Wilhelm Busch Ehre dem Fotografen Denn er kann nichts dafür!   Wie häufig tadelt man den Fotografen, und doch, wie ungerecht! Der Fotograf ist eigentlich Maler; denn er zeichnet und lasiert, er wählt die richtige Distanz für Goldsachen und neue Zylinder. Er arrangiert die Neuverlobten, und wohlgelungen wäre die Gruppe, hätte nicht das männliche Objekt der Kunst die rechte untere Extremität eigenmächtig nach vorne geschoben. Hier ist Fräulein Adele im Begriffe, für ihren Ferdinand sich fotografieren zu lassen. Der Fotograf verfährt mit der äußersten Sorgfalt. Er hat die Position zu seiner Zufriedenheit geordnet. Aber unbefriedigend ist das Resultat; denn was kann der Apparat gegen die unaufhaltsamen Schwingungen eines zärtlich erregten Herzens. Auch Hanno von Hinkelsmark will sich aufnehmen lassen. »Den Kopf etwas mehr nach rechts!« »Oder, bitte, stehen Sie gefälligst lieber auf! Und nur recht freundlich, wenn ich bitten darf!« »So! es beginnt!« »Sieben – acht –neun – zehn – elf –« »Fertig!« Hier ist die Platte! – Was die Kritik von einem guten Kunstwerk verlangt, ist drin: Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Bloß die ruhige Haltung fehlt. Wie kommt das nur? Der Mensch tut's, der Apparat macht's, und der Fotograf verkauft's! Drum Ehre dem Fotografen! Denn er kann nichts dafür!