Pedro Calderón de la Barca Der Verborgne und die Verkappte Übersetzt von Johann Diederich Gries Personen:         Don Diego . Lisarda , dessen Tochter . Don Juan , Lisardens Vetter und Verlobter . Don Felix , Freund des Don Juan . Celia , dessen Schwester . Don Cesar . Ottavio , ein Kaufmann aus Mailand . Beatriz , Lisardens Dienerin . Ines , Celiens Dienerin . Otañez , Escudero des Don Diego . Gonzalo , Kutscher des Don Diego . Mosquito , Don Cesars Diener . Castaño , Diener des Don Juan . Andre Bediente . Gerichtsdiener . Erster Aufzug Zweiter Aufzug Dritter Aufzug Erster Aufzug. Ländliche Gegend in der Nähe von Madrid. Don Cesar und Mosquito treten auf, in Reisekleidern, mit Stiefeln und Sporen. Don Cesar . Weil wir nicht uns nach Madrid Wagen dürfen, eh die finstre Nacht erscheint, magst du an jene Bäume dort die Tiere binden. Und auf diesem Blumenteppich, Den der holde Frühling stickte, Zwischen den anmut'gen Weihern, Wo das Lusthaus mit so vielen Reizen prangt, hier laß uns warten, Bis die Dunkelheit erschienen. (Mosquito geht ab und kommt gleich zurück.) Mosquito . Nun, da sind sie angebunden; Müßt' ich gleich es bill'ger finden, Daß sie eben uns anbänden. Don Cesar . Weshalb? Mosquito .                   Klüger sind die Tiere. Don Cesar . Also sind wir beide Narren? Mosquito . Diesen Schluß find' ich ganz richtig, Doch mit einem Unterschied. Don Cesar . Welcher wäre das? Mosquito .                                 Du bist es Von Natur, ich zur Gesellschaft, Weil ich, um mit dir zu ziehen, Lohn bekomme. Don Cesar .               Und was ist's, Das als Narrheit hier erschiene? Mosquito . Ei, potz alle tausend Wetter! Kaum drei Monat' sind entwichen, Seit wir aus Madrid entflohn, Weil wir einen edeln Ritter Und (was schlimmer ist) den Bruder Einer von den beiden Liebsten, Welchen du zugleich den Hof machst, Im Gefecht zu Boden stießen, Eifersüchtig ob der andern; Denn wie ein Komödiendichter, Hast du prima und seconda Donna dir zugleich verschrieben. Wir entfliehn nach Portugal; Und weil ein Kurier ein Briefchen Ueberbringt (von dessen Inhalt Ich sogar nichts weiß), geht's wieder Eiligst nach Madrid zurück, Trotz der größten Hindernisse. Und du fragst noch, welche Narrheit Es hier gibt? Ist es nicht sicher, Daß kein Polizeiherr dort ist, Der nicht Feu'r und Flammen schießet, Der nicht schwört, daß bald dein Kopf Soll zu deinen Füßen liegen, Und daß ich soll mit den Füßen Ueber andrer Köpfen bimmeln? Don Cesar . Du hast recht, ich muß gestehn, Sicher ist mein Leben nimmer In Madrid. Doch da mein Leben Sich in gleicher Not befindet, Werd' es mir in Lissabon Durch der Trennung Qual entrissen, Oder in Madrid durch Unglück; Da zwei Tote mich umringen Und die Wahl der Todesart Mir noch frei ist: laß zufrieden Da mich sterben, wo ich weiß, Daß Lisardens Aug' es siehet. Mosquito . Nein, und wollte man den röm'schen Märtrerkatalog mir bringen, Um mir einen Tod zu wählen Recht nach eigenem Belieben, War' es überflüss'ge Mühe, Weil doch keiner mir gefiele; Denn es ist kein noch so schöner Tod, der mir behaglich schiene. Sage, was für Schuld hab' ich, Daß du hinterher mich ziehest, Wenn es dir beliebt zu sterben? Don Cesar . Sage du, weshalb du zitterst, Wenn du gar nicht schuldig bist, Noch zugegen warst beim Zwiste. Mosquito . Wenn ein Matador in Trumpf Alle niedern Blätter mitzieht, Wird ein Herr als Matador (Sage selbst, die Sach' ist sicher) Nicht Trumpfbuben mit sich ziehn? Don Cesar . Größre Narrheit sah ich nimmer! Mosquito . Dies beiseite, bester Herr; Sage mir, aus was für Grillen Bist du so versteckt, daß ich , Den du mit dir ziehst, nicht wisse, Wohin du mich ziehst? Sag' an, Was ist in Madrid dein Wille? Don Cesar . Sagen will ich's dir, Mosquito, Nicht sowohl, daß du es wissest, Als um mich durch die Erzählung Zu erquicken; denn es finden Sorgen keinen andern Trost, Als indem man sie berichtet; Weiblich sind sie ja und rächen Mit der Zunge sich am liebsten. Jenes Wunderwerk, Lisarda – Welcher die Natur beschieden Reizes und Verstandes Fülle, Um zum einz'gen Musterbilde Aller Schönheit sie zu machen; Denn in dieser einz'gen schließen Friedensbund Verstand und Reiz, Die bis dahin immer kriegten – War, du weißt, in Amors Tempel Längst die schönste der Göttinnen, Und nicht Seele gab's, noch Leben, Die nicht, stummes Opfer, fielen Am Altare dieser Gottheit; Wie so viele schon bewiesen, Die, besiegt, wenn auch nicht blutig, Längst vor ihren Augen liegen. Ich, im grausamen Genusse Der Triumphe sie erblickend, Mehrte gleich die Zahl, doch nicht Die Bedeutung ihrer Siege. Abgöttisch ihr Bild verehrend, Lebt' ich seit dem ersten Blicke, Ohne durch das Opfer Schonung, Durch die Gabe Gunst zu finden. Unbeglückt, war ich Verehrer Dieses schönen Zaubers, dieses Schönen Weibes; und mein Leben, Achtend nur auf ihren Schimmer, War die Klytie jener Strahlen, Kompaß jener Glanzgestirne. Sehend nun, daß ich der Sonne Nur vertraut' ein Wachsgefieder, Und daß meinem edeln Fluge Nur zum einz'gen Denkmal diente Meiner Thränen Meer, in welchem Jener Funken Glut sich tilgte, Wollt' ich endlich sie vergessen. Toller Wahn! Als ob bei diesem Wohl es stand, sie zu vergessen, Bei dem nicht stand, sie zu lieben. Deshalb, um für meine Qualen Gegengift zu finden, Liebe Durch die Liebe schlagend, warf ich Nun auf Celia meine Blicke; Celia, die mit allem Recht Wunderwerk der Schönheit hieße, Wäre nicht Lisarda völlig Schon in ihres Reichs Besitze. War ich, wo ich liebt', unglücklich Und vertauschen sich die Triebe, So erwäge selbst, was durft' ich Hoffen da, wo ich nicht liebte? Liebe, wenn sie Gott dich nennen, Wie doch einem Gott zuwider Handelst du, der Wahrheit nicht, Nur der Täuschung Lohn entrichtend! Sei entweder nicht mehr Gott, Oder nicht undankbar, Liebe! Denn ein Gott und undankbar, Klingt nicht, oder übel klingt es. – Zwar von Celia zugelassen, Blieb doch immer meine Liebe Gegen Celia gleichsam fremd, Und es blieb im tiefsten Innern Meiner Seele für Lisarden Eine Stelle, still und sicher, Wo ich ihr Anbetung weihte; Wie? das will ich dir berichten: Hat ein Fürst von großer Macht Eine Burg, wo er nicht wohnt, Bleibt verschlossen, wohl geschont, Stets der besten Zimmer Pracht; Sorgsam wird der Raum bewacht. Will ein edler Gast hinein, Spricht der treue Burgvogt: Nein! Diese hier, die eignen Zimmer Meines Königs, dürfen nimmer Eines andern Wohnung sein. So behielt die ganze Seele, Meiner Liebe Burg, das Beste Für Lisarden stets im Reste, Ob sie's nie zur Wohnung wähle. Burgvogt ohne Falsch und Fehle War das treue Herz; daher, Wehrt' es Celien auch nicht sehr, Daß sie dort als Gast verweile, Doch in anderm Schlossesteile, In Lisardens nimmermehr. – Also nun, verschmäht von jener, Wohl begünstiget von dieser Und bei ihr die Sinne täuschend Durch Erinnrung der Geliebtern, War mein Leben schier parteilos: Als inmitten dieses Zwistes Es geschah, daß Don Alonso, Bruder jener widerwill'gen Schönheit, die durch meine Klagen Immer unerreicht geblieben, Warb um Celiens Gunst. Wer hätte Wohl gesagt, so unbezwinglich Sei die Macht der Eifersucht, Daß sie oft auch da sich finde, Wo die Liebe fehlt? So ist's! Eifersucht ist Kränkung immer Dessen, dem man sie erregt, Und sie braucht nicht stets der Liebe Kind zu sein, wird manchesmal Bloß erzeugt vom Ehrentriebe. Doch in beiden Abstammungen Zeigt sich Eifersucht verschieden; Denn, hat Liebe sie erzeugt, Will die Seel' ihr Leiden wissen, Doch bei Eifersucht aus Ehre Ist ihr das Nichtwissen lieber. Ich erfuhr's; denn ob ich oftmals Zeichen, Handlungen erblickte (Nur von seiner Seite), war ich Nicht, sie zu verstehn, beflissen, Bis zuletzt an einem schönen Frühlingstage Celia nieder Stieg zum Park und Don Alonso Neben ihr den Park durchirrte. Ich, der eben dort verweilte Und ihn neben ihr erblickte, Konnte, sein und ihrentwegen, Nicht mehr heucheln ohn' Erniedern Meiner Würd'; und mich den beiden Nähernd, bracht' ich von der Lippe Kaum das erste Wort, als Celia Zu mir sprach: ›Vergnügt erblick' ich Euch, Don Cesar, den ich wünschte; Denn da Ihr gekommen, wird sich Don Alonso wohl entfernen, Wozu mein Enttäuschen nimmer Ihn bewegen konnte.‹ – Er, Unbedachtsam im Erwidern, Sprach . . . ich weiß nicht, was er sprach; Denn ein Edelmann erinnert Sich in keinem Fall der Worte, Die der Unmut ausstößt zwischen Zung' und Schwert. Nicht säumend, zogen Beide wir zugleich die Klingen. Er, durchbohrt von einem Stoß, Sank zu Boden. Im Gewimmel Jener Leute, die beim Kampfe Ueberall zusammenliefen, Konnte Celia, unerkannt, Leicht in ihre Wohnung fliehen, Und ich wählte mein Asyl In der nahgelegnen Kirche Zur Inkarnation; dann flohen Wir nach Portugal. Doch dieses Alles weißt du; jetzt beginnt, Was dir unbekannt geblieben. Als ich weilt' in Lissabon, Sandte Celia mir, vermittelst Eignes Boten, einen Brief, Der mir sagte . . . doch hier ist er. (Er zieht einen Brief aus der Tasche und liest.) »Wäre ich nicht überzeugt, daß Ihr überzeugt seid, wie wenig Schuld ich an Euerm Unglück habe, so würde mein Leben das zweite sein, das Ihr geraubt hättet. Mein Bruder, wisset Ihr, ist abwesend, und Ihr könnt keinen bessern Zufluchtsort finden, als mein Haus; denn da wird man Euch nicht suchen. Deshalb, um Eure Angelegenheiten in der Nähe besser zu betreiben, könnt Ihr zu mir kommen, wo Ihr so verborgen sein werdet, wie Ihr wünscht, wenn auch nicht so bewirtet, wie Ihr verdient. Celia .« Dieser Brief gab mir den Anlaß, Eiligst nach Madrid zu ziehen. Denn, Mosquito, sonder Zweifel Kann kein Zufluchtsort mir sichrer Als ein solch Privathaus sein, Wo ich nachts in aller Stille Ausgehn kann, um die Geschäfte Meiner Habe zu beschicken Und die Beilegung des Handels; Denn für einen andern richtet Kein Verwandter und kein Freund Das aus, was der Herr. Inzwischen, Um die Wahrheit zu gestehn, Weder jenes, noch auch dieses Treibt so sehr mich, als die Hoffnung, Daß ich wohl Lisardens Gitter Manchmal kann bei Nacht verehren, Da mein Stern nun doch entschieden, Daß ich durch des Bruders Tod Jede Hoffnung muß verlieren, Ihre Schönheit mein zu nennen. Wenn sie, angebetet, immer Grausam war, was wird sie sein, So gekränkt? Wenn sie unziemlich Meine Schmeichelworte fand, Wie wird sie die Kränkung finden? Dies nun zog mich nach Madrid; Um von fern Lisardens Gitter Anzubeten, will ich dort Mich in Celiens Haus verschließen. Mosquito . Ich war allezeit der Meinung, Daß ein jeder Mann zum mindsten Soll zwei Liebsten haben; denn, Wer zugleich nach zweien zielte, Wird gewiß doch eine treffen. Beatriz und Ines wissen Drum Bescheid; denn bei Lisarden Und bei Celien sind sie wirklich, Wenn auch mehr als Scheuermägde, Wen'ger doch als Kämmerlinge. Und damit, verliert sich eine, Nicht die andre sich verliere, Trag' ich sie in meinem Herzen Gleich im Duplikat, wie Briefe. – Aber welche Rolle, sprich, Gibst du mir im Possenspiele Vom verborgnen Kavalier? Don Cesar . Da du ohne Schuld geblieben, Bleibst du draußen, um mir alles, Was sich zuträgt, zu berichten. Mosquito . Und wenn man, um zu erfahren, Ob ich's bin, ob nicht, inzwischen Mich beim Kragen packt? (Großer Lärm hinter der Szene.) Lisarda (hinter der Szene) .         Halt! Halt! Beatriz (ebenso) . Halt! Was machst du, Saufaus? Don Cesar .                                                           Himmel! Mosquito . Ei, da ruft man mich bei Namen. Don Cesar (hinaussehend) . Eine Kutsche, seh' ich, ist es, Die im Graben steckt. Mosquito .                           Und eben Fällt sie ganz ins Wasser nieder. Don Cesar . Frauen sind's; auf jeden Fall Muß man ihnen Beistand bringen. (ab.) Mosquito . Mache Gott dich, aus Erbarmen, Edler Ritter, endlich sitzend; Fahrend bist du gnug gewesen! – Ha, der Walfisch, jetzt zerspringt er Auf der einen Seit', um seine Jonasse zur Welt zu bringen. Ei, die erste, die herauskommt, Ist, beim Himmel! Beatrizchen; Sicher ist auch da ihr Fräulein. (Er versteckt sich.) Beatriz , von Gonzalo geführt, und Otañez treten auf. Beatriz . Weh mir, ich bin tot! Zerrissen Ist der Schleier, voller Flecken Ist das Kleid; am Kopfe, sicher, Hab' ich wohl viertausend Beulen. Gonzalo . Sackerlot! Beatriz .                   Gonzalo, lieblich Bist du mit uns umgegangen. Gonzalo . Glaubt, das erste Mal ist dieses, Daß mir dies geschieht. Otañez .                                 Wahrhaftig, Wer sich so zeigt im Beginnen, Kann gewiß in Jahresfrist Andre Kutscher unterrichten, Wie man umwirft. Beatriz .                       Scheint es doch, Nach der Fertigkeit zu schließen, Die er zeigt, er hat im Leben Niemals andre Kunst getrieben. Otañez . Und das Fräulein? Gonzalo .                             Aus der Kutsche Trug ein Herr sie, halb erblichen. Otañez . Meinem Herrn, der sich im Garten Aufhält, muß ich dies berichten. (ab.) Gonzalo . Ich will nach dem Wachtturm gehn, Ob ich da nicht Beistand finde. (ab.) Mosquito (kommt hervor) . Beatriz! Beatriz .         Du hier? Woher? Mosquito . Darauf läßt sich kurz erwidern: Ich komm' aus fernen Landen, mein Kind, um dich zu sehen; Ich finde dich gefallen, nun will ich wieder gehen.« Beatriz . Und dein Herr? Mosquito .                       Dort siehst du ihn. Beatriz . Aber wie erklärt sich dieses? Mosquito . Was weiß ich? Doch eines mußt du, Beatriz: die Zunge binden. Beatriz . Rechne drauf, denn zungenlos Bin ich. Mosquito .     Schlechte Rechnung, sicher! Zungenlose schwatzen mehr, Als bezungte Schwätzerinnen. Don Cesar trägt die ohnmächtige Lisarda in seinen Armen herein. Don Cesar . Gleichwie Spaniens Ozean Glänzet diese Sphär' in Wonne; Denn hier endet heut die Sonne, Niedersinkend, ihre Bahn. Steige wiederum heran, Holder Purpur! Weiche nicht, Schimmerndes Rubinenlicht! Ach, Lisarda, wer gedächte, Daß mein Arm dich jetzt umflechte! Und doch – welch ein Strafgericht! Nur weil deine Sinne schwanden, Ward mir dieses Glück, so hehr; Wärst du bei dir, nimmermehr Hättest du es zugestanden. Wohl ein Unglück ist vorhanden In dem Glück, das mich entzückte, Weil zugleich mich Kummer drückte, Daß du so bist; bleibt doch immer, Bei des Glückes hellstem Schimmer, Unbeglückt der Unbeglückte! – Aller Schönheit höchster Preis! Seit du schmachtest, sind die Fluren Nicht mehr grün, nicht mehr azuren Ist des Himmels prächt'ger Kreis. Schmelze, schmelze dieses Eis Durch den Glanz, der dir entquillt! Sieh, um dieses bleiche Bild Fühlt die ganze Schöpfung Qualen, Weint der Himmel Strahl um Strahlen. Blum' um Blume das Gefild, Sind doch diese schönen Auen Ohne Licht und ohne Pracht! Bist du Sonne, mach' uns Nacht, Aber Sterne laß uns schauen. Lisarda (die sich erholt) . Weh mir Armen! Don Cesar .                 Mein Vertrauen Wird belohnt; sie kehrt zurück, Und vollendet ist mein Glück! Ja, es endet mein Verderben: Denn was liegt an meinem Sterben, Lebt der Schöpfung Meisterstück? Lisarda . Was ist's, das mit mir geschah? Don Cesar . Himmel! sie darf nicht mich schauen, Denn mein Anblick schafft ihr Grauen. (Er verhüllt das Gesicht mit dem Mantel.) Lisarda . Gott, wie ist mir? Wer ist da? Don Cesar . Der, o Herrin, welcher sah, Daß die Sonne, durch Versehn, Schien aus ihrer Bahn zu gehn, Und den Irrtum wollte bessern; Denn nicht darf in Bachgewässern Solche Glutfüll' untergehn. Lisarda . Wenn Ihr, wie Eu'r Mund es spricht, Mich bewahrt vor Todesgrimme: Was verstellt Ihr Eure Stimme? Was verhüllt Ihr Eu'r Gesicht? Euern Worten glaub' ich nicht, Weil Ihr unklug würdet handeln; Denn Gesicht und Ton verwandeln Kann nicht denen ziemlich sein, Welche Wohlthat uns verleihn, Sondern denen, die mißhandeln. Don Cesar . Wer um Lohn nur Dienst gewährt, Nichts verdient er für sein Dienen; Denn zu deutlich ist erschienen, Daß er Euern Dank begehrt. Lisarda . Solch ein Edelsinn bewährt Ein Verdienst von andrer Art, Das man staunend nur gewahrt. Sagt, wer seid Ihr? Don Cesar .                   Laßt mich schweigen. Lisarda . Und soll ich mich schlecht bezeigen, Damit edel Ihr verfahrt? Also lasset ohne Schwanken Euch mir sehn. Don Cesar .             Verlangt es nicht; Das Geheimnis ist mir Pflicht, Wenn Ihr wünschet, mir's zu danken. Lisarda . Zweifel ängst'gen die Gedanken. – Warum schweigt Ihr? Don Cesar .                       Weil . . . verzeiht! Mich zu schauen, thät Euch leid; Und ich zögerte beflissen, Um nicht diese Zeit zu missen, Da Ihr, zweifelnd, dankbar seid. Lisarda . Mir soll's leid thun, Euch zu schauen? Don Cesar . Wie's mich freut, vor Euch zu stehen. Lisarda . Pein erregt mir, Euch zu sehen? Don Cesar . Ja, wie Eu'r Verlust mir Grauen. Lisarda . Kränken soll mich Eu'r Vertrauen? Don Cesar . Wie das Unglück meinen Sinn. Lisarda . Sehen muß ich immerhin, Was es sein mag, das in Kränken, Leid und Pein mich soll versenken. Don Cesar . Seht denn, Fräulein, seht, ich bin . . . (Er enthüllt sich.) Lisarda . Wahrhaft spracht Ihr, seh' ich ein, Leid thun würde mir Eu'r Sehen; Wahrhaft, Euer Nahestehen Würde kränkend für mich sein; Wahrhaft auch, es würde Pein Mir erregen Eu'r Vertrauen. Wohl ist auf Eu'r Wort zu bauen; Wohl thut leid mir die Erkennung, Und mich kränkt des Namens Nennung, Und mich peinigt, Euch zu schauen. Könnt Ihr solche Kühnheit hegen, So verwegen sein, auf Gassen Oeffentlich Euch sehn zu lassen? Don Cesar . Wann nur war ich nicht verwegen? Lisarda . Wie kamt Ihr hieher? Weswegen? Don Cesar . Um den Fehler auszugleichen. Denn beraubt' ich, im Entweichen, Euern Bruder seines Lebens, Kehrt' ich heim – und nicht vergebens – Euerm Leben Schutz zu reichen. Lisarda . So mit Schmerz hab' ich vernommen, Ihr seid's, der ihm Schutz gegeben, Daß ich hassen muß mein Leben, Weil ich es von Euch bekommen. Don Cesar . Meinem Kummer wird es frommen, Seh' ich einst, daß Ihr den Trieben Dieses Hasses treu geblieben. Scheint es mir doch Tröstung fast! Denn, die selbst ihr Leben haßt, Weshalb sollte die mich lieben? Beatriz (zu Lisarden) . Deinen Vater seh' ich nahn, Der bis jetzt in jenem Garten Weilte. Don Cesar .   Was muß ich erwarten? Lisarda (beiseite) . Was mir ziemet, sei gethan! – (Laut.) Hegt, Don Cesar, nicht den Wahn, Daß der Zorn ob jener Sache Mächtiger in mir erwache, Als der Trieb der Dankbarkeit; Nein! zum Gegendienst bereit Bin ich eher, als zur Rache. Halten will ich ihn; geht fort! Don Cesar . Ihr befehlt's – ich will es thun. Lisarda . Meine Pflicht erfüllt' ich nun, Schütztet Ihr mein Leben dort. Doch bedenket dies: Hinfort Seid Ihr nirgendwo mehr frei Von Gefahr. Don Cesar .         Erwägt hiebei, Dies heißt . . . Lisarda .                 Was? Don Cesar .                     Zu Euch mich wenden Soll ich. Lisarda .         Wie? Ist, fortzusenden Und zu rufen, einerlei? Don Cesar . Es verirrt auf wald'gem Wege Sich ein Wandersmann bei Nacht, Und je mehr er mit Bedacht Späht nach dem verlornen Stege, Irrt er tiefer ins Gehege. Aber das Geräusch im Wald Hört der wache Hund alsbald Und schlägt an auf den Gesellen; Doch er ruft ihn durch das Bellen, Das, ihn zu verjagen, schallt. So, verworren und beklommen, Weiß ich nicht, wohin ich gehe; Und man sieht, daß ich nicht sehe, Weil ich her zu dir gekommen. Doch du hast Geräusch vernommen, Und mit wachsam sprödem Groll Rufst du, daß ich fliehen soll; Aber ich, verirrt vom Gange, Nahe freudig mich dem Klange, Der zu anderm Zweck erscholl. (ab.) Lisarda . Ha, die Kutsche! Don Diego und Gonzalo treten auf. Don Diego .                         Ihr macht fein Eure Sachen, Tölpel! Gonzalo .                           Nein! Glaubt nicht, Herr . . . Don Diego .                         Nicht ungebührlich Führt Euch auf! Beatriz .                   Das heißt figürlich, Daß er soll kein Kutscher sein. Don Diego . Tochter, sprich, was ist geschehen? Lisarda . Nichts, als daß die Kutsche fiel. Don Diego . Hat's dir weh gethan? Lisarda .                                         Nicht viel. Don Diego . Laß uns schnell nach Hause gehen. (Alle ab.)     (Das Theater ist, von vorn nach hinten, in zwei ungleiche Räume geschieden. Der kleinere ist Celiens Putzkabinett, der größere ein Saal; beide sind durch eine Mittelthüre verbunden. Im Hintergrunde des Saales befinden sich zwei andere Thüren; im Kabinett eine heimliche Thüre, die man nicht wahrnimmt, und eine andere, die in die Küche führt. Auf einem Tische stehen brennende Lichter.) Don Felix , Celia und Ines treten auf. Celia . Du bist wunderlichen Sinnes! Don Felix . Ist er wunderlich beschaffen, So erklärt sich's leicht; denn du, Celia, suchst ihn so zu machen. Celia . Wie? Hab' ich gemacht, daß du Aus dem Felde, wo du warest, Plötzlich eiltest nach Madrid? Und das bloß, um hier im ganzen Haus, wo mich dein Fernsein tötet, Ob du gleich mich lebend fandest, Tausend Vorkehrung zu treffen, Um die Thüren, Fenster alle Zu verschließen, so daß selbst Nicht die Luken unterm Dache Ohne Gitter sind. Weshalb Willst du deine Schwester plagen Durch so thörichte Besorgnis, Durch so albernes Bewachen, Nicht erwägend, daß, mit meinem, Du dem eignen Rufe schadest? Don Felix . Celia, leugnen kann ich nicht, Albernheit vom ersten Range Ist das Mißtraun; das ist sicher. Aber wo die Fenster mangeln, Nimmt es ab; denn dieser Umstand Sichert nicht, beruhigt aber. Celia . Angenehm ist die Entschuld'gung Deiner Rückkehr aus Italien Nach Madrid, so sehr auf Kosten Deines Rufs und deines Ansehns. Aus der Hauptstadt gingst du ab, Schön mit Schmuck und Federn prangend; Doch es scheint der Trommellärm Dir nicht eben zu behagen, Noch auch der Geruch des Pulvers, Denn es fehlte dort an Amber. Und nun machst du tolle Streiche, Zur Entschuld'gung deiner . . . Don Felix .                                         Warte, Celia! – Und du, geh hinaus, Ines. Ines (beiseite) . Dieses Mal entladet Er sein Herz. (ab.) Don Felix .             Da du Verhöhnung Meiner Ehre dir gestattest, Sag' ich jetzt, was zu verhehlen Ich gedacht; obgleich es wahrlich Wenig ziemt, Verdacht der Ehre So ausführlich zu beschwatzen. – In Italien war ich, Celia, Als, mit unverständ'ger Wagnis, Die Franzosen bei Valenza Dort am Po . . . Allein, wie albern, Daß mit dir ich ein Gespräch Führen will von Krieg und Waffen! In Italien nun empfing ich Einen Brief von einem wackern Freunde, der auf unsers Hauses Ehr' und Ruf teilnehmend achtet. Dieser schrieb, du seist im Frühling, Da die milde Luft den ganzen Hof pflegt in den Park zu locken, In Verkleidung ausgegangen, Und gefolgt sei Don Alonso. Drauf, als du mit ihm im Parke Angelangt (verwünschtes Schicksal!), Greift mit bloßem Schwert ein andrer Buhl' ihn an und tötet ihn. Glück, daß man dich nicht erkannte! Denn, falls dies geschah – wohl wäre Dann dein Ruf (o harte Plage!) Vor Gericht ohn' allen Zweifel Auf das schrecklichste mißhandelt. Dies' und andre Dinge, Celia, Brachten schleunigst aus Italien Mich zurück. Denn wozu hilft's, Daß ich Ehr' und Ruhm erlange, Wenn indes du sie verlierest? Wozu hilft's, daß ich erhabne Thaten thue, deren Glanz Mir das größte Lob verschaffet, Wenn indes du sie verdunkelst Durch so ganz leichtsinn'ge Thaten? Sagen wollt ich nicht mein Leid, Ganz verschweigen meine Plagen. Aber da du jetzt mich zwingst, Von den Lippen sie zu jagen, So bedenke, Celia, eines Bleibt jetzt übrig zu erlangen; Dies: was ich gefehlt durch Worte, Zu verbessern durch mein Handeln. Celia . Glaubtest du vielleicht, durch Drohung Ein Geständnis zu erhaschen? Felix, nein! Denn wo als falsch Man den Vordersatz erkannte, Läßt kein richt'ger Schluß sich ziehen. Ich beim Morgenrot im Parke? Ich von irgend wem begleitet? Ich Veranlassung zum Schlagen? Wer dies, wie du sagst, dir schrieb, Log gar sehr; und ich . . . Ines tritt auf. Ines (zu Don Felix) .                 Dein alter Freund, Don Juan de Silva, ruft dich. Don Felix (leise zu Celia) . Celia, nichts von diesem allen Sag' an Ines. Nicht bedarf's, Daß von dem, was wir verhandeln, Diener auch und Dienerinnen Irgend eine Kund' erlangen. Jetzt begib dich auf dein Zimmer; Sprechen will ich hier im Saale Mit Don Juan. (ab.) Celia .                     O wehe! Ines .                                     Nun, Fräulein? Was habt Ihr so lange Hier besprochen? Celia .                           Ach! Don Felix, Was hier vorging, weiß er alles. Ines . Auch das vom Verschlage? Celia .                                           Nein, Dieses nur ist ihm entgangen. Komm, sie sprechen wohl von mir; Laß uns horchen, was sie sagen. (Sie verbergen sich im Kabinett.) Don Felix und Don Juan treten auf. Don Juan . Seid, Don Felix, mir willkommen! Don Felix . Seid willkommen mir, Don Juan! Don Juan . Glücklich treff' ich hier Euch an. Don Felix . Doch was macht Euch so beklommen? Don Juan . Euch ist kund, wie lang ich schon Für die schöne, mir verwandte Tochter des Don Diego brannte, Harrend der Dispensation, Die, zum Lohn der Liebesqual, Nach so manchem Unglückswetter, Bald den Liebenden und Vetter Macht zum glücklichen Gemahl. Euch ist kund, ihr Bruder mußte Fallen durch Don Cesars Degen, Und zwar eines Weibes wegen, Dessen Namen man nicht wußte. Um zu lindern nun die Qualen, Die sie seit dem Fall empfand, Fuhr Lisarda heut aufs Land. Ich, der ihrer Schönheit Strahlen Immer muß zu folgen streben, Ward zum Lusthaus hingeleitet, Wohin jene fuhr, begleitet Von dem Vater; doch als eben Ich die Brück' herunter kam, Kam die Kutsche mir entgegen; Mir ist unbekannt, weswegen Sie so schnell den Rückweg nahm. Kaum war ich der Sonne nah, Der ich ganz mein Leben weihte, Als ich, deucht mir, in der Weite Meines Vetters Mörder sah, Der zur Stadt kam. Ihn gewahren Wollt' ich; doch das Tageslicht Mangelt', und ich konnt' es nicht. Dennoch folgt' ich (denn erfahren, Ob er's sei, wollt' ich durchaus) Durch die Vorstadt seiner Bahn Mit dem Diener, bis wir sahn, Er begab sich in ein Haus. Kommt nun mit, daß ich den Mann, Ist er's oder nicht, entdecke; Und daß er sich nicht verstecke, Gehet Ihr ins Haus voran, Weil er sich vor Euch nicht scheut. Dieses thut mir zu Gefallen, Weil ich Euch gesucht vor allen. Denn die Ritterpflicht gebeut, Einem Freunde beizustehen; Und sollt' ich es auch nicht sein, Jedem andern, der . . . Don Felix .                           Nein, nein! Sprecht nicht weiter, ich will gehen. – (Beiseite.) Auch mich selbst betrifft die Sache; Denn war dieses das Duell Um die Schwester, schaff' ich schnell Auch der eignen Ehre Rache. – (Laut.) Will es doch die tolle Welt, Daß man ohne Kunde, Frage Ungesäumt sein Leben wage Gegen jeden, dem's gefällt, Uns zu fordern. Also macht Nur ein Ende diesen Bitten; Kommt, schon folg' ich Euern Schritten. Don Juan . Wen'ger hab' ich nicht gedacht. Kommt und seht, ob mir's gelingt, Rein der Ehre Glanz zu machen. Don Felix . O zu wie viel tollen Sachen Das Gesetz der Ehr' uns zwingt! (Beide ab.) Celia und Ines treten auf. Celia . Ines! Gott, was mußt' ich hören! Ines . Wozu hätte mir das Dienen Wohl gedient, wenn nicht, um ihnen Ihr Geheimnis abzuhören? Celia . Beide gehn sie im Verein (Hartes Schicksal! bittre Plagen!), Um Don Cesar zu erschlagen. Himmel, ach! wem fiel es ein – Als ich Cesarn rufen wollte, Damit er hier Wohnung nähme – Daß mein Bruder früher käme, Daß er selbst ihn suchen sollte, Um Don Cesar zu erlegen Und der eignen Rachbegier Gnug zu thun? Denn klar ist hier, Jener Mord war meinetwegen. Ines . Nimm die Sache nicht zu scharf! Halte nicht für schon geschehen, Was, soll's wirklich vor sich gehen, Vieler Dinge noch bedarf. Erst muß wahr sein, daß er kam; Dann, daß man sogleich ihn finde; Dann, daß sie die Brust geschwinde Ihm durchbohren. Wundersam . . . Celia . Ach, mir bangt! denn unversöhnlich Ist für mich des Schicksals Strenge. (Geräusch hinter der Szene.) Ines . Horch! Sind dieses nicht die Klänge, Die Don Cesar sonst gewöhnlich Hören ließ? Celia .                   Ja. Ines .                           Aufzugehen Scheint uns beßrer Stern. Celia .                                       Hinaus, Ines! Laß ihn schnell ins Haus, Während jene nach ihm spähen. (Ines geht.) Celia . Sehn soll Cesar, welcher Art Ihn mein Scharfsinn heut, als Retter, Vor Lisardens Vater, Vetter Und vor meinem Bruder wahrt! Don Cesar , Mosquito und Ines treten auf. Don Cesar . Bis ich dir mich nahte, schönste Celia, wußt' ich gar nicht mehr, Ob ich lebte; und deshalb, Da dich meine Blicke sehn, Reiche, Herrin, mir zum Kusse Deine schönen Füße her! Mosquito . Und mir, Ines, gib den schönen Absatz deiner Schuhe, schnell! Celia . Sei willkommen mir, Don Cesar, Hier im Hause; kann ich jetzt Gleich nicht so dich hier bewirten, Wie ich's mir gedacht vorher, Aus dem Grunde, weil mein Bruder Angekommen ist. Don Cesar .                 O weh! Was erzählst du mir? Dein Bruder In Madrid? Celia .                 Am Tage selbst, Da ich schrieb, du solltest kommen, Hört' ich seine Wiederkehr; Denn nicht hätt' ich dich gerufen, Hätt' ich es gewußt vorher. Don Cesar . War er nicht im Kriege? Celia .                                                 Ja; Und der Grund, daß er so schnell Wieder kam, war dein Ereignis, Das er hörte. Don Cesar .           Also jetzt Bin ich ja in deinem Hause Mehr noch in Gefahr? Celia .                                   Woher? Don Cesar . Einen Augenblick zu weilen, Geht unmöglich an. Celia .                               Es geht! Liebe, Klugheit und ein Weib Können, Cesar, viel bestehn. Einen Ort in diesem Hause Hab' ich für dich ausersehn, Wo du wenigstens ganz sicher Sein wirst, wenn auch nicht bequem. Don Cesar . Welcher Weis'? Celia .                                     Auf diese Weise. Dies geräum'ge Haus enthält Zwei Quartiere, jenes untre Und dies obre, wo ich selbst Meine Wohnung hab'; in jenem Wohnt anjetzt ein fremder Herr, Der Geschäfte macht mit Rom. Dieses mußt du wissen erst, Wenn vielleicht der Hausherr Miete Für das ganze Haus erhält. Eine Treppe nun, verborgen In des Hauses Innerm, setzt In Verbindung beide Räume; Doch gebraucht wird sie nicht mehr, Weil zwei Mieter jetzt hier wohnen. Von den beiden Seiten her Ist die Treppe nun durch einen Bretternen Verschlag gesperrt, Und den Zwischenraum besetzt' ich Mit viel altem Hausgerät An dem Tag, da ich durch jenen Brief dich in mein Haus bestellt Und sodann die Nachricht hörte Von des Bruders Wiederkehr. Ich fand mich verwirrt, belagert Von euch beiden, und nicht mehr Wußt' ich, was ich mit euch mache; Höre nun, was ich erwählt: Schließen ließ ich die geheime Treppe, fest, von oben her, Und die Thür der Bretterwand Ward vermacht. Es war nicht schwer, Denn aus Rohr und Fäden haftet Immer ja der Kalk sehr fest; Auf die Art blieb in der Wand Nicht die kleinste Spur zu sehn. Dazu kommt: das nächste Zimmer Dient mir als Putzkabinett; Ferner ward die ganze Wand Mit Tapeten wohl verhängt, Um die Thür noch mehr zu decken. Hier im Zimmer kannst du stets Ruhig bleiben, wenn mein Bruder Aus dem Hause sich entfernt; Und ist er zu Haus, so bleibst du Auf der Treppe. Mosquito .                 Sankt Alex Wirst du sein auf deiner Treppe! Don Cesar . Welch ein Plan! Celia .                                     Was schreckt dich denn? Don Cesar . Tausend Schwierigkeiten, Celia. Celia . Aber welche? Don Cesar .               Uebergehn Will ich viele Hindernisse; Doch ist's möglich, sage selbst, Daß dein Bruder nichts von jener Treppe weiß? Celia .                     Gewiß vielmehr; Denn ich mietete die Wohnung Erst, nachdem er sich entfernt, Und so kommt's, daß er nicht jede Heimlichkeit des Hauses kennt. Don Cesar . Doch wie ließ er dir zu solcher Vorkehr Zeit, da er hieher Schon mit Argwohn kam? Celia .                                       Ein Diener, Der an ihm Verdruß gemerkt, Gab mir Nachricht; als er ankam, War dies alles schon geschehn. Don Cesar . Celia, in der tiefsten Seele Fühl' ich deiner Güte Wert. Doch da eben jetzt dein Bruder Angelangt, zu welchem Zweck Wollen wir in so gewisse Fährd' uns setzen? Laß mich gehn, Glücklich, dich gesehn zu haben. Lebe wohl! Celia .                 Du darfst nicht gehn, Cesar! Nein, du darfst dies Haus Nicht verlassen, nimmermehr! Denn gefährdet ist dein Leben. Don Cesar . Auf was Art? Celia .                                 So wisse denn: In dem Gasthof, wo du wohnst, Will man dich ermorden. Don Cesar .                               Wer Kann es wollen? Sprich! Celia .                                       Don Felix; Hier besprach er's, eben jetzt, Mit Don Juan. (Man hört an die Hausthür klopfen.) Celia .                     Was hör' ich? Klopft man? Ines . Ja, und wirklich ist's mein Herr. Celia (zu Don Cesar) . Also kannst du nun nicht fort, Mußt nun doch in den Versteck. Ines . Diene jetzt denn der Verschlag, Dient er uns auch nicht nachher. Don Cesar . Nur um deines Rufes willen Berg' ich mich; allein nachher, Celia, wenn er schlafen ging, Muß ich fortgehn. Celia .                           Ines, schnell! Während man die Hausthür öffnet, Bringe beide zum Versteck Und verschließe sie. Mosquito .                         Auch ich Werde nun mit eingesperrt? Ines . Freilich, und nicht öffnen darfst du, Eh das ganze Haus nicht schläft; Und im untern Teil des Raumes Bleibt ganz stille. Don Cesar .                 Möge denn, Wie das Schicksal will, mein Leben Auf einmal zu Grunde gehn! (Ines geht mit Don Cesar und Mosquito in das Kabinett, woselbst hinter der Tapete die heimliche Thür sich befindet, welche sie ihnen öffnet; sie selbst geht durch eine der Saalthüren ab.) Don Felix und Don Juan treten auf. Don Felix . Geht, Don Juan; ich bin zu Hause. Don Juan . Ich trieb Euch hinaus vorher; Euch allein hat man erkannt, Und nicht mich. Nicht werd' ich gehn, Eh Ihr völlig seid gesichert. Celia (beiseite) . Don Juan kommt mit ihm hieher; O gewiß, sie suchen beide Hier Don Cesar! Don Felix .                 Sei es denn! Holla! Ein Diener tritt auf. Der Diener . Herr? Don Felix .               Die Möbeln alle, Die in diesen Zimmern stehn, Tragt hinunter zu dem fremden Herrn aus Mailand. Ich indes Will mit meiner Schwester reden. Don Juan . Und ich will nach allem sehn. (Don Juan und der Diener gehen ab.) Celia (beiseite) . Wollen sie das Haus umkehren? Sicher, um nach ihm zu spähn. Don Felix . Schwester! Celia .                           Felix, sprich, was quält dich? Don Felix . Ach, mich quält ein großer Schmerz! Celia (beiseite) . Ganz gewiß! sie haben Kunde, Daß sich Cesar hier versteckt. Don Felix . Zu mir kam Don Juan de Silva, Der mich bat, mit ihm zu gehn, Um ihm seinen Feind zu suchen – (beiseite) Meinen wohl mit größerm Recht. Als ich in den Gasthof kam, Fragt' ich gleich des Hauses Herrn, Wo ein Fremder sei, der heute, Nach dem Dunkelwerden erst, Zu ihm kam. Der Wirt versetzte, Nur zwei Maultier' eingestellt Hab' in seinen Stall der Fremde Und sich gleich darauf entfernt. Wir erwarteten ihn dort Zwei, drei Stunden oder mehr; Bis zuletzt ein Mann erschien, Welcher, wie Don Juan gewähnt, Eben der Gesuchte war, Denn ich sah ihn nie vorher. Beide griffen wir ihn an, Und er wehrte sich nicht schlecht. Doch bei dem Geklirr der Degen Kam die Wach', um zu erspähn, Wer es sei; und von Don Juan Ward ein Häscher hingestreckt. Kurz, wir widersetzten uns, Bis ich dann vernahm, daß wer Von den Leuten sprach: »Don Felix De Acuña ist der Herr.« Da man also mich erkannte, Nahmen wir Reißaus gar schnell. In Gefahr ist nun mein Leben, Denn ein Totschlag ist geschehn, Und mit Widersetzlichkeit. Ich muß fort; allein nicht mehr, Celia, bleibst du hier im Hause, Daß nicht Briefe mir nachher Solche Dinge von dir melden, Die der Ehr' entgegenstehn. Drum in meines Oheims Haus Sollst du schleunigst mit mir gehn. Seinem väterlichen Schutze Uebergeb' ich dich nunmehr; Denn ich will mich nicht entfernen, Eh ich sicher dich gesehn. Celia . Wie? Don Felix! Don Felix .                     Nichts erwidert! Celia . Aber sieh . . . Don Felix .                 Es muß geschehn, Und du hast nichts einzuwenden. Ines tritt auf. Ines (zu Celia) . Denke nur, wie umgekehrt Ist das ganze Haus auf einmal. Was nur ist der Leute Zweck? Einige Diener treten auf. Erster Diener . Nimm dort jenen Schrank herunter. Zweiter Diener . Nimm du die Tapeten weg. Alle Betten sind im Hause Auseinander schon gelegt, Und es bleib' hier in den Wänden Nicht ein einz'ger Nagel stehn. (Sie tragen aus beiden Zimmern alle Möbeln fort und nehmen die Tapeten ab. Alle Wände bleiben weiß. Die heimliche Thür im Kabinett wird nicht bemerkt.) Don Felix . Celia, komm; die Not erheischt es. – Ines, du sollst mit ihr gehn. Celia (beiseite) . Wem mir, wem, o Himmel! konnte Dies begegnen auf der Welt? Ines (beiseite) . Aber die dort auf der Treppe, Ob man auch sie ausziehn läßt? Don Juan tritt auf. Don Juan . Niemand darf hier länger bleiben; Geht und schließt die Thüren fest. (Alle gehen ab. Ein Licht bleibt in einem Winkel stehn. Die Saalthüren werden von außen verschlossen.) Don Cesar und Mosquito treten durch die heimliche Thür in das Kabinet. Don Cesar . Mitternacht ist schon vorbei. Mosquito . Weiß denn Ines gar nicht mehr, Daß sie hier uns hat verborgen? Don Cesar . Still ist alles rings umher; Oeffne leise du die Thüre. Schiebe dann den Vorhang weg; Denn da die Tapete drinnen Diese ganze Wand bedeckt, Kann man uns nicht sehn. – Erfahren Müssen wir den Grund des Lärms. (Mosquito öffnet vorsichtig die Thür, welche aus dem Kabinett in den Saal führt, und greift nach der Tapete umher.) Mosquito . Nun, wo ist denn die Tapete? Don Cesar . Ruf nur Ines. Mosquito .                         Ines, he! Don Cesar . Sacht! Laß dich nicht sehn, noch hören. Mosquito (tritt in den Saal) . Wer soll hören oder sehn? Sind wir doch wie in der Wüste! Ja, bei Gott! ich glaube fest, Eingedrungen sind Panduren In dies Haus. Don Cesar .           Weswegen denn Glaubst du das? Mosquito .                 Es ist vollkommen Ausgeplündert. Don Cesar .               Aber, Geck, Sage, warum glaubst du das? Mosquito . Wahrlich, du bist es noch mehr, Wenn du's nicht glaubst. Komm und sieh, Ob hier etwas ist zu sehn; Denn damit du's sehen könnest Und nicht länger Zweifel hegst, Ließ man, aus Unachtsamkeit, Oder Gnad', ein Licht hier stehn. Nicht ein Stuhl und nicht ein Tisch, Nicht ein Schrank, nicht ein Gestell, Nicht ein Koffer, nicht ein Schemel, Nicht ein Vorhang, nicht ein Bett, Nicht ein Strohsack, nicht ein Strick, Celia nicht, noch Ines selbst Blieb zurück. Don Cesar (tritt in den Saal) . Was kann das heißen? Zwar ich hörte wohl den Lärm, Doch das Klopfen nur; die Worte Konnt' ich leider nicht verstehn. Wunderliche Dinge müssen Hier geschehn sein. Mosquito .                       Mir ist's recht, Denn wir wohnen nun geräum'ger; Hätte Celia nur indes, Oder Ines, für uns beide Nur ein Brot zurückgelegt! Don Cesar . Daß du jetzt noch scherzen magst! Mosquito . Dies ist außer allem Scherz. Don Cesar . Da wir sehen, was hier vorging, Scheint das Nötigste für jetzt, Daß wir gehen; denn ist Felix Schon von meinem Fall belehrt, Weiß er, daß ich Celias wegen Don Alonso'n hab' erlegt, Daß ich in Madrid bin – sicher Hat er's darauf abgesehn, Sich zu rächen. Mosquito .                 Aber wie Wollen wir hinausgehn? Fest Sind die Thüren ja verschlossen. Don Cesar . Durch die Fenster. Mosquito .                                 Diese selbst Sind ja überall vergittert. Don Cesar . Durch ein Bodenloch; nur schnell, Folge mir! Mosquito .         Gott gebe nur, Daß kein Halsbruch draus entsteht! Don Cesar . Himmel, wer hat jemals noch Einen solchen Fall erlebt? Zweiter Aufzug. Szene, wie am Schlusse des ersten Aufzugs. Don Cesar und Mosquito kommen durch die Küchenthüre in das Kabinet. Mosquito . Dies ist sicherlich das Haus, Das Extremaduras weiser Carrizales sich erbaute, Von der Eifersucht geleitet. Denn hier gibt's nicht Thüre, Fenster, Luke, Loch, aus welchem leichtlich Ein Mosquito könnt' entschlüpfen. Ich kann's sagen! Don Cesar .                 Wär' ein feiner Kopf bemüht, den wunderbarsten Zufall zu erfinden: scheint es Möglich, daß er wunderbarer Könnt' erdichten ein Ereignis, Als sich hier begab? Wem wird Dies als Wahrheit wohl erscheinen? Celia ruft mich in ihr Haus. Nun erfährt sie, fast im gleichen Augenblick, ihr Bruder kommt. Den Verschlag dort läßt sie heimlich Zubereiten. Felix muß Vor mir in Madrid erscheinen, Und ich muß mich hier verstecken. Während ich nun hier verweile, Wird das Haus ganz umgekehrt; Ich bleib' hier und finde keinen Einz'gen Weg, um zu entfliehn. Das sind Sachen, ohne Zweifel, Die weit mehr Geduld verlangen, Als die meine. Mosquito .               Dies ist freilich Noch das Schlimmste nicht. Don Cesar .                                 Was sonst, Wenn nicht dies? Mosquito .                   Wir haben beide Nichts zu essen; denn das bißchen Hammelfleisch, das man in Eile Auf dem Herd vergaß, das halbe Brot aus jenem Schrank sind leider Schon verzehrt. Zur Uebergabe Zwingt der Hunger uns, dieweilen In dem Platz nicht auf zwei Stunden Lebensmittel mehr uns bleiben. Don Cesar . Hätt' ich noch den Kapital Aus der Zeit, da ich zuweilen, In Abwesenheit des Bruders, Celien besuchte! Leider Gab ich ihn zurück am Tage Meines Abgangs. Aber freilich, Welcher menschliche Verstand Konnt' auf solches sich bereiten? Mosquito . Schon entdeckt die Morgendämmrung Sich im schwachen Widerscheine Frühen Lichts. – Und was, am Ende, Denkest du zu thun? Don Cesar .                     Ein einz'ges Mittel bietet sich mir dar. Mosquito . Und das ist? Don Cesar .                   Ich will's dir zeigen: In dem untern Stock des Hauses Wohnt (aus Celiens Munde weiß ich's) Ein Geschäftsmann aus der Fremde; Ihm denk' ich mich mitzuteilen. Denn weit wen'ger liegt daran, Daß noch einer dies Geheimnis Kennt, als daß man mich ermorde; Was Don Felix ohne Zweifel Beim Verändern seiner Wohnung Führt im Plan. Mosquito .               Auf welche Weise Rufen wir ihn her? Don Cesar .                   Wir pochen Auf der Treppe. Mosquito .                 Doch wahrscheinlich Glaubt man bei dem ersten Pochen, Daß sich Dieb' im Hause zeigen, Und schlägt uns mit Knüppeln tot, Ohn' uns anzuhören. Don Cesar .                     Weiter Find' ich nichts zu thun, als dies. Ich will gehn. (Indem er in das Kabinett gehen will, wird an die äußere Thür gepocht.) Don Cesar .           Was soll das heißen? Mosquito . Ei, der Fremde von da unten Pocht nun eher, wie es scheinet, Als wir selbst. Was gilt die Wette, Daß er gleiche Not erleidet Und, auch eben eingesperrt, Thut, was wir zu thun vermeinten? (Man pocht wieder.) Don Cesar . Nein, man pocht an jene Thür. Mosquito (ruft) . Wer da? Don Cesar .                     Narr, was machst du? Schweige! Mosquito . Sagen will ich dem, der anpocht, Daß der Schlüssel fehlt, und eilen Soll er, ihn zu holen. Don Cesar .                       Warte! Antwort wäre jetzt nicht weislich. Mosquito . Aber laß durchs Schlüsselloch Mich zum mindsten sehn einstweilen, Wer es ist, der pocht. Don Cesar .                       Sieh zu! Mosquito (sieht durchs Schlüsselloch) . Das sind schöne Teufeleien! Ach, mein Gott! Don Cesar .               Wer ist's, Mosquito? Mosquito . Die Gerichte sind es leider, Die da klopfen. Don Cesar .               Die Gerichte? Mosquito . Wahrlich, Herr. Don Cesar (sieht durchs Schlüsselloch) . Sie sind's, kein Zweifel! Kann ein Kavalier sich rächen Auf so niederträcht'ge Weise? Mosquito . Celia, Herr, hat dich verkauft. Don Cesar . Celia? Nein, ich kann's nicht meinen; Nimmer! Mosquito .       Ich wohl; sie ist fort. (Man arbeitet am Schloß.) Don Cesar . Wird nicht da am Schloß gemeißelt? Mosquito . Ja, ich kenne dieses Klopfen; Denn es ist dasselbe Zeichen, Das man beim Beginn des Schauspiels In den Logen gibt zuweilen. Don Cesar . Was ist jetzt zu thun? Mosquito .                                     Das beste Scheint, zum Tod uns zu bereiten. Don Cesar . Andres kann es sein; am besten, Wir verbergen uns. Doch sei es Nicht wie gestern, da wir Lärm Hörten und nichts wußten weiter. (Sie gehen in den Verschlag.) Die Saalthür wird geöffnet. Ottavio , ein Gerichtsschreiber und mehrere Gerichtsdiener treten auf. Ottavio . Was bedarf's, die Thür zu sprengen? Hab' ich doch die Schlüssel bei mir, Um zu öffnen! Sagt, ihr Herrn, Was soll dieser Lärmen heißen? Denn ich wohn' im untern Stocke, Und auf dieses Klopfen eilt' ich Schnell herbei, um nachzusehn. Ein Gerichtsdiener . Nun, wir suchen hier derweilen Einen Kavalier, Don Felix De Acuña, der im Streite Einen tot schlug diese Nacht. Ottavio (beiseite) . Hier ist Täuschung nötig. – (Laut.) Heißt er Felix de Acuña? Gerichtsdiener .         Ja. Ottavio . Vor sechs Wochen schon ist einer, Der so heißt, hier ausgezogen, Und die Schlüssel hab' ich bei mir, Um die Wohnung zu vermieten Aus Ermächtigung des Eigners. Drum ist alles ausgeräumt. Gerichtsdiener . Doch zu spät! Schreiber .                                 Und was nun weiter? Gerichtsdiener . Nun, man nimmt's zu Protokoll. Otañez tritt auf. Otañez (zu Ottavio) . Herr, Don Diego kommt, mein Meister, Um zu fragen, wie's mit jenen Briefen steht. Ottavio .               Ihr Ungescheiter! Seht Ihr nicht, daß ich mit diesen Herrn hier spreche? Heißt ihn weilen Im Comptoir; ich werde gleich Zu ihm kommen. (Otañez geht.) Gerichtsdiener .         Hier ist weiter Nichts zu machen. – Nun, mein Herr, Gott befohlen! Schreiber .               Wenn wir eil'ger Diese Nacht gewesen wären, Hätt' er nicht vielleicht beizeiten Sich gesichert. Gerichtsdiener .     Diese Nacht Konnten wir, trotz allem Fleiße, Nicht erfahren, wo er wohnt. (Der Schreiber und die Gerichtsdiener gehen ab.) Don Diego und Otañez treten auf. Don Diego . Herr Ottavio, etwas zeitig Komm' ich her, um Euch zu fragen, Ob die Post, die gestern einging Aus Italien, den Dispens Mitgebracht, den ich erheische, Um mein Kind mit meinem Vetter Zu vermählen; denn sehr eifrig Wünsch' ich, dieses zu beenden. Und indem ich unten weilte, Sah ich Diener des Gerichtes Von Euch gehn. Deshalb verzeihet, Daß ich frag', ob ich vielleicht Einen Dienst Euch könnte leisten. Ottavio . Nun, was den Dispens betrifft, Kann ich Botenlohn erheischen; Er ist glücklich angekommen. Don Diego . Laßt Euch meinen Dank bezeigen! Ottavio . Das, mit den Gerichten, war, Daß ein Kavalier, in Eile Sich und seine Habe sichernd, Auszog; und aus Ehreneifer Wollt' er nicht, daß seine Schwester Hier allein im Hause bleibe; Und ich sagte, daß sie nicht Mehr hier wohnen. Don Diego .                   Dies Ereignis, Das Ihr mir berichtet, ruft Ins Gedächtnis mir den eignen Gram zurück. Ich leid' entsetzlich, Wenn ich mich des jammerreichen Todes meines Sohns erinnre, Und daß er , der ihn entleibte, Auch durch Flucht sich mir entzog. Denn wohl hätt' ich ihn . . . Ottavio .                                     Und keine Nachricht hörtet Ihr von ihm? Don Diego . Nimmer; eingeschluckt, so scheint es, Hat der Boden ihn. – Doch laßt mich! Sprechen wir hievon nicht weiter. (Er sieht mit Aufmerksamkeit im Saal umher.) Ottavio . Ich sprach nur, weil Ihr gesprochen. Gehn wir! – Doch weshalb so eifrig Ueberschaut Ihr diese Wohnung? Don Diego . Mir fällt ein, daß ich mit einer Klappe kann zwei Fliegen schlagen, Wie's im Sprichwort pflegt zu heißen. Denn da der Dispens gekommen, Dacht' ich meinen Eidam freilich Zu mir in mein Haus zu nehmen; Doch in jenem fehlt es leider Sehr an Raum, und seit vier Wochen Sucht' ich ein Quartier. Nun scheint mir Dieses hier durch seine Lage Und Umgebung wohl geeignet. Ottavio . Trefflich, wenn es Euch gefällt; Ich bin sehr dabei beteiligt. Don Diego . Hat die Wohnung viel Gelaß Außer diesem Saal? Ottavio .                           Ich weiß nicht. Wohn' ich gleich schon lang im Hause, Kam ich doch nur dieses einz'ge Mal bis jetzt herauf. (Sie gehen zur einen Saalthür hinaus und kommen zur andern wieder herein.) Don Diego .                     Die Wohnung Hier gefällt mir, und am meisten Deshalb, weil sie zwei Quartiere Von verschiedner Art vereinigt. Dieses soll Don Juan bewohnen Bis zur Hochzeit; dann hier einziehn Will ich selbst, und jenes andre, Größre, soll den Kindern bleiben. Wie viel kostet es? Ottavio .                         Zweitausend Stück Realen. Otañez .                 Teuer scheint es, Denn die Häuser sind jetzt wohlfeil. Don Diego . Saget mir, wer ist der Eigner? Daß ich gleich mit ihm die Sache Richtig mache. Ottavio .                   Als den Eigner Nehmt mich selber; denn der Hausherr Ist mein Freund und auf der Reise Nach Granada jetzt. Ich habe Vollmacht, sein Geschäft zu treiben; Also braucht Ihr nur mit mir Zu verhandeln. Don Diego .             Ohne weitres Will ich dies Quartier behalten, Denn mit Euch will ich nicht feilschen. Gebt die Schlüssel meinen Leuten, Die ich herschick' ohne Weilen, Um die Zimmer auszumöbeln. Ottavio . Besser ist's, seid Ihr so eilig, Daß Ihr selbst sie mit Euch nehmt. Ich muß über Land, und keiner Bleibt zurück in meiner Wohnung. Laßt uns denn hinuntersteigen, Daß ich den Dispens Euch gebe Und die Schlüssel. Don Diego .                   Unbeschreiblich Freut die Wohnung mich. Ottavio .                                   Ihr glaubt nicht, Wie mich Eure Freud' erheitert. Don Diego . Achtet mich als Euern Diener Und Lisarden, die so reizend Wie ein Engel ist, als Euer. (Alle gehen ab. Die Thür wird von außen verschlossen.) Don Cesar und Mosquito kommen aus dem Verschlage. Don Cesar . Hast du dies gehört? Mosquito .                                     Nur ein'ges. Don Cesar . Immer Zufall noch auf Zufall Und Ereignis auf Ereignis, Um mein Unglück zu verketten, Um mein Mißgeschick zu steigern! Einen Mann erstach Don Felix, Deshalb zog er aus so eilig; Und Don Diego, der hieher kommt, Um sich den Dispens zu seiner Tochter Heirat mit dem Vetter Abzuholen (mich zerfleischet Eifersucht!), er sucht hier oben Den Ottavio, findet reizend Dies Quartier und nimmt sogleich Auch die Schlüssel ohne weitres. Und damit, zum Unglücksgipfel, Mir selbst nicht das Mittel bleibe, Unten anzupochen, geht Alles aus dem Haus. – O heil'ger Himmel! wann wird endlich nur Meiner Plagen Ziel erscheinen? Mosquito . Daß man in den Mietvertrag Möbeln und Gerät mit einschließt, Sehn wir hier zu Lande täglich; Doch das ist ganz neue Weise, Daß ein Mann, der Zimmer mietet, Einen Herrn und Diener einschließt. Aber gut! Bei allen diesen Leidensfällen ist doch ein'ges Tröstlich auch. Don Cesar .             Was? Mosquito .                         Daß Ottavio Nichts erfuhr von der geheimen Treppe; daß vermietet ward In Abwesenheit des Eigners. Denn schloß dieser selbst die Miete, Sicher, daß die Trepp' ihm einfiel; Und dann fänd' uns hier Don Diego Eingetreppt, ohn' allen Zweifel. Don Cesar . Wirklich, für den wunderbaren Fall, der sich mit uns ereignet, Stehn die Sachen – wie sich alles Jetzo fügt – noch nicht verzweifelt; Und der Mut in meiner Brust Soll so leichten Schwierigkeiten Nimmermehr sich unterwerfen. (Er zieht den Dolch und sucht mit diesem das Schloß der Saalthür abzubrechen.) Mosquito . Ei, was machst du da? Don Cesar .                                   Abreißen Will ich mit dem Dolch das Schloß Und aus diesem Haus' entweichen, Ehe mir mein Feind den Weg Ganz verschließt. Gefahr ist freilich, Daß man auf der ersten Gasse Mich ergreift; doch lebend bleiben Will ich nicht, wenn mit Lisarden Sich Don Juan vermählt (o Leiden!), Will nicht Zeuge sein des Unglücks, Das doch meinen Tod entscheidet. Mosquito . Du hast recht, wir wollen fort, Sollt' auch diese Thür in kleine Stücke gehn. Don Cesar .         Nicht warten will ich Auf mehr Unglück.     (Geräusch von außen an der Thür.)                               Doch, was zeigt sich Dort? Man will von außen öffnen. Mosquito . Zum Verschlag in größter Eile! Don Cesar . Nötig ist es, wär's Don Diego. Mosquito . Ach, er liebt uns unbeschreiblich, Weil er unterm Schloß uns hält. Don Cesar . Eben kommt er recht unzeitig! Mosquito . Da er alles eilig thut, Muß ich denken wohl, er sei es. (Beide gehen in den Verschlag.) Beatriz und Otañez treten auf. Beatriz . Dieses ist die Wohnung? Otañez .                                         Ja. Beatriz . Kreuz gemacht, und nun ins Haus Mit dem rechten Fuß voraus. (Sie sieht sich um.) Uebel liegt die Thüre da; Und die Treppe – großer Schade! – Geht krumm um und ganz verdreht. Und der Balken Zahl – ei seht! Eins, zwei, drei – ist nicht gerade. Geh, Otañez, sage nun Unserm Herrn, falls er nicht eben Schon das Geld vorausgegeben, Würd' er wohl sehr übel thun, Wenn er dringend nicht begehre, Daß man ändre diese Thüre, Besser dort die Treppe führe Und der Balken Zahl vermehre. Otañez . Nun, daß Gott dir gnädig sei Mit dem Uebel, mit dem Schaden, Mit dem Krummen, mit dem Graden, Mit den Balken, eins, zwei, drei! Rechten Fuß voraus, die Nase Hinter Trepp' und Thür – mit Gunst, Lerntest du die schöne Kunst Von der Dueña, deiner Base? Beatriz . Freilich; denkt Ihr, es sei Scherz? Solche Dinge, wie ich sage, Lehrte sie mich alle Tage; Denn sie war ein Gottesherz. Otañez . Ja, das sieht man deutlich nun An dem schönen Christentume, Das sie beibracht' ihrer Muhme. – Doch du hast hier nichts zu thun, Beatriz, als dies Quartier Wohl zu kehren und zu fegen, Nicht, die Balken zu erwägen. Einen Hausgeist hab' ich hier, Der mir alles wieder sagt. Beatriz . Ist ein Hausgeist hier im Haus, Und Ihr habt ihn . . . Otañez .                           Nur heraus! Beatriz . Ist's ein Teufel, der Euch plagt. Otañez . Ihr verfluchte Schwätzerin, Schon in Eurer Kindheit Jahren Wohl in Hexerei erfahren, Hexe bis ins Alter hin! Wenn Ihr sprechet, sprecht gemach. Beatriz . Ihr, Don Geckos würd'ger Sippe, Knochenbeinernes Gerippe! Ihr beschmutzter Almanach! Der Ihr aus der Pluderhose Kaum hervorragt mit dem Kopf, Euer eigner Kammertopf Und Eu'r eigner Virtuose! Magrer als die ältste Mähre, Koffer nur von Holz und Fell! Totengräbers Altgesell Und lebend'ges Miserere! Inhalt sämtlicher Gebrechen, Ew'gen Hustens Leibgedinge Und dreihundert andre Dinge – Wie denn soll man mit Euch sprechen? Otañez . Danket Gott, Ihr Maul voll Lügen, Denn die Kutsche fährt vors Haus, Und das Fräulein steigt heraus. Sonst – ich schleppt' Euch mit Vergnügen Vors Inquisitionsgericht. Lisarda tritt auf, mit zurückgeschlagenem Schleier. Lisarda . Wie mein Vater doch so eilt! Einziehn will er unverweilt; Und nun macht er mir zur Pflicht, Daß ich in der größten Hast Kommen soll, besehn, befehlen, Was für Möbeln auszuwählen. Otañez . Ei, es kommt ein schöner Gast l Beatriz (zu Lisarden) . Das ist klug von meinem Herrn, Daß er dazu dich verpflichtet; Denn was sie nicht eingerichtet, Billigt eine Frau nicht gern. Hätt' ich etwa hier gewagt, Irgend was zu thun – ich wette, Was ich auch gethan, es hätte Nichts von allem dir behagt. Lisarda . Gar nicht übel scheint die Wohnung. Otañez . Dieses Zimmer, hört' ich, bliebe Für Don Juan, bis seiner Liebe Wird die glücklichste Belohnung. Beatriz . Geht, Otañez, um zu sehn, Daß vom Wagen man die Sachen Ablädt. Otañez .       Das ist wohl zu machen, Sehen ist ja leicht geschehn. (ab.) Lisarda (auf das Kabinett zeigend) . Dorthin schafft mir nichts; ich glaube, Dieses wird mein Putzgemach. Vom Gepäcke bringt sonach Nichts hinein. Beatriz .                 Nimm vor dem Staube. Dort dich nur in acht! Lisarda (seufzend) .             O wehe! Beatriz . Meinen Glückwunsch dir zu geben Dacht' ich, und nun hör' ich eben Solchen Seufzer? Lisarda .                       Ja; ich sehe, Vor wie großem Leid ich stehe. Beatriz . Wer ist schuld daran? O sprich! Lisarda . Ach, Don Juan! Don Juan tritt auf. Don Juan .                       Beglückt bin ich, Daß ich kam zur guten Stunde! Hört' ich nicht aus deinem Munde Meinen Namen? Lisarda .                     Sicherlich! Doch, statt Glück, kann's Unglück sein, Daß ich dacht' an Euch, Don Juan. Don Juan . Nein, stets ist es Glück . . . Lisarda (beiseite) .                                 O Wahn! Don Juan . Fällt mein Name nur dir ein, Wär' es auch – es hat den Schein – Weil du tadeln mich gemußt. Dennoch schafft's mir hohe Lust; Denn die Uhr, im raschen Gange, Stets gehorcht sie mit dem Klange Ja dem Triebwerk in der Brust. Lisarda . Wohl; doch manchmal irrt der Gang, Und das Triebwerk in der Uhr Zeigt auf diese Stunde nur, Aber jene gibt der Klang. Don Juan . Gegen mich so harten Zwang? Muhme! Herrin! Lisarda .                     Kein Behagen Find' ich, mich mit Euch zu plagen; Doch mit Beatrizen hier Sprach ich eben jetzt, und ihr Will ich nun das weitre sagen. – Beatriz, der Herr Don Juan Glaubt vermutlich, wer der Ehe Schon so nahe sei, den gehe Höflichkeit nichts weiter an. Um die Achtung ist's gethan, Um die Sorgfalt, das Verlangen, Das er sonst gezeigt; entgangen Ist ihm dieser sichre Schluß, Daß der wenig lieben muß, Der nicht liebt mit etwas Bangen. Gestern fuhr ich auf das Land, Doch Don Juan nahm ich nicht wahr; Ich geriet dort in Gefahr, Die ein andrer abgewandt. Hab' ich jenem, dessen Hand Mich errettet, Dank zu zollen, Darf ich wohl mit diesem grollen, Der so schmählich mich vergißt; Weil nicht diesem grausam ist, Wer dem andern danken wollen. Endlich war ich heim gekommen; Doch den ganzen Abend, traun! Ließ Don Juan sich nimmer schaun. Was das heißt, weiß ich vollkommen; Und es macht mich nur beklommen (Eifersüchtig nicht, fürwahr!), Daß, noch eh die Hochzeit war, Sich Don Juan so stark verwandelt, Und daß er mich jetzt behandelt Wie sein Weib schon ganz und gar. Don Juan . Sicher, du vergäbest mir, Wüßtest du, was mir geschah. Gute Zeugen – wahrlich, ja! – Sind vielleicht die Wände hier. Sagen sie den Anlaß dir! Sagen sie . . . Lisarda .                 Wenn ich die Klagen Beatrizen vorgetragen, Gebt Ihr Antwort? Don Juan .                     Keine Fehde! Beatrizen galt die Rede, Und ihr will ich's weiter sagen. – (Zu Beatriz.) Zu der Muhme wollt' ich gehen Gestern abend, als ich da Don Alonsos Mörder sah; Und ich eilt', ihm nachzuspähen, Um zu strafen sein Vergehen. Den Don Felix, welcher hier Wohnte, nahm ich gleich mit mir. Dort nun, wo wir den verruchten Mörder, den Don Cesar, suchten, Fiel ich, blind vor Rachbegier, Einen andern Fremden an. Eiligst kam die Polizei, Wollte wissen, wer es sei, Und (erschrick nur nicht) ein Mann Ward erlegt; wir hörten dann, Daß man Felix' Namen nannte; Da er sah, daß man ihn kannte, Blieb die Flucht ihm einz'ge Wahl. Ehr' und Dankbarkeit befahl, Ihm, der sich für mich verwandte, Von der Seite nicht zu gehn, Bis ich Felix und die Seinen Konnte ganz gesichert meinen. Hierauf sucht' ich zu erspähn, Ob Erwähnung sei geschehn Auch von mir ; doch ich erfuhr, Niemand sei mir auf der Spur. Damit glaubt' ich mich geborgen, Und nicht hielten andre Sorgen Mich entfernt, als diese nur. Beatriz . Ich, die Richterin geblieben, Will das Urteil nun verleihn; Und ich will, daß die Partein, Da sie beid' einander lieben, Die Versöhnung nicht verschieben. Don Juan (zu Lisarden) . Willig biet' ich meine Hände; Mache nun dem Zorn ein Ende! Lisarda . Wohl geschieht's, wie ich vermute; Denn mir käm' es nicht zu gute, Wenn ich schuldiger Euch fände. Don Juan . Ist dein Groll nun hingefahren, So erlaub', als Schmerzensold Für dies Leid . . . Lisarda .                       Das heißt, Ihr wollt Nochmals zornig mich gewahren. (ab.) Don Juan . Mag's die Zofe denn verwahren. – (Er ruft.) He, Castaño! Aufzuheben Gib's der Beatriz. (ab.) Castaño tritt auf. Beatriz .                       Durch Geben Wird mein Herz sogleich gefangen; Ich empfang', um zu empfangen, Wird es gleich nicht mir gegeben. – Nichts im Haus' ist noch in Ordnung. In dies Zimmer, das die Herrin Sich zu ihrem Putzgemache Oder zum Schmollwinkel wählte, Hieher schaffe nur, Castaño (Doch mit Vorsicht), die Geschenke, Die du meinem Fräulein bringst. Castaño . Tausend Sachen, auserlesen! Wart', ich hole sie herein; Draußen stehen schon die Träger. Beatriz . Holen laß uns einen Tisch, Um sie besser aufzustellen. (Sie holen einen Tisch und setzen ihn in das Kabinett, gerade vor die heimliche Thür. Dann bringt Castaño eine Menge Schachteln und Kästchen herein und stellt sie auf den Tisch.) Castaño . Süßigkeit aus Portugal Bring' ich. Beatriz .           Doppelt süß zu nennen; Süß als Süßigkeit, und süß, Weil sie Portugal gesendet. Castaño . Schokolade von Guaxaca Bring' ich hier. Dann kommen ferner Hauben, Bänder, feine Strümpfe, Handschuh', Duftwerk, Räucherkerzchen, Arbeitsbeutel und Pantoffeln Und Geldbörsen. Beatriz .                     Das riecht herrlich! Castaño . All dies Duftwerk, Beatriz, Ist den Frauen unentbehrlich, Damit sie nicht übel duften Und zumal die eignen. Beatriz .                               Frevler! Castaño . Das war das; nun kommen noch Die vortrefflichsten Juwelen In dem Kästchen hier – wahrhaftig, Wohl ein Schatz- und Gnadenkästchen! Beatriz . Alles schön! Allein hier fehlt Noch ein Stück. Castaño .                   Und was? Beatriz .                                     Bedenke! Ein gewisses hübsches Kleid, Bei dem frohen Hochzeitfeste Mir zum Ueberfluß geschenkt. Castaño . Guter Ausdruck, den du wähltest! Denn was für ein Kleid – sag' an! – Ist nicht Ueberfluß am Ende? Doch ich bracht' es nicht hieher, Denn gar viel steht dem im Wege. Beatriz . Was denn? Sprich! Castaño .                               Man sagte mir, Daß du einem jetzt entfernten Bengel, der mit Schwert und Stachel Doppelt ein Mosquito wäre, Warst (zwar nicht als violierte Violante Navarretes) Warst das Knopfloch seiner Knöpfe Und die Oese seiner Nesteln. Dies Gerücht, das ich vernommen, Hat nicht wenig mich geärgert; Und nicht billig scheint es mir, Daß Castaño so gefällig Dich begleite, wenn der andre Dich entkleidet. Beatriz .                     Saubres Märchen! Und gibst du mir denn das Kleid? Castaño . Nein, doch ich soll's übergeben. Das heißt, par bricole die Kugeln Treffen, die genüber stehen. Beatriz . Wär's auch, doch hast du nicht recht; Denn Mosquito ward am Ende Als ein Spielball nur gebraucht, In Ermangelung des Bessern. Und, die Wahrheit zu gestehn, Kostest du mich mehr der Thränen In nur einer einz'gen Stunde, Als in dreißig Monden jener. Nur aus Mitleid liebt' ich ihn, Bis ich etwas andres fände; Denn er ist ein armer Schelm. Castaño . Fast erweichst du mich ein wenig.     (Er holt das Kleid und gibt es ihr.) Beatriz, da ist das Kleid, Fix und fertig, und daneben Auch der Schleier. Beatriz .                         Hier ein Küßchen! (Sie umarmt ihn.) Castaño . Liebst du mich allein, mein Leben? Beatriz . Das ist eben nicht gebräuchlich; Gnug, ich liebe dich von Herzen. Und da du mit deinem Herrn Hier im Hause wohnst – bedenke, Gibt es manchmal: Gib und nimm! Wird's auch: Sag' und höre! geben. Doch jetzt lebe wohl; abschließen Muß ich dieses Zimmer endlich, Damit niemand, wer es sei, Eingang oder Ausgang nehme. Castaño . Lebe wohl! (ab.) Beatriz .                     Das Kleid bleibt hier Mit dem andern. – (Sie legt das Kleid auf den Tisch.)                               Wenn die Herrin, Der man dient, doch alle Monat Ein bis zweimal sich vermählte! (Sie geht und verschließt die Thür von außen.) Mosquito öffnet die heimliche Thür ein wenig. Mosquito . Ha, bei Gott! ich muß hinaus. Don Cesar (ihn zurückhaltend) . Wohin willst du? Laß dich hemmen! Mosquito . Hörten wir, daß man die Thür Jenes Zimmers eben sperrte, Daß man Süßigkeiten daließ, Wie verlangst du, mich zu hemmen? Ja, und wären's Bitterkeiten, Trefflich sollten sie mir schmecken. Don Cesar . Keinen Lärm! (Mosquito reißt sich los, öffnet hastig die Thür und stößt den Tisch mit den Sachen um.) Mosquito .                           Wie kann ich's hindern, Wenn der dumme Tisch mir wehrte, Diese Thür zu öffnen? – Himmel! Einen Kasten find ich; wären's Doch die Süßigkeiten!     (Er nimmt einen Kasten und öffnet ihn.)                                     Handschuh Sind's, hol' sie der Henker! Alles werf' ich durcheinander. Don Cesar . Mensch, was machst du? Mosquito .                                           Lärm. Don Cesar .                                                   Verderben Willst du mich? Mosquito .                 Nur essen will ich; Iß du auch. (Er ißt von den Süßigkeiten.) Don Cesar .       Dich töten werd' ich; Denn für mich ist alles Gift, Alles, was ich hier entdecke. Mosquito . Ob man stirbt an Gift, an Hunger: Stirb, wie dir es paßt am besten. Don Cesar . Machen wirst du, daß ich alles Umwerf', einschlag' und verbrenne Mit dem Feuer meiner Brust, Oder tränk' und überschwemme Mit den Thränen meiner Augen. Mosquito . Wenn du gnug doch Feuer hättest, Wenn du gnug doch Wasser weintest, Um die Schokolad' ein wenig Zu bereiten! Ach, mein Jesus! Don Cesar . Hören mußt' ich Liebsgeschwätze Von Don Juan und von Lisarden! Ihr geschmeidiges Verschmähen, Seine faden Liebkosungen, Hören mußt' ich das? Ich sterbe! Mosquito . O was das betrifft, ich auch Hörte deutlich ja soeben Den kastanienbraunen Friesen Und die Rappenstute lästern, Hier, an dieser Liebeskrippe. Doch sie reden, was sie reden, Daß sie mich aus Mitleid liebte, Und von arm und reichen Schelmen! Ich will essen, was er brachte. Denn am besten dadurch rächt sich Eifersucht, daß sie was einbringt; Und es schmeckt gar schön und trefflich, Was ein andrer zahlt. Don Cesar .                       In Wahrheit, Mir scheint dieses jetzt das Beste, Daß ich warte, bis es nachtet, Und den Ausweg dann, verwegen Oder tollkühn sei's, mir bahne. Mosquito . Wenn nur deine Freund' und Vettern, Sich auf alles vorbereitend, Unten auf der Gasse ständen; Ja, dann wär's ein sichres Mittel. Don Cesar . Aber du, Mosquito, dächt' ich, Da dich niemand kennt, du könntest Wohl entschlüpfen ungefährdet, Weil anjetzt in diesem Hause So viel Leute hin- und hergehn. Mosquito . Um mir einen Trunk zu schaffen, Gibt es nichts, was ich nicht thäte. Don Cesar . Du mußt fort; ich will dir sagen, Wem du sollst dies alles melden. Mosquito . Gerne thät' ich's; doch ich fürchte . . . Don Cesar . Was denn? Wenn sie auch dich sehen! Mosquito . Daß ein Mönch mir, wie dem König, Messe liest in der Kapelle. – Doch ich will was für dich thun; Und da fällt mir ein soeben, Daß ich kann verkleidet fortgehn, Ohne daß man mich erkenne. Dieses Kleid der Beatriz Soll mir dienen. Hilf ein wenig Mir beim Anziehn. Don Cesar .                   Still! Man öffnet. Mosquito . Was für Leid uns auch begegne, Essen haben wir und Kleidung; Mag nun, was da will, geschehen! Er rafft das Kleid und einige von den Schachteln zusammen; beide gehen in den Verschlag.) Lisarda und Beatriz treten auf. Beatriz . Nein, gewiß, so allerliebste, Saubre Schächtelchen und Kästchen Sah ich noch im Leben niemals. Lisarda . Alles will ich sehn; nicht denken Soll Don Juan, daß ich's verachte.     (Sie treten in das Kabinett.) Aber welchen Wirrwarr seh' ich? Beatriz . Ohne Zweifel treibt die Dame Kobold hier im Haus' ihr Wesen. Nein, hier halt' ich mich nicht auf! Lisarda . Wer kam hier herein und stellte Diese Wirtschaft an? Beatriz .                             Gar niemand Konnte hier herein; ich selber Trug ja stets den Schlüssel bei mir. Lisarda . Nun, so bist du schuld und setztest So die Sachen hin, daß alles Fallen mußte ganz notwendig. Beatriz . Wie konnt' ich . . . Lisarda .                               Wem fiel' es ein, Deshalb bloß hier einzubrechen? Beatriz . Ach, nicht deshalb bloß! O Himmel, Welch ein schreckliches Begebnis! Himmel! Lisarda .         Nun, was fehlt denn noch? Beatriz . Ach, mein ungetragner Schlender ! Lisarda . Welch ein Schlender? Beatriz (weinend) .                     Den Don Juan Mir geschenkt. Don Diego und Otañez treten auf. Don Diego .             Was für ein Lärmen? Beatriz . Auch der Schleier! Lisarda (zu Don Diego) .         Beatriz Setzte hieher die Geschenke, Die Don Juan gesandt; und nun Liegt hier alles, wie Ihr sehet, Und ihr fehlt auch noch ein Kleid. Beatriz . Ach, mein ungetragner Schlender! Otañez . Ja, und doch schon abgetragen. Sicher würd' er dir nicht fehlen, Hätte dieses Haus nur einen Balken mehr. Don Diego .           Dergleichen Fälle Pflegen oft sich zu ereignen, Wenn man sein Quartier verändert. – Nehmt dies alles hier zusammen; Und du, meine Tochter, gehe Auf dein Zimmer; denn so lange Noch Don Juan als Unvermählter Hier im Hause wohnt, darf er Eben dich am mindsten sehen. Lisarda . Pünktlich will ich dir gehorchen; Und damit Don Juan nicht später Noch in meine Wohnung komme, Will ich früh mich niederlegen. Beatriz, entkleide mich! Beatriz . Der, der mich entkleidet, besser, Glaub' ich, könnt' er's thun, als ich. Lisarda . Weine nicht! Dem abzuhelfen Ist ja leicht. – (Beiseite.) Und sagt' ich auch, Früh woll' ich mich niederlegen, Thu' ich's nicht, eh ich gesehn, Wann Don Juan nach Hause kehrte. (Laut.) Leuchte, Beatriz. Beatriz .                                 O Himmel! Ach, mein ungetragner Schlender! Das ist doch ein großes Unglück! (Lisarda und Beatriz gehen ab.) Otañez . So viel Volk ist hier gewesen, Daß man sich nicht wundern dürfte, Fehlt' auch mehr. Don Diego .                 Otañez, stehen In Bereitschaft schon die Zimmer Für Don Juan? Otañez .                 Und ganz vortrefflich Eingerichtet. Don Diego .         Sehet zu, Ob noch etwas fehlt, und setzet Lichter für ihn hin, denn schon Wird es Nacht. – (Otañez geht.)                             Wie heiter wäre Dieser Freudentag für mich, Wenn mein armer Sohn ihn sähe! Himmel! könnt' ich nur zum mindsten Mich an seinem Mörder rächen! Doch mir wollte mein Geschick So viel Glück nicht zugestehen, Daß ich könnte . . . Celia tritt auf, verschleiert. Celia .                             Kavalier! Wenn, den Frauen Schutz zu geben, Ist die erbliche Verpflichtung Aller, die erzeugt von edlem Blute sind – denn anerzeugt Ward der Edelmut mit jenem – O so schützt ein armes Weib, Das ihr trauriges Verhängnis Jetzt zu Euern Füßen bringt, Und, ich hoff' es, nicht vergebens. Wißt, ein Mann, den zum Gebieter Meiner Ehre des Gesetzes Grausamkeit gemacht, verordnend, Daß die Unschuld für des Frevlers Missethat die Straf' erdulde – Dieser Mann verfolgt mich, wehe! Nur mein Unerkanntsein sichert Ihm die Ehr' und mir das Leben. Wehrt ihm, weil Ihr Ritter seid, Wehrt ihm, hier hereinzutreten; Denn sonst würd' ich . . . Don Diego .                             Schweigt, Señora; Denn, um Frauen beizustehen, Braucht ein echter Edelmann Keine Gründe zu vernehmen, Weil der eine schon genügt, Daß sie leidend sind. Ich gehe, Ihn zu hemmen, und will suchen, Seinen Argwohn abzulenken. Und vermag ich's nicht mit Worten, So vermag ich's mit dem Schwerte; Denn mein Herz ist ein Vulkan, Innen Glut, wenn außen Schnee ist. – Wartet hier, doch gehet nicht Weg von diesem Ort; denn neben Diesem Saal wohnt meine Tochter, Und ich wünscht' ihr zu verhehlen, Daß anjetzt in unsrer Welt Dinge solcher Art geschehen. (ab.) (Es ist indessen dunkel geworden.) Celia . Nun, bis jetzt ist diese Kühnheit Trefflich mir gelungen. Gebe Mir die Liebe Glück, wenn Glück Je der Liebe dient zum Helfer! Suchen will ich den Verschlag, Der die Treppe birgt. (Sie nähert sich dem Kabinett.) Don Cesar und Mosquito kommen aus dem Verschlage, letzterer in Frauenkleidung und verschleiert. Don Cesar .                       Am besten Kannst du jetzt hinaus; denn schon Wird es dunkel, und die Kerzen Hat man noch nicht angezündet, Also wird dich niemand sehen. Bis du aus dem Hause bist, Will ich, kühn auf alle Fälle Mich bereitend, hier verziehn, Wenn du etwa wieder kämest. Mosquito . Gott mag mich geleiten, Amen! Don Cesar . Dies nur mußt du nicht vergessen: Wenn du mit bewehrten Freunden Unten auf der Gasse stehest, Dann muß ein Pistolenschuß Mir sogleich das Zeichen geben, Um hinauszugehn. Mosquito .                     Hinausgehn Muß jetzt ich , das ist notwendig. (Er nähert sich dem Orte, wo Celia steht.) Celia (für sich) . Welch ein Mensch kommt auf mich zu? Mosquito (für sich) . Welch ein Mensch kommt mir entgegen? Celia . Rufen darf ich Cesarn nicht, Ehe der sich nicht entfernte. (Sie weichen einander aus.) Mosquito . Nein, er sieht mich nicht, denn nichts Sagt er mir. Celia .                 O möcht' er gehen! Mosquito . Möcht' ich doch die Thüre finden! Indem er sich der Saalthür nähert, tritt Don Diego herein. Don Diego (zu Mosquito, den er für Celia hält) . Kommt, Señora; ungefährdet Könnt Ihr gehn, denn auf der Gasse Ist jetzt niemand Euch im Wege. Mosquito (beiseite) . Man erzeigt mir große Güte! Don Diego . Hier vorm Haus' und vor den nächsten Häusern ist jetzt alles sicher. Mosquito (beiseite) . Mich erfreut, dies zu vernehmen. Wenn es Engel gibt mit grauen Haaren, so ist dies mein Engel. Don Diego . Kommt und folgt mir ohne Furcht; Denn ich werde mit Euch gehen, Bis so weit Ihr wollt. Mosquito (beiseite) .           Sehr gütig! Wenn des tollen Kleides wegen, Das aufs halbe Bein mir reicht, Solch ein Glücksfall mir begegnet, Will ich schwören, nimmermehr Andre Kleidung anzulegen. Großen Dank den mitleidsvollen Edelmüt'gen drei Poeten, Die die Schriften abgefaßt »Von der Weiber Privilegien«. Don Diego (beiseite) . Ach, die arme Frau! Sie wagt Nicht einmal, mit mir zu sprechen. (Er reicht Mosquito die Hand und führt ihn ab.) Celia . Fort sind jene, die hier sprachen; Doch kein Wort konnt' ich verstehen. – Da ich die Gelegenheit Dieses Hauses so gut kenne, Such' ich schnell nun den Verschlag.     (Sie pocht an die heimliche Thür.) Cesar! Don Cesar (der sich indes in einem Winkel des Kabinetts verborgen gehalten) .             Wie, Mosquito? Kehrest Du zurück? Celia .                 Ich bin nicht der, Den du meinst, Don Cesar. Don Cesar (den Degen ziehend) . Wer denn? Celia . Halt! Erschrick nur nicht; ich bin Celia. Don Cesar . Celia? Celia .                     Ja; wer eben, Wenn nicht Celia, könnte solche Liebesthorheiten begehen? – Gestern ließ ich dich verschlossen Hier zurück; es war notwendig, Denn mich zwang des Schicksals Tücke. Heute sandt' ich in der ersten Frühzeit Ines her, um dir Diesen Kapital zu geben, Damit du hinausgehn könnest Und in Sicherheit dich stellen; Doch sie fand hier die Gerichte. Als sie später wiederkehrte, War dies Haus an deinen schlimmsten Feind vermietet in so wen'ger, Kurzer Zeit; doch wann gebrauchten Längre Zeit die Unglücksfälle? Ines wagte nicht den Eingang. Ich, in solcher Not dich sehend, Und obwohl in einem Hause, Wo man mich bewacht mit Strenge, Wußte dennoch zu entkommen; Einerlei, wie es geschehen. Gnug, ich fand in meiner Klugheit Mittel, daß Don Diego selber Bis hieher mich führen mußte. Bleiben darf ich hier nicht länger. Nimm den Schlüssel, (sie gibt ihm einen Schlüssel)                                   und sobald Du Gelegenheit entdeckest, Geh hinaus. Leb' wohl, Don Cesar! Wenn Don Diego wieder käme, Und er fände mich nicht dort, Könnt' ihm leicht Verdacht entstehen. Don Cesar . Halt, vernimm . . . Celia .                                       Es ist nicht möglich! Jetzt vor allem, da ich sehe, Man bringt Licht. Verschließ die Thür, Daß man hier dich nicht entdecke. Mir verschlägt's nicht, weil Don Diego Selbst vorhin mich hier versperrte; Und daß ich ins Kabinett Mich verfügte, wird hinlänglich Durch die Furcht entschuldigt. Don Cesar .                                     Celia, O wie viel dankt dir mein Leben! Setze Liebe mich instand, Solche Dienste zu vergelten! (Er geht in den Verschlag.) Don Diego , Don Juan und Otañez treten auf; letzterer trägt Lichter. Don Diego . Kurz, die gute Dame ließ Mich nicht weiter mit sich gehen, Als bis an die erste Gasse. Don Juan . Welch ein sonderbar Begebnis! Celia (beiseite) . Bis Don Diego nicht allein ist, Wag' ich nicht, ihn anzureden. (Sie zieht sich zurück.) Don Diego (zu Otañez) . Traget dieses Licht ins Zimmer Des Don Juan, da solch ein edler, Würd'ger Gast an diesem Tage Mein geringes Haus beehret. Don Juan . Herr, das Glück ist ganz für mich. Don Diego . Ich will in mein Zimmer gehen. (ab.) Celia (im Hintergrunde) . Wie ist's möglich, daß Don Diego, Ohne mehr an mich zu denken, In sein Zimmer sich begibt? Da er jetzo, wiederkehrend, Mich nicht fand, wo er mich ließ, Glaubt' er sicher, daß ich eher Fortging, ohn' auf ihn zu warten. Don Juan . Ich will früh mich niederlegen, Daß Lisarda nicht von neuem Sich beschweren mag. Celia (wie oben) .                   Entdeckte Mich Don Juan, so bleibt kein Mittel, Als ihm alles zu erzählen. Denn es ist schon spät; man möchte Mich zu Haus vermissen. Castaño tritt auf. Castaño (zu Don Juan) .             Eben Kommt ein Herr, um dich zu suchen. Don Juan . Noch so spät? So führ' ihn näher. Castaño (die Thür öffnend) . Tretet ein! Don Felix tritt auf. Don Felix (zu Don Juan) . Ich muß Euch ohne Zeugen sehn. Celia (wie oben) .   Mein Bruder? Wehe! Don Juan . Geht, ihr beiden; und das Licht Laßt auf jenem Tische stehen. (Otañez und Castaño gehen ab.) Celia (wie oben) . Schreckliche Verlegenheit! Wagen darf ich nicht, zu gehen, Noch zu bleiben. Bis mein Bruder Geht, muß ich mich hier verbergen. (Sie schleicht in das Kabinett.) Don Juan . Jetzt sind wir allein. Was habt Ihr? Redet! Don Felix .   Wenn ich's könnte, thät' ich's. Don Juan . Ihr seid sehr in Leidenschaft. Kommt mit mir herein in jenes Kabinett und setzt Euch nieder. Celia (im Kabinett) . Wehe, wenn er hier mich fände! Don Felix . Dazu hab' ich jetzt nicht Zeit. Hört mich; kurz sei meine Rede: Don Juan, bin ich Euch teuer, Gibt dieses Haus ein Zeugnis, daß ich Euer Von Herzen bin; denn hier (ich bin beklommen!) Kamt Ihr zu mir , muß ich zu Euch jetzt kommen, Weil schon ein einz'ger Tag genügt' uns beiden, Nicht nur das Haus zu tauschen, auch die Leiden: So höret mich, obwohl ich sehr mich schäme, Daß ich so pünktlich Euch in Anspruch nehme Zur Zahlung einer Schuld, die Euch verpflichtet. Don Juan . Ich bin bereit zu allem. Schnell! Berichtet, Was Ihr begehrt. Don Felix .                 Ein Werk des Edelmutes, Wert Eures hohen Sinns und Eures Blutes. Don Juan . Was ist es? Sprecht! Don Felix .                                 Habt Ihr, so wie Ihr wolltet Bereits Nachforschung angestellt und solltet Ihr von Don Cesar, jenem Frevler, wissen, Der mörderisch den Vetter Euch entrissen; Habt Ihr gespäht, gelangtet Ihr zum Zwecke Und wißt, wo in Madrid er sich verstecke; Seid Ihr entschlossen, Euch gerächt zu sehen . . . Don Juan . Nur weiter! sprecht! Don Felix .                                   So laßt mich mit Euch gehen. Don Juan . Wohl dacht' ich, diese Bitte, Don Felix, Euch zu thun. Don Felix .                               Zu diesem Schritte Bin ich gezwungen; denn, in solchen Nöten, Ist's wicht'ger mir, als Euch, Cesarn zu töten. Don Juan . Was hat sich denn begeben Mit ihm seit gestern, das Euch zwingt, jetzt eben Bloß deshalb auszugehn? Don Felix .                                 Ich würd' Euch sagen, Was dies veranlaßt, dürft' ich es nur wagen. Ein Edelmann (ich komme von Verstande!) Bekennt spät oder niemals seine Schande. Don Juan . Wie? Schande, Felix? Don Felix .                                     Ja! Don Juan .                                           Hab' ich zu hoffen, Daß Ihr mein Freund noch seid, so redet offen! Don Felix . Es sei! will Ehre gleich die Zunge lähmen. Don Juan . Sprecht! Nur Eu'r andres Selbst wird Euch vernehmen. Don Felix . Ich hab' (o Himmel! wie nur soll ich's sagen?), Ach! eine Schwester hab' ich, kühn, verschlagen, Leichtsinnig, falsch, verwegen, Die meiner Ehre feindlich steht entgegen. Ich hab's gesagt: und, ach! der hart Geplagte Hat nur den einz'gen Trost, daß er's Euch sagte. Sie zwang mich, von den Heeren Italiens so geschwind zurückzukehren; Sie hält mich hier in Bangen, Als Bruder von des Gatten Sorg' umfangen. Verwünscht, ein solch Verwandtschaftsband zu tragen, So arm an Lust, so überreich an Plagen! Sonst können Eifersücht'ge doch bisweilen Der Sorgen Qual durch Liebkosungen heilen; Allein ein Bruder hat nichts liebzukosen Und findet nur die Dornen, ohne Rosen. – Kurz, gestern ließ ich Celia mit mir gehen Nach einem Haus' (Ihr selber habt's gesehen); Heut ist sie ausgegangen, die Verruchte, Als ob sie eine Freundin nur besuchte, Und da nach ein'gen Stunden Man nach ihr schickt, wird sie dort nicht gefunden. Die Freundin sprach, befangen, Sie sei von ihr verkleidet weggegangen, Indem sie vorgewandt, sie wolle gehen, Um mich in meinem Zufluchtsort zu sehen, Und unbegleitet gehn zu diesem Zwecke, Damit man nicht, sie sehend, mich entdecke. – Wie kann denn gegen Cesar dies entscheiden, Sagt Ihr? Ach! Er ist Ursach meiner Leiden! Als ich ganz friedlich lebt' im Kriegsgebrause, Schrieb mir der Herr von meinem Zufluchtshause, Daß Cesar (bittre Plagen!) Jüngst Euern Vetter im Duell erschlagen, Bloß ihrenthalb; und haben wir vernommen, Daß gestern (Gott!) Don Cesar angekommen Und Celia heut verschwunden, So ist wohl der Zusammenhang gefunden. Und wenn es Euch nun wichtig ist, zu rächen Des Mordes schwer Verbrechen, Mir , die erlittne Schande: So spürt ihm nach mit Fleiß, forscht mit Verstande. Verwandte hat er, Freunde; zwischen allen Ihn suchen müssen wir, und er muß fallen. – Doch jetzt, da Ihr Erkenntnis Von meiner Schande habt durch dies Geständnis, Laßt mich entfliehn; denn nur mit Scham und Grauen Kann ich in solcher Schmach mich selber schauen. (Er will gehen.) Don Juan . Nein, nein! Ich lass' Euch nicht von meiner Seite; Notwendig ist es, daß ich Euch begleite. – (Er ruft.) Holla! Schließt ab geschwinde, Daß, bis ich komme, niemand Eingang finde. (Beide gehen ab; die Thür wird von außen verschlossen.) Celia kommt aus dem Kabinett. Celia . Gibt es, Himmel, größre Plagen, Gibt es, Himmel, ärgre Foltern, Als die mir zur Schmach vereinten, Als die mir zur Pein verschwornen? Was nur soll ich thun? Lisarda und Beatriz , in Nachtkleidung, kommen durch die zweite Saalthür herein. Lisarda .                             Was sagst du, Beatriz? Beatriz .         Was du vernommen. Lisarda . Daß Don Juan, jetzt, bei so später Nacht, noch aus dem Hause fortgeht? Beatriz . Fräulein, ja! Celia (die jene noch nicht sieht) . Was ist zu zweifeln? Suchen muß ich, diesem tollen Wirrwarr zu . . . Weh mir! (Sie erblickt die beiden.) Lisarda (erblickt Celien) .           Ha, siehe! Beatriz . Wie? Was macht dich so erschrocken? Lisarda (geht auf Celien zu) . Wer bist du? Celia .                   Ein Weib. Lisarda .                               Wer ist es, Den du suchst? Celia .                       Ein Mann. Lisarda .                                     Vom Kopfe Mit dem Schleier! Celia .                           Nein! Beatriz (schreiend) .               Ha, diese Ist es sicher . . . Lisarda .                   Nur nicht solchen Lärm! Beatriz .     Die mir den Schlender stahl. (Celia entwischt durch die zweite Saalthür.) Lisarda . Fliehend hat sie sich verborgen. (Sie will Celien folgen.) Beatriz . Gehe nicht hinaus, ruf erst Leute! Lisarda .     Eifersucht erprobtest Du wohl nie? Nimm dieses Licht! Eifersucht kennt kein Besorgnis. (Beatriz nimmt das Licht; beide gehen Celien nach. Das Theater bleibt dunkel.) Don Cesar kommt aus dem Verschlage. Don Cesar . Alles ist jetzt still im Hause; Nirgends ist Geräusch. Entkommen Kann ich jetzt mit diesem Schlüssel Und will gehn, um alles vor'ge Drangsal Celiens zu vergüten. – Füße, jetzt so unbeholfen? Denket doch, daß Unglücksfälle Stets mit Diebesschritten kommen. – Ha, hier ist die Thür! Lebt wohl, Ihr unseligen, verworrnen Mißgeschicke! Ach, Lisarda, Freu' dich deiner Liebeswonnen! Doch nicht seh'n will ich's. Indem er die erste Saalthür öffnen will, tritt Don Juan herein. Don Juan .                                   Wer da? Don Cesar (beiseite) . Weh! Don Juan . Wer ist's? Don Cesar .               Ein Mann. Don Juan .                                   Um solche Zeit, ein Mann im Haus? Don Cesar .                             Und einer, Der, der ganzen Welt zum Trotze, Unerkannt und ungehindert Fortzugehn sich fest entschlossen. Don Juan . Glücken könnt' es, wär's nicht ich, Der dich hindern wird am Fortgehn. Celia kommt durch die zweite Saalthür wieder herein; Lisarda verfolgt sie, ein Licht tragend. Lisarda . Sehen muß ich dein Gesicht! Celia . Nie, trotz allem deinem Zorne. Lisarda und Don Cesar . Wie wirst du's verhindern? Celia und Don Juan .                   So! (Celia bläst das Licht aus; Don Juan zieht den Degen und ficht mit Don Cesar.) Beatriz (hinter der Szene) . Schwertgeklirr wird hier vernommen! Don Cesar (für sich) . In Bewegung kommt das Haus. Schnell zurück zu meinem vor'gen Zufluchtsort! (Er sucht das Kabinett.) Lisarda .               Bringt Lichter her! Celia (für sich) . Mir auch soll die Zuflucht frommen; Dort verberg' ich mich. (Sie nähert sich dem Kabinett.) Don Juan .                           Mein Fuß Wagt nicht, Frevler, dir zu folgen, Um die Thür nicht zu verlassen. (Er stellt sich vor die erste Saalthür.) Lisarda . Nimmer sollst du hier entkommen; Wache halt' ich an der Thür. (Sie stellt sich vor die zweite Saalthür.) Don Juan . Licht! Lisarda .               Hat niemand mich vernommen? Don Cesar (trifft auf Celia) . Wer da? Celia .           Cesar! Don Cesar .             Celia, komm! Im Verschlag bist du geborgen. (Don Cesar und Celia gehen in den Verschlag.) Dritter Aufzug. Szene, wie am Schlusse des zweiten Aufzugs. Don Cesar kommt aus dem Verschlage. Er trägt die in Ohnmacht liegende Celia in seinen Armen und setzt sie auf einen Stuhl. Don Cesar . Nein, ich darf nicht länger säumen, Nicht beachten mehr die müß'gen Afterreden des, der spräche, Daß es Celien ungebührlich Sei, sich hier versteckt zu haben. Weg mich setzen muß ich kühnlich Ueber schändliche Verleumdung; Denn ihr Leben braucht jetzt Hilfe. Tief in Ohnmacht, oder tot, Liegt sie eine Stund' und drüber; Teils vor Schrecken, weil ihr Bruder Ganz gewiß sie töten würde, Wenn er hörte, sie sei hier; Teils auch von der Angst erschüttert, Sich im fremden Haus zu sehen, Doppelte Gefahr befürchtend. Suchen muß ich jetzt, in dieser Not ein Mittel auszuspüren. Jemand rufen, der aus Mitleid Celiens Leben unterstütze, Kann ich nicht; es wär' unmenschlich, Gäb' ich zu, daß sie hier stürbe, Einsam, hilflos. – Wenn von allen, Die den Vorgang hier erführen, Einer ist, der sagen kann, Was ich thun soll: nicht verhüll' er Seine Weisheit, sondern komme Ratend meiner Angst zu Hilfe! – Sie verlassen, wär' abscheulich. Und zumal, da ihre Güte Jetzt das Leben mir gerettet. Mich entdecken? Unvernünftig! – Wenn du kamst, o schöne Celia! In die Freiheit mich zu führen, Warum hast du selbst, du selbst Mir die Freiheit rauben müssen? – Wo ist hier ein Trost zu finden? – Einem einz'gen Wesen dürft' ich Mich vertrauen. Beatriz, Sie, die meinem Liebesglühen Immer günstig war (vielleicht Auch nur meinen Gaben günstig), Könnt' ihr helfen, weil am Ende Alle Weiber Mitleid fühlen; Und für ein bekümmert Weib Ist ein Weib die beste Hilfe. Irr' ich, oder nicht: ihr will ich Mich entdecken. Zwar ich fürchte, Das Geheimnis zu gefährden, Doch in mehr Gefahr kann's künftig Nimmer sein, als jetzt; und Treue Wird es hier, Verrat zu üben. Dieses Mittel wähl' ich, denn Keine Wahl ist weiter übrig. – Schon läßt in Aurorens Armen Dort der junge Tag sich spüren. Ich muß gehn. Vergib mir, Celia! Bald kehr' ich zurück mit Hilfe. (Er schließt die Saalthür auf und geht.) Celia (die sich allmählich erholt) . Wehe mir! Mein eigner Atem Ist's, der mich beinah erwürgte; Denn es weigert selbst der Mund Ihn der Brust, um Luft zu schlürfen. Leblos bin ich, und mit Seele; Tot, und dennoch leben müssend. Ach, wem gab sein Unglück schon Gift zu trinken aus den Lüften? – Cesar, wenn du . . .     (Sie blickt umher.)                                 Was ist dies? Nicht mehr im Verschlag? Wer führte Mich heraus? Ich bin allein! Niemand hört mich, niemand spür' ich. Cesar! Cesar! – Er verließ mich, Er entfloh! O wirklich, wirklich! Denn gefährdet, wie er ist, Konnt' er einzig, um zu flüchten, Jetzt von hinnen gehn. Was zweifelt Noch mein Unglück, oder fürchtet? Doppelt sicher ist's, weil's Unglück Ist, und weil mir eigentümlich. Undankbarer! Eh, als mich, Suchtest du dich selbst zu schützen? Was nun? Soll ich mich Lisarden Anvertraun, der Eifersücht'gen? Nimmermehr! – Und dem Don Juan, Der mit Felix sich verbündet, Seiner Ehre Schimpf zu rächen? O wie wär' es unvernünftig! – Nur Don Diego'n könnt' ich alles, Was sich zutrug, minder fürchtend, Wohl entdecken. Edelmann Ist er doch; und nur beschützet Von ergrautem Haare, darf Sich die Ehre sicher dünken. Dieses ist, wenn nicht das Beste, Doch am mindsten schlimm. –     (Sie nähert sich der Saalthür.)                                                 Vollführen Läßt es leider sich nicht mehr; Denn es öffnen sich die Thüren, Und Lisarda und Don Juan Treten schon herein. Verhüllen Muß noch einmal mich dies Grab, Das ich, gleich den Seidenwürmen, In dem Drangsal meines Unglücks Für mich selber einst gegründet. (Sie geht in den Verschlag.) Beide Saalthüren öffnen sich; durch die eine kommen Lisarda und Beatriz , durch die andere Don Juan und Castaño . Lisarda (zu Beatrix) . Ob mein Vater aufgestanden, Siehe zu. – O böse Nacht! Don Juan (zu Castaño) . Sieh, ob schon Don Diego wach. – Alle meine Sinne schwanden! Beatriz . Schon ist dort Geräusch vorhanden. Castaño . Schon ist's laut im Zimmer da. Lisarda . Wissen soll er, was ich sah. Don Juan . Abschied nehm' ich; doch nicht Kunde Geb' ich ihm, aus welchem Grunde. Lisarda . Wie? Don Juan? Don Juan .                         Lisarda? Lisarda .                                           Ja. Don Juan . Ei, zu solcher Wachsamkeit Bringt dich der verborgne Freier? Lisarda . Bringt die Dame mit dem Schleier Dich zu solcher Albernheit? Don Juan . Seltsam! Bei so früher Zeit Stehst du auf? Lisarda .                 Was sprachst du da? Don Juan . Ei, ich sage, was ich sah. Lisarda . Was ich sah, fällt itzt mir ein. Don Juan . Und ist dies nicht Lüge? Lisarda .                                           Nein! Doch ist jenes Wahrheit? Don Juan .                               Ja! Lisarda . Sprich, Don Juan, nicht so verwegen, Sonst verlier' ich den Verstand. Don Juan . Beiden wird er uns entwandt, Denkst du's so drauf anzulegen. Lisarda . Niemand ist ja hier zugegen, Als die beiden, die gesehn, Was hier diese Nacht geschehn; Sprechen wir in offnem Ton! Don Juan . Sprechen? Wenn beim Denken schon Alle Sinne mir vergehn? Lisarda . Was denn sahst du? Don Juan .                               Einen Mann. Mit dem Schlüssel schloß er dort Auf die Thür und wollte fort. Lisarda . Nun, so höre mich. Don Juan .                             Wohlan! Lisarda . Kam ich gestern erst hier an, Wie denn hatt' ich Zeit, nur eben Einen Schlüssel ihm zu geben, Diesem Buhlen? Sieh doch ein: Wie viel eher kann es sein, Daß ein Dieb sich herbegeben? Diebe wissen wohl Bescheid. Don Juan . Solchen kühnen Mut zu zeigen, Ist den Dieben nimmer eigen. Lisarda . Mut gibt die Notwendigkeit. Dazu nimm: zur selben Zeit Ward ein Diebstahl hier im Saal Unternommen – sintemal Du nicht wirst den Glauben hegen, Daß mein Buhle so verwegen Beatrizens Schlender stahl. Beatriz . Einen neuen! Lisarda .                       Unweit schlimmer Ist es, was ich hier entdeckt. Don Juan . Und was war's? Lisarda .                               Ein Weib, versteckt Hier in deinem eignen Zimmer. Don Juan . Wie nur glauben kannst du immer, Daß ich in der ersten Nacht, Die ich hier als Gast verbracht, Holt' ein Weibsbild? Lisarda .                           Wer so spät In der Nacht vom Hause geht, Den trifft jeglicher Verdacht. Don Juan . Beide Klagen durchzugehen, Denk' ich, und zu widerlegen. War mein Liebchen hier zugegen, Durft' ich erst es suchen gehn? Drum ist leichtlich einzusehn: Mich, entweder, trieb durchaus Anderes Geschäft hinaus; Oder die, so hier im Zimmer Steckte, war mein Liebchen nimmer, Denn ich ging ja nach ihr aus. – Oder steht – sag's unbeklommen – In so schlechtem Ruf mein Name, Daß du argwöhnst, meine Dame Habe jenes Kleid genommen? Beatriz . Ungetragen! Lisarda .                     So bekommen Färbung von demselben Scheine Meine Klage jetzt und deine; Und du wünschest, daß man sage, Glaubhaft sei nur deine Klage Und sehr zweifelhaft die meine. Don Juan . Wenn uns Zorn und Schmerz verstören, Ist es minder leicht, mit Klarheit Auszusagen eine Wahrheit, Als ein Lügenwort zu hören. Dazu kommt noch dies: Empören Beide Klagen gleich das Herz, Fühl' ich doch gewiß den Schmerz Meiner Klag' in größrer Schwere; Denn die meine gilt der Ehre, Deine gilt nur einem Scherz. Lisarda . Nimmer – mag's mein Stolz bescheinen – Kannt' ich jenen, der hier war. Don Juan . Alles, was ich sagt', ist wahr. Lisarda . Sehr verschieden muß erscheinen Deine Wahrheit von der meinen. Don Juan . Ehre gibt mir Zweifel ein. Lisarda . Mich beglaubigt Würd' allein. Don Juan . Sah ich hier nicht einen Mann? Lisarda . Traf ich nicht ein Weib hier an? Don Diego tritt auf. Don Diego . Wie? Gibt's Hader hier? Lisarda und Don Juan .                       O nein! Don Diego . Was? So frühe schon im Kleide Find' ich Euch? Don Juan, durchaus Glauben muß ich, dieses Haus That Euch irgend was zuleide. Und wohl dir auch, weil ihr beide Schon so früh den Schlaf vergeßt. Don Juan (beiseite) . Bergen muß ich, was mich preßt. – Weißt du nicht, daß Liebessehnen, Stets im Wachen und im Wähnen, Schlecht das Auge schlummern läßt? Lisarda . Fast dasselbe würd' ich sagen, Wenn's die Schicklichkeit vergönnte. Don Juan (beiseite) . O wer doch es glauben könnte! Lisarda (beiseite) . Wer nicht müßte Zweifel tragen! Don Diego . Dieser Grund kann mir behagen. Wissen sollt ihr nun Bescheid, Wie ihr mir verpflichtet seid: Ich stand auf so früh am Morgen, Um Erlaubnis zu besorgen, Daß ihr euch noch heute freit; Und des Aufgebotes lange Zögerung vermeiden wir. Don Juan . Für die Güte, die ich hier Jeden Tag von dir empfange, Dank' ich dir aus Herzensdrange. Doch es gnügt, soviel ich sehe, Der Erlaubnisschein zur Ehe Trotz der Vetterschaft; nicht not Thut es, auch fürs Aufgebot Noch Dispens zu . . . Lisarda .                           Herr, ich flehe, Dehne nur die Zeit recht aus Und verzögre die Vereinung. Don Diego . Ist das deine wahre Meinung, So wird besser gar nichts draus. Thöricht scheint es mir durchaus, Schon so früh um solcher tollen Laune willen aufstehn sollen; Und, bei so bewandten Sachen, Wollt ihr heut nicht Hochzeit machen, Werd' ich's morgen wohl nicht wollen. Don Juan . Immer werd' ich, Herr . . . Lisarda (beiseite) .                               Weh mir! Don Juan . Als das größte Glück es finden, Mich der Muhme zu verbinden. Nur ersparen wollt' ich dir Neue Mühe; darum hier . . . Don Diego . Andrer Grund – das seh' ich ein – Kann hier nicht vorhanden sein; Denn ihr würdet (dies den beiden) Wohl ihn mir zu sagen meiden Und ich ihn nicht hören, nein! (ab.) Lisarda . Schönen Weg hast du erwählt! Don Juan . Zeigtest du vielleicht, ich bitte, Mehr Verstand bei diesem Schritte? Lisarda . Ja; den Kummer, der mich quält, Hab' ich doch zum Teil verhehlt. Don Juan . Ich will Sorgen, die mich quälen, Mir zum Nachteil nicht verhehlen; Und bevor ich nicht entdeckt, Welcher Mann sich hier versteckt, Werd' ich nimmer mich vermählen. (Don Juan und Castaño gehen ab.) Lisarda . Himmel, kann es möglich sein, Solches Unrecht zu ertragen? Meine Treu will man verklagen? Meinen Ruf will man entweihn? War doch immer hell und rein Das Bewußtsein meiner Ehre, Fels im aufgeregten Meere, Eich' in wilder Stürme Wut, Ohne daß durch Sturm und Flut Jemals sie erschüttert wäre! Sag' es jener, der sie sah In den Stürmen, in den Fluten, Hier bedrängt von Seufzergluten Und von Thränenströmen da. Ohne Wank, was auch geschah, Sie zu beugen, blieb ihr Mut Immerdar auf seiner Hut. Nimmer ließ sie sich bewegen Von des Sturmes rauhen Schlägen, Noch vom Drang der wilden Flut. Beatriz . Herrin, nicht mit solcher Pein Mußt du alles dies beschauen. Lisarda . Nichts macht, als ich selbst, mir Grauen. Beatriz . Komm ins Kabinett herein, Laß dich putzen; Zeit wird's sein, Dich zur Messe zu begeben. Lisarda . Mit dem Putz mich abzugeben, Fehlt mir alle Lust; es geht Wohl auch so. – Schon ist es spät; Nur den Schleier her! Beatriz .                             Soeben Hab' ich dir ihn rein gemacht, Und hier ist er gleich am Ort. Lisarda . Gib und nimm den deinen. Fort, Ruf Otañez. (Beatriz legt ihr den Schleier an und geht.) Lisarda .             Strenge Macht Meines Unglücks! Ein Verdacht Solcher Art, der auf mich fällt? Doch wer ist, der auf der Welt Frei von Lästerung sich achte, Wenn ein Fehler, den man dachte, Tugend aufwiegt, die erhellt? Himmel! Ein verborgner Mann Hier im Hause? Welch Erfrechen! (Sie setzt sich auf einen Stuhl, den Rücken nach der Thür gekehrt, und versinkt in Gedanken.) Don Cesar tritt durch die Saalthür herein. Don Cesar (für sich) . Beatriz war nicht zu sprechen. Doch als Glück schon seh' ich's an, Daß ich ungesehn entrann; Und beeilen muß ich mich, Daß sie Celien, die erblich, Nicht an diesem Orte finden. – Teure, wie ist dein Befinden? (Er hält Lisarden für Celien.) Lisarda . Wer wagt, so zu reden? Don Cesar .                                   Ich. Lisarda (sich entschleiernd) . Du, Don Cesar? Don Cesar .               Welch ein Schrecken! Lisarda . Hier, in meinem Haus? Don Cesar .                                 Welch Zagen! Lisarda . Hier im Zimmer? Don Cesar .                         Welche Plagen! Lisarda . Antwort! Don Cesar .           Jedes Wort bleibt stecken! Denn die Lippe . . . Lisarda .                         Welch Erkecken! Don Cesar . Schier erstarrt . . . Lisarda .                                   Welch Unglücksdrohn! Don Cesar . Muß verstummen. Lisarda .                                     Welch ein Hohn! Don Cesar . Und dein Anblick. Lisarda .                                     Welch Erfrechen! Don Cesar . Raubt der Sprache selbst das Sprechen, Raubt dem Tone selbst den Ton. Lisarda . Warum hast du dein Gesicht Damals mir verhüllt – o sage! Als du schütztest meine Tage, Und, da du mich tötest, nicht? Dein Verfahren widerspricht Ja sich selbst. Mich zu mißhandeln, Muß sich deine Sitte wandeln; Denn es machen Stimm' und Mund Offen die Beleid'gung kund, Aber nicht das Edelhandeln. Wenn ich schon verschmäht dein Werben, Als du heiß mir Liebe schworst; Wenn du gänzlich mich verlorst Durch des Bruders bittres Sterben: Gib, Don Cesar, gib den herben Starrsinn auf, denn sicherlich Will's dein Stern. Verlobt bin ich, Jede Hoffnung muß gebrechen. Kommst du nicht, um dich zu rächen: Ha, weswegen kommst du? Sprich! Sage, was dein Schritt mir droht! Don Cesar (beiseite) . Was soll ich zur Antwort geben? Macht' ich auch, so wie sie eben Mir dazu den Anlaß bot, Eine Tugend aus der Not, Trüg' ich alle Schuld auch gern: So ist Celia wohl nicht fern, Und, befreit von ihrer Schwäche, Hört sie alles, was ich spreche. O wie grausam ist mein Stern! Lisarda . Rede! Don Cesar .       Könnt' ich hell ins Licht Stellen meines Kommens Grund, O dann wäre dieser Mund Wohl ein Redner von Gewicht. Doch ich weiß es selber nicht, Was ich nicht sag' und beweine. Wissen sollst du nur dies eine , Daß ich, rings von Not umgeben, Mit der Teuersten zu leben Oder hier zu sterben meine. Denn hier ist mein teures Gut, Das ich liebt' und, ach! verlor. Lisarda . Cesar, schone jetzt mein Ohr! Sprich nicht so, es ist nicht gut; Mäß'ge deiner Stimme Mut. Warst es du, der unternommen, Diese Nacht hieher zu kommen, Um mich hier zu töten? Don Cesar .                           Nein! Lisarda . Du erhieltest mich; für ein Leben sollst du zwei bekommen. – Flieh und ende meine Qual; Denn wofern mein Vater käme, Wenn mein Vetter wahr dich nähme, Den ich acht' als Ehgemahl, Müßt' ich, ohne weitre Wahl, Sie befried'gen. Don Cesar .               Wenn's geschähe! End', o Schicksal, dieses Wehe! Lisarda . Gehe denn, eh sie dich fangen. Don Cesar (beiseite) . Daß ich geh', ist ihr Verlangen, Und wer glaubt's, daß ich nicht gehe? Denn in solcher Fährlichkeit Darf ich Celien nicht verlassen, Beatriz tritt auf. Beatriz . Fräulein, ach, nun wird's uns fassen! Lisarda . Sprich, was gibt's? Ein neues Leid? Beatriz . Vor der Hausthür gibt es Streit; Und so viel sich kund gethan, Ist es . . . Lisarda .         Wer? Beatriz .                   Mein Herr, Don Juan, Und ein Mann, den er gefunden Vor der Thür. Don Cesar (beiseite) . Von Stund' auf Stunden Wächst mein Unglück immer an. Lisarda (beiseite) . Weh mir Armen! Sollt' am Tage Jetzt Don Juan Don Cesarn sehen, Wird sein Argwohn übergehen Zur Gewißheit. Wenn ich sage, Daß er mit verwegner Wage Ohne mich hereingekommen, Wird's nicht meiner Ehre frommen, Und es mehrt sich das Gewicht Des Verdachts; er würde nicht In das Haus des Feindes kommen, Wenn ein wicht'ger Grund nicht wäre, Der zu solchem Schritt ihn zwang. Don Cesar (zu Lisarden) . Laß mich gehn! Lisarda .                                                   Du siehst den Drang Des Geschicks, des Unheils Schwere. Ehre setz' ich nun an Ehre, Das ist jetzt mein einz'ger Hort. – (Zu Beatriz.) Führ' ihn in dein Zimmer fort. Don Cesar . Würd' ich hier nicht sichrer sein? Laß mich hier! Lisarda .                 Weswegen? Nein, Zu besucht ist dieser Ort. Don Cesar (beiseite) . Wenn ich die Entdeckung wage, Wer weiß, was sie würde thun, Sich zu retten? Sicher nun Ist ja Celia im Verschlage; Besser drum, daß ich nichts sage. Beatriz . Horch! die Trepp' herauf bewegen Sich Don Juan und mehr. Lisarda (zu Don Cesar) .           Erwägen Kannst du noch? O nicht verziehe! Meiner Ehre wegen, fliehe! Don Cesar . Wohl, nur deiner Ehre wegen! (Er geht mit Beatriz ab.) Don Juan tritt auf; ihm folgen Otañez und Castaño , die den Mosquito am Halse hereinschleppen. Don Juan . Schleppt ihn hier herein und fest Haltet ihn in diesem Zimmer, Bis er sage, wo sein Herr ist. Mosquito . Zeuge soll mir sein der Himmel, Der Justiz greift man ins Amt. – Könnt' ihr ohne Spruch des Richters, Ohn' Alguazilstab, ihr Herrn, Mich verhaften? Lisarda .                     Was ist dieses? Mosquito . Fräulein, diese beiden Häscher Fahn mich, so viel ich begriffen, Wenn sie mich nicht gar ermorden. Denn mit Degenstößen zwingen Sie mich hier herein, ich weiß nicht, Weshalb. Lisarda (beiseite) . Weh mir! Ich durchdringe Wohl den Grund. Der Diener ist's Des Don Cesar, und als dieser Eintrat, blieb er auf der Gasse; Da erkannten sie ihn sicher. Don Juan . Wissen sollst du, was es gibt. Dieser Mensch, den wir hier bringen, Ist der Diener des Don Cesar. Lisarda (beiseite) . Ach, nur zu gewiß erriet ich's! Don Juan . Spürend ging er durch die Gasse Und die Augen immer richtend Auf dies Haus. Drum ist kein Zweifel, Daß Don Cesar, der im stillen Hier ist, der erfuhr, daß ich Nach ihm suche, diesen schickte, Meine Wohnung zu erforschen, Mich zu töten. Deshalb will ich, Daß er sage, wo sein Herr Sich versteckt . . . Lisarda (beiseite) .         Des Todes bin ich, Wenn er's sagt! Don Juan .               Damit zuvor Ich ihm komm' und streck' ihn nieder. – Vor der Hausthür packt' ich ihn, Aber weder Drohn, noch Bitten Konnten seine Treu verführen. Drum nun soll Gewalt ihn zwingen, Mir's zu sagen; denn sein Tod Ist gewiß, wenn er aufrichtig Nicht gesteht, wo Cesar ist. Mosquito (beiseite) . Ach, von Herzen gern verriet' ich's, Wenn sie nicht hieher mich brachten, Wo kein Ton ihm kann entwischen. Don Juan . Sage nun, wo ist dein Herr? Mosquito . Ich will's sagen. Lisarda (beiseite) .               Hilf mir, Himmel! Um mein Leben ist's geschehn, Wenn er sagt, er sei hier drinnen. Mosquito . Er ist gar nicht weit von hier; – (beiseite) Das ist wahr. Lisarda (beiseite) .               Weh mir! Don Juan .                                           Geschwinde! Sage, wo? Mosquito .         In Portugal Ließ ich ihn zurück, zufrieden Und vergnügt, sich sehr ergötzend An dem Tanz der Portugiesen. Don Juan . Er ist in Madrid, ich weiß. Vor drei Tagen, ganz im stillen, Kam er an; in einem Gasthof Stieg er heimlich ab, und mit sich Führt er Celien. Dieses weiß ich; Und du, Thor, kannst dir einbilden, Mir's zu bergen? Mosquito .                   Wollt Ihr etwa Gar mich auf die Folter bringen? Wer wird Henker sein, da jene Allbereits die Häscher spielten, Ohne bessern Grund? Don Juan .                         Ich weiß, Was zu thun bei diesen Dingen. Felix hat mein Wort; ich muß Mich enthalten jedes Schrittes, Sei er offen oder heimlich, Bis ich alles ihm berichtet; Denn ihm liegt am meisten dran, Rach' an Cesarn zu vollbringen. Drum muß ich ihm Nachricht geben, Daß es mir geglückt, den Diener Zu erwischen. Und so lange, Bis ich her Don Felix bringe (Leicht geschieht's ja in der Kutsche), Laßt den Kerl in diesem Zimmer Oder dort im Kabinett, Das verborgen ist und sicher, Weil es nur durch meine Wohnung Ausgang hat. Hier nun verschließt ihn; Denn bis ich Don Felix sprach, Läßt sich weiter nichts verrichten. Lisarda (beiseite) . Möcht' er endlich doch nur gehn, Daß es mir indes gelinge, Cesarn aus dem Haus zu schaffen! – (Zu Don Juan.) Pünktlich folg' ich deinem Willen. Don Juan (zu Otañez und Castaño) . Laßt, ihr beiden, ihn allein; Und daß keiner hier entwische, Geht nicht von der Hausthür fort. Castaño . Wache halten wir, sei sicher; Und es soll kein Mensch herein, Noch der Schuft hinaus. Mosquito .                             Nur stille! Denn verhaften könnt ihr wohl, Aber, meine Herrn, nicht schimpfen. Don Juan . Wenn du nicht die Wahrheit sagst, Stirbst du. Bleib allein hier drinnen Und geh mit dir selbst zu Rat, Was dir mehr zum Heile diene: Des Geheimnisses Enthüllung, Oder Tod durch diese Klinge. (Alle, bis auf Mosquito, gehen ab; die Thür wird von außen verschlossen.) Mosquito . Des Geheimnisses Enthüllung, Oder Tod durch diese Klinge, Und geh mit dir selbst zu Rat? Nun, das ist denn doch, beim Himmel! Dringendste Verlegenheit. – Doch was zweifl' ich noch und zittre? Dies Gefängnis ist ja eben Das, wo sich mein Herr befindet, Eingeschlossen durch sein Unglück. Alles ja vernahm er sicher; Denn er harrt auf den Erfolg Dessen, was ich ausgerichtet, Daß er endlich wagen dürfe, Zu entfliehn. Ihn rufen will ich.     (Er klopft an die Thür des Verschlags.) Heda, im Verschlag! du kannst Ohne Sorg' in dieses Zimmer. Ich bin hier allein, denn niemand Ist die Furcht, die ich empfinde. Celia kommt verschleiert aus dem Verschlage. Celia . Oeffnen muß ich wohl, sonst macht Größern Lärm noch dieser Gimpel. Schon von Sinnen bin ich fast. Mosquito . Bester Herr, was ist denn dieses? Hast du auch ein Kleid gestohlen, Um verkleidet zu entwischen, So wie ich? Sehr wohl gethan! Denn ein alter Herr wohnt drinnen, Der mit möglichstem Respekt Damen aus dem Hause bringet; Kaum berührt' er mir das Händchen. Doch genug ist Spaß getrieben! Weißt du, was hier vorgegangen? Sprich, beim Himmel! Was ist dieses? Celia . Wehe mir! Mosquito .           Die Stimme selbst Stahlst du auch, wenn ich nicht irre, Wie das Kleid. Ob dir indes Umgeschlagen ist die Stimme? Denn als Baß verließ ich dich, Als Diskant find' ich dich wieder. Doch, was gilt's? Gewiß, Lisarda Hat indes für deine Liebe Dankbar sich gezeigt und dir . . . Celia . Schweig, du bringest mich von Sinnen! Mosquito . Heil'ger Gott, es ist ein Weib! Oft zwar hört' ich ein Geschichtchen Von der Nonne, der ein Bläschen Bei zu angestrengtem Spiele Sprang und die aus einer Nonne Ward zum Mönch im Augenblicke. Aber daß ein junger Herr Ward zur Dame – nein, noch nimmer Hört' ich das in meinem Leben. Celia . Schweig, Einfält'ger! oder zittre, Daß dich meine Wut erwürge. (Sie entschleiert sich.) Mosquito . Celia? Celia .                   Ja! Mosquito .                 Was ist denn dieses? Celia . Mit Gefahr für Ehr' und Leben Hab' ich hier die fürchterlichste Schandthat eines Manns gesehn; Das ist deutlich gnug beschrieben. Cesar, dem ich Leben gab, Tötet mich zum Gegendienste. Wissend, daß ich hier im größten Drange war, eilt' er von hinnen, Sich Lisarden zu erklären. Sagen hört' ich ihn (o Himmel!), Daß die Liebesglut für sie Einzig ihn hieher getrieben. Fliehen wollt' ich jetzt, da brachten Leute dich in dieses Zimmer, Und verbergen mußt' ich mich, Trotz der Eifersucht und Liebe, Bis du mich hervorgerufen. Mosquito . Und mein Herr? Celia .                                   O, der ist sicher Bei Lisarden, sich beklagend . . . Mosquito . Weshalb? Celia .                         Um der Heirat willen. Doch daß aller dieser Wirrwarr Nicht noch tiefer sich verwickle, Will ich laut die Wahrheit sprechen Und durch diesen Schritt bewirken, Daß Don Cesar schneller nun Den Don Juan von nur zu trift'ger Eifersucht enttäuschet sehe Und Lisarden ihm versichert. Mosquito . Eifersucht spricht jetzt aus dir, Liebe nicht. Allein beschicken Müssen wir jetzt mehr, als selbst Die geschäftigsten Juristen. Celia . Doch nun sage mir, wie kamst Du hieher? Mosquito .         Nun, ich entwischte Hier, verkleidet. Don Rodrigo, Cesars Freund und nahen Sippen, Unterrichtet' ich von allem, Daß er diese Nacht erschiene, Um den Rücken meinem Herrn Wohl zu decken. Er, gleich willig, Sagt', ich sollt' ihm jenes Haus, Wo er sei, genau bestimmen; Doch wir dürften nicht zusammen Da vorbeigehn. Auf verschiednen Seiten gingen wir deshalb, Und ich blieb, damit er wisse, Welches Haus es sei, dort stehen. Jener ging vorbei. Inzwischen Kam der Herr Don Juan nach Hause. Er erkannte mich, und grimmig Schleppt' er mich sogleich ins Vorhaus. Leugnend, dacht' ich zu entwischen; Aber er und seine Leute Brachten mich in dieses Zimmer, Wo ich meinen Herrn noch glaubte Und wo ich in diesem Spiele Des Verschlags die Regel hielt: Wenig setz' und viel gewinne! Celia . Und was haben nun wir beiden Hier zu thun? Mosquito .             Kann ich es wissen? Celia . An die Thüre will ich pochen, Eh' mein Bruder hier erschienen, Und Lisarden auf einmal Mich entdecken, weil gewißlich Jetzt Don Diego nicht zu Haus ist. Denn Lisarda ist zum mindsten Doch von edlem Blut, und Mitleid Wird sie fühlen. Mosquito .                 Das ist sicher. (Celia pocht an die Saalthür; Beatrix antwortet hinter der Szene.) Beatriz . Oeffnen kann ich nicht, Mosquito (Ob ich's wünsche, weiß der Himmel); Denn den Schlüssel nahm Don Juan Mit sich fort. Allein versichern Kann ich dieses, daß Don Cesar, Der sich jetzt in meinem Zimmer Mit dem Fräulein unterhält, Nicht will ohne dich entrinnen. Mosquito (zu Celien) . Das ist Beatriz, die Zofe Von Lisarden. Celia .                     Nichts, o Himmel! Kann ich hören oder sehn, Das nicht meine Qual verschlimmert, Mosquito (zu Beatriz) . Sieh, daß du mir Oeffnung schaffest; Denn ich leid' am Steine sicher, Weil mir Oeffnung jetzt so not ist. Beatriz (wie oben) . Oeffnen kann ich nicht, gewißlich! Glaub', es thut mir herzlich leid, Dich in solcher Not zu wissen; Aber weinen kann ich nicht. Mosquito . Ha, ich glaub' es dir, Verschmitzte! Denn ich bin ein armer Schelm, Den du nur aus Mitleid liebtest Ein'ge Zeit. Beatriz (wie oben) . Antworten würd' ich; Doch es ziemt nicht, zu erwidern Einem eingesperrten Schwätzer. Celia . Daß Don Juan den Schlüssel mitnimmt, Schließt den Weg für alle Hilfe, Um dem Schmerz ihn aufzuschließen. Beatriz (wie oben) . Nun befiehl dich Gott, Mosquito! Denn Don Juan kommt eben wieder Und bringt mit sich jenen Freund, Der heut nacht ihn suchte. Celia .                                       Himmel! 's ist mein Bruder! Mosquito .                     Uns verstecken, Fräulein, ist das einz'ge Mittel. Laßt uns noch ein bißchen leben, Bis sie das Geheimnis finden. (Er geht in das Kabinett.) Celia . Du hast recht.     (Indem sie ihm eilig folgen will, stolpert sie und fällt.)                           Doch wehe mir! Ach, ich stolpre, falle nieder! Mosquito . Kommst du nicht zu rechter Zeit, So muß ich die Thür verschließen. (Er geht in den Verschlag und schließt ab.) Celia (die wieder aufgestanden) . Ha, Verräter, warte! Don Juan und Don Felix treten auf. Don Juan .                         Hier, Wie ich Euch erzählte, ließ ich Ihn verschlossen. Don Felix .                   So verschließt Diese Thüre jetzt von innen. Laßt uns beide hier allein Mit ihm bleiben; denn, beim Himmel! Sagen muß er, wo sein Herr ist, Oder hier sein Leben missen. Don Juan (der mit Mosquito zu reden glaubt) . Jetzo seht Ihr Eu'r Bedrängnis, Guter Freund. – (Er erblickt Celien.)                         Doch was ist dieses? Einen Diener ließ ich hier, Eine Dam' im Schleier find' ich! Don Felix . Sagtet Ihr mir nicht vorhin, Eingesperrt in einem Zimmer Sei der Diener, wo die Flucht Ihm unmöglich sei? Don Juan .                       Gewißlich! Don Felix . Nicht zu sehr! Er ging davon, Und wir sehn ein Frauenzimmer. Don Juan . Nun, bei Gott! den Schlüssel nahm ich Selber mit. Don Felix .         So laßt entschieden Diese Täuschung uns enthüllen! (Er bleibt an der Thüre stehen, und Don Juan nähert sich Celien.) Don Juan (zu Celien) . Herrin, das Gesetz der Sitte Ist des Edlen Seele; doch Manchmal heischt Verletzung dringend Die Notwendigkeit. Celia (beiseite) .               Ich Arme! Don Juan . Nötig ist es jetzt, zu wissen, Wer Ihr seid, wie Ihr herein Kamt, um welches Zweckes willen. Doppelt wird mein Kummer sein, Seid Ihr die, auf die ich schließe. Wissen muß ich, was aus jenem Diener ward, der hier geblieben, Wie er fort kam, Ihr herein. Nehmt den Schleier ab und zwinget Nicht mich zur Unhöflichkeit. Celia (beiseite) . Fliehen kann ich nicht! – Verziehet, Herr Don Juan! Bedenkt, daß Euer Rang und meiner Euch verpflichtet, Mir mehr Achtung zu erzeigen. Don Juan . Was Ihr sagt, versteh' ich nimmer. Sprecht, wer seid Ihr? Wie gelangtet Ihr herein? Wo ist der Diener? Celia . Wohl! Drei Fragen thut Ihr mir, Und auf zwei will ich erwidern: Ich kam, Euch aufzusuchen, Don Juan, denn Euch wollt' ich zu sprechen suchen. Eintretend, sah ich einen Mann soeben Aus diesem Saale hier sich fortbegeben. Im Wahn, daß er Eu'r Diener sei, befragte Ich ihn nach Euch; und mit Verwirrung sagte Mir dieser Mann: »Er wird nicht lange weilen; Begebt Euch nur in dies Gemach einstweilen.« Er ließ mich hier und schloß die Thür ganz leise Von außen zu. So ist auf diese Weise Sein Schlüssel als die Ursach anzusehen Von meinem Bleiben und von seinem Gehen. Nun habt Ihr Kund' empfangen, Wie ich herein, wie er hinaus gegangen. Doch, wer ich bin, welch Streben Mich hergeführt, verschweig' ich. Don Juan .                                             Und dies eben Muß ich zumeist erfahren. Ihm folg' ich nicht, nach dem, was ich vernommen; Denn aus dem Hause kann er nicht entkommen. Drum laßt den Schleier fahren. Celia . Don Juan, bedenkt . . . Don Juan .                               Enthüllt Euch ohne Grauen. Celia . Was Ihr beginnt; ich bin's. (Sie lüftet den Schleier.) Don Juan .                                     Was muß ich schauen? Celia . Zum Herrn von meiner Ehre Macht' ich Euch jetzt; o löset diese schwere Bedrängnis sanft! Denn nur, weil ich vollkommen Auf Euch vertraute, bin ich hergekommen. Don Juan (für sich) . Was nur soll ich beginnen? Don Felix (der an der Thür steht, für sich) . Wie ändert sich Don Juan! Er scheint zu sinnen. Wer ist nur die Versteckte, Die so ihn mit und ohne Schleier schreckte? Don Juan (für sich) . Himmel, was ist anzufangen? Nein, in meinem Leben nie Hat mich solche Not umfangen. Celia, Felix' Schwester, sie Muß jetzt meinen Schutz verlangen! Felix, der den Bösewicht Voll Begierde sucht, erpicht Nur auf sein' und meine Rache, Er vertraut in dieser Sache Ehr' und Leben meiner Pflicht! Don Felix (zu Don Juan) . Mächtig in Verlegenheit Hat die Dame, wie ich schaue, Euch gesetzt. Don Juan .             Zu meinem Leid! Und so sehr, daß nach der Zeit Wenn ich alles Euch vertraue, Ihr sie größer werdet finden, Als Ihr glaubtet zu erspähn. Denn das, was Ihr hier gesehn, Kann kein Menschenwitz erfinden; So etwas kann nur geschehn . Don Felix . Laßt, Don Juan, mich diese Plagen Mit Euch teilen, um beflissen Meinen Dienst Euch anzutragen. Don Juan . Mir geziemt nicht, sie zu sagen; Euch geziemt nicht, sie zu wissen. Don Felix . Sind wir Freunde nicht? Don Juan .                                         Auf immer! Don Felix . Bin ich Edelmann? Don Juan .                                 Wie ich! Don Felix . Nun wohlan! so traut auf mich. Celia . Ha, Don Juan, denkt, in wie schlimmer Lage . . . (Man pocht an die Saalthür.) Don Diego (draußen) . Oeffnet doch das Zimmer! Don Juan . Ha, Don Diego! Don Diego (wie oben) .         Oeffnet mir! Don Juan (beiseite) . Fragen wird auch dieser hier. Sieht Lisarda Felix' Schwester, Drängt der Argwohn sich noch fester Bei ihr ein. Und wenn ich ihr, Um den Wahn zu widerlegen, Sage, wer sie ist (o Pein! Ist der Bruder doch zugegen), Würd' ich, meiner Liebe wegen, Alle Ritterpflicht entweihn. Nein, es soll sie niemand sehn! – (Laut.) Felix, wißt, dies Frauenzimmer Sehen darf Lisarda nimmer; Drum gebt keinem zu verstehn, Es verhehle sie dies Zimmer. – Fräulein, kommt, verbergt Euch hier. (Er zeigt ihr das Kabinett.) Celia . Himmel, schenk' Erbarmen mir! (Sie geht hinein.) Don Felix . Soll ich etwa mit hinein? Don Juan . Nein, um Gotteswillen, nein, Felix! Don Diego (draußen) . Nun, wann öffnet ihr? Don Juan (aufschließend) . Es ist offen. Don Diego und einige Diener treten auf. Don Diego .         Was ist dies? Wie, Don Juan? Noch immer plagen Dich so wunderbare Grillen, Einbildungen aller Arten? Nun, wo ist denn dieser Diener? Don Juan . Da ich hier ihn suchte, fand ich, Er sei fort, vermutlich weil er Einen falschen Schlüssel hatte. Don Diego . Das ist Ausflucht, um mir keine Ungelegenheit zu machen. Doch du thust nicht wohl; auf niemand Kannst du besser dich verlassen, Als auf mich. – (Zu Don Felix.)   Ihr mögt verzeihen, Kavalier! Da mir bekannt ist, Daß Don Juan Euch fest vertraut, Kann ich ohne Zwang von allem Mit ihm sprechen. Don Felix .                     Ganz gewiß; Niemand kann's zu leugnen wagen. Aber sucht' ich jetzt Don Juan, Wär es andrer Gründe halben; Denn Don Cesarn aufzufinden, Ist mir wichtiger, als allen. Don Diego . Sagt, ihr beiden, was ihr hörtet; Denn vergeblich Unterfangen Ist es, daß ihr jenen Diener Mir verbergt. Don Juan .             Wenn ich dir sage, Auf mein Wort, er war nicht hier, Als ich eintrat zum Gemache . . . Don Diego . Aber wie, wenn diese Leute Niemals von der Thür gegangen, Konnt' er fortgehn? – (Zu den Dienern.)         Geht und sucht, Ob er irgendwo im ganzen Hause steckt. Auf jener Seite Sucht; wir suchen hier. (Die Diener gehen ab; Don Diego will ins Kabinett.) Don Juan .                             Halt! Don Felix .                                     Warte! Lisarda und Beatriz treten auf. Lisarda (zu Beatriz) . Kurz, er konnte nicht hinaus? Beatriz . Herrin, nein; die Diener standen An der Thür mit Vorkehrungen Aller Art, mit Wehr und Waffen. Lisarda . Helfe mir das Glück doch endlich Aus so drängenden Gefahren! Ach, wenn so die Unschuld zagt, Wie muß dann die Schuld'ge zagen? Don Diego (zu den beiden Männern) . Ha, bei Gott! ich will voran, Will der Erste sein von allen, Um nun endlich zu erspähn . . . Don Juan . Niemand wird es dir versagen. Doch dies Zimmer ist durchsucht; Suchen wir in allen andern! Lisarda (beiseite) . Was? In allen andern? Weh mir! Sicher hat er was erfahren; Wissen muß ich, wie es steht. – Weshalb rufst du so, mein Vater? Don Diego . Weshalb kommst denn du hieher? Lisarda . Um zu sehn, was vorgegangen. Don Diego . Ich such' einen Mann . . . Lisarda (beiseite.)                               O Himmel! Don Diego . Und man wehrt mir diese Kammer. Doch ich will und muß hinein. Don Juan (ihn aufhaltend) . Nein, du darfst es nicht! Don Felix (ebenso) .                 Herr, wartet! Denn . . . Don Diego .     Ihr wollt mich beide hindern, Wollt an jenem eure Rache Ohne mich vollziehn. Hinweg! Welch ein störriges Betragen!     (Er reißt sich los und öffnet das Kabinett.) Wer ist hier? Celia kommt verschleiert heraus. Celia .                   Ein armes Weib, Hart vom Mißgeschick geschlagen, Höchst unglücklich. – (Beiseite.)                     Dies, o Himmel, Ist der Gipfel meiner Martern! Don Felix (beiseite) . Ha, ich sterbe fast vor Neugier! Wer nur ist wohl die Verkappte? Don Diego . Nun, wahrhaftig, Herr Don Juan, Etwas mehr doch Achtung tragen Solltet Ihr für dieses Haus Und mehr Achtung für Lisarden. Ihr bewahrt in ihren Zimmern Euch ein Weib? Ins Henkers Namen! Ist Madrid nicht groß genug? Don Juan . Ich, ein Weib? Wie kannst du sagen . . . Lisarda . Sieh, Don Juan, ob es nicht reine Wahrheit war, was ich dir sagte. Du hast mindstens nicht gesehn (Ha, mir schwindet Mut und Atem!) Den Verborgnen, den du meintest; Aber ich sah die Verkappte. Don Juan (beiseite) . Reden darf ich nicht, noch schweigen. Lisarda (zu Celien) . Zeigt Euch, Fräulein; denn erfahren Muß ich, wer in meinem Hause So mich zu beleid'gen wagte. Don Juan (beiseite) . Nein, nicht alles sei verloren! – (Zu Lisarden.) Halt! du darfst sie nicht gewahren. Lisarda . Du verteidigst sie? Don Juan .                             Ich muß. Celia (beiseite) . Fühlt' ein Weib je härtre Plagen? Castaño (hinter der Szene.) Halte fest die Thüre zu, Daß er nicht entwischt, Otañez! Don Cesar (ebenso) . Ich muß durch! Don Juan .                                         Was für ein Lärm In der Wohnung von Lisarden? Don Diego . Man vergißt die Not durch Not, So drängt eine hier die andre. Otañez tritt auf. Otañez . Herr, den Mann, den du gesucht, Fanden wir. Mit bloßem Stahle Will er einen Weg sich öffnen, Um zur Gasse zu gelangen. Don Cesar , mit bloßem Degen, das Gesicht mit dem Mantel verhüllend, drängt sich durch die Diener, die ihn zurückhalten wollen. Don Diego . Sprich, Don Juan, ist dies der Diener, Den zu suchen du verlangtest? Don Juan . Nein, dies ist ein andrer Mann. Anstand, Wuchs und Kleidung sagen Deutlich, daß es der nicht ist, Den ich hier in Haft gehalten. Celia (beiseite) . Ha, Don Cesar ist's. (Sie eilt zu ihm hin.)                                   Mein Leben Und das deine, Herr, bewahre! Don Diego . Mann, der dieses Hauses Ehre Mit so großem Schimpf beladet, Sage, wer du bist! Don Cesar .                   Ein Mann. Don Diego . Nimm vom Angesicht den Mantel! Don Cesar . Nimmermehr! In der Verhüllung, Ohne daß du je mein Antlitz Schauest, mußt du hier mich töten. Denn verteid'gen will ich tapfer Dieses Weib, und sie und ich Müssen dieses Haus verlassen, Unerkannt; wenn nicht mein Tod Einhalt thut dem kühnen Plane. Don Diego . Welches Weib? Don Cesar (auf Celien deutend) . Hier, dieses Weib; Denn nicht red' ich von Lisarden. Zwar ich kenn' es nicht, weiß nicht, Wer es ist; doch, wenn dies alles Nicht genügt, um sie zu sichern, Führ' ich beide mit von dannen. Don Diego . Dämon, Mensch, und wer du sein magst! Zwar du stillest ein'germaßen Jenen Argwohn; doch um ganz Uns Beruhigung zu schaffen, Mußt du sagen, wer du bist. Don Cesar . Ganz umsonst ist dein Verlangen, Wenigstens für jetzt. Don Juan .                         Auch deins! Kannst du denn zu glauben wagen, Daß du hier aus unsrer Mitte Wirst entführen diese Dame, Ohne daß wir wissen, wie Und weshalb ihr beide kamet In dies Haus? Don Cesar .           Ich sag' es nicht. Don Felix . Nun, so öffn' ich mit dem Stahle Einen Mund in deiner Brust, Der uns soll die Wahrheit sagen. (Er und Don Juan ziehen die Degen. Hinter der Szene fällt ein Schuß.) Lisarda . Welch ein Schuß ist dies? O Himmel! Endet noch nicht dieses Bangen? Don Cesar (für sich) . Dies ist das bestimmte Zeichen. Don Diego . Keiner gehe hier vom Platze; Haltet euch zurück, ihr Herrn! – (Zu Don Cesar.) Mann, du sollst mein Wort empfangen, Daß ich dich vertret' und schütze, Wenn du diesen Zweifel bannest. Don Cesar . Gibst du dieses Wort mir? Don Diego .                                             Ja! Don Cesar (sich enthüllend) . Ich bin Cesar. – Was erblaßt ihr? Don Diego . Du, der mir den Sohn erschlug? Don Felix . Du, der Celien mir entwandte? Don Juan . Du, im Hause meiner Braut? Don Cesar . Ja; doch keinen von euch allen Hat mein Mut beschimpft. – Erlegt' ich Don Alonso'n, so geschah es Mann an Mann, im gleichen Kampf. Seht ihr jetzt mich in Lisardens Hause, so geschieht's, weil Celia Mich verbarg in diesem Saale. Und entdeck' ich dies von Celien, So geschieht es, weil's nicht schadet, Denn ich bin verlobt mit ihr; Sie ist diese Schleierdame. Und reicht alles dies nicht hin, Euch Genugtuung zu schaffen, Dennoch geh' ich fort, trotz euch, Weil ich guten Rückhalt habe. Jener Schuß dort war das Zeichen, Daß die Freunde mich erwarten. Don Felix . Hättet Ihr auch niemand, Cesar, Ich allein würd' Euch bewahren; Denn da Ihr mein Bruder seid, Ist's Verpflichtung meines Adels. Don Juan . Ich bin Euer Freund, Don Felix; Aber für Don Diego wag' ich . . . Don Diego . G'nug! Ich gab ihm ja mein Wort, Und mein Wort hab' ich zu wahren. – (Zu Don Cesar.) Doch wo habt Ihr hier im Hause, Sagt, Euch so versteckt gehalten? Mosquito , der indessen die Thür des Verschlages leise geöffnet und gehorcht hat, tritt jetzt hervor. Mosquito . Dies hab' ich euch zu berichten; Er war hier. Don Diego .         Seltsame Sache! Beatriz . Was? Hast du mein Kleid gestohlen? Mosquito . Auch die Büchsen und die Schachteln. Don Diego . Und mit dieser Rätsellösung Nimmt hier die Komödie . . . Mosquito .                                       Warte! Denn ich muß gesamter Herrschaft Noch vorher ein Wörtchen sagen; Dies (damit man nichts vermisse), Daß Don Felix, sich vertragend Mit dem Gegenpart um jenen Totschlag, der viel Not ihm machte, Nun, nach Zahlung aller Kosten, Ledig blieb. Mit dieser Nachricht Schließen, auf Begehr geschrieben, Der Verborgne, die Verkappte.