Idiotikon des Niederösterreichischen A B C D E F G H I J K L M N O P R S T U V W Z bágschierli Hier, wie bei jedem der nachfolgenden Buchstaben, sind die Wörter, deren erste Silbe ein hohes (á) enthält, jenen vorangestellt, welche in der ersten Silbe ein tiefes a (å) haben. (J. G. S.) niedlich, artig, graziös; entstellt aus: possierlich. Bám (dá), Baum; Plur. d'Bám', d' Bámer . bámá (sih), sich bäumen; gewaltsam aufzustehen versuchen. Bámháck'l (dá, 's Holzdránl), Baumhacker ( picus major ). Bánd'l ('s), Bändchen; oan'n am B. hab'n einen nach Belieben lenken, im Zaume halten. bánfest beinfest. Bán'l ('s), Beinchen; Gliederchen. bánschrádi (– ∪ ∪ ), beinschrötig, bedenklich. Beinschrötig heißt bei den Wundärzten eine solche Wunde, in Folge welcher ein Bein geschroten (gesplittert) ist, wodurch jene um so gefährlicher wird. Schmeller I. 176. bárduseln fein berücken; hinters Licht führen; vielleicht beduseln , duselig machen. báseln schnitzeln, schneiden, kleine mechanische Arbeiten verrichten. Vielleicht vom hebräischen posal , hobeln, schnitzen. Bátáli (d', ∪ – ∪ ), bataille , Schlacht. Bátz' (d'), Beitze. Báz'n (d', – ∪ ), Schlafhaube, weiche Mütze; vielleicht verwandt mit Báz (–, dá), weiche, klebrige Materie. Schmeller I. 228. Bachhuabá (Båchhuaba); der Name des Bauers, welchem J. F. Castelli in seinem gemütlichen, echt patriotischen Gedichte: »Dá Bauá bai'n Koasá seiná Grångad« die Schilderung der damaligen Volksstimmung in den Mund legte. Badá (dá), Bader, der Wundarzt. bad't gebadet. barhápát barhaupt, bloßköpfig, abgedeckten Hauptes. baseln sich wälzen wie die Hühner, Zeisige usw., wenn sie sich mit aufgesträubten Federn in den Sand legen, ihn mit den Füßen über sich auswerfen, oder sich die Augen daran streichen; baseln (paseln, puseln), trippeln. Höfer I. 61. Batz'n (dö), Geld; ehemals in Bayern eine Rechnungsmünze im Betrage von 4 Kreuzern; auch ein kleiner silberner Dickpfennig. bearnkád (bearnk'n), eine Onomatopöie für den Gesang der Zeisige; zwitschern. Bedlá (dá), Bettler. bedufft niedergeschlagen, verblüfft; anderwärts betucht (im Slawischen tiho , still). Befelch (dá), Befehl, Empfehlung, Gruß. Bein (d'), Biene, eine Buchstabenversetzung, wie sie in Dialekten häufig vorkommen (Bien, Bein); Plur. ebenfalls: d' Bein . bei-nand (beinandá), beieinander; beisammen. be'iss'n auch: necken. beobachtingá beobachten. Berg (dá Berch); Plur. d' Berg' ( d' Berch' ). – án'n B. mach'n , einen Berg machen, wird von kleinen Kindern gesagt, wenn sie im Bettchen die Füße aufstellen und dadurch im Deckbette eine Erhöhung bilden, wobei sie sich leicht verkühlen. beuteln (beud'ln), schütteln. b'fürt'n behüten; Behüt' Gott (» b'fürt' God «) sagen; verabschieden ( congédier ), zum Abschiede begrüßen. biklem (– ∪ ), selten, schwer zu bekommen; von der Vorsilbe bi (wie in biderb, Bifang usw.), welche in be überging, und klemm selten, beschränkt (von klemmen einengen). bilei ( ∪ –, belei ), bei Leibe! – so lieb dein Leib (Leben) dir ist! bissi bissig, bivoar (bevoar), bevor, vorher. bláb blau. blád blöde. Bleam'l Blümchen. bleankáz'n (blönkáz'n), blinken, flimmern. blempern (plämpern), viel und ohne Rücksicht auf die Güte des Getränkes trinken; Plámpel heißt in Bayern schlechtes Bier. Blicktri Blendwerk; á pur's Blicktri eine bloße Vorspiegelung (Spiegelfechterei); im Mittellatein blictrum, plictrum, jest von pier, spuma cerevisiae. Schmeller O. 333. Blüah' (d'), Blüte. blüah'n blühen; vom Wasser: wenn es auf Stellen, wo es besonders tief ist, oder zur Zeit, wo der sogenannte »untere Wind« anhebt, Grübchen, ineinander rinnende Kreise, und blumenähnliche Arabesken bildet, was die Schiffleute für ein Zeichen halten, daß es ein baldiges Opfer fordere. blüat'n bluten, Part. blüat't geblutet. bockbáni (– ∪ ∪ ), bockbeinig, halsstarrig, trotzig. Botschánl ('s Putschánl), eine kleine Münze im Wert eines halben Hellers, vormals eine böhmische Münze, welche auf der einen Seite den Buchstaben W (Wenzel?), auf der anderen einen Löwen zeigte. Höfer II. 359. Botz'n (dá), der lange, abgebrannte Docht der Kerze; das Samengehäuse einer Frucht. brád breit; oan' br. schlag'n einen betrügen, übertölpeln. Bránd'l ('s), Brändchen, ein kleiner Brand. Brát'l ('s Brád'l), Braten; Brát'lbán Bratenbein. brát'n breiten; dagegen: brat'n (bråd'n), gebraten. Brázerl ('s), Händchen, Pfötchen; verwandt mit: le bras. bred'lrutsch'n übers Brettchen rutschen; eine Metonymie für: sterben. brinnháß brennheiß; heiß wie die Flamme. brinnroht brennrot; hellrot wie die Flamme. brock'n pflücken; Intensiv. von: brechen. brodeln zögern, sich träg herumschleppen, nicht zur Entscheidung kommen. In der Pfalz: schlecht stricken; eigentlich brudeln ( to brothe ), tönen und qualmen, wie kochendes Wasser, schwitzen; verwandt mit brueten ( proutan ) unschlüssig, unausrichtsam sein. Subst. Brodeln . Brösel ('s), Brosämchen; koan Br. kein Bißchen. bröselmarb bröselmürb; mürb zum zerbröseln; von brosen (brisen, briser ) zerreiben. Bruadá (dá), Bruder; die Casus obliqui: Bruadán. brunná gebrannt, vom Mittelzeitworte briná brennen (ih brinn', du brinnst, er brinnt'); dagegen das übergehende Zeitwort brená (ih bren', du brenst, er brent. Part. brennt). Brustlatz (dá), kurzes Oberkleid ohne Ärmel; Plur. d' Brustlátz'. B'schád (tun), Bescheid tun, beim Gesundheittrinken. B'schád-Essen ('s), Bescheid-Essen, ein Teil der Speisen, welchen man bei Schmausereien. namentlich bei Hochzeiten, den Gästen mitgibt, oder beiseite legt, um ihn den Bekannten ins Haus zu schicken; ähnlich den sportulis der Römer. b'schaff'n bestimmt; von der Vorsehung verhängt. B'schreibing (dö), die Beschreibung. b'setzt besetzt; in Anspruch genommen; verliebt. B'stand (dá), Bestand, Bestehen, Dauer, Beständigkeit. b'steh'n bestehen, gestehen, bekennen. b'sundás besonders, hauptsächlich; Adjekt. b'sundárá(i), b'sundás . Bua (dá), Bube, Bursche, jeder Junggeselle ( garçon ); Plur. Bub'n (Buab'n), Bubmá (Buamá); Diminut. 's Bürsch'l (Birsch'l); siehe: Bui . Bucháckerl ('s), Bucheichel (Buchácherl?), Buchnuß; die Frucht des Buchbaums ( glans fagen ); auch Áckeram (Agram), Kollektiv. von Ecker . Budálámperl ('s), Butterlämmchen; ein Osterlamm aus Butter geformt. Überhaupt ist das Lamm das Sinnbild der Unschuld und Sanftmut. Siehe: Lámperl . budámarb buttermürb, leicht verdaulich. Bühn' (d'), Bühne; in Wien vorzugsweise: die Schandbühne, der Pranger. Bug'l (dá), Buckel, Rücken; sih 'n B. voll anlach'n , schadenfroh lachen. Bui (dá), ebensoviel als Bua . bürst'n stark trinken, als Kontrast zu dürsten (durst'n). Bumá (d'), Bombe; Plur. d' Bumán . Busch'n (dá), Blumenstrauß; Plur. d' Buschná . busseln küssen; Subst. 's Busseln ; verwandt mit dem englischen to buss, dem lateinischen basiare, dem italienischen basciare und dem französischen baiser ; eigentlich eine Onomatopöie vom Laute der Lippen beim Kusse. Plumper: buss'n . Busserl ('s), ein Schmätzchen, ein Mäulchen, ein Küßchen. Butz (dá Burz), das Kerngehäuse, auch: Botz'n , Gripps usw.; per Butz und Sting'l vom Grund aus. A B C D E F G H I J K L M N O P R S T U V W Z