Johann Meyer In Fritz Reuter sinen Goren oder Hinstörp, noch en Daler! Charakterbild mit Gesang in 2 Akten nach einer wahren Begebenheit Musik von Claudius Serpenthien.   Aus: Plattdeutsche dramatische Dichtungen Johann Meyer's Sämtliche Werke. Siebenter Band   Kiel und Leipzig Verlag von Lipsius und Tischer 1906   Die nachstehenden Theaterstücke sind für die Bühnen als Manuskript gedruckt, wegen der Berechtigung zur Aufführung und Übersetzung in eine andere Sprache hat man sich an die Erben des Verfassers: Frau Georgine Meyer und Töchter, Kiel, am Rondeel 1 zu wenden. Personen: Fritz Reuter. Luise Reuter, seine Frau. Hanne, Hausmädchen bei Reuter Krischan, Knecht und Faktotum bei Reuter Hinstorff, Hofbuchhändler aus Wismar, Neumann, Gutsbesitzer, Slang, Förster, sein Nachbar, beide Mecklenburqer. Kühahn, alias Reimers, stud. jur., Hummel, alias Feldmann, stud. med. , Rostocker Studenten. Steffens, Briefträger. Lining, seine Tochter. Grillenberger, Barbier. Detlef Möller, Soldat. Die Handlung spielt im Garten vor der Villa Reuter bei Eisenach. Erster Akt. Dekoration Garten der Villa Reuter. Im Hintergrunde ein Staket oder eine Hecke, dahinter Landschaft. In dem Staket resp. der Hecke eine Pforte. An der Kulissenseite, ziemlich weit nach vorn, die Hanptfront der Villa mit einer Terrasse nach dem Garten. Vor der Villa rechts eine Pforte. An der Kulissenseite links, ziemlich weit nach vorn, gleichfalls eine Pforte, in den Gemüsegarten führend. Neben der Terrasse, in passender Richtung, ein Tisch mit sechs Gartenstühlen. Gebüsch, Bäume, Blumenbeete, wo es angebracht erscheint. Rechts und links immer vom Zuschauer aus. Ouvertüre Erste Szene. Louise Reuter. Hanne. (Beide aus dem Hause kommend, die Terrasse nach dem Garten hinuntergehend). Louise Reuter. So, Hanning, nu haddn wi de Gans tau Füer! Hanne. Jo, Fru Doktern! – Wenn de Käksch mal verreist is, denn möt de Madam woll mal kaken. – Fru Doktern versteiht dat jo ok eben so gaud, as Paulining! Louise Reuter. »So? meinst du dat? –Na, wi ward't jo seihn! – Äwer nu kannst du Krischan raupen un denn künnt ji de Stig' mal öwerharken. – Min Männing seggt ümmer: frisch harkte Stig makt em sinen Goren noch mal so leiw. – Hei is mit Hinstörp all tidig weggahn; – de Morgen is jo ok so schön. Hanne. Jo, Fru Doktern! Dat is jo rein so schön hier, as dat woll ni schöner in't Paradies west is! – Dat makt dat denn jo woll ok, dat Herr Hinstörp sick alle Näslang bi uns inquatirt. Louise Reuter. Hei is en Fründ von minen Mann un de Verleger von sine Bäuker! Hanne. Verleger? wat is dat? Louise Reuter. Dat is ein, de den annern sine Bäuker öwernimmt un sei verköfft. – All dat Geld, wat min Männing sine Bäuker uns inbringt, kriegt wi dörch Herrn Hinstörp. Hanne. Na, denn lat em man! – Denn kann hei uns ok girn besäuken, – denn is hei ju de reine Goldgruw! Louise Reuter. Wenn man dat so nehmen will, – jo! – Äwer de eigentliche Goldgräwer is doch min Männing, wil hei de Bäuker all schreben hett, de uns nu so rik un glücklich makt! Hanne. Ach, Fru Doktern! Louise Reuter. Na, wat denn? Hanne. Wo is dat nett, dat Fru Doktern ümmer plattdütsch mit mi snackt. Louise Reuter. Du bist jo doch ut Nigen-Bramborg, – un dat is jo doch dine Muddersprak! Hanne. Un Fru Doktern is doch ein Pasturendochter! Louise Reuter. Un mine Muddersprak is dat doch ok! – Ick heff ihr all as Kind spraken mit de annern Kinner in de Schaul un up de Straten. Hanne. Un Herr Dokter is doch'n Gelihrter, – 'n Dotter, – un kann dat ok so schön! Louise Reuter. Wil dat ok sine leiwe Muddersprak is, – un dorüm ok de leiwste, worin hei dichten un schriben deit. – – Äwer nu raup Krischan, dat de Goren harkt is, ihr sei wedder taurügkamt! – – Ick möt nu ok wedder na de Käk un uv min Gaus passen. (Ab ins Haus). Hanne (während Louise Reuter abgeht). Jo, Fru Doktern! – – – Also Herr Hinstörp schickt uns all dat Geld, – dat's jo denn wat anners! – Süs kann ick jüst ni segg'n, dat ick em su girn mag, Hei belästigt Ein gar tau veel mit sine Handgriplichkeiten (sie macht die Gesten nach) un dat paßt sick doch ni mihr für so'n öllerhaftigen Mann. (Sie geht etwas seitwärts, nach der Pforte rechts und ruft) He, Krischan! Krischan! kumm gau mal her mit en por Harken! – – – – Ne, wecker hadd dat ok dacht, dat sick mit so'n Bäukerschriben so veel Geld verdein' lett! – Alle Ogenblick kümmt de oll Breifdräger uu bringt uns wat! – – – Wat möt dat äwer ok för Bäuker sin! – – Kein Wunner, dat Paulining un ick dor so dull na sünd! – Wenn de Herr Dokter un Fru Doktern mal ni tau Hus sünd, – glik sünd wi bi de Bäuker! – – »De Reis na Belligen«, – »Hanne Nüte«, – »Kein Hüsung«, – »Ut mine Festungstid«, – »Ut mine Stromtid«, – »Ut de Franzosentid«, – »De Reis na Kunstantinopel«, – »Dörchläuchting« – – wi kennt sei all! – Äwer am leiwsten mag ick doch de »Läuschen un Rimels«, – un Paulining ok! – Dat is jo mennigmal rein tau'n dodlachen! (Sie deklamiert). In't Fischland is't en wohren Spaß, Dor heiten alle Minschen Klas! »Klas«, seggt denn Klas tau Klas sin Klas, »Klas, hest du minen Klas nich seihn? Un »Klas«, seggt denn de anner Klas, »Din Klas, de gung mit minen Klas Tausamen na Klas Klaßen sinen Klas!« Un denn kümmt dat (lacht). Hi! hi! hi! Mit Klas Klaßen sinen Klas un den ollen Kaptein up de Tunn, – un mit den Tiger dorvör, mit'n Stirt dör't Spuntlock! Hi! hi! hi! – – – Un denn dat Läuschen von den ollen Bäcker Swenn! – Hi! hi! (Krischan erscheint mit zwei Harken durch die Pforte rechts) (Krischan von rechts kommend, ohne von Hanne gleich gesehen zu werden; er bleibt etwas zurück seitwärts stehen und amüsiert sich über Hanne's Deklamieren). Hier geiht hei hen, – – dor geiht hei hen! Hier geiht hei hen – – Zweite Szene. Krischan Hanne Krischan Do do do dor geiht hei hen! Hanne Na, künnnst du endlich mal? Krischan Un de de Ge Geschicht von Jo Joching Päsel! – Ha! ha! ha! Hanne Jo, jüst akkerat, as wenn du de Esel wirst! – – Nu kümm man, – giff mi de eine Hark! Krischan Jo! (Gibt ihr die Harke). Hanne Ick hark denn hier ünner de Böm un bi de Lauw herüm, – un du harkst dor buten (zeigt nach der Pforte links). in'n Gemnsegoren bet na de anner Purt heudal, dat't dor ok smuck harkt is, wenn Herr Dockter un Herr Hinstörp vellicht noch mal na de Arwten seihn wülln un na de Buhn' un dat Suppenkrut, de sei beid tauhopen plant'un seit, un wo sei nmmer so veel Frend an hebbn! Krischan Jo wo wo woll, Ha Hanne! – (geht bis an die Pforte). Du, Ha Ha Hanne! Hanne Na, wat denn? Krischan Un de Geschicht von de de den ollen Pe Pe Penkuhn, – – mi mit de Kä Käksch un Na Nawer sin Ka Katt! – Ha! ha! ha! Hanne (deklamiert, mit Pathos). Verstehst du mir? – «erstehst du, wie? Denn weißt du, Lotte, – süh mal, süh! Wo? willst du mir hier grugen machen? Was stehst du hier in'n blanken Hemd?« Krischan In'n b b blanken He Hemd! – – Ha! ha! ha! ha! Hanne Pfui! – schämst di nich?! – – Nu makst du, dat du wegkümmst, süs kriggst noch ein mit de Hark! Krischan Jo, Ha Ha Hanne! – (Ab durch die Pforte links. Im Abgehen auch noch jenseits der Pforte im Gemüse garten). Hi, hi, hier gei geiht hei hen! Do, do, dor gei geiht hei hen! Hi, hi, hier gei geiht hei hen! Do, do, dor gei geiht hei hen! Hanne (während sie abwechselnd harkt). Hei hett ot sine Freud doran – un kann nich mal lesen! – Jo, wecker freu sick uk nich öwer uns'n Herrn Dokter sine lustigen Läuschen?! – – Ick weit sei mihrst all von buteu – un Paulining ok! – Dat schönste von sei all, – un ok dat irste, wat ick lihrt heff, is äwer dat von den Kirl, de dor jünnners gornicks seggt, – Hi! hi! – Dat is tau juxig! (Sie deklamiert) : Ne, Fiken, denk di, wo't mi gung, As't gistern an tau schummern fung, Dunn gah ick hen na'n Waterhalen. – Un as ick kam' an unsen Sod, Dunn steiht en Kirl dor, rank un grot, Un smuck von' Kopp bet up de Salen! Hei kikt mi an, – (sie harkt rasch ein paar mal hin und her). Ick kik ein an, – (ebenso). Hei seggt mi nicks, – (ebenso). Ick segg em nicks, – (ebenso). Ün lat min Emmern in den Sod! Sonderbor! – so gornicks tau seggn! – Hei hadd ok eigentlich doch wat seggn müßt, – – denn hadd hei doch wat seggt! – (sie harkt ein wenig hin und her und deklamiert wieder.). Un as de Emmern nu sünd vull, Un ick na Hus nu gahen wull, Dunn kümmt de Kirl, – un denk di, – Fiken! – Dunn helpt hei mi de swore Dracht Ganz fründlich up un strakt mi sacht Un ward mi in de Ogen kiken! – Hei kikt mi an, – (sie harkt rasch ein paar mal hin und her). Ick kik em an, – (ebenso) Hei seggt mi nicks, – (ebenso) Ick segg em nicks, – (ebenso) Un nehm de Emmern np un gah! Na, dat hadd ick sin füllt! – Ick wull em de Tung woll löst hebb'n! – Is dat en Manier? mit en anständig Mäten sick sowat heruttaunehmen? – Äwer spaßig is't doch! Hi! hi! hi! (sie harkt wieder ein wenig hin und her, und deklamiert weiter). Un as ick gah de Strat hendal, Dunn geiht de Kirl, – nu denk di mal, – Un mine Sit entlang de Straten, – Un as ick sett min Emmern hen, Dunn kümmt hei 'ran un ward mi denn Ganz leiw in sine Arme saten! Na, endlich! Dat ward ok Tid! Ick kik em an, – (sie harkt rasch ein paarmal hin und her). Hei kikt mi an, – (ebenso). Ick segg em nicks, – (ebenso). Hei seggt mi nicks, – (ebenso). Un ick gah wider hen na Hus, Dat hadd ick nu noch nich da'n! – Hei hadd sick irst erklären müßt, – un hadd't ok sekerlich woll noch da'n, – denn luter Blödigkeit is dat doch nich west, – wil hei ihr jo ok süs doch gor nich so blöd' west is! (sie harkt wieder ein wenig hin und her, und deklamiert dann weiter, Krischan erscheint durch die Pforte links, bleibt stehen und hört mit Interesse zu, ohne daß sie es merkt). Un as ick an de Husdör kam' Un mine Dracht herünner nahm Un sett min beiden Emmern nedder, Dunn nahm hei mi in sinen Arm Un drückt un herzt un küßt mi warm, Un denk di mal, – – ick küß em wedder! Jo, dat kann'ck mi woll denken! Hei kikt mi an, – (sie harkt rasch einpaarmal hin und her). Ick tik em an, – (ebenso). Hei seggt mi nicks, – (ebenso). Ick segg em nicks, – (ebenso). Dunn kam' uns Fru taum Hus herut. Dunn was dat mit dat Küssen ut, – Nu segg mi mal, wat wull de Kirl? (Sie harkt rasch ein wenig hin und her). Hi! hi! hi! wat'n Frag! – Hei fat ihr üm, – un hei drückt ihr, – un sei liggt in sinen Arm, – un hei küßt ihr, – un sei küßt em wedder, – – Hi! hi! hi! – un denn fragt sei noch: wat wull de Kirl? – – Hi! hi! hi! Dritte Szene. Krischan Hanne Krischan (laut). Fri, – fri, – fri frigen wull hei mit ihr! Ha! Ha! ha! ha! – Hanne (ihm nachahmend). Fo, – fri fri frigen wull hei mit ihr! – Wat geiht di dat an? – Worüm harkst denn nich mihr? Krischan Bü, bü bün all klor! Hanne Hest du denn ganz hendal harkt bet an de Purt? Krischan Be, be bet an de Pu Pu Purt! – – – Du, – Ha, Ha, Ha Hanne! Hanne Na, wat denn? Krischan Dor ke ke keem ein an, – de sna, sna, snackt mit mi! Hanne. So? – Wokein wir dat denn? Krischan. De oll Mö, Mö, Möllersch ihr De Detlef! Hanne. A, Snack! – De's jo bi de Suldaten! Krischan. He' he, he, hett U Urlaub kregen! Hanne. Na, wo ward Lining sick freun! – Weit sei't all? Krischan. Sei wei, wei, weit't all! – Sei he, hett em schreben, da dat hei kam' süll! Hanne. Lining? – dat hei kam' süll? – A, vellicht von wegen ihr kranke Mudding? – – Krischan. Ne! ne! vo vonwegen den Ba Ba Balbir! Hanne. Wat? Balbir? – Wat tünst du dor?! Krischan. Jo, da da dat hett hei seggt! Hanue. Ach, du Dösbüdel, – denn hett hei di für'n Narrn hadd! – Nu mak man, dat du wegkümmst! Krischan. Äwer se seggt he hett hei't do doch! (Ab durch die Pforte rechts). Hanne. Wat klön' hei dor? – Lining, de hadd em schreben, dat hei kam' süll, un dat wegen den Balbir? – Dat künn jo doch woll mäglich sin! – De Balbir is ein Geldjud, un hei hett jo all einmal, – as Lining ihr Vadding den Geldbreif verlaren, – – äwer dorüm brukt Detlef doch nich tau kamen! – Herr Gottes, am Enn is hei all wedder fri von de Suldaten! – De oll Möllersch hett mi nülich mal vertellt, dat sei em vellicht noch wedder fri kreig, wil sei en Witwe, un Detlef ihr inzig Kind is! – Na, wat würd dat'n Frend för Lining sin! (Lining erscheint bei der Pforte in der Mitte, Hanne wird sie gewahr). Wat seih ick? – Wenn man von ein sprickt, – – – Gu'n Morgn, Lining! Vierte Szene. Lining. Hanne. Lining. (näher tretend) Gu'n Morgn, Hanne! – Is min Vadding hier? Hanne. Ne äwer hei kümmt woll noch, – hei hett jo mihrst alle Dag wat für uns. Lining. Ick wull em halen, – Min Mudding is so krank, – sei hett all wedder so'n slimme Schur kregen. (Sie weint). Hanne. Ah, dat deit mi leid! – Äwer lat doch dat Wein'n na, – dor is jo nicks mit holpen! – Is dat wohr? – is Detlef hier? Lining. Jo! – Hanne. Is hei denn all wedder fri von de Suldaten? LWiNg. Ne! Hanne. Na, denn hett hei wull mal Urlaub kregen, – Un du hest doch ok mal en Freud, min lütte Lining! – Du hest dat jo so sur! – Du plegst din kranke Mudding so tru, – un sorgst so tru für den Husstand un all din lütten Swestern un Bräuder! Lining. Ick kann mi doch nich mihr freu'n. (Weint). Hanne. Na, na! – Din Mudding kann jo doch vellicht noch wedder beter ward'n! Lining. Min leiw Mudding is dat jo ok nich allein, wat mi so trurig makt. – Dat deit mi ok so leid um min arm Vadding! – Hei deit sick so sur – un dat geiht uns liker so slicht! – Sin lütt' Gehalt, – de grote Famili, – min kranke Mudding, – un dat Unglück von dormals her mit den Geldbreif! – Nu känen wi ok wedder de Hür nich mihr betalen. (Weint). Hanne. Wo veel is dat denn, min lütte Lining? Lining. Föfftig Mark! – Un de will de Balbir uns up'n Wessel lehn'n. – Hanne. Ah, nu ward mi dat klor! – (für sich). denn hett Krischan doch Recht hadd! Lining. Äwer de hett jo ok noch den annern Wessel von min Vadding, von dormals her, als hei dat Unglück hadd, den Geldbreif mit de hunnert Mark tau verliren. – Mihr as föfftig künnen wi nich tauhopen sparen, – dat anner kreeg min Vadding von em. – Un wa hebbn, wi all dorünner leden. – Von dormals her stammt jo ok all eigentlich min Mudding ihre Krankheit! Hanne. Jo, jo! Dat weit ick! Lining. Un nu hett hei seggt: Wenn hei dat wull, denn künn hei min Vadding verklagen, – denn de Wessel wir jo nich inlöst, – un wi haddn jo nich mal de Tinsen betalt, – un wenn hei klagen de', – denn kreegen wi den Exkuter. – Hanne. Ah, – wat seggst du?! Lining. Äwer klagen wull hei nich, – un öwer den Wessel wull hei en Stret trecken, – un öwer de Hür ok. – – Un denn wull hei min Vadding un min Mudding liker ok noch föfftig Mark schenken, dat wi doch endlich mal wedder ut all de Not un Verlegenheiten herutkeem'n – wenn, – wenn, – – wenn min Vadding un Mudding – – – (sie weint) veel leiwer sprüng ick jo in't Water! – – Hanne. Ah, Ah, wat hür' ick! – Ha, de Schuft! – Un wat seggt denn din Mudding dortau! –. Lining. Sei seggt nicks, – äwer sei weint desto mihr, – un dorüm hett sei dat denn nu ok all wedder kregen! Hanne. Un din Vadding? Lining. Hei hett den Kopp verlurn, un weit sick nich mihr tau helpen! Hanne. Denn verlir du em ok mau nich, min lütt' Lining! – Dat is in desen Ogenblick de Hauptsak! Lining. Hei will mi jüst nich dwingn, – äwer dat is doch recht gaud an em tau marken, – dat hei sin inzig Hapen up mi sett hett. (Sie weint) Dorüm heff ick denn ok an Detlef schreben. Hanne. Un wat seggt Detlef denn? Lining. Detlef seggt! Dat is jo gor nich mäglich! – Un wenn dat doch mäglich wir, – denn würd dat noch'n Unglück geben! Hanne. Na, sühst du woll? – Äwer hol du den Kopp man stiw, denn gifft dat ok kein Unglück! – Un allns ward noch mal wedder gaud, min lütte Lining! Lining Dat hap ick ok! – Äwer nu dat ok noch dortau, tau all uns Not un Armot! – Dat bedrückt mi noch am mihrsten, un min arme, kranke Mudding ok! – Sei weit recht gaud, wo mi dat quält, un driggt dat eben so swor as ick! – – – Gott ne! – ick möt jo wedder tau Hus! – Sei liggt dor ganz allein – un is so krank! – Un wenn min Vadding kümmt, denn segg em man, dat ick hier west wir, üm em tau halen. – (Langsam und weinend abgehend). Min arm' Mndding! – Min arm' lütt Mudding! – (geht durch die Pforte in der Mitte weinend ab). Hanne Jo, jo! – Is dat Unglück irst einmal dor, denn kümmt dat ok mihrsttiden nich allein! – Sei plegt ihre kranke Mudding, un driggt dat Leid mit ihr un de Not mit ihrn Vadding, noch sworer as hei sülwst, un nu möt ihr jung fröhlich Hart ok noch dit passiren! – (Grillenberger erscheint an der Pforte in der Mitte). Ha, wat seih ick! – De Balbir! – Na, töf! Du kümmst mi eben recht! Fünfte Szene. Grillenberger Hanne Grillenberger (noch vor der Pforte sehr schnell sprechend). Morjen, Junfer Hanne! – Darf ick rin in Ihrn schönen Jarten? Hanne Jo, kamen Sei man, – äwer maken Sei de Purt man gor nich irst wedder tau! Grillenberger (eintretend, die Pforte offen lassend.). Nich wedder tau? – I, wo? – wie – so! Hanne (spitz). Na, Sei hebbn jo kein Tid! –Sei möten jo doch glik wedder fürt! – Sei möten jo na, – na, – na de Brut! (lacht). Ha! ha! ha! ha! Grillenberger Siehste, wat de biste?! – eifersüchtig ist se – (Zu Hanne). Ist der Herr Hinstorf denn schon uff, dat ick 'n rasiren kann? – Hanne De is all gor nich mihr tau Hus, – spaziren! – So üm en Stündstid bi rüm, denn känen Sei, mal wedder kam'n. (Sie harkt ihm auf die Füße, er macht einen Sprung in die Höhe). Grillenberger Danke! Danke! – sehr freundlich! Hanne Na, springen Sei man nich so! – Sei hüppen jo as'n Zägenbuck! Grillenberger Die Junfer ihre Harke! – – Na, denn jeh' ick denn, und komme wieder! Empfehle mir! – (Er geht rasch im Bogen bis fast zur Pforte). Hanne Herr Grillenberger! Grillenberger (sich rasch umkehrend). Junfer befehlen? Hanne Ach bidde, bliben Sei noch en beten hier! – Sei sünd ümmer so fründlich, – so – so nett! – Grillenberger (bei Seite). Aha! – merkst de wat?! (Wiederkommend, nahe heran zu Hanne). Ach Hanne, – wie jefalln Se mich! Hanne (ihn neckisch mit dem Ellenbogen stoßend). Is't denn ok wohr? – Grillenberger (ihr unter's Kinn fassend). Bei Jott! – Sie jefalln mich sehr! – Hanne Ne, – Sei verstahn mi nich! – Grillenberger Doch! Doch! – Ja, ick meene Sie. – Sie meen' ick! Hanne Und ick mein Ihnen! – Dat nämlich, dat Sei frigen wülln, – (etwas wütend). den Breifdräger sine Lining? (Sie harkt ihm schnell wieder auf den Fuß, er macht einen Sprung). Na, springn Sei doch nich so! – Äwer de oll Moder Krögersch ihrn Detlef, – wat?! (Sie harkt ihm wieder auf den Fuß, er macht einen Sprung). Na, springn Sei doch nich so! – Wat bilden Sei sick denn noch in? – De lütte smucke Lining? – De süll so'n Wepstirt nehmen, – so'n Schirbüdel? – So'n Apen? – (Sie harkt ihm wieder auf den Fuß, er macht einen Sprung). Na, springn Sei doch nich so! – Grillenberger (wütend). O, die Weiber, in ihrer Eifersucht und Falschheit und Tücke!! – – – Wat jeht et Sie an, wenn ick mir verlobe! – Hier, ha, hä! (Er klopft auf die Tasche). Und wat sagen Sie dazu, wie? (Er macht Zeichen des Geldzählens). Ja, det haben wir! Und dafür kann man 'n Deibel danzen sehn, – und alle Weiber dazu! – Und et ärgert Sie man, – dat die Lining et ist, und dat Sie et nicht sind! Hä! hä! – Eifersucht! – nischt als Eifersucht! (Er läuft schnell durch die Pforte, sie zuschlagend und bleibt draußen stehn). Hanne Dor hett woll 'n Uhl seten, wat? – Un worum lopen Sei denn so? – Sünd Sei bang? Sei olle Hasenfaut? – Na, wir't denn nich gaud, dat de Purt glik apen bleev? – Süs haddn sei vellicht noch en por achterup kregen! Grillenberger Hä! hä! – Eifersucht! nischt als Eifersucht! Hä! hä! (rasch durch die Mitte ab). Hanne (drohend mit der Harke). Jo, hadd ick di noch hier, ick wull di wisen, wat 'n Hark is, du olle Pomadenhek! – – Jo woll! Prost de Mahltid! – Weg is hei! – Un wotau sall ick mi noch länger an ein ärgern?! – Äwer Lining, de arm Stackel, – de sitt nu all dull naug dortwischen! – Wir ihr Vadding man bi de Post in Nigen-Bramborg bleben, wo hei ihr Mudding frigt hett, un wat ok Lining ihre Heimat is, – denn wir dat jo alles gornich so kamen. De lütte Lining, – wi hebbn jo all as lütte Kinner tausamen spelt un dor nasten mit enanner tau Schaul gahn! – Sei is min irste Fründin west! – – – Künn ick ihr man helpen! – Jo, hadd ick wat! – – oder Detlef! – Äwer de un sin Mudding hebbn jo beide nicks – Un de dor wat hebbn un dat tänen, – de dau'n dat man nich! – dat is't man! – – – – Holt! – – Dor fallt mi wat in! – – Uns Herr Dokter! – – – Wenn hei dat wüßt! – – – Hei is jo rik un ward noch ümmer riker! – – – Un hei is ümmer so gaud un so fründlich, – – un Fru Doktern ok! – – Wenn sei dat wüssen! – – – Hurra! – – Juchhe! – – dor fallt mi wat in! – – Nu weik ick all, wat ick dau'! – – So! – oder so! – Denn mal gnaddrig – un denn mal lustig! – – All' as de Ogenblick dat mal so mit sick bringt! – – Nu bün ick lustig un will irst mal ein' singen! (Musik. Sie singt) In Schapstedt in't Wirtshus, herüm in de Stuw, Dor flüggt woll all' Morgen en sneewitte Duw'. En sneiwitte Duw' mit en sneiwitten Fot, Sei flüggt dor all' Morgen ihr Mudding in'n Schot. In Schapstedt in't Wirtshus, wer sitt dor so bli'? En kruskoppen Bursähn, de geiht up de Fri! Gu'n Dag ok, Fru Kräugersch, so smuck un so fin, Jug sneiwitt' lütt Döchting, – ick müch ihr woll fri'n! Min sneiwitt' lütt' Döchting?! – Dat is noch tau frö! De möt noch wat töben, – en Jahr – oder twee! En Jahr? – oder twee? – Wat en Tid! – o, wo lang! Sei springt von de Ird' – un sei springt up de Bank – (Tut es) Sei springt von de Bank, – up'n Disch springt sei hin (Tut es; dann, während sie die letzte Zeile singt, sich großmachend, auf den Zehen stehend und beide Arme in die Höhe streckend) Nu süh', min leiw Mudding, wo grot ick all bün! (Der Vorhang fällt) Eventuell kann auch das nachfolgende, ursprünglich dazu bestimmte Lied, welches auch in der Ouvertüre wiederklingt, hier gesungen werden. Dasselbe ist aber nicht allein schwerer zu singen, sondern auch weniger passend, als das vorhergehende. Wenn es gesungen wird, ist die kleine Bank 7 überflüssig. Günd, achter de Blompött, schreig öwer de Strat, Persepter sin Döchtings, – dat is di en Staat! Persepter sin Lischen, sin Witjen un Trin, Drei Dirns, as drei Rosen, – künnt all Drei all fri'n! Wo hebbt sei för Haar, – rein so blank un so glatt! Un Ogen, – de Swarte, as Aalbein so swatt, De Gehle, – so blag, as Vergißmeinnichtblom, De Brune, – so brun, as Kastanien von'n Bom! Sei danzt un sei springt un sei hüppt, as'n Reh, Sünd rot, as'n Ros', un so witt, as de Snee, Sei singt, as'n Draußel, un lacht, as en Duw', Un schirt sick den Deuwel um Hochtid un Huw'! Günd, achter de Blompött, schreig öwer de Strat, Persepter sin Döchtings, – dat is di en Staat! Un süll ick Ein rutnehmn, un günn hei mi Ein, Ick säd: Herr Persepter, all' Drei – oder Kein! – (Der Vorhang fällt). Zweiter Akt Dieselbe Dekoration (Vorspiel) Erste Szene. Reuter Hinstorf Carl Neumann Förster Slang Reuter (während er die Pforte im Hintergrunde öffnet und die andern eintreten). So, Kinnings, – hier is min Hüsung! – Nu man herinne in min lütt Paradies un denn man, glik noch 'n beten wider in mine Lowising ihre beste Stuw'! Neumann Ne, wat'n Freud' für min Nawer Slang un mi! – Mit unsen berühmten Landsmann un Dichter. – – – Reuter Na, na, Kinnings! – Nu smert mi doch man nich glik wedder den säuten Honnig üm deu Bort! Slang Jo, Korl Neumann! En gröteres Glück hadd uns up unse lütte Reis' ok gor nich passiren künnt! Reuter (zu Hinstorff). Sühst du, sühst du, Hinstörp, wo hoch ick all bi mine leiwen Landslüd in Ihren stah? – Darup hen künnst du mi dat Honorar all girn verduwweln! Hinstorff (sich hinter die Ohren krauelnd). Jo, jo! – Dat wir noch so wat! – Wenn man nich dat oll Poppir so dür wir, – un Satz un Druck so veel kosten! Reuter Nu klagt hei all wedder! – Na, Hinstörp, denn lat't man gaud sin! – – Äwer nu willn wi ollen Obotriten unse ollen Meckelnbörger Harten in uns' oll' leiwe Muddersprak ok mal so recht gegen 'nanner utschütten! Hinstorff. Jo, dat willn wi! Nemnann. Nawer Slang, Nawer Slang, – mi fangt dat oll' Hart all an tau puckern! Slang. Mi ok, Korl Neumann! – Ick kann di gornich seggn, wo vergnögt un glücklich ick mi fäuhl, mit unsen berühmten Dichter un Landsmann – – – – Reuter. Sch! sch! – dat Hinstörp dat man nich hürt – un sick am Enn doch noch rühren lett! – – Kinnings, wo süll' ick denn woll mit all dat Geld afbliben! – – Äwer nu man 'rinne! – – Orer wat meinst du, Hinstörp? Wi sünd so eschafirt, – sülln wi uns hier buten nich irst noch en beten verpusten? Hinstorff. Dat mein ick ok! – Hier ünner de Twigen is dat so käuhlig un so schön! Äwer mi is alles recht, wil ick hier as Gast bün! Reuter. Un mine beiden leiwen Gäst sünd jo ok de annern beiden, Herr Förster Slang un Herr Korl Neumann! Denn lat wi Stimmenmihrheit gellen! – (Zu Neumann) . Na, Herr Korl Neumann, wat meinen Sei denn dartau? Neumann. Min Nawer Slang süll den Utslag geben. Reuter. Jo, mine Herrn, denn nehmen Sei man irst mal gefälligst Platz! – Wenn en Förster in dese Sak den Utslag hett, denn brukt wi em gornich irst tau fragen! – De blisst jo ümmer am leiwsten in't Gräune! – Denn setten Sei sick, bidde, man irst mal en beten an'n Disch! (Alle setzen sich, wie vorn die Reihenfolge angegeben). Reuter. So, Kinnings! – Äwer nu wülln wi doch irst mal en lütte Erfrischung drinken! – (Er geht an die Treppe und ruft). He Lowising! Lowising! – Äh, kunnn doch gau mal en beten her! Zweite Szene. Louise Reuter Die Vorigen Louise Reuter (noch im Hause). Jo, min Fritzing! – (heraustretend) Hier bün ick! – – (Hinunter gehend und die Fremden gewahrend). Ah!! – (Sie will wieder zurück ins Haus, wird aber von Reuter, der sie am Rockschoß hält, daran verhindert). Reuter Holt, Lowising! – (Zu Hinstorff). Kumm, Hinstörp! Hol ihr doch mit fast, dat sei uns nich wedder utneiht! ' Louise Reuter. Zwei fremde Herrn?! –. Ich hatte keine Ahnung, du böses Männchen! Reuter Na, na! – Dat sünd jo doch man twei leiwe Landslüd von uns! Louise Reuter Aber ich bin ja noch ganz in meiner Küchentoilette! Reuter So büst du grad am schönsten! – Un plattdütsch spreken sei ok, min Wising! – – (Zu Hinstorff). Kumm, Hinstörp, nu help mi doch! – Du büst doch süs nich so blöd gegen de lütten Käkschen! Slang Neumann (zugleich lachend). Ha! ha! ha! ha! Ha! ha! ha! ha! Louise Reuter Äwer Fritzing, – Du oll Schelm, du! – (zu Hinstorff). Nicks für ungaud, Herr Hinstörp! Reuter Mein 't ok so! Fru Doktern! – (Er küßt sie, zu Hinstorff). Wat für'n lütte nüdliche Käksch, Hinstörp! – Smeckt noch ümmer na mihr! Louise Reuter (ihm auf die Hand schlagend). Du Schelm, min Mänmng, du! Reuter Äwer nu hürt mal, Kinnings! (vorstellend). Meine liebe Frau, – Lowising Reuter! – Woans ick tau mine Fru kämm, – geborene Kuntze, – de Pasturendächting von Roggensdörp bi Grewsmöhlen! – – Un dese hier – Herr Korl Neumann. Gaudsherr ut de Worensch' Gegend, un Herr Förster Slang, sin Fründ un Nawer! Louise Reuter Dat freut mi hartlich, mine Herrn! – (Ihnen die Hand gebend). Sin Sei mi un min Männing dusendmal willkamen! Reuter (zu Hinstorff). Sühst du, Hinstörp? – nu hebbn wi ihr! – (zu Louise Reuter). Äwer nu hür mal, min Wising, woans un wo sonderbor dat so kamm, dat wi uns dese beiden leiwen Landslüd mit herinnebröcht! Hinstorff Jo, dor gaht Ihr Mann un ick, so as alle Morgen um dese Tid, 'n beten in de frie Natur spaziren. – Neumann Un min Fründ, de Förster Slang, un ick hadden eben en lütte Lüstirfohrt na Thüringen makt, – Slang Un so stünn wi hüt morgen ünner de Wartburg un wirn ganz verdeipt öwer all de Schönheit tau unsen Fäuten, – Neumann Jo, so heil verdeipt un sülwstvergeten, dat wi gor nicks von de beiden markten, de sick vun achtern an uns heransleeken. – – Reuter Un Hinstörp! raup ick lisen, wat gelt de Wett? Dat sünd en por Meckelnbörger! – Dat süht man ju glik an ihre ganze Kledasche! – an ihre Röck un Steweln un Häut – un an ihren ganzen Angboangpoenkt! – – Un Hinstörp, de spitz all den Mund tau en Tiroler Jodler, – – äwer Sch! Sch! püster ick lisen, – hol an di, Hinstörp! un paß mal up! – De beiden willn wi mal öwerraschen! Hinstorff Un ümmer neeger sleeken wi heran! Neumann Un dor mit einmal slaug mi Einer up de Schullern, dat ick glöwt', ick müßt in den Irdbod'n sacken! – (Alle lachen). Reuter Un dat wir ick! – Un Kinnings! Kinnings! raup ick vergnäugt, – Ji beiden sünd en por Meckelnbörger! Slang Jo woll! dat stimmt! reepen wi tauglik, – Äwer Ji doch ok! reep Korl Neumann ganz uergnäugt, un lang sick na de Schuller, – denn so sleit blots 'n Meckelnbörger! Neumann Na, un dor stellten wi uns denn vor – un denn kam' noch dat Beste! – Min Nawer Slang wir bald in Ohnmacht fulln! Louise Reuter (zu Slang). Ah! Ah! – Wirn Sei denn all flau wurdn von all dat Lopen? Neumann Den Deuwel ok! – noch lang keine Mäudigkeit! Nich wohr, Nawer Slang? Slang Im Gegenteil! Neumann Vor luter Freud, as hei Sei ihren leiwen Mann sinen Namen hürt! Slang Ja! wer hadd dat ok dacht, dat mi noch dese grote Freud un Ihr' – – – Reuter Sch! Sch! – Kinnings! – Doch man jo keinen Honnig mihr! – Dor ward ick jo man kleberig von! – Ick denk, en Buddel Rüdesheimer paßt dor beter up. Louise Reuter Jo, denn will ick gliks ein' besorgen! Reuter Un man gliks noch ein' mihr, min lütt Mudding! Louise Reuter Schön! – Den gliks tivei, min lütt Vadding! – – – Na, un nu denn adjüs ok, mine Herrn! un up Weddcrseihn hüt middag bi'n Braden! (Ab ins Haus) Neumann (zu Reuter). Ah! Ah! künn Ihre lütte Fru Doktern nich noch en beten bliben? Slang Bet wi irst mal mit ihr anklungen nn dat irste Glas up ihre Gesundheit drunken hebbn? Reuter Jo, wenn unse Käksche nich verreist wir. – Äwer de ihr Mudding is krank wurdn un hett uns schreben, wat ihr Döchting ihr nich en Dag besäuken kunn, – un nu möt min lütte Mudding mal de Gaus braden. – Jo, Kinnings, hüt et wi de Gaus, de min Fründ Schröder in Nigen-Bramborg für uns nudelt hett un de mi irst gistern man so flank weg in'n Schosstein flagen! (Hanne erscheint auf der Terrasse mit einem Teebrett, darauf Weinflaschen und Gläser). Dritte Szene. Hanne Die Vorigen Hanne (Noch oben auf der Terrasse, für sich). So! Fru Doktern weit dat all! – Vörhen wir ick so lustig – nu bün ick mal wedder ärgerlich, – denn fragt Herr Dokter mi, wat mi feihlt – un denn kriggt hei dat ok all tau weiten! Reuter (nach der Terrasse sehend). Ah! süh, dor kümmt Hanning all mit den Rüdesheimer! (Sie geht die Terrasse herunter). Sett 't hier man her, min Döchting! – Hier man her! Hanne Veelmals tau gräuten von Fru Doktern, hier wir de Win! (Sie setzt das Teebrett mit den Flaschen und Gläsern auf den Tisch, jedem ein Glas hinsetzend, und dabei in Hinstorffs Nähe kommend). Un Fru Doktern hadd de Pruppens all gliks heruttrucken, dormit de Herrn sick sofortsens bedeinen künn! (Sie stößt plötzlich einen gellenden, kurzen Schrei aus. Alle, außer Hinstorff, sehen verwundert nach ihr hin). Neumann Slang (zugleich). Ah! Ah! Ah! Ah! Reuter (schnell) Na, wat hest du?! – Wat wir dat?! Hanne (laut und ein wenig weinerlich). Herr Hinstörp hett mi knepen! Reuter Neumann Slang (zugleich). Ha! ha! ha! ha! Ha! ha! ha! ha! Ha! ha! ha! ha! Hanne (unwillig, halb weinerlich). Nu lachen Sei mi ok noch wat ut! Hinstorff Ick heff ihr ut Spaß man eben mal antickt! Hanne Von Sei ihre Antickeri will ick äwer nicks mihr weiten! Pfui, Herr Hinstörp, schämen Sei sick denn nich? – En verheiraten Mann mit Fru un Kinner?! Reuter Na, na! – Nu mal doch ut 'n Mück kein Elefant! – Wat is denn dorbi, wönn Herr Hinstörp mal en beten Spaß mit di makt?! – Du büst doch süs nich so, – man kennt di jo gornich wedder! – – Wat hest denn? He? Hanne (aufgebracht und weinerlich) Wat ick heff? – Ärger heff ick! – un Verdreit heff ick! – Mi is de ganze Morgen all verdurwen! un ick möch woll leiwer wein', as lachen! Reuter. Jo, – denn man 'rut dormit, min Döchting, – un segg uns irst mal, wat di feihlt! Vierte Szene. Luise Reuter. Die Vorigen. Louise Reuter (ruft durch die Tür auf der Terrasse) Hanne! Hanne! – Hanne (rufend) , Jo, Fru Doktern! – (Zu Reuter im Abgehen) Ick heff jo man kein Tid! (Ab) Reuter. Na, denn en anner mal! Slang. Wat en lütte dralle Dirn! Neumann. »Dat mein ick ok, Nawer Slang! Hinstorff. Äwer en lütten Racker! Reuter. Na, na! – Du hest dat ok vellicht en beten gor tau gaud mit ihr meint! Hinstorff. Ick?! – Eben anrührt heff ick ihr man! Un denn so tau schrigen! – – Dat's jo unerhürt! Neumann (zu Slang) Wirst du dat noch west, Nawer Slang. – Slang. Ick? Woso? Neumann. Jo, Slang, denn hadd se nuch'n Grund hatt, so tau schrigen. Slang. En Grund? Worum? Neumann. Jo, Slang, denn hadd ihr doch en Slang steken! Slang (schnell) Ach, wat! Reuter. Neumann Hinstorff (zugleich) Ha! ha! ha! ha! Reuter. Na, Herr Förster Slang, – dat's jo doch alles man Spaß! Äwer, Kinnings, nu willn wi doch irst mal den Rüdesheimer probiren! (Er schenkt schnell ein) Süh mal, Hinstörp, dat reine Gold parlt dor so in de gräunen Gläser herinne! (Er riecht) Ah! un wat'n Duft! – (Sein Glas erhebend) Un dat irste Glas, mine Herrn, dat bring ick up mine drei leimen Landslüd un Gastfrünn! – Herr Neumann, – Herr Förster Slang, – un du, min leime Fründ Hinstörp, – dat leiwe Kleemerblatt sall leben! Vivat! hoch! (Alle stehen auf und ergreifen die Gläser, um anzustoßen) Hinstorff. Un Fritz Reuter, de grote Dichter, un sine leiwe Fru Lo[?]vising, Fru Doktern, dorneben! Vivat! Slang. Neumann. Hinstorff (zugleich) Hoch! (Sie stoßen an und alle singen mit Orchester mehrstimmig) : Hoch soll'n sie leben! – Hoch soll'n sie leben! Drei mal Hoch! (Alle trinken, während sie trinken, plötzlich Gesang in der Ferne, Duett: »Wohlauf, noch getrunken«, mit leiser Orchesterbegleitung). Studenten (zweistimmig) Wohlauf, noch getrunken! Reuter. Hinstorff. Slang Neumann (zugleich) Ha! Studenten. Den funkelnden Wein! Reuter. Hür! Studenten. Ade nun, ihr Lieben, Geschieden muß sein! Reuter (freudig) Kinnings! Studenten. Ade nun, ihr Berge, Hinstorff (schnell) Wo schön! Studenten. Du väterlich Haus! Reuter (schnell) Jo! Jo! Studenten. Es treibt in die Ferne Mich mächtig hinaus! Reuter. Uns ok einmal! Studenten Ade nun, ihr Berge, Du väterlich Haus! Reuter Vergnäugte Minschen! Studenten Es treibt in die Ferne Mich mächtig hinaus! Reuter Am Enn Studiosen! Studenten Hinaus! Neumann Wo schön, Nawer Slang! Studenten Juvi vallera, juvi vallera, juvi valle, valle, valle ra! Juui vallera, juvi vallera, juvi valle, valle, ualle ra! Reuter. Hinstorft. Slang. Neumann. Studenten (zugleich mit den Studenten, während sie aufstehen und anstoßen.). Juvi vallera, juvi vallera, juvi valle valle valle ra! Juvi vallera, juvi vallera, juvi valle valle valle ra! Studenten (etwas näher). Die Sonne, sie bleibet Am Himmel nicht steh'n! Reuter Dat kümmt neeger! (Er steht auf und geht etwas vor nach der Pforte). Studenten Es treibt sie, durch Länder Und Meere zu geh'n! Reuter (in die Ferne sehend). Wohrhaftig! Studenten! Studenten Die Woge nicht haftet Am einsamen Strand! Reuter (winkend mit dem Taschentuch). He, Kinnings! Kinnigs! Studenten Die Stürme sie brausen Mit Macht durch das Land! Reuter (mit dem Tuch winkend). Kinnings! – Hierher! Studenten Die Woge nicht haftet Am einsamen Strand! Reuter Sei kamen neeger! Studenten Die Stürme, sie brausen Mit Macht durch das Land! Das Land! Reuter (zu Hinstorf.). Hinstörp, jodel doch mal! Studenten Juvi vallera, juvi vallera, juvi valle valle valle ra! Reuter Dor kamen sei all! Studenten Juvi vallera, juvi vallem, juvi valle valle valle ra! Reuter Hurra! Fünfte Szene. Hummel Kühahn Die Vorigen Hummel Kühahn Reuter Hinstorff Neumann Slang (zugleich, und die vier letzteren zugleich anstoßend). Juvi vallera, juvi vallera, juvi valle valle ualle ra! Juvi vallera, juvi vallera, juvi valle valle valle ra! Studenten (erscheinen vor der Pforte). Reuter (schnell die Pforte öffnend). Ah! Willkomen! – Veel Dusend mal willkamen! – Man herinne, Kinnings! – Ji lustigen Bräuder Studio! Hummel (sein Cerevis lüftend) Sie hatten die Güte, uns zu winken! Kühahn (ebenso). Wir danken Ihnen herzlich für die große Freude! Hummel Und welch' eine Ehre, um die uns Tausende beneiden werden! Reuter Na, na! nu man nich so veele Säutigkeiten, de verdarwen mi man den Magen! – De Herr schient mi tau kennen. Hummel (wieder das Cereuis lüftend). Gestatten Sie Herr Doktor, (sich verneigend). Hummel, – alias Reimers, studiosus jurisprudentiae in octavo semestri. – Und hier (auf Kühahn zeigend, dieser sich verneigend) Kühahn – alias Feldmann, studiosus medicinae vulpes. Reuter Aha! Freut mi sihr, Herr Hummel un Herr Kühahn, freut mi sihr! – Un hier nun Fründ Hinstörp, de berühmte Bäukerjud ut Wismar. Un dor (auf Neumann und Slang zeigend). ob so'n por vergnäugte Wannerslüd, as de beiden Herrn Studenten! – (Auf Neumann zeigend, dieser sich verneigend). Herr Gandsherr Neumann ut de Worensch Gegend! – Un Herr Förster Slang (auf diesen zeigend und dieser sich verneigend). sin Fründ un Nawer! – – – Äwer nu, bidde, mine Herren, nehmen Sei Platz un drinken Sei mit, – un bliben Sei hüt mine leiwen Gäste! Hummel Danke! Kühahn (rasch) Danke! (Beide setzen sich). Reuter Un nich wohr? Beide ut Rostock?! – Man süht't jo an de Farben! Hummel Daher kommen wir und machen eine Spritztour per pedes apostulorum durch das schöne Thüringerland! Reuter Un am Enn en por Meckelnbörger Landslüd un ob Plattdütsche?! Kühahn Leider nein! – Aber große Freunde Ihrer schönen Sprache und insbesondere aller Ihrer darin geschriebenen Werke! Reuter Ah! Ah! – is mi sihr smeichelhaft tau hüren! Hummel Ich bin aus Berlin! Kühahn Und ich aus Leipzig! – Wir studieren lediglich eiu paar Semester in Rostock, um Ihre alte, herrliche, plattdeutsche Muttersprache so recht mitten im Volk desto schneller kennen und sprechen zu lernen! Hummel Jo, un so'n beten Plattdütsch känen wi ob all snacken! Kühahn Jo, un lesen un uerstahn känen wi't all fixing. Reuter Wat ick hür?! – Kinnings! – – un wat 'n Freud für min oll Hart! – (Schnell eine Flasche ergreifend). Un nu man irst mal – – (innehaltend, die Flasche hinsetzend). jo, süh, – nu feihlt uns jo noch de Gläs'! – (Steht auf nähert sich der Terrasse und ruft). : He, Hanning! Hanning! Sechste Szene. Hanne Die Vorigen Hanne (vor die Tür kommend). Jo, Herr Dokter? – – Reuter Gau, min Döchting, – noch'n pvor Gläser mihr! Hanne Glik, Herr Dukter! – (Ab). Reuter (wieder zurückkommend und sich setzend). Dat is recht 'n Morgen, wo ein dat Hart bi öwergeiht! – – Duft! nicks as sänten Duft! – ut de gräunen Gläs' von den goldigen Win, – nn um un öwer uns ut alle Büscher nn Twigen! Wo schön doch de Syringen rüken! – un de Kirschenböm blänhn un schimmern! Siebente Szene. Hanne Die Vorigen Hanne (kommt auf die Terrasse mit einigen Gläsern auf einem Teebrett). Reuter Ah! Dor kümmt sei all mit de Gläs'! (Sie setzt die Gläser auf den Tisch, behält das Teebrett in der Hand). So, min Döchting! – Nu ok noch gan eu por Buddel Win! Hanne Jo woll, Herr Dokter! – (Rasch ab, bis oben auf die Terrasse). Hummel Famos! Ein Prachtmädchen! Kühahn Pulcherrima ancilla! Reuter Recte! – Dat stimmt! Hanne (oben auf der Terrasse). Na, wenn ick nu wedderkam, denn geiht't äwer los! – Denn büm ick mal argerlich, – un dat gehürig! Reuter En lütte verdeuwelte Dirn! – De un den ollen Krischan, min Faktotum, heff ick mi noch, mit heräwer bröcht ut Nigen-Bramborg! – Sei is 'n echte Plattdütsche! – Un en Vördrag hett sei, as'n Preister, dat 't en Lust is, ihr tau hüren!– All mine Läuschen nn Rimels weit sei von buten,– un singn kann sei, as en Nachdigal! Slang Ah! Süll sei uns denn nich mal ein vördregen? Hummel Ja, bitte, – lassen Sie das Mädchen doch mal singen! Kühahn Ich bitte mich darum! Neumann Un ick ok! Reuter Jo, wenn sei 't man deit, – – ei is jo man noch so bös np Hinstörp, wil hei ihr knepen hett! Hinstorff Ach wat! – Dumm Tüg! Reuter Na, denn will ick ihr fragen! – – (Schnell einschenkend). Äwer nu man irstmal noch'n mal en hartliches Willkamen mit 'n fröhlichen Gläserklang (sie stoßen an) Willkamen! Willkamen! (Sie trinken aus). Hummel (schmacksend). Kühahn, was für 'ne Marke! Reuter Jo, nich wohr? – de glitt as Ölig! – Denn man glik noch ein achterup! – (Schenkt ein). Mi ward dat oll Hart so vull, – un ick kann 't ni laten! – ick müt doran denken ümmer un ümmer wedder! – – – O, du schöne, selige Tid, as ick ok noch mine Farben drog, – de echten dütschen, – swart-rot-gold! – In Jena! – bi de Germanen! – Un as ick ok noch den Släger susen – un de Freud schümen un brusen leet bet tau'n Öwerlopen! – – – Gifft 't denn noch wat Schöneres, as so'n lustiges Studentenleben? – Nümmermihr un narends! – Ün dorüm dese vullen Gläser up unse dütsche alma mater – de eine för sei all'! un up ihre lustigen Bräuder Studio! – vivat! – crescat – floreat! Alle Hurra! Kühahn (fängt an zu singen. Alle andern stimmen sofort mit ein, erheben sich und stoßen singend an. Mit Orchester, nicht zu laut, mehrstimmig). Stoßt an! – Burschenwohl lebe! – Hurra hoch! Bis die Welt vergehet am jüngsten Tag, Seid treu, ihr Burschen, und singet uns nach: Frei ist der Bursch! Reuter (wieder einschenkend). Jo, mine leiwen Frünn, wat wull ick dorüm geben, kunn ick dese schöne Tid noch einmal wedder durchleben! (Wehmütig). Nu hür ick jo ok all lang mit tau de ollen Philister!' – Äwer, Gott Loff un Dank! mine Philistertid is doch ok en schöne, as mine Studententid dat doch nich ümmer wir! – Un doch, wenn ick mennigmal so an ihr taurügdenk', denn äwerkümmt mi dat so weihmäudig un beflikt mi as en Heimweh na en widen, widen Urt in de ginge Firn, dat ick mi nich dorgegen wihren kann, – – un denn summt et mi dör den Kopp, dat olle, schöne Philifterleid, dat ok de Zungen noch ümmer so girn mal singt! – (Hummel und Kühahn stimmen an, und die andern Drei singen mit Orchester, mehrstimmig mit). : O, alte Burschenherrlichkeit, Wohin bist du verschwunden? Nie kehrst du wieder, goldne Zeit, So froh und ungebunden! Vergebens spähe ich umher, Ich finde deine Spur nicht mehr! O, jerum, jerum, jerum, O, quae mutatio rerum! Reuter O, jerum!! Jo! wo sünd sei bieben all de lustigen Bräuder Studio von dortanmal?! – Utenanner staben, as de Spreu in'n Wind! – – un Philister, Philister all mitenanner! Hummel Kühahn und die Andern (wie vorher). Da schreibt mit finstrem Amtsgesicht Der eine Relationen, Der andre seufzt beim Unterricht, – Und der macht Rezensionen! – Der schilt die sünd'ge Seele aus, – Und der flickt ihr verfall'nes Haus! – O, jerum, jerum, jerum, O, quae mutatio rerum! Reuter Jo! Jo! O, jerum! Jo! – Wer kunn sei ok woll jemals vergeten, de unvergetlich schöne Tid?! – Un wenn wi Minschen so ganz alleben ok annere wardn, sei gräunt doch furt in unse Erinnerung as en schönes Paradies dörch 't ganze Leben! Hummel Kühahn und die Andern (wie vorhin). Allein das rechte Burschenherz Kann nimmermehr erkalten! Im Ernste wird, wie hier im Scherz, Der rechte Sinn stets walten! Die alte Schale nur ist fern, – Geblieben ist uns doch der Kern, Und den laßt fest uns halten! Reuter Jo, de Kirn! De Kirn, mine Herrn! – Un dat is jo ok de Hauptsak! – Un wenn de Schal denn ok in Stücken geiht, dat oll Burschenhart blifft doch ümmer datsülwe! Hummel, Kühahn und die Andern (wie vorhin). Drum, Freunde, reichet euch die Hand, (Sie stehen auf und reichen sich die Hände). Damit es sich erneue Der alten Freundschaft heil'ges Band, Das alte Band der Treue! Klingt an und hebt die Gläser hoch, (Sie erheben die Gläser und stoßen an). Die alten Burschen leben noch, Noch lebt die alte Treue! (Alle trinken und setzen sich dann wieder nieder). Reuter (wehmütig). Jo, jo! – de schöne Tid! O, de schöne, unvergetliche Tid! Hummel Und doch, Herr Doktor, zu Ihrer Zeit, wie gar bald schon so viel Elend und so viel Jammer nach all der Begeisterung und Freude dort oben auf der alten Wartburg! – Als hinter den besten und edelsten von allen deutschen Landeskindern, die hier so fröhlich waren und es so treu und ehrlich meinten, die Büttel wie Hetzhunde losgelassen wurden, sie zu jagen bis sie gefangen waren! – Und dann zeitlebens, wie die gemeinsten Verbrecher eingesperrt in Zuchthäuser und Kasematten, – ja einige, – einige gar zum – Tode verurteilt! – O, Schimpf und Schande für alle Zeiten! Kühahn Ja, und wenn sie auch schon längst gewesen, diese grausame Zeit, – rufen wir ihr auch heute noch ein pereat nach und trinken wir auf ihre ewige Verdammnis im finstern Grabe! Neumann (sein Glas ergreifend). Jo, dar willn wi, kumm, Förster Slang! Slang (ebenso). Herrlich! Prächtig! – Ne, dese Studenten! – En pereat! Reuter Sch! Sch! – worüm so düstere Gedanken! – Sei kümmt jo nümmer wedder, so en Tid! – Dorüm, Kinnings, sport wi den Win tau en betern Wunsch! – Wat wi dormals drömt un wofür wi duldt un leden hebb'n, – dat is jo alles nu lang all dor! – Uns Dütsches Rik! – Kein anner, dat em glik! – – Unse Landarmee, – – Unse Macht tau See! – – Kinnings! Kinnings! – – Un unsen Kaiser! – – Kinnings, unsen Kaiser! – – de Irste, de Grötste, de Beste up de ganze Welt! – – Hurra! – (Das Glas ergreifend). Stöt an un drinkt! – Hoch schall hei leben! Alle (singend. Mit Orchester, mehrstimmig). Hoch! Hoch! Hoch! (Alle stoßen an und trinken). Achte Szene. Hanne Die Vorigen Hanne (mit zwei Flaschen Wein auf einem Präsentierbrett, für sich, während sie noch oben steht). Na, nu man tau! (Geht hinunter). Reuter Süh dor, min Döchting! – Hier man her dormit! Hanne (setzt die Flaschen auf den Tisch, befindet sich in Hummels Nähe). Hummel Kühahn, der Besen! Hanne (für sich). Wat? Ick?! (Sie hört auf das Gespräch). Kühahn ne sit ancillae tibi amor pudori! Reuter Ha, ha, ha! Jo, Kinning's, so hett de oll Horaz all sungen, – de wüßt ok all, wo Baddel dar Moos plückt! Hummel Und Hölty sang ihn: nach: Was schämst du dich, daß du die Hanne liebest, Hanne (schnell). Ah! Hummel Die dir dein Genius beschert! Sie ist es wert, daß du ihr Küsse giebest, Das schlanke Mädchen ist es wert! (Er umfängt Hanne, als ob er sie küssen wollte; – sie stößt einen Schrei aus und gibt ihm eine Maulschelle). Alle (lachen). Hanne (sehr aufgebracht). So! – Nu seih ick jo, wokein Sei dormit meint hebb'n, as Sei Ihren Kompan taureepen; Kühahn, der Besen! Wenn Sei äwer meinen, dat Sei mi uptrecken känen, denn wischen Sei sick man den Mund! (Hinstorff freut sich, stummes Spiel). Ick lat mi noch lang nich von'u jeden küssen! – Un wenn Sei vörhen meinten, dat ick en Bessen wir, – wat sünd Sei denn mit Ihre Narrenkapp?! En ollen ruvperigen Schrubber sünd Sei– und wider nicks! – Sei, Sei, Sei olle verleiwte Hummel, Sei! – (Sie weint laut). Alle (lachen). Reuter (sie bei der Hand fassend). Äwer Hanning,, min Döchting, wat feihlt di denn? – – Du wirst jo ok vörhen all so wranterig un argerlich ok mit Herr Hinstörp! Hanne Laten Sei mi los, Herr Dokter, ick möt werrer 'rinne! Reuter Dat is jo doch alles man Spaß! – Man kennt di jo gornich wedder! Hanne Ick heff kein Tid, – ick schall Kantüffeln schelln, – laten Sei mi los, Herr Dokter! Reuter Ihr nich, ihr du uns seggt hest, worum du weinst un so wranterig büst. – Hanne Mi is dar Hart so vull! Hummel Aha! – 'N unglückliche Liebe! Hanne Wat geiht Sei, dar an' Reuter Na, na! – Äwer denn man rut dormit. – Wer is dat denn, de di so unwirsch makt? Hanne (schweigt und weint). Neumann Dat's jo dursam, Slang! Slang Ach jo, Nawer Neumann! Dat is rührsam! (Weint). Neumann Nu rohrt de all wedder! – Slang, betäm di doch! Slang Wat kann ick dorbi dau'n?! Reuter Na, Hanning, – nu man rut dormit! – Wer is dat denn? Den Kirl schall de Deuwel haln! Hanne Möt ick't denn pattu seggn? Neuter Jo, bi'n Deuwel, mötst du 't seggen! – Na? Na? Hanne (zügernd und weinend). De – de – Bal – bir! Reuter Hinstorf (zugleich, verwundert). Grillenberqer? Grillenberger? Reuter Kinnings, wat'n Gesmack! – büst du denn mit Blindheit slagen?! Hanne Ick, ick bün dat jo nich! Reuter Ne? – Du büst dat nich?! – Un doch, weinst du? – – Wer is dat denn? Hanne Unsen Breifdräger sine lütte Lining! – de Balbir will ihr pattu frigen, – un sei hett doch all de oll Möllersch ihrn Detlef, de dor bi de Suldaten is! Reuter Jo, en smucken Frier! – Un den will sei vertaten, – un desen Windhund nehmen? Hanne Ach ne! – un sei hett ok. all an em schreben, – un hei is uk all hier! – – Äwer bi den ollen Brfdraeiger is jo man so grote Armot un Not! – – As hei vergangen Johr den Geldbreif verlaren mit de hunnert Mark in, de hei wedder betalen müßt, – hett de Balbir em all föfftig Mark up'n Wessel lehnt, de noch nich inlöst is, – se sünd jo noch so in'n Rügstand vonwegen de annern föfftig Mark von den Geldbreif, de sei sick sülwst tauhopensport. – Un de arme Fru liggt jo ok all so lang krank, – un dat lütte Gehalt, – un all de Kinner. – Un nu künnt sei ot de Hür nich betalen, – un de will hei ihr ok lehn'n, – un von all dat Geld nicks wedder taurüg hebbn, – – Reuter Wo hoch belövvt sick denn de Hür? Hanne Föfftig Mark! Neumann Slang, dat möt en braven Minschen sin! Slang Jo, Nawer Neumann, wo edel! (Weint). Neumann Na, nu fang doch nich glik wedder an tau rohren! Slang Wat kann ick dorfür, dat ick so weik von Gemäut bün! Reuter Na, min Döchting, un wat wider? Wat wider? Von all dat Geld will hei nicks wedder taurüg hebbn? – Hanne Jo, un denn will hei den ollen Breifdräger liker ok noch föfftig Mark so dartau geben, – dat sei ut all de Not un Bedrängnis man irst mal en beten wedder herutkamen, – – wenn de oll Breifdräger, – – wenn hei, – – – »wenn hei em dorfür – em dorfür – sine Lining, – – Äwer, – Lining, – de würd jo leiwer in't Water springen! – – – Un denn – un denn – – Reuter Ah! ah! – war möt ick hüren?! – Na, un denn? – Wat denn noch wider? – – Hanne Un denn hett hei ok noch seggt, – wenn hei dat will, denn künn hei den ollen Breifdräger verklagen, denn de Wessel wir noch nich inlöst, – un denn müß hei sitten, un verlür sinen Deinst, – un de Exkuter keem un de Konkurs. – Äwer klagen will hei nich, – un nu sülln sei sick man rasch entslüten, dormit hei wüßt, woran hei wir! – – (Weint). Min arm lütte Lining! – Reuter Süh! Süh! wat'n Roman! – Un hier so ganz in de Neegde, – un wi weiten nids dorvoun! – Un dese Grillenberger, – wat für'n Sleef! – Hummel Abscheulich! – Menschenhandel! Kühahn Erpressung! Der Kerl wird geuzt! Hummel Wir fordern ihn! Kühahn Und er wird abgestochen! Slang Um Gottes Willen, Nawer Neumann! Neumann Wat Hest du, Slang? Slang Hest't denn nich hürt? – Sei willn em steken! – (Zu den Studenten). Ne, mine Herrn, ick bidd Sei um allns in de Welt, – laten Sei dat Steten un bruken Sei keine Messers! Reuter Hummel Kühahn Hinstorff (zugleich lachen). Ha! ha! ha! ha! Ha! ha! ha! ha! Ha! ha! ha! ha! Ha! ha! ha! ha! Reuter (zu Hanne). So, Hanning, – un du geihst nu hen un vertellst min Lowising, din Fru Doktern, uk noch gau mal de lütt' Geschichte, de du uns hier eben vertellt hest, von Lining un den Balbir! Hanne Sei weit dat all! – Reuter Sei weit dat all? Desto beter! – Un denn löppst du gau mal röwer na den ollen Breifdräger sin Hus un halst den sin lütte Lining mal her! Hanne Jawoll, Herr Dokter! (Wendet sich zum Gehen). Reuter Töf, min Döchting! – Un denn seggst du an Krischan, dat hei gau mal henloppt na de oll Möllersch ihren Detlef. – Un hei müch doch glik mal hierher kamen. Hanne Iawoll, Herr Dokter! (Wendet sich zum Gehen). Reuter Töf, min Döchting! – Un denn seggst du an mine Lowising, dine Fru Doktern, hier wiren noch twei Herren mihr kam', twei Rostocker Studenten, – de hüt Middag ok unse Gäste wiren! – – – – – Un wenn de Gaus dat taulett, dat sei afkamen künn, denn müch sei doch gau mal kam' un sei begrauten! – Hanne. Jowoll, Herr Dokter! – (Wendet sich zum Gehen). Reuter. Töf, min Döchting! – Un nu singst du uns irst noch gau mal Ein vör! – Hanne. Ick? – singen? – hier? – Wo sei mi noch eben en Bessen schimpt und man so mir nicks – dir nicks hebbn küssen wullt?! Ne, dat kann ick nich! – Dat dau' ick nich! Reuter. Na, na! – Nu tier di doch man nich! – Du büst jo doch süs ümmer so lustig! – dat wir jo doch alles man Spaß, ebn als mit Hinstörp, als hei di antickt hett! – Kannst denn kein Spaß mihr verdregen? Hanne. Singen? – nu? – Ick bün dor gornich na tau Maud! –Ick müch woll leiwer wein'n. Reuter. Wein'n? – worum? – Sei hebb'n di jo noch gornich mal küßt! – Un du hest liker den Herrn Hummel all 'n Mulschell geben! – – un hest em en ollen rupperigen Schrubber schimpt! – – Un Heft denn nich hürt, dat sei di liker noch helpen un den Balbir afsteken willn?! Slang (schnell) . Um Gottes Willen, nich steken! Reuter . Na, denn wat anners! – – Wat denn, Herr Förster Slang? – – Slang . Em verhau'n un em rutsmiten, wenn hei wedderkümmt! Hanne (schnell, freudig) . Jo! jo! – Un hei kümmt jo noch wedder! – Un minen Dank all in'n vörut! Reuter. Sühst du?! – Sühst du?! – Nu singst du uns doch noch gau mal ein von dine Leider vör! Hanne. Jo! – Denn möt ick't man! Slang (schnell) . Sei deit't – Sei deit't Hummel. Kühahn (zugleich) Hurra! (Vorspiel). Hanne (singt). Säben Ehl in Boddermelk! Un säben Ehl in Klümp! Un wenn de Schauh versapen sünd, Denn danz'n wi up de Strümp! Un hebb'n wi ock kein Strümp ni mihr, So hett dat doch kein Not! De Freud' is't Schönste up de Ir' Denn danz'n wi plattbarfot! Säben Ehl in Boddermelk! Un säben Ehl in Klümp! Un wenn de Schauh uersapen sünd, Denn danz'n wi up de Strümp! De Schauh, de makt de Schausterknast! De Strümp, de strickt de Olsch'! – Doch mit de Freud', dunn hett dat Hast! – Juch! – Danz'n wi noch mal polsch! (Ab, die Terrasse hinauf aber noch nicht in's Haus. Beifall.). Reuter So min Döchting! – Nu lop man! Hanne (Oben auf der Terrasse, laut). Mine Ahnung! Nu ward vellicht doch noch allns sick tau'n Besten kihrn! (Ab in's Haus) Reuter Na, wat heff ick seggt? – – Singt sei nich as en Nachdigal?! Slang So'n Mäten ist nich mit Geld uptauweigen! Reuter Denn is't jo ok gor kein Wunner, dat Hinstörp ihr so girn hett! Hinftorff Ach wat! – Du doch ok! Reuter Dat süll ick mein'n. – Süs wir sei ok doch in ihre Heimat bleben! – – (An die andern). Jo, mine Herrn, hier mank all de Hochdütschen wir't für mine Lowising un mi en Bedürfnis, ok en por Plattdütsche däglich um uns tau hebb'n, – Hanning un de oll Krischan, uns' Faktotum, hebb'n wi uns beide ut Nigen-Bramborg mit heröwernahmen! (Der Briefträger erscheint bei der Pforte). Äwer süh, wer kümmt dor? Hinstorff. De oll Breifdräger! Reuter. As wenn hei raupen wir! Neunte Szene. Steffens. Die Vorigen. Steffens. Zwei Postanweisungen! – (lesend). Herrn Doktor Fritz Reuter – (gibt ihm dieselbe). – und Herrn Hofbuchhändler Karl Hinstorff (gibt ihm dieselbe). à hundert Taler! (Er zählt darauf das Geld, zuerst für Reuter und dann für Hinstorff auf den Tisch, während der Dialog weiter geht. Jeder Geldhaufen besteht aus 90 Mark in preußischen Talern, fünf Zwanzigmarkstücken und elf Zehnmarkstücken). Reuter. Hinstörp, wat is dat?! Hinstorff. Du sädst doch nülich, dat du bald mal wedder wat hebb'n müßt. Na, un mi müssen sei jo so wi so wat schicken, tau mine Reis' na de Alpen, – – dor geev ick denn Orre, ok glik en hunnert Daler für di mittauschicken. (Er quittiert seine Postanweisung und reißt die Adresse davon ab). Reuter. Ah so! – Schön! – Veelen Dank denn ok! (zu den andern) . Jo mine Herrn, min Fründ Hinstörp is min Bankj é un Kassenmeister! Hinstorff. Tau Gaud' hest du jo noch hunnert mal so veel! Reuter (mit Pathos) . O, du min lütte plattdütsche Burdirn von'n Helikon! – min lütt' Musenmäten! – wo öwerschüttst du mi mit dinen Segen! – – (An die andern) . Jo, mine Herrn, – allns für mine Bäuker! – Un wenn Hinstörp nich ok sin Deil doroon kreeg, – ick müch ju rein gornicks mihr annehmen! – Hinstorff. (Während Reuter quittiert und die Adresse abreißt) Na, lat't man gaud sin, Fritzing. – So schön as dine Dichtungen sünd, so nobel is min Verdeinst! – Wi stahn beide nicks ut, – wi hebb'n dat grote Los trocken! Hummel. Kühahn, Junge, – was sagst du zu solch einem Wechsel! – Wärst du Hinstorff und wär' ich Fritz Reuter! – Kühahn. Ja, das möchtest du wohl! – – Aber ein gut Teil haben wir doch auch so wie so schon daran! Neumann. Un wi ok, Nawer Slang! – – Un dat is de Freud' un dat Vergnäugen an allns, wat Fritz Reuter all dicht un schreben hett! Steffens. So, Herr Doktor, – hier sind Ihre hundert Taler! – – Und hier die hundert Taler für Herrn Hinstorff! Hinstorff. Danke! – Dat stimmt! – – (Steckt das Geld in die Tasche) Reuter (läßt das Geld auf dem Tisch, ihm die Quittungen hinschiebend) Un hier sund de Quittungen! – (Sein Geld übersehend) Stimmt ok! – Kein Penning tau veel oder tau wenig! – (An den Briefträger) Un wo veel krigen Sei dorfür? – – Steffens. Im ganzen einen Groschen, Herr Doktor, – von jedem einen halben. Neuter. Dat is wenig naug! – (einen Taler hinschiebend) Hinstürp, legg mal en Daler bi! Hinstorff. Jowoll, Fritzing! – mit Vergnäugen! Steffens (freudig) Ah, Ah, – meine Herren! Reuter. Steken Sei't man in! Steffens (das Geld nehmend und einsteckend, freudig) Vielen Dank denn auch! – – Zwei Taler! – (Wendet sich zum Gehen) Reuter. Holt! Steffens. Herr Doktor? Reuter. Wo veel krigen Sei denn eigentlich? – ick mein so in summa sumarum für dat ganze Johr? Steffens. Ach, Herr, – das ist nicht viel! – – Zweihundert Mark vierteljährlich! Reuter. Jo, dat is wenig! – Veel tau wenig! – (Einen Taler hinschiebend) Hinstörp, noch'n Daler! – Hinstorff (etwas befremdlich) Noch'n Daler? – Na, wenn du dat wullt? – (greift in die Tasche und legt einen Taler dazu) Hier is min Daler! Steffens. Ah! Ah! – meine Herren! – Ah, nein, Herr Doktor! Reuter. Steten Sei't man in! – In'n äwrigen begrip ick de Post doch nich! – Man tweihunnert Mark viddeljährlich, – un dorbi ward em, Gott weit, wo veele Dusende alle Johr tau'n Utdrägen anvertrut! – – Wo licht kunn sick dorbi ok nich so'n Art unglückliche Liebe entwickeln twischen den Breifdräger un all dat Geld, wat em so dat ganze Johr lang durch de Fingern löppt! – – Wat meinst du, Hinstörp? Hinstorff. Ick? – jo – dat mein ick ok! Reuter (einen Taler hinschiebend) Na, Hinstörp, – denn man noch'n Daler! – (Stummes Spiel der andern, Slang, Neumann und der beiden Studenten, während der ganzen Szene, wenn sie nicht sprechen) Hinstorff. Wat? – Noch'n Daler!? – Dat is mi äwer doch meist en beten tau mutsch! – (unwillig und den Taler hinlegend) Dor hest denn noch en Daler! – Reuter (zum Briefträger) Steken Sei't in! Steffens (freudig) Gott im Himmel! – Noch mehr?! – Was werden meine Fran und Kinder dazu sagen?! – (Steckt das Geld ein) Reuter. Wo veele Kinner hebb'n Sei denn? Steffens. Sieben! – Neuter. Wat, säben?! – (Wehmütig, langsam) Un ick heff nich ein! – (In anderm Ton) Un wo old sünd sei denn? Steffens. Was die älteste ist, – meine Lining, – die ist schon achtzehn! – Und das kleinste bekommt noch die Flasche. Reuter. So veele Kinner, – un denn man tweihunnert Mark viddeljährlich! – – Dar künnt Sei doch nich mit ut! – (zu Hinstorff, und noch einen Taler hinschiebend) , Hinstörp, noch'n Daler! Hinstorff (macht ein langes Gesicht) Jo! – ne! ne! – Nu möt dat doch mal en Enn hebb'n! – (Krauelt sich im Haar) Gott bewohr uns, – ne! – Wat denkst du einmal! Reuter. Na, ick denk: selbstverständlich, – du leggst dor noch einen bi! – – – (Gerührt und mit Nachdruck) Korling, auf daß wir den Segen dieser Stunde mit einander teilen, wie den Gewinn meiner Bücher! Hinstorff (sich im Haar krauelnd) Jo! jo! – Du hest gaud snacken! – (Etwas ärgerlich) Dat's denn all de vierte! – – (Einen Taler hinlegend) Na, dor hest em denn! – (Die Studenten und Slang und Neumann gestikulieren lebhaft) Slang. Neumann! Neumann! Neumann. Wat meinst du, Slang? Slang. Dat is rührsam! (Er nimmt sein Taschentuch und drückt sich die Augen) Neumann. Äwer, Slang! – Nu wes' doch en beten schanirlich un fang nich glik an tau rohren! – – Öwrigens rührsam is dat ok, wenn man en weites Gemäut hett! (Nimmt auch sein Taschentuch und drückt sich die Augen) Kühahn. Du, Hummel! (Macht das Zeichen, als wolle er auch etwas geben, zieht sein Portemonnaie) Hummel. Ich verstehe! – (Zieht sein Portemonnaie. Beide suchen im Portemonnaie) Slang. Nawer Neumann! Neumann. Nawer Slang? Slang. Willn wi nich ok!? Neumann. Jo, denn krig dinen Antonibüdel man mal rut! (Beide ziehen ihre gehäkelten Börsen aus der Tasche) Slang. Wo veel meinst du? Neumann. Eben so veel!. Slang (vier Taler hinlegend) . Ok en beten von mi! Neumann (ebenso) . Un ok von mi! – Reuter. Ah! Ah! – – Ne! – Süh doch, Hinstörp! Kühahn (mit Pathos) . Wo alles liebt, kann Kühahn auch nicht hassen! (Legt einen Taler dabei). Hummel (mit Pathos) . Was Kühahn tat, – kann Hummel auch nicht lassen! (Legt einen Taler dabei). Reuter (lachend) . Ha! ha! ha! ha! – Bravo, mine Herrn! Slang. Ne, dese Studenten, Neumann! Neumann. Fideles Volk! Reuter. Jo, – un dor geiht doch nicks öwer den Humor! – – Wat, Hinstörp?! – So'n Humor, de is gornich mit Geld tau betalen! – – Hinstörp, noch'n Daler! – (Schiebt einen Taler hin). Hinstorff (langes Gesicht machend) . Ne! ne! – Nu mak ick nich mihr mit! – Wat süll de Mann mit all dat Geld? Reuter. Sine Schulden betalen! – – Du weitst doch, wat Hanne uns vertellt hett?! – – Hmftorf (unwillig) . Ach wat, – Hanne! Reuter. Dat sleit woll all wat an, – – äwer't reckt noch nich! – So'n Daler is nich veel! Hummel. Na, ich bitte! Reuter. Ick mein för mi un Hinstörp! – Dat schafft nich naug! – – Wat meinst du Hinstörp, – wenn wi mal en Ogenblick in de Goldwährung öwergungn? Hinstorff. Um Gottes Willen! Wat fallt di in?! – – (einen Taler hinlegend) . Hier is min Daler! Slang. Un ok noch ein von mi! – (Den Taler hinlegend, er weint). Neumann. Un ok noch ein von mi! Den Taler hinlegend zu Slang) . Äwer nu lat doch dat Rohrn na! Slang. Dat is so rührsam! Hummel (pathetisch). Ich habe keinen zweiten zu versenden, – Nur eine Mark vermag ich noch zu spenden! - (Legt eine Mark hin). Kühahn (pathetisch). Auch Kühahn opfert noch dem guten Werke, Wie Hummel, eine sogenannte Märke! (Legt eine Mark dabei). Reuter Slang Neumann (zugleich, lachen). Ha! ha! ha! ha! Ha! ha! ha! ha! Ha! ha! ha! ha! Reuter (lachend). Ha! ha! ha! ha! – Jo, mine Herrn, – denn is dat ok woll an'n besten, dat wi mit de Kollekte uphürt! Hinstorff Gott Loff un Dank! – Jo, de höchste Tid! Reuter Äwer morgen fröh, bi'n Kaffee, – denn willn min Fründ Hinstörp nn ick uns noch en beten doran verlustriren! Hinstorff (sich hinterm Ohr krauelnd). Jowoll, – ne! – ne – Ick danke! – – Reuter Wofür? – – Du hest jo noch gornicks tregen, Hinstörp! Hinstorff Äwer utgeben doch all en Barg! Reuter Dor hest du Recht! – Dat is jo all en lütten netten Hupen wurrn! (Zu dem Briefträger). Na, nu schuben Sei man alles irst mal in de Büxentasch 'rinne! (Briefträger zögert.). Reuter Na! na! – nu man tau! man tau! – Süh, eben so as ick! (steckt sein Geld ein) Steffens (das Geld einsteckend). O, Herr Doktor, ich könnte weinen vor lauter Freude! Reuter. Wo veel mag dat denn woll bröcht hebb'n? Steffens. Ich weiß es nicht, aber die ganze Tasche ist ja voll! Hinstorff. Tweeuntwintig Daler un twei Mark! Reuter. Süh! Süh! Glik de Geschäftsmann! – – Achtunfößtig Mark! – Un wenn ick recht verstahn, – is de Wessel an den Balbir – – – Steffens (schnell, erschrocken). O, Gott! Reuter. Doch man föfftig Mark! (An den Briefträger). Wir't nich so? – – Un denn noch föfftig Mark as Dorlehn – – Steffens (zerknirscht). Ich stehe, wie vernichtet! Reuter. Na, na! – Wi sünd jo alltaumal Schuldner! – De eine mihr, – de anner minner! – Un so en Schuld, as dese, dat is noch lang nich de slimmste! Steffens. Ich wäre auch nicht so zurückgekommen, – wenn, meine Frau nicht krank geworden – und ich zugleich nicht das Unglück gehabt hätte, den Geldbrief zu verlieren! – – Reuter. Snackt, wi nich dorvon! – un makt wi doch irst mal den Öwerslag. – – Föfftig Mark un föfftig Mark – dat wirn hunnert! – – Un denn noch de föfftig, um mal wedder ut de Bedrängnis herut tau kamen – – Steffens (schnell). Ich schäme mich zu Tode! Reuter. Dat wirn hunnertunföfftig! – – Un de achtunfößtig dorvon – blifft noch tweiuntachentig Mark! – Un ick un Hinstörp – (Hinstorff schnellt empor). wi deilt uns den Quark! Hinstorff. Jowoll, Quark! – Für Ji Dichters is allns man en Quark! O, wat'n Lichtsinn! Reuter Für uns is dat Schönste dat Höchste! – Oder wenn du't würklich »denn nich wullt, so nehm ick dat allein up mi! – – Äwer wi hebbn bether jo noch alles so redlich mit enanner deilt – (weich und gerührt). Korling, – un wi hebb'n dat jo so riklich kregen! – Hinstorff (Nach kurzer Pause). Fritz! Fritz! – wat hest du für'n Hart! – büst du für'n Prachtminsch! – – Min Fritzing! (Ihm beide Hände drückend). Reuter (gerührt). Min Korling! – – Süh so! – Nu wir jo denn alles in Ordnung! – Nu kriggt de Balbir sin Geld. – un Ihre Lining, de kriggt den, den sei am leiwsten hett! Steffens. O, Gott! – Auch das wissen Sie schon?! – Ich möchte in die Erde sinken! Reuter. Jo, un man gaud, dat ick dat wüßt! – Denn dat's jo grad' de Hauptsak! – – Äwer pfui! – Wer kunn denn ok sin egen, hartleiw Kind woll so verschachern?! Steffens. Ich bin all der Wohltaten nicht wert! – – O, Herr, – – (will Reuter die Hand küssen, doch dieser zieht sie schnell zurück) Verzeihung! – Vergebung! Reuter. Ach wat! – Is gaud! is gaud! – Äwer nu lopen Sei un vertellen Sei irst mal Ihre kranke Fru alles, wat dor passirt is! – Steffens. Ich eile! – ich fliege! – Gott segne Sie alle! (Ab durch die Pforte im Hintergrunde) Reuter. Hei wir all in Nigen-Bramborg bi de Post, – un dor hett hei ok sine Fru kregen, – Sei un ihr Lining sünd Plattdütsche, – dor hett Lining noch tau Schaul gahn! – Dat wir vellicht beter för sei all west, wenn sei in Nigen-Bramborg bleben wirn, – Äwer hei is en Thüringer, un dor is denn jo woll dat Heimweh dortaukamen, – un as hier en Stell tau hebb'n wir, – hett hei ihr dor denn upgeben un is mit Fru un Kinner heröwerkamen. – – – – Äwer Kinnings, – wi verget jo ganz dat Drinken! (schenkt schnell ein, sein Glas ergreifend) Na, mine Herren, stöten wi denn irst mal an na de lange Sitzung, – (zu Hinstorff) Kumm Hinstörp, wi sünd nu beide mal en beten lichter wurrn! – (Alle stoßen an und trinken, aber nur wenig, so daß die Gläser fast voll bleiben) Slang (mit dem Taschentuch die Augen drückend) Neumann. Slang! – Slang! – nu rohrt hei wohrhaftig all wedder! Slang. Lat mi, Neumann! Louise Reuter (erscheint auf der Terasse) Zehnte Szene. Louise Reuter. Die Vorigen. Hinstorff. Süh dor! – Fru Dokterin! (Alle sehen nach der Terrasse hin) Reuter Hurra! – min Lowistng! (Sie kommt die Terrasse herunter). Neumann (zu Slang, schnell). Na, Slang, nu bedräg di doch schanirlich, – un fang mi nich wedder an tau rohren! Slang (schnell). Wat kann ick dorfür! Reuter Hier man her, min Wising! (Vorstellend). Herr Reimers un Herr Feldmann, studiosus juris un studiosus medicinae ut Rostock, – alias mit ihre Kneipnamen Herr Hummel un Herr Kühahn (beide verneigen sich, – auf seine Frau zeigend). Mine leiwe Fru Doktern, Lowising Reuter, geborene Kuntze! (Sie verneigt sich). Louise Reuter Herzlichst willkommen, meine Herren! – Hanning hat mir schon erzählt – – – Kühahn (schnell). O, weh! Hummel (schnell). Das ist Pech! Kühahn (schnell). Wir bitten sehr um Entschuldigung! Hummel (schnell). Es war ja alles nur Scherz! Louise Renter Auch durchaus nicht anders aufgefaßt! – Ich habe herzlich gelacht, – und Hanne auch! Kühahn. Dann war sie nicht mehr böse?! Louise Reuter. Im Gegenteil! – – Sie jubelte und eilte wieder hinaus! – Ich glaubte, hierher! Elfte Szene. Hanne Die Vorigen (Hanne tritt auf mit Lining an der Hand, durch die Pforte von links kommend). Neumann (dahin sehend). Sich, dor kümmt sei all! (Alle sehen dahin). Louise Reuter Un mit Lining an de Hand, – denn is sei tau ihr henlopen! Reuter Von mi henschickt, – um ihr gau mal hertauhalen! – Louise Reuter Un wenn ick min Männing fragen dörf, worüm? Reuter Hier spel sick so en lütte Geschichte af, – du büst grad tau rechter Tid kamen! Louise Reuter Min Männing, wat hest du denn all wedder vör?! – – Äwer mine Gaus, de lurt, – un ick will de Herrn nu bidden – – Reuter Glik, glik! – (Den Arm ausstreckend). Kumm, Lowising! – Man noch en Ogenblick! – wi lurt noch up en annern! Zwölfte Szene. Grillenberger Die Vorigen Grillenberger (erscheint mit dem Putzbeutel in der Hand vor der Pforte im Hintergrunde und hastet unruhig an der Klinke derselben, die er nicht sogleich öffnen kann). Hinstorff (dahin sehend). Dor kümmt de Balbir! Reuter (schnell). Dat is nich de rechte! – äwer 't dei't nicks! – Hei kümmt uns grad recht! Grillenberger (im Bogen rasch hereinlaufend bis in die Nähe des Tisches, ohne Hanne und Lining gesehen zu haben, er spricht sehr schnell und ist sehr beweglich und unruhig). Morjen, meine Herrschaften! – Morjen, Herr Dotter und Frau Doktern! – Morjen, Herr Hinstorff! (Er legt den Scherbeutel auf einen Stuhl, nimmt schnell Rasiermesser und Streichriemen heraus und streicht das Messer. Zu Hinstorff). Herr Hinstorff, – wenn's jefällig! – – Reuter Wenn Sei em man nich sniden dau'n! Grillenberger Ick? schneiden, – I wo! wie so?! – Ho! – Pariere! – Rasiere, frisiere im Blinden! Hinstorff Ne, – hüt doch leiwer nich! – wi töwen bet morgen! Grillenberger Bis morjen?! – Jut! morjen! (Während er den Streichapparat schnell einsteckt, das Messer aber nur zuschlägt und noch in der Hand behält). Dann komme ick morjen! Morjen, meine Herrschaften! Morjen! – (Mit dem Scherbeutel in der andern Hand schnell im Bogen ab). Hanne (rufend). Herr Grillenberger! – Herr Grillenberger! Grillenberger (schon im Hintergrunde, rasch herumspringend). Na! Hanne (lachend, schnell). Ha, ha, ha, ha! – Hier is de Brut! Grillenberger (schnell, hochaufspringend). Ha! Lining! Dreizehnte Szene. Krischan Detlef Die Vorigen Krischan (mit Detlef an der Hand von rechts auftretend, schnell). Un hie hie hier is de Fri Fri Frier! Linning Detlef (fast zugleich). Min Detlef! Min Linning! (sich in die Arme fliegend). Grillenberger (sehr beweglich, stummes Spiel, Überraschung, Zorn und Wut ausdrückend) Ha! (Läßt den Putzbeutel fallen). Entführung! – Raub! – Betrug! – (Wie mit der Hand die Seife schlagend). Ick schäume, ick schäume vor Wut! (Er schlägt das Rasiermesser auf, fuchtelt damit herum und geberdet sich, als ob er sich auf Detlef stürzen wollte). Louise Reuter (schnell). O Gott, Herr Grillenberger! Reuter (schnell). Hei hett'n Wutanfall! Kühahn Hummel (zugleich). Haltet ihn! Haltet ihn! (Beide stürzen hinzu und halten ihn, einer an jedem Arm). Grillenberger (mit dem offenen Messer in der Hand sich wütend geberdend und vorwärtsdrängend, doch von Kühahn und Hummel zurückgehalten). Ick schäume! – ick schäume vor Wut! – Blu – ut! – Blut! – Blut! Hummel Was? – Sie wollen morden? kühahn Und treiben Menschenhandel? Hummel Sie sind ja mit Blindheit geschlagen! – (Haut ihn auf den Hut, den Hut eintreibend). Grillenberger (aufspringend, schnell). Brr! – Brr! Brr! – Ah! Au! – Brr! Kühahn (schnell). Jawohl, mit Blindheit geschlagen! (Haut ihm auf den Hut und treibt denselben noch mehr ein.). Die Andern (lachen). Ha! ha! ha! ha! Grillenberger (hoch vor Wut auf- und niederbäumend, wird aber immer noch festgehalten und vermag daher nicht, sich den Hut vom Gesicht zu entfernen, schnell). Brr! brr! – Au! Ah! Ah! Brr! Mord! Neumann (aufstehend und hinzugehend). Kumm Slang! Du büst doch ok nich bang! Slang (Mit hinzuspringend). Wat? Mord?! Neumann Durch de Purt! Slang Smit em rut! Grillenberger (wie vorhin). Brr! Brr! – Au! Ah! Ah! – Brr! Mord! Slang Holl de Snut! Hummel (schnell). An die Luft mit dem Schuft! (Sie stoßen ihn durch die Pforte). Kühahn Hurra! – Un den Putzbüdel achterna! (Wirft den Putzbeutel hinterher). Grillenberger (im Abgehen hinter der Pforte). Rache! – Rache! – (Verschwindend). Rache! Rache! – Alle (lachen). Ha! ha! ha! ha! – Hurra! Reuter So, Kinnings, – im füll de Gaus woll smecken! – Un dar junge Por – da, – dar kümmt ok mit tau Disch! Louise Reuter Bravo, min Männing! – Un bi Disch, dor fiert wi de Verladung! Reuter Un ick holl de irste Red' un lat Brut un Brüdjam leben! – Hummel Aber noch vorher – und schon hier draußen, lassen wir noch einen andern leben! (Er singt mit Orchester, nicht zu laut, alle mit einstimmend, mehrstimmig). Stoßt an! Fritz Reuter soll leben! Reuter (abwehrend). Ah, ne! Ah! Alle Hurra, hoch! Stoßt an! Fritz Reuter soll leben! Hurra, hoch! Der die Sterne lenket am Himmelszelt, Der schenkt auch die fröhlichen Dichter der Welt! Fritz Reuter – Hoch! (Sie erheben die Gläser und stoßen an und trinken). Louise Reuter (ihm um den Hals fallend). Min Männing! (Der Vorhang fällt).