Idiotikon des Niederösterreichischen A B C D E F G H I J K L M N O P R S T U V W Z Háft'lmachá (dá), ein Handwerker, welcher kleine Häkchen (Heftel) aus Draht verfertigt, die in ein gegenseitiges ovales Ringelchen eingreifen, um ein Kleidungsstück zusammenzuhalten. Weil das Fabrikat so klein ist, daß es das Auge des Fabrizierenden sehr in Anspruch nimmt, so sagt man von einem, der ein scharfes Gesicht hat: » Er hat Aug'n wie'r á Háft'lmachá «. hágli (háckli), haiglich, häckelig (heikelig); wählerisch, bedenklich, kitzlich, gefährlich. Adverb. sorgsam, schonend (delikat). Schmeller II. 165. Hállodri (dá, ∪ – ∪ ), Flattergeist, leichtfertiger, zerstreuter Mensch, der immer Ungehöriges (αλλοτρία) treibt. Hálmelzieg'n ('s), Halmenziehen; die Entscheidung einer Sache dem Zufall anvertrauen, ob man den längeren, oder den kürzeren von zwei, zwischen den Fingern festgehaltenen, Halmen zieht, deren Ende man gleichweit vorstehen läßt. hám (hoam), heim, nach Hause. Hámur (dá, ∪ –), Humor, Stimmung, Laune. hánti bitter; einen nachhaltigen Geschmack zurücklassend; von hán haben, anhalten; gewöhnlich in Verbindung mit gránti , siehe dieses. Schmeller II. 209. hárb (háb), herb ( asper ), böse; beleidiget; übel gelaunt. Hárl ('s), Härchen; Diminut. von: 's Har ; verstärkungsweise: á Hárl, Har . Háscherl ('s), Häscherchen, Ausdruck der Zärtlichkeit oder des Mitleids für ein kleines, schwächliches Kind; etwa von: hoschen straucheln ( Hoschel die Glitschbahn). Schmeller II. 253. hátschát (– ∪ ), hinkend, klumpfüßig; von hátsch'n (hádsch'n), schleppend einhergehen. hátscheln hätscheln, kindeln, verzärteln; verwandt mit: haschen . Háx'n (dö), die Hakse; der lange Fuß vom Kniebug abwärts; gemein für: Fuß überhaupt; Plur. d' Háxná . Habárn (dá, – ∪ ), Hafer; dá Habárn sticht 'n er ist mutwillig, feurig, ( protervus ). hab'n haben; Präs. ih hab' (ha, han); má hab'n (ham), ös habt's , sö hab'n (ham); Konj. Impf. ih hätt' (häd'); Part. g'habt . – Mih hat's es hat mich; mich nimmt etwas mit. hämmerln und hámmerln eine Allitteration; pochen, klopfen; von einer Uhr, oder vom Schlage des Herzens. Händ'l ('s), Huhn: d' Händ'ln hab'n erm 's Brot g'fress'n die Hühner haben ihm das Brot gefressen; er ist traurig und niedergeschlagen. häufti häufig, zahlreich, in großer Anzahl vorhanden. haid'l schlaf'; von haid'ln schlafen (ευδω); davon: dá Haid'lbubaid'l der Schlaf. Haingart'n (dá), Hausgarten, Hausflur; der Ort, wo man sich abends in häuslicher Eintracht zusammensetzt, um zu plaudern. –: In Haingart'n geh'n zu einem vertraulichen Gespräche sich zusammensetzen. Es entspricht somit, dem Begriffe nach, dem englischen Fire-side . halbát halb, als Adjekt. da, d', 's halbáti . halbs halb, als Adverb. zur Hälfte. Halbschád' (d'), Halbscheide, Hälfte. Hals (dá), Hals; Plur. d' Háls' ; davon: hals'n halsen; um den Hals nehmen; umarmen ( amplecti ); kommt schon bei Otfried und Veldeck vor. Halszierdt' (d' kiniglichi), »die königliche Halszierde Davids«, der Titel eines alten, auch unter dem Landvolke verbreiteten, Gebetbuches. halt (nicht halter , was die Ausländer spottweise so oft anführen, obwohl es in Niederösterreich gar nicht gehört wird), eine oft gebrauchte enklitische Partikel für: » nämlich , am Ende , kurz , aber , wirklich , auch , nun , schon « und jedenfalls schmiegsamer, als das breite, und doch so wenig sagende » nachgerade « der Norddeutschen. – Es ist ein altes Wörtchen, welches schon bei Otfried, bei Horneck , bei Wolfram von Eschenbach und anderwärts vorkommt. Siehe darüber ausführlich: Österr. Volkslieder von Fr. Ziska und J. M. Schottky . Pest. 1819. S. 272. Wachter S. 645. Höfer II 23. – In den Schedis Popowitschianis (Mskpt. der k. k. Hofbibliothek in Wien) las ich folgende Bemerkung: halt vielleicht halt' ich . In Leipzig spricht der Pöbel me' ich mein' ich; so auch gle'-ich glaub' ich; im Baireuthschen: halt' ich statt: ich halte dafür, z. B. Es is, me'-ich, o ; es is, gle'-ich, so ; es is, halt' ich, so ; es is halt so ( est, puto, sic ). Haltá (dá, Haldá), der Viehhirte; von Halde Viehweide (d' Hald'), wohl auch vom Halten , Zusammenhalten ( cogere ) des Viehes; daher in Steiermark , was mir höchst spaßig klang, der Hirte, welcher das Vieh der Stadt zur Weide treibt, Stadthalter heißt. Haltábach (dá), Halterbach; fingierte örtliche Benennung für einen Bach, welcher über eine Halde fließt. Hanef (dá, – ∪ ), der Same des Hanfes ( cannabis sativa ), womit die meisten Singvögel gefüttert werden. Hans-Jarg (Jarg'l), eigentlich Johann Georg ; überhaupt: Georg . Has'lnußsalb'n (á), Haselnußsalbe, scherzweise für Prügel; weil man sich zur Vollziehung der Stockstrafe ( schmier'n , salbmá' ) gewöhnlich des Haslingers (vom Haselstrauche [ corylus avellana Lin ] abgeschnittener Stöcke) bediente. Hauf'n (á), in der Schiffersprache eine Sandbank. hau'n hauen; schlagen; Konj. Impf. ih haurát' – 'n Weinstock hau'n den Weinstock behauen. Haurást'l ('s), Mittagsschläfchen, Sieste; von der Rast , welche sich die Winzer ( Hauer ), welche die Weinstöcke behauen, während der Mittagsschwüle gönnen. Haus-Adá (d'), Hausotter, eigentlich Hausnatter; Ringelnatter ( coluber natrix ). Nach der abergläubischen Meinung des Landmannes hat jedes Haus seine eigenen, gleichsam ihm anhaftenden, Tiere, als: Haushund, Hauskatze, Hausschwalbe, Hausstorch, Hausnatter usw., von welchen man allerlei Märchen zu erzählen weiß. Hausdätsch'n (á), eine derbe Ohrfeige; von Tätsch'n Schlag, unsanfte Betastung; verwandt mit tasten . Häus'l Häuschen; um á Häus'l weitágeh'n um eine Strecke weiter gehen. Hean'raug'n (d'), Hühneraugen, Leichdorne. Heanádárm' (d'), Hühnerdarm, Meierich ( alsina media Lin. ), eine Leckerkost für Hühner und Singvögel. Heanásteig'n (d'), Hühnersteige; scherzhafter Euphemismus für: Runzeln, Stirnfalten. hearnz'n (hianz'n), aushöhnen, hänseln, bespötteln; Iterat. von höhnen . Heck' (d'), Hecke, Brutzeit, Nest. – Bei dá Heck' sein gerne, wie im eigenen Neste, sich's bequem machen; verliebt tun (brüten); Höfer (II. 40) leitet die Redensart von Hecke , Zaun, her, wonach sie so viel hieße als: wie ein Straßenaufseher gleich zur Hecke schauen, wenn sie jemand zu beschädigen droht; oder, wie eine Hecke, jederzeit zur Abwehre und zum Stechen bereit sein. heili heilig; gewiß; zuverlässig; unbezweifelt; an heiling' Zeit'n nur an Festtagen, also: selten. hell-licht sehr hell; eine pleonastische Verstärkung. Hemád ('s Hemed), Hemde; in der echten Volkssprache: Pfoad (Pfaid). Heppin (d'), Erdkröte ( rano bufo ), auch: Weinber-Krod (Weinberg-Kröte); Plur. d' Heppiná (– ∪ ∪ ); von hoppen sich auf- und niederbewegen, hüpfen. heraust außen, außerhalb. herent' herüben, hüben; vergl. drent' . Heribst (dá), Herbst; ganz bäurisch: dá Hörigst . Herrschaft (d'), das Herrschaftsschloß, Schloßgebäude; auch: die Familie des Gutsbesitzers. herzi herzig, lieb, artig, fast so viel als: bágschierli . heunt' (heund'), heute. Heurichi (dá), heuriger Wein ( vinum hornum ); so wird der Wein nach dem Martinstage (11. November), bis wohin er Most hieß, getauft. Nach einem Jahr heißt er fertiger (fehriger) Wein. Siehe: fert'n . Akk. án'n Heuringá . – Anderswoher zu erklären ist die Redensart: Er is koan Heurigá er ist kein Unpfiffiger; nämlich: er ist kein heuriger (junger) Hase, sondern schon ein älterer, herumgehetzter, der manchen Trieb überdauert hat. Hex' (á). Man erzählt auf manchem Schlosse das Märchen von einer Hexe, welche ein leerstehendes Bett in einem unruhigen Gemache über Nacht zusammendrückt und eine kleine Silbermünze zurückläßt, damit man ihr dafür das Bett wieder zurecht mache. Himmelschlüsseln Osterblümchen ( primula veris, Lin. ), Blümchen, die den Lenzhimmel aufsperren. hinbei seitwärts, nebenhin, daneben. hintáschi (– ∪ ∪ ), dahinter, hinterhalb. hinvoar hinvor, vorne hin. Hoamet ('s, Hoamád), die Heimat; von hoam (hám). hoaß'-abrennt (háß-a-brennt, – – –), heißabgebrannt, kochend, abgesotten. hockerln (hogerln), hocken; kauern, zusammengebückt sitzen; Diminut. von: hocken . Höch (d' Höh'), die Höhe; in d' Höch' (Höh'), empor, hinauf. Hörndlá (dá), Hörnler, Hirschkäfer ( lucanus cervus, Lin. ), auch: Kirntelkäfer . hoppát-aschi schnippisch; eigentlich: hoppát-árschi mit dem Steiße schwänzend. Horning (dá), Hornung, Februar. hoss'n außer Haus gehen, umherstreifen ( à bonne fortune ), ausreißen; Seitensprünge tun. In Bayern sagt man beim Kegelscheiben: » Die Kugel rennt hoss'n «, wenn sie abspringt. hott, – hi Fuhrmannsausdrücke, um die Pferde zu lenken; halbs hott, halbs hi halb so, halb so; halb gut, halb schlecht; halb mein, halb eines andern. Hüberl ('s), Hügelchen, kleiner Hügel ( clivus ). Von Hübel , eine Metathese von Bühel , Hügel. Hübschigkeit Lieblichkeit, Anmut; körperlich weniger und geistig mehr, als Schönheit; von hübsch , eigentlich: höfisch , gebildet, artig, einnehmend ( curialis, cortese, courtois ). hunz'n plagen, quälen, mißhandeln; von Hund , wie einen Hund behandeln. huscherln kalt haben; tun, als ob man fröre; von dem Empfindungsworte: husch, husch . huss'n anhetzen, aufreizen; von dem Rufe: » huß, huß! « womit man die Hunde zu hetzen pflegt. A B C D E F G H I J K L M N O P R S T U V W Z