Joseph Conrad Weihe Initiations »Schiffe!« sagte lebhaft ein älterer Seemann in sauberem Landgangszeug. »Schiffe–« und sein scharfer Blick wandte sich von meinem Gesicht ab und lief die lange Reihe prächtiger Galionsfiguren entlang, die Ende der siebziger Jahre gewöhnlich dicht nebeneinander in einer Linie über das schmierige Pflaster des Kais am New South Dock hinausragten – »Schiffe sind schon gut, aber die Leute darauf...« "Ships!" exclaimed an elderly seaman in clean shore togs. "Ships" – and his keen glance, turning away from my face, ran along the vista of magnificent figure-heads that in the late seventies used to overhang in a serried rank the muddy pavement by the side of the New South Dock – "ships are all right; it's the men in 'em..." Mindestens fünfzig große Segelschiffe lagen dort mit dem Vorsteven zum Kai alle in einer Reihe vertäut. Ihre Rümpfe aus Holz oder Eisen zeigten klassisch schöne Linien, die Schnelligkeit verrieten und in ihrer Form die höchste Vollendung modernen Schiffbaus verkörperten. Sie lagen dort, als hätte man sie für eine Ausstellung zusammengeholt, nicht etwa für eine große Industrieausstellung, sondern für eine Schau großer Kunstwerke. Ihre Außenbordsfarben waren grau, schwarz oder dunkelgrün mit einer schmalen gelben Zierleiste, die ihren Sprung hervorhob. Andere hatten eine Reihe aufgemalter Kanonenpforten, die ihre robusten Flanken kriegerisch verzierten, Flanken von Lastträgern, die keinen anderen Triumph kannten, als mit ihrer Last schnell zu sein, keinen anderen Ruhm, als lange zu dienen, und keinen Sieg – nur den endlosen stillen Kampf mit der See. Hochbordig, mit gewichtiger Würde lagen die großen, leeren Schiffsrümpfe mit ihren reingefegten Laderäumen längsseits der hölzernen Landungsbrücken, eher unbeweglichen Gebäuden gleichend als Wesen, die im Wasser leben. Sie waren soeben aus dem Trockendock gekommen und glänzten vor frischer Farbe. Andere, schon halb beladen, waren auf dem besten Wege, ihr seemäßiges Aussehen, nämlich das eines bis zur Ladelinie weggeladenen Schiffes, wiederzugewinnen; sie sahen zugänglicher aus. Ihre weniger steil ansteigende Gangway schien die umherstreifenden Seeleute, die eine Stellung suchten, geradezu einzuladen, an Bord zu kommen und beim Ersten Offizier, dem Hüter der Schiffsordnung, »um Chance« nachzufragen. Zwei oder drei seeklare Schiffe zerrten tief weggeladen an ihren waagerecht zeigenden Vorleinen, als fürchteten sie, unter den sie überragenden Geschwistern unbemerkt zu bleiben. Man konnte ihre aufgeklarten Decks und angelegten Luken sehen, wie sie dort bereit lagen, mit dem Heck voraus aus der unruhigen Reihe zu scheren, um sich in ihrer ganzen Anmut und Schönheit zu zeigen, die erst der richtige Seetrimm einem Schiff verleiht. Und über eine gute Viertelmeile hin, vom Schleusentor bis in die entfernteste Ecke, wo früher die alte Hulk ›President‹ (damals Ausbildungsschiff der Naval Reserve) sicher vertäut lag und ihre Fregattenseite an der Kaimauer rieb, über all diesen teils schon seeklaren, teils noch unbeladenen Schiffsrümpfen spannten an die hundertfünfzig hohe Masten das Gewebe ihrer Takelage wie ein ungeheures Netz aus, in dessen engen Maschen die schweren Rahen sich schwarz vom Himmel abhoben und wie darin verfangen und verstrickt erschienen. Fifty hulls, at least, moulded on lines of beauty and speed – hulls of wood, of iron, expressing in their forms the highest achievement of modern ship-building – lay moored all in a row, stem to quay, as if assembled there for an exhibition, not of a great industry, but of a great art. Their colours were gray, black, dark green, with a narrow strip of yellow moulding defining their sheer, or with a row of painted ports decking in warlike decoration their robust flanks of cargo-carriers that would know no triumph but of speed in carrying a burden, no glory other than of a long service, no victory but that of an endless, obscure contest with the sea. The great empty hulls with swept holds, just out of dry-dock, with their paint glistening freshly, sat high-sided with ponderous dignity alongside the wooden jetties, looking more like unmovable buildings than things meant to go afloat; others, half loaded, far on the way to recover the true sea-physiognomy of a ship brought down to her load-line, looked more accessible. Their less steeply slanting gangways seemed to invite the strolling sailors in search of a berth to walk on board and try "for a chance" with the chief mate, the guardian of a ship's efficiency. As if anxious to remain unperceived amongst their overtopping sisters, two or three "finished" ships floated low, with an air of straining at the leash of their level headfasts, exposing to view their cleared decks and covered hatches, prepared to drop stern first out of the labouring ranks, displaying the true comeliness of form which only her proper sea-trim gives to a ship. And for a good quarter of a mile, from the dockyard gate to the farthest corner, where the old housed-in hulk, the President (drill-ship, then, of the Naval Reserve), used to lie with her frigate side rubbing against the stone of the quay, above all these hulls, ready and unready, a hundred and fifty lofty masts, more or less, held out the web of their rigging like an immense net, in whose close mesh, black against the sky, the heavy yards seemed to be entangled and suspended. Es war ein großartiger Anblick. Selbst das bescheidenste Fahrzeug rührt durch sein zuverlässiges Dasein an des Seemanns Herz, und hier bot sich die Schiffsaristokratie den Blicken dar. Es war eine stattliche Versammlung der Schönsten und Schnellsten, von denen jedes das geschnitzte Sinnbild seines Namens am Bug führte. Wie in einer Galerie von Gipsfiguren sah man dort Frauengestalten mit zackigen Kronen; Frauen mit wallenden Gewändern, mit goldenen Stirnbändern im Haar oder blauen Schärpen um die Hüften, die wohlgerundeten Arme ausgestreckt, als wollten sie den Weg weisen; behelmte oder barhäuptige Männerköpfe; und in voller Größe, von Kopf bis Fuß ganz in Weiß, die Gestalten von Kriegern, Königen, Staatsmännern, von Lords und Prinzessinnen; hier und da eine dunkelfarbige, bunt herausgeputzte Figur eines turbantragenden Sultans oder Helden aus dem Orient; und sie alle neigten sich unter der Schräge mächtiger Bugspriete vor, als warteten sie in ihrer gebeugten Haltung ungeduldig darauf, eine weitere elftausend Seemeilen lange Reise zu beginnen. So sahen die herrlichen Galionsfiguren der herrlichsten Schiffe aus, die es je auf See gab. Aber warum der Versuch, in Worten einen Eindruck wiederzugeben, dessen Echtheit keinen Kritiker und keinen Richter finden kann, da solch eine Ausstellung der Schiffbaukunst und der Schnitzkunst von Galionsfiguren, wie sie damals das ganze Jahr über in der Freilichtgalerie des New South Dock zu sehen war, keines Menschen Auge jemals wieder erblicken wird – warum, wenn nicht aus Liebe zu dem Leben, das diese Bildnisse in ihrer schweifenden Unbewegtheit mit uns teilten? Alles was es in dieser bleichen Schar von Königinnen und Prinzessinnen, von Königen und Kriegern, von allegorischen Frauengestalten, Heroinen und Staatsmännern und heidnischen Göttern an bekrönten, behelmten oder barhäuptigen Gestalten gab, ist für immer von der See verschwunden, nachdem sie bis zuletzt über den stürzenden Schaum der Bugwelle ihre schönen, kräftigen Arme ausgestreckt, bis zuletzt ihre Speere, Schwerter, Schilde und Dreizacke in derselben unermüdlichen, vorwärtsstrebenden Haltung vor sich her getragen hatten. Und nichts ist von ihnen geblieben als der Klang ihrer Namen, der vielleicht noch in der Erinnerung einiger Männer haftet, Namen, die schon längst von der ersten Seite der bedeutenden Londoner Tageszeitungen verschwunden sind, verschwunden von den großen Anschlagzetteln in den Bahnhöfen und an den Türen der Schiffsagenturen, verschwunden auch aus dem Gedächtnis der Seeleute, Hafenmeister, Lotsen und Schlepperleute, verschwunden aus dem Anruf rauher Stimmen und aus den flatternden Flaggensignalen, wie sie zwischen Schiffen gewechselt werden, die sich begegnen und allein weiterziehen in die Unendlichkeit der offenen See. It was a sight. The humblest craft that floats makes its appeal to a seaman by the faithfulness of her life; and this was the place where one beheld the aristocracy of ships. It was a noble gathering of the fairest and the swiftest, each bearing at the bow the carved emblem of her name, as in a gallery of plaster-casts, figures of women with mural crowns, women with flowing robes, with gold fillets on their hair or blue scarves round their waists, stretching out rounded arms as if to point the way; heads of men helmeted or bare; full lengths of warriors, of kings, of statesmen, of lords and princesses, all white from top to toe; with here and there a dusky turbaned figure, bedizened in many colours, of some Eastern sultan or hero, all inclined forward under the slant of mighty bowsprits as if eager to begin another run of 11,000 miles in their leaning attitudes. These were the fine figure-heads of the finest ships afloat. But why, unless for the love of the life those effigies shared with us in their wandering impassivity, should one try to reproduce in words an impression of whose fidelity there can be no critic and no judge, since such an exhibition of the art of shipbuilding and the art of figure-head carving as was seen from year's end to year's end in the open-air gallery of the New South Dock no man's eye shall behold again? All that patient, pale company of queens and princesses, of kings and warriors, of allegorical women, of heroines and statesmen and heathen gods, crowned, helmeted, bare-headed, has run for good off the sea stretching to the last above the tumbling foam their fair, rounded arms; holding out their spears, swords, shields, tridents in the same unwearied, striving forward pose. And nothing remains but lingering perhaps in the memory of a few men, the sound of their names, vanished a long time ago from the first page of the great London dailies; from big posters in railway-stations and the doors of shipping offices; from the minds of sailors, dockmasters, pilots, and tugmen; from the hail of gruff voices and the flutter of signal flags exchanged between ships closing upon each other and drawing apart in the open immensity of the sea. Der ehrbare ältliche Seemann wandte seinen Blick von dem Gewirr der Masten und Rahen ab und sah mich kurz an, um sich unseres gemeinsamen Berufs und unseres gemeinsamen Glaubens an die geheimnisvolle See zu vergewissern. Wir waren uns zufällig begegnet und ins Gespräch gekommen, als ich in seiner Nähe stehen blieb, weil meine Aufmerksamkeit von derselben Besonderheit in der Takelage eines augenscheinlich neuen Schiffes gefesselt wurde, die auch er sich gerade ansah. Es war ein neues Schiff, es mußte sich seinen Ruf erst noch in den Gesprächen der Seeleute erwerben, die ihr Leben mit ihm zu teilen hatten. Der Name des Schiffes war schon in ihrem Munde. Ich hatte ihn von zwei dicken, rotnackigen Kerlen halbseemännischen Schlages in der Nähe der Fenchurch Street nennen gehört, dort, wo in jenen Tagen die Männer in der alltäglichen Menge meist Troyer und Düffeljacken trugen und sich den Anschein gaben, besser mit den Hochwasserzeiten Bescheid zu wissen als mit den Abfahrtszeiten der Züge. Ich hatte diesen neuen Schiffsnamen auf der ersten Seite meiner Morgenzeitung gelesen, und jedesmal, wenn der Zug längsseits einer der kaiartigen, trübseligen, hölzernen Bahnsteige zum Stehen kam, starrte ich die ungewohnte blaue Buchstabenfolge auf weißem Grund an, die dort auf den Anschlagstafeln prangte. Zweifellos hatte das Schiff nach rechtem Brauch seinen Namen an dem Tage bekommen, an dem es von Stapel lief, aber »einen Namen« hatte es damit noch lange nicht. Unerprobt und noch unkundig der Wege auf See, war es in die Gesellschaft dieser berühmten Schiffe gesteckt worden, um für seine Jungfernreise beladen zu werden. Außer dem guten Ruf seiner Bauwerft, von wo es kopfüber in seine Welt des Wassers gelassen worden war, gab es nichts, was seine Zuverlässigkeit und den Wert seines Charakters verbürgt hätte. Es machte auf mich einen bescheidenen, zaghaften Eindruck, wie es so still dalag und seine Seite scheu an die Kaimauer schmiegte, an der es, eingeschüchtert von der Gesellschaft seiner erprobten und erfahrenen Geschwister, die schon vertraut waren mit allen Gewalttätigkeiten der See und der anspruchsvollen Liebe der Menschen, mit ganz neuen Leinen festgemacht war. Diese Schiffe hatten schon mehr lange Reisen hinter sich, in denen sie sich ihren Namen gemacht hatten, als dieses Wochen behutsam umhegten Lebens hinter sich gebracht hatte, wie es einem neuen Schiff zuteil wird, das umsorgt wird, als wäre es eine junge Braut. Selbst die alten mürrischen Hafenmeister sahen es mit wohlwollenden Augen an. In seiner Scheu hätte es an der Schwelle eines arbeitsreichen und Ungewissen Lebens, wo so viel von einem Schiff erwartet wird, nicht besser ermutigt und getröstet werden können, hätte es nur zu hören und zu verstehen vermocht, in welchem Ton tiefer Überzeugung mein ältlicher, ehrbarer Seemann den ersten Teil seines Ausspruchs wiederholte: »Schiffe sind gut...« The elderly, respectable seaman, withdrawing his gaze from that multitude of spars, gave me a glance to make sure of our fellowship in the craft and mystery of the sea. We had met casually, and had got into contact as I had stopped near him, my attention being caught by the same peculiarity he was looking at in the rigging of an obviously new ship, a ship with her reputation all to make yet in the talk of the seamen who were to share their life with her. Her name was already on their lips. I had heard it uttered between two thick, red-necked fellows of the semi-nautical type at the Fenchurch Street Railway-station, where, in those days, the everyday male crowd was attired in jerseys and pilot-cloth mostly, and had the air of being more conversant with the times of high- water than with the times of the trains. I had noticed that new ship's name on the first page of my morning paper. I had stared at the unfamiliar grouping of its letters, blue on white ground, on the advertisement-boards, whenever the train came to a standstill alongside one of the shabby, wooden, wharf-like platforms of the dock railway-line. She had been named, with proper observances, on the day she came off the stocks, no doubt, but she was very far yet from "having a name." Untried, ignorant of the ways of the sea, she had been thrust amongst that renowned company of ships to load for her maiden voyage. There was nothing to vouch for her soundness and the worth of her character, but the reputation of the building-yard whence she was launched headlong into the world of waters. She looked modest to me. I imagined her diffident, lying very quiet, with her side nestling shyly against the wharf to which she was made fast with very new lines, intimidated by the company of her tried and experienced sisters already familiar with all the violences of the ocean and the exacting love of men. They had had more long voyages to make their names in than she had known weeks of carefully tended life, for a new ship receives as much attention as if she were a young bride. Even crabbed old dock-masters look at her with benevolent eyes. In her shyness at the threshold of a laborious and uncertain life, where so much is expected of a ship, she could not have been better heartened and comforted, had she only been able to hear and understand, than by the tone of deep conviction in which my elderly, respectable seaman repeated the first part of his saying, "Ships are all right ..." Seine Höflichkeit hielt ihn davon ab, den anderen, bitteren Teil zu wiederholen. Ihm war der Gedanke gekommen, daß es vielleicht taktlos sei, auf ihm zu beharren. Er hatte in mir einen Schiffsoffizier erkannt, der sich sehr wahrscheinlich, wie er selbst, nach einer Stellung umsah und insofern ein Kamerad, aber dennoch ein Mann war, der zum dünner bevölkerten Achterende eines Schiffes gehört, wo ein großer Teil seines Rufes als »gutes Schiff«, wie der Seemann sagt, gemacht oder verdorben wird. His civility prevented him from repeating the other, the bitter part. It had occurred to him that it was perhaps indelicate to insist. He had recognised in me a ship's officer, very possibly looking for a berth like himself, and so far a comrade, but still a man belonging to that sparsely-peopled after-end of a ship, where a great part of her reputation as a "good ship," in seaman's parlance, is made or marred. »Können Sie das ausnahmslos von allen Schiffen sagen?« fragte ich, denn ich hatte Zeit und Muße; wenn ich auch offenbar Schiffsoffizier war, so war ich doch in Wirklichkeit nicht in den Docks, um mich »nach einer Stellung umzusehen« – eine Beschäftigung, die einen ebenso fesselt wie Glücksspiele und dem freien Gedankenaustausch ebenso unzuträglich ist, wie sie jede freundliche Stimmung untergräbt, die man für gelegentliche Unterhaltungen mit seinen Mitmenschen braucht. "Can you say that of all ships without exception?" I asked, being in an idle mood, because, if an obvious ship's officer, I was not, as a matter of fact, down at the docks to "look for a berth," an occupation as engrossing as gambling, and as little favourable to the free exchange of ideas, besides being destructive of the kindly temper needed for casual intercourse with one's fellow-creatures. »Man kommt mit ihnen immer klar«, meinte der ehrbare Seemann entschieden. "You can always put up with 'em," opined the respectable seaman judicially. Er war ebenfalls nicht abgeneigt, sich zu unterhalten. Wenn er hierher nach den Docks gekommen war, um sich ein Schiff zu suchen, so schien er sich um seine Chancen doch keine Sorgen zu machen. Er besaß die heitere Ruhe eines Mannes, dessen achtenswerter Charakter sich schon in seiner äußeren Erscheinung auf bescheidene und überzeugende Weise vorteilhaft ausdrückte. Kein Erster Offizier, der Leute braucht, hätte ihn ablehnen können. Und wirklich erfuhr ich kurz darauf, daß ihn der Erste der ›Hyperion‹ als Quartermeister »aufgeschrieben« und vorgemerkt hatte. He was not averse from talking, either. If he had come down to the dock to look for a berth, he did not seem oppressed by anxiety as to his chances. He had the serenity of a man whose estimable character is fortunately expressed by his personal appearance in an unobtrusive, yet convincing, manner which no chief officer in want of hands could resist. And, true enough, I learned presently that the mate of the Hyperion had "taken down" his name for quarter- master. »Wir mustern Freitag an und laufen am nächsten Tag mit der Morgentide aus«, bemerkte er in unbekümmertem, bedächtigem Ton, der in starkem Gegensatz zu seiner offenkundigen Bereitwilligkeit stand, dazubleiben und mit einem völlig Fremden stundenlang zu plaudern. "We sign on Friday, and join next day for the morning tide," he remarked, in a deliberate, careless tone, which contrasted strongly with his evident readiness to stand there yarning for an hour or so with an utter stranger. »›Hyperion‹«, sagte ich, »ich kann mich nicht erinnern, das Schiff irgendwo schon einmal gesehen zu haben. Was für einen Ruf hat es denn?« "Hyperion," I said. "I don't remember ever seeing that ship anywhere. What sort of a name has she got?" Aus seiner abschweifenden Antwort ging hervor, daß es weder in dieser noch in jener Hinsicht einen besonderen Ruf hatte. Es war kein sehr schnelles Schiff, wenn es sich auch, wie er meinte, nicht von jedem Dummkopf gut steuern ließ. Vor einigen Jahren hatte er es in Kalkutta gesehen, und er erinnerte sich, daß ihm jemand erzählt hatte, auf der Fahrt den Fluß hinauf seien dem Schiff beide Ankerklüsen weggerissen. Aber das konnte Schuld des Lotsen gewesen sein. Gerade jetzt hatte er beim Klönen mit den Kadetten an Bord gehört, daß es auf dieser Ausreise in den Downs beim Ankern plötzlich ausgeschoren und ins Treiben geraten sei, wobei es dann Anker und Kette verlor. Aber das war vielleicht dadurch passiert, daß man die Stromverhältnisse beim Zuankergehen nicht sorgfältig genug beachtet hatte. Immerhin sah es doch so aus, als hätte das Schiff sehr schweres Ankergeschirr, nicht wahr? Auf jeden Fall schien es, was das Manövrieren anbelangt, ein schweres Schiff zu sein. Im übrigen hatte er erfahren, daß diese Reise ein neuer Kapitän und ein neuer Erster Offizier an Bord gekommen waren, und so konnte man nicht wissen, wie sich das Schiff nun machen würde. It appeared from his discursive answer that she had not much of a name one way or another. She was not very fast. It took no fool, though, to steer her straight, he believed. Some years ago he had seen her in Calcutta, and he remembered being told by somebody then, that on her passage up the river she had carried away both her hawse-pipes. But that might have been the pilot's fault. Just now, yarning with the apprentices on board, he had heard that this very voyage, brought up in the Downs, outward bound, she broke her sheer, struck adrift, and lost an anchor and chain. But that might have occurred through want of careful tending in a tideway. All the same, this looked as though she were pretty hard on her ground- tackle. Didn't it? She seemed a heavy ship to handle, anyway. For the rest, as she had a new captain and a new mate this voyage, he understood, one couldn't say how she would turn out. ... In solchen Gesprächen, wie sie an Land von Seeleuten geführt werden, bildet sich allmählich der Ruf eines Schiffes, wird sein Ruhm begründet und die Geschichte seiner Vorzüge und seiner Fehler bewahrt. Diese vertraulichen Unterhaltungen bieten immer wieder einen Anreiz, die charakteristischen Eigenarten eines Schiffes zu kritisieren, seine Leistungen groß herauszustellen und seine Mängel zu beschönigen, gegen die es in unserer unvollkommenen Welt kein Mittel gibt und worüber die Männer, die der rohen Gewalt der See mit Hilfe dieser Schiffe ihr hartes Brot abringen, sich nicht lange aufhalten sollten. Aus all diesen Gesprächen entsteht der »Name« eines Schiffes, den eine Besatzung der anderen ohne Bitterkeit und ohne Groll, jedoch mit Nachsicht aus dem Gefühl gegenseitiger Abhängigkeit weitergibt, diesem Gefühl enger Verbundenheit, das Mann und Schiff im Guten wie im Bösen zusammenschweißt. In such marine shore-talk as this is the name of a ship slowly established, her fame made for her, the tale of her qualities and of her defects kept, her idiosyncrasies commented upon with the zest of personal gossip, her achievements made much of, her faults glossed over as things that, being without remedy in our imperfect world, should not be dwelt upon too much by men who, with the help of ships, wrest out a bitter living from the rough grasp of the sea. All that talk makes up her "name," which is handed over from one crew to another without bitterness, without animosity, with the indulgence of mutual dependence, and with the feeling of close association in the exercise of her perfections and in the danger of her defects. Dieses Gefühl erklärt den Stolz des Mannes auf sein Schiff. »Schiffe sind gut«, wie mein ältlicher, ehrbarer Quartermeister sehr überzeugt und ein wenig ironisch sagte; aber sie sind nicht genau das, wozu Menschenhand sie gemacht hat. Sie haben ihr eigenes Wesen, sie können durch die Anforderungen, die ihre Eigenart an unser Können und ihre Unzulänglichkeit an unsere Zähigkeit und Ausdauer stellen, sehr viel zu unserer Selbstachtung beitragen. Welche von diesen beiden Forderungen für den Seemann schmeichelhafter ist, kann man schwer sagen; die Tatsache besteht jedoch, daß ich während der mehr als zwanzig Jahre, in denen ich solchen Gesprächen zwischen Seeleuten an Land und an Bord zugehört habe, niemals ein Zeichen wirklicher feindlicher Gesinnung entdecken konnte. Dabei will ich nicht in Abrede stellen, daß auf See manchmal ein recht gottloser Ton in den Schimpfreden zu hören war, die ein durchnäßter, frierender und erschöpfter Seemann gegen sein Schiff richtete und die er in seiner Verbitterung am liebsten auf alle Schiffe, die je von Stapel liefen, ausgedehnt hätte -ja, auf die ganze unverwüstliche, anspruchsvolle Brut, die auf hoher See schwimmt. Ich habe ihn sogar auf das unstete Element selbst fluchen hören, dessen Zauber die gesammelte Erfahrung von Jahrhunderten überdauerte und auch ihn gefangennahm wie die Generationen seiner Vorfahren. This feeling explains men's pride in ships. "Ships are all right," as my middle-aged, respectable quartermaster said with much conviction and some irony; but they are not exactly what men make them. They have their own nature; they can of themselves minister to our self-esteem by the demand their qualities make upon our skill and their shortcomings upon our hardiness and endurance. Which is the more flattering exaction it is hard to say; but there is the fact that in listening for upwards of twenty years to the sea-talk that goes on afloat and ashore I have never detected the true note of animosity. I won't deny that at sea, sometimes, the note of profanity was audible enough in those chiding interpellations a wet, cold, weary seaman addresses to his ship, and in moments of exasperation is disposed to extend to all ships that ever were launched – to the whole everlastingly exacting brood that swims in deep waters. And I have heard curses launched at the unstable element itself, whose fascination, outlasting the accumulated experience of ages, had captured him as it had captured the generations of his forebears. Denn die See war dem Menschen niemals freundlich gesinnt, was auch immer von der Liebe gesagt wird, die gewisse Gemüter (an Land) vorgeben, für sie zu empfinden, und trotz aller Verherrlichungen, deren Gegenstand sie in Poesie und Prosa ist. Bestenfalls hat sie einmal mit der menschlichen Ruhelosigkeit gemeinsame Sache gemacht und die Rolle eines gefährlichen Anstifters ehrgeiziger weltweiter Pläne gespielt. Noch nie war die See, so wie die gütige Erde, irgendeiner Menschenrasse treu geblieben. Weder Tapferkeit noch mühselige Arbeit und Selbstaufopferung haben irgendein Merkmal auf ihr hinterlassen, nie hat sie eine Herrschaft als endgültig anerkannt und sich der Sache ihrer Gebieter angenommen wie jene Länder, wo siegreiche Völker Wurzel schlagen, ihre Wiegen schaukeln und ihren Toten Grabmäler setzen. Gleich ob es der einzelne ist oder ein ganzes Volk – wer sein Vertrauen auf die Freundschaft der See setzt und die eigene Stärke und Geschicklichkeit darüber vernachlässigt, der ist ein Narr! Das Meer kennt kein Mitleid, keine Treue, kein Gebot, kein Erinnern – als wäre es zu groß, zu allmächtig für gewöhnliche Tugenden. Seine Unbeständigkeit kann nur durch unverzagte Entschlossenheit und rastlose, kampfbereite, argwöhnische Wachsamkeit menschlichen Zielen gefügig gemacht werden, eine Haltung, die vielleicht schon immer mehr von Haß als von Liebe diktiert war. Odi et amo , so mag das Bekenntnis derer lauten, die wissentlich oder blind ihr Leben dem Zauber der See ausgeliefert haben. All die stürmischen Leidenschaften der Jugendzeit des Menschengeschlechtes, ihre Kriegslüsternheit und Ruhmsucht, ihre Abenteuerlust und ihre Neigung zu gefahrvollen Unternehmungen sind mit dem großen Reiz des Unbekannten und den weiten Träumen von Herrschaft und Macht wie Trugbilder dahingegangen, ohne auch nur eine Spur auf dem geheimnisvollen Antlitz der See zu hinterlassen. Unergründlich und herzlos hat die See all denen, die um ihre fragwürdige Gunst warben, nichts von sich selbst gegeben. Keine Geduld und keine noch so große Mühe vermag sie so wie die Erde zu bezwingen. Trotz der verführerischen Macht ihres Zaubers, der so viele schon in einen gewaltsamen Tod gelockt hat, ist ihre Unermeßlichkeit nie so geliebt worden wie die Berge und Ebenen, ja, selbst die Wüste geliebt wurden. In der Tat glaube ich, daß die Liebe zur See, zu der sich einige Menschen und ganze Völker so bereitwillig bekennen, daß diese Liebe ungeachtet aller Beteuerungen und Lobpreisungen gewisser Schriftsteller, die für kaum etwas anderes in der Welt Sinn haben als den Rhythmus ihrer Verse und den Tonfall ihrer Sätze, ein Gefühl ist, das sehr vom Stolz und nicht wenig von einer gewissen Notwendigkeit beeinflußt ist, aber in dem die Liebe zu den Schiffen – diesen unermüdlichen Dienern unserer Hoffnungen und unserer Selbstachtung – der beste und lauterste Teil ist. Denn unter den Hunderten, die das Meer geschmäht haben, angefangen bei Shakespeare mit dem Vers: For all that has been said of the love that certain natures (on shore) have professed to feel for it, for all the celebrations it had been the object of in prose and song, the sea has never been friendly to man. At most it has been the accomplice of human restlessness, and playing the part of dangerous abettor of world- wide ambitions. Faithful to no race after the manner of the kindly earth, receiving no impress from valour and toil and self- sacrifice, recognising no finality of dominion, the sea has never adopted the cause of its masters like those lands where the victorious nations of mankind have taken root, rocking their cradles and setting up their gravestones. He – man or people – who, putting his trust in the friendship of the sea, neglects the strength and cunning of his right hand, is a fool! As if it were too great, too mighty for common virtues, the ocean has no compassion, no faith, no law, no memory. Its fickleness is to be held true to men's purposes only by an undaunted resolution and by a sleepless, armed, jealous vigilance, in which, perhaps, there has always been more hate than love. ODI ET AMO may well be the confession of those who consciously or blindly have surrendered their existence to the fascination of the sea. All the tempestuous passions of mankind's young days, the love of loot and the love of glory, the love of adventure and the love of danger, with the great love of the unknown and vast dreams of dominion and power, have passed like images reflected from a mirror, leaving no record upon the mysterious face of the sea. Impenetrable and heartless, the sea has given nothing of itself to the suitors for its precarious favours. Unlike the earth, it cannot be subjugated at any cost of patience and toil. For all its fascination that has lured so many to a violent death, its immensity has never been loved as the mountains, the plains, the desert itself, have been loved. Indeed, I suspect that, leaving aside the protestations and tributes of writers who, one is safe in saying, care for little else in the world than the rhythm of their lines and the cadence of their phrase, the love of the sea, to which some men and nations confess so readily, is a complex sentiment wherein pride enters for much, necessity for not a little, and the love of ships – the untiring servants of our hopes and our self-esteem – for the best and most genuine part. For the hundreds who have reviled the sea, beginning with Shakespeare in the line »Grausamer noch als Hunger und als Angst Und als die See–« "More fell than hunger, anguish, or the sea," bis hinab zum letzten unbekannten Seemann alten Stils, der nicht viel Worte macht und noch viel weniger denkt, wäre wohl kaum ein Seemann zu finden gewesen, glaube ich, der jemals den guten oder schlechten Namen eines Schiffes in einem Atemzug mit einer Verwünschung genannt hätte. Wenn sein Fluchen, hervorgerufen vom harten Leben auf See, jemals so weit ging, daß er sein Schiff mit einbezog, dann geschah dies nur obenhin und ganz leicht, so wie man wohl ohne sündige Gedanken auf zärtliche Weise eine Frau anrühren mag. down to the last obscure sea-dog of the "old model," having but few words and still fewer thoughts, there could not be found, I believe, one sailor who has ever coupled a curse with the good or bad name of a ship. If ever his profanity, provoked by the hardships of the sea, went so far as to touch his ship, it would be lightly, as a hand may, without sin, be laid in the way of kindness on a woman. Die Liebe zum Schiff ist grundverschieden von der Liebe, die ein Mann für alle anderen Werke seiner Hände empfindet – der Liebe zum Beispiel, die er für sein Haus hegt-, weil sie rein ist vom Stolz des Besitzern. Sie ist ein selbstloses Gefühl, mag es auch nicht frei sein von Stolz auf das eigene Können, auf die persönliche Verantwortung und Standhaftigkeit. Kein Seemann hat jemals ein Schiff, selbst wenn es ihm gehörte, nur des Profits wegen, den es ihm einbrachte, geschätzt und in Ehren gehalten. Das hat, glaube ich, noch keiner getan; denn der Reeder, und sei es der beste, stand immer schon außerhalb der vertrauten Gemeinschaft, die Schiff und Mann gegen die unerbittliche, wenn auch zuweilen versteckte Feindseligkeit ihrer Welt der Gewässer verbindet. Die See kennt keine Großmut – diese Wahrheit kann nicht geleugnet werden. Ihr skrupelloses Machtbewußtsein hat noch keine der vielen guten männlichen Eigenschaften, wie Mut, Kühnheit, Ausdauer und Treue, zu rühren vermocht. Der Ozean gleicht einem gewissenlosen, grausamen Despoten, den ständige Schmeichelei verdorben hat. Er kann nicht den geringsten Widerstand vertragen und ist der unversöhnliche Feind aller Schiffe und Männer geblieben seit dem Tage, da sie die unerhörte Kühnheit hatten, sich trotz seiner mißbilligenden Blicke gemeinsam hinaus aufs Meer zu wagen. Von diesem Tage an hat er Flotten und Menschen verschlungen, ohne daß die vielen Opfer – die zahllosen zerstörten Schiffe und vernichteten Menschenleben – seinen Grimm gestillt hätten. Er ist heute wie je bereit, die Menschen mit ihrem unverbesserlichen Optimismus zu verführen und zu verraten, sie zu zerschmettern und zu ertränken, wenn sie im Vertrauen auf ihre Schiffe versuchen, ihm ihr häusliches Glück, die Herrschaft über diese Welt oder nur ihr karges tägliches Brot abzuringen, um ihren Hunger zu stillen. Und wenn er auch nicht immer voller Zerstörungslust ist, so wartet er doch stets auf die Gelegenheit, heimtückisch alles in die Tiefe zu reißen. Das erstaunlichste Wunder der Tiefe ist ihre unergründliche Grausamkeit. The love that is given to ships is profoundly different from the love men feel for every other work of their hands – the love they bear to their houses, for instance – because it is untainted by the pride of possession. The pride of skill, the pride of responsibility, the pride of endurance there may be, but otherwise it is a disinterested sentiment. No seaman ever cherished a ship, even if she belonged to him, merely because of the profit she put in his pocket. No one, I think, ever did; for a ship-owner, even of the best, has always been outside the pale of that sentiment embracing in a feeling of intimate, equal fellowship the ship and the man, backing each other against the implacable, if sometimes dissembled, hostility of their world of waters. The sea – this truth must be confessed – has no generosity. No display of manly qualities – courage, hardihood, endurance, faithfulness – has ever been known to touch its irresponsible consciousness of power. The ocean has the conscienceless temper of a savage autocrat spoiled by much adulation. He cannot brook the slightest appearance of defiance, and has remained the irreconcilable enemy of ships and men ever since ships and men had the unheard of audacity to go afloat together in the face of his frown. From that day he has gone on swallowing up fleets and men without his resentment being glutted by the number of victims – by so many wrecked ships and wrecked lives. To-day, as ever, he is ready to beguile and betray, to smash and to drown the incorrigible optimism of men who, backed by the fidelity of ships, are trying to wrest from him the fortune of their house, the dominion of their world, or only a dole of food for their hunger. If not always in the hot mood to smash, he is always stealthily ready for a drowning. The most amazing wonder of the deep is its unfathomable cruelty. Dieses Grauen überfiel mich zum erstenmal an einem Tage, als wir vor vielen Jahren mitten im Atlantik die Mannschaft einer dänischen Brigg retteten, die auf der Heimreise von Westindien war. Ein leichter, silberheller Dunst verschleierte den stillen, erhabenen Glanz des schattenlosen Lichts und schien dem Himmel die Ferne und der See die Unendlichkeit zu nehmen. Es war einer der Tage, an denen sich der mächtige Ozean wirklich liebenswert zeigt, wie ein starker Mann in den Augenblicken vertraulichen Umgangs. Bei Sonnenaufgang hatten wir im Westen einen dunklen Fleck ausgemacht, der scheinbar hoch oben im leeren Raum hinter einem schimmernden Schleier silberblauen, leichten Nebels schwebte. Und dieser Dunstschleier schien im schwachen Wind, der uns langsam vorwärtstrieb, mit uns hin und her zu wogen. Der Friede dieses bezaubernden Vormittags war so tief und ungetrübt, daß wir das Gefühl hatten, jedes laute Wort an Deck würde bis ins Herz jenes unergründlichen Mysteriums dringen, das aus der Verschmelzung des Meeres mit dem Himmel geboren wird. Wir wagten nicht, laut zu sprechen. »Ein sinkendes Wrack, glaube ich, Kapitän«, sagte der Zweite Offizier gelassen, als er mit dem Fernglas, das in einem Etui über seiner Schulter hing, von oben kam. Und ohne ein Wort zu verlieren, gab unser Kapitän dem Rudersmann ein Zeichen, auf den dunklen Fleck zuzuhalten. Kurz darauf machten wir einen niedrigen zersplitterten Maststumpf aus, der vorn auf dem Wrack aufragte – das war alles, was von den verlorenen Masten übriggeblieben war. I felt its dread for the first time in mid-Atlantic one day, many years ago, when we took off the crew of a Danish brig homeward bound from the West Indies. A thin, silvery mist softened the calm and majestic splendour of light without shadows – seemed to render the sky less remote and the ocean less immense. It was one of the days, when the might of the sea appears indeed lovable, like the nature of a strong man in moments of quiet intimacy. At sunrise we had made out a black speck to the westward, apparently suspended high up in the void behind a stirring, shimmering veil of silvery blue gauze that seemed at times to stir and float in the breeze which fanned us slowly along. The peace of that enchanting forenoon was so profound, so untroubled, that it seemed that every word pronounced loudly on our deck would penetrate to the very heart of that infinite mystery born from the conjunction of water and sky. We did not raise our voices. "A water-logged derelict, I think, sir," said the second officer quietly, coming down from aloft with the binoculars in their case slung across his shoulders; and our captain, without a word, signed to the helmsman to steer for the black speck. Presently we made out a low, jagged stump sticking up forward – all that remained of her departed masts. Der Kapitän unterhielt sich leise mit dem Ersten Offizier und ließ sich gerade weitläufig über die Gefährlichkeit solcher treibenden Wracks aus und über seine Furcht, nachts auf sie zu stoßen, als plötzlich ein Mann vorne ausrief: »Da sind Leute an Bord, Kapitän! Ich kann sie sehen!« Es war eine ungewöhnliche Stimme, die das schrie, eine Stimme, die auf unserm Schiff noch nie gehört worden war, die überraschende Stimme eines Fremden. Sie gab das Signal für ein Durcheinander von lauten Rufen. Die ganze Freiwache lief geschlossen auf die Back, der Koch stürzte aus der Kombüse – alle sahen jetzt die armen Kerle. Da waren sie! Und auf einmal schien unser Schiff, das den wohlverdienten Ruf hatte, bei leichtem Wind jedem ändern an Schnelligkeit überlegen zu sein, alle Bewegungsfähigkeit verloren zu haben, als ob die See zähflüssig geworden wäre und an der Bordwand klebte. Und doch bewegte es sich fort. Die Unendlichkeit, der unzertrennliche Gefährte alles Lebens an Bord, hatte gerade diesen Tag gewählt, um uns wie ein schlafendes Kind anzuhauchen. Der aufgeregte Lärm war verstummt, und unser lebensvolles Schiff, das dafür bekannt war, niemals ganz die Fahrt zu verlieren, solange der Wind noch eine Feder hinwegtrug, schlich, ohne das Wasser auch nur ein bißchen zu kräuseln, lautlos wie ein weißes Gespenst auf seinen im Sterben liegenden, verletzten und verstümmelten Gefährten zu, auf den es in diesem sonnendurchfluteten Dunst eines windstillen Tages auf See in der Todesstunde gestoßen war. The captain was expatiating in a low conversational tone to the chief mate upon the danger of these derelicts, and upon his dread of coming upon them at night, when suddenly a man forward screamed out, "There's people on board of her, sir! I see them!" in a most extraordinary voice – a voice never heard before in our ship; the amazing voice of a stranger. It gave the signal for a sudden tumult of shouts. The watch below ran up the forecastle head in a body, the cook dashed out of the galley. Everybody saw the poor fellows now. They were there! And all at once our ship, which had the well-earned name of being without a rival for speed in light winds, seemed to us to have lost the power of motion, as if the sea, becoming viscous, had clung to her sides. And yet she moved. Immensity, the inseparable companion of a ship's life, chose that day to breathe upon her as gently as a sleeping child. The clamour of our excitement had died out, and our living ship, famous for never losing steerage way as long as there was air enough to float a feather, stole, without a ripple, silent and white as a ghost, towards her mutilated and wounded sister, come upon at the point of death in the sunlit haze of a calm day at sea. Das Glas an die Augen gepreßt, sagte der Kapitän – und seine Stimme schwankte etwas dabei –: »Dort achtern winken sie uns mit etwas zu.« Er setzte das Glas brüsk ab, legte es aufs Oberlicht und begann auf der Poop hin und her zu gehen. »Ein Hemd oder eine Flagge«, stieß er gereizt hervor. »Kann es nicht ausmachen... irgend so ein verdammter Lappen!« Er lief noch ein paarmal auf der Poop hin und her, blickte ab und zu über die Reling, um zu sehen, was für Fahrt das Schiff machte. Seine unruhigen Schritte hallten in der Stille laut wider, während die Männer in Gedanken verloren unbeweglich alle in dieselbe Richtung starrten. »So schaffen wir das nicht!« rief er plötzlich laut aus. »Los, fier die Boote weg! Zu Wasser damit!« With the binoculars glued to his eyes, the captain said in a quavering tone: "They are waving to us with something aft there." He put down the glasses on the skylight brusquely, and began to walk about the poop. "A shirt or a flag," he ejaculated irritably. "Can't make it out... Some damn rag or other!" He took a few more turns on the poop, glancing down over the rail now and then to see how fast we were moving. His nervous footsteps rang sharply in the quiet of the ship, where the other men, all looking the same way, had forgotten themselves in a staring immobility. "This will never do!" he cried out suddenly. "Lower the boats at once! Down with them!" Ehe ich in mein Boot sprang, nahm er mich als zwar erfahrenen, aber doch noch sehr jungen Offizier auf ein ermahnendes Wort beiseite: Before I jumped into mine he took me aside, as being an inexperienced junior, for a word of warning: »Passen Sie auf, wenn Sie längsseits kommen, daß Sie nicht mit nach unten gerissen werden. Ist das klar?« "You look out as you come alongside that she doesn't take you down with her. You understand?" Er sagte das in vertraulichem Ton und so leise, daß die Leute an den Bootsläufern es nicht hören konnten. Ich war schockiert. »Mein Gott!« ereiferte ich mich innerlich voller Verachtung über soviel kaltblütige Vorsicht. »Als ob man in einer solchen Situation noch an Gefahr dächte.« He murmured this confidentially, so that none of the men at the falls should overhear, and I was shocked. "Heavens! as if in such an emergency one stopped to think of danger!" I exclaimed to myself mentally, in scorn of such cold-blooded caution. Es kostet viel Lehrgeld, bis man ein richtiger Seemann wird, und schon hatte ich meinen Verweis weg. Mein erfahrener Kommandant schien mit einem einzigen forschenden Blick alle Gedanken von meinem arglosen Gesicht zu lesen. It takes many lessons to make a real seaman, and I got my rebuke at once. My experienced commander seemed in one searching glance to read my thoughts on my ingenuous face. »Sie sollen jetzt Menschenleben retten und nicht Ihre Bootsbesatzung unnütz aufs Spiel setzen«, knurrte er mir streng ins Ohr. Aber als wir ablegten, beugte er sich über die Reling und rief: »Alles hängt jetzt von euch ab, Leute. Holt aus und pullt, was ihr könnt! Es geht um Menschenleben!« "What you're going for is to save life, not to drown your boat's crew for nothing," he growled severely in my ear. But as we shoved off he leaned over and cried out: "It all rests on the power of your arms, men. Give way for life!" Es wurde ein richtiges Wettrennen, und ich hätte nie geglaubt, daß die gewöhnliche Bootsbesatzung eines Handelsschiffes mit soviel verbissener Entschlossenheit den gleichmäßigen Schlag ihrer Riemen durchhalten könnte. Was unser Kapitän schon deutlich erkannt hatte, ehe wir ablegten, war uns jetzt allen klar geworden. Der Ausgang unseres Unternehmens hing an einem Haar über dem Abgrund der Wasser, die ihre Toten nicht vor dem Jüngsten Tag herausgeben. Es war ein Wettrennen, das zwei Schiffsboote mit dem Tod um den Preis von neun Menschenleben austrugen, und der Tod hatte einen großen Vorsprung. Wir sahen von weitem die Mannschaft der Brigg an den Pumpen arbeiten – sie pumpte noch auf diesem Wrack, das schon so weit abgesackt war, daß die sanfte Dünung, über die unsere Boote, ohne Fahrt zu verlieren, leicht hinwegglitten, fast schon Relingshöhe erreicht hatte und nach den Enden des gebrochenen Vorgeschirrs griff, das in Fetzen unter dem kahlen Bugspriet hin und her schwang. We made a race of it, and I would never have believed that a common boat's crew of a merchantman could keep up so much determined fierceness in the regular swing of their stroke. What our captain had clearly perceived before we left had become plain to all of us since. The issue of our enterprise hung on a hair above that abyss of waters which will not give up its dead till the Day of Judgment. It was a race of two ship's boats matched against Death for a prize of nine men's lives, and Death had a long start. We saw the crew of the brig from afar working at the pumps – still pumping on that wreck, which already had settled so far down that the gentle, low swell, over which our boats rose and fell easily without a check to their speed, welling up almost level with her head-rails, plucked at the ends of broken gear swinging desolately under her naked bowsprit. Wir hätten uns wahrhaftig keinen besseren Tag für unsere Wettfahrt aussuchen können, selbst wenn wir freie Wahl unter allen Tagen gehabt hätten, die je über einsame, mit dem Tode ringende Schiffe heraufgedämmert sind, seitdem die Wikinger zum erstenmal gegen den Ansturm der Atlantikseen westwärts steuerten. Es war ein sehr gutes Rennen. Im Endkampf lagen die beiden Boote keine Riemenlänge auseinander, und der Tod kam, wenn nicht aller Anschein trog, als guter Dritter auf der nächsten Dünungswelle ein. Die Speigatten der Brigg gurgelten leise im Chor, wenn das Wasser an den Bordwänden hochleckte und träge mit leisem Rauschen wieder ablief, als umspielte es einen unbeweglichen Felsen. Das Schanzkleid war der Länge nach weggeschlagen, wir konnten das kahle Deck so niedrig wie ein Floß über dem Wasser daliegen sehen, vollkommen leergefegt von seinen Booten, Spieren, seinen Deckshäusern, leergefegt von allem außer den Augbolzen und den Pumpenaufsätzen. Ich warf einen flüchtigen Blick auf dieses traurige Bild, während ich alle Muskeln anspannte, um an meiner Brust den letzten Mann aufzufangen, der die Brigg verließ. Es war der Kapitän, der sich buchstäblich in meine Arme fallen ließ. We could not, in all conscience, have picked out a better day for our regatta had we had the free choice of all the days that ever dawned upon the lonely struggles and solitary agonies of ships since the Norse rovers first steered to the westward against the run of Atlantic waves. It was a very good race. At the finish there was not an oar's length between the first and second boat, with Death coming in a good third on the top of the very next smooth swell, for all one knew to the contrary. The scuppers of the brig gurgled softly all together when the water rising against her sides subsided sleepily with a low wash, as if playing about an immovable rock. Her bulwarks were gone fore and aft, and one saw her bare deck low-lying like a raft and swept clean of boats, spars, houses – of everything except the ringbolts and the heads of the pumps. I had one dismal glimpse of it as I braced myself up to receive upon my breast the last man to leave her, the captain, who literally let himself fall into my arms. Es war eine unheimlich stille Rettung gewesen – eine Rettung ohne einen Laut, ohne ein einziges gesprochenes Wort, ohne eine Geste oder ein Zeichen, ja sogar ohne einen bewußten Blickwechsel. Bis zum allerletzten Augenblick blieben sie an Bord an den Pumpen, die zwei Ströme klaren Wassers über die nackten Füße der Leute ergossen. Durch die Risse ihrer Hemden war ihre braune Haut zu sehen, und die beiden kleinen Bündel halbnackter, zerlumpter Männer verbeugten sich in ihrer aufzehrenden Arbeit tief voreinander, immer auf und ab, ganz ihrem Tun hingegeben, so daß sie keine Zeit hatten, auch nur mit einem kurzen Blick über die Schulter nach der Hilfe zu sehen, die ihnen nahte. Als wir unbeachtet längsseits der Brigg schoren, brüllte eine heisere Stimme einen einzigen Befehl, worauf die Männer stumpf aus roten Augenlidern flüchtig aufblickten. Dann stürzten sie schwankend und gegeneinanderstoßend von den Pumpen fort und ließen sich, so wie sie dastanden, ohne Mützen, graues Salz in den Runzeln und Falten ihrer hageren, bärtigen Gesichter, gerade auf unsere Köpfe fallen. Das Getöse, mit dem sie in unsere Boote stürzten, hatte eine merkwürdig vernichtende Wirkung auf jenes Wahnbild tragischer Würde, mit dem unsere Selbstachtung die Kämpfe der Menschheit mit der See verklärt. An diesem ausgesucht herrlichen Tag sanft atmenden Friedens und leicht verschleierten Sonnenlichts erlosch meine romantische Liebe zu dem, was in der menschlichen Vorstellung zum erhabensten Teil der Natur gehört. It had been a weirdly silent rescue – a rescue without a hail, without a single uttered word, without a gesture or a sign, without a conscious exchange of glances. Up to the very last moment those on board stuck to their pumps, which spouted two clear streams of water upon their bare feet. Their brown skin showed through the rents of their shirts; and the two small bunches of half-naked, tattered men went on bowing from the waist to each other in their back-breaking labour, up and down, absorbed, with no time for a glance over the shoulder at the help that was coming to them. As we dashed, unregarded, alongside a voice let out one, only one hoarse howl of command, and then, just as they stood, without caps, with the salt drying gray in the wrinkles and folds of their hairy, haggard faces, blinking stupidly at us their red eyelids, they made a bolt away from the handles, tottering and jostling against each other, and positively flung themselves over upon our very heads. The clatter they made tumbling into the boats had an extraordinarily destructive effect upon the illusion of tragic dignity our self-esteem had thrown over the contests of mankind with the sea. On that exquisite day of gently breathing peace and veiled sunshine perished my romantic love to what men's imagination had proclaimed the most august aspect of Nature. Die schamlose Gleichgültigkeit der See gegen menschliches Leid und menschliche Tapferkeit offenbarte sich in dieser lächerlichen, panikerfüllten Szene, zu der sie neun tüchtige und ehrenwerte Seeleute in grauenhafter, äußerster Not getrieben hatte, und das empörte mich. Ich erkannte, daß die See selbst in ihrer zärtlichsten Stimmung nicht ohne Falsch ist. Sie war nun einmal so, weil sie sich nicht ändern konnte, aber meine scheue Ehrfurcht von einst war dahin. Ich war jetzt so weit, daß ich über ihre bezaubernde Anmut bitter lächeln und mit einem starren Blick boshaft ihren Rasereien zusehen konnte. In einem Augenblick, bevor wir ablegten, überblickte ich leidenschaftslos das Leben meiner Wahl. Seine Illusionen waren verschwunden, aber sein Reiz blieb. Ich war endlich Seemann geworden. The cynical indifference of the sea to the merits of human suffering and courage, laid bare in this ridiculous, panic-tainted performance extorted from the dire extremity of nine good and honourable seamen, revolted me. I saw the duplicity of the sea's most tender mood. It was so because it could not help itself, but the awed respect of the early days was gone. I felt ready to smile bitterly at its enchanting charm and glare viciously at its furies. In a moment, before we shoved off, I had looked coolly at the life of my choice. Its illusions were gone, but its fascination remained. I had become a seaman at last. Wir pullten eine Viertelstunde lang angestrengt und nahmen dann die Riemen ein, um auf unser Schiff zu warten. Es kam mit vollstehenden Segeln auf uns zu und sah durch den Dunstschleier ungewöhnlich groß und stattlich aus. Der Kapitän der Brigg saß neben mir achtern im Boot und hatte das Gesicht in beide Hände vergraben. Jetzt hob er den Kopf und begann mit einer gewissen schwermütigen Gesprächigkeit zu reden. In einem Orkan hatten sie die Masten verloren, und ihr Schiff war leck gesprungen; wochenlang trieben sie, immer an den Pumpen; gerieten wieder in schlechtes Wetter; von den Schiffen, die sie in Sicht bekamen, wurden sie nicht bemerkt, das Leck wurde langsam immer größer, und die See hatte ihnen nichts gelassen, um ein Floß zu bauen. Es war sehr hart, ein Schiff nach dem ändern in der Ferne vorbeisegeln zu sehen, »als ob sich alle verschworen hätten, uns dem Tod auf See zu überlassen«, fügte er hinzu. Aber sie versuchten weiter, die Brigg so lange wie möglich flott zu halten, und pumpten unentwegt bei ungenügender, meist roher Kost »bis gestern abend«, fuhr er monoton fort, »als die Sonne unterging, den Leuten das Herz brach«. We pulled hard for a quarter of an hour, then laid on our oars waiting for our ship. She was coming down on us with swelling sails, looking delicately tall and exquisitely noble through the mist. The captain of the brig, who sat in the stern sheets by my side with his face in his hands, raised his head and began to speak with a sort of sombre volubility. They had lost their masts and sprung a leak in a hurricane; drifted for weeks, always at the pumps, met more bad weather; the ships they sighted failed to make them out, the leak gained upon them slowly, and the seas had left them nothing to make a raft of. It was very hard to see ship after ship pass by at a distance, "as if everybody had agreed that we must be left to drown," he added. But they went on trying to keep the brig afloat as long as possible, and working the pumps constantly on insufficient food, mostly raw, till "yesterday evening," he continued monotonously, "just as the sun went down, the men's hearts broke." Hier machte er eine kaum merkliche Pause und sprach dann mit derselben monotonen Stimme weiter: He made an almost imperceptible pause here, and went on again with exactly the same intonation: »Sie sagten mir, die Brigg sei nicht mehr zu retten, und meinten, sie hätten nun genug auch für ihre eigene Rettung getan. Ich sagte nichts dazu. Es war alles richtig, und es war keine Meuterei. Ich hatte ihnen nichts mehr zu sagen. Sie lagen die ganze Nacht achtern herum, regungslos und still wie Tote. Ich legte mich nicht hin und hielt Ausschau. Als der Tag anbrach, sah ich sogleich Ihr Schiff. Ich wartete, bis es heller wurde. Der leichte Windzug begann noch schwächer zu werden, ich spürte ihn nicht mehr auf meinem Gesicht. Dann rief ich so laut ich konnte: ›Seht das Schiff dort!‹ Aber nur zwei Mann erhoben sich ganz langsam und kamen zu mir. Zuerst standen wir drei eine ganze Zeitlang alleine da und beobachteten, wie Sie auf uns zusteuerten, dabei fühlten wir deutlich, wie der Wind fast einschlief. Aber nachdem standen auch andere nacheinander auf, und bald hatte ich die ganze Mannschaft hinter mir. Ich drehte mich um und sagte zu ihnen, sie könnten ja selbst sehen, daß das Schiff auf uns zuhält, aber bei dieser Flaute könnte es am Ende doch zu spät kommen, wenn wir nicht wieder an die Arbeit gingen und versuchten, unser Schiff so lange flott zu halten, bis wir alle abgeborgen sind. So habe ich mit ihnen gesprochen, und dann gab ich Order, an die Pumpen zu gehen.« "They told me the brig could not be saved, and they thought they had done enough for themselves. I said nothing to that. It was true. It was no mutiny. I had nothing to say to them. They lay about aft all night, as still as so many dead men. I did not lie down. I kept a look-out. When the first light came I saw your ship at once. I waited for more light; the breeze began to fail on my face. Then I shouted out as loud as I was able, 'Look at that ship!' but only two men got up very slowly and came to me. At first only we three stood alone, for a long time, watching you coming down to us, and feeling the breeze drop to a calm almost; but afterwards others, too, rose, one after another, and by-and-by I had all my crew behind me. I turned round and said to them that they could see the ship was coming our way, but in this small breeze she might come too late after all, unless we turned to and tried to keep the brig afloat long enough to give you time to save us all. I spoke like that to them, and then I gave the command to man the pumps." Er gab den Befehl, und er gab ihnen auch ein Beispiel, indem er selbst an die Pumpen ging; aber die Leute scheinen tatsächlich einen Augenblick gezögert zu haben, indem sie einander unschlüssig anblickten, ehe sie ihm folgten. »Hi, hi, hi!« Ganz unerwartet brach er in ein einfältiges, erschütterndes, nervöses Kichern aus. »Es waren gebrochene Männer«, erklärte er entschuldigend. »Zu lange war mit ihnen gespielt worden.« Darauf ließ er den Kopf sinken und verstummte. He gave the command, and gave the example, too, by going himself to the handles, but it seems that these men did actually hang back for a moment, looking at each other dubiously before they followed him. "He! he! he!" He broke out into a most unexpected, imbecile, pathetic, nervous little giggle. "Their hearts were broken so! They had been played with too long," he explained apologetically, lowering his eyes, and became silent. Fünfundzwanzig Jahre sind eine lange Zeit – ein Vierteljahrhundert ist schon ferne graue Vergangenheit-, aber bis auf den heutigen Tag erinnere ich mich der dunkelbraunen Füße, Hände und Gesichter zweier dieser Männer, deren Lebenswille die See gebrochen hatte. Sie lagen ganz still wie Hunde zusammengerollt auf den Bodenbrettern zwischen den Duchten. Meine Bootsbesatzung saß über die Riemen gebeugt, horchte und starrte sie mit großen Augen wie im Theater an. Plötzlich sah der Kapitän der Brigg auf und fragte mich, welchen Tag wir hätten. Twenty-five years is a long time – a quarter of a century is a dim and distant past; but to this day I remember the dark-brown feet, hands, and faces of two of these men whose hearts had been broken by the sea. They were lying very still on their sides on the bottom boards between the thwarts, curled up like dogs. My boat's crew, leaning over the looms of their oars, stared and listened as if at the play. The master of the brig looked up suddenly to ask me what day it was. Jeder Zeitbegriff war ihnen abhanden gekommen. Als ich ihm sagte, daß es Sonntag der 22. sei, zog er die Stirn in Falten und rechnete im Geiste nach, dann nickte er zweimal traurig vor sich hin und starrte ins Leere. They had lost the date. When I told him it was Sunday, the 22nd, he frowned, making some mental calculation, then nodded twice sadly to himself, staring at nothing. Er sah erbärmlich mitgenommen, elend und trübselig aus. Man hätte ihn für geistesgestört halten können, wäre nicht dieser unauslöschliche Ausdruck der Biederkeit in seinen blauen Augen gewesen, deren unglücklicher, müder Blick immer wieder die aufgegebene, sinkende Brigg suchte, als könne er keinen ändern Ruhepunkt finden. Dieser Kapitän hatte ein viel zu einfältiges Gemüt, um den Verstand zu verlieren, er hatte jene männliche Einfalt, die allein imstande ist, einen Mann unversehrt an Geist und Körper den Zweikampf mit dem tödlichen Mutwillen der See oder ihrer weniger boshaften Raserei bestehen zu lassen. His aspect was miserably unkempt and wildly sorrowful. Had it not been for the unquenchable candour of his blue eyes, whose unhappy, tired glance every moment sought his abandoned, sinking brig, as if it could find rest nowhere else, he would have appeared mad. But he was too simple to go mad, too simple with that manly simplicity which alone can bear men unscathed in mind and body through an encounter with the deadly playfulness of the sea or with its less abominable fury. Die See war an diesem Tage weder zornig noch mutwillig noch heiter. Wie in einem Traum von unendlich zärtlicher Güte umfing sie, halb verborgen im lichten Dunst, unser fernes Schiff, das im Näherkommen immer größer wurde, unsere Boote mit den geretteten Leuten und den entmasteten Rumpf der Brigg, den wir hinter uns ließen, in einer einzigen sanften Umarmung friedlicher Stille. Auf ihrem Antlitz war keine Runzel und keine Falte und nicht die leiseste Kräuselung zu sehen. Und die leichte Dünung verlief so glatt wie ein anmutig wogendes Stück schimmernder grauer Seide, das mit grün glitzerndem Glanz durchsetzt ist. Wir pullten im gemächlichen Schlag weiter, aber als der Kapitän der Brigg nach einem kurzen Blick über die Schulter mit einem leisen Ausruf aufstand, hörten meine Leute ohne Befehl unwillkürlich auf zu pullen, und das Boot verlor seine Fahrt. Neither angry, nor playful, nor smiling, it enveloped our distant ship growing bigger as she neared us, our boats with the rescued men and the dismantled hull of the brig we were leaving behind, in the large and placid embrace of its quietness, half lost in the fair haze, as if in a dream of infinite and tender clemency. There was no frown, no wrinkle on its face, not a ripple. And the run of the slight swell was so smooth that it resembled the graceful undulation of a piece of shimmering gray silk shot with gleams of green. We pulled an easy stroke; but when the master of the brig, after a glance over his shoulder, stood up with a low exclamation, my men feathered their oars instinctively, without an order, and the boat lost her way. Er stützte sich mit einem harten Griff auf meine Schulter, während sein anderer Arm starr ausgestreckt anklagend in die unermeßliche Stille des Ozeans wies. Nach seinem ersten Ausruf, der den Schwung unserer Riemen abstoppte, gab er keinen Laut mehr von sich, aber seine ganze Haltung war ein empörter Aufschrei: »Seht dort!«... Ich konnte mir nicht vorstellen, was für eine Vision des Bösen über ihn gekommen war. Ich war erschrocken, und die bestürzende Kraft, die aus seiner unbewegten Gebärde sprach, ließ mein Herz in der Ahnung, daß uns etwas Ungeheuerliches und Unerwartetes bevorstand, schneller schlagen. Die Stille um uns wurde erdrückend. He was steadying himself on my shoulder with a strong grip, while his other arm, flung up rigidly, pointed a denunciatory finger at the immense tranquillity of the ocean. After his first exclamation, which stopped the swing of our oars, he made no sound, but his whole attitude seemed to cry out an indignant "Behold!" ... I could not imagine what vision of evil had come to him. I was startled, and the amazing energy of his immobilized gesture made my heart beat faster with the anticipation of something monstrous and unsuspected. The stillness around us became crushing. Einen Augenblick lang glitten die seidenglatten Dünungswellen arglos weiter. Ich sah jede einzelne von ihnen am dunstigen Horizont weit, weit jenseits der verlassenen Brigg heraufkommen und im nächsten Augenblick mit einem leichten, freundlichen Stoß gegen das Boot unter uns durchlaufen und weiterziehen. Der einschläfernde Rhythmus des Steigens und Fallens, die gleichbleibende Sanftheit dieser unwiderstehlichen Kraft, der großartige Zauber der unergründlichen See erfüllten mich, wie das feine Gift eines Liebestranks, mit einem herrlichen Gefühl. Aber es hielt nur wenige beruhigende Sekunden an, dann sprang auch ich auf und brachte das Boot wie die reinste Landratte ins Schlingern. For a moment the succession of silky undulations ran on innocently. I saw each of them swell up the misty line of the horizon, far, far away beyond the derelict brig, and the next moment, with a slight friendly toss of our boat, it had passed under us and was gone. The lulling cadence of the rise and fall, the invariable gentleness of this irresistible force, the great charm of the deep waters, warmed my breast deliciously, like the subtle poison of a love- potion. But all this lasted only a few soothing seconds before I jumped up too, making the boat roll like the veriest landlubber. Etwas Erschreckendes, Geheimnisvolles, bestürzend Verwirrendes spielte sich jetzt ab. Ich beobachtete es voll Unglauben und von Entsetzen gepackt, wie man die undeutlichen, flüchtigen Bewegungen einer Gewalttat im Dunkeln verfolgt. Wie auf ein verabredetes Zeichen kam plötzlich die Dünung rund um die Brigg zum Stillstand. Durch eine seltsame optische Täuschung schien sich der ganze Ozean mit einem einzigen überwältigenden Anschwellen seiner seidenglatten Oberfläche über die Brigg zu erheben, worauf sich an dieser Stelle wildschäumende Gischt verbreitete. Dann verebbte der Aufruhr wieder. Alles war vorbei, und die glatten Dünungswellen kamen wie vorher in ununterbrochenem Rhythmus vom fernen Horizont auf und liefen mit einem leichten freundlichen Schütteln unseres Bootes unter u« vorbei. Weitab, dort wo die Brigg gelegen hatte, war auf dem stahlgrauen, mit grünen Strahlen durchsetzten Wasser nur noch ein aufgewühlter, weißer Fleck zu sehen, der, allmählich kleiner werdend, wie ein Rest reinen Schnees lautlos in der Sonne schmolz. Und die große Stille nach dieser ersten Einführung in den unversöhnlichen Haß der See war wie geschwängert mit entsetzten Gedanken und den Schatten kommender Katastrophen. Something startling, mysterious, hastily confused, was taking place. I watched it with incredulous and fascinated awe, as one watches the confused, swift movements of some deed of violence done in the dark. As if at a given signal, the run of the smooth undulations seemed checked suddenly around the brig. By a strange optical delusion the whole sea appeared to rise upon her in one overwhelming heave of its silky surface, where in one spot a smother of foam broke out ferociously. And then the effort subsided. It was all over, and the smooth swell ran on as before from the horizon in uninterrupted cadence of motion, passing under us with a slight friendly toss of our boat. Far away, where the brig had been, an angry white stain undulating on the surface of steely-gray waters, shot with gleams of green, diminished swiftly, without a hiss, like a patch of pure snow melting in the sun. And the great stillness after this initiation into the sea's implacable hate seemed full of dread thoughts and shadows of disaster. »Weg ist sie!« stieß mein Bugmann aufstöhnend aus, das Ende bestätigend. Er spuckte in die Hände und faßte seinen Riemen fester. Der Kapitän der Brigg ließ seinen starr ausgestreckten Arm sinken und sah ans in nachdenklich-schwermütigem Schweigen an. Seine feierliche Miene war für uns gleichsam die Aufforderung, an dem unfaßbaren Schrecken seines einfältigen Gemüts teilzunehmen. Jäh setzte er sich an meine Seite und beugte sich mit ernster Miene gegen meine Bootsbesatzung vor, die gemächlich, mit langen Schlägen weiterpullte und ihn dabei treuherzig ansah. "Gone!" ejaculated from the depths of his chest my bowman in a final tone. He spat in his hands, and took a better grip on his oar. The captain of the brig lowered his rigid arm slowly, and looked at our faces in a solemnly conscious silence, which called upon us to share in his simple-minded, marvelling awe. All at once he sat down by my side, and leaned forward earnestly at my boat's crew, who, swinging together in a long, easy stroke, kept their eyes fixed upon him faithfully. »Kein Schiff hätte sich so gut gehalten«, begann er seine Ansprache mit fester Stimme, nachdem er einen Augenblick krampfhaft geschwiegen und mit bebenden Lippen offenbar nach den passenden Worten für sein stolzes Bekenntnis gesucht hatte. "No ship could have done so well," he addressed them firmly, after a moment of strained silence, during which he seemed with trembling lips to seek for words fit to bear such high testimony. »Die Brigg war klein, aber sie war gut. Ich hatte keine Angst um sie. Sie war stark. Letzte Reise hatte ich meine Frau und meine beiden Kinder an Bord. Kein anderes Schiff hätte so lange das Wetter ausgehalten, das sie Tag für Tag durchstehen mußte, bis vor vierzehn Tagen die Masten über Bord gingen. Sie war einfach am Ende ihrer Kraft. Ihr könnt es mir glauben. Tage und Tage hat sie für uns ausgehalten, doch sie konnte nicht ewig aushalten. Es war lange genug. Ich bin froh, daß es vorbei ist. Noch nie ist ein besseres Schiff an einem solchen Tage auf See aufgegeben worden und gesunken.« "She was small, but she was good. I had no anxiety. She was strong. Last voyage I had my wife and two children in her. No other ship could have stood so long the weather she had to live through for days and days before we got dismasted a fortnight ago. She was fairly worn out, and that's all. You may believe me. She lasted under us for days and days, but she could not last for ever. It was long enough. I am glad it is over. No better ship was ever left to sink at sea on such a day as this." Er war der rechte Mann, einem Schiff die feierliche Grabrede zu halten, dieser Sohn eines alten Volkes von Seefahrern, dessen nationale Existenz so wenig durch die Exzesse männlicher Kraft befleckt worden ist. Ein Volk, das nichts weiter als einen festen Halt auf der Erde verlangte. Die Verdienste seiner seefahrenden Ahnen und die Arglosigkeit seines Herzens befähigten ihn, diese vortreffliche Rede zu halten. Nichts von dem, was eine gute Rede ausmacht, fehlte darin – weder Gottvertrauen noch Pflichttreue, weder die Lobpreisung der Toten noch die erbauliche Darstellung ihrer großen Taten. Sie hatte gelebt, und er hatte sie geliebt; sie hatte gelitten, und er war froh, daß sie ihren Frieden gefunden hatte. Es war eine ausgezeichnete Rede und rechtgläubig dazu in ihrer Treue zum Kern des Seemannsglaubens, zu dem sie sich so entschieden bekannte. »Schiffe sind gut.« Ja, sie sind es. Wer mit der See leben will, muß sich vor allen Dingen an dieses Glaubensbekenntnis halten, und ich verstand jetzt, als ich den Kapitän von der Seite ansah, daß manche Männer der Ehre würdig sind, mit gutem Gewissen die letzte Lobrede auf die Standhaftigkeit eines Schiffes im Leben und im Tode zu halten. He was competent to pronounce the funereal oration of a ship, this son of ancient sea-folk, whose national existence, so little stained by the excesses of manly virtues, had demanded nothing but the merest foothold from the earth. By the merits of his sea-wise forefathers and by the artlessness of his heart, he was made fit to deliver this excellent discourse. There was nothing wanting in its orderly arrangement – neither piety nor faith, nor the tribute of praise due to the worthy dead, with the edifying recital of their achievement. She had lived, he had loved her; she had suffered, and he was glad she was at rest. It was an excellent discourse. And it was orthodox, too, in its fidelity to the cardinal article of a seaman's faith, of which it was a single-minded confession. "Ships are all right." They are. They who live with the sea have got to hold by that creed first and last; and it came to me, as I glanced at him sideways, that some men were not altogether unworthy in honour and conscience to pronounce the funereal eulogium of a ship's constancy in life and death. Hiernach sprach er kein Wort mehr. Die lose gefalteten Hände zwischen den Knien, saß er regungslos neben mir, bis der Schatten der Segel unseres Schiffes über das Boot fiel. Erst bei den lauten Begrüßungsrufen zur Rückkehr der Sieger mit ihrem Siegespreis hob er sein verstörtes Gesicht mit einem Lächeln ergreifender Nachsicht. Das Lächeln dieses würdigen Nachkommen des ältesten Volkes von Seefahrern, deren Kühnheit und Ausdauer keinerlei Spuren von Größe und Ruhm auf dem Wasser hinterlassen hat, vollendete meine Weihe zum Seemann. In der rührenden Trauer des Kapitäns der Brigg kam die unermeßliche Tiefe vererbter Weisheit zum Ausdruck. Daneben klangen die herzhaften Begrüßungsrufe wie kindliches Triumphgeschrei. Unsere Mannschaft war hell begeistert – die braven Kerle! Als ob sich irgend jemand damit brüsten könnte, gegen die See sich behauptet zu haben, die so viele Schiffe mit großen »Namen«, so viele stolze Männer, so viele hochfliegende, ehrgeizige Pläne von Ruhm, Macht, Reichtum und Größe verraten hat! After this, sitting by my side with his loosely-clasped hands hanging between his knees, he uttered no word, made no movement till the shadow of our ship's sails fell on the boat, when, at the loud cheer greeting the return of the victors with their prize, he lifted up his troubled face with a faint smile of pathetic indulgence. This smile of the worthy descendant of the most ancient sea-folk whose audacity and hardihood had left no trace of greatness and glory upon the waters, completed the cycle of my initiation. There was an infinite depth of hereditary wisdom in its pitying sadness. It made the hearty bursts of cheering sound like a childish noise of triumph. Our crew shouted with immense confidence – honest souls! As if anybody could ever make sure of having prevailed against the sea, which has betrayed so many ships of great "name," so many proud men, so many towering ambitions of fame, power, wealth, greatness! Als ich das Boot unter die Taljen brachte, beugte sich mein Kapitän in strahlender Laune über die Reling. Er hatte seine roten, sommersprossigen Ellbogen aufgestützt und rief aus der Tiefe seines zynischen Philosophenbartes sarkastisch zu mir herunter: As I brought the boat under the falls my captain, in high good- humour, leaned over, spreading his red and freckled elbows on the rail, and called down to me sarcastically, out of the depths of his cynic philosopher's beard: »Na, haben Sie das Boot also doch wieder heil zurückgebracht?« "So you have brought the boat back after all, have you?" Sarkasmus war »seine Art«, und sie paßte zu ihm; nichts Besseres könnte ich dazu sagen. Das macht den Sarkasmus zwar nicht liebenswerter, aber es geziemt sich und ist auch ratsam, auf die Art seines Kapitäns einzugehen. »Ja, ich habe das Boot heil zurückgebracht«, antwortete ich. Und der gute Mann glaubte es mir. Er konnte die Zeichen meiner jüngsten Weihe nicht wahrnehmen. Und doch war ich nicht mehr derselbe junge Mann, der mit dem Boot fortgefahren war voller Ungeduld auf das Rennen gegen den Tod um den Preis von neun Menschenleben. Sarcasm was "his way," and the most that can be said for it is that it was natural. This did not make it lovable. But it is decorous and expedient to fall in with one's commander's way. "Yes. I brought the boat back all right, sir," I answered. And the good man believed me. It was not for him to discern upon me the marks of my recent initiation. And yet I was not exactly the same youngster who had taken the boat away – all impatience for a race against death, with the prize of nine men's lives at the end. Ich sah die See schon mit anderen Augen an. Ich wußte, daß sie in ihrer Gleichgültigkeit gegen Gut und Böse imstande war, die großmütige Begeisterung der Jugend ebenso unbarmherzig zu verraten wie die allerniedrigste Habgier oder das edelste Heldentum. Mein Glaube an ihre hochherzige Güte war dahin, und ich sah die See jetzt, wie sie in Wirklichkeit ist – die See, die mit Männern ihr Spiel treibt, bis ihnen das Herz bricht, und die starke Schiffe zu Tode hetzt. Nichts vermag die unheilbrütende Grausamkeit ihrer Seele zu rühren. Sie steht allen offen und ist keinem treu. So übt sie ihren Zauber aus, um die Besten zugrunde zu richten. Es ist nicht gut, sie zu lieben. Sie kennt kein Gelöbnis und kein Versprechen, keine Treue im Unglück und keinen Lohn für langwährende Gemeinschaft und Hingabe. Es ist sehr viel, was sie immerfort verspricht; aber das ganze Geheimnis, die Herrschaft aber sie zu gewinnen, besteht in der Kraft, in der argwöhnischen, nimmerruhenden Kraft eines Mannes, der innerhalb der Schranken, die ihm gesetzt sind, einen begehrten Schatz bewahrt. Already I looked with other eyes upon the sea. I knew it capable of betraying the generous ardour of youth as implacably as, indifferent to evil and good, it would have betrayed the basest greed or the noblest heroism. My conception of its magnanimous greatness was gone. And I looked upon the true sea – the sea that plays with men till their hearts are broken, and wears stout ships to death. Nothing can touch the brooding bitterness of its heart. Open to all and faithful to none, it exercises its fascination for the undoing of the best. To love it is not well. It knows no bond of plighted troth, no fidelity to misfortune, to long companionship, to long devotion. The promise it holds out perpetually is very great; but the only secret of its possession is strength, strength – the jealous, sleepless strength of a man guarding a coveted treasure within his gates.