Pedro Calderón de la Barca Das Versteckspiel (El escondido y la tapada) In freier deutscher Übertragung von Ludwig Fulda Personen Don Diego Lisarda , seine Tochter Don Juan , sein Neffe Don Felix Celia , seine Schwester Don Cesar Ottavio Kaufmann Beatriz , Zofe Lisardas Inés , Zofe Celias Otaniez , Diener Gonzalo , Kutscher von Diego Mosquito , Diener Don Cesars Castanio , Diener Don Juans Ein Gerichtsdiener Ein Gerichtsschreiber Schauplatz: Anfänglich in der Umgebung von Madrid, dann in einem Madrider Wohnhaus Erster Akt Freie Gegend bei Madrid Erster Auftritt Don Cesar (und) Mosquito (in Reisekleidern, mit Stiefeln und sporen, treten geräuschvoll auf) Don Cesar Da wir, bevor die Nacht hereinbricht, Uns nach Madrid nicht wagen dürfen, So bind an jene Bäume dort Die Pferde. Hier auf diesem Teppich Von Blumen, den der Frühling wob, Laß uns die Dunkelheit erwarten. Mosquito Die Pferde hab' ich angebunden, Obwohl es richtiger mir schiene, Sie bänden uns, anstatt wir sie. Don Cesar Warum? Mosquito         Weil sie die Klügern sind. Don Cesar Dann wären also wir zwei Narren? Mosquito Die Folgerung erkenn' ich an; Jedoch mit einem Unterschied. Don Cesar Mit welchem? Mosquito         Ihr seid's von Natur, Ich als Begleitung; denn zum Zweck, Mit Euch durch dick und dünn zu gehen, Werd' ich bezahlt. Don Cesar         Worin besteht Nach deiner Meinung unsre Narrheit? Mosquito Beim Leiden Christi, kaum drei Monat Ist's her, seitdem wir aus Madrid Uns heimlich drückten, weil im Zweikampf Wir einen Ritter umgebracht, Der allem Anschein nach der Bruder Von einer der zwei Damen war, Für die zu gleicher Zeit Ihr schwärmtet; Denn wie ein Bühnenprinzipal Verfügt Ihr neben einer ersten Liebhabrin über eine zweite. Kurzum, wir fliehn nach Portugal, Und weil ein Briefchen uns erreicht (Von dessen Inhalt ich nichts ahne), Wird Knall und Fall und ohne Rücksicht Auf die Gefahren kehrt gemacht. Da fragt Ihr noch, worin die Narrheit Bestehen soll? Bedenkt Ihr nicht, Daß in Madrid kein Richter ist, Der Eurethalb nicht Funken speit, Zufrieden erst, wenn Euch der Kopf Zu Füßen liegt und meine Füße Hoch über andern Köpfen baumeln? Don Cesar Dies alles stimmt, ich geb' es zu. Mein Leben setz' ich in Madrid Aufs Spiel; weil aber mein Geschick Sich gleicht, ob ich in Lissabon An meinem Heimweh sterben soll, Ob in Madrid an meinem Unstern, Und zwischen beiden Todesarten Die Wahl mir freisteht, laß, Mosquito, Mich meinen Tod im Angesicht Der göttlichen Lisarda finden. Mosquito Ich, wenn man auch den Katalog Der röm'schen Märtyrer mir brächte, Damit ich eine Todesart Aussuchen möge nach Geschmack, Ich hieße das verlorne Müh', Weil ich Geschmack an keiner fände. Was hab' ich Euch zuleid getan, Daß ich, wenn Ihr den Tod ersehnt, Mitsterben soll, Euch zur Gesellschaft? Don Cesar Was fürchtest du, da nicht am Zweikampf Du schuld bist und nicht an ihm teilnahmst? Mosquito Herr, mitgefangen, mitgehangen. Don Cesar Wann sah man solche Riesendummheit! Mosquito Erklärt mir wenigstens den Grund, Weshalb, obschon Ihr bis hierher Mich schlepptet, Ihr es mir verbergt, Wohin Ihr weiter mich wollt schleppen, Und was Ihr tun wollt in Madrid. Don Cesar Du sollst es wissen; denn die Sorgen Erleichtern, recht nach Weiberart, Am gründlichsten sich durch die Zunge, Lisarda, dieses Meisterstück Der Schöpfung, das die sonst einander Feindlichen Mächte Geist und Schönheit Zu niegeschautem Bund vereinigt, War, wie du weißt, ein Tempelbild, Vor dem unzählige Besiegte Anbetend lagen auf den Knien. Ich, schon beim ersten Blick entwaffnet, Vermehrte dieser Opfer Zahl Und schmachtete zu ihren Füßen. Doch weil die schöne Zauberin Dem so Bezauberten Erhörung, Ja selbst Beachtung vorenthielt, War ich gewillt, sie zu vergessen. Als könnt' -- o Wahn -- Vergessen finden, Wer keine Liebe fand! Ich warf, Um wie mit einem Gegengift Durch Liebe Liebe zu vertreiben, Mein Auge nun auf Celia, Die jeder müßt' ein Wunder nennen, Stünd' ihr Lisarda nicht im Lichte. Doch wenn auch von ihr zugelassen, War mir bei Celia zumut, Als wär' ich gleichsam in der Fremde; Denn in der Tiefe meines Herzens Blieb eine Stelle, wo Lisarda Gebietrisch thronte nach wie vor. So hat ein Fürst in seinem weiten Palast ein allerheiligstes Gemach, das er mit Strenge hütet, Und will's ein adliger Besucher Betreten, sagt der treue Vogt: In diesem einen Zimmer darf Kein andrer weilen als mein König. So zwischen beiden, von Lisarda Verschmäht, von Celia begünstigt, Schwebt' ich, mein Herz bei dieser täuschend Mit der Erinnerung an jene. Da, mitten in dem Widerstreit, Begab es sich, daß Don Alonso, Der unbarmherz'gen Schönen Bruder, Um Celia begehrlich warb. Wer dächte wohl, daß Eifersucht Von solcher Macht ist, um auch dort Emporzuglühn, wo Liebe fehlt? Ach, nur zu sehr erfuhr ich dies! Ich hatte tausendmal die Zeichen Und Handlungen von seiner Seite Bisher mit Absicht übersehn, Als eines Tags im ersten Frühling Alonso neben Celia Den Park betrat. Ich konnte nun, Weil dort ich ihrer wartete, Nicht länger ohne schweren Makel Für meine Würde blind mich stellen. Doch Celia, kaum daß ich beiden Entgegentrat, rief: ,»Seid willkommen, Don Cesar. Eure Gegenwart Bewegt, so hoff ich, Don Alonso, Mich zu verlassen, da mein Wunsch Ihn nicht dazu bewegen kann.« Er, unbedacht hierauf erwidernd, Sprach … doch ich weiß nicht, was er sprach. Entsinnt sich doch kein Edelmann Der Worte später, die der Grimm Hervorrief zwischen Zung' und Degen. Wir zogen, und von einem Stich Durchbohrt sank er entseelt zu Boden. Zum Glück vermochte Celia In dem Getümmel, das der Zwist Herbeigelockt, sich unerkannt Ins Haus zu retten; ich fand Zuflucht In einer Kirche, drin ich blieb, Bis wir nach Portugal entrannen. Doch dort erhielt ich einen Brief Von Celia, der also lautet: »Wäre ich nicht überzeugt, daß Ihr an Eurem Unglück mir keine Schuld beimeßt, so würde mein Leben das zweite sein, das Ihr geraubt hättet. Mein Bruder ist noch abwesend; Ihr könnt daher kein besseres Asyl finden als unser Haus; denn da wird Euch niemand suchen. Kommt also, um Eure Sache an Ort und Stelle betreiben zu können, dahin, wo Ihr so sicher sein werdet, wie Ihr wünscht, wenn auch nicht so bewirtet, wie Euch zukommt. Celia. Dies ist der Brief, der mich bestimmt, Noch heute nach Madrid zu eilen. Denn wo, Mosquito, wär' ich besser Geborgen als in jenem Haus, Von wo bei Nacht ich ausgehn kann Zu meinen dringlichsten Geschäften? Die führt so gut ja doch kein Freund Und kein Verwandter wie der Herr In eigener Person. Zudem, Daß ich's bekenne, treibt mich mehr Als dies und jenes das Verlangen, Zur Nachtzeit vor Lisardas Fenster Zu stehn, obwohl mir jede Hoffnung Auf sie durch ihres Bruders Tod Verloren ging. Denn war sie grausam, Als ich ihr huldigte, wie wird sie's Erst sein, nachdem ich sie gekränkt? Mosquito Ich war der Ansicht von jeher, Daß allermindestens ein Mann Zwei Frauen müss?' auf einmal lieben, Da, wenn er nach zwei Scheiben schießt, Er doch vermutlich eine trifft. Inés und Beatriz bezeugen's; Denn diese beiden sind im Dienst Von Celia und von Lisarda Zwar etwas mehr als Scheuermägde, Doch etwas weniger als Zofen. Damit, wenn eine flöten geht, Die andre sich nicht auch verkrümelt, Trag' ich im Herzen alle zwei Wie doppelt ausgestellte Briefe. Doch sagt mir, welche Rolle ward Mir zugedacht in der Komödie Von dem verborgnen Kavalier? Don Cesar Da dir nichts droht, so wirst du draußen Dich frei bewegen und von allem Bericht mir bringen, was geschieht. Mosquito Und wenn inzwischen, um zu prüfen, Ob ich es bin, ob nicht, man mich Beim Kragen packt? (Großer Lärm hinter der Bühne.) Lisarda (hinter der Bühne)         Halt! Beatriz (ebenso)                 Stillgehalten! Du Trunkenbold, was machst du? Don Cesar                         Horch! Mosquito Mich dünkt, es rief mich wer beim Namen. Don Cesar (hinausblickend) Die Kutsche dort fiel in den Graben. Mosquito Und wälzt im Wasser sich herum. Don Cesar Sie war besetzt von Fraun. Die Pflicht Gebietet, ihnen beizustehn. Mosquito Steht ihnen bei! Gott mach' aus Euch In Gnaden einen stehnden Ritter; Ein fahrender seid Ihr schon längst. Ha, der gestürzte Walfisch platzt Und speit auf seiner freien Seite Schon seine Jonasse heraus. Herrgott, ist jene, die zuerst Zum Vorschein kommt, nicht Beatrizchen? Dann ist auch ihre Herrin da. (Er verbirgt sich.) Zweiter Auftritt Mosquito. Beatriz. (von) Gonzalo (gestützt). Otaniez Beatriz Ach, weh mir! Ich bin tot. Mein Schleier Ist ganz zerfetzt, mein Unterrock Mit Schlamm besudelt, und am Kopf Hab' ich mehr als viertausend Beulen. Gonzalo Verflixt. Beatriz         Gonzalo, weiß der Himmel, Hübsch bist du mit uns umgesprungen. Gonzalo Solang ich Kutscher bin, ist so was Mir nicht begegnet. Otaniez                 Zweifellos Kann, wer so viel Talent verrät, In einem Jahr schon eine Schule Begründen, wo die Kunst gelehrt wird, Wie Kutschen man in Gräben wirft. Beatriz Hätt' er sein ganzes Leben lang Nichts anderes getan als das, Hätt' er's nicht besser machen können. Otaniez Und unsre Herrin? Gonzalo         Hat ein Ritter Herausgeholt, mehr tot als lebend. Otaniez Das muß ich ihrem Vater melden, Der dort in jenen Gärten weilt. Gonzalo Und ich will zu dem Wartturm laufen, Damit man mir zu Hilfe kommt. (Ab) Mosquito (hervortretend) Gott grüß' dich, Beatriz. Beatriz         Mosquito! Du hier? Wieso denn? Mosquito         Leicht gesagt. »Ich komm' aus fernen Landen, um dich zu sehn, mein Kind. Ich finde dich gefallen ; drum kehr' ich um geschwind.« Beatriz Jedoch dein Herr? Mosquito         Du siehst ihn dort. Beatriz Wie soll ich das verstehn? Mosquito                 Was weiß ich? Doch eins vor allem, Beatriz: Festbinden mußt du deine Zunge. Beatriz Bei meiner losen Zunge geht Das nicht so leicht. Mosquito         Ich helfe nach. Beatriz Du bist ja nicht umsonst ein Strick. Dritter Auftritt Mosquito. Beatriz. Don Cesar (bringt die ohnmächtige) Lisarda (getragen) Don Cesar O Sonne, sink noch nicht ins Meer; Du leuchtender Rubin, blick her! Lisarda, träum' ich dies bei Tage, Daß ich in meinem Arm dich trage? Und dennoch ist das Herz mir schwer. Ach, bloß weil du nicht bist bei Sinnen, Hast du mir dieses Glück beschert; Du hättest mir es nie gewährt, Wär' dein Bewußtsein nicht von hinnen: Glück mußt' aus Unglück ich gewinnen, So daß es nimmer mir gedeiht; Denn ich empfinde bittres Leid, Dich so zu schauen, und die Tücke Des Schicksals raubt im höchsten Glücke Mir Unglücksel'gem Seligkeit. Du schönstes Bild, bei dessen Schwäche Zu bleichen scheint und zu verblühn All dieser Fluren prangend Grün Und alles Blau der Himmelsfläche, Den starren Frost in dir zerbreche Die Glut, die deinem Aug' entloht. Schau, wie beim Anblick deiner Not Das Firmament verhangen trauert Und jede Blume leis erschauert, Als brächt' ihr deine Pein den Tod. Die schöne Welt ist ohne Licht, Und die geschmückten Aun erblinden; Bist du die Sonne, magst du schwinden, Doch nimm uns nur die Sterne nicht. Lisarda Ach, ich Unselige! Don Cesar         Sie spricht! Lisarda Mein Gott, was ist mit mir geschehn? Don Cesar (für sich) Wenn sie mich säh', wie würd' entbrennen Ihr Zorn! Sie darf mich nicht erkennen. (Er verhüllt das Gesicht.) Lisarda Wer sprach? Wen seh' ich vor mir stehn? Don Cesar Ihr seht, erhabne Herrin, den, Der, als aus ihrer Bahn sich schwang Die Sonne, mit dem Zufall rang; Denn auszulöschen in dem Schlamme, Das war' für eine solche Flamme Kein würd'ger Sonnenuntergang. Lisarda Sprangt Ihr in Wirklichkeit mir bei, Mich rettend vor des Unheils Grimme, Warum verstellt Ihr dann die Stimme Und tragt nicht Euer Antlitz frei? Fast glaub' ich an Betrügerei; Sonst wär' dies Mittel schlecht gewählt. Daß er Gesicht und Stimme hehlt, Dazu war niemals der verpflichtet, Der eine gute Tat verrichtet, Nur, den ein bös Gewissen quält. Don Cesar Wer dient, weil er Verdienst begehrt, Verdient nichts, Herrin, für sein Dienen; Denn er betont mit Wort und Mienen, Sein Handeln schein' ihm dankenswert. Lisarda Doch wer so ritterlich verfährt, Zeigt ein Verdienst von hohem Range, Wohl würdig, daß er Dank empfange. Sagt, wen ich vor mir habe. Don Cesar                 Nein. Lisarda Soll mein Verhalten ärmlich sein, Damit das Eure fürstlich prange? Noch einmal bitt' ich, gebt mir kund : Wer seid Ihr? Don Cesar         Wollt Ihr Dank mir zeigen, So laßt auch fürder mich verschweigen, Was Euch bisher verschwieg mein Mund. Lisarda In Zweifeln such' ich nach dem Grund, Weshalb Ihr schweigt. Don Cesar         Weil, wenn Ihr jetzt Mich seht, mein Anblick Euch verletzt; So muß ich meine Lippen schließen, Um voll die Stunde zu genießen, In der noch zweifelnd Ihr mich schätzt. Lisarda Wie? Daß Ihr Euch mir anvertraut, Soll mich verletzen? Don Cesar         Und mir graut, Ihr würdet mir dadurch entrissen. Lisarda Nein, wer Ihr seid, ich muß es wissen. Don Cesar Weil Ihr darauf besteht, so schaut. (Er enthüllt sich.) Lisarda Wohl hattet Ihr ein Recht, zu denken, Daß Euch zu sehn mich würde kränken. Wohl wahr ist's, daß ich nur mit Groll Euch hören kann, nur kummervoll Den Blick auf Euch vermag zu lenken. Ist es denn möglich? Triebet Ihr Die Kühnheit bis zu solchem Maße, Daß man Euch sieht auf offner Straße? Don Cesar Wann fehlte je die Kühnheit mir? Lisarda Was führt Euch her? Don Cesar         Vielleicht Begier, Den Fehler wieder aufzuheben. Weil damals ich den Tod gegeben, Ach, Eurem Bruder, mußt' ich fliehn, Und nun ich wieder hier erschien, Gab zum Entgelt ich Euch das Leben. Lisarda Doch weckt mir Euer hilfreich Walten So herzbeklemmenden Verdruß, Daß ich mein Leben hassen muß, Weil ich's von Euch zurückerhalten. Don Cesar Ich aber fühl' in tiefsten Falten Des Herzens einen Trost sich regen, Grad weil Ihr Eurem Heil entgegen Euch solchem Unmut überlaßt; Denn die das eigne Leben haßt, Wie könnt' für mich sie Liebe hegen? Beatriz Seht, Euer Vater ist in Sicht, Kommt aus den Gärten graden Weges Hierher. Don Cesar         Was tun? Lisarda                 Ich überleg' es Und werde folgen meiner Pflicht. Don Cesar, glauben sollt Ihr nicht, Es könne stärker in mir sprechen Die Hoffnung, mich an Euch zu rächen, Als der Erkenntlichkeit Geheiß; Nein, was ich Übles von Euch weiß, Das möge meinen Dank nicht schwächen. Den Vater halt' ich auf; geht fort. Don Cesar Ich will es tun, weil Ihr's befohlen. Lisarda Jedoch ich sag' Euch unverhohlen, Nachdem ich also hielt mein Wort: Merkt Euch, daß Ihr an keinem Ort, Wenn man Euch trifft, Euch könnt erretten. Don Cesar Was dies besagt, ich möchte wetten, Ihr ahnt's nicht. Lisarda         Wie? Don Cesar                 Dies hat den Sinn, Daß ich an Euch gekettet bin. Lisarda Fortschicken, heißt das etwa ketten? Don Cesar Ja, wie verirrt in Waldesnacht, Bin um den Ausweg ich gebracht. Euch suchend, mußt' ich heimwärts ziehen, Und abermals treibt mich zum Fliehen Und Wiederkehren gleiche Macht. (Ab. Mosquito folgt ihm) Vierter Auftritt Lizarda. Beatriz. Don Diego. Gonzalo Lisarda Der Kutscher! Don Diego         Tölpel, wunderbar, Was du vollführt hast! Gonzalo         Glaubt Ihr gar, Daß ich ... Don Diego         Du willst es woh! noch wagen, Zu widersprechen? Beatriz         Er will sagen, Daß niemals er ein Kutscher war. Don Diego Lisarda, sag, was ist geschehen? Lisarda Die Kutsche fiel aus ihrer Bahn. Don Diego Mein Kind, hast du dir weh getan? Lisarda Kaum. Don Diego         Laß uns rasch nach Hause gehen. (Alle ab.) Wohnung des Don Felix. Die Hinterwand ist schräge gestellt, so daß die rechte Seite der Bühne schmäler ist als die linke. Eine Zwischenwand, von hinten nach vorn verlaufend, teilt zwei ungleiche Räume ab, die durch eine in ihr befindliche Tür verbunden sind. Der kleine Raum rechts ist Celias Kabinett; es hat in der Ecke rechts eine nicht wahrnehmbare, mit Teppichen verhängte Geheimtür. Der große Raum links ist das Wohnzimmer, mit zwei Mitteltüren und einer Seitentür links; auf einem Tisch darin stehen brennende Lichter. Fünfter Auftritt Don Felix, Celia, Inés (im Wohnzimmer) Celia Absonderlich ist dein Betragen. Don Felix Ei, Celia, warum auch soll's Nicht für absonderlich dir gelten, Wo du der Anlaß dazu bist? Celia Der Anlaß ich, daß aus dem Feldzug Du plötzlich heimkommst nach Madrid, Bloß um in unserm ganzen Haus, Wo trotz der Trauer um dein Fernsein Du mich noch ganz lebendig findest, Vorsichtsmaßregeln anzuordnen, So Tür wie Fenster zu verrammeln Und auf dem Dach nicht eine Luke Zu lassen ohne Gitterwerk! Weswegen, Felix, marterst du Mit so viel Argwohn deine Schwester Und mit so lächerlicher Obhut, Nicht eingedenk, wie meinem Ruf Zuliebe du den deinen schädigst? Don Felix Ich will nicht leugnen, Celia: Der Argwohn ist ein ausgemachter Beweis von Dummheit, ganz gewiß. Doch die Vergitterung der Fenster Verkleinert ihn; er wird hierdurch Beseitigt nicht, jedoch beschwichtigt. Celia Soll dieser hübsche Vorwand etwa Rechtfertigen, daß aus Italien Du plötzlich heimgekehrt zum Schaden Für deinen Namen, deinen Ruhm? Du zogest aus der Hauptstadt fort, Kriegrisch gestiefelt und gespornt; Doch augenscheinlich hat der Lärm Der Trommeln dir nicht hold getönt, Noch auch das Pulver gut gerochen, Weil dir's an Rosenöl gebrach. Und nun soll's deinen tollen Streich Entschuldigen, daß … Don Felix         Celia, Genug. -- Inés, geh du hinaus. Inés (leise zu Celia) Jetzt wird sich sein Gemüt entladen. (Ab Mitteltür rechts) Don Felix Da du so meiner Ehre spottest, Will ich dir sagen rundheraus, Was ich dir zu verhehlen dachte; Spricht man doch nicht von Ehrensachen Gern mit der Schwester Aug' in Aug'. Ich, Celia, war in Italien, Als mit vermeßnem Aberwitz Uns die Franzosen bei Valenza Am Po (jedoch wie bin ich töricht, Daß ich von Krieg und Waffen rede Mit dir) ... kurz, in Italien war ich, Da sandte mir dorthin ein treuer Freund unsres Hauses einen Brief, Worin er schrieb, an einem heitren Apriltag, der die ganze Stadt Ins Freie lockte, habest du Verschleiert dich zum Park begeben In der Begleitung Don Alonsos, Und dort hab' ihn (ich sage leider) Ein anderer Galan erstochen. Noch Glück, daß man dich nicht erkannte; Sonst hätte sich dein guter Ruf Vor dem Gericht zugrundgerichtet. Das ist der Anlaß meiner Rückkehr; Denn wozu nützt mir's, daß im Feld Ich Ehre finde, wenn inzwischen Zu Haus die deine du verlierst? Was hab' ich von dem ganzen Ruhm, Den meine hohen Taten mir Erringen, wenn du seinen Glanz Mit solchen niedern Taten trübst? Nun, Celia, nun frag dich selber, Ob ich hier überflüssig bin. Celia Vorwürfe machst du mir, die nicht Geeignet sind, mich einzuschüchtern: Wo die Behauptung falsch ist, Bruder, Da folgt aus ihr ein falscher Schluß. Ich hätte mich zum Park begeben? Ich dort, von irgendwem begleitet? Ich Ursach' einer Rauferei? Wer das dir schrieb, der log dich an, Und ich … Inés (kehrt zurück)         Herr, Euer Freund kommt Euch Besuchen, Don Juan de Silva. Don Felix (leise) Laß, Celia, von alledem Nichts vor Inés verlauten. Wenig Geziemen würd' es, wenn von Dingen, Die wir verhandeln unter uns, Die Dienerschaft etwas erführe. Doch nun begib dich in dein Zimmer. Ich habe hier mit Don Juan Zu sprechen. (Ab Mitteltür rechts) Inés         Herrin, sagt, was kam Bei dieser langen Unterhaltung Heraus? Celia         Ach, denk dir nur, mein Bruder Weiß alles. Inés         Auch von dem geheimen Verschlag? Celia         Nein, davon ahnt er nichts. Der beiden Z wiesprach' wird wahrscheinlich Sich drehn um mich; drum laß uns horchen. (Beide gehen in das Kabinett) Sechster Auftritt Vorige. Don Felix, Don Juan (durch die Mitteltür rechts) Don Juan (aufgeregt) Die Hand laßt Euch, Don Felix, schütteln. Don Felix Seid mir willkommen, Don Juan. Don Juan Zum Glücke treff' ich hier Euch an. Don Felix Was könnt' Euch so zusammenrütteln? Don Juan Ihr wißt, wie lang für meine Base, Die reizende Lisarda, schon, Treu werbend um den Liebeslohn, Vor Leidenschaft ich förmlich rase; Wißt auch, daß manchen Schwierigkeiten Zum Trotz mir einen Hoffnungsstrahl Sie gab, ich dürf' als ihr Gemahl Sie nächstens zum Altar geleiten; Wißt ferner, daß zu frühem Tod Um eine Frau, die niemand kannte, Mein Vetter in den Degen rannte, Mit dem Don Cesar ihm gedroht. Um von dem Gram sich zu erholen, Den der Verlust ihr stets erneut, Fuhr über Land Lisarda heut. Auch ich, der ich ihr stets verstohlen Folg' als ihr Schatten, ging dorthin Und wollt' in einem nahen Garten Mit ihrem Vater auf sie warten; Doch als ich bei der Brücke bin, Erblick' ich ihren leeren Wagen, Der ohne Pferde langsam naht Mit einem abgebrochnen Rad, Weil sich ein Unfall zugetragen. Kaum daß beschwingten Schrittes ich Nahn wollte meinem Lebenssterne, Sah einen Mann ich in der Ferne, Der ihres Bruders Mörder glich. Zwar, daß der Anschein mich betrüge, War möglich; denn im Dämmergrau, Das schon begann, konnt' ich genau Nicht unterscheiden seine Züge. Ich folgt', um es herauszufinden, Mit meinem Diener seiner Spur Bis in die Stadt und sah dort nur Ihn schließlich in ein Haus verschwinden. Ich bitt' Euch, helft mir nun entdecken, Ob er es ist, ob nicht; kommt mit Und lenkt vor mir ins Haus den Schritt: Vor Euch wird er sich nicht verstecken; Kamt Ihr ihm nie doch zu Gesicht. Hierzu seid Ihr gewiß erbötig; Denn unter Freunden ist es nötig, Daß man sich beisteht. Don Felix         Zweifelt nicht. (Für sich) Wie, wenn der Mord geschehen wäre Bei jenem Kampf, der sich entspann Um Celia? So wär' ich dann Zugleich der Rächer meiner Ehre. (Laut) Ja, die verrückte Sitte lehrt, Daß ohne Zögern, Wissen, Fragen Ein Mann sein Leben hat zu wagen Für jeden, der's von ihm begehrt. Ich geh' mit Euch. Don Juan         Dann zähl' ich drauf, Daß er sich fängt in unsrer Schlinge. Don Felix O wieviel ungereimte Dinge Zwingt uns der Ehrenkodex auf! (Beide ab Mitteltür rechts) Siebenter Auftritt Celia Weh mir! Inés, hast du vernommen? Inés Das Dienen dient mir ja dazu, Daß, wenn was vorgeht, ich im Nu Durch Lauschen muß dahinterkommen. Celia Die beiden stellen (ach, wie bin Ich drum in Ängsten und in Nöten!) Don Cesar nach, um ihn zu töten. Kam es denn je mir in den Sinn, Als ich in unser Haus ihn lud, Damit in ihm er Zuflucht nehme, Daß früher noch mein Bruder käme, Um, kaum daheim, nach seinem Blut Zu dürsten! Oh, wie zornentbrannt Würd' er ihm erst zu Leibe dringen, Könnt' er es in Erfahrung bringen, Daß meinethalb der Zwist entstand! Inés Herrin, Ihr müßt so schwarz nicht sehn; Denn was nicht schon geschah soeben -- Wie vielerlei muß sich begeben, Bevor es wirklich wird geschehn. Fragt sich, ob er der Mann gewesen, Ob ihn zu fassen ihnen glückt, Und ob, wenn man den Degen zückt, Er umfällt ohne Federlesen. Celia Ach, wie vermöcht' ich wohl dem Fluch Des harten Schicksals auszuweichen? (Man hört einen Pfiff) Inés Horcht nur! Ist dieses nicht das Zeichen, Das stets Euch kundgab den Besuch Don Cesars? Celia         Ja doch. Inés                 Eurer Klagen Erbarmt sich Gott. Celia         Geh schnell hinaus, Hol ihn und birg ihn hier im Haus, Derweil die beiden nach ihm jagen. (Inés ab Mitteltür rechts) Celia (allein) Nun, Cesar, sei dir's offenbart, Wie heut mein Geist als Lebensretter Dich vor Lisardas Vater, Vetter Und meinem Bruder treu bewahrt. Achter Auftritt Celia. Inés. Don Cesar, Mosquito (durch die Mitteltür rechts) Don Cesar Bevor ich, holde Celia, Dir nahen konnte, wußt' ich nicht, Ob ich am Leben bin, und nun, Da dich mein Aug' umfangen darf, Laß, Herrin, deine Hand mich küssen. Mosquito Und mich, Inés, wenn's dir beliebt, Laß küssen deinen kleinen Finger. Celia Sei herzlich mir in diesem Haus Willkommen, Cesar, kann ich auch Dich heut nicht so darin empfangen, Wie meiner Absicht es entspräche, Da vor der Zeit mein Bruder ankam. Don Cesar Was sagst du da? Dein Bruder hier? Celia Am Tag, nachdem ich dir geschrieben, Du mögest kommen, ward ich erst Von seiner Rückkunft unterrichtet. Wär' sie mir früher kund geworden, Hätt' ich den Brief nicht abgeschickt. Don Cesar War er denn nicht im Kriege? Celia                 Ja. Und was zu so geschwinder Heimkehr Ihn spornte, war, daß dort er Kenntnis Erhalten hat von deiner Tat. Don Cesar So bin ich hier in größerer Gefahr als anderswo. Celia         Warum? Don Cesar Ich darf nicht einen Augenblick In diesem Haus verweilen. Celia                 Mächtig, Sobald sie sich verbünden, Cesar, Sind Liebe, Schlauheit und ein Weib. Ich hab' im Haus dir einen Platz Bereitet, wo du weilen kannst, Zwar nicht bequem, doch wenigstens Vollkommen sicher. Don Cesar         Wie denn das? Celia Vernimm. Dies Haus hat zwei Quartiere, Das untre Stockwerk und dies obre, Worin wir wohnen. Jenes andre Beherbergt einen fremden Kaufmann, Der, glaub' ich, Handel treibt mit Rom. Die beiden Wohnungen verbindet Im Innern eine Hintertreppe, Die jetzt jedoch, seit zwei verschiedne Parteien sich hier eingemietet, Nicht mehr gebraucht wird. An dem Tag, Da nach des Briefes Übersendung Ich hörte, daß mein Bruder kommt, Und mich verwirrt und ratlos fragte, Was mit euch beiden ich nunmehr Anfangen sollte, da -- gib acht, Was da mir einfiel. Auf den Absatz Der Treppe stellt' ich allerlei Gerumpel, und den untern Teil Ließ ich durch einen Holzverschlag Sehr fest verschließen. Doch die Tür, Die zu ihr führt aus unsrer Wohnung, Und zwar aus jenem Nebenzimmer, Das ich als Ankleidkabinett Benutze, ward mit Gips und Farbe Der innern Wand so gleich gemacht, Daß nicht die kleinste Spur von ihr Erkennbar blieb, und obendrein Verhängt' ich sie mit Teppichen. So oft mein Bruder außer Haus ist, Kannst hier im Zimmer du verweilen, Und ist er da, so bietet sich Dir zum Verbleib der Treppenabsatz. Mosquito Potz Blitz, mein Herr als Lazarus, Der vor der Tür liegt. Don Cesar         Celia, Wo denkst du hin! Celia                 Was schreckt dich dran? Don Cesar Ich sehe tausend Mißlichkeiten. Celia Was denn für welche? Don Cesar                 Doch vor allem: Ist's denkbar, daß dein Bruder nichts Von dieser Treppe weiß? Celia                 Nun freilich. Die Wohnung hab' ich erst gemietet, Als er schon fern war; darum blieb Ihm ihr Geheimnis unbekannt. Don Cesar Zu schätzen weiß ich, Celia, Von Herzen deine Güt' und Sorgfalt. Jedoch weswegen, da dein Bruder Nun einmal hier ist, sollen wir In fortgesetzter Angst verharren? Drum besser ist's, ich geh', voll Dank, Daß mir's vergönnt war, dich zu sehn. Leb wohl. Celia         Halt ein! Du darfst nicht, Cesar, Dies Haus verlassen; denn dein Leben Schwebt in der äußersten Gefahr. Don Cesar Wodurch? Celia         So wisse, daß zur Stunde Man in dem Gasthof, wo du wohnst, Dich töten will. Don Cesar         Wer will mich töten? Celia Mein Bruder Felix, aufgestachelt Von Don Juan. (Man hört draußen rufen)         Die Stimme … Inés                 Herrin, Das ist Don Felix in Person. Celia (zu Don Cesar) Nun kannst du nicht mehr fort von hier, Mußt ins Versteck. Inés         Der Treppenabsatz Ist gar kein übler Aufenthalt. (Sie gehen alle vier ins Kabinett) Don Cesar Nur deinem Ruf zulieb' gehorch' ich; Doch wenn er sich ins Bett gelegt, Verlass' ich gleich das Haus. Celia                 Inés, Mach hurtig, öffne die Geheimtür Und laß die beiden ein. Mosquito                 Mich auch? Inés Natürlich, und nicht eher darfst du Heraus, als bis das ganze Haus Den Schlummer des Gerechten schläft. Und ja nicht auf der Treppe poltern! Don Cesar Ich beuge blind mich dem Geschick. (Inés hat die Geheimtür geöffnet, durch die Don Cesar und Mosquito abgehen, und macht sie hinter ihnen zu) Neunter Auftritt Celia. Ines. Don Felix, Don Juan (durch die Mitteltür rechts. Dann) Diener. Don Felix Ich bin am Ziele; geht getrost. Don Juan Ich hatt' Euch von hier fortgeholt, Und Euch erkannten sie, mich nicht. Drum muß ich Euch zur Seite stehn, Bis ich in Sicherheit Euch weiß. Celia (leise zu Inés, mit der sie ins Wohnzimmer zurückgekommen ist) Da Don Juan mit ihm zusammen Zurückkehrt, fahnden sie gewiß Nach Cesar hier. Don Felix (ruft)         Heda, Bediente! Ein Diener Der Herr befiehlt? Don Felix         Schafft aus der Wohnung Die ganzen Möbel augenblicklich Ins untre Stockwerk zu dem Herrn Aus Mailand, wo sie lagern sollen. (Zu Don Juan) Ich red' indes mit meiner Schwester. Don Juan Und ich will nach dem Rechten sehn. (Ab Mitteltür rechts. Der Diener folgt ihm) Celia (leise zu Inés) Vermutlich wollen sie das Haus Umkehren, um ihn aufzuspüren. Inés (leise) Da fangen sie, weiß Gott, schon an. (Während des Folgenden kommen mehrere Diener durch die Mitteltür rechts und beginnen sämtliche Möbel fortzutragen, zuerst aus dem Wohnzimmer und dem hinter der Seitentür links gedachten Raum, dann aus dem Kabinett) Don Felix (zieht, während Inés den Dienern zuschaut, Celia in den Vordergrund) Hör, Schwester … Celia         Bruder, was bedeutet All diese Zurüstung? Don Felix         Du siehst mich In tödlicher Verlegenheit. Celia Wie? Don Felix         Don Juan de Silva bat mich, Mit ihm nach seinem Feind zu suchen In dessen Gasthof. Ich als erster Tret' ein und frage leis den Wirt, Ob in der Abenddämmerung Nicht heut ein Fremder eingetroffen. Der Wirt bejaht; doch hab' er nur Zwei Pferde bei ihm eingestellt Und sei dann wieder fortgegangen. Wir lauern drum auf seine Rückkehr Geraume Zeit, und richtig kommt Zuletzt ein Mensch, den Don Juan Für den Gesuchten hält; ich mußt' ihm, Weil niemals ich ihn sah, das glauben. Wir gehn ihn an, er wehrt sich tapfer; Doch das Geklirr der Degen zieht uns Die Wächter auf den Hals, und einen Davon streckt leider in der Hitze Zu Boden Don Juan. Wir leisten Noch Widerstand, bis einer ruft: »Das ist Don Felix de Acunia.« Weil ich somit erkannt war, nahmen Wir wie der Wind Reißaus. Ein Totschlag, Gepaart mit Widersetzlichkeit, Das heißt, mein Leben ist gefährdet, Und schleunigst muß ich fort von hier. Auch du darfst hier allein nicht bleiben, Damit man mir nicht hinterher Aufs neue Dinge von dir meldet, Die meiner Ehre schädlich sind. Drum, Celia, komm ohne Säumen In unsres Oheims Haus mit mir. Erst wenn von deiner Sicherheit In seinem Schutz ich überzeugt bin, Darf ich an meine denken. Celia                 Felix, Ich soll … Don Felix         Du hörtest. Celia                 Überleg! Don Felix Nur vorwärts, ohne Widerrede! -- Inés, begleite deine Herrin- Celia (leise zu Inés) O Gott, warum in aller Welt Muß grade mir so was begegnen? Inés (leise) Die beiden auf dem Treppenabsatz, Was wird aus ihnen jetzt? Celia (leise)                 Ach, Himmel! Don Felix Kommt! (Er geht mit Celia und Inés ab Mitteltür rechts) Erster Diener (im Kabinett)         Nur der Putztisch ist noch übrig. (Er nimmt ihn) Zweiter Diener Und da der Teppich an der Wand. (Er nimmt den Teppich von der Geheimtür ab) Sogar die Betten sind schon drunten; Kein einz'ger Nagel bleibt zurück. (Sie tragen die Sachen ins Wohnzimmer) Don Juan (durch die Mitteltür rechts) Niemand darf länger hier verweilen. Schließt hinter Euch die Türen ab. (Alle gehen ab durch die Mitteltür rechts und schließen diese und die Mitteltür links von außen hörbar ab. Nur die kahlen Wände sind noch vorhanden. In einer Ecke des Wohnzimmers brennt ein vergessenes Licht) Zehnter Auftritt Don Cesar, Mosquito (kommen aus der Geheimtür ins Kabinett) Don Cesar Es ist schon Mitternacht vorüber. Mosquito Ob uns Inés vergessen hat? Don Cesar Kein Laut. Sie schlafen wohl schon alle. Auch können wir uns schlimmstenfalls, Wenn jemand käme, hinterm Teppich, Der diese Tür verkleidet, bergen. Erforschen muß ich unbedingt, Warum hier solch ein Lärm verübt ward. Mosquito Je nun, wo kam der Teppich hin? Don Cesar Such nach Inés. Mosquito (rufend)         Inés, holla! Don Cesar Leis, daß dich niemand hört noch sieht. Mosquito (hat behutsam den Kopf ins Wohnzimmer gesteckt) Wer soll uns hier denn sehn und hören, Da wir in einer Wüste sind? Mir scheint, bei meiner armen Seele, Piraten haben hier gehaust. Don Cesar Wieso? Mosquito         Weil alles ratzekahl Geplündert ist. Don Cesar         Kerl, bist du toll? Mosquito Ihr seid es, wenn Ihr mir nicht glaubt. Kommt dort hinein ins große Zimmer Und seht, ob mehr Ihr seht als ich. Denn offenbar, damit wir sehen, Daß nichts zu sehn ist, ließ man drinnen Aus Rücksicht oder Unbedacht Ein Licht zurück; sonst aber blieb Kein Sessel und kein Schrank darin, Kein Bild, kein Schemel, keine Truhe, Kein Tisch, kein Stuhl, kein Bett, kein Strohsack, Kein Vorhang, keine Schnur, sogar Auch keine Celia und keine Inés. Don Cesar (ist mit Mosquito ins Wohnzimmer gekommen)         Was heißt denn das? Ich hörte Zwar das Geräusch; doch die Gespräche Verstand ich nicht. Es hat sich fraglos Hier etwas Ungewöhnliches Ereignet. Mosquito         Herr, für uns kein Schade: Wir wohnen jetzt geräumiger. Nur wär' es nicht zu viel verlangt, Daß uns Inés und Celia Ein Brot zurückgelassen hätten. Don Cesar Wie kannst du jetzt an Essen denken! Mosquito Weil mich mein Magen dran erinnert. Don Cesar Nach diesem dunklen Vorfall ist Nur eines dringlich: daß wir gehn. Denn falls Don Felix mittlerweil Erfuhr, daß wegen seiner Schwester Alonso mir erlag und ich Hier in Madrid bin, dann unstreitig Ist dies ein Anschlag seiner Rache. Mosquito (nachdem er an den zwei Mitteltüren gerüttelt hat) Wir sollen gehn? Doch wo hinaus? Die beiden Türen sind verschlossen. Don Cesar (deutet nach der Seitentür links) Dort. Mosquito (ängstlich)         Aber wenn … Don Cesar                 Schau nach. Mosquito (hat zitternd das Licht genommen, öffnet die Seitentür links)                         Auf Eure Verantwortung. (Er geht hinein) Don Cesar         Geschwind! Mosquito (zurückkommend)                 Kein Ausgang. Don Cesar Dann durch ein Fenster. Mosquito         Die sind sämtlich Vergittert. Don Cesar Oder durch den Schornstein. Mosquito Warum nicht durch die Mauer? -- Ha! Don Cesar Was? Mosquito Ich erschrak vor meinem Schatten. Don Cesar War irgendjemals irgendwer In solcher Lage? Mosquito         Lieber Gott! Ach, guter Gott! Don Cesar         Was heulst du, Memme? Mosquito Ich tu' mir so entsetzlich leid. Zweiter Akt Dieselbe Dekoration Erster Auftritt (Früher Morgen.) Don Cesar, Mosquito (kommen aus der Seitentür links ins Wohnzimmer) Mosquito Herr, dieses Haus ist offensichtlich Erbaut von einem Zauberer, Der eifersüchtig eine Fee Behüten wollte; denn es gibt In ihm nicht Luke, Ritze, Loch, Wodurch ein Mäuschen könnt' entschlüpfen Ja nicht mal ein Mosquito. Don Cesar                 Würde Der Geist sich mühn, das wunderlichste Der Abenteuer auszuspinnen, Könnt' er's erfindungsreicher dichten, Als hier die Wirklichkeit es schuf? Muß man nicht glauben, daß man träumt? Nur so viel weiß ich: Falls nicht bald Ich einen Weg zur Flucht entdecke, Dann reißt mir die Geduld. Mosquito                 Das ist Noch nicht das Schlimmste. Don Cesar Was denn könnte Noch schlimmer sein? Mosquito Das fragt Ihr noch? Ei, daß wir nichts zu essen haben. Denn jener magre Hammelknochen, Der in dem Kochtopf auf dem Herd Vergessen ward, und aus dem Wandschrank Das halbe Brot sind längst verschlungen. So nötigt uns die Hungersnot Zur Übergabe, da die Festung Nicht für zwei Stunden mit Proviant Versehen war. Don Cesar         Besäß' ich nur Den Schlüssel noch aus jener Zeit, Als während ihres Bruders Fernsein Ich öfters Celia besuchte. Wie dumm, daß ich ihn ihr zurückgab Vor meiner Flucht! Wer könnt' auch so was Voraussehn? Mosquito         Bleicher Lichtschein kündet Den Tag schon an. Was wollt Ihr tun? Don Cesar Es bleibt mir nur ein einzig Mittel. Mosquito Das wäre? Don Cesar         Hör genau mir zu: Im Erdgeschoß, wie Celia Mir mitgeteilt, wohnt ein Geschäftsmann; Dem hab' ich vor mich zu entdecken. Denn besser ist es immerhin, Daß noch ein Fremder eingeweiht wird, Als daß ich hier ermordet werde, Was unbezweifelbar Don Felix Bei diesem überstürzten Auszug Im Schilde führt. Mosquito         Wie soll der Fremde Verständigt werden? Don Cesar         Laß uns pochen An den Verschlag. Mosquito Ich wette drauf, Man wird bereits beim ersten Ton Vermuten, daß es Räuber sind, Und wird mit Knüppeln uns erschlagen, Bevor den Mund wir aufgetan. Don Cesar Es bleibt uns keine Wahl. Ich muß es Versuchen. (Während er in das Kabinett gehen will, wird an der Mitteltür rechts gepocht)         Was bedeutet das? Mosquito Der fremde Mann von unten kommt Mit Pochen uns zuvor. Was gilt's, Auch er ist eingesperrt. Don Cesar                 Ach was! Dort an die Tür pocht man von außen. (Neues Pochen) Mosquito Wer da? Don Cesar         Was fällt dir ein, du Tropf! Schweig! Mosquito         Dem, der pocht, will ich bedeuten, Daß er den Schlüssel holen soll. Don Cesar Still! Jedes Lebenszeichen wäre Gefährlich. Mosquito         Laßt zum mindesten Mich gucken durch das Schlüsselloch, Zu schaun, wer 's ist. Don Cesar         Nun, meinethalb. Mosquito (durchs Schlüsselloch sehend) Ach, eine saubere Bescherung! Don Cesar Wer ist es? Mosquito Die Gerichtsbarkeit. Don Cesar Gerichtsbarkeit? Mosquito Ja, Herr; schaut selber. Don Cesar Wahrhaftig! Alles hätt' ich eher Gedacht, als daß ein Edelmann In solcher Art sich rächen könnte! Mosquito Herr, Celia hat Euch verkauft. Don Cesar Nein, nein, das kann ich ihr nicht zutraun. (Hammerschläge gegen die Tür) Mosquito Ich doch; weshalb ist sie verschwunden? Don Cesar Wird da nicht schon am Schloß gestemmt? Mosquito Jawohl, ich kenne diese Schläge. Dieselben sind's, die man zum Zeichen Des Anfangs gibt in der Komödie. Don Cesar Was jetzt? Mosquito         Ich schlage vor, wir beichten, Weil unser letztes Stündlein kam. Don Cesar Das gilt vielleicht nicht uns. Am besten, Wir gehen wieder ins Versteck Und spitzen heute schärfer dort Als gestern abend unsre Ohren. (Beide durchs Kabinett und die Geheimtür ab) Zweiter Auftritt (Die Mitteltür rechts wird von außen aufgeschlossen.) Ottavio, ein Gerichtsdiener, ein Gerichtsschreiber (und) einige Wächter (kommen von dort. -- Dann) Otaniez, Don Diego Ottavio Wozu versuchtet ihr die Tür Zu sprengen? Hab' ich doch die Schlüssel Und stieg, als ich das Klopfen hörte, Von meiner Wohnung unten eilends Herauf. Was, meine Herrn, begehrt ihr? Gerichtsdiener Wir suchen einen Herrn mit Namen Don Felix de Acunia hier, Weil einen Mann in meinem Vierte! Er gestern abend umgebracht. Ottavio (für sich) Die führ' ich irre. (Laut) Ja, ganz recht, Ein solcher wohnte hier, ist aber Schon vor sechs Wochen ausgezogen. Die Schlüssel zu der Wohnung ließ Er mir zurück, da mich der Hausherr Ermächtigt hat, sie zu vermieten; Ihr seht ja selber, sie steht leer. Gerichtsdiener Er ist entwischt. Schreiber         Was wollt Ihr tun? Gerichtsdiener Zu Protokoll die Sache geben. Otaniez (durch die Mitteltür rechts) Ich soll Euch, Herr Ottavio, Bestellen, daß mein Herr Don Diego Euch sprechen will. Ottavio         Siehst du denn nicht, Du Narr, daß ich beschäftigt bin? Ich komme gleich zu ihm hinunter In mein Kontor. Don Diego (durch die Mitteltür rechts)         Wollt mir verzeihn … Ottavio Entschuldigt … Gerichtsdiener         Herr, für uns ist hier Nichts mehr zu holen. Schreiber         Hätte man Schon gestern abend zugepackt, So wär' er jetzt in unsrer Hand. Gerichtsdiener Wir haben ja die ganze Nacht Umsonst geforscht nach seiner Wohnung. (Er geht mit dem Schreiber und den Wächtern ab Mitteltür rechts) Dritter Auftritt Ottavio. Don Diego. Otaniez Don Diego Ich hört' in Euerem Kontor, Ihr wäret, Herr Ottavio, Hier oben mit Gerichtspersonen, Und Angst um Euch trieb mich herauf. Nochmals vergebt, wenn ich so früh Schon störe. Mich verlangt zu wissen, Ob mit der Post, die von Italien Euch gestern zuging, der Dispens Gekommen, den ich nötig habe Für die Vermählung meiner Tochter Mit ihrem Vetter Don Juan; Denn sehr bin ich in Ungeduld, Mich zu befrein von dieser Sorge. Ottavio Nun denn, Ihr könnt mir Botenlohn Entrichten; der Dispens ist da. Don Diego Wie dank' ich Euch! Ottavio         Und das Gericht Erkundigte sich bloß bei mir Nach einem jungen Edelmann, Der wegen eines Ehrenhandels Unlängst aus dieser Wohnung auszog Und seine Schwester mit sich nahm. Don Diego Ach, jeder Vorfall dieser Art Mahnt mich an meinen eignen Kummer. Nie werd' ich meInes Sohnes Tod Verschmerzen und daß mir der Mörder Entkam. Fürwahr, ich hätt' ihn sonst … Ottavio Habt Ihr von ihm nie mehr gehört? Don Diego Die Erde, scheint's, hat ihn verschluckt. Jedoch nichts mehr davon, ich bitt' Euch. Ottavio Weswegen schaut Ihr so gespannt Euch um? Don Diego         Es dünkt mich, daß ich hier, Wie man zu sagen pflegt, zwei Fliegen Mit einer Klappe schlagen kann. Denn da die Heirat nun gesichert, So wünsch' ich meinen Schwiegersohn Und Neffen in mein Haus zu nehmen; Doch weil darin der Raum zu eng, Such' ich nach einer größren Wohnung Seit Wochen schon, und die da würde Nach ihrer Lage sehr mir passen. Ottavio Wenn sie Euch zusagt, soll's mir lieb sein; Ich hätt' als Mittelsmann Profit. Don Diego Wie viele Zimmer hat sie? Ottavio                 Wollt Nurnachschaun. (Er führt ihn nach rechts) Hierein Kabinett. (Nachdem Don Diego hineingschaut hat, führt er ihn nach links, öffnet die Seitentür) Hier ein Gemach, woran die Küche Sich anschließt. (Er führt ihn zur Mitteltür links, schließt sie auf)         Hier die weitren Zimmer, Mit eignem Ausgang nach dem Flur. (Sie gehen hinein und kehren gleich darauf zurück; Ottavio schließt wieder ab) Don Diego Ja, gut gefällt mir diese Wohnung, Zumal sie leicht sich in zwei Teile Zerlegen läßt. Hier diesen vordern Kann Don Juan bis nach der Hochzeit Bewohnen; dann werd' ich hier einziehn Und lasse jenen größern Teil Dem jungen Paar. Wißt Ihr, was jährlich Die Miete kosten soll? Ottavio                 Zweitausend Realen. Otaniez         Das ist viel zu teuer, Da jetzt die Häuser wohlfeil sind. Don Diego Wer ist der Hausherr? Auf der Stelle Möcht' ich ihn sprechen. Ottavio                 Sprecht mit mir. Der Eigentümer, der mein Freund ist Und jetzt sich aufhält in Granada, Hat Vollmacht mir erteilt. Don Diego                 Wohlan, Ich miete zum genannten Preis, Weil ich mit Euch nicht feilschen will. Gebt mir die Schlüssel; denn noch heut Wünsch' ich den Einzug vorzunehmen. Ottavio Ihr sollt sie haben. Zu Besuch Will ich nachher aufs Land, und niemand Lass' ich daheim zurück. Drum kommt, Damit ich, weil Ihr's eilig habt, Sogleich Dispens und Mietsvertrag Euch übergebe. Don Diego         Höchst zufrieden Bin ich darob. Ottavio         Und ich begrüße Mit Freuden Euch als Hausgenossen. (Alle gehen ab durch die Mitteltür rechts. Diese wird von außen abgeschlossen) Vierter Auftritt Don Cesar, Mosquito (kommen aus der Geheimtür und gehen ins Wohnzimmer) Don Cesar Hast du gehört? Mosquito         Nur ein paar Brocken. Don Cesar Muß denn sich Zufall stets auf Zufall, Ereignis auf Ereignis häufen, Damit sich mein Geschick verknäult Und meine Drangsal sich vergrößert! Weil einen Totschlag er beging, Deswegen zog Don Felix aus, Und um Lisarda möglichst schnell Mit ihrem Vetter zu vermählen, Sucht (ich vergeh' vor Eifersucht!) Ihr Vater den Ottavio Hier oben, mietet flugs die Wohnung Und trägt mit sich die Schlüssel fort! Ja, was dem Ungemach die Krone Noch aufsetzt: Auch mein Plan, zu pochen An dem Verschlag, wird mir vereitelt; Denn niemand bleibt im Haus zurück. Will Gottes Zorn, daß nimmermehr Die Kette meiner Leiden endet? Mosquito Daß jemand eine Wohnung nimmt, Die schon mit Möbeln ist versehen, Kommt in Madrid alltäglich vor. Doch das ist eine neue Mode, Daß eine Wohnung wird gemietet, In der das Mobiliar besteht Aus einem Herrn und einem Diener. Gut wenigstens, daß all den Übeln Ein Trost gesellt ist. Don Cesar         Was für einer? Mosquito Daß erstens Herr Ottavio Nichts weiß von der geheimen Treppe, Daß zweitens der Besitzer fern ist: Der hätte dem Don Diego sicher Auch die gezeigt, und dieser hätt' uns Beim Treppentrappeln dort ertappt. Don Cesar Nun freilich, noch ist nichts verloren, Und ich bin keineswegs der Mann, Der so geringen Widerständen Sich kampflos unterwirft. (Er zieht einen Dolch hervor und versucht die Mitteltür rechts damit zu öffnen) Mosquito         Was macht Ihr? Don Cesar Aufbrechen will ich diese Tür, Um aus dem Hause fortzukommen, Bevor's vom Feind umzingelt wird. Zwar ist Gefahr, daß auf der Straße Man mich beim ersten Schritt ergreift; Was aber soll mir noch das Leben, Wenn sich mit Don Juan Lisarda Vermählen wird? Ich mag im Unglück Nicht ihres Glückes Zeuge sein. Mosquito Herr, Ihr habt recht; nur fort von hier, Wenn auch die Tür in Trümmer geht. (Geräusch von außen) Don Cesar Doch was bemerk' ich? Man versucht Von außen aufzuschließen. Mosquito                 Schnell In das Versteck! Don Cesar Ist es Don Diego, Dann hilft nichts andres. Mosquito                 Rücksichtslos, Daß er die Zeit nicht besser wählt! (Beide eilen durch das Kabinett und die Geheimtür ab) Fünfter Auftritt Beatriz, Otaniez (durch die Mitteltür rechts, die sie aufgeschlossen haben) Beatriz (auf der Schwelle) Ist's hier? Otaniez         Jawohl. Beatriz                 Eh wir uns rühren, Zuerst ein Kreuz geschlagen; dann Hinein, den rechten Fuß voran. Erschrecklich knarren alle Türen; Das Treppenhaus ist viel zu schmal, Die Fenstergitter übertrieben, Und -- eins, zwei, drei, vier, fünf, sechs, sieben -- Auch ungrad ist der Balken Zahl. Otaniez, geh zum Herrn und sag, Falls er das Geld nicht für die Miete Vorausbezahlte, daß ich riete, Hier nicht zu wohnen einen Tag, Bevor er schriftlich ausgemacht, Daß alle Türen man erneuert, Dem Übelstand der Treppe steuert Und zufügt Balken Nummer acht. Otaniez Der Teufel packe dich beim Kittel Für deines Einzugs ersten Gruß, Den vorgesetzten rechten Fuß Und all dein naseweis Gekrittel, Für deine Balkenzählerei, Für schmale Trepp' und Türenknarren. Vermutlich brachte diese Sparren Dir deine Urgroßmutter bei. Beatriz Warum auch nicht? Ich hört' ihr zu, Damit ich ihre Weisheit nütze; Die hatte zehnmal soviel Grütze Im Ärmel als im Schädel du. Otaniez Man merkt's am guten Christentum, Das ihrer Enkelin sie lehrte! Jedoch du bist auf falscher Fährte, Siehst hier du dich nach Balken um. Nein, wie der Herr dir aufgetragen, Feg, Beatriz, die Wohnung aus. Es haust ein Hausgeist hier im Haus; Der wird mir alles wiedersagen. Beatriz Ein Hausgeist hier, mit Hilfe dessen Du spionierst? Otaniez         So ist es. Beatriz                 Nein, Das wird der böse Geist wohl sein, Von dem du lang schon bist besessen. Otaniez Du Schnattergans, du Satansweib, Du höchst verderbliches Gewächse, Du warst als Kind schon eine Hexe Und hast den Beelzebub im Leib. Sprich du mit mir in andrer Art! Beatriz Du jammervolle Schneiderelle, Du klapperbeiniges Gestelle, Du Almanach der Höllenfahrt, Du, der versinkt in seiner Hosen Unüberwindlichem Gewirr, Der selbst sich dient zum Nachtgeschirr Sowie zum Kammervirtuosen, Du Knochen einer alten Mähre, Du Hobelspan, du Bettelstab, Du Requiem fürs eigne Grab, Du schlotterichtes Miserere, Du Inbegriff der Lungensch wäche. Du lächerlicher Besenstiel Und noch dreihundertmal soviel -- Wie willst du, daß man mit dir spreche? Otaniez Du Schandmaul, preise dein Geschick, Daß unsre Herrin vorgefahren Am Haus und hier im Augenblick Erscheint; sonst würd' ich bei den Haaren Dich schleppen zur Inquisition. Sechster Auftritt Vorige. Lisarda (durch die Mitteltür rechts) Lisarda Mein Vater drängt zu großer Eile, Als wär' zu seinem Seelenheile Der Einzug nötig heute schon. Er sandte mich deshalb voraus, Um unser neues Heim zu sichten Und möglichst passend einzurichten. Otaniez Ihr dient zum besten Schmuck dem Haus. Beatriz Ein Vater, dem nicht Klugheit fehlt; Denn eigen ist's den Frauen allen, Daß nichts erweckt ihr Wohlgefallen, Was nicht sie selber ausgewählt. Hätt' ich die Möbel ausgelesen Und hingestellt so recht bequem, Ich glaube fast, von alledem Wär' nichts nach Eurem Sinn gewesen. Lisarda Es scheint, wir haben gut gemietet. Otaniez Dies Zimmer ist für Don Juan, Bis er des Glücks genießen kann, Das Ihr mit Eurer Hand ihm bietet. Beatriz Otaniez, lauf hinab; schau zu Da drunten, daß man aus dem Wagen Die Möbel bringt heraufgetragen. Otaniez Gesagt und schon getan im Nu. (Ab Mitteltür rechts) Lisarda (wirft einen Blick in das Kabinett) Dies, wenn ich erst vermählt sein werde, Wird wohl mein Ankleidzimmer. -- Ach! Beatriz Ihr seufzt, als war's ein Ungemach, Daß bald Ihr weilt am eignen Herde. Lisarda Ja, Beatriz, mich drückt Beschwerde. Beatriz Und wer bewirkt sie? Lisarda         Don Juan. Siebenter Auftritt Lisarda. Beatriz. Don Juan (durch die Mitteltür rechts. -- Zuletzt) Castanio Don Juan Zu guter Zeit komm' ich hier an, Da zum Empfang als frohe Kunde Mein Name mir aus deinem Munde Entgegentönt, Lisarda. Lisarda         Kann Es nicht statt Glückes Unglück sein, Was mich veranlaßt, ihn zu nennen? Don Juan Ich kann darin nur Glück erkennen. Lisarda O Himmel! Don Juan         Denn gedenkst du mein, War's auch, weil trügerischer Schein Mich deine Gnade ließ verscherzen, Ist doch mein Glück nicht auszumerzen; Am Schlag erkennt man ja die Uhr: Sie folgt mit ihrer Stimme nur Dem Räderwerk in ihrem Herzen. Lisarda Doch tritt es manchmal auch zutag, Daß uneins mit dem Uhrenschlag Die Zeiger eigenwillig kreisen Und eine andre Stunde weisen. Don Juan Aus welchem Grund verdien' ich, sag, So schroffen Ton? Lisarda         Nicht klar ist mir, Ob ich auf deine Wißbegier Verpflichtet bin, Bescheid zu geben; Mit Beatriz sprach ich soeben Und spreche weiter nur zu ihr. Ja, Beatriz, mein Vetter glaubt, So scheint mir, wenn in nächste Nähe Ein Mann gerückt sieht seine Ehe, Sei Anstandsmangel ihm erlaubt, Und absehn dürf' er überhaupt Von Ritterdienst und Artigkeiten. Vergessen hat er schon beizeiten, Daß man die Liebe von jeher Für schwächlich hielt, wenn sie nicht mehr Imstand ist, Sorge zu bereiten. Denn als ich gestern fuhr aufs Land, Späht' ich nach Don Juan vergebens; Doch ward ich aus Gefahr des Lebens Befreit von eines andern Hand, Und hab' ich meinen Dank bekannt Ihm, der solch wackren Mut besessen, So schuld' ich dem, der mich vergessen, In gleichem Grade meinen Groll, Damit mir keiner sagen soll, Ich hätt' ihn ungerecht gemessen. Ich kehrte heim nach diesem Schauer; Jedoch den ganzen Abend nicht Kam dieser Herr mir zu Gesicht. Zu merken, von wie kurzer Dauer Sein Schmachten war, weckt mir nur Trauer, Nicht Eifersucht, und ich gewann Ernüchterung, weil Don Juan, Schon vor der Hochzeit umgewandelt, Nicht anders heute mich behandelt, Als war' er längst mein Ehemann. Don Juan Wenn ich bei dir Gehör nur fände, Zu schildern, was mit mir geschehn, So würde rasch dein Groll vergehn. Zu Zeugen ruf ich diese Wände; Drum hör, Lisarda, mich zu Ende; Ja, hör … Lisarda         Ich unterhalte mich Mit Beatriz; drum unterbrich Nicht mein Gespräch. Don Juan         Sei nicht verdrießlich: Sprachst du mit Beatriz ausschließlich, Zu Beatriz nun sprech' auch ich. Als gestern ich gelangt aufs Land, Nach meiner Base suchend, fand Ich den, der ihren Bruder fällte; Voll Gier, den Mord zu rächen, stellte Ich flugs ihm nach, und mir verband Sich Felix, der in diesen Mauern Gewohnt. Wir zwei gemeinsam lauern Ihm auf, und in der blinden Wut Vergieß' ich eines andern Blut. Zu meinem äußersten Bedauern Ward Felix von der Polizei Erkannt; nach Pflicht stand ich ihm bei, Bis ich in Sicherheit ihn wußte. Doch nicht genug, ich selber mußte Nachforschen, ob ich sicher sei. Zu meinem Glück ward mir bestellt, Daß mich kein Schergenblick erkannte. Dies ist's allein, was mich verbannte; Sonst gäb's kein Schrecknis auf der Welt, Das von Lisarda fern mich hält. Beatriz Da man den Fall mir vorgetragen, Hab' ich den Urteilsspruch zu sagen. Er heißt: Es sollen die Partein Einander ausgesöhnt verzeihn, Dieweil sie nur aus Liebe klagen. Don Juan (zu Lisarda) Mir ist es recht; voll Ungeduld Hoff ich die Rückkehr deiner Huld. Lisarda So leicht kann sie nicht wiederkehren; Erst mußt du Bürgschaft mir gewähren, Daß wirklich frei du bist von Schuld. Don Juan Zum Zeichen, daß ich dein gedacht, Nimm ein Geschenk von mir entgegen … Lisarda Du willst mir neuen Zorn erregen. (Ab Mitteltür rechts) Don Juan (zu Beatriz) Was deiner Herrin ich gebracht, Darauf gib du mir sorgsam acht. Castanio! Castanio (durch die Mitteltür rechts)         Herr... Don Juan                 Gib aufzuheben Den Pack der Beatriz. (Ab Mitteltür rechts) Achter Auftritt Beatriz. Castanio Beatriz         Das Geben Ist solche Lust für den, der nimmt, Daß, wenn's auch nicht für mich bestimmt, Ich gern das Nehmen mag erleben. Weil hier noch alles wüst und leer, Drum bring in jenes Nebenzimmer, Das meine Herrin wählen will Zum Putzgemach und Schummerwinkel, Behutsam deine Schätze hin. Castanio Da wirst du staunen. Tausend Sachen Schenkt ihr mein Herr; ich hole sie. (Er öffnet die Mitteltür rechts) Da draußen sind bereits die Träger. (Ab) Beatriz (ihm nachrufend) Sie sollen kommen! (Mehrere Träger bringen durch die Mitteltür rechts allerlei Möbelstücke) Beatriz (zu den Trägern)         Stellt einstweilen Die Möbel ab, wie's grade trifft; Und in den Hinterzimmern schlagt Hernach die Betten auf. Castanio (kehrt zurück, mit vielen Schachteln und Kästchen beladen)         Da hab' ich Die Herrlichkeit. Beatriz (zeigt auf einen soeben hereingetragenen Tisch)         Leg sie hier drauf; So können am bequemsten wir An Ort und Stelle sie befördern. (Nachdem Castanio die Sachen auf den Tisch gelegt, tragen sie diesen ins Kabinett und stellen ihn dicht vor die Geheimtür. Die Träger bringen während des Folgenden noch andere Möbel ins Wohnzimmer; dann tragen sie ein Bett und weitere Einrichtungsstücke in den Raum hinter der Seitentür links. Zuletzt gehen sie ab) Castanio (die Schachteln ordnend) Hier Zuckerwerk aus Portugal. Beatriz Zuckrig und doch an Süßigkeit So süß nicht wie die süße Braut. Castanio Aus Mexiko hier Schokolade, Und dies da Hauben, Gürtel, Strümpfe, Handschuh', Pantoffel, Arbeitsbeutel, Geldbörsen, Täschlein, Räucherkerzchen, Essenzen. Beatriz         Oh, wie fein das duftet! Castanio All diese Düfte, Beatriz, Sind ja den Frauen unentbehrlich, Damit sie selbst nicht übel duften, Und namentlich den Ehefraun. Beatriz Du Spitzbub! Castanio         Das war das. Nun kommen In diesem Kästchen, das wahrhaftig Ein Zauberkästchen ist, Juwelen Und auserlesenes Geschmeid'. Beatriz Sehr schön; doch etwas mangelt noch. Castanio Was? Beatriz         Ein gewisses Festtagskleid, Das mir zum Überfluß man stiftet, Um auf der Hochzeit es zu tragen. Castanio Zum Überfluß -- ja, gut gesagt! Denn welches Kleid, bei Licht besehn, Wär', Beatriz, kein Überfluß? So eines wollt' ich zwar dir bringen; Doch gibt's ein großes Hindernis. Beatriz Sag, welches? Castanio         Man erzählte mir, Daß du für einen groben Lümmel, Der jetzt in fernen Landen ist Und wegen seiner Stachligkeit Zweimal Mosquito müßte heißen, Vormals das Knopfloch seiner Knöpfe Und seiner Schuhe Senkel warst. Dies zu vernehmen wurmte mich, Und wenig wär' es mir genehm, Dürft' einer von Castanio sagen, Dieselbe Puppe kleid' er an, Die schon ein andrer ausgekleidet. Beatriz Das ist ein albernes Geklatsch. Mosquito war der Spielball nur Für meine Launen, und die Wahrheit Dir zu gestehn, du hast mehr Tränen In einer Stunde mich gekostet Als er in einem halben Jahr. Weil er ein armer dummer Kerl ist, Liebt' ich ihn aus Barmherzigkeit Solang, bis ich was Beßres fände. Castanio Wohl oder übel rührst du mich. (Er öffnet die größte Schachtel) Und kurz und gut, hier ist das Kleid, Und, Beatriz, hier auch der Schleier. Beatriz Und hier ein Kuß. Castanio         Ist's also wahr? Du liebst mich? Und zwar mich allein? Beatriz Nur einen lieben ist nicht Mode; Genug damit, ich liebe dich. Und da du heut mit deinem Herrn Hier einziehn wirst, beachte wohl: Wird jetzt hier Gib und Nimm gespielt, Wird nächstens Hund und Katz' man spielen. Nun aber komm. Verschließen muß ich Die Tür, damit kein fremder Mensch Sich einschleicht. Mag das Kleid inzwischen Hier liegen mit dem übrigen. (Sie gehen ins Wohnzimmer) Wie schade, daß nicht unsre Herrschaft Zweimal im Monat Hochzeit hat! Castanio Jawohl, das paßt euch Weibern so. (Beide ab durch die Mitteltür rechts, die sie von außen abschließen) Neunter Auftritt Mosquito. Don Cesar Mosquito (die Geheimtür halb öffnend) Bei Gott, ich muß heraus! Don Cesar (ihn zurückhaltend)                 Wohin? Halt, sag' ich! Mosquito         Wenn wir doch erlauschten, Daß man die Tür verschlossen hat Und daß hier Zuckerwerk zurückblieb, Wie könnt Ihr da mir »Halt« gebieten? Denn wär' dies Zuckerwerk auch bitter, Süß schmecken würd' es dennoch mir, Weil ich so argen Hunger habe. Don Cesar Mach keinen Lärm! Mosquito (streckt die Hand heraus, um nach einer Schachtel zu greifen, und wirft dabei den Tisch um)         Kann ich dafür, Daß mich der blöde Tisch verhindert, Die Tür zu öffnen? Ha, schon hab' ich Ein Schächtelchen; o wär' es doch Das Zuckerwerk. (Er sieht nach.) Nein, Handschuh' sind's. Der Teufel hole sie! Zu oberst, Zu unterst kehr' ich all den Kram. Don Cesar (herauskommend) Was machst du? Mosquito         Lärm. Don Cesar                 Willst du durchaus Zugrund mich richten? Mosquito (hat das Zuckerwerk entdeckt)                 Essen will ich. (ihm anbietend) Eßt auch! Don Cesar         Den Hals dir lieber umdrehn; Denn alles das ist Gift für mich. Mosquito Ob man an Gift stirbt, ob an Hunger, Das kommt ja doch auf eins heraus. Don Cesar Du wirst nicht ruhen, bis ich alles Zerschlag', zerbrach' und niederbrenne Mit meiner Adern Feuerbrand Oder mit meiner Augen Wasser Es überschwemme. Mosquito         Gott im Himmel, Besäßet Ihr nur so viel Feuer Und weintet Ihr nur so viel Wasser, Daß wir die Schokolade dran Uns kochen könnten. Don Cesar         Anzuhören Den abgeschmackten Liebeszank Von Don Juan und von Lisarda, Sein fad Gezirp, ihr süßes Schmollen -- Und ich verlor nicht den Verstand! Mosquito Was das betrifft, so kann auch ich Ein Liedchen singen. Hört' ich doch, Wie der kastanienbraune Hengst Und meine schwarze Stute mich In diesem Liebesstall zerstampften. Mich aber schert nicht, was die reden, Daß nur aus Mitleid sie mich liebte, Weil ich ein armer dummer Kerl bin; Ich esse just, was er gebracht, Denn das ist meine beste Rache. Was hätte wohl die Eifersucht Für Wert, wenn sie das Mahl nicht würzte, Das von dem anderen bezahlt wird? Don Cesar Es scheint mir in der Tat am besten, Zu warten, bis es wieder dunkelt, Und dann den Ausgang mir zu bahnen, Im Notfall mit Gewalt. Mosquito         Ja, fändet Ihr auf der Straße Freund' und Vettern, Durch eine Nachricht vorbereitet, Dann wär' das Wagnis halb so groß. Don Cesar Nun ja, Mosquito, dich kennt niemand. Du könntest, da so viele Leute Treppauf, treppab gehn jetzt im Haus, Unangefochten draus entschlüpfen. Mosquito Zu allem, Herr, bin ich bereit, Wenn ich nur was zu trinken kriege. Don Cesar Du wirst von meiner Lage denen Berichten, deren Namen ich Dir nennen werde. Mosquito         Immerhin, Ich fürchte … Don Cesar         Was hast du zu fürchten, Selbst wenn man etwa dich entdeckt? Mosquito Hm, brenzlig bleibt's und kitzlig auch. Jedoch ich muß was für Euch tun, Und -- Blitz, da kommt mir ein Gedanke : Ich könnte ja verkleidet gehn. In diesem Kleid von Beatriz Wird schwerlich jemand mich erkennen; Helft mir geschwind, es anzuziehn. Don Cesar Man öffnet wieder! Mosquito         Einerlei: Wir haben Nahrung und Bekleidung; Nun möge kommen, was da will. (Er nimmt das Kleid und mehrere Schachteln. Beide ab durch die Geheimtür) Zehnter Auftritt Lisarda, Beatriz (kommen durch die Mitteltür rechts, die sie aufgeschlossen haben) Beatriz Ich schwör' Euch, daß in meinem Leben So wundervolle Kostbarkeiten Ich niemals noch beisammen sah. Lisarda Ich hab's mir überlegt; es müßt' Ihn kränken, wollt' ich sie nicht anschaun. (Sie gehen ins Kabinett) Was aber ist das für ein Chaos? Beatriz Ich wette meinen Kopf, es hat Die Dame Kobold hier gehaust … Nur fort; hier ist es nicht geheuer. Lisarda Wer trat hier ein und richtete Dies Durcheinander an? Beatriz         Kein Mensch Könnt' hier herein; war doch die Tür Verschlossen, und ich hab' den Schlüssel. Lisarda Dann ist es deine Schuld allein. Der Tisch fiel um, weil du die Sachen Unachtsam draufgestellt. Beatriz         Unmöglich. Lisarda Wie sonst? Wer dächte dran, hier bloß Des Spaßes halber einzubrechen? Beatriz Ach, nicht bloß darum! Allbarmherz'ger, Welch Unglück! Lisarda         Fehlt etwas? Beatriz                 Mein Kleid! Und noch bevor ich's angehabt! Lisarda Was für ein Kleid? Beatriz (weinend)         Das für die Hochzeit Geschenkt mir ward von Don Juan. Elfter Auftritt Vorige. Don Diego, Otaniez (durch die Mitteltür rechts. -- Beginnende Dämmerung) Don Diego Was ist denn das für ein Rumor?? (Sie gehen ins Kabinett) Beatriz Und auch der Schleier! Don Diego         Was geschah? Lisarda Vor kurzem stellte Beatriz Hierher, was Don Juan mir schenkte; Nun finden wir es hier am Boden, Und auch ein Kleid von ihr ist fort. Beatriz Bevor ich's einmal angehabt! Otaniez Und hast es doch schon abgelegt. Ja, niemals wär' dir das begegnet, War' hier im Haus ein Balken mehr. Don Diego Solch kleine Mißlichkeiten sind Bei Wohnungswechseln unvermeidlich. Hebt nur, was da herumliegt, auf; Und du, mein Kind, zieh dich zurück In dein Gemach; denn in der Zeit, In der als Unvermählter noch Dein Vetter unter einem Dach Hier wohnt mit dir, verlangt die Sitte, Daß ihr euch möglichst wenig seht. Lisarda Ich geh', dir zu gehorchen, Vater, Und will, damit ich ihn vermeide, Sogleich zur Ruhe mich begeben. Komm, Beatriz, und zieh mich aus. Beatriz Ach, diese Kunst versteht noch besser Der Strolch, der mich hat ausgezogen. (Alle gehen ins Wohnzimmer) Lisarda Still deine Tränen; der Verlust Ist leicht ersetzt. (Leise) Obgleich ich sagte, Zur Ruh' begeben woll' ich mich, Bleib' ich doch wach, um festzustellen, Um welche Stunde Don Juan Nach Hause kommt. Beatriz         O Kümmernis! Mein Kleid, bevor ich's angehabt! Den Schlag werd' ich nicht überleben. (Sie schließt die Mitteltür links auf; beide gehen dort ab) Zwölfter Auftritt Don Diego. Otaniez Otaniez Hier tummelte sich so viel Volk Herum, daß mich's nicht wundern soll, Wenn mehr noch fehlt als das. Don Diego                 Otaniez, Ist auch das Zimmer Don Juans In Ordnung? Otaniez (öffnet die Seitentür links)         Überzeugt Euch selbst. Don Diego Gut! Sorg für Lichter; denn es wird Schon dunkel. (Otaniez ab durch die Mitteltür rechts. Don Diego allein)         Welch ein Freudentag Dies für mich wäre, wenn mein Sohn Ihn mit uns hätt' erleben dürfen! Und nicht einmal ist mir vergönnt, Mich an dem Schändlichen zu rächen, Der ihn … Wer kommt hier? Dreizehnter Auftritt Don Diego. Celia (verschleiert, durch die Mitteltür rechts. -- Zunehmende Dunkelheit) Celia                 Edler Herr, Wenn adlige Geburt verpflichtet, Bedrängter Fraun sich anzunehmen, O dann verweigert Euren Schutz Nicht einer Dame, die vertrauend Ihr Schicksal Euch zu Füßen legt. Ein Mann, zum Wächter meiner Ehre Bestimmt von dem barbarischen Gesetz, das für des Schuldbeladnen Vergehn die Unschuld büßen läßt, Verfolgt mich, und mein Leben hängt Daran, daß er mich nicht erkenne. Drum, als der Ritter, der Ihr seid, Sperrt ihm den Weg; denn sonst … Don Diego                 Kein Wort mehr. Ein Edelmann fragt keine Frau, Die seine Hilfe sucht, nach Gründen; In Drangsal sie zu schaun, genügt. Ich geh' hinab, ihn aufzuhalten, Und können's meine Worte nicht, So kann's mein Degen; denn ich bin Wie ein Vulkan: zwar außen Schnee, Doch innen Feuer. Wartet hier; Ein andrer Raum steht Euch nicht frei. Denn nebenan wohnt meine Tochter, Und vorenthalten möcht' ich ihr, Was in der heut'gen Welt für Dinge Geschehn. (Ab Mitteltür rechts) Celia (allein)         Das Wagestück ist mir So weit gelungen. Geh' auch fürder Die Liebe Glück mir, wenn sie Glück Im Vorrat hat. Ob ich es wage, Mich der geheimen Tür zu nähern? (Sie tastet umher, um den Eingang ins Kabinett zu finden) Vierzehnter Auftritt Celia. (Aus der Geheimtür kommen ins Kabinett) Don Cesar (und) Mosquito (der als Frau verkleidet und verschleiert ist) Don Cesar Die günstigste Gelegenheit Für dich, unmerklich fortzukommen; Denn dunkel ist es und kein Licht Noch angesteckt. Ich aber will, Auch für den schlimmsten Fall gerüstet, Auf die besprochne Botschaft warten. Vergiß nicht, wenn du vor das Haus Mit den bewaffneten Getreuen Zurückkehrst, den Pistolenschuß Als Zeichen, daß ich ohne Scheu Zu euch hinuntereilen kann. Mosquito Gott möge mich geleiten. Amen. (Er geht ins Wohnzimmer) Celia (für sich) Was für ein Wesen naht sich mir? Mosquito (für sich) Was für ein Wesen steht im Weg? Celia (für sich) Ich wage Cesar nicht zu rufen, Bevor sich die Gestalt verzieht. (Sie weichen einander aus) Mosquito (für sich) Der Mensch bemerkt mich nicht; sonst wär' er Nicht stumm. Celia (für sich)         O wär' der Mensch doch fort! (Sie verkriecht sich in eine Ecke) Mosquito (für sich) Wenn ich doch nur die Türe fände! Fünfzehnter Auftritt Celia. Mosquito. Don Diego (durch die Mitteltür rechts) Don Diego (zu Mosquito, den er für Celia hält) Herrin, das Feld ist rein für Euch; Denn in der ganzen Straße sucht' ich Den Mann, der Euch verfolgt, umsonst. Mosquito (mit verstellter Stimme) Wie gnädig Euer Gnaden sind! Don Diego Er birgt sich auch in keinem Haustor. Mosquito Das ist mir überaus erfreulich. (für sich) Wenn's Engel gibt mit grauen Haaren, Ist das gewiß mein Schutzpatron. Don Diego Kommt mit mir, daß ich Euch begleite, Wohin Ihr wollt. Mosquito         Höchst angenehm. Don Diego Ich bitt' um Euren Arm. Mosquito         Hier ist er. Sechzehnter Auftritt Celia. (Dann) Don Cesar Celia (allein; hervorkommend) Sie gingen weg, die hier gesprochen; Wovon sie sprachen, hört' ich nicht. Nun fass' ich mir ein Herz und gehe Gradaus an die bewußte Tür. (Sie geht ins Kabinett und klopft an die Geheimtür) Cesar! Don Cesar         Weshalb kommst du zurück, Mosquito? Celia         Nicht Mosquito bin ich, Don Cesar. Don Cesar (den Degen ziehend)         Nicht? Wer sonst? Celia                 Halt ein! Erschrick nicht; ich bin Celia! Don Cesar Ist's möglich? Celia! Celia         Wer hätte Das Äußerste für dich gewagt Aus Liebe, wenn nicht Celia? Höchst unfreiwillig ließ ich gestern Dich eingeschlossen hier zurück, Und heute früh schickt' ich Inés, Um diesen Schlüssel dir zu bringen, Der freie Bahn dir schaffen sollte. Doch traf sie hier die Obrigkeit; Und wie sie später wiederkam, Fand sie nach dieser kurzen Frist Das Haus an deinen Feind vermietet! Wann freilich hätt' ein Unglück je Viel Zeit gebraucht? Sie traute sich Drum nicht, hereinzugehn. Ich aber, Dich in so böser Klemme wissend, Obwohl in meines Oheims Haus Man mich bewacht mit Argusaugen, Bin draus entwischt, gleichviel, wieso. Genug, daß durch Erfindungsgeist Ich diesen nämlichen Don Diego Bewog, mich freundlichst einzulassen. Doch ist hier meines Bleibens nicht. Da, nimm den Schlüssel, daß er dir Bei Nacht hinaushilft, und leb wohl. Denn findet mich Don Diego nicht, Wenn er zurückkehrt an der Stelle, Wo er mich ließ, schöpft er Verdacht. Don Cesar Hör noch … Celia         Unmöglich; denn man kommt. Versteck dich; riegle zu von innen. Don Cesar Du gute Celia, wieviel Verdank' ich dir! Ach, könnt' ich doch Durch Liebe dir dies alles lohnen. (Ab durch die Geheimtür) Celia (will ins Wohnzimmer gehen, sieht die Eintretenden) O weh, nun ist er nicht allein. (Sie bleibt an der Tür zum Wohnzimmer abwartend stehen. Siebzehnter Auftritt Celia. (Durch die Mitteltür rechts kommen) Don Diego, Don Juan (und) Otaniez (der einige Lichter trägt) Don Diego Kurzum, die Dame wollte nicht Mich weiter zur Begleitung haben Als bis zur Straßenecke. Don Juan         Seltsam. Don Diego Noch einmal heiß' ich, Don Juan, Willkommen Euch in diesem Haus, Das Ihr nun teilen sollt mit mir. Don Juan Ich preise mich drum glücklich, Oheim. Don Diego Otaniez, leuchte meinem Neffen In sein Gemach. Der Tag war mühsam; Drum gute Nacht. (Ab durch die Mitteltür rechts, bis zu der ihn Don Juan begleitet) Celia (für sich)         Wie das? Don Diego Geht schlafen, ohne dran zu denken, Daß er da drinnen mich zurückließ? Wahrscheinlich nimmt er an, ich sei Vor seiner Rückkehr fortgegangen. Don Juan (zu Otaniez) Ich will besonders zeitig heute Zu Bette gehn, damit Lisarda Nicht wieder schmollt. Celia (für sich)         Es ist schon spät; Man wird zu Hause mich vermissen. Was aber tun, solang den Weg Mir meines Bruders Freund versperrt? Achtzehnter Auftritt Celia. Don Juan. Otaniez. Castanio (durch die Mitteltür rechts. Dann) Don Felix Castanio Herr, draußen ist ein Freund von Euch, Der dringend Euch zu sprechen wünscht. Don Juan Zu dieser Stunde? Führ ihn her. Castanio (öffnet die Tür) Mein Herr läßt bitten. Don Felix (durch die Mitteltür rechts)         Teuerster … Celia (für sich) Weh mir, mein Bruder! Don Felix         Ohne Zeugen Hab' ich mit Euch zu reden. Don Juan (zu den Dienern)                 Geht! (Otaniez, Castanio ab Mitteltür rechts) Neunzehnter Auftritt Celia. Don Juan. Don Felix Celia (für sich) O furchtbar! Was beginn' ich nun? Fort kann ich nicht; es bleibt nichts übrig, Als hier verborgen mich zu halten. Don Juan Wir sind allein. Was habt Ihr? Sprecht! Don Felix Ich kann nicht! Don Juan         Ihr seid außer Euch. Kommt mit in jenes Kabinett Und setzt Euch dort behaglich nieder. Celia (für sich) Wenn er mich sieht, ist alles aus! Don Felix Nein, dazu hab' ich keine Ruh'. Hört an; ich werde kurz mich fassen: Wie fest wir zwei verbunden In Freundschaft sind, kann dieses Haus bekunden, Dies Haus, in dem, verfolgt vom Schicksalsfluche, Ihr gestern mich gesucht, ich heut' Euch suche, Weil wir vertauschten in dem einen Tage Nicht nur die Wohnung, sondern auch die Plage! Doch fast verstößt es wider gute Sitten, So schnell Euch um den Gegendienst zu bitten. Don Juan Zu jedem Dienste seht Ihr mich bereit. Don Felix Ihr habt vermutlich in der Zwischenzeit Dem Mörder Eures Vetters nachgespürt, Und wenn die Spur Euch an das Ziel geführt, Weist mir den Weg zu ihm; denn ihn zu töten, Ist mehr für mich nun als für Euch vonnöten. Don Juan Was hat sich denn begeben mittlerweile, Das Euch so spät noch spornt zu solcher Eile? Don Felix Die Zunge sträubt sich, meine Schmach zu nennen. Don Juan Schmach? Don Felix         Ja. Don Juan                 Dem Freunde dürft Ihr sie bekennen. Don Felix So wißt, wenngleich die Stimme mir versagt … Don Juan Nun? Don Felix Ich, Gott sei's geklagt, Hab' eine Schwester, die ein Dämon ist An Leichtsinn, Wildheit, Störrigkeit und List. Sie war es, deren Streiche Mich heimwärts riefen aus dem Kriegsbereiche, Und wieviel übler dran Ist doch ein Bruder als ein Ehemann, Da man, um diesem Amte zu genügen, Nur Sorgen hat und keinerlei Vergnügen! Ein eifersüchtiger Gatte kann zuzeiten Betäuben seine Qual mit Zärtlichkeiten; Doch einem Bruder, der die Schwester hütet, Wird sein tagtäglich Kreuz durch nichts vergütet. Kurz, gestern abend bracht' ich Celia In unsres Oheims Haus, und was geschah? Heut ging sie fort und tat, als ob -- o Lüge! -- Sie nur zu einer Freundin sich verfüge; Doch wie wir nach ihr schicken, Ist nicht sie bei der Freundin zu erblicken, Und die gesteht mit Bangen, Sie sei von ihr verschleiert weggegangen. Ihr fragt, was das mit Cesar hat zu tun? Der Zweikampf, das hab' ich erkundet nun, Worin ihm Euer Vetter ist erlegen, War einzig ihretwegen, Und wenn sie heut verschwand, Liegt wohl, daß er der Grund ist, auf der Hand. Drum also gilt's für Euch wie mich, zu rächen Sein doppeltes Verbrechen. Laßt uns nicht ruhn, bevor wir ihn entdecken Und ihn zu Boden strecken. Don Juan Ich folg' Euch, wenn auch jetzt in dunkler Nacht Wir kaum ihn finden. (Er öffnet die Mitteltür rechts, ruft hinaus)         Heda, haltet Wacht! Sperrt bis zu meiner Rückkehr diese Tür: Kein Mensch darf durch; ihr haftet mir dafür! (Beide ab durch die Mitteltür rechts, die von außen abgeschlossen wird) Celia (allein) O Himmel, gibt's noch größre Zahl Von Ängsten, Foltern, Marterungen, Als die sich gegen mich verschwören? Was fang' ich an? Zwanzigster Auftritt Celia. Lisarda, Beatriz (kommen in Nachtkleidern durch die Mitteltür links) Lisarda         Wie, Beatriz? Ist das auch sicher? Beatriz         Allerdings. Lisarda Daß Don Juan noch einmal ausging Zu dieser mitternächt'gen Zeit? Beatriz Jawohl. Celia (für sich) Was zögr' ich noch? Ich muß Versuchen, aus der argen Schlinge Mich zu befrein. (Sie tritt ins Wohnzimmer, sieht die beiden)         O weh! Lisarda (sie entdeckend)                 Schau dort! Beatriz Warum erschreckt Ihr so? Lisarda (geht auf Celia zu) Wer bist du? Celia Ein Weib. Lisarda         Wer ist's, den du hier suchst? Celia Ein Mann. Lisarda         Herunter mit dem Schleier! Celia Nein! Beatriz (schreiend) Ha, das ist sie! Lisarda (zu Beatriz)         Schrei nicht so! Beatriz Das ist sie, die mein Kleid mir stahl. (Celia entflieht durch die Seitentür links) Lisarda Sie läuft ins Zimmer Don Juans! Nun ist's erwiesen; er betrügt mich! Beatriz Folgt ihr nicht nach, bevor Ihr Leute Zusammenruft. Lisarda         Was ahnst denn du Von Eifersucht? Nimm dieses Licht! Sie fassen muß ich und entlarven. (Beide ab durch die Seitentür links) Einundzwanzigster Auftritt Don Cesar (kommt durch die Geheimtür) Don Cesar (allein) Im Haus ist alles still geworden. Kein Laut. Mit Hilfe dieses Schlüssels Kann ich den Weg mir endlich bahnen. Weshalb so linkisch nun, ihr Füße? Das Unglück schleicht mit Diebesschritten; Folgt seinem Beispiel. (Er ist ins Wohnzimmer gekommen)         Da die Tür. Unsel'ge Wirrungen, fahrt wohl! Genieß dein Liebesglück, Lisarda, Wenn ich's nur nicht mit ansehn muß. (Während er die Mitteltür rechts zu öffnen sucht, tritt ihm Don Juan von dort entgegen) Zweiundzwanzigster Auftritt Don Cesar. Don Juan. (durch die Mitteltür rechts) Don Juan Wer da? Don Cesar         Verwünscht! Don Juan                 Wer ist's? Don Cesar Ein Mann. Don Juan Was für ein Mann hat nachts hier etwas Zu schaffen? Don Cesar         Einer, der zum Trotz Der ganzen Welt sich ungehindert Und unerkannt entfernen will. Don Juan Das möcht' ihm glücken, hätt' er nicht Die Rechnung ohne mich gemacht. Dreiundzwanzigster Auftritt Vorige. Celia (kommt durch die Seitentür links zurück, von) Lisarda (verfolgt; hinter ihnen) Beatriz Lisarda Es half dir nichts, daß hinterm Bette Du dich verkrochst. Ich will, ich muß Dir ins Gesicht sehn! Celia (zurückweichend)         Nimmermehr! Don Cesar (zu Don Juan) Wie wollt Ihr mich dran hindern? Don Juan (den Degen ziehend)                 So! Lisarda (zu Celia) Wie kannst du mir's verwehren? Celia (Das Licht ausblasend)                 So! (Sie bläst auch die übrigen Lichter aus. Don Juan und Don Cesar fechten miteinander) Beatriz Geklirr von Degen! Ich entweiche. (Ab Mitteltür links) Don Cesar (für sich) Das Haus in Aufruhr! Schnell zurück Zu meinem heimlichen Asyl! (Er eilt ins Kabinett) Lisarda (ruft) Bringt Lichter! Celia (für sich)         Keine Rettung sonst, Als wieder mich verbergen. (Sie eilt ins Kabinett) Don Juan                 Schurke, Weichst du mir aus? Lisarda         Wo steckst du, Diebin? Don Juan He, Licht! Lisarda         Hört niemand? Don Cesar (im Kabinett)                 Wer da? Celia                         Cesar? Don Cesar Komm, Celia; dort bist du sicher. (Beide ab durch die Geheimtür) Don Juan (dringt auf Lisarda ein) Hab' ich dich, Bube? Lisarda         Don Juan, Erstechen willst du deine Braut? (Diener bringen Lichter) Don Juan (sich umsehend) Wo kam der Mann hin? Lisarda (ebenso)         Wo das Weib? Dritter Akt Erster Auftritt (Morgendämmerung.) Don Cesar (kommend durch die Geheimtür, die ohnmächtige) Celia (auf seinen Armen tragend; er geht mit ihr ins Wohnzimmer und läßt sie dort auf einen Sessel nieder) Don Cesar Was liegt an mir und meinem Schicksal? Nur auf das Leben Celias Muß ich noch achten, einerlei, Was Lästerzungen flüstern möchten, Wenn ruchbar würde, daß mit mir Ich sie verschloß. In Ohnmacht liegt Sie schon seit Stunden, teils vor Angst, Ihr Bruder find' und töte sie, Teils weil sie sich in diesem Haus Rings von Gefahr umlauert sieht. Was soll ich nur in dieser Not Beginnen? Ruf ich wen zu Hilfe? Nein, nein, das geht nicht. Oder soll Ich hier sie sterben lassen, einsam Und ohne Beistand? Nein, das wär' Unmenschlichkeit, zumal sie nur Sich herbegab, um mich zu retten. O Celia, wenn durch dein Kommen Du mir die Freiheit schenken wolltest, Weshalb mußt grade du's nun sein, Du selber, die mich drum beraubt? Nur einem einz'gen Wesen könnt' ich Mich anvertrauen: Beatriz, Die meiner Liebe zu Lisarda Stets wohlgesinnt war, oder auch Bloß meinen reichlichen Geschenken, Sie springt gewiß ihr bei; kein Weib Ist ja für Mitleid unempfänglich, Und eine, die bedrängt ist, findet Den besten Rückhalt an der andern. Sei's drum, ich will mich ihr entdecken; Ja, bleibt's auch ein gewagtes Spiel, Ich habe keine Wahl. Der Morgen Bricht an; Gefahr ist im Verzug. Vergib mir Celia; bald bring' ich Dir eine Samariterin. (Er öffnet mit seinem Schlüssel die Mitteltür rechts, geht dort ab) Zweiter Auftritt Celia (allein) Celia (kommt langsam zur Besinnung) Weh mir, mich würgt mein eigner Atem; Denn meiner Brust erlaubt mein Mund Nicht Luft zu schöpfen. Leb' ich denn? Ich leb', ich fühl' und bin doch tot. Cesar, wenn du vielleicht … (Umhersehend) Wo bin ich? Nicht im Versteck mehr und allein! Und keine Seele, die mich hört! O Cesar! Cesar! Er verließ mich, Er ging hinweg, kein Zweifel mehr! Ach, Undankbarer, bringst du früher Dich selbst in Sicherheit als mich? Was wird aus mir? Wo find' ich Rat? Soll ich Lisardas Schutz erflehn, Die feind mir ist aus Eifersucht? Soll ich an Don Juan mich wenden, Der sich als meines Bruders Freund Aufwirft zum Rächer seiner Ehre? Der helle Wahnsinn wäre das. Am ehesten könnt' ich Don Diego Den ganzen Vorfall eingestehn; Denn er ist vornehm, und gesichert Ruht man im Schatten grauer Haare. Von allen Übeln scheint mir dies Noch das geringste; doch zunächst Ist's unausführbar. Schon vernehm' ich Lisardas Stimme. Nochmals muß Das Grab mich decken, das ich selbst Mir wie ein Seidenwurm gefertigt. (Sie geht durchs Kabinett und die Geheimtür ab) Dritter Auftritt (Gleichzeitig kommen) Lisarda, Beatriz (durch die Mitteltür links und) Don Juan, Castanio (durch die Seitentür links) Lisarda (zu Beatriz) Horch, ob mein Vater sich noch immer Im Schlafe wiegt. Welch böse Nacht! Don Juan (zu Castanio) Schau, ob Don Diego noch nicht wacht. Mein Zustand wird beständig schlimmer. Beatriz Es regt sich was in seinem Zimmer. Castanio Mein Ohr vernimmt Geräusch von da. Lisarda Ich will ihm sagen, was ich sah. Don Juan Bestell ihm ohne viel Verbrämen, Ich wolle von ihm Abschied nehmen. (Castanio ab Mitteltür rechts) Lisarda Wie? Don Juan? Don Juan         Lisarda? Lisarda                 Ja. Don Juan Bereitete dir solche Sorgen Der Mann, der in die Wohnung schlich? Lisarda Verstörte so die Dame dich, Die hinterm Schleier sich geborgen? Don Juan Daß du schon wachst am frühen Morgen. Lisarda Du bist von Sinnen offenbar. Don Juan Was ich gesehn, macht' ich dir klar. Lisarda Was ich gesehn, sagt' ich dir ehrlich. Don Juan Und dies ist keine Lüge? Lisarda         Schwerlich. Und das ist Wahrheit? Don Juan         Ganz und gar. Lisarda Nicht weiter, Don Juan; es schwindet Mir sonst, beim Himmel, der Verstand. Don Juan Auch meiner geht aus Rand und Band, Wenn Scham die Zunge dir nicht bindet. Lisarda Da sich doch niemand hier befindet, Der nicht, was heute nacht geschehn, Mit eignen Augen angesehn, So laß uns reden ohne Schranken. Don Juan Wie kann ich, wenn schon beim Gedanken Daran die Sinne mir vergehn? Lisarda Was also sahst du? Don Juan         Einen Mann, Der diese Tür, als er sich trollte, Mit einem Schlüssel öffnen wollte. Lisarda Nun hör mich. Don Juan         Rede. Lisarda                 Don Juan, Erst gestern zog ich ein, und wann Hatt' ich die Zeit, um einem Gecken Zur Tür den Schlüssel zuzustecken, Selbst wenn ich's wünschte? Merkst du nicht, Wieviel weit eher dafür spricht, Daß hier ein Strolch zu Diebeszwecken Eindrang, vom Einzugslärm geschützt? Don Juan Das glaub', wer mag; die Diebe pflegen Nicht solchen kühnen Mut zu hegen. Lisarda Wenn doch nur Kühnheit ihnen nützt! Wird die Vermutung nicht gestützt Dadurch, daß hier zur selben Zeit Gestohlen ward in Wirklichkeit? Besteht im Ernst bei dir der Glaube, Mein Liebster war' es, dem zum Raube Gefallen Beatrizens Kleid? Beatriz Ein nagelneues! Lisarda         Hundertfach Gewisser war, was ich entdeckte. Don Juan Was denn? Lisarda         Ein Weib, das sich versteckte Dort just in deinem Schlafgemach. Don Juan Wie? Wenn ich unter deinem Dach Zum erstenmal die Nacht verbringe, Kannst du mir zutraun, ich empfinge Hier eine Weibsperson? Lisarda         Wer sacht Noch ausgeht lang nach Mitternacht, Ist fähig noch ganz andrer Dinge. Don Juan Siehst du nicht ein, daß beide Klagen Sich miteinander schlecht vertragen? Wer geht ein Weib zu suchen aus, Wenn sie schon heimlich steckt im Haus? Drum hell wie Sonne muß dir's tagen: Entweder hat mich fortgetrieben Ein gänzlich anderes Belieben, Oder die Frau, die dort hinein Geschlüpft, kann nicht mein Liebchen sein; Sonst wär' ich ja daheim geblieben. Es sei denn, daß dein Argwohn glaubt, So wenig gelte mir mein Name, Daß nah mir stehn kann eine Dame, Die Beatrizens Kleid geraubt! Beatriz Bevor ich's anhatt' überhaupt! Lisarda Da deine Klage mit der meinen Die gleichen Färbungen vereinen, Werd' ich die Gründe nicht gewahr, Weswegen deine glaubhaft zwar, Doch meine zweifelhaft soll scheinen. Don Juan Selbst wenn hier volle Gleichheit wäre, Bleibt meine stets von größrer Schwere, Da sie weit mehr mich grämen muß: Die deine gilt nur dem Genuß, Die meine gilt jedoch der Ehre. Lisarda Ich weiß genau, daß hier am Orte Kein Mann sich mir zu nahn gewagt. Don Juan Die Wahrheit ist, was ich gesagt. Lisarda So gibt es, traut man deinem Worte, Wahrheiten von verschiedner Sorte. Don Juan Mein wund Gemüt, mit Zweifeln ficht's. Lisarda Mein lautres Herz, für Glauben spricht's. Don Juan Ich sah doch einen Mann hier schleichen. Lisarda Ich ein verschleiert Weib desgleichen. Vierter Auftritt Don Juan. Lisarda. Beatriz. Don Diego (durch die Mitteltür rechts) Don Diego Was hat es hier gegeben? Don Juan , Lisarda                 Nichts. Don Diego So zeitig habt ihr Tag gemacht? Wie, Neffe? Bot, so muß ich fragen, Dies Haus dir solches Unbehagen, Und schliefst auch du, mein Kind, heut nacht So wenig, daß ihr zwei schon wacht Von Kopf zu Füßen angekleidet? Don Juan (für sich) Mein Herz muß bergen, was es leidet. (Laut) Wißt ihr denn nicht, wie Liebeslast Vom Lager Ruhe scheucht und Rast, So daß der Schlaf das Auge meidet? Lisarda Das gleiche sagen würd' auch ich, Möcht' es die Sitte mir erlauben. Don Juan (für sich) Wer ist imstande, das zu glauben? Lisarda (für sich) Wer hielte frei von Zweifel sich? Don Diego Der Grund, ich geh' es zu, hält Stich, Und daß ihr sehen mögt, wie weit Ihr mir zu Dank verpflichtet seid : Ich hab' heut früh mich fortgestohlen, Um den Erlaubnisschein zu holen, Der die geraume Wartezeit Des Aufgebotes euch erspart, So daß ihr heut euch könnt vermählen. Don Juan Nie wird's an meinem Dank Euch fehlen; Habt Ihr doch Güte jeder Art Tag ein, Tag aus mir offenbart. Doch war's nicht an Dispens genug? Ich muß gestehn, mir scheint nicht klug, Daß wir die Wartezeit verkürzen Und unsre Trauung überstürzen, Zumal wir … Lisarda         Ja, laß um Verzug Auch mich, mein Vater, dringend flehn; Verschieb die Hochzeit möglichst lange. Don Diego Bist du beseelt von solchem Drange, Dann wird sie besser nie geschehn. Ich Narr, vor Tag schon aufzustehn, Bloß um von euch -- wie soll ich's fassen? -- Mich an der Nase ziehn zu lassen, Weil ihr mein graues Haar nicht scheut! Paßt eure Trauung euch nicht heut, So wird sie morgen mir nicht passen. Don Juan Hört, Oheim … Lisarda         Vater hör … Don Diego                 Ich sprach. Ein zweites Mal foppt ihr mich nimmer. Ich gehe wieder in mein Zimmer Und hole da den Schlummer nach, Den euch zulieb ich unterbrach. (Ab Mitteltür rechts) Fünfter Auftritt Don Juan. Lisarda. Beatriz. Lisarda Siehst du nun deine Torheit ein? Don Juan War etwa nicht in diesem Streite Die Torheit nur auf deiner Seite? Lisarda Darauf erwidr' ich einfach: nein; Ich wahrte wenigstens den Schein. Don Juan Mir widerstrebt es, zu verhehlen, Was mich für Kümmernisse quälen, Und bis mir nicht vollkommen klar, Wer jener Eingedrungne war, Denk' ich nicht dran, mich zu vermählen. (Ab Mitteltür rechts) Sechster Auftritt Lisarda. Beatriz. Lisarda O Gott im Himmel, doppelt schmerzt Ein Schimpf, der gänzlich unberechtigt! Wird so mein guter Ruf verdächtigt? Wird meine Treue so verschwärzt? Hätt' ich aus Liebe nicht beherzt Mich allen Stürmen ausgesetzt, Mich preisgegeben ohne Zittern Des wilden Meeres Ungewittern, Selbst wenn es mich verschlang zuletzt? Und wie vergilt er mir das jetzt? Beatriz Um einen Mann sich so zu kränken, Ist unvernünft'ger Überschwang. Lisarda Ach, vor mir selber ist mir bang. Beatriz Ihr solltet, um Euch abzulenken, An Euren Putz nun lieber denken. Zeit wird's, daß Ihr zur Messe geht. Lisarda Da mir der Kopf danach nicht steht, So will ich auf den Putz verzichten. Du magst mir nur den Schleier richten; Denn ungern käm' ich dort zu spät. Beatriz Der Schleier ist hier schon bereit Und gut geplättet, sollt' ich meinen. Lisarda Leg ihn mir an und hol den deinen. Ruf auch Otaniez zum Geleit. (Beatriz legt ihr den Schleier an und geht dann ab Mitteltür links. Lisarda allein, setzt sich auf den Sessel, auf dem zuvor Celia saß, und versinkt in Nachdenken) Wer ist vor Lästerung gefeit? Dem Reinsten gönnt sie keine Schonung. Ein fremder Mann in unsrer Wohnung? Wer war wohl dieser dreiste Tor? Siebenter Auftritt Lisarda. Don Cesar (durch die Mitteltür rechts) Don Cesar (für sich) Zwar fand ich Beatriz nicht vor; Fast aber dünkt's mich wie Belohnung, Daß keinem sonst ich kam in Sicht. Erleichtert wird mir so die Pflicht, Nun Celia vor allen Dingen Geschwind in Sicherheit zu bringen. (Laut zu Lisarda) Wie geht's dir, Teuerste? Lisarda                 Wer spricht? Don Cesar Ich. Lisarda         Ihr, Don Cesar? Don Cesar                 Täuscht mein Blick? Lisarda! Lisarda Hier im Haus? Don Cesar         Unsäglich! Lisarda In meinem Zimmer? Don Cesar         Unerträglich! Lisarda Was soll das heißen? Don Cesar         Ich erstick' An meinem Schreck. Lisarda         Welch Ungeschick! Don Cesar Die Zunge klebt … Lisarda         Welch dreiste Tat! Don Cesar Am Gaumen ... Lisarda         Welcher Wahnsinnsgrad! Don Cesar Das Auge starrt … Lisarda         Welch Unterwinden! Don Cesar Der Atem kann nicht Atem finden, Und die Vernunft sucht ratlos Rat. Lisarda Warum denn, als du mich aus Nöten Gerettet, bargst du dein Gesicht Vor mir und birgst es heute nicht, Da du genaht bist, mich zu töten? Wie, Cesar? Mußt du nicht erröten, Da deiner Handlung Sinn und Wert Sich in das Gegenteil verkehrt, Dein jetzig Tun mit tausend Zungen Sich ausströmt in Beleidigungen Und deine gute Tat entehrt? Wenn, als mich zu den Sternen trug Dein Herz, dich meins nicht hat erkoren, Und ich dir völlig ging verloren, Als mir dein Arm den Bruder schlug -- Genug, Don Cesar, nun genug! Stell dich dem Schicksal nicht entgegen : Ich bin verlobt; nicht Hoffnung hegen, Noch was dran ändern kannst du mehr. Und kommst du nicht aus Rache her, Weswegen kommst du? Sprich, weswegen? Don Cesar (für sich) Was kann ich, zwiefach in Bedrängnis, Erwidern? Hätte Celia Sich nicht erholt, wär' sie noch da. Sie weilt im heimlichen Gefängnis Und kann mich hören. O Verhängnis! Lisarda Du schweigst? Don Cesar         Weshalb an dieser Stätte Du mich erblickst, in diesem Raum, Wüßt' ich auch dann zu sagen kaum, Wenn mehr Beredsamkeit ich hätte; Denn des Geschehens wirre Kette, Ich selbst kann sie nicht übersehn. Nur dies laß mich dir eingestehn: Vermag ich nicht für die zu leben, Der sich mein ganzes Herz ergeben, Will ich mit ihr zugrunde gehn. Denn hier seit gestern weilt sie schon, Die ich geliebt hab' und verloren. Lisarda Cesar, hab' ich dich nicht beschworen, Vermeiden mögst du solchen Ton? Halt ein damit; er klingt wie Hohn. Warst du's, der von der Nacht verhangen Sich gestern einschlich, im Verlangen, Mich meuchlings hier zu töten? Don Cesar                 Nein. Lisarda Wohlan, zwei Leben seien dein Für eins, das ich von dir empfangen. Solang es Zeit ist, räum das Feld; Denn falls dich hier mein Vater sähe, Mein Vetter, mir bestimmt zur Ehe, Wie furchtbar wär' ich bloßgestellt, Wie würden beide zorngeschwellt Sich auf dich stürzen! Drum hab acht Und geh! Don Cesar (für sich)         Wer hätte wohl gedacht, Daß man mich gehn heißt und ich bleibe? Doch Celia darf ich beileibe Im Stich nicht lassen. Achter Auftritt Vorige. Beatriz (durch die Mitteltür rechts) Beatriz (für sich)         Herrin, ach! Lisarda Was gibt's? Ein neues Ungemach? Beatriz Sie raufen sich zum Zeitvertreibe Vor unserm Haustor drunten. Lisarda                 Wer? Beatriz Soweit ich sah von ungefähr, Ist's Don Juan mit einem Kunden, Den er am Eingang vorgefunden. Don Cesar (für sich) Mein Elend häuft sich mehr und mehr. Lisarda (leise zu Beatriz) Wie schaff ich Cesar nun von hinnen? Denn wenn ihn Don Juan bemerkt, Wird dann sein Argwohn nicht bestärkt? Sag' ich ihm auch, daß meinen Sinnen Nicht kund war Cesars keck Beginnen Und hinterrücks er hier erschien, Dann schwerlich überzeug' ich ihn. Wer hat es jemals unternommen, In seines Feindes Haus zu kommen, Das er doch Ursach hat zu fliehn, Falls nicht ein heißbegehrtes Ziel Ihm die Besonnenheit entrissen? Don Cesar Was sprichst du? Lisarda         Cesar, du sollst wissen, Worauf ich in der Not verfiel: Ich setze meinen Ruf aufs Spiel Für meinen Ruf. -- Durch jene Türe Sofort in deine Kammer führe Ihn, Beatriz. Don Cesar (nach dem Kabinett schielend)         Auf kurze Frist Laß mich noch hier. Lisarda         Nein, nein, hier ist Gefahr, daß man dich gleich erspüre. Don Cesar (für sich) Ob ich ihr alles jetzt entdecke? Wer weiß, was dann sie würde tun? Da Celia zum Glück sich nun Vorerst geschützt sieht im Verstecke, Dient Schweigen besser meinem Zwecke. Beatriz Vernehmt Ihr, Herrin, den Trara? Sie kommen her; gleich sind sie da. Lisarda (zu Don Cesar) Kannst du noch zaudernd überlegen? Verbirg dich meiner Ehre wegen. Don Cesar Nur deiner Ehre wegen -- ja. Neunter Auftritt Lisarda. Don Juan (durch die Mitteltür rechts. Hinter ihm wird) Mosquito (von) Otaniez (und) Castanio (gewaltsam hereingeschleppt. -- Später) Beatriz Don Juan Hier bringt ihn her und haltet ihn So lang in diesem Zimmer fest, Bis er gestehn wird, wo sein Herr ist. Mosquito Gott sei mein Zeuge, daß die zwei Der Obrigkeit ins Handwerk pfuschen. Wie könnt ihr ohne Richterspruch Und Haftbefehl so mir nichts, dir nichts Mich dingfest machen? Lisarda Was geht vor? Mosquito Herrin, soweit ich es versteh', Ward ich von den zwei Bütteln hier, Wenngleich nicht gänzlich umgebracht, Mit Degenstichen doch durchlöchert Und hergeschleppt, Gott weiß, warum. Beatriz (leise zu Lisarda) Das ist Mosquito, Cesars Diener. Lisarda (leise) O weh, sie haben ihn erkannt! Don Juan Lisarda, dieser Mensch hier steht Im Dienst von deines Bruders Mörder. Behutsam ging er durch die Straße Und musterte mit Späheraugen Dies Haus. Ich kann demnach nicht zweifein, Daß Cesar heimlich in Madrid Sich aufhält und erfahren hat, Daß ich ihn suche. Diesen schickt er, Um meine Wohnung auszuforschen, Weil er beiseit mich räumen will. Doch ihm zuvorzukommen wünsch' ich, Und darum soll der Bursch mir sagen, Wo sich sein Herr befindet. Lisarda (leise zu Beatriz)                 Sagt er's, Bin ich des Todes. Don Juan         Weder Drohn Noch Bitten konnten seine Treue Bis jetzt erschüttern, und so bleibt Nur die Gewalt. Ich werd' ihn töten, Sagt er mir nicht, wo Cesar ist. Mosquito (für sich) Ich würd' es augenblicklich sagen, Wenn sie wohin geschleppt mich hätten, Wo nicht er selbst mich hören kann. Don Juan Willst du's nun sagen oder nicht? Mosquito Ja doch, ich will es. Lisarda (leise zu Beatriz)         Alles aus, Wenn er verrät, er sei da drinnen! Mosquito Mein Herr ist gar nicht weit von hier. Lisarda (leise zu Beatriz) Weh mir! Mosquito (für sich)         Das ist die Wahrheit. Don Juan                 Flink! Sag, wo? Mosquito         Je nun, in Portugal. Dort ließ ich ihn vergnügt zurück Beim Anblick der berühmten Tänze, Wie nur dies Nachbarvolk sie tanzt. Don Juan Du lügst! Hier ist er, in Madrid, Ist vor drei Tagen angekommen, Nahm insgeheim in einem Gasthof Quartier, und Celia begab Sich hin zu ihm. Das alles weiß ich, Und du Halunke hast die Stirn, Es abzuleugnen? Mosquito         Ist das nicht Die reine Folter? Werft Ihr Euch Mit gleicher Ungebühr wie diese Zum Henker auf? Don Juan         Mir ist bewußt, Was hier zu tun. Ich gab mein Wort Don Felix, weder öffentlich Noch heimlich etwas zu vollbringen, Bevor ich ihm davon berichtet; Denn fast noch dringlicheren Anlaß Hat er zur Rache jetzt als ich. Deswegen muß ich meinen Fang Ihm melden. In den paar Minuten, Bis mit Don Felix eine Kutsche Mich wieder herbringt, mag der Kerl In diesem Zimmer eingesperrt Verharren oder nebenan Im Kabinett, weil ohnehin Dies keinen eignen Ausgang hat. Lisarda (leise zu Beatriz) Dem Himmel dank' ich, daß er geht; Kann ich doch mittlerweile Cesar Bequemlich aus dem Haus befördern. Don Juan Lisarda, geh in dein Gemach! Lisarda In jedem Punkt gehorch' ich dir. (Ab mit Beatriz Mitteltür links) Don Juan (zu den Dienern) Laßt ihn ihr beide hier allein, Und daß er nicht entrinnen kann, Verschließt von außen die zwei Türen Und stellt als Wachen euch davor. Castanio Herr, nach Befehl! Es kommt kein Mäuschen, Verlaßt Euch drauf, dort aus noch ein, Geschweige dieser Schuft. Mosquito         Seid still! In Haft mich halten könnt ihr zwar; Doch Schimpfen muß ich mir verbitten. Don Juan Wenn du die Wahrheit nicht gestehst, So stirbst du. Denk darüber nach Und geh mit dir zu Rat, ob lieber Du dein Geheimnis preisgibst oder Dich dieser Stahl durchbohren soll. (Er geht mit den Dienern ab Mitteltür rechts. Diese und dann die Mitteltür links werden von außen abgeschlossen) Zehnter Auftritt Mosquito (allein) Mosquito Ob dieser Stahl dich soll durchbohren, Ob das Geheimnis du verrätst, Darüber geh mit dir zu Rat: Der Fall, bei Gott, liegt äußerst heikel. Und doch, ich Tropf, daß ich ins Bockshorn Mich jagen lasse! Dieser Kerker, Verschließt er nicht auch meinen Herrn? Und sicher wartet er schon längst Auf das Ergebnis meiner Sendung. Ihn rufen will ich. (Er geht ins Kabinett und klopft an die Geheimtür)         Holla! He! Jetzt könnt Ihr unbesorgt heraus. Ich bin hier ganz allein; denn niemand Ist bei mir außer meiner Furcht. Elfter Auftritt Mosquito. Celia (kommt verschleiert durch die Geheimtür) Celia (für sich) Ich muß wohl öffnen; sonst verübt Womöglich dieser Einfaltspinsel Noch größern Lärm. Ich bin halb tot. Mosquito Ei, Herr, was macht Ihr für Geschichten? Habt Ihr Euch auch ein Kleid gestohlen, Damit Ihr meinem Beispiel folgend Vermummt hinaus könnt? Sehr gescheit! Hier nämlich wohnt ein alter Herr, Der äußerst ehrerbietig Damen Hinausbegleitet. In die Wange Hat er mich nicht einmal gekniffen. Doch lassen wir die Scherze. Wißt Ihr, Was unterdessen sich begab? Sprecht! Himmel, seid Ihr stumm geworden? Celia Weh mir! Mosquito         Es scheint, Ihr habt zugleich Die Stimme mit dem Kleid gestohlen. Habt Ihr inzwischen Euch gemausert? Denn ich verließ Euch doch als Baß, Und als Sopran find' ich Euch wieder. Jedoch was gilt's? Euch gab Lisarda Zum Dank dafür, daß Ihr so sterblich In sie verliebt wart, dieses Kleid, Damit Ihr … Celia         Schweig! Du machst mich rasend! Mosquito Heiliger Gott, das ist ein Weib. Zwar hört' ich hundertmal erzählen Von einer Nonne, die sofort, Als ihr infolge starken Räusperns Ein kleines Äderchen geplatzt war, In einen Mönch sich hat verwandelt. Doch daß aus einem jungen Ritter Urplötzlich eine Dame wird, Hab' ich mein Lebtag nicht gehört. Celia Schweig, Dummkopf, oder meine Wut Wird dich erwürgen. (Sie entschleiert sich) Mosquito Celia! Celia Jawohl, ich bin's. Mosquito         Was heißt denn das? Celia Das heißt, ich, die hier mit Gefahr Für Ehr' und Leben herkam, mußte Den schmählichsten Verrat hier sehn. Er, den ich retten wollte, Cesar Hat mich zum Lohn dafür zermalmt. Wohl wissend, in welch arger Drangsal Ich mich befand, verließ er mich, Um sich Lisarda zu erklären. Ihr sei sein ganzes Herz geweiht, So sprach er; nur zu gut verstand ich's. Ich wollt' entfliehn, als ich die Leute Vernahm, die dich hereingeschleppt, Und blieb deshalb trotz meiner Liebe, Trotz meiner Eifersucht versteckt, Bis du mich riefest. Mosquito         Und mein Herr? Celia Liegt jetzt Lisarda wohl zu Füßen. Mosquito Potz Blitz, auf unsern Schultern könnten Nicht knifflichere Lasten ruhn, Wenn wir zwei Advokaten wären Mit einem Haufen von Prozessen. Celia Und du, wie bist du hergeraten? Mosquito Als ich vermummt entkommen war, Berichtet' ich den ganzen Handel Dem Don Rodrigo, Cesars Freund Und Vetter, um ihn zu bewegen, Daß er heut nacht hier meinem Herrn Den Rücken decke. Schnell bereit Befahl er mir, daß ich das Haus Ihm zeigen soll; wir nahten uns, Und ich blieb stehen, während er Mit scharfem Spähn daran vorbeiging. Doch Don Juan erkannte mich Und ließ mich hier gefangensetzen, Worüber ich nicht trostlos war, Weil meinen dagebliebnen Herrn Am gleichen Ort noch anzutreffen Ich glaubte, nach der Spielerregel: Setz wenig und gewinne viel. Celia Was aber sollen wir nun machen? Mosquito Wenn ich das wüßte! Celia         Jedenfalls Muß ich, bevor mein Bruder anrückt, Von hier verschwunden sein. Ich will Drum an die Tür Lisardas pochen Und kurzerhand mich ihr entdecken, Vertrauend auf ihr Mitgefühl. Mosquito Das scheint auch mir am sichersten. (Sie gehen ins Wohnzimmer. Celia klopft an die Mitteltür links) Beatriz (von innen) Nicht öffnen kann ich dir, Mosquito, So gern ich's täte, meiner Seel'; Denn Don Juan nahm, als er wegging, Den Schlüssel mit. Nur laß dir sagen, Daß Cesar jetzt in meinem Zimmer Sich unterhält mit meiner Herrin Und ohne dich nicht fort will. Mosquito (zu Celia)                 Dies Ist Beatriz, Lisardas Zofe. Celia Ach, alles, was ich hör' und seh', Verschlimmert meine Qual. Mosquito (zu Celia)                 Versuch, Ob du nicht dennoch öffnen kannst. Ich glaube fast, ich leid' am Stein, Weil mich nichts heilen kann als Öffnung. Beatriz (von innen) Du hörtest doch, daß ich nicht kann. Es tut mir ungeheuer leid, In solcher Patsche dich zu wissen; Doch drüber weinen kann ich nicht. Mosquito Ich glaub 's dir, Schlange; denn ich bin Ja nur ein armer dummer Kerl, Den du geliebt hast bloß aus Mitleid. Beatriz (von innen) Antworten könnt' ich dir darauf; Es lohnt mir aber nicht der Müh' Für einen eingesperrten Schwätzer. Celia Daß Don Juan den Schlüssel mitnahm, Verschließt den Durchgang für mein Heil, Um für mein Unheil ihn zu öffnen. Beatriz (von innen) Befiehl nun deine Seele Gott, Mosquito; denn soeben grad Ist Don Juan zurückgekehrt Mit seinem Freund. Celia.         Allmächtiger, Das ist mein Bruder! Mosquito         Nichts bleibt übrig, Als wieder ins Versteck. Solang Die das Geheimnis nicht ergründen, Um so viel länger leben wir. (Er eilt ins Kabinett) Celia Ja, du hast recht. (Sie will ihm eilig nach und fällt hin)         O weh! Halt ein! Ich bin gestolpert und gefallen. Mosquito Bedaure; kommt ihr nicht zur Zeit, Muß ich allein die Burg verschanzen. (Ab durch die Geheimtür, die er hinter sich abschließt) Celia Du Schändlicher, so warte doch! (Sie geht ins Kabinett, findet die Geheimtür verschlossen) Zwölfter Auftritt Celia. (Die Mitteltür rechts wird von außen aufgeschlossen; durch sie kommen) Don Juan, Don Felix Don Juan Hier, wie gesagt, sperrt' ich ihn ein. Don Felix So will ich von der Tür nicht weichen, Damit er nicht uns durch das Netz geht, Bevor er Cesars Aufenthalt Euch eingestanden. Doch wo ist er? Don Juan Wo sonst als dort im Kabinett? (Er geht an die Tür zum Kabinett, spricht hinein) Nun hilft dir, Bursch, kein Zieren mehr. Darum bekenne … (Er sieht Celia, die sich inzwischen wieder verschleiert hat)         Was erblick' ich? Anstatt des Dieners, den ich hier Zurückließ, eine Dam' im Schleier? Don Felix Ihr habt mir doch erzählt, es könne Hier niemand ein und aus. Don Juan                 Gewiß. Don Felix Ein kleiner Irrtum, da der Diener Hinauskam und die Dam' herein. Don Juan Ich selber hatte ja die Schlüssel Zu mir gesteckt. Don Felix         So laßt uns gründlich Doch dies Mirakel untersuchen. Don Juan Ich will's. Bleibt Ihr nur an der Tür. (zu Celia) Wollt näher treten, Gnädige. (Celia kommt zitternd ins Wohnzimmer) Wie sehr auch jedem Edelmann Die Sitte heilig ist, es gibt Ausnahmefälle, die gebietrisch Erheischen, daß man sie verletzt. Celia (für sich) Ich bin verloren! Don Juan         Sagt: Wer seid Ihr? Wie kamt Ihr in dies Haus, dies Zimmer? Zu welchem Zweck? In welcher Absicht P Und wißt Ihr nicht, was aus dem Diener Geworden, der hier eingesperrt war Und jetzt verschwunden ist? Nehmt ab Den Schleier, wollt Ihr mich nicht zwingen, Unsänftlich mit Euch zu verfahren. Celia Besinnt Euch, Don Juan; bedenkt, Daß Ihr mir Rücksicht schuldig seid Um Euret- und um meinetwillen. Don Juan Nicht kenn' ich, noch versteh' ich Euch. Zum letztenmal: Wie kamt Ihr her? Wer seid Ihr? Und wo blieb der Diener? Celia Drei Fragen stellt Ihr, und ich will Auf zwei davon Bescheid Euch geben. Euch suchend kam ich her; Mit Euch zu sprechen trieb mich mein Begehr. Grad als ich eingetreten in das Haus, Kam aus dem Zimmer hier ein Mann heraus; Weil ich des Glaubens war, daß er Euch diene, Befragt' ich ihn nach Euch. Mit wirrer Miene Gab er zur Antwort mir: »Wenn Ihr den Herrn Erwarten wollt, er bleibt nicht lange fern.« Er wies mich in dies Zimmer, und im Nu Schloß er die Tür von außen wieder zu. Wenn also hier zu sein ich mir gestatte, So liegt's daran, daß er den Schlüssel hatte. Ihr habt nunmehr vernommen, Wie er hinaus und ich herein gekommen; Indessen: wer ich bin, Verschweig' ich. Don Juan         Doch gerade daraufhin Zielt mein so groß Verlangen, Daß ich, obgleich der Schlingel mir entgangen, Ihn nicht verfolge, bis Ihr's mir erfüllt Und Euch vor mir enthüllt. Celia Ich bitt' Euch … Don Juan         Nehmt den Schleier vom Gesicht! Celia (lüftet den Schleier ein wenig) Saht Ihr genug? Don Juan         Trügt mich mein Augenlicht? Celia (leise) Ihr fragtet, wer ich wäre; Frei schalten könnt Ihr nun mit meiner Ehre. Jedoch ich weiß, Ihr werdet sie behüten Vor meines Bruders Wüten Und mich erretten aus dem Ungewitter; Denn eine Frau bin ich und Ihr ein Ritter. Don Juan O Himmel, was beginnen? Don Felix (der an der Tür stehengeblieben ist) Wollt Ihr Euch, Don Juan, noch lang besinnen? Habt Ihr noch nicht entdeckt, Wer unter jenem Schleier sich versteckt? Don Juan Geduld! (Für sich) Wer sagt mir, was ich soll? Der Schwester Ehre muß ich schützen, Des Bruders Rachsucht unterstützen: Dort Ritterpflicht, hier Freundeszoll! Dies oder das. Ich werde toll. Don Felix Die peinlichsten Verlegenheiten Scheint Euch die Dame zu bereiten, Mein Freund. Don Juan         Mein Freund, ich muß gestehn, Daß Wunderdinge hier geschehn, Die Menschenweisheit überschreiten. Don Felix Und Ihr vertraut sie mir nicht an? Bin ich nicht Euer Freund, und teil' ich Mit Euch nicht jeden Kummer? Don Juan                 Freilich ; doch … Celia (leise zu Don Juan)         Denkt, was Ihr als Edelmann Mir schuldet! Don Diego (pocht von außen an die Mitteltür rechts)         Öffnet, Don Juan! Don Juan Das ist Don Diego. Celia (für sich)         Neue Klemme! Don Juan Ich schloß die Tür doch auf! Don Felix                 Ich stemme Mich fest dagegen. Don Diego (draußen) Laßt mich ein! Don Felix Soll ich ihm Einlaß geben? Don Juan                 Nein! (für sich) Wenn ich Don Diego jetzt nicht hemme, Dann sagt er seiner Tochter offen, Daß er bei mir ein Weib getroffen, Und ihr Verdacht wird zehnfach groß. Und stell' ich Celia hier bloß, Die meinen Schutz doch darf erhoffen, Droht schrecklich ihr des Bruders Wut. (Flüsternd zu Don Felix) Mein Freund, es ist Lisardas wegen, Daß ich die Frau, die hier zugegen, Erst bringen muß in sichre Hut. Versteht Ihr? Don Felix         Nun versteh' ich gut. Don Juan (zu Celia, sie an die Tür zum Kabinett führend) Schnell dort hinein! Celia         Gott helfe mir! Uns Fraun quält das Geschick am meisten. (Sie geht ins Kabinett) Don Felix (zu Don Juan) Soll ich ihr dort Gesellschaft leisten? Don Juan Nein, Gott bewahr'; bleibt lieber hier. Don Diego (draußen) Wird's bald? Wann endlich öffnet Ihr? Don Juan Laßt jetzt ihn ein. Dreizehnter Auftritt Celia. Don Juan. Don Felix. Don Diego, Otaniez, Castanio (durch die Mitteltür rechts) Don Diego         Was denkt Ihr Euch! Ihr sperrt mich aus in meiner Wohnung? Seid Ihr denn immer noch beherrscht Von wunderlichen Einbildungen? Wo habt Ihr den bewußten Diener? Don Juan Ich fand ihn nicht mehr vor; vermutlich Besaß er einen falschen Schlüssel. Don Diego Nein, Don Juan, Ihr weicht mir aus, Um Weiterungen mir zu sparen; Doch hierin tut Ihr wahrlich unrecht. Wer kann es mit Euch besser meinen Als ich? Ihr mögt verzeihn, Don Felix; Vor Euch, dem Freunde Don Juans, Brauch' ich nicht hinterm Berg zu halten. Don Felix Versteht sich, und mein Hiersein gilt, Ihr wißt ja, der gemeinsamen Begier, Don Cesar aufzufinden. Don Diego Nun also, was erfuhrt ihr beide Von diesem Diener, den, Gott weiß Weswegen, Ihr vor mir verbergt? Don Juan Mein Wort, er war, als ich zurückkam, Spurlos verschwunden. Don Diego         Höchst unglaublich, Da diese Leute von der Tür Seither nicht einen Schritt gewichen. Geht, sucht im ganzen Haus herum, Ob er sich wo verkrochen hat. (Er zeigt auf die Mitteltür links) Von da beginnt. (Otaniez, Castanio ab durch die Mitteltür links, die Don Juan ihnen aufschließt)         Inzwischen suchen Wir diesen Teil hier ab. (Er will ins Kabinett) Don Felix         Halt! Don Juan                 Wartet! Vierzehnter Auftritt Vorige. Lisarda, Beatriz (durch die Mitteltür links) Lisarda (im Eintreten leise zu Beatriz) So konnte Cesar nicht hinaus? Beatriz (leise) Nein; denn die Dienerschaft, bewaffnet Bis an die Zähne, stand im Weg. Lisarda (leise) Ach, will das Schicksal nie und nimmer Aus all den Ängsten mich befrein? Don Diego Laßt mich hinein! Ich muß durchaus Mit eignem Blick mich überzeugen … (Er will wieder ins Kabinett) Don Juan Wer hindert Euch daran? Jedoch Dies Kabinett ist schon durchsucht. Sehn wir die andern Zimmer nach. Lisarda (leise zu Beatriz) Die andern? Weh! Sie sind ihm also Schon auf der Spur. Ich will Gewißheit. (Laut) Mein Vater, was erregt Euch so? Don Diego Mein Kind, was führte dich hierher? Lisarda Ich wollte hören, was hier vorgeht. Don Diego Nach einem Manne such' ich … Lisarda (für sich)                 Oh! Don Diego Und sie verwehren mir den Eintritt In dieses Kabinett. Gebt Raum! Don Juan Ihr dürft hier nicht hinein. Don Felix                 Erwägt … Don Diego Ihr hindert mich, weil ihr die Rache Vollstrecken möchtet ohne mich. Das aber sollt ihr nicht; hinweg! (Er stößt die beiden zurück, öffnet die Tür zum Kabinett, sieht hinein) Wer ist das? Celia (kommt ins Wohnzimmer)         Ein unselig Weib; Unseliger als je zuvor. Don Felix (leise zu Don Juan) Die Neugier bringt mich um, zu wissen, Wer's ist. Don Diego         Wie, Don Juan, besitzt Ihr So wenig Rücksicht auf Lisarda, Daß Ihr in ihrem eignen Zimmer Ein Weib versteckt? Zum Teufel, hat Madrid nicht Platz genug für so was? Don Juan Ich, Herr, ein Weib versteckt? Wie könnt Ihr … Lisarda Sag, Don Juan, kannst du noch leugnen, Daß meine Klage triftig war? Du wenigstens hast den Verborgnen, Von dem du sprachest, nicht entdeckt, Ich aber die Verschleierte. Don Juan (für sich) Nicht reden darf ich jetzt, noch schweigen. Lisarda Genug der Heimlichkeit, mein Fräulein. Ich muß erfahren, wer es wagt, In meinem Haus mich so zu kränken. Don Juan Halt! Nicht erblicken darfst du sie. Lisarda Du nimmst sie noch in Schutz? Don Juan                 Ich muß. Celia (für sich) Ach, wär' ich tausend Meilen weit. Castanio (hinter der Bühne) Otaniez, halt ihn, daß er nicht Entkommen kann. Don Cesar (ebenso)         Laßt mich hinaus! Don Juan Was ist das für ein Lärm im Zimmer Lisardas? Don Diego Not auf Not, und eine Vergißt man um der andern willen. Fünfzehnter Auftritt (Vorige. Otaniez) (durch die Mitteltür links. Dann) Don Cesar Otaniez Herr, jenen Mann, nach dem Ihr sucht, Wir fanden ihn. Er zog den Degen Und droht, er werde sich den Ausgang Zur Straße bahnen mit Gewalt. (Don Cesar kommt durch die Mitteltür links, mit bloßem Degen, das Gesicht mit dem Mantel verhüllend) Don Diego Nun, Don Juan, ist das der Mensch, Den Ihr vorhin hier einschloßt? Don Juan                 Nein, Das ist ein andrer. Haltung, Wuchs Und Mut bezeugen's. Celia (für sich)         Das ist Cesar! (Sie eilt zu ihm hin) Dein Leben schütze nun und meins! Don Diego (zu Don Cesar) Wer bist du, der mit solcher Schmach Mein ehrenvolles Haus belastet? Don Cesar Ein Mann. Don Diego         Zeig dein Gesicht! Don Cesar                 Ich kann nicht. Bevor ich's zeige, will ich fallen Bei der Verteid'gung dieser Frau. Denn sie und ich, wir müssen beide Das Haus verlassen unerkannt, Sofern es nicht mein Tod verhindert. Don Diego Mensch, Teufel, oder was du bist, Hast du die Dreistigkeit, zu wähnen, Wir ließen dich und diese Dame Hinausgehn, ohne daß wir wissen, Wie und weswegen sie und du Hereinkamt? Don Cesar         Nimmer sag' ich das. Don Felix Wohlan, so werden unsre Degen Dir einen Mund in deiner Brust Eröffnen, der die Wahrheit sagt. (Sie fechten. Hinter der Bühne fällt ein Schuß) Lisarda O Gott, was war das für ein Schuß? Don Cesar Das Zeichen war's, das ich erwartet. Don Diego Ihr Herren, haltet inne. Mann, Ich gebe dir mein Wort, ich selbst Will dich beschützen, wenn du redlich Von allen Zweifeln mich befreist. Don Cesar Dies Wort, Ihr geht's mir? Don Diego Ja, das tu' ich. Don Cesar Ich bin Don Cesar. Schreckt euch das? Don Diego Du, der mir meinen Sohn getötet? Don Felix Du, der die Schwester mir geraubt? Don Juan Du, der ins Haus Lisardas drang? Don Cesar Ich bin's; jedoch ich kränkte niemand. Wenn ich den Tod gab Don Alonso, War's Aug' in Aug' in gleichem Zweikampf. Wenn ich im Haus Lisardas bin, Ist's, weil in jenem Nebenzimmer Mich Celia verborgen hielt, Und sag' ich das von Celia, Geschieht es, weil es ihr nicht schadet: Ich bin mit ihr verlobt, und wißt, Sie selbst ist die Verschleierte. Reicht aber alles das nicht aus, Um euch Genugtuung zu bieten, Schaff ich mir dennoch freie Bahn; Denn Rückendeckung hab' ich jetzt, Und jener Schuß gab mir das Zeichen, Daß hinter mir mein Anhang steht. Don Felix Don Cesar, hättet Ihr sonst niemand, War' ich verpflichtet, Euch zu schirmen, Weil Ihr fortan mein Bruder seid. Don Juan Auch ich könnt' Euch vielleicht verzeihn; Doch als Don Diegos Neffe muß ich … Don Diego Steckt ein; gab ich ihm doch mein Wort Und will es wahren. (Zu Don Cesar) Aber sagt, Wo hieltet Ihr Euch denn versteckt? Mosquito Ei, Herr, das könnte jeder fragen. Don Diego Seltsam! Beatriz         Hast du mein Kleid gestohlen? Mosquito Jawohl, und auch das Zuckerwerk. Don Diego Wer gibt uns nun des Rätsels Lösung? Mosquito Herr, niemand, weil sie niemand weiß. (Zu den Zuschauern) Ihr freilich habt wohl was gemerkt; Jedoch ich bitt' euch, sagt's nicht weiter.