Lord George Byron Sardanapal Eine Tragödie. Dem berühmten Goethe, dem ersten der lebenden Autoren, der seinem Lande eine Literatur geschaffen, und die Europas verherrlicht hat, wagt ein Fremder eine Huldigung darzubringen, wie sie dem literarischen Vasallen gegenüber seinem Lehensherrn gebührt. Das unwürdige Product, welches der Verfasser Ihm zu widmen sich erlaubt, heißt Sardanapal. Vorwort. Indem ich die nachstehenden Tragödien Sardanapal erschien ursprünglich zugleich mit den beiden Foscari und Cain. der Oeffentlichkeit übergebe, habe ich nur zu wiederholen, daß sie entfernt nicht in der Absicht gedichtet wurden, dieselben auf die Bühne zu bringen. Bei einem Versuch, den die Theaterdirectoren mit einem meiner früheren Stücke machten, hat das Publikum bereits sein Urtheil gesprochen. Was meine eigenen Gefühle betrifft, so sage ich lieber nichts, da es scheint, daß sie doch für nichts eine Lanze brechen würden. Was die geschichtliche Grundlage dieser Gedichte anbelangt, so verweise ich den Leser auf die Anmerkungen. Der Verfasser hat bei dem einen Stücke versucht, die dramatische Einheit fest zu halten, bei dem andern, sich derselben möglichst zu nähern, da er der Ansicht ist, daß bei einer zu großen Abweichung hievon wol ein Gedicht, aber kein Drama bestehen kann. Er weiß, daß diese Ansicht unter den englischen Literaten dermalen, nicht populär ist; allein es ist ja kein erst von ihm erfundenes System, vielmehr nur eine Ansicht, die aber vor nicht langer Zeit als erstes literarisches Gesetz in der ganzen Welt galt, und in den civilisirteren Theilen noch als solches gilt. Indessen nous avons changé tout cela, und ernten nun den Nutzen von dieser Aenderung. Der Verfasser ist weit entfernt, zu glauben, daß eine von ihm aufgestellte Regel oder ein von ihm gegebenes Beispiel dem gleichkomme, was seine der Regel folgenden, oder sogar seine regellosen Vorgänger hierin gethan. Er will nur seine Gründe darlegen, weshalb er die regelmäßigere Form für ein wenn auch noch so schwaches Gebäude dem Umgangnehmen von aller Regel vorgezogen hat. Wo er gefehlt hat, liegt der Fehler am Architecten, nicht an den Regeln der Kunst. Personen des Dramas. Sardanapal, König von Niniveh und Assyrien. Arbaces, der medische Thronprätendent. Belesis, Chaldäer und Wahrsager. Salimenes, Schwager des Königs. Altada, assyrischer Palastofficier. Pania. Zamis. Sfero. Balea. Zarina, Königin. Myrrha, eine jonische Sklavin und Favoritin Sardanapals. Frauen vom Harem Sardanapals. Wachen. Diener. Chaldäische Priester. Meder. Scene: eine Halle im königlichen Palast von Niniveh. Erster Act. Erster Auftritt. Halle im Palast. Salimenes (allein), Gekränkt hat er die Königin, doch ist Er noch ihr Herr; hat meine Schwester auch Gekränkt und ist mein Bruder noch, hat selbst Sein Volk gekränkt und ist noch dessen Herrscher. Ich aber muß sein Freund, sein treuer Knecht Jetzt sein: so darf er nicht zu Grunde gehn. Ich will nicht sehn, wie Nimrods Blut und der Semiramis verrinnet, und ein Reich Von dreizehnhundert Jahren abschließt wie Ein Schäferspiel. Er muß geschüttelt werden. In seinem Herzen lebt, so sehr es auch Verweichlicht ist, ein sorgenloser Muth, Den noch Verderbniß nicht zerfressen hat, Und eine Stärke, die zurückgehalten Durch manchen Umstand ist, doch nicht zerstört, Getaucht in Wollust, doch nicht drin ertränkt. Kam als ein Bauer er zur Welt, er wär' Ein Mann geworden, der ein Reich errang; Geboren auf dem Thron, wird keines er Einst hinterlassen mehr, nur einen Namen, Den seine Söhne groß nicht schätzen werden. Doch noch ist Alles nicht verloren, noch Kann gut er machen seine Schmach und Schwäche, Wenn er nur ist, was er uns sollte sein; Was doch so leicht, als was er nicht sollt' sein, Doch ist. Wär's wen'ger Arbeit denn, sein Volk Regieren als sein Leben zu verbrauchen? Ein Heer zu führen, als ein Harem leiten? Er schwitzt bei Lüsten, die ihn doch nur schwächen, Verdummt den Geist, vergeudet seine Kraft In Mühn, die nicht Gesundheit geben wie Die Jagd, noch Ehre wie der Krieg. Er muß Emporgerüttelt werden! Ach! das ist Der Ton nicht, der ihn donnernd weckt vom Schlaf. (Klänge einer sanften Musik von Innen.) Horch Lauten, Cimbeln, zarter Instrumente Entnervendes Geklimper, weichliches! Der süße Laut von Stimmen junger Mädchen Und Wesen, die nicht einmal Mädchen sind, Sie klingen in das Echo seiner Mahle, Indeß der König der bekannten Welt, Bekränzt mit Rosen auf dem Ruhbett lehnt, Und seine Krone leichthin liegen läßt, So daß die erste beste Manneshand, Die darnach greift, sie ihm auch nehmen kann. Da kommen sie! Schon athme ich die Düfte Der Wohlgerüche, die den Zug umwehn, Ich schau' der Mädchen funkelnde Demanten, Die sein Gefolge bilden, seinen Rath. Da flimmern sie die Galerie entlang, Und unter ihnen, fast so mädchenhaft Wie sie, im gleichen, weibischen Gewand, Erscheint der Enkel der Semiramis, Der Weibermann! – Er naht. Erwart' ich ihn? Ja, ich begegne ihm und sage ihm, Was unter sich die Ehrenmänner sagen, Wenn sie von ihm und seinem Hause reden. Sie nahn, die Sklaven, von dem Herrn geführt, Der doch der Sklave seiner Sklaven ist. Zweiter Auftritt. Sardanapal, weibisch gekleidet, mit einem Blumenkranze auf dem Kopf, das Gewand nachlässig umgeworfen, und von einem Gefolge von Mädchen und jungen Sklaven begleitet, tritt auf. Sardanapal (zu den Dienern). Den Pavillon am Euphrat schmückt mit Blumen Und Lampen aus, und richtet ihn mir her, Um dort ein festliches Banket zu halten. Um Mitternacht soll dort getafelt werden. Seht zu, daß es an nichts gebricht, und stellt Auch die Galeere mir bereit. Es weht Ein kühlend Lüftchen, das die Wellen kräuselt Im klaren Strom, wir wollen alsbald fahren. Ihr schönen Nymphen, die ihr lieb und hold Die sanften Stunden mit mir theilen wollt, In jener süßesten sehn wir uns wieder, Und schaaren uns wie jene Sterne dort: Dann schafft ihr einen Himmel mir, der strahlt Wie jener dort. Bis dahin sei ein Jedes Herr seiner Zeit. Du, meine Myrrha, wähle: Willst du mit ihnen oder mir? Myrrha . O Herr! Sardanapal . »O Herr?« Mein Herz, was kommst du mir so kalt? Der Kön'ge Fluch ist's immer, daß man ihnen So Antwort gibt. Gebiete deinen Stunden, Und du gebeutst auch meinen – sprich! willst du Mit unsern Gästen gehn, willst lieber du Mir selbst hinweg die Augenblicke zaubern? Myrrha . Des Königs Wahl ist meine. Sardanapal . Bitte, sprich Nicht so! Mein höchstes Glück besteht darin. Dir jeden deiner Wünsche zu erfüllen. Ich wage nicht den eignen. Wunsch zu nennen, Damit er gegen deinen nicht verstößt, Denn allzuschnell bringst stets du dein Verlangen Zum Opfer dar. Myrrha . Ich möchte bei dir bleiben; Mein Glück ist nur, das deine anzuschaun. Gleichwol – Sardanapal . Gleichwol? Nun was? Dein holder Wille Soll ja die einz'ge Schranke sein, die je Sich hebe zwischen mir und dir. Myrrha . Ich glaub', Es ist des Staatsraths Stunde jetzt; drum war' Es besser wol, ich zöge mich zurück. Salimenes ( tritt vor ). Gut spricht die Jonierin: sie ziehe sich zurück. Sardanapal . Wer gibt hier Antwort? – Ach, du bist's! Der Kön'gin Bruder! Salimenes . Und des Königs auch, Und, Euer treuster Unterthan, mein Fürst. Sardanapal ( zum Gefolge ). Wie ich gesagt, so thut mit eurer Zeit Bis Mitternacht, wo ich euch wieder bitte. ( Der Hof zieht sich zurück. ) ( Zu Myrrha, die ebenfalls gehen will. ) Wie, Myrrha, bleibst du nicht? Myrrha . Mein König, du Befahlst es nicht. Sardanapal . Doch sagten deine Blicke, – Und alle kenn' ich dieser jon'schen Augen – Sie sagten mir, du woll'st mich nicht verlassen. Myrrha . Herr! Euer Bruder – Salimenes . Seines Weibes Bruder! Du jon'sche Dirn', wie wagst du's mich zu nennen Und wirst nicht roth? Sardanapal . Nicht roth? Am Auge fehlt, Am Herzen fehlt es dir, da du sie ja So scharlachroth machst wie den Tag, der sinkt Am Kaukasus, wenn Sonnenschein den Schnee Mit Rosenfarben malt, – und sie dann schiltst, Weil blind du bist, weil du nichts sehen willst. Du bist in Thränen, Myrrha? Salimenes . Laß sie fließen, Sie weint für mehr als Einen, und ist selbst An Thränen Schuld, die noch viel bitterer. Sardanapal . Verflucht, wer diese Thränen fließen machte! Salimenes . Fluch dir nicht selbst, wie schon Millionen thun. Sardanapal . Vergiß dich nicht, und mahne mich nicht dran, Daß ich ein Herrscher bin. Salimenes . Ich wollt', ich könnt's. Myrrha . Mein König, und auch du, mein Prinz, ich bitte, Erlaubt mir, daß ich geh'. Sardanapal . Da es sein muß Und dieser Murrkopf deinen zarten Geist Beleidigt hat, so geh'. Doch denke dran, Daß bald wir, bald uns wieder müssen sehn. Eh' mißte ich ein Reich als dich. (Myrrha ab.) Salimenes . Vielleicht Daß beide du bald missen mußt, und ewig. Sardanapal . Zum wenigsten kann ich mich selbst beherrschen, Da solche Sprache ruhig ich vernehme. Doch treibe mich, mein Bruder, nicht heraus Aus dieser meiner ruhigen Natur. Salimenes . Gerade ja aus dieser ruhigen, Zu ruhigen und müßigen Natur Möcht' ich heraus dich treiben. Könnt' ich doch Empor dich stacheln, wär's auch gegen mich. Sardanapal . Beim Baal! er möcht' mich zum Tyrannen machen. Salimenes . Du bist es schon. Glaubst du, es gäbe nur Die Tyrannei durch Blut und Kettenklang? Des Lasters Tyrannei, der Ueppigkeit Entkräftung und Ruin, die Indolenz, Stumpfsinn, geschlechtlicher Vergehen Folgen Erzeugen uns zu Tausenden Tyrannen Und dieser Favoriten Grausamkeit Thut mehr des Schlimmen als Ein strenger Herr, So hart und herb sein eigen Wesen sei. Das falsche süße Beispiel deiner Lüste Verdirbt das Volk, und drückt es noch zugleich, Es untergräbt dein ganzes Herrscherthum Und alle Kräfte, die es stützen sollten, So daß, ob Einfall fremde Feinde drohn, Ob sich im Innern Zwietracht dir erhebt, Verhängnißvoll dir Beides werden wird. Die erstern zu besiegen ist zu schwach Dein Volk, die zweite macht es selbst wol mit. Sardanapal . Was treibt dich, für mein Volk das Wort zu führen? Salimenes . Die Kränkung meiner Schwester, die ich dir Verzieh, die Lieb', die meinem Neffen ich Bewahr', die Treue gegen meinen König, Die bald er brauchen wird in mehr als Worten. Achtung vor Nimrod's Haus, und noch Etwas, Das du nicht kennst. Sardanapal . Das ist? Salimenes . Ein Wort, das dir Ganz unbekannt. Sardanapal . So sag's, gern lern' ich. Salimenes . Tugend. Sardanapal . Dies Wort nicht kennen! Nie hat noch ein Wort Ins Ohr mir so gegellt, und häßlicher Als Pöbelschrei und ein geborsten Horn. Nichts Andres wußte deine Schwester ja! Salimenes . Um diesen widerwärt'gen Gegenstand Zu wechseln denn, hör' von dem Laster reden. Sardanapal . Und wen? Salimenes . Die Winde selbst, wenn auf die Stimme Des Volks du hören willst. Sardanapal . Wohlan! ich bin Nachsichtig, wie du weißt, geduldig, wie Du oft erprobt schon hast. So sprich dich aus; Was regt dich auf? Salimenes . Daß in Gefahr du schwebst. Sardanapal . Mach fort! Salimenes . Nun denn, die Völker all', die du Geerbt vom Vater, und gar viele waren's, Sind laut in ihrem Unmuth über dich. Sardanapal . Wie? über mich? Was wollen denn die Sklaven? Salimenes . Nur einen König. Sardanapal . Und was bin denn ich? Salimenes . In ihren Augen Nichts, in meinen aber Ein Mann, der Etwas werden könnte noch. Sardanapal . Was wollen diese Lästermäuler denn? Sie haben Frieden und die Wänste voll. Salimenes . Vom ersten mehr als rühmlich ist, vom letzten Weit weniger, als ihrem Herrn bekannt. Sardanapal . Wer trägt die Schuld wenn Noth? wer anders als Die schändlichen Satrapen, die nicht sorgen? Salimenes . Und etwas auch der König, der nie sieht, Was außerhalb dem Königsschloß passirt, Das er nur dann verläßt, wenn ins Gebirg Er vor des Sommers heißen Gluten flieht. O großer Baal! der dieses große Reich Gegründet hat und dann zum Gotte ward, Als Gott zum wenigsten erscheint in den Jahrhunderten, die singen deinen Ruhm! Der Mann, der sich für deinen Sprossen hält, Hat nicht einmal die Reiche all gesehn, Die du als Held mit deinem Blut in Müh' Und Noth gewannst und ihm als Erbe ließest. Wozu? daß sie die Mittel brächten ihm Für ein Gelag, und würden ausgepreßt Für eines Liebchens Putz! Sardanapal . Ich weiß nun, was Du willst. Du möcht'st, ich soll Erobrer werden. Bei allen Sternen, die die Weisen lesen! Das unruhvolle Volk verdient, daß ich Zu seinen eignen Wünschen es verdamme Und es zum Ruhme führ'. Salimenes . Warum auch nicht? Semiramis, die doch ein Weib nur war. Hat die Assyrer an die sonn'gen Ufer Des Ganges einst geführt. Sardanapal . Das ist sehr wahr! Und wie kam sie zurück? Salimenes . Nun wie ein Mann, Ein Held; erfolglos zwar, doch nicht besiegt, Mit zwanzig Kriegern einzig setzte sie Den Rückzug durch bis Bactria. Sardanapal . Und wie Viel ließ in Indien sie zurück den Geiern? Salimenes . Das sagen die Annalen nicht. Sardanapal . Dann will Ich für sie sprechen: Besser war es weit, Wenn im Palast sie zwanzig Röcke wob, Als daß mit zwanzig Kriegern nur sie floh, Und die Myriaden toller Unterthanen Den Raben, Wölfen, Menschen – von den drei'n Die schlimmsten sicher – ließ. Ist dies etwa Dein Ruhm? Dann laß mich leben nur der Schmach, Salimenes . Nicht jeder kriegerische Geist hat gleich Geschick. Semiramis, die ruhmbedeckte Ahnfrau von hundert Königen kam zwar In Indien zu kurz, doch brachte sie Auch Persien, Medien, Bactrien zum Reich, Das sie beherrschte und du könntst beherrschen. Sardanapal . Ich herrsche drin, sie unterwarf es nur. Salimenes . Ihr Schwert wird nöth'ger bald dem Reiche als Dein Scepter sein. Sardanapal . 'S gab einen Bacchus einst, So hört' ich meine Griechinnen ihn nennen, Sie sagen, 's war ein Gott, ein Griechengott. Den in Assyrien man nicht verehrt; Der nahm dies gleiche gold'ne Inderreich, Von dem du sprichst, und wo Semiramis Geschlagen ward. Salimenes . Ich hörte von dem Mann, Du siehst, er ward für seine That als Gott Erkannt, verehrt. Sardanapal . Und ehren will ich ihn In seiner Göttlichkeit, und nicht als Mann. Heda! mein Mundschenk her! Salimenes . Was meint mein König? Sardanapal . Dem neuen Gott will ich, dem alten Helden Darbringen meine Huldigung. – Bringt Wein! Der Mundschenk tritt auf. Sardanapal (zum Mundschenk). Such' mir den gold'nen Becher, der ringsum Mit Edelstein besetzt ist, Nimrods Kelch Genannt. Den füll' zum Rand und bring' ihn her. (Mundschenk ab.) Salimenes . Hältst du für schicklich diesen Augenblick, Um dein Gelag von Neuem zu beginnen, Von dem du schläfrig noch? Der Mundschenk tritt mit dem Wein ein. Sardanapal (nimmt ihm den Kelch ab). Mein edler Schwager! Wenn die barbar'schen Griechen an den Grenzen Und fernen Ufern unsres Reichs nicht lügen, Eroberte ganz Indien Bacchus einst. Ist's nicht so? sprich! Salimenes . Es ist! und deshalb ward Als Gottheit er verehrt. Sardanapal . Du irrst, mein Freund, Von jenem Siegeszuge zeugen nur Noch ein'ge Säulen, die auf ihn man deutet, Und die ich haben könnt', erachtet' ich Des Ankaufs und der Beifuhr sie für werth. Sie sind die Marken jener Meere Bluts, Das er vergoß, der Reiche Marken, die Er wüst gelegt, der Herzen, die er brach. Hier aber, hier in diesem Becher ruht Sein wahrer Anspruch auf Unsterblichkeit. Die süße Traube ist's, der er zuerst Die schöne Seele ausgepreßt, und die Er uns geschenkt, das Menschenherz zu freu'n, Als ein'ge Sühne für das böse Werk. Das als Erobrer er uns angethan. That er nicht dies, so blieb sein Namen uns So dunkel, so vergänglich wie sein Grab. Dann war er nur wie die Semiramis Ein menschlich Ungethüm, das halb ein Schein Von Glorie verklärt. – Hier ist, was ihn Zum Gott gemacht. Zum Menschen mach' es dich, Mein finstrer, scheltender Herr Bruder! Komm! Thu nur Bescheid zur Ehr' des Griechengotts. Salimenes . Für alle deine Reiche möcht' ich nicht Verlästern so den Glauben deines Landes! Sardanapal . Das heißt, du hältst für einen Helden ihn. Weil Blut in Strömen er vergoß; doch nicht Für einen Gott, trotzdem er eine Frucht Verwandelt hat in einen Zaubertrank, Der die Betrübten freut, das Alter neu Belebt, der Jugend Schwung verleiht, die Müden Die Müh' vergessen läßt, die Aengstlichen Die Noth; der eine neue Welt erschließt, Wenn diese jetzige erbleicht. – So trink' Ich denn auf dich und ihn als wahren Mann, Der einst sein Möglichstes in Gut und Bösem Die Menschheit zu erschüttern, hat gethan. (Trinkt.) Salimenes . Willst du von Neuem wieder bankettiren? Sardanapal . Und wenn ich's thät, wär's besser als Trophäen; Denn keine Thräne hängt daran. Doch ist Das meine Absicht nicht. Wenn du mir nicht Bescheid thun willst, so thu' was dir gefällt. (Zum Mundschenken.) Geh, Knab'! (Mundschenk ab.) Salimenes . Erwecken wollte ich dich nur Aus deinem Traum; denn besser ich thu' das Als bald die Rebellion. Sardanapal . Wer sollt' sie machen? Weshalb? wo fände denn ein Vorwand sich? Ich bin gesetzlich König hier und stamme Von einem Königshaus, dem nicht voraus Ein andres jemals ging. Was hab' ich dir, Was diesem Volk gethan, daß du mich schmähn, Das Volk aufstehen sollte gegen mich? Salimenes . Ich spreche davon nicht, was mir du thatst. Sardanapal . Doch denkst du, daß die Kön'gin ich gekränkt? Nicht wahr? Salimenes . Ich denk's. Du hast sie auch gekränkt. Sardanapal . Geduld, mein Prinz! und hör' mich an: sie hat Die ganze Macht, den Schimmer ihres Rangs, Die Hochachtung, die Hut der Landeserben, Die Huldigung, das Leibgeding' des Throns; Ich freite sie, wie Kön'ge frei'n – zum Staat, Ich liebte sie, wie meistens Gatten lieben. Wenn du, wenn sie geglaubt, ich würd' mit ihr So wie ein Bauer stehn mit seinem Weib, So kennt ihr mich – die Fürsten nicht, und auch Die Menschen nicht. Salimenes . Von Andrem sprich, ich bitte! Mein Blut verschmäht's sich weibisch zu beklagen, Und Salimenes Schwester will selbst von Assyriens Herrn erzwung'ne Liebe nicht; Noch nahm' sie solche, die mit fremden Dirnen Sie theilen müßt', und jon'schen Sklavinnen. Die Königin ist stumm. Sardanapal . Warum ist's nicht Ihr Bruder auch? Salimenes . Ich bin das Echo nur Des lauten Schrei's, den deine Länder schrei'n. Wer lang' ihn abweist, wird nicht lang' regieren. Sardanapal . Die undankbaren, widerwärt'gen Sklaven! Sie murren, weil ihr Blut ich nicht vergoß, Weil ich nicht fort sie trieb, daß nach Myriaden Im Staub der Wüste elend sie verdorrten Und fern am Ganges ihre Knochen bleichten; Weil ich durch grausame Gesetze nicht Sie lichtete, noch sie mit Peitschen zwang Mir Pyramiden, babylonsche Wälle Im Schweiße ihres Angesichts zu bau'n! Salimenes . Doch sind Trophä'n dies, würd'ger eines Volks Und eines Fürsten als Gesang und Spiel Und Lustbarkeit und liederliche Dirnen, Als Schatzverschwendung und der Tugend Schimpf. Sardanapal . Die Städte rechn' ich als Trophäen mir, Die ich erbaut, Anchialus und Tarsus, An Einem Tage stellt' ich beide hin! Was könnte jene kriegerische Dame, Die blutbegierge Großmama, die keusche Semiramis mehr thun, als sie zerstören? Salimenes . Wol wahr! ich anerkenne dein Verdienst, Die Städte hast du auferbaut, doch nur Weil dir die Laune kam, und hast den Bau Der Chronik aufbewahrt durch einen Vers, Der dir und ihnen ewig Schande bringt. Sardanapal . Mir Schande bringt? Beim Baal! so gut gebaut Die Städte sind, ist besser doch mein Vers. Sag' gegen mich und meine Lebensart, Was du nur willst, doch tast' die Wahrheit mir Von diesem kurzen Satz nicht an. Beim Baal! In diesen Zeilen steht ja die Geschichte Der Menschheit. Hör nur an: »Sardanapal, Der König, Anacyndaraxes Sohn, Erbaut' in Einem Tag Anchialus Und Tarsus einst. Iß, trink und lieb'! Der Rest Ist keinen Heller werth.« »Zu dieser Unternehmung zog er nur eine kleine auserwählte Abtheilung der Phalanx bei, aber alle seine leichten Truppen. Am ersten Marschtag erreichte er Anchialus, eine Stadt, die der assyrische König Sardanapal gegründet haben soll. Die Befestigungen trugen in ihrer Stärke und Ausdehnung noch zu Arrians Zeit jenen Charakter der Größe, den die Assyrer allen Werten dieser Art aufzudrücken pflegten. Man fand ein Denkmal hier, das den Sardanaval vorstellte und das eine Inschrift in assyrischer Schrift, natürlich in altassyrischer Sprache trug, welche die Griechen wohl oder übel also verdolmetschten: »Sardanapal, Sohn des Anacyndaraxes, gründete in einem Tage Anchialus und Tarsus. Iß, trinke, spiele; alle andern menschlichen Freuden sind keinen Heller werth.« Wenn man diese Übersetzung für richtig hält (Arrian sagt, sie sei es nicht ganz), so läßt sich vielleicht darüber streiten, ob der Zweck nicht eher war, ein zu Unordnungen geneigtes Volk auf eine geregelte Häuslichkeit und bürgerlichen Ordnungssinn zu verweisen, als Unmäßigkeit und Ausschweifung anzuempfehlen. Es ist nicht recht klar, welchen Zweck der König von Assyrien verfolgte, als er solche Städte in einer von der Hauptstadt so entfernten Gegend gründete, da ungeheure Sandwüsten und hohe Gebirge dazwischen lagen; noch weniger, wie sich die Einwohner gleich in Verhältnissen hätten befinden können, um sich den unmäßigen Lüsten hinzugeben, die, wie man glaubte, der König ihnen mit jener Inschrift habe empfehlen wollen. Doch muß bemerkt werden, daß in diesem Küstenstrich im südlichen Kleinasien Ruinen von Städten offenbar aus einer Zeit nach Alexander gefunden werden, die die Geschichte kaum nennt, und die gleichwol noch heute den Reisenden durch ihre Pracht und Eleganz in Staunen setzen. Es müssen also außerordentliche Hilfsquellen, sei es im Boden und Klima oder in den Handelsverhältnissen vorhanden gewesen sein, daß Städte mitten in der Verwüstung blühen konnten, die eine so höchst barbarische Regierung so viele Jahrhundert lang täglich über die schönsten Gegenden der Erde verbreitete. Hieraus mag auch erhellen, daß die Maßnahmen Sardanapals wahrscheinlich von richtigeren Anschauungen ausgingen, als man ihm in der Regel beimißt. Da dieser Monarch aber der letzte einer Dynastie war, die durch Empörung endete, so wurde sein Gedächtniß natürlich von der Politik seiner Nachfolger und deren Anhänger mit Vorwürfen belastet. Die Widersprüche in Diodors Bericht über Sardanapal sind auffallend.« Mitfords Griechenland. Salimenes . Und konnte denn Nicht würd'gere Moral, nicht weis're Lehre Ein König bieten seinen Unterthanen? Sardanapal . Du hättest ohne Zweifel setzen lassen: »Gehorcht dem König, zahlt die Steuer richtig, Gebt Krieger ihm, und blutet, wenn es ihm Beliebt! Fallt nieder, betet an im Staub, Steht auf und schafft für ihn!« – Vielleicht auch so: »Sardanapal schlug einst an dieser Stelle Bei fünfzigtausend seiner Feinde todt. Dies hier sind ihre Gräber, sein Trophä.« Ich lasse den Erob'rern solches Zeug Und mir genügt's, kann meine Unterthanen Ich wen'ger fühlen lassen menschlich Leid, Und ohne Jammer sie zum Grab geleiten. Ich nehme keine Freiheit mir, die ich Dem Volk versag', denn Menschen sind wir Alle. Salimenes . Verehrt als Götter wurden deine Väter. Und sind doch todt und Staub, wo weder Götter Noch Menschen sie mehr sind. Sprich mir doch nichts Von solchem Zeug! Die Würmer nur sind Götter; Sie leben wenigstens von deinen Göttern Und sterben, wenn sie keinen Fraß mehr kriegen. Nur Menschen waren deine Götter; sieh, Woher sie stammen, nur! – Ich fühle tausend Höchst sterbliche Erregungen in mir, Doch nichts, was göttlich wär', wenn's nicht gerade Das ist, was du verdammst: ein Hang zu lieben Und gnadenvoll zu sein und zu verzeihn, Was meines Gleichen in der Thorheit thun, Und – was sehr menschlich ist – nachsichtig mit Der eigenen zu sein. Salimenes . Besiegelt ach! Ist Ninivehs Geschick! O wehe! weh' Der unvergleichlich schönen Stadt! Sardanapal . Was ist's, Wovor dir bangt? Salimenes . Von Feinden bist du rings Bewacht, in wenig Stunden kann der Sturm, Der dich, die Deinigen und mich zermalmt, Losbrechen und in wenig Tagen dann Gewesen sein des Belus stolz Geschlecht! Sardanapal . Was ist zu fürchten denn? Salimenes . Ehrgeiziger Verrath, der dich bereits umsponnen hat. Doch Rettung gibt es noch. Leih' mir dein Siegel, So unterdrück' ich noch die Ränke all Und lege deiner größten Feinde Häupter Zu Füßen dir. Sardanapal . Die Häupter? und wie viel? Salimenes . Soll ich sie zählen, wenn dein eig'nes in Gefahr? Laß mich nur machen, gib das Siegel, Das Uebrige vertraue völlig mir. Sardanapal . Ich möchte. Niemand unbeschränkte Macht, Wenn sich's um Menschenleben handelt, leihn. Wenn Einem wir das Leben nehmen, wissen Wir nicht, was wir genommen, was wir geben. Salimenes . Willst du des Lebens sie berauben nicht, Da sie das deine doch bedrohn? Sardanapal . Die Frage Ist kitzlich zwar, doch ich erwidre: Ja! Kann nicht auch ohne das, was muß, geschehn? Wer sind denn die, die dein Verdacht betrifft? Laß sie verhaften doch. Salimenes . Ich wünschte sehr, Du fragtest nicht. Im nächsten Augenblick Flög meine Antwort schon durch deiner Liebchen Geschwätzte Schaar, von da in den Palast, Dann in die Stadt und – Alles wär' vereitelt. Vertraue mir! Sardanapal . Du weißt, das that ich stets. Nimm hier mein Siegel. Salimenes . Eine Bitte hab' Ich noch. Sardanapal . Nenn' sie. Salimenes . Stell' das Bankett gleich ab, Das in dem Pavillon am Euphrat du Heut' Abend halten willst. Sardanapal . Abstellen das Bankett? Nicht wegen der Verschwornen all, Die je ein Reich bedroht! Laß sie nur kommen Und hausen noch so arg! Ich zittre nicht. Ich stehe drum nicht früher auf vom Mahl, Setz' nicht den Becher weg, bekränze mich Mit keiner Rose weniger als sonst, Verliere keine frohe Stunde drum. Ich fürcht' sie nicht. Salimenes . Doch würdest du dich waffnen, Wenn's nöthig wär', nicht wahr? Sardanapal . Vielleicht. Ich hab' Die feinste Rüstung und das beste Schwert, Und einen Bogen, einen Speer, die Nimrod Nicht würd' verschmähn, zwar etwas schwer, doch drum Unhandlich nicht. Es ist wol lange her, Daß ich sie nicht benutzt, selbst nicht zur Jagd. Hast du, mein Bruder, sie noch nicht gesehn? Salimenes . Ist jetzt die Zeit zu solchen Bagatellen? Wirst du, wenn's nöthig würd', die Waffen tragen? Sardanapal . Warum denn nicht? O wenn es müßte sein – Und diese frechen Sklaven lassen sich Wol nicht mit weniger zur Ruhe bringen – Wollt' ich das Schwert gebrauchen, bis sie wünschten, Es wäre Kunkelholz. Salimenes . Man, sagt, dein Scepter Sei das schon längst. Sardanapal . Das ist nicht wahr, beim Baal! Doch mögen sie so schwatzen immerhin! Das alte Griechenvolk, von dem gar oft Uns ein Gefang'ner singt, erzählte ja Dasselbe einst von seinem ersten Helden, Dem Herkules, weil eine Königin Aus Lydien er geliebt. Du siehst daraus, Wie stets der Pöbel jeden Schimpf erfaßt, Um seine Herrscher in den Staub zu ziehn. Salimenes . Von deinen Vätern sprach man doch nicht so. Sardanapal . Sie wagten's nicht, sie wurden allzusehr Zur Arbeit angehalten und zum Krieg; Nur gegen Panzer tauschten sie die Ketten. Jetzt haben Frieden sie und Zeitvertreib, Gelag' und Schwätzereien sind erlaubt, Mich scheert das nicht. Ich gäb' das Lächeln nicht Von einem schönen Kind für all das Volks- Geschrei, das jemals einen Namen aus Dem Nichts erhob. Was sind die schmutz'gen Zungen Der schnöden Brut mir, die nun frech geworden, Seitdem sie satt, daß ich ihr lärmend Lob Hochhalten oder gar ihr wüst Geschrei Noch fürchten sollt'? Salimenes . Ihr nanntet Männer sie, Als solche wägen ihre Herzen doch. Sardanapal . Das thut auch meiner Hunde Herz – und mehr! Denn die sind treuer noch. – Doch mach' nur zu! Du hast mein Siegel: sind sie zügellos, So bänd'ge sie, jedoch nicht hart, so lang's Nicht Noth erheischt. Ich hasse jede Qual: Die, die man macht, wie die, die man erleidet. Wir haben innerlich genug davon, Der höchste Fürst, der niedrigste Vasall, Um jene Last von schwerem Menschenleid, Das uns Natur bescheert, nicht noch zu mehren; Vielmehr des Lebens mannichfaltig Weh' Durch gegenseitige Erleichterung Zu mildern und zu mindern allenthalb. Doch das versteht dies Volk nicht, will vielleicht Es nicht einmal verstehn. Beim Baal! ich hab', Was ich gekonnt, gethan, es zu erleichtern. Ich führte keinen Krieg, ich legte ihnen Nicht neue Steuern auf, ich mischte mich In keine Häuslichkeit; ich lasse sie Ihr Leben führen, wie sie immer mögen Und lebe selbst, so wie ich immer mag. Salimenes . Du machst dir's leicht mit deiner Königspflicht; Drum sagt das Volk, du taugst nicht zum Monarchen. Sardanapal . Es lügt. Ich tauge leider ja zu nichts Als zum Monarchen nur, sonst könnt' mein'thalb Der letzte Meder für mich König sein. Salimenes . Ein Meder lebt, der's wirklich möchte sein. Sardanapal . Was willst du damit, sagen? – Nun? – Ja so! Das ist ja dein Geheimniß und du liebst Die Fragen nicht; neugierig aber bin Ich nicht. So thu' die Schritte, die du für Geeignet hältst, und wenn es nöthig wird, Bestärk' ich sie, und unterstütz' ich dich. Nie lebt' ein Mann, der mehr als ich gewünscht Nur Friedliche in Frieden zu regieren; Doch weckten sie mich je, wär' ihnen besser, Sie hätten Nimrod selbst, den mächt'gen Jäger, Aus seiner Asche sich heraufbeschworen. Dann will ich diese Königreiche all Zu Wüsten machen, wo man Thiere jagt, Die Menschen waren, doch nach eig'ner Wahl Es nicht mehr wollten sein. – Sie lügen, und Verleumden den, der ich in Wahrheit bin; Doch der, den sie in mir einst finden könnten, Wär' wol der Schlimmste, der zu haben wär' – Sie mögen dann sich bei sich selbst bedanken. Salimenes . So kann denn doch auch dein Herz menschlich fühlen? Sardanapal . Wer fühlt Undankbarkeit nicht tief? Salimenes . Ich will Nicht lang mit Worten dir drauf dienen. Nein! Mit einer That. Halt' wach nur diese Kraft, Die manchmal schläft, doch todt nicht ist in dir, Und ruhmvoll kann dein Regiment, dein Reich Noch mächtig werden. Nun, leb' wohl! (Salimenes ab.) Sardanapal . Leb' wohl! – Er geht und nimmt am Finger mit mein Siegel, Das ihm als Scepter dient. Er ist so ernst, Wie ich leichtsinnig bin. Die Sklaven aber Verlangen ja, daß einen Herrn sie fühlen. Wo mir Gefahren lauern mögen, weiß Ich nicht. Er fand sie aus, er mag sie auch Beseitigen. Soll etwa ich mein Leben, Dies kurze Leben damit nur verbringen, Daß ich vor Allem auf der Hut bin, was Es kürzer machen könnt'? Das ist's nicht werth. Es hieße sterben vor der rechten Zeit, Müßt' leben ich in blassen Todesängsten Und lange Jagd auf Rebellionen machen, Und Argwohn tragen Jedem, der um mich, Weil er mir nah', und Jedem, der entfernt, Weil er mir fern. Wenn's aber auch so wär' – Wenn sie aus Reich und Erde mich verjagten, Was ist denn Erde oder Reich hienieden? Ich hab' geliebt, gelebt, mein Bild vermehrt; Das Sterben ist nicht weniger Natur Als diese Handlungen des Staubs. Wahr ist's: Ich habe Blut in Strömen nicht vergossen, Wie ich gekonnt, bis mit dem Tod mein Namen Fast gleichbedeutend ward – ein Schreckbild, ein Trophä. Doch darob fühl' ich keine Reu'. Lieb' ist mein Leben; muß ich Blut vergießen, Will ich gezwungen sein. Noch ist kein Tropfen Aus Assurs Adern für mich hingeflossen; Auch nicht das kleinste Stück aus Ninivehs Gewalt'gem Schatz ward einem Zweck geweiht, Der seinen Söhnen eine Thrän' gekostet. Wenn sie mich hassen, kann es drum nur sein, Weil ich nicht hasse; wenn sie rebelliren. Kann es nur sein, weil ich sie nicht bedrücke. O' Menschen, nicht mit Sceptern, nein! mit Sicheln Müßt ihr regiert, und weggemäht ihr werden Wie eitel Gras; sonst ernten wir von euch Nur üpp'ge Schlechtigkeit und Mißvergnügen, Die faule Frucht, die schmutzt den schönsten Boden Und eine Wüste macht aus reichem Land. Ich will nicht mehr dran denken. – He da drinnen! Ein Diener tritt auf. Sardanapal . Sklav! melde Myrrha, jener Ionierin, Daß ihre Gegenwart wir heischen. Diener . König! Hier ist sie. Myrrha tritt auf. Sardanapal (zum Diener). Fort! (Zu Myrrha.) Du Liebliche, kamst fast Dem Herzen noch zuvor. Es schlug für dich, Und sich, du kommst! Laß wähnen mich, daß ein Noch unbekannter Einfluß, ein Orakel, Uns ungesehn, auch wenn wir fern, verbinde Und Eins zum Andern zieh. Myrrha . So ist's. Sardanapal . Ich weiß. Daß es so ist; doch kenn' ich nicht den Namen. Was ist es wol? Myrrha . In meinem Vaterland Ein Gott, in meinem Herzen ein Gefühl, Groß wie wenn's käm' von einem Gott; und doch Ist's sterblich nur, ich weiß! denn was ich fühl', Ist Demuth, die mich doch beglückt, das heißt Mich tief beglücken könnt', jedoch – (Myrrha hält inne.) Sardanapal . Es tritt Doch immer Etwas zwischen uns und das, Was wir für unser Glück ansehn. Laß mich Die Schranke heben, die der Lippe Zögern Als Hemmniß deines Glücks verräth, und meins Ist dann verbrieft. Myrrha . O Herr! Zardanapal . »O Herr! Mein Fürst! Mein König! Majestät!« so heißt's, so heißt Es immerdar in ehrfurchtsvoller Rede. Nie seh' ein Lächeln ich, als manchmal nur Bei einem großen Mahl, im Rausch der Feste, Wenn sich die Possenreißer aufgebläht, Mir gleich zu sein; wenn ich herab mich ließ Zu ihrer Niedrigkeit. O Myrrha! wol Kann ich die Namen hören: Herr und Fürst Und König – ja, 's gab eine Zeit, wo ich Sie hoch anschlug; das heißt, ich duldete Von Sklaven sie und selbst an freien Leuten. Doch fallen sie von Lippen, die ich lieb', Von Lippen, die die meinigen gepreßt, Kommt Eiseskälte mir ins Herz, ein herb Gefühl der Falschheit dieser meiner Stellung, Die das Gefühl in Denen dämpft und bindet, Für die am meisten ich gefühlt. Das ruft Den Wunsch in mir hervor, die dumme Krone Ganz abzuthun und fern im Kaukasus Mit dir zu theilen einer Hütte Raum Und keine Krone mehr zu tragen als Von Blumen nur. Myrrha . Ich wollt', wir könnten es! Sardanapal . Auch du fühlst dies? Und dann? Myrrha . Dann würdest du Erkennen, was sonst niemals du erkennst. Sardanapal . Das ist – ? Myrrha . Des Herzens wahren Werth, ich mein', Von einem Weib. Sardanapal . Ich habe tausend wol Und aber tausende gewogen. Myrrha . Herzen? Sardanapal . Ich denke so. Myrrha . Nicht eins! Vielleicht einst kommt Die Zeit, wo du sie wägen kannst. Sardanapal . Sie wird's. Hör', Myrrha! Salimenes sagte mir, – Wie er drauf kam, weiß Belus wol, der einst Dies Reich gegründet, besser als ich selbst! – Doch Salimenes sagte mir, mein Thron Sei in Gefahr. Myrrha . Da that er wohl daran. Sardanapal . Und so sprichst du, die er so herb gezankt, Die er mit seinem rohen Scherz von mir Gescheucht, zum Weinen, zum Erröthen hat Gebracht? Myrrha . Ich sollte Beides öfter thun; Und er that wohl dran, mich zurückzurufen Zu meiner Pflicht. – Doch von Gefahr sprichst du? Gefahr für dich –? Sardanapal . Ja, aus Verschwörungen, Aus Ränkespiel von Medern, von Soldaten, Von Völkern, die in Unzufriedenheit, Ich weiß nicht recht, – es ist ein Labyrinth Von dunkeln Drohungen und Heimlichkeiten. Du kennst den Mann, es ist so seine Art. Doch ist er ehrlich. – Komm! wir denken nicht Mehr dran, vielmehr an unser nächtlich Fest. Myrrha . Zeit ist es wol, an Andres jetzt zu denken, Als an ein Fest. Du hast doch seine Mahnung Nicht gar verhöhnt? Sardanapal . Wie? Fürchtest denn auch du? Myrrha . Ich fürchten? Griechin bin ich ja. wie sollt' Den Tod ich fürchten? Sklavin auch, wie sollt' Für meine Freiheit bang ich sein? Sardanapal . Warum Wirst du dann aber blaß? Myrrha . Ich lieb'. Sardanapal . Und lieb' Ich etwa nicht? Ich lieb' dich weit – weit mehr Als dieses kurze Sein, dies weite Reich, Die man vielleicht bedroht – doch ich erbleich' Drum nicht. Myrrha . Das heißt: du liebst nicht dich noch mich; Denn Der, der Andre liebt, liebt auch sich selbst, Grad' dieser Andern halb. – Du gehst zu weit! Ein Leben, Reich, verliert man nicht so schnell. Sardanapal . Verliert? Wer sollte denn der Häuptling sein, Der keck es wagen möcht' sie mir zu nehmen? Myrrha . Wen sollte er bei dem Versuch denn fürchten? Wenn Der, der Aller Herrscher ist, sich selbst Vergißt, wer wird dann sein gedenken? Sardanapal . Myrrha!! Myrrha . Sieh mich nicht zornig an! Du hast zu oft Mir zugelächelt, um dein Zürnen mir Nicht unerträglicher als jede Strafe, Die es verkünden könnt', zu machen. – König! Ich bin dir unterthan; Herr! sieh' die Magd In mir; Mann! dich hab' ich geliebt – geliebt! Ich weiß nicht, welche unglücksel'ge Schwäche Mich dazu trieb – obschon ich Griechin bin, Der Könige geborner Feind, und Sklavin, Die Fesseln hassen muß, und Ionierin; Und lieb' ich einen Fremdling, mehr entehrt Durch solche Leidenschaft als selbst durch Ketten! Und dennoch liebt' ich dich! Wenn diese Liebe So mächtig war, um meine frühere Natur zu überwinden, sollte sie Als Recht nicht fordern dürfen, dich zu retten? Sardanapal . Mich retten, meine Schöne? Schön, bist du Und was ich von dir will, ist Liebe nur, Nicht Rettung, Kind. Myrrha . Und ohne Lieb', wo gibt Es Sicherheit? Sardanapal . Ich meine Frauenlieb'. Myrrha . Die erste Liebe dieses Menschenlebens Entspringt der Brust der Frau: die ersten Worte Lehrt ihre Lippe ja! die ersten Thränen Wischt ihre Hand, die letzten Seufzer selbst Vernimmt nur allzu oft ein weiblich Ohr; Wenn sich der Mann die kleine Mühe schenkt, Die letzte Stunde noch bei Dem zu wachen, Der ihn geführt. Sardanapal . Beredte Ionierin, Du sprichst Musik! Du sagtest mir einmal, Der Chorgesang in der Tragödie sei Ein vielgeliebter Zeitvertreib in deinem Entfernten Vaterland. – Nein! weine nicht! Beruh'ge dich! Myrrha . Ich weine nicht! Doch bitt' Ich dich: sprich nicht von meinen Vätern noch Von ihrem Land. Sardanapal . Doch du sprichst oft von ihnen. Myrrha . Das ist wol wahr; das stete Darandenken Spricht unwillkürlich sich in Worten aus. Doch wenn ein Andrer spricht von Griechenland, Thut es mir weh! Sardanapal . Wolan! wie wolltest du Mich retten, wie du's heißt? Myrrha . Indem ich dich Dich selbst zu retten lehr', und nicht nur dich, Nein! dieses ganze große Reich, vor all Der Noth des schlimmsten Kriegs, des Bruderkriegs. Sardanapal . Nun, Kind! mir ist ja jeder Krieg verhaßt, Der Krieger auch. Ich leb' in Fried' und Freude, Was kann der Mensch mehr thun? Myrrha . Ach, lieber Herr! Bei dem gemeinen Volk bedarf es oft Des Scheins von Krieg, um Frieden sich zu wahren, Und besser ist's für einen König oft, Wenn er gefürchtet wird, als wenn geliebt. Sardanapal . Ich habe nur dem Letztern nachgestrebt. Myrrha . Und hast nun Beides nicht erreicht. Sardanapal . Das sagst Du, Myrrha, mir? Myrrha . Ich spreche von der Lieb' Des Bürgers, Volks und ihrer Selbstsucht, ja; Das heißt so viel, als daß die Menschen man In Ordnung halten muß, doch nicht sie drücken, Daß sie es wenigstens nicht merken; oder Wenn sie's auch merken, es für nöthig halten, Sich vor dem schlimmern Druck zu wahren, dem Der eignen Leidenschaft. Ein Fürst von Festen, Von Blumen und von Wein, von Gastmahl, Lieb' Und Lust, war niemals noch ein Ruhmesfürst. Sardanapal . Ruhm? Was ist das? Myrrha . Die Götter frage drum, Die deine Ahnen sind. Sardanapal . Die sprechen nicht. Wenn je ein Priester für sie spricht, geschieht's, Weil irgend was er für den Tempel will. Myrrha . Schau in die Chronik Derer, die dein Reich Zu Stand gebracht. Sardanapal . Das taugt mir nichts, sie ist Zu sehr mit Blut befleckt. Jedoch wozu? Das Reich ist einmal da; ich kann nicht gehn Und ihrer gründen mehr. Myrrha . Erhalte deins. Sardanapal . Ich will es wenigstens genießen. Komm Laß nach dem Euphrat, Myrrha, uns spazieren; Die Stunde winkt; die Gondel steht bereit, Und kehren wir zurück, so harret unsrer Der Pavillon, geschmückt fürs Abendmahl Voll Schönheit und voll Licht, daß er den Sternen, Die über uns, selbst als ein Stern erscheint. Wir aber sitzen dort, bekränzt mit Blumen Wie – Myrrha . Opfer! Sardanapal . Nein! wie Könige vielmehr, Die Hirtenkönige der alten Zeit, Die keinen schönern Edelstein gekannt, Als Blumensträuße und Triumphe nur, Die thränenlos. – Komm mit! Pania tritt auf. Pania . Der König leb' In Ewigkeit! Sardanapal . Nicht eine Stunde länger, Als er auch lieben kann. Wie haßt mein Herz Die Redensart, die Leben macht zur Lüge Und die dem Staub mit ew'gem Leben schmeichelt! Mach's, Pania, kurz! Pania . Ich komm' von Salimenes, Den König nochmals dringend anzuflehn, Daß heute wenigstens er im Palast Verbleib'. Kehrt der Gen'ral zurück, wird er Euch Gründe unterbreiten, die gewiß Entschuld'gen mögen seinen kecken Wunsch, Und ihm Verzeihung für sein Thun erlangen. Sardanapal . Wie? Bin ich eingesperrt? Gefang'ner schon? Darf ich die Luft des Himmels nicht mehr athmen? Sag' Salimenes, wenn ganz Assur heut' Rebellisch wüthete um den Palast, Ich ginge dennoch aus – Pania . Ich muß gehorchen, Jedoch – Myrrha . O König, hör'! Wie manchen Tag Und Mond hast du in diesen Mauern hier In süßer Ueppigkeit verbracht und nie Der Sehnsucht deines Volkes dich gezeigt, Das Auge deiner Unterthanen nicht Erfreut, nicht nachgesehen den Satrapen, Die Götter nicht verehrt, und jedes Ding Am schlaffen Zaum der Anarchie gelassen, Bis Alles schlief in deinem Königreich, Das Laster einzig nicht – und nun willst du Nicht einen Tag hier weilen, wo ein Tag Dich retten kann? Willst jenen Wen'gen, die Dir noch getreu, nicht wen'ge Stunden weihn Für sie, für dich, für deiner Ahnen Haus, Für deiner Söhne Erbe? Pania . Ja, so ist's! Und bei dem Drang der schweren Noth, worin Der Prinz mich sandt' in deine heil'ge Nähe, Wag' ich's, die schwache Stimm' Der anzureihn, Die eben sprach. Sardanapal . Es kann nicht sein, nein, nein! Myrrha . Um deines Reiches willen! Sardanapal . Fort! Pania . Um deiner Getreuen Unterthanen willen, die Um dich sich schaaren werden, um die Deinen! Sardanapal . Das sind nur Phantasie'n! 's hat nicht Gefahr. Es ist ein Eigensinn von Salimenes, Um seinen Eifer zu bethätigen Und sich uns nöthiger als sonst zu zeigen. Myrrha . Bei Allem, was nur gut und rühmlich ist, Befolg' den Rath! Sardanapal . Auf morgen die Geschäfte. Myrrha . Ja, und den Tod heut' Nacht. Sardanapal . Er komme nur, Doch unerwartet unter Lust und Freuden Und Lieb' und seinem Thun. Ich möchte fallen Wie eine Rose, die man pflückt, weit lieber, Als welken hin! Myrrha . So willst du Allem denn Zu lieb, was Fürsten je zum Handeln trieb, Ein eitel Mahl nicht lassen? Sardanapal . Nein. Myrrha . So thu's Für mich, thu's mir zu Lieb'! Sardanapal . Für meine Myrrha? Myrrha . Die erste Gnade ist's, um die den König Assyriens ich bitt'! Sardanapal . Da hast du Recht! Und wär's ein Königreich, sie müßt' gewährt Dir werden. – Gut! Um deinetwillen geb' Ich nach. Geh', Pania! Gehe! Pania . Ich gehorche. (Pania ab.) Sardanapal . Ich muß mich wundern, Myrrha, über dich. Was ist der Grund, daß du mich so bedrängst? Myrrha . Nur deine Rettung, und die Ueberzeugung, Daß nur die äußerste Gefahr den Prinzen Bewegen könnt', dir Solches zuzumuthen. Sardanapal . Und wenn drob mir nicht bangt, warum denn dir? Myrrha . Weil du nicht fürchtest, fürchte ich für dich. Sardanapal . Bald wirst du lächeln über diesen Wahn. Myrrha . Doch kommt das Schlimmste, werde ich nicht weinen; Und dies ist besser als die Kraft zu lächeln. Und du? Sardanapal . Ich werde König sein wie immer. Myrrha . Und wo? Sardanapal . Bei Baal, bei Nimrod auch und bei Semiramis; allein in Assur oder Bei ihnen, irgendwo! Das Schicksal hat Zu dem mich, was ich bin, gemacht; es kann Zu nichts mich machen, ja! Doch muß ich eins Von beiden sein: so – oder nichts! – Entehrt Will ich nicht leben. Myrrha . Ach! Hätt'st stets du so Gefühlt, dich wagte Niemand zu entehren. Sardanapal . Wer wagt es denn? Myrrha . Hegst Keinem du Verdacht? Sardanapal . Verdacht? Das ist Spionenamt. O wir Verlieren tausend köstliche Momente Mit schalem Wort und mit noch schal'rer Furcht. – Heda, ihr Sklaven! schmückt mir Nimrods Halle Für das Bankett, das diesen Abend tödtet. Muß der Palast durchaus zum Kerker werden, So wollen wir die Ketten lustig tragen. Verbietet man den kühlen Euphrat uns, Das Sommerhaus an Flusses schönem Strand, So sind wir hier doch unbedroht. – Heda! (Sardanapal ab.) Myrrha (allein). Warum denn lieb' ich diesen Mann? Die Töchter Der Heimat lieben Helden nur. Doch ich Hab' keine Heimat mehr, die Sklavin hat Ja Alles, nur die Ketten nicht, verloren! Ich liebe ihn, dies ist das schwerste Glied Der langen Kette – lieben und nicht achten! Mög' es so sein! Bald kommt die Stunde doch, Wo alle Lieb' er nöthig haben wird Und keine trifft. Jetzt von ihm abzufallen, Wär' niederträchtiger, als wenn ich ihn Auf seinem Thron erdolcht, da er am höchsten – Was groß gewesen wär' nach meines Volks Gefühl; ich war für Beides nicht gemacht. Könnt' ich ihn retten, liebt' ich ihn nicht mehr, Nur mich; und dieses Letztre thut mir noth; Denn seit ich diesen sanften Fremdling liebe, Sank ich herab in meiner eig'nen Meinung. Mich aber dünkt, ich lieb' ihn darum mehr, Weil er verhaßt bei seinen Leuten ist, Den alten Feinden unsres griech'schen Bluts. Könnt einen jener Kraftgedanken nur In seiner Brust ich wecken, wie sie selbst Die Phrygier beseelt, als zwischen Meer Und Ilium sie lange Zeit gekämpft, Er träte nieder die Barbarenbrut Und triumphirte noch. Er liebt mich, und Ich liebe ihn, die Sklavin ihren Herrn, Und möchte ihn von seinen Lasten gern Befrein. Gelingt es nicht, so bleibt ein Mittel Zur Freiheit noch, und kann ich ihn nicht lehren, Wie man regiert, so kann ich zeigen ihm, Auf welche Art allein ein Fürst den Thron Verläßt. Nicht aus dem Aug' darf ich ihn lassen. (Ab.) Zweiter Act. Erster Auftritt. Das Portal der gleichen Palasthalle. Belesis (allein) . Die Sonne geht hinab – mich dünkt, sie geht Heut' langsamer, da einen letzten Blick Sie auf das Reich Assyrien wirft. Wie roth Schaut sie aus dieser Wolken Nacht, grad' wie Das Blut, das sie voraus zu deuten scheint. Wenn ich umsonst nicht, Sonne, dich, die sinkt, Und euch, ihr Sterne, die herauf ihr steigt, Geschaut und eurer Bahnen Regeln, Strahl Um Strahl, gelesen hab', die selbst die Zeit Erzittern machen über das, was sie Den Völkern bringt – so schlägt die letzte Stunde Der Jahre Assur's heut'. – Und doch wie still! Ein Erderbeben sollt' so mächt'gen Fall Verkündigen, und eines Sommers Sonne Beleuchtet ihn. Die Scheibe dort trägt für Des sternbelesenen Chaldäers Aug' Auf ihrem ew'gen Blatt das Ende Deß, Was ewig schien. Doch du, wahrhafte Sonne, Du feuriges Orakel alles Seins, Du Quell des Lebens und du Sinnbild Dessen, Der Leben schafft, warum dein Prophezeihn Auf Unglück nur beschränken und das Kommen Von Tagen nicht enthüllen, würd'ger deines Hochherrlichen Entstehens aus dem Meer? Warum wirfst durch der Zukunft Jahre du Nicht einen Hoffnungsstrahl, wie diesen Blitz Des Zorns auf ihre jetz'gen Tage? – Hör', O hör' mich an, ich bin dein Jünger ja, Dein Priester und dein Knecht; ich sah nach dir Bei deinem Aufgang, deinem Niedergang. Ich bog mein Haupt vor deines Mittags Strahlen, Wo meine Augen dich zu schaun nicht wagten. Ich hab' auf dich geharrt und ausgeharrt, Zu dir gebetet, Opfer dir gebracht, In dir gelesen und vor dir gebangt, Hab' dich gefragt und du gabst Antwort mir. Jedoch bis hierher nur! – Indeß ich spreche, Sinkt sie und geht, und läßt ihr schönes Bild – Doch nicht ihr Wissen – dem entzückten Westen, Der in den Farben schwelgt der Glorie, Die stirbt. Doch was ist Tod, wenn glorienvoll Er nur? Es ist ein Sonnenuntergang! Ein Sterblicher darf sich ja glücklich preisen, Sieht er den Göttern selbst im Sinken gleich. Arbaces kommt von Innen. Arbaces . Warum in deine Andacht so vertieft? Schaust deinem Gotte du, der scheidet, nach Bis in ein Reich noch unentdeckten Tags? Der Nacht harrt unser Werk – sie ist jetzt da – Belesis . Doch noch nicht fort. Arbaces . Sie mache fort, wir sind Bereit. Belesis . Jawol! Ich wollt', es wär' vorüber. Arbaces . Hegt Zweifel der Prophet, dem selbst die Sterne Den Sieg gestrahlt? Belesis . Ich zweifle nicht am Sieg, Am Sieger nur. Arbaces . Das ordne deine Kunst! Indessen hab' ich selbst so viele Speere, Hellschimmernde, gesammelt, daß sie leicht Verdunkeln könnten unsre Bund'sgenossen, Dort die Planeten! Nichts kreuzt unsern Plan: Das König-Weib, das weniger als Weib, Ist auf dem Strom mit seinen Freundinnen; Im Pavillon befohlen ist das Mahl; Der erste Becher, den er trinkt, wird auch Der letzte sein, den Nimrods Rasse leert. Belesis . Es war ein tapfres Haus. Arbaces . Und ist ein schwaches, Ein abgenütztes, wir verbessern es. Belesis . Weißt du's gewiß? Arbaces . Sein Gründer war ein Jäger. Ich bin Soldat. Was ist dabei zu fürchten? Belesis . Nur der Soldat. Arbaces . Vielleicht der Priester auch. Doch wenn du so gedacht und denkst, warum Behältst du deinen Dirnenkönig nicht? Warum hast mich du aufgewühlt? Warum Zu diesem Plan mich angespornt, der ja Der deine ebenso wie meiner ist? Belesis . Schau nach dem Himmel auf! Arbaces . Ich thu's. Belesis . Was siehst Du dort? Arbaces . Des Sommers holdes Dämmerlicht, Der Sterne wachsend Heer. Belesis . Und unter diesen Bemerke dort den frühesten, den hellsten, Der zittert, als ob seinen Platz im Aether Er ändern wollt'. Arbaces . Nun, und –? Belesis . Dein Lebensstern Ist er. Arbaces . (legt die Hand an sein Schwert). Mein Stern steckt in der Scheide hier Wenn Der erblinkt, erbleichen selbst Kometen! Laß überlegen uns, was nun zu thun, Daß deiner Sterne Wunder Recht behalten. Wenn wir's gewinnen, sollen Tempel sie Und Priester haben, und du selbst sollst dann Der Oberpriester sein von so viel Göttern, Als du nur willst; denn ich bemerke, daß Sie stets gerecht sind und den tapfersten Auch als den frömmsten anerkennen. Belesis . Ja, Doch auch den frömmsten als den tapfersten. Du hast wol nicht gesehn, daß ich dem Kampf Den Rücken je gekehrt? Arbaces . Das nicht; ich weiß, Daß im Gefecht, als Babyloniens Feldherr Du stets so wacker warst, wie viel gewandt In der Chaldäer Gottesdienst. Will's jetzt Gefallen dir, den Priester zu vergessen Und nur Soldat zu sein? Belesis . Warum nicht Beides? Arbaces . Dann um so besser nur! Doch schäm' ich mich Beinah, daß hier so wenig ist zu thun. Der Weiberkrieg erniedrigt selbst den Sieger. Vom Throne stoßen einen trotzigen Und blutigen Tyrannen, mit ihm kämpfen, Schwert gegen Schwert, das wäre heldenhaft, Ob man nun siegt, ob fällt; jedoch ein Schwert Erheben gegen diesen Seidenwurm, Ihn winseln hören gar – Belesis . Das glaube nicht. Es ist Etwas in ihm, das dir zu thun Noch geben kann; und wär' er, wie du meinst, So sind doch seine Garden fest und ihr Gen'ral, der kalte, ernste Salimenes. Arbaces . Sie leisten sicher keinen Widerstand. Belesis . Warum denn nicht? Soldaten sind's. Arbaces . Wol wahr! Doch eben deshalb wollen sie zum Führer Auch ein Soldatenherz. Belesis . Salimenes Hat das gewiß. Arbaces . Doch ist er nicht ihr König. Und überdies: er haßt das weibische Geschöpf, das uns regiert, der Königin, Der Schwester halb. Hast du denn nicht bemerkt, wie er sich fern von allen Schmäusen hält? Belesis . Doch nicht vom Rath, dort ist er stets zu finden. Arbaces . Und stets wird seine Ansicht dort verworfen. Was willst du mehr, um dort ihn zu verfeinden: Ein thöricht Regiment, sein Blut entehrt, Er selbst mißachtet? Nun, da schaffen wir Für seine Rache ja! Belesis . Wenn man ihn nur Dazu könnt' bringen, ebenso zu denken. Doch zweifle ich. Arbaces . Wie wär' es, fühlten wir Ihm auf den Zahn? Belesis . Ja, wenn es Zeit noch ist. Balea tritt auf. Balea . Satrapen! eure Gegenwart befiehlt Der König bei dem heut'gen Fest. Belesis . Sein Wort Ist uns Befehl. – Im Pavillon? Balea . Nein, hier In dem Palast. Arbaces . Wie? im Palast? So war Es nicht bestimmt. Balea . Doch jetzt ist's so bestimmt. Arbaces . Warum? Balea . Das weiß ich nicht. – Kann ich nun gehn? Arbaces . Bleib' noch! Belesis (bei Seite zu Arbaces). Still! laß ihn gehn! (Laut zu Balea). Ja, Balea! Dank' dem Monarchen! küsse ihm den Saum Des Königs-Rocks, und sag' ihm, seine Sklaven Freu'n sich, die Krumen aufzulesen, die Vom Königstisch er gnädig werfen werd'. – Nicht wahr, die Stund' ist Mitternacht? Balea . So ist's! Der Ort: die Halle Nimrods. – Edle Herr'n, Ich beuge mich vor euch, und kehr' zurück. (Balea ab.) Arbaces . Die plötzliche Veränderung des Orts Gefällt mir nicht. Da steckt Etwas dahinter. Weshalb die Aenderung? Belesis . Verändert er Nicht tausend Mal im Tag? Der Müßiggang Ist stets ein grillenhafter Herr und legt Der Meilen mehr in seinen Phantasie'n Als ein Gen'ral auf einem Marsch zurück, Wenn er den Feind zum Besten haben will. Was brütest du? Arbaces . Er liebt den Pavillon, Den heitern, so! 'S war stets sein Lieblingsort. Belesis . Er liebte einst auch seine Königin Und dreimal tausend Dirnen nebenbei. Ja Alles hat er nach und nach geliebt, Nur Weisheit nicht, noch Ruhm. Arbaces . Und doch gefällt Mir's nicht. – Wenn er geändert hat, nun gut! So müssen's wir auch thun. Nicht schwierig wär' Ein Ueberfall an jenem Ort gewesen, Der von verschlaf'nen Wachen, trunk'nen Schranzen Besetzt nur ist. Jedoch in Nimrods Hall' – Belesis . Ah ist es das? Ich hörte eben doch, Wie allzuleicht zum Thron emporzusteigen Der übermüth'ge Krieger fürchtete. Bist du enttäuscht, jetzt eine oder zwei Der Stufen schlüpfriger zu finden, als Du ausgerechnet hast? Arbaces . Wenn sie erst da Die Stunde, wirst du schaun, ob bang ich bin, Ob nicht. Du hast gesehn, wie auf dem Spiel Mein Leben stand und heiter ich drum spielte. Mehr steht hier auf dem Spiel – ein Königreich! Belesis . Ich habe dir's vorausgesagt, du wirst's Gewinnen. Also drauf! und mach' dein Glück. Arbaces . Wär' ich Prophet, ich hätte mir dasselbe Vorausgesagt. – Doch folgen wir den Sternen, Ich kann mich mit den hohen nicht verstreiten Noch ihrem Deuter. – Wer kommt da? Salimenes tritt auf. Salimenes . Satrapen! Belesis . Mein Prinz! Salimenes . Ein glücklich Treffen! Eben sucht' Ich euch, doch anderswo als im Palast. Arbaces . Weshalb? Salimenes . 'S ist ja die Stund' noch nicht. Arbaces . Die Stunde? Und welche Stunde? Salimenes . Nun, die Mitternacht. Belesis . Die Mitternacht? Salimenes . Wie? seid ihr nicht geladen? Belesis . Jawol! vergessen hatt' ich's fast. Salimenes . Vergeßt Gewöhnlich ihr die Ladung des Monarchen? Arbaces . Sie kam uns eben erst. Salimenes . Weshalb' denn seid Ihr hier? Arbaces . Im Dienst. Salimenes . In welchem Dienst? Belesis . Des Staats! Das Vorrecht haben wir, dem Thron zu nahn. Doch fanden wir den König nicht zu Haus. Salimenes . Auch ich bin dienstlich hier. Arbaces . Und darf man fragen: Warum? Salimenes . In Haft zu nehmen zwei Verräther. He, Wachen! vor! (Wachen treten ein.) Satrapen! eure Schwerter! Belesis (gibt ihm sein Schwert). Hier ist mein Schwert. Arbaces (zieht das seinige). Hier nimm das meinige! Salimenes (tritt vor). Das will ich auch. Arbaces . Doch in dein Herz die Klinge! Der Griff verläßt nicht meine Hand. Salimenes (zieht). Du willst Mir trotzen? – Gut! – So wird nur das Verhör Erspart und falscher Gnadenact. – Soldaten! Haut den Rebellen nieder! Arbaces . Wie? Soldaten? Allein wagst du es nicht? Salimenes . Allein? Du Thor Und Sklav'! Was ist an dir denn, daß ein Prinz Sich fürchten sollt' vor offener Gewalt? Uns schreckt nur dein Verrath, nicht deine Macht. Dein Zahn ist stumpf, wenn ihm das Gift gebricht, Der Schlange Gift, das nicht von Löwen kommt. Haut nieder ihn! Belesis (tritt dazwischen). Arbaces! bist du toll? Gab ich mein Schwert nicht ab? Vertraue doch Auf unsres Oberherrn Gerechtigkeit Wie ich. Arbaces . Nein! lieber trau' den Sternen ich, Von denen du geschwatzt und diesem Arm, Und sterbe als ein König wenigstens Des eignen Leibs und Hauchs, die Niemand sonst Mir fesseln soll. Salimenes (zu den Wachen). Ihr höret ihn und mich. Nehmt nicht gefangen ihn, nein! tödtet ihn. (Die Wachen greifen Arbaces an, der sich tapfer und geschickt vertheidigt, so daß sie weichen.) Sieht so es aus! Muß Henkersdienst ich thun? Feiglinge seht, wie man Verräther fällt! (Salimenes greift Arbaces an.) Sardanapal tritt auf mit Gefolge. Sardanapal . Halt ein! Bei eurem Leben sag' ich! Wie? Seid taub, seid trunken ihr? – Mein Schwert! Wie dumm! Ich trag' kein Schwert! – He, Bursche, gib mir deins! (Zu einem Soldaten. Er entreißt ihm sein Schwert und stürzt sich damit zwischen die Kämpfenden. Sie trennen sich.) In meinem eigenen Palast sogar! Was hindert mich, in Stücke euch zu haun, Ihr frechen Raufer, ihr? Belesis . Dein Rechtsgefühl, Mein König. Salimenes . Oder deine Schwäche! Sardanapal (erhebt das Schwert). Was? Salimenes . Schlag zu, wenn du den Schlag nur wiederholst Auf den Verräther dort, – den du verschonst, Um ihn zu foltern, hoff' ich. Dann bin ich Zufrieden, Herr! Sardanapal . Wie? ihn? Wer wagt es, dem Arbaces an den Hals zu gehen? Salimenes . Ich! Sardanapal . Prinz, Ihr vergeßt Euch! Wer gab Euch das Recht? Salimenes (zeigt das Siegel). Du selbst! Arbaces . Des Königs Siegel! Salimenes . Ja, und mög' Der König es bestätigen! Sardanapal . Ich gab's Zu solchem Zweck nicht aus der Hand. Salimenes . Du gabst's Für deine Sicherheit; ich hab's gebraucht Zum Besten nur. Sprich dich nun selber aus. Jetzt bin ich nur dein Sklav', doch eben noch Vertrat ich dich. Sardanapal . Steckt eure Schwerter ein! (Arbaces und Salimenes stecken ein.) Salimenes . Das meine steckt; doch bitt' ich dringend dich: Steck' deins nicht ein! Das einz'ge Scepter ist's, Das noch für deine Sicherheit dir bürgt. Sardanapal . Es ist so schwer! Auch schmerzt die Hand mir, von Dem Griff. (Zu dem Soldaten.) Da, Bursche, nimm dein Schwert zurück! – Ihr Ruhestörer, sagt, was soll dies heißen? Belesis . Der Prinz allein kann Antwort darauf geben. Salimenes . Daß ich dir treu, und dies Verräther sind. Sardanapal . Verräther dies? Arbaces und Belesis? 'S wär ein Complott, das ich nicht glauben könnt'! Belesis . Womit beweist Ihr es? Salimenes . Das will ich sagen, Sobald das Schwert von Eurem Spießgesellen Der König heischt. Arbaces ( zu Salimenes ). Ein Schwert, das ich so oft Wie du gezogen gegen seine Feinde! Salimenes . Und gegen seinen Bruder jetzt, ja mehr! In einer Stunde sicher auf ihn selbst. Sardanapal . Das ist nicht möglich! Nein! er wagt' es nicht! Nein! nichts will ich von solchen Dingen hören. So eitle Zänkerein entstehn an Höfen Durch schlechte Ränke, schlecht're Miethlinge, Die nur vom Lügen über Bess're leben. Du bist gewiß betrogen worden, Bruder. Salimenes . Befiehl ihm erst, daß er sein Schwert dir geb' Und dadurch zeig', daß er dein Unterthan. Ich steh' für Alles ein. Sardanapal . Wenn ich es dächt' – Doch nein! es kann nicht sein! Arbaces sollt', Der treue, derbe, zuverlässige Soldat, der beste Feldhauptmann, der mir In Zucht die Völker hält – Nein! nicht so tief Möcht' ich ihn kränken, daß ich ihm beföhl', Das Schwert an mich zu geben, das er nie Dem Feinde gab. – Behalt' dein Schwert, Gen'ral! Salimenes ( gibt das Siegel zurück ). So nimm dein Siegel hier zurück, mein König! Sardanapal . Nein, nein! behalt' es noch. Doch brauche es Mit größ'rer Mäßigung fortan. Salimenes . Mein König! Ich brauchte es zu deiner Ehre nur Und geb's zurück, weil ich's mit meiner Ehre Nicht mehr behalten kann. – Verleih's Arbaces! Sardanapal . Ich sollt' es thun: er hat es nie verlangt. Salimenes . Sei überzeugt, er wird es doch sich holen, Und ohne diesen leeren Schein von Achtung. Belesis . Ich weiß nicht, was ein solches Vorurtheil Dem Prinzen gegen zwei Satrapen gab, Die nie an Eifer für Assyriens Wohl Von irgend Einem übertroffen wurden. Salimenes . Still, falscher Priester, ungetreuer Krieger! Du hegst in dir die Laster der zwei Klassen, Die stets am schädlichsten der Menschheit waren. Dein glattes Wort, dein heuchlerisches Spiel Behalte sie für die, die dich nicht kennen. Die Sünde deines Freundes ist doch kühn Und durch die Ränke gleißend nicht gemacht, Die in Chaldäa du gelernt. Belesis . Hör' an O Belus' Sohn! mein Fürst! er lästert gar Den Gottesdienst des Lands, das schon sein Knie Vor deinen Vätern hat gebeugt. Sardanapal . O bitte, Dafür entledigt ihn! Erlassen will Ich die Verehrung ihm der Todten, denn Ich fühle, daß ich sterblich bin, und glaube, Daß das Geschlecht, dem ich entsprang, das ist, Was ich von ihm erblicke – Asche! Belesis . König! O glaub' es nicht, es ist dort bei den Sternen. Sardanapal . Ich schicke dich dahin, eh' jene auf Noch gehn, fährst du zu pred'gen fort. Ja, das Ist Hochverrath! Salimenes . O Herr! Sardanapal . Schulmeistern mich Im stumpfen Dienst assyr'scher Götzenbilder! Macht ihm die Seele frei, gebt ihm sein Schwert. Salimenes . Mein Herr und König! Haltet ein, ich bitte! Sardanapal . Mir Reden halten und fast taub mich machen Mit Baal und todtem Volk, und der Chaldäer Gestirnten Heimlichkeiten all! Belesis . Monarch, Verehre sie! Sardanapal . O was das anbelangt, Ich liebe sie; ich schau' sie gerne dort Am blauen Himmel, und vergleiche, sie Mit meiner Myrrha Augenstern. Gern seh' Ich ihren silberhellen Strahl, wie er Sich in des Euphrat sanften Wellen bricht, Wenn mitternächt'ger Wind das breite Wasser. Das leise durch des Ufers Schilfrohr seufzt, In Krausen regt. – Doch ob es Götter sind, Wie Ein'ge sagen, oder Göttertempel, Wie Andre meinen, oder Lampen nur Der Nacht, ob Welten oder Schein von Welten, Das weiß ich nicht, das kümmert mich auch nicht. Es liegt in dieser Ungewißheit mir Ein Zauber, der so süß ist, daß ich ihn Nicht gab' für der Chaldäer Lehren all. Zudem ich weiß von ihnen Alles, was Der Staub von dem, was über ihm sich hebt, Was unter ihm sich regt, kann wissen – Nichts! Ich schaue ihren Glanz, fühl' ihren Reiz; Wenn auf mein Grab sie scheinen, werd' ich keins Von beiden schaun. Belesis . Sagt: besser schaun, mein Fürst. Sardanapal . Erwarten will ich's, Oberpriester, wenn's Beliebt! Einstweilen nimm dein Schwert zurück, Und wisse, daß ich deinen Dienst als Krieger Vorziehe deinem Gottesdienst. Doch lieb' Ich keins von beiden sehr. Salimenes ( bei Seite ). Die Wollust hat Ihn toll gemacht. Ich muß ihn retten drum, Auch wenn er selbst nicht will. Sardanapal . Hört mich, Satrapen! Und du besonders, Priester! denn ich trau' Dir weniger als dem Soldaten da, Und würde ganz mißtrauen dir, wärst du Nicht halb Soldat. – Laßt uns in Frieden scheiden. Ich will nicht sagen, daß ich euch begnad'ge, Das könnt' ich einem Schuldigen nur sagen, Und ich erkläre euch als solche nicht, Obschon an meinem Athem eurer hängt Und schlimmer noch als das, an meiner Furcht. Doch fürchtet nichts! Mild bin ich, ängstlich nicht Und drum lebt fort. Wär' ich der Mann, für den Mich Mancher hält, so schwitzten eure Köpfe Die letzten Tropfen eures schuld'gen Bluts Schon von den hohen Gittern des Palasts Hinunter in den Staub, ihr einzig Theil Von dem ersehnten Reich, deß Krone sie So gern getragen. – Doch genug! Wie ich Gesagt, ich will euch nicht für schuldig halten, Noch schuldlos euch verdammen, ob auch bess're Als ihr und ich, euch anzuklagen brennen. Wenn euer Schicksal strengen Richtern ich Nebst mancherlei Beweisen übergäb', So könnt' ich leicht zwei Männer opfern, die, Was sie auch jetzt sind, ehrlich einst gewesen. Drum seid ihr frei, Satrapen! Arbaces . Herr! die Gnade –! Belesis ( unterbricht ihn ). – Ist eurer würdig, und ob schuldlos gleich, So danken doch wir – Sardanapal . Priester! Deinen Dank Spar' Belus auf, sein Sprosse braucht ihn nicht. Belesis . Doch da ich schuldlos – Sardanapal . Still! Die Schuld ist laut. Wenn ihr getreu, so seid ihr schwer gekränkt Und solltet' traurig sein, nicht Dankes voll. Belesis . Das wären wir, wenn ird'sche Allmacht stets Gerechtigkeit auch übt'; doch Unschuld muß Ihr Recht gar oft als blose Gunst empfangen. Sardanapal . Ein guter Stoff für eine Predigt wol, Doch hierher paßt er nicht. Benütze ihn, Wenn deines Königs Sach' vor seinem Volk Du führst. Belesis . Die Ursach' hiezu, denk' ich, fehlt. Sardanapal . Die Ursach' wol, doch die Ursächer nicht. Wenn Solche ihr bei eurem Erdenamt Als Inquisitor trefft, wenn ihr davon In irgend einem Sternenwinkel lest, Die euch ja Chronik sind, so merket euch, Daß schlimm're Dinge zwischen Erd' und Himmel Es gibt als Den, der über Viele herrscht, Doch Keinen schlägt; der zwar sich selbst nicht haßt, Jedoch genug auch seine Nächsten liebt, Um die zu schonen, die sein nimmer schonten, Wenn sie einst würden Herr. Doch das ist noch Nicht so gewiß! – Satrapen! eure Schwerter Und auch Personen sind nun völlig frei, Gebraucht sie, wie ihr wollt; doch kein Geschäft Hab' von der Stunde an ich für euch Zwei – Folg', Salimenes, mir! (Sardanapal, Salimenes und Gefolge ab.) Arbaces . Belesis! Belesis . Nun? Was meinet Ihr? Arbaces . Daß wir verloren sind! Belesis . Nein! daß dies Reich wir eben grad' gewannen. Arbaces . Wo denkst du hin, da ja an einem Haar Das Schwert hing über uns und stets noch hängt, Und jeden Augenblick auf uns herab Geschleudert werden kann, durch seinen Hauch, Der uns verschont – warum? das weiß ich nicht. Belesis . Frag' nicht warum, laß uns die Frist benützen! Noch ist die Stunde unser, unsre Macht Die gleiche noch; die Nacht dieselbe auch, Die wir bestimmt. Und nichts ist anders als Daß wir gewiß nun wissen, uns bedroh' Verdacht und jeder Aufschub wäre drum Verrückt. Arbaces . Und doch – Belesis . Du zauderst noch? Arbaces . Er schenkte Das Leben uns; noch mehr, er rettete Vor Salimenes uns. Belesis . Wie lang' wird er Uns schonen? bis er wieder mal berauscht Sein wird. Arbaces . Sag' eher, bis er nüchtern wird. Doch that er es auf edelmüth'ge Art Und schenkte königlich, was wir so schlecht Verwirkt. Belesis . Nenn' es beherzt. Arbaces . Von Beidem was Vielleicht. Doch hat es mich gerührt und was Geschehn auch mag, ich mach' nicht weiter mit. Belesis . Und so verlieren wir die Welt. Arbaces . Wenn ich Nur meine eig'ne Achtung nicht verlier'. Belesis . Ich schäme mich, daß unser Leben wir Solch einem Kunkelkönig danken sollen. Arbaces . Und gleichwol danken wir es ihm. Ich schämte Mich noch weit mehr, des Schenkers jetzt zu nehmen. Belesis . Laß dir gefallen, was du immer willst, Die Sterne haben's anders doch beschlossen. Arbaces . Und, kämen sie herab und zeigten mir In allem ihrem Glanze meinen Weg, Ich folgte nicht. Belesis . Das heiß' ich Schwäche – schlimmer Als wenn ein ängstlich altes Weib von Todten Geträumt hat und wacht dann im Finstern auf. Geh mir hinweg! Arbaces . Es dünkte mir, er sah Wie Nimrod aus, als er so sprach, ja wie Das stolze, königliche Standbild, das Im Tempel steht und gleichsam wie der König Der Kön'ge um ihn her, das Haus beherrscht, Das jene schmücken nur. Belesis . Ich sagte dir Vorher, du achtest ihn für zu gering Und etwas Königliches sei in ihm. Was thut's? Nur um so würd'ger ist der Feind. Arbaces . Und wir um so viel niedriger. Ich wollt', Er hätt' uns nicht verschont! Belesis . Und hättest du So schnell geopfert werden mögen? Arbaces . Nein! Doch besser wär's gewesen, wenn ich starb, Als lebte undankbar. Belesis . Was gibt es doch Für Menschenvolk! Du sannst, was Einige Verrath, Untreue andre Narren nennen; Und sieh! auf einmal, weil, um Etwas oder Um Nichts, der tolle unbedachte Schwärmer Mit stolzer Prahlerei sich zwischen dich Und Salimenes stellt, wirst du zu einem – Wie nenn', ich's nur? – Sardanapal! Ich kenn' Ja keinen Namen schmählicher als den. Arbaces . Wer so mich noch vor einer Stunde nannte, Dem war an seinem Leben nichts gelegen, Nun aber muß ich dir verzeihen, wie Er uns verzieh – selbst die Semiramis Hätt' Solches nicht gethan. Belesis . O nein! die liebt' Es nicht, ihr Reich mit irgend Wem zu theilen, Selbst mit dem Gatten nicht. Arbaces . Ich muß ihm treu Nun dienen. Belesis . Demuthsvoll? Arbaces . Nein, stolz, weil ehrlich! Ich werde Thronen näher sein, als du Dem Himmel bist; und wenn nicht ganz so hoch, Erhabner doch. Du magst so handeln, wie Dir gut erscheint; du hast Gesetzesbücher, Mysterien und andre Sammlungen Von Gut und Bös, der' ich für meinen Gang Entbehr'. Drum folg' ich nur dem Rath, den mir Ein redlich Herz ertheilt. Nun kennst du mich. Belesis . Bist du zu Ende? Arbaces . Ja – mit dir! Belesis . Und willst Vielleicht mich nun verrathen auch, wie du Mich stecken läßt? Arbaces . So denkt ein Pfaffe, kein Soldat. Belesis . Gleichviel! Fort mit dem Wortgezänk Und hör' mich an! Arbaces . Nein! denn dein feiner Geist Birgt mehr Gefahr als eine Phalanx mir. Belesis . Wenn es denn sein muß, thu ich's auch allein. Arbaces . Allein? Belesis . Auf einem Thron sitzt Einer nur. Arbaces . Doch dieser ist besetzt. Belesis . Mit Schlechterem Als Nichts, 'nem König, der mißachtet ist. – Bedenk, Arbaces! immer hab' ich dich Geliebt, gefördert, angeregt; war selbst Zu dienen dir gewillt, nur weil ich hoffte, Assyrien so zu dienen, es zu retten. Der Himmel selbst schien jetzt uns zuzustimmen Und freundlich wirkte jeder Umstand mit Bis diesen Tag, und nun schlägt mir dein Geist In leere Milde um. Doch eher als Mein Land ich länger leiden seh'. will ich Sein Retter oder Opfer sein des Herrschers, Ein's oder beid's, denn oft sind Beide ein's; Doch sieg' ich, ist Arbaces auch mein Knecht. Arbaces . Dein Knecht? Belesis . Warum nicht? besser doch als Sklave, Der Gnaden-Sklav' des Weibs Sardanapal. Pania tritt auf. Pania . Ich bringe eine Botschaft euch vom König. Arbaces . Sie ist befolgt, eh' sie gesprochen ist. Belesis . Gleichwol verkünde sie. Pania . Sofort habt ihr, Noch diese Nacht, nach euern Satrapien In Babylon und Medien zu gehn. Belesis . Mit unsern Truppen? Pania . Mein Befehl betrifft Nur die Satrapen und ihr enger Haus. Arbaces . Jedoch – Belesis . Wir müssen folgen; sagt: wir gehn. Pania . Ich habe den Befehl, zu sorgen, daß Ihr geht, nicht Antwort hinzubringen. Belesis . (bei Seite). (Ah!) Nun, Herr, wir werden mit Euch gehn von hier. Pania . Ich will die Ehrenwache herbefehlen, Die eurem Rang gebührt, und warten bis Ihr Muße habt, damit es länger nicht Als eine Stunde währt. (Pania ab.) Belesis . Nun, jetzt gehorch'! Arbaces . Gewiß! Belesis . Ja, bis zum Güterthor, das den Palast verschließt, der unser Kerker jetzt; Doch weiter draußen nicht. Arbaces . Du hast's getroffen! In diesem ganzen großen Reiche gähnen Auf jedem Schritt jetzt Kerker dir und mir. Belesis . Sag': Gräber! Arbaces . Dacht' ich dies, so sollte wol Mein gutes Schwert ein's mehr als meines graben. Belesis . Es wird genug zu thun bekommen. Laß Mich Bess'res hoffen, als du prophezeist. Jetzt laß uns fort von hier, so gut es geht. Du stimmst darin mit mir wol überein, Daß der Befehl ein Todesurtheil ist? Arbaces . Welch andre Deutung wäre ihm zu geben? Stets war's die Politik der Könige des Orients: Begnadigung und Gift, Gunst und Ein Schwert, ein fernes Reiseziel, dazu Der ew'ge Schlaf! Wie viel Satrapen, noch Zu seines Vaters Zeit – denn er, ich geb' Es zu, ist oder war blutdürstig nicht – Belesis . Doch wird er's sein, und muß es jetzt. Arbaces . Ich glaub's. Wie viel Satrapen zu des Vaters Zeit Sah ich nach mächt'gen Satrapien ziehn Und auf dem Weg erblickt man ihre Gräber! Ich weiß nicht, wie es kam, sie wurden krank; Die Reise war auch gar so lang und schwer. Belesis . Gewinnen wir nur erst die freie Luft Der Stadt, so wollen wir die Reise kürzen. Arbaces . Sie wird vielleicht am Thore uns gekürzt. Belesis . Das nicht! Das wagen sie doch kaum. Sie wollen Uns sterben lassen insgeheim, doch nicht In dem Palast, im Umkreis nicht der Stadt, Wo wir bekannt sind, wo wir Freunde haben. Wenn sie uns hätten hier erschlagen wollen, So wären wir nicht mehr am Leben. Laß Uns fort von hier. Arbaces . Wenn ich nur wüßte, ob Er mir ans Leben will! Belesis . Du Thor, was soll Denn Despotismus anders wollen, der In Angst? Laß uns zu unsern Truppen gehn, Dann aber fort. Arbaces . Nach unsern Satrapien? Belesis . Nein! Deinem Königreiche zu! Jetzt ist Es Zeit! und Herz und Hoffnung, Macht und Mittel Sind gleichfalls da, und freien Spielraum läßt Uns ihre Halbheit. Komm! Arbaces . So soll denn ich, Der eben noch bereut, von Neuem fehlen? Belesis . Die Selbstvertheidigung ist eine Tugend, Das einz'ge Bollwerk alles Rechts. Fort! sag' Ich dir! Verlassen wir den Ort! Die Luft Wird dick, erstickend, und die Mauern riechen Nach gift'gem Kraut – hinweg! Wir dürfen ihnen Nicht Zeit zu weit'rem Ueberlegen gönnen. Der schnelle Abzug zeugt von unsrem Eifer, Der schnelle Abzug hindert den Begleiter, Den würd'gen Pania, der Weisung, die In unserem Betreff ertheilt ihm ward, Um ein'ge Meilen noch zuvorzukommen. Nein! da ist keine Wahl, sag' ich, als fort!, (Ab mit Arbaces, der widerstrebend folgt.) Sardanapal und Salimenes treten auf. Sardanapal . Nun, jetzt ist Alles ja zurecht gelegt Und ohne Blut, dem schlimmsten Scheinheilmittel; Und sicher sind wir, da wir sie verbannt. Salimenes . Wie's wer auf Blumen geht, vor Schlangen ist Die unter ihren Blättern kriechen. Sardanapal . Nun, Was willst du denn, was ich hätt' sollen thun? Salimenes . Vernichten wieder, was du übereilt. Sardanapal . Die Gnade widerrufen, die ich gab? Salimenes . Die Krone fest aufs Haupt dir setzen, die Noch wankt. Sardanapal . Das wäre Tyrannei gewesen! Salimenes . Doch sicher. Sardanapal . Sind wir's jetzt nicht auch? Was können Jenseits der Grenze sie uns Schaden bringen? Salimenes . Sie sind noch nicht so weit, und kämen nie Dahin, hätt'st du auf mich gehört. Sardanapal . Ich hab' Dich unpartheiisch angehört; warum Denn nicht auch sie? Salimenes . Das wirst du noch erfahren. Wie jetzt die Sachen stehn, bitt' ich um Urlaub, Die Wachen aufzustellen. Sardanapal . Wirst zum Bankett Du nicht erscheinen? Salimenes . Herr! erlaßt es mir. Ich bin kein Zecher, gebt mir jeden Dienst, Nur des Bacchanten nicht. Sardanapal . Nun gut, doch ist Zu zechen manchmal auch am Platz. Salimenes . Noch mehr Am Platz dünkt mir, daß Einer wacht für die, Die zechen gar zu oft. – Kann ich jetzt gehn? Sardanapal . Du kannst. Doch warte noch, mein Salimenes! Mein Bruderherz, mein bester Unterthan Und bess'rer Prinz als ich ein König bin. Du hättest Herrscher sollen sein und ich – Ich weiß nicht was – bekümm're mich nicht drum. Doch halte nicht für unempfindlich mich Für deine Weisheit, deine Rechtlichkeit, Dein rauhes und doch freundliches, wenn auch Oft tadelndes Ertragen meiner Launen. Wenn ich die Männer gegen deinen Rath Verschont, das heißt ihr Leben, that ich's nicht Weil ich bezweifle, daß dein Rath verständig; Doch laß sie leben nur! Wir wollen nicht Um ihres Lebens Werth uns streiten. Mögen Sie bessern sich! Ihr Gehn in die Verbannung Wird meinen ruh'gen Schlaf mir lassen, den Ihr Tod mir sicher nähm'. Salimenes . Doch so läufst du Gefahr, Verräther halb zu schlafen bald Den ew'gen Schlaf. Ein peinlicher Moment Wird so gekehrt in Jahre des Verbrechens. Noch ist es Zeit, sie stumm und still zu machen. Sardanapal . Versuch' mich nicht, ich gab mein Wort. Salimenes . Du kannst Es widerrufen. Sardanapal . Nein! 's ist Königs-Wort. Salimenes . Drum sollte es entschieden sein. Jedoch Die halbe Gnade der Verbannung dient Zu reizen nur; voll muß die Gnade sein, Sonst ist sie nichts. Sardanapal . Und wer hat mich beredet, Als ich sie abgesetzt, sie wenigstens Aus unsrer Gegenwart verbannt, wer hat In mich gedrängt, sie nach den Satrapien Zu schicken? Salimenes . Das ist wahr! Ich hatt's vergessen. Indeß wenn ihre Satrapien sie Erreichen je – dann tadle meinen Rath. Sardanapal . Und wenn sie jene nicht erreichen – merk's! In Sicherheit, mit heiler Haut erreichen, So nimm die deinige in Acht. Salimenes . Erlaub', Daß ich jetzt geh', ich will besorgt nur sein Für ihre »Sicherheit«. Sardanapal . So geh' und, bitte, Denk' künftig würdiger von deinem Bruder. Salimenes . Ich werde treu stets dienen meinem König. (Salimenes ab.) Sardanapal . (allein). Der Mann ist von zu strenger Denkungsart. Hart, doch erhaben wie der Fels, und frei Von jedem Flecken des gemeinen Staubs. Ich bin von weich'rem Thon, mit Blumen ganz Durchwebt. Wie aber unser Stoff, muß auch Das sein, was aus ihm kommt. Wenn dies Mal ich Geirrt, kam's aus dem Grund, wo Irrthum Am leichtesten sich zeugt, aus dem Gefühl, Das ich zu nennen nicht vermag: es kommt Mir oft wie Schmerz, manchmal wie Luft auch vor. Es ist als ob ein Geist hier innen säß', Und zählt' des Herzens Schläge, doch beschleunigt Sie nicht, und stellte Fragen mir, wie sie Mich Sterbliche zu fragen nie gewagt, Selbst Baal nicht, der orakelhafte Gott, Obschon sein Marmorantlitz majestätisch Und zornig schaut, wenn in des Abends Schatten Die Stirne dunkelt und ihr Ausdruck wächst; So daß mir manchmal ist, als wolle mir Das Standbild Etwas sagen – doch hinweg Mit diesen närrischen Gedanken – weg! Ich will jetzt fröhlich sein. Und da kommt auch Der Freude ächter Herold schon! Myrrha tritt auf. Myrrha . Mein König! Der Himmel ist bewölkt, es donnert fern Aus Wolken, die uns eilig nahn, und Blitze Verkünden zuckend uns ein schwer Gewitter. Willst dennoch du aus dem Palaste gehn? Sardanapal . Gewitter sagst du? Myrrha . Ja, mein lieber Herr! Sardanapal . Ich meines Theils wär' es nicht schlecht zufrieden, Die holde Sonne einmal schwarz zu schaun Und schwer im Kampf die starken Elemente; Doch paßte schlecht dies zu den seidnen Röcken Und glatten Wangen unsrer Festesgäste. Sprich, Myrrha, fürchtest du der Wolken Donner? Myrrha . In meinem Vaterland wird ihre Stimme Als Mahnung Jupiters verehrt. Sardanapal . Aha! Das ist wie unser Baal! Auch er besitzt Des Donners Macht und immer zeugt ein Blitz, Der niederzuckt, von seiner Göttlichkeit. Er trifft manchmal die eigenen Altäre. Myrrha . Das wär' ein schrecklich Omen. Sardanapal . Ja für Priester! Gut denn! wir bleiben im Palast heut' Nacht Und feiern unser Freudenfest im Innern. Myrrha . Zeus sei gelobt, daß er die Bitte hörte. Die du nicht hören wollt'st. Die Götter sind Dir wohlgesinnter, als du selbst es bist, Und schleudern dies Gewitter zwischen dich Und deine Feind', um dich davor zu schützen. Sardanapal . Kind! wäre hier Gefahr, so dünkt mich, wär' Die gleiche doch hier innerhalb der Mauern Wie an des Flusses Rand. Myrrha . Das nicht, die Mauern Sind hoch und stark und wohl bewacht. Verrath Müßt' manchen Schlangenweg, manch schweres Thor Durchdringen erst; doch jener Pavillon Ist kein Castell. Sardanapal . Nein! doch auch der Palast, Die Burg selbst nicht, noch auch die Spitze dort Des Kaukasus in seinem Wolkenschloß, Wo unzugänglich auf der Felsenzinne Der Adler sitzt – sobald Verrath im Spiel. So wie der Pfeil der Lüfte König trifft, So findet auch der Stahl den Herrn der Erde. Doch sei beruhigt! Jene Männer sind Ob schuldig oder nicht, nunmehr verbannt Und fern schon unterwegs. Myrrha . Sie leben noch? Sardanapal . So bist auch du von Blutdurst denn besessen? Myrrha . Mich schreckte die gerechte Strafe nicht, Die solche träfe, die bedroht dein Leben. Wär' es nicht so, ich selbst verdiente nicht, Daß ich noch leb'. Doch hast du ja hierüber Des Prinzen Salimenes Rath gehört. Sardanapal . Es ist doch wunderbar! Die Sanfte ist, Der Strenge gegen mich, und Beide drängen Zur Rache mich. Myrrha . In Hellas ist dies Tugend. Sardanapal . Doch unter Kön'gen nicht – ich möchte nichts Davon! Wenn ich ihr jemals fröhnen könnte, Wär's gegen Kön'ge, meines Gleichen, nur. Myrrha . Doch Jene wollten dies ja sein. Sardanapal . Ei Myrrha! Dies klingt zu weibisch mir und kommt aus Furcht. Myrrha . Um dich! Sardanapal . Gleichviel! 's ist dennoch Furcht. Ich hab' Bemerkt, daß dein Geschlecht einmal in Zorn Versetzt, in einem solchen Grade feig Rachsüchtig war, daß ich nicht folgen möcht'. Ich glaubte dich auch hiervon frei, wie von Der kind'schen Schwäche asiat'scher Frau'n. Myrrha . Mein Fürst! nicht meiner Liebe rühmt' ich mich Noch meiner andern Eigenschaften je. Ich habe deine Herrlichkeit getheilt Und will auch theilen dein Geschick. Du wirst Vielleicht die Sklavin treuer finden als Millionen Unterthanen, doch verhüten Die Götter das! Ich bin zufried'ner, wenn Geliebt ich bin als Lohn für was ich fühle, Als wenn im Unglück ich's beweisen müßt', Das leicht nicht wich trotz allen meinen Müh'n. Sardanapal . Unglück ist nicht, wo wahre Liebe lebt, Nur noch erhöhen müßt' es sie und fliehn, Weil es sie doch hinweg nicht scheuchen könnt'. Laß uns hinein, die Stunde naht! Wir müssen Noch Anstalt treffen, die gelad'nen Gäste, Die unser Fest beehren, zu empfangen. (Beide ab.) Dritter Act Erster Auftritt. Beleuchteter Saal im Palast. Sardanapal und seine Gäste bei Tische. – Draußen Gewitter. Hie und da hört man während des Banketts donnern. Sardanapal . Die Becher füllt! Heut' ist es, wie ich's liebe. Hier ist mein wahres Reich: bei hellen Augen Und bei Gesichtern, die so froh wie schön! Bis hierher reicht kein Gram. Zamis . Noch irgendhin, Wo unser König ist – da ist auch Lust. Sardanapal . Ist es nicht besser so als Nimrods Jagden? Als meiner wilden Ahne Jagd nach Reichen, Die sie erobern, doch nicht halten konnte? Altada . So mächtig immer sie regiert, wie ja Dein ganzes göttliches Geschlecht, so hat Doch Keiner, der voran dir ging, die Höh' Sardanapals erreicht, der seine Lust Im Frieden fand, dem einzig wahren Ruhm. Sardanapal . Und im Vergnügen, mein Altada, zu Dem Ruhm der Weg nur ist. – Was suchen wir? Ergötzlichkeit! Und auf dem nächsten Weg Gehn wir dahin, statt über Menschenleichen, Wo wir ein Grab bei jedem Tritte öffnen. Zamis . Nein! alle Herzen sind beglückt und preisen Des Friedens König laut, der eine Welt In Lust erhält. Sardanapal . Seid dessen ihr gewiß? Ich hab' schon etwas Anderes gehört. Man sagt, daß es Verräther gibt. Zamis . Der ist Verräther, der dies wagt zu sagen. Nein! Unmöglich ist's! Wo wäre denn ein Grund? Sardanapal . Ein Grund? 'S ist wahr! Füllt eure Becher nur! Wir denken nicht mehr dran; 's gibt keine – oder Wenn es auch gab, so sind sie fort. Altada . Ihr Gäste, Thut mir Bescheid, doch dies Mal auf den Knieen! Trinkt auf das Wohl des Königs, unsers Herrn. Was sag' ich? Nein! des Gotts Sardanapal. (Zamis und die Gäste knien und rufen.) Der Gott Sardanapal, der mächt'ger als Sein Vater Baal! (Es donnert, während sie knieen; Einige fahren erschrocken in die Höhe.) Zamis . Was steht ihr, Freunde, auf? Der mächt'ge Donner zeugt, daß seine Ahnen, Die Götter, mit uns einverstanden sind. Myrrha . Daß sie uns droh'n vielmehr! Mein König, du Erträgst dies gottlos tolle Thun? Sardanapal . Gottlos? Nein! wenn die Könige, die vor mir waren, Jetzt Götter sind, will ihrer Rasse Glanz Ich nicht entweihn. – Doch, Freunde, steht nur auf! Spart eure Ehrfurcht für den Donn'rer dort. Ich will geliebt, nicht angebetet sein. Altada . Ein jeder treue Unterthan soll Beides, Ja Beides immer thun. Sardanapal . Der Donner wächst, 'S ist eine Schreckensnacht. Myrrha . Für Jeden ja, Dem kein Palast sich hebt, wo die Verehrer Er bergen kann. Sardanapal . Sehr wahr, geliebte Myrrha! Könnt' ich mein Reich verwandeln in ein groß Gebäu, wo jedes Elend fände Schutz, Ich thät's. Myrrha . Du bist also kein Gott, da du So gute Absicht nicht ins Werk kannst setzen, Trotzdem du möcht'st? Sardanapal . Und deine Götter also, Sie könnten's wol, thun's aber nicht? Myrrha . Sprich nicht Davon, du forderst sie heraus. Sardanapal . Ja, ja! Sie sind, wenn man sie tadelt, wie die Menschen! – Hört, Freunde, da kommt ein Gedanke mir! Wenn's keine Tempel gäb', glaubt ihr, es gäb' Anbeter in der freien Luft? Das heißt, Wenn's grollt und donnert, wie es heute thut? Myrrha . Der Perser betet auf den Bergen an. Sardanapal . Ja, wenn die Sonne scheint. Myrrha . Ich frage dich: Wenn dachlos dein Palast und öde wär', Wie viele Schmeichler leckten wol den Staub, In dem der König läg'? Altada . Zu spöttisch spricht Die schöne Ionierin von einem Volk, Das sie nicht kennt. Nein, die Assyrer kennen Nur ihres Königs Glück: ihm dienen ist Ihr größter Stolz. Sardanapal . Verzeiht, ihr Gäste, doch Der schönen Griechin Redefertigkeit. Altada . Verzeihen, Herr? Wir ehren sie nächst dir Am höchsten ja. – Horch! – Was war das? Zamis . Ei nur Der Schall von Thüren, die der Wind geworfen. Altada . Es that wie das Geklirr von – Horch! – schon wieder! Zamis . Der Regen ist's, der auf die Dächer fällt. Sardanapal . Genug davon! – Myrrha! Mein Lieb'! Hast du Dein Lautenspiel bereit? Sing' uns ein Lied, Von Sappho ein's, weißt du, die sich ins Meer – Pania tritt mit blutigem Schwert und Gewand, in höchster Aufregung herein. Die Gäste fahren erschrocken empor. Pania (zu den Wachen). Besetzt die Thore! Rasch! eilt was ihr könnt Zum äußern Wall! – Auf! zu den Waffen, auf! Der König ist bedroht! – Mein Fürst! verzeih' Die Hast! Die Treue trieb mich nur – Sardanapal . Fahr fort! Pania . Es ist, wie Salimenes fürchtete: Verrath von den Satrapen! Sardanapal . Halt! du bist Verwundet. Gebt ihm Wein! – Komm erst zu Athem, Mein guter Pania! Pania . 'S ist nichts! Die Wunde Ist nur im Fleisch. Ich bin mehr abgehetzt Weil meinen Herrn zu warnen, ich so sehr Geeilt, – als durch den Kampf verletzt. Myrrha . Nun? – und? Wie ist's mit den Rebellen? Sprich! Pania . Kaum hatt' Arbaces und Belesis ihr Quartier Erreicht, so weigerten sie jeden Marsch. Als ich versuchte, die Gewalt zu brauchen, Die mir verliehen war, da wandten sie An ihre Truppen sich, die nun in Trotz Sich gegen mich erhoben. Myrrha . Alle? Pania . Nur Zuviel! Sardanapal . Halt' nichts zurück, um meinem Ohr Die Wahrheit zu ersparen. Pania . Meine Wache, Zwar klein, blieb doch getreu, und was davon Noch übrig blieb, ist's noch. Myrrha . Und sind dies alle Getreuen Kräfte, die uns bleiben? Pania . Nein! Die Baktrier, die Salimenes führt, Der eben auf dem Wege zu mir war, Weil ihn Verdacht auf jene Meder trieb, Sind stark an Zahl und machen kräftig gegen Die Aufgestand'nen Front, vertheid'gen Zoll Um Zoll, und haben einen Kreis um den Palast formirt, wo alle ihre Kraft Sie concentriren, und dich retten wollen. (Er zögert). – Ich bin beauftragt, dich – Myrrha . Es ist jetzt nicht Die Zeit zur Zögerung. Pania . Prinz Salimenes Ersucht den König dringend, sich zu waffnen, Sei's einen Augenblick auch nur, und bei Den Truppen sich zu zeigen. Dein Erscheinen In dieser Stunde müßte mächt'ger wirken, Als Heere für dich könnten thun. Sardanapal . Heda! Mein Rüstzeug her! Myrrha . Du willst –? Sardanapal . Warum denn nicht? Macht fort! Doch sucht nicht nach dem Schild, der ist Zu schwer! Ein leichter Panzer und mein Schwert! Wo stehn die Schufte? Pania . Einen Bogenschuß Kaum von dem äußern Wall ras't jetzt der Kampf Am heftigsten. Sardanapal . So kann zu Pferd ich fechten. He Sfero! Hol' mein Roß! Wir haben Platz In unsern Höfen und am Außenthor, Um halb Arabiens Reiter drauf zu tummeln. (Sfero ab.) Myrrha . Wie lieb' ich dich! Sardanapal . Nie zweifelt' ich daran. Myrrha . Doch jetzt erst kenn' ich dich. Sardanapal (zu seinem Diener). Bring' auch den Speer! Wo ist denn Salimenes nur? Pania . Wo ein Soldat sein muß: im dicksten Kampf. Sardanapal . Dann eil' Zu ihm. – Ist noch die Straße frei? Besteht Verbindung zwischen Phalanx und Palast? Pania . Sie war noch, als ich ihn verließ. Auch fürcht' Ich nichts, denn unsre Leute stehen fest; Die Phalanx ist formirt. Sardanapal . Sag' ihm, er soll Noch schonen seine eigene Person. Ich werde meine jetzt nicht schonen. Sag', Ich komme gleich. Pania . In diesen Worten schon Liegt Sieg. (Pania ab.) Sardanapal . Altada! Zamis! waffnet euch! Im Waffensaal trefft alles Nöth'ge ihr. Seid auch besorgt, daß man die Frau'n in den Entfernteren Gemächern unterbringt Und eine Wache stellt bei ihnen auf, Mit dem Befehl, daß ihren Posten sie Nur mit dem Leben lassen solle. Zamis! Befehl'ge sie! – Altada, waffne dich Und komm dann wieder her; dein Posten ist Bei mir. (Alle außer Myrrha ab.) Sfero und andere mit des Königs Waffen. Sfero . Dein Rüstzeug, König! Sardanapal . Gib! – Den Harnisch! – So! – Meinen Schild! – Und jetzt mein Schwert! Ich hab' Den Helm vergessen. Nun, wo ist er? – Gut! Doch nein! der ist zu schwer. Ihr irrtet Euch. Den meinte ich auch nicht. Ich will den andern, Den mit dem Diadem. Sfero . Zu sichtbar schien Der mir, o Herr, der reichen Steine halb, Um Eure heil'ge Stirn' damit zu schützen; Und glaubt mir, der ist besser im Metall, Wenn auch nicht ganz so reich. Sardanapal . Das schien dir so? Bist zum Rebellen du geworden? Mensch! Nur zu gehorchen hast du! Geh' zurück! Doch nein! es ist zu spät, und ohne Helm Will ich jetzt gehn. Sfero . Nehmt den hier wenigstens. Sardanapal . Den Kaukasus? Nein, nein! Wie ein Gebirg' Säß der mir auf dem Kopf. Sfero . Mein König! so Geht der gemeinste Krieger nicht in das Gefecht. Es wird Euch Jedermann erkennen; Denn das Gewitter ist vorbei, der Mond Scheint hell. Sardanapal . Ich gehe, daß man mich erkennt, So wird man's um so eher thun. Nun, noch Den Speer! – Ich bin bewehrt. (Beim Gehen hält er schnell und wendet sich gegen Sfero.) He Sfero! ich Vergaß! Bring' doch den Spiegel! Sfero . Herr, den Spiegel? Sardanapal . Den von polirtem Kupfer, ja! der aus Der ind'schen Beute stammt. – Doch spute dich! (Sfero ab.) Myrrha, zieh' dich nach einem sichern Ort Zurück. Was gingst du mit den andern nicht? Myrrha . Weil hier mein Platz. Sardanapal . Doch wenn ich geh'? Myrrha . Ich folge! Sardanapal . Auch in die Schlacht? Myrrha . Und wär' es so, wär' ich Die erste Griechin nicht, die diesen Pfad Betrat. – Ich will hier warten, bis zurück Du kehrst. Sardanapal . Die Halle hier ist kein Versteck. Hier wird zuerst man suchen, wenn's der Feind Gewinnt. Und wenn ich dann nicht wiederkehr' – Myrrha . So treffen wir uns doch. Sardanapal . Wo das? Myrrha . Dort, wo Wir Alle einst uns treffen, tief im Hades, Wenn, wie ich glaube, über'n Styx hinaus Ein Land noch liegt. Und so das nicht, im Staub! Sardanapal . Das willst du wagen? Myrrha . Alles wage ich, Nur überleben nicht, was ich geliebt, Nur Beute der Empörer werden nicht! Zieh' hin und kämpf', so brav du immer kannst. Sfero kommt mit dem Spiegel zurück. Sardanapal (betrachtet sich). Der Panzer steht mir gut, noch mehr die Kuppel, Doch gar nicht dieser Helm. (Wirft den Helm weg, nachdem er ihn noch einmal probirt hat.) Mir scheint, ich seh' Vortrefflich aus in diesem Putz. Nun will Ich prüfen all das Zeug. – Altada! he! Wo ist Altada? Sfero . Draußen wartet er, Er hält Euch Euern Schild bereit, mein König. Sardanapal . Ah ich vergaß! er ist mein Schildknapp' ja Kraft eines Rechts, das sich auf ihn vererbt. – Umarme, Myrrha, mich! noch einmal! – noch Einmal und lieb' mich, was auch kommen mag. Mein höchster Ruhm soll sein, mich deiner Lieb' Stets würdiger zu machen. Myrrha . Geh' und sieg'! (Sardanapal mit Sfero ab.) Ich bin allein, sie Alle sind hinaus; Wie Wen'ge kehren von den Allen wol Zurück! Wenn er nur siegt, mag ich zu Grund' Auch gehn! Wenn er nicht siegt, dann jedenfalls Geh' ich zu Grund. Ich überleb' ihn nicht. Er hat sich um mein Herz gerankt, ich weiß Nicht wie? warum? Nicht weil er König ist, Denn jetzt schwankt unter seinem Thron sein Reich, Die Erde gähnt, um ihm nicht mehr zu lassen Als Grabesraum, doch lieb' ich ihn nur mehr. Vergib die ungeheuerliche Lieb', O mächt'ger Zeus! die ein Barbar mir ein- Geflößt, der vom Olymp nichts weiß. Ich lieb' Ihn doch! Jetzt noch weit mehr als – horch! das Kriegs- Geschrei! Mich dünkt, es nähert sich. Wenn das Sollt' sein – (zieht ein Fläschchen hervor) so mög' dies feine Colch'sche Gift, Das zu bereiten einst mein Vater am Euxin gelernt, und das er mich zu braun Gelehrt, mich rasch befrein. Es hätte mich Schon längst befreit, wenn ich geliebt nicht hätte Und drob vergessen, daß ich Sklavin bin. Wo Alle Sklaven sind, nur Einer nicht, Und Alle stolz auf ihre Sklaverei, – Sind sie von Einem nur bedient, der noch Auf tiefrer Stufe steht der Dienstbarkeit – Vergißt man leicht, daß Schellen, die als Schmuck Wir angelegt, nicht wen'ger Fesseln sind. – Schon wieder das Geschrei und das Geklirr Von Waffen – jetzt – und jetzt – Altada tritt auf. Altada . He Sfero! he! Myrrha . Er ist nicht hier. Was wolltest du von ihm? Wie geht der Kampf? Altada . Sehr heftig, zweifelhaft. Myrrha . Was macht der König? Altada . Er kämpft königlich. Ich muß zu Sfero, um 'nen neuen Speer Und einen Helm zu holen. Bisher focht' Mit bloßem Haupt er und zu ausgesetzt. Die Leute sehen sein Gesicht, doch auch Der Feind; und in des Mondes klarem Licht Macht ihn das seidne Band, sein Lockenhaar Zu allzu königlichem Ziel. Und nach Dem schönen Kopf und Haar, und nach dem Band, Das beide krönt, zielt jeder Feindespfeil. Myrrha . Ihr Götter! die ob meinem Vaterland Ihr blitzt und donnert, schützet ihn! – Hat Euch Der König selbst gesandt? Altada . Nein, Salimenes. Er schickte insgeheim und ohne daß Der sorglose Monarch was weiß, mich mit Dem Auftrag her. Der König kämpft so, wie Er zecht! – He Sfero! he! – Im Rüstsaal such' Ich ihn, dort muß er sein. (Altada ab.) Myrrha . 'S ist keine Schande! 'S ist keine Schande mehr, daß ich den Mann Geliebt. Ich wünsche jetzt beinah', was nie Ich noch gewünscht: daß er ein Grieche wäre. Wenn der Alcid sich dadurch schändete, Daß er das Kleid zog an der Omphale Und ihren Rocken trieb; verdient gewiß, Wer plötzlich so zum Herkules sich wandelt, Wenn er von Jugend auf in Weiberkunst Genährt, vom Gastmahl weg tief in die Schlacht Sich stürzt, daß ihn ein griechisch Mädchen liebt, Daß einst ein griech'scher Sänger ihn besingt, Ein griechisch Denkmal seinem Grabe wird. – Wie steht der Kampf, mein Freund? Ein Officier tritt ein. Officier . Verzweifelt steht's, Fast hoffnungslos verloren! – Zamis! Zamis! Wo ist er denn? Myrrha . Er commandirt die Wache, Die vor dem Frau'ngemache schützend steht. (Officier ab.) Er sagt mir nichts, als Alles sei verloren, Und eilt hinweg. Was brauch' ich mehr zu wissen? In diesen Worten, diesen wenig Worten Vergeht ein König und ein Königreich, Ein Haus, das dreizehnhundert Jahre blühte, Von Tausenden das Leben, und das Glück Von Allen, die der Tod verschont. Auch ich Werd' dann mit Ihm – der leichten Blase gleich, Die mit der Welle, die sie trug, verrinnt – Zu nichts! Zum wenigsten ist mein Geschick In meiner Hand. Kein stolzer Sieger soll Bei seinem Beutetheil mich schaun. Pania tritt auf. Pania . Komm mit. Und zög're nicht! Ein Augenblick nur bleibt, Verlieren wir ihn nicht. Myrrha . Der König ist –? Pania . Er schickte mich hierher, dich fortzubringen Durch den geheimen Gang ans andre Ufer. Myrrha . So lebt er denn? Pania . Und trug mir auf dein Leben Zu sichern ihm. Er bittet, daß du lebst, Lebst seinethalb, bis dir er sich vereint. Myrrha . So will er fliehn? Pania . Noch lange nicht! Er thut, Was nur Verzweiflung kann, und Schritt vor Schritt Vertheidigt jetzt er den Palast. Myrrha . So sind Sie hier? – Ja, ja, ihr Kriegsgeschrei durchtobt Die alten Hallen, die Rebellenruf Noch nie bis diese Schreckensnacht entweiht. Leb' wohl, Assyriens Geschlecht! Lebt wohl, Ihr Nimrodssöhne all! Der Name selbst Ist schon nicht mehr! Pania . Komm mit mir fort! komm fort! Myrrha . Nein! sterben will ich hier! Geh' hin und sag' Sardanapal, daß bis zum Tod ich ihn Geliebt. Sardanapal und Salimenes mit Soldaten treten auf. Pania verläßt Myrrha und gesellt sich zu jenen. Sardanapal . Da's so weit ist, so wollen wir Da, wo wir einst geboren, nun auch sterben, Im eig'nen Haus! Schließt eure Reihn! steht fest! Ich habe einen zuverläss'gen Hauptmann Zu Zamis' Schaar geschickt, die frisch noch ist Und treu. Gleich werden hier sie sein. Noch ist Nicht Alles aus. Sorg', Pania, nur für Myrrha. (Pania tritt wieder zu Myrrha.) Salimenes . Wir können hier noch Athem schöpfen, Freunde! Dann noch einmal, drauf für Assyrien! Sardanapal . Nein! sag' für Baktrien! Ich will hinfort Euch König sein, ihr treuen Baktrier. Zusammen halten wollen wir dies Reich, Und wär's nur noch Provinz. Salimenes . Sie kommen, horch! Sie rücken an! Belesis und Arbaces mit Rebellen treten auf. Arbaces . Greift an! Wir haben sie Im Garn. Greift an! Belesis . Drauf! Drauf! Der Himmel ficht Für uns und mit uns, drauf! (Sie greifen den König und Salimenes an, die sich abwehrend verhalten, bis Zamis mit der oben erwähnten Schaar anlangt. Die Rebellen werden hierauf zurückgeworfen und von Salimenes verfolgt. Wie auch der König sie verfolgen will, tritt ihm Belesis entgegen.) Belesis . Hollah, Tyrann! Ich ende jetzt den Krieg. Sardanapal . So thu' auch ich, Mein kriegerischer Pfaff und Erzprophet, Mein dankbarer und treuer Unterthan! Ergib dich mir, ich bitt' Ich möchte dich Für ein geeigneter Gericht bewahren Und meine Hand in heilig Blut nicht tauchen. Belesis . Ha! deine Stunde ist gekommen! Sardanapal . Nein! Die deine ist's. Ich las noch jüngst, obschon Erst junger Astrologe, in den Sternen, Und als ich an den Thierkreis kam, fand ich Dein Schicksal im Scorpion, und das bedeutet, Daß du zertreten wirst. Belesis . Doch nicht durch dich! (Sie fechten. Belesis wird verwundet und entwaffnet.) Sardanapal (erhebt das Schwert, um ihn nieder zu stoßen). Ruf deine Sterne an, herabzuschießen, Um ihren Seher, ihren Ruf zu retten! (Eine Abtheilung Rebellen stürmt herein und befreit Belesis. Sie greift den König an, der seinerseits durch eine Abtheilung Soldaten gerettet wird, welche die Rebellen vertreiben.) Der Schuft war also doch wol ein Prophet. Auf sie, ihr Leute! unser ist der Sieg! (Sie verfolgen jene.) Myrrha (zu Pania). Verfolge sie! Was stehst du hier und läßt Der Kameraden Reihen ohne dich Zum Siege gehn? Pania . Der König gab mir den Befehl, dich nicht mehr zu verlassen. Myrrha . Mich? Denk' nicht an mich, mein Freund! Jetzt darf der Arm Von keinem einz'gen Streiter fehlen. Geh'! Ich will, ich brauche keine Wache. – Wie? Wo eine Welt steht auf dem Spiel, läßt man Ein Weib bewachen? Fort, sag' ich! wenn du Noch Ehre hast im Leib; – Du weigerst dich? Nun so geh' ich, ein schwaches Weib, und stürz' Mich mitten in den wilden Kampf, und heiß' Dich mich bewachen dort, wo deinen Herrn Du schützen solltst. (Myrrha ab.) Pania . Bleibt, Jungfrau!– Sie ist fort. Wenn Etwas ihr passiren sollt', möcht' lieber Mein eigen Leben ich verlieren, denn Sardanapal hält sie weit höher als Sein Reich; doch ficht er jetzt für dieses auch. Und kann ich wen'ger thun als er, der nie Bis jetzt ein Schwert noch schwang? – O Myrrha! kehr' Zurück und ich gehorche dir, muß auch Dem König so ich ungehorsam sein. (Pania ab.) Altada und Sfero treten durch die entgegengesetzte Thüre ein. Altada . He, Myrrha! – Nicht mehr da? – Doch war sie hier, Als hoch die Schlacht noch ging; auch Pania. Sollt' ihnen was begegnet sein? Sfero . Ich sah Sie beide ganz, als die Rebellen flohn. Sie haben sich nun wol zurückgezogen Und sind dem Harem zu. Altada . Wenn der Monarch Heut' Sieger bleibt, wie es den Anschein hat, Und seine Ionierin vermißt, so geht's Uns schlimmer als gefangenen Rebellen. Sfero . So suchen wir sie auf; sie können weit Nicht sein. Wenn wir sie finden, bildet sie 'Nen reichern Preis für unsern süßen Herrn Als sein zurückerobert Königreich. Altada . Baal selbst focht wilder nie, um sich ein Reich Zu gründen, als sein zarter Enkel es Zu retten that. Zu Schanden macht' er so Die Prophezeiungen von Freund und Feind; Und wie ein dumpfer, schwüler Sommertag Ein abendlich Gewitter bringt, so bricht Er jetzt mit einem Donner drein, der scharf Die Luft durchfegt, die Erde überschwemmt. Der Mann ist unberechenbar. Sfero . Nicht mehr Als Andre sind, denn der Verhältnisse Geschöpf sind Alle doch. – Komm fort! laß uns Die Sklavin suchen, oder uns gefaßt Drauf machen, daß für seine Narrheit man Uns foltert, und ob schuldlos auch, verdammt. (Beide ab.) Salimenes und Soldaten treten auf. Salimenes . Der Sieg schwankt hin und her. Von dem Palast Ist abgewehrt der Feind; und mit den Truppen, Die auf des Euphrats andrem Ufer stehn, Verbindung hergestellt. Und hoffentlich Sind Die noch treu. Sie müssen es wol sein, Wenn sie vernehmen, daß wir hier gesiegt. – Wo aber bleibt denn unser Siegesheld? Wo ist der König? Sardanapal mit seinen Leuten und Myrrha treten auf. Sardanapal . Hier, mein Bruder! Salimenes . Ah! Und unverwundet doch? Sardanapal . Nicht ganz. Doch laß Das sein. Wir haben den Palast gesäubert. Salimenes . Ich hoffe, auch die Stadt. Es wächst das Heer. Ich hab' 'ne Schaar von Parthern vorgeschickt, Die bisher klug zurückbehalten, jetzt Noch frisch und feurig sind. Sie sollen auf, Die Weichenden sich stürzen und in Flucht Den Rückzug wandeln. Sardanapal . Das ist schon geschehn. Sie liefen schneller wenigstens, als ich Mit meinen Baktriern nur folgen konnt', Trotzdem wir keine Müh' gespart. – Ich bin Erschöpft. Gebt mir 'nen Stuhl! Salimenes . Hier steht der Thron. Sardanapal . Das ist kein Platz zum Ruhn, nicht für den Leib, Nicht für den Geist! Gebt mir mein Ruhebett, Nen Bauernstuhl, gleichviel was es auch ist! (Sie stellen ihm einen Sitz hin.) So! freier athm' ich jetzt. Salimenes . Der heut'ge Tag Ist deines, Lebens hellster, rühmlichster. Sardanapal . Und auch der lästigste. – Wo ist mein Mundschenk? Bringt etwas Wasser mir. Salimenes (lächelnd). Das erste Mal, Daß solche Weisung er erhielt. Selbst ich, Der strengste Eurer Räthe, spräche heut' Für rötheres Getränk. Sardanapal . Für Blut – nicht wahr? Doch davon haben wir genug vergossen. Und was den Wein betrifft, so habe ich Den Werth des reinen Elements heut' Nacht Erkannt: Drei Mal trank ich davon, und drei Mal gab es größre Stärke mir, als je Die Traube that, zum Angriff auf den Feind. – Wo ist der Mann, der Wasser mir im Helm Gebracht? Ein Soldat . Er fiel, mein König. Als er grad' Die letzten Tropfen aus dem Helm geschüttelt Und auf das Haupt ihn wieder setzen wollt', Fuhr durch die Stirne ihm ein Pfeil. Sardanapal . So fiel Er unbelohnt! fiel, weil er meinem Durst Gedient, der arme Sklave! das ist hart! Blieb er am Leben, hätt' mit Gold ich ihn Gestopft. Doch alles Gold der Welt hätt' doch Die Wonne dieses Trunks ihm nicht bezahlt, Denn ich war ausgedörrt wie jetzt. (Man bringt Wasser; er trinkt.) Jetzt leb' Ich wieder! Künftig will den Wein ich für Der Liebe Stunden vorbehalten, doch Mit Wasser führen meinen Krieg. Salimenes . Und was, Mein König, soll die Binde hier am Arm? Sardanapal . Ein Ritz vom tapferen Belesis. Myrrha . Ach! Verwundet ist mein Fürst? Sardanapal . Nicht eben sehr, Doch fühlt es steifer sich und schmerzlicher, Seitdem ich kühler bin. Myrrha . Ihr bandet's mit –? Sardanapal . Der Binde meines Diadems. Es ist Das erste Mal, daß dieser Schmuck mir mehr Als eine Last nur war. Myrrha (zu den Dienern). Holt eilends den Geschicktsten Arzt! – Ich bitt', zieht Euch zurück, Ich will Euch neu verbinden, Eurer pflegen. Sardanapal . Thu das! schon hämmert es gehörig hier. Verstehst du denn von Wunden was? Jedoch Was frage ich! Weißt du, mein Bruder, wo Ich dieses Liebchen traf? Salimenes . Bei andern Mädchen wol, Die wie Gazellen ängstlich sich geflüchtet. Sardanapal . Nein, wie die Mutter eines jungen Löwen Im Grimm des Weibs – und Grimm des Weibs heißt Wuth, Denn aller Leidenschaften Uebermaß Ist weiblich ja – mit ihrem Jungen auf Den Jäger stürmt, trieb mit Geberd' und Wort, Mit Flammenblick und aufgelöstem Haar, Sie die Soldaten' zur Verfolgung an. Salimenes . Ist's wahr? Sardanapal . Ja, diese Nacht hat nicht nur mich Zum Mann der Schlacht gemacht. Ich mußte stehn, Sie anzuschaun: Und die erhitzten Wangen; Das schwarze Aug', das durch ihr langes Haar, Das drüber floß, geblitzt; die blauen Adern, Die sichtbar schwollen auf der feinen Schläfe; Die Nase, die aus ihrem Ebenmaß Sich hob; die offnen Lippen und die Stimme, Die all, den Lärm durchdrang – wie eine Laute Den Schall der Cymbeln scharf und schrill durchdringt, Von dem Gerassel zwar umwogt, doch nicht Erstickt; die Arme fliegend, blendender In ihrer angebornen Weiße als Der Stahl, den in der Hand sie trug und den Sie einem Todten nahm – dies Alles machte, Daß sie den Truppen als des Siegs Prophetin, Als die Victoria selbst erschien, die zu Uns kam, uns als die Ihrigen zu grüßen. Salimenes (bei Seite). Das ist zu viel! Sein Liebesanfall kehrt Zurück und Alles geht zu. Grund, wenn wir Nicht die Gedanken ihm nach Andrem lenken. – (Laut.) Ich bitte, Herr, gedenket Eurer Wunde. Ihr sagtet eben erst, sie schmerze Euch. Sardanapal . So ist es auch, doch darf ich nicht dran denken. Salimenes . Ich habe alles Nöth'ge vorgekehrt Und will zunächst die Meldungen jetzt hören. Ob die Befehle, die ich gab, befolgt; Dann kehre ich zurück, um zu vernehmen, Was Ihr beschließt. Sardanapal . So sei's! Salimenes (im Gehen). Hört, Myrrha! Myrrha . Prinz? Salimenes . Ihr zeigtet eine Seele heute Nacht, Die, wäre er nicht? meiner Schwester Mann – Doch hab' ich keine Zeit. Du liebst den König? Myrrha . Ich lieb' Sardanapal. Salimenes . Doch möchtest du, Daß er noch König blieb'? Myrrha . Ich möchte ihn Als wen'ger nicht, denn was er sollte sein. Salimenes . Nun gut! Damit er König bleib' und dein Und Alles was er sollte oder nicht, Damit er lebe – laß in Ueppigkeit Nicht wieder sinken ihn. Du hast mehr Macht Auf seinen Geist als all die Weisheit hier In dem Palast, und als die Rebellion, Die draußen tobt. Sieh' zu, daß er zurück Nicht sink'. Myrrha . Es brauchte Salimenes nicht, Hiezu mich anzutreiben. Glaubt, an mir Fehlt's sicher nicht. Was Weibes schwache Kraft Vermag – Salimenes . Ist Allmacht über solch ein Herz. Gebrauch' sie weise. (Salimenes ab.) Sardanapal . Myrrha! – Wie? Was flüsterst Mit meinem ernsten Bruder du? Ich werd' Bald eifersüchtig werden. Myrrha (lächelt). Ihr habt Grund, Denn keinen Mann gibt's auf der Welt, der mehr Der Liebe eines Weibes würdig wäre, Des Heers Vertrauen und der Huldigung Des Unterthans, des Königs Achtung, der Bewund'rung aller Welt. Sardanapal . Berühm' ihn nur, Doch nicht so warm. Ich will nicht hören, wie Die süßen Lippen eifrig Einen preisen, Der mich in Schatten stellt. Doch sprichst du wahr. Myrrha . Laß uns nun gehn, daß nach der Wund' ich sehe, Stützt Euch auf mich. Sardanapal . Ja, Lieb', doch nicht aus Schmerz. ( Alle ab.) Vierter Act. Erster Auftritt. Sardanapal schläft ohne Decke auf einem Ruhebett. Sein Schlaf ist unruhig. Myrrha wacht bei ihm. Myrrha . Ich schlich zu seiner Ruhe her, wenn Ruhe, Was so im Schlaf sich wälzt. – Soll ich ihn wecken? Nein! ruh'ger scheint er jetzt. – O Gott der Ruhe, Der du ob zugeschloss'nen Wimpern herrschest Ob sanften Träumen oder tiefem Schlaf, Tief bis zur Unergründlichkeit, – sei wie Dein Bruder Tod so still, so regungslos, Denn dann sind wir am glücklichsten; wie wir Vielleicht am glücklichsten auch sind im Reich Des ernsten, stillen, unweckbaren Bruders. – Von Neuem regt er sich, von Neuem fährt Das Spiel der Schmerzen über seine Züge, – So wie ein Windstoß oft den See bewegt, Der ruhig in der Berge Schatten liegt; Wie Sturm des Herbstes Blatt zerzaust, das schwach Und regungslos an den geliebten Zweig Sich schmiegt. Ich sollte ihn erwecken, doch Noch nicht! Wer weiß, aus was ich ihn erwecke? Es scheint aus Schmerz; doch wenn zu schlimm'rem Schmerz Ich ihn berief? – Das Fieber dieser Nacht, Der stürmischen, der Schmerz um seine Wunde Mag Schuld dran sein, daß mich's, die's ansieht, mehr Als ihn, der's leiden muß, erschüttert. – Nein! Natur mög' ihre eignen Mittel brauchen; Ich wach' zu helfen ihr, nicht sie zu stören. Sardanapal ( erwacht ). Nein, nein! und mehrtet ihr die Sterne dort Und gäbt sie mir zum Königreich, das ich Mit euch dann theilt'! Ich möcht' um solchen Preis Selbst nicht das Reich der Ewigkeit erkaufen. Hinweg, hinweg, du alter Bestienjäger, Und ihr, die eure Mitgeschöpfe ihr Wie Bestien gehetzt, ihr blutig einst Als Menschen und noch blut'ger jetzt als Götter, Falls nicht der Priester lügt! Du Geister-Ahne, Von dunklem Blute triefend, tretend auf Den Leichen Indiens, hinweg, hinweg! – – Wo bin ich? Wo sind die Gespenster? Wo? – Nein! es war kein Phantom! Ich würd's erkennen Aus Allem 'raus, was aus der schwarzen Kluft Die Todten schaurig wehn empor zum Schreck Der Lebenden. – He, Myrrha! Myrrha . Ach, wie blaß Du bist! Wie Nachtthau hängen auf der Stirn Die Tropfen dir. Geliebtes Herz! sei still, Gib Ruh'! Du redest wie aus andrer Welt Und bist von dieser Herr. Sei gutes Muths! Und Alles geht noch gut. Sardanapal . Gib deine Hand! So! – Das ist deine Hand! – ist Fleisch! Drück' zu, Drück' fester noch, damit ich wieder ganz Mich fühl'! Myrrha . Erkenn' mich wenigstens für das, Was ich jetzt bin und ewig werde sein – Für dein. Sardanapal . Ja jetzt erkenn' ich's und erkenn' Das Leben wieder, Myrrha – ach ich war, Wo wir einst werden sein. Myrrha . O Herr! Sardanapal . Im Grab, Wo Würmer sind die Herrn und Könige – Doch's kam mir nicht so schrecklich vor: ich dacht', 'S sei Nichts. Myrrha . Das ist es auch! Furchtsame nur Erdenken sich, was niemals wol tritt ein. Sardanapal . O Myrrha, wenn der Schlaf schon Solches zeigt, Was mag enthüllen erst der Tod? Myrrha . Ich weiß Kein Uebel, das der Tod uns zeigen könnte, Was nicht das Leben denen schon gezeigt, Die lange drin verweilt. Wenn je ein Land Es gibt, wo noch die Seele lebt, so wird's Wie Seelen körperlos wol sein. Wenn aber Ein Schatten dort von diesem läst'gen Thon, Der unsre Seelen scheidet von dem Himmel Und an die Erd' uns fesselt, schwebt, so wird Doch dies Phantom, was ihm auch drohen mag, Den Tod nicht fürchten mehr. Sardanapal . Ich fürcht' ihn nicht; Doch fühlte – sah ich 'ne Legion von Todten. Myrrha . Das that auch ich: der Staub, auf dem wir treten, War einst lebendig und war elend auch. – Doch fahre fort! Was hast du dort gesehen? Es wird dein trüb Gemüth erleichtern, sprich Dich aus. Sardanapal . Mir war – Myrrha . Doch halt! du bist ermüdet, Hast Schmerzen, bist erschöpft. Das muß die Kraft, Den Geist dir schädigen. Such' lieber neu Den Schlaf. Sardanapal . Jetzt nicht! Ich möcht' nicht wieder träumen, Obgleich ich jetzt als Traum erkennen muß, Was ich geträumt. – Kannst du's zu hören tragen? Myrrha . Ich trage Alles, Lebens-, Todes-Träume, Die ich mit dir in Schein, in Wahrheit theil'. Sardanapal . Der Traum sah wahrhaft aus, das sag' ich dir Als er vorbei, stand dieses Auge offen. Ich sah die Wesen fliehn – denn sie entflohn. Myrrha . So sprich! Sardanapal . Ich sah, das heißt, mir träumt', ich sah Hier – eben hier, wo wir jetzt sind, wie sonst Der Gäste viel und mich als Wirth, der doch Als Gast sich angesehn, und gern gewillt, Den Andern im geselligen Verkehr Ganz gleich zu sein; doch rechts und links von mir Statt dir und Zamis und den sonst'gen Gästen Saß, und zwar links, ein stolzer, finstrer Mann Mit Todtenantlitz, das ich nicht erkannte, Doch hatt' ich's schon gesehn, ich wußte nur Nicht wo: es waren Riesenzüge fast; Sein Aug' stand still, doch blitzte es; sein Haar Fiel auf die breite Brust in langen Locken; Ein mächt'ger Köcher hing ihm um mit Pfeilen, Beschwingt von Adlerfittichen, die borstig Sich durch das Schlangenhaar gedrängt. Ich lud ihn ein, den Becher sich zu füllen, Der zwischen uns, er aber rührt' sich nicht. Ich füllte ihn; er nahm ihn nicht, und starrt' Mich an, bis ich vor seinem stieren Blick Erzitterte. Ich runzelte die Stirn', Wie es ein König thut; er gab es nicht Zurück, sah mich nur immer gleich starr an, Was um so mehr mich schreckte, weil so gleich Es blieb. Ich wollte, um mich zu erholen, Auf sanft're Gäste schaun und suchte diese Rechts, wo sonst du zu sitzen pflegst, allein – – (Er hält inne.) Myrrha . Nun denn? Sardanapal . In deinem Stuhl, an deinem Platz Beim Mahl sucht' ich dein holdes Bild; dafür Jedoch saß dort ein graues, welkes Ding Mit blut'gem Aug' und blut'ger Hand – ein Geist, Ja ein Gespenst in Frauentracht, gekrönt, Zwar von der Zeit gefurcht, doch grinsend noch Von Rachegier und schielend wie von Lust. Mein Blut gerann. Myrrha . Und ist dies Alles? Sardanapal . Nein. Zu ihrer rechten Hand, der hageren Und vogelart'gen Hand, stand überschäumend Ein Becher Bluts und ihr zur Linken einer Gefüllt mit Etwas, was ich nicht konnt' sehn. Doch wandt' ich ab von ihr mich und von ihm. Und weiter saß entlang der langen Tafel Noch eine Reih' gekrönter Schreckensbilder Verschied'nen Anblicks, doch im Ausdruck gleich. Myrrha . Und hattest du nicht das Gefühl, daß Alles Ein Traumbild sei? Sardanapal . O nein! es war so greifbar, Berühren konnt' ich sie! Ich wendete Mich von Gesicht nun zu Gesicht; ich hoffte, Ich fände eines, das ich schon gekannt, Eh' ich die ihren sah. Doch nein! – Sie wandten Sich Alle zwar zu mir und starrten her, Doch Keiner aß und trank; sie starrten fort, Bis ich zu Stein ward, was auch sie halb schienen, Doch Stein, der athmete; ich fühlte Leben In ihnen und in mir; und es bestand 'Ne Art entsetzlicher Gemeinsamkeit Bei mir und ihnen, als ob sie ein Stück Vom Tod verloren, um zu mir zu kommen, Und ich vom Leben, um sie hier zu schaun. In einem Zustand waren wir, der ganz Von Himmel oder Erde schien getrennt. Und lieber will den rechten Tod ich sehn Als solch ein Ding. Myrrha . Und dann? Sardanapal . Am Ende saß Ich marmorn da wie sie. Da stand der Jäger, Und stand die Alte auf: sie lächelten Mich an; ja das vergrößerte, doch edle Gesicht des Jägers lächelte mich an; Das heißt, die Lippen, denn das Aug' blieb starr Und auch des Weibes dünner Mund verzog Zu Etwas wie zu einem Lächeln sich. Sie standen auf, und die gekrönten Häupter Auf jeder Seite standen gleichfalls auf, Als ahmten sie die höhern Schatten nach, Schauspieler selbst im Tod! Doch ich saß still. Der Muth, den die Verzweiflung gibt, fuhr mir Durch jedes Glied; und endlich fürchtete Ich jene nicht mehr, sondern lachte den Phantomen ins Gesicht. Doch da – da bot Der Jäger seine Hand mir hin; ich griff Darnach, doch sie zerschmolz in meiner Hand. Dann schwand auch er, und nichts blieb mir von ihm Als eines Helden Bild, denn also sah Er aus. Myrrha . Und war es auch. Der Ahnherr war's Von Helden – und von dir. Sardanapal . Ja, Myrrha! Doch Das Weib, das erst noch blieb, sprang auf mich zu Und sengte meinen Mund mit ekeln Küssen. Da flogen rechts und links die Becher hin, Mir war als flöß ihr gift'ger Trank um uns, Bis jeder schwoll zu einem Schreckensbach. Sie hing an mir; die andern Geister standen Wie eine Reih' Statuen, stumpf und trüb Wie sie in unsern Tempeln stehn; doch sie Umarmte mich noch stets. Ich aber scheut' Vor ihr, als ob ich nicht ein ferner Sprosse, Vielmehr der Sohn wär', der um Blutschand' sie Erschlug. Dann drängte dicht, gestaltlos sich Ein Chaos wüster Dinge auf mich her. Todt war ich, doch ich fühlte; war begraben, Doch wieder auferweckt; von Würmern dann Verzehrt, gereinigt durch des Feuers Glut Und in der Luft gedörrt. Ich kann von dem, Was ich gedacht, nichts weiter halten fest, Als daß ich mich nach dir gesehnt, nach dir Gesucht in diesen Todeskämpfen all, Daß endlich ich erwachte und – dich fand. Myrrha . So sollst du immer finden mich bei dir, Hier und im Jenseits auch, wenn's eines gibt. Doch denk' an diese Dinge jetzt nicht mehr, Geschöpfe sind's der letzten Mißgeschicke, Die auf dein sterbliches Gerüst gewirkt, Das ungewohnt der Mühe, überschüttet Von Mühen ward, die auch den Stärksten werfen. Sardanapal . Es ist mir besser nun. Jetzt da ich noch Einmal dich sah', scheint, was ich sah, mir nichts. Salimenes tritt auf. Salimenes . Ist Seine Majestät schon wach? Sardanapal . Ja, Bruder! Ich wollt' sogar, ich hätte nicht geschlafen, Denn alle Ahnen unsres Hauses kamen Und wollten mich zu ihnen niederziehn. Mein Vater auch war in der Geister Schaar; Er aber hielt sich fern von mir. – Warum? Das weiß ich nicht, – und ließ mich zwischen. Ihm, Dem Jäger-Stifter unseres Geschlechts Und Ihr, der Volks- und Gattenmörderin, Die ihr doch ruhmvoll nennt. Salimenes . So nenn' ich jetzt Auch dich, seit einen Geist du hast gezeigt, Der ihrem gleicht. Den Vorschlag mach' ich jetzt, Daß wir mit Tagesanbruch rücken aus Und noch einmal an die Rebellen gehn, Die sich jetzt sammeln, und vertrieben zwar, Doch nicht vernichtet sind. Sardanapal . Wie weit ist's in Der Nacht? Salimenes . Sie zählt noch ein Paar dunkle Stunden, Benutze sie zu weit'rer Ruh'. Sardanapal . Nein! heut' Nacht nicht, wenn die noch nicht vorbei. Mir war, Als hätt' mit jenem Traumgesicht ich viel Der Stunden hingebracht. Myrrha . Kaum eine war's. Ich wachte ja bei Euch; 's war eine schwere, Doch Eine Stunde nur. Sardanapal . So halten wir Denn Rath, und morgen greifen wir sie an! Salimenes . Ich habe vorher dich um eine Gnad' Zu bitten noch. Sardanapal . Sie ist gewährt. Salimenes . Erst hör', Eh' du so rasch gewährst. Die Bitte geht Dein Ohr nur an. Myrrha . Prinz, ich empfehle mich. (Myrrha ab.) Salimenes . Der Freiheit wahrlich ist die Sklavin werth. Sardanapal . Der Freiheit nur? Sie ist des Thrones werth. Salimenes . Gemach! er ist noch nicht vakant. Von Der, Die ihn mit dir noch theilt, möcht' ich jetzt reden. Sardanapal . Was? Von der Königin? Salimenes . Von eben Der! Ich hielt für ihre Sicherheit es gut, Daß sie vor Tag noch mit den Kindern flieht Nach Paphlagomen, wo Cotta herrscht, Der uns verwandt, und dort für alle Fälle Das Leben meiner Neffen, deiner Söhne Und damit den gerechten Anspruch auch An diese Krone sicher stellt. Sardanapal . Ich geh' Zu Grund, wahrscheinlich ist's. Drum heiß' ich's wohl- Bedacht. Sie sollen mit Bedeckung gehn, Salimenes . Dafür ist schon gesorgt, und auch das Boot Bereit, das sie den Euphrat abwärts führt. Doch willst du nicht noch, eh' sie scheiden, dein – Sardanapal . Die Kinder sehn, meinst du? – Es könnte mich Entmuthigen; die Knaben werden weinen. Was kann dann ich zu ihrem Tröste geben? Nur eitle Hoffnung, ein erzwungnes Lächeln. Du weißt, ich kann nicht heucheln. Salimenes . Aber fühlen, Ich glaub' es wenigstens: mit einem Wort, Die Königin möcht' dich noch sehn, eh' sie Für immer geht. Sardanapal . Wozu? Zu welchem Zweck? Ich will gewähren, was sie will, nur solch Begegnen nicht. Salimenes . Du kennst die Frau'n zu wohl, Da du so eifrig sie studirt, um nicht Zu wissen, daß ein Wunsch, der mit dem Herzen Zusammenhängt, mehr Werth für ihr Gefühl, Für ihre Phantasie besitzt, als selbst Die ganze äußre Welt. Ich denke ganz Wie du von meiner Schwester Wunsch, allein Es ist ihr Wunsch einmal, 's ist meine Schwester, Du ihr Gemahl – willst du den Wunsch gewähren? Sardanapal . Es ist umsonst! Doch laß sie immer kommen. Salimenes . Ich geh'. ( Salimenes ab .) Sardanapal . Wir haben allzulang getrennt Gelebt, um wieder uns zu sehn, und jetzt! Hab' ich nicht Sorgen, Leids genug allein? Warum denn mischen unsres Kummers Thränen, Da längst wir nicht mehr unsre Liebe mischen? Salimenes und Zarima treten ein. Salimenes . Muth, meine Schwester! Mache unsrem Blut Durch Zittern keine Schand'! Erinn're dich, Wem wir entsprossen sind. – Die Königin, Mein Fürst, ist da. Zarina . Ich bitte dich, mein Bruder, Laß uns allein Salimenes . Wenn du es durchaus willst. (Salimenes ab.) Zarina . Allein mit ihm! Wie viele Jahre sind's, So jung wir sind, daß wir uns nicht gesehn. Ich trug sie in des Herzens Wittwenschaft. Er hat mich nicht geliebt; doch scheint er nicht Verändert sehr – nur gegen mich – wär' die Veränd'rung gegenseitig doch! Er spricht Nicht, sieht mich kaum – auch nicht ein Wort – kein Blick! Und seine Stimme war, sein Blick so sanft, Gleichgültig, doch nicht streng. – Mein Fürst! Sardanapal . Zarina! Zarina . Nein! nicht Zarina, sag' Zarina nicht! Der Ton, dies Wort vernichtet lange Jahre Und Dinge, die sie länger machen noch! Sardanapal . Es ist zu spät, der Träume zu gedenken. Die längst dahin. Vorwürfe wollen wir – Das heißt: Mach du mir keinen Vorwurf jetzt, Dies letzte Mal. Zarina . Der erste wär's! Ich that Es nie. Sardanapal . Das ist sehr wahr und dieser Vorwurf Drückt eben schwerer auf mein Herz, als wenn – Doch unser Herz steht nicht in unsrer Macht. Zarina . Noch unsre Hand – ich aber gab sie beide. Sardanapal . Dein Bruder sagte mir, du wollst' mich sehn, Eh' Niniveh du läßt mit – (zögert) Zarina . Unsern Kindern. So ist's. Ich wollte danken dir, daß du Mein Herz nicht schiedst von Allem, was es jetzt Noch liebt, von denen, die ja dein und mein, Die gleichen dir und auf mich sehn, wie du's Einst thatst – sie blieben gleich. Sardanapal . Und werden's stets. Ich wünschte, daß sie pflichtgetreu verblieben. Zarina . Ich lieb' sie nicht nur mit der Zärtlichkeit Verliebter Mutter, nein! verliebten Weibs. Sie sind die einz'gen Bande zwischen uns. Sardanapal . Glaub' nicht, ich sei dir hierin nicht gerecht, Erziehe sie, daß mehr sie deinem Haus Als ihrem Vater gleichen. Ich vertrau' Sie dir, mach' eines Throns sie würdig, würd' Er ihnen auch einst nicht zu Theil: – Du hast Von dem, Tumulte dieser Nacht gehört? Zarina . Halb schon vergaß ich es, und hätt' selbst froh Den Gram begrüßt, der mich dein Angesicht Von Neuem sehen ließ, wenn er nur dich Nicht traf. Sardanapal . Der Thron – ich sag' es ohne Furcht – Er wankt. Vielleicht besteigen meine Söhne Ihn nie. Doch mögen sie deshalb ihn nicht Aus dem Gesicht verlieren. Setzen werd' Ich Alles dran, ihn ihnen zu versichern. Doch wenn es nicht gelingt, dann müssen sie Durch Tapferkeit ihn wieder neu gewinnen, Und ist er ihrer, weise ihn erhalten, Ihr Königthum nicht wie ich that, verbrauchen. Zarina . Sie werden nie Etwas von mir vernehmen, Was ehrend nicht für ihres Vaters Ruf. Sardanapal . Sie mögen dann von dir die Wahrheit eher Als von der Welt, die mich zertritt, vernehmen. Wenn sie im Unglück sind, so werden sie Den Hohn nur zu bald schmecken, den der Pöbel Für kronenlose Prinzen hat, und fühlen, Daß ihres Vaters Sünden alle auch Die ihren sind. Die armen Jungen! Wär' Ich kinderlos, ich hätte es ertragen. Zarina . O sprich nicht so! vergifte mir nicht noch Mein letztes Glück, und wünsche nicht, daß du Nicht Vater wärst! Wenn Sieger du verbleibst, So werden sie hier herrschen und Den ehren, Der für sie rettete das Reich, um das Er seinethalb so wenig Sorge trug, Und wenn's – Sardanapal . Verloren geht, wird alle Welt Laut ihnen schrei'n: »Das dankt ihr eurem Vater!« Und sie das Echo machen mit 'nem Fluch. Zarina . Das sollen nimmermehr sie thun! vielmehr Den Namen dessen ehren, der als König Doch starb und in der letzten Stunde mehr Für sein Gedächtnis that, als mancher Fürst In langen Tagen, die die Flucht der Zeit Bedeuten zwar, doch nicht Geschichte sind. Sardanapal . Assurs Geschichte geht vielleicht zu Ende, Doch wie auch hinschwand die Vergangenheit, Das Ende soll wie einst der Anfang sein – Bemerkenswerth! Zarina . Doch sei zu hitzig nicht, Gib auf dein Leben Acht, und leb' für die, Die lieben dich. Sardanapal . Und wer sind die? 'Ne Magd, Die liebt aus Leidenschaft, ich will nicht sagen Aus Ehrgeiz; Throne sah sie wanken schon Und Liebesbünd'; – und ein paar Freunde, die Mit mir gezecht, bis wir ganz Eins geworden, Die nichts sind, wenn ich fall'; ein Bruder, den Ich oft gekränkt und Kinder, die ich schwer Versäumt, und dann ein Weib – Zarina . Das dich nur liebt. Sardanapal . Und auch verzeiht? Zarina . Ich dachte daran nie, Und kann verzeihen erst, wenn ich verdammt. Sardanapal . Mein Weib! Zarina . Gesegnet seist du für das Wort! Ich dacht' es nimmermehr von dir zu hören. Sardanapal . Du hörst es noch von meinen Unterthanen! Ja diese Sklaven, die ich fett gemacht, Mit Frieden füllte und mit Wohlstand stopfte, Daß Kön'ge sie im eig'nen Haus geworden, Sie drängen in Empörung nun heran Und fordern dessen Tod, der doch ihr Leben Zum Fest gemacht; indeß die Wenigen, An die kein Recht ich hab', getreu verblieben. Das ist entsetzlich, aber wahr! Zarina . Es ist Vielleicht natürlich nur; denn eine Wohlthat Wird in des Schlechten Herz zu Gift. Sardanapal . Und in Des Guten wandelt Schlimmes sich zu Gutem. Das ist noch schöner als der Biene Thun, Die Honig nur aus süßen Blumen zieht. Zarina . So nimm den Honig, frage nicht, woher. Beruh'ge dich, du bist nicht ganz verlassen. Sardanapal . Mein Leben macht mich Deß gewiß. – Wie lang' Wenn ich nicht König wäre, lebt' ich noch Als Sterblicher? das heißt, wo Sterbliche Jetzt sind, nicht wo sie werden sein? Zarina . Das weiß Ich nicht. Doch leb' für meine – deine Kinder! Sardanapal . O edle und mißhandelte Zarina! Ich bin der Sklave der Verhältnisse, Des Augenblicks, von jedem Hauch bewegt, Falsch auf dem Thron, im Leben falsch gestellt; Ich weiß nicht, was ich konnte sein; doch fühl', Ich bin nicht, was ich sein gesollt. Mag es Zu Ende gehn, doch dies nimm noch mit dir: Ich war, um eine Lieb', ein Herz wie deins Zu schätzen, nicht gemacht; noch konnte ich In deine. Schönheit schwärmend mich verlieben, Wie ich's gethan bei weit gering'rem Reiz, Und einzig nur, weil solcher Liebe Pflege Mir eine Pflicht war, und ich Alles haßte, Was wie 'ne Kette aussah, sei's für mich, Sei's für die Andern – der Empörer selbst Muß dies gestehn –; doch höre noch ein Wort, Mein letztes ist's vielleicht: kein Mensch hat je Mehr deine Tugenden, geschätzt, obschon Er sie nicht nützen könnt' – wie oft der Bergmann Auf eine Ader reinsten Goldes stößt Und so entdeckt, was ihm nicht helfen kann; Er fand sie wol, doch sie gehört nicht sein, Vielmehr dem Vorgesetzten, der zum Graben Ihn angestellt, doch nicht daß er den Schatz, Der vor ihm funkelt, mit dem Höhern theil'. Nicht heben darf er ihn, das Pfund nicht wägen, Fort muß er kriechen, in der Erde wühlen. Zarina . O wenn du endlich eingesehn, daß werth Der Achtung meine Liebe sei, so will Ich ja nicht mehr! Laß uns zusammen fort Und ich – o laß mich sagen: wir! – wir werden Noch glücklich sein. Assyrien ist ja Noch nicht die Welt, wir werden eine Welt Für uns, in uns und ganz uns eigen finden Und glücklicher dort sein, als je ich war, Als je du warst, trotzdem ein ganzes Reich Dir zum Genuß gegeben war. Salimenes tritt auf. Salimenes . Ich muß Euch trennen nun! Die Augenblicke, die Wir nicht verlieren dürfen, fliehn. Zarina . Du Harter! Womit willst du Momente uns ersetzen, Die so erhaben sind, ja so beglückt –? Salimenes . Beglückt? Zarina . Er war so lieb mit mir, daß ich Von ihm zu gehn nicht denken kann. Salimenes . So endet Dein Frauenabschied, wie sie immer enden: Damit, daß du nicht scheiden willst. Ich dacht's Und gab nur gegen meinen Willen nach. Allein es darf nicht sein. Zarina . Nicht sein? Salimenes . Wenn hier Du bleibst, so gehst auch du zu Grund. Zarina . Mit dem Gemahl! Salimenes . Und mit den, Kindern. Zarina . Ach! Salimenes . Hör, Schwester! Sei meine Schwester! Alles ist bereit, Um sicher dich in Sicherheit zu bringen, Dich und die Knaben, unsre letzte Hoffnung! Es ist dies keine Frage des Gefühls, So groß es sei, 's ist eine Forderung Des Staats. Es werden die Rebellen sonst Noch mehr sich rühren, um der Söhne sich Des Königs zu bemächtigen und sie – Zarina. O sprich nicht weiter! Salimenes . Gut! So merke dir: Wenn sie entrückt des Meders Krallen sind, So hat die Rebellion ihr Hauptziel ja Verfehlt: die Ausrottung, von Nimrods Stamm. Fällt auch der König, leben seine Söhne Der Rache und dem Sieg. Zarina . Doch könnte ich Allein nicht bleiben? Salimenes. Wie? Die Kinder willst Du lassen, daß, trotz Vater lebt und Mutter, Sie Waisen sei'n in einem fremden Land, So jung, so fern von dir –? Zarina . Ach nein! Mir bräch' Das Herz! Salimenes . Jetzt weißt du Alles, jetzt entscheid'! Sardanapal . Zarina, er hat Recht. Wir müssen der Notwendigkeit uns fügen. Bleibst du hier, Magst leichtlich Alles du verlieren. Ziehst Du fort, so rettest du den bessern Theil Von dir und mir, für all die treuen Herzen, Die noch in diesen Reichen für uns schlagen. Salimenes . Es drängt die Zeit. Sardanapal . So geh'! Wenn jemals wir Uns wiedersehn, bin dein ich würdiger Vielleicht; wo aber nicht, so denke dran, Daß meine Fehler, wenn auch nicht gebüßt, So doch zu Ende sind. Doch fürchte ich, Du wirst dich über den verfehmten Namen, Die Asche, die Assyrien einst regiert, Mehr grämen als – – doch weibisch werd' ich wieder Und darf es nicht! Ich muß jetzt Härte lernen. Zur sanften Klasse zählen meine Sünden. Birg deine Thränen! Ich ersuch' dich nicht, Sie nicht zu weinen. Leichter wär' es wol An seinem Quell den Euphrat zu verstopfen Als eine Thräne solchen Herzens hemmen. Doch laß mich sie nicht sehn! Sie nehmen mir Die Mannheit, die ich wieder kaum gewonnen. – Mein Bruder, führe sie hinweg. Zarina . O Gott! Ich soll ihn niemals wieder sehn! Salimenes ( bemüht sich sie wegzuführen ). Du mußt Gehorchen, Schwester! Komm'! Zarina . Nein! bleiben muß Ich – weg! Du sollst nicht halten mich! Soll er Allein denn sterben? – leben ich allein? Salimenes . Er soll allein nicht sterben; aber du Hast Jahre lang allein gelebt. Zarina . Das ist Nicht wahr! Ich wußte, daß er lebte, doch! Und lebte so von seinem Bild – laß gehn! Salimenes ( führt sie mit Gewalt über die Bühne ). Nun denn, so muß ich etwas brüderlich Gewalt dir thun, die du verzeihen wirst. Zarina . Nie, nie! O hilf, Sardanapal! Willst du Mich also von dir weggerissen sehn? Salimenes . Nein! Alles ist von Neuem uns verloren, Wenn diesen Augenblick wir nicht gewinnen. Zarina . Mir schwindelt! 's schwimmt mir vor den Augen – Wo Ist – er? ( fällt in Ohnmacht .) Sardanapal . Halt! Setz' sie nieder! Sie ist todt, Du hast sie umgebracht. Salimenes . 'S ist nur die Ohnmacht Der Leidenschaft, die überschafft sich hat. Es wird ihr besser werden in der Luft. Ich bitte, bleibe fern! ( Bei Seite .) Ich muß mich des Moments bemächtigen, um sie dahin, Wo ihre Kinder schon sich eingeschifft Zum Strom hinab ins Königsboot zu bringen. (Salimenes trägt sie fort.) Sardanapal . ( allein ). Auch dies – auch dies muß ich geschehen lassen! Ich, der ich einem Menschenherzen nie Absichtlich Schmerz gemacht! – Doch dies ist Lüge! Sie liebte mich, und ich – ich liebte sie! Unsel'ge Leidenschaft! Warum vergehst Du in den Herzen nicht zugleich, die du Zugleich entflammt? – Zarina! Theuer muß Ich für den Gram, den ich dir machte, zahlen. Hätt' ich nur dich geliebt, so wäre ich Auf meinem Throne nicht behelligt worden, Und meine Völker hätten mich geehrt. Zu welchem Abgrund führt ein einz'ger Schritt Ab von dem rechten Weg der Pflicht selbst die, Die Huldigungen fordern wie 'ne Schuld Und sie erhalten, bis sie sie verwirken. Myrrha tritt auf. Sardanapal . Du hier? Wer rief dich her? Myrrha . Niemand, doch aus Der Fern' vernahm ich eine Klagestimme Und dacht' – Sardanapal . Zu deinen Pflichten zählt es nicht, Hier zu erscheinen unersucht. Myrrha . Obgleich Ich Euch vielleicht an ein'ge sanft're Worte, Die zwar mich auch gezankt, erinnern könnt', Wo Ihr mich schaltet, daß ich immer fürchte, Aufdringlich Euch zu sein, – so widersteh' Ich meinem Wunsch und Eurer Weisung selbst: »Zu jeder Zeit und selbst vor Jedermann Zu Euch zu kommen, wenn auch nicht gerufen,« Und ziehe mich zurück, Sardanapal . Nein bleib' – da du Jetzt einmal da! – Ich bitte dich, verzeih'! Umstände haben bitter, grämlich mich Gemacht. Acht' nicht darauf, ich werde bald Ich selbst ganz wieder sein. Myrrha . Ich warte in Geduld auf das, was gern ich sehen werd'. Sardanapal . Kaum eh' in diese Halle du getreten, Ging erst Assyriens Königin Zarina Weg. Myrrha . Ah! Sardanapal . Weshalb erschrickst du? Myrrha . That ich das? Sardanapal . Gut war's, daß durch ein anderes Portal Herein du kamst, sonst hätt'st du sie begegnet. Der Kummer blieb ihr wenigstens erspart. Myrrha . Ich kann wol mit ihr fühlen. Sardanapal . Nein! das wär' Zu viel, und über die Natur hinaus! Nicht gegenseitig und nicht möglich wär's: Du kannst nicht Mitleid mit ihr fühlen, sie Nichts als – Myrrha . Verachtung für die Lieblingssklavin! Dasselbe, was ich stets für mich gefühlt. Sardanapal . Verachtung? Wie? Da dein Geschlecht dich neidet Und du's beherrschest mit des Weltherrn Herzen? Myrrha . Und wärst du Herr von zwanzigtausend Welten, Wie du die eine, die einst dein, wol bald Verlierst, so hab' ich dennoch ebenso Mich selbst entehrt, da ich dein Liebchen ward, Wie wenn du Bauer wärst, ja mehr als das, Wenn Grieche dieser Bauer wär'. Sardanapal . Du sprichst Geschickt. Myrrha . Und wahr. Sardanapal . Wenn es mit einem Mann Zur Neige geht, wird gegen den Gebeugten Ein Jeder kühn; doch da ich noch nicht ganz Gefallen bin und nicht gern Vorwurf hör', Vielleicht weil ich nur zu oft ihn verdient, So laß, so lang' noch Frieden zwischen uns. Uns scheiden. Myrrha . Scheiden? Sardanapal . Sind die frühern Menschen Nicht all geschieden, werden eines Tags Nicht alle Gegenwärt'gen scheiden? Myrrha . Und Weshalb? Sardanapal . Zu deiner Sicherheit, für die Ich sorgen will. Mit starker Schutzmannschaft Sollst du nach deinem Vaterlande ziehn Und solche Gaben mit dir nehmen, daß, Wenn eine Königin du auch nicht warst, Doch deine Mitgift werth sei eines Reichs. Myrrha . Ich bitt' dich, sprich nicht so! Sardanapal . Die Königin Ist fort. Du brauchst dich nicht zu schämen, wenn Du folgst. Allein möcht' ich vergehn. Ich suche Genossen nur zu meiner Lust. Myrrha . Und ich Nur darin Lust, daß ich von dir nicht scheide. Du sollst nicht mit Gewalt mich von dir reißen. Sardanapal . Bedenk' es wohl! Bald ist's vielleicht zu spät. Myrrha . Mag es so sein, dann kannst du Myrrha doch Von dir nicht trennen mehr. Sardanapal . Ich will's auch nicht, Ich dachte nur, du wünschtest es. Myrrha . Was? ich? Sardanapal .. Du sprachst von deiner Schmach. Myrrha . Und tief empfind' Ich sie, weit tiefer als jed' andres Ding, Nur nicht als meine Lieb'. Sardanapal . So flieh' davor. Myrrha . Das hob' doch die Vergangenheit nicht auf. Es stellt die Ehre mir nicht her, das Herz. Nein, nein! Hier will ich stehen oder fallen. Siegst du, so leb' ich, um an dem Triumph Mich zu erfreun; fällt aber anders dein Geschick, so werd' ich's theilen, ohne drob In Thränen aufzugehn. Du hast an mir Vor wenig Stunden nicht gezweifelt noch. Sardanapal . An deinem Muthe nie, an deiner Lieb' Nur eben erst, und Niemand hätte mir Den Zweifel dran erweckt, als nur du selbst. Dein Wort – Myrrha . War nur ein Wort. Ich bitte dich, Laß für mich zeugen mein vergangen Thun, Das du noch heute Nacht gerühmt, und dann Mein künftig Thun, wo immer hin dich das Geschick mag wehn. Sardanapal . Es soll so sein. Doch im Vertrauen auf mein Recht, hoff' ich, wir können Noch Sieger sein und wiederschaun den Frieden, Den einz'gen Sieg, den ich erstreb'. Für mich Ist Krieg kein Ruhm, Triumph kein Glück. Daß ich Genöthigt war, mein Recht so zu erkämpfen, Liegt schwerer auf dem Herzen mir, als all Das Unrecht thut, womit man mich will beugen. Nie, nie vergess' ich diese Nacht, wenn ich Auch weiter leb', um der Erinn'rung Von andern Nächten diese anzufügen. Ich glaubte, durch mein mildes Regiment Hier eine Aera süßen Friedens, mitten In blut'gen Zeiten angelegt zu haben, 'Nen grünen Fleck in hundert wüsten Jahren, Auf den die Zukunft freudig sollte schaun, Die goldne Zeit Sardanapals lobpreisend Und sie beseufzend, weil sie nicht mehr da. Ich glaubt' aus meinem Reich ein Paradies Gemacht zu haben, jeden neuen Mond Zu einer Quelle neuer Lust. Ich nahm Den Pöbelruf für Lieb', das Wort der Freunde Für baare Münze, sucht' auf Weibes Lippen Den einz'gen Lohn – und fand ihn auch, o Myrrha! (Küßt sie.) Küß' mich! – Jetzt nehmen sie mir Reich und Leben, Sie sollen Beides haben – niemals dich. Myrrha . Nein, nie! Der Mensch mag seinem Nebenmenschen, Was groß nur ist und glänzend, Alles rauben, Es mögen Reiche stürzen, Heere weichen, Abfallen Freunde, Sklaven fliehn, und Alle Verrathen uns, und die am meisten schulden, Am meisten auch – ein Herz, das selbstlos liebt, Bleibt treu. Hier ist ein solches, prüf' es nun! Salimenes . Ich suchte Euch! – Sie wieder hier? Sardanapal . Laß jetzt Das Schelten sein. Mir scheint, dein Anblick spricht Von Höh'rem mir, als einem Weiberrock., Salimenes . Das einz'ge Weib, an dem in dieser Stunde Mir etwas liegt, ist jetzt in Sicherheit: Die Königin ist eingeschifft. Sardanapal . Und gut? Sag' nur noch das! Salimenes . Gewiß! Der Schwächeanfall Ist nun vorbei; er hat sich wenigstens In thränenloses Schweigen aufgelöst. Ihr blaß Gesicht, ihr blitzend Auge war Nach einem Blick auf ihrer Kinder Schlaf Nach des Palastes Thürmen starr gerichtet, Als die Galeere unter'm Sternenlicht Geschwind und leis im schnellen Strome flog.' Doch sprach sie nichts. Sardanapal . Ich wollt', ich fühlte auch Nicht mehr jetzt, als sie sprach. Salimenes . Zum Fühlen ist's Zu spät, das kann kein einzig Weh' zerstreun; Doch die Gefühle etwas abzuleiten, Bring' ich die sich're Kunde, daß die Meder Und die Chaldäer unter ihren Führern Von Neuem unter Waffen stehn und sich Die Glieder schließend, neu zum Sturme rüsten. Sie haben Beistand offenbar erhalten Aus andern Satrapie'n. Sardanapal . Noch mehr Rebellen? So kommen ihrem Angriff wir zuvor! Salimenes . Das wäre jetzt wol nicht mehr vorteilhaft, Obschon es unsre erste Absicht war. Wenn morgen bis zur Mittagsstunde wir Durch die, nach denen sich're Boten ich Gesandt, verstärkt erst sind, dann können wir Den Angriff, ja selbst die Verfolgung wagen, Bis dahin aber stimme ich für's Warten. Sardanapal . Ich mag das Warten nicht. Wenn's sich'rer auch Erscheint, zu kämpfen hinter hohem Wall, Den Feind zu stürzen in die tiefen Gräben, Ihn an den Spießen zappeln sehn, die man Ihn zu empfangen, vorgestreckt, so lieb' Ich doch es nicht. Die Seele wird kaum lau. Doch wenn ich frei auf sie mich stürz', und wären Zu Bergen sie gethürmt, dann wollte ich Sie keck zerreißen oder untergehn Im heißen Blut. O laß mich los auf sie! Salimenes . Du sprichst wie ein Soldat, der Neuling noch. Sardanapal . Ich bin Soldat nicht, nein, ein Mann! Sprich mir Von Soldateska nicht, ich hass' das Wort Und Alle, die vor uns sich damit spreizen; Doch führ' mich hin, wo ich sie fassen kann. Salimenes . Du darfst dein Leben nicht so hitzig wagen, 'S ist nicht wie meins, wie andrer Leute Hauch. Der ganze Kampf dreht sich ja darum nur. Dies Leben nur hat ihn erzeugt, entflammt, Und kann ersticken ihn, verlängern, enden. Sardanapal . So laß uns Kampf und Leben enden! Besser Ist's so vielleicht, als eins davon verlängern. Ich habe eins – vielleicht auch beide satt. (Eine Trompete ertönt von außen,) Salimenes . Hörst du? Sardanapal . Laß uns erwidern und nicht horchen. Salimenes . Und deine Wund' –? Sardanapal . Sie ist verbunden längst, – Geheilt – ich hatte sie vergessen! – Fort! Des Arzts Lanzette hätte tiefer mich Geritzt. Der Sklave, der sie mir geschlagen, Sollt' schämen sich, daß er so schwächlich schlug. Salimenes . Mög' keiner jetzt mit bess'rem Ziele treffen! Sardanapal . Ja, wenn wir siegen; doch wenn nicht, so lassen Sie eine Arbeit mir, die ihrem König Ersparen sie gekonnt. Nun drauf! (Neuer Trompetenstoß.) Salimenes . Ich bin Dabei! Sardanapal . He meine Waffen her! Die Waffen! (Beide ab) Fünfter Act. Erster Auftritt. Die gleiche Halle im Palast. Myrrha und Balea. Myrrha (am Fenster). Der Tag bricht endlich an. O welche Nacht Ging ihm voraus! Wie schön war sie am Himmel, Obwol ein Sturm sie unterbrach, der sie Durch diesen Wechsel schöner nur gemacht; Wie schrecklich auf der Erd', wo Friede, Hoffen Und Lieb' und Lustbarkeit in einer Stunde Von Menschenleidenschaft zertreten ward Zu einem Menschenbrei, wo sich noch nicht Ein Element vom andern hat getrennt, Noch stets im Kampf! Und mag die Sonne heut' So hell sich heben, und zu Dunst zerstreun Die Wolken, der noch lieblicher als selbst Der wolkenlose Plan mit goldnen Zinnen, Schneebergen, Wellen, purpurner als selbst Des Oceans, den Himmel wandelnd in Ein hold phantastisch Erdenbild, So deutlich, daß wir's fast für wirklich halten Und so verschwimmend doch, daß wir es kaum Für mehr als nur ein Traumbild nehmen können, So flüchtig ist's am Himmel hingestreut! Und dennoch hakt es in die Seele sich Und sänftigt sie und mischt sich so mit ihr, Daß Sonnenaufgang, Sonnenniedergang Der Liebe Stunde trägt und die des Grams, Wer sie nicht kennt, kennt auch die Reiche nicht, Wo jene Zwillingsgenien – die uns Veredeln stets und säubern unsre Herzen, So daß wir ihren sanften Tadel nicht Für alle lauten Freuden geben möchten, Die je die Luft mit ihrem Lärm erfüllt – Die Schlösser baun, wo ihre Gläub'gen ruhn Und athmen, wenn auch kurz; doch athmen sie In dieser kurzen süßen Ruh' genug Vom Himmel ein, um ihnen Kraft zu geben, Daß sie die übrigen, gemeinen Stunden Mit ihren Lasten tragen und durchträumen In stillem Duldersinn; wenn scheinbar auch Wie alle andern mühbelad'nen Wesen Beschäftigt mit dem zugewies'nen Theil Von Freud' und Leid, zwei Namen für ein Fühlen, Das unser inn'rer, ruheloser Kampf Bald so bald anders nennt, obschon sein Sinn Uns auch beim eifrigsten Bemühn um Glück , Entgeht. Balea . Wie ruhig gebt Ihr Euch doch den Gedanken hin! Mögt Ihr den Sonnenaufgang, Der unser letzter sein kann, so betrachten? Myrrha . Deshalb betracht' ich eben ihn und werf' Dem Aug', das nicht mehr ihn wird sehen, vor, Daß es zu oft, zu oft ihn sah, und Dem' Dabei die schuld'ge Ehr' und Lust nicht gab, Der diese weite Erde davor schützt, Daß sie so schwach nicht wird, wie ich es bin In dieser Form. – Komm, schau hinan zu dem Chaldäer-Gott! Wenn ich ihn so beschau', Bekehr' ich beinah mich zu eurem Baal. Balea . Wie er den Himmel jetzt beherrscht, so hat Die Erde einmal er beherrscht. Myrrha . Und jetzt Beherrscht er sie weit mehr. Nie hatte noch Ein Erdenkönig halb die Macht und Hoheit, Die sich in einem Sonnenstrahle birgt. Balea . Er ist wahrhaft ein Gott. Myrrha . Dafür hält auch Der Grieche ihn, doch manchmal meine ich, Die mächt'ge Kugel müsse eher wol Der Aufenthalt von Göttern sein als selbst Von den unsterblichen Beherrschern Einer. Jetzt bricht er durch die Wolken und erfüllt- Mein Aug' mit Licht, daß ganz die Welt verschwimmt. Ich seh' nichts mehr. Balea . Horch! – habt Ihr nichts gehört? Myrrha . Nein! Ihr habt's nur gemeint: sie fechten ja Jetzt außerhalb des Walls, und nicht wie in Der letzten Nacht in den Gemächern selbst. Zur Festung ward seit jener tück'schen Stunde Das Königshaus; und hier im Mittelpunkt, Der eingefaßt von großen Höfen liegt, Von pyramidenhaften Königshallen, Die eine nach der andern man zuerst Erobern muß, eh' man bis dahin dringt, Wohin durch Ueberfall sie damals kamen, – Sind wir selbst vor dem Laute der Gefahr So abgesperrt wie – vor dem Ruhm. Balea . Doch sind Sie schon einmal so weit gelangt. Myrrha . Ja! doch Durch Ueberraschung nur, und wurden rasch Durch Tapferkeit hinausgeworfen. Jetzt Beschützen Muth uns hier und Wachsamkeit. Balea . Möcht's ihnen doch gelingen! Myrrha . Also beten Jetzt Viele wol, doch mehr noch fürchten es. 'S ist eine angstbewegte Stund'! Ich strebe Sie fern von den Gedanken mir zu halten, Doch ach! umsonst. Balea . Es heißt, des Königs Haltung Im gestriges Gefecht hab' die Rebellen Kaum mehr erschreckt, als seine Treuen selbst Erstaunt. Myrrha . Das niedre Volk, das eine Horde Von Sklaven bildet, läßt sich leicht erschrecken, Leicht in Erstaunen setzen. Aber brav Hat er's gemacht. Balea . Nicht wahr, er schlug Belesis? So hörte ich von den Soldaten sagen. Myrrha . Der Schändliche ward nieder zwar geworfen, Doch wieder losgemacht, um nun vielleicht Ob seinem Sieger noch zu triumphiren, Der ihn bei seinem Fall verschont, und so Durch dieses Mitleids Unbedachtsamkeit Die Krone setzt aufs Spiel. Balea . Horch! Myrrha . Ihr habt Recht, Es nah'n sich Schritte, aber langsam, schwer. (Soldaten tragen Salimenes herein, der einen Wurfspieß in der Seite stecken hat. Sie setzen ihn auf eines der Ruhebetten, mit denen das Gemach ausgestattet ist.) Myrrha . O Zeus! Balea . Nun ist's vorbei! Salimenes . Nein, sag' ich, nein! Haut mir den Schuft zusammen, der das sprach, Wenn ein Soldat er ist. Myrrha . Schont sein! Das ist Er nicht; 's ist nur ein Schmetterling des Hofs, Der mit im Pompe eines Königs flattert. Salimenes . So laßt ihn leben denn! Myrrha . Wie's du auch wirst, Ich hoff's! Salimenes . Gern lebt' ich diese Stunde, aus Und diesen Kampf. Doch ich bezweifle es. Weshalb trugt ihr mich her? Soldat . Weil's der Monarch Befahl. Als Euch der Wurfspieß traf und ihr In Ohnmacht sankt, befahl ausdrücklich er, Daß man hierher Euch trag'. Salimenes . Das war nicht schlecht Gemacht; denn da ich starr, betäubt, wie todt Da lag, so konnte dieser Anblick die Soldaten muthlos machen – doch – es ist Umsonst! – Ich fühle, wie mein Leben ebbt. Myrrha . Laß mich die Wunde sehn, ich bin im Heilen Nicht ungeschickt. In meinem Vaterland Belehrt man drin die Frau'n. Da dort der Krieg Beständig ist, sind wir an solche Schau Gewöhnt. Soldat . Am besten wär's, man zög' den Spieß Heraus. Myrrha Nein, nein! das darf nicht sein! Salimenes . So ist's Mit mir vorbei? Myrrha . Ich fürchte sehr, daß mit Dem Blut, das dann der Waffe eilends folgt, Dein Leben flieht. Salimenes . Ich fürcht' das nicht. Wo war Der König, als ihr von dem Fleck, wo ich Getroffen ward, hinweg mich trugt? Soldat . An Ort Und Stelle, und ermuthigte mit Stimme Und That die banggewordnen Truppen, die Euch fallen sahn und nun nach rückwärts wankten. Salimenes . Habt ihr gehört, wem der Befehl zunächst Nun übertragen ward? Soldat . Ich hörte nichts. Salimenes . So eile hin, und melde ihm, es sei Mein letzter Rath, daß Zamis meinen Posten So lang' bekleide, bis die noch gehoffte, Wenn gleich verzögerte Verbindung mit Susa's Satrapen, Ofratanes, sei Geschehn. Jetzt laßt mich hier; denn unsre Schaar Ist nicht so groß, daß ihr dort fehlen dürftet. Soldat . Doch, Prinz – Salimenes . Fort, sag' ich! Dieser Höfling da Und dieses Weib sind für ein Krankenzimmer Gerade recht. Da ihr mich auf dem Feld Nicht sterben ließet, will ich, wenigstens Hier keine müßigen Soldaten um Mich sehn. – Fort, fort! Thut, wie ich euch befahl! (Die Soldaten ab.) Myrrha . Du tapf'rer hoher Geist! Muß denn so bald Die Erde dich entbehren? Salimenes . Edle Myrrha! Ein solches Ende hätt' ich mir erwählt, Wenn ich den König und das Reich damit Erretten konnt'. So wie es ist, hab' ich Sie wenigstens nicht überlebt. Myrrha . Ach du Wirst blässer! Salimenes . Deine Hand! Der Speer im Leib Verlängert meinen Schmerz nur, ohne mir Die Kraft zu lassen, noch Etwas zu thun. Ich riß ihn aus und mit ihm auch mein Leben, Könnt' ich nur hören, wie's mit dem Gefecht Jetzt steht, Sardanapal und Soldaten treten auf. Sardanapal . Mein liebster Bruder! Salimenes . Und die Schlacht, Ist sie verloren? Sardanapal (muthlos). Ich bin hier . Salimenes . Ich säh' Dich lieber so. (Zieht den Speer aus der Wunde und stirbt.) Sardanapal Und so soll man mich sehn, Wenn den Entsatz, das letzte schwache Rohr, An das sich unsre matte Hoffnung klammert, Nicht Ofratanes bringt. Myrrha . Hast du nicht noch Die Botschaft von dem Sterbenden empfangen, Du möchtest Zamis übertragen den Befehl? Sardanapal Jawol! Myrrha . Und wo ist Zamis? Sardanapal Todt. Myrrha . Altada? Sardanapal Nah' dem Tod. Myrrha . Und Pania? Sfero? Sardanapal Am Leben noch ist Pania, Sfero flüchtig, Vielleicht gefangen auch. Ich bin allein! Myrrha . Und ist denn Alles aus? Sardanapal Noch mag der Wall, Wenn auch nur dünn besetzt – vorausgesetzt, Daß nicht Verrath uns überwältigt – halten; Jedoch im offnen, Feld – Myrrha . Ich dacht', es wär' Von Salimenes fest beschloss'ne Sache, Erst dann zu wagen eine Ausfallsschlacht, Wenn ihr durch den erwarteten Succurs Verstärkt – Sardanapal Ich setzte meinen Willen durch. Myrrha . Der Fehler war der Fehler eines Helden. Sardanapal Jedoch verhängnißvoll! – O theurer Bruder! Könnt' ich zurück dich rufen, freudig gäb' Ich diese Reiche hin, von denen du Die Zierde warst, das Schwert, der Schild, der Eine, Deß Ehre alles Andere gesühnt! Doch weinen will ich nicht um dich; du sollst Betrauert werden, so wie du's gewollt Am meisten schmerzt es mich, daß du dies Leben Verlassen konnt'st im Glauben: ich werd' das, Wofür du starbst, verächtlich überleben: Die alte Königswürde unsres Hauses! Erring' ich wieder sie, so will ich dir Das Blut von Tausenden als Sühne opfern, Die Thränen von Millionen – die der Edeln Sind dein bereits! – Wo nicht, so treffen wir Uns wieder bald, wenn weiter lebt der Geist In uns. Dann lies'st in meinem du und läßt Gerechtigkeit mir widerfahren. Laß Die Hand mich noch einmal, die warm noch, fassen, Dein Herz, das nicht mehr schlägt, an dieses drücken, Das jetzt so schmerzlich klopft. (Umarmt den Leichnam). Nun traget mir Den Leichnam weg. Soldat . Wohin? Sardanapal . In mein Gemach! Legt unter meines Thrones Himmel ihn, Als ob der König selbst dort läg'. Nenn dies Geschehen, sprechen weiter wir davon, Welch Todtenfest wir solcher Asche schulden. (Die Soldaten ab mit dem Leichnam des Salimenes.) Pania tritt auf. Sardanapal . Hast du die Wachen ausgestellt, mein Freund? Und die Befehle nach dem Plan ertheilt? Pania . Ich hab' gehorcht, mein König! Sardanapal . Hält auch noch Der Muth der Leute vor? Pania . Mein Fürst? Sardanapal . Ich weiß Genug! Wenn zwei Mal ein Monarch was frägt, Und eine Frag' erhält als Antwort auf Die Frage, ist's ein schlimmes Zeichen. – Nun, Sie sind entmuthigt? Pania . Salimenes Tod Und das Triumphgeschrei der Feinde, da Er fiel, hat sie – Sardanapal . Entflammt sollt's heißen, nicht Gelähmt. Doch finden wir die Mittel schon, Aufs Neue zu beleben ihren Muth. Pania . Solch ein Verlust könnt' einen Sieg umfloren. Sardanapal . Wer fühlt dies ach! wie ich? Doch eingesperrt In diesen Wall selbst, sind wir stark und draußen Gibt's Schaaren noch, die sich durch Heere schlagen, Um ihres Herrschers Haus als das zu schaun, Was es einst war – als ein Palast, nicht als Gefängniß oder Burg. Ein Officier tritt hastig ein. Sardanapal . Dein Antlitz scheint Ein Unheil zu verkünden, sprich! Officier . Ich wag' Es nicht. Sardanapal . Du wagst es nicht? Da Tausende Sich zu empören wagen, in der Hand Das Schwert! – Das ist doch seltsam. Bitte! brich Dies zartgefühlte Schweigen, das den König Zu kränken scheut. Wir können Schlimm'res hören, Als du zu sagen hast. Pania . Mach fort! Du hörst's. Officier . Der Wall, der uns an Stromes Rand umschloß, Ist eingestürzt. Der Euphrat, angeschwellt Vom Regen dieser letzten Tage, schoß Mit Macht vom Hochgebirge her und über Die Ufer flutend riß er ein das Werk. Pania . Das ist ein böses Omen! Heißt's nicht längst: Die Stadt werd' niemals weichen einem Feind, Bis auch der Strom ihr feindlich tret' entgegen. Sardanapal . Das Omen macht mir nichts, der Wallbruch wol! Wie viel vom Wall ist denn hinweggerissen? Officier . Wol gegen zwanzig Stadien. Sardanapal . Und das Liegt Alles offen nun dem Feind? Officier . Für jetzt Verhindert schon des Stromes wilde Wuth Den Angriff dort; doch wenn er sinkt In sein gewohntes Bett, und dann von Böten Wie sonst befahren werden kann, fällt der Palast in Feindes Hand. Sardanapal . Das soll er nicht! Und hätten sich auch Menschen, Elemente, Ja alle Götter gegen mich verschworen, Der nie sie reizte, soll mein Vaterhaus Doch eine Höhle nicht für Wölfe werden, Sich drin zu mästen und zu heulen – nie! Pania . Wenn Ihr's genehmigt, eil' ich nach dem Ort Und treff' zur Sicherung des leeren Raums Vorkehrungen, wie Zeit und Zeug erlauben? Sardanapal . Geh' gleich dahin, und bring' so schnell als es Genaue Untersuchung mag verstatten, Bericht vom wahren Zustand dieses Werks Der Wasser mir. (Pania und der Officier ab.) Myrrha . Daß nun die Welle auch Sich gegen dich empört! Sardanapal . Die ist mir ja Nicht unterthan, mein Kind! Man muß verzeihn, Da man sie doch nicht strafen kann. Myrrha . Es freut Mich, daß die Vorbedeutung dich nicht schreckt. Sardanapal . Darüber bin ich jetzt hinaus. Ein Omen Kann nichts mir sagen, was seit Mitternacht Ich mir nicht selbst gesagt. Verzweiflung kommt Derartigem zuvor. Myrrha . Verzweiflung? Sardanapal . Nein! Nicht grad' Verzweiflung. Wenn wir Alles wissen, Was kommen kann, und wie wir ihm begegnen, Mag unser Entschluß, wenn er fest nur ist, Ein edleres Bezeichnungswort verdienen. Doch was sind Worte jetzt! Wir haben ja Mit ihnen fast und Allem abgeschlossen! Myrrha . Mit Einem nur noch nicht, dem Letzten, Größten Für jeden Menschen: mit der That, die Alles Krönt, was da war und ist und sein noch wird, Mit jenem Ding, das Allen ist gemein, Wie auch Geburt, Geschlecht und Sprache sei, Gesicht und Farbe, Klima, Zeit, Gefühl, Mit jenem einzigen Verbindungspunkt, Nach dem's uns zieht, für den wir einst geboren Und das geheimnißvolle Labyrinth Betreten haben, das man Leben nennt. Sardanapal . Da unser Faden bald nun abgelaufen. So seien wir noch fröhlich! Wer nichts mehr Zu fürchten hat, mag lächeln über das, Was einstmals ihn geschreckt, wie Kinder, wenn Sie eines Popanz wahres Wesen schaun. Pania tritt wieder ein. Pania . Es ist, wie dir gemeldet ward. Ich habe Nun eine doppelte Bewachung hin- Gestellt, die ich vom Walle nahm, wo er Am stärksten ist, um jene Lücke, die Der Strom gerissen, besser, zu bewachen. Sardanapal . Du hast getreulich deine Pflicht gethan, Und weil, mein braver Pania, jenes Band, Das uns vereint, nun bald sich lösen wird, So nimm, ich bitte, diesen Schlüssel hier: (Gibt ihm einen Schlüssel.) Er öffnet ein geheim erbaut Gemach In meiner Kammer hinter jenem Bett, – Das eine bess're Last als jemals trägt, Obwol ein groß Geschlecht von Herrschein schon In seinem goldenen Gefüge lag, Da's nun umschließt, was Salimenes war – Such' den geheimen Raum, zu dem dies führt, Von Schätzen ist er voll. Nimm sie für dich, Für dein Gefolg'. Genügend ist's, um euch, Und wärt ihr noch so Viele, zu bereichern. Laß alle Sklaven frei; und wer nur den Palast bewohnt, was sein Geschlecht auch sei, Soll ihn in dieser Stunde noch verlassen. Die königlichen Boote, einst zur Lust Erbaut, sie sollen jetzt zur sichern Flucht Euch dienen. Laß ins Wasser sie und schiff' Dich ein. Der Strom ist breit und angeschwollen Und läßt sich – mächt'ger als der König – nicht Von diesen Meut'rern commandiren. Flieh, Sei glücklich! Pania . Unter Eurem Schutz! wenn Ihr Die Euch Getreuen selbst begleiten wollt. Sardanapal . Nein, Pania! Das darf nicht sein! Zieh' hin Und überlasse meinem Schicksal mich. Pania . Es ist zum ersten Mal, daß ich Euch nicht Gehorch', allein – Sardanapal . So wagt's ein Jeder, mich Am Bart zu zupfen, und die Keckheit hier Aefft den Verrath von draußen nach? Frag' mich Nichts mehr, 's ist mein Befehl, mein letzter ist's, Willst du ihm widerstreben? Du? Pania . Nicht doch – Nicht doch! Sardanapal . So schwör', daß du gehorchen willst, Wenn das Signal ich geb'. Pania . Mit schwerem, doch Getreuem Herzen, Herr! versprech' ich's dir. Sardanapal . Das ist genug! Jetzt lasse Reisig bringen Und Tannenzapfen und verwelkte Blätter, Kurz solche Dinge, die leicht Feuer fangen, Auch Cedern schaffe her und sein Gewürz Und Specerei'n und mächt'ge Scheiter Holz, Um einen großen Holzstoß zu erbaun; Auch Weihrauch bring' und Myrrhen, denn ich will Den Scheiterhaufen hohem Opfer weihn, Und häuf' es rund um jenen Thron. Pania . O Herr! Sardanapal . Ich hab's gesagt, und du hast mir geschworen. Pania . Und würd' mein Wort auch ohne Eidschwur halten. ( Pania ab .) Myrrha . Was sinnest du? Sardanapal . Bald sollst du das erfahren, Was nimmermehr die Welt vergessen wird. Pania lehrt mit einem Herold zurück. Pania . Mein König! im Begriff zu thun, was du Gebotst, ward mir der Herold zugeführt, Der um Gehör ersucht. Sardanapal . Er möge sprechen. Herold . Arbaces, unser König – Zardanapal . Wie? ist schon Gekrönt der Mensch? Doch weiter! Herold . Und Belesis, Der neugesalbte Hohepriester auch – Sardanapal . Von welchem Teufel oder Gott? Denn mit Dem neuen Könige erhob sich sicher Ein neuer Altar auch. – Doch fahre fort! Du bist ja da, um deiner Herren Willen Hier zu verkünden, nicht mir Red' zu stehn. Herold . Und Ofratanes – Sardanapal . O der hält zu uns! Herold (zeigt einen Ring). Glaubt mir, er ist im Lager jetzt der Sieger, Seht seinen Siegelring. Sardanapal . Er ist's, fürwahr! Ein würdiges Triumvirat! Du bist Zur rechten Zeit gestorben, armer Bruder, Daß du nicht auch noch den Verrath gesehn. Der Mann war dein getreuer Freund und mein Vertrauenswürdigster Satrap. – Mach fort! Herold . Sie bieten dir das Leben an und lassen Die Wahl dir, einen Wohnort auszusuchen In einer der entfernteren Provinzen, Wo du bewacht, doch als Gefangner nicht, In Frieden deine Tage mögst beschließen, Mit der Bedingung, daß du die drei Prinzen Als Geisel lieferst aus! Sardanapal (ironisch). Die edeln Sieger! Herold . Der Antwort harre ich. Sardanapal . Was Antwort, Sklave? Seit wann entscheiden Sklaven denn das Loos Der Könige? Herold . Seitdem sie frei geworden. Sardanapal . Sprachrohr der Meuterei! Du wenigstens Sollst des Verrathes Strafe fühlen, bist Du gleich sein Stellvertreter nur. He Pania! Laß seinen Kopf von unsern Wällen schleudern Ins Lager der Rebellen, in den Strom Den Leib! Hinweg mit ihm! (Pania und die Wachen ergreifen ihn.) Pania . Nie habe ich Mit größerem Vergnügen Euch gehorcht. Hinweg mit ihm, Soldaten! Doch befleckt Die Königshall' nicht mit Verrätherblut. Macht's draußen aus mit ihm! Herold . Ein einzig Wort: Mein Amt ist heilig, König! Sardanapal . Ist's etwa Das meine nicht, daß du so kommen kannst Und wagst's zu bieten, daß ich's niederlege? Herold . Ich habe dem Befehl gehorcht, weil, wenn Ich's weigerte, das gleiche Loos mich traf, Das jetzt mir droht, da ich gehorcht. Sardanapal . So sind Monarchen denn, die eine Stunde alt, Ganz so despotisch wie die Könige, Die schon als Wickelkind im Purpur lagen Und von Geburt an auf dem Throne saßen! Herold . Mein Leben hängt an einem Hauch von Euch, Das Eurige – in Demuth sprech' ich's aus – Ist ohne Zweifel wen'ger kaum bedroht. Ist es nun schön, wenn Ihr die letzte Stunde Von einem Haus, wie Nimrod's, noch benützt, Um einen armen Herold hinzuwürgen, Der friedlich, waffenlos, sein Amt erfüllt, Und Alles so zu kränken, was nicht nur Als heilig zwischen Mensch und Menschen gilt, Nein, was uns noch mit heilg'rem Band An unsre Götter knüpft? Sardanapal . Da hat er Recht. Laßt frei ihn ziehn! Mein letzter Lebensact Soll keiner sein des Zorns. – Da, Bursche! nimm (Gibt ihm einen goldenen Becher von einem danebenstehenden Tische.) Den gold'nen Becher hier! Trink deinen Wein Daraus und denke meiner oder schmelz' Zur Barre ihn, und denke nichts als was Er wiegt und werth. Herold . Ich dank' Euch doppelt für Mein Leben und dies köstliche Geschenk, Das es noch werther macht. – Doch soll ich nicht Auch eine Antwort haben? Sardanapal . Ja! Ich bitte Um eine Stunde Waffenruh, mich zu Bedenken. Herold . Eine Stunde nur? Sardanapal . Nur eine! Wenn sie verflossen ist, und deine Herrn Vernehmen nichts von mir, so will das heißen, Daß die Bedingung ich verworfen hab'. Dann mögen sie nach Gutbefinden handeln. Herold . Ich werde nicht verfehlen, Euern Willen Getreulich zu berichten. Sardanapal . Noch ein Wort! Herold . Ich werd' es nicht vergessen, was es sei. Sardanapal . Empfiehl Belesis mich und sage ihm: Eh' dieses Jahr vergeht, beruf' ich vor Mein Antlitz ihn. Herold . Wohin? Sardanapal . Nach Babylon! Von dort aus wird er wenigstens dann vor Mein Antlitz treten. Herold . Wörtlich werd' ich's ihm Vermelden! (Herold ab.) Sardanapal . Pania! – nun, lieber Pania! Geh' rasch an das, was ich befahl. Pania . Mein König, Bereits sind die Soldaten abgeschickt Und schau, da kommen sie! (Soldaten treten ein und erbauen einen Holzstoß um den Thron.) Sardanapal . Noch höher, Freunde! Und dichter noch! Und macht es so, daß nicht So rasch der Grund in dünner Flamme sich Verzehr', noch auch sich löschen lass' durch das, Was dienstbefliss'ne Hilfe bringen könnte. Mein Thron soll recht die Mitte davon sein; Ich möchte ihn den neuen Herren nur Mit unlöschbarer Glut befrachtet lassen. Baut mir das Ganze auf, als gält's die Burg Von unsrem größten Feinde zu entflammen. – Nun sieht's was gleich! – Was meinst du, Pania? Reicht das für eines Königs Leichenfest? Pania . O Herr, für eines Königreichs! Ach jetzt Versteh' ich Euch! Sardanapal . Und tadelst mich? Pania . O nein! Laßt mich den Holzstoß nur in Flammen setzen Und mit Euch theilen ihn. Myrrha . Der Dienst ist mein. Pania . Wie? eines Weibs? Myrrha . Es ist Soldatenpflicht, Zu sterben für den Kriegsherrn; warum soll Das Weib denn nicht mit dem Geliebten sterben? Pania . Das ist ganz ungeheuerlich! Myrrha . O nicht So sehr, als, Pania, du glaubst. Indessen Leb' du! – Ade! der Holzstoß ist bereit. Pania . Ich würd' mich schämen, meinen Herrn zu lassen, Daß nur ein Weib sein Ende theilen sollt'! Sardanapal . Schon allzu Viele sind als Herold mir Voraus ins Grab geeilt. Zieh fort von hier, Bereich're dich! Pania . Und leb' als Hund!! Sardanapal . Denk', was Du schwurst; unwiderruflich, heilig ist's! Pania . So leb' denn wohl! Sardanapal . Durchsuche gründlich mein Gemach. Nimm's nicht so schwer, das Gold zu holen. Bedenke, was du läßt, fällt an die Brut, Dich mich gestürzt. Hast du dann Alles sicher Nach deinen Booten fortgebracht, so laß, Wenn du das Schloß verläßt, noch einen langen Trompetenstoß ertönen; denn das Ufer Ist zu entfernt, der Strom zu rauschend jetzt, Als daß von dorther noch ein Echo käme. Dann flieh' und schaue unterwegs zurück, Setz' dann die Fahrt im Euphrat weiter fort, Und wenn du Paphlagonien erreichst, Woselbst die Königin mit meinen Söhnen An Cotta's Hof in Sicherheit verweilt, So melde ihr, was du beim Scheiden sahst Und bitte sie, deß eingedenk zu sein, Was ich bei einem trübern Scheiden sprach. Pania . O laß mich diese königliche Hand Nur einmal noch an meine Lippen drücken, Und reich' sie den Soldaten auch, den Armen, Die ja so gern für dich gestorben wären. (Pania und die Soldaten drängen sich um ihn und küssen ihm die Hand und den Saum des Kleides.) Sardanapal O meine treu'sten, meine letzten Freunde! Nicht allzuweich laßt uns einander machen. Geht rasch! Jed' Lebewohl sollt' schnell sein, wenn's Für ewig ist, sonst macht's die Augenblicke Zur Ewigkeit, und lastet noch mit Thränen Des Lebens letzte traur'ge Körner Sands. Geht und seid glücklich! Glaubet mir, ich bin Jetzt nicht mehr zu beklagen, – oder mehr Ob des Vergangnen als der Gegenwart – Denn unsre Zukunft steht ja in der Hand Der Götter, wenn es welche gibt. Das werd' Ich bald nun wissen. – Jetzt lebt wohl – lebt wohl! (Pania und die Soldaten ab.) Myrrha . Das waren brave Leute! 's ist ein Trost. Daß unsre letzten Blicke noch auf liebe Gesichter trafen. Sardanapal . Und auf liebliche, Mein holdes Herz! – Doch höre mich! Wenn du In diesem Augenblick – denn jetzt stehn wir Am Rand! – ein innerlich Entsetzen fühlst Vor jenem Sprung ins Jenseits durch die Flammen, So sag's! Ich werd' nicht weniger dich lieben, Ja mehr vielleicht, weil der Natur du folgst, Und noch ist's Zeit, daß du entrinnen kannst. Myrrha . Soll eine von den Fackeln ich entzünden, Die bei der ew'gen Lampe draußen liegen, Vor Baals Altar, dort in dem Vorgemach? Sardanapal Thu so! Ist deine Antwort dies? Myrrha . Du sollst Es sehen. (Myrrha ab.) Sardanapal (allein). Sie ist fest. – Ihr, meine Väter, Zu denen ich, nun komm', durch meinen Tod Vielleicht gereinigt von den groben Flecken Zu sinnlicher Natur! ich möchte nicht, Daß euer alter Königssitz vom Fuß Empörten Bauernvolks geschändet werde. Wenn euer Erb' ich nicht erhalten konnte, Wie ihr mir's ließt, nehm' ich den schönern Theil, Den Schatz, die Säle und die heil'gen Reste Von Waffen, Beute und Erinnrungszeichen, Worin die wüste Brut gewühlt nur hätte, Jetzt mit zu euch in jenem Element, Das Alles löst und ganz der Seele gleicht. Weil's nur den kleinsten Theil des Stoffes nicht In seiner Glut verzehrt. Und dieser Brand Des königlichsten aller Scheiterhaufen Soll nicht nur eine Säule sein von Feuer Und Rauch, ein Leuchtthurm für den Horizont Von einem Tag, und dann ein Aschenberg, Vielmehr ein Licht, Jahrhunderten zu leuchten, Rebell'schen Völkern, allzu üpp'gen Fürsten. Die Zeit wird manches Volks Annalen Und manches Helden hohe Thaten löschen, Wird Reich um Reich, wie dieses erste Reich In Nichts verwehn; doch aufbewahren wird Sie meine That, ja als ein Werk sie nennen, Das Wen'ge nachzuahmen wagen, Keiner Verachten wird, wenn Mancher auch ein Leben Vermeiden mag, das solch ein Ende nahm. Myrrha kehrt mit einer angezündeten Fackel in der einen Hand und einer Schale in der andern zurück. Myrrha . Sieh da die Lampe, die uns leuchten soll Zum Sternenkreis! Sardanapal Und diese Schale hier? Myrrha . Es ist die Sitte meines Vaterlands, Trankopfer darzubringen unsern, Göttern. Sardanapal Und meine ist's, den Menschen sie zu bringen. Ich habe meine Sitte nicht vergessen, Und bin ich auch allein, will einen Trunk Zum Angedenken manchen frohen Mahls Ich thun . (Sardanapal nimmt die Schale, trinkt und schüttelt die umgekehrte Schale aus. Wie ein Tropfen fällt, ruft er:) Und dieses Opfer hier gehört Dem trefflichen Belesis! Myrrha . Ei warum Verweilt dein Geist bei diesem Manne mehr Als beim Genossen seiner Schlechtigkeit? Sardanapal . Der ist Soldat nur, Werkzeug, eine Art, Von Menschenschwert in eines Freundes Hand, Der Andre ist der eigentliche Hebel Des kriegerischen Puppenmanns. Jedoch Ich werfe sie aus meiner Seele nun! – Hör', Myrrha, folgst du wirklich mir Ganz frei und ohne Furcht? Myrrha . Und glaubst du denn, Ein Griechenmädchen wag' aus Liebe nicht, Was Inderwittwen des Gebrauchs halb thun? Sardanapal . Dann haben wir des Zeichens nur zu harren. Myrrha . Lang' dauert's, bis es schallt. Sardanapal . Und jetzt leb' wohl, Ein letzt Umarmen noch! Myrrha . Umarmen ja, Doch nicht das letzte schon! – noch eines kommt. Sardanapal . Ja, wenn das Feuer unsre Asche mischt. Myrrha . Und rein wie meine Lieb', soll sie befreit Von Erdenschmutz und ird'scher Leidenschaft, Sich bleich mit deiner mischen. Ein Gedanke Nur quält mich noch. Sardanapal . Der ist? Myrrha . Daß Freundeshand Nicht, unsern Staub in Eine Urne senkt. Sardanapal . Nur um so besser! Lieber, möge sie Des Himmels Wind in alle Lüfte tragen, Als daß die Hand von Sklaven und Verräthern Sie noch befleckt. In diesem flammenden Palast, der Riesenwälle rauchendem Ruin errichten wir ein edler Denkmal, Als dies Aegypten einst in seinen Bergen Von Ziegelstein ob todten »Fürsten« that, Vielleicht auch »Färsen«, denn Niemand weiß ja recht, Ob diese stolzen Pyramiden für Monarchen waren, oder Apis Stamm Erbaut. Was wollen solche Maale heißen, Die urkundlos vergess'ne Größen feiern? Myrrha . So leb' denn wohl, du Erde! lebe wohl Du schönster Erdenfleck, mein Ionien! Sei du noch frei und schön, und weit entfernt Von der Zerstörung Hand! Mein letzt Gebet Sei dein, dein meine letzten Erdgedanken, Nur einer nicht. Sardanapal . Und der? Myrrha . Ist dein! (Die Trompete Pania's tönt aus der Ferne.) Sardanapal . Horch! Myrrha . Jetzt! – Sardanapal . Ade Assyrien! Heiß hab' ich dich Geliebt, mein Vater-, meiner Väter Land! Und mehr als Heimat denn als Königreich! Ich sättigte mit Lust und Frieden dich; Dies ist mein Lohn! So danke ich dir nichts, Auch nicht ein Grab. – Jetzt, Myrrha! (Er besteigt den Holzstoß.) Myrrha . Bist bereit? Sardanapal . Wie deine Fackel dort. (Myrrha zündet den Holzstoß an.) Myrrha . Es brennt! Ich komme! (Während Myrrha vorwärts springt, um sich in die Flammen zu stürzen, fällt der Vorhang.)