Lätitia gewendet.) Und rings der Freude gold'ner Sonnenschein! Lätitia. Der Freude gold'ner Sonnenschein Italia . Gott segne Kaiser Wilhelm den Zweiten! Und du wollest sein Leben begleiten! (Links ab.) Lätitia. (Mit Pathos nachrufend.) Ich?!   Allzeit und immer! Im Herzen, im Blick! Wen ich begleite im rosigen Schimmer, Dem lächelt das Glück!! Musik: Walzer »An der schönen, blauen Donau.«) Aber horch, was hör' ich wieder?! Welch' ein übermütig Lied!   Nein!     so klingen keine Lieder! Sage mir, was nun geschieht. Apoll. Polyhymnia muß ich preisen! Gern sei ihr der Scherz verzieh'n, Gibt sie mal nach ernsten Weisen Uns so lust'ge Melodie'n! Lätitia. Paßt denn das zu unserm Feste? Solcher Klänge wilder Flug! Heute, mein ich, wär' das Beste Gerade für uns gut genug! Apoll. Lassen wir die Musen walten! Dies auch haben sie erdacht!   Wär' nicht Freude drin enthalten, Hätten sie es nicht gebracht! 8. Szene. Piffke. König Bell. Die Vorigen. Piffke. (Hinter der Szene rufend.) Komm, Bell,   der Walzer! Bell. (Hinter der Szene.) Yes ! Der Walzer! (Beide kommen, sich halb umschlungen haltend und nach der Melodie schaukelnd, von rechts auf die Bühne.) Apoll. Heda!   Ihr beiden, wo wollt ihr hin? Piffke. Na nu!?   Wie so denn!?   Ooch mal rin, Vons eene Lokal ins andere Lokal Un ooch mal rin in'n Musensaal! Bell. Yes! Musensaal! Piffke. Da draußen, da stand so eene kleene, Schöne Sirene janz alleene Un tät uns freundlich nicken und winken, Als wollt' sie'n Kleenen mit uns trinken! Bell. Yes ! Trinken! Apoll. Wie sah sie aus? Piffke. Det Jelocke kraus! Pechkohlenschwarzes Rabenhaar! Und et hing ihr runter ufs Jewand! Und 'ne Maske hielt sie in die Hand, Als wollt' sie eben zur Maskerade! Apoll. Kein Zweifel, daß es Thalia war! Piffke. Da jingen wir rin   und mit eenem Mal Fuit!   (pfeift) weg war det Fräulein!   Det is schade! Bell. Yes ! Schade! Apoll. Wer seid ihr denn? Piffke. Na nu?!   Ick meene: solltst du mir nich kenn'n?! Betrachte mir! Ick bin een preußischer Unteroffizier! Und da druf bild ick mir wat ein! Keen Beruf kann edler und schöner sein! Denn wenn der stramme, preußische Unteroffizier nich wär', Wat wäre denn wohl det Militär Und det janze Heer?!   Und denn hätten wir ooch ja keen Deutschland nich mehr! Ick bin et, der et zusammenhält!   Und mir estimiert die janze Welt!   Und die janze Jugend, die muß sick mir fügen! Und et macht mir en unjeheures Verjnügen, So den rechten Drill da hineinzukriegen! Frag' nur mal nach, wer mir nich kennt! Der Künstler, der Professor, der Dokter, der Student, Der Kommis und der Bauer, der Jesell und der Knecht! Und die Einjährig-Freiwilligen,   na, die erst recht! Wenn sie kommen, alle dummer als det liebe Vieh! Ick mach' erst die rechten Menschen aus sie! Apoll. Mir scheint, es spricht der Wein aus dir, Sonst wärst du nicht so vorlaut hier! Piffke. Der Wein? Ne! Viel zu teuer mir! Wir trinken nischt als Jrog und Bier! Bell. Yes! Jrog und Bier! Lätitia. Ich tad'le darum nicht die beiden   Und heiße sie auch so willkommen! Und wenn sie sich auch übernommen, Sie sind doch nur berauscht vor Freuden! Piffke. Berauscht?   I, Jott bewahre, ne! Noch janz uffee und stante pe ! Und den hab ick mir mitjenommen! Er ist direkt von die Schwarzen jekommen, Aus Afrika, von Kamerun!   Bell. Yes! Kamerun. Piffke. Aber nüchtern is er ooch, nich die Bohne dun! Der reene Zufall, det wir uns trafen! Ick schlenderte da so rum an'n Hafen Und holte mit geschickten Kniff Mir'n runter von en jroßes Kohlenschiff. Sie waren da mit Jewalt beim Löschen Und hatten wohl janz den Jeburtstag verjessen! Mensch, sag' ick, nu arbeit', wer arbeiten mag! In janz Alldeutschland is'n Feiertag! Komm mit, du oller Kohlenjesell, Ick staffier dich aus als König Bell! Bell. Yes! König Bell! Piffke. Jesagt, jetan!   Ick war sein Mann! Er schloß sich mir mit Freuden an! Da nahm ick'n denn erst nach Bitense Theatergarderobier. mit rein, Und der ließ die Fünfe mal jrade sein, Weil doch mal Kaisers Jeburtstag ischt! Die janze Kledasche kost mir nischt! Und wo noch nicht vom Kohlenstaub War schwarz jenug det edle Haupt, Da haben wir ooch jesorgt davor Mit Kienruß ausm Ofenrohr! Bell. Yes! Ofenrohr! Piffke. Sieh so!   Und nun wir zwee im Bunde Arm in Arm uff die jroße Runde! Abjekloppt die janze Stadt, Und rin in jedes Tanzlokal! Und Jux jemacht und jetanzt allemal! Und wat der für'n Glück bei die Mächens hat! Bell. Yes! Mächens hat! Piffke. 's ist kolossal!           Apoll. Schon gut! Schon gut!   Doch was wollt ihr hier? Piffke. So fragst du mir?! Frag' die, die uns hereinjewunken! Ist hier denn nicht heute ooch wat los? Man feiert doch'n Kaiserjeburtstag nicht blos Wo nur jetanzt wird und jetrunken! Et is doch ooch in die Zeitung jewesen! Ick Hab' et noch heute Morjen jelesen? Wie heeßt man noch det Jeburtstagsstück?       Lätitia. »Lätitia« heißt es!   War's nicht so? Piffke. Lätitia!   Richtig!   Verjnügt und froh! Bell. Yes ! Verjnügt und froh! Piffke. Lätitia heißt uf deutsch die Freude ! Det hat mir unser Leutnant jesagt, Den ick heut' morjen danach jefragt, Und det war' so recht wat für uns allebeide! So recht kreuzfidel und ausjelassen heut'! Det sind wir ja beide vor lauter Freud'! Lätitia. Um so herzlicher sollt ihr willkommen sein! Piffke. Siehste, wo du biste?!   Schon sind wir dein! Und wollt'st du uns mit für dein Spiel verwenden, Wir würden dir nicht die Feier schänden! Denn ick vertrete mit meinem Jenie, Als Unteroffizier von die Infanterie Den Kaiser seine janze Landarmee!   Und der da in seinem Neglischee, Womit ick 'n König Bell jemacht aus ihn, Vertritt die deutschen Kolonien! Bell. Yes! Kolonien! Lätitia. Bravo! Das habt ihr gut gemacht! Viel besser, als ich's mir gedacht! Apoll. Und dir und ihm gestatten wir, Das Fest mit zu verleben hier! Piffke. Det möchste wohl,   Ick danke dir! Apoll. Gefällt es euch denn nicht bei mir? Piffke. Bei dich?   Na, nu!   (Auf Lätitia zeigend.) Wohl mehr bei ihr! Bell. Yes! Bei ihr! Apoll. Ich bin Apoll! Piffke. Apoll?! Wer's jlauben tut!   Jawohl! Det kann am Ende 'n jeder sagen, Wer'n langen Mantel umjeschlagen Und so'n Ieleyer in die Hand!   Dir ist mein Herz nicht zujewandt! (Nach Lätitia zeigend.) Die aber tut so schelmisch lachen Und blitzt so lustig mit de Ojen Und hat so'n liebliches Jesicht, Wie Rosen und Verjißmeinnicht! Zu die fühl' ick mir hingezogen! Bell. Yes! Hinjezogen! Lätitia. (Schelmisch, die Hand hinhaltend.) Komm'! küß mir die Hand! (Piffke zögert.) Nun?   Küß' mir die Hand! (Piffke küßt ihr die Hand. Bell nach ihm desgleichen. Beide machen unmittelbar nach dem Kuß einen möglichst großen Sprung in die Höhe.) Piffke. (nach dem Sprung.) Himmeldonnerwetter! Bell. (Ebenso.) Yes! Himmeldonnerwetter! Piffke. Nun jibt's aber'n Brand! Bell. Yes! 'n Brand! Piffke. Wie Feuer sprühte det in mir rein! Und brennt eenen durch wie'n elektrischer Funken! Da wird man alleene schon von betrunken! Nun muß ick noch mal so fidele sein. Bell. Yes! Fidele sein! Musik : derselbe Walzer. Piffke. Bell, der Walzer! Bell. Yes! Der Walzer! (Beide singen die Melodie mit und schaukeln wie bei ihrem Auftreten, sich halb umschlungen haltend, in die Kulisse links ab.) Lätitia. (Nachrufend.) So recht!     Wie schade! schon vorüber! Der Lust entflieht so schnell die Zeit! Ich sah, je länger sie, je lieber In ihrer Ausgelassenheit! Apoll. Was muß ich von Lätitia hören?! Sieh, als sie kamen, bat'st du mich, Den Zutritt ihnen zu verwehren, Und nun ergötzten beide dich?! Lätitia. Verzeih'!   Genießt es nur mit Maßen, Ergötzt mich auch das Volk im Tanz! Sogar auf Märkten und auf Straßen Durchflatt're ich den Mummenschanz! Apoll. Wo du erscheinst, magst du durchdringen Des Menschen Herz als flücht'ger Gast! Ach, gar zu schnell sind deine Schwingen, Und gar zu kurz ist deine Rast!   Musik: Ein Trauermarsch. Lätitia. Horch!   Was sind das für ernste Töne?! Es seufzt ein Herz,   ein Auge weint!   Apoll. Es ist die trauernde Komöne, Melpomene, die nun erscheint! Lätitia. Ich bitt' dich, ich fleh', o laß sie draußen! Sie stört die Feier gar zu sehr!   Wo Trauer, Gram und Kummer hausen, Da ist für mich kein Weilen mehr! Apoll. Ich kann dir nicht den Wunsch gewähren,   Denn, was Melpomene erseh'n, Wird's auch den Jubel nicht vermehren, Die Feier wird es uns nicht stören, Im Gegenteil, sie nur erhöh'n! (Tristitia von rechts auftretend.) 9. Szene. Tristitia. Die Vorigen. Lätitia. Weh mir!   Weh mir!   Was wird gescheh'n?!   Es kommt der Schmerz!   Es naht das Leid!   Da seh' ich schon die Traurigkeit, Die ernste, dunkle vor uns steh'n! (Zur Tristitia.) Wie heißt du? Tristitia. Ich?   Tristitia! Und du?   Lätitia. Ich!   Lätitia! Ich bin die Freud'! Tristitia. Und ich das Leid!     Lätitia. Und warum bist du hier erschienen, Wo heute doch nur Lust und Freud'? Tristitia. Warum?     Weil ich gehör' zu ihnen, Denn ihre Schwester ist das Leid! Lätitia. Nimmermehr! Tristitia. Und doch, wie sehr!   Wo deine, ist auch meine Spur, Es lebt in unser beider Bann,   Siehst du mit rechten Augen nur Die Welt und ihre Wesen an! Was heute rot, Oft morgen tot! Und schon verglüht, Was heut' noch blüht! So folgt die Nacht Des Tages Pracht, Der Abend so dem Morgen! Und so dem Glück Das Mißgeschick Mit seinen schwarzen Sorgen! Und die Nornen sinnen! Und die Parzen spinnen!   Und pfeilschnell rinnen Die Jahre von hinnen! Und die gesegnet die himmlische Gnad' Wohl mehr als nach Menschenerhoffen, Wie oft hat sie später auf irdischem Pfad' Des Verhängnisses Macht noch getroffen! Kaiser Wilhelm tot!   Kaiser Friedrich tot!   Noch hör' ich die Glocken läuten! Lätitia. Und ich seh' im rosigen Morgenrot' Auf der Väter Thron Den Enkel und Sohn Leuchtend stehn: Kaiser Wihelm den Zweiten! Tristitia. Und ist nicht auch Augusta schon dahin, Des neuen Reiches erste Kaiserin Und Ahnfrau eines neuen Kaiserhauses?! Ihr langes, schönes Menschenleben war Dem Volk' ein Born des Segens;   denn was sie Durch all die Jahre froh begann und tat, Das war Barmherzigkeit und Liebe! Lätitia. Ja! Wie gut und edel war sie stets, und wo Beglückend sie bedrängten Menschen nahte, Da folgte ihrer Spur auch ich,   die Freude! Doch ist nicht auch, die nun als Kaiserin Das ganze deutsche Reich so froh verehrt Und innig liebt, die Mutter ihres Volks Im schönsten Sinn?!   denn seit Augusta tot Und auch Viktoria, so schmerzgebeugt Im Witwenschleier von der goldnen Höh' Des Thrones stieg, steht nun an beider Statt Alldeutschlands neue Kaiserin, nicht minder Auch ihres Volkes Stolz und Trost und Freude! Apollo. Und ging denn auch Augusta nun Dahin, wo die zwei teuren Kaiser ruh'n, Es weckt die Toten keine Klage, Und Friede sei um ihre Sarkophage! Lätitia. (Zu Tristitia.) Sieh, was die Norne sinnt und beut, Nicht immer ist's das Freudenlose! Und wo geweint die Träne heut', Blüht oft schon morgen eine Rose! Lätitia. Und heut' ist ja ein Tag der Freud', Wie ihre Feuer lohen! O Schwester, laß das Trauern heut' Und freu' dich mit den Frohen! Tristitia. Ich kenn' den Schmerz nur und die Not, Sonst würd' ich anders heißen! Für mich blüh'n keine Rosen rot, Mir blühen nur die weißen! Lätitia. Dann flieh' von hier! (Zum Apoll.) Ich bitt', Apoll, befiehl es ihr! Sie paßt doch heut' nicht neben mir! Apoll. Doch!   wenn sie deine Schwester ist, Darf sie auch kommen, wo du bist! Lätitia. (Unwillig.) Ah! Apoll. Laß sie gewähren! Tristitia. Laß mich gewähren! Apoll. Die Toten zu ehren Und ihrer liebend zu gedenken, Zumal zur Zeit des Glückes auch, Ist überall ein schöner, frommer Brauch! Zur sanften Wehmut wird das Leid,   Hier soll kein hartes Wort dich kränken, Du edle, schöne Traurigkeit! Und angesichts der höchsten Freud' Darfst du in ihres Reiches Glanz Auch heute deine Schritte lenken! Tristitia. Um der Erinnrung grünen Kranz Drei lieben teuren Toten still zu schenken! (Links ab.) Lätitia. Die arme Schwester! Wenn auch alles sich freut, Sie trägt doch das Herz voller Sehnen Und bleibt doch immer die Traurigkeit, Das Auge umdunkelt von Tränen! Mir gar zu ernst klang ihr mahnend Wort, Ich jub'le auf, nun sie wieder fort! (Musik: » Rule Britannia «.) Horch!   Das klingt ganz anders wieder Als die Trauermelodien! Apoll. And're Menschen,   and're Lieder, Aus der Muse Hand verlieh'n. Lätitia. Wieder Frohes darf ich hören, Und die heit're Muse nah! Apoll. Leid soll dich nicht wieder stören, Schau' nur hin, Lätitia. (Nach der Kulisse rechts zeigend.) Lätitia. (Dahinsehend.) Ha! Wie groß, wie hold, wie hehr, Leuchtet dort, was ich erschau'! Nein, nun bangt mein Herz nicht mehr, Doch wer ist die holde Frau? (Britannia tritt auf, von rechts kommend.) 10. Szene. Britannia. Die Vorigen. Apoll. Sei mir gegrüßt, du Stolze, Mächtige, Und bei den Musen freundlich aufgenommen! Du Hoheitstrahlende und Prächtige! Von ganzem Herzen bist du uns willkommen! Lätitia. Von ganzem Herzen! Britannia. Habt Dank für euren Gruß!   Und froh bewegt Laßt mich euch sagen, wer mich hat entsandt: Sie ist es, die zwei gold'ne Kronen trägt, Zwei gold'ne Szepter hält in starker Hand! Viktoria!   Indiens Kaiserin und zugleich Die Königin vom grünen Inselreich Britannia,   das meines Namens Ehre, Und meerumrauscht beherrschet alle Meere! Alt-Englands Königin,       Apoll und Lätitia. (Zugleich, rasch.) Gott segne sie! Britannia. Ob sie mit Deutschland auch getrauert, Mit ihm sein Kaiserhaus bedauert, Geweint um Kaiser Friedrich, Sie freut doch auch von Herzen sich An ihrer teuren Tochter teurem Sohne, Der auf dem Königs- und dem Kaiserthrone So schaffensfroh und kraftbewußt, So mild und mit so mut'ger Lust Trägt zwiefach nun die Last der goldnen Krone! Und als er gar nach England kam, Die Königin Viktoria Als deutscher Kaiser zu begrüßen Und ihr, die ihm verwandt so nah, Und darum doppelt teuer ja, Die königliche Hand zu küssen, Und dann mit teil an unserm Kriegsspiel' nahm Und dann mit einemmal Der deutsche Kaiser Englands Admiral,   Da wollt' die Freud' schier überfließen! Lätitia. Ja, das ist wahr!   Auch ich war da, Lätitia! Denn wo die Freude weilt, da bin ich ja!   Doch auch im großen deutschen Reich War sie nicht kleiner und der euren gleich! Apoll. So war's, Lätitia!   Auch Apoll War von dir voll Ob dem, was da sein Auge sah! Britannia. Und voller Freude auch Britannia! Und eh mein Fuß Von dieser Stätte scheiden muß, Die dein, du hoher Gott Appoll, Ruf laut ich und begeistrungsvoll: Aus der Angeln Land Kamen über das Meer Die Könige Hengist und Horsa daher! Nach der Angeln Land Ward England genannt!   Und, ihm blutsverwandt, Drückt dem deutschen Volk' mein Volk die Hand! Und mit diesem Wunsch sei geschieden: Daß es jeglichem Teil Sei zum Segen und Heil Und den Völkern zum dauernden Frieden! (Britannia links ab.) Musik: Die russische Nationalhymne. Lätitia. Horch, wie schön auch diese Weise, (Nach der Kulisse rechts schauend.) Ha, wie herrlich, was ich schau'! Apoll. Abermals naht unser'm Kreise Eine hohe, stolze Frau! Lätitia. Schwarz, orange und weiß die Zeichen, Welche schmücken ihr Gewand! Apoll. Und auch die sucht ihresgleichen! Groß ihr Volk und groß ihr Land! (Russia, von rechts auftretend.) 11. Szene. Russia. Die Vorigen. Lätitia. Sag' an! Woher?   Wohin?   Und sprich, Wer entsandte dich, Du stolzes Weib? Gar schöne Farben schmücken deinen Leib! Russia. Woher?   Aus einem gewaltigen Reich'! Wohin?   In des Mächtigen Nähe! Wer mich entsandte?   Ihm ist er gleich An irdischer Macht und Höhe! Mein stolzer Fürst ist der Reußen Zar, Dessen Gast der Kaiser von Deutschland war, Dem Heil und Segen geschehe! Als gekettet der Korse Alldeutschland in Schmach, Der von Ruhmsucht und Eitelkeit trunken,   Da hob sich der Aar, der im Sterben schon lag,   Und es wurden zu Flammen die Funken,   Da waren selbander auf siegreichem Pfad' Der Preuße und Russe ja Kriegskamerad, Bis der Stern des Erob'rers gesunken! Und es gab eine Zeit,   und noch ist sie nicht weit Wo gehetzt ward,   verleumdet,   gelogen,   Um zu trüben die Freundschaft und Einigkeit, Die so lang die zwei Reiche gepflogen! Und fast schien es, als hätten's die Götter gewollt, Daß aufblitzen Bellona, die blutige, sollt' Übers Land hin und über die Wogen!   Und eh' Kaiser Wilhelm die Augen schloß, Und eh' das Herz ihm gebrochen, Vernahm der mutige Zollernsproß, Was der sterbende Kaiser gesprochen: »In Frieden und Freundschaft mit Rußlands Macht, Des traget Sorge und habet acht!«         Und dann kam er nach wenigen Wochen   Nach wenigen Wochen durchs nordische Meer Mit der deutschen Flotte gefahren, Und, ein Ölblatt bringend, so landete er Und gewann die Liebe des Zaren! Und dann kam der Zar und besuchte ihn, Und was hüben und drüben noch trügerisch schien, Nun schwand's vor der Wahrheit, der klaren! Verstummt ist der Lüge gehässiger Mund, Und das Herz ist verschlossen dem Neide!   Erneut ist der alte, der heilige Bund, Zu Germaniens, zu Russias Freude! Und nun sendet der Zar ihm den Herzensgruß! Und nun sendet der Zar ihm den Bruderkuß! Und Gott schütze, Gott segne sie beide! (Russia links ab.) Lätitia. (Sehr froh erregt.) Den Herzensgruß und Bruderkuß des Zaren! Ein schön Geschenk, das sie zum Fest' ihm beut! In Lieb' so nah', die fast schon fern sich waren! Wie das wohl heut' sein Kaiserherz erfreut!   O, daß der Freundschaftsbund nach vielen Jahren Noch fortbesteh', so fest und schön wie heut'! Das wünschet auch Lätitia für beide! Nur weiter!   Weiter!   Komme nichts als Freude! Musik: Vorspiel zum Matrosenliede. (Lätitia horcht freudig auf.) Apoll. Horch!   Also ist's!   Auch die verkünden sie, Die nun ihr frohes Lied dir wollen singen! Harmonisch flutet seine Melodie,   Laß sie an deinem Ohr vorüberklingen! Was Polyhymnia ihrer Brust verlieh, Das wollen sie Lätitia wiederbringen! Ein Lied der Freude ist's, daß sich erlabe Dein pochend Herz an ihrer frohen Gabe! 12. Szene. Acht Matrosen. Die Vorigen. Lätitia. (Verwundert.) Was seh' ich?! Matrosen?! Apoll. Die führte uns Thalia her! Wie auf dem Lande, so auf dem Meer' Blüh'n heut' nur deine Rosen! Lätitia. (Zu den Matrosen.) Laßt hören, wo ist euer schwimmend Haus? Ihr seht ja so stattlich, so lustig aus! Erster Matrose. Kein Wunder!   Uns ward ja das Glück zu teil Unsern Kaiser Wilhelm den Zweiten, So oft er zu Schiff ging für Deutschlands Heil, Durch das wogende Meer zu begleiten! Zweiter Matrose. Zuerst gen Kronstadt, die Ostsee hinauf, Zum Besuch' bei dem russischen Zaren,   Und dann querüber gerichtet den Lauf, Nach der Hauptstadt der Schweden gefahren! Dritter Matrose. Und vor Stockholm, was passierte da?! Kanonengedonner und (die Mütze schwenkend) Vivat Hurra! Die andern. (Die Mütze schwenkend.) Hurra! Dritter Matrose. Unserm Kaiser ein kleiner Prinz geboren, Und König Oskar zum Paten erkoren! Lätitia. Richtig!   Ein kleiner Prinz geboren, Und König Oskar zum Paten erkoren! Apoll. Das hat mein Herz gar froh bewegt, Dank hohem Götterrate! König Oskar,   der selbst die Laute schlägt Und ruhmvoll meinen Lorbeer trägt, Des kleinen Prinzen Pate! Dritter Matrose. Und nun schon wieder ein kleiner Sohn! Die Sechse voll um den Kaiserthron! Noch eben vor Torschluß im alten Jahr! Wir bringen auch ihm unser Vivat dar! Alle. (Die Mützen schwenkend.) Hurra! Vierter Matrose. Und von da zurück nach Kopenhagen Mußten uns weiter die Wogen tragen! Dem tapfern Dänenvolk', einst unserm Feind', Und seinem König, nun längst unser Freund, Doch auch mal »Guten Tag« zu sagen! Erster Matrose. Und damit Punktum im ersten Jahr'! Im zweiten bald schon wieder klar,   Zur neuen Nordfahrt die Anker gelichtet Und nach Norwegens Küste den Kurs gerichtet. Zweiter Matrose. Ja, freilich!   Da haben wir uns ausgeruht! Solche Sommerfrische, die tut einem gut! Sie stärkt die Nerven und gibt Appetit! Man merkt's ordentlich, wie's durch den Körper zieht! Und mit frischer Kraft wieder aufgebrochen Und nach dem Nordkap in See gestochen! Lätitia. Hu!   Muß es da aber kalt sein! Zweiter Matrose. Nun ja!   Das wär wohl nichts für Mamsell! Da hüllt man sich ins Bärenfell, Fängt Robben auf dem eis'gen Plan,   Und wenn man Durst hat, trinkt man Tran! Seine Majestät hat sich gar nicht geniert Und das edle Gesöff mit uns probiert! Die andern. (Lachen.) Dritter Matrose. Glaubt's nicht, Mamsell und Herr Apoll, Er nimmt das Mundwerk stets so voll! Und aufzuschneiden und zu lügen, Das war von jeher sein Vergnügen! Lätitia. Schon gut! Schon gut! Nur weiter! Apoll. Ja!   Laßt hören, was noch mehr geschah! Dritter Matrose. Das war die zweite Reise!   Und dann Ging's in den Kanal, als die dritte begann! Hinüber nach der Angeln Land, Wo die Wogen schäumen gen Spitheads Strand! Vierter Matrose. Und auch das war schön, was da geschah, Wieder Kanonendonner und (die Mütze schwenkend) Vivat Hurra! Die andern. (Die Mütze schwenkend.) Hurra! Vierter Matrose. Jawohl, Hurra! Und noch einmal! Unser Kaiser englischer Admiral! Die andern. (Die Mütze schwenkend.) Hurra! Lätitia. Ich weiß, wie sehr ihn das gefreut! Zweiter Matrose. Und uns erst recht! Und alle Leut'!   Und zum zweitenmal Unser teurer Kaiser schon Admiral! Es war dort in Norwegia Beim König von Schweden, wo das geschah! Alle. (Die Mütze schwenkend.) Hurra! Erster Matrose. Und nun ging's los zum viertenmal! Glück auf! Herr Kaiser-Admiral! Durchs Mittelmeer und nach Athen! War das eine Reise!   Die war schön! Lätitia. (Zu Apoll.) Dein Heimatland! Apoll. Wo froh geknüpft ward Hymens Band! Konstantin und Sophie! Die Götter schirmen sie! Und schirmen mein herrliches Griechenland! Die Matrosen. (Die Mütze schwenkend.) Vivat Hurra! Zweiter Matrose. Und nach der Hochzeit   bei den Türken! Direktement zum Muselmann! Was läßt sich alles nicht erwirken! Da sah'n wir uns den Harem an! Ja, der war gut!   Sonst manches faul! Die Matrosen. (Lachen.) Dritter Matrose. Schweig, lasterhaftes Lügenmaul! Wer das Decorum hier verletzt Vor dieser lieblichen Gestalt, Dem rufen wir gebieterisch: Halt! Sonst wird er an die Luft gesetzt! Die Matrosen. (Lachen.) Lätitia. Habt Dank für eure Höflichkeit! Doch weiter, weiter!   Es drängt die Zeit! Vierter Matrose. Nun wohl!   Dann nach Venetia, Wie auf dem Hinweg, so zurück! Und welch eine Freude, welch ein Glück! Lätitia. Ja! Ja! Erster Matrose. Und ein Gedonner! Ein Hurra! Die Vivats waren schier ohne Zahl! Doch gar zu schnell die Zeit dahin, Dem Kaiser und der Kaiserin, Dem König und dem hold Gemahl! All right zur Fahrt!   Und Abschied genommen!     Wann wird je so was wiederkommen!       Zweiter Matrose. Doch ewig grün und ewig jung Im Herzen die Erinnerung! Lätitia. Im Herzen die Erinnerung! Erster Matrose. Und auch an die drei anderen Reisen! Wer müßte sie nicht alle preisen! Zweiter Matrose. Ja, das ist wahr!   Doch die vor allen Mehr als die andern mir gefallen, Das war die erste!   und warum? Weil es die erste war!   Darum! Und weil unser Prinz sie kommandiert Und selbst die Hohenzollern geführt, Seine besten Leute um sich geschart!     Eine echte Hohenzollernfahrt!   Der Kaiser unser Passagier!   Und seine Staatsmatrosen wir!   Prinz Heinrich unser Kommandeur! Hei, welche Ehr'! Und gen Kronstadt ging's durch das brausende Meer,   Und all' die großen Panzer dicht hinter uns her! Die andern. Ja, das war schön! Zweiter Matrose. Und dann rief Prinz Heinrich: »He, Jungens, nun schwingt Die Mützen dem deutschen Kaiser (Alle schwingen die Mützen.) und singt Euer Jubellied ihm zu Ehren!« (Zu Apoll.) Das hat ein Leutnant auf der Wacht In einer schönen Mondscheinnacht Gar fein ersonnen und ausgedacht Und seiner Liebsten mitgebracht,       Und wenn ihr's wollt, sollt ihr's hören! Lätitia. (Zu Apoll.) Ein Lied!   Ein Lied!   Hörst du's, Apoll?! Apoll. Ich hör's!   Und dir zur Freude soll Es gleich vor uns erschallen! (Zu den Matrosen.) Sitzt's auch noch fest bei allen? Die Matrosen. Turmpanzerfest! Zweiter Matrose. Erlaubt uns, das zu zeigen! Apoll. Turmpanzerfest?!   Wohlan, so laßt es steigen. Dritter Matrose. Na, Johann, denn man los! Die andern. (Schreiend.) Johann       los! Vierter Matrose. (Vortretend.) Gott bewahre, schreit doch nicht so!   Ihr schreit mir ja meinen Tenor heiser!   All right, boys? Die andern. Yes! All right! Vierter Matrose. Very well! (Nimmt die Mütze ab und tritt vor. Die andern ebenso, hinter ihm im Halbkreise stehend.) Musik : Vorspiel. (Er singt.) Als Kaiser Wilhelms erste Meerfahrt war, Wie ließ da die Hohenzollern, An deren Großmast hing der Kaiseraar, Den König Dampf erbrausen und kollern! Das war ein herrlicher Kaiserzug, Den die Möven jauchzend umflogen! |: Und wie froh aufschäumt' das Meer am Bug Und bekränzte das Schiff, das es trug, Mit den grünen, weißblühenden Wogen!:| Und von des Zollernschiffs Kommandobrück' Auf die stolze Flotte hernieder Zwei Hohenzollern schau'n im hohen Glück', Zwei Kaisersöhne!   Zwei Brüder! Der Kaiseraar hoch drüber wie am Turm'!   Welch' ein Schauspiel dem Meeresgotte!   |: Kaiser Wilhelm in Admirals-Uniform!   Und Prinz Heinrich ihn führend durch den Sturm Mit dem Kaiserschiff und der Flotte!:| Und jeder weiß, es war vor Zeiten mal, Was wir erstrebten aller Welt zum Spotte! Nun ist der deutsche Kaiser Admiral! Und sein die stolze, schöne, deutsche Flotte! Und kräht mal wieder der gallische Hahn Und ruft Alldeutschland dann zum Kriege, |: Im weiten Felde und auf weiter See alsdann Zwei Hohenzollern dem deutschen Volk voran! Und so geht es zum Kampf und zum Siege!:| (Die Matrosen ab.) Lätitia. (Sehr begeistert ihnen nachrufend.) Ach! Bleibt!   Ich bitt' euch,   kehrt zurück! Wie schön war dieser Augenblick! Und noch einmal singt mir das Lied, Das von der Freude überquoll! Wovon mein Herz und mein Gemüt Und meine Seele nun so voll! Ihr hört mich nicht, und achtet's nicht, Was doch die Freude zu euch spricht?! Könnt ihr nicht meine Bitte fassen, So folg' ich euch!   Ich kann's nicht lassen! (Eilt links ab.) Musik: »Es braust ein Ruf, wie Donnerhall.« Apoll. Sie eilte mir davon, die doch mit mir Zur Kunst gehört, in der vereinigt wir! Ich bleibe, wenn auch sie davongegangen O, war' sie hier, nun die mit zu empfangen! Borussia kommt!   Germania kommt mit ihr! Und wo ein Künstler sie geschaffen mir, Die herrlichen Gestalten alle beide, Wann fehlte jemals sie, die süße Freude?! (Nach der Kulisse links hinrufend.) Bist du auch fort,   du bleibst mir doch zurück! Du flammst und strahlest ja aus beider Blick! Und daß sie heut' auch hier sich uns vereinen, Das dank ich dir!     Nun mögen sie erscheinen! (Borussia und Germania von rechts auftretend.) 13. Szene. Borussia. Germania. Apoll. Apoll. Seid mir gegrüßt! Borussia. Wir danken dir, Apoll! Apoll. Und herzlichst seid mir beid' hier willkommen! Germania. Wo ist sie denn? von der auch wir so voll?! Apoll. Im Augenblick der Freude mir genommen! Borussia. Und uns hierher gerufen hat sie beide?! Germania. Und nun wir beide kamen,   sie nicht da?! Borussia und Germania. Wo weilt sie denn, die holde, süße Freude?! Apoll. Auch hier noch weilt sie, wenn auch nur im Geist'! Doch sollt ihr auch in Wirklichkeit sie sehen, Wenn unser Lied den teuren Kaiser preist, Auf meines Berges fernen Sonnenhöhen! Auch dort ist sie noch eures Kaisers Hort, Nach all' den trüben, bang durchlebten Tagen! Wohlan!   Uns tragen schon die Rosse fort,   Und aufwärts geht's in meinem Sonnenwagen! (Der Hintergrund geht rasch in die Höhe.) Unten im Cypressengrün auf Piedestalen die Büsten der beiden hochseligen Kaiser Wilhelm I. und Friedrich III. Zwischen ihnen, ein wenig zurück und ein wenig höher, ebenso die Büste der hochseligen Kaiserin Augusta. Vor diesen drei Büsten in halbliegender, malerischer Stellung einen großen Lorbeerkranz mit weißer oder schwarzer Schleife in der Rechten, die trauernde Tristitia . Höher hinauf, aus blühenden Gewächsen emporragend, die Büsten des Kaisers Wilhelm II. und der Kaiserin Augusta Viktoria, vor denen im Halbkreise, zwischen den Blumen halb versteckt und zu den Büsten hinaufschauend, sechs kleine Genien von verschiedener Größe liegen. Hinter beiden Büsten und noch höher als diese Lätitia , eine Rosenguirlande über den Büsten haltend. Alle übrigen Personen, zunächst die der sechs Reiche zu beiden Seiten des Mittelbaues und eventuell einige auch dazwischen, malerisch und passend gruppiert. Apoll, Borussia und Germania, die auf der Bühne bleiben, haben während ihrer Szene sich so zu stellen, daß sie mit zum Vordergrunde des Gruppenbildes passen. Hymne. Kaiser und König, dir Wünschen das Beste wir, Werd's dir zu teil! Dir sei Lätitia Heute und immer nah, Dir und Germania Segen und Heil! Zweites Festspiel zur Feier des Allerhöchsten Geburtstages Sr. Majestät Wilhelm II. Deutschen Kaisers und Königs von Preußen. Aufgeführt im Stadttheater zu Kiel, am 25. und 27. Januar 1891. Personen. Lätitia. Kilia. Jochen , Maurer und Kampfgenosse von 1870 und 71. Peter , Invalide, schleswig-holsteinischer Kampfgenosse von 1841-51. Berliner , Schlossergeselle, Arbeiter der Kaiserlichen Werft. Sachse , Tischlergeselle, Arbeiter der Kaiserlichen Werft. Ein Bootsmannsmaat. Acht Matrosen von der Kaiserlichen Marine. Andere Personen. Dekoration. Für die 1., 2. und 3. Szene bis zum Auftreten der Lätitia und unmittelbar hinter dem Vorhange, also vor der Rampe, ein schmaler Bühnenraum, nicht breiter (tiefer) als die Länge einer kurzen, etwa 4 bis 5 Fuß langen Bank. Eine solche Bank in schräger Stellung rechts und links von der Kulisse. Hintergrund: eine Zimmerwand. Nach Aufgehen desselben, gleich nach Beendigung des vom Orchester gespielten Liedes »An die Freude«, Hintergrund und Kulissen: Gebüsch und Wald. Hinter dem Waldhintergrunde später das Schlußbild. Erste Szene. Direktor. Jochen. (Der Direktor im Frack und mit weißer Krawatte und Handschuhen, den Zylinder in der Hand. Jochen im Sonntagsanzug eines Maurergesellen aus früherer Zeit. Langer, etwas altmodischer Rock, schwarzer, etwas schäbiger Zylinder u. s. w.) Direktor. (von rechts auftretend, den Hut in der Hand. Jochen ihm folgend) . So, kommen Sie hier nur her! Sie haben mich um einen schönen Platz gebeten,   möglichst nach vorn (nach der Bank zeigend) . Da haben Sie ihn!   Setzen Sie sich.   Wünsch' auch viel Vergnügen. (Rechts ab.) Jochen. Wünsch' auch viel Vergnügen! Wa spöttsch he dat sä. Weer't ni de Herr Direkter sülben we'n, denn har ick em anschnauzt.   Setzen Sie sich!     (Er setzt sich schnell.) Sitt ja all!   So an de föftein Jahr heff ick hier nu all mit rumflickt. Wenn dar mal en beten to muern weer, oder uttoputzen, denn heff ick dat da'n.   Ick hör' dar nu ja ock all so quanzwies' mit to, un wil ick nu just mal streiken do, heff ick denn dacht, schast mal en beten int Theater gahn und di den Zauber mal mit ansehn. (Pfeifen auf der Gallerie.   Er steht auf und sieht hinauf) . Wat hebbt ju dar to fleuten? Ich bitte mir Ruhe aus!   (Er setzt sich wieder.   Kurze Pause.   Er sieht ins Publikum hinein.)       Ick weet ni, dat gefallt mi hier doch ni so recht.   Vun alle Kanten kiekt se op een dal.   Man sitt hier ja rein als op'n Verwunnerungsstohl! (Sieht nach oben.) Un denn so lik ünner den roten Panzer.   Wenn de nu mal hindal full, dat weer ja de reine Gulljonetine! Denn flög min Kopp ja wul mank de Muskanten un ick bleev auf die Bühne. Zweite Szene. Peter. Jochen. Peter. (von links auftretend, im alten Waffenrock mit dem Eisernen Kreuz am blau-weiß-roten Bande, dunkle Hose, Feldmütze, Handstock) : Süh', gu'n Dag, Jochen!   Na, wat makst du denn hier? Jochen (kurz) . Dat sühst du ja!   Ick streik! Peter. Dat harrst ock laten kunnt! Jochen. So? Wat weest du davun? Peter. Wi keem dat denn? Jochen. De Mann behandel mi ni höflich genug.   Na, un als he mi denn nu güstern wiesmaken wull, dat ick en paar Muersteen scheef vermuert harr,   dar smeet ick em den Kram vor de Föt!   Peter. Un nu geihst du denn to din Vergnögen mal en beten int Theater. Jochen. Ja! en beten int Theater!   Dat dei'st du ja ock!   Wat wullt du denn hier? Peter. Ja, dat hett so sin egen Bewandnis. Ick spel di nämlich vunabend mal so'n beten mit. Jochen. Du?   Snack mi doch keen Löcker in'n Kopp!   Peter. Wat ick di segg!   Un als ick denn dar nu so eben längs de Achtertrepp heropkeem, dar kreeg de Herr Direkter mi ock all forts bi'n Wickel. »Es geht gleich los«, sä he to mi,   »setzen Sie sich da links man hin, ganz vorne auf die andere Bank, Ihrem Freunde Jochen gegenüber«. (Er setzt sich.) Na, un dar sitt ick denn nu, di lik gegenöwer! Jochen. Un ick di!   Awers warum spelst du denn mit?! Peter. Na, wil dar hüt abend to Kaisersgeburtsdag (Jochen unruhig, bewegt sich und grunzt) noch jüst een fehlen de' för de plattdütsche Roll, dar bün ick denn so ut Gefälligkeit gau mal mit rinsprungen. Jochen. Dar harrst du ock doch leewer op wat anners stüern künnt, als jüst op dat! Peter. Du büst doch ock hier! Jochen. Awers doch man blots, wil ick nu mal streiken do',   un man jo ni wegen den Kaiser sin Geburtsdag! (Pfeifen auf der Gallerie.) Stimme (im Parterre) . Smit em rut! Jochen (dahinsehend) . Rutsmiten?   Dar hört en langen Arm to!   Hier reckst du ni her! Dritte Szene. Sachse. Die Vorigen. Sachse. (im Orchester beim Paukenschläger, im schönsten Sonntagsstaat) . Ei, Herrcheses!   ist mer det awer nich mehr scheene bei so änne Festvorstellung ins Dheader, det die Leite im Bublichum man so mitreden duhn.   Det hätte mer in Bärne, womer daheeme, doch nimme nich wage därfen. Jochen. (höhnisch) . Hm! Rutsmiten?!   Ick sitt hier seker!   Peter. Awers so, als du dar sittst, müch ick dar doch ni sitten. Jochen. Un ick ni so als du! Peter. Du büst en Sozialdemokrat! Jochen. Dat bün ick ock! Un wat büst du denn? Peter. En olen Achtunveerdiger!   en echten Sleswig-Holsteener!   un en guden Dütschen! Jochen. Ja!   Di hebbt se ock mit öwersluckt. Peter. Na, hebbt wi unsen Herzog denn ock ni kregen, so hett dat ja wull na Gottes Willen so sin schullt!   Awers vun de Dän sünd wie dochen los, un mit to Dütschland sünd wi kam,   un dat hebbt wi de Preußen to verdanken! Vierte Szene. Berliner. Die Vorigen. Berliner. (im schönsten Sonntagsstaat. In der Prosceniumsloge links, sich über die Brüstung lehnend. Wenn er angefangen zu sprechen, sehen Jochen und Peter nach ihm hin) . Sieste, wo de biste? Ick bin en Berliner, un wat mein Oller is, der hat feste mit uf de Schanzen bei Düppel mit los jestürmt, det hat er!   und dadruff bin ick stolz als Berliner! Sachse. Ei Herrcheses!   Kriß Gott, Perliner! Berliner. Bon jour, Sachse! Sachse. Ooch ä bissel hier? Berliner. Yes! Wie de siehste! oui! ick mach' en Blauen! Sachse. (vornehm) . Und denn man unten ins Brozenium, fier zwee Mark finfzig in de vornehme Losche? Berliner. An so en Tag doch immer mit Pläsier, Mag 't kosten, wat et will! Sachse. (Sich auf den Bauch schlagend.) Mer kostet's nischt! Mich hat der Bauchenschläger mitgenomme. Jochen. (gegen den Berliner, dahin sehend) . Awers öwer'n Snabel nahmn hebbt ju uns doch! Un unrecht Gut weer dat. Peter. Un dat seggst du als Sozialdemokrat?   de öwerhaupt keen Eegendom mehr kennt?!   Stimme. (auf der Gallerie) . Jochen, nu hol di stief. Jochen. (dahinsehend) . Ja, Eigentum is Diebstahl. Peter. Ne!   Eegendom is dat, wat man sick op'n rechtmäßige Wis' dör Flit un rechtmäßige Arbeid verdeent hett.   Un, ock dat noch, wat sick op düsse Art vellicht ock all de Öllern oder Grotöllern erworben un op ehr Nafolgers verarvt hebbt. Jochen. De Kommunismus is dat eenzig Wahre. Peter. Unsinn! Denn mak' doch eerst mal de Menschen anners, als uns' Herrgott se makt hett. Jochen. Dei't garni nödig!   Wi Sozialdemokraten sünd ja all de annern! Peter. Und dochen nich anners als all wi annern!   Desülwigen Menschen ut densülwigen Klumpen Eer!   mit datsülwige lüttje Menschenhart mit all sin guden un sin slechten Siden,     mit sin Haß un sin Leevde, sin Leidenschaften un Begierden!     Dat de Welt so is, als se is, dar sünd wi Menschen an Schuld!   wi makt ehr so.   Un schull se anners warrn als se is, denn muß uns' Herrgott doch toerst dit Minschengeschlecht wedder vun ehr wegnehmen un ehr ganz annere, nie Menschen weddergeben!   Awers darum will ick likers ni bestriden, dat dat nich ock all en Land gifft, wo de Sozialdemokratie all för full an't Ruder is!     Jochen (neugierig) . So woneem is dat denn?   Wo is dat, Peter?   Peter. Ja, woneem dat liggn dei't, dat kann ick di nu just so genau noch nich seggn. Awers ick weet dochen all ganz genau, wasücken als dat heeten deit!   Jochen (neugierig) . So? Dat weest du?   Denn fegg mi dat, Peter!   Segg mi dat!   Denn will ick utwannern. Peter. Wullt du 't denn pattu vun mi weten? Jochen. Ja, dat will ick, segg mi dat! Peter. Dat Land   dat heet   Utopien! Jochen macht unwillige Geberden und Bewegungen. Berliner, Sachse (zugleich). Ha! Ha! Ha! Sachse. Udobien! Ha, Ha, Ha!   Det is awer scheene Perliner, Udobien!   Berliner. Det stimmt, Sachse!   wo die Jänse man so jleich jebraten durch die Jasse trippeln! Peter. Un wenn nich allens drüggt, denn liggt dat am Enn wul op'n Mand! Jochen. Wa so? op'n Mand? op'n Mand? Peter. Wil he allemal, wenn wi em mal ördentlich to sehn kriegt, jümmers so vull un dick is, als wenn he 'n groten Fretbüdel un en groten Supjökel weer! Sachse, Berliner (zugleich). Ha! Ha! Ha! Peter. Ja, un wil he denn ock allemal mit sin dicken Pusbacken so swinplitsch un so smerig op uns hendal grient, als wenn he seggn wull: Hier is dat!   kamt hier man her! Sachse , Berliner (zugleich) . Ha! Ha! Ha! Sachse. Buspacken, Perliner! Berliner. Und swinplitsch, Sachse!   det is jut! Sachse , Berliner (zugleich) . Ha! Ha! Ha! Jochen (aufgebracht laut) . Meenst du denn, dat du mi optrecken kannst?! Peter. Jochen, schall ick di mal war seggn? Op düsse Eer kann so'n Land doch ni liggn, denn darför paßt se nicht. Un een mutt dar dochen allemal öwer den annern stahn un so wit recken, als sin Arm denn nu mal langt, ob he en König is oder en Edelmann, en Fabrikherr oder en Meister, en Bur oder en Burknecht, en Werkmeister oder en Vörarbeider un en Arbeider.   Jochen (aufgebracht) . Arbeider! Peter. Ja! Arbeider!   arbeiden möt se dochen all! Sachse. Ei ne! Ei ne! awer so merschtendeels hat er doch keen Unrecht nicht, der Beder!   Mer in Sachsen sein doch ooch so änne sozialtemogratischer Pienegorp, awer unsern Genig und unsre Genigin ham mer doch! und unsere Fabrikherren ooch und unsere Meister und Gesellen. Berliner. Na, und wir Berliner alleweil erst recht.   Herr Jottes, wenn wir so uff eenmal keenen König nich mehr hätten und keenen Kaiser nich mehr!   Ick möchte et ja nich beleben, Sachse! Janz Berlin würde ja uff die Koppe stehn und dämelig mit die Beene strampeln. Peter (zu Jochen) . Denn probeert dochen eerst mal ju System. Smit allens, wat ju verdeent un wat ju hebbt, mal in een Pütt, un diffedeert dat denn mal mit ebn so veel, als dar Andeel an hebbt, dat weer to'n minnsten doch mal so'n lütjen Anfang. Jochen. Meenst du denn, dat dat so swar weer? Peter. Dat will ick jüst ni seggt hebbn, wil't doch man blots en eenfaches Rekenexempel weer!   Awers gesetzt den Fall, du harrst denn nu noch een lüttje Kist Zigarren, de du dochen so bannig geern för di deholen möchst, und du versteckst ehr denn un smökst di denn so heemlich darvun,     denn weerst du ja all keen echten Sozialdemokrat mehr. Sachse. Weß Kneppchen!   da hat er merschtendeels doch wieder mal keen Unrecht nich, der Beder! Peter. Ja, heff ick ni? Berliner. Ha! Ha! Ha! Ha! Wat is mich det aber doch für 'n Schlauberger! (zu Peter) Na, hören Sie mal, Sie oller Kampfjenosse, wenn der Jochen nun aber die Zigarren zum allgemeinen Besten ooch mit abliefern dähte,   wat denn aber? Peter. Fallt em ja garnich in!   Denn müß ick Jochen ja ni kenn! Berliner. Ha! Ha! Ha! Bravo, Sie oller Aujustenburger! Sachse. Ei ne! Ei ne! Na heren Se mal, mei Kutester! Peter. Ja, ick hör ja all!   Awers Jochen is ock ni dov. Jochen (etwas erregt) . Ick bün ock ni dov?! Wat wullt du darmit seggn?! Peter. Ah, ick meen ja man!   De groten Versammlungen, wo du alle Näslank hinlöppst un dat Schimpen so mit anhörst. Jochen. Schimpen? Wakeen schimpt dar denn? Peter. Ju alltohopen!   de den Unsinn quatscht   un de dar Bravo ropt un Bifall klatscht!     Un wo ju am meisten op schimpen do't, dat is de Börgerstand. Berliner. Siehste, Sachse? merkst de wat?   Nun kommt er ihm auch noch mit die Burschoisie! Sachse. Na ewen!   mer verschtehn ihn schon!   weeß Kneppchen,   die Purkoasie! Peter. Awers wo bleeben ju wul, wenn wi den Börgerstand ni harrn?   Wakeen gifft de meisten von ju denn de Arbeid un den Lohn? Un wakeen verhürt ju Dack und Fack?   Doch tomeist wul de Börgerstand,     de Bourgoisie, als ju em nömt   Un wenn de Not mal dar is, wakeen sünd de Eersten?   De Hölpers un de Plegers ut'n Börgerstand!   Berliner. Yes!   Det stimmt, Sachse! Sachse. Nu ewen!   yes! Perliner! die Purkoasie! Peter. Un op ju Karten klevt he man so sin baares Geld,   Un wat för Armenlasten hett he to dregen!   Awers darför dankt ju em mit Undank un makt sin Ehrennam to en Schimpwort!   Mensch, wa dumm muß du we'n! Jochen. Hm!   Dumm!     wenn du dat man ni büst! Peter. Ja, dumm!   Un de dümmste vun all ju Dummheiten, dat is noch de mit de Frunslüd! Jochen (unwillig) . Wa so? Mit de Frunslüd? Berliner. Nu paß man mal uff, Sachse! wat er da dermit wohl meinen duht! Sachse. Ei ne! Perliner! Am Ende meent er die freie Liwe!   Peter. Freie Liebe?!   Ja, dat 's ock so 'n Unsinn,   awers dar heff ick noch garni mal an dacht!   Ick meen de Frunslüd, dat se nu ock mit wähl'n un mit stimm'n schüllt, wenn dar mal en Wahl is. De hebbt ja so wie so all de Büxen an, un denn kriegt se dat eerst recht!   Berliner. Ha! Ha! Ha! Die Büxen an! Det is jut! Sachse. Wat heeßt denn det? Die Pixen an? Perliner?! Berliner. Dat heeßt so ville, als Männeken kommt unter'm Pantoffel. Sachse. Under'n Bandoffel?   Ei Herrcheses, ne! abrobo Perliner!   Awer da hat er doch merschtendeels wieder mal so Unrecht nich, der Beder!   Peter. Ja, heff ick ni?!   De hebbt dat eerste un dat letzte Wort doch all so wie so!   un denn hebbt se dat eerst recht   paßt man blots mal op, wa gau se ju achter rut stimmt!   Wat wüllt ju Schapsköpp sick dar ock noch en Rod' binn för ju'n eegen Puckel! Berliner. Ha! Ha! Ha! Det stimmt, Sachse, mulier taceat in ecclesia sagten schon die ollen Jriechen! Sachse. Ne, die Remer, die Remer, Perliner! Peter. Na, wakeen dat seggt hebbt, de hebbt dat nn mal seggt! dat makt ja wider nix ut!   (Zu Jochen.) Awers wat seggst du denn, Jochen? Du seggst ja gar nix mehr! Jochen. Mit di,   mit di is ni to striden! Peter. Un mit di eerst recht ni! Jochen (aufstehend und sich ihm nähernd). Un du,   du büst en Fürstenknecht! Peter (aufstehend und sich ihm ebenfalls nähernd). Un du, du büst en Dummbüdel! Jochen (heftiger und lauter). Wat!   Fängst du nu ock noch an to schimpen?!   Peter (heftiger, lauter). Du reizt mi ja! Jochen (noch heftiger). Ne, du mi;   (Stehen drohend einander gegenüber, als wenn sie mit einander raufen wollten.) Sachse (laut). Ei ne! ei ne! Herr Direkter!   Herr Direkter!   Sie kriegen sich, weeß Kneppchen,   noch bei die Keppe! Jochen. Awers an di vergrip ick mi ni! Dar hol ick mi veel to gut to. Peter. Un ick mi ock för di! Jochen. Du heft dat letzte Wort! Peter. Ne, du heft dat! Jochen . Punktum! (Er setzt sich.) Peter . Sand darop! (Setzt sich.) Jochen. Oha!   Dar mutt ick eerst mal een op smöken. (Nimmt eine kurze Pfeife aus der Tasche und zündet sie sich an.) Peter. Ick ock! (Macht es ebenso. Kurze Pause, während welcher beide rauchen.) Jochen. Du, Peter! Peter. Na, wat denn? Jochen . Dat is hier mal still,   so langwilig! Peter. Denn mak doch mal wedder Lärm, als vorhin! Jochen. Nu warst du all wedder anzüglich!   Harrn wi doch man en beten Musik! Peter. Denn bestell mal wat.   Die Marseilleise! Jochen (aufgebracht) . Nu stichelst du all wedder! (Er steht auf und wendet sich gegen das Orchester.) Spelt doch mal een op, ju ful'n Muskanten. Peter. Ja, dar kannst du wat na luern!   Bi de Muskanten geiht allens na'n Takt, dat sünd taktvolle Menschen!   Wenn du awers in so'n Tonart mit se spreken dei'st, denn büst du taktlos. Jochen . Lat doch dat ewige Sticheln na! (Er setzt sich.) Peter. Warum büst du ock so plump? (aufstehend.) Süh', so mußt du dat maken. (Er wendet sich an den Kapellmeister.) Ach bitte, Herr Kapellmeister, wollen Sie nicht die Güte haben, uns mal einen aufzuspielen? (Der Kapellmeister greift nach seinem Taktstock, die Musiker greifen nach ihren Instrumenten.) Sühst du,   sühst du? nu do't se dat all!   Awers, bitte, so recht was Vergnügliches, was Freudiges, so was, was so recht zu die Stimmung paßt.   Ick freu mi so!       (setzt sich) . Jochen. Ick ock!   Ne!   ick bün argerlich!   Musik : (eine Strophe des Liedes »An die Freude«.   Jochen und Peter stummes Spiel betreffend die Musik, die ihnen sehr gefällt. Unmittelbar nach Beendigung der Musik geht der zweite Vorhang rasch in die Höhe.   Winterlandschaft.) Jochen (aufstehend, schnell) . Na, wat is dat?! Peter (aufstehend, schnell) . Ja, nu geiht de Kummedi denn ja wul los! Fünfte Szene. Lätitia. Die Vorigen. Lätitia (rasch von rechts auftretend. Kurzes griechisches, rosafarbenes und mit Rosen besetztes Gewand. Auf dem Haupte einen Kranz von Rosen.) Jochen, Peter (zugleich) Ah! (Beiden fällt vor Überraschung und Verwunderung die Pfeife aus dem Munde.) Berliner. Schau, Sachse, schau! Sachse. Ei Herrcheses! ne! Ei ne! ei ne! Lätitia (zum Publikum) . Wir kennen uns,   habt ihr mich früher doch In menschlicher Gestalt schon hier gesehn! Jochen . Dat ick ni wüß. Peter (freudig) . Ja, ja!   Lätitia! Sachse, Berliner (zugleich.) Läditiä?! Lätitia. Doch wenn ich körperlos, kennt ihr mich wohl Viel besser noch und tragt nach mir Verlangen! Dann bin ich ja des Menschen schönstes Gut Hier, von der Wiege bis zum Grabe;   denn Wo ich ihm lächle, blüht ihm ja das Glück, Weil meines Daseins Wesen ist die Freude! Jochen. Hm! Freude! Peter. Nu swig doch still! Jochen. Swig ja all! Lätitia. Auf Rosen wandle ich dahin;   denn wo Mein Fuß berührt den Boden, sprießen sie! Und Rosen, rote Rosen schmücken mich Und blüh'n im duft'gen Kranz' um meine Stirn!   Und daß ich heute wiederum vor euch An diesem Tage und in dieser Stunde In menschlicher Gestalt erscheine,   seht, Das ist geschehn, weil ganz das Heute mein;   Denn heute ist es ja ein Tag der Freude! Peter (froh.) Ja, ja! ein Tag der Freude! Jochen. Hm,   all als man dat nimmt. (Setzt sich.) Berliner. Du, Sachse, weest du wat? Sachse. Ick? ne, Perliner.   Na, wat weeste denn? Berliner. Det Mächen zieht mich an, wie en Magnet! Sachse. Weeß Kneppchen! mich ooch!     So eene zweete ham mer nich bei uns daheeme in ganz Sachsen nich,   wo doch sonst allemal, wie du weeste, die Mädchen uff de Beime wachse. Jochen (ärgerlich zum Berliner und Sachsen) . Snackt doch nich ümmer dazwischen! Peter. Dat dei'st du ja ock! Jochen (ärgerlich und laut) . Un du eerst recht! Lätitia (anfänglich zu Jochen) . Ich bitt euch, nicht so zänkisch sein!   Seht her, Wie ich mich freue!   Freut euch doch mit mir! Vom Fels zum Meer, durchs ganze deutsche Reich Schallt heut des Volkes Jubel um mich her! Und wie mich auch durch eure liebe Stadt Des Holstenlandes meine Schwingen tragen, Das habt ihr schon erschaut am frühen Morgen, Mit ihrer Flaggen bunter Farbenpracht Sie sich so schön geschmückt   und frohe Menschen Die, meiner voll, durch ihre Gassen gehn! Jochen (grunzt und räuspert sich) . Hm! Hm! Hm! Peter. Wat grunzt du denn all wedder?! Jochen. Wat geiht di dat an?! Lätitia. Und da, wo eurem Kaiser auch ein Heim, Ein liebes, trautes winkt, wenn müde er Zurückkehrt aus dem Drange der Geschäfte In sein Familienglück,   wo von der Stirn Die Sorg' sein hold, viellieb Gemahl ihm nimmt. Die, eine Fürstentochter dieses Landes,   Peter (begeistert) . Sin schönsten Edelsteen hett he ehr nömt! Lätitia. Und wo der vollen Rosenknospen sieben, Zu einem Kranz, so wunderlieblich schön Vereint, um beide blühn,   o, wie mag da, Von meinem goldnen Sonnenschein verklärt, Heut alles,   alles leuchten!       Peter (freudig begeistert) . Ja, alles leuchten!   (Nach der Mitte vorgehend und die Mütze schwenkend.) Hurra! de söß lüttjen fröhlichen Prinzen mit ehr roden Backen un hellen Ogen,   un dat lüttje Nestküken, de lüttje nüdliche Prinzessin, de schüllt leben, Hurra! (dreimaliger Orchestertusch, Lätitia, Peter, Sachse und Berliner dreimal mitrufend, während Jochen teilnahmslos sitzen geblieben.) (Zu Jochen.) Na?!   warum steihst denn nich op und röppst ni mit?   Wat hebbt de lüttjen unschulligen Kinner di da'n? Jochen (nach kurzer Pause, gerührt) . De lüttjen Kinner? Nix, gar nix hebbt se mi da'n!     Möchen alle Öllern, de dar Kinner hebbt, se to ehr Freud un Glück beholn!   Ick sülben heff ja ock doch Kinner!   un harr sogar noch een mehr als söben!   Doch dree darvun   In söben Dag heff ick de dree begraben!   (Er bedeckt mit den Händen das Gesicht und weint.) Lätitia (tritt hinzu, ihm die Hand auf die Schulter legend) . Nicht weinen, lieber Mann, was weinst du denn? Sieh her!   Sieh mir ins Aug'! Ich bin die Freude! Und meine schöne Schwester ist die Liebe! Ich lindere dir den herben Schmerz;   es gibt Dafür kein bess'res Mittel als die Freude! Auch einen teuren Bruder haben wir, Das ist der Glaube,   der dem Menschen ja Den Mut verleiht, das Schwerste zu ertragen! (Darauf wieder zurückgehend.) Peter (zum Publikum, schnell) . Vellicht is dat de rechte Sted'?! Jochen (weich) Lieber Mann,   nicht weinen!   Wa week se dat sä! un wa sanft un tröstlich!   Un wa. leevlich se is!   un wa schön!   wa schön!   un, as se mi de Hand hier so op de Schuller leggt, dar weer mi dat ja rein, als wenn dar en hitten Strom dör min Hart gung und all dat Is darum all smölten wull!       Ja, wenn ick mi man freuen kunn!   Awers, ick kann mi ja man ni mehr freuen!   mi is sitdem de ganze Welt toweddern, un vundag, wo alle Lüd so fröhlich sünd, eerst recht!   Peter (zum Publikum) . Hier sla ick en Haken in!   (Zu Jochen.) Denn is di ock ni mehr to hölpen! En Mensch, de sick ni mehr freuen kann, de hett ock keen Religion mehr. Jochen. Wakeen seggt dat? Peter. Dat segg ick.   Dat kummt allens vun din verdreihten Ansichten her!   De Religion is jüm ja ock man Nebensak. Jochen. Privatsak! Privatsak! Peter. Na, Privatsak oder Nebensak!   Wat is dar in düssen Fall wull noch för'n Ünnerscheed?! De se ni mag un den se ni gefallt, wil se em't in't Gewissen redt, de smitt ehr eenfach vun sick, für den is se Nebensak. Jochen (erregt aufspringend) . Privatsak heff ick seggt   Swig still, dat mi de Gall nich öwerlöppt! Peter. Ick swig ja all. (Jochen setzt sich wieder.) Lätitia. Aber ihr müßt mich nicht immer stören, Ihr trübt mir ja den schönen Augenblick, Wo der Begeistrung Flamme in mir lodert. Und du,   du wirst so wild und böse oft, Daß ich mich fürchte und von meiner Lippe Das sonst so flücht'ge Wort nicht weiter will. (Nach der Kulisse rechts sehend, die andern gleichfalls) . Ah, dort!   was seh ich?   Hülfe, die mir naht! Frau Kilia! Sechste Szene. Kilia. Die Vorigen. Kilia. von rechts auftretend. Berliner. Frau Kilia?! Sachse. (zugleich) . Vrau Gilia?! Berliner. Nu brat' mir aber eener eenen Storch! Peter (froh, schnell.) Wahrhaftig, ja se is't! Jochen (schnell.) Dat harr 'ck ni dacht! Kilia. Lätitia, du lieblich Kind, du Süße! Ich grüß und küsse (sie küssend) dich; denn ganz von dir Ist heut' das Herz mir voll! Lätitia. Dann sprich du weiter Und schütte meines mit dem deinen aus Zum Preise dieses Tags!   Ich fürchte mich (nach Jochen zeigend) Vor diesem da!   Er schaut so finster drein, Als wär' er mit der ganzen Welt zerfallen! Jochen. Dat is ni wahr!   Doch man blots mit min Meister! Kilia . Sch! Sch! Dich fürcht' ich nicht, du bist ein Kieler! Jochen . Ja, dat bün ick! Peter (froh) . Un ick doch ock!   en echten Kieler Jung! Berliner . So halb und halb sein wirs doch ooch schon, Sachse! Sachse . So halb und halb, weeß Kneppchen,   ja, det schtimmt. Schon merschtendeels Vrau Gilia ihre Ginder Kilia . So hört denn auf die Worte eurer Mutter! Lätitia schweigt,   und freudig fahr' ich fort, (auf Lätitia zeigend.) Von ihr begeistert und zum Preise dem, Dem heut' zum fünften mal als deutschem Kaiser Im Zeitenfluge jener Tag genaht, An welchem einst vor vierunddreißig Jahren Derselbe, dem wir all das Leben danken, Auch ihn in dieses Erdenleben rief. (Während des folgenden Prologs ist stummes Spiel des Berliners und des Sachsen, am meisten Lätitia, doch auch Kilia und Jochen betreffend.) Berliner . Du, Sachse! Sachse . Perliner! Berliner (auf Lätitia zeigend) . Ick schweb' im siebenten Himmel! Sachse . Mer schwebe ooch! Berliner . Die lad' ick mir nachher zu Ball, bei Wriedt! Sachse . Den erschten Danz mit ihr; Berliner . Ne, ick den ersten! Sachse . Na, denn den zweeten danze ick mit ihr, Und fiehr' sie alleweil denn ooch ze Disch! Berliner. Det möchste wohl,   Det Vorrecht habe ick. Sachse. So deile mir uns d'rein.   Ich sitze links, Du rechts und die Läditia in der Midde, Dadrum, weil se Läditia is, de Freide! So ham mer beede zwee ja Deil daran! Berliner. Det laß ick mir jefallen! ja, det stimmt! Und daderum denn nu man ruff zu ihr! Sachse. Man ruff ze ihr, daß mer sie ankaschiere! (Beide ab.) Kilia. Ihr wißt, wie trüb' und dunkel war die Zeit, Wo ihm an seines teuren Vaters Statt, Des Unvergeßlichen, beschieden war, Alldeutschlands kaiserlicher Herr zu sein.   Zwei Kaiser tot in einem Jahr'!   und wie Noch edlere nicht das deutsche Volk gehabt. Lätitia (freudig, begeistert). Noch edlere nicht! Peter. Ja, Ja! Berliner. (zugleich). Det stimmt! Peter (zu Jochen) . Meenst du't nich ock, Jochen? Jochen. Dat lat't!   Wat kümmert't mi?! Kilia. Doch Trost und Hoffnung kam zur selben Stunde, Wo, starken Armes und mit fester Hand, Das Doppelzepter, das umflorte, hielt Zum erstenmal der Enkel und der Sohn! Ihr habt die Worte alle ja gehört, Die aus der Tiefe seines edlen Herzens Er an sein teures, deutsches Volk gerichtet!   Und unvergeßlich bleibt auch das zumal, Was allen er verheißen und gesagt, Die, treu in seinem Dienst' die Waffen tragend, Die ersten Hüter jenes Kleinods sind, Des Träger er,   der deutschen Kaiserkrone. Lätitia (freudig, begeistert). Der deutschen Kaiserkrone. Peter. Ja, ja! Sin beiden Proklamatschonen »An mein Volk!«   un »An min Heer!« (Sachse und Berliner treten auf). Jochen. Snack doch nich ümmer dartwischen! Peter. Nimm di man sülben bi de Näs! Jochen (laut und aufgebracht) . Ne, du! Peter (laut und aufgebracht) . Ne, du! Sachse. Schon wieder diese zwee sich in die Haare! Berliner. Det Maul jehalten! Muttern hat det Wort! (Berliner und Sachse gehen nach links hinüber, wo die Lätitia steht, mit der sie stummes Spiel machen. Zuerst versuchen beide sie zu engagieren und nachher schneiden beide ihr, eifersüchtig auf einander, Cour.) Kilia . Schon gut!   So dann und wann gestatt ich gern Das Wort euch mal, weil ihr ja meine Kinder! Doch nun erinnert euch, wie er gehalten Sein kaiserliches Wort   und was er alles Seit jener Zeit, wo er so mutig nun Der Doppelkrone schwere Bürde trägt, Zum Besten seines Reichs und Volks getan. Lätitia (freudig, begeistert) . Zum Besten seines Reichs und Volks getan. Peter. Wakeen kunn dat vergeten?!   Ja, dat's wahr! Kilia . Noch schmerzbelastet, gönnte er sich nicht Die Ruhe der Erholung,   kam er schon Zu uns, von hier die erste Meerfahrt freudig Zu unternehmen, einsichtsreich erwägend, Daß seiner Energie es möglich sei, Die Wolken zu zerstreu'n, die, Unheil drohend, Im fernen Osten sich emporgetürmt! Jochen. Na, ja!   Dat is wul so!   Awers sünd wi mit de Franzosen farrig wurrn, denn warrn wi't ock wull mit de Kosaken. Berliner. Die erste Meerfahrt, Sachse, weeßt du noch! Sachse. Weeß Kneppchen, weeß ich's!   hab'n mer's doch geschaut. Peter. Weer dat en Dag för Kiel! Kilia . Und voll und ganz gelang das schöne Werk Des Friedens und der Freundschaft,   Und ihr wißt, Wie nun unausgesetzt gar lange Zeit, Zu Land und Wasser, allenthalben, wo Sein hoher Einfluß es erheischen mochte, Persönlich unser kaiserlicher Herr Dem deutschen Reiche und dem deutschen Volk' Das höchste Gut zu sichern, tätig war, Den goldnen Frieden! Lätitia (freudig, begeistert) . Den goldnen Frieden! Peter (zu Jochen) . Na, wat seggst du nu?! Jochen. Na ja! Dat will ick ock jüst ni bestriden! Awer all de Reisen, wat hebbt de wul för'n Geld kost! Berliner. Det Jeld spielt doch forn Kaiser keene Rolle! Sachse. Und imbonieren misse mer die Velker! Kilia . Das sollt' ich meinen!   Und ihr alle wißt, Wie er im gleichen Sinne tätig war Auch für den innern Frieden seines Reichs! Das können selbst auch die nicht leugnen, die Stets Zwietracht anzuschüren sich beflissen (Jochen wird unruhig, erregt, rollt mit den Augen.) Und so die heil'ge Ordnung untergrabend, Doch ihres Kaisers ärgste Feinde sind. Peter (schadenfroh). Dar kreeg hee't awer dick! Dat schadt em nix! Berliner. Nu schau mal, Sachs, wie rollt er mit die Oogen! Sachse. Weeß Kneppchen! Ja! Als gummt schon än Kewidder! Jochen (zu Peter) Meen se mi damit, Peter? Meen se mi damit? (aufspringend zur Kilia) Wat schull dat heeten? Weer dat münzt op mi? (noch mehr gereizt) Wat wull se damit seggn? Sachse (ängstlich). Herr Direkter! Herr Direkter! Er wird schon wieder witerig, der Jochen! Kilia. Spricht denn ein Kind mit seiner Mutter so? Jochen (sehr böse) Ick sei keen Zwiedracht!   Ick heff mi ja man blots mal mit min Meister vertörnt!   Un ick,   ick ünnergrav keen Ordnung!   Un ick,   ick bün unsern Kaiser sin ärgsten Fiend doch nich! Peter (zum Publikum). Gott Lof! Nu ward he wedder vernünftig. Kilia. Nun, das ist brav von dir!   Doch hör' mich weiter. Zu solchem edlen Friedenswerk' vor allem, Recht in der Mitte seines Volks gehört Ja jenes herrliche und große Werk, Das schon begann der alte teure Kaiser, Das Werk für jene, deren fleiß'ge Hände Von Schwielen hart, verkündigen, daß sie Im Zwang' der körperlichen Arbeit steh'n!     So unser hoher, kaiserlicher Herr Als Friedensfürst nach innen und nach außen! Lätitia (freudig, begeistert). Als Friedensfürst nach innen und nach außen! Berliner. Yes! oui! Det schtimmt! Sachse. Als Vriedensfärscht!   wi sehre! Kilia. Und willst du Frieden, halt' dich kriegsbereit! Auch jenes große Werk hat er vollendet, Das ihm die beiden Väter noch nicht ganz Vollendet hinterließen!   Welches Heer Von all den andern auf der Welt vermöchte Den Sieg der Feldschlacht uns'rer Landarmee Wohl heut' noch zu entreißen?     Jochen. Dat lett sick allerdings ni bestrieden! Ick bün dar anno söbndig un eenunsöbndig ja ock mit bi wesen! Peter. Un ick all achteinhunnertachtunveerdig! Jochen. Junge, Junge, wat hebbt wi se awers verneiht, de Parlewus! Peter. Un wi de Hannemänner, Junge! Junge! Kilia. Und wie so prächtig, stolz und schön und hehr Des teuren Kaisers zweite Macht und Wehr! Ich meine das Dreikaiserwerk: die Flotte! Lätitia (freudig, begeistert) . Die Flotte! Sachse, Berliner (zugleich) . Die Flotte! Peter (begeistert) . Ja, de Flott! Kilia. Wie oft schon hat sie ihre Treu' bewährt Im Sturm und Drang bis in den Tod hinein! Peter. Ja, dat schull ick meen.   Hett se nich, Jochen? Jochen. Dat kann ick just ni bestrieden! Ja, dat hett se wul! Peter. Denk' doch man blots mal an Kamerun! Berliner. An Sansibar, Samoa, Apia! Sachse. Und wie die andern Namen alle heeßen! Kilia. Nun ist der deutsche Kaiser Admiral! Lätitia (freudig begeistert) . Der deutsche Kaiser Admiral! Berliner, Sachse, Peter (zugleich und die Kopfbedeckung schwingend) . Hurra! Kilia. Und wie er seine Flotte liebt und, was Er alles für sie tut, das wissen wir, Wir Kieler ja noch mehr als all' die andern! Und wenn einmal der kaiserliche Ruf An sie ergehen sollte in der Not,   Mit ihrem vielgeliebten Prinzen würde Sie sicher dann, den andern ebenbürtig, Für ihren teuren, kaiserlichen Herrn Des Lorbeers grüne Siegeskränze flechten. Lätitia (freudig, begeistert) . Des Lorbeers grüne Siegeskränze flechten! Peter. Ja, seker! Sachse. Ei ne! ei ne! Wat sagst du nu, Perliner? Berliner. Ick sage: Allemal! na, ob und wie! Da kannste Jift druf nehm'n, mein lieber Sachse! Kilia. Und freudig sei auch dessen noch gedacht, Was unserm teuren Kaiser ja so sehr Am Herzen liegt!   O, seht doch, wie da blüh'n Im Segen goldnen Friedens     Lätitia (freudig, begeistert) . Im Segen goldnen Friedens! Kilia. ringsumher Und unter seiner Weisheit Schirm und Schutz Die Landwirtschaft,   der Handel,   das Gewerbe,   Die Wissenschaft und Kunst,   zu aller Freude! Lätitia (freudig, begeistert) . Zu aller Freude! Kilia. Wie hoch schätzt er nicht solche Stätte auch, Wo euch mit ihrem Spiel' erfreu'n die Musen! Berliner. Ja, det dut er!   du, Sachse,   und det find' ick jerade so jemietlich von ihm, so, wie er die estimiert! Sachse. Nu ewen! die Kinstler!   Desderwegen schwärmen sie ooch alle so vor ihn! Kilia. Das sollt' ein jeder anerkennend rühmen, Wie ihr es tut!   Ja, ihr habt Recht!   Noch hatten Die Deutschen keinen Kaiser, welcher so Begeistert für die Kunst und alles Schöne, Die Künstler ehrte!     Lätitia. (Nach der Koulisse rechts zeigend, verwundert). A! A! was ist das? O, schau, Frau Kilia, schau doch schnell mal hin! (Alle schauen dahin!) Kilia. Das sind ja Leute von der Flotte! Peter. Wat? Mariners? Ja, wahrhaftig!   Berliner. Nu schau mal, Sachse, is et nich en Pracht? Sachse. Weeß Kneppchen, all' so brobber wie der Schnee Peter (Zu Jochen). Kiek, Jochen, wat för'n Staat! Jochen. Der Deutscher hal!   Du, Peter, un vellicht Min Swestersöhn, de Heine, mit dartwischen. Dat weer en Spaß! Peter. Dat kann man garni weten! Lätitia (zur Kilia) . Sei liebreich gegen sie!   Was sie bewegt Hierherzukommen, ist wohl auch die Freude! Kilia. (nach der Kulisse rechts winkend) . Kommt nur! kommt nur! Ihr seid uns all' willkommen! Siebente Szene. Matrosen, darunter ein Bootsmannsmaat. Die Vorigen. Bootsmannsmaat. Da sind wir denn!   Und danken dir's von Herzen! Ein Matrose (zu Jochen) . Süh, Onkel Jochen! (Gibt ihm die Hand.) Jochen. Heff ick mi't ni dacht?! Peter. Jung, Heine, dat's ja lustig!   Awer du, Spelt ju denn ock all mit?   Wat wüllt ju hier? Matrose. Heff man en Ogenblick Geduld, bit't kummt! Bootsmannsmaat. (Zieht die Mütze und verbeugt sich vor Kilia.) Frau Kilia! Sachse. Da kummt et schon!   Der Erschte zieht das Käppchen Und macht 'nen Kratzfuß vor Frau Gilia! Kilia. Nun, was ist dein Begehr? Bootsmannsmaat. Zuvor ein Wort! Kilia. So sprich,   von Herzen gern! Lätitia (freudig, begeistert) . Von Herzen gern! Bootsmannsmaat. Frau Kilia, wie bist du schön geworden, Du alte Holstenstadt am Ostseestrand', Seitdem das deutsche Volk die Flotte hat Und sich auf deiner Föhrde grüner Flut Die mächt'gen, stolzen Panzer reihen und Jenseits die Schlote dampfen   und die Hämmer Im regen Fleiße geh'n, bis wieder mal Vom Helg'n herab ein stolzer Panzer gleitet!   Auf deines alten Schlosses Zinne rauscht Die prinzliche Standarte.   Und der Prinz Ein Bürger deiner Stadt   und bald einmal Der deutschen Flotte erster Admiral! Peter. Ja, dat is klar! Jochen. Dat lett sick ni bestrieden! Bootsmannsmaat. Ist nun mal Not am Mann, so führt der Kaiser Die Landarmee!   Und glorreich, wie die Väter! Kilia. Das sollt ich meinen!   Und der Prinz, sein Bruder, Die Macht zur See!     Bootsmannsmaat. Und alle wir dabei! Und sicherlich zum Ruhme und zum Siege!   Kilia. Du sprichst mir aus dem Herzen! Lätitia (freudig, begeistert) . Und auch mir! Peter (herzlich) . Mi ock! (Zu Jochen) . Un di doch ock wul Jochen, wat? Jochen. Wa kannst noch fragen?!   Mi nich minner, ja! Ne, wat för'n stramme Jungs!   un wat för'n Staat, Un wat för'n Freud! Un wat för'n Frunslüd, Peter! De Lüttj' dar un de Grote, wat för'n Frunslüd! Un wat för'n Freud!   Peter. Dat is nett, Jochen! Dat mag ick liden vun di! Süh, nu heff ick ock noch en lütt Geschenk för unsen Herrn Kaiser to sin Geburtsdag! Jochen. Du, wat denn, Peter? wat denn? Peter. Ja, süh,   nu schenk ick em een, de dar Jochen heet, un dat büst du! Jochen (ablehnend). A!   A, du! Peter. Ick kann di garni seggn, wa mi dat freut! Lätitia (herzlich). Mich auch!   nun ist er ja nicht mehr so böse! Kilia. (zur Lätitia). Lätitia, auch diese Freude noch Zu all den andern, die der Tag uns brachte!   Lätitia, mein Kind, wie hold bist du, Wie süß ist deine Nähe! Bootsmannsmaat. Ja, wie süß! Auch unsre Herzen sind ja voll von ihr! Lätitia (freudig, begeistert). Von mir! Bootsmannsmaat. Wie sie es damals waren, als das Glück Uns ward zuteil, auf unserm Kaiserschiff', Der »Hohenzollern«, mit im Dienst zu sein, Als sie, von unserm Prinzen kommandiert, An Bord den Kaiser in die Ostsee fuhr, Frau Kilia, aus deinem schönen Hafen! Kilia. Mir unvergeßlich bleibt der schöne Tag! Lätitia. Und mir erst recht! Berliner. Und wir sind damals ooch dabei jewesen, Der Sachs und ick. Sachse. Det soll ick meen'n, und wie!   Peter (zu Jochen) Na Jochen, wi doch ock? Jochen. Wa kannst noch fragen? Peter,   Peter, kumm! Kum hier heröwer! (Peter geht hinüber, Jochen reicht ihm die Hand.) Süh, dar hest min Hand! Wi wüllt uns nu nich eemal mehr vertör'n! Kilia. Und wie Lätita unter uns, War sie es damals auch, die süße Freude! Bootsmannsmaat (begeistert). Und Kaiser Wilhelms erste Meerfahrt war, Von allen, die ihr folgten, doch die schönste! Kilia. Die schönste ja!   weil sie die Wolken teilte, Die in der Ferne schon sich aufgetürmt! Bootsmannsmaat (begeistert). Und weil sie uns und unserem Beruf' Und unsers Reiches zweiter Macht, der Flotte, So ganz und gar das Kaiserherz gewonnen! Lätitia (freudig, begeistert). Das Kaiserherz gewonnen! Bootsmannsmaat. Und einen Leutnant hatten wir an Bord Der war Poet und hat in einem Liede Des Kaisers erste Meerfahrt hübsch besungen! Berliner. Ein Leutnant, Sachse! Siehste, wo du biste! Sachse. Weeß Kneppchen! Was die Leutnants alles kinnen! Bootsmannsmaat. Nun wollen wir, Frau Kilia, dich bitten, Und dich, Lätitia, du süße Freude, Ihr wolltet beide freundlich uns gestatten, Zum Preife unsers kaiserlichen Herrn Und auch zugleich zur Feier dieses Tages Das Lied euch vorzusingen. Kilia. O, wie gern Gestatt ich das! (Zu Lätitia.) Lätitia nicht minder! Lätitia (freudig). Ich auch, wie gern! Kilia. Wohlan, so singt es denn! Bootsmannsmaat (zu den andern). Na, Jungens, denn man los! (zur Kilia.) Das Lied es steigt!   Vorspiel. Bootsmannsmaat (singt). Als Kaiser Wilhelms erste Meerfahrt war, Wie ließ da die Hohenzollern, An deren Großmast' hing der Kaiseraar, Den König Dampf erbrausen und kollern! Das war ein herrlicher Kaiserzug, Den die Möwen jauchzend umflogen, /: Und wie froh aufschäumte das Meer am Bug Und bekränzte das Schiff, das es trug, Mit den grünen, weißblühenden Wogen!:/ Bootsmannsmaat. (Nach Anfang dieser Strophe schleicht Lätitia unbemerkt davon.) Und von des Zollernschiffs Kommandobrück' Auf die stolze Flotte hernieder, Zwei Hohenzollern schaun im vollen Glück', Zwei Kaisersöhne und zwei Brüder! Der Kaiseraar hoch drüber wie am Turm! Welch ein Schauspiel dem Meeresgotte! |: Kaiser Wilhelm in Admiralsuniform!   Und Prinz Heinrich ihn führend durch den Sturm Mit dem Kaiserschiff und der Flotte!:| Sachse (nach dem Gesang). Ei Herrcheses, Perliner, nu is des Mädchen weg, Die Lätitia, die Freide! Berliner, Peter, Jochen (zugleich). Wat? Berliner. Mir nach, Sachse, det wir se jreifen! (Links ab.) Sachse. Dich nach! (Links ab.) Peter. Kumm, Jochen, mitgriepen! Jochen. Ja, mitgriepen! (Beide eilen links ab.) Kilia. Nur weiter, weiter! Daß ich alles höre!   Vorspiel. Bootsmannsmaat. (singt). Und jeder weiß, es war vor Jahren mal, Was wir erstrebten, aller Welt zum Spotte! Nun ist der deutsche Kaiser Admiral! Und sein die stolze, schöne deutsche Flotte! Und kräht mal wieder der gallische Hahn Und ruft Alldeutschland zum Kriege, |:Im weiten Felde und auf hoher See alsdann Zwei Hohenzollern dem deutschen Volk voran! Und so geht es zum Kampf' und zum Siege!:| Kilia. (nach dem Gesang). Zum Kampf' und Siege, wenn es sein muß, ja! Doch sei der blutge Krieg dem deutschen Volke Noch lange fern!   Und schenk' noch lange ihm Sein Gott den goldnen Frieden!   Segne er Das deutsche Kaiserhaus, das deutsche Reich! Und dankerfüllten Herzens ruft es nun Und freudig alle mit: Heil unserm Kaiser! (Dreimaliger Orchestertusch.) (Der Hintergrund geht in die Höhe. Großes Gruppenbild mit bengalischer Beleuchtung) Hymne. (Alle singen.) Kaiser und König dir Wünschen das Beste wir! Werd's dir zuteil! Dir sei Lätitia Allzeit und immer nah! Dir und Germania Segen und Heil! (Der Vorhang fällt) (Nach Wiederaufgehen desselben bleibt die Bühne jedesmal so lange offen, bis obige Strophe unter Begleitung des Orchesters aufs neue ganz zu Ende gesungen.) Festspiel mit Musik in einem Akt. Musik von Baldamus, Witt, Prase, Magnus und Meyer. Zur Feier der Vermählung Sr. Königlichen Hoheit des Prinzen Heinrich von Preußen mit Ihrer Großherzoglichen Hoheit der Prinzessin Irene von Hessen und bei Rhein am 24. Mai 1888. Personen. Neptun. Nereus. Kilia. Alma mater. Zwölf Matrosen der Kaiserlichen Marine (davon sechs Chargierte) . Ein Holsteinischer Bauer und seine Frau. Ein Hessischer Bauer und seine Frau. Heinzelmännchen. Vier Studenten (Holsate, Troglodyte, Teutone, Albertiner) . Die Kanalfee. Zwei Ellerbeker Fischer. Eine Ellerbeker Fischerfrau. Hymen. Schleswich-Holstein. Germania. Borussia. Dekoration: Schloßgarten in Kiel. Auf dem Prospekt des Hintergrundes sieht man das Kriegerdenkmal, die dahinter stehenden Bäume und das aus ihnen hervorragende Königl. Schloß. Zu beiden Seiten der Kulissen etwas Gebüsch und ein paar hohe Alleebäume, welche oben über der Bühne mit ihren Kronen zusammengehen. Rechts und links immer vom Zuschauer aus. 1. Szene. Nereus. (Von links kommend). So bin ich endlich hier nach langer Fahrt, Tom Kyle, in der Holstenstadt,     und wo Das Schloß sich spiegelt in der blauen Flut, Dem Meer entstiegen,   wie Neptun befahl.     Der Schritte wenige vom Strand' herauf, Im Garten, also hier,   soll ich verweilen, Bis er erscheint zu weiterem Befehl. (Ferner Lichtschein in der Kulisse links. Schall des Triton-Hornes und Wogenrauschen, Nereus dahinsehend.) Wie? Seh ich recht?   Es leuchtet aus der Flut Wie heller Glanz?   Die Wogen hör' ich rauschen, Und Tritons Horn erschallt!     Poseidon ist's!   Sei mir gegrüßt, gewalt'ger Gott des Meeres! 2. Szene. Nereus. Neptun. Neptun. (Von links kommend.) Und du, mein alter Nereus, sei begrüßt Nicht minder von Poseidon und hab' Dank Um des Gehorsams willen, den du mir So pünktlich zollst,   du, meiner Gattin Vater Und König selbst!     Nereus. Es ist ja nur mein Reich Ein kleiner Teil des großen Weltgebietes Der Meere all', die dir gehören,     und Auch über Nereus herrscht Poseidon, wie Der Donnerer über ihn! Neptun. So wisse denn, Wozu ich dich hierher befahl:     Es gilt Der Allumfasserin des deutschen Reiches, Germania,   und ihrer liebsten Tochter, Borussia,   der Hohenzollern Mutter, Den Festtag zu verherrlichen, an dem Der deutschen Flotte künft'ger Admiral, Prinz Heinrich, ihres teuren Kaisers Sohn Und Deutschlands größten Kaisers teurer Enkel. Die Braut führt zum Altare!   Sieh, du weißt, Wie sehr ich diese Deutschen stets geliebt, Zumal den einen, der, wie nie ein Held Der Sterblichen, in deren Schicksal wir Als Götter greifen, Größtes hat vollbracht Mit seinem Heldensohn',   nun Deutschlands Kaiser, Dem aller Götter Huld und Gunst verbleibe! Und dessen völlige Genesung bald Alldeutschlands Herzen und die Welt erfreue! Nereus. Und was befiehlst du, das ich soll?   Es hat Sein Sohn Prinz Heinrich ganz mein altes Herz. Neptun. (Freudig.) Dein Herz, sagst du? Nereus. Mein Herz, seit er dem Meer' Sich anvertraut!   Und nimmer in, Gefahr Hätt' ich vergeh'n ihn lassen, wenn auch jäh Sie ihm gedroht, wo du den Dreizack schwangst, Und meine Töchter um ihn buhlten!     Ja! Ein Prinz,   ein Hohenzollernprinz,   das wäre Noch eine Königliche Beute!     Sieh', Ich hatte meine Not!   Und hätt' ich nicht, Auf dich hinweisend und mit deinem Zorn' Den Nereiden, meinen Töchtern, drohend, Das Unheil abgewandt,     sie hätten längst Auch ihn hinabgezogen in die Tiefe! Neptun. Der bleibt mir oben! Nereus. Nun, ich wüßt' es ja, Weil du es mir befohlen! Neptun. Seinem Stern' Ist auch mein Bruder hold, der Ägusschwinger! Und was du meinem Willen hast getan, Das tatest du dem seinigen!     Nun geh' Hinunter wieder in dein Element Und komm' empor an jener Stelle, wo Auf uns'rer Flut die stolzen Panzer ruh'n Der jungen Deutschen Flotte,     klimm' an Bord Und such' dir ihre besten Kinder aus! Doch merk' es wohl: nur Sonntagskinder, die Des Prinzen beide Reisen mitgemacht. Führ' alle her,   es soll an dieser Statt, Der deutschen Macht und Größe schönem Zeichen, Dem Tag zu Ehren sich ein fröhlich Spiel Gestalten hier im Freien,   aber nun Laß mich allein und tu' nach meinem Wunsch'! Nereus. Wie du befiehlst, gewalt'ger Gott der Meere. (Links ab.) Neptun. (Nach der Kulisse rechts sehend.) Zwei Sterbliche!   Doch nein, es täuscht mich wohl Der Ort, wo sie erscheinen!     Menschen sind Es nicht!     In menschlicher Gestalt zwei Wesen, Die zwischen uns und jenen steh'n     wenn auch Dem ewigen Gesetze unterworfen Des irdischen Vergeh'ns     Zwei schöne Frau'n!   Zeus, laß sie fort und fort, dem Orkus fern, Des Sonnengottes gold'nen Lichts sich freu'n! (Stellt sich hinter ein Gebüsch.) 3. Szene. Kilia. Alma mater. Kilia. Ich bin die Erste der Provinz! Alma mater. Doch nur, Wie man es nimmt!   In Schleswig-Holstein könnt' Mit gleichem Rechte ich die Erste heißen! Kilia. Ich bin die Mutter dieser Stadt! Alma mater. Nun ja! Und ich bin ihre Alma mater!   Und Als solche doch geringer nicht!   Wer hat Denn nun ein größeres Recht an dieses Fest, Du oder ich?     Kilia. Doch ohne Zweifel ich! In meinem Weichbild' steht das Schloß!   Und ist Nicht Königliche Hoheit unser Prinz Ein Bürger dieser Stadt?!     Alma mater. Und solltest du, Die du dich ihre Mutter rühmst zu sein, In deinem Eifer ganz vergessen können, Daß Kilia doch eine Musenstadt,   Und daß zu ihren Musensöhnen auch Prinz Heinrich zählte, da er als Student, Wie all die andern sein Kolleg belegte?     4. Szene. Neptun. Die Vorigen. (Neptun vortretend.) Kilia. Ein Fremder?! Alma mater. Schlichte er den Streit! Kilia. Es sei! Ehrwürdig ist sein bärtig Haupt!   Alma mater. Und fast Der eines Gottes gleichet seine Größe!     Neptun. Ich weiß, was euch entzweit,   und gern bereit, Hier zu entscheiden, schlichte ich den Streit!   Kilia. Sehr freundlich, edler Fremder! Alma mater. Habet Dank! Neptun. (Zur Kilia.) Nicht du!   Kilia. (Enttäuscht.) Wie?! Neptun. (Zur Alma mater.) Und auch nicht du! Alma mater. (Enttäuscht.) Wie?! Neptun. Hier kann allein Die deutsche Flotte nur die Erste sein! Kilia und Alma mater. (Zugleich.) Nimmermehr!   Neptun. Und doch, wie löblich eu'r Begehr, Den Ausschlag gibt hier nur das Meer, Des Prinzen schönes Ehrenfeld,   Und sie, mit deren Hülfe er Schon einmal reiste um die Welt,   Die deutsche Flotte! Kilia und Alma mater. (Zugleich.) (Enttäuscht und mit Zeichen des Unwillens.) Die deutsche Flotte?! Neptun. Nun wollt ihr noch die Ersten sein? Ich denke nein! Ihr räumt das Recht der deutschen Flotte ein! Alma mater. Nur ungern! Kilia. Wahrlich ja! Alma mater und Kilia. Was bleibt für uns?! Neptun. Es bleibt euch ja nicht unbenommen, Nach besten Kräften mitzustreben, Noch mehr die Szene zu beleben! Gleich werden meine Leute kommen.   Kilia und Alma mater. Deine Leute?! Neptun. Meine Leute!   Schließt euch ihnen an, Und was ihr habt, dem Fest zu geben, Das ich für diesen Tag ersann, Führt es nur her!   Willkommen jedermann! Und jeder schaff', wie er's am besten kann! (Links ab.) Kilia. Was sagst du nun? Alma mater. Wer war der fremde Mann? Neptun. (Hinter der Koulisse bei fernem Lichtschein', Meeresrauschen und dem Schall' des Triton-Hornes.) Der Gott des Meeres war's!   Neptun!   Kilia und Alma mater. (Sehr erstaunt.) Neptun?!   Kilia. Da müssen wir uns fügen! Alma mater. Leider ja! Ich reiche dir die schwesterliche Hand,   Und wie in frühern Zeiten schon so oft Wir mit einander gingen, wenn der Stadt Ein Tag der Freude nahte,   laß uns auch Es diesmal tun!   Kilia. (Der Alma mater die Hand drückend.) Wohlan, ich bin bereit! Ich sorg' vor allem für die Stadt!   ich laß Mit Flaggen und mit Kränzen sie behangen Und abends sie im goldnen Lichtmeer' prangen! Alma mater. Und ich halt Rundschau unter meinen Söhnen Und suche mir die besten aus;     es müssen Gewandte, hübsche lust'ge Burschen sein, Die aus dem Stegreif' flott zu reden wissen, Und die zugleich, der edlen Kunst beflissen, Sich gern einmal dem Spiel' der Musen weih'n, Die greifen dann so nebenhin mit ein! Kilia. Und ich hab' auch noch meine Leute Und heiß sie eiligst mit mir geh'n!   Es gibt noch viel zu schaffen heute! Alma mater. So laß uns hier nicht länger steh'n! Kilia. Das mein' ich auch! Leb' wohl! Auf Wiedersehn! Alma mater. Auf Wiedersehn! (Beide durch verschiedene Kulissen rechts ab.) 5. Szene. Zwölf Matrosen der Kaiserlichen Marine, sechs Gemeine und sechs Chargierte. Hinter der Szene Gesang der Matrosen: »Mein Schiff streicht durch die Wellen« mit leiser Orchesterbegleitung. Sobald die Strophe zu Ende ist, tritt von links kommend der erste Matrose auf. Erster Matrose. Ahoi! (In die Kulisse rufend.) All people on bord! Hier man her! (Alle andern Matrosen, schon vor ihrem Erscheinen durcheinander redend, kommen durch die Kulissen links auf die Bühne.) Zweiter Matrose. Hurra! Hier is dat! Erster Chargierter. Aber was machen wir denn nun, bis der Alte kommt? Zweiter Chargierter. Gibt es nichts zu trinken? Alle. Nichts zu trinken? Dritter Chargierter. Getrunken wird nicht! Dritter Matrose. Nun, dann wird gesungen! Alle. Ja, ja, gesungen! Erster Chargierter. Müller vor! Alle. Müller vor! Müller. (Vortretend und die Mütze schwenkend.) Hurra, unser neues Matrosenlied! Alle. Hurra! Müller. (Vorspiel.) Wir Matrosen, wir sind ein gar lustiges Blut Ja, ein lustiges Blut! Und gar stattliche, mutige Leute! Drum sind uns die Mädchen auch alle so gut. Ja, auch alle so gut! Und wir führen sie stolz an der Seite! Und wir führen sie fröhlich zum Tanz', Und ist dann erloschen der Glanz: Gute Nacht!   Gute Nacht!   Schlaf' in Frieden! Gar mancher ward schon ein Myrthenkranz, Ja, ein Myrthenkranz! Von uns lust'gen Matrosen beschieden! Uns Matrosen, uns schreckt auch nicht Furcht und nicht Grau'n Ja, nicht Furcht und nicht Grau'n Wenn das wogende Meer wir befahren! Unsre Pflicht, uns're Treu', unser Gottvertrau'n, Unser Gottvertrau'n, Sie sind es dann, die uns bewahren! Und erbrauste ein Taifun daher, Wir setzten uns kühn ihm zur Wehr Und beharrten im mutigen Ringen! Ja, wir lassen, und wenn's auch der Teufel wär', Ja, der Teufel wär'! Uns von keinem der Feinde bezwingen! (Neptun und Nereus treten unbemerkt im Hintergrunde links auf.) Und ruft mal der Kaiser uns alle zum Streit', Ja, uns alle zum Streit', Für das Liebste das Leben zu wagen, Seine Deutsche Flotte, gleich ist sie bereit, Ja, gleich ist sie bereit, Sich auf Tod und Leben zu schlagen! Hurra! Dann an Bord allzumal! Auch für uns auf den Panzern von Stahl Grünt der Lorbeer im blutigen Kriege! Und es führt uns Prinz Heinrich als Admiral, Ja, als Prinz-Admiral! Dann zur Schlacht und zum herrlichen Siege! Und heut', wo die Hand er im blühenden Mai, Ja, im blühenden Mai! Reicht dem Liebsten zum ewigen Bunde, Hurra! wir Matrosen sind all' mit dabei, Ja, sind all' mit dabei! Und versammelt zur festlichen Stunde! Und es flutet der schäumende Wein In die blinkenden Gläser hinein, Daß sie leuchten in flammender Schöne! Und es schallet empor aus den jubelnden Reih'n: Ja, den jubelnden Reih'n! Hoch Prinz Heinrich! Prinzessin Irene! 6. Szene. Neptun. Nereus. Die Vorigen. Neptun. (Vortretend und seinen Mantel zurückschlagend.) Hoch Prinz Heinrich! Prinzessin Irene! Alle Matrosen. (Die Mützen abreißend.) Ha, Neptun! Neptun. Ich bin es, ja!   Nun aber hört!   Ihr wißt, Warum ich euch hierher beschied;   ihr sollt Das Fest verherrlichen durch euer Spiel! Ihr habt des Prinzen Reisen mitgemacht, Genug gehört, geseh'n, erlebt,   es kann Nicht schwierig für euch sein, von dem Erlebten Aus der Erinnerung manch ein buntes Bild Heut' in die Wirklichkeit zurückzurufen.   So geht und wählt, beratend und besprechend, Euch die Personen selbst und wartet mein Im alten Schloß da drüben, wo wir uns Nach kurzer Unterbrechung wieder sehen! (Neptun und Nereus links ab.) Erster Matrose. Hurra! Ick weer mit op'n »Prinz Adalbert« bi de Reis' um de Welt! Mehrere Matrosen. Wi ock! Erster Chargierter. Und ich auf der »Olga« auf der Fahrt nach Westindien! Mehrere Matrosen. Wir auch! Erster Matrose. Hurra! Ick mak 'n Chinesen! Erster Chargierter. Und ich mache einen Antillen-Neger! Zweiter Matrose. Un ick den Mikado vun Japan. Zweiter Chargierter. Und ich 'n Orinko-Indianer! Dritter Matrose. Und ich mache den Maharadschah von Dschahore! Dritter Chargierter. Und ich den König Kalakaua! Dritter Chargierter. Aber nun vorwärts, Kinder! Alle Matrosen. Vorwärts! Marsch! (Alle links ab.) 7. Szene. Holsteinischer Bauer und seine Frau. (Von rechts kommend.) Holsteinischer Bauer. Na, Moder, wat seggst du nu? Lohn sick dat ni de Möchd', vundag mal to Stadt to fahr'n? Holsteinische Bauerfrau. Ja, Vader,   awers so schön harr ick mi dat ock ni dacht! Holsteinischer Bauer. Awers wakeen dat wul weer, de feine Dam dar in de Holstenstrat?!   Se keem mi so bekannt vör, ick heff ehr seker doch all faken mal sehn,   un wuß ehr likers doch ni hintobringen! Holsteinische Bauerfrau. Un wat se ock wul egentlich darut harr, dat se mit uns an to snacken fung? Holsteinischer Bauer. Ja, dat magst du wul man seggn!   Nu hett se uns hierher narrt,   un dar 's ja garnix los!   Dat kummt mi meist so vör, als weern wi in 'n April schickt! Holsteinische Bauerfrau. (Nach der Kulisse rechts sehend.) Still mal! Süh, ick glöv', dar kummt wat! 8. Szene. Hessischer Bauer und seine Frau. Die Vorigen. Hessischer Bauer und Frau (zugleich.) Griß Gott! Holsteinischer Bauer und Frau. Schön Dank ock! Holsteinischer Bauer. Na, och 'n beten in Kiel? Hessischer Bauer. Jo, zum Vergnige! Seh, Mudder (nach dem Schlosse hinzeigend) do is des Sloß. Holsteinischer Bauer. Ja, dat 's dat Sloß! Hessische Bauerfrau. Seh mal aner a!   Herr Jesus ne! Kennt ma do mol 'nei! (Nach dem Denkmal hinzeigend) Seh, Vadder, wos is des?   Ah na! ne, wos e scheen Munument! Holsteinischer Bauer. Ja, dat 's uns' Kriegerdenkmal!   Hebbt Se dat denn noch nich eenmal sehn? Hessischer Bauer und Frau. Ne! Hessischer Bauer. Awer, do in der Staadt kam e fein hibsche Fra un hot uns hieher g'schickt!   »Do is am scheenste« hot sie g'sagt,   un do treffde aach noch Bekannte. Holsteinischer Bauer. Dat 's ja snacksch!   Dat is ja jüst akkerat ebenso, als mit uns!   Awers ick wüß doch ni, dat wi uns kennt! Hessischer Bauer und Frau. Ne! Holsteinischer Bauer. Na, un mit Verlöf to fragen, waneem sünd S' denn her?! Hessischer Bauer. Ma sin aus Hesse!   Hesse-Darmstaadt, versteh'n Se, nit aus Kassel! Holsteinischer Bauer. Na, un wi sünd ut Meimersdörp,   so 'n Stunnerwegs vun hier,   un egentlich blots mal to 'n Vergnögen hier, vunwegen unsen leewen Herrn Prinzen Heinrich sin Hochtidsfier! Hessische Bauerfrau. (zu ihrem Mann) . Jesus ne, Vadder, destowege sin ma ja aach hie! Hessischer Bauer. Jo, des sin ma aach! Mei Mudder un ich, ma wollte doch emal seh, wo se mit unse kleine niedliche Prinzessin abgebliebe! Holsteinischer Bauer. A, de kann sick freun!   Wat kriggt de för'n Mann! Vun de Pik op deent, un ock all mal sogar rund um de Welt segelt!   Un na Amerika un Brasilgien! Hessische Bauerfrau. Ah ne! Un dobei doch'n Prinz! Holsteinischer Bauer. Ja, un wat för een! Merrn in'n Taifun is he all mal we'n!   Dat is tom Verglik noch slimmer, als in de slimmste Slacht!   Un mank de Wilden un de Swatten is he ock mal we'n! Un een Mal ock all sogar merrn mank de Menschenfreters! Hessische und Holsteinische Bauerfrau. Hu! Holsteinischer Bauer. Ja, un wat ward dat noch mal för'n Admiral, de dar vundag sin Hochtid fiert mit Jüm ehr lüttj' nüdliche Prinzessin Irene!   O, harr uns' hochselige Herr Kaiser Wilhelm düssen Dag noch mit belevt! Hessischer Bauer. Jo, jo! Awwer do kom des Schicksal, un do muß er sterbe! Der liwwe Gott, der tröste sein liwwe, gud' und fromme Fra Kaiserin Augusta! Holsteinischer Bauer. Ja, un sin Fritz, wat nu doch uns' leev Herr Kaiser Friedrich is! Hessischer Bauer und Frau. Jo, richdig, richdig! Holsteinischer Bauer. Un de doch all de Slachten an sin hochseligen Herrn Vader sin Sit mitflagen un dat dütsche Rik mit em so grot un so schön makt hett! Hessischer Bauer. Jo, des haad er, un die Siege midd g'wunne! Holsteinischer Bauer. Ja, un nu so swar krank! O, wat 'n Schicksal för em sülbn un sin hartleev' gude Fru Kaiserin   för sin Moder,   för unsen Kronprinz Wilhelm und sin Fru Kronprinzessin,   för unsen leev Herrn Prinzen Heinrich un sin Brut,   för all, de em so neeg staht,   un ock för all uns annern! Hessischer Bauer. Jo, jo, wos e Schicksal!   Unse liwwe Herr Kaiser!   Lasse uns für ihn bete! (Die beiden Bauern nehmen die Hüte ab, alle falten die Hände und blicken still nach oben.) Jo, jo, des Schicksal!   Unse Herr Großherzog un sei Fra Großherzogin selig hawwe es doch aach schon emol schwer trage misse! Hessische Bauerfrau Jo, des hawwe sei aach, Vadder, do hastde Rechd!   Ach wor des 'n liwwe, gud' Fra, unse Fra Großherzogin Alice, wos der kleine Braut ihre Mudder is g'wese! Hessischer Bauer. Un unsre Fra Kaiserin Victoria ihre Schwester! Holsteinische Bauerfrau. Ehr Swester? Dat heff ick ja noch garni mal wüßt. Holsteinischer Bauer. Dat stimmt.   Wat hebbt de awers ock för'n Vader hatt, den Prinzen Albert!   un wat hebbt se noch för 'n Moder!   de Königin Victoria vun Engelland! (Musik der Heinzelmännchen.) Hessischer Bauer. Hört emol! Holsteinische Bauerfrau und Hessische Bauerfrau. Wat is dat? Ne, wos is des? Holsteinischer Bauer. Na, war kummt dar nu? 9. Szene. Heinzelmännchen. Die Vorigen. (Die Heinzelmännchen aus der letzten Kulisse von rechts kommend Sie schleppen mit vieler Mühe einige Büsten, die des Kaiser Wilhelm, der Kaiserin Augusta, des Kaisers Friedrich, der Kaiserin Victoria, des Prinzen Heinrich, der Prinzessin Irene, des Großherzogs und der Großherzogin Alice von Hessen, des Prinzen Albert und der Königin Victoria von England.) Hessische Bauerfrau. (Sich etwas vorbeugend.   Zu ihrem Manne) . Ah, ne seh mol do, Vadder! Hessischer Bauer. Ei der Dausend! Des sin jo de Hanselmännerche! Holsteinischer Bauer. Hanselmännerche? Wat schulln se wul!   Dat sünd ja de Ünnerirr'schen! Holsteinische Bauerfrau. (ängstlich) . De Ünnerirr'schen? Ach Gott! ach Gott! Holsteinischer Bauer. (Zu seiner Frau.) Na, na! Nu wes' doch man ni bang, de ward uns nich opfreten! Hessischer Bauer. Lasse se uns hold emol anrede! (Zu den Heinzelmännchen, den Hut abnehmend und mit Kratzfuß. ) Wenn's erlabt is, ze frage     Holsteinischer Bauer. (ihn wegdrängend) . Ne, lat mi man leewer! (Zu den Heinzelmännchen, den Hut abnehmend, mit Kratzfuß) . Gud'n Dag denn ock! Alle Heinzelmännchen. Schönen Dank auch, Bauer! Holsteinischer Bauer. Nix to danken! De Ehr' is ganz op unse Sit!   Na, un wenn't erlaubt is, to fragen, waneem kamt Se denn her? Erstes Heinzelmännchen. Vom Boden da des großen schönen Hauses hier unten im Garten, wo der Bruder Studio zur Schule geiht! Holsteinischer Bauer. (nachsprechend) . Aha, wo der Bruder Studio zu Schule geht?!   Na, denn sein Sie wohl auch so'n Art Studentens?! Erstes Heinzelmännchen. Wir? Studenten?   (Lacht) Ha! Ha! Ha! Ha! Wie der Bauer doch dumm ist! Alle Heinzelmännchen. (lachend.) Ha! Ha! Ha! Ha! Wie der Bauer doch dumm ist! (Holsteinischer Bauer kratzt sich hinter den Ohren.) Zweites Heinzelmännchen. Wir sind ja doch die Heinzelmännchen, du dummer Bauer du! Hessischer Bauer. (zum holsteinischen Bauer). Siehst' de, siehst' de?!   Hob ich des nidd g'sogt? Drittes Heinzelmännchen. Oder die Unterirdischen, wenn du das besser verstehst! Holsteinischer Bauer (zum hessischen Bauern) . Na, wat seggst du nu? Nun heff ick doch noch Recht! (Zu den Heinzelmännchen). Na, un mit Verlöf to fragen, wo geiht de Reis' denn hin? Erstes Heinzelmännchen. Ins Schloß! Wir ziehen wieder ein! Zweites Heinzelmännchen. Als da gebaut wurde, mußten wir solange ausziehen, und da nahmen wir das Beste mit, daß sie es uns nicht entzwei machten. Drittes Heinzelmännchen. Und da haben wir denn so lange auf dem Boden gewohnt in dem großen Hause hier unten im Garten. Holsteinischer Bauer. Aha, bei die Studenten!   Na, un wenn ick so fri sin dörf, Se to fragen, (auf die Büsten zeigend) wat is denn dat Witte dar? Erstes Heinzelmännchen. (lachend) . Das?   Ha! Ha! Ha! Ha! Wie der Bauer doch dumm ist! Alle Heinzelmännchen. (lachend) . Ha! Ha! Ha! Ha Wie der Bauer doch dumm ist! (Holsteinischer Bauer kratzt sich hinter den Ohren.) Zweites Heinzelmännchen. Das sind die Büsten vom Kaiser Wilhelm und der Kaiserin Augusta! Drittes Heinzelmännchen. Und von unserm Kaiser Friedrich und der Frau Kaiserin Victoria. Erstes Heinzelmännchen. Und vom Prinzen Heinrich und der Prinzessin Irene! Zweites Heinzelmännchen. Und vom Großherzog und der Frau Großherzogin selig von Hessen! Drittes Heinzelmännchen. Und vom Prinzen Albert und der Königin Victoria von England!   Erstes Heinzelmännchen. Aber nun müssen wir wieder fort, Kinder, frisch ans Werk! Alle Heinzelmännchen. Frisch ans Werk! Wenn's nur nicht so schwer wäre! (Bemühen sich, die Büsten weiter zu bringen). Erstes Heinzelmännchen. (zu den Bauern) . Na, was steht ihr denn da und rührt euch nicht, ihr dummen Bauern?! Zweites Heinzelmännchen. Wenn der Bauer nicht muß,   rührt er weder Hand noch Fuß! (Lacht.) Ha! Ha! Ha! Ha! Alle Heinzelmännchen. (Lachend) . Ha! Ha! Ha! Ha! Holsteinischer Bauer. So? Ah, dat wüllt wi doch mal seh'n! (Zum hessischen Bauern) . Kumm, denn fat man mal mit an, Landsmann!   Dat hebbt wi ja gar nich in de Reken! (Hebt eine Büste auf, der hessische Bauer desgleichen, dann zu seiner Frau) . Kumm, Moder, grip ock mal mit to! (Diese nimmt auch eine Büste.) Hessischer Bauer. (zu seiner Frau) . Un du aach, Mudder! (Hessische Bauerfrau nimmt auch eine Büste.) Holsteinischer Bauer. Süh so!   Nu kann de Reis' losgah'n!   Na, op düsse Wis' kriegt wi denn ock ja wul noch dat Sloß mal to sehn! Hessische Bauerfrau. (zu ihrem Manne) . Jesus ne, Vadder, nu komme ma aach emol ins Schloß 'nei! Erstes Heinzelmännchen (zu den Bauern) . Ja, und da sollt ihr euch einmal wundern, wie wir es hübsch mache! (Zu den andern Heinzelmännchen) Na, vorwärts, Kinder! Alle Heinzelmännchen. Vorwärts, Kinder! (Musik der Heinzelmännchen. Alle links ab.) 10. Szene. Kilia. (Von rechts kommend). Kein Mensch?   Und ihrer vier glaubt' ich zu finden, Wo stecken mir die Bauern denn? Es scheint, Daß sie den Weg verfehlt,   vielleicht die zwei, Das könnte möglich sein, weil unbekannt Die Stadt für sie und dieser Platz,   allein, Die andern beiden?!   Nein, das ist nicht möglich! 11. Szene. Neptun. Kilia. Neptun. (Von links kommend.) Kilia. (Ihn erblickend.) Neptun! Neptun. Ich bin's! Kilia. Und ich der Frauen eine, Die hier vor kurzem sich an dich gewandt, Dein schlichtend Wort zu hören,   Kilia, Die Mutter dieser Stadt.   Neptun. Mir ja bekannt Und, wie ich hoffe, meinem Urteil willig. Kilia. Wie könnt' es anders sein?! Die and're auch Dem Gott' des Meeres folgsam!   Beide gern Mithhelfend, wie du uns erlaubt.   Schon hatte Ich ihrer vier an diesen Ort bestellt, Ein mißlich etwas trat mir wohl dazwischen, Und keiner kam.   Neptun. Und doch, sie kamen alle! Kilia. (Schnell und froh.) Wie?! Neptun. Noch sah ich sie in lustiger Gesellschaft Von dannen geh'n, bevor ich dich erblickte, Dem Schlosse zu!   Kilia. Dem Schlosse zu?! Neptun. So ist's! Um meinem Zweck zu dienen,   unbewußt, Wie jene, denen sie,   darum ersucht,   Sich helfend angeschlossen.   Kilia. Freude bringt Die Nachricht mir!   Und wieder eil' ich fort, Ein lieblich Schwesternpaar für dich zu werben! (Rechts ab.) 12. Szene. Neptun. Nereus. Nereus. (Von links kommend.) Neptun. Nun Nereus? Nereus. Gleich kommt lustiger Besuch Von jenem Häuschen an der Brücke, wo Zu lesen steht, wie gern die alten Deutschen Noch immer einen tranken, eh' sie gingen!   Ich sah im Gärtchen sie um einen Tisch, Auf dem ein Faß, daraus sie wacker zechten, Und hörte ihr Gespräch,   aus naher Flut Das Haupt erhebend, lauschend,         (Musik und Gesang in der Ferne: »Gaudeamus igitur.« ) Horch, sie sind's! Neptun. Schon gut!   Laß mich allein!   Nereus. Wie du befiehlst!   Die wenigen Schritte bis zum Wasser hab' Ich leicht getan, bevor sie mich geseh'n! (Links ab.) Neptun. Ein lieblich Schwesternpaar wollt mir die eine Der Frauen werben?   Diese sendet mir Gewiß die andre!   Nun, ich bin gespannt, Was sie erwählte, meinem Zweck' zu dienen! (Stellt sich hinter ein Gesträuch.) 13. Szene. Holsate. Teutone. Troglodyte. Albertiner. (Alle in Wichs.) Später Neptun. (Die Studenten von links auftretend.) Holsate. Hurra! Da sind wir!   Wie es uns befahl Das schöne Weib, an deren Brüsten wir Die Weisheit saugen!   Aber festspielartig Sieht's hier nicht aus, und Gott Poseidon, den Man uns in Aussicht stellte, sitzt vielleicht Mit Zeus und Mars in irgend einer Ecke Des hoh'n Olymps als dritter Mann beim Skat, Schon unserer vergessend!     (Mit dem Fuße stampfend.) He, Neptun! Neptun! Die Übrigen. (Laut rufend.) Neptun! Troglodyte. Wer nicht erscheint, ist der!   Am Ende trank er Vom Nektar etwas mehr, als dienlich ihm, Und jammert nun, weil ihn der Kater plagt, Vor einem Harung über Schmerz im Bauch Und Weh im Oberstübchen! (Mit dem Fuße stampfend.) He, Neptun! Neptun! Die Übrigen. (Laut rufend.) Neptun! Teutone. Und immer noch kein Gott?!     Vielleicht hat er Sich zur Veränd'rung schnell einmal verwandelt In einen Fünfundachtziger und schneidet Hier, wo in's Grüne man die kleinen Babys Spazieren führt,   gar einer hübschen Magd Galant die Cour!     Die hohen Götter lieben Dergleichen kleine Späße!   Sieh Ovids Metamorphosen!   (Mit dem Fuße stampfend.) He! Neptun! Neptun! Die Übrigen. (Laut rufend.) Neptun! Albertiner. Am Ende sitzt der alte Knasterbart Bei seiner bessern Hälfte, Amphitrite,   Im Schlafrock und Pampuschen,   Mokka schlürfend!   Vielleicht auch umgekehrt,   daß dem Gemahl, Der im Begriff, mit flotten Studiosen Ein Stündchen zu verbringen,   sie gewandt Noch eine Szene machte!   O, die Weiber! (Mit dem Fuße stampfend.) He! Neptun! Neptun! Die Übrigen. (Laut rufend.) Neptun! Neptun. (Hervortretend, den Mantel zurückschlagend, mit donnernder Stimme.) Quos ego! Die Studenten. (Bestürzt, zugleich.) Ha! der Gott! Neptun. (Drohend.) Ich werde euch Die bösen Mäuler stopfen wie den Winden, Wenn sie in übermüt'ger Laune mir Schaumspritzend meine Wellen machen! Nun? Mit einemmal so still? Man rühmet doch Der Musensöhne allzeit frischen Geist Und ihr schlagfertig Wort?! Holsate. Du schreckst uns nicht! Die Überraschung lähmte nur den Mund!   Troglodyte. Uns machte schon Homer mit dir vertraut! Teutone. Den Musensöhnen sind die Götter hold! Albertiner. Und keinen schreckte jemals ihre Nähe! Alle Studenten. Hier sind wir!     Nun?! Neptun. Euch kann ich brauchen, ihr gefallt Neptun! Wohlan, ihr wißt es ja, warum die Stadt So festlich prangt   und kein Kollegium heut' Der Bruder Studio hat als das der Freude! Holsate. So ist es!   Eben noch bei'm vollen Faß, Der Freude leerten wir das volle Glas! Troglodyte. Dem Götterfunken, welchem seiner Zeit Der Dichterfürst das schönste Lied geweiht! Teutone. Dem Götterfunken, dessen Himmelsglanz Die Herzen zweier heut' erfüllt so ganz! Albertiner. Dem Götterfunken, dessen Sonnenlicht In jedes Deutschen Aug' sich heute bricht! Alle Studenten. O, Freude! Schöner du als alles Schöne! Hurra, Prinz Heinrich! und Prinzeß Irene! 14. Szene. Nereus. Die Vorigen. Nereus. (Von links kommend, sich rasch Neptun nähernd und ihm etwas ins Ohr flüsternd.) Neptun. Nicht möglich, Nereus! Alle Studenten. Nereus?!   Noch ein Gott?!   Nereus. (Zu Neptun.) Und doch!   Hätt ich's mit meinen eignen Augen Nicht selbst geseh'n, ich zweifelte wie du   Neptun. Dann führ' mich rasch dahin! (Zu den Studenten) Und ihr da, euch Erwart' ich dort im Schloß des Hohenzollern! (Neptun und Nereus links ab.) Holsate. Wie?! Uns im Schloß?!   Am Ende mit zur Tafel?! (Dem Troglodyten auf die Schulter klopfend.) Mensch, dieses Schwein! Troglodyte. Ich trinke nichts als Sekt! Holsate, Albertiner, Teutone. Wir auch! Troglodyte. Und jedem komm' ich gleich 'ne ganze Flasche vor!   Holsate, Teutone, Albertiner. Pros't!   Kommen nach! Holsate. Wohlan, ins Schloß,   dem Mut'gen lacht das Glück! Troglodyte, Teutone, Albertiner. Und wem die Götter hold, dem fällt's vom Himmel! 15. Szene. Die Kanalfee. Zwei Ellerbeker Fischer. Eine Ellerbeter Fischerfrau. Die Vorigen. Die Kanalfee. (Schreiend, links hinter der Kulisse.) Zur Hülfe! Zur Hülfe! Alle Studenten. (Dahinsehend.) Ha! Was ist das?   Ein Mädchen?! Kanalfee. (Die Hand mit einem Tau gefesselt, welches einer der Fischer hält, auf die Bühne stürzend. Fischer und Fischerfrau ihr folgend.) Zur Hülfe! Zur Hülfe! Fischerfrau. (Ihr auf die Schulter klopfend, besänftigend.) Wesen Se doch man still, lütt Mamsell! De bösen Mannslüd schüllt Se nix do'n! Kanalfee. (Ängstlich die Hand vor das Gesicht haltend und laut schluchzend.) Erster Fischer. (Kratzfuß machend, zu den Studenten.) Ah, de Herrn Studenten!   Vellicht künnt de uns all Utkunft geben! Holsate. (Zu dem Fischer.) Aber wer fesselt denn ein wehrloses Mädchen?! Troglodyte. Und noch dazu ein so schönes! Teutone und Albertiner. Fort mit dem Tau da! Kanalfee. (Wie vorhin.) Erster Fischer. (Ihr das Tau abnehmend.) Ja, wenn se uns man ni utneiht! Fischerfrau. (Besänftigend.) Gott! Un se weent noch ümmer! Erster Fischer. Ja, denken Se sick mal!   de hebbt wi fungn! Holsate und Troglodyte. Unsinn! Teutone und Albertiner. Dummes Zeug! Kanalfee. (Wie vorhin.) Zweiter Fischer. Ganz gewiß! Dicht bi Holtenau, ebn vor de Slüf!   Erster Fischer. Wi meen, dat weer en groten Butt, un dar weer se dat! Zweiter Fischer. Ja, un nu wulln wi mit ehr na 'n Professor hin, so' n Art vun Meerwiev ward se doch wul we'n! Kanalfee. (Wie vorhin.) Fischerfrau. (Ihr auf die Schulter klopfend, besänftigend) Nu ween'n Se dochen man nich mehr, lütt Mamsell! (Während der nun folgenden Worte erheitert sich nach und nach das Gesicht der Kanalfee.) Holsate. (Zur Kanalfee.) Nicht weine mehr, du Liebliche, und sprich! Die andern Studenten. Nicht weine mehr! Troglodyte. Bei uns'rer Ehr, wir alle schützen dich! Die andern Studenten. Bei uns'rer Ehr! Teutone. Dein Lilienkleid ein Schmuck der Nixen ist! Die andern Studenten. Dein Lilienkleid! Albertiner. Holdsel'ge Maid, nun sag' uns, wer du bist! Die andern Studenten. Holdsel'ge Maid! Kanalfee. (Singend oder sprechend.) Wer ich bin? Ihr sollt mich umsonst nicht befragen. Hört mich an, ich will es im Liede euch sagen. (Vorspiel.) (Die Kanalfee singt.) Die Kanalfee bin ich von Holtenau, Eine Freundin der plätschernden Welle, Wo der Wald so grün und der Himmel so blau. Und wo schwirret die goldne Libelle,   Wo die Erle sich neigt über Binsen und Ried, Wo die Wasserrose so lieblich erblüht, Da wohn' ich an lauschiger Stelle. Und wenn grüßet vom Himmel der leuchtende Mond Über Knoop und den waldigen Höhen, Und im schlummernden Dorf', das von Menschen bewohnt, Sich die luftigen Träume ergehen,   Und wenn Blütenduft füllet den weiten Raum, Und die Nachtigall flötet im Apfelbaum', Dann läßt die Kanalfee sich sehen. Dann durchwandle ich froh mein geliebtes Gefild, Bis ich komm' zu den duftigen Linden, Wo da ragt der Germania gold'nes Gebild, Und der Stein, der geweihte, zu finden! Und da steh' ich und breite die Arme aus: Gott segne, Gott segne das Kaiserhaus! Und ich ruf es nach allen vier Winden! (Sie tut, als ob sie entfliehen wollte, und eilt bis zu einer der letzten Kulissen. Die Studenten eilen ihr nach, der Holsate faßt sie bei der Hand und führt sie wieder vor, worauf sie von neuem zu singen beginnt. Neptun und Nereus erscheinen, während sie die letzte Strophe singt, von links auftretend, unbemerkt im Hintergrunde.) Und von Westen nach Osten, von Osten nach West Erschallt es wie jubelndes Grüßen! Und noch einmal durchleb' ich das herrliche Fest An dem Stein' zu Germanias Füßen! Und dann dämmert der Morgen, dann treibt es mich Und dann eil' ich zurück an den lauschigen Ort, Wo die Wasser mich wieder umschließen. Holsate. (Zur Kanalfee.) O, holde Fee, noch einen Augenblick! Die andern Studenten. O, holde Fee! Troglodyte. In deiner Näh', o, welch' ein süßes Glück! Die andern Studenten. In deiner Näh'! Teutone. Hab' Dank dafür, du schönste aller Fee'n! Die andern Studenten. Hab' Dank dafür! Albertiner. Das schwören wir: kein Leid soll dir gescheh'n! Die andern Studenten. Das schwören wir! (Während der obigen Worte der Studenten wird im Gesicht der Kanalfee ein zunehmender Ausdruck der Freude bemerkbar.) Erster Fischer. (Sie bei der Hand fassend.) Süh so! Nu man na'n Professor hin! Kanalfee. (Schreit laut.) Alle Studenten. Halt! Erster Fischer. (Läßt sie los und tritt zurück.) 16. Szene. Neptun. Nereus. Die Vorigen. Neptun und Nereus. (Vortretend.) Neptun. Halt! rufen wir mit euch! Alle Studenten. Neptun! Die beiden Fischer und Fischerfrau. Neptun?! Studenten. (Zu den Fischern.) Südwester ab! Die Fischer. (Nehmen ihre Südwester ab.) Neptun. In unserm Schutze steht Zunächst das Kind. Nereus. Ich führ' sie wieder heim. Neptun. Noch nicht! Kanalfee. (Zu Neptun.) Verzeihung!   Durch die Schleuse hatt' Ein Schiff mich mit hinausgelockt, und draußen Hab' mit den Nereiden,   Nereus. Meinen Töchtern, Kanalfee. Ich mich ergötzt im frohen Spiel,   als plötzlich Das Schreckliche geschah!   Nichts Arges ahnend, Ward ich umstrickt von einem großen Netz' Und dann gewaltsam jäh emporgerissen. Neptun und Nereus. Dir soll kein Leid gescheh'n! Alle Studenten. Beim Himmel nein! Kanalfee. O Dank! Habt tausend Dank! Neptun. (Abwechselnd zur Kanalfee und zu den Studenten.) Sieh, wie du's schon Den lust'gen Musensöhnen angetan! So recht, das nenn' ich ritterlich!   Und nun Doch einmal hier in dieser schönen Stunde Freu' ihrer dich mit uns und leih' ihr gern Auch deinen Reiz!   (zu den Studenten.) Euch sei sie anvertraut! Doch daß aufflammend eurer Jugend Glut An ihrer Schönheit leuchtender Erscheinung Euch nicht zu Unbesonnenem reiße fort, Sei Nereus ihr Begleiter! Nereus. Gern, o Herr! Neptun. Nun aber geht, und drüben, wo der Turm Des alten Schlosses ragt,   im Fürstensaal' Erscheine sie beim hochzeitlichen Mahl',   Von Lilien umhüllt die schönen Glieder! Gehabt euch wohl!   Dort treffen wir uns wieder! (Alle rechts ab. Die Studenten drängen sich im Abgehen, einer den andern wegschiebend, an die Kanalfee heran, ihr den Arm bietend, bis Nereus vortritt, und ihre Hand fassend, sie wegführt, während die Studenten hinterhergehen.) 17. Szene. Neptun. Alma mater. Alma mater. (Von links kommend.) Auch hier nicht mehr?! Und eben noch im Gärtchen Am Tisch beim vollen Faß?   Hat mir Gambrinus Sie wieder mal entführt?!   O, dieses Bier! Neptun. 's bleibt doch ein schön Getränk! Und hätten wir Den Nektar nicht, beim Jeus, ich tränke Bier! Alma mater. Wo sind, die ich dir sandte?   Neptun. Nicht mehr hier, Doch kaum entlassen.   Möchtest du sie seh'n, So mußt du ohne Aufschub weiter geh'n. Alma mater. Wohin? Neptun. Ins Schloß! Alma mater. Und läßt man mich hinein? Neptun. Der Zutritt soll dir gern gestattet sein. Alma mater. Hab' Dank für deine Gunst! Neptun. Und du desgleichen! Alma mater. Ich eile, die Gesuchten zu erreichen! (Rechts ab.) 18. Szene. Hymen. Neptun. Hymen. (Von rechts kommend.) Neptun. Ein Fremder?   Tritt herzu, und sei willkommen! Hymen. Es danket dir und grüßet dich, Neptun, Ein Wohlbekannter, der dem Eros folgt Mit Schleier und mit Fackel, selbst ein Gott! Neptun. (Freudig.) Υμην ω Υμενατε! ruf ich dir froh entgegen! Du bist es, ja!   Verleihe ihrem Bunde Nun all dein Glück und deines Daseins Segen! Hymen. Die Fessel Hymens ist ein Rosenband, Und Rosen sind von Dornen ja umgeben! Wo aber sich ein Paar zusammenfand In süßer Lieb' aus tiefstem Herzensgrunde; Was immer auch die Mören mögen weben,   Froh ineinander füg' ich Hand in Hand Zu einem wonnereichen Liebesleben! (Tut, als wenn er nach links abgehen wolle.) Neptun. Und, kaum erschienen, willst du nicht verweilen? Hymen. Schon folgen andre,   und ich muß enteilen! Mit ihnen magst den Augenblick du teilen, Bevor den Hymenäus wir beginnen!       Mich winken jenes alten Schlosses Zinnen! (Links ab.) 19. Szene. Kilia. Schleswig-Holstein. Neptun. Kilia. (Zu Neptun.) Hier sind, die ich zu bringen dir versprach; Gestatte denn auch ihnen freundlich nun Der Freude vollen Anteil an der Feier! Wie du den andern, welche ich dir sandte, Sie schon gewährt.   Neptun. Erfüllt sei deine Bitte So gern, wie gern geseh'n und viel willkommen Mir alles, was dem Fest so holden Reiz Verleiht, wie solch ein lieblich Mädchenpaar! Kilia. Es ist durch teure Bande mir verknüpft, Gleichwie das schöne Land, das seine Heimat, Und das sein ein und alles ist!   Nicht hat Germaniens Krone schönere Perlen, als Die zwei nach schwerer Prüfung harter Zeit Und blut'gem Kriege ihr verliehen! Neptun. Du, zweier Meere reich gesegnet Land, Das meines alten Herzens Freude war, So oft sich meine Rosse dir genaht, Und dich mein Aug' aus deiner Flut erschaute. Geliebtes Schleswig-Holstein, ja, so ist's, Du meerumschlungnes Land der Doppeleiche, Aus dessen Bund: »Op ewig ungedeelt«, So Herrliches erwuchs dem deutschen Reiche! Kilia. Und die das schönste Heim der deutschen Flotte An meinem Busen freudiglich gewährt, Die bringen nun, was still ihr Herz genährt, Was sie erdacht in Worten und in Tönen, Die Feier dieser Stunde zu verschönen. Neptun. Ein Lied?   Wohlan!   Beginnt und laßt mich hören, Was Ihr erwählt dem hohen Paar' zu Ehren! Schleswig und Holstein. (Singen.) Op ewig ungedeelt Dem Paar', das sich erwählt, Erscheint zum Fest' das Schwesternpaar, das gleiche, Des meerumschlungnen Land's der Doppeleiche,   Dem Paar', das sich erwählt Op ewig ungedeelt! Op ewig ungedeelt, Was treue Lieb' beseelt! Gott segnet alle, die sich innig lieben, Denn Gott ist Liebe, also steht geschrieben! Was treue Lieb' beseelt, Op ewig ungedeelt! Op ewig ungedeelt, Nun so durch Gott vermählt! Du ihr,   sie dir des Lebens süße Wonne, Ob ihr im Schatten, ob im Licht der Sonne,   Nun so durch Gott vermählt, Op ewig ungedeelt! Neptun. Habt Dank für euer Lied, das unserm Spiel' Vor Abschluß noch so zarten Reiz verliehen! Was hier gescheh'n,   fast war es schon zu viel, Drum sei's genug,   und weiter mögt ihr ziehen, Den andern nach, daß ihr erreicht das Ziel, Eh' der Minuten letzte euch entfliehen! Kurz war die Stunde, die uns zugemessen,   Noch wartet eins,   und keines sei vergessen! Kilia. So drängt die Zeit?     Neptun. Wer mit will, muß sich rühren! Kilia. (Zu Schleswig-Holstein.) Dann kommt,   ich will den kurzen Pfad euch führen! (Kilia und Schleswig-Holstein links ab.) 20. Szene. Germania. Borussia. Neptun. Germania und Borussia. (Von rechts kommend.) Neptun. Noch zwei?   Ihr kommt zu spät! Germania. Das tut uns leid! Borussia. Den weiten Weg vergeblich?! Neptun. Also Fremde In dieser Stadt? Germania und Borussia. Wir Fremde? Nimmermehr! Germania. Ich als Alldeutschlands Hort?! Borussia. Und ich als Preußens? Germania und Borussia. Wir Fremde hier, wo unsre Adler rauschen?! Germania und Borussia Fremde hier?! Neptun. Germania und Borussia?!   Seid willkommen Dem Gott des Meers! Es grüßet euch Neptun! Germania und Borussia. Und sagtest doch, daß wir zu spät erschienen?! Neptun. So ist's!   Ihr habt zu lange dort verweilt Wo jene weilen, deren Fest wir feiern. Und was mit der Vergangenheit entfloh'n, Das kann die Gegenwart nicht wieder geben! An diesem Orte werden Wort und Ton Den Lippen nun nicht mehr im Spiel entschweben! Hier ist's vorbei!   An andrer Stelle schon Ersteht vor unserm Aug' ein neues Leben! Seht ihr das Schloß?   Es ändert sich die Szene: Hurra Prinz Heinrich! und Prinzeß Irene! (Der Hintergrund geht rasch in die Höhe.) 21. Szene. (Alle Mitwirkenden, auch die auf der Bühne befindlichen, Neptun, Germania und Borussia, zu einem schönen Gruppenbilde vereinigt, in dessen Mitte die Büsten des fürstlichen Brautpaares, umgeben von den Büsten des weiland Kaiser Wilhelm und Ihrer Majestät der Kaiserin Augusta, Sr. Majestät des Kaisers Friedrich und Ihrer Majestät der Kaiserin Victoria sowie Sr. Königlichen Hoheit des Großherzogs und der weiland Frau Großherzogin Alice von Hessen, des weiland Prinzen Albert und Ihrer Majestät der Königin Victoria von England. Sowie der Hintergrund in die Höhe gezogen ist, intoniert das Orchester und es beginnt der Hochzeitshymnus, von allen zum Bilde gehörigen Personen gesungen.) Hochzeitshymnus. Blühende Myrten und duftige Rosen, Streuet sie jubelnd dem fürstlichen Paar'! Nun schon Zephire die Blumen umkosen, Streut sie um Hymens geweihten Altar! Lasset bis morgen Kummer und Sorgen! Weilt in der Freude entzückendem Bann'! Lasset erfluten Flammende Gluten! Stoßt auf den Segen der Glücklichen an! Ruft es hinauf in die waldigen Höhen, Ruft es hinab in die Täler umher, Ruft es hinüber die blauenden Seen, Ruft es hinaus in das brausende Meer: Der uns geworden Nun hier im Norden, Lächle ihm immer ein freundlich Geschick! Die er gefunden, Nun ihm verbunden, Lasse sie nimmer das wonnige Glück! Blühende Myrten und duftige Rosen, Streuet sie jubelnd dem fürstlichen Paar'! Nun schon Zephire die Blumen umkosen, Streut sie um Hymens geweihten Altar! Lenker der Sterne, Du in der Ferne Und in der Nähe, der keinen verläßt, Segne die Stunde, Wo in der Runde Freut sich Alldeutschland am herrlichen Fest! Lenker der Welten, zu dem wir nun flehen, Du, den noch niemand erträumt und gedacht, Laß, was wir bitten und beten, geschehen; Sei unserm Kaiser Genesung gebracht! Lenker der Welten, Wollest vergelten Alles ihm, was er Alldeutschland schon war! Segne den einen! Segne die Seinen! Segne das fürstliche, bräutliche Paar! (Der vordere Vorhang fällt langsam. Während die letzte Strophe gesungen wird, bengalische Beleuchtung der Bühne von beiden Seiten.) Festspiel zur Feier der silbernen Hochzeit des Herrn Geheimen Medizinalrats Professors Dr. v. Esmarch und Ihrer Durchlaucht Prinzessin Henriette zu Schleswig-Holstein. Personen: Frau Müller, Scheuerfrau. Johanna, Hausmädchen. Erster Lare. Zweiter Lare. Kilia. Alma mater. Hymen. Hygieia. Waldnymphe. Feldnymphe. Slesvigia. Holsatia. Caritas. Zwei barmherzige Schwestern. Kampfgenosse von 1848-51. Kampfgenosse von 1870 u. 71. Teutone. Albertiner. Lätitia. Mr. Jonathan. Nimrod. Dekoration. in Bühnenraum, ein größeres Zimmer darstellend, drei oder vier offene Kulissen an jeder Seite. Hintergrund ohne Tür und so eingerichtet, daß er, wie ein Vorhang, in die Höhe gezogen werden kann. Hinter dem Hintergrunde noch ein Raum in derselben Bühnenbreite von 3 m Tiefe, zur Aufstellung eines großen drei- oder vierstufigen Gruppenbildes. Rechts und links vom Publikum aus. Hinter der Bühne bereit: ein Tisch, zwei Stühle und Guirlanden. Erste Scene. Frau Müller (Scheuerfrau). Johanna (Hausmädchen). Beide von links aus der Kulisse am Hintergrunde auftretend. Frau Müller voran mit Wassereimer, Leuwagen und Feudel; Johanna mit Eulbesen und Wischtuch. Frau Müller. (den Eimer niedersetzend). Ach Gott!   Ne!   Ick kann all rein ni mehr!       Wat so'n Fest dochen alles mit sick bringt, eh't noch ganz mal dar is! Johanna. Ja, dat is nu eenmal so!   Wat is dat awers ock för'n Fest!   Un för wat   hört sick wat!   Frau Müller. Bi uns to Hus, in min Dörp, heff ick so af un to doch ock all mal so'n sülwern Hochtidsdag mit belevt;   ja, un ock sogar all sülben mal mit fiert! Johanna. So?   wer sin denn, Fru Müllern? Frau Müller. Na, ick will man seggn,   so vör en paar Jahrn, den Burvagt sin!   Frilich man blots so als Schöttelfru, un för Daglohn, mit bi't Opwaschen in de Kök.   Awers denn tonösten ock noch bi den olen Nachtwächter sin sülwern Hochtid, un dar hör' ick ock mit to de Gäst!   un ameseert heff ick mi       großartig!   wat weer dat en Ball!   Un danzt heff ick noch, als en junge Deern,   de ganze Nacht hindör! Johanna. Dat begriep ick ni!   Frau Müller. Wa so denn? Ick bin doch ock noch nich ut min beste Jahrn herut! Johanna. Ne, Fru Müllern, so meen ick dat ja nich! Ick meen ja man, dat so'n Lüd noch so veel öwer hebbt, ehr sülwern Hochtid noch ördentlich mit en Ball to fiern!   wat ward alleen ni de Musik all kosten! Frau Müller. Ne, gar nix!   de harrn wi ganz umsünst.   Den Burvagt sin ole Foderknecht, de spei de Vikkelin,   un de ole Schäper Peter Laß de Ziehharmonika!   Un ick segg di, dat gung, Johanna!     Alle möglichen Dänz' spelten de beiden!     Hoppsa un Galopp,   un en langsamen Walzer,   un Tweetritt un Redowa,   dat't man so'n Lust weer!     Un des Namiddags kreeg de ganze Gesellschaft ock noch Kaffee un Koken;   un ick segg di, dar wurr wat vermöbelt, Johanna! Johanna. Un denn schull se dat likers nix kost hebbn?   Snidn Se doch nich op, Fru Müllern, un snacken Se een doch keen Löcher in'n Kopp! Frau Müller. Ne, gar nix!   Dat weer doch mit en Kaffeeball,   Johanna!   un för de Mannslüd mit föffdig Penning Antree,   un för de Frunslüd mit twintig.     Se harrn sogar noch en schön Stück Geld darbi öwer! So harrn de Herr Geheimrat und de Fru Dörchlud dat ock man maken schullt! Un hier in de Stadt,   een Mark för de Herrn un sößdig Penning för de Dams, harrn se ja geern nehmen kunnt,   un war harrn se denn nich an Kosten spart! Johanna. Awer, Fru Müllern! Frau Müller. Na, wat hört dar nu nich för'n Geld to?!   Sogar ördentlick en Bühne hebbt se opbu'n laten!   Un all de Torten!   un all de Bradens!   un all de Win!   Un alles, wat dar sunst noch an bimmeln un bammeln deit!   Johanna. Awer, Fru Müllern, ick bitt' Se doch!   Wi sünd doch in de Stadt   un nich op'n Dörpen!   Un unse Herr Geheimrat,     so'n gelehrten un berühmten Mann, de is doch ock nich mit'n Nachtwächter to vergliken!     Un noch darto mit so en Fru,   mit en Prinzessin un en Dörchlud to'n Gemahlin, de dar sogar mit unse Kaiserin un unsen Kaiser verwandt is,   de künnt doch ehr sülwern Hochtid nich mit en Kaffeeball fiern!     Quatschen Se doch nich so'n Unsinn, Frau Müllern! Frau Müller. Gott ne! dat is wahr, Johanna,   dar heff ick man in'n Ogenblick ja noch gar nich mal an dacht!   Ne, dat harr doch ock nich angahn kunnt! Gott ne!   wa dämelig vun mi! Johanna. Na, sehn Se wul?!     Awers nu man an de Arbeit, Fru Müllern!   Wi hebbt noch so veel to do'n,   un sünd noch garni mal anfung'n!   Sunst kümmt Dörchlud noch,   und denn krigt wi'n Püster!   Frau Müller. Ja, ja, Johanna!   Gott ne, wa dämelig vun mi! (Beide tun, als ob sie anfangen wollten zu eulen und zu feudeln. Da erscheinen rechts aus der Kulisse die Laren. Johanna und Frau Müller, sie gewahrend, stoßen einen Schrei aus und lassen vor Schrecken Eulbesen und Leuwagen aus der Hand fallen, die sie aber schnell wieder aufheben.) 2. Szene. Die Laren. Die Vorigen. Die Laren. (treten aus der zweiten oder dritten Kulisse rechts heraus und bleiben dann stehen) . Frau Müller. Gott ne!   wa verschrock ick mi, Johanna! Johanna. (ängstlich) . Ja, ick ock, Fru Müllern! Die Laren. (treten gleichzeitig einen Schritt seitwärts vor. Die Frauen, sie neugierig und furchtsam ansehend, ebenso einen Schritt seitwärts zurück) . Frau Müller. Ne, wat'n paar lüttje nüdliche Menschen! Johanna. (ängstlich) . Ach ja, Fru Müllern! Die Laren. (treten wieder gleichzeitig einen Schritt seitwärts vor; die Frauen wieder ebenso gleichzeitig einen Schritt seitwärts zurück) . Frau Müller. Dat sünd gewiß en Paar, de sick verbistert hebbt un to Maskerad' wulln! Johanna. (ängstlich) . Ja, ja,   dat glöv ick ock, Fru Müllern! Wenn se uns man nix do't! Frau Müller. Ach, wat schull'n se wul!   Dar seht se garni na ut! Erster Lare. Was wollt ihr Frauen? Macht euch eilig fort! Johanna. (ängstlich) . Ach ja! (Sie will schnell fort, doch Frau Müller hält sie am Rock zurück.) Frau Müller. Deern, nu wes' doch keen Hasenfot! Johanna. (ängstlich, schnell) . Ick bün ja man so bang! Zweiter Lare. Wir tun euch nichts!   Du brauchst dich nicht zu fürchten! Frau Müller (zu Johanna) . Na, sühst du wul! (Zum Publikum) Ne, würklich, en paar nüdliche, lüttje Menschen! (zu Johanna) Awers nu kumm, Johanna, nu lat uns dochen endlich mal anfangen! Johanna. Ja, Fru Müllern! (Beide tun wieder, als wenn sie mit ihrer Arbeit beginnen wollten.) Die Laren. (zugleich und gebieterisch.) Halt! Frau Müller. Na nu?!   wat nu?! Erster Lare. Nun werden wir das Weit're schon besorgen Und dieser Stätte heit'ren Schmuck verleih'n! Frau Müller. Ah! nu warr ick awers klok!   Denn sünd se wul am Enn en paar vun Herr Seiffert sin Dekoratörs un schüllt dat hier smuck maken? Un denn kamt se hier in so'n Kledasche an, vun Hinrichsen oder Vitense?   Direkt ut de Maskerade vun'n Danzboden her?   Wo hebbt Se denn de letzte Nacht herumschwutscht?   Denn harr'n Se doch man leewer eerst to Hus gahn un sick umtrecken schullt! Erster Lare. Du irrst und blickst befangen!   Was du meinst, Das sind wir nicht!   Frau Müller. So, nich?   Wat sünd Se denn? Zweiter Lare. Wir beiden sind die Laren dieses Hauses. Frau Müller. Ach wat, Laren!   Lari fari, Laren!   De kennt wi nich! Johanna. Ne, Fru Müllern! Zweiter Lare. So sagen wir: die Götter dieses Hauses! Doch den profanen Menschen unsichtbar. Ihr aber seid uns beide längst bekannt! Weil unter einem Dach mit euch wir wohnen. Hausgötter sind wir,   freundlich hier zu walten, Und schirmend allen beizustehn, die hier Sich mühevoll ihr trautes Heim geschaffen. Frau Müller. So? dat fehlt ock noch!   Nu wüllt Se uns ock noch wat opbinn'n un uns optrecken?   Glöben Se denn, dat wi so awerglöbisch sünd, sowat to glöben?! Nu will ick Se awers mal wat seggn!   Nu maken Se man, dat Se wedder rutkamt.   Sunst wüllt wi Se mal wisen, wo de Timmermann dat Lock laten. (Zu Johanna) Kumm, Johanna,   feudelt wi se gau mal wedder an de Luft! Johanna. Ja, Fru Müllern! (Beide tun, als ob sie Leuwagen und Eulbesen gegen die Füße der Laren schieben wollten.) Die Laren (zugleich rufend) . Halt! (Frau Müller und Johanna weichen erschrocken etwas zurück.) Frau Müller (ängstlich) . O Gott, Johanna!   Dar weer dat rein, als harr ick 'n elektrischen Slag kregen! Johanna (ängstlich) . Ick ock, Fru Müllern! (Ganz kurze Pause.) Erster Lare. (gebieterisch nach der Kulisse rechts zeigend.) Da draußen steht ein Tisch,   holt ihn herein! Frau Müller (ängstlich) . Ja, kumm!   Johanna! Johanna (ängstlich) . Ja, Fru Müllern! (Beide ab in die Kulisse rechts, aus welcher die Laren kamen.) Erster Lare. Wo stellen wir ihn hin?   Ich meine, dort! (nach einer Stelle links auf der Bühne ziemlich nach vorn zeigend.) Zweiter Lare. Ich mein' es auch!   Der Eingang ist ja hier! (nach der Kulisse rechts zeigend.) Erster Lare. (nach der Kulisse links zeigend). Und dort der Ausgang!     Also hier (hinzeigend) der Tisch! (Frau Müller und Johanna, ängstlich, mit dem Tisch kommend.) Erster Lare. (nach jener Stelle links auf der Bühne zeigend). Dort stellt ihn hin!   Geschwind! Frau Müller (ängstlich) . Ach ja, geschwind, Johanna! Johanna. (ängstlich, während beide den Tisch dahin tragen). Ja, Fru Müllern! Erster Lare (zu den beiden) . Und noch zwei Stühle!   schnell, bringt sie herein! Frau Müller (ängstlich) . Ach ja, kumm, Johanna!   Die beiden Stühle! Johanna. (ängstlich) . Ja, Fru Müllern!   (Beide ab, wie vorhin.) Erster Lare. Die stellen wir   zu jeder Seite einen! Zweiter Lare. Für sie den einen   und den andern ihm! (Frau Müller und Johanna, jede mit einem Stuhl kommend.) Erster Lare (dahin zeigend) . Dort an den Tisch!   zu jeder Seite einen! Frau Müller (ängstlich) . Ja, kumm, Johanna! Johanna. (ebenso) . Ja, Fru Müllern! (Während beide die Stühle hinsetzen, zu jeder Seite des Tisches einen.) Erster Lare (zu den beiden) . So, nun auch das Gewinde, was da draußen Noch der Bestimmung harrt, bringt es herein! Frau Müller (ängstlich) . Ja! kumm Johanna, das Gewinde! Johanna. (ängstlich) . Ja, Fru Müllern! (Beide ab, wie vorher.) Erster Lare. (nach der Kulisse rechts sehend) . Ich schmück' den Eingang hier! Zweiter Lare. (nach der Kulisse links sehend) . Und ich den Ausgang! Frau Müller und Johanna. (Jede ein Stück Guirlande bringend.) Frau Müller (ängstlich) . So, hier ist das Gewinde! Johanna. (ängstlich) . Ja, die Guirlanden! (Sie legen die Guirlanden nieder.) Erster Lare. Nun, was steht ihr da!   Wo sind die Büsten? Nun holt uns auch geschwind die Büsten her! Frau Müller (ängstlich) . Ach Gott, die Büsten, Johanna!   Wo sind die Büsten? Johanna. De hebbt Se ja eerst güstern sülben na Hulbe bröcht. Frau Müller (ängstlich) . Ach Gott, ja!   He schull se gau noch mal vun Frischen wedder witt maken!   De sünd am Enn noch garni wedder hier. Erster Lare. Dann schnell zu Hulbe!   Holt sie beide her! Doch seid behutsam, stoßet nirgends an, (Zu Frau Müller) Du trägst den Herrn Geheimrat! (Zu Johanna) Du die Durchlaucht, Und bringt sie beide in den großen Saal, Wo später wir beschäftigt, ihn zu schmücken. Frau Müller. (im Abgehen zu Johanna) . Gott Loff un Dank!   Dat wi man wedder rutkamt, Johanna! Johanna. Ja, Fru Müllern,   Gott Loff un Dank! (Beide durch die Kulisse am Hintergrunde links ab.) Erster Lare. So! nun die Hände rasch ans Werk, mein Bruder! Der Ein- und Ausgang harren noch des Schmucks! Nun setzen wir die Stühle an und schmücken Sie beide noch mit einer Blumenkette, Dann wär' schon alles zum Empfang bereit. Es drängt auch schon die Zeit! (Holt schnell den einen Stuhl, ihn vor den Eingang rechts stellend) Hier wollte ich's! Zweiter Lare. (ebenso seinen Stuhl vor den Ausgang links stellend.) Und hier wollt ich's! (Beide nehmen jeder eine Guirlande, steigen auf die Stühle und hängen die Guirlanden über die oberhalb des Ein- und Ausgangs angebrachten Haken.) Erster Lare. (vom Stuhl steigend. Der zweite desgleichen. Der erste den Eingang betrachtend) . So!   nein, wie schön!   Die lieben Blumen alle, Wie sie das Herz erfreu'n mit ihrer Pracht! Nun harr't der Gäste schon die kleine Halle Empfangsbereit,   und wie das schön sich macht! (Stimmen draußen.) Ha, Stimmen hör' ich draußen, nah' der Schwelle! Die Stühle, Bruder,   schnell damit zur Stelle! (Jeder setzt schnell seinen Stuhl wieder an die alte Stelle und beide wenden sich der Kulisse rechts zu, wo sie, einer an jeder Seite, wie zum Empfang der Gäste bereit stehen.) 3. Szene. Kilia. Alma mater. Die Laren. (Unverständliche Stimmen draußen.) Kilia. (im Eintreten) . Mir gebührt die Ehre! Alma mater (ebenso) . Nein, mir! Kilia. Er ist doch mein Sohn! Alma mater. Und der meinige doch auch! Kilia. Ein Bürger dieser Stadt! Alma mater. Und ihrer Alma mater doch nicht minder! Kilia. All' meine Straßen prangen festgeschmückt! Alma mater. Und auch in meinen Hallen glänzt die Freude! Kilia. So mag das Los entscheiden! Alma mater. Aber nein! Ich denk', wir teilen beid' uns in die Freude! So scheint es auch der trauten Laren Wunsch.   Zwei Stühle stehen dort,   du nimmst den einen   Den andern ich!     Erster Lare. Ach ja! vieledle Frau'n, So dachten wir's!       Zweiter Lare. Und seid ihr des zufrieden, Habt an den Tisch ihr beide, der euch trennt, Gemeinsam gleiche Rechte!     Kilia. So setzen wir uns denn,   und Eintracht sei Alma mater. Und Frieden, Schwester, zwischen dir und mir! (Beide setzen sich.) (Die Laren in die Kulisse schauend.) Erster Lare. (Zur Alma mater und Kilia.) Vieledle Frau'n, ein schöner Jüngling naht, Und seine Schultern schmücken goldne Flügel,   Auch trägt er eine Fackel in der Hand Und einen langen Schleier, zart und duftig Und wie der Schnee so blendend weiß!   Kilia. und Alma mater (zugleich und aufstehend) . Er komme! Hymen (schnell ein- und etwas vortretend) . Erster Lare. Da ist er schon!   (zu Hymen) Nun künde dein Begehr! 4. Szene. Hymen. Die Vorigen. Hymen (mit Fackel und Schleier, außerdem mit einem Silberkranz und Silberstrauß) . Ich bin der Gott der Ehe,   Hymen!   und Wo zwei sich finden, segne ich den Bund! Und weihe ihnen froh das Hochzeitslied, Wie es vor alters war.   Und was ich seh', Ob's Freude bringt dem Herzen oder Weh', Das flechte ich hinein in meinen Sang, Und laut're Wahrheit gibt ihm laut'ren Klang! Fern, wo das Meer umbraust den Strand, Den kaum ein Blümlein zieret, Und König Helgo von Helgoland Sein kleines Reich regieret, Da kommen Gäste von allseits her, Sich an dem Segen zu laben, Wie ihn nur spenden kann das Meer Mit seiner Fülle von Gaben. Und einmal in des Königs Palast, Sein einsam Leid zu verschmerzen, Verweilt ein gar seltener, lieber Gast Mit tiefem Weh' im Herzen. Sie war wohl eines Herzogs Kind Und trug eine Fürstenkrone,   Und konnte wohl geben als Angebind' Gold und Edelstein' viel zum Lohne. Und da kam ein verlassener, einsamer Mann, Und krank am Herzen wie jene, Auf König Helgos Eiland an   Und den Frieden suchend,   Eirene!   Und sie brachte ihn in der Freude Glanz, Wo so mancher Bund schon geschlossen, Und sie brachte den grünen Myrthenkranz Von schimmernder Blüte umsprossen. Doch ach, nur kurz währt des Lebens Mai,   Welch' anderes Bild zeigt die Bühne!   Es rollten der Jahre so viele vorbei,   Und zum Silberkranz' ward der grüne! Mit Wehmut denken wohl beide zurück, Doch auch mit Freud' an die Stunden,   Denn eins ist geblieben,   der Liebe Glück ! Wieviel auch dahin geschwunden! So bring' ich heut' zu des Festes Glanz Den beiden als neues Geschmeide, Den silbernen Strauß und den silbernen Kranz' (legt Strauß und Kranz auf den Tisch) Gott bittend, er segne sie beide! Gott bittend, er lasse den beiden hold Noch viele der glücklichsten Jahre, Daß mählich sich wandle in lauteres Gold Das Silber dem glücklichen Paare! Kilia. Das wünschen wir mit dir!   Nimm deine Gaben (ihm sie reichend) Und bring' sie selber dem beglückten Paar'! Alma mater. Daß sich daran ihr Herz und Sinn mag laben! (Hymen mit Strauß und Kranz rasch links ab.) Erster Lare. (nachdem er in die Kulisse rechts gesehen). Vieledle Frau'n schon wieder eine and're! Und hehr und lieblich ist sie von Gestalt! Alma mater. Laßt sie nur ein!   Und was sie sagt, es wand're Zu allen hin, sie fesselnd mit Gewalt! (Hygieia tritt ein.) Erster Lare. Da ist sie schon! 5. Szene. Hygieia. Kilia. Alma mater. Die Laren. Hygieia. (In der Linken eine Schale, in der Rechten eine Schlange haltend.) Hygieia bin ich, Die aus der Schale Die Schlange tränkt, Das Symbol der Gesundheit! Alma mater. Ich kenne dich,   und bin auch dir bekannt, Denn, wo mein Haus steht, gehst du ein und aus Und hilfst mir schaffen an dem edlen Werk' Im Dienst' der Menschheit,   der Humanität! Hygieia. (mit tiefer Rührung) . O, Alma mater !     Und das höchste Gut Des Lebens,   die Gesundheit,   wünsch' ich heut' Dem Jubelpaare, Das so hoch beglückt Und so silbergeschmückt Ward im Reigen der rollenden Jahre! Ich fei're ihn Und sie mit ihm zugleich, Denn Mann und Weib sind eins,   Ein Leib und eine Seele! Alma mater. Da tust du Recht! Denn was den einen freut Und schmerzt, das   freut und schmerzt ja auch zugleich Das Herz des andern!   Aber sei es denn Nur Freude, was du bringst! Hygieia. Die bringe ich! Ihn freudig preisend! (Mit erzählendem Pathos.) Es zog ein Mann aus Jerusalem Hinab die Straße gen Jericho Und fiel da unter die Mörder. Und die raubten ihn aus   und ließen ihn Halbtot am Wege liegen,   Und es zog ein Priester die Straße hin Und sah ihn liegen   Und ging vorüber! Desgleichen die Straße auch ein Levit Und sah ihn liegen   Und ging vorüber! Und dann kam ein Samariter !     Und da er ihn sah, Da jammert' ihn sein, Und ging hin zu ihm, Und mit Öl und Wein Verband er ihm seine Wunden Und hub ihn auf sein Tier Und führte in die Herberg' ihn Und pflegete sein. Und andern Tags, Da er reisen wollte, Zog er Geld heraus Und gab's dem Wirt Und sprach zu ihm: Nun pflege sein! Und was du mehr Wirst dartun noch, Das zahl' ich dir, Sobald ich wiederkomme! Und der dies Gleichnis einem Schriftgelehrten Einmal erzählte, fügte noch hinzu: So gehe hin und tue du desgleichen! Und hat's denn nicht der Jubilar getan?! Das Samariterwesen blühte nicht So schön bei uns,   hätt' er nicht den Gedanken Zu solcher Höhe es empor zu bringen Aus England mitgebracht!     So eigentlich Ward er im deutschen Reiche Des Samariterwesens Neubegründer! Alma mater. Ja, freudig muß Ihn dessen jeder rühmen!   Hygieia. Wie viel Wunden, Die graus'ger Mord in blut'gen Schlachten schlug, Nichtachtend, daß auch ihm der Tod so nah', Hat er nicht schon verbunden!     Und wie Großes Zum Heil' der Menschheit, wo in höchster Not An seiner Kunst ein Menschenleben hängt, Hat er nicht schon erfunden! Das Blut ist ein besondrer Saft, Es pulst in ihm die Lebenskraft, Und wird's vergossen, verfließt wohl oft Zugleich die Lebenskraft damit. Alma mater. Und es erfand der Glückliche unverhofft Die Kunst, es so zu gestalten, Daß nun auch unter des Chirurgen Schnitt Dem Körper es bleibt erhalten! Und eine Erfindung ist es, die Unschätzbar bleibt für die Chirurgie Und die nimmermehr wird veralten! Alma mater. Ja gewiß. Und was ihn drang, So viel zu schaffen früh und spät Zu andrer Heil sein Lebenlang, War Nächstenlieb' und Humanität! Hygieia. Und ihn hat getragen der Götter Gunst, Mit dem Glück sein Leben verkettet, Und er hat   ein Meister in seiner Kunst,   Schon so vielen das Leben gerettet! Ja, wie vieles, seit wir ihn schaffen sah'n, Hat er für das rote Kreuz getan! Das stets zu fördern ihm Herzenslust Und das nun das schönste auf seiner Brust! Und der große herrliche Frauenverein!       Wie muß es für sein Gemüte Erfreuend und erhebend sein, Daß gelangt' er zu solcher Blüte! Und wo ein Lazarett nur steht, Durch welches die Genesung geht, Hat sicher der hochgeliebte Mann, Daß es also ist,   gut Teil daran! Und bräch' ein Krieg mal wieder aus, Er bliebe sicherlich nicht zu Haus, Und hochbeglücket würd' er sehen, Wie viel durch sein Verdienst geschehen! Und was er mit der Feder schuf, Auch hier ein Meister in seinem Beruf', Viel' schöne Werke und viel begehrt,   Das ist und bleibt von größtem Wert'! Alma mater. Ja, darum wurde ihm auch schon Viel Ehr' zum wohlverdienten Lohn'! Mit Titeln und Orden ist er reich geschmückt Und hat wohl alles, was ein Herz beglückt. Fas!!! Hygieia. und   Humanitas!!! (links ab.) Erster Lare. Schon wieder zwei, vieledle Frau'n! Zweiter Lare. Und wie Maililien anzuschau'n, Erscheinen dort im Hintergrund' Zu geben ihre Freude kund! Alma mater. Sie mögen kommen alle beid'! Kilia. Willkommen uns in uns'rer Freud'! 6. Szene Eine Waldnymphe. Eine Feldnymphe. Alma mater. Kilia. Die Laren. (Die Häupter der Nymphen sind geschmückt mit passenden kleinen Kränzen von Feldblumen. Sie tragen jede einen Strauß, die eine von Butterblumen und Vergißmeinnicht, die andere von Kornraden, Mohn und grünen Ähren.) Waldnymphe. Wo im Eichen- und Buchenwald' Des Kuckucks Ruf so froh erschallt Und unterm grünen Blätterdach' Das Echo ruft ihn hallend nach, Und wo der Dorn- und Haselstrauch Bekränzen die üppigen Felder auch, Die volle Ähre aufwärts dringt Und hoch darüber die Lerche singt, Und wo da in der Wiese Grün Die gelben Butterblumen blüh'n Und Primeln und Vergißmeinnicht Mit ihrem lieblichen Angesicht, Und wo da blüh'n im blauen Teich' Die Wasserlilien so reich Und als Sylphiden mit leichtem Sinn Libellen gaukeln drüber hin, Und wo im Rohr der Rohrspatz singt, Und auch sein Lied zum besten bringt, Und wo im Busch Zaunkönig thront, Rotkehlchen und Blaumeischen wohnt, Und wo am Wall Goldammer fest Sich baut ihr kleines, trautes Nest, Auf seinen Raub Neuntöter schießt Und auf den Dorn die Fliegen spießt, Und wo die Wachtel abends lockt, Und wo im Klee der Hase hockt, Und wo da aus dem Dickicht schaut Mit frommen Aug' mein Rehlein traut, Und wo da stehn auf Ufers Höh'n Die alten Stämme, ewig schön, Und wo da rauscht die See am Strand', Da ist dein liebes Heimatland ! Feldnymphe. Da hebt sich deiner Väter Schloß. In dem dein Kindheitstraum verfloß Und spiegelt froh und wohlgemut Sich heut' noch in der blauen Flut. Und »Henriette!« schallt es hier Ringsum im grünen Waldrevier, Und »Henriette!« schallt es dort, Wo rauscht die Welle fort und fort! Und »Henriette!« schallt's im Hag Und schallt's im Nachtigallenschlag! Und »Henriette« schallt's im Feld, Rings durch die liebe Heimatswelt! Du hast doch hier als Kind gespielt, Wo sich dein Herz so froh gefühlt, Und wo geblüht der Apfelbaum, Vielleicht geträumt den schönsten Traum! Und darum kommen heute wir, Der Heimat Gruß zu bringen dir, Wir, die noch heut' dieselben sind, Du liebes, teures Fürstenkind! Und ob dein Fuß uns längst verließ, Erinn'rung ist ein Paradies, In dem,   wenn auch die Zeit enteilt,   So gern das Herz noch träumend weilt! Wir feiern dich herzinniglich! Und grüßen dich und küssen dich! Und bringen froh dem Jubelpaar' Die Blumen deiner Heimat dar! Alma mater. O, geht und bringt jedwede ihre Gabe, So froh wie hier, der teuren Durchlaucht dar, Daß sich daran ihr Herz erquick' und labe! Welch eine Freude unserm Jubelpaar'! (Die Nymphen mit entsprechender Verneigung gegen die Frauen links ab, ihre Sträuße mitnehmend.) Erster Lare. (nachdem er in die Kulisse gesehen). Vieledle Frau'n, schon wieder kommen zwei, Die schauen drein wie Lilien im Mai! Zweiter Lare. (nachdem er gleichfalls in die Kulisse gesehen). Noch schöner als die Lilien, die bleichen, Und schon mit roten Rosen zu vergleichen! Alma mater. Dann laßt sie kommen,   führet sie herein, Kilia. Damit auch wir der Frauen uns erfreu'n! Erster Lare. (in die Kulisse sprechend). Nun kommt!   Ihr sollt uns liebe Gäste sein! 7. Szene. (Slesvigia und Holsatia treten auf, jene das Haupt mit einem Buchenkranz, diese mit einem Eichenkranz geschmückt, und die eine einen größeren Kranz von Buchenzweigen, die andere einen solchen von Eichenzweigen in der Hand tragend.) Slesvigia. Holsatia. Kilia. Alma mater. Die Laren. Slesvigia. (etwas vorschreitend, getragen und feierlich). Schleswig-Holstein meerumschlungen, Deutscher Sitte hohe Wacht! Holsatia. (ebenso) . Wahre treu, was schwer errungen, Bis ein schönrer Morgen tagt! Slesvigia (ebenso) . Teures Land, du Doppeleiche, Unter einer Krone Dach Holsatia (ebenso) . Stehe fest und nimmer weiche, Wie der Feind auch dräuen mag! Slesvigia. Und es dräute der Feind, Und dänisch sollten werden Die deutschen Lande! Da sprengte der Freiheit Ruf die Bande! In Frankreich stürzte der Königsthron, Und die Revolution Drang über den Rhein Auch nach Deutschland hinein! Und in Berlin War einer,   wer rühmte und priese nicht ihn?! Der später, wie es der Himmel gefügt, So Großes getan und so glorreich gesiegt, Wie noch nie ein Held Auf der ganzen Welt! Der auch uns befreit Und den Erzfeind schlug! Der da schuf Alldeutschlands Einigkeit   Und die herrlichsten aller Kronen trug!   O, der glorreichen Zeit! Holsatia. Aber vorher, Eh' das alles so kam, Als wir noch selbst unsre eigne Wehr Und der erste Krieg seinen Anfang nahm, Wie war es da? Zersplittert war Germania!   Und auch wir, ihre beiden lieben Kinder, Ob auch mutbeseelt, Doch so hart bedrängt wie sie, nicht minder! Und Schleswig-Holstein ungedeelt, Der drohenden Vernichtung nah'! Und was geschah?   Da entbrannte der Krieg!   Von weither kamen der Brüder Scharen,   Um mit dem Schwerte An unserer Seite, kampfbereit, Uns beizustehen in schwerster Zeit. Doch in den Jahren, Solang' er währte, der erste Krieg,   Nicht immer waren Auf unserer Seite das Glück und der Sieg! Slesvigia. Eckernförde!   Kolding!   Fridericia!   Wer wüßte nicht, was dort geschah?! Und Idstedt!     Friedrichstadt     und dann Nahten noch schlimmere Zeiten heran: Als wir, gleich Hörigen und Knechten, Nicht mehr durften unser eignes Recht verfechten! Aber wer wollt den Zusammenhang bestreiten In der großen Kette der Begebenheiten, Wo der eine Ring in dem andern hängt Und die eine Tat zu der andern drängt?!   Översee!       Wo so rot gefärbt den weißen Schnee, So mutvoll und siegesfroh zugleich Die Soldaten des Kaisers von Österreich! Und Düppel dann mit der Schanzen sieben, Wo so manch' ein braver Preuße geblieben! Und dann der siebentägige Krieg, Und welch' ein Ringen! und welch ein Sieg! Holsatia. Und nach den sieben Tagen, Wie wurde dann erst geschlagen! Bei Spichern, wo Turkos und Zuav' retiriert! Und bei Wörth, wo unser Fritz kommandiert! Und dann über'n Rhein! über'n Rhein! Alldeutschland nach Frankreich hinein!!! Slesvigia. Und es hat einmal einer gesagt: » Mein Recht ist eure Rettung !« Und so ist es gekommen! Sein Recht ward uns're Rettung! Holsatia. Nun sind wir frei von Dänemark! Und unsre Mutter, so schön und stark, Alldeutschland ist's   Germania! (zur Musik) Stimm schnell mit ein. Frau Musika! Alldeutschland hoch! Vivat Hurra! (Zugleich mit dem Hurrah einmaliger Orchestertusch. Slesvigia und Holsatia mit entsprechender Verneigung links ab.) Erster Lare. (nachdem er in die Kulisse gesehen). Drei edle Frauen, so freundlich und mild, Die eine in einem weißen Gewand', Die andern in dunkle Kleider gehüllt,   Sie führt sie freundlich an der Hand! Alma mater. Laßt sie nur kommen auch zu dreien, Daß sie uns künden, wer sie seien! Erster Lare. (in die Kulisse sprechend). So kommt denn nun und tretet ein, Auch ihr sollt uns willkommen sein! 8. Szene. (Caritas und zwei Schwestern treten ein, die eine einen Kranz Rosen, die andere einen Kranz von Lorbeerzweigen in der Hand.) Die Caritas. Zwei barmherzige Schwestern. Kilia. Alma mater. Die Laren. Alma mater. (froh und tiefbewegt) . O, Caritas, auch du ?!   Wie das mich freut, In dieser Stunde dich auch hier zu sehn Und mit dir jene, die auch mir so lieb! Caritas. Wie könnt' ich fehlen?! und die Schwestern auch. Die lieben, guten, welche ja so oft An meiner Seite und in seinem Dienst', Wenn ich unsichtbar, hülfreich ihn umstanden Und Menschenliebe übend, so wie er, Am Bett des Kranken Lindrung und Erquickung Den Armen brachten, die in Schmerz und Leid, Und ihnen der Genesung Trost gewährten! Alma mater. Und die, wenn es das Schicksal anders will, Dem auch die Parzen, die den Faden spinnen Gehorchen müssen,   und der Todesengel Die Fackel neigt,   wie Himmlische so hold Und sanft und lind dem Sterbenden die letzte Und schwerste Stunde zu ertragen helfen! Die Kissen glättend, von der bleichen Stirn Den Angstschweiß trocknend und des Fiebers Glut Mit kühlem Umschlag dämpfend,   und den Lippen Vielleicht die letzten Tropfen schon gewährend, Im Samariterdienst der Liebe stehn! Kilia. Wie viele Bürger meiner lieben Stadt Sind ihnen nicht zum wärmsten Dank verpflichtet, Weil sie, wenn es die Not erheischte, kamen In jedes Haus und freundlich Hülfe brachten! Und nicht allein bei uns, nein, überall In unserer Provinz   und überall Im großen, deutschen Reich' begegnet man Den lieben Schwestern, die, wie fleiß'ge Bienen, So emsig walten, Not und Kummer wehrend, Und Trost und Hülfe bringend überall, Wohin bedrückte Menschen sie gerufen! Caritas (mit entsprechender Betonung) . Das Leid in seiner Nacht beglücken, Als Mensch auch wirklich Mensch zu sein, Den Bruder an die Brust zu drücken! Ein Leben schließt's voll Wonne ein! Die Welt ist ja so reich an Schmerzen, Wer nie der Tränen Glut gekühlt, O, der hat nie in seinem Herzen Das Himmelreich der Lieb' gefühlt! Alma mater. O, Caritas !         du sprichst mir aus dem Herzen! (Zu den Schwestern) Und ihr, geliebte Kinder meines Hauses, In ihrem Dienst',   gleich stillen Engeln waltend, Wo Not und Leid   und Schmerz und Weh und Nacht Die armen Menschen foltern,   habet Dank Für alle Liebe!       Caritas. Nun, so bringen wir Die Kränze unserm teuren Jubelpaar'! Den Kranz von Rosen ihr,   denn Rosen sind Der Liebe liebste Blumen,   und den grünen Von Lorbeerzweigen ihm!   Kommt liebe Schwestern, Und bringet dem Verdienste seine Kronen! (alle drei, die Schwestern mit entsprechender Verneigung gegen die Frauen, links ab.) Erster Lare (nachdem er in die Kulisse gesehen) . Ha!   kaum die einen fort, da kommen schon Die andern wieder, uns um Einlaß bittend,   Und diesmal sind's zwei alte Kampfgenossen, Die ihres Kameraden schönes Fest Mit zu verschönern freudig helfen wollen! Alma mater. Auch diese sollen uns willkommen sein. Erster Lare (in die Kulisse rufend) . Ihr alten Kriegskameraden, tretet ein! 9. Szene. (Die beiden alten Kampfgenossen treten ein.) Kampfgenosse von 48 bis 51. Kampfgenosse von 70 u. 71. Kilia. Alma mater. Die Laren. Kampfgenosse v. 48 (Peter) . (Zu dem Kampfgenossen von 70 (Jochen) gleich nach dem Eintreten. Jochen aus einer kurzen Pfeife rauchend.) Na, Jochen, dar sünd wi nu!   Nu nimm man eerst mal de Piep ut't Mul! Kampfgenosse v. 70. (die Pfeife in die Tasche steckend). Ja, wenn du dat meenst!   Kampfgenosse v. 48. Un denn mak di nu ock man en beten nett un schaneerlich, dat wi uns ni blameert, hier mank all de vörnehmn Lüd un hogen Herrschaften. Kampfgenosse v. 70. Ja, wenn du dat meenst! Kampfgenosse v. 48. Na, un hier hebbt wi uns denn ja wul toeerst to melden. (Zur Kilia und Alma mater, Kratzfuß machend, Jochen ebenfalls.) Wi sünd en paar ole Kampfgenossen!   Ick sogar all een vun achunveerdig bet eenunföffdig!   Un hier, wat min Nawer Jochen is, vun achteinhundertsöbndig un eenunsöbndig. Kampfgenosse v. 70. Ja, nun achteinhundertsöbndig un eenunsöbndig! (Nimmt seine Pfeife aus der Tasche und fängt wieder an zu rauchen.) Kilia. Ist mir lieb zu hören. Kampfgenosse v. 48. (Zu Kilia und Alma mater, einen Kratzfuß machend, Jochen ebenfalls.) Na, denn nehmen Se uns dat man nich öbel.   Kampfgenosse v. 70. Ja, nehmen Se uns dat man ni krumm, Kampfgenosse v. 48. Dat wi so fri weern, uns ock mit intostelln to den Herrn Geheimrat Professer un de Fru Dörchlud ehr sülwern Hochtid. Kilia und Alma mater (zugleich) . Ei, bewahre! Kampfgenosse v. 48. (Zu dem von 70). Na, Jochen, nu nehm doch de ol Piep ut't Mul! Kampfgenosse v. 70. Ja, wenn du dat meenst! (Steckt die Pfeife wieder in die Tasche.) Kilia. Tragt keine Sorge, große Freude wird Es ihm und Durchlaucht sicherlich bereiten, Wenn ihr anch ihnen eure Wünsche bringt. Kampfgenosse v. 48. Ja, dat muß ick wul!   Denn muß ick ja unsen leewen, smucken, jungen Herrn Dokter vun dartomal ni mehr kennen!   Dat is mi noch, als weer't eerst güstern wesen!   Ick weer dar noch en ganz blotjungen Menschen un mit bi de Turners!   Un he weer bi de Studenten!   Awers en Turner weer he ock!   Un wat för een,   so recht een ut alle veer Effen!   Na un denn rückten wi ut, so merrn in de Nacht!   mit'n Extratogg, na Rendsborg. Kilia. Mir unvergeßlich bleibet diese Nacht! Alma mater. Mir auch! Welch eine Märznacht war's, Des Völkerfrühlings!   Wie ein Sturmwind brauste Mit einemmal es durch die Lande hin, Den Winter jagend vor sich her gen Norden, Und schon mit lautem Ruf' die Blumen weckend, Die all' noch schliefen   und das erste Grün! (Jochen nimmt die Pfeife aus der Tasche und raucht kalt.) Kampfgenosse v. 48. Un een, twee, dree, dar weern wi dar,   un in Rendsborg weern ja noch de Dänen,   un een, twee, dree, dar harrn wi se,   un de Festung darto!     un keen Truppen Blot wurr darbi vergaten!   Awers denn gung dat wider na't Norden herop, na Flensborg hin, un denn keem ock all de Slacht bi Bau. Kampfgenosse v. 70. Du, Peter, nu verteil dat dochen gau mal, wasücken als dat weer, du heft se ja mitmakt un hest mi dat ja all so mennigmal vertellt. Kampfgenosse v. 48. Holt Mul!   un stek doch eerst de Piep mal wedder in de Tasch. Kampfgenosse v. 70. Ja, wenn du dat meenst, Peter! (Steckt die Pfeife wieder ein.) Kampfgenosse v. 48. Un dat Slimmste weer, dat wi de Slacht verlarn. Kilia. Es war ein Leid, So bald nach all der Freud'! Alma mater. All' meine Söhne, Die hoffnungsvollen Blüten dieses Landes! Kilia. Und meine lieben Turner all'! Kampfgenosse v. 48. Ja, dat mögen Se wul man seggn, Madam, wi hebbt uns wehrt als de Löwen, awers de Öwermacht weer to grot! Unse Kummandör, Major Michelsen, ick seeg em noch, als he dar so mit den Sawel hoch vöran vörwarts störm un uns toreep: »Mir nach, Kinder, für unsern Herzog und Schleswig-Holstein!«     Un als he dar den Schuß kreeg un koppöwer flog.       üns' arme Kummandör!   so swar blasseert un noch darto gefangn!     De Dänen slepen em noch mit op't Schip, un dar is he storben!       Na, un als dat denn so kummnt, dar mussen wi rittereern na de Stadt hendal,   un de Dänen uns jümmers op de Hacken!   Un denn gung dat wider, dör de Gaardns un bi de Gaardns herum. Na, un hier passeer dat denn, wat ick denn doch egentlich noch gau mal vertelln wull!     Kreeg dar een en Schuß ganz in min Neegde, dat he ludhals opschreeg, un als ick mi umseeg, dar leeg he ock all an de Eer un flog mit de Arm un Been um sick,   un dat Blot sprung em ut de Wunn herut, meist so to'n Verglik, als dat Water ut'n Springbrunn'!       Un in densülwigen Ogenblick leeg unse junge Herr Dokter ock all bi em op de Kneen, un denn so mit de eene Hand kneep he em de Ader tohopen, dat he sick ni verblöden de, un mit de anner wöhl he in de Verbandtasch herum, un dar smeet ick denn de Flint an de Sit, um em to hölpen. Kilia. Das war brav von dir! Alma mater. Ich kenne meine Söhne! (Zum Kampfgenossen v. 48.) Nun, und was weiter dann? Kampfgenosse v. 48. Ja, dar schreeg dat mit eenmal »Hurrä!« un als wi opkeeken, weern wi umzingelt vun luter Dänen. Alma mater. Und wie dann weiter, lieber Freund, laß hören! Kampfgenosse v. 48. Ja, dar neehm'n uns denn beide mit na Kopenhagen un op de Dronning Maria. War seeten wi denn gefangen mit all de annern. Un wil wi uns nu dochen all eenmal kenn'n, so bleebn wi gude Frünn,   dat heet, ick heel en Barg vun em, un he ock vun mi,   ick putz sin Knöp un sin Steweln un weer so quanzwis sin Bedeenter, so lang, bit wi wedder fri keem'n, Un denn tonacher drop ich noch eenmal wedder mit em tohopen, awers nich in't Feld.   Dar leeg ick mit min to Schann schaten Been in en Lazaret, wo he de erste Dokter weer. Un dar heff ick vele Dag legen twischen Dot un Leben, un Dag un Nach hett he na mi sehn un sick um mi bekümmert, bit ick wedder beter weer. He hett mi dat Leben rett un ähnlich is dat ock to'n Verglik mit Jochen we'n, is dat ni, Jochen? Kampfgenosse v. 70. Ja, dat schull ick meen! Kampfgenosse v. 48. Awers eerst so'n twintig Jahr later. Dar weer he all en groten Mann un harr en groten Namn. Un Jochen, den harrn dar mal de Parlewus in de Kniep hatt, bi Gravelotte, wo de Sleswig-Holsteener ock ehr gudes Deel mit an harrn, un mit en Mitralljöse harrn se em dar een anwischt, dat he forts so'n Stücker veer in sin Belly kregen. Kampfgenosse v. 70. Ne, fief! Peter, fief! Kampfgenosse v. 48. Na, denn fief!   un wat hebbt se dar nich allns mit em opstellt un an em rumsneden!   Kampfgenosse v. 70. Ja,   un meisttiden hebbt se mi jümmers eerst dun makt, un wenn ick denn wedder nüchtern weer, denn weer dat allemal, als harr ick'n bannigen Brand hatt! Kampfgenosse v. 48. Un dar hett he denn, Gott weet wa lang, noch vör de Dokters legen in een vun de groten Lazeretten bi Berlin, op'n Tempelhofer Feld, wo de Professer een vun de Allerböwersten öwer alle Lazaretten weer   un wat he dar an Jochen da'n, dat mutt em Jochen ewig danken. He weer ja ock en Eiderstedter, ebn als Jochen! Kampfgenosse v. 70. Ja, dat schull ick meen'n, Peter!   Kampfgenosse v. 48. He weer ut Tönn', un Jochen is ja ock ut Tönn'! Kampfgenosse v. 70. Ja, ick bün ock ut Tönn! Kampfgenosse v. 48. Un als wi nu beide to hörn kreegn, dat he hüt sin sülwern Hochtid fiert, hebbt wi uns op de Reis' makt, um em unse Glückwünsch' dartobringen. Alma mater. Da tut ihr recht daran, es wird ihn freu'n, Auch euch, als liebe alte Kameraden Aus ferner Zeit hier wieder zu begrüßen! Kampfgenosse v. 48 (im Abgehen) . Na, denn kumm man, Jochen, denn man rin. Awers dat du mir dar ni wedder mit de Piep kummst. Kampfgenosse v. 70 (im Abgehen) . Ne, wenn du dat meenst! (Beide links ab.) Erster Lare. (nachdem er in die Kulisse gesehen). Zwei lustige Studenten kommen dort! Es hat sich gar der Bruder Studio In Wichs geschmissen!     Schau'n die prächtig aus! Zweiter Lare. Das Band des einen ist blau, weiß und gold Alma mater. Das sind die Farben der Teutonia. Erster Lare. Und weiß und lila sind des andern Farben! Alma mater. Die tragen meine lieben Albertiner! Nach mir sich nennend,   und ich selber ja! Es sind mir beide tausendmal willkommen! (Zu Kilia) Und dir doch auch gewiß, Frau Kilia! Kilia. Von ganzem Herzen!   Nannten wir uns nicht Von jeher Schwestern?!   seit mein liebes Kiel Auch eine Musenstadt,   und du vor allem Ihr ein so schöner und so teurer Schmuck! Wie unansehnlich auch dein erstes Heim, Des alten Schlosses traute Nachbarin, Die alte Universität, die nun Treu mütterlich des Landes Schätze hütet! Und waren nicht von jeher ihre Bürger, Die akademischen, auch meine Freunde, Und meiner Bürgerschaft,   auch wenn sie selbst Im tollen, ausgelassenen Übermut' Der Jugendlust mir manchen Streich gespielt! Hier Fenster klirren ließen, oder dort Spät abends einem als verdienten Lohn Wohl gar ein lärmend Katzenständchen brachten, Worüber doch am frühen Morgen schon Die meisten meiner Bürger herzlich lachten! Kiel,   ohne sie,   wärst du auch mir genommen! Vieltausendmal sind beide mir willkommen! Zweiter Lare. (in die Kulisse rufend). Ihr Herren, bitte!   Hochwillkommen beiden Und auch wir Laren grüßen euch mit Freuden! (Studenten treten ein.) 10. Szene. Zwei Studenten: Teutone. Albertiner. Kilia. Alma mater. Die Laren. Albertiner. Sprich du zuerst! Teutone. Nein, du! Albertiner. Nun ja, wozu Darüber hier noch streiten auf der Schwelle? Ich tu's, und du nach mir,   an dieser Stelle Mit offnem Herzen und das Auge helle! Als Burschenschafter stehen beide wir Dem Burschenschafter gegenüber hier! Der eine Zierde aller Burschenschaft Mit seines Geistes genialer Kraft! Was er vollbracht und tapfer sich errang, Hat ihm in ihrem Loblied' schon gesungen, Die Hygieia, die dem Jubilar Von jeher seine Allerliebste war, Zugleich mit dir, geliebte Alma mater, In allem, was zu deiner Freude tat er! Und dennoch könnt' euch heute um sein Walten Wohl eine Dritte noch die Stange halten, Die, eifersüchtig, mit euch um den Preis, Auch ihre Rechte hochzuhalten weiß! (Zur Durchlaucht.) Wat schall ick di seggn? süh, dat is so schön Und darum dünkt mi just fast, ick mut dat dohn! Dat du in Leevde, de dar ewig grön Un unbekümmert um din Fürstenkron', De ebenso hell noch strahlt in düsse Stund, Din Hand und Hart em geevst to'n Lebensbund! De Leevde is dat schönste op de Eer, Un rode Rosen sünd ehr leevsten Blom, Dat gifft ock nix mehr, wat noch schöner weer Hier nerr'n, un babn in'n blauen Himmelsdom! Uns' Herrgott is de Levvde sülbn,   und süh, Hier all min roden Rosen streu ick di! (tut es.) Teutone. O, Bruderherz, was bleibt mir noch?     Doch eins, Gepriesen sei auch dieses hier, wie keins! Daß wir Teutonen schon so manch einmal Die Ehre hatten, in der Gäste Zahl Auch ihn zu seh'n, den teuren Jubilar, Mit einst so dunklem, nun schneeweißem Haar'! Der aller Gäste liebster stets uns war: O, mög' es manch ein Jahr noch so verbleiben, Das ist's, warum ich heut' die Götter bitte, Daß wir Teutonen, ihn in uns'rer Mitte, Auf ihn noch viele Salamander reiben! Un di, als min Kolleg dat mak, Bi ehr, in uns' leev' Modersprak, Wünsch ick ehr ut ehr Hart herut: Blif du dat Leevste an ehr Sit Noch lange, lange, lange Tid, So seel'nvergnögt, als hier in'n Saal Du bi ehr büst in düste Stund'! Dat sprickt Teutonia dör min Mund Un streut di ock ehr Blom hendal! (tut es.) Alma mater. Habt Dank für eure Worte, meine Lieben! Wie ganz empfinde ich, was euch getrieben, So froh hier eines Herzens zu erscheinen! Nun eilt, euch mit den andern zu vereinen! Kilia. Und eh' ihr geht, ihr lieben Musensöhne, Sagt Kilia euch Dank für alles Schöne, Was ihr soeben, brüderlich verbündet, Uns und dem teuren Jubelpaar' verkündet. Albertiner. So gehn wir denn, nun uns're Zeit geendet, Teutone. Dahin, wohin die andern sich gewendet! (Beide umfassen sich, wie sie beim Auftreten erschienen sind, mit den Armen und gehen nach stummer Verabschiedung gegen Kilia und Alma mater links ab.) Erster Lare. (nachdem er in die Kulisse gesehen, zu Kilia und Alma mater). Schon wieder eine!   und im Schmuck' der Rosen Die sie umblüh'n, und duftend sie umkosen! Zweiter Lare. (ebenso.) So schön, wie keine!   wonnesüß und rein! Es könnt wohl auch die Freude selber sein. Alma mater und Kilia. (zugleich.) O, laßt sie ein! 11. Szene. Lätitia. Kilia. Alma mater. Die Laren. Lätitia. Ich bin es ja! Lätitia! Auch wenn ich körperlos, erkennt der Mensch Noch besser mich und trägt nach mir Verlangen; Dann bin ich ja sein liebstes, schönstes Gut, Hier von der Wiege bis zum Grabe, denn, Wo ich ihm lächle, blüht ihm ja das Glück, Weil meines Daseins Wesen ist die Freude! Alma mater. Die Freude, ja! die nur vom Himmel kommt, Wie strahlend Sonnengold der dunklen Erde Und die im Liede ja als Götterfunken Und Tochter aus Elysium gepriesen. Lätitia. Auf Rosen wandle ich dahin, und wo Mein Fuß berührt die Erde, sprießen sie! Und Rosen, rote Rosen schmücken mich Und blühn im duft'gen Kranz' um meine Stirn!   Und daß ich heut' in menschlicher Gestalt Hier mit erscheine, seht, das ist gescheh'n, Weil's auch die andern tun, Frau Kilia, Frau Alma mater und die lieben Laren, Zur Feier dieses Tages und zur Ehre Dem teuren vielgeliebten Jubelpaar'! Ich mußte kommen, weil ja ohne mich Doch alles kalt und öd' und nichtig ist Und ich der Stunde erst den Wert verleihe! So schwebe ich vorüber, Blumen streuend, Die schönsten aller,   meine roten Rosen   Auf alle nieder, auch in diesen Räumen! Und wo die beiden Lieben ich erschau', Um deretwillen heut' ich hier erschienen; Da soll es Rosen schnei'n, wie Blütenflocken Zur Frühlingszeit, der lieblichsten im Jahr', Hernieder auf der Alten graues Haar Und auf der frohen Jugend goldne Locken! Alma mater. Lätitia, du süßes Kind, Gepriesen als ein Götterfunken,   So schwebe denn hinein geschwind Und mach' die Herzen alle trunken! Kilia. Ja, schmücke du das graue Haar, Das schon geschmückt mit weißen Flocken, Und flicht dem lieben Jubelpaar' Noch Rosenknospen in die Locken! Lätitia. Das will ich tun, ihr lieben beide, Lätitia!   Ich selbst,   die Freude!   (Lätitia noch nicht gleich abgehend. Hinten in der Kulisse verschiedene Stimmen, unverständlich durcheinander. Alma mater, Kilia, Lätitia und die Laren sehen überrascht dahin.) Alma mater (schnell) . Horch! Kilia (schnell) . Was ist das? 12. Szene. Mr. Jonathan. Alma mater. Kilia. Lätitia. Die Laren . Mr. Jonathan. (noch in der Kulisse, laut). No, not!   No, not!   I will, I will! (Er tritt rasch auf.) Ah (mit dem Fuß stampfend) god damn! (zur Alma mater) Was sein you for ein woman ? Alma mater (empört) Unerhört! (zu Mr. Jonathan) Ich bin die Alma mater! Mr. Jonathan. Yes!   Wuas wohl soll heißen: alte Mutter. Alma Mater (empört) Der Unverschämte! Mr. Jonathan. (auf Frau Kilia zeigend). Und wuas sein das für ein woman ? Kilia (empört) . Ich, mein Herr! ich bin die Mutter dieser Stadt! Mr. Jonathan. So?!     Auch ein Mutter!     So ein altes Mutter, wuas hat vielleicht noch ein schönes Tochter und wuas wird werden perhaps vielleicht noch einmal Schwiegermutter! Kilia (empört) . Entsetzlicher!   Wer seid ihr und was wollt ihr? Mr. Jonathan. Wuas I am ?!   and wuas I will ?!       I am Mister Jonathan from Davenport in Jowa, yes!     and came here to bring das Jubelpaar von silver meine Wünsche von Glück!     To what, I have come expressly mit steamer von New-York . Kilia. Seid ihr denn mit dem Jubelpaar' bekannt? Mr. Jonathan. Yes! very well!   sogar befreundet sein ich mit sie. Alma mater. Was hör' ich?   unbegreiflich? Mr. Jonathan. Oh no, not unbegrieplich, I sein doch gewesen mit auf die großes steamer , das Trave. Als sie sein gereist in das erste Koje from Bremerhaven über das Atlantic Ocean to New-York!   Oh yes!     und auf die ship sein ich geworden befreundet mit sie!   Kilia. Wir sind erstaunt zu hören!   Mr. Jonathan. No, no, I am not so!   and als da sein einmal gekommen ein großes Sturm,   wuas hat gemacht geschunkelt das ship (er macht mit seinem Oberkörper eine schaukelnde Bewegung) , da sein geworden many passenger very sick von die See     so, so very sick , daß auch nicht das berühmte Professor and Geheimrat von die Medizin sie hat machen können wieder besser. Alma mater. Für diese Krankheit gibt es keine Mittel. Doch Durchlaucht wurde stets davon verschont! Mr. Jonathan. Yes! Durchlaucht sein gewesen nicht sick von die See! Aber, ay, yes! Es tut geben doch ein Mittel for die sick-ness von die See, wuas sein drops in ein little Glas,   and wuas sein von mich gefunden, and wuas hat gemacht mir zu ein reiches Mensch, yes! Nun I am Fabrikant von the drops and tu immer reisen auf die steamer hin und her, zu probiren and zu machen noch mehr berühmt meine drops gegen die sick-ness von die See! Erster Lare (spöttisch) . Gegen die sick-ness von die See (zugleich mit dem anderen Laren lachend) . Ha! Ha! Ha! Ha! Mr. Jonathan (aufgebracht) . Wuas lacht you dumme boys (tut als ob er boxen wollte) . God damm! I box you! Erster Lare. (ängstlich und rasch zurückweichend). Nein, nein, mein lieber Mr. Jonathan, Um Jovis Willen keine Laren boxen, Die auf des Hauses Glück und Frieden passen, Sonst könnt' euch die gerechte Strafe fassen! Zweiter Lare. Sonst rufen wir um Schutz die Götter an Und dann mein lieber Mr. Jonathan, Ergeht's euch schlecht, drauf könnt ihr euch verlassen! Mr Jonathan. Ay no! wuas dummes Zeug, I tu nicht fürchten mich vor die Götter, das sein Aberglauben!       Und als wir gekommen sein an in New-York , sein wir geworden wieder entzwei. Erster Lare (spöttisch) . Entzwei geworden! (Beide Laren lachen) Hahahaha! Mr. Jonathan. Wuas tun you wieder lachen dumme boys!   I mean , gekommen von einander, and Ich sein weitergereist to my native-town Davenport and das Geheimrat und Professor von Medizin und Prinzeß Durchlaucht haben besucht alle großen Citys ,       und sein auch gekommen in Davenport und haben besucht mir in mein home , um wuas I have gebeten sie bei dem Abschied and wuas sein gewesen für mir ein großes Ehre. Oh yes , ein ganz großes Ehre! I am a rich man and I have plenty money and eine große Haus in Davenport, yes, very well, da sein sie gewesen als meine Gäste eine Tag and haben mir geladen ein, auch zu kommen zu ihre Gast nach Kiel!   and nun sein ich gekommen mit das steamer zu das Hochzeit von Silber, oh yes ! Alma mater. Das ist sehr hübsch, es wird sie beide freu'n, Sie sind im großen Saal', geht nur hinein. Mr Jonathan. Yes!   I thank you and werde ich sehen auch wieder an das große Saal the beautiful girl mit die Rosen und was tut heißen Lätitia? Kilia. Auch sie ist dort und streuet ihre Rosen, Das alle froh, verspürend ihre Näh', Der Freude süßer Wonne sich erfreu'n. Mr. Jonathan. Oh yes!   der Freude süßes Wonne! (Geht links ab, nachdem Nimrod, ihn noch gewahrend, auftritt.) 13. Szene. Nimrod. Alma mater. Kilia. Die Laren. Nimrod. Ha! Das war ja wieder der verrückte Yankee mit seinem Splien. (Zur Alma mater und Kilia) Entschuldigen Sie meine Damen, daß ich so schnell hinterherkomme (die Hand an den Hut legend) Ich mache gehorsamst Reverenz! Kilia. Das tun wir gern!   Und heißen Sie auch froh Willkommen zu dem schönen Silberfeste. Nimrod. Ja, ich mußte doch auch mit teilnehmen und hier erscheinen. Ich bin doch ein alter Jäger!   Und das edle Waidwerk ist doch heute auch noch sein Pläsier! Alma mater. Ja, freilich, das ist mir nicht unbekannt! Kilia. Und mir desgleichen nicht. Nimrod. Na, sehn Sie wohl, meine Damen?!   Und darum bin ich ja heute g'rade hier!   Und einen Gemsbock hab' ich mitgebracht,   einen Kapitalbock, mit zu dieser Feier, daran er sich, wenn sie vorbeigerauscht, nachfeiernd noch erfreuen möge, und auch sie, die seine, un'sre liebe Durchlaucht!   Ist freilich diesmal nicht von ihm erlegt, sondern von mir, seinem alten, getreuen Förster und Jäger,   weit fern in seinem schönen Jagdgebiet in unserm lieben Bayernland,   wo er alljährlich zur Erholung weilt   und oft mit seinem Freunde, dem Augenarzte, unserm Prinzen Ludwig, in der schönen Ferienzeit zu jagen pflegt und ich mit den beiden. Alma mater. Da ist uns wohlbekannt! Nimrod. Nun ja,   und doch Nicht so bekannt wie mir! Wie manch einmal Sah ich den immerhin schon alten Herrn Ganz früh im dunkeln noch und in der Hand Die Leuchte   und die Büchse auf dem Rücken, Besteigen das Gebirg',   um, schußbereit, Sobald es tagte, den Gemsbock zu erlegen, Den ich, nachkletternd ihm, dann trug zu Tal! Alma mater. Das wissen wir, er hat's im frohen Kreise Befreundeter Kollegen oft erzählt. Nimrod. Nun ja!   Doch wißt ihr nicht, was überdies Ich ihm und Ihrer Durchlaucht mitgebracht Zu ihrem schönen Fest'!     Ein ganzes Fuder Der schönsten grünen Tannen, groß und klein, Man bringt sie nach der Bühne schon hinein, Dort werdet ihr sie gleich, ihr edlen beide, Im großen Festspielbilde selber sehen, In welchem ihr wohl auch mit werdet stehen, Als schöner Schmuck, dem Jubelpaar' zur Freude. Alma mater. Wenn's sein muß, gern!     Das bleibt uns unbenommen! Nimrod. Dann bitt' ich freundlichst, gleich mir nach zu kommen!   (links ab.) Alma mater (zur Kilia) . Nun, wollen wir's?     Kilia. Warum nicht! Mag's geschehen! Alma mater. Ich bin bereit! Kilia. Ich auch, im Bild zu stehen! Alma mater. So laßt uns eiligst zu den andern gehen! Kilia. (zu den Laren). Euch aber bitten wir, geliebte Laren, Noch bis zum Schluß des Amtes treu zu wahren! (Beide links ab.) Erster Lare. Der Augenblick ist günstig! Nun, geschwind Hinunter, wo die beiden Lieben sind! Zweiter Lare. Ich hab' mein Buch! (Zieht schnell ein Buch aus dem Busen.) Erster Lare. Ich meines auch, desgleichen (ebenso.) Zweiter Lare. Komm, Bruder, daß wir's freudig überreichen. (Beide gehen rasch von der Bühne herab die Stufen hinunter, welche sich zu beiden Seiten vor der Rampe befinden, der eine die einen, der andere die andern Stufen, während der Dialog weiter geht.) Was hier dem Jubelpaar' im frohen Spiel So schnell vorüber ging, ist's auch nicht viel, Ist's doch von uns ein herzlich' Liebeszeichen! Erster Lare. (vor die Durchlaucht tretend und ihr das Buch überreichend). Nun, hier ist mein's! Zweiter Lare. (vor den Geheimrat tretend und ihm das Buch überreichend.) Und hier ist meins daneben! (Zur Musik.) Frau Musika, pass' auf: Wir lassen leben Die beiden, unsre Gaben bringend dar, (an das Publikum) Und alle ruft es mit!: dem Jubelpaar Ein Vivat hoch! (gleichzeitig von allen Anwesenden mit Orchestertusch.) Zweiter Lare. Und noch einmal: Vivat hoch! (gleichzeitig von allen Anwesenden mit Orchestertusch.) Erster Lare. Und noch einmal: Vivat hoch! (gleichzeitig von allen Anwesenden mit Orchestertusch) . (Unmittelbar nach dem letzten Hoch geht der Hintergrund in die Höhe und man sieht ein großes Gruppenbild in bengalischer Beleuchtung, nach welchem hin, auch noch an derselben Stelle stehend, die Laren in hübscher passender Stellung unverwandt ihre Blicke richten, während von dem Orchester sofort die Melodie intoniert wird:) Hoch soll'n sie leben! Hoch soll'n sie leben! Dreimal hoch! (Noch zweimal zu wiederholen.) (Der andere Vorhang fällt.)