Die Eroberung von Mexiko durch Ferdinand Cortes Mit den eigenhändigen Berichten des Feldherrn an Kaiser Karl V. von 1520 und 1522 Herausgegeben von Arthur Schurig Inhalt Einleitung Ferdinand Cortes an Kaiser Karl V. Der Bericht vom 30. Oktober 1520 Ferdinand Cortes an Kaiser Karl V. Der Bericht vom 15. Mai 1522 Das Reich Mexiko und seine Hauptstadt Temixtitan Bericht eines Offiziers aus dem Heere des Ferdinand Cortes, erhalten in einer italienischen Übersetzung, gedruckt 1529     Allgemeines     Von den Tieren im Lande     Von den Leuten und Städten des Landes     Von den Kriegsleuten, Waffen und Kriegsbräuchen     Von der Kleidung der Männer und Frauen     Von einem merkwürdigen Stoff in Neu-Hispanien     Von der Nahrung des Volkes     Von den Getränken in Neu-Hispanien     Von der Staatsverfassung und den Gesetzen     Von dem Gottesdienst und den Tempeln der Mexikaner     Von den Städten des Landes     Die Berge und der große See von Mexiko     Von der Hauptstadt Temixtitan     Etliche Eigentümlichkeiten der Mexikaner     Aus den Denkwürdigkeiten des Feldhauptmanns Bemal Diaz del Castillo     Ferdinand Cortes Markgraf vom Tale von Oaxaka     Die Ereignisse vom November 1518 bis zum August 1519 Kleinere Ergänzungen zu den Berichten des Cortes   von Guicciardini, Acosta, Bernal Diaz, Las Casas und Clavigero     I nach Guicciardini     II von Franz Xaver Clavigero, gedruckt 1780. (Vgl. S. 43 u. 322 ff.)     III Von Josef Acosta, gedruckt 1589     IV In der Darstellung des Las Casas. (Vgl. den Bericht des Cortes S. 107 f.)     V Aus den Denkwürdigkeiten des Bernal Diaz. (Vgl. den Bericht des Cortes auf Seite 162 ff.)     VI erzählt von Bernal Diaz. (Vgl. den Bericht des Cortes auf S. 177 ff.)     VII erzählt von Bernal Diaz. (Vgl. den Bericht des Cortes S. 303.)     VIII nach der Darstellung des Bartholomäus de Las Casas 1540     IX von Franz Xaver Clavigero 1780 Der Feldzug des Cortes nach Honduras 1524-1526 berichtet von Antonio Lopez Gomara zuerst gedruckt 1553 Einleitung Nach der so glücklichen Vereinigung von Kastilien und Aragon war Spanien zu Beginn des 16. Jahrhunderts das Land Europas, dem man die größte Zukunft voraussagen durfte. Unter der Herrschaft Karls des Fünften (1516-1556) schien es sich in der Tat zum ersten Reiche der Welt entwickeln zu wollen. Das Land, das noch im Mittelalter voller Unruhe und Wirrwarr gewesen war, begann sich innerlich zu ordnen und zu festigen. Es hatte den Anschein, als ob das Volk im Einzelnen wie in der Gesamtheit zur Erkenntnis gekommen sei, daß der Stolz, einem zur Weltmacht emporwachsenden Staate anzugehören, die Pflicht der Selbstbeschränkung in sich schließt. Es erstand aus der bisher ungezähmten, ziellosen und selbstsüchtigen Masse, aus dem Adel, aus der Geistlichkeit, aus den Bürgern eine kleine Schar von kraftvollen, klugen und zähen Männern, die in der Erweiterung ihres Vaterlandes eine Erweiterung ihres eigenen engen Daseins, ihres Lebenszieles, ihres Glückes sahen und fanden. Wenn sich jene vielversprechende Voraussagung, wie wir wissen, auf die Dauer nicht erfüllt hat, trotz des großen Glanzes, dessen sich Spanien eine Zeitlang erfreute, so hat dies im wesentlichen daran gelegen, daß den wenigen großgeistigen Führern die Masse des Volkes nicht zu folgen vermochte. Es ist schwer, sich eine anschauliche und wahrhaftige Vorstellung Spaniens und seiner inneren Zustände in jenem Zeitalter zu machen. Die späteren Geschichtschrelber und Erzähler haben uns ein zu märchenhaftes Bild insbesondere von seinen Reichtümern vor Augen gestellt. Stark davon abweichen die zeitgenössischen Berichte, wie der des Guicciardini aus dem Jahre 1513, geschrieben allerdings von der hohen Warte der Kultur der Renaissance. Guicciardinis Schilderung findet man in den Anhängen, S. 409 ff. Über Karl V. und die Verhältnisse seines Reiches unterrichtet uns das etwas schwerfällige Werk: H. Baumgarten, Geschichte Karls V. (Stuttgart 1885-1892, 3 Bände). Der kriegerische Geist, den der Florentiner hervorhebt, hat in Spanien im 15. und 16. Jahrhundert vorgewaltet. Wir erkennen ihn am besten in der Literatur von damals, die so reich an Ritter- und Abenteuerromanen ist. Sie spiegelt ihre Zeit,in der das Maß aller Dinge der Degen ist. Die jungen Leute jedweden Standes drängen sich tatenlustig zu den Waffen, die Frauen schenken ihre Huld nur um Heldentum, und die Altgewordenen hören nicht auf, sich der erlebten Kämpfe und Gefahren zu erinnern. Allenthalben herrscht Mars. Stolzer fast als auf seinen Don Quijote ist Cervantes darauf, unter Don Juan d'Austria bei Lepanto gefochten und Wunden davongetragen zu haben. Nach der Entdeckung der Neuen Welt durch Christoph Kolumbus (1492) gesellte sich zur Vorliebe am Waffenhandwerk und zum Hang am Abenteuerlichen der Drang nach den noch sagenhaften Fernen, eng verknüpft zumeist mit der Gier nach Gold. Verführt durch die Schilderungen und Fabeleien von den Reichtümern Amerikas trachteten Tausende nach nichts eifriger, als sich mit ihrem Leben und ihrem Vermögen an einer Fahrt nach dem Wunderlande beteiligen zu können. Der Eroberer eines bisher nie betretenen Reiches zu werden, war der Traum jedes, der es zuwege brachte, ritterlich gerüstet in eines der nach Westen segelnden Schiffe steigen zu dürfen. Der Staat hütete sich, derlei Unternehmungen selber auszustatten und abzusenden. Mit sehr wenigen Ausnahmen sind alle Entdeckungsfahrten das Werk ihrer Unternehmer. Erst nachträglich, wenn sich Erfolg und Gewinn einstellten, schloß das Mutterland mit dem Entdecker Verträge ab, um sich gegen Titel, Würden und Bestätigungen einen Anteil an der Beute zu sichern. Auf diese dem Staate bequeme Weise gewann Spanien unter Kaiser Karl dem Fünften jenseits des Weltmeeres beträchtliche Macht. Die Antillen, Florida, Yukatan, Mexiko, Honduras, Guatemala, Panama, Nikaragua, Venezuela, Kalifornien, Peru und Chile waren ein großartiger Zuwachs an zukunftsreichem Land. Und doch ist der so glücklich scheinende neue Besitz für Spanien in höchstem Grade verderbnisvoll geworden. Ein Land, das teilweise selber noch brach liegt, das nur schwach bevölkert und arm und das vor allem schlecht verwaltet und voller Mißstände ist, kann noch nicht daran gehen, überseeische Kolonien zu gründen. Dazu kommt beim Spanier jener Zeit, daß ihn schon die Grundzüge und Eigenschaften seiner Natur wenig geeignet zum Kolonisator machten. Seine kirchliche Unduldsamkeit, seine hochmütige Verachtung anderer Völker und ihrer Bildung, die eigene Kulturarmut, vor allem aber seine maßlose Herrschsucht, Grausamkeit und Raubgier trugen die Schuld daran, daß ihm seine glänzenden Eroberungen keinen rechten Segen gebracht haben. Das beste Vorbild hätte er sich an den alten Römern nehmen können. Auch die römischen Feldherren, Offiziere und Soldaten haben sich in den von ihnen eroberten Ländern in nicht geringer Weise bereichert, aber Rom war doch immer sehr bald um das Wohl seiner neuen Untertanen ernstlich bedacht, und dank einer meisterlichen Verwaltungskunst sind fast alle Kolonien der Römer zu hoher Blüte und wirklicher Gesittung gelangt. Wie anders war es bei den Spaniern, die in Westindien und im übrigen Amerika niemals etwas anderes im Sinne gehabt haben als Raub und persönlichen Vorteil. Ihr Mangel an Selbstzucht, ihre geistige Unreife und ihre staatsmännische Kurzsichtigkeit haben in der Folge nicht nur jene wunderbaren Kolonien zugrunde gerichtet, sondern auch das Mutterland, das so viel versprochen hatte. Wie verheerend die Eroberer unter den Eingeborenen gehaust haben, geht beispielsweise aus folgenden Zahlen hervor. Die Insel Haiti (Hispaniola) hatte bei der Ankunft der Spanler 1100000 Einwohner; im Jahre 1510 waren davon noch 46000 übrig; 1514 noch 16000; 1517 (nicht nur infolge der Blattern) nur noch 1000. Nicht viel menschlicher ist es auf den anderen Inseln hergegangen. Las Casas, der ebenso unermüdliche wie erfolglose Kämpfer für eine bessere Behandlung der armen Indianer, faßt 1560 sein Endurteil über die Mißerfolge seiner Landsleute in den Worten zusammen: »Gott hat es zugelassen, daß die Räte unserer Könige eine große und reiche Welt zu ungeheuerlicher Schmach des christlichen Glaubens ausgeraubt und verödet haben. Für diese Verwüstung und diese unerhörte Verminderung des Menschengeschlechts steht ihnen keinerlei Entschuldigung zur Seite. Denn sie geschah nicht an einem Tage oder in einem Jahre, auch nicht in zehn oder zwanzig Jahren, sondern sechzig und mehr Jahre lang. Während dieser Zeitläufte gingen tagtäglich die Berichte vieler Mönche und glaubwürdiger Männer über jene Zustände ein, aber nie erfolgte etwas dagegen. Gott hat sich dann abgewandt, und statt daß Hispaniens Könige nun die reichsten und glücklichsten Fürsten wären, sind sie die allerärmsten. Obgleich sie mehr als 200 Millionen Dukaten an Gold, Silber, Perlen und Edelsteinen aus Westindien gewonnen haben, so ist doch alles das verschwunden, als wäre es Rauch gewesen. Alle diese Summen haben ihnen nicht herausgeholfen aus ihren großen und endlosen Kriegen und Nöten Bartolome de Las Casas, Historia de las Indias, Madrid 1540. Eine französische Übersetzung ist 1579 in Antwerpen erschienen, eine Verdeutschung der französischen 1597. .« An späteren Stellen dieses Buches wird ersichtlich, daß einzelne Persönlichkeiten der kaiserlichen Kanzlei – die nie aussterbenden Besserwisser in der Heimat! – alles andere denn Förderer der Kolonien waren, aber im allgemeinen liegt die Schuld nicht bloß an den Räten, wie Las Casas meint, sondern am dunklen Geist des Ganzen. Das Volk der Spanier war im wahren Sinne nicht frei und überlegen genug, die Welt zu beherrschen. Die bereits erwähnte, uns fast unglaubliche Vernichtung der Bevölkerung in den amerikanischen Ansiedelungen der Spanier hat zwei Ursachen: die grausame Ausnutzung der sogenannten Repartimientos – darunter versteht man die Zuteilung von Indianern zur Arbeit – und die unselige Verrücktheit, das Christentum mit Gewalt zu verbreiten. Die Eingeborenen der eroberten Länder wurden erbarmungslos zu Sklaven gemacht und mußten sich in der vollen Bedeutung des Wortes zu Tode schinden. Und die Bekehrung von ein paar tausend Indianern zum Glauben Christi erfolgte, indem man Millionen anderer unter den Augen von Geistlichen und Mönchen mißhandelte, schändete, folterte, niederstach, hängte und verbrannte. Einander gegenübergestellt waren die christlichen Spanier zweifellos größere Barbaren als die heidnischen Indianer, wenngleich unter ihnen damals noch Menschenopfer stattfanden. Die Verdienste der Spanier um Gesittung und Menschlichkeit auf Erden sind gering. Alles in allem sind diese Zeiten in Spanien finster und der Nachwelt unerfreulich, und Jakob Burckhardt behält recht, wenn er voller Abscheu von »jenen Spaniern« spricht, »in denen vielleicht ein nicht-abendländischer Zusatz des Geblüts, vielleicht die Gewöhnung an die Schauspiele der Inquisition die teuflische Seite der Natur entfesselt hatte. Wer sie bei ihren Greueltaten kennen lernt, hat es schwer, sich für Ferdinand den Katholischen oder Karl den Fünften im höheren Sinne zu interessieren. Diese haben ihre Horden gekannt und sie dennoch losgelassen Kultur der Renaissance, 5. Auflage, II, 103. .« Es waren in der Hauptsache zügellose und goldgierige Abenteurer, die aus reiner Selbstsucht, ohne jedes edlere Ziel, die Neue Welt entdeckten und eroberten. Aber aus welch niedrigen und begehrlichen Trieben diese Scharen so tapfer und draufgängerisch auch bloß gewesen sein mögen, sie sind zu Helden geworden als gehorsame Werkzeuge ihrer nach Höherem trachtenden beharrlichen Führer. Diese Kondottieri durchleuchten ihre blutige und düstere Zeit, mildern die Schwächen und Verbrechen ihres Jahrhunderts und verleihen den gemeinen Geschehnissen durch die Wucht ihrer Tatkraft das Gepräge der Großartigkeit. In unseren Tagen, inmitten des die Alte Welt umstürzenden gewaltigen Krieges, haben wir mehr denn je das rechte Verständnis für die großen Feldherren der Vergangenheit. Alexander der Große, Hannibal, Cäsar, Turenne, Friedrich der Große und Bonaparte, die wir vor dem Trugbilde des ewigen Friedens halb vergessen hatten, stehen in ihrem unverblichenen Glanze von neuem vor uns, um in die Mitte ihrer kleinen Schar den Turenne unserer Zeit aufzunehmen. Ferdinand Cortes, der Eroberer von Mexiko, dessen Leben und Taten wir im folgenden gedenken, gehört dem hohen Siebengestirn des Mars nicht an, weil sein Degen nicht das Glück gehabt hat, an der Spitze großer Heere europäische Kämpfe zu entscheiden. Doch auch er ist ein genialer Feldherr, von seinen Zeltgenossen in den Himmel gehoben und wohl wert der Bewunderung noch in unserem Jahrhundert. Ferdinand Cortes, geboren 1485 in Medellin in der Landschaft Estremadura, entstammt einer spanischen Ritterfamilie Mitunter findet man auch das Jahr 1487 als das Geburtsjahr des Eroberers angegeben. . Sein Vater, Martin Cortes von Monroy, war Hauptmann der Infanterie, ein Kavalier in bescheidenen Vermögensverhältnissen. Wir wissen nichts Besonderes von ihm. Die Mutter, die eine vortreffliche Frau gewesen sein soll, trug die klangvollen Namen Katalina Pizarro Altamirano. Als Kind war Cortes auffällig schwächlich. Erst allmählich kräftigte sich sein Körper. Vierzehn Jahre alt, ward er nach Salamanca geschickt, auf die berühmte Hochschule, wo er sich der Rechtsgelahrtheit widmen sollte. Offenbar war es seinen sorglichen Eltern darum zu tun, ihrem Sohne einen erwerbsreichen Beruf zu sichern. Daß diese stubenhockerige Wissenschaft einem künftigen großen Feldherrn nicht behagen konnte, ist kaum verwunderlich. Es dünkt uns schon viel, daß der lebhafte Junge zwei Jahre im Dunstkreise der Pandekten verblieb. Allerdings kümmerte er sich so wenig um seine Sache, daß der betrübte Vater ihn schließlich wieder heimrief. Gleichwohl scheint die kurze Studienzeit nicht gänzlich ohne Ergebnisse geblieben zu sein. Es wird uns versichert, daß der junge Cortes gar wohl Latein verstanden, sich einen vortrefflichen Stil angeeignet und sogar leidliche Verse hergestellt habe. Der alte Geschichtschreiber, der uns dies überliefert, fügt spöttisch hinzu, diese Verse seien nicht ohne Wert, dieweil sie von Cortes wären. Die Universität von Salamanca hat ihm – später, als aus dem Versemacher der Eroberer geworden war – den Doktorhut verehrt. Aus glaubwürdiger Quelle wissen wir ferner, daß der gescheiterte Studiosus in den folgenden Jahren nichts Ernsthaftes betrieben hat, vielmehr allerhand dumme Streiche verübte und seine braven Eltern durch seinen Trotz unglücklich und ratlos machte. Siebzehn Jahre alt, gestand er seinem Vater, er wolle Soldat werden. Vermutlich waren es die Ritterromane, die den Drang nach romantischem Heldentum in ihm erweckt hatten, jene Amadisbücher, in denen tollkühne Rittertaten, die Reichtümer des Morgenlandes, abenteuerliche Pilgerfahrten ins Heilige Land und seltsame Gelübde um die Minne hoher Damen einander abwechseln. Aber neben diesen schwülen, finsteren und bluttriefenden Büchern altspanischer Erzähler, die hundert Jahre vor dem Don Quijote in der Mode waren, haben auch unvergängliche Schöpfungen des edelsten menschlichen Geistes ihren Einfluß auf den jungen Cortes ausgeübt: Werke der Antike, vor allem Plutarch, der 1470 in einer lateinischen Übersetzung in Italien gedruckt worden war. Die großen Feldherren Alexander und Cäsar sind nicht ohne bleibende Wirkung vor die Einbildungskraft des künftigen Eroberers getreten. Sein Kriegskamerad, der Hauptmann Bernal Diaz von Castillo Bernal Diaz del Castillo. Historia verdadera de la conquista de la Nueva España, Madrid 1632, Folio. Neudruck: Madrid 1795 f., 4 Bände, 8°. Zwei deutsche Übersetzungen: Denkwürdigkeiten des Hauptmanns Bernal Diaz del Castillo oder wahrhafte Geschichte der Entdeckung und Eroberung von Neu-Spanien ... aus dem Spanischen ins Deutsche übersetzt... von Ph[ilipp] J[oseph] von Rehfues. 2 Bände. Bonn, bei Adolf Marcus, 1838, 8°, I.XIII u. 300 u. 352 Selten. Bernal Diaz del Castillo. Die Entdeckung und Eroberung von Mexiko. Mit Vorwort von K. Ritter. Mit 1 Karte. Gotha (Gera) 1847. Bernal Diaz del Castlllo, geboren um 1495 ln Medina del Campo ln der Landschaft Leon, von schlichter Herkunft, kam 1514 nach Panama, nahm 1517 an der Fahrt des Francisco Hernandes von Cordova und 1518 an der des Grijalva teil. Dann trat er in das Heer des Cortes, als einfacher Mann zu Fuß. Im Jahre 1521 erhielt er eine ansehnliche Encomienda ln Koazakualko. Auch wurde er Mitglied des Gemeinderates daselbst. Im Jahre 1524 nahm er auf den Wunsch des Cortes am Zuge nach Honduras teil. Nachdem (1526) finden wir ihn wieder ln Koazakualko. 1540 ist er vorübergehend in Spanien, kurz vor der Ankunft des Generalkapitäns, offenbar um, ähnlich wie Cortes selbst, eine reichere Entschädigung für seine geleisteten Kriegsdienste zu erwirken. Fortan hat sich der nun Fünfundvierzigjährige nicht mehr an Feldzügen beteiligt. Bald nach seiner Rückkehr siedelte er nach der Stadt Guatemala über, wo er eine neue Encomienda erhielt und auch wieder in den Rat der Stadt gewählt wurde. 1550 reist er abermals nach Spanien, vermutlich dahin berufen als Sachverständiger bei der Festsetzung von Entschädigungen an Feldzugsteilnehmer oder als Ältester im Auftrage der übrigen Kriegsgenossen, um Entschädigungen durchzusetzen. Er selbst gibt ersteres als Grund an. 1551 ist er wieder ln Guatemala, wo er bis zu seinem Tode (um 1580) verblieben ist. Er soll über achtzig Jahre alt geworden sein. Verheiratet war er vermutlich mit einer Indianerin. Er hat Kinder und Enkel gehabt, über deren Schicksal wir nichts wissen. In seinen Gewohnheiten ist er zeitlebens Landsknecht geblieben. So erzählt er von sich: »Ohne Prahlerei kann ich sagen, daß ich an das Leben im Felde derartig gewöhnt war, daß es mir nach der Eroberung des Landes nie möglich gewesen ist, mich ausgekleidet niederzulegen, insbesondere in ein Bett. Dennoch schlafe ich so fest, als läge ich auf den weichsten Daunen. Selbst wenn ich meine Encomienda bereise, nehme ich nie ein Bett mit, es sei denn, ich ginge in Gesellschaft von anderen Kavalieren, die gar glauben könnten, ich hätte keins. Aber auch dann lege ich mich angekleidet darauf. Übrigens kann ich in der Nacht nicht lange schlafen, ohne hin und wieder aufzustehn, um nach dem Himmel und den Sternen zu schauen und eine Welle an der freien Luft zu bleiben, und dies ohne Kopfbedeckung. Gott sei Dank, es hat mir das noch nicht geschadet. Ich erwähne solcherlei, damit die Welt erkennt, aus welchem Schrot und Korn wir waren, wir, die echten Eroberer, und wie wir an Waffen und Wachen gewohnt waren.« Zur Kennzeichnung seiner und wohl der Art fast aller seiner Waffenbrüder, sich und seine Kriegstaten herauszustreichen, sind ein paar Seiten ( S. 341 -343 dieses Buches) aus einem Schlußkapitel seiner Feldzugserinnerungen den anderen Auszügen daraus vorangesetzt. Diese Denkwürdigkeiten hat der Feldhauptmann wahrscheinlich nach der Rückkehr von seiner zweiten Reise nach Spanien niederzuschreiben begonnen. Sie find also in der Zeit von 1551 bis 1568 entstanden. Die ihm recht ungewohnte schriftstellerische Arbelt hatte den Zweck, seine und seiner Freunde Verdienste um die Eroberung von Mexiko der Mit- und Nachwelt bekanntzugeben. Er und so mancher andere fühlten sich vom Vaterlande, für das sie so oft ihr Leben eingesetzt hatten, nicht nach Wunsch belohnt. Auch genügte die 1553 erschienene Darstellung des Gomara in dessen Cronica de la Nueva Espana (vgl. S. 59 und 74 ) seiner Eitelkeit allzuwenig. Außer Gomaras Werk hat Diaz noch andere Bücher über die Eroberung von Mexiko gekannt, so die beiden des Gonzalo Ferdinandez von Oviedo, (Historia de las Indiasa), die 1525 und 1526 erschienen sind, selbstverständlich auch die Drucke des zweiten und dritten Berichts des Cortes. Die Denkwürdigkeiten des Bernal Diaz sind erst lange nach seinem Tode, 1632 zu Madrid, gedruckt worden. , erzählt, Cortes habe den vielseitigen Gegner des Pompeius in seinem Wettstreite mit Velasquez und Narvaez vor Augen gehabt, und auf seinem mühevollen Marsche nach Honduras habe er sich gefühlt wie der große Makedonier auf seinem Zuge nach Indien. Auch hat uns Diaz einen merkwürdigen Zwischenfall überliefert. Als am 13. August 1521 Mexikos Hauptstadt erstürmt wurde, gelang es dem Könige Guatemozin, auf einer Barke durch die Rennschiffe der Belagerer zu kommen. Bald aber holte ihn der Schiffshauptmann Garcia von Holguin ein und nahm ihn samt dem Fürsten von Tezkuko und etlichen Edelleuten gefangen. Da Holguin unter dem Befehle des Obersten Gonzalo von Sandoval stand, erhob dieser alsbald Anspruch auf die Person des gefangenen Königs und gebot seinem Unterführer, ihn ihm auszuliefern. Er sei der Oberbefehlshaber aller spanischen Schiffe. Der Streit, der sich nun entspann, weil Holguin sich weigerte, ward erst durch den herbeigerufenen Generalkapitän geschlichtet, und zwar dadurch, daß Cortes an einen ähnlichen Streit aus der Geschichte der alten Römer erinnerte. In der Rede, die er bei dieser Gelegenheit gehalten hat, sagte er: »Als Sulla seinen Siegeseinzug in Rom hielt, führte er den Jugurtha an einem eisernen Halsband unter den Schaustücken seiner Beute dem Volke vor. Marius fand dies ungebührlich und meinte, niemand als er habe das Recht, dem Gefangenen Ketten anzulegen. Sulla hätte seine Erlaubnis dazu einholen und die erhaltene Genehmigung kundtun müssen, denn er (Marius) habe den Oberbefehl gehabt, und Sulla habe den Jugurtha auf seinen ausdrücklichen Befehl gefangengenommen. Aus diesem Streite sind langwierige Bürgerkriege zwischen Marius und Sulla entstanden. Die Frage aber, wem die Ehre von Jugurthas Gefangennahme gebührt, ist bis auf den heutigen Tag unentschieden geblieben.« Nicht nur aus dieser Begebenheit, sondern auch aus mancher anderen sind an Ferdinand Cortes Züge erkennbar, die an berühmte klassische Vorbilder erinnern. Die Vernichtung der Flotte bei Beginn des Vormarsches gemahnt an die gleiche – von Aurelius Viktor überlieferte – Tat des Kaisers Julian während seines Feldzuges gegen Persien im Jahre 363. Auch bei Thukydides steht ein ähnlicher Vorgang aus dem Beginne des Peloponnesischen Krieges. Daß Cortes lateinische Sprüche liebte, beweisen mehrere Stellen in den Denkwürdigkeiten des Bernal Diaz. Auch im Berichte des Eroberers aus dem Jahre 1520 (S. 103) kommt ein lateinisches Sprichwort vor. Auf seiner Standarte stand der berühmte Fahnenspruch des Kaisers Konstantin: Hoc signo vinces! Der junge Cortes erhielt die erbetene väterliche Erlaubnis, und vermutlich hat er die folgenden Jahre irgendwie im Wirkungskreise des Soldatenlebens verbracht. Seine Fertigkeit im Reiten, Fechten und Schießen, vor allem aber seine spätere Meisterschaft in taktischen und strategischen Künsten als Feldherr in Neu-Spanien weist ganz entschieden auf eine regelrechte militärische Erziehung zurück. Um jene Zeit rüstete sich Kolumbus zu seiner vierten und letzten Fahrt nach der Neuen Welt (1502-1504). Verlockt vom geheimnisvollen Ruhme des großen Entdeckers, änderte der Siebzehnjährige seinen bis dahin heißen Wunsch, in das Heer des Gonzalo von Cordova einzutreten und dem Gran Capitano nachzueifern. Er ließ sich für ein Geschwader anwerben, das Nikolaus von Ovando ausrüstete, der damalige Statthalter auf Hispaniola (Haiti). Indessen verhinderten die Folgen eines galanten Abends, daß Cortes an Bord ging. Beim Überklettern einer Gartenmauer war er abgestürzt, und als die Flotte auslief, lag er noch krank danieder. Erst zwei Jahre später (1504) gelangte er in die Neue Welt, nach Haiti, wahrscheinlich als Geheimschreiber des Don Diego von Velasquez. Nach stürmischer und gefahrvoller Überfahrt, während der, wie üblich, für einige Tage an den Kanarischen Inseln gelandet worden war, betrat er den amerikanischen Boden. Ovando wies dem jungen Manne Land und Eingeborene an, wobei er ihm den guten Rat gab, den sicheren Ertrag dieses Besitzes dem unsicheren Gewinn bei abenteuerlichen Fahrten vorzuziehen. Es scheint, daß Cortes schlecht und recht bemüht war, dieser Weisung zu folgen. Daneben aber widmete er sich dem Handwerke des Soldaten. Er nahm an den verschiedenen Zügen gegen die Indianer teil, die Velasquez für Ovanda unternahm. Dabei lernte er die Gefechtsweise der Eingeborenen kennen, ihre Sitten und Gebräuche, zugleich auch die Grausamkeit und Habgier der spanischen Ansiedler. Diego von Velasquez war einer der ersten Spanier, die ihr Glück in der Neuen Welt gesucht und gefunden haben. Er war Teilnehmer an der zweiten Reise des Christoph Kolumbus (1493-1496) gewesen. Später auf Haiti erwarb er sich ein beträchtliches Vermögen und war bald einer der angesehensten Ansiedler auf der Insel. Als Diego Colon, der Sohn des Kolumbus, daran ging, Kuba zu erobern, wurde Velasquez der Führer des Feldzuges. Es gelang ihm im Jahre 1511 die Insel zu unterwerfen, ohne dabei von seinen 300 Mann auch nur einen einzigen zu verlieren. Auch an diesem Zuge hat der tatenlustige junge Cortes teilgenommen. Sein Verhältnis zu Velasquez in damaliger Zeit liegt in unerforschtem Dunkel. Herrera berichtet in seiner berühmten Geschichte von Indien (1601) wenig Erfreuliches darüber Antonio de Herrera, Historia general de los Indios occidentale desde 1492-1545. 1.-4. Dekade, Madrid 1601; 5-8. Dekade, Madrid 1615, 5 Bände, Folio. Neudruck: Madrid 1730. Ist in viele Sprachen übersetzt. . Nach seiner im allgemeinen zuverlässigen Darstellung soll sich Cortes mit Gegnern des Velasquez eingelassen und an ihren schlimmen Machenschaften gegen ihn teilgenommen haben. So sehr aufgebracht Velasquez zuerst gewesen sein soll, er verzieh seinem Schützling doch. Ein Zeitgenosse sagt von dem damals sechsundzwanzigjährigen Cortes: Er zeigte noch wenig von den großen Eigenschaften, die er später bewiesen hat. Seit 1511 hatte Velasquez von Diego Colon die Verwaltung Kubas anvertraut bekommen und es rasch verstanden, sich völlig selbständig zu machen. Es bleibt ungewiß, ob letzteres aus zielbewußter Undankbarkeit und Rücksichtslosigkeit geschehen ist oder vor allem durch den Einfluß des Juan Rodriguez von Fonseca, des Bischofs von Burgos und schon langjährigen Vorsitzers des Königlichen Rates von Indien. Dieser Fonseca, ein verbissener Kanzleimensch, war ein erbitterter Gegner schon des Kolumbus. Ebenso feindselig hatte er den klugen Plänen des Balboa entgegengearbeitet. Sehr bald wurde er auch der niederträchtigste Widersacher des Eroberers von Neu-Spanien. Kühne, kraftvolle, soldatische Naturen waren ihm ein Greuel. Cortes war noch immer ein Sohn des göttlichen Leichtsinnes. Bernal Diaz erzählt, er sei öfters in Liebesabenteuer und sich daran knüpfende böse Händel verstrickt gewesen. Eine der von ihm verführten Damen war die schöne Doña Katalina Suarez, eine der vier Töchter des Diego Suarez aus Granada. In der Leidenschaft des Begehrens hatte er ihr die Ehe versprochen, war aber hinterher sehr saumselig, ihr seine schöne Freiheit auf die Dauer zu opfern. Die darüber erbitterte Familie wandte sich an den Statthalter, und Velasquez ließ den Angeschuldigten kurzerhand einsperren. Cortes soll aber gewaltsam aus seinem Gefängnis entronnen und in eine nahegelegene Kirche geflohen sein. Ein Spanier namens Escudero lockte ihn aus der Freistatt und brachte ihn von neuem in die Gewalt der Obrigkeit. Abermals entkam Cortes unter Lebensgefahr. Dann aber war er weltklug, gab jeden Widerstand auf und ließ sich brav verheiraten. Damit hatte er die Gunst seines Gönners von neuem errungen. Geheimschreiber ward Cortes zwar nicht wieder, aber Velasquez gab ihm ansehnliches Land sowie das dazu nötige Repartimiento an Eingeborenen und setzte ihn in den Gemeinderat der Stadt Barakoa, wo er fortan wohnte. Jenen Escudero ließ Cortes übrigens bei der ersten besten Gelegenheit an den Galgen hängen Vgl. S. 84 sowie Anmerkung 22 . . Ein nachträglicher und kleinlicher Mensch war Velasquez offenbar nicht. Herrera ist der Meinung, er sei von edlem Sinn gewesen, durchaus ohne Rachsucht. Wenn wir ihn später als grimmigen und hartnäckigen Feind des Cortes sehen, und zwar im Bunde mit dem Bischof von Burgos, so müssen dabei Umstände und Geschehnisse von Gewicht nachwirken, die der Nachwelt unbekannt sind. Sehr bald galt Cortes als wohlhabender Mann. Es wird berichtet, er habe nach wenigen Jahren ein Vermögen von 2500 Pesos (gleich 100000 Mark, nach dem damaligen Geldwerte) gehabt. »Gott allein weiß – sagt Las Casas – auf Kosten von wieviel Indianerleben!« Allem Anschein nach führte Cortes in jenen Jahren das beschauliche Dasein eines Großgrundbesitzers. Das im Westen und Nordwesten von Kuba vermutete Land war damals noch wenig bekannt. Erst 1517 rüstete Francisco Hernandez von Cordova, ein reicher Spanier auf der Insel, eine Unternehmung dahin aus und entdeckte die Halbinsel Yukatan sowie die Küste von Kampeche. Die ganze Sache war aber ohne militärisches Geschick geleitet. Man geriet in unnütze Gefechte mit den Eingeborenen, wobei Cordova und manch anderer verwundet wurden. Noch im Jahre 1517 war man wieder in Havana. Cordova starb kurz nach der Heimkehr an seinen Wunden. Nunmehr rüstete Diego von Velasquez, der Statthalter von Kuba, selbst eine Unternehmung aus. Was dieser eifrige Mann angriff, mußte flott vonstatten gehen. Bereits am 1. Mai 1518 gingen vier Schiffe unter dem Oberbefehl des Juan von Grijalva, eines Vetters des Statthalters, in Santiago unter Segel. Unter den Mitfahrern waren Pedro von Alvarado, Francisco von Montejo, Alonso von Avila, Bernal Diaz und andere, die später auch am Feldzuge des Cortes teilgenommen haben. Grijalva, eine unselbständige Natur, hielt sich ängstlich an den Wortlaut der ihm von Velasquez mitgegebenen Weisungen. Er erkundete die Küste von Yukatan, wagte es aber nicht, eine Ansiedelung zu gründen, so sehr ihm seine Gefährten dazu rieten. Nach einigen Tauschgeschäften mit den Eingeborenen kehrte er nach Kuba zurück. Alvarado war schon vom Tabasko aus mit Beutestücken zurückgesandt worden. Diego Velasquez war mit dem geringen Erfolge der Unternehmung nicht zufrieden, erkannte aber den Zukunftswert dessen, was Grijalva festgestellt hatte, und bereitete sofort eine neue Unternehmung ebendahin vor. Den Oberbefehl erhielt Ferdinand Cortes. Fünf Monate nach der Abfahrt von Kuba erreichte das Geschwader des Cortes die – von Grijalva 1518 so benannte – Insel San Juan de Ulloa, das Ziel seiner Fahrt. Es war am Grünen Donnerstag des Jahres 1519. Bis dahin hatten sich verschiedene Zwischenfälle zugetragen, die uns Bernal Diaz in seinen Denkwürdigkeiten getreulich berichtet. (Vgl. das daraus mitgeteilte Stück S. 341 ff.) Von Bedeutung ist die Landung an der Mündung des Grijalva-Stromes, den Cortes meist den Tabasko nennt. Hier fand das erste Gefecht auf dem Boden Neu-Hispaniens statt, die sogenannte Schlacht am Tabasko, am 25. März 1519. Cortes focht mit 500 Mann zu Fuß, 12 Reitern und 6 Geschützen. Die Ritter, von ihm persönlich geführt, entschieden den Kampf. Auf der Seite der Gegner sollten fünf große Haufen zu je 8000 Mann, also insgesamt 40000 Mann, gestanden haben. Dies ist zweifellos stark übertrieben, wie man schon an den angeblich geringen Verlusten der Spanier erkennt, selbst wenn diese, wie man annehmen darf, in Wahrheit größer waren. Nicht nur Bernal Diaz, sondern beinahe alle alten spanischen Erzähler pflegen die zahlenmäßige Überlegenheit und die Verluste der Feinde ins Unglaubliche zu steigern, die eigene Einbuße hingegen zu verringern, um die Tapferkeit ihrer Landsleute um so mehr strahlen zu lassen. Am Karfreitag, am 22. April 1519, betraten die Spanier das Festland, und zwar an der Stelle, wo seit dem Ende des 16. Jahrhunderts das jetzige Verakruz steht, der Haupthafenort des heutigen Freistaates mit 25000 Einwohnern. Bereits in den ersten Tagen erhielt Cortes durch indianische Häuptlinge zunächst noch unklare Kunde vom damaligen großen Reiche Mexiko und seinem gefürchteten Könige Montezuma. Der Auftrag, den Diego von Velasquez dem Generalkapitän erteilt hatte, erheischte zwar nichts als die Erkundung der Küste, verbunden mit dem Erwerb von etwas Gold durch Tauschhandel, und vielleicht noch die Auffindung eines Hafens. Aber es unterliegt keinem Zweifel, daß Ferdinand Cortes an jenem Grünen Donnerstag den Entschluß gefaßt hat, eine stattliche Kolonie am Meere zu gründen und das Hinterland bis weit in das Innere zu erobern. Und als ihm der Name Montezuma als der eines mächtigen und reichen Fürsten zum erstenmal entgegenklang, erkannte er sofort das erste Ziel seines Feldzuges: die 80 mexikanische Meilen (450 Kilometer) entfernte Hauptstadt dieses Herrschers, an dessen Stelle zu treten, von Stund an sein Traum und Wille war. Acht Tage nach der Landung trafen bereits die erste Gesandtschaft Montezumas an Cortes ein und mit ihr die Gastgeschenke, die einen fabelhaften Reichtum des Landes verrieten. (Vgl. die Aufzählung auf S. 386 ff.) Dieses Gold und Silber, diese Perlen und Smaragde, Federstickereien, Stoffe und Schmiedearbeiten in einem Gesamtwerte von mehreren Millionen Mark sollten die ihm gefährlich und verdächtig erscheinenden Fremdlinge bewegen, das Land wieder zu verlassen, aber gerade der Anblick aller dieser Schätze und Kostbarkeiten war es, was die beutegierigen Abenteurer verführte, den ihnen zuerst allzukühnen Eroberungsgedanken ihres Führers schließlich gutzuheißen. Daß ein Zug in das unbekannte Innere des Landes mit großen Gefahren und vielen Mühsalen verknüpft sein mußte, war wohl jedem von vornherein unzweifelhaft, aber der Golddurst verscheuchte alle Bedenken. Die unternehmungslustige Schar der Ritter und Kriegsknechte ging also auf den Vorschlag des Cortes ein und erwählte den Generalkapitän des Diego Velasquez zu ihrem General, der nun seinerseits gelobte, niemandem mehr Untertan und gehorsam sein zu wollen als dem Kaiser. Damit war die Unabhängigkeit der neuen Kolonie von den Inseln, insbesondere von Kuba, von Anfang an erklärt. Als Cortes erkannte, daß Einzelne dazu neigten, nach Kuba zurückzukehren, zum mindesten in Verbindung mit dem Statthalter zu bleiben, vernichtete er kurzentschlossen seine Schiffe bis auf ein einziges kleineres. Damit hatte er den Rubikon überschritten, wie er in seiner Vorliebe für altrömische Erinnerungen und Vorbilder in zäsarischem Stolze selber zu sagen pflegte. Ehe aber der Zug in das Innere des Landes beginnen konnte, war es nötig, eine Operationsbasis zu gründen. So entstand zunächst die Villa Rica de la Vera Cruz, die alsbald in einer anliegenden kleinen Festung ihren Schutz erhielt. Diese erste Ansiedelung ist etwa 75 Kilometer nördlich vom heutigen Verakruz (Nueva Veracruz) zu suchen. Die Lage erwies sich im Laufe der Zeit als ungünstig, und man verlegte deshalb die Stadt an die Mündung des Antigua-Flusses, 45 Kilometer weiter nach Süden. Das ursprüngliche Vera Cruz geriet in Vergessenheit. Diese zweite Stadt war aber auch nicht das endgültige Verakruz und heißt nach Gründung der dritten Stadt (Nueva Veracruz) zum Unterschiede von dieser: Vera Cruz Vieja. Die drei Orte Verakruz, Alt-Verakruz und Neu-Verakruz werden in den geschichtlichen Darstellungen häufig nicht klar auseinandergehalten. Cortes war vom ersten Tage ab eifrigst bemüht, Nachrichten über das Land und seine Bewohner sowie über die politischen und militärischen Zustände einzuziehen, um eine richtige Vorstellung vom Ziele seiner Pläne zu gewinnen. Er erfuhr hierbei, daß König Montezuma das Küstenland erst unlängst in seine Gewalt gebracht hatte und daß die neuerdings unterworfenen Gebiete insgeheim danach trachteten, wieder unabhängig zu werden. Diese Erkenntnis veranlaßte den Feldherrn, sich mit dem Volke der Cempoallaner zu verbünden. Nachdem er dies erreicht hatte, verlegte er sein Hauptquartier nach deren Hauptstadt Cempoalla. Dieser heutzutage nicht mehr vorhandene Ort, in dem die altmexikanische Kultur den Spaniern zum erstenmal entgegentrat, hatte damals etwa 30000 Einwohner. Die Zahl der kriegsfähigen Männer im Machtbereich der Stadt schätzt Cortes auf 50000. (Vgl. S. 82.) Cortes begnügt sich für seine Zwecke mit 400 Mann, die er mit den Grundbegriffen der spanischen Kriegskunst vertraut machte. Diese Hilfstruppe ist ihm allmählich zu einem nützlichen Teile seines kleinen Heeres geworden. Vier Monate nach der Landung, am 16. August 1519, begann, von Cempoalla (Stadt der zwanzig Wasser) aus, der Vormarsch gegen Temixlitan, wie Cortes die heutige Stadt Mexiko nennt. Sein Heer hatte folgende Stärke: 500 Mann zu Fuß, darunter 40 Armbruster und 16 Schützen mit Hakenbüchsen, 15 Pferde, 400 Mann Hilfstruppen aus Cempoalla, darunter 40 Edelleute (als Geiseln), 10 schwere Geschütze, 4 leichte Geschütze (sogenannte Feldschlangen), etwa 200 indianische Träger, fünf bis sechs indianische Diener aus Kuba, 20 bis 30 Indianerinnen. In Verakruz blieben zurück: 150 Mann zu Fuß und zwei Reiter unter dem Befehl des Feldhauptmanns Juan von Escalante, eines dem Oberfeldherrn treuergebenen und tüchtigen Offiziers. Vermutlich war unter diesen 150 Mann eine beträchtliche Anzahl Kranker und Nichtfelddienstfähiger. Die Sümpfe bei Verakruz mit ihren giftigen Insekten hatten Opfer gefordert. Von den Soldaten und Seeleuten waren etliche bereits gestorben. Das spanische Fußvolk war mit Schwert und Schild ausgerüstet. Später, auf dem zweiten Vormarsch, führte Cortes eine besonders lange Pike ein. Armbruster und Büchsenschützen waren nur wenige da. Die Hauptwaffe der Reiter war die Lanze Man darf die Wirkung der Feuerwaffen zu damaliger Zeit nicht überschätzen. Der seelische Eindruck der Kanonen und Musketen auf die Indianer war zunächst ungeheuer; aber sie gewöhnten sich rasch an das anfangs so gefürchtete Teufelswerk. Groß war dle tatsächliche Wirkung der Geschütze weder gegen die Massen der Indianer noch gegen ihre Befestigungen und Steinbauten. Das Rohrreinigen, Laden, Richten und Zünden von Schuß zu Schuß dauerte 20-30 Minuten. Ebenso schwerfällig war die Handhabung der Hakenbüchsen, mit denen der Musketier ausgerüstet war. Überlegen waren die Armbruster (Arkebusiere) den indianischen Bogenschützen, denn das spanische Wurfgeschoß hatte größere Durchschlagskraft. Indessen war die Zahl der Armbruster im Heere des Cortes an sich klein und ganz winzig im Vergleich zu den Massen der Feinde, selbst wenn wir – was wir getrost dürfen – die von den Eroberern angegebenen Zahlen der indianischen Scharen immer mit 5, ja oft mit 10 teilen. Die Spießer (Pikeniere) bilden im Europa des 16. Jahrhunderts den Kern des Fußvolks. Cortes bedient sich ihrer erst 1520, als er gegen Narvaez marschiert. (Vgl. S. 30 .) Von da an hat er mit ihnen auch gegen die Indianer gefochten. Bewundernswert sind die Erfolge der spanischen Ritter in der Reiterschlacht. Sie gebrauchten vor allem die lange Lanze; das Schwert nur ausnahmsweise. Der Harnisch tat vorzügliche Dienste. Gleichwohl war die persönliche Tapferkeit im Verein mit Umsicht und Kaltblütigkeit das Entscheidende. Auch die Pferde trugen Kopf- und Brustpanzer. Man ritt im Schritt an. Die Gefechtstaktik der späteren oder heutigen Reiterei ist also keinesfalls in Vergleich zu ziehen. Anschauliche Nachbildungen alter Stiche, aus denen man die Bewaffnung und Tracht der Landsknechte des 16. Jahrhunderts ersieht, findet man in der Monographie »Der Soldat in der deutschen Vergangenheit« von Georg Liebe, Jena 1899. . Vor dem Abmarsche hielt Cortes eine Ansprache an seine Soldaten »in honigsüßer Beredsamkeit«, wie Bernal Diaz erzählt, »die unsagbaren Eindruck machte«. Der Weg des spanischen Heeres ging durch die Tierra caliente, über Xalapa, durch den Paso del Obispo, am Nordhange des Cofre de Perote hin und durch die Sierra del Agua. Damit war das Tafelland (über 2400 m hoch) erreicht. Die Städte Teziutlan und Tlatlauquitepek wurden berührt. An letztgenanntem Ort, den Cortes Kaltamni nennt, will Bernal Diaz auf einem Platz neben der Hauptmoschee mehr denn hunderttausend Menschenschädel wohlaufgeschichtet gesehen haben. Mit der Hauptstadt war Kaltamni durch eine Poststraße verbunden, auf der Schnelläufer den Nachrichtendienst verrichteten. Hier verweilten die Spanier vier Tage. Nunmehr gab es zwei Wege nach Mexiko, einen über Cholula und einen durch den von Montezuma unabhängigen kleinen Staat Tlaskala. Cortes wählte auf den Rat der Cempoallaner den zweiten. Die Grenze zwischen Tlaskala und Mexiko war stark befestigt. Cortes, dessen Augenmerk sich auf die Dinge von strategischer Bedeutung mit Vorliebe richtete, beschreibt den Grenzwall ziemlich genau. Im Lande Tlaskala stieß Cortes zum ersten Male auf starken Widerstand. Die Tlaskalaner waren ein Binnenvölkchen von ähnlichem Freiheitssinn wie in Europa die Schweizer. Empört darüber, daß ein Häuflein fremder Truppen, obendrein auf dem Wege zu ihren Todfeinden, den Mexikanern, ohne weiteres durch ihr Gebiet marschieren wollte, trafen sie kriegerische Maßnahmen. Den Grenzwall am Cerro de Atotonilko zu besetzen, war ihnen nicht mehr möglich. So kam es am 2. September 1519 innerhalb ihres Landes – bei dem Dorfe Teoazingo, wie Clavigero Pater F. Clavigero, Historia antica del Messico, Cesena 1780. Clavigero, geboren in Verakruz, hat Neuspanlen nach der Vertreibung der Jesuiten 1767 verlassen, nachdem er 35 Jahre lang den Altertümern seines Vaterlandes nachgespürt hatte. Er gilt als gewissenhafter und glaubwürdiger Darsteller. Deutsche Übersetzung: Franz Xaver Clavigero, Geschichte von Mexiko ... . Aus dem Italienischen durch den Ritter Carl Cullen ins Englische und aus diesem ins Deutsche übersetzt, Leipzig 1789, 2 Bände. Es gibt auch eine spanische Übersetzung. berichtet – zur Entscheidung. Es war ein harter und heißer Kampf, ehe es den Spaniern gelang – insbesondere durch ihre Ritter und das dem Feinde ungewohnte Geschütz – die an Zahl beträchtliche Übermacht der Indianer zu brechen. Gegen Abend endlich befahl der junge indianische General Atkotenkatl den Rückzug. Ein zweites Gefecht fand am 5. September statt. Die Spanier blieben auch hier die Sieger, offenbar hauptsächlich infolge der Uneinigkeit der gegnerischen Führer. Wiederum hatten die Spanier angeblich nur wenige Tote, allerdings 60 Verwundete. Dazu waren alle Pferde beschädigt. Die Spanier wollen an diesem Tage gegen 50000 Indianer gefochten haben. Man darf auch an dieser Angabe zweifeln. Sicherlich aber hatte wenig gefehlt, daß die Spanier mit ihren Hilfstruppen überrannt und völlig vernichtet worden wären. Bernal Diaz schildert die Stimmung nach der Schlacht: »Wir kehrten in unser Lager zurück, froh über unseren Sieg und Gott inbrünstig dafür dankend. Unsere Toten begruben wir in einer Höhle, damit die Indianer nicht merken sollten, daß auch wir sterbliche Menschen waren wie sie, und damit sie bei ihrem Glauben blieben, wir seien Götter. Die Verwundeten verbanden wir wiederum mit dem Fett, das wir aus der Leiche eines gefallenen Feindes gewonnen hatten. Wir befanden uns in großer Not, hatten wir doch weder Öl für unsere Wunden noch Salz zu unserem Essen. Dazu kam noch, daß wir ohne jeden Schutz gegen den schrecklichen, kalten Wind waren, der von der Sierra Nevada herüberwehte. Wir klapperten vor Frost. Dennoch blieben wir guten Muts, stellten unsere Machen und Streiftrupps aus und schliefen besser als in der Nacht zuvor. Erst am anderen Morgen übersahen wir so recht unsere Lage. Es war auch nicht einer unter uns, der bisher nicht eine, zwei oder drei Wunden davongetragen hatte. Und alle waren wir müde und matt von den überstandenen Anstrengungen und Mühsalen. Der Feind beunruhigte uns von neuem ohne Unterlaß. Wir hatten (seit unserem Abmarsch von Cempoalla) bereits 55 Mann auf dem Schlachtfeld, durch Krankheit und durch den Frost verloren; zwölf Mann waren marode, und unser Feldobrist Cortes litt am Fieber. Ebenso Pater Olmedo. Ins Land Mexiko eindringen zu wollen, dünkte uns angesichts der großen Macht dieses Reiches für eine wahre Lächerlichkeit. Selbst wenn es uns noch gelang, mit dem Volke von Tlaskala auf den nämlichen guten Fuß zu kommen wie mit dem von Cempoalla, so stand uns dann immer noch der Kampf mit dem Heere des Montezuma bevor. Wie sollten wir dieses überwinden? Schließlich hatten wir nicht die geringste Verbindung mit unserer rückwärtigen Besatzung in Verakruz. Was konnte sich inzwischen dort nicht alles ereignet haben!« Nachdem den Tlaskalanern noch ein Nachtangriff auf das spanische Lager mißglückt war, hielten ihre Fürsten und Obristen einen Kriegsrat ab. Allgemein war man geneigt, den von Cortes wiederholt angebotenen Frieden anzunehmen. Dagegen war nur der General Xikotenkatl, ein kluger, in die Zukunft schauender, mutiger Mann. Er war nach wie vor überzeugt, daß die kleine, von jedweder Zufuhr abgeschnittene Schar der Fremdlinge bei nur einiger Ausdauer der Tlaskalaner dem sicheren Untergange geweiht war. Erst als 50 von ihm entsandte Kundschafter mit abgehauenen Händen und einer höhnischen Botschaft zurückkamen (vgl. Seite 95), da gab auch er nach, und der Friede zwischen Cortes und dem Lande Tlaskala kam zustande. Die Spanier atmeten auf. Der Tempelturm ihres Lagers erhielt den Namen Siegesturm. Noch heute erinnern seine Trümmer an jene Zeit. Am 23. September, einem Tage, den die Bürger noch immer festlich begehen, hielt Cortes seinen Einzug in der volkreichen und prächtigen Hauptstadt Tlaskala (Brodhausen). Drei Wochen blieb er hier, um die neue Freundschaft zu festigen. Sodann ging der Marsch weiter nach Cholula, der Hauptstadt eines Landes, das seine ursprüngliche völlige Freiheit eingebüßt hatte und in eine Art Abhängigkeit vom Reiche Mexiko geraten war. Die Cholulaner standen im Rufe, verweichlicht zu sein. Dafür blühte bei ihnen allerhand Kunsthandwerk. Ihre Stadt besaß den weithin berühmtesten Tempel, das Ziel zahlreicher Pilger von nah und fern. Cholula (d. h. Ort der Heimatlosen) war die heilige Stadt von Anahuak (d. h. Wassergau). Der dort verehrte Gott war Quezalkoatl, der Gott der Lüfte. Auf der Zinne des obersten Tempels brannte ein ewiges, weithin leuchtendes Feuer. Im Grundriß nimmt die Tempelpyramide doppelt soviel Raum ein wie die Pyramide des Cheops. Seit 1604 steht eine Barockkirche auf dem Hügel, der einen köstlichen Fernblick auf das umliegende Land bis zu den Schneegipfeln des Popokatepetl, des Iztaccihuatl und des Orizaba gewährt. Die Cholulaner leisteten zunächst keinen kriegerischen Widerstand, und so zog der Eroberer mit seinem kleinen Heere samt den 400 Mann Hilfstruppen aus Cempoalla unbehindert in die volkreiche Stadt ein, die damals mindestens 150000 Einwohner hatte. Auf den Wunsch der Häuptlinge von Cholula nahm Cortes die 6000 Tlaskalaner, die er auf dem Marsche bei sich gehabt, nicht mit in die Stadt. Aber nach wenigen Tagen schlug das Verhalten des erst freundlichen und schaulustigen Volkes in sichtliche Feindseligkeit um, veranlaßt durch geheime Weisungen der Behörden und Priester, offenbar auf Befehl des mexikanischen Hofes. Verschiedene Anzeichen verrieten den Spaniern die drohende Gefahr. Cortes vergegenwärtigte sich seine Lage. Die Stadt sofort wieder zu verlassen, dünkte ihm nicht ratsam, da dies Furcht und Zaghaftigkeit verraten hätte. Vermutlich war im Augenblick des Abmarsches ein Überfall in den Straßen der Stadt zu erwarten. Das aber wäre der Untergang seines Heeres gewesen. Die Spanier mußten also in der Stadt verbleiben, und zwar als ihre Gewaltherren. Dies schien dem Feldherrn nur auf einem einzigen Wege möglich, und schnell entschlossen wählte er ihn. Er berief die Häuptlinge der Stadt zu sich, tat vor ihnen, als sei er willens, am kommenden Morgen den Vormarsch fortzusetzen, und bat sie um 2000 Mann zur Weiterschaffung seiner Geschütze und des Gepäcks. Die Häuptlinge willigten gern ein, denn damit erhofften sie, die ihnen gefährlichsten Waffen der Fremdlinge mühelos in ihre Hände zu bekommen. Daß Cortes ihren geheimen Man, ihn und seine Truppen zu überfallen, durchschaute, ahnten sie nicht. Die Hispanier verbrachten die Nacht in Gefechtsbereitschaft, und am frühen Morgen, noch ehe die angeforderten cholulanischen Truppen vor dem Quartier erschienen, stellte Cortes seine eigenen Truppen und die Geschütze so auf, daß sie die unvorbereiteten 2000 Cholulaner auf ein verabredetes Zeichen unter Feuer nehmen und vernichten konnten. Die 6000 vor der Stadt lagernden Tlaskalaner erhielten Befehl, zu zwei Dritteln ebenfalls auf ein bestimmtes Zeichen in die Stadt einzudringen. Die 2000 Cholulaner rückten sodann pünktlich in den Hof des Quartiers und stellten sich daselbst in der üblichen gedrängten Form auf. Auch die Häuptlinge der Stadt fanden sich nach dem Wunsche des spanischen Befehlshabers im Hofe ein. Cortes bat sie in einen der Säle und eröffnete ihnen dort in eiserner Kälte, daß er ihre Pläne wisse und sie in ihrem eigenen Blute ertränken werde. Ohne sie weiter anzuhören, ließ er als verabredetes Zeichen einen Kanonenschuß abgeben, worauf die im Hofe stehenden Truppen der Cholulaner niedergeschossen und niedergehauen wurden. Zugleich drangen die tlaskalantschen Hilfstruppen in die Stadt, stirnumkränzt, um sich von ihren Feinden zu unterscheiden. Es begann eine allgemeine Plünderung und Brandschatzung. Scheußlichkeiten aller Art wurden verübt. Nach der Erzählung des Bischofs Las Casas hat sich Cortes nicht persönlich an dem Gemetzel beteiligt, aber er schaute von der Höhe einer Tempelpyramide hinab auf das Morden und Sengen in der Stadt und hörte den Waffenlärm und das Angstgeschrei zu seinen Füßen. Dabei soll er Verse aus einer alten Romanze vom Brande Roms vor sich hingesprochen haben. Erst spät gebot der Eroberer Einhalt. Etwa 6000 Menschen hatten einen grausamen Tod gefunden. Cortes vermeldet dem Kaiser aus klugen Gründen nur die Hälfte davon. Das Blutbad von Cholula – mag es geschehen sein, weil die militärische Notlage der Spanier es erforderte oder weil der Feldherr dem Könige Montezuma Achtung und Furcht vor den Europäern durch eine nackte Probe ihrer Rücksichtslosigkeit im Kriege betbringen wollte – hatte die erhoffte Wirkung. Montezuma verzichtete feig und abergläubisch auf jedweden Widerstand mit den Waffen. So kam es, daß Cortes mit seinen 450 Abenteurern am 8. November 1519 in das amerikanische Venedig, das damals etwa 300000 Einwohner und eine Besatzung von 10000 Mann Garde hatte, ungehindert und wohlempfangen einziehen konnte. Aber bei allem Landsknechtsstolz und aller Beutegier mag es doch manchem unter den einmarschierenden Rittern und Kriegsknechten angesichts der wimmelnden Volksmassen etwas bang im Gemüte gewesen sein. Cortes selbst deutet diesen Unterton der allgemeinen Stimmung seiner Truppen in den Worten an, die seine bei den beweglichen Brücken in der feindlichen Hauptstadt angestellte Betrachtung wiedergeben. (Vgl. S. 140.) Dieser Einzug der Spanier in Mexiko ist und bleibt eine der tollkühnsten Taten der Weltgeschichte. Die den Spaniern zur Unterkunft angewiesenen Häuser lagen in unmittelbarer Nähe der Hauptmoschee, deren hohe Pyramide die ganze Umgebung beherrschte, und zwar gegenüber dem Westtore des Tempelhofes. Cortes selbst erhielt seine Wohnung in einem Palaste, den Montezumas Vater Axayakatl im Jahr 1470 erbaut hatte. In den Nebengebäuden hatten seine 450 Spanier und 400 Cempoallaner genügend Raum. Ein ummauerter Hof umgab das Ganze. Um unabhängig von den Dammstraßen zu sein, die allein die Verbindung der Wasserstadt mit dem Festlande bildeten, ordnete Cortes den Bau von zwei Rennschiffen an, den er seinem Schiffbauer Martin Lopez übertrug. Cortes setzte das Hauptquartier ohne Säumen in einen verteidigungsfähigen Zustand, stellte seine 14 Geschütze an geeigneten Stellen auf und beschaffte Vorrat an Lebensmitteln. Wohl von vornherein hegte er die Absicht, sich der Person des Königs zu bemächtigen. Auf eine Gelegenheit hierzu lauerte er vom ersten Tage ab. Sie bot sich ihm alsbald. (Vgl. S 112 ff.) Vor der Welt blieb Montezuma zwar weiterhin der Herrscher in seinem Reiche; indessen war er in der Tat nichts mehr als ein ohnmächtiges Merkzeug in der Hand des Eroberers. Die Behandlung, die ihm in der Gefangenschaft zuteil ward, mußte er bei aller Komödie nach außen als eine Kette schmachvoller Demütigungen empfinden. An die Stelle des inzwischen gefallenen Escalante in Verakruz trat Gonzalo von Sandoval, der tüchtigste und getreueste Offizier des Cortes. Diese Wahl beweist die Wichtigkeit, die der Feldherr der rückwärtigen Verbindung beimaß. Vermutlich hat er auch unter Benutzung der von alters her vorhandenen Post- Höfe eine regelrechte Etappenstraße von der Hauptstadt zum Meere eingerichtet und aufrechterhalten. Mit spanischen Truppen konnte er sie in Anbetracht seiner so geringen Streitmacht allerdings nicht besetzen. Jetzt ging Cortes auch an die Verteilung der bisherigen Beute. An Gold waren zusammengekommen 162000 Pesos, dazu Edelsteine, Geschmeide und andere Dinge, insgesamt im Werte von 500000 Dukaten, schließlich 500 Pfund Silber. Prescott William H. Prescott, Conquest of Mexiko , Boston, 1843, 3 Bände. Deutsche Übersetzung davon: William H. Prescott. Geschichte der Eroberung von Mexiko... Aus dem Englischen übersetzt. Leipzig, F. A. Brockhaus, 1845, 2 Bände. Prescotts Buch ist in der vorliegenden Einleitung mehrfach benutzt. schätzt dies in seiner Geschichte der Eroberung von Mexiko (I, 542) gleich einem Werte von 30 Millionen Mark (d. h. nach dem Goldwerte von 1850!). Davon gingen ab: das Kaiserliche Fünftel, das Fünftel des Cortes, die Entschädigung für die zerstörten Schiffe des Diego Velasquez sowie für dessen Anteil an den Ausrüstungskosten, die Kosten für die Absendung der beiden Boten an den Kaiser, die Entschädigungen für gefallene Pferde und schließlich die sonstigen Unkosten. Vom Reste erhielt jeder Fußknecht 100 Goldpesos, (etwa 4000 Mark); die Retter, die Armbruster und Büchsenschützen das Doppelte. Die Offiziere bekamen höhere Anteile. Die Unzufriedenheit unter der Mannschaft war groß. Bernal Diaz, der damals noch nicht Offizier war, schildert diese Mißstimmung noch nach Jahren mit sichtlicher Bitternis, fügt aber hinzu, im Grunde wäre die üble Laune der meisten seiner Kriegskameraden unnötig gewesen, denn sie hätten doch alles dem Spielteufel geopfert. Wer sich sein Gold wahrte oder durch das Karten- oder Würfelspiel mehrte, trug dicke goldene Ketten und anderen protzigen Schmuck. Eine noch weit größere Unzufriedenheit entbrannte unter dem Volke und besonders unter dem Adel der Mexikaner. Zur vollen Entfaltung kam sie durch die rücksichtslos und unklug betriebene Vernichtung des alten Glaubens im Lande. Von vornehmer und weiser Schonung des Herkömmlichen waren die Spanier, wie schon gesagt, weit entfernt. Inzwischen hatten die Hauptleute Puerto-Carrero und Montejo, die bereits im Oktober 1519 in Spanien gelandet waren, den ersten Bericht des Cortes dem Kaiser überreicht, vermutlich in Tordesillas im März 1520. Aber wohl zugleich traf eine Beschwerdeschrift des Diego von Velasquez ein, die sich der Befürwortung durch Fonseco erfreute. So sehr das Gold und die anderen von Cortes gesandten Kostbarkeiten den Kaiser in Verwunderung setzten und seine Gedanken im Augenblick auf die Neue Welt lenkten, so waren es doch alsbald tausend andere ihm näherliegende Dinge, die ihn hinderten, sich den Angelegenheiten in Neu-Spanien wirklich zu widmen. Weder Cortes noch Velasquez erhielten irgendwelchen Bescheid auf ihre Berichte. Diego von Velasquez, durch den Bischof von Burgos über die Gleichgültigkeit des Kaisers wohlunterrichtet, entschloß sich als echter Mann seines Jahrhunderts zu dem einfachen Mittel der Selbsthilfe. Er rüstete ein Geschwader von 20 Schiffen verschiedener Größe nebst einem ansehnlichen Heer aus, das unter dem Oberbefehl des Hauptmanns Panfilo von Narvaez im März 1520 in Kuba auslief. Mit 18 Schiffen – zwei waren an der Küste von Yukatan gescheitert – landete Narvaez am 23. April in Neu-Spanien unweit der Insel San Juan de Ulloa, also an der nämlichen Stelle, wo Cortes genau ein Jahr zuvor angekommen war. Seine Streitmacht belief sich auf: 600 Mann zu Fuß, 80 Reiter, 90 Armbruster, 70 Büchsenschützen, 200 Seeleute, 120 Personen indianisches Gesinde, dazu 18 Geschütze nebst reichlichem Schießvorrat. Obgleich die Besatzung von Verakruz damals nur noch 70 Mann stark war und obendrein großenteils aus Kranken, Schonungsbedürftigen und nicht mehr Felddienstfähigen bestand, hielt es Narvaez – offenbar keine starke zielbewußte Persönlichkeit – für ratsam, zunächst keine Waffengewalt anzuwenden. Er begann von seinem Standorte Cempoalla aus mit Sandoval, dem Befehlshaber in Verakruz, zu verhandeln. Sobald Cortes die Ankunft des Narvaez erfuhr, war ihm sofort klar, daß er diesen Abgesandten des Velasquez mit allen Mitteln wieder aus seinem Machtbereich vertreiben mußte. Schnell entschlossen zog er ihm entgegen. In der Hauptstadt ließ er unter dem bewährten Peter von Alvarado eine kleine Schar von 140 Spaniern (einschließlich der Offiziere), darunter 7 Reiter, 10 Armbruster und 14 Büchsenschützen sowie sämtliche Geschütze, dazu die 400 Mann Hilfstruppen aus Cempoalla, die im spanischen Heere waren, und etwa 1200 Mann Tlaskalaner. Mit dem Rest seiner Offiziere und Mannschaften, insgesamt 70 Köpfen, darunter 5 Reiter, ohne Artillerie, brach er Mitte Mai 1520 in Eilmärschen gegen Narvaez auf. Juan Velasquez von Leon, der sich auf dem Marsche nach Koazakualko befand, erhielt durch einen Eilboten den Befehl, auf der Stelle umzukehren und mit seinem Trupp nach Cholula zu marschieren, wo er ihn erwarten wolle. Leon kam dem unverzüglich nach. Ferner forderte Cortes 2000 Mann Hilfstruppen, bewaffnet mit langen Piken, in Chinantla an. Sie sollten von dort nach dem Orte Tapanakuetla in Marsch gesetzt werden. In Tlaskala nahm er sich 600 Mann mit; aber auf dem Weitermarsche entliefen ihm diese Indianer zum größten Teile, – wohl ein Zeichen, wie stark das Ansehen der Spanier bereits gelitten hatte. Als Cortes die Flucht dieser Leute gemeldet bekam, meinte er gelassen: Besser jetzt als in der Stunde der Entscheidung! In Tapanakuetla kam ihm Sandoval mit 60 Mann entgegen, darunter einige wenige Armbruster und Büchsenschützen. Das war der marschfähige Teil der ehemaligen Besatzung von Verakruz, verstärkt durch einige Überläufer. Den Rest – kranke und unbrauchbare Leute – hatte der Oberst in irgendeinem sicheren Dorfe untergebracht. Hier trafen auch 300 in Chinantla bestellte, besonders lange Piken mit kupfernen Spitzen ein. Cortes, der den 80 Rittern des Narvaez nur fünf Reiter, ganz wenige Schützen und ein bis dahin mit Schwert und Schild ausgerüstetes Fußvolk entgegenzustellen hatte, gedachte durch diese Umbewaffnung der überlegenen Reiterei des Gegners einigermaßen gewachsen zusein. Die Herstellung dieser Piken hatte ein gewisser Tobillos überwacht, ein spanischer Landsknecht, der in der Schlacht bei Ravenna (1512) unter Peter von Navarra als Pikenier gefochten hatte. Auf dem Weitermarsche durch die Tierra caliente, etwa 15 Meilen vor Cempoalla, kam eine Gesandtschaft des Narvaez zu Cortes, dabei jener Andreas von Duero, dem der Feldherr es im wesentlichen verdankte, daß ihm Diego von Velasquez den Oberbefehl anvertraut hatte. (Vgl. S.150f.) Offenbar war sein ehemaliger Gönner ihm nicht mehr so gesinnt wie vordem in Kuba, und vermutlich nur gekommen, um dem von Velasquez abtrünnig gewordenen vorstellig zu werden, daß seine Sache angesichts der dreifachen militärischen Überlegenheit des Narvaez rettungslos verloren sei. Cortes verstand den wankelmütigen Geist des Duero von neuem für sich zu gewinnen. Ja, er brachte ihn durch ein reiches Goldgeschenk dahin, daß er als das Haupt einer Verschwörung zu Narvaez zurückkehrte. Bernal Diaz berichtet hierzu: »Cortes, geschmeidig und weitblickend, wie er war, versprach dem Duero nicht nur große Schätze, sondern auch einen hohen Posten und nicht geringe Ländereien. Dafür mußte er sich aber verbindlich machen, den Feldzeugmeister des Narvaez, Augustin Bermudes, zu gewinnen, und andere höhere Offiziere, die ich nicht nennen will. Selbige sollten den Narvaez in allem entgegenarbeiten und ihm somit behilflich sein, jenen um Ehre und Leben zu bringen. Um die Zahl der heimlichen Anhänger zu mehren, nahm Duero zwei Manneslasten Gold gleich mit, dazu eine Menge Kostbarkeiten.« Narvaez hatte ursprünglich den Plan, die Waffenentscheidung zwischen sich und Cortes am Ufer des Kannoe-Flusses herbeizuführen. Er bezog mit seinem Heere ein Lager daselbst und wartete etliche Tage auf den ihm im Anmarsch gemeldeten Gegner. Dann aber ging er ohne ersichtlichen kriegerischen Grund wieder nach Cempoalla zurück. Wahrscheinlich wirkte hierbei bereits der Verrat des Duero. Aus dem gleichen Grunde stieß der nächtliche Überfall, den wir besonders lebhaft von Bernal Diaz geschildert finden (vgl. S. 423 ff.), nur in der unmittelbaren Umgebung von Narvaez auf ernstlichen Widerstand. Ferdinand Cortes war wie alle großen Feldherren der gesunden Meinung: um das Blut seiner Soldaten zu sparen, müsse im Kriege jedwedes Mittel erlaubt sein. Er verachtete den Verräter, aber er liebte den Verrat. Als ihm Narvaez tags darauf vorgeführt wurde und zu ihm sagte: »Sennor Cortes, Ihr habt dem Glücke dankbar zu sein, denn der Sieg war Euch leicht!« – da erwiderte der Sieger: »Gewiß habe ich dem Glück viel zu danken, aber daß ich Euch in meine Gewalt bekommen habe, das schätze ich für die geringste meiner Taten, seit ich dies Land betreten habe!« So berichtet Oviedo. Gleichwohl ist der Zug gegen Narvaez als Ganzes betrachtet, vom Augenblick an, da Cortes die erste Nachricht von der Ankunft des Widersachers erhielt, bis zur Gefangennahme des Narvaez, ein glänzendes Zeugnis von den großen Feldherrnfähigkelten des Eroberers. Die aus Chinantla erwarteten 2000 Mann indianische Hilfstruppen trafen übrigens erst am Tage nach dem Überfall ein. Cortes sandte sie nach einem freundlichen Empfang und mit freigebiger Belohnung in ihre Heimat zurück. Durch diesen Erfolg der Massen und der Politik gewann Cortes einen starken Zuwachs an Kraft. Alsbald bemühte er sich, die Offiziere und Soldaten des Narvaez an seine Fahnen zu bannen. Wer bei ihm bleiben wollte, bekam alles zurück, was er, als Besiegter, zunächst verloren hatte: Rüstung, Waffen, Pferd, Gepäck, Geld. Daß seine alten Soldaten ihre Beute nur unwillig wieder herausrückten, ist leicht begreiflich. Auch hier mußte das Gold arbeiten, sowohl unter den neuen wie den alten Truppen. Cortes sparte an seiner eigenen Beute nicht. Narvaez hat später, in Spanien, behauptet, er habe in Cempoalla Eigentum im Werte von 5 Millionen Mark verloren. Um seine Truppen auf andere Gedanken zu bringen und zu beschäftigen, sandte Cortes größere Streifzüge aus, so den Diego von Ordaz mit 200 Mann an den Koazakualko sowie Velasquez von Leon mit 120 Mann nach dem Panuko. Weitere 120 Mann unter Franz von Lujo marschierten nach Verakruz mit dem Auftrage, die Schiffe des Narvaez auszufrachten und vollständig abzutakeln. Währenddem erhielt Cortes sehr beunruhigende Nachrichten aus der Hauptstadt. (Vgl. S. 164) Er mußte sich infolgedessen zur sofortigen Rückkehr dahin entschließen. Am 24. Juni 1520 traf er daselbst wieder ein, und zwar mit einer Streitkraft von rund 700 Mann zu Fuß, etwa 40 Offizieren, 96 Reitern, 80 Armbrustern, 80 Hakenschützen, 18 Geschützen und 2000 Mann indianischen Hilfstruppen aus Tlaskala. In Verakruz waren 500 Mann unter dem Hauptmann Rodrigo Rangre zurückgeblieben, ferner in Cempoalla eine Anzahl Kranker und Verwundeter, schließlich in Tlaskala der Hauptmann Juan Perez mit 80 Mann, wohl auch meist Untauglichen. Trotz dieser ansehnlichen Macht – zu der noch die 140 Mann des in Mexiko zurückgebliebenen Alvarado zu rechnen sind sowie dessen 400 Cempoallaner und 1200 Tlaskalaner – konnte sich Cortes nicht mehr in der Hauptstadt halten. Von Unmassen Mexikanern umstürmt, mußte er sich zum Abmarsch entschließen. Er erzwang in der Nacht vom 1. zum 2. Juli, in der berüchtigten Noche triste, den Durchbruch. Die dabei erlittenen Verluste waren groß. Verloren gingen: alle 32 Geschütze, 80 Pferde, 450 Spanier, das gesamte Gepäck mit dem größeren Teil des Goldes und aller Beute, alle Urkunden, alles Gesinde und Schreibervolk, alle Weiber außer Dona Marina und wenigen anderen, dazu fast alle indianischen Hilfstruppen. Die Angaben, wieviel von letzteren geblieben sind, schwanken zwischen 2000 und 4000. Der Nest des Heeres zog sich weiter nach einem Tempel zurück, auf den sogenannten Hügel des Montezuma. Wo die Dammstraße das Festland erreichte, am Dorfe Popotla, hat der zu Tode erschöpfte Cortes eine Weile gerastet. Der Baum, unter dem er weinend gesessen haben soll – die Zeder der Trauernacht –, steht noch heute, wenngleich vom Pöbel halb niedergebrannt. Inmitten der allgemeinen Betrübnis, Not und Mutlosigkeit bewies Cortes alsbald seine Ruhe, Überlegenheit und Zuversicht. Schon in der folgenden Nacht, um Mitternacht, nahm er den weiteren Rückmarsch auf. Die Lagerfeuer blieben brennen. Auf einem großen Umwege nach Norden (über Quautitlan bis zum Zumpango-See) unter fortwährender Abwehr der Angriffe indianischer Streifscharen, unter Hunger und Durst und allerlei Entbehrungen, schleppte sich der Zug durch das plötzlich ungastlich gewordene Land. Menschen und Pferde blieben liegen, und die letzten Schätze. Ein Soldat, der Gold im Werte von 4000 Dukaten bisher mühselig getragen hatte, warf es schließlich von sich, als ihm der Feldherr zurief: »Der Teufel hole dein Gold, wenn du dir dafür dein Leben erhältst!« Die darauf folgende berühmte Schlacht bei Otumba am 7. Juli 1521 erwähnt Cortes in seinem Bericht an den Kaiser nur ganz flüchtig. Hier trat den Spaniern die gesamte Streitmacht Mexikos entgegen, in der richtigen Erwägung, daß man ihnen den Rückmarsch zum Meere verlegen müsse, um sie völlig zu vernichten. Wie wenig Wesen auch Cortes gerade von diesem Siege macht, der ihm nichts ermöglichte als einen Rückzug, also für einen Soldaten etwas an und für sich Verächtliches, so war dennoch der Sieg bei Otumba von nachhaltiger Bedeutung. Wenige Tage später erreichten die Spanier Tlaskala, die Hauptstadt des ihnen treu gebliebenen Vierfürstentums, wo sie mit echter Sorglichkeit aufgenommen wurden. Die Truppen hatten eine gründliche Erholung nötig, die ihnen hier auch zuteil ward. Der Feldherr, der zwei Wunden am Kopf und eine an der linken Hand hatte, verfiel in eine fiebernde Krankheit. Bei seiner guten Natur erholte er sich aber bald. Cortes war sofort wieder voller großartiger Pläne. Die eben erlittenen beträchtlichen Verluste schreckten ihn durchaus nicht. Abgesehen von der verlorenen Artillerie und überhaupt allen Feuerwaffen war die ihm verbliebene Streitmacht immerhin so stark wie ehedem bei der Landung. Er besaß: 421 Mann zu Fuß, 20 Pferde, 12 Büchsenschützen, 7 Armbruster, dazu die in Verakruz und in Cempoalla zurückgelassenen Besatzungen. Mexiko wiederzuerobern, sich des ganzen Landes von neuem zu bemächtigen und die Herrschaft gründlich zu festigen, das war Cortes seiner Soldatenehre schuldig. Diese Pflicht gegen sich selbst galt es mit aller Kraft zu erfüllen. Es war indessen nicht leicht, die Mittel und Wege zu finden, dieses große Werk zu vollbringen. Die ihm verbündeten Cempoallaner und Tlaskalaner hatten sich im großen und ganzen bewährt. Auf den tiefen Haß dieser und anderer Stämme gegen die Azteken baute sich der neue Plan des Feldherrn auf. Er erkannte die Notwendigkeit, noch mehr solcher Bundesgenossen zu erwerben. Der zweite Feldzug gegen die Hauptstadt sollte einen mächtigeren Stützpunkt hinter sich haben als der erste. War aber die Stadt zum zweiten Male in den Händen der Spanier, so gab es ein einziges Mittel, sich in ihr auf jeden Fall zu halten: die Beherrschung des Salzsees durch eine genügende Binnenflotte. Die Unternehmung konnte im übrigen nicht eher beginnen, als bis sein Heer neu bewaffnet, auch mit Geschützen, völlig wieder erstarkt und in sich einig war. Die ungeheuren Schwierigkeiten dieser Aufgabe begannen in der Tat im eigenen Heere. Ein ziemlicher Teil der Offiziere und der Mannschaft war mißvergnügt. Man hatte keine Lust, eine Sache, die so viel Not und Tod und so wenig klingenden Lohn gebracht hatte, unter erschwerten Umständen noch einmal ganz von vorn anzufangen. Allgemein ersehnte und forderte man den Rückzug nach dem Hafen. Es ging Cortes wie Alexander dem Großen im Fünfstromlande Indiens, aber der spanische Eroberer dachte nicht daran, umzukehren. Selbst als man ihm eine Beschwerdeschrift überreichte, unter deren zahlreichen Unterschriften die des Duero obenan stand, wankte er keinen Augenblick. Nach Verakruz zurückzuweichen, dünkte ihm der Anfang vom Ende zu sein. Und so erwiderte er den Mißvergnügten, er hege die Meinung, es sei dem Heere eines Volkes, das in ganz Europa den Ruf unvergleichlicher Tapferkeit habe, unwürdig, ein einmal begonnenes kriegerisches Unternehmen auf dem halben Wege aufzugeben. Kastilische Ritter und Soldaten hätten bisher die rühmliche Gewohnheit des Durchhaltens gehabt. Nach dem Meere zu fliehen, müsse von Freund wie Feind als Schwäche und Feigheit aufgefaßt werden. Es gäbe nur einen Weg, die vom Mißgeschick bedrohte Waffenehre zu retten: den Vormarsch und den Angriff. Indessen er wolle niemanden mit Zwang unter seiner Fahne halten, der die Bequemlichkeit am heimatlichen Herde dem Ruhme vorziehe, ein großes Werk mitvollbracht zu haben. Wer es mit seiner Ehre zu vereinbaren wisse, der solle in Gottes Namen seinen Feldherrn und seine Kameraden verlassen. Er werde sich an der Spitze einer kleinen Schar tapferer und getreuer Herzen stärker fühlen als umgeben von einem Schwärme kleinmütiger und zaghafter Leute. Die Alte Garde des Eroberers war durch solche Worte sofort beschwichtigt. Nicht so die ehemaligen Soldaten des Narvaez, aber auch diese schwiegen zunächst. Cortes griff zu seinem erprobten Mittel. Er begann seine Truppen dem verderblichen Müßiggang durch kleinere und größere Streifzüge zu entziehen. So kam die Unternehmung gegen Tepeaka zustande, die Hauptstadt eines nicht unbedeutenden Stammes. Dieser lag seit alters her mit den Tlaskalanern in Feindschaft. Vor der Noche triste hatte er die Oberherrschaft der Spanier wie so viele andere Stämme anerkannt, um sich Ruhe und Frieden zu wahren. Nach dem Rückzuge der Eroberer jedoch hatte er, wiederum aus Furcht und Vorsicht, von neuem zu den Mexikanern gehalten. Diese an und für sich ganz natürliche Wandlung erklärte Cortes für Verrat und Abfall. Überdies waren in der Zeit der allgemeinen Unruhe zwölf Spanier im Gebiete von Tepeaka umgebracht worden. Cortes rückte mit allen seinen Truppen nebst 4000 Tlaskalanern aus, schlug die Tepeakaner in zwei Gefechten und unterwarf sich ihr Gebiet. Die männlichen Einwohner des Landes wurden zu Sklaven gemacht. Es wurde ihnen im Namen des Kaisers und des christlichen Glaubens mit glühenden Eisenstempeln ein G (Guerra=Krieg) auf den Leib gebrannt. Damit war der Anfang zur Nachahmung der auf den Inseln so berüchtigten Repartimientos gemacht. Die Weiber, soweit sie noch jung und annehmbar waren, verfielen der verliebten Soldateska. Tepeaka ward nunmehr das Hauptquartier der Spanier. Von hier aus traf Cortes seine weiteren großen Vorbereitungen. Er taufte den Ort Segura de la Frontera (d. h. Grenzburg). Heutzutage ist die einst blühende Stadt zum kleinen Dorfe herabgesunken, das wieder den ursprünglichen Namen Tepeaka hat. Die Entfernung von Mexiko nach Tepeaka beträgt in der Luftlinie 140 km; die von Mexiko nach Tlaskala nur 95 km. Offenbar wollte Cortes der Stadt Tlaskala nicht länger zur Last fallen. Es lag ihm ungemein daran, sich die bewährte Bundesgenossenschaft dieses Kleinstaates zu erhalten. In Tepeaka konnten die Spanier viel mehr tun und lassen was sie wollten. Überdies lag es in einer sehr fruchtbaren Gegend. Von diesem neuen Stützpunkt aus unternahm Cortes eine Reihe von kleinen Unternehmungen gegen etliche mexikanische Grenzvesten. So fiel Quauquechollan (heute Huaquechula), am Südhang des Rauchenden Berges, 38 km von Tepeaka entfernt. Sodann Itzokan(Izzuakan). Bald stand das ganze Gebiet bis Oaxaka von neuem unter seinem Einflüsse. Das zunehmende Ansehen der Spanier verstand Cortes durch kluge Maßnahmen aller Art zu stützen. Auch der Zufall war dem Feldherrn günstig. Vier Schiffe, von denen zwei von Velasquez an den längst erledigten Narvaez und zwei von Franz von Garay, dem Statthalter von Jamaika, auf eine Entdeckungsfahrt nach dem Panuko ausgesandt waren, fielen ihm in die Hände. Auf diese Weise erhielt er einen ebenso unerwarteten wie wertvollen Zuwachs an Offizieren, Mannschaften, Pferden, Waffen und Schießvorrat. Später traf auch noch ein Schiff von den Kanarischen Inseln ein, mit einer Schar wohlausgerüsteter Abenteurer, die in Kuba Verlockendes vom neuen Goldlande Neu-Hispanien gehört hatten. Cortes kaufte das Schiff samt Ladung und nahm die beutegierigen Ankömmlinge in seinem Heere auf. Jetzt schienen ihm jene Mißvergnügten, meist ehemalige Leute des Narvaez, entbehrlich zu sein. Deshalb entließ er sie auf das gnädigste, zahlte ihnen Beutegelder in Gold und Edelsteinen und stellte ihnen ein gutes Schiff zur Verfügung. Außer Duero ging eine kleine Anzahl von Offizieren und Soldaten nach Kuba ab. Gleichzeitig schickte Cortes mehrere Schiffe nach St. Domingo (auf Haiti) und nach Jamaika, um Pferde, Waffen, Schießvorrat und Rüstzeug einzukaufen. Seinen Teil am mexikanischen Golde scheint der Feldherr also doch beim Rückzug gerettet zu haben. Schon vordem hatte Cortes seinem findigen Schiffsbauer Martin Lopez den Befehl erteilt, in Tlaskala unter Verwendung des Takelwerkes der ehemaligen Schiffe des Narvaez 43 Rennschiffe zu bauen. Diese Fahrzeuge sollten nach ihrer Fertigstellung in Teile zerlegt, von indianischen Trägern nach dem 100 km entfernten Tezkuko geschafft und dort wieder zusammengesetzt werden, um fortan die nötige Flotte auf dem See von Mexiko zu bilden. Ende Oktober des Jahres 1520 vollendete Cortes in Segura de la Frontera seinen zweiten Bericht an den Kaiser. Da das Schiff, das ihn nach Spanien bringen sollte, verlorenging, so wurde er erst im folgenden Frühjahr abgesandt. Den Bericht begleitete eine Denkschrift des Heeres, die 444 Unterschriften trägt und in der Urschrift noch erhalten ist. Es war Mitte Dezember geworden, als sich Cortes für genügend gerüstet hielt, zum zweiten Male den Vormarsch gegen die Hauptstadt anzutreten. Zunächst zog er über Cholula nach Tlaskala, wo eine Truppenschau stattfand. Die Streitmacht des Cortes war jetzt stark: 550 Mann, darunter 80 Armbruster und Büchsenschützen, 40 Pferde, 9 Geschütze (mit geringer Schußweite), 10 000 Mann Hilfstruppen aus Tlaskala, Cempoalla, Tepeaka, Cholula usw. In Mexiko war inzwischen der Nachfolger und Bruder des Montezuma, König Kuitlahua, an den von den Spaniern eingeschleppten Blattern gestorben. An seine Stelle trat ein Neffe Montezumas, Prinz Guatemozin, geboren um 1495 und verheiratet mit der ob ihrer Schönheit gerühmten Prinzessin Tekuichpo, einer Tochter Montezumas. Bernal Diaz schildert ihn als einen prächtigen, tapferen, aber unerfahrenen Mann von schöner Gestalt und würdevollem Benehmen. Der großen Gefahr, die seinem Reich und seinem Thron durch die Eindringlinge drohte, war er sich völlig klar. Er haßte die Spanier und war voller Begeisterung, freilich nicht ganz Mann der Tat, um sein Land vor der Fremdherrschaft zu bewahren. Am 28. Dezember brach Cortes nach Tezkuko (zu deutsch Rastadt) auf. Er wählte den beschwerlichen, aber sichereren Weg durch die Sierra. Über Tezmellokan und Koatepek erreichte er die Stadt am letzten Tage des Jahres 1520. Zunächst machte der Feldherr den Ort und insbesondere seinen Palast verteidigungsfähig. Dieses sein neues Hauptquartier war nur noch 25 km von der Hauptstadt entfernt. Sodann begann er verschiedene am See liegende Städte und Dörfer einzunehmen, vor allem Iztapalapan und Chalko, beide südlich von Tezkuko; sodann Xaltokan (das heutige San Christoval), nördlich vom Tezkuko-See. Inzwischen waren zur stolzen Freude des Cortes die 13 in Tlaskala erbauten und zerlegten Rennschiffe glücklich eingetroffen. Es folgte ein gewaltsamer Erkundungszug nach Azkapozalko, das nordwestlich von Mexiko liegt. Von da zog Cortes nach dem Städtchen Takuba, das erstürmt und aus Rache für die feindselige Haltung der Bürger in der Noche triste geplündert und niedergebrannt wurde. Nur der Haupttempel und das Schloß blieben erhalten, um dem Feldherrn sechs Tage lang als Standort zu dienen. Alsdann marschierten die Spanier nach Tezkuko zurück. Um diese Zeit – im März 1521 – trafen in Verakruz weitere drei Schiffe mit 200 Mann, 70 bis 80 Pferden, Waffen und Schießvorrat ein, wohl aus Haiti oder Jamaika. Am 5. April begann Cortes einen Zug in das Gebirgsland südlich der Hauptstadt, der mit der Einnahme der 120 km entfernten Hauptstadt der Tlahuikaner namens Quaunahuak am Südhange der Kordilleren endete. Die Spanier haben den Ort fortan Kuernavaka genannt. Stadt und Umland gehörten später zum Eigenbesitz des Eroberers und seiner Nachkommen. Auf dem Rückmarsche kam es zu dem Gefecht bei Xochimilko (zu deutsch: Blumenau). Hier wäre Cortes beinahe in die Gefangenschaft der Indianer geraten. Ein kastilischer Soldat, Christoval von Olea, rettete ihn. Auch diese Stadt mit ihren berühmten schwimmenden Gärten verfiel der Plünderung, worauf sie in Flammen aufging. Weiterhin drangen die Spanier nach Kojohuakan (Wolfshausen) vor und von dort abermals nach Takuba. Von der Zinne der Tempelpyramide hielt der Feldherr Umschau über den See zu seinen Füßen und die nahe Hauptstadt. Nach der Erzählung des Diaz hat er lange dort gestanden, versunken in den Anblick der hohen Moschee des Kriegsgottes und der deutlich erkennbaren Dammstraßen. Offenbar dachte er im voraus an die schwere Arbeit der Belagerung und Erstürmung dieser Stadt und an die unvermeidbaren Verluste dabei. Die spanischen Landsknechte haben die kleine Begebenheit in einem ihrer sangbaren Kriegslieder verewigt. Über Akolman am Nordufer des Sees ging es zurück nach Tezkuko, wo Cortes mit der Meldung begrüßt ward, die Rennschiffe seien zusammengesetzt und gebrauchsfertig. Der Tag, an dem ihre Kiele in den See tauchten, ward feierlichst begangen. Cortes hielt eine große Truppenschau ab. Er hatte jetzt im ganzen – nach Bernal Diaz – bei sich: 650 Mann zu Fuß, 194 Schützen, 84 Reiter und 24000 Mann indianische Hilfstruppen. Cortes gibt die Zahl etwas geringer an. (Vgl. S. 249.) Es war am 20. Mai 1521, am zweiten Pfingsttage. Die Belagerung, eine Kette von schweren Kämpfen, begann am 30. Mai und währte 75 Tage. Erst am 13. August 1521 waren die Spanier Herren der Stadt. Nach den Angaben des Eroberers sind in dieser Zeit 117000 Mexikaner zugrunde gegangen. Andere Berichte erhöhen die Zahl der Opfer auf 240000. Die Verluste der Spanier stehen nicht fest. Allein 100 Mann sind in die Gefangenschaft geraten und den Göttern hingeschlachtet worden. Ebenso viele sind mindestens gefallen. Von den Hilfsvölkern mögen 5000 bis 10000 Mann den Tod im Gefecht oder auf dem Opferstein gefunden haben. König Guatemozin fiel auf der Flucht in die Hände seiner Feinde. Clavigero erzählt hierzu: »Man brachte den Gefangenen vor Cortes, der sich im Augenblick auf dem Söller eines Hauses der Vorstadt Tlatlelolko aufhielt und ihn mit allen Zeichen der Achtung und Güte empfing. Guatemozin sagte: Tapferer General, ich habe zu meiner und meiner Untertanen Verteidigung alles getan, was die Ehre meiner Krone und die Treue zu meinem Volk erforderten. Aber unsere Götter waren mir nicht gnädig, und so sehe ich mich meines Landes und meiner Freiheit beraubt. Ich bin nun Euer Gefangener. Macht mit mir, was Euch beliebt! Nehmt diesen Dolch da – hierbei wies er auf die Waffe, die der Eroberer am Gürtel trug – und beendet ein Leben, dem es nicht vergönnt war, bei der Verteidigung seiner Heimat zugrunde zu gehen! – Cortes suchte allerlei Trostgründe hervor und erklärte, er sei nicht sein Gefangener, sondern der des größten Herrschers der Alten Welt, und könne auf dessen Gnade hoffen. Darauf bat der König den General, seinen Untertanen weiter kein Leid anzutun. Cortes verlangte, es solle jedermann die Waffen niederlegen. Beide erließen diesen Befehl. Er ward allgemein befolgt. Es ward auch verordnet, daß alle Mexikaner ohne Waffen und Gepäck die Stadt zu verlassen hätten. Drei Tage und drei Nächte waren die drei Hauptzugangsstraßen erfüllt von ausziehenden Männern, Weibern und Kindern, alle elend und halbverhungert. Der Gestank von den vielen Tausenden verwesender Leichen war ganz unerträglich. Man wurde krank davon. Die Häuser, die Gassen und die Wasserstraßen waren voll von aufgedunsenen häßlichen Toten. Hie und da sah man den Erdboden aufgescharrt; dort hatten die Belagerten Wurzeln ausgegraben, um sie zu essen. An vielen Bäumen fehlte aus gleichem Grunde die Rinde. Cortes ließ die Toten begraben und allerorts Holz verbrennen, um die Luft zu reinigen. Die Beute entsprach den Hoffnungen und Erwartungen der Sieger bei weitem nicht. Die in der Stadt aufgefundenen Geräte und Gewänder wurden den Bundesgenossen überlassen. Die Kunstwerke aus Gold, Silber und Federstickerei, die wegen ihrer Schönheit im ganzen erhalten zu werden verdienten, sandte man dem Kaiser als Geschenk. Alles übrige ward eingeschmolzen. Es betrug dies kaum 19200 Unzen (= 130000 Castellanos), und zwar weil die Mexikaner das meiste in das Wasser geworfen hatten; auch schon, weil sich jedermann, Spanter wie Bundesgenosse, für die ausgestandenen Mühsale durch Plündern schadlos gehalten hatte. Die Stadt sah schließlich wie ein Schutthaufen aus. Trotz der herrlichen Versprechung von des Kaisers Gnade wurde der gefangene König wenige Tage später in der schändlichsten Weise auf die Folter geschleppt, die er mit unerschütterlicher Standhaftigkeit ertrug. Er sollte bekennen, wo die unermeßlichen Schätze des Hofes und der Tempel verborgen wären. Die Marter bestand darin, daß man die Füße des Gefesselten mit Öl beschmierte und langsam braten ließ. Cortes verabscheute diese Grausamkeit, ward aber durch die Verdächtigungen etlicher habgieriger Spanier dazu bewogen, die ausgesprengt hatten, der General schone nur deshalb den König, weil er, von ihm verständigt, sich im geheimen seiner Schätze bemächtigen wolle.« Diese Vernichtung einer großen blühenden Stadt und so vieler Zehntausender, wie sie seit Karthagos Zerstörung durch Sciplo im Jahre 146 v. Chr. in der Weltgeschichte nicht ihresgleichen hat, ist von allen, die über Cortes und seine Feldzüge geschrieben haben – von Las Casas bis Prescott –, in langen Betrachtungen beklagt worden. Die heutigen Europäer haben Anlaß, über den düsteren Ausgang eines bis zum Äußersten geführten Verteidigungskrieges zu schweigen. Nach der Überlieferung war der Soldatenstand der angesehenste bei den Azteken. (Vgl. S. 322 ff. u. 411 ff.) Die alten Mexikaner werden in der gesamten Literatur der Eroberer als ein kriegerisches Volk geschildert, und die todesverachtende Verteidigung ihrer Hauptstadt beweist in der Tat zum mindesten ihren Mut. Führer im Sinne der höheren Kriegskunst haben sie aber offenbar nicht gehabt. Ein einziges Mal stoßen wir auf eine richtige strategische Maßnahme: den Versuch, den aus der Stadt vertriebenen Spaniern bei Otumba den Rückzug zum Meere zu verlegen. Zweifellos ist es dem König Guatemozin rechtzeitig bekannt gewesen, daß sich Cortes in Tepeaka und Tlaskala rüstete; trotzdem hat er wenig und nur Ungenügendes unternommen, um sein Reich an den Grenzen zu verteidigen; von einem Vorstoß auf die noch unfertigen gegnerischen Streitkräfte gar nicht zu reden. Sichtlich entbehrte Mexiko eines vorausblickenden kraftvollen Anführers. Guatemozin selbst aber war keine Feldherrennatur. Die Mexikaner hatten bis zu dem Erscheinen des Cortes ihre Kriege durch ihre Massenheere gewonnen. Die unterworfenen Städte und Stämme verstanden sie alsbald zu verweichlichen, insbesondere aber durch regelmäßige Abgaben von Menschen am Menschenzuwachs zu hindern. Die der Nachwelt so grausam erscheinenden Menschenopfer hatten keinen anderen Zweck, wenngleich man ihn mit dem Mantel des frommen Brauches verhüllt hat. Der Philosoph des Krieges, General Karl von Clausewitz, meint in seinem Buche vom Kriege (Insel-Ausgabe S. 50): unter rohen Völkern fände man nie einen eigentlich großen Feldherrn, weil zum Hervorbringen eines kriegerischen Genies eine Entwicklung der Verstandskräfte nötig sei, die ein rohes Volk nicht haben könne. Wenn man die alten Mexikaner gewiß nicht als ein rohes Volk bezeichnen darf, so fehlte es ihnen doch an der freien Geistesentwicklung. Ihr Staatswesen beruhte auf einer planmäßigen Zerstörung der Eigenart des Einzelnen. Es herrschte ein eiserner Zwang der Ordnung, ähnlich wie im alten Ägypten. Die Demut des Niederen vor dem Höheren war maßlos. Selbst ihre Generale waren nichts als höhere Lakaien. Es ist hier der Platz, einen kurzen Blick auf den damaligen Zustand Altmexikos zu tun. Die Azteken oder Mexikaner waren gegen das Ende des 13. Jahrhunderts vom Norden her in das Gebiet ihres späteren Reiches eingewandert, wobei sie eine ältere, höhere Gesittung als die ihre vernichteten, zum Teil auch übernahmen. Die Stadt Mexiko ist um 1325 gegründet. Die eingewanderten siegreichen Stämme bildeten Kleinstaaten, unter denen Mexiko allmählich die Vorherrschaft gewann. Als die Spanier eindrangen, herrschte es, wenngleich nicht allerorts in gleichem Maße, bereits von Weltmeer zu Weltmeer. Der König, der die Spitze des Heeres wie der Priesterschaft darstellte, erfreute sich unumschränkter Macht. Die Geistlichkeit war ungemein zahlreich und wohlgegliedert. Der fromme Glaube des Volkes nahm einen allgegenwärtigen einzigen Gott (die Sonne) und ein Jenseits an. Neben dem Allgott gab es eine stattliche Anzahl von großen und kleinen Göttern inmitten eines Wustes von Sinnbildern und abergläubischen Hirngespinsten. Der oberste Gott war der Kriegsgott. In Stadt und Land wimmelte es von Götterbildern. Der Gottesdienst erstickte im feierlichen Beiwerk. Der Aberglauben war allmächtig. Ihm hat Cortes zu einem nicht geringen Teil die Zaghaftigkeit und Untätigkeit Montezumas zu danken. (Vgl. die Reden des Königs S. 121 ff. und 135 f.) Die Gesetze waren streng. Mit der Todesstrafe wurde nicht gegeizt. Es gab Gefängnisse, auch Zwangsarbeit. Infolge der grausamen Bestrafung von Vergehen und der rücksichtslosen Ausrottung der Verbrecher waren Eigentum und Verkehr gesichert. Wenn sich Cortes gelegentlich rühmt, man könne ohne Gefahr das ganze Land bereisen, so war das nicht das Verdienst der Spanier. Die Lebensanschauung des Volkes war eng, voll von Entsagung und Schwermut. Leben ist Leiden, das war der Grundglaube. Mit Klagen begrüßte man den Neugeborenen, und fröhlich trug man den Gestorbenen zu Grabe. Der Tod galt als die Erlösung von den Mühsalen des Erdenganges, die dem Menschen auferlegt sind. Die Götter freuen sich über die Qualen und Schmerzen, die der Mensch sich selbst bereitet. Menschenopfer versöhnen die Götter. Die Geopferten gehen ein in das Reich der Seligkeit. Ein noch zuckendes Herz, der Sonne, der Lebensspenderin, vom Priester entgegengehalten, war die frömmste Gabe. Über den Umfang der Menschenopfer ist sich die Überlieferung nicht einig. Während Zumarraga, der erste Bischof von Neu- Spanien, von alljährlich 20000 Opfern spricht, behauptet Las Casas, es wären im Jahre keine 1000 gewesen. Wahrscheinlich geschahen Massenopfer nur nach Feldzügen. Allerdings scheint es, als seien zuweilen, auf das Betreiben der blutgierigen Priesterschaft hin, Kriege unternommen worden, lediglich um Massen von Opfern beizutreiben. Vielleicht erreichte man die Menschenabgabe oft auch schon durch bloße Kriegsandrohung. Künste und Kunsthandwerk standen in Altmexiko in hoher Blüte. Die Baukunst dieses Landes hatte den Drang ins Gewaltige wie im alten Ägypten. Grelle Bemalung in verschiedenen Farben steigerte ihre märchenhafte Wirkung. An den Tempelpyramiden haben Zehntausende gekarrt. Vielleicht stammen die hügelartigen Unterbauten der Moscheen noch von den Vorgängern der Azteken. Mit Gewißheit ist dies der Fall bei den Pyramiden von Teotihuakan (bei Otumba). Aus der nämlichen Vorzeit rühren die bedeutenden Ruinen in Palenque und in Yukatan (dem Reiche der Maya) her. Es gab zahlreiche Tempel. Eine Schilderung der großen Moschee in der Stadt Mexiko ist anderwärts gegeben. (Vgl. S. 143 f., 331 ff. und Anm. 51.) Die Paläste der Fürsten und Großwürdenträger waren weitläufig und prächtig. Über zwei Stock hoch ist wohl keiner gewesen. Große Hofe und weite Vorhallen fehlten nirgends. Die Landsitze waren von den herrlichsten Gärten umgeben. Sie standen an Teichen oder an den Seen; mitunter auf Hügeln, wie das Sommerschloß Tezkozingo bei Tezkuko. Die Häuser der Bürger waren aus Stein; wie die Paläste hatten sie flache Dächer und Dachgärten mit gemauerter Brüstung. Die Ärmeren wohnten in Hütten aus Ziegelsteinen, Balken und Rohrwänden, vielfach um einen noch lebenden alten Baum errichtet. An bewundernswerten Werken von Bildhauern und Meistern des Mosaiks war das Land reich. Vor allem gab es Riesenstandbilder der Götter. Neben dem vorherrschenden Hange am Ungeheuerlichen und Grauenhaft-Phantastischen spricht sich an allem dem doch auch der Sinn für die Wirklichkeit aus. Minder entwickelt war vermutlich die Malerei. Wundervoll aber waren die Federstickereien Altmexikos. Acosta behauptet, die Hersteller dieser Werke seien imstande gewesen, die besten Bilder der spanischen Meister mit ihren malerischen Mitteln zu wiederholen. Johann Lorenz von Anagma, ein Italiener des 16. Jahrhunderts, schreibt von einem Federbilde: »Unter anderem war ich über einen heiligen Hieronymus mit einem Löwen erstaunt, ein Gemälde, das ebenso durch seine schönen, lebhaften und natürlichen Farben wie durch seine richtige und getreue Darstellung wirkte. Ich bezweifle, ob ich je ein gleiches, geschweige denn besseres Merk der üblichen Malerei gesehen habe.« Clavigero ist übrigens der Ansicht, daß aus der Blütezeit dieser Kunst nichts erhalten sei. Die noch vorhandenen Werke stammten aus der Nachblüte, und erst im 18. Jahrhundert sei diese Kunstart ganz abgestorben. Hochgeschätzt waren bei den alten Mexikanern in Gold oder Silber gegossene kleine Abbilder von allerlei Tieren, Affen, Papageien, Enten, Krebsen, Fischen usw. »Diese allerliebste Kunst« – klagt Clavigero – »ist durch die geistige Unterdrückung der Indianer und die unverzeihliche Gleichgültigkeit der Spanier verlorengegangen. Die Arbeiten der mexikanischen Gießer waren so wunderbar fein, daß selbst die golddurstigen hispanischen Landsknechte die Arbeit daran hoher schätzten als den Goldwert.« Eine große Fertigkeit im Zeichnen drückt sich in der altmexikanischen Bilderschrift aus. Lesen und Schreiben verstand jeder einigermaßen gebildete Altmexikaner. Dem Kundigen waren die uns so rätselhaften Zeichen ungemein anschaulich. Bedauerlicherweise hat der hirnlose Eifer der spanischen Pfaffen den ehemaligen Reichtum an Büchern als Teufelswerk vernichtet. Man schrieb auf Pergament aus Hirschhaut oder auf Pflanzenpapier. Von alledem sind heute nur noch vorhanden vier Bücher (auf Agavepapier). Berühmt davon ist die Maya- Handschrift der Landesbibliothek in Dresden. Cortes selbst (vgl. S. 531, auch Gomara, S. 445) bezeugt, daß es vorzügliche amtliche Landeskarten gab. Es ist bedauerlich, daß sich keine davon auf unsere Tage erhalten hat. Von der Dichtkunst Altmexikos sind nur wenige Denkmäler übriggeblieben. Erst im Jahre 1792 ist durch den Pater Manuel von der Vega auf Anregung der spanischen Regierung das noch Auffindbare gesammelt worden. Auch Sahagun hat uns einige Reste in spanischer Übertragung überliefert Seine Historia universal de Nueva España findet man abgedruckt ln: Lord Kingsborough, Antiquities of Mexico. London 1830 ff. Einzeln herausgegeben von C. M. Bustamente, Mexiko 1829, 3 Bde., unter dem Titel: Historia de la conquista de Mexico. Eine französische Übersetzung ist 1880 in Paris erschienen: Histoire générale de la Nouvelle Espagne. Sahagun, ein Franziskaner, 1529 nach Mexiko gekommen, gestorben daselbst 1590. Sein Werk war ursprünglich in mexikanischer Sprache geschrieben. Als 80jahrlger übertrug er es in das Kastlilsche. Es blieb dann über zweihundert Jahre verschollen. Sahagun gilt vor allem als eifriger und gerechter Erforscher der Götterlehre und der Sitten der Altmexikaner. Zu den auf derselben Seite erwähnten Quellen: I. Josephus de Acosta. De natura novi orbis duo... Salamanca 1589. Auch Barcelona 1391. José Acosta. Historia natural y moral de las Indias. Sevilla 1596. Deutsche Übersetzung: Amerika oder wie mans zu Teutsch nennet Die Newe Welt oder West Indla. Von Herrn Josepho de Acosta in Sieben Büchern eins theils in Lateinischer und eins theils in Hispanischer Sprach Beschrieben ... Gedruckt zu Ursel durch Cornellum Sutorium. Im Jahr 1605. Folio. Eine weitere deutsche Übersetzung ist 1617 erschienen. II. Lorenzo Boturini. Idea de una Nueva Historia general de la America 8eptentrional, Madrid 1746. Ein Mailänder Edelmann, kam 1735 nach Neuspanien, gestorben in Madrid 1749. Er muß als ein ebenso begeisterter wie urteilsloser Forscher und Darsteller bezeichnet werden. . Außerdem sind vier Oden des Fürsten Nezahualkoyotl von Tezkuko (1392 - 1472) in spanischer Bearbeitung erhalten. Schließlich gibt es noch eine Sammlung von 27 Gedichten: Cantares de los Mexicanos , die ein amerikanischer Gelehrter (Daniel Brinton in Philadelphia) herausgegeben und übersetzt hat. Acosta, Boturini und Clavigero berichten vom Theater der Indianer, von ihren Schauspielern, vom Gebrauche von Masken und anderem; indessen fügt der ehrliche Clavigero hinzu, er habe nie etwas davon mit eigenen Augen gesehen und bezweifle das übertriebene Lob des einbildungsreichen Boturini. Bei Acosta ist nur von einer sehr urwüchsigen Stegreifpossenbühne die Rede. Er erzählt: »In dem ziemlich großen Hof um den Tempel stand eine kleine Schaubühne, gar artig an den vier Ecken gepflastert. Für das Fest bestellte man es mit grünen Zweigen und schmückte es mit Bogen, Pfeilen, verschiedenen Blumen und Federn, auch mit Vöglein und anderen lieblichen Dingen. Nach dem Mahle kamen sie auf besagten Platz und trieben allerlei lächerliche Possen. Etliche traten als Taube, Alte, Kranke, Blinde, Lahme und Krüppel auf und beteten zu Gott, er möge sie wieder gesund machen. Die Tauben stotterten und die Hinkenden tanzten zum Ergötzen der Zuschauer. Andere kamen in der Gestalt schrecklicher Tiere, als Schlangen, Kröten, Krokodile. Im Begegnen erzählten sie einander von ihrem Handel und Wandel. Zu guter Letzt taten die Darsteller den Mummenschanz ab und spielten in ihrer richtigen Gestalt auf Flöten.« Ganz in den Uranfängen soll die Musik der Indianer steckengeblieben sein. Wir wissen nur von ihrer Kriegsmusik, die auf Holztrommeln mit Rehfell, Hörnern, Muscheltrompeten und grellen Pfeifen hervorgebracht wurde. Saiteninstrumente hatten die Mexikaner nicht. Ihren Gesang, der den europäischen Ohren rauh und eintönig klang, begleiteten sie auf einer Holztrommel ohne Fell. Die Tanzkunst der Altmexikaner, die den Beifall der Eroberer fand, hat auf einer gewissen Höhe gestanden. Es gab Kindertänze, Volkstänze, Priestertänze, auch höfische Tänze, dieseÿ ähnlich den Vierer- und Reihentänzen der Rokokozeit. Musik oder Gesang, auch Wechselgesang, zeigte den Takt an. Ihre körperlichen Spiele hatten bei aller Ergötzlichkeit den Zweck, die Jugend zur Kriegstüchttgkeit zu erziehen und die Männer darin zu erhalten. Auch die Wissenschaften werden gepflegt. In der Rechenkunst spielte die Zahl 20 eine Rolle. In Zusammenhang damit steht z. B. die Einteilung der Truppen; die Kompagnie war 20x0 = 400 Mann, das Regiment 20x20x20 = 8000 Mann stark. Der Zeitrechnung lag das Sonnenjahr zugrunde, das in 18 Monate zu je 20 Tagen und fünf Ergänzungstage zerfiel. Die Monate trugen Namen nach den Jahreszeiten, ähnlich wie im Kalender der Franzosen von 1792. Der Monat hatte vier Wochen zu je fünf Tagen. Der letzte Tag jeder Woche war der Markttag. Alle 52 Jahre gab es ein Schaltjahr mit der nötigen Einschiebung von 12 bis 13 Tagen. Demgemäß sah man in Reihen von 52, 104 usw. Jahren Zeitabschnitte, ähnlich unseren halben und ganzen Jahrhunderten. Dle altmexikanische Zeitrechnung beginnt mit unserem Jahre 1091. Daneben hatten die Priester noch einen Geheimkalender, in dem die Zahl 13 eine Rolle spielte und der eng verknüpft mit ihrer Himmelskunde war. Das zu dumpfem Aberglauben erzogene Volk hing ängstlich an der pfäffischen Sterndeuterei. Die fünf Ergänzungstage im Jahre, die seinen Schluß bildeten, galten als Unglückstage und waren Tage der Buße und Verzweiflung, während die 13 Schalttage aller 52 Jahre als hohe Freudentage festlich begangen wurden, schon weil sie nicht jeder Mensch erlebte und wiedererlebte. Die Heilkunde der alten Mexikaner war in ihrer Art bedeutend und berühmt. König Philipp II. (1556 - 1598) schickte deshalb seinen Leibarzt Francisco Hernandes nach Neu-Spanien, um die Naturgeschichte dieses Landes zu erkunden und aufzuzeichnen. Mit einem Aufwand von 60 000 Dukaten unter Beihilfe eingeborener Ärzte kamen 35 handschriftliche Bände zustande. Hieraus erschien 1651 ein Auszug in spanischer Sprache; das Werk selbst erst 1790 als einer der schönen Drucke von Ibarra F. Hernandes, Rerum medicarum Novae Hispaniae Thesaurus seu Plantarum, Animalium et Mineralium Mexicanorum Historia. Rom 1651. – Die Ausgabe von 1790 ist herausgegeben von Orteaga. . Hervorragend sollen die Erfolge der indianischen Ärzte in der Behandlung und Heilung von Wunden gewesen sein. Die Arzneimittel wurden aus Kräutern hergestellt. Viel hielt man von Schwitzbädern. Die Kochkunst in Altmexiko hat sich aus erbärmlichen Anfängen nur langsam entwickelt. Ursprünglich an den See gefesselt, mußten die Umwohner ihm die Hauptnahrungsmittel entnehmen. Zumal der arme Mann aß alles daraus, sogar Wasserschlangen und allerhand Seegetier. Selbst die Eier der Insekten lieferten eine Art Kaviar. Gedörrte Fliegen, zu Kugeln zusammengedrückt, gab es zur Zeit der Eroberer auf dem Markte. Eine gewisse Ausscheidung des Seewassers ward an der Sonne getrocknet und als Steinkäse in den Handel gebracht. Der Wohlhabendere liebte die Fische der Seen und aus besonderen Teichen auf seinem Tische. Da die Jagd auf dem Wasser wie zu Lande ergiebig war, kann es an sonstiger Abwechselung nicht gefehlt haben. Den Genuß von schwerem Fleisch vermied der Mexikaner; Feldhühner, Wachteln, Enten zog er dem vor. Wenn man der Überlieferung glauben darf, war die Hauptleckerei der altmexikanischen Küche das Menschenfleisch, das man ganz besonders fein zubereitete. Pater Sahagun, ein gelehrter Franziskaner, der 1529 nach Mexiko kam, verfehlt nicht, in der Reihe seiner Kochrezepte auch dieser Liebhaberei zu gedenken. Truthühner hielt man überall in Mengen. Ihre Eier waren geschätzt, ebenso die einer Eidechsenart Iguana. Gemüse und Früchte gab es aller Art. An Milch und Fett war Mangel. An Gewürz gebrauchte man insbesondere das Salz und den Chillipfeffer. Zucker wurde vielfach verwendet. Das Brot ward aus Maismehl gebacken. An Getränken ist eine Art Maishonig zu nennen, sodann vor allem die Schokolade, zubereitet aus dem Kakao und verschiedenem Gewürz. Ferner gab es etliche Weinsorten, bereitet aus Mais, aus Maguei oder aus Palmensaft. Sehr bald haben die spanischen Ansiedler durch den Handel mit Wein (Pulque) gute Geschäfte gemacht. An den Gelagen nahmen auch dle Frauen teil. Bei Tisch saßen sie im übrigen getrennt von den Männern. Vor und nach dem Essen wurden Wasserschüsseln und Handtücher zum Waschen herumgereicht. Nach dem Mahle begann man zu rauchen, Pfeife oder Zigarren, letztere mit Mundstücken aus Schildkrot oder Silber. Man kannte auch bereits Tabak in Pulverform als Schnupftabak. Die Stellung der Frauen – um dies hier zu berühren – gewährte ihnen nur die Herrschaft im Hause. Im öffentlichen Leben erschienen sie nicht. Die Fürsten, Vornehmen und Reichen hielten sich Harems. Die Frauen darin hatten vermutlich verschiedenen Rang und verschiedene Rechte. Die Eroberer rühmen den Altmexikanerinnen Körperschönheit, Anmut, Bescheidenheit und große Reinlichkeit nach. Selbst dle Wohnungen der Armen hatten Badestuben. Heutzutage ist Mexiko bekanntlich ein Land grenzenloser Unsauberkeit. In der Geselligkeit spielten Wohlgerüche und Blumen eine große Rolle. Der Gast wurde empfangen, indem man frisches Riechpulver in die Räucherpfanne warf. Die alten Mexikaner waren Künstler im Gartenbau. Blumen blühten allerorts. In den letzten Tagen vor dem Untergange der Stadt sang einer ihrer Dichter Das Gedicht ist den bereits S. 47 erwähnten Cantares entnommen. Der »rauchende Stern« ist eln Komet. : Wie traurig! Dies Haus soll untergehn. Ich weiß, unser Reich sinkt dahin. Es bricht zusammen; es zerfällt. Die Sterne rauchen: Sie sind wider uns. Die Stadt der Bücher und der Blumen Ist bald nicht mehr. Nachdem die Hauptstadt eingenommen und zerstört war, unterwarfen sich die Nachbarvölker aus Furcht vor der ihnen unheimlichen Macht des Eroberers. Es erschien eine Anzahl von Gesandtschaften im Lager der Spanier. Zuerst fügte sich der König von Michoakan, dem mächtigsten westlich vom mexikanischen Reiche gelegenen Nachbargebiete. Der Fürst stellte sich nach den ersten Verhandlungen persönlich im Hauptquartier ein, mit einem prunkvollen Gefolge. Cortes empfing ihn mit nicht geringerem Aufwand. Unter dem Donner der Geschütze führte er ihm seine Truppen, insbesondere seine Ritterschaft, vor und zeigte ihm vom Bord eines Schiffes aus die Trümmer der noch rauchenden Paläste und Tempel. Es lag dem Feldherrn ungemein viel daran, neue Kriege und Kämpfe zu vermeiden, und er war Staatsmann genug, die geeigneten Mittel zu einer friedlichen Politik zu handhaben. Nach Abschluß von allerlei Verträgen erwachte in Cortes sofort wieder der Drang, Entdeckungen zu machen. Er sandte zwei größere Erkundungstrupps aus, die bis zum Gestade des anderen Weltmeeres vordrangen und, beladen mit Gold und perlen, zurückkamen. Damit war der Anfang zur Entdeckung von Kalifornien gemacht. Kriegerischer waren andere nötige Streifzüge in die südlichen Abhänge der Kordilleren, die unter Führung von Sandoval und Alvarado stattfanden. Weiterhin erfolgte ein Zug gegen aufständische Indianer am Panuko, um die dortige Niederlassung San Estevan zu schützen. Nach Unterdrückung der Empörung ließ Sandoval 400 Vornehme hängen. In die Zeit bis 1524 fällt ferner die Gründung von Zakatula an der Südsee und von Koliman im Gebiete von Michoakan. An der Mündung des Antigua erhoben sich die Anfänge einer Stadt und eines Hafens, des späteren Alt-Verakruz. (Vgl. S.19.) Auch entstand der Ort Medellin, genannt nach der Geburtsstadt des Eroberers. Der Oberfeldherr verblieb in Kojohuakan. Seine Tätigkeit galt zunächst der Gründung einer neuen Hauptstadt, denn der junge Staat bedurfte eines starken und glänzenden Mittelpunktes. Nach reiflicher Erwägung entschied sich Cortes, die alte Hauptstadt wieder erstehen zu lassen. Bei der ihm eigenen Lebhaftigkeit und Tatkraft betrieb er den Aufbau ohne Verzug mit allen Kräften und nach einem großartigen Plane. »Wie ehemals – schreibt er dem Kaiser – soll die Stadt die Königin des Landes werden.« Nach dem Vorbild asiatischer Machthaber ließ Cortes die Masse der Eingeborenen die Arbeit ausführen. Hunderttausend Menschen waren alsbald in Tätigkeit, und erstaunlich rasch wuchsen die neuen Paläste und Häuser empor. Um diese Zeit sandte Cortes den 3. Bericht an Karl V. ab, abgeschlossen in Kojohuakan am 15. Mai 1522, zugleich mit ihm das kaiserliche Fünftel der Gesamtbeute, eine Fülle von Gold, Perlen und Edelsteinen, darunter ein Smaragd in Pyramidenform mit einer Grundfläche so groß wie ein Handteller. Die Goldbarren allein hatten einen Wert von 4 Millionen Mark. Allerlei Seltsamkeiten aus den Tempeln und Schlössern, Kleider Montezumas, merkwürdige Pflanzen, wilde Tiere und anderes mehr ward der Sendung beigefügt, um auch die Schaulust in der Heimat zu befriedigen. Zwei Getreue des Feldherrn, die Ritter Antonio von Quinones und Alfonso von Avila, wurden mit der Botschaft betraut. Auf zwei Schiffen gingen sie, vermutlich im Juni 1522, von Verakruz ab. Beide Boten hatten kein Glück. Während ihres Aufenthalts auf einer der Azoren bekam Quinones wegen eines Frauenzimmers Streit und starb an den Folgen eines schweren Schlages auf den Kopf. Avila setzte die Reise allein fort, fiel aber unterwegs einem französischen Freibeuter namens Jean Florin in die Hände. Die Prachtstücke der Beute bekam König Franz I, geschenkt. Avila wurde in irgendeiner Festung eingesperrt,es gelang ihm aber, die ihm anvertrauten Berichte, Briefe und Schriftstücke sicheren Händen zu übergeben, so daß Karl V. sie doch noch erhielt. Franz I. soll dem Kaiser damals haben sagen lassen: Da seine erlauchten Vettern von Spanien und Portugal die Neue Welt untereinander geteilt hätten, so möchten sie ihm doch dle Klausel aus Vater Adams Testament vorweisen, demzufolge sie zu alleinigen Erben jener Länder eingesetzt seien. Solange dies nicht geschehen, erlaube er sich, ihnen zur See zu nehmen, was er erwische. – Übrigens fiel Florin auf einer späteren Raubfahrt spanischen Kriegsschiffen in die Hände. Man meldete dem Kaiser den guten Fang, worauf der Allerhöchste Befehl eintraf, den Seeräuber an den Galgen zu hängen. Auf die Nachricht von dem Verluste der kostbaren Sendung beeilte sich Cortes, dem Kaiser ein Trostgeschenk zu machen. Er ließ für ihn ein Feldgeschütz aus Silber gießen, das Phönix getauft wurde und eine vom Feldherrn selbst verfaßte Inschrift trug. Man findet sie im Buche auf Seite 342. Cortes hatte infolge der gegen ihn in der Heimat gesponnenen Machenschaften, besonders des Fonseca, weder auf seinen 1. noch auf den 2. Bericht einen kaiserlichen Bescheid. Den 1. Bericht (vom 16. Juli 1519) hatte der Kaiser im Frühjahr 1520 erhalten. Die zugleich angekommenen Beutestücke waren von ihm nach England und den Niederlanden mit genommen worden. Öffentlich ausgestellt, erregten sie allgemeines Erstaunen. Albrecht Dürer, der sie im August 1520 in Brüssel sah, bewundert sie und schreibt davon in seinem Tagebuche: »Diese Dinge sind alle köstlich. Und ich hab all mein Lebtag nichts gesehen, was mein Herz also erfreut hat. Denn ich hab darin gesehen eine wunderliche Kunst und hab mich verwundert ob der subtilen Ingenia der Menschen in fremden Landen.« Wann der 2. Bericht (vom 30. Oktober 1520) in die Hände des Kaisers gelangt ist, wissen wir nicht. Den 3. Bericht (vom 15. Mai 1522) erhielt er bei seiner Rückkehr nach Spanien, wahrscheinlich zusammen mit dem vorhergehenden, im Herbst 1522. Daß die Erzählung des Eroberers tiefen Eindruck auf Karl V. gemacht hat, geht allein daraus hervor, daß er den 2. und 3. Bericht dem Buchdrucker Cromberger in Sevilla zum Druck übergab. Der 2. Bericht ist im November 1522, der 3. Ende März 1523 erschienen«. Es gibt folgende spanische Drucke der Berichte des Cortes an Kaiser Karl V.: Erster Druck des 1. Berichts vom 10. 7. 1519 in: Coleccion de documentos ineditos para la historia de España , Bd. I, S. 417 - 461, Madrid 1842. Erster Druck des 2. Berichts vom 30.10.1520: Sevilla, gedruckt bei Jakob Cromberger, 1522, Folio, 28 Blätter. Erster Druck des 3. Berichts vom 15. 5. 1522: Sevilla, gedruckt bei Jakob Cromberger, 1523, Folio, 30 Blätter. Erster Druck des 4. Berichts vom 15. 10. 1524: Toledo, gedruckt bel Caspar de Avila, 1525, Folio, 21 Blätter. Erster Druck des 5. Berichts a. d. Sommer 1526 in: Coleccion de documentos ineditos para la historia de España , Bd. IV,S. 8 - 167. Abdruck des 2., 3. und 4. Berichts im Band I von: Gonzalez Barcia, Historiadores primitivos de las Indias occidentales , Madrid, 1749. Bester Druck des 2., 3. und 4. Berichts, herausgegeben vom Erzbischof Don Fr. Antonio Lorenzana, Mexiko 1770, Kleinfolio. Neudruck des 2., 3. u. 4. Berichts, herausgegeben von Henriques de Vedia, 1832. Neudruck des 2., 3. und 4. Berichts, herausgegeben von Pascual de Gayangos, Paris 1866. Die erste deutsche Übersetzung von 1550 ist betitelt: Ferdinandi Cortesii Von dem Newen Hispanien / so im Meer gegen Nidergang / Zwo gantz lustige und fruchtreiche Historien / an den großmächtigsten unüberwindtlichisten Herren / Carolum V. Römischen Kaiser \&c Künig in Hispanien \&c. Die erst im MDXX. jar zugeschriben / in wellicher grundt- lich und glaubwirdig erzelt wirdt / der Abendtländern / unnd sonderlich der Hochberümpten statt Temixtitan eroberung. Die andere im 1524. jar / Wie Temixtitan / so abgefallen / wider erobert / Nachmals andere herrliche Syg / sampt der erfindung des Meers SVR /So man für das Indianisch Meer achtet. Erstlich in Hispanischer Sprach von Cortesio selbst beschriben / Nachmals von Doctor Peter Sauorgnan auß Friaul in Lateinische sprach Transferiert / Entlich aber in Hochteutsche Sprach / zu ehren und auß underthänigister gehorsame / dem Allerdurchleuchtigisten / Großmächtigisten Fürsten und Herrn / Herrn Ferdinanden / Römischen / zu Hungern und Böhem Dc. Königen / Infanten in Hispanien / Ertzhertzogen zu Osterreich Dc. von Xysto Betuleio und Andrea Diethero von Augsburg / balden daselbst gemainer Statt Lateinischen Schulmaistern. Getruckt inn der Kaiserlichen Reichs Statt Augsburg / durch Philipp Ulhart / In der Kirchgassen / bey S. Ulrich / Anno Dominni M.D.L. In Folio, 6 u. 39 Blätter und 3 u. 53 Bl. nebst 10 Bl. Anhang. (Ein Exemplar: Kgl. Landesbibliothek zu Dresden. Signatur: Hist. Amer. 47.) Eine berühmte, heute sehr seltene lateinische Übersetzung des 2. und 3. Berichts ist 1524 in Nürnberg gedruckt. Während der Abwesenheit des Kaisers hatte es Fonseca erreicht, daß Adrian von Utrecht, der Regent von Kastilien, eine Urkunde vom 11. April 1521 unterzeichnete, derzufolge Cortes seines Amtes entsetzt und ohne Verzug in Haft genommen werden sollte. Die jetzt erfolgende Kaiserliche Verfügung vom 15. Oktober 1522, die den Generalkapitän zum Kaiserlichen Statthalter von Neu-Hispanien ernannte, setzte allen hinterhältigen Feindseligkeiten ein Ende. Fonseca wie sein Helfer Velasquez waren machtlos geworden. Der eben erwähnte Haftbefehl des kaiserlichen Stellvertreters vom April 1521 kam in Verakruz im Dezember desselben Jahres an. Mit der schwierigen Aufgabe, den Generalkapitän inmitten seines Heeres am Orte seiner Tätigkeit gefangen zu nehmen, ward Christoval von Tapia beauftragt, der Verwalter der Goldwerke von St. Domingo. Tapia, der seinem Auftrage in keiner Weise gewachsen war, vermochte gegen Cortes nichts auszurichten. Als er einsah, daß er weder mit Vollmachten, noch Reden, noch Drohungen, noch Versprechungen etwas erreichte, wurde er krank vor Ärger. Die Offiziere, die mit ihm in Cempoalla verhandelten, meldeten dem Cortes den Verlauf der Zusammenkunft und schlugen vor, dem Manne Gold und Edelsteine zu schicken, um seinen Ärger zu besänftigen. Das Gold traf alsobald ein. Man kaufte damit dem Tapia etliche Neger und drei Gäule ab, worauf er sich wieder nach St. Domingo empfahl. Zugleich mit Tapia ging auch Panfilo von Narvaez, von Cortes wohlwollend entlassen, aber im Grunde seines Herzens ein erbitterter Feind des Eroberers. Zusammen mit Tapia begab er sich im Frühjahr 1522 nach Spanien, wo sich beide in der übelsten Welse als Ankläger und Widersacher des Cortes betätigten. In den Jahren 1522 bis 1524 schritt der Wiederaufbau der Hauptstadt rüstig vorwärts. An der Stelle, wo die große Moschee gestanden hatte, erhob sich alsbald eine Franziskanerkirche. 33 kleinere Kirchen wurden in den verschiedenen Stadtvierteln errichtet. Auch ein Franziskanerkloster fehlte nicht. Die Häuser der Spanier wurden aus Stein gebaut, vielfach burgähnlich. Für seinen eigenen Palast soll Cortes allein 7000 Zedern verwendet haben. Die Festungsanlagen wurden mit 70 Geschützen mit Kupferrohren besetzt, die in Neu- Spanien gegossen worden waren. Man schoß mit Steinkugeln. Dazu ward ein Pulverwerk eingerichtet. Den nötigen Schwefel entnahm man der Mündung des Popokatepetl; an Salpeter fehlte es nicht. In seinem 4. Berichte (vom 15. Oktober 1524) schreibt Cortes dem Kaiser: »Heute zählt die Hauptstadt bereits wieder an die 30 000 Einwohner, und die frühere Ordnung in Handel und Wandel ist allenthalben wieder zu beobachten. Ich hab den Einwohnern dermaßen Freiheiten und Zugeständnisse gewährt, daß sich ihre Zahl von Tag zu Tag vermehrt. Sie fühlen sich offensichtlich wohl. Allerart Handwerker zu Diensten der Hispanler gibt es viele. Die Kaufleute erfreuen sich völliger Sicherheit und machen gute Geschäfte, Anderes Volk lebt vom Fischfange, und der Handel mit Fischen ist im Lande beträchtlich. Auch wird Feldwirtschaft und Gartenbau betrieben. Soweit Samen zu bekommen war, sind bereits alle Gemüsearten der Heimat angepflanzt worden. Es fehlt nur an den nötigen Sämereien, um den Anbau aller in Hispanien beliebten Gartengewächse mit allem Erfolge zu betreiben. Sogleich nach der Eroberung der Hauptstadt hab ich auf der einen Seite im See eine Burg zu erbauen begonnen, unter deren Schutz die Rennschiffe sicher lägen, und von wo aus man die ganze Stadt beherrschen kann. Dies Werk ist inzwischen fertig geworden und gar wohl gelungen. Alle unsere Schiffe und Geschütze sind nunmehr daselbst beisammen. Das Viertel, in dem wir Hispanier wohnen, ist durch einen Wassergraben vom Viertel der Eingeborenen getrennt. Den beiderseitigen Verkehr vermitteln zahlreiche hölzerne Brücken. Die Indianer haben zwei große Märkte, einen in ihrem Viertel und einen in unserem. Auf diesen Märkten wird alles feilgeboten, was im Lande wächst und herÿgestellt wird. In diesem Punkt ist alles genau wie ehedem.« Um die von ihm in den verschiedensten Gegenden des Landes gegründeten Siedelungen nicht nur für den Augenblick angelegt zu sehen, erließ er eine Verfügung, wonach jeder Ansiedler innerhalb von 18 Monaten seine Frau auf seiner Farm haben mußte, wenn er seines Besitztumes nicht verlustig gehen wollte. Spanier, die ihre Frauen in der Heimat oder auf den Inseln hatten, ließen sie infolgedessen kommen, und die Junggesellen mußten sich eie Gefährtin irgendwoher verschreiben lassen. Cortes selber ging mit gutem Beispiele voran und ließ auch seine Gattin Dona Katalina von Kuba kommen. Wie berichtet wird, bekam ihr aber die Hochlandsluft nicht, und so starb sie drei Monate nach ihrer Ankunft. Bald nach dem Tode des Bischofs von Burgos (1523), im August 1524, wurde der Rat von Indien neu gebildet. An seine Spitze stellte der Kaiser, der großes Gewicht auf die kirchliche Seite der Verwaltung auch in den Kolonien legte, den Dominikaner Garcia von Loaysa, Bischof von Osma. Ein Ergebnis der Beratungen war unter anderem eine Verordnung vom November 1526 über die Behandlung der Indianer. Es sei nachweisbar – hieß es darin –, daß die Eingeborenen infolge der maßlosen Habgier der Ansiedler in den Goldminen, bei der Perlenfischerei und bei anderer Arbeit auf das schwerste angestrengt würden, daß es ihnen dabei in Kleidung und Nahrung am Nötigsten fehle, kurzum, daß sie in elenderen Umständen als Sklaven ihr Leben fristeten. Viele Inseln und ein Teil des Festlandes wären infolgedessen entvölkert. Der Wunsch des Kaisers, die Indianer zum christlichen Glauben zu fuhren, könne sich nur erfüllen, wenn sich die Eingeborenen einer guten Behandlung erfreuten. Infolgedessen sollten alle Beamten streng daraufhalten, daß die Indianer nicht unter übermäßiger Arbeit litten, und daß jede Zuwiderhandlung genau untersucht und bestraft werde. In den Bergwerken und bei der Perlenfischerei dürften nur noch freiwillig dazu bereite Indianer gegen Lohn arbeiten. Das wäre eine Aufhebung der berüchtigten Repartimientos gewesen, wenn die Verfügung nicht auch folgende Bestimmung enthalten hätte: «Wenn es den Geistlichen und Mönchen geboten erscheint, daß Indianer, damit sie ihre Sünden vergessen und ihre Bekehrung bessere Früchte trägt, Christen zugewiesen werden, denen sie als Freie zu dienen haben, so darf solches geschehen, nur muß dabei auf den Dienst Gottes und auf eine gute Behandlung gesehen werden, damit unser königliches Gewissen nicht belastet wird.« Damit blieb dem bisherigen Unwesen der Encomiendas Tür und Tor auch weiterhin offen, nur mit dem Unterschiede, daß nunmehr die Geistlichkeit die Verantwortung übernahm. In der Tat hat sich in den kommenden Jahren in der Neuen Welt nicht das geringste geändert. Mag das Buch des Las Casas noch so viele Übertreibungen enthalten, eins steht fest: Die Entvölkerung in den amerikanischen Ländern ging in Riesenschritten weiter und ist nur durch die unmenschliche Ausnutzung der Eingeborenen zu erklären. Las Casas schreibt: «Allein in den zwölf Jahren von 1519 bis 1530 sind in Neu-Hispanien mit Feuer und Schwert über vier Millionen Menschen vernichtet worden Als auf den Inseln der Mangel an Eingeborenen als Arbeltsvieh fühlbar wurde, half man sich – wie Las Casas sicherlich wahrheitsgemäß berichtet – einfach damit, daß man von den volkreichen Gebieten der Festlandsküste Schiffsladungen voll Indianer wegholte und sie als Sklaven verkaufte. Unterwegs starben die Unglücklichen massenweise, well sie kaum etwas zu essen bekamen, vor Hunger und Durst. Der Seeweg von gewissen Stellen des Landes zu den Inseln Kuba und Haiti soll zu Zeiten ohne Kompaß und Seekarte allein durch die vielen Indianerleichen findbar gewesen sein, die man von den Schiffen ins Wasser geworfen hatte. Die Unternehmer solcher Raubfahrten nannte man harmlos Armadores. (Vgl. hierzu Gomaras Bestätigung S. 434  f.) .« Ein unerfreulicher Zwischenfall in jenen Jahren der Entwicklung des Landes war der Abfall des Christoval von Olid, den Cortes im April 1523 mit einem Geschwader und den nötigen Truppen nach Honduras geschickt hatte, um an der Nordküste eine Niederlassung anzulegen. Das Land dort galt für ungemein goldreich. Gleichzeitig hatte Olid den wichtigen Auftrag, einen Teil seiner Schiffe längs der Küste weiter nach Süden bis in den Golf von Darien zu senden, um die Durchfahrt nach dem Weltmeere zu suchen. Dem Olid stiegen seine Selbständigkeit und die ihm anvertraute Macht zu Kopf. Er vermeinte, fern von seinem Gebieter ungestört ein eigenes Reich gründen zu können. Kaum aber hatte Cortes die Untreue seines Unterfeldherrn erfahren, als er unverzüglich den unbedingt zuverlässigen Hauptmann Francisco von Las Casas, einen Verwandten von sich, mit der erforderlichen Vollmacht nach Honduras abgehen ließ, um ein strenges Strafgericht an dem Abtrünnigen zu vollziehen. Cortes war sich klar, daß er hier mit aller Härte vorgehen mußte, um jedem anderen die Lust zu Ahnlichem ein für allemal zu nehmen. Olid ward nach einem kriegsgerichtlichen Urteil auf dem Marktplatze von Nako enthauptet. Zunächst erfuhr man in Mexiko davon nichts, und da Las Casas allzulange auszubleiben schien, entschloß sich der ungeduldige Cortes, persönlich einen Zug nach Honduras zu unternehmen. Er wollte sowieso das Land und den dortigen Bergbau einmal mit eigenen Augen sehen. Vor allem lag ihm wohl an der Entdeckung der heißbegehrten Durchfahrt nach der Südsee. Nachdem Cortes Stellvertreter von sich eingesetzt und allerlei nötige Anordnungen getroffen hatte, begann die Unternehmung. Das Gefolge, das er mitnahm, war zahlreich und glänzend. Eine große Zahl von Rittern, Beamten und Geistlichen begleitete ihn. Aus Vorsicht nahm Cortes auch den Exkönig Guatemozin, den Fürsten von Takuba und mehrere mexikanische Edelleute mit sich. Auch Dona Marina beteiligte sich an dem Zuge. Im ganzen betrug die Streitmacht: 100 Ritter und 50 Mann vom Fußvolk, dazu 3000 Mexikaner als Diener und Träger. Es ist ein Bericht über diesen merkwürdigen und beschwerlichen Feldzug erhalten, in der Cronica de la Nueva Espana (1553) des Francisco Lopez de Gomara, der wahrscheinlich das uns verlorene Tagebuch des Feldherrn dabei benutzt hat. Dieser Bericht ist diesem Buche im Anhange beigefügt. Cortes selbst schildert die Unternehmung in seinem 5. Berichte an den Kaiser. Auch Bernal Diaz erzählt darüber. Der Feldzug hatte geringen Erfolg. Zwei Vorfälle sind bemerkenswert. Cortes verheiratete unterwegs Dona Marina mit dem Ritter Juan Xamarillo, wobei er ihr Landbesitz in ihrer heimatlichen Gegend am Koazakualko schenkte. Dort hat sie wohl den Rest ihrer Tage verlebt. Wie dieser Entschluß des Eroberers zu deuten ist, bleibt ungewiß. Vermutlich entledigte er sich ihrer auf die beste Weise. Er war der Geliebten zu großem Danke verpflichtet. Mit Recht sagt Bernal Diaz von ihr: «Diese Frau ist ein wichtiges Werkzeug unserer Eroberungsarbeit gewesen, – vieles haben wir nur mit ihrer Beihilfe vollbringen können.« Und ein spanischer Offizier späterer Tage, der Oberst Cadahsalo, meint in seinen Briefen aus Marokko, sie sei die erste Frau, die bei einem Heere gewesen, ohne dort Unheil anzustiften. Das zweite Zwischenspiel ist bedenklicherer Art. Wie bereits erwähnt, befand sich der Neffe und Nachfolger Montezumas, König Guatemozin, mit einer Anzahl vornehmer Mexikaner zwangsweise im Stabe des Generalkapitäns. Während der Rasttage in Izansanak im Lande Akalan erfuhr Cortes durch einen oder zwei vornehme Indianer von einer Verschwörung, die Guatemozin, der Fürst von Takuba und etliche andere Edelleute wider den Feldherrn und seine Truppen verabredet haben sollten. Sofort ließ er die Schuldigen verhaften und vor ein Kriegsgericht stellen. Die beiden Fürsten leugneten eine förmliche Verschwörung, gaben aber unter Folterqualen zu, daß der Plan, die hispanischen Offiziere zu überfallen und alle Eroberer auszurotten, von etlichen ihrer Edelleute wohl einmal in ihrer Gegenwart vorgebracht worden wäre, indessen hätten sie ihn von vornherein entschieden zurückgewiesen. Ohne ihr Wissen und ohne ihre Zustimmung aber wäre solch ein Plan in keinem Falle je ausgeführt worden. Diese Beteuerung hatte keinen Erfolg. Die Angeklagten wurden allesamt zum Tode am Galgen verurteilt, und Cortes bestätigte das Urteil. Guatemozin, der Fürst von Takuba und fünf oder sechs Edelleute wurden am frühen Morgen am Aste eines alten Baumriesen aufgeknüpft. Beschuldigung, Kriegsgericht und Urteilsvollstreckung waren das Werk von zwölf Stunden. Dies geschah am 28. Februar 1525. Dem Vorwurf, einen politischen Mord vollführt zu haben, ist Cortes nicht entgangen. Bernal Diaz, der einzige Augenzeuge, ist von der Unschuld Guatemozins überzeugt. Er sagt in seinen Denkwürdigketten ausdrücklich: »Sie starben unschuldig, und ihr Tod war in den Augen aller, die den Feldzug nach Honduras mitgemacht haben, eine Ungerechtigkeit. Ich glaube nicht, daß einer unter uns gewesen ist, der ihn nicht mißbilligt hätte.« Anderer Meinung ist naturgemäß Gomara, der Fürsprecher des Eroberers. (Vgl. seinen Bericht S. 457 ff.) Herrera übernimmt Gomaras Darstellung, Clavigero die des Bernal Diaz, beide ohne eigene Zutaten. Torquemada fügt seiner Schilderung des Vorfalles die Worte hinzu: »So starben diese Fürsten, und Cortes war der Sorge ledig, die sie ihm machten. Guatemozin war ein tapferer Mann, der in allen Widerwärtigkeiten seinen königlichen Sinn bewahrte. Dieser wich auch nicht von ihm in der Stunde des Henkertodes. Fragt man mich nach dem Grunde der Hinrichtung, so muß ich sagen, er war kein anderer als der: es war eine große Last für Cortes, diese Fürsten immerdar bewachen zu müssen.« Die späteren Geschichtschreiber streiten sich über die Schuld oder Unschuld des Fürsten. Die heutigen Mexikaner glauben aus Haß gegen die spanischen Eroberer fest an die Unschuld ihres Königs Quautemok, dem sie 1885 in Mexiko auf dem Paseo de la Reforma ein Denkmal gesetzt haben, das so recht den schlechten Geschmack der Amerikaner in Dingen der Kunst verrät. Der Sockel trägt übrigens noch die Namen von vier anderen Helden und Märtyrern des Landes: Kakama, Kuitlahuak, Tetlepanquetzal und Koanakoch. Die Tat des Cortes war durchaus im Geiste seines Jahrhunderts. Es sei an eine Stelle in Machiavells Principe erinnert, wo es heißt: »Um nach der Eroberung eines bisher freien Staates ihn sicher zu beherrschen, genügt es, die Familie des früheren Herrschers auszurotten Bei der mehrfachen Erwähnung des Macchiavell und seines Principe – erschienen zuerst 1532 in Rom bei Antonio Blado – sei auf die schöne deutsche Ausgabe des berühmten Buches hingewiesen, die 1912 in Jena, vereint mit Friedrichs des Großen Gegenschrift, erschienen ist. Die hier erwähnte Stelle findet man auf S. 5 dieser Übersetzung. .« Am 12. Oktober 1524 hatte Cortes seinen Marsch nach Honduras begonnen. Erst am 25. April 1526 schiffte er sich daselbst, im Hafen von Truxillo, wieder ein, um nach Mexiko zurückzukehren. Nach kurzem Aufenthalt auf Kuba landete er Ende Mai 1526 gegenüber der Insel San Juan de Ulloa. Er kam krank an und war kaum wiederzuerkennen. Während seiner langen Abwesenheit war so manches geschehen, was er nicht billigte. Überdies hatte man ihn bereits totgesagt, eine Gedächtnisfeier veranstaltet und sich seiner Güter bemächtigt. Seine Wiederkehr erweckte allgemeinen Jubel. Man hatte an allerlei aufwuchernden Mißständen erkannt, wie bei weitem gerechter, maßvoller und großmütiger er im Vergleich zu denen war, die sich zu seinen Nachfolgern aufschwingen wollten. Anfang Juni 1526 zog Cortes feierlich in der Hauptstadt ein. Vier Wochen später kam ein Abgesandter der spanischen Regierung an, der Kaiserliche Rat Luis Ponce von Leon, ein Mann von Unparteilichkeit und Gemessenheit, der die von mannigfacher Seite wider Cortes erhobenen Anschuldigungen sachlich untersuchen und darüber entscheiden sollte. Er war mit weiter Vollmacht ausgestattet. Er überreichte dem Eroberer des Landes ein Handschreiben Karls V., in dem er ihm die Gründe seiner Maßnahme darlegte. Er wolle ihm Gelegenheit zu seiner Rechtfertigung geben. Cortes erhielt die Nachricht von der Ankunft des Ponce in der wohl während seiner Abwesenheit erbauten Arena, bei einem Stierkampfe. Die Anklage erstreckte sich in der Hauptsache auf folgende Punkte: Cortes habe vom beigetriebenen Golde ihm nicht Zukommendes zu seinem Nutzen verwandt; er habe den Schatz Montezumas heimlich beiseite gebracht; er habe in seinen Berichten und Abrechnungen falsche Angaben über das eroberte Land gemacht; er maße sich über die Spanier wie über die Indianer unumschränkte Gewalt an; er habe sich einen fürstlichen Palast gebaut und die Hauptstadt in einer Weise zur festen Stadt gemacht, die darauf hindeute, daß er danach strebe, sich und sein Gebiet unabhängig von der Krone Spaniens zu machen. Cortes ritt dem Rat mit seiner gesamten Ritterschaft entgegen und empfing ihn mit erlesener Höflichkeit und Ehrerbietung. Es war ein Mißgeschick, auch für den Feldherrn, daß Ponce am Typhus erkrankte und nach wenigen Tagen starb, noch ehe er die begonnene Untersuchung zu Ende geführt hatte. Man war allgemein bestürzt. Sein Amtsnachfolger ward ein gewisser Estrada, der dem Verstorbenen als Schatzmeister zur Seite gestanden hatte, ein hitziger und parteiischer Mann, der offenbar nicht die Fähigkeiten besaß, eine derartige schwierige Angelegenheit zu einem ersprießlichen Ergebnis zu bringen. Cortes zog sich zunächst nach seinem Lieblingsgute zu Kojohuakan zurück. Da aber die Ränke seiner Gegner am Hofe des Kaisers nicht ruhten, faßte er den Entschluß, sich in eigener Person nach Spanien zu begeben. Inzwischen war in der Heimat eine Königliche Audiencia zur unparteiischen Untersuchung der wider ihn erhobenen Anschuldigungen eingesetzt und ihm der Befehl erteilt worden, sich persönlich einzustellen. Sein fünfter Bericht, der um jene Zeit abgesandt sein mag, schließt mit der Erklärung, er habe das Vertrauen, der Kaiser werde mit der Zeit seine Verdienste anerkennen. Sollte dies zu seinem Unglück nicht der Fall sein, so werde die Nachwelt von seiner Rechtlichkeit überzeugt sein. Er selbst habe das Bewußtsein, seine Pflicht getan zu haben. Eine bessere Hinterlassenschaft begehre er für seine Kinder nicht. Er zögerte keinen Augenblick, sich nunmehr schleunigst nach Spanien einzuschiffen. Jene Briefworte geben die tiefste Überzeugung des Feldherrn wieder. Die Behandlung, die ihm zuteil ward, empfand der stolze und selbstbewußte Mann als schwere und unverdiente Kränkung. Er war in der Tat ein treuer Diener seines Kaisers und konnte mit vollem Rechte von sich sagen, daß er für die Macht und den Waffenruhm seines Vaterlandes Vieles und Großes geleistet hatte. Auf dem Wege zum Hafen, in Verakruz traf ihn die Nachricht vom Tode seines Vaters. Schmerzlich bewegt ging Cortes an Bord, begleitet von etlichen seiner Getreuesten, darunter Sandoval und Tapia. Auch waren ein Sohn Montezumas und mehrere mexikanische Edelleute in seinem Gefolge. Die Fahrt dauerte 41 Tage. Es war im Mai 1528, als Cortes in dem kleinen Hafen Palos ankam, übrigens dem nämlichen Orte, wo 35 Jahre vordem Kolumbus bei der Rückkehr von der Entdeckung der Neuen Welt gelandet war. Es wird berichtet, Cortes habe hier in Palos eine zufällige Begegnung mit Franz Pizarro gehabt, dem Eroberer von Peru, mit dem er durch seine Mutter verwandt war. Nach der Landung verschlimmerte sich der Zustand des auf der Fahrt erkrankten Gonzalo von Sandoval. Er starb einige Tage darauf, erst 31 Jahre alt. Cortes war auf die Nachricht, daß es schlecht mit ihm stand, in seine armselige Herberge geeilt. Erschüttert drückte er seinem treuesten Kriegsgefährten ein letztes Mal die Hand. Der tote Held fand eine würdige Ruhestätte unter den Pinien des Friedhofes im Franziskanerkloster Maria La Rabida, berühmt durch den Aufenthalt des Kolumbus daselbst im Jahre 1491. Bernal Diaz schildert den Empfang des Feldherrn am Hofe: »Als Cortes im kaiserlichen Hoflager eintraf, gab Seine Majestät Befehl, ihm Quartier anzuweisen. Der Herzog von Bejar, der Graf von Aguilar und etliche ihnen verwandte hohe Herren zogen ihm entgegen und bereiteten ihm einen ehrenvollen Empfang. Am Tage darauf erlaubte der Kaiser, sich ihm zu Füßen zu werfen. Um ihn besonders auszuzeichnen, gaben ihm der Admiral von Kastilien, der Herzog von Bejar und der Großritter von Leon das Geleite zur Audienz. Nachdem Cortes von Seiner Majestät das Wort erhalten hatte, kniete er nieder; aber der Kaiser geruhte, ihn sofort aufzuheben, worauf Cortes in ausführlicher Weise seine vielen Dienste aufzählte, den beschwerlichen Feldzug nach Honduras schilderte und die Ränke darstellte, die man ihm während seiner Abwesenheit von Mexiko bereitet hatte. Er trug die ganze lange Rede frei vor und schloß mit den Worten: Um Eure Kaiserliche Majestät nicht länger zu ermüden, und dieweil es einem Untertanen wie mir nicht gebührt, vor dem größten Herrscher der Welt noch mehr zu reden, und da der Schmerz über das viele Unrecht, das ich Hab erdulden müssen, mich leicht zu einem unschicklichen Worte verleiten könnte, so hab ich alles, was ich zu sagen habe, in dieser Denkschrift aufgezeichnet. »Zugleich überreichte er dem Kaiser die Schrift und ließ sich auf die Knie nieder, zum Danke für das ihm huldvoll geschenkte Gehör. Aber der Kaiser befahl ihm wiederum, sich zu erheben, worauf ihn der Admiral und der Herzog von Bejar zu einer ihn belohnenden Allerhöchsten Auszeichnung in Vorschlag brachten. «Der Kaiser säumte nicht und erhob den Generalkapitän (in einer Urkunde vom 6. Juli 1529) zum Markgrafen vom Tale Oaxaka, verlieh ihm das Großkreuz des Sankt-Jakobs-Ordens und schenkte ihm Ländereien. Ferner ernannte er ihn zum Ober-General von Neu-Hispanien und der Südsee. »In einer zweiten Audienz stattete Cortes dem Kaiser seinen Dank für die ihm zuteil gewordenen hohen Auszeichnungen ab. Abermals ward er auf das gnädigste empfangen. »Während seines übrigens nur kurzen Aufenthalts in Toledo wurde Cortes so gefährlich krank, daß man an seinem Aufkommen zweifelte. Da baten der Herzog von Bejar und der Großritter von Leon den Kaiser, den Kranken vor seinem Tode für seine großen Dienste durch einen Besuch auszuzeichnen. Seine Majestät erfüllte die Bitte und geruhte, in Begleitung vieler Herzöge und Grafen vor dem Bette des Kranken zu erscheinen.« Aus zwei weiteren Urkunden vom Juli 1529 geht hervor, daß dem neuen Markgrafen in der Landschaft Oazaka und an anderen Orten des Tales beträchtliches Gebiet und in der Stadt Mexiko ansehnliche Grundstücke zugewiesen worden sind. Er wurde dadurch Herr über 20 Ortschaften und über 23 000 Lehnsleute. Seine Einkünfte aus dieser fürstlichen Herrschaft sollen jährlich 60 000 Dukaten betragen haben. Zweifellos waren ihm alle diese kaiserlichen Ehrungen in aufrichtigem Wohlwollen zuteil geworden. Die Staatsklugheit erforderte es aber, daß man einer Herrennatur wie ihm nicht die volle Gewalt in einer so fernen und reichen Kolonie auf die Dauer überließ. Das eigentliche Reich Mexiko war zu Frieden und Ruhe gebracht. Wenn Cortes nur noch im Besitz der militärischen Macht des neuen Staates verblieb, so ward damit sein Drang nach Taten auf die natürlichste Weise auf Entdeckungen und Eroberungen außerhalb von Mexiko hingewiesen. Man verlieh ihm das Herrscherrecht über alle in der Südsee fortan entdeckten Länder und gegründeten Ansiedelungen. Das Zwölftel jedweder Gebietserweiterung sollte sein persönliches Eigentum sein. Die Verwaltung des bereits eroberten Gebietes aber vertraute man ihm nicht weiterhin an. Die Legende der gern rührseligen Nachwelt hat dem Eroberer Verstimmung und Verbitterung von jener Zeit an bis zu seinem Tode angedichtet. Man geht jedoch kaum fehl, wenn man sich von der Vorstellung eines in Entsagung grollenden und nun dumpf dahinlebenden Mannes frei macht. Große Geister fügen sich, zumal wenn sie noch nicht am Alter leiden, im Augenblick jedweder Veränderung ihrer Lebenslage. Der damals 44 Jahre alle Cortes war nach wie vor ein zum höchsten Stolze berechtigter Machthaber, überdies ein reicher und unabhängiger Mensch. Es ist nicht anzunehmen, daß die Worte, die er 1535 nach Spanien schreibt, höfische Unwahrheit sind: »Die liebreiche Ausnahme, die ich bei meiner Heimkehr von Seiner Kaiserlichen Majestät erfahren habe, die gnädigen Worte und die großmütige Behandlung machen nicht nur alle meine Mühsale und Leiden vergessen, sondern erregen in mir sogar das Bedauern, daß es mir nicht vergönnt war, in Seiner Majestät Diensten noch größere zu erdulden.« Ein Geschichtschreiber jener Tage sagt ganz in dieser Auffassung: »Cortes hatte das Glück, den Kriegsruhm Alexanders des Großen und den Reichtum des Krassus beieinander zu besitzen.« Der General tat das Beste, was er jetzt tun konnte. Er machte eine Eroberung auf ganz anderem Gebiete. Er verheiratete sich mit einer jungen schönen Edeldame, der Dona Juana von Zuniga, der Tochter des jüngeren Grafen von Aguilar, der Nichte seines Gönners, des Herzogs von Bejar. Eines der kostbaren Geschenke, die er ihr machte, erregte die Bewunderung und den Neid aller weiblichen Gemüter. Es waren dies zwei märchenhaft schöne große Smaragden, in Rosenform geschnitten. Es wird berichtet, sie seien 40 000 Dukaten wert gewesen. Der eine habe die Inschrift gehabt: Gelobt sei Dein Schöpfer!–, der andere in lateinischer Sprache: Über allen Frauen auf Erden stehst Du! Cortes verstand sich also auf die Galanterie. Im Frühjahre 1530 verließ Cortes Spanien, um nach Mexiko zurückzukehren. Seine junge Frau und seine alte Mutter begleiteten ihn. Zunächst war St. Domingo auf Haiti das Ziel der Reise. Hier wollte er abwarten, wie die kaiserliche Regierung die neue Verwaltung von Mexiko regelte. Wie bereits gesagt, war im Jahre 1526 eine Königliche Audiencia eingesetzt worden. Da sie sich als unfähig erwies, ward jetzt eine neue ernannt. Im Gegensatz zu der früheren war sie bestrebt, dem General gegenüber dessen Verdienst und Range gemäß auszutreten und Gerechtigkeit walten zu lassen. Beruhigt setzte Cortes nunmehr, am 15. Juli 1530, seine Heimreise nach Mexiko fort, wählte sich aber nicht die Hauptstadt, sondern das am anderen Seeufer gelegene Tezkuko zum Wohnsitze. Dort bildete sich um ihn ein fürstlicher Hofstaat. Später verlegte er seinen Aufenthalt nach Kuernavaka am Südhange der Kordilleren, wo er in der herrlichsten Landschaft einen hochgelegenen, heute verfallenen Palast besaß. Hier in geliebter Einsiedelei betätigte sich Cortes mit der Verwaltung und Vervollkommnung seiner Landgüter. Er begann den Zuckerbau, wie er auf Kuba betrieben ward, züchtete Merinoschafe und anderes Vieh, pflanzte Maulbeerhaine an für die Seidenraupe, leitete allerlei Feldwirtschaft und beutete Gold- und Silbergruben aus. Bei all dieser friedlichen Beschäftigung ruhte sein Entdeckerdrang keineswegs. In den Jahren 1532 und 1533 sandte Cortes zwei kleine Geschwader vom Hafen Tehuantepek nach dem Nordwesten aus. Sie erreichten die Halbinsel Kalifornien. Eines seiner Schiffe strandete an der Küste von Neu-Galicien, wo es von Nunez de Guzman, dem alten Feinde des Generals, geplündert und beschlagnahmt wurde. Cortes verklagte Guzman. Da sich der Gerichtshof aber zu kräftigen Maßregeln nicht entschloß, griff Cortes zur Selbsthilfe. Er unternahm persönlich einen Zug nach der Unglücksstelle, erhielt sein Schiff auch zurück, freilich nicht die weggeschleppte wertvolle Ladung. Aber seine Pläne, in Kalifornien eine Niederlassung zu gründen, blieben ohne Erfolg. Ein im Jahre 1539 unter Ulloa ausgesandtes Geschwader von drei Schiffen kehrte überhaupt nicht wieder. Alle diese Unternehmungen kosteten Cortes große Summen, 300000 Goldpesos, ohne daß sie ihm etwas einbrachten. Aus Mangel an barem Gelde war er einmal sogar genötigt, kostbare Juwelen seiner Frau zu verpfänden. Ein armer Mann aber, wie die Sage berichtet, ist der Markgraf trotzdem nie geworden. Einen neuen Versuch, ein Unternehmen unter dem Oberbefehl seines Sohnes Ludwig nach dem Norden auszusenden, verhinderte der inzwischen eingesetzte erste Vizekönig von Neu- Hispanien, Don Antonio von Mendoza, der das Entdeckungsgebiet nach dieser Richtung für sich geltend machte. Diese und andere Streitigkeiten, insbesondere aber auch der Gedanke, beim Kaiser eine Entschädigung in Geld oder neuen Rechten für seine vielen Unternehmungen erreichen zu können, veranlaßten Cortes im Jahre 1540, abermals nach Spanien zu fahren. Der Kaiser war damals nicht im Lande. Cortes wurde mit allen Ehren empfangen. Auch der Königliche Rat von Indien, an den er sich in seinen Angelegenheiten wandte, ließ es an Hochachtung und feierlichen Formen nicht fehlen. Greifbare Erfolge aber hatte der Feldherr nicht. Im nächsten Jahre nahm Cortes an der unglücklichen Unternehmung des Kaisers gegen Algier teil, begleitet von seinem Sohne Martin und einem stattlichen Gefolge. Bei dem Sturme, der die Flotte heimsuchte und zum Teile vernichtete, scheiterte auch die Galeere, auf der Cortes fuhr. Mit knapper Not rettete er sich samt den Seinen. Trotz seines hohen Kriegsruhmes spielte Cortes im Kaiserlichen Hauptquartier keine besondere Rolle. Er wurde nicht einmal zu den Sitzungen des Kriegsrates hinzugezogen, und sein Angebot, Algier mit den noch vorhandenen Truppen nehmen zu wollen, fand keine Würdigung. Wieder in Spanien, zog sich Cortes von der Welt zurück. Alle seine weiteren Bemühungen scheiterten an der Gleichgültigkeit des Kaisers. Es ging Cortes ebenso wie dem Kolumbus. Nach drei Jahren vergeblichen Wartens entschloß er sich, in müder Entsagung, sein altes, ihm zu wenig dankbares Vaterland zu verlassen und seine andere Heimat über dem Weltmeere wieder aufzusuchen Einen letzten Brief des Cortes – gewöhnlich als ultima carla bezeichnet – druckt Prescott im Anhange seiner »Geschichte der Eroberung von Mexiko« ab. In der deutschen Ausgabe im Bd. II, 504 – 507. Er ist vom 3. Februar 1544. Die Urschrift liegt im Archivo de Indias. . Von seinem Sohne begleitet, kam er aber nur bis Sevilla, wo er an einer Art Ruhr erkrankte. Er war nicht mehr widerstandsfähig. Mit seinen Hoffnungen war auch seine Lebenskraft zerbrochen. Er ordnete seine irdischen Angelegenheiten, unterzeichnete am 11. Oktober 1547 seinen endgültigen Letzten Willen und starb am Freitag, den 2. Dezember 1547, in seinem 63. Lebensjahre, friedsam und gefaßt als echter Kriegsmann. Kurz vor seinem Tode war er aus der Stadt in das nahe ruhigere Dorf Castilleja de la Cuesta gezogen. Sein Begräbnis war feierlich und ehrenvoll. Man bestattete ihn zunächst in der Familiengruft der Herzöge von Medina- Sidonia. Fünfzehn Jahre danach geleitete Martin Cortes die Asche des Vaters nach Neu-Spanien, wo sie im Franziskanerkloster zu Tezkuko an der Seite seiner Mutter beigesetzt wurde. Ein halbes Jahrhundert später brachte man die Gebeine des Eroberers unter großem Gepränge nach der Hauptstadt Mexikos, wo sie, am 24. Februar 1629, in der Franziskanerkirche ihre Ruhestätte fanden, bis sie dann 1794 in das ehedem von Cortes gestiftete Krankenhaus Jesus Nazareno kamen. Dieses Grab schmückten ein schlichter Denkstein mit seinem Wappen und eine Bronzebüste von Tolsa. Aber auch hier verblieb der große Spanier nicht. Um die Asche vor der Vernichtung durch den Pöbel zu retten, mußte man sie 1823 heimlich entfernen. Sie gelangte schließlich nach Neapel in die Gruft der Herzöge von Terra-Nuova-Monteleone, der Nachkommen einer Urenkelin des Eroberers. Der in seinem Letzten Willen ausgesprochene Wunsch, in Kojohuakan (Koyoakan, 20 km südwestlich von Mexiko) eine ewige Ruhestätte zu finden, ist unerfüllt geblieben. Das heutige Land Mexiko ehrt das Andenken des Ferdinand Cortes durch kein Denkmal. Nur im Krankenhaus der Purissima Concepcion ln der Hauptstadt finden wir ein Bildnis von ihm. Eine Nachbildung ist diesem Buche beigegeben. Seit Neu-Spanien das zweifelhafte Glück hat, eine Republik mit immer wieder wechselnden habgierigen Führern zu sein (seit 1822), tilgt man jedwede Erinnerung an die spanischen Eroberer Ein gründliches und gutgeschriebenes neueres Buch über das heutige Mexiko fehlt der europäischen und amerikanischen Literatur. Flüchtig unterrichtet: Mexiko. Das Land der blühenden Agave einst und jetzt. Geschildert von Josef Lauterer. Mit 117 Abbildungen. Leipzig 1908. Von der älteren Literatur sei hier noch erwähnt: Antonio de Solls y Rlbadeneira. Historia de la Conquista de Mejico . Madrid 1684; auch Barcelona 1691. Eine neuere Ausgabe: herausgegeben von I. de la Revilla, Paris, Baudry, 1844. Deutsch: Geschichte der Eroberung von Mexiko, Kopenhagen 1750 ff., 2 Bde. Antonio de Solis, geboren 1610 in Spanien, gestorben 1686, Geheimschreiber der Witwe des Königs Philipp IV. seit 1661, war erst Bühnendichter, dann Priester. Seine Stücke sind 1681 erschienen. In seiner Geschichte von Mexiko ist er ein feinsinniger und schöngeistiger Darsteller, vielleicht mehr Dichter als Geschichtschreiber im gelehrten Sinne. Nachbildungen der ältesten Karten von Amerika findet man in: Konrad Kretschmer. Die Entdeckung Amerikas in ihrer Bedeutung für die Geschichte des Weltbildes. Mit einem Atlas von 40 Tafeln in Farbendruck. Berlin 1892. . Von Ferdinand Cortes – als Mensch, Feldherrn und Staatsmann – gewinnen wir aus den zeitgenössischen Schilderungen seiner Persönlichkeit und seiner Taten trotz des verschiedenartigen Lichtes, den diese Überlieferungen auf den Helden werfen, ein einheitliches Bildnis. Man hat mit Recht gesagt, die Geschichte der Eroberung von Neu-Spanien sei die des Cortes selbst, der nicht allein die Seele, sondern auch der Körper der Unternehmung von Anfang bis Ende war. Er ist immer und überall persönlich anwesend: bei der Ausrüstung der Schiffe, bei ihrer Führung über die See, im Getümmel der Gefechte, beim Bau von Festungswerken, beim Nachtdienst der Nacht, bei der Erkundung des Landes, bei der Durchsicht der Geschütze und Waffen, bei der Wahl von Siedelungsplätzen und in jedweder anderen Sache. Unterhandlungen, Berichte, Briefe, alles macht er selber. Daneben hat er Zeit zu Liebeshändeln, und wie Julius Cäsar schreibt er inmitten all dieser Arbeit und Rastlosigkeit an seinem Tagebuche. Sein Wesen birgt die größten Gegensätze, offenbar infolge von Eigenschaften, die miteinander unverträglich sind. Er war freigebig und doch habsüchtig, bis ins Ungeheuerliche kühn in seinen Plänen und doch vorsichtig und bedachtsam in ihrer Ausführung; bei aller Ritterlichkeit rücksichtslos; hochherzig und überaus listig; höflich und freundlich in seinem Benehmen und wiederum unerbittlich streng und hart; lässig in den Augen der Tugendbolde und dabei merkwürdig peinlich in der Ausübung frommer Äußerlichkeiten. Er war als Mensch geschmeidig, als Staatsmann verschlagen, als Feldherr erbarmungslos. Der große Zug in seiner Persönlichkeit liegt in seinem festen und beharrlichen Willen, den keine Gefahr, kein Hindernis, kein Mißerfolg ändert oder bricht. Cortes war ein fahrender Ritter im eigentlichsten Sinne dieses Wortes. Im großen Troß der Abenteurer, die in Spaniens 16. Jahrhundert auf Entdeckungen und Eroberungen ausgezogen sind, ist er geradezu die Verkörperung des kriegerischen Geistes, der alle diese Männer erfüllt hat. Todesgefahren und schlimme Umstände sind seinem Fühlen und Denken das rechte Lebenselement. Sie sind ihm notwendig, um sich seiner Kräfte zu erfreuen und sie voll zu benutzen. Es reizt ihn, die Dinge an der schwierigsten Seite anzugreifen. Im Augenblick, wo er den Fuß auf die Erde von Neu-Hispanien setzt, denkt er nicht mehr daran, daß er hier im Auftrage eines Vorgesetzten langweilige Handelsgeschäfte machen soll. Er ist sich vielmehr feierlich bewußt, daß er ein neues Land betritt, das er bis zu den fernsten Grenzen erobern will. Das ist fortan sein heiliger Beruf, dem er unentwegt nachstrebt. Nichts vermag ihn davon abzuschrecken oder daran zu hindern: nicht die Erkenntnis der Machtfülle der Feinde, nicht Meuterei und Widerrede im eigenen Heere, nicht die Ränke seiner Widersacher auf der Insel Kuba und später am Kaiserhofe, nicht die Übermacht des gegen ihn anrückenden Narvaez, nicht einmal der grausige Schlag der Noche triste. Und kaum sind Land und Stadt Mexiko niedergerungen und friedlich gemacht, so schaut seine Tatenlust von neuem in die Fernen. Er beginnt seine Herrschaft nach allen Richtungen auszudehnen und versucht sein Glück in Honduras, in Kalifornien, in Panama und am Panuko. Nur die Ängstlichkeit und Engherzigkeit des Kaisers, dessen treuester Kriegsmann er zeitlebens mit Leib und Seele war, hemmt ihn, nach Peru und noch weiter ins Unbekannte vorzudringen. In seinem 5. Bericht an Karl V. schlägt er eine Unternehmung nach den Molukken und nach China vor. Dieser Geist des fahrenden Ritters könnte uns verleiten, seine Fähigkeiten als Feldherr zu unterschätzen und ihn lediglich als glücklichen Abenteurer anzusehen. Doch das hieße ihm Unrecht antun; denn Cortes war ein großer Feldherr, wenn der einer ist, der aus einem Haufen zusammengelaufener Männer eine Kriegerschar macht, die mit ihm durch dick und dünn geht, der Tausende von Amerikanern zum blutigen Bruderkrieg zu begeistern und zu führen versteht, kurzum, der mit völlig unzureichenden Mitteln einen Kriegszug unternimmt und durchführt, der seinesgleichen in der Weltgeschichte nicht hat. Was die Nachwelt an Alexander dem Großen bewundert, seinen wohlvorbereiteten Zug nach dem fernen Indien, Ländern, die noch kein Europäer betreten: der Zug des Ferdinand Cortes steht ihm in nichts nach. Und jene wunderbare Eigentümlichkeit des genialen Hannibal, das bunteste Gemisch von Landsleuten, Söldnern und Bundesgenossen mit einem Wort, einem Blick, einer Geste zu einer Einheit zu verschmelzen: wir finden sie in Cortes wieder. Keine der hohen Tugenden eines großen Heerführers ermangelt ihm. Willensstärke, Beharrlichkeit, Kühnheit, Ruhe in der Gefahr, seelische Überlegenheit, rasche Entschlußfähigkeit, Erfindungsgeist, innere Anschauungskraft, alles das offenbart sich in ihm immer von neuem. Seine Macht über die Gemüter seiner Offiziere und Soldaten, der Masse wie dem einzelnen gegenüber, war nicht nur das natürliche Ergebnis ihres Vertrauens auf seine Führerfähigkelten. Etwas persönliches bindet alle diese Männer noch überdies an ihn. Er verstand es, ihnen allen als Kamerad und Freund zu begegnen, ohne von seiner Generalswürde das geringste einzubüßen. Auf andere Weise wäre es nicht möglich gewesen, eine Rotte von goldgierigen Abenteurern auf die Dauer zu bändigen und mit ihnen in schwierigen Lagen immer wieder Großes zu vollbringen. Bernal Diaz erzählt, daß ihn seine Veteranen einfach mit »Cortes« anreden durften, ohne Titel und sonstigen Zusatz. Bei alledem herrschte volle Zucht und Ordnung in seinem Heere. Er wußte im rechten Augenblick durchaus streng zu sein. Alles in allem aber handelte er nach dem schönen Grundsatze Friedrichs des Großen: Am Tage einer Schlacht sollen mich meine Soldaten mehr lieben denn fürchten! Bernal Diaz ist das beste Beispiel für die unauslöschliche Liebe und Anhänglichkeit, mit der das Heer an Cortes hing. Jener derbe Soldat kennt keine Schmeichelei. Im Gegenteil, er hat seine uns gerade darum wertvollen Denkwürdigkeiten niedergeschrieben, well er die Kriegstaten des von Gomara vergötterten Herrn und Meisters auf das Maß der Wirklichkeit zurückführen will. Sein Bildnis des Eroberers bringt auch die von Gomara sorglich übermalten Schwächen an den Tag. Eines jedoch ist rührend. So gern Diaz an Cortes und seinen Taten krittelt und zerrt, sobald es aber gilt, den Feldherrn gegen Beschuldigungen oder Herabsetzungen Dritter zu schützen, da gibt es nur einen Generalkapitän, nur einen Eroberer, nur einen Helden: Ferdinand Cortes. Das ist ganz so, wie es für die Offiziere und Soldaten der napoleonischen Heere immer wieder nur den Einen gab, den Kaiser. Cortes war kein gewöhnlicher Eroberer. Ehrgeiz und Gewinnsucht waren durchaus nicht die Haupttriebfedern in ihm. Er hatte zweifellos einen höheren Drang in sich. Seinem Kaiser die ganze Welt erobern helfen, war sein unermüdlicher Gedanke. Der Beinamen »Der Eroberer«, mit dem ihn seine Zeitgenossen ehrten, war sein ganzer Stolz. Dabei hielt er die alte Wahrheit hoch, die der zielbewußte Preußenkönig ein Jahr vor dem Siebenjährigen Kriege in die Worte gefaßt hat: »Nur keine grands sentiments ! Jeder Krieg, der nicht zu Eroberungen führt, schwächt den Sieger und entnervt den Staat.« Ein Barbar war Cortes nicht. Selbst in der Zerstörung der eroberten Hauptstadt liegt keineswegs die wüste Sucht, alles zu vernichten. Diese Tat geschieht übrigens durchaus im Geiste jener Zeit. Machiavell, also einer der höchsten Kulturmenschen zu Beginn des Cinquecento, sagt in seinem Fürstenspiegel: eine eroberte, bisher freie und große Stadt müsse man unbedingt zerstören, und verweist auf das Beispiel der Römer, die Kapua, Karthago und Numantia zerstört, sich aber gerade deshalb in jenen Gebieten behauptet hätten. Nach der Unterwerfung des Landes war Cortes auf den inneren Ausbau der Kolonie gar wohl bedacht, allerdings kaum zum Vorteile der Eingeborenen. Cortes war – wie auch Kolumbus – kein Gegner der sogenannten Repartimientos. Ein Indianer galt dem Spanier wenig, und Leute wie Las Casas waren in den Augen der meisten Ansiedler nur lächerliche oder wunderliche Schwärmer. Gewiß war Cortes von Goldgier nicht frei. Beinahe keiner der Eroberer ist das gewesen. Aber er verwandte die zusammengerafften Reichtümer, solange er tatenlustig war und noch freie Hand hatte – später hinderte ihn Mendoza allzusehr –, immer wieder zur Ausrüstung und Durchführung neuer Entdeckungszüge. In Tehuantepek legte er einen Hafen aus eigenen Mitteln für seine Erkundungsfahrten entlang der Küste der Südsee an. Bisweilen hatten diese Unternehmungen überhaupt nicht den Zweck des Geldgewinnes. Jahrelang hegte er die stille Hoffnung, eine natürliche Durchfahrt vom Nord- zum Südmeere zu finden. Er sah die ungeheuere Wichtigkeit des Panama-Wasserweges für den Weltverkehr klar voraus. War Cortes eine grausame, blutdürstige Natur? Man hat ihm in dieser Hinsicht große Vorwürfe gemacht, die gewiß ungerecht sind. Der Weg eines Eroberers ist notgedrungen mit Blut getränkt. Nur die blasse Furcht konnte die feindseligen Massen zügeln, durch die sein kleines Heer von 500 Europäern so kühn und verwegen vorwärts drang. Das Blutbad zu Cholula hat manch andere Stadt vom Widerstände abgeschreckt. Aus anderem, aber zwingendem Grunde erfolgte auf ein rasches Kriegsgericht hin die Hinrichtung des letzten Fürsten der Azteken Guatemozin. Es war eine staatsmännische Zwangsmaßregel, wie sie selbst in Europa zu damaliger Zeit gang und gäbe war. Die Engländer sind noch heutzutage Anhänger dieses urwüchsigen Verfahrens, mit dem sie weittragende Erfolge zu erzielen pflegen. Cortes beseitigte mit Guatemozin die ständige ihm und allen Spaniern drohende Gefahr einer Bartholomäusnacht. Grausam aus nutzloser Blutgier ist Cortes niemals gewesen. Ein Zug am Wesen des Helden erscheint uns Kindern des 20. Jahrhunderts sehr sonderbar, seine Frömmelei, die uns eines großen Geistes unwürdig dünkt, wenn wir vergessen, daß der finstere Geist seiner Zeit ihm diese Komödie unerläßlich machte. Seit 1478 tobte in Spanien der Wahnsinn der Inquisition. Für Cortes war die strenge Treue am kirchlichen Kult nicht nur wie jedem Herrscher eine nützliche Klugheit, sondern vor allem ein Mittel der Selbsterhaltung gegenüber seinen zahlreichen Gegner nah und fern. Wie wenig hold er der höheren Geistlichkeit im Grunde seiner klaren Seele war, geht aus einem seiner Berichte an Kaiser Karl hervor, wo er schreibt: »Eure Majestät bitt ich, Klosterbrüder und keine Domherren nach Neu-Hispanien zu schicken, dieweil diese ein lästerlich und kostspielig Leben führen, ihren Bastarden große Reichtümer zuschieben und den bekehrten Eingeborenen allerlei Ärgernis bereiten.« Die dumpfe Gläubigkeit, die Cortes zur Schau trägt, entbehrt aber nicht des Kernes echter Frömmigkeit. Inmitten des grenzenlosen Aberglaubens seiner Zeitgenossen ist jene Stelle in einem seiner Berichte (S. 96) umso erfrischender: »Ich vermeine, Gott stehe über der Natur.« Prescott, der englische Lebensschilderer des Eroberers, sagt: »Wenn wir seine vom Blute der unglücklichen Indianer gerötete Hand erhoben sehen, den Segen des Himmels auf die ihm geweihte Sache zu erflehen, so überkommt uns dabei ein Widerwille und der Zweifel an der Aufrichtigkeit dieser Gebärde. Aber das ist ungerecht von uns. Jeder spanische Ritter, wie niedrig und eigennützig seine Beweggründe zur Teilnahme am Feldzuge auch sein mochten, fühlte sich doch als Ritter des heiligen Kreuzes. Manche von ihnen haben dafür ihr Leben gelassen, und viele andere hätten nicht gezögert, ihrem Beispiel zu folgen, wenn die Umstände es gefordert hätten. Cortes selbst wäre Zweifellos der erste gewesen, der sein Leben für den Glauben Spaniens eingesetzt hätte. Er hat sein Leben, sein Vermögen und den ganzen Erfolg seines Unternehmens mehr als einmal in die größte Gefahr gebracht, dadurch, daß er im Sinne seines frömmlerischen Kaisers die Bekehrung der Eingeborenen voreilig und in scharfer Weise erzwingen wollte.« Man hat vermeint, jenes berühmte Charakterbild, das Titus Livius zu Anfang des 21. Buches seiner Römischen Geschichte von Hannibal entworfen hat, passe Satz für Satz auch auf Cortes. Livius stellt den unbestreitbar großen Eigenschaften Hannibals als Heerführer »unmenschliche Grausamkeit und mehr als punische Treulosigkeit« entgegen. Mag der Barkide im Kampfe zuweilen zu Grausamkeiten gezwungen gewesen sein, wie dies jedem Feldherrn zuzeiten ergeht, mag er als Staatsmann die herkömmliche punische Gerissenheit weitergepflogen haben: persönlich war Hannibal weder treulos noch unwahr noch gefühllos Die Stelle bei Livius (XXI, 4) lautet: Hannibal zeigte angesichts der Gefahren die höchste Kühnheit, während der Gefahr selbst die höchste Besonnenheit. Durch keine Beschwerde ward sein Körper erschöpft, sein Mut besiegt. Gegen Hitze wie Kälte war seine Ausdauer gleich. Das Maß seiner Speisen und Getränke wurde vom Bedürfnisse der Natur, nlcht vom Vergnügen bestimmt. Seine Zeit zum Wachen und Schlafen wurde nicht durch Tag und Nacht geschieden, was ihm die Geschäfte übrigließen, ward der Ruhe gegönnt. Aber auch sie wurde weder durch ein weiches Lager noch durch Stille herbeigerufen; vielmehr haben ihn viele liegen sehen inmitten seiner Truppen, nur mit einem Soldatenmantel zugedeckt. Seine Kleidung war nie hervorstechend vor seinesgleichen; nur seine Waffen und seine Pferde waren es. Er war bei weitem der beste Soldat und der beste Reiter. In das Gefecht ging er als Erster. Hatte es einmal begonnen, so verblieb er als der Letzte. Diesen so großen Tugenden des Mannes hielten übergroße Fehler das Gleichgewicht: eine unmenschliche Grausamkeit und mehr als punische Treue. Wahrheit war ihm fremd, nichts ihm heilig. Ihn band keine Furcht vor Gott, kein Eid, kein Gewissen. (Zu S. 81 ff.) Die hier gegebene Verdeutschung des zweiten und dritten Berichts des Cortes an Kaiser Karl V. macht aus erzählerischen Gründen den Versuch, der ersten deutschen Ausgabe, gedruckt in Augsburg 1550 (vgl. Anm. 14), einen Anklang an die Sprache des 16. Jahrhunderts zu entnehmen. . Ebensowenig war Cortes als Mann und Mensch irgendwie unritterlich und unedel. Wenn man seine Berichte an den Kaiser mit anderen zeitgenössischen und zuverlässigen Quellen vergleicht, so findet man hier und da Abweichungen, die ohne Zweifel den Zweck haben, gewisse Vorgänge und Tatsachen zu verschleiern. Cortes war zu diesen Machiavellismen gezwungen, um seine Macht und sein begonnenes großes Werk aufrechtzuerhalten. Überdies ist er gerade an solchen Stellen ein unvergleichlich feiner Stilist. Lügen sagt er nie, aber er verschweigt so manches und hüllt die Dinge, wo es ihm erforderlich scheint, gern in ein doppelsinniges Halbdunkel. In diesen reizvollen Schatten rückt Cortes aber auch zuweilen sein eigenes Verdienst. Daß es seine persönliche Tapferkeit war (vgl. Seite 348), durch die bei Otumba sein kleines Heer den Pyrrhussieg davontrug, verschweigt er in edler Bescheidenheit. Was man auch einwenden mag gegen den Eroberer und seine Kriegstaten, eines bleibt bestehen: Ferdinand Cortes war ein ganzer Mann, und die Berichte, die er seinem Kaiser schickt, sind ein schönes Denkmal, dauernder als Erz, das er sich selber gesetzt hat. Cambrai , am 26. April 1917. Arthur Schurig Ferdinand Cortes an Kaiser Karl V. Der Bericht vom 30. Oktober 1520 Das erste Kapitel Eurer Kaiserlichen Majestät hab ich am 16. Juli im Jahre des Herrn 15l9 durch meine Hauptleute Alfons Ferdinand Puerto-Carrero und Franz von Montejo einen umständlichen und wahrhaftigen Bericht alleruntertänigst übersandt von allen den Begebnissen, die bis zu meiner Landung hier in Neu-Hispanien, am Karfreitag den 22. April ebendesselben Jahres, und bei der Gründung der Stadt Villa Rica de la Vera Cruz – der Reichen Stadt des Wahren Kreuzes – in Allerhöchstdero Namen geschehen sind. Seitdem hab ich keine Gelegenheit gehabt, Eurer Kaiserlichen Majestät Weiteres zu melden, dieweil es mir an Schiffen mangelte und weil mich die Eroberung dieses Landes allezeit beschäftigt hat. Von dem Schiffe mit meinem Schreiben und den genannten Überbringern aber ist keinerlei Kunde zu mir gekommen. Also sende ich Eurer Kaiserlichen Majestät diesen zweiten Bericht. Gott der Herr weiß, was für Mühsale ich derweil hab ertragen. Aber mein eifriger Wunsch und mein steter Wille haben sich erfüllt, meinen hohen Herrn, den Kaiser des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation, auch den Imperator der Neuen Welt heißen zu dürfen. Und vielleicht ist diese neue Krone nicht geringer zu achten als alle die anderen, die Eure Kaiserliche Majestät durch des Allmächtigen Gnade und durch Allerhöchstdero herrliche und berühmte Taten innehaben. Wenn ich mich nun wollte unterstehen, von diesem Lande, seinen Städten, seinen Menschen und Sitten, seinen Schätzen und Merkwürdigkeiten alles bis ins einzelne zu erzählen, so könnt ich kein Ende finden. Eure Kaiserliche Majestät wolle mir derohalben gnädiglich verzeihen, wenn mein Bericht hie und da nicht ganz so ist, wie er wohl sein sollte. Ich bin im Schreiben ungeschickt, und ich hatte in den Händeln des Krieges nicht Gelegenheit, mich darin zu üben. Gleichwohl will ich nach dem Vermögen meines Verstandes alle Geschehnisse vorbringen, die zu wissen Eurer Kaiserlichen Majestät not tut. Manche Dinge vermag ich auch darum nicht bis ins kleine zu beschreiben, dieweil mir durch ein groß Unglück, das Eurer Kaiserlichen Majestät im Laufe dieses Buches kund werden wird, neben vielen anderen Dingen alle Schriften und Aufzeichnungen, die ich gesammelt und aufgenommen hatte, verloren gegangen sind. Die Namen aller der Städte und Dörfer, die sich bis zu genanntem Tag Eurer Kaiserlichen Majestät ergeben hatten oder von mir waren erobert worden, hab ich in meinem ersten Bericht erzählt. Auch hab ich darin bereits Kunde gegeben von einem gewaltigen König, den man Montezuma König Montezuma II., richtiger wohl gegen das Herkommen »Moteukzuma« (d. h. Der Edelgrimme) zu nennen, geboren 1484, also ein Altersgenosse des Eroberers, seit 1502 auf dem Throne, wird als grausamer Gewaltherrscher geschildert, gleichwohl war er ein prachtllebender, freigebiger und äußerst würdevoller Fürst. nennt, dessen Hauptstadt Temixtitan nach der Rechnung der Landesleute 90 bis 100 Meilen Eine Meile oder Legua = 5,57 km, öfters auch einfach als Wegstunde bezeichnet. vom Meere und von meinem Hafen im Innern des Landes zu suchen war. Ich hatte mir vorgenommen, mit Gottes Hilfe und zu Eurer Kaiserlichen Majestät Ehr und Ruhm an den Ort vorzudringen, da dieser große Herr seinen Sitz hat. Ich erinnere mich auch gar wohl, mich unterfangen zu haben, mehr vollbringen zu wollen, als meine Kraft vermocht hat. Denn ich hatte Eurer Kaiserlichen Majestät im Vertrauen auf mich selbst verheißen, ihn entweder als Gefangenen zu bringen oder ihn seines Lebens zu berauben oder aber ihn Allerhöchstdero Macht und Gewalt zu unterwerfen. Mit solchem Entschluß bin ich am 16. August 1519 mit 15 Reitern und 500 wohlgerüsteten Fußknechten von Cempoalla aufgebrochen, dem Hauptquartier meines bis dahin eroberten Gebietes. In Verakruz ließ ich zurück 150 Mann zu Fuß und 2 Reiter, mit dem Befehl, selbige Stadt, die ich Sevilla hatte getauft, mit einer Veste zu versehen, was unterdessen geschehen ist. Dem Obristen der zurückbleibenden Hispanier überwies ich die gesamte Landschaft Cempoalla samt dem nachbarlichen Gebirge, also an 50000 streitbare Männer in etwa fünfzig Städten und festen Orten, allesamt friedsame Menschen und treue Untertanen Eurer Kaiserlichen Majestät, damals wie noch heute. Wie man mir hat berichtet, waren sie dem Herrn Montezuma noch nicht lange gehorsam, und dies nur durch Gewalt. Sobald sie von Allerhöchstdero großmächtigem Namen Kunde erhielten, begehrten sie von Stund an, Eurer Kaiserlichen Majestät Untertanen und meine Freunde werden zu dürfen. Des weiteren baten sie mich, ich möchte sie vor besagtem Herrn Montezuma schützen, der sie knechtete und drückte, ihnen ihre Kinder raubte und selbige seinen Götzen opferte. Dies und anderes war es, was sie zu untertänigen Dienern Eurer Kaiserlichen Majestät gemacht hat, und ich glaube, sie werden solche immerdar bleiben, dieweil sie nunmehr von ihrem Zwingherrn befreit find, und fürnehmlich, dieweil ich sie bisher wohl gehalten und ihnen meine Gunst bewiesen habe. Zum größeren Schutze derer, die ich in Verakruz zurückließ, nahm ich etliche Edelleute sowie einiges andere Volk als Geiseln mit mir ins Feld, was uns in der Folge nicht wenig zunutze gewesen ist. Das zweite Kapitel Wie ich bereits vermeldet habe, war mir zur Kenntnis gekommen, daß manche der mit mir gelandeten Mannschaften zur Partei des Diego Velasquez hielten. Was ich in Eurer Kaiserlichen Majestät Namen mit Glück erobert, vermehrt und verwaltet hatte, bereitete ihnen Verdruß. Ja, etliche Leute hatten sich zusammengetan, von mir abzufallen und aus diesem Lande wieder abzuziehen. Sonderlich waren es vier Hispanier: die Soldaten Johann Escudero, Diego Ameño, Bernhard aus Coria und der Steuermann Gonzalo von Umbria, dazu etliche Matrosen, darunter die Gebrüder Peñate. Wie diese nachher von selbst bekannt haben, waren sie entschlossen, nach Ermordung des Kapitäns eine meiner Brigantinen zu nehmen, die im Hafen von Verakruz mit Brot und Pökelfleisch vor Anker lag. Auf selbiger wollten sie nach der Insel Ferdinandina (Kuba) segeln und dem Diego Velasquez vermelden, daß ich an Eure Kaiserliche Majestät ein Schiff samt einem Bericht abgesandt hatte. Auch wollten sie ihm den Weg des Schiffes verraten, damit Diego Velasquez Schiffe aussende, dem meinen aufzulauern. In der Tat ist es also geschehen. Sobald er nämlich die Sache erfuhr, hat er eine Karavelle abgefertigt, die mein Schiff einholen sollte. Selbige hat aber mein Schiff nicht erreicht, dieweil es schon zu großen Vorsprung gewonnen hatte. Weiterhin haben sie eingestanden, daß unter meinen Leuten etliche Kundschafter des Diego Velasquez waren. Diese Übeltäter hab ich daraufhin bestraft, wie es die Gerechtigkeit erfordert Juan – oder, wie Bernal Diaz angibt, Peter – Escudero soll der nämliche gewesen sein, der den Cortes auf dessen Flucht aus der Gewalt des Diego Velasquez (vgl. S. 15 ) wieder eingefangen hatte. Die Zeitgenossen des Eroberers haben nicht verfehlt, hier einen unedlen Racheakt zu sehen. Escudero und Cermeño wurden gehängt; dem Gonzalo aus Umbria sollten die Füße abgehauen werden. Das Urteil ist aber nicht vollstreckt oder irgendwie gemildert worden, denn wir sehen ihn später wieder munter auf den Beinen. Piloto und Alonso Peñate erhielten jeder 200 Rutenhiebe. Ein Pater Juan, der gleichfalls bei der Meuterei beteiligt war, – Cortes verschweigt die Teilnahme eines Geistlichen! – kam mit einer Verwarnung davon. Bernal Diaz fügt seiner Erzählung des Vorfalles die Worte hinzu: »Ich werde es nie vergessen, wie Cortes im Augenblicke, da er das Urteil des Kriegsgerichts unterzeichnete, tief ergriffen war und schmerzlich bewegt ausrief: ›Glücklich wer nicht schreiben kann! Er kann auch kein Todesurteil unterzeichnen.‹« Gonzalo hat, später in Spanien, den Generalkapitän verklagt und soll ein Jahresgeld von 1000 Piastern zugebilligt bekommen haben, dazu eine Farm in Neu-Spanlen. Aus Vorsicht und Furcht vor Cortes verblieb er aber in der Heimat. . Überdies ordnete ich mancherlei an, was mich zu Allerhöchstero Nutzen gut dünkte. Denn außer denen, die des Diego Velasquez Freunde waren, gab es auch Leute, die ebenso danach trachteten, dies Land wieder zu verlassen, da sie erkannten, wie weit und groß das Reich ist, das ich zu erobern vorhatte. Auch bedachten sie, wie wenige Hispanier auf der einen Seite standen und wie viel feindlich Volk auf der anderen. Nach allem dem bin ich zu der Meinung gekommen: wenn ich die Schiffe hinter mir ließe, so möchten mir leicht alle die entweichen, die zum Abfall neigten und abzuziehen begehrten. Dann aber konnte die große Sache, die ich mir zur Ehre Gottes und zum ewigen Ruhme Eurer Kaiserlichen Majestät vorgenommen hatte, nimmermehr gedeihen. Also hab ich gewagt, zu erklären, die Schiffe seien zur Seefahrt untauglich, und habe sie lassen an das Land laufen. Indem ich sie vernichtete, vereitelte ich jedwedem die Hoffnung, aus dem Lande zu entkommen. In meinem Rücken gesichert und aller Furcht ledig, trat ich nunmehr guten Mutes meinen Marsch in das unbekannte große Reich an. Das dritte Kapitel An die zehn Tage, nachdem ich die Schiffe hatte stranden lassen und bereits die vier Meilen von Verakruz nach Cempoalla gezogen war und im Begriffe stand, weiter zu marschieren, da hab ich aus Verakruz die Meldung erhalten, daß dort vor dem Hafen vier Schiffe kreuzten. Der von mir zurückgelassene Befehlshaber hatte sich in einer Barke zu einem der Schiffe begeben, wo er erfuhr, daß dieses Geschwader vom Statthalter der Insel Jamaika Franz von Garay ausgesandt worden war, um neue Länder zu entdecken. Mein Stellvertreter erklärte dem Führer der vier Schiffe, daß ich dieses Land im Namen Eurer Kaiserlichen Majestät besetzt habe und daß ich eine Stadt gebaut, kaum eine Meile von dem Ort entfernt, wo die Schiffe lagen. Sie könnten mit ihm dahin fahren, wenn sie irgendwie in Not wären. Auch gedächte er mir ihre Ankunft zu melden. Sie antworteten ihm, sie hätten den Hafen schon gesehen, denn sie waren daran vorübergesegelt. Dort einzulaufen, wäre ihnen angenehm. Als er aber in seinem Boote voraus fuhr, sind ihm die Schiffe nicht nachgefolgt, sondern haben weiterhin gekreuzt. Somit konnte man mir nicht kundtun, was sie eigentlich im Sinne hatten. Sofort hab ich mich an den Ort begeben, vor dem die Schiffe gelegen hatten Francisco von Garay, der Statthalter von Jamaika, kam von einer Erkundungsfahrt aus Florida zurück, gewiß ohne Ahnung von der Entsendung des Cortes. Als Befehlshaber von Verakruz war Juan von Escalante zurückgeblieben, ein Offizier, auf den sich Cortes verlassen konnte. Auf seine Meldung ritt der rasch entschlossene Feldherr mit wenigen Reitern eiligst nach Verakruz zurück. Etliches Fußvolk folgte in Eilmärschen nach. In Verakruz angekommen, jagte Cortes sofort weiter nach der Landungsstelle der Garayschen Schiffe. Als ihm Escalante eine kurze Rast anriet und ein Mahl anbot, wehrte er dies mit den Worten ab: Ein angeschossener Hase schläft nicht! . Daselbst, drei Meilen nördlich Verakruz, erfuhr ich, daß sie noch weiter nordwärts gefahren waren. Ich segelte ihnen in einem Boote nach, das Gestade entlang. Als ich die Schiffe eine Meile weit vor mir sah, kamen mir drei Mann entgegen, die zu den Schiffen gehörten. Einer von ihnen war ein Notarius, die anderen beiden seine Zeugen. Der erstere erklärte mir, daß er mir im Namen seines Herrn eine Eröffnung zu machen hätte. Also tat er mir zu wissen, der Befehlshaber der Schiffe sei willens, dieses Land zu besetzen und darin zu verbleiben. Deshalb fordere er mich auf, ich solle zwischen meinem Gebiet und dem seines Herrn Grenzen errichten. Er gedenke, seinen Sitz jenseits Almeria (Nautla) zu nehmen. Das ist ein Ort an der Küste, zwölf Wegstunden von Verakruz nach Norden gelegen. Als ich dies vernommen, hab ich ihm geantwortet, sein Herr solle in Person zu mir kommen und seine Schiffe in den Hafen von Verakruz bringen. Dort könnten wir miteinander verhandeln. Falls seinen Schiffen oder seinem Kriegsvolk etwas mangele, sei ich bereit, ihnen zu helfen. Dies sagte ich fürnehmlich darum, weil sie vorgegeben hatten, sie wären Eurer Kaiserlichen Majestät Diener, und ich nicht anders dachte, als daß ich Allerhöchstdero Nutzen förderte, wenn ich ihm und seinen Leuten beistünde. Ich erhielt zur Antwort, weder ihr Herr noch einer von seinen Leuten habe im Sinne, zu mir zu kommen. Nunmehr begann ich an ihren guten Absichten zu zweifeln. Die folgende Nacht hindurch blieb ich in einem Versteck gegenüber dem Orte, wo die Schiffe vor Anker gegangen waren, und wartete daselbst bis zum Mittag des nächsten Tages, in der Meinung, irgendwer von den Schiffen möchte an das Land kommen. Aber es landete niemand. Da befahl ich den drei Abgesandten, die ich noch bei mir hielt, sie sollten ihre Kleider ausziehen. Drei von meinen Leuten zogen selbige an, liefen darin eilends an den Strand und schrien zu den Schiffen hinüber. Sobald man sie wahrgenommen, stieß ein Boot samt zwölf Mann mit Armbrüsten und Hakenbüchsen von den Schiffen ab. Währenddem gingen meine drei Hispanier, die nach den Schiffen hingerufen hatten, vom Strande hinweg in das Gebüsch, als suchten sie den Schatten. Alsbald kamen vier Mann aus dem Boote an das Land, zwei mit Armbrüsten, zwei mit Büchsen. Wir fielen über sie her und nahmen sie alle vier gefangen. Einer von ihnen war ein Schiffshauptmann. Beinahe hätte er den Befehlshaber von Verakruz, der bei mir war, niedergeschossen, aber als er anzünden wollte, versagte seine Büchse. Die acht Mann, die im Boote geblieben waren, fuhren eilends zurück zu den Schiffen. Selbige verließen alsbald den Ort. Von den vieren, die wir gefangen hatten, erfuhr ich, daß die Schiffe an einem Flusse etwa dreißig Meilen nördlich von Almeria namens Panuko gewesen waren. Die Indianer daselbst hatten sie freundlich empfangen und ihnen Lebensmittel im Tausch gegen Waren gegeben, auch etwas Gold, aber nur wenig, im ganzen etwa für dreitausend Pfund Man rechnet 1 Gold-Kastilianer = 1 Gold-Peso. Bernal Diaz spricht offenbar als gleichwertig öfters von Piastern. Clavigero rechnet 1 Unze Gold = 6,72 Castellanos. Der Gold-Peso hatte einen Wert von etwa 44 Mark. Übrigens ist der Peso d'oro keine geprägte Münze, sondern nur ein Wertbegriff. Der mehrfach vorkommende Dukaten hat einen Wert von 33 M. (Prescott I, 253 stützt sich auf Clemencins Angaben in Memorias de la Real Academia de Historia, Madrid 1821, Bd. VI, auch auf Oviedo.) . In das Land hinein waren sie nicht gedrungen, nur hatten sie etliche Ortschaften unfern vom Strande wahrgenommen, deren Häuser nicht aus Stein waren, sondern zum großen Teil aus Stroh auf gemauertem Grund. Das vierte Kapitel Wie gesagt, am 16. August 1519 rückte ich drei Tagesmärsche in der Grafschaft Cempoalla vor, allerorts von den Indianern friedlich begrüßt und bewirtet. Am vierten Tage gelangten wir an eine gar sichere Stadt namens Sokochima, hoch am Hange eines stellen Gebirges. Zu diesem Ort kann man nur zu Fuß, auf einer langen, engen Stiege, nicht ohne Mühe gelangen. Darunter im Tale liegen viele Dörfer und Gehöfte, woselbst insgesamt gegen 6OOO waffenfähige Männer wohnen. Die ganze Gegend gehörte bereits zum Machtbereich des Herrn Montezuma. Man empfing mich hier gar freundlich und bot mir Lebensmittel für den Weitermarsch. Auch sagte man mir, man wisse, daß es unsere Absicht wäre, ihren Herrscher aufzusuchen. Er sei mein Freund und habe den Befehl gegeben, man solle mich besonders gut aufnehmen. Ich bezahlte alles, was sie mir gereicht hatten, und bezeigte ihnen viel Dank für ihre Freundlichkeit. Zudem sagte ich ihnen, Eure Kaiserliche Majestät habe von ihrem Herrn gehört und mir befohlen, ihm einen Besuch zu machen. Dies allein sei der Anlaß meines Zuges. Also bin ich an den Paß des Gebirges gelangt, der auch die Grenze dieser Grafschaft bildet und den wir den Paß Gottes nennen. Er war der erste, über den wir gezogen sind, und er ist so hoch wie keiner in Hispanien. Dennoch sind wir unversehrt darüber gekommen. Jenseits im Abstieg fanden wir wiederum Gehöfte, die der festen Stadt Keykonakan gehören. Auch diese war Herrn Montezuma unterworfen. Hier wurden wir nicht weniger gut als in Sokochima aufgenommen. Abermals sagte man uns über Herrn Montezuma das gleiche, und ich behandelte die Indianer daselbst auf die nämliche Weise. Von da zogen wir drei Tagesmärsche durch ödes Land ohne Ortschaften. Gott aber weiß, welch großen Mangel an Wasser, welchen Hunger und Durst, welche heftige Kälte und welch sonst große Not wir allda erlitten haben, sonderlich durch Hagel und kalten Platzregen, so daß ich schon vermeinte, es müßten viele von uns erfrieren. Es sind auch etliche von unseren Indianern gestorben, die wir von der Insel Ferdinandina (Kuba) mitgeführt hatten, da sie nur dünne Kleider anhatten. Nachdem wir die Wüste hinter uns hatten, sind wir über einen anderen hohen Paß gekommen, der aber nicht so hoch war wie der vorige. Auf seiner Höhe steht ein Turm mit steinernen Säulen, in dem Götzenbilder aufgerichtet waren. Um den Turm herum waren Massen von gespalteten Hölzern aufgeschichtet, meines Erachtens über tausend Fuhren, weshalb wir den Ort den Holzberg getauft haben. Beim Abstieg gelangten wir in ein Tal, das stark bewohnt war, aber soviel wir wahrnahmen, von ziemlich armen Leuten. Nach einem Marsch von zwei Meilen kamen wir in eine flachere Gegend, wo offenbar der Herr des ganzen Hochlandes in etlichen stattlichen Häusern wohnte. Sie waren alle aus Quadersteinen erst unlängst erbaut. Darinnen gab es viele große und geschmückte Säle. Der Ort hieß Kaltamni Über die bis dahin berührten Orte siehe Einleitung S. 21. Sokochima ist das spätere Xicochinalco de los Totonacos, Keykoakan das Dorf Mchacan de los Reyes. In Tlatlauquitepek zeigt man noch heute einen alten Baum, an den der Eroberer sein Pferd gebunden haben soll. Die S. 91 erwähnte »kleine Anhöhe« soll der Cerro de Quimichocan sein, der S. 93 erwähnte Tempel ist in der Nähe des Dorfes San Salvador de los Comales zu suchen. Huexozinko (zuerst genannt S. 101 ) ist das heutige Huejotzingo, 18 km nordwestlich von Cholula. Amaquemekan ( S. 115 ) heißt jetzt Amecameca. . Wir wurden vom Gutsherrn und seinen Leuten mit fröhlichem Gesicht empfangen und gut beherbergt. Nachdem ich ihn in Eurer Kaiserlichen Majestät Namen angeredet und ihm die Ursache meiner Ankunft erzählt hatte, hab ich ihn gefragt, ob er Untertan des Herrn Montezuma wäre oder eines anderen Fürsten. Solch meine Frage verwunderte ihn arg, und er gab mir zur Antwort: Wer wäre nicht Untertan des Herrn Montezuma? – Damit wollte er wohl sagen, daß selbiger die Welt beherrsche. Da hab ich ihm nun von Eurer Kaiserlichen Majestät Macht und Herrlichkeit gar mancherlei berichtet, und daß viele gewaltigere Herren als Herr Montezuma Allerhöchstdero Lehensherren und Untertanen wären, die darob nicht wenig stolz seien, und daß auch Herr Montezuma und sein Volk danach trachten müßten, Eurer Kaiserlichen Majestät treue Diener zu werden. Ich entbot ihm, sich zum Lehnsherrn Eurer Kaiserlichen Majestät zu erklären. Damit erwerbe er sich viele Gnaden und Ehren, hingegen aber Ungnade und Strafe, wenn er den schuldigen Gehorsam verweigere. Und damit Eure Kaiserliche Majestät ihn möchte gnädiglich aufnehmen, forderte ich ihn auf, Eurer Kaiserlichen Majestät etwas Gold zu übersenden. Er antwortete hierauf, er hätte wohl etwas Gold, könne mir aber keins geben, wenn es ihm Herr Montezuma nicht zuvor befohlen habe. Dann aber wäre er gern erbötig, mir seine Person, sein Gold und all seine Habe darzureichen. Um ihn nicht aufsässig zu machen, und auf daß man mich in meinem Weitermarsch nicht behinderte, ging ich darauf ein, indem ich ihm sagte, ich erhoffte, Herr Montezuma werde solchen Befehl baldigst geben. Hierselbst sind auch zwei andere Edelleute zu mir gekommen, die ebenso in dem weiten Tale ihre Güter hatten, der eine vier Meilen unterhalb, der andere zwei Meilen oberhalb. Sie schenkten mir mehrere goldene Halsketten von nicht besonders großem Wert, dazu acht Sklavinnen. An diesem Ort blieben wir vier Tage, am fünften sind wir weiter talabwärts marschiert und an den Sitz des einen der besagten Edelleute gelangt, Yxtakamaxtitlan geheißen. Diese Stadt ist über vier Meilen lang, und ihre Häuser stehen am Ufer eines Flusses dicht aneinandergedrängt. In einem Seitentale wohnt der Herr in einer Burg, derengleichen man in Hispanien nicht findet. Sie ist umgeben mit starken Mauern, guten Zwingern und tiefen Gräben. Dicht daran, auf einem Hügel, ist ein Stadtteil mit 1000 Häusern, die gar geschicklich gebaut sind, wo reichere Leute wohnen als unten. Auch hier ist es uns gut ergangen, und auch dieser Edelmann sagte mir, er sei ein Lehnsmann des Herrn Montezuma. Hier haben wir drei Tage gerastet, einesteils um uns von den Mühsalen zu erholen, die wir überstanden hatten, anderenteils um auf vier Cempoallaner zu warten, die ich schon von Kaltamni aus nach Tlaskala vorausgesandt hatte, das, wie man mir gesagt hatte, nicht mehr weit sei, was in Wahrheit auch so war. Zugleich hatte ich vernommen, daß die Tlaskalaner zahlreiche und tapfere Leute wären und Nachbarn und Todfeinde des Herrn Montezuma, mit dem sie immerdar im Kriege lägen. Also vermeinte ich, daß sie sich über meine Ankunft hoch erfreuen und mir nach Möglichkeit Freundschaft und Beistand erweisen möchten, fürnehmlich, wenn Herr Montezuma etwas wider mich vornehmen oder mich irgendwie behindern wollte. Da wir nun schon acht Tage auf die besagten Boten vergeblich warteten, fragte ich andere Cempoallaner, warum ihre Landsleute noch nicht wären zurückgekommen. Sie antworteten mir, der Weg dahin wäre weit und in so kurzer Zeit könnten sie nicht zurück sein. Dieweil mir dies verständlich schien und mich die Leute von Cempoalla sichere Freunde deuchten, bin ich weiter gen Tlaskala marschiert. Das fünfte Kapitel Am Ende des Tales kamen wir vor eine zwanzig Fuß breite Mauer aus großen Steinblöcken, anderthalb Mann hoch, die sich zwischen beiden Hängen etwa zwei Meilen weit hinstreckte, mit einer Brustwehr von anderthalb Schuh Breite. In der Mitte war ein einziges Tor, zehn Schritte breit. Im Durchgang war ein Zwinger; auch lief der Weg nicht eben hin, sondern schräg. Als ich mich erkundigte, zu welchem Zweck die Mauer erbaut wäre, berichteten mir Leute daselbst, sie stelle die Grenze des Landes Tlaskala dar. Auch bestätigte man mir, daß die Tlaskalaner beständig im Krieg wären mit Herrn Montezuma, ihrem Nachbarn. Man sagte mir, da ich gekommen wäre, um Herrn Montezuma einen Besuch zu machen, so möchte ich doch lieber nicht durch das Gebiet seiner Feinde ziehen, dieweil selbige mir vielleicht bös gesinnt wären und mir Ungemach zufügen könnten. Man wolle mich einen andern Weg geleiten, der immer nur durch das Gebiet des Herrn Montezuma führe, wo ich allerorts wohl empfangen und gut beherbergt werden würde. Die von Cempoalla aber warnten mich, ich solle diesem Rat nicht trauen, sondern meinen Marsch mitten durch das Land Tlaskala nehmen. Im Reiche des Herrn Montezuma sei ich keineswegs sicherer. Man wolle mich nur an einen Ort locken, von wo ich nicht wieder herauskäme. Dieweil ich den Worten der Cempoallaner mehr glaubte als denen der fremden Leute, so hab ich mich entschlossen, nach Tlaskala weiter vorzurücken, unter der größten Vorsicht. Mit sieben Reitern ritt ich selber auf eine halbe Meile vor, um das Land zu erkunden und um bei Feindseligkeiten Zeit zu haben, mein Kriegsvolk in Ordnung zu setzen. So marschierten wir vier Meilen weiter. Als wir gerade den Hang einer kleinen Anhöhe hinabzogen, meldeten mir die zwei Reiter, die ich als Aufklärer vorausgesandt hatte, daß eine Schar Indianer, mit Schwertern und Schilden gewappnet, herankäme, die Federn auf ihren Köpfen trügen, was hierzulande Kriegssitte ist. Beim Anblick der beiden Reiter hatten sie haltgemacht. Ich ritt mit meinen sieben Reitern eilends vor und ließ den Indianern zurufen, sie sollten keine Furcht haben und näherkommen. Es waren ihrer 15 Mann. Sie stellten sich wider uns auf, um mit uns zu streiten, und erhoben ein wild Geheul, wohl das Zeichen, daß ihnen andere zu Hilfe eilen sollten. Wir gerieten mit ihnen in den Kampf, wobei sie männiglich fochten, so daß sie zwei unserer Pferde erlegten und drei verwundeten, auch zwei meiner Reiter. Alsbald zeigten sich an die 1000 Indianer. Gleich darauf kamen auch die anderen acht meiner Reiter herzu. Wir setzten das Scharmützel fort und zogen es in die Länge, bis mein hispanisch Fußvolk herannahte, dem ich einen Reiter entgegenschickte, mit dem Befehle, sie sollten eilen. In diesem Gefecht brachten wir den Indianern ziemliche Verluste bei, indem wir ihrer an die 60 erlegten, ohne daß wir dabei weiteren Schaden oder Nachteil erlitten. Wiewohl sie kühn und tapfer fochten, waren wir doch sowohl im Angriff wie beim Rückzug im Vorteil, dieweil wir zu Roß waren. Als sie merkten, daß die Unsrigen nahten, sind sie abgezogen. Alsbald erschienen Gesandte, die, wie sie sagten, von den Herren des Landes Tlaskala geschickt waren. Bei ihnen befanden sich zwei von den Cempoallanern, die ich, wie schon vermeldet, von Kaltamni nach Tlaskala abgefertigt hatte. Jene gaben an, die Herren des Landes wären unschuldig an dem, was geschehen sei. Dies hätten Angehörige einer einzelnen Gemeinde ohne ihr Vorwissen getan. Da sie sehr bekümmert darüber wären, wollten sie mir die umgekommenen Pferde durch Gold ersetzen. Sie bäten auf das eifrigste um meine Freundschaft. Ich solle zu ihnen kommen, ohne etwas zu fürchten. Sie wären ernstlich gewillt, mich auf das beste aufzunehmen. Ich dankte den Boten und ließ den Herren von Tlaskala sagen, daß ich ihr Angebot annähme. In der folgenden Nacht hab ich samt meinen Leuten im Feld biwakiert, etwa eine Meile weit weg vom Gefechtsorte, an einem Flusse, dieweil es zu spät am Tag war, um weiterzumarschieren, und dieweil mein Kriegsvolk müde war. Ich stellte Vorposten aus, sowohl Fußvolk wie Reiter. Als der Morgen graute, ordnete ich meine Streitmacht, also daß ich eine Vorhut und eine Nachhut hatte. Als dann die Sonne aufging, gelangten wir vor ein Dorf. Daselbst sind mir die anderen beiden Cempoallaner, die ich nach Tlaskala vorausgesandt hatte, entgegengekommen. Weinend vermeldeten sie mir, daß sie ins Gefängnis geworfen worden waren und sicherlich den Tod erlitten hätten, wenn sie nicht nächtlicherweile heimlich entronnen wären. Zwei Steinwurfweiten weiter ließ sich ein Haufen Indianer blicken, gar wohl gewappnet. Mit wildem Geschrei begannen sie mit Pfeilen und Wurfspießen auf uns zu schießen. Ich rief meinen Dolmetsch heran und ließ eine Unterhandlung beginnen, dieweil ich Frieden mit den Leuten von Tlaskala haben wollte. Aber je mehr man auf sie einredete, um so streitlustiger wurden sie. Als ich einsah, daß ich mit Worten nichts schaffen konnte, begannen wir kräftig die Gegenwehr. Im Laufe des Kampfes umringten uns viele tausend Indianer, und wir fochten bis zum Sonnenuntergang. Alsdann erst zogen die Feinde ab. Mit unseren Geschützen, den 6 Hakenbüchsen, den 40 Armbrüsten, unseren 13 Reitern, die noch übrig waren, und dem vorhandenen Fußvolk haben wir ihnen beträchtliche Verluste und großen Schrecken beigebracht, während die Unsrigen ohn allen Schaden davonkamen, nicht gerechnet Hunger, Durst und die Mühen des Streites. Dieselbige Nacht hab ich unser Lager in einem Tempel aufgeschlagen, der auf einer nahen Höhe stand. Als der Tag anbrach, ließ ich das Geschütz samt 200 Mann zu Fuß im Lager. Ich selbst ging mit 100 Hispaniern, dazu die 13 Reiter, und 400 Cempoallanern, die ich im Heere hatte, zum Angriff vor. Ehe mir der Feind entgegentrat, setzte ich sechs Dörfer in Brand, von denen ein jedes an die hundert Häuser hatte. Dabei machte ich 300 Gefangene, Weibs- und Mannspersonen. Alsdann zog ich ohne Verlust in das Lager zurück, obschon wir bis dahin verfolgt sind worden. Am nächsten Tage aber, in der Morgenfrühe, wurden wir von vielen tausend Indianern, die das ganze Vorfeld bedeckten, angegriffen, und zwar so heftig, daß etliche von ihnen sogar in den Hof unseres Tempels eindrangen. Wir warfen uns ihnen entgegen, und mit des Allmächtigen Beistand vollbrachten wir es, daß nach vier Stunden das Lager vom Feinde gesäubert war. Der Ansturm draußen aber hörte erst auf, als die Nacht anbrach. Alsdann zog sich der Feind zurück. Das sechste Kapitel Am andern Tag, ehe die Sonne aufging, bin ich in aller Stille, damit es kein Feind merkte, mit meinen 13 Reitern, 100 Mann zu Fuß und meinen Indianern aus dem Lager gezogen. Streifend brannten wir zehn Dörfer nieder, davon eins mit mehr denn dreihundert Häusern. Mit den Bewohnern dieses einen Ortes haben wir kämpfen müssen. Die anderen aber sind entweder nicht verteidigt worden oder verlassen gewesen. Dieweil die Fahne mit dem heiligen Kreuze vor uns ging und wir für den Christenglauben im Dienst Eurer Kaiserlichen Majestät fochten, hat uns der liebe Gott so viel Kraft verliehen, daß wir eine gute Anzahl unsrer Feinde erlegten, selber aber keine Verluste erlitten. Obwohl der Gegner großen Zuzug bekam, errangen wir den Sieg und sind noch vor Mittag in unser Lager zurückgekehrt. Am dritten Tage sind Gesandte zu mir gekommen von den Herren des Landes Tlaskala, die mir vermeldeten, sie wollten Eurer Kaiserlichen Majestät treue Untertanen und meine guten Freunde sein. Zugleich baten sie mich, ich möchte ihnen ihr unrechtes Verhalten gnädiglich verzeihen. Sie brachten uns Lebensmittel und Dinge aus feinem Federwerk, wie es bei ihnen in Gebrauch ist und sehr geschätzt wird. Ich gab ihnen freundlich die Antwort, sie hätten sich zwar übel benommen, gleichwohl aber sei ich gewillt, ihr Freund zu werden und ihnen das Geschehene nicht nachzutragen. Am vierten Tage sind fünfzig Tlaskalaner in unserm Lager erschienen, darunter offenbar etliche Edelleute. Sie brachten uns Lebensmittel, besahen aber dabei gar fleißig unser Lager, sonderlich wo der Ein- und Ausgang wäre. Auch die Zelte, darinnen wir wohnten, betrachteten sie sich genau. Unsere Cempoallaner warnten mich deshalb, ich solle gut acht geben, denn die Gekommenen hätten Arges im Sinne und wären aus keiner andern Ursache erschienen, als um auszukundschaften, wie sie uns den größten Schaden könnten zufügen. Ich möge gewiß sein, daß sie nichts anderes wollten. Da ließ ich einen von den fünfzig festnehmen, und zwar so heimlich, daß keiner von seinen Gefährten es merkte. Nachdem ich ihm durch einen Dolmetsch Angst eingejagt hatte, erklärte er, er wolle alles frei bekennen, was ich ihn fragte. Also erfuhr ich, daß der General des Landes, durch das wir zogen, namens Xikotenkatl Xikotenkatl der Jüngere, – nicht zu verwechseln mit seinem Vater, dem hundertjährigen Geronten (erwähnt S. 183) – war ein hervorragender Mann, vielleicht der einzige, der den Untergang der vaterländischen Welt klar voraussah. Hätte seine Meinung Boden in seinem Volke gefunden und seine Kühnheit Nacheiferer, so wäre ihm der Ruhm des Cheruskerfürsten Armin gegen die Römer unter Varus zugefallen. , hinter dem Berge, gegenüber unserem Lager, mit einem großen Heere von Tlaskalanern in Bereitschaft lag, um uns in der künftigen Nacht zu überfallen. Da man schon drei Tage mit uns gestritten hätte, ohne etwas zu schaffen, so sollte es nun bei Nacht versucht werden, wo unsere Reiter, unser Geschütz und unsere Schwerter den Indianern weniger Schrecken bereiteten. Sie selber seien als Kundschafter ausgeschickt, um das Lager und die Gelegenheiten zu besichtigen, wie man uns am leichtesten angreifen und unsere Zelte in Brand setzen könnte. Sofort ließ ich noch einen von den fünfzig fangen. Er gestand dasselbe wie der erste. Darauf ergriff ich weitere fünf von ihnen und schließlich alle fünfzig, denen ich allensamt die Hände abhauen ließ. Alsdann befahl ich, sie laufen zu lassen, mit der Weisung, sie sollten ihrem General melden, daß er, bei Tag oder Nacht oder wann er wolle, nachsehen könne, was für Kerle wir wären. Ich verstärkte unser Lager, so gut es ging, und stellte mein Kriegsvolk an den nötigen Orten auf. So warteten wir, bis es zu dunkeln anfing. Da rückten die Feinde in zwei Schluchten gegen uns an, heimlich, wie sie vermeinten, um uns dann in der Nacht unversehens zu überfallen. Ich aber erfuhr alles und war der Meinung, sie gar nicht erst heranlassen zu dürfen, da mir dies gefährlich dünkte. Bei Nacht nämlich, wo sie wenig sahen, hätten die Angreifer weniger Furcht vor uns gehabt, während mein spanisch Kriegsvolk in der völligen Dunkelheit wohl mit weniger Mut und Zuversicht gefochten hätte. Auch war ich besorgt, die Feinde könnten unsere Zelte anzünden. Deshalb hab ich den Entschluß gefaßt, sie sofort durch meine Reiterei zu erschrecken und auseinander zu sprengen. Solches ist mir auch gut gelungen. Denn sobald sie sahen, daß meine Reiter mit Kriegsgeschrei und ohn alles Zagen wider sie ritten und einen Angriff auf sie begannen, da machten sie kehrt und liefen den Hang des Berges hinab. Dabei sind viele von ihnen gefallen. In der Flucht warfen sie auch die Lebensmittel von sich, die sie bei sich gehabt hatten, wohl um einen Schmaus abzuhalten, nachdem sie uns besiegt und erledigt hatten. In den nächsten Tagen verblieb ich im Lager und bin nur ausgezogen, um etliche Ausfälle gegen Scharen von Indianern zu machen, die unter Kriegsgeheul mit uns scharmützelten. Hernach aber in einer Nacht Hab ich all meine Reiter, 100 Fußknechte und mein indianisches Hilfsvolk genommen und bin nach der ersten Wache aus dem Lager gezogen. Etwa eine Meile vorwärts sind mir fünf Rosse gestürzt, und da sie nun lahm waren, Hab ich die fünf Reiter in das Lager zurückgeschickt. Wiewohl mich etliche Kameraden ermahnten, mit all meinem Volk kehrtzumachen, dieweil dies ein unglücklich Zeichen wäre, bin ich doch bei meinem Vorhaben geblieben, denn ich vermeine, daß Gott über der Natur steht. Eh es Tag ward, überfiel ich zwei Dörfer, darinnen ich viele Indianer umbrachte, aber ich setzte die Orte nicht in Brand, damit man in den nächsten Dörfern meinen Anmarsch nicht durch das Feuer bemerkte. Und als es Tag ward, erstürmte ich ein drittes Dorf, das, wie ich später erfuhr, mehrere tausend Einwohner hatte. Das Volk darin lief ohne Wehr und Waffen aus den Häusern heraus, die Weiber und Kinder nackt, alles durcheinander. Anfangs machten wir viele nieder, – als ich aber sah, daß sie keinen Widerstand leisteten, kamen auch schon etliche der Ältesten des Dorfes zu mir und baten mich demütiglich, ich solle ihnen keinen Schaden mehr antun. Sie wollten sich Eurer Kaiserlichen Majestät ergeben und meine guten Freunde sein, denn sie sähen jetzt wohl ein, daß sie an ihrem Unheil selber schuld wären, dieweil sie meinen Worten nicht hätten wollen glauben. Ich nahm sie in Gnaden an. Nun brachten mir 4000 Mann ihre Waffen und allerlei Lebensmittel an den Brunnen vor dem Dorfe. Sodann ließ ich sie in Frieden und zog wieder in mein Lager, wo ich die Zurückgebliebenen arg in Angst und Trübsal fand, denn sie hatten gefürchtet, es wäre uns übel ergangen, dieweil die fünf Rosse zurückgekommen waren. Als sie aber erfuhren, daß wir mit Gottes Hilfe einen Sieg errungen und ein großes Dorf zur Freundschaft gewonnen hatten, da war ihre Freude groß. Und ich will Eurer Kaiserlichen Majestät nicht verhehlen, daß damals keiner unter uns gewesen ist, der nicht viel Furcht gehabt hätte, dieweil wir so weit in dies volkreiche Land eingedrungen waren, ohne Hoffnung auf irgendwelchen Beistand. Schon hatte ich mit meinen eigenen Ohren hören müssen, ich sei der leibhaftige Teufel, der seine Leute an einen Ort geführt, von wo sie nimmermehr könnten entrinnen. Heimlich hat man sich gesagt, ich sei ein Narr, daß ich immer weiter marschiere, derweil es das einzig Ratsame sei, an das Meer zurückzukehren. Täte ich dies nicht, so sei man gewillt, mich zu verlassen. Als man mich schließlich offen bat, vom Vormarsch abzulassen, da hab ich sie alle ermahnt, tapfer und guten Mutes zu sein und zu bedenken, daß sie Eurer Kaiserlichen Majestät Soldaten wären, und daß die Hispanier allerorts zu Wasser und zu Lande nimmer kleinmütig und verzagt gewesen, und daß wir vor dem Glücke stünden, Eurer Kaiserlichen Majestät ein großes Reich zu erobern, wie in der ganzen Welt kein zweites wäre zu finden. Auch sollten sie Gott dem Allmächtigen vertrauen, dem nichts unmöglich sei. Seine Güte und Gnade müßten sie schon daraus ersehen, daß so viele Feinde tot auf der Walstatt lägen, von uns aber kein einziger. Dies und noch viel mehr hielt ich ihnen immer wieder vor, bis sie neuen Mut gewannen für das, was ich mir vorgenommen hatte, nämlich das große Werk zu Ende zu führen, das ich begonnen. Das siebente Kapitel Am folgenden Tage um zehn Uhr ist Xikotenkatl, der General des Landes, zu mir gekommen mit fünfzig Würdenträgern. Er bat mich im Namen von Herrn Maxixka, einem der (vier) Landesfürsten, ich möge ihnen ihre Untaten gnädiglich verzeihen und sie in Eurer Kaiserlichen Majestät Dienst und Freundschaft gütigst aufnehmen. Ehedem hätten sie nicht gewußt, wer wir wären, ja noch nie etwas von uns vernommen. Sie seien aber immerdar eifrig darauf bedacht gewesen, niemandem dienstbar zu werden. Also wäre ihr Land von uralters her frei. Niemals hätten sie einem fremden Herrscher gehorcht, selbst nicht Herrn Montezuma, dem doch sonst alle Länder untertänig wären, und ebensowenig seinem Vater und seinen Ahnen. Ihr Gebiet wäre rings von Feindesland umschlossen und hätte nirgends einen Ausgang zum Meere. Sie äßen kein Salz, weil sich in ihrem Lande keins fände und man ihnen von außerhalbher keins zulasse. Auch hätten sie keine baumwollenen Stoffe, dieweil Baumwolle nicht bei ihnen gedeihe wegen der strengen Kälte. Und noch andere nötige Dinge entbehrten sie in ihrer Abgeschlossenheit. Aber all das litten sie geduldig, wenn sie nur ihre Freiheit bewahrten. Die Leidenschaft für ihre Freiheit, die allein wäre es, weshalb sie gegen uns aller Art Widerstand versucht hätten. Wider mich jedoch sei ihre Kraft zu schwach. Und so wollten sie lieber in Eurer Kaiserlichen Majestät ihren Herrn und Gebieter anerkennen, als daß weiterhin ihre Häuser zerstört, ihre Weiber und Kinder hinweggeschleppt und sie selber elendiglich totgeschlagen werden sollten. Darauf gab ich ihnen zur Antwort, sie sähen, daß sie an ihrem Schaden selber schuld seien. Ich wäre in ihr Land gekommen, im Glauben, gute Freunde zu finden, dieweil mir die Cempoallaner erklärt hätten, die Tlaskalaner wären friedsame Menschen und begehrten, solche zu bleiben. Deshalb hätte ich Boten im voraus zu ihnen gesandt, ihnen meine Ankunft kundgetan und sie wissen lassen, daß ich ihre Freundschaft erwarte. Sie aber hätten mich keiner Antwort gewürdigt, und während ich ohne Arg meinen Weg gezogen, hätten sie mich unversehens überfallen, zwei meiner Rosse getötet und etliche meiner Reiter verwundet. Und dann, nach dem Gefechte, hätten sie Gesandte zu mir geschickt, mit der Angabe, alles, was da vorgefallen, wäre wider ihren Willen und ohne ihr Vorwissen geschehen. An dies und an alles andere, was sie gegen mich getan, Hab ich sie also erinnert. Nun aber sind sie Eurer Kaiserlichen Majestät gehorsame Untertanen, und ich bin dessen gewiß, daß sie es immerdar bleiben. Sechs Tage verharrte ich weiter in meinem Lager, dieweil ich den Leuten des Landes noch nicht recht traute. Ich wollte nicht weitermarschieren, wiewohl sie mich ernstlich darum baten, in ihre Hauptstadt zu kommen, wo alle Fürsten und Edelleute ihres Landes wohnten und versammelt seien. Schließlich aber sind besagte Herren selber bei mir erschienen und haben mich gebeten, in ihre Stadt zu ziehen, denn daselbst könnte ich viel leichter alles haben, wessen ich bedürfe. Da ich jetzt ihr Freund wäre, sei es ihnen mißlich, mich so übel beherbergt zu sehen. Durch solche Bitten bewogen, hab ich den Marsch nach ihrer Hauptstadt Tlaskala fortgesetzt, die 6 Meilen vom Orte unseres Lagers entfernt war. Diese Stadt ist so groß und wunderbar, daß man mir kaum glauben wird, wenn ich auch nur ganz wenig davon erzähle. Tlaskala hat nämlich einen noch weiteren Umkreis als die Stadt Granada, ist auch stärker befestigt, reicher an Volk und noch prächtiger erbaut als Granada zur Zeit, da es den Arabern von uns ist abgerungen worden. Zudem ist Tlaskala viel mehr versorgt mit den Dingen, die im Lande wachsen und gedeihen, so an Brot, Vögeln, Wildbret, Fluß- und Teichfischen, Gemüse und anderen trefflichen Eßwaren. Es gibt daselbst einen großen Markt, wo täglich über 30000 Menschen zusammenkommen, die da kaufen und verkaufen. Daneben findet man noch kleinere Märkte in den verschiedenen Stadtvierteln, wo man allerlei Art von Stoffen feilhält, Kleinodien aus Gold, Silber und Edelsteinen, vor allem aber feine Federstickereien, wie man sie in der ganzen Welt zierlicher und feiner nicht kann finden. Tongeschirr gibt es dort so gut wie in Hispanien, ebenso eßbare Kräuter und Arzneipflanzen, Holz und Kohlen, alles in beträchtlichen Mengen. Auch Barbierstuben sind vorhanden und Bäder. Es gibt eine Polizei, und überhaupt hält man in allen Dingen gute Ordnung. Kurzum, es ist dies ein vernünftig und artig Volk. Das Land Tlaskala hat Täler und Ebenen, diese wohl bebaut und bestellt, ohne Brachland. Die Landesgrenze hat einen Umfang von mehr denn 90 Meilen. Soviel ich in Erfahrung gebracht, ist das Regiment ähnlich dem in den Freistaaten Venedig, Genua und Pisa, denn die Tlaskalaner haben keinen König, vielmehr eine Art Hohen Rat von mehreren (vier) Fürsten, die allesamt in der Hauptstadt ihren Sitz haben. Die Bewohner des Landes sind Bauern. Jeder hat sein Gut, manche ihrer mehrere. Zu wichtigen Händeln und wenn Krieg droht, kommen die Fürsten zusammen, um zu beratschlagen und Entschlüsse zu fassen. Ich bin der Meinung, daß es im Lande Tlaskala feste Gesetze und Gerichtshöfe gibt, damit das Böse bestraft werde. Denn ein Tlaskalaner hatte einem Hispanier etwas Gold entwendet. Das zeigte ich dem Fürsten Maxixka an, dem Vornehmsten ihrer Herrscher. Sofort hat man dem Dieb mit allem Fleiß nachgestellt und ihn bis in eine Nachbarstadt verfolgt. Dort ergriff man den Übeltäter, überantwortete ihn mir samt dem gestohlenen Golde und erklärte mir, ich solle ihn strafen. Ich dankte den Herren ob ihres Eifers, sagte ihnen aber, dieweil es in ihrem Lande geschehen wäre, so sollten sie den Mann nach ihrem Landesbrauch bestrafen. Ich wolle mich in ihrem Lande nicht der Gerechtsame unterfangen. Nun nahmen sie den Mann und führten ihn nach dem großen Markt, wobei ein Henkersknecht voranging, der das Vergehen des Verurteilten mit lauter Stimme allem Volk verkündete. Auf dem Richtplatz angekommen, ist der Übeltäter auf eine Art Bühne gebracht worden, auf die auch der Henkersknecht ist gestiegen, um abermals die Missetat auszurufen. Sodann hat man den Mann mit einem großen Holzhammer so lange auf den Kopf geschlagen, bis er vor jedermann den Geist aufgab. Im Kerker saßen übrigens viele, wie man mir sagte, wegen begangenen Diebstahls und anderer Missetaten. Das Land Tlaskala hat 500000 Bewohner, eingerechnet ein kleines Nebengebiet, Huexozinko genannt. Das achte Kapitel Während ich noch Krieg führte mit den Indianern des Landes Tlaskala, sind vier der Großwürdenträger und vornehmsten Edelleute des Herrn Montezuma zu mir ins Lager gekommen mit zweihundert Leuten seines Hofgesindes. Die Ursache ihres Erscheinens war, daß sie sagen sollten, ihr Herr und Gebieter wäre willens, Eurer Kaiserlichen Majestät Lehensmann und mein Freund zu werden. Er begehre zu wissen, was er jährlich an Zins zu zahlen habe, an Gold, Silber, Sklaven, Baumwollenstoffen und anderen Dingen, von denen sein Land genugsam hätte. Er wolle alles geben, was ihm möglich sei, nur solle ich sein Reich nicht betreten. Dies möchte er allein darum nicht, dieweil sein Land wenig fruchtbar sei und keine Vorräte an Lebensmitteln habe. Es wäre ihm schmerzlich, wenn ich oder mein Kriegsvolk in seinem Gebiete Mangel und Ungemach erlitte. Zugleich schickte er mir tausend Pfund Gold und eine Menge Baumwollenzeug, wie es hierzulande gebräuchlich ist. Die Gesandten verblieben bei mir im Lager während eines großen Teiles der Kämpfe mit den Tlaskalanern und sahen somit mit eigenen Augen, was für treffliche Kriegsleute wir Hispanier sind. Sie waren auch dabei, als wir Frieden und Freundschaft mit den Fürsten von Tlaskala machten und wie diese Herren samt ihren Untertanen Eure Kaiserliche Majestät als höchsten Herrn haben anerkannt. Aber, wie mich gedeucht, mißfiel ihnen alles das gar sehr, denn sie versuchten allerlei, um von neuem Zwietracht zwischen mir und meinen jetzigen Verbündeten zu säen. So sagten sie zu mir, die Versprechungen jener Herren und ihrer Leute wären nicht von Herzen geschehen. Ihre Freundschaft sei nicht sauber und echt, und ich solle ihnen ja nicht trauen. Man wolle mich damit nur sicher machen, um sodann Verrat an mir zu üben. Die Tlaskalaner hinwiederum baten mich auf das eifrigste, den Edelleuten des Herrn Montezuma nicht Vertrauen zu schenken. Sie wären allezeit Verräter und Betrüger. Habe doch König Montezuma selbst das ganze Land nur durch Lug und Trug sich Untertan und gehorsam gemacht. Sie kennten den Herrn Montezuma längst und genugsam und warnten mich als wahre und gute Freunde der Hispanier. Die Uneinigkeit und der Haß zwischen den beiden Parteien bereitete mir nicht wenig Ergötzen und Behagen, denn es ward mir klar, daß dies meinen Plänen nicht unübel diente und daß ich hier ein gut Mittel hatte, über alle beide zu obsiegen, nach dem alten Sprichworte: Wenn zwei sich totschlagen, lacht der Dritte! Es kam mir auch jenes berühmte Wort in den Sinn: omne regnum in se ipsum divisum desolabitur Die Eingangsworte der Goldenen Bulle (1356). . Jedwed uneinig Reich muß in sich zerfallen! Und so schenkte ich bald der einen, bald der anderen Partei Gehör, dankte jedem Einzelnen für seine gute Gesinnung und lieben Ratschläge und tat so, als sei mir der jeweilige Warner allein teuer und wert. Zwanzig Tage weilte ich in der Stadt Tlaskala, da ermunterten mich die Gesandten des Herrn Montezuma, die immer noch bei mir waren, ich solle weiterziehen nach der Stadt Cholula, die sechs Meilen südlicher gelegen ist. Die Bürger dieses Orts seien Freunde ihres Herrschers. Dort wäre ich ihm näher, so daß ich könne bald erfahren, wes Sinnes er sei und ob wir zu ihm ziehen sollten. Ohne Zweifel war es ihnen bekannt, daß daselbst eine zweite Gesandtschaft des Herrn Montezuma meiner harrte. Ich hab ihnen geantwortet, es gefalle mir, dahin zu ziehen. Darauf bestimmte ich den Tag des Abmarsches. Wie dies aber die Tlaskalaner vernahmen, waren sie voller Trauer und baten mich, nicht hinzugehen, denn dort sei alles bereit, mich samt meinem Kriegsvolk zu überfallen und uns alle umzubringen. In solcher Absicht habe Herr Montezuma an der nahen Grenze seines Reiches, nur zwei Meilen von Cholula entfernt, 50000 Mann versammelt. Die gewöhnliche Straße durch die Stadt sei verlegt und eine andere zu unserm Verderben mit Wolfsgruben vorgerichtet. Auf den Söllern der Häuser lägen Haufen von Steinen, und noch viele andere Vorbereitungen seien getroffen, um uns nach unserem Einzug in die Stadt daselbst zu überwältigen. Um hinter die Wahrheit zu kommen, solle ich nur zu den Herren von Cholula schicken und sie zu mir bitten. Niemand werde meinem Rufe folgen. Ich dankte ihnen auf das beste und ersuchte sie um etliche Leute, die solche Botschaft nach Cholula brächten. Man stellte sie mir, und ich sandte sie ab. Ich ließ den Herren in Cholula also sagen, sie sollten zu mir kommen; ich hätte mit ihnen zu reden, um ihnen die Ursache meiner Ankunft anzuzeigen und ihnen wichtige Dinge im Auftrage Eurer Kaiserlichen Majestät zu verkünden. Die Boten vollführten dies und kamen zurück mit drei Personen ohne Ansehnlichkeit, die mir vermeldeten, die Herren der Stadt Cholula könnten vor mir nicht selber erscheinen, dieweil sie krank wären. Ich möge ihnen mein Vorhaben durch die drei Edelleute kundtun, die mir dies ausrichteten. Die Tlaskalaner aber sagten mir, die drei Gekommenen wären keine Edelleute. Solches sei ein Zeichen, daß man Hohn mit mir triebe. Ich solle auf meiner Hut sein und mich auf nichts einlassen, es sei denn, die Herren jener Stadt kämen vordem persönlich zu mir. Darauf gab ich den drei Boten die Antwort, einem so großmächtigen Fürsten wie Eurer Kaiserlichen Majestät gebührten nicht Gesandte von so geringem Ansehen. Die Herren selber wären dazu kaum würdig genug. Nunmehro hätten sie innerhalb dreier Tage in Person vor mir zu erscheinen, um Eurer Kaiserlichen Majestät Oberhoheit anzuerkennen und Allerhöchstdero Befehle entgegenzunehmen. Falls sie aber zur bestimmten Zelt nicht erschienen, sei ich willens, mit meiner gesamten Kriegsmacht wider sie zu rücken und sie als Aufrührer wider Kaiser und Reich zu behandeln. Diesen Brief hab ich eigenhändig unterschrieben, auch amtlich beglaubigen lassen. Hab auch darinnen erwähnt, daß ihnen Gnaden und Ehren sicher seien, wenn sie sich Eurer Kaiserlichen Majestät freiwillig zu Gehorsam unterwürfen. Am folgenden Tage kamen beinahe alle Herren der Stadt Cholula und entschuldigten sich bei mir. Die Ursache, daß sie bisher nicht erschienen wären, läge darin, daß die Tlaskalaner ihre Feinde seien, weshalb sie hier in Gefahr stünden. Auch wüßten sie, daß ich von den Leuten hier vor ihnen sei gewarnt worden. Ich solle jenen aber keinen Glauben schenken. Was selbige gesagt, hätten sie als ihre Feinde gesagt, und es sei nicht die reine Wahrheit. Davon solle ich mich persönlich überzeugen, indem ich mit ihnen nach ihrer Stadt zöge. Sie seien Eurer Kaiserlichen Majestät ergeben und meine Freunde und als solche gewillt, uns treu und gehorsam zu dienen. Alles das hat ein Notarius durch einen Dolmetsch zu Urkund gebracht. Nunmehr entschloß ich mich, mit ihnen zu gehen, teils, weil ich nicht feig und kleinmütig wollt erscheinen, teils auch, weil ich verhoffte, daß von dort aus meine Pläne besser würden gedeihen. Denn, wie berichtet, liegt die Stadt Cholula dicht an der Grenze des Gebietes der Mexikaner, und es besteht viel Verkehr hinüber und herüber zwischen den Leuten beider Länder. Die Herren von Tlaskala waren ob meines Entschlusses sehr bekümmert und erklärten mir von neuem, ich irre, wenn ich jenen traue. Da sie mir aber ergeben wären und Freundschaft mit mir gemacht hätten, so wollten sie mich und die Meinen geleiten und uns behilflich sein in allem, was uns möchte begegnen. Und obgleich ich ihre Dienste nicht wollte annehmen, dieweil keine Not dies erforderte, so haben mir nichtsdestoweniger doch 30000 gewappnete Mann zwei Meilen weit das Geleit gegeben. Erst als ich abermals Vorstellungen dagegen erhob, sind sie umgekehrt bis auf 6000 Mann, die auch fortan bei mir verblieben. Für die Nacht schlug ich mein Lager an einem Fluß auf, der zwei Meilen vor der Stadt fließt. Ich wollte an diesem Tage nicht in Cholula einziehen, dieweil es bereits dunkel geworden war und ich auch die Tlaskalaner, die in meinem Heere waren, ein wenig nach unsrer Art wollte ordnen und zurechtstutzen, damit sie nicht zum Spott mit mir zögen. Das neunte Kapitel Am anderen Tage sind uns die Herren und viele Bürger von Cholula unter dem Schall von Trommeln und Trompeten entgegengezogen, mich zu empfangen. Sie waren begleitet von einer Schar Priester in Weihgewändern bei Gesang und Musik. Auf so feierliche Weise geleitete man uns durch das Haupttor der Stadt. Zum Quartier bekamen wir eine der Moscheen der Stadt, mit einem Hof und stattlichen Nebenhäusern, wo ich samt allen meinen Leuten wohl untergebracht war. Auch Lebensmittel wurden uns auf unseren Wunsch gebracht, doch nicht gar viel. In der Stadt waren etliche Gesandte des Herrn Montezuma, die sich aber nur besprachen mit den anderen Boten der Mexikaner, die bereits in meinem Gefolge waren. Mir sagten sie nichts, als daß sie gekommen wären, um zu erfahren, was ich mit den anderen hätte verhandelt und verabredet. Dies sollten sie ihrem Herrn vermelden. Nachdem sie mir solches kundgetan, sind sie wieder abgezogen. Einer, und zwar der Vornehmste der schon früher Gekommenen, ging mit ihnen von dannen. An den nächsten drei Tagen hat man uns immer weniger Lebensmittel gebracht und, je länger wir da waren, immer spärlicher. Auch ließen sich die Herren der Stadt kaum noch bei mir sehen. Dies beunruhigte mich. Da meldete mir meine Dolmetscherin (Doña Marina), eine Indianerin vom Tabaskoflusse, daß sie durch eine Tlaskalanerin habe erfahren, unweit vor der Stadt stünde eine große Streitmacht des Herrn Montezuma; die Cholulaner aber brächten ihre Weiber, Kinder und alle Habe aus der Stadt hinaus, dieweil sie die Absicht hätten, uns anzugreifen und umzubringen. Die Tlaskalanerin habe ihr weiter gesagt: wenn sie sich retten wolle, so solle sie mit ihr gehen. Sie wolle ihr beistehen. Sofort gab ich den Befehl, mir einen Einheimischen, der just vorüberging, ohne Aufsehen zu fangen. Er ward in ein Gewahrsam gebracht, wo ich ihn durch den Dolmetsch Aguilar vernahm. Er entdeckte mir das nämliche, was die Tlaskalanerin meiner Dolmetscherin hatte anvertraut. In der Meinung, es wäre besser, ich käme ihnen zuvor, denn daß sie mir zuvorkämen, forderte ich die Herren der Stadt samt und sonders zu mir. Ich hätte mit ihnen zu sprechen. Sie kamen, und ich ließ sie alle in einen großen Saal führen. Zuvor hatte ich Befehl gegeben, daß mein Kriegsvolk in Wehr und Waffen bereitstehe. Auf ein bestimmtes Zeichen von mir sollten sie in die feindlichen Scharen fallen, die sich vor unserem Quartier und in dessen Hofe hatten angesammelt. Und so geschah es. Nachdem ich die Herren, die im Saale versammelt waren, darin hatte einsperren lassen, bin ich zu Roß gestiegen und hab angeordnet, einen Büchsenschuß abzugeben. Binnen zweier Stunden sind alsdann 3000 Bürger erlegt worden. Daß sie sich arg wider uns gerüstet hatten, ersieht Eure Kaiserliche Majestät allein daraus, daß sie, noch ehe ich mit meinem Kriegsvolk aus unserem Quartier hervorbrach, bereits alle Gassen verlegt und ringsum Aufstellung genommen hatten. Da wir aber unseren Ausfall ganz unversehens machten, haben wir sie trotz alledem ohne Mühe überrannt, wobei es uns zustatten kam, daß ihnen ihre Herren und Führer fehlten, die ich im Saal gefangen hielt. Ich ließ auch Feuer werfen in etliche Türme und feste Häuser, während der Kampf von Gasse zu Gasse weiterging. Unterdessen verblieb in unserem Quartier eine starke Besatzung. Auf diese Weise hab ich in fünf Stunden alles Volk aus der Stadt vertrieben, unter dem Beistand von 4000 Tlaskalanern und 400 Indianern aus Cempoalla. Wie ich nun zurück in das Quartier kam, hab ich die Herren der Stadt, die ich gefangen hatte, angesprochen und sie gefragt, warum sie mich hätten durch Aufruhr und Verrat umbringen wollen. Sie gaben mir zur Antwort, sie wären nicht daran schuld, sondern die Edelleute des Herrn Montezuma. Die hätten sie dazu beredet. Auch habe Herr Montezuma anderthalb Meile vor der Stadt 50000 gewappnete Mann stehen, um den Anschlag zu vollenden. Sie selbst aber sähen jetzt ein, daß sie betrogen worden wären. Und sie baten mich, ich solle einen oder zwei von ihnen freigeben, wobei sie gelobten, das Volk, das ich aus der Stadt getrieben, wieder zurückzubringen samt den Weibern und Kindern und aller Habe. Demütiglich flehten sie, ich solle ihnen gnädig sein. Sie wollten sich fortan von niemandem wieder abtrünnig machen lassen und Eurer Kaiserlichen Majestät wahre und treue Untertanen, mir aber gute Freunde sein und bleiben. Nachdem ich ihnen ihre Missetat und Hinterlist vorgehalten und sie ob ihrer Treulosigkeit hart angefahren hatte, hab ich zwei von ihnen freigegeben. Am anderen Tage aber war die Stadt wiederum bewohnt und das Volk so friedsam, als hätte sich nie etwas zugetragen. Darauf ließ ich auch die anderen Herren frei, nachdem sie mir gelobt, Allerhöchstdero ewige Diener zu sein. Die folgende Zeit, in den zwanzig Tagen, die wir daselbst verweilten, war die Stadt völlig in Ruh und Frieden. Die Märkte und Geschäfte fanden statt wie zuvor. Ich brachte es auch zuweg, daß die Cholulaner und die Tlaskalaner einen Bund miteinander schlossen. Sie waren ehedem Freunde gewesen, aber vor etlichen Jahren hatte Herr Montezuma Unfrieden zwischen ihnen angerichtet. Die Stadt Cholula, auf einer Ebene gelegen, hat innerhalb ihrer Ringmauer 20000 Häuser und ebensoviel in den Vorstädten. Die Cholulaner sind selbständig und niemandem unterworfen. Sie haben keinen Einzelfürsten und Machthaber, sondern ein Regiment ähnlich wie die Tlaskalaner. Im Vergleich mit diesen sind sie aber mehr gesittet, was man schon an ihrer Tracht ersieht. Ihr Land ist überaus fruchtbar, denn es ist weithin eben und wohl bewässert. Von der hohen Plattform der großen Moschee hab ich über 400 andere Tempel und Türme gezählt. Von allen Gegenden des Neuen Landes, soweit ich es bisher habe gesehen, ist diese am meisten geeignet, daß man darinnen nach hispanischer Lebensart wohnen könnte, dieweil es hier überall gut Wasser und Viehweiden gibt. Das Volk ist so zahlreich, daß man keinen Zoll Landes antrifft, der nicht bebaut oder bewohnt wäre. Dennoch ist an vielen Orten Mangel an Brot, und man sieht viele arme Leute, die vor den Häusern und Tempeln, auf den Gassen und Plätzen betteln, ganz so wie dies Gewohnheit in Hispanien und allen anderen gesitteten Ländern ist. Das zehnte Kapitel Zu den Gesandten des Herrn Montezuma, die noch bei mir waren, hab ich nun eine Ansprache gehalten wegen der Verräterei, die in Cholula wider mich geschehen war. Dabei verbarg ich ihnen nicht, daß mir die Edelleute hatten versichert, daß Herr Montezuma der Urheber des Aufruhrs sei. Mich dünke, das Anstiften solch einer Meuterei stünde einem großen Herrn, wie ihr König einer sein wolle, gar übel an. Auf der einen Seite böte er mir durch eine Gesandtschaft seine Freundschaft an, auf der andern Seite aber hetze er Dritte wider uns, und nachdem die Sache nicht nach seinem Wunsche verlaufen sei, leugne er, überhaupt davon zu wissen. Da er sein gegebenes Wort gebrochen, seine Zusage nicht halte und nicht die offene Wahrheit rede, so sei ich entschlossen, nunmehr auch anders zu verfahren. Ehedem wäre es mein Vorhaben gewesen, ihm und seinem Lande in allem Frieden einen Besuch abzustatten, mit ihm in Freundschaft zu verhandeln und ein Bündnis mit ihm zu machen. Jetzt aber sei ich willens, als sein Feind in sein Land einzurücken und ihm allen nur möglichen Schaden anzutun. Solche Notwendigkeit verursache mir großen Kummer, denn ich hätte ihn viel lieber zum Freund und Bundesgenossen gehabt, mir seinen Rat in allen Dingen eingeholt und in seinem Lande ohne sein Einverständnis nichts unternommen. Die Gesandten haben mir geantwortet, sie hätten, solange sie bei uns seien, keinerlei Kunde von den Umtrieben hierzulande gehabt, und sie wären des festen Glaubens, daß alles das weder auf den Rat des Herrn Montezuma noch seiner Gesinnung gemäß geschehen wäre. Sie bäten mich dringlich, ehe ich ihrem Gebieter meine Freundschaft aussage und Krieg wider ihn führe, solle ich vorher alle Umstände wohl erkunden und mich bemühen, die Wahrheit zu erfahren. In dieser Absicht möcht ich einem von ihnen Urlaub erteilen und zu Herrn Montezuma abfertigen, der mit ihm über all dies spräche und sich darauf baldigst wieder bei mir einstellen werde. Von Cholula bis Temixtitan, der Hauptstadt des Herrn Montezuma, aber seien es nur noch 20 Meilen. Ich gab zur Antwort, der Vorschlag gefalle mir. Also hab ich einen von den Gesandten reisen lassen. Nach sechs Tagen kam er zurück, zugleich mit ihm auch ein anderer, der schon vordem bei mir gewesen und wieder abgegangen war. Die beiden brachten mir mit zehn feingoldene Schüsseln, anderthalb tausend Stück Stoffe, eine Menge Hühner und reichlich Panikap. Das ist Maiswein, das Lieblingsgetränk hierzulande. Dazu vermeldeten sie mir, Herr Montezuma wäre über den Anschlag der Cholulaner auf das höchste empört. Ich solle gewiß sein, daß er nicht in seinem Sinne noch gar auf seinen Rat hin geschehen wäre. Er gäbe mir sein Wort, das Kriegsvolk, das in der Nähe stünde, wäre ihm zwar Untertan, indessen wäre es ohne seinen Befehl, vielmehr von den Cholulanern gerufen, eigenmächtig ausgerückt, und zwar aus den Grafschaften Akazingo und Izukar, Nachbargebieten von Cholula. Zwischen denen und besagter Stadt bestünde ein Vertrag, daß eins dem andern in der Not zu Hilfe käme. Aus dieser Ursache wäre jenes Kriegsvolk herbeigeeilt, nicht aber auf den Befehl des Herrn Montezuma. An dessen künftigem Verhalten werde ich erkennen, ob dies die Wahrheit wäre oder nicht. Zu guter Letzt bäte er mich ernstlich, ich solle nicht in sein Reich ziehen, denn es sei unfruchtbar und mir werde daselbst nur Ungemach widerfahren. Ich solle aber, wo ich auch wäre, zu ihm schicken und ihm anzeigen, welcher Dinge ich bedürftig wäre. Er wolle mir jeden Begehr gern erfüllen. Ich habe den Gesandten geantwortet, ich müsse meinen vorgenommenen Weg weitermarschieren, denn es sei meine Pflicht, Eurer Kaiserlichen Majestät von Herrn Montezuma und seinem Reiche auf das genaueste zu berichten. Ich wolle auch alles glauben, was er mir durch seine Gesandten habe vermelden lassen. Da ich aber nicht anders könne, als ihm einen Besuch abzustatten, so möge er mir dies nicht erschweren; andernfalls wäre es zu meinem Leide sein größter Schaden. Als er nun merkte, daß es mein fester Wille war, ihn und sein Land heimzusuchen, da ließ er mir sagen, ich solle mit Glück meinen Weg weiterziehen. Er erwarte mich in seiner Hauptstadt Temixtitan. Und da ich jetzt sein Reich beträte, sende er mir eine Menge von den Seinen, mich dahin sicher zu geleiten. Offenbar nun wollte man mich eine Straße führen, die so zugerichtet war, daß es mir darauf übel ergehen sollte. Ich habe dies nachher erfahren und erkannt. Hispanier, die ich in späteren Tagen zu mancherlei Geschäft hin und wieder durch das Land habe geschickt, nahmen wahr, daß wir auf jenem Wege über viele Brücken und Engen gezogen wären, wo man mich und mein Kriegsvolk ohne besondere Mühe hätte vernichten können. Aber Gott der Allmächtige, der Eure Kaiserliche Majestät von Kindheit an immerdar beschirmt, hat gesehen, mit was für Treu und Eifer ich in Allerhöchstdero Diensten zu stehen gewohnt bin, und darum hat er mir einen andern Weg gnädiglich gezeigt. Wenngleich dieser wohl beschwerlicher war, so war er doch nicht in der Art gefährlich wie jener, den man uns führen wollte. Den anderen Weg aber haben wir folgendermaßen gefunden. Acht Meilen von der Stadt Cholula ragen hoch empor zwei wunderbare Berge (der Popokatepetl und der Iztaccihuatl), deren Gipfel man noch zu Ende des Monats August voller Schnee sieht. Der höhere von beiden (der Popokatepetl) ist Tag und Nacht an der Spitze von einer großen Rauchwolke umhüllt, die sich bis zu den Wolken erhebt. Obgleich oft starker Wind um den Gipfel des Berges weht, vermag er den dicken Qualm doch nicht zu zerreißen und hinwegzufegen. Dieweil ich nun allweg beflissen bin, alles Seltsame, was ich in diesem Lande finde, Eurer Kaiserlichen Majestät wahrhaftiglich zu beschreiben, und mir allein schon der Anblick von der Ferne sagte, hier sei ein besonderes Wunderwerk, so hab ich wollen auch dies Geheimnis ergründen und hab zehn von meinen Hispaniern entsandt, von denen ich vermeinte, sie wären zu solcher Erkundung tauglich, dazu etliche von den Landesleuten, und hab allen diesen ernstlich befohlen, sie sollten den hohen Berg besteigen und das Geheimnis des Rauches erkunden, von wannen und warum er aus dem Berge hervorschieße. Sie haben sich bemüht, so weit wie möglich, den Gipfel zu ersteigen, aber sie sind doch nicht ganz hinaufgekommen von wegen der Asche, die ihnen gleich wie eine Windesbraut aus dem Berge in die Augen fuhr, und von wegen des tiefen Schnees und der heftigen Kälte oben auf dem Berge. Aber sie sind sehr weit hinangestiegen, fast bis dahin, wo der Rauch beginnt aus der Tiefe zu wirbeln, was mit solcher Gewalt und solchem Getös geschieht, daß man vermeint, der Berg wolle einstürzen. Nachdem sie meinen Befehl also hatten verrichtet, sind sie wiederum abgestiegen, und sie haben mir mitgebracht Eis und Schnee, was gar verwunderlich ist in diesem Lande unter dem zwanzigsten Breitengrad, also unter der nämlichen Sonne wie die Insel Hispaniola (Haiti), von der man gemeiniglich weiß, daß es daselbst gewaltig heiß ist. Unterwegs fanden sie eine Straße, und da sie die Landesleute befragten, wo dieser Weg hinführe, antworteten diese: Nach dem Tale von Mexiko! Es wäre der beste Weg dahin, besser als der, auf den uns die Gesandten des Herrn Montezuma geleiten wollten. Meine Hispanier gingen die entdeckte Straße ein Stück. Sie läuft zwischen den beiden hohen Bergen hin. Und da hat sich ihren Blicken aufgetan die schöne weite Ebene von Mexiko und in der Ferne die Hauptstadt Temixtitan und der große Salzsee, von dem ich Eurer Kaiserlichen Majestät noch genauer berichten werde. Voll hoher Freude, einen neuen guten Weg in das begehrte Land gefunden zu haben, sind meine Gefährten sodann zu mir zurückgekommen. Nunmehr wandte ich mich an die Gesandten des Herrn Montezuma und gebot ihnen, sie sollten uns den neugefundenen kürzeren Weg führen und nicht jenen, den sie vorhätten. Da gaben sie mir zur Antwort, dieser sei wohl ebener und kürzer, aber die Ursache, daß sie mich auf den anderen geleiten wollten, sei die, daß wir auf dieser Straße einen Tagesmarsch durch das Gebiet von Huexozinko ziehen müßten, deren Bewohner Feinde des Herrn Montezuma wären, so daß wir daselbst nicht Lebensmittel noch andere Notdurft fänden wie im Reiche ihres Herrn. Aber wenn ich trotzdem diesen Weg nehmen wolle, so müßten sie den nötigen Unterhalt für mich und die Meinen anderswoher bestellen. Also sind wir aufgebrochen, nicht ohne Sorge, daß uns ihre alte böse Tücke neue Ränke anrichte. Da ich aber nun einmal vor aller Welt erklärt hatte, auf diesem Wege zu ziehen, so deuchte es mich nicht ratsam zu sein, davon abzustehen, damit man mich nicht gar der Furcht oder Kleinmuts könne bezichten. Am Tage, da wir von Cholula abgerückt waren, sind wir vier Meilen marschiert bis zu einem Dorfe, das zur Herrschaft der Stadt Huexozinko gehört. Daselbst wurden wir von den Landesleuten freundlich empfangen. Man schenkte mir etliche Sklavinnen, Stoffe und kleine Stücke Gold, Dinge, die hier nicht gering zu schätzen waren, dieweil sie bei ihnen nicht leicht zu haben sind, denn es geht ihnen gleich wie den Tlaskalanern. Alle ihre Grenzen sind vom Gebiete des Herrn Montezuma eng umschlossen, so daß sie keine Einfuhr haben und deshalb ein dürftiges Leben führen müssen. Den anderen Tag zogen wir den Paßsteig zwischen den beiden hohen Bergen hinan, von denen ich Eurer Kaiserlichen Majestät berichtet habe. Beim Wiederabstieg schauten wir hinab auf das Reich des Herrn Montezuma. Zunächst zogen wir nun durch eine Grafschaft, die Chalko heißt. Zwei Meilen, ehe wir in die bewohnte Gegend gelangten, kamen wir in ein gut Quartier, das erst unlängst aus Holz war erbaut worden Vermutlich ein Posthof oder ein Unterkunftshaus für marschierende Truppen. . Dort hab ich samt meinen Gefährten recht bequemlich gerastet, auch alle meine Indianer, die mit mir zogen aus Cempoalla, Tlaskala und Cholula, dazu welche aus Huexozinko, insgesamt 4000 Mann. Für alle war Speise und Trank reichlich da, auch Futter für unsere Tiere. In allen Stuben machten wir uns Feuer und legten viel Holz an, denn es war bitter kalt, bei der Nähe der beiden hohen Berge, auf denen viel Schnee lag. Ebendahin sind zu mir wiederum etliche Gesandte des Herrn Montezuma gekommen, augenscheinlich vornehme große Herren. Wie man mir sagte, war unter ihnen des Herrn Montezuma Bruder. Sie brachten mir 4000 Pfund Gold, indem sie mir im Namen des Königs sagten, ich solle abstehen, weiter durch sein Reich zu ziehen, denn es herrsche dort großer Mangel an Getreide, und der Weg zur Hauptstadt sei sehr beschwerlich, dieweil er mitten durch das Wasser ginge. Ich könne nur auf Kähnen dahin gelangen. Auch sonst sei der Weg reich an Unbequemlichkeiten. Ich solle ihnen deshalb lieber anzeigen, was mein Begehr wäre. Ihr Herr wäre erbötig, gutwillig alles zu geben, was ich fordere, mir auch alle Jahre einen bestimmten Zins zu schicken, nach welchem Orte ich wolle, auch bis ans Meer. Ich empfing sie mit freundlicher Rede und schenkte ihnen allerhand Krimskrams aus Hispanien, der bei ihnen in hohem Werte steht, sonderlich dem fürstlichen Herrn, den man mir als den Bruder des Herrn Montezuma hatte bezeichnet. Auf die Botschaft aber, die sie mir überbracht, hab ich ihnen geantwortet: wenn es in meiner eigenen Macht stünde, möchte ich dem Wunsche ihres hohen Herrn wohl willfahren, aber der Befehl Eurer Kaiserlichen Majestät gestatte mir dies nicht, sondern geböte mir weiterzuziehen. Unter anderen Obliegenheiten, die mein Allergnädigster Herr und Kaiser mir anbefohlen, wäre dies das fürnehmste, daß ich Eurer Kaiserlichen Majestät umständlich von dem großmächtigen Herrn Montezuma und seiner weitberühmten Hauptstadt berichten solle. Deshalb bäte ich Herrn Montezuma, meine Reise zu ihm geneigtest zu fördern und mich in seiner Hauptstadt gütig zu empfangen. Mein Besuch füge weder ihm noch seinem Reiche irgendwelchen Schaden und Nachteil zu sondern vielmehr reichlich Nutzen, Ehre und Ruhm. Und nachmals, wenn ich Herrn Montezuma hätte kennengelernt und gesprochen, er aber meine Freundschaft und weitere Anwesenheit nicht beliebe, dann wolle ich unverzüglich wieder umkehren und heimziehen, denn es genüge mir, ihn gesehen und ihm das verkündet zu haben, was ich ihm im Namen Eurer Kaiserlichen Majestät zu sagen hätte. Durch Mittelspersonen aber, wie geschickt und treu selbige auch seien, könne dies nicht gut geschehen. Auf diese Antwort hin sind die Gesandten abgezogen. Während wir in vermeldetem Quartier waren, verrieten nur etliche Anzeichen und Zurüstungen, daß die Indianer der Gegend einen Anschlag wider uns im Sinne hatten und in der Nacht auszuführen gedachten. Wie ich dies vernommen, Hab ich Maßregeln dagegen ergriffen, die sie gewahr wurden, worauf sie ihr Vorhaben änderten. Alsdann sind Scharen von Männern, die sich in der Nähe verborgen gehalten hatten, ebenso heimlich wieder abgezogen. Meine Posten haben alles dies gar wohl beobachtet. Das elfte Kapitel Am anderen Tage marschierte ich zwei Meilen weiter nach Amaquemekan, einer der größten Städte der Grafschaft Chalko. Samt den Dörfern und Höfen ringsum hat der Ort über 20000 Einwohner. Hier wurden wir in einigen Häusern, die dem Herrn der Stadt gehörten, auf das beste beherbergt und wohlbewirtet. Es kam eine Anzahl sichtlich vornehmer Personen zu mir, um mich gleichsam einzuholen. Herr Montezuma, sagten sie, habe sie gesandt, um mich hierselbst zu erwarten und uns mit allem zu versehen, was wir bedürften. Der Herr der Stadt schenkte mir 3000 Pfund Gold und 40 Sklavinnen. Nachdem wir einen Tag dort verweilt, wobei wir an allem Überfluß hatten, kamen am zweiten Tage etliche Edelleute des Herrn Montezuma zu mir und taten mir kund, daß ihr König mich erwarte. Sofort brach ich auf und erreichte noch in selbiger Nacht eine kleine Stadt (Ajotzinko), vier Meilen von da, die am See von Chalko liegt und zur Hälfte in das Wasser hineingebaut ist. An der Seite des Landes ragt ein gar steiler Berg. Auch hier hatte man im Sinn, uns Schaden zu tun, wiewohl man uns reichlich bewirtete. Da ich aber gut auf der Hut war, gewann die Sache nicht den Ausgang, den die Leute verhofften. Sie wollten uns nächtlicherweile überfallen, aber ich hab Tag und Nacht an allen nötigen Orten fleißig Wachen aufgestellt, und so gelang es uns, von ihren Posten, die teils auf Zillen im See, teils am Hange des Berges auf eine Gelegenheit wider uns lauerten, zwanzig zu erlegen, die dann in der Frühe tot gefunden wurden. Als sie meine Bereitschaft erkannten, änderten sie ihr Vorhaben. Nunmehr betrugen sie sich als unsere Freunde. , Am Morgen, als ich dabei war, aufzubrechen, kamen zu mir zwölf von den Vornehmsten (wie ich hernach habe vernommen), darunter ein junger Herr von etwa 25 Jahren, dem die anderen die höchste Ehrfurcht zollten. Es war Kakama, der Fürst von Tezkuko, ein Neffe des Herrn Montezuma. Als er aus seiner Sänfte stieg, gingen alle anderen vor ihm her und räumten Steine und Unrat aus seinem Wege. Als sie vor mich kamen, vermeldeten sie mir, Herr Montezuma habe sie gesandt, damit sie mich zu ihm hin geleiten sollten. Ich möge es ihm nicht übelnehmen, daß er mir nicht persönlich entgegenzöge, denn er sei krank und seine Stadt nicht mehr weit. Und da ich dabei wäre, zu ihm zu kommen, so könnten wir ja alsbald einander aussprechen. Dann werde ich auch erkennen, wie er Eurer Kaiserlichen Majestät wohlgesinnt wäre. Nichtsdestoweniger aber baten mich die Gesandten, wenn es möglich sei, nicht weiter zu marschieren, um viel Mühsal und Not zu vermeiden. Dies alles sagten sie mir in einer langen Rede, mit so viel Ernst, daß es am Ende nichts andres war als eine offene Drohung, mir Widerstand zu leisten, wenn ich weiterzöge. Ich aber habe ihnen freundlich geantwortet und ihnen mit so glimpflichen Worten, als mir möglich, dargelegt, daß dem Lande durch meine Ankunft kein Schaden entstünde, sondern nur Nutzen. Nachdem ich sie mit Kostbarkeiten aus Hispanien beschenkt hatte, entließ ich sie. Und sofort, nachdem sie abgezogen waren, setzte ich meinen Marsch fort, begleitet von einer Schar vornehmer Leute des Landes. Unser Weg ging hin am Gestade des großen Süßwassersees. Eine Meile weg von unserem letzten Nachtquartier sah ich auf einer Insel im See unweit des Landes eine kleine Stadt (Mizkiz). Sie hatte etwa 2000 Häuser und war wohlversehen mit Türmen. Zu Land gab es keinen Weg dahin. Wieder eine Meile weiter kamen wir an einen Steindamm, der so breit war, wie eine spanische Reiterlanze lang ist. Er lief zwischen dem See von Chalko und dem See von Xochimilko hin. Auf selbigem zogen wir eine Stunde Wegs dahin und gelangten zu einer Stadt, Kuttlahuak geheißen, wie ich bisher hierzulande eine schönere noch nie gesehen hatte, wenngleich sie nicht groß war. Die Häuser daselbst waren sehr schmuck, und besonders verwunderte uns ihr Bau, denn der Grund aller Hauser lag tief im Wasser. Hier ward uns ein guter Empfang. Die Bürger bewirteten uns auf das beste. Der Herr der Stadt und die Vornehmsten machten mir einen Besuch und boten mir ihre Paläste zum Quartier an. Aber die Leute des Herrn Montezuma, die in meinem Gefolge waren, rieten mir, nicht dort zu rasten, sondern in einer anderen Stadt namens Iztapalapan, die drei Meilen weiter läge und dem Bruder des Herrn Montezuma gehöre. Also zogen wir nach dem Mittagsmahle weiter, den Steindamm hin, eine Meile weit bis zum festen Lande. Unterwegs, vor Iztapalapan, kam uns der Herr dieser Stadt entgegen, zugleich auch der aus einer Nachbarstadt namens Kolhuakan, drei Meilen gen Süden davon, dazu viele andere Edelleute und Würdenträger, die mich hier hatten erwartet. Sie schenkten mir für 4000 Kastilianer Gold, etliche Sklavinnen und eine Menge Stoffe. In Iztapalapan gewährte man mir gar freundliche Aufnahme. Die Stadt liegt an dem großen Salzsee und hat an die 15000 Häuser, die zumeist im See erbaut sind, nur etliche auf dem Lande. Der Herr der Stadt hat mehrere große Paläste, die aber noch nicht alle ausgebaut sind. Größere und prächtigere findet man nicht in Hispanien. Insbesondre haben sie wunderbare Lustgärten mit allerlei Bäumen und duftenden Blumen, auch Vogelhäuser und Weiher mit Fischen, auf das allerbeste erbaut, mit steinernen Treppen bis in den Grund hinab. An einem der besagten Schlösser befindet sich ein weiter Park, darin ein schmuckes Sommerhaus mit vielen Prunksälen und langen Hallen. Davor ist ein großer Weiher mit süßem Wasser, viereckig angelegt und mit geglätteten Steinen ausgemauert. Um ihn herum geht ein Wandelhaus, gar schön mit Ziegelsteinen gepflastert und so breit, daß vier Personen darin bequem nebeneinander spazieren können. Jede Seite des Weihers ist 400 Fuß lang und der ganze Umkreis 1600 Fuß. Nach dem Garten führt eine Wasserleitung mit Röhren. Dort stehen mancherlei Bäume und wohlriechende Sträucher. Im Weiher aber sieht man schwimmen allerlei Arten Fische und darauf Vögel, die beinahe das ganze Wasser bedecken. Das zwölfte Kapitel Am folgenden Tage (am 8. November 1519) bin ich weiter marschiert, und nach einer halben Meile Wegs sind wir wiederum an einen gepflasterten Damm gekommen, der zwei Meilen lang durch den See nach der hochberühmten Hauptstadt Temixtitan führt, die mitten im See liegt. Der Damm ist zwei spanische Lanzenlängen breit, so daß acht Reiter nebeneinander darauf reiten können. Weiterhin am Ufer des Sees finden sich in der Nähe noch drei Städte; die eine, Mexikalzingo, ist zum größten Teil in das Wasser hineingebaut, die beiden andern aber, Nykiaka und Ocholoposko, liegen am Gestade dicht am See. Die erste hat etwa 30Q0, die zweite 6QOO und die dritte 5000 Häuser, darunter viele mit Türmen. Das sind die Sitze der Vornehmen und die Götzentempel. In all diesen Orten wird großer Handel mit Salz getrieben, das man aus dem See gewinnt und aus den Lachen, die das auslaufende Wasser bildet. Das Salz wird in Form von Broten auch nach auswärts verkauft. Eine halbe Meile, ehe man in die Stadt kommt, mündet von links ein anderer gepflasterter Weg vom Lande her. An dieser Stelle ist eine feste Burg erbaut, Xolok genannt, mit einer zwei Mann hohen Mauer, einem Zwinger, zwei Türmen und Zinnen im ganzen Umkreis. Sie beherrscht die beiden Dammwege. Die Veste hat nur zwei Tore; zu dem einen zieht man hinein und zu dem andern hinaus. An dem Tore, vor dem wir ankamen, standen an die tausend Vornehme aus der Hauptstadt, mich zu empfangen, alle in gleichen Staatskleidern, nach ihres Landes Sitte. Als sie mich sahen, schritten sie mir entgegen, und zwar in der Weise, daß jeder einzelne zuvor mit der Hand die Erde berührte und sie dann küßte. Ich hab eine Stunde verbracht, bis jeglicher diese Ehrenbezeigung vollführt hatte. Dicht vor der Stadt kommt man an eine hölzerne Zugbrücke; dort ist der Steindamm in einer Länge von zehn Fuß durchbrochen. Auch in der Stadt drinnen gibt es viele solcher Zugbrücken, um die einzelnen Stadtviertel besser verteidigen zu können. Nachdem wir über die Brücke marschiert waren, kam mir entgegen der großmächtige Herr Montezuma, mich zu empfangen, und mit ihm zweihundert Hof- und Edelleute, allesamt in bloßen Füßen und in noch reicherer, aber wiederum gleicher Hoftracht. Zwei und zwei zogen sie daher wie bei einer Wallfahrt, was gar lustig anzusehen war, und zwar links und rechts an den Häusern hin, obschon die Straße sehr breit ist. Selbige, die in der Richtung des Dammwegs die ganze Stadt durchläuft, ist zwei Meilen lang und schnurgerade, so daß man sie von Anfang bis zu Ende übersehen kann. Zu beiden Seiten stehen schöne und große Häuser, sowohl Wohnhäuser wie Tempel. Herr Montezuma ging in der Mitte der Straße, rechts und links von ihm sein Bruder und sein Neffe, die Fürsten von Iztapalapan und Tezkuko. Dieser war mir, wie berichtet, am See von Chalko in seiner Sänfte entgegengekommen. Alle drei trugen gleichförmige Tracht, nur daß Herr Montezuma Schuhe anhatte, während die anderen barfuß gingen, wiewohl es sonst hier allgemein gebräuchlich ist, Schuhe zu tragen. Seine beiden besagten Begleiter stützten ihn zu beiden Seiten an den Armen. Ich näherte mich ihm zu Pferd. Dicht vor ihm saß ich ab und schritt ihm zu Fuß entgegen, um ihn zu umarmen. Aber die beiden Herren neben ihm winkten mir, ich solle dies nicht tun und ihn nicht anrühren. Herr Montezuma sowohl wie seine zwei Begleiter verrichteten den schon beschriebenen feierlichen Gruß. Darauf befahl er seinem Bruder, an meine Seite zu treten und mir den Arm zu stützen. Während einer kurzen Ansprache kamen auch die zweihundert anderen Herren heran und begrüßten mich, jeder einzeln in der landesüblichen Weise. Als ich Herrn Montezuma ansprach, zog ich ein Halsband von den besten Glasdiamanten ab, das ich umgelegt hatte, und tat es ihm um seinen Hals. Als wir dann zusammen ein Stück nach der Stadt zuschritten, kam ein Diener und brachte zwei Halsketten aus roten Korallen, die man hier sehr hoch schätzt. An jedem Halsband hingen acht Hummern aus Gold, gar wunderbarlich fein gearbeitet, jeder eine kleine Hand groß. Herr Montezuma nahm sie und hängte sie mir um. Sodann gingen wir weiter, bis wir zu einem prächtigen Palast kamen, der zu unserem Quartier bestimmt und wohleingerichtet war. Hier nahm mich Herr Montezuma bei der Hand und führte mich in einen weiten Saal, nachdem wir den breiten Hof überschritten hatten. Drinnen ließ er mich auf einem reich verzierten Sessel niedersetzen und bat mich, eine Weile zu warten. Über ein kleines ist er wieder zu mir gekommen und hat mir eine Menge kostbarer Gastgeschenke gebracht, aus Gold, Silber und seltsamem Federwerk, dazu 5000 Stück baumwollene Stoffe, in der verschiedensten Art gefertigt und bestickt. Danach hat er sich niedergesetzt auf einen Sessel, der ihm rasch hingestellt ward, nicht weit von dem meinen, und hat also zu mir gesprochen: Wie wir aus alten Schriften und Geschichten wissen, haben meine Vorfahren und die jetzigen Bewohner dieser Stadt ihren Ursprung nicht in diesem Lande, sondern wir sind Fremdlinge, aus weiter Ferne vor geraumer Zeit hier eingewandert. Auch ist uns überliefert, daß ein großer Fürst unsere Ahnen hergeführt und uns hiergelassen hat, selbst aber wieder heimgekehrt ist. Als er nach langer Zeit wiederkam, fand er seine Untertanen mit Frauen von hier verheiratet, reich an Kindern und Enkeln, und wohnend in Städten und Dörfern, die sie gegründet hatten. Kaum kannte ihn einer wieder, und niemand wollte ihm in die alte Heimat folgen. Also ist er allein geschieden. Aber bis auf den heutigen Tag glauben wir alle, daß ein Nachkomme von ihm dermaleinst wiederkehren wird, um dies Land zu unterwerfen und sich gehorsam zu machen. Wenn wir bedenken, daß Ihr uns aus der Richtung der aufgehenden Sonne genaht seid, und je mehr wir von Eurem gewaltigen und mächtigen Herrn und Kaiser hören, der Euch hierher gesandt hat, so können wir nicht mehr zweifeln, daß er unser rechter Herr ist, fürnehmlich dieweil Ihr sagt, daß er schon lange Zeit von uns Kunde gehabt habe. Seid darum des gewiß, daß wir Euch wollen gehorsam sein und Euch an Stelle Eures großen Kaisers als Herrn und Gebieter anerkennen. Lug und Trug aber soll uns fernbleiben. Ihr mögt über mein ganzes Reich nach Gefallen walten. Es soll Euch jedermann Dienste leisten, und alles, was wir besitzen, soll Euer Eigentum sein. Da Ihr hier also wie in Eurer Heimat und Eurem eigenen Haus seid, so soll Euch bei uns wohl zumut sein und Ihr sollt Euch nun der Ruhe erfreuen, denn ich weiß, daß Ihr viel Mühseligkeiten erlitten habt auf dem Marsch und in allerlei Kämpfen. Es ist mir nicht unbekannt, was Euch vom Tabasko bis hierher widerfahren ist. Auch weiß ich, daß die Leute von Cempoalla und Tlaskala Euch viel Übles von mir erzählt haben. Ich bitte Euch aber, wollet davon nicht mehr glauben, als was Ihr hier erfahren und mit Euren eigenen Augen sehen werdet. Insonderheit glaubet nicht, was Euch Feinde von mir gesagt haben, die ehedem meine Untertanen waren und erst auf Eure Ankunft hin von mir abgefallen sind. Nur um sich bei Euch in Gunst zu setzen, haben sie Euch solches hinterbracht. Auch weiß ich gar wohl, daß sie Euch als Wahrheit gesagt haben, meine Häuser hatten goldene Wände, ich säße auf einem goldenen Throne und all mein Hausrat sei aus Gold, ich selbst aber sei ein Gott oder gebe mich für einen solchen aus und dergleichen mehr. Jetzt seht Ihr hier eins meiner Häuser. Es ist von Stein und Erde. Und ich ... Bei diesen Worten tat er sein Kleid auf, zeigte seinen Leib und fuhr dann fort: Seht her, ich bin von Fleisch und Bein wie Ihr, greifbar und sterblich! Fortan wißt Ihr, daß man Euch belogen hat. Wohl hab ich etliches aus Gold von meinen Eltern ererbt, aber was ich habe, ist Euer, sobald Ihr es begehrt. Jetzt will ich in das Haus gehen, darin ich zu wohnen pflege, und will anordnen, daß Euch hier nichts ermangele. Seid frohgemut wie in Eurem Vaterlande! Ich erwiderte seine Rede mit wenigen Worten, wobei ich insbesondre darauf einging, was er von der alten Sage hatte erzählt, nämlich, daß Eure Kaiserliche Majestät der längst erwartete große Herr sei. Darauf ist Herr Montezuma hinweggegangen, und bald darauf hat man uns gebracht Brot, Hühner und allerlei Früchte, dazu viele Dinge zum Haushalt. Also vergingen sechs Tage, an denen viele vornehme Herren zu mir kamen und in Freundschaft mit mir redeten. Das dreizehnte Kapitel Eurer Kaiserlichen Majestät hab ich zu Anfang meines Berichtes gemeldet, daß ich in Verakruz 150 Hispanier zurückgelassen hatte. Als ich in Cholula war, da empfing ich einen Brief des Hauptmanns, der als mein Stellvertreter war zurückgeblieben, in dem er mir kundtat, daß Quauhpopoka, der Herr der Stadt Almeria, ihm durch einen Gesandten habe sagen lassen, er wolle Eurer Kaiserlichen Majestät Lehnsherr werden. Wenn er es bisher unterlassen habe, den schuldigen Gehorsam zu leisten und zu ihm zu kommen, so sei dies deshalb so geschehen, weil er dazu müsse durch Feindesland ziehen, und er befürchtet habe, ihm möchte unterwegs Übles angetan werden. Darum solle er ihm durch das feindliche Land zum Geleite vier Hispanier schicken. Mit diesen verhoffe er, sicher zu ihm zu gelangen. Mein Stellvertreter hat diesen Worten geglaubt und hat ihm vier Hispanier gesandt, da solches andernorts schon öfters geschehen war. Als nun die vier Hispanier bei Quauhpopoka waren, hat dieser den Befehl gegeben, sie unter einem Vorwande umzubringen. Also sind zwei wirklich umgebracht worden; die andern beiden aber sind verwundet über die Berge entronnen. Als der Hauptmann (Juan von Escalante) solches gehört, ist er mit 50 hispanischen Fußknechten, seinen zwei Reitern, zwei Geschützen und 10 000 Indianern voll Zorn vor die Stadt Almeria gerückt. In einem Gefecht mit den Feinden sind sieben Hispanier gefallen, aber zu guter Letzt ist die Stadt erstürmt worden, wobei von ihren Bürgern viele umgekommen sind. Die übrigen sind verjagt und die Stadt ist verbrannt worden. Bei allem dem haben sich die indianischen Hilfstruppen, als die Feinde unserer Feinde, sehr nützlich gemacht. Quauhpopoka aber und etliche ihm verbündete Herren, die ihm den Verrat eingegeben hatten, retteten sich durch die Flucht. Durch Gefangene erfuhr der Hauptmann hinterher, daß Herr Montezuma seine Hand bei der Sache im Spiele gehabt habe. Er sei der Anstifter gewesen, daß die vier Hispanier nach Almeria waren gelockt worden. Sechs Tage nach meinem Eintritt in die hochberühmte Stadt Temixtitan waren verflossen, in welcher Zeit ich etliche Merkwürdigkeiten der Stadt betrachtet habe, immerhin nur wenige gegen die vielen, die ich noch nicht gesehen hatte, da kam ich nach fleißigem Erwägen zu der Meinung, es wäre wohl ratsam und nützlich zur Mehrung der Macht Eurer Kaiserlichen Majestät, uns aber zu Schutz und Schirm, daß wir die Person des Herrn Montezuma in unsre Gewalt brächten und daß er nicht völlig ein freier Mann bliebe, um am Ende gar Allerhöchstdero Diensten untreu zu werden. Und sonderlich, dieweil wir Hispanier ungestüm und eigenwillig sind, war es nicht unmöglich, daß ihn dies eines Tages verdrießen und seinen Zorn wider uns erwecken konnte. Bei seiner großen Macht wäre es dann um uns geschehen gewesen. Wenn ich ihn aber in meinem Gewahrsam hatte, war es zu erwarten, daß sich sein ganzes Land Eurer Kaiserlichen Majestät leichter ergebe, wie dies dann auch wirklich geschehen ist. So beschloß ich also, ihn in meinem Quartier festzuhalten, das ich für hinlänglich sicher hielt. Während ich noch mit mir selber beratschlagte, wie ich ihn gefangennehmen sollte, ohne daß dabei ein Aufruhr entstünde, da fiel mir wieder ein, was mir mein Stellvertreter in Verakruz über die im vorigen Kapitel vermeldeten Vorfälle in Almeria berichtet hatte, und daß Herr Montezuma die Ursache von alledem gewesen war. Sofort stellte ich starke Posten in allen Straßen auf, die zum Schlosse des Herrn Montezuma führen. Dann bin ich, wie ich dies schon mehrfach gemacht, zu ihm gegangen und hab mich eine Weile kurzweilig mit ihm unterredet. Nachdem er mir etliche goldene Schmucksachen sowie eine seiner Töchter, ebenso meinen Begleitern Töchter von Edelleuten geschenkt hatte, hab ich angefangen, ihm die Ereignisse in Almeria des langen und breiten zu erzählen, sonderlich, daß man mir dort zwei meiner Hispanier ermordet hatte und daß Quauhpopoka eingestanden habe, dies wäre auf den Befehl des Herrn Montezuma geschehen und er hätte nicht anders handeln dürfen. Ich fügte hinzu, ich wäre zwar des Glaubens, daß dem nicht so sei, daß vielmehr Quauhpopoka dies nur ausgesagt habe, um sich herauszureden. Aber gerade deshalb erachte ich es für ratsam, daß Herr Montezuma den Quauhpopoka samt seinen Mitschuldigen vor sich fordere und ihn nach Gesetz und Billigkeit bestrafe. Eure Kaiserliche Majestät erkenne dann die gute Gesinnung des Herrn Montezuma und könne durch die Aussage jener Übeltäter nicht über ihn in Zorn geraten und ihm nicht Übles dafür antun lassen. Zuletzt versicherte ich ihm abermals, daß ich für meine Person des Gegenteils der Aussage Quauhpopokas sicher wäre. Darauf berief Herr Montezuma etliche Würdenträger zu sich, händigte ihnen das Siegel aus edlem Gestein ein, das er am Arme trug, und entsandte sie nach der Stadt Almeria, die 60 bis 70 Meilen von Temixtitan liegt, um den Quauhpopoka und alle die zu holen, die am Mord an den beiden Hispaniern teilgehabt hatten. Falls sie nicht willig kommen wollten, sollten sie gefangen hergebracht werden. Wenn sie aber gar Widerstand leisteten, so sollte ein bestimmter Nachbarort Bewaffnete stellen, um sie mit Gewalt zu ergreifen. Kurzum, die Sendlinge sollten keinesfalls ohne die Übeltäter zurückkommen. Die, denen also Befehl gegeben war, machten sich unverzüglich auf den Weg. Nach ihrem Abgang sagte ich Herrn Montezuma meinen Dank für seinen an den Tag gelegten Eifer, die Schuldigen zu fangen, dieweil ich Eurer Kaiserlichen Majestät Rechenschaft ablegen müsse über jeden Hispanier, der mit mir hierher geschifft und gelandet war. Solange aber der besagte Mord noch nicht gesühnt sei, und bis die Wahrheit an den Tag gekommen und Herr Montezuma aller Schuld ledig befunden wäre, so lange sei es vonnöten, daß er in meinem Quartier verbliebe. Ich bat ihn, er möge mir dies nicht übelnehmen, denn er solle bei mir nicht als Gefangener, sondern durchaus als freier Mann gehalten werden. Er dürfe in seinem Reiche nach Gefallen schalten und walten. Auch könne er in meinem Quartier wohnen, wo er wolle, selbst in den Gemächern, wo ich jetzt meine Wohnung hätte. Ich gab ihm mein Wort, daß ihm der Aufenthalt bei mir keinerlei Leid noch Last bringen solle. Er werde wie in seinem Hause leben. Außer seinem Hofstaat stehe ihm auch all mein Gesinde ganz nach seinem Belieben zu Diensten. Darüber haben wir nun viele Worte gewechselt, aber alles das zu wiederholen, was zwischen uns hin und wider geredet worden ist, wäre zu weitläufig. Zu guter Letzt hat er sich willens erklärt, mit mir in mein Quartier zu gehen, und hat befohlen, ihm in meinem Palast etliche Zimmer herzurichten. Nachdem dies auf das beste geschehen, haben ihn viele Vornehme an die Arme genommen und ihn stumm und unter Tränen an eine schlichte Sänfte geführt, allesamt barfuß und mit Röcken, die sie aus Trauer zerrissen hatten. Also sind wir ohn alles Aufsehen in unser Quartier gekommen. Als das Volk in der Folge unruhig zu werden anfing, hat Herr Montezuma den Befehl erlassen, es zu beruhigen. So ist die Stadt immerfort in Ruh und Frieden verblieben. Herr Montezuma aber ist bei mir wohl gehalten worden. Fünfzehn bis zwanzig Tage, nachdem dies geschehen, sind die zurückgekehrt, die zu Quauhpopoka und seinem Anhang ausgesandt worden waren. Man brachte ihn samt einem seiner Söhne, dazu fünfzehn angebliche Edelleute, die beschuldigt waren, am Mord an den Hispaniern beteiligt zu sein. Den Quauhpopoka beförderte man in einer Sänfte wie einen Fürsten, der er ja auch war, und überantwortete ihn und seine Gesellen meiner Gewalt. Ich befahl, sie alle miteinander in einen Kerker zu stoßen und sie an den Händen und Füßen zu fesseln. Nachdem sie den Mord an den Hispaniern hatten eingestanden, Hab ich den Quauhpopoka befragt, ob er ein Untertan des Herrn Montezuma wäre, worauf er mir zur Antwort gab: Kann man Untertan sein eines andern Herrn? Sodann fragte ich die Mitschuldigen, ob die Mordtat auf Befehl des Quauhpopoka oder auf Geheiß des Herrn Montezuma geschehen wäre. Alle erklärten, es wäre auf Befehl ihres Herrn geschehen. Später aber, als das Urteil über sie ergangen und sie vor der Hinrichtung standen, haben sie allesamt einmütig erklärt, die beiden Hispanier wären auf Befehl des Herrn Montezuma umgebracht worden. Also sind sie öffentlich auf einem freien Platze verbrannt worden, ohne daß Unruh oder Aufruhr im Volke entstand. Und am nämlichen Tage, dieweil die Hingerichteten bekannt hatten, daß Herr Montezuma der Anstifter am Mord an den Hispaniern war, hab ich den Befehl gegeben, auch ihm Fußketten anzulegen, worüber er sehr kleinmütig und niedergeschlagen ward. Ein paar Stunden später ließ ich ihm die Fesseln wieder abnehmen, nachdem ich lange mit ihm geredet hatte. Er war hocherfreut darüber und fortan in sein Schicksal ergeben. Seitdem hab ich mich, soviel mir möglich, beflissen, ihm in allen Dingen gefällig zu sein. Allerorts in Stadt und Land gab ich bekannt, Eure Kaiserliche Majestät hätten in Gnaden geruht, daß Herr Montezuma wie vordem weiterherrsche, dieweil er Allerhöchstdero höhere Gewalt anerkenne. Jedermann aber im Reiche Mexiko diene Eurer Kaiserlichen Majestät, wenn er Herrn Montezuma treu und gehorsam bliebe wie vor meiner und der Hispanier Ankunft. Ich hab ihn so gut und freundlich gehalten, und er war so zufrieden damit, daß ich es oftmals wagte, ihn zu bitten, er möge wieder in seinen eigenen Palast ziehen, aber immer gab er mir zur Antwort, er bliebe lieber bei mir, wo es ihm an nichts fehle. Denn wenn er wieder in seinem eigenen Schlosse wohne, so wäre es leicht möglich, daß ihm die Vornehmen des Landes zusetzten und ihn beredeten, etwas wider seinen Willen zu Eurer Kaiserlichen Majestät Schaden und Nachteil zu tun. Es sei aber sein Wille, Allerhöchstdero treuer Diener zu sein. Solches habe er seinen Untertanen kundgetan und ihnen gesagt, daß es ihm hier wohlergehe. Wenn jene etwas Unbilliges von ihm fordern möchten, so könne er ihnen hier immer entgegenhalten, daß er nicht Herr seiner selbst und seiner alten Gewalt sei. Manchmal bat er mich, ich solle ihm vergönnen; ausgehen zu dürfen, was ich ihm bis zwei Meilen im Umkreise der Stadt nie hab abgeschlagen. Also ist er zuzeiten nach seinen Lustschlössern gereist und hat sich da bestens vergnügt. Sooft er wiederkam, war er lustig und guter Dinge. Bei diesen Ausgängen schenkte er seinen Untertanen wie auch den Hispaniern, die ihn begleiteten, kostbare Kleider und Edelsteine. Seinen Hofleuten und Würdenträgern gab er prächtige Gastmähler und Feste. Seinem Zuge durch das Land folgten oft an 3000 Menschen. Das vierzehnte Kapitel Nachdem ich Gewißheit hatte, daß Herr Montezuma ernstlich bemüht war, Eurer Kaiserlichen Majestät zu dienen, hab ich ihn gebeten, um meinen Bericht an Eure Kaiserliche Majestät auszuschmücken, er solle mir die Orte weisen, wo man Gold im Lande fände. Mit freundlichen Worten ging er darauf ein, und sofort berief er etliche seiner Amtsleute zu sich und befahl, mir die Fundstätten zu zeigen. Ich solle einige Hispanier bestimmen, die mit jenen gingen. Darauf nahm ich acht Hispanier, von denen je zwei mit je zwei Leuten des Herrn Montezuma abreisten, um mit eigenen Augen zu sehen, wie das Gold an vier verschiedenen Orten kunstreich gewonnen wird. Die einen sind in eine Landschaft gekommen mit Namen Kuzula, 80 Meilen von Temixtitan. Dort zeigte man ihnen drei breite Flüsse, aus denen man mir Proben lauteren Goldes brachte. Auf der Reise dahin ging es durch viele Städte, Dörfer und Höfe, alle wohlerbaut, wie man sie in Hispanien nicht besser findet. Unter anderen war da eine Stadt mit einer Burg, größer, fester und schöner als das Schloß von Burgos. Dort, in Tamazula, waren die Leute besonders wohlgekleidet und verständig Wohl Tamazula, 70 km nordöstlich von Collma. . Andere zogen in eine Landschaft namens Manialtepek, die ebenfalls 70 Meilen von der Hauptstadt entfernt ist, aber dem Meere näher liegt. Auch von daher brachte man mir Goldproben aus einem großen Flusse daselbst. Die dritten sind in eine Gegend namens Tepic gelangt, wo man eine andere Sprache redet. Der Herr daselbst heißt Koatlikamat. Das Land liegt in rauhen und hohen Bergen und ist Herrn Montezuma nicht untertan. Deshalb und dieweil die Leute dort kriegerisch sind, wagten sich die Indianer, die mit den Hispaniern dahin zogen, nicht ohne weiteres in dies Land hinein, sondern erbaten vom Herrn des Landes vordem die Erlaubnis, mir die Goldwerke zu zeigen. Herr Koatlikamat gab die Antwort, die Hispanier könnten das Goldwerk und alles, was sie sonst noch sehen wollten, in voller Sicherheit besichtigen. Aber die Leute des Herrn Montezuma warne er, nicht in sein Land zu kommen, denn sie wären seine Feinde. Eine Weile waren die Hispanier zweifelhaft, ob sie allein in das Land hineingehen sollten oder nicht, zumal die Indianer, die sie geleiteten, ihnen abrieten, indem sie sagten, man wolle sie nur hineinlassen, um sie dann desto leichter umzubringen. Am Ende aber entschlossen sich die Hispanier doch dazu, und sie wurden von den Inwohnern wie von dem Herrn selbst freundlich empfangen. Man zeigte ihnen sieben oder acht goldreiche Flüsse, aus denen die Indianer wie auch die Hispanier Gold schöpften und Proben mit sich nahmen. Koatlikamat gab den Hispaniern etliche Gesandte bei, durch die er sich und sein Land Eurer Kaiserlichen Majestät zu Diensten anbot. Auch schickte er mir goldene Kostbarkeiten und Stoffe, wie sie in selbiger Gegend gebräuchlich sind. Die vierten erreichten einen Ort namens Xuchitepek an einem Flusse, dem Zakatula, der dem Südmeer zufließt. Auch von dort bekam ich Goldproben. Dieweil ich nun aus den Berichten der Hispanier, die dort gewesen sind, ersah, welche Landschaften geeignet waren, um neue Siedelungen anzulegen und Gold zu gewinnen, hab ich Herrn Montezuma zunächst ersucht, mir zu gestatten, in der Landschaft Manialtepek, die mir am meisten tauglich dazu schien, eine Farm zu gründen. Und da er sich der Sache mit großem Eifer annahm, so geschah es, daß zwei Monate später schon 60 Fanegas Die altspanische Fanega = 55½ Liter; die (spätere) mexikanische Fanega = 91 Liter. Mais und 10 Fanegas mexikanische Bohnen angepflanzt waren, ebenso 2000 Geviertfuß Kakao. Selbiger kommt, klein gestoßen, auf den Markt. Er hat so großen Wert, daß die Bohnen auch als Münze gelten und man dafür alles kaufen kann, was man braucht. Auch hatte er vier schöne Häuser bauen lassen und an einem einen Weiher angelegt, auf den man 500 Enten gesetzt hatte, die dort sehr geschätzt sind, dieweil man sie alle Jahre rupft und die Federn in den Handel bringt. Ferner waren 50 Hühner und viel anderes zum täglichen Gebrauch Dienliches dahin geschafft worden. Hispanier, die diese Farm (Oaxaka) gesehen haben, schätzen ihren Wert auf 20000 Pesos Gold. Ferner hab ich Herrn Montezuma ersucht, mir mitzuteilen, ob es am Gestade des Großen Meeres eine Flußmündung oder eine Bucht gäbe, wo die ankommenden Schiffe leicht einlaufen und sicher vor Anker liegen könnten. Er antwortete mir, dies wisse er nicht, er wolle mir aber eine Karte verschaffen, auf der das ganze Gestade und alle Flüsse, die in das Meer stießen, verzeichnet stünden. Darnach möchte ich Hispanier ausschicken und Erkundungen machen lassen. Als Wegweiser wolle er mir Landsleute stellen, wie er das später auch getan hat. Am nächsten Tage brachte man mir ein leinen Tuch, darauf das Meer, die Buchten und die Flüsse alle aufgezeichnet waren. Auf dieser Karte fand ich einen Fluß Koazakualko, der an den Martins Bergen vorbeifließt und in eine Bucht mündet, größer als alle anderen. Herr Montezuma erklärte mir, ich möge dahin senden, wen ich wolle, um alles Nötige zu erkunden. Sofort schickte ich zehn Hispanier dahin ab, darunter etliche, die der Schiffahrt kundig waren, begleitet von den Wegeführern, die mir Herr Montezuma dazu gab. Diese reisten am ganzen Gestad hin, vom Hafen Chalchimeka ab, jetzo San Juan de Ulloa, wo ich ehedem gelandet war, mehr denn 60 Meilen weit, ohne eine Flußmündung noch eine Bucht zu finden, wo Schiffe hätten einlaufen können, obgleich an selbigem Gestade eine ziemliche Menge kleiner und großer Flüsse ins Meer stießt, deren Mündungen sie alle in Kähnen besucht und ihre Tiefe gemessen haben. So gelangten sie bis zu besagtem Fluß Koazakualko. Der Herr des Landes dort, der Tuchintekla heißt, empfing meine Leute freundlich und gab ihnen Kähne, den Fluß zu erkunden. An seiner Mündung fand man ihn dritthalb Mannshöhe tief, und zwar zu einer Zeit der Ebbe. Sodann fuhren sie den Fluß 12 Meilen weit aufwärts, wobei sie Stellen von sechs Mannshöhen Tiefe fanden. Nach alledem kann man annehmen, daß er noch 30 Meilen stromauf sehr tief sein mag. Am Ufer dieses Flusses gibt es viele und große Ortschaften. Die ganze Gegend ist reich an fruchtbaren Feldern und stark bevölkert. Die Leute dort sind aber Herrn Montezuma nicht untertänig, sondern seine Feinde. Auch hier ließ man den ankommenden Hispaniern sagen, die Leute des Herrn Montezuma dürften nicht in das Land hineingehen. Zugleich mit den zurückkehrenden Hispaniern trafen auch Gesandte von Herrn Tuchintekla bei mir ein, die mir Kostbarkeiten aus Gold, Tigerfelle, Federwerk, edle Steine und Stoffe brachten, dazu die Botschaft, daß er schon längst von mir gehört habe, denn seine Freunde am Puntonchan – das ist derTabasko-Fluß – hätten ihm berichtet, daß ich durch ihr Land gezogen sei und mit ihnen gekämpft habe, dieweil sie mir nicht hätten Quartier geben wollen; hernach aber seien sie gute Freunde von mir und Untertanen Eurer Kaiserlichen Majestät geworden. So bäte auch er, ihn und sein ganzes Land in Allerhöchstdero Dienste aufzunehmen, nur mit der einen Bedingung, daß die Leute des Herrn Montezuma niemals in sein Gebiet kämen. Was er in seinem Lande besitze und vermöge, wolle er mir gern gewähren. Als ich von den Hispaniern, die ich zur Erkundigung dorthin ausgesandt, erfuhr, daß ein guter Hafen und ein zur Gründung einer Stadt passender Ort gefunden war, hatte ich gar große Freude, denn es war immer meine eifrige Sorge, seitdem ich in dies Land gekommen, einen guten Hafen zu finden und daran eine Stadt zu erbauen. Doch hatte ich einen solchen Platz bisher nicht finden können, denn es gibt keinen am ganzen Gestade vom Sankt Antons Flusse Der heutige Rio Tanciochopa. – das ist der nächste vor dem Tabasko – bis zum Panuko, wo etliche Hispanier auf den Befehl des Franz von Garay eine Siedelung gegründet haben, wovon ich Eurer Kaiserlichen Majestät später berichten werde. Um die besagte Hafenstelle, dazu die Gesinnung der Indianer dort und allerlei andere Umstände, die bei der Anlage einer Siedelung wichtig sind, noch genauer zu erkunden, sandte ich abermals etliche geeignete Hispanier dahin. Sie gingen mit den Gesandten, die Tuchintekla mir geschickt hatte, und brachten Geschenke von mir. Er empfing sie auf das beste, und so haben sie den Hafen nochmals besichtigt und ausgemessen, auch den besten Ort zur Ansiedelung ausgesucht. Nachdem sie mit einem langen Berichte hierüber zu mir zurückgekehrt waren, fertigte ich sofort einen Hauptmann (Juan Velasquez von Leon) mit 150 Kriegsknechten dahin ab, um die neue Stadt abzustecken und daselbst eine Veste anzulegen. Tuchintekla, der hocherfreut war, Eurer Kaiserlichen Majestät nunmehro dienen zu dürfen, hat den Bau in allen Dingen gefördert. Das fünfzehnte Kapitel Im elften Kapitel hab ich Eurer Kaiserlichen Majestät berichtet, daß mir ein großer und gewaltiger Herr, der Neffe des Herrn Montezuma (wie ich nachmals vernommen habe), schon mehrfach war begegnet. Er herrschte über eine benachbarte Landschaft namens Kulhuakan, deren große Hauptstadt Tezkuko am östlichen Ufer des großen Salzsees liegt, unweit vom Gestade. Auf dem Wasserwege ist diese Stadt 6 Meilen von Temixtitan entfernt, auf dem Landwege aber 10 Meilen. Tezkuko hat an die 30000 Häuser, darunter gar wunderbare Paläste und große Tempel. Außer dieser Stadt besaß Kakama, so heißt dieser große Herr, noch zwei andere Städte, von denen die eine namens Akolma 3 Meilen, die andere namens Otumba 6 Meilen entfernt liegt. Eine jede hat ungefähr 4000 Einwohner. Die Herrschaft umfaßt überdies viele Dörfer und Gehöfte und hat überall fruchtbaren Boden. Das Gebiet des Kakama grenzt jenseits an das Land Tlaskala, von dem ich Eurer Kaiserlichen Majestät längst erzählt habe. Kakama war nach Herrn Montezumas Gefangennahme sowohl von Eurer Kaiserlichen Majestät wie von seinem Oheim abgefallen, und wiewohl ich ihm etliche Male hatte sagen lassen, er solle vor mir erscheinen, so war er doch weder mir noch Herrn Montezumas Befehl gefolgt, sondern hatte sogar die kühne Antwort gegeben, wer etwas von ihm begehre, der solle zu ihm kommen. Ich erfuhr, daß er viel streitbares Volk um sich versammelt hatte und sich kriegsbereit hielt. Da ich ihn in Güte nicht bereden konnte, Allerhöchstdero Macht und Gewalt von neuem anzuerkennen, so hab ich mich an Herrn Montezuma gewandt und mir seinen Rat erbeten, was wohl zu tun wäre, um seinen Neffen für seinen Abfall zu strafen. Er gab mir zur Antwort, Herrn Kakama mit Gewalt zu zwingen, wäre sehr schwer, denn er wäre ein großer und gewaltiger Fürst und wohlversehen mit gutem Kriegsvolk. Gegen ihn zu kämpfen brächte große Gefahr und viel Verlust. Er, der Herr Montezuma, habe aber im Lande des Kakama etliche vornehme Personen, denen er Sold zahle. Mit ihrer Hilfe wolle er versuchen, etliche aus dem Kriegsvolk des Kakama zu gewinnen und ihn selbst dann gefangennehmen zu lassen. Dies böte keinerlei Gefahr. Und so ist es denn auch geschehen. Herr Montezuma hat es zuwege gebracht, daß jene Edelleute den Kakama zu einer Beratung in Staatsangelegenheiten nach der Stadt Tezkuko beriefen. Man kam in einem herrlichen Landhause zusammen, das dicht am Gestade des Sees liegt. Ein Wasserweg geht bis an den Palast. Für den Fall, daß sich Kakama zur Wehr stellte und sich nicht gefangennehmen lassen wollte, hielt man etliche Zillen mit dem gewonnenen Kriegsvolk in der Nähe bereit. In der Versammlung wurde Kakama plötzlich von den Verschwörern ergriffen und, ehe ihm seine Leute zu Hilfe eilen konnten, in eine der Zillen gebracht und über den See nach Temixtitan geführt. Dort angekommen, wurde er, wie es einem so großen Herrn gebührt, in eine Sänfte gesetzt und mir überantwortet. Ich aber ließ ihn sofort an den Füßen fesseln und in ein gut Gewahrsam bringen. Im Einverständnis mit Herrn Montezuma hab ich sodann einen jüngeren Bruder des Kakama namens Kuitzkuitzka in die Herrschaft eingesetzt und es vollbracht, daß alle Städte und Gemeinden des Fürstentums Kulhuakan ihm Gehorsam leisteten als ihrem natürlichen Herrn, bis Eure Kaiserliche Majestät anderes anzubefehlen geruhe. Etliche Tage nach Kakamas Gefangennahme hat Herr Montezuma alle Lehensherren seines Reiches nach Temixtitan in unseren Palast berufen. Als sie alle beisammen waren, bat er auch mich, ich solle heraufkommen, und nachdem ich erschienen, hat er folgende Ansprache gehalten: Geliebte Brüder und Freunde! Ihr wie eure Väter und Vorväter seid mir und meinen Ahnen immerdar Untertanen gewesen und ihr seid es noch heute, von mir und meinen Vätern allezeit in Gnaden und Ehren gehalten. Ihr eurerseits habt euch mir und meinem Hause stets als gute und getreue Diener gezeigt. Ich weiß aber, daß es euch von euren Eltern her bekannt ist, daß unsere Vorfahren ihren Ursprung nicht in diesem Lande haben, sondern aus weiter Ferne eingewandert sind, geführt von einem großen Fürsten, der sie hiergelassen, selbst aber wieder von hinnen gezogen ist. Nach langer Zeit ist er wiedergekehrt und hat hier gefunden, daß seine Untertanen, unsere Vorfahren, neue Städte gebaut, sich mit den Frauen des Landes verheiratet und Kinder und Enkel um sich geschart hatten und längst hier heimisch waren, so daß sie nicht mehr wollten mit ihm in die ferne alte Heimat ziehen. Und dieweil sie ihn nimmermehr als ihren Herrn und Gebieter anerkannten, so ist er allein wieder gegangen, indem er bei seinem Abschiede verkündet hat, er werde dermaleinst wiederkommen, entweder er selber oder ein anderer in seinem Namen, mit einem tapferen Kriegsvolk und mit gewaltiger Macht, um sich dies ganze Land dienstbar und gehorsam zu machen. Ihr wißt auch, daß wir ihn allezeit erwartet haben. Aus allem nun, was uns der fremde Feldherr, der hier vor uns steht, von seinem großmächtigen Kaiser berichtet, der ihn über das Große Meer her zu uns gesandt hat aus der Gegend, da die Sonne aufgeht und dahin der Fürst unserer Ahnen dereinst zurückgegangen ist, nach dem allem glaube ich und bin des sicher – und ihr müßt es ebenso glauben –, daß sein Kaiser der große Herr und Fürst ist, den wir alle erwarten, insonderheit da er uns sagen läßt, daß er schon immer von uns Kunde gehabt habe. Wenn unsere Ahnen das nicht erfüllt haben, was sie ihrem Herrn schuldig waren, so wollen wir es um so mehr tun und unseren Göttern Lob und Dank sagen, daß der so lange Erwartete in unseren Tagen erschienen ist. Indem ich euch an dies erinnere, bitte ich euch ernstlich, so wie ihr mir bisher als eurem Herrn den gebührlichen Gehorsam geleistet habt, nun fortan jenem großmächtigen und gewaltigen Kaiser willig und Untertan zu sein und ihm zu huldigen, dieweil er euer angestammter Herr und Gebieter ist. Diesen Feldherrn hier aber, seinen Statthalter, wollet fürderhin als euren Herrn ansehen und ehren, sowie ihm in allen Dingen dienen gleich wie mir. Ich selbst aber will ihm ebenso wie ihr gehorsam sein und alles tun und leisten, was er mir von Rechts wegen auferlegen wird. Wenn ihr eure Pflicht vor ihm erfüllt, wird dies immer auch zu meinem hohen Wohlgefallen sein. Diese Rede hat Herr Montezuma unter gar vielen Tränen und Seufzern vorgebracht und alle seine Lehensherren und Würdenträger weinten mit ihm, so daß sie eine Weile verharrten, ehe sie ihm zu antworten vermochten. Und wahrlich, mein durchlauchtester Herr und Kaiser, es ist kein Hispanier zugegen gewesen, der bei diesen Worten nicht ein groß Mitleid verspürt hätte. Endlich aber ermannten sie sich und erklärten, daß sie Eurer Kaiserlichen Majestät gehorsame Untertanen zu sein begehrten. Feierlich gelobten sie, alles zu verrichten ›was nach Allerhöchstdero Willen und Wunsch wäre. Sie seien immerdar bereit, von mir anbefohlene Dienste freudig zu tun und alles, was ich ihnen im Namen Eurer Kaiserlichen Majestät auferlege, zu geben und zu leisten, wie bisher dem Könige ihres Landes. Solches alles ist in Gegenwart vieler Hispanier durch meine Notarii aufgezeichnet und in rechtlicher Form zu Urkund genommen worden. Mehrere Tage nach dieser Huldigung hatt ich eine Begegnung mit Herrn Montezuma, wobei ich ihm in Allerhöchstdero Namen anzeigte, daß ich zu gewissen von Eurer Kaiserlichen Majestät verordneten Werken etwas Gold bedürfe. Ich ersuchte ihn, er solle etlichen von seinen Leuten den Befehl erteilen, mir solches herbeizuschaffen. Ich wolle selbigen etliche Hispanier mitgeben. Auch möge er selbst aus seinem eigenen Reichtum etwas schicken, denn ich hätte die Absicht, Eurer Kaiserlichen Majestät Gold und andere Kostbarketten zu übersenden. Sofort ließ er sich von mir etliche Hispanier stellen, die er zu zweien mit seinen Leuten an verschiedene Orte des Reiches abfertigte, um besagten Handel zu verrichten. Die Namen der Landschaften und Städte, dahin diese Boten abgingen, vermag ich nicht mehr anzugeben, da ich meine Schriften hierüber verloren habe. Alle diese Orte sind bis zu 80, ja bis zu 100 Meilen von der Hauptstadt und auch untereinander weit entfernt, überallhin gebot er, eine Summe Goldes zu leisten, die er benannte. Und dies ist also vollzogen worden. Man brachte mir reichlich Gold, in Barren und Blechen, auch bearbeitetes Gold in allerlei Gestalt, so daß der fünfte Teil, den man Eurer Kaiserlichen Majestät schuldig ist, nachdem alles eingeschmolzen war, was dazu geeignet war, 32400 Kastilianer betrug, ungerechnet die Kostbarkeiten aus Gold und Silber, die Edelsteine, die Dinge aus Federwerk und die vielen anderen Wertsachen, die ich für Eure Kaiserliche Majestät bestimmte und aufbewahren ließ und die alles in allem über 100000 Dukaten wert waren. Manches darunter war so wunderbar und seltsam, daß man es gar nicht abschätzen kann. Auch glaube ich, gewisse Merkwürdigkeiten sind im Schatze keines Fürsten unserer Zeiten weder in Christen- noch in Heidenlanden zu finden. Denn Eure Kaiserliche Majestät möge mir glauben, so fabelhaft es sich wohl anhört, daß Herr Montezuma von allen Dingen, die es zu Wasser und zu Lande gibt, soweit sie ihm bekannt sind, getreue und vollkommene Abbilder besitzt, so wahrhaftig und kunstvoll aus Gold, Silber, Edelgestein und Federstickerei gefertigt, daß man sie für die Dinge selbst möcht anschauen. Derlei Sachen hat mir Herr Montezuma damals nicht wenig für Eure Kaiserliche Majestät zugestellt. Vieles ließ er auch nach meinen Angaben und Vorbildern aus Gold anfertigen, so Bildnisse des gekreuzigten Heilands, Halsketten, Denkmünzen und anderes mehr. Überdies ist noch gekommen auf Allerhöchstdero Teil aus Silber eine große Menge von Schalen, Schüsseln, Tellern, Löffeln und dergleichen. Dazu hat mir Herr Montezuma gegeben viele kostbare Stoffe in den mannigfachsten Farben, wie sie sonst in der ganzen Welt nicht gemacht werden. Auch hat er mir geschenkt zwölf Zerbetanas. Eine Zerbetana aber ist ein langes hohles Rohr, auf der Jagd nach Vögeln zu gebrauchen. Man schießt daraus mit Hilfe des Atems Pfeile oder kleine bohnengroße Kugeln aus Kreide. Die Rohre waren mit trefflichen Bildern von Tieren, Vögeln, Bäumen und Blumen bunt bemalt. Visier und Korn sowie die breiten Beschläge an den Enden und in der Mitte daran aber aus Gold. Das Täschchen für die Kugeln war aus goldenen Fäden gestrickt. Kugeln dazu aus Gold hat mir Herr Montezuma verheißen. Das sechzehnte Kapitel Eure Kaiserliche Majestät von mancherlei großartigen und wunderbaren Dingen in der Hauptstadt Temixtitan, von der Herrschaft des Herrn Montezuma und seinem Hofstaat, ferner von den Bräuchen und Gewohnheiten der Bürger, von der Ordnung und Obrigkeit in dieser und anderen Städten, die dem Herrn Montezuma untertänig sind, zu verständigen, das erheischt viel Zeit und eine Person, die solches zu schildern geübt wäre. Ich bin nicht imstand, den tausendsten Teil zu erzählen. Dennoch will ich von dem, was ich gesehen, so gut ich kann, etliches berichten. Und obschon ich dies in ungezierter Rede vorbringe, so wird es doch viel Verwunderung erregen und wohl gar unglaubhaft erscheinen. Ich, der ich es mit leiblichen Augen gesehen habe, kann es doch selber mit dem Verstand kaum begreifen. Eure Kaiserliche Majestät möge aber gewiß sein, daß ich eher zu gering denn zu prächtig von diesen Dingen rede. Denn es dünkt mich billig zu sein, alles, was ich meinem Herrn und Kaiser erzähle, ohn alles Von- und Zutun, ohn alles Aufmutzen, allein in der reinen Wahrheit zu berichten. Doch eh ich von der Hauptstadt zu erzählen anfange, halte ich es für gut, damit alles desto baß verstanden werden kann, etliches zu sagen vom Reiche Mexiko, darin die genannte große Stadt liegt. Dieses Land ist rings mit hohen, von Schluchten durchschnittenen Gebirgen umgeben, zwischen denen sich eine Ebene breitet, im Zirkel 70 Meilen weit. In selbiger liegen zwei Seen, die schier das ganze Tal einnehmen, denn sie haben einen Umkreis von 50 Meilen. In dem einen See ist Süßwasser, in dem anderen, dem größeren, aber Salzwasser. Beide sind sie durch eine Hügelkette voneinander getrennt. Ihr Wasser vermischt sich nur in einem schmalen Lauf, der zwischen niederen Höhen auf der einen und hohem Gebirg auf der anderen Seite hinführt. Die vielen Städte und Dörfer an und in den beiden Seen treiben ihren Handel miteinander lediglich auf dem Wasser, ohne die Landwege zu benutzen. Die große und reiche Hauptstadt, Temixtitan geheißen, liegt mitten im großen Salzsee. Sie ist so groß wie Sevilla oder Cordova. Vom Lande zu den Haupttoren der Stadt führen vier Steindämme, deren jeder zwei spanische Lanzenlängen breit ist. Von welcher Seite vom Ufer man auf ihnen auch kommen mag, immer braucht man vom Lande zur Stadt zwei Stunden. Die Hauptstraßen der Stadt sind sehr breit, dabei schnurgerade wie auch alle übrigen Gassen. Viele andere aber sind eng. Durch die meisten laufen neben den Fuß- und Fahrwegen noch Wasserwege, auf denen Kähne gehen, so daß man fast von jeder Gasse auf dem Wasser in jede andere gelangen kann. Etliche der Läufe sind gar breit, und viele schmucke und wohlgebaute Brücken aus Holz führen über sie, die oft so breit sind, daß zehn Reiter nebeneinander hinüberreiten können. Auf den ersten Blick bei meinem Einzug in die Stadt erkannte ich, daß man nur braucht alle Brücken um unser Quartier herum abzubrechen, um uns auszuhungern und zu vernichten. Um mir also den Auszug zu sichern, hab ich sogleich in den ersten Tagen vier Rennschiffe bauen lassen, so daß ich mit ihnen allezeit 300 Mann samt Roß und Reitern ans Land bringen konnte. Die Stadt hat viele Plätze, auf denen immerfort Markt von Lebensmitteln und allerlei Dingen ist. Der Hauptplatz in der Mitte der Stadt, doppelt so groß wie der von Salamanka, ist rings von Säulenhallen umgeben. Tag um Tag kommen hier 60000 Menschen zusammen, um zu kaufen und zu verkaufen. Man findet dort alle möglichen Waren aus allen Gegenden des Reiches zur Nahrung und Bekleidung, dazu Gegenstände von Gold, Silber, Kupfer, Messing, Blei, edlem Gestein, Leder, Bein, Muscheln, Korallen, Baumwolle und Federn. Auch bietet man daselbst feil geglättete und ungeglättete Steine, gebrannte und ungebrannte Ziegel, Kalksteine, gehobelte und ungehobelte Balken und Bretter sowie Holz in jedweder Gestalt. An einem besonderen Platz verkauft man allerhand Vögel: Truthühner, Feldhühner, Wachteln, wilde Enten, Krammetsvögel, Wasserhühner, Turteltauben, Holztauben, Spatzen, Rohrvögel, Sittiche, kleine Weihen, Habichte, Falken, Adler und andere mehr; von etlichen Raubvögeln auch nur Federn, Köpfe, Schnäbel und Klauen. Ferner findet man Kaninchen, Hasen, Hirsche und verschnittene kleine gemästete Hunde, die man hierzulande mit Vergnügen verspeist. An einem andern Platze verkauft man alle Arten von Kräutern zu Heilmitteln und Salben. Es gibt Arzneigewölbe und Barbierstuben, sodann Läden, wo man Wein, Kuchen oder anderes zu essen und zu trinken kaufen kann. Ganz wie in Hispanien findet man für Geld Träger und Boten, so daß man das, was man gekauft hat, von der Stelle in die Häuser tragen lassen kann. Auch Holzkohlen, irdene Kohlenpfannen sind feil, ferner allerlei Matten, Decken und Teppiche, feinere Hölzer für den Hausrat und zum Schmucke der Wände. Auch kann man kaufen allerhand Gemüse, Salate, Zwiebeln, Knoblauch, Nieswurz, Artischocken, Brunnenkresse usw., ferner allerlei Obst, auch Kirschen, Pflaumen, Apfel, Trauben, daneben seltsame Früchte, die nur hierzulande wachsen. Man verkauft auch Bienenhonig und Wachs, Sirup aus Maisstauden, ferner den süßen Saft der Agave, der besser schmeckt als Most. Aus dieser Pflanze bereitet man Zucker und auch Wein. Baumwollengarn in Gebinden ist in allen Farben zu haben, ganz wie die Seide auf dem Markt in Granada; nur ist mehr von allem da. Des weiteren findet man Malerfarben in allen Tönen, darunter so glänzende, wie sie nirgends besser gemacht werden können; gegerbte Wildhäute mit und ohne Haar, weiß oder gefärbt; allerlei Töpferwaren, Krüge, Töpfe, Pfannen, auch Fliesen, meistens gut überglast und bemalt. Der Mais wird in Körnern und auch in Broten feilgeboten. Geflügel und Fische gibt es roh, gekocht oder eingesalzen. Eier von Hühnern, Enten und anderen Vögeln findet man in großen Mengen. Kurzum, man bekommt auf den Märkten von Temixtitan alles, was nur irgendwo wächst, und in solchen Mengen und so vorzüglich wie nirgends. Die verschiedenen Waren dürfen nur an den dafür bestimmten Plätzen verkauft werden, worauf streng gehalten wird. Durchweg verkauft man nach der Stückzahl oder nach Maß, nirgends nach Gewicht. Auf dem Hauptmarkte steht ein Gerichtshaus, in dem immerdar zehn bis zwölf Richter ihres Amtes walten und alle Marktstreitereien entscheiden. Sie haben auch Strafgewalt. Ferner gehen beständig Aufseher herum und prüfen die Maße der Verkäufer. Ich habe öfters gesehen, daß falsche Maße von ihnen genommen und zerbrochen worden sind. Temixtitan hat viele schöne Paläste, und dies darum, weil alle Edelleute des Landes, die Herrn Montezuma untertänig sind, eigene Häuser in der Hauptstadt besitzen und einen Teil des Jahres daselbst wohnen. Dazu haben viele reiche Bürger sehr schöne, prächtige und große Häuser, mit herrlichen Blumengärten auf ebener Erde und auf den flachen Dächern. Die Stadt hat auf einer nahen Höhe des Festlandes ein Wasserwerk und eine Wasserleitung. In einem der langen Steindämme, die vom Festlande zur Stadt führen, laufen zwei mannsdicke Wassergänge. In dem einen fließt gar wohlschmeckendes Trinkwasser, der andere wird nur benutzt, wenn der erste gereinigt wird. Man verkauft das Wasser in allen Gassen auf Kähnen. Die Händler holen es sich, indem sie unter eine der vielen Brücken fahren, über die auch die Wasserleitung geht, und dort das Wasser in den Kahn schöpfen oder hineinlaufen lassen. An den Eingängen der Stadt und an den Plätzen, wo die Schiffe ausgeladen werden, also an allen Stellen, wo Lebensmittel und Waren in die Stadt gelangen, stehen kleine Häuser, in denen Zollwächter sitzen, die auf alle Einfuhr eine gewisse Abgabe erheben, wie ich vermute für den König oder für die Stadt. Auf allen Plätzen und Märkten der Stadt sind täglich Handwerker und Arbeitsleute aller Art zu finden, die daraufwarten, daß man sie zu Tagelohn dinge. Die Temixtitaner haben artigere Sitten und besser Aussehen als die Einwohner andrer Städte. Dieweil Herr Montezuma und, wie schon gesagt, alle Edelleute des Landes ständig in der Hauptstadt wohnen, herrscht strenge Zucht. Im allgemeinen geht der Verkehr im Volke in derselben Art vonstatten wie in Hispanien. Und wenn man bedenkt, daß die Mexikaner Barbaren sind, nichts von Gott und dem Christenglauben wissen und fern der gebildeten Welt hausen, so ist es wunderbarlich, daß sie in allen Dingen so trefflich Ordnung halten. Das siebzehnte Kapitel In Temixtitan gibt es viele Moscheen, gar prächtig erbaut, in denen die Götzen des Landes verehrt werden. In den größeren wohnen auch die Priester in schönen Wohnungen. Alle Pfaffen hierzulande tragen schwarze Tracht. Solange sie im Amt sind, kämmen und schneiden sie ihr Haar nicht. In den Priesterberuf treten die Söhne der Adligen und der vornehmen Bürger, etwa im siebenten oder achten Lebensjahr. Die Erstgeborenen nimmt man meist wieder heraus, um sie zu verheiraten, selten die anderen. Die Frauen dürfen die Priesterhäuser nicht betreten, ebenso wie es den Priestern verboten ist, in die Wohnung von Frauen zu kommen. Auch gewisse Speisen dürfen sie nicht essen. Die Hauptmoschee steht auf einem großen Platze, dessen Umkreis von einer acht Fuß hohen Mauer umzogen ist. Ihr gesamter Bereich ist so weit, daß man darin Häuser für 500 Menschen bauen könnte. Die Mauer ist in einem großen Viereck angelegt und hat riesige Tore mit Türmen und Zinnen. Ihr entlang befinden sich die Häuser der Priester und Mönche mit langen Wandelgängen. Der Tempel selbst ist höher als die Kathedrale von Sevilla. Er hat die Gestalt einer viereckigen Pyramide von vier gewaltigen Stufen. Ganz oben auf der weiten Plattform, auf die man durch eine breite Außentreppe gelangt, stehen zwei Turmtempel aus geglättetem Stein und geschnitztem Holzwerk, ln denen die riesigen Götzenbilder thronen. Die Wände um sie herum sind reich geschmückt und mit allerlei Ungeheuern und seltsamen Figuren bemalt. Hier liegen auch die Gräber der Könige. Jeder der beiden Tempel war einem anderen Götzen geweiht, der eine dem Huitzlopochtli, dem Kriegsgotte der Mexikaner, der andere dem Tezkatlipoka, dem Erschaffer der Welt. Vom Hauptsaale der Tempel gelangt man durch enge Türen in kleine Kapellen, wo kleinere Götzenbilder standen. Diese Räume waren alle voller Menschenblut, das bei den Opfern vergossen worden war. Ich ließ sie reinigen, warf die Götzen allesamt die Treppe hinunter und hing in den Kapellen die Bilder unserer lieben Madonna und andrer Heiligen auf, was Herrn Montezuma und die Edelleute der Temixtitaner arg verdroß. Anfänglich baten sie mich, ich solle dies nicht tun; denn wenn das Volk solches erführe, so könne leicht ein Aufstand entstehen. Die Mexikaner glauben nämlich, wenn man die Standbilder ihrer Götter schlecht behandelt, so rächen sich die Götter, indem sie die Feldfrüchte verderben lassen, so daß alle Menschen des Hungers sterben müssen. Ich stellte ihnen durch den Dolmetsch vor, wie sinnlos es ist, wenn man seine Hoffnung auf Götzenbilder setzt, die man mit eigener Hand aus irdischem Stoff gefertigt hat. Es gäbe nur einen Gott, den Herrn von Himmel und Erde, den Erschaffer aller sichtbaren und unsichtbaren Dinge. Dieser Gott sei ohn Anfang und ohn Ende. Ihn müsse man anbeten, sonst aber kein ander Geschöpf und kein ander Ding. Dies und anderes ließ ich ihnen sagen, um sie von ihrem Götzendienst abwendig zu machen und sie für die Erkenntnis des alleinigen und allmächtigen Gottes zu gewinnen. Herr Montezuma gab mir darauf zur Antwort, er hätte mir bereits erzählt, daß er und seine Untertanen ihren Ursprung außer Landes hätten und daß ihre Voreltern vor langer Zeit eingewandert wären. Es sei wohl möglich, daß sich allmählich Irrtümer in ihren Glauben eingeschlichen hätten. Ich aber, der ich erst neulich hergekommen wäre, ich kenne vielleicht besser als sie die Dinge des wahren Glaubens. Also solle ich ihnen diesen verkünden und verständlich machen. Sie wären bereit, alles zu tun, was ich sie Besseres lehre. Als ich nunmehr alle Götzenbilder hinaustat und unsere Heiligenbilder aufhängen ließ, in Gegenwart des Herrn Montezuma und vieler Edelleute der Hauptstadt, da waren sie alle damit wohlzufrieden. Zudem gebot ich ihnen ernstlich, ihren Götzen keine kleinen Kinder mehr zu opfern, wie dies bisher Brauch gewesen, denn dies mißfiele dem Gott der Christen auf das höchste. Und Eure Kaiserliche Majestät habe solches durch ein strenges Gesetz verboten. Wer einen Menschen töte, der solle auch getötet werden. Von Stund an haben die Mexikaner diesen Brauch gelassen, und solange ich in der Hauptstadt weilte, hat man nicht mehr gesehen, daß Kinder geschlachtet und den Götzen geopfert worden sind. Das achtzehnte Kapitel Jetzo muß ich etliches vermelden über den Hofstaat des Herrn Montezuma, wobei ich Eurer Kaiserlichen Majestät frei bekenne, daß ich nicht weiß, wo ich den Anfang nehmen soll und wo ich das Ende finden werde. Ich bin imstande, nur das wenigste davon zu berichten. Wie groß muß doch die Gewalt dieses Barbarenfürsten und wie ungeheuer sein Reichtum sein, dieweil er, wie schon gesagt, von allem, was es unter dem Himmel seines Reiches gibt, Abbilder aus Gold, Silber, edlem Gestein und Federwerk besitzt. Die Werke aus Gold und Silber sind von solcher Natürlichkeit, daß sie bei uns auch der größte Goldschmied nicht so trefflich fertigen könnte. Vor den Arbeiten aus edlem Gestein begreift die menschliche Vernunft nicht recht, mit was für Werkzeug man solche Dinge herstellt. Noch wunderbarer ist die Federstickerei, an der man keine Spur von Wachs oder Seidenfäden wahrnimmt. Ich habe noch nicht feststellen können, wie weit sich das Reich des Herrn Montezuma erstreckt; nur weiß ich, daß er Boten aus Temixtitan nach Orten geschickt hat, die bis zu 200 Meilen entfernt und ihm doch noch Untertan sind. Man kann wohl sagen, daß er über ein Land herrscht, das ungefähr so groß wie Hispanien ist. Die Edelleute des Landes stellen meistens ihre erstgeborenen Söhne in den Hofdienst. Wie schon gesagt, wohnen sie den größten Teil des Jahres in der Hauptstadt. Hinwiederum besitzt Herr Montezuma in den Gebieten seiner Lehensherren Burgen, in die er Kriegsvolk gelegt hat. Daselbst schalten auch Schatzmeister und andere Beamte, die die Abgaben und Zölle berechnen und eintreiben, die jede Grafschaft zu leisten schuldig ist. Alle ihre Akten sind in der Bilderschrift des Landes geschrieben. Die Leistungen jedweder Gegend richten sich nach dem, was selbige erzeugt. Herr Montezuma bekommt von allem seinen Teil. Er ist mehr gefürchtet, als ein anderer Machthaber in der Welt. Die Zahl seiner Schlösser in der Stadt wie außerhalb ist sehr groß und ihre Pracht gar nicht zu beschreiben. Je nach ihrem Zweck sind sie verschieden auf das trefflichste eingerichtet. Sein Palast in der Hauptstadt ist so weit und wunderbarlich, daß es mich unmöglich dünkt, einzelnes davon zu erzählen. Ich kann nur sagen, daß es in Hispanien nichts ihm gleiches gibt. Außer diesem Schlosse, das er von seinen Vätern ererbt hat, besitzt Herr Montezuma ein anderes, das er selbst erbaut hat, aus Marmor mit reichem Schmuck aus Jaspis, mit einem herrlichen Lustgarten, in dem es zehn Weiher gibt, voll von allerlei Wasservögeln, alle zahm wie Haustiere. In etlichen ist Salzwasser, dieweil Seevögel darin sind. Je nach ihrer Art bekommen die Vögel ihr Futter. Die Würmerfresser erhalten Würmer, die Maisfresser Mais und die Fischfresser Fische. Für letztere braucht man täglich 250 Pfund Fische aus dem Salzsee. Für alle diese Vögel sind 300 Wärter da, die sonst kein ander Geschäft betreiben. Die Tiere haben sogar Ärzte. An den Weihern stehen schmucke Gartenhäuser, in die Herr Montezuma öfters kommt, um seine Kurzweil an den Vögeln zu haben. In einem besonderen großen und schönen Hause werden Raubvögel aller Arten gehalten, in Käfigen, anderthalb Mannslänge hoch und sechs Schritt im Geviert breit und tief. Der Boden und die untere Hälfte der Wände ist aus Stein, die obere aus Rohrgeflecht. Die Vögel sitzen auf Stangen und sonnen sich; bei Nacht und wenn Regenwetter ist, hocken sie in gedeckten Winkeln. Gefüttert werden sie mit Hühnern. Im Erdgeschoß desselbigen Hauses findet man lange Säle mit vergitterten Käfigen aus starkem Holz, darinnen Löwen Tiger, Wölfe, Füchse und alle Arten von Katzen gehalten werden, alle in großer Anzahl. Auch sie werden mit Hühnern gefüttert und von wiederum 300 Wärtern gepflegt. In einem anderen Hause wohnen Zwerge, Bucklige und allerlei andere Mißgeburten und Ungestalten, Männer wie Weiber, jedes in einem abgesonderten Raume. Auch sie haben ihre Wärter. Wieder besonders werden seltsame Menschen gehalten: Männer, Weiber und Kinder, die von Geburt an Angesicht, Leib, Haar, Augenlider und Brauen ganz weiß haben. Ich übergehe die Menge weiterer Häuser, die zu Belustigungen aller Art dienen, und will nun etliches vom Hofhalt des Herrn Montezuma erzählen. Wenn der Tag anbricht, stellen sich an die 600 Standespersonen im Schlosse ein, um in den Sälen und Hallen zu sitzen oder hin und her zu wandeln, bis die Sonne untergeht, ohne in die Gemächer zu gehen, wo sich der König in Person aufhält. Die Dienerschaft all dieser Herren füllt allein zwei oder drei große Höfe. Wenn Herr Montezuma Tafel hält, werden die Edelleute ebenso gespeist wie er; auch die Diener bekommen ihr Teil. Küche und Keller stehen jedermann offen. Die Gerichte, die zahllos sind, werden von mehr denn 3OO Edelknaben aufgetragen. Früh, mittags und abends gibt es allerlei Fleisch, Fische, Früchte und Gemüse. Jede Platte und Schüssel steht auf einer Wärmpfanne voll glühender Kohlen, da die Luft hierzulande häufig kalt ist. Die Mahlzeiten finden in einem großen Saale statt, der mit kostbaren Matten ausgelegt ist. Herr Montezuma sitzt auf einem kleinen Ledersofa, umgeben von einer beweglichen Wand aus geschnitztem und vergoldetem Holz. Nicht weit von ihm sitzen an einem Tisch fünf oder sechs vornehme alte Würdenträger, denen er von den Speisen seines Tisches hinüberreicht. Dem Edelknaben, der ihn bei Tisch bedient, wird von anderen Edelknaben gereicht, was nötig ist; ebenso gibt dieser ihnen zurück, was nicht mehr gebraucht wird, ohne sich selbst von der Stelle zu entfernen. Vor und nach der Tafel wäscht sich Herr Montezuma die Hände. Kein Handtuch wird von ihm mehr denn einmal benutzt. Auch pflegt er jedes Gericht auf einem ganz neuen Teller zu essen. Herr Montezuma kleidet sich viermal am Tage um, wobei jedes Stück Kleid immer neu ist. Wer sein Schloß betritt, muß dies in bloßen Füßen tun. Wer zu ihm gerufen wird, nähert sich ihm, Haupt und Augen gesenkt und in demütiger Haltung. Auch wenn jemand von ihm angeredet wird, darf der ihm nicht ins Angesicht sehen; dies erfordert die Ehrfurcht und Achtung. Viele mexikanische Edelleute haben sich mir gegenüber verwundert, daß meine Hispanier geradestehen und mir in die Augen schauen, wenn ich mit ihnen rede, was wenig ehrfurchtsvoll und untertänig erscheine. Wenn Herr Montezuma ausgeht, was selten geschieht, so verharren alle seine Begleiter in untertänigster Haltung. Wer ihm begegnet, bleibt stehen und blickt unbeweglich zu Boden, bis der Herrscher vorüber ist. Vor selbigem schreitet stets ein Kammerherr mit drei dünnen, hohen Stäben, was, wie ich vermeine, ein Zeichen für das Volk ist, daß Herr Montezuma in Person gegenwärtig ist. Meistens läßt er sich in einer Sänfte tragen. Die am mexikanischen Hof üblichen Gebräuche sind vielfach, prunkvoll und umständlich wie kaum am Hofe morgenländischer Fürsten. Das neunzehnte Kapitel Vom 8. November 1519 bis zum Anfang des Mai laufenden Jahres 1520 hab ich zu Eurer Kaiserlichen Majestät Nutz und Frommen in der Hauptstadt, die friedlich und ruhig war, gar mancherlei Dienst und Geschäft verrichtet. Insbesondere sandte ich viele Hispanier in die verschiedenen Gegenden, gewann weitere Orte und gründete neue Siedelungen, legte Bergwerke an und erkundete die Geheimnisse des Landes sowie der nachbarlichen Gebiete. Alles das geschah im Einverständnis des Herrn Montezuma. Mit großem Verlangen wartete ich dabei immer auf das Schiff, das mir auf meinen ersten Bericht von Eurer Kaiserlichen Majestät Antwort brächte und hernach dieses neue Schreiben mitnehmen sollte, dazu das Gold und die Schätze, die ich für Eure Kaiserliche Majestät aufbewahrte. Da sind eines Tages zu mir gekommen etliche Edelleute des Herrn Montezuma, deren Lehen nah am Meere liegen, und brachten mir die Nachricht, von der Höhe der Sankt Martins Berge wären vor dem Hafen von Sankt Juan 18 Schiffe gesichtet worden. Was für welche, das wußten sie nicht; denn sobald sie selbige gesehen, seien sie zu mir geeilt. Bald darauf kam ein Indianer von der Insel Ferdinandina (Kuba) mit einem Briefe von einem Hispanier, den ich am Gestade wohnhaft gemacht hatte, um mir jedwedes Schiff zu melden, das sich der Küste näherte. Der Mann schrieb, er habe ein einzelnes Schiff vor Sankt Juan gesehen und vermerke, es wäre wohl das Schiff, das ich an Eure Kaiserliche Majestät gesandt, denn die Zeit der Wiederkunft sei da. Um es genau zu erfahren, verharre er, bis besagtes Schiff in den Hafen einfahre, um es mir hernach eiligst anzuzeigen. Als ich diese Meldung gelesen, schickte ich zwei Hispanier aus, jeden auf einem anderen Wege, dem Boten ob dem angekommenen Schiff entgegen. Ich gab ihnen den Befehl, sich an keinem Ort aufzuhalten, bis sie zum Hafen gelangten und erführen, wieviel Schiffe eingelaufen wären, woher sie gekommen und was sie brächten. Sodann sollten sie eiligst wiederkehren und mir alles das vermelden. Einen dritten Boten fertigte ich nach der Stadt Verakruz ab, um daselbst zu verkünden, was ich von den Schiffen hatte vernommen. Von dort sollte man das Nähere auskundschaften und mir anzeigen. Einen vierten schickte ich zu dem Hauptmann (Velasquez von Leon), den ich – wie Eurer Kaiserlichen Majestät kundgetan – ausgesandt hatte mit 150 Fußknechten nach der Grafschaft Koazakualko, daselbst einen neuen Ort und Hafen zu gründen. Ich befahl ihm in einem Briefe: an dem Flecke, wo der Bote ihn träfe, solle er haltmachen und nicht weiterziehen, bis er einen anderen Befehl von mir bekäme. Es sei mir kundgeworden, daß etliche Schiffe wären im Hafen angekommen. Hernach stellte es sich heraus, daß der Hauptmann von ihrer Ankunft schon gehört hatte, ehe mein Brief in seine Hände gelangte. Nach dem Abgange der Boten verstrichen vierzehn volle Tage, in denen wir nichts Neues hörten und auch von keinem Bescheid erhielten, was mich zum höchsten verwunderte. Darnach aber sind wiederum Indianer gekommen, ebenfalls Untertanen des Herrn Montezuma, mit der Nachricht, die gemeldeten Schiffe lägen bereits im Hafen von Sankt Juan vor Anker, und 80 Reiter, 800 Fußknechte und zehn bis zwölf Stück Geschütze wären ans Land gezogen. Auch brachten sie einen Bericht in ihrer Bilderschrift, durch den Herrn Montezuma alles das angezeigt ward. Überdies erfuhr ich, daß die beiden Boten sowie der Posten, den ich am Meere aufgestellt hatte, bei dem gelandeten Kriegsvolk wären. Die Indianer sollten mich benachrichtigen, der Befehlshaber gestatte nicht, daß die Leute zurückkehrten. Als ich dies vernommen, faßte ich den Entschluß, den Pater (Olmedo), den ich bei mir hatte, mit einem Briefe von mir und einem von den Richtern und Gemeinderäten der Stadt Verakruz, die just bei mir in der Hauptstadt weilten, nach Sankt Juan zu senden. Diese Briefe waren gerichtet an den Obristen, der mit den Schiffen im Hafen war angekommen. Darinnen war mit vielen Worten dargestellt, was mir in diesem Lande war widerfahren, wieviel Städte und Dörfer ich genommen und bekommen hatte, die ich nun in Seiner Kaiserlichen Majestät Namen in allem Frieden verwalte; ferner daß ich den Herrn des Landes gefangenhielte und schließlich, daß ich in der Hauptstadt läge, die eine gar herrliche Stadt sei, und daß ich viel Gold und Kostbarkeiten für Eure Kaiserliche Majestät erobert hätte. Auch vergaß ich nicht hinzuzufügen, daß ich erst neulich Eurer Kaiserlichen Majestät einen Bericht über dieses Land abgeschickt hatte. Zugleich bat ich die Ankömmlinge, man möge mir anzeigen, wer sie wären und ob sie geboren seien in den Landen und Herrschaften Eurer Kaiserlichen Majestät. Auch sollten sie mir schriftlich zu wissen tun, ob sie auf Allerhöchstdero Befehl gelandet wären, ob sie eine Stadt gründen wollten, ob sie weiter wollten fahren oder umkehren. Und falls sie Mangel an nötigen Dingen hätten, so wollt ich ihnen sogleich Hilfe senden. Wenn sie aber keine Hispanier seien, so sollten sie mir in gleicher Weise wissen lassen, was sie für Bedürfnisse hätten. Ich wolle ihnen helfen, soviel mir möglich. Hätten sie aber keine Notdurft, so geböte ich ihnen im Namen Eurer Kaiserlichen Majestät, aus unserem Lande wieder wegzugehen und sich darin nicht niederzulassen. Anderenfalls müsse ich mit aller meiner Streitmacht, mit meinen Hispaniern und den mir verbündeten Indianern, wider sie ziehen, sie gefangennehmen oder niedermachen als Fremde, die in das Reich Eurer Kaiserlichen Majestät Einbruch zu tun sich unterstünden. Nach der Abfertigung des Paters mit den beiden Briefen kamen fünf Tage darnach 20 Hispanier von der Besatzung, die ich in Verakruz zurückgelassen hatte, zu mir in die Hauptstadt Temixtitan. Sie brachten mir einen Priester und zwei Weltliche, die in Verakruz waren ergriffen worden. Von diesen erfuhr ich, daß die Schiffe, die im Hafen waren eingelaufen, auf Befehl des Diego Velasquez gekommen waren, des Statthalters der Insel Ferdinandina. Ihr Führer und Befehlshaber sei einer mit Namen Panfilo von Narvaez, wohnhaft auf der Insel Ferdinandina. Er habe mit sich gebracht 80 Reiter, reichlich Geschütz und 800 Fußknechte, darunter 80 Büchsenschützen und 120 Armbruster. Besagter Generalkapitän, wie er sich nenne, sage, er sei gekommen im Auftrage des Diego von Velasquez und mit kaiserlicher Vollmacht. Die Boten, die ich ausgesandt, wären bei diesem Narvaez, der sie zurückhalte. Von ihnen hätte er Kunde über dies Land und seine Hauptstadt, über alles, was ich hierzulande verrichtet, über die Städte und Dörfer, die ich erobert, und über das Gold und die Schätze, die ich hätte vorgefunden. Zunächst habe bedachter Narvaez durch die drei nunmehr Gefangenen den Versuch gemacht, daß die Besatzung und die Bürger der Stadt Verakruz zu ihm übergingen und sich wider mich auflehnten. Zugleich brachte man mir nahe bei hundert Sendbriefe, die geschickt waren von Narvaez und seinen Gesellen an meine Leute in Verakruz, des Inhalts: sie sollten allem unzweifelhaft glauben, was der Priester und seine beiden Gefährten verkündeten. Im Namen von Don Diego Velasquez verspreche er ihnen alle Güte und Gnade, wenn sie ihm Folgschaft leisteten. Wer sich ihm aber entgegen werde setzen, den wolle er übel bestrafen. Und viel anderes diesergleichen stand in diesen Aufrufen. Fast im nämlichen Augenblick traf ein anderer Hispanier ein von denen, die ich in die Grafschaft Koazakualko ausgesandt hatte, und überbrachte mir einen Brief des Juan Velasquez von Leon, des Hauptmanns dieser Truppe. Er zeigte mir an, ein Panfilo von Narvaez sei mit Kriegsvolk angekommen, angeblich auf Befehl des Diego Velasquez. Besagter Narvaez habe durch einen Indianer einen Brief an ihn als einen Vetter des Diego Velasquez und Schwestermann des Narvaez gesandt. In diesem Brief, der mir ebenso überbracht ward, stand geschrieben, Juan Velasquez solle sich ohne Verzug samt seinem Kriegsvolk zu Narvaez schlagen. Wenn er diesem Befehle Folge leiste, so täte er, was er solle und müsse. Er wisse sehr wohl, daß er in meinen Diensten nur durch Gewalt wäre. Der Hauptmann, Eurer Kaiserlichen Majestät getreu, hat nicht allein das verachtet, was ihm von Narvaez im Briefe war vorgeschlagen worden, sondern hat zur Stund einen Brief an mich geschickt mit der Meldung, er sei mit allem seinem Kriegsvolk alsogleich aufgebrochen, um zu mir zu stoßen. Durch den Priester und seine Gefährten sind mir noch viele Dinge berichtet worden, sonderlich die Pläne, die sich Diego Velasquez und Narvaez fürgenommen, alles aus der Ursache, dieweil ich über meine Errungenschaften in diesem Lande Eurer Kaiserlichen Majestät und nicht dem Diego Velasquez Bericht überschickt hab. Derhalben wäre Narvaez mit den Schiffen und dem Kriegsvolk wider mich gezogen, willens, mir samt den Meinen nach dem Leben zu stellen. Weiter habe ich vernommen, daß der Kaiserliche Rat Roderich von Figueras, Oberrichter in Sankt Domingo auf Hispaniola, und andere hohe Amtsleute daselbst, sobald es vor ihre Ohren gekommen war, Diego Velasquez rüste Schiffe wider mich, dieses Unternehmen als etwas erklärt haben, das zum offenen Nachteil und Schaden Eurer Kaiserlichen Majestät geschähe. Derhalben haben sie geschickt den Kaiserlichen Rat Lukas Vasquez Ayllon, einen der Herren vom Gerichtshofe zu Hispaniola, mit dem Auftrag, den Diego Velasquez zu warnen und ihm zu entbieten, er solle mit den Schiffen nicht auslaufen. Wie der Besagte ist dahin gekommen, fand er den Diego Velasquez mit seinen Schiffen und Männern schon an Bord und bereit, von Ferdinandina abzusegeln. Er hat ihn gemahnt, nicht zu ziehen, dieweil es Eurer Kaiserlichen Majestät zu großem Schaden und Nachteil gereichen werde, und hat ihm auch die Folgen und Strafen vorgehalten. Aber dessen ungeachtet, was ihm ward entboten, hat Diego Velasquez den Befehl gegeben, vom Lande abzufahren. Jetzt befände sich Ayllon in Sankt Juan, wohin er mit den Schiffen gekommen sei, in der Absicht, den Schaden, der aus der Ausfahrt der Schiffe möchte entstehen, doch noch abzuwenden. Ihm wie jedermann sei der böse Zweck der Unternehmung sehr wohl kund. Jetzo sandt ich den Priester mit einem Briefe zu Narvaez. Darin zeigte ich ihm an, ich hätte durch den Besagten und seine Gefährten vernommen, daß er der Befehlshaber der angekommenen Schiffe wäre. Dessen sei ich hocherfreut, denn ich hätte mir schon Gedanken gemacht, warum die Boten, so ich gesandt, noch nicht wären wiedergekommen. Und ich verwundere mich auch, daß er mir nicht geschrieben noch eine Botschaft zu mir geschickt habe, mir seine Ankunft zu vermelden, da er doch wisse, daß ich in diesem Land im Dienst Eurer Kaiserlichen Majestät sei. Er solle gewiß sein, daß mir seine Ankunft angenehm sei, wenn er im Namen Eurer Majestät hergekommen wäre. Solches zu vernehmen, wäre mir gar lieb und wert. Aber ebenso befremde es mich aufs höchste, daß er arge Dinge wider mich fürnähme und das von mir befehligte Kaiserliche Kriegsvolk durch einen Aufruf zu bereden sich unterstünde, sie sollten die Waffen wider mich erheben und von mir zu ihm abfallen, gleichsam als sei er Christ und wir hier Heiden oder er in Eurer Kaiserlichen Majestät Diensten und wir hier nicht. Ich bat ihn, er solle sich fürthin dieser Art nicht mehr befleißigen und mich von dem Anlaß seiner Ankunft verständigen. Überdies sei mir vermeldet worden, er nenne sich Generalkapitän und Stellvertreter des Don Diego Velasquez. Ja, er habe im ganzen Lande ausrufen lassen, daß man ihn allerorts also betiteln solle. Ferner habe er Richter und Amtsleute ernannt, sich der Gerichtsbarkeit unterfangen und sich dies und anderes angemaßt, was wider sein Recht und Eurer Kaiserlichen Majestät Gesetz und Ordnung wäre. Dieses Land sei untertan Eurer Kaiserlichen Majestät. Die Richter und Amtsleute darin seien in Allerhöchstdero Namen eingesetzt. Wenn er eine Verfügung von Eurer Kaiserlichen Majestät habe, sich besagter Titel und Rechte zu bedienen, so solle er mir selbige zeigen, worauf ich und die Meinen geneigt seien, ihm Folge zu leisten als dem Befehlshaber unseres rechten Herrn, soweit es Eurer Kaiserlichen Majestät zu Nutzen wäre. Denn ich stünd in der Hauptstadt des Feindes, hätte den Herrn des Landes in meiner Gewalt und hätte eine namhafte Menge Goldes und anderer Kleinodien in Verwahrung, was zum Teil Eurer Kaiserlichen Majestät, zum Teil mein und meiner Leute Eigentum wär und ich nicht im Stich lassen dürfe. Ich könne nicht von hier abziehen, ohne daß sich die Eingeborenen wider uns erhöben. Dann sei das ganze Land verloren. Dazu gab ich dem Priester einen Brief an den Kaiserlichen Rat Ayllon, der indessen, wie ich darnach hab erfahren, von Narvaez gefangengenommen und also mit zwei Schiffen fortgeschickt war worden. Eben auf den Tag, da der Priester von mir geschieden, ist ein Bote zu mir gekommen von denen, die ich in Verakruz zurückgelassen. Es wären alle Eingeborenen der Gegend zu Narvaez abgefallen, fürnehmlich die von Cempoalla und deren Bundesgenossen. Keiner von denen käme mehr zum Dienst in die Stadt oder in die Veste. Narvaez hätte bekanntgegeben, ich sei ein Spitzbube. Er aber wäre aus der Ursach gekommen, daß er mich und meine Gesellen in Haft nähme und gefangen hinwegführe. Sodann werde er das Land wieder verlassen. Er hätte viel Volks mit sich, während der Meinen nur eine kleine Anzahl wäre. Zudem hätte er viel mehr Reiter und Geschütz als ich. Der Sieg könne ihm somit nicht fehlen. Auch erfuhr ich, daß Narvaez sein Hauptquartier in Cempoalla aufgeschlagen hatte, also unweit der Stadt Verakruz. Derhalben vermeine man in Anbetracht der bösen Absichten des Narvaez, er werde von diesem Ort aus über die Meinen herfallen. In dieser Furcht seien selbige entschlossen, die Stadt zu verlassen und eine Stellung rückwärts im Gebirge einzunehmen im Gebiete von Indianern, die treu und uns Freunde verblieben wären. Dort wollten sie verharren, bis ich ihnen anzeige, was sie tun sollten. Das zwanzigste Kapitel Indem ich die große Gefahr erkannte, die uns drohte, erachtete ich es für das beste, mich in Person dahin zu begeben, wo Narvaez war. In meiner Anwesenheit, dünkte mich, würden die Indianer nicht wagen, von mir abzufallen und die Waffen wider mich zu gebrauchen. Auch gedacht ich einen Weg zu finden, um das Unhell, das sich erhoben, noch in Frieden abzuwenden. Noch am selbigen Tage bin ich von der Hauptstadt abgerückt. Unser Quartier hab ich wohlversehen mit Mais und Wasser und darinnen 140 Mann und alles Geschütz (unter dem Befehle von Peter von Alvarado) hinter mir gelassen. Mit 70 Mann hab ich mich auf den Weg gemacht. Etliche Edelleute des Herrn Montezuma gaben mir das Geleit. Ihm selbst hab ich vor meinem Wegreiten in einer langen Rede fürgehalten, er solle nicht vergessen, daß er Eurer Kaiserlichen Majestät Lehensmann sei und daß Eure Kaiserliche Majestät ihm für alle Dienste, die er tue, in Gnaden geneigt sein werde. Hiermit vertraute ich ihm die Hispanier an, die dablieben, samt allem Gold und allen Kostbarkeiten, die er Eurer Kaiserlichen Majestät teils selbst habe geschenkt, teils uns habe zustellen lassen. Ich machte mich auf den Weg, um zu erkunden, wer die Leute seien, die im Hafen wären angekommen. Dies hätte ich bisher nicht mit Gewißheit erfahren können. Ich sei aber der Meinung, es wären keine Untertanen Eurer Kaiserlichen Majestät, sondern Feinde von uns. Er aber sagte mir zu, er werde in allem sorgen, was den Zurückbleibenden vonnöten wäre, und er wolle alles behüten, was ich daließ. Und die, die von ihm mit mir zögen, würden mich des Weges führen, so daß ich sein Gebiet nicht zu verlassen brauche. Sie würden mich in allen Dingen versorgen. Zudem bat er mich, so ich fände, die Ankömmlinge wären uns feindselig, solle ich ihm dies eilends zu wissen tun. Dann wolle er gar bald Kriegsvolk schicken, mit mir wider jene zu kämpfen und sie aus dem Lande zu vertreiben. Für dies Angebot hab ich ihm eifrig Dank gesagt und ihm die Allerhöchste Gnade Eurer Kaiserlichen Majestät verheißen. Dazu schenkte ich ihm und seinen Söhnen und etlichen Herren seines Hofstaates Kostbarkeiten und Kleider. In der Stadt Cholula ist der Hauptmann Juan Velasquez mit allem seinem Volk zu mir gestoßen. Etliche, die krank waren, sonderte ich aus und schickte sie zurück nach der Hauptstadt. Mit den anderen und den Meinen marschierte ich meinen Weg weiter. 15 Meilen weiter kam uns der Pater (Olmedo) entgegen, den ich gesandt hatte, auszukundschaften, wer die wären, die im Hafen angekommen waren. Er überbrachte mir einen Brief von Narvaez. Darin stand, er hätt einen Befehl an mich, dieses Land sei dem Diego Velasquez zu unterstellen. Ich solle von Stund an zu ihm ziehen und ihm Gehorsam leisten. Er habe schon eine neue Stadt gegründet und in ihr Richter und Amtsleute ernannt. Ferner erfuhr ich von besagtem Pater, daß Narvaez den Kaiserlichen Rat Ayllon samt seinen Schreibern und Leuten hatte gefangengenommen, in zwei Schiffe gesetzt und von hinnen geschickt. Ihn aber, den Pater, habe er mit Geschenken wollen bestechen, damit er und etliche der Meinen zu Narvaez übergingen. Auch habe dieser vor ihm eine Truppenschau abgehalten über all sein Kriegsvolk zu Fuß und zu Roß samt den Indianern, die zu ihm waren übergegangen. Dabei hatte er alles Geschütz Salut schießen lassen, so er auf den Schiffen und am Land hatte, um Furcht und Schrecken zu bereiten. Seht! – hatte er dazu ausgerufen – Wie wollt ihr mir Widerstand leisten? Ihr müßt tun, was ich will! Des weiteren vermeldete mir der Pater, er hätte bei Narvaez einen hohen Würdenträger des Herrn Montezuma gesehen, und zwar den Befehlshaber über die Landschaft zwischen dem Gebirg und der Küste. Er wisse auch, daß selbiger im Namen des Herrn Montezuma mit Narvaez Verhandlungen gepflogen und ihm als Gastgeschenk goldene Kleinode überbracht habe. Hiergegen habe auch Narvaez dem Gesandten mancherlei Stücke geschenkt. Es sei unzweifelhaft, daß eine Botschaft von Narvaez an Herrn Montezuma wäre abgefertigt worden mit der Verheißung, ihm die Freiheit wieder zu verschaffen. Er, Narvaez, wäre gekommen, mich und mein Kriegsvolk gefangenzusetzen. Darum werde er baldigst vorrücken. Gold begehre er nicht. Vielmehr, so er seine vermeldete einzige Absicht habe vollführt, wolle er samt seiner Streitmacht wieder heimkehren und Land und Leute allhier frei zurücklassen. Aus allem dem ward mir klar, daß es des Narvaez Wille und Plan war, sich mit Gewalt in den Besitz dieses Landes zu bringen, ohne daß ihn jemand gerufen und berufen hatte. Mich aber und mein Volk wollte er bekämpfen und vernichten, falls ich ihn nicht als Herrn und Gebieter mochte anerkennen. In solcher Absicht hatte er ein Bündnis mit den Indianern gemacht, insonderheit aber eine Botschaft an Herrn Montezuma abgelassen. Zugleich bedacht ich den künftigen Schaden und Nachteil, der Eurer Kaiserlichen Majestät aus dieser Sache möcht entstehen. Ungeachtet, daß mir gemeldet worden war, Narvaez rücke mit großer Streitmacht an und er habe Befehl von Diego Velasquez, mich und meine Gefährten, so wir in seine Gewalt kämen, als Geächtete sofort an den Galgen zu hängen, ungeachtet dieses hab ich nicht gezögert, ihm weiter entgegen zu rücken, immer noch im Glauben, ihn von seinem bösen Willen abwendig zu machen, indem ich ihm den großen Schaden und Nachteil Eurer Kaiserlichen Majestät vor die Augen stellte. Ich bin also in meinem Marsche fortgefahren, und 15 Meilen vor Cempoalla stellte sich der Priester wieder bei mir ein, der mir aus Verakruz, wie gemeldet, gefangen überliefert worden war und den ich mit Briefen an Narvaez und Ayllon hatte abgeschickt. Mit ihm war ein anderer Geistlicher sowie Andreas von Duero, Bürger der Insel Ferdinandina, die beide mit Narvaez in unserem Lande waren angekommen. Anstatt eines Antwortschreibens geboten sie mir im Namen des Narvaez, ich solle ohne Weigerung zu ihm marschieren, mich in seinen Gehorsam begeben, ihn als den Oberfeldherrn anerkennen und ihm das Land übergeben. Falls ich anders handle, werde mir dies zu argem Unheil gereichen, denn Narvaez habe eine gar große Gewalt und Macht, wir aber eine nur kleine, ja schier gar keine. Außer den Hispaniern, die er mit sich gebracht, wären ihm auch die Eingeborenen des Landes anhängig. Wolle ich ihm nun das Land einräumen, so ständen mir Schiffe und Lebensmittel nach meinem Belieben zu Gebote. Ich könne mit allen den Meinen, die mit mir zu ziehen Lust hätten, samt allem, was wir mitnehmen wollten, ohne jedes Hindernis absegeln. Der andere Geistliche erklärte mir, Diego Velasquez habe befohlen, sich also mit mir zu vertragen. Deshalb hab er dem Narvaez und ihnen, den beiden Priestern, Vollmacht hierzu gegeben. Und das sei der Anlaß ihres Kommens. Darauf hab ich ihnen geantwortet, ich müsse zuvörderst mit eigenen Augen Eurer Kaiserlichen Majestät Schreiben und Befehl sehen, daß ich ihnen dies Land solle übergeben. Habe Narvaez eine solche Urkunde, so möge er sie mir und dem Befehlshaber in der Stadt Verakruz vorzeigen, wie dies hispanischer Brauch sei. Alsdann wolle ich ihm gehorsamen und tun, was er befehle. Solange ich aber eine solche Urkunde nicht sähe, sei ich nicht gesonnen, ihm irgendwie zu Willen zu sein. Vielmehr wäre ich samt meinem Kriegsvolk bereit, dieses Land unter Gefahr unseres Leibes und Lebens zu verteidigen, dieweil wir die seien, die es in Eurem Kaiserlichen Namen erobert und friedlich gemacht hätten. Es aus der Sicherheit unserer Hände zu geben, wäre Untreue und Verrat an Eurer Kaiserlichen Majestät. Sie machten uns weiter vielerlei Anträge, um mich zu überreden, aber ich beharrte dabei, auf keinen eingehen zu können, ehe ich nicht Eurer Kaiserlichen Majestät Befehl hätte. Den aber zeigten sie mir nicht. Schließlich jedoch haben die beiden Geistlichen, Andreas von Duero und ich vereinbart, Narvaez solle mit zehn Mann und ich mit ebenso vielen, auf beiden Seiten unter sicherem Geleit, zu einer Aussprache kommen. Hierbei solle er mir Allerhöchstdero Befehl, so er ihn hätte, vorzeigen, worauf ich mich zu erklären habe. Demgemäß hab ich ihm einen von mir besiegelten Geleitsbrief zugeschickt. Einen ebensolchen, mit seiner eigenen Hand unterschrieben, hat er mir übersandt. Wie es sich hernach aber hat herausgestellt, war er nicht bedacht, sein Wort zu halten. Vielmehr hat er mir einen hinterlistigen Anschlag bereitet. Ich sollte bei der Begegnung meuchlings umgebracht werden. Dazu wählte er zwei aus den zehn Mann, die ihn geleiten sollten, während die anderen acht Mann mit den Leuten, meines Geleites fechten sollten. Seine Meinung dabei war: wenn ich gefallen sei, wäre sogleich der ganze Handel zu Ende. Der Anschlag wäre wahrhaftig geglückt, wenn Gott der Allmächtige, der in solchen Sachen pflegt Hilfe zu bringen, mir nicht beigestanden wäre. Just zur selben Zeit bin ich verständigt worden, da mir der Geleitsbrief ward überbracht, und durch welche von denen, die sich wider mich hatten verschworen. Als ich solches erfahren, schrieb ich dem Narvaez, ich hätte Kunde von seiner bösen Absicht und wolle nun nicht, wie verabredet, an den bestimmten Ort kommen. Wenn er einen Befehl von Eurer Kaiserlichen Majestät in den Händen habe, so solle er ihn mir vorlegen. Bis dahin aber dürf er sich den Titel eines Generalkapitäns nicht weiter anmaßen und sich bei Strafe nicht in Amtsdinge mengen. Zugleich gebot ich allen, die mit Narvaez gelandet waren, daß sie ihn fürderhin nicht Generalkapitän nennen und ihm nicht gehorsam sein, sondern im Gegenteil innerhalb einer bestimmten Frist vor mir erscheinen sollten, um von mir im Namen Eurer Kaiserlichen Majestät zu vernehmen, was für Dienste sie zu tun hätten. So sie anders handelten, wolle ich wider sie als wider Meuterer und Verräter nach strengem Recht vorgehen. Die Antwort des Narvaez war die, daß er die Boten und Gesandten, die ihm meinen Befehl überbrachten, gefangennahm. Das einundzwanzigste Kapitel Als ich nun sah, daß ich Schande und Schaden nicht mehr vermeiden konnte, dieweil ich vernahm, daß die Eingeborenen anfingen, aufrührerisch zu werden, und dies von Tag zu Tag übler ward, da empfahl ich mich Gott, vergaß alle Gefahr und bedachte in meinem Gemüt, in meines Herrn Kaisers Dienst zu sterben bei der Verteidigung seines Landes. Bedachte auch, welch große Ehre mir und meinem Kriegsvolk möchte daraus erstehen. Meinem Hauptmann Gonzalo von Sandoval Gonzalo von Sandoval, der Liebling des Cortes, ist einer der wenigen Offiziere seines Heeres, die der Feldherr in diesem Bericht mit Namen erwähnt. Er war ein Edelmann aus Medellin (1497-1528). Über seinen Tod vgl. Einleitung S. 64 . Clavigero sagt von ihm: Er war aus gutem Hause, kaum zwanzig Jahre alt, als er nach Neu-Spanien ging, von männlicher, kräftiger, angenehmer Gestalt, braungelockt. Er besaß eine starke Stimme, redete aber wenig. Um so herrlicher sprechen seine Taten. Cortes bediente sich Sandovals bei den wichtigsten und gefährlichsten Unternehmungen. Er hatte immer Glück und Erfolg. Er genoß die Gunst des Generals, die Achtung seiner Kameraden und sogar die Liebe seiner Feinde. Bei der Belagerung der Stadt führte er ein Korps. Er war Befehlshaber von Verakruz und beinahe ein Jahr lang zusammen mit Alonso von Estrada Statthalter von Mexiko. Er ist der Gründer von Medellin (in der Nähe der Küste) und von Spiritu Santo (am Koazakualko). Wo auch immer er tätig war, zeigte er sich klug und tapfer, bescheiden und gerecht, treu, unverdrossen und gütig. Von Habgier und Unmenschlichkeit war er im Gegensatz zu fast allen Eroberern frei. Bernal Diaz gönnt ihm folgenden Nachruf: Gonzalo von Sandoval war ein Mann von hohem Mut und großer Tapferkeit. Er war von bestem Wuchs, im Vollbesitz edler Manneskraft. An Brust und Schultern hoch und breit, die Beine etwas krumm, das Gesicht voll. Bart und Haupthaar kraus, wie man dies damals liebte, und kastanienbraun. Seine Stimme klang rauh und garstig; er stieß ein wenig mit der Zunge an. Er war von gesundem Menschenverstand, ohne jede Habsucht. Er nahm nur, was ihm gebührte. Er hielt streng darauf, daß seine Soldaten ihre Schuldigkeit taten, sorgte aber auch allezeit für sie und trat für sie ein, wo er nur konnte. In seinem Anzuge war er schlicht und einfach. Dafür besaß er aber das vortrefflichste und bestgerittene Pferd, wie man nach aller Urteil kein zweites kannte. Es hieß Motilla, eine dunkelbraune Stute mit einem weißen Stern auf der Stirn und weißem linken Hinterfuß. Alles in allem war er das Musterbild eines guten Offiziers. Im Buche ist Sandoval ferner erwähnt: S. 27 , 64 , 162 ff., 189 , 218 ff., 224 f., 229 , 230 f., 234 , 249 , 251 f., 254 , 255 ff., 260 , 261 ff., 268 , 272 ff., 281 , 298 ff., 305 , 311 , 354 , 432 , 434 , 494 , 495 . aber gab ich den Befehl, Narvaez und die von den Seinen, die sich für Richter und Amtsleute auszugeben unterstünden, gefangenzunehmen. Ich gab ihm 80 Mann Fußvolk mit. Mit den übrigen 170 Mann – wir waren insgesamt 250 ohne Geschütz und ohne Reiterei – marschierte ich hinterdrein, um nahe zu sein im Falle, daß sich Narvaez und seine Gesellen nicht wollten gefangengeben. Am selbigen Tage, da der Hauptmann und hinterher ich nach Cempoalla aufbrachen, war Narvaez, der dort sein Hauptquartier gehabt hatte, auf die Nachricht von unserem Anmarsche, mit 80 Reitern und 500 Fußknechten aus der Stadt gerückt, mir entgegen. Im Haupttempel, der eine Art Veste war, hatte er den Rest seines Kriegsvolks zurückgelassen. Als er mit genannter Streitmacht nur noch eine Meile von dem Punkt entfernt war, wo ich auf meinem Marsche war, machte er wieder kehrt. Obwohl ihm meine Annäherung durch Indianer war gemeldet worden, vermeinte er doch, man narre ihn, da er mich und die Meinen nirgends wahrnahm. Wieder in seinem Quartier, hielt er seine Leute in Bereitschaft und stellte dazu eine Meile vor der Stadt zwei Mann als Feldwache auf. Dieweil ich mir nun einmal vorgenommen hatte, den öffentlichen Spott soviel wie möglich zu vermindern, hab ich es für gut angesehen und für ratsam erachtet, bei Nacht einzutreffen und heimlich in die Stadt hineinzukommen, sodann geradeswegs des Narvaez Herberge aufzusuchen, die mir und meinem Volk gar wohl bekannt war, und ihn daselbst gefangenzunehmen. Denn so er gefangen wäre, verhoffte ich die ganze Sache mit einem Schlage beigelegt zu haben. Die übrigen würden sich dann ohne weiteren Widerstand der Gerechtigkeit unterwerfen, sonderlich da der größere Teil unfreiwillig gegen mich gezogen war, gezwungen durch die Macht des Diego Velasquez und aus Furcht, daß er ihnen ihre Knechte auf der Insel Ferdinandina könnte wegnehmen. Und also ist es uns gelungen. Am Pfingsttage (am 27. Mai), ein wenig nach Mitternacht, hab ich den Narvaez in seinem Quartier überfallen. Vorher waren wir auf die Feldwache gestoßen, die er uns in den Weg gelegt hatte. Die Aufklärer, die ich vorausgesandt hatte, nahmen den einen Posten gefangen. Der andre ist entronnen. Von dem Gefangenen erfuhr ich die Maßregeln, die Narvaez hatte verordnet. Damit nun der Entwischte nicht vor uns in der Stadt ankäme, hab ich geeilt, soviel mir möglich. Doch hab ich es nicht schaffen können. Der Mann war eine halbe Stunde vor uns dort. Und wie wir kamen, waren Narvaez und sein Kriegsvolk schon in den Waffen und alle Pferde gerüstet. An zwei Stellen standen je 200 Mann wohlbereit. Wir aber sind so still in die Stadt hineingekommen, daß sie uns erst gewahr wurden und Lärm machten, als wir schon in den Hof des Haupttempels eingerückt waren, wo Narvaez samt seinem ganzen Volke lag. Die drei oder vier Türme der Gebäude waren alle besetzt, und an der großen Stiege des Tempels, in dem Narvaez selbst wohnte, standen 19 Büchsenschützen. Wir stürmten aber so schnell hinauf, daß sie nicht mehr denn bloß eine Büchse konnten anzünden, welcher Schuß auf Gottes Geheiß versagte und somit keinen Schaden anrichtete. Also drangen wir zur Plattform hinauf, bis vor den Turm, da des Narvaez Gemach war, wo er sich mit 50 wohlbewaffneten Mannen zur Wehr setzte. Obschon der Hauptmann sie mehrfach ermahnte, sich Eurer Kaiserlichen Majestät gefangenzugeben, haben sie dies nicht tun wollen, solange, bis wir den Turm in Brand setzten. Erst aus Feuersnot haben sie sich ergeben. Während der Hauptmann und seine Leute sich also bemühten, den Narvaez zu fangen, Hab ich samt den anderen die Treppe zum Turm verteidigt wider die, so dem Narvaez wollten helfen. Ich bekam all ihr Geschütz in meine Hände, ohne daß ich dabei mehr denn zwei Mann verlor, die mir erschossen sind worden. In einer Stunde kamen alle in meine Gewalt, die ich gefangenzunehmen begehrt hatte Vgl. die Darstellung des Bernal Diaz S. 423  ff. . Die anderen legten die Wehr nieder und gelobten, Eurer Kaiserlichen Majestät, mir und meinem Befehl Gehorsam zu leisten. Sie wären bisher hintergangen worden, indem man ihnen gesagt, ich sei samt dem Lande von Eurer Kaiserlichen Majestät abgefallen. Ich sei ein Verräter und Meuterer. Dies und dergleichen mehr erklärten sie, nachdem sie endlich die Wahrheit sowie die böse Absicht des Diego Velasquez und des Narvaez hatten erkannt. Darüber waren sie sehr froh. Und wahrhaftig, hätte der Allmächtige seine gewöhnliche Güte und Barmherzigkeit in diesem Handel nicht so augenscheinlich bewiesen und hätte Narvaez triumphiert, so mußte Schad und Schande daraus erwachsen, wie sie den Hispaniern noch nie ist begegnet. Dies ganze Land wäre Eurer Kaiserlichen Majestät verloren gewesen. Denn wenn mich Narvaez hätte gefangengenommen und gehängt, wie dies ihm anbefohlen war, so wären die Indianer alsbald über ihn und seine im Kampf mit mir geschwächte Macht hergefallen und hätten ihr Land freigemacht, so daß selbst die Erinnerung an uns wäre ausgelöscht worden. Eure Kaiserliche Majestät möge nicht daran zweifeln, daß es also geschehen wäre und daß dieses Land, das bereits ein friedlicher und sicherer Besitz war, innerhalb von zwanzig Jahren nicht hätte wieder erobert und zur Ruhe gebracht werden können. Dieweil in Cempoalla eine solche Menge Kriegsvolks nicht konnte erhalten werden, sonderlich da Narvaez und seine Gesellen die Stadt geplündert hatten und die Häuser von den Bürgern waren verlassen worden, hab ich, drei Tage nachdem ich den Narvaez gefangen, zwei Hauptleute abgesandt, jeden mit 200 Mann, den einen (Diego von Ordaz) nach dem neu begründeten Hafen Koazakualko, den andern (Velasquez von Leon) nach der Mündung des Panuko. Auch hab ich abgeschickt 200 Mann nach Verakruz, wo die Schiffe des Narvaez, wie ich unterdes hatte erfahren, allesamt waren vor Anker gegangen. Mit dem übrigen Kriegsvolk verblieb ich in Cempoalla. Nach Temixtitan zu meinen Hispaniern fertigte ich einen Boten ab, der mir sollte Bericht bringen über das, was dort inzwischen geschehen wäre. Nach zwölf Tagen kehrte er zurück mit einem Briefe von meinem Befehlshaber daselbst, darin mir vermeldet ward, die Indianer hätten die Burg heftig bestürmt, mit Gräben umschanzt und mit Feuer beworfen. Die Belagerten hätten in großer Gefahr des Leibes und Lebens gestanden und viel Mühsal erlitten. Sie wären am Ende alle umgekommen, wenn Herr Montezuma nicht hätte befohlen, das Stürmen einzustellen. Wenn dies auch wäre befolgt worden, so wären sie doch immer noch belagert. Die Indianer ließen keinen einen Schritt aus der Veste heraus. Von den Lebensmitteln, die ich ihnen zurückgelassen, wäre ein großer Teil verbraucht. Auch wären die vier Rennschiffe verbrannt, die ich hatte erbauen lassen. Und so bäten sie mich aufs höchste, ich sollt ihnen in ihrer Not ohne Verzug zu Hilfe eilen. Ich bedachte, wie viel Kriegsvolk, Gold, Silber und allerlei Schätze auf dem Spiele standen, und daß Eurer Kaiserlichen Majestät die schönste und vornehmste Stadt der neugefundenen Welt konnte verloren gehen. Und so sie verloren, wäre auch alles andere verloren gewesen, dieweil es die Hauptstadt war, auf die alle anderen Städte ihr Augenmerk hatten. Deshalb sandte ich sofort Boten an die beiden, wie berichtet, abgeschickten Hauptleute, zeigte ihnen an, was mir aus Temixtitan war gemeldet worden, und befahl ihnen, auf der Stelle umzukehren und auf dem nächsten Wege nach Tlaskala zu marschieren. Ich selbst sei im Begriff, mit allem meinem Volk, allem Geschütz und meinen 70 Reitern ebendahin zu ziehen. In Tlaskala Hab ich dann eine Musterung gehalten über meine versammelte Streitmacht. Mit diesen 70 Reitern und 500 Fußknechten bin ich aufs schnellste nach Temixtitan vorgerückt. Auf meinem Marsche kam mir niemand von des Herrn Montezuma Untertanen entgegen, wie dies sonst war geschehen. Das ganze Land war sichtlich von mir abgefallen und alle Wohnstätten von ihren Bewohnern verlassen. Aus diesen Anzeichen gewann ich den Argwohn, daß meine Hispanier, die ich in der Hauptstadt hatte zurückgelassen, allesamt umgekommen wären und daß das Volk des ganzen Landes sich an einem Passe oder auf einer Höhe zusammengerottet hätte, um über uns herzufallen. Unter der größten Vorsicht marschierte ich somit weiter, bis ich an den See gelangte, in dem, wie Eurer Kaiserlichen Majestät bekannt, Temixtitan liegt. In Tezkuko angekommen, zog ich Kundschaft ein, ob die Hispanier in der Hauptstadt noch am Leben seien. Man vermeldete mir, daß sie lebten. Gleich wohl befahl ich den Leuten, mir einen Kahn zu stellen, damit ich einen Hispanier nach Temixtitan schicken konnte, zu erkunden, wie die Dinge dort stünden. Man gab mir den Kahn und einige Indianer, die meinen Boten sollten geleiten. Dem Ältesten aber der gegenwärtigen Bürger befahl ich, bis zur Rückkehr des Hispaniers bei mir zu bleiben. Eben sollte der Kahn abfahren, da bemerkte der Hispanier, daß sich von der Stadt her ein anderer Kahn näherte. Wir warteten, bis er herankam. Von ihm erfuhr ich, daß alle Hispanier noch am Leben waren, mit Ausnahme von vier bis sechs Mann, die im Kampf mit den Mexikanern gefallen waren. Noch immer wären sie belagert und niemand dürfe aus der Veste hinaus, der nicht ein hohes Wegegeld zahle. Seit die Belagerer wüßten, daß ich im Anmarsche sei, wären sie etwas milder. Herr Montezuma warte sehnsüchtig auf meine Rückkehr. Nur fürchte er, ich sei auf ihn erzürnt wegen der Vorgänge während meiner Abwesenheit, und daß ich mich an seiner Person könne rächen. Ich solle aber glauben, daß er nicht weniger Mühseligkeiten ertragen habe als die Meinen, und daß alle die Dinge wider seinen Willen und ohne sein Vorwissen geschehen wären. Ich soll nicht ungnädiger in die Stadt zurückkommen, als ich vordem gewesen sei. Dann werde man meine Befehle und Gebote nicht weniger ehren und ausführen wie zuvor. Ich hab ihm zur Antwort geschickt, daß ich ihm gar nicht zürne, dieweil ich sein Gemüt als gut kenne und ihm glaube. Am folgenden Tage, am Tage vor Johannis, marschierte ich weiter und lagerte die Nacht 3 Meilen vor Temixtitan. Am Johannistage (am 24. Juni l520), nachdem ich das Fest verrichtet, legte ich die letzte Strecke zurück und bin kurz vor Mittag in die Hauptstadt eingeritten. In den Straßen und Quergassen war nicht viel Volks zu sehen, was mir nicht sonderlich wollte gefallen, obwohl ich noch glauben mochte, es geschähe bloß aus bösem Gewissen und aus Furcht vor mir. So zog ich in die Veste ein. Meine Hispanier empfingen mich voller Freude, nicht anders, als brächten wir ihnen das Leben von neuem, das sie schon für verloren gehalten hatten. Den Rest des Tages verbrachten wir bei einem frohen Mahle, in der Meinung, jetzt hätten wir Ruhe. Das zweiundzwanzigste Kapitel Am anderen Tage, nach angehörter Messe, hab ich die freudige Botschaft abgesandt nach Verakruz, die Christen lebten noch, auch, daß ich in die Hauptstadt gekommen und darin sicher wäre. Aber der Bote kam innerhalb einer halben Stunde arg verwundet wieder und schrie aus, alle Bürger der Stadt hätten sich zum Krieg erhoben und die Brücken aufgezogen. Dem Boten lief eine so große Menge Volks nach, daß man vor Menschen die Gassen und Plätze nicht hat sehen können. Ihr Ungestüm und ihr Geheul ist unmöglich zu beschreiben. Und sie warfen eine solche Menge Steine mit Schleudern in unser festes Lager, daß man denken konnte, der Himmel regne solche. Es hagelte so viel Pfeile und Wurfgeschosse, daß sie alles bedeckten und man davor nicht gehen konnte. Ich machte einen Ausfall wider sie, und sie haben heftig mit uns gestritten. An einer anderen Stelle brach einer meiner Hauptleute mit 200 Mann aus. Vier Mann davon fielen. Er selber und manch anderer sind verwundet worden. Wir aber brachten von unseren Feinden nur wenige um, denn sie zogen hinter die Brücken und schossen von den Dächern und Söllern mit Steinen herab. Etliche Häuser stürmten wir und legten Feuer hinein. Doch es waren deren so viele, so wohlbewahrt mit so viel Mannen und mit so viel Steinen und anderem Schießvorrat ausgerüstet, daß wir nicht stark genug waren, sie alle zu bestreiten. Ja, wir hatten schon genug zu schaffen, uns vor ihrem Kampfesmut zu behaupten. Beim Sturm auf unsere Veste ward an mehreren Stellen Feuer in sie gelegt, und etliche Holzbuden sind gar niedergebrannt, ehe wir Hilfe tun konnten. Erst als wir etliche Mauern eingeworfen, ist das Feuer erstickt worden. Und wenn ich nicht einen starken Zugang verordnet hätte, nämlich Armbruster und Büchsenschützen und mit anderer Wehr Gewappnete, so hätten sie uns leicht die Veste abgewonnen. Also haben wir denselbigen Tag bis in die dunkle Nacht gefochten. Und obschon die Nacht anbrach, sind wir dennoch nicht sicher gewesen vor ihrem Geschrei und Getobe. Bis zum Morgen hab ich viel versorgt, die Bresche wieder zuzumachen und was die Veste sonst bedurfte. Ich habe Stände errichtet, darauf Leute zur Verteidigung aufgestellt. Dann hab ich bestimmt, wer gegen Tag einen Ausfall machen solle. Zu guter Letzt hab ich die Verwundeten verbinden lassen, deren wir über 80 hatten. Da der Tag anbrach, begannen die Feinde viel heftiger zu stürmen denn tags vordem. Sie griffen in solchen Scharen an, daß die Schützen und Kanoniere nicht zu sorgen brauchten, daß sie fehlschössen, sondern, wenn sie den Haufen der Feinde nur sahen, durften sie schon anzünden. Und wiewohl unser Geschütz ihnen viel Schaden tat – denn wir hatten 13 Stück Geschütze, nicht gerechnet die Hakenbüchsen und Armbrüste –, vermochte man die Wirkung an so großer Menge doch nicht zu verspüren. Denn wenn ein Schuß zehn oder zwölf hinstreckte, waren gleich andere an ihrer Statt. Ich ließ in der Veste eine ziemliche Besatzung und machte einen Ausfall. Hab dabei etliche Brücken genommen, etliche Häuser verbrannt und gar manchen umgebracht, der etwas retten wollte. Obgleich wir eine Menge Feinde erlegten, so ward doch ihre Anzahl nicht viel weniger. Wir mußten den ganzen nächsten Tag immerfort kämpfen, während sie aller Stunden konnten abwechseln, da sie immer reichlich frisch Volk hatten. Am selbigen Tag sind von uns bei 50 oder 60 verwundet worden, wenn auch keiner umkam. Wir haben bis in die Nacht gestritten und sind dann müde zurück in die Veste gewichen. Die folgende Nacht und den folgenden Tag haben wir mit Arbeit verbracht, haben drei hölzerne Gerüste geschaffen, deren ein jedes 20 Mann konnte fassen, zum Schutze vor den Steinen, so die Feinde von den Dächern warfen. Von denen, die darinnen waren, gebrauchten die einen ihre Büchsen und Armbrüste, die anderen aber eiserne Spitzhämmer, Hacken und Schaufeln, um die Häuser zu erbrechen und die Mauern umzulegen, die quer in den Gassen errichtet waren. Während wir emsig bei der Arbeit waren, haben nichtsdestoweniger die Feinde fortgefahren zu stürmen. Ja, es gelang etlichen, mit uns zusammen gewaltsam in die Veste einzudringen. Damit sie uns die nicht abgewannen, haben wir ihnen großen Widerstand entgegenstellen müssen. Da bat Herr Montezuma, der samt seinem Sohn und etlichen Edelleuten allweg noch unser Gefangener war, man solle ihn auf den Söller der Burg führen. Er wolle ein Gespräch mit den Führern derer draußen halten und erhoffe, dahin zu verhandeln, daß sie vom Stürmen abließen. Ich befahl, ihn hinaufzubringen. Als er auf dem Erker zu reden begann, ist ihm sein Haupt durch einen Steinwurf verletzt worden. Er empfing eine so gewaltige Wunde, daß er binnen dreier Tage aus dieser Welt verschieden ist. Ich hab lassen den Toten durch zwei Indianer, so ich gefangen hielt, aus der Veste hinaus zu den Seinen tragen. Doch was mit ihm weiter geschehen, wissen wir nicht. Das Stürmen aber hörte darum nicht auf, sondern nahm von Tag zu Tag immer mehr zu Den Tod des Königs schildert Bernal Diaz wie folgt: In der Not kam Cortes auf den Gedanken, Montezuma solle den Feind vom Söller herab anreden und die Einstellung der Feindseligkeiten anbefehlen. Als man dies Ansinnen dem König mitteilte, soll er tiefbewegt ausgerufen haben: »Warum wendet sich der General an mich, an mich, der ich nichts mehr von ihm und nichts mehr vom Leben wissen will? Er hat mir allzuviel leid zugefügt.« Er weigerte sich, das Verlangte zu tun, und blieb bei dieser Ablehnung, indem er immer wiedersagte, er glaube an nichts mehr. Da gingen schließlich Pater Olmedo und Christoval von Olid zu ihm und redeten ihm herzlich zu. »Es ist zu spät zu derlei Versuchen«, entgegnete Montezuma. »Ich weiß, die Mexikaner hören nicht mehr auf mich. Sie haben einen anderen Herrscher und sind festgewillt, euch alle zu vernichten. Und ich glaube, diese Stadt wird euer Grab werden!« Aber zu guter Letzt ließ er sich doch erbitten. Unter starker hispanischer Bedeckung trat er an die Brüstung des Söllers und begann zu seinem Volke zu reden, Man solle die Feindseligkeiten einstellen, da die Hispanier bereit seien, die Stadt zu verlassen. Alsbald ward er von denen draußen erkannt. Die feindlichen Offiziere geboten Ruhe. Das Schießen und Werfen hörte auf. Unsere Leute hatten den König bis dahin mit lhren Schilden sorglich geschützt. Als aber nicht mehr geschossen wurde, ließen sie in ihrer Achtsamkeit etwas nach. Und unglücklicherweise brachen die Feindseligkeiten sofort von neuem los. Ehe man sichs versah, war Montezuma durch drei Steinwürfe und einen Pfeilschuß am Kopf, Arm und Bein getroffen. Der unglückliche Fürst mußte in sein Gemach zurückgebracht werden. Man wollte ihn unverzüglich verbinden und bot ihm eine Stärkung an. Allein er wies alles zurück, und so kam sehr bald die unerwartete Kunde, daß er verschieden war. Cortes, seine Offiziere und wir Soldaten alle weinten um den Toten, als ob wir den Vater verloren hätten. Sogar der Pater Olmedo, der ihn keinen Augenblick verlassen hatte und obgleich es ihm nicht gelungen war, den Sterbenden zum Christentume zu bekehren, vermochte sich kaum zu fassen. . Eben am selbigen Tage haben sie mich aufgefordert, auf den Erker zu kommen, wo Herr Montezuma verwundet war worden. Sie sagten, etliche ihrer Führer wollten mit mir ein Gespräch halten. Ich hab ihrem Begehren stattgegeben, und also haben wir ein lang Gespräch gehabt. Ich hab sie gefragt, warum sie uns stürmten. Sie hätten doch keine Ursache. Sie sollten bedenken, was sie Gutes von mir empfangen und wie freundlich ich mich bisher zu ihnen verhalten. Sie antworteten, sofern ich würde das Land räumen, werde das Stürmen ein Ende nehmen. Im anderen Falle solle ich für gewiß halten, daß sie gesonnen seien, entweder selber alle umzukommen oder uns allen den Garaus zu machen. Wie es sich nachher befunden, haben sie dies nur geredet, um uns aus der Burg zu locken und dann im Wege zwischen den Brücken über uns herzufallen. Ich hab ihnen geantwortet, sie sollten nicht denken, daß ich aus Furcht Frieden begehrte, sondern vielmehr, dieweil es mich dauere, ihnen so viel Schaden zufügen zu müssen und dazu gebracht zu sein, eine so herrliche Stadt zu verheeren. Sie gaben mir abermals die vorige Antwort. Unter den besagten hölzernen Gerüsten machten wir jählings einen neuen Ausfall, um ihnen etliche Söller und Brücken abzugewinnen. An die Spitze stellte ich einige Indianer, danach vier Büchsenschützen, die Armbruster und die mit Schilden Bewaffneten, ferner 300 Indianer, die mit uns aus Tlaskala gezogen waren und uns dienten. Als wir zu einer Brücke kamen, haben wir die Gerüste unter etliche Söller gerückt und Leitern aufgestellt, die wir zum Ersteigen mitgebracht. So viel Volks aber war auf den Söllern und Brücken, und so endlos, schwer und stark waren die Steine, die mit aller Gewalt auf uns geworfen wurden, daß unsere Gerüste zusammenbrachen. Ein Hispanier ward umgebracht und viele verwundet. Und obgleich wir uns gar wacker wehrten, haben wir doch kein Ende sehen können. Wir kämpften von frühmorgens bis Mittag. Dann machten wir uns traurig auf den Rückweg. Dies stärkte den Feinden das Herz. Sie drangen uns bis an das Tor unserer Veste nach und besetzten die große Moschee. Auf die Plattform der Pyramide stiegen alsbald 500 ihrer Vornehmsten, wobei sie sich mit Brot, Wasser und allerhand Eßwaren versahen. Sonderlich schafften sie hinauf einen großen Haufen Steine. Zumeist waren sie mit langen Spießen ausgerüstet, mit Spitzen aus Kieselstein, die länger waren als die unseren und ebenso scharf. Von selbigem Turm taten sie uns großen Schaden, da er nah unserer Burg war. Diesen Bau haben wir zwei- oder dreimal ohne Furcht gestürmt. Obwohl die Hispanier tapferen Anlauf nahmen, gelang es ihnen nicht hinaufzukommen, dieweil die mehr denn hundert Stufen nicht leicht zu ersteigen waren. Die breite Treppe ging viermal um die ganze Pyramide herum, und die droben waren, hatten reichlich Steine und andere Wurfgeschosse. Auch saßen sie herzhafter denn die Stürmenden, dieweil sie immer die höheren Söller innehatten. So geschah es, daß kein Hispanier konnte hinaufkommen, der nicht kopfüber wieder hinabgestürzt ward. Überdies empfingen viele der Unsrigen Wunden. Obendrein, die solches von weitem sahen, denen stieg der Mut dermaßen, daß sie ohne Furcht einen Angriff auf unsere Burg machten. Ich erkannte, daß wir keinen Vorteil konnten gewinnen, solange der Gegner den Turm innehatte, daß vielmehr mit unserem Schaden ihr Mut mehr und mehr wuchs. Darum hab ich abermals einen Ausfall getan, obgleich mir die linke Hand wegen der tags zuvor erhaltenen Wunde nicht viel nütze war. Ich band mir an den Arm eine Tartsche und drang mit etlichen Hispaniern von neuem bis an die Pyramide vor, die ich von allen Seiten umstellen ließ. Es gelang uns. Freilich, die damit Betrauten hatten keine Ruh, sondern der Feind griff sie an allen Orten an, um denen im Turm Hilfe zu leisten. Wir indes kamen an die Stiegen und fingen an hinaufzudringen, wiewohl die Verteidiger den Aufgang mit allen Kräften schützten. Aber nur drei oder vier Hispanier fielen, da über uns die heilige Mutter Gottes waltete, der wir den Turm geweiht haben. Ihr Bildnis war ehedem oben in der einen Kapelle aufgemacht. So sind wir hinaufgekommen, und oben auf der breiten Plattform haben wir heftig gestritten. Wer von den Feinden nicht niedergestochen ward, den drängten wir über den Rand hinaus, so daß er hinabspringen mußte auf den nächsten Söller, deren drei um den Turm herumliefen, jeder drei Mannshöhen vom anderen. Etliche aber stürzten die ganze Höhe hinunter bis auf das Pflaster zu Fuße der großen Pyramide, wo sie außer dem, was ihnen im Falle widerfuhr, von den Hispaniern erwürgt wurden. Die, so auf den Söllern blieben, wehrten sich gewaltig, so daß wir drei Stunden zu schaffen hatten, bis wir sie alle umbrachten. Von ihnen ist keiner übrig geblieben. Eure Kaiserliche Majestät kann meinen Worten wohl glauben: es ist ein arg mühselig Ding gewesen, diesen Turm zu erstürmen. Wenn Gott unseren Feinden nicht hätte Kraft und Mut gebrochen, so hätten ihrer 20 den Bau gegen 1000 Hispanier wohl können halten, und wenn sich diese zu Tode gemüht hätten. Die Tempel auf der großen Pyramide und die Priesterhäuser um selbige herum hab ich lassen in Brand stecken. Die heiligen Bilder, die wir darein gehangen, hatten die Indianer vordem hinweggenommen. Nach dem Verluste des Turms sind sie etwas verzagter geworden, so daß sie jetzt an vielen Orten nachließen. Da bin ich wiederum auf den Erker gestiegen und hab die feindlichen Hauptleute, so mich unlängst angeredet hatten, zu ebendem aufgefordert. Als sie mich sahen, kamen sie hervor. Ich hab ihnen vorgehalten, daß sie mir keinen Widerstand auf die Dauer leisten könnten, daß wir ihnen täglich merklichen Schaden zufügten, viele der Ihren töteten und ihre herrliche Stadt gar jämmerlich verheerten und zerstörten. Wir würden auch nicht nachlassen, solange von ihr und von ihnen noch etwas übrig wäre. Sie antworteten, sie sähen den Schaden wohl, den wir ihnen zufügten, und wieviele von den Ihren umkämen, doch hätten sie sich fest vorgenommen, auszuhalten. Ich solle mich umschaun: alle Plätze, Gassen und Dächer seien noch voller Mannen. Sie hätten die Rechnung gemacht: wenn auch 20000 Tote auf einen einzigen von uns kämen, so müßten sie doch am Ende siegen und uns vernichten. Denn wir wären unsrer wenig an der Zahl, sie aber zahllos. Dazu vermeldeten sie mir, daß sie die Steindämme von der Stadt zum Lande hätten zerstört. (Dem war auch so; sie hatten alle Dämme durchbrochen bis auf einen.) Es bliebe mir nur der Weg über das Wasser. Obendrein wüßten sie gut, daß wir mit Lebensmitteln und Trinkwasser nicht wohl versehen seien. Deshalb könnten wir ihnen nicht lange Widerstand leisten. Wir müßten des Hungers sterben, wenn wir nicht schon vorher fielen. Damit sagten sie in der Tat die Wahrheit, denn hätten wir keinen anderen Belagerer gehabt als Hunger und Mangel an Nahrung, so wäre dies allein schon unser sicherer Tod gewesen. Das Gespräch währte lange. Wir zankten hin und her, und ein jeder strich seine Sache herfür. Das dreiundzwanzigste Kapitel In der folgenden Nacht bin ich mit etlichen Hispaniern hinausgezogen. Unversehens überfielen wir die Feinde, gewannen mit Gewalt eine der Gassen und warfen Feuer in mehr denn 300 Häuser. Als die Indianer in Massen herzuliefen, gingen wir durch eine andere Gasse zurück, steckten abermals eine Menge Häuser in Brand und zerstörten etliche Söller zunächst unserer Burg, von wo aus uns viel Schaden angetan worden war. Dieser nächtliche Ausfall jagte ihnen einige Furcht ein. In der nämlichen Nacht hab ich auch die hölzernen Gerüste wieder instand setzen lassen, die sie uns tags zuvor zertrümmert hatten. Um nun den Steg auszunutzen, den uns der Herrgott verliehen, bin ich am Morgen abermals dahin ausgezogen, wo sie uns am vergangenen Tage die Gerüste zerstört hatten. Wir fanden nicht weniger Widerstand. Dieweil wir aber um Leib und Ehre fechten mußten und bloß ein einziger Steindamm hinüber zum Lande noch gangbar war, so setzten wir all unseren Mut und all unsre Kraft ein. Es galt, acht große Brücken und die lange Hauptstraße zu gewinnen, die allenthalben durch Mauern, Söller und Türme verteidigt war. Mit des Allmächtigen Hilfe haben wir denselbigen Tag vier Brücken genommen und alle Türme, Häuser und Söller bis zur vierten Brücke verbrannt, wiewohl die Feinde, gewitzigt durch die Ereignisse der letzten Nacht, quer über die Gassen und an den Brücken Wälle aus Steinen und Ziegeln aufgerichtet hatten, so daß ihnen kein Geschütz noch Armbrust schaden konnte. Die Gräben an den vier abgebrochenen Brücken haben wir ausgefüllt mit den Ziegeln der Wälle und mit Schutt und Balken aus den verbrannten Häusern. Doch hat dies nicht ohne Verlust können geschehen, und gar mancher Hispanier ist verwundet worden. In der Nacht dann hab ich großen Fleiß angewandt, die Brücken in unserm Besitz zu erhalten. Den nächsten Tag bin ich früh ausgezogen, und der Himmel hat mir wiederum Glück verliehen. Ein unzählbarer Haufen von Feinden stand an den weiteren Brücken. In der Nacht hatten sie neue Quermauern und Gräben in den Weg gelegt. Auch diese Verschanzungen haben wir genommen und die Gräben zugeschüttet, worauf meine Reiter zur Verfolgung nachsetzten. Während ich dabei beschäftigt war, die Übergänge an den Brücken auszufüllen und den ebenen Weg herzustellen, bekam ich die eilige Meldung, daß die Indianer, so unsere Burg belagerten, Frieden begehrten und mit mir verhandeln wollten. Einige Hauptleute und Adelige erwarteten mich. Ich ließ all mein Fußvolk an Ort und Stelle, ebenso etliches Geschütz. Mit allen meinen Reisigen aber ritt ich ab, um zu sehen, was diese Herren wollten. Sie erklärten mir, so ich ihnen versichere, sie ungestraft zu lassen, seien sie gewillt, den Kampf wider mich zu enden. Auch wollten sie die Brücken und Steindämme wieder herstellen und Eurer Kaiserlichen Majestät Untertan sein wie zuvor. Dagegen sollte ich einen ihrer Pfaffen freigeben, den ich gefangen hielt und der sozusagen ihren Erzbischof darstellte. Ich tat dies. Dieser Mann kam und schloß den Waffenstillstand zwischen uns ab. Wie er mir sagte, gab man zur Stund den Hauptleuten Befehl, sie sollten von der Bestürmung der Veste abstehen und von jedwedem anderen feindlichen Unternehmen. Darauf bin ich in die Burg gezogen und hab angefangen, zu Mittag zu essen. Da kam die eilige Meldung, die Indianer hätten alle Brücken wieder genommen, die wir ihnen an jenem Tage hatten abgenommen. Etliche Hispanier seien dabei gefallen. Wie großen Kummer mir selbige Botschaft gebracht, davon ist Gott mein Zeuge. Schon war ich des guten Glaubens gewesen: so die Brücken in meiner Hand wären und mir ein Ausgang an das Land offen stünde, möchten wir sonder Mühe davonkommen. Eilends stieg ich zu Pferd und ritt dahin, so schnell es mir möglich war, und mit mir etliche Reiter. Ohne irgendwo zu säumen, legte ich den ganzen Weg zurück bis zur vierten Brücke. Sofort machte ich einen neuen Anfall auf die Indianer, eroberte alle Brücken wieder und setzte die Verfolgung bis an das Land fort. Da mein Fußvolk vom Kampfe müde, von Wunden schwach und voll Furcht vor der gegenwärtigen Gefahr war, so ist mir keiner nachgefolgt. Auf meinem Rückwege fand ich die vier Brücken abermals allesamt von den Indianern besetzt, und schon waren sie dabei, die Gräben, so ich hatte ausfüllen lassen, wieder auszuschaufeln. Ferner sah ich von der Stadt her gar mächtig viel Volk aus den Gassen und auf dem See in Zillen heraneilen. Von allen Seiten und Orten warf man wider uns mit Geschossen und Steinen. Also wäre es unmöglich gewesen, zu entrinnen, wenn der Allmächtige uns nicht wunderbarlich aus dieser Gefahr errettet hätte. Ja, unter den Hispaniern, so drinnen in der Stadt geblieben, hatte sich bereits das allgemeine Geschrei erhoben, ich wäre zugrunde gegangen. Als ich war gekommen an die letzte Brücke, die nächste bei der Stadt, da fand ich, daß all die Reiter hinüberwollten, so mit mir geritten, und ein Pferd, darauf niemand saß. Aber keiner kam durch das Volksgedränge. Ich hab müssen einen Einbruch unter die Feinde tun, währenddem gelang es den Reitern, über die Brücke zu kommen. Wie ich nun selber auch hinüber wollte, da brach sie zusammen. Ich bin hinüber gesprungen, und zwar mit großer Gefahr, denn hinab in den Graben wie wieder hinauf hab ich einen mehr denn mannshohen Sprung machen müssen. Als ich dann von der Brücke weitergaloppierte, haben sie mich und mein Pferd mit Knüppeln geschlagen. Dieweil wir aber beide vom Harnisch beschützt waren, konnten sie uns weiter keinen Schaden antun, so sehr wir die Streiche auch verspürten. So hatten die Indianer den Sieg behalten, dieweil sie vier Brücken wieder genommen hatten. Ich aber hab bei den anderen vieren gute Hut gelassen. Sodann ritt ich wieder in die Burg und gab den Befehl, eine hölzerne Brücke zu zimmern, die von 40 Mann bequemlich getragen werden könne. Ich bedachte die große Gefahr, in der wir standen, und den großen Schaden, der uns Tag um Tag von unseren Feinden zugefügt ward, und geriet in Sorge, daß auch der letzte Steindamm, so noch vorhanden, könnte zerstört werden, wie die anderen zerstört worden waren. Dann aber war uns der Hungerstod sicher. Dazu mahnten mich meine Leute ohn Unterlaß, ich solle den Abzug aus der Stadt bewirken, dieweil die meisten von ihnen verwundet und nicht mehr kampffähig wären. Da hab ich den Entschluß gefaßt, ihnen in der kommenden Nacht willens zu werden. Eurer Kaiserlichen Majestät Gold und Kleinode, soviel wir davon konnten wegbringen, ließ ich in Säcke packen und vertraute es etlichen Offizieren und Amtsleuten an, indem ich sie in Allerhöchstdero Namen ermahnte, alles zu tun, diese Schätze mit sich hinaus zu bringen. Dazu gab ich ein Roß, dem man so viel auflud, als es tragen mochte, sowie ein paar Fußknechte und etliches Dienstvolk zur Bedeckung. Das übrige Gold verteilte ich an die Hispanier. Also haben wir die Burg verlassen mit vielem Gut, so Eurer Kaiserlichen Majestät, mir und anderen Hispaniern gehörte, und sind so still als uns möglich hinaus gezogen. Mit uns geführt haben wir einen von Herrn Montezumas Söhnen und seine drei Töchter, desgleichen Kakama, den Fürsten von Tezkuko, samt seinem Bruder, sowie anderer Grafschaften und Städte Herren, so meine Gefangenen waren. Als wir nun zu der ersten von den Indianern zerstörten Brücke kamen, setzten wir die Notbrücke auf, die ich hatte machen lassen, ohne besondere Mühe. Niemand leistete uns Widerstand. Nur ein paar Posten, die dort Wache hielten, erhoben derart ein Geschrei, daß, noch ehe wir zur nächsten Brücke kamen, eine große Menge Mexikaner zusammenliefen und sich bemühten, uns von allen Seiten her, zu Wasser und zu Lande, Schaden anzutun. Mit 5 Reitern und 100 Fußknechten hab ich ohne Aufenthalt die Gräben zwischen den letzten drei Brücken durchschwommen und bin alsbald an das Land gelangt. Dort ließ ich das Fußvolk als Vorhut stehen. Ich selbst eilte zurück zur Nachhut, die ich an der drittletzten Brücke fand, wo sie im heftigen Gefecht war und unsägliche Verluste erlitt. Eine große Anzahl Hispanier waren dabei umgekommen und schier alle Tlaskalaner, so dort in unserem Gefolge hatten gestritten. Auch viele Weiber, die den Hispaniern dienten, lagen tot da. Es waren verloren viele Pferde, alles Gold, Kostbarkeiten, Kleider und eine Menge andrer Dinge, die man hatte wegschaffen wollen. Dazu das gesamte Geschütz. Was noch am Leben war, raffte ich zusammen und hieß es voranziehen. Mit 5 Reitern und 70 Fußknechten, die bei mir bleiben durften, hab ich den Abmarsch gedeckt. Schritt um Schritt folgten wir, immer im Kampf mit den Feinden, bis wir vor die Stadt Takuba gelangten, die ein Stück vom Ende des Dammes liegt. Gott weiß, was für Müh und Arbeit ich dabei hab ausgestanden! Sooft ich in die Feinde einfiel, ward ich von ihnen mit Pfeilen, Spießen und Steinen von allorts her überschüttet. Denn zu beiden Seiten unseres Marschweges war der See, und die Feinde konnten uns aus ihren Kähnen treffen, ohne selber Schaden zu erleiden. Die aber an das Land gekommen waren und von uns angegriffen wurden, eilten rasch wieder auf das Wasser. So hatten sie geringe Verluste, ausgenommen die, so im Getümmel zu Tod gedrückt und zertreten wurden. Unter so viel Mühsal und Bedrängnis hab ich die Nachhut bis zu genannter Stadt geführt. Dabei kam niemand mehr um. Nur ein Reiter aus der Nachhut ward verwundet. War auch an der Spitze und nach den Flanken gar ernst gefochten worden, so war der Kampf am allerheftigsten doch im Rücken gewesen, denn immerzu kam frisches Volk aus der Stadt in die Massen unserer Gegner. Das vierundzwanzigste Kapitel Als ich nun in die Stadt Takuba kam, bei Tagesanbruch, hab ich mein Kriegsvolk auf einer Gasse versammelt gefunden. Sie sagten, sie wüßten nicht, was geschehen solle. Da gab ich den Befehl, eilends ins Freie zu marschieren, ehe die Leute der Stadt uns Feindseligkeiten bereiteten. Der Führer der Spitze erklärte, er wisse den Ausgang nicht. Ich stellte die Vorhut hintenan und nahm selber die Führung der Vordersten, bis wir aus der Stadt hinaus waren. Auf einem Brachfelde wartete ich dann, bis die jetzige Nachhut herankam. Da dies geschah, ward mir gemeldet, daß sie große Verluste gehabt hatte. Viele Hispanier und Indianer waren gefallen, und eine Menge Gold war unterwegs liegen geblieben und in die Hände der Feinde geraten. Ich hielt die Verfolger auf, bis auch die Nachhut weiter gezogen war. So lange focht ich, bis unser Fußvolk eine Höhe eingenommen hatte, darauf ein Tempel stand, eine Art Veste. Dies gelang ohne großen Schaden, denn ich wich nicht und ließ die Feinde nicht weiter. Gott weiß es, was wir da für Mühsale ausstanden, denn von den Pferden, deren noch 24 übrig waren, konnte keins mehr laufen. Es konnt auch kein Reiter seine Arme hochheben, und es gab keinen unter dem Fußvolk, der nicht kaum noch weiter kommen konnte. In der Stellung auf der Anhöhe haben wir uns dann festgesetzt und sind dort belagert worden bis in die Nacht, so daß wir nicht eine Stunde konnten Ruhe haben. Dazumal berechnete ich unsere gesamten Verluste auf dem Rückzuge. Von den Hispaniern fehlten mir 150, von den Pferden 46, von unseren Indianern und Indianerinnen mehr denn 2000. Auch der Sohn und die Töchter des Herrn Montezuma waren umgekommen, ebenso alle Gefangenen, die wir mitgenommen hatten Cortes gibt hier seine beim Rückmarsch erlittenen Verluste viel zu gering an. Ebenso machen es fast alle spanischen Darsteller. Nur Thoan Cano (bei Ovledo XXXIII, 54) berichtet, 1170 Spanler und 8000 Indianer seien umgekommen. Prescott II, 60 gibt eine Zusammenstellung der verschiedenen Überlieferungen. Die in der Einleitung (S. 33) angenommenen Zahlen, die in der Hauptsache mit den Angaben des Bernal Diaz übereinstimmen, dürften die richtigen sein. Es ist hier Gelegenheit zu bemerken, daß die Noche triste auch in der deutschen Literatur einen Nachhall gefunden, wenngleich einen wenig würdigen, im Romancero von Heinrich Heine, in den drei Bänkelgesängen »Vitzliputzli«. . Um Mitternacht sind wir, im Glauben, es geschehe unbemerkt, in aller Stille von dem Hügel abgerückt, ohne in den Gebäuden das Feuer zu löschen. Keiner von uns wußte, wo wir waren noch wohin wir ziehen sollten. Nur ein Tlaskalaner erklärte, er wolle uns in seine Gegend führen, wenn der Weg dahin frei wäre. Alsbald alarmierten die feindlichen Vorposten durch lautes Geschrei die umliegenden Gehöfte, so daß eine große Anzahl Mexikaner aufgebracht ward, die uns bis zum Tagesanbruch verfolgten. Fünf meiner Reiter, die ich zur Aufklärung vorangeschickt hatte, griffen einen Haufen Indianer an, der ihnen in den Weg gekommen war. Etliche davon wurden erlegt. Als dann aber die Feinde allerorts überhandnahmen, suchte ich aus unserem Kriegsvolk die Brauchbarsten heraus und machte eine neue Einteilung. Die noch leidlich Unversehrten stellte ich vorn, hinten und zu beiden Flanken auf. Die Verwundeten nahm ich in die Mitte, und die Reiter verteilte ich. In dieser Marschordnung zogen wir den ganzen weiteren Tag. Immerfort mußten wir uns nach allen Seiten wehren. So kam es, daß wir von Mitternacht bis zum Abend nicht mehr denn 3 Meilen zurücklegten. Als es dämmerte, fügte es der Herrgott, daß wir auf einem Hügel ein paar Häuser nebst einem Turm erblickten, wo uns ein gut Quartier ward. In der Nacht ließen uns die Feinde in Ruhe. Nur gegen Morgen entstand ein Lärm, ohne daß wir wußten, was die Ursache war. Am folgenden Tage, früh in der ersten Stunde, führte ich den Zug in ganz der nämlichen Ordnung wie tags zuvor weiter. Zu beiden Seiten begleiteten uns Scharen von Verfolgern unter wildem Geheul und brachten das starkbewohnte Land wider uns auf. Unsere Reiter, so wenig ihrer noch übrig waren, fielen in sie ein, brachten ihnen aber nur geringe Verluste bei, denn der Boden war voller Hügel, hinter die sie wichen. Am selbigen Tage zogen wir, zur rechten Seite einen See Der Rückzugsweg des Cortes führte von Takuba nach dem Hügel des Montezuma, auf dem später die Kirche Nuestra Señora de los Remedios errichtet worden ist. Von da ging der Marsch nach einem anderen Hügel, dem heutigen Guadelupe, dann über Quautitlan (Luautitlan) entlang dem Nordufer des Zumpango-Sees nach dem Dorfe Zumpango. , bis zu einem Dorfe, von dem wir erst fürchteten, es mit Gewalt nehmen zu müssen. Als wir aber nahe heran kamen, verließen die Bewohner ihre Häuser und flohen in die nächsten Dörfer. Wir rückten nun ein und rasteten diesen und den folgenden Tag. Selbst die Unverwundeten waren todmüde und infolge der Mühseligkeiten und durch Hunger und Durst in üblem Zustande. Auch die Rosse konnten nicht weiter. Im Dorfe fanden wir Mais, davon wir aßen. Auch sotten und dörrten wir einen Vorrat, den wir mit auf den Weg nahmen. Den nächsten Tag sind wir weitermarschiert. Wiederum plänkelten die Feinde mit unserer Vor- und Nachhut unter dem gewohnten Gebrüll. Wir zogen immer den Weg weiter, den uns der Tlaskalaner führte. Da wir oft gezwungen waren, die Straße zu verlassen, hatten wir dabei viele Mühsal und Anstrengung. Gegen Abend kamen wir auf eine Ebene, da etliche Gehöfte lagen. Dort blieben wir unter argem Mangel an Speise und Futter. Am anderen Morgen in der Frühe machten wir uns wieder auf den Weg. Ehe wir die Straße erreichten, griffen uns die Feinde an. Unter etlichen kleinen Scharmützeln während des Marsches kamen wir vor einen großen Ort. Uns zur Rechten, auf einer Höhe, standen Indianer. Wir vermeinten, sie fangen zu können, da sie nah am Wege waren. Um zu erkunden, ob ihrer hinter dem Hügel noch mehr seien, zog ich mit fünf Reitern und zwölf Fußknechten um die Höhe herum und sah, daß dahinter ein großer Haufen Feinde lauerte. Mit denen haben wir ziemlich lange gestritten, da das Gelände, wo sie lagen, hügelig und felsig war. Und da sie zahlreich, unserer aber wenige waren, haben wir auf den Ort zurückgehen müssen. Von zwei Steinwürfen übel zugerichtet, kam ich daselbst an. Nachdem ich verbunden worden war, gab ich Befehl, weiter zu marschieren, denn der Ort dünkte mich kein gar sicheres Quartier zu sein. Also rückten wir fort nach einem anderen Dorfe, das von dem erwähnten 2 Meilen weiter lag, während uns die Feinde für und für folgten. Unterwegs fielen uns noch andere Indianer in großer Menge an und setzten uns heftig zu. Vier oder fünf Hispanier und ebensoviel Pferde wurden verwundet. Eins unserer Pferde ward sogar umgebracht. So schlimm und betrüblich dieser Verlust für uns war, denn außer Gott hatten wir keinen anderen Schirm und Schutz, so hatte er doch auch sein Gutes, denn wir aßen das Tier bis auf die Knochen auf; nichts blieb übrig. So schwer war unsere Hungersnot. Seit wir die Hauptstadt verlassen, hatten wir nichts denn gesottenen und gedörrten Mais gegessen, ohne dabei jemals satt zu werden, dazu Kräuter, die wir auf dem Felde auflasen. Da ich nun sah, daß die Feinde von Tag zu Tag an Zahl zunahmen, wir aber unsrer immer weniger wurden, ließ ich in der Nacht alle Verwundete und Kranke verbinden und verarzneien. Bisher hatten selbige auf den Kruppen der Pferde gesessen oder waren von Unverwundeten auf dem Rücken mitgeschleppt worden. Jetzt gab ich ihnen Krücken unter die Arme und Stöcke für den Marsch, damit die Pferde und die, so weder krank noch verwundet waren, für das Gefecht frei blieben. Mich däucht, diese Maßnahme hat mir Gott in den Sinn gegeben, denn am folgenden Tag zeigte es sich, wie trefflich sie war. Gegen Morgen marschierten wir von da weiter, immer auf der Straße, etwa anderthalb Wegstunden weit, bis uns mit einem Male die Indianer hinten, vorn und von beiden Seiten angriffen. Die Haufen der Feinde waren so groß, und sie setzten uns so heftig zu, daß alles Feld vor unseren Augen bedeckt war und keiner von den Unsrigen seinen Nachbar mehr sah. Derart waren wir umringt und vermengt. Schon glaubten wir, unser letztes Stündlein habe geschlagen, dieweil der Feinde so viele und wir so wenige und dazu fast alle verwundet und kraftlos waren, so daß wir ihnen nicht konnten rechten Widerstand leisten. Aber der Allmächtige hat seine große Barmherzigkeit an uns bewiesen, denn es gelang uns doch, bei aller unserer Schwäche den Grimm und die Kraft der Feinde zu brechen. Hunderte von ihnen fielen, sonderlich viele Führer. So dicht war das Getümmel, daß sie sich einander im Kampfe und in der Flucht hinderten. Also mühselig fochten wir einen guten Teil des Tages, bis uns der Herrgott das Glück verlieh, daß der Feldherr der Feinde von uns erlegt ward. Als er gefallen, ließ der Ansturm der Massen nach. Das war die Schlacht bei Otumba. Das fünfundzwanzigste Kapitel Immer noch verfolgt, müde und matt, kamen wir an ein Gehöft auf der Ebene, wo wir in der Nacht unter freiem Himmel lagerten. Von selbigem Ort aus sahen wir die Berge des Landes Tlaskala, was uns nicht wenig erfreute, denn wir kannten dies Land und wußten nun, wohin unser Weg führte. Gleichwohl war es für uns noch nicht gewiß, ob die Tlaskalaner treue Freunde von uns wären. Wir fürchteten vielmehr, wenn sie uns so schwach kommen sähen, möchten sie uns den Garaus machen, um ihre alte Freiheit zu gewinnen. Dieser Argwohn bekümmerte uns schlimmer als alles andere. Am anderen Morgen, als der Tag anbrach, setzten wir unseren Marsch auf der ebenen Straße fort, die geradewegs nach Tlaskala führt. Hierhin sind uns nur wenige Feinde nachgefolgt, wiewohl viele und große Dörfer in der Gegend lagen. Nur von etlichen Hügeln herab, uns im Rücken, hallte noch ihr Gebrüll. So sind wir an diesem Tage aus dem Reiche Mexiko gekommen. Es war der 8. Juli des Jahres 1520. Der erste Ort im Lande Tlaskala war Huejotlipan, ein Flecken mit 4000 Häusern. Dort sind wir gar wohl empfangen worden, so daß wir uns von Hunger und Müdigkeit, so wir erlitten hatten, einigermaßen erholten. Allerdings mußten wir das, was sie uns an Speise und Trank gaben, kaufen, und etliche sogar wollten nichts denn Gold in Zahlung nehmen, das wir ihnen auch gaben, dieweil uns die Not dazu zwang. An diesem Ort sind wir drei Tage geblieben. Dorthin kamen mir entgegen und suchten mich auf Maxixka, Xikotenkatl und viele andere Standesherren aus Tlaskala. Sie mühten sich, mich des Ungemachs zu trösten, das uns war widerfahren, und erinnerten mich daran, daß sie mich oft gewarnt hätten: die Mexikaner wären Verräter und ich solle mich vor ihnen hüten. Ich hätte ihnen aber keinen Glauben schenken wollen. Jetzt solle ich froh sein, dieweil ich mit dem Leben davongekommen sei. Ich könne ihres Beistandes allezeit sicher sein. Sie wollten mir den Schaden wieder gutmachen, den mir meine Feinde zugefügt hätten. Denn abgesehen von ihrer Lehenspflicht zu Eurer Kaiserlichen Majestät hätten sie ein herzlich Mitleid mit uns. Sie wären bekümmert über den Tod so vieler ihrer Brüder und Söhne, die auf meinem Zuge wären umgekommen, und auch wegen mannigfacher anderer Unbill erbittert, so ihnen in früheren Zeiten von unseren gemeinsamen Feinden wäre angetan worden. Ich solle überzeugt sein, daß sie treu zu mir halten wollten und immerdar meine aufrichtigen Freunde seien. Dieweil ich aber und fast alle meine Gefährten verwundet wären, sollten wir nach ihrer Hauptstadt marschieren, die 4 Meilen weiter läge. Dort sollten wir rasten, uns mit Arzneien heilen und uns von aller Mühsal erholen. Ich habe Dank gesagt und bin ihrem Angebot gefolgt. Zudem schenkte ich ihnen einige der Kostbarkeiten, von denen wir ein wenig hatten gerettet, worüber ihr Wohlgefallen groß war. Also sind wir mit ihnen der Stadt zugezogen und haben dort eine bequeme Herberge bekommen. Maxixka hat mir lassen eine Bettstelle von Holz bringen, nach dem Brauch des Landes gemacht und ausgeschmückt. Darinnen hab ich geschlafen, denn wir hatten keine Betten mehr. Was er hatte und vermochte, hat er uns alles gegeben und verschafft. Bei unserem Hinmarsche nach Temixtitan hatte ich in Tlaskala etliche marode Leute sowie eine Menge Dinge zurückgelassen, damit wir unterwegs freier wären, wenn uns etwas begegnete. Außer mit Rüstung, Gewehr und den nötigen Kleidern sollte niemand beschwert sein. Ich erfuhr, daß vor etlicher Zeit einer meiner Hauptleute aus der Stadt Verakruz mit Lebensmitteln und anderen Dingen mehr gekommen war und mit ihm fünf Reisige und 45 Fußknechte. Als sie wieder abmarschierten, haben sie mitgenommen die Kranken, so wieder marschfähig geworden waren, sowie alle unsere Habe, alles Silber, das mir und meinen Gefährten gehörte, und für 70000 Kastilianer geschmolzenes Gold, das ich in zwei Truhen dagelassen, samt anderen Kostbarketten. Dazu für 14000 Kastilianer in Gold, die der Offizier gehabt, den ich nach Koazakualko gesandt hatte, um daselbst einen Ort zu gründen. Er hatte dies Gold dagelassen und noch viel anderes im Werte von 30000 Kastilianern. Auf seinem Rückwege nach Verakruz ist der Hauptmann samt allen seinen Leuten von Mexikanern erschlagen worden. Diese haben hinweggenommen alles, was die Hispanier mit sich geführt, auch die Schriften, die ich im Lande zusammengebracht hatte. Ferner hab ich vernommen, daß sie mehrere Hispanier umgebracht hatten, die in der Meinung, ich befände mich dort in allem Frieden und der Weg dahin wäre ganz sicher, gen Temixtitan gezogen waren. Eurer Kaiserlichen Majestät bekenne ich die Wahrheit, wenn ich vermelde, daß wir bei diesen Nachrichten alle gar traurig gewesen sind und sie uns so heftig bekümmerten, wie es heftiger nicht hätte sein können. Denn überdies, daß so viel hispanisch Volk verloren war und daß wir um all unser Hab und Gut gekommen waren, erinnerten wir uns von neuem, daß so viele Hispanier in der Hauptstadt, an den Brücken und hernach unterwegs den Tod gefunden hatten. Obendrein kam mir der Argwohn, die Feinde könnten auch die bestürmt haben, die in Verakruz zurückgeblieben waren, und unsere Bundesgenossen könnten abgefallen sein, sobald sie unsere Vertreibung aus der Hauptstadt gehört. Zur Stunde sandte ich etliche Boten aus mit etlichen Indianern, die den Weg weisen sollten, mit dem Befehl, abseits der großen Straße nach Verakruz zu dringen und mir baldigst zu melden, wie es dort stünde. Es hat dem Höchsten gefallen, daß die Hispanier in Verakruz unbehelligt geblieben sind und alle Eingeborenen, so unsere Freunde waren, friedsam und ruhig. Diese Botschaft hat uns in unserem Verluste und unsrer Trauer trefflich ergötzt. Ihnen freilich war unser Mißgeschick und Rückzug eine schlimme Kunde. In Tlaskala blieben wir 20 Tage. Meine Wunden, die überhand genommen hatten, sonderlich die am Kopfe, da sie unterwegs ohne Arznei geblieben war, verheilten. Von meinen Leuten aber starben etliche, zum Teil an ihren Wunden, zum Teil an Entkräftung. Etliche sind infolge ihrer schweren Verwundung, wohl auch weil man Arznei und Rat nicht nach Notdurft bekommen konnte, krumm und lahm geblieben. Ich selbst bin an zwei Fingern meiner rechten Hand ein Krüppel geworden. Das sechsundzwanzigste Kapitel Da nun meine Gefährten sahen, wie viele von uns umgekommen und wie wenige noch übrig, und wie schwach und übel zugerichtet diese waren, da begannen sie vor künftigen Gefahren und Mühsalen vorsichtig und furchtsam zu werden. Zu mehreren Malen wandten sie sich an mich, ich solle sie nach Verakruz führen und mich dort verschanzen, ehe unsere Vertreibung aus der Hauptstadt und unsere Schwäche allgemein kund werde und ehe die uns noch freundlichen Indianer ein Bündnis mit unseren Feinden machten und die Straßen und Pässe nach dem Meere besetzten, um sowohl über uns wie über die in Verakruz herzufallen. Wenn sich aber alle Hispanier vereinten und die Schiffe zur Hand seien, wären wir viel mehr in Sicherheit und könnten uns im Falle eines Angriffs so lange wehren, bis von den Inseln Hilfe herbei käme. Ich aber bedachte, wenn wir uns vor den Indianern, sonderlich vor den uns befreundeten, verdächtig zeigten, als fürchteten wir sie, so möchten wir ihnen Anlaß geben, daß sie erst recht von uns abfielen und sich wider uns auflehnten. Auch kam mir der alte Spruch ins Gedächtnis: Das Glück ist bei dem Kühnen! Und unmöglich schien es mir, daß des Allmächtigen Güte und Barmherzigkeit es geschehen lassen könne, daß wir elendlich zugrunde gingen, und daß ein so großes und so reiches Land Eurer Kaiserlichen Majestät sollte verloren gehen, ehe ich es ganz zu Allerhöchstdero friedlichem Besitz gemacht. Derhalben hab ich mir fürgenommen, in keinem Fall über die Berge zum Meere zu ziehen, und aller Gefahr und Mühsal nicht zu achten, so unsrer möchte harren. Und so erklärte ich meinen Gefährten, ich sei willens, nicht abzustehen von diesem Feldzuge. Schmach und Schande wäre es für uns alle, Raub und Verrat an Eurer Kaiserlichen Majestät. Vielmehr hätte ich mich fest entschlossen, auf welchem Wege ich es vollbrächte, von neuem dem Feind entgegenzutreten und ihm nach meinem Vermögen Schaden anzutun. Nachdem ich zwanzig Tage daselbst gerastet hatte und doch noch nicht genugsam heil war, bin ich mit meiner schwachen Schar in die Landschaft Tepeaka marschiert, die im Bündnis stand mit unseren Feinden, den Mexikanern. Es war mir vermeldet worden, daß man daselbst hatte umgebracht zehn Hispanier, die von Verakruz nach Temixtitan waren unterwegs gewesen. Der Weg führte sie in rechter Weise nach Tepeaka, denn diese Grafschaft, die ein gar weit Land ist, stößt an die von Tlaskala und Cholula. Beim Einmarsch ist uns entgegengetreten viel Kriegsvolk, um uns den Weg mit Gewalt zu verlegen, an den stärksten Orten. Alles aber von Stück zu Stück zu erzählen, was uns in diesem Feldzuge begegnet ist, wäre zu weitläufig und mein Bericht würde zu lang. Wir mußten manches Gefecht mit den Tepeakanern bestehen. Doch mit Gottes Hilfe und Eurer Kaiserlichen Majestät Glück haben wir ihnen allerwegen große Verluste zugefügt und ihrer viele erlegt, ohne daß dabei auch nur ein einziger Hispanier verwundet worden oder geblieben wäre. In zwanzig Tagen, so der Feldzug währte, haben wir auch eine gute Zahl von Städten und Dörfern mit friedlichen Mitteln unterworfen, deren Oberste zu mir gekommen sind, sich Eurer Kaiserlichen Majestät zu Lehensherren anzubieten. Überall vertrieb ich eine Menge Mexikaner, die anwesend waren, um die Gemüter der Eingeborenen wider mich zu entflammen und zu verhindern, daß sie freiwillig oder unfreiwillig unsere Freunde würden. Durch solche Aufwiegler ist es geschehen, daß etliche Orte immer noch nicht in Ruhe und Frieden sind, und daß der Krieg noch nicht ganz zu Ende ist. Doch verhoff ich, durch des Allmächtigen Gnade, auch diese baldigst Eurer Kaiserlichen Majestät untertänig zu machen. In dem Orte der Landschaft, da man die zehn Hispanier hatte umgebracht, habe ich eine Anzahl Indianer zu Leibeigenen gemacht. Ein Fünftel von denen habe ich den Beamten Eurer Kaiserlichen Majestät überwiesen. Diese Leute waren insbesondere widerspenstig und von mir durch Kriegsgewalt gefangen worden, überdies waren sie Menschenfleischfresser. Dieweil dies allbekannt, ist es nicht vonnöten, daß ich Eurer Kaiserlichen Majestät Beweise überschicke. Und zu guter Letzt hatte ich noch eine Ursache, daß ich sie zu Leibeigenen machte, nämlich die, daß ich die Mexikaner in Furcht setzen wollte. Das Volk hier ist so zahlreich, daß man es nicht bessern kann, wenn man es nicht hart behandelt. In diesem Feldzuge sind uns behilflich gewesen die Leute von Tlaskala, Cholula und Huexozinko. Damit haben sie uns ihre Freundschaft bewiesen und ich hab den Glauben, daß sie allweg Eurer Kaiserlichen Majestät getreue Untertanen sein werden. Während ich im Lande Tepeaka diesen Krieg führte, ist mir ein Brief aus Verakruz überbracht worden, darin man mir vermeldete, zwei Schiffe seien im Hafen von Verakruz angekommen, die vom Geschwader des Franz von Garay verschlagen worden waren. Wie ich vermute, hat besagter Franz von Garay zum anderen Male einen Zug nach dem Panukofluß unternommen. Vom ersten Male ist Eurer Kaiserlichen Majestät bereits Meldung durch mich erstattet. Aber die Landesleute daselbst haben wider ihn gestritten und von ihnen 16 oder 17 Mann getötet und viele verwundet, auch sieben Rosse erlegt. Die, so entronnen, haben sich mit Schwimmen in die Schiffe gerettet, alle samt ihrem Hauptmann übel zugerichtet. Mein Befehlshaber in Verakruz hat die Verschlagenen freundlichst empfangen, sie versorgt und geheilt. Ich aber hab den Befehl gegeben, falls der Hauptmann des Franz von Garay wollte heim nach Jamaika ziehen, so sollte ihm mein Stellvertreter alle Gunst beweisen und ihm behilflich sein, sich mit seinen Schiffen fertig zu machen. Nachdem ich das Land Tepeaka unter Eurer Kaiserlichen Majestät Macht und Dienst gebracht, habe ich mit Eurer Kaiserlichen Majestät Amtsleuten viel beratschlagt, wie ich das Land in Ruhe und Ordnung erhalten könne. Ich hielt mir vor, daß diese Leute sich erst Eurer Kaiserlichen Majestät ergeben hatten, dann aber wieder abgefallen waren und die mehrfach erwähnten Hispanier ermordet hatten. Dieweil ferner durch diese Gegend die große Straße geht, so müssen alle Waren von Verakruz nach den inneren Orten hier durchziehen. Wenn daselbst nun alles in seinem alten Wesen geblieben wäre, so war wohl zu erwarten, daß die benachbarten Mexikaner von neuem ihre Macht auf Tepeaka ausdehnten und die Tepeakaner beredeten, sich noch einmal gegen uns aufzulehnen und wieder von Eurer Kaiserlichen Majestät abzufallen. Dies wäre ein großer Schaden und arge Behinderung geworden, dieweil nämlich die einzigen beiden Pässe vom Meere her, die überdies mühselig zu begehen sind, dem Lande Tepeaka am nächsten liegen und von den Tepeakanern leicht in Besitz genommen werden können. Aus diesen und anderen Gründen mehr haben wir es für gut angesehen, im Lande Tepeaka eine feste Stadt zu erbauen, an einem wohl gelegenen Platze. Den neuen Ort habe ich Segura de la Frontera (Grenzburg) getauft und habe daselbst einen Befehlshaber, Richter und Beamte ernannt, wie das der Brauch ist. Das siebenundzwanzigste Kapitel Derweil ich an diesem Bericht schrieb, sind zu mir gekommen etliche Gesandte des Herrn einer Stadt namens Huaquechula. Sie liegt an die zwölf Meilen (südwestlich) von meinem Hauptquartier (Tepeaka) im Tieflande vor einem Paß, durch den man hinüberkommt nach dem benachbarten Lande Mexiko. Im Namen ihres Herrn erklärten sie mir, sie wären gekommen, Eurer Kaiserlichen Majestät als Lehensherren zu huldigen und Allerhöchstdero treue Untertanen zu werden. Auch vermeldeten sie mir, daß in ihrer Stadt viele mexikanische Hauptleute in Quartier lägen, und eine Meile weiter stünden etwa 30 000 Mann wehrhaft Volk, das den Paß verlege, damit wir nicht könnten hinüberziehen, sowie um besagte Stadt und andere umliegende Orte zu hindern, Freundschaft mit uns zu machen. Sonst wären längst etliche Städte Eurer Kaiserlichen Majestät dienstbar geworden. Also warnten sie mich und baten mich um Rat und Tat. Sie wie ihre Nachbarn, die samt und sonders mir gut gesinnt seien, litten großen Schaden, dieweil des feindlichen Kriegsvolks überschwenglich viel wäre. Man bedränge und mißhandele sie arg; ihre Frauen und all ihr Hab und Gut sei in Gefahr. Ich möchte mir überlegen, was zu tun wäre. Was ich beföhle, das wollten sie verrichten. Darauf habe ich ihnen gedankt für ihre Warnung, ihre Treue und ihr freundlich Angebot und Hab ihnen mitgegeben einen Hauptmann samt 13 Reitern und 200 Mann zu Fuß, dazu 3000 Tlaskalaner, mit der Weisung, selbige einen Weg zu führen, den die Feinde nicht erspürten. Und wenn dies Kriegsvolk ihrer Stadt nahe, so solle ihr Fürst alle Edelleute und Bürger aufbieten, die Quartiere der mexikanischen Hauptleute umstellen und sie alle gefangennehmen oder umbringen, ehe ihnen ihr vor der Stadt lagerndes Volk zu Hilfe eile. Wenn dies aber heranrücke, wären die Hispanier schon drinnen in der Stadt, um mit ihnen zu kämpfen und die Feinde zu verjagen. Also brachen sie auf, zogen durch die Stadt Cholula und durch ein Stück der Landschaft Huexozinko, des Nachbargebietes von Huaquechula. In einem Dorfe, vier Meilen jenseits Cholula, hinterbrachte man den Hispaniern, die Leute der Landschaften Huaquechula und Huexozingo wären miteinander im Bunde, ebenso die von Cholula. Man locke die Hispanier nur darum in die genannte Stadt, um daselbst über sie herzufallen und sie allesamt umzubringen. Dieweil nun die Hispanier auf Grund der bisherigen Geschehnisse noch immer Furcht vor den Mexikanern hatten, vermehrte dies Gerücht ihre Besorgnis. Der Hauptmann, der den Befehl führte (Christoval von Olid), zog Erkundigungen ein und setzte darauf alle Edelleute aus Huexozinko, die bei ihm waren, sowie die Gesandten aus Huaquechula gefangen. Sodann marschierte er mit allem seinem Kriegsvolk zurück nach der Stadt Cholula. Von dort sandte er mir die Gefangenen mit etlichen Reitern und Fußknechten samt einem Bericht. Darinnen schrieb der Hauptmann, sein Fußvolk wäre ganz furchtsam, und dieser Kriegszug ließe sich gar gefährlich ansehen. Da nun die Gefangenen vor mich kamen, Hab ich sie durch einen Dolmetsch angeredet, habe großen Fleiß angewandt, die Wahrheit zu erkunden, und hab befunden, daß die Hispanier den Handel nicht recht verstanden hatten. Sofort hab ich Befehl erteilt, die Gefangenen frei zu lassen, und Hab ihnen gute Worte gegeben. Ich sei überzeugt, daß sie Eurer Kaiserlichen Majestät getreue Lehensleute wären. Nunmehro aber wolle ich in Person wider die Mexikaner zu Felde ziehen. Um mir nun vor den Indianern, sie wären Freund oder Feind, keine Kleinmütigkeit oder Furcht anmerken zu lassen, hab ich es für gut gehalten, diesen Kriegszug, den ich einmal begonnen, auch zu Ende zu führen. Damit ich aber die Hispanier von ihrer Furcht befreite, entschloß ich mich, den Bericht für Eure Kaiserliche Majestät, an dem ich just war beschäftigt, jetzo zu unterlassen. Ich habe mich zur Stunde selber aufgemacht und bin am nämlichen Tag noch gekommen gen Cholula, das acht Meilen von hier liegt. Als die dortigen Hispanier mich sahen, erklärten sie mir, sie wüßten gewiß, daß ihnen böser Verrat drohe. Die nächste Nacht verbrachte ich in jenem Dorfe, das zur Landschaft Huexozinko gehörte, da man die Gesandten von Huaquechula gefangengesetzt hatte. Am anderen Morgen hab ich mit ihnen beratschlagt, wie wir in ihre Stadt gelangen sollten. Tags darauf, eine Stund vor Sonnenaufgang, bin ich sodann abgerückt. Um die zehnte Stunde nahten wir der Stadt. Eine Meile davor kamen mir entgegen etliche Boten und vermeldeten mir, daß die ganze Stadt bereit wäre. Die Feinde hätten kein Vorwissen meiner Ankunft. Etliche der mexikanischen Posten wären gefangen worden, die auf den Türmen und Mauern aufgestellt waren, damit sie sollten Ausschau halten. Im übrigen wären die Feinde ganz unbereit und müßig. Nunmehr eilte ich, daß wir hineinkämen; denn wir zogen über ebenes Feld, so daß man uns aus der Stadt wahrnehmen konnte. Die ausspähenden Bürger daselbst erblickten uns auch. Wie sie uns anrücken sahen, haben sie die Herbergen, darinnen die mexikanischen Hauptleute lagen, umstellt und jeden aufgegriffen, der aus oder in die Stadt passieren wollte. Als ich noch einen Armbrustschuß weit davon war, brachte man mir entgegen 40 Gefangene. Ich eilte nun noch mehr. In der Stadt war in allen Gassen ein großes Lärmen derer, die da fochten. Ein Bürger führte mich zu dem Quartier, darinnen die feindlichen Hauptleute von 3000 Huaquechulanern umringt waren. Die Mexikaner kämpften aber so tapfer und männlich, daß die Angreifer nicht konnten hineinkommen, wiewohl jener nur wenige an der Zahl waren. Allerdings war ihr Quartier auch wohl verwahrt. Doch sobald wir kamen, sind wir hineingedrungen und mit uns ein solcher Haufen von Bürgern, daß ich es nicht habe können verhüten, daß die mexikanischen Hauptleute fast alle niedergestochen worden sind. Ich hätte gern einen lebendig gefangengenommen, damit ich auskunden könnte, wie es in der Hauptstadt stünde, und wer das Regiment seit Herrn Montezumas Tode innehätte. Auch begehrte ich allerlei andere Dinge zu erfahren; aber ich hab doch keinen in die Hände bekommen, ausgenommen einen, der schon halbtot war. Von selbigem bin ich unterrichtet worden, wie ich hernach erzählen werde. Überall in der Stadt waren viele Mexikaner in ihren Quartieren umgebracht worden. Welche aber noch bei Leben waren, als ich in die Stadt einzog, die sind dahin geflohen, wo die Hauptmacht ihrer Landsleute stand. Wir eilten den Fliehenden nach und erlegten ihrer viele. Der Tumult ist alsbald bei den Truppen draußen gehört worden. Sie hielten auf einem hohen Ort oberhalb der Stadt. Um den Ihren in der Stadt zu helfen, rückten sie nun eilends an, insgesamt an die 30000 Mann, besser gerüstet und geordnet als sonst das Kriegsvolk der Indianer, das wir bisher gesehen. Viele von ihnen trugen kostbare Stücke aus Gold, Silber und Federn. Dieweil die Stadt weit war, begannen die Mexikaner Feuer in dem Viertel anzulegen, wo sie eingedrungen waren. Die Bürger machten mir Meldung davon. Da bin ich mit meinen Reitern vorgedrungen, denn das Fußvolk war müde. Wir warfen die Feinde, die sich nach einem steilen Paß des Gebirges zurückzogen. Dorthin eilten wir ihnen nach, die Höhe hinauf, wobei wir immerfort mit den Reiterlanzen nach ihnen stachen. Der Berg war so steil, daß oben alle erschöpft waren, sowohl wir wie die Feinde. Viele von ihnen starben vor Hitze ohn alle Wunden. Von unseren Pferden bekamen zwei den Hitzschlag, und das eine davon stand um. Schließlich sind uns Scharen von Indianern zu Hilfe gekommen, nach deren Ankunft wir unseren Feinden den Garaus gegeben haben. Dieweil selbige matt waren, unsere Bundesgenossen jedoch frisch, so ward der Widerstand immer geringer, bis das Feld von Lebendigen leer, von Toten aber voll war. Darauf nahmen wir die feindlichen Lager, deren sie drei mit vielen kleinen Hütten erst unlängst errichtet hatten. Jedes war wie ein ziemliches Dorf so groß, denn außer dem Kriegsvolk war ein großer Troß sowie die ansehnliche Dienerschaft etlicher Standesherren dabei. Alle drei Lager sind von den uns befreundeten Indianern geplündert und niedergebrannt worden. Durch diesen Sieg haben wir die Mexikaner aus besagter Landschaft verjagt und in die Pässe und Klausen der Berge zurückgetrieben. Wir aber sind wieder umgekehrt zur Stadt, wo wir von der Bürgerschaft auf das beste empfangen wurden. Daselbst haben wir drei Tage geruht, was uns gar not tat. In diesen Rasttagen sind zu mir gekommen die Boten aus einer großen Stadt namens Okuituko, um Eurer Kaiserlichen Majestät ihren Gehorsam anzubieten. Der Ort liegt zwei Meilen von den verbrannten feindlichen Lagern auf einer Anhöhe und an deren Hängen, zu Füßen von dem Berg, aus dem Rauch aufsteigt. Seit langem hätten sie mit mir wollen Freundschaft machen und zu mir kommen wollen, Eurer Kaiserlichen Majestät zu huldigen, aber sie hätten nicht können ihren Herrn dazu bewegen. Er hätte ihnen das nicht wollen gestatten, obschon sie oft darum angesucht. Zurzeit sei er aber in Temixtitan, im Glauben, seine Stadt sei vor uns sicher, und nunmehro wollten sie Eurer Majestät Untertanen sein. Es wäre bei ihnen geblieben ihres Herrn Bruder, der alleweg ihrer Meinung sei und ihr Vorhaben gutheiße. Selbiger solle jetzt mit meiner Gunst die Herrschaft innehaben. So aber jener wiederkäme, bäten sie mich, nicht zu bewilligen, daß er die Herrschaft weiter behalte. Sie selber wären bedacht, ihn nicht aufzunehmen. Auf dies hab ich ihnen Antwort gegeben. Dieweil sie bisher mexikanisch gewesen wären und Eurer Kaiserlichen Majestät Feinde, so wären sie wahrlich schwerer Strafe wert. Ich wäre aber gesonnen, sie an Leib und Gut zu verschonen, da sie jetzt kämen und anzeigten, daß ihr Herr sie verführt und ihres Abfalls und Frevels Ursach gewesen wäre. Also wolle ich ihnen in Eurer Kaiserlichen Majestät Namen ihren alten Irrsal verzeihen und sie in Gnaden zu Allerhöchstdero Dienst aufnehmen. Wenn sie aber in Zukunft wiederum abfielen, so möchten sie ernstlicher Strafe gewärtig sein. Die Stadt Huaquechula liegt auf ebenem Felde. An der einen Seite ist sie angehängt an schroffe Berge, an der anderen Seite fließen zwei Flüsse durch das Land, einen Armbrustschuß voneinander, die beide gar hohe und steile Ufer haben. Deswegen sind wenig Zugänge von dort zur Stadt. Und wenn auch etliche da sind, so sind sie doch so mühselig zu besteigen, daß man kaum auf ihnen reiten kann. Die Stadt ist umgeben mit starken Mauern aus geglättetem Stein, nach außen vier Manneslängen hoch. Inwendig aber sind die Mauern schier dem Boden eben. Auf der Ringmauer ist eine Brustwehr errichtet, einen halben Mann hoch, um die Verteidiger beim Sturm zu schirmen. Die Stadt hat vier Tore, jedes so breit, daß einer ruhig hindurch retten kann. Von jedem Eingang führen drei bis vier gedeckte Wege in das Vorfeld. Auf der Mauer liegen alleweg viele Steine, zur Abwehr bei Angriffen. Die Stadt hat 5000 oder 6000 Häuser. Dazu gehören in Dörfern ringsum noch ebensoviel oder mehr. Ihr Umkreis ist weit, denn er umschließt viel Gärten, darinnen mancherlei Frucht wächst. Nachdem wir drei Tage in dieser Stadt gerastet, sind wir abgerückt nach einer anderen Stadt namens Izzuakan, die von Huaquechula vier Meilen entfernt ist. Denn ich hatte vernommen, es lägen viele unserer Feinde aus Mexiko als Besatzung darinnen, und die Bürger dort samt ihren Untertanen auf dem Lande wären gut mexikanisch. Ihr Herr wäre in Temixtitan geboren und dem Herrn Montezuma in Schwägerschaft verwandt. Es zog aber mit mir aus den Landschaften, die Eurer Kaiserlichen Majestät ergeben sind, so viel Kriegsvolk, daß es alle Felder überdeckte, soweit wir zu sehen vermochten. Es waren viele Tausend Mann. Gegen zehn Uhr sind wir gekommen zur Stadt Izzuakan. Sie war leer von Weib und Kind, aber es lagen darin an die 1000 wohlgerüstete Kriegsleute. Und als die Hispanier nahe waren, haben sie angefangen, die Stadt zu verteidigen. Bald aber haben sie selbige verlassen. Und dieweil der Ort, wo wir hineingeführt sind worden, leicht zu gewinnen war, haben wir ihnen nachgesetzt, die ganze Stadt hindurch, und haben sie so bedrängt, daß sie über die Mauer hinab in das Wasser gesprungen sind, das auf der anderen Seite die Stadt umgibt. An diesem Fluß hatten sie die Brücken alle abgebrochen. Derhalben haben wir uns etwas säumen müssen, bis wir sind hinübergekommen. Dann aber haben wir ihnen auf anderthalb Meile nachgejagt. Ich eracht, es sind ihrer wenig übriggeblieben, die nicht schon vordem geflohen. Als ich nun wieder in die Stadt kam, hab ich zwei Bürger, die ich gefangenhielt, zum Obersten der Bürger geschickt, um sie zu bereden, in die Stadt zurückzukehren. Denn ihr Herr war den Mexikanern nachgefolgt, die als Besatzung waren dagewesen. Ich sagte den Bürgern in Eurer Kaiserlichen Majestät Namen zu, so sie fortan Allerhöchstdero getreue Lehensleute wären, so wollt ich ihnen Gnade beweisen. Am dritten Tage darauf sind etliche der Fürnehmsten der Stadt zu mir gekommen und haben Verzeihung ihrer Missetaten begehrt. Sie entschuldigten sich, sie hätten anders nicht handeln können, denn sie hätten ihres Herrn Gebot müssen vollziehen. Dieweil aber dieser Herr hinweg wäre und sie verlassen hätte, gelobten sie, Eurer Kaiserlichen Majestät getreulich Gehorsam zu leisten. Ich hab ihnen mein Wort gegeben und ihnen anbefohlen, sie sollten wieder in ihre Stadt ziehen und ihre Weiber und Kinder mit sich bringen, die nach anderen Orten und Dörfern geflohen waren. Ich habe sie ferner aufgefordert, sie sollten die Einwohner der Nachbarstädte ansprechen, daß sie auch zu mir kämen. Ich wolle ihnen ihre Feindseligkeit verzeihen. Sie sollten nicht warten, bis ich mit Gewalt käme, denn dies dürfte ihnen zu großem Schaden gereichen und mich sehr ungnädig machen. Nach zwei Tagen sind die Bürger von Izzuakan und allen umliegenden Dörfern gekommen, Eurer Kaiserlichen Majestät zu huldigen und sich zu Allerhöchstdero Untertanen zu erklären. Fortan ist diese Landschaft im Bunde geblieben mit den Bürgern von Huaquechula. Ich verharrte in dieser Stadt, bis die Leute in ihre alten Herbergen wieder eingezogen waren. Dahin ist gekommen auch der Herr einer Stadt namens Huexozinko, sich Eurer Kaiserlichen Majestät zum Lehensmann anzubieten, ferner der Herr einer anderen Stadt, die von Izzuakan zehn Meilen weg liegt, an der Grenze des Reiches Mexiko. Es sind vor mir auch erschienen die Leute von acht Dörfern der Grafschaft Oaxaka, die vierzig Meilen von Izzuakan ab liegt. Die Bewohner dieser Orte haben sich auf gleiche Weise zu Allerhöchstdero Untertanen angeboten. Von Tag zu Tag kommen viele Landschaften und Städte, die bisher Herrn Montezuma unterwürfig waren, Eurer Kaiserlichen Majestät zu huldigen. Dieweil sie dies tun, werden sie von mir zu Gnaden aufgenommen. Welche Städte sich aber weigern, die sollen verderben. Und so darf ich Eurer Kaiserlichen Majestät frei sagen, daß ich mit der Gunst des Allmächtigen und bei Allerhöchstdero Glück in wenig Zeit alles wieder erobern will, was ich verloren, oder doch einen guten Teil davon. Das achtundzwanzigste Kapitel Von denen, die zu Huaquechula waren gefangen worden, sonderlich von den Verwundeten, hab ich nach und nach erfahren, wie es in Temixtitan stand, und daß nach des Herrn Montezuma Tod die Herrschaft hatte übernommen ein Bruder von ihm, namens Kuitlahua, ehedem Fürst von Iztapalapan. Er war ihm im Reiche nachgefolgt, dieweil des Herrn Montezuma erstgeborener Sohn im Kampfe bei den Brücken war umgekommen; seine zwei anderen Söhne aber, die noch bei Leben, sind der Herrschaft unfähig, da der eine ein Narr, der andere gichtbrüchig ist. Dies war die eine Ursache, daß Kuitlahua an seiner Brüder Statt das Regiment bekommen, die andere aber ist, daß er war wider mich und die Hispanier zu Felde gezogen. Die Mexikaner erachten ihn für einen tapferen Helden und Feldherrn, daneben für einen klugen und weisen Mann. Also vernahm ich, daß er nicht allein die Hauptstadt, sondern auch andere Orte des Landes befestigte und um viele Städte neue Mauern und Gräben baute und überhaupt vielerlei Wehr und Waffen bereitete, unter anderem sein Kriegsvolk mit langen Piken wider unsere Rosse und Reiter ausrüstete. Mir sind etliche dieser langen Spieße, mit denen man wider uns gestritten, in Huaquechula und andernorts in die Hände gefallen. Ich fertige nunmehro ab nach (Sankt Domingo auf) Hispaniola vier Schiffe, auf daß man uns eilends von neuem Kriegsvolk und Pferde schicke. Auch soll man auf besagter Insel noch andere vier Schiffe kaufen, die mir Pferde, Harnische, Armbrüste, Hakenbüchsen und Schießpulver besorgen. Alles dessen bedürfen wir hier vor allem, dieweil das Fußvolk, das nur mit den Schilden ist ausgerüstet, im Gefechte mit so gedrängten Massen wie in diesem Kriege nicht viel ausrichtet. Überdies gibt es hierzulande viele wohlverwahrte, große und mächtige Städte und Burgen. Zu gleicher Zeit schreib ich an den Kaiserlichen Rat Roderich von Figueras und an andere Amtsleute Eurer Kaiserlichen Majestät zu Hispaniola, daß sie mir zu meinem Vorhaben alle Hilfe leisten, wie dies zu Allerhöchstero Nutzen, zur Erhaltung des bisher Eroberten und zum Schutz unseres Lebens und Leibes vonnöten ist. Sobald mir solche Hilfe geschickt wird, bin ich willens, wieder vor die große Stadt Temixtitan zu rücken und sie, wie ich verhoffe, mit Gottes Hilfe von neuem zu erobern. Derweil aber bau ich zwölf Rennschiffe und eine Anzahl Zillen, wie sie hierzulande üblich sind, um die Stadt auch zu Wasser anzugreifen. Wir sind bereits an der Arbeit. Ich werde die einzelnen Teile der Schiffe über Land hinführen und am See zusammenfügen lassen. Ich will nicht Ruh haben, bis ich mein vorgenommenes Werk vollende, und nimmer nachlassen, dazu alle Mittel und Wege zu erfinden, dabei nicht scheuen Gefahr, Kosten und alles andere. Vor zwei Tagen ist mir ein Schreiben überantwortet worden von meinem Befehlshaber zu Verakruz, aus dem ich hab erfahren, daß eine Karavelle im Hafen eingelaufen ist mit insgesamt 3O Mann, die Schiffsleute eingerechnet. Sie geben an, sie wären ausgezogen, die zu suchen, die Franz von Garay – wie ich Eurer Kaiserlichen Majestät an anderer Stelle habe berichtet – vorher in dies Land geschickt hat. Des weiteren bekennen sie, sie hätten an einem solchen Mangel an Lebensmitteln gelitten, daß sie vor Hunger und Durst umgekommen wären, wenn ihnen hier nicht geholfen worden wäre. Ich hab des weiteren von ihnen erfahren, daß sie insgesamt auf drei Schiffen an der Mündung des Panuko gewesen und 40 Tage dort verblieben waren, ohne auf dem Fluß noch am Lande Menschen zu erblicken, wonach sie angenommen hätten, jene Gegend sei nach den früheren Ereignissen von ihren Bewohnern verlassen worden. Die beiden anderen Schiffe mit Pferden und Kriegsvolk wären in der nämlichen Notlage. Derhalben gedacht ich, es sei zu Eurer Kaiserlichen Majestät Nutzen, wenn diese Schiffe und die Mannschaft darinnen nicht verlorengingen, und befahl den Leuten des Franz von Garay, sie sollen die beiden anderen Schiffe suchen und dann zusammen wieder in den Hafen von Verakruz kommen, Gott der Allmächtige füge es, daß sie selbige antreffen und zu Lande bringen. Daß an Statt des Herrn Montezuma sein Bruder Kuitlahua Herrscher geworden, hab ich bereits berichtet. Der hat alsbald mancherlei Kriegsrüstung bereitet, auch die Hauptstadt und alle Orte am See befestigt und gerüstet. Vor wenigen Tagen ist mir nun noch hinterbracht worden, daß Kuitlahua in alle Grafschaften und Städte, die ihm Untertan, Sendboten hat ausgeschickt mit dem Aufruf, er wolle auf ein Jahr alle Steuern und Dienste, die man ihm schulde, aus Gnaden erlassen, insofern man mit aller Kraft Krieg führen wolle wider die Christen, bis sie entweder allesamt ausgerottet oder zum Lande hinausgejagt seien, ebenso wider alle Indianer, die mit uns in Freundschaft oder Bündnis stehen. Ich verhoff, es wird ihnen nicht gelingen. Allerdings möcht ich den Indianern, die uns Freunde sind, kräftiglich beistehen, denn täglich kommt aus vielen Städten und Flecken Anforderung von Hilfe wider die Mexikaner, unsere gemeinsamen Feinde. Ich vermag nicht an allen Orten zu helfen, gedenk aber, mit des Höchsten Gnade und nach Ankunft des Nachschubes aus Hispaniola zu tun, was ich kann. Nach allem, was ich bisher gesehen und vernommen, nach aller Ähnlichkeit, die dies Land mit Hispania gemein hat an Fruchtbarkeit und Größe, Wärme und Kälte und vielen anderen Dingen, hat es mich gedeucht, man könne ihm keinen schicklicheren Namen geben, denn man es nenne das Neue Hispanien, und so hab ich im Namen Eurer Kaiserlichen Majestät also getan. Ich bitte, Eure Kaiserliche Majestät wolle es Allergnädigst dabei belassen, so daß das Land fortan von jedermann Neu-Hispanien geheißen wird. Eurer Kaiserlichen Majestät hab ich, wiewohl ohne Zier, der Wahrheit gemäß geschrieben über alles, was sich an diesen Orten hat zugetragen und was Eurer Kaiserlichen Majestät fürnehmlich zu wissen vonnöten ist. Ich füge die untertänige Bitte an, Eure Kaiserliche Majestät wolle einen glaubwürdigen Mann hierher verordnen, der über all diese Dinge einen guten Bericht abfasse. Allerdurchlauchtigster und Großmächtigster Herr, Gott der Allmächtige möge Eurer Kaiserlichen Majestät Leben, Gewalt und Stand bewahren und fördern auf lange Zeit hin, unter Mehrung des Reiches, ganz wie es Allerhöchstdero Herz begehrt. Geschrieben in der Stadt Segura de la Frontera im Lande Neu-Hispanien, am 30. Oktober im Jahre des Herrn 1520. Eurer Kaiserlichen Majestät Diener und Untertan Ferdinand Cortes Ferdinand Cortes an Kaiser Karl V. Der Bericht vom 15. Mai 1522 Das erste Kapitel Eurer Kaiserlichen Majestät hab ich durch Alfons von Mendoza, gebürtig aus Medellin, den ich abgefertigt hab aus Neu-Hispania am 5. März des vergangenen Jahres 1521, alleruntertänigst meinen zweiten Bericht übersandt. Ich hatte ihn geendet am 30. Oktober 1520, aber die Abfahrt des genannten Alfons von Mendoza hat sich lange verzögert, dieweil mir in einem gewaltigen Sturm des Meeres die drei Schiffe sind umgekommen, von denen zwei uns Nachfuhr von der Insel Hispaniola (Haiti) herbeischaffen sollten, das dritte aber besagten Bericht in Allerhöchstdero Hände zu bringen bestimmt war. Eurer Kaiserlichen Majestät hab ich zu Ende selbigen Berichtes zu wissen getan, daß ein Schiff des Franz von Garay, Statthalters der Insel Jamaika, unter Mangel und Not im Hafen von Verakruz eingelaufen war. Die 30 Mann darinnen hatten ausgesagt, daß mit ihnen zusammen noch zwei andere Karavellen auf der Fahrt von Jamaika nach dem Flusse Panuko gewesen waren. Allda war ein Hauptmann mit ausgesandtem Kriegsvolk arg geschlagen worden. Des weiteren hab ich Eurer Kaiserlichen Majestät gemeldet, daß ich eilends Befehl hab gegeben, man solle die beiden anderen Schiffe suchen. Nachdem ich solches hatte geschrieben, hat es Gott der Allmächtige gefügt, daß eines davon im Hafen von Verakruz angekommen ist, mit ihm ein Hauptmann samt 120 Knechten. Man berichtete ihm, daß schon ein anderer Hauptmann des Franz von Garay am Orte wäre, mit dem er alsdann geredet hat. Dieser warnte ihn, nicht nach dem Panuko zu ziehen, dieweil er dort nichts ausrichten könne. Als er just entschlossen war, doch dahin auszufahren, da erhob sich ein heftig Ungewitter, zerriß die Anker des Schiffes und trieb es aus dem Hafen. Zwölf Meilen südlicher ist es dann vor dem Hafen von Sankt Juan gestrandet. Samt acht Hengsten und ebensoviel Stuten rettete sich die Mannschaft an das Gestade. Als mir dies gemeldet worden, hab ich sofort an den Hauptmann geschrieben, daß mich der ihm widerfahrene Unfall bekümmere und betrübe. Ich hätte dem Befehlshaber von Verakruz Weisung gegeben, ihn und die Seinen in bester Freundschaft aufzunehmen und ihm alle Notdurft zu gewähren. Wenn alle oder nur etliche von ihnen auf einem vorhandenen Schiffe abfahren möchten, so solle es ihnen unter jedweder Förderung gestattet sein. Aber der besagte Hauptmann samt seinen Leuten erklärte, bleiben zu wollen und dorthin zu ziehen, wo ich wäre. Von dem dritten Schiffe haben wir bisher nichts vernommen. Da es so lange ausbleibt, ist zu besorgen, es sei ihm übel ergangen. Aber Gott gebe, daß es unversehrt noch ankomme. Das zweite Kapitel Als ich nunmehr aus dem Lande Tepeaka ziehen wollte, bekam ich die Meldung, daß zwei Grafschaften, die der Hauptstadt Temixtitan Untertan gewesen, namens Cekatamni und Xilozingo, abgefallen waren. Und dieweil die Straße von Verakruz nach Segura de la Frontera, dem Hauptort im Lande Tepeaka, durch genannte Gebiete führt, so waren daselbst etliche Hispanier ermordet worden. Auch allerlei andere böse Händel waren allda im Schwange. Um die Straße zu säubern und zu sichern und die Aufrührer zu strafen, falls sie in ihrem Aufstand beharrten, entsandte ich einen meiner Hauptleute, Gonzalo von Sandoval, mit 20 Reitern, 200 Fußknechten und einer Anzahl uns getreuer Indianer, mit dem Befehl, die Abgefallenen im Namen Eurer Kaiserlichen Majestät aufzufordern, sich willig wieder zu unterwerfen. Ich ordnete an, er solle nach Möglichkeit mild verfahren, und nur, wenn sie sich feindselig zeigten, solle er sie mit dem Schwert zum Gehorsam zwingen. Nach beendetem Kriegszuge und nach Einnahme der beiden Grafschaften solle Sandoval mit seiner gesamten Streitmacht nach Tlaskala marschieren, wo ich ihn erwarten wolle. Mit diesem Auftrag ist er zu Beginn des Dezembers 1520 abgerückt. Der Weg dahin beträgt 20 Meilen. Ich selbst bin in der Mitte des Monats Dezember desselben Jahres aus Segura de la Frontera aufgebrochen. Auf die dringliche Bitte der Bürger ließ ich allda einen Hauptmann mit 60 Mann. Das gesamte übrige Fußvolk schickte ich nach der Stadt Tlaskala, die neun oder zehn Meilen entfernt liegt. Daselbst war auf meinen Befehl der Bau von Rennschiffen begonnen worden. Ich selbst ritt mit 20 Reitern nach Cholula, wo meine Anwesenheit heftig begehrt ward, denn es waren daselbst an den Blattern viele Würdenträger und Amtsleute gestorben. Diese Krankheit herrscht hierzulande ebenso wie auf den Inseln Die Blattern waren durch einen Neger im Heere des Narvaez, also 1520, in Neu-Spanien eingeschleppt worden. Die Krankheit brach zuerst in Cempoalla aus. Die Verheerung unter den Eingeborenen war entsetzlich. Ein weiteres unheilvolles Geschenk der Spanier war die Syphilis, an der sehr viele Landsknechte litten. . Man verlangte nach mir, damit ich zusammen mit den Bürgern an Statt der Verstorbenen andere einsetzte. Bei meiner Ankunft sind wir trefflich empfangen worden. Nachdem ich die Wünsche der Cholulaner genügend erfüllt hatte, tat ich ihnen zu wissen, daß ich dabei wäre, gegen die Stadt Temixtitan und das Reich Mexiko Krieg zu führen. Ich ermahnte sie, als Eurer Kaiserlichen Majestät Lehensleute uns Hispaniern Treue bis in den Tod zu halten, wie auch wir ihnen die Freundschaft zu wahren gewillt wären unser Leben lang. Darum sollten sie mir Kriegsvolk stellen und alle Hispanier, die durch ihre Stadt kämen, auf das beste aufnehmen. Solches versprachen sie mir immerdar zu tun. Nach zwei oder drei Tagen verließ ich Cholula und begab mich nach Tlaskala, sechs Meilen von da, wo man ob meiner Ankunft große Freude hatte. Des anderen Tags kamen die Edelleute aus der Stadt und dem ganzen Umlande zu mir und vermeldeten mir, daß Maxixka, der Fürst von Tlaskala, an den Blattern gestorben sei. Sie wüßten, daß mir sein Tod sehr schmerzlich wäre, dieweil er mein Freund gewesen. Er habe einen Sohn von zwölf Jahren hinterlassen, und da diesem seines Vaters Herrschaft gebühre, so baten sie mich auf das untertänigste, ich solle ihn als Erben und Nachfolger einsetzen. Ich tat dies im Namen Eurer Kaiserlichen Majestät und zur Zufriedenheit seiner Untertanen. In Tlaskala fand ich die Schiffsbauer und Zimmerleute bei emsiger Arbeit. Das Werk ging trefflich vonstatten. Jeder wollte der Eifrigste sein. Ich befahl, eilends aus Verakruz hierherzuschaffen Nägel, Ruder, Segel, Takelwerk und alle anderen nötigen Dinge zum Ausbau der Schiffe. Und da es an Pech fehlte, so sorgte ich dafür, daß solches im nahen Gebirge bereitet ward. Es kam mir darauf an, die Rennschiffe sobald wie möglich fertig zu haben, um sie von Tlaskala nach Tezkuko bringen zu lassen, sobald ich samt meinem Kriegsvolk mit Gottes Hilfe selber dorthin gelangt war. In den 14 Tagen, die ich in Tlaskala verweilte, Hab ich mich keinem anderen Geschäft hingegeben als dem, die Zimmerleute anzutreiben. Zwei Tage vor Weihnachten kam der Hauptmann Sandoval mit seinen Reitern und seinem Fußvolk zurück. Er meldete mir, daß sich die Leute von Cekatamni und Xilozingo nach kurzem Kampfe gutwillig ergeben hatten und wieder unter unser Joch gebracht worden waren. Er überantwortete mir etliche Führer des Aufstandes, die zudem schuldig waren, viele Christen umgebracht zu haben. Dieweil sie mir aber feierlich versprachen, fortan fromme und getreue Untertanen Eurer Kaiserlichen Majestät zu sein und zu bleiben, so hab ich sie in Allerhöchstdero Namen begnadigt und sie frei wieder heimziehen lassen. Durch diesen Kriegszug ist die Sicherheit der Straße von Verakruz hergestellt. Am zweiten Weihnachtstage hab ich in Tlaskala eine Heerschau über all mein Kriegsvolk abgehalten. Ich hatte 40 Reiter, 550 Mann zu Fuß, darunter 80 Bogen- und Büchsenschützen, acht Stück Feldgeschütze und eine ziemliche Menge Schießpulver. Die Reiter teilte ich in vier Züge, jeden zu zehn Pferden, und aus den Fußknechten stellte ich neun Kompagnien auf unter neun Hauptleuten, jede 60 Mann stark. Danach hab ich eine Ansprache an die Truppen gehalten: Kameraden und Freunde, wir haben im Dienste Seiner Majestät unseres Kaisers und Kriegsherrn dies Land erobert, um es zu einer hispanischen Niederlassung zu machen. Die Fürsten und das Volk unseres neuen Gebietes hatten sich uns gefügt und waren als Lehensleute und Untertanen Seiner Kaiserlichen Majestät angenommen. Eine Zeitlang sind sie dies verblieben und haben uns Gutes erwiesen wie wir ihnen. Dann aber sind die Einwohner der Hauptstadt Temixtitan und aller ihnen untertänigen Städte ohn alle Ursache wider uns aufgestanden, haben Freunde, Kameraden und Bundesgenossen von uns ermordet und uns aus dem Reiche Mexiko vertrieben. Erinnert euch jener schlimmen und mühseligen Tage! Keiner aber ist unter uns, der es nicht für die heiligste Pflicht erachtete, daß wir, die wir Diener und Mehrer der Macht Christi und unseres Kaisers sind, das Verlorene wiedergewinnen, indem wir tapfer und herzhaft kämpfen, ohne Furcht und ohne Tadel. Es geht nicht nur um unser eigenes Wohl und Wehe, sondern zudem um das unserer getreuen Bundesgenossen. Wir müssen stark sein! In diesem Sinne hab ich im Namen Seiner Kaiserlichen Majestät eine Reihe Kriegsartikel aufgestellt, die euch sollen verlesen werden. Ich ermahne euch, ihnen aufs fleißigste nachzukommen, zur Ehre Gottes des Allmächtigen und unseres Kaiserlichen Herrn. Den Wortlaut dieser Kriegsartikel (Ordenanzas) findet man bei Prescott II, S. 497-501. Bernal Diaz bemerkt hierzu: Erstlich war es uns bei schwerer Strafe verboten, ruchlose Reden gegen Herrn Christus, gegen seine gebenedeite Mutter, gegen die heiligen Apostel und überhaupt gegen alle Helligen zu führen. Zweitens sollte sich niemand unterstehen, einen unserer Bundesgenossen zu mißhandeln oder ihm etwas abzunehmen, auch nicht feindliche Beute, Sklaven, Gold, Silber, Edelsteine und was es sein mochte. Wir sollten bedenken, daß selbige den Krieg nur unsertwegen mitmachten. Drittens sollte keiner von der Mannschaft weder bei Tag noch bei Nacht den Standort verlassen und Orte der Verbündeten aufsuchen, um Lebensmittel beizutrelben oder aus sonst welchem Grunde. Viertens sollte jeder Soldat seine Angriffs- wie Verteidigungswaffen stets im besten Zustande erhalten. Fünftens war alles Spiel um Waffen und Pferde auf das strengste verboten. Sechstens sollte sich jedermann, gleichviel von welcher Waffe, stets völlig bewaffnet und in Stiefeln schlafen legen, und nur in einzelnen Fällen sollten Schwerverwundete oder Schwerkranke von dieser Vorschrift befreit werden. Jedermann müsse jederzeit gefechtsbereit sein. Außerdem wurden die allgemeinen Kriegsgesetze aufs neue bekanntgegeben, denen gemäß es bei Todesstrafe verboten ist, auf Wachtposten zu schlafen oder den Posten zu verlassen. Die nämliche Strafe war auch jedem angedroht, der sich ohne besondere Erlaubnis seines Hauptmanns aus dem Quartier entfernte oder, seine Offiziere im Gefecht im Stiche ließ und sich zur Flucht wandte. Einstimmig haben alle meine Leute gelobt, jedweden Befehl mit Eifer zu erfüllen und allezeit Leib und Leben für Eure Kaiserliche Majestät und unseren christlichen Glauben einzusetzen, um das Land Mexiko von neuem zu erobern und den an uns und unseren Bundesgenossen begangenen Verrat zu rächen. Ich dankte ihnen in Allerhöchstdero Namen, und so rückten wir froh und zufrieden in unsere Quartiere. Das dritte Kapitel Am Tage darauf, am Johannstage, den 27. Dezember, hab ich alle Edelleute des Landes Tlaskala zu mir berufen, und als sie versammelt waren, hab ich ihnen gesagt, ich wäre willens, am nächsten Tage wider den Feind zu rücken. Sie wüßten, daß man die Hauptstadt Temixtitan nicht ohne Schiffe belagern und erstürmen könne. Deshalb hätte ich den Bau von Rennschiffen angeordnet. Ich bäte sie, die damit beschäftigten Schiffs- und Zimmerleute, sowie alle, die ich hier zurückließe, freundlichst zu behandeln, wie ich das von ihnen gewohnt sei, und ihnen alles zu verschaffen, was sie nötig hätten. So uns Gott der Allmächtige den Sieg gäbe, möchten sie alsdann alles bereit halten, damit mir die Schiffsteile nach Tezkuko geschickt werden könnten, sobald ich darum schriebe. Solches versprachen sie mir zu tun. Abgesehen von den nötigen Trägern für die Rennschiffe, boten sie mlr all ihr Kriegsvolk an, um den Zug der Schiffe über Land bis zu meinem Standorte zu geleiten. Sie seien bereit, mit mir zu sterben oder zu leben, um sich an ihren Todfeinden, den Leuten von Mexiko, zu rächen. Am 28. Dezember, am Tage der Unschuldigen Kinder, bin ich mit meiner ganzen Streitmacht wohlgerüstet und geordnet ausgezogen. Sechs Meilen von Tlaskala, in einem Dorfe namens Tezmellokan, das zur Grafschaft Huexozinko gehört, am Fuße des hohen Gebirges, blieben wir über Nacht. Die Leute dort hatten allezeit zu uns gehalten und tun es noch heute. Wie bereits in meinem vorigen Berichte vermeldet, hatten die Leute von Mexiko und Temixtitan sich und ihr ganzes Reich in Kriegsbereitschaft gesetzt und allerorts Wälle, Gräben, Sperren und anderes Bollwerk errichtet, um uns den Einfall zu wehren, uns zu widerstehen und uns Schaden zuzufügen. Daß ich mir vorgenommen, einen Feldzug wider sie zu führen, wußten sie gar wohl. Nachdem ich ihre Zurüstungen erfahren hatte, und da ich die verwegene, hitzige und verschlagene Art ihrer Kriegshändel kenne, hab ich lange nachgedacht, an welcher Stelle ich den Einfall in ihr Land machen solle, um sie unversehens zu überfallen. Drei Zugangswege waren mir bekannt. Ich beschloß, über Tezmellokan einzubrechen, dieweil dieser Weg der steilste und schwierigste ist, wobei ich vermeinte, an diesem Paß am wenigsten Widerstand und nur geringe Wachsamkeit zu finden. Am 29. Dezember, nach der Messe, marschierten wir von Tezmellokan ab. Ich selber führte die Vorhut aus zehn Reitern und 60 meiner besten Fußknechte. In Ordnung und Bereitschaft, soweit das in den Bergen möglich war, zogen wir den Paß hinan. Als wir das genannte Dorf vier Meilen im Rücken hatten, oben auf der Höhe des Passes, an der Grenze von Mexiko, lagerten wir uns zur Nacht. Da es bitter kalt und viel Holz am Orte war, brannten wir uns große Feuer an. Am anderen Tage, einem Sonntage, ging unser Marsch in der Morgenfrühe weiter, nunmehr den Paßweg abwärts. Ich sandte vier Reiter und vier Mann zu Fuß als Aufklärer voraus. Darauf begannen die übrigen hinabzuziehen, zuerst die Reiter, dann die Büchsen- und Armbrustschützen, zuletzt das übrige Volk nach gewohntem Kriegsbrauch. Wenn ich auch verhoffte, die Feinde zu überraschen, so war ich daneben doch besorgt, daß sie in einem Hinterhalt liegen und uns im Marsche angreifen könnten. Wie nun die vier Reiter und die vier Mann zu Fuß die Straße hinabzogen, kamen sie an einen Verhau von starken Fichtenstämmen, der quer über den Weg errichtet war, offenbar erst unlängst. Im Weitermarsche fanden sie immer mehr solcher Verhaue. Und dieweil die Straße durch unwegsamen dichten Wald ging, sind sie kaum noch vorwärts gekommen und in Sorge geraten, es möchten am Ende Feinde hinter einem Verhau lauern. Da sie überdies bedachten, wie wenig ihnen hier die Pferde nützten, gerieten sie alsbald in Furcht. Da sagte einer der Reiter zu den anderen: Kameraden, was denkt ihr? Wollen wir weiterreiten oder umkehren und unserm Generalkapitän von den Verhauen melden und von der Gefahr, daß wir hier unsere Pferde nicht gebrauchen können? Seid ihr aber anderer Meinung, so laßt uns weiterziehen! Ich schlag mein Leben gern in die Schanze, denn es ist nicht mehr wert als das der anderen. Es gilt vorwärts zu kommen! – Die anderen nun meinten, umzukehren sei nicht nötig, da noch kein Feind zu sehen wäre, und man auch noch nicht wisse, wie der Weg weiter unten wäre. Also zogen sie weiter. Da sie aber sahen, daß es nicht anders wurde, machten sie halt und sandten einen der Fußknechte zu mir mit einer Meldung hierüber. Darauf empfahl ich mich Gott dem Allmächtigen, setzte mich vor meine Reiter und rief den Fußknechten zu, scharf auszuschreiten, damit wir bei guter Zeit in die lichte Ebene hinabkämen. Sobald ich vorn bei den vier Reitern war, sind wir vorwärts gerückt und nach einer halben Meile glücklich vor die Ebene gelangt. Allda machten wir halt und erwarteten die übrigen. Nachdem sie herangekommen waren, hab ich ihnen befohlen, Gott zu danken, dieweil er uns bis hierher gesund und unangefochten geführt hatte. Von der Stelle, da wir standen, hatten wir einen weiten Blick auf das ganze Reich Mexiko, die Hauptstadt und den großen See. Aber bei aller Freude, dies zu schauen, gedachten wir doch unserer Verluste von ehedem und waren traurigen Sinnes. Und wir gelobten uns einander, entweder zu siegen oder aber Leib und Leben zu lassen. Von solchem Willen beseelt, zogen wir fröhlich weiter wie zu einem Feste. Nunmehr merkten die Feinde unseren Anzug und gaben dies dem ganzen Lande durch mächtige Rauchzeichen kund. Noch einmal wandte ich mich an mein Kriegsvolk und ermahnte es mit Güte und Ernst, auch fürderhin jedwede Pflicht getreulich zu erfüllen wie bisher. Vor allem müsse Ordnung beim Marsche gehalten werden. Schon begann das wilde Geheul der Indianer drunten in den Dörfern und Höfen der Ebene, womit sie sich gegenseitig in Acht setzten, um uns die letzten Engen zu verlegen, die wir noch zu durchschreiten hatten. Wir aber beeilten uns, so daß wir völlig in die Ebene kamen, ehe sich die Feinde zu größeren Haufen zusammenrotteten. Nur einmal lagen uns Indianer im Wege. Ich ließ 15 Reiter wider sie vorrücken, die etliche von ihnen mit ihren Lanzen erlegten und verwundeten, ohne daß wir Verluste oder Verletzungen erlitten. Danach setzten wir unseren Marsch fort auf die Stadt Tezkuko zu. Die Landschaft, durch die wir zogen, ist die schönste in diesem so wunderbaren Reiche. Da aber die Fußknechte müde waren und dieweil die Nacht anbrach, blieben wir in einer kleinen Stadt namens Koatepek, drei Meilen vor Tezkuko. Im Orte war keinerlei Volk zu finden. Da die Grafschaft Akuluakan, zu der diese Stadt gehört, groß und volkreich ist, so daß sich an die 150000 Mann irgendwo mochten versammelt haben, so hatt ich Sorge, man könne uns überfallen, und war deshalb auf der Hut. Die erste Wache hab ich mit zehn Reitern in Person übernommen und dem Fußvolk befohlen, gerüstet zu bleiben. Am letzten Dezembertage brachen wir früh in voller Ordnung auf. Als wir eine Viertelmeile marschiert waren, während einer mit dem anderen erwog, ob man uns in Tezkuko wohl friedlich oder feindlich empfange, da kamen uns vier vornehme Indianer entgegen mit einer goldenen Fahne, dem Zeichen, daß sie uns in Freundschaft nahten. Gott der Allmächtige weiß, wie sehr uns dieses Sinnbild des Friedens erfreute, und wie sehr es uns vonnöten war! Denn unser Häuflein war winzig klein und wir mitten im Lande unserer Feinde. Als ich die vier Indianer wahrnahm, unter denen einer war, den ich gut kannte, da ließ ich mein Kriegsvolk haltmachen und ritt allein vor. Nachdem wir einander hatten begrüßt, begannen sie zu reden. Sie kämen im Namen der Stadt Tezkuko und des ganzen Fürstentums Akuluakan. Ihr Gebieter, Herr Koanako, bäte mich untertänigst, ihm und seinem Lande nicht Gewalt anzutun. Sie hätten keine Schuld an dem Schaden, der uns ehedem wäre zugefügt worden. Dessen Urheber wären die Herren von Temixtitan. Sie aber seien Eurer Kaiserlichen Majestät Lehensleute und unsere guten Freunde. Wir mochten in ihre Stadt einziehen und an ihrem Tun und Treiben erkennen, wes Sinnes sie zu uns seien. Nachdem sie ihre Rede und ihr Ansuchen geendet hatten, hab ich ihnen durch einen Dolmetsch Antwort gegeben. Sie seien mir herzlich willkommen, und ihr Anerbieten erfreue mich sehr. Aber sie wüßten doch wohl, daß mir unlängst in ihrem Gebiete, sechs Meilen von Tezkuko entfernt, fünf Reiter und 45 Fußknechte samt 300 indianischen Lastträgern aus Tlaskala umgebracht und mir dabei eine Menge Gold, Silber, Stoffe und andere Dinge geraubt worden wären. Dafür gäbe es wahrlich keine Entschuldigung, sondern gestrenge Strafe an Leib und Leben; aber dennoch sei ich bereit, Frieden mit ihnen zu machen, unter der Bedingung, daß man mir das Geraubte wieder zustellen wolle. Sie entgegneten mir, alle Beute wäre nach Temixtitan geschleppt worden; wenn wir aber irgendwo etwas fänden, worauf wir Anspruch hätten, so solle uns solches sofort wiedergegeben werden. Sodann fragten sie mich, ob ich die Nacht in ihrer Stadt Quartier nehmen möchte oder in einem der beiden Vororte Koatlinchan und Huexotla, eine halbe Meile vor der Stadt. Offenbar war ihnen das letztere angenehm, wie mir hinterher klar geworden ist. Ich gab ihnen aber die Antwort, ich wolle nicht eher rasten als in Tezkuko, worauf sie mir eine glückliche Reise wünschten. Indem sie mir verhießen, die Quartiere für uns vorzubereiten, gingen sie von uns. In den genannten beiden Vorstädten kamen uns etliche Vornehme entgegen, empfingen uns sehr freundlich und überwiesen uns Lebensmittel. Um Mittag sind wir sodann in die Stadt selbst eingerückt. Unser Quartier war ein Palast, der ehedem dem Vater des Fürsten Koanako gehört hatte. Ehe das Kriegsvolk wegtrat, ließ ich bekanntgeben, daß bei Todesstrafe niemand ohne mein Wissen das Quartier zu verlassen hätte. Der uns angewiesene Palast war so geräumig, daß wir darin allesamt bequem Herberge fanden. Wir hätten unsrer sogar noch einmal soviel sein können. Besagten Befehl aber hatte ich erlassen, damit sich die Bürger der Stadt nicht sollten beunruhigen. Es war mir beim Einzüge aufgefallen, daß in den Gassen viel weniger Leute denn ehedem zu sehen waren, und vor allem weder Weiber noch Kinder. Das vierte Kapitel Als wir nun am Neujahrsabend in Tezkuko eingerückt und im Quartier waren, überlegten wir uns, warum wir in dieser Stadt, die doch sonst so volkreich ist, nur wenige Leute fanden, und daß diese wenigen unruhlg und mürrisch waren. Wir mutmaßten, man käme aus Furcht nicht zum Vorschein, und achteten deshalb nicht weiter darauf. Als aber die Nacht anbrach, ließ ich etliche Hispanier auf einen hohen Söller steigen, um die ganze Stadt zu überschauen. Da nahmen sie wahr, daß Scharen von Bürgern im Abzuge nach dem nahen großen See waren und ihr Hab und Gut zu Schiffe brachten, während ein andrer Teil der Einwohner dem Gebirge zustrebte. Wiewohl ich sofort den strengen Befehl gab, die Flucht der Leute zu verhindern, war dies vergebens, dieweil die Nacht dazwischen kam. Auch der Herr der Stadt samt den Vornehmsten, die ich gern in meiner Hand gehabt hätte, waren nach Temixtitan entwichen, das von dort noch sechs Meilen entfernt ist. Jetzt erkannte ich, daß die mir entgegengeschickten Gesandten nur zu mir gekommen waren, um mich aufzuhalten. In den drei Tagen, die wir in der Stadt verblieben, hatten wir mit den Indianern keinerlei Zusammenstoß, da sie es nicht wagten, uns anzugreifen, wir aber auch kein Begehr danach hatten. Mein Sinn war darauf gerichtet, mit ihnen Frieden zu haben. Da kamen zu mir die Vornehmen von Koatlinchan, Huexotla und Atengo, den drei Vororten der Stadt, und baten mich unter Tränen, ich möge ihnen verzeihen, daß sie ihre Dörfer verlassen hätten. Es wäre wahrlich nicht aus eigenem Willen geschehen, und sie seien bereit, alles zu tun, was ich ihnen im Namen Eurer Kaiserlichen Majestät auferlege. Ich antwortete ihnen durch einen Dolmetsch, sie müßten doch wissen, daß ich es allezeit gut und ehrlich mit ihnen gehalten hätte, und also wäre es unrecht von ihnen, daß sie ihre Orte verlassen und sich mir dadurch feindselig gezeigt hätten. Da sie jetzt aber in Freundschaft gekommen wären, so wolle ich ihnen gestatten, mit Weib und Kind wiederum in ihre Heimat zu ziehen. Wie sie sich fortan in Worten und Werken gegen uns verhielten, also sollten auch sie von mir gehalten werden. Danach gingen sie, wie mir schien, zufrieden von mir. Als die Herren von Mexiko und Temixtitan vernahmen, daß sich die Leute von Koatlinchan, Huexotla und Atengo Eurer Kaiserlichen Majestät unterworfen hatten, schickten sie eilends Boten zu ihnen, die ihnen vorhielten, wie übel sie in diesem Fall gehandelt hatten. Wenn es aus Furcht geschehen wäre, so hätten sie wohl vergessen, wie mächtig Temixtitan wäre, so mächtig, daß es stark genug sei, alle Hispanier samt allem Volk aus Tlaskala mit einem Schlage zu vernichten. Und dies stünde nahe bevor. Wenn jenes aber geschehen wäre, um ihr Hab und Gut zu sichern, so sollten sie nur nach Temixtitan kommen, wo sie größere und bessere Güter bekommen könnten. Die Vornehmen von Koatlinchan und Huexotla hörten sich dies an, ergriffen die Boten und überantworteten sie mir. Ich vernahm sie, und selbige sagten mir, sie wären nur darum hergekommen, um die Leute der genannten drei Orte zu Mittlern zu machen. Da diese unsere Freundschaft erlangt hätten, so sollten sie auch zwischen mir und den Herren von Mexiko Frieden stiften. Die Edlen von Koatlinchan und Huexotla sagten mir aber, dies wäre erdichtet und unwahr, und die in Mexiko und Temixtitan hätten nichts andres im Sinn, als mit uns Krieg zu führen und uns zu verderben. Gleichwohl stellte ich mich, als glaubte ich den Boten, und zwar aus der Ursache, daß ich erhoffte, mit den Herren von Temixtitan ohne Gewalt in Freundschaft zu gelangen. Denn wenn ich mit diesen in Frieden war, so war ich mit dem ganzen Lande in Frieden. Andernfalls aber hatte ich allerorts Aufstand und Kampf. Also ließ ich die gefangenen Boten wieder frei und sagte zu ihnen, sie sollten ihren Herren vermelden, daß ich nicht als Feind wider Temixtitan zöge, wiewohl ich Ursach und Recht dazu hätte. Ich wäre vielmehr ihr guter Freund wie zuvor. Und um sie noch williger zu machen, fügte ich hinzu, ich wisse sehr wohl, daß die Hauptschuldigen am Aufstande wider mich und die Hispanier inzwischen mit dem Tode abgegangen wären. Was geschehen wäre, möge geschehen sein. Ich gedächte dessen nicht mehr. Nur sollten sie uns nicht von neuem Anlaß geben, Krieg wider sie führen und ihnen Stadt und Land verheeren zu müssen. Dazu spürte ich wenig Lust. Indem sie mir erklärten, sie wollten wiederkommen und Antwort von ihren Herren bringen, zogen sie ungehindert von dannen. Sieben oder acht Tage blieben wir in Tezkuko, ohne daß wir Widerwärtigkeiten hatten. Wir befestigten unser Quartier und rüsteten uns, aber es griff uns niemand an. Um den Feind aufzusuchen, zog ich nun aus der Stadt mit 20O Hispaniern, darunter 18 Reitern, 30 Armbrustern und zehn Büchsenschützen, sowie mit 3 bis 4000 uns verbündeten Indianern, marschierte am See hin und kam vor Iztapalapan an, einer Stadt, die auf dem Wasserwege zwei Meilen von Temixtitan und sechs Meilen von Tezkuko entfernt liegt. Der Ort hat 10000 Häuser, von denen die meisten in den See gebaut sind. Herr der Stadt war ehedem ein Bruder des Herrn Montezuma; sein Nachfolger war der Urheber des Aufstandes wider uns und unserer Vertreibung aus der Hauptstadt. Deshalb und insonderheit, dieweil ich erfahren hatte, daß die Leute von Iztapalapan arglistigen und feindseligen Sinnes gegen uns waren, entschloß ich mich, die Stadt anzugreifen. Wir standen noch zwei Meilen davor, da merkten sie unseren Anmarsch. Alsbald erschien feindliches Kriegsvolk zu Wasser und zu Lande, sowohl im Felde wie in Kähnen auf dem See, so daß wir das letzte Stück Wegs in einem fort fechtend zurücklegen mußten. Nahe bei der Stadt liegt ein Steindamm, der den großen Salzsee vom Süßwassersee trennt. Bei unserem Angriff öffnete man das Wehr, so daß die Salzflut das ganze Land überschwemmte. Ungeachtet dieser Tücke haben wir die Stadt erstürmt. Wir fanden die Häuser, die auf dem Lande gebaut sind, verlassen. Alles Volk war mit Hab und Gut in die Häuser geflohen, die im See stehen. In diesem Teil der Stadt wehrten sie sich tapfer weiter. Aber auch diese Häuser nahmen wir und trieben die Verteidiger in den See hinein. Mehr denn 6000 Männer, Weiber und Kinder kamen dabei um, sonderlich unter den Händen der Indianer, die auf unserer Seite waren, die alles niederstachen, was ihnen vor die Waffen kam. Ein Tell der Stadt ging in Flammen auf. Da die Nacht schon stark angebrochen war, versammelte ich mein Kriegsvolk. Angesichts des Brandes fügte es Gott der Allmächtige, daß ich wieder an den Damm zwischen den Seen dachte und an die große Gefahr, die uns dadurch drohte. Eilends marschierte ich in voller Ordnung von der Stadt ab und erreichte um die neunte Stunde, in der Finsterheit das feste Land jenseits der Überschwemmung. Das Wasser strömte so wild und ungestüm und war sehr bald so tief, daß wir nur unter großer Gefahr hindurchzogen, wobei etliche meiner Indianer ersoffen und die ganze Beute verloren ging, die wir in der Stadt gemacht hatten. Eure Kaiserliche Majestät mögen mir glauben, daß wir allesamt hätten ertrinken müssen, wenn wir nicht noch am selbigen Abend hindurchgegangen wären und nur drei Stunden länger gesäumt hätten, denn das ganze Land in und um die Stadt ward unter Wasser gesetzt. Am folgenden Morgen haben wir dies erkannt. Ich marschierte nach Tezkuko zurück. Uns zur Linken, auf dem See, verfolgten uns Kähne, voll von feindlichem Kriegsvolk. Aber wir konnten ihnen wenig antun, dieweil sie bei jeglichem Angriff zurückwichen. In Tezkuko fand ich die daselbst zurückgelassenen Hispanier unbehelligt wieder vor. Unsere Rückkehr und unser Sieg machte ihnen viel Freude. Am anderen Tage starb ein Hispanier, der vor Iztapalapan war verwundet worden. Er wer der erste, der auf diesem Feldzug fiel. Am Tage darauf kamen Gesandte zu mir aus Otumba und aus vier anderen Orten der Nachbarschaft im Umkreise von vier bis sechs Meilen. Selbige baten mich, ihnen allergnädigst zu verzeihen, daß sie ehedem am Kriege wider mich hatten teilgenommen. Eure Kaiserliche Majestät werden sich erinnern, daß es bei Otumba war, wo uns nach unserem Abzug aus der Hauptstadt die ganze Macht von Temixtitan und Mexiko entgegentrat, in der Hoffnung, uns den Rest zu geben. Offenbar sahen die Leute von Otumba sehr wohl ein, daß sie sich nicht damit konnten entschuldigen, uns damals auf höheren Befehl angegriffen zu haben. Um mich aber milder zu stimmmen, vermeldeten sie mir, daß die Herren von Temixtitan ihnen unlängst hatten sagen lassen, sie möchten im Bunde mit ihnen bleiben und nicht unsere Freunde werden, andernfalls wolle man sie bekriegen und vernichten. Ungeachtet dieser Drohung seien sie aber doch willens, Eurer Kaiserlichen Majestät Lehensleute und Untertanen zu sein und allen meinen Befehlen nachzukommen. Ich gab ihnen zur Antwort, daß sie wahrhaftiglich Strafe wegen ihrer Feindseligkeit von ehedem verdient hätte; aber ich wolle ihren Worten glauben und sie verschonen, wenn sie mir die Boten aus Temixtitan unverzüglich überantworteten, desgleichen alle die von meinen Feinden, die man auf ihrem Gebiete ergriffe. Geschähe dies nicht, so könne ich sie nicht begnadigen. Mit dem Versprechen, Eurer Kaiserlichen Majestät treu und gehorsam sein zu wollen, sind sie in ihre Heimat zurückgekehrt. Das fünfte Kapitel Eurer Kaiserlichen Majestät hab ich in meinem vorigen Bericht alleruntertänigst erzählt, daß auf unserem Rückzüge von Temixtitan alle Kinder des Herrn Montezuma, desgleichen der Fürst von Tezkuko namens Kakama, sowie noch viele andere Fürsten und Edelleute, die meine Gefangenen waren, unter den Geschossen der Feinde umgekommen sind, mit Ausnahme von zwei Brüdern des genannten Herrn Kakama, die das Glück hatten, zu entrinnen. Der eine dieser beiden Prinzen, Kuikuitzka geheißen, den ich ehedem im Namen Eurer Kaiserlichen Majestät und im Einverständnis des Herrn Montezuma zum Fürsten von Tezkuko und der Landschaft Akuluakan gemacht hatte, war um diese Zeit aus Tlaskala, wo ich ihn gefangengehalten hatte, entwischt und nach Tezkuko gekommen. Dieweil nun aber inzwischen sein Bruder Koanako zur Herrschaft gelangt war, von dem ich auch bereits einmal geredet habe, so ward er von diesem ergriffen und umgebracht. Ein dritter Bruder, der jüngste, war in meiner Hand verblieben. Er hatte von Kindheit auf unsere Sitten angenommen und war auch Christ geworden. Don Fernando war sein Taufname. Als ich Tlaskala verließ, um wider Temixtitan zu ziehen, ließ ich ihn daselbst in der Obhut etlicher Hispanier. Was sich dann weiter mit ihm zugetragen hat, werde ich später berichten. Am Tage nach meiner Rückkehr von Iztapalapan nach Tezkuko beschloß ich, den Hauptmann Gonzalo von Sandoval mit 20 Reitern und 200 Mann zu Fuß (Armbrustern und Büchsenschützen sowie Spießern) mit zwei wichtigen Aufträgen zu entsenden. Erstlich sollte er etliche Boten geleiten, die ich nach Tlaskala schickte, um dort zu erkunden, wie es um den Bau der 13 Rennschiffe stünde, und um noch allerlei anderes Nötige zu besorgen. Zweitens sollte er den rückwärtigen Weg säubern und sichern, so daß die Hispanier in guter Hut von Verakruz bis Tezkuko kommen und gehen könnten. Bis dahin nämlich war diese Reise nur unter großen Gefahren zu machen. Ich gab dem Hauptmann Sandoval den Befehl, nachdem er die Boten bis in die sichere Gegend geleitet hätte, solle er nach der Landschaft Chalko rücken, dem Nachbargebiet von Akuluakan. Mir war vermeldet worden, daß die dortigen Landesleute, obwohl sie im Bunde mit den Leuten von Mexiko waren, Eurer Kaiserlichen Majestät Untertanen werden wollten. Da aber etliches Kriegsvolk aus Temixtitan bei ihnen als Besatzung lag, so wagten sie nicht recht, zu uns zu halten. Genannter Hauptmann brach also auf, mit ihm alle Indianer aus Tlaskala, die unser Gepäck hierhergetragen hatten, auch andere, die als Hilfsvolk mit uns gezogen waren und mancherlei Kriegsbeute gewonnen hatten. Anfangs hatte Sandoval Hlspanier in die Nachhut gestellt, um feindliche Angriffe abzuwenden, später aber marschierten die Tlaskalaner als Letzte. Wie die Feinde dies vom See her wahrnahmen, überfielen sie die Tlaskalaner, jagten ihnen ihre Beute ab und brachten etliche von ihnen um. Sandoval eilte mit seinen Rettern und Fußknechten herbei und trieb die Feinde wieder zurück, wobei eine Menge von ihnen verwundet wurden und fielen. Die Überbleibenden flohen nach dem See und in die Ortschaften am Gestade. Danach erreichten die Tlaskalaner mit dem Rest ihrer Habe ihre Heimat, zugleich mit ihnen kamen die Boten an, die ich dahin abgefertigt hatte. Nunmehr wandte sich der Hauptmann Sandoval gegen die Grafschaft Chalko. Am zweiten Tage frühmorgens sah er vor sich eine große Schar gewappneter Feinde. Als sich dann beide Gegner im Felde in Ordnung gegenüberstanden, machten die Unsrigen einen Angriff und zersprengten mit den Reitern die feindliche Linie, so daß der Sieg alsbald für uns entschieden war. Mit Feuer und Schwert taten wir das übrige. Die Sicherheit der Straße war hergestellt. Alsbald kam eine Gesandtschaft aus der Stadt Chalko, uns ihre Freundschaft zu verheißen. Darauf zogen die Unsrigen wieder ab und kamen am Abend nach Tezkuko zurück. Bald nach ihrem Einrücken erschien die Gesandtschaft vor mir und brachte mir Gold im Werte von 300 Kastilianern. Unter den Edelleuten waren zwei Söhne des Herrn von Chalko. Sie sagten mir, ihr Vater wäre unlängst verstorben und seine letzten Worte hätten mir gegolten. Der größte Schmerz seines Lebens wäre es gewesen, daß er hätte sterben müssen, ehe er mich gesehen. Er hätte immer auf mich gewartet. Da dies ihm nun nicht beschieden wäre, so habe er seinen Söhnen befohlen, mich freundlich zu empfangen, sobald ich in das Land käme, und mich als ihren Vater und Herrn anzusprechen. Auf die Kunde von meiner Ankunft wären sie gern sogleich zu mir gekommen, aber aus Furcht vor den Mexikanern hätten sie es nicht gewagt, bis mein Hauptmann in ihr Land gekommen wäre. Dies und anderes mehr brachten sie unter Tränen vor. Ich dankte ihnen für ihren guten Willen und versprach, ihnen alle Wünsche zu erfüllen. Seitdem haben sie sich treu und gehorsam in allem gezeigt, was ich ihnen im Namen Eurer Kaiserlichen Majestät anbefohlen habe. Die beiden Söhne des Grafen von Chalko und ihr Gefolge blieben einen Tag bei mir. Beim Abschied baten sie mich, ihnen Kriegsvolk zum Geleite zu geben. Also zog der Hauptmann Gonzalo von Sandoval nebst etlichen Reitern und Fußknechten mit ihnen. Ich befahl ihm, sich nach verrichtetem Dienst gen Tlaskala zu begeben, um die dortigen Hispanier sowie den Fürsten Ferdinand, den Bruder des Herrn Kakama, dort abzuholen und mir herzubringen. Nach vier oder fünf Tagen kam der Hauptmann zurück und brachte mir die genannten Hispanier und den Fürsten. Da diesem die Herrschaft von Tezkuko gebührte, nachdem sein Bruder Koanako die Stadt verlassen und nach Temixtitan gegangen war, hab ich ihn im Namen Eurer Kaiserlichen Majestät in seine Herrschaft eingesetzt. Die Bürger von Tezkuko, obgleich ihrer nur wenige da waren, haben ihn als Herrn anerkannt. Fortan zogen auch viele, die ehedem geflohen waren, in die Stadt und in das Land zurück. Also ist die Stadt wieder zu Volk und Ordnung gekommen. Zwei Tage darnach kamen zu mir die Edlen von Koatlinchan und Huexotla und meldeten mir, sie hätten als sicher erfahren, daß die ganze Streitmacht des Landes Mexiko wider mich und die Hispanier im Anzug wäre. Ich möge befehlen, ob sie ihre Frauen und Kinder nach Tezkuko oder lieber ins Gebirge bringen sollten. Sie wären voller Furcht und Schrecken. Als ich solches vernahm, tröstete ich sie und ermahnte sie, sich nicht zu fürchten und daheim zu bleiben. Mein sehnlichster Wunsch wäre, mich mit den Mexikanern im Felde zu schlagen. Sie aber möchten sich rüsten, durch das ganze Land Aufklärer schicken und, was sie vom Feinde hörten oder sähen, mir eilends melden. Mit diesem Befehl von mir und dem Versprechen ihrerseits, dem nachzukommen, zogen sie davon. Noch am selbigen Tage stellte ich allerorts, wo es vonnöten war, Posten aus. Die ganze Nacht schliefen wir nicht und betrieben nichts anderes. Also warteten wir die Nacht und den folgenden Tag immerdar auf den Feind. Da ward mir gemeldet, daß am Ufer des Sees Trupps feindlicher Indianer umherstreiften, in der Absicht, die Tlaskalaner abzufangen, die zu mir und von mir unterwegs waren, um in den Besitz ihrer Lasten zu gelangen. Auch erfuhr ich, daß sie ein Bündnis mit zwei zu Tezkuko gehörigen Dörfern wider uns gemacht hatten, und daß sie Gräben und Schanzen zu ihrer Verteidigung aufwarfen. Ich nahm 12 Reiter, 200 Mann zu Fuß und 2 kleine Feldgeschütze und zog am Tag darauf mit ihnen gegen die Feinde, die anderthalb Meile vor der Stadt ihr Unwesen trieben. Im Anmarsche traf ich auf etliche feindliche Aufklärer, die in einem Versteck lauerten, überraschte sie und erlegte die meisten davon, während die übrigen in den See flohen. Alsdann erstürmten wir die beiden Dörfer, setzten sie in Brand und kehrten fröhlich in unsere Stadt zurück. Das sechste Kapitel Die Hispanier, die ich zum Bau der Rennschiffe in Tlaskala gelassen hatte, erfuhren, daß in Verakruz ein Schiff angekommen war mit 3O oder 40 Hispaniern, nicht gerechnet die Schiffsleute, dazu 8 Pferden und einem Vorrat an Hakenbüchsen und Schießpulver. Man wußte nun aber in Tlaskala nicht, wie mein Feldzug stand, und war darob sehr traurig. Wiewohl daselbst etliche Hispanier waren, so sind sie doch nicht so kühn gewesen, sich auf den unsicheren Weg zu mir zu machen, um mir die gute Nachricht zu überbringen. Schließlich aber wagte es ein Knecht, brach bei Nacht auf und kam glücklich nach Tezkuko. Wir waren nicht wenig verwundert, daß ihm dies gelungen war. Der neuen Kunde aber freuten wir uns gar sehr, denn wir bedurften des Nachschubs. Am selbigen Tage trafen bei mir ein etliche Boten aus der Stadt Chalko, gute und brave Leute, die mir vermeldeten, daß die Mexikaner dabei wären, über sie herzufallen und sie zu vernichten. Sie baten mich, ihnen in ihrer Not Beistand zu senden. Im Namen Eurer Kaiserlichen Majestät erwiderte ich ihnen, es sei mir wahrhaft schmerzlich, ihnen als meinen Freunden zurzeit nicht helfen zu können. Wiewohl ich immerdar bemüht bin, die indianischen Lehensleute Eurer Kaiserlichen Majestät zu unterstützen, dieweil es mich dünkt, daß ich Allerhöchstdero Macht hierzulande durch solches in hohem Maße mehre, so hinderten mich in diesem Falle die Umstände, etwas für besagte Stadt zu tun. Also erklärte ich den Boten, ich müsse gerade jetzt alle mir entbehrlichen Reiter und Fußknechte nach Tlaskala schicken, um meine Rennschiffe von dort herzuschaffen. Da sie nun wüßten, daß die Indianer von Huexozinko, Churultekal und Huaquechula auch Lehensleute Eurer Kaiserlichen Majestät und unsere guten Freunde wären, und da diese doch ihre Nachbarn seien, so möchten sie sich an selbige wenden und sie in meinem Namen um Hilfe angehen, damit ihre Stadt Schutz hätte, bis Hilfe von mir käme. Auf andere Weise könne ich ihnen im Augenblick weder mit Rat noch Tat dienen. Obgleich ihnen dies nicht so angenehm war, als wenn ich ihnen etliche Hispanier zugeteilt hätte, so sagten sie mir trotzdem ihren Dank, nur baten sie mich, ihnen wenigstens ein Handschreiben mitzugeben, damit man ihnen glaube und sie die erbetene Hilfe sicher erhielten. Freundschaft nämlich bestand zwischen den Leuten von Chalko und ihren genannten Nachbarn nicht. Während ich dies anordnete, kamen just Boten zu mir aus den Grafschaften Huexozinko und Huaquechula und sagten mir im Beisein der Gesandten aus Chalko, daß ihre Herren von mir keinerlei Kunde hätten, seitdem ich Tlaskala verlassen. Indessen stünden ihre Wachen allezeit auf den Höhen an ihrer Grenze, um Ausschau nach Mexiko und Temixtitan zu halten, und dieweil sie viele Rauchsäulen bemerkt hätten – das herkömmliche Zeichen des Krieges –, so wären sie bereit, mir mit all ihrem Kriegsvolk zu Hilfe zu eilen. In den letzten Tagen sei mehr Rauch denn je zu sehen gewesen. Deshalb kämen sie, zu fragen, wie es um mich stünde. Wenn ich ihrer Hilfe bedürfe, so könne eilends ein Haufen Kriegsvolk kommen. Ich dankte ihnen und sagte, durch Gottes Gnade ginge es mir und meinen Hispaniern gut, und wir hätten bisher auch allerwegen über unsere Feinde gesiegt. Von ihrem guten Willen zu hören, bereite mir große Freude, zumal in Gegenwart der Leute aus Chalko. Dieweil sie ebenso wie diese Eurer Kaiserlichen Majestät Lehensleute wären, so läge es mir nun am Herzen, alle drei Länder zu Freunden untereinander zu machen. Gerade jetzt hätten die Chalkoaner nachbarliche Hilfe sehr nötig, denn die Mexikaner bedrohten sie mit einem Überfall. Also machten sie miteinander einen Bund, und nachdem sie allesamt zwei Tage bei mir verweilt hatten, zogen sie wohlgemut und zufrieden ihrer Wege und standen fortan einander bei in der Not. Drei Tage darauf ward mir gemeldet, daß die 13 Rennschiffe fertig waren und daß die Träger bereitstünden. Sofort entsandte ich den Hauptmann Gonzalo von Sandoval mit 15 Reitern und 200 Fußknechten, um die Schiffsteile nach Tezkuko zu geleiten. Zugleich gab ich ihm den Befehl, unterwegs das Dorf Zoltepek der Erde gleichzumachen. Dieser ziemlich große Ort gehörte zum Lande Tezkuko und lag an der Grenze der Gebiete von Tezkuko und Tlaskala. Als ich damals in Temixtitan eingeschlossen war, hatte man mir 5 Reiter und 45 Fußknechte, die auf dem Marsche von Verakruz nach Mexiko waren, in Zoltepek ermordet. In einem der Götzentempel von Tezkuko hatte ich die Häute der fünf Pferde, kunstvoll ausgestopft, und mancherlei andere Dinge aus dem Besitz der Ermordeten als Siegeszeichen vorgefunden. Der Mord war auf tückische Welse geschehen. Als die Hispanier nämlich auf ihrem Marsche durch Zoltepek kamen, waren sie zuerst ganz freundlich empfangen worden, um sie sicher zu machen und sie dann um so grausamer umzubringen. Als sie eine steile Stelle der Straße abwärts zogen, alle zu Fuß, auch die Reiter, hie ihre Pferde am Zaum führten, da wurden sie plötzlich von beiden Seiten von feindlichen Scharen umringt. Etliche Hispanier fielen, andere wurden gefangen und nach der Stadt Tezkuko geschleppt, wo man ihnen vor den Götzenbildern bei lebendigem Leibe die Herzen herausriß und sie sodann abschlachtete. Eine Spur von dem Vorfall fand der Hauptmann Sandoval in einem Dorfe halbwegs zwischen Zoltepek und Tezkuko. In einem Hause stand nämlich auf einer weißen Wand mit Kohle geschrieben: Allhie hat der unglückliche Ritter Hans Juste gefangen gesessen! – Dies war ein hispanischer Edelmann, einer der fünf Reiter. Die Inschrift rührte jeden zu Tränen, der sie las. Als der Hauptmann im besagten Dorfe einrückte, besannen sich die Bewohner auf ihre Freveltat und flohen in hellen Haufen. Aber die Reiter, die Fußknechte und die uns befreundeten Indianer setzten ihnen nach, brachten ihrer eine Menge um und fingen viele Weiber und Kinder, die zu Leibeigenen gebrandmarkt und verteilt worden sind. Indessen war Sandoval so gnädig, daß er nicht alles mordete und niederbrannte, wie er dies mit Fug und Recht hätte tun können. Er ließ vielmehr das übriggebliebene Volk im Dorf, wo es noch heutigen Tags wohnt, voller Reue ob der Missetat. Darnach ist Sandoval weitergezogen. Nach fünf oder sechs Meilen Wegs traf er in einem Dorf im Gebiet von Tlaskala, nahe der Grenze des Reiches Mexiko, den von etlichen Hispaniern geleiteten langen Zug, der die zerlegten 13 Rennschiffe von Tlaskala nach Tezkuko beförderte. Mehr denn 8000 Lastträger schleppten die Holzstücke der Schiffe 18 Meilen über Land. Es war dies ein Schauspiel, gar wunderlich anzuschauen. Der ganze Zug, von Anfang bis zu Ende, war zwei Meilen lang. Die Vorhut bildeten 8 Reiter und 100 hispanische Fußknechte. Zu beiden Selten marschierten zwei Trupps als Deckung zu je 10000 Mann indianischen Kriegsvolks, geführt von zwei tlaskalanlschen Edelleuten. In der Nachhut aber waren 8 Reiter und 100 Hispanier zu Fuß samt abermals 10000 wohlgerüsteten Tlaskalanern, wiederum unter einem Vornehmen des Landes. Außer den Trägern der Schiffsteile waren im Zuge noch 2000 Träger mit Lebensmitteln. In solcher Ordnung ging der Zug vonstatten und erreichte am vierten Tage die Stadt Tezkuko, der man sich unter Jubelgeschrei und Paukenschlägen näherte. Ich ritt ihm entgegen, um ihn zu empfangen. Der Einmarsch in die Stadt währte in einem fort sechs Stunden. Als alles eingetroffen und auf einem Platz aufmarschiert war, sagte ich den drei tlaskalanischen Edelleuten von Herzen meinen Dank für den guten Dienst, den sie Eurer Kaiserlichen Majestät und mir geleistet hatten. Darnach ließ ich alle Leute in die Quartlere rücken und auf das allerbeste bewirten. Beim Festmahl versicherten mir die indianischen Edelleute, daß sie ein groß Verlangen hätten, sich unter meiner Fahne mit den Mexikanern zu schlagen. Sie, wie alle ihre Leute, wären willens, mit uns Hispaniern zu siegen oder zu sterben. Ich brauche es nur zu befehlen. Ich dankte ihnen abermals auf das beste und sagte, sie sollten sich zunächst zur Ruhe legen. Ihr Begehr solle gar bald gestillt werden. Das siebente Kapitel Nachdem die Leute von Tlaskala – es waren die tapfersten Männer aus dem ganzen Lande – drei bis vier Tage in Tezkuko Rast gehalten hatten, hab ich mich aufgemacht mit 25 Reitern, 300 Fußknechten, 50 Armbrustern und Büchsenschützen, sowie mit 6 kleinen Feldgeschützen, und bin um die neunte Stunde des Tags aus der Stadt gezogen, ohne jemandem zu sagen, was mein Plan dabei war. Mit mir rückten aus die drei besagten indianischen Hauptleute mit insgesamt 30000 Tlaskalanern, zu Fähnlein geordnet nach indianischer Krlegssitte. Wir marschierten vier Meilen, und als es Abend ward, trafen wir auf einen starken Haufen von Feinden. Ich ritt mit meinen Reitern gegen sie an und schlug sie in die Flucht. Die Tlaskalaner, die sehr schnell zu Fuß sind, führten die Verfolgung aus und brachten viele der Feinde um. Die Nacht darauf biwakierten wir im Feld, in Gefechtsbereitschaft und unter eifriger Wacht,und in der Morgenfrühe setzten wir den Marsch fort. Aber noch immer ließ ich keinem merken, wohin der Zug ging, und zwar deshalb, weil in meinem Gefolge auch etliche aus Tezkuko waren, denen ich nicht traute. Ich befürchtete, diese könnten meine Absicht den Mexikanern verraten, sobald sie selbige erführen. Also kamen wir vor eine Stadt, genannt Xaltokan, die mitten in einem See liegt. Als wir uns ihr auf dem Dammwege näherten, der sie mit dem Lande verbindet, mußten wir haltmachen an einer Stelle, wo man den Damm zerstört hatte, offenbar um uns, insbesondere die Reiter, am Vormarsche zu hindern. Jenseits der breiten Lücke, hinter Bollwerken, erhoben die Feinde ein laut Geschrei und schossen auf uns mit Wurfspießen, Pfeilen und Steinen. Trotzalledem und wiewohl es ihnen schwer ankam, erstürmten die hispanischen Fußknechte die Stadt und brannten die meisten Häuser nieder. Die Nacht verbrachten wir eine Meile weiter. Am anderen Morgen in der Frühe brachen wir wieder auf und trafen abermals auf die Feinde, die sich unter wildem Kriegsgeheul, erschrecklich anzuhören, vor uns zurückzogen. Indem wir sie verfolgten, gelangten wir an die große und schöne Stadt Quautitlan. Wir fanden sie leer und verlassen und blieben daselbst die Nacht. Tags darauf zogen wir weiter und kamen an eine Stadt namens Tlalnepantla, ohne Hindernisse zu finden. Von da marschierten wir nach einem Ort Azkapozalko, unweit vom See gelegen. Auch hier machten wir keinen Halt, sondern eilten weiter nach Takuba, dem Nachbarort von Temixtitan. Um diese Stadt herum gehen Wassergräben, hinter denen die Bürger wohlgerüstet standen. Wir und unsere Indianer machten sofort einen Angriff, erstürmten die Stadt, erlegten viele Feinde und vertrieben die anderen. Da es Abend geworden war, taten wir nichts mehr und nahmen Quartier in einem Palast, der so groß und weit war, daß wir allesamt darin unterkamen. Am anderen Tage, als die Sonne aufging, griff ich den Feind, der sich in der Ebene vor der Stadt aufgestellt hatte, abermals an und schlug ihn wiederum in die Flucht. Darnach fingen unsere Indianer an, die Stadt zu plündern und anzubrennen, nur unser Quartier nicht. Dies Geschäft besorgten sie so eifrig, daß sogar ein Teil unseres Palastes in Flammen aufging. Ich tat keinen Einhalt, denn ehedem auf unserem Rückzuge von Temixtitan, als wir durch Takuba zogen, hatten uns die Einwohner dieser Stadt gar heftig bekämpft und mir viele Hispanier getötet. Von den nächsten sechs Tagen, die wir in Takuba lagen, verging keiner, an dem wir uns nicht mit den Feinden geschlagen und kleine Scharmützel mit ihnen gehabt hätten. Insbesondere bestanden die Hauptleute aus Tlaskala und ebenso ihre Krieger viele Einzelkämpfe mit den Mexikanern, wobei sie nicht nur tapfer aufeinander loshieben, sondern auch einer dem anderen Schmähworte zuwarf, was gar lustig anzuschauen war. In diesen Tagen kam mancher Feind um sein Leben, ohne daß von den Unsrigen einer fiel. Öfters sind wir bis auf den Steindamm, der vom Lande nach der Hauptstadt hinüberführt, vorgedrungen, wiewohl man uns heftigen Widerstand leistete. Oft stellten sich die Temixtitaner, als wichen sie vor uns zurück, wobei sie uns höhnten: Zieht doch ein! Ihr sollt es gut bei uns haben! – Ein andermal riefen sie: Ihr meint wohl, es gäbe hier einen zweiten Montezuma, der Euch jeden Gefallen tut? Eines Tages kam ich auf dem Damm bis zu einer Brücke, hinter die wir sie zurückgetrieben hatten. Ich gab den Meinen ein Zeichen, stille zu sein. Als man dies drüben wahrnahm, ward man auch dort ruhig, und so rief ich ihnen zu: Was seid Ihr für Toren, daß Ihr Euch verderben und vernichten lassen wollt! Ist ein Edelmann unter Euch, so soll er vortreten! Ich will mit ihm reden. – Man antwortete mir: Wir alle hier sind Edelleute! Wenn Ihr uns etwas zu sagen habt, so bringt es vor! – Als ich darauf nichts entgegnete, warfen sie uns allerlei Schimpfworte zu. Einer von uns erwiderte: Der Hunger wird Euch schon zu paaren treiben! – Wir haben keinen Hunger! gab man ihm zur Antwort. Wenn wir welchen kriegen, dann fressen wir Tlaskalaner! – Darauf begannen sie ihr Kriegsgeheul. Mein Marsch nach Takuba hatte vor allem den Zweck gehabt, in Unterhandlungen mit Temixtitan zu treten und zu erkunden, welchen Sinnes und welcher Absicht sie wider uns wären. Da ich dies nun nicht schaffen konnte, solang ich auch daselbst verharrte, so beschloß ich bei mir, wieder gen Tezkuko zu ziehen und meine Rennschiffe zu rüsten, um alsdann Temixtitan zu Wasser und zu Lande zu belagern. Am ersten Tage des Rückmarsches blieben wir zur Nacht in Quautitlan. Die Feinde verfolgten uns, aber meine Reiter machten öfters kehrt, wobei jedesmal etliche der Feinde blieben. Am anderen Morgen marschierten wir weiter. Als die Feinde dies bemerkten, vermeinten sie, wir zögen aus Furcht vor ihnen ab. Alsobald ging uns ein großer Haufen nach. Ich sah dies, befahl meinen Fußknechten, weiter zu ziehen, und stellte fünf Reiter in die Nachhut. Mit den übrigen zwanzig ritt ich beiseite, machte vier kleine Züge zu sechs, sechs, fünf und drei Reitern und legte sie an verschiedenen Orten hinter Büschen in den Hinterhalt. Bei dem zu dreien blieb ich selber. Ich gab den Befehl, zu warten, bis alle Feinde vorüber wären, und wenn ich: Hie Sankt Jakob! riefe, dann sollten alle hervorbrechen und den Feinden in den Rücken fallen. Als es mir gut dünkte, brachen wir alle hervor und ritten mit den Lanzen in die Feinde. Das Feld war eben, und so jagten wir sie zwei Meilen vor uns her, was ein lustig Stücklein war. Viele von ihnen ereilten wir und stachen sie nieder. Auch unsere Indianer brachten viele um. Darauf verschwanden unsere Verfolger. Wir aber zogen unseres Weges weiter. Die nächste Nacht verbrachten wir in Akolma, einer schönen Stadt, zwei Meilen vor Tezkuko. Am anderen Mittag erreichten wir Tezkuko, wo uns der Hauptmann Gonzalo von Sandoval, den ich zurückgelassen hatte, voller Freud empfing. Die Tlaskalaner entließ ich am Tage nach unserer Rückkehr in ihre Heimat. Fröhlich zogen sie mit ansehnlicher Kriegsbeute von dannen. Das achte Kapitel Zwei Tage nach meiner Ankunft in Tezkuko trafen bei mir ein etliche Gesandten der Herren von Chalko und vermeldeten mir, viel Kriegsvolk von Temititan wäre wider sie im Anzuge. Sofort befahl ich dem Hauptmann Gonzalo von Sandoval, mit 20 Reitern und 300 Fußknechten nach Chalko zu eilen, um den Leuten dort als Eurer Kaiserlichen Majestät Lehensleuten und unseren guten Freunden Hilfe zu bringen. Als er daselbst ankam, fand er viel Kriegsvolk versammelt, sowohl aus dem Lande Chalko, wie auch aus Huexozinko und Huaquechula. Nach einer Beratung zog man gen Huastepek, einer Stadt zwischen Tezkuko und Chalko, wo eine Besatzung aus Temixtitan lag, die öfters Ausfälle wider Chalko machte und dieser Stadt großen Schaden zufügte. Bereits unterwegs stieß Sandoval bei einem Dorf auf einen Haufen Feinde, der aber alsbald in die Flucht geschlagen wurde, wobei ihrer viele umgekommen sind. In besagtem Dorfe blieb man über Nacht. Am anderen Tage näherte man sich der Stadt Huastepek, vor der die Feinde in Stellung standen. Aber der Kampf währte nicht lange. Die Hispanier warfen sie bald in die Flucht, stachen ihrer viele nieder und erstürmten die Stadt. Schon waren die Reiter beim Füttern ihrer Pferde und hatten ihre Rüstung ausgezogen, da kamen die Feinde von neuem bis hinein in die Gassen, wo die Quartiere waren, erhoben ihr Krlegsgeschrei und schossen mit Steinen, Wurfspießen und Pfeilen. Die Hispanier ergriffen ihre Waffen, drangen zusammen mit unsern Indianern auf die Angreifer ein und trieben sie abermals aus dem Orte. Über eine Meile weit ging die Verfolgung, wobei eine gute Anzahl von Feinden erlegt ward. Zwei Tage ist in Huastepek gerastet worden. In dieser Zeit erfuhr der Hauptmann Gonzalo von Sandoval, daß in Iekapixtla, einem Orte zwölf Meilen östlich von Huastepek, feindliches Kriegsvolk stände. Er beschloß, dahin zu ziehen und es zu schlagen. Der Ort ist gar wohl befestigt und liegt auf einer steilen Höhe. Das felsige Land hinderte den Gebrauch der Reiterei. Als die Hispanier gegen die Höhe anrückten, warfen ihnen die Verteidiger Felsblöcke entgegen, so daß der Angriff ins Stocken geriet. Da beschlossen die Unsrigen einmütig, entweder die Stadt zu gewinnen oder zu sterben. Unter Anruf des Heiligen Jakob begannen sie zu stürmen, und Gott der Allmächtige verlieh ihnen die Kraft, daß der Anlauf gelang. Viele Hispanier aber wurden verwundet. Als dann auch unsere Indianer nachrückten, war es um die Feinde geschehen. Viele wurden von den Felsen hinabgestürzt, und der Fluß, der unten vorbeifließt, war, wie man mir berichtet hat, rot vom Blute der Erschlagenen. Es hat lange gedauert, bis man wieder daraus hat trinken können. Es war ein heißer Tag, und der Durst war groß. Der Hauptmann kehrte mit seinem Kriegsvolk alsbald zurück nach Tezkuko. Als man in Temixtitan erfuhr, daß die Hispanier und die Leute von Chalko durch ihre Tapferkeit einen vortrefflichen Sieg hatten errungen, beschlossen sie, mit einer starken Streitmacht die Stadt Chalko zu überfallen. Dort aber bekam man Kunde davon und sandte Eilboten zu mir, um meine Hilfe zu erbitten. Abermals fertigte ich den Hauptmann Gonzalo von Sandoval mit Reitern und Fußknechten ab; aber als er hinkam, war das Korn schon gedroschen. Die von Temixtitan und die von Chalko hatten sich weidlich geschlagen, und dem Allmächtigen hatte es gefallen, daß unsere Freunde aus Chalko das Feld behaupteten. Sie hatten viele Feinde erlegt und 40 gefangen, unter diesen einen mexikanischen Obristen und zwei andere Edelleute. Man überantwortete sie meinem Hauptmann, damit er sie mir sende, was auch geschehen ist. Er selbst blieb noch eine Zeit in einem Orte an der Grenze von Mexiko. Erst als er sah, daß dies nicht weiter nötig wäre, kehrte er nach Tezkuko zurück. Da jetzt die Straße von Verakruz nach Tezkuko sicher war, konnten die Boten ohne Schaden wieder hin und her reisen, so daß man an beiden Orten alle Tage neue Nachrichten hatte. Also bekam ich auch sehr bald eine Anzahl Armbrüste und Büchsen sowie Schießpulver, woran wir groß Wohlgefallen hatten. Und zwei Tage später erhielt ich die Meldung, daß im Hafen drei Schiffe angekommen waren mit 200 Kriegsknechten, 70 bis 80 Pferden und allerlei Kriegsgerät, welcher Nachschub uns demnächst sollte zugesandt werden. Das war so recht eine Hilfe in der Not. Das neunte Kapitel Immer noch wandte ich alle mögliche Mühe an, um mir die Temixtitaner in Güte wieder zu Freunden zu machen, einesteils, um sie zu schonen, fürs andere, damit wir endlich von den großen Mühseligkeiten des Krieges ausruhen könnten, insonderheit aber zu Allerhöchstdero Nutzen. Deshalb schickte ich jeglichen Einwohner von Temixtitan, der mir irgendwie in die Hände fiel, in seine Heimat zurück, um seine Landsleute zu ermuntern, sich mir willig zu ergeben. So ließ ich am Mittwoch vor Ostern, am 27. März des Jahres 1521, die vor Chalko gefangenen mexikanischen Edelleute vor mich führen und stellte die Frage an sie, ob einer von ihnen nach der Hauptstadt ziehen und in meinem Namen mit dem Herrscher daselbst reden wolle, um den Krieg zwischen mir und der Stadt zu beenden, und auf daß die Mexikaner wie ehedem fromme und getreue Lehensleute Eurer Kaiserlichen Majestät werden möchten. Mein Begehr wäre durchaus nicht, sie zu verderben, sondern vielmehr, sie zu guten Freunden zu gewinnen. Wiewohl keiner Lust verspürte, den Auftrag anzunehmen, diewell sie Furcht hatten, bei solcher Botschaft umgebracht zu werden, so entschlossen sich doch zwei von ihnen, die Sache zu machen. Sie baten aber um einen Brief von mir. Obgleich sie hispanische Schrift nicht zu lesen verstanden, so meinten sie doch, ein Schreiben von mir beglaubige ihre Botschaft. Ich setzte den Brief auf und ließ ihnen den Inhalt durch einen Dolmetsch darlegen. Darinnen stand das nämliche, was ich ihnen mündlich gesagt hatte. Also gingen sie ab, von fünf Rettern geleitet, bis sie in sicheres Gebiet kamen. Am Ostersonnabend traf eine Meldung aus Chalko ein, die mir besagte, daß die Mexikaner abermals wider genannte Stadt anrückten. Auf einem weißen Stück Stoff, das man mir mitbrachte, waren in der Bilderschrift der Mexikaner alle Ortschaften aufgezeichnet, die wider Chalko im Anzüge waren, desgleichen die Wege, auf denen dies geschah. Man bat mich untertänigst um Beistand, worauf ich ihnen sagen ließ, meine Hilfe käme in den nächsten sechs Tagen. Wenn es aber eher sein müßte, so sollten sie mir dies bei guter Zeit vermelden, damit ich ihnen die nötige Hilfe eiliger senden könne. Am dritten Ostertage kamen abermals Eilboten mit der Nachricht, die Feinde wären schon ganz nahe. Ich versprach, in eigener Person hinzueilen, und alsogleich gab ich den Befehl, daß sich 25 Reiter und 300 Fußknechte für den nächsten Freitag rüsten sollten. Am Donnerstag erschienen in Tezkuko Gesandte aus den Landschaften Tizapan, Mexikalzingo und Naukalpan, sowie aus etlichen Nachbarorten davon, mir im Namen ihrer Herren kundzutun, daß selbige Eurer Kaiserlichen Majestät Lehensleute und unsere guten Freunde werden möchten. Sie hätten nie einen Hispanier umgebracht und sich nie wider Allerhöchstdero Macht aufgelehnt. Zugleich schickten sie mir als Geschenk baumwollene Stoffe. Ich dankte ihnen und verhieß ihnen Allerhöchstdero Gnade, solange sie ehrliche und treue Untertanen Eurer Kaiserlichen Majestät blieben. Mit Freuden zogen sie von hinnen. Am Freitag, den 5. April, brach ich von Tezkuko auf mit 30 Reitern und 300 wohlgewappneten Fußknechten, wobei ich zurückließ 20 Reiter und 300 Mann zu Fuß unter dem Oberbefehl des Hauptmanns Gonzalo von Sandoval. Mit mir zogen 20000 Indianer aus Tlaskala und Tezkuko. In der ersten Nacht nahmen wir Quartier in Tlalmanalko, einer Stadt der Grafschaft Chalko, wo wir freundlich empfangen und gut beherbergt wurden. Seitdem die von Chalko mit uns im Bunde waren, stand hier eine hispanische Besatzung, denn der Ort ist wohlbefestigt und an der Grenze des Landes Mexiko gelegen. Anderen Tags um neun Uhr sind wir in Chalko angekommen, haben uns aber allda nicht lange aufgehalten, sondern ich hab nur mit den Herren geredet und ihnen meinen Plan dargelegt, daß ich einen Zug um den See machen wolle, und daß ich verhoffte, die Rennschiffe fertig vorzufinden, wenn ich zurückkäme, um sie darnach auf das Wasser zu setzen. Nach der Unterredung brachen wir um die Vesperzeit wieder auf und kamen an ein Dorf, das zum Lande Chalko gehört, wo 40000 Mann Kriegsvolk meiner harrte. Die Nacht verbrachten wir daselbst. Dieweil mir nun vermeldet ward, daß die Mexikaner im ebenen Felde stünden, befahl ich, daß am nächsten Morgen, vor Sonnenaufgang, die gesamte Kriegsmacht gewappnet und in voller Rüstung bereit wäre. Am Morgen, nach der Messe, brachen wir auf. Ich ritt in der Vorhut samt 20 Reitern; in der Nachhut ließ ich 10. Der Marsch ging in das wilde Gebirge. Gegen zwei Uhr nachmittags zogen wir an einer Höhe vorbei, auf deren Kamm eine große Menge Weiber und Kinder versammelt waren, während das streitbare Volk an den Hängen lauerte. Als man uns wahrnahm, begann ein laut Kriegsgeschrei, und viel Rauch wirbelte auf. Alsbald schossen die Feinde auf uns mit Steinen, Wurfspießen und Pfeilen, wodurch wir manchen Verlust hatten. Obgleich ich erkannte, daß sie einen Angriff auf uns niemals wagen würden, so dünkte es mich doch, daß ich nicht an ihnen vorüberziehen und meinen Weg weiter verfolgen dürfe, dieweil man das falsch gedeutet hätte. Damit die Feinde nicht vermeinten, wir unterließen einen Angriff aus Feigheit, so erkundete ich den Berg, der etwa eine Meile Umkreis hatte und von Natur durch seine Steilheit wohl verwahrt war, so daß es manchem scheinen mochte, ihn erstürmen zu wollen sei Torheit. Die Höhe aber regelrecht zu belagern, um den Feind auszuhungern, dazu hatte ich nicht die Zeit. Daher beschloß ich, gemäß meiner Erkundung, die Höhe von drei Seiten zugleich anzugreifen, und befahl dem Fähnrich Christoph Corral, den ich allweg bei mir hatte, er solle mit sechzig Fußknechten auf der steilsten Seite hinaufklimmen. Etliche Armbruster und Büchsenschützen sollten ihm unerschrocken nachfolgen. Des weiteren gab ich den Hauptleuten Hans Roderich von Villaforti und Franz Verdugo den Befehl, mit ihren Kompagnien und etlichen Armbrustern von der anderen Seite hinaufzusteigen. Von einer dritten Seite sollten die Hauptleute Peter von Ircio und Andreas von Monjaraz mit nur wenigen Armbrustern und Büchsenschützen angreifen. Auf den ersten Büchsenschuß aber, ordnete ich an, hatten alle einmütiglich anzulaufen, mit dem festen Willen, zu siegen oder zu fallen. Auf das besagte Zeichen hin begann auf allen drei Seiten das Stürmen, aber höher denn zwei Drittel des Berges vermochten wir nicht hinaufzukommen, dieweil der Gipfel allzu steil war. Auch warf man wider uns große Felsblöcke, die im Fallen zwar zerbrachen; aber dennoch viel Schaden anrichteten. Zwei Hispanier kamen dabei um und mehr denn zwanzig wurden verwundet. Wie ich nun sah, daß es unmöglich war, die Höhe zu gewinnen, und da mir auch gemeldet ward, daß neue Feinde in der Ebene im Anzuge seien, so gab ich den Befehl zum Rückzug. Als wir wieder unten waren, machte ich einen Angriff auf die Feinde in der Ebene, schlug sie in die Flucht und tötete ihrer viele. Die übrigen ließ ich durch die Reiter verfolgen, was anderthalb Stunde währte. Bei diesem Nachsetzen bemerkten etliche der verstreuten Reiter, daß eine Meile weiter ein anderer, nicht so hoher Berg in gleicher Weise mit Volk besetzt war und daß um ihn herum mehrere Dörfer lagen. Zwei Dinge hatten wir also dort zu erwarten, die uns hier abgingen, erstlich Wasser, fürs andere einen leichteren Angriff, dieweil jener Berg weniger hoch war. So zogen wir ab mit großer Trauer, daß wir nichts hatten schaffen können, und blieben angesichts des anderen Berges im Felde über Nacht, ohne Wasser für uns und die Pferde. Die ganze Nacht hindurch hörten wir das Kriegsgeheul der Feinde und das Getös der Pauken, Posaunen und Hörner. Als es Tag ward, erkundete ich mit etlichen Hauptleuten die andere Höhe. Sie dünkte mir nicht viel niedriger zu sein denn die erste. Auch hatte sie ziemlich steile Hänge und Schroffen. Immerhin war der Berg an zwei seitlichen Stellen ersteigbar, an denen starke Besatzungen lagen. Während unsere Pferde eine Meile Wegs abseits an eine Tränke geschickt waren, machte ich mit etlichen anderen Rittern und den Hauptleuten eine zweite Erkundung zu Fuß, um Gelegenheiten auszuspüren, wie wir die Höhe könnten erstürmen. Wiewohl ich dazu gar keinen Befehl gegeben hatte, folgte uns das Fußvolk. Als wir nahe vor den steilen Hängen standen, vermeinten die Feinde über uns, daß wir einen Angriff auf ihre Mitte machen wollten. Deshalb verließen die Trupps auf den beiden Seiten ihre Stellung und gesellten sich zu denen in der Mitte. Als ich diese Veränderung beim Feinde wahrnahm, kam mir der Gedanke, daß ich ein gewonnen Spiel hätte, wenn ich die eine der beiden Seitenhöhen möcht erobern. Ich gab einem der Hauptleute den Befehl, er solle mit seiner Kompagnie in aller Stille die eine unbesetzte Seite des Berges einnehmen. Ich selbst griff mit dem übrigen Volk die Höhe von vorn an, und es gefiel dem Allmächtigen, daß wir hier bis dicht an den Feind herankamen und schier in gleicher Höhe mit ihm Fuß faßten. Vordem hatte ich geglaubt, dies wäre unmöglich. Inzwischen hatte der eine Hauptmann die unbesetzte Stelle an der Seite eingenommen und begann von dort mit den Armbrüsten und Büchsen in die Feinde zu schießen. Als diese die Gefahr erkannten, zweifelten sie an ihrem Glück und warfen ihre Waffen nieder als Zeichen, daß sie sich wollten ergeben. Getreu meinem Grundsatz, mich den Indianern gütig und mild zu zeigen, auch wenn sie genugsam strafbar waren, ging ich darauf ein und empfing freundlich ihre Gesandten. Als sie sahen, daß wir ihnen nichts zuleide taten, schickten sie Boten nach jenem anderen Berge, den wir nicht hatten erobert. Und wiewohl die dortigen Feinde gegen uns sieghaft geblieben waren, so ergaben auch sie sich Eurer Kaiserlichen Majestät und baten um Verzeihung ob ihres Widerstandes. In einem Dorfe nahe dem Berge verblieben wir zwei Tage, worauf ich die Verwundeten nach Tezkuko sandte. Am dritten Tage rückten wir weiter und kamen um zehn Uhr in die erwähnte Stadt Huastepek, wo wir in einem Hause im Lustgarten des Landesherrn Quartier nahmen. Dieser Schloßgarten ist der größte und schönste von allen, die ich bisher hierzulande gesehen habe. Er hat einen Umfang von zwei Meilen. Ein schöner klarer Fluß fließt hindurch, und in Abständen von zwei Armbrustschußweiten stehen darin Schmuckhäuser mit gesonderten kleinen Lustgärten, gar zierlich anzusehen, voll von fruchtbaren Bäumen, herrlichen Blumen und wohlriechenden Sträuchern. Der ganze Park ist eine prächtige Augenweide. Allda verweilten wir den Rest des Tages, und die Bewohner des Ortes taten uns alle Dienste. Am andern Tage zogen wir weiter und gelangten um acht Uhr vor die kleine Stadt Jahutepek, wo uns eine Menge feindliches Kriegsvolk erwartete. Als wir näher kamen, schien es uns, als wolle man in Frieden mit uns verhandeln, aber plötzlich flohen sie alle von dannen, sei es aus Furcht, sei es aus Hinterlist. Ich hielt mich an diesem Orte nicht lange auf, sondern verfolgte die Feinde mit 30 Reitern auf zwei Meilen Wegs, bis daß wir sie in einem Dorf namens Xilutepek umzingelten, wobei ihrer viele unter unseren Lanzen verwundet worden und viele umgekommen sind. Die Einwohner des Dorfes leisteten keinen Widerstand. Etliche stachen wir nieder, andere flohen, und viele Weiber und Kinder fielen in unsere Hände. Hier blieben wir zwei Tage, in der Erwartung, daß der Herr des Dorfes käme, um sich Eurer Kaiserlichen Majestät zu ergeben. Da er aber nicht erschien, ließ ich das Dorf anzünden. Als wir eben abziehen wollten, kamen zu mir Gesandte aus Jahutepek im Namen ihres Herrn, der mir vermelden ließ, ich möchte ihm gnädiglich verzeihen. Er sei willens, Eurer Kaiserlichen Majestät getreuer Lehensherr zu sein. Ich empfing die Leute freundlich, dieweil sie genugsam gestraft waren. Das zehnte Kapitel Noch am selbigen Tage gelangte ich vor den Ort Kuernavaka. Er ist wohlbefestigt und liegt auf einem Vorsprung, an drei Seiten von einer schroffen Schlucht umgeben, die an etlichen Stellen bis zu zehn Mannshöhen tief ist. Mit der Reiterei kann man nur an zwei Stellen herankommen, die wir aber dazumal nicht kannten. Um zu diesen zu gelangen, muß man einen Umweg von anderthalb Meile machen. Zwar gab es sonst Brücken über die Schlucht, aber sie waren weggenommen. Also standen die Feinde so hoch und sicher, daß wir ihnen nichts anhaben konnten, auch wenn wir zehnmal so stark gewesen wären. Als wir näher rückten, schossen sie gegen uns mit Wurfspießen, Pfeilen und Steinen. Während wir so im Gefecht waren, gelang es einem Tlaskalaner, auf einer gefährlichen und unzugänglichen Stelle unbemerkt hinüberzuklettern. Als die Feinde ihn plötzlich vor sich gewahrten, glaubten sie, die Hispanier wären schon alle herüber. Deshalb flohen sie vor Schreck und Furcht. Der besagte Indianer aber und vier meiner Reiter folgten ihnen eilends nach. Als zwei meiner Hauptleute sahen, daß ein Indianer hinübergelangt war, nahmen sie mit ihren Kompagnien denselben Weg und kamen ebenso hindurch. Währenddem umging ich den Ort mit den Reitern, um einen Zugang zu finden. Die Feinde schossen derweilen immer weiter. Zwischen ihnen und uns war, wie gesagt, nur die tiefe Schlucht. Im Eifer, uns zu beschießen, hatten sie auf nichts weiter geachtet, und so kamen ihnen fünf meiner Reiter in den Rücken, ritten mit den Lanzen auf sie ein und verwundeten viele. Der unerwartete Angriff von rückwärts verwirrte sie und nahm ihnen allen Mut, so daß sie die Flucht ergriffen. Die Unsrigen erstürmten nun die Stadt und zündeten sie an. Auf der Flucht in die Berge kamen noch viele Feinde um, besonders durch die Reiter. Darnach nahmen wir Quartier in einem Hause im Lustgarten, dieweil im Dorf alles in Flammen stand. Ziemlich spät am Abend kam der Herr des Ortes samt etlichen Edelleuten, nachdem sie erkannt hatten, daß sie verloren waren. Sie baten, ich solle sie in Eurer Kaiserlichen Majestät Dienste nehmen, worauf ich sie in Gnaden erhörte. Sie aber versprachen mir, fürderhin Allerhöchstdero treue Untertanen und unsere guten Freunde zu sein. Die Nacht schliefen wir allda, und am folgenden Tage zogen wir unseren Weg weiter, durch ödes Land ohne Wasser und an verlassenen Dörfern vorüber, unter vieler Mühsal und großer Anstrengung. Am beschwerlichsten war der Marsch über einen Paß bei großem Durst. Viele Indianer kamen dabei vor Mangel um. Die zweite Nacht rasteten wir sechs Meilen weiter in etlichen Gehöften. Als der Tag anbrach, kam uns zu Gesicht die schöne Stadt Xochimilko, die ungefähr vier Meilen von Temixtitan entfernt am Süßwassersee erbaut ist. Dieweil die Bürger daselbst unsere Ankunft lange vorher wußten, hatten sie auf dem Steindamm, der die Stadt mit dem Lande verbindet, einen Wall errichtet und alle Brücken ringsum abgetragen. Die Stadt selbst aber war voll tapferer Männer, die bei sich beschlossen hatten, entweder ihre Heimat zu erhalten oder zugrunde zu gehen. Als wir davor angekommen waren, stellte ich mein Kriegsvolk in Ordnung auf, saß ab und rückte zu Fuß mit etlichen Fußknechten vor, bis an den Graben vor dem Wall, hinter dem ein großer Haufen Feinde zur Wehr lag. Als wir sie angriffen und die Armbruster und Büchsenschützen sie arg heimsuchten, verließen sie ihre Stellung. Die Hispanier sprangen ins Wasser und erstürmten drüben den Wall. Nach einer halben Stunde war der beste Teil der Stadt erobert. Die Feinde wichen zurück, setzten sich in ihre Zillen und kämpften von da aus noch lange mit uns, bis die Nacht anbrach. Etliche baten um Frieden, aber die anderen hörten trotzdem nicht auf zu fechten. Als sich die Bitte um Frieden öfters wiederholte, ohne daß die Schlacht allgemein ruhte, erkannte ich, daß der Feind dadurch nur Zeit gewinnen wollte, um sein Hab und Gut zu retten und um Hilfe von Temixtitan zu bekommen. Es fielen an diesem Tage zwei Hispanier, die sich vom großen Haufen gesondert hatten, um auf Raub auszugehen, dabei aber abgeschnitten wurden und in ihrer Not nicht zu retten waren. Gegen Abend machten die Feinde einen Versuch, uns in den Rücken zu fallen. Plötzlich erschien nämlich ein großer Haufen an der Stelle, wo wir in die Stadt eingedrungen waren. Als ich diese Kühnheit wahrnahm, wandte ich mich mit sechs Reitern gegen sie. Aus Angst vor den Pferden machten sie kehrt. Wir eilten tapfer hinter ihnen her und stachen viele nieder, wiewohl wir selber in großer Gefahr waren. Sie fochten so mutig, daß etliche von ihnen es sogar wagten, sich mit Schwert und Schild den Reitern entgegenzustellen. Mitten unter ihnen stürzte mein Pferd vor Müdigkeit mit mir zu Boden. Als ich nun zu Fuß war, gingen mehrere von den Feinden auf mich los. Ich wehrte mich mit meiner Lanze. Ein Tlaskalaner sah meine Not und kam mir eilends zu Hilfe. Also brachten wir mein Pferd wieder auf die Beine. Unterdessen sprangen Hispanier herbei, und die Feinde mußten weichen. Müde zog ich darnach mit den Reitern in die Stadt zurück, zuvor aber, obgleich es schon stark dunkel geworden, ließ ich alle Stellen des Dammes, wo Brücken gestanden, mit Steinen zuschütten, damit die Reiter bequem in die Stadt und wieder heraus zu reiten vermöchten. Es war dabei viel Arbeit und Gefahr. Ich selbst bin nicht davongegangen, ehe der Weg nicht wiederhergestellt war. Die ganze Nacht hindurch hielten wir gute Wacht. Als man in Temixtitan am anderen Morgen erfuhr, daß ich in Xochimilko war, da beschlossen sie, uns zu Wasser und zu Land anzugreifen, um uns umzubringen. Sie vermeinten, wir könnten ihnen nicht entrinnen. Ich war auf den Turm eines der Götzentempel gestiegen und beobachtete von da, wie die Mexikaner anrückten und von welcher Seite her ihr Angriff erfolgte, um darnach meine Befehle zu geben. Von der Seeseite her kamen an die 2000 Zillen, darauf ungefähr 12000 Krieger. Auf dem Land aber zogen solche Scharen von Indianern herbei, daß das ganze Feld bedeckt war. Ihre Hauptleute liefen vor ihnen her, hispanische Degen in den Händen, die sie uns ehedem in Temixtitan abgejagt hatten. Allerwegs erscholl ihr wildes Kriegsgeheul. Jedem meiner Hauptleute gab ich Weisung, wo er sich mit seinen Leuten aufstellen sollte. Dieweil aber zu Land am meisten Feinde anrückten, wandte ich mich dorthin mit 20 Reitern und 500 Tlaskalanern. Wir teilten uns in drei Haufen, wobei ich den Befehl gab, in die Feinde einzubrechen und sich darnach an einer Höhe, die ich ihnen zeigte und die eine halbe Meile weg lag, alle wieder zu versammeln. Von dort gedachte ich einen neuen Angriff zu beginnen. Nachdem wir uns also getrennt hatten, griff ein jeder Schwarm auf eigene Faust den Feind an, stach nieder, soviel er konnte, um am Ende bei besagter Höhe sich wieder mit mir zu vereinen. Dort befahl ich etlichen Fußknechten, die ich als hurtig und wacker kannte, sie sollten die Höhe erklimmen. Ich selbst begann mit den Reitern eine Umgehung zu machen, um den Feind von der Ebene her zu fassen. So geschah es denn auch. Als die Feinde meine Fußknechte auf der Höhe sahen, vermeinten sie, in die Ebene entkommen zu können. Sie wandten sich dahin und begegneten uns 15 Reitern. Wir schlugen tapfer drein, desgleichen die Tlaskalaner, so daß in kurzer Zeit 500 Feinde dahinsanken. Die übrigen liefen nach den Bergen zu. Sechs Reiter hatten den Feind auf einer breiten, ebenen Straße verfolgt. Anderthalb Meile vor der Stadt trafen sie auf einen wehrhaften Haufen. Auch diesen schlugen sie. Nachdem wir alle wieder beisammen waren, um zehn Uhr des Tags, kehrten wir nach Xochimilko zurück. Am Tore der Stadt standen die Hispanier, die uns sehnsüchtig erwartet hatten. Sie waren in großer Bedrängnis gewesen, hatten aber die Feinde tapfer abgewehrt, wobei sie eine große Anzahl erschlagen hatten. Sie überbrachten mir zwei hispanische Degen, die dem Feinde wieder abgenommen waren. Auch vermeldeten mir die Armbruster und Bogenschützen, daß sie weder Bolzen noch Pulver mehr hatten. Wir waren noch nicht abgesessen, da stürmte eine große Schar Feinde vom Damm her in die Stadt unter gewaltigem Kriegsgeheul. Wir griffen sie sofort an und trieben sie in den See. Müde sammelten wir uns darnach. Zugleich ließ ich die ganze Stadt anzünden, nur nicht unser Quartier, darinnen wir drei Tage verblieben, immer von neuem zur Abwehr gezwungen. Nachdem die Stadt verbrannt und zerstört war, verließen wir sie. Es war ehedem ein schöner Ort, reich an Häusern und Tempeltürmen aus Quadersteinen. Nur um kurz zu bleiben, unterlaß ich es, die wunderbarlichen Dinge allda näher zu beschreiben. Nach unserem Abmarsch aus Xochimilko kamen wir außerhalb der Stadt, doch unweit von ihr, landeinwärts auf einen großen Platz, wo die Märkte und Messen abgehalten wurden. Allda ordnete ich mein Kriegsvolk. Zehn Reiter stellte ich in die Vorhut, zehn in die Mitte, und ich selbst mit den übrigen zehn wollte in der Nachhut folgen. Als uns die Feinde abziehen sahen, vermeinten sie, es geschähe aus Furcht vor ihnen. Alsobald fielen sie uns in den Rücken. Ich wandte mich wider sie mit meinen zehn Reitern und trieb sie in den See, worauf sie uns fortan in Ruhe ließen. Wir setzten unsern Weg fort und kamen um zehn Uhr vor die Stadt Kojohuakan, die von Xochimilko zwei Meilen entfernt ist, von Temixtitan aber nur anderthalb Meile. Der Ort war ohne Volk. Wir nahmen Quartier im Schloß und verbrachten daselbst den Tag und die Nacht. Dieweil ich nun, sobald meine Rennschiffe fertig wären, die Absicht hatte, die Hauptstadt Temxtitan zu belagern, so dünkte es mich nötig, zuvor eine Erkundung aller Zugänge anzustellen. Deshalb nahm ich am anderen Morgen 5 Reiter und 200 Fußknechte und zog mit selbigen nach dem Ufer des Sees und betrat den Steindamm, der von dort nach der Stadt Temixtitan durch den See hinüberführt. Auf dem Wasser sahen wir so viele Kähne mit Kriegsvolk, daß wir sie nicht konnten zählen. Im Vormarsche kamen wir vor eine Schanze, die man mitten auf dem Damm aufgeworfen hatte. Die Fußknechte fingen an, sie zu berennen, und wiewohl man dem heftigen Ansturm tapfer widerstand und auch zehn Hispanier verwundete, eroberten wir doch die Schanze und stachen dabei eine Menge Feinde nieder. Die Armbruster und Büchsenschützen hatten zuletzt weder Bolzen noch Pulver mehr. Sowohl der weitere Damm bis Temixtitan wie der andere Damm von Temixtitan gen Iztapalapan war von vielem Volk bedeckt. Nachdem ich dies und manches andere hatte betrachtet, was mir zu sehen nützlich war, dieweil ich nach Iztapalapan eine Besatzung von Reitern und Fußknechten zu legen gedachte, sammelte ich meine Truppen und kehrte nach Kojohuakan zurück, woselbst ich die Hauser und die Götzentempel niederbrannte. Am andern Tag zogen wir von da nach Takuba, zwei Meilen weiter. Nach allerlei Scharmützeln kamen wir daselbst um zehn Uhr des Tags an. Unterwegs hatten die Feinde vom See her einen Angriff auf unsere indianischen Lastträger gemacht, richteten aber nichts aus und ließen uns endlich in Frieden. Da ich, wie vermeldet, nichts im Sinn hatte als eine Erkundung, so wollte ich mich nicht lange in Takuba aufhalten. Als aber die Mexikaner sahen, daß wir weiterzogen, bekamen sie neuen Mut und fielen abermals unseren Troß an. Da wir in der Ebene waren, kamen die Reiter gut vorwärts und fügten den Feinden viel Schaden zu, ohne daß wir selber Verluste hatten. Im Getümmel kamen zwei junge Diener und Hausgenossen von mir ab und gerieten in die Hände der Feinde. Ich glaube, man hat sie grausam hingeschlachtet. Wie schmerzlich mir dies gewesen, dafür ist Gott mein Zeuge, dieweil sie nicht allein gute Christen, sondern auch gar brave Männer gewesen und Eurer Kaiserlichen Majestät in diesem Feldzug tapfer gedient hatten. Um sie zu rächen, legte ich mich mit 20 Reitern hinter einem Gehöft in den Hinterhalt. Sobald nun die Indianer mein Kriegsvolk samt dem Troß dahinmarschieren sahen, folgten sie den zehn Reitern der Nachhut, ohne an Arges zu denken. Als sie an mir vorüberzogen, fiel ich unter dem Schlachtrufe: Hie Sankt Jakob! unversehens über sie her und stach ihrer mehr denn 100 Mann nieder. Die übrigen standen ab, uns nachzuziehen. Müd, matt und naß, denn es hatte stark geregnet, erreichten wir am späten Abend Quautitlan, woselbst wir die Nacht verbrachten. Die Stadt war ohne Volk. Am folgenden Tage setzten wir unsern Marsch fort, unter kleinen Gefechten mit den Indianern, die uns hin und wieder unter Geheul anfielen. Die Nacht blieben wir in einem Dorfe namens Kohotepek, das auch von seinen Einwohnern verlassen war. Am nächsten Tag um die zwölfte Stunde gelangten wir in die Stadt Akolman, die zwei Meilen von Tezkuko entfernt liegt und zu deren Gebiete gehört. Nachts rückten wir wieder in Tezkuko ein, von den Hispaniern längst erwartet. Sie waren froh, uns wiederzusehen, denn sie hatten seit unserm Abmarsch nichts von uns vernommen und noch manche andere Sorge erlitten. Täglich nämlich war ihnen durch Eingeborene vermeldet worden, die Mexikaner wären wider Tezkuko im Anmarsch. So endete mit Gottes Hilfe mein Streifzug, der Eurer Kaiserlichen Majestät viel Nutzen gebracht hat, und zwar in Dingen, von denen ich hernach erzählen werde. Das elfte Kapitel Eure Kaiserliche Majestät wollen sich Allergnädigst erinnern, daß ich in meinem vorigen Bericht von etlichen Farmen gemeldet habe, die ich in verschiedenen Gegenden gegründet hatte. Ich hatte allda Häuser und Höfe eingerichtet, in denen Ackerbauer und Werkleute in Allerhöchstdero Nutzen allerlei betrieben, je nach der Nützlichkeit des Bodens. Nach einer von ihnen, Chinantla geheißen, hatte ich zwei Hispanler gesandt. Besagter Ort gehört nicht zum Lande Mexiko. In den übrigen Farmen aber, die im Bereich von Temixtitan liegen, hatte man, während ich in der Hauptstadt belagert wurde, alle Hispanier ermordet und unser wertvolles Hab und Gut daselbst geplündert. Von den Hispaniern in Chinantla hatte ich ein volles Jahr nichts mehr gehört, desgleichen sie nichts von uns, dieweil das ganze Reich in Aufruhr war und die Chinantlaner, als Eurer Kaiserlichen Majestät treue Untertanen und der Mexikaner eifrige Feinde, die Unsrigen warnten, ihr sicheres Land zu verlassen. So verblieben die beiden Hispanier in jenem Lande. Den einen von ihnen, der jung und streitbar war, wählten die Chinantlaner zu ihrem Hauptmann und zogen mit ihm öfters gegen ihre Feinde aus, wobei den Chinantlanern meistens der Sieg zufiel. Nachdem wir nun aber durch Gottes Hilfe von neuem Macht gewonnen hatten, kam es den Chinantlanern zu Gehör, daß in Tepeaka Hispanier wären. Dies zeigten sie den beiden Unsrigen an, die bei ihnen lebten, indem sie ihnen das Angebot machten, diese Nachricht durch zwei Boten auf ihre Wahrheit hin zu ergründen. Wiewohl der Weg durch feindliches Land ginge, so sollten die Boten doch bei Nacht und außerhalb der Landstraße versuchen durchzukommen. Einer der beiden Hispanier, und zwar der gescheitere, schrieb an uns folgenden Brief: Edle und ehrenwerte Herren! Zwei oder drei Briefe hab ich Euch bereits geschrieben, weiß aber nicht, ob sie in Eure Hände gelangt sind, denn ich hab keine Antwort empfangen. Ich hoff aber, dieses Schreiben wird Euch überantwortet. Ich tu Euch zu wissen, daß alle Mexikaner im ganzen Lande von uns abgefallen sind. Und auch uns hier haben sie oftmals angegriffen, aber Gott dem Allmächtigen sei Lob und Preis, wir haben den Sieg gewonnen, wenn wir auch noch immer mit unseren Feinden fechten müssen. Ich und Niklas leben noch in Chinantla, dem Hauptorte der hiesigen Landschaft, woselbst an die sieben Dörfer den Hispaniern treu sind verblieben. Mein Kamerad und ich, wir möchten gern wissen, wo unser Herr Generalkapitän weilt, damit wir ihm schreiben können und ihm alle Geschehnisse und Taten berichten, die sich allhier haben ereignet. Und wenn Ihr mir kundtut, wo er sich aufhält, und mir 20 oder 30 Hispanier schickt, so wollen wir beide zu ihm ziehen samt zwei Häuptlingen von hier, die den Herrn Generalkapitän zu sehen und zu begrüßen begehren. Wenn Hispanier hierher kämen, so wäre dies auch darum sehr von Nutzen, dieweil die Zeit naht, die Kakaobohnen zu sammeln, und weil die Mexikaner uns bei der Ernte wohl stören werden. Der liebe Gott bewahr Euch immerdar! Geschrieben zu Chinantla am soundsovielten April im Jahre des Herrn 1521. Ferdinand aus Barriuntos. Als die beiden Indianer mit diesem Sendbrief in Tepeaka waren angekommen, hat mir der Hauptmann, den ich samt etlichen Hispaniern daselbst zurückgelassen, besagtes Schreiben alsogleich nach Tezkuko geschickt. Es zu lesen, hat mir viel Freude bereitet, denn ich hatte Bedenken, daß die Mexikaner meine Hispanier in Chinantla umgebracht hätten, wiewohl ich die Treue und Freundschaft der Chinantlaner gar wohl kannte. Sofort habe ich nach Chinantla geschrieben und die Hispanier allda ermuntert, das Beste zu verhoffen. Denn obgleich sie zurzeit von Feinden rings umgeben wären, so sollten sie doch mit Gottes Hilfe baldigst befreit werden. Das zwölfte Kapitel Nach unserem Streifzug um den See beeilte ich mich in Tezkuko, meine Rennschiffe zusammenzustellen, auszurüsten und mit Mannschaft und Waffen zu versehen. Des weiteren ließ ich den Wassergraben für sie von der Stadt bis in den See vollenden. Der Bauplatz der Schiffe, wo der Graben begann, war vom See eine halbe Meile entfernt. An diesem Werk arbeiteten täglich an die 8000 Indianer aus Akuluakan und Tezkuko, insgesamt 50 Tage. Der Graben war zwei Manneshöhen tief und ebenso breit und in seiner ganzen Länge durch Holzpfähle eingedämmt. Das Ganze war ein wunderbarlich Ding. Nachdem die Rennschlffe völlig fertig und auf den Graben gebracht waren, hab ich am 28. April eine Parade über mein ganzes Kriegsvolk gehalten, wobei ich zählte: 86 Reiter, 118 Armbruster und Büchsenschützen, 700 und einige Fußknechte, 3 schwere Geschütze, 15 kleine Feldgeschütze und 10 Zentner Schießpulver. Darnach ermahnte ich alle Hispanier, die von mir verordneten Kriegsartikel streng zu halten. Im übrigen sollten sie tapfer und guten Muts sein, im Vertrauen auf Gott, der Mittel und Wege hat, uns den Sieg über die Feinde zu geben. Ich erinnerte sie daran, daß wir dazumal, als wir zum erstenmal in Tezkuko einzogen, keine 40 Reiter gehabt hatten und doch mit des Allmächtigen Beistand viel mehr gewannen, als wir vordem gedacht. Jetzt aber hätten wir beträchtlich mehr an Reitern, Fußvolk und Waffen, wie sie eben selbst gesehen. Es gelte, den heiligen christlichen Glauben zu verbreiten und all das Land wiederzuerobern, das von Eurer Kaiserlichen Majestät abgefallen war. Unsere Pflicht wäre es, Rache an den Rebellen zu üben, mit dem festen Willen, zu siegen oder zu sterben. Man antwortete mir, dazu bereit zu sein und nichts anderes zu begehren. Der Tag endete in Freuden. Alle waren der Hoffnung, daß der Feldzug bald ein Ende habe und das ganze Reich einen guten Frieden, denn an dem ist bei jedwedem Krieg allein alles gelegen. Am folgenden Tage fertigte ich Boten ab nach Tlaskala, Huexozinko und Churultekal und ließ daselbst verkünden, daß meine Rennschiffe fertig wären und daß mein gesamtes Krlegsvolk bereit stünde, die Hauptstadt Temixtitan zu belagern. Ich bäte sie, vertragsgemäß auch ihr Volk zu rüsten und mit soviel Streitmacht wie möglich herbeizueilen. Ich wolle in Tezkuko zehn Tage auf sie warten. Diese Zeit sollten sie ja einhalten, da sonst die ganze Zurüstung großen Schaden erlitte. Als meine Boten hinkamen, waren die Tlaskalaner bereits gerüstet und voller Begehr, sich mit den Mexikanern zu schlagen. Die Hilfsvölker aus Huexozinko und Churultekal zogen geraden Wegs nach der Stadt Chalko, wie ich dies befohlen hatte. Die Hauptleute aber aus Tlaskala kamen samt ihrem tapferen und streitbaren Krlegsvolk gen Tezkuko, fünf oder sechs Tage vor dem Pfingstfest, was gemäß der verordneten Frist war. Als ich den Tag ihres Anzugs erfuhr, zog ich ihnen mit großer Freude entgegen. Sie trafen in guter Ordnung und frohen Mutes ein. Wie mir die Hauptleute vermeldeten, brachten sie mir 50000 kriegstaugliche Mann. Selbige empfingen und beherbergten wir auf das bestes Der Zeitfolge nach hätte Cortes ein ihm sehr schmerzliches Erlebnis, das er erst im Schlußkapitel dieses Berichts erwähnt, hier darstellen müssen. Offenbar aber liebte er es nicht, Dinge, die ihn persönlich betrafen, in den Vordergrund zu stellen. Bernal Diaz berichtet hierüber: Während unserer Abwesenheit war von einem eifrigen Anhänger des Don Diego Valasquez, namens Anton Villafaña, gebürtig aus Zamora oder Toro, im Verein mit anderen Leuten aus dem ehemaligen Heere des Narvaez eine Verschwörung angezettelt worden, die darauf ausging, den General nach seiner Rückkehr zu ermorden. Der Anschlag sollte in folgender Weise ausgeführt werden. Unter Benutzung des Umstandes, daß gerade ein Schiff aus Hispanien angekommen war, wollten dle Verschwörer dem Cortes, während er mit seinen Offizieren und seiner sonstigen Umgebung bei Tische saß, ein Päckchen Briefe überreichen, das angeblich mit dem besagten Schiffe eingetroffen war. Während Cortes das Päckchen öffnete, sollte er samt seinen Getreuesten mit Dolchen niedergestoßen werden. Es geschah nun durch Gottes Fügung, daß die Verschwörer auch zwei vornehme Offiziere, deren Namen ungenannt bleiben sollen, in das Geheimnis zogen. Beide hatten am eben beendeten Zuge teilgenommen. Schon hatte man bestimmt, wer nach dem Tode des Feldherrn an seiner Stelle Generalkapitän werden sollte. Gleichermaßen waren alle höheren Ämter sowie unser Vermögen und unsere Pferde im voraus unter den Verschwörern verteilt. Zum Glück kam die Tat nicht zur Vollendung. Sie hätte nichts zur Folge gehabt als Zwist und Streit unter den Überlebenden, den unfehlbaren Verlust von Neu-Hispanien und den Untergang aller Europäer. Zwei Tage nach der Heimkehr des Cortes ward ihm der Plan durch einen Soldaten verraten, gerade noch rechtzeitig, um mit raschem Griff den Brand ersticken zu können. Der brave Mann, der die Sache an den Tag brachte, wies zugleich darauf hin, daß unter den Verschwörern eine Anzahl Männer von Rang wären. Cortes lohnte ihm seine Treue. Sofort eröffnete er das in Erfahrung Gebrachte unter dem Siegel der Verschwiegenheit seinen Hauptleuten, dem Peter von Alvarado, dem Franz von Lujo, dem Christoval von Olid, dem Gonzalo von Sandoval, dem Andreas von Tapia, auch mir, den beiden Richtern und allen, auf die er sich verlassen konnte. Ohne Säumen rüsteten wir uns und begaben uns in das Quartier des Villafaña. Wir trafen ihn im Kreise vieler der Verschwörer und ergriffen lhn auf der Stelle. Die übrigen entflohen; aber mehrere fingen wir noch. Sowie wir den Villafaña in unseren Händen hatten, zog ihm Cortes ein von allen Verschwörern unterzeichnetes Schriftstück aus dem Rock. Er las es durch. Da er aber in der Liste so viele ansehnliche Namen sah, ließ er seine Kenntnis auf sich beruhen und leugnete alsbald, daß er eine derartige Liste überhaupt vor die Augen bekommen habe. Hierauf ward allein dem Villafaña der Prozeß gemacht. Er gestand alles eln. Eine Menge Zeugen bestätigten seine Aussage. Unter dem Vorsitz des Generalquartiermeisters Christoval von Olid trat das gewöhnliche Kriegsgericht zusammen, das den Villafañia zum Tode durch den Strang verurteilte. Man ließ den Verurteilten beim Pater Juan Diaz beichten und knüpfte ihn am Fensterladen seines Quartiers auf. Obgleich noch manche hätten überführt werden können und man auch, um ihnen Angst einzujagen, Miene machte, als werde der Arm der Gerechtigkeit nach ihnen greifen, so ersparte ihnen der Generalkapitän doch die Schande. Zudem war die Zeit nicht angetan, die volle Strenge walten zu lassen. Mit elnem Wort, Cortes erachtete es für angemessen, sich den Verschwörern gegenüber zu beherrschen. Nur hielt er sich von dieser Zelt an eine Leibwache, bestehend aus zwölf zuverlässigen Soldaten unter dem Befehl des Hauptmanns Antonio von Quiñones aus Zamora. Fortan blieb er ohn Unterlaß auf seine Hut bedacht. – Torquemada ( Historia Indiana , Sevilla 1615) fügt seiner Schilderung dieses Vorfalls hinzu, dle Verschwörung hätte 300 Teilnehmer gehabt und man habe den Schwager des Diego Velasquez, Franz von Verdugo, einen tapferen und angesehenen Mann, zum Generalkapitän erheben wollen. Dieser selbst aber habe von den Plänen der Verschwörer keinerlei Kenntnis gehabt. . Am zweiten Pfingsttage (20. Mai) versammelte ich alle Truppen auf dem Hauptplatze von Tezkuko, um sie einzuteilen. Da ich in drei Städte Besatzungen zu legen mir vorgenommen hatte, so bestimmte ich drei Befehlshaber. Der ersten Besatzung hab ich als Obristen Peter von Alvarado gegeben und ihm zugeteilt 30 Reiter, 18 Armbruster- und Büchsenschützen, 150 Fußknechte, mtt Schwert und Schild gewappnet, und 25000 Mann aus Tlaskala. Zu seinem Hauptquartier bestimmte ich die Stadt Takuba. Die zweite Besatzung erhielt als Obristen Christoval von Olid. Er bekam 33 Reiter, 18 Armbruster und Büchsenschützen, 160 Fußknechte mit Schwert und Schild, sowie 20000 Indianer. Sein Hauptquartier sollte sein die Stadt Kojohuakan. Den Befehl über die dritte Besatzung gab ich dem Hauptmann Gonzalo von Sandoval. Er hatte zu führen 24 Reiter, 4 Büchsenschützen, 13 Armbruster, 150 Fußknechte mit Schwert und Schild, darunter meine besten, sowie das ganze streitbare Volk aus Huexozinko, Churultekal und Chalko, insgesamt über 30000 Mann. Sandoval sollte wider die Stadt Iztapalapan anrücken und sie erobern, von da, unter dem Beistand der Rennschiffe, auf dem Steindamm vorgehen. Die Wahl seines Hauptquartiers stellte ich ihm frei, bis ich mit den Rennschiffen auf den See käme. Für die 13 Schiffe, die ich selbst zu führen gedachte, suchte ich 300 Mann aus, darunter die vorhandenen Seeleute, so daß auf jedes 23 Hispanier kamen. Für jedes Rennschiff ernannte ich einen Schiffshauptmann und gab jedem sechs Armbruster und Büchsenschützen. Am 21. Mai Im Erstdruck des Berichtes steht der »10. Mai«. Da aber, sowohl nach der Angabe des Cortes wie des Bernal Diaz, die Truppenschau am zweiten Pfingsttage, also am 20. Mai 1521, stattgefunden hat, so kann der Abmarsch der beiden Unterführer erst am 21. Mai erfolgt sein. Sandoval marschierte etwas später, am 31. Mai ab. (Vgl. S. 251 .) Cortes selbst rechnet den Beginn der 75 Tage währenden Belagerung vom 30. Mai bis zum 13. August. rückten die beiden erstgenannten Führer samt ihren Leuten mit den nötigen Befehlen von mir nach Takuba und Kojohuakan. Ihr erstes Nachtquartier nahmen sie in Akolman, einem Orte, dritthalb Meile von Tezkuko entfernt. Noch am selbigen Tage erfuhr ich, daß zwischen den beiden Hauptleuten ein Streit über die Quartiere stattgehabt hatte. Um sofort wieder Frieden zwischen ihnen zu stiften, schickte ich noch in der Nacht einen andern Hauptmann ab, der den Fall gütlich ordnete. Am anderen Tage zogen sie weiter nach Koyotepek, das bereits in Feindesland lag. Man fand den Ort ohne Volk. Tags darauf setzten sie den Marsch fort und erreichten Quautitlan, eine Stadt, die wiederum leer war. Auch in zwei anderen Orten, durch die man unterwegs kam, war kein Mensch. Gegen Abend rückten sie in Takuba ein, das ohne Volk war, und nahmen Quartier daselbst im Schlosse, einem prächtigen und geräumigen Palaste. Obgleich es schon spät war, machten die Tlaskalaner noch einen Streiftug hinaus auf den Steindamm, der nach Temixtitan führt, und schlugen sich drei Stunden lang mit den Mexikanern. Als es ganz dunkel geworden, kehrten sie ohne Verluste nach Takuba zurück. Am folgenden Tage in der Morgenfrühe kamen die Hauptleute zusammen, um sich miteinander zu beratschlagen, auf was für Weise und Weg sie meinem Befehl gemäß die Wasserleitung abschneiden könnten, die vom Berg Chapoltepek nach Temixtitan erbaut ist. Einer der beiden zog sodann mit 20 Reitern und etlichen Schützen nach dem Ursprung der Leitung, der eine halbe Meile entfernt liegt. Dort zerstörte er die Röhren, die von Holz waren. Mexikanisches Kriegsvolk suchte ihn daran zu hindern. Er schlug aber selbiges in die Flucht und vollzog das Werk. Einer so mächtigen Stadt das Wasser zu nehmen, war eine brave Tat. Noch am selbigen Tage begannen die besagten Hauptleute etliche schlechte Wege und verfallene Brücken auszubessern, die sich um den See fanden, damit die Reiter in Sicherheit überallhin reiten konnten. Damit gingen drei oder vier Tage hin, an denen öfters Scharmützel mit den Temixtitanern stattfanden. Darnach zog Christoval von Olid mit seiner Mannschaft ab nach Kojohuakan, seinem Hauptquartier, das zwei Meilen von Takuba entfernt ist. Peter von Alvarado aber blieb mit seinem Volk in Takuba, wo er Tag um Tag kleine Gefechte mit den Mexikanern hatte. Am Tag des Abmarsches um zehn Uhr kam Olid an sein genanntes Ziel, wo er im Schlosse Quartier nahm. Die Stadt war menschenleer. Am anderen Morgen machte Olid eine Erkundung auf dem Steindamm, der von Kojohuakan nach Xolok führt, wo sich selbiger mit dem anderen Steindamm vereint, der von Iztapalapan nach Temixtitan geht. Er nahm mit sich 20 Reiter, 5 Schützen und 7000 Tlaskalaner. Er fand die Feinde in Bereitschaft hinter Schanzen, die sie auf dem Steindamm aufgeworfen hatten. In dem Gefecht allda sind etliche Schützen schwer verwundet und etliche gar erschossen worden. In den nächsten sechs Tagen ging es ebenso her. Es fanden täglich Plänkeleien statt. Daneben durchstreiften die Reiter das ganze Land am See bis in die Berge, wobei sie viele Feinde umbrachten und eine gute Menge Mais beitrleben. Der Mais ist das tägliche Brot hierzulande, wo er auch besser gedeiht als auf den Inseln. Das dreizehnte Kapitel Wiewohl ich lieber mit ausgezogen wäre, um die beiden Standorte am See einzurichten, so dünkte es mich doch wichtiger, die Rennschlffe selber herbeizuführen, zumal meine Befehlshaber in Takuba und Kojohuakan trefflich und zuverlässig waren. Am Tage nach Fronleichnam (31. Mai) hieß ich den Hauptmann Gonzalo von Sandoval samt seinem Krlegsvolk aus Tezkuko nach Iztapalapan abrücken Sandovals Abmarsch hatte sich folgender Angelegenheit wegen verzögert. Der tlaskalanische General Xikotenkatl (vgl. S. 21 , 23 , 95 sowie Anmerkung 26), das Haupt der Vaterlandspartel in Tlaskala, hatte sich aus dem Hauptquartiere der Spanier entfernt, nachdem einer seiner Verwandten durch einen Spanier beleidigt worden war. Cortes benutzte die Gelegenheit, um sich des ihm gefährlichen Mannes zu entledigen. Bernal Diaz berichtet hierzu: Das gesamte Heer der Tlaskalaner hatte den Befehl erhalten, nach der mexikanischen Grenze voraus zu marschieren. Unterwegs merkte der älteste Hauptmann Chichlmekatl, daß der Oberführer Xikotenkatl fehlte. Nachforschungen ergaben, daß er in der Nacht zuvor heimlich nach Tlaskala zurückgekehrt war. Chichimekatl begab sich persönlich zurück nach Tezkuko und erstattete dem Cortes Meldung hiervon. Selbiger sandte dem Xikotenkatl sofort fünf diesem befreundete Edelleute aus Tezkuko nach, die ihn in seinem Namen ersuchen sollten, sich wieder zu seinem Heere zu begeben. Zugleich sollten sie ihm vorstellen, daß sein Vater nur wegen seiner Blindheit und seines hohen Alters sein Volk nicht selber wider den Erbfeind führe, daß ganz Tlaskala den Hispaniern treu ergeben sei und daß er sein Vaterland durch seinen Abfall entehren werde. Schließlich ließ Cortes der Aufforderung, zu seiner Pflicht zurückzukehren, große Versprechen hinzufügen. Xikotenkatl aber gab eine trotzige Antwort. Sein Entschluß stehe fest. Die Gefolgschaft der anderen Tlaskalaner ginge ihn nichts an. Hierauf erteilte Cortes vier Rittern den Befehl, sich elligst nach dem Wohnsitze des Säumigen zu begeben und ihn ohne Verzug aufzuhängen. Er fügte seiner Weisung die Worte hinzu: »An diesem Indianerfürsten ist alles Wohlwollen Verschwendung! Er hat nichts im Sinne, als Verrat und böse Pläne. Das muß ein Ende nehmen. Der Geduld ist Genüge getan.« Den Xikotenkatl erreichte alsbald, noch im Gebiete von Tezkuko, auf der Landstraße, sein Schicksal. Solis schließt sich – in seiner Conquista de Mejico V, 19 – der Darstellung des Bernal Diaz an, entgegen der des Herrera, nach der die Hinrichtung des edlen Tlaskalaners öffentlich in Tezkuko erfolgt sein soll. Da die Tlaskalaner bereits abmarschiert waren, so ist die Beseitigung des Patrioten wohlweislich nicht angesichts seiner Stammesgenossen erfolgt. . Der Marsch dahin beträgt sechs Meilen. Um Mittag kamen sie dort an und begannen sofort die Stadt zu bestürmen und anzubrennen. Als die Bürger die große Streitmacht der Angreifer sahen, da wichen sie nach dem See zu und gingen auf ihre Zillen. Sandoval nahm mit seinem Kriegsvolk Quartler in der Stadt und erwartete neue Befehle von mir. Kaum war der Hauptmann abgezogen, da setzte ich mich eilends auf die Rennschiffe und fuhr mit Segeln und Rudern in den See. Während Sandoval die Stadt Iztapalapan stürmte, erblickte ich in der Fahrt eine Felseninsel Der Ort heißt noch heute der Markgrafenfelsen. nahe bei ebengenannter Stadt, darauf viel Kriegsvolk hinter Schanzen. In Temixtitan hatte man erwartet, daß wir zunächst Iztapalapan angriffen. Offenbar um die Wehr dieser Stadt zu stärken, hatte sich Kriegsvolk aus Temixtitan auf der Insel festgesetzt. Als sich meine Schiffe näherten, erhob sich daselbst Krlegsgeschrei, und Rauchzeichen verkündeten unseren Anzug nach der Ferne. Obgleich es mein Plan gewesen war, Iztapalapan von der Seeseite aus anzugreifen, so entschloß ich mich doch, erst zuvor die Felseninsel zu nehmen. Ich landete mit 150 Mann und begann die Höhe, die sehr steil war, und die feindlichen Wälle zu bestürmen. Unter großer Mühe gelang uns das Werk. Außer den Weibern und Kindern kam keiner der Feinde mit dem Leben davon. Fünfundzwanzig Hispanier wurden verwundet. Aber es war ein herrlicher Sieg. Durch die Rauchzeichen, die man von den Tempeltürmen auf den Hohen bei der Stadt gegeben hatte, erfuhr man in Temixtitan und in allen Orten am See, daß ich mit meinen Rennschiffen auf der Fahrt nach Iztapalapan war. Bald erschienen über fünfhundert Zillen, um unsere Schiffe anzugreifen, und fuhren stracks auf sie los. Als ich dies wahrnahm, ging ich mit meinen gelandeten Leuten eilends wieder auf die Brigantinen und befahl den Schiffshauptleuten, die Schiffe nicht von der Stelle zu bewegen, damit die Fahrzeuge der Feinde näher kämen, in der Meinung, wir griffen aus großer Furcht nicht an. Aber in doppelter Armbrustschußweite blieben auch sie halten. Mein Gedanke war, in einem Gefecht zu Wasser dermaßen zu siegen, daß die Mexikaner Achtung und Angst vor meinen Rennschiffen bekämen; denn die Stadt Temixtitan war einzig und allein vom See her einnehmbar. Die Flotte war somit das Mittel zum Siege. Während einer den anderen ansah wie Hund und Katze, da begab es sich, daß vom Lande her ein starker Wind anhub, sehr zu unserem Vorteil, dieweil wir nunmehr mit den Segeln gegen sie fahren konnten. Sofort befahl ich den Schiffshauptleuten, die Zillen anzugreifen und sie gegen Temixtitan hin zu verfolgen. Vom Wind unterstützt, durchbrachen wir ihre Mitte und überrannten viele der Zillen, wobei viele Feinde ersoffen. Drei Meilen Wegs jagten wir ihnen nach, bis sie sich in die Wasserstraßen der Vorstädte von Temixtitan retteten. Also erlangten wir durch Gottes Hilfe einen noch größeren Sieg, als wir erhofft hatten. Die Besatzung von Kojohuakan, die besser als die in Takuba die Anfahrt meiner dreizehn Segel beobachten konnte, war voller Freude, als sie meinen Sieg erkannte, denn ohne diesen wäre sie ringsum vom Feinde eingeschlossen gewesen und in große Gefahr geraten. Jetzt aber rückte der Obrist Olid mit dem größeren Teile seiner Reiterei und seines Fußvolkes aus und griff die Mexikaner auf dem Damm an. Dabei nahm er etliche Brücken und Schanzen und trieb die Feinde eine Meile weit zurück. Viele der Mexikaner fielen und viele wurden in den See getrieben. Währenddem näherten sich etliche meiner Rennschiffe der Burg Xolok. Bis dahin drang auch Olid mit seinem Kriegsvolk vor. Da es bereits gegen Abend war, befahl ich den Schiffshauptleuten, die Verfolgung der feindlichen Zillen einzustellen. Ich selbst landete mit 30 Hispaniern auf dem Damme und erstürmte unter hartem Kampf und großer Mühseligkeit die kleine Veste Xolok, die von nichtsehr hohen Mauern aus Quadersteinen umgeben ist. Darauf ließ ich drei Geschütze aus den Brigantinen eilends ans Land bringen. Das weitere Stück Damm von Xolok bis zur Stadt, das eine halbe Meile lang ist, war dicht von Feinden bedeckt, und zu beiden Seiten davon war der See voller Zillen mit streitbarem Kriegsvolk. Ich gab den Befehl, eines der Geschütze gegen die feindliche Menge auf dem Damm zu richten und einen Schuß abzugeben. Selbiger tat dem Feinde merklichen Schaden, aber durch die Unvorsichtigkeit eines Kanoniers geriet beim Abfeuern des Geschützes der zum Glück nicht große Vorrat an Schießpulver in Brand. Noch in der Nacht sandte ich eines der Rennschiffe nach dem zwei Meilen fernen Iztapalapan zum Obristen Sandoval mit dem Befehl, er solle mir alles Pulver, was er hätte, sofort schicken. Anfänglich hatte ich mir vorgenommen, mein Hauptquartier nach Kojohuakan zu legen und die Rennschiffe selbständig zu lassen. Nachdem ich aber die Burg Xolok genommen und damit auf dem Steindamm Fuß gefaßt hatte, beschloß ich, mein Lager hier aufzuschlagen und auch die Brigantinen bei mir zu behalten. Ich schickte sowohl nach Kojohuakan als nach Takuba den Befehl, mir am anderen Morgen aus beiden Standorten je 50 Fußknechte herzuschicken. Die ganze Nacht blieben wir allesamt wach, dleweil wir in großer Gefahr waren. Um Mitternacht machten die Feinde in großen Massen, zu Land auf dem Damm und zu Wasser auf den Zillen, einen Überfall auf uns, der wahrlich kein Scherz war, dieweil er bei voller Dunkelheit geschah. Zu solcher Zelt hatten die Mexikaner sonst niemals gefochten, außer im Übermut errungener Erfolge. Da wir gerüstet und bereit waren, empfingen wir sie durch unsere Schützen. Auch von den Rennschiffen, deren jedes ein Feldgeschütz hatte, begann das Feuer. Also wagte sich der Feind nicht nahe an uns heran und vermochte uns keinen Schaden anzutun. Schließlich ließ er ganz von uns ab, und wir verbrachten die weitere Nacht in Ruhe. Am Morgen, als die Sonne aufging, trafen in unserem Lager zu Xolok 15 Armbruster und Büchsenschützen, 50 Fußknechte mit Schild und Schwert und sieben oder acht Reiter aus Kojohuakan ein. Als sie einzogen, hatte das Gefecht wider die Feinde bereits von neuem begonnen. Der Feinde waren so viele, daß der Damm und der See von ihnen ganz bedeckt wurden, und ihr Kriegsgeheul war so wüst, als sollte die Welt untergehen. Trotzdem kamen wir auf dem Steindamm Schritt um Schritt vorwärts und eroberten eine Brücke, die sie abgerissen hatten, und auch den Wall, den sie hinter dem Brückengraben aufgeworfen hatten. Sodann trieben wir sie mit unserem Geschütz und unseren Pferden bis in die ersten Häuser von Temixtitan zurück. Dieweil nun eine Menge feindlicher Zillen zur linken Seite des Dammes in dem Teil des Sees erschienen, auf den meine Rennschiffe nicht konnten hingelangen, und uns von da mit Pfeilen und Wurfspießen beschossen, da ordnete ich an, daß dicht bei Xolok eine Durchfahrt für die Schiffe hergestellt werden sollte. Als dies geschehen war, ließ ich vier Brigantinen durchfahren. Sie verjagten die Zillen und trieben sie bis in die Wasserstraßen der Vorstadt. Wieder herauszufahren wagten sie nicht. Auf der anderen Seite der Dammstraße kämpften die übrigen acht Brigantinen immer wieder mit einer Menge feindlicher Zillen und trieben auch sie in die Vorstädte hinein. Da der See dort seicht war, verfolgten die Rennschiffe die Zillen anfangs nicht bis dahin, damit sie daselbst nicht sitzen blieben; nachdem sie aber tiefere Stellen gefunden, taten sie es und fochten gar ritterlich mit den Mexikanern auf den Zillen. Hierbei erlegten sie viele Feinde und verbrannten einen Teil der Vorstadt. So verging der ganze Tag im Kampfe. Am anderen Tage rückte der Obrist Gonzalo von Sandoval mit all seinem Kriegsvolk, Hispaniern wie Indianern, von Iztapalapan nach Kojohuakan vor. Nach einer viertel Meile Wegs kam er vor ein Dorf, das in den See hineingebaut war. Da die Einwohner wider ihn zu kämpfen begannen, so fingen auch die Hispanier mlt ihnen an; aber Sandoval ward ihrer bald Herr und schlug sie in die Flucht. Er erlegte viele der Feinde, nahm das Dorf und setzte es in Brand. Da mir vermeldet ward, daß der Dammweg von Kojohuakan nach Xolok an einer Stelle von den Mexikanern ein gutes Stück durchstochen worden war, um den Vormarsch von Kriegsvolk zu verhindern, so sandte ich zwei Rennschiffe dahin ab, die in der Lücke eine Art Brücke bilden sollten. Während sein Kriegsvolk Quartier in Kojohuakan nahm, ritt Sandoval selber mit zehn Reitern auf dem Dammwege in mein Hauptquartier, woselbst er mich mitten im Kampfe fand. Er und seine Reiter gaben die Pferde in Xolok ab und halfen uns zu Fuß. Sogleich nach seiner Ankunft erhielt der Obrist einen Lanzenstich in den einen Schenkel. Auch manch anderer Hispanier wurde verwundet. Trotzalledem brachten unsere Geschütze und unsere Büchsen, auch unsere Armbrüste den Feinden so viel Schaden bei, daß selbige weder auf dem Damme noch auf den Zillen standhielten und daß ihre Furcht bald größer ward als zuvor ihr Mut. So schlugen wir uns sechs Tage lang ohn Unterlaß. Indessen fuhren unsere Rennschiffe um die Vorstädte und verbrannten dort viele Häuser. An etlichen Stellen drangen sie sogar bis in die eigentliche Stadt. Dadurch verhinderten sie das Auslaufen von weiteren Zillen. Auf mehr denn eine viertel Meile wagten sich fortan keine an mein Hauptquartier heran. Am folgenden Tage kam eine Meldung von Peter von Alvarado, dem Obristen des Kriegsvolks zu Takuba, die mir besagte, daß man auf dem nördlichen Steindamm immer noch vom Lande nach Temixtitan aus und eingehen könnte. Auch befürchte er, daß die ganze Bürgerschaft im Notfalle auf diesem Wege die Stadt verlassen möchte. Wiewohl ich einen solchen Auszug ganz gern gesehen hätte, und zwar deshalb, weil ich ihnen zu Lande mehr Abbruch zu tun vermochte, so entschloß ich mich dennoch, den Ring der Belagerung völlig zu schließen, um dem Feinde jedweden Nutzen vom Festlande zu entziehen. Deshalb gab ich dem Obristen Sandoval den Befehl, ungeachtet seiner schweren Wunde, er solle sein Hauptquartier nach Tepeaka verlegen, einem Marktflecken am Ende des Norddammes. Mit 23 Reitern, 100 Fußknechten und 18 Schützen marschierte er dahin ab. Die 50 bereits einmal erwähnten Fußknechte, die ich mir von ihm aus Iztapalapan hatte schicken lassen, verblieben bei mir. Am anderen Morgen traf er in Tepeaka ein. Von Stund an war die Stadt Temixtitan von allen Seiten gänzlich belagert. Das vierzehnte Kapitel In meinem Hauptquartier zu Xolok verfügte ich über 200 hispanische Fußknechte, darunter 25 Armbruster und Büchsenschützen; dazu kam die Mannschaft der Brigantinen, mehr denn 250 Mann. Ferner hatte ich einen Teil der indianischen Hilfsvölker vom Festlande herangezogen. Jetzt, wo die Stadt völlig vom Lande abgeschnitten war, beschloß ich einen starken Angriff auf dem Süddamm zu machen, wobei mich meine Rennschiffe auf beiden Seiten begleiten sollten. Aus Kojohuakan, wo eine Abteilung von Reitern und Fußknechten verblieben war, beorderte ich noch etliche zu mir. Zehn Reiter stellte ich am Anfange des Dammes auf, ebenso das in Kojohuakan belassene Kriegsvolk. Zehn Reiter, sowie 10000 indianische Bundesgenossen sollten mir den Rücken decken, denn folgende Ortschaften am See waren auf der Seite von Temixtitan: Iztapalapan, Huizlopochko, Mexikalzinko, Huitlahuak, Mizkiz, Kolhuakan, Xochimilko. Die Obristen Gonzalo von Sandoval und Peter von Alvarado erhielten den Befehl, am nämlichen Tage wie ich von ihren Standquartieren aus die Stadt anzugreifen. Ich selbst rückte zu Fuß am anderen Morgen aus dem Lager auf dem Steindamm wider die Stadt. Alsbald stießen wir auf den Feind, der einen Graben quer über den Damm und dahinter einen Wall aufgeworfen hatte. Es entbrannte ein harter Kampf. Endlich aber erstürmten wir die Schanze und warfen die Mexikaner bis an das Tor der Stadt zurück. Die dortige Brücke hatte man weggerissen, und der Wassergraben war abermals durch eine dahinter aufgeworfene Schanze wohl verteidigt. Als wir hinkamen, begann von neuem die Schlacht. Dieweil wir aber zu beiden Seiten die Brigantinen hatten, gewannen wir auch diese Schanze. Ohne den Beistand der Schiffe wäre dies uns unmöglich gewesen. Als der Feind die Stellung verließ, sprangen Scharen von Tlaskalanern, Tezkukoanern und anderen unserer Indianer von Huexozinko und Chalko, insgesamt viele Tausende, aus den Rennschiffen, schwammen durch das Wasser und erklommen die Ufer vor der Stadt. Währenddem die Unsrigen mit Ziegeln und anderen Steinen den Graben vor dem Tore zuschütteten, erstürmten die Hispanier einen dritten Wall, der in der Hauptstraße von Temixtitan aufgerichtet war. Da vor diesem kein Wassergraben war, ward er leicht genommen. Danach eilten wir den Feinden nach, bis wir auf der Hauptstraße an eine beinahe gänzlich abgerissene Brücke gelangten. Nur ein paar einzelne Balken waren davon stehen gelassen worden, auf denen sich die Fliehenden hinüberretteten. Jenseits der Brücke war abermals eine große Schanze von allerlei Steinen aufgeführt. Als wir vor dem Brückengraben ankamen, konnten wir nicht mehr hinüber, dieweil die Feinde von drüben einen Hagel von Geschossen auf uns warfen und weil auf den Häusern zu beiden Seiten der Straße unzählig Volk stand und auf uns ohne Unterlaß herabschoß. Ich ließ zwei Feldgeschütze auffahren. Mit diesen und mit unseren Armbrüsten und Büchsen taten wir ihnen einen nicht geringen Schaden an. Zwei Stunden währte der Kampf. Dann aber warfen sich etliche Hispanier in das Wasser und schwammen hinüber. Jetzt erstürmten wir den Wall. Als die Feinde dies wahrnahmen, verließen sie die Schanze und die Dächer der Häuser und gaben Fersengeld hinein in die Gassen. In hellen Haufen drangen die Unsrigen in die Stadt. Ich ließ sofort die eroberte Schanze abtragen und den Graben davor ausfüllen. Unterdessen setzten die Hispanier und unsere Indianer die Verfolgung entlang der breiten Hauptstraße fort, bis sie, etwa zwei Armbrustschüsse weiter, wiederum an eine Brücke kamen, nahe am Hauptplatze, wo die größten Häuser und Paläste der ganzen Stadt standen. Diese Brücke war nicht abgetragen, auch war kein Wall dahinter aufgeworfen. Der Feind hatte nicht vermeint, daß wir an diesem Tage so weit vermöchten vorzudringen. Am Eingang des großen Platzes stellte ich eines meiner Feldgeschütze auf und ließ einen Schuß gegen die Feinde abfeuern. Sie standen so dicht gedrängt, daß durch den einen Schuß eine Menge Indianer fielen. Da hier keine der uns so gefährlichen Wassergräben waren, begannen wir den allgemeinen Angriff gegen den Platz, der ganz voller Menschen war. Alsbald floh die Menge hinter die Mauern der großen Moschee, die, wie ich in meinem vorigen Berichte bei Gelegenheit vermeldet habe, einen Raum umfaßt, in dem man eine kleine Stadt erbauen könnte. Auch diesen Hof erstürmten wir und kamen auf etliche Zeit sogar in den Besitz der Pyramide und der Tempel droben. Sodann aber machten die Temixtitaner einen gewaltigen Gegenangriff. Sie vertrieben uns aus dem Tempelhof und warfen uns unter hartem Kampf bis auf den großen Platz zurück. Auch hier vermochten wir nicht lange Widerstand zu leisten und mußten schließlich bis an das Stadttor zurückweichen, wobei wir das Feldgeschütz verloren, das am Eingang des großen Platzes aufgestellt war. Die Hispanier wären in noch größere Gefahr geraten, wenn in diesem Augenblick, von Gott dem Allmächtigen geschickt, nicht drei meiner Reiter gekommen wären. Vor diesen wich der Feind unter starken Verlusten in die Stadt zurück. Unterdessen war die Nacht angebrochen. Ich befahl daher, daß Sammeln geblasen ward, und begann den Rückzug. Alsogleich folgte uns der Feind in ungeheueren Massen, so daß wir uns ihrer kaum erwehren konnten. Ohne die Reiter aber wäre es ganz unmöglich gewesen. Zu unserem Glück hatte ich alle Gräben zuschütten lassen. Obwohl wir den Feinden großen Schaden beibrachten, warfen sie sich voller Wut immer von neuem auf uns. Trotzdem erreichten wir unser Hauptquartier. Viele Hispanier waren verwundet, aber keiner gefallen. Im Rückzuge hatten wir links und rechts der Hauptstraße eine Menge Häuser in Brand gesetzt, damit die Feinde nicht von den Dächern auf uns herabschießen könnten, wenn wir in etlichen Tagen von neuem stürmten. Am selbigen Tage machten auch die Obristen Gonzalo von Sandoval und Peter von Alvarado, ein jeder von seinem Standort aus, einen braven Angriff gegen die Hauptstadt. Gleichwohl haben wir eine oder anderthalb Meile voneinander getrennt gekämpft. So groß und weit ist die Stadt. Beide Obristen haben sich gleich mir am Abend ohne Verluste wieder zurückgezogen. Das fünfzehnte Kapitel Mittlerweile war Don Fernando, der Fürst von Tezkuko und des Landes Akuluakan, eifrig beschäftigt gewesen, alle seine Untertanen, sonderlich die Edelleute, für uns zu gewinnen und uns in Treue zu erhalten, denn dazumal waren sie uns noch nicht alle so freundschaftlich wie späterhin. Er hatte sieben Brüder, streitbare junge Männer, die er bat, mit dem gesamten Kriegsvolk des Landes uns zu Hilfe zu kommen. Einen von ihnen namens Ixtlilxochitl, einen tapferen und gewandten jungen Mann von ungefähr 24 Jahren, der beim Volk beliebt und angesehen war, ernannte er zum Feldhauptmann wider die Mexikaner. Mit 30000 Mann, die wohlgerüstet und geordnet waren, kam dieser zu mir in mein Hauptquartier. Je 10000 davon schickte ich in meine beiden anderen Standorte, nach Takuba und Kojohuakan. Alle hab ich freundlich empfangen und ihnen für Willen und Werk herzlich gedankt. Eure Kaiserliche Majestät können danach leicht ermessen, wie gut und nützlich uns die Freundschaft des Don Fernando gewesen ist. Die Temixtitaner aber waren arg ergrimmt, als sie ihre ehemaligen Bundesgenossen und Lehensleute, ja ihre Vettern und Schwäger auf unserer Seite erblickten. Zwei Tage nach ihrer Ankunft fand der bereits erzählte Sturm auf Temixtitan statt. Infolge des guten Beispieles der Tezkukoaner traten nunmehr noch andere Städte und Landstriche auf unsere Seite, so die Stadt Xochimilko, auch etliche Stämme der Otomies in den Bergen südwestlich vom See. Alle schickten sie Gesandtschaften zu mir, mit dem Angebot, Eurer Kaiserlichen Majestät treue Diener und meine guten Freunde sein zu wollen. Ich empfing sie freundlich und freute mich ihrer Botschaft, dieweil ich in Sorge gewesen war, sie möchten Kojohuakan im Rücken anfallen. Durch die Rennschiffe ließ ich die Häuser der Vorstädte niederbrennen, und als dort keine feindliche Zille mehr zu sehen war, dünkte es mich, sieben Schiffe mochten fortan genügen, unser Hauptquartier zu schützen. Deshalb entschloß ich mich, dem Obristen Gonzalo von Sandoval und dem Obristen Peter von Alvarado je drei Brigantinen abzugeben. Ich erteilte den sechs Schiffshauptleuten den Befehl, vor der Front der anderen beiden Hauptquartiere bei Tag und bei Nacht auf dem See zu kreuzen und zu verhindern, daß die Temixtitaner Mais, Früchte, Wasser und andere Zufuhr vom Festlande bezögen. Ferner sollten selbige bei jedem neuen Sturm der beiden Obristen wider die Hauptstadt den Vorstoß in der nämlichen Weise decken, wie es bei meinem Angriff auf dem Steindamme geschehen war. Mit dieser Weisung gingen die sechs Schiffe nach ihren neuen Standorten ab. Diese Maßnahme war sehr nützlich und vonnöten. Die abgefertigten Brigantinen kaperten auf ihren Fahrten bei Tag und Nacht viele Zillen der Feinde. Nach solchen Vorbereitungen berief ich die Führer meiner indianischen Hilfsvölker zu mir und verkündete ihnen, daß ich entschlossen sei, am dritten Tage abermals die Hauptstadt zu bestürmen. Ich ermahnte sie, wohlgewappnet und pünktlich zur Stelle zu sein und sich als unsere wahrhaftigen Freunde zu erzeigen. Sie versprachen es mir. Am Tage darauf befahl ich meinem eigenen Kriegsvolk, sich zu rüsten und bereit zu halten. Zugleich schickte ich nach den beiden anderen Standorten und zu den Brigantinen eine schriftliche Weisung mit meinem Entschluß und dem gemeinsamen Angriffsbefehl. Am anderen Tage, nachdem wir die Messe gehört, versammelte ich meine Hauptleute und unterrichtete sie über alles, was sie zu tun hatten. Darnach zog ich aus dem Lager mit meinen Reitern, 300 Hispaniern und mehreren tausend Indianern. Als wir drei Armbrustschußweiten den Steindamm hingezogen waren, trafen wir auf den Feind, der unter Kriegsgeschrei auf uns wartete. In den drei Tagen, in denen wir kein Gefecht mit ihnen gehabt, hatten die Temixtitaner die Gräben wieder aufgerissen und die Wälle von neuem errichtet. Also mußten wir sie abermals erstürmen. Wiederum standen uns die Brigantinen auf beiden Seiten des Dammes bei. Durch selbige wie durch unsere Geschütze, Armbrüste und Büchsen erlitten die Feinde starke Verluste. Nunmehr nahmen wir den Graben und die erste Schanze und verfolgten danach den zurückgehenden Feind, der sich alsbald hinter dem zweiten Wall festsetzte. Auch diesen eroberten wir, wenn auch mit vieler Mühe und großer Gefahr. Schließlich errangen wir den großen Platz. Sodann aber befahl ich den Hispaniern, nicht weiter vorzurücken. Wir begannen nun die Gräben mit Ziegeln und Steinen zuzuschütten und die aufgeworfenen Wälle abzutragen. Obgleich tausend Indianer dabei halfen, kam doch die Nacht über uns, ehe wir unsere Arbeit vollendeten. Unterdessen bestanden etliche Hispanier und unsere Bundesgenossen weitere Scharmützel mit den Temixtitanern, von denen auch mancher durch Hinterhalt fiel. Zuletzt machte ich mit meinen Reitern einen Streifzug durch die Stadt. Insonderlich in den Gassen, wo kein Wasser ist, stachen wir mit unseren Lanzen eine Menge Mexikaner nieder, so daß am Ende niemand mehr Widerstand leistete. Es war mir klar, daß die Feinde entschlossen waren, entweder im Kampfe wider uns bis zum Äußersten zu verharren oder ritterlich zu fallen. Es blieb mir also kaum anderes übrig als sie zu vernichten und die Stadt zu zerstören. Dies war mir arg zuwider, und dieweil ich immer noch erhoffte, daß ich einen Weg fände, sie durch Schrecken und Furcht zur Einsicht und zum Nachgeben zu bringen, so begnügte ich mich zunächst, ihre Götzentempel und die größten Häuser der Stadt zu verheeren und niederzubrennen. Also setzte ich an diesem Tage etliche Paläste, darunter den, der ehedem unser Quartier war, in Brand, ferner, so leid es mir war, alle Gebäude des Tiergartens, den ich Eurer Kaiserlichen Majestät ehedem beschrieben habe. Damit betrübte ich die Temixtitaner und ihre Bundesgenossen vom See gewaltig, denn sie hatten nimmer gedacht, daß wir so mächtig wären und so weit in die Stadt einzudringen vermöchten. Als alle diese Häuser brannten, ließ ich durch Trompeten zum Rückzug blasen. Es war bereits Abend, als mein Kriegsvolk nach dem Lager zurückging. Als die Feinde dies wahrnahmen, griffen sie unsere Nachhut in Massen an. Meine Reiter aber machten öfters kehrt und fielen in sie ein. Wiewohl dabei jedesmal viele Feinde verwundet wurden und umkamen, so drängten sie dennoch in dichten Scharen uns nach, immer unter wildem Geheul. Insonderheit empfanden die Temixtitaner großen Schmerz darüber, daß sie so viele Indianer aus Chalko, Tezkuko, Xochilmilko und Otumba auf unserer Seite wider sie streiten sahen. Es geschah sogar, daß etliche Tlaskalaner abgerissene Glieder gefallener Temixtitaner in die Höhe hielten und den Mexikanern zuriefen: Das soll heute unser Abendbrot und morgen unser Frühstück sein! Endlich erreichten wir das Hauptquartier und legten uns zur Ruh. Der Tag war hart gewesen. Meine sieben Brigantinen waren bis in die Wasserstraßen der Stadt eingedrungen und hatten viele Häuser in Brand gesetzt. Die Obristen der beiden anderen Standorte samt ihren sechs Rennschiffen hatten zu gleicher Zeit Angriffe unternommen. Auch sie waren am Abend ohne Verluste in ihre Quartiere zurückgekehrt. Am anderen Tage in der Morgenfrühe bin ich nach der Messe von neuem mit allem Kriegsvolk wider die Stadt gezogen. Trotz der frühen Stunde hatten die Feinde die Gräben und die Wälle beinahe ganz wieder aufgeworfen. In mühseligem Kampfe haben wir also die volle Arbeit des vorigen Tages wiederholen müssen. Von acht Uhr morgens bis ein Uhr nachmittags währte die Schlacht, bis unsere Schützen all ihre Kugeln und Bolzen verschossen hatten. Der Sturm auf die Schanzen war nicht minder gefährlich denn an den Tagen zuvor, wiewohl die Feinde nicht mehr von den Dächern herab schießen konnten. Eure Kaiserliche Majestät mögen überzeugt sein, daß wir für und für in großer Gefahr standen, wenn wir immer wieder die Brücken stürmten. Denn um sie zu gewinnen, mußten wir durch das Wasser schwimmen, wobei wir beinahe wehrlos waren. Die Feinde am anderen Gestade stachen mit Schwertern und Spießen auf uns ein, damit keiner hinüberkäme. Doch dieweil sie dabei keine Söller zur Seite hatten, von denen aus sie uns zusetzen könnten, und wir von unserem Ufer aus ziemlicher Nähe mit den Armbrüsten auf sie schossen, so wurden die Hispanier von Tag zu Tag beherzter und siegessicherer, zumal sie sahen, daß ich fest entschlossen war, die Stadt zu nehmen. Auch glauben Eure Kaiserliche Majestät vielleicht, daß der gänzlich wiederholte Angriff auf die Gräben und Wälle wäre zu vermeiden gewesen, wenn wir selbige nach der ersten Eroberung nicht wieder verlassen, sondern behauptet hätten. Wahrlich waren die Gefahren und Mühseligkeiten des abermaligen Eroberns erschrecklich groß; aber es hat unmöglich anders als so geschehen können, außer wenn ich mein Hauptquartier hätte in den Hof des großen Tempels verlegt, oder wenn ich die einmal gewonnenen Schanzen und Brücken für die Nacht durch genügend Kriegsvolk besetzt hätte. Aber im ersten Falle hätte uns der Feind die ganze Nacht hindurch immer wieder angefallen, und die Abwehr hätte uns keine Stunde der Ruhe vergönnt. Die Schanzen aber auch während der Nacht zu verteidigen durch Hispanier, die doch müd genug vom harten Kampfe des Tages waren, dies dünkte mich allzu gefährlich. Also mußten wir die Brücken immer wieder von neuem erstürmen. An diesem Tage gewannen wir auch zwei Brücken einer anderen Straße, die auf Takuba zugeht, und brannten daselbst viele große und schöne Häuser nieder. Darüber war es Abend und Zeit zum Rückmarsch geworden, der jedesmal kaum minder voller Gefahren war als der Sturm auf die Brücken und Wälle. Denn wenn uns die Feinde zurückgehen sahen, mehrte sich immer ihr Mut dermaßen, daß sie fast vermeinten, sie hätten gesiegt und wir aus Not die Flucht ergriffen. Damit aber die Reiter ohne Hindernis vor und zurück reiten konnten, war es vonnöten, daß die Straßen völlig wieder geebnet und die Gräben der abgerissenen Brücken voll ausgefüllt waren. Wenn wir im Rückmarsch, von den Feinden hitzig verfolgt, eine Zeitlang uns stellten, als wären wir wirklich auf der Flucht, dann aber plötzlich mit den Reitern kehrtmachten und in die Verfolger einfielen, dann fingen wir jedesmal ein Dutzend der Verwegensten. Auf diese Weise und durch Hinterhalte brachten wir unseren Feinden große Verluste bei, und es war wahrlich tapfer von ihnen, daß sie dessenungeachtet nicht von uns abließen, sondern uns so lange nachsetzten, bis wir aus der Stadt waren und nach unserem Lager zogen. Die Befehlshaber der beiden anderen Standorte schickten mir am Abend Meldung, daß ihnen am nämlichen Tag alle Dinge nach Wunsch gegangen wären und sie eine Menge Feinde zu Wasser und zu Land erschlagen hätten. Der Obrist Peter von Alvarado hatte drei Brücken erstürmt. Er war auf dem Steindamme vorgerückt, der von Takuba bis zum großen Platz inmitten der Hauptstadt geht, wobei ihn die drei Brigantinen, die ich ihm zugeteilt, auf der einen Seite des Dammes begleitet hatten, so daß die Gefahr geringer war als an den Tagen zuvor. Alvarado hatte mehr Gräben und Schanzen zu nehmen, war aber dafür weniger von den Dächern herab bedroht. Das sechzehnte Kapitel In dieser ganzen Zeit hatten die Städte am Süßwassersee – Iztapalapan, Huizlopochko, Mexikalzinko, Kolhuakan,Mizkiz und Kuitlahuak – zwar nicht Freundschaft mit uns gemacht, uns aber auch keinen Schaden angetan. Dieweil nun die Chalkoaner treue Bundesgenossen Eurer Kaiserlichen Majestät blieben, so begannen sie zusammen mit etlichen Städten am See Streifzüge wider die genannten Orte im See zu machen, und fügten ihnen manchen Nachteil zu. Und als diese erfuhren, daß wir Sturm auf Sturm wider die Hauptstadt wagten und mehr und mehr den Sieg errangen, sowie auch wegen der Verluste, die ihnen die Chalkoaner angetan, kamen Abgesandte aus den besagten Städten in mein Hauptquartier und baten mich demütiglich, ich möge ihnen ihre früheren Missetaten verzeihen und den Chalkoanern anbefehlen, ihnen nicht mehr Schaden zuzufügen. Ich hab ihnen geantwortet, ihr Angebot gefiele mir und ich hätte keinen Groll gegen irgendwelche Indianer außer gegen die Temixtitaner. Damit ich aber einen Beweis sähe, daß ihr Angebot von Herzen käme und mir die verheißene Freundschaft wirklich nützlich und wert wäre, so bäte ich sie um ihre Zillen und ihr Kriegsvolk. Zillen besaßen sie in großer Anzahl. Dieweil die Hispanier keine oder nur wenig gedeckte Unterkunft hatten und es Regenwetter war, so ersuchte ich die Gesandten des weiteren, die Chalkoaner sollten uns im Hofe unseres Hauptquartiers Baracken erbauen und dazu Holz und Ziegel herbeischaffen. Alsbald fuhren sie eine Menge Zillen heran und vermeldeten mir, ihr Kriegsvolk stehe für mich bereit. Ich brauche nur den Tag des Anmarsches zu befehlen. Den Bau der Schuppen aber begannen sie mit aller Emsigkeit. Wir errichteten sie in zwei Reihen entlang den Wallmauern. Eure Kaiserliche Majestät können daraus die Breite des Platzes ermessen, der auf dem Grunde des Sees aufgebaut war. Es verblieb nämlich in der Mitte zwischen den beiden Reihen der Baracken immer noch ein breiter Weg, auf dem die Reiter und Fußknechte bequem hin und her marschieren konnten. Von der ersten bis zur letzten Baracke war es mehr denn vier Bogenschuß weit. In diesem Lager hausten nun alle meine Hispanier und über 2000 uns verbündete Indianer. Unsere übrigen Indianer lagen in Kojohuakan, anderthalb Meile entfernt. Aus dieser Stadt erhielten wir auch beträchtliche Lebensmittel, deren wir sehr bedurften. Insbesondere bekamen wir Fische und Kirschen, welch letztere am See in reichlicher Menge während fünf oder sechs Monaten des Jahres reifen. Als wir drei Tage hintereinander, ungerechnet die früheren, den Sturm auf die Stadt wiederholthatten, sowohl von meinem Hauptquartier wie auch von den anderen beiden Standorten aus, wobei wir jedesmal Erfolg hatten und mit unseren Geschützen, Büchsen und Armbrüsten eine Menge Feinde erlegten, da verhofften wir von Stunde zu Stunde, daß die Temixtitaner um Frieden bäten. Mir hätten von Herzen gern mit ihnen verhandelt, da dies unser eigener Nutzen gewesen wäre. Indessen hatten wir es noch nicht so weit gebracht. Um ihnen noch größeren Schaden zuzufügen und sie dadurch zum Frieden zu zwingen, entschloß ich mich, den Sturm weiterhin täglich mit all meinem Kriegsvolk von vier Seiten her zu machen. Ich entbot aus den eben genannten Städten am Süßwassersee die mir angebotenen Hilfsvölker zu mir, so daß am nächsten Morgen mehr als 100 000 Indianer Eine übertriebene Zahlenangabe! Die Anwesenheit von solch fabelhaften Hilfstruppen ist schon der Verpflegung wegen unmöglich. vor meinem Hauptquartier bereit standen. Darauf ordnete ich an, daß vier von meinen Rennschiffen sowie 1500 indianische Zillen einen Angriff auf die Hauptstadt von Südosten her machen sollten und daß zu gleicher Zeit die übrigen drei Brigantinen samt den übrigen 1500 indianischen Zillen von Nordosten her angriffen. Alle diese Schiffe sollten der Stadt in der Runde so viel Schaden zufügen und ihr so viel Häuser niederbrennen, als sie nur könnten. Währenddem rückte ich auf dem Dammweg vor und fand ihn diesmal frei von Hindernissen bis zu dem großen Markt. Von da drang ich in die Straße ein, die auf Takuba zuführt, woselbst sechs bis sieben abgerissene Brücken den Vormarsch hinderten. Ich entsandte einen Hauptmann mit 70 Fußknechten und 7 Reitern, damit er eine Nebenstraße erobere. Ihnen folgten an die 12000 von unseren Indianern. Desgleichen befahl ich einem anderen Hauptmann, daß er eine dritte Gasse einnehme. Ich selbst rückte in der Takubaner Straße weiter vor, erstürmte drei Brücken und ließ ihre Gräben sofort ausfüllen. Die übrigen Brücken mußten wir lassen, dieweil es schon spät geworden war. Mein Ziel freilich war, baldigst in den Besitz der ganzen Straße nach Takuba zu gelangen, um die Verbindung mit den Truppen des Peter von Alvarado zu erringen. Also hatten wir auch an diesem Tage Erfolg zu Wasser und zu Lande, ebenso meine Obristen Alvarado und Sandoval von ihren Standorten aus. Hierbei ward etliche Beute gemacht. Am nächsten Tage rückte ich wiederum gegen die Stadt, in derselben Ordnung wie tags zuvor, und der Allmächtige verlieh uns so viel Glück, daß wir die Feinde ohne Widerstand zurück drängten und wir beinahe drei Viertel der Stadt einnahmen. Auch Peter von Alvarado setzte den Feinden gewaltig zu. Deshalb erhoffte ich noch mehr als am vorigen Tage, daß die Temixtitaner um Frieden bitten möchten. So zufrieden wir damit gewesen wären, so ersahen wir doch davon immer noch kein Zeichen. Und so zogen wir am Abend in unser Quartier zurück, traurig, dieweil sich die Feinde offenbar vorgenommen hatten, eher zu sterben denn sich uns zu ergeben. In den letzten Tagen hatte Peter von Alvarado von Takuba aus etliche Brücken des dortigen Steindammes erobert. Um sie zu behaupten, ließ er sie auch in der Nacht von Reitern und Fußknechten besetzt, während der größere Teil seines Kriegsvolkes jeden Abend in das Standquartier zurückging, das dreiviertel Meile landeinwärts war. Da ihm dies aber zu umständlich war, so beschloß er, sein Lager nach dem Ende des Steindammes zu verlegen, der bis auf den Hauptmarkt inmitten der Stadt führte. Um dahin zu gelangen, mußten aber noch zwei oder drei breite und stark befestigte Gräben an ehemaligen Brücken erobert werden. Um diese kämpfte Alvarado nunmehr. An dem Tage, von dem ich eben erzählt habe, nahm er wahr, daß der Widerstand der Feinde dort, wo er vorrückte, ziemlich matt war. Dies hatte seinen Grund darin, daß die Temixtitaner dort, wo ich focht, alles aufboten, mich wieder aus der Stadt zu drängen. Nachdem er bereits zwei Gräben und Schanzen erobert hatte, entschloß er sich, eine dritte Brückenstelle einzunehmen. Daselbst war im Steindamm eine große Lücke aufgerissen worden, 60 Schritte breit und anderthalb Mannslänge tief, ganz voller Wasser. Bei dem Angriff darauf standen die Rennschiffe brav bei. Das Fußvolk schwamm durch das Wasser, erstürmte den jeweiligen Wall und verfolgte die fliehenden Feinde, Peter von Alvarado begann sofort den Graben zuzuschütten, damit auch seine Reiter hinüberkommen könnten, denn ich hatte schriftlich und mündlich immer wieder ermahnt, jeden Fuß Landes, den man gewönne, zur Stunde für die Reiter gangbar zu machen. Die Reiter nämlich gaben den Ausschlag in diesem Feldzuge. Als die Temixtitaner erkannten, daß nicht mehr als 40, höchstens 50 Hispanier, sowie etliche von unseren Indianern, über den Graben gekommen waren und noch gar keine Reiter, da drangen sie plötzlich von neuem wider uns an, brachten die Hinübergekommenen ins Wanken und trieben sie in den Graben zurück. Hierbei fingen sie vier Hispanier, die sie eilends wegschleppten, um sie ihren Götzen zu opfern. Auch stachen sie eine Menge von unseren Indianern nieder. Obrist Alvarado zog sich schließlich in sein Lager zurück. Als ich am Abend Meldung von diesem Geschehnis erhielt, ward ich gar verstimmt, dieweil ich voraussah, daß die Feinde nun neuen Mut bekommen hatten und unsere Angriffe fortan zurückzuschlagen erhofften. Wie schon vermeldet, hatte Peter von Alvarado den letzten Angriff gemacht, in der Meinung, der Feind wäre matt und furchtsam, vor allem aber, dieweil sein Kriegsvolk mit Bitten nicht nachgelassen hatte, er möge bis auf den großen Markt vordringen. Wenn dieser genommen, hätte man die ganze Stadt erobert. Die Leute des Alvarado wußten nämlich, daß auch ich mit meinen Truppen den großen Platz zu erringen eifrig bemüht war, und so fürchteten sie, ich möchte diesen Ort früher erstürmen denn sie. Deshalb trieben sie ihren Obristen eifrig an. Das gleiche geschah bei mir, denn auch die Meinen wollten die ersten auf dem großen Platze sein. Ich aber schlug ihnen unter allerlei Vorwänden ihr Bitten ab, ohne ihnen den wahren Grund zu entdecken. Ich hielt ein weiteres Vordringen vorderhand für allzu gefährlich, denn bis zu dem großen Platze waren mir, abgesehen von den Brücken und Wällen, ganz besonders die Söller gefährlich. Jedes Haus war gleichsam eine Insel mitten im Wasser. Auf die Meldung von der Niederlage des Peter von Alvarado entschloß ich mich, des anderen Tages in der Morgenfrühe hinüber in sein Lager zu reiten, um mich mit eigenen Augen über den Stand der Dinge bei ihm zu unterrichten, ihm Vorhaltungen zu machen und mit ihm zu beraten, was zu seiner Sicherheit und zum neuen Angriff zu tun nötig wäre. Als ich aber ankam, erfuhr ich zu meiner Verwunderung, daß er bereits gar tief in die Stadt eingedrungen war und mehrere böse Schanzen und Gräben erstürmt hatte. Da legte sich mein Zorn, und wenn ich zuvor vermeint hatte, er sei an der empfangenen Schlappe schuld, so ward ich jetzt anderer Meinung und kehrte noch am selbigen Tage darüber beruhigt in mein Hauptquartier zurück. Das siebzehnte Kapitel In den nächsten Tagen wiederholte ich die Angriffe auf die Hauptstadt in der gewohnten Weise, an zwei Stellen mit den Rennschiffen und den Zillen, an vier anderen in der Stadt mit all meinem Kriegsvolk. Immer wieder fielen eine Menge Mexikaner, und täglich traten Indianer aus der Umgegend auf unsere Seite. Trotzdem aber mocht ich mich noch nicht zum Hauptsturm entschließen, einmal weil ich immer noch verhoffte, die Hartnäckigkeit des Feindes müsse nachlassen, des anderen aber auch, weil ein solcher Angriff nicht ohne große Gefahr konnte geschehen. Denn die Temixtitaner hatten neuen Mut gefaßt und waren offenbar gewillt, auf Leben oder Tod zu fechten. Als meine Hispanier sahen, daß sich die Belagerung verlängerte, obwohl sie nun bereits zwanzig Tage währte und sie fast alle Tage gekämpft hatten, da drangen sie in mich, wie schon vermeldet, ich solle einen großen Sturm anordnen, damit wir den Platz in der Mitte der Stadt einnähmen. Wenn man diesen inne hätte, so vermeinten sie, dann bliebe den Temixtitanern nur wenig zu verteidigen übrig. Und wenn sich selbige auch dann noch nicht wollten ergeben, so drohe ihnen Hunger und Durst, dieweil sie kein Trinkwasser mehr hätten. Ich weigerte mich dessen. Da erklärte mir Eurer Kaiserlichen Majestät Schatzmeister, das ganze Lager wäre der nämlichen Meinung, und ich solle den Sturm anbefehlen. Ich antwortete ihm und etlichen anderen Kavalieren, ihr Wunsch wäre brav und löblich, aber ich hätte Ursache, ihrem Begehr nicht zu willfahren, dieweil dies nur unter großen Verlusten geschehen könne. Als sie aber immer noch nicht nachließen, sondern immer heftiger darum baten, da willigte ich endlich ein und erklärte, ich wolle tun, was mir nur möglich wäre, mich zuvor aber mit den Befehlshabern der anderen beiden Lager beratschlagen. Andern Tags entbot ich meine Hauptleute zu einer Besprechung und sandte an die Obristen Gonzalo von Sandoval und Peter von Alvarado den schriftlichen Befehl, am nächsten Tage solle ein allgemeiner Sturm auf die Stadt erfolgen, um den großen Markt in der Mitte der Stadt zu erobern. Dazu schickte ich zwei Offiziere ab, die auch noch mündlich darlegen sollten, in welcher Ordnung der Angriff sollte geschehen. Der Angriffsbefehl war dieser: Obrist Sandoval sollte mit 10 Reitern, 100 Fußknechten und 15 Armbrustern und Büchsenschützen nach dem Quartier des Obristen Alvarado ziehen, in seinem eigenen Lager aber zu Kojohuakan zehn Reiter zurücklassen mit dem Befehl, sich am kommenden Tage, dem des Sturmes, in einen Hinterhalt zu legen, dergestalt, daß sie mit allem Gepäck abrückten, als ob sie das Quartier gänzlich verlassen wollten. Sobald die Temixtitaner dadurch aus der Stadt herausgelockt wären, sollten die Reiter ihnen in den Rücken fallen. Sandoval sollte, begleitet von seinen drei Brigantinen und den anderen dreien des Alvarado, mit seinem Kriegsvolk auf dem Steinweg vorrücken und die böse Stelle erstürmen, wo er neulich seine Niederlage erlitten. Der genommene Graben sollte alsbald zugeschüttet werden, worauf die weiteren Gräben und Schanzen gestürmt werden könnten. Niemals aber sollte ein Graben genommen werden, ehe der vorige zugeworfen und der Damm völlig gangbar gemacht wäre. Wenn Sandoval auf solche Weise bis zum großen Markte vorzudringen vermöchte, ohne dabei in allzu große Gefahr zu geraten, so solle er solches tun. Ich selbst hätte die Absicht, von Süden her den großen Platz einzunehmen. Sandoval aber solle immer bedenken, daß mein Befehl nicht dahin ginge, den Platz unbedingt zu erstürmen, vielmehr wolle ich ihn durchaus nicht in eine Niederlage oder gar in den Untergang stürzen. Ich wisse gar wohl, daß er und seine Leute einen gegebenen Befehl unbedingt ausführten, selbst wenn es dabei in den sicheren Tod ginge. Die Boten mit meinen mündlichen Anordnungen trafen die Obristen Sandoval und Alvarado, die bereits beide in Takuba weilten, woselbst ihnen alles Nötige dargelegt ward. Dieweil die beiden vereint nur an einer Stelle anzugreifen hatten, ich aber an mehreren zugleich, so hatte ich weiterhin angeordnet, daß sie mir 70 bis 80 Fußknechte von den ihrigen zuschicken sollten. Diese trafen befehlsgemäß noch am Abend mit den beiden Boten in meinem Hauptquartier ein. Am Morgen (des 21. Juni) nach der Messe gingen meine sieben Brigantinen samt mehr denn 3000 Zillen von meinem Quartier ab. Danach rückte ich mit 25 Reitern, allen meinen Fußknechten und den 70 aus Takuba aus. Wir marschierten auf dem Steindamm in die Stadt. Die drei Gassen des Stadtviertels, das wir im Besitz hatten, führten auf den großen Platz, der Tianquiz genannt wird. Das ganze Viertel heißt Tlaltelolko. Es war das Handelsviertel der Hauptstadt. Eine der besagten drei Gassen ist die Hauptstraße, die den Damm bis zum Hauptmarkt fortsetzt. Ich befahl Allerhöchstdero Schatzmeister (Julian von Alderete), er solle mit 70 Fußknechten und 20000 Indianern vorrücken. 7 oder 8 Reiter sollten die Nachhut bilden. Das Zuschütten der eroberten Gräben sollten 12 Fußknechte mit 1000 Indianern verrichten. Die beiden anderen Gassen führen von der Takubaer Straße nach dem Markt. Sie sind enger als die Hauptstraße und haben Land- und Wasserweg nebeneinander mit mehreren Brücken. In die breitere von beiden sandte ich 2 Hauptleute mit 80 Fußknechten und 10000 Mann indianischen Hilfsvolks. An den Eingang der Takubaer Straße stellte ich 2 Feldgeschütze, sowie 10 Reiter zu ihrer Bedeckung. Sodann nahm ich 8 Reiter, 100 Fußknechte, darunter 25 Armbruster und Büchsenschützen und mehrere tausend Indianer, und ging in der zweiten, engeren Gasse vor, so weit ich konnte. Am Eingang dieser Gasse hieß ich die Reiter verbleiben mit dem Befehl, mir nicht nachzufolgen, sie hätten denn zuvor von mir Bescheid. Nachdem ich von meinem Pferde abgesessen war, rückten wir in besagter Gasse vor, bis wir vor eine Schanze kamen, die jenseits einer abgerissenen Brücke aufgeworfen war. Mit Hilfe eines Feldgeschützes nahmen meine Armbruster und Büchsenschützen dies Hindernis. Danach drangen wir weiter auf dem gepflasterten Weg der Gasse vor, wobei wir noch drei gleiche Schanzen zu stürmen hatten. Von unseren Indianern hatten große Haufen die Dächer zu beiden Seiten erstiegen, so daß man vermeinen mochte, es könne uns gar kein Schaden erstehen. Also eroberten wir unter dem Beistande der Indianer die beiden Brücken und die Wälle dahinter. Die Hispanier und unsere Indianer stürmten den zurückgehenden Feinden ohne Verzug nach. Ich aber blieb mit 10 Hispaniern auf einer kleinen Insel, dieweil ich wahrnahm, daß ein Gefecht zwischen unseren Indianern und den Temixtitanern anfing, wobei erstere in das Wasser zurückgetrieben wurden. Mit unserer Hilfe aber stürmten sie bald von neuem vorwärts. Auch fernerhin deckte ich ihnen den Rücken, damit nicht aus den Nebengassen ein Angriff der Bürger von rückwärts auf die in der Gasse kämpfenden Hispanier möchte geschehen. Bald bekam ich die Meldung, daß sie ein gutes Stück vorwärtsgekommen und nun nicht mehr fern vom großen Markt wären. Sie seien willens, noch weiter vorzurücken, dieweil sie in der Ferne bereits Lärm hörten. Selbiger zeigte den nahen Kampf der Obristen Sandoval und Alvarado an. Ich ermahnte sie daraufhin mit allem Ernst nochmals, auch nicht einen Schritt vorwärtszurücken, sie hätten denn zuvor die Gräben hinter sich völlig zugeschüttet, damit sie nicht durch das Wasser gehindert würden, wenn sie vielleicht aus Not müßten zurückgehen. Denn dies wäre die größte Gefahr. Sie meldeten mir zurück, es stünde alles zum besten und alles sei in guter Ordnung. Ich solle mich in eigener Person überzeugen, wenn ich daran zweifele. Mir schwante, es wäre doch nicht alles in Ordnung, und so ging ich hin und fand, daß in der Gasse ein Stück hinter den Kämpfern ein Graben von zehn bis zwölf Schritt Breite und zwei Mannslängen Tiefe zwar nach der Einnahme mit Balken und allerlei Holz zugeschüttet worden war, so daß er wohl von einzelnen in Gemächlichkeit überschritten werden konnte, aber bei der ungestümen Flucht eines ganzen Haufens zusammenbrechen mußte. In ihrer Siegesfreude hatten die Hispanier vermeint, dies Werk wunder wie fest gemacht zu haben. Wie ich noch die Brücke besichtigte, sah ich, wie die Hispanier und Massen von unseren Indianern eilends zurückwichen, die Feinde aber wie Hetzhunde hinterdrein. Ich rief ihnen laut zu: Halt! Halt! Kehrt! – Im Augenblick war auch schon der Graben voller Hispanier und Indianer, und von dem hineingeworfenen Holz war nichts mehr zu sehen. Die Feinde stachen in die Unsrigen ein, die im Wasser standen, und metzelten eine Menge von ihnen nieder. Schon nahten auch auf der Wasserbahn die Kähne der Feinde, fingen etliche Hispanier und schleppten sie hinweg. Alles dies trug sich unversehens zu. Als ich sah, wie meine Leute so jämmerlich erstochen wurden, beschloß ich, allda zu bleiben und im Kampfe zu fallen. Wir zogen etliche der Unglücklichen an den Händen aus dem Wasser und retteten sie vom Wassertode. Viele waren verwundet, andere halb ersoffen, manche ohne Wehr und Waffen. Ich ließ sie nach dem Hauptquartier abrücken. Da überfiel uns ein solcher Haufen Feinde, daß ich und die zwölf Mann bei mir völlig umringt waren. Schon drangen etliche Temixtitaner auf mich ein und wollten mich hinwegschleppen, was sicherlich geschehen wäre, wenn mich nicht der Hauptmann meiner Leibwache (Anton von Quinones) und ein Soldat mit Gottes Hilfe vom Tode errettet hätten. Der Soldat (Christoval aus Olea) hieb mich so tapfer heraus, daß er sein Leben dabei ließ. Währenddem kamen die in die Flucht geschlagenen Hispanier auf dem gepflasterten Weg zurück, und dieweil selbiger schmal und eng war und mit dem Wasser in gleicher Höhe, und dieweil Massen von unseren Indianern zugleich mit den Hispaniern rückwärts drängten, so ward das Gedränge immer dichter und die Fliehenden vermochten kaum noch auszuschreiten. Die Feinde aber hatten dadurch Zeit und Gelegenheit, vom Wasser aus auf beiden Seiten in die Unsrigen einzufallen und ihrer eine Menge gefangen zu nehmen und niederzustechen. Der genannte Hauptmann rief mir zu: Wir müssen von hier fort, denn Eure Person ist in Gefahr! Wenn Ihr nicht gerettet werdet, so sind wir alle verloren! Trotzdem brachte ich es nicht fertig, davonzugehen. Als er dies sah, packte er mich am Arm und zog mich fort, und wiewohl ich lieber gefallen wäre, als daß ich mich in Sicherheit brachte, hab ich mir doch sagen müssen, daß der Hauptmann meiner Leibwache und alle anderen um mich herum auf ihrer Seite recht hatten, mich zum Rückzug zu nötigen, dieweil es Eurer Kaiserlichen Majestät und meinem Heere alles in allem nicht auf dies einzelne Gefecht ankam, vielmehr auf den Fortgang des Feldzuges. Einer meiner Retter, der herbeigeeilt war, um mich im Abzuge zu decken, ward von einem niederen Altan aus durch einen Wurfspieß in die Kehle getroffen, so daß er zu Boden sank. Endlich brachte mir einer meiner Knechte ein Pferd, auf das ich mich setzte. Der Boden war so schlüpfrig geworden, daß man sich kaum aufrecht halten konnte, besonders, wenn man dabei kämpfen wollte. Vom Pferd aus zu fechten, war unmöglich. Sonst wären die acht Reiter längst herbeigekommen, die ich am Eingang der Straße auf einer kleinen Insel hatte zurückgelassen. Bei einem Versuche, mir Hilfe zu bringen, sanken zwei Pferde in das Wasser. Eins davon ward von den Indianern erstochen, das andere durch einige Fußknechte mit Mühe und Not noch gerettet. Einer meiner Edelknaben namens Christoval von Guzmann wollte auf einem der Rosse von der Insel zu mir, um mich zu geleiten, aber ehe er mich erreichte, fand er samt seinem Pferde den Tod. Daß ich diesen jungen Freund verloren, betrübt mich bis auf den heutigen Tag. Endlich kamen wir durch Gottes Hilfe aus dem gefährlichen Gedränge und erreichten die breite Takubaer Straße. Hier sammelte ich mein Kriegsvolk und stellte mich mit neun Reitern in die Nachhut. Die Indianer aber stürmten immer wieder in Scharen auf uns ein. Nunmehr sandte ich auch dem Schatzmeister den Befehl, er solle sich mit den Seinen in voller Ordnung auf der Hauptstraße zurückziehen. Das nämliche ließ ich den beiden Hauptleuten entbieten, die in eine der anderen Gassen nach dem großen Markte zu vorgerückt waren und daselbst wacker gekämpft hatten. Da sie die Gräben, die sie genommen gut zugeschüttet hatten, so vollführten sie ihren Rückzug ohne allen Schaden. In die zurückgehenden Leute des Schatzmeisters warfen die Feinde von einem Wall aus, um den man gestritten hatte, drei abgeschnittene Hispanierköpfe. Entsetzt vermeinte man, selbige müßten von den Truppen des Alvarado oder gar von meinem Kriegsvolk herrühren. Als wir uns alle auf der Hauptstraße gesammelt hatten, begann das Andrängen der Feinde von neuem so lustig, daß wir sie kaum vermochten abzuhalten. Oben aber auf der Plattform der großen Moschee in der Mitte des Hauptmarktes loderten mächtige Feuer auf, in die man aus Siegesfreude zu Ehren der Götter wohlriechende Spezereien geworfen hatte. So gern wir diesen Schimpf getilgt hätten, so konnten meine Kriegsleute bei all ihrer Tapferkeit das doch nicht vollbringen. In dieser unseligen Schlacht sind 40 Hispanier und über 1000 unserer Indianer gefallen. Mehr als 20 Hispanier waren verwundet worden, darunter auch ich an einem meiner Schenkel. Dabei verloren wir auch das Feldgeschütz, das wir bei uns gehabt, sowie eine Menge Armbrüste, Büchsen und sonstiges Kriegsgerät. Um die Befehlshaber meiner anderen Truppen, Sandoval und Alvarado, zu erschrecken, schleppten die Temixtitaner alle Hispanier, die lebendig oder tot in ihre Hände gefallen waren, auf die Plattform der großen Moschee. Dort wurden sie den Götzen geopfert. Den Lebendigen schnitt man die Brust auf und riß ihnen das Herz heraus. Dies alles sahen die Leute des Alvarado ganz deutlich, wobei sie an den nackten weißen Leibern erkannten, daß es Hispanier waren, die dort hingeschlachtet wurden. Darauf zog sich auch Alvarado samt seinem Kriegsvolk voll Leid und Trauer in sein Lager zurück. Er war an diesem Tage beinahe bis zum großen Markte vorgedrungen und hätte ihn auch sicherlich erobert, wenn es der Herrgott nicht anders gewollt hätte. Am selbigen Tage waren auch meine Rennschiffe und die Zillen unserer Verbündeten in ziemlicher Gefahr gewesen. Eine Brigantine war sogar nahe daran, unterzugehen. Ihr Kapitän wie ihr Steuermann wurden verwundet, und der erstere ist acht Tage darauf gestorben. Den Rest des Tages und in der ganzen folgenden Nacht feierten die Temixtitaner ihren Triumph mit Pauken und Hörnern, und es klang, als wollte der Himmel einfallen. Die feindlichen Vorposten und Wachen kamen nachts bis auf zwei Bogenschußweiten an unser Lager heran. Geschlagen und voller Wunden bedurften wir nunmehr der Rast und der Erholung. Diese Gelegenheit benutzten die Temixtitaner, in alle Gräben wieder Wasser laufen zu lassen und überall neue Schanzen aufzuwerfen. Auch sandten sie Boten nach allen Himmelsrichtungen aus, um in allen ihren Orten und Landen auszuposaunen, daß sie einen gewaltigen Sieg errungen und eine Menge Hispanier umgebracht hätten. Dazu verkündeten sie, daß sie verhofften, uns allesamt gar bald zugleich zu vernichten, und daß sie nimmermehr daran dächten, mit uns Frieden zu machen. Damit aber solche Botschaft sicheren Glauben fände, trugen die Boten die Köpfe der beiden gefallenen Rosse und etlicher erstochener Hispanier überall mit sich herum. Um den Übermut der Feinde einigermaßen zu dämpfen, ließ ich auch am nächsten Tage etliche meiner Reiter und Fußknechte, samt einer Menge verbündeter Indianer, wider die Stadt rücken. Sie drangen aber nicht weit vor. Das achtzehnte Kapitel Zwei Tage nach diesem Unfall, der alsbald im ganzen umliegenden Lande bekannt war, kamen in mein Hauptquartier Abgesandte aus Kuernavaka, einer Stadt, die ehedem der Hauptstadt untertan war, sich dann aber in unseren Schutz begeben hatte. Sie vermeldeten mir, daß ihre Nachbarstadt Malinalko ihnen ihr Land verwüstet und sich mit einer dritten Stadt namens Kuiskon verbunden hätte, um über sie herzufallen und sie zu vernichten, dieweil sie den Hispaniern ergeben wären. Nach ihrem eigenen Untergange wäre es zu erwarten, daß man gegen uns zöge. Wiewohl wir aber mehr der Hilfe anderer bedurften, als daß wir anderen hätten beistehen können, so verhieß ich ihnen dennoch Hilfe. Ungeachtet daß meine Hauptleute dagegen waren, dieweil ich mich dadurch schwächte, schickte ich ihnen 80 Mann zu Fuß und 10 Reiter unter dem Befehl des Hauptmanns Andreas von Tapia, dem ich die Weisung gab, er solle alles tun, was Eurer Kaiserlichen Majestät zu Nutzen und uns vonnöten sei. Er wisse, wie arg die Dinge bei uns stünden. Deshalb solle er in zehn Tagen wieder bei mir sein. Tapia brach auf und stieß bei einem Dorfe zwischen Malinalko und Kurenaba auf den Feind, der ihn daselbst erwartet hatte. Es gelang den Unsrigen, die Feinde derb zu schlagen und nach Malinalko zurückzuwerfen. Dieser Ort liegt in den Bergen, so daß die Reiter nicht zu folgen vermochten. Also begnügten sie sich, alles zu verwüsten, was in der Ebene lag. Darnach kehrten sie am zehnten Tag befehlsgemäß in das Hauptquartier zurück. Ein Edelmann aus dem Lande Tlaskala namens Chichimekatl, derselbe, der ehedem die zerlegten Rennschiffe aus Tlaskala nach Tezkuko geleitet hatte, befand sich seit Beginn der Belagerung mit all seinem Kriegsvolk im Lager des Peter von Alvarado. Als er sah, daß die Hispanier auf mein Geheiß vorläufig nicht mehr angreifen durften, kam er von selbst auf den Entschluß, ohne uns, nur mit den Seinen, einen Sturm auf die Hauptstadt zu wagen. Es gelang ihm, was bis dahin die Indianer nie ohne unsere Hilfe vollbracht hatten, einen sehr gefährlichen Wassergraben einzunehmen. Er ließ 400 Bogenschützen daselbst zurück, um den Platz zu bewachen, und drang mit den übrigen gar tapfer und unter großem Feldgeschrei weiter vorwärts. Es entspann sich eine große Schlacht, wobei es auf beiden Seiten viele Verwundete und Tote gab. Als die Tlaskalaner dann aber den Rückzug begannen, drängten die Temixtitaner in wildem Eifer nach, wie sie dies immer tun, wenn ihr Feind zurückgeht, auch wenn sie bis dahin die Besiegten waren. Offenbar vermeinten sie, sich am Brückengraben blutig rächen zu können, dieweil an solchem Ort zurückgehende Truppen stets in großer Gefahr sind. Gerade deshalb aber hatte Chichimekatl daselbst die 400 Schützen zurückgelassen. Als nun die Tlaskalaner auf ihrem Rückzuge an den Graben gelangten, in ihrem Rücken von den Temixtitanern hart bedrängt, sprangen sie ins Wasser und schwammen hinüber, alles das gedeckt durch die Pfeile besagter 400 Schützen. Die Temixtitaner aber gaben die Verfolgung auf, verwundert ob der Kühnheit des Chichimekatl. Etliche Tage darauf machte ein kleiner Haufen Hispanier einen Streifzug wider die Stadt. Da riefen ihnen die Temixtitaner zu, unser Dolmetsch solle kommen, dieweil sie Frieden haben möchten. Es war dies aber nur eine List, um Gelegenheit zu bekommen, neue Lebensmittel in die Stadt zu bringen. Unsere indianischen Bundesgenossen sagten uns sofort, das Angebot der Feinde sei Lug und Trug, und wir sollten lieber weiterfechten. Trotzdem ward für diesen Tag der Kampf beendet. Um die nämliche Zeit kamen in mein Hauptquartier Gesandtschaften aus Malinalko und Kuiskon und baten, ich möge ihnen das Geschehene in Gnaden verzeihen. Sie seien willens, fortan treue Untertanen Eurer Kaiserlichen Majestät zu sein. Ich nahm sie freundlich an. Seitdem sind sie unsere Freunde bis heute. Etliche Tage zuvor hatte ich auf die Bitten von uns befreundeten Indianern den Obristen Gonzalo von Sandoval mit 18 Reitern und 100 Fußknechten, darunter nur einen einzigen Armbruster, wider eine Stadt namens Matlalcingo entsandt, von der wir nichts wußten, als daß sie 22 Meilen entfernt liegt. Dieser Zug war glücklich verlaufen; nur hatten die Temixtitaner das Fernsein Sandovals benutzt, einen Überfall auf das Lager des Peter von Alvarado zu machen. In der Morgenfrühe stürmten sie plötzlich an, aber die Vorposten entdeckten sie und machten Lärm. Es begann ein Gefecht, das drei volle Stunden währte. Als ich in meinem Hauptquartier die Schüsse von Alvarados Feldgeschütz hörte, da ließ ich aus Argwohn, er könne in Not sein, mein Kriegsvolk alarmieren und rückte gegen die Hauptstadt, um Alvarado Luft zu verschaffen. Indes aber hatten sich die Temixtitaner von selber wieder zurückgezogen. Nunmehr hatten wir uns von der vermeldeten schlimmen Schlacht wieder erholt. Zudem war im Hafen von Sankt Juan ein Schiff des Ponce von Leon eingelaufen, der von der Insel Florida zurückkam, wo es ihm übel ergangen war Juan Ponce de Leon, Statthalter von Puertoriko, hatte auf einer Fahrt nach dem sagenhaften Eilande Bimini mit einer verjüngenden Wunderquelle im Jahre 1513 Florida entdeckt. 1520 unternahm er mit 200 Mann eine zweite, erfolglose Fahrt ebendahin. Erstarb bald nach seiner Rückkehr in Kuba an einer auf Florida erhaltenen Pfeilschußwunde. Es ist übrigens merkwürdig, wie sich die uralte Sage von der Fontaine de Jouvence nach Westindien (Florida) übertragen hat. Ehedem suchte man diesen Jungbrunnen im eigentlichen Indien. In der Alexandersage baden sich König Alexander und seine Mannen darin jung. . Dadurch war man in die Lage gekommen, mir Schießpulver und etliche Armbrüste zu schicken, deren wir sehr bedurften. Wiewohl dies unsere Lage besserte, so sah ich doch ein, daß die Verteidiger der Hauptstadt aufsässiger denn je waren und offenbar fest entschlossen, eher zu sterben als den Kampf aufzugeben. Ich wußte nun kaum noch ein Mittel, um uns der vielen Gefahren und Mühsale dieser Belagerung endlich zu entheben, ohne die Stadt, eine der schönsten der ganzen Welt, zu verderben und zu vernichten. Es half uns nichts, wenn ich ihnen sagen ließ, daß wir nimmermehr abzögen, daß unsere Rennschiffe ihnen alle Zufuhr abschneiden würden und daß wir nach und nach immer neue Bundesgenossen gewönnen. Je mehr wir ihnen derlei vorhielten, um so halsstarriger und zuversichtlicher zeigten sie sich. Nachdem also die Belagerung bereits 45 Tage (bis l4. Juli) dauerte, entschloß ich mich zu einer neuen Maßregel. Ich befahl, daß fortan bei jedem Vorrücken in den Straßen der Hauptstadt die Häuser zu beiden Seiten niedergerissen werden sollten. Bei jedem Schritt, den wir nunmehr vorwärts kamen, sollte hinter uns alles der Erde gleich gemacht werden, wo aber Wasser gewesen, da sollte fester Boden werden, so mühevoll dies wäre und so viel Zeit es auch kostete. Ich berief alle Edelleute und Führer unserer indianischen Hilfsvölker und eröffnete ihnen meinen Entschluß, wobei ich ihnen anbefahl, ihre Leute mit dem nötigen Schanzzeug versehen zu lassen. Man antwortete mir, man sei mit Freuden bereit, solches zu vollbringen. Mein Plan sei der beste Weg, die feindliche Stadt endlich zu bezwingen, und nichts begehrten sie mehr als die Vernichtung von Temixtitan. Wiederum vergingen unter den neuen Vorbereitungen drei oder vier Tage. Drinnen in der Stadt merkte man gar wohl, daß wir einen großen Anschlag wider sie schmiedeten, und wie sich später gezeigt, rüsteten sie sich zu ihrem Schutz soviel sie nur konnten. Nachdem ich meinen Bundesgenossen Befehl gegeben, daß der Kampf zu Wasser und zu Lande von neuem beginnen solle, rückten wir eines Morgens in der Frühe, nach gehörter Messe, wider die Stadt. Als wir vor dem großen Graben und dem Wall unweit vor dem Hauptmarkte ankamen und uns zum Sturm anschickten, da winkten uns die Temixtitaner und riefen uns zu, sie wollten Frieden mit uns machen. Darauf befahl ich meinen Leuten, den Angriff einzustellen, und ließ den Feinden sagen, Guatemozin, der Herr der Stadt, möge kommen und mit uns verhandeln. Die Feinde erwiderten, es wären schon Boten unterwegs, ihn zu holen. Hierdurch verging mehr denn eine Stunde. Es war ihnen aber nicht ernst mit dem Frieden, denn bald darauf, während wir noch müßig dastanden, begannen sie Pfeile, Wurfspieße und Steine gegen uns zu schießen. Als ich dies sah, gab ich den Befehl zum Angriff. Wir stürmten und nahmen den Wall, und als wir an den großen Platz gelangten, fanden wir ihn besät mit großen Steinen, um meine Reiter am Vormarsche zu hindern. Selbige fürchteten sie nämlich am meisten. Auch die Nebengassen waren voller Steine. An diesem Tage haben wir die Wasserstraße am großen Platze derartig verschüttet, daß die Temixtitaner sie hernach niemals konnten wieder instand setzen. Zudem begannen wir die nächstliegenden Häuser zu schleifen, auch alle Wassergräben, die wir bisher genommen, gründlich zuzuschütten. Da ich an diesem Tage viele Tausende uns befreundeter Indianer bei mir hatte, ging die Arbeit hurtig vonstatten. Darnach zogen wir uns in unsere Lager zurück. Auch die Rennschiffe sowie die Zillen unserer Indianer hatten der Stadt an diesem Tage nicht geringen Schaden zugefügt. Am nächsten Morgen griffen mir in der nämlichen Weise an. Nachdem wir in den ummauerten Bezirk der großen Moschee vorgedrungen waren, ließ ich haltmachen und befahl den Hauptleuten, nichts weiter zu tun als die eroberten Gräben einzuebnen, während unsere Indianer die Häuser niederbrannten und abrissen. Mit etlichen Indianerhaufen aber ließ ich in gewohnter Weise Angriffe machen, unter dem Schutze von Reitern, die ihnen den Rücken deckten. Währenddem bestieg ich die Plattform des großen Tempels, dieweil ich wußte, daß mich die Temixtitaner alsbald erkannten. Von da aus leitete ich die einzelnen Angriffe der Unsrigen und sandte an alle Orte Hilfe, wo es not tat. Es geschah wie immer, daß bald die Feinde, bald die Unsrigen vor- oder zurückgingen. Wo ich aber drei oder vier Reiter hinbeorderte, da gewannen die Unsrigen sofort neuen Mut und warfen die Feinde zurück. In dieser Art und Welse rückten wir sechs Tage nacheinander immer wieder von neuem gegen die Stadt. Jeden Abend, wenn wir in unsere Standorte zurückgehen wollten, legte ich eine Anzahl Hispanier in etliche Häuser in den Hinterhalt. Sodann ließ ich die Reiter zurückgehen, wobei sie sich stellten, als seien wir in voller Flucht. Dadurch lockten wir die Verfolger am Hinterhalte vorbei, wonach sie im Rücken angegriffen und niedergemacht wurden. An einem jener Tage standen 8 Reiter auf dem großen Platze und warteten auf das Erscheinen von Feinden. Als aber keine kamen, taten sie, als ob sie abrücken wollten. Die Feinde, die sich bis dahin versteckt gehalten hatten, zeigten sich jetzt zwar; da sie aber Angst hatten, daß sie in der Verfolgung angefallen werden könnten, wie das oft geschehen war, so blieben sie hinter den Mauern und Tempeln, deren dort mehrere standen. Als sich die 8 Reiter gegen sie wandten, wurden sie an einer Straßenecke von oben beschossen und konnten die Feinde, die dort in eine Gasse flohen, nicht verfolgen, sondern mußten sich sogar selber zurückziehen. Jetzt aber brachen die Feinde aus der Gasse heraus wie tolle Hunde, unter Freudengeheul ob des Rückzugs unserer Reiter. Bei alledem blieben sie beieinander und wagten sich nicht aus der Deckung heraus. Mit zwei verwundeten Pferden mußten die Reiter also zurückgehen. Sehr spät kamen wir an diesem Abend in unsere Lager zurück, nachdem wir alle eroberten Gräben und Wälle sorgfältig zugeworfen und abgetragen hatten. Da aber die Temixtitaner hinter uns laut frohlockten, als geschähe unser Rückzug aus Furcht und Schwäche, da entschloß ich mich, ihnen einen ordentlichen Denkzettel zu verabreichen. Noch in der Nacht sandte ich Boten an Sandoval, mit dem Befehle, er solle vor Tag mit 15 Reitern von seiner und Alvarados Abteilung in mein Hauptquartier kommen. Das neunzehnte Kapitel In der Frühe des neuen Tages (am 22. Juli) war Sandoval mit 15 Reitern zur Stelle. Mit den 25 aus der vormaligen Besatzung von Kojohuaka waren nun bei mir im ganzen 40. Von selbigen erhielten 10 den Befehl, mit allem Fußvolk eilends aufzubrechen. Unter dem Beistand der Rennschiffe sollten sie in der Ordnung wie am vorigen Tage vorrücken und wider die Feinde fechten, dabei soviel wie möglich erobern und alles Erstürmte einebnen. Um die Zeit aber, da wir gewöhnlich den Rückzug antraten, sollten sie einen heftigen Angriff wider den Feind machen. Zu ebendieser Zeit wollte ich mit den übrigen 30 Reitern in einem Hinterhalt in der Nähe der Paläste am Hauptmarkte bereitstehen. Die Hispanier taten, wie befohlen. Um 1 Uhr nachmittags ritt ich mit meinen 30 Reitern nach der Stadt, und als ich auf dem Hauptplatze angekommen war, versteckte ich sie in einem der Paläste. Ich selbst stieg, wie dies meine Gewohnheit geworden, auf die Plattform der großen Pyramide. In meiner Anwesenheit erbrach man allda eine Grabstätte und fand allerlei goldene Dinge im Werte von mehreren 1000 Dukaten. Als dann die rechte Stunde gekommen war, gab ich den Befehl an die kämpfenden Truppen, in größter Ordnung den Rückzug zu beginnen. Sobald die 10 Reiter wieder auf dem großen Platze wären, sollten sie einen neuen Angriff machen, sich dabei aber stellen, als müßten sie, schwankend geworden, wieder umkehren, und dies sollten sie in einem Augenblicke tun, wo recht viel Feinde ihnen gegenüberstünden. Währenddem konnten die 30 Reiter im Hofe des Palastes, wo sie versteckt hielten, die Zeit kaum erwarten. Alle waren sie voller Eifer, einen guten Handstreich zu verrichten. Bald nachdem ich mich nun zu ihnen gesellt hatte, traten die Hispanier zu Roß und zu Fuß, desgleichen unsere Indianer, die von meinem Plan wußten, den Rückzug an und kamen auf den großen Platz. Dicht hinter ihnen tummelte sich der Feind in Massen, unter solchem Kriegsgebrüll, als hätt er den größten Sieg der Welt erfochten. Jetzt stellten sich die 10 Reiter, als wollten sie einen Gegenangriff machen, stutzten aber und machten wieder kehrt. Als sie dies Manöver wiederholten, wurden die Feinde dermaßen übermütig, daß sie bis an die Gäule herandrängten. Also wichen die Hispanier langsam zurück bis an den Palast, wo wir im Hinterhalte lagen, und noch an diesem vorüber. Als wir sodann den Büchsenschuß vernahmen, der als Zeichen verabredet war, daß es Zeit für uns war, hervorzubrechen, da fiel ich mit meinen 30 Reitern den Verfolgern in den Rücken. Unter dem Ruf Hie Sankt Jakob! ritten wir über den weiten Platz und stachen alles nieder, was uns vor die Lanzen kam. Eine Menge Temixtitaner trieben wir vor uns her, bis sie von unseren Indianern abgefangen wurden. Mehr denn 500 Feinde kamen um, darunter viele Edelleute und die Tapfersten und die Kräftigsten unserer Feinde. Die uns verbündeten Indianer aber hatten an jenem Abend ein lecker Nachtmahl, indem sie die Toten zerhackten, brieten und verzehrten. Die Trauer der Feinde war gar groß. In der kommenden Nacht haben sie weder gebrüllt noch gerufen, wie das sonst ihr Brauch war. Keiner ließ sich in den Gassen und auf den Tempeln blicken. Als es dann finster geworden war und wir abzogen, da wagten sich etliche Knechte von ihnen an uns heran, um unseren Abzug zu beobachten. Ich merkte es und ließ sie durch 12 Reiter angreifen und niedermachen. Unser Sieg jagte den Feinden solch einen Schrecken ein, daß sie bis ans Ende des Krieges niemals wieder auf dem großen Platz erschienen, wenn wir den Rückzug antraten, auch nicht einmal dann, wenn nur ein einziger Reiter da war. Sogar die Fußknechte und unsere Indianer blieben unbehelligt, aus Angst vor einem Hinterhalt. Auch glaub ich, daß der Sieg, den wir mit des Allmächtigen Hilfe an diesem Tage errungen, die größte Ursache gewesen ist, daß wir die Stadt nunmehr doch endlich gewinnen sollten, dieweil der Feind fortan furchtsam und zaghaft ward, wir aber und unsere Bundesgenossen um so mutiger. Also sind wir in unser Lager zurückgekehrt, entschlossen, nimmer zu feiern, vielmehr Tag um Tag zu fechten, bis wir dem Feldzug ein Ende bereitet hätten. An diesem Tage hatten wir einen nur geringen Verlust. Beim Herausbrechen aus dem Hinterhalt waren zwei Reiter aneinander gerannt, wobei der eine von seinem Gaule herunterfiel und das ledige Roß in die Feinde hineinlief, bis es, von Pfeilen getroffen, zurückgejagt kam. In selbiger Nacht ist es umgestanden. So sehr wir darüber trauerten, dieweil die Pferde in diesem Kriege unsere Hauptwaffe waren, so ertrugen wir den Verlust doch leichter, als wenn es in die Hände der Feinde gefallen wäre, wie dies anfangs so aussah. Wäre dies geschehen, so wäre das Frohlocken der Feinde darüber größer gewesen als ihre Trauer um die Erschlagenen. Was schließlich meine Rennschiffe und die Zillen unserer Bundesgenossen anbelangt, so haben sie auch an diesem Tage der Stadt viel Schaden angetan, ohne selbst viel Verluste zu erleiden. Daß die Temixtitaner in großer Not waren, wußten wir, und dies bestätigten uns auch zwei Überläufer, Leute geringen Standes, die bei Nacht in unserem Hauptquartier ankamen. Selbige erzählten, daß die Belagerten Hunger litten und nachts in den Wassergräben zwischen den Häusern Fische fingen und längst allerlei Kräuter und Wurzeln äßen. Ich entschloß mich, am nächsten Morgen vor Sonnenaufgang von neuem wider die Stadt zu rücken, um den Temixtitanern soviel wie möglich Schaden zuzufügen. Als nun der Tag anbrach, liefen die Rennschiffe frühzeitig aus; ich selbst aber rückte mit 15 Reitern, etlichen Fußknechten und einigen hundert Indianern aus. Wir legten uns in einen Hinterhalt und sandten etliche Kundschafter vor. Auf ein verabredetes Zeichen der genannten Aufklärer überfielen wir einen großen Haufen Leute, der von der Stadt herkam. Es waren aber nur Weiber und Kinder und andere unbewehrte Leute, insgesamt elend Volk, das vor Hunger aus der Stadt gelaufen war. Bei unserem Angriff auf die Stadt haben wir sodann über 800 Temixtitaner erschlagen und gefangengenommen. Auch unsere Rennschiffe übermannten eine Menge Feinde samt ihren Kähnen, auf denen sie Fische angeln wollten. Zu einem Kampf mit den Truppen der Stadt aber ist es an diesem Tage nicht gekommen. Also kehrten wir mit ansehnlicher Beute und lebendiger Speise für unsere Bundesgenossen in unser Lager zurück. Am folgenden Tage zogen wir in der Morgenfrühe wiederum gegen die Stadt. Große Scharen verbündeter Indianer begleiteten uns. Es waren ihrer so viele, daß wir sie nicht zählen konnten. Es gelang uns, die Takubaer Straße einzunehmen und die bösen Hindernisse darauf einzuebnen, so daß nunmehr der Weg von Alvarados Lager bis in die Mitte der Stadt gangbar war. In der Hauptstraße am großen Markte eroberten wir zwei Gräben nebst zwei wohlbefestigten Schanzen; auch brannten wir den Palast des Herrn Guatemozin nieder, des zweiten Nachfolgers von Herrn Montezuma, eines jungen Mannes von etwa 20 Jahren Über König Guatemozin vgl. S. 39 , 41 f., 60 f., 73 f., 440 , 457 ff. Der Fürst war damals übrigens sechs Jahre älter, als Cortes vermeint. . Dieses Schloß war wie eine Festung stark verwahrt, groß und weitläufig und von einem Wassergraben umgeben. In anderen Gassen, die auch vom Markt abgingen, nahmen wir zwei Gräben und schütteten selbige zu. Alles in allem hatten wir jetzt von vier Vierteln Stadt drei in unseren Händen. Den Belagerten blieb nun nichts übrig, als sich in den Häusern zu verschanzen, die auf Pfählen im Wasser erbaut waren. Tags darauf, das ist gewesen am Tage des heiligen Jakob (25. Juli), zogen wir abermals in der nämlichen Ordnung wider die Stadt und drangen in der Hauptstraße vor. Von da aus eroberten wir einen breiten Wassergraben, an dem sich die Feinde ganz sicher geglaubt hatten. Dies geschah unter großer Gefahr und kostete auch so viel Zeit, daß wir bis zum Abend nicht fertig wurden, ihn zuzuschütten. Da wir alle zu Fuß waren, und die Feinde merkten, daß keine Reiter zugegen waren, griffen sie uns von neuem an, heftiger und tapferer denn zuvor. Durch unsere Armbruster aber trieben wir sie bis in die Schanzen zurück, die sie weiter oben aufgeworfen hatten. Dabei fielen eine Menge Feinde. Ich will hier erwähnen, daß die hispanischen Fußknechte mit ihren Piken fochten, die ich ihnen nach unserer vermeldeten harten Niederlage hatte machen lassen und die sich sehr nützlich erwiesen. An diesem Tage war unsere Arbeit vor allen die, daß wir auf beiden Seiten der Gassen die Häuser niederbrannten und niederrissen. Dies war betrüblich anzusehen, aber wir konnten nicht anders handeln, wenn wir unser vorgenommenes letztes Ziel erreichen wollten. Als die Temixtitaner solche Verwüstung erblickten, riefen sie unseren Indianern zu: Fahrt nur fort mit Brennen und Einreißen! Wenn wir gesiegt haben, müßt ihr das alles wieder aufbauen! Wenn aber die Hispanier siegen, dann erst recht! Am anderen Tage frühmorgens rückten wir wiederum in der gewohnten Ordnung gegen die Stadt. Als wir an den Graben kamen, den wir tags zuvor genommen und noch nicht ganz zugeschüttet hatten, fanden wir ihn, wie wir ihn verlassen. Wir zogen zwei Armbrustschüsse weiter vorwärts und eroberten zwei breite Wassergräben, die von den Belagerten in einer sonst wasserlosen Straße gegraben waren. Auch gelangten wir zu einer kleinen Pyramide mit einem Tempel darauf. Darinnen fanden wir etliche Köpfe von abgeschlachteten Hispaniern, was uns arg betrübte. Von diesem Tempel führte die Straße geradeaus nach Alvarados Lager, während zur linken Seite eine Gasse zum Markte hinführte, in der kein Wasser mehr war. Nur noch in einer einzigen Gasse lief Wasser. Selbige verblieb bis auf weiteres in den Händen der Temixtitaner. An diesem Tage sind wir nicht weiter vorgerückt, wiewohl wir tapfer mit den Feinden fochten. Spät abends kamen wir in unser Lager zurück. Am folgenden Tage in der neunten Stunde, als wir uns von neuem zu einem Angriff rüsteten, sahen wir auf den zwei höchsten Türmen am Markt Rauch aufgehen, dessen Ursache und Bedeutung wir nicht ermessen konnten. Er war viel stärker als der, den die Mexikaner bei ihren Opfern zu machen pflegten. Da fiel mir ein, es möchte ein Zeichen Alvarados sein, der vielleicht bis dahin vorgedrungen wäre. Und so war es auch, so wenig ich es für möglich gehalten hatte, denn er hatte noch viele Gräben und Wälle zu erobern gehabt, und gerade diese hatten die Belagerten mit aller Kraft verteidigt. In tapferem Kampfe hatte er alles aufgeboten, um bis zum Markt vorzudringen, aber er kam nur bis an die besagten Türme. Seine Reiter mußten schließlich umkehren, wobei drei Pferde verwundet wurden. Also zog sich Alvarado mit seinem Kriegsvolk in sein Lager zurück. Wir aber wollten an diesem Tage den einzigsten Wassergraben, der noch vorhanden und einzunehmen war, nicht erobern, sondern waren nur beflissen, die bereits genommenen Straßen zu ebnen. Auf unserem Rückzug ward uns von den Feinden hart zugesetzt, doch nur zu ihrem Schaden. Am nächsten Tage in der Morgenfrühe rückten wir von neuem wider die Stadt, um den letzten Wassergraben nebst seiner Schanze am vermeldeten Turm zu nehmen. Während des Angriffes sprang ein Fähnrich mit vier Hispaniern ins Wasser, um den Wall zu stürmen. Alsbald verließen die Temixtitaner ihre Stellung und zogen sich zurück. Während der Graben zugeschüttet ward, kam Peter von Alvarado mit vier Reitern vom anderen Ende der Gasse hergeritten, zur großen Freude meiner Leute, denn die Verbindung unserer beiden Abteilungen war ein gewaltiger Schritt zum endlichen Siege. Alvarado hatte die ganze Strecke hinter sich bis zu seinem Lager mit Fußknechten besetzt, teils um das Eroberte zu wahren, teils zum Schutze seiner Person. Als der neu genommene Weg geebnet war, ritt ich mit etlichen Reitern nach dem großen Markte, um ihn zu besichtigen, nachdem ich den in der Gasse Zurückbleibenden den Befehl gegeben hatte, nicht weiter vorzurücken. Auf dem Markte sahen wir, daß die Tempel und die Dächer der noch nicht genommenen Teile der Stadt voller Feinde waren. Da aber der Platz riesig groß ist, und wir alle zu Roß waren, so wagte sich niemand an uns heran. Sodann stieg ich auf die große Tempelpyramide, die zunächst dem Markte steht. Dort fand ich eine Menge Köpfe von abgeschlachteten Hispaniern, auch viele von Tlaskalanern, die der Temixtitaner Urfeinde sind. Von der Höhe des Tempels nun überschaute ich alles, was wir von der Stadt schon erobert hatten. Ohne Zweifel hatten wir von acht Teilen bereits sieben. Es ward mir dabei klar, daß die Feinde, deren Anzahl noch ungeheuerlich groß war, in dem, was sie von der Stadt noch innen hatten, dicht gedrängt sein mußten, zumal die Häuser daselbst klein und zum größeren Teil in das Wasser hinein gebaut waren. Um so größer war offenbar der Mangel an Lebensmitteln bei ihnen. In der Tat hab ich nach der Eroberung des letzten Teiles der Stadt Bäume vorgefunden, von denen man vor Hunger die Rinden abgenagt hatte. Nach dieser Betrachtung entschloß ich mich, in den nächsten Tagen nicht zu stürmen, sondern den Belagerten Vorschläge anzubieten, um so viel Volk vor dem völligen Untergange Zu bewahren. Die Not der Stadt tat mir im Herzen leid. Tag Tag um ließ ich ihnen nun den Frieden antragen, aber sie antworteten mir immer wieder, daß sie sich nimmermehr wollten ergeben, sondern sich bis auf den letzten Mann wehren. Und von der Habe, die sie noch hätten, solle nichts in unsere Gewalt kommen; vielmehr wollten sie alles verbrennen oder ins Wasser werfen. Auf solch höhnischen Bescheid wartete ich trotzdem noch mehrere Tage, da ich nicht Böses mit Bösem vergelten wollte, und unternahm keinerlei Angriff und Sturm. Das zwanzigste Kapitel Seit vierzehn Tagen, da uns das Schießpulver knapp ward, waren wir mit dem Plan umgegangen, ein großes Steinwurfgeschütz zu erbauen. Wir hatten zwar niemanden, der sich auf derlei rechtschaffen verstand, aber es erboten sich etliche Zimmerleute, eine solche Maschine, wenn auch in kleinem Maße, herzustellen. Und wiewohl ich voraussah, daß dabei nichts Gescheites herauskommen konnte, gab ich doch meine Erlaubnis. In diesen Tagen nun, an denen wir uns begnügten, die Feinde eingeschlossen zu halten, war das Ding fertig geworden. Man brachte es auf den großen Markt und richtete es auf einem daselbst vorhandenen Unterbau aus Quadersteinen auf, der dritthalb Mann hoch war und von einem Ende zum anderen dreißig Schritte breit war. Dieser Unterbau war ehedem eine Bühne der Gaukler gewesen, wobei das Volk vom Markte wie von den Dächern aus zugeschaut hatte. Vier Tage dauerte das Aufstellen der Maschine. Währenddem machten unsere indianischen Bundesgenossen viel Geschrei davon und riefen den Temixtitanern drohend zu, wenn das Ungeheuer zu schießen beginne, sei die Stadt mit Mann und Maus verloren. Die Feinde bekamen Schrecken und Angst, aber meine Hoffnung, dies möchte sie veranlassen, sich uns zu ergeben, war eitel, denn das Geschütz kam nimmer zustande. Wir ließen es uns aber nicht anmerken, sondern gaben vor, wir seien zu barmherzig, als daß wir ein so mörderisches Werkzeug gebrauchen wollten Bemal Diaz berichtet hierüber: Im Heeresteile des Oberfeldherrn befand sich ein Landsknecht namens Sotelo aus Sevilla, der unter dem Gran Capitano ln Itallen gedient und unter anderem in der Schlacht am Garigliano (1504) mltgefochten hatte. Selbiger erzählte viel von den Riesenwurfgeschützen, die sie dort gehabt, und meinte, er traue sich zu, ein solches in zwei Tagen zu erbauen. Damit könne man die Häuser, in denen sich die Mexikaner noch hielten, dermaßen beschießen, daß sie zweifellos um Frieden bitten würden. Cortes ließ sich schließlich bereden und gab den Befehl, dem Mann das Nötige zum Bau zu stellen. Also schaffte man Steine, Kalk, Holz und Eisenteile herzu, wle er es verlangte. Auch erhielt er Handwerker und Arbeiter. In der Tat kam ein großer Katapult zustande, der mittels starker Taue Steine von der Größe eines Eimerfasses fortschleudern sollte. Aber als das Ding tätig werden sollte, ging es nicht, und der Stein fiel dicht vor dem Geschütz wieder nieder. Cortes, darob ärgerlich, daß er sich auf die Sache eingelassen hatte, ließ die Maschine sofort wieder abbauen. . Am Tage nach der Aufrichtung des Wurfgeschützes rückten wir wiederum gegen die Stadt. Vier Tage hatten wir nicht gestürmt. Jetzt fanden wir die Gassen, durch die wir zogen, voll von Weibern, Kindern und allerlei elenden Leuten, die vor Hunger ganz schwach und halbtot aus den Häusern herauskamen. Es war ein traurig Schauspiel. Ich befahl unseren indianischen Verbündeten, dies erbärmliche Volk zu verschonen und ihm kein Leid anzutun. Streitbare Männer waren nicht darunter. Diese standen alle oben auf den Tempeln, in die im Lande üblichen Tücher gehüllt und ohne Waffen. Ich ließ ihnen von neuem den Frieden anbieten, aber ihre Antwort war nur Lug und Trug. Nachdem sie mich den ganzen Tag hingezogen hatten, tat ich ihnen kund, daß der Angriff nunmehr wieder beginne. Deshalb sollten sie ihr wehrlos Volk aus den Gassen zurückziehen. Wenn dies nicht geschehe, sollten meine Indianer die Erlaubnis bekommen, alles ohne Erbarmen umzubringen. Darauf gaben sie mir den Bescheid, sie begehrten Frieden. Ich ließ ihnen wieder sagen, wenn es an dem wäre, so solle ihr Herr erscheinen, denn nur mit ihm könne ich unterhandeln. Ich verspräche ihm sicheres Geleit, wenn er zu mir käme. Als ich aber erkannte, daß man mich zum besten hatte, daß meine freundlichen Angebote nutzlos waren und daß sich die Feinde zum weiteren Kampfe rüsteten, da faßte ich den Entschluß, die Not der Feinde auf das Ärgste zu steigern. Peter von Alvarado bekam den Befehl, von der einen Seite in ein Stadtviertel zu rücken, in dem mehr denn 1000 Häuser standen, die im Besitze der Feinde verblieben waren. Von der anderen Seite zog ich mit all meinem Volk hinein, und zwar auch zu Fuß, denn zu Roß konnten wir hier nichts schaffen. Es kam so heftig zur Schlacht, daß wir die ganze Gasse eroberten und daß an diesem einen Tag mehr denn 12000 Temixtitaner totgeschlagen und gefangen worden sind. Mit den Gefangenen verfuhren die uns verbündeten Indianer auf das grausamste. Sie ließen keinen am Leben, der ihnen in die Hände fiel, wiewohl wir sie eifrig verwarnten und sie davon abzuhalten versuchten. Am Tag darnach, als ich wiederum gegen die Stadt zog, befahl ich meinen Leuten, nicht zu fechten und den Feinden keinerlei Schaden zuzufügen. Als diese nun eine so große Menge wider sich sahen, darunter ehemalige Untergebene und Lehensleute, die ihnen jetzo mit Tod und Verderben drohten, da ward ihnen ihre höchste Not bewußt, in der sie keinen Raum mehr hatten denn auf den toten Leibern der Ihrigen. Da waren sie all dieses Jammers und Leides müde, und etliche riefen uns zu: Kommt und schlagt uns vollends tot, damit die Marter aufhört! – Dann aber schrien sie herüber, man solle mich holen; man wolle mit mir reden. Und dieweil die Hispanier längst das Ende dieses Krieges begehrten und wenig Freude an dem täglichen Kämpfen und Vernichten hatten, so freuten sie sich darob gar sehr und kamen eilends zu mir, um mich zu rufen. Ich solle an eine der Schanzen kommen, wo etliche Vornehme von Temixtitan mit mir sprechen wollten. Wiewohl ich im voraus wußte, daß der Gang dahin wenig ersprießlich war, so ging ich dennoch hin. Ich war überzeugt, daß der Starrsinn der Stadt, weiterzukämpfen, ganz allein auf Herrn Guatemozin beruhte, sowie vielleicht auf drei oder vier seiner Großwürdenträger, während alle übrigen sich sehnten, lebendig oder noch wenigstens halb am Leben, ihrem unsäglichen Elend endlich zu entrinnen. Als ich vor der Schanze ankam, riefen sie mir zu: Ihr seid ein Sohn der Sonne! Bedenkt, die Sonne durcheilt binnen einem Tage und einer Nacht den ganzen Himmelskreis, und Ihr vermögt in der nämlichen Zeit nicht einmal unserem elenden Leben und unserer erbärmlichen Not ein Ende zu setzen! Wir begehren ja nichts anderes denn zu sterben und in das Jenseits zu kommen zum Sonnengott, zu ewiger Ruh und Rast. –Ich redete viel mit ihnen, um sie zur friedlichen Übergabe zu bewegen, aber ich konnte nichts ausrichten, wenngleich ich ihnen alles nur mögliche verhieß, weit mehr denn je ein Sieger dem Besiegten geboten hat. Sieger aber waren wir durch Gottes gnädige Fügung. Immer noch war es mein Wille, der Stadt das Letzte und Schlimmste zu ersparen, und so sprach ich einen der Vornehmsten von Temixtitan an, den ich seit drei Tagen gefangen hatte. Obwohl er verwundet war, fragte ich ihn, ob er mit einer Botschaft von mir an Herrn Guatemozin in die Stadt gehen wolle. Er sagte ja. Als wir nun am anderen Tage wieder gegen die Stadt zogen, entsandte ich ihn mit etlichen gefangenen Bürgern. Zuvor hatte ich ihm umständlich gesagt, was er seinem König und dessen obersten Räten wegen des Friedens verkünden solle. Er versprach mir, zu tun, was in seinem Vermögen stehe. Die Bürger empfingen ihn ehrerbietig, wie dies einem Edelmanne gebührt. Als er aber vor Herrn Guatemozin kam und von der Übergabe zu sprechen anhub, da befahl selbiger, ihn auf der Stelle den Göttern zu opfern. Uns aber ward als Antwort ein wildes Geschrei. Man wolle lieber sterben denn sich ergeben. Zugleich begann ein Hagel von Pfeilen, Spießen und Steinen. In dem heftigen Kampfe, der sich also entspann, ward uns ein Pferd erschossen durch einen Pfeil, den sie aus einem ehedem erbeuteten hispanischen Schwert gefertigt hatten. Am Ende aber kam ihnen dieser Erfolg teuer zu stehen, denn gar viele mußten an diesem Tage ihr Leben lassen. Darnach zogen wir uns in unser Lager zurück. Am folgenden Tage ging es abermals wider die Stadt. Die Verteidiger waren nunmehr schon dermaßen niedergerungen, daß große Scharen unserer Indianer über Nacht dicht an ihnen verblieben waren. Und als wir unter die Augen unserer Feinde traten, machten wir keineswegs einen Angriff, sondern spazierten vor ihnen im eroberten Teile der Stadt hin und her, immer von neuem verhoffend, daß sie herauskämen und Frieden machten. Um ihnen Anlaß zu geben, ritt ich an eine ihrer Schanzen heran und rief etliche ihrer Vornehmsten an, die ich in Person gut kannte, und die ich hinter dem Walle erblickte, und ließ ihnen sagen, sie sollten doch ihre Not einsehen. Wenn ich wolle, könne ich sie binnen einer Stunde vertilgen. Ich begriffe nicht, daß Herr Guatemozin nicht käme und mit mir unterhandle. Ich verspräche ihm sicher Geleit, und es solle ihm nichts widerfahren. Und wenn in seinem Namen Vornehme kämen, um mit mir friedlich zu reden, so sollten sie von mir freundlich empfangen und gut behandelt werden. Diese und andere Worte, die ich ihnen sagte, trieben ihnen die Tränen in die Augen, und weinend gaben sie mir die Antwort, sie sähen gar wohl ein, daß sie im Unrecht und nahe ihrem Verderben wären; deshalb wären sie bereit, zu ihrem Herrn zu gehen, mit ihm zu reden, und mir dann eilends Antwort zu bringen. Bis dahin sollte ich nicht fortgehen. Also gingen sie, und nach einer kleinen Weile kamen sie wieder mit der Antwort, für heute sei es zu spät, doch verhofften sie, Herr Guatemozin werde am anderen Morgen nach dem Marktplatze kommen und mit mir verhandeln. Darauf zogen wir in unser Lager. Ich befahl, für den nächsten Tag auf dem Markte Sitze vorzubereiten, wie sie bei den Temixtitanern bei feierlichen Unterredungen Sitte sind. Auch solle ein Festmahl vorgerichtet werden. Am anderen Tage marschierten wir in die Stadt. Ich hatte meinem Kriegsvolk geboten, vorsichtig zu sein, dieweil der Feind eine Hinterlist im Schilde führen konnte. Auch Peter von Alvarado ward von mir also gewarnt. Als wir nun auf dem Markte ankamen, ließ ich Herrn Guatemozin sagen, daß ich ihn daselbst erwartete. Wie es sich aber hernach herausgestellt hat, war er entschlossen, nicht zu kommen. Indessen schickte er mir fünf Edelleute. Selbige vermeldeten mir, Herr Guatemozin ließe sich entschuldigen, er hätte Furcht vor mir, und überdies wäre er krank. Sie seien gekommen, meine Vorschläge anzuhören. Wiewohl der Herr der Stadt in eigener Person nicht erschienen war, so waren wir doch sehr froh, daß die Edelleute geschickt worden waren, und alle verhofften wir, der Krieg werde nun zu Ende sein. Ich empfing die Gesandten freundlich und ließ ihnen Speise und Trank vorsetzen. An ihrer Gier am Essen ersahen wir, welch großen Hunger sie erlitten hatten. Nach dem Mahle forderte ich sie auf, ihrem Herrn zu verkünden, daß er keineswegs Furcht vor mir haben solle, und gab ihnen mein feierlich Wort, wenn er zu mir käme, solle ihm kein Leid widerfahren und ich wolle ihn auch nicht etwa bei mir behalten. Ohne sein Beisein aber könne nichts verhandelt noch ausgerichtet werden. Nachdem ich den Edelleuten etliche Labung für ihren Herrn mitgegeben hatte, entließ ich sie. Sie versprachen mir, in der Sache zu tun, was sie nur vermöchten. Nach zwei Stunden kamen sie wieder und brachten mir etliche feine Decken aus Baumwolle und vermeldeten mir, Herr Guatemozin könne und wolle nicht kommen. Ich erwiderte, daß ich nicht verstünde, warum er nicht vor mir erscheinen könne, da er doch sähe, daß ich seine Gesandten freundlich behandle und ohne Schaden wieder ziehen ließe. Ich bat sodann die Edelleute, noch einmal mit ihrem Herrn zu reden und ihn ernstlich zu ermahnen, doch zu mir zu kommen. Dies sei das beste für beide Teile und ganz besonders für die Stadt. Solches versprachen sie mir zu tun und mir am folgenden Tage Antwort zu bringen. Darauf kehrten sie in die Stadt zurück, und ich zog wieder in mein Hauptquartier. Am folgenden Tage stellten sich die fünf Edelleute frühzeitig in unserem Lager ein und sagten mir, ich solle nach dem Marktplatz kommen, ihr Herr wolle mit mir unterhandeln. Ich glaubte diesen Worten, saß auf und ritt dahin. Umsonst aber wartete ich am besagten Ort länger denn drei volle Stunden. Herr Guatemozin kam nicht. Als ich nun sah, daß man mich zum Narren hatte, und daß weder der Herr noch sonst jemand erschien, da ließ ich unsere indianischen Verbündeten vorrücken, denen ich geboten hatte, am Eingang der Stadt zu verharren und nicht in die Stadt hineinzugehen. Dies nämlich hatten die Edelleute gewünscht. Jetzo nun kamen unsere Indianer und ebenso Peter von Alvarado samt seinem Kriegsvolk eilends herbei. Sobald sie eingetroffen waren, stürmten wir etliche Schanzen und Wasserstraßen, die bisher noch in den Händen der Feinde gewesen waren. Es waren ihre letzten Stützpunkte. Frühmorgens, als ich von meinem Standquartier abritt, hatte ich dem Obristen von Sandoval den Befehl geschickt, er solle mit seinen Rennschiffen von der Nordseite an die Stadt herankommen, aber nicht eher den Angriff beginnen, als bis er sähe, daß wir von unserer Seite her zu kämpfen angefangen hätten. Dadurch waren die Feinde völlig umzingelt und von allen Seiten bedrängt. Wohin sie auch gingen, führte ihr Weg über Tote. Nur etliche Tempel waren ihnen noch verblieben. Kaum hatten sie noch Pfeile, Wurfspieße und Schleudersteine. An diesem Tage wurden durch uns und unsere Indianer über 40000 Temixtitaner niedergemacht oder gefangengenommen. Das Heulen, Weinen, Schreien und Wehklagen der Weiber und Kinder hätte selbst ein Herz von Stein erweichen und rühren müssen. Es war schwer für uns, unsere Indianer in ihrer Wut und ihrem Grimm davon zurückzuhalten, daß sie nicht alles niedermetzelten, was ihnen vor die Augen kam. Es gibt aber in der ganzen Welt kein Volk, das grausamer und unmenschlicher wäre als die Indianer gegen ihre Feinde. Wir Hispanier waren unserer nur an die 900, der Indianer aber waren mehr als 150 000. Nichts half, sie vom Plündern abzuhalten, und so machten sie an diesem Tage viel Beute. Dies hatte ich vorausgesehen, und das war es auch gewesen, warum ich den letzten Sturm von der Stadt hatte abwenden wollen. Vieles ist von den Temixtitanern in das Wasser geworfen und versenkt worden; von dem, was übriggeblieben, raubten unsere Indianer das meiste und beste. Für Eure Kaiserliche Majestät und für uns ist derhalben die Beute nicht gar groß gewesen. Dieweil es sehr spät geworden war, und wir wegen des argen Gestankes der zahllosen Toten in allen Gassen nicht länger verbleiben konnten, rückten wir in unser Lager zurück. Die Stadt war im allerjämmerlichsten Zustande. Noch am Abend befahl ich, daß am nächsten Morgen wiederum vorgerückt und dabei unsere drei schweren Geschütze mitgenommen werden sollten. Ich befürchtete nämlich, der Feind, der nunmehr im engsten Winkel der Stadt zusammengedrängt stand, könne sich, jedes Ausweges beraubt, aus Verzweiflung zu einem letzten Ausfall aufraffen und allein durch die Masse des Volks ohne eigentliche Waffengewalt die Unsrigen überrennen. Deshalb sollten die Geschütze aus der Ferne schießen und den Ansturm von uns ablenken. Zugleich befahl ich dem Obristen von Sandoval, er solle sich für den nächsten Morgen rüsten und mit den Rennschiffen den Hafen der Stadt angreifen, wo die sämtlichen Zillen und Kähne der Temixtitaner standen. Schon hatten die Belagerten nur noch so wenig Häuser in ihrem Besitz, daß Herr Guatemozin und die Vornehmsten der Stadt in ihren Zillen verweilten. Also ward der Hauptsturm für den nächsten Tag vorbereitet. Das einundzwanzigste Kapitel Am anderen Morgen, als der Tag anbrach, stand mein gesamtes Kriegsvolk bereit, dazu unsere schweren Geschütze. Peter von Alvarado hatte schon am Abend zuvor von mir den Befehl erhalten, auf dem großen Markte meiner zu warten und keinen Angriff zu machen, bis ich ankäme. Nachdem wir aber alle versammelt waren und auch die Rennschiffe hinter den Häusern klar zum Gefecht standen, gab ich den Befehl, auf das Zeichen eines Büchsenschusses habe der allgemeine Angriff auf den Teil der Stadt zu beginnen, der noch zu erobern war, wobei der Feind in der Richtung auf die Rennschiffe ins Wasser getrieben werden solle. Besonders zu achten sei auf Herrn Guatemozin, damit man ihn gefangennehme und mir lebendig überantworte, denn damit wäre der Krieg mit einem Schlage zu Ende. Ich selber stieg auf die Plattform einer Tempelpyramide, und ehe ich den besagten Schuß abfeuern ließ, unterhandelte ich noch einmal mit etlichen feindlichen Führern und stellte ihnen die Frage, warum ihr Herr nicht zu mir kommen wolle. Nur deswegen dauere die Not an. Sie sollten ihn dazu ermahnen. Niemand brauche sich vor mir zu fürchten. In der Tat begaben sich zwei mexikanische Edelleute zu Herrn Guatemozin, und nach einer kleinen Weile kam zu mir mit selbigen beiden einer der Vornehmsten, der Großvezier des Königs, der in allen Kriegsdingen den nächsten Rat zu geben das Recht hatte. Ich empfing ihn auf das gütigste, damit er alle Furcht lassen und sich mit mir verständigen sollte. Er richtete mir aus, sein König bedauere, nicht zu mir kommen zu können, sondern es vorziehen zu müssen, zu sterben. Je nachdem mich dies gut dünke oder nicht, solle ich handeln. Da ich daraus den Entschluß des Herrn Guatemozln ersah, so erklärte ich dem Großvezier, der König möge sich und die Seinen zum Tode rüsten, die Stunde der Stadt habe geschlagen. Mit diesen Verhandlungen waren mehr denn 5 Stunden vergangen. Die Temixtitaner standen über Leichen oder im Wasser. Wer sich durch Fortschwimmen retten wollte, ertrank im weiten See. Der Jammer und das Elend war ungeheuerlich. Es ist mir unmöglich zu ermessen, wie das Volk die Belagerung hat erleiden können. Eine große Menge von Weibern und Kindern lief auf uns zu, und damit ein jedes das erste wäre, eilten sie dabei so, daß sie sich einander in das Wasser stießen und zwischen den ungezählten Toten darin umkamen. Fast alle waren sie todkrank vor Hunger und durch das Salzwasser, das sie aus Angst, zu verdursten, in den letzten Tagen getrunken hatten. Der Gestank um alle diese Menschen war unerträglich. Mehr denn 50000 waren in der Stadt gestorben. Etliche der Leichen hatte man in den See geworfen, die meisten aber in den Häusern verborgen oder auf den Gassen liegenlassen, damit wir die Not der Belagerten nicht gewahr werden sollten. Als wir später durch die Gassen gingen, fanden wir so viele Tote, daß wir den Fuß nicht auf den Erdboden zu setzen vermochten. Als das Volk aus der Stadt zu uns herausströmte, um Zuflucht bei uns zu suchen, da hab ich den Befehl gegeben, daß die Hispanier achtgeben sollten, daß unsere indianischen Bundesgenossen die Ärmsten nicht niedermetzelten. Die indianischen Hauptleute ermahnte ich, es keineswegs zu dulden, daß man die bei uns Hilfe und Rettung Suchenden vernichte. Es half nicht viel. Die Masse unserer Freunde vom Morden abzuhalten, dazu waren unserer zu wenige. An diesem Tage sind über 15000 Temixtitaner erwürgt oder geopfert worden. Unterdessen verteidigten die Edelleute und das Kriegsvolk den letzten Winkel ihrer Stadt, stehend auf den Tempeln, auf den Dächern, auf den Gassen und im Wasser. Immer noch leugneten sie ihre Not, so sehr sich uns ihre Ohnmacht und ihre Verzweiflung verriet. Als ich sah, daß sie sich nicht ergaben, und es schon spät war, da ließ ich die schweren Geschütze laden und wider sie richten. Noch erhoffte ich, die Übergabe zu erzwingen. Hätte ich jetzo aber meine Indianer wider die Feinde losgelassen, so wäre es ihnen noch schlimmer ergangen, wenngleich die Geschütze große Lücken in sie rissen. Als auch dies nichts half, ließ ich den Signalschuß abfeuern, und der allgemeine Angriff meiner Truppen Hub an. Bald war der letzte kleine Teil der Stadt erstürmt. Die noch darinnen waren, wurden in den See gejagt. Etliche ergaben sich uns. Zu gleicher Zeit drangen unsere Rennschiffe von der Seeseite vor und griffen die mexikanischen Zillen und Kähne an, deren Besatzung kaum mehr zu kämpfen wagte. Gott der Allmächtige fügte es, daß der Hauptmann einer der Rennschiffe, Garcia von Holguin, eine ansehnliche feindliche Zille verfolgte, die sich mit zwei anderen durchgeschlagen hatte. Es kam ihm vor, als wären besonders vornehme Leute darauf. Als er ihr näher kam und die Armbruster ihre Bolzen auflegten, da winkten die Leute des feindlichen Schiffes, man möge nicht schießen: der König sei an Bord. Alsbald sprangen die Hispanier auf die Zille und nahmen Herrn Guatemozin sowie den Fürsten von Tezkuko und etliche Edelleute und Großwürdenträger gefangen. Der Hauptmann Holguin brachte sie mir unverzüglich nach dem Tempel, auf dem ich mich aufhielt, der nahe am Hafen lag. Ich hieß Herrn Guatemozin sich setzen und war freundlich und gütig mit ihm. Er sprach mich in der Sprache seines Landes an und sagte: Ich habe alles getan, was ich vermochte, um mich und mein Volk zu retten. Es war umsonst. Macht nun mit mir, was Euch beliebt! – Dabei griff er nach dem Dolche, den ich an meinem Gürtel trug, und rief aus: Am liebsten wäre es mir, Ihr stecht mich damit tot! – Ich tröstete ihn und sagte: Fürchtet nichts! Ihr sollt mit allen Ehren behandelt werden. Ihr habt Eure Stadt tapfer verteidigt. Ein Hispanier achtet den Mut auch an seinen Feinden. Mit der Gefangennahme des Königs war der Kampf um die Hauptstadt und zugleich der ganze Krieg zu Ende. Es war am 13. August des Jahres 1521, am Tage des heiligen Hippolyt. Die Belagerung und Bestürmung der Stadt hatte begonnen am 30. Mai und also gedauert 75 Tage. Wie Eure Kaiserliche Majestät aus meinem Bericht ermessen kann, war sie reich an Gefahren, Mühsal und Anstrengung, und mancher hat dabei in Allerhöchstdero Diensten Leib und Leben gelassen. Es war kein Tag in dieser langen Zeit, der nicht ein größeres oder geringeres Gefecht mtt dem Feinde gebracht hätte. An jenem Tage aber, da wir Temixtitan erstürmt und Herrn Guatemozin gefangen hatten, sind wir nach dem Zusammentragen der Beute zurückgekehrt in unsere Lager und haben Gott dem Allmächtigen gedankt für den großen Sieg, zu dem er uns gnädiglich verholfen hatte. Vgl. den Bericht des Bernal Diaz über das Siegesfest S. 433  ff. Das zweiundzwanzigste Kapitel Vier Tage verblieben wir noch in unseren Standorten, bis allerlei nötige Dinge bestens geordnet waren. Darnach zogen wir nach der Stadt Kojohuakan, wo ich bis heute verweile, immerdar beschäftigt, das eroberte Land in Frieden zu erhalten. Nachdem wir das Gold zusammengebracht hatten, ließ ich es einschmelzen. Wir hatten davon insgesamt 130 000 Pfund, von denen ich den fünften Teil Allerhöchstdero Schatzmeister übergeben habe. Überdies ist Eurer Kaiserlichen Majestät ein Fünftel der Sklaven und aller anderen Beutestücke überwiesen worden, worüber ein besonderer Rechnungsbericht beiliegt. Das übrige Gold ist auf mich und alle Hispanier verteilt worden, je nach Verdienst und Rang. Unter der Kriegsbeute waren eine Menge goldene Schilde, kostbare Helmbüsche, wunderbare Federarbeiten und viele andere Merkwürdigkeiten, die unmöglich zu beschreiben sind und die man sich ohne Beschreibung nicht vorstellen kann. Dieweil diese Dinge unübertrefflich sind, hielt ich es für gut, sie nicht zu teilen, sondern sie Eurer Kaiserlichen Majestät im ganzen zu überreichen. Ich berief alle Obristen, Hauptleute und Soldaten, stellte ihnen meinen Wunsch vor und bat sie, daß alles dies Eurer Kaiserlichen Majestät als freiwillige Ehrengabe von uns übersenden zu dürfen. Einmütig und mit großer Freude willigten alle darein. Also haben wir diese Schätze an Eure Kaiserliche Majestät aus Neu-Hispanien abgefertigt. Dieweil ich nun seit etlicher Zeit Kunde hatte vom Südmeere, so hielt ich fleißig Nachfrage, ob man auf dem Landwege dahin kommen könne. Gesandte aus der Grafschaft Michoakan, die mir die Freundschaft ihres Fürsten anboten, bejahten mir dies. Um aber aus ihrem Gebiete bis an das Meer zu gelangen, müsse man durch das Land eines benachbarten Fürsten ziehen, eines ihrer Feinde. Auf ihr Angebot, ihnen etliche meiner Leute mitzugeben, die den Weg zum Meere erkunden sollten, bestimmte ich dazu zwei Hispanier. Nachdem ich den Gesandten eine Feldübung meiner Reiter vorgeführt hatte, damit sie zu Hause davon erzählen sollten, entließ ich sie mit Gastgeschenken und gab ihnen die zwei Hispanier mit. Alles in allem erfuhr ich, daß man das Südmeer in zwölf bis vierzehn Tagesreisen erreichen könne. Es ward mir klar, daß die Entdeckung des besagten Meeres Eurer Kaiserlichen Majestät zu hohem Nutzen gereichen müsse, dieweil es gewiß viele Inseln innehat, reich an Gold, Perlen, Edelsteinen und köstlichen Gewürzen, auch an anderen wunderbaren und seltsamen Dingen. Dies sagen alle Erdkundigen. In dieser Absicht und in sehnlichem Eifer hab ich noch vier Hispanier abgefertigt, zwei auf einem und zwei auf einem anderen Wege. Nachdem ich sie über alles Nötige unterrichtet und ihnen etliche uns befreundete Indianer als Geleit mitgegeben hatte, machten sie sich auf den Weg dahin, mit dem Befehl von mir, sie sollten nicht eher umkehren, als bis sie an das Meer gekommen wären. Meer aber wie Land daselbst sollten sie für Eurer Kaiserlichen Majestät Besitz erklären. Zwei dieser Hispanier sind 130 Meilen ohne alles Hindernis durch herrliches Land bis an das Meer gezogen und haben dort am Gestade etliche Kreuze als Zeichen aufgestellt. Die anderen beiden sind etwas länger ausgeblieben, dieweil sie 150 Meilen gezogen sind, bis sie an das Meer kamen. Auch sie haben von der Küste daselbst Besitz ergriffen. Jetzt beschloß ich, was mir bis dahin nicht war möglich gewesen, Kriegszüge zu unternehmen gegen etliche in Richtung auf das Nordmeer gelegene Städte, die ehedem bald nach dem Ausstände in Temixtitan von Eurer Kaiserlichen Majestät abgefallen waren. So entsandte ich Gonzalo von Sandoval als Obristen nach Tataktetelko, Tuxtepek, Guatuxko und Aulikaba mit 35 Reitern, 200 hispanischen Fußknechten und etlichen tausend verbündeten Indianern, sowie etlichen Edelleuten aus Temixtitan. Zur selben Zeit kam zu mir nach Kojohuakan der Hauptmann Peter von Alvarado, den ich als Obristen in der Stadt Segura de la Frontera zurückgelassen hatte, und meldete mir, daß die Indianer von Oaxaka und anderen Nachbargebieten einzufallen drohten. Abgesehen davon, daß man den Angegriffenen, die unsere Freunde waren, helfen müsse, erscheine die Einnahme von Oaxaka auch aus anderen Gründen nützlich. Er kenne die Gegend daselbst gut und getraue sich, sie mit wenig Kriegsvolk zu erobern. Ich gab ihm 12 Reiter und 80 hispanische Fußknechte. Beide sind am 30. Oktober des Jahres 1521 aus Kojohuakan aufgebrochen. In Segura de la Frontera hielten sie eine Heerschau über ihre Streitkräfte ab, worauf ein jeder nach dem Orte seines Feldzugs abgerückt ist. Fünfundzwanzig Tage später schrieb mir der Obrist Gonzalo von Sandoval, daß er in Guatufko angekommen wäre und wider Erwarten mit den dortigen Indianern in Frieden ein Bündnis abgeschlossen habe. Obgleich er in die anderen Gebiete noch nicht gekommen sei, so verhoffe er doch, auch diese Eurer Kaiserlichen Majestät ohne Kampf Untertan zu machen. Wieder vierzehn Tage später bekam ich abermals einen Brief von ihm, worin er mir meldete, er sei weiter vorgerückt, und alles Land wäre in Frieden. Er halte es für gut, eine Niederlassung daselbst zu gründen, um Nutzen aus diesem Umstände zu ziehen, wie wir dies schon zuvor hätten beratschlagt. Ich möge ihm Befehl darüber geben. Darauf dankte ich ihm in einem Schreiben für die viele Mühe und Arbelt, die er zu Eurer Kaiserlichen Majestät Nutz auf sich genommen. Zum anderen ließ ich ihn wissen, daß sein Vorschlag wegen einer Siedelung mein Wohlgefallen fände. Er solle also eine Niederlassung in Tuxtepek gründen. Zugleich sandte ich ihm eine Liste der von mir ernannten Amtsleute und Richter der neuen Stadt und gab ihm etliche noch nötige Weisungen, insonderheit daß er die indianischen Einwohner gut behandle. Unterdessen war mein Befehlshaber von Segura de la Frontera mit seinem hispanischen Kriegsvolk sowie einer stattlichen Streitmacht von uns ergebenen Indianern nach der Landschaft Oaxaka marschiert. Und wiewohl die Leute daselbst zunächst Widerstand leisteten und sich in drei oder vier Gefechten tapfer mit den Unsrigen schlugen, so ergaben sie sich zu guter Letzt doch friedlich, ohne daß mein Hauptmann irgendwelchen Verlust hatte. Er sandte mir einen umständlichen Bericht hierüber und vermeldete mir darin, das Land daselbst sei köstlich und voller Gold. Von selbigem schickte er mir gute Proben, die ich samt anderen Dingen Eurer Kaiserlichen Majestät überreiche. Er verblieb im Lande Oaxaka und erbat sich von mir Befehl, wie er es fürderhin halten solle. Nachdem ich also drei neue Niederlassungen mit Hispaniern besetzt hatte, hielten wir Rat, an welchem Ort am See wir noch eine Hauptstadt gründen sollten, um das ganze Land in Sicherheit und Frieden zu halten. Daß ein solcher Ort vonnöten war, dünkte uns ohne Zweifel. Zugleich aber erkannten wir von neuem, wie trefflich und herrlich die Lage der alten Hauptstadt Temixtitan und wie berühmt sie war durch ihre ehemalige Macht und durch ihre Geschichte. Darum beschloß ich, auf ihren Trümmern ein neue Stadt zu erbauen. Ich verteilte die Bauplätze an solche, die sich daselbst niederlassen wollten, und ernannte im Namen Eurer Kaiserlichen Majestät die Amtsleute und Richter, wie es in Allerhöchstdero Ländern zu geschehen pflegt. Bis zur Vollendung der Häuser aber nahmen wir uns vor, in Kojohuakan zu verbleiben. Seit vier oder fünf Monaten baut man in Temixtitan, und Eure Kaiserliche Majestät möge mir glauben, daß die neue Stadt täglich stattlicher und schöner wird, und daß sie bald wieder das ist, was sie war, die Königin aller Städte dieses Reiches. Ich verhoffe auch, sie wird ein fester und wohlverwahrter Sitz der Hispanier, der jeglichem Angriffe von Feinden trotzt. Währenddem kam aus dem Lande Tehuantepek In Tehuantepek legte Cortes auf eigene Kosten einen Hafen an. (Vgl. Einleitung S. 75 .) , das am Südmeere liegt, wohin zwei Hispanier gezogen waren, um das Gestade zu erkunden, eine vornehme Gesandtschaft des Fürsten daselbst. Er ließ mich bitten, ihn zum Lehensherrn Eurer Kaiserlichen Majestät in Gnaden anzunehmen. Zugleich schickte er mir etliche Stücke Gold und kostbare Federarbeiten, die ich Allerhöchstdero Schatzmeister übergeben habe. Ich dankte den Gesandten im Namen Eurer Kaiserlichen Majestät und händigte ihnen Geschenke für ihren Herrn ein, worauf sie voller Freude wieder von dannen zogen. Zur nämlichen Zeit trafen auch die beiden Hispanier wieder ein, die ich nach Michoakan entsandt hatte. Sie brachten mir die Meldung, daß man von dort an das Südmeer gelangen könne, nur müsse man dabei durch ein Gebiet reisen, das den Michoakanern feindlich wäre. Mit den beiden Hispaniern kam ein Bruder des Fürsten von Michoakan zu mir nebst einer Anzahl von Edelleuten und Würdenträgern, insgesamt an 1000 Personen, die ich alle freundlich empfing und gütig behandelte. Im Namen des Fürsten von Michoakan, Kalkucin geheißen, überbrachten sie mir etliche silberne Schilde, die gar schwer an Gewicht waren, und anderes mehr. Damit sie ihrem Herrn von unserem Kriegsvolk und unserer Gefechtsweise berichten könnten, machte ich eine Paradeaufstellung aller meiner Reiter auf einem großen Platze, ließ sie sodann um die Wette rennen, miteinander fechten und turnieren. Darnach standen auch die Fußknechte in Parade, worauf die Büchsenschützen schossen. Zuletzt ließ ich die Feldgeschütze gegen einen Turm feuern, was alles die größte Verwunderung bei den Michoakanern verursachte, insbesondere das Pferderennen. Hinterher ließ ich sie die Trümmer von Temixtitan besichtigen. Als sie das sahen, waren sie völlig verdutzt, denn sie hatten die ehedem so gefurchtete Stadt durch ihre Lage mitten im See und ihre starke Befestigung für uneinnehmbar gehalten. Nachdem ich ihnen etliche Kostbarkeiten für ihren Fürsten und für sie selber geschenkt, sind sie nach fünf Tagen frohgemut wieder heimgezogen. Das dreiundzwanzigste Kapitel Eurer Kaiserlichen Majestät hab ich bereits über den Panuko berichtet, der 50 bis 60 Meilen nördlich von Verakruz in das Nordmeer fließt. Zwei- oder dreimal hatte Franz von Garay Schiffe an die Mündung dieses großen Stromes ausgesandt, aber immer wieder große Verluste erlitten, dieweil seine Hauptleute mit den dortigen Indianern nicht verständig umgegangen sind. Ich war des gewiß, daß am ganzen Nordmeer ein großer Mangel an Häfen ist und daß keiner von den vorhandenen dem am Panuko gleicht. Und da nun die Indianer daselbst ehedem sich erboten hatten, Untertanen Eurer Kaiserlichen Majestät zu sein, jetzt aber uns und unseren Freunden feindselig waren, so beschloß ich, einen Hauptmann mit etlichem Kriegsvolk abzusenden, der das Land am Panuko in Frieden setzte und, falls es sich zur Ansiedelung eigne, dort am Fluß eine neue Stadt erbaute, damit ich von da aus noch weitere Gebtete in Ruhe und Ordnung zu bringen vermöchte. Obgleich wir Hispanier unsrer nur wenige waren und uns schon in vier Teile geteilt hatten, so hab ich trotzdem noch einen Teil abgefertigt, um unser Land zusichern und zu erweitern. Da seit der Eroberung von Temixtitan wiederum etliche Schiffe mit Roß und Reitern waren angekommen, so gab ich den Befehl, 25 Reiter und 150 Fußknechte sollten sich rüsten mitsamt einem Hauptmann (Sandoval), um nach dem Panuko abzurücken. Zu dieser Zeit bekam ich aus Verakruz ein Schreiben, worin mir gemeldet ward, daß ein Schiff eingelaufen war und mit selbigem Christof von Tapia, der Verwalter der Goldschmelzereien auf der Insel Hispaniola (Haiti) Über Tapias Sendung vgl. Einleitung S. 55 . . Anderen Tags traf auch ein Brief von diesem ein, in dem er mich wissen ließ, er sei auf Befehl Eurer Kaiserlichen Majestät gekommen, um mir den Oberbefehl abzunehmen. Er wäre im Besitz einer Allerhöchsten Vollmacht, die er mir vorlegen werde, sobald wir einander in Person begegneten, was ehebaldigst geschehen solle. Zur Zeit hätten seine Pferde die Seefahrt noch nicht überstanden, weshalb er sich nicht könne auf die Reise wagen. Er bäte mich aber, Mittel und Wege zu schaffen, daß wir zusammenkommen könnten, sei es, daß ich zu ihm oder er zu mir käme. Sofort nach Empfang seines Briefes antwortete ich ihm, ich sei über seine Ankunft überaus erfreut und kein andrer Abgesandter Eurer Kaiserlichen Majestät könnte mir angenehmer sein denn er, da er ein alter Freund von mir märe. Indessen sei der Frieden hierzulande noch nicht fest genug und jedwede Neuerung von Übel, dieweil die Indianer leicht möchten wieder abfallen. Darauf bat ich den Pater Peter Melcharejo von Urrea, einen Ausspender von Ablaßbriefen, der an allen unsern Mühsalen und Nöten teilgehabt hatte und am besten wußte, wie die Dinge hier stehen, sich die Mühe zu machen, mit Christof von Tapia in meinem Namen zu verhandeln. Ich bat ihn im Beisein von Allerhöchstdero Schatzmeister, der auch der Meinung war, daß besagter Pater wohlgeeignet wäre, die Angelegenheit zum Nutzen Eurer Kaiserlichen Majestät wie des Landes zu ordnen. Seine Entscheidung solle von mir eingehalten werden. Also ging der Pater mit drei Begleitern nach Verakruz ab, wo Tapia noch immer weilte. Alsdann rüstete auch ich mich zur Abreise und ordnete noch allerlei, um Eurer Kaiserlichen Majestät die Ruhe und den Frieden dieses Landes zu sichern. Zehn oder zwölf Tage darauf schrieb mir der Befehlshaber zu Verakruz, besagter Christof von Tapia habe der Behörde die Vollmacht Eurer Kaiserlichen Majestät vorgelegt. Man hätte ihm daraufhin alle gebührende Ehre erwiesen; was indessen die Vollstreckung anbelange, so wäre ihm der Bescheid verabfolgt worden, man halte sich in Verakruz nicht für maßgeblich genug, dieweil der größere Teil der höheren Amtsleute beim Sturm und bei der Eroberung der Stadt zugegen gewesen und in meinem Hauptquartiere verblieben wäre. Sobald sie deren Entscheidung vernommen, solle vollstreckt werden, was zum Nutzen Eurer Kalserlichen Majestät und des Landes gereiche. Ob solchem Bescheid war Christof von Tapia arg verdrossen. Zudem begann er, mir recht ärgerliche Dinge anzurichten. Gleichwohl schrieb ich nach Verakruz zurück, man möge Eure Kaiserliche Majestät bedenken und sich bemühen, besagten Tapia zufrieden zustellen und vor allem keinen Anlaß geben, daß daraus Uneinigkeit mochte entspringen. Auch rüste ich mich bereits zur Reise und wäre baldigst in Verakruz zu erwarten, um mich mit ihm zu besprechen und dem Kaiserlichen Befehl Genüge zu tun. Als ich nun wahrhaftig reisefertig war und den Zug nach dem Panuko einzustellen befahl, dieweil es, wenn ich von dannen ging, sehr vonnöten war, daß ich eine starke Besatzung in Kojohuakan zurückließ, da kamen die Hauptleute und Räte von Neu-Hispanien zu mir und erhoben Einspruch, dieweil das kaum wiedereroberte und zu Frieden gebrachte Land Mexiko samt seiner Hauptstadt Temixtitan von neuem aufrührerisch werden möchte, sobald ich wegginge, und der abermalige Abfall des Landes Eurer Kaiserlichen Majestät zu großem Schaden wäre. Auch aus anderen Ursachen sei mein Weggang der Stadt gefährlich. Zuletzt erboten sich die Räte, sie wollten mit meiner Genehmigung und Vollmacht gen Verakruz ziehen und sich von Christof von Tapta den Befehl Eurer Kaiserlichen Majestät vorweisen lassen, sodann aber das tun, was sie als Allerhöchstdero Nutzen und Vorteil erachteten. Da mich dünkte, der Handel sei also zu ordnen, ließ ich die Räte ziehen und gab ihnen ein Schreiben an Christof von Tapia mit, darin ich ihm kundtat, was in der Sache bisher geschehen war, und daß Gonzalo von Sandoval, Diego von Soto und Diego von Valdenebro, die sämtlich in Verakruz waren, zugleich mit den Räten des neuen Reiches die Angelegenheit in meinem Namen zu Ende bringen sollten, worauf vollzogen werden möge, was Eurer Kaiserlichen Majestät zu Nutzen und dem Lande förderlich sei. Sie begegneten dem besagten Tapia, der sich seinerseits auch auf den Weg begeben hatte, bei ihm der Pater Peter, und baten ihn, umzukehren. Hierauf begaben sie sich allesamt nach Cempoalla, woselbst Christof von Tapia den Räten Allerhöchstdero Vollmacht und Befehl vorlegte. Sie erwiesen ihm die gebührenden Ehren; was aber die Vollstreckung anbelangte, so wollten sie zuvor eine Bittschrift an Eure Kaiserliche Majestät richten, in der Meinung, damit zu Allerhöchstdero Nutzen zu wirken. Selbige geht zugleich mit meinem Bericht hier ab. Nach etlichen anderen zu Urkund genommenen Verhandlungen zwischen besagtem Tapla und den Amtsleuten hat er sich auf sein Schiff gesetzt und ist von hinnen gesegelt, was zu tun man ihm allhler geraten hat, dieweil seine Ankunft und seine Bekanntmachung, er wolle an meiner Statt in diesem Lande regieren, Unruhe erregte. Schon begannen die Temixtitaner und Mexikaner sich zusammenzutun, um Verräterei anzurichten. Wäre solcher Plan, uns abfällig zu werden, zur Erfüllung gekommen, so wäre der Aufruhr noch schlimmer und uns noch gefährlicher geworden denn das erstemal. Wie gesagt, hat die Ankunft des Christof von Tapia samt seiner Unkenntnis von diesem Lande und von den Sitten der Völker hier Unruhe und Aufsässigkeit verursacht, und sein längeres Verweilen wäre nur von Unheil gewesen, was Gott der Allmächtige zu unserem Glücke gnädiglich hat abgewendet. Es wäre Eurer Kaiserlichen Majestät ersprießlicher gewesen, wenn Tapia auf der Insel Hispaniola wäre verblieben und seine Fahrt hierher unterlassen hätte. Er hätte sollen zuvor Allerhöchstdero Rat einholen und Eurer Kaiserlichen Majestät von den gefährlichen Umständen der Wahrheit gemäß berichten. Selbige hatte er auf Hispaniola gar wohl durch meinen Schiffshauptmann erfahren, den ich um nötige Hilfe und Nachschub von Kriegsvolk dahin abgeschickt hatte. Auch sonst hatte man ihn daselbstvielfach gewarnt, nicht nach Neu-Hispanien abzufahren, ehe man Eure Kaiserliche Majestät über den Aufstand in Mexiko und die Wiedereroberung der Hauptstadt umständlich berichtet hätte. Ja, man hatte ihm die Abfahrt bei Strafe verboten. Trotzdem hat er aus Eigennutz und nicht zu Allerhöchstdero und dieses Landes Vorteil sein Vorhaben ausgeführt, nachdem er es hinterrücks zuwege gebracht, daß man in Hispaniola von dem Verbot abstand. Alles dies hab ich Eurer Kaiserlichen Majestät nicht früher berichtet, dieweil es mich untunlich dünkte, besagtem Christof von Tapia ein Schreiben hierüber an Eure Kaiserliche Majestät mitzugeben, als er sich wieder einschiffte. Ich hab ihn nicht können als einen treuen Briefboten erachten. Eure Kaiserliche Majestät möge mir aber glauben, daß es zu Allerhöchstdero Nutzen gewesen ist, daß wir Tapia nicht aufgenommen haben, was ich umständlich nachzuweisen imstand bin, sobald es vonnöten sein wird. Das vierundzwanzigste Kapitel In einem früheren Kapitel hab ich Eurer Kaiserlichen Majestät vermeldet, daß der Hauptmann, den ich zur Einnahme der Grafschaft Oaxaka hatte ausgesandt, dies Land uns in Frieden zu Gehorsam gebracht hatte und bis auf weiteren Befehl allda verblieben war. Dieweil ich nunmehr aber seiner Person bedurfte, denn er war Befehlshaber und Stadtrichter von Segura de la Frontera, so hab ich ihm den Befehl geschickt, er solle seine 10 Reiter und 80 Fußknechte dem Obristen Peter von Alvarado übergeben. Diesem hatte ich den Auftrag erteilt, die Grafschaft Tututepek zu erobern, die 40 Meilen über Oaxaka hinaus am Südmeere liegt. Die Leute von Tututepek nämlich hatten Kriegszüge unternommen wider benachbarte Landschaften, die schon Allerhöchstdero Untertanen waren, insonderheit wider die von Tehuantepek, deren Stadt ebenso am Südmeere gelegen ist. Peter von Alvarado rückte aus Kojohuakan ab am 31. Januar 1522. Die Streitmacht, die er von hinnen mitnahm, samt der, die er in Oaxaka übernahm, betrug insgesamt 40 Reiter und 200 Fußknechte, darunter 40 Armbruster und Hakenschützen. Er hatte zudem zwei kleine Feldgeschütze. Zwanzig Tage nach seinem Abmarsch empfing ich einen Brief von ihm mit der Meldung, er wäre unterwegs wider Tututepek. Auf dem Marsche hätte er etliche indianische Kundschafter aufgegriffen, durch die er erfahren, daß der Herr des Landes Tututepek mit all seinem Kriegsvolk im Felde auf ihn harre. Er selbst setze seinen Zug fort und wolle sein Bestes tun, um jenes Land zu unterwerfen. Zu solchem Zwecke führe er außer seinen Hispaniern eine Menge streitbares Volk ihm ergebener Indianer mit sich. Während ich mit großer Begier auf den Ausgang des Zuges wartete, erhielt ich am 4. März 1522 wiederum ein Schreiben von Peter von Alvarado, darinnen er mir meldete, er wäre schon in der Grafschaft Tututepek angekommen. Vier Orte hätten ihm Widerstand geleistet, wären aber nicht in der Aufsässigkeit verblieben. Darnach sei er in die Stadt Tututepek eingezogen und in anscheinend ehrlicher Freundlichkeit allda empfangen worden. Wie er mir weiter berichtete, bot ihm der Herr des Landes zur Unterkunft etliche große Häuser an, die mit Maisstroh gedeckt waren. Der Pferde wegen weigerte sich der Obrist, daselbst einzukehren, und rückte in ein mehr geeignetes Quartier. Dies tat er auch aus noch einem anderen Grunde. Es war ihm vorgekommen, als wolle man ihn und sein Krlegsvolk in besagte Häuser locken, um selbige anzuzünden, sobald die Hispanier wären eingezogen, und alle darin zu verbrennen. Und als ihm der Allmächtige diesen bösen Anschlag eröffnet hatte, ließ er sich nicht das geringste anmerken, nur nahm er den Fürsten samt seinem Sohn auf der Stelle gefangen. Da gab selbiger dem Peter von Alvarado 25 000 Pesos Gold. Nach Aussage von dortigen Indianern besitzt der Landesherr einen reichen Schatz. Jetzt ist dies Land in vollem Frieden; alle Märkte und Messen und alle Gewerbe gehen ihren Gang wie zuvor. Zu guter Letzt hat mir Alvarado vermeldet, dies Land sei reich an Gold. In seinem Beisein hatte man solches gegraben, von dem er mir eine Probe geschickt hat. Auch bis ans Meer ist er vorgerückt und hat es in Allerhöchstdero Namen in Besitz genommen. In Gegenwart von ihm sind Perlen gefischt worden, die er mir auch übersandt hat. Selbige samt der Probe Gold überreiche ich hiermit Eurer Kaiserlichen Majestät. Nachdem Gott der Allmächtige diesen Handel also gefordert hatte und meinem Begehr Genüge geschehen war, setzte ich alle meine Gedanken von neuem darein, Eurer Kaiserlichen Majestät in der weiteren Erkundung des Südmeeres zu dienen. Und dieweil dies in hohem Maße wichtig ist, hab ich mit vielem Fleiß Zurüstungen bereitet, um an einem der mir bekannten Orte an selbigem Meere zwei Karavellen und zwei Brigantinen zu erbauen, die Karavellen für neue Entdeckungen auf dem Meere, die Brigantinen aber zu Fahrten am Gestade hin. Um dies zu vollführen, hab ich einen sehr tätigen Hauptmann beordert samt 40 Hispaniern, darunter Schlffsbaumeister, Zimmerleute, Schmiede und Matrosen. Auch sind in Verakruz Ruder, Segel und andere zum Ausbau nötige Dinge angefertigt worden. Wir werden uns beeilen, soviel wir können, um die Schiffe zu vollenden und auf das Wasser zu setzen. Ist dies geschehen, so kann Eure Kaiserliche Majestät gewiß und sicher seln, daß nichts nützlicher und förderlicher sein wird, seit wir angefangen haben, Indien zu suchen, als dies Werk. Vor der Belagerung von Temixtitan, als ich in Tezkuko alles dazu rüstete und mich um andere Dinge nicht kümmerte, kam einer meiner Soldaten, der in die Verräterei wider mich eingeweiht war, und vermeldete mir, daß etliche Freunde des Diego Velasquez heimlich unter meinem Kriegsvolk Leute gewonnen hatten, um mich umzubringen. Ich solle auf der Hut sein und mich dagegen verwahren. Ungerechnet, daß meine Person in großer Gefahr wäre, drohe auch allen anderen Hispaniern der Untergang, denn wenn die Indianer sähen, daß wir untereinander Feinde und Meuterer wären, so müsse es geschehen, daß sie sich alle wider uns erhöben, auch die, die jetzt unsere Freunde und Bundesgenossen seien. Nachdem ich mir die Gewißheit verschafft, daß es wahrlich an Besagtem war, da hab ich Gott dem Herrn gedankt, denn er hatte mir damit schon aus der Gefahr geholfen. Sofort ließ ich den Rädelsführer, einen Soldaten namens Anton Vlllafana, ergreifen, der zur Stund eingestand, daß er der Anstifter des Anschlags war. Er bekannte auch eine Anzahl anderer, die sich mit ihm verschworen hatten, mich und meine Obristen umzubringen und das Regiment des Landes dem Diego Velasquez in die Hände zu geben. Schon wäre man sich über die neuen Hauptleute und Räte einig gewesen. Er selbst, hatte Hauptmann werden sollen und es auf sich genommen, mich niederzustechen oder gefangenzunehmen. Hinterher hab ich in seinem Quartier eine allerdings zerrissene Liste vorgefunden, in der alle Verschwörer wider mich genannt waren. Auf Grund seines Geständnisses hat ihn das zuständige Kriegsgericht zum Tode verurteilt, welch Urteil an seiner Person vollstreckt worden ist. Gegen seine vielen Mitschuldigen aber hab ich mich nicht unfreundlich benommen, dieweil der Anschlag nur mich selbst betraf. Wiewohl die Sache auch für Eure Kaiserliche Majestät hätte Folgen haben können, wollte ich doch nicht allzu hart verfahren. Meine Milde hat mir jedoch nichts Gutes eingebracht, denn etliche Genossen des besagten Diego Velasquez haben mir heimlich auch weiterhin Nachstellung, Ärgernis und Gefahr bereitet, so daß ich mich mehr hab müssen hüten vor ihnen denn vor den indianischen Feinden. Doch hat der liebe Gott alles zum Guten gewendet und es zuwege gebracht, daß uns Frieden und Ruhe verblieben ist, ohne daß ich weiter hab strafen müssen. Sollte ich aber fürderhin Meuterei vernehmen, so soll sie nicht ungesühnt bleiben, und die Schuldigen wird gerechte, aber strenge Strafe treffen. Das fünfundzwanzigste Kapitel Während ich noch in Tezkuko verweilte, ist Don Ferdinand, der Fürst von Tezkuko, gestorben. Wir alle beklagten seinen Tod sehr, dieweil der Verstorbene ein treuer Lehensmann Eurer Kalierlichen Majestät und ein braver Held, auch den Christen sehr geneigt war gewesen. Nach Beratung mit den Edelleuten und Würdenträgern von Stadt und Land hab ich nun in Allerhöchstdero Namen das Regiment des Landes dem jüngeren Bruder des Fürsten Ferdinand übergeben, der bei der Taufe den Namen Karl hat empfangen. Soweit ich bisher gesehen, folgt er eifrig den Fußpfaden seines Bruders nach und findet viel Gefallen an unseren abendländischen Sitten. Eurer Kaiserlichen Majestät hab ich in meinem vorigen Berichte bereits gemeldet, daß an den Grenzen der Grafschaften Tlaskala und Huexozinko ein hoher Spitzberg namens Popokatepetl emporragt, aus dessen Gipfel immerfort gewaltiger Rauch zum Himmel aufsteigt, und mit viel Geschwindigkeit. Wiewohl mir die Indianer sagten, den Berg zu ersteigen wäre sehr beschwerlich und gefahrvoll und jeder müsse sterben, der es versuche, so hab ich doch den Befehl gegeben,daß etliche Hispanier hinaufsteigen sollten, um zu erkunden, wie der Berg zu oberst aussähe. Aber gerade als sie den Aufstieg begannen, schossen dichte Wolken von Rauch aus dem Berge hervor, mit solchem Geräusch und Getös, daß meine Leute nicht konnten hoffen, bis zur Spitze des Berges hinaufzugelangen. Trotzdem sind sie nahe an die Stelle gekommen, wo der Rauch herausgetrieben wird. Der Abgrund daselbst, aus dem der Rauch hervorquillt, ist von einem Rand zum anderen zwei Bogenschüsse weit; den Grund in der Tiefe aber kann man nicht sehen. Am Rande haben meine Leute Schwefel gefunden, der mit dem Rauch immerfort herausgeworfen wird. Während sie wieder abstiegen, hörten sie einen starken Knall, und ein Regen von Steinen fiel dicht bei ihnen zu Boden, so daß sie in nicht geringer Gefahr waren. Die Indianer aber preisen die Ersteigung des Berges durch die Unsrigen als eine kühne Tat. Wie ich Eurer Kaiserlichen Majestät schon früher habe berichtet, sind die Bewohner des Festlandes klüger und fähiger denn die Völker auf den Inseln. Ihre Einsicht und ihre Erkenntnis gehen über das Mittelmaß hinaus, so daß es mich nicht tunlich dünkt, daß man sie in der nämlichen Weise behandelt wie die Indianer auf den Inseln. Wenn man sie jedoch gar nicht zu Knechten machen wollte, so vermöchte sich unser Regiment in Neu-Hispanlen nicht zu halten. Deshalb schlag ich vor, Eure Kaiserliche Majestät wolle befehlen, daß die Indianer den Hispaniern zugewiesen und von ihnen unterhalten werden. Auch Allerhöchstdero Räte und Amtsleute erachten es für notwendig, daß die Einwohner dieses Landes den Unsrigen zugeteilt werden, um die Hispanier für die Eurer Kaiserlichen Majestät hier geleisteten Dienste zu entschädigen, wohingegen ein jeglicher Hispanier den ihm überwiesenen Indianern alle Notdurft zu gewähren hat. Dies hab ich angeordnet auf den Rat und das Gutachten vieler angesehener Leute, die gute Kenner der hiesigen Sitten sind. Und ich glaube, eine bessere Ordnung kann nicht erfunden werden, um den Handel und Wandel der Hispanier wie der Indianer ersprießlich zu machen. Zu guter Letzt nun bitte ich demütigllch, Eure Kaiserliche Majestät möge in Gnaden auf meine Handlungen und Maßnahmen verfügen, was zu Allerhöchstdero Nutzen und Vorteil ist. Gott der Allmächtige aber schenk Eurer Kaiserlichen Majestät ein langes Leben. Er erhalte und mehre unser Reich. Geschrieben zu Kojohuakan in Neu-Hispanien am 15. Mai im Jahre des Herrn 1522. Eurer Kaiserlichen Majestät Diener und Untertan Ferdinand Cortes. Das Reich Mexiko und seine Hauptstadt Temixtitan Bericht elnes Offiziers aus dem Heere des Ferdinand Cortes, erhalten in einer italienischen Übersetzung Zu finden ln Giovanni Battista Ramusio, Raccolta delle Navigazioni e Viaggi, Venedig 1554ff., Bd. III, S. 254ff. Abgedruckt bei Barcia, Historiadores. , gedruckt 1529 Allgemeines Das Land Neu-Hispanien hat viel Ähnlichkeit mit Alt-Hispanien. Berge, Täler und Fluren sehen hier fast geradeso aus wie dort. Nur das Gebirge, das sich in langen Ketten hinzieht, ist höher und schroffer und nur sehr mühevoll zu ersteigen. Das Land hat große Flüsse und eine Menge schöner Quellen von süßem Wasser. Die Berge sind mit weiten Wäldern bedeckt, und in den Ebenen stehen hohe Pinien, Zedern, Steineichen und Zypressen. Ohnegleichen ist die Anmut der Hügel im Inneren des Landes. Von einem Meer bis zum anderen gehen diese Berge und Hügel, die von den Hispaniern noch lange nicht ganz erforscht sind. Neu-Hispanien besitzt Gold-, Silber-, Kupfer-, Zinn- und Eisengruben. Es bringt eine Menge Früchte hervor, die in ihrer äußeren Form mit den althispanischen Ähnlichkeit haben ihnen aber an Farbe und an Wohlgeschmack nicht nahekommen, obgleich es auch gute Sorten darunter gibt. Auch ihre Mannigfaltigkeit ist lange nicht so groß. Die Felder sind herrlich anzuschauen, die Weiden reich an vortrefflichen Kräutern, und das Gras reicht dem Fußgänger bis zum Knie. Der Boden ist sehr fruchtbar. Er bringt alles, was man darin sät, im Überflusse hervor, und an manchen Orten kann man im Jahre zwei-, ja dreimal ernten. Von den Tieren im Lande Der Tiere gibt es mancherlei in Neu-Hispanien, als da sind Tiger (der Jagua), Löwen (der Puma) und Wölfe; sodann Schakale, eine Art, die zwischen Fuchs und Hund in der Mitte steht, sowie andere, die ein Ding zwischen Wolf und Löwe sind. Die Tiger sind groß wie die Löwen und noch größer; auch sind sie wilder und stärker, und ihr Fell ist mit weißen Flecken bedeckt. Keines dieser Tiere fällt einen Hispanier an, aber mit den Indianern machen sie keine Umstände, sondern fressen selbige oft auf. Es gibt auch Hirsche, Füchse, Damwild, Hasen und Kaninchen in diesem Lande. Die (Bisam-)Schweine haben den Nabel auf dem Rücken. Unter den vielen übrigen Tieren ist eines (das Opossum), groß wie eine Katze, besonders merkwürdig. Es hat am Bauch einen Beutel, worin es seine Jungen verbirgt, um sich mit ihnen, wenn es Gefahr verspürt, auf die höchsten Bäume zu flüchten. Von den Leuten und Städten des Landes Der größere Teil von Neu-Hispanien hat viel Volk. Insbesondere in der Hochebene und im Gebirge findet man eine Menge ansehnlicher Städte. Die Häuser sind von Stein, Ziegeln, Kalk und Tonerde errichtet, alle mit Söllern versehen. An der Küste sind sie weniger stattlich, meist nur aus Brettern und an der Sonne getrockneten Ziegeln gebaut und mit Stroh gedeckt. In allen Orten waren ehedem schöne Moscheen mit gewaltigem Unterbau, darauf Kapellen, in denen die Götzen verehrt und ihnen Opfer dargebracht wurden. Man kann sagen, manche Stadt hierzulande hat ein besseres Aussehen denn in der Alten Welt, und die Hauptstraßen und die großen Marktplätze dürfen sich mit den abendländischen gar wohl messen. Von den Kriegsleuten, Waffen und Kriegsbräuchen Die Menschen in Neu-Hispanien sind ein wohlgestaltetes Volk von schlankem, fast hohem Wuchs. Ihre ebenmäßigen Gesichter haben die Farbe der Oliven. Ihre Körper sind geschmeidig und gewandt, der Anstrengung aller Art fähig. Insbesondere vermögen sie den Hunger leicht wie kein ander Volk zu erdulden. Der Neu-Hispanier ist kriegerisch und geht dem Tode mutig und gefaßt entgegen. Vor der Eroberung des Landes durch uns hatten die einzelnen Stämme und Städte unaufhörlich Krieg miteinander. Ihre Kriegsgefangenen aßen sie auf oder machten sie zu Leibeigenen. Wenn sich die Einwohner einer belagerten Stadt ergaben, ohne mit den Waffen Widerstand zu leisten, so wurden sie Untertanen der Sieger, ohne daß man sie irgendwie vergewaltigte; hatten sie sich aber gewehrt, so machte man sie sämtlich zu Sklaven. Das Kriegswesen der Eingeborenen besitzt eine gewisse Ordnung. Sie haben Oberste, unter denen Hauptleute mit Kompagnien von zwei- bis vierhundert Mann stehen. Jede Kompagnie hat eine Fahne, die dem Fähnrich in der Art auf dem Rücken befestigt ist, daß sie ihn an keiner Bewegung und auch nicht am Fechten hindert, ihm aber auch nicht abgenommen werden kann, ohne daß man ihn schier in Stücke haut. Wer sich im Krieg ausgezeichnet, erhält Ehrensold sowie Auszeichnungen und Belohnungen, und wer sich durch eine besonders kühne Tat hervorgetan, wird, selbst wenn er unfrei war, nicht nur zum Offizier befördert und mit einem ansehnlichen Lehen beschenkt, sondern auch von jedermann und bei allen Gelegenheiten im ganzen Lande fast wie ein Fürst geehrt. Damit er nun von jedwedem sofort als Held erkannt wird, trägt er sein Haar auf besondere Art. Hüte hat man nämlich für gewöhnlich hierzulande nicht. Zeichnet sich ein also Ausgezeichneter durch eine neue Kriegstat aus, so wird das erste Abzeichen um ein zweites vermehrt und sein Lehen durch eine neue Schenkung an Land und Leibeigenen vergrößert. Zu ihrem leiblichen Schutze tragen die Krieger lange Wämse, die anderthalb bis zwei Finger dick mit Baumwolle gesteppt sind. Darüber haben sie eine Art Schürze, die hinten festgebunden wird, aus grober Leinwand, über und über mit Federn in den verschiedensten Farben bedeckt, was gar prächtig anzusehen ist. Die Kompagnien unterscheiden sich in den Hauptfarben dieser Federn voneinander, indem die eine Kompagnie vor allem weiße, eine andere rote, eine dritte gelbe, eine vierte blaue Federn an ihren Schürzen hat. Die Hauptleute und die Vornehmen tragen darüber noch eine Art Küraß, von Gold oder Silber überzogen. Beides gewährt Schutz gegen Wurfspieße und Pfeile, ja sogar einigermaßen gegen Degenstöße und Lanzenstiche. Auf dem Kopfe tragen die Krieger eine Art Helm von der Gestalt eines Schlangen-, Löwen-, Tiger- oder Wolfskopfes mit offenem Rachen, in den der Mann sein Haupt so hineinsteckt, als hätte das Tier ihn eben mit den Zähnen gepackt, um ihn zu verschlingen. Diese Helme sind aus Holz, mit goldenen Platten überzogen und mit Edelgestein besetzt; oben darauf ist ein Federbusch befestigt, so daß das Ganze einen stattlichen Eindruck macht. Die Schilde, die sie führen, sind verschieden. Meist bestehen sie aus starken Rohrstäben, die mit dicken Schnüren aus Baumwolle zusammengeflochten und mit Federn und runden Goldplatten bedeckt sind. Es gehört schon eine tüchtige Armbrust dazu, wenn man einen solchen Schild durchschießen will. Aber auch wenn ein Pfeil hindurchgeht, so wird doch die rechte Gewalt des Schusses genommen. Man hat Schilde nach Hispanien gebracht, aber es waren keine, wie sie die Indianer im Kriege gebrauchen, sondern nur solche, die sie bei ihren Festen und Tänzen tragen. Als Trutzwaffen haben sie Schwerter, Bogen mit Pfeilen, sowie Wurfspieße und Stockschleudern. Die Wurfspieße haben eine starke und haarscharfe Spitze aus hartem Stein (Obsidian) oder auch aus Fischknochen. Manche haben drei Spitzen, so daß sie mit einem Male drei Wunden verursachen. Die Schwerter werden mit beiden Händen geführt. Sie sind aus schwerem Holz gefertigt, nicht gar lang, aber drei Zoll breit und haben in der Schneide einen Spalt, in dem Zähne aus Feuerstein (Obsidian) befestigt sind, so scharf geschliffen wie die Rasiermesser von Tolosa. Ich hab es mit eigenen Augen gesehen, wie einmal ein Indianer in einem Gefecht dem Pferd eines Ritters mit einem solchen Schwert einen Hieb ln die Brust versetzte, der dem Leben des Tieres im Augenblick ein Ende bereitete. Ein andermal stürzte eins unserer Rosse, von einem einzigen Hieb in den Hals getroffen, auf der Stelle tot nieder. Mit ihren Schleudern werfen sie erstaunlich weit. Die meisten Kriegsleute sind mit allen diesen Waffen zugleich ausgerüstet und gebrauchen eine um die andere. Es gewährt einen herrlichen Anblick, wenn sie in voller Kriegsrüstung heranmarschieren. Sie halten die beste Ordnung und sehen in ihrem Waffenschmuck allesamt gar heldenhaft aus. Es gibt unter ihnen ungemein tapfere Männer, die sich aus dem Tode nicht das geringste machen. Ich hab einmal zugeschaut, wie sich einer gegen zwei unserer leichten Reiter wehrte, und ein andermal einen, der sich drei, ja vier Reiter über eine Stunde lang vom Leibe hielt. Als sie mit ihm nicht fertig wurden, warf einer voll Ärger seine Lanze nach ihm; aber der Tapfere fing sie mit der Hand auf und schlug sich noch so lange mit seinen Gegnern herum, bis zwei Fußknechte herzukamen, die ihn erst verwundeten und dann niederstießen, wobei der eine ihn von vorn faßte und der andere von hinten. Im Gefecht tanzen und singen die Indianer ohn Unterlaß. Hin und wieder erheben sie obendrein ein entsetzliches Geheul und Gepfeif, und wer dieses Lärmen und wilde Gebaren noch nicht gewohnt ist, der kann sich der Furcht kaum erwehren. Übrigens sind sie im Krieg ohne jede Barmherzigkeit. Sie lassen keinem Feinde das Leben und morden die schönsten Frauen, um sie hernach aufzufressen. Können sie die Beute, die sie gemacht, nicht fortschleppen, so wird sie verbrannt. Nur Edelleute dürfen nicht sofort umgebracht werden. Sie werden wohl bewacht und zu einem besonderen barbarischen Brauch aufgespart. In der Mitte des Marktplatzes eines jeden Ortes ist nämlich eine Art Pyramide von anderthalb Manneshöhe aus Stein aufgemauert. Hinauf zu ihrer Plattform führt eine Treppe, und oben in der Mitte sieht ein Steinblock mit einer Höhlung darin. An diesen Stein wird der Gefangene mit einem langen Seil an einem Fuß angebunden. Man gibt ihm ein Schwert und einen Schild in die Hände,und nun muß er mit denen, die ihn gefangen haben, einen neuen Kampf bestehen. Bleibt dabei der, der in der Schlacht zuletzt mit ihm fertig geworden war, nochmals Sieger, so gilt dies für eine große Tat, die fortan durch ein tragbares Abzeichen geehrt wird. Behält aber der Gefangene die Oberhand und ist er mit sechs anderen Streitern, die nach dem ersten den Kampf mit ihm fortsetzen müssen, ebenso glücklich, so wird er frei, und es muß ihm alles wiedergegeben werden, was man ihm im Gefecht abgenommen hat. Einmal hatte das Heer des Volkes von Huexozinko Krieg mit dem von Tula. Da geschah es, daß der Fürst der Tulaner in der Hitze des Gefechts von den Seinigen abkam und so tief in die Feinde eindrang, daß er trotz aller Wunder seiner Tapferkeit am Ende von der Menge überwältigt und gefangen genommen wurde. Die Krieger von Huexozinko führten den Gefangenen im Triumph nach ihrer Stadt, wo er auf die beschriebene Weise den Kampf mit sieben der tapfersten Männer bestehen mußte und auch mit allen sieben fertig wurde. Die gewaltige Tapferkeit dieses Fürsten versetzte das Volk von Huexozinko in einen derartigen Schrecken, daß sie zu fürchten begannen, er werde, wieder frei, nicht ruhen, bis er alle Huexozinkaner von der Erde vertilgt habe. Sie beschlossen daher, ihn umzubringen, und führten solches auch aus. Dadurch luden sie aber eine solch schwere Schande und Schmach auf sich, daß sie alsbald allerorts als ein unehrliches und wortbrüchiges Volk verschrien waren, mit dem niemand zu tun haben wollte. Von der Kleidung der Männer und Frauen Zum gewöhnlichen Anzug der Männer gehört ein Umhang aus Baumwollenzeug, mit allerhand Fransen und Troddeln geziert. Jedermann besitzt zwei bis drei solcher Mäntel, die vorn am Hals festgemacht werden. Im Winter trägt man einen pelzartigen Rock aus ganz feinen Federn. Dieser Stoff, der fast wie unser Hutfilz aussieht, wird in den verschiedensten Farben, Rot, Schwarz, Weiß, Braun oder Gelb, gefertigt. Den Hintern und das Mannsglied bedeckt man mit einem Stück buntfarbigem Tuch, das unseren großen Sacktüchern ähnelt, die man auf der Reise um den Kopf bindet. Dieses Tuch ist verbrämt und mit kleinen Quasten verziert, und es wird derartig umgebunden, daß eine Ecke nach vorn und eine andere nach hinten zeigt. Die Schuhe hierzulande haben wie die Sandalen kein Oberleder, sondern nur Sohlen mit überaus zierlichen Absätzen, sie werden durch Bänder, die zwischen den Zehen hindurch nach dem Knöchel zu laufen, und durch Knöpfe gehalten. Das Haupt der Männer bleibt immer bloß, außer im Kriege oder bei Tänzen und Festen. Das Haar wird lang getragen und in Zöpfe geflochten. Das Kleid der Frau besteht in einer Art von Hemd ohne Ärmel, das lang und weit und mit allerlei Stickereien, Fransen und Quasten verziert ist. Es sieht sich gut an. Solcher Hemden werden oft zwei, drei, ja vier, von verschiedener Arbeit, übereinander getragen, wobei immer eines länger ist als das andere. Unter dem Hemd fällt ein feingearbeiteter Rock von einfarbigem wollenem Zeug vom Gürtel bis auf die Knöchel herab. Den Kopf tragen auch die Frauen unbedeckt, besonders in den kälteren Gegenden. Ihr langes schwarzes oder braunes Haar hängt frei auf die Schulter herab, was ihnen im Verein mit ihrem schmucken Kleid reizend steht. In den heißen Strichen des Landes, besonders an der Küste, kommt dazu ein Schleier von sonnengelber Farbe. Von einem merkwürdigen Stoff in Neu-Hispanien Es gibt in diesem Lande ein Garn, das aus den feinsten Bauchhaaren der Hasen und Kaninchen in hoher Vollkommenheit gesponnen wird. Aus diesem Garn, das gefärbt wird, verfertigen die Indianer einen Stoff, der so fein und schön ist wie unsere Seidenzeuge. Obendrein verliert er seine Farbe beim Waschen nicht und ist ungemein haltbar. Von der Nahrung des Volkes Das Brot der Indianer wird aus Mais bereitet, der hier zu einem sehr hohen Rohr aufschießt und meist zwei oder drei Kolben trägt. Beim Backen verfährt man auf folgende Weise: Man setzt einen großen Topf mit Wasser ans Feuer, bis es siedet. Alsdann läßt man das Feuer ausgehen, wirft die Maiskörner in das kochende Wasser und streut ein wenig Kalk darüber. Am anderen Tage oder überhaupt wenn das Wasser ganz kalt geworden ist, wird es abgegossen. Sodann werden die Körner immer wieder mit frischem Wasser abgewaschen, bis sie völlig rein sind. Hierauf mahlt man sie zwischen eigens dazu verfertigten Steinen und rührt das Mehl mit Wasser zu einem Teig, der tüchtig durchgeknetet und zu Broten geformt wird, die schließlich in Ofen aus Ziegeln gebacken werden. Man verzehrt sie neubacken, dieweil sie warm am schmackhaftesten sind. Zuweilen macht man aus dem Teig auch eine Art Klöße, die in Kräuter gewickelt, in einem fest zugedeckten Topfe mit wenig Wasser gedämpft werden. Es gibt hierzulande viel Hühner (Truthühner) von der Größe unserer Pfauen; auch drei oder vier Arten Wachteln, deren einige wie die Feldhühner aussehen; ferner wilde und zahme Gänse und Enten verschiedener Art in großem Überfluß. Die Federn dieser Vögel werden von Zeit zu Zeit ausgerupft, gefärbt und zu allerlei Schmuck verarbeitet. Hierzu werden auch die Federn der Papageien genommen, die man in allen Häusern findet. In etlichen Gegenden des Landes gibt es Hirsche, Rehe, Hasen und Kaninchen in großer Menge. Man macht Jagd auf sie, denn ihr Fleisch ist beliebt. In den Gärten werden allerlei Sorten von Kräutern gezogen, die roh oder in der Suppe oder als Gemüse gekocht gegessen werden und zur täglichen Nahrung der Indianer gehören. Alle Speisen werden mit einer Pfefferart gewürzt, die man Chilli nennt. Übrigens lebt man von erstaunlich wenig Nahrung, und es gibt vielleicht kein Volk auf der Erde, das mit so Wenigem vorliebnimmt. Nur die Vornehmen führen eine kostbare Tafel, reich an vielerlei Fleisch, vortrefflichen Fischen, Gemüsen, Pasteten, Kuchen und Früchten. Die Speisen werden auf Platten und in Schüsseln auf Geflechten aus Palmenblättern aufgetragen. Geflochtene Matten findet man überhaupt in allen Wohnungen; ebenso eine Art Sessel, die nur einen Fuß Höhe haben. Beim Essen wird jedem Gast ein baumwollen Tuch gereicht, um sich Mund und Hände damit abzuwischen. Zwei oder drei Tafelmeister bedienen. Die Herrschaften essen, was ihnen behagt, und geben den Rest der Gerichte ihren Untertanen, die ihnen bei Tisch ihre Aufwartung machen. Von den Getränken in Neu-Hispanien Es gibt verschiedene Getränke hierzulande. Das vornehmste und beste ist die sogenannte Schokolade, ein Trank, der aus den Kakaobohnen bereitet wird. Der Baum, an dem diese Frucht wächst, ist empfindlicher als alle anderen Bäume und gedeiht nur in heißen Gegenden und auf schwerem Boden, und auch da zieht man erst zwei andere Bäume mit großen Blättern bis zur Höhe von zwei Mannslängen hoch, ehe man den Kakaobaum dazwischenpflanzt, der von seinen beiden Nachbarn vor Wind und Sonne geschützt werden muß. Dieser Baum wird umso höher geachtet, da die Bohnen seiner Frucht die Hauptscheidemünze im ganzen Lande bilden und jede etwa einen halben Maravedi gilt. Das ist übrigens eine unbequeme Münze. Solche aus Silber oder Gold sind für den Verkehr viel geeigneter und werden auch bei größerer Zahlung meist gebraucht. Um ein Getränk daraus zu machen, zerreibt man die Kakaobohnen mit anderen kleinen Gewürzkörnern und schüttet die Masse in einen Topf, der eine Schnauze hat. Man mischt Wasser dazu, rührt alles wohl um und gießt es so lange aus einem Topf in einen anderen über, bis sich ein dichter Schaum bildet, den man in ein besonderes Geschirr abschöpft. Vor dem Trinken rührt man die Schokolade mit einem kleinen Löffel aus Gold, Silber oder Holz ordentlich um. Dies Getränk ist ungemein gesund und nahrhaft. Wenn man eine Schale davon zu sich genommen hat, kann man einen ganzen Tag lang reisen, ohne weiteres Essen zu bedürfen. Es bekommt dem Menschen besser bei warmer als bei kalter Witterung, denn es ist seiner Natur nach ein kühlendes Getränk. Ein anderes Getränk kommt von einem staudenartigen Gewächs mit großen, schweren, armlangen Blättern, aus deren Mitte ein zwei bis drei Mann hoher ziemlich dicker Stamm aufschießt und zu einer gewissen Jahreszeit unten angebohrt wird. Daraus ergießt sich ein Saft, der in Gefäßen von Baumrinde gesammelt und etliche Tage darauf getrunken wird. Dieses Getränk genießen die Indianer in solchem Übermaß, daß sie oft bewußtlos umfallen, und es gilt für eine Ehre, wenn einer recht viel davon trinken kann. Im übrigen ist die besagte Staude recht nützlich, dieweil man Wein, Essig und Honig aus ihrem Saft, aus den Fasern der Blätter aber Leinwand zu Kleidern, Stricke und Schuhe, und schließlich aus den Stacheln Nadeln macht, auch die ganzen Blätter zum Dachdecken gebraucht. Diese Staude ist der Weinstock des Landes. Sie heißt Maguei ( Agave americana ). Aus ihren Blättern wird in niedrigen Öfen noch ein anderes, auch stark berauschendes Getränk hergestellt. Ein drittes Getränk wird aus den Körnern einer Frucht bereitet, die Chicha heißt. Von der Staatsverfassung und den Gesetzen Die Völker hier standen unter einem großen Fürsten, einem Sultan oder Kaiser. Selbiger hatte wieder andere Gewalthaber unter sich gleich unseren Königen, Herzogen, Grafen, Statthaltern und Rittern. Die Fürsten ließen ihre Besitzungen durch Stellvertreter und Beamte verwalten und waren so sehr gefürchtet und geehrt, daß ihnen, um den Göttern gleich geachtet zu sein, nichts als die förmliche Anbetung fehlte. Die Gerechtigkeit ward mit solcher Strenge gehandhabt, daß auf dem geringsten Verbrechen die Strafe des Todes oder der Leibeigenschaft stand. Diebstahl und Mord waren strengstens verpönt, besonders der Felddiebstahl, und es brauchte einer nur drei oder vier Maiskolben von des Nachbars Felde genommen zu haben, so wurde er zur Strafe der Sklave des Bestohlenen. Verrat am Land und Vergehen gegen den Herrscher wurden mit dem Tode des Missetäters und seiner ganzen Verwandtschaft bis ins vierte Glied geahndet. Von dem Gottesdienst und den Tempeln der Mexikaner Die Mexikaner hatten vor der Eroberung für ihre Götzen überaus große und prächtige Tempel, in denen gebetet, geopfert und überhaupt ein vollständiger Gottesdienst abgehalten wurde. Alles dies lag einer besonderen Kaste ob, mit ähnlichen Würdenträgern, wie bei uns die Bischöfe, Domherren usw. sind. Sie wohnten in den Tempeln selbst, die zu diesem Zweck mit gar geräumigen und trefflich eingerichteten Wohnungen versehen waren. Hier wurden auch die Söhne der Vornehmen erzogen und unterrichtet. Sie verblieben daselbst, bis sie sich verheirateten. Die Tempel oder Moscheen besaßen ihre eigenen Einkünfte, aus denen der Unterhalt der ihnen zugehörigen Priester und Mönche bestritten wurde. Die Götzen waren Standbilder von der gewöhnlichen Menschengröße, aus einer Masse geformt, die aus den Körnern aller eßbaren Bodenfrüchte des Landes bestand und mit dem Herzblut von Menschen zusammengeknetet war. Sie saßen auf einer Art von Thron, trugen Schild und Schwert in den Händen und waren in turmartigen Kapellen oben auf den Tempelpyramiden aufgestellt. Die Tempel selbst waren auf folgende Welse erbaut. Zuerst führte man ein Viereck in einer Länge von 150 und mehr Schritten und einer Breite von 115 bis 120 Schritten auf. Dasselbe ward massig und bis zu doppelter Mannslänge hoch mit Kalk aufgemauert. Auf dieses Geviert setzte man ein zweites von gleicher Höhe, aber von geringerem Umfang, so daß es auf drei Seiten einen Raum von zwei Schritten Breite freiließ. Auf diesen Würfel wurde wieder ein dritter gesetzt, und man fuhr auf solche Weise fort, so hoch, daß die Treppen, durch die die verschiedenen Stufen der Pyramide miteinander verbunden waren, l20 bis 130 Stufen hatten. Auf dem höchsten Stockwerk war eine geräumige Plattform, in deren Mitte zwei schon erwähnte turmförmige Kapellen standen, die zehn bis zwölf Mannslängen Höhe und nach oben Fenster hatten. In diesen Türmen nun waren die Götzen aufgestellt, und die Hallen, darin sie standen, gar kostbar ausgeschmückt. Die Hauptmoschee ln der Stadt Mexiko schildert Prescott (I, 493f.): Der große Teokalli nahm mit seinen Nebengebäuden die große Bodenfläche ein, auf der heutzutage die (1759–1792 erbaute) Kathedrale, ein Teil des Marktplatzes und einige anstoßende Straßen liegen. Wahrscheinlich ist diese Stelle seit der Gründung der Stadt immer zum gleichen Zwecke bestimmt gewesen. Der 1519 stehende Tempel war vom Könige Ahuitzotl errichtet und 1436 angeblich unter Hekatomben von Menschenopfern eingeweiht worden. Die weite Fläche, in deren Mitte er stand, war umschlossen von einer ungefähr acht Fuß hohen Mauer aus Stein und Lehm, die auf der Außenseite mit Schlangenbildnissen in halberhabener Arbeit geschmückt war, wovon sie den Namen Schlangenmauer erhalten hatte. Die Mauer bildete ein Viereck, unterbrochen von vier riesigen burgartigen Toren, durch die man in die vier Hauptstraßen der Stadt gelangte. Der Tempel selbst war eine Pyramide aus Erde und Kieselsteinen, nach außen mit behauenen Steinplatten belegt. Wahrscheinlich bildete der Grundriß ein gleichseitiges Viereck, die Seiten nach den vier Weltgegenden gewandt. Der Bau gliederte sich ln fünf Stockwerke, jedes immer geringer in seiner Masse als das darunter. Außen führte eine breite Treppe empor; zunächst vom Erdboden um das unterste Stockwerk herum zu dessen oberer Fläche. Von da ging sie wiederum um den Bau herum bis zur oberen Fläche des zweiten Stockwerks. So mußte man viermal um die Pyramide steigen, bis man auf die Plattform gelangte, auf der die Kapellen standen, die das letzte Stockwerk bildeten. Der langsam aufsteigende Zug der Priester in ihren (roten) Prunkgewändern, unter wilder Musik, auf diesen breiten Freitreppen entlang der Riesenmauern, muß auf die von unten zuschauende Menge gewaltigen Eindruck gemacht haben. Die Größenverhältnisse des Baus sind nicht genau bekannt. Vermutlich betrug sein unterster Grundriß 300 Geviertfuß; und da die Eroberer von 114 Stufen berichten, so ist er wahrscheinlich nicht ganz 100 Fuß hoch gewesen. (1 Fuß = 0,325 m). In den Raum aber, wo der Hauptgötze seinen Platz hatte, durfte niemand anderes eintreten als der Oberpriester. An jedem Feste, das diesen Götzen zu Ehren gefeiert wurde, schlachtete man eine Menge von Männern, Frauen und Kindern, und bei allem öffentlichen Unglück, z.B. wenn große Dürre auf dem Land lag oder wenn zu viel Regen fiel oder wenn der Staat von Feinden hart bedrängt war, stellte man solche Opfer an. Bei den Menschenopfern verfuhr man auf folgende Weise. Die Unglücklichen, die man hierzu bestimmt hatte, wurden festlich aufgeputzt und unter großer Feierlichkeit und Freudenlärm durch alle Straßen und Plätze herumgeführt. Unterwegs vertraute ihnen jeder, der ihnen begegnete, seine Wünsche und Bedürfnisse an, damit sie solche dem Gott vortrügen, vor dessen Thron sie doch nun kommen sollten, um ihre Erfüllung zu bewirken. Dafür reichte man ihnen etwas zu essen oder machte ihnen sonst ein Geschenk, so daß sie von diesem Umzuge durch die Stadt eine Menge Sachen in den Tempel brachten, die alsdann den Opferpriestern zufielen. Nach der Rückkehr stellte man Feste und Tänze an, wobei den armen Schlachtopfern aufs neue alle mögliche Ehre widerfuhr. War auch diese Freude vorbei, so entkleidete der Oberpriester einen nach dem anderen und führte jeden einzeln auf die Plattform des Tempels, wo vor den Türmen ein steinernes Götzenbild stand. Hier wurde der Unglückliche auf den Rücken gelegt und mit Händen und Füßen festgebunden. Man fing von neuem an, um ihn herumzutanzen und ihm allerlei Aufträge an den Gott mitzugeben. Endlich trat der Opferpriester, der kein geringes Ansehen unter den übrigen Pfaffen genoß, herbei, schlitzte dem Ärmsten mit einem scharfen Messer von Stein die Brust auf, wobei er vorher und darnach kreuzartige Zeichen machte, riß ihm das noch warme und zuckende Herz heraus und reichte es dem Oberpriester dar. Dieser drückte das blutige Herz an den Mund des Götzen, spritzte einige Tropfen gegen die Sonne oder, wenn es Nacht war, gegen die Sterne, sprengte auch den übrigen Götzen Blut in den Mund und bestrich schließlich das Türgesims der Kapelle des Hauptgötzen. War diese heilige Handlung vorbei, so verbrannte man das Herz und bewahrte die Asche davon als Reliquie. Desgleichen wurden auch gewisse andere Körperteile des Schlachtopfers verbrannt und die Asche gleichfalls, jedoch von der ersten abgesondert, aufgehoben. Übrigens waren diese Opferfeiern in den einzelnen Landschaften des Landes verschieden; ebenso gab es in den Gegenständen der Gottesverehrung Abweichungen. In einigen Gegenden wurde die Sonne, in anderen der Mond und die Sterne, auch Schlangen, Löwen und andere wilde Tiere göttlich verehrt. Von all diesen Gegenständen hatte man Darstellungen und Standbilder in den Tempeln. In manchen Gegenden, besonders am Panuko, betete man das Mannesglied an. Abbilder davon sah man nicht nur im Tempel, sondern auch auf den öffentlichen Plätzen. Daneben waren alle Arten der Fleischesvermischung von Mann und Weib greifbar abgebildet. In der Gegend am Panuko sind die Einwohner überhaupt der Völlerei stark ergeben. Wenn sie keinen Wein mehr durch die Kehle jagen können, heben sie die Beine hoch und lassen sich durch ein Rohr Wein in den Hintern gießen, was fürwahr eine ergötzliche Art ist zu zechen. Die Frömmigkeit der Indianer ging bis zum Wahnwitz. Es geschah nicht selten, daß sich Leute freiwillig zur Opferung anboten. Viele brachten sich auch selber Wunden an den Armen und Beinen, an den Ohren oder an der Zunge bei und opferten das Blut daraus den Göttern. An den Landstraßen standen kleine Kapellen, in denen die Reisenden derartige Blutopfer darbrachten. Auch auf der Höhe der Gebirge gab es welche, die weit und breit als heilige Orte galten. Von den Städten des Landes Wir fanden in Neu-Hispanien große Städte. Unter ihnen ragt Tlaskala hervor, eine Stadt, die in manchen Stücken mit Granada, in anderen aber mit Segovia Ähnlichkeit hat, nur viel stärker bevölkert war. Sie wurde von einem Hohen Rat beherrscht, gebildet von Vornehmen, unter denen einer die höchste Gewalt besaß. Auch gab es einen General für die Kriegsangelegenheiten. Sechs Stunden von Tlaskala trifft man in der Ebene eine andere ansehnliche und schmucke Stadt (Cholula), die an Valladolid erinnert und in der ich 190 Türme auf den Tempeln und Palästen gezählt habe. Auch dieser Ort bildete einen eigenen Staat und wurde von 27 Würdenträgern verwaltet, unter denen zu meiner Zeit einer in besonderem Ansehen stand. Er war 120 Jahre alt und wurde immer in einer Sänfte herumgetragen. Diese Stadt liegt überaus anmutig; das Land darum ist mit Obstbäumen, besonders Kirschen- und Apfelbäumen, und mit Maisfeldern ganz bedeckt. Sechs Stunden von da findet sich eine dritte Stadt namens Huexozinko, am Abhange eines Gebirges gelegen, die Ähnlichkeit mit der Stadt Burgos hat. Sie machte wiederum einen eigenen Staat aus, der ähnlich verwaltet ward. Auch hier ist die Umgegend herrlich; Ebenen und Hügel wechseln sich ab, in Schönheit und Fruchtbarkeit miteinander wetteifernd. Die Berge und der große See von Mexiko Die Hauptstadt Temixtitan ist von allen Seiten von Bergen umgeben, ausgenommen gegen Norden und Osten. Etliche davon sind rauh und schroff, besonders der Popokatepetl im Süden, ein hoher Spitzkegel. Auf seinem Gipfel ist eine tiefe Grube von einer Viertelstunde Umfang, aus der bei Tag und bei Nacht dicker Rauch emporgeht, der sich auch beim stärksten Winde nicht eher verteilt, als bis er die niedrigsten Wolken erreicht hat. Dieser Berg liegt 11 Meilen von Temixtitan. Andere, ebenso hohe Gebirge sind sieben bis zehn Meilen entfernt, alle den größten Teil des Jahres hindurch mit Schnee bedeckt. Der Popokatepetl (zu deutsch: der rauchende Berg) ist 5450 m hoch, 56 km von der Hauptstadt entfernt; der Citlaltepetl (der Sternberg) 5594 m; Istaccihuatl (die weiße Frau) 5280 m. Die übrigen Berge in der Nachbarschaft sind nur Hügel, geschmückt mit Hainen von Pinien und Steineichen. Im Tale von Mexiko liegen zwei große Seen, insgesamt mit einem Umkreis von dreißig Stunden und mehr. Sie sind durch eine Landenge voneinander getrennt. Der südliche ist mit Süßwasser, der nördliche mit Salzwasser angefüllt. In dem See, der das süße Wasser enthält, wächst viel Schilf. Auch liegen auf Inseln darinnen anmutige Ortschaften, wie Kuernavaka, ein kleines Venedig; ferner Mizkiz und Kojohuakan, alle drei ganz ansehnliche Städte; Xotschimilko, eine etwas größere Stadt, von der ein Teil auf das feste Land hinüberreicht, sodann Hizilopozko und Mexikalzinko, dieses zwischen den beiden Seen gelegen. Der Süßwassersee hat eine längliche Form, der Salzsee aber ist beinahe rund. In beiden gibt es allerhand Fische. Von der Hauptstadt Temixtitan Die große Stadt Temixtitan steht im Salzwassersee, und zwar nicht ganz in seiner Mitte, sondern mehr dem westlichen Gestade zu, wo ihre Häuser dem Lande bis etwa auf eine Viertelstunde nahe kommen. Sie mag dritthalb bis drei Meilen im Umkreis haben, und die meisten, die sie zur Zeit der Eroberung gesehen haben, schätzen die ehemalige Zahl der Einwohner auf mindestens 300000 Menschen in etwa 60 000 Häusern. Ramusio druckt hier »60 000 Einwohner« statt »60 000 Häuser«, wie in der verlorenen Urschrift gestanden haben mag. Nach Prescotts Meinung (I, 491, Anm. 12) muß sich der Übersetzer geirrt haben. Der Darsteller widerspräche sich sonst selbst, da er bei seiner Schilderung des Marktverkehrs (S.337) von 40 000 bis 50 000 Menschen berichtet. Die Einwohnerzahl 300 000 ist mehrfach überliefert. Mit ihr stimmen die auf S. 41 angeführten Verluste der Stadt während der Belagerung (117 000 bzw. 240 000 Menschen) völlig überein. Drei gepflasterte Dammstraßen, jede über dreißig Schritte breit, führen vom Land bis in die Mitte der Stadt. Die längste von ihnen durchschneidet den See in einer Länge von zwei Meilen. Der Nord- und der Süddamm treffen im Mittelpunkt der Stadt zusammen, so daß sie als eine einzige Straße anzusehen sind. Die dritte hat, soweit sie durch das Wasser geht, nur eine Viertelmeile Länge; sie reicht aber noch dreiviertel Meilen in das Land hinein und führt der Stadt aus dieser Entfernung eine Wasserleitung zu mit vortrefflichem Trinkwasser. Ihr Ursprung befindet sich auf einem Hügel, genannt Chapultepek (Heuschreckenberg), an dessen Fuß das Wasser zunächst in einen tiefen Teich fließt und von da aus in die Stadt. Die Stadt hat schöne, breite Straßen, unter denen zwei oder drei als die Hauptstraßen gelten können. Alle übrigen gehen auf Backsteinbau neben den Wassergräben hin, die kreuz und quer durch alle Viertel laufen, so daß die Einwohner von ihren Häusern aus zu Land wie zu Wasser überallhin kommen können. Letztes geschieht in Kähnen, die aus ausgehöhlten Baumstämmen hergerichtet sind. Es gibt darunter so große, daß fünf Leute bequem darin Platz haben. Eine Anzahl Gassen der Stadt sind nur Wasserwege, so daß man hier allein auf Kähnen an die Häuser gelangt. In gleicher Art erbaut sind auch die anderen Ortschaften an den Seen und auf den Inseln des Süßwassersees. In der Stadt gab es und gibt es noch überaus schöne und große Plätze, auf denen alle Bedürfnisse zum Leben zu Verkauf stehen. Der ansehnlichste darunter war der sogenannte Tianquiz, ungefähr dreimal größer als der große Platz in Salamanca. Er war rings mit Säulengängen umzogen. Hierher kamen täglich 20 bis 25000 Menschen, um zu kaufen und zu verkaufen, und zu den Hauptmärkten, die aller fünf Tage stattfanden, sogar 40 bis 50000 Menschen. Temixtitan hatte eine Menge großer und prächtiger Tempel, in denen die Götzen des Landes verehrt und Menschenopfer dargebracht wurden. Die Hauptmoschee war ein wunderbarer Bau von riesigem Umfange. In ihrem gesamten Bezirk hätte eine kleine Stadt Platz finden können. Der weite Hof darum hatte vier Haupttore, jedes eine Art Burg, angefüllt mit allerlei Waffen und Kriegsgerät. Alle vier zusammen waren gleichsam das Zeughaus des Sultans. In der Stadt lag eine Besatzung von 10 000 Mann, lauter auserlesene Leute, die Leibwache des Fürsten, die ihn überallhin begleitete und auch die Ruhe und Ordnung in und um die Stadt aufrecht hielt. Die Vornehmen besaßen große, schöne Paläste mit weiten prächtigen Gärten daran. Ich habe einen solchen Palast viermal besucht und mich jedesmal darin müde gegangen, ohne alles darin betrachtet zu haben. Alle diese Paläste waren in der Art gebaut, daß die weitläufigen Gemächer und Säle einen Hof umschlossen. Ich habe einen Saal gesehen, in dem mehr denn 3000 Menschen Platz fanden und auf dessen flachem Dache sich 30 Reiter hätten tummeln können. Die Stadt selbst hatte einen länglichen Grundriß. In ihrer Mitte standen die große Moschee sowie die Paläste des Sultans und der Vornehmsten. Etliche Eigentümlichkeiten der Mexikaner Die Mexikaner sind ungemein kluge, anstellige und betriebsame Leute. In jeglichem Handwerk und Gewerbe haben sie Meister, die eine Sache nur anzusehen brauchen, um sie alsbald nachzubilden. Aus den Weibern machen sie sich weniger denn irgendein anderes Volk. Ihnen gegenüber sind sie nicht mitteilsam, selbst wo es ihr Nutzen wäre. Obgleich Vielweiberei Sitte ist, so herrscht doch in jedem Hause nur eine Frau, deren Kinder das Vermögen der Familie ungeteilt erben, so daß die übrigen Kinder des Hauses im Grunde nur Bastarde sind und als solche behandelt werden. Die Toten werden in der Erde begraben, in Grüften aus Stein und Mörtel, wo sie auf Stühle gesetzt werden. Jeder Verstorbene bekommt sein Schwert, seinen Schild und Kostbarkeiten mit. Ich bin zugegen gewesen, wie ein solches Grab erbrochen wurde. Man fand 3000 Pfund Gold darin. Auch stellt man den Toten Speisen und Getränke hin, für mehrere Tage bemessen. Die Frauen erhalten statt der Waffen Spinnrocken und anderes Hausgerät. Mitunter auch verbrannte man die Toten und begrub nur die Asche. Der Genuß von Menschenfleisch war in Mexiko und in den benachbarten Gebieten allgemein Sitte. Man zog es jedwedem anderen Gericht vor. Oft haben die Stämme untereinander Krieg geführt, nur um sich einmal an Menschenfleisch recht gütlich zu tun. Aus den Denkwürdigkeiten des Feldhauptmanns Bemal Diaz del Castillo Einer, dem ich mein Buch zu lesen gegeben, hat gemeint, daß ich bei der Erzählung der Kriegsvorfälle, die ich miterlebt, meine eigene Person allzusehr habe herausgestrichen und ich es besser anderen überlassen hätte, davon zu reden. Darauf erwidere ich folgendes. In einem an Seine Majestät den Kaiser im Jahre des Herrn 1540 von Mexiko aus gerichteten Schreiben hat der Markgraf (Cortes) mich und meine Dienste in seinem Heere selbst erwähnt und daß ich bereits an den beiden Unternehmungen teilgenommen hatte, die seinem eigenen Zuge nach Neu- Hispanien vorausgegangen waren. Er spricht dabei als Augenzeuge von meinem Verhalten in den vielen Schlachten und Gefechten in Mexiko, von meiner Tapferkeit bei der Erstürmung so mancher Stadt und von den vielen Wunden, die ich in jenen heißen Tagen empfangen; und das ich später auch seinen Feldzug nach Honduras habe mitgemacht und von vielen Umständen, die ich hier in der Kürze nicht alle anführen mag. In gleicher Weise hat sich auch der Vizekönig von Neu-Hispanien, Don Antonio von Mendoza, im Bericht an Seine Majestät über die damals im Dienst stehenden Offiziere ausgesprochen, völlig in Übereinstimmung mit den Äußerungen des Markgrafen. Schließlich hab ich auch 1540 dem Königlichen Rat von Indien persönlich genügende Beweise zu besagten beiden Beurteilungen vorgelegt. Sollte man jedoch mit dem Allem nicht zufrieden sein, so vermag ich noch einen anderen Zeugen anzuführen, einen gewichtigeren als sonstwen in der ganzen Welt: Seine Majestät, unseren Herrn und Kaiser höchstselbst, der in einer mit seinem kaiserlichen Siegel versehenen Urkunde verfügt hat, daß ich ob meiner vielen und ausgezeichneten Dienste, so ich anerkanntermaßen geleistet, ganz besonders solle berücksichtigt und mit meinen Kindern in bessere Umstände versetzt werden. Hiervon kann ich die Urausfertigung vorweisen, die ich wohl aufbewahre. Will man aber noch weiter Zeugnis, so sehe man das Land Neu-Hispanien an, das dreimal größer ist als unser Alt-Hispanien; so zähle man die Menge unserer mexikanischen Städte und Siedelungen und berechne die Reichtümer, die täglich aus diesem Teile der Neuen Welt nach Hispanien gehen. Ich habe vor allen Dingen deshalb die Feder ergriffen, weil gewisse Geschichtschreiber, vor allem Gomara, von unser aller Verdienst und Waffenerfolg nichts vermelden, sondern jedwede Ehre allein dem Markgrafen zusprechen. Wer will ehrlich Geschichte schreiben, der darf uns andere Eroberer nicht totschweigen. Von des Cortes Heldenruhm ist ein Teil mein, denn ich hab in allen seinen Schlachten bei den Vordersten gefochten und unter seinen Obristen in zahlreichen anderen Gefechten. Dies alles hab ich nach Zeit und Umständen erzählt. Fürwahr, auch auf mich paßt jene Inschrift, die Cortes auf das Feldgeschütz setzen ließ, das in Mexiko aus Silber, Gold und Kupfer gegossen ward und das wir mit dem Namen Vogel Phönix Seiner Majestät dem Kaiser verehrt haben, – jene Inschrift: Ein Vogel wie dieser ward nie noch geboren – Ein Diener wie ich wird nimmer gefunden – Einen Kaiser wie Du hat nur einmal die Welt! Und als der Markgraf bei seiner ersten Reise nach Hispanien (1528) Seiner Majestät von seinen mutigen und tapferen Offizieren und Waffengefährten erzählte und dem Kaiser erklärte, er glaube nicht, daß die Geschichte der alten Römer größere Helden aufzuweisen habe, da war auch ich mitgemeint. Ähnliches soll Cortes zu Seiner Majestät mehrfach während des unglücklichen Feldzuges gegen Algier geäußert haben. Von all diesem Lob gebührt mir mein Teil, denn ich bin ihm allezeit ein redlicher Genosse gewesen. Dies war meine Antwort. Gewiß wären alle diese Dinge besser von anderen erzählt worden, aber wer nicht selbst mit im Kriege gewesen ist, wer nicht alles mit eigenen Augen und Ohren angesehen und angehört hat, der kann auch nicht recht erzählen. Sollen die Spatzen davon reden, die in jenen blutigen Kämpfen über unseren Häuptern flatterten? Oder die Wolken, die über die Schlachtfelder hinzogen? Wer anders könnte davon erzählen als wir Offiziere und Soldaten, denen jene Tage nicht die leichtesten im Leben gewesen sind. Ich habe keinen meiner braven Kameraden an seiner Waffenehre benachteiligt, sondern jedem den ihm gebührenden Ruhm gelassen. Ich nehme nicht alle Ehre für mich in Anspruch. Ich will ja nichts anderes, als daß mein Name und das Gedächtnis an mich nicht untergehen soll. Wie kühn es auch sein mag für einen schlichten Kriegsmann, wie ich einer bin, so darf ich mir doch wohl einen Vergleich erlauben. Wenn die alten Geschichtschreiber von dem großen Feldherrn und Eroberer Julius Cäsar berichten, er habe in 53 Schlachten gefochten, so darf ich von mir sagen, daß ich 119 Schlachten und Gefechte mitgemacht habe. Jene Schriftsteller rühmen von ihm, wie herzhaft und kampfbereit er zu jeder Stunde gewesen sei und wie er die Nächte zu Hilfe genommen habe, um sein Heldentum selber aufzuzeichnen. Obgleich es ihm an Geschichtschreibern nicht gefehlt hat, so hat er ihnen seine Waffenehre doch nicht allein anvertraut. Also wundere man sich nicht allzu arg, wenn ich bei der Schilderung der Feldzüge, die ich mitgemacht habe, auch mir selber ein paar Worte gönne, auf daß die Nachwelt davon rede und sage: Das war Bernal Diaz del Castillo! – und auf daß meinen Kindern und Kindeskindern ein Nachklang meiner Taten verbleibe bis in die späteste Zukunft. Ferdinand Cortes Markgraf vom Tale von Oaxaka Ferdinand Cortes ist aus dieser Welt voll Müh und Arbeit geschieden am 2. Dezember 1547 zu Castilleja de la Cuesta bei Sevilla, in einem Lebensalter von 62 Jahren. An rechtmäßigen Kindern hinterließ er (aus seiner zweiten Ehe mit Dona Juana von Zuniga) den Markgrafen vom Tale Don Martin Cortes, die Dona Maria Cortes, Gattin des Grafen Luna von Leon, die Dona Juana, Gattin des Don Hernando Enriquez, Erbmarkgrafen von Tarifa, und die Dona Katalina von Arellano. Eine weitere Tochter des Cortes war Dona Leonora Cortes, die einen reichen Biscayer in Mexiko namens Juan von Tolosa heiratete. An außerehelichen Kindern hatte Cortes zwei Söhne und mehrere Töchter, und zwar den Don Martin Cortes, Großritter von Santiago, von der Dona Marina, und den Don Luis Cortes, Großritter desselben Ordens, von einer gewissen Hermosilla. Die Töchter stammen von verschiedenen seiner Geliebten. Cortes hat für sie früh und auch in seinem letzten Willen ausgiebig gesorgt. Im Wappen führte Cortes die an eine Kette gereihten Köpfe der sieben von ihm bezwungenen Könige und Fürsten. Der Wahlspruch darüber war lateinisch, und da ich kein Latein versteh, so führ ich ihn auch nicht an Eine Abbildung des Wappens findet man auf dem S. 70 erwähnten, diesem Buche beigefügten Bildnisse des Eroberers. . Was nun das äußere Aussehen des Cortes anbelangt, so war er eine gefällige, wohlgebaute und kräftige Erscheinung. Sein Gesicht hatte eine aschgraue Färbung; es wäre schöner gewesen, wenn es mehr Länge gehabt hätte. Seine Mienen verrieten wenig Frohsinn. Sein Blick war zumeist ernst, aber er vermochte seinen Augen, wenn er wollte, viel Freundlichkeit zu verleihen. Er hatte Bart- und Haupthaar dünn und schwarz, eine hohe Brust, breite Schultern, eine schlanke Gestalt, wenig Bauch. Seine Beine warm etwas gekrümmt, Schenkel und Füße aber gutgeformt. Er war ein vortrefflicher Reiter, gewandt in allen Waffen im Kampf sowohl zu Fuß wie zu Pferde, und, was die Hauptsache ist, er besaß einen Mut, der vor nichts zurückschrak. Als junger Mann, auf der Insel Hispaniola, soll er viele galante Abenteuer gehabt, manchen gefährlichen Zweikampf ausgefochten und immer den Sieg davongetragen haben. Ein Andenken an einen jener Händel war eine Schmarre zwischen Lippe und Kinn, die sein Bart nicht ganz verdeckte. Seine Haltung, sein Gang, seine Redeweise, sein Benehmen bei Tisch, seine Art, sich zu kleiden, alles das kennzeichnete ihn als Mann von Vornehmheit und Würde. Sein Anzug war der Mode gemäß, aber einfach und niemals geschmacklos. Seide und andere teure Stoffe trug er selten, immer jedoch erschien er äußerst sauber. Mit schweren Goldketten, wie sie viele seiner Zeit- und Ruhmesgenossen mit Vorliebe trugen, behing er sich nie. Er hatte stets die nämliche um den Hals, ein feingearbeitetes Kettchen mit einem Kleinod, das auf der Vorderseite ein Bildnis der Madonna mit dem Himmelskinde und auf der Rückseite eine lateinische Inschrift zeigte. Er trug einen einzigen goldenen Ring mit einem sehr kostbaren Diamanten. An seinem Samthut hatte er eine goldene Münze mit seinem Wahlspruch. Indessen zog er in seinen späteren Jahren eine Tuchmütze ohne die Münze vor. Cortes liebte es, von einem glänzenden Gefolge umgeben zu sein, wie es ihm als großem Herrn ja auch zukam. Seinen Haushalt verwalteten ein Haushofmeister und ein Kämmerer inmitten einer Schar von Edelknaben. Das Geschirr seiner Tafel war von Gold und Silber. Zu Mittag aß er reichlich und trank dazu ein Viertel Wein mit Wasser gemischt. Auch zu Abend speiste er gut. Aus besonderen Leckereien machte er sich wenig, derlei gab es auf seinem Tische nur bei Festlichkeiten, wo dann an nichts gespart wurde. Gegen seine Offiziere und Kriegsgefährten, insbesondere gegen diejenigen von uns, die gleich von Kuba aus unter seiner Fahne gedient hatten, war Cortes überaus freundlich und zutraulich. Er war ein guter Lateiner, und wenn er sich mit gelehrten Leuten unterhielt, redete er in dieser Sprache mit ihnen. Er soll sogar Doktor der Rechte gewesen sein. Ein bißchen Dichter war er auch, er machte hübsche Verse, und was er so schrieb, hatte Hand und Fuß. Seine Art zu reden war vornehm, bedacht und überzeugend. Jeden Morgen las er in seinem Brevier. Die Messe hörte er alle Tage mit viel Andacht. Zu seiner Schutzheiligen hatte er die Madonna auserkoren. Wenn er etwas beteuerte, so sagte er: Bei meinem Gewissen! Und wenn er über einen von uns alten Kriegsleuten, die ihm nahestanden, ärgerlich ward, so hieß es: Die Pestilenz sollt Ihr kriegen! Geriet er stark in Zorn, so schwoll ihm eine Ader an der Kehle und eine auf der Stirn, und wenn ihm etwas zu arg war, so warf er wohl auch seinen Mantel von sich, doch gebrauchte er nie ein Schimpfwort gegen Offiziere und Soldaten, überhaupt ging ihm die Geduld nicht leicht aus, und wenn schon manch toller Kerl unter uns war, der zuweilen ungebührlich redete, so vergaß sich Cortes doch nie in heftigen Worten gegen ihn. Alles, was er dann sagte, war: Schweigt! oder: Geht und redet hinfüro nicht, ohne es vordem besser bedacht zu haben! Ein andermal gehts nicht so glimpflich ab. Wenn Cortes einen Gedanken einmal gefaßt hatte, so war er nicht mehr davon abzubringen, zumal in Dingen des Krieges. Wir konnten dagegen einwenden, was wir wollten: es half alles nicht und wir mußten es so machen, es mochte noch so viel kosten. Einmal, auf unserem Zuge gegen die Hauptstadt, in den Bergen, die jetzt die Markgrafenberge heißen, sollten wir eine vom Feinde besetzte Höhe stürmen. Wir stellten ihm vor, es sei unmöglich wegen der zahlreichen Felsblöcke, die der Verteidiger auf uns herabrollen werde. Vor solchen Riesensteinen sei alle Tapferkeit umsonst, und dagegen anzurennen sei unser aller Tod. Es war alles in den Wind gesprochen. Cortes nahm seinen Befehl nicht zurück. Wir mußten unsere Haut daran wagen und den Sturm versuchen. Das Ende vom Liede war natürlich, daß wir nichts ausrichteten. Zehn oder zwölf Mann von uns blieben auf dem Platze, und wir anderen holten uns samt und sonders blutige Köpfe. Ein andermal, auf unserem unglückseligen Zuge gegen Honduras, als sich Christoval von Olid empört hatte, schlug ich dem Markgrafen an die hundertmal den Marsch über das Gebirge vor. Allein, er blieb bei seiner Meinung, daß wir uns an die Küste halten müßten, und er war nicht zu überzeugen, daß wir auf dem von mir vorgeschlagenen Wege überall bewohntes Gebiet vorfänden, und doch weiß jeder, der in jenen Gegenden bekannt ist, daß von Koazakualko ein gerader Weg über Chiapa und Guatemala nach Nako führt, wo Olid dazumal seinen Standort hatte Der Ort heißt noch heute Cruz del Marques (Markgrafenkreuz). . Dafür griff Cortes überall selber mit zu. Das zeigte er bereits, als wir den Bau der Veste von Verakruz begannen. Er tat den ersten Spatenstich. In allen Gefechten hab ich ihn stets mitten in unseren Kampfreihen gesehen. Im Gefecht am Tabasko focht er unter den vordersten Rittern. Wie groß war sein Entschluß, nach unserer Landung alle unsere Schiffe zu vernichten! In den drei Schlachten gegen die Tlaskalaner war er der mutigste Feldherr, den man sich nur denken kann. Welcher andere hätte sich mit 400 Mann in die große Stadt Mexiko hineingewagt und wäre so kühn wie er gewesen, den König Montezuma, der über so große Kriegerscharen zu gebieten hatte, in seinem eigenen Paläste gefangen zu nehmen? Ein nicht minderes Wagstück, das nicht untergehen darf im Gedächtnis der Menschheit, war es, als Cortes die Edelleute und Offiziere Montezumas, die den Juan von Escalante und sieben seiner Leute erschlagen hatten, vor den Fenstern des Königs den Feuertod sterben ließ. Und welch übermäßig kühnes Unterfangen war es, den Panfilo von Narvaez und sein mehr denn 1300 Mann starkes Heer, das mit Reiterei, Geschütz und Hakenbüchsen auf das beste versehen war, erst durch Geschenke und Unterhandlungen an der Nase herumzuführen und dann mit 266 Mann zu Fuß, ohne Reiterei und ohne Feuerwaffen, bloß mit Armbrüsten, Piken, Degen und Dolchen anzugreifen, den Feind völlig zu schlagen und den Führer gefangen zu nehmen! Ein wahrer Held war er ferner, als wir, um dem Alvarado beizustehen, zum zweiten Male in Mexiko eingerückt waren und die große Moschee stürmten, kurz vor unserem unglücklichen Rückzuge. Freilich war mit aller seiner und unserer Tapferkeit die Schmach und das Elend in der Folge nicht abzuwenden. Dann, in der Schlacht von Otumba, als die gesamte Kriegsmacht der Mexikaner gegen uns stand, um uns zu vernichten, da war es Cortes, der gegen den Träger der Standarte des gegnerischen Obergenerals anritt, ihn mit der Lanze zu Boden streckte und so auf einen Schlag mit dem Feldzeichen den ganzen Feind zum Wanken brachte. Wenngleich es Juan von Salamanca war, der dem feindlichen Feldherrn den Todesstoß versetzte, so war doch Cortes der Geist des Ganzen. Sein Mut erfüllte die Seelen der anderen und seine Tapferkeit leuchtete allen voran. Häufig ist er im Laufe seiner Feldzüge in die größte Lebensgefahr geraten. Wie mißlich war seine Lage beim Sturm auf Iztapalapan! Bei Xotschtmilko hatten ihn die Mexikaner schon vom Pferde gerissen. Mit Mühe und Not haben ihn damals etliche bundesgenössische Tlaskalaner und der Christoval von Olea herausgehauen. Auch in dem unglücklichen Gefecht auf der Dammstraße, wo uns die Mexikaner 62 Mann gefangennahmen und sie dann ihren Göttern opferten, war Cortes bereits umzingelt und am Fuße schwer verwundet. Da war es abermals der tapfere Christoval von Olea, der ihm das Leben rettete, indem er ihn befreite und ihm wieder in den Sattel half. Leider mußte Olea und manch anderer dabei sein eignes Leben lassen. Cortes liebte das Spiel mit Karten und Würfeln über die Maßen. Dabei blieb er aber immer guter Laune und gebrauchte gern die üblichen Kraftworte der Spieler. Im Felde legte er besonderen Wert auf die Ausübung des Wachtdienstes. Manche Nacht machte er die Runde persönlich und sah die Posten nach. Er ging dabei in die Zelte, Hütten oder Quartiere der Soldaten hinein und überzeugte sich, daß jeder seine Waffen bei der Hand und seine Bastschuhe an den Füßen hatte. Wenn er bei einem nicht alles wie vorgeschrieben in Ordnung fand, machte er ihn derb herunter. Während des Feldzuges gegen Mexiko war Cortes, wie schon gesagt, sehr schlank und mager. Später, seit dem Zuge nach Honduras, legte er sich einen ordentlichen Wanst zu. Auch färbte er sich den Bart schwarz, als er weiß zu werden begann. So freigebig er in den ersten Zeiten in Neu-Hispanien und während seines ersten Aufenthalts in Kastilien war, von 1540 ab, als er zum zweiten Male nach dem Heimatlande ging, verfiel er in Geiz. Einmal ließ er sich sogar wegen verweigerter Soldzahlung verklagen. Nach der Eroberung von Mexiko war das Leben des Markgrafen reich an Verdruß und Ärger. Die Geschwader und Züge, die er ausrüstete, kosteten ihn riesige Summen, die man als weggeworfen ansehen kann. Weder in Kalifornien noch in Honduras hatte er Glück und Erfolge. Die Ereignisse vom November 1518 bis zum August 1519 Nachdem der Obrist Juan von Grijalva am 15. November 1518 von seiner Entdeckungsfahrt (nach Yukatan) zurückgekehrt war, gab der Statthalter (von Kuba) Diego von Velasquez sogleich den Befehl, ein neues, weit beträchtlicheres Geschwader auszurüsten. Zehn Schiffe lagen zu seiner Verfügung im Hafen von Santiago, darunter waren die vier, mit denen wir soeben mit Grijalva heimgekommen waren. Sie wurden schleunigst gekielholt und gekalfatert. Die sechs anderen hatte man auf der ganzen Insel zusammengelesen. Diese Fahrzeuge wurden nun mit einem bis Havana ausreichenden Mundvorrat an Zwieback, Schiffsbrot und geräuchertem Schweinefleisch versehen. Dort sollte die vollständige Ausrüstung erfolgen. Wem der Oberbefehl über die Unternehmung anvertraut werden sollte, blieb lange ungewiß. Man nannte allerlei Namen. Wir Soldaten wollten von keinem anderen wissen als von Grijalva, weil er ein tüchtiger Offizier war und überhaupt ein Mann ohne Tadel, der sich auf Befehl und Führung gar wohl verstand. Insgeheim war die Sache längst abgemacht, und zwar zwischen zwei Vertrauten des Velasquez, dem Andreas von Duero, dem Geheimschreiber des Statthalters, und dem Königlichen Schatzmeister Amador von Lares, mit Ferdinand Cortes. Das war ein angesehener Ritter, aus Medellin im Kreise Estremadura gebürtig, der Sohn altadeliger Eltern. Er besaß eine Farm auf Kuba und hatte sich unlängst aus Liebschaft mit Dona Katalina Suarez Pacheco verheiratet, einer Tochter des nunmehr verstorbenen Diego Suarez Pacheco aus Avila. Diese Heirat hatte dem Cortes viel zu schaffen gemacht. Er war darüber sogar eine Zeitlang ins Gefängnis gekommen. Velasquez stand nämlich auf der Seite der mit Cortes vorerst unzufriedenen Familie der Frau. Wie schon gesagt, arbeiteten die beiden genannten Vertrauten des Statthalters darauf hin, daß Ferdinand Cortes zum Befehlshaber des Geschwaders ernannt werde. Cortes hatte sich ihnen gegenüber verpflichtet, allen Gewinn der Unternehmung an Gold, Silber und Edelsteinen mit ihnen zu teilen. Dieser Gewinn konnte recht bedeutend werden, da es dem Velasquez in seinen geheimen Absichten weniger um die Gründung neuer Ansiedelungen als um Handelserträge zu tun war. Duero und Lares gaben sich alle Mühe, ihren Schützling bei Velasquez herauszustreichen, und sie brachten es schließlich in der Tat dahin, daß Diego von Velasquez den Cortes zum Generalkapitän der Unternehmung ernannte. Hierauf stellte Duero in seiner Eigenschaft als Geheimschreiber ohne Verzug die Bestallung aus, wobei er nicht verfehlte, sie ganz nach des Cortes Wünschen abzufassen. Als die Ernennung bekannt ward, gefiel sie manchem und manch anderen verdroß sie. Generalkapitän geworden, begann Cortes, was er nur konnte, an Waffen, Kriegsgerät und Mundvorrat zusammenzutreiben. Auch vergaß er nicht, Waren für den Tauschhandel anzuschaffen. Was seine eigene Person anbetraf, so putzte er diese mehr heraus. Er trug jetzt einen Federhut mit einer goldenen Schaumünze daran. Das gab ihm ein sehr stattliches Aussehen. Es fehlte ihm damals nicht nur an Geld für die vielen Ausgaben, die nötig waren, vielmehr stak er bereits tief in Schulden. Guten Ansehens auf Kuba hatte er sich immer erfreut, war er ja auch zweimal Mitglied des Gemeinderates seines Wohnortes Santiago de Baracoa gewesen. Als er nun gar Führer einer großen Unternehmung geworden war, streckten ihm seine Freunde gern 4000 Goldpiaster vor, eine ansehnliche Summe (180 000 Mark), dazu noch beträchtliche Waren. Jetzt ließ sich Cortes einen Prunkrock aus Samt mit Goldborten machen und eine Standarte mit einem Kreuze darauf und dem lateinischen Spruche: Hoc signo vinces! Unter diesem Zeichen wirst du siegen! Unter Trommel- und Trompetenschall gab er nun durch Herolde im Namen Seiner Majestät des Kaisers bekannt, daß jeder, der mit ihm zur Eroberung und Besiedelung der jüngst entdeckten Länder auszöge, seinen Teil am gewinnbaren Gold, Silber und Edelgestein und später eine Farm zugesichert bekomme. Diese Bekanntmachung rief auf der ganzen Insel großes Aufsehen hervor. Mancher verkaufte daraufhin alle seine Habe und schaffte sich dafür Waffen, ein Pferd und Mundvorrat an. Jeder, der sich uns anschloß, rüstete sich aus, so gut er nur konnte. So wuchs unser Heer schon in Santiago auf 300 Mann an. Sogar von den Beamten des Statthalters stellten sich mehrere in unsere Reihen, wie Diego von Ordas, der Haushofmeister des Velasquez. Vermutlich geschah dies auf dessen Anstiften, um einen Aufpasser auf dem Geschwader zu haben. Insgeheim nämlich traute der Statthalter dem Generalkapitän nicht so recht. Ferner: Francisco von Morla, Alonso von Escobar, Heredia, Juan Ruano, Pedro Escudero, Martin Ramos, Lares aus Biscaya und viele andere Hausgenossen des Velasquez. Mich selbst nenne ich zuletzt. Während Cortes alles daransetzte, die Ausrüstung seines Geschwaders zu beschleunigen, blieben Neid und Bosheit seiner Feinde auch nicht untätig. Vor allem waren etliche Verwandte des Statthalters arg gekränkt, daß ihnen der Oberbefehl entgangen war. Man verstand die Wahl nicht, da Velasquez den Cortes bis dahin gehaßt und verfolgt hatte, und suchte ihn nun in jeder Weise vor den Augen des Statthalters herabzusetzen und zu schädigen, damit ihm der Oberbefehl wieder abgenommen werde. Cortes kannte seine Gegner und ihre Absichten. Er wich nicht von der Seite des Velasquez und tat alles, um ihn von seiner Treue und Redlichkeit zu überzeugen. Er sprach von nichts anderem als von dem Ruhme der Unternehmung und dem reichen Gewinn, der seinem Herrn und Gönner binnen kurzem sicher sei. Trotzdem war Velasquez nahe daran, umgestimmt zu werden und die Ernennung des Cortes zu widerrufen. Cortes beeilte sich infolgedessen um so mehr. Er bestimmte die Zeit der Abfahrt und machte der Mannschaft den Tag und die Stunde bekannt, wo jedermann an Bord sein sollte. Nachdem dies geschehen und alles auf den Schiffen zur Abfahrt bereit war, begab sich der Generalkapitän zum Statthalter, um sich bei ihm feierlichst abzumelden. Bei diesem Gange begleiteten ihn seine besten Freunde und Gefährten, auch Andreas von Duero und Amador von Lares, sowie die Vornehmsten der Stadt. Velasquez und Cortes sagten sich allerlei höfliche Dinge und trennten sich erst nach vielen Umarmungen. Am anderen Morgen hörten wir die Messe und zogen alsdann nach den Schiffen. Der Statthalter fand sich daselbst mit vielen Kavalieren ein, um uns das Ehrengeleit zu geben. So gingen wir am 18. November 1518 unter Segel und kamen bei gutem Wetter in wenigen Tagen nach dem Hafen der Stadt Trinidad. Auf die erste Kunde von unserer Ankunft zogen die Einwohner aus, um Cortes und seine Mannschaft zu empfangen. Die Vornehmsten der Stadt bemächtigten sich des Generalkapitäns. Jeder wollte ihn bei sich aufnehmen. Cortes ließ seine Standarte über seinem Quartier hissen und warb in einem öffentlichen Aufrufe Teilnehmer für seinen Zug, wie er das in Santiago getan hatte. Was an Feuerwaffen aufzutreiben war, wurde auch hier gekauft und mitgenommen, desgleichen jedweder andere Kriegsbedarf und Lebensmittel. In Trinidad schlossen sich uns sämtliche Alvarados an, nämlich der Hauptmann Pedro, seine Brüder Gonzalo, Jorge, Gomez und sein Bastardbruder, der ältere Juan von Alvarado. Ferner zogen von hier mit uns Alonso von Avila, der schon unter Grijalva Truppen geführt hatte; Juan von Escalante; Pedro Sanchez Farfan aus Sevilla; Gonzalo Mexia, der nachherige Schatzmeister von Mexiko; Vaena; Juan aus Fuerterrabia und Christoval von Olid. Dieser, ehedem Galeerensträfling, war bei der Einnahme der Stadt Mexiko bereits Obrist und ist in allen Kriegen von Neu-Hispania höherer Befehlshaber gewesen. Weiterhin gesellten sich zu uns: Ortiz, der Musikus, Gaspar Sanchez, ein Neffe des Schatzmeisters von Kuba, Diego von Pineda, Alonso Rodriguez, ein reicher Goldgrubenbesitzer, Bartolome Garcia und eine stattliche Anzahl anderer Kavaliere, deren Namen mir nicht mehr einfallen, lauter gewichtige und angesehene Männer. Auch aus Santispiritus, einer 18 Stunden von Trinidad entfernten Stadt, ward uns ein beträchtlicher Zuwachs zuteil: Alonso Hernandez Puerto-Carrero, ein Vetter des Grafen Medellin, und Gonzalo von Sandoval, der späterhin acht Monate Statthalter von Mexiko war und vielfach den Oberbefehl geführt hat. Sodann: Juan Velasquez von Leon, ein Verwandter des Diego von Velasquez, Rodrigo Rangre, Gonzalo Lopez von Ximena mit seinem Bruder Juan Lopez und Juan Sedeño. Letzterer, der in Santispiritus wohnhaft war, schloß sich uns an, weil bereits zwei andere Juan Sedeños unter uns waren. Alle diese sehr angesehenen Männer, die sämtlich Farmen in der Nähe der Stadt besaßen, brachten Schiffsbrot, eingesalzenes Schweinefleisch und beträchtlichen anderen Mundvorrat mit. Auch kauften sie Pferde an, die damals selten und nur zu hohen Preisen zu haben waren Ein brauchbares Ritterpferd kostete damals in den amerikanischen Kolonien 500 Goldpesos, also 22 000 Mark. . Dem eben genannten Puerto- Carrero fehlten die Mittel, sich ein Pferd anzuschaffen. Cortes kaufte ihm eine Schimmelstute und bezahlte sie mit den Goldborten seines Samtrockes, den er sich in Santiago hatte machen lassen. Zufällig kam in jenen Tagen ein Schiff aus der Havana in Trinidad an, das einem dortigen Bürger namens Juan Sedeño gehörte. Es war mit Schiffsbrot und eingesalzenem Fleisch befrachtet für die Bergwerke bei Santiago. Cortes verstand diesen Mann zu bereden, daß er ihm das Schiff mit der vollen Ladung verkaufte und sich persönlich unserer Unternehmung anschloß. Solchermaßen hatten wir nun elf Schiffe beisammen. Ich muß jetzt um einige Tage zurückgehen, um zu berichten, was sich nach unserer Abreise in Santiago zugetragen hatte. Wir waren kaum unter Segel, als man bei Diego von Velasquez mit allen Mitteln gegen Cortes zu wühlen begann, und nicht ohne Erfolg. Denn der Statthalter ward alsbald völlig anderen Sinnes. Durch zwei zuverlässige Leute sandte er an seinen Schwager Francisco Verdugo, der Oberrichter in Trinidad war, den Befehl, er solle dem Cortes unter allen Umständen den Oberbefehl abnehmen, der dem Vasco Porcallo übertragen sei. Zugleich schickte er ein Schreiben an Diego von Ordas, an Francisco von Morla und an alle seine Anhänger und Verwandte mit der Aufforderung, das Geschwader unbedingt zu verlassen. Auf die Nachricht hiervon besprach sich der Generalkapitän sogleich mit Ordas und mit allen den Rittern und Bürgern von Trinidad, die er sich geneigt wußte, und gab ihnen gute Worte unter ansehnlichen Versprechungen, bis er sie ganz für sich gewonnen hatte. Diego von Ordas übernahm es sogar, den Oberrichter Francisco Verdugo zu bestimmen, die Vollstreckung des Befehles vorerst auf sich beruhen zu lassen und ihn überhaupt geheim zu halten. In dieser Absicht stellte er ihm vor, daß er bisher nicht nur nichts Verdächtiges an Cortes bemerkt, vielmehr bei jeder Gelegenheit nur Beweise seiner Ergebenheit und Treue dem Statthalter gegenüber wahrgenommen habe. Es sei überdies unausführbar, ihm den Oberbefehl einer Flotte abzunehmen, auf der er unter den Offizieren so viele Freunde und Velasquez so viele Feinde habe. Auch unter den Soldaten gäbe es sehr viele, auf die Cortes zählen dürfe. Kurzum, er habe zu viel Macht, als daß man gegen ihn vorgehen könne. Bei einem Kampfe käme die ganze Stadt in Gefahr. Es drohe Plünderung durch die Mannschaft der Schiffe und noch Schlimmeres. Auf diese Weise wurde jedweder gewaltsame Schritt verhindert. Einer der beiden Boten des Statthalters, Pedro Laso, trat sogar zu uns über. Den anderen sandte Cortes mit einem Briefe zurück, worin er dem Velasquez die liebenswürdigsten Dinge sagte, ihm aber sein Erstaunen über seine neuerliche Entschließung ausdrückte, zumal er nichts anstrebe, als Gott, Seiner Majestät und ihm, dem Statthalter, zu dienen. Er bäte ihn, törichten Einflüsterungen kein Gehör mehr zu geben und ihm das frühere Wohlwollen zu bewahren. Gleichzeitig schrieb Cortes an seine Freunde in Verakruz, insbesondere an seine beiden Verbündeten, den Geheimschreiber und den Schatzmeister. Ferner gab er der Mannschaft Befehl, alarmbereit zu sein. In Trinidad blieben wir zwölf Tage. Sodann schifften wir uns nach Havana ein. Pedro von Alvarado bekam den Befehl, mit 50 Mann, die sich freiwillig melden konnten, auf dem Landwege zu marschieren, um unterwegs auf den Farmen noch Mannschaften anzuwerben. Ich schloß mich ihm an. Ein Schiff unter der Führung des Juan von Escalante bekam den Auftrag, an der Nordküste von Kuba hinzufahren. Nachdem Cortes nun selbst an Bord gegangen, ging das ganze Geschwader in der Richtung auf Havana unter Segel. Während der Nacht kamen die Begleitschiffe vom Flaggschiff ab, so daß sie ohne Cortes im Hafen von Havana einliefen. Wir unter Alvarado trafen auf dem Landwege mit der gesamten Reiterei zur rechten Zeit ein. Der Generalkapitän jedoch blieb aus, ohne daß jemand den Grund der Verzögerung oder den Ort seines Aufenthalts erfuhr. Wir begannen uns um ihn zu sorgen und nahmen an, er sei in den Jardines (Gärten, das sind kleine Inseln längs der Südküste von Kuba) verunglückt. Infolgedessen ward beschlossen, die drei kleinsten Schiffe abzuschicken, um nach Cortes zu suchen. Mit der Ausrüstung dieser Schiffe und unter Hin- und Herberaten vergingen weitere zwei Tage. Cortes kam immer noch nicht. Schon fing man an, Ränke anzuzetteln, wer den Oberbefehl bekommen sollte. Cortes hatte folgendes Schicksal gehabt. Sein Schiff, das großen Tiefgang hatte, war in den seichten Gewässern an der Pinosinsel auf den Grund geraten, so daß es ausgeladen werden mußte, was das nahe Land glücklicherweise gestattete. Nachdem das Schiff wieder flottgemacht war, brachte man es in tieferes Fahrwasser, belud es wieder und setzte die Fahrt nach Havana fort. Als das Schiff am Horizont sichtbar ward, erhob sich große Freude unter den Offizieren und Mannschaften. Nur etliche, die sich auf den Oberbefehl gespitzt hatten, waren mißlaunig. Wir geleiteten den Generalkapitän in das Haus von Pedro Barba, dem Vertreter des Velasquez in Trinidad, wo Quartier für ihn gemacht worden war. Dort hißte er alsbald seine Standarte und lud wie in Trinidad in einem öffentlichen Aufruf zur Teilnahme an unserer Unternehmung ein. In der Tat meldeten sich auch hier Kriegslustige, so Francisco von Montejo, von dem in der Folge noch oft die Rede sein wird. Er ward nach der Eroberung von Mexiko Statthalter von Yukatan und Honduras. Ferner traten in Havana unter unsere Fahnen: Diego von Soto aus Toro, der spätere Haushofmeister des Generalkapitäns, Angulo und Garci Caro, sowie Sebastian Rodriguez; ferner ein gewisser Pacheco, Franz Gutierrez, ein Rojas und ein junger Bursche namens Santa Clara; schließlich die Brüder Martinez aus Fregenal und Juan aus Najera, alles Männer von Stand und Ansehen, und noch andere, deren Namen ich vergessen habe. Ordas erhielt jetzt den Auftrag, in der Bucht von Guaniguaniko, vor einem indianischen Dorfe, wo Velasquez eine Farm hatte, bis zur Ankunft des Schiffes zu warten, das an der Nordküste der Insel hinzufahren hatte. Mit diesem sollte er sodann nach Kozumel unter Segel gehen, wenn ihm durch indianische Boote kein anderer Befehl zukäme. Cortes wählte dazu gerade den Ordas, um ihn in Havana nicht um sich zu haben. Alle Geschütze – zehn kupferne Kanonen und vier Feldschlangen – wurden an das Land gebracht und dem Stückmeister namens Mesa und seinen Gehilfen, den Kanonieren Arbenga und Juan aus Katalonien, übergeben, um sie genau nachzusehen und instand zu bringen, sowie die Kugeln und das nötige Pulver auf die einzelnen Stücke zu verteilen. Zum Blankputzen erhielten sie Wein und Essig. Der Kanonier Bartolome von Usagre half hierbei. Auf gleiche Weise wurden sämtliche Armbrüste durch die beiden Büchsenmeister Juan Benitez und Pedro von Guzmann gemustert, ausgebessert und durch Schüsse nach der Scheibe auf ihre Schußweite erprobt. Da es hier Baumwolle in Überfluß gab, fertigten wir uns dick gesteppte Jacken an, die gegen die Pfeile, Wurfspieße und Steinwürfe der Indianer einen guten Schutz gewährten. In Havana begann Cortes einen vornehmen Haushalt einzurichten und sich wie ein großer Herr bedienen zu lassen. Obertafelmeister wurde ein gewisser Guzmann, den die Indianer später umgebracht haben, der aber nicht mit Christoval von Guzmann zu verwechseln ist, dem nachherigen Haushofmeister des Generalkapitäns. Zum Kämmerer machte er einen gewissen Rodrigo Rangre und zum Haushofmeister einen Juan von Caceres, der nach der Einnahme von Mexiko ein reicher Mann geworden ist. Nach alledem gab Cortes den Befehl, uns zur Einschiffung bereitzuhalten und die Pferde, für die Krippen und genügender Vorrat von Mais und Heu herbeigeschafft worden war, in die Schiffe zu bringen. Zum Andenken füge ich hier ein Verzeichnis unserer damaligen Hengste und Stuten ein. Cortes hatte einen schwarzbraunen Hengst, der dann in San Juan de Ulloa umgestanden ist. Pedro von Alvarado und Hernando Lopez aus Avila besaßen gemeinschaftlich eine vortreffliche braune Stute, gleich gut im Ritterspiel wie im ernsten Kampf. Nach unserer Ankunft in Neu-Hispanien gelangte Alvarado in den alleinigen Besitz des Pferdes, ich weiß nicht, ob durch Kauf oder durch Gewalt. Alonso Hernandez Puerto- Carrero hatte eine Grauschimmelstute, ein sehr gutes Streitroß, das ihm – wie bereits erzählt – Cortes geschenkt hatte. Von gleicher Farbe war die Stute des Juan Velasquez von Leon, ein mächtiges Tier voll Feuer und Kampflust. Wir nannten es den Stumpfschwanz. Christoval von Olid besaß ein dunkelbraunes, recht wackeres Roß. Francisco von Montejo und Alonso von Avila hatten zusammen einen Goldfuchs, der allerdings zum Kriegsdienst nicht viel taugte. Das Pferd des Francisco von Morla war wiederum ein Dunkelbrauner, ein hitziges Tier und ein tüchtiger Läufer. Nicht viel wert war der Hellbraune des Juan von Escalante. Der Grauschimmel des Diego von Ordas, eine Stute, war ein fauler Gänger. Hingegen hatte Gonzalo Dominguez ein gar treffliches Tier, einen festen Renner; ein kleiner schwarzbrauner Kerl. Auch der Braune von Pedro Gonzalez aus Truxillo lief recht gut. Peter Moron, gebürtig aus Bayamo, hatte einen munteren gutgerittenen Falben. Der Rappe hinwiederum des Vaena aus Trinidad war wenig wert. Dafür war der Gaul des Lares, ein Hellbrauner, ein ganz vorzügliches und flottes Tier. Der Musikus Ortiz und ein gewisser Bartolome Garcia, ein Goldgrubenbesitzer, hatten gemeinsam einen trefflichen Rappen, eines der besten Pferde in unserem Heere. Juan Sedeño aus Havana hatte eine braune Stute, die an Bord geworfen hat. Dieser Sedeño galt als der reichste Mann unter uns allen. Er besaß ein eignes Schiff, große Vorräte an Brot und eingesalzenem Fleisch und einen Neger, damals noch etwas Seltenes und Kostspieliges. Wiederum muß ich auf frühere Ereignisse zurückgehen. Auf die Meldung, daß sein Schwager Verdugo es nicht zuwege gebracht, dem Cortes den Oberbefehl abzunehmen, ja ihm sogar Vorschub geleistet hatte, war Velasquez in solcher Wut, daß er wie ein wildes Tier brüllte. Unverzüglich sandte er einen seiner Getreuen an Pedro Barba ab, den Unterstatthalter von Havana, mit dem Befehle, das Geschwader unter keinen Umständen weitersegeln zu lassen, vielmehr den Generalkapitän sofort zu verhaften und nach Santiago zu bringen. Auch an Diego von Ordas und Juan Velasquez von Leon erging ein Schreiben. Als Garnica – so hieß der Mann – mit seinem Schriftstücke in Havana ankam, wußte Cortes sofort, was er brachte. Ein Mönch nämlich, der viel im Hause des Velasquez verkehrte, hatte dem Boten einen Brief an den Pater Barthel von Olmedo mitgegeben, einen Ordensbruder, der auf unserem Geschwader war. Dadurch erfuhr Cortes alle Geschehnisse. Ordas war – wie berichtet – mit einem besonderen Auftrag weggeschickt. Somit war lediglich Velasquez von Leon zu gewinnen, und es gelang dem Generalkapitän auch, ihn auf seine Seite zu bringen. Er war nämlich auf seinen Verwandten, den Statthalter, gar nicht gut zu sprechen, weil die ihm zugeteilte Farm wenig wert war. So geschah es, daß Diego von Velasquez mit seinen Briefen und Befehlen keinen Erfolg hatte. Im Gegenteil: Pedro Barba, die Alvarados, Alonso Hernandez Puerto-Carrero, Francisco von Montejo, Christoval von Olid, Juan von Escalante, Andreas von Monjaraz sowie dessen Bruder Gregorio hielten um so fester zu Cortes. Mehr noch als in Trinidad blieben die Absichten des Statthalters in Havana geheim, und der Unterstatthalter, der dem Garnica ein Antwortschreiben mitgab, berichtete an Diego von Velasquez, er könne es nicht wagen, den Generalkapitän zu verhaften, well er zu mächtig und bei seinen Leuten zu beliebt sei. Wenn er etwas gegen ihn unternähme, setze er die Stadt der Plünderung aus. Übrigens sei Cortes allem Anscheine nach dem Statthalter völlig ergeben und handele in jedweder Sache nur zu dessen Vorteile. Zugleich schrieb auch Cortes selber an Velasquez. In schonen Worten versicherte er ihm seine Treue und Dankbarkeit, machte ihm die herrlichsten Versprechungen und fügte hinzu, daß er am folgenden Tage unter Segel zu gehen gedächte. Eine Besichtigung seiner gesamten Streitkräfte verschob Cortes in den Aufenthalt auf der Insel Kozumel. Er gab Befehl, die Pferde und alles andere an Bord zu bringen. Pedro von Alvarado erhielt den Auftrag, mit dem Heiligen Sebastian, einem recht guten Segler, in Richtung auf das Kap San Antonio, den anbefohlenen Sammelort aller Schiffe, vorauszusegeln und von dort weiter nach Kozumel. Ebendahin ward Diego von Ordas beordert. Am 10. Februar 1519 gingen die übrigen neun Schiffe in See. Meine Person befand sich auf dem Heiligen Sebastian; zusammen mit noch 60 Kriegsleuten. Am dritten Tage unseres Aufenthalts auf der Insel Kozumel hielt Cortes die Besichtigung seiner Streitmacht ab. Es ergab sich, daß wir ohne die Seeleute 508 Mann stark waren. Der Seeleute waren 109. Pferde hatten wir 16, alle zum Ritterspiel wie zum Gefecht brauchbar. Unser Geschwader bestand aus 11 Schiffen von verschiedener Größe, darunter eine Art Brigg, die einem gewissen Bines Nortes gehörte. Die Zahl der Armbrustschützen betrug 32, die der Büchsenschützen 13. Grobe Geschütze waren 10 vorhanden, dazu 4 leichte sogenannte Feldschlangen. An Kugeln und an Pulver besaßen wir einen guten Vorrat. Cortes musterte alles persönlich bis ins kleinste. In jenen Tagen stellte Cortes, dem nichts entfiel, einmal die Frage an mich, was wir bei uns gedacht hätten, als wir auf unserer früheren Fahrt an der Küste von Pukatan im Jahre vordem von den Indianern öfters den Zuruf vernahmen: Kastilian! Kastilian! Ich erzählte ihm aufs neue unsere damaligen Erlebnisse, und da sagte er, er habe oft über den Vorfall nachgedacht und er möchte fast meinen, es müßten bereits einmal Kastilianer hier gewesen sein. Es wird daher gut sein, fügte er hinzu, die Häuptlinge von Kozumel hierüber auszufragen. Also tat er denn auch, und zwar durch Melcharejo, unseren indianischen Dolmetsch, der Kastilisch schon ein wenig, die Sprache von Kozumel aber recht gut verstand. In der Tat sagten die Häuptlinge alle aus, sie hätten schon einmal Hispanier gesehen, und zwei Tagereisen weit im Inneren des Festlandes lebten zwei von ihnen als Sklaven bei einem Häuptling. Erst vor wenigen Tagen hätten durchkommende indianische Händler von ihnen erzählt. Diese Nachricht erfüllte uns mit der größten Freude, und Cortes erklärte, er wolle jenen Hispaniern einen Brief schicken und sie darin auffordern, zu ihm zu kommen. Den indianischen Handelsleuten aber, die diesen Brief zur Besorgung übernahmen, gab er gute Worte und allerlei Geschenke. Auch versprach er ihnen noch etliches, wenn sie wiederkämen. Da machte einer der Häuptlinge dem Generalkapitän verständlich, daß dem Herrn, bei dem die beiden Hispanier Sklaven waren, ein Lösegeld gesandt werden müsse. Sonst ließe er sie nicht laufen. Daraufhin wurden Glasperlen eingepackt und den Boten mitgegeben, und Diego von Ordas erhielt den Befehl, mit zwei der kleineren Schiffe nebst 20 Armbrustern und Büchsenschützen nach dem Kap Katoche abzusegeln. Das größere Schiff sollte dort acht Tage lang vor Anker liegen, während das kleinere die Verbindung mit Cortes zu halten hatte, bis die Boten an Bord zurückgekehrt seien. Der Ort, an dem die beiden Hispanier lebten, war nämlich nur vier Wegstunden vom Kap Katoche entfernt. Nach zwei Tagen war der Brief in den Händen des einen der beiden Gefangenen. Wie wir später erfuhren, hieß er Geronimo von Aguilar. Als er das Schreiben gelesen und die als Lösegeld gesandten Waren ausgepackt hatte, war er hocherfreut, ging sofort zu dem Häuptling, seinem Herrn, und bat ihn um seine Freiheit. Sowie diese ihm zugestanden war, suchte er seinen Schicksalsgenossen auf, der Gonzalo Guerrero hieß, und teilte ihm alles mit. Der aber gab ihm zur Antwort: Bruder Aguilar, ich habe mich hier verheiratet, bin Vater dreier Kinder, und was für lieber Jungen! Auch kann ich mich unter meinen Landsleuten gar nicht mehr sehen lassen. Mein Gesicht ist gebrandmarkt, meine Ohren verstümmelt. Die Hispanier verhöhnen mich nur, wenn sie mich so erblicken. Geht Ihr mit Gott! Gebt mir von den grünen Glasperlen ein paar für meine Jungen. Ich werde ihnen erzählen, daß sie aus meiner Heimat sind. Insbesondere war es Guerreros indianische Gattin, die nichts von dem Antrag wissen wollte. Was will der Fremdling? rief sie. Er soll seines Weges gehen und sich nicht um unsere Angelegenheiten kümmern! Guerrero blieb bei seinem Entschlüsse, und Aguilar trat daher allein mit den beiden Boten den Marsch nach der Küste an. Aber wie sie an den Ort kamen, wo das Schiff gelegen hatte, war es nicht mehr da. Ordas hatte, wie ihm befohlen, acht Tage gewartet und auch noch einen Tag zugegeben. Als sich aber niemand zeigte, war er zurück nach Kozumel gefahren. Aguilar kehrte betrübt zu seinem alten Herrn zurück. Ordas aber fand nicht den besten Empfang. Cortes war sehr ungehalten, als sich der Ritter ohne die beiden Hispanier, ohne die mitgenommenen Waren, ohne jedwede nähere Nachricht und ohne die Boten bei ihm zurück meldete. In ärgerlichem Tone ließ er Ordas an. Er hätte von ihm eine bessere Erfüllung seines Auftrages erwartet. Daß zwei Hispanier in der Gegend Sklaven wären, daran sei nicht zu zweifeln. Um jene Zeit verfügte Cortes folgendes. Den Befehl auf dem Flaggschiffe führte er selber. Auf dem Heiligen Sebastian: Peter von Alvarado nebst seinen Brüdern. Auf den übrigen Schiffen: Alonso Hernandez Puerto-Carrero, Franz von Montejo, Christoval von Olid, Diego von Ordas, Juan Velasquez von Leon, Juan von Escalante, Franz von Morla und der Edelknabe Escobar. Der Befehl auf dem kleinsten Schiffe, der Brigg, verblieb dem Eigentümer, Gines Nortes. Die elf Schiffe hatten elf Steuerleute, die alle dem Obersteuermann Anton von Alaminos unterstanden, der seine eigenen Laternenzeichen hatte. Nach dieser Neuordnung nahm Cortes Abschied von den Häuptlingen; worauf das Geschwader wieder unter Segel ging. Es war Anfang März des Jahrs 1519. Aber gleich am ersten Tage ward das Schiff des Juan von Escalante leck, so daß wir allesamt zurück nach Kozumel fuhren. Dort verbrachten wir nun noch vier Tage wegen der Ausbesserung des Schiffes. Inzwischen hatte Geronimo von Aguilar, der eine der beiden gefangenen Hispanier, nach uns geforscht und unsere abermalige Ankunft erfahren. Er mietete sich ein Boot mit sechs tüchtigen Ruderern, die er mit unseren Glasperlen – Kostbarkeiten für die Indianer – bezahlte, und so gelangte er in kürzester Zelt über die etwa vier Meilen breite Wasserstraße zwischen dem Festland und der Insel. Als das Boot landete, ward es von etlichen unserer Soldaten bemerkt, die auf der Jagd nach Bisamschweinen waren. Man meldete es dem Cortes, der sofort den Andreas von Tapia mit einigen Leuten aussandte, um festzustellen, was das für ein Boot sei. Als sich dieser Trupp dem Strande näherte, wollten die Ruderer aus Angst wieder wegfahren, aber Aguilar beruhigte sie. Andreas von Tapia hielt zunächst auch ihn für einen Indianer, denn er sah ganz so aus. Erst als er näher kam und in gebrochenem Kastilisch die Worte: Gott, heilige Jungfrau und Sevilla hervorstotterte und auf Tapia zuging, um ihn zu begrüßen, da erkannte er den seltsamen Landsmann. Einer von Tapias Leuten lief flugs fort, um Cortes die Meldung zu überbringen, daß ein fremder Hispanier mit sechs Indianern gelandet wäre. Er verdiente sich damit ein gutes Trinkgeld. Wir waren alle voller Freude, und es dauerte nicht lange, so erschien Tapia selber mit dem befreiten Landsmanne. Er hatte, wie gesagt, das Aussehen eines Indianers und ging sehr zerlumpt. Cortes ließ ihm zunächst anständige Kleider geben und fragte ihn dann nach seiner Herkunft, seinem Namen, seinen Lebensschicksalen und wie er in dies Land gekommen sei. Der Ankömmling antwortete in gebrochenem Kastilisch, er heiße Geronimo von Aguilar, gebürtig aus Ecija. Er habe vor acht Jahren auf einer Reise von Darien nach Sankt Domingo (auf Haiti) Schiffbruch erlitten. Alle, die an Bord gewesen, hätten sich in ein Boot gesetzt, in der Hoffnung, Kuba oder Jamaika zu erreichen, wären aber durch die starke Meeresströmung an dieses Land getrieben worden, wo die Indianer sie ergriffen und unter sich verteilt hätten. Die meisten seiner Unglücksgefährten seien den Götzen geopfert worden. Etliche seien vor Gram und Kummer gestorben, darunter die beiden Frauen, die der Arbeit des Mahlens, zu der man sie zwang, bald erlagen. Er selbst sei auch zum Opfertod bestimmt gewesen, aber er sei nachts geflüchtet und von dem Häuptling aufgenommen worden, bei dem er bis jetzt verblieben sei. Herrera erzählt die Schicksale des Aguilar weit ausführlicher und ergötzlicher. Nach seinem Berichte wollte der Häuptling, dem der Flüchtling in die Hände gefallen war, ihn bewegen, eine Indianerin zum Weibe zu nehmen, aber Aguilar, ein Mönch, sei seinem Gelübde treu geblieben. Um ihn auf die Probe zu stellen, habe der Häuptling, dem es am nötigen Verständnis für die Enthaltsamkeit in derlei Dingen mangelte, ihm allerlei Versuchungen bereitet, ganz so wie ehedem der Teufel dem heiligen Antonius. Gleich seinem berühmten Vorgänger ging auch Aguilar unversehrt an Leib und Seele aus allen Anfechtungen hervor. Nachdem sich die Verwunderung des Häuptlings einigermaßen gelegt hatte, machte er den keuschen Aguilar zum Wächter seines Harems. Im Volke der Indianer aber genoß der Fremde den wohlverdienten Ruf eines Heiligen. Washington Irving hat den Stoff zu einer hübschen Erzählung ausgestaltet (Voyages and Discoveries of the Companions of Colombus, London 1833, S. 296 ff.). Von den anderen wäre nur ein einziger am Leben, ein gewisser Gonzalo Guerrero. Er habe ihn mitnehmen wollen, ihn aber nicht bewegen können, ihm zu folgen. Cortes versicherte ihm, daß er keine Ursache haben solle, je zu bereuen, zu ihm gekommen zu sein. Darauf fragte er ihn nach Land und Leuten aus. Aguilar konnte wenig berichten, denn er war als Sklave verwendet worden. Er hatte Wasser und Holz herbeischleppen müssen und in den Maisfeldern gearbeitet. Er habe aber gehört, das Land sei stark bevölkert. Etwa vor einem Jahre sei ein Geschwader von drei Schiffen am Kap Katoche angekommen. Da habe Guerrero, von Beruf Seemann, dem Häuptling geraten, sich feindselig zu verhalten, und habe gemeinsam mit dem Häuptling den Oberbefehl über eine Schar von Indianern geführt. Tags darauf, am 4. März 1519, lichteten wir die Anker und gingen nach dem Tabasko-Strom unter Segel. Der Hauptmann Escobar erhielt den Auftrag, mit seinem Schiffe, das ein guter Segler war und nicht viel Tiefgang hatte, zur Mündung des Terminos vorauszufahren und zu erkunden, wie das Land dort sei, ob die Jagd gut wäre, und ob sich ein sicherer Hafen zur Anlage einer Siedelung vorfände. Zum Zeichen für uns, daß er daselbst angelaufen sei, solle er ein paar Bäume fällen und einen Zettel mit dem Ergebnis seiner Erkundung zurücklassen. Escobar verrichtete alles, wie ihm befohlen. Als er dann aber vor der Bucht von Terminos das Geschwader erwarten wollte, trieb ihn der Südwind auf die hohe See hinaus. Als wir am anderen Tage an die Terminosmündung gelangten, da fanden wir das Schiff nicht. Cortes ließ ein Boot mit zehn Armbrustern aussetzen. Selbige fanden die gefällten Bäume und auch den Zettel. Obgleich Cortes nicht ohne Sorge war, daß dem Escobar ein Unfall zugestoßen sein könne, ließ er doch die Segel beisetzen. Bald hernach stieß Escobar wieder zu uns. Also kamen wir in die Gewässer von Puntonchan. Cortes gab dem Obersteuermann Befehl, in die Bucht einzulaufen, in der ehedem Francisco Hernandez von Cordova (1517) und ebenso Juan von Grijalva (1518) so üble Aufnahme gefunden hatten. Alaminos erklärte aber, die Küste sei hier wegen der geringen Wassertiefe ungünstig zum Verweilen. Die Schiffe müßten zwei Stunden davon vor Anker gehen. Cortes hatte die Absicht, ein Strafgericht über die Eingeborenen zu halten, und viele von uns, die wir in den Gefechten von damals mitgefochten hatten, hegten den gleichen Wunsch. Aber Alaminos wandte ein, eine Landung zu solchem Zweck koste mehr denn drei Tage, und wenn das Wetter umschlage, könnten wir eine ganze Woche hier festsitzen. Für das eigentliche Ziel unserer Fahrt hätten wir gerade den besten Wind. Wir wären in zwei Tagen am Tabasko. Infolgedessen gingen wir wieder in See und erreichten den ebengenannten Strom am dritten Tage, das war am 12. März 1519. Da wir von der Fahrt unter Grijalva her wußten, daß Schiffe von größerem Tonnengehalt in die Mündung des Flußes nicht einfahren konnten, so gingen die großen Schiffe auf der See vor Anker, und nur die kleineren liefen ein. Die Truppen sollten in Booten an das Land gebracht werden, am Palmenkap, wo ehedem auch Grijalva gelandet war, eine Wegstunde vor der Stadt Tabasko. Auf dem Lande, unter Mangebäumen, stand eine Menge bewaffneter Indianer. Im Orte selbst hatten sich noch an die 12000 Mann geschart, alle nach ihrer Art in Wehr und Waffen, bereit, uns anzugreifen, wenn wir an das Land kämen. Die Stadt Tabasko war damals sehr mächtig, und eine Anzahl anderer Orte war ihr Untertan. Als Cortes diese Bereitschaft sah, befahl er dem Dolmetsch Aguilar, der die Sprache der Tabasker verstand, etliche Indianer anzurufen, die in einem Nachen nicht weit von uns vorbeiruderten. Er solle sie fragen, was die Unruhe und der Lärm bedeute. Wir seien durchaus nicht in feindseliger Absicht hergekommen, vielmehr nur um Wasser einzunehmen und mit ihnen Waren zu tauschen. Sie sollten sich aber ja hüten, Krieg mit uns anzufangen, denn dann ginge es ihnen schlimm. Aguilar tat den Indianern solches kund und noch manch anderes, um sie friedlich zu stimmen. Aber je mehr er ihnen zuredete, um so trotziger sind sie geworden. Sie drohten am Ende sogar, uns allesamt umbringen zu wollen, falls wir uns ihrer Stadt näherten. Selbige war mit einem Erdwall und einem Verhau aus dicken Bäumen verschanzt. Da alles vergebens war, gab Cortes den Befehl, die kleineren Schiffe und die Boote zur Einfahrt in den Strom bereitzumachen. Die Geschütze, die Armbruster und die Büchsenschützen wurden auf die Fahrzeuge verteilt. Von Grijalvas Zug her erinnerten wir uns, daß vom Palmenkap ein Pfad zwischen Lagunen und Wasserläufen bis an die Ortschaft führt. Cortes stellte eine Wache von drei Mann aus mit der Weisung, das Verhalten der Indianer während der Nacht zu beobachten und sofort Meldung zu machen, wenn sie abrückten. Sehr bald traf diese Meldung auch ein. Den Rest des Tages verwandten wir zur Ausrüstung der Fahrzeuge und zur Erkundung des Geländes. Am anderen Tag in der Frühe, nachdem wir die Messe gehört und eine Waffendurchsicht abgehalten hatten, entsandte Cortes den Hauptmann Alonso von Avila nebst 100 Mann, darunter zehn Armbruster, mit dem Auftrag, sich an den besagten kleinen Weg zu legen. Sobald er Geschütz- und Büchsenfeuer aus der Ferne höre, solle er von dort aus gegen die Stadt rücken, während der Hauptangriff von der Stromseite aus erfolge. Cortes fuhr nun in den kleineren Schiffen und in den Booten mit allen anderen Offizieren und Mannschaften stromauf. Als die Indianer, die wiederum an den Mangebäumen standen, dies bemerkten, eilten sie in zahlreichen Nachen an die Stelle am Ufer, wo wir landen mußten, um uns am Ausbooten zu hindern. Das ganze Ufer war voller Kriegsleute, die ihre Muscheltrompeten bliesen und wild auf ihre Trommeln und Pauken schlugen. Der Generalkapitän gab den Befehl, alle Fahrzeuge sollten haltmachen, aber es solle noch kein Schuß mit Büchse noch Armbrust fallen. Als Freund der Form ließ er zuvörderst durch den Königlichen Notarius, der bei der Truppe war, – er hieß Diego von Godoy, – eine Aufforderung an die Indianer ergehen, uns die Landung zu gestatten, um Wasser einzunehmen, anderenfalls wir sie als Feinde behandeln müßten. Aguilar machte dabei den Dolmetsch. Die Indianer verharrten bei ihrem Trotz und wiederholten ihre Drohung, uns umbringen zu wollen, falls wir an das Land kämen. Alsbald begannen sie, uns mit ihren Pfeilen zu überschütten. Durch Trommelschlag gaben sie den übrigen Scharen ein Zeichen zum allgemeinen Angriff. Eine Unmenge Nachen umkreisten unsere Fahrzeuge, und der Pfeilregen ward noch stärker. Viele von den Unserigen erhielten Wunden. Geraume Zeit mußten wir, bis an den Gürtel im Wasser, fechten, und da das Ufer sumpfig war, kamen wir nur langsam vorwärts. Cortes focht selber mit im Wasser und verlor im Morast einen seiner Bastschuhe. So hatten wir einen harten Stand, bis wir den festen Boden gewannen. Dann aber ging es unter lautem Feldgeschrei auf die Masse der Feinde los. Sie wichen vor unserem Ansturm und zogen sich hinter den Busch und hinter ihre Befestigungen zurück. Abermals griffen wir an, und es gelang uns, etliche Eingänge des Ortes mit Gewalt zu nehmen. Das Gefecht ging nunmehr in den Gassen weiter, bis wir durch einen Verhau aufgehalten wurden, der stark besetzt war. Zum dritten Male griffen wir mit Wucht an. Ohne Unterlaß aber brüllten die Indianer: All Alalala al Kalachoni, al Kalachoni! Das heißt: Nieder mit dem Obristen! Nieder mit dem Obristen! Gerade als unser neuer Ansturm ansetzte, traf Alonso von Avila mit seinem Trupp ein. Er war vom Palmenkap auf dem Landwege vorgedrungen, aber durch die Lagunen und Sümpfe beträchtlich aufgehalten worden. Diese Verzögerung war uns von Nutzen, weil auch wir etliche Zeit verloren hatten. Mit vereinten Kräften schlugen wir nun die Indianer aus ihrem Gehege hinaus, wobei sie uns wacker zusetzten, mit ihren Piken und Pfeilen. Schließlich trieben wir sie in die volle Flucht bis in einen weiten Tempelhof mit mehreren größeren Gebäuden. Hier ließ Cortes haltmachen und die Verfolgung einstellen. Im Namen Seiner Majestät des Kaisers nahm er jetzt feierlichst Besitz vom Lande. Das versammelte Heer gab unter lautem Zuruf seine Zustimmung, und der Kaiserliche Notarius setzte eine Urkunde darüber auf. Die Anhänger des Diego Velasquez freilich waren nicht recht zufrieden, dieweil auf dem Papier keine Erwähnung ihres Gönners getan ward. Wir hatten 14 Verwundete. Auch ich hatte einen Pfeilschuß im Schenkel; indessen war die Wunde unbedeutend. Von den Indianern waren 18 Mann geblieben. Die Nacht brachten wir im Dorfe zu, wobei Außenwachen und Streifgänger für die Sicherheit sorgten. Am anderen Morgen erteilte Cortes dem Peter von Alvarado den Auftrag, mit 100 Mann, darunter 15 Armbruster und Büchsenschützen, eine Erkundung zwei Wegstunden weit in das Land zu vollführen. Er sollte den Melcharejo als Dolmetsch mitnehmen. Als man selbigen suchte, fand man ihn nicht. Offenbar war er während der Nacht zu den Tabaskern übergelaufen. Cortes war über seine Flucht verdrießlich, dieweil er den Indianern so manches verraten konnte, was uns Nachteil bringen mußte. Den nämlichen Auftrag nach anderer Richtung erhielt der Hauptmann Franz von Lujo mit 100 Mann, darunter 12 Armbruster und Büchsenschützen. Er sollte bis zum Abend wieder im Hauptquartier sein. Lujo war mit seiner Kompagnie etwa eine Stunde marschiert, als er auf einen Trupp Indianer stieß, die in der landesüblichen Art gewappnet waren. Alsogleich griffen sie die Hispanier an, die an Zahl beträchtlich geringer waren, beschossen sie erst mit Pfeilen und Schleudersteinen und suchten sie zu umfassen. Sodann nahmen sie ihre scharfen Schwerter, die mit beiden Händen geführt wurden. Obgleich Lujo und seine Leute wacker dreinschlugen, so vermochten sie doch gegen solche Übermacht nichts auszurichten. Sie zogen sich daher in bester Ordnung in Richtung auf das Hauptquartier zurück. Vordem hatte Lujo einen kubanischen Schnelläufer an Cortes abgefertigt und um Verstärkung gebeten. Das Gefecht fand in der Art statt, daß ein Teil der Armbruster und Büchsenschützen immerfort schoß, während der andere Teil bloß laden mußte. Also hielt Lujo auch weiterhin stand. Inzwischen war Alvarado eine Stunde Wegs in das Land gerückt bis an eine Bucht, die man nicht überschreiten konnte. Da gab ihm der liebe Herrgott den glücklichen Gedanken, sich just nach der Richtung zu wenden, wo Franz von Lufo im Gefechte stand. Bald vernahm er das Gewehrfeuer und das Kampfgetöse, marschierte nun genau dem Schalle nach und traf gerade ein, als die Indianer von neuem anstürmten. Fünf von den Eingeborenen waren bereits gefallen. Die beiden Kompagnien griffen jetzt vereint den Feind an und sprengten ihn auseinander, ohne ihn aber völlig zurückzuwerfen. Wahrscheinlich wären die Hispanier bis in das Hauptquartier verfolgt worden, das noch eine halbe Stunde entfernt war, und selbiges wäre angegriffen worden, wenn Cortes jetzt nicht mit den übrigen Kompagnien erschienen wäre und in das Gefecht eingegriffen hätte. Es gelang ihm sehr bald, die Indianer zum Rückzug zu zwingen. Indes war die Sache nicht ohne Verlust abgegangen. Die Kompagnie des Lufo hatte zwei Tote und acht Verwundete, die des Alvarado drei Tote. Die Indianer hingegen hatten 15 Tote. Wieder im Hauptquartier, verbanden wir die Verwundeten, begruben unsere Toten und stellten Vorposten aus, um uns gegen einen Überfall zu sichern. Wir hatten drei Gefangene gemacht, darunter offenbar einen Edelmann. Durch den Dolmetsch Aguilar verhört, sagten sie aus, Melcharejo sei in der vergangenen Nacht zu ihnen gekommen und habe ihnen den Rat gegeben, uns anzugreifen und das Tag und Nacht zu wiederholen, bis ihre Übermacht über unsere kleine Schar siege. Nun schickten wir einen der Gefangenen mit grünen Glasperlen an die Häuptlinge ab und boten ihnen den Frieden an. Der Mann kam aber nicht wieder. Durch die beiden anderen, die Aguilar nochmals genau ausforschte, erfuhren wir, daß die Feinde Verstärkung aus den benachbarten Gebieten erwarteten und einem Rate Melcharejos zufolge unser Hauptquartier anzugreifen gedächten. Wir trafen daraufhin auch unsere Maßnahmen. Cortes hieß nunmehr alle Pferde an das Land bringen und gab den Befehl, jedermann, auch die Verwundeten, habe gefechtsbereit zu sein. Die Ritter, die vom Sattel fechten sollten, erhielten die Weisung, ihren Pferden Schellen um den Hals zu hängen, auch schärfte Cortes ihnen ein, daß sie ihre Lanzen nur nach den Gesichtern der Gegner richten sollten. Den nämlichen Befehl gab bekanntlich Caesar vor der Schlacht bei Pharsalos, wie uns Plutarch (Vita des Cäsar), auch Lukan (Pharsalia VII, 575), berichtet. Er hatte 13 Ritter bestimmt: Christoval von Olid, Peter von Alvarado, Alonso Hernandez Puerto-Carrero, Juan von Escalante, Franz von Montejo (mit dem Pferde des Musikus Ortiz), Alonso von Avila (mit dem Pferde von Barthel Garcia), Juan Velasquez von Leon, Franz von Morla, Lares I (es war noch ein anderer, ein guter Armbruster, gleichen Namens bei uns), Gonzalo Dominguez, Peter Moron aus Bayamo und Peter aus Truxillo. Der Dreizehnte war Cortes selbst, der die Führung der Ritterschar übernahm. Die Geschütze befehligte der Stückmeister Mesa. Die übrige Mannschaft trat unter den Befehl des Diego von Ordas, der vom Rittergefecht nichts verstand, desto besser aber den Dienst der Armbruster und Büchsenschützen. Am anderen Tage (am 25. März 1519) hörten wir in aller Frühe erst die Messe und traten sodann bei unserem Fähnrich Anton von Villarrol in Reih und Glied an. Hierauf rückten wir ab und marschierten in der Richtung auf etliche große Maisfelder, wo Franz von Lujo und Peter von Alvarado bereits im Gefecht standen. In der Nähe lag ein Dorf namens Zeutla, das den Tabaskern Untertan und eine Wegstunde von Tabasko entfernt war. Cortes mußte mit seinen Rittern einen kurzen Umweg machen, wegen der Sümpfe, die für die Pferde ungangbar waren. Wir anderen aber, unter Diego von Ordas, stießen bei Zeutla auf die Indianer, die sich in Massen in der Ebene versammelt hatten. Es kam zur Schlacht, und zwar zu einer, die diesen Namen ehrlich verdient. Die Scharen der Feinde waren schon in Marsch wider uns gesetzt, als wir auf sie trafen. Mann für Mann trugen sie große Federbüsche auf den Köpfen und Schutzröcke aus Baumwolle. Ihre Gesichter waren schwarz-weiß-rot bemalt. Gewappnet waren sie mit großen Bogen, Piken, Schilden, mächtigen Zweihändern, Schleudern und Wurfspießen, die im Feuer gehärtet waren. Außerdem hatten sie Trommeln und Trompeten. Ihre Zahl war so groß, daß die langen Maisfelder ganz bedeckt waren und sie uns weit überflügelten. Wie tolle Hunde gingen sie auf uns los. Ihr erster Ansturm war so heftig und die Menge der Pfeile, Wurfspieße und Steine, mit der sie uns begrüßten, so groß, daß wir sogleich über 70 Verwundete hatten. Und einer von uns, namens Saldana, war auf der Stelle tot, von einem Pfeile in das Ohr getroffen. Den Nahkampf führten sie mit den Piken aus, während es weiterhin Pfeile regnete und noch mancher von uns davon verwundet ward. Wir blieben ihnen mit unseren Geschützen, Armbrüsten und Hakenbüchsen nichts schuldig und teilten auch mit unseren Schwertern wackere Hiebe aus. Dadurch warfen wir sie etwas zurück. Aber in einiger Entfernung, wo sie sich wieder sicher glaubten, begannen sie uns wieder mit Pfeilen zu beschießen. Da sie gerade noch im Feuerbereich unserer Geschütze und in dichten Haufen standen, pulverte unser Stückmeister Mesa nach Herzenslust in sie hinein und brachte manchen von ihnen zur Strecke. Indes wichen und wankten sie nicht. Da machte ich den Hauptmann Diego von Ordas darauf aufmerksam, daß wir sie nur im Nahkampf kirre kriegen könnten. Diesen Rat gab ich, dieweil sie aus Ehrfurcht vor unseren Klingen zurückgegangen waren und es vorzogen, uns aus der Weite mit Pfeilen, Wurfspießen und großen Steinen zuzusetzen. Ordas aber meinte, dies sei nicht ratsam, da wir es mit so großer Überzahl zu tun hätten. Es kämen auf jeden von uns an die 300 Indianer. Schließlich aber begann demungeachtet der Nahkampf von neuem. Wir rückten ihnen so hart an den Leib, daß sie gegen die Lagunen zurückwichen. Cortes mit seinen Rittern blieb noch immer aus. Wir erwarteten ihn sehnlich und fingen schon an zu fürchten, es könne ihm ein Unfall zugestoßen sein. Mein Lebtag vergeß ich nicht das Brüllen und Pfeifen der Indianer, das bei jedem Schuß aus unserem Geschütz anhub, und wie sie jedesmal Erde in die Höhe warfen, wie ihre Trommeln und Trompeten lärmten und immer wieder ihr Feldgeschrei Alalalala! wild erscholl, alles, um uns ihre Verluste zu verhüllen. In solch einem Augenblick kam Cortes mit seiner Schar an. Da er im Rücken der Feinde erschien, und da die Indianer all ihr Augenmerk auf uns hatten, so bemerkten sie die Ankunft nicht sogleich. Das Gelände war überhaupt zur Reiterschlacht recht geeignet, so daß der kleine Trupp unserer tüchtigsten Reiter auf den besten und mutigsten Pferden jeden Vorteil des Bodens und der Waffen auszunutzen vermochte. Als das fechtende Fußvolk die Ritter gewahr ward, erfolgte ein neuer allgemeiner Angriff mit frischem Mute. Von hinten und von vorn bedrängt, wich endlich der Feind. Die Indianer hatten noch nie ein Pferd gesehen, und so glaubten sie nicht anders, als Roß und Retter seien eines. Voll Entsetzen über die Ungeheuer räumten sie die Ebene und zogen sich auf einen nahen Hügel zurück. Jetzt erzählte uns Cortes, warum er nicht früher eingetroffen war. Erst hatte ihn der Sumpf aufgehalten; dann war er auf einen Trupp Indianer gestoßen und mit ihm in ein Scharmützel geraten, wobei ihm fünf Reiter und acht Pferde waren verwundet worden. Nachdem wir in dem Palmenwäldchen, das im Gefechtsfeld stand, ein wenig gerastet hatten, hielten wir Gottesdienst ab und dankten der heiligen Jungfrau mit emporgehobenen Händen für den errungenen großen Sieg. Und da gerade der Tag von Maria Verkündigung war, so gaben wir der Stadt, deren Grundstein wir hier zum Gedächtnis unseres Sieges legten, den Namen Santa Maria de la Vittoria. Es war dies die erste Schlacht unter Ferdinand Cortes auf dem Boden von Neu-Hispanien. Nach der frommen Feier verbanden wir den Verwundeten die Wunden mit Tüchern, da wir sonst nichts hatten. Die verwundeten Pferde wurden mit warmem Fett behandelt, das wir aus dem Fleisch gefallener Indianer schmolzen. Bei dieser Gelegenheit zählten wir die Toten, die der Feind auf dem Schlachtfelde gelassen hatte. Es waren ihrer über 800. Viele davon waren noch halb am Leben. Die meisten waren durch unsere Stiche und Hiebe gefallen, etliche im Geschützfeuer. Wo die Ritter gefochten hatten, lag die meiste blutige Ernte. Die Indianer hatten wacker standgehalten, bis eben die Ritter in ihre Haufen einbrachen. Erst dann hatten sie das Feld geräumt. Unter den fünf Gefangenen, die wir gemacht, waren zwei Häuptlinge. Da wir hungerig und müde waren, rückten wir alsbald nach unserem Standorte. Dort bestatteten wir die beiden Toten, die wir hatten, stellten Vorposten und Wachen aus, aßen und legten uns schlafen. Gomara berichtet von der Schlacht bei Tabasko, daß vor Cortes, auf dem Apfelschimmel des Franz von Morla, der heilige Jakob in eigener Person vorangesprengt sei. Ich kann nur sagen, daß wir all unsere Waffentaten und all unsere Siege unserem Herrn Christo verdanken. Und in dieser Schlacht hat jeder einzelne von uns mit so vielen Feinden gefochten, daß sie uns allesamt begraben hätten, wenn jeder unserer Gegner nur eine Handvoll Erde auf uns hätte geworfen. Gottes Gnade hat uns hier also ganz gewiß beigestanden, und es mag wohl auch der glorreiche Heilige gewesen sein, der uns die Hilfe gebracht hat. Offenbar war es mir aber ob meiner Sünden nicht vergönnt, den Himmelsboten bei dieser schönen Gelegenheit von Angesicht zu schauen; denn ich hab lediglich den Franz von Morla auf seinem Braunen reiten sehen. Und noch zur Stunde, da ich dies niederschreibe, steht die ganze Schlacht, so wie ich sie hier erzähle, mit all ihren Gestalten leibhaft vor meinen Augen. Indes, gleichwie ich selber als armer Sünder den heiligen Jakob nicht würdig war zu erblicken, so haben auch über 400 Kriegsleute, Cortes selbst und seine Ritter, nichts davon gesehen und können das Wunder nicht bezeugen. Wir hätten sicherlich eine Kirche gebaut und die Stadt nicht Santa Maria de la Vittoria genannt, sondern Sant Jago de la Vittoria. Wenn es also mit dem, was Gomara berichtet, seine Richtigkeit hat, so sind wir allesamt schlechte Christen gewesen, daß wir dem lieben Gott bis auf den heutigen Tag dafür noch nicht ganz besonders gedankt haben. Wie bereits erzählt, hatten wir in der Schlacht fünf Gefangene gemacht. Aguilar verhörte sie ordentlich und meinte, nach ihren Reden wären die beiden Häuptlinge als Gesandte an ihre Landsleute zu gebrauchen. Cortes war damit einverstanden. Er ließ ihnen grüne und blaue Glasperlen geben und schenkte ihnen die Freiheit. Ehe sie abgingen, sagte ihnen der Dolmetsch noch mancherlei, was ihnen angenehm war und uns nützlich sein mochte. An der Schlacht seien die Indianer ganz allein schuld. Sie hätten aber trotzdem nichts mehr von den Hispaniern zu fürchten. Es sollten alle Häuptlinge an einem Ort zusammenkommen. Der Generalkapitän wolle mit ihnen in Güte und Gnade reden. Alles das geschah in der Absicht, die Indianer zu friedlicher Gesinnung zu bringen. Die beiden Freigelassenen waren willig und taten das Ihre. Sie sprachen mit den anderen Häuptlingen und den Fürsten ihrer Völker und hinterbrachten ihnen, daß wir zum Frieden bereit seien. Der erste Erfolg war der, daß sie 15 Sklaven sandten, mit geschwärzten Gesichtern und in zerrissenen Röcken, die uns Hühner, geräucherte Fische und Maisbrot überbrachten. Cortes nahm diese Leute freundlich an, Aguilar hingegen stellte hochnotpeinlich die Frage, warum sie mit so bemalten Gesichtern kämen. Das sähe eher nach Krieg als nach Frieden aus. Wenn man Frieden haben wolle, müsse man Edelleute senden, nicht aber niedrige Knechte. Das sollten sie denen kundtun, die sie geschickt hätten. Demungeachtet sind die Schwarzgesichter von uns gut behandelt worden, und zum Zeichen unserer Friedfertigkeit gaben wir ihnen blaue Glasperlen mit, um die Indianer zu gewinnen. Und wirklich fanden sich tags darauf 30 Vornehme in guten Kleidern ein, die uns Hühner, Fische, Früchte und Maisbrot mitbrachten. Sie baten den Generalkapitän um die Erlaubnis, ihre Toten verbrennen und begraben zu dürfen, damit sie nicht die Luft verpesteten und den Löwen und Tigern zum Fraß dienten. Nachdem ihnen dies zugestanden, holten sie eine Menge Leute, um die Leichen der Gefallenen zu verbrennen und ihrer Sitte gemäß in der Erde zu bestatten. Cortes wohnte der Feierlichkeit bei. Man sagte ihm, es wären über 800 Indianer gefallen und noch weit mehr seien verwundet. In Verhandlung mit ihm könnten sie sich zuvörderst noch nicht einlassen, dieweil erst am kommenden Tage eine große Versammlung aller Edelleute und Obristen statthabe, um über den Frieden zu beraten. Cortes, der seinen Vorteil auf jedwede Welse zu fördern verstand, wandte sich an seine Offiziere und sagte lächelnd: Meine Herren, ihr wißt, daß die Indianer eine Heidenangst vor unseren Gäulen haben. Sie glauben steif und fest, diese Tiere und unsere Kanonen machten den Krieg von ganz alleine. Um sie in ihrem Glauben noch zu stärken, hab ich folgenden Einfall. Die Stute des Sedeño, die kürzlich an Bord geworfen hat, ist rossig – und der Hengst des Musikus Ortiz hat es gewaltig scharf. Wir wollen nun die Stute hierherbringen lassen und anbinden und dann auch den Hengst. Sobald er die rossige Stute gewittert hat, wird er wieder weggebracht. Wenn dann die Häuptlinge kommen, stellt ihr die Stute hier in mein Zelt, und während wir unterhandeln, wird der Hengst gebracht. Fernerhin soll dann unser größtes Geschütz schußbereit sein. Also geschah es. Gegen Mittag erschienen 40 Häuptlinge, in reicher Kleidung und unter allerlei feierlichen Umständen. Cortes begrüßte sie. Nachdem sie uns mit Weihrauch beräuchert hatten, baten sie den Generalkapitän, er möge das Geschehene gnädiglich verzeihen. Sie wollten hinfüro gute Freundschaft mit uns halten. Cortes antwortete ihnen durch den Dolmetsch. Dieser hielt ihnen mit finsterer Miene vor, daß wir sie vielfach zum Frieden aufgefordert hätten, und daß es lediglich ihre Schuld sei, wenn so viele von den Ihren im Kampfe gefallen wären. Wir seien im Dienst eines großen Kaisers und Herrn. Der habe uns hierhergesandt, mit dem Befehl, mit jedem Volke Freundschaft zu halten, das sich seiner Hoheit unterwürfe. Sobald sie ihre friedliche Gesinnung bewiesen hätten, wäre ihnen unsere Gunst und Gnade sicher. Anderenfalls aber müßten unsere Kanonen das Nötige tun, die sowieso sehr schlecht auf sie zu sprechen wären. Zugleich gab Cortes heimlich den Befehl, das geladene große Geschütz abzufeuern. Es geschah. Donnernd sauste die Kugel in die Weite. Die Häuptlinge waren starr vor Schreck und glaubten alle, das Geschütz sei lebendig. Aguilar beruhigte sie ein wenig, indem er erklärte, es habe Befehl, ihnen nichts anzutun. In diesem Augenblick ward der Hengst herbeigeführt und nahe bei dem Zelte angebunden, vor dem Cortes mit den Häuptlingen redete. Da die Stute heimlich in der Nähe war, so begann der Hengst laut zu wiehern, unruhig mit den Hufen zu scharren und sich zu bäumen. Mit wilden Augen starrte er zu den Häuptlingen, die am Zelte, also nahe bei der rossigen Stute, standen. Die Indianer vermeinten nicht anders, als daß der Hengst alle seine Bewegungen ihretwegen mache, und gerieten in große Angst. Da stand Cortes auf, ging zu dem Pferde hin, klopfte es auf den Hals und befahl dem Stallknecht, es wegzuführen. Aguilar aber sagte zu den Häuptlingen, Cortes habe dem Roß den Befehl gegeben, den Indianern kein Leid anzutun. Während dieses Zwischenspieles erschienen 30 indianische Träger, sogenannte Tamenes. Die brachten Hühner, geröstete Fische und allerhand Früchte. Wahrscheinlich waren sie nicht so schnell vorwärts gekommen wie ihre Herren. Die Unterredung zwischen Cortes und den Edelleuten nahm lebhaften Fortgang. Schließlich verließen sie uns sichtlich zufrieden, mit der Zusage, am folgenden Tage mit einem Gastgeschenk wiederkommen zu wollen. Am anderen Morgen – es war an einem der letzten Märztage 1519 – kam eine Anzahl von Häuptlingen und Vornehmen aus der Stadt Tabasko und den umliegenden Ortschaften. Sie erwiesen uns große Ehrerbietung und brachten uns als Friedensgabe allerlei goldene Schmucksachen und etliche Mäntel, wie sie in jener Gegend getragen werden. Viel war an allem dem nicht daran. Wie bekannt, birgt die dortige Gegend keine Reichtümer. Schätzenswerter war die Schenkung von zwanzig Weibern. Darunter war ein vortreffliches Frauenzimmer, das bald darauf Christin geworden ist und den Namen Doña Marina erhalten hat. Sie war ein vornehmes Weib, die Tochter eines verstorbenen mächtigen Häuptlings, Fürstin eines eigenen Gebietes, und man sah ihr sehr wohl ihre edle Herkunft an. Über ihre Schicksale bei uns werde ich bei Gelegenheit weiter berichten. Doña Marina, auch Malinche genannt, eine Indianerin aus Painella am Koazakualko. Cortes verheiratete sie 1525 an den Hauptmann Juan Xamarillo (Vgl. S. 60 u. 447 ). Die Legende hat sie zu einer venusinischen Heldln erhoben. Cortes verteilte die Indianerinnen an seine Ritter. Doña Marina, die hübschste und klügste, wurde die Gefährtin des Cortes, dem sie einen Sohn geboren hat, Don Martin Cortes, den späteren Großritter des Sankt-Jakobs-Ordens. Cortes empfing diese Geschenke voll Freude und unterhielt sich mit Hilfe von Aguilar lange mit den Häuptlingen, wobei er unter anderem erklärte, so sehr ihn die Geschenke erfreuten, so müsse er doch noch eine andere Bedingung stellen: die sofortige Rückkehr aller Einwohner samt Frauen und Kindern in ihre Häuser. Geschehe dies binnen zweier Tage, so sei der Frieden geschlossen. Hierauf gaben die Häuptlinge die nötigen Anordnungen, und in zwei Tagen war die Stadt wieder bevölkert. Ebenso bereitwillig waren sie, als Cortes sie aufforderte, ihre Götzen aufzugeben und die Menschenopfer zu unterlassen. Er ließ ihnen, so gut das ging, durch den Dolmetsch den Grundbegriff unseres Glaubens darlegen: daß es nur einen einzigen wahren Gott gäbe. Auch zeigte er ihnen ein Muttergottesbild. Die Häuptlinge meinten, die edle Frau gefiele ihnen und sie möchten sie behalten. Cortes versprach ihnen die Madonna und befahl, in einem der Tempel einen schönen Altar zu errichten und das Bild darüber aufzuhängen. Solches ist dann auch geschehen. Im Laufe der Unterredung fragte der Generalkapitän die Häuptlinge, aus welchem Grunde sie den Krieg mit ihm begonnen hätten, obgleich er doch immer den Frieden mit ihnen verlangt habe. Ihre Antwort lautete: Wir bereuen es und Ihr habt uns verziehen! Auf die Frage, woher sie das Gold hätten, sagten sie: Dorther, wo die Sonne untergeht! Aus Mexiko! – Da uns dieser Name damals noch nichts sagte, achteten wir nicht weiter darauf. Fünf Tage verwellten wir in Tabasko, teils um unsere Verwundeten zu heilen, teils um den Nierenkranken, die wir unter uns hatten, Zeit zur Erholung zu geben. Cortes benutzte diese Rastzeit zu nützlichen Gesprächen mit den Häuptlingen. Er erzählte ihnen vom Kaiser, unseren Herrn, und seinen vielen fürstlichen Lehnsleuten. Es sei nur ihr Vorteil, wenn sie fortan unter seiner Oberherrschaft stünden, da er ihnen in jedweder Verlegenheit und Not seine Hilfe gewähren werde. Die Hauptleute sprachen ihren Dank für dies Angebot aus, erklärten sich für Lehnsleute unseres großen Kaisers und wurden so die ersten Untertanen Seiner Majestät in Neu-Hispanien. Am Abende des Palmsonntags begaben wir uns an Bord und gingen am Montag (den 18. April 1519) in der Frühe bei gutem Wind unter Segel. Wir hielten uns immer nah am Land. Während der Fahrt zeigten wir, die wir bereits mit Juan von Grijalva hier (1518) gewesen waren und diese Gewässer noch gar wohl kannten, dem Cortes die Rambla, von den Indianern Aguayaluko genannt, weiterhin die Mündung des Sankt-Anton-Flusses, den großen Koazakualko- Strom, die hohen Schneeberge (die Sierra Nevada) und die Berge von Sankt Martin. Dann wiesen wir ihm den Alvarado-Strom, wo Pedro von Alvarado ohne Grijalvas Genehmigung eingelaufen war, ferner den Vanderas-Fluß, wo wir für 14000 Piaster Gold eingeheimst hatten, schließlich die Weiße Insel (Isla blanca), die Grüne Insel (Isla verde) und die Opfer-Insel (Isla de los Sacrificios), so genannt, weil wir auf ihr Götzenaltare mit kurz zuvor geopferten Menschen vorgefunden hatten. Also kamen wir recht rasch vor die Insel San Juan de Ulloa, und zwar am Grünen Donnerstag, den 21. April im Jahre des Herrn 1519, gegen Mittag. Nie werde ich vergessen, wie angesichts des Landes Alonso Hernandez Puerto-Carrero zum Generalkapitän sagte: Das ist ohn Zweifel das Land, von dem die Herren, die schon zweimal hier gewesen sind, gesungen haben: Das ist Frankreich, lieber Junge, Dorten liegt die Stadt Paris Verse aus einem alten Volkslied. Man findet es bei Duran, Romances Cabellerescos é Historicos I, S. 82. ! Ich sag Euch aber, ein reiches Land braucht einen starken Herrscher! Cortes verstand gar wohl den Sinn dieser Rede und gab zur Antwort: Keine Furcht! Hab ich nur Rolands Glück und Ritter wie Euch, so wird es uns gelingen! Da der Obersteuermann Alaminos die Gewässer daselbst noch sehr wohl kannte, so ließ er die Schiffe an einer Stelle vor Anker gehen, die vor dem Nordwinde geschützt war. Wir mochten keine halbe Stunde fest gelegen haben, da kamen zwei Barken – sogenannte Pirogen – mit etlichen Indianern geradeswegs auf das Flaggschiff des Cortes zugerudert, das sie als solches an der Standarte erkannt hatten. Ohne alle Umstände kletterten sie an Bord und fragten nach dem Tlatoan So heißt in ihrer Sprache der Obrist. Doña Marina verstand, was sie wollten, und führte sie vor den Generalkapitän. Dem erwiesen sie nach ihrer Art ihre Ehrenbezeigung und hießen ihn im Lande willkommen. Ihr Gebieter, sagte sie, sei ein Lehnsherr des Königs Montezuma König Montezuma II., (1484 –1521), vgl. Anm. 20. . Sie seien hergeschickt, um zu erfragen, wer wir wären und was wir hier wollten. Wenn wir für unsere Schiffe irgend etwas nötig hatten, so seien sie gern bereit, selbiges herbeizuschaffen. Cortes dankte ihnen durch Aguilar und Doña Marina für ihren guten Willen und befahl, ihnen Speise und Trank vorzusetzen sowie ihnen blaue Glasperlen zu schenken. Zudem ließ er ihnen kundtun, wir wären hierhergekommen, um Land und Leute kennenzulernen und Tauschhandel zu treiben. Da wir ihnen nicht den geringsten Schaden zufügen wollten, brauchten sie keinerlei Besorgnis zu hegen. Die Kundschafter schieden sehr zufrieden von uns. Wir aber brachten am anderen Morgen, am Karfreitage, unsere Pferde und Geschütze an das Land, in die Dünen, die dort überall die Küste bedeckten. Der Stückmeister Mesa brachte die Kanonen in eine geeignete Stellung, während wir einen Altar errichteten, vor welchem alsbald die Messe gelesen ward. Für Cortes und für die Hauptleute hatten wir Hütten aus Baumzweigen gebaut. Die Mannschaft tat sich je zu dritt zusammen, schlug Holz und errichtete sich einen gemeinschaftlichen Schuppen. Und die Pferde erhielten einen guten Unterstand. Darüber war der Karfreitag hingegangen. Am Sonnabend erschienen eine Menge Indianer, Abgesandte des Teutlile, einem Herzoge des Königs Montezuma. Die halfen uns beim Hüttenbau und hängten große Stücke Zeug an Pfählen auf, um uns vor der Hitze zu schützen, die bereits sehr groß war. Auch brachten sie uns Hühner, Maisbrot und Früchte sowie, wenn ich mich recht entsinne, etliche Schmucksachen aus Gold. Alles das überreichten sie dem Cortes mit der Ansage, ihr Häuptling werde am kommenden Tage selber eintreffen. Cortes nahm die Gaben mit Vergnügen an und ließ den Leuten allerlei Dinge geben, die ihnen viel Freude machten. Am Ostertage stellte sich Herr Teutlile in Person bei uns ein. Er war Statthalter des Vorlandes am Meere. Etliche Edelleute und eine Menge Träger begleiteten ihn, die uns Hühner und Feldfrüchte brachten. Der Häuptling ließ seine Begleiter etwas hinter sich, näherte sich dem Generalkapitän und machte ihm dreimal auf indianische Weise seinen Bückling; alsdann auch uns, die wir um Cortes standen. Cortes hieß ihn willkommen, umarmte ihn und lud ihn zu dem Gottesdienst ein, der just beginnen sollte. Pater Barthel von Olmedo sang die Messe, und Bruder Juan Diaz war ihm zur Hand. Nachher nahmen der Statthalter und die Vornehmsten seines Gefolges mit Cortes und den Hauptleuten am Mahle teil. Nach der Tafel unterredete sich Cortes unter Beihilfe der Doña Marina und des Aguilar mit Teutlile und seinen Edelleuten, wobei er ihnen kundtat, daß wir Christen seien und Diener des größten Herrschers auf Erden. Selbiger heiße Kaiser Karl, und er habe zu Lehnsleuten und Dienern viele große Herren seines Reiches. Auf seinen Befehl wären wir in dies Land gekommen, von dem sowie von dessen Gebieter, dem Könige Montezuma, er seit schon immer Kenntnis gehabt habe. Im Namen Seiner Majestät sei Cortes also erschienen, mit dem Wunsche, ihm ein Freund zu werden. Im Sinne alles dessen bäte er den Statthalter, ihm den Weg zu seinem Herrn und Gebieter zu weisen, damit er ihm seine Aufwartung machen und ihm die Botschaft des Kaisers eröffnen könne. Teutlile antwortete in hochfahrender Weise: Ehe du bei meinem Könige um Gehör bittest, tust du gut, dir meine dir gebrachten Geschenke anzusehen und mir zu sagen, welcher Dinge du etwa bedarfst! Hierauf öffnete er einen Koffer aus Weidengeflecht, der eine Menge goldener Gegenstände von feiner und guter Arbeit enthielt. Weiterhin überreichte er Cortes zwanzig Ballen weißer Baumwolle sowie gar zierliche Stickereien aus Federwerk und anderlei kostbare Dinge, deren ich mich im einzelnen heute nach so vielen Jahren nicht mehr genau erinnere, auch reichlich Lebensmittel, insbesondere Hühner, gedörrte Fische und Früchte. Cortes nahm alle diese Geschenke in heiterer Würde entgegen und gab dem Statthalter als Gegengeschenk geschliffene Glasperlen und andere hispanische Sachen. Sodann ersuchte er ihn, in seinem Machtbereiche bekannt zu geben, die Einwohner möchten sich zum Tauschhandel bei uns einfinden, da wir so mancherlei schöne und nützliche Dinge mitbrächten, für die wir Gold nähmen. Teutlile versprach, dies zu tun. Hierauf ließ Cortes folgendes herbeibringen: einen geschnitzten und bemalten Armsessel, eine Mütze aus feuerrotem Tuch, eine goldene Schaumünze daran mit dem Bilde des heiligen Georg, wie er mit der Lanze den Drachen tötet, eine Schnur glitzernder Glasperlen, einen großen Glaskristall, eingewickelt in ein Tuch, das nach Bisam duftete. Alle diese Sachen, sagte er, sende er dem Könige mit der Bitte, ihn auf diesem Sessel zu empfangen und die Glasperlenschnur bei selbiger Gelegenheit zu tragen. Es seien Geschenke des großen Kaisers zum Zeichen seiner Huld und Gnade und zum Beweise seiner Hochschätzung. Er aber hoffe, ihm bald seine Aufwartung machen zu können. Teutlile nahm die Geschenke an, indem er erklärte, sein Herr und König, der ein mächtiger Herrscher sei, werde sich freuen, Kunde und Geschenke von dem großen Kaiser zu erhalten. Er wolle ihm die Geschenke schleunigst übersenden und um Bescheid bitten. Der indianische Statthalter hatte etliche überaus geschickte Zeichner bei sich, deren es in Mexiko viele gibt. Durch diese ließ er das Gesicht, die Haltung und die Kleidung des Generalkapitäns abbilden und aller Hauptleute und etlicher Soldaten, die Gestalten der Doña Marina und des Aguilar, das Aussehen der Schiffe und Pferde, der Kanonen und Kugeln, sogar unserer beiden Hunde, kurzum aller Menschen und Dinge, die sie bei uns sahen. Diese Bildnisse sind dem Könige Montezuma überbracht worden. Um ihnen einen Begriff von unserer Macht zu geben, ließ Cortes die Geschütze mit der größten Pulverladung laden und gab dem Alvarado den Befehl, samt den anderen Rittern aufzusitzen, vorher aber allen Pferden Schellen an das Vorderzeug zu hängen, und dann angesichts des Gesandten Montezumas vorbeizugaloppieren. Nach der Vorführung der Reiter sind die Geschütze abgefeuert worden. Es war völlige Windstille. Die Steinkugeln gingen mit gewaltigem Krach und langem Nachhall über die Dünen hin. Die Indianer erschracken arg, und die Zeichner bekamen die Weisung, auch dies seltsame Geschehnis im Bilde zu verewigen. Einer der Hispanier hatte eine Sturmhaube auf, die an einigen Teilen vergoldet war. Teutlile, dem sie auffiel, bemerkte, ähnliche Helme hätten ihre Vorfahren getragen. Einer werde im Tempel ihres Kriegsgottes zum Andenken aufbewahrt. Cortes erwiderte, er möchte diesen Helm einmal sehen. Die Sturmhaube des Hispaniers aber gab er ihm zum Geschenk und sprach dabei den Wunsch aus, wenn er eine Sturmhaube voll Goldkörner hätte, würde er sie unserem Herrn und Kaiser senden. Hierauf nahm Teutlile Abschied von Cortes. In Eile reiste er zurück zu Montezuma, um ihm Bericht zu erstatten und ihm die Geschenke des Hispaniers und die angefertigten Bilder zu überreichen. Der König war über alles, was er hörte und sah, höchlichst verwundert. Als er die Sturmhaube erblickte, erkannte auch er die Ähnlichkeit mit der im Tempel des Kriegsgottes und er zweifelte nicht länger, daß wir zu jenem Volke gehörten, von dem eine uralte Sage verkündete, daß es einst ins Land käme und sich der Herrschaft bemächtige. Sechs oder sieben Tage vergingen. Da traf Teutlile eines Tages abermals ein; mit ihm ein anderer Häuptling namens Kuitlelpitok und mehr als 100 wohlbeladene Lastträger. Cortes empfing die beiden Edelleute auf das freundlichste und hieß sie neben sich Platz zu nehmen. Nach den beiderseitigen Begrüßungsreden breiteten die Ankömmlinge auf einer Matte die mitgebrachten Geschenke aus: [ergänzt nach dem Berichte des Torquemada] eine runde Scheibe aus Gold, darauf die Sonne und der Tierkreis war abgebildet, über 100 Mark Gewicht schwer; eine ebensolche aus Silber, darauf der Mond war dargestellt, von über 50 Mark Gewicht und von der Größe eines Wagenrades; ein Halsband aus sieben Stücken Gold mit 183 kleinen Smaragden und 232 kleinen rubinähnllchen Edelsteinen, daran hängend 27 kleine Glocken von Gold und etliche Perlen; ein ebensolches aus vier Stücken Gold mit 172 Smaragden und 102 roten rubinähnlichen Edelsteinen, daran hängend 26 kleine Glocken von Gold mit zehn schönen Perlen, und acht andere goldene Halsketten; ein Spiegel aus Marchasit, in Kugelform, von der Größe einer Faust, in Goldfassung von feinster Arbeit, ein wahrhaft fürstliches Geschenk; eine Menge goldener und silberner Schmucksachen; eine Menge Figuren aus Gold, darstellend Frösche, Hunde, Löwen, Affen, Enten und andere Tiere; eine Anzahl goldener Schaumünzen; eine Anzahl von Edelsteinen in köstlichen Fassungen, die allein schon mehr Wert hatten als die Edelsteine; eine Sturmhaube aus Goldblech mit Behängen, besetzt mit Smaragden; ein Helm, kunstvoll aus Holz geschnitzt, gefüllt mit Goldkörnern; eine Menge großer Federbüsche in den buntesten Farben, in goldenen und silbernen Fassungen; ein Fliegenwedel von wundersamer Arbeit aus seltenen Federn, 1000 Glöckchen aus Gold und Silber daran; Armspangen aus Gold mit grüner und goldgelber Federstickerei; eine Menge Wildleder, auf das beste gegerbt und gefärbt; Schuhe und Sandalen aus Wildleder, mit Goldfäden genäht und mit kostbaren blauen und weißen Sternen an den ganz dünnen Sohlen; eine Menge anderer Schuhe aus feinster Baumwolle; Decken und Vorhänge aus Baumwolle, in den verschiedensten Farben, feiner und glänzender als Seide; eine große Menge von Mänteln aus Baumwollenstoff, zierlich gearbeitet und mit Federn durchwirkt, in den herrlichsten Farben; Fächer mit Stickerei aus feinen Federn und Gold, von verschiedener Form und Größe; Schilde aus blendend weißen Stäben, mit kleinen Gold- und Silberplatten und Federstickerei; ebensolche mit Perlenstickerei mit einer Kunst gefertigt, die nicht ihresgleichen hat; ein Bogen und zwölf Pfeile, alles aus Gold; lange Heroldstäbe, aus feinstem Golde. Nachdem die beiden Häuptlinge diese Schätze dem Cortes überreicht hatten, erklärte der eine von ihnen: König Montezuma sei hocherfreut über die Ankunft so tapferer Helden in seinen Landen. Er wünsche, den großen Kaiser, von dem er schon vorher Kunde gehabt, kennen zu lernen, müsse sich aber bei der großen Entfernung damit begnügen, ihm demnächst ein kostbares Geschenk zu machen. Mit Vergnügen stellte er uns alles zur Verfügung, was wir während unserer Gegenwart hier im Lande etwa bedürften. Was aber die Zusammenkunft mit Cortes anbeträfe, so möchte er den Gedanken daran doch lieber fahren lassen, da sie nicht vonnöten sei und mit allzu großer Schwierigkeit verbunden. Cortes dankte den beiden Gesandten auf das verbindlichste und schenkte jedem zwei Hemden aus holländischer Leinwand, blaue Glasperlen und anderen hispanischen Kram. Zugleich ersuchte er sie, ihrem großen Könige zu vermelden, daß Kaiser Karl sehr ungnädig gestimmt sein würde, falls er vernähme, sein General sei an der Grenze des Landes umgekehrt, obgleich er die weite Reise aus seinem fernen Reiche hierher lediglich mit dem Auftrage unternommen habe, dem König Montezuma einen feierlichen Besuch abzustatten. Es bleibe ihm also nichts anderes übrig, als den kaiserlichen Befehl zu vollführen und nach der Hauptstadt zu kommen. Die Gesandten erwiderten, selbiges werde ihrem Herrn und Gebieter vermeldet werden, worauf Cortes ihnen etliche Geschenke für ihn aus unserem armseligen Vorrate einhändigte, darunter einen vergoldeten Pokal von Florenzer Arbeit und drei Hemden aus holländischer Leinwand. Damit zogen die beiden Häuptlinge ab. Nachdem die Gesandten abgefertigt waren, gab Cortes dem Franz von Montejo Befehl, mit zwei Schiffen an der Küste entlang den Weg des Juan von Grijalva – dessen Unternehmung er mitgemacht hatte – zu verfolgen und binnen zehn Tagen einen sicheren Hafen und einen zur Anlage einer Siedelung geeigneten Ort zu erkunden. Die Führung der beiden Schiffe hatten der Obersteuermann Alaminos und der Steuermann Juan Alvarez el Manquillo. Beide kannten die dortigen Gewässer. Das kleine Geschwader lief aus und gelangte bis an die Mündung des Panuko-Stromes. Dort kehrte es wieder um. Das karge Ergebnis der Fahrt, zu der man zehn oder zwölf Tage gebraucht hatte, war die Meldung, zwölf Wegstunden weit von San Juan de Ulloa läge eine Ortschaft, augenscheinlich eine Veste. Dort sei auch ein Hafen, der nach dem Urteil des Alaminos Schutz vor den Nordwinden gewähre. Die besagte Veste hieß Chiahuizlan. Unser Vorrat an Lebensmitteln begann zusammenzuschrumpfen. Das mitgebrachte Schiffsbrot war schimmlig geworden und wimmelte schon von Würmern. Wer sich nicht Schaltiere suchte, hatte nichts zu beißen. Im Anfang hatten die Indianer Gold und Hühner zum Tauschhandel gebracht; aber sie kamen immer seltener und ihrer immer weniger, und die paar, die sich noch einstellten, waren scheu und verschlossen. Da erschien abermals der Häuptling Teutlile, wiederum mit einer Anzahl von Indianern, aber diesmal ohne den anderen Edelmann. Er brachte als Geschenk des Königs Montezuma für unseren Kaiser vier große Smaragde. Diese Steine werden bei den Mexikanern höher geschätzt als im Abendlande. Dazu allerhand goldenes Geschmeide, alles in allem im Werte von 3000 Piastern. Was den angesagten Besuch des Cortes in der Hauptstadt anbelange, so lautete der Bescheid des Königs Montezuma, er möge unterbleiben. Cortes war wenig erbaut von der Ablehnung seines Besuches in so kahlen Worten. Gleichwohl dankte er verbindlichst. Denen aber, die um ihn standen, rief er zu: Dieser Montezuma scheint ein unnahbarer Herr zu sein. Trotz alledem werden wir unsere Gäule satteln und ihn in seinem Bau aufstöbern! – Wären wir nur schon dort! meinten die Angeredeten. Von diesem Tage ab blieben die Indianer, die mit uns Tauschhandel getrieben hatten, ganz aus. Der Mangel an Lebensmitteln ward immer schlimmer. Auch war es in den Dünen vor Schnaken kaum auszuhalten. So war es nicht zu verwundern, daß sich viele von uns nach ihrer Heimat sehnten. Insbesondere war dies unter den Anhängern des Diego von Velasquez der Fall. Als Cortes diese Stimmung wahrnahm, gab er den Befehl, das Nötige vorzubereiten. Er wolle nach Chiahuizlan marschieren, der durch Montejo und Alaminos entdeckten Ortschaft. Etliche Parteigänger aber des Velasquez stellten dem Cortes folgendes vor. Es sei wahrhaft unmöglich, einen Vormarsch anzutreten, ohne Lebensmittel. Bereits wären 35 Mann an den Wunden der Gefechte bei Tabasko, sowie an Krankheit und infolge ungenügender Nahrung gestorben. Das Land hier sei groß, das Volk darin zahlreich und ein Angriff der Indianer sei wohl sehr bald zu erwarten. Es sei deshalb ratsam, nach Kuba zurückzukehren. Gold wäre auch bereits in recht ansehnlicher Menge vorhanden; dazu die kostbaren Geschenke des Montezuma, vor allem die beiden Schilde, das aus Gold mit der Sonne wie das aus Silber mit dem Monde, die Sturmhaube voll Goldkörner und alle die übrigen Schätze. Cortes erwiderte, er fände es durchaus nicht ratsam, Umkehr zu machen, ehe wir im Lande drin gewesen seien. Er sähe überhaupt keinen Anlaß zur Unzufriedenheit. Bis jetzt sei ihnen ja das Glück hold gewesen. Der liebe Gott habe ihnen gnädiglich beigestanden. Daß sie Verluste gehabt, das sei einmal im Kriege nicht anders. Was die Lebensmittel anbelange, so sei weiter drinnen im Lande Mais genug da. Erst müsse man aber eindringen. Damit brachte Cortes die Unzufriedenen vorderhand zum Schweigen. Doch half es nicht lange. Bald kamen sie wiederum heimlich zusammen und zettelten allerlei Umtriebe an, in der Absicht, die Rückkehr nach Kuba durchzusetzen. Demgegenüber war auch Cortes nicht untätig. Er beredete seine Freunde, es zu erwirken, daß das Heer ihn zum selbständigen Feldherrn ausrufe. Hierbei waren besonders eifrig Alonso Hernandez Puerto-Carrero, Peter von Alvarado und dessen vier Brüder, ferner Christoval von Olid, Alonso von Avila, Juan von Escalante, Franz von Lujo und etliche andere Offiziere und Kavaliere, auch ich. Cortes weigerte sich anfänglich, die angebotene Würde anzunehmen, und ergab sich erst auf vieles Bitten. So wurde er unser Generalkapitän und Gerichtsherr, jedoch mit der Bedingung, daß ihm – vom eroberten Golde – nach Abzug des kaiserlichen Fünftels der fünfte Teil gehöre. Über dies und alles andere ist vom Kaiserlichen Notarius eine Urkunde aufgesetzt worden. Hierauf faßten wir den Beschluß, daß eine Stadt mit dem Namen Villa rica de la Vera Cruz gegründet werden solle. Wir nannten sie so, weil wir am Karfreitag an das Land gegangen waren, und in Erinnerung an jene Worte das Puerto-Carrero vom reichen Lande. Nach der Feierlichkeit wählten wir zu Räten der Stadt Puerto-Carrero und Montejo, letzteren weil er sich mit Cortes nicht gut stand. Ortskommandant wurde Peter von Alvarado, Großprofos Juan von Escalante, Schatzmeister Gonzalo Mexia, Rechnungsführer Alonso von Avila, Fähnrich ein gewisser Corrar. (Der bisherige Fähnrich Villarol hatte die Stelle niedergelegt, dieweil er wegen einer Indianerin aus Kuba Verdruß gehabt hatte.) Zu Lager-Profosen wurden Achoa aus Biscaya und Alonso Romero bestellt. Die Anhänger des Diego von Velasquez waren voller Wut und Ärger. Sie erklärten, sie seien mit der Ernennung des Cortes nicht einverstanden, und behaupteten, sie brauchten ihm nicht zu gehorchen, und verlangten nach Kuba zurückzukehren. Cortes erwiderte ihnen, er halte niemanden mit Gewalt zurück und gäbe jedem den Abschied, der ihn verlange, und wenn er ganz allein hier verbleiben sollte. Etliche seiner Widersacher beruhigten sich hierauf. Nur Juan Velasquez von Leon, Diego von Ordas, Alonso von Escobar, Peter Escudero und noch einige andere blieben widerspenstig, und es kam schließlich so weit, daß sie dem Cortes förmlich den Gehorsam verweigerten. Da nunmehr eine scharfe Maßnahme geboten schien, ließ Cortes die Genannten mit unserer Zustimmung in Ketten legen und bewachen. Cortes beschloß nun, daß Peter von Alvarado elnen Zug in das Innere des Landes antreten solle, um es zu erkunden und insbesondere etliche Ortschaften, von denen wir gehört hatten, näher kennen zu lernen, sowie um Mais und andere Lebensmittel beizutreiben, deren wir, wie schon gesagt, höchlichst bedurften. Dazu sind ihm mitgegeben worden 100 Mann, darunter l5 Armbruster und sechs Büchsenschützen. Die Hälfte dieser Mannschaft bestand aus Leuten, die zum Anhange des Velasquez gehörten. Wir, auf die sich Cortes völlig konnte verlassen, wir blieben alle bei ihm zurück, damit keine neuen Umtriebe und etwa gar Meuterei wider ihn angezettelt werden konnten. Alvarado kam auf seinem Zuge durch mehrere kleine Ortschaften, die insgesamt einer größeren untertan waren, namens Kostatlan. Man redete daselbst bereits die Sprache von Mexiko. Diese Dörfer waren alle verlassen, aber reich an Nahrungsmitteln. Da sich keine Träger fanden, mußte sich jeder Soldat einen Pack Gemüse und Hühner aufladen, und so kehrte der Trupp in das Lager zurück. Irgendwelcher Schaden wurde nicht angerichtet. Cortes hatte dies auf das Strengste verboten. Das Eingeholte erweckte große Freude unter uns, denn wenn sich der Mensch satt essen kann, vergißt er die Hälfte seiner Leiden. Cortes gab sich die größte Mühe, die Parteigänger des Diego von Velasquez für sich zugewinnen. Dem einen schenkte er Gold, ein Ding, mit dem man bekanntlich kann Berge versetzen. Anderen machte er ansehnliche Versprechungen. Im Übrigen setzte er alle Verhafteten wieder in Freiheit außer Juan Velasquez von Leon und Diego von Ordaz, die beide an Bord in Ketten lagen und bewacht wurden. Aber auch diese ließ er bald nachher los und machte sie sich zu wahren Freunden, was sie in der Folge oft genug bewiesen haben. An Gold freilich sparte Cortes dabei nicht, denn nur dadurch waren sie zahm zu kriegen. Nachdem auf solche Weise eine bessere Einheit geschaffen war, ging es an den Weitermarsch. Als Ziel ward zuvörderst die Bergveste Chiahuizlan bestimmt. Auch die Schiffe sollten in der Richtung dahin abgehen und in eine Bucht einlaufen, die eine halbe Stunde von besagtem Orte entfernt ist. Wir zogen an der Küste hin, wobei wir unterwegs einen großen Fisch umbrachten, den die Flut an das Land geworfen hatte. Dann kamen wir an einen ziemlich tiefen Fluß (den Antigua), an dem später die Stadt (Alt-)Verakruz erbaut worden ist. Wir überschritten ihn auf Fähren und in ein paar morschen Kähnen, die sich am Wasser fanden. Ich selbst schwamm hinüber. Am anderen Ufer lagen mehrere Dörfer, aber in keinem trafen wir Leute an. Da die dortigen Indianer Menschen unserer Art und zumal Pferde noch nie gesehen hatten, liefen sie bei unserem Herannahen allesamt davon. Infolgedessen mußten wir uns am Abend hungrig schlafen legen. Am anderen Morgen setzten wir unseren Marsch landeinwärts fort. Da wir weder Weg noch Steg kannten und fanden, zogen wir auf gut Glück durch einen Wiesengrund, wo etliches Rotwild graste, Peter von Alvarado machte sogleich auf seiner Fuchsstute Jagd nach einem Hirsch, brachte ihm auch einen Lanzenstich bei; trotzdem aber entkam das Tier hinter eine Höhe. Inzwischen fanden sich ein Dutzend Indianer ein, die uns etliche Hühner und Maisbrot überreichten und durch den Dolmetsch die Nachricht, der Häuptling ihres Gebietes schicke uns dies und bäte uns, ihn zu besuchen. Sein Dorf sei etwa eine Sonne – das heißt: eine Tagesreise – weit. Cortes dankte ihnen freundlichst. Wir marschierten weiter und erreichten eine Ortschaft, wo wir Spuren von unlängst geschehenen Menschenopfern sahen. Wir verblieben daselbst und bekamen ein Abendessen. Dort erfuhren wir, daß der Weg nach Chiahutzlan über die Stadt Cempoalla gehe. In aller Frühe brachen wir dahin auf. Sechs von den zwölf Indianern, die nachts bei uns geblieben waren, sandte Cortes voraus, um die Häuptlinge der Cempoallaner von unserem Nahen zu benachrichtigen und sie um die Ehre zu bitten, sie besuchen zu dürfen. Die sechs übrigen mußten als Wegeführer mit dem Heere gehen. Wir hielten unter uns trefflich Marschordnung und blieben allezeit gefechtsbereit. Überdies hatten wir Aufklärer und einen Vortrupp von Reitern vor uns. Eine knappe Stunde vor Cempoalla kamen uns 20 vornehme Indianer entgegen, um uns im Namen ihres Häuptlings zu bewillkommen. Sie brachten feuerrote Ananasse, die gar herrlich dufteten, und überreichten sie unter freundlichen Gebärden dem Cortes und den anderen, die zu Pferde waren. Ihr Herr und Gebieter – vermeldeten sie – erwarte uns in seinem Hause. Wegen seiner großen Beleibtheit sei es ihm leider nicht möglich, uns persönlich entgegenzukommen. Cortes dankte den Leuten, und wir zogen weiter. Als wir dann die Stadt betraten, waren wir ob ihrer Größe verwundert, und als wir überall Pracht und Üppigkeit wahrnahmen und das viele Volk beiderlei Geschlechts in den Gassen, da dankten wir Gott für seine Güte und Gnade, uns ein solch Land entdecken zu lassen. Unsere Vorhut zu Pferde war bereits auf dem großen Platz vor dem Hause angelangt, wo unser Quartier sein sollte. Die Mauern dieses Gebäudes hatte man wenige Tage zuvor mit weißer Kalkfarbe frisch getüncht, was die Indianer trefflich verstehen, und da die Sonne just darauf schien, so glaubte einer der Reiter, sie wären aus Silber. Schleunigst setzte er sich in Trab und meldete Cortes, in dieser Stadt gäbe es Paläste mit silbernen Mauern. Der Mann ist hinterher bei jeder Gelegenheit gehänselt worden. Als wir im Quartier eintrafen, trat uns im Hofe der dicke Kazike entgegen – so und nicht anders haben wir ihn stets genannt, – Kazike heißt Häuptling – und bewillkommte uns. Der Mann war wirklich über die Maßen beleibt. Er bezeigte dem Cortes die größte Ehrerbietung, wobei er ihn nach der Landessitte mit Weihrauch beräucherte. Der Generalkapitän umarmte ihn. Darnach führte man uns in die Quartiere, die sehr geräumig und bequem waren. Auch das Mahl war gut. Unter anderem wurden Maisbrot und Körbe voll Pflaumen aufgetischt. Wir waren ausgehungert und hatten lange nicht so viel auf einmal zu essen bekommen. Deshalb nannten wir Cempoalla Villa viciosa, die Schlemmerstadt. Cortes hatte den Befehl gegeben, keinen der Einwohner im geringsten zu belästigen, und es streng verboten, daß die Mannschaft nicht weiter als über den Platz vor unserem Quartier in die Stadt hineingehe. Nachdem man dem dicken Kaziken gemeldet hatte, daß wir gegessen hätten, sagte er dem Cortes seinen Besuch an und erschien bald darauf mit einem Gefolge von Vornehmen, die alle Schmuck aus schwerem Gold und kostbare Mäntel trugen. Cortes schritt ihnen bis vor sein Quartler entgegen und hieß sie herzlich willkommen. Nach der gegenseitigen Begrüßung überreichte der dicke Kazike das mitgebrachte Gastgeschenk, das aus goldenem Geschmeide und baumwollenen Stoffen bestand. Von besonderem Wert waren die Sachen nicht. Der Häuptling sagte dabei: Herr, nehmt dies freundlich an! Hätten wir mehr, so brächten wir mehr! Cortes ließ ihm durch Dona Marina und durch Aguilar erwidern, er wolle sich nicht durch Worte sondern durch Werke erkenntlich zeigen. Eines aber möchte er sagen: Wir seien Kriegsleute des großen Kaisers Karl, der über die halbe Welt herrsche. Er habe uns ausgesandt, um überall Gutes zu tun, Unrecht wettzumachen und das Böse zu bestrafen. Deshalb müßten also hier im Lande vor allem die Menschenopfer aufhören. Schließlich sprach er vom christlichen Glauben. Am anderen Morgen brachen wir von Cempoalla auf. Man gab uns 400 Lastträger mit, von denen jeder mit 50 (mexikanischen) Pfund bepackt fünf Wegstunden zurückzulegen imstande ist. Wir waren sehr froh darüber, denn bis dahin hatte jeder von uns seinen Rucksack selber schleppen müssen. Von jetzt ab ließen wir uns allerorts solche Träger stellen. In einem Dorfe unweit vor Chiahuizlan blieben wir über Nacht. Da der Ort gänzlich verlassen war, versorgten uns die Cempoallaner mit der nötigen Nahrung. Am anderen Vormittag gegen zehn Uhr erreichten wir die ersten Häuser von Chiahuizlan. Die Stadt liegt zwischen hohen Felsen an steilen Abhängen, so daß sie gut zu verteidigen und schwer zu nehmen ist. Wir trauten deshalb dem Landfrleden nicht und marschierten in voller Ordnung und Gefechtsbereitschaft. Am Anfang unseres Haupttrupps befanden sich unsere gesamten Geschütze, damit sie im Notfalle sofort zur Stelle waren. Der ganze Ort war wie ausgestorben. Erst auf der Höhe der Veste, auf einem freien Platz vor dem Haupttempel, trafen wir auf fünfzehn wohlgekleidete Indianer, die mit Weihrauchgefäßen herumliefen. Als sie uns sahen, gingen sie auf Cortes zu und bewillkommten ihn. Der dankte und schenkte den Leuten grüne Glasperlen und anderen hispanischen Krimskrams. Zum Danke brachten sie uns alsbald Hühner und Maisbrot. Währenddessen ward dem Cortes gemeldet, der dicke Kazike von Cempoalla sei in einer Sänfte mit einem Gefolge von Vornehmen im Anzuge. Als er angelangt war, klagte er über die harte Herrschaft des Königs Montezuma und erzählte, was für Leiden und Lasten die Cempoallaner zu ertragen hätten. Dabei weinten und jammerten er und alle um ihn, so daß uns windelweich zumute ward. Montezuma forderte unter anderem jedes Jahr eine große Anzahl von ihren Söhnen und Töchtern, teils um sie den Göttern zu opfern, teils um sie zu niedrigem Dienst in Haus und Feld zu verwenden. Beim Eintreiben der Steuern verübten seine Amtsleute auch noch allerlei Übergriffe. Kein hübsches Weib wäre vor ihnen sicher. Cortes tröstete sie durch unsere Dolmetscher und versprach ihnen, gründlich Abhilfe zu schaffen. Das sei sein Beruf hier im Lande. Sie sollten also guten Mutes sein. Zufällig kamen am selbigen Tage fünf königliche Steuereinnehmer, die sich höchst anmaßend gegen die Einwohnerschaft benahmen. Sie verlangten 20 junge Männer und 20 Jungfrauen. Als Cortes davon vernahm, setzte er dem dicken Kaziken und den anderen Häuptlingen so lange zu, bis sie sich ermannten und die fünf Mexikaner festnahmen und einsperrten. Hierauf ließ Cortes eine Verfügung bekanntgeben, daß dem Könige Montezuma fortan nicht mehr Gehorsam, auch kein Zins mehr zu leisten sei. Dies solle im ganzen Gebiete von Cempoalla kundgetan werden. Die Häuptlinge waren der Meinung, man müsse die fünf Gefangenen den Göttern zu Ehren abschlachten. Cortes aber verbot dies und ließ sie durch seine Leute bewachen. Um Mitternacht befahl er der Wache, zwei von den Mexikanern vorzuführen, ohne daß es sonst irgendwer gewahr werde. Es geschah, und als die beiden vor ihm standen, tat der Generalkapitän, als wisse er von nichts, und stellte durch die Dolmetscher die Frage: Wer seid Ihr? Woher kommt Ihr? Warum hat man Euch eingesperrt? Die Mexikaner gaben die geforderte Auskunft, worauf Cortes ihnen erklärte, die Sache sei ihm leid, er habe aber bisher nichts davon gewußt. Sodann ließ er ihnen zu essen geben, behandelte sie auf das freundlichste und beauftragte sie, dem König Montezuma zu vermelden, er und die Hispanier wären alle seine Freunde und Diener. Ferner sagte er zu den Gefangenen, sie seien frei und er werde die Häuptlinge von Cempoalla ernstlich verweisen. Ihre drei Gefährten wolle er auch noch befreien. Als die beiden sogleich abgehen sollten, baten sie um Geleit. Da gab Cortes sechs Seeleuten den Befehl, sie in einem Boote so weit wegzuführen, bis sie außerhalb des Gebietes von Cempoalla seien. Dies geschah auch. Am Morgen war der dicke Kazike arg verwundert und nicht weniger die anderen Häuptlinge, daß von den fünf Gefangenen nur noch drei da waren. Selbige nun wollten sie auf der Stelle umbringen. Cortes aber stellte sich ergrimmt über das Fehlen von zwei Gefangenen und erklärte, die drei noch vorhandenen wolle er selber in Gewahrsam nehmen. Er ließ Ketten aus den Schiffen holen. Die drei Indianer wurden gefesselt und an Bord gebracht. Daselbst aber sind ihnen die Fesseln sofort wieder abgenommen worden. Sie wurden auf das beste behandelt. Auch wurde ihnen gesagt, daß sie binnen kurzem frei wären. Nach diesen Vorgängen hielten die Häuptlinge von Cempoalla eine Versammlung ab und teilten dem Cortes mit, sie seien überzeugt, daß König Montezuma, sobald er von der Sache erfahre, ohne Verzug Truppen wider Cempoalla marschieren lasse. Das wäre ihr Untergang. Allein Cortes beruhigte sie, indem er ihnen lachend erwiderte, solange er und die Seinen bei ihnen wären, geschähe ihnen nichts. Wer es auch wage, sie anzugreifen, der wäre dem Tode verfallen. Darauf gelobten ihm die Häuptlinge von Cempoalla von neuem ihre Treue und versprachen, ihre gesamte Streitmacht unter den Befehl des Cortes stellen zu wollen. Da die Steuereinnehmer Montezumas nicht wieder zum Vorschein kamen, war die Freude im ganzen Lande groß. Mehr als 30 Ortschaften fielen von den Mexikanern ab und schlossen sich unserem Bunde mit Cempoalla an. Nunmehr säumten wir nicht, an die Anlage einer Siedelung zu gehen. Den Ort dazu wählten wir eine halbe Wegstunde weit von der Veste Chiahuizlan, in der Ebene. Alsogleich steckten wir die Plätze für die Kirche, den Markt, die Vorratsschuppen und die öffentlichen Gebäude aus. Auch zu einer Veste ward der Anfang gemacht. Cortes legte als erster Hand an das Werk. Seinem Beispiele folgten wir alle, ebenso die Häuptlinge und viel indianisches Volk. In kurzer Zeit waren die Kirche und etliche Häuser fertig. Auch der Bau der Veste kam vorwärts. Inzwischen hatte König Montezuma die Nachricht erhalten, daß seine Steuereinnehmer in Chiahuizlan waren festgenommen worden, daß man ihm im Gebiete von Cempoalla den Gehorsam aufgekündigt hatte und ihm keinerlei Zins mehr leiste. Wir Hispanier seien die Urheber dieses Abfalls. Voll Zorn gab er einem Teile seines großen Heeres den Befehl, wider die Cempoallaner zu ziehen und sie bis auf den letzten Mann zu vernichten. Gegen Cortes wollte er den Krieg selber führen. Schon waren die Vorbereitungen im Gange, da trafen die beiden wieder freigelassenen Amtsleute in der Hauptstadt ein und rühmten die gütige Behandlung, die Cortes ihnen hatte zuteil werden lassen. Dadurch schwankenden Sinnes geworden, beschloß Montezuma, vorerst genau zu erkunden, was wir Fremdlinge für Absichten hätten. Zu diesem Zweck schickte er zwei seiner Neffen in Begleitung von vier alten Würdenträgern mit Geschenken an Cortes. Diese Gesandtschaft hatte den Auftrag, für die Freigabe der beiden Mexikaner zu danken, zugleich aber Beschwerde zu erheben, daß Cortes den Abfall der Cempoallaner ohne Zweifel begünstige, denn nur unter seinem Schutze könnten sie solches wagen. Von seinem Entschlusse, die Abtrünnigen durch gänzliche Ausrottung zu züchtigen, stehe er zwar vorläufig ab, aber nur um sich zuvor mit uns zu verständigen. Cortes empfing dle Gesandten freundlich und nahm die Geschenke dankend an. Sie hatten einen Wert von etwa 2000 Piastern. Zugleich ließ er dem Könige sagen, er wäre ihm nach wie vor durchaus freundschaftlich gesinnt. Dies bezeuge seine Behandlung der Steuereinnehmer, die er nunmehr alle freilasse. Was aber die verweigerte Folgschaft und den nicht mehr gezahlten Zins der Cempoallaner anbelange, so könnten sie doch nicht zween Herren dienen. Sie wären jetzo Untertanen Seiner Majestät unseres Kaisers. Alle anderen Fragen wolle er in Person mit dem Könige regeln. In solcher Absicht werde er alsbald den Marsch nach der Hauptstadt antreten. Nach diesem schenkte Cortes den beiden jungen Edelleuten und ihren vier älteren Begleitern, die Männer von hohem Stande waren, blaue und grüne Glasperlen und bezeigte ihnen überhaupt viel Ehre. Da eine große Wiese in der Nähe war, ließ er ihnen durch Alvarado auf dessen trefflicher Fuchsstute allerlei Relterkunststücke vorführen. Voller Bewunderung und Zufriedenheit sind die Gesandten nach Mexiko zurückgekehrt. In jener Zeit stand das Pferd des Cortes um. Ortiz, der Musikus, und Barthel Garcia, der Bergmann, traten ihm ihren Rappen ab, das eins unserer besten Rosse war. Unsere Verbündeten in der Stadt Cempoalla wie im Gebirge hatten bis dahin in nicht geringer Furcht und Angst vor Montezuma geschwebt. Es war ihnen unzweifelhaft gewesen, daß der König ein großes Heer wider sie werde anmarschieren lassen, um sie mit Stumpf und Stiel zu vertilgen. Wie sie aber nun sogar Verwandte Montezumas ankommen sahen, die dem Cortes Geschenke überbrachten und sich ihm gegenüber auf das ehrerbietigste benahmen, da stieg ihre Achtung vor uns ins Maßlose. Wir mußten Götter oder Teufel sein, da offenbar sogar dem König Montezuma vor uns bange war. Am anderen Tag, in der Frühe, setzten wir uns wieder in Bewegung. Wir waren 400 Mann stark mit genügend vielen Armbrustern und Büchsenschützen sowie 14 Reitern. Die Geschütze wurden von 100 Lastträgern fortgebracht, die uns von den Indianern gestellt worden waren. Wir marschierten fünf Wegstunden weit wieder nach Cempoalla, wo wir die Nacht verblieben. Daselbst standen 2000 Indianer, eingeteilt in vier Kompagnien, bereit, sich unserem Zuge anzuschließen. Tags darauf zogen wir vor die Veste Tzinpanzinko, die auf einer steilen Felsenhöhe lag. Die Häuptlinge aus dieser Stadt machten mit den Hispaniern nach etlichen Zwischenfällen ein Bündnis. Bisher waren sie in Feindschaft mit Cempoalla gewesen. Cortes brachte die Versöhnung und ein gutes Einverständnis zuwege, das in der Folge angedauert hat. Auf dem Weitermarsche am übernächsten Tage fanden wir den dicken Kaziken nebst etlichen Vornehmen von Cempoalla, die allesamt in einem Hüttenlager, das sie für uns gebaut hatten, mit Lebensmitteln auf uns warteten. Daselbst verblieben wir die Nacht und kehrten am anderen Morgen in Begleitung unserer Freunde aus Cempoalla dorthin zurück. Es lag den Cempoallanern ungemein daran, daß wir in ihrem Gebiete verweilten, dieweil sie sich immer mehr vor der Rache des Königs Montezuma fürchteten. Um ihr Bündnis mit uns zu festigen, trachteten sie darnach, Cortes und seine Offiziere in Verwandtschaft mit ihren Häuptlingen zu bringen, und so führten sie uns acht vornehme Indianerinnen zu. Eine davon, eine Nichte des dicken Kaziken, bekam der Generalkapitän; eine andere, die Tochter eines Häuptlings, namens Kuesko, erhielt Puerto-Carrero. Alle diese jungen Damen gingen nach der Sitte ihres Landes angeputzt. Sie trugen kostbare Hemden über den Kleidern, goldene Ketten um den Hals und goldene Ringe an den Ohren. Auch brachten sie ihre Kammerzofen mit. Als der dicke Kazike sie dem Cortes vorführte, hielt er eine kleine Rede und sagte: Herr, diese sieben Jungfrauen sind für deine Hauptleute. Und diese hier, meine Nichte, die selber über Land und Leute Gebieterin ist, bringe ich Euch dar! Cortes nahm die Braut in heiterer Laune an und dankte dem Häuptling, indem erbemerkte: Nun sind wir Euch brüderlich verbunden! Anderen Tags in der Morgenfrühe, nach der Messe, sind die acht Indianerinnen im Beisein ihrer Eltern und Verwandten nach einer erbaulichen Rede des Paters Olmedo getauft worden. Die Nichte des dicken Kaziken, die übrigens häßlich war, erhielt (zu Ehren der abwesenden Frau Gemahlin des Cortes) den Namen Dona Katalina. Die Tochter des Kuesko, ein selbst nach unserem Begriffe bildschönes Weib, hieß fortan Dona Franziska. Nach der Feierlichkeit erfolgte der Abmarsch nach Verakruz, wo wir, begleitet von mehreren vornehmen Cempoallanern, ankamen, gerade als ein Schiff aus Kuba im Hafen einlief. Hauptmann Franz von Salcedo war Befehlshaber darauf. Wir nannten ihn später nur den Galantuomo, weil er sich in übertriebener Weise zierte und putzte. Er war gebürtig aus Medina de Rioseco und soll ehedem Kammerherr beim Admiral von Kastilien gewesen sein. Mit ihm kamen Luis Marin, ein ausgezeichneter Offizier, der dann als Hauptmann die Feldzüge in Mexiko mitgemacht hat, sowie zehn Soldaten. Die beiden Hauptleute brachten Pferde mit, jener einen Hengst, dieser eine Stute. Als Neuigkeit erzählten sie, daß Diego von Velasquez die kaiserliche Befugnis erlangt hatte, allerorts Handel zu treiben und Siedelungen anzulegen. Als der Bau der Veste seiner Vollendung nahe war, fing die immer gleiche Tätigkeit an, uns lästig zu werden. Die Offiziere wie die Mannschaft wurden daher bei Cortes vorstellig. Man verweile nun schon drei Monate im Lande und es sei wohl an der Zeit, die Macht des Herrn Montezuma, von der so viel Gerede wäre, näher kennen zu lernen. Bereit, ihr Leben dabei einzusetzen, bäten sie, den Vormarsch nunmehr beginnen zu lassen. Zugleich machten wir den Vorschlag, Seiner Majestät dem Kaiser unseren untertänigsten Gehorsam zu bezeigen, einen Bericht über die bisherigen Geschehnisse aufzusetzen und ihm selbigen nebst den Geschenken Montezumas und dem kaiserlichen Fünftel des bisher gewonnenen Goldes zu übersenden. Cortes erwiderte, er sei zu allem bereit. Nur, was die Absendung des Seiner Majestät gebührenden Goldes anbeträfe, hege er Bedenken. Wenn nämlich jedermann im Heere jetzt schon den ihm zukommenden Teil haben wolle, so bliebe ein Rest übrig, der des Kaisers zu wenig würdig sei. Folglich müsse man zuvörderst auf die allgemeine Verteilung verzichten. Er bäte, sich durch Namensunterschrift dazu bereit zu erklären, wobei jeder es halten könne, ganz wie es ihm beliebe. Alle ohne Ausnahme unterschrieben, worauf die Wahl der Überbringer erfolgte, die nach Hispanien abgehen sollten. Sie fiel auf Alonso Hernandez Puerto-Carrero und auf Francisco von Montejo. Zu ihrer Fahrt ward das beste Schiff unseres Geschwaders bestimmt, mit den nötigen Lebensmitteln versehen und mit fünfzehn Matrosen bemannt. Die Führung wurde zwei Steuermännern anvertraut. Einer davon war Anton von Alaminos, der den Weg durch die Bahama-Straße kannte und ihn ehedem zuerst gewagt hatte. Hierauf wurde ein gemeinschaftlicher Bericht an Seine Majestät aufgesetzt über alle unsere Erlebnisse Nach Prescott, I S. 289, Anm. 13 ist die Urschrift davon in der Kaiserlichen Bibliothek zu Wien. . Cortes fügte eine Geleitschrift hinzu, die, wie er uns versicherte, einen ziemlichen Umfang hatte, die wir indessen nicht zu lesen bekamen. Den Bericht unterzeichneten alle höheren Beamten der neuen Stadt und zehn von den Soldaten, darunter auch ich. Den Bericht eröffneten gebührendermaßen die Ehrenbekundungen, die wir unserem großen Kaiser und Herrn schuldig waren. Sodann begann die Erzählung unserer Unternehmung vom Tage der Ausfahrt von der Insel Kuba bis zu unserer Landung an der Küste von Mexiko und bis zu dem Tage der Abfassung des Berichts. Wir unterließen nicht zu bemerken, daß wir uns alle der Unternehmung nur angeschlossen hätten, weil eine neue Kolonie gegründet werden solle, daß aber Diego von Velasquez den Cortes insgeheim angewiesen habe, sich auf den Tauschhandel zu beschränken. Demgemäß sei Cortes gewillt gewesen, mit dem gewonnenen Golde nach Kuba zurückzukehren; wir hätten ihn aber gezwungen, hier zu bleiben und eine Siedelung anzulegen. Zu diesem Zwecke hätten wir ihn für so lange Zeit zum Generalkapitän und Oberrichter gewählt, bis hierüber Seiner Majestät Allerhöchster Befehl erfolgen werde. Auch hätten wir ihm von allem Gold, das nach Abzug des Kaiserlichen Fünftels übrigbleibe, ein Fünftel zugesagt. Des weiteren berichteten wir von Francisco Hernandez von Cordoba, dem Entdecker dieses Landes, von der Fahrt des Juan von Grijalva hierher, von unserer Landung auf Kozumel, von unserer glücklichen Befreiung des Geronimo von Aquilar und von anderem mehr. Wir erzählten von unseren bisherigen Verhandlungen mit König Montezuma, von seiner Macht und seinem Reichtum. Ferner war von der Größe des Landes, seiner Bevölkerung, seinen Künsten und Sitten und dem Götzendienst der Eingeborenen die Rede, von denen wir vier zur Probe mitschickten, die wir in Cempoalla in einem Holzkäfig aufgefunden hatten, wo sie zum Opferschmaus gemästet werden sollten. Schließlich kamen wir auf uns selber zu sprechen, auf uns 450 Kriegsleute inmitten so vielem kriegerischen und feindseligen Volk, und daß unser Feldzug, der einzig und allein Gott und Seiner Majestät zu Ehr und Ruhm geschähe, einen Feldherrn an seiner Spitze erheische, der das Land kenne und zu dem das Heer Vertrauen habe. Deshalb bäten wir Seine Majestät alleruntertänigst, unserem Generalkapitän Ferdinand Cortes den Oberbefehl bis auf weiteres in Gnaden zu belassen und keinem anderen uns fremden Obristen zu geben. Diese Bitte stützten wir mit großen Lobesworten für Cortes, dessen Treue und Ergebenheit zu Seiner Majestät wir in die Wolken hoben. Dieser Brief, der mit viel Überlegung abgefaßt und in Kapitel eingeteilt war, ist von allen dem Cortes getreuen Offizieren und Mannschaften eigenhändig unterschrieben worden. Wie dies fertig war, begehrte Cortes das Schriftstück zu lesen, und als er alles so wahrhaftig aufgesetzt und sich selbst so hochgepriesen fand, da war er vergnügt, dankte uns herzlich und versprach uns goldene Berge. Die Briefschaften wurden den genannten Boten eingehändigt. Dabei ward es ihnen zur Pflicht gemacht, in keinem Falle vor Havana zu landen und ebensowenig an der Marien-Bucht, wo Franz von Montejo eine Besitzung hatte. Velasquez sollte keine Kunde von ihnen bekommen. Sie versprachen es zwar, aber, wie man sehen wird, hielten sie nicht ihr Wort. Nachdem alles zur Abreise fertig war, las der Pater Barthel von Olmedo die Messe. Wir alle empfahlen die Abgehenden der Obhut des Heiligen Geistes. So gingen sie am 26. Juli 1519 in San Juan de Ulloa unter Segel und gelangten ziemlich schnell vor Havana. Hier nun ließ Montejo dem Obersteuermann Alaminos keine Nuhe, bis er die Richtung gegen die Küste nahm, wo Montejo seine Farm hatte. Unter dem Vorwande, frische Lebensmittel, Brot und Schweinefleisch einzunehmen, fand die Landung statt, obwohl Puerto-Carrero dagegen war. In der Nacht schwamm einer der Matrosen heimlich an das Land und lief zu Velasquez, dem er Briefe seiner Anhänger brachte. Dadurch erfuhr der Statthalter alle Vorgänge. Als Velasquez von dem großen Geschenk vernahm, das wir Seiner Majestät sandten, ward ihm gar übel zumute. Er stieß die schwersten Flüche gegen Cortes, Duero und Lares aus. Sodann ließ er schleunigst zwei kleine tüchtige Segler fertig machen und sie mit so viel Geschütz und Mannschaft versehen, als in der Eile auszutreiben waren. Diese Schiffe wurden unter den Befehl von zwei Offizieren gestellt, Gabriel von Rosas und Guzmann, mit der Anweisung, das Schiff mit unseren Boten samt allem Gold abzufangen. Die beiden Schiffe erreichten in ein paar Tagen die Bahama-Straße und erkundigten sich emsig bei Fischern und Küstenfahrern, ob sie nicht ein größeres Schiff gesehen hätten. Alle Nachrichten, die sie erhielten, deuteten einstimmig darauf hin, daß das Schiff die Straße bereits durchfahren haben mußte. Sie kreuzten noch einige Zeit zwischen der Straße und Havana, ohne irgendwelche andere Spuren zu entdecken, und kehrten dann nach Santiago zurück. Wenn Diego von Velasquez schon bei der ersten Nachricht niedergeschlagen war, so ward er es erst recht, als er einsah, daß ihm der gute Fang mißglückt war Hieran schließt sich unmittelbar der I. Bericht des Cortes. . Kleinere Ergänzungen zu den Berichten des Cortes von Guicciardinl, Acosta, Bernal Diaz, Las CasaS und Clavigero I Spanien im Jahre 1513 nach Guicciardini Hispanien ist schwach bevölkert. Man findet darin wenig Städte und Burgen, und zwischen einem großen Orte und dem anderen trifft man kaum ein Haus. Es gibt ein paar schöne Städte wie Barcelona, Zaragoza, Valencia und Sevilla. Für ein so großes Reich und ein so ausgedehntes Land ist das gering. Die anderen Städte sind im allgemeinen elende Nester mit häßlichen Gebäuden. Das Land ist fruchtbar, denn es bringt mehr Getreide hervor, als es braucht; ebenso Wein, den man nach Flandern und England ausführt. Öl wird in großen Mengen erzeugt, es geht davon nach den genannten Ländern und nach Alexandria jedes Jahr für mehr denn 60 000 Dukaten. Diese Fruchtbarkeit herrscht am meisten in den Niederungen Andalusiens, und der Überfluß würde noch viel größer sein, wenn das ganze Land sachgemäß bebaut wäre. Es ist jedoch nur in der Nachbarschaft der Städte und auch da nur schlecht bestellt. Alljährlich geht sehr viel Wolle aus dem Lande, man sagt für mehr denn 250 000 Dukaten, ebenso feinste Seide; aus dem Baskenlande gutes Eisen und Stahl, Häute und Alaun und viele andere Waren, so daß das Volk, wenn es in Handel und Gewerbe tüchtig wäre, reich sein könnte. Aber es ist, vielleicht mehr als irgendein anderes, dem Waffenhandwerk ergeben, wozu die Beweglichkeit ihres Leibes und die große Geschicklichkeit ihrer Glieder es in hohem Grade befähigen. Die Waffenehre geht den Hispaniern über alles. Um die Ehre rein zu halten, verachten sie ganz allgemein den Tod. Ihre schwere Kavallerie taugt zwar nicht viel, aber ihre leichte Reiterei ist ausgezeichnet. Das Land bietet die hierzu geeignetsten Pferde, die vortrefflich sind. Hier sind ihre Vorbilder die Mauren, mit denen sie endlose Kriege geführt haben. Diese leichten Reiter gebrauchen nur die Lanze, so daß sie in einer Feldschlacht nicht viel ausrichten. Hingegen eignen sie sich vorzüglich zur Verfolgung, zur Beunruhigung eines Lagers, zum Abschneiden der Zufuhr und zu jedweder Belästigung des Feindes. Das Fußvolk, besonders das kastilische, steht in großem Rufe. Man sagt, es übertreffe bei der Verteidigung oder Belagerung eines festen Ortes jedes andere, aber auch in der Schlacht sei es durch seine Beweglichkeit, Geschicklichkeit und Tapferkeit dermaßen tüchtig, daß man streiten könne, ob im offenen Felde der Hispanier oder der Schweizer den Vorzug verdiene. Die Hispanier gelten für feine und schlaue Köpfe, und dennoch taugen sie weder in den handwerklichen noch künstlerischen Betätigungen etwas. Fast alle Handwerker am königlichen Hofe sind Franzosen oder andere Fremde. Ebensowenig beschäftigen sie sich mit dem Handel, den sie für unanständig halten. Jedermann hegt nämlich die Einbildung, ein Edelmann zu sein. Man ist lieber bei geringem Einkommen Soldat oder unter tausend Mühen und Sorgen Diener irgendeines Granden oder ehedem Wegelagerer, als daß man sich mit Handel oder Gewerbe befaßt. Erst neuerdings hat man begonnen, sich darum zu bekümmern; und bereits werden in gewissen Gegenden, so in Valencia, Sevilla und Toledo, Tücher und kostbare Stoffe angefertigt. Im allgemeinen aber ist und bleibt das Volk dem abgeneigt. Die Handwerker arbeiten nur, wenn die Not es erheischt, nachher faulenzen sie wieder, bis der Verdienst verzehrt ist. Deshalb ist auch die Handarbeit hier sehr teuer. Genau so machen es die Bauern, die sich nur unter zwingenden Umständen anstrengen. Sie bebauen weniger Land, als sie könnten, und dieses wenige auch noch liederlich. Nicht wegen der Natur des Landes, sondern wegen der Trägheit der Menschen herrscht im Lande große Armut. Abgesehen von wenigen Großen, die im Luxus schwelgen, lebt die Masse in Kümmerlichkeit dahin. Hat der Hispanier aber einmal etwas zum Aufwand übrig, so hängt er es sich auf den Rücken, setzt sich auf sein Maultier und trägt es fort, statt zu Hause zu bleiben. Man kann sich nicht genug wundern, wie armselig es in seiner Wohnung aussieht. Aber obwohl er mit dem Wenigsten auszukommen weiß, ist er doch keineswegs frei von Habgier. Im Gegenteil sind die Hispanier im höchsten Grade auf Gewinn erpicht, und da sie sich auf keinen rechten Erwerb verstehen, so legen sie sich auf den Raub. Deshalb wimmelte es früher, als weniger Ordnung herrschte, von Mördern und Dieben im Lande, das derlei begünstigt, weil es in vielen Teilen gebirgig und wenig bewohnt ist. Der Wissenschaft sind die Hispanier nicht ergeben. Weder unter dem Adel noch unter den anderen findet man Kenntnis vom Latein oder doch nur sehr geringe und selten. Äußerlich und bei Schaustellungen sind sie sehr fromm, aber nicht in Wahrheit. Das Hochfeierliche lieben sie ins Grenzenlose und pflegen es unter großer Ehrerbietung und erstaunlicher Untertänigkeit in Worten und Titeln. Der Handkuß ist etwas Alltägliches. Jeder ist ihr Herr, jeder darf ihnen befehlen; sobald man sich aber von ihnen entfernt hat, kann man sich wenig auf sie verlassen. Verstellung ist eine Eigentümlichkeit dieses Volkes. Sie findet sich bei ihnen in hohem Grade unter allen Klassen. Es sind punische Geister. Die größten Meister hierin sind die Andalusier und unter ihnen die Leute von Cordova, der Heimat des Gran Cavitano. II Vom Heereswesen der Mexikaner von Franz Xaver Clavigero, gedruckt 1780. (Vgl. S. 43 u. 322 ff.) Kein Stand ward im alten Mexiko höher geachtet als der Soldatenstand. Der Kriegsgott war der höchste aller Götter und der Schutzherr des ganzen Volkes. Kein Prinz wurde König, der nicht in mehreren Schlachten seinen Mut bewiesen und seine Kenntnisse in der Kriegführung an den Tag gelegt hatte. Er mußte die Stellung eines Oberfeldherrn innegehabt haben. Und kein König ward gekrönt, wenn er nicht mit eigener Hand Gefangene gemacht hatte, die dann zu seinem Krönungsfeste geopfert wurden. Alle mexikanischen Könige haben vor ihrer Thronbesteigung das Heer gefuhrt. Die Geister der im Felde für das Vaterland Gefallenen waren im Jenseits die allerseligsten. Bei der Hochschätzung des Kriegerstandes war es natürlich, daß die Jugend vor allem zur Tapferkeit und Kriegstüchtigkeit erzogen ward. Dies hat es bewirkt, daß Mexiko aus kleinem Anfang ein mächtiges Königreich geworden ist und seine Herrschaft von den Ufern des Binnensees bis zu den beiden Weltmeeren ausgedehnt hat. Die höchste Würde im Heere war die des Generals. Ihm waren vier Obristen unterstellt; diesen wieder die Hauptleute, und ihnen die in Kompagnien eingeteilte Mannschaft. Zur Belohnung kriegerischer Verdienste und zur Anspornung hatten die Mexikaner drei Orden, den Fürsten-Orden, den Adler-Orden und den Tiger-Orden. Die Ritter des Fürsten- Ordens waren die Angesehensten. Sie trugen das Haar oben auf dem Kopf mit einer roten Schnur zusammengebunden, und so viel rühmliche Taten sie vollbracht, so viele Locken aus Baumwolle hingen von diesem Nets hernieder. Der Orden stand in so hohen Ehren, daß die Fürsten und Generäle stolz waren, wenn sie in ihn gelangten. Auch Montezuma gehörte ihm an. Die Ritter des Tiger-Ordens waren daran kenntlich, daß ihr Waffenkleid tigerfellartig aussah. Aber dieses Abzeichen trug man nur im Kriege. Bei Hofe erschienen alle Offiziere in der Uniform ihres Ranges. Wer zum erstenmal ins Feld ging, durfte kein Abzeichen tragen, sondern nur einen Rock aus grobem weißen Zeug. Diese Vorschrift wurde so streng eingehalten, daß sogar die königlichen Prinzen erst Proben ihrer Tapferkeit ablegen mußten, ehe sie den einfachen Feldrock mit einem kostbaren Waffenkleid vertauschen durften. Die Ritter der Kriegsorden, hatten außer den äußerlichen Abzeichen auch das Recht, ein besonderes Gemach im Schlosse zu bewohnen, wenn sie den Nachtdienst darin hatten. Auch war es ihnen vergönnt, goldenes Gerät in ihrem Hause zu benutzen, sowie bessere Stoffe und feinere Schuhe als der gemeine Mann zu tragen. Erst wenn einer befördert wurde, hob sich auch seine Tracht. Soldaten, die durch ihr gutes Verhalten im Gefecht den Mut der anderen neubelebt hatten, trugen besondere Abzeichen. Die Mexikaner hielten ungemein viel auf alle diese Unterscheidungsmerkmale. Ganz besonders ausgezeichnet war der Feldanzug des Königs. Er trug Halbstiefel mit dünnen goldenen Schuppen, ebensolche Fausthandschuhe, dazu Armspangen, besetzt mit Edelsteinen. An der Unterlippe trug er einen in Gold gefaßten Smaragd oder Türkis und Ohrringe mit ebensolchen Steinen. Die Halskette war aus Gold und Juwelen. Auf dem Kopfe hatte er einen prächtigen Federbusch. Das vornehmste Abzeichen aber der Königswürde war ein Schmuck aus Federn, der den ganzen Rücken hinabging. Die Waffen der Mexikaner und der anderen Stämme im Wassergau waren verschiedener Art. Zur Abwehr trugen Offiziere wie Gemeine Schilde von mannigfacher Größe und Form. Einige waren ganz rund, andere nur oben abgerundet. Manche waren von Rohr, mit Baumwolle umwunden und mit Federn bedeckt. Die Schilde der Offiziere hatten Goldschuppen. Manche waren auch aus Schildpatt mit Zierat aus Gold, Silber oder Kupfer, je nach Rang und Vermögen. Es gab auch zusammenlegbare, vermutlich aus Fellen und Gummistoff, die man trug, wie bei uns einen Sonnenschirm. In Friedenszeiten wurden vielfach kleinere, mit Federn gezierte Schilde getragen. Eine weitere Verteidigungswaffe, zumal der Offiziere, war der Koller aus gesteppter Baumwolle, bis zu zwei Finger dick. Solche Koller, die einen Pfeilschuß abhielten, wurden sehr bald auch von den Hispaniern getragen. Diese Art Harnische schützten die Brust. Man hatte noch andere, die auch die Oberarme und Oberschenkel bedeckten. Die Fürsten und die höheren Offiziere trugen Kürasse aus Gold- oder Silberschuppen und Federmäntel darüber. Sie sollen Schutz gegen Pfeilschüsse wie gegen Schwert- und Lanzenstiche gewährt haben. Das Haupt steckten sie mit Vorliebe in den Kopf eines Tigers oder einer Schlange aus Holz oder anderem Stoff, mit weitaufgesperrtem Rachen und großen Zähnen, um recht fürchterlich auszusehen. Alle Offiziere und Edelleute hatten prächtige Federbüsche auf dem Kopf, um größer zu erscheinen. Die Gemeinen gingen nackt, nur mit einem Gürtel um den Unterleib. Statt der Kleidung waren sie am Körper bemalt. Ihre Waffen zum Angriff waren: Bogen und Pfeile, Steinschleudern, Wurfspieße, Keulen, Piken und Schwerter. Die Bogen waren aus biegsamem Holz, das nicht leicht brach, die Bogensehnen aus Tiersehnen oder aus Hirschhaar. Bei gewissen Stämmen waren die Bogen so groß, daß die Sehne über fünf Fuß lang war. Die Pfeile wurden aus Hartholz hergestellt mit Spitzen aus Tierknochen, Fischgräten oder Stein Obsidian). Im Bogenschießen waren die Mexikaner ungemein geschickt, weil sie von Kindheit an darin ausgebildet und geübt waren. Berühmt ob ihrer Kunst hierin waren die Tehuakaner, die zwei und drei Pfeile zugleich abschössen. Vergiftete Pfeile waren bei keinem Stamme üblich, vermutlich weil man im Gefecht vor allem Gefangene machen wollte, um sie opfern zu können. Das mexikanische Schwert bestand aus einer Klinge von 3-1/2 Fuß (= l,15 m) Länge und 4 Zoll (= 10 cm) Breite. Die zweiseitige Schneide wurde von festeingefügten, je 3 Zoll (= 7,8 cm) langen Stücken aus geschliffenem Obsidian gebildet. Acosta berichtet, mit solch einem Schwerte sei einmal einem Pferde mit einem einzigen Hiebe der Kopf abgeschlagen worden. Indessen waren nur die ersten Hiebe so fürchterlich, denn die Schneide wurde schnell stumpf. Die Indianer trugen diese Waffe an einer Schlaufe am Arm, um sie in der Hitze des Gefechts nicht zu verlieren. Die Lanzen und Piken hatten Spitzen aus Obsidian oder aus Kupfer. In gewissen Gegenden hatte man riesige Piken, 48 Fuß (= 5,85 m) lang. Cortes führte solche bei seinem Fußvolk ein, als er eine wirksame Waffe gegen die Reiterei seines Nebenbuhlers Pamfilo Narvaez brauchte. (Vgl. S. 30.) Die Wurfspieße waren kleinere Piken aus Hartholz mit Spitzen, die im Feuer gehärtet, auch aus Knochen, Obsidian oder Kupfer gefertigt waren. Manche hatten eine dreifache Spitze. Diese Wurfspieße konnten nach dem Abschuß an einer Schnur wieder zurückgezogen werden. Die Hispanier fürchteten diese Waffe, weil die Indianer sie überaus geschickt handhabten und der Schuß den ganzen Körper durchbohrte. Jeder Soldat war mit einem Schwert, einem Bogen mit Pfeilen, einem Wurfspieß und einer Schleuder ausgerüstet. Die Mexikaner besaßen auch Feldzeichen und Instrumente zur Feldmusik. Erstere glichen mehr denen der alten Römer als unseren Fahnen. Es waren Stangen von acht bis zehn Fuß (2-3/4 bis 3m) Länge; oben darauf Wappentiere aus Gold, Federwerk und anderem kostbaren Stoff. Das Wappen des Reiches Mexiko war ein Adler, der auf einen Tiger herabschießt. Das Feldzeichen, das Cortes in der Schlacht bei Otumba (vgl. S. 96) erbeutete, war ein Goldnetz, wahrscheinlich das Hoheitszeichen einer der Seestädte. Außer der allgemeinen Fahne hatte jede Kompagnie ihr besonderes Feldzeichen von der Farbe der Kompagnie. Die Kriegsmusik der Mexikaner bestand aus Trommeln, Hörnern und grelltönenden Muscheltrompeten. Einem Kriege ging oft ein Vergleichsangebot, immer aber die Kriegserklärung voraus. Das letzte Angebot erfolgte durch eine dreifache Gesandtschaft. Einmal forderte man von dem Könige eine bestimmte Genugtuung für die angetane Beleidigung oder Verletzung, unter Androhung der Feindseligkeit. Zweitens wandte man sich an den Adel des betreffenden Volkes mit dem Ersuchen, ihren Herrscher zum Nachgeben zu veranlassen. Und drittens setzte man dem Volke die Gründe zum angedrohten Kriege auseinander. Kam kein Vergleich zustande, so erfolgte die Kriegserklärung. Es galt eines tapferen Volkes für unwürdig, einen Feind unversehens zu überfallen. Auf dem Marsche zog das Heer in Kompagnie-Schwärmen (zu 400 Mann) unter je einem Führer und einer Fahne. Größere Scharen waren in Regimenter zu je 8000 Mann unter besonderen Führern eingeteilt. Das Gefecht begann unter dem grauenhaften Lärm der Musikinstrumente, unter wildem Geschrei und Pfeifen. Der erste Ansturm ward mit aller Wucht geführt, aber es griffen nicht alle Kompagnien zugleich an, sondern ein Teil blieb für den Notfall zurück. Zuweilen fing die Schlacht an mit einem Fernfeuer von Pfeilen, Schleudersteinen und Wurfspießen. Waren diese verschossen, so begann der Nahkampf mit den Schwertern, Piken und Keulen. Man hielt vor allem darauf, daß die einzelnen Kompagnien, geschart um ihre Feldzeichen, zusammenblieben. Das Forttragen der Gefallenen und Verwundeten hatten besondere Trupps zu besorgen. Man vermied oder beseitigte alles, was den Mut der Gegner heben konnte. Vom Hinterhalt wurde eifrig Gebrauch gemacht. Es kam häufig vor, daß sich die Indianer im Buschwerk oder in hierzu bereiteten Gräben verbargen, um zu gelegener Zeit unversehens hervorzubrechen. Oft auch wandten sie sich zum Schein zur Flucht, um die Verfolger an gefährliche Orte zu locken oder ihnen mit anderen Truppen in den Rücken zu fallen. Wie bereits gesagt, gingen sie vor allem darauf aus, Gefangene zu machen. Die Tapferkeit eines Soldaten wurde nicht nach der Zahl der Erschlagenen, sondern nach den Gefangenen geschätzt, die er seinem Hauptmann hinterher vorführen konnte. Diese Gewohnheit zeigte sich deutlich im Kampfe mit den Hispaniern, ganz besonders in der Noche triste . Wenn ein Gefangengenommener Miene machte davon zu laufen, zerschnitt man ihm eine Muskel am Fuß, damit er nicht fort konnte. Geriet ein Feldzeichen den Feinden in die Hände, oder fiel der Oberfeldherr, so wandte sich alles zur Flucht, und keine menschliche Macht war alsdann imstande, die weichenden Massen wieder zum Stehen zu bringen. Nach der Schlacht stellten die Sieger ein großes Freudenfest an. Die Offiziere und Soldaten, die Gefangene eingebracht hatten, bekamen Auszeichnungen. Hatte der König eigenhändig einen Gefangenen gemacht, so beglückwünschten ihn Abgesandte aus allen Teilen des Reiches und brachten ihm Geschenke dar. Der Gefangene erhielt prächtige Kleider und wurde mit Edelsteinen geschmückt. In einer Sänfte führte man ihn unter Musik und allgemeinen Zurufen des Jubels nach der Hauptstadt. Am Opfertage, vor dem der König wie alle anderen Besitzer von Kriegsgefangenen 24 Stunden gefastet hatte, wurde der Kriegsgefangene mit dem Sonnenzeichen geschmückt, zum Opferstein geleitet und vom Hohenpriester abgeschlachtet. Der Kopf ward an einem hohen Orte aufgehangen, die getrocknete Haut aber mit Baumwolle ausgestopft und im Schlosse zum Andenken an die rühmliche Tat aufgestellt. Vor Belagerungen schickten die Männer ihre Weiber, Kinder und Kranken aus der Stadt in einen Nachbarort oder in das Gebirge, um an den Lebensmitteln zu sparen. Zur Verteidigung eines Platzes hatte man verschiedene Arten von Befestigungen, Wälle mit Brustwehren, Pfahlwerk, Verhaue, Gräben usw. Von der Stadt Huaquechula (vgl. S. 195) weiß man zum Beispiel, daß sie durch eine starke Steinmauer von 20 Fuß (= 6-1/2 m) und 12 Fuß (= 4 m) Stärke befestigt war. Innenfestungen in den Städten waren die Tempel, insbesondere die Hauptmoschee in ihrer Mitte. Das war gleichsam die Burg der Stadt. Die Mauer um den Tempelhof, die Zeughäuser darin und die ganze Bauart der Heiligtümer lassen deutlich erkennen, daß nicht nur Glaube und Aberglaube die Schöpfer dieser Anlagen waren, sondern ebenso die Staatsmacht, um die Orte beherrschen und verteidigen zu können. III Wie die Hispanier nach Mexiko kamen Von Josef Acosta, gedruckt 1589 Obgleich es unsere Absicht nicht ist, von den Taten der Hispanier zu handeln, als sie Neu-Hispanien eingenommen, noch was ihnen Seltsames begegnet, noch auch von des tapferen Obristen Ferdinand Cortes Großmütigkeit, sintemal solches aus den Berichten, die besagter Ferdinand an Kaiser Karl V. gerichtet, genugsam kann ersehen werden, so wollen wir doch das erzählen, was uns die Indianer von diesem Handel berichtet und noch nie in hispanischen Büchern gedruckt ist worden. Als der König Montezuma vernahm, daß der Obrist mit denen zu Tlaskala, seinen Feinden, einen Bund gemacht und die zu Cholula, die seine Freunde waren, hart heimgesucht hatte, da gedacht er ihn zu betrügen, und schickte derwegen einen seiner vornehmsten Herren mit seinem Wappen und königlichen Ehrenzeichen zu ihm. Der mußte sich stellen, als ob er Montezuma selber wäre. Aber die zu Tlaskala verrieten solches dem Obristen. Selbiger stellte nun den Montezuma derb zur Rede, daß er ihn hätte wollen betrügen. Als der König dies hörte, ward er noch trauriger, ließ mehr Zauberer als zuvor beieinander kommen und drohte ihnen den Tod, wenn sie jene Fremden nicht würden durch ihre Kunst fernhalten. Sie sagten es ihm zu und gingen ihrer viele nach Chalko, durch welche Stadt die Hispanier ziehen mußten. Daselbst stiegen sie auf eine Höhe, und als sie hinaufkamen, erschien ihnen Texkatlipoka, einer ihrer höchsten Götter. Der kam aus dem hispanischen Lager. Er trug ein Gewand in der Farbe des Smaragden und war gegürtet mit einem Seil, das ihm achtmal um den Leib ging, und er stellte sich, als ob er unsinnig trunken oder toll wäre. Sobald er nun an den Haufen Zauberer kam, blieb er stehen und sprach, voll großem Zorn wider sie: Warum kommt ihr her? Was will Montezuma durch euch? Er hat sich zu spät bedacht. Es ist schon beschlossen, daß man ihm seine Ehr, sein Reich und alles, was er hat, nimmt, wegen der großen Bedrückung, die er an seinen Untertanen getrieben. Er hat geherrscht nicht als ein Landesvater, sondern als ein Gewaltherr und Verräter. Als die Zauberer dies hörten, erkannten sie ihren Gott, demütigten sich vor ihm und richteten einen steinernen Altar auf, den sie mit Blumen bedeckten, die umherstanden. Der Gott aber achtete solches nicht, schalt sie und rief: Was wollt ihr Verräter hier? Kehret um! Kehret um und sehet Mexiko an und sein Schicksal! Als sie sich umwandten, da deuchte es sie, als stünde die ganze Stadt in Flammen. Danach ist der Teufel verschwunden. Da die Zauberer nun nichts welter anfangen durften, taten sie es dem Könige zu wissen. Der aber stund eine Zeitlang mit niedergeschlagenen Augen und konnte kein Wort reden. Endlich aber sagte er: Wohlan! Wenn weder unsere Freunde noch die Götter uns zu Hilfe kommen wollen, können wir nichts dagegen machen. Es gehe also, wie es wolle! Ich werde weder fliehen, noch mich verkriechen, noch auch mir anmerken lassen, daß ich verzagt bin. Mich dauern nur die Alten und die Kinder, die sich mit ihren Händen nicht schirmen können. Danach schwieg er still; so heftig bewegte er sich in seinem Gemüt. Als sich nun der Obrist der Stadt nahte, machte Montezuma aus der Not eine Tugend, zog ihm dreiviertel Meile Wegs entgegen und empfing ihn. Es trugen ihn in seiner großen Majestät vier stattliche Herren auf ihren Schultern. Über seinem Haupte hatte er einen Himmel von Gold und köstlichen Federn. Sobald sie sich begegneten, stieg Montezuma ab, und sie grüßten einander. Don Ferdinand sagte zum König, er solle guten Mutes sein; er wäre nicht gekommen, ihm sein Reich zu nehmen oder es geringer zu machen. Montezuma nahm ihn und seine Gesellen in den prächtigsten Palast, den er hatte. Er selbst zog sich in ein ander Haus zurück. Die folgende Nacht gaben die Hispanier Freudenfeuer mit allem Geschütz ab, worüber die Indianer als wegen eines ungewöhnlichen Dinges arg erschraken. Am Tage darauf ließ Don Ferdinand den König und die anderen Herren in einen großen Saal kommen. Wie sie alle beieinander waren, sagte der Obrist, sitzend auf einem Stuhl, er sei eines großen Fürsten und Herrn Diener. Von selbigem sei er ausgeschickt, den Landen hier Gutes zu tun und Wohltaten zu erzeigen. Nun hätten ihm die zu Tlaskala, die jetzo seine Freunde seien, kläglich fürgebracht, was für großes Leid die Mexikaner ihnen allezeit zufügten. Er begehre zu wissen, wer daran Schuld habe, damit er sie einigen könne und fortan keiner dem andern mehr Schaden antäte. Dies gab er ihnen durch einen Dolmetsch zu verstehen. Als Montezuma und seine Herren solches hörten, waren sie froh und wohlzufrieden, wie man aus der Freundschaft genugsam kann abnehmen, die sie den Hispaniern erzeigten. Viele meinen, es wäre damals leicht gewesen, bei dem König alles zu erlangen, was man gewollt, sonderlich aber hätte man die Lehre Christi ohne Mühe einführen können. Aber Gottes Absicht war anders. So kam es, daß die beiden Völker in kurzer Zeit Argwohn wider einander faßten. Zu seiner Sicherheit nahm dann Cortes den Montezuma gefangen und schlug ihn in Eisen. Zu bewundern ist, daß Don Ferdinand seine Schiffe verbrannt und sich mitten unter die Feinde begeben hat, festen Willens, entweder zu siegen oder zu sterben. Das Ärgste war, daß Cortes wegen der unzeitigen Ankunft des Narvaez gen Verakruz mußte ziehen und den Montezuma seinen Leuten überlassen mußte, die nicht so bescheiden waren wie er selber. So entstand ein Aufruhr, der nicht so leicht wieder zu stillen war. Während dieser Abwesenheit des Obristen behandelte sein Stellvertreter die Mexikaner zu scharf. Bei einem Tanzfeste ließ er eine Menge Adliger töten, worüber das Volk empört zu den Waffen griff und Rache begehrte. Die Mexikaner bestürmten die Herberge der Hispanier, nicht achtend der Verluste, die sie durch deren Geschütz erlitten, belagerten sie viele Tage und schnitten ihnen alle Zufuhr ab. Als nun Alvarado und die Seinen sahen, in was für Gefahr sie waren, da schickten sie an den Obristen und taten ihm ihre Umstände kund. Cortes brachte durch seine Klugheit und Gewandtheit die Sache mit Narvaez rasch zu Ende, nahm dessen Kriegsvolk zum meisten Teil zu sich und zog in Eilmärschen gen Mexiko. IV Das Blutbad zu Cholula ln der Darstellung des Las Casas. (Vgl. den Bericht des Cortes S. 107 f.) Keine menschliche Zunge ist imstande, alle die schrecklichen Dinge zu erzählen, die zu gleicher Zeit in den verschiedenen Gegenden von Westindlen durch diese geschworenen Feinde des Menschentums begangen worden sind. Ja, man kann nicht einmal alle Nebenumstände erschöpfend berichten. So will auch ich nur eines und das andere herausgreifen, unter der eidlichen Versicherung, daß ich damit kaum den tausendsten Teil vorbringe. Unter so vielen Mordtaten vollbrachten die sogenannten Eroberer in einer ansehnlichen Stadt, die mehr als 30 000 Einwohner hatte, namens Cholula, folgendes: Beim Anzuge der Christen kamen die Großen der Stadt und der Umgegend im feierlichen Zuge, geführt von der Priesterschaft, zum Empfang entgegen. Man bewillkommnete die Ankömmlinge mit aller Achtung und Ehrerbietung, geleitete sie zur Stadt und gewährte ihnen Unterkommen in den Häusern, die zur Unterkunft hoher Gäste von alters her da waren. Die Hispanier beschlossen trotz alledem, hier ein Blutbad anzurichten, eine Züchtigung vorzunehmen, wie sie das nannten, um ihre eiserne Faust zu zeigen und weit und breit im Lande Furcht und Schrecken zu verbreiten. Das war so ihre Gewohnheit, wenn sie ein Land überfielen. Ein grausames Gemetzel dünkte sie das beste Mittel, die Eingeborenen von vornherein gefügig zu machen. Zuvörderst schickten sie zu allen Edelleuten in Stadt und Land und luden sie zu sich ein. Sobald sie kamen, um dem General der Hispanier ihre Aufwartung zu machen, wurden sie gefangen genommen, ohne daß es weiter bekannt ward. Dann verlangte man 5000 bis 6000 Indianer, angeblich als Träger. Als diese eintrafen, wurden sie hinter den Häusern in einen Hof gesperrt. Sie waren fast nackt erschienen, ihre Rucksäcke mit kärglichen Lebensmitteln auf dem Rücken. Mit untergeschlagenen Füßen setzten sie sich hin, allesamt still und friedlich wie die Lämmer. Als genügend beisammen waren, umstellten bewaffnete Trupps von Hispaniern die Eingänge zum Hofe. Die anderen zogen ihre Schwerter und schlachteten die armen Opfer vom ersten bis zum letzten Mann ab. Nach einer Welle erhoben sich etliche, die noch am Leben waren, aber von Blut trieften. Sie hatten sich unter die Toten verkrochen, die in Haufen dalagen. Sie fielen den Hispaniern weinend und jammernd zu Füßen und baten demütiglich, man möge Erbarmen mit ihnen haben und ihnen das Leben schenken. Aber die Eroberer wußten nichts von Mitleid und Gnade, sondern stachen auch die Übriggebliebenen nieder, sobald sie sich erhoben. Die Edelleute aber, deren über hundert in Fesseln gelegt waren, wurden an Pfähle gebunden, die in die Erde gerammt bereitstanden, und bei lebendem Leib verbrannt. Während dies alles geschah und an die 6000 Menschen ihr Leben qualvoll verloren, soll der General ein Lied vom Brande Roms unter Kaiser Nero vor sich hin gesungen haben.   V Die Überrumpelung des Narvaez (im Mai 1520) Aus den Denkwürdigkeiten des Bernal Diaz. (Vgl. den Bericht des Cortes auf Seite 162 ff.) Am Kanoefluß, etwa eine Wegstunde vor Cempoalla, machten wir Rast auf einem schönen Wiesengrund und stellten unsere Vorposten und Wachen aus. Cortes befahl sämtliche Offiziere und Soldaten vor sich, und als wir alle beieinander waren, gebot er Stille und hub eine Rede an voll süßer Schmeichelei und eindringlicher Verführung. Er begann mit einem Rückblick auf die Geschehnisse seit unserer Abfahrt von der Insel Kuba, wobei er uns alle die Mühsale wieder vor Augen führte, die wir bis jetzt hatten ausgestanden. Sodann fuhr er fort: »Meine Herren, es ist euch gar wohlbekannt, daß mich der Statthalter von Kuba nicht etwa darum zum Generalkapitän ernannt hat, weil ich der einzige gewesen wäre, dem er die Führung des Unternehmens hätte anvertrauen können. Es ist mancher unter euch, der dessen nicht minder würdig wäre. Ebenso steht es euch klar in der Erinnerung, daß wir von der Insel sind abgezogen, alle in der Meinung, eine Siedelung in diesem Lande begründen zu sollen. Keiner von uns hat unseren Zug je anders angesehen. Aber trotz alledem hat man in der Folge erklärt, ich sei mit keiner sonstigen Aufgabe ausgesandt, als daß an der Küste ein wenig Tauschhandel zu betreiben sei. Ich ergab mich darein – was sollte ich anderes tun? – und war bereit, nach Kuba zurückzufahren, um Herrn Diego Velasquez die befehlsgemäße Erfüllung unseres Auftrags zu vermelden. Da fordertet ihr von mir, ja ihr zwangt mich, in Seiner Kaiserlichen Majestät Namen eine Stadt in diesem Lande anzulegen, was mit Gottes Beistand alsbald auch vollbracht worden ist. Darauf habt ihr mich zu eurem General und zum Oberrichter von Neu-Hispanien erwählt, welch hohe Würde ich hab angenommen, bis unseres Kaisers und Herrn allergnädigste Verfügung hierüber einträfe. Eine Zeitlang bereitete man uns noch allerlei Schwierigkeiten, um uns zur Umkehr zu veranlassen. Alles das steht euch im besten Gedächtnis. Schließlich aber war man doch allgemein der Meinung, es sei des Allmächtigen Wille, daß wir im Lande verbleiben sollen, denn alles, was wir im Dienste Seiner Majestät und zu Ehren Gottes hier haben unternommen, war sichtlich vom Glücke gesegnet. Ihr wißt ferner, daß ich in meinem genauen Bericht über dies Land unserem Kaiser habe versprochen, daß wir nicht eher ruhen und rasten wollen, als bis das große Werk völlig wäre vollendet, und daß wir sodann dies Reich, das groß und reich genug ist, um von einem Fürsten beherrscht und verwaltet zu werden, in seine Hände legen werden, seiner Allerhöchsten Entscheidung harrend, um selbige in tiefster Ehrfurcht und Untertänigkeit zu achten. Eines Anderen Willkür aber würden wir nie und nimmermehr respektieren. Wir deuteten dabei an, daß wir Ursach hätten zu befürchten, der mächtige Bischof von Burgos könne dem Diego Velasquez oder sonst einem seiner Schützlinge oder Verwandten die Statthalterschaft von Neu-Hispanien verschaffen. Zugleich mit diesem Bericht haben wir dem Kaiser all das Gold und Silber, alle die Edelsteine und anderen Kostbarkeiten, die wir bis dahin hatten zusammengebracht, gehorsamst übersandt. Sie waren unser einziger Lohn für tausend Mühsale und Gefahren. Wie oft hatten wir dem Tod auf dem Schlachtfeld ins Angesicht geblickt! Wind und Wetter, Schnee und Regen, Hunger und Durst hatten wir bei Tag und bei Nacht ertragen, immer die Waffen in den Händen. Erinnern wir uns einmal so recht aller dieser in Geduld und Unverzagtheit überstandenen Anstrengungen des Krieges! Mehr denn fünfzig brave Kameraden haben dabei ihr Leben gelassen. Wir anderen alle aber haben Wunden und Krankheiten davongetragen, die manchem noch heute zu schaffen machen. Gedenken wir der Gefahren zur See, der Schlacht am Tabasko, des Kleinkriegs auf dem Vormarsch in den Bergen und Engen, der Kämpfe mit Tlaskala! Wie nah waren wir da der völligen Vernichtung. Und gar in Cholula, wo schon die Töpfe über dem Feuer standen, in denen unser Fleisch und unsere Knochen gekocht und geschmort werden sollten! Und dann, als wir allen Schrecknissen zum Trotz in Temixtitan eingezogen waren, und wir mitten in der Stadt unser Quartier genommen, haben wir da nicht allezeit Tod und Verderben vor Augen gehabt? Im Rückblick auf dies alles dürfen wir wohl sagen: wir haben Übermenschliches geleistet. Und jetzt, nachdem wir Leben, Gesundheit und Vermögen auf das Spiel gesetzt, kommt uns dieser Pamfilo Narvaez wie ein toller Hund in den Weg und fällt uns heimtückisch an. Er nennt uns Spitzbuben und Meuterer und spinnt mit Montezuma Verrat, um uns und unseren Getreuen den Untergang zu bereiten. Wie unbesonnen ist solche Kriegführung eines Hispaniers Hispaniern gegenüber im Lande einer wildfremden Rasse! Nicht wir, sondern er ist der Aufwiegler, der Rebell wider Kaiser und Vaterland! Er kündigt uns die Vernichtung an, als seien wir Mauren oder sonstwelche Heiden.« Sodann rühmte Cortes unsere so oft bewiesene Tapferkeit. Aber bisher hätten wir als Eroberer gefochten. Jetzt gälte es den Kampf über Sein oder Nichtsein, über Freiheit und Eigentum. Weiterhin sagte er: »Narvaez wird uns alle zu Gefangenen machen und wie Verbrecher richten, nachdem er uns unser Hab und Gut genommen hat. Wir sollen uns vor den Spießgesellen des Bischofs von Burgos wegen Mord, Brand und Plünderung verantworten! Leute, die ohne des Kaisers Geheiß und Befehl wider uns sind, verdammen uns, die wir Seiner Majestät in Todesverachtung ein großes Reich erobert haben. Meine Herren, alles das ist klar wie die Sonne. Wir aber als Kavaliere und Kaiserliche Kriegsleute haben die Pflicht, Seiner Majestät dies Land, uns aber Ehr und Eigentum zu verteidigen. In diesem Glauben und Willen bin ich mit euch aus der Hauptstadt gezogen, um im Vertrauen auf Gottes Hilfe und auf euren Mut solch frevlerischem Unrecht unser heiliges Recht und unsere ganze Kraft entgegenzustellen.« Laut riefen wir dem Feldherrn zu, er könne sich auf uns verlassen. Es gelte: Sieg oder Tod! Cortes freute sich über unsere Bereitwilligkeit und Entschlossenheit und erklärte, er habe es nicht anders erwartet. Es werde uns auch gewiß nicht gereuen, denn Ruhm und Reichtum solle der wohlverdiente Lohn unseres Mutes und unserer Tapferkeit sein. Hierauf bat er aufs neue um Ruhe und Gehör und fuhr alsdann fort. Im Kriege und auf dem Gefechtsfelde käme es nun aber nicht bloß auf Herzhaftigkeit an, sondern ebenso auf Erfahrung, Klugheit und Umsicht. Er kenne seine Soldaten. Er wisse, jeder rechne es sich zur Ehre an, als Erster vor den Feind zu treten. Zuvörderst jedoch brauche er nicht alle. Die nächste Aufgabe wäre die: mit einem erlesenen kleinen Trupp das feindliche Hauptquartier nächtlicherweile zu überfallen und in den Besitz der 18 Geschütze des Narvaez zu kommen. Dies solle durch sechzig jüngere Leute unter Führung des Hauptmanns Pizarro vollbracht werden Dieser Pizarro war ein Verwandter des Cortes mütterlicherseits. Vgl. auch Einleitung S. 10 u. 64 . . Alsdann sei der hohe Tempel zu erstürmen, auf dessen Zinne Narvaez schlafe, und selbiger im Namen des Kaisers festzunehmen. Dazu habe er den Obristen Sandoval nebst sechzig Mann bestimmt. Hierzu überreichte er ihm eine schriftliche Vollmacht. Zugleich setzte Cortes drei Belohnungen aus, zu 3000, 2000 und 1000 Piaster, für die drei, die zuerst Hand an den feindlichen Oberführer legten. Fernerhin bekam der Hauptmann Juan Velasquez von Leon mit sechzig Mann den Auftrag, einen Hauptmann namens Velasquez, der bei der vorherigen Verhandlung hochverräterische Reden geführt hatte, gefangenzunehmen. Cortes selbst behielt zwanzig Mann für sich, um im Falle der Not zur Hand zu sein. Nachdem die Hauptleute ihre Befehle schriftlich erhalten hatten, redete Cortes weiter: »Meine Herren, ich weiß sehr wohl, daß Narvaez viermal stärker ist denn wir. Indessen sind seine Truppen zum großen Teil nicht kriegserfahren. Manche davon sind gegen ihren Führer feindlich gesinnt und viele obendrein krank. Alle aber sollen von uns überrumpelt werden. Ihre Gegenwehr wird gering sein. Und Gott der Allmächtige wird uns sicherlich den Sieg verleihen. Zudem wissen die Leute des Narvaez, daß sie nichts verlieren, wenn sie von ihm zu uns übergehen, vielmehr größere Vorteile bei uns zu erwarten haben. Genug! Meine Herren, nach Gott hängt unser aller Leben und Ehre von eurer Tapferkeit ab. In euren Händen liegt es, ob uns die Nachwelt bewundern oder verachten wird. Es ist würdiger und ruhmvoller, im Felde zu sterben, als ein Leben voller Schande heimzutragen!« Hiermit schloß Cortes, dieweil es zu dunkeln und regnen anfing. Späterhin habe ich mir manchmal Gedanken gemacht, warum Cortes in seiner Rede mit keinem Worte das geheime Einverständnis erwähnt hat, das er mit etlichen Offizieren und Leuten im Heere des Narvaez angeknüpft hatte, und nur von der Notwendigkeit gesprochen hat, sich tapfer zu schlagen. Mit der Zeit aber ist es mir immer klarer geworden, daß sich gerade hierin die Besonnenheit des wahren Feldherrn zeigt, denn nicht auf List und Politik, sondern auf Gott, auf die Waffen und die eigene Kraft soll der einfache Soldat sein Vertrauen und seine Zuversicht stützen. Ich gehörte zum Trupp des Hauptmanns Pizarro. Die Geschütze wegzunehmen, die im Hofe vor der großen Tempeltreppe standen, war ein gefährlich Stück Arbeit. Wir mußten als erste losbrechen und gerade auf die Mündungen der Kanonen stürzen. Deshalb richtete Pizarro auch noch eine kräftige Ermahnung an uns und zeigte uns, wie wir die neuen Piken zu halten hätten und daß wir nicht nachlassen sollten, bis wir im Besitz der Geschütze seien. Sodann aber sollten wir die Kanonen sogleich als unsere eigenen laden und richten. Und fürwahr, wir hatten die Waffen unserer Feinde höchst nötig. In jener Nacht hätte mancher all sein Gold mit Freuden hingegeben für einen guten Brustharnisch, eine feste Sturmhaube oder einen eisernen Kinnkragen. Die ausgegebene Losung, um uns im Gefecht gegenseitig zu erkennen, lautete: Heiliger Geist! Heiliger Geist! – die bei Narvaez: Heilige Maria! Heilige Maria! Den ersten Teil der Nacht verhielten wir uns ruhig. Die Zeit ging hin mit Zurüstungen und unter Gedanken an das heiße Geschäft, das unsrer wartete. Von einem Nachtmahl war keine Rede. Wir hatten nichts zu beißen. Es waren Vorposten ausgestellt, und ich kam auch hinaus. Dann marschierten die Trupps los. Die Trommeln und Pfeifen schwiegen auf Befehl des Cortes, und in gemessenem Schritt zogen wir in der Finsternis vorwärts bis an den Fluß, an dessen Ufer zwei feindliche Posten standen. Da sie an nichts weniger dachten als an unseren Besuch, so bemächtigten wir uns des einen. Der andere aber entkam uns, lief in sein Quartier und machte Lärm. Den Übergang über den Fluß werde ich mein Lebtag nicht vergessen. Er war angeschwollen vom Regen, der in den letzten Tagen gefallen war. Die Steine, auf die wir traten, waren infolgedessen locker und schlüpfrig, und die Waffen, die wir auf dem Rücken trugen, uns recht hinderlich. Vor dem Quartier des Narvaez kam sogleich der Befehl zum Angriff. Wir senkten unsere Piken und rannten wie die Teufel auf die Geschütze los, so daß die Kanoniere kaum die Zeit hatten, vier Stück abzufeuern. Von den Kugeln sausten drei über unsere Köpfe hinweg. Nur eine fuhr in uns hinein und brachte drei Kameraden zur Strecke. Im nämlichen Augenblick drangen schon die anderen Trupps unter Pfeifen- und Trommelschall in den Hof ein. Etliche Ritter des Narvaez stellten sich entgegen, hielten aber nur kurz stand. Sechs oder sieben von ihnen fielen. Trotzdem wir die Geschütze hatten, durften wir sie doch nicht allein den unbeharnischten Kanonieren überlassen, da uns von der Tempelhöhe herab mit Armbrüsten und Musketen noch arg zugesetzt ward. Nun aber stürmte Sandoval mit seiner Mannschaft hinauf. Ein Regen von Bolzen und Kugeln empfing ihn. Er drang durch die ihm entgegengestreckten Piken die breiten Stufen hinauf. Jetzt konnten wir die Geschütze den Artilleristen lassen. Unseren Hauptmann Pizarro an der Spitze, eilten wir in ansehnlicher Zahl dem Sandoval und den Seinen zu Hilfe. Wir erschienen gerade recht, denn er kam an den letzten fünf oder sechs Stufen nicht mehr vorwärts. Wir brachten frische Kraft in das Gefecht, und Sandoval setzte von neuem an. Fürwahr, unsere langen Piken hatten feste Arbeit, ehe sie uns Bahn brachen! Auf einmal hörten wir eine Stimme, ohne Zweifel die des Narvaez: »Heilige Mutter Gottes! Mein Auge! Man hat mir ein Auge ausgestochen!« – Im selbigen Augenblick riefen wir: »Viktoria! Viktoria! Cortes Sieger! Narvaez gefallen!« Gleichwohl währte es noch geraume Zelt, ehe wir die Herren aller Gebäude auf dem Tempel waren. Dies gelang uns erst, als Martin Lopez, der Erbauer unserer Rennschiffe, auf den Einfall geriet, die Häuser mit Strohfeuer zu umräuchern. Jetzt kamen sie heraus, und Narvaez ward ergriffen. Der erste, der Hand an ihn legte, war Petro Sanchez Farfan. Im Augenblick erscholl es aus hundert Kehlen zum Himmel: »Hoch lebe der Kaiser! Hoch Cortes, unser Feldherr! Heil und Sieg! Narvaez ist hin!« VI Die Noche triste erzählt von Bernal Diaz. (Vgl. den Bericht des Cortes auf S. 177 ff.) Wir trafen nun Anstalten für unseren Rückzug. Die erste und wichtigste war der Bau einer beweglichen Brücke, die an Stelle der verbrannten Übergänge über die Gräben gelegt werden sollte. Um sie fortzutragen, aufzustellen und wieder wegzunehmen, sowie zu ihrer Bewachung, bis die Artillerie, das Gepäck, die Reiterei und alle Truppen hinüber waren, wurden 150 Hispanier und 400 Tlaskalaner beordert. Die Fortschaffung der Geschütze hatten 50 Hispanier und 250 Tlaskalaner zu bewerkstelligen. Die Vorhut sollten Gonzalo von Sandoval, Franz von Lujo, Diego von Ordas und Andreas von Tapia bilden. Sie hatten die Straße vom Feinde zu säubern. Hierzu bekamen sie noch 8 bis 10 Offiziere und 100 Mann zu Fuß, besonders kräftige und gewandte jüngere Leute. Zwischen dem Gepäck und dem Troß der indianischen Weiber und Gefangenen wollte Cortes selbst mit Alonso von Avila, Christoval von Olid, Bernardino Vasquez von Tapia nebst etlichen anderen Offizieren und 50 Mann zu Fuß seinen Platz haben, um überall eingreifen zu können, wo es nötig war. Die Nachhut sollten Juan Velasquez von Leon und Peter von Alvarado führen. Ihr zugeteilt wurden die Mehrzahl der Reiter, 100 Mann zu Fuß und die Hauptmasse der ehemaligen Truppen des Narvaez. Die Gefangenen, ebenso Dona Marina und Dona Luisa, (die Tochter des alten Xikotenkatl in Tlaskala) vertraute man einer Schutzwache von 30 Hispaniern und 300 Tlaskalanern an. Nachdem diese Marschordnung bekannt gegeben war, ließ Cortes bei Anbruch der Nacht, durch seinen Leibpagen Christoval Guzmann und andere Leute seines Haushalts alles Gold und Silber sowie alle Kostbarkeiten in einem Gemache zusammentragen. Hierauf mußten die Schatzmeister Alonso von Avila und Gonzola Mexia das kaiserliche Fünftel davon nehmen und auf 8 kranke Pferde und 80 Tlaskalaner verpacken. Zum größten Teil bestand dieser Anteil aus großen breiten Goldbarren. Sowohl den Gäulen wie den Trägern ward so viel wie nur möglich aufgeladen. Danach ließ Cortes seinen Geheimschreiber Pedro Hernandez, den Notarius (Diego von Godoy) und das übrige Schreibervolk kommen und sagte zu ihnen: Setzt euch und stellt mir eine Urkunde auf, daß ich alles getan habe, was in meinen Kräften steht, um dies Gold zu retten! Hier liegt Gold für 700000 Pesos. Ihr seht die Unmöglichkeit, mehr davon wegschaffen zu lassen. Deshalb gestatte ich, daß sich jeder Hispanier, soviel er sich zu tragen getraut, nehmen kann. Ich will nicht, daß diese Schätze den Heidenhunden zur Beute fallen. Unsere Soldaten, besonders aber die des Narvaez, steckten daraufhin so viel ein, als sie vermochten. Alsdann wurde zum Abmarsch angetreten. Es war um Mitternacht und ziemlich dunkel. Leichter Nebel lag über der Stadt. Es regnete ein wenig. Als alles in Bewegung, auch die Nachhut bereits im Marsch und die Notbrücke gelegt war, da erhob sich plötzlich wildes Kriegsgeschrei und die schauerliche Musik der Mexikaner. Sie riefen sich einander zu, daß wir abrücken wollten. Alsbald waren wir von Indianerscharen umringt, und auf dem ganzen See wimmelte es von Nachen. Obgleich ein Teil unseres Marschzuges die Brücke schon überschritten hatte, kamen wir hier nun nicht mehr vorwärts, und es entspann sich ein heftiger Kampf um die Brücke. Zwei unserer Gäule glitten auf den nassen Brettern aus, wurden scheu und rutschten in das Wasser. Dadurch verlor die Brücke ihr Gleichgewicht und schlug um. Sofort fielen eine Masse Mexikaner darüber her, und trotz aller unserer Gegenbemühung und obgleich wir viele Feinde niederstießen, verblieb selbige in der Gewalt der Gegner. Da die Hinteren die Vorderen vorwärts drängten, so gerieten immer mehr Pferde und Reiter in den Graben. Nur wer schwimmen konnte, vermochte sich hier zu retten. Von allen Selten fielen uns die Mexikaner mit Ungestüm und ohn Erbarmen an. Eine Menge Tlaskalaner und fast alle unsere Indianerinnen, das ganze Gepäck und sämtliches Geschütz kamen in Feindeshand. Viele Hispanier ertranken und eine nicht geringe Anzahl, die sich schwimmend zu retten suchten, wurden von den Indianern auf den Kähnen eingeholt, herausgefischt und weggeschleppt. Das Rufen und Schreien um Hilfe, das Jammern und Wehklagen ringsum war herzzerreißend. Jedwede Marschordnung ging verloren. Ein jeglicher war nur noch auf seine eigene Rettung bedacht. Jeder bemühte sich, das Festland zu erreichen. Selbst die Reiter vermochten nichts auszurichten. Von allen Seiten mit Pfeilen, Wurfspießen und Steinen beschossen, starrte ihnen ein Wald von Lanzen, Piken und Schwertern entgegen, vielfach von unseren eigenen, die der Feind den Gefallenen abgenommen hatte. Es war schwer für Roß und Reiter, sich durchzuschlagen. Die Hakenbüchsen und die Armbrüste wurden im Wasser naß und unbrauchbar. Dazu erschwerte die Dunkelheit ohnedies ein genaues Schießen. Selbst das Sichzusammenrotten von je 30 bis 40 Mann half wenig. Man kam dadurch wohl ein Stück vorwärts. Schließlich aber blieb wieder alles stecken und alles lief dann doch auseinander. Nur wer tüchtig um sich hieb, schaffte sich Bahn. Zum Glück war es Nacht. Endlich erreichten wir bei Takuba das feste Land. Die Vorhut unter Sandoval war bereits angelangt. Eine Menge Reiter und Fußvolk standen da. Wir erkannten einzelne Stimmen. Auf unsere Meldung, was hinter uns vorging, wandten sich Cortes, Sandoval, Olid, Avila, Morea, Rominquez und sechs bis sieben andere Ritter um. Da kam Peter von Alvarado an, hinkend, zu Fuß. Er hatte seine Fuchsstute eingebüßt und stützte sich schwerverwundet auf seine Lanze. Nur sieben Hispanier und acht Tlaskalaner waren noch um ihn, alle triefend von Blut. Als Cortes den Alvarado und seine Begleiter sah und er von ihnen das Schicksal der Nichtangekommenen vernahm, rannen ihm Tränen aus den Augen, denn mit Alvarado waren in der Nachhut 20 Reiter und 100 Mann zu Fuß gewesen. Juan Velasquez von Leon war samt 200 Mann trotz der tapfersten Gegenwehr an der ersten Brücke von den Mexikanern niedergemacht worden. Auch an der zweiten Brücke hatte ein heftiger Kampf getobt. Nur durch Gottes besondere Gnade war Alvarado gerettet worden. Dort soll auch sein bekannter Sprung mit der Lanze über den Wassergraben vorgefallen sein Noch heute zeigt man die Stelle des Salto de Alvarado. Pedro von Alvarado, Großritter des Sankt-Jakobs-Ordens, der Eroberer von Guatemala, gestorben 1538 infolge eines Unfalles mit seinem Pferd auf einem Krlegszug ln Neu-Galizien. Dle Indianer haben ihm den Beinamen »Sohn der Sonne« verliehen. Clavigero schildert ihn nach den alten Quellen: «Alvarado war ein wohlgestalteter schöner Mann, sehr gewandt, einnehmend, leutselig gegen jedermann, der Schwelgerei und dem Vergnügen ergeben, wenig heikel in seiner Gier nach Gold, das er als Großtuer und Verschwender rasch wieder unter dle Leute brachte, heftig und manchmal unmenschlich.« 1519 bekam er die Tochter des tlaskalanischen Generals Xikotenkatl, später Doña Luisa genannt, zur Frau. Seine Kinder von ihr sind die Ahnherren heute noch blühender Häuser des spanischen Hochadels. Seine spätere Gattin war Beatrice de la Cueva, mit der er in sehr glücklicher Ehe gelebt hat. Als man ihr den Tod ihres Mannes, des Statthalters von Guatemala, Honduras und Chiapa, vermeldete, brach sie in die Worte aus: »Ein größeres Unglück kann mir Gott fürder nicht schicken!« Sodann schnitt sie sich, ihrer Tochter und allen Frauen ihres Hauses das Haar ab. Auch ließ sie sich sofort von den Truppen Treue schwören. Gomara begeht die Lächerlichkeit, der leidenschaftlichen Frau jene Worte als Gotteslästerung vorzuwerfen. Er berichtet, zur Sühne wäre der nahe Vulkan in Tätigkeit getreten und habe Alvarados Haus zerstört. Alvarado hatte von ihr drei Kinder: Pedro, auf einer Reise nach Spanien verschollen, Diego, gefallen ln Peru; Leonora, verheiratet mit Francisco de la Cueva. Im Buche ist Alvarado weiterhin erwähnt: S. 16 , 33 , 249 , 231 , 256 f., 260 ff., 266 ff., 285 , 288 , 291 , 293 , 305 f., 313 f., 353 , 359 , 360 , 372 , 385 , 392 f., 400 , 421 , 430 , 432 f., 439 ff., 494 . . VII Das Siegesfest (13. August 1521) erzählt von Bernal Diaz. (Vgl. den Bericht des Cortes S. 303.) Nach der Einnahme der Hauptstadt ordnete Cortes einen feierlichen Feldgottesdienst an, um unserem Herrn und Gott und seiner gebenedeiten Mutter für ihren Beistand zu danken und ihnen etliche Gelübde darzubringen. Darauf ließ er in Kojohuakan ein großes Bankett anrichten, wobei der Wein, den wir durch ein in Verakruz eingelaufenes Schiff bekommen hatten, und das Pökelfleisch aus Kuba nicht gespart worden sind. Zu diesem Freudenfeste waren alle Offiziere und alle Soldaten eingeladen. Es fielen dabei schlimme Dinge vor, und Noahs Gewächs war die Ursache manch dummen Streiches. Nach dem Mahle ging es an den Tanz mit den Frauen, die im Standorte waren. Nichts war lächerlicher als die Sprünge, die ihre Verehrer in voller Kriegsrüstung mit ihnen machten. Viele Tänzerinnen waren übrigens nicht da. Der biedere Pater Barthel von Olmedo, der den Unfug beim Festmahl und beim Tanz mit angesehen hatte, äußerte seine Mißbilligung dem Obristen Sandoval gegenüber, indem er sagte: Das ist eine nette Art, Gott zu danken und für die Zukunft zu gewinnen! – Sandoval vermeldete den Tadel des frommen Mannes dem Generalkapitän. Dieser ließ den Pater zu sich kommen und sagte zu ihm: Herr Pater, der heutige Tag ist derart, daß man die Soldaten nicht hindern kann, nach ihrer Weise lustig und guter Dinge zu sein. Vielleicht hätte ich das Fest aber doch nicht geben sollen. Wie dem auch sei. Euer Hochwürden, Ihr könnt die Sache auf der Stelle wieder gutmachen, wenn Ihr einen feierlichen Umzug anordnet, eine Festmesse lest und in einer Predigt den Leuten ordentlich die Köpfe wascht. Es wäre auch eine gute Gelegenheit, der Mannschaft wieder einmal ans Herz zu legen, daß sie die Indianerweiber nicht verschleppen, nicht plündern und stehlen und untereinander nicht streiten und raufen, sondern sich als brave fromme Christen betragen sollen, damit der liebe Gott sie auch weiterhin segnen möge. Der Pater nahm diesen Vorschlag dankbar an und ordnete sofort einen Umzug an, den wir mit fliegenden Fahnen begleiteten. Etliche rasch verfertigte Kreuze sowie ein Muttergottesbild wurden vorangetragen, und wir alle im Zuge stimmten ein frommes Lied an. Tags darauf hielt der Pater eine Predigt, nach der Cortes, seine Offiziere und viele Soldaten das heilige Abendmahl empfingen und dem Allmächtigen aufs neue für den Sieg gedankt ward. VII Die Perlenfischerei in der Neuen Welt nach der Darstellung des Bartholomäus de Las Casas 1540 Die Perlenfischerei, wie sie die Hispanier durch die Indianer bewerkstelligen, ist eine der grausamsten und verdammungswürdigsten Erfindungen, die es nur geben kann. Es ist die qualvollste Höllenarbeit dieser Welt. Wenn schon das Graben in den Goldgruben sehr mühselig ist, so ist der Perlenfang noch viel schrecklicher. Man läßt die Arbeiter drei, vier, wohl auch fünf Klaftern tief in das Meer, und zwar von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang. Diese ganze Zeit müssen sie unter Wasser bleiben und die Muscheln losreißen, in denen die Perlen wachsen. Erst wenn ein Netz voll ist, dürfen sie wieder emporkommen, um ein wenig zu verschnaufen. Die Wache hält ein hispanischer Henkersknecht unweit davon in einem Nachen. Ruhen sich die Indianer zu lange aus, so stößt er sie wieder hinab ins Wasser, wobei er sie bei den Haaren anpackt. Ihre Nahrung besteht in Fischen, oft auch nur in den Schaltieren, in denen die Perlen gefunden werden. Dazu Brot und etwas Mais; ersteres aber sehr wenig. Nachts schlafen sie auf der Erde, in den Stock geschlossen, damit sie nicht entlaufen können. Es kommt oft vor, daß einer untertaucht und nie wieder zum Vorschein kommt, weil ihn die Haifische aufgefressen haben, die so gefräßig sind, daß sie einen ganzen Menschen auf einmal verschlingen. Die Wenigsten vertragen diese abscheuliche Lebensweise lange, denn ohne regelmäßig Atem zu holen vermag der Mensch nicht unter Wasser zu arbeiten. Der Körper wird unaufhörlich von der Kälte durchdrungen, die Brust vom langen Zurückhalten des Atems zusammengedrückt. So bekommen die Ärmsten Blutspeien und Durchfall. Daran sterben sie schließlich. Ihr von Natur schwarzes Haar erhält eine ganz andere Farbe und wird brandrot wie das Fell der Meerwölfe. Auf ihren Rücken zeigen sich salzige Ausschläge. Kurzum, sie sehen bald wie Ungeheuer in Menschengestalt aus. IX Charakterbild des Cortes von Franz Xaver Clavigero 1780 Ferdinand Cortes war ein Mann von großen Fähigkeiten, starker Urteilskraft und vieler Herzhaftigkeit, sehr geübt in den Waffen, erfinderisch in Hilfsmitteln zur Ausführung seiner Anschläge und vorzüglich geschickt, sich in Ansehen und Achtung auch bei seinesgleichen zu setzen, großartig in seinen Plänen und Handlungen, ebenso vorsichtig bei seinen Unternehmungen wie standhaft in ihrer Durchführung, geduldig bei Widerwärtigkeiten und bescheiden im Reden. Sein Eifer in kirchlichen Dingen war der unverbrüchlichen Treue gegen seinen Kaiser gleich. Aber der Glanz dieser und anderer trefflicher Eigenschaften, die ihm einen Platz unter den Helden der Weltgeschichte einräumen, ist durch etliche seiner hohen Seele unwürdige Handlungen befleckt. Ein maßloser Hang zum Weibe verwickelte ihn beständig in gefährliche Verbindungen und hat ihn in manchen schlimmen Handel gestürzt. Eine übertriebene oder vielmehr hartnäckige Hitze bei seinen Unternehmungen, so auch die Furcht, den erhofften Erfolg nicht zu haben, waren die Ursache, daß er zuweilen Gerechtigkeit, Dankbarkeit und Menschlichkeit vergaß. Cortes war von gutem, wohlgemessenem Wuchse, stark und tätig. Er hatte eine hohe Brust, einen schwarzen Bart und lebhafte verliebte Augen. Dies ist das Bild des berühmten Eroberers von Mexiko, wie es uns die ersten Geschichtsschreiber, die ihn persönlich gekannt haben, überliefern. Der Feldzug des Cortes nach Honduras 1524-1526 berichtet von Antonio Lopez Gomara zuerst gedruckt 1553 Vorbemerkung Unsere Kenntnis von diesem Zuge des Eroberers stützt sich auf die Carta Quinta de Cortes (den 5. Bericht an Kaiser Karl V.), niedergeschrieben im Juni oder Juli 1526 zu Mexiko, sodann auf die Schilderung des Bernal Diaz, niedergeschrieben etwa dreißig Jahre später nach dem Gedächtnisse, sowie schließlich auf die folgende Darstellung des Gomara, dem die uns verlorenen Tagebücher des Feldherrn zu Gebote gestanden haben. Alle späteren Schilderungen von Herrera, Torquemada und anderen sind nur Bearbeitungen der Darstellung des Gomara, kommen also nicht in Frage. Der Zweck des Zuges ist bereits in der Einleitung (S. 58 ff.) berührt. Cortes wollte den Christoval von Olid, der sich unabhängig gemacht hatte, zur Rechenschaft ziehen. Zugleich aber gedachte er die Siedelungen in Honduras zu fördern und sein Gebiet nach Nikaragua hin zu sichern. Der jenseitige Statthalter Pedrarias von Avila hatte sich schon wiederholt Übergriffe in den Machtbereich des Cortes erlaubt. Cortes konnte auf drei Wegen nach Triunfo de la Cruz, dem Hafenort von Honduras, gelangen: auf dem Seeweg um Yukatan, sodann auf dem alten Handelsweg über Chiapa und Guatemala, den der inzwischen von Honduras heimkehrende Franz von Las Casas benutzte, und schließlich auf einem anderen Handelswege, der von der Mündung des Tabasko, am Haff von Terminos hin, zwischen dem 19. und 20. Breitengrade quer durch die Halbinsel Yukatan nach der Landschaft Akalan führte. Diesen Weg kannte Cortes aus Berichten von eingeborenen Handelsleuten und aus einer ihm vorgelegten indianischen, ziemlich genauen und ins einzelne gehenden Landkarte. Ihn nahm der Feldherr. Es reizte ihn wie immer das noch Unbekannte. Entscheidend war wohl die Frage der Verpflegung und der rückwärtigen Verbindung. Cortes wählte als Ausgangspunkt seiner Unternehmung die Ansiedelung am Koazakualko. Von da bildete er eine Art Etappenstraße zur See, mit einem Zwischenpunkt in Xikalanko (am Haff von Terminos) nach der Himmelfahrts-Bai (Bay de l'Ascension), von wo aus sich nach Westen und Süden das Land Akalan erstreckte. Die Entfernung von dort bis zum Golfo dolce betrug rund 500 km. Der gesamte Weg von Mexiko über Yukatan bis Nito war ungefähr 2800 km lang, der über Guatemala nur etwa 1800 km. Cortes machte also einen Umweg von 1000 km. Dafür erweiterte er aber seine Kenntnis des Landes ganz beträchtlich. Der Marschweg im einzelnen ist nicht klar erforscht. Prescott (II, 356 - 372) zum Beispiel irrt sich in seinen Angaben vielfach. Cortes, der am 12. Oktober 1524 von Mexiko aufgebrochen war, ging etwa um die Mitte des Dezember vom Koazakualko über Kopilko (heute Cupilco) und Chilapa bis an den Rio Usumacinta, wo Iztapa lag, etwa 30 km von seiner Mündung entfernt. Nach einigem Aufenthalt daselbst, währenddem Cortes mit seinen Karavellen (in Xikalanko) Verbindung gewann, setzte er den Marsch stromauf fort, etwa bis zu dem heutigen Orte Jonuta. Von dort ist er vermutlich geradenwegs, nicht am Strom, nach Balankan marschiert; dann nordöstlich weiter, in der allgemeinen Richtung auf die Himmelfahrts-Bai. Die Lage von Izansanak ist uns nicht bekannt. Der Ort muß wohl südwestlich von Santa Cruz de Bravo gesucht werden. Hier erreichte den unglücklichen Guatemozin sein Schicksal. Es sei an dieser Stelle eingefügt, daß Cortes bald nach seiner Rückkehr aus Honduras der Witwe des hingerichteten Fürsten, Doña Isabel, der ältesten Tochter Montezumas, die Stadt Takuba und andere Orte zum Geschenk gemacht hat, wie aus der erhaltenen Schenkungsurkunde vom 27. Juni 1526 hervorgeht. Offenbar war der Eroberer ein Verehrer ihrer Schönheit. Sie hat später den Don Thoan Cano, einen kastilischen Edelmann, geheiratet, der mit Narvaez ins Land gekommen war. (Er ist auch in der Anmerkung 35 erwähnt.) Der Weitermarsch ging an der Ostküste von Yukatan hin. Die Stadt des Fürsten Kanek ist wohl auf einer Insel im Bacalar-See anzunehmen. Erst unweit von Nito (am Golfo dolce), wo Cortes Ende April 1525 eintraf, erfuhr er das inzwischen an Olid vollzogene Strafgericht. Da der Vorfall so recht den Geist jener Zeit und jener Männer widerspiegelt, sei er in der Darstellung des Bernal Diaz nacherzählt: Franz von Las Casas war, hinlänglich bevollmächtigt, mit 100 Mann auf fünf Schiffen von Verakruz unter Segel gegangen. Er hatte eine glückliche Fahrt und langte binnen kurzem in der Bai Triunfo de la Cruz an, wo Olids Flotte lag und selbiger eine Siedelung gleichen Namens gegründet hatte. Da er die Friedensflagge aussteckte, wußte Olid nicht recht, was Las Casas eigentlich bei ihm wollte. Gleichwohl glaubte er, auf der Hut sein zu müssen, und befahl, zwei Karavellen mit vieler Mannschaft und reichlichem Geschütz sollten auslaufen und den unbekannten Gästen die Einfahrt verwehren. Wie Las Casas, ein entschlossener und mutiger Mann, diese feindseligen Anstalten sah, ließ er alsogleich seine Boote ins Meer, bemannte sie mit tüchtigen Leuten und war gewillt, die Einfahrt zu erzwingen. Es kam zu einem hitzigen Gefecht, wobei Las Casas eine der beiden Karavellen in den Grund schoß, vier Mann tötete und viele verwundete. Christoval von Olid merkte, daß die Sache ernst ward. Es kam ihm darauf an, Zeit zu gewinnen, um seine gesamte Streitmacht zu vereinen. Er hatte gerade wenige Tage zuvor zwei Kompagnien gegen einen gewissen Gil Gonzalez von Avila ausrücken lassen, der am Pechin-Fluß Eroberungen zu machen begann. Daher bot er dem Franz von Las Casas Unterhandlungen an. Dieser ging insoweit darauf ein, daß er von der Landung abstand und auf der See blieb. Vermutlich wollte er in einer anderen Bucht landen. Das war aber sein Unglück. Denn in der Nacht erhob sich ein heftiger Nordwind, der in jener Gegend sehr gefährlich ist. Alle seine Schiffe scheiterten, die ganze Ladung ging verloren und 30 Mann ertranken. Die übrigen irrten zwei Tage in Regen und Kälte und ohne Nahrung umher, bis sie allesamt gefangengenommen wurden. Olid war über diese Wendung höchst erfreut. Jetzt hatte er den Las Casas in seiner Gewalt. Er setzte ihn in Haft und ließ seine Mannschaft auf sich vereiden. Kurz danach trafen auch die beiden Kompagnien wieder ein, die gegen Gil Gonzalez ausgezogen waren. Dieser war Befehlshaber am Golfo dolce und hatte eine Stunde vom Hafen eine Siedelung angelegt, die er San Gil de Buena Vista nannte. Er verfügte nur über geringe Streitkräfte, denn die Indianerstämme am Pechin waren dazumal friedlich. In San Gil wohnten 40 Hispanier, 4 Hispanierinnen und 2 Mulattinnen. Olid hatte diese Siedelung überfallen wollen, aber die Sache war nicht so leicht, wie er sich dies vorgestellt hatte. Die Besatzung verteidigte sich mit allem Nachdruck, wobei acht Mann fielen, darunter ein Vetter des Gonzalez. Gil Gonzalez selbst geriet schließlich in die Hände der Angreifer. Olid hatte seinen Standort in Nako, das in einer starkbevölkerten Gegend im Lande lag. Von dort aus sandte er Streiftrupps unter der Führung des Briones durch das ganze Gebiet. Das war ein unruhiger Kopf, ein leidenschaftlicher Mann und der eigentliche Urheber von Olids Abfall. Er ist seinem Schicksal nicht entgangen. Er hat später, in Guatemala, wegen Anstiftung zur Meuterei sein Leben am Galgen geendet. Von einem seiner Streifzüge kam er nicht wieder. Man erfuhr, er wäre mit all seiner Mannschaft nach Mexiko marschiert. In der Tat war dies so. Jetzt schien dem Las Casas und dem Gil Gonzalez die rechte Zeit gekommen, den Olid zu beseitigen. Beide waren zwar Kriegsgefangene, durften sich aber frei bewegen. Olid verließ sich viel zu sehr auf seine persönliche Tapferkeit, als daß er sich vor seinen Gefangenen gefürchtet hätte. In aller Stille hatten sich die Anhänger des Cortes miteinander verständigt. Auf die Losung: »Für Cortes im Namen des Kaisers nieder mit dem Tyrannen!« wollte man über Olid herfallen und ihn niedermachen. Alles war auf das beste vorbereitet. Einmal sagte Franz von Las Casas zu Christoval von Olid wie im Scherz: »Herr Obrist, schenkt mir die Freiheit! Ich möchte nach Neu-Hispanien und dem Generalkapitän berichten, warum mein Zug Mißerfolg gehabt hat. Dabei werde ich Euch auswirken, daß Ihr die Statthalterschaft hier und den Oberbefehl in aller Form erhaltet. Was nützt es Euch, wenn ich hier als Gefangener bleibe? Ich bin Euch bloß im Wege.« Olid gab zur Antwort: »Es bleibt, wie es ist. Im übrigen bin ich froh, einen so trefflichen Herrn wie Euch bei mir zu haben!« »So denkt wenigstens an die Sicherhett Eurer eigenen Person!« fuhr Las Casas fort. »Es könnte mir eines schönen Tages in den Sinn kommen, Euch den Garaus zu machen.« Da Las Casas dies lachend sagte, nahm es Olid auch als Scherz auf und blieb sorglos wie zuvor. Bald darauf versammelten sich Las Casas, Gil Gonzalez sowie mehrere Kriegsleute, die Anhänger des Cortes waren, zum Abendessen bei Olid. Die beiden Erstgenannten trugen als Kriegsgefangene keine Waffen, nur große scharfe Messer. Die andere Gesellschaft hatte das Gehänge bereits abgelegt. Eben wollte man sich zu Tisch setzen. Alle standen um Olid herum. Man unterhielt sich von Cortes und seinem Glück als Feldherr. Da faßte Las Casas den Olid, der an nichts Schlimmes dachte, plötzlich beim Barte und stach ihn mit dem Messer in die Kehle. Alsbald stürzten auch die anderen Verschwörer auf den Verwundeten los und stachen alle auf ihn ein. Olid sank zu Boden. Während sich die Verschwörer nun fröhlich zu Tisch setzten und wohlgelaunt zu schmausen begannen, erhob sich Olid aus seiner Ohnmacht, raffte sich zusammen und lief unter dem Rufe: »Zu Hilfe Eurem Hauptmann!« nach einem nahen Busch, wo er sich verbarg, bis seine Getreuen herbeikamen. Ein Teil der Mannschaft versammelte sich auch um ihn und wollte ihn verteidigen. Aber Franz von Las Casas rief den Leuten zu: »Im Namen des Kaisers und des Cortes! Nieder mit dem Tyrannen!« Bei diesen beiden Namen wagte niemand mehr, eine Hand für Olid zu rühren; vielmehr gehorchte man willig, als Las Casas den Befehl gab, den Davongelaufenen einzuholen und gefangen herzubringen. Sehr bald fand man ihn und nahm ihn fest. Es ward ihm in aller Form der Prozeß gemacht, und zufolge des kriegsgerichtlichen Urteils ließen ihm die beiden Hauptleute auf dem Marktplatze den Kopf abschlagen. Nachdem sie sich so ihres gemeinsamen Feindes entledigt hatten, zogen sie die Truppen zusammen und teilten sich in Frieden und Eintracht in den Oberbefehl. Las Casas gründete die Stadt Truxillo, und Gonzalez sandte Mannschaft nach San Gil de Buena Vista, die sehen sollten, was aus seiner Siedelung geworden sei. Er selbst machte sich auf die Reise nach Mexiko, und Las Casas schloß sich ihm an. Erstes Kapitel Nachdem Cortes den Gonzalo Salazar und den Peralmindez mit den nötigen Vollmachten für die Übernahme der Statthalterschaft von Neu-Hispanien während seiner Abwesenheit durch Alonso von Estrada und Rodrigo von Albornoz von Espiritu Santo nach der Hauptstadt zurückgeschickt hatte, ließ er den Fürsten von Tabasko und Xikalanko ansagen, daß er sich in ihrer Nähe befände und einen großen Marsch vorhabe. Sie sollten ihm etliche Leute senden, die der Küste und des Hinterlandes kundig wären. Die Fürsten schickten ihm hierauf zehn angesehene Handelsleute. Nachdem sich Cortes mit ihnen über das, was er vorhatte, verständigt hatte, überreichten sie ihm eine Karte auf Baumwollenstoff, die den ganzen Weg von Xikalanko bis Nako, einer hispanischen Niederlassung in Honduras, und sogar bis Nikaragua an der Südsee und bis zur Hauptstadt des Pedrarias, des Statthalters von Tierra-firme, aufgezeichnet war. Diese Karte war bewundernswürdig, denn sie gab alle Flüsse und Gebirge an, die zu überschreiten waren, sämtliche größere Orte und sogar die Ventas (Gasthöfe), wo die Kaufleute, wenn sie auf die Märkte ziehen, Unterkommen finden. Übrigens bemerkten die Überbringer, daß die Hispanier eine Menge von den darauf aufgezeichneten Ortschaften inzwischen niedergebrannt hätten. Ihre Einwohner wären in die Berge geflohen, weshalb die Märkte an den betreffenden Orten nicht mehr stattfänden. Cortes war nicht wenig verwundert über die genaue Kenntnis, die diese Leute von so weit entfernten Landschaften hatten. Er dankte ihnen für ihre Auskünfte und machte ihnen ein kleines Geschenk. Nachdem er sich mit Wegeführern und Dolmetschern versehen hatte, hielt er eine Truppenschau ab, aus der sich ergab, daß er über 150 Reiter und 150 wohlausgerüstete Mann zu Fuß verfügte. Dazu kamen 3000 Indianer, einschließlich der Weiber. Auch eine Herde Schweine ward mitgenommen. Diese Tiere halten nämlich lange Märsche und große Mühsale sehr gut aus. Vier Geschütze, die aus der Hauptstadt angelangt waren, ein großer Vorrat von Mais, Gemüse, gedörrten Fischen, Pökelfleisch und anderen Lebensmitteln, sowie Waffen, Pulver und allerlei Kriegsgerät, schließlich Öl, Wein und Essig, – meist aus Verakruz und Medellin – ward in drei Karavellen geladen. Diese Schiffe erhielten den Auftrag, entlang der Küste nach der Mündung des Tabasko zu segeln. Cortes selber trat den Marsch zu Land an, mit der Absicht, sich nicht weit von der See zu entfernen. Neun Wegstunden (50 km) entfernt von Espiritu Santo ging das Heer auf Barken über einen Fluß und betrat die Landschaft Tunala. Abermals nach neun Meilen (50 km) überschritt man den Aquivalko, wobei die Pferde schwimmen mußten. Der nächste Strom (der Rio Seco) hatte ein zu steiles und tiefes Bett, als daß dies wiederum geschehen konnte. Cortes ließ daher, eine halbe Wegstunde von der Meeresküste entfernt, eine Brücke aus Holz schlagen, die 934 Schritt (3OO m) lang war. Die Indianer, die an und für sich nicht erfreut darüber waren, bewunderten sie dennoch. Nun gelangte Cortes nach Kopilko (das heutige Cupilco), der Hauptstadt der Landschaft. Auf dem Marsche bis dahin hatte man 35 Meilen (rund 200 km) zurückgelegt, dabei über 50 Flüsse und Wassergräben überschritten und fast ebenso viele Brücken geschlagen, da man auf andere Weise nicht hinüber kam. Das Land, durch das man gezogen war, hatte eine starke Bevölkerung. Sehr niedrig gelegen, umfaßt es eine Menge Haffs und Sümpfe, die dadurch entstehen, daß vom Meere Wasser überströmt und nicht wieder abfließen kann. Man hat daher überall Kähne. Der Boden bringt reichlich Kakao, Mais und manches andere hervor. An Fischen ist Überfluß. Kurzum, es fehlte dem Heere dort an nichts. Das Gebiet war immer in guten Beziehungen mit Espiritu Santo gewesen und wurde deshalb auch von da aus verwaltet. Von Anaxaxuka (Nacajuca), der letzten Ortschaft des Gebiets von Kopilko, auf dem Wege nach Givatla, marschierte Cortes über ein Gebirge, durch sehr enge Schluchten, sowie über einen Strom namens Quezatlapan, einen Nebenfluß des Tabasko. Hier versah er sich mit Lebensmitteln aus den inzwischen angelangten Karavellen, mit Hilfe von 20 Zillen, die mit 200 Mann von der Mündung des Tabasko stromauf fuhren. Der Tabasko ward übrigens auch überschritten, wobei ein Neger ertrank. Er versank mit seiner Last, einem Zentner Hufeisen, die in der Folge arg vermißt worden sind. Wenn ich nicht irre, so war es hier, wo sich Juan Xamarillo in der Trunkenheit mit Marina verheiratete, was Cortes nicht hätte zulassen dürfen, weil er doch Kinder von ihr hatte. Während der zwanzig Tage, die Cortes in Civatla verweilte, ließ sich kein Eingeborener auftreiben, den man hätte als Wegeführer nehmen können. Man fand nur zwei Männer und etliche Weiber, nach deren Aussage alle übrigen Einwohner in die Berge und in die Sümpfe geflohen waren. Auf die Frage, ob sie etwas von Chilapa wüßten, das auf der Karte angegeben war, deuteten sie auf ferne Berge. Cortes ließ eine 300 Schritt (etwa 100 m) lange Brücke schlagen, denn anders war aus diesem sumpfigen Ort nicht herauszukommen. Die Nacht darauf lagerte man auf einem hochgelegenen trockenen Felde. In Chilapa angekommen, fand man den großen, in prächtiger Umgebung gelegenen Ort völlig niedergebrannt und zerstört. Nur zwei Männer hausten noch darin, die als Wegeführer nach Tamaztepek oder Tekpetlikan – wie andere es nennen – mitgenommen wurden. Auf dem Marsche dahin hatte man einen Fluß namens Chilapa zu überschreiten, wobei wiederum ein Träger mit seiner Last verunglückte. Zu den nächsten sechs Meilen (33,5 km) brauchte man zwei Tage, dieweil die Pferde fast immer bis an die Knie und oft bis an den Bauch durch Wasser und Schlamm treten mußten. Die Gefahren und Anstrengungen waren riesig. Auch drei Hispanier ertranken. Tamaztepek war von seinen Bewohnern verlassen. Cortes rastete daselbst sechs Tage. Obst und Mais fand sich reichlich, letzterer sowohl grün auf den Feldern als auch getrocknet in den Mieten, so daß sich Menschen und Tiere nach dem harten Marsch ordentlich erholen konnten, den übrigens auch die Schweine erstaunlich gut überstanden hatten. Bis Iztapa waren es zwei Tagesmärsche, immer durch Morast und Moor, worin die Pferde bis zum Gurt einsanken. Beim Anblick der Reiter fiohen die Einwohner entsetzt davon. Der Häuptling von Civatla hatte ihnen Angst eingejagt, die Hispanier brächten alles um, was ihnen in den Weg käme, und brennten alle Häuser nieder. Infolgedessen hatten sie ihre Habseligkeiten und ihre Frauen über den Fluß (Rio Usumacinta) gebracht, der an ihrem Ort vorüberfließt. Dies war so eilig geschehen, daß dabei eine Menge Menschen ertrunken waren. Etliche, die man einfing, berichteten dies alles. Daraufhin sandte Cortes die Leute, die aus Civatla, Chilapa und Tamaztepek bei ihm waren, zu den geflohenen Indianern, um ihnen bessere Begriffe von den Hispaniern und ihren Gebräuchen beizubringen. Auch ließ er die Aufgegriffenen wieder laufen. Sie erhielten noch allerlei Krimskrams geschenkt und Ausweise, daß kein Hispanier dem Vorzeiger etwas antun solle. Die Leute zogen vergnügt von hinnen. Nunmehr stellte sich der Häuptling des Ortes mit 46 Indianern ein, erklärte sich den Hispaniern untertan und bewirtete das Heer in den acht Tagen seines Aufenthalts auf das beste. Die Hispanier hatten zwanzig Weiber im Fluß gefangen, die er sich erbat und auch erhielt. An diesem Orte trug es sich zu, daß man einen Mexikaner ertappte, wie er das Bein eines Eingeborenen verzehrte, den er umgebracht hatte. Cortes ließ den Missetäter den Feuertod sterben in Gegenwart des Häuptlings, dem er den Grund mitteilen ließ. Bei dieser Gelegenheit erläuterte er ihm durch den Dolmetsch die Grundsätze des Christenglaubens. Auch schilderte er ihm die Schrecken der Hölle und die Freuden des Paradieses, letztere so verlockend, daß der Häuptling Lust bekam, Christ zu werden. Der Häuptling gab dem Cortes drei Zillen, in denen etliche Hispanier stromab nach der Mündung des Tabasko fuhren, um den Karavellen Befehle zu überbringen. Sie sollten weitersegeln und den Generalkapitän in der Himmelfahrts-Bai erwarten sowie ihm von dort aus durch geeignete Mittel über ein Haff hinweg Pökelfleisch und Schiffsbrot nach Akalan senden. Drei andere Zillen wiederum mit mehreren Hispaniern wurden stromauf abgeschickt, um Erkundungen zu machen. Die Gegend war nicht sehr friedlich. Schon von hier aus drang das schädliche Gerücht nach Mexiko, Cortes kehre nicht wieder zurück, wodurch alle die schlechten Pläne von Salazar und Peralmindez Boden gewannen, wovon noch die Rede sein wird. Zweites Kapitel Von Iztapa marschierte Cortes nach Tatahuitlapa. Hier fand er nur zwanzig Priester vor, in einem großen und reichgeschmückten Tempel auf dem jenseitigen Ufer. Sie erklärten ihm, sie seien hier verblieben, um mit ihren Göttern unterzugehen. Sie wären ihres Schicksals gewiß. Dies kam daher, daß den Hispaniern die Nachricht vorauszog, sie verbrennten alle Tempel. In Wahrheit ward das Kreuz der Christen aufgerichtet. Und als die Priester Schmuckstücke aus Götzentempeln in den Händen der Soldaten sahen, riefen sie weinend aus, sie wollten nicht länger leben, denn ihre Götter seien tot. Cortes und die Franziskanerbrüder machten ihnen hierauf die nämlichen Vorstellungen wie dem Häuptlinge von Iztapa und forderten sie auf, ihren heidnischen und törichten Glauben zu lassen. Aber sie erklärten einmütig, sie wollten sterben, den Gesetzen ihrer Väter und Ahnen treu. Einer von den Priestern, anscheinend der Oberpriester, zeigte dem Generalkapitän auf der Karte den Ort Huatekpa und sagte dazu, dorthin könne man nicht zu Lande kommen. In einiger Entfernung von Tatahuitlapa gelangte man an einen Sumpf, eine halbe Meile lang, sowie an ein Haff, das ohne Brücke nicht zu überschreiten war. Weiterhin ging es wieder eine Wegstunde weit durch einen Sumpf. Indes kamen hier die Pferde leichter durch, weil der Grund fest war, wenngleich ihnen das Wasser überall bis an die Knie und manchmal bis an den Gurt reichte. Der Marsch führte nunmehr in ein Gebirge durch ein Tal, das sich so eng zusammenschloß, daß man vom Himmel nichts mehr sah als die Stelle, unter der man gerade hinzog. Dabei hatten die Bäume eine solche Höhe, daß man sie gar nicht ersteigen konnte. Ein Ausblick in das Land war darum nicht möglich. Zwei Tage ging es so beinahe auf das Geratewohl fort. Am Rand eines Tümpels, um den einiges Gras als Weide für die Pferde stand, ward haltgemacht und biwakiert, ohne daß man sich sättigen konnte. Viele meinten bereits, sie müßten allesamt elendiglich zugrunde gehen, ehe man wieder in eine bewohnte Gegend gelange. In dieser mißlichen Lage holte Cortes seinen Kompaß und die Karte hervor, die er immer bei sich hatte. Er rechnete sich aus, in welcher Richtung der Ort lag, den ihm der Priester in Tatahuitlapa auf der Karte bezeichnet hatte, und fand, daß er nach Nordosten marschieren müsse, um nach Huatekpa zu gelangen. Nun zog man durch dick und dünn in besagter Richtung und kam nach unsäglichen Mühsalen wirklich genau dorthin, wo man hin wollte. In Huatekpa (bei Bernal Diaz: Ciguatepek) tat man sich bei Früchten und allerlei Lebensmitteln gütlich. Auch die Pferde hatten grünen Mais in Menge, dazu vortreffliches Gras am Ufer. Der Ort selbst war leer. Cortes konnte also nicht erfahren, was aus den drei Zillen und den Hispaniern geworden war, die er den Fluß stromauf geschickt hatte. Man fand aber eine Armbrustsehne im Dorfe, – ein Zeichen, daß sie hier verweilt hatten, wenn nicht gar umgebracht worden waren. Etliche Hispanier wurden beordert, über den Strom zu setzen und drüben die Gärten und Felder abzusuchen. Auf ihrer Suche kamen sie an einen großen See, wo sämtliche Bewohner des verödeten Ortes auf Inseln und in Kähnen lagen. Lachend und freundlich gingen sie den Hispaniern entgegen. Vierzig von ihnen wurden vor Cortes gebracht. Sie sagten, sie wären geflohen, weil ihnen der Häuptling von Iztapa Angst vor den Fremdlingen gemacht hätte. Indessen wären sie durch etliche bärtige Männer, die zusammen mit Leuten aus Civatla den Fluß herauf gekommen wären, bereits beruhigt worden. Auch habe ein Bruder ihres Häuptllngs jene Männer mit vier Kähnen voll Kriegern begleitet, damit ihnen in einer gewissen Ortschaft weiter stromauf kein Leid geschähe. Cortes sandte sofort Leute aus, die diese Mannschaft zurückholen sollten. Tags darauf trafen sie glücklich ein und brachten eine Menge Mais, Kakao und Honig mit, dazu ein wenig Gold, worüber allgemeine Freude herrschte. Auch aus vier oder fünf anderen Orten brachte man uns Lebensmittel, lediglich um die Fremdlinge zu sehen, von denen im ganzen Lande viel die Rede war. Zum Zeichen der Freundschaft überreichte man uns Gold, aber leider nur recht wenig. Cortes war sehr freundlich mit den Leuten und ersuchte sie, Christen zu werden. Dies versprachen sie, und nach Rückkehr in ihre Dörfer verbrannten sie ihre Götzenbilder. Drittes Kapitel Von Huatekpa nahm Cortes seinen Weg nach dem Lande Akalan auf einem Fußpfade, den die Händler gehen. Andere Leute, so sagten sie, reisten nicht von Ort zu Ort. Der Fluß ward in Barken überschritten, wobei ein Pferd nebst einigem Gepäck verloren ging. Drei Tage lang zog man unter den größten Mühen durch ein überaus wildes und rauhes Gebirge. Sodann kam man an ein Haff, das 500 Schritte (= 400 m) breit war. Die Verlegenheit war groß. Fahrzeuge waren nicht da, und das Wasser war so tief, daß man keinen Grund fand. Weinend beteten viele. Es schien unmöglich, hinüberzukommen. Umkehren aber, wie die meisten wollten, wäre der sichere Untergang aller gewesen. Der Regen hatte überall die Flüsse angeschwellt und die Brücken zerstört. Cortes bestieg mit zwei hispanischen Seeleuten einen Kahn und erkundete die Wassertiefe an verschiedenen Stellen. Überall fand er sie zum mindesten vier Ellen tief, und als man mit langen Piken den Grund untersuchte, war der auch noch zwei Ellen tief, so daß die Tiefe im ganzen sechs Ellen (= 4 m) betrug. Mithin war ein Brückenschlag eine fragwürdige Sache. Trotzdem entschloß sich Cortes zu einem Versuche. Zu diesem Zweck ließ er sich von den indianischen Häuptlingen Leute stellen, die große Bäume fällen und dicke Pfähle bereiten mußten. Sowie einer fertig war, rammten ihn die Hispanier, von Flößen und drei vorhandenen Kähnen aus, in den schlammigen Grund. Diese Arbeit war so mühevoll und zeitraubend, daß die hispanische Mannschaft die Brücke wie den Feldherrn zum Teufel wünschte. Man zog schrecklich wider ihn los. Er habe sie wie ein Toller in eine Lage geführt, aus der ihnen all sein vielgerühmter Witz und Verstand nicht wieder heraus helfen könne. Die Brücke werde in aller Ewigkeit nicht fertig, und wenn sie auch zustande käme, so erlebte das keiner. Man solle also lieber umkehren, ehe die Lebensmittel aufgezehrt seien. Nach Honduras gelange man nie und nimmer. Cortes war selten in so unangenehmer Lage gewesen. Um aber die Leute nicht noch kopfloser zu machen, ließ er sie reden und jammern. Nur bat er sie, sich noch fünf Tage zu geduldigen. Wäre dann die Brücke nicht fertig, so sei er bereit, umzukehren. Jetzt feuerte er die Indianer an, alle ihre Kräfte einzusetzen. Er war sich klar, daß er hier durchkommen mußte oder völlig verloren war. Sind wir erst einmal über dieses Wasser – so sagte er – dann sind wir auch in Akalan. Das ist eln fruchtbares Land, wo wir uns befreundete Stämme antreffen und auch unsere Schiffe finden, die alles, was wir brauchen, in Menge mit sich führen. Allen aber machte er die herrlichsten Versprechen. Die Indianer zeigten den besten Willen. Sie ordneten sich in bestimmte Trupps, von denen der eine Baumfrüchte, Wurzeln und Kräuter zur Nahrung in den Bergen suchte, ein anderer Bäume fällte, ein dritter sie bearbeitete, ein vierter sie zum See trug, ein fünfter sie einrammte. Cortes war der Werkmeister. Er war so eifrig und verstand die Indianer dermaßen anzutreiben, daß die Brücke am sechsten Tage fertig war. Am siebenten Tage marschierte das Heer hinüber. Das erst Unmögliche war geschafft. Den hispanischen Soldaten war es schier unbegreifbar. Schließlich hatten sie auch mitgearbeitet. Wie Hispanler nun einmal sind: sie lassen den Zungen freien Lauf und rühren dann auch die Hände. Es war eine harte Arbeit gewesen, von den Indianern geschickt ausgeführt. Zu der Brücke waren 1000 Pfähle, jeder 8 Ellen (= 5 ½ m) lang und 5 bis 6 Fuß im Umfang, verwendet worden, dazu eine Menge Balken und Bretter zum Belag. Die Verbindung der Teile war durch Lianen hergestellt, da man nur wenige Huf- und Brettnägel hatte. Die Freude, das Haff überschritten zu haben, währte aber nicht lange. Denn jetzt kam man an einen Sumpf, der zwar nicht breit, aber so tief war, daß die Pferde bis über die Ohren darin versanken. Man bekam sie nicht hindurch. Alle Versuche blieben erfolglos. Da öffnete sich das Wasser von selbst einen Abfluß durch den Schlamm. Schwimmend kamen nun die Pferde hinüber, wenn auch mit großer Anstrengung. Am anderen Ufer angelangt, vermochten sie kaum noch zu stehen. Als man von neuem aufbrach, trafen vier Hispanier ein, die Cortes vorausgeschickt hatte, zugleich mit ihnen 80 Indianer aus dem Lande Akalan, alle beladen mit Geflügel, Baumfrüchten und Mais. Das ganze Heer war hocherfreut, zumal sie auch die Meldung brachten, daß der Häuptling des Stammes namens Apoxpalon und sein Volk das Heer freundlich zu empfangen bereit sei und Unterkunft gewähren wolle. Der Fürst hatte etliches Gold als Willkommengruß mitgesandt. Cortes behandelte diese Indianer auf das beste und gab ihnen allerlei Kram für ihren Häuptling. Auch zeigte er ihnen die Brücke, über die sie sich nicht genug wundern konnten. Offenbar hatten sie den Eindruck, daß den Hispaniern kein Ding unmöglich sei. Tags darauf marschierte das Heer bis Tizapetl, wo die Einwohner reichlich Lebensmittel für die Mannschaft und Mais und Heu für die Pferde bereitgestellt hatten. Es fanden sechs Rasttage statt, in denen sich jedermann erholte und wieder stärkte. Hier erhielt Cortes den Besuch eines jungen Indianers, eines recht hübschen Mannes, den ein stattliches Gefolge begleitete. Es war der Sohn des Apoxpalon. Der Jüngling brachte eine Menge Hühner und etliches Gold und erzählte, sein Vater sei unlängst verstorben. Er aber und das ganze Land ständen den Fremdlingen zur Verfügung. Obgleich er den Tiefbetrübten spielte, kam die Sache dem Cortes verdächtig vor. Noch vor vier Tagen hatte er vernommen, daß der Fürst wohlauf wäre. Trotz alledem beschenkte Cortes den jungen Mann mit einer Halskette von niederländischen Glasperlen, die sich der Bursche sofort umhing, da er ihr großen Wert beimaß. Von Tizapetl ging der Marsch nach Teutikakak, das sechs Wegstunden weiter lag. Dort wurden die Hispanier vom Häuptling auf das freundlichste empfangen und in zwei stattlichen Tempeln untergebracht, deren es dort eine große Anzahl in überaus schöner Bauart gibt. Die Hauptmoschee war einer Göttin geweiht, der man von Zeit zu Zeit schöne Jungfrauen zum Opfer schlachtete, jedesmal zehn. Man suchte die armen Mädchen schon ganz klein zu bekommen und erzog sie mit großer Sorgfalt zu ihrer Bestimmung. Cortes machte den Indianern ernste Vorhaltungen wegen dieses unmenschlichen Brauches. Er predigte ihnen das Christentum und zerstörte ihre Götzenbilder, was ihnen nicht weiter nahe ging. Der Häuptling des Ortes hatte übrigens viel Umgang mit den Hispaniern. Er war sehr wißbegierig und faßte zu Cortes große Zuneigung. Auch gab er Aufschlüsse über die hispanischen Siedelungen in Honduras und über den Weg dahin. Schließlich versicherte er, Apoxpalon sei noch am Leben. Den Umweg, den selbiger die Hispanier habe machen lassen, der übrigens nicht schlimm sei, habe den Zweck, ihnen etliche Orte nicht zu zeigen und den Reichtum des Landes zu verheimlichen. Dabei bat er, diese Mitteilung geheim zu halten. Cortes war sehr erfreut über solche Nachricht und versprach, ihn nicht zu verraten. Darauf nahm er den jungen Mann vor und brachte ihn zum Geständnis. Nunmehr befahl er ihm, den Fürsten zu holen. Schon am andern Tage traf selbiger ein und bat den Cortes beschämt um Verzeihung. Er habe Furcht vor den fremden Männern und Tieren gehabt und erst abgewartet, ob sie Böses gegen sein Land im Sinne hätten. Nachdem er nun überzeugt sei, daß niemandem ein Leid geschähe, bäte er ihn, nach seiner volkreichen Hauptstadt Izansanak zu kommen. Cortes machte sich am folgenden Tage mit Apoxpalon auf den Weg, wobei er ihm ein Pferd zum Reiten gab. Das bereitete dem Fürsten viel Vergnügen, obwohl er im Anfang beinahe vom Gaule fiel. In der Hauptstadt hielten sie feierlichen Einzug. Cortes und alle Hispanier bekamen ein großes Haus angewiesen, wo sie samt den Pferden unterkamen. Die Mexikaner wurden in andere Häuser verteilt. Während des ganzen Aufenthalts hier wurde das Heer auf das beste bewirtet. Auch erhielt man als Gastgeschenk etliches Gold und zwanzig Weiber. Um einen Boten zum Meere schicken zu können, wo (in der Hlmmelfahrts-Bai) die Karavellen lagen, gab Apoxpalon eine Zille mit der nötigen Bemannung. Ein Hispanier fuhr auf dem Strome dorthin ab. Es war der nämliche Mann, der unlängst mit vier Indianern aus Sant Estevan am Panuko mit Briefen aus Medellin und Mexiko eingetroffen war. Diese Briefe waren indessen vor der Ankunft des Salazar und des Peralmindez daselbst geschrieben. Cortes gab dem Manne die Antworten auf die Briefe mit, worin er mitteilte, er habe zwar viel Mühsal ausgestanden, es gehe aber alles gut. Zugleich sandte er den Karavellen Befehl, wohin sie weiterhin zu fahren hatten. Im Lande Akalan war es Brauch, den reichsten Handelsmann zum Staatsoberhaupt zu machen. So war Apoxpalon zur Herrschaft gelangt. Er unterhielt einen ausgebreiteten Handel mit Baumwolle, Kakao, Sklaven, Salz, Gold (das einen kleinen Zusatz von Kupfer hatte), Farbmuscheln (mit deren Saft man die Götzenbilder und auch sich selber färbte), Harz, allerlei Räucherwerk für den Gottesdienst, Wachsfackeln, vielerlei Farben und Salben (mit denen sich die Indianer für Schlacht und Spiel sowie zum Schutz gegen Hitze und Kälte den Leib bemalen) und mit allerhand sonstigen Waren, die dort zum Bedürfnis gehören. Es gab in verschiedenen Orten weit und breit Märkte und Messen. In Nito besaß der Fürst ein großes Zweiggeschäft, und dort gehörte ihm ein ganzes Stadtviertel, wo nur seine Angestellten und Hörigen wohnten. Apoxpalon war in jeder Hinsicht voller Entgegenkommen. So baute er den Hispaniern eine Brücke über einen Sumpf und schaffte Fahrzeuge heran, damit das Heer ein Haff überschreiten konnte. Als Gegenleistung ließ er sich nur eine Urkunde von Cortes ausstellen, in der ihm, für den Fall, daß wieder einmal Hispanier kämen, bezeugt ward, daß er sich als Freund der Hispanler bewiesen hatte. Es sei noch bemerkt, daß das Land Akalan stark bevölkert und reich und daß Izansanak eine große Stadt ist. Viertes Kapitel Cortes hatte den Guatemozin und eine Anzahl anderer mexikanischer Edelleute mit ins Feld genommen, damit sie nicht während seiner Abwesenheit die Hauptstadt und das Land in Aufruhr bringen konnten. Auch hatte er 3000 Mexikaner als Diener und Träger beim Heere. Guatemozin ward der strengen Aufsicht, unter der er lebte, bald überdrüssig, und da es ihm an fürstlichem Ehrgeiz keineswegs fehlte, so kam er auf den Gedanken, sich die eigentümliche Lage der Hispanier zunutze zu machen. Er beschloß, sie zu überfallen, während sie in verschiedene Trupps getrennt dahinzogen, um sich durch ihren Tod an ihnen und besonders an Cortes zu rächen. Sodann gedachte er nach Mexiko zurückzukehren, sein Volk zur Freiheit aufzurufen und den Thron seiner Väter von neuem zu besteigen. Mit diesem Plan machte er die Edelleute, die am Zuge teilnahmen, bekannt. Auch benachrichtigte er den in Mexiko zurückgebliebenen Adel und forderte ihn auf, daselbst alle Hispanier, deren Zahl nicht mehr denn 200 mit 50 Pferden betrug und die überdies einander immerfort in den Haaren lagen, an ein und demselben Tage umzubringen. Der Gedanke war nicht übel, wenn man es verstand, ihn auch auszuführen. Cortes hatte nur wenige Hispanier um sich. In Mexiko zurückgeblieben waren, wie gesagt, auch nicht viele, überdies im ganzen Lande zerstreut, auch zum Teil mit Alvarado in Guatemala oder mit Las Casas in Honduras. Etliche hielten sich auch in der Landschaft Michoakan bei den Bergwerken auf. Ein Indianer aus Mexikalzinko, der später, als er Christ wurde, den Namen Christoval erhielt, entdeckte dem Generalkapitän die Verschwörung und eröffnete ihm die Pläne des Guatemozin. Auch gab er ihm eine Liste, darinnen in der Bilderschrift der Mexikaner alle Verschwörer aufgezeichnet waren. Sofort ließ Cortes zehn von ihnen festnehmen, ohne daß es einer von dem anderen wußte. Die Festgenommenen vernahm er über die Zahl der Mitverschwörer, wobei er jedem einzelnen erklärte, die anderen hätten bereits alles eingestanden. So bekannten sie sämtlich, daß die Urheber des Anschlages Guatemozin, Koanakoch und Tetlepanquetzal wären. Die anderen aber hätten sich, wenngleich ihnen der Gedanke wohl gefallen habe, nicht ernstlich in die Sache eingelassen und auch an den Beratungen nicht teilgenommen. Sie fügten hinzu, daß sie ihrem angestammten Herrn allerdings gehorcht haben würden,wenn er sie zum Kampf um die Befreiung ihres Landes aufgerufen hätte. Das wäre ihre Pflicht und kein Verbrechen. Nach diesen Geständnissen wurden die Schuldigen einem Kriegsgericht überliefert und das Urteil, das auf Hinrichtung durch den Strang lautete, an ihnen vollzogen. Den übrigen war die ausgestandene Angst Strafe genug. Als sie die drei Fürsten gehängt sahen, dachten sie nicht anders, als daß nun sie an die Reihe kämen. Übrigens erfuhren sie nie, auf welche Weise Cortes hinter ihr Geheimnis gekommen war. Sie blieben bei dem Glauben, der Kompaß habe ihm alles verraten. Seitdem und auch schon seit Cortes durch dies Werkzeug die Richtung nach Huetekpa gefunden hatte, waren sie davon überzeugt, daß man seine Gedanken vor Cortes nicht verbergen könne. Daher kamen sie oft zu ihm und sagten, er möge nur in den Spiegel schauen – so nannten sie den Kompaß –, damit er wisse, wie treugesinnt sie ihm seien. Es ist begreiflich, daß man sie bei ihrem Aberglauben ließ. Die Hinrichtung fand übrigens in der Fastnacht (28. Februar/1. März 1525) statt. Wie aus dem Laufe seines Lebens erhellt, war Guatemozin ein tapferer Mann, der in all seinem Unglück seinen königlichen Sinn bewiesen hat. Bei seiner Gefangennahme nach der Eroberung der Stadt benahm er sich gefaßt. Bei der Verteidigung vordem und bei den Unterhandlungen war er von hohem Sinn. Und bei seiner Hinrichtung zeigte er sich nicht minder standhaft wie früher bei seiner Folterung, als man ihm das Geständnis abzwingen wollte, wo Montezumas Schatz verborgen sei. Statt der erhofften Reichtümer trugen die Hispanier dazumal nichts als Schande davon. Cortes hätte den Guatemozin am liebsten zum Ruhme seiner Siege aufgespart; allein er und seine Mannschaft hatten zu viel andere Arbeit, als daß sie sich immerdar genügend um die strenge Bewachung dieses Fürsten hätten kümmern können. Wertvoll war der Gefangene, denn die Mexikaner bezeugten ihm die nämliche Ehrfurcht wie ehedem dem Montezuma. Wohl aus diesem Grunde nahm ihn Cortes überall mit, wo er sich zu Pferd oder zu Fuß hinbegab. Auf Apoxpalon machte die Bestrafung eines so hohen Fürsten einen furchtbaren Eindruck. Er geriet dadurch und auch durch eine Äußerung des Cortes über die Vielgötterei dermaßen in Angst, daß er eine Menge von Götzenbildern verbrennen ließ und vielfach beteuerte, er wolle diese Bilder nie wieder anbeten und überhaupt ein treuer Freund des Cortes und ein gehorsamer Untertan des Kaisers sein. Fünftes Kapitel Von Izansanak, der Hauptstadt von Akalan, ging derMarsch nach Mazatla. Der Ort hat noch einen anderen Namen, aber ich weiß nicht recht, wie ich ihn schreiben soll. Um die Eigennamen und die Bezeichnung der Orte dieses Feldzuges habe ich mir zwar viel Mühe gegeben, bin indessen mit dem Erfolg nicht sonderlich zufrieden. Die Sache ist um so schwieriger, da der Weg, den Cortes eingeschlagen hat, meist kein wirklicher Weg war. Durch die Erfahrung gewitzigt, ließ Cortes jeden Mann Lebensmittel auf sechs Tage mitnehmen, obgleich man nur drei, höchstens vier Tagemärsche vor sich hatte. Vier Hispanier nebst zwei Wegführern gingen voraus. Letztere mußte Apoxpalon stellen. Zunächst ging es durch sumpfige Gegend, dann über ein Haff, das man auf einer Brücke und mit Kähnen überschritt, die der nämliche Fürst herbeigeschafft hatte. Nach fünf Stunden Marsch kamen die vier Hispanier zurück und meldeten, nunmehr habe man einen vortrefflichen Weg, angebautes Land und gute Weide vor sich. Das war für alle eine freudige Nachricht, denn man hatte die bösen Wege herzlich satt. Cortes sandte andere leichte Mannschaften voraus, um die Stimmung der Eingeborenen zu erkunden. Sie kamen bald wieder und brachten zwei Handelsleute, Akalaner, die Waren bei sich hatten. Nach ihrer Aussage habe man in Mazatla noch keine Kenntnis vom Anmarsche der Hispanler, und der Ort sei voller Menschen. Cortes ließ die bisherigen Wegführer aus Izansanak heimkehren und behielt dafür die beiden Händler bei sich. Die Nacht biwakierte man auf einer Anhöhe. Am andern Tage stieß man auf eine indianische Feldwache von vier Mazatlanern, die mit Bogen und Pfeilen bewaffnet waren. Als diese die Fremdlinge wahrnahmen, schossen sie auf sie, verwundeten einen Mexikaner und flohen darauf in die Berge. Die Hispanier setzten ihnen nach, konnten aber nur einen von ihnen erjagen. Man gab ihn den Mexikanern in Verwahr, um die Suche nach den anderen fortzusetzen. Als die drei, die in die Berge entwichen waren, dies von ferne sahen, fielen sie über die Mexikaner her und befreiten ihren Landsmann mit Gewalt. Die hispanischen Indianer schämten sich über den Verlust und griffen jetzt ihrerseits die Mazatlaner an. Einen verwundeten sie am Arm und nahmen ihn gefangen. Die übrigen ergriffen die Flucht, da sie das ganze Heer herankommen sahen. Auch der Verwundete sagte aus, daß man in seinem Ort nichts vom Anmarsche der Fremden wisse. Er und seine Kameraden hätten auf Posten gestanden, weil ihr Ort, der in der Nähe liege, viele Feinde in der Umgegend habe und man in Sorge um die Feldfrüchte sei. Cortes trieb die Mannschaft an, um den Ort noch vor Anbruch der Nacht zu erreichen. Aber es war nicht möglich, und so lagerte man bei einem Sumpf in einer Hütte und mußte sich ohne Trinkwasser behelfen. Sobald der Tag anbrach, füllte man den Morast mit Ästen und Reisig, so daß die Pferde leidlich hindurch kamen. Nach drei Stunden Wegs gelangte das Heer vor den Ort Mazatla, der auf einer Anhöhe lag. Man machte sich gefechtsbereit, da man hier Widerstand erwartete. Diese Besorgnis war unnötig, denn man traf keinen Menschen im Ort. Alle Einwohner waren davongelaufen. Aber Lebensmittel fand man hinreichend, Truthühner, Mais, Honig, Bohnen und anderes mehr. Die Ortschaft war durch ihre Lage auf einer felsigen Höhe gesichert. Sie hatte nur einen Zugang. Auf der einen Seite verstärkte ein See diese günstige Lage, auf der anderen ein tiefer Fluß, der sich in den See ergoß. An den Stellen, wo dieser natürliche Schutz fehlte, zog sich ein tiefer Graben hin, der mit einer Brustwehr aus Pfählen versehen war. Dahinter stand ein rundes, zwei Klaftern hohes Bollwerk aus dicken Balken und Brettern mit vielen Schießscharten für Bogenschützen und mit einer Reihe von kleinen, anderthalb Klaftern hohen Türmen auf seiner Zinne. In dieser Burg lag ein großer Vorrat von Wurfsteinen und Pfeilen. Auch die Häuser hinter dem Walle waren fest und hatten nach der Straße Schießscharten. Kurzum, der Ort war nach den Begriffen des Landes stark befestigt, und wir waren alle froh, den Platz, der überdies eine Grenzveste war und eine Besatzung von Truppen gehabt hatte, ohne Mühe in die Hand bekommen zu haben. Von da zog Cortes nach Tiak, wo die Bewohner gleichfalls aus Furcht in die Berge geflohen waren. Der Ort war größer als Mazatla, aber nicht so stark, denn er lag in der Ebene. Befestigungen hatte er auch: eine Umwallung mit drei runden Bollwerken. Wenngleich Cortes die Einwohner nicht dazu bringen konnte, in ihren Ort zurückzukehren, solange er sich darin aufhielt, so schafften sie doch Lebensmittel heran und verschiedene andere Dinge. Auch stellten sie ihm einen Wegführer. Dieser sagte, er habe schon andere Männer mit Bärten auf Hirschen – so nannte er die Pferde – gesehen. Als Cortes erkannte, daß er ein verständiger Mensch war, entlohnte er die Leute aus Akalan reichlich und entließ sie mit Empfehlungen an ihren Fürsten in ihre Heimat. Das nächste Nachtquartier nach Tiak war Xunkahuitl, wiederum ein Ort mit einer kreisförmigen Umwallung. Auch hier waren alle Einwohner geflohen, hatten aber Lebensmittel in Menge zurückgelassen. Da nach der Versicherung des Wegführers ein fünftägiger Marsch durch völlig unbewohntes Gebiet bevorstand, so versah man sich für diese Zeit mit Unterhalt. Vier Nächte biwakierte das Heer im Gebirge. Man kam über einen gefährlichen Paß, den die Hispanier den Alabasterpaß getauft haben, weil dort alle Felsen und Steine aus Alabaster sind. Am fünften Tage erreichte man einen großen See, auf dem eine kleine Insel mit einer ansehnlichen Stadt lag. Nach Aussage des Führers war dies die Hauptstadt des Landes Taika. Man konnte nur auf Kähnen dahin gelangen. Die Aufklärer brachten einen Mann aus diesem Ort samt seinem Kahn auf. Er sagte aus, wenn die Fremdlinge Lust hätten, die Stadt zu besuchen, so brauchten sie nur nach einer Bucht des Sees zu gehen, wo eine Anzahl Arbeiter auf den Feldern arbeiteten, deren Kähne in der Nähe lägen. Cortes bestimmte 12 Armbruster, die sich nach der bezeichneten Stelle führen ließen. Aber die Feldarbeiter wurden die Herankommenden von ferne gewahr, als diese einen Sumpf durchwaten mußten, und entkamen mit ihren Kähnen in den See. Cortes schlug sein Lager in den Saatfeldern auf und verschanzte sich, so gut dies ging, denn es war ihm gesagt worden, die Bewohner der Seestadt wären kriegerische Leute, weit und breit gefürchtet. Der aufgegriffene Indianer erbot sich, auf seinem Kahn nach der Stadt zu rudern und mit dem Fürsten daselbst, namens Kanek, im Namen der Fremdlinge zu sprechen. Cortes ging darauf ein und ließ den Mann abgehen. Um Mitternacht kam er zurück und brachte zwei offenbar angesehene Leute mit. Diese erklärten, sie kämen im Namen ihres Fürsten, um zu hören, was der Obrist des Heeres wünsche. Cortes unterhielt sich mit ihnen auf das angenehmste und gab ihnen einen Hispanier mit, den sie als Geisel zurückbehalten sollten, falls ihr Fürst in das Lager der Hispanier kommen wolle. Der Anblick der Pferde, der fremden Kleidung und der bärtigen Männer machte den beiden Abgesandten viel Freude. Am andern Morgen erschien der Fürst Kanek in eigener Person, mit ihm etwa dreißig Vornehme in sechs Kähnen. Den Hispanier brachten sie wieder mit, wie sie überhaupt nicht die geringste Furcht oder feindliche Absicht zeigten. Cortes empfing sie auf das freundlichste und ließ ihnen zu Ehren eine feierliche Messe mit Musik von Posaunen, Klarinetten und Hoboen abhalten. Kanek gab auf alles genau acht, besonders auf die Musik und die feierliche Handlung am Altar und sprach am Ende seine Bewunderung der Musik aus. Dergleichen habe er noch nie gehört. Nach der Predigt des Geistlichen hielt Cortes eine Rede über die Macht und den Ruhm des Kaisers und forderte den Fürsten auf, dessen Lehnsherr zu werden, wie dies bereits die Fürsten von Mexiko wären. Kanek erwiderte, er sähe sich von Stund an als Untertan des Kaisers an. Auch erzählte er, durchreisende Handelsleute aus Tabasko hätten ihm schon vor etlichen Jahren von den Hispaniern berichtet. Auf die Frage des Cortes, ob er auch von den Hispaniern etwas wisse, die am Golf von Honduras säßen, erwiderte er, er habe schon viel von ihnen vernommen, da ihr Gebiet an einer Stelle an das seine stoße. Wenn Cortes es wünsche, wolle er ihm einen Wegführer stellen, weil der Weg dorthin durch ein schlimmes Gebirge gehe. Überhaupt sei der Seeweg dahin vorzuziehen. Cortes dankte dem Fürsten für seine Auskunft und sein Angebot. Sodann legte er ihm dar, warum er auch weiterhin zu Lande marschieren wollte. Die Schiffe hierzulande seien zu klein, um so viele Pferde, Mannschaft und Gepäck zu befördern. Ferner erkundigte er sich, wie sein Heer am bequemsten über den See gelange. Kanek sagte, drei Stunden vom Lagerort gäbe es eine seichte Stelle. Zugleich bat er den Cortes, er möge mit ihm in die Stadt kommen, während das Heer nach dieser Stelle marschiere. Obgleich man ihm allgemein davon abriet, nahm Cortes die Einladung an und folgte dem Fürsten in dessen Stadt, nur begleitet von zwanzig Schützen. Es war in der Tat eine Verwegenheit sondergleichen, indes hatte sie keine schlimmen Folgen. Cortes ward von der Bevölkerung mit großem Jubel aufgenommen und blieb den ganzen Tag in der Stadt. Während seiner Anwesenheit sind eine Menge Götzenbilder verbrannt worden. Am Abend machte er sich, vom Wegführer geleitet, wieder auf und gelangte in das Lager, das inzwischen an die seichte Stelle des Sees verlegt worden war. Sechstes Kapitel Tags darauf ging der Marsch durch gutes ebenes Land. Unterwegs wurden anderthalb Dutzend Damhirsche mit den Lanzen erlegt. Die Jagd hatte aber zwei der Pferde dermaßen angestrengt, daß sie umstanden. Auch stieß man auf einen Trupp Indianer, die einen toten Löwen trugen. Die Hispanier wunderten sich nicht wenig darüber, daß vier schwächliche Burschen ein solches Tier mit ihren Pfeilen erlegt hatten. Das Heer erreichte nun eine große Einbuchtung des Meeres. Der Ort, der das Ziel des Marsches war, lag gerade auf dem entgegengesetzten Gestade, und es fehlte an Mitteln, um über das Wasser zu kommen. Man sah auch, wie drüben die Eingeborenen in Unordnung und Hast mit ihren Habseligkeiten in die Berge flüchteten. Es näherten sich jedoch den Hispaniern zwei Indianer in einem Kahne. Sie hatten ein Dutzend Truthühner mit, waren aber nicht zu bewegen, auf das Land zu kommen. Offenbar war es ihre Absicht, das Heer so lange aufzuhalten, bis sich die Einwohner mit ihren Sachen in Sicherheit gebracht hätten. Während sie sich vom Wasser her mit den Hispantern unterredeten, stieß einer dieser seinem Roß die Sporen in die Weichen und schwamm an den Kahn heran. Die Insassen vergaßen vor Schreck das Rudern. Alsbald kamen noch etliche Hispanier herbei, die gute Schwimmer waren, und so bemächtigte man sich des Kahnes. Die beiden Indianer mußten nun den Landweg zu ihrem Orte zeigen. Nach einem mühseligen Marsche von acht Stunden um die ganze Bucht herum gelangte man nach der Ortschaft. Die Bewohner waren alle fort; es fanden sich aber Nahrungsmittel in Menge vor. Hier rastete man vier Tage. Der Ort hieß Tlesean. Beim Abmarsch nahm man Unterhalt auf sechs Tage mit, da man nach Aussage der beiden Einheimischen so lange durch unbewohntes Land zu marschleren hatte. Nachtquartier fand das Heer sechs Wegstunden (33½ km) weiter in einem Hof, in dem die Handelsleute zu übernachten pflegten. Hier machten die Hispanier einen Rasttag, da das Muttergottesfest (Mariä Verkündigung, 25. März l525) war. Im Fluß fing man eine Menge Elsen. Dieser Fischfang war ebenso nützlich wie ergötzlich. Am folgenden Tage ging der Marsch neun Wegstunden (50 km) weiter, immer durch die Ebene, wobei sieben Stück Wild erlegt wurden. Danach gelangte man aber an einen schlimmen Gebirgspaß. Bei dem zweistündigen Marsch hinauf und hinunter verloren alle Pferde ihre Eisen, so daß man hinterher einen Tag rasten mußte, um die Tiere neu zu beschlagen. Am Tage darauf marschierte das Heer bis zu einer Meierei namens Axunkapuin, die dem Fürsten Kanek gehörte. Hier verblieb man zwei Tage. Das nächste Quartier war in Taxaitetl, einer Farm des Häuptlings von Tlesean, Amohan mit Namen. Hier gab es eine Menge Obst und grünen Mais. Auch bekam man Wegführer. Tags darauf zog man zunächst zwei Stunden lang bequem durch die Ebene, dann aber ging der Weg in wildes Gebirg hinein und lief darin acht Meilen (44½ km) weit fort, was dem Heere nicht weniger als acht Tagemärsche kostete. Es gingen dabei 68 Pferde zugrunde, die sich durch Sturz die Sehnen zerschnitten. Auch die übrigen Pferde, die davonkamen, befanden sich in einem kläglichen Zustande, so daß sie noch Monate lang kaum laufen konnten. Es regnete überdies ohn Unterlaß, Tag und Nacht. Und was das Merkwürdigste dabei war, das Heer litt während dieses Regens den größten Durst. Die Leiden des Marsches hatten aber damit ihr Ende noch nicht erreicht, denn nun kam man an einen Strom, der durch den langen Regen dermaßen angeschwollen und reißend geworden war, daß die Mannschaft völlig den Mut verlor, dieweil keine Fahrzeuge zur Überfahrt da waren und eine solche auch bei der wilden Strömung kaum möglich gewesen wäre. An einen Brückenschlag war nicht zu denken. Hätte man aber umkehren wollen, so waren Menschen und Tiere dem Untergang geweiht. Deshalb sandte Cortes einen Erkundungstrupp das Ufer entlang stromauf, um nach einer Furt zu suchen. Vergnügt kamen die Leute wieder, mit der Meldung, sie hätten eine Übergangsstelle gefunden. Die Hispanier vergossen Freudentränen, fielen einander jubelnd um den Hals und dankten ihrem Schöpfer für diese Rettung aus der Not. Man sang das Te Deum laudamus. Es war gerade in der heiligen Woche (9. bis 15. April). Die erkundete Stelle bestand aus einem breiten, ebenen, glatten Felsen, der das ganze Strombett einnahm und von 20 Rinnen von solcher Tiefe durchfurcht war, daß das in ihnen dahinströmende Wasser die Ränder nicht erreichte. Das klingt wie ein Märchen, wie die Stelle aus dem gallischen Amadis. Es war aber tatsächlich so. Es war ein Werk der Natur. Das Wasser des Stromes hatte sich im Laufe der Zeit diese tiefen Rinnen selber gegraben. Cortes ließ unverzüglich Bäume fällen, die es zum Glück in der Nähe reichlich gab, und die Rinnen durch 200 Balken überbrücken. Statt der Taue verwendete man Lianen. Der Brückenbau und der Übergang nahmen zwei Tage in Anspruch. Das Rauschen des durch die engen Rinnen strömenden Wassers verursachte ein so starkes Getöse, daß die Leute halb taub dabei wurden. Die Pferde und die Schweine setzte man weiter stromauf über, wo der Strom zwar sehr tief war, aber sanft dahinfloß, so daß man sie durchschwimmen lassen konnte. Die Nacht darauf verbrachte man in Teusif, eine Wegstunde stromauf, wo etliche gute Häuser standen und Feldbau getrieben ward. Hier fand man über zwanzig Leute, aber nicht genügend Lebensmittel. Das war wieder ein harter Schlag für die Hlspanier, die schon seit acht Tagen großen Mangel gelitten hatten und sich nur mit Palmennüssen, ein paar mageren Datteln und gekochten Kräutern ernährt hatten. Indes versicherten ihnen die Eingeborenen, daß eine Tagereise stromauf ein wohlhabender Ort läge, in der Landschaft Tahuikan, wo man Truthühner, Kakao, Mais und andere Lebensmittel im Überfluß habe. Allerdings läge dieser Ort am andern Ufer. Cortes meinte, dies wäre kein Hindernis. Sie sollten ihm nur einen Wegführer geben. Sodann sandte er 30 Hispanier mit 1000 Indianern ab, die den Weg dorthin verschiedene Male hin und her machten und nicht ohne viel Mühe die nötigen Lebensmittel herbeischleppten. Von Teusix schickte Cortes weiterhin einen Trupp aus, mit einem indianischen Wegführer, um den Weg nach Azuzulin zu erkunden. Der dortige Häuptling hieß Akiahuilkin. Der Trupp gelangte nach zehn Stunden Marsch an ein Haus, offenbar eine Herberge, wo man sieben Indianer und ein Weib vorfand. Darunter war auch ein Handelsmann aus dem Lande Akalan, der eine geraume Zeit in Nito gelebt hatte, wo sich die Hispanier niedergelassen hatten. Dieser Mann erzählte, vor einem Jahre seien sie zu Pferd und zu Fuß gekommen und hätten die Ortschaft ausgeplündert. Die Einwohner und die Handelsleute seien mißhandelt worden. Daraufhin hätten die Händler den Ort verlassen und hätten den Handel in das Land des Akiahuilkin verlegt. In Nito aber fänden keine Messen mehr statt, seit die Fremden dort seien und die nicht ausgewanderten Kaufleute zugrunde gerichtet hätten. Cortes warb den Mann für ansehnliches Geld als Führer nach Nito, worauf die anderen Gefangenen und ebenso die bisherigen Führer in Freiheit gesetzt wurden. Aber in der Nacht verschwand auch der Handelsmann, so daß Cortes nun ganz ohne Wegkundige war. Gleichwohl begann man den Weitermarsch und biwakierte in der nächsten Nacht auf einer Anhöhe, fünf Wegstunden (28 km) weiter, nachdem man unterwegs ln einem Gebirgspaß ein Pferd eingebüßt hatte. Am folgenden Tag wurden sechs Meilen (33½ km) zurückgelegt, dabei zwei Flüsse überschritten, und zwar auf Kähnen, wobei zwei Pferde verlorengingen. Die Nacht verbrachte man ln einem Weiler, der aus etwa zwanzig Häusern bestand. Sie waren alle neu erbaut und gehörten den Handelsleuten zu Akalan. Übrigens waren sämtliche Bewohner weggelaufen. Von da kam das Heer nach Azuzulin, das völlig verlassen war und auch keinerlei Lebensmittel bot. Man durchstreifte die Umgegend, um jemanden aufzutreiben, der den weiteren Weg nach Nito hätte zeigen können, aber man fand niemanden. Cortes war in großer Verlegenheit. Er mochte seinen Kompaß noch so oft zur Hand nehmen: die Nadel wies ihm keinen Weg weder durch das hohe Gebirge, das ihm von allen Seiten entgegenstarrte, noch durch die menschenleere Einöde. Da schickte das Glück einen jungen Indianer aus den Bergen her, der sofort festgenommen ward. Dieser Bursche führte das Heer in den nächsten beiden Tagen nach einer Ortschaft der Landschaft Tuniha, die Cortes auf seiner indianischen Karte eingezeichnet fand. Von hier aus diente ein altes Männchen als Führer, bei dem man vor dem Ausreißen sicher war. In wiederum zwei Tagemärschen kam man in eine Ortschaft, wo man vier Männer vorfand. Alle übrigen waren auf und davon. Diese Leute sagten aus, der Ort Nito, wo die Hispanier wären, sei nur zwei Tagemärsche weit. Es war keine gute Raststätte. Man starb fast des Hungers, denn es gab nichts zu essen als grüne Palmennüsse und Schweinefleisch, zu dem aber das Salz fehlte. Auch diese Nahrung war nur kärglich vorhanden. Siebentes Kapitel Überzeugt, daß er nicht mehr fern von Nito war, sandte Cortes 15 Mann mit einem der vier Indianer ab, um zu versuchen, einen Hispanier oder sonstwen in die Hände zu bekommen. Er wollte Näheres über die Niederlassung, ihre Bewohner und die Anzahl der Hispanier daselbst in Erfahrung bringen. Dieser Trupp kam an einen großen Strom und bemächtigte sich dort einer indianischen Handelszille. In dieser blieben sie zwei Tage auf der Lauer. Schließlich bemerkte man vier Hispanier, die vom Fischfang zurückkehrten. Festgenommen, sagten selbige aus, in Nito befänden sich 60 Hispanier nebst 20 Frauen. Die meisten kränkelten. Sie ständen unter Gil Gonzalez. Den Befehl führe Diego Nieto. Christoval von Olid wäre nicht mehr am Leben. Franz von La Casas aber und Gil Gonzalez von Avila, die ihm den Garaus gemacht hätten, seien auf der Reise nach Mexiko, und zwar über Guatemala, den Standort des Pedro von Alvarado. Cortes war hocherfreut über diese Nachrichten. Sogleich schrieb er dem Nieto und sagte ihm seine Ankunft an. Zugleich teilte er ihm mit, daß er ihn zu sprechen wünsche und daß er die nötigen Barken zum Übergang am Strom bereit halten solle. Darauf setzte er sich in Marsch. Drei volle Tage brauchte er für seine Person, bis er in Nito ankam. Das Heer legte den Weg in fünf Tagen zurück, weil der Stromübergang viel Zelt wegnahm, denn man hatte nur zwei oder drei Fahrzeuge dazu. Die Ankunft des Generalkapitäns war ein Freudenfest. Fast alle Bewohner waren krank. Auch hatten sie Mangel an Nahrungsmitteln. Es war daher die erste Sorge des Cortes, solche herbeizuschaffen. Er sandte nach allen Richtungen Mannschaften aus, aber ohne Erfolg. Es gab nur ein paar Schweine, sonst nichts als Wurzeln und Kräuter. Ohne Zweifel wäre die ganze Mannschaft am Hunger zugrunde gegangen, wenn nicht zufällig ein Schiff an diese Küste gekommen wäre, das – ungerechnet die Seeleute – 30 Hispanier, 13 Pferde, 65 Schweine, 12 Fässer Pökelfleisch und eine Menge Mais an Bord hatte. Cortes kaufte das Schiff samt der Ladung. Sodann ließ er eine Karavelle, die im Hafen lag, wieder instand setzen und baute aus den Trümmern eines anderen Schiffes eine Brigantine, so daß er, wenn er wollte, unter Segel gehen konnte. Man kann nicht genug staunen, wie tätig Cortes jederzeit war, und mit welchem Eifer er alles, was er einmal angriff, auch zuwege brachte. Erst seitdem sich Cortes in Nito befand, wagten sich die Ansiedler in das Innere des Landes. Cortes gewann nun sehr bald die Überzeugung, daß die Lage der Siedelung schlecht war. Er befahl daher, die drei Schiffe segelfertig zu machen, um nach der Andreas-Bai zu fahren. Zugleich erhielt Gonzalo von Sandoval den Auftrag, mit seiner Mannschaft und seinen Pferden mit Ausnahme von zweien nach Nako zu marschieren, um die Hispanier daselbst, die seit Olids Tod in einer Art herrenlosem Zustande waren, von neuem in Zucht und Ordnung zu bringen. Indes wollte Cortes nicht eher in See gehen, als bis er einen größeren Vorrat an Lebensmitteln besaß, um nicht Mangel zu leiden, wenn er länger auf dem Wasser bleiben mußte, als er vorhatte. Deshalb schiffte er sich mit 40 Hispaniern und 50 Indianern auf der Brigantine, zwei Barken und vier Zillen ein und fuhr stromaufwärts. Dabei kam er an einen Binnensee, der mit dem Flusse zusammenhing und einen Umfang von 12 Wegstunden hatte, dessen Ufer aber wegen der Gefahr der Überschwemmung unbewohnt und unangebaut waren. Weiterhin fand er einen zweiten Landsee, der 30 Meilen Umkreis hatte und ganz von rauhen Bergen umschlossen war. Am andern Tage lief er in die Mündung eines Flusses ein, ließ die Schiffe unter genügender Bedeckung zurück und ging mit der übrigen Mannschaft an das Land. Nach 5½ Stunden Marsch kam man in den Bergen nach einem Ort von etwa 40 Häusern, die dem Verfalle nahe waren. Infolge der hispanischen Nachbarschaft verließen nämlich die Indianer die Orte dieser Gegend. Hier fand man eine Menge Truthühner, Tauben, Fasanen, Feldhühner, letztere in Käfigen, sowie viel getrockneten Mais. Nur an Salz fehlte es. Um solches zu holen, waren die Bewohner weggegangen. Nur ein paar Weiber waren da. In den nächsten Tagen besuchte Cortes noch mehrere Ortschaften, alle reich an Vorräten. In einem Orte, der 20 Meilen (112 km) von den Schiffen entfernt war, fand man Tempel genau wie die in Mexiko. Nur sprach man dort eine ganz andere Sprache. Der Ort lag am Strome, der sich in den Landsee ergoß. Cortes sandte zwei Hispaner mit acht aufgegriffenen Indianern als Wegführer zu den Schiffen zurück, mit dem Befehl, selbige sollten den Fluß herauffahren, um die belgetriebenen Lebensmittel aufzuladen. Inzwischen ließ er vier große Flöße bauen, die zehn Mann und 50 Lasten Mais tragen konnten. Als die beiden ausgesandten Hispanier wiederkehrten, vermeldeten sie, die Fahrzeuge könnten wegen der starken Strömung nicht ganz so weit herankommen. Daher wurden die Flöße beladen. Cortes setzte sich mit darauf und ließ die übrigen zu Lande marschieren. Die Flußfahrt war nicht ungefährlich, denn die Flöße wurden mehrfach vom Ufer aus unter Kriegsgeheul mit Pfeilen beschossen. Alle, auch Cortes, erhielten Wunden, aber alle kamen mit dem Leben davon. Von der Mannschaft, die zu Lande marschiert war, starb einer, der irgendein Kraut gegessen hatte, eines plötzlichen Todes. Man brachte einen Indianer mit, von dem man erfuhr, daß es von Nako bis zur Stadt Guatemala nur sechzig Wegstunden (335 km) weit sei. Diese Nachricht erweckte viel Freude. Beide Ufer des Stromes waren voller Kakao- und anderer Fruchtbäume, hinter denen sich anmutige Gärten und Pflanzungen ausdehnten. Kurzum, es war eine der besten Gegenden der Neuen Welt. Der Zug, der den Hispaniern große Vorräte verschaffte, hatte fünfunddreißig Tage gedauert. Achtes Kapitel Sofort nach seiner Wiederankunft in Nito schiffte Cortes alle dortigen Hispanier ein, sowohl die des Gil Gonzalez wie seine eigenen Leute, und ging mit ihnen nach der Andreas- Bai unter Segel, wo die übrigen, die er nach Nako gesandt hatte, schon auf ihn warteten. Hier verweilte er zwanzig Tage. Da der Hafen gut war und sich in der Umgegend, auch im Flußsand, Gold fand, so legte er daselbst eine Siedelung an, die er Natividad de Nuestra Senora nannte. Zu ihrem Ausbau ließ Cortes 50 Hispanier nebst 20 Pferden zurück. Es ward ein Gemeinderat gebildet, eine Kirche gegründet, ein Geistlicher angestellt und etliche Geschütze aufgepflanzt. Von hier segelte Cortes nach dem Hafen von Honduras, Truxillo genannt. Ein Trupp von 20 Reitern und 10 Schützen mußte auf dem Landwege dahin gehen, der leidlich war, obwohl es ein paar Flüsse zu überschreiten gab. Infolge des widrigen Windes brauchte Cortes neun Tage zu seiner Fahrt. Als er aber endlich in Truxillo anlangte, wußten die Hispanier kaum, was sie vor lauter Freude anfangen sollten. Sie erzählten ihm alle Vorgänge mit Christoval von Olid auf das genaueste und baten ihn, er möge ihnen verzeihen, daß sie eine Zeitlang zu Olid gehalten hatten. Sie wären dazu geradezu gezwungen gewesen. Der Generalkapitän gewährte ihnen ihre Bitte und setzte jeden wieder in seine frühere Stelle. Manchem gab er neue Ämter. Auch vergrößerte er den Ort und knüpfte Handelsverkehr mit den Indianerdörfern der Umgegend an, insbesondere mit den Orten Papaika und Chapaxina, die sieben Wegstunden entfernt lagen (40 km). Man schickte ihm von dort Lebensmittel und Arbeiter zum Bau von Häusern und Wegen. Dafür baten ihn die Indianer, Cortes möge sie davor schützen, daß sie nicht von anderen Hispaniern in deren Schiffe geschleppt würden, wie das häufig geschähe. Cortes versprach ihnen seinen festen Beistand. Damit waren die Unternehmungen eines Moreno und Juan Ruano gemeint, von denen in der Folge die Rede sein wird. Um diese Zeit sandte Cortes vier Schiffe – und zwar drei von denen, die er mitgebracht hatte, und eine Karavelle von den unlängst erwähnten – nach Neu-Hispanien, um die Kranken dorthin zu bringen. Sie nahmen auch ein Schreiben nach Mexiko mit, worin stand, daß der Generalkapitän genötigt sei, im Dienste des Kaisers noch eine Zeit in Honduras zu verweilen. Auch ermahnte er die Zurückgelassenen, gut Ordnung und Eintracht zu halten. Von diesen Schiffen stellte er eines unter den Befehl seines Vetters Juan von Avalos, mit dem Auftrage, 60 Hispanier unterwegs aufzunehmen, die ein gewisser Valenzuela, der an der Bai von Triunfo de la Cruz geplündert hatte, auf der Insel Kozumel hilflos zurückgelassen hatte. Avalos vollführte seinen Auftrag, aber er scheiterte dann mit seinem Schiffe am Vorgebirge Sankt Anton an der Küste Kubas, wobei er mit der Mehrzahl seiner Mannschaft ums Leben kam. Nur etwa 40 Mann retteten sich an das Land, aber auch von diesen starben alle bis auf 45 auf dem Marsche durch die Insel. Sich von Kräutern nährend, gelang es ihnen, nach Guaniguanigo zu kommen. So kostete eine einzige Fahrt 80 Hispaniern das Leben, die Indianer gar nicht gerechnet. Die Brigantine ward nach der Insel Hispaniola (Haiti) geschickt, mit dem Auftrag, der Königlichen Audiencia einen Bericht des Cortes über das Schicksal des Christoval von Olid und den Zug nach Honduras zu überbringen, zugleich auch ein Gesuch, man möge dem Moreno den Befehl erteilen, die in Papaika und Chapaxina weggeschleppten Indianer herauszugeben. Die beiden anderen Schiffe waren nach Jamaika und nach Trinidad (auf Kuba) beordert, um daselbst Pökelfleisch, Schiffsbrot und Kleidungsstücke zu holen. Sie hatten eine böse Fahrt, erreichten aber ihr Ziel. Neuntes Kapitel Wie nun täglich neue Gerüchte kamen, Cortes wäre nicht mehr am Leben, da beschloß die Königliche Audiencia, sich hierüber Gewißheit zu verschaffen, und gab einem Schiffe, das mit mehreren Handelsleuten, 32 Pferden, Sattelzeug und vielen anderen Waren nach Neu-Hispanien ging, den Auftrag, sich genau zu erkundigen. Als dieses Schiff durch die Brigantine erfuhr, daß der Generalkapitän noch am Leben war und sich an der Küste von Honduras aufhielt, änderte es seine Fahrtrichtung und fuhr nach Truxillo, wo es einen besseren Absatz seiner Ladung erhoffte. Durch diese Gelegenheit sandte der Rat Alonso Zuazo einen Brief an Cortes, worin er ihm die große Unordnung vermeldete, die in Mexiko vorging, und daß das Gerücht, er wäre tot, allgemein verbreitet und von gewissen Leuten mit Behagen aufgenommen worden sei. Alonso von Estrada und Rodrigö von Albornoz lägen im Gefängnis, Rodrigo von La Paz wäre gehängt worden. Sodann habe man andere Richter und Beamte eingesetzt, ihn selbst aber festgenommen und nach Kuba gebracht. Dieses Schreiben schlug den Cortes fast zu Boden. »So geht's, wenn der Bauer aufs Roß kommt!« rief er aus. »Es ist mir recht geschehen. Ich habe Leuten ohne Verdienst zu Ehren verholfen und andere übergangen, die ihr Leben lang nicht von mir gewichen sind!« Er zog sich in sein Gemach zurück, um sich die Sache zu überlegen und seinen Tränen freien Lauf zu lassen, vermochte aber zu keinem Entschluß zu kommen, indem er sich unklar war, ob er in Person nach Mexiko gehen oder jemanden hinschicken sollte. Er wollte das schöne Land, in dem er sich befand, nicht gern im Stiche lassen. Endlich entschied er sich aber dahin, daß die Erhaltung von Mexiko über alles andere gehe und daß er persönlich dort erscheinen müsse, um dem Unfug daselbst ein Ende zu machen. Nunmehr bestimmte er, daß sein Vetter Hernando von Saavedra mit 50 hispanischen Schützen und 35 Rettern in Truxillo zurückbleiben und Gonzalo von Sandoval mit seiner Mannschaft von Nako über Guatemala nach Neu-Hispanien marschieren solle. Er selbst begab sich an Bord des Schiffes, das die Unglücksbotschaft gebracht hatte, um nach Medellin zu segeln. Aber gerade als man den letzten Anker lichten wollte, schlug das Wetter plötzlich um, so daß man nicht unter Segel gehen konnte. Nach zwei Tagen ging Cortes abermals zu Schiff, worauf die Anker gelichtet wurden und die Abreise unter dem prächtigsten Wetter vonstatten ging. Man war aber noch keine zwei Stunden weit, da zerbrach die große Segelstange, und man mußte wieder umkehren. Um den Schaden auszubessern, brauchte man drei Tage. Danach lief das Schiff bei gutem Wind aufs neue aus. Als es in zwei Nächten und einem Tage 50 Stunden zurückgelegt hatte, brach ein starker Gegenwind aus, und der Fockmast ging entzwei. Nicht ohne Mühe erreichte man Truxillo wieder. Cortes vermeinte in der dreimal vereitelten Ausreise eine Weisung Gottes sehen zu müssen, und so glaubte er, dieses Land nicht mehr verlassen zu sollen. Er entschloß sich, mit dem Schiffe, auf dem ihm die Abreise nicht vergönnt war, einen seiner Diener namens Martin Dorantes nach Panuko zu schicken, mit Briefen an Getreue daselbst, zugleich mit einer Vollmacht für Franz von Las Casas, kraft deren er alles widerrufen sollte, was Cortes zugunsten anderer in der Statthalterschaft angeordnet hatte. Mit diesem Schiffe gingen auch mehrere Kavaliere und angesehene Leute ab, die der Versicherung des Boten, Cortes sei noch am Leben, Nachdruck verleihen sollten. Dorantes entledigte sich, nicht ohne Gefahr, seines Auftrages. Ungeachtet, daß Las Casas inzwischen nach Hispanlen abgesegelt war, brachte er es doch zuwege, daß man seiner Nachricht vollen Glauben beimaß. Zehntes Kapitel Nachdem dieses Schiff unter Segel gegangen war, beauftragte Cortes den Hernando von Saavedra, einen Erkundungszug in das Innere des Landes zu unternehmen. Saavedra zog mit 30 Schützen und 30 Reitern 35 Wegstunden weit durch ein Tal, das eine überaus fruchtbare Sohle hatte und eine Menge Ortschaften enthielt, alle mit Nahrungsmitteln und Futter wohlversehen. Er gewann viele dieser Orte für einen freundschaftlichen Verkehr mit den Hispaniern, so daß sich alsbald 20 Häuptlinge bei Cortes einstellten und ihm ihre Freundschaft anboten. Auch sandten sie täglich Eßwaren zum Verkauf und Tausch nach Truxillo. Nur die Häuptlinge von Papaika und Chapaxina verharrten in Widerspenstigkeit, wenngleich auch aus ihren Orten Leute nach dem Markte der Stadt kamen. Beide Orte wurden mit Gewalt unterworfen. Pizakura, der Häuptling von Papaika, sollte erst gehängt werden; aber schließlich ward er begnadigt. Um diese Zeit kamen Leute von Gonzalo von Sandoval aus Nako in Truxillo an und meldeten dem Cortes, daß ein Hauptmann des Franz Hernandez, des Stellvertreters des Pedrarias, daselbst eingetroffen sei auf dem Marsche nach der Andreas-Bai. Cortes möge an Franz Hernandez schreiben und ihn auffordern, unabhängig von Pedrarias für die Krone zu wirken. Die Leute des Sondertrupps fügten sich bereits nicht mehr, in der Meinung, Franz Hernandez sei selbständig. Obgleich derlei in den Kolonien gang und gäbe war, daß sich Unterfuhrer bei Gelegenheit selbständig machten, so schrieb Cortes doch im entgegengesetzten Sinne an Franz Hernandez und ermahnte ihn, seine Sache so lange noch im Namen des Pedrarias zu machen, bis eine Allerhöchste Entscheidung eingetroffen sei. Gleichwohl war dieser Briefwechsel eine der Ursachen, daß Pedrarias dem Franz Hernandez in der Folge den Kopf abschlagen ließ. Gleichzeitig trafen Leute ein aus der Landschaft Huistlato, die 35 Meilen (200 km) von Truxillo entfernt liegt, und brachten dem Cortes eine Beschwerde vor, daß ein Haufen Hispanier in ihr Land eingefallen sei und ihnen Weiber, Feldarbeiter und alles mögliche andere weggeschleppt hätte. Er möge ihnen doch Hilfe schicken. Der Generalkapitän, der bereits durch Saavedra von dem Vorfall in Kenntnis gesetzt worden war, sandte einen Richter mit zweien von den Beschwerdeführern an Gabriel von Rojas, den erwähnten Hauptmann des Franz Hernandes, mit der schriftlichen Aufforderung, unverzüglich seine Leute aus dem Gebiete von Huistlato zurückzuziehen und die Verschleppten wieder in Freiheit zu setzen. Dies geschah, und Rojas marschierte wieder zu Franz Hernandez zurück, dem er sehr gelegen kam, denn er war mit zwei seiner Hauptleute nicht mehr ganz einig. Sie hatten seine Absicht, von Pedrarias abzufallen und sich selbständig zu machen, gemerkt und wollten ihm keine Folgschaft mehr leisten. Diese Uneinigkeit unter den Hispaniern in Nikaragua, dem so reichen Nachbarlande, bestimmte den Cortes, in Person einen Zug dahin zu unternehmen. Er traf die nötigen Vorkehrungen und ließ vor allem den Weg dorthin, der über ein wildes Gebirge führte, instandsetzen. Elftes Kapitel Während Cortes hiermit beschäftigt war, langte der Franziskaner Diego von Altamira, ein Vetter von ihm, ein Mann von viel Geschäftsgewandtheit und großem Ansehen, in Truxillo an. Er erklärte, er sei nur gekommen, um ihn nach Mexiko zurückzuholen, damit er der Mißstimmung und Uneinigkeit unter den Hispaniern ein Ende mache. Er dürfe aber seine Heimreise nicht gar verzögern. Dazu berichtete er ihm viel Mißliches. Gesonnen, auf dem Landwege über Guatemala zu reisen, wie das schon Franz von Las Casas getan hatte, ließ Cortes jetzt auch die Straße dahin ausbessern. Er sandte Boten nach allen Orten an diesem Wege, die seinen baldigen Durchmarsch ansagten. Es sollten Lebensmittel bereitgehalten und die Straße in Ordnung gebracht werden. Die Nachricht, daß Malinche Malinche ist der volkstümliche Name des Cortes. durch das Land komme, erregte überall große Freude. Denn die Eroberung von Mexiko hatte ihn auch in diesen Gegenden hochberühmt gemacht. So wurden gute Wege bis in das Tal von Ulancho und durch die bis dahin kaum gangbaren Chindon-Berge geschaffen. Alle Häuptlinge an der Straße hatten sich zum feierlichen Empfang und zu festlicher Bewirtung gerüstet. Indessen ließ Diego von Altamira nicht nach, bis der Generalkapitän den Plan der umständlichen Reise zu Lande schließlich aufgab. Wohl kamen ihm auch alle die Mühsale wieder ins Gedächtnis, die er auf dem Hermarsche von Espiritu Santo nach Truxillo ausgestanden hatte. Kurzum, er entschloß sich, die Reise nach Neu- Hispanien zu Wasser zu machen, ließ zwei Schiffe dazu herrichten und traf die nötigen Anordnungen für die beiden Ansiedelungen Truxillo und Natividad. Zu dieser Zeit kamen Leute von der Insel Utilla und andere von der sogenannten Guanaxos-Insel, die beide in ziemlicher Entfernung von der Küste zwischen der Bai von Honduras und dem Caballos-Hafen liegen, nach Truxillo, um dem Cortes für einen ihnen erwiesenen guten Dienst zu danken und ihn zu bitten, auf jede ihrer Inseln einen Hispanier zu setzen, weil dies ihnen allein Sicherheit schaffen könne. Der Anlaß des Dankes und Ansuchens war folgender. Man rüstete damals auf Kuha und Jamaika förmliche Geschwader aus, um Eingeborene mit Gewalt von jenen Inseln wegzuschleppen und sie in den Bergwerken, den Zuckerfarmen, bei der Viehzucht und überhaupt zu Arbeiten zu verwenden Vgl. S. 434 f. u. Anm. 15. . Cortes hatte von der Ankunft eines solchen Raubschiffes erfahren und eine für jeden Fall genügend bemannte Karavelle abgesandt, um dem Führer des Schiffes, der Rodrigo von Merlo hieß, zu eröffnen, er habe sich jedweder Gewalttätigkeit gegen die Indianer zu enthalten und die bereits Weggefangenen sofort wieder in Freiheit zu setzen. Da er dem Merlo noch ein ander Angebot machte, schenkte dieser den Indianern, die er bereits an Bord hatte, die Freiheit und ließ sich für seine Person in Truxillo nieder. Da Cortes zur Zeit nicht Hispanier genug zur Verfügung hatte, half er den Inselbewohnern einstweilen mit Schutzbriefen, befahl aber dem Hernando Saavedra, den er als Befehlshaber in Truxillo zurückließ, er solle, sowie sein Zug gegen den Stamm von Papaika zu Ende wäre, Leute nach den genannten Inseln schicken. Als die beiden Schiffe des Cortes segelfertig waren, schiffte er 20 Hispanier mit 20 Pferden, eine beträchtliche Anzahl Mexikaner sowie den Pizakura nebst etlichen anderen Häuptlingen jener Gegend ein. Er hatte die Absicht, diesen die Stadt Mexiko zu zeigen und ihnen das gehorsame Verhalten der dortigen Indianer als nachahmenswertes Beispiel vor Augen zu bringen. Indessen erlebte Pizakura die Heimkehr nicht, sondern starb auf der Rückreise. Am 25. April 1526 ging Cortes im Hafen von Truxillo unter Segel. Bis zu den Alakranen hatte er das beste Fahrwetter. Dann aber erhob sich ein furchtbarer Südwestwind. Man war gezwungen, die Segel einzuziehen, um nicht wieder zurückgetrieben zu werden. Allein der Wind verstärkte sich immer mehr, wie dies der Südwest zumeist tut, und die Schiffe wurden so stark beschädigt, daß sie in Havana auf Kuba einlaufen mußten. Hier verweilte Cortes zehn Tage, ließ seine Schiffe ausbessern und mit neuen Vorräten versehen und vergnügte sich mit alten Bekannten, die er daselbst in Menge hatte. Auch erfuhr er durch etliche aus Neu-Hispanien angekommene Schiffe, daß es seit der Verhaftung des Salazar und des Peralmindez in Mexiko ruhiger geworden wäre, was ihm nicht wenig angenehm zu hören war. Nachdem er in Havana wieder zu Schiff gegangen, erreichte er unter dem besten Wind ln acht Tagen San Juan de Ulloa, konnte jedoch nicht ln den Hafen einlaufen, da der Wind umsprang und allzu stark vom Lande her wehte. Cortes mußte zwei Stunden von der Küste entfernt vor Anker gehen und in einem Boote landen. Die fünf Stunden bis Medellin legte er zu Fuß zurück. Sein erster Gang in dieser Stadt war nach der Kirche, um dem Allmächtigen für seine glückliche Heimkehr nach Neu-Hispanien zu danken. Als die Einwohner, die noch im Schlafe lagen, die Ankunft des Cortes erfuhren, wollte es zunächst kein Mensch glauben. In Scharen eilte man herbei, um sich mit eigenen Augen davon zu überzeugen. So groß aber die Freude aller war, viele erkannten ihn gar nicht wieder, weil ihn das Fieber und die Seekrankheit stark entstellt hatten und er überhaupt durch körperliche und seelische Leiden völlig herabgekommen war. Cortes hatte einen Marsch von mehr denn 500 Meilen durch ein Gebiet gemacht, das noch keine Straßen besaß. Mehrere Monate lang hatten er und die Seinen keine andere Nahrung als Kräuter, die ohne Salz abgekocht wurden. Zumeist mußte man mit ganz schlechtem Wasser vorliebnehmen. Manchem Leser mag die Geschichte des Feldzugs nach Honduras wenig behagen, da sie keine Ergötzlichkelten, sondern nichts als eine Kette von Mühsalen und Leiden vorführt.