Pedro Calderón de la Barca Der standhafte Prinz (El príncipe constante) Übersetzt von August Wilhelm Schlegel Personen:         Don Fernando und Don Enrique , Prinzen von Portugal . Don Juan Coutinho . Alfonso , König von Portugal . Brito , portugiesischer Soldat . Der König von Fez . Muley , Feldherr . Tarudante , König von Marokko . Selim , in Diensten des Königs von Fez . Phönix , Prinzessin . Rosa , Zara , Estrella und Zelima , ihre Dienerinnen . Soldaten, Christensklaven und andres Gefolge. Erster Akt Zweiter Akt Dritter Akt Erster Akt. Königlicher Garten am Meer. Christensklaven , ein beliebiges Lied singend; zu ihnen Zara . Zara . Singet hier, weil unsre schöne Phönix, während sie sich kleidet, Manchmal gern ihr Ohr geweidet An dem klagenden Getöne Eurer Lieder, wenn sie her Vom Gefängnis drüben hallen. Erster Christensklav . Kann Musik, wozu das Schallen Unsrer Ketten, klirrend schwer, Die Begleitung scheint zu spielen, Sie erheitert haben? Zara .                               Ja, Sie hört zu, so singt nur da. Zweiter Christensklav . Dieses Leiden, bei so vielen, Schöne Zara, wär' noch stärker: Nur der Tiere rohe Zunft, Ganz entblößt von der Vernunft, Singt vergnügt in ihrem Kerker. Zara . Pflegt ihr nicht zu singen? Dritter Christensklav .               Wenn Es geschieht, ist's, unsre Leiden, Aber fremde nicht, zu weiden. Zara . Sie hört zu, so singet denn. Gesang .     Es muß der Last der Jahre     Das Hohe selbst erliegen,     Der leichte Gang der Zeiten     Kennt keine schweren Siege. Rosa tritt auf. Rosa . Fort, Gefangne! Nicht mehr Zeit Ist's nun, des Gesangs zu warten, Denn es tritt in diesen Garten Phönix, daß der Fluren Kleid Stolz von ihrer Schönheit blühe, Als der jüngeren Aurore. (Die Christensklaven ab.) Phönix tritt auf, umgeben von den Dienerinnen , die sie ankleiden. Estrella . Schön erhobst du dich im Flore. Zara . Prahle nicht die reine Frühe, Daß dem Garten sie verliehn Licht und Duft im holden Schoße, Noch den Purpur auch der Rose, Noch die Weiße dem Jasmin. Phönix . Gebt den Spiegel. Estrella .                             Es bedarf Nicht, um Flecken ihn befragen, Nie vom Pinsel aufgetragen, Der so rein die Zug' entwarf. (Sie reichen ihr einen Spiegel.) Phönix . Wozu kann die Schönheit dienen, Ob es auch die meine wäre, Wenn ich doch die Luft entbehre, Wenn das Glück mir nicht erschienen? Zelima . Was betrübt dich? Phönix .                               Wenn ich wüßte, Zelima, was mich betrübt, Weiß ich auch, daß, gern geübt, Selbst der Schmerz es lindern müßte. Doch von meinen Leiden, sieh! Kenn' ich nicht die Art genauer: Denn sonst wäre wahre Trauer, Was nun ist Melancholie. Nur zu quälen weiß ich mich, Nicht, warum ich nur mich quäle; Es sind Täuschungen der Seele. Zara . Können, zu erheitern dich, Diese Gärten denn nicht dienen, Die dem Frühling, hold zu schauen, Statuen von Rosen bauen, Ueber Tempeln von Jasminen: Geh ans Meer, ein kleines Boot Sei der Sonne goldner Wagen. Rosa . Wenn er, auf der Flut getragen, Sieht solch glänzend Abendrot, Dann ruft, voll Melancholie, Wohl dem Meer der Garten zu: Schon versinkt die Sonn' in Ruh, Kürzer war der Tag noch nie. Phönix . Nein, es kann mich nicht erfreun Wettstreit zwischen See und Matten, Wie sich in verlorne Schatten Ferne Widerscheine streun, Wann auf den bestrahlten Räumen, Prangend wie in Heiligtumen, Schäume ringen mit den Blumen, Blumen ringen mit den Schäumen: Weil der Garten voller Neid, Wie er sieht des Meeres Wellen, Nachzuahmen strebt ihr Schwellen; Und der linde Zephyr leiht Farb' und Schmelz, dort eingesogen, Wieder ihm, und so umsäuselt, Bildet Blum' und Laub, gekräuselt, Einen Ozean von Wogen. Wann das Meer, betrübt, zu sehen, Wie der Garten zierlich pranget Von Natur, nun auch verlanget, Ihm an Schmuck nicht nachzustehen, Muß, vom fremden Schein versucht, Die gewohnte Pracht es dämpfen; Und so sieht man lieblich kämpfen Blaue Flur und grüne Bucht: Da sie beid' an krausen Säumen Der gemischten Farben warten, Wird ein Blumenmeer der Garten Und das Meer ein Beet von Schäumen. Groß, gewißlich, ist mein Schmerz, Da nicht lindern die Beschwerde Flur und Himmel, Meer und Erde. Zara . Großes Leid bestürmt dein Herz. Der König tritt auf, mit einem Bildnisse in der Hand. König . Gönnt dein Uebel dir einmal, Das der Schönheit Fieber ist, Von der Trauer eine Frist! Dieses schön' Original, – Denn kein Bildnis ist, was Leben Hat und Seel', – ist der Infante Von Marokko, Tarudante; Seine Krone wünscht ergeben Er zu Füßen dir zu legen. Den zum Boten hier ernannt' er, Und ein stummer Abgesandter Muß wohl Liebes-Botschaft hegen. An ihm find' ich einen Streiter, Meine Plane zu vollenden: Zur Belagrung Ceutas senden Will er mir zehntausend Reiter. Laß die Scham sich nun versöhnen, Gönne dem, zu lieben dich, Den in Fez zum König ich Deiner Schönheit werde krönen. Phönix . Steh mir Allah bei! König .                                   Du zagst, Wie bedrängt von großer Not? Phönix (für sich) . Weil beschlossen ist mein Tod. König . Laß mich hören, was du sagst. Phönix . Kam ich immer den Befehlen, Vater, Herr und König, nach – (Beiseite.) Was nur sag' ich? Muley, ach! Solchen Anspruch zu verfehlen! – (Laut.) Tiefste Demut gibt sich kund – Wehe mir! – in dieser Stille. – (Beiseite.) Wenn er's denkt, so lügt mein Wille, Wenn er's sagt, so lügt mein Mund. König . Nimm das Bildnis. Phönix (für sich) .               Weil ich muß, Nimmt es meine Rechte hin, Doch nicht kann es Herz und Sinn. (Man hört einen Kanonenschuß.) Zara . Muley'n meldet dieser Schuß, Der vom Meer heut angekommen. König . Billig ist's, ihn zu begrüßen. Muley tritt auf, mit dem Kommandostabe in der Hand. Muley . Sieh mich, Herr, zu deinen Füßen. König . Muley, sei mir sehr willkommen. Muley . Wer sich hat hinaufgedrängt Zu so lichter Sphären Wonne, Wen im Hafen solcher Sonne Kind, Aurora, hier empfängt: Der muß wohl bewillkommt sein. Reiche, Fürstin, mir die Hand, Deiner Gunst erhabnes Pfand Magst du würdig dem verleihn, Der in Lieb' und Treu' ergeben Nach Triumphen für dich ringt, Dir zu dienen ging und bringt Nun zurück sein liebend Streben. – (Beiseite.) Was, o Himmel, muß ich schauen? Phönix . Muley, du – es drückt mich schwer Bist willkommen. Muley (beiseite) .           Nicht zu sehr, Wenn ich darf den Augen trauen. König . Sag', was gibt's zur See zu thun? Muley . Du magst die Geduld bereiten, Schlimm sind meine Neuigkeiten; Alles ist verschlimmert nun. König . Was du weißt, verkünde mir: Denn bei einem festen Mute Findet Böses wie das Gute Immer gleiche Mienen. Hier Setz' dich, Phönix. Phönix .                         Ich will's thun. König . Setzt euch alle; laß uns hören Und dich nichts im Reden stören. (Der König und die Damen setzen sich.) Muley (für sich) . Kann ich reden? kann ich ruhn? – (Laut.) Bloß mit zweien Galeassen Lief ich aus, wie du geboten, Um an den barbar'schen Küsten, Hoher Herr, umher zu forschen. Dein Befehl war, daß ich nahen Der berühmten Stadt mich sollte, Die Elisa hieß vor Zeiten, Jener, die erbaut am Thore Des herkul'schen Sundes stehet Und den Namen hergenommen Hat von Ceydo, welches, Ceuta Vom Arabischen verdolmetscht, Auf hebräisch Schönheit heißet, Und sie prangt am schönsten Orte; Jener endlich, die der Himmel Hat entrissen deiner Krone, Wohl nach unsers großen Mahoms, Des Propheten, bill'gem Zorne; Und zur Schmach für unsre Waffen Müssen wir nun sehn, daß dorten Portugiesische Paniere Auf den Türmen sind erhoben, Allzeit vor den Augen habend Eine Schranke, welche spottet Unsers Ruhmes; einen Zügel, Der zurückhält unser Trotzen; Einen Kaukasus, der deiner Siege Nil in seinem Strome Aufhält und, dazwischen tretend, Spaniens Zugang uns verschlossen. Also hatt' ich den Befehl: All ihr Bollwerk auszuforschen Ganz genau, um dir zu melden, Wie gestaltet und geordnet Sie es hat und wie du kannst, Sparend so Gefahr als Kosten, Diesen Krieg anfangen. Möge Dir den Sieg des Himmels Sorge Samt der Herstellung verleihn! Zwar ein größres Unglück, drohend, Schafft Verzug; denn ich bezweifle, Ob dies jetzt wird unternommen, Da ein andres Unternehmen Dringender dich ruft und fordert: Weil das Heer, das wider Ceutas Große Macht du hast geworben, Eilen muß zu Tangers Schutz, Welches wehklagt, schon bedrohet Von der gleichen Not und Plage, Gleichem Fall und gleichem Hohne. Ich erfuhr's, weil ich zur See, Um die Stund' an einem Morgen, Wo, die westlich ruhnden Schatten Scheuchend vor sich her, die Sonne, Halb im Schlaf noch, blonde Haare Auf Jasminen und auf Rosen Breitet, die mit goldnem Tuche Der Aurora Thränen trocknen, Welche, Feu'r und Schnee, in Perlen Vor der Sonne Blick zerronnen, Fern auf den Gewässern sah Eine starke Kriegesflotte Angeschwommen, obwohl damals Der erstarrte Blick nicht konnte Sich entscheiden, ob's ihm Felsen Oder Schiffe scheinen sollten. Denn, so wie auf Schildereien, Durch des Pinsels Kunst verschmolzen, Hintergründe, weite Fernen, In zweideut'ger Aussicht offen, Bald wie Berg' erscheinen, bald Sich wie stolze Städt' erhoben, Weil der Abstand unerhörte Wunderdinge allzeit formet: So auch, auf der blauen Landschaft Lichter, Schatten, hingeworfen, Machten, Meer und Himmel mischend, Mit den Wolken und den Wogen Tausend Täuschungen dem Blick, Der, begierig jetzo forschend, Nur die Massen noch bemerkte Und nicht unterschied die Formen. Erstlich schien uns, da wir sahn, Wie den Himmel ihre obern Spitzen rührten, Wolken wären's, Derer, die, aufs Meer gezogen, In Saphir empfangen Regen In Kristall gebären wollen; Und wir dachten so mit Recht, Denn das Meer schien ja gesonnen, Einzuschärfen den unzähl'gen Schwarm bis auf den letzten Tropfen. Bald von Meeres-Ungeheuern Schien es eine irr'nde Horde, Die, Neptunen zu begleiten, Kam' aus ihren tiefen Grotten: Denn, wie ihre Segel wallten, Spielend mit des Windes Odem, Glaubten wir, sie ließen wallen Auf den Fluten ihre Flossen. Nun uns näher schon erschien es Ein gewalt'ges Babylonien, Dessen Hangegärten waren Wimpel, sich dem Wind' entrollend. Endlich aus dem Trug gerissen, Hatte das Gesicht als Flotte Sie erkannt schon, denn wir sahn, Wie die Schnäbel Furchen zogen, Wovon die geschlagnen Schäume, Kräuselnd sich in sich verworren, Berg' aus Silber aufgeschichtet, Felsen aus Kristall erschwollen. Ich, so viele Feind' entdeckend, Wandte mich vor ihrem Toben: Denn zu fliehn gehörig wissen Hat oft auch für Sieg gegolten. Und so nahm, als der ich dieser Meere kund'ger war, im Porte Einer Bucht ich meine Zuflucht, Wo ich widerstehen konnte, In der Schutzwehr und dem Schirme Zweier Hügel, solcher großen Macht gewalt'gem Ungestüm, Die Meer, Erd' und Himmel trotzet. Arglos fuhren sie vorbei; Und begierig, zu erforschen, Wie ihr denkt, wo dies Geschwader Ferner seine Bahn verfolgte, Lief ich auf das offne Meer Wieder aus, wo sich gewogen Meinen Hoffnungen der Himmel Wies, die diesmal nicht mich trogen. Denn ich sah, zurückgeblieben War ein Schiff von jener Flotte, Welches wehrlos und verlassen Kaum die See noch halten mochte: Weil, wie ich nachher erfuhr, Da sie all' ein Sturm betroffen, Dieses ihm erliegen mußte, Schadhaft, leck und halb zerborsten; So nun, angefüllt mit Wasser, Daß die Pumpen nicht dem Boden Zu entschöpfen gnügten, schwankend Bald nach hier und bald nach dorten, Schien es dem Versinken nah Bei dem kleinsten Wellenstoße. Ich naht' ihm, und Lindrung brachten Seiner Not wir, obwohl Mohren; Denn es pflegt sich, wer im Unglück, Durch Gesellschaft zu erholen Dergestalt, daß selbst ein Feind Dann gereicht zu seinem Troste. Von dem Trieb des Lebens werden Etliche so fortgezogen, Daß sie, aus den Tau'n und Seilen Leitern machend unerschrocken, Sich gefangen übergeben; Obwohl andre sie verspotten Mit dem Wort, daß ewig leben Leben sei mit Ehr' und Lobe, Und auch so noch widerstehn: Portugiesisch eitles Trotzen! Es berichtet mich ausführlich Derer, die an Bord gekommen, Einer nun, daß von Lisboa Ausgelaufen jene Flotte Wider Tanger, das sie denke Zu belagern, mit heroisch Festem Vorsatz, daß du sehen Auf den stolzen Zinnen sollest Die fünf Schildlein, die auf Ceuta Jeden Tag bescheint die Sonne. Eduard von Portugal, Dessen Siegerruhm frohlockend Auf den Schwingen röm'scher Adler Fliegen wird durch alle Zonen, Schickt Enrique und Fernando, Seiner Brüder Paar, die Glorie Des Jahrhunderts, das sie siehet Prangend in des Sieges Kronen. Sie sind Ordensmeister Christi Und Avis, mit weißem Borde, Zieren Kreuze beider Brust, Dem ein grünes, dem ein rotes. Vierzehntausend Portugiesen Sind's, die stehn in ihrem Solde, Hoher Herr, die nicht gerechnet, Die mitziehn auf eigne Kosten. Tausend sind der starken Pferde, Wohl versehn vom span'schen Stolze Tigern gleich mit bunten Decken, Luchsen gleich mit leichten Sohlen. Angelangt in Tanger müssen Sie schon sein und diesen Morgen, Wo nicht seinen Sand betreten, Wenigstens sein Meer durchwogen. Ziehn wir aus, es zu verteid'gen, Waffne, Herr, dich selbst im Zorne, Daß in deinem tapfern Arme Mahoms Geißel werd' erhoben, Und das reichste Blatt von allen Aus des Todes Buch entrolle. Denn vielleicht wird heut erfüllt Jenes Moabiter-Wortes Heldenmüt'ge Prophezeiung, Welche sagt, am sand'gen Borde Afrikas werd' einst zu teile Ein unglücklich Grab der Krone Portugals. Sie mögen sehen, Wie von diesem krumm gebognen Säbel grün' und blaue Felder Rot in ihrem Blut geworden. König . Schweig! nicht weiter rede fort! Denn, erfüllt von wüt'gem Grimme Ist ein Gift mir deine Stimme, Gibt den Tod mir jedes Wort. Afrika zum Grabmal schaffen Will ich ihren trotz'gen Horden, Nahn die Meister ihrer Orden, Die Infanten, schon in Waffen. Muley, du brich schleunig auf Mit dem Reitervolk der Küste, Während ich zum Kampf mich rüste; Wenn du in behendem Lauf Mit Scharmützeln ihnen wehrest, Daß sie dort kein Land gewinnen Allzuschnell, und mir hierinnen Dein geerbtes Blut bewährest: Dann, so schnell wie du, ins Feld Rück' ich, unsre Macht zu paaren, Mit dem Rest der trotz'gen Scharen, Die das Lager hier enthält. Und so soll von den Beschwerden Uns ein blut'ger Tag befrein: Ceuta muß nun wieder mein, Tanger nicht das ihre werden. (ab.) Muley . Phönix dir sei nicht verhehlt, Obwohl im Vorübereilen, Da ich doch nicht bin zu heilen, Welche Krankheit mich entseelt. Ob mein Wahn auch überschritte Schuld'ger Ehrerbietung Zucht: Meine Qual ist Eifersucht, Und die kennt ja keine Sitte. Welches Bildnis, Feindin, ach! Sah in weißen Händen ich? Wer ist der Beglückte? sprich! Wer – doch halt! eh solche Schmach Deine Zunge mir bekenne: Schon genug, daß unbekannt Ich ihn sah in deiner Hand, Ohne daß dein Mund ihn nenne. Phönix . Muley, mein Verlangen wollte Freiheit dir zum Lieben schenken, Aber nicht zum Schmähn und Kränken. Muley . Phönix ja, ich fühl', ich sollte Nicht so ungeziemend sprechen. Doch der Himmel mag mir zeugen, Eifersucht läßt sich nicht beugen, Muß durch alle Schranken brechen. Schüchtern und in scheuer Zucht Warb ich, liebt' ich, ganz dein eigen: Aber konnt' ich liebend schweigen, Kann ich's nicht mit Eifersucht. Nein, ich kann's nicht! Phönix .                       Nicht verdienet Deine Schuld Genugtuung; Doch es ist mir Grund genung, Daß sie meiner Ehre dienet. Ein Vergehn will ich verschonen Unter uns, und so erteil' ich Dir sie. Muley .         Gibt es eine? Phönix .                             Freilich. Muley . Möge Gott dich wohl belohnen! Phönix . Dies Bild sandte – Muley .                                 Wer? Phönix .                                         Infant Tarudante. Muley .             Und weswegen? Phönix . Weil mein Vater, mit dem Hegen Meiner Neigung unbekannt, – Muley . Wohl! Phönix .           Verlangt, daß die zwei Kronen – Muley . Sprich nicht weiter: schon genung! Gibst du so Genugtuung? Möge Gott dich schlimm belohnen! Phönix . Daß mein Vater dies bedacht, Hab' ich daran Schuld begangen? Muley . Daß du dieses Bild empfangen, Hätt' er auch dich umgebracht. Phönix . Konnt' ich's meiden? Muley .                                   Sicherlich. Phönix . Wie? Muley .           Du mußtest was ersinnen. Phönix . Sag', was konnt' ich nur beginnen? Muley . Sterben, wie ich's thät' für dich. Phönix . Dies war not. Muley .                         Nein, Wankelmut. Phönix . War Gewalt. Muley .                       Gewalt gibt's keine. Phönix . Nun, was war es also? Muley .                                       Meine Trennung, sie begrub mein Gut. Und bevor noch besser ich, Wie du wechselst, müßte lernen, Will ich wieder mich entfernen: Töte, Phönix, wieder mich. Phönix . Scheiden ist nicht abzuwenden. Muley . Schied die Seele doch von mir. Phönix . Zieh nach Tanger! Wieder hier, Magst du dann die Klagen enden. Muley . Wohl, läßt nur mein Leid mich leben. Phönix . Lebe wohl, wir müssen scheiden. Muley . Höre! willst du so mich meiden, Ohne mir das Bild zu geben? Phönix . Ja, der König würd' es missen. Muley . Laß es los! mit vollen Rechten Reiß' ich den aus deiner Rechten, Der mich deiner Brust entrissen. (Beide ab.)     Seeküste bei Tanger. Es wird eine Zinke geblasen, man hört Geräusch vorn Ausschiffen, Don Fernando , Don Enrique , Don Juan Coutinho und Soldaten steigen ans Land. Fernando . Ich muß der erste sein, die sand'gen Fluren, Du schönes Afrika, dir zu berühren, Auf daß, gedrückt von meiner Tritte Spuren, Die starke Macht dein Nacken möge spüren, Die dich soll zähmen. Enrique .                             Meinen edlen Sohlen Mög' auf dem afrikan'schen Grund gebühren Die zweite Stelle: – (er fällt) Gottes Schutz befohlen! Stets müssen üble Zeichen mich begleiten. Fernando . Du mußt, Enrique, dich vom Schreck erholen: Dein Fallen ist vielmehr daher zu leiten, Daß selbst die Erd', um sie als Herr zu fassen, Dich lud, die Arme gegen sie zu breiten. Enrique . Dies Feld und dies Gebirge stehn verlassen Von den Alarben, wie sie uns gesehen. Don Juan . Tanger verschließt die Thore seiner Gassen. Fernando . In ihrer Freistatt woll'n sie uns entgehen. Don Juan Coutinho, Graf Miralvas, eilend Geht, um das Land mit Sorgfalt zu erspähen; Bevor die Sonn', ihr Morgenrot ereilend, Uns ungestümer treffend mag verletzen, Der Stadt von uns den ersten Gruß erteilend. Sagt ihr, sie solle nicht sich widersetzen, Sonst müss' ich sie mit Schwert und Feuer stürmen, In Blut das Feld, in Brand die Häuser setzen. Don Juan . Ich will hinan bis unter ihren Türmen, Mag, ein Vulkan, sie Blitz und Flammen speien Und graue Wolken um die Sonne türmen. (ab.) Brito kommt. Brito . Gottlob, da bin ich im Revier des Maien Und kann zu Land' umhergehn nach Belieben, Von Schaukeln, Angst und Schwindel mich befreien. Nicht mehr im Meere werd' ich umgetrieben, Wo, bis sie erst ein hölzern Untier fragen, – Das doch ein Klotz, – der Flinkste muß verschieben, Mit raschem Lauf aus der Gefahr zu jagen. Mein liebes Land! ach, laß mich nicht verderben Im Wasser, noch bis zu den letzten Tagen Laß auch auf festem Lande je mich sterben! Enrique . Daß du den Narren anhörst! Fernando .                                           Daß dein Bangen Auf keine Weise Trost weiß zu erwerben! Ihm grundlos, unwillkürlich nachzuhangen, Bist du dem eignen Mut ganz abgefallen. Enrique . In Aengsten ist die Seele mir befangen, Ich wähne wider mich das Los gefallen, Seit, eben von Lisboa nur gewichen, Ich um mich sah des Todes Bilder wallen. Kaum daß zu den barbar'schen Himmelsstrichen Der Fahrt Beschluß uns beiden sich erfüllte, Als selbst Apollo, wie im Krampf erblichen, Ins Leichentuch der Wolken tief verhüllte Sein goldnes Antlitz und das Meer mit Brausen Zertrümmernd wider unsre Flotte brüllte. Blick' ich aufs Meer, so deckt es dunkles Grausen; Zum Himmel auf, so scheint mit Blut getränket Sein blauer Schleier; in die Luft, so hausen Nur nächt'ge Vögel drin; den Blick gelenket Zur Erde, seh ich Grüfte dar sich stellen, Worein mich Armen bald mein Fall versenket. Fernando . Wohlan, so soll dir meine Lieb' erhellen, Was dieser schwermutsvolle Schein bedeute. Daß uns ein Schiff verschluckt die stürm'schen Wellen, Sagt uns, entbehrlich waren diese Leute, Um zu vollbringen, was wir unternommen; Daß der durchsicht'ge Himmel Purpur streute, War Schmuck, nicht Graun; und sind uns vorgekommen In Lüften Vögel, Ungeheur im Meere: Wir haben nicht hieher sie mitgenommen. Wenn sie denn hier sind, muß es nicht bewähren, Daß sie dies Land, worin sie greulich nisten, Von seinem blut'gen Ende vorbelehren? Dergleichen schnöde Zeichen überlisten Mit leerem Schreck die Mohren, die draus bauen, Nicht irre machen wollen sie die Christen. Wir beide sind's: kein eitles Selbstvertrauen Lockt uns, hier unsre Waffen zu erproben, Damit der Menschen Augen mögen schauen Den großen Sieg im Buch des Ruhms erhoben. Wir kommen, Gottes Glauben zu verbreiten; Ihn preisen müssen wir, ihn einzig loben, Wenn triumphierend diesen Kampf wir streiten. Doch soll uns nicht des Sieges Lohn erfreuen, So werden wir beglückt zum Tode schreiten. Die Strafe Gottes ist es recht zu scheuen, Sie pflegt sich nicht mit leerem Schreck zu fristen. Nicht frevelnd kommen wir, als seine Treuen: Christen ja seid ihr, wohl, so thut wie Christen! – Doch was ist dies? Don Juan tritt auf. Don Juan .                     Herr, zur Mauer, Deinem Wort gehorsam, gehend, Sah ich leichter Pferde Scharen An dem Fuße dieser Berge, Die von dort hinaus gen Fez Sich so schnell hieherwärts wenden, Daß dem Blick sie Vögel scheinen, Nicht vierfüßigen Geschlechtes. Zwar vom Winde nicht getragen, Fühlet doch sie kaum die Erde, Und so weiß nicht Erd' und Luft, Ob sie fliegen oder schweben. Fernando . Ziehn wir aus, sie zu empfangen! Sich zuerst in Reihen stellen Laßt die Bogenschützen, dann, Die mit Pferden sind versehen, Ebenfalls, nach ihrer Weise, Mit den Harnischen und Speeren. Auf, Enrique! Guten Anfang Will uns dieser Anlaß schenken: Sei getrost! Enrique .             Ich bin dein Bruder, Nicht erschreckt der Zeiten Wechsel Jemals mich, noch würde selbst Mich des Todes Antlitz schrecken. (Alle ab außer Brito.) Brito . Mir kommt stets die Wache zu Bei dem Troß im Hintertreffen. O welch braves Scharmutzieren! Schon sind sie im Handgemenge: Ein gar herrlich Spiel mit Röhren! Ich muß nur mich sicher stellen. (ab.)     Schlachtfeld. Getümmel. Don Juan und Don Enrique und Truppen kommen im Gefecht mit den Mohren . Enrique . Auf sie ein! ihr seht die Mohren Schon besiegt den Rücken kehren. Don Juan . Und sie räumen, voll von Beute, Voll von ihrem Volk und Pferden, Dieses Feld. Enrique .               Wo Don Fernando Sein mag, daß wir ihn nicht sehen? Don Juan . Er ist so weit eingedrungen, Daß das Aug' ihn nicht entdecket. Enrique . Auf, Coutinho, ihn zu suchen! Don Juan . Stets an deiner Seite steh' ich. (Alle ab.) Don Fernando mit Muleys Säbel und Muley bloß mit seiner Tartsche treten auf. Fernando . Auf dem Felde, das verlassen Ein gemeinsam Grab darstellet All der Leichen, wenn man's nicht Will des Todes Bühne nennen, Bist du, Mohr, allein geblieben, Weil dein Kriegsheer überwältigt Sich zurückzog und dein Roß, Welchem Meere Bluts entquellen, Eingehüllt von Staub und Schaum, Den es selbst erregt und schwellet, Dich verließ als eine Beute Meiner kühnen starken Rechten, Mitten unter der besiegten Reiterscharen led'gen Pferden. Ich nun, froh solch eines Sieges, Der mich stolz macht und verherrlicht, Mehr, als daß ich dies Gefilde Sehe ganz bekränzt mit Nelken: Denn so viel ist des vergoßnen Bluts, womit es sich verbrämet, Daß den Augen ein Erbarmen Ward erregt, so groß und heftig, Doch nicht Jammer stets zu schauen, Nicht Verheerung stets zu sehen, Daß sie unter all dem Roten Spähten nach dem Grün des Feldes, – Da nun endlich meiner Kraft Unterlegen dein beherzter Mut, griff ich ein herrenloses Aus so viel verlornen Pferden: Solch ein Wunder, daß, des Windes Kind, es Anspruch am Geschlechte Macht des Feuers, welche beide Lügen straft, sie nicht erkennend, Seine Farbe; da sie weiß ist, Sagt das Wasser: Meiner Sphäre Zeugung ist es, ich allein Ließ gerinnen es von Schnee. Wie der Blitz im hohen Schwunge, Wie der Wind in seiner Schnelle, War es nach der Weiße Schwan, Schlange nach den blut'gen Flecken, Stolz in seiner Schönheit Prangen, In dem raschen Mut verwegen, Freudevoll in seinem Wiehern, In den Fersenbüscheln kräftig. Auf den Sattel und die Kroppe Uns zusammen beide setzend, Brachen wir durch Meere Blutes, Wo, in deren furchtbarn Wellen, Dies beseelte Schiff, die Stirne Wie zum Vorderteil verkehret, Brechend durch die Purpurmasse, Von dem Schweif zum Busch der Mähne, Zwischen Schaum und Blut erschien – Da ich's einmal Schiff genennet, – Von vier Spornen nun verwundet, Als ob es vier Winde drängten. Es erlag zuletzt, wenn's Bürden Gibt, die solchen Atlas lähmen; Wiewohl die des Unglücks fühlen Unvernünft'ge Tiere selber; Oder sei's, daß es gerührt Zu sich sprach im innern Regen: »Traurig reiset der Alarbe, Da der Spanier froh sich wendet; Bin ich meinem Vaterlande Denn nicht treulos und Verräter? Hier will ich nicht weiter fort.« – Und da du so traurig stehest, Daß dein Herz, wiewohl, so sehr Es vermag, es sich verstellet, Durch den Mund und durch die Augen, Als Vulkan' im Busen brennend, Heiße Seufzer schickt zum Himmel Und vergießet inn'ge Zähren: So erstaunt mein Mut, zu sehen Jedesmal, wann ich mich wende, Daß ein Streich des Glücks den deinen Konnte ganz danieder werfen. Darum denk' ich, muß ein andrer Grund es sein, was dich bedränget, Weil der Freiheit wegen bloß Es nicht recht noch schicklich wäre, Daß so weichlich sollte weinen, Wer so männlich weiß zu fechten. Wenn der Uebel Mitteilung Also Lindrung kann gewähren Den Gefühlen, laß derweile, Bis wir meinem Heer uns nähern, Mein Verlangen deinem Kummer, Wenn so großer Gunst es wert ist, Diese Frage thun, verbindlich Und mit freundschaftlichen Reden: Was dich quält? denn nicht mehr dünkt mich, Daß Gefangensein dich quäle. Mitgeteilet, wird der Schmerz Sanfter, wo nicht ganz gezähmet; Und ich nun, als der am meisten Teil gehabt an diesem Wechsel Deines Glücks, will ebenfalls Der sein, welcher tröstend hebet, Was die Ursach deiner Seufzer, Wenn es sonst zu heben stehet. Muley . Tapfer bist du und so höflich, Spanier, wie beherzt in Kämpfen; Weißt zu siegen mit der Zunge, Wie du siegtest mit dem Schwerte. Dein war schon mein Leben, da du Mich hast unter meinem Heere Mit dem Schwert besiegt; doch jetzo, Da mich deine Zunge fesselt, Ist die Seele dein: so muß Seel' und Leben sich bekennen Dein, du bist der Herr von beiden, Da du grausam bald, bald gnädig, In der Sitt' und in den Waffen, Zwiefach mich gefangen legest. Von Erbarmen tief bewegt, Mich zu hören und zu sehen, Fragst du, Spanier, nach der Ursach Meiner Seufzer, die so brennend. Zwar bekenn' ich, daß das Leid, Wiederholt, gesprochen, pfleget Sich zu mäß'gen, doch nicht minder, Daß, wer's wiederholt, begehret, Es zu lindern; und mein Leid Ist so meiner Freuden Herrscher, Um nicht ihnen willzufahren Und mir Lindrung zuzuwenden, Möcht' ich nicht sie wiederholen; Doch du kannst mir jetzt befehlen, Und dir sagen will ich sie, Meiner selbst und deinetwegen. Muley Scheik heiß' ich mit Namen, Bin in Fez des Königs Neffe, Mein Geschlecht von vielen Paschas Und von Beglerbeien glänzend. So sehr war ich Sohn des Unglücks Seit des Tages erstem Dämmern, Daß ich in des Todes Armen Lag schon an des Lebens Schwelle. Ein verödetes Gefilde, Das von Spaniern ein mächt'ges Grabmal war, hatt' ich zur Wiege: Gelves, damit du's erkennest, Sah mich in dem Jahr geboren, Wo ihr untergingt in Gelves. Jung kam ich zum Dienst des Königs, Meines Oheims; doch es trete Gleich das Unglück auf und Leiden! Ende jedes Glücks nur, ende! Nach Fez kam ich; eine Schönheit, Die ich allzeit angebetet, Lebte dicht bei meinem Hause, Daß ich stürb' um desto näher; Und seit meinen ersten Jahren, Daß sie würd' um so beständ'ger, Diese Lieb', und mehr unmöglich, Sie zu end'gen und zu brechen, Wurden wir vereint erzogen. Nicht als Blitz den Kinderseelen Wies die Liebe sich: sie traf, Was unmündig, schwach und zärtlich, Mit mehr Kraft, als sie gekonnt Das Erhabne, Hohe, Mächt'ge; Ja, sie mußt', um zu beweisen Ihre Macht und ihre Stärke, Mit verschieden Widerhaken Unsre beiden Herzen treffen. Aber wie des Wassers Drang Pflegt den Steinen einzuprägen Seine Spur, durch die Gewalt Nicht, nur weil es fällt beständig: Durch ein ewiges Beharren Haben so auch meine Thränen Sich in ihres Herzens Stein, Dem der Demant weicht an Härte, Eingegraben, und mit nichten Durch Gewalt vollkommnen Wertes; Bloß durch meine große Liebe Ließ sie sich erweichen endlich. In dem Zustand lebt' ich dann Ein'ge Zeit, die kurz nur währte, Wo um mich in milden Lüften Tausend Liebeswonnen wehten. Ich entfernte mich zum Unglück; Alles sagt dir dies Entfernen: Denn indessen kam ein andrer Freier, mir den Tod zu geben. Er beglückt und ich unglücklich, Ich entfernt, er gegenwärtig, Ich gefangen und er frei, Wird er mir mein Los entwenden, Da ich dein Gefangner wurde: Sieh, ob ich mit Recht mich quäle. Fernando . Tapfrer und gewandter Mohr, Wenn du, wie du sagst, anbetest, So vergötterst, wie du schilderst, Wenn du liebst, wie du's erhebest, Wenn du eiferst, wie du seufzest, Wenn du fürchtest, wie du wähnest, Und so, wie du trauerst, liebest: Wohl, so leidest du glückselig. Keinen Preis für deine Lösung Will ich, als daß du sie nehmest. Kehre heim, sag' deiner Dame: Ihr zum eignen Sklaven sende Dich ein portugies'scher Ritter; Und wenn dankbar sie begehret, Mir den Preis für dich zu zahlen, Sei mein Lohn dir abgetreten: Nimm die Schuld in Lieb' ersetzt Und um ihre Zinsen werbe. Scheint es doch, als ob das Roß, Das erliegend fiel zur Erde, Durch die Ruh und die Erholung Wiederum zu Kräften käme. Weil ich weiß, was Lieben heißt, Und was Zögrung bei Entfernten, Halt' ich dich nicht länger auf; Schwing dich auf dein Pferd und gehe. Muley . Nichts erwidert meine Stimme, Denn man kann dem freien Geber Einzig durch Empfangen schmeicheln. Sag', wer bist du? Laß dich kennen. Fernando . Nur ein Edler und nichts weiter. Muley . Wer du sein magst, du bewährst es. So in gut als übler Zeit Hast du mich zum ew'gen Knechte. Fernando . Nimm das Pferd, es ist schon spät. Muley . Wenn es dir so scheint, wie fänd' es Der wohl, der, zuvor gefangen, Frei zu seiner Dame kehret? Fernando . Geben, mehr noch Leben schaffen, Ist ein edles Thun. Muley (hinter der Szene) . Beherzter Portugiese! Fernando .         Noch vom Rosse Spricht er: – Was ist dein Begehren? Muley (hinter der Szene) . Einst noch hoff' ich dir in Zukunft So viel Gutes zu vergelten. Fernando . Mög' es dich erfreun. Muley .                                         Denn Wohlthun Fällt ja wahrlich nie zur Erde. Allah woll' dich schützen, Spanier. Fernando . Dir, wenn Allah Gott ist, helf' er. (Trommeln und Trompeten hinter der Szene.) Doch welch Trompetenschmettern Bestürmt die Gegend, trübt die Luft mit Wettern? Und von der andern Seite Vernehm' ich Trommeln: die Musik zum Streite Ist beides. Enrique tritt auf. Enrique .           O mit Keuchen Komm' ich, Fernando, um dich zu erreichen! Fernando . Enrique, was fiel vor? Enrique .                                         Der Töne Hader, Von Fez und von Marokko die Geschwader Stiften ihn; Tarudante Steht bei dem Herrn von Fez, und der entbrannte König kommt mit den seinen: Dies Doppelheer will sich um uns vereinen, So daß wir, ganz umlagert, Zugleich hier sind Belagrer und belagert. Wenn wir den Rücken kehren Dem einen, können wir uns nicht erwehren Des andern, denn von hier und dort geblendet Stehn wir in Blitzen, die der Kriegsgott sendet. Was soll'n wir thun, da so viel Stürm' uns trafen? Fernando . Was? Sterben wie die Braven, Als unerschrockne Geister. Sind wir Infanten nicht, sind Ordensmeister? Es wär' genug, daß wir zwei Portugiesen Vom Volke wären, um nicht Furcht zu kennen Von Angesicht: Avis und Christus nennen Laßt uns mit lautem Schallen Und für den Glauben fallen, Da wir zum Sterben kommen. Don Juan tritt auf. Don Juan . Die Landung ward zum Unheil unternommen. Fernando . Jetzt ist nicht Zeit zu Mitteln, Die Arme müssen einzig es vermitteln, Da beide Heer' uns in die Mitte raffen. Wohlan: Avis und Christus! Don Juan .                                     Waffen! Waffen! Alle mit gezogenen Degen ab, die Schlacht wird geliefert, und Brito kommt. Brito . In beider Heere Mitten Sind wir gefangen, und da hilft kein Bitten: Was für hundsfött'sche Worte! Ließ doch das ew'ge Schloß der Himmelspforte Nur eine Klinze offen, Wo Zuflucht vor Gefahren könnte hoffen, Wer mit herkam in Eile Und weiß nicht wie, warum; doch eine Weile Will ich zum Schein mich tot zu sein bequemen Und will das für den Tod in Zukunft nehmen. (Er wirft sich an die Erde.) Ein Mohr kommt im Gefecht mit Enrique . Mohr . Wer setzt sich so zur Wehre, Obschon mein Arm, ein Strahl der vierten Sphäre, Ihn zückend will verderben? Enrique . Nun wohl! muß ich auch straucheln, fallen, sterben Auf lauter Christenleichen, Dennoch soll nicht der Hände Kraft entweichen: Sie mag des Namens Stelle dir vertreten. Brito . Gotts Sakrament, wie gut der weiß zu treten! (Sie treten über ihn weg und ab.) Muley und Don Juan kommen im Gefecht. Muley . Ja, tapfrer Portugiese, Ob deine Stärke noch so groß sich wiese, Verdrießt's nicht meinen Mut: an diesem Tage Möcht' ich den Sieg euch gönnen. Don Juan .                                             Grimm'ge Plage! Daß, taumelnd und erblindet, Mein Fußtritt nichts als Christenleichen findet! Brito . Was ihm geschenkt sein sollte, Mein bester Herr, wenn er nicht treten wollte. (Sie treten über ihn weg und ab.) Fernando kommt, indem er sich vor dem Könige und andern Mohren zurückzieht. König . Gib, stolzer Portugiese, deinen Degen! Kann ich dich lebend hegen In meiner Macht, verheiß' ich Dein Freund zu sein. Wer bist du? rede! sage! Fernando . Ein Ritter bin ich, frage Nicht mehr, gib mir den Tod. Don Juan kommt und stellt sich neben ihn. Don Juan . Erst, hoher Herr, sei meine Brust bedroht! Als diamantne Mauer Soll sie beschirmen deines Lebens Dauer, Fernando, mir so teuer! Auf, zeige jetzt das angestammte Feuer! König . Warum noch zögr' ich lange, Da ich dies höre? Haltet! ich verlange Nicht höhern Preis vom Kriege: Dieser Gefangne gnügt zu meinem Siege. Und weil denn vom Verhängnis Dein Tod beschlossen oder dein Gefängnis, Fernando, gib den Degen Dem Herrn von Fez. Muley kommt. Muley .                             Wobei bin ich zugegen? Fernando . Ihn einem König geben Will ich; Verzweiflung wär's, noch widerstreben. Enrique kommt. Enrique . Mein Bruder hier gefangen? Fernando . Enrique, hemme dein wehklagend Bangen, Denn in des Zufalls Reiche Sind dies des Glückes widerwärtige Streiche. König . Enrique, in die Hände Fiel Don Fernando mir: wie leicht ich's fände, Die Uebermacht zu zeigen Durch euren Tod, so will ich, was mein eigen, Für heute nur beschützen; Denn euer Blut kann nicht so viel mir nützen Zu weltberühmten Ehren, Als euer Leben dient, sie mir zu mehren. Und daß vom Lösegelde Man um so pünktlicher dem König melde, Kehr' du zurück; zum Pfande Bleibt hier Fernando, bis aus diesem Stande Du kommst ihn zu erlösen. Doch sag' dem Eduard, daß, ihn auszulösen Er nur vergeblich sende, Gibt er mir Ceuta nicht durch seine Hände. Und Eure Hoheit wolle, Damit ich Dank für so viel Ruhm ihr zolle, Mich nun nach Fez begleiten. Fernando . Mich soll'n die Strahlen meiner Sphäre leiten. Muley (beiseite) . Daß mich noch mehr in Engen, O Himmel! Eifersucht und Freundschaft drängen. Fernando . Enrique, hier gefangen Macht weder Uebel mich, noch Glück erbangen. Doch unserm Bruder sage, Daß er sich wie ein christlich Haupt betrage Bei meinem Unglücksfalle. Enrique . Wie? kennen wir nicht seine Großmut alle? Fernando . Dies heiß' ich dich betreiben: Er handle wie ein Christ. Enrique .                                   Nicht außen bleiben Will ich, so wahr ich's bin. Fernando .                                   Laß dich umschlingen. Enrique . Du bist Gefangner und legst mich in Schlingen! Fernando . Don Juan, leb wohl! Don Juan .                                   Ich bleibe dir vereinet, Schick' mich nicht von dir. Fernando .                                   Freund, der's redlich meinet! Enrique . Weh diesem Unglückstage! Fernando . Sag' du dem König, – aber nichts ihm sage: In tiefem Schweigen bringt das bange Wähnen Dem König, meinem Bruder, diese Thränen. (Alle ab.) Zwei Mohren kommen und sehen den Brito als tot liegen. Erster Mohr . Ein Christen-Leichnam ist's, den ich hier sehe. Zweiter Mohr . Daß keine Pest entstehe, Werft nur ins Meer die Toten. Brito . Wenn ich euch erst, die Köpfe wohl zerschroten, Auf Hieb und Stich bewiesen, Auch noch gestorben, sein wir Portugiesen. (Er verfolgt sie mit Degenstichen.) Zweiter Akt. Gebirgige Waldgegend. Phönix tritt auf. Phönix . Zara! Rosa! Zelima! Gibt mir niemand Antwort? Muley tritt auf. Muley .                                         Ich; Bist du Sonne doch für mich, Und dein Schatten bin ich ja, Und er blieb der Sonne nah. Deiner Stimme süßes Hallen Hörend, hab' ich dich vor allen Im Gebirge hier erreicht. Was ist? Phönix .         Hör', ob ich vielleicht Sagen kann, was vorgefallen. Schmeichlerisch, frei, undankbar, Süß und schalkhaft, eine Quelle Strömte hin die sanfte Welle Aus Kristall und Silber klar: Schmeichlerisch bot sie sich dar, Weil sie sprach und nicht empfand; Süß, weil Täuschung sie erfand; Frei, weil keinem sie verstummte; Schalkhaft, weil sie heimlich summte; Undankbar, weil nichts sie band. Dorthin kam ich abgemattet, Als ich lang' mit leichten Tritten Einem Wilde nachgeschritten, Wo mir Ruhe ward verstattet Im Gebirge, kühl umschattet: Eines Hügels Wände machten, Wie sie schön gekränzet lachten So mit Nelken als Jasmin, Auf ein Feldbett von Karmin Mir ein Lager von Smaragden. Kaum nun schwand allmählich da In dem einsam stillen Düstern Mir der Sinn, als rauschend Flüstern In der Bäume Laub geschah. Horchend fuhr ich auf und sah Eine afrikan'sche Alte, Ein Gespenst, das ungestalte Menschenbildung sich gegeben; Ein Gerippe nach dem Leben, Das als Schatten vor mir wallte. Hohl und runzlicht eingekniffen Das Gesicht, mit rohem Rumpfe, Bildwerk war's aus einem Stumpfe, Dessen Rinde nicht geschliffen. Von schwermüt'gem Weh ergriffen Und Betrübnis, die mit Bangen Immer das Gemüt umfangen, Faßte sie mir eine Hand, Und als Baumstamm fest gebannt Fühlt' ich mich an Wurzeln hangen. Eis in Adern ließ mir rollen Die Berührung, Graun der Laut, Der, von kaltem Gift betaut, Wie dem Mund die Wort' entquollen Unvernehmlich fast erschollen, Mich ließ hören dies allein: »Armes Weib! ach, welche Pein! Schrecklich Los, um das ich stöhne! Muß denn wirklich diese Schöne Preis für einen Toten sein?« So sprach sie, nun leb' ich traurig, Daß ich's eher nenn' ein Sterben; Auf das gräßliche Verderben, Was der flücht'ge Stamm so schaurig Mir verkündigt, immer laur' ich; Was die Ahnungen mir drohten, Das Orakel starr geboten Ueber meines Lebens Schluß: Weh mir, die ich werden muß Schnöder Preis für einen Toten! (ab.) Muley . Dieses Traumbild, dieser Schein Findet leicht Entzifferung, Denn es ist die Abbildung Meiner ungemeßnen Pein. Tarudante'n mußt du weihn Dich als Gattin, aber ich Sterbe, so zu denken dich; Drum will ich mein Unheil stören, Du sollst nicht ihm angehören, Wenn er nicht erst tötet mich. Dich verlieren kann ich zwar, Leben nicht nach dem Verlust: Wenn ich sterben denn gemußt, Eh' ich's werden sehe wahr, Kauft mein Leben ja fürwahr – Himmel! – deiner Liebe Frucht; Und von Leiden heimgesucht Wirst du Preis für einen Toten, Wenn zu sterben mir geboten Liebe, Neid und Eifersucht. Don Fernando und drei Christensklaven kommen. Erster Christensklav . Aus dem Garten sahn wir dich, Wo wir in der Arbeit stehen, Auf die Jagd, Fernando, gehen, Und so wollten alle sich Werfen hier zu deinen Füßen. Zweiter Christensklav . Keinen Trost als einzig diesen Hat der Himmel uns erwiesen. Dritter Christensklav . Er will unser Leid versüßen. Fernando . Freunde, kommt, mich zu umarmen! Und Gott weiß, ob ich die Banden Die euch hier die Häls' umwanden, Gern mit diesen meinen Armen Reißen möchte; denn, fürwahr! Freiheit sollten sie euch schenken, Eh'r als mir; doch ihr müßt denken, Daß es Gunst des Himmels war, Wenn sein Spruch euch so gebunden. Bessern wird er euer Los, Denn ein Unglück, noch so groß, Wird durch Weisheit überwunden. Duldet denn zu ihrem Ruhme, Was die Zeit will und das Glücke! Wüste Gottheit voller Tücke, Heute Leich' und gestern Blume, Kann es nie sich gleich verweilen, Und so wird es anders wenden Euren Stand. – Ach Gott! Elenden Nichts als guten Rat erteilen Ist nicht weis'; und wie bereit Ich auch wär', euch zu bedenken, Hab' ich diesmal nichts zu schenken: Lieben Freunde, o verzeiht! Bald aus Portugal gewähret Wird mir Beistand: trifft er ein, Soll mein Gut das eure sein; Nur für euch hab' ich's begehret. Wenn aus der Gefangenschaft Man mich löset, auf mein Wort Nehm' ich all' euch mit mir fort. Geht mit Gott zur Arbeit! schafft, Daß euch eure Herrn nicht schelten. Erster Christensklav . Durch dein Leben, Herr, wird Heil Unsrer Sklaverei zu teil. Zweiter Christensklav . Möge, Herr, dir's zu vergelten, Deine Zeit mehr Jahr' umfassen, Als der Phönix lebt. (Sie gehen ab.) Fernando .                       Die Seele Ringt, wie sie den Gram verhehle, Da ich euch muß von mir lassen Ohne Gabe: daß mir doch Etwas, euch zu helfen, bliebe! Muley . Ich steh' hier und seh' die Liebe, Womit Ihr das harte Joch Dieser Sklaven sucht zu mildern. Fernando . Ihr Geschick geht mir zu Herzen, An dem Stand voll Not und Schmerzen, Den uns diese Sklaven schildern, Lern' ich selbst das Unglück tragen; Auch die Zeit wohl kommen dürfte, Daß ich ihrer noch bedürfte. Muley . Kanu dies Eure Hoheit sagen? Fernando . Als Infant zur Welt gekommen, Ward ich Sklav: das lehret mich, Daß aus diesem Zustand ich Könnt' in tiefres Elend kommen. Ist ja vom Infantenrechte Bis zum Knecht viel weiter hin, Was ich schon geworden bin, Als vom Knecht zum ärmern Knechte. Tage rufen andre Tage Und verketten je und je Klag' um Klage, Weh um Weh. Muley . Hätt' ich doch nicht größre Plage! Morgen steht Eur Hoheit offen, Ist sie heute schon verbannt, Rückkehr in das Vaterland: Aber eitel ist mein Hoffen, Denn ich weiß, daß nimmermehr Mich mein falsches Glück verschont, Wandelbarer als der Mond. Fernando . Lebt' ich gleich in Fez seither, Nie hab' ich von jener Liebe, Die du mir erzähltest, hier Mehr gehört. Muley .                 Es fand bei mir Holde Gunst verschwiegne Triebe. Nie den Gegenstand zu nennen, Schwor ich, Freundschaft heißt mich sprechen: Ohne meinen Schwur zu brechen, Will ich dir ihn denn bekennen. Nichts kann meinen Schmerz erreichen Bei so unerreichtem Triebe: Denn zur Welt kam meine Liebe Und der Phönix ohnegleichen. Phönix ist mein hohes Trachten, Wenn ich höre, seh' und schweige; Wenn ich Schmerz und Liebe zeige, Phönix meiner Seele Schmachten; Wenn ich leiden muß und beben, Phönix meiner Zweifel Bangen; Darf ich werben und verlangen, Phönix auch der Hoffnung Streben. Und da ich in ihren Siegen Lieb' als Phönix dir genannt, Hab' ich als ein Freund bekannt, Als ein Liebender geschwiegen. (ab.) Fernando . Wen er liebt, hat er erklärt, Zart und mit gefäll'ger List, Wenn sein Leiden Phönix ist, Sei der Vorrang ihm gewährt. Meins ist ein gemeines Leiden, Keinen Anspruch will ich wagen: Viele haben es ertragen, Seine Last wird niemand neiden. Der König tritt auf mit Muley . König . Deiner Hoheit folgend komm' ich An dem Fuße dieser Höhen, Daß du, eh die Sonn' in Perlen Und Korallen wird erlöschen, Dich am Hetzen eines Tigers, Den soeben meine Förster Stellen, unterhaltest. Fernando .                       Herr, Stündlich sinnst du, neu Ergötzen Mir zu schaffen: wenn du so Deine Sklaven feierst, können Sie ihr Vaterland nicht missen. König . Kriegsgefangne von der Größe, Die den Herren ehren, so Zu bedienen sich gehört es. Don Juan tritt auf. Don Juan . Hoher Herr, tritt an die Küste, Und das herrlichste Geschöpfe Wirst du sehn, womit die Kunst Jemals die Natur erhöhte. Eine christliche Galeere Wendet von des Meeres Höhe Sich zum Hafen, obwohl düster Ganz und schwarz, von solcher Schöne, Daß man staunt, wenn man sie siehet, Wie die Traurigkeit so fröhlich. Von den Schilden Portugals Ist der Gipfel ihr gekrönet, Denn, da ihr Infant gefangen, Legen sie die Trauerflore An um seine Sklaverei, Und sie kommen, ihn zu lösen, Ihren Schmerz also verkündend. Fernando . Nein, mein Freund Don Juan, wie möchte Dies der Grund der Trauer sein? Kämen sie, um mich zu lösen, Dann, beglaubigend die Freiheit, Wären auch die Zeichen fröhlich. Don Enrique in Trauer, mit einem offenen Briefe in der Hand, und Gefolge. Enrique . Laßt Euch, hoher Herr, umarmen. König . Eure Hoheit grüß' ich schönstens. Fernando . Ah, Don Juan, das bringt mir Tod! König . Ah, Muley, das bringt mir Größe! Enrique . Da mir Eure Gegenwart Euer Wohlergehn eröffnet, Hoher Herr, wollt, meinen Bruder Zu umarmen, mir vergönnen. Ah, Fernando! (Sie umarmen sich.) Fernando .               Mein Enrique, Welche Tracht ist dies? doch zögre! Schon genug sagt mir dein Auge, Laß mich's nicht in Worten hören. Weine nicht, denn soll's mir sagen, Ewig müss' ich nun hier frönen: Dies nur ist's, was ich begehre; Daß du Glück mir wünschen könntest, Und statt Schmerz und Trauer, Feste Froh begehn, in Kleidern köstlich. Sag', was macht mein Herr und Bruder? Ist im Wohlsein nur der König, So betrübt mich nichts. Noch schweigst du? Enrique . Weil man wiederholte Stöße Doppelt fühlt und ich nur einmal Sie dich fühlen lassen möchte. Du vernimm mich, hoher Herr! Sind gleich eines Berges Höhen Ländlicher Palast nur, hier Bitt' ich, wollest du Gehör mir, Einem Kriegsgefangnen Freiheit, Achtung dem Berichte gönnen. Heimwärts wandte sich die Flotte, Die zuvor mit eitler Größe Last der Fluten war gewesen, Einen ihrer Königssöhne Hier zurück gefangen lassend, Nach Lisboa, halb zerstöret. Von der Stunde nun, wo solchen Trag'schen Vorfall Eduard hörte, Ward von einer Traurigkeit Dergestalt sein Herz umwölket, Daß er, bald die erste Schwermut In Ermattung aufgelöst, Starb und jeden Lügen strafte, Der da sagt, daß Gram nicht töte. Eduard starb, lohn' ihm der Himmel! Fernando . Weh mir! mein Gefängnis, kömmt es Ihm so hoch zu stehn? König .                                 Weiß Allah, Wie mich dieser Fall verstöret. Fahre fort! Enrique .           Im Testamente Gab Befehl mein Herr, der König, Daß man gleich für die Person Des Infanten Ceuta böte. Und so komm' ich mit der Vollmacht Des Alfonso, den man krönte, Weil nur solch ein Morgenstern Mildern kann der Sonn' Erlöschen, Um die Stadt zu übergeben, Und demnach – Fernando .                 Nicht weiter! Höre Auf, Enrique! Denn dies sind Worte, die unwürdig tönen, Nicht nur eines Kron-Infanten Portugals und der erhöhet Ward zu Christus' Ordensmeister, Nein, sie wären's eines schnöden Wilden, den der ew'ge Glaube Nie erleuchtet des Erlösers. Wenn mein Bruder, jetzt im Himmel, Auch im Testamente förmlich Dies bedingt, geschah es nicht, Daß man demgemäß beschlösse, Sondern bloß, um zu bezeugen, Daß er wünsche mich zu lösen. Und dies suche man durch andre Weg' und Mittel zu befördern. Sei'n sie mild nun, oder feindlich. Denn, wenn er befiehlt, man möge Ceuta geben, heißt dies nur: Ringt darnach aufs allerhöchste. Denn, wie wär's, wie wär's zu denken, Daß ein echt kathol'scher König Uebergäb' an einen Mohren Eine Stadt, um die verströmet Ward sein Blut, da er der erste War, der ihrer Zinnen Höhe, Bloß bewehrt mit Tartsch' und Degen, Selbst mit den fünf Schildlein krönte? Und dies ist noch das Geringste: Eine Stadt, die Gott den Schöpfer Auf kathol'sche Weis' erkennt, Die durch Kirchen wird verschönert, Welche Lieb und Ehrerbietung Seinem Dienste hat geöffnet: Wär' es ein katholisch Thun, Wär' es Eifer für das Frömmste, Wär' es christliches Erbarmen, Wär' es portugies'sche Größe, Daß die Atlasse der Sphären, Jene Tempel für den Höchsten, An der Stelle goldner Lichter, Welche jetzt die Sonne rötet, Ottoman'sche Schatten sähen Und daß, sich der Kirch' empörend, Ihre Monde spielen dürften Der Verfinsterung Tragödien? Wär' es gut, daß man zu Ställen Die Kapellen dort verstörte, Die Altäre drin zu Krippen? Und, wenn sie sich dem entzögen, Daß sie zu Moscheen würden? Hier versagen mir die Töne, Hier gebricht es mir an Atem, Hier beklemmt der Gram mich tödlich; Denn, wenn ich es denke schon, Ist's, als ob das Herz mir börste, Sträubt mein Haar sich auf dem Haupte, Und es bebt der ganze Körper. Denn in Ställen und in Krippen, Nicht zum erstenmal, schon öfter Hätte Gott als Gast gewohnt; Aber als Moscheen gewönnen Wir an ihnen eine Denkschrift, Zu unsterblichem Erröten, Lautend so: Hier hatte Gott Wohnung, und um sie dem Bösen Einzuräumen, weigern jetzt sie Ihm die Christen. Nicht erhöret Ist's ja, menschlich nur zu reden, Daß man, irgend wen zu höhnen, Eindringt in sein Haus; wär's billig, Daß eindränge, Gott zu höhnen, In sein eignes Haus das Laster Und daß wir dazu ihm böten Das Geleit, daß wir sogar Selber würden seine Pförtner Und, es drinnen zu bewahren, Gott verjagten, aus ihn schlössen? Die Kathol'schen, die dort wohnen Mit Familien und Vermögen, Würden leicht dem Glauben untreu, Nur damit sie's nicht verlören. Wär' es wohl von uns gethan, Diese Sünde zu befördern Durch Gelegenheit? Wär's billig, Daß der Christen zarte Söhne, Welche dort erwachsen, zeitig Von den Mohren zugewöhnet Ihren Sitten und Gebräuchen, Ein die falsche Lehre sögen? In elender Sklaverei, Wär' es billig, zu ertöten So manch Leben dort, um eines, Worauf nichts beruht, zu lösen? Wer bin ich? mehr als ein Mensch? Wenn's die Zahl ersetzen könnte, Ein Infant zu sein: Gefangner Bin ich jetzt, der Standeshöhe Ist ein Sklave nicht empfänglich; Ich bin's, so daß sich betröge, Wer Infant mich nennen wollte. Bin ich's nicht, wer wohl geböte, Daß das Leben eines Sklaven Solchen hohen Kaufpreis gölte? Sterben heißt das Sein verlieren, Ich verlor's im Schlachtgetöse; Ich verlor das Sein, so starb ich; Starb, so hieß' es nun ja thöricht Handeln, wenn um einen Toten So viel Leben würd' ertötet. Und so soll die eitle Vollmacht, Jetzt in Stücke ganz zerbröckelt, Nur wie Stäubchen in der Sonne, Nur im Feu'r wie Funken stöbern. (Er zerreißt die Vollmacht.) Doch nein, ich verschlinge sie, Daß kein Buchstab bleiben möge, Der der Welt verrat', es habe Lusitan'sche Heldengröße Dies gewollt. Ich bin dein Sklav: Ueber meine Freiheit, König, Schalte nun, ich will sie nicht, Noch auch kann sie mir gehören; Kehr', Enrique, heim und sage, Daß mir Afrika Grabhöhle Sei geworden, denn mein Leben Will ich, Tod zu scheinen, nöt'gen; Christen, tot ist euch Fernando; Mohren, euch als Sklav gehör' ich; Christensklaven, ein Genosse Fügt sich heut zu euren Nöten; Himmel, deine heil'gen Kirchen Läßt ein Mensch dir wieder öffnen; Meer, ein Unglückseliger schwellet Dir mit Thränen deine Ströme; Berg', ein Trauriger bewohnt euch, Gleich dem Wild in eurer Oede; Wind', ein Armer überladet Eure Region mit Stöhnen; Erd', ein Leichnam gräbt sich heute Seine Gruft in deinen Höhlen; König, Bruder, Mohren, Christen, Sonne, Mond und Sterngewölbe, Himmel, Erde, Meer und Winde, Wild und Berg', ihr alle höret's! Ein standhafter Prinz befestigt In Bedrängnissen und Nöten Heute den kathol'schen Glauben, Ehret das Gesetz des Höchsten. Denn, gäb's keinen andern Grund, Als daß Ceuta ward verschönert Durch die Weisung einer Kirche Der Empfängnis, rein und göttlich, Jener Königin und Herrin, Die so Erd' als Himmel krönet: Gern wollt' ich, so wahr sie lebet, Tausend Leben drum verströmen. König . Undankbarer und Fühlloser Für die Herrlichkeit und Größe Meines Reichs! wie kannst du so Mir das weigern und mißgönnen, Was am meisten ich begehre? Zwar, wenn dir mein Reich gehöret Mehr als deins, so kannst du leichtlich Ueber Sklaverei dich trösten. Aber da zu meinem Sklaven Du dich selbst bekennst und schwörest, Will ich dich als Sklaven halten, Und dein Volk und Bruder mögen Sehn, wie du mir jetzt die Füße Küssest, als ein Sklave frönend. Enrique . Welch ein Unglück! Muley .                                     Welch ein Schmerz! Enrique . Welch ein Schicksal! Don Juan .                                 Welche Nöten! König . Bist mein Sklav. Fernando .                     Ich bin's, doch wenig Kann dies deine Rache fördern. Wenn der Mensch zu einer Reise Sich vom Schoß der Erde löste, Ist's, damit nach manchen Irren Er zu ihr heimkehren möge. Dankbar sein muß ich dir mehr, Als dich schelten, denn du öffnest Mir Richtsteige, worauf eher Ich der Ruhe Ziel gewönne. König . Wenn du Sklav bist, können Titel Nicht, noch Renten dir gehören; Ceuta ist in deiner Macht: Wenn du mich als Herrn und König, Dich erkennst als meinen Sklaven, Warum Ceuta mir nicht öffnen? Fernando . Weil es Gottes ist, nicht mein. König . Muß dich das Gesetz nicht nöt'gen, Daß man seinem Herrn gehorche? So befehl' ich nun dir förmlich, Uebergib es mir. Fernando .                 Was recht ist, Sagt der Himmel, darin möge Seinem Herrn der Sklav gehorchen; Aber wenn der Herr beföhle Seinem Sklaven Böses thun, Wär' er nicht durch Pflicht genöt'get, Zu gehorchen, denn wenn jener Böses fordert, thut er Böses. König . Tod sei dein. Fernando .                 Das ist mir Leben. König . Daß er's dir nicht werden möge, Lebe sterbend! Ich kann wüten. Fernando . Ich zum Dulden mich gewöhnen. König . Wohl, so wirst du nicht befreit. Fernando . Und dir Ceuta nicht geöffnet. König . He da! Selim kommt. Selim .             Herr? König .                     Sei dieser Sklav All den andern ohne Zögern Völlig gleich gestellt: legt Ketten Um den Hals ihm und die Knöchel, In den Ställen soll er dienen Und im Garten und den Höfen, So wie alle schlecht gehalten; Nicht mehr trag' er seidne Röcke, Sondern dürft'ge grobe Zeuge, Sei mit schwarzem Brot beköst'get Und zum Trunk mit salz'gem Wasser, Schlaf' in feuchten dunkeln Löchern; Welcher Spruch auch seine Diener Und Vasallen gelten möge. Schafft sie alle fort. Enrique .                         Welch Unglück! Muley . Welcher Jammer! Don Juan .                         Welche Stöße! König . Ich will sehn, Barbar, will sehn, Ob dein Dulden mehr wird können, Als mein Wüten. Fernando .                 Ja, das sollst du, Jenes wird sich nie erschöpfen. (Man führt ihn fort.) König . Dir, Enrique, dem Geleit Meines Worts gemäß, vergönn' ich, Nach Lisboa heim zu segeln Von den afrikan'schen Höhen. Ihr Infant, ihr Ordensmeister Von Avis, so laß sie hören, Warte jetzt hier meine Pferde, Daß sie kommen, ihn zu lösen. Enrique . Ja, sie werden's; denn verlass' ich Ihn in seinen traur'gen Nöten, Kann ich's bringen übers Herz, Nicht ihn als Gefährt' zu trösten, So geschieht's, weil ich hieher Wieder kommen will mit größrer Stärk' und Macht, ihn zu befrein. König . Du thust wohl, wie du wirst können. Muley (beiseite) . Jetzo ist der Anlaß da, Darzuthun, was Treu vermöge: Leben dank' ich dem Fernando, Meine Schuld will ich ihm lösen. (ab.)   Garten. Selim und Fernando in Sklavenkleidern und mit Ketten. Selim . Dich heißt in diesem Garten Des Königs Wille der Bestellung warten Und keinen Widerstand hiebei verschulden. Fernando . Noch weiter als sein Wüten reicht mein Dulden. (Selim ab.) Es kommen Christensklaven , und einer singt, während die übrigen im Garten graben. Erster Christensklav (singt) .     Zur Erobrung Tangers sandte     Wider den Tyrann von Fez     Den Infanten Don Fernando     Der König sein Bruder her. Fernando . Daß mir zu allen Stunden Mein Unfall das Gedächtnis muß verwunden? Ich bin gebeugt, bekümmert. Zweiter Christensklav . Was steht Ihr, Kamerad, so unbekümmert? Weint doch nicht! tröstet Euch! Der Ordensmeister Hat uns gesagt, wir sollen Bald wieder heim und frei sein, wie wir wollen. Nicht einer soll in diesem Lande bleiben. Fernando . Wie kurze Zeit wird euch den Trost vertreiben! Zweiter Christensklav . Laßt Euch nicht so bedrängen Und helft mir, diese Blumen zu besprengen. Nehmt da die Eimer und geht Wasser holen Aus jenem Teich. Fernando .                   Ich will's, wie mir befohlen. Daß ich euch Wasser trage, Habt ihr wohl recht bedacht, denn meine Klage, Trübsale säend, Kränkungen bestellend, Gießt Ström' aus meinen Augen überschwellend. (ab.) Dritter Christensklav . Noch mehr Gefangne brachten Sie in dies Haus. Don Juan mit einem andern Christensklaven tritt auf. Don Juan .                   Laß uns genau beachten, Ob dies die Gärten waren, Wohin er kam, ob diese nichts erfahren. Denn minder würden werden In seiner Näh' die Leiden und Beschwerden Und tröstlicher die Lage. Mein Freund, so Gott dich mag behüten, sage: Sahst du nicht diesen Garten Den Ordensmeister Don Fernando warten? Zweiter Christensklav . Den hab' ich nicht gesehen. Don Juan . Kann ich dem Schmerz, den Thränen widerstehen? Dritter Christensklav . Das Haus ward aufgeschlossen, Sag' ich, man bracht' uns neue Mitgenossen. Fernando kommt zurück mit zwei gefüllten Wassereimern. Fernando . Erstaunt nicht, Menschen-Geister, Zu sehn, wie ein Infant, ein Ordensmeister In Schmach so elend ringet; Denn dies sind Spiele, die die Zeit vollbringet. Don Juan . In so elendem Stande, Herr, Eure Hoheit? Reißen will die Bande Die enge Brust vor Schmerzen. Fernando . Verzeih dir's Gott! du kränktest mich von Herzen, Don Juan, durch dein Entdecken. Ich wollte mich verbergen und verstecken Vor meines Volkes Blicken Und zu elendem, armem Dienst mich schicken. Zweiter Christensklav . Ach, Herr! ich bitt' Euch sehr, verzeiht in Gnaden, Daß ich so blind Euch Arbeit aufgeladen. Erster Christensklav . Vergönn' uns, Herr, die Knie vor dir zu beugen. Fernando . Steh auf, mein Freund! Nicht mehr solch Ehrbezeugen! Don Juan . Eur Hoheit – Fernando .                       Welche Hoheit kann der haben, Der lebt in solcher Niedrigkeit begraben? Seht mich geringem Leben, Als einen Sklaven unter euch, ergeben; Wenn wer sich an mich wendet, So sei's auf gleichen Fuß. Don Juan .                               Weswegen sendet Der Himmel keinen Blitz, um mich zu töten? Fernando . Don Juan, nicht so muß klagen in den Nöten Ein Edler: laß uns auf den Himmel bauen! Der Mut, die Weisheit, kühnes Selbstvertrauen Muß jetzt sich lassen sehen. Zara kommt mit einem Körbchen. Zara . Meine Prinzessin will im Garten gehen, Und sie befiehlt, mit seiner Blumen Prangen Und Farbenschmelz dies Körbchen zu umfangen. Fernando . Ich hoff', ihn ihr zu bringen, Denn jeder Dienst soll mir zuerst gelingen. Erster Christensklav . Wohl, laßt danach uns gehen. Zara . Ich will, indes ihr pflückt, hier wartend stehen. Fernando . Erweist mir keine Ehren, Da gleiche Leiden euch und mich beschweren: Und weil doch unsre Sachen, Wo heut nicht, morgen gleich der Tod wird machen, So wäre wohl geborgen, Wer heut nichts übrig ließ' zu thun für morgen. (Fernando ab mit den Christensklaven, die ihm den Vortritt lassen wollen.) Phönix tritt auf mit Rosa . Phönix . Hast du, Blumen mir zu bringen, Hier bestellt? Zara .                     Es ist geschehn. Phönix . Ihre Farben wollt' ich sehn, Um den Trübsinn zu verdringen. Rosa . Wie, Gebietrin, nur befingen Dich, getäuscht von Phantasien, Drückende Melancholien? Zara . Sage, was mit dir geschahe? Phönix . Nicht ein Traum war, was ich sahe, Da mein Unglück mir erschien. Wenn des Unglücksel'gen Mut Träumend einen Schatz besessen, Dann läßt, Zara, sich ermessen, Dies war ein erträumtes Gut. Doch, wenn kund der Traum ihm thut, Während falsch sein Glück verschwindet, Welch ein. Mißgeschick ihn bindet, Sieht er es mit eignen Augen, Da, was auch sein Traum mag taugen, Er erwachend Uebles findet. Zu gewiß ist – wehe mir! – Was die Ahnungen mir drohten. Zara . Und was bleibt für jenen Toten, Trauerst du so über dir? Phönix . Schon dünkt mich mein Unglück hier: Eines Toten Preis! Wie wich Alle Lust von mir! was glich Je des ärmsten Weibes Pein? Eines Toten muß ich sein? Wer ist dieser Tote? Fernando kommt zurück mit den Blumen. Fernando .                         Ich – Phönix . Was, o Himmel, muß ich schauen? Fernando . So verstört? Phönix .                         Gleich sehr verstören Muß es mich, dich sehn und hören. Fernando . Ohne Schwur will ich dir trauen. Ich, bestrebt, als meiner Frauen, Phönix, dir zu dienen, trage Blumen her, für meine Lage Hieroglyphen: denn geboren Sind sie, Herrin, mit Auroren Und gestorben mit dem Tage. Phönix . Führt der Wunderblume Pracht Diesen Namen doch zum Ruhme. Fernando . Ist nicht Wunder jede Blume, Die ich dienend dir gebracht? Phönix . Es ist wahr; wer hat gemacht Diese Umwandlung? Fernando .                         Mein Los. Phönix . Traf's dich schwer? Fernando .                             Mit hartem Stoß. Phönix . Du gibst Weh. Fernando .                     Laß dir nicht bangen. Phönix . Warum? Fernando .           Weil der Mensch empfangen Wird in Glücks und Todes Schoß. Phönix . Bist du nicht Fernando? Fernando .                                     Ja. Phönix . Wozu diese Tracht? Fernando .                             So frön' ich Dem Gesetz. Phönix .               Wer gab's? Fernando .                             Der König. Phönix . Und warum? Fernando .                   Sein bin ich ja. Phönix . Warst du nicht noch heut ihm nah? Fernando . Und auch heut von ihm geschieden. Phönix . Konnt' ein einz'ger Tag den Frieden Zweier Sterne so vernichten? Fernando . Laß die Blumen dir berichten, Was von jenen ward beschieden. Diese, die, wann empor der Morgen dringet,     Erwachend sich zu Pomp und Lust erheben,     Sind abends eitler Trauer hingegeben,     Wann die Entschlafnen kalte Nacht umschlinget. Dies Farbenspiel, das mit dem Himmel ringet,     Das Purpur, Schnee und Gold zur Iris weben,     Wird warnend Vorbild sein dem Menschenleben;     So viel ist's, was ein Tag zum Ziele bringet. Zum Blühn sind früh die Rosen aufgestanden,     Zum Altern haben sie die Blüt' entbunden,     Die Wieg' und Grab in einer Knospe fanden. So haben Menschen auch ihr Los befunden,     An einem Tage kamen sie und schwanden;     Verflossen sind Jahrhunderte nur Stunden. Phönix . Wie dein Wort mich so bescheidet, Muß mich Graun und Angst verstören; Ich will dich nicht sehn noch hören. Sei der erste, welcher leidet, Den ein Leidender vermeidet. Fernando . Und die Blumen? Phönix .                                   Wenn in ihnen Hieroglyphen dir erschienen, Tilgt sie meine Ungeduld. Fernando . Welches ist der Blumen Schuld? Phönix . Zu der Sterne Bild zu dienen. Fernando . Weisest du sie nun zurücke? Phönix . All ihr Glanz ist mir entstellt. Fernando . Wie? Phönix .               Es kommt das Weib zur Welt, Unterthan dem Tod und Glücke, Und in dieses Sternes Tücke Sah erklärt mein Leben ich. Fernando . Stern' und Blumen glichen sich? Phönix . Ja. Fernando .  Dies kann ich nicht entfalten, Klag' ich schon ihr feindlich Walten. Phönix . Hör', du sollst es wissen. Fernando .                                     Sprich. Phönix . Die hellen Funken, welche dem Beschauer,     Genährt von Strahlen, die der Sonn' entsprühten,     Wann sie versank, des Lichtes Blick vergüten,     Sie leben selbst nur eine Blumentrauer. Nächtliche Blüten sind's: in krankem Schauer     Ermattet bald der Glanz, von dem sie glühten:     Denn wenn ein Tag das Alter ist der Blüten,     Ist eine Nacht der Sterne Lebensdauer. Nach dieser Lenze schnell verwelktem Prangen     Muß unser Wohl, muß unser Weh sich färben,     Ob Sonnen unter- oder aufgegangen. Was könnte dauerhaft der Mensch erwerben?     Was wandelbar von Sternen nicht empfangen,     Die jede Nacht, geboren, wieder sterben? (ab.) Muley tritt auf. Muley . Hier erwartet' ich verborgen, Bis sich Phönix hätt' entfernt: Noch so liebend, will der Adler Manchmal doch dem Licht entgehn. – Sind wir nun allein? Fernando .                       Ja. Muley .                                 Höre. Fernando . Edler Muley, dein Begehr? Muley . Daß du mögst in eines Mohren Busen Treu' und Glauben sehn. Ich weiß nicht, worüber ich Mich erklären soll zuerst, Noch, ob ich dir sagen soll, Wie so tief mich hat geschmerzt Dieser Wankelmut der Zeiten, Diese Wut des Ungefährs, Dieser Sturm des Glücks, dies bittre Beispiel von dem Lauf der Welt. Aber ich bin in Gefahr, Wenn sie hier uns reden sehn; Denn, dich achtlos zu behandeln, Ist Befehl des Königs jetzt. Und so, frei die Stimme lassend Meinem Schmerz, weil er als Knecht Besser sich wird äußern können, Eil' ich dir zu Füßen her. Deiner bin ich, und so komm' ich Nicht, Infant, der Gunst Geschenk Anzubieten, abzutragen Eine Schuld, mir vorgestreckt: Das mir erst gegebne Leben Komm' ich dir zu geben, denn Wohlthun ist ein Schatz, der immer In der Not sich echt bewährt. Und weil Furcht in der Beklemmung Fesseln meine Füße hält Und mein Hals und meine Brust Zwischen Strang und Messer schwebt, Sei, die Reden zu ersparen, Alles schleunig dir erklärt. Und so sag' ich, diese Nacht Will ich dir ein Schiff im Meer Fertig halten: in den Luken Eurer Kerker soll versteckt Werkzeug sich befinden, welches Ab die Bande fallen läßt. Dann will ich die Schlösser sprengen Von der Außenseite her: Du mit allen den Gefangnen, Die Fez in sich schließet, kehr' In dem Schiff zur Heimat, sicher, Daß auch ich es bleib' in Fez, Weil man leicht ja sagen kann, Daß sie das Gefängnis selbst Aufgebrochen, und so können Beide wir gerettet sehn, Ich die Ehr' und du das Leben; Denn es ist gewiß, erfährt Dies der König und bestraft mich Als Verräter nach dem Recht, So wird mich der Tod nicht kümmern. Und weil man, zu solchem Zweck Fremden Willen zu gewinnen, Geld bedarf, sieh umgesetzt Hier in eine Zahl Juwelen Unermeßlich hohen Wert. Dies, Fernando, ist für meine Freilassung das Lösegeld, Die Verpflichtung, die ich habe: Denn ein treu und edler Knecht Mußte einmal doch vergelten, Was so Großes ihm geschehn. Fernando . Danken wollt' ich dir die Freiheit, Doch der König kommt hieher Durch den Garten. Muley .                           Sah er dich Schon bei mir? Fernando .               Nein. Muley .                               So erreg' Ihm nicht Argwohn. Fernando .                       Dies Gebüsche Halt als ländliches Gezelt Mich versteckt, bis er vorüber. (Er verbirgt sich.) Der König tritt auf. König (beiseite) . Muley und Fernando stehn So geheim, es geht der eine, Gleich wie sie mich kommen sehn, Und verstellt erscheint der andre? Sicher ist hier was nicht recht. Aber sei dem, wie ihm wolle, Sicher vor Gefahr zu gehn, Will ich suchen. (Laut.) Mir ist's lieb – Muley . Sei gegrüßt, mein hoher Herr. König . Dich zu finden. Muley .                         Was befiehlst du? König . Ceuta nicht als mein zu sehn, Hat mich sehr gekränkt. Muley .                                   Erobre, Schon mit Lorbeer ja bekränzt, Seine Mauern: deinem Mut Beut es schwache Gegenwehr. König . Nein, durch friedlicheres Kriegen Sei's zu Füßen mir gelegt. Muley . Wie meinst du? König .                           Auf diese Weise: Daß Fernando sei beschwert Und zu solchem Stand erniedrigt Bis er Ceuta bietet selbst. Nun, Freund Muley, sollst du wissen, Daß mir manches Furcht erregt, Die Person des Ordensmeisters Sei nicht sicher hier in Fez. Denn die Christensklaven jammert's, Ihn so unterdrückt zu sehn, Und ich sorg', um seinetwillen Möchte Meuterei entstehn. Mächtig war der Eigennutz Außerdem von je und je, Und man bahnt durch alle Wachen Leicht mit Gold sich einen Weg. Muley (beiseite) . Ich will ihn darin bestärken, Daß sich alles so verhält, Nur damit er keinen Argwohn Auf mich faßt. – (Laut.) Du sorgst mit Recht, Man wird ihn befreien wollen. König . Nur ein Mittel fand ich denn, Auf daß niemand sich vermesse, Meine Macht zu hintergehn. Muley . Und das wäre, Herr? König .                                     Daß du, Muley, ihn bewachst und stehst Ein für ihn, weil weder Furcht Dich, noch Eigennutz beherrscht. Du bist Schließer des Infanten. Sorge ja, daß du ihn recht Mir bewachst; auf alle Fälle Mußt du für ihn Rede stehn. (ab.) Muley . Ohne Zweifel, daß der König Hörte, was wir abgeredt. Helf' mir Allah! Fernando kommt zurück. Fernando .                 Was betrübt dich? Muley . Hörtest du? Fernando .               Nur allzu sehr. Muley . Und du fragst, was mich betrübe? Da du hier mich siehest stehn In der blindesten Verwirrung Und der Ehr' und Freundschaft Recht Zwischen meinem Freund' und König Heute sich in mir bekämpft? Zeig' ich treu mich gegen dich, So verrat' ich meinen Herrn; Undankbar bin ich an dir, Halt' ich gegen ihn mich echt. Was nur soll ich thun? hilf, Himmel! Da er so mir eben den, Dem ich Freiheit kam zu bringen, Anvertraut, in der Gewähr Meiner Sorgfalt ihn zu sichern? Was nur, da der König selbst Zum Geheimnis führt den Schlüssel? Doch, damit ich's treffe recht, Bitt' ich dich, daß du mir ratest: Sag', was muß von mir geschehn? Fernando . Muley, Lieb' und Freundschaft muß Immer nach an Würde stehn Gegen Pflicht und Ehre; niemand Wird dem König gleich gestellt, Er allein ist seinesgleichen, Und es ist mein Rat daher, Ihm zu dienen, mich zu lassen. Dein Freund bin ich: um Gewähr Deiner Ehr' hinfort zu leisten, Will ich mich bewachen selbst. Und käm' auch ein andrer, Freiheit Mir zu bieten, sein Geschenk Nähm' ich nicht, daß deine Ehre Bleibe von mir unverletzt. Muley . Nicht so redlich als gefällig Ist, Fernando, was du rätst. Ich verdanke dir das Leben, Dir's vergelten acht' ich recht, Und so, was wir abgesprochen, Richt' ich diese Nacht ins Werk. Mache du dich frei, mein Leben Bleibt zurück, um auszustehn Deinen Tod: mach' du dich frei, Und ich fürchte nichts nachher. Fernando . Und wär's recht, daß ich so hart Wär' und grausam wider den, Der sich mein erbarmt, und grausam Mordete die Ehre des, Der mir Leben strebt zu geben? Nein, und also sei bestellt Richter über meine Sache Und mein Leben: rate selbst! Soll ich von dem Freiheit nehmen, Der, um für mich auszustehn, Dann zurückbleibt? Soll ich dulden, Daß an seiner Ehre wer Grausam handle, mir zu gunsten? Was rätst du? Muley .                   Ich weiß nicht mehr; Denn Ja oder Nein zu sagen, Beides fällt mir allzu schwer. Nein, weil es mich kränken würde; Ja, weil ich doch eingesehn, Wenn ich mich zum Ja entscheide, Daß ich dir nicht rate recht. Fernando . Ja, das thust du, denn es soll Mich mein Gott und mein Gesetz Als standhaften Prinzen kennen In der Sklaverei zu Fez. Dritter Akt. Saal im Palast. Muley und der König treten auf. Muley (für sich) . Weil ich Don Fernando nicht Vor des Königs vielen Wachen Beistehn kann, sei mein Gewicht Aufgewandt in seinen Sachen, Wie es echten Freundes Pflicht. – (Laut.) Da zu Land und Wasser dich, Herr, mein Eifer hat bedienet, Wenn bei solchem Kummer ich Platz in deiner Huld verdienet, Hör' mich aufmerksam. König .                                   So sprich. Muley . Don Fernando – König .                             Sag' nichts mehr. Muley . Wie? Du hörst mich nicht vorher? König . Weil, wie du Fernando sagest, Du mich zu beleid'gen wagest. Muley . Wie? König .           Indem du, dein Begehr Zu erfüllen, mir benommen, Da du mich für ihn genommen. Muley . Bin ich als sein Wächter nicht, Herr, dir schuldig den Bericht? König . Sprich, doch wird es ihm nicht frommen. Muley . Don Fernando, der das Toben Des Geschicks in gleicher Stärke Schon so lange muß erproben, Zu des Unglücks Wunderwerke In dem Mund der Welt erhoben; Da er, Herr, die strenge Acht, Besser sprach' ich wohl, die Macht Deiner Krone auf sich lud, So hat endlich nun sein Mut In solch Elend ihn gebracht, Daß an einem Ort er schmachtet, Der so schnöd' ist und verachtet, Daß dein Ohr es würd' erniedern, Arm und krank, gelähmt an Gliedern, Und nach milden Gaben trachtet. Denn, da dein Befehl gemessen, Daß er sollt' im Kerker schlafen, Daß man ihn zur Arbeit pressen Sollt' im Stall mit andern Sklaven Und ihm niemand gab' zu essen: Solcher Lebensart bequemt, Die man schwachen Kräften bot, Ward sein Körper ganz gelähmt Und so durch die Macht der Not Feu'r und Majestät gezähmt. Wie auch an dem dumpfen Orte Ihm die kalte Nacht verronnen, Bleibt er standhaft treu dem Worte; Und wenn rein das Licht der Sonnen Aufgeht aus des Tages Pforte, Dann auf dürft'ger Matte raffen Ihn die Sklaven auf und schaffen Ihn an einen Ort, es ist – Sag' ich's nur! – ein Haufe Mist; Denn so ekel ist beschaffen Sein Geruch, daß niemand ihn Kann bei seinem Hause leiden, So daß alle vor ihm fliehn, Ihn nicht hören, noch bescheiden Und dem Mitleid sich entziehn. Nur ein treuer Ritter blieb Und ein Diener, ihm zulieb, Die den aller Hilf' Entblößten In so seltnen Nöten trösten; Mit ihm teilen sie, vom Trieb Gleicher Redlichkeit gedrungen, Ihre Kost, die sie kaum nährt, Die so schleunig wird verzehrt, Daß die Kehle sie verschlungen, Eh der Mund es noch erfährt. Und auch diese zücht'gen noch Deine Leute für die Pflichten, Die sie treu dem Herrn entrichten; Aber wie das strengste Joch Grausam droht, sie zuzurichten, Kann doch nichts sie von ihm scheiden; Wenn der eine muß von beiden Nahrung aufzusuchen gehn, Bleibt der andre bei ihm stehn, Ihn zu trösten in den Leiden. Laß ein Ziel der Härte stecken, Herr, und bei den grimm'gen Plagen, Die den Prinzen niederstrecken, Fühle Graun, wo nicht Beklagen, Wo Erbarmen nicht, doch Schrecken. König . Schon gut, Muley. Phönix tritt auf. Phönix .                             Herr, wofern Meine Demut allzeit gern Sich nach deinem Wink betragen, Laß mich eine Bitte wagen An die Gnade meines Herrn. König . Was wohl würde dir versagt? Phönix . Der Infant Fernando – König .                                       Gut! Du hast schon genug gesagt. Phönix . Macht erstarren aller Blut, Die ihn sehn so schwer geplagt. Könnt' ich es von dir erwerben, – König . Nein, halt inne, Phönix! halt! Sucht er selbst nicht sein Verderben? Thut Fernando'n wer Gewalt, Daß er müßte schmählich sterben? Wenn, weil grausam er und hart Beim gegebnen Wort verharrt, Er so harte Strafe duldet, Wie hätt' ich an ihm verschuldet, Was von ihm beschlossen ward? Steht es nicht bei ihm, zu wenden Dieses Elend und zu leben? Steht es denn in seinen Händen, Mag er Ceuta übergeben, Und all seine Qual wird enden. Selim tritt auf. Selim . Herr, es warten zwei Gesandte Auf Gehör: von Tarudante Ist der eine von den zwein, Portugals Alfonso sandte Her den andern. Phönix (für sich) .       Welche Pein! Sicher schickt, um mich zu werben, Tarudante. Muley (für sich) . Himmel! sterben Läßt mich Freundschaft, Eifersucht; Meine Hoffnung ohne Frucht: Alles muß ein Tag verderben. König . Laß sie ein; wir wollen, Phönix, Uns auf diese Polster setzen. (Er und die Prinzessin setzen sich.) Alfonso und Tarudante kommen von verschiedenen Seiten. Tarudante . Hocherhabner Herr von Fez, – Alfonso . Herr von Fez, so groß und mächtig, – Tarudante . Dessen Name – Alfonso .                               Des Gedeihen – Tarudante . Niemals sterbe. Alfonso .                               Allzeit lebe. Tarudante . Und du, dieser Sonn' Aurora – Alfonso . Aufgang dieses Occidentes – Tarudante . Mögst zum Trotz den Jahren blühen. Alfonso . Mögst zum Trotz den Zeiten herrschen. Tarudante . Um zu haben – Alfonso .                               Zu genießen – Tarudante . Herrlichkeiten. Alfonso .                               Lorbeerkränze. Tarudante . Große Siege. Alfonso .                             Hohe Glorien. Tarudante . Wen'ge Uebel. Alfonso .                               Viele Segen. Tarudante . Wie? indes ich rede, Christ, Kannst du wagen, hier zu reden? Alfonso . Weil da, wo ich mich befinde, Niemand anders eher redet. Tarudante . Mir, weil ich Alarbe bin Von Geschlecht, gebührt die erste Stelle, denn wo Eingeborne Sind, zieht man nicht vor die Fremden. Alfonso . Wo man weiß von feiner Sitte, Thut's man wohl, denn alle geben, Wie wir sehn an allen Orten, Stets dem Gast die beste Stelle. Tarudante . Wäre dieser Grund auch gültig, Könnt' er mich nicht widerlegen; Denn dem Gast allein gebührt, Keinem sonst, die erste Stelle. König . Nun genug! und mögen beide Sich auf meinen Polstern setzen. Rede denn der Portugiese, Als Bekenner fremder Lehre Mehr geehrt. Tarudante .           Ich bin ergrimmt. Alfonso . Wohl denn, kurz sei meine Rede. Don Alfonso, Portugals Großer König, der mit ehrnen Zungen, trotz dem Neid und Tode, Von dem Ruhme sei verherrlicht, Sendet Gruß dir und ersucht dich, Da Fernando, wenn sein Leben Ceutas Feste sollte kosten, Seine Freiheit nicht begehret, Daß du jetzo seinen Preis Wollst auf solche Summen schätzen, Wie sie nur der Geiz verlangen, Nur die Großmut kann verschmähen. Und daß er in Gold und Silber So viel geben will an Werte Als zwei Städte; dieses bittet Er auf freundschaftlichem Wege: Doch, wenn du ihn nicht auslieferst, Ihn auf freien Fuß zu stellen Mit den Waffen dann, gelobt er. Zu dem Ende baut er Städte Auf des Meeres leichten Schultern Schon von tausend streitbarn Segeln. Und er schwört, mit Schwert und Feuer Ihm die Freiheit zu erkämpfen, Die Gefilde dieses Landes Dergestalt mit Blut beschwemmend, Daß die aufgegangne Sonne Finde deren grünen Teppich Als Smaragden, als Rubinen Ihn verlass' im Untergehen. Tarudante . Kommt es mir als Abgesandten Schon nicht zu, Bescheid zu geben, Insofern es meinem König Zukommt, darf ich, Christ, wohl reden. Dieser Schimpf ward ja der seine Schon, da er als Sohn ergeben Meinem Herrn hier ist; und so Kannst du seinethalben melden Don Alfonso'n: daß er komme, Damit er in schnellerm Wechsel Als von nachts bis zur Aurora Seh' in heißen Purpurwellen Tödlich ringen dies Gefilde, Also, daß der Himmel denke, Niemals hab' er andre Blumen Hier erschaffen, als nur Nelken. Alfonso . Wärst du meinesgleichen, Mohr, Könnt' es sein, daß dieser Kämpfe Ausgang man von zweien tapfern Jünglingen entschieden sähe. Doch heiß deinen König kommen, Wenn er Ruhm wünscht zu erwerben, Daß der meine kommt, verbürg' ich. Tarudante . Sprichst du doch, als ob du's wärest; Und ist das, wird Tarudante Wissen Antwort auch zu geben. Alfonso . Wohl, im Felde wart' ich deiner. Tarudante . Warten lassen werd' ich wenig, Denn ich bin ein Blitz. Alfonso .                               Ich Sturm. Tarudante . Ich Vulkan, der Flammen sendet. Alfonso . Hydra ich, die Flammen sprühet. Tarudante . Ich bin Wut. Alfonso .                           Ich bin Verderben. Tarudante . Schreckt es dich nicht, mich zu hören? Alfonso . Tötet's dich nicht, mich zu sehen? König . Herren, woll' eur beider Hoheit – Obwohl Heftigkeit des Aergers Wegziehn kann der Sonne Vorhang, Welcher sie verlarvt und dämpfet – Einsehn, daß in meinem Lande Niemand Feld gibt zu Gefechten Außer mir, und ich verweigr' es, Daß mir Muße bleib', euch besser Zu bedienen. Alfonso .               Nicht empfang' ich Da Bewirtungen und Ehren, Wo man mir Beschwerden gibet. Ich kam bloß Fernandos wegen, So verkleidet trieb nach Fez Mich der Eifer, ihn zu sehen. Eh ich deiner Hauptstadt nahte, Hört' ich, daß du dich befändest Hier auf diesem heitern Lustschloß, Und so kam ich, dich zu sprechen, Zur Beschleunigung der Hoffnung, Die mich herzog; da so schlecht es Mir gelingt, so hält die Antwort Bloß mich auf: dies, Herr, erwäge. König . Wohl! die Antwort, Don Alfonso, Will ich kurz und bündig geben: Wenn du Ceuta nicht zurückgibst, Fürchte nicht, ihn mitzunehmen. Alfonso . Da ich seinetwegen kam Und ihn retten muß, erklär' ich Dir den Krieg, sieh dich zu rüsten. Treffen woll'n wir uns im Felde, Wer du sein magst, Abgesandter! Afrika soll heute beben. (ab.) Tarudante . Weil mich nicht hat fördern können, Schöne Phönix, das Bestreben, Euch als Sklav zu dienen, dieses, Mich zu Füßen Euch zu sehen, Mög' es mindstens: reicht die Hand Dem, der darbringt eine Seele. Phönix . Woll' Eur Hoheit, hoher Herr, Die Bewerbungen und Ehren, Weil sie weiß, was sie sich schuldig, Da, wo man sie schätzt, nicht mehren. Muley (beiseite) . Was erwartet, wer dies siehet, Ohne sich den Tod zu geben? König . Da Eur Hoheit hergekommen Selbst nach Fez so unversehens, So verzeihe sie die Kargheit Der Bewirtung. Tarudante .               Die Geschäfte Lassen mich nur kurze Frist Die Abwesenheit verlängern, Und weil doch mein Abgesandter Mit der Vollmacht war gesendet, Meine Braut hier abzuholen In Gemäßheit des Versprechens, Werde, weil ich selbst gekommen, Nicht mein Eifer im Bewerben Unwert nahen Glücks geachtet. König . Herr, du siegst in all und jedem: Und so, um dir's zu erwidern, Wie auch, weil zu solchen Kämpfen Wir uns rüsten, ist es billig, Daß du überhoben werdest Dieser Sorgen; und so mußt Du zurück dann schleunig kehren, Eh der Paß wird abgeschnitten Von den angedrohten Heeren Portugals. Tarudante .       Mich soll's nicht kümmern, Denn mit Mannschaft wohl versehen Komm' ich und zahlreichen Scharen, So daß eher diese Felder Städt' als Wüsteneien scheinen, Und, um dein Soldat zu werden, Kehr' ich bald zurück mit ihnen. König . Schnell die Reise zu bestellen, Rat' ich also; nur nach Fez Mußt du, Phönix, erst dich wenden, Meine Hauptstadt zu erfreun. Muley! Muley .         Hoher Herr? König .                               Sei fertig, Daß du mit dem Kriegesvolke Könnst in Phönix' Diensten gehen, Bis sie vor Gefahr geborgen Und du beim Gemahl sie lässest. (ab.) Muley (beiseite) . Dies nur fehlte mir nach allem, Damit, während ich abwesend Sein muß, auch mein Beistand mangle Dem Fernando und ihm ferner Nicht die kleinste Hoffnung bleibe. (Alle ab.)     Straße in Fez. Don Juan , Brito und andre Christensklaven bringen den Fernando und setzen ihn auf eine Matte. Fernando . Legt mich an die Stelle hier, Wo ich besser mich kann laben An des Himmels lichter Zier. O du süßer Herr der Gaben, Wie viel danken muß ich dir! Als mit mir in gleicher Plage Hiob lag, flucht' er dem Tage; Doch er that's, weil er verloren In der Sünde war geboren, Da ich Lob dem Tage sage, Weil uns Gott an ihm verleihn Will der Gnaden Ueberfluß. Jeder schöne Morgenschein, Jeder Strahl der Sonne muß Eine Feuerzunge sein, Die ihn lobzupreisen diene. Brito . Liegt Ihr, Herr, so jetzo recht? Fernando . Besser, Freund, als ich verdiene. O, wie dankt dir, Herr, dein Knecht Alles ihm so mild Verliehne! Da sie aus dem Kerker hier Kaum mich holen, gibst du mir Eine Sonn', um zu erwarmen: Herr, wie bist du voll Erbarmen! Erster Christensklav . Gott weiß, gerne blieben wir, Ein'gen Trost Euch zu erteilen, Doch die Arbeit heißt uns eilen. Fernando . Kinder, geht mit Gott! Zweiter Christensklav .               Welch Leiden! Dritter Christensklav . Welcher bittre Schmerz! (Sie gehen ab.) Fernando .                                                             Ihr beiden Wollet doch bei mir verweilen? Brito . Zum Begleiter hast du mich. Don Juan . Dich verlassen muß auch ich. Fernando . Was beginn' ich, fehlst du mir? Don Juan . Herr, ich bin gleich wieder hier, Was zu essen bloß für dich Will ich suchen auszuspähn. Denn seit Muley mußte gehn Weg von Fez, fehlt uns auf Erden Aller Trost in den Beschwerden: Trotz dem allen, muß ich sehn Dir's zu schaffen. Ich will zwar Mit Unmöglichkeiten ringen: Jedermann scheut die Gefahr, Den Befehl nicht zu vollbringen, Welcher Wasser dir sogar Weigern heißt; sie wollen mir Nichts verkaufen, weil sie sehn, Daß ich Beistand leiste dir: So weit muß die Härte gehn Des Geschicks, doch kommen hier Eben Leute. Fernando .           Könnt' ich doch Rührend meine Stimm' erheben, Daß mir jemand möchte geben, Um in Leiden länger noch Einen Augenblick zu leben! (Don Juan ab.) Der König , Tarudante , Phönix und Selim kommen mit Gefolge. Selim . Herr, in dieser Straße hier Kannst du es nicht mehr umgehen, Daß dich der Infant muß sehen. König (zu Tarudante) . Dich begleitend, wollt' ich dir Meine Größe lassen sehen. Tarudante . Stets verleihst du Ehre mir. Fernando . Schenkt doch eine kleine Gabe Und bedenkt den kranken Armen. Seht, ich bin ein Mensch und habe Nichts, das meinen Hunger labe; Habt doch Mitleid und Erbarmen, Menschen! es erbarmt ja sich Wohl ein Tier am andern Tier. Brito . Betteln lehren will ich dich, Das ist nicht die Weise hier. Fernando . Wie muß ich denn sagen? Brito .                                                 Sprich: Mohren, laßt euch doch erflehen, Einem Armen beizustehen, Daß er kann den Hunger stillen, Um des heil'gen großen Zehen Des Propheten Mahom willen. König . Noch in so elendem Stande Treu dem Worte sich beweist er, Mir zum Spotte, mir zur Schande. He, Infant! he, Ordensmeister! Brito . Hör', der König ruft, dich heißt er Kommen. Fernando .       Mich? Nein, Brito! kein Ordensmeister, noch Infant Bin ich, dessen Leich' allein; Und zur Erde schon gebannt, Ist der Name nicht mehr mein. König . Bist du keins von beiden noch, Mag Fernando Antwort geben. Fernando . Jetzt, muß ich mich schon erheben Von der Erde, will ich doch Hin zu deinen Füßen streben. König . Standhaft stets mir zum Verdruß Bleibst du: dein Gehorchen hier, Ist es Demut? ist's Entschluß? Fernando . Wie der Sklav verehren muß Seinen Herrn, soll's zeigen dir. Und da ich dein Sklave bin, Vor dein Antlitz hergerufen Diesmal, muß ich zu dir reden: Herr und König, hör' mich ruhig. König nannt' ich dich: obwohl du Es in fremder Lehre wurdest, So erhaben ist der Kön'ge Göttlichkeit, so ungezwungen, Daß sie milden Sinn erzeuget; Darum mit dem edlen Blute Muß bei dir die Mild' und Weisheit Auch notwendig stehn im Bunde. Selbst beim Vieh und wilden Tieren Steht auf solcher würd'gen Stufe Dieser Name, daß das Recht Der Natur ihm heißet huld'gen Mit Gehorsam: wie wir lesen, Daß der Löw', in ungebundnen Staaten des Gewildes König, Der, wann er die Stirne runzelt, Sie mit straub'gem Haarwuchs krönet, Milde sei und nie verschlungen Hab' als Raub den Unterwürf'gen. In dem salz'gen Schaum der Fluten Malen dem Delphin, der König Unter Fischen ist, die Schuppen, Die er silbern trägt und golden, Auf die dunkelblauen Schultern Kronen, und man sah wohl schon Aus der wüsten Wut des Sturmes Ihn ans Land die Menschen retten, Daß sie nicht im Meer versunken. Dann der hochgewalt'ge Adler, Dem die Federn sich zum Busche In des Windes Sphären kräuseln, Aller Vögel, die mit Gruße Sich der Sonne freun, Monarch, Mild und edel, will nicht dulden, Daß der Mensch, zum Trunk geladen, Unter reinem Silber schlurfe Seinen Tod, so den Kristallen Einer Natter gift'ge Zunge Beigemischt, und rührt mit Schnabel Sie und Fitt'chen trüb' und dunkel. Unter Pflanzen selbst und Steinen Sehn wir abgedruckt die Spuren Solcher Herrschaft: die Granate, Die, zur Königin berufen Unter Früchten, sich zur Krone Ihrer Schale Spitzen rundet, Läßt, vergiftet, die Rubinen Welken, die an ihr gefunkelt, Und verwandelt in Topasen Ihre Farbe, matt verdumpfet. Der Demant, vor dessen Antlitz Der Magnet selbst seines Zuges Sich entäußert, um gehorsam Ihm als König so zu huld'gen, Ist so edel, daß er nicht Seines Herrn Verrat kann dulden, Und die Härt', an der vergeblich Sich gespitzte Griffel stumpfen, Muß dann in sich selbst zerfallen, Aufgelöst in feines Pulver. Ist nun unter Tieren, Fischen, Vögeln, Pflanzen, Steinen kundig Solche Königs-Majestät Des Erbarmens: billig muß es Auch bei Menschen gelten, Herr; Nicht die fremde Lehr' entschuldigt Dich dabei, in jeder Lehre Ist die Grausamkeit verrufen. Keineswegs will ich dich rühren Mit dem Jammer meines Druckes, Daß du mir das Leben gebest, Welches nicht die Stimme suchet. Denn ich weiß wohl, ich muß sterben An der Krankheit, die, verdunkelnd Meine Sinne, durch die Glieder Matt und frostig mir gedrungen; Ich weiß wohl, daß ich zum Tode Wund bin, weil kein Wort die Zunge Vorbringt, dessen Atem nicht Wär' ein scharfer Dolch dem Busen; Endlich, daß ich sterblich bin Und daß sicher keine Stunde: Weshalb auch bei gleichem Stoffe Gleiche Formen und Figuren So dem Sarge wie der Wiege Die Vernunft zu geben wußte. Als natürliche Gebärde Pflegt der Mensch, der etwas suchet Zu empfangen, seine Hände Zu erheben, so verbunden; Will er's wieder von sich werfen, Dann auf gleiche Weise thut er, Denn der Last sie zu entled'gen, Wendet er sie bloß nach unten. So die Welt bei der Geburt, Zum Beweis, daß sie uns suche, Will uns in der Wieg' empfangen Und thut sie zu unserm Schutze Auf, gewandt nach oben; aber Wenn mit Grimm sie oder Trutze Weg von sich uns werfen will, Wendet sie bloß die verbundnen Händ', und eben jenes Werkzeug Tauscht die Form zu dem Behufe: Denn, was Wiege war nach oben, Wird zum Sarg, gewandt nach unten. Unserm Tod so nah demnach Leben wir, so eng verbunden Haben wir, wenn wir geboren, Wie die Wiege, so die Grube. Was erwartet, wer dies höret? Wer dies weiß, was kann er suchen? Nicht das Leben wird es sein, Das ist klar aus gutem Grunde; Wohl der Tod, um diesen bitt' ich, Daß der Himmel meinem Wunsche So willfahren mag, zu sterben Für den Glauben; und vermutest Du vielleicht, dies sei Verzweiflung, Weil ich lebe mir zur Buße: So ist's doch nur Trieb, mein Leben In des Glaubens rechtem Schutze Hinzugeben, Gott zum Opfer Bietend Leib und Seel' im Bunde. Und so, bitt' ich schon den Tod, Muß mich jener Trieb entschuld'gen, Und wenn nicht bei dir die Milde Siegen kann, die Härte suche Dich zu nöt'gen. Bist du Löwe? Wohl, so brüll' in grimm'gem Mute Und zerstücke den, der dich Höhnt, beleidigt und dir trutzet. Bist du Adler? Laß den Schnabel Und die Klauen den verwunden, Der dein Nest wagt zu zerstören. Bist du Delphin? So gib Kunde, Daß Orkane nahn, dem Schiffer, Der das Meer der Welt durchfurchet. Bist du königlicher Baum? Zeig' der Heftigkeit des Sturmes, Der Gerichte Gottes übet, Alle Zweig' entblößt vom Schmucke. Bist du Diamant? So werde Gift'ge Wut, zerstiebt in Pulver, Und erschöpfe dich; denn ich, Ob ich noch mehr Qualen dulde, Ob ich noch mehr Härte sehe, Ob ich noch mehr klag' im Drucke, Ob ich noch mehr Not erlebe, Ob ich fühle noch mehr Bußen, Ob ich noch mehr Hunger leide, Ob den Leib schon diese Lumpen Nicht bedecken und ich Wohnung Hier nur find' im alten Wuste: Doch im Glauben fest verharr' ich, Weil er Sonn' ist, die mir funkelt, Weil er Licht ist, das mich leitet, Lorbeer, der mir dient zum Ruhme. Nicht die Kirche sollst du, mich Magst du führen im Triumphe: Gott wird meine Sache schützen, Da ich seiner stritt zum Schutze. König . Ist's möglich? in solchen Plagen Kannst du prahlen und dich trösten, Die doch dein? Kannst mich verklagen, Dem sie, fremd, kein Leid einflößten, Da du nicht nach dir willst fragen? Weil gebracht ums Leben dich Deine eigne Hand, nicht ich, Hoff' Erbarmen nicht von mir: Habe Mitleid du mit dir, Dann, Fernando, rührst du mich. (ab.) Fernando . Eure Majestät denn stehe, Herr, mir bei! Tarudante .           Welch kläglich Wehe! (ab.) Fernando . Wenn die Göttlichkeit der Milde Seel' ist in der Schönheit Bilde, Zeigt es, Herrin! sie erflehe Mir den König. Phönix .                     Grause Not! Fernando . Seht Ihr mich nicht an? Phönix .                                           O Tod! Fernando . Ihr thut wohl, denn Eure Augen Dürfen Ungemach nicht saugen. Phönix . Welch Entsetzen, das mir droht! Fernando . Wenn Ihr gleich Euch von mir kehrt Und hinweg zu eilen trachtet, Dennoch, Herrin, seid belehrt: Ob Ihr noch so schön Euch achtet, Ihr seid mehr als ich nicht wert Und vielleicht ich mehr als Ihr. Phönix . Graun erregt ein Laut von dir, Und dein Atem schlägt mir Wunden. Laß mich, Mensch! was willst du mir? Alles Weh hab' ich empfunden. (ab.) Don Juan kommt mit einem Brot. Don Juan . Dir zu bringen dieses Brot, Da die Mohren nach mir setzten Und mit Schlägen mich verletzten, Kaum entkam ich, hart bedroht. Fernando . Adams Erbteil ist die Not. Don Juan . Nimm! Fernando .             Ich kann's nicht mehr empfahn, Treuer Freund, denn schon heran Naht mein Tod. Don Juan .                 In so viel Schmerzen Leih' der Himmel Trost dem Herzen! Fernando . Doch wann muß der Tod nicht nahn, Da wir Menschen sterblich sind? So muß in den ird'schen Schranken Jeder an sich selbst erkranken, Bis er seinen Tod gewinnt. Mensch, nicht sorglos sei und blind, Denk' daran in dieser Frist, Daß ein ew'ges Leben ist; Warte nicht, daß kund dir's thu' Andre Krankheit noch, da du Deine größte Krankheit bist. Immer gehn des Menschen Tritte Auf der harten Erd' umher, Und nicht einen wandelt er, Daß er nicht sein Grab beschritte. Hart Gesetz und strenge Sitte Führt ihn auf des Lebens Bahnen; Jeder Schritt (furchtbares Mahnen!) Ist zum Vorwärtsgehn, wo dann Gott selbst nicht mehr machen kann Diesen Schritt zum ungethanen. Aber, Freund', es naht mein Scheiden: Tragt mich fort in euren Armen. Don Juan . Weil ich lebe, dich umarmen Sollen sie. Fernando .         Nach dem Verscheiden, Bitt' ich, wollet mich entkleiden, Edler Don Juan; versteckt Irgendwo im Kerker steckt, Wenn Ihr sucht, mein Ordenskleid, Das ich trug so lange Zeit, Darin senkt mich unbedeckt Ein, wofern mich noch empfangen Läßt ein Grab der grimmig wilde König, nun geneigt zur Milde, Und bezeichnet's; mein Verlangen Hofft, sterb' ich schon hier gefangen: Losgekauft genieß' ich dort Einst noch des Altares Hort; Denn da ich, mein Gott, im Leben So viel Kirchen dir gegeben, Gibt wohl eine mir dein Wort. (Sie führen ihn in ihren Armen ab.)     Seeküste. Don Alfonso und Soldaten mit Musketen treten auf. Alfonso . Laßt nun das unbeständ'ge Blauliche Feld verwahren dies unbänd'ge Schiffsbollwerk, welches zu des Himmels Grausen Das Meer läßt auf beschneiten Schultern hausen; Und hier an den Gestaden Laßt sich des Meeres schwangre Berg' entladen Der Mannschaft, daß sich voller Feuerschlünde Jedweder Kiel als griech'scher Bau verkünde. Don Enrique tritt auf. Enrique . Herr, du hast nicht gewollt, daß an dem Strande Von Fez zuvörderst unsre Mannschaft lande, Und wähltest diesen Posten, Um auszuschiffen: viel wird es dich kosten; Denn schon von einer Seite Rückt der zahlreiche Mars heran zum Streite, Des Heer die Winde stolzer will beflügeln Und die Gebirge schwellt mit neuen Hügeln. Es führt solch groß Geschwader Tarudante, Von Fez sein Weib, die glückliche Infante, Heim nach Marokko bringend: Doch Echos Zunge ruf' es, lauter ringend. Alfonso . Enrique, dazu kam ich, Ihn zu erwarten hier am Paß; auch nahm ich Dies nicht aus Zufall vor, es ist geschehen Mit Absicht, und der Grund läßt sich verstehen. Wär' ich nach Fez zur Ausschiffung gegangen, So hätte beider Volk mich dort empfangen – Da sie geteilt sich finden, Kann ich mit mindrer Macht sie überwinden; Und, eh sie noch sich rüsten, Schlagt Waffenlärm. Enrique .                           Bedenke, Herr, und merke! Zur Unzeit ist der Krieg. Alfonso .                                 Des Zornes Stärke Will keinen Rat mehr hören, Kein Augenblick darf diese Rache stören: Mag denn, von mir erhoben, Durch Afrika des Todes Geißel toben. Enrique . Sieh, wie die Nacht, erfüllet Mit reinen Schatten, tiefer schon verhüllet In Finsternis des Sonnenwagens Funkeln. Alfonso . So fechten wir im Dunkeln, Denn diesen mut'gen Glauben, Der mich beseelt, kann Zeit und Macht nicht rauben. Wenn bei dem Märtertum, das du erlittest, Fernando, du für Gottes Sache strittest, So muß der Sieg gelingen, Mir wird er Ruhm, mir wird er Ehre bringen. Enrique . Dein kühner Stolz will hin zum Wahn dich raffen. Fernando (hinter der Szene) . Zum Angriff, Held Alfonso! Waffen! Waffen! (Zinken.) Alfonso . Hörst du verworrne Stimmen, Die rasch und traurig mit den Winden schwimmen? Enrique . Ich hör', und unter diesen Scholl's wie Trompeten, die zum Angriff bliesen. Alfonso . Wohlauf, Enrique! mutig denn gestürmet! Uns schirmt gewiß der Himmel. Fernando (hinter der Szene) .               Ja, er schirmet. (Er tritt auf, im Ordensmantel, mit einer Fackel.) Den Himmel hat verpachtet Dein Glaub' und Eifer, fromm auf ihn gerichtet. Er will die Sache führen Und mich aus meiner Sklaverei entführen: Denn mir (seltnes Exempel!) Gibt Gott für so viel Tempel einen Tempel. Mit dieser Fackel Bränden, Am Orient entglommen, in den Händen, Will ich stets leuchtend schreiten Vor deinem stolzen Heer und so dich leiten, Daß du heut nach Verlangen, Großer Alfonso, mögst Trophä'n erlangen. Gen Fez! Du sollst mich jetzo dort nicht krönen, Mein Untergehn in Morgenrot verschönen. (ab.) Enrique . Alfonso, noch bezweifl' ich, was ich sehe. Alfonso . Ich nicht, ich glaub' und gehe, Und ist es Gottes Glorie, So ruf nicht Waffen mehr, nein, ruf Viktorie! (Alle ab.)     Vor den Mauern von Fez. Der König und Selim treten auf, oben auf der Mauer stehen Don Juan und ein Christensklav neben einem Sarge mit der Leiche des Infanten. Don Juan . Freu dich nun, Barbar! das beste Leben raubtest du tyrannisch. König . Sprich, wer bist du? Don Juan .                             Ich? ein Mensch, Der, ob sie mich schon erschlagen, Von Fernando nie wird weichen; Und, ob ich vor Jammer rase, Will ich doch, ein treuer Hund, Ihn begleiten bis zum Grabe. König . Christen, seht ein Denkmal hier, Das den kommenden Zeitaltern Die Gerechtigkeit verkünde, Die ich übe; denn für Thaten Wider königliche Häupter Heißt nicht Grausamkeit die Rache. Komm' Alfonso jetzt, er komme Trotzig aus den Sklavenbanden Ihn zu lösen! Sind mir schon Große Hoffnungen entgangen, Daß Ceuta das mein'ge würde: Damit sie dem Trotz'gen fallen Aus des Freiheit, so erfreut's mich Ihn zu sehn in engen Schranken. Auch im Tode nicht entgeh' er Meines Grimms denkwürd'gen Strafen, Und so soll er dastehn, jedem, Der vorübergeht, zur Schande. Don Juan . Bald wird deine Strafe kommen, Denn auf Feldern und Gestaden Kann ich schon erspähn von hier Meine christlichen Standarten. König . Laß uns auf die Mauer steigen, Was er meldet, zu erfahren. (Der König und Selim ab.) Don Juan . Die Panier' am Boden schleifend Und gedämpft die Trommeln schlagend, Lunten ausgelöscht und Lichter: Das sind traur'ge Zeichen alle. Gedämpfte Trommeln. Don Fernando kommt voran mit einer brennenden Fackel, hinter ihm Don Alfonso , Don Enrique und ihre Truppen, welche Tarudante , Phönix und Muley gefangen führen. Fernando . In der Nacht geheimem Grauen Führt' ich dich auf unbekannten Pfaden her, da an der Sonne Graue Wolken schon verdampfen. Siegreich bist du, Held Alfonso, Mit mir her nach Fez gewandelt: Dieses ist die Mau'r von Fez, Hier um meine Lösung handle. (ab.) Alfonso . He dort oben! Sagt dem König, Daß ich ihn zu sehn verlange. Der König und Selim erscheinen auf der Mauer. König . Was begehrst du, tapfrer Jüngling? Alfonso . Daß du losgebst den Infanten Ordensmeister Don Fernando, Und ich gebe Tarudante Dir zum Lösegeld und Phönix, Welche vor dir stehn gefangen. Wähle nun: es sterbe Phönix, Oder gib ihn mir zu handen. König . Was nur soll ich thun, Freund Selim, In Verwirrung so befangen? Der Infant starb, meine Tochter Ist in seinen Händen: falsche Unbeständigkeit des Glückes, Das mich stürzt in diese Lage. Phönix . Herr, was ist dies? Da du stehest Dies mein Haupt in solchem Drange, In Gefahren so mein Leben, Meine Ehr' in solchem Kampfe, Zweifelst du noch um die Antwort? Kann zu zögern dir gestatten Nur Minuten, Augenblicke Die Begier, mich frei zu machen? Steht in deiner Hand mein Leben: Und du duldest (harte Plage!), Daß die mein'ge (bittrer Schmerz!) Fesseln ungerechte Bande? Hängt mein Leben an dem Laute Deiner Stimme (strenge Marter!): Und du leidest, daß die mein'ge Stürmisch in die Lüfte walle? Meine Brust vor deinen Augen Siehst du bloß dem krummen Stahle: Und du duldest, daß die mein'gen Heiße Thränen fließen lassen? Als ein König warst du Raubtier, Als ein Vater wurdst du Natter, Als ein Richter bist du Henker: Nicht mehr König, Richter, Vater. König . Phönix, meine Antwort zögert Darum nicht, daß sie versage Dir das Leben, da der Himmel Läßt des mein'gen Ende nahen. Und da jetzo unvermeidlich Eins muß enden wie das andre: Wiß, Alfonso, um die Stunde Grad', als Phönix gestern abend Auszog, ging zusammen unter – In zwei Meeren sich begrabend, Hier des Todes, da des Schaumes – Mit der Sonne der Infante. Diese schmalen Bretter dienen, Seinen Leichnam einzufassen. Gib den Tod der schönen Phönix, Nimm mein Blut für deins zur Rache. Phönix . Weh mir! alle meine Hoffnung Muß unwiederbringlich fallen. König . Jetzo bleibt mir nichts, mein Leben Augenblicke zu erhalten. Enrique . Helf' mir Gott! was muß ich hören? Allzuspät, o Himmel, nahte, Allzuspät ihm seine Freiheit! Alfonso . Sag' das nicht, denn wenn mir sagten Dunkle Reden des Fernando, Lösen sollt' ich seine Bande, Sagt' er es für seinen Leichnam, Auf daß dieser möge haben Einen Tempel für so viele; Und um ihn sei unterhandelt. Herr von Fez, daß du nicht denkest, Daß Fernando, tot, zu achten Minder sei als diese Schönheit, Für ihn, wie er liegt im Sarge, Tausch' ich dir sie: sende denn Mir den Schnee für die Kristallen, Für den Mai den Januar, Rosen für die Diamanten, Endlich einen leid'gen Toten Für ein Bild, das göttlich pranget. König . Wie? was sagst du, Held Alfonso? Alfonso . Daß du ihn herunter lassest. Phönix . Preis bin ich für einen Toten, Nach des Himmels Wink geschah es. König . An der Mauer laßt den Sarg Nieder, gebt ihn ihm zu handen, Und ich will zu seinen Füßen Selber hin zur Uebergabe. (ab.) (Der Sarg wird an Stricken längs der Mauer heruntergelassen.) Alfonso . Heil'ger Prinz und Märtyrer, Laß dich meine Arm' empfangen! Enrique . Ich verehre hier dich, Bruder. Der König , Don Juan und andre Christensklaven treten unten auf. Don Juan . Laß mich, Held Alfonso, fassen Deine Hand. Alfonso .               Don Juan, mein Freund, Rechenschaft gibst vom Infanten Du mir treulich. Don Juan .                 Bis zum Tode Sein Gefährt', bis ich ihn sahe Frei nun, tot und lebend blieb ich Bei ihm, seht ihn da im Sarge. Alfonso . Gebt mir, Oheim, Eure Rechte, Ob ich thöricht gleich und albern, Euch aus der Gefahr zu retten, Hoher Herr, so spät anlangte: In dem Tode, was die größte, Zeigt die Freundschaft sich vor allem. Einen hocherhabnen Tempel Will zu würd'gem Ehrenmale Eurem sel'gen Leib' ich weihen. – Phönix dir und Tarudante Uebergebend, bitt' ich, König, Gib sie Muley'n zum Gemahle, Um der Freundschaft, die er pflog, Wie ich weiß, mit dem Infanten. Jetzt, Gefangne, kommt und sehet. Hier liegt eur Infant, so traget Auf den Schultern ihn zur Flotte. König . Ihn begleiten sollen alle. Alfonso . Bei der lieblichen Trompeten Und gedämpften Trommeln Klange Zieh das Heer zu der Bestattung Feier und solch Ende habe, Demutsvoll Verzeihung bittend, Für so manchen großen Mangel, Der standhafte Prinz im Glauben, Don Fernando Lusitaniens.